— 10 — — — Ir öffe CivilGeſetzbuch der Franzoͤſiſchen Republik. ——— ueberſetzt und mit Anmerkungen begleitet, von öffentl. Vertheidiger bei den Tribunalien zu Coblenz. Dritter Theil. ——— Trier bei Linz. Jahr 11 Drittes Buch. Erſte Abtheilung. Von den Erbſchaften und den Teſtamenten. PräliminarTitel. Von den verſchiedenen Arten, das Eigen⸗ thum zu erwerben. Art. 1. Das Eigenthum der Guͤter wird durch Erbſchaft, durch Schenkungen zwiſchen Lebenden, durch teſta⸗ mentariſche Schenkungen, oder durch die Wirkung Anmerkungen. Zum Art. 1 unb 2. Wenn auch nicht Inſtinct und Natur den Menſchen zum geſellſchaftlichen Leben ver⸗ einigen wuͤrden, ſo wuͤrde ſein Intereſſe ihn dazu antreiben; denn die individuelle Sicherheit und das Eigenthum, welche ihn am nachſten angehn, neh⸗ men in der geſellſchaftlichen Vereinigung ihren Ur⸗ ſprung. Ohne Geſellſchaft waͤre er auf ſeine allei⸗ nige Stärke beſchränkt: es wuͤrde keine gemeinſchaft⸗ liche Vorſicht fuͤr die Zukunft, keineöffentliche Wach⸗ ſamkeit ſelbſt für den, der nicht fur ſich ſelbſt ſorgt, kein Eigenthum, als das von Dingen, deren man ſich wurklich und phyſiſch bemächtigt hatte, beſtehen. Die Geſellſchaft allein garantirt dem Menſchen das Feld, welches er gebaut hat, aber nicht bewachen kann; ohne ſie wuͤrde das Eigenthum nichts, als ein chimäri⸗ ſcher Traum ſein. 060 von Verbindlichkeiten(par l'effer des obligatons) erworben und uͤbertragen. Art. I. Das Eigenthum wird auch durch Acceſſion oder Inkorporation, und durch Verjährung erworben. Anmerkungen. Sicherheit und Eigenthum, die Grundlagen der Geſellſchakt, müſſen auch die des Civil Geſeßbuches ſein. Dieſe Sicherheit beſchraͤnkt ſich nicht auf die Befugniß, zu gehen, zu kommen, uber ſeine Perſon zu verfügen; ſie begreift alles, was auf den Zu⸗ ſtand der Perſon Bezug hat, die Rechte in der Familie, die Exiſtenz in der Geſellſchaft. Deshalb muſte der Zuſtand der Perſonen der erſte Gegenſtand des Geſezbuches ſein; der zweite das Eigenthum. Das Eigenthum wird erworben, und übertragen; allein ehe man beſtimmen kann, wie es übertragen wird, muß die Art beſtimmt werden, wie es erwor⸗ ben werden kann. Die erſte und natüͤrlichſte Art zu erwerben, die Occupation(Veſitznahme), fällt in der Geſellſchaft weg. Sie iſt nur ein Faktum, welches mit der Deten⸗ tion(dem Veſitzſtand) der oecupirten Sache aufhört. Ein anderer koͤnnte ein Immoͤbel occupiren„welches ich eben occupirt und verlaſſen bätte; um dieſe aufein⸗ anderfolgende Occupationen, welche eine ewige Quelle von Zwiſtigkeiten ſein würden, zu verhindern, muſte man der Occupation einen geſetzlichen Karakter, und dem Faktum, welches ſie konſcituirt, einen Rechts⸗ Titel geben. Die Occupation ohne dieſen Titel iſt alſo kein ErwerbsMittel mehr. Das Eigenthum erwirbt man alſo durch Erbſchaft, Schenkungen, Kontrakte oder Folgen von Kontrakten; ferner durch Acceſſion, wenu ein Zuwachs ſich einer von uns beſeſſenen Sache ſo auhängt, daß er ohne 075 Art. II. Die Guter, welche keinen Herren haben, gehören der Ration an. Art. IV. Es giebt Dinge, welche niemand angehören, und deren Gebrauch allen gemeinſchaftlich iſt. Po⸗ lizey Geſetze beſtimmen die Art ihres Genuſſes. Art. V. Die Befugniß zu jagen, oder zu fiſchen wird gleich⸗ falls durch beſondere Geſetze regulirt. Anmerkungen. Schaden von derſelben nicht abzuloſen iſt, und endlich durch die Verjaͤhrung. Die Poſſeſſion iſt eine geſetzliche Detention, wel⸗ che von einer fortwährenden Detention freiſpricht, indem ſie ihr die des Willens ſubſtituirt. Die blos thätliche Detention gehört der natuͤrlichen Ord⸗ nung an; die geſellſchaftliche Ordnung kann ſie nur, indem ſie ſie legaliſirt, anerkennen. Das, was alſo einen Herrn hat, kann man nicht anderſt, als mit ſeiner Einwilligung, durch eine von ihm eingegan⸗ gene Verbindlichkeit, oder durch Verjährung erwerben. Zum Art. 3 bis s. Das Intereſſe der Geſellſchaft erlaubt nicht, die Jagd, die Fiſcherei, Schaͤtze, vom Meer ausgeworfene Dinge, verlohrne Sachen, wie im Zuſtande der Natur demjenigen zu uͤberlaſſen, der ſie zuerſt occupiren wuͤrde. Der Gebrauch der na⸗ tuͤrlichen Fähigkeiten, die Gunſt des Zufalls, der Vortheil etwas zuerſt zu finden, können ein vor⸗ herbeſtehendes, rechtlich begruͤndetes Eigenthum nicht entkraͤften. 68 Art. VI Das Eigenthum eines Schatzes gehört dem, der ihn in ſeinem eigenen Boden findet; wird der Schaz in fremdem Boden gefunden, lſo gehört er zur Hälfte dem, welcher ihn entdeckt hat, und zur an⸗ dern Haͤlfte dem Eigenthuͤmer des Bodens. Schaz iſt jedes verborgene oder vergrabene Ding, auf welches niemand ſein Eigenthum beweiſen kann, und welches durch die bloſſe Wirkung des Zufalls entdeckt wird. Art. V. Die Rechte auf die ins Meer geworfene Effekten, Anmerkungen. Dieſe vorlaͤufige Grundſaͤtze, welche in beſondern Regeln entwickelt werden, ſtehen hier an der Spitze des Buchs, welches von den verſchiedenen Arten, Eigenthum zu erwerben handelt, da ſie auf dieſe Arten Bezug haben. Dieſer erſte Titel handelt indeſſen nur von einer derſelben: von der Erbfolge. Ohngeachtet es natuͤrlich ſcheinen ſollte, zuerſt das zu reguliren, was während dem Leben des Menſchen ge⸗ ſchieht, ehe man an das denken konne, was ſich nach ſeinem Tode ereignet, ſo hat man doch aus folgen⸗ den Gruͤnden dieſe Eintheilung annehmen und zuerſt von der Erbfolge, dann aber erſt von den Teſtamen⸗ ten und den Kontrakten handeln zu muͤſſen geglaubt: 1) weil die Erbfolge von dem Geſeßze regulirt wird; die letzten aber blos erlaubt. 2) Weil die Erbfolge eine Art Fortſetzung des Ei⸗ genthums des Verſtorbenen zu Gunſten ſeiner — 090 auf die Gegenſtände, welche das Meer auswirft, von welcher Gattung ſie auch ſein moͤgen, auf die Pflanzen und Kraäuter, welche an den Ufern des Meeres wachſen, werden ebenfalls durch beſondere Geſetze beſtimmt. Das naämliche gilt von den verlohrnen Dingen, deren Herr ſich nicht einſtellt(ne se représente pas). St ſer inel. Von den Etrbſchaften. Anmerkungen. Verwandten iſt, und alſo eine geringere Mutation des Eigenthums, als die Schenkungen und Ob⸗ ligationen bewerkſtelligt. 3) Weil der Menſch uͤber glles, was er waͤhrend ſeines Lebens zu thun hat, ſeine Vernunft und ſeine Rechte zur Richtſchnur nehmen kann, aber das Geſetz uͤber das verfuͤgen muß, worüber der Menſch in Lebzeiten nicht verfuͤgt hat. 4) Endlich, weil bei der bisherigen Lage der Geſetz⸗ gebung die SucceſſionsOrdnung derlenige Theil war, auf deſſen Abaͤnderung am ſehulichſten und mit dem meiſten Rechte gehofft wurde. Erſter Titel. Erſtes Kapitel. Die Erbfolge iſt eine CivilInſtitution, wodurch das Geſeß die Güter und Rechte, die Schulden und Verbindlichkeiten einer verſtorbenen Perſon auf an⸗ dere, welche in ihre Stelle eintreten, übertragt. Man unterſchied im geſchriebenen Rechte, wie in den Herkommen, zwei Arten von Erbfolge: die, welche (10) Erſtes Kapitel. Von der Eroͤfnung der Erbſchaften, und dem Antritt(de la saisine) der Erben. Art. VIII. Die Erbſchaft wird durch den naturlichen Tod und durch den buͤrgerlichen(Civil) Tod eröfnet. Anmerkungen⸗ durch den Willen des Menſchen uͤbertragen, und die, welche, in Ermangelung des Ausdrucks dieſes Wil⸗ lens, von dem Geſetz uͤbertragen wird. Hier iſt von der letzten, von der rechtmäſigen Erbfelge, von der Erbfolge ab Intestat die Rede. Die erſte macht den Gegenſtand des zweiten Titels dieſes Buches aus. Dieſer erſte Titel enthaͤlt aiſo: das vermuthliche Teſtament eines Verſtorbenen, der keinen entgegen⸗ geſetzten Willen ausgedruͤckt haͤtte. Es kam alſo vor allem darauf an, ſich von der Macht der natuͤrlichen Neigungen zu durchdringen. Das Geſetz verfuͤgt fuͤr alle die, welche nicht felbſt verfügt haben: es ver⸗ muthet, daß ſie keinen andern Willen als den ſeinigen gehabt haben. Es muß alſo ſo verfuͤgen, wie der Verſtorbene felbſt in den letzten Augenblicken ſeines Lebens verfügt haben wärde, haͤtte er ſich ausdruͤcken können oder wollen. Zum Brt. 8 u. 9. Die allgemeinen Regeln worauf das Syſtem der Erbfolge beruht, iſt in der Natur begruͤndet, und bedarfkeiner Erlaͤuterung. Die Wohl⸗ that des Lebens, welche ein Kind von dem Vater erhält⸗ giebt ihm einen heiligen Anſpruch auf ſein Vermo⸗ gen. Wenn, der Orduung der Natur zuwider, un⸗ gluͤckliche Aeltern einem Kinde die Augen geſchloſſen 3 haben, welcher Geſetzgeber mochte ihnen dann ſeine Hinterlaſſenſchaft entziehen? Sind keine Verwandte iu getader Linie vorhanden, ſo läßt ſich vermuthen, 611) Art. IX Die Erbſchaft iſt, in Gemäßheit der im Geſetz: uͤber die Beraubung der CivilRechte in Gefolge ge⸗ richtlicher Verurtheilungen, enthaltenen Verfuͤgungen Anmerkungen. daß die naͤchſten Collateral Verwandten auch die erſte Stelle in der Neigung des Verſtorbenen behaupte⸗ ten. Wenn auch dieſe Vermuthung nicht ſo ſtark, als in gerader Linie iſt, ſo kann doch das Geſetz, wenn der Verſtorbene ſchwieg, keine andere, als die der nähern oder entfernteren Verwandſchaft annehmen. Allein die Anwendung dieſer allgemeinen Grund⸗ ſatze konnte große Schwierigkeiten finden, denen man vorbeugen muſte. Es kam daher zuerſt darauf an, zu beſtimmen, in welchem Augenblick die Erbſchaft eroͤfnet wird; die Wichtigkeit dieſer Frage iſt augen⸗ fallend, da die Erben verſchieden ſein können, je nachdem die Erbſchaft fruͤher oder ſpaͤter eroͤfnet wird. Ihre Beantwortung kann keinem Zweifel unterlie⸗ gen: ſobald wir ſterben, ſind die Bande zerriſſen, welche unſer Eigenthum an uns banden; das Geſetz kann ſie allein wieder anknuͤpfen. Traäte es nicht gleich ein, ſo wuͤrde angenblicklich das keinem Herrn zugehoe rige Vermoͤgen dem erſten beſten Preiß gegeben ſein. In dieſem phyſiſchen Augenblicke des Todes tritt der Erbe in die Rechte des Verſtorbenen ein: der iſt ſein Erbe, den das Geſetz in dieſem phyſiſchen Augen⸗ blicke dazu beruft. Der Tod allein eröfnet die Erb⸗ ge: es laͤßt ſich keine Erbſchaft eines Lebenden enken. Der wird aber nicht mehr dafuͤr gehalten, der bloß der Menſchlichkeit der Geſetze ſein ſchuldiges Haupt verdankt. Er kann nichts mehr beſitzen, denn er hat keine CivilEriſtenz mehr. Der natürliche Tod iſt ein phyſiſches und unwiderrufliches Factum; der Ci⸗ vil Tod eine moraliſche Beraubung, die eines Ur⸗ theils und der Vollſtreckung deſſelben bedarf. Wenn G12 durch den buͤrgerlichen Tod von dem Augenblicke an eröfnet, wo man dieſem Tod verfallen iſt. Art. X. Wenn mehrere, welche reſpective die einen zu der Erbfolge der andern berufen waren, in demſelben Ereigniß umkommen, ohne daß man erkennen koͤnne, welcher zuerſt geſtorben iſt, ſo wird die Vermuthung, welcher den andern uͤberlebt haben möge, durch die umſtande des Faktums und in ihrer Ermangelung, durch die Kraft des Alters oder des Geſchlechts be⸗ ſtimmt. Anmerkungen. er gegen den Contumar verhängt wird, der nicht ge⸗ hört worden iſt, und vielleicht blos deshalb verurtheilt ward, ſo iſt dieſer ihm doch nicht eher, als nach Ab⸗ lauf einer von dem Geſetz beſtimmten Zeitfriſt ver⸗ fallen. Blos nach deren Ablauf iſt ſeine Erbſchaft erofnet; denn die Geſetze ſehen ihn ſo lange der Civil Rechte fähig an, als die Zeit noch lauft, die ihm zu ſeiner Rechtfertigung geſtattet iſt. Zum Art. 10, 11 u. 12. Unzählige Zufälle, z. B. Schiffbruch, Brand, Schlachten, Erdbeben 1c. c. koͤnnen den Tod mehrerer Menſchen, in Entfernung aller Zeugen verurſachen. Wenn nun z. B. PVater und Sohn, Bruder und Schweſter in demſelben Unglück umkommen, ſo kommt es darauf an, zu beſtimmen, wer vor dem andern geſtorben iſt; denn auf den Ueberlebenden, hätte er auch nur einen Augenblick länger gelebt, iſt die Erbſchaft, und durch ihn auf ſeine Erben übergegaugen. Je nachdem die Ver⸗ muthung für den einen oder den audern ſtreitet, daß er zuletzt gelebt habe, ſind die Erben verſchieden. (13N Art. XI. Wenn die, welthe zuſammen umgekommen ſind, noch nicht fuͤnfzehn Jahre alt waren, ſo ſoll ver⸗ muthet werden, daß der älteſte uͤberlebt habe. Wenn ſie alle älter als ſechszig Jahre waren, ſo ſoll vermuthet werden, daß der juͤngſte uͤberlebt habe. Wenn die einen juͤnger, als fuͤnfzehn, und die an⸗ dern aͤlter, als ſechszig Jahre waren, ſo ſoll vermu⸗ thet werden, daß die erſten(die andern) uͤberlebt haben. Art. XII. Wenn die, welche zuſammen umgekommen ſind, fuͤnfzehn volle Jahre zuruͤckgelegt, und noch keine ſechszig erreicht hatten, ſo wird immer dermuthet, Anmerkungen. Um allen Zwiſtigkeiten vorzubeugen, mußte man po⸗ ſitive Regeln aufſtellen, welche nach einer aus der Natur hergeleiteten Wahrſcheinlichkeit in Ermange⸗ lung von ſchern Nachrichten zur Richtſchnur dienen ſollten. Das römiſche Recht hatte ſolche angenommen, und, da ſie beſtimmt, faßlich, und auf Wahrſcheinlich⸗ keit gegruͤndet ſchienen, ſo hielt man ihre Beibehal⸗ tung für zweckmäſig. So lange die Kräfte des Men⸗ ſchen im wachſen ſind, ſtreitet die Vermuthung für den älteſten; ſobald ſie wieder abnehmen, fuͤr den juͤng⸗ ſten; im MittelAlter für den Mann, und bei glei⸗ chem Geſchlecht, tritt die Vermuthung ein, daß die gewöhnliche Ordnung der Natur ſtatt gefunden habe, nämlich daß der juͤngſte zuletzt gelebt habe. G140 daß der(oder die) maͤnnlichen Geſchlechts zulezt ge⸗ lebt habe, wenn das Alter gleich iſt oder der Un⸗ terſchied, der in demſelben beſteht, ein Jahr nicht uͤberſteigt. Wenn ſie vom naͤmlichen Geſchlechte waren, ſo muß diejenige Vermuthung des Ueberlebens, Ca prs- somption de survie) welche nach der Ordnung der tatur die Erbſchaft eröfnet, zugelaſſen werden; es wird demnach vermuthet, daß der jungere den ältern uͤberlebt habe. Art. XIII. Das Geſetz regulirt die Ordnung der Erbfolge unter den rechtmäſigen Erben; in ihrer Ermangelung gehn die Guter auf die natürlichen Kinder, ſodann Anmerkungen. Den erſten Rang in dieſer Diskuſſion behalten je⸗ doch immer die Umſtaͤnde der That ſelbſt, welche ng⸗ turlich mehr gelten muſſen, als Vermuthungen, die blos in ihrer Ermangelung gehort werden. So z. B. ohngeachtet es wahrſcheinlich iſt, daß der ftärkſte am längſten gelebt habe, ſo muß doch dieſe Vermu⸗ thung, wenn es erwieſen iſt⸗ daß die Todes Gefahr zuerſt auf ihn fiel, vor der ſtaͤrkern, die aus die⸗ ſem Umſtand folgt, zurückſtehen. Zum Art. 13 u. 14. Der natürliche oder bürgerliche Tod eröfnet alſo die Erbſchaft in dem Augenblick wo er wirklich, unwiderruflich eintritt, und zwar zum Vortheil der rechtmäſigen Erbeu, das heißt der Verwandten, in den Graden, in welchen das Geſetz ſie von Rechtswegen zur Etbfolge beruft. Aus dem⸗ (15N auf den uͤberlebenden Gatten, und wenn keiner vor⸗ handen iſt, auf die Republik über. Art. XIV. Die rechtmäſigen Erben treten(sont saisis) von Rechtswegen und ohne weiteres, in die Guͤter, Rechte und Klagen(actions) des Verſtorbenen ein, unter der Verbindlichkeit(jedoch) alle Laſten der Erb⸗ ſchaft abzutragen; die natuͤrlichen Kinder, deruͤber⸗ lebende Ehegatte, und die Republik, muͤſſen ſich ge⸗ richtlich in den nachher zu beſtimmenden Formen in den Beſitz einſetzen laſſen. Anmerkungen. ſelben Grund treten ſie auch von Rechtswegen und ohne alle Formalitat in den Beſitz ein. Das Eigenthum kann nie zweifelhaft bleiben; der Menſch ſtirbt, ſeine Guͤter, ſeine Rechte, ſeine Anſpruche bleiben; an⸗ fuͤhren den Beſitz fort; es giebt keine Luͤcke arin. Wenn aber keine rechtmaͤſige Erben vorhanden ſind, ſo veruft das Geſetz andere zur Erbfolge die ihn ferner oder naher angehn; zuerſt die natürlichen Kinder, die ihm durch die Vande der Natur ver⸗ wandt ſind; dann den Gatten, den Wahl und Nei⸗ gung mit ihm vereinigt haben; zuletzt ſein Vaterland, das ihm vor allen Fremden theuer ſein muß. Da aber dieſe letztere nur in Ermangelung geſetzlicher Erben eintreten, ſo konnen blos die Gerichte ſie in den Be⸗ ſitz einſetzen, welche ſich zu überzeugen haben, ob dadurch kein ſolcher geſetzlicher Erbe verdraͤngt werde. 6160 Zweites Kapitel. Von den zur Erbfolge erforderlichen Eigen⸗ ſchaften. Art. XV. Um erben zu koͤnnen, muß man nothwendig im Augenblick der Eroffnung der Erbſchaft exiſtiren. Demnach ſind unfaͤhig zur Erbſchaft: 1) Wer noch nicht empfangen iſt. Anmerkungen. 8 weites Kapitel. Sum Art. 15. In demſelben Augenblicke, wo die Erb⸗ folge eroͤfnet iſt, tritt auch das Recht des Erben ein; die Stelle des Verſtorbenen darf keinen Augenblick unbeſetzt bleiben. Natürlich folgt daraus, daß man, um zu ertben, im Augenblicke des Todes eriſtiren muß. Wer nicht empfangen iſt, kann alſo nicht er⸗ ben. Ein Nichts kann keine Stelle einnehmen. Das Kind im Mutterſchooß wird aber fuͤr lebend ge⸗ achtet, wenn es anderſt lebensfähig zur Welt kommt; denn ſeine Exiſtenz iſt gewiß, obgleich noch nicht entwickelt, und muß nothwendig entſerntere Verwand⸗ te ausſchlieſſen(ſiehe lex antiqui 3.. si pars hered. peta- tur, leg. 7. et 26. F de statu hom. und das letzte Geſetz F. de ventre in possess. mitt.) Dieſe Befugniß hort aber auf, wenn bei der Geburt erkannt wird, daß die Frucht niche lebensfaͤhig iſt; es iſt eben ſo gut, wenn ſie blos gebohren wird, um zu ſterben, als wenn ſie nicht gebohren waͤre.(Siehe Lex III. J. 5. de posthumis hæredibus instituendis. Lex II. tit. eod. lex III. digest. de suis et legitimis hæredibus.) So wie ferner ein phyſiſches Factum einen Er⸗ hen, der nicht exiſtiren wuͤrde, oder zu eriſtiren aufgehoͤrt hätte, nicht eintreten läßt, ſo verhindert G170 2) Das Kind, welches nicht lebensfaͤhig(viable) gebohren iſt. 3) Derjenige, der buͤrgerlich(civilement) tod iſt. Art. XVI. Ein Fremder wird nur in den Fällen und auf die⸗ ſelbe Art zur Erbfolge der Guter zugelaſſen, die ſein Verwandter, er mag nun ein Fremder oder ein Franzoſe ſein, auf dem Gebiet der Republik beſitzt, in welchen und auf welche ein Franzoſe ſeinen Ver⸗ wandten, der Guͤter in dem Lande dieſes Auslaͤnders beſitzen wuͤrde, erbt;(alles) in Gemäßheit der Ver⸗ fugungen des Titels in Betreff: des Genuſſes der Civil Rechte. Anmerkungen. ein geſetzliches Factum, daß ein zum bürgerlichen Tod Verurtheilter es nicht könne. Er iſt das Nichts des buͤrgerlichen Lebens. Das Geſetz hat keine Regeln uͤber die Epoche der Lebensfähigkeit aufgeſtellt. Es waͤre nicht möglich geweſen, ſie ſicher und beſtimmt genug anzugeben; die Geheimniſſe der Natur in dieſer Hinſicht ſind un⸗ erforſchlich. Lebensunfaͤhig iſt der, der die gewohn⸗ liche Lebens Bahn des Menſchen zu durchlaufen plat⸗ terdings unfähig iſt: die Beurtheilung der beſondern Fälle, und die Anwendung dieſes allgemeinen Grund⸗ ſatzes darauf mußte dem Ermeſſen der Richter uͤber⸗ laſſen bleiben. Sum Art. 16. Eine natuͤrliche Folge des im Art. 1I. des 1 Kapitels des 1 Titels des erſten Buchs des gegenwärtigen Geſetzbuchs(ſiehe 1ter Theil, Seite 9) aufgeſtellten und daſelbſt entwickelten Grundſatzes. 2 (185 Art. XVII. Sind unfaͤhig zu erben, und als ſolche von der Erbfolge ausgeſchloſſen: 1) Derjenige, welcher verurtheilt würde, weil er den Verſtorbenen getödtet oder zu tödten ver⸗ ſucht hatte. 2) Derjenige, welcher eine verlaͤumderiſch befun⸗ dene KapitalKlage gegen den Verſtorbenen er⸗ hoben hätte. Anmerkungen. Zum Art. 17. Man kann aber wohl zur Erbſchaft fähig, allein derſelben unwuͤrdig ſein. Die geſetzliche Erbfolge gründet ſich auf die Vermuthung der Zu⸗ neigung des Verſtorbenen zu ſeinem nächſten Ver⸗ wandten. Es liegt aber ſchon in dem Begriff jeder Vermuthung, daß ſie der erwieſenen Wahrheit, ja ſelbſt der ſtärkern Vermuthung weichen muß. Koͤnn⸗ te nnn aber in den hier beſtimmten Fällen das Geſetz, welches den Morder ſeines Verwandten oder den Feigen, der ſeinen Tod ungerächt gelaſſen hatte, zur Erbfolge berufen würde, ſich mit dem ver⸗ muthlichen Willen des Verſtorbenen rechtfertigen? hat nicht der, welcher den Gefuhlen der Natur ab⸗ hat, auch den Rechten die ſie ihm gewährt, entſagt. Man hat jedoch nicht geglanbt, alle im römiſchen Rechte angenommenen Gruͤnde der Ausſchlieſſung in das neue Geſetz übertragen zu muͤſſen. Dies erſte hatte z. B. den ſträflichen Umgang des Verſtorbenen mit dem Erben, die Verfuͤgung, welche der Erbe vor dem Tode des Verſtordenen über eines ſeiker Güter getroffen haben mögte, die Angabe, daß der Erbe den Verſtorbenen verhindert habe, ſein Teſta⸗ ment zu machen oder zu verändern, fuͤt hinreichende G19N 3) Der großjaͤhrige Erbe, der, von dem Mord des Verſtorbenen unterrichtet, ihn der Juſtiz nicht angezeigt(denoncé) haben wurde. Art. XVIII. Die Unterlaſſung der gerichtlichen Veranzeigung kann weder den Aszendenten und Deszendenten des Mörders, noch ſeinen Verſchwägerten in denſelben Graden, noch ſeinem Gatten oder ſeiner Gattin, noch ſeinen Bruͤdern oder Schweſtern, noch ſeinen Anmerkungen. Beweggruͤnde erklärt, den Erben von der Erbfolge auszuſchlieſſen. Allein dieſe Gruͤnde geben nicht, wie die oben beſtimmten, einen feſten Punkt an, der die Unwuͤrdigkeit beſtimmt; ſie beruhen auf zwei⸗ felbaften, ſchwer zu erweiſenden, mancherlei Ausle⸗ gung empfänglichen Thatſachen. Ihre Zulaſſung würde zu willkuͤhrlichen Erkenntniſſen und gehaſſigen Inquiſi⸗ tionen Gelegenheit geben. Freilich ſoll der Feind des Verſtorbenen ihn nicht erben; allein die Urſachen der Ausſchlieſſung muſſen ſo beſtimmt ſein, daß ihre Anwendung nicht beſtritten werden kann, ſonſt würde man, um einen Verſtorbenen zu rächen, Haß und Zwietracht ber ſeine ganze Familie bringen. Zum Art. 13. Sogar ſpricht das Geſetz den Erben von der Verbindlichkeit frei, den Mord des Erblaſ⸗ ſers gerichtlich zu verfolgen, wenn der Mörder ſein Vatet, ſein Gatte, ſein Sohn oder ein ſonſtiger naher Verwandter war. Dann iſt das Stillſchwei⸗ gen ihm eine heiligere Pflicht als die Rache; es würde ein unmenſchliches Geſetz ſein, das ihm dieſe befehlen würde, da die Angabe des Morders nicht ſtatt haben könnte, ohne die Moral und die öffent⸗ liche Sittlichkeit mit Fuͤſſen zu treten. 620 Oheimen und Tanten, noch ſeinen Reffen und Rich⸗ ten opponirt werden. Art. XIX. Der, von der Erbfolge, ſeiner Unwuͤrdigkeit hal⸗ ber, ausgeſchloſſene Erbe, iſt gehalten, alle Fruchte und Einkuͤnfte zuruͤckzugeben, deren Genuß er ſeit der Eröfnung der Erbſchaft gehabt hat. Art. XX. Die Kinder des Unwuͤrdigen ſind, wenn ſie ſelbſt(de leur chet) und ohne Hülfe der Repräſen⸗ tation, zur Erbfolge gelangen, durch die Schuld ihres Vaters nicht ausgeſchloſſen; aber dieſer kann, in keinem Fall von dieſen Guͤtern die Nutznieſſung in Anſpruch nehmen, welche das Geſetz den Aeltern von den Gütern ihrer Kinder bewilligt. Drittes Kapitel. Von den verſchiedenen Ordnungen der Erbfolge. Anmerkungen. Zum Art. 19. Er iſt possesvor malæ hidei, und als ſolcher zur Rückerſtattung aller genoſſenen Fruͤchte gehalten. Zum Art. 20. Die Fehler ſind perſoͤnlich; Kinder konnen alſo die Schuld des Vaters nicht tragen; allein der Pater darf auch ſelbſt von dieſer Gerechtig⸗ reit gegen ſeine Kinder nicht den mindeſten Vortheil ziehen. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. XXI. Die Erbſchaften werden auf die Kinder und Des⸗ zendenten des Verſtorbenen, auf ſeine Aszendenten und ſeine Kollateral Verwandte in der Ordnung und nach den Regeln, welche hiernach beſtimmt ſinb, ubertragen. Art. XXIl. Das Geſetz erwägt weder die Gattung noch den Anmerkungen. Drittes Kapitel. Zum Art. 22. Es beſtand in dieſer Hinſſcht zwiſchen dem roͤmiſchen Rechte und den Herkommen ein offen⸗ barer Widerſpruch. Nach dem erſten bildete alles Vermogen des Verſtorbenen nur eine Maſſe, welche dem nächſten Verwandten zufiel. Nach den Herkom⸗ men gab es hingegen ſo viel Erbſchaften, als es Gattungen von Gütern gab. Ein Verſtorbener hin⸗ terließ einen Erben der Moͤbel und Acqueſte, einen Erben der eigenthuͤmlichen väterlichen Guͤter, und einen des eigenthumlich muͤtterlichen Vermoͤgens. Zuweilen konute dieſelbe Perſon alle dieſe Eigenſchaf⸗ ten vereinigen, aber oft waren ſie unter mehrere Haͤupter zerſtreut, die ſelbſt unter ſich oft nicht ein⸗ mal durch die Bande der Verwandſchaft verbunden waren. Der Wunſch, die Familien Guter beiſammen zu be⸗ halten, hatte zuerſt den Unterſchied der eigenthuͤmlichen Guͤter, d. h. der durch Erbſchaft zugefallenen Im⸗ mobilien, in die Herkommen aufnehmen laſſen. (225 Urſprung der Guͤter, um ihre Erbfolge zu regu⸗ liren. Art. XXIII. Jede, Aszendenten oder Kollateral Erben zugefal⸗ Anmerkungen. Dieſer Wunſch aͤnſſerte ſeinen Einfluß nicht allein in den Geſetzen uͤber die Erbfolge, ſondern auch in je⸗ nen, die auf die Befugniß uͤber das Eigenthum zu ver⸗ fuͤgen, Bezug haben. Ein Sterbender konnte die ei⸗ genthuͤmlichen Güter entweder gar nicht oder nur einen kleinen Theil derſelben vermachen; nach an⸗ dern, noch ſtrengern, Herkommen konnte er ſie nicht einmal durch Schenkungen zwiſchen Lebenden ver⸗ aͤuſſern. Endlich nahm eben daher das den Ver⸗ wandten zuſtehende AbtriebsRecht ſeinen Urſprung, welches eine, fuͤr das öffentliche und das Privat⸗ Intereſſe ſo gefaͤhrliche Unſicherheit des Beſitzthums zur Folge hatte. Dieſe Geſetzgebung mußte nothwendig unzählige Prozeſſe erzeugen, und die Theilung jeder Erb⸗ ſchaft erſchweren. Endlich konnte man ſie unmöglich fuͤr den vermuthlichen Willen des Verſtorbenen hal⸗ ten, da oft entfernte, ihm unbekannte Verwandte die nahen, welche ſein ganzes Leben hindurch ſeiner Zuneigung genoſſen, ausſchloſſen. Alle dieſe Unter⸗ ſcheidungen ſind daher durch das neue Geſetz aufge⸗ hoben. Es giebt nur eine Erbſchafts Maſſe ohne Ruͤck⸗ ſicht auf den verſchiedenen Urſprung der Güter, wor⸗ aus ſie beſteht. Es bedarf keiner Bemerkung, daß der Unterſchied der Guͤter, in adliche, RitterGuter, und gemeine, buͤrgerliche Güter, als Ueberbleibſel des Feudalſyſtems hier in keine Erwaägung kommen konnte, da mit den Privilegien der Stände auch die Privilegien des Bodens verſchwunden ſind. gum Art. 23. Allein bei der Annahme dieſes Grund⸗ ſazes glaubte man jedoch auch das Syſtem der Her⸗ (235 lene Erbſchaft theilt ſich in zwei gleiche Theile; der eine fuͤr die Verwandten der väterlichen, der andere fuͤr die Verwandten der muͤtterlichen Linie. Die halbbuͤrtigen Verwandten von der Mutter oder vom Vater her(«) werden durch die vollbuͤr⸗ tigen nicht ausgeſchloſſen; aber ſie nehmen, vorbe⸗ haltlich deſſen was im Art. XLII. hierunten verfugt werden wird, blos in ihrer Linie Theil. Die voll⸗ burtigen nehmen in beiden Linien Theil. Es geſchieht keine Devolution von einer Linie auf die andere, als wenn ſich von einer der beiden Linien Anmerkungen. kommen nicht unbedingt verwerfen zu muͤſſen. In⸗ dem man den äterlichen und muͤtterlichen Verwand⸗ ten die Guͤter ihrer Lin e entzog, ſchien es billig ihnen einen Erſatz dafuͤr zu gewähren. Der Grundſatz von der Unterſcheidung der Güter war gerecht, allein die Schwierigkeiten ſeiner Anwendung batten ſeine Ab⸗ berufung beſtimmt. Eine gleiche Theilung des Ver⸗ mögens zwiſchen die beiden Linien, ohne Ruckſicht auf die Gattung oder den Urſpyrung der Guter iſt an die Stelle getreten. Dieſe Theilung hält die Mitte zwiſchen der zu großen Einfachheit der römi⸗ ſchen Geſetze, und den zu feinen Unterſcheidungen der Herkommen. Eben ſo bleibt auch das Privile⸗ gium des dopyelten Bandes, welches durch das Ge⸗ ſetz vom 17 Nivoſe aten Jahres unterdruͤckt ward, abgeſchafft. Die Theilung der Erbſchaftzwiſchen den beiden Linien giebt jeder einen gleichen Antheil; die vollbuͤrtigen Verwandten werden in den beiden Linien ihre Rechte antreten, aber darum andere Verwand⸗ te nicht ausſchlieſſen, deren Rechte in der einen Linie, () PWierini aut Consanguinii. (24 N kein Aszendent, und kein Hollatera Verwandter vor⸗ findet. Art. IXIV Wenn dieſe erſte Abtheilung zwiſchen der väterli⸗ chen und muͤtterlichen Linie bewerkſtelligt iſt, ſo ge⸗ ſchieht keine Abtheilung mehr unter den verſchiede⸗ nen Zweigen; ſondern die jeder Linie zugefallene Haͤlfte gehört, vorbehaltlich des Falles der Re⸗ preſentation, ſo wie es hierunten verfuͤgt werden wird, dem oder den, im nächſten Grad, verwandten Erben. Anmerkungen. weil ſie in der andern keine beſitzen, darum nicht weniger unwiderſprechlich ſind. Zum Art. 24. Hierdurch vrſiegt eine ewige Quel⸗ le von Forderuugen und Prozeſſen. Einige Her⸗ kommen hatten die Gewiſſenhaftigkeit in Hinſicht auf die Güter jeder Linie ſo weit getrieben, daß ſie in jeder Unterabtheilung wieder die vaͤterlichen und muͤt⸗ terlichen aufſuchten und trennten. Dieſe Subtilität ſchien ſogar von dem Geſetz vom 17 Nivoſe ange⸗ nommen worden zu ſein. Pllein mehrere Rechtsge⸗ lehrte benuzten die undeutliche Abfaſſung dieſes Geſetzes, und ſuchten aus dem Lerte deſſelben ſelbſt das Gegentheil zu beweiſen. Das Kaſſations Gericht hatte dieſe Deutung durch ſeine Ausſpruͤche beſtätigt. Hier finden wir endlich dieſes unnatüͤrtiche Syſtem foͤrmlich prosſcribirt, welches tauſend Erben zur Theilung einer Erbſchaft berufen konnte, die tau⸗ ſendmal von den Koſten der Prozeſſe, den Aufſuchun⸗ gen der urſpruͤnglichen ErwerbsTitel, der genealogi⸗ ſchen Tafeln und einer Menge, in der Dunkelheit des Alters verlohrnen, Beweißmittel verſchlungen werden mußte. (255 Art. XXV. Die Raͤhe der Verwandſchaft beſtimmt ſich durch die Zahl der Generationen; jede Generation heißt ein Grad. Art. XXVI. Die Folge der Grade bildet die Linie; Man nennt die Folge von Graden zwiſchen Perſonen, die eine von der andern abſtammen, grade Linie, (und) die Folge der Grade zwiſchen Perſonen, die nicht die einen von dengandern abſtammen, aber die von einem gemeinſchaftlichen StammVater abſtam⸗ men:(Collateral) SeitenLinie. Man unterſcheidet bei der graden Linie, die ab⸗ ſteigende und die aufſteigende grade Linie. Die erſte iſt die, welche das Haupt mit denen verbindet, welche von ihm abſtammen; die zweite iſt die, welche eine Perſon mit denen verbindet, von welchen ſie abſtammt. Art. XXvII. Man zählt in grader Linie ſo viel Grade, als es Anmerkungen. Zum Art. 25 bis 290. Um die Erben zu erkennen und ihre Rechte zu vertheilen, mußte man vorerſt ih⸗ re Verhaͤltniſſe zu dem Verſtorbenen beſtimmen. Dies geſchieht hier auf eine deutliche und beſtimmte 6260 Generationen zwiſchen den Perſonen giebt; ſo be⸗ findet ſich der Sohn in Hinſicht auf den Vater im erſten Grade, der Enkel im zweiten; und umge⸗ kehrt befinden ſich der Vater und der GrosVater (in denſelben Graden) in Hinſicht auf die Söhne und die Enkel. Art. XXVIII. In der SeitenLinie zählen ſich die Grade nach den Generationen, von einem der Verwandten bis zu dem gemeinſchaftlichen StammVater, dieſen nicht einbegriffen, und von dieſem bis zu dem andern Berwandten. So befinden ſich zwei Bruͤder im zweiten Grad; der Onkel und der Reffe im dritten Grad; die Ge⸗ ſchwiſter Kinder im vierten und ſo fort. Zweiter Abſchnitt. Von der Repräſentation. Art. XXIX. Die Repräſentation iſt eine Fiction des Geſetzes, Anmerkungen. Qrt. Es bedarf keiner Entwickelung der Gruͤnde, warum von der ehemals uͤblichen doppelten Rechnuns der Grade, nach dem Kanoniſchen und nach dem hier nur die letzte beibehalten wor⸗ en iſt. (27N welche die Wirkung hat, die Repräſentanten in die Stelle, in den Grad und in die Rechte des Reprä⸗ ſentirten eintreten zu laſſen. Anmerkungen. Zum Urt. 29. Die Regel, daß der nächſte Ver⸗ wandte der Erbe ſey, kann jedoch nicht immer ihre ſtrenge Anwendung finden; denn da ſie blos anf der Vermuthung beruht, daß der Verſtorbene ſeinen näch⸗ ſten Verwandten vorgezogen haben wuͤrde, ſo muß ſie auch dann, wenn dieſe Vermuthung nicht denk⸗ bar iſt, eine nothwendige Ausnahme erleiden. Da wirklich in der Natur der menſchlichen Neigungen eine Repräſentation beſteht, welche die Kinder in die Stelle ihrer verſtorbenen Aeltern einſetzt, und die ganze Zärtlichkeit der Familie auf ſie uͤber⸗ trägt, ſo erkennt auch das Geſetz dieſe Repraͤſentation in Hinſicht auf die Erbſchaft an, indem es auf die Kinder die Rechte des verſtorbenen Vaters übertragt. Ohne dieſe Fiction wuͤrde das Geſetz ſich beinahe immer mit dem Willen des Verſtorbenen im Wie⸗ derſpruch befunden haben. Das Syſtem der Repraſentation hat in dem ro⸗ miſchen Rechte einige Veraͤnderungen erlitten; erſt durch die Novelle CXxVIII. ward die in grader ab⸗ ſteigender Linie von allen Ausnahmen befreit und die in der SeitenLinie eingefuͤhrt, in welcher ſie jedoch auf die Geſchwiſter Kinder beſchraͤnkt war. Die Re⸗ präſentation ward weder bei allen Herkommen, noch in allen auf gleiche Art angenommen; einige nah⸗ men ſie in der graden und der SeitengLinie, andere blos in der graden, andere in beiden bis ins unendliche, noch andere bis zu gewiſſen Graden, noch andere blos für gewiſſe Perſonen und Güter, an. Das neue Geſetz hat aus dem geſchriebenen Recht und den Herkommen die Verfuͤgungen bei⸗ behalten, welche der Natur und dem vermuthlichen hr des Verſtorbenen am meiſten eutſprechend ienen. 628) ArgXX. Die Repraͤſentation hät in der graden abſteigen⸗ den Linie ins unendliche ſtatt. Sie wird in allen Fällen zugelaſſen, die Kinder des Verſtorbenen mögen nun mit den Deszendenten eines vorhergeſtorbenen Kindes konkurriren, oder die Deszendenten der beſagten Kinder mögen ſich wenn alle Kinder des Verſtorbenen vor ihm ver⸗ ſtorben ſind, untereinander, in gleichen oder un⸗ gleichen Graden befinden. Art. XXXRl. Die Repraͤſentation findet zu Gunſten der Aszen⸗ denten nicht ſtatt; der nachſte in jeder der beiden Linien ſchließt immer den entfernteren aus. Anmerkungen. ZSum Art. 30. Ueber dieſen Grundſas konnte kein Zweifel entſtehn. Blos ein ungerechtes und unna⸗ tuͤrliches Geſetz köͤnnte die Repräſentation in abſtei⸗ gender Linie ausſchlieſſen. Die Neigung des Men⸗ ſchen dehnt ſich auf alle ſeine Deszendenten aus; ſie ſind ihm alle gleich theuer; die Lebenden nehmen in ſeinem Herzen die Stelle der Verſtorbenen einz ſie ſind alle ſeine Kinder. Die Repräſentation kann daher in abſteigender Linie keine Graͤnzen haben. Zum Art. 31. Ein anderes iſt es in aufſteigender Linie. Das Kind hat immer mehr Liebe fuͤr den Vater ale den Gros Vater, und je ferner die Aszen⸗ denten von ihm ſtehn, je weniger ſpricht die Natur in ſeinem Herzen für ſie. Die nächſten Aszendenten muſſen alſo immer die entfernteren ausſchlieſſen. (295 Art. XXRIl. In der SeitenLinie iſt die Repräſentation zu Gun⸗ ſten der Kinder und Deszendenten von Brudern oder Schweſtern des Verſtorbenen zugelaſſen, ſie mögen nun mit Oheimen oder Tanten für die Erbſchaft konkurriren, oder die Erbſchaft mag, wenn alle Bruͤder und Schweſtern des Verſtorbenen vor ihm Anmerkungen. Es ſcheint dazu gegen das Weſen der Repräſentation, ſie in aufſteigender Linie zuzulaſſen. Ein Strom kehrt nie zu ſeiner Quelle zuruͤck. Zum Art. 32. In KollateralLinie war die Anwen⸗ dung des Syſtems am ſchwuͤrigſten. Die Herkommen ſtellten drei verſchiedene Syſteme auf: nach dem ei⸗ nen war die Repraͤſentation auf die Geſchwiſter⸗ Kinder des Verſtorbenen beſchraͤnkt; nach dem andern dehnte ſie ſich auf alle Deszeudenten der Geſchwiſter aus; nach dem dritten ward ſie, wie in abſteigen⸗ der Linie, bis ins Unendliche zugelaſſen. Um unter dieſen drei Syſtemen eins zu waͤhlen, muſte man zuerſt unterſuchen, welches dem Wunſch der Natur, der Ordnung der Zuneigungen und dem vermuthli⸗ chen Willen des Verſtorbenen am angemeſſenſten ſey. Wer keine Kinder hat und einen geliebten Bru⸗ der verliert, tragt natuͤrlich ſeine Neigung auf die Deszendenten dieſes Bruders uͤber: die naturliche Sympathie zwiſchen dem Alter und der Kindheit tragt noch dazu bei, dies Verhaͤltniß zu verſtaͤrken. Es iſt das Intereſſe des Staates, die Bande, welche die Familien vereinigen, nicht zu zerreiſſen. Aber das Geſetz darf auch nicht weiter gehn, als die Natu⸗ ſelbſt, und keine Neigungen vorausſetzen, wo keine beſtehen. Die Repraͤſentation auf alle Kollateral⸗ Verwandte ohne Unterſchied ausdehnen, wuͤrde vor⸗ ausſetzen daß der Verſtorbene fuͤr alle die naͤmliche (30 geſtorben ſind, auf ihre Deszendenten in gleichen oder ungleichen Graden uͤbergegangen ſein. Art. XXXIII. In allen Fällen, worin die Repraͤſentation zuge⸗ laſſen iſt, wird die Theilung ſtammweiſe bewerk⸗ ſtelligt: hat ein Stamm mehrere Zweige erzeugt, Anmerkungen. Neigung gehabt habe, welche Vermukhung wenig⸗ ſtens nicht wahrſcheinlich ſein würde; dieſe unbe⸗ ſchraͤnkte Repräſentation wuͤrde zudem für jede KollateralErbſchaft eine ſolche Menge Erben berufen, daß der Handel und der Ackerban dadurch nothwen⸗ dig gefährdet wuͤrden. Man hat ſich daher beſtimmt, die Verfügungen des römiſchen Rechtes beizubehal⸗ 1 ſie jedoch aber auf die Kinder der Neffen aus⸗ gedehnt. Zum Art. 33. Da die Repraäſentation ein Faktum iſt, wodurch die Kinder den Autheil erhalten, der ihrem Pater, wenn er noch lebend geweſen wäre, zugefallen ſein würde, ſo folgt daraus, daß, ihre An⸗ zabl mag ſein, welche ſie will, ſie doch nicht mehr als ſeinen Antheil verlangen können. Sie zählen zuſammen nur für ein Haupt in der Erbſchaft, ſonſt wuͤrde dieſe Fiction ihren MitErben aͤuſſerſt nachtheilig ſein. So wie der Tod ihrer Aeltern ih⸗ nen nichts ſchaden kann, darf er ihnen auch nichts nutzen. Die Regel einer gleichen Theilung zwiſchen beiden Linien hat ein einfaches und wirkſames Mittel an die Hand gegeben, um allen Zwiſtigkeiten ein Ende zu machen, welche ehedem durch das Privilegium des doppelten Vandes uber das einfache Band, d. heißt das Privilegium deren, die vom nämlichen Vater und der nämlichen Mutter abſtammen über die, die blos von einem von beiden abſtammen, verurſacht 031) ſo geſchieht die Unterabtheilung in jedem Zweig eben⸗ falls ſtammweiſe, und die Glieder deſſelben Zweigs theilen untereinander, auf den Kopf. Art. XXXIV. Man repräſentirt keine lebende Perſonen, ſon⸗ Anmerkungen. wurden. Dieſe Prärogative wurden von Juſti⸗ nian zuerſt zu Gunſten der Geſchwiſter und nach⸗ her ſelbſt zu Gunſten von Nichten und Neffen, wel⸗ che mit dem Verſtorbenen durch das doppelte Band verknuͤpft waren, eingefüͤhrt. Die Herkommen wa⸗ ren in dieſer Hinſicht eben ſo wie über das Reprä⸗ ſentationsRecht aͤuſſerſt verſchieden. Einige lieſſen das Privilegium zu, die einen nach dem römiſchen Recht, die andern in engern, die andern in noch wei⸗ tern Graden, die einen nur fuͤr einige Guͤter; andre ſchloſſen es ganz aus; noch andere beobach⸗ ten das Stillſchweigen in dieſer Hinſicht. Alle dieſe Verſchiedenheiten ſind verſchwunden; die nur von der Mutter oder nur von dem Vater Verwandte werden durch die vollbürtigen nicht ausgeſchloſſen, aber ſie werden blos in ihrer Linie Antheil nehmen; die vollbuͤrtigen in den beiden Linien; ſo wird der Verwandte von Seiten des Vaters ſeinen Antheil in der, dem väterlichen Zweig zugewieſenen, Hälfte beziehen; der Verwandté von Seiten der Mutter den ſeinigen in der dem mütterlichen Zweig zuge⸗ wieſenen Hälfte; der Verwandte von beiden Seiten den ſeinigen in beiden Hälften. Sum Art. 34. Man kann keinen Lebenden ſondern blos ſolche Perſonen, welche natürlich oder CivilTodt ſind, repräſentiren. Schon Donmoulin hat dieſen Grundſatz aufgeſtellt: rursus nola quod representatio nanquam est de Persona vwente, sed tantnm de pa- rente mortuo naturaliter aut civiliter. Schon die bloſſe Vernunft ſagt, daß man in deſſen Stelle nicht ein⸗ tteten kann, der lebend iſt und ſeinen Grad ausfüllt. (32) dern blos die, welche natuͤrlich oder CtwilTodt ſind. Anmerkungen. Stäͤrkern Widerſpruch fand die Frage bei den Rechts Gelehrten: ob man ein Individuum, welches, zu einer Erbſchaft berufen, dieſelbe ausgeſchlagen hat, repräſentiren koͤnne, da es doch ſeinen Grad nicht ausfullt? Das Geſetz hat ſie dem Grundſaß der Re⸗ praͤſentation zufolge und nach dem, am haͤufigſten angenommenen RechtsGebrauch entſchieden. Die Art. 69 und 70 verfuͤgen, daß ſein Antheil den ſei⸗ ner MitErben vermehrt, und daß blos in dem Fall wo es der einzige Erbe iſt, ſein Antheil auf den folgenden Grad uͤbergeht. In der That, wenn an⸗ dere Erben in gleichen Graden mit dem Verzichtlei⸗ ſtenden vorhanden ſind, ſo konnten die welche ſeinen Theil in Anſpruch nehmen wollten, es nicht anderſt thun, als indem ſie durch Repräſentation in ſeine Stelle einträten. Man kann aber keinen Lebenden repraͤſentiren. Eben ſo, wenn der Verzichtleiſtende entfernte, aber durch die Wohlthat der Repräſenta⸗ tion ihm naͤher gebrachte Verwandte zu vermuthli⸗ chen MitErben hätte, iſt es wieder gewiß, daß man ſeinen Plaz nichts anderſt einnehmen koͤnnte, um mit ſeinen MitErben zu konkurriren, als durch die Repräſentatiéen. Wäre er aber der einzige Erbe, dann hätte ſein nächſter Verwandter nicht nöthig ihn zu repräſentiren, um die Erbſchaft zu erhalten, worauf er verzichtet hätte. Er wuͤrde ſie alsdann nicht kraft der Repräſentation, ſondern kraft der Devolu⸗ tion(ediet. præt. strocessiorum) in Beſiß nehmen. Dieſelbe Regel iſt offenbar auf den Fall anwend⸗ bar, wenn der nächſte Erbe geſtorben waͤre, ohne die Erbſchaft angenommen oder ausgeſchlagen zu haben. Seine Verwandten konnen die Erbſchaft nicht als ſeine Repräſentanten, ſondern blos als ſeine perſoͤn⸗ liche Erben in Anſpruch nehmen. Es wäre zu vielen Misbräuchen unterworfen, einem Individuum zu erlauben, eine ihm zugefallene Erb⸗ 0330 Man kann den repräſentiren„auf deſſen Erbſchaft man verzichtet hat. Dritter Abſchnitt. Bon den, den Deszendenten, zugefallenen Eybſchaften. Anmerkungen. ſchaft auf ſeine Kinder uͤbergehn zu laſſen, ohne ſelbſt den Titel als Erbe anzunehmen. Er wuͤrde zu viel Mittel finden, ſeine Gläubiger zu betrügen, und man wuͤrde zu betruͤgeriſchen FideiCommiſſen zu viel Gelegenheit geben: Man kann jedoch den repraͤſentiren, auf deſſen Erbſchaft man verzichtet hat, aber erſt nach ſeinem Tode. In dieſem Falle erhaͤlt der Verwandte ſein Recht nicht von der Hand des Repräſentirten, ſondern von dem Geſetze ſelbſt; er nimmt zwar ſeine Stelle ein, aber nicht der Repraͤſentirte ertheilt ſie ihm, ſon⸗ dern dieſes letztere. Man kann ſeine Rechte nie auf ſeine Erben uͤbertragen, aber die Repraͤſentation iſt kein Uebertras; ſie iſt blos eine Subrogation, die durch das Geſetz verfuͤgt iſt, und nicht in der Macht des Menſchen ſteht. Es liegt auch ein Grund der natuͤrlichen Billig⸗ keit darin, daß man eine Erbſchaft, zu welcher man durch die Bluts Verwandſchaft und das Geſetz bern⸗ fen iſt, einnehmen konne, ohne gezwungen zn ſein, die läſtige Erbſchaft desienigen anzunehmen, der in Lebzeiten der nächſte war. Die Kinder, deren Vater alles verſchwendet hat, finden ſo in der Erbſchaft ihrer GrosAeltern eine HülfsQuelle. Durch die Natur zu dieſer Erbſchaft berufen, duͤrfen ſie derſelben nicht durch die Schuld ihres Vaters beraubt werden, und die Gläubiger deſſelben können ſich nicht daruͤber be⸗ klagen, 1) weil ſie kein Recht auf eine Erbſchaft haben, die erſt nach dem Tod ihres Sculdners verfallen war, 2) weil ſie keinen groͤſſern Vortheil dgvon haͤt⸗ ten, wenn dieſe Erbſchaft auf andere, als die Repra⸗ ſentanten des Schuldners uͤbergienge. 3 (34N Art. XXXV. Die Kinder, oder ihre Deszendenten erben ihre Väter und Muͤtter, GrosVäter, Gros Muͤtter, oder andre Aszendenten, ohne Unterſchied des Geſchlechts, oder der ErſtGeburt, und gleichviel, ob ſie aus verſchiedenen Ehen gezeugt ſind. Anmerkungen Zum Art. 35. Schon bei den Römern hatten alle Kinder gleiche Rechte auf die Erbſchaft ihrer Va⸗ ter.(Siehe leßt. Kap. der Novelle 22, de nuptiis, lex 77. F. evictis de legat. 2) Die meiſten Herkom⸗ men hatten jedoch dieſe Regel verkannt. In mehre⸗ ren Provinzen gehoͤrte die ganze Erbſchaft den Brü⸗ dern, und den Schweſtern nur eine unbedeutende Ausſteuer. Selbſt von den Bruͤdern erhielt in meh⸗ rereu Provinzen, ſo wie bei dem geſammten Adel, der älteſte alles, die andern wurden wie die Schwe⸗ ſtern behandelt. Dies war die erſte Urſache des be⸗ ſtändigen Zwiſtes unter den ältern und den juͤngern⸗ der oft in gluͤhenden Haß übergieng, und von dem Ungluͤck und dem beſtändigen Anblick der reichern Geſchwiſter genährt, alle Familien Bande zerriß. Die Römer kannten weder das Recht der Erſtgeburt noch die geſetzliche Ausſchlieſſung der Tochter.(J. Emant cipati g. instit. de heredit: quæ ab intest. defer.) Die Verfügungen der zwolf Tafeln hub Juſtinian durch die Novelle 118 auf, worin er allen Kindern gleiche Rechte ertheilte, und dieſe Novelle, welche die letzte Epoche der römiſchen Geſetzgebung ausmacht⸗ ward fortan in den Ländern, worin das geſchriebene Recht galt, vefolgt. Alle Ausnahmen, welche nach⸗ her in die Herkommen aufgenommen wurden, ſchrei⸗ ben ſich von dem Feudal Syſtem her. Auch noch un⸗ ter den erſten franzoſiſchen Konigen galt der Grund⸗ ſaß der Gleichheit unter den Kindern, wie bas Ge⸗ ſeß Eduards: si qui intestatus obierit, liberi ejus zuecedunt in Capita ausweißt. Unter den Capetin⸗ (35N Sie erben in gleichen Theilen und nach Haͤuptern, wenn ſie alle im erſten Grad und in ihrem eigenen Namen(de leur chel)(zur Erbſchaft) berufen ſind; Anmerkungen. gen kam zuerſt der Gebrauch auf, alle Feudal Be⸗ itzungen dem älteſten Sohn zu geben.(Verordnung Godfrieds Grafen von Bretagne von 1185: Majo- res natun integrum dominium obtineant, et Junioribus, Pro posse suo, provideant de necessarlis, ut honeste viverent. Die Buͤrger und Landleute folgten bald dem Adel nach, und derſelbe Grund führte zur Aus⸗ ſchlieſſung der Töchter von der Erbſchaft, die in den meiſten Provinzen angenommen war, jedoch mit un⸗ zaähligen und oft widerſprechenden Pariationen. Nach den meiſten Herkommen hatte die Toch⸗ ter, welche dotirt worden war, nichts mehr zu begeh⸗ ren; die Art und der Betrag der Dotirung ward aber in jedem nach beſondern Grundſaͤtzen beſtimmt. Wenn auch nicht die natuͤrliche Billigkeit allen Kin⸗ dern deſſelben Vaters gleiche Rechte zuerkennen würde, ſo wuͤrde dieſe Geſeßgebung doch ſchon in der einzigen Hinſicht ungerecht ſein, weil ſie faſt immer mit dem vermuthlichen Willen der Aeltern im Widerſpruch ſtand. Das älteſte Kind erfuͤllte nicht immer die Pflichten der kindlichen Liebe am gewiſſenhafteſten, und doch gab ihm das Geſetz alles, ſelbſt gegen den Willen des PVaters; oft opferte eine Tochter ſich auf, um ſeines Alters zu pflegen; das Geſetz benahm ihm die Befugniß, ihre treue Dienſte zu belohnen. Und doch ſollte jedes Geſetz uͤber die Erbfolge blos die des vermuthlichen Willens des Erblaſ⸗ ſers ſein. Die konſtituirende Verſammlung hielt die Ab⸗ ſchaffung dieſer Misbraͤuche für eine ihrer heiligſten Pflichten. Ihre wohlthätige Dekrete vom 15 Maͤrz 1790 und vom 15 April 1797 wurden mit allge⸗ meinem Beifall aufgenommen. Die Erfahrung hat ſie bewährt, und das ueue Geſetz ſanktionnirt. Man 3 (360 ſie erben ſtammweiſe, wenn ſie alle, oder zum Theil, durch Repräſentation(zur Erbſchaft) ge⸗ langen. Vierter Abſchnitt. Von den, den Aszendenten, zugefallenen Erbſchaften. Art. 1Xxvl. Wenn der Verſtorbene weder Nachkommenſchaft, Anmerkungen. darf dabei nicht aus dem Auge verlieren, daß hier blos von gleicher Theilung einer Erbſchaft ab intestat die Rede iſt, d. h. einer Erbſchaft, woruͤber der Erb⸗ laſſer nicht verfüͤgt hat. Der Wille des Menſchen iſt aber nicht an dieſe ſtrenge Gleichheit gebunden, und er kann immer über einen Theil ſeiner Gter nach Belieben zu Gunſten eines ſeiuer Erben oder andrer Perſonen verfügen. Allein was er thun darf, darf das Geſetz ſich nicht erlauben. Seine Neigung kann veſondere Gründe haben: ſie kann auf Dankbarkeit oder wohlthätigen Abſichten deruhn; das Geſetz kann weder dieſe Bewegrunde noch dieſe Rechte haben. Das Geſeß hat keinen andern Zweck, als ſeine Frei⸗ gebigkeit zu beſchranken, wo es das Intereſſe der Ge⸗ ſellſchaft und die Erhaltung der Familien erheiſcht; gllein es muß ſich darauf beſchraͤnken, das zu über⸗ tragen, was der Menſch oder die Natur beſtimmt haben. Die ungleichheit, welche ehedem von der Abſonderung der Guter in eigenthuͤmliche und Ac⸗ queſte, von dem Privilegium des doppelten Bandes z. herruͤhrte, iſt ebenfalls verſchwunden; man ſehe weiter oben die Beweggruͤnde nach, welche den Ge⸗ ſetzgeber beſtimmt haben, auch in dieſer Hinſicht bei der Theilung eine vollkommene Gleichheit ein⸗ treten zu laſſen⸗ 187 d noch Bruͤder, noch Schweſtern, noch Deszendenten von ihnen zuruͤckgelaſſen hat, ſo wird die Erbſchaft zur Hälfte unter die Aszendenten der väterlichen und (zur Haͤlfte) unter die Aszendenten der mütterlichen Linie vertheilt. Der Aszendent, welcher ſich im naͤchſten Grade befindet, erhaͤlt die ſeiner Linie anklebende Hälfte mit Ausſchluß aller andern. Die Aszendenten in demſelben Grade erben Kopf⸗ weiſe. Art. XXXVII. Die Aszendenten erben, mit Ausſchluß aller an⸗ dern, die Dinge, welche ſie ihren ohne Nachkom⸗ menſchaft verſtorbenen Kindern oder Deszendenten geſchenkt haben, wenn die geſchenkten Dinge ſich in Natur in der Erbſchaft wiederfinden. Wenn dieſe Gegenſtaͤnde veraͤuſſert worden ſind, ſo erhalten die Aszendenten den Kaufſchilling, der noch(allenfalls) darauf geſchuldet würde. Sie er⸗ Anmerkungen. Zum Art. 36. Die folgenden Verfügungen des Ge⸗ ſetzbuchs ſind die nothwendigen Folgerungen des anf⸗ geſtellten Spſtems, und beduͤrfen keiner Erlaͤuterung. Wir werden uns daher darauf beſchränken, bloß ei⸗ nige Abweichungen von dem geſchriebenen Rechte zu eroͤrtern, welche, das naͤmliche Syſtem erzeugt hat. 038 5 ben auch die Klage auf Zuruͤcknahme,('action de reprise) welche dem Schenkgeber zuſtehen könnte. Art. XXxVIII. Wenn die Aeltern einer ohne Nachkommenſchaſt verſtorbenen Perſon ſie uͤberlebt haben, ſo wird die Erbſchaft, wenn ſie Geſchwiſter oder Deszendenten von Geſchwiſtern hinterlaſſen hat, in zwei gleiche Theile getheilt, von welchen nur die eine Hälfte dem Vater und der Mutter zufallt, welche ſie gleich⸗ falls unter ſich theilen. Die andere Hälfte gehoͤrt den Bruͤdern, Schwe⸗ Anmerkungen. Zum Art. 33. Man hat hier wieder die Stimme der Natur zu Rath gezogen. Ohne Zweifel muſſen die Aeltern die Kollateral Verwandte ausſchlieſſen. Allein, wenn, indem ſie ein Kind verlieren, ihnen andre übrig bleiben, iſt dann nicht die Theilung der Erbſchaft unter die Aeltern und Geſchwiſter in der Ordnung der Natur? Nach dem römiſchen Rech⸗ te ſchloſſen die Aszendenten die halbbürtigen Ge⸗ ſchwiſter aus, und theilten blos mit den Pollburtigen. Nach den meiſten Herkommen erbten die Aszenden⸗ ten die Mobel und Acqneſte, die Kollateral Ver⸗ wandte die eigenthuͤmlichen Guͤter. In einigen Pro⸗ vinzen erbten blos die Aeltern, nie aber die Gros⸗ Aeltern. An die Stelle aller dieſer Verfuͤsungen iſt eine gerechte, einfache, in ihrer Anwendung keinen Schwierigkeiten unterworfene Regel getreten. Die Veltern theilen mit ihren Kindern die Erbſchaft des verſtorbenen Kindes; ſie erhalten die Hälfte; die Geſchwiſter die andere. Iſt nur einer der Aeltern mehr vorhanden, ſo erhalten die Kinder drei Vier⸗ theile. Dieſe theilen ihren Antheil zu gleichen Thei⸗ 039 ſtern oder ihren Deszendenten, ſo wie es in dem Abſchnitt: von den KollateralErbſchaf⸗ ten erklaͤrt werden wird. Art. XXXIX. Im, Falle wo die ohne Nachkommenſchaft verſtor⸗ bene Perſon Geſchwiſter oder Deszendenten von Ge⸗ ſchwiſtern hinterläßt, und der Vater oder die Mutter vorhergeſtorben iſt, ſo wird der Theil, welcher ihm, oder ihr kraft des vorhergehenden Artikels zugefal⸗ len ſein würde, mit der den Geſchwiſtern oder ihren Repraäſentanten zugefallenen Hälfte vereinigt, ſo wie es hierunten erklaͤrt werden wird. Von den KollateralErbſchaften. Art. XL.⸗ Wenn Vater und Mutter einer ohne Nachkom⸗ menſchaft verſtorbenen Perſon vor ihr geſtorben ſind, Anmerkungen. len wenn ſie aus derſelben Ehe ſind; ſind ſie aus verſchiedenen Ehen entſproſſen, ſo erhaͤlt jede Linie die Hälfte; jedes Kind nimmt ſeinen Antheil in ſeiner Linie, und, wenn deren blos von einer Linie vorhan⸗ den ſind, ſo erhalten dieſe alles. Zum Art. 40 his 43. Hier treten wieder die obigen Grundſätze, ſo wie jener der gleichen Theiluns zwi⸗ ſchen beiden Linien ein. (40 ſo ſind ihre Geſchwiſter oder ihre Deszendenten, mit Ausſchluß der Aszendenten und der andern Kol⸗ lateral Verwandten(zur Erbſchaft) berufen. Sie erben, entweder durch ſich ſelbſt, oder durch Repräſentation, ſo wie es im Abſchnitt: von der Repräſentation regulirt worden iſt. Art. XLl. Wenn beide Aeltern der ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen Perſon ſie uͤberlebt haben, ſo ſind ihre Geſchwiſter oder ihre Repraͤſentanten blos zur Hälfte der Erbſchaft berufen; hat blos der Vater oder (blos) die Mutter ſie uͤberlebt, ſo ſind ſie zu den drei Viertheilen der Erbſchaft berufen. Art. XLII. Die Theilung der Halfte, oder der drei Viertheile, welche den Bruͤdern oder Schweſtern nach den Ver⸗ fugungen des vorhergehenden Artikels zugefallen ſind, wird unter ihnen zu gleichen Theilen bewerk⸗ ſtelligt, wenn ſie alle aus derſelben Ehe entſprun⸗ gen ſind; wenn ſie aus verſchiedenen Ehen ſind, ſo wird die Erbſchaft zwiſchen die väterliche und die muͤtterliche Linie des Verſtorbenen zu gleichen Half⸗ ten getheilt; die vollbürtigen nehmen in den beiden Linien Theil; und die blos von der Mutter und blos von dem Vater her Verwandte jeder nur in ſeiner 41 Linie; ſind nur von einer Seite Brüder oder Schwe⸗ ſtern vorhanden, ſo erben ſie das Ganze mit Aus⸗ ſchluß von allen andern Verwandten von der andern Linie. Art. XLIII. In Ermangelung von Brüdern oder Schweſtern, oder Deszendenten von ihnen, und in Ermange⸗ lung von Aszendenten in einer oder der andern Linie, iſt die Erbſchaft, zur Hälfte, den uͤberlebenden Aszendenten und zur andern Hälfte den nächſten Verwandten der andern Linie zugefallen. Wenn Kollateral Verwandte im nämlichen Grad konkurriren, ſo theilen ſie nach den Köpfen. Art. XLIV. Im Fall des vorhergehenden Artikels hat der uͤber⸗ lebende Vater, oder die uͤberlebende Mutter die Nuz⸗ nieſſung von dem Drittel der Guͤter, welche er oder ſie nicht eigenthuͤmlich erbt. Anmerkungen. Zum Art. 44. Dieſe Verfuͤgung gruͤndet ſich eben⸗ folls auf den vermuthlichen Willen der Klnder, wel⸗ che gewiß, um den Genuß der Kollateral Erben zu beſchlennigen, die Urbeber ihrer Tage nicht in Man⸗ gel gelaſſen haben wuͤrde; ohne Zweifel gewaͤhrt ſie den Aeltern einen traurigen Erſatz fuͤr den Verluſt ihrer Kinder, aber doch oft einige Erleichterung in den Bedürfniſſen des Alters. (420 Art. XLV. Die Verwandte, welche in weitern als dem zwoͤlf⸗ ten Grade verwandt ſind, erben nicht. In Ermangelung von Verwandten von einem erb⸗ faͤhigen Grad in einer Linie erben die Verwandten der andern Linie das Ganze. Viertes Kapitel. Anmerkungen. 3um Art. 45. Kach dem zwoͤlften Grad kennt man keine Verwandſchaft mehr. In der That wuͤrde dann der Beweiß zu ſchwer werden. Der Stolz hat eher als das Intereſſe die Genealogien aufbewahrt; die groͤſte Menge der Menſchen, der Eitelkeit der Ge⸗ burt fremd, iſt der Sorgfalt unfähig, welche nötbig iſt, um einen alten Urſprung zu erweiſen, und doch ſind die Geſetze für die Menge gemacht. Auſſerdem mußte das Geſetzbuch, auch wenn man von der Schwie⸗ rigkeit der Beweiſe abſtrahiren wollte, doch ein Ziel ſtecken. Wenn mau der Verwandſchaft ins unend⸗ liche nachſpüren wollte, ſo wuͤrde eine Vermiſchung der Familien daraus entſtehen; die Erben wuͤrden unzaͤhlig werden, und umimmer gerecht zu ſein, wuͤr⸗ de man in unendliche Theilungen und Prozeſſe ge⸗ rathen. Nach dem zwolften Grad iſt man von dem gemeinſchaftlichen StammVater ſo weit entfernt, die Familien Neigungen ſind ſo abgenutzt, daß man ſich mehrentheils nicht mehr kennt, und ſolche Perwand⸗ te nicht mehr Recht als jeder Fremde haben. Die einzige Gunſt, die man in dieſem Falle der Verwandſchaft bewilligen konnte, beſtand darin, daß man dem Verwandten, der der einzige im zwoͤlften Grade ſein würde, den Theil ſeiner Linie und zugleich jenen der fehlenden Linie zuerkannte. (43N Von den unregelmäſigen Erbſchaften. Erſter Abſchnitt. Von den Rechten der natuͤrlichen Kinder auf die Güter ih⸗ res Vaters oder ihrer Mutter, und von der Erbſchaft der ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen natuͤrlichen Kinder. Art. LVI. Die natuͤrlichen Kinder ſind keine Erben; das Geſetz bewilligt ihnen nur dann Rechte auf die Guͤ⸗ ter ihres verſtorbenen Vaters, oder ihrer verſtorbe⸗ nen Mutter, wenn ſie geſetzlich anerkannt worden Anmerkungen. Viertes Kapitel. Wir kommen itzt zu den unregelmäſigen Erb⸗ ſchaften, nämlich zu jenen, welche das Geſeh uͤber⸗ tragt, wenn ſſch kein rechtmäſiger Erbe in der Fami⸗ lie mehr vorfindet. Die Erbfolge, welche, wie wir geſehen haben, eine CivilInſtitution iſt, wird hier noch willkührlicher, und von dem poſitiven Rechte noch abhaͤngiger, welches dem Geſetzgeber zwiſchen mehreren verſchiedenen Verfügungen freie Wahl laͤßt. Die ehemaligen Geſetze beriefen, in Ermangelung von Verwandten, den überlebenden Gatten, und in deſſen Ermaugelung, den Staat zur Erbſchaft. Man hat dieſe Verfügungen heibehalten, aber dennoch ge⸗ glaubt, daß die anerkannten natuͤrlichen Kinder noch rechtmäſigere Anſprüche zu machen hätten, und ſie da⸗ her jenen vorgezogen. Zum Art. 36 bis 49. Die Kufſuchung der Vater⸗ ſchaft iſt verboten; den Aeltern allein bleibt es uͤber⸗ laſſen, durch ihre Anerkennung den Civilſtand ihres Kindes zu konſtatiren. Wenn aber die Natur in dieſem Falle auch einen Theil der väterlichen Beſitz⸗ G44N ſind. Es ertheilt ihnen gar kein Recht auf die Guͤ⸗ ter der Verwandten ihres Vaters oder ihrer Mutter. Art. XLVII. Das Recht des natuͤrlichen Kindes auf die Guͤter ſeines verſtorbenen Vaters oder ſeiner verſtorbenen Mutter iſt beſtimmt wie folgt: Wenn der Vater oder die Mutter rechtmaͤſige Des⸗ zendenten hinterlaſſen hat, ſo iſt dieſes Recht von einem Drittel des Erbtheils, welches das natürliche Kind erhalten haben wuͤrde, wenn es rechtmaͤſig ge⸗ weſen wäre: es iſt von der Hälfte, wenn der Va⸗ ter oder die Mutter keine Deszendenten, aber wohl Aszendenten oder Geſchwiſter hinterlaſſen hat: es Anmerkungen. thuͤmer in Anſpruch nimmt, ſo verbietet doch die Geſellſchaft, ſie den rechtmäſigen Kindern vollig gleich zu ſtellen. Ehedem war die Geſetzgebung offenbar aͤuſterſt un⸗ gerecht gegen die unehelichen Kinder. Ein harbari⸗ ſches Vorurtheil verfolgte ſie von ihrer Geburt an; und während die offentliche Meinung ſie für die Schuld ihrer Väter ſtrafte, erlitten die wahren Schul⸗ digen keine Beunruhigung in ihren Genuͤſſen, keine Verminderung ihrer perſoͤnlichen Achtung. Die Geſetze vom 4 Junins 1793 und vom 12 Brumaire 2 Jahres fielen in das entgegengeſetzte Ertrem. Das neue Geſetz hat die Mittelſtraße zu halten geſucht. Es ſtellt die natürlichen Kinder uicht in denſelben Rang mit den Sproſſen einer achtungs⸗ würdigen und von allen Geſetzen geheiligten Verbin⸗ dung; es beehrt ſie nicht mit dem Litel von Erben; 0450 iſt von den drei Viertheilen, wenn der Vater oder die Mutter weder Deszendenten noch Aszendenten, noch Bruͤder noch Geſchwiſter hinterläßt. Art. XLVIII. Das natürliche Kind hat ein Recht auf das ganze Vermoͤgen, wenn ſein Vater oder ſeine Mutter keine Verwandten in erbfaͤhigem Grade hinterlaſſen hat. Art. XLIX. Iſt das natuͤrliche Kind verſtorben, ſo können ſeine Kinder oder Deszendenten die Rechte, welche in den vorhergehenden Artikeln beſtimmt ſind, rekla⸗ miren. Anmerkungen. es bewilligt ihnen blos Rechte und garantirt die Schuld, welche ihre Aeltern kontrahirt haben, als ſie ihm die Geburt gaben, und zu der ſie ſich durch die Anerkennung bekannt haben. Die natuͤrlichen Kinder werden keine FamilienRRechte ausuͤben: ſie bleiben auſſer der Familie; ſie haben auf das Ver⸗ mögen dieſer Familie, welcher ſie nicht angehören, keine Anſpruͤche; aber das Blut ihrer Aeltern fließt in ihren Adern, und das Geſetz kann die Rechte die⸗ ſes Blutes uicht verkennen. Dieſe Rechte ſind mit Weisheit beſtimmt; ſie ſind ausgedehnter, wenn blos KollateralErben vorhanden ſind, beſchränkter, wenn die Aeltern rechtmäſige Kin⸗ der oder Geſchwiſter hinterlaſſen. Sind keine Ver⸗ wandte mehr vorhanden, ſo ſchließen ſie die Rechte des Fiskus, welcher in der Ordnung der unregelmä⸗ ſigen Erben der letzte iſt, aus. 6465 Art. L. Das natuͤrliche Kind oder ſeine Deszendenten ſind gehalten, alles das, was ſie von dem Vater oder der Mutter, deren Erbſchaft eröffnet iſt, erhalten haben, und was der Collation, nach den im bten Kapitel, im Abſchnitt: von den Collationen ¶des rapports) aufgeſtellten Regeln, unterworfen wäre, auf das aufzurechnen,(à imputer) was ſie zu verlangen berechtigt ſind. Art. LI. Jede Reklamation iſt ihnen unterſagt, wenn ſie, bei Lebzeiten ihres Vaters oder ihrer Mutter, die Halfte von dem, was ihnen durch die vorher⸗ gehenden Artikel zugewieſen iſt, von Seiten ihres Vaters oder ihrer Mutter, mit der ausdruͤcklichen Er⸗ klärung, erhalten haben, daß es ihre Abſicht iſt, das natuͤrliche Kind auf die Portion zu reduziren, welche ſie ihm angewieſen haben. Anmerkungen. Zum Art. 30 n. 51. Wenn die Aeltern, um der Ruhe ihrer Familie halber, Sorge getragen haben, ihre Schuld gegen das natuͤrliche Kind noch bei Leb⸗ zeiten abzutragen, wenn ſte bei dieſer Anticipation zugleich den Willen erklaͤrt haben, daß ihre Erbſchaft nachher nicht mehr in Anſpruch genommen werden ſolle⸗ ſo läßt das Geſetz dieſen Willen beſtehen. Eine ſol⸗ che Schenkung iſt den Kindern und der Familie nuͤz⸗ lich; den erſten gewährt ſie früher den Genuß; ſie 6475 In dem Falle, wo dieſe Portion geringer waͤre als die Hälſte von dem, was dem natuͤrlichen Kind zukommen müßte, ſoll es blos die Ergänzungs Sum⸗ me(le supplément) reklamiren können, welche nö⸗ thig iſt, um dieſe Hälfte voll zu machen. Art. LII. Die Verfuͤgungen der Artikel 47 und q8 ſind auf die ehebrecheriſchen, oder blutſchaͤnderiſchen Kinder nicht anwenbbar. Das Geſetz bewilligt ihnen nichts, als Alimente. Art. LIII. Dieſe Alimente werden in Hinſicht auf die Ver⸗ moögens Umſtaͤnde des Vaters oder der Mutter, auf Anmerkungen. befreit die zweiten von einem gehaͤſſigen Gläubiger. Doch muß die Schenkung die Rechte, welche das Kind nach dem Tode der Aeltern gehabt haben wuͤrde, nicht uͤber die Hälfte verlezt haben. Zum Art. 52 bis 55. Da die Anerkennung der aus einem blutſchänderiſchen oder ehebrecheriſchen Umgang erzeugten Kinder verboten iſt, ſo koͤnnen ſie in kei⸗ nem Falle Erben werden. Sie haben auch keine Rechte, ſondern blos Anſprüche auf Mitleiden; ſie konnen nichts, als Nahrung fordern. Das Geſetz er⸗ laubt das Geſtaͤndniß einer Schwaͤche, nicht aber die Anerkennung eines Verbrechens. Nichtsdeſtoweni⸗ ger kann die Eriſtenz eines ſolchen Kindes zuweilen eine evidente Thatſache ſein. Ein Mann hat z. B. ein Kind geſetzlich, und in gehoͤriger Zeit verlängnet; ein Urtheil hat es fuͤr die Frucht eines ehebrecheri⸗ 0460 die Anzahl und die Qualität der rechtmäſigen Erben beſtimmt. Art. LIV. Wenn der Vater oder die Mutter des ehebreche⸗ riſchen oder blutſchaͤnderiſchen Kindes daſſelbe eine mechaniſche Kunſt werden haben erlernen laſſen, oder wenn eins der Aeltern ihm bei Lebzeiten wird Alimente verſichert haben, ſo ſoll das Kind keine Re⸗ klamation gegen ihre Erbſchaft erheben koͤnnen. Art. LV. Die Erbſchaft des ohne Rachkommenſchaft ver⸗ ſtorbenen natirlichen Kindes iſt dem Vater oder der Anmerkungen. ſchen Umgangs der Mutter anerkannt. Dieſe kann nicht von der Verbindlichkeit freigeſprochen werden, ihm Alimente zu geben. Der Vater kann den Ge⸗ burtsAkt als Vater unterzeichnet haben, ohne zu er⸗ klären, daß er mit einem andern Weibe vorher ver⸗ bunden, oder die Mutter ſeine Schweſter war. In die⸗ ſem Falle kann das Kind dieſe Anerkennnng nicht geltend machen, aber das Factum derſelben berech⸗ tigt es Nahrung zu fordern. Schon das alte Recht nahm dieſen Grundſaß an; die Natur verlangt ſeine Beibehaltung, denn jedes huͤlfloſe Weſen darf von denen Nahrung fordern, die ihm das Leben gege⸗ ben haben. Zum Art. 55 und 56. Ehebem gehorte die Erbſchaft eines ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen unehelichen Kindes dem Fiskus. Die Verfuͤgung des Geſetzes zu Gunſten der Geſchwiſter iſt offenbar eine bloſſe 49 N Mutter, welcher oder welche daſſelbe anerkannt hat, oder wenn es von dem einen und der andern aner⸗ kannt worden iſt, beiden zur Halfte verfallen. Art. LVI. Wenn Vater und Mutter des natuͤrlichen Kindes vor demſelben geſtorben ſind, ſo gehen die Guͤter, welche es von denſelben erhalten hat, wenn ſie ſich in Natun in der Erbſchaft vorfinden, auf die recht⸗ mäſigen Geſchwiſter uͤber: die Klage auf die Ruͤck⸗ erſtattung(Pacton en reprise), wenn eine ſolche ſtatt findet, oder der Kaufſchilling von den verkauf⸗ ten Gütern dieſer Art, wenn er noch geſchuldet wird, fällt ebenfalls an die rechtmäſigen Geſchwiſter zu⸗ ruͤck. Alle andere Guter gehn auf die natuͤrlichen Geſchwiſter oder ihre Deszendenten übet. Anmerkungen. Gunſt, denn blos rechtmaͤſige Verwandte beſitzen das Recht der Erbfolge; allein die Republik, welche in dieſem Falle die einzige ſein wuͤrde, die Anſpruche zu machen haͤtte, kann darauf verzichten. Es ſchien zudem billiger, ſeine Verlaſſenſchaft an die Aeltern zuruͤckfallen zu laſſen, welche die Pflichten der Na⸗ tur gegen es erfullt haben, und alſo auch zu dem Ge⸗ nuß der Rechte der Vaterſchaft berechtigt ſind. Hat das natuͤrliche Kind weder Vater noch Mut⸗ ter, noch natuͤrliche Geſchwiſter, noch Deszendenten von ſolchen, ſo hat es keine rechtmäſige Erben; ſeine Erbſchaft geht dann auf ſeine unregelmaſigen Erben uͤber, naͤmlich 1) anf ſeine natüͤrlichen Kin⸗ der, 2) auf ſeinen Gatten, 3) auf die Republik. 4 050 Zweiter Abſchnitt. Von Rechten des überlebenden Ehegatten und der Re⸗ publik. Art. LVU. Wenn der Verſtorbene weder Verwandte in erb⸗ faͤhigen Graden, noch naturliche Kinder zurucklaͤßt, ſo gehoͤren die ſeine Erbſchaft ausmachenden Guͤter, dem uͤberlebenden, nicht(von ihm) geſchiedenen Gatten. Art. LVIII. en Ermangelung eines uͤberlebenden Gatten iſt die Erbſchaft der Republik erworben. Anmerkungen. Zum Art. 57. In Ermangelung von natürlichen Kin⸗ dern, geht das Vermoͤgen auf den Ehegatten uͤber, nach den Grundſätzen des römiſchen Rechtes im Titel unde vir er uxor. Die Rechte des Gatten treten erſt nach den der natuͤrlichen Kinder ein, weil er ſo eng auch das Band war, welches ihn mit dei Ver⸗ ſtorbenen verknuͤpfte, doch immer einer fremden Fa⸗ milie angehort. Der zweite Titel ſichert indeſſen dem Gatten das Recht zu, dem uͤverlebenden Gatten in dem Fall, wo er keine andere Erben als natür⸗ liche Kinder hinterlaſſen ſollte, ſeine Dankbarkeit und ſeine Zuneigung zu beweiſen. Geſchiedene Gatten können jedoch die Wohlthat dieſes Artikels nicht anrufen. Er beruht auf der Vermuthung, daß der Perſtorbene ſeinen Gatten der Republik vorgezogen haben wuͤrde, welche ledoch in dieſem Fall verſchwinden muß. Zum Art. 53. Dies iſt eine allgemeine Regel in gllen Staaten. Die Guͤter, welche niemand in An⸗ (51) Art. LIX. Der uͤberlebende Ehegatte und die DomainenRe⸗ gie, welche ein Recht auf die Erbfolge zu haben behaupten, ſind gehalten, die Siegel auflegen, und in den für die Annahme der Erbſchaften unter der Rechtswohlthat des Inventariums vorgeſchriebenen Formen ein Inventarium errichten zu laſſen. Art. LX. Sie muͤſſen die Beſitz Einſetzung von dem Tribu⸗ nal erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Erbſchaft erofnet iſt, anverlangen; das Tribunal kann nicht eher als nach drei Verkuͤndigungen und AnſchlagZetteln in den gebraͤuchlichen Formen und nach Anhörung des RegierungsKommiſſairs daruͤber erkennen. Anmerkungen. ſpruch nebmen kann, gehören der Geſellſchaft an. Was keinem Individuum gehort, fällt der Geſammt⸗ heit der Individuen zu, die der Staat vorſtellt. Zum Art. 39 bis 63. Eine unregelmäſige Erbſchaft tritt nur in Ermangelung rechtmäſiger Erben ein, dieſe haben aber das Recht, ſo lange ihre Klage nicht verjährt iſt, ihre Anſpruͤche geltend zu machen. Man mußte alſo dafuͤr ſorgen daß die Erbſchaft ihnen er⸗ halten wuͤrde, wenn ſie noch in der nützlichen Zeit⸗ friſt erſcheinen ſolten. Die unregelmäſigen Erhen tre⸗ ten daher nicht von Rechtswegen in den Befitz ein; nicht der Tod des Erblaſſers, ſondern das Urtbeil des Tribunals, welches ſie einſetzt, übertragt die Erb⸗ ſchaft auf ſie. Die Maſſe der Güter muß durch ein „ (520 Art. LXI. Der uͤberlebende Ehegatte iſt auſſerdem noch ge⸗ halten, das MobiliarVermögen anzulegen(de jaire emploi du mobilier) oder eine hinreichende Caution zu ſtellen, um deſſen Erſatz in dem Falle zu ver⸗ ſichern, wenn in einer Zeitfriſt von drei Jahren Erben des Verſtorbenen erſcheinen wuͤrden; nach die⸗ ſer Zeitfriſt iſt die Caution entladen. Art. LXII. Der uberlebende Ehegatte, oder die Domainen⸗ Verwaltung, welche die ihnen reſpective vorgeſchrie⸗ benen Formalitäten nicht erfuͤllt haͤtten, ſollen zu Schadloshaltungen(dommages-intérets) verurtheilt werden können, wenn deren ſtatt finden. Art. LXIII. Die Verfugungen der Artikel 59, 60, 61 u. 62, Anmerkungen. Inpentarium konſtatirt und alle Vorſichts Maasregeln getroffen werden, um die Rechte der allenfalſigen Erben für den Fall ihrer Erſcheinung zu bewahren. Es bleibt noch ein Fall uͤbrig: uaͤmlich, wenn we⸗ der Verwandte, noch natuͤrliche Kinder, noch der Gatte, noch die Republik erſcheint, um eine Erbſchaft zu begehren. Dann iſt dieſe vakant. Diejenigen aber, welche Rechte auf dieſelbe geltend zu machen ha⸗ ben, muͤſſen durch die Geſetze an jemand angewieſen wer⸗ 053N ſind den, in Ermangelung von Verwandten Gzur Erbſchaft) berufenen natuͤrlichen Kindern, gemein⸗ ſchaftlich. F uͤnftes Kapitel. Von der Annahme und dem Ausſchlagen der Erbſchaften. Anmerkungen. den, um ſie gegen ihn zu verfolgen. In dieſem Falls wird, wie es weiter unten beſtimmt werden wird, zu dem Ende ein Kurator der vakanten Erbſchaft ernannt. Fuͤnftes Kapitel. Wir kommen itzt zu dem zweiten Theil des Pro⸗ jektes, der von der Annahme und Ansſchlagung der Erbſchaften, der Art ihrer Theilung, den Wirkun⸗ gen dieſer letztern, und der Zahlung der Schulden handelt. Dieſer Theil erheiſcht keine lange Entwik⸗ kelung. Er ſtellt nicht, wie der erſte ein neues Syſtem auf: er enthält lauter ſchon bekannte Re⸗ geln, die aber mit Sorgfalt und PVorſicht zum Theil aus dem geſchriebenen Rechte, zum Theil aus den Herkommen, zum Theil dem RechtsGebrauch ent⸗ lehnt ſind. Das Geſetz würde unvollkommen ſein, wenn es nicht alles enthielte, was auf die Erbſchaft Bezug„ haben kann; es fangt damit an, den Augenblick der Eroffnung derſelben zu beſtimmen; es muß die ganze Zwiſchenzeit bis zu dem Augenblick durchlaufen, wo alle Schwierigkeiten gehoben, und durch eine end⸗ liche und unwiderrufliche Theilung alle Operationen be⸗ endigt ſind, welche, indem ſie den Antheil jedes Er⸗ ben an den Guͤtein und an den Laſten beſtimmt, alle Gemeinſchaft zwiſchen ihnen aufhebt. Die Regeln in dieſer Hinſicht ſind in den zwei letzten Kapiteln des Geſetzes enthalten. Dieſe Ka⸗ G54 N Erſter Abſchnitt. Von der Annahme. Art. LXIV. Man kann eine Erbſchaft geradezu und unbedingt, (purement et simplement) oder(auch) unter der Rechts Wohlthat des Inventariums annehmen. Art. LXV. Riemand iſt gehalten, eine ihm zugefallene Erb⸗ ſchaft anzunehmen. Anmerkungen. pitel enthalten eine Menge Artikel, die aber blos die Entwickelung einiger anerkannten Grundſätze ſind. Erſter Abſchnitt. Zwei verſchiedene Intereſſe müſſen immer den Ge⸗ ſetzseber in der Succeſſions Materie beſchaftigen: das der Erben, und das der Glaͤubiger. Der Erbe erhaͤlt die Güter, aber das Geſetz er⸗ theilt ſie ihm nur unter der Verbindlichkeit, die La⸗ ſten abzutragen, Zum Art. 64. u. 63. Die Glaͤnbiger koͤnnen ihr Recht gegen den Erben ausuͤben, allein das Geſetz gewährt dieſem eine hinreichende Zeitfriſt, um ſich uͤber den Zuſtand der Erbſchaft zu verſichern, und ſich zu entſchlieſſen, ob er ſie anuehmen oder ausſchla⸗ gen will. Alle Verfuͤgungen des Projektes zwecken dahin ab, ein gerechtes Gleichgewicht zwiſchen dieſen gleich empfehlungswuͤrdigen Intereſſen zu erhalten, um ieines zum Nachtheil des andern zu beguͤnſtigen. Der Antritt einer Erbſchaft iſt ein Recht. Jeder kann aber, den Rechten eines Dritten ohnbeſchadet, auf ſeine Rechte verzeihn. Er kann daher nicht ge⸗ zwungen werden, zu erben⸗ 055 Art. LXVI Die verheiratheten Weiber können ohne die Er⸗ mächtigung ihres Mannes, oder der Gerichte, in Gemaͤßheit der Verfuͤgungen des Geſetzes uͤber die gegenſeitigen Rechte und Pflichten der Ehegatten, keine Erbſchaft auf gultige Art annehmen. Die den Minderjaͤhrigen und Interdicirten zuge⸗ fallenen Erbſchaften ſpollen nur in Gemäßheit der Verfuͤgungen des Geſetzes: uͤber die Vormund⸗ ſchaßten, auf eine guͤltige Art angenommen wer⸗ den koͤnnen. Art. LXVII. Die Wirkung der Annahme geht bis auf den Tag der Eroffnung der Erbſchaft zuruͤck. Anmerkungen. Es giebt zwei Arten der Annahme einer Erbſchaft, die erſte iſt ohne Vorbehalt, unbedingt. Die zweite geſchieht unter der Rechts Wohlthat des Inventariums. Hier iſt nur von der erſten die Rede. Zum Art. 66. Siebe Art. 211 des ſechsten Kapi⸗ tels des Ften Titels des Iten Buchs.(Seite 149 Theil 1.) Art. 455. und folgende des achten Ab⸗ ſchnitts des zweiten Kapitels des Titels 10 des 1ten Buchs.(Seite z02 und f des 1. Theils) und 503 des zweiten Kapitels des Tites 9. des erſten Buchs. (Theil 1. S. 327.) Zum Art. 67. Eine Folge des Grundſatzes, daß die Erbſchaft nicht einen Augenblick ohne Herrn bleiben darf. Eben ſo hat die Verzichtleiſtung, ohngeachtet ſie ſpäterhin erklaͤrt worden iſt, ihre Wirkung von 560 Art. LXVIII. Die Annahme kann ausdrucklich oder ſtillſchwei⸗ ſchweigend ſein: ſie iſt ausdruͤcklich, wenn man in einem authentiſchen oder PrivatAkt den Titel oder die Eigenſchaft als Erbe annimmt; ſie iſt ſtill⸗ ſchweigend, wenn der Erbe einen Akt vornimmt, der nothwendig ſeine Abſicht,(die Erbſchaft) anzuneh⸗ men, vorausſetzt, und den er blos in ſeiner Eigen⸗ ſchaſt als Erbe zu machen berechtigt waͤre. Art. LXKIX. Bloße konſervatoriſche Akte, Akte der proviſori⸗ ſchen Aufſicht und Verwaltung ſind keine Akte des Antritts der Erbſchaft, wenn man dabei nicht den Titel oder die Eigenſchaft als Erbe angenommen hat. Anmerkungen. dem Augenblick der Eröffnung an, und von dieſem Angenblick treten die Rechte deren ein, die die Stelle des Verzichtleiſtenden einnehmen. Zum Atr. 68 u. 69. Dieſe Verfuͤgungen bezwecken ebenwohl, daß man die einmal angenommene Eigen⸗ ſchaft als Erbe nicht willkuͤhrlich wieder abſchuͤtteln koͤn⸗ ne, und auf der andern Seite, daß der nicht mit die⸗ ſer Eigenſchaft belaſtet werden koͤnne, der die Abſicht, ſie anzunehmen, nicht gehabt, und ſie nicht wirklich auf eine unzweifelhafte Art angenommen haͤtte. Denn ſo lange ein Erbe weder ausdruͤcklich noch ſtillſchwei⸗ gend angenommen hat, hat er die Befugniß zu ver⸗ zichten. Ein konſervatoriſcher Akt kann nicht als ein Beweiß dieſer Abſicht angeſehen werden, er ſetzt blos eine lobenswuͤrdige Sorgfalt für ein dringendes Beduͤrfniß voraus. 6N Die Schenkung, der Verkauf oder Uebertrag ſei⸗ ner Erbrechte, von Seiten eines der MitEerben, es ſey nun an einen Fremden, oder an alle ſeine Mit⸗ Erben, oder an einige unter ihnen, fuͤhrt ſeinerſeits die Annahme der Erbſchaft mit ſich(emporte). Eben ſo verhält es ſich 1) mit der Verzichtlei⸗ leiſtung, ſelbſt der unentgeltlichen, welche einer der Erben zum Vortheil eines oder mehrerer der MitErben macht. 2) Mit der Verzichtleiſtung, die er, ſelbſt zum 5 Vortheil aller ſeiner MitEerben ohne Unterſchied macht, wenn er fuͤr dieſe Verzichtleiſtung eine Vergütung erhält(orsqueil en recoit le prin. Mpr Wenn der, welchem eine Erbſchaft zugefallen iſt, Anmerkungen. Zum Art. 70. Ein anderes iſt es mit einer Schen⸗ kung oder einem Verkauf. Dies ſind Verfuͤgungen, die nur der Herr einer Sache machen kann. Um nicht anzunehmen, muß man geradezu und unbedingt ansſchlagen, dem Geſetz den Uebertrag der verlaſſe⸗ nen Rechte uͤberlaſſen, und nicht ſelbſt daruͤber ver⸗ fuͤgen. Der gute Glaube, welcher die Grundlage der Akte ſein muß, verbietet ebenfalls, daß ein Erbe, der zu einer nuͤtzlichen Erbſchaft berufen waͤre, ſeine Glaͤubiger durch eine verſtellte Verzichtleiſtung, wo⸗ fuͤr er ſich haͤtte bezahlen laſſen, täuſchen könne. (585 geſtorben iſt, ohne ſie ausgeſchlagen(repudiée) zu haben, oder ohne ſie ausdrucklich oder ſtillſchwei⸗ gend angenommen zu haben, ſo können ſeine Erben ſie in ſeinem Namen(de son chel) annehmen oder ausſchlagen. Art. LXXII. Wenn dieſe Erben nicht einig ſind, um die Erb⸗ ſchaft anzunehmen oder auszuſchlagen, ſo muß ſie unter der Rechts Wohlthat des Inventariums, an⸗ genommen werden. Art. LXXIII. Der Großjährige kann die von ihm geſchehene ausdruͤckliche over ſtillſchweigende Annahme einer Erbſchaſt nicht(mehr) angreifen, den Fall ausge⸗ nommen, wenn dieſe Annahme die Folge eines gegen ihn veruͤbten Betrugs geweſen waͤre; er kann nie unter dem Vorwand der Verletzung reklamiren, den einzigen Fall ausgenommen, wo ſich die Erbſchaft durch die Entdeckung eines im Augenblick der Annah⸗ me unbekannten Teſtamentes verſchlungen, oder um mehr als die Hälfte vermindert finden wuͤrde. Zweiter Abſſchnitt. Von der Verzichtleiſtung auf Erbſchaften. 659 N Art. LXXIV. Die Verzichtleiſtung auf eine Erbſchaft wird nicht vermuthet. Sie kann nicht anderſt, als auf der Greffe des erſten Inſtanz Gerichts, in deſſen Bezirk die Erbſchaft erofnet iſt, auf einem beſondern, zu die⸗ ſem Zweck gehaltenen Regiſter geſchehen. Art. LXXV. Der verzichtleiſtende Erbe wird angeſehen,(est cense) als ware er nie Erbe geweſen. Art. LXXVI. Der Antheil des Verzichtleiſtenden waͤchſt ſeinen MitErben zu; wenn er der einzige iſt, ſo iſt ſie dem folgenden Grade zugefallen(devolue). Art. LXXVII. Man kann nicht durch Repraͤſentation eines Erben Anmerkungen. Zweiter Abſchnitt. Zum Art. 74. Eine Verzichtleiſtung beruft andere Erben; ſie intereſſirt die Glaͤubiger der Erbſchaft. Ein Akt dieſer Art muß alſo nothwendig oͤffentlich ſein. Die Geheimhaltung koͤnnte zu viele Mis⸗ braͤuche und Unterſchleife beguͤnſtigen. Da die Verzichtleiſtung in der Regel nicht vermuthet wer⸗ den kann, ſo kann es keine ſtillſchweigende geben; ſie muß beſtimmt erklaͤrt werden. Zum Art. 77. Siehe Art. 33 des zweiten Abſchnitts des dritten Kapitels des gegenwaͤrtigen Titels (Seite 31.) 6600 zu einer Erbſchaft gelangen, auf welche dieſer ver⸗ zichtet hat. Wenn der Verzichtleiſtende der einzige Erbe ſeines Grades iſt, oder wenn alle ſeine MitEr⸗ ben Verzicht leiſten, ſo treten die Kinder in ihrem eigenen Ramen(de leur chet) ein, und erben nach den Köpfen. Art. LXXVIII. Die Glaäͤubiger deſſen der, ihren Rechten zum Rachtheil, Verzicht leiſtet, können ſich gerichtlich ermächtigen laſſen, die Erbſchaft im Namen(de chel) ihres Schuldners und an ſeiner Stelle an⸗ zunehmen. In dieſem Falle iſt die Verzichtleiſtung blos zu Gunſten der Glaͤubiger und nur bis zur Konkurrenz ihrer Forderungen vernichtet; ſie iſt es aber nicht zum Vortheil des Erben, welcher Verzicht gelei⸗ ſtet hat. Anmerkungen. Sum Art. 78. Dieſe Verfuͤgung ſichert die Rechte der Glaͤubiger gegen Misbräuche und Unterſchleife. Sie giebt ihnen die Mittel an die Hand, koſtſpielige KonkursProzeſſe zu vermeiden. Ergiebt ſich aber durch dieſe Operation ein Ueberſchuß, ſo kann er weder den Glaͤubigern zum Vortheil gereichen, deren Rechte getilgt ſind, noch dem Erben, welcher verzichtet hat. Dieſer Vortheil geht alsdann auf die uͤber, auf wel⸗ che nach der natürlichen Erbfolge die Erbſchaft ber⸗ gegangen ſein wuͤrde. (61 Art. LXXIX. Die Befngniß, eine Erbſchaft anzunehmen odet auszuſchlagen, verjährt ſich durch den Ablauf det Zeitfriſt, die zu der laͤngſten Verjaͤhrung von Immo⸗ biliarRechten erforderlich iſt. Art. LXXX. Solange die Verjaͤhrung des Rechtes der An⸗ nahme nicht gegen die Erben, welche verzichtet ha⸗ ben, erworben iſt, haben ſie die Befugniß, die Erb⸗ ſchaft noch anzunehmen, wenn ſie nicht ſchon von andern Erben angenommen worden iſt: jedoch ohne Nachtheil der Rechte, welche dritte, entweder durch Verjährung oder durch, mit dem Kurator der va⸗ kanten Erbſchaft, gultig abgeſchloſſene Akte auf die Güter der Erbſchaft erworben haben können. Art. LXXRI. Mann kann nie, ſelbſt durch keinen EheKontrakt, Anmerkungen. Zum Art. 79 u. 30. Eine Verzichtleiſtung iſt nicht unwiderruflich. Man kann noch immer ſeinen Willen ändern, und die Erbſchaft antreten, ſo lange kein anderer ſie angenommen hat, und das Recht der An⸗ nahme nicht verjahrt iſt. Zum Art. s1. Dieſe Verfuͤgung ſcheint den Regeln des Kontraktes zuwider, welche erlauben, auch kuͤnf⸗ tige Beſitzthuͤmer zu verkaufen, z. V. Früchte auf dem Halme, Thiere, die erſt zur Welt kommen, ꝛc. 1c. (620 auf die Erbſchaft eines Lebenben verzichten, noch die eventueellen Rechte veräuſſern, die man auf dieſe Erbſchaft haben kann. Anmerkungen. ob ſie gleich noch nicht vorhanden ſind. Man kann ſelbſt eine Hoffnung verkaufen, z. B. eine Jagd, einen Fiſchfang, eine Liguidation von noch ungewiſ⸗ ſen Vortheilen; aber in allen dieſen Fällen iſt der Verkaufer Eigenthuͤmer, die Hoffnung, welche er verkauft, hat ihren ſichern Grund in ſeinem Feld, in der Heerde, ꝛc. ꝛc. deren Herr er iſt, ſtatt daß die Hoff⸗ nnng eines vermuthlichen Erben auf eine künftige Erbſchaſt keine ſichere Grundlage hat, und blos auf der oft trügeriſchen Hoffnung des Ueberlebens beruht. Zudem ſind alle Verkäufe verboten, welche der Na⸗ tur, dem Volkerrecht, und den Sitten zuwider lau⸗ ſen wuͤrden. Der Verkauf der Erbſchaft eines Le⸗ penden wuͤrde aber im hochſten Geade unſchicklich ſein⸗ da ſie die Sebnſucht und die thaͤtige Vorſicht des To⸗ des des Beſitzers vorausſetzt. Eben ſo iſt es mit der Verzichtleiſtung auf die Erbſchaft eines Lebenden. Bezahlt iſt ſie ein Ver⸗ kauf, und denſelben Einwürfen unterworfen; unent⸗ geldlich iſt ſie entweder ein Beweiß der Verachtung, oder ſie kann auch die Folge eines Zwanges oder des Auſehns des Beſizers ſeibſt ſein. Sie könnte fuͤr den Verzichtleiſtenden eine Leſion nach ſich ziehen die das Geſetz nicht leiden darf. Die Herkommen hatten die Verzichtleiſtung der Töchter durch den HeurathsKontrakt erlaubt. Sie gaben die Vortheile, welche dieſe in ihrer Ausſtener und ihrer Niederlaſſung fanden, und den Wunſch, die Guͤter der Familie zuſammenzuhalten, zum Beweggrunde an. Dieſe Verfügung war eine Folge, ein Theil des FeudalSyſtems, und mußte mit dieſem ver⸗ ſchwinden. Die Ausſteuer iſt füͤr die Tochter, wie fuͤr den Sohn, nur ein abſchläglicher Vorſchuß auf die Erbſchaft. Man verkaufte ihr dieſen zu theuer durch 0635 Art. LXXRXII. Die Erben, welche Effekten einer Erbſchaft weg⸗ gebracht oder verhehlt(diverti ou recclé) haben, ſind der Befugniß, darauf Verzicht zu leiſten, ver⸗ luſtigt,(en sont déchus) ſie bleiben ihrer Verzicht⸗ leiſtung ohngeachtet geradezu und unbedingt Er⸗ ben(heéritiers purs et simples) ohne irgend einen Antheil an den weggebrachten oder verhehlten Din⸗ gen in Anſpruch nehmen zu koͤnnen. Dritter Abſchnitt. PVon der Wohlthat des Inventariums, ihren Wirkungen, und den Verbindlichkeiten des Erben, der der Rechts Wohl⸗ that des Inventariums genießt. Art. LXXXIII. Die Erklaͤrung eines Erben, welcher dieſe Eigen⸗ Anmerkungen. den Verluſt ihres ganzen Erbtheils. Die Erhaltung der Guter in der Familie iſt nicht ſo wuͤnſchens⸗ werth, daß man daruber einen Theil der Familie ſelbſt aufopfern ſollte. Die Toͤchter gehoren ihr nicht weniger, als die Sohne an, und das roͤmiſche Recht, welches dieſe Ausnahme nicht geſtattete, war in die⸗ ſer Hinſicht der Gerechtigkeit angemeſſener, als die Herkommen. Dritter Abſchnitt. Schon in den fräheſten Zeiten fühlte man, wie wuͤnſcheuswerth es ſey, zwiſchen der unbedingten An⸗ nahme einer Erbſchaft, welche den Erben allen Laſten unterwirft, ſelbſt wenn ſie die Vortheile bei weitem (64) ſchaft blos unter der Rechts Wohlthat des Inventa⸗ riums anzunshmen die Abſicht hat, muß auf der Greffe des erſten InſtanzGerichtes abgegeben wer⸗ den, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eröffnet iſt; ſie muß auf das Regiſter eingetragen werden, wel⸗ ches zur Aufnahme der Verzichtleiſtungs Akte be⸗ ſtimmt iſt. Art. LXXXIV. Dieſe Erklärung hat blos in ſo weit Wirkung, als vorher oder nachher ein getreues und genaues Inventarium der Guͤter der Erbſchaft in den durch das Geſetzbuch der CwilProzedur beſtimmten For⸗ men und in den Zeitfriſten, welche hiernach werden beſtimmt werden, beigebracht wird. Anmerkungen. überſteigen ſollten, und der Verzichtleiſtung, wel⸗ che ihn jeder Hoffnung beraubt, ſelbſt wenn in der Folge der Activguſtand den PaſſivZuſtänd uberſteigen ſollte, einen Mittelweg zu finden, um den Erben nicht zwiſchen der Furcht ſeines Ruins durch eine unbe⸗ ſonnene Annahme, und des ſichern Verluſtes aller ſei⸗ ner Anſpruͤche durch eine unwiderrufliche Verzichtlei⸗ leiſtung in die Mitte zu ſeßen. Vorzüglich die ro⸗ miſche Geſetzgebung ſuchte dergleichen Verzichtleiſtun⸗ gen vorzubeugen. Dieſes Volk, deſſen vorzüglichſter Zweck die Unſterblichkeit war, ſah es als eine Schmach an, ohne Erben zu ſterben, wenn niemand ſich die ehrenvolle und großmuthige Pflicht aufladen wollte, die Rechte des Verſtorbenen anzunehmenund ſeine Verbindlichkeiten zu erfullen; dieſes, der erſten Einfachheit der Sitten, und der edlen Großmuth des (65) Art. LXXXV. Der Erbe hat, vom Tage der Eröffnung der Erbſchaft an, drei Monate, um das Inventarium zu errichten. Er hat ferner eine Zeitfriſt von vierzig Tagen, um zu berathſchlagen, ob er die Erbſchaft anneh⸗ men oder ausſchlagen will, welche von dem Tage des Ablaufs der zur Verfertigung des Inventariums beſtimmten Zeitfriſt an, oder von dem Tage des Ab⸗ ſchluſſes des Inventariums an, wenn dieſes vor Ablauf der drei Monate geſchloſſen worden iſt, zu laufen anfangen. Art. LXXXVI. Befinden ſich indeſſen Dinge in der Erbſchaft, Anmerkungen. Volkes ſo wuͤrdige Vorurtheil verlohr nach und nach ſeine Kraft, und die Verzichtleiſtungen nahmen wie⸗ der üͤberhand. Damals verfiel man zuerſt auf den Gedanken, eine Bedenkzeit zu geſtatten, um uͤber die Annahme oder Nicht Annahme zu berathſchlagen. Juſtinian vervollkommnete dieſe Inſtitution, welche noch immer den Nachtheil hatte, daß oft eine, als gut angenommene Erbſchaft durch ſpaͤterhin entdeckte Laſten ſich ſo verſchlimmerte, daß bie Erben in groſ⸗ ſen Verluſt gebracht wurden, und fuͤhrte zu dem Ende die Rechtswohlthat des Inventariums ein. Der Nutzen dieſer Inſtitution war ſo fuͤhlbar, daß ſie auch in allen Provinzen, die von den Herkommen regiert wurden, aufgenommen ward. Doch bedurf⸗ te es daſelbſt, um ſie zu genieſſen, ſogenannter: 5 6660 welche verderben koͤnnten, oder deren Aufbewah⸗ rung koſiſpielig wäre, ſo kann der Erbe, in ſeiner Eigenſchaft als Erbfähiger, und ohne daß man eine Annahme von ſeiner Seite daraus folgern konnte, ſich gerichtlich ermaͤchtigen laſſen, zum Verkauf die⸗ ſer Effekten zu ſchreiten. Dieſer Verkauf muß durch einen oͤffentlichen Be⸗ amten, nach vorhergegangenen AnſchlagZetteln und Bekanntmachungen, ſo wie ſie im Geſetzbuch von dem Civil Prozeß regulirt ſind, geſchehen. Art. LXXXVII. Während der Dauer der Zeitfriſten,(welche den Erben) zur Errichtung des Inventariums und als Anmerkungen. Lettres du Prince, die jedoch ohne alle Schwierigkeit ertheilt wurden. Sie fuhrte indeſſen in ihrer vorigen Hrganiſation bedeutende Misbräuche mit ſich. Die Vielfachheit der Formen und die Geldgier der Ju⸗ ſtiz Beamten haben oft dieſes Mittel, deſſenZweck die Erhaltung der Erbſchaft und die Sicherheit der Erben war, zum gänzlichen Ruin der erſten, angewendet. Hier finden wir die Formen vereinfacht, und dieſen Misbraͤuchen vorgebeugt, deren ohngeachtet die Vor⸗ treflichkeit der Inſtitution ſelbſt nie in Sweifel gezo⸗ gen werden kynnte. Dieſe Wohlthat hat die doppelte Wirkung: 1) Daß der BenefiziarErbe zu Zahlung der Schul⸗ den blos in ſo weit gehalten iſt, als die Erb⸗ ſchaft dazu ausreicht, und daß er mit ſeinem per⸗ ſonlichen Vermoͤgen nicht dafuͤr zu haften brauch. (67N Bedenkzeit(geſtattet ſind), kann er nicht gezwungen werden, eine Eigenſchaft anzunehmen, und es kann keine Verurtheilung gegen ihn erwirkt werden; wenn er, nach dem die Zeitfriſten verſtrichen ſind oder fruͤher, Verzicht leiſtet, ſo fallen die bis zu dieſem Zeitpunkte von ihm geſetzlich gemachten Ko⸗ ſten der Erbſchaft zur Laſt. Art. LXRXVIII. Der Erbe kann, nach dem Ablauf der obigen Zeitfriſten, wenn Betreibungen(poursuites) gegen ihn gerichtet werden, eine neue Friſt verlangen, welche das Gericht, bei welchem der Rechtsſtreit anhängig iſt, nach den Umſtaͤnden zu bewilligen oder abzuſchlagen hat. Anmerkungen. 3) Daß er ſelbſt forthin die Forderungen und An⸗ ſpruͤche geltend machen kann, die er an die Erbſchaft zu machen hat. Dieſe Inſtitution verdiente um ſo mehr, beibehal⸗ ten zu werden, da durch folgende Vorſichts Maaste⸗ geln fuͤr das Intereſſe der Glaͤubiger vollkommen ge⸗ ſorgt iſt: 1) Durch die von dem Erben auf der Greffe des Tribunals zu machende Erklizung. 2) Durch die ihm anferlegte Verbindlichkeit, durch ein getreues Inventarium den Zuſtand der Erb⸗ ſchaft zu konſtatiren. 3) Durch die zur Erhaltung der Mobiliarſchaft vorgeſchriebenen Vorſichts Maasregeln. 2 (68 Art. LXXXIX. Wenn der Erbe beweißt, entweder, daß er von dem Sterbfalle nicht unterrichtet war, oder daß die Zeitfriſten, entweder wegen der Lage der Guͤter, oder wegen vorgefallener Streitfragen unzureichend waren, ſo fallen die Koſten der Betreibungen, von welchen der vorhergehende Artikel handelt, der Erb⸗ ſchaft zur Laſt. Beweißt er dieſes nicht, ſo blei⸗ ben die Koſten ihm perſönlich zur Laſt. Art. XC⸗ Der Erbe behaͤlt nichtsdeſtoweniger, nach dem Ablauf der durch den Art. S5 bewilligten Zeitfriſten, ja ſelbſt nach Ablauf der in Gemäßheit des Art. 38 von dem Richter bewilligten(noch immer) die Befugniß, ein Inventarium zu errichten, und die Erbſchaft unter der Rechts Wohlthat des Inventa⸗ riums anzutreten, wenn er anderſt keinen Akt als Erbe vorgenommen hat, oder wenn kein in Rechts⸗ Anmerkungen. 4) Durch die gegen den Erben, der nicht alle Ef⸗ fekten ingdem Inventarinm begriffen hat, ver⸗ haͤngte Verluſtigung der Rechtswohlthat. ) Durch die für den Verkauf der Mobel und Im⸗ mobilien vorgeſchriebenen Formalitaͤten. 6) Durch die dem Erben vorgeſchriebene ſtrenge Rechnungs Ablage. (69 5 Kraft erwachſenes Urtheil gegen ihn beſteht, wel⸗ ches ihn in der Eigenſchaft als unbedingter Erbe verurtheilt. Art. XCl Der Erbe, der ſich einer Verhehlung ſchuldig gemacht, oder wiſſentlich und in böslicher Abſicht unterlaſſen hat,(einige) Effekten der Erbſchaft in dem Inventarium zu begreifen, iſt der Rechtswohl⸗ that des Inventariums verluſtig. Art. XC1I. Die Wirkungen der Rechtswohlthat des Inven⸗ tariums beſtehen darin, das ſie dem Erben den Vor⸗ theil gewaͤhren: 1) Daß er zur Zahlung der auf der Erbſchaft haf⸗ tenden Schulden nur bis zur Concurrenz des Werthes der erhaltenen Guͤter verbunden iſt, und ſich der Zahlung dieſer Schulden entlaſten kann, indem er den Glaͤubigern und Legatarien alle Guͤter der Erbſchaft uͤberlaͤßt. 2) Daß ſeine perſönlichen Guͤter mit jenen, die von der Erbſchaft herruͤhren, nicht vermiſcht werden, und daß er das Recht behält, gegen dieſe(die Erbſchaft) die Zahlung ſeiner Forde⸗ rungen zu verfolgen. (70 Art. XClII. Der BenefiziarErbe iſt mit der Verwaltung der Guͤter der Erbſchaft beauftragt, und muß den Gläu⸗ bigern und Legatarien uͤber ſeine Verwaltung Rech⸗ nung ablegen. Er kann in ſeinen perſoͤnlichen Guͤtern nicht ange⸗ fochten(il n'y peut étre contraiut) werden, als nachdem er mit der Vorlage ſeiner Rechnung in Ruͤckſtand verſetzt worden waͤre, und in Ermange⸗ lung, dieſer Verbindlichkeit Genuͤge geleiſtet zu haben. Nach dem Abſchluß der Rechnung kann er blos bis zur Conkurrenz der Summen, mit welchen er ſich im Ruͤckſtand befindet, auf ſein perſönliches Vermoͤgen angehalten werden. Art. XCIV. Er iſt nur fuͤr wichtige Fehler in der ihm aufge⸗ tragenen Verwaltung verantwortlich. Art. XCV. Er kann die Mobilien der Erbſchaft blos durch einen öſſentlichen Beamten, in einer Verſteigerung und nach den gewöhnlichen AnſchlagZetteln und Be⸗ kanntmachungen veräuſſern. Wenn er ſie in Natur beibringt, ſo iſt er fuͤr nichts, als für die Verminderung ihres Werthes oder ihre Verſchlimmerung(deiérioration) durch ſeine Nachlaͤſ⸗ ſigkeit, verantwortlich. Art. XCVI. Er kann die Immobilien nur in den durch das Geſetzbuch uber den CivilProzeß vorgeſchriebenen Formen verkaufen; er iſt gehalten, den Kaufſchil⸗ ling den Hypothekar Gläubigern, welche ſich be⸗ kannt gemacht haben werden, zu uͤbertragen Cde deleguer). Art. XCVII. Wenn die Glaͤubiger, oder andere Betheiligte es fordern, ſo iſt er gehalten, fuͤr den Werth der in dem Inventarium begriffenen Mobiliarſchaft, und für den Theil des Kaufſchillings der Immöbel, welcher nicht auf die HypothekarGlaͤubiger uͤbertra⸗ gen iſt, gute und loͤßbare Bürgſchaft zu leiſten. In Ermangelung ſeinerſeits, dieſe Buͤrgſchaft zu ſtellen, werden die Möbel verkauft, und ihr Kauf⸗ Preiß ſowohl, als der nicht ubertragene Theil des Kaufſchillings der Immobilien, hinterlegt, um zur Abtragung der auf der Erbſchaft haftenden Laſten verwendet zu werden. Art. XCVIII. Wenn irgend Glaͤubiger Oppoſition einlegen, ſo (72N kann der BenefiziarErbe nur in der, von dem Rich⸗ ter beſtimmten Ordnung und vorgeſchriebenen Weiſe auszahlen. Legen keine Glaͤubiger Oppoſition ein, ſo zahlt er die Gläubiger und Legatarien nach der Ordnung, worin ſie ſich melden, aus. t Die Gläubiger, die keine Oppoſition eingelegt haben, und erſt nach dem Abſchluß der Rechnung und der Zahlung des Ruͤrkſtandes auftreten, haben keinen andern Ruckgriff als gegen die Legatarien. In dem einen und dem andern Falle verjährt der Ruckgriff ſich durch den Ablauf von drei Jahren, von dem Tage des Abſchluſſes der Rechnung und der Zahlung des Nuͤckſtandes an. Art. C. Die Koſten der SiegelAuflage, wenn ſie ſtatt gehabt hat, des Inventariums und der Rechnung fallen der Erbſchaft zur Laſt. Vierter Abſchnitt. Von vakanten Erbſchaften. Art. Cl. Wenn nach Ablauf der, zur Errichtung des In⸗ (230 ventariums und zur Bedenkzeit, geſtatteten Zeitfri⸗ ſten Niemand auftritt, der die Erbſchaft in Anſpruch nimmt, wenn kein bekannter Erbe vorhanden iſt oder die bekannten Erben darauf verzichtet haben, ſo wird die Erbſchaft fuͤr vakant erachtet. Art. Ell. Das erſte Inſtanz Gericht, in deſſen Bezirk ſie eröffnet iſt, ernennt auf Begehren der Betheiligten oder auf die Anforderung des RegierungsKommiſ⸗ ſairs einen Kurator. Art. ClII. Der Kurator einer vakanten Erbſchaft iſt gehal⸗ ten, ihren Zuſtand vor allem durch ein Inventarium konſtatiren zu laſſen. Er uͤbt ihre Rechte aus und verfolgt ſie; er vertheidigt ſie wider die gegen ſie erhobenen Forderungen; er verwaltet ſie, unter der Obliegenheit, das in der Erbſchaft vorfindliche baa⸗ Anmerkungen. Vierter Abſchnitt. Zum Art. 101 bis 104. Hier treten die Verfuͤgun⸗ gen des vorigen Abſchnitts wieder ein. Auſſer dem Intereſſe der Glaͤubiger muß indeſſen auch noch fuͤr das der allenfalſigen Erben, die ſich noch in der Fol⸗ ge ausweiſen koͤnnten, geſorgt werden. Der Fiskus iſt der natuͤrliche Aufbewahrer der aus der Erbſchaft herflieſſenden Summen, da, wenn kein Erbe oder Gläubiger ſeine Rechte darauf beweißt, ſie ihm ei⸗ genthuͤmlich zufallen. (745 re Geld, ſo wie die aus dem Verkauf der Möbel oder Immoͤbel herflieſſende Gelder in die Kaſſe des Empfängers der National Regie einzuſchieſſen, um die Rechte eines jeden zu bewahren, und unter der Verbindlichkeit einem jeden, dem es zuſtehen wird, Rechnung(daruͤber) abzulegen. Art. CIV. Die Verfuͤgungen des dritten Abſchnitts, uͤber die Formen des Inventariums, uͤber die Art der Ver⸗ waltung, und uͤber die von dem BenefiziarErben abzulegenden Rechnungen, ſind uͤbrigens den Kura⸗ toren von vakanten Erbſchaften gemeinſchaſtlich. Sechstes Kapitel. Von der Theilung und der Collation(des rapports.) Anmerkungen. Sechstes Kapitel. Der Gegenſtand des letzten Kapitels iſt die Thei⸗ lung der Lelen Es zerfaͤllt in fuͤnf Abſchnitte, 1) von der Theilung und ihrer Form, 2) von der Collation, 3) von der Zahlung der Schulden, 40 von den Wirkungen der Theilung und der Garantie der Looſe, 3) von der WiederAufhebung der Theilung. Auch hier kommt es wieder darauf an, das Inte⸗ reſſe der Erben und das der Gläubiger zu vereini⸗ gen. Die zahlreichen Verfuͤgungen dieſes Kapitels ſind nichts, als die Folge von einigen Grundſaͤtzen, deren Wahrheit unbeſtritten iſt. 075N Erſter Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form. Art. CV. Riemand kann gezwungen werden, in der Ge⸗ meinſchaft zu bleiben; und man kann immer, aller dem zuwiderlaufenden Verbote und Vertraͤge ohnge⸗ achtet, die Theilung anverlangen. Man kann jedoch ubereinkommen, die Theilung waͤhrend einer beſtimmten Zeit auszuſetzen. Dieſe Uebereinkunft kann nicht uͤber fuͤnf Jahre verbind⸗ lich ſein, aber ſie kann erneuert werden. Die Theilung kann ſelbſt dann anverlangt wer⸗ den, wenn einer der MitErben den Genuß von ei⸗ Anmerkungen⸗ Erſter Abſchnitt. Zum Art. 105. Es iſt ein angenommener Grundſatz⸗ daß niemand gezwungen werden konne, mit andern in Gemeinſchaft zu bleiben. Eine immer fortwäh⸗ rende Gemeinſchaft iſt mit der Veraͤnderlichkeit unſrer Intereſſen unvertraglich. Mau kann daher immer die Theilung, wenn ſie möglich iſt, oder die gerichtliche Verſteigerung, wenn keine Theilung geſchehen kann, anverlangen. Es koͤnnen jedoch geſetzliche Urſachen vorliegen, welche einen Aufſchub erheiſchen, und es iſt daher nicht verbothen, durch eine verbindliche Ue⸗ bereinkunft die Theilung auf gewiſſe Zeit auszuſetzen. Doch hat eine ſolche Uebereinkunft nur fuͤr eine ge⸗ wiſſe Zeitlang Kraft. (76) nein Theil der Guͤter der Erbſchaft gehabt hätte, wenn kein Theilungs Akt oder kein zum Erwerb der Verjährung hinreichender Beſitzſtand vorliegt. Art. CVII. Die Klage auf Theilung kann, in ſo fern ſie die minderjaͤhrigen oder interdicirten MitErben betrifft, von ihrem, zu dem Ende von einem FamilienRath beſonders ermaͤchtigten Vormunde, ausgefuhrt(ex- ercée) werden. In ſo fern ſie die Abweſenden MitErben betrift, ſteht die Klage den in den Beſitz eingeſetzten Ver⸗ wandten zu. Art. CVIII. Der Mann kann, ohne Mitwirkung ſeiner Frau, die Theilung der ihr zugefallenen Mobilien und Immobilien, welche in die Gemeinſchaft fallen, an⸗ fordern; was die Gegenſtaͤnde betrift, welche nich⸗ in die Gemeinſchaft fallen, ſo kann der Mann ihre Theilung nicht ohne Mitwirkung ſeiner Frau anfor⸗ dern; wenn er das Recht hat, ihre(der Frau) Guͤter zu benutzen, ſo kann er blos eine proviſoriſche Theilung verlangen. Die MitErben der Frau können die endliche Thei⸗ lung nicht anderſt anverlangen, als indem ſie Mann und Frau zugleich vorladen laſſen. (77N Art. CIX. Wenn alle Erben gegenwärtig und großjährig ſind, ſo iſt die Siege Auflage auf die Effekten der Erbſchaft nicht nöthig, und die Theilung kann in jeder Form und durch jeden Akt, welche den Par⸗ theyen beliebig ſind, geſchehen. Wenn nicht alle Erben gegenwärtig ſind, wenn ſich Minderjaͤhrige oder Interdicirte unter ihnen be⸗ finden, ſo muͤſſen in der kuͤrzeſten Zeitfriſt, ſey es nun auf Anſtehn der Erben, ſey's auf Betreiben des RegierungsFommiſſairs bei dem erſten Inſtanz Ge⸗ richt, oder auch von Amtswegen von dem Friedens⸗ Richter des Bezirks, in welchem die Erbſchaft eroffnet iſt, die Siegel aufgelegt werden. Anmerkungen. Zum Art. 106 bis 132. Es giebt keine Theilung durch das Faktum der Theilung ſelbſt. Sie muß im⸗ mer durch einen Akt regulirt und beſtimmt werden, es ſey dann, daß der beſondere Beſitzſtand jedes der Theilenden ihm durch die Verjahrung einen Rechts⸗ Titel des beſeſſenen Gegenſtandes verſchaft hätte. Wenn die Theilung zwiſchen Erben bewerkſtelligt wird, die alle großjährig und anweſend ſind, ſo ſteht es ihnen frei, jede beliebige Form zu wählen; wenn ſie zu Strittigkeiten Anlaß giebt, ſo hat das Gericht, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eroͤffnet iſt, daruͤber zu erkennen. Befinden ſich aber unter den Erben Interdicirte, Adweſende oder Minderjaͤhrige, ſo mußten beſondere Regeln aufgeſtellt werden, um ihr Intereſſe zu bewahren, das immer unter dem be⸗ ſondern Schuße des Geſetzes ſtand. (78 Art. CX⸗ Die Glaͤubiger können ebenfalls Kraft eines exe⸗ kutoriſchen Rechts Titels, oder einer Erlaubniß des Richters, die Siege Auflage anverlangen. Art. CXI. Wenn die Siegel angelegt worden ſind, ſo kön⸗ nen alle Glaͤubiger, ſelbſt wenn ſie weder einen exe⸗ kutoriſchen Titel noch eine richterliche Erlaubniß ha⸗ ben, Oppoſition dabei einlegen. Das Geſetzbuch uͤber den CivilProzeß beſtimmt die, bei Aufhebung der Siegel und der Errich⸗ tung des Inventariums zu beobachtenden Forma⸗ litaͤten. Anmerkungen. Man hat die Entſcheidung der Schwierigkeiten, welche ſich uͤber die Theilungen erheben könnten, dadurch ſehr vereinfacht, daß man ſie einem ſummg⸗ riſchen Urtheil unterworfen hat, und wenn es nöthig iſt, die Theilung von einem Richter präſidiren ließ, der oft ein Vermittler ſein wird, und in jedem Fall das Tribunal in den Stand ſetzen kann, eine ſchnelle und gerechte Entſcheidung zu erlaſſen. Der Geſetzgeber hatte zwei Klippen mit gleicher Sorgfalt zu vermeiden; die, das Intereſſe des ſchwä⸗ chern Theils nicht hinlänglich zu beſorgen, und die, das Intereſſe der Großjaͤhrigen zu verletzen, indem man ſie in eine zu lange Ungewißheit uber die Fe⸗ ſtigkeit der Akte verſetzt hätte. Das Geſetz hat ſie beide zu vermeiden geſucht. 79 N Art. CXII. Die Klage auf Theilung, und die Streitfragen, welche ſich im Lauf der Operationen erheben, ge⸗ hören vor das Tribunal des Ortes, wo die Erb⸗ ſchaft eroͤffnet iſt. Vor eben dieſem Tribunal wird zu den Verſteige⸗ rungen(der Immöbel) geſchritten, und vor daſſelbe werden die Klagen eingebracht, welche auf die Ga⸗ rantie der Looſe von Seiten der Mittheilenden unter⸗ einander, und jene, die auf die Wiederaufhebung Crescition) der Theilung Bezug haben. Art. CXIII. Wenn einer der MitErben ſich weigert, in die Anmerkungen. Die Auflage der Siegel, die Nothwendigkeit des Inventariums, die Bildung der Maſſen von einem zu dem Ende angeſetzten Beamten, die Verkaͤufe vor den Augen der Gerichte, die Ziehung der Looſe, alles garantirt ſo viel moͤglich die ſtrenge Erhaltung aller Rechte, ſowohl in den, der Theilung vorher⸗ gehenden Operationen, als bei der Theilung ſelbſt. Mau hat folglich als Regel aufſtellen muͤſſen, daß die mit allen dieſen Foͤrmlichkeiten, mit Ermachti⸗ gung eines FamilienRathes, oder durch emancipirte Minderjährige unter Beiſtand ihrer Kuratoren ge⸗ machte Akte definitiv ſind. Sie koͤnnen blos aus ſol⸗ chen Gruͤnden angefochten werden, die allen Par⸗ theyen gemeinſchaftlich ſind, z. B. Argliſt, Gewalt oder Verletzung uͤber ein Viertel. Um eine Theilung zu machen, muß natuͤrlich, vor allem, die Maſſe des zu theilenden Vermoͤgens be⸗ (80) Theilung einzuwilligen, oder wenn ſich, entweder uͤber die VerfahrungsArt bei derſelben, oder uͤber die Art ſie zu beendigen, Streitfragen erheben, ſo erkennt dieſes Tribunal, wie in ſummariſchen Sa⸗ chen daruͤber, oder kommittirt, wenn es ſtatt findet, einen der Richter zu den Operationen der Thei⸗ lung, auf deſſen Bericht es die Streitfragen ent⸗ ſcheidet. Art. CXIV. Die Abſchaͤtzung der Immobilien geſchieht durch Kunſtverſtaͤndige, die von den Betheiligten Parthey⸗ en gewählt, oder, im Fall ihrer Weigerung, von Amtswegen ernannt werden. Der Verbalprozeß der Sachverſtaͤndigen muß die Grundlage der Abſchätzung angeben; er muß anzei⸗ Anmerkungen. ſtimmt werden. Dieſe Maſſe beſteht aus den vor⸗ raͤthigen Erbſchaftsſtuͤcken, und aus jenen, welche die Erben von dem Erblaſſer waͤhrend ſeines Lebens er⸗ halten haben. Die Regeln, nach welchen dieſe letzten wieder in die Erbſchaft zuruͤckgebracht werden, ma⸗ chen den Gegenſtand des zweiten Abſchnittes aus. Iſt die Maſſe einmal gebildet, ſo muß jeder ſeinen, ihm zuſtehenden Antheil, aus der zu theilenden Maſſe erhalten. Die Misbraͤuche, welchen man hier vor⸗ bengen mußte, konnten darin beſtehen, daß einer weniger erhalten hätte, als ihm zukam, oder Effek⸗ ten von geringerem Werthe, als die übrigen MitEr⸗ ben. Aus dieſer Sorgfalt des Geſetzes ſind jene weitlaufigen Verfuͤgungen entſprungen, welche beim (810 gen, ob der abgeſchätzte Gegenſtand bequem getheilt werden kann; auf welche Art; endlich muß er, im Falle der Theilung, alle die Theile, die man dar⸗ aus machen kann, jeden insbeſondere, und ihren Werth, beſtimmen. Art. CXV. Die Abſchatzung der Mobilien muß, wenn ſie nicht durch ein regelmäſiges Inventarium geſchehen iſt, von Sachverſtändigen, nach ihrem wahren Werthe und ohne Aufgeld(vaus erue*) auf den Preiß der⸗ ſelben geſchehen. Jeder der MitEerben kann ſeinen Antheil an den Mobilien und Inmobilien der Erbſchaft in Natur verlangen; wenn jedoch Glaͤubiger vorhanden ſind, welche Arreſt oder Oppoſition eingelegt haben, oder wenn die Mehrzahl der Erben den Verkauf nöthig erachtet, um die Schulden und Laſten der Erbſchaft Anmerkungen. erſten Anblick geringfuͤgig ſcheinen, aber doch alle weſentlich und nothwendig ſind. Sie ſind eben ſo auf Grundſätze der Vernunft und Gerechtigkeit ge⸗ gruͤndet. Wir werden uns daher nicht weiter uber dieſelben ausdehnen; ihre bloße Ueberleſung iſt hin⸗ reichend, um den Leſer von ihren Beweggruͤnden, ihrem Zweck und ihrem wahren Sinn zu durchdringen. »Crue hieß man ehemals den gten, Ften, éten ꝛc. 1c. Pfennig, der noch uber die Taxe bezahlt werden muſte. 6 G82N abzutragen, ſo werden die Möbel öffentlich in der gewöhnlichen Form verkauft. Art. EXVII Wenn ſich die Immobilien nicht bequem theilen laſſen, ſo muß zum Verkauf, durch eine Verſteige⸗ rung vor dem Tribunal, geſchritten werden. Die Partheyen können jedoch, wenn ſie alle groß⸗ jährig ſind, einwilligen, daß die Verſteigerung vor einem Notar geſchehe, uͤber deſſen Wahl ſie uͤber⸗ einkommen. Art. CXVIII. Nachdem die Möbel und Immöbel geſchätzt oder verkauft worden ſind, ſo verweißt der Richter, wel⸗ cher Kommiſſair bei der Theilung iſt, die Par⸗ theyen vor ein en Notar, uber deſſen Wahl ſie uͤber⸗ einkommen, oder der, wenn ſie ſich nicht daruͤber vereinigen können, von Amtswegen ernannt wird. Vor dieſem Beamten wird zur Rechnungs Ablage, welche die Mittheilenden ſich ſchuldig ſein mögen, zu der Bildung der allgemeinen Maſſe, zu der Zu⸗ ſammenſetzung der Looſe, und zu der Beſtimmung der jedem Mittheilenden zu machenden Auslieferun⸗ gen(des ſournissemens) geſchritten. Art. CXKIX⸗ Jeder MitErbe konferirt(tait rappori) der Maſſe (33 die Geſchenke, welche er erhalten hat, und die Summen, welche er ſchuldet, nach den Regeln, welche hierunten werden aufgeſtellt werden. Geſchieht die Collation nicht in Natur, ſo erhe⸗ ben die MitErben, welchen ſie geſchuldet wird, ei⸗ ne gleiche Portion aus der ErbſchaftsMaſſe vorab. Die Vorerhebungen geſchehen, ſo viel möglich, in Gegenſtänden von derſelben Gattung, Eigenſchaft und Gute wie die, nicht in Natur, konferirten Ge⸗ genſtande. Art. CXXl. Rach dieſen Vorerhebungen ſchreitet man zur Bil⸗ dung von ſo viel gleichen Looſen aus der Erbſchafts⸗ Maſſe, als es mittheilende Erben, oder mittheilende Staämme giebt. Art. CXXII. Man muß bei der Bildung und Zuſammenſetzung der Looſe ſo viel als moͤglich vermeiden, die Erb⸗ ſchafts Güter zu zerſtüͤckeln, und die Anlagen(ex- ploitations) zu theilen; und man muß ſuchen(ei il convient), wo möglich dieſelbe Quantität von Mö⸗ beln, von Immoͤbeln, von Rechten oder ausſtehen⸗ * — 6084) den Schulden von derſelben Natur und gleichem Werthe in jedes Looß aufzunehmen. Art. CXXIII. Die Ungleichheit der Looſe in Natur wird durch eine Herausgabe, in Renten oder in Geld, gleich⸗ geſtellt. Art. CXXIV. Die Looſe werden von einem der MitErben ge⸗ macht, wenn ſie ſich über die Wahl untereinander vereinigen können, und der, welchen ſie gewählt ha⸗ ben, den Auftrag annimmt; im entgegengeſetzten Falle werden die Looſe durch einen Sachverſtändi⸗ gen gebildet, welchen der Richter, der Kommiſſair iſt, zu bezeichnen hat. Die Looſe werden hierauf gezogen. Art. GCXXV. Ehe man zur Ziehung der Looſe ſchreitet, ſteht es jedem Mittheilenden frei, ſeine Einwendungen gegen ihre Bildung vorzubringen. Art. CXXVI. Die für die Theilung der zu theilenden Maſſen aufgeſtellten Regeln, muͤſſen gleichfalls bei der unter den mittheilenden Stämmen zu machenden Unterab⸗ theilung beobachtet werden. 686 5 Art. CxXVII. Wenn ſich während den vor einen Rotar verwie⸗ ſenen Operationen Strittigkeiten erheben, ſo ſoll der Notar uber die ſtrittigen Punkte und die gegenſeiti⸗ gen Auſſagen der Partheyen einen Verba Prozeß auf⸗ ſetzen, und ſie(die Partheyen) vor den zur Thei⸗ lung ernannten Kommiſſair zuruͤckweiſen; uͤbrigens ſoll nach den, im Geſetzbuch uͤber den CivilProzeß vorgeſchriebenen Formen vorangeſchritten werden. V Wenn nicht alle MitErben gegenwaͤrtig ſind, oder wenn es unter ihnen Interdicirte oder Minderjährige, ſelbſt wenn ſie emancipirt wären, giebt, ſo muß die Theilung nach den, durch den Art. ClX und die fol⸗ genden bis zu dem vorhergehenden einſchließlich, vor⸗ geſchriebenen Regeln vor Geriecht vorgenommen werden. Wenn mehrere Minderjährige vorhanden ſind, welche entgegengeſetzte Intereſſe bei der Thei⸗ lung hätten, ſo muß jedem von ihnen ein Spezial und beſonderer Vormund gegeben werden. Art. CXXIX. Wenn im Falle des vorhergehenden Artikels eine Verſteigerung(von Immöbeln) ſtatt findet, ſo kann ſie nicht anderſt, als vor Gericht, nach den For⸗ men, die fuͤr die Veränſſerung der Guͤter der Min⸗ 686 5 derjaͤhrigen vorgeſchrieben ſind, ſtatt finden. Die Fremden werden immer dazu zugelaſſen. Art. GCXXX. Alle, in Gemäßheit der hier oben vorgeſchriebe⸗ nen Regeln, entweder von dem Vormunde, mit der Ermaͤchtigung eines Familien Rathes, oder von emancipirten Minderjahrigen unter dem Beiſtand ihrer Kuratoren, oder im Namen von Abweſenden, oder ſolcher, die nicht gegenwartig ſind, C ge⸗ ſchehene Theilungen, ſind definitiv. Sind die vor⸗ geſchriebenen Regeln nicht beobachtet worden, ſo ſind ſie nur proviſoriſch. Art. CXXXl. Jede, nicht zur Erbſchaft berufene Perſon, wenn ſie ſelbſt dem Verſtorbenen verwandt ware, welche einem MitErben ihre Rechte auf die Erbſchaft ab⸗ getragen hätte, kann, ſowohl von allen MitErben, als von einem einzigen von ihnen von der Theilung () Hier darf der Unterſchied nicht aus dem Ange ge⸗ laſſen werden, der in den Worten, Abweſenden oder ſolcher die nicht gegenwärtig ſind,(absens. on non yrésens) liegt. Die erſten ſind ſolche, deren Abweſenheit in Gemäßheit der Verfugungen des vierten Titels des erſten Buchs des Geſezbuches gerichtlich anerkannt iſt; die zweiten ſolche, welche bei der Theilung aus irgend einer Urſache nicht ge⸗ genwärtig waren. dadurch entfernt werden, daß man ihr den Preiß der Abtretung zurückbezahlt. Art. CXXRII Rach der Theilung muſſen jedem der Mittheilen⸗ den die Rechts Titel eingehaͤndigt werden, welche auf die Gegenſtäͤnde, die ihm zugefallen ſind, beſon⸗ dern Bezug haben. Die Titel eines getheilten Eigenthums verbleiben demjenigen, der den groͤſten Antheil daran beſitzt, mit der Verbindlichkeit, venjenigen ſeiner MitErben, welche ein Intereſſe dazu haben werden, damit aus⸗ zuhelfen. Die der ganzen Erbſchaft gemeinſchaftlichen Ti⸗ tel werden demjenigen, welchen alle Erben zu ihrem Aufbewahrer(depositaire) gewählt haben, mit der Verbindlichkeit uͤbergeben, auf jedesmaliges Begeh⸗ ren den Betheiligten damit auszuhelſfen. Ergeben ſich Schwierigkeiten uͤber dieſe Wahl, ſo wird ſie durch den Richter beſtimmt. 3 weiter Abſchnitt. Von der Collation(des rapports). v Art. CXXXIII. Jeder Erbe, ſelbſt der Benefiziarerbe, der zu einer Erbſchaft gelangt, muß ſeinen MitErben alles 688 N konferiren, was er von dem Verſtorbenen durch Schenkungen zwiſchen Lebenden, mittelbar oder un⸗ mittelbar erhalten hat. Er kann weder die ihm von dem Verſtorbenen gemachte Geſchenke zuruͤckhalten, noch die ihm vermachten Legate anfordern, wenn nicht die Geſchenke und Vermaͤchtniſſe ihm aus⸗ druͤcklich zum voraus und auſſer ſeinem Erbtheil, oder mit Freiſprechung von der Venbindlichkeit der Collation gemacht worden ſind. Art. CXXXIV. Selbſt in dem Falle, wo die Geſchenke und Ver⸗ maͤchtniſſe zum voraus oder mit Freiſprechung von der Verbindlichkeit der Collation gemacht worden ſind, kann der zur Theilung gelangende Erbe ſie Anmerkungen. Zum Art. 133 bis 137. Um eine Theilung zu be⸗ werkſtelligen, muß nothwendig vor allem die Maſſe der zu theilenden Guͤter gebildet werden. Dieſe Maſſe beſteht ſowohl aus den, gegenwaͤrtig in der Erbſchaft befindlichen Guͤtern als aus jenen, weſche die Erben waͤhrend dem Leben des Erblaſſers von ihm erhalten haben. Nach dem roͤmiſchen Rechte waren die Kinder, wenn ſie zur Erbſchaft ihres PVaters gelangten, nicht gehalten, die von ihm erhaltenen Schenkungen zu konferiren, wenn ſie ihnen zum voraus und mit Losſagung von der Collation gemacht worden waren. Die Herkommen ſuchten mebr Gleichheit unter den Erben zu erhalten. Einige erlanbten nicht ein⸗ mal den Verzichtleiſtenden, die echaltenen Vortheile 089 blos bis zur Conkurrenz des Betrags behalten, wor⸗ uber der Verſtorbene verfuͤgen konnte. Der ueber⸗ ſchuß iſt der Collation unterworfen. Art. CXXXV. Der Erbe, welcher auf die Erbſchaft Verzicht leiſtet, kann nichtsdeſtoweniger bis zur Conkurrenz des Erbtheils, woruͤber der Verſtorbene verfuͤgen konnte, die Schenkung zwiſchen Lebenden zuruͤckhal⸗ ten, oder das ihm gemachte Vermächtniß anver⸗ langen. Aprt XVI. Der Schenknehmer, welcher zur Zeit der Schen⸗ kung kein vermuthlicher Erbe war, aber ſich am Anmerkungen. zurückzuhalten; andre ſahen indeſſen die Unbilligkeit ein, die Befugniß, einem der Erben Beweiſe einer beſondern Zuneigung zu geben, ganz zu verbieten. Nach dieſen konnte der Erbe die Schenkungen zuruͤck⸗ halten, wenn er auf die Erbſchaft Verzicht leiſtete, und da man in derſelben Erbſchaft ſoviel verſchie⸗ dene Erbſchaften unterſchied, als es Gattungen von Guͤtern gab, oder ſo viel verſchiedene Herkommen die Güter ihrer Lage nach regierten, ſo nahm die⸗ ſelbe Perſon oft fuͤr einige Guͤter oder in einigen Provinzen die Eigenſchaft als Schenknehmer, und in andern die Eigenſchaft als Erbe an. Dieſe ſubtilen Unterſcheidungen machen itzt einfa⸗ chern, den erſten Elementen der Juſtiz angemeſſenern Regeln Plaz. Ein beſonderes Beſetz ſetzt der Be⸗ fugniß, zu Gunſten eines vermuthlichen Erben zu 090 Tage der Eröffnung der Erbſchaft zu der Erbſchaft berufen findet, iſt ebenfalls zur Collation verbunden, wenn der Schenkgeber ihn nicht von dieſer Verbind⸗ lichkeit freigeſprochen hat. Art. CXXXVII. Die Geſchenke und Vermaͤchtniſſe, welche dem Sohn desjenigen gemacht worden ſind, der zur Zeit der Eröffnung der Erbſchaft zu derſelben berufen iſt, werden immer betrachtet, als ſeyen ſie mit Frei⸗ ſprechung von der Verbindlichkeit der Collation ge⸗ macht worden. Wenn der Vater zur Erbſchaft des Schenkgebers gelangt, iſt er nicht verbunden ſie zu konferiren. Art. CXXXVIII. Eben ſo iſt der Sohn, wenn er fuͤr ſich und in Anmerkungen. verfuͤgen, beſtimmte Schranken; dem Schenkgeber ſteht es ſrei, zu erklaͤren, daß er dieſe Freigebigkeit dem Erben zum voraus zu Eunſten kommen laſſen will, und ſein Wille muß bis zum Betrag dieſes Antheils, uber welchen er verfügen konnte vollzogen werden. Hat er den Schenkgeber von der Collation nicht freigeſprochen, ſo kann er ſich derſelben nicht entziehen; ſo wird der Wille des Verſtorbenen im⸗ mer die Regel ſein, welche man befolgen muß, ſo lange er den Verfuͤgungen des Geſetzes nicht zuwi⸗ derläuft. Zum Art. 137 bis 140. Ehedem erhuben ſich zahl⸗ a“ reiche Schwierigkeiten uͤber die Frage, ob ein Sohn 091) ſeinem Namen zur Erbſchaft des Schenkgebers ge⸗ langt, nicht gehalten, die ſeinem Vater gemachten Schenkungen zu konferiren, ſelbſt wenn er die Erb⸗ ſchaft dieſes(des Vaters) angenommen hätte; aber wenn der Sohn nur durch Repräſentation zur Erb⸗ ſchaft gelangt, ſo muß er das, was ſeinem Vater geſchenkt worden iſt, konferiren, ſelbſt dann, wenn er die Erbſchaft ausgeſchlagen hätte. . i Die, dem MitGatten eines zur Erbſchaft beru⸗ fenen Gatten, gemachten Schenkungen und Ver⸗ maͤchtniſſe werden angeſehen, als ſeyen ſie mit Frei⸗ ſprechung von der Verbindlichkeit der Collatton ge⸗ macht. Wenn die Schenkungen und Vermächtniſſe zweien Ehegatten, von denen nur einer zur Erbſchaft berufen iſt, gemeinſchaftlich gemacht worden ſind, ſo konfe⸗ rirt dieſer die Hälfte. Sind die Schenkungen dem Anmerkungen. gehalten, ſey das zu konferiren, was ſeinem Vater, der Vater, was dem Sohne, der Gatte was ſeinem Mitgatten geſchenkt oder vermacht worden war. Allen dieſen Streitfragen iſt vorgebeugt. Alle Schenknn⸗ gen, welche nicht der Perſon des Erben gemacht wor⸗ den ſind, werden angeſehen, als ſeyen ſie zum voraus gemacht, wenn nicht der Schenkgeber kinen entgegen⸗ geſetzten Willen ausgedrückt hat. (92 N zur Erbſchaft berufenen Gatten gemacht worden, ſo konferirt er ſie ganz. Art. SXL⸗ Die Collation geſchieht nur in die Erbſchaft des Schenkgebers. Art. CXLI. Was zur Riederlaſſung(Petablissement) eines der MitEerben, oder zur Zahlung ſeiner Schulden verwendet worden iſt, muß konferirt werden. Art. CXLII. Die Koſten der Rahrung, des Unterhalts, der Erziehung, das Lehrgeld, die gewöhnlichen Koſten der Ausſtattung, der Hochzeit und der gebräuchlichen Geſchenke muͤſſen nicht konferirt werden. Anmerkungen. Zum Art. 140 bis 160. Alle Schwierigkeiten üͤber dieſe Materie beſchränkten ſich folglich auf folgende e wer iſt gehalten zu konferiren? wem? was? und wie. Sie ſind in dem Proijekt auf eine Art enſchieden, welche allen Zweifel lößt: die Erben ſind zu konfe⸗ riren ſchuldig, und zwar blos den MitErben, nicht aber den Gläubigern oder Legatarien. Sie ſind ge⸗ halten, alle erhaltene Vortheile zu konferiren, in de⸗ ren Klaſſe Koſten des Unterhalts, der Erziehung und Ausſtattung ꝛc. ꝛc. jedoch nicht gehören, welche von Seben des Vaters eine Schuld, nicht aber eine Frei⸗ gebigkeit waren. Endlich muß die Collation wo moͤg⸗ (93 Art. CXLIII. Das nämliche gilt von dem Nutzen(prolits), welche der Erbe aus mit dem Verſtorbenen abgeſchloſſe⸗ nen Uebereinkuͤnften gezogen haben kann, wenn dieſe Uebereinkuͤnfte damals, als ſie abgeſchloſſen worden ſind, keine indirekte Bevortheilung enthielten(n« présentaient aucun avantage indirect). Art. GXLIV. Die Collation findet gleichfalls wegen Geſell⸗ ſchafts Verbindungen nicht ſtatt, welche ohne Argliſt und Betrug zwiſchen dem Verſtorbenen und ſeinen Erben abgeſchloſſen worden ſind, wenn die Bedin⸗ Anmerkungen. lich in Natur, oder durch eine Verminderung des zu er⸗ haltenden ErbAntheils geſchehn. Da es der einzige Zweck der Collation iſt, zwiſchen den Erben die Gleich⸗ heit herzuſtellen, ſo kann ſie weder von dem Schenkneh⸗ mer, der im Augenblick der Eroͤffnung der Erbſchaft, weder durch ſich, noch durch Repräſentation zur Erb⸗ ſchaft berufen war, noch von dem Erben, der Ver⸗ zicht geleiſtet hat, noch von demjenigen, der, er mag nun die Erbſchaft des Schenknehmers augenommen oder ausgeſchlagen haben, durch ſich ſelbſt zur Erb⸗ ſchaft des Schenkgebers gelangt, geſchuldet werden. ZSum Art. 144. Wenn der Verſtorbene dem Erben ei⸗ nen Theil ſeines Vermogens gegen eine gleiche Hingabe von Seiten des letzten hingegeben hat, wenn er mit dieſem wie mit einem Fremden in Gemeinſchaft ge⸗ handelt hat, ſo kann der Vortheil, der aus dieſem Handel entſprungen iſt, der Collation nicht unter⸗ worfen ſein. Das Verhaltniß des Erblaſſers zu dem 094N gungen derſelben durch einen authentiſchen Akt regulirt waren. Art. CXLV. Das Immöbel, welches durch Zufall und ohne Schuld des Schenknehmers zu Grunde gegangen iſt, iſt der Collation nicht unterworfen. Art. CxXLVI. Die Fruͤchte und Zinſen der, der Collation unter⸗ worfenen Gegenſtände, werden blos vom Tag der Eröffnung der Erbſchaft an zu rechnen geſchuldet. Art. CXLVII. Die Collation wird nur von dem MitErben zum Vortheil der MitErben geſchuldet. Man iſt ſie we⸗ der den Legatarien, noch den Glaͤubigern der Erb⸗ ſchaft ſchuldig. Art. CKLVIII. Die Collation geſchieht in Natur, oder dadurch, daß man weniger nimmt. Anmerkungen. Erben iſt von dem Verhaͤltniß der Handels Geſell⸗ ſchaft ganz getrennt, und kann den Erben der Vor⸗ theile nicht beranben, die er in der Verbindung mit einem Fremden gleichfalls genoſſen haben wuͤrde. 695 N Apg. CXLIX. Sie kann bei Immobilien immer in Ratur gefor⸗ dert werden, wenn das gegebene Immoͤbel von dem Schenknehmer nicht veraͤuſſert worden iſt, und ſich keine(andere) Immobel von gleicher Gattung, Werth und Güte in der Erbſchaft befinden, aus welchen man ohngefähr gleiche Looſe fuͤr die ühri⸗ gen MitErben bilden könnte. Art. CL. Die Collation hat blos durch die verhältnißmaͤſige Verminderung des ErbAntheils des Konferirenden ſtatt, wenn der Schenknehmer das Immöbel vor der Eröfnung der Erbſchaft veräuſſert hat; ſie wird als⸗ dann nach dem Werth des Immobels zur Zeit der Eroffnung(der Erbſchaft) geſchuldet. Art. CLI. In allen Fällen muͤſſen dem Schenknehmer die Koſten gutgeſchrieben werden, wodurch die Sache verbeſſert worden iſt, und zwar nach dem Maas⸗ ſtab des Betrages, in welchem ſich der Werth der Sache zur Zeit der Theilung erhöht befindet. et CLII Eben ſo muͤſſen dem Schenknehmer die noͤthigen Auslagen zu gut kommen, welche er zur Erhaltung 096 der Sache gemacht hat, wenn auch die Sache ſelbſt dadurch nicht verbeſſert worden wäre. Art. CLIII. Der Schenknehmer muß ſeiner Seits die Verlez⸗ zungen und Verſchlimmerungen(degradations et dé- teriorations) verguͤten, wodurch der Werth des Im⸗ moͤbels durch ſeine Handlungen(de son Hith oder durch ſeine Schuld und NRachläſſigkeit verringert worden iſt. Art. CLIV. Im Falle, wo das Immöbel von dem Schenk⸗ geber veräuſſert worden iſt, muͤſſen die von dem Ankaͤufer gemachten Verbeſſerungen oder Verſchlim⸗ merungen in Gemäßheit der drei vorhergehenden Ar⸗ tikel aufgerechnet werden. Art. CLV. Wenn die Collation in Natur geſchieht, ſo wer⸗ den die Guͤter, frei von allen Laſten, womit der Schenknehmer ſie beſchwert hat, mit der Erbſchafts⸗ Maſſe vereinigt; aber die Hypotheka Glaͤnbiger können bei der Theilung dazwiſchenkommen, Gnter- venir) um ſich zu opponiren, daß die Collation zum Nachtheil ihrer Rechte geſchehe. (97 Art. CLVI. Wenn die, einem zur Erbſchaft berufenen(Mit⸗ Erben,) mit Freiſprechung von der Collation, ge⸗ ſchehene Schenkung eines Immöbels den Antheil uͤberſteigt, woruber der Erblaſſer verfuͤgen konnte, ſo geſchieht die Collation des Ueberſchuſſes in Ratur, wenn dieſer Ueberſchuß ſich bequem(von dem Gan⸗ zen) abtrennen laͤßt. Im entgegengeſetzten Falle muß der Schenkneh⸗ mer, wenn der Ueberſchuß die Hälfte des Werthes des Immöbels uͤberſteigt, das ganze Immöbel kon⸗ feriren, vorbehaltlich ſeines Rechtes, den Werth des Antheils, woruͤber dem Erblaſſer die Verfu⸗ gung frei ſtand, aus der Maſſe vorab zu erheben; wenn dieſer Antheil die Hälfte des Werthes uͤber⸗ ſteigt, ſo kann der Schenknehmer das Immöbel ganz behalten, vorbehaltlich ſo viel weniger(in ſei⸗ nem ErbAntheil) zu nehmen, und ſeine MitErben durch Geld oder auf andere Weiſe zu entſchädigen. Art, CLVII. Der MitErbe, welcher ein Immöbel in Ratur konferirt, kann den Beſitz deſſelben bis zur wirkli⸗ chen Auszahlung der Summen zurückhalten, wel⸗ che ihm für Koſten oder Verbeſſerungen geſchuldet werden. (98 0 Art. ClVI1. Die Collation der Mobilien geſchieht blos dadurch, daß man weniger erhält. Sie geſchieht auf den Fuß des Werthes der Mobilien zur Zeit der Schen⸗ kung nach der dem Akt beigefugten SchätzungsLiſte, und in Ermangelung einer ſolchen SchätzungsLiſte nach einer Schaͤtzung von Sachverſtändigen zu bil⸗ ligen Preiſen und ohne Aufſchlag auf denſelben Gan⸗ crue). Art. CLIX. Die Collation des gegebenen Geldes geſchieht da⸗ durch, daß man von den Geldern der Erbſchaſt ſo viel weniger erhaͤlt. Im Fall der Unzulängigkeit derſelben kann der Schenkgeber ſich von der Verbindlichkeit, das Geld zu konferiren, befreien, wenn er bis zur ſchuldigen Conkurrenz Möbel, und in Ermangelung von Mö⸗ beln Immöbel der Erbſchaft zuruͤckläßt. Dritter Abſchnitt. Von der Bezahlung der Schulden. Art. CLX. Die MitErben tragen untereinander, jeder nach Verhältniß deſſen, was er aus der Erbſchaft er⸗ (99) hält, zur Zahlung der Schulden und Laſten derſel⸗ ben bei. Art⸗ CLXI Der UniverſalLegatar tragt nach Verhältniß ſei⸗ nes Vortheils mit den Erben dazu bei; aber der PartikularLegatar iſt zur Zahlung keiner Schulden verbunden, vorbehaltlich jedoch der Hypothekar⸗ Klage auf das vermachte Immöbel. Arr, CLXII. Wenn Immöbel einer Erbſchaft durch Spezial⸗ Hypotheken mit Zinſen beſchwert ſind, ſo kann jeder der Mitkrben fordern, daß die Renten getilgt und die Immöbel davon befreit werden mögten, ehe zur Bildung der Looſe geſchritten wird. Wenn die Mit⸗ Anmerkungen. Dritter Abſchnitt. 3um Art. 160 bis 173. Die Zahlung der Schulden iſt die erſte und wichtigſte Verbindlichkeit der Erben. Das Intereſſe der Schuldner muſte alſo nicht minder als das der Erben geſichert werden. Die erſten koͤn⸗ nen daher verlangen, daß bloß in ihrer Gegenwart getheilt werde, aber ſie können eine, ohne Betrug, in ihrer Abweſenheit geſchehene Theiluna nicht an⸗ fechten, wenn ſie nicht durch eine Oppoſition ihren Willen, bei der Theilung gegenwärtig zu ſein, aus⸗ druͤcklich an Tag gelegt haben. Es ſteht bei ihnen, der Theilung beizuwohnen, man iſt aber nicht ge⸗ halten, ſie dazu zu rufen. * (100 0 Erben die Erbſchaft in dem Zuſtand theilen, worinn ſie ſich befindet, ſo muß das(mit der Hypothek) beſchwerte Grundſtuͤck nach demſelben Maasſtad wie die andern Immöbel abgeſchätzt werden; das Kapi⸗ tal der Rente wird von der Hauptſumme des Wer⸗ thes abgezogen; der Erbe, in deſſen Looß dieſes Immöbel fällt, bleibt allein mit der Leiſtung der Rente belaſtet, und muß ſeine MitErben dafuͤr ga⸗ rantiren. Art. CLXIII. Die Erben haften fur die Schulden und Laſten der Erbſchaft perſönlich, nach ihrem Antheil und ihren VirilPortionen, und hypothekariſch fuͤr das Ganze, vorbehaltlich ihres Ruͤckgrifſs; es ſey nun gegen ihre MitErben, oder gegen die UniverſalLega⸗ tarien nach Verhältniß des Antheils in welchem ſie zur Zahlung beitragen muͤſſen. Anmerkungen. Die Regeln uͤber das Vethaͤltniß, in welchem die MitErben und die Legatarien zur Zahlung der Schul⸗ den beitragen, ſind durch das alte Recht und den Ge⸗ richts Gebrauch angenommen. Der UniverſalLegatar iſt gewiſſermaaßen MitErbe, und als ſolcher zum ver⸗ hältnißmaſigen Beitrag zu den Schulden gehalten. Die Verfuͤgung, daß der Gläubiger ſeinen ereku⸗ toriſchen Titel gegen die Erben geltend machen kann, ohne ihn neuerdings gegen ſie erekutoriſch erklären zu laſſen, iſt eine langerwuͤnſchte Neuerung in der be⸗ ſtehenden Geſehgebung. Dieſe Formalitaͤt dient 1 ⸗ (101) Art. CLXIV. Der Partikular Legatar, welcher die Schuld, wo⸗ mit das ihm vermachte Immöbel belaſtet war, ab⸗ getragen hat, tritt in die Rechte des Glanbigers ge⸗ gen die Erben und Univerſal Nachfolger ein. Art. CLXV Dem MitErben oder UniverſalRachfolger, der durch die Wirkung der Hypotheken mehr als ſeinen Antheil an der gemeinſchaftlichen Schuld gezahlt hat, ſteht der Ruͤckgriff gegen die andern MitEr⸗ ben oder Univerſal Nachfolger blos für den Anctheil zu, den jeder von ihnen perſönlich davon zu tragen hat, ſelbſt in dem Falle, wo der MitErbe, der die Schuld bezahlt hat, ſich in die Rechte des Glaͤubi⸗ gers hätte einſetzen laſſen, jedoch ohne Nachtheil der Rechte eines MitErben, der durch die Rechtswohl⸗ that des Inventariums die Befugniß behalten hätte, Anmerkungen. blos, um Koſten zu verurſachen, die Prozeſſe zu ver⸗ vielfachen und den boͤſen Schuldnern Mittel an die Hand zu geben, die Zahlung zu verſchieben. Sie be⸗ fand ſich auch ſchon mit dem Rechts Grundſatz im offen⸗ baren Widerſpruch, daß der Erbe augenblicklich n die Stelle des Erblaſſers eintritt, und alle ſeine AktivRechte und PaſſivVerbindlichkeiten erbt, eben ſo wie mit jenem, daß ein authentiſcher RechtsTitel durch den Tod des Schuldners nicht veraͤndert werden kann. (102 0 die Zahlung ſeiner perſonlichen Schuld wie jeder andere Glaͤubiger anzufordern. Art. CLXVI. Im Fall der Unzahlsfähigkeit eines der MitErben oder Univerſal Nuchfolger wird ſein Antheil an der Hypothekar Schuld auf alle andere nach dem Maas⸗ ſtab ihrer Antheile vertheilt. Art. CLXVII. Die gegen den Verſtorbenen exekutoriſchen Rechts⸗ Titel, ſind gleichfalls gegen den Erben perſönlich exekutoriſch. Doch ſoll nichtsdeſtoweniger der Glaͤu⸗ biger die Exekution derſelben nicht eher, als acht Ta⸗ ge nach der Zuſtellung dieſer Titel an den Erben in ſeiner Perſon oder an ſeinem Wohnort betreiben koͤnnen. Art. CLXVIII. Sie können in jedem Falle und gegen jeden Glaͤu⸗ viger die Abſonderung des Vermögens des Verſtor⸗ benen von dem Vermoͤgen des Erben verlangen. Art. CL.XIX. Das Recht kann jedoch nicht mehr ausgeubt werden, wenn in der den Verſtorbenen beſtehen⸗ den Aktivſchuld dadurch eine Renovation vorge⸗ gangen iſt, daß man den Erben zum Schuldner an⸗ genommen hat. N 63 A Es verjaͤhrt ſich in Betreff der Mobilien durch den Ablauf von drei Jahr Wegen Immöbel kann dieſe Klage ſolange erho⸗ ben werden, als ſie ſich in der Hand des Erben be⸗ finden. R Die Glaͤubiger eines Mittheilenden ſind nicht zu⸗ gelaſſen, die Abſonderung der verſchiedenen Vermö⸗ gen gegen die Glaͤubiger der Erbſchaft anzufordern. Vrt.. Die Gläubiger eines Mittheilenden können, um zu vermeiden, daß die Theilung nicht zum Betrug ihrer Rechte geſchehe, Oppoſition dagegen einlegen, daß auſſer ihrer Gegenwart dazu 4 eſchritten werde; ſie haben das Recht auf ihre Koſten dazwiſchen zu kommen, aber ſie können eine ogene Theilung nicht angreifen, den Fall jedoch ausgenommen, wo man ohne ſie, und einer von ihnen eingelegten Op⸗ poſition zuwider dazu geſchritten wäre. Biert bſchn Von den Wirkungen der Theilung und der Garantie der Looſe. Jeder MitEerbe wird ſo angeſehen, als habe e ————— ————— G104 N allein und unmittelbar alle die in ſeinem Loos be⸗ griffenen oder ihm bei der Verſteigerung zugefalle⸗ nen Effekten geerbt, und nie das Eigenthum der an⸗ dern Effekten der Erbſchaft gehabt. Art. CLXXIV. Die MitErben ſind gehalten ſich gegenſeitig, die einen gegen die andern, wegen ſolchen Störungen und Evictionen, die aus einer der Theilung vorherigen urſache herflieſſen, zu garantiren. Die Garantie hat nicht ſtatt, wenn die Art der erlittenen Eviction durch eine beſondere und aus⸗ druͤckliche Klauſel des Theilungs Aktes ausgenom⸗ men worden iſt; ſie hört auf, wenn der MitErbe die Eviction durch ſeine Schuld erleidet. Art. CLXXV. Jeder der MitErben iſt perſönlich verbunden, ſei⸗ nen MitErben fuͤr den Verluſt, den ihm die Eviction verurſacht hat, nach Verhältniß ſeines Erbtheils zu entſchädigen. Wenn einer der MitErben unzahlsfaͤhig iſt, ſo muß der Antheil, zu welchem er verbunden iſt, zwiſchen den, welchen die Garantie zukommt und allen zahlungsfaͤhigen MitEerben, gleich vertheilt werden. Nrt. C Die Garantie der Zahlungsfähigkeit eines Schuld⸗ (105) ners einer Rente kann blos in den füͤnf auf die Thei⸗ lung folgenden Jahren verfolgt werden. Die Ga⸗ rantie wegen der Unzahlsfaͤhigkeit des Schuldners findet nicht ſtatt, wenn dieſe erſt ſeit vollzogener Theilung eingetreten iſt. Fünfter Abſchnitt. Von der Reſciſion im TheilungsGeſchäfte. Art. CLXAVII. Die Theilungen koͤnnen wegen ſtatt gefundener Gewalt oder Argliſt wieder aufgehoben(rescindés) werden. Die WiederAufhebung kann ebenfalls ſtatt finden, wenn einer der MitErben eine Verletzung von mehr Anmerkungen. Fuͤhnfter Abſchnitt. Zum Art. 176 bis 132. Ohngeachtet die neue Ge⸗ ſetzgebung die Reſciſion bei Verkaͤufen aufgehoben hat, hat man ſie bei den Theilungen beibehalten zu müſſen geglaubt, weil ihre Grundſätze verſchieden ſind. Der Verkäufer fordert den hochſten Preiß; ber Kaͤufer wuͤnſcht den geringſten zu geben. Sich ein⸗ ander fremd ſind ſie ſich auch nichts ſchuldig. Ihr Intereſſe, weit entfernt, gemeinſam zu ſein, iſt endge⸗ gengeſeht. Der glücklichſte oder der geſchickteſte macht den beſten Handel. Es liegt kein hinlänglicher Grund vor, ſie zur Reſciſion zuzulaſſen, weil es das Weſen ihres Kontraktes iſt, ein kaͤufliches Ding in einem übereingekommenen Preiße zu übertragen und anzunehmen. Der Vorwand, die Schadloshaltung einer Verletzung zu begehren, würde koſtſpielige und (106) 1 als einem Viertheil zu ſeinem Nachtheil erweißt. Die bloße Auslaſſung eines Gegenſtandes der Erb⸗ ſchaft giebt nicht zu der Exoͤffnung einer Klage auf Reſciſion, ſonders blos zu einer Ergänzung des Thei⸗ . lungsAktes ſtatt. Art. CLXXVIII. Die Klage auf Reſciſion wird gegen jeden Akt zu⸗ gelaſſen, der zum Gegenſtand hat, die Gemeinſchaft zwiſchen MitErben aufzuheben, wenn er auch Ver⸗ kauf, TanſchKontrakt, Vertrag oder auf jede an⸗ dere Art benannt wäre. Aber nach der Theilung oder nach dem Akt, welcher ihre Stelle vertritt, findet die Klage auf Reſciſion nicht mehr gegen den Ver⸗ Anmerkungen⸗ 3 weitlaͤuftige Prozeſſe erzeugen, die man in ihrem Urſprung erſticken muſte. 1 Zudem hat man die Freiheit, zu verkaufen, aber nicht die, in Gemeinſchaft zu bleiben. Der Grund des Verkaufes iſt die Hoffnung eines Vortheiles⸗ den jeder der Kontrahenten auf Unkoſten des andern ſucht. Der der Theilung iſt die Gleichſtellung. Die Theilung kaun alſo ihrer Natur nach aufgehoben werden, denn es iſt nicht getheilt worden, wenn nicht jeder, wo nicht mathematiſch, doch bis auf ein gewiſ⸗ ſes Verhaͤltniß gleichviel erhalten hat. 1 gum Art. 178. Allein wenn der erſte TheilungsAkt, unter welcher Form man ihn auch verborgen haben mag, aufgehoben werden kann, ſo kann er es doch nicht mehr, ſobald ein zweiter Akt ihn gutgeheiſſen oder man uͤber ſein Looß verfuͤgt hat, den einzigen Fall ausgenommen, wo ein Vetrug ſtatt gefunden 607 trag ſtatt, welcher uͤber die wirklichen Schwierig⸗ keiten, welche der erſte Akt darbot, abgeſchloſſen worden iſt, ſelbſt wenn auch noch kein Prozeß uber die⸗ ſen Gegenſtand angefangen worden wäre. Art EEXXIX. Dieſe Klage hat gegen den Verkauf nicht ſtatt, wo⸗ durch die andern MitErben oder einer von ihnen ei⸗ nem der MitErben ihre oder ſeine ErbRechte ohne Betrug auf ſeine eigene Gefahr verkauft hätte. ri. Um zu beurtheilen, ob eine Verletzung ſtatt ge⸗ Anmerkungen. haͤtte, der erſt nach der Veraͤuſſerung entdeckt wor⸗ den wäre. Wenn man ihn vorher kannte, ſo hat man durch die Veräuſſerung auf das Recht verzichtet, ihn in Anſpruch zu nehmen. um Art. 170. Das Geſetz erlaubt ſolche Akte zwi⸗ (erbe„welche in antem Glauben über ihre ge⸗ genſeitigen Rechte unterhandeln wollen. Es ertheilt ihnen nicht dieſelbe Kraft, wenn ſie zu Gunſten eines Fremden abgeſchloſſen worden ſind, oder wenigſtens er⸗ laubt es, wie wir weiter oben geſehen haben, den Erben, dieſe durch Zahlung des Ceſſions Preiſes zu ent⸗ feruen. Das Intereſſe der Familien kann oft erhei⸗ ſchen, Fremde in die haußlichen Geheimniſſe nicht eindringen zu laſſen, die oft Störung und Unruhe in die Geſchifte bringen, und die blos ein Beweg⸗ grund des Intereſſes zum Ankauf der ErbRechte ver⸗ moͤgen kounte. 0 G1o8 N funden hat, ſchätzt man die Gegenſtände nach ihrem Werthe zur Zeit der Theilung ab. Art. CLXXXl. Der Beklagte bei der Klage auf Wiede Aufhe⸗ bung der Theilung kann ihren Lauf hemmen und ei⸗ ne neue Theilung verhindern, wenn er dem Klaͤ⸗ ger die Ergaͤnzung ſeines Erbtheils, entweder in Geld oder in Ratur anbietet und leiſtet. Art. CLXXXII. Der MitErbe, welcher ſein Looß ganz oder zum Theil veraͤuſſert hat, iſt mit der Klage auf Reſci⸗ ſion wegen Gewalt oder Argliſt nicht mehrzuläſſig, wenn die von ihm geſchehene Veraͤuſſerung nach der Entdeckung des Vetrugs oder, nachdem die Gewalt aufgehört hat, vorgenommen worden iſt. S weiter i F Anmerkungen. 3Z weiter Titel. Der Titel des CivilGeſetzbuches, welcher die Schenkungen zwiſchen Lebenden und die Teſtamente zum Gegenſtand hat, begreift alles, was den Men⸗ ſchen am lebhafteſten intereſſirt und ſeine Neigungen feſſelt. Er verfuͤgt über ſein Eigenthums Recht, uber die Graͤnzen ſeiner Unabhängigkeit in der Ausubung dieſes Rechtes. Er legt die Grundlage der väterli⸗ chen Gewalt, und beſtimmt die Verhaltniſſe der Ver⸗ (109) Von Schenkungen zwiſchen Lebenden und von den Teſtamenten. Anmerkungen. wandten. Er entſcheidet, welche Freiheit in den Akten der Wohlthätigkeit, der Freundſchaft und der Dankbarkeit mit den Pflichten der Natur verein⸗ barlich iſt. Es iſt ſchwer, den, der gewöhnt iſt, ſich als den nnumſchränkten Herrn ſeines Vermoͤgens anzuſehn, zu uͤberzeugen, daß er dadurch nicht eines Theils ſei⸗ nes EigenthumsRechtes beraubt wird, wenn man ihn, uͤber die Quantität der Guͤter, uͤber welche er ver⸗ fuͤgen will, oder in Hinſicht auf die Perſonen, die der Gegenſtand ſeiner Zunejgung ſind, oder uͤber die Formen, worin er ſeinen Willen auszudruͤcken hat, gewiſſen Regeln unterwirft. Dies Gefuͤhl der Un⸗ abhaͤngigkeit in dem Gebrauch des EigenthumsRechtes gewinnt neue Stärke, je weiter der Menſch in ſeiner Laufbahn vorſchreitet. Die Natur und das Geſetz haben ihn zum Haupt und zum Vorſteher ſeiner Familie ernannt; er kann aber ſeine Rechte und Pflichten nicht ausuͤden, wenn er nicht die Mittel hat, die einen zu belohnen, die andern zu ſtrafen, und jenen, welche von der Natur oder dem Schickſal Unfaälle erleiden, Unterſtuͤtzung zu verleihen. Dieſe Mittel befinden ſich in der guten Anwendung ſeines Vermoͤgens und einer der Gerech⸗ tigkeit und der Weisheit angemeſſenen Vertheilung. Der, welcher die Urheber ſeiner Tage verlohren hat und ſelbſt nicht ſo gluͤcklich iſt, Vater zu ſein, glaubt noch mehr Recht zur Unabhaͤngigkeit in ſeinen Verfuͤgungen zu haben. Er hat blos den Regungen der Neigung und der Dankbarkeit zu folgen. Ha⸗ ben ſeine Verwandte die Bande zerriſſen, welche ſie vereinigen, ſo glaubt er keine Pflichten mehr gegen ſie zu haben. Vorzüglich am Ende ſeines Lebens beſchäftigt ſich der Menſch am lebhafteſten mit dem Schickſal von (110) Allgemeine Verfuͤgungen. —— Anmerkungen. jenen, die nach ſeinem Tod ſeine Stelle einnehmen ſollen. Dann ſiehr er die Zeit voraus, wo er die guten Verwandten, gegen welche er Pflichten hat, nicht mehr von jenen wird unterſcheiden koͤnnen, die blos nach dem Beſitz ſeiner Guter ſtrebten. In die⸗ ſem Falle findet er ſeinen Troſt darinn, uͤber ſein Vermoͤgen nach ſeinem Belieben zu verfuͤgen. Einige RechtsGelehrten haben den Einwurfgemacht, derienige, welcher fur eine Zeit verfuͤge, worinn er nicht mehr exiſtiren wird, uͤbe kein in der Natur gegruͤn⸗ detes Recht aus; es gebe kein Eigenthum, als in dem Beſitz, der mit dem Leben aufhoͤre. Der Uebertrag der Guͤter, nach dem Tode des Beſitzers, gehoͤre dem Civil Geſetz an, deſſen Zweck es iſt, den Unord⸗ nungen vorzubengen, welchen die Geſellſchaft noth⸗ wendig Preiß gegeben waͤre, wenn die Guͤter deſſel⸗ ben nunmehr die Beute des erſten Beſitznehmers wer⸗ den oder unter alle Glieder der Geſellſchaft zu glei⸗ chen Theilen getheilt werden ſollten. Sie behaup⸗ ten, die Erbfolge ab iprestat ſey die erſte und einzig geſetzliche Ordnung des Ueberganges der Guter nach dem Tod, und wenn der Menſch einige Macht uͤber dieſelbe noch nach ſeinem Tode ausuͤben ſollte, ſey es eine bloße Wohlthat des Geſetzes; dieſes trage ihm alsdann einen Theil ſeiner Gewalt uber, mit Beſtimmung der Graͤnzen, die er nicht überſchreiten darf, und der Formen, denen er unterworfen iſt. Man koͤnne dem Willen des Menſchen den Uebertrag der Guͤter nicht uͤberlaſſen, da dieſer Wille nicht im⸗ mer geaͤuſſert werde, oft das Spiel der Leidenſchaf⸗ ten ſey, und, zu veraͤnderlich, nie hinlaͤnglich ſein könne, eine neue allgemeine Ordnung einzufuͤhren, welche die Erhaltung der Geſellſchaft erheiſcht und das Geſetz allein nach gerechten und einfoͤrmigen Re⸗ geln beſtimmen kann. Dies Syſtem wird von andern Publiziſten beſtrit⸗ ten, welche behaupten, daß es die Grundlagen der 1 Art. CLXXXlIIl. Man kann über ſeine Guter, ohne Erſatz(à titre Anmerkungen. geſellſchaftlichen Ordnung erſchuͤttere und die Grund⸗ ſaͤtze des EigenthumsRechtes verletze. Sie glauben, dieſes Recht beſtehe weſentlich in dem Gebrauche, den jeder vondem, was ihm gehoͤrt, ma⸗ chen koͤune; wenn dieſe Verfügung, dieſer Uebertrag auch erſt nach dem Tode ſeine Wirkung haben ſolle, ſo ſey er doch nichtsdeſtoweniger wabrend dem Leben gemacht worden, und durch die Aufhebung des Rech⸗ tes, zu teſtiren, würde der Eigenthuͤmer zum bloſ⸗ ſen Nutznieſſer herabgeſetzt. In der Mitte dieſer Diskuſſſon findet ſich eine Fuͤhrerinn, der man ohne Beſorgniß folgen kann; es iſt die Stimme der Natur, die bei allen Völ⸗ kern gehort und ſchier alle Geſetzgebungen angege⸗ ben hat. Die Bande bes Bluts, welche die Familien verei⸗ einigen, werden durch die innere Zuneigung gebildet, die die Natur in die Herzen der Verwandten ge⸗ legt hat. Die Energie dieſer Empfindung iſt ſtärker, je näher die Verwandſchaft iſt, und hat zwiſchen den Aeltern und ihren Kindern die hochſte Kraft. Alle weiſe Geſetzgebungen haben die Ordnung dieſer Nei⸗ gungen als die beſte Ordnung des Uebertrags der Guter angeſehen. Wenn aber das Geſetz blos den Regungen der Na⸗ tur zu folgen, und für den Uebertrag der Güter das Herz jedes FamilienGliedes allein zu Rath zuziehen hat, ſo ſollte es gleichgultig ſcheinen, ob dieſer Ue⸗ bertrag durch den Willen des Menſchen oder die Macht des Geſetzes geſchieht. Allein es iſt nicht zu verkennen, wie vortheilhaft es iſt, dem Willen des Menſchen bis zu gewiſſen Schranken freien Raum zu laſſen. Das Geſetz kann blos die allgemeine Ord⸗ nung der Familien zum Gegenſtand haben; ſeine Blicke können ſich weder auf jede von ihnen hinrich⸗ C112 gratuit) nicht anderſt als durch Schenkungen zwi⸗ Anmerkungen. ten, noch in ihr Inneres dringen, um die Huͤlfs⸗ mittel, das Betragen und die Beduͤrfniſſe jedes von ihren Gliedern zu erforſchen. Die Mittel hierzu ſtehn dem Familien Vater allein zu. Sein Wille wird alſo den beſonderen Beduͤrfniſſen und Vortheilen der Familie angemeſſener ſein. Es bleibt aber auf der andern Seite eben ſo noͤthig, den Misbraͤuchen vorzu⸗ beugen, welche daraus entſtehen konnten, wenn man das Schickſal der Familien dieſem Willen ganz hin⸗ geben wollte. Nachläſſigkeit, unvorhergeſehene Todesfaͤlle koͤnnen die Aeuſſerung deſſelben verhindern, ungerechte Lei⸗ denſchaften können ihm eine boͤſe Richtung geben; allein in dieſem Falle darf das Geſetz ſich nur in ſo weit an die Stelle des Familien Vaters ſeßen, um ſein Auslaſſung und ſein Unrecht zu verbeſſern. Iſt der Willen nicht ausgedruͤckt worden, ſo hat das Geſetz keine neue Regel aufzuſtellen: es ahmt alsdann das nach, was die Verwandten ſelbſt der natuͤrlichen Ordnung ihrer Neigungen zufolge gethan haben wuͤrden. Iſt dies auch nicht der erklärte Wil⸗ le des Erblaſſers ſo iſt es doch immer ſein vermuth⸗ licher, und dieſe Vermuthung wird durch ſein Still⸗ ſchweigen noch bekräftet. Wenn der Ausdruck des Willens aber mit der Ver⸗ nunft im Widerſpruch ſteht; er hat, ſtatt das ſchoͤn⸗ ſte Recht der Natur auszuüben, dieſelbe beleidigt, ſo hat das Geſeß wieder keinen andern Zweck, als die⸗ ſen Willen von dem Einfluß ſchädlicher Leidenſchaften zu befreien, und ihn blos in ſo weit beſteben zu laſſen, als er vernuͤnftig iſt. Es vernichtet jene übertriebene Freigebigkeit nicht, ſondern reduzirt ſie blos; der Wille bleibt in allem, was er mit der of⸗ fentlichen Ordnung vertragliches hat, beſtehn. Die Befugniß, uͤber ſeine Guͤter zu verfuͤgen, maß nun eine Wohlthat des Geſetzes oder die Aus⸗ ubung des EigenthumsRechtes ſein, ſo iſt das gleich⸗ G1130 ſchen Lebenden oder durch ein Teſtament in den hier⸗ nach beſtimmten Formen, verfugen. Anmerkungen. guͤltig, vorausgeſetzt daß das Geſetz den eben ent⸗ wickelten Grundſätzen nicht zuwiderlauft. Wäre es anders, hätte der Geſetzgeber aus politiſchen Gruͤn⸗ den die durch die Natur für die lebertragung der Guͤter angedeutete Ordnung veraͤndert, oder die Be⸗ fugniß zu verfügen in zu enge Graänzen beſchrankt, ſo wäre es gleich lächerlich, zu behanpten, daß dieſe ſo beſchraͤnkte Befugniß noch eine Wohlthat ſey, oder daß unter der Herrſchaft eines ſolchen Geſetzes eine freie Ausübung des EigenthumsRechtes ſtatt finde. Hierzu kommt noch, daß das Syſtem, welches unter weiſen Beſchränkungen die freie Verfuͤgung der Güter erlaubt, allen RegierungsFormen, die ganz despoti⸗ ſchen ausgenommen, am beſten anpaßt. Wenn die Familien ein politiſches Intereſſe haben werden, daß die Vertheilung der Guͤter Modifikationen er⸗ halte, ſo wird auf der einen Seite dieſes Jutereſſe ſeinen Einfluß auf die Berechnungen des Familien⸗ Vaters haben, und auf der andern wird ſein Ehr⸗ geitz oder ſeine Eitelkeit von Pflichten beſchraͤnkt wer⸗ den, deren Ueberſchreitung das Geſetz ihm nicht er⸗ laubt. Das Geſetz aber, welches dem Ehrgeiz die Leich⸗ tigkeit geſtatten wurde, dieſe Pflichten aufzuopfern, wäre zerſtörend für die Familien und koͤnnte in kei⸗ ner Hinſicht gut ſein. Noch muß man bemerken, daß das CivilGeſetz, welches ſich am wenigſten von dem NaturGeſetz ent⸗ fernt, ſchon dadurch, daß es ſich den verſchiedenen RegierungsFormen am beſten anſchmiegt, auch das⸗ lenige iſt, welches das EigenthumsRecht auf die feſte⸗ 5 Grundlagen begründet, und es vor den Stürmen er Revolution ſchuͤtzt. Da die Befugniß zu verfuͤgen, innerhalb gewiſſen Schranken gehalten, ſo große Vortheile darbietet, ſo iſt es nicht zu verwundern daß wir ſie ſchier in allen 8 (114N Art. CLXXXIV. Die Schenkung zwiſchen Lebenden iſi ein Akt, wodurch der Schenkgeber ſich auf der Stelle und unwiderruflich der geſchenkten Sache zu Gunſten des Schenknehmers begiebt, welcher dieſelbe an⸗ nimmt. Anmerkungen. Geſetzgebungen wiederfinden. Die älteſten Denkmä⸗ ler der Geſchichte liefern Veweiſe von dem Gebrauch der Teſtamente, deren Urſprung ſich in der Nacht des Alterthums verliert. Wir finden ſie bei den Aegyptiern, zu Lacedämon, Athen, und ganz Griechen⸗ land; die Roͤmer ſtellten dreihundert Jahre nach der Grundung der Stadt nach ihrem Beiſpiel die Regel auf: Pater familias, uti legassit super kamiliä pecuniaque suà, jus esto. Die Gallier kannten die Teſtamente noch eher, als das roömiſche Recht; Markulf hat die bei ihnen üblichen Formen aufbewahrt. Alle Völker Europas haben die Befugniß, zu verfügen, in ihre Geſeßgebungen aufgenommen. Nachdem wir dieſen allgemeinen Grundſatz über den Uebertrag der Guͤter entwickelt haben, bleibt uns nur übrig, die Folgerungen daraus zu ziehen. Der erſte Titel enthält diejenigen, welche auf die Guͤter ſolcher Perſonen Bezug haben, die ohne Ver⸗ fugung verſtorben ſind. Es bleibt nur noch der Theil zu beſtimmen, der die Schenkungen unter Le⸗ benden und die Teſtamente betrifft. Allgemeine Verfuͤgungen. Znerſt muſte man die allgemeinen Grundſätze auf⸗ ſtellen, nachher den Betrag der Güter beſtimmen, die der freien Verfuͤgung uͤberlaſſen bleiben, und endlich die Formen beſtimmen, welche den Willen des Verfuͤgenden konſtatiren und ſeinen Vollzug verſichern ſollen. Dies iſt der allgemeine und einfache Plan dieſes Geſetzes. 6115N Art. CLXXTV. Das Teſtament iſt ein Akt, wodurch der Teſta⸗ tor für die Zeit, wo er nicht mehr exiſtiren wird, uͤber ſein ganzes Vermögen oder einen Theil deſ⸗ ſelben verfuͤgt, und welchen er wiederrufen kann. Art. CLxXXVI. Die Subſtitutionen ſind verboten. Anmerkungen. An der Spitze deſſelben finden wir einige Regeln welche auf alle Gattungen von Verfügungen an⸗ wendbar ſind. Fum Art, 133. Der erſte Artikel beſtimmt die Art, auf welche man ohne Erſatz über ſeine Güter verfuͤ⸗ gen kann. Sie iſt nur zweierlei: Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden und Teſtamente. Der Unterſchied bei letzten Willens Meinungen zwiſchen Teſtamenten, Co⸗ dizillen oder Schenkungen des Todes halber iſt auf⸗ gehoben; es giebt keine andere mehr als Teſtamente. Zum Art. 186. Die meiſten dieſer allgemeinen Be⸗ merkungen beduͤrfen keiner Entwickelung. Bloß die des gegenwärtigen Artikels, die wichtigſte unter al⸗ len, welche die FideiCommiß Subſtitutionen für im⸗ mer verbietet, gab zu einer Unterſuchung Anlaß. Dieſe Art von Verfuͤgung, von welcher wir in der roͤmiſchen Geſetzgebung die erſten Spuren finden, war in den Zeiten der Republik unbekannt. Der Familien Vater konnte damals ſein Vermoͤgen nach unbeſchränkter Willkuhr vertheilen. Allein er hatte nicht die Macht, willkuͤhrlich eine eigene Erb⸗ folge zu beſtimmen, und ſo ſeine Nachfolger der kom⸗ menden Generationen deſſelben Vorrechts zu beran⸗ ben, deſſen er genoß. Die Argliſt erfand zuerſt die Subſtitutionen; der Ehrgeiz hat ſie zu ſeinen Plä⸗ „ (116) Jede Verfuͤgung, wodurch der Schenknehmer, der eingeſetzte Erbe oder Legatar verpflichtet Anmerkungen. nen benutzt und verewigt. Man hatte zuerſt dadurch Perſonen zu beguͤnſtigen geſucht, welche zur Erbfolge unfähig waren; nachher diente daſſelbe Mittel eine fortwaͤhrende Erbfolge ſelbſt zu Gunſten derjenigen zu bewirken, welche von dem Geſetz nicht ausge⸗ ſchloſſen waren. Erſt unter Auguſt, im achten Jahr⸗ hundert ſeit der Gruͤndung Roms wurden die Fi⸗ deiCommiſſe zu Gunſten erbfaͤhiger Perſonen erlaubt. In Frankreich hatten zehn Herkommen, die ungefaͤhr einen Fuͤnftheil ſeines alten Gebiets regierten, die Subſtitution verboten oder ſehr beſchraͤnkt; im gan⸗ zen übrigen Theil des Staates war ſie anfangs ſo unbedingt, wie bei den Romern, erlaubt. Da man aber bald empfand, wie wenig dieſe Befugniß, in jeder Familie, ja ſelbſt fuͤr jede Gattung von Guͤtern eine beſondere, ihr eigene, Erbfolge zu beſtimmen, mit dem allgemeinen Intereſſe der Geſellſchaft ver⸗ einbar waͤre, ſo beſtimmte die Ordonnanz von 1560, daß alle, welche kuͤnftighin gemacht werden wuͤrden, zwei Grade nicht überſteigen durften. Dieſes PalliativMittel half aber den Misbräu⸗ chen keineswegs ab. Die Erfahrung hat bewieſen, daß dieſe Inſtitution, deren Zweck es war, ein Glied der Familie durch die Beraubung aller uͤbri⸗ gen zu bereichern, in den reichen Familien ein be⸗ ſtändiger Zankapfel war. Die zahlreichen und be⸗ duͤrftigen Verwandten, welche aufgeopfert worden waren, ſuchten ihr einziges Hulfsmittel in den Strit⸗ tigkeiten, die ſie uͤber die Deutung des Willens, üͤber den Antheil, den ſie von den ſubſtituirten Gütern abzuziehen berechtigt waren, über die Auslaſſung oder die Unregelmäſigkeit der Formen erhuben. Jeder, der ſolche Guͤter beſaß, hatte als bloßer Nuznieſſer kein Intereſſe die Guͤter zu verbeſſern, er ſuchte im Gegentheil auf alle Art augenblicklichen Vortheil daraus zu ziehen, zum groſſen Nachtheil der folgen⸗ G117 wird, einem dritten(das Geſchenk, die Erbſchaft oder das Legat) aufzubewahren und zuruckzuerſtat⸗ Anmerkungen. den Beſitzer, welche ebenfalls blos zu neuen Auſſan⸗ gungen ihre Zuflucht nahmen. Ein große Maſſe von Eigenthum war zudem dem Umſchlag entzogen; die Ordonnanz von 1560 hatte ihre Wirkung ganz verfehlt. Alle die, welche einmal auf Unkoſten ihrer Geſchwiſter aller Prarogative eines groſſen Namens und eines bedeutenden Vermoͤgens genoſſen hatten, fehlten nicht, dieſelbe Verfügung zu errinnern, und wenn jede dieſer Subſtitutionen auf gewiſſe Grade beſchränkt war, ſo waren ſie durch die ſteten Erneuerungen nichtsdeſtoweniger fortwährend. Die, welche ſchon mit dem Raub ihrer Familie be⸗ reichert waren, bedienten ſich oft deſſelben Mittels, um ihre Glaͤnbiger zu ſprengen. Ein großer Auf⸗ wand ließ großen Reichthum vorausſetzen; der Glaͤu⸗ biger, der die EigenthumsLitel ſeines Schuldners nicht unterſuchen konnte oder vernachläſſigte, es zu thun, ward das Opfer ſeines Zutrauens; und oft war jede Generation einer Familie, die durch die Sub⸗ ſtitutionen die ungeheurſten Beſitzthumer erhielt, durch einen ſchaͤndlichen Bankerut bezeichnet. Die Subſtitutionen erhielten nur dadurch einer Fa⸗ milie ihre Guͤter, daß ſie alle Glieder dem Glanz eines derſelben aufopferten. Eine ſolche Vertheilung kann nicht ſtatt finden, ohne nach und nach alle Re⸗ gungen jener natuͤrlichen Zuneigung zu erſticken, welche der erſte Grundſatz des Uebertrags des Ver⸗ mögens unter Verwandten iſt. Es giebt keinen groͤſ⸗ ſern Fehler in der innern Organiſation der Familien, als alle ihre Glieder in der Niedrigkeit zu erhalten, um einem einzigen eine glaͤnzende Eriſtenz zu ver⸗ ſchaffen, und die, welche die Natur alle gleich erſchuf, in die traurige Nothwendigkeit zu verſetzen, die Wohlthätigkeit des Beſitzers eines Vermogens anzu⸗ flehen, welches ihnen gemeinſchaftlich angehoören ſollte; (118N ten, iſt ſelbſt in Hinſicht auf den Schenknehmer, den eingeſetzten Erben, oder den Legatar nichtig. Art. CLXXXVII. Von dem Fall des vorhergehenden Artikels ſind die Verfuͤgungen ausgenommen, welche den Ael⸗ tern und Geſchwiſtern im fünften Kapitel des ge⸗ genwärtigen Titels erlaubt ſind. Art. CLXXXVIII. Die Verfuͤgung, wodurch ein Dritter berufen waͤre, vas Geſchenk, die Erbſchaft oder das Legat in dem Falle zu empfangen, wo der Schenkneh⸗ Anmerkungen. zumal da ein Reichthum, deſſen Urſprung ſo ungerecht iſt, ſelten Geſinnungen der Wohlthätigkeit einflößt. Wenn endlich die Subſtitutionen in die Zahl der po⸗ litiſchen Inſtitutionen gehören, ſo hat man hinläng⸗ lich und auf eine weniger Misbraͤuchen unterworfene Art fur dieſen Zweck geſorgt, indem man den Ver⸗ fuͤgungen jeder Art alle, mit den Pflichten der Natur vereinbarliche Freiheit, gelaſſen hat. Zum Art. 138. Man muß inzwiſchen nicht auſſer Acht laſſen, was das Geſeß unker Subſtitutionen verſteht, nämlich nichts, als die ehemaligen FideiCommiſſe. Ich ſchenke oder vermache dem Peter einen Gare ten, unter der Verbindlichkeit ihn dem Paul zu biu⸗ terlaſſen. Eine ſolche Verfuͤgung iſt nichtig, ſelbſt in Hinſicht auf den Peter. Wenn ich aber fuͤr den Fall, wo peter das Gut nicht antreten würde oder wollte, ſey's, weil ich ihn uͤberleben würde, oder, weil er zur Erbſchaft unfähia geworden waäre, oder weil er ſie ausgeſchlagen hätte, den Paul zum (119) mer, der eingeſetzte Erbe oder der Legatar es nicht empfangen wuͤrden, ſoll nicht als Subſtitution an⸗ geſehen werden, und guͤltig ſein. Art. CLXXXIX. Ein gleiches gilt von der Schenkung zwiſchen Lebenden oder dem Teſtament, wodurch dem einen die Nuznieſſung, und dem andern das bloße Eigen⸗ thum gegeben wird. Art. CXC. Bei jeder Verfuͤgung zwiſchen Lebenden oder durch ein Teſtament werden die unmoͤglichen Bedingniſſe, Anmerkungen. Schenknehmer oder Legatar einſetze, ſo iſt dieſe Ver⸗ fugung guͤltig. Sie war ehedem unter dem Namen, substitutio vulgaris bekannt, und man hatte keinen Grund ſie nicht beizubehalten, da bei derſelben zwi⸗ ſchen dem Schenkgeber oder LTeſtator, und dem welcher das Vermächtniß erhaͤlt, ſich kein Dritter in der Mitte beſindet. Zum Art. 190. Man kann unbedingt und ohne wei⸗ teres oder aber unter gewiſſen Bedingungen ver⸗ fugen. Derienige zu deſſen Gunſten die Verfü⸗ gung geſchieht, iſt verbunden die Bedingungen zu erfuͤllen, wenn er der Wohlthaten der Verfuͤgung genieſſen will. Sind aber unter den Bedingungen ſolche, die der Natur der Dinge nach unmöglich zu erfuͤllen ſind, oder den Geſetzen oder Sitten zuwiderlaufen, ſo wer⸗ den dieſe Bedingungen als nicht geſchrieben ange⸗ ſeben. Der Akt, von welcher Gattung er auch immer ſein mag, Schenkung oder Teſtamenr, bleibt nichtsdeſtoweniger in ſeiner Kraft und Wirkung. (120) die, welche den Geſetzen und guten Sitten zuwider⸗ laufen, ſo angeſehen als ſtuͤnden ſie nicht geſchrieben. Et ſt 5 5 Von der Fähigkeit, durch Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden oder durch Teſtamente zu verfuͤgen oder zu erhalten. Nrt. CLCl. um eine Schenkung zwiſchen Lebenden, oder ein Anmerkungen. Erſtes Kapitel. Sum. Art. 191. Dieſer Artikel hat beim erſten An⸗ blich etwas auffallendes. Muß man den nicht für alle Akte bei geſunder Vernunft ſein? Wenn man es in dieſem Falle beſonders zur Bedingung macht, muſte man dann dieſen Grundſatz nicht organiſiren? Welcher Beweiß ſoll zugelaſſen werden, um die Er⸗ fuͤllung deſſelben zu erproden? Dies ſind die Fragen welche man in dieſer Hinſicht aufgeworfen hat, und folgendes die Gruͤnde, welche den Geſetzgeber bewo⸗ gen, ihn ſo unbedingt in das Geſetz aufzunehmen. Die Freiheit der Vernunft und das vollkommenſte Bewuſtſein ſind vorzuglich zu den Verfügungen, von welchen hier die Rede iſt, erforderlich. Oft verfügt der Menſch, zumal durch Teſtamente, erſt in ſei⸗ nen lehten Augenblicken. Wie viel Gefahren drohenals⸗ dann dem Kranken/ und nur zu oft ſucht die argliſtige Habſucht ſeine BeurtheilungsKraft zu feſſeln. Für den Fall des Bloͤdſinns hat zwar das Geſetz geſorgt, wenn er gerichtlich anerkannt iſt, oder die Verfugung ſelbſt die Spnren deſſelben enthaͤlt. Allein der Blöd⸗ ſinn iſt eine fortwährende Beraubung der Vernunft; man kann aber oft nicht bei Verſtand, und doch augenblicklich der Vernunft beraubt ſein. Ein nicht iuterdizirtes Individuum kann einen Akt gemacht (721) Teſtament zu machen, muß man bei geſunder Ver⸗ nunft ſein. Anmerkungen. haben, der alle äuſſere Zeichen der Freiheit an ſich traͤgt, während nichtsdeſtoweniger ſein Wille oder ſein Verſtand ſich in ſoich' kritiſchen Verhält⸗ niſſen befand, daß man ſich unmoglich uberzeugen kann, daß er einer vollen Freiheit der Vernunft ge⸗ noſſen habe. Wenn z. B. ein Habſuchtiger die Fie⸗ berhitze eines Kranken benutzt haͤtte, um eine Ver⸗ fuͤgung zu ſeinem Vortheil zu erſchleichen, ſollte die⸗ ſer den Vortheil derſelben benutzen koͤnnen. Welches ſollte aber die Art des Beweiſes ſein? Die Notarien und Zeugen wuͤrden allerdings den Willen des Geſetzes verkennen, und ſich einer großen Nach⸗ läſſigkeit ſchu dig machen, wenn ſie nicht damit an⸗ fangen würden, ſich von der geſunden Vernunft des Verfuͤgenden zu üͤberzeugen, und ſie werden, ohn⸗ geachtet das Geſetz es nicht geradezu befiehlt, immer fortfahren in ihren Akten zu bemerken, daß der Ver⸗ fügende ihnen bei geſundem Verſtande ſchien. Allein die Notarien und Zeugen konnen unmoͤglich Richter dieſes Zuſtandes ſein. Das Geſetz konnte in einer Materie, wo alles von immer veränderten Umſtaͤnden abhängt, keine beſtimmte Regel aufſtellen, ſondern muſte die Anwendung des Geſetzes platterdings den Tribunalien uͤberlaſſen. Die Richter werden nichtsdeſtoweniger fuͤhlen, wie gefaͤhrlich es ſein wuͤr⸗ de, freventliche Reklamationen gegen Akte zuzulaſ⸗ ſen, deren Vollzug der erſte Wille des Geſetzes iſt. Sie werden nicht ermangeln ſich gegen die Kabale des perſoͤnlichen Intereſſe's in Acht zu nehmen, und ein ſolches Mittel blos dann zulaſſen, wenn ent⸗ ſcheidende und peremptoriſche Umſtände ihnen die mo⸗ raliſche und geſetzliche Ueberzeugung gewähren, daß der Verfügende würtlich den freien Gebrauch ſeiner Vernunft nicht hatte. (122) Art. CXCll. Jedermann, die Perſonen allein ausgenommen, welche das Geſetz dazu unfähig erklärt, kann ſo⸗ wohl durch Schenkungen zwiſchen Lebenden als durch Teſtamente verfuͤgen und erhalten. Art. CXClIII. Der Minderjaͤhrige, der juͤnger als ſechszehn Anmerkungen. Zum Art. 192. Dieſer Grundſatz iſt auf alle Perſo⸗ nen anwendbar, welche den Genuß der CivilRechte haben. Die uufähigkeit iſt ein Zufall. Es giebt alſo keine, als die welche von dem Geſetz ausdruͤck⸗ lich beſtimmt iſt, und natuͤrlich in die abſolute und relative zerfallt. In die erſte Klaſſe deren, welche zu verfügen unfähig ſind, gehoren 1) die Minderiähri⸗ gen unter 16 Jahren, 2) die Interdizirten; in die zweite 1) die Minderjährigen uͤber 16 Jahre: 2) die verheuratheten Weiber. In Hinſicht auf die Unfä⸗ higkeit zu empfangen gehoͤren in die erſte 1) das Weſen, welches nicht exiſtirt, 2) der Vormund vor Abſchluß ſeiner Rechnung; in die zweite 1) die na⸗ türlichen Kinder 2) Aerzte, WundAerzte, Avotheker und Diener des Kultus 3) Hospitien und offentliche Anſtalten, 4) die Fremden. Zum Art. 193 u. 194. Was die Interdicirte detrifft, ſo hahen die Artikei 406 und 499 des 2ten Kapi⸗ tels des 11ten Litels des 1ten Buchs Theil 1. S. 324 n. 326) dieſetben ohne Rückſicht auf lichte Augen⸗ blicke den Minderjaͤhrigen gleichgeſetzt. Was dieſe letzte betrifft, ſo muß der, der uͤber ſein Vermögen verfügen will, auch zu dem Alter ge⸗ langt ſein, wo Nachdenken und Kenntniſſe ſeine Ver⸗ fügungen leiten können. Das Geſetz kann freilich in dieſer Hinſicht blos Vermuthungen aufſtelleu; es hatte zwiſchen zweien die Wahl: zwiſchen der, die (123N Jahre iſt, kann gar nicht verfuͤgen, vorbehaltlich jedoch deſſen, was im Bten Kapitel: von den Schenkungen zjwiſchen Ehegatten, be⸗ ſtimmt iſt. Art. CXCIV. Der Minderjährige, welcher das Alter von ſechs⸗ Anmerkungen. aus einer beſtimmten Anzahl von Jahren entſpringt, und der, welche die Emancipation gewaͤhrt. Meb⸗ rere Beweggruͤnde ſtimmten fuͤr die erſte. Die Ael⸗ tern können ihr Kind mit 15 Jahren emancipiren. Man geſtattete ihnen dieſes Recht, weil man dar⸗ auf rechnete, daß ihre Zärtlichkeit fortfahren wuͤrde, die Handlungen des Emancipirten zu leiten, der in einem ſo zarten Alter unmöglich die dazu nöthige Erfahrung beſitzen kann. Deshalb kann auch der älternloſe Minderjährige erſt mit 18 Jahren eman⸗ cipirt werden. Das Recht zu verfügen muß aber durch einen eigenwilligen, unabhaͤngigen Akt ausgeuͤbt werden. Dieſen Willen, auf welchen Aeltern und Vormuͤnder keinen Einfluß haben duͤrfen, konnte man aber nicht bei einigen Minderjaͤhrigen mit 15, bei andern erſt mit 18 Jahren als vernuͤnftig vorausſetzen. Dieſer Wille wäre ferner nicht unabhaͤngig gewe⸗ ſen, hätte ein Minderiähriger ihn nur in dem Falle ausuͤben koͤnuen, wo er emancipirt geweſen waͤre; die Furcht, er moͤge dem Futereſſe der Aeltern zuwiderlau⸗ fende Verfuͤgungen treffen, hätte oft ein Hinderniß der Emancipation ſein können. Uebrigens hat im gegen⸗ waͤrtigen Zuſtande der Civiliſation ein Minderjaͤhri⸗ ger von 16 Jahren einen hinlaͤnglichen Unterricht erhal⸗ ten, um ſeine Pflichten gegen ſeine Aeltern zu ken⸗ nen. Sein Wille mag daher mit dieſem Alter reif genug ſein, um, nicht über ſein ganzes Vermogen, ſondern über die Hälfte der Guͤter, deren Verfuͤgung dem Großlährigen freiſteht, verfuͤgen zu konnen. (124N zehn Jahren erreicht hat, ſoll nicht anderſt als durch ein Teſtament verfuͤgen können, und blos bis zur Conkurrenz der Hälfte des Vermögens, woruͤ⸗ ber das Geſetz dem Großjaͤhrigen zu verfügen er⸗ laubt. Art. CXCV. Das verheurathete Weib ſoll keine Schenkung zwiſchen Lebenden ohne den Beiſtand oder die be⸗ ſondere Einwilligung ihres Mannes, oder ohne da⸗ zu von Gerichtswegen, in Gemäßheit der Verfuͤ⸗ Anmerkungen. Man hat jedoch einen gerechten Unterſchied zwi⸗ ſchen den Schenkungen zwiſchen Lebenden und den Te⸗ ſtamenten zu machen. Die Vermuthung, duß die von dem Minderjahrigen für die Zeit nach ſeinem Tode gemachte Verfuͤgung durch die Grundſätze der Vernunft geleitet wuͤrde, war auf die Schenkungen zwiſchen Lebendenden, wodurch der Minderjährige ſein Vermögen fuͤr immer hingeben wuͤrde, nicht an⸗ wendbar. Eine ſolche Befugniß wuͤrde dem Grund⸗ ſatz zuwiderlaufen, nach welchem er nicht einmal den geringſten Theil ſeiner Guͤter verauſſern darf. Das Geſetz befuͤrchtet, daß bei Schenkungen unter Leben⸗ den der Minderjaͤhrige zu leicht das Opfer ſeiner Leidenſchaften werden moͤge. Bei teſtamentariſchen Verfügungen wird ihn die Auſſicht oder die Annä⸗ berung des Todes mit dem Gefuͤhl der Pflichten der Natur oder der Dankbarkeit durchdringen. Zum Art. 195. Siehe Theil 1. Seite 149. Es iſt hier wohl zu bemerken, daß das Weib ohne die ge⸗ ſetzliche Ermachtigung ſelbſt dann keine Schenkung unter Lebenden vornehmen kann, wenn ſie mit ihrem Manne in keiner Gemeinſchaft der Güter lebt, oder (125) gungen des Artikel CCXxl. und CCXxIIl. im Ti⸗ tel: von der Ehe ermächtigt zu ſein, machen können. Es bedarf weder der Einwilligung des Mannes, noch der gerichtlichen Ermachtigung, um durch ein Teſtament zu verfuͤgen. Art. CXCVI. um fähig zu ſein, durch einen Akt zwiſchen Le⸗ benden(etwas) zu erhalten, gnuͤgt es, im Augen⸗ blick der Schenkung empfangen zu ſein. um fahig zu ſein, durch ein Teſtament(etwas) zu erhalten, gnügt es, zur Zeit des Sterbfalls des Teſtators empfangen zu ſein. Die Schenkung und das Teſtament ſollen nichtsdeſtoweniger ihre Wir⸗ kung blos in ſo weit haben, als das Kind lebens⸗ fahig zur Welt kommt. Art. CXCVII Der Minderjaͤhrige ſoll, ſelbſt wenn er das Alter Anmerkungen. wenn dieſe Gemeinſchaft durch Kontrakte, urtheile oder ſelbſt die Trennung von Tiſch und Vett aufgehoben ware. Siehe in dieſer Hinſicht die Ver⸗ fuͤgungen bes obenangeführten Titels, ſo wie den Art. 305., Kapitel 5. des 11ten Titels des Iten Buchs.(Seite 204 des erſten Theiles.) Zum Art. 197. Es iſt aber nicht hinlaͤnglich, daß (126) don ſechzehn Jahren erreicht hat, nicht einmal durch ein Teſtament zum Vortheil ſeines Vormundes ver⸗ fugen koͤnnen. Der großjaͤhrig gewordene Minderjährige, ſoll zum Vortheil deſſen, der ſein Vormund war, we⸗ der durch Schenkung zwiſchen Lebenden, noch durch ein Teſtament verfuͤgen können, wenn nicht die end⸗ liche Vormundſchafts Rechnung vorher abgelegt und abgeſchloſſen worden iſt. Anmerkungen. der Wille des Verfügenden gewiß ſey, er darf auch nicht durch die Gewalt erzwungen worden ſein, die der, zu deſſen Gunſten verfuͤgt wird, über die Ver⸗ nunft des Schenkgebers gehabt haben konnte. Eine ſol⸗ che Gewalt hat z. B. der Vormund über ſeinen Pupil⸗ len, und um unzähligen Misbränchen vorzubengen, ſah das Geſetz ſich zu obigen Verfuͤgungen gezwun⸗ gen. Man muſte den Vormuͤndern ebenfalls die Hoffnung benehmen, ſich mittelſt ſolcher Verfügun⸗ gen, die ſie von ihren großjahrig gewordenen Pu⸗ pillen erſchleichen könnten, von der Verbindlichkeit der RechnungsAblage zu befreien. Alle Rechte der Minderjaͤhrigkeit laufen ſelbſt fuͤr den Großlährigen noch gegen ſeinen geweſenen Vormund, bis zu dem Augenblick bis er ſich dieſer Pflicht entledigt hat, auf welche der Minderjährige nicht verzichten darf. Dieſe Regel wuͤrde aber nur zu oft umgangen wer⸗ den, wenn eine Verfuͤgung unter Lebenden oder ein Teſtament die Rechnuns des Vormundes unnoͤthig machen koͤnnte. Wenn man die Aszendenten ausgenommen hat, ſo iſt es, weil man bei einer Verfuͤgung zu ihren Gunſten eher die kindliche Liebe als den Misbrauch ihres Anſehns als die Triebfeder derſelben vermu⸗ zhen konnte. C1270 In den beiden obigen Fällen ſind die Aszendenten der Minderjährigen ausgenommen, welche ihre Vor⸗ munder ſind oder geweſen ſind. Art. CXCVIII. Die natürlichen Kinder können, weder durch Schenkung zwiſchen Lebenden noch durch ein Te⸗ ſtament, nichts auſſer dem empfangen, was ihnen im Titel: von den Erbſchaften bewilligt iſt. Art. CXCIX. Die Doktoren der Arzneikunde oder Chirurgie, die Geſundheits Beamten und Apotheker, welche ei⸗ Anmerkungen. Zum Art. 198. Jeder, erbfaͤhige Verwandte, ſchließt ſie von jedem Antheil der Erbſchaft aus, denjenigen ausgenommen, den das Geſetz ihnen ausdrücklich be⸗ willigt. Die den Ehen geſchuldete Aufmunterung erfordert, daß die natuͤrlichen Kinder nie derſelben Vorrechte wie die ehelichen, vor ihren uͤbrigen Ver⸗ wandten genieſſen können. Es bedarf hier nicht noch⸗ mal bemerkt zu werden, daß die Früchte einer ehe⸗ brecheriſchen oder blutſchaͤnderiſchen Umarmung, in dem ſeltnen Falle, wo deren in Gefolge einer Nullität der Ehe, einer Verlaͤugnung des Vaters, oder einer ungeſetzlichen Anerkennung entdeckt werden koͤnnten, in keinem Falle mehr als Alimente durch ein Teſta⸗ ment erhalten konnen. Zum Art. 199. Die Unfaähigkeit, zu empfangen, welche aus der Profeſſion herfließt, war ehedem der Gegenſtand großer Strittigkeiten und von mancherlei Verfuͤgungen. Allen Misbräuchen iſt wohl nicht vorzu⸗ bengen. Der Geſetzgeber hat ſich daher in einet ſo C18) ne Perſon während der Krankheit, woran ſie ſtirbt, behandelt haben, ſollen von den Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden oder den teſtamentariſchen Venfügun⸗ gen keinen Vortheil ziehen können, die ſie während dem Laufe dieſer Krankheit zu ihren Gunſten ge⸗ macht hätte. Ausgenommen ſind: 1) die beſondern Verfuͤgungen, welche zu Vergel⸗ tung der geleiſteten Dienſte mit Hinſicht auf das Vermogen des Verfuͤgenden und dieſe Dien⸗ ſte gemacht worden ſind. 2) Die Univerſa Verfügungen im Falle der Ver⸗ wandſchaft bis zum vierten Grad einſchließlich, vorausgeſetzt jedoch, daß der Erblaſſer keine Anmerkungen. zuſſerſt delikaten Materie darauf beſchraͤnkt, ſich ei⸗ ne beſondere Wachſamkeit uber die Verfuͤgungen vor⸗ zubehalten, die der Kranke in der Krankheit, an welcher er ſtirbt, zu Gunſten der Perſonen machen koͤnnte, die in dieſem Augenblick der phyſiſchen Schwäche den meiſten Einfluß auf ihn haben. Des⸗ wegen ſind unter gewiſſen Beſchränkungen die Ver⸗ fügungen null, die er zu Gunſten derjenigen machen konnte, welche ihm durch ihre Kunſt oder die Tro⸗ ſtungen ſeines Glanbens Ruhe und Hoffnung ver⸗ ſchafft und dadurch ſein Herz gewonnen haben koͤnnten. Die Richter werden nicht auſſer Acht laſſen, daß das Geſetz, durch eine nothwendige Folge, alle die erreicht, die auch ohne geſetzlichen Litel ſich in die Verrichtungen der Heilkunde einmiſchen und dem Kranken ihre Dienſte gewidmet haben könnten. Man entzieht ledoch dem Kranken die Vefugniß nicht, ihnen Beweiſe ſeiner Dankbarkeit im Verhält⸗ 129) Erben in grader Linie haben, wenn nicht der⸗ jenige, zu deſſen Vortheil die Verfugung ge⸗ macht worden iſt, ſelbſt unter die Zahl dieſer Erben gehoͤrt. Dieſelben Regeln ſollen in Hinſicht auf den Diener des Kultus beobachtet werden. Art. CC. Die Verfuͤgungen zwiſchen Lebenden oder durch Teſtamente, zum Vortheil der Hospitien, der Ar⸗ men einer Gemeinde oder gemeinnuͤtzigen Anſtal⸗ ten ſollen ihre Wirkung blos in ſo weit erhal⸗ Anmerkungen⸗ diß ſeines Vermögens oder ihrer Dienſte zu geben. Nur äuſſerſt eigennützige Erben konnten aus einer nur für ſie entehrenden Habſucht ſolche Verfügungen an⸗ fechten. Eben ſo ungerecht ware es geweſen, ihm die Befugniß zu entziehen, ſolche Perſonen, die zugleich ſeine Verwaändte ſind; durch teſtämentariſche Verfügungen zu bedenken. Blos wenn er Erben in grader Linie haͤtte, wuͤrde die Vermuthung, die die ihrer Unfähigkeit iſt, wieder ihre ganze Kraft erhalten. ZSum Art. 200. Selbſt das Mitleiden muß ſeine Graͤnzen haben. Das Intereſſe der Geſellſchaft und der Familien etheiſchen dieſe Beſchraͤnkung, welche ſich vor dem Edict von 1749 dadurch vortheilhaft auszeichnet, daß jenes blos in Hinſicht auf die Mobel Beſchränkungen machte. Dergleichen Verfuͤgungen ſind zudem gewiſſen Regeln unterworfen, deren Vollzug der Regierung obliegt. Dieſe muß endlich die Ark und die Quantirät der Güter kennen, die auf dieſe Art dem Umſchlag entzogen werden. 9 (130) ten, als ſie durch einen Beſchluß der Regierung werden ermächtigt(autorisées) werden. Art. CCl. Jede Verfügung zum Vortheil eines Unfähigen ſoll nichtig„man mag ſie nun unter die Form eines läſtigen Kontraktes verbergen, oder unter dem Namen von unterſtellten Perſonen machen. Fur unterſtellte Perſonen werden die Aeltern, die Anmerkungen. Zum Art. 201. Es war nicht genug, die Unfähigen zu bez eichnen, es muſten auch Maasregeln getrof⸗ fen werden, um zu verhindern, daß das Geſeß nicht umgangen werden koͤnne. Dem Richter bleibt es uͤberlaſſen, zu entſcheiden, ob ein Kontrakt, der die Form eines laͤſtigen Kontraktes hat, nicht eine geheime Beguͤnſtigung eines Unfaͤhigen bezwecke; in dieſem Falle erklaͤrt das Geſeß ihn fuͤr null. Die ſer abet wird ſich blos durch Beweiſe oder wenigſtens nach ſo ſtarken Vermuthungen entſcheiden, daß ſie ihm dle Ue verzeugung gewähren, daß der Akt keinen Glauben verdient, und daß der, welcher ihn eingegan⸗ gen iſt, keinen erlaubten, für beide Theile gleiche Laſten ſripulirenden Kontrakt abzuſchlieſſen, die Abſicht hatte. Eben ſo wenig iſt es erlaubt, unterſtellte Perſonen einzufüͤhren. Das Geſeß erklaͤrt, welche Perſonen immer furunterſtellte Perſonen gehalten werden. Die naturliche Folge davon iſt, daß, ſobald eine ſolche von dem Geſetz bezeichnete Perſon in dem Akte auftritt, der Richter ihn immer für null erklaren muß, ohne daß die vermuthlichen Erben nöthig haͤtten, einen andern Veweiß zu erbringen. Dieſe geſetzliche Vermu⸗ thung zu ihren Gunſten kann alsdann zwar immer noch durch einen unmittelbaren, unwiderſprechlichen, poſitiven Veweiß, aber auch nur durch einen ſol⸗ chen, entkräftet werden. (131) Kinder und Deszendenten und der Ehegatte der un⸗ fähigen Perſon gehalten. Art. CCM. Man ſoll blos in dem Falle zum Vortheil eines Fremden verfugen können, wenn dieſer(auch) zum Vortheil eines Franzoſen verfuͤgen könnte. Anmerkungen. Zuu Atr. 202. Siehe wieder den Art. 11 Kapitel 1 des 1ten Titels des erſten Buchs.(Theil 1. Seite 9.) Das Geſetz beobachtet uber die unfaͤhigkeit wegen Mangel an Freiheit, wegen Einſchränkungen und Ein⸗ lispelungen, wegen der Ungültigkeit eines von Zorn oder Haß beſtimmten Willens ein abſolutes Stillſchweie gen. Die, welche aus ſolchen Gründen dergleichen Ver⸗ fügungen angefochten haben, haben beinahe nie hinlaͤng⸗ liche Beweiſe aufgefunden, um poſitive Rechts Titel umzuſtoſſen, und vielleicht wäre es fuͤr das allgemeine Intereſſe wuͤnſchenswerth geweſen, dieſe Ouelle von verderblichen und ſcandaloͤſen Prozeſſen dadurch ver⸗ ſtopft zu ſehen, daß das Geſetz dieſe Gruͤnde der Nullitaͤt fuͤr platterdings unzuläſſig erklaͤrt hatte. Allein der Betrug und die Leidenſchaften wurden alsdann in dem Geſetz ſelbſt ihre Strafloſigkeit begruͤndet ge⸗ glaubt haben. Es konnen Umſtände beſtehen, worinn der Wille des Verfuͤgenden nicht frei war, oder worinn er ganz von einer ungerechten Leidenſchaft beherrſcht ward. Die Weisheit der Tribunalien vermag al⸗ lein dieſe Fakta abzuwiegen, und zwiſchen dem Glauben, welchen dieſe Akte verdienen, und dem Intereſſe der Familien die Wagſchale zu halten. Ihnen bleibt es uͤberlaſſen, zu verhindern, daß dieſe nicht von habſüchtigen Fremden, welche die Schwache der Sterbenden zu ihrem PVortheil misbrauchen könn⸗ ten, oder durch die Wirkungen eines Haſſes, den Vernunft und die Natur verdammen, beraubt werden. „ G132N Z3weites Kapitel⸗ Von dem Antheile des Vermoͤgens, uͤber wel⸗ chen verfuͤgt werden darf, und von der Reduction. Erſter Abſchnitt. Von dem Antheile des Vermoͤgens, uͤber welchen man ver fuͤgen darf. Art. CC1II- Die Freigebigkeiten, ſie mögen nun durch Akte Anmerkungen. Zweites Kapitel. Erſter Abſchnitt. Sum Art. 203. Nachdem das Geſetz dieſe Grunb⸗ ſatze über die Charaktere eines gewiſſen und vernuͤnf⸗ tigen Willens, ohne welchen man zu verfügen unfä⸗ hig iſt, aufgeſtellt hat, kommt es zu den Beſeim⸗ mungen, die der HauptGegenſtand dieſes Titels ſind, welche auf die Sitten der Nation und das Glück der Familien einen ſo wichtigen Einfluß haben muͤſ⸗ ſen. Es beſtimmt naͤmlich, welcher Theil des Ver⸗ moͤgens einer freien Verfuͤgung unterworfen bleibt. Freilich ſteht zu vermuͤthen, daß, wenn jedermann blos ſeiner Neigung folgen wuͤrde, er ſein Vermo⸗ gen auf die, dem Gluͤck ſeiner Familie und den na⸗ tuͤrlichen Rechten ſeiner nächſten Erben, angemeſſen⸗ ſte Art vertheilen wuͤrde, und daß dieſe Neigung in dem Herzen deſſen, der Abkommlinge hinterläßt, ſich am wenigſten verirren könne. Allein wenn auch das Geſetz dieſes Zutranen hat, ſo muß es auf der andern Seite erwaͤgen, daß es Misbräuche giebt, die von der menſchlichen Schwäche und den Leidenſchaften nicht zu trennen ſind, und Pflichten, deren Verletzung es in keinem Falle erlauben darf. (133N zwiſchen Lebenden, oder durch Teſtamente geſchehen, Anmerkungen. Die Aeltern, welche ihren Kindern eine natuͤrliche Criſtenz gegeben haben, dürfen die Freiheit nicht haben, ſie in einer ſo wichtigen Hinſicht willkuhrlich ihrer CivilEriſtenz zu berauben: und wenn ſie im Gebrauche des EigenthumsRechtes ihre Freiheit be⸗ halten müſſen, ſo muͤſſen ſie doch auch die Pflichten gegen ihre Kinder und die Geſelſchaft erfuͤllen, wel⸗ che die Vaterſchaft ihnen auferlegt hat. Der Grundſatz aber, daß es auch den Aeltern er⸗ laubt ſein muß, ſelbſt zu Gunſten eines ihrer Kin⸗ der, vorzugsweiſe vor dem andern, uͤher einen Theil ihres Vermoͤgens nach Willkuͤhr zu verfuͤgen, ſchien eben ſo ſehr in der Natur gegründet. Wenn alle Kinder deſſelben Paters auch ein gleiches Recht anf ſeine Liebe haben, ſo muß die vaͤterliche Gewalt doch auch Belohnungen gewaͤhren koͤnnen. Schon die Ver⸗ ſchiedenheit der Bedürfniſſe und der Mittel der Kin⸗ der, erfordert daß der Vater hinlaͤngliche Gewalt habe, um dieſe Ungleichheiten zu verbeſſern. Endlich muß die Geſetzgebung auch in die väterliche Liebe Zu⸗ trauen ſeßen; es war gerecht dem Vater die Mittel zu gewähren, in ſeinem Alter ein Kind zu ſeinem Droſt bei ſich zu behalten. Die Nacheiferung unter den Kindern befoͤrdert die Indnſtrie; und bei Leuten von geringem Vermogen kam noch der Grund dazu, daß z. B. der Landmann, der nicht mehr Feld beſitzt, als er ſelbſt bauen kann, der Handwerker, der nur ſein Geräthe hat, ſich ploͤzlich ganz verlaſſen finden wuͤrde, wenn das Geſetz ihm nicht erlaubte, ein Kind vor den andern zu begünſtigen. Um dem Familien Vater die Graͤnzen zu beſtim⸗ men, über welche hinaus er ſein EigenthumsRecht nie misbranchen darf, hat das Geſetz zu allen Zei⸗ ten, bei allen polizirten Völkern, den Kindern, un⸗ ter dem Namen Pflichttheil(Legitima) einen ge⸗ wiſſen Theil des Vermoͤgens ihrer Aszendenten vor⸗ behalten. Bei den Römern war derſelbe durch den Digeſt, und den Coder auf den füuften Theil des Ver⸗ G1340 ſollen, wenn der Verfuͤgende bei ſeinem Sterbfall nur ein rechtmäſiges Kind zuruͤcklaßt, die Hälfte Anmerkungen. mogens feſtgeſetzt. Durch die 18te Novelle ward er auf ein Drittel, wenn vier oder weuiger Kinder vor⸗ handen waͤren; und auf die Hälfte, wenn ihrer fuͤnf oder mehrere vorhanden waren, beſtimmt. In Frankreich unterſchied man die Provinzen, worinn das geſchriebene Recht galt, von jenen, die von den Herkommen regiert wurden. In den erſten war der Pflichttheil beinahe allenthalben durch die No⸗ velle beſtimmt; die Herkommen hingegen ſtellteu äuſſerſt verſchiedene Prinzipien auf. Die einen nah⸗ men die Regeln des geſchriebenen Rechtes mit mehr oder wenizer Veraͤnderungen an; die andern z. B. das von Paris, ſetzten einen beſondern Pflichtheil feſt. In jenen Gegenden, wo daruͤber keine beſtimmte Ver⸗ füͤgung vorlag, hatte der Rechts Gebrauch die Regeln des geſchriebenen Rechtes, mit jenen des Pariſer Herkommens zugleich, aufgenommen, durch welches letzte der Pflichttheil auf die Halfte des Antheils feſtgeſetzt ward, den das Kind in der Erbſchaft er⸗ halten haben wuͤrde, wenn ſeine Aszendenten keine Verfuͤgung zwiſchen Lebenden oder des Todes halber getroffen haben wüͤrden. Das Geſetz vom 10 Nivo⸗ ſe 2(Art. 16) hatte die Befugniß, zu verfuͤgen, wenn Deszendenten vorhanden waren, auf ein Zehn⸗ tel des Vermoͤgens beſchräͤnkt. Das Geſetz vom 4 Germinal s gab den Aeltern einen Theil ihrer alten Freiheit zuruͤck, indem es die Freigebigkeiten erlaub⸗ te, welche den vierten Theil des Vermoͤgens nicht uͤberſtiegen, wenn weniger als vier Kinder vorhan⸗ den waren, den fünften, wenn ſie deren vier zurück⸗ lieſſen, den ſechsten, wenn fuͤnf Kinder vorhanden waren, u. ſ. w. Bei der Abfaſſung dieſes Projekts hatte man die Vortheile und die Nachtheile jedes dieſer Syſteme zu unterſuchen, um zu erkennen, welches auf die ge⸗ rechteſten Kombinationen des EigenthumsRechts mit 3 —— ——— —ÜY— 285 N ſeines Vermögens nicht uͤberſteigen können; nicht das Drittheil wenn er zwei Kinder hinterlaͤßt; nicht Anmerkungen. den Pflichten der Vaterſchaft gegruͤndet ſey. Zu Rom lag es in dem Syſtem der Regierung eines kriegeri⸗ ſchen Volkes, den FamilenVaͤtern eine unumſchraͤnk⸗ te Gewalt zu geſtatten. Als ſeine Civiliſation ſich vervollkommnete, war es unmoöglich geworden, dieſe alte Sitte zu reformiren. Nicht allein wollte jeder Vater keine Beſchraͤnkung ſeines EigenthumsRechtes dulden, ſondern es war auch jeder zum Geſetzgeber ſei⸗ ner Familie konſtituirt worden. Jede ſolche Einſchraͤn⸗ kung härte dieſe Magiſtratur herabgewuͤrdigt. So blieb während zwolf Jahrhunderten das Pflichttheil auf ein Viertheil beſchraͤnkt. Erſt gegen den Hinfall des Reichs erhielten die Kinder, wenn ſie drei oder we⸗ niger waren, das Drittel, und wenn ſie in groͤßerer Anzahl waren, die Halfte. Dieſes Syſtem hatte große Nachtheile. Bei vier Kindern war das yflicht⸗ theil eines jeden ein Zwoͤlftel dee Ganzen; bei fuͤnfen, das Zehntel. So ward der Antheil, der um ſo groͤſ⸗ ſer ſein ſollte, je weniger Kinder vorhanden waͤren, auf eine inkonſequente Art kleiner. Dieſe Umwaäl⸗ zung der natürlichen Ordnung der Dinge ließ ſich durch nichts rechtfertigen. Das Pariſer Herkommen hatte das Eigenthums⸗ Recht und die Familien Pflichten genauer erwogen. Der Geſetgeber hatte im Auge behalten, daß die Rechte und die Pflichten der Aeltern gleich heilig, der geſellſchaft⸗ lichen Ordnung gleich nothwendige Stußzen ſind, daß ein vollkommenes Gleichgewicht zwiſchen ihnen beſte⸗ hen muß, und daß die Freigebigkeit ein Ende haben muß, wenn ſie die Hälfte des Vermögens verſchlun⸗ gen hat. Dieſes Syſtem hatte keine Nachtheile in ſeinem Vollzug. Man findet immer in demſelben ein gerechtes Verhältniß zwiſchen dem Autheil der Kinder, ihrer Anzahl, und ihrem Erkrechte. Aber oft hatte es ganz andere Reſultate, als man dabei im Auge gehabt hatte. Man will, daß jedes Kind einen hinlänglichen Antheil am Vermoͤgen erhalten (136) das Viertheil, wenn er drei oder eine groͤßere An⸗ zahl zuruͤckläßt. Anmerkungen. ſoll, um den Stand behaupten zu können, den ſeine Aeltern ihm gegeben haben. Man mußte dieſen alſo nicht die freie Verfuͤgung uͤber die ganze Haͤlfte ihres Vermoͤzens ſelbſt in dem Falle laſſen, wo die Kinder, durch ihre Anzahl, auf einen zu kleinen Antheil ge⸗ ſetzt wuͤrden. Das beſte Syſtem iſt allerdings das, welches zu gleicher Zeit auf die Zahl der Kinder Ruͤckſicht nimmt, und doch den Aeltern alle Freiheit laͤßt, die mit der Nothwendigkeit, das Looß derſelben zu verſichern, vertraglich iſt. Das romiſche Geſetz erfullte eines Theils dieſe Bedingung, allein ſeine Proportionen erheiſchten eine große Abaͤndereng. Es hat uicht erwo⸗ gen, daß die Freiheit deſſen, der blos fuͤr ein Kind zu ſor⸗ gen hat, weniger beſchraͤnkt ſein muß, als die desjenigen, der viele Kinder hat, und umgekehrt. Die Freiheit⸗ ſelbſt dann über zwei Drittel zu verfuͤgen, wenn mehr als vier Kinder vorhanden waren, war zu ausge⸗ dehnt; und die, welche das Geſetz vom 4 Germinal s gewaͤhrt, und die blos eine VirilPortion begreift wenn mehr als vier Kinder vorhanden ſind, zu ein⸗ geſchraͤnkt, da ſie ſich bei einer großen Anzahl von Kin⸗ dern auf beinahe nichts reduzirt. Man erwog, daß nach der Ordnung der Natur, die Aeltern keine andere Ab⸗ ſicht bei der Uebertragung ihres Vermoͤgens haben konnen, als den Vortheil ihrer Kinder, und die Ab⸗ ſicht, die Ungleichheiten der Natur und des Schick⸗ ſals zu verbeſſern. Wenn die Zahl der Kinder be⸗ trächtlich iſt, ſo muß das Geſetz alſo auch jedem einen hinlaͤnglichen Antheil zuſichern, ohne jedoch dein Va⸗ ter die Mittel zu benehmen, dieſen beſondern Be⸗ duͤrfniſſen abzuhelfen, die nothwendig dann ebenfalls zahlreicher ſein muͤſſen. Dies ſind die Grundſätze, woraus man das Reſul⸗ tat des obigen Artikels abgeleitet hat. Es ſteht zwi⸗ ſchen beiden Syſtemen in der Mitte; wird es viel⸗ (137N Art. CCIV. In dem vorhergehenden Artikel ſind unter der Be⸗ nennung: Kind, alle Deszendenten, in welchem Grade ſie ſich befinden mögen, begriffen; ſie werden nichtsdeſtoweniger blos für das Kind gezählt, wel⸗ ches ſie in der Erbſchaft des Verfuͤgenden reprä⸗ ſentiren. Art. CCV. Die Freigebigkeiten durch Akte zwiſchen Lebenden oder durch Teſtamente ſollen die Hälfte der Guͤter nicht uberſteigen duͤrfen, wenn der Verſtorbene, in Er⸗ Anmerkungen. leicht nicht in allen einzelnen Fällen alle Intereſſe be⸗ friedigen konnen, ſo ſinb doch wenigſtens die Haupt⸗ Nachtheile vermieden, die bei der vorherigen Geſeß⸗ gebung ſo fuͤhlbar geworden waren⸗ Zum Art. 205. Schon die Römer erkannten, daß, wenn die Aeltern ihren Kindern einen Pflichttheil ſchuldig ſind, den Kindern gegen die Aeltern dieſelbe Schuldigkeit obliegt: Quem admodum à patribus li- beris, ita à liberis patribus deberi legitimam. In Frankreich war ehedem durch die Eintheilung der Guͤter in Acqueſte und eigenthuͤmliche das Schickſal der Aszendenten in den Provinzen der Herkommen aͤuſ⸗ ſerſt von dem in jenen, worinn das geſchriebene Recht galt, verſchieden. Die Kinder waren nemlich in den⸗ ſelben verpflichtet, alle eigenthuͤmlichen Guter mit Ausſchluß der Aszendenten den Collateral Erben zu bewahren. Die Rechte der erſten beſchraͤnkten ſich auf die Acqueſte und die Moͤbel. In den Provinzen des ge⸗ ſchriebenen Rechtes und auch nach einigen Herkommen hatten die Aszendenten einen Pflichttheil, welcher im G138) mangelung von Kindern, einen oder mehrere As⸗ zendenten in jeder der beiden Linien, der väterlichen und der muͤtterlichen, zuruͤckläßt; und nicht die drei Viertheile, wenn er blos in kiner Linie Aszendenten zuruͤckläßt. Die Aszendenten ſollen das, auf dieſe Art zu ih⸗ rem Vortheil vorbehaltene, Vermogen, in derfenigen Ordnung, in welcher das Geſetz ſie zur Erbfolge Anmerkungen. Drittel des Vermögens beſtand, das ſie zu glei⸗ chen Theilen unter ſich theilten. Wenn jedoch beide Aeltern oder einer von ihnen uͤberlebten, ſo hatten die GrosAeltern keinen Pflichttheil zu fordern, weil es in aufſteigender Linie keine Repraͤſentation giebt. Bei einer Vergleichung der Grundſätze des geſchrie⸗ benen Rechtes und der Herkommen iſt es nicht zu ver⸗ kennen, daß die letzten die Pflichten nicht genua in Anſchlag brachten, welche aus den innigen Verhältniſſen zwiſchen den Aeltern und ihren Kindern entſpringen. Zwar ſind die der letzten, in Hinſicht auf die geſell⸗ ſchaftliche Ordnung nicht ſo ausgedehnt, als die der Aeltern, weil das Schickſal der Aszendenten von dem Erbtheil, das ihnen in der Verlaſſenſchaft ihrer Des⸗ zendenten zugeſichert iſt, unabhaͤngiger iſt, als das der Kinder von der Erbſchaft ihrer Aszendenten. Aus dieſen Gruͤnden iſt der von dem Geſetz zu Gun⸗ ſten der Aszendenten beſtimmte Vorhehalt, ohne Hinſicht auf ihre Anzahl, wenn deren in beiden Li⸗ nien vorhanden ſind, auf die Hälfte, und, wenn deren nur in einer Linie vorhanden ſind, auf drei Viertheile feſtgeſetzt. Dieſe letzte Verfuͤgung begründet ſich auf die gleiche Vertheilung des Vermöͤgens zwiſchen die väterliche und mütterliche Linie, wenn der Erblaſſer weder Nachkommenſchaft noch Geſchwiſter hinterlaßt, welche einer der erſten Grundſätze des ganzen Sy⸗ G139 5 beruft, erhalten; und wenn nur in einer der(bei⸗ den) Linien Aszendenten vorhanden ſind, ſo ſollen ſie allein auf dieſen Vorbehalt in allen Fällen ein Recht haben, wo bei einer Theilung in Conkurrenz mit Collateral Erben ihnen nicht der Antheil des Ver⸗ mögens erſcheinen wuͤrde, worauf dieſer feſtge⸗ ſetzt iſt. Art. CCVI. In Ermangelung von Aszendenten oder Deszen⸗ Anmerkungen. ſtems des Uebertrags der Guͤter Tobeshalber iſt. Das Schickſal der Aszendenten war von dieſem geſetzlichen Vorbehalt nicht abhaͤngig genug, um zu ihrem PVor⸗ theil eine ſo weſentliche Regel zu uberſchreiten, und da derſelben zufolge die Guͤter, die der Linie zu⸗ gewieſen ſind, welcher der Aszendent nicht angehoͤrt, ihm ganz fremd ſind, ſo kann auch der Vorbehalt einen Antheil des Vermoͤgens, worauf er gar keine Anſpruͤche hat, nicht treffen. Noch iſt wohl zu bemerken, daß das Geſetz blos von jenen Aszendenten ſpricht, welche vom Geſetze zur Erbfolge berufen ſind. Wenn nun aber z. B. die GroßAeltern zugleich mit Geſchwiſtern oder Des⸗ zendenten von ihnen vorhanbden wären, ſo wären die⸗ ſe letzten allein zur Erbſchaft berufen: dann findet eben⸗ falls kein Vorbehalt fuͤr die GroßAeltern ſtatt, und uber das ganze Vermoͤgen kann unbedingt verfuͤgt werden. Zum Art. 206. Dieſer Artikel ward am lebhafteſten beſtritten, wobei vorzuͤglich die Anſprüche der Ge⸗ ſchwiſter wenigſtens in dem Falle, wo der Erblaſſer keine Nachkommen noch Aszendenten zurucklaſſen wür⸗ de, in Anſchlag kamen. 140) denten ſollen die Freigebigkeiten durch Akte zwiſchen Anmerkungen. Das geſchriebene Recht erkannte den Geſchwiſtern nie einen Pflichttheil zu. Die Herkommen hatten ihnen meiſtens die eigenthuͤmlichen Guͤter vorbehal⸗ ten, welche Verfuͤgung durch den Wunſch der Erbal⸗ tung der Guͤter in den Familien erzeugt worden war. Man wollte alle jene Verhältniſſe erhalten und vermehren, welche geneigt ſind, ſelbſt unter entférnten Verwandten die Empfindungen des Wohlwollens und der freundſchaftlichen Anhaͤnglichkeit zu erregen Die Vermehrung dieſer Bande unter den Familien ſchien die ſicherſte Garantie des oͤffentlichen Wohls. Die Urheber dieſes Syſtems hielten dafür, daß die Gra⸗ de, wodurch die Geſchwiſter einem gemeinſchaftlichen Stammvater verbunden waͤren, noch dadurch ange⸗ nähert wuͤrden, wenn alle Geſchwiſter ſich zur Thei⸗ lung des Vermoͤgens vereinten, das meiſtens die In⸗ duſtrie dieſes gemeinſchaftkichen Vaters der Familie kren hatte, und das itzt ihren Wohlſtand begruͤn⸗ ete. Dieſes Mittel kounte in jener Zeit heilſame Wir⸗ kungen hervorbringen, wo die Verkaͤufe von Immo⸗ beln noch ſelten und die Induſtrie nicht aufgeweckt war. Seit aber der Handel die Immöbel wie alle andere Guͤter in ſeinen Bewegungen verſchlungen hat, ſeit die Eigenthuͤmer, gewoͤhnt, die Natur ihres Be⸗ ſitzthums zu veraͤndern, mit leichter Muͤhe ein Joch zerreiſſen konnten, das ſie der Befugniß über einen Theil ihrer Guͤter zu verfuͤgen beranbte, ward es bei⸗ nahe allgemeiner Gebrauch, das Geſetz zu umgehen. Darüber war man einſtimmig, daß keinem Collateral⸗ Verwandten das Recht zuſtehen duͤrfe, eine Verfügung zwiſchen Lebenden anzufechten, die auch ſelbſt für die eigenthuͤmlichen Guͤter erlaubt waren. Eben ſo we⸗ nig konnten ſte VerkaufKontrakte, ſelbſt mit Vorbehalt des Nießbrauchs, oder unter der Verbindlichkeit eine LeibRente abzutragen, angreifen. Alſo die einzige Be⸗ fugniß, zu teſtiren, hätte man beſchränken können. Was wurde aber der Erfolg eines ſolchen Geſetzes gewe⸗ (1410 Lebenden oder teſtamentariſchen Verfugungen das ganze Vermoͤgen erſchöpfen können. Anmerkunges. ſen ſein? Die Erfahrung hat es bewieſen. Der Drang, zu verfuͤgen, das Gefühl der Unabhaͤngigkeit erzeugte die nachtheiligſten Vertraͤge; mancher traf Schenkungen zwiſchen Lebenden, die er zu ſpät he⸗ reute; mancher ſah ſich gezwungen ſich auf bloße Nutznieſſungen zu beſchraͤnken; endlich war eine un⸗ verſiegbare Queile von Prozeſſen geöfnet; und das Geſetz, ohhmächtig ſeinen erſten Zweck zu erreichen, war, ſtatt das Vand der Familien, ein immerwaͤh⸗ render Zankapfel in denſelben geworden. Es warzu⸗ dem durch die Revolution abgeſchafft worden, und unſern Sitten und Gebräuchen wenig anpaſſend, waͤre ſeine WiederEinfuͤhrung eine ungluckliche Neuerung ge⸗ weſen. Die unbefugte Freiheit, zu verfugen, gefallt dem Menſchen; ſie ruft Nacheiferung in den Familien auf; ſie zwingt gewiſſermaſſen die, welche von ihren Verwandten zu hoffen haben, ihnen mit Achtung und Liebe entgegenzukommen, ſtatt daß ein erzwungenes Recht Kälte und Bitterkeit erzeugt. Der eine giebt nur ungern, weil er muß; die andern haben keinen Dank fuͤr ein Geſchenk, ſo das Geſetz, nicht der freie Wille ihnen gewährt. Man hat den Einwurf ge⸗ macht, das Alter werde oft verführt, oft das Opfer der argliſtigen Habſucht werden. Wenigſtens wird dieſe ihm ſchmeicheln und es wird nie Verachtung und Verlaſſung zu befuͤrchten haben. Zudem konnen bei einer mächtigen Nation große Maſſen von Eigen⸗ thum ſich ohne Nachtheil in einer Hand befinden, und der Ackerbau ſelbſt erhaͤlt in den ausgedehnten Perſuchen großer Gutsbeſitzer eine vortheilhaftere Ent⸗ wickelung. Dieſe Gruͤnde ſcheinen auf die Roͤmer gewirkt zu haben, deren Geſetzgebung noch itzt allen andern zur Grundlage dient. Das Wohl des Staates, das In⸗ tereſſe der Familien erheiſchen zudem, daß jeder im frei⸗ en Gebrauch ſeines EigenthumsRechtes erhalten wer⸗ de, ſolange nicht mächtige und abſolnte Betrachtungen G142 N Art. CCVII. Wenn dnrch einen Akt unter Lebenden oder durch ein Teſtament, uber eine Nutznieſſung oder eine Leib⸗ rente verfuͤgt wird, deren Werth den Betrag uͤber⸗ ſteigt, woruͤber verfuͤgt werden darf, ſo ſollen die Anmerkungen. ein Opfer erheiſchen. Dieſes Gefuͤhl der Freiheit weckt die ſchlafende Indnſtrie, und gewährt ihr Kraft zu ihren Unternebmungen, Muth in den Gefahren! der allein arbeitet mit frohem Sinn, der für ſich zu arbeiten glaubt, und füͤr die, die ſeinem Herzen am nächſten ſteyn. Sicher ſucht er ſeine Erben zuerſt unter ſei⸗ nen Verwandten; unter ſeinen Bruͤdern, die von einem Vater erzeugt, mit ihm erzogen worden, und der erſte und beſtändige Gegenſtand ſeiner Neigungen werden mußten. Wenn er demungeachtet ſie von ſei⸗ ner Erbſchaft ansſchließt, ſo muß eine noch innigere, noch maͤchtigere Zuneigung obwalten. Freilich giebt es auch ungerechte Bruͤder; allein wenn Leidenſchaf⸗ ten und unverdienter Haß die Beweggruͤnde einer ſolchen Verfuͤgung ſind, ſo ſtehn dieſen ja Mittel genug zu Gebot, wenn auch dieſes verboten ſein ſollte, um das Geſetz zu umgehen, und das Vermoͤ⸗ gen auf andere überzutragen. Das ganze reduzirt ſich auf folgenden Grundſatz: Wenn die Zuneigung des Erblaſſers das Teſta⸗ ment beſtimmt, ſo werden die Bruͤder, denen alle Mittel zu Gebot ſtehen, vor jedem Fremden dieſe Zuneigung zu gewinnen, ſich nicht unverdienter Weiſe ausgeſchloſſen ſtehen; dictiren aber Haß und Lei⸗ denſchaften dieſe Verfuͤgung, ſo iſt das Geſetz ohnmaͤchtig, alle Mittel abzuſchneiden, ſie zu be⸗ friedigen, wenn nicht in der Natur gegruͤndete, je⸗ de, ihren Rechten zuwiderlaufende, Verfügung um⸗ ſtoſſende Anſprüche vorliegen. Denn Haß und Leiden⸗ ſchaft wuͤrden ſich kein Gewiſſen daraus machen, das Geſetz durch Schenkungen zwiſchen Lebenden, (143N Erben, zu deren Vortheil das Geſetz einen Vorbe⸗ halt macht, die Wahl haben, ob ſie dieſe Verfü⸗ gung vollziehen, oder den Betrag, woruͤber verfügt werden darf, dem, zu deſſen Gunſten die Verfu⸗ gung getroffen iſt, eigenthuͤmlich uberlaſſen wollen. Anmerkungen. durch ſonſtige Vertrage zu entkraͤften; Argliſt und Trug wuͤrden allein begünſtigt werden, und die Ver⸗ derbtheit üͤberhand nehmen. Man kennt ſogar kein wirkſameres Mittel, jene iuni⸗ Len Verbindungen unter den Familien zu erhalten„ als die Wohlthätigkeit der Verwandten gegenein⸗ ander aufzurufen, und das Mittel hierzu war, ihnen ihre Unabhaͤngigkeit zu laſſen. Es liegt in dem menſchlichen Herzen, daß der Hang zur Wohlthaͤtig⸗ keit durch die geringſte Idee von Zwang erſtickt wird. Man kann denen nichts geben, die zu fordern berechtigt ſind. Aber, machten die Gegner des Geſetzes den Ein⸗ wurf, ſollte man denn auch fuͤr den Fall keine Aus⸗ nahme gemacht haben, wenn der Erblaſſer weder Nach⸗ kommenſchaft noch Aszendenten zurucktaͤßt? Soll man nicht diejenige Verwandte von den andern unterſchei⸗ den, welche mit dem Erblaſſer unter einem Dache gelebt haben, derſelben väterlichen Gewalt unterwor⸗ fen waren, da ſein Vermögen doch gewobnlich von dieſem gemeinſchaftlichen Vater herruhrt, der es durch ſeine Induſtrie erworben, und es ſicher unter ale ſeine Kinder vertheilt haben wurde? welcher Bruder koͤnnte den Vorbehalt eines geringen Theils ſeines Vermögens zum Vortheil aller ſeiner Geſchwiſter, in welcher Zahl ſie auch vorhanden waren, als ein Opfer betrachten? Wäre es ein ſo großer Vortheil, ihm die Befugniß zu geſtatten, ſein ganzes Vermoͤ⸗ gen zum Nachtheil der ſeinigen auf eine fremde Fa⸗ milie überzutragen, oder eines ſeiner Geſchwiſter allen übrigen vorzuziehen und dadurch den Stoff zu C1440 Art. CCVIII. Der nach ſeinem vollen Eigenthum beſtimmte Werth desjenigen Theils des Vermögens, welcher an einen der zur Erbſchaft beruſenen(Erben) in grader Linie, es ſey nun mit der Laſt einer Leib⸗ rente abzutragen, oder ohne daß das Kapital zu⸗ Anmerkungen. einem ewigen Haß zwiſchen ihnen zu gewaͤhren? Wenn man geſtehen muß, daß der Geſetzgeber alles anwenden muß, um die Familien Bande enger zu ſchlingen, ſoll er dann denen, die die Natur ſo eng verbunden hat, die Freiheit laͤſſen, ſie ganz zu zer⸗ reiſſen? Bei den Erbfolgen ab iutestat läßt man die Ge⸗ ſchwiſter mit den Aszendenten konkurriren, warnm ge⸗ ſtattet man ihnen nicht denſelben Vorbehalt wie jenen? So maͤchtig anch beim rrſten Anſchein dieſe Gruͤn⸗ de ſind, ſo werden ſie doch durch noch wichtigere Er⸗ waͤgungen entkraͤftet. Der ſicherſte Wegwelßer des Geſetzgebers iſt die Erfahrung. Weder zu Rom noch in den Staaten vom geſchriebenen Rechte ward den Geſchwiſtern ein Pflichttheil geſtattet; blos in dem Falle konnten ſie gegen die Verfuͤgung, wodurch ſie von der Erbſchaft ausgeſchloſſen waren, auftreten, wenn eine turpis persona zu derſelben berufen war⸗ Die Reklamation, die die Geſchwiſter dann von ei⸗ nem Theil der Guͤter zu machen berechtigt waren, war eine der von dem Teſtator ſo ſchwer beleidigten Fa⸗ milie geſchuldete Rache. Ware der Vörbehalt ſtark geweſen, ſo hätte er, wie wir weiter oben entwik⸗ kelt, die Gefühle des Wohlwollens, der Dankbarkeit⸗ der Neigung weit eher erſtickt als befordert; wäreer gering geweſen, ſo war er auch von wenigem Nuz⸗ zen, und konnte die Portheile nicht aufwiegen, die aus einer unbebingten Freiheit zu verfuͤgen ent⸗ ſpringen. Hätte man in der SeitenLinie ſtrenge Fa⸗ milienpflichten auferlegt, ſo mußte man es auch zum 6145N ruͤckgefordert werden könnte(à londs perdu) oder mit Vorbehalt der Rutznieſſung, verauſſert worden Anmerkungen. Vortheil der älternloſen GeſchwiſterKinder thun; ſie haben mehr, als ihre Aeltern der Hulfe nothig; ihnen iſt der Onkel an Vatersſtatt; und doch ſind ſelbſt die Verfechter der dem Geſetz entgegengeſetzten Mei⸗ nung ſn„daß man ohne Beeinträchtigung des EigenthumsRechtes dieſen Vorbehalt nicht über den Grad der Geſchwiſter auedehnen dürfe. Die Grunde fuͤr den Vorbehalt in grader Linie ſind auf die Ge⸗ ſchwiſter keineswegs anwendbar. Der Vater hat nicht allein gegen ſeine Kinder ſondern anch gegen die Ge⸗ ſellſchaft die Verbindlichkeit kontrahirt, ihnen eine ſei⸗ nem Vermogen angemeſſene Eriſtenz zu verſchaffen. Dieſe Pflicht iſt aber in Hinſicht auf die Geſchwiſter erfuͤllt, ſobald jeder ſeinen Antheil an dem älterli⸗ chen Vermoͤgen ethalten hat. Das Kind iſt ſeinen Aeltern Unterſtützung ſchuldig, die auf die Dankbar⸗ keit, auf die Natur und die Hulfloſigkeit des Alters gegruͤndet ſind. Alle dieſe Grunde treten unter Ge⸗ ſchwiſtern nicht ein. Dieſe Erwaͤgungen haben die Geſetzgeber fuͤr die unbe⸗ dingte Freyheit beſtimmt. Wer arbeitet, mag wiſſen, daß er über die Früchte ſeiner Arbeit verfuͤgen kann; wer ſich Vermogen erworben hat, ſey verſichert, Troſt⸗ ungen in ſeinem Alter zu finden; wer erben will, mag es zu verdienen ſuchen. Der Lauf der Neigungen wird unbeſchraͤnkt ſeyn; der Menſch wird die Vertraͤ⸗ ge ſchließen können, die ihm beliebig ſind; er wird keinen Erben vor ſeinen Augen haben, der die Dauer ſeines Lebens berechnet; er wird ſich nicht bei Leb⸗ Zeiten genöthigt ſehen, verwegene oder verſtellte Ak⸗ te zu machen: nach ſeinem Tode wird kein ſtanda⸗ löſer Streit zwiſchen den Erben ſeines Willens und den Erben des Geſetzes entſtehen; mit einem Wort: dicet Testator et erit Lex, wie die erſten Geſetzgeber des erſten Volkes gelehrt haben. 10 G1460 wäre, ſoll auf den Antheil, über welchen verfügt werden darf, aufgerechnet, und der ueberſchuß, wenn ſich einer ergiebt, der Maſſe konferirt werden. Dieſe Aufrechnung und dieſe Kollation ſollen weder von jenen der andern in grader Linie zur Erbſchaft berufenen(Erben), welche in dieſe Veraͤuſſerungen eingewilligt hätten, noch, in keinem Fall, von den in der KollateralLinie zur Erbſchaft berufenen(Er⸗ ben) anverlangt werden können. Anmerkungen. Zum Art. 207. u. 205. Wenn das Geſetz auf einer Seite jede Vorſicht gebraucht, um den Vorbehalt der Erben in grader Linie zu ſichern, ſo muß es auf der andern Seite zu verhindern ſuchen, daß dieſe Erben nicht alle, von dem Wohlwollen der Dankbarkeit oder irgend andern Ruͤckſichten angegebene, Verfuͤgungen willkuͤhrlich umſtoſſen koͤnnen. Bei einer Verfuͤgung uber eine Nuznieſſung oder eine LeibRente iſt es da⸗ her unumgaͤnglich nothwendig, erſt zu beweiſen, daß ihr Kapital den der Verfügung unterworfenen Be⸗ trag überſteige, ehe man ſie aufechten kann. Noch mehr Ruckſicht verdienten die aneinen der zur Erb⸗ ſchaft berufenen Erben unter läſtigen Bedingungen geſchehene Veräufferungen; es wäre der natuͤrlichen Freiheit und der Sicherheit des Eigenthums zuwider geweſen, ihre willkührliche Aufhebung zu erlauben; auf der andern Seite aber konnte man eben ſo wenig durch Aufrechthaltung von allen Klauſeln eines Aktes⸗ der oft nur eine verſtellte Schenkung ſein konnte⸗ die Beraubung aller ͤbrigen Erben ermächtigen. Man hat daher einen Mittelweg eingeſchlagen; man un⸗ terſcheidet den Uebertrag des Eigenthums und den Werth deſſelben; nichts kann verhindern, daß das Eigenthum dem Kaͤufer verbleibe, allein der Werth deſſelben muß, ohne Ruͤckſicht auf die beſondern Sti⸗ pulationen, der Maſſe aufgerechnet werden. (147 Art. CCIx. Der Antheil des Vermoͤgens, uͤber welchen ver⸗ fügt werden darf, ſoll den Kindern oder andern zur Erbſchaft berufenen Verwandten des Schenkgebers ganz oder zum Theil, ſowohl durch Akte zwiſchen Anmerkungen. Zum Art. 209. Nachdem man den Betrag derjeni⸗ gen Güter, die der freien Verfuͤgung unterworfen ſind, beſtimmt hatte, muſte man einen Punkt regu⸗ liren, über welchen die bisherige Geſetzgebung eben⸗ falls verſchieden war, nämlich ob dieſer Betrag, ganz oder zum Theil, durch Schenkung zwiſchen Le⸗ benden, oder durch Teſtamente einem oder einigen der zur Erbſchaft berufenen Erben gegeben werden koͤnne, ohne daß dieſe zur Collation verpflichtet wa⸗ ren. Dieſe Frage beantwortet das Geſetz in allen den Fällen bejahend, wo der Verfuͤgende ſeinen Wil⸗ len, den Schenknehmer von der Collation zu befreien, ausdrücklich und beſtimmt erklärt hat. Dieſer Grund⸗ ſatz hat in der romiſchen Geſetzgebung nie die gering⸗ ſte Abweichung erlitten; die Herkommen hingegen waren in dieſer Hinſicht aͤnſſerſt verſchieden. Die einen erlaubten einem der Kinder, zugleich Schenk⸗ nehmer, Legatar und Erbe zu ſein, und ſprachen den andern blos ihren Pflichttheil zu. Andre unter⸗ ſchieden die grade Linie von der SeitenLinie, und die Eigenſchaft als Schenknehmer zwiſchen Lebenden, von der als Legatar. Nach dieſen letztern, worunter ſich das Pariſer befand, konnte dieſelbe Perſon in gra⸗ der Linie weder Schenknehmer, noch Legatar, noch Erbe ſein. In der SeitenLinie konnte ſie zugleich Schenknehmer und Erbe, aber nicht zugleich Legatar und Erbe ſein. In andern dehnte dieſe Beſchränkung ſich auf die SeitenLinie aus; noch andere verboten platterdings, einen der vermuthlichen Erben zu be⸗ guͤnſtigen, und befahlen in allen Fällen die Collation. Dieſes letzte Syſtem, welches die Erben zur Col⸗ * (148 Lebenden, als durch Teſtamente gegeben werden tönnen, ohne der Kollation von Seiten des zur Erb⸗ ſchaft gelangenden Schenknehmers vder Legatars unterworfen zu ſein, vorausgeſetzt, daß die Verfü⸗ Anmerkungen. lation aller Schenkungen, ſelbſt dann, wenn ſie auf die Erbſchaft verzichteten, verpflichtete, und kein Vermächtniß zu ihrem PVortheil zuließ, beruhte auf dem Grundſaß einer vollkommenen Gleichheit ihrer Rechte. Das Geſetz ſtellt ſich darinn ganz an die Stelle des Erblaſſers, nicht, um ſeinem vermuthlichen Willen zuwider zu handeln, ſondern um ihn auf die gerechteſte Weiſe zu erfuͤllen. Wie ſehr entfernte es ſich indeſſen nicht von dem Gang der Natur, ſtatt ihr zu folgen? Wie haͤtte ſie denen gleiche Rechte gegeben, die ſie auf ſo ver⸗ ſchiedene Weiſe behandelt? Wo iſt die Familie, de⸗ ren Glieder alle gleiche phyſiſche Stärke, gleiche Ver⸗ nunftGaben, gleiche Talente erhalten hätten? deren keines ſeines guten Betragens ohnerachtet ein Ungluͤck erlitten hätte; deren keines von Krankheiten oder an⸗ dern Zufällen behelligt worden wäre? Finden wir nicht dieſes ſo traurige Gemahlde der Menſchheit in jeder wieder, und muß man es nicht ganz aus dem Geſichte verlohrenſhaben, wenn man mathemariſch eine gleiche Theilung unter denen berechnet, deren Ve⸗ durfniſſe ſo verſchieden ſind? Ihr NaturRecht be⸗ ſchraͤnkt ſich darauf, einen ihren Beduͤrfniſſen ange⸗ meſſenen Tbeil zu erhalten, und daß ſo viel moöglich die Wagſchale des Gluͤcks zwiſchen ihnen gleichgeſtellt werde. Das FamilienHaupt, welches ſich ſtets mit dieſer Sorge beſchaͤftigt, erfuͤllt die billigſten Pflichten ei⸗ ner gleichen Zuneigung gegen alle ſeine Erben. Wenn nun aber das Geſetz ihm verböte, den einen zu un⸗ terſtuͤtzen, dem andern zu Huͤlfe zu kommen, den Uebeln abzuhelfen, und die traurige Ungleichheit zwi⸗ ſchen den gleich geliebten Kindern aufzuheben, dann wuͤrde er das Gewicht dieſer Feſſeln fuͤhlen, und G149 gung(das Geſchenk oder Legat) ausdruͤcklich zum voraus und auſſer dem Erbtheil geſchehen ſey. Die Erklärung, daß das Geſchenk oder Legat zum voraus und auſſer dem Erbtheil bewilligt iſt, ſoll ſowohl durch den Akt, der die Verfuͤgung ent⸗ Anmerkungen. dem Irrthum des Geſetzes fluchen, daß ſich an ſeine Stelle geſetzt hatte, ohne eine ſeiner Pflichten zu er⸗ fuͤlen, und ohne Ruckſicht auf die ewige Geſehe der Natur ſeine Vermuthungen auf eine chimäriſche Gleichheit gegrundet haͤtte. Können dieſe Nachtheile durch die einzige Beſorg⸗ niß aufgewogen werden, die auf die Gegner des Ge⸗ ſetzes ſo vielen Eindruck gemacht hat 2 Sie befüͤrch⸗ ten naͤmlich die Eitelkeit der Familien Häupter, wel⸗ che ſie bewegen wuͤrde, ihr ganzes Vermoͤgen auf einen Erben uberzutragen, und dem Glanz die⸗ ſes Einzigen alle übrige aufzuopfern Sie bedenken aber nicht, wie gering die Zahl der Reichen ge⸗ gen die große Menge derjenigen iſt, die mit einem geringen Vermögen den Ungleichheiten und den Beduͤrfniſſen am meiſten ausgeſetzt ſind. Sie haben den FamilienVater aus dem Auge verloh⸗ ren, der in ſeiner niedern Hütte kein Eigenthum als ein kleines Feld beſitzt, das kaum zum Unterhalt ſei⸗ ner Familie hinreicht. In dem Alter ſeines Lebens wuͤrde er ſeiner harten Arbeit nicht mehr vorſtehen koͤnnen, wenn er nicht ſein älteſtes Kind zu Huife riefe. Dieſes arbeitſame Kind iſt mit ihm die Stüz⸗ ze ſeiner Familie; ſeiner Arbeit ſind ſeine Ge⸗ ſchwiſtern es ſchuldig, wenn die Soöhne ein ſie näh⸗ rendes Handwerk erlernen, und die Tochter mittelſt ihrer Ausſteuer eine haußliche Niederlaſſung finden. Iſt es nun die Eitelkeit, welche den Familten Vater bewegt, dieſem Kinde einen Vorzug zu geſtatten, und ſo viel möglich in ſeinen Händen eine Erbſchaft zu erhalten, die, in zu kleine Portionen getheilt, kei⸗ nem Nahrung verſchaffen koͤnnte. (150 halten wird, als ſpäterhin in der Form der Verfuͤ⸗ gungen zwiſchen Lebenden oder den Teſtamenten gemacht werden können. Zweiter Abſchnitt. PVon der Reduktion der Schenkungen und der Vermüchtniſſe. Art. CCX. Die Verfügungen ſowohl unter Lebenden als des Todes halber, welche den Theil(des Vermoͤgens) woruber zu verfügen erlaubt iſt, uberſteigen werden, ſollen bei Eröffnung der Erbſchaft auf den Betrag dieſes Antheils reduzirt werden koͤnnen. Anmerkungen. Zweiter Abſchnitt. gum Art, 210. Man muſte den Fall vorſehen, wo die Verfuͤgungen deujenigen Theil des Vermoͤgens, woruͤber zu verfuͤgen erlaubt iſt, uͤberſteigen wurden, entweder, weii der Erblaſſer das geſetzliche Maas uberſchritten hätte oder auch weil nach dieſen Ver⸗ fuͤgungen noch mehrere Erben nachgekommen ſein können. Erſt bei Eroͤffnung der Erbſchaft kann ber Zuſtand der Dinge unterſucht werden, denn niemand hat das Recht, die Verfuͤgungen eines Lebenden uber ſein Eigenthum anzugreifen. Ergiebt ſich aber aus der nach ſeinem Tod anzuſtelenden Berechnung, daß ſeine Verfügungen einen Theil des geſetzlichen Vor⸗ behalts verſchlungen baben, ſo ſind dieſe Verfügungen doch deshalb nicht vernichtet; ſie bleiben in ihrer vollen Kraft bis zur Conkurrenz der Suminen, uͤber welche verfuͤgt werden durfte, und in der Ordnung⸗ welche hiernach beſtimmt iſt. 151) Art. CCXl. Die Reduktion der Verfügungen zwiſchen Leben⸗ den kann von niemand als von denjenigen, zu de⸗ ren Vortheil das Geſetz einen Vorbehalt macht, ihren Erben oder Stellvertretern(ayans cause,) die Anmerkungen. Zum Art. 211. Die erſte Frage, welche ſich hier darbot war die: wer die Reduktion zu fordern be⸗ rechtigt ſey. Nachher kommt naturlich die, welche den Gegenſtand des folgenden Artikels ausmacht, wie nemlich berechnet werden muß, ob eine Reduk⸗ tion ſtatt findet. Was die erſte betrifft, ſo iſt ihre Löſung einfach. Natuͤrlich hat niemand ein Recht, die Reduktion in Anſpruch zu nehmen, als die, zu deren Vortheil das Geſetz den Vorbehalt gemacht hat, und zu deren Nachtheil die Verfügungen erlaſſen worden ſind. Die natürlichen Kinder haben alſo kein Recht dieſe Reduktion in Anſpruch zu neh⸗ men. Zwar ſind ihre Rechte auf einen Antheil regu⸗ lirt, der nach der Eigenſchaft der Erben beſtimmt wird; allein dieſe Rechte ſind ihnen nur gegen die Erb⸗ ſchaft zuerkannt; ſie können ſie alſo nur gegen die Erb⸗ ſchaft, in der ſie ſich befinden, geltend machen: die ge⸗ ſchenkten Guͤter befinden ſich aber nicht mehr in der⸗ ſelben. Das nämliche gilt von den Gläubigern, des Erblaſſers(is ſo fern die Schulden nach der Schenkung kontrahirt worden ſind.) Sie können nicht zugelaſſen werden, die Reduktion zu verlangen, denn die geſchenkten Guͤter machten keinen Theil des Ver⸗ mögens ihres Schuldners aus, als ſie mit ihm kon⸗ trahirt haben; ſie können alſo die Beſitzer dieſer Gü⸗ ter nicht in Anſpruch nehmen. Wenn ſogar die Re⸗ duktion von jenen Perſonen anverlangt und bewirkt wird, zu deren Vortheil das Geſetz den Vorbehalt macht, ſo ſind dieſe dadurch zur Zahlung der Schul⸗ den der Erbſchaft keineswegs gehalten; denn ſie ge⸗ langten nicht als Erben zu dieſen Gütern, ſondern das Geſeß betrachtet ſie als MitSchenkgeber. Die (1525 in ihre Rechte eingetreten ſind) anverlangt werden; die Schenknehmer, die Legatarien und Glaͤubiger des Erblaſſers ſollen dieſe Reduktion weder verlan⸗ gen noch davon Vortheil ziehen können. Art. CCXII. um die Reduktion zu beſtimmen bildet man eine Maſſe aus allen zur Zeit des Sterbfalls des Schenk⸗ gebers oder Teſtators beſtehenden Gütern; man Anmerkungen. Rechte dieſer Glaͤubiger ebenfalls ſind blos gegen die Erbſchaft erworben; ſie koͤnnen ſie alſo nur gegen dieſe geltend machen. Die unmittelbare Klage auf Reduktion iſt ihnen benommen, weil ſie nicht zur Erdſchaft gehort; ſie können alſo nicht unmittelbar da⸗ von PVortheil ziehen. Sie haben auf die wegge⸗ ſchenkten Guter zur Zeit ihres Kontraktes nicht ge⸗ zählt, da ſie ſich zu jener Zeit nicht in der Hand ih⸗ res Schuldners befanden; ſie konnen ſie daher auch itzt nicht in Anſpruch nehinen; ſie verlieren auch durch dieſe Beſchraͤnkung nichts, da ihre Rechte dadurch in nichts geſchmälert werden, denn würde die Schenkung ohne Reſtitution beſtehen, ſo hätten ſie ja ebenfals keinen Ruͤckgriff gegen dieſelbe. gum Art. 212. Man kam nun zur Eroͤrterung der zweiten Frage: aus welchen Guͤtern die Vermoͤgens⸗ Maſſe gebildet werden muß, aus welcher ſich erge⸗ ben wird, ob eine Reduktion ſtatt finde oder nicht? Das Geſetz erklaͤrt, daß zu der Maſſe der Guͤter, welche nach Zahlung der Schulden noch in der Erb⸗ ſchaft vorfindlich ſein wird, in Gedanken jene dazu gerechnet werden müſſen, worüber der Erblaſſer durch Schenkungen zwiſchen Lebenden verfügt hat. Auf keine andere Art hätte man der Befugniß, zu verfügen, Schranken ſetzen können. Das Intereſſe der Geſell⸗ (153N rechnet ſodann jene hinzu(on y reunit fetivement) woruͤber durch Schenkungen zwiſchen Lebenden ver⸗ fuͤgt worden iſt, und zwar nach ihrem Zuſtand zur Epoche der Schenkungen und ihrem Werth zur Zeit des Sterbfalls des Schenkgebers. Man berechnet Chierauf) nach dieſem geſammten Vermogen, nach Abzug der Schulden, welches, in Hinſicht auf die Anmerkungen. ſchaft erheiſcht allerdings, daß das Eigenthum nicht un⸗ gewiß bleibe, weil von ſeiner Stabilität dergute Anbau, und alle Verbeſſerungen deſſelben abhangen. Aber wir haben ebenfalls geſehen, daß der Uebertrag ei⸗ nes Theils des Vermögens auf die Erben in grader Linie eine der Grundlagen der geſellſchaftlichen Ord⸗ nung iſt. Aeltern und Kinder haben gegenſeitige Pflichten, die vor bloßen Handlungen der Freigedig⸗ keit den Vorzug verdienen; die Erfuͤllung derſelben iſt die ſtilſchweigende Bedingung, unter welcher jene Freigebigkeiten gemacht und angenommen worden ſind; und ſelbſt in dem Falle, wo die Schenkung auch im Augenblicke der Annahme den der Verfuͤgung unterworfenen Antheil nicht uͤberſtiegen haͤtte, wür⸗ den doch die Schenknehmer deshalb vor den Erben in grader Linie keinen Vorzug verdienen, da bei den erſten von einem bloßen Vortheil, bei den zweiten von einem nöthigen Erbtheil die Rede iſt. Die Ver⸗ mindernng des Vermogens des Schenknehmers giebt ſogar nicht einmal der Vermuthung einer Argliſt gegen den Schenknehmer Raum. Selbſt dieienigen Guter, deren Eigenthum im Fall einer Scheidung auf die Kinder übergegangen iſt, müſſen wieder aufgerechnet werden; denn aus dieſer Scheidung kaun nie für ſie ein ſolcher Vortheil ent⸗ ſpringen, daß die andern Kinder dadurch ihres ge⸗ ſetzlichen Vorbehalts beraubt wuͤrden. Es findet ferner kein Abzug wegen der Rechte der (1540 Eigenſchaft der von ihm zurückgelaſſenen Erben, der Antheil war, woruͤber er verfügen konnte. Art. CCXIII. Eine Reduction der Schenkungen zwiſchen Leben⸗ den findet nie eher ſtatt, als nachdem der Werth aller in den teſtamentariſchen Verfügungen einbegrif⸗ fenen Guͤtern erſchöpft iſt; wenn jedoch dieſe Re⸗ duktion eintritt, ſo geſchieht ſie dergeſtalten, daß man Anmerkungen. natürlichen Kinder ſtatt; denn ihre Rechte ſind vor dem Tod yoch nicht erworben, und ſie nehmen nur als Gläubiger an der Erbſchaft Antheil. Zum Art. 213. Wenn man itzt unterſucht, welche Verfüͤgungen im Falle der Unzulänglichkeit der in der Erbſchaft zuruͤckgebliebenen Guter zuerſt reduzirt werden muͤſſen, ſo kann kein Zweifel obwalten, daß die Reduktion zuerſt die Vermaͤchtniſſe und dann erſt die Schenkungen treffen kann. Die Vermachtniſſe machen einen Theil der Erbſchaft aus, die in dem Augenblick der Eroͤffnung auf die Erben, zu deren Gunſten das Geſetz den Porbehalt macht, uͤberge⸗ gegangen iſt. Dieſe Vermaͤchtniſſe duͤrfen nicht eher als nach Abtragung der Schulden und Laſten bezahlt werden, und dieſer Vorbehalt iſt die erſte der ge⸗ ſetzlichen Schulden. Im Falle aber auch die Schenkungen unter Leben⸗ deñ angegriffen werden müſſen, war die zweyte Fra⸗ ge, ob eine vorzugsweiße vor der andern, oder ob alle in gleichem Verhaltniße der Reduktion unterworfen ſeyen. Das Geſetz gebietet, daß die ältern nicht eher angefochten werden konnen, als nachdem die jungern, nach der Ordnung ihres Datums erſchoͤpft ſind. In der That hat ja der Schenkgeber, wenn dieſe letztern hinreichend ſind, um den Porbehalt zu 01555 mit der letzten Schenkung anfangt, und ſo fort von den letztern bis zu den älteſten Schenkungen her⸗ aufſteigt. Art. CCXIV. Wenn eine zu reduzirende Schenkung zwiſchen Le⸗ benden einem der zu der Erbſchaft berufenen Erben gemacht worden iſt, ſo ſoll er den Betrag des An⸗ theils, der ihm als Erbe von jenem Theil des Ver⸗ mögens zukam, uͤber welchen nicht verfuͤgt werden durfte, von den geſchenkten Guͤtern zuruͤckbehalten konnen, wenn ſie anderſt von derſelben Gattung ſind. Art. CCRV. Wenn der Werth der Schenkungen zwiſchen Le⸗ Anmerkungen. ergänzen, bei den erſten das geſetzliche Maas noch nicht uͤberſchritten. Traͤfe die Reduktion alle Schen⸗ kungen, ſo hätte wieder der Schenkgeber ein Mittel, immer durch neue Schenkungen die aͤltern ganz oder zum Theil zu wiederrufen. So oft endlich der Ge⸗ ſetzgeber ſich gezwungen ſieht, ein Eigenthum anzu⸗ greifen, welches mehr oder weniger alt iſt, ſo iſt die offentliche Ordnung dabei intereſſirt, daß das älteſte Eigenthum vorzugsweiße geachtet werde, nach dem Grundſatz: qut prior est tempore, potior est jure. Zum Art. 214. Dieſen Grundſatz hatte ſchon die Or⸗ donuanz von 1721.(Art. 34) aufgeſtellt. So hat man jede Gelegenheit benutzt, das Eigenthum des Schenknehmers zu erhalten, wenn das Intereſſe der Erben es zuließ. G1560 benden dem Antheil des Vermögens, über welchen verfuͤgt werden durſte, gleichkommt, oder ihn uber⸗ ſteigt, ſo ſollen alle teſtamentariſche Verfugungen er⸗ loſchen(caduques) ſein. Art. CCxVI Wenn die teſtamentariſchen Verfuͤgungen entwe⸗ der den Betrag, uͤber welchen verfuͤgt werden durf⸗ te, oder den Antheil dieſes Betrags, der nach Ab⸗ zug des Werthes der Schenkungen zwiſchen Leben⸗ den noch uͤbrigbleibt, uͤberſteigen werden, ſo ſoll die Reduktion(au mare le franc) nach Verhältniß der Summen, ohne allen Unterſchied zwiſchen den Uni⸗ verſal⸗ und Partikular Vermachtniſſen geſchehen. Art. CCXVII. Richtsdeſtoweniger ſoll in allen den Fällen, wo der Teſtator ausdrucklich erklärt haben wird, daß Anmerkungen. Zum Art. 215. Eine natuͤrliche und nothwendige Folge des Art. 213, der zur Vermeidung jeder Mis⸗ deutung hier ausdruͤcklich ausgedruͤckt iſt. Zum Art. 216. Da jeder Legatar ein gleiches Recht auf das zu ſeinem Vortheil gemachte Vermichtniß hat, ſo müſſen ſie auch alle, in gleichem Verhältniß, zur Deckung des geſetzlichen Vorbehalts beitragen. Zum Art. 217. Ein anderes iſt es jedoch, wenn der Teſtator ausdruͤcklich einen entgegengeſeßten Willen geauſſert hat; da es in ſeiner Willkuͤhr ſtand, den (1670 es ſein Ville iſt, daß dieſes oder jenes Vermaͤcht⸗ niß vorzugsweiſe vor allen andern ausgezahlt werde, dieſer Vorzug ſtatt finden, und das Vermächtniß, welches der Gegenſtand dieſer Erklarung ſein wird, blos in ſo weit reduzirt werden, als der Betrag der andern unzureichend wäre, den geſetzlichen Vorbehalt voll zu machen. Art. CCXVIII. Der Schenknehmer ſoll die Fruchte(Lructus) von demjenigen Betrag, der den der Verfuͤgung unter⸗ worfenen Antheil uͤberſteigen wird, von dem Dag des Sterbfalls des Schenkgebers an zuruͤckerſtatten, wenn das Begehren der Reduktion in Jahresfriſt Anmerkungen. einen vor dem andern zu bevortheilen. Dieſer Wille muß geachtet werden, ſo lange keine vorgegruͤndete Rechte es unmöglich machen, ihn zu befolgen: und es wird nichts zu dem Ende gefordert, als daß dieſer Wille auf eine deutliche und beſtimmte Art ausge⸗ druͤckt ſey, worauf die Notarien vorzuglich Acht zu tragen haben. Zuu Atr. 213 bis 220. Dieſe Artikel flieſſen aus den ſchon oben entwickelten Grundſätzen her, von wel⸗ chen ſie nothwendige Folgen ſind. Die Regel, nach welcher die jungſten Schenkungen zuerſt reduzirt wer⸗ den muͤſſen, würde ganz illuſoriſch werden, wenn der evinzirte Schenknehmer gegen den ihm vorher⸗ gehenden Schenknehmer in die Rechte desjenigen ein⸗ treten wuͤrde, der ihn evinzirt hat. Die Reduction, als ein perſoͤnliches Privilegium kann daher nicht der Gegenſtand einer ſtilſchweigenden oder konven⸗ (158 (dans Pannse) angebracht worden iſt; wo nicht, von dem Tage des Begehrens an. Art. CCXIX. Die, durch die Reduktion, Gur Erbſchaft) zu⸗ ruͤckzubringenden Immobel fallen ohne Belaſtung von irgend, von dem Schenknehmer herruͤhrenden, Schulden oder Hypotheken, zurück. Art. CCXX. Die Klage auf Reduktion oder Vindication kann von den Erben gegen jeden dritten Beſitzer der Im⸗ möbel angeſtellt werden, die einen Theil der Schen⸗ Anmerkungen. tionellen Subrogation ſein. Eben ſo rechtlich iſt der Grundſatz(Art. 219) nach welchem die Güter Schulden⸗ frei zurücktehren; hier tritt die naͤmliche Erwägung wie⸗ der ein, welche auch den Gläubigern der Erbſchaft ieden Ruckgriff gegen dieſe Güter benimmt. So unmoraliſch es auch ſcheint, daß man die Guͤter einer Perſon an ſich ziehen könne, ohne ihre Schulden zu bezahlen, ſo ſehr iſt doch dieſe Befuguiß rechtlich gegrundet. Eine entgegengeſetzte Verfuͤgung würde einestheils die Immoralität weit eher begünſtigen; da die Erben, bie kein Intereſſe baben wuͤrden, die Reduktions Klage fuͤr die Glaͤubiger zu führen, ent⸗ weder mit dieſen oder den Schenknehmern unter⸗ handeln wuͤrden; auf der andern Seite hat, juri⸗ ſtiſch betrachtet, dieſe Reduktions Klage mit der Erb⸗ ſchaft nichts gemein. Der Rechtsſitel worauf ſie ſich gruͤndet, iſt ja älter als die Schenkung und dieſe konnte nur bedingungsweiſe geſchehen. müſſen auch alle von dem Schenknehmer den geſchenkten Gütern auf⸗ geworfene Schnlden und Laſten wegfallen; folglich kann 01¹59 kungen ausmachten, und von den Schenknehmern veräuſſert worden ſind; und zwar in derſelben Wei⸗ ſe und der namlichen Ordnung wie gegen die Schenk⸗ nehmer ſelbſt, und nachdem zuvor das Vermoͤgen dieſer letztern diskutirt worden iſt(et discussion pré- alablement faite de leurs biens). Dieſe Klage muß nach der Ordnung des Datums der Verauſſerungen, mit der jungſten anzufangen, angeſtellt werden. Dries Kyite. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden. Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen zwiſchen Lebenden. Anmerkungen. der Erbe ſie gegen jeden Beſitzer vindiziren. Der Erbe, der einen Schenknehmer zwiſchen Lebenden evinzirt, wird in jeder Hinſicht ſo angeſehen, als habe er zur Zeit der Schenkung ſchon dieſe Güter erhalten. Denn wenn man zugeben wollte, daß ein Erbe von keinem, der Schulden hinterlaͤßt, ſeinen Vorbehalt erben konne, ohne dieſe Schulden zu bezahlen, ſo hieſſe dies zu gleicher Zeit ſagen, daß jede Schenkung zwiſchen⸗ Lebenden durch ſolche Schulden widerrufen werden könnte, die der Schenkgeber ſeit der Schenkneh⸗ mung kontrahirt haͤtte, ein Grundſatz, den keine Ge⸗ ſetzgebung zugelaſſen hat. Es iſt freilich zu bedauern, daß Ideen der Moral hier mit Grundſätzen in Colli⸗ ſion kommen, die man ohne die gröſte Gefahr nicht verletzen darf, nemlich mit denen des Eigenthums⸗ Rechtes; denn wollte man auf der einen Seite die Moral befordern, ſo müßte man auf der andern der Corruption nothwendig alle Thore öfnen. (165) Art, CCXxl. Alle Akte, welche eine Schenkung zwiſchen Leben⸗ den verfuͤgen, ſollen, in der gewöhnlichen Form der Kontrakte, vor Notarien aufgeſetzt, und es ſoll, un⸗ Anmerkungen. Drittes Kapitel. Erſter Abſchnitt. Zum Art. 221. Nachdem das Geſetz diejenigen Ei⸗ genſchaften beſtimmt hat, welche erforderlich ſind, um empfangen oder verfuͤgen zu koͤnnen, nachdem es den Antheil beſtimmt hat, uͤber welchen man verfuͤgen darf, und die Art angezeigt hat, nach welchet man die Reduktion vorzunehmen hat, wenn dieſer An⸗ theil überſtiegen worden iſt, beſchaftigt es ſich nun insbeſondere mit den Verfuͤgungen ſelbſt; es be⸗ ſtimmt ihte Formen, es ſtellt uͤber ihr Weſen und ihre Wirkungen Grundſätze auf. Hier zog man zuerſt jene beruͤhmten Geſetze zu Rath, welche dem Audenken des Kanzlers d'Agueſe ſeau einen ewigen Ruhm zuſichern. Die Ordonnan⸗ zen uͤber die Schenkungen und die Teſtamente wa⸗ ren das Reſultat langwieriger Unterſuchungen. Sie wurden nicht eher angenommen, als nachdem man die Nation auf die damals einzig mögliche Art zu Rathe gezogen hatte, das heißt, nachdem man das Gutachten der Magiſtrats Perſonen und RechtsGe⸗ lehrten eingefordert. Die Verfaſſer des Geſetzbuches haben dieſe Geſetze mit der Ehrfurcht erortert, wel⸗ che ihre Weisheir und ihr von der Erfahrung ge⸗ troͤnter Erfolg einfloͤſſen mußten. Bei den Schenkungen zwiſchen Lebenden unterſchei⸗ det man die Formalitaͤten, die in den Akten derſelben beobachtet werden müſſen, von jenen, die man die duſſern Formalitaten nennt. Die innern haben den doppelten Zwec, die Schenkungen zu konſtatiren, und ihre Art zu beſtimmen. Als geſetlich konſtatirt (161) ter Strafe der Nullitat, eine Urſchrift davon zu⸗ ruͤckgelaſſen bleiben. Art. CCxxII. Die Schenkung zwiſchen Lebenden ſoll den Schenk⸗ geber nicht eher als von dem Tage an binden, an welchem ſie in beſtimmten Ausdrücken angenom⸗ Anmerkungen. ſieht man blos die an, welche von Notarien in der ge⸗ wöhnlichen Form der Kontrakte aufgeſetzt worden ſind. Die Minute(Urſchrift) muß in den Händen des Notars verbleiben; ſie darf weder dem Schenknehmer noch dem Schenkgeber ausgehändigt werden. Die Schen⸗ kung iſt ein Akt, wodurch der, welcher annimmt ſich verbindet, die Bedingungen derſelben zu erfuͤllen. Es darf alſo nicht in dem Willen der einen oder der andern Parthey ſtehen, ſie aufzuheben, indem ſie den Akt, der den Beweiß derſelben enthält, ver⸗ nichten konnte. Sum Art. 222. Aus derſelben Urſache, weil jede Schenkung zwiſchen Lebenden als eine gegenſeitige Verpflichtung angeſehen wird, iſt es unumgänglich nothwendig, daß beide Partheyen darinn auftreten, die, welche giebt, und die, welche annimmt. Dieſer Grundſatz iſt dem roͤmiſchen Rechte gemäß, welches eine Freigebigkeit ſo lange als nicht vollbracht anſah, als der, dem ſie beſtimmt war, keine Kenntniß davon, oder nicht darein eingewilligt hatte. Da die Annahme eine weſentliche Bedingung von jeder Schenkung iſt, ſo mußte man fordern, daß ſie in beſtimmten Ansdrücken geſchehe. Hieraus ergiebt ſich, ohne daß es einer heſondern Verfuͤgung dazu bedurft hätte, daß die Richter auf diejenige Umſtän⸗ de keine Ruckſicht nehmen dürfen, aus welchen man eine ſtillſchweigende Einwilligung zu erweiſen ſuchen wirde, und daß man eine ſolche ſelbſt dann nicht verimnn⸗ 1I men worden ſein wird, und auch eher keine Wir⸗ kung hervorbringen. Die Annahme kann, bei Lebzeiten des Schenk⸗ gebers, durch einen ſpaͤtern und authentiſchen Akt, von welchem die Urſchrift zuruckbleiben ſoll, ge⸗ ſchehen; allein alsdann ſoll die Schenkung in Hinſicht auf den Geber, nicht eher als von dem Tage an Aumerkungen. then darf, wenn der Schenknehmer bei dem Schen⸗ kungsAkt gegenwärtig geweſen waͤre, und ihn unter⸗ zeichnet haͤtte, oder wenn er in den Beſitz der ge⸗ ſchenkten Guter eingetreten wäre. Doch durfte man eine Vefugniß nicht verweigern, welche dieſen Grundſätzen nicht zuwiderlaͤuft, ohne dem Recht zu verfügen oft unuberſteigbare Hin⸗ derniſſe in den Weg zu legen. Zu einer Zeit, wo durch die ſteten Vewegungen des Handels, durch die ſo alltaͤglich gewordenen Reiſen die naͤchſten Verwand⸗ ten nothwendig ſich oft in groſſer Entfernung von einander aufhalten, mußte man ihnen erlauben, durch ſpätere beſondere Alte, oder auch durch beſonders Bevollmächtigte ihre Annahme zu erklaren. Das Ge⸗ ſetz beſtimmt, welche Vollmacht zu dem Ende als hin⸗ langlich betrachtet werden ſoll. Die Frage, ob der Schenknehmer die Freiheit ha⸗ ven ſolle, die noch nicht angenommene Schenkung zu widerrufen, hat zu heftigen Debatten Anlaß gege⸗ ben. Das Geſetz hat ſie bejahend enſchieden. Die einen behaupteten, daß, wenn dem Schenkuehmer keine ZeitFriſt geſeßzt wuͤrde, in welcher er zur An⸗ nahme nicht mehr zugelaſſen iſt, der Schenkgeber ihm guch dieſe Befugniß nicht willtuhrlich durch ſeinen Widerruf entziehen köͤnne. Die andern behaupte⸗ ten hingegen, daß der Akt, bis zur Annahme unvoll⸗ ſtindig ſey, und alſo nicht binden koͤnne. Ihre Meinung war ſchon durch die Ordonnanz von 1731 G163) einige Wirkung haben, wo der Akt, der dieſe An⸗ nahme konſtatiren wird, ihm bekannt gemacht wor⸗ den ſein wird. Vri. S. Wenn der Schenknehmer großjährig iſt, ſo muß die Annahme von ihm, oder in ſeinem Namen durch einen Bevollmächtigten geſchehen, deſſen Vollmacht die Befugniß, die ihm geſchehene Schenkung anzu⸗ nehmen, oder die allgemeine Gewalt enthalten muß, alle die Schenkungen anzunehmen, welche ihm ge⸗ macht worden waren oder gemacht werden könnten. Anmerkung en. beſtaͤtigt worden. Die bloſſe Annahme allein iſt ebenfalls nicht hinlaͤnglich. Sie muß erſtens zu Lebgeiten des Schenkgebers geſchehen; und da die Schenkung nicht eher vollkommen ſein kann, als wenn der Schenkge⸗ ber unwiderruflich gebunden iſt, ſo kann die Annah⸗ me des Schenknehmers durch einen ſpaͤtern Akt blos von dem Tage an ihre Wirkung hervorbringen, wo ſie dem Schenlgeber notifizirt worden ſein wird; eine Vorſſcht, die man in den alten Geſetzen nicht findet, die aber aͤuſſerſt nothwendig iſt, um zu ver⸗ hindern, daß der Schenkgeber nicht verſoulich das Dpfer von ſpätern Vertragen werde, die er in der Ue⸗ berzeugung, daß er nicht gebunden ſep, gemacht haben könnte. Zum Art. 223 bis 223. Die Annahme, welche den Schenknehmer nicht binden würde, könnte anch den Schenkgeber nicht verpflichten. Daher traten alle die uͤber die Befugniß zu kontrahiren für gewiſſe Perſo⸗ nen in den vorhergehenden Titeln aufgeſtellte Re⸗ geln und Einſchränkungen hier wieder ein. Ohnge⸗ achtet eine Schenkung immer, ohne Rückſicht auf die damit verbundenen Bedingungen, als ein Vortheil * (1640 Dieſe Vollmacht ſoll vor einem Notair gefertigt ſein muͤſſen, und eine Ausfertigung davon ſoll der urſchrift der Schenkung oder der Urſchrift des Ak⸗ tes der Annahme, die durch einen beſondern Akt ge⸗ ſchehen könnte, angeheftet werden., Art. CCXXIV. Das verheirathete Weib ſoll in Gemaͤßheit der Vorſchrift der Artikel 211 und 213 des Titels: von der Ehe, keine Schenkung ohne die Einwilligung ſeines Mannes, oder im Falle der Weigerung von deſſen Seite, ohne Ermächtigung des Richters, an⸗ nehmen koͤnnen. Art. CCXXV. Die, zum Vortheil eines nicht emancipirten Min⸗ derjaͤhrigen oder eines Interdicitten geſchehene, Schen⸗ kung muß gemaͤß dem Art. 457 des Titels: von der Anmerkungen. zu Gunſten des Schenknehmers angeſehen werden muß, ſo iſt es doch ſchon hinlaͤnglich, daß ſie auch von Seiten dieſes letzten eine Verbindlichkeit ſey, um die Fähigkeit zu kontrahiren, oder die Formalitäten⸗ wel⸗ che ſie erſetzen, zu erheiſchen. Dieſe allgemeinen Ver⸗ fuͤgungen haben hier in ihrer Anwendung nur gerin⸗ ge Modifikationen erhalten. Der Art. 224 enthält weder fuͤr die Weiber, welche nicht in Gemeinſchaft der Guter mit ihren Männern leben wurden, noch fuͤr jene, die durch urtheile getrennt ſein konnten, eine Ausnahme. Die Befngniß welche der Art. 225 G1655 Minderjährigkeit, von ſeinem Vormund ange⸗ nowmen werden. Der emancipirte Minderjährige ſoll unter Beiſtand ſeines Kurators annehmen können. Nichtsdeſtoweniger ſollen die Aeltern des eman⸗ cipirten oder nicht emancipirten Minderjährigen, oder ſeine andern Aszendenten, ſelbſt bei Lebzeiten ſei⸗ ner Aeltern, und wenn ſie auch ſchon weder Vor⸗ muͤnder noch Kuratoren deſſelben ſind, für ihn anneh⸗ men können. Art. CCKXVI. Der Taubſtumme, der ſchreiben kann, ſoll ſelbſt oder durch einen Bevollmaͤchtigten annehmen können. Wenn er nicht ſchreiben kann, ſo muß die An⸗ Anmerkungen. den Aszendenten geſtattet, iſt in der Natur gegruͤn⸗ det. Das Geſetz wollte vermeiden, daß bei Akten, die immer für vortheilhaft gehalten werden, die Minderjährigen nicht das Opfer des perſonlichen In⸗ tereſſe's oder der Nachläſſigkeit deren werden konnten, die das Geſetz beauftragt, in ihrem Namen anzu⸗ nehmen. Es hat die Vande des Bluts und der Na⸗ tur fuͤr eine hinlängliche Vollmacht gehalten; und oh⸗ ne der väterlichen Gewalt und der Verwaltung der Vor⸗ muͤnder, den mindeſten Abbruch zu thun, ertheilt es allen Aszendenten die Befugniß, ohne ihre Einwilligung und ſelbſt ohne ihr Gutachten fuͤr den Minderjaͤhrigen zu acceptiren. Seit durch die gluͤcklichen Anſtrengungen der Wohlthaͤtigkeit und des Genies die Taubſtummen der Geſehſchaft zu⸗ ruͤcgegeben worden ſind, find ſie auch fähig gewor⸗ (166) nahme durch einen, zu dem Ende ernannten Kura⸗ tor, nach den im Titel: von der Minderjährig⸗ keit, aufgeſtellten Regeln geſchehen. Art. CCXXVII. Die Schenkungen zum Vortheil von Hospitien, der Armen einer Gemeinde, oder von gemeinnützi⸗ gen Anſtalten ſollen von den Verwaltern dieſer Ge⸗ meinden oder Anſtalten, nachdem ſie gehörig dazu ermaͤchtigt worden, angenommen werden. Art. CCXXVIII. Jede gehörig angenommene Schenkung ſoll durch die bloſſe Einwilligung der Partheyen vollbracht ſein; Anmerkungen. den ihre Rechte und Pflichten auszuuben. Kann da⸗ her der Taubſtumme durch Schreiben ſeinen Willen äuſſern, ſo kann er ſelbſt oder durch einen Bevoll⸗ maͤchtigten annehmen, wo nicht, ſo wird ihm eigends hierzu ein Kurator ernannt(Art. 226.) Die Schen⸗ kungen zum Beſten der Armen oder öffenklicher An⸗ ſtalten, dürfen nicht ohne Ermaͤchtigung der Megie⸗ rung, die mit gleicher Sorgfalt fuͤr das Intereſſe der Familien und der Armen ſorgt, angenommen werden(Art. 227.) Zum Art. 228. Mehrere Verfügungen der Ordon⸗ nanz von 1731 haben auf die praktiſche Tradition der geſchenkten Gegenſtände Bezug. Viele Her⸗ kommen erforderten dieſe Formalitat, welche in den Provinzen vom geſchriebenen Rechte unbekaunt war. Sie vermehrt aber weder die Gewißheit noch die Un⸗ widerruflichkeit der Schenkungen. Man gab daher der Regel des römiſchen Rechtes, welches die Schen⸗ G167) und das Eigenthum der geſchenkten Gegenſtände ſoll auf den Geſchenknehmer übertragen ſein, ohne daß eine andere Auslieferung(entrahtion) vonnothen ware. Art. CLXXIX. Wenn die Schenkung Güter begreifen wurde, die einer Hypothek empfänglich ſind, ſo ſoll die Ueber⸗ ſchreibung(transcripion) der Akte, welche die Schenkung und die Annahme enthalten, ſo wie die Zuſtellung der Annahme, welche durch einen beſon⸗ Anmerkungen. kungen als bloße Pacte betrachtet, den Vorzug, da ſie eine Menge zweckloſer Schwierigkeiten hinwegraͤumt. Eine gehörig angenommene Schenkung iſt daher durch die bloße Einwilligung beider Partheyen vol⸗ lendet, und das Eigenthum iſt auf den Schenknehe mer übergegangen, ſelbſt wenn keine Tradition ſtatt gefunden hat, ſelbſt wenn der Schenkgeber, auch oh⸗ ne ſich den Nießhrauch vorbehalten zu haben, immer im Beſitz der geſchenkten Güter geblieben wäre. Sum Art. 229 u. 230. Das romiſche Recht hatte eine andere äuſſere Formalität eingefuͤhrt: nemlich die Inſinnation der Schenkung. Es war der Zweck dieſer Bekanntmachung, jeden Betrug, z. B. durch die Vorgabe ſolcher Akte, und den Nachtheil der Glaͤubiger, welche von ſolchen Veraͤuſſerungen nicht uuterrichtet geweſen waren, zu verhindern. Eine lange Reihe von Geſetzen hatte in Frankreich die Inſinnation befohlen und organiſirt, deren Aus⸗ führung jedoch unendliche Schwierigkeiten darbot. Die Ordonnanz von 1731 hatte deren mehrere in Hinſicht auf die Anwendung der Nullität gegen die Schenkungen, bei welchen ſie nicht beobachtet G1630 dern Akt ſtatt gehabt haben könnte, in denjenigen Hypothekar Bureaur geſchehen, in deren Bezirk die Güter gelegen ſind. Art. CCXXX. Dieſe Ueberſchreibung ſoll auf Betreiben des Man⸗ nes geſchehen, wenn die Guͤter ſeiner Frau geſchenkt worden ſind; und wenn der Mann dieſe Formalitaät nicht erfüͤllt, ſo ſoll die Frau ohne Ermächtigung dazu ſchreiten laſſen können. Wenn die Schenkung(zum Vortheil von) Minder⸗ jährigen, Interdicirten oder öffentlichen Anſtalten Anmerkungen. worden war, uber die Nothwendigkeit ihrer Erfullung in den verſchiedenen Orten des Wohnſitzes der Par⸗ theyen und der Lage der Guͤter, uͤber die Art und die Zeitßriſten derſelben, gehoben. Später fand man noch geſetzliche Auslegungen der Ordonnanz no⸗ thig, und dieſe bloße Formalität war der Gegenſtand eines dicken Bandes verwickelter Geſetze geworden. Dieſe ganze Geſetzgebung uber die Publizität der SchenkungsAkte iſt ohne Gegenſtand, ſeitdem durch die Einfuͤhrung der HypothekarHrdnung nicht allein dieſe, ſondern auch alle Veräuſſerungen von Immöbel auf oͤffentliche Regiſter eingeſchrieben werden muͤſſen. Der Zweck aller dieſer Geſetze wird durch zwei einzige Artikel erreicht, welche verfuͤgen, auf weſſen Betreiben und in welchen Hypothekar Bureaur dieſe Akte trans⸗ cribirt werden müſſen. Was die Möbel betrifft, die der Gegenſtand einer Schenkung ſein könnten, ſo betrifft ſie dieſe Formalität nicht, da kein Veraͤuſſe⸗ rungs Akt von Mobeln dieſer Foͤrmlichkeit unterworfen iſt. Man hielt es ebenfalls unnothig, die Transcrip⸗ tion des Aktes auf den Hypothekar Bureaur des Wohn⸗ 169 geſchehen ſein wird, ſo ſoll die Ueberſchreibung auf Betreiben der Vormuͤnder, der Kuratoren oder Ver⸗ walter geſchehen. Art. CCXXXl. Der Abgang(1e delaut) der Ueberſchreibung kann von jedem opponirt werden, der ein Intereſſe dazu hat; die Perſonen, welche beauſtragt ſind, die Ue⸗ berſchreibung machen zu laſſen, die, welche in ihre Anmerkungen. ortes der Partheyen zu verfuͤgen; da dieſe Formali⸗ tät ebenfalls in das algemeine Syſtem der Erhaltung der Rechte der Glaͤubiger nicht aufgenommen worden iſt. Man kann ſich in dieſer Hinſſcht auf die Publi⸗ zitaͤt der Regiſter und die Sorgfalt aller Betheilig⸗ ten verlaſſen, welche ſich vorher uͤberzeugen werden, ob das ihnen zum Unterpfand angebotene Gut dem Schuldner noch angehore. Zum Art. 2371. Es war unnothig, eine Zeit zu be⸗ ſtimmen, in welcher die Transcription geſchehen muͤſ⸗ ſe, da das eigne Intereſſe des Schenknehmers ihn beſtimmen muß, dieſe Formalitat, durch welche erſt das Eigenthum auf ihn uͤbergeht, zu beſchleunigen. Müßte er nicht ſonſt befuͤrchten, daß ein wenig ge⸗ wiſſenhafter Schenkgeber die geſchenkten Güter noch⸗ mal veräuſſern oder hppotheziren könne? Solange die Transcription nicht geſchehen iſt, muͤßte in dieſem Falle der Schenkgeber vor den Gläubigern oder An⸗ kaufern zurücſtehen, da dieſe kein anderes Mittel haben, ſich von dem wirklichen Eigenthum ihres Schuldners zu uͤberzengen, als die oͤffentlichen Regt⸗ ſter der Hopotheken Verwaltung und daher nicht das Opfer der Unterlaſſung der geſetzlichen Einſchrei⸗ bung auf dieſe Regiſter werden können. Die oͤffent⸗ liche Moral konnte jedoch nicht zugeben, daß dieſe (170) Rechte eingetreten ſind, und der Schenkgeber jedoch ausgenommen. Art. CCXXXII. Die Minderjährigen, die Interdicirten, die ver⸗ heiratheten Weiber, ſollen gegen den Abgang der Annahme oder der Ueberſchreibung der Schenkungen nicht reſtituirt werden; vorbehaltlich ihres Ruͤckgriſſs gegen ihre Vormuͤnder oder Männer, wenn er ſtatt ſindet, und ohne daß die Reſtitution ſelbſt in dem Anmerkungen. Unterlaſſung auch denen zum Vortheil gereichen könne, deren Pflicht es war, fuͤr das Intereſſe der ihnen an⸗ vertrauten Perſonen zu wachen, und zu ihrem Vor⸗ theil die Ueberſchreibung zu beſorgen. Zum Art. 232. Die Frage, ob die Minderjahrigen und andere Privilegirte gegen die Unterlaſſung der Trans⸗ cription oder der alten Inſiuuation reſtituirt werden koͤnnten, war weder durch das romiſche Recht noch durch die alten Ordonnanzen eutſchieden. Bis zur Ordon⸗ nanz von 1731, welche das Gegentheil, einer Dekla⸗ ration vom 19 Jänner 1712 gemäß, entſchied, war die Jurisprudenz in dieſer Hinſicht willkührlich. Man hat pieſe Verfuͤgung der Ordonnauz beibehalten; ſie be⸗ ruht auf dem Grundſatz, daß, wenn die Minderjähri⸗ gen zur Erhaltung ihres Vermögens, und um ſie vor jeder ihrem Alter gefaͤhrlichen Argliſt zu bewahren⸗ Privilegien genieſſen, ſie ſich doch dem allgemeinen Rechte nicht entziehen können, ſobald es blos dar⸗ auf ankommt, ihre Lage durch Schenkungen zu ver⸗ beſſern. Das Geſetz kann ihnen alſo nichts, als den Ruͤckgriff gegen die, welchen das Geſetz die Sorge der Transcröption auferlegt, geſtatten. Es ſchweigt gegen den Ruͤckgriff, der im Namen oͤffentlicher An⸗ (1715 Falle ſtatt haben könnte, wenn die beſagten Vormuͤn⸗ der oder Maͤnner ſich unzahlsfaͤhig finden ſollten. Art. CCXXxlII. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden ſoll blos das gegenwaͤrtige Vermogen des Schenknehmers begrei⸗ fen koͤnnen; wenn ſie zukunftige Guͤter begreift, ſo ſollen ſie in dieſer Hinſicht nichtig ſein. Anmerkungen. ſtalten gegen ihre Verwalter ſtatt finden könnte weil dieſe mit keiner andern, als der ihren AmtsVer⸗ richtungen anklebenden Verantwortlichkeit belaſtet wer⸗ den koͤnnen. Zum Art. 233 n. 234. Man hat die Frage aufgewor⸗ fen, ob die Schenkungen zwiſchen Lebenden, welche während dem Leben des Schenkgebers nicht angenom⸗ men worden wären, die er aber nicht widerrufen hätte, als teſtamentariſche Verfuͤgungen beſtehen könnten. Man kann zwar ſagen, daß der Akt den Willen zu geben konſtatirt; daß wenn der Schenk⸗ nehmer durch keinen Widerenf der Befngniß anzu⸗ nehmen beraubt worden iſt, und der Scheukgeber ge⸗ ſtorben iſt, ohne ſeine Abſicht, ihn zu beſchenken, verändert zu haben, dieſer in den geſetzlichen Schranken gehaltene Wille geachtet werden muß; al⸗ lein dieſe Meinnng kann dennoch nicht durchgreiſen, weil das Geſetz fuͤr die Teſtamente mehr Förmlich⸗ keiten, als fuͤr die Schenkungen zwiſchen Lebenden erfo⸗ dert. Man kann alſo nicht vermuthen, daß der Schenkgeber eine teſtamentariſche Verfuͤgung habe machen wollen, als welche ſein Akt nicht hinreichend ſein wärde, und in keinem Falle durfte es erlaubt ſein, ſo von der Verbinblichkeit, die fur die Teſta⸗ meuke vorgeſchriebenen Formalitäten zu erfuͤllen, frei⸗ zuſprechen. Es beſteht keine Schenkung zwiſchen Le⸗ (172 Art. CCXxXXIV. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden, die unter Be⸗ dingungen geſchehen wäre, deren Vollzug von dem bloſſen Willen des Schenkgebers abhaͤngt, ſoll nich⸗ tig ſein. Art. CCXXXV. Sie ſoll ebenfalls nichtig ſein, wenn ſie unter der Bedingung geſchehen waͤre, andere Schulden oder Laſten abzutragen, als die welche zur Zeit der Anmerkungen. benden, wenn ſich der Schenkgeber nicht ſogleich und nnwiderruflich ſeines Eigenthums begiebt. Wenn man die Anwendung dieſes Grundſatzes macht, ſo folgt nothwendig, daß die Schenkung blos das gegen⸗ waͤrtige Vermoͤgen des Schenkgebers begreifen, und nicht unter Bedingungen geſchehen kann, deren Er⸗ füllung blos von ihm abhaͤngt. Die Ordonnanz von 1731 hatte jede Schenkung, die das gegenwärtige und zukuͤnftige Vermögen begreifen wuͤrde, auch fuͤr das gegenwaͤrtige nichtig erklärt, weil man eine ſolche Verfügung ſolange fuͤr untheilbar anſah, als kein ent⸗ gegengeſeßter Wille des Schenkgebers erwieſen war. Die von dem Artikel 233 gemachte Beſchraͤnkung die⸗ ſer Verfuͤgung ſcheint jedoch der Natur der Sache und dem vermuthlichen Willen des Schenkgebers eher an⸗ gemeſſen. Zum Art. 235. Natuͤrlicherweiſe kam man nun auf das, was die Schulden und Laſten betrifft. Auch hier iſt das Geſetz mit der Ordonnanz von 1731 einſtimmig. Der Lakonis'm deſſelben über dieſen Punkt hatte anfangs einige Beſorgniß erregt, allein man fand bald, daß jede weitere Ausdehnung uber⸗ ſtuͤſſig geweſen ſein wuͤrde. Die Schenkungen begrei⸗ (173 5 Schenkung wirklich vorhanden waren, voder die ent⸗ weder im Schenkungs Akt, oder in dem Verzeichniſſe, welches demſelben beigefuͤgt werden mußte, aus⸗ druͤcklich bezeichnet waͤren. Art. CCxXXVI. Im Falle der Schenkgeber ſich die Freiheit vor⸗ behalten hätte, uͤber einen in der Schenkung be⸗ griffenen Gegenſtand oder über eine beſtimmte, von den geſchenkten Gütern zu erhebende Summe zu ver⸗ Anmerkungen. fen nemlich entweder die Geſammtheit der Güter, oder einen Theil der Gäter, oder eine Gattung der Guter, oder einen beſondern Gegenſtand. Im erſten Falle wird blos das geſchenkt, was nach Abzug der Schulden übrig bleibt. Folglich iſt der Schenknehmer der Geſammtheit der Güter, ohne daß es noͤthig geweſen wäre, es zu bemerken, gehalten, alle, zur Zeit ber Schenkung beſtehende, Schulden und Laſten abzutragen. Der Schenknehmer eines beſtimmten Theils der Guͤter, muß den verhältnißmäſigen Theil der Schulden tragen. Der Schenknehmer aller Güter einer gewiſſen Gattung z. B. aller oder eines Theils der Moͤbel oder Immöbel muß ebenfalls nach Ver⸗ haltniß ſeines Vortheils zu den Schnlden beitragen, da das Geſetz eine ſolche Verfuͤgung als eine Univer⸗ ſal Verfuͤgung(disposition à titre universel ,) betrach⸗ tet. Der Schenknehmer aber eines heſtimmten Ge⸗ genſtandes iſt blos zu denjenigen Schulden und La⸗ b line die ihm ausdrücklich auferlegt wor⸗ en ſind. 3um Art. 236. Eine andere nothwendige Folge des weiter oben,(bei den Artikeln 233 und 234) ent⸗ wickelten Grundſaßes. (174 0 fügen, ſo ſoll, wenn er ſtirbt ohne darüber verfügt zu haben, der beſagte Gegenſtand oder die beſagte Summe den Erben des Schenkgebers gehören, aller dem zuwiderlaufenden Klauſeln und Stipulationen ohngeachtet. Art. CCXXXVII. Die vier vorhergehenden Artikel ſind auf die Schen⸗ kungen nicht anwendbar, von welchen in den Ka⸗ piteln Vl. und VIII. des gegenwaͤrtigen Titels die Rede iſt. Art. CCXXXVIII. Jeder Schenkungs Akt von MobiliarEffekten ſoll blos fuͤr die Effekten guͤltig ſein, uͤber welche ein, von dem Schenkgeber und dem Schenknehmer oder denen, welche fuͤr ihn annehmen, unterzeichnetes Anmerkungen. Zu'm Art. 237. Eine Ausnahme, die ſich auf die Forderungen der Natur und die innigſte Verbindung zwiſchen den Kontrahenten begründet, und zur Be⸗ guͤnſtigung der Ehen geſtattet iſt; ſie rechtfertigt ſich auch dadurch, daß bei Schenkungen dieſer Art auch die z Ehe entſprungene Nachkommenſchaft intereſ⸗ irt iſt. Zum Art. 238. Die Schenkungen von Moͤbel ſind nothwendig ibrer Natur nach ganz andern Regeln, als die von Immoͤbeln, unterworfen. Zuerſt muß ein PVerzeichniß der geſchenkten Gegenſtände dem Akte au⸗ geheftet werden, der immer oͤffentlich ſein muß, und worinn ein jeder Dritter die ihn intereſſirende Aus⸗ kunft finden muß. Da ferner auch dieſe Schenkun⸗ gen der Reduktion unterworfen ſind, ſo war es we⸗ (1755 Verzeichniß mit der Taxe derſelben der Urſchrift der Schenkung angeheftet worden ſein wird. Art. CCXXAIX. Es iſt dem Schenkgeber erlaubt, ſich zu ſeinem Vortheil den Gebrauch oder die Ruznieſſung der ge⸗ ſchenkten, beweglichen oder unbeweglichen Guͤter, vorzubehalten oder zum Vortheil eines andern dar⸗ öber zu verfuͤgen. Art. CCXL. Wenn eine Schenkung von MobiliarEffekten mit dem Vorbehalt des Nießbrauchs geſchehen ſein wird, ſoll der Schenknehmer bei Erlöſchung des Rieß⸗ brauchs gehalten ſein, die geſchenkten Effekten, welche ſich in Natur vorfinden, in dem Zuſtande anzunehmen, worin ſie ſich befinden werden; er ſoll nur gegen den Schenkgeber oder ſeine Erben wegen Anmerkungen. ſentlich, daß auch die Tare der geſchenkten Gegenſtände darinn enthalten ſey. Das Geſetz ſagt: jeder Schen⸗ kungs Akt. Es ſpricht nicht von Geſchenken aus freier Hand, die keiner Form unterworfen werden können. Solche Geſchenke haben keine andere Regel, als die MNothwendigkeit der Tradition, mit Vorbehalt der Reduktion und der Collation in den vom Geſetz be⸗ ſtimmten Fällen. Zum Art. 239 u. 240. Dieſe Artikel beruhen auf den Grundſätzen der natuͤrlichen Billigkeit, und ihre Annahme gab zu keinen Erörterungen Anlaß. Die durch den erſten dem Schenkgeber geſtattete Befugnis, (170 den nicht vorfindlichen Gegenſtaͤnden bis zur Kon⸗ kurrenz des Werthes, zu welchem ſie in dem die Tape enthaltenden Verzeichniß abgeſchaͤtzt worden ſind, KlageRecht haben. Art. CCXRLI. Der Schenkgeber kann ſich das Ruͤckfall Recht der geſchenkten Gegenſtaͤnde, ſowohl fuͤr den Fall des Vorabſterbens des Schenknehmers allein, als auch für den Fall des Voxabſterbens des Schenk⸗ nehmers und ſeiner Deszendenten ſtipuliren. Dieſes Recht kann nur zum Vortheil des Schenk⸗ gebers allein ſtipulirt werden. Art. CCXLII. Das Ruͤckfall Recht ſoll die Wirkung haben, alle Anmerkungen. thut den Grundſaͤtzen, worauf jede Schenkung be⸗ ruht, keinen Abbruch, da das Eigenthum, un⸗ mittelbar auf den Schenknehmer im Augenblick der Annahme uͤbergeht. Zum Art. 241 u. 242. Wir haben oben geſeben daß jede Schenkung unwiderruflich iſt. Sollte dieſe Un⸗ widerruflichkeit das Ruͤckfal Recht ausſchlieſſen 2 Ehe⸗ dem unterſchied man den geſetzlichen und den kon. ventionellen Ruͤckfall. Das Geſetz hat uur den erſten beibehalten, er muß ausdruͤcklich ausbedungen ſein, und kann es nur zum Vortheil des Schenkgebers al⸗ lein werden. Er kann es ferner nur für den einzi⸗ gen, in dem Artikel beſtimmten Fall, werden. Keine Stipulation konnte gerechter ſein. Sie iſt eine der (1775 Veräuſſerungen der geſchenkten Güter aufzuheben, und ſie von allen Laſten und Hypotheken frei und entlaſtet an den Schenkgeber zurüͤckfallen zu machen, vorbehaltlich jedoch der Hypothek der Ausſteuer, und der EheVertraͤge, wenn die andern Guͤter des ſchenknehmenden Ehegatten unzurecichend ſind, und blos in dem einzigen Falle, wenn die Schenkung ihm durch denſelben Heuraths Kontrakt gemacht worden ſein wird, aus welchem dieſe Rechte und Hypothe⸗ ken heiflieſſen. 3 weiter Abſchnitt. Von den Ausnahmen von der Regel der Unwiderruflichteit der Schenkungen zwiſchen Lebenden. Art. CCXLIII. Eine Schenkung zwiſchen Lebenden ſoll aus kei⸗ Anmerkungen. Bedingungen der Schenkung; und eine gerechte Bedin⸗ gung, dader Schenkgeber ſich nur wegen der Neigung, die er zu dem Schenknehmer und ſeinen Deszenden⸗ ten trug, ſeines Eigenthums begeben hat. Selbſt der Dritte, welcher die geſchenkten Guter gekauftoder Geld darauf geſchoſſen hätte, kann ſich nicht bekla⸗ gen, dg er durch den, in dem öffentlichen Akt ſtipu⸗ lirten Vorbehalt genugſam gewarnt war. 3weiter Abſchnitt. Sum Art. 243. Der erſte Grundſatz der Unwider⸗ ruflichkeit der Schenkungen erleidet blos in folgen⸗ den Faͤllen eine Ausnahme: 1) wegen der NichtEr⸗ füͤllung der Vedingungen, unter welchen die Schen⸗ 12 61785 nem andern Grunde widerrufen werden können, als wegen der NichtEkrfullung der Bedingungen, unter Anmerkungen. kung geſcheheu iſt. Djeſe urſache iſt allen Vertraͤgen gemein, weil kein Wortbruͤchiger von ſeiner Untreue Vortheil ziehen darf. 2) Wegen der Undankbarkeit des Schenknchmers; in dieſem Falle erfordert ſowohl die öffentliche Moral, als auch die natuͤrliche Vil⸗ ligkeit den Widerruf der Schenkung, weil der Schentgeber, hätte er den Undank des Schenkneh⸗ mers vorausſehen können, die Schenkung gewiß nicht gemacht haben würde. 3) Die dritte Ausnahme iſt der Fall der Nachgeburt von Kindern, deren Grund eben ſo rechtlich iſt. Als der Schenkgeber ſich ſeines Eigenthums begab, kannte er die Macht der väter⸗ lichen Neigung nicht. Das Geſeß, welches hier mit der Natur üͤbereinſtimmt, vermuthet, daß, wenn der Schenkgeber geglaubt hätte einſt Kinder zu erhalten, er die Schenkung nicht gemacht haben wuͤrde. Der Schenknehmer darf daher, im Augenblick der Schen⸗ kung, keine wirklich lebende Kiuder gehabt haden, wenn die Schenkung aus dieſem Grunde vernichtet werden ſoll. Der Widerruf wegen Nachgeburt von Kindern fin⸗ det ſich durch ein berühmtes römiſches Geſet begründet (s unquam, Cod. de Revoc. denat). Es giebt in der That keine Erwaͤgung, welche die Vermuthung entkraften konnte, daß der Schenknehmer keinen Frem⸗ den ſeinen eigenen Kindern vorziehen wollte. Verge⸗ pens würde man einwenden, daß eine große Unſicher⸗ heit des Eigenthums daraus entſtehen müſſe, daß die Kinder erſt lange nachher gebohren werden kon⸗ nen, daß der Schenkgeber die Moglichkeit, noch Kin⸗ der zu erhalten, vorher erwaͤgen konnte, und daß ſeine Freigebigkeiten vielleicht andere Verbindungen beſtimmt haben können. Alles muß den Geſetzen der Natur weichen, welche alle Neigungen der vaͤ⸗ terlichen Liebe unterordnet. Es läßt ſich nicht ver⸗ muthen, daß der Vater durch ſeine Freigebigkeit zu⸗ gleich ſeine Pflichten gegen die Geſellſchaft und gegen ſeine Deszendenten verletzen wollte; köunte ein ſol⸗ cher Wille vermuthet werben, ſo wuͤrde das öffent⸗ G179 welchen ſie geſchehen ſein wird, wegen Undankbar⸗ keit und wegen ſpaterhin gebohrner Kinder. Art. CCXLIV. Im Falle des Widerrufs wegen der RichtErfül⸗ lung der Bedingungen, ſollen die Güter, frei von allen Laſten und Hypotheken, die von dem Schenk⸗ nehmer herruͤhren könnten, an den Schenkgeber zu⸗ ruͤckfallen; und der Schenkgeber ſoll, gegen jeden dritten Beſitzer der geſchenkten Immöbel alle Rechte Anmerkungen. liche Intereſſe ihn verwerfen. Selbſt der Schenkneh⸗ mer kann dieſe Grundſätze nicht verkennen, und konnte die Schenkung alſo nur unter dieſer ſtillſchweigenden Vedingung annehmen. Dieſe Regel iſt ſo beibehal⸗ ten worden, wie ſie ſich auch in der Ordonnanz von 1735 befand. Zum Art. 244. Wenn wir den Schenkgeber und den Schenknehmer betrachten, ſo müßten dieſe drei Ur⸗ ſachen des Widerrufs dieſelben Wirkungen hervorbrin⸗ gen. Allein man darf hier auch das Intereſſe jedes Dritten nie aus dem Auge verlieren. Zeshalb ſind die Wirkungen des Widerrufs verſchieden, je nachdem er aus dieſer oder jener Urſache ſtatt gefunden hat. Wenn aber im vorliegenden Falle die Glaͤubiger oder Ankaän⸗ fer ſich beklagen wuͤrden, ſo koͤnnte man ihnen ant⸗ worten: warum habt ihr kontrahirt, ohne euch die Ratifikation des Schenkgebers verſchafft zu haben, oder euch über die RechtsTitel, worauf ſich das Ei⸗ genthum eures Glaͤubigers oder Schuldners gründete, zu verſichern? Erſt durch die Erfullung der Verbind⸗ lichkeiten, worunter die Schenkung geſchah, geht das Eigenthum auf den Schenknehmer uͤber; ſind bieſe Bedingungen alſo nicht erfüllt worden, ſo iſt auch das Eigenthum nicht ͤbergegangen, und konnte daher auch nicht wieder verauſſert werden. 4 (180) haben, die er gegen den Schenknehmer ſelbſt ha⸗ ben wuͤrde. Art. CCXLV. Eine Schenkung zwiſchen Lebenden ſoll wegen Un⸗ dankbarkeit nur in folgenden Fällen widerrufen wer⸗ den können: 1) wenn der Schenknehmer dem Leben des Schenk⸗ gebers nachgetrachtet hat. 2) Wenn er ſich Mishandlungen, Vergehen oder grobe Beleidigungen(sevices, delits ou mau- vais traitemens) gegen ihn hat zu ſchulden kom⸗ men laſſen. 3) Wenn er ihm Alimente verweigert. Art. CCxLVI. Der Widerruf wegen RichtEerfuͤllung der Bedin⸗ Anmerkungen. Zum Art. 245. Dieſer Artikel beſtimmt, um will⸗ kuͤhrlichen Prozeſſen auszuweichen, die einzigen Fälle in welchen der Widerruf, Undanks halber ſtatt findet. Man hat ſie ſo ſehr beſchraͤnkt als das Intereſſe der Geſellſchaft, die Sicherheir des Eigenthums auf der einen, und die Sittlichkeit auf der andern Seite es erlaubten. Auſſer poſitiven Mishandlungen finden wir auch noch die Verweigerung von Alimenten dar⸗ unter, nach dem Grundſatz: necare videtur, qui ali- menta denegat⸗ gum Art. 246. Weil die Urſachen, worauf er ſich gruͤndet, einer Konteſtation unterworfen ſind, und alſo kontradiktoriſch bewieſen werden muͤſſen. (181) gungen oder wegen Undankbarkeit ſoll nie ohne wei⸗ teres von Rechtswegen(de plein droit, ipso jure) ſtatt haben. Art. CCXLVII. Die Klage auf Widerruf der Undankbarkeit hal⸗ ber ſoll in JahresFriſt, von dem Tag des Ver⸗ gehens an, welches der Schenkgeber dem Schenk⸗ nehmer zur Laſt legt, oder von dem Tage an zu rechnen, wo das Vergehen dem Schenkgeber be⸗ kannt ſein konnte, angeſtellt werden muͤſſen. Dieſer Widerruf ſoll weder von dem Schenkgeber gegen die Erben des Schenknehmers, noch von den Erben des Schenkgebers gegen den Schenknehmer in Anſpruch genommen werden können, wenn nicht in dieſem letzten Falle die Klage(bereits) von dem Schenkgeber(ſelbſt) erhoben worden, oder dieſer im Laufe der JahresFriſt von dem Vergehen an verſtor⸗ ben iſt. Art. CCxLVIII. Der Widerruf, der Undankbarkeit halber, ſoll weder den, von dem Schenknehmer gemachten, Ver⸗ Anmerkungen. Zum Art. 248. Der Widerruf wegen Undank muß nothwendig andere Folgen als der wegen Nicht Erfül⸗ lung der Bedingungen hervorbringen; nicht als wenn (182) zuſſerungen, noch den Hypotheken und andern Re⸗ alLaſten, womit er den Gegenſtand der Schenkung beſchwert haben mag, Abbruch thun, vorausgeſetzt, daß alles dies ſtatt gehabt haͤtte, ehe der Auszug der Klage auf Widerruf am Rande der durch den Artikel! 227 vorgeſchriebenen Transcription einge⸗ ſchrieben worden. Im Falle des Widerrufs ſoll der Schenknehmer verurtheilt werden, den Werth der veräuſſerten Ge⸗ genſtände, mit Ruͤckſicht auf die Zeit der Klage, Anmerkungen. dieſe Urſache nicht gleichfalls bie ganze Rache des Ge⸗ ſetzes verdiente, ſondern weil dieſe gegen den Schenk⸗ nehmer gerichtet werden muß, welcher dafur, daß er die Bande der Dankbarkeit zerriſſen hat, Strafe ver⸗ dient. Deshalb ſind auch die Urſachen der Undankbarkeit ausgedehnter, als die der Unwuͤrdigkeit. Der Un⸗ wurdige war blos durch einen vermuthlichen Willen zur Erbſchaft berufen; der Schenknehmer warder Ge⸗ genſtand der ausdrucklichen und zärtlichen Sorgfalt des Schenkgebers geweſen; kein Dritter aber konnte den Undank des Schenknehmers vorausſehen; kein Dritter kann alſo das Opfer deſſelben werden, ſon⸗ dern die Strafe muß auf den Schenknehmer allein zuruͤckfallen. 5 Der offentliche Glanben fordert auch, daß der Wi⸗ derruf der Schenkung nicht eher in Hinſicht auf je⸗ den Britten einige Wirkung haben koͤnne, als nach⸗ dem ſich vermuthen läßt, daß dieſer Dritte Kenntniß davon hatte; und dies laßt ſich erſt von dem Tage an vermuthen, wo der Schenkgeber am Rande der Schenkung auf dem öffentlichen TranscriptionsRegi⸗ ſter von ſeiner Klage auf Widerruf Meldung ge⸗ chan hat. (183 5 und die Früchte(truetus) von dem Tage dieſer Klage an, zurückzuerſtatten. Wit. SL Die Schenkungen zu Gunſten der Ehe ſollen Un⸗ danks halber nicht widerrufen werden können. Wöt. CEl⸗ Jede Schenkung zwiſchen Lebenden, welche von Perſonen geſchehen wäre, die zur Zeit der Schen⸗ kung keine wirklich lebende Kinder oder Deszenden⸗ ten hatten, von welchem Werthe dieſe Schenkungen auch ſein könnten, und unter welchem Titel ſie ge⸗ ſchehen ſein mögen, wenn ſie auch ſogar gegenſeitig oder remuneratoriſch(zur Vergeltung geſchehen) waͤ⸗ ren, ſelbſt die nicht ausgenommen, die von andern Perſonen, als von den Aszendemen zum Vortheil der Aumerkungen. Zum Art. 249. Das Verbrechen des Schenknehmers kann jedoch einen Akt, auf deſſen Glauben ſich eine neue Familie gebildet haͤrte, nicht umſtürzen. Eine ſolche Schenkung hat nicht allein das Intereſſe des Schenknehmers, ſondern auch das ſeiner Deszendenten zum Zweck, die das Opfer ſeines Undanks nicht wer⸗ den koͤnnen. Das Intereſſe der Geſellſchaft erheiſchte daher die obige Ausnahme. Zum Art. 250. Natürlich findet hier der Widerruf von Rechtswegen und ohne weiteres ſtatt, da die Geburt des Kindes eln Faktum iſt, welches durch die Regiſter des Civilſtandes immer konſtatirt wer⸗ den, und nicht beſtritten werden kann. Iſt dieſes — (184) Ehegatten, oder von einem Ehegatten zum Vor⸗ theil des andern, zu Gunſten einer Ehe gemacht worden wären, ſollen durch die Rachgebmt eines rechtmäſigen Kinbes des Schensgebers, ſelbſt eines ſolchen, das nach ſeinem Tode gebohren wuͤrde, oder durch die Legitimation eines natuͤrlichen Kindes durch die nachherige Ehe, wenn nur dieſes(natir⸗ liche Kind) ſeit der Schenkung gebohren worden iſt, ohne weiteres und von Rechtswegen widenufen ſein und bleiben. Art. CCLI. Dieſer Widerruf ſoll ſelbſt dann ſtatt haben, wenn das Kind des Schenkgebers oder der Schenkgeberinn zur Zeit der Schenkung(bereits) empfangen wat. Art. CCLIl. Die Schenkung ſoll ebenfalls ſelbſt dann widerru⸗ ſen bleiben, wenn der Schenknehmer ſchon in den Anmerkungen. Kind ein durch die nachherige Ehe legitimirtes, ſo iſt es jedoch noͤthig daß es erſt nach der Schenkung gebohren worden ſey, da es nicht ausgedehntere Rechte, als ein eheliches Kind fordern kanu. Sum Art. 251. Jedes Weſen wird nuter dem Her⸗ zen der Mutter nach den Rechten immer fuͤr lebend erachtet, ſobald es ſeinen Vortheil gilt. Zum Art. 252 u. 255. Alle dieſe Verfuͤgungen, theils nothwendigeßolgen des obigen Spſtems, theils Beſitz der geſchenkten Guͤter eingetreten waͤre, und ſeit der Rachgeburt des Kindes von dem Schenkge⸗ ber darinn belaſſen worden wäre, ohne daß der Schenknehmer jedoch gehalten wäre, die von ihm bezogenen Fruͤchte, von welcher Gattung ſie ſein mönen, andelſt als von dem Tage an zuruͤckzuer⸗ ſtotten, an welchem ihm die Geburt des Kindes oder ſeine Legitimation durch eine nachſolgende Ehe durch eine Zuſtellung(explon) oder einen Akt in ge⸗ höriger Form bekannt gemacht worden ſein wird, und zwar von dann an, ſelbſt wenn das Begehren, um in die geſchenkten Güter einzutreten, erſt ſpäter⸗ hin nach dieſer Bekanntmachung eingefuͤhrt worden wäre. Art. CCLII. Die, in jeder von Rechtswegen widerrufenen Schenkung einbegriffenen, Guter ſollen frei von allen, vom Schenknehmer herruͤhrenden, Laſten und Hypo⸗ theken zu dem Vermögen des Schenkgebers zuruͤck⸗ fallen, ohne daß ſie, ſelbſt nur ſubſidiariſch, zur Zuruͤckerſtattung des Eingebrachten(de ja dot) der Anmerkungen. in der natürlichen Billigkeit gegruͤndete, von den al⸗ tern Geſetzen beibehaltene Verfuͤgungen, machen durch die Beſtimmtheit ihrer Abfaſſung jede weitere Er⸗ drterung uͤberfluͤſſig. (186 Frau von dieſem Schenknehmer, deſſen was ſie zu⸗ ruͤckzufordern haben könnte(de ses reprises) oder irgend anderer aus ihrem EheVertrage ihr herflieſ⸗ ſenden Vorheile angehalten werden könnten(Sans qu'ils puissent demeurer affectés), und zwar ſoll dies ſelbſt dann ſtatt finden, wenn auch die Schen⸗ kung ſelbſt zu Gunſten der Ehe des Schenknehmers gemacht worden, und in den Ehekontrakt eingefuͤhrt worden wäre, und wenn der Schenkgeber ſich burch die Schenkung als Bürge fuͤr den Vollzug des Ehe⸗ Vertrags verpflichtet hätte. Art. CCLIV. Alſo widerrufene Schenkungen können nicht mehr aufleben, oder von neuem Wirkung haben, weder durch den Tod des Kindes des Schenkgebers noch durch irgend einen beſtätigenden Akt; und wenn der Schenkgeber dieſelben Guͤter demſelben Schenkneh⸗ mer, entweder vor oder nach dem Tode des Kindes, durch deſſen Geburt die Schenkung widerrufen wor⸗ den war, ſchenken will, ſo ſoll er es nicht anderſt, als durch eine neue Verfuͤgung thun können. Art. CCLV. Jede Klauſel oder Uebereinkunft, wodurch der Schenkgeber auf den Widerruf der Schenkung we⸗ gen der Nachgeburt eines Kindes verzichtet hätte, (187N ſoll als nichtig angeſehen werden und keine Wirkung hervorbringen. Art. CCLVI. Der Schenknehmer, ſeine Erben oder die, wel⸗ che in ſeine Rechte eingetreten ſind, oder ugend an⸗ dere Beſitzer der geſchenkten Gegenſtaͤnde ſollen nicht eher, als nach einem Beſitzſtand von dreiſig Jahren die Verjährung opponiren koͤnnen, um ei⸗ ne durch die Nachgeburt eines Kindes widerrufene Schenkung geltend zu machen; dieſe dreiſig Jahre ſollen erſt von dem Geburts Tage des letzten Kindes des Schenknehmers, wäre es auch erſt nach ſeinem Tode zur Welt gekommen, zu laufen anfangen, und dies ohne Abbruch der geſetzlichen Unterbrechungen der Verjährung. . Von den teſtamentariſchen Verfuͤgungen. Erſter Abſchnitt. Von den allgemeinen Regeln uͤber die Form der Teſtamente. Art. CCLvII. Jedermann ſoll, durch ein Teſtament verfuͤgen duͤrfe n, es ſey nun unter dem Titel der ErbEinſez⸗ (188 5 zung, oder unter dem Titel eines Vermächtniſſes, oder unter jeder andern Benennung, die dazu geei⸗ genet iſt, ſeinen Willen auszudrucken. Art. CCLVIII. Kein Teſtament ſoll, weder zum Vortheil eines Anmerkungen. Viertes Kapitel. Erſter Abſchnitt. Zum Art. 257. Auf die Regeln, welche auf die Schenkungen zwiſchen Lebenden Bezug haben, folgen die, welche die teſtamentariſchen Verfuͤgungen be⸗ treffen. In den Provinzen vom geſchriebenen Rechte war bisher die ErbEinſetzung der vorzuͤglichſte Ge⸗ genſtand der Teſtamente. In den andern Theilen von Frankreich beſtimmte das Geſetz allein den Erben, und die ErbEinſetzung war blos zu Gunſten der Ehen erlaubt; ja mehrere Herkommen gaben nicht einmal ieſer Ausnahme ſtatt. Alle harten den Verwandten, die einen unter dem Titel der eigenthuͤmlichen Gu⸗ ter, die andern unter dem von Acqueſten oder Moͤ⸗ beln einen Theil des Vermoͤgens vorbehalten. Dieſe Ordnung war mit der der natürlichen Zuneigungen in keiner Harmonie. Jeder Unterſchied in der Ge⸗ ſetzgebung mußte zudem verſchwinden, ſobald ein all⸗ gemeines Geſetz allen Buͤrgern gleiche Freiheit, zu verfuͤgen, geſtattete. Die Er rbEinſetzung iſt daher allen gleich erlaubt. Der größte Fehler der roͤmiſchen und altfranzoͤſiſchen Geſetzgebung uͤber die Teſtamente war der, zu komplizirt zu ſein. Man hat daher die Mit⸗ tel geſucht, ſie zu vereinfachen. Man fing damit an, alle Schwierigkeiten uͤber den Titel der Verfuͤgung zu beſeitigen. Das Teſtament wird unter jedem Ti⸗ tel guͤltig ſein, ſobald er dazu geeignet iſt, den Willen des Teſtators auszudruͤcken. Fum Art. 258. Man hat blos eine, in der Ordon⸗ (189 5 c Dritten, noch unter dem Titel einer wechſelſeitigen und gegenſeitigen Verfügung, von zwei und mehreren Perſonen durch denſelben Akr errichtet werden können. Art. CCLIX. Ein Teſtament kann ein eigenhandiges(olographi⸗ ſches) Teſtament ſein, oder es kann durch einen öf⸗ Anmerkungen. nanz von 1735(Art. 77) aufgeſtellte Regel aufrecht erhalten und erklärt. Es war daran gelegen, die Verſchiedenheit des Rechts Gebrauchs uͤber die Frage zu beſeitigen, ob nach dem Sterbfall eines der Te⸗ ſtatoren der andere das Teſtament widerrufen koͤnne. Sie bejahen, hieſſe den Glauben der Reziprozität verletzen; es unwiderruflich erklaͤren, hieſſe die Na⸗ tur des Teſtamentes veraͤndern, welches alsdann keine letzte WillensMeinung mehr ſein kann. Man mußte daher eine Form ganz verbieten, welche entweder mit dem guten Glauben oder der Form der Leſta⸗ mente unvertraͤglich war. Zum Art. 259. Man hat in dem roͤmiſchen Rechte und den Herkommen diejenigen Formen von Akten aufgeſucht, welche die einfachſten und die ſicherſten ſchie⸗ nen. Sie ſind dreierlei; jede andere Form, und um ſo mehr die Verfuͤgungen, welche wörtlich oder durch Zeichen oder Briefe geſchehen wären, werden nicht zu⸗ gelaſſen. Keine der drei oben angefuͤhrten Formen war in Frankreich unbekannt, nur waren in den Provinzen vom geſchriebenen Rechte die olographiſchen Teſta⸗ mente nur zum Portheil der Kinder und Deszenden⸗ ten gültig. Das Geſetz dehnt ſie auf alle Franzoſen ohne Unterſchied aus; denn welcher Akt legt den Ansdruck des Willens ſicherer an den Tag, als der, welcher ganz von der Hand des Verfügenden geſchrieben und unter⸗ zeichnet iſt? Wenn jene Provinzen ſo lange der Leich⸗ G190) fentlichen Akt oder in der. myſtiſchen Form errich⸗ tet werden. Das eigenhändige Teſtament ſoll nicht gültig ſein, wenn es nicht durchaus von der Hand des Teſtators Anmerkungen. tigkeit, welche dieſes Teſtament darbietet, beraubt waren, ſo war es eine Folge der Ehrfurcht fur das roͤmiſche Recht, welches einen mit der Ausubung der politiſchen Rechte verbundenen Akt mit vielen Foͤrm⸗ lichkeiten umgeben zu muüͤſſen geglanbt hatte. Dieſe Geſetzsebung trug noch immer die Spuren ihres Ur⸗ ſyrungs an ſich, wo die Teſtamente nur in Gegenwart und mit Ermaͤchtigung des Volkes gemacht wurden. Gegenwärtig, wo es anerkannt iſt, daß das Recht, zu teſtiren, dem CivilRecht angehoͤrt, und daß folglich von nichts mehr die Rede ſein kann, als eine hin⸗ läugliche Vorſicht anzuwenden, um den Willeu des Teſtators zu erkennen, war es natuͤrlich, daß das Geſetz die Leichtigkeit immer vermehren mußte, ſobald über dieſen Willen kein Zweifel ubrig bleiben konnte. Was das myſtiſche Teſtament betrifft, ſo hat man die Frage eroͤrtert, ob dieſe Form beibehalten zu werden verdiente. Man hat ſie bejaht, weil es billig ſchien, denen, welche ihr Teſtament nicht ſelbſt ſchreiben koͤnnen, das Recht und die Befugniß zu laſſen, ihre Verfuͤgungen bis zu dem Tod geheim zn halten. Zum Art. 260. Man wird weiter unten finden, welche Vorſicht das Geſetz angewendet hat, um jedem Misbrauch von Teſtamenten dieſer Art vorzubengen. Sie muͤſſen naͤmlich vor dem Vollzug dem Friedens⸗ Richter uͤbergeben werden, welcher einen VerbalPro⸗ zeß uͤber den Zuſtand, worinn er das Teſtament be⸗ funden haben wird, aufzuſetzen und ſeine Niederlage bei einem Notar zu verordnen hat. (104) geſchrieben, datirt und unterzeichnet iſt; es iſt kei⸗ ner andern Formalität unterworfen. Art. CCLXl. Ein Teſtament durch einen öfſentlichen Akt iſt das, welches von zwei Notarien in Gegenwart von zwei Zeugen, oder von einem Notar in Gegenwart von vier Zeugen aufgenommen worden iſt. Anmerkungen. Sum Art. 261. Man hat bei Teſtamenten dieſer Art zwiſchen den von dem geſchriebenen Rechte vor⸗ geſchriebenen Foͤrmlichkeiten, und jenen, welche in den Provinzen der Herkommen gebraͤnuchlich waren, die Mitte gehalten. In den letzten waren zwei Nota⸗ rien oder ein Notar und zwei Zeugen hinlaͤnglich; nach einisen konnten auch andere Beamten und ſelbſt Religions Diener Teſtamente errichten. In den er⸗ ſten waren mit dem Notar wenigſtens ſieben Zengen erforderlich. Da die Freiheit, zu verfügen, in den Provinzen der Herkommen im Allgemeinen ſehr er⸗ weitert worden iſt, ſo ſchien es ſachdienlich, die Vor⸗ ſichts Maasregeln, um den Willen des Teſtators zu konſtatiren, daſelbſt zu vermehren; haͤtte man aber mehr Zengen erfordert, als hierzu hinlanglich waren, ſo hätte man den Verfügenden unnöthiger Weiſe be⸗ läſtigt und vielleicht zuweilen in die Unmoglichkeit verſetzt, zu teſtiren. Wenn das Geſetz, ſelbſt bei zwei Notarien noch Zeugen erfordert, ſo geſchah es nicht, als ob es Mis⸗ tranen in dieſe Beamten ſetzte, ſondern weil, da die Teſtamente meiſtens am Rande des Lebens gemacht werden, es nutzlich ſchien, die Aufſeher zu Gunſten eines Individuums zu vermehren, das durch Intri⸗ guen oder Habſucht belagert werden kann., 61920 Art. CCLXII. Wenn das Teſtament von zwei Notarien aufge⸗ nommen worden, ſo muß es ihnen von dem Teſta⸗ tor dictirt, und von einem der Notarien, ſo wie es dictirt wird, niedergeſchrieben werden. Iſt blos ein Notar zugegen, ſo muß es gleich⸗ falls von dem Teſtator dictirt und von dieſem Ro⸗ tar niedergeſchrieben werden. In dem einen und dem andern Falle muß es dem Teſtator in Gegenwart der Zengen vorgeleſen werden. Von dem allem muß ausdruͤcklich Meldung ge⸗ ſchehn. Art. CCLXIII. Dieſes Teſtament muß von dem Teſtator unterzeich⸗ net werden; wenn er erklaͤrt, daß er nicht unterzeich⸗ nen kann oder dazu auſſer Stande iſt, ſo ſoll in dem Anmerkungen. Zum Art. 262 bie 264. Alle dieſe Formalitäten ſind weſentlich, und die Notarien muͤſſen die großte Sorg⸗ falt tragen keine auſſer Acht zu laſſen, da die Un⸗ terlaſſung irgend einer die Nullität nach ſich ziehr. Siehe den Artikel 290 dieſes Abſchnitts. So muß z. B. immer darinn ausdrückliche Erwahnung ge⸗ ſchehen, wenn das Teſtament von zwei Notarien er⸗ richtet worden iſt, daß einer derſelben es eigenbän⸗ dig geſchrieben hat. Die meiſten dieſer Formalitä⸗ ten(jedoch mit Ausnahme der eben bemerkten) ſind aus der Ordonnanz von 1735 entlehnt. (193 N Akt von dieſer ſeiner Erklärung, ſo wie von der Ur⸗ ſache, die ihn verhindert, zu unterzeichnen, ausdruck⸗ lich Meldung geſchehen. Art. CCLXIV. Das Teſtament ſoll von den Zeugen unterzeich⸗ net werden muͤſſen; nichtsdeſtoweniger ſoll es, auf dem Lande, hinlänglich ſein, daß einer der beiden Zeugen unterzeichne, wenn das Teſtament von zwei Notarien aufgenommen wird, und daß zwei der vier Zeugen unterzeichnen, wenn es von einem Notar aufgenommen wird. Art. CCLXV. Zu Zeugen des Teſtamentes durch einen öffentli⸗ chen Akt ſollen weder die Legatarien, unter welchem Titel ſie es ſein mögen, noch ihre Verwandte und Verſchwägerte, bis zum vierten Grade einſchließ⸗ lich, noch die Schreiber(cleres) der Notarien, welche die Akte aufnehmen, genommen werden können. Anmerkungen. Zum Art. 265. Es verſteht ſich daß die Grade hier blos nach dem CivilRechte gezaͤhlt werden; Ver⸗ wandten im vierten Grade ſind daher die Geſchwiſter⸗ Kinder.(Siehe den 1ten BVand Titel 5. S. 114.) 13 (194N Art. CCLxVI. Wenn der Teſtator ein myſtiſches oder geheimes Teſtament wird machen wollen, ſo ſoll er gehalten ſein, ſeine Verfuͤgungen, er mag ſie nun ſelbſt ge⸗ ſchrieben haben oder durch einen andern haben ſchrei⸗ ben laſſen, zu unterzeichnen; das Papler, welches dieſe Verfuͤgungen enthalten wird, oder das Papier, welches zum umſchlage dienen wird, wenn es in einen eingeſchloſſen iſt, ſoll verſchloſſen und verſiegelt werden. Der Teſtator legt es ſo, geſchloſſen und verſiegelt, dem Rotar und wenigſtens ſechs Zeugen vor, oder er ſoll es in ihrer Gegenwart verſchlieſ⸗ ſen und verſiegeln laſſen und erklären, daß das, was in dieſem Papier enthalten iſt, ſein, von ihm ge⸗ ſchriebenes und unterzeichnetes, oder ſein, von ei⸗ nem andern geſchriebenes und von ihm unterzeichne⸗ tes Teſtament iſt. Der Rotar ſoll einen Aufſchrifts⸗ Akt daruͤber auſſetzen, der aut dieſes Papier, oder Anmerkungen. Zum Art. 266 bis 269. Der Gebrauch der myſti⸗ ſchen oder geheimen Teſtamenten war in den Pro⸗ vinzen der Herkommen(4es coutumes) unbekannt. Die Fortpflanzung dieſer Inſtitution zu Gunſten deren, die nicht ſchreiben können, oder aus wichtigen Be⸗ weggruͤnden weder ein eigenhändiges Teſtament ma⸗ chen, noch auch ihre Willens Meinnng offentlich be⸗ kannt machen wollen, ward allgemein gewuͤnſcht. Sie ward gewiſſermaſſen nöthig, als die Zabl der Seugen bei offentlichen Teſtamenten in denſelben Pro⸗ G195N auf das Blatt, welches zum Umſchlage dienen wird, geſchrieben werden muß; dieſer Akt ſoll, ſowohl von dem Teſtator als von dem Rotar, zugleich mit den Zeugen, unterſchrieben werden. Alles obige ſoll in einemfort, und ohne unterdeſſen andere Akte vorzu⸗ nehmen, geſchehen, und in dem Falle, wo der Te⸗ ſtator, wegen eines ihm ſeit der Unterzeichnung des Teſtamentes zugeſtoſſenen Hinderniſſes, den Auf⸗ ſchrifts Akt nicht unterzeichnen könnte, ſo ſoll von der von ihm daruͤber gemachten Erklarung Meldung ge⸗ ſchehen, ohne daß es in dieſem Falle nöthig waͤre, die Zahl der Zeugen zu vermehren. Art. CCLXVII. Wenn der Teſtator im Schreiben unerfahren iſt, oder wenn er nicht unterzeichnen konnte, als er ſeine Verfuͤgungen niederſchreiben ließ, ſo ſoll auſſer der im vorhergehenden Artikel beſtimmten Zahl noch ein Zeuge mehr zum Aufſchrifts Akt berufen werden, welcher den Akt mit den andern Zeugen unterzeich⸗ Anmerkungen. vinzen durch das neue Geſetz verdoppelt ward. Al⸗ lein man durfte bei Zulaſſung dieſer Form keine der Formalitäten vernachläſſigen, die in den Provinzen des geſchriebenen Rechtes erforderlich waren. Man konnte Subſtitutionen von Perſonen oder Akten be⸗ fürchten; man mußte Sorge tragen, alle moͤgliche Kniffe der Habſucht zu vereiteln, und vorzuglich bie⸗ 68 0196 nen ſoll, und es ſoll von der Urſache Meldung ge⸗ ſchehen, wegen welcher dieſer Zeuge berufen wor⸗ den iſt. Art. CCLXVIII. Wer nicht leſen kann, oder dazu auſſer Stande iſt, ſoll keine Verfuͤgung in der Form eines myſti⸗ ſchen Teſtaments machen können. Art. CCLXIX. Sollte der Teſtator nicht ſprechen aber doch ſchrei⸗ ben können, ſo ſoll er ein myſtiſches Teſtament er⸗ richten koͤnnen, unter der Bedingung, daß das Te⸗ ſtament durchaus von ſeiner Hand geſchrieben, da⸗ tirt und unterzeichnet ſey, daß er es dem Notar und den Zeugen uͤberreiche, und daß er in ihrer Ge⸗ genwart, oben uͤber den Aufſchrifts Akt niederſchreibe: daß das Papier, welches er uͤberreicht, ſein Teſta⸗ ment iſt, worauf der Notar den Aufſchriſts Akt ſchreiben ſoll, worinn Meldung geſchehen muß, daß der Teſtator dieſe Worte in Gegenwart des Rotars — Anmerkunsgen. tet die Mehrzahl der Zeugen eine ſolche Garantie an, da ſie nicht leicht alle in ein ſtraͤfliches Komplott ein⸗ ſtimmen. Deshalb wurden alle Formalitäten der Or⸗ donnanz von 1735 in Hinſicht auf die myſtiſchen Te⸗ ſtamente beibebalten. Die Formalitäten bei Eröf⸗ nung ſolcher Teſtamente ſind zudem die nämlichen (1970 und der Zeugen geſchrieben hat; uͤbrigens ſoll alles, was im Artikel 266 vorgeſchrieben iſt, beobachtet werden. Art. CCLXX. Die Zeugen, welche berufen werden, um bei dem Teſtamente gegenwartig zu ſein, muͤſſen Männer, Anmerkungen. wie bei den eigenhaͤndigen, und vielmehr durch die Zuziehung der Notarien und Zeugen, die den Auſ⸗ chrifts Akt unterzeichnet haben, noch vermehrt, wie wir weiter unten ſehen werden. Zum Atr. 270. Schließlich einige Pemerkungen uͤber die teſtamentariſchen Zeugen: 1) Es iſt hinlaͤnglich, wenn ſie ſich im Genuß der CivilhRechte befinden, waͤhrend die, welche bei an⸗ dern oͤffentlichen Akten, wo freilich nur zwei er⸗ forderlich ſind, gebraucht werden, nothwendig auch im Beſitz der politiſchen Rechte(Citoyens) ſein muͤſſen. 2) Die Legatarien koͤnnen bei öffentlichen Teſtamen⸗ ten nicht Zengen ſeyn. Das Geſetz hat dieſe Aus⸗ nahme füͤr die myſtiſchen Teſtamente nicht wie⸗ derhohlt. Die Ordonnanz von 1735 hatte eben⸗ falls nicht einmal den UniverſalLegatarien dieſe Befugniß benommen. 3) Die Schreiber(eleres) der Notarien koͤnnen eben⸗ falls bei den öffentlichen Akten nicht Zeugen ſein. Das Geſetz wiederhohlt auch dieſe Ausnahme nicht bei den myſtiſchen Teſtamenten. Das Geſetz(vom 25 Ventoſe 11) uͤber die Orga⸗ niſation des Notariats ſchließt zwar die Schreiber der Notarien unbedingt aus, allein dies allgemeine Ge⸗ ſetz kann in Teſtaments Materien nicht angerufen (198) großjaͤhrig, in der Republik wohnhaſt ſein, und der CivilRechte genieſſen. 3 weiter Abſchnitt. Von den beſondern Regeln uͤber die Form gewiſſer Teſtamente. Art. CCLXXI. Die Teſtamente der MilitairPerſonen und der bei Anmerkungen. werden, für welche ein beſonderes Geſetz alles, was die Zeugen betrifft, regulirt. Man muß zudem be⸗ merken, daß dieſes Verbot nur fuͤr den Aufſchrifts⸗ wo die Zahl von 6 Zeugen erforder⸗ ich iſt. Zweiter Abſchuitt. Nachdem das Geſetz die allgemeinen Regeln und Formen der Teſtamente beſtimmt hat, mußte es die beſondern Faͤlle vorſehen, worinn deren Anwendung nicht ſtatt flnden kann, und fuͤr ſolche auſſerordent⸗ liche Fälle beſondere, darauf anwendbare, tranſito⸗ riſche Beſtimmungen treffen. Die deshalbigen Ver⸗ fügungen ſind aus dem römiſchen Rechte entlehnt, ſie ſind daraus in alle Geſetzgebungen übergegangen; durch die Erfahrung bewaͤhrt, beduͤrfen ſie weder ei⸗ ner Rechtfertigung noch einer Erlaͤuterung. Wir fin⸗ den ſie hier in noch gröſſerer Veſtimmtheit als in der Ordonnanz von 1735 auseinandergeſetzt, worinn ſie ebenfalls eine Stelle gefunden hatten. Das Geſetz hat vier Fälle vorgeſehen, woriun die allgemeinen Regeln und Formen der Teſtamente eine Ansnahme erleiden können: 1) Die Begebenheiten des Krieges. 2) Peſt und anſteckende Krankheiten. 3) SeeReiſen. 4) Der Aufenthalt eines Franzoſen im Auslande. Sum Art. 271 bis 275. Der erſte Gegenſtand ſeiner (199 5 den Armeen angeſtellten Individuen ſollen, es ſey in welchem Lande es immer wolle, von dem Bataillons oder Eskadrons Chef, oder von je⸗ dem andern Offizier von einem höhern Grade, in Gegenwart von zwei Zeugen, oder von zwei Kriegs⸗ Kemmiſſarien oder von einem ſolchen Kommiſſar in Gegenwart zweier Zeugen aufgenommen werden können. Art. CCLXNII. Sie ſollen auch, wenn der Teſtator krank oder verwundet iſt, von dem OberGeſundheits Beamten (oflicier de santé en chek) unter Beiſtand des mit der Polizey beauftragten MilitairKommandanten des Hos pitals aufgenommen werden können. Anmerkungen. Sorgfalt waren die Krieger der Republik. Das Ge⸗ ſetz konnte ihrer nicht vergeſſen, als es darauf an⸗ kam, ihnen denjenigen Troſt zu verſchaffen, den der Menſch ſich gewohnlich ſo lebhaft wünſcht, wenn er die Erde verlaſſen muß. Das Recht, zu teſti⸗ ren, iſt zudem ein theures und heiliges Recht der Natur, deſſen es diejenigen nicht berauben konnte, die der Dienſt des Vaterlandes aus ihrer Heimath ruft. Es hat daher zu ihren Gunſten die Mittel ſo ſehr vermehrt, als die Dringlichkeit der Umſtände es jedesmal zu erheiſchen ſchien. Deshalb ſind in dem, vom Art. 272 vorgeſehenen Falle keine Zeugen, wobl aber im Falle des Art. 271 auſſer den inſtrumenti⸗ renden Beamten erforderlich. Die Beſchraͤnkung des Art. 273 iſt in den Rechten gegruͤndet, da der Soldat, der alle CivilRechte genießt, auch den allgemeinen Geſetzen ſich nicht entziehen kaun, ſobald ſeine beſon⸗ (200) Art. CCLXXIII. Die Verfügungen der obigen Artikel ſollen blos zu Gunſten derjenigen ſtatt haben, welche ſich auf einer Militair Eypedition oder auſſer dem Gebiet der Republik in Quartier oder in Garniſon, oder als KriegsGefangene bei dem Feinde befinden werden, ohne daß die, welche im Innern in Quartier oder Garniſon ſtehen werden, davon Vortheil ziehen könn⸗ ten, wenn ſie ſich nicht in einem belagerten Platz, oder in einer Citadelle und andern Orten befinden, deren Thoren geſchloſſen und mit welchen die Kom⸗ munikationen des Krieges halber unterbrochen wären. Art. CCLXXIV. Das, in oben beſtimmter Form errichtete Teſta⸗ ment, ſoll ſechs Monate, nachdem der Teſtator an einen Ort zuruͤckgekommen ſein wird, wo er die Frei⸗ heit hat, die gewöhnlichen Formen zu gebrauchen, nichtig ſein. Anmerkungen. dere Lage es ihm nicht unmöglich macht, ſie in An⸗ ſpruch zu nehmen. Eben darauf grundet ſich der Art. 274. Endlich iſt noch zu bemerken, daß in Gemäß⸗ heit des F. 4 des Art. 287 im Falle des Art. 271 das Teſtament wenigſtens von einem der Zeugen un⸗ terzeichnet werden, und, wenn der zweite es nicht auch unterzeichnet hat, die Urſache anfuͤhren muß, warum dies nicht geſchehen iſt. (201) Art. CCLXXV. Die Teſtamente, welche in einem Orte aufgenom⸗ men werden, mit welchem alle Kommunikation der Peſt oder einer andern anſteckenden Krankheit halber unterbrochen iſt, ſollen in Gegenwart von zwei Zeu⸗ gen vor dem FriedensRichter oder vor einem der Munizipal Beamten der Gemeinde errichtet werden konnen. Art. CCLXXVI. Dieſe Verfuͤgung ſoll ſowohl in Hinſicht auf die, welche von dieſen Krankheiten befallen wären, als auch auf die, welche ſich an ſolchen Orten befinden, wenn ſie auch nicht wirklich krank ſein ſollten, ſtatt finden. Art. CCLXXVII. Die in den beiden vorhergehenden Artikeln bemel⸗ deten Teſtamente ſollen ſechs Monate, nachdem die Anmerkungen. Zum Art. 275 bis 278. Grade in ſolchen Fällen, wo das Leben in der groͤſten Gefahr ſteht, iſt die Befugniß, ſeine letzte WillensMeinung zu machen, dringender und unentbehrlicher, als je. Hierzu kommt noch, daß Krankheiten ſich nicht vorſehen laſſen, und daher unvorbereitet uͤberraſchen. Die Sorgfalt fuͤr die noch nicht angeſteckten Gegenden, die Moͤglichkeit, daß oft ſolche von Krankheiten heimgeſuchte Orte von jedem Notar abgeſchnitten oder die daſelbſt befind⸗ (202) Kommunikation mit dem Orte, in welchem ſich der Teſtator befindet, wiederhergeſtellt worden ſein wird, oder ſechs Monate, nachdem dieſer in einen Ort uͤbergegangen ſein wird, wo ſie nicht unterbrochen iſt, unguͤltig ſepn. Art. CCLXXVIII. Die Teſtamente, welche auf dem Meer im Laufe einer SeeReiße gemacht werden, können folgender⸗ maſſen aufgenommen werden: An Bord der SeeSchiffe und anderer Fahrzeuge des Staats von dem das Schiff kommandirenden Offizier oder in deſſen Ermangelung von demjenigen, der nach der DienſtOrdnung ſeine Stelle verſieht; von dem einen oder dem andern mit Zuziehung(con- Anmerkungen. lichen Notarien ſelbſt das Opfer der Krankheit ge⸗ worden ſein können, haben in allen Geſetzgebungen zu Gunſten ſolcher Orte beſondere Verfuͤgungen erwirkt; ſie ſind jedoch nicht laͤnger guͤltig, als die Urſache be⸗ ſteht, welche ſie erheiſchten(Art. 277.) Endlich gilt auch hier obige Vemerkung uͤber die Zeugen. Zum Art. 278 bis 287. Hier treffen wir alle die Vorſichts Mausregeln wieder an, welche im erſten Buche des Geſetzbuches fuͤr die Konſtatirung und Er⸗ haltung der Civilukte auf SeeReißen vorgeſchrieben ſind. Hier iſt immer auſſer den inſtrumentirenden Beamten die Gegenwart zweier Zeugen erforderlich. Das Teſtament muß zudem in doppelter Urſchrift gefertigt werden. —— —„—— (203 jointement) des VerwaltungsOffiziers, oder desje⸗ nigen, der ſeine AmtsVerrichtungen verſieht; Und an Bord der Kauffahrthey Schiffe von dem Schiffs Schreiber, oder dem, der ſeine Stelle ver⸗ ſieht, von dem einen oder dem andern unter Zuzie⸗ hung des Kapitains, des Rheders oder Schiffs⸗ Patrons, oder in ihrer Ermangelung, derjenigen, die ihre Stelle verſehen. In allen Fällen ſollen dieſe Teſtamente in Gegen⸗ wart von zwei Zeugen aufgenommen werden müſſen. Art. CCLXXIX. Das Teſtament des Kapitains oder des Verwal⸗ tungs Offiziers, auf den StaatsFahrzeugen, und das des Kapitains, des Rheders oder des Patrons oder das des SchiffSchreibers auf den Kauffarthey⸗ Schiffen ſollen von denjenigen aufgenommen werden können, welche in der DienſtOrdnung nach ihnen kommen; vieſe haben ſich im Uebrigen nach den Ver⸗ fugungen des vorhergehenden Artikels zu bemeſſen. Art. CCLXXXK. In allen Fällen ſollen von den, in den zwei vor⸗ hergehenden Artikeln bemeldeten Teſtamenten zwei Originalien gefertigt werden. Art. CCLXXRI. Wenn das Fahrzeug in einem freinden Hafen an⸗ G204 5 landet, worinn ſich ein franzöſiſcher Kommiſſair der Handels Angelegenheiten befindet, ſo ſollen die, wel⸗ che das Teſtament aufgenommen haben, gehalten ſein, eines der Originalien, geſchloſſen und verſie⸗ gelt, in die Hände dieſes Kommiſſairs zu hinterle⸗ gen, welcher es dem MarineMiniſter zu uͤberſenden hat; dieſer wird es auf der Greffe des Friedens Ge⸗ richtes in dem Wohnorte des Teſtators hinterlegen laſſen. rt. Se. Bei der Ruͤckkehr des Fahrzeuges nach Frank⸗ reich, es ſey nun in den Hafen der Ausruͤſtung oder in jeden andern, ſollen die beiden Originalien des Teſtaments, ebenfalls geſchloſſen und verſiegelt, oder das uͤbriggebliebene Original, wenn das an⸗ dere in Gefolge des vorhergehenden Artikels im Lau⸗ ſe der Fahrt deponirt worden waͤre, auf dem Bu⸗ reau des Vorgeſetzten der SeeEinſchreibung(du prẽpose à l'mseription maritime) hinterlegt wer⸗ den. Dieſer Vorgeſetzte hat ſie unverzüglich dem MarineMiniſter zu uͤberſenden, der ihre Hinterlegung, ſo wie es im nämlichen Artikel beſagt iſt, verord⸗ nen wird. Art. CCLXXXIII. Auf der Rolle des Fahrzeugs ſoll am Rande des 02055 Ramens des Teſtators von der geſchehenen Ueber⸗ gabe der Originalien des Teſtamentes, ſey es in die Haͤnde eines Kommiſſairs der Handels Verbin⸗ dungen, ſey es auf das Bureau eines Vorgeſetzten zur SeeEinſchreibung, Meldung geſchehen. Art. CCLXXXIV. Das Teſtament ſoll, wenn es auch ſchon wah⸗ rend dem Laufe der SeeReiſe errichtet worden iſt, nicht angeſehen werden, als ſey es auf der See errichtet worden, wenn das Fahrzeug zur Zeit der Errich⸗ tung, an irgend einem Orte, er ſtehe nun unter frem⸗ der oder unter franzöſiſcher Herrſchaft, wo ſich ein franzoͤſiſcher öffentlicher Beamter befindet, angelan⸗ det war; in dieſem Falle ſoll es blos in ſo weit gultig ſein, als es nach den in Frankreich vorge⸗ ſchriebenen Formen oder nach jenen errichtet worden iſt, die in dem Lande, wo es gemacht worden ſein wird, gebraͤuchlich ſind. Art. CCLXXXV. Die obigen Verfugungen ſollen den Teſtamenten gemeinſchaftlich ſein, welche von bloßen Reiſenden, die nicht zur Equipage gehören werden, errichtet werden. Art. CCLXXXVI. Ein, in der vom Art. 273 vorgeſchriebenen Form (206) auf dem Meer errichtetes Teſtament, ſoll blos in dem Falle guͤltig ſein, wenn der Teſtator auf dem Meere, oder in den drei Monaten, nachdem er ans Land und an einen Ort gekommen, wo er es in den gewöhnlichen Formen hätte von neuem er⸗ richten koͤnnen, geſtorben ware. Art. CCLXXXVII. Ein auf dem Meere errichtetes Teſtament, ſoll kei⸗ ne Verfuͤgung zu Gunſten der Offiziere des Schiffs enthalten koͤnnen, wenn ſie keine Verwandte des Teſtators ſind. Die in den obigen Artikeln des gegenwärtigen Ab⸗ ſchnittes enthaltenen Teſtamente ſollen von den Te⸗ ſtatoren und von denen, welche ſie aufgenommen haben werden, unterzeichnet werden. Wenn der Teſtator erklaͤrt daß er nicht unter⸗ ſchreiben kann oder daran verhindert iſt, ſo ſoll von Anmerkungen. Zum Art. 287. Hier treten die bei Gelegenheit des Art. 197 entwickelten Gruͤnde wieder ein. Vorzügtich auf dem Todesbette, in dieſen Augenblicken der Schwäche, mußte man den Kranken vor jeder Ge⸗ fahr der ueberliſtung und von Drohungen zu be⸗ wahren ſnchen. Deshalb darf er zu Gunſten deren, unter deren beſonderer Gewalt er ſteht, nicht teſti⸗ ren, wenn keine Verwandſchaft vermuthen läßt, daß ſeine Verfuͤguns eher die Wirkung der Neiguns, als des Anſehns oder der Gewalt war. Die übrigen Verfuͤgungen dieſes Artikels verbie⸗ (207 ſeiner Erklaͤrung, ſo wie von der Urſache, die ihn am Unterzeichnen verhindert, Meldung geſchehn. Im Falle, wo die Gegenwart von zwei Zeugen erforderlich iſt, ſoll das Teſtament wenigſtens von einem von ihnen unterzeichnet werden, und es ſoll von der Urſache Meldung geſchehen, weshalb der andere nicht unterzeichnet haben wird. Art. CCLXXXVIII. Ein Franzoſe, der ſich im Auslande befinden wird, ſoll ſeine teſtamentariſchen Verfuͤgungen durch einen Akt unter PrivatlUnterſchrift, ſo wie es im Arti⸗ kel 20 vorgeſchrieben iſt, oder durch einen authenti⸗ ſchen Akt, nach den in dem Orte, wo er errichtet wird, gebräuchlichen Formen, errichten konnen. Art. CCLXXXIx. Die im Auslande gemachten Teſtamente ſollen ge⸗ Anmerkungen. nen eine beſondere Aufmerkſamkeit, da ſie auf alle vorher beſchriebene Arten von auſſerordentlichen Te⸗ ſtamenten Bezug haben, und die geringſte Unterlaſ⸗ ſung der darinn vorgeſchriebenen Formalitäten nach dem Art. 290 die Nullität des Teſtamentes nach ſich zieht. Zum Art. 238 und 289. Franzoſen im Auslande haben die Wahl unter zwei Arten von Teſtamenten, 1) olographiſche, welche alsdann nothwendig den Ver⸗ fugungen des Art. 260 unterworfen ſind, 2) oͤf⸗ (208) gen das in Frankreich gelegene Vermögen nicht eher in Vollzug geſetzt werden können, als nachdem ſie auf dem Bureau des Wohnſitzes des Teſtators, wenn er einen behalten hat, und im engegengeſetzten Falle auf dem Bureau ſeines letzten bekannten Wohn⸗ ſitzes in Frankreich einregiſtrirt worden ſind; und im Falle das Teſtament Verfuͤgungen uͤber in Frank⸗ reich gelegene Immöbel enthielte, ſoll es noch auſ⸗ ſerdem auf dem Bureau, in deſſen Bezirk dieſe Im⸗ möbel gelegen ſind, einregiſtrirt werden muͤſſen, oh⸗ ne daß deshalb doppelte Rechte gefordert werden koͤnnten. Art. CCXC. Die Formalitäten, welchen die verſchiedenen Te⸗ ſtamente, durch die Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen und des vorhergehenden Abſchnitts, unterworfen Anmerkungen. fentliche, welche in der Form der LandesRechte des Ortes, wo der Teſtator ſich aufhält, abgefaßt werden muͤſſen. Zum Art. 290. Die Beſtimmung dieſes Artikels be⸗ greift die Verfuͤgungen aller Artikel von dem 267ten einſchließlich an. Dieſer Theil des Geſetzbuches muß alſo der Gegenſtand eines beſondern Studinms für die Notarien werden. Sie duͤrfen ſich in ſo wichtigen Akten, von welchen das Schickſal der Familien ab⸗ haäͤngt, keine Nachlaͤſſigkeit, keine Unterlaſſung zu Schuld kommen laſſen; ihr eigenes Intereſſe em⸗ pfiehlt ihnen die ſtrengſte Gewiſſenhaftigkeit und 0209) ſind, muſſen unter Strafe der Rullität be⸗ obachtet werden. Dritter Abſchnitt. Von den ErbEinſetzungen, und den Vermaͤchtniſſen im All⸗ gemeinen. Art. CCXCl. Teſtamentariſche Verfuͤgungen ſind entweder uni⸗ verſelle, oder unter einem Univerſal Titel, oder unter einem ParticularTitel. Anmerkungen. die ſorafaͤltigſte Anfmerkſamkeit an, da ſie fuͤr ihre Akte von dem Geſetz verantwortlich erklaͤrt ſind. Dritter Abſchnitt. Zum Art. 291. Nachdem das Geſetz die Form der Teſtamente beſtimmt hat, beſchaͤftigt es ſich mit den verſchiedenen teſtamentariſchen Verfuͤgungen und ih⸗ ren Wirkungen. In den Provinzen vom geſchriebe⸗ nen Rechte kannte man ehedem blos die ErbEinſez⸗ zungen und die Partikular Vermaͤchtniſſe, in jenen der ProvinzialStatuten blos die Univerſal- und Par⸗ tikularVermächtniſſe. Das neue Geſetz verwirft kei⸗ ne dieſer Benennungen; es erlaubt ohne Unterſchied jene der ErbEinſetzung oder die eines Vermachtniſ⸗ ſes zu gebrauchen; ja es ſteht ſelbſt jedem frei, der alten Regel des geſchriebenen Rechtes ohngeachtet: Institutio hæredis est caput et fundamentum totius tes- tamenti, weder die eine noch die andere zu gehrau⸗ chen,(ſiehe Art. 257 Seite 188) es iſt genng wenn der Teſtator deutlich zu erkennen gegeben hat, was das Individuum, zu Gunſten deſſen er verfügt, er⸗ halten ſoll; es kommt blos darauf an, die Natur ſeiner Verfuͤgung zu kennen, zu definiren, zu ſchaͤßen. 14 (810 5 Jede dieſer Verfuͤgungen, ſie mag nun unter der Benennung ErbEinſetzung, oder unter der Benen⸗ nung eines Vermächtniſſes geſchehen ſein, ſoll ihre Wirkung nach den hiernach fuͤr die UniverſalVer⸗ machtniſſe, fuͤr die Vermachtniſſe unter einem Uni⸗ Anmerkungen. Alle teſtamentariſche Verfuͤgungen können aber blos dreierlei ſein: entweder ſind ſie univerſell: d. h. be⸗ greifen alles Vermoͤgen der Erbſchaft, oder ſie ge⸗ ſchehen unter einem Univerſal Titel, und begreifen ei⸗ nen aliquoten Theil der Erbſchaft, z. B das Drit⸗ tel, die Hälfte der Erbſchaft, oder alle Immöbel, oder das Drittel derſelben ꝛc. ꝛc. oder die Verfügung begreift nur einen einzelnen beſondern Gegenſtand. Das Geſetz will, daß jedermann über ſeine ganze Habe, oder einen Theil derſelben, oder einen gewiſ⸗ ſen Gegenſtand derſelben verfuͤgen könne; es liegt ihm aber nichts daran, ob er ſagt: ich ſetze den zum Erben ein, oder ich ernenne ihn zum UniverſalLega⸗ tar, ich ſetze ihn zum Erben des Drittels meines ein, oder ich gebe und vermache ihm ein rittel. Man muß blos auf den Willen des Meuſchen ſehen, und da in der gewöhnlichen Annahme des Wortes Erbe denjenigen vedeutet, der alle Guͤter erben ſoll, ſo wird es in dem neuen Geſetz dem UniverſalLegatar gleichgeſtellt, der ebenfalls in der allgemeinen Annahme des Wortes zur Erhaltung des ganzen Theils des Vermogens, uͤber welchen verfügt werden darf, berufen iſt. Deshalb iſt der UniverſalLegatar ſo viel, als Erbe, die ErbEin⸗ ſetzung ſo viel, als das Univerſal Vermächtniß; und eben ſo für die Verfügungen unter Univerſal und PartikularTitel. Um aber nicht immer die beiden Benennungen zu widerhohlen, ſchien es genug, zu erklären, daß kein Unterſchied unter ihnen beſteht⸗ und daß man immer unter der von: Univer ſal⸗ Vermächtniſſen, Vermichtniſſe von Uni⸗ 6 n verſalTitel und fuͤr die unter einem ParticularTitel aufgeſtellten Regeln haben. Pierter Abſchnirt. Von dem UniverſalVermächtniß. Art. CCXCll. Das Univerſal Vermachtniß iſt diejenige teſtamen⸗ tariſche Verfuͤgung, wodurch der Teſtator einer oder mehreren Perſonen die Geſammtheit des Ver⸗ mögens giebt, das er bei ſeinem Tode hinterläßt. Art. CCXClll. Wenn beim Abſterben des Teſtators Erben vor⸗ Anmerkungen. verſal oder PartikularTitel zugleich die Erb⸗ Einſetzung in die ganze Erbſchaft, in einen Theil derſelben, und in einen beſondern Gegenſtand der⸗ ſelben verſteht. Die einzige weſentliche Neuerung, welche das neue Geſez, in den Provinzen vom geſchriebenen Rechte einfuͤhrt, beſteht in der Entkraͤftung der al⸗ ten Regel: neimo pro parte testatus et pro parte intes- tatus decedere potest. Wenn ehedem ein Teſtament blos eine ErbEinſetzung in einen beſondern Gegen⸗ ſtand enthielt, ſo erhielt dieſer eingeſetzte Erbe nach obiger Regel die ganze Erbſchaft, wenn uͤber den Reſt derſelben nicht verfuͤgt war. Vierter Abſchnitt. Zum Art. 293 bis 295. Die aus dem Teſtament z herflieſſenden Rechte gehen unmittelbar von dem Te⸗ ſtator auf das Individunum, zu deſſen Gnnſten die Verfuͤgung geſchehen iſt, uͤber. Allein anderſt ver⸗ * (212) handen ſind, welchen das Geſetz einen Theil ſeiner Guͤter vorbehält, ſo treten dieſe Erben von Rechts⸗ wegen und ohne weiteres durch ſeinen Tod in das ganze, die Erbſchaft ausmachende, Vermögen ein, Cils en sont saisis) und der UniverſalLegatar iſt gehalten, die Auslieferung der in dem Teſtament begriffenen Guͤter von ihnen zu verlangen. Anmerkungen. haͤlt es ſich mit dem Eigenthum, anderſt mit dem An⸗ tritt deſſelben(susme) In den Provinzen des geſchrie⸗ benen Rechtes unterſchied man die Erben und die Le⸗ gatarien. Bei den erſten galt die Regel: le wort saisit le vif, und ſie waren nicht gehalten, von dem vermuthlichen Erben die Auslieferung der Erbſchaft zu verlangen. In jenen der ProvinzialStatuten trat die Regel: ie nort saisit le vik blos fuͤr ldie vermuth⸗ lichen Erben ein, und die UniverſalLegatarien muß⸗ ten immer von dieſen die Auslieferung verlangen. Fur das erſte Syſtem ließ ſich anfuͤhren: daß, d⸗ die ErbEinſetzung vom Geſeß ermächtigt iſt, der ein⸗ geſetzte Erbe auch ſeinen RechtsTitel in dem Geſeß ſelvſt hat, gleich dem, den das Geſetz zur Erbſchaft beruft; daß, ſobald ein eingeſetzter Erbe vorhanden iſt, es ein foͤrmlicher Widerſpruch ſein wuͤrde, daß auch noch ein Verwandter dieſe Eigenſchaft, ohne al⸗ len Vortheil, beſitzen ſolle; daß ein Teſtament in ge⸗ horiger Form ein RechtsTitel iſt, der, wie jeder an⸗ dere, proviſoriſch vollzogen werden muß: daß endlich das Begehren der Auslieferung und die vorherige Beſitznahme durch den Verwandten, welcher der Ei⸗ genſchaft als Erbe beraubt iſt⸗ blos leicht zu vermei⸗ dende Prozeſſe und Koſten verurſachen. Die Anhaͤnger der andern Meinung ſehen den Grundſatz, nach welchem jeder, der vom Geſetz zur Erbſchaft berufen iſt, im Augenblicke des Todes als wirklicher Erbe vehandelt werden muß, als die Schuz⸗ G2130 Art. CCXC1V. Richtsdeſtoweniger ſoll der UniverſalLegatar, in denſelben Fällen, den Genuß der in dem Teſtament begriffenen Güter von dem Tage des Sterbfalls an haben, wenn das Begehren der Auslieferung in JahresFriſt von dieſer Epoche an geſchehen iſt; wo nicht, ſo ſoll dieſer Genuß erſt von dem Tage des gerichtlich eingefuͤhrten Begehrens an, oder von dem Tage an, wo in die Auslieferung freiwillig einge⸗ willigt worden wäre, anfangen. Art. CCxCV. Wenn beim Sterbfall des Teſtators keine Erben Anmerkungen. wehr der Familien an. Ein Teſtament ſoll erſt nach dem Tod einige Wirkung hervorbringen; der Titel des zur Erbſchaft berufenen Verwandten iſt nothwen⸗ dig gultig, der des eingeſetzten Erben wenigſtens einer Unterſuchung unterworfen. Endlich ſey die Zeit, welche dazu erforderlich ſey, um das Teſtament vor⸗ zulegen, ja nicht ſo lang, daß dem eingeſetzten Erben ein Nachtheil daraus erwachſen könne. Es war ziemlich ſchwer, zwiſchen dieſen beiden Sy⸗ ſtemen die Mitte zu treffen, und die Rechte der In⸗ teſtatErben mit jenen der eingeſetzten Erben zu verei⸗ nigen, zumal, da das Geſetz zwar die Verfuͤgungen uͤber die Geſammtheit des Vermogens erlaubt, aber doch einen Vorbehalt macht. Das Geſetz legt dem Erben nur dann die Verbindlichkeit auf, die Auslie⸗ ferung zu verlangen, wenn er ſich mit dem Erbeu des Geſetzes in Konkurrenz befindet. Es war ſchwer, einen anderen Ausweg zu finden. Wäre es nicht gegen (214N vorhanden ſein werden, welchen das Geſetz einen heil ſeines Vermögens vorbehält, ſo ſoll der Uni⸗ verſalLegatar durch den Tod, von Rechtswegen und ohne weiteres eintreten, ohne gehalten zu ſein, die Auslieferung zu verlangen. it. Jedes olographiſche Teſtament ſoll, ehe es in Vollzug geſetzt wird, dem Preſidenten des erſten Inſtanz Gerichtes, in deſſen Bezirk die Erbſchaft er⸗ offnet iſt, vorgelegt werden. Dieſes Teſtament ſoll eröffnet werden, wenn es verſiegelt iſt. Der Pre⸗ ſident ſoll uͤber die Vorlage, uͤber die Eroffnung Anmerkungen. die Menſchlichkeit und den vermuthlichen Willen des Teſtators geweſen, wenn eines ſeiner Kinder oder ei⸗ ner ſeiner Aeltern ſich im Augenblick ſeines Todes aus ſeinem Hauſe ausgeſtoſſen ſaͤhe, ſelbſt ehe es den Titel desjenigen haͤtte unterſuchen koͤnnen, der ſich als Erbe darſtellt. Dieſer letzte hat uͤber dieſe augen⸗ blickliche Verzoͤgerung um ſo weniger Urſache zu kla⸗ gen, da er die Zinſen und Früchte von dem Augen⸗ genblicke des Todes an bezieht, wenn er ſein Begeh⸗ ren der Auslieferung in JahresFriſt angebracht hat. Zum Art. 296 und 297. Man mußte jedoch die Ver⸗ wandten in Stand ſetzen, den Akt, der ſie der Erb⸗ ſchaft beraubt, zu unterſuchen. Eben ſo wenig durf⸗ te es jedem Individuum, das ſich als UniverſalLe⸗ gatar ausgeben wuͤrde, erlaubt ſein, ſich der Erbſchaft zu bemächtigen, ohne vorher Vorſichts Maasregeln zu nehmen, um die Geſellſchaft ſicher zu ſtellen, und die Rechte der abweſenden Intereſſenten zu garantiren. 62155 und den Zuſtand des Teſtamentes einen VerbalPro⸗ zeß errichten, und deſſen Hinterlesung in die Hände eines von ihm dazu beſtellten Notars verordnen. Wenn das Teſtamemt in der myſtiſchen Form er⸗ richtet iſt, ſo ſoll ſeine Vorlage, ſeine Eroffnung, ſeine Beſchreibung und ſeine Hinterlegung auf die⸗ ſelbe Art geſchehen; allein die Eröfſnung ſoll nicht anderſt als in Gegenwart oder nach gehöriger Be⸗ rufung von jenen Notarien und Zeugen geſchehen können, die den Aufſchrifts Akt unterzeichnet haben, und ſich am Orte befinden. Art. CCXCVII. Wenn im Falle des Artikels 295 das Teſtament ein olographiſches oder myſtiſches iſt, ſo ſoll der UniverſalLegatar gehalten ſein, ſich durch eine Or⸗ Anmerkungen⸗ Man mußte dabei die verſchiedenen Formen der Teſtamente in Erwaͤgung ziehen. Das⸗ welches in einem öffentlichen Akt enthalten iſt, iſt keiner gericht⸗ lichen Vorſichts Maasregel unterworfen. Es befindet ſich in einem Depot wo alle Intereſſenten es einſehen und verifiziren können. Iſt es aber ein olographi⸗ ſches oder myſtiſches, ſo mußte man den Verwand⸗ ten die Moͤglichkeit verſchaffen, es einzuſehen, ehe es den eingeſezten Erben oder UniverſalLegatar in den Veſitz des Vermogens einſetzen kann. Dieſer muß zu dem Ende durch eine Bittſchrift die Beſitz Einſez⸗ zung durch eine Ordonnanz des Preſidenten des Tri⸗ duͤnals verlangen, welcher dazu ausgeſetzt ward, weil das Geſeß ihn ebenfalls beauftragt, zur Eroͤffnung 6216) donnanz des Preſidenten in den Beſitz einſetzen zu laſſen, welche unten auf ſeine Bittſchrift geſetzt wer⸗ den muß, die dem HinterlegungsAkt beigefügt wird. Art. CCxCVIII. Der univerſalLegatar, welcher mit einem Erben konkurrirt, dem das Geſetz einen gewiſſen Antheil des Vermögens vorbehält, ſoll fuͤr die Schulden Anmerkungen. des myſtiſchen Teſtaments, und zu dem VerbalPro⸗ zeß uͤber den Zuſtand des olographiſchen Teſtamentes zu ſchreiten, nachdem er deſſen Hinterlegung bei ei⸗ nem, von ihm zu dem Ende, erwaͤhlten Notar verordnet. Zum Art. 298. Die Erben, zu deren PVortheil das Geſetz den Vorbehalt macht und der UniverſalLegatar tragen jeder nach Verhaͤltniß ſeines Antheils, zur Be⸗ richtigung der Schulden und Laſten der Erbſchaft bei; der Legatar muß aber die Vermächtniſſe allein auszah⸗ len, ohne daß die erſten dazu angehalten werdenkönnten. Ehedem war er in den Provinzen vom geſchriebe⸗ nen Rechte ermaͤchtigt, unter dem Namen der Fal⸗ zidia das VPiertheil der Erbſchaft durch Abzuͤge von den Legaten zuruͤckzubehalten, wenn dieſe den Betrag von drei Viertheilen überſtiegen. Bei den Römern wurden die Teſtamente immer als dem politiſchen Rechte angehoͤrig betrachtet, und das Geſetz nahm daher alle Maasregeln, damit dieſer Akt der Magi⸗ ſtratur immer ſeine Vollziehung erhalten moge. Wenn nun aber der Teſtator den Betrag der Erb⸗ ſchaft durch Vermächtniſſe ganz erſchöpft hätte, ſo hatte ja der eingeſetzte Erbe kein Intereſſe mehr, ſie anzunehmen; die Einſetzung ward nichtig und mit ihr (2175 und Laſten der Erbſchaft des Teſtators, für ſeinen Antheil perſonlich und fuͤr das Ganze hypothekariſch haften, und er ſoll gehalten ſein, alle Vermachtniſſe abzutragen, vorbehaltlich den Fall der Reduction, ſo wie es in den Artikeln 216 und 217 auseinander⸗ geſetzt iſt. Anmerkungen. das ganze Leſtament. Man ſetzte zudem voraus, daß der Teſtator den eingeſetzten Erben bloßen Legata⸗ rien habe vorziehen wollen, und ererhielt daher, wenn er mit Vermaächtniſſen uberlaſtet war, jene Befugniß durch ein Geſetz, das durch den Tribun Falzidins unter der Regierung Auguſts vorgeſchlagen wurde. Nachher ward dieſe Maasregel auf die Erben ab iutestato und ſelbſt auf die, welchen das Geſetz einen pflichttheil zuerkannte, ausgedehnt. Die Ordonnanz von 1735 hatte ſie beibehalten. In den Provinzen der Herkommen fand dieſer Ab⸗ zuß zu Gunſten ſelbſt der UniverſalLegatarien nie ſtatt, und dieſe letzte Geſesgebung hat bei Abfaſ⸗ ſung des Geſeßbuches den Vorzug erhalten. Die ge⸗ ſetzliche Vermuthung ſcheint eher fuͤr den beſeimmten Ausdruck des Willens des Teſtators in Hinſicht auf die Vermächtniſſe, als für den allgemeinen Titel des eingeſetzten Erben zu ſtreiten. Die Urſachen des Fal⸗ zidiſchen Geſeßes eriſtiren nicht mehr; das Geſetz⸗ indem es die Zahlung der Legate den UniverſalLega⸗ tarien oder eingeſetzten Erben unbedingt auferlegt, wird uͤber die Abſicht des Teſtators, in Hinſicht auf den Vorzug der beſondern Legate, keinen Zweifel übrig laſſen; und wenn auch zuweilen ein Teſtator mit dem Zuſtande ſeines Vermögens ſo unbekannt ſein ſollte, daß er der Einſetzung eines allgemeinen Erbens ohngeachtet das Ganze durch Partikular Ver⸗ machtniſſe erſchoͤpfen ſollte, ſo kann für einen ſo ſelt⸗ 36 Fall keine beſondere Geſetzgebung aufgeſtellt werden. (218) Fuͤnfter Abſchnitt. Von den Vermaͤchtniſſen unter einem Univerſaltitel. Art. CCXCIX. Das Vermaͤchtniß unter einem UniverſalTitel iſt dasjenige, wodurch der Teſtator einen Antheil ſei⸗ nes Vermögens, woruͤber ihm das Geſetz zu verfü⸗ gen erlaubt, z. B. die Haͤlfte, ein Drittel oder alle ſeine Immoöbel oder alle ſein MobiliarHabe, oder einen beſtimmten Betrag von allen ſeinen Immöbeln oder von ſeiner ganzen MobiliarHabe vermacht. Jedes andere Vermächtniß iſt nur eine Verfügung unter einem Partikular Titel. Die Legatarien unter einem UniverſalTitel ſollen gehalten ſein, die Apslieferung von den Erben, wel⸗ Anmerkungen. Fuͤnfter Abſchnitt. Zum Art. 299 bis zo2z. Der Legatarunter ei⸗ nem allgemeinen Titel, d. h. der, welcher nicht die Geſammtheit des Vermoͤgens, ſondern blos, ent⸗ weder einen aliquoten Theil desjenigen, woruͤber verfuͤgt werden darf, z. B. die Halfte, ein Drittel, oder alle Immobel, oder alle Moͤbel, oder einen Teil der Immoͤbel oder einen Theil der Möbel er⸗ hält, iſt immer gehalten, die Auslieferungzu verlan⸗ gen; er iſt ebenfalls zur Zahlung der Schulden und Laſten verhältnißmäſig nach dem Antheil ſeines Ge⸗ winſtes verbunden. 62190N chen das Geſetz einen Theil des Vermögens vorbe⸗ halt, in ihrer Ermangelung, von den UniverſalLe⸗ gatarien und in Ermangelung von dieſen, von dem Erben, der nach der im Titel: von den Erb⸗ ſchaften aufgeſtellten Ordnung(jur Erbſchaft) berufen ſein wird, anzuverlangen. Art. CCCl. Der Legatar unter einem UniverſalTitel ſoll, wie der Univerſalbegatar füͤr die Schulden und Laſten der Erbſchaft des Teſtators, perſonlich fuͤr ſeinen Antheil und hypothekariſch fur das Ganze haften. Art. CC6Elll. Wenn der Teſtator blos uber einen Theil desje⸗ nigen Betrages verfügt haben wird, uͤber welchen er verfuͤgen durfte, und dies unter einem Univerſal⸗ Titel gethan haben wird, ſo ſoll dieſer Legatar ge⸗ halten ſein, verhältnißmäſig mit den geſetzlichen Er⸗ ben die beſondern Vermächtniſſe abzutragen. Anmerkungen. Noch iſt hier nicht auſſer Acht zu laſſen, daß, ſobald ein Legatar unter Univerſal Titel von irgend einem beſtimmten aliquoten Betrag der Guͤter vorhanden iſt, derjenige, welchem durch daſſelbe Teſtament der Reſt des Vermoͤgens bewilligt wäre, wenn dies auch ſelbſt unter dem Titel als UniverſalLegatar geſchehen wäre, doch immer nur ebenfalls als Legatar unter einem Univerſal Titel betrachtet werden kann. (220) Sechster Abſchnitt. Von den Partiknlar Vermächtniſſen. Art. CCCIII. Jedes einfache, unbedingte Vermaͤchtniß ſoll dem Legatar von dem Tage des Sterbfalls des Teſtators an, ein Recht auf den vermachten Gegenſtand geben; dieſes Recht geht auf ſeine Erben oder die, welche in ſeine Rechte eingetreten ſind, uber(ilest irans- missible). Richtsdeſtoweniger ſoll der Partikularbegatar ſich eher weder in den Beſitz des vermachten Gegenſtan⸗ des einſetzen noch die Fruͤchte oder Intereſſen deſſel⸗ ben anverlangen können, als von dem Tage an, wo er das Begehren der Auslieferung nach der vom Artikel 300 aufgeſtellten Ordnung eingefuhrt hat, Anmerkungeun. Sechster Abſchnitt. Zum Art. 303 bis 313. Was die PartikularVer⸗ mächtniſſe betrifft, ſo hat man ſich in ihrer Hinſicht an den Grundſätzen des gemeinen Rechtes gehalten. Die Verfuͤgungen dieſes Abſchnitts ſind das natür⸗ liche Reſulkat des weiter oben entwickelten Syſtems. Der RechtsGebrauch hat ſie bewahrt und allgemein bekannt gemacht. Bei der Abfaſſung dieſer Verfügungen hat man vorzuͤglich im Auge gehabt, eine Menge Schwierig⸗ keiten aus dem Wege zu raͤumen, mit welchen man ehedem in dieſer Materie zu kaͤmpfen hatte. So z. B. kaun jeder Legatar von dem Leſtamente Ge⸗ 62) oder von dem Tage an, wo dieſe Auslieferung ihm gutwillig bewilligt worden wäre. V eEE Die Intereſſen oder Fruͤchte des vermachten Ge⸗ genſtandes ſollen zum Vortheil des Legatars von dem Tage des Sterbfalls an und ohne daß er ſein Begehren gerichtlich eingefuͤhrt hätte, laufen, 1) Wenn der Teſtator ſeinen Willen in dieſer Hinſicht ausdrücklich in dem Teſtamente er⸗ klärt hat. 2) Wenn eine Leib Rente oder eine Penſion unter dem Titel von Alimenten vermacht worden iſt. N. Die Koſten des Auslieferungs Geſuchs ſollen der Erbſchaft zur Laſt fallen, ohne jedoch daß eine Re⸗ Anmerkungen. brauch machen, ohne gehalten zu ſein, mehr als ſein Vermächtniß einregiſtriren zu laſſen. So wird alſo der alte Bediente, welchem der Erblaſſer Alimente vermacht hat, nicht mehr im Elende ſchmachten, weil er die EinregiſtrirungsKoſten des ganzen Teſtamen⸗ tes nicht erſchwingen kann. Der PartikularLegatar kann übrigens zu Zahlung der Schulden nicht angehalten werden, da dieſe auf der Erbſchafts Maſſe haften, die nur nach Abzug der Vermachtniſſe beſtimmt wird; vorbehaltlich jedoch der Reduktion, und des HypothekarRechtes, wie wir es weiter oben entwickelt haben. 6 282) duction des geſetzlichen Vorbehalts daraus entſprin⸗ gen könnte; Die Einregiſtrirungs Gebuͤhren ſollen von dem Le⸗ gatar geſchuldet werden; Alles, wenn es im Teſtament nicht anderſt ver⸗ ordnet iſt. Jedes Vermächtniß ſoll insbeſondere einregiſtrirt werden koͤnnen, ohne daß dieſes Enregiſtrement ei⸗ nem andern, als dem Legatar oder denen, die in ſeine Rechte eingetreten ſind, zum Vortheil gereichen könne. Art. CCCVI. Die Erben des Teſtators oder die andern Schuld⸗ ner eines Vermächtniſſes ſollen perſönlich zu deſſen Abzahlung gehalten ſein, jeder prorata des Antheils, der ihm in der Erbſchaft zufällt. Sie ſollen hypothekariſch fuͤr das Ganze bis zur Konkurrenz des Werthes der Immoͤbel der Erbſchaft, in deren Beſitz ſie ſich befinden, haften. Art. CCCVII. Der vermachte Gegenſtand ſoll mit ſeinem noth⸗ wendigen Zugehoͤr, und in dem Zuſtand, worinn er ſich am Tage des Sterbfalls des Teſtators befin⸗ den wird, ausgeliefert werden. 02235 Art. CCCVIIMI. Wenn der, welcher das Eigenthum eines Immo⸗ vels vermacht hat, es nachher durch Acquiſitionen vermehrt, ſo ſollen dieſe Acquiſitionen, wenn ſie auch Can das vermachte Immöbel) anſtoßen, ohne eine neue Verfuͤgung, nicht angeſehen werden, als ob ſie einen Theil des Vermaͤchtniſſes ausmachten. Anderſt ſoll es ſich mit den Verſchönerungen und den neuen Bauten(constructions) verhalten, die auf dem vermachten Grund und Boden gemacht worden wären, oder, mit einem eingeſchloſſenen Platze(en- clos), deſſen Umfang(enceinte, Einfriedigung) der Teſtator erweitert haͤtte. Art. CCCIX. Wenn der vermachte Gegenſtand vor oder nach dem Teſtament, fur eine Schuld der Erbſchaft oder ſelbſt fuͤr die Schuld eines Dritten hypothezirt wor⸗ den iſt, oder wenn er mit einer Nutznieſſung be⸗ ſchwert iſt, ſo iſt der, welcher das Vermächtuiß abtragen muß, nicht gehalten, ihn davon zu be⸗ freien, es ſey denn, daß ihm durch eine ausdruck⸗ liche Verfugung des Teſtators auferlegt wäre, es zu thun. Art. CCCX. Wenn der Teſtator das Eigenthum eines andern (2240 vermacht haben wird, ſo ſoll das Vermächtniß nich⸗ tig ſein, der Teſtator mag nun gewußt haben oder nicht, daß der vermachte Gegenſtand ihm nicht an⸗ gehoͤrte. Art. CCCXI. Wenn das Vermächtniß eine unbeſtimmte Sache begreift, ſo ſoll der Erbe nicht verbunden ſein, ſie von der beſten Qualitat zu geben, aber er ſoll auch die ſchlechteſtej nicht anbieten duͤrfen. Art. CCCXll. Das, dem Glaͤubiger gemachte Vermächtniß, ſoll nicht angeſehen werden, als ſey es zur Kom⸗ penſation ſeiner Schuld gemacht worden, noch das einem Bedienten gemachte Vermächtniß als zur Kompenſation ſeines Lohns. Art. CCCXIII. Der Legatar unter einem PartikularTitel ſoll nicht fuͤr die Schulden der Erbſchaft haften, vorbehalt⸗ lich der Reduktion des Vermächtniſſes, ſo wie es oben auseinandergeſetzt iſt, und der Hypothekarla⸗ ge der Glaͤubiger. (225) Siebenter Abſchnitt. Von den TeſtamentsErekutoren. A. Der Teſtator ſoll einen oder mehrere Teſtaments⸗ Epekutoren ernennen können. Art. CCCXV. Er ſoll ſie in den Beſitz ſeines ganzen Mobiliar⸗ Vermögens oder eines Theils deſſelben eintreten laſſen können(il pourra leur en donner la saisine) aber dieſer Beſitz ſoll nicht uͤber Jahr und Tag von ſeinem Sterbfall an dauern können. Wenn er ihnen denſelben nicht gegeben hat, ſo ſollen ſie ihn nicht fordern können. Art. CCCXVI. Der Erbe ſoll dieſem Beſitz ein Ende machen kön⸗ nen, wenn er ſich erbietet, den Teſtaments Vollzie⸗ Anmerkungen. Siebenter Abſchnitt. Zum Art. 313 bis 323. Dieſer Abſchnitt regulirt alles, was auf die Vollmacht und die Verantwort⸗ lichkeit der TeſtamentsExekutoren Vezug hat, fuͤr den Fall, wo der Teſtator von der Befugniß, einen oder mehrere zu ernennen, Gebrauch machen will, denu dies ſteht vollig in ſeinem freien Willen. Der BeſitzAntritt, der ihnen nothwendig erlaubt werden mußte, wenn dieſe Verrichtungen nicht ganz 15 (226) hern eine zur Zahlung der MobiliarVermächtniſſe hinlaͤngliche Summe einzuhändigen, oder die Aus⸗ zahlung dieſer Vermächtniſſe erweißt. Art. CCCXVII. Wer ſich nicht verbindlich machen kann, kann kein Teſtaments Exekutor ſein. Art. CCCXVIII. Das verheurathete Weib ſoll blos mit Bewilli⸗ gung ihres Mannes die Verrichtungen als Teſta⸗ ment Vollzieherinn annehmen konnen. Wenn es, kraft des EheVertrags oder durch ein Urtheil, in Vermögens Trennung lebt, ſo ſoll es ſie, mit der Einwilligung ſeines Mannes, oder, im Falle ſeiner Weigerung, kraft einer gerichtlichen Ermachtigung, annehmen können, ſo wie es durch die Artikel 211 und 213 des Titels: von der Ehe vorgeſchrieben iſt. Anmerkungen. iluſoriſch ſein ſollten, kann ſich nie auf die Immoͤ⸗ bel ausdehnen; er iſt immer auf die Mobiliarſchaft und auf eine jaͤhrige Friſt beſchraͤnkt, und der Exekutor zur Rechenſchaft daruber gehalten. Auf der einen Seite ſollten dieſe Verrichtungen in keinem Falle durch irgend eine Hoffnung zu einem Gewinne oder eines gewiſſen Lohns herabgewuͤrdigt werden; auf der an⸗ dern Seite mußte das Geſetz dem Verwandten oder Freunde, der die heilige Pflicht auf ſich nimmt, das Zutrauen des Erblaſſers zu ehren, und fuͤr den Vollzug ſeines Willens zu ſorgen, auch gegen die 67) Art. CCCXIX. Der Minderjährige kann nie Teſtaments Exeku⸗ tor werden, ſelbſt nicht mit Ermaͤchtigung ſeines Vormundes oder Kurators. W. CCxX. Die Teſtaments Exekutoren ſollen die Siegel an⸗ legen laſſen, wenn Minderjaͤhrige, Interdizirte oder abweſende Erben vorhanden ſind. Sie ſollen in Gegenwart des vermuthlichen Er⸗ ben, oder nachdem ſie ihn gehoͤrig berufen haben werden, ein Inventarium uͤber das Vermoͤgen der Erbſchaft errichten laſſen. Sie ſollen, wenn das baare Geld nicht hinläng⸗ lich iſt, um die Vermächtniſſe auszuzahlen, den Verkauf der Mobiliarſchaft betreiben(ils provoque- ront la vente). Sie ſollen über den Vollzug des Teſtamentes wa⸗ chen, und koͤnnen, im Falle uͤber deſſen Vollzug Anmerkungen. Anmaſſungen und die Zudringlichkeiten, vielleicht gie⸗ riger, Erben oder Intereſſenten Schutz gewaͤhren. Das Geſeß hat die verſchiedenen Fälle beſtimmt, worinn die Verrichtungen des Exekntors eintreten, und ſeine Verfuͤgungen machen ſowohl durch die Gewährleiſtung der Erfahrung, als die Beſtimmtheit ihrer Abfaſ⸗ ſung jede weitere Eroͤrterung ganz uͤberfluͤſſig. 8 (228 N Strittigkeiten entſtehen, dazwiſchenkommen, um ſei⸗ ne Guͤltigkeit zu behaupten. Sie muͤſſen, nach Ablauf von JahresFriſt von dem Sterbfalle des Teſtators an, uͤber ihre Ver⸗ waltung Rechenſchaft ablegen. Art. CCCXXl. Die Vollmacht des Teſtaments Vollziehers ſoll nicht auf ſeine Erben uͤbergehn. Art. CCCXXII. Wenn mehrere Teſiaments Exekutoren vorhanden ſind, welche dieſe Verrichtungen angenommen haben, ſo ſoll einer in Ermangelung der andern thatigen können; ſie ſind ſolidariſch für die Rechenſchaft über die ihnen anvertraute Mobiliarſchaft verantwortlich, es ſey denn, daß der Teſtator ihre Verrichtungen getheilt, und jeder ſich auf diejenige beſchränkt haͤtte, welche ihm zugewieſen war. Art. CCCXXIII. Die von dem Teſtaments Exekutor fur die Anle⸗ gung der Siegel, das Inventarium, die Rechnungs⸗ Ablage gemachten Auslagen, ſo wie alle andere auf ſeine Vertichtungen Bezug habende Unkoſten ſollen der Erbſchaft zur Laſt fallen. (229 N Achter Abſchnitt. Pon dem Widerruf und der Kaduzität der Teſtamente. Art. CCCXXIV. Die Teſtamente können, ganz oder zum Theil, nicht anderſt als durch ein ſpaͤteres Teſtament, oder durch einen, vor Notarien, errichteten Akt, der die Erklärung einer Willensänderung enthält, widerrufen werden. Art. CCCXXV. Spätere Teſtamente, welche die vorherigen nicht ausdruͤcklich widerrufen werden, ſollen in dieſen blos jene darinn enthaltene Verfuͤgungen vernichten, welche mit den neuern unverträglich ſind, oder ihnen zuwiderlaufen. Anmerkungen. Achter Abſchnitt. Zum Art. 324 bis 336. Die teſtamentariſchen Ver⸗ fuͤgungen,(denn es konnen von einem Teſtament nur einzeine Verfügungen wegfallen und zwei Teſta⸗ mente können, jedes für den Theil, der dem andern nicht zuwiderlaͤuft, zuſammen beſtehen(Art. 225) koͤnnen widerrufen oder kaduzirt werden. Der Widerruf kann ſtatt haben 1) durch ein ſpäte⸗ res Teſtament(324); hierbei iſt aber nicht auſſer Acht zu laſſen, daß das ſpätere Teſtament von allen vor⸗ geſchriebenen Formalitäten umgeben ſein muß, denn ſonſt würde es kein Teſtament ſein. Eben ſo muß das ſpätere Teſtament, um dem erſten Abbruchthun zu können, an und fuͤr ſich betrachtet, vollzogen wer⸗ (230 N Art. CCCXXVI. Der burch ein ſpäteres Teſtament geſchehene Wi⸗ derruf ſoll ſeine ganze Wirkung haben, wenn auch dieſer neue Akt, wegen der Unfaͤhigkeit des eingeſetz⸗ ten Erben oder des Legatars oder wegen verweiger⸗ ter Annahme(von deſſen Seite), ohne Vollziehung bleibt. Art. CCCXXVIlI. Jede Veräuſſerung des Ganzen oder eines Theils des vermachten Gegenſtandes durch den Teſtator, ſelbſt die durch einen Verkauf unter dem Vorbehalte des Ruckkaufs oder durch einen Tauſch, ſollen den Widerruf des Vermaͤchtniſſes für alles, was verauſ⸗ ſert worden iſt, mit ſich fuhren, ſelbſt wenn dieſe Anmerkungen. den koͤnnen. Zufaͤllige Urſachen des NichtVollzuges, die dem Teſtamente nicht ankleben wuͤrden z. B. die Unfähigkeit des Erben, ſeine Repudiation der Erb⸗ ſchaft, benehmen dem Widerrufe nichts von ſeiner Kraft. 2) Durch einen Notarial Akt(324) weun und in ſo fern dieſer die ausdruͤckliche Erklaͤrung ent⸗ haͤlt, daß der Teſtator ſeinen Willen veraͤndert hat. 3) Durch den ſtillſchweigenden Willen des Teſtators (327), wenn der Teſtator nachher das Ganze oder einen Theil des vermachten Gegenſtandes verkauft hat. Die Nullität des Verkaufs kann in dieſem Fall den Ausdruck der Willens Veraͤnderung nicht ſchwä⸗ chen; es kann daher auch von keiner Unterſcheidung mehr die Rede ſein, ob die Schenkung freiwillig oder nothwendig war. (231N ſpaͤtere Veraͤuſſerung nichtig und der Gegenſtand in die Hand des Teſtators zuruͤckgekehrt wäre. Art. CCCXXVIII. Jede teſtamentariſche Verfugung ſoll zerfallen(ka⸗ duzirt ſein), wenn der, zu deſſen Gunſten ſie ge⸗ ſchehen iſt, den Teſtator nicht uberlebt hat. Art. CCCXXIX. Fede teſtamentariſche Verfuͤgung, welche unter ei⸗ ner, von einer ungewiſſen Begebenheit abhaͤngigen Bedingung geſchehen iſt, und zwar ſo, daß nach der Abſicht des Teſtators dieſe Verfugung blos in ſo weit vollzogen werden ſoll, als dieſe Begebenheit ſich ereignen oder nicht ereignen wird, ſoll kaduzirt ſein, wenn der eingeſetzte Erbe oder der Legatar vor Erfullung der Bedingung ſtirbt. Anmerkungen. Die Verfuͤgung zerfaͤllt(wird kaduzirt) 1) wenn der, zu deſſen Gunſten ſie geſchehen iſt, vor dem Te⸗ ſtator ſtirbt(328). 2) Wenn der vermachte Gegenſtand waͤhrend dem Le⸗ ben des Teſtators oder ſelbſt anch nach ſeinem Tode zu Grunde gegangen iſt, wenn es ohne Ver⸗ ſchulden und Zuthun des Erben geſchah(3310. 3) Durch die Unfähigkeit des Legatars(332), 4) Durch die Repndiation des Vermächtniſſes(ibid.) 5) Durch den Mangel der Erfullung der ihm aufer⸗ legten Bedingungen(Art. 335). (232) At CCCXxR. Die Bedingung, welche nach der Abſicht des Teſtators den Vollzug der Verfügung blos aufſchiebt, ſoll den eingeſetzten Erben oder den Legatar nicht verhindern, ein wirklich erworbenes, auf ſeine Erben ubertragbares Recht(auf den vermachten Gegen⸗ ſtand) zu haben. Art. CCCxXxl. Das Vermächtniß ſoll zerfallen, wenn der ver⸗ machte Gegenſtand während dem Leben des Teſtators ganz zu Grunde gegangen iſt. Eben ſo ſoll es gehalten werden, wenn er ſeit ſei⸗ nem Tod, ohne Zuthun und ohne die Schuld des Erben zu Grunde gegangen iſt, ſelbſt wenn dieſer mit ſeiner Auslieferung in Ruͤckſtand verſetzt worden wäre, wenn er unter den Haͤnden des Legatars gleichfalls hätte zu Grunde gehen müſſen. Anmerkungen. In Hinſicht auf den Uebertrag des Vermachtniſſes iſt jedoch zu bemerken, daß wenn die Bedingung von einer ungewiſſen Begebenheit abhaͤngig iſt, und zwar ſo, daß der Abſicht des Teſtators gemäß, die Ver⸗ fuͤgung blos in ſo weit vollzogen werden ſoll, als die Be⸗ gebenheit ſich ereignen wird oder nicht, die Verfuͤgung nothwendig kaduzirt wird, wenn der Legatar vor Erfuͤl⸗ lung der Bedingung ſtirbt(329). In dieſem Fall kann er nichts übertragen, weil er nichts erworben hat. Iſt es im Gegentheil blos der Zweck der Bedingung, (233 Art. CCCXXRII. Dieteſtamentariſche verfüͤgung ſoll zerfallen, wenn der eingeſetzte Erbe oder Legatar ſie ausſchlagen oder zu ihrem Empfang unfahig ſein wird. Art. CCCXXKIII. Im Falle das Vermachtniß mehreren zuſammen gemacht worden wäre, ſoll, wenn es ſtatt findet, zum Vortheil der Legatarien, das Recht des Zuwachſes eintreten. Das Vermaͤchtniß ſoll, als mehreren zuſammen gemacht, angeſehen werden, wenn es durch eine einzige und dieſelbe Verfüͤgung geſchehen iſt, und der Teſtator nicht jedem der Kollegatarien ſeinen Antheil an dem vermachten Gegenſtande beſtimmt hat. Art. CCCXXXIV. Es ſoll gleichfalls, als mehreren zuſammeen ge⸗ macht, angeſehen werden, wenn ein Gegenſtand, Anmerkungen. den Vollzug der Verfuͤgung zu verſchieben, ſo geht das Recht, welches wirklich auf dem Haupte des Le⸗ gatars beruht, durch ſeinen Tod auch auf ſeine Erben uͤber(Art. 330). Die Materie der Kaduzitat fuͤhrt uns natuͤrlich auf die des ZuwachſungsRechtes, deſſen Theorie wir auf eine beſtimmte und faßliche Art in? einzige Artikel zuſammengedraͤngt finden(333 und 334). (234 der ohne Deterioration der Theilung nicht empfang⸗ lich iſt, durch denſelben Akt mehreren Perſonen, obgleich jeder insbeſondere(separément) vermacht worden iſt. Art. CCCXXRV. Dieſelben Urſachen, welche nach dem Art. 244 und den beiden erſten Verfuͤgungen des Artikels 245 des gegenwaͤrtigen Titels das Begehren auf Wider⸗ ruf einer Schenkung zwiſchen Lebenden ermaͤchtigen, ſollen auch fuͤr die Klage auf Widerruf von teſta⸗ mentariſchen Verfuͤgungen angenommen werden. Art. CCCXXXVI. Wenn dieſe Klage ſich auf eine ſchwere Beleidi⸗ Anmerkungen. Zum Art. 335. u. 336. Wir haben in dem Theile des Geſetzes, der von den Schenkungen gehandelt, geſehen, daß ſie wegen Nicht Vollziehung der Bedin⸗ gungen, unter welchen ſie geſchehen ſind, widerrufen werden. Es war gerecht, denſelben Grundſatz auf die teſtamentariſchen Verfuͤgungen anzuwenden. Der Wille des Erblaſſers muß von dem, zu deſſen Gun⸗ ſten er verfuͤgt hat, heilig beobachtet werden. Wenn alſo ein Legatar, dem er gewiſſe Bedingungen auf⸗ erlegt hat, das Zutrauen des Verſtorbenen käuſcht, ſo muß es den Erben erlaubt ſein, zu verlangen, daß die Verfuͤgung fuͤr widerrufen erklaͤrt werde, und der darinn begriffene Gegenſtand mit der Bedin⸗ gung an ſie zuruͤckfalle, den Willen des Erblaſſers zu erfüllen. Doch mußte es den Tribunalien zu be⸗ ſtimmen überlaſſen bleiben, welche Klauſeln dieſe (2350 gung(injure) gegen das Andenken des Teſtators gründet, ſo muß ſie in JahresFriſt, von dem Tage des Vergehens an, erhoben werden. Fuͤnftes Kapitel. Von den Verfuͤgungen, welche zu Gunſten der Enkel des Schenkgebers oder Teſta⸗ tors, oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter erlaubt ſind. Art. CCCXXXVII Die Aeltern ſollen das Vermögen, woruͤber ſie Anmerkungen. Wirkung hervorbringen muͤſſen, ob der Widerruf auf der Stelle erklaͤrt werden muß, oder ob die Umſtaͤnde nicht erlauben, daß der Legatar zugelaſſen werde, ſeine Verabſaͤumung nachzuhohlen. Eben ſo gerecht war es, daß der Legatar im Falle des Undayks beſtraft werde. Die beiden erſten Pa⸗ ragraphen des Artikels 245(ſiehe Seite 180) die⸗ nen dabei zur Richtſchnur. Dieſer Abſchnitt beſchließt die allgemeinen Regeln uͤber alle unentgeltlichen Verfuͤgungen. Wir kommen nunmehr zu den Ausnahmen, die das Geſetz zu Gunſten gewiſſer beſonderer Verfuͤgungen geſtattet. Fuͤnftes Kapitel. Zum Art. 337. In den meiſten Geſetzgebungen, auch in der bisherigen franzöſiſchen hatte die väterliche Gewalt in der Enterdung eines der wichtigſten Mittel, den Fehlern der Kinder vorzubengen und ſie zu beſtrafen. Allein indem man den Aeltern dieſe ſchreckliche Waffe verlieh, hatte man die erſten Grund⸗ (2365 zu verfügen befugt ſind, ganz oder zum Theil einem Anmerkungen. ſaͤtze des Uebertrags der Guͤter verkannt. Die An⸗ wendung dieſer Strafe traf meiſtens zugleich die un⸗ ſchuldige Nachkommenſchaft des Enterbten, die doch dem gerechten, obgleich erzuͤrnten, GroßVater nicht weniger theuer haͤtte ſein ſollen, einen nicht weniger weſentlichen Theil der Familie ausmachte, und die⸗ ſelben Rechte in Anſpruch nehmen konnte. Sie konnte aber nur in ſeltnen Faͤllen den Erbtheil des enterbten Vaters erhalten, und ward ſchier immer das unſchuldige Opfer ſeiner Proscription. Nichts konnte zudem aͤrgerlicher und der öffentlichen Sitt⸗ lichkeit nachtheiliger ſein, als jene ſcandaloͤſen De⸗ batten vor den Gerichten, wo die Kinder das Anden⸗ ken ihrer Aeltern wegen bloßem GeldIntereſſe herab⸗ zuwurdigen ſuchten, und auf der andern Seite oft niedrige Habſucht ihr eigenes Betragen mit den ſchwaͤrzeſten Farben ſchilderte. Es ſchien jedoch zweckmaͤſig, ein Mittel ausfindig zu machen, um der älterlichen Gewalt ihr noͤthiges Anſehn, ohne Verletzung der Gerechtigkeit, zu erhal⸗ ten. Man hatte anfangs dies Mittel in einer Ver⸗ fuͤgnng zu finden geglaubt, welche die Aeltern berech⸗ tigt haͤtte, das Kind, welches ſich einer notoriſchen Verſchwendung ſchuldig machen wuͤrde, auf die bloße Nutznieſſung ſeines Erbtheils zu beſchraͤnken und dieſen den Deszendenten zu verſichern. Die Syur dieſer Verfuͤgung hatte man in der romiſchen Geſetz⸗ gebung gefunden; allein bei näherer Unterſuchung ergab es ſich, daß ßie die meiſten Nachtheile der Ent⸗ erbung mit ſich fuͤhre. Die Aeltern erhalten ihre groͤßte Macht von der Natur, nicht von dem Geſetz; das Streben des Ge⸗ ſetzgebers muß alſo dahin gerichtet ſein, der Natur zu Huͤlfe zu kommen, und die Ehrfurcht zu erhalten, die ſie den Kindern für die Urheber ihrer Tage ein⸗ foßt; iedes Geſetz, welches alſo den Sohn in den Fall verſetzen wuͤrde, das Andenken ſeines Vaters 02370 oder mehreren ihrer Kinder, durch Akte zwiſchen Lebenden oder teſtamentariſche Akte, unter der Ob⸗ Anmerkungen. anzufechten, und ihn vor den Tribunalien einer un⸗ gerechten und barbariſchen Proscription zu ziehen, iſt gewiſſermaſſen ſelbſt ein Angriff anf die vaͤterliche Gewalt, die es herabſetzt. Es muß der erſte Grund⸗ ſaß jeder Geſetzgebung über dieſe Materie ſein, jeder offentlichen Klage zwiſchen Aeltern und Kindern vorzubeugen; es iſt daher unpolitiſch und gefährlich, den Aeltern irgend Waffen anzuvertrauen, welche die Kinder bekaͤmpfen koͤnnten. Wie konnte man aber glanben, daß das, auf den Nießbrauch reduzirte Kind, aus Zuneigung zu ſeiner Nachkommenſchaft, eine ſolche Veſchraͤnkung nicht anfechten wurde? Dieſe tuͤr den Enkel wohlthaͤtige Verfügung, wäre doch im⸗ mer für den Pater eine wahre Interdiction gewe⸗ ſen, die vielleicht auf ſeinen Kredit und ſein Schickſal den nachtheiligſten Einfluß hätte haben können? Von ſeinem Vater zum Verſchwender erklaͤrt, wie hätte der Sohn auf offentliche Aemter Anſpruͤche machen oder ſich Zutrauen erwerben können? wäre die Strafe nicht zu hart geweſen, deren Wirkungen fortwaͤhrend geweſen wären, während die Urſgche der Beſtrafung vielleicht nur voruͤbergehend war. Es war daher leicht vorzuſehen, daß ſo von den Aeltern nachgeſetzte Finder den Schutz der Tribunalien anflehen würden, und mit wie viel Vortheil wuͤrden ſie nicht hier er⸗ ſcheinen? Die Verſchwendung beſteht in einer Reihe von Thatſachen, die das Geſetz nicht beſtimmen kann? was in dem einen Falle Verſchwendung iſt, kann es in einem andern Falle nicht ſein? Der Vater, die⸗ ſer erſte Richter, der nothwendig die Gruͤnde ſeiner Entſcheidung am beſten kennen mußte, hätte nicht mehr gehort werden können? die ſcandalöſeſten Debatten wuͤrden die Folge dieſer Verfügung geweſen ſein; waͤh⸗ rend der Sohn das Andenken ſeines Vaters herabzu⸗ wuͤrdigen geſucht haben wuͤrde, haͤtten ſeine eigenen Kinder ſich beſtrebt ihn als einen Verſchwender zu (238) liegenheit ſchenken können, dies Vermögen den ſchon gebohrnen und kuͤnſtigen Kindern der beſagten Anmerkungen. brandmarken. Hätte eine ſoche Familie nicht allen An⸗ ſpruͤchen auf die oͤffentliche Achtung entſagen muͤſſen? Dieſe Verfuͤgung wuͤrde auch noch den Fehler ge⸗ habt haben, daß ſie das Recht des Pflichttheils geſchmaͤlert haben wuͤrde, welches bisher nur im Falle der Enterbung reduzirt werden konnte. Die noto⸗ riſche Verſchwendung war aber nie Urſache der Ent⸗ erbung, ſondern blos einer Interdiction, die, wenn die Urſache derſelben aufhoͤrte, ebenfalls wegfiel. Ohngeachtet aber die vorgeſchlagene Verfuͤgung, ſo wie man ſie beim erſten Vorſchlag des Geſetzbu⸗ ches abgefaßt hatte, nicht ſtatt finden konnte, ſo war doch die Idee derſelben nichtsdeſtoweniger gerecht und nützlich; es kam blos darauf an, dem doppelten Nachtheil derſelben vorzubengen; zu verhindern, daß ſie keine Quelle der Zwietracht und ärgerlicher Klagen werden konnte, und daß ſie dem Geſetz, welches den Kindern, unabhaͤngig von dem Willen der Neltern, einen Pflichttheil vorbehaͤlt, keinen Abbruch thun moͤge. Dieſe Bedingungen werden durch den obigen Artikel des Geſetzbuches vollkommen erfuͤllt; wir ha⸗ ben geſehen, daß der Antheil des Vermögens, über welchen in jedem Falle verfuͤgt werden darf, immer hinlaͤnglich iſt, den Zweck zu erfuͤllen, den das Ge⸗ ſetz beabſichtigt, naͤmlich die Enkel vor dem Elend zu ſchuͤtzen, welchem das ſchlechte Betragen oder das Ungluͤck des Vaters ſie ſonſt Preiß geben koͤnnte. Der GroßVater kann von dem Geſetz keine ansge⸗ dehntere Freiheit fordern, als die, das Gefuͤhl einer wahren Neigung zu ſeiner Nachkommenſchaft zu befriedigen. Das StaatsſRecht aber erfordert, daß der Vorbehalt der Kinder nie geſchmälert wer⸗ den könne. Das Intereſſe des einzelnen kann die⸗ ſem keinen Abbruch thnun. Auf die von dem Geſet beſtimmte Art bleibt der geſetzliche Vorbehalt unan⸗ getaſtet; die Verfuͤgung der Aeltern begreift blos den — 0239 Schenknehmer, doch blos im erſten Grade, zurück zu liefern. Art. CCCXxXXVIII. Im Falle des Sterbfalls ohne Kinder ſoll auch die Verfugung gültig ſein, welche der Erblaſſer uber die Anmerkungen. Theil des Vermögens, der ihrer freien Verfuͤgung uͤberlaſſen war; ſie kann daher in keinem Falle Anlaß zu Konteſtationen geben; allen gerichtlichen Klagen iſt vorgebeugt; die Verfuͤgung ſelbſt hat keineswegs den Karakter einer Strafe; ſie iſt auf das verſchwenderiſche Kind, ſo wie auf das, welches durch Zufälle zurückgeſetzt worden waͤre oder durch ſeinen Stand ſolchen Zufäl⸗ len ausgeſetzt wäre, anwendbar. Es bleibt moͤglich, daß die Aeltern, die ſich allein uͤber die Beweggruͤnde Rechenſchaft zu geben haben, warum ſie uͤber bieſen Theil ihres Vermögens ſo und nicht anderſt verfuͤgen⸗ blos die Abſicht gehabt haben, das Kind, dem ſie den Nießbrauch gewaͤhren und ſeine Nachkommen⸗ ſchaft zugleich zu beguͤnſtigen. Sie haben ſchon ohne⸗ hin von dem Geſetz die Befugniß erhalten, das Ver⸗ moͤgen demjenigen Kinde zu geben, welches ihnen an⸗ ſteht, und man hat dann weniger einen blinden Vor⸗ zug zu befürchten, wenn das Vermoͤgen auf alle Des⸗ dieſes Kindes ohne Unterſchied übergehen muß. Man mußte zugleich die Form der Akte beſtim⸗ men, worinn eine ſolche Verfuͤgung niedergelegt wer⸗ den kann. Sie iſt dieſelbe, wie fuͤr Schenkungen zwiſchen Lebenden oder Teſtamente. Zum Art. 338. Es ſchien gerecht, die Anwendung beſ⸗ ſelben Grundſatzes auf die GeſchwiſterKinder zu erlau⸗ ben. Das Geſetz gewaͤhrt den Geſchwiſtern zwar keinen Vorbehalt, allein ſein Wunſch wuͤrde doch offenbar betrogen werden, wenn die Familie ohne geſeßlichen (240) Geſammtheit oder einen Theil des Vermogens, wel⸗ cher nicht durch das Geſetz in der Erbſchaft vorbe⸗ halten iſt, durch einen Akt zwiſchen Lebenden oder einen teſtamentariſchen Akt zum Vortheil eines oder mehrerer ſeiner Geſchwiſter unter der Obliegenheit getroffen hätte, dieſes Vermoͤgen den ſchon geböhr⸗ nen und zukuͤnftigen Kindern der beſagten ſchenkneh⸗ menden Geſchwiſter, jedoch blos im erſten Grade, zuruck zu liefern. Art. CCCxXXXIX. Die, durch die beiden vorhergehenden Artikel er⸗ laubten, Verfuͤgungen ſollen blos in ſo weit guͤltig Anmerkungen. Beweggrund ihres Vermoͤgens beraubt werden ſollte. Es wird aber oft der Fall ſein, daß ein Bruder gern ſeinen Bruder und zugleich ſeine Neffen bedenkeu mogte; daß er nicht gern den erſten voruͤbergehn, und doch auch die letztern, weil er die Verſchwen⸗ dung des Vaters befurchtet, ſichern moͤgte. Sogar wenn man vorausſetzen konnte, daß der Schenkgeber blos aus Stolz deshalb ſeinen Geſchwiſtern die Ob⸗ liegenheit der Reſtitution zu Gunſten der Neffen auf⸗ zuerlegen wuͤnſchte, damit die einen und die andern alles ſeiner Freigebigkeit verdanken moͤgten, warum ſollte das Geſetz nicht dieſen Stolz zum PVortheil der Familien benutzen? jenes ſind die beſten Grundſätze⸗ welche den Leidenſchaften der Menſchen eine der Menſchheit nutzliche Richtung geben. Zum Art. 339. Dieſer Artikel unterſcheidet die Ver⸗ fuͤgung des neuen Geſetzes ſo ſehr von den alten Sub⸗ ſtitutionen, daß man ihr nicht einmal dieſen Namen gegeben hat. Sie enthaͤlt zwar freilich eine Sabſti⸗ G2410 ſein, als die Obliegenheit der Reſtitution zum Vor⸗ theil aller ſchon gebohrnen und zukuͤnſtigen Kinder des Beſchwerten, ohne Ausnahme noch Vorzug des Alters oder Geſchlechtes, auferlegt iſt. Art. CCCXL⸗ Wenn, in obigem Falle derjenige, der zum Vor⸗ theil ſeiner Kinder mit der Obliegenheit der Reſtitu⸗ tion beſchwert iſt, ſtirbt, und Kinder im erſten Gra⸗ de und Deszendenten von einem vorherverſtorbenen Kinde zuruͤcklaßt, ſo ſollen dieſe letzten, kraft der Repräſentation, den Antheil des vorhergeſtorbenen Kindes beziehen. Art. CCCXLI. Wenn das Kind, der Bruder oder die Schwe⸗ Anmerkungen. tution, weil ſie eine Erbfolge von dem ſchenknehmen⸗ den Kinde auf die Enkel begruͤndet; allein ſie iſt da⸗ rinn dem Begriff der ehemaligen Subſtitution ſchnur⸗ grade entgegengeſetzt, daß es nicht der Gegenſtand der den Aeltern bewilligten Befugniß iſt, eine neue ErbſchaftsOrdnung zu begruͤnden und die natürlichen Rechte derjenigen anzufechten, welche das Geſetz zur Erbſchaft berufen haͤtte, ſondern vielmehr dieſe Ord⸗ nung und Rechte zu Gunſten einer Generation, wel⸗ che ſie verlohren haben wuͤrde, aufrecht zu erhalten. In den alten Subſtitutionen ward ein Zweig dem andern vorgezogen, die neue Verfüͤgung ſoll zur Er⸗ haltung eines bedrohten Zweiges dienen. Sum Art. 340. Siehe die bei Gelegenheit des Art. 30(S. 13) entwickelten Grundſätze. 16 C24½5 ſter, welchen gewiſſe Guͤter durch Akte zwiſchen Lebenden ohne die Obliegenheit der Reſtitution ge⸗ ſchenkt worden waären, eine neue Freigebigkeit an⸗ nehmen, welche ihnen durch einen Akt zwiſchen Le⸗ benden oder ein Teſtament unter der Bedingung gemacht worden iſt, daß die, vorher geſchenkten, Guͤter mit dieſer Laſt beſchwert bleiben ſollen, ſo iſt es ihnen nicht mehr erlaubt, die beiden zu ihrem Vortheil geſchehenen Verfuͤgungen zu trennen und auf die zweite Verzicht zu leiſten, um ſich an der erſten zu halten, wenn ſie ſich auch ſelbſt erbieten ſollten, die in der zweiten Verfuͤgung begriſſenen Guͤter zu⸗ ruͤckzuerſtatten. Art. CCCXLH. Die Rechte der Beguͤnſtigten(des appellés) ſol⸗ len von der Epoche an eröffnet ſein, wo aus irgend Anmerkungen⸗ Zum Art. 341. Derjenige, welcher einen Theil ſei⸗ nes Vermögens ohne die Obliegenheit der Reſtitu⸗ tion verſchenkt hat, kann dieſelbe durch eine neue Freigebigkeit auferlegen. Entweder muß der, zu deſ⸗ ſen Gunſten er verfuͤgt, beide unbedingt aufgeben, oder er iſt auch in Hinſicht auf die erſte gebunden. Die beiden Verfuͤgungen läſſen ſich nicht trennen. Zum Art. 342. Ueber den Augenblick des Eintritts der Rechte der Subſtitution kann kein Zweifel be⸗ ſtehen. Sie treten ein, ſobald der Nießbrauch auf⸗ hoͤrt: es ſey nnn durch den natuͤrlichen oder durch den G243 einer Urſache die Rutznieſſung des Kindes, des Bru⸗ ders oder der Schweſter, welche mit der Obliegen⸗ heit der Reſtitution beſchwert ſind, authoͤren wird. Die antizipirte Ueberlaſſung des Rießbrauchs ſoll den Glaͤubigern des mit der Obliegenheit der Reſti⸗ tution Beſchwerten, die ſchon vor der Ueberlaſſung zu fordern hatten, nicht zum Rachtheil gereichen köunen. Art. CCCxLIII Die Weiber der Beſchwerten ſollen, im Falle der Unzulaänglichkeit des freien Vermogens, auf die zu⸗ ruͤckzuliefernden Guter keinen andern ſubſidiariſchen Regreß haben, als fuͤr das Kapital der Dotal⸗ Gelder, und blos in dem Falle, wo der Teſtator es ausdrucklich verordnet haͤtte. Anmerkungen. buͤrgerlichen Tod. Eben ſo auch, wenn der Nutznieſ⸗ ſer ſeinem Nießbrauch freiwillia entſagt; in dieſem Falle ſind jedoch zwei wichtige Erwägungen zu machen: 1) Die zu Gunſten eines Kindes geſchehene antici⸗ pirte Ueberlaſſung kann den andern Kindern, welche ſpaͤterbin gebohren werden koͤnnten, nicht zum Nachtheil gereichen. 2) Eben ſo wenig kann ſſe den wirklichen Gläubigern des Beſchwerten zum Nachtheil gereichen. Zum Art. 343. Die Begünſtigung der Ehen wurde kein hinlaͤnglicher Grund geweſen ſein, um den Wei⸗ bern gegen die, in dieſer Art vermachten Guͤter, einen ſubſidiariſchen Rekurs zu erlauben. Das Gefetz be⸗ willigt ihnen denſelben blos fuͤr ihre Dotn Gelder „ (244 0 Art. CCCxLIV. Derjenige, welcher ſolche durch die beiden vorher⸗ gehenden Artikel ermaͤchtigte Verfügungen treffen wird, ſoll durch denſelben Akt, oder durch einen ſpaͤtern Akt in authentiſcher Form einen, mit dem Vollzug dieſer Verfügungen beauftragten, Vormund ernennen können. Dieſer Vormund ſoll blos wegen einer der, im dem ſechsten Abſchnitt des 2ten Kapi⸗ tels des Titels: von der Minderjährigkeit und den Vormundſchaften, ausgedruͤckten Ur⸗ ſachen freigeſprochen werden können, Art. CCCXLV. In Ermangelung dieſes Vormundes ſoll auf Be⸗ treiben des Beſchwerten oder ſeines Vormundes, wenn er noch minderjährig iſt, in MonatsFriſt, Anmerkungen. und in dem Falle, wo dieſe Befugniß ihnen aus⸗ drücklich von dem Teſtator bewilligt worden wäre. gum Art. 34 bis 363. Das Geſetz mußte jedoch alle Schwierigkeiten vorſehn, welche uͤber den Voll⸗ zug ſolcher Verfuͤgungen entſtehen können; man mußte vor allem, um den Zweck zu erreichen, den man da⸗ bei im Auge gehabt hatte, gllen Strittigkeiren zwi⸗ ſchen dem beſchwerten Vater und den beguͤnſtigten Kindern vorzubeugen ſuchen. Obige Artikelenthalten die Vorſichts Maasregeln, welche man hierzu am wirkſamſten hielt. Wenn der Vater die Obliegenheiten nicht erfuͤllen ſolte, die mit der Laſt der Reſtitution verbunden G2455 von dem Tage des Sterbfalls des Schenknehmers oder Teſtators an, oder von dem Tage an, wo ſeit dieſem Sterbfall der, die Verfuͤgung enthaltende, Akt bekannt geworden ſein wird, ein Vormund ernannt werden. Derjenige Beſchwerte, welcher dem vorhergehen⸗ den Artikel nicht genug gethan haben wird, ſoll der Wohlthat der Verfuͤgung verluſtig ſein; und in die⸗ ſem Falle ſollen die Rechte(der Subſtituirten), auf Betreiben der Beguͤnſtigten, wenn ſie großjah⸗ rig ſind, oder ihrer Vormuͤnder oder Kuratoren, wenn ſie minderjährig oder interdizirt ſind, oder auf das Betreiben von jedem Verwandten der großjährigen, minderjährigen oder interdizirten, oder ſelbſt von Amtswegen auf Betreiben des Re⸗ gierungs Kommiſſairs bei dem erſten InſtanzGericht Anmerkungen. ſind, ſo muß zwiſchen ihm und ſeinen Kinder eine dritte Perſon ſtehen, deren, ihr von dem Geſetz vor⸗ gezeichnetes, Betragen zu keiner Zwietracht zwiſchen ihnen Gelegenheit geben koͤnne. Dieſe finden wir in einem Vormund, welcher eigends dazu ernannt wird, um daruͤber zu wachen, daß nach dem Tode des Schenk⸗ gebers oder Teſtators ſein Wille puͤnktlich erfuͤllt werde. Es waͤre freilich zu wuͤnſchen, daß der Vor⸗ mund immer von demjenigen ſelbſt ernannt wuͤrde, welcher die Verfuͤgung macht; dieſe Wahl wuͤrde dem Vormund ſelbſt einen Titel mehr auf das Zutrauen und die Achtung des Beſchwerten geden. Iſt aber 02465 des Ortes, wo die Erbſchaſt eroffnet iſt, zum Vor⸗ theil dieſer Begunſtigten eröffnet erkläͤrt werden können. r. Nach dem Sterbfall desjenigen, welcher unter der Obliegenheit der Reſtitution verfügt haben wird, ſoll in den gewöhnlichen Formen zum Inventarium al⸗ ler die Erbſchaft ausmachenden Güter und Effekten geſchritten werden, den Fall jedoch ausgenommen, wo es ſich blos von einem Partikular Vermächtniſſe handelte. Dies Inventarium ſoll die Abſchätzung der Möbel und MobiliarEffekten zu billigen Preißen enthalten. Art. CCCXLVIII. Daſſelbe ſoll auf Anſtehn des mit der Obliegen⸗ heit der Reſtitution Beſchwerten, und in der unter dem Titel: von den Erbſchaften, beſtimmten ZeitFriſt, in Gegenwart des zur Vollziehung er⸗ Anmerkungen. dieſe Ernennung nicht geſchehen oder der alſo ernann⸗ te Vormund geſtorben, ſo hat das Geſetz alle Vor⸗ ſichts Maasregeln getroffen, damit es auch in dieſem Falle nie an einein Vormund fehlen möge. Zuerſt verpflichtet es den Beſchwerten, unter Strafe der Wohlthat der Verfügung verluſtig zu werden, dieſe Ernennung zu betreiben. In ſeiner Ermangelung ſiud die Veguͤnſtigten ſelbſt, wenn ſie großjährig ſind⸗ ihre Vormünder oder Kuratoren, wenn ſie minder⸗ (247 N nannten Vormundes errichtet werden. Die Koſten ſollen von dem, in der Verfugung begriffenen, Ver⸗ moͤgen erhoben werden. Art. CCCXLIX. Wenn das Inventarium in obiger ZeitFriſt nicht auf Anſtehn des Beſchwerten errichtet worden iſt, ſo ſoll im folgenden Monat auf Betreiben des zur Vollziehung ernaunten Vormundes, in Gegenwart des Beſchwerten, oder ſeines Vormundes, dazu ge⸗ ſchritten werden. Art. CCCL. Wenn den beiden vorhergehenden Artikeln kein Genüge geſchehen iſt, ſo ſoll auf Betreiben der im Ar⸗ tikel 346 bezeichneten Perſonen, mit Berufung des Beſchwerten, oder ſeines Vormundes, und des zur Vollziehung ernannten Vormundes, dazu geſchrit⸗ ten werden. Anmerkungen. jahrig oder interdizirt ſind, alle ihre Verwandten⸗ und ſelbſt der Regierungs Kommiſſair bei dem erſten InſtanzGericht damit beauftragt. Die folgenden Regeln beſtimmen die Verfahrungs⸗ Art, welche bei der Aufnahme der Güter, dem Ver⸗ kauf des MobiliarVermoͤgens, der Anlage der Gel⸗ der, der Transcription und Inſcription der Akte zu beobachten iſt. Sie ſchneiden alle Mittel ab, um die Verfuͤgung illuſoriſch zu machen, ohne jedoch den (248 5 Art. CCCLI. Wer mit der Reſtitution beſchwert iſt, ſoll gehal⸗ ten ſein, zum Verkauf aller in der Verfugung be⸗ griffenen Möbel und Effekten, mit Ausnahme derje⸗ nigen jedoch, von welchen in den beiden folgenden Artikeln Meldung geſchieht, durch eine öffentliche Verſteigerung und nach vorhergegangener Verkuͤndi⸗ gung durch AnſchlagZettel zu ſchreiten. Art. CCCLII. Der Hausrath(les meubles meublans) und an⸗ dere Mobiliar Gegenſtände, welche mit der ausdruͤck⸗ lichen Bedingung, ſie in Natur zu behalten, in der Verfuͤgung begriffen worden wären, ſollen in dem⸗ jenigen Zuſtand zuruͤckgegeben werden, worinn ſie ſich zur Zeit der Reſtitution befinden werden. Art. CCCLIII. Das Vieh und die Geräthſchaften, die zum Feld⸗ bau dienen, ſollen angeſehen werden, als ſeyen ſie in der Schenkung zwiſchen Lebenden, oder der teſta⸗ mentariſchen Schenkung dieſer Land Guͤter mit ein⸗ Anmerkungen. Genuß des Beſchwerten zu ſchmaͤlern. Da ſie auf denſelben Grundſätzen beruhen, welche uns ſchon oͤfter vorgekommen ſind, ſo bebduͤrfen ſie keiner weitern Erorterung. (249 begriſſen; der Beſchwerte ſoll blos gehalten ſein, ſie aufnehmen und abſchätzen zu laſſen, um bei der Re⸗ ſtitution den gleichen Werth derſelben zuruͤckzu⸗ erſtatten. Art. CCCLIV. Der Beſchwerte hat das baare Geld, die aus dem Verkauf der Möbel und Effekten geloͤßten Gel⸗ der und diejenigen, welche von den AktivForderun⸗ gen eingegangen ſein werden, in einer ſechsmonat⸗ lichen Friſt von dem Tage des Abſchluſſes des In⸗ ventariums an, anzulegen. Dieſe ZeitFriſt ſoll nach Beſchaſſenheit der Um⸗ ſtände verlaͤngert werden können. Art. CCCLV. Eben ſo ſoll der Beſchwerte gehalten ſein, dieje⸗ nigen Gelder, welche von den eingehenden AktivEf⸗ fekten und von der Einlöſung von Renten herruͤhren werden, ſpäteſtens in drei Monaten nach dem Em⸗ pfang dieſer Gelder anzulegen. Art. CCLVI. Dieſe Anlegung ſoll der Verordnung des Urhebers der Verfuͤgung gemäß geſchehen, wenn er die Art der Effekten bezeichnet hat, worein ſie geſchehen ſoll; hat er dies nicht getpan, ſo ſoll ſie nicht anderſt als G250) in Immobeln oder mit Privilegien auf Immoͤbel geſchehen koͤnnen.* Art. CCCLVII. Die, durch die vorhergehenden Artikeln verordnete, Anlegung ſoll in Gegenwart und auf Betreiben des fuͤr den Vollzug ernannten Votmundes geſchehen. Art. CCCLVIII Die Verfuͤgungen durch Akte zwiſchen Lebenden oder Teſtamente mit der Obliegenheit der Reſtitution ſollen auf Betreiben, entweder des Beſchwerten oder des fuͤr den Vollzug ernannten Vormundes, bekannt gemacht werden; naͤmlich, fuͤr die Immöbel durch die Ueberſchreibung der Akte auf die Regiſter des Hypotheken Bureaus des Ortes, wo die Güter ge⸗ legen ſind; und was die gegen Hypothek auf Im⸗ möbel ausgelehnte Gelder betrifft durch die Inſcrip⸗ tion auf die zur Hypothek geſtellten Güter. Art. CCCL⸗Ix. Der Abgang der Ueberſchreibung des Aktes, der die Verfugung enthalt, ſoll von den Glaͤubigern und jedem dritten Erwerber, ſelbſt den Minderjährigen oder Interdicirten opponirt werden können, vorbe⸗ haltlich des Ruͤckgriffs gegen den Beſchwerten und gegen den für den Vollzug ernannten Vormund, (2515 und ohne daß die Minderjahrigrn oder Interdicirten gegen dieſen Abgang der Trauscription, ſelbſt im Falle der Unzahlsfähigkeit der Vormünder reſtiturt werden könnten. Art. CCCLX. Die Ermangelung der Ueberſchreibung ſoll durch die Kenntniß, welche die Glaͤubiger oder jeder dritte Erwerber auf jedem andern Wege als dem der Trans⸗ cription erhalten haben könnten, weder ſupplirt noch als gedeckt betrachtet werden können. Art. SCCCLXI. Weder der Schenknehmer, noch die Legatarien, ſelbſt nicht einmal die geſetzlichen Erben desjenigen, welcher die Verfuͤgung gemacht haben wird, noch auch ihre Schenknehiner, Legatarien oder Erben kön⸗ nen, in irgend einem Falle, dem Begünſtigten den Abgang der Transcription oder Inſtription oppo⸗ niren. Art. CCCLXIII. Der fur den Vollzug ernannte Vormund ſoll per⸗ ſönlich verantwortlich ſein, wenn er die oben fuͤr die Aufnahme der Güter, fur den Verkauf der Mobiliar⸗ ſchaft, fur die Anlage der Gelder, fuͤr die Trans⸗ cription und Inſcription aufgeſtellten Regeln nicht (262) vollkommen befolgt hat, und wenn er im Allgemei⸗ nen nicht alle nöthige Betreibungen gemacht hat, damit die Obliegenheit der Reſtitution gut und ge⸗ treulich befolgt werde. Art. CCCLEXIII. Wenn der Beſchwerte minderjährig iſt, ſo ſoll er, ſelbſt im Falle der Unzahlsfähigkeit ſeines Vormun⸗ des, nie wegen dem NichtVollzug der dieſem durch die Artikel des gegenwaͤrtigen Kapitels vorgeſchrie⸗ benen Regeln reſtituirt werden können. Sechstes Kapitell. Von den, von dem Vater, der Mutter oder andern Aszendenten unter ihren Deszenden⸗ ten, vorgenommenen Theilungen. Art. CCCLXIV. Die Aeltern und andern Aszendenten ſollen ihr Anmerkungen. Sechstes Kapitel. Lgum Atr. 364. Es giebt noch eine andere Gattung von Verfuͤgungen, welche auf das Schickſal der Fa⸗ milien einen großen Einfluß haben muͤſſen; dieſes ſind die Theilungen, welche die Aeltern und Aszendenten mit ihrem Vermoͤgen unter ihren Deszendenten vor⸗ nehmen. Dieſer Akt iſt einer der wichtigſten der (253 Vermoͤgen unter ihre Kinder und Deszendenten ver⸗ theilen und eintheilen koͤnnen. Art. CCCEXV. Dieſe Theilungen ſollen durch Akte zwiſchen Le⸗ benden oder teſtamentariſche Akte, umter denſelben Formalitäten, Bedingungen und Regeln, die für die Schenkungen zwiſchen Lebenden und die Teſta⸗ mente vorgeſchrieben ſind, geſchehen können. Die Theilungen, welche durch Akte zwiſchen Le⸗ Anmerkungen. vaterlichen Gewalt und Zuneigung; zwar werden die Aeltern oft ſich anf die Vertheilung verlaſſen, welche das Geſetz ſelbſt beſtimmt hat; allein oft werden die, welche ein geringes Vermoͤgen beſitzen, ſo wie die, deren Vermögen aus Guͤtern beſteht, die nicht wohl einer Theilung empfaͤnglich ſind, durch dieſen Aut⸗ weg allen Zwiſtigkeiten zwiſchen ihren Kindern vor⸗ zubeugen ſuchen. Wie traurig muͤßte nicht fuͤr einen PVater die Beſorgniß ſein, die Fruͤchte ſeiner Arbeit moͤgten einſt unter ſeinen Sohnen Hader und Zwietracht verurſachen; wie beruhigend die Befugniß welche das Geſetz ihm hier geſtattet? Wem konnte man zudem dieſe Theilung mit mehr Zutrauen üͤberlaſſen als den Aeltern, die den Werth ihres Vermoͤgens am ge⸗ naueſten kennen muͤſſen, und dieſe Magiſtratur nicht allein mit der Unpartheilichkeit von Richtern, ſon⸗ dern auch mit jener zarten Sorgfalt verſehen wer⸗ d. die die väterliche Zuneigung allein einflößen ann. Zum Art. 365. Es iſt eine natürliche Folge dieſes Artikels, daß die Theilung durch einen Akt zwiſchen Lebenden unwiderruflich, die durch ein Teſtament aber bis zum Sterbfall widerruflich iſt. 02540 benden geſchehen, ſollen blos das gegenwärtige Ver⸗ mögen zum Gegenſtand haben koͤnnen. Art. CCCLXVI Wenn nicht das geſammte Vermoͤgen, welches der Aszendent am Tage ſeines Sterbfalls hinterlaſ⸗ ſen wird, in der Theilung einbegriffen worden ſein wird, ſo ſollen diejenigen Güter, welche darinn nicht werden einbegriffen worden ſein, in Gemäß⸗ heit des Geſetzes getheilt werden. Art. CCCLXVII. Wenn die Theilung nicht unter alle Kinder, die zur Zeit des Sterbfalls vorhanden ſein werden, und die Deszendenten der vorherverſtorbenen, geſche⸗ hen iſt, ſo ſoll die Theilung null ſein. Sowohl die Kinder, oder Deszendenten, welche darinn keinen Antheil erhalten haben werden, als ſelbſt diejenigen, Anmerkungen. Was den zweiten F. dieſes Artikels betrifft ſiehe den Art. 233 S. 171 des gegenwärtigen Bandes. Zum Art. 367. Man mußte jedoch den Misbräuchen vorbeugen, welche der Stolz, blinde Zuneigung oder andere Leidenſchaften von dieſer Verfuͤgung hätten machen können. Es iſt keineswegs der Zweck der⸗ ſelben, die Vereinigung des ganzen Vermögens auf ein oder mehrere Haͤupter zu begünſtigen und den übrigen in dieſer Hinſicht anfgeſtellten Regeln Ab⸗ bruch zu thun 02550 unter welchen die Theilung ſtatt gehabt hat, ſollen eine neue Theilung in der geſetzlichen Form anver⸗ langen können. Art. CCCLXVIII. Jede von einem Aszendenten geſchehene Theilung ſoll wegen einer Verletzung von mehr als einem Anmerkungen. Zum Art. 366. Wenn daher die theilenden Aszen⸗ denten dieſe Grundſaͤtze auſſer Acht gelaſſen hätten, entweder durch Auslaſſung eines Kindes oder ſeiner Deszendenten, welcher Fall im vorhergehenden Ar⸗ tikel vorgeſehen iſt, oder durch eine unerlaubte Be⸗ guͤnſtigung eines Kindes vor dem andern, ſo kann die Theilung angefochten werden. Man kann hier nur zwei Faͤlle vorausſetzen, 1) ent⸗ weder hat der Vater ſeine ganze Hintrlaſſenſchaft getheilt, oder er hat auch noch zu Gnnſten eines oder mehrerer Kinder Verfuͤgungen zum vorab getroffen. Im erſten Falle kann der Akt nicht anderſt als we⸗ gen einer Verletzung, dis das PViertheil uberſteigen muß, angefochten werden. Hätte z. B. ein Kind 1500 Fr. in der Theilung erhalten, ſo muͤßte es, um ſie aufechten zu können, durch die Liquidation erweiſen, daß es bei einer voöllig gleichen Theilung mehr als 2000 Fr. hatte erhalten muͤſſen. Man konnte dieſe Proportion nicht vortheilhafter kombi⸗ niren, weil der Vater in allen Fällen über ein Vier⸗ theil ſeines Vermoͤgens verfügen darf, und alſo kein Kind einen gerechten Grund zur Klage haben kann, ſo bald der Unterſchied zu ſeinem Nachtheil kein Viertheil uͤberſteigt. Der zweite Fall iſt der, wo ein Vater, nachdem er vorab und auſſer dem Erbtheil über den Betrag dis⸗ ponirt hätte, der ſeiner Verfuͤgung überlaſſen iſt, nach⸗ (256 N Viertheil angefochten werden können; ſie ſoll eben⸗ falls in dem Falle angefochten werden können, wo es ſich aus der Theilung und den zum vorab und auſſer dem Erbtheil getroffenen Verfuͤgungen zuſam⸗ Anmerkungen. her den Reſt deſſelben unter ſeine Kinder getheilt hatte. In dieſem Falle beſtimmt das Geſetz, daß die Theilung vernichtet werden ſoll, wenn auch keine Verletzung uͤber das Viertheil ſtatt gefunden hat, ſobald nur der Betrag der Verfuͤgung und der Ueberſchuß des Antheils, den jeder erhalten haben wuͤrde, wenn die Antheile gleich geweſen waͤren, zuſammen den Betrag uͤberſchreiten, uͤber welchen verfügt werden konnte. Es war der Zweck dieſer Combination, der ubertrie⸗ benen Vevortheilnng eines Kindes durch die Vermin⸗ derung des disponiblen Antheils zugleich mit einem Ue⸗ berſchuß in der Theilung des andern Vermoͤgens vor⸗ zubeugen. Ein Vater hat z. B. 60000 Fr. Vermo⸗ gen und zwei Kinder; er ſchenkt einem derſelben das disponible Drittel mit 20000 Fr. Bei der Theilung der uͤbrigen 40000 Fr. giebt er dem einen 24000 Fr. dem andern 16000 Fr. Da der Ueberſchuß der Theilung nur von 4000 Fr. iſt, ſo wuͤrde wegen der Theilung ſelbſt keine Verletzung über das Viertheil ſcatt finden; und wenn dieſelbe erforderlich wäre, ſo wuͤrde das eine Kind 44000 Ft. und das andere nur 16000 erhalten, ſtatt daß dem Geſetze gemäß es nicht weniger als 20000 erhalten kann. Dieſem Misbrauch wird durch obige Verfügung vorgebeugt. Der Vater hat nur ein geſetzliches Mit⸗ tel, ein Kind zu bevortheilen, nämlich in dem Theil des Vermogens, der ſeiner Verfuͤgung überlaſſen bleibt. Bei einer Theilung kann er ihm mehr als dem andern geben, nur darf dieſer Ueberſchuß das Viertheil nicht überſteigen; macht er anſſer der Thei⸗ lung auch noch Verfuͤgungen zum vorab, ſo iſt die Theilung nichtig, wenn der Ueberſchuß in der Thei⸗ iung und dieſe Verfuͤgungen zuſammengenommen 02570 mengenommen ergaͤbe, daß einer der Mittheilenden einen gröſſern Vortheil, als das Geſetz erlaubt, er⸗ halten hätte. Anmerkungen. den disponiblen Antheil nicht überſchreiten, wenn auch in der Theilung ſelbſt keine Verletzung uͤber das Viertheil ſtatt gefunden. Dadurch wird dem Va⸗ ter die Befugniß genommen, einem Kinde zuerſt den disponiblen Antheil zu ſchenken und nachher daſſelbe auch noch in der Theilung, bis zur Konkurrenz ei⸗ nes Viertheils, zu begüͤnſtigen. Ehedem waren in einem groſſen Theile von Frank⸗ reich die Vermoͤgens Demiſſionen grbraͤuchlich; ſie waren ſehr verſchiedenen Regeln unterworfen. In gewiſſen Provinzen waren ſie widerruflich, ohngeachtet es gewiſſermaſſen Schenkungen zwiſchen Lebenden waren, wenigſtens konnten ſie nicht als Teſtamente angeſehen werden, da ſie gleich eintretende Wirkung hatten. Das neue Geſetz ſchweigt uͤber dieſe Art Verfuͤgungen und hat ſie folglich unterſagt. Die Er⸗ fahrung hatte die Nachtheile derſelben zu ſehr be⸗ waͤhrt. Der Sohn, welchem der Vater das Eigen⸗ thum der Guͤter unter dem PVorbehald des Wider⸗ rufs uͤbertragen hatte, ſchmeichelte ſich immer, daß dieſer nicht eintreten wuͤrde. Er ſchloß Kontrakte mit Drittern, nahm Veraͤuſſerungen vor ꝛc. ꝛc. Im Falle des Widerrufes, der nie ohne zahlreiche Pro⸗ zeſſe ſtatt fand, und die Quelle der ärgerlichſten Zwi⸗ ſtigkeiten war, befand ſich ſowohl der, welcher die Guͤter wieder an ſich ziehen wollte, als der, dem ſie entzogen werden ſollten, als auch der dritte Be⸗ ſitzer und jeder Intereſſirte in der unangenehmſten Lage. Dieſe Verfuͤgung war zudem ganz unnutz; die Ael⸗ tern konnen ja durch Schenkungen zwiſchen Lebenden alle ihnen anſtändige Bedingungen dem Schenkneh⸗ mer auflegen; ſie hahen dieſelbe Freiheit in dem Theilungs Akte, wenn ſie nur Sorge tragen, den oben entwickelten Regeln nicht entgegen zu handeln, 7 (258 Art. CCCLXIX. Dasjenige Kind, welches aus einem der im vor⸗ hergehenden Artikel angefuͤhrten Grunde die von ſei⸗ nem Aszendenten geſchehene Theilung anfechten wür⸗ de, ſoll die Koͤſten der Abſchätzung vorlegen; ſie ſol⸗ len ihm, eben ſo wie die Koſten des Rechts Streites, zur Laſt fallen, wenn die Beſchwerde ohne Grund befunden wird. Siebentes Kapitel. Von den Schenkungen durch EhVertraͤge zum Vortheile der Ehegatten und der aus der Ehe zu erzielenden Kinder. Art. CCCLXX. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden von gegen⸗ wärtigen Gütern, wenn ſie auch ſchon durch einen Anmerkungen. nach welchen die Demiſſionen, wenn ſie noch ferner⸗ hin hätten erlaubt ſein ſollen, fuͤr unwiderruflich hät⸗ ten erklaͤrt werden muſſen. Siebentes Kapitel⸗ Zum Art. 370 n. 371. Es giebt zwei andere Gat⸗ tungen von Schenkungen, welche immer beſondern Regeln unterworfen waren, und zu deren Gunſten die allgemeinen Verfügungen Modifikationen erlit⸗ ten. Dies ſind die, in einem EheVertrag zu Gun⸗ ſten der Ehegatten und der aus der Ehe zu etzielen⸗ den Kinder, und die von Ehegatten untereinander 0259N EheVertrag zum Vortheil der Ehegatten oder eines derſelben geſchehen iſt, ſoll den allgemeinen Regeln unterworfen ſein, welche fuͤr die unter dieſem Rechts⸗ Titel geſchehenen Schenkungen vorgeſchrieben ſind. Eine ſolche ſoll zum Vortheil zukunftiger Kinder nicht ſtatt haben können, die im obigen Kapitel V ausgedruͤckten Fälle ausgenommen. Art. CCCLXXl. Die Aeltern, die andern Aszendenten, die Kol⸗ lateral Verwandte der Ehegatten, und ſelbſt Fremde ſollen die Geſammtheit oder einen Theil der Vermö⸗ gens, welches ſie am Tage ihres Sterbfalls hinter⸗ Anmerkungen. geſchehenen Schenkungen. Von der erſten iſt im ge⸗ genwaͤrtigen Kapitel, von der zweiten im folgenden die Rede. Jedes Geſetz uͤber dieſen Gegenſtand, welches die Beguͤnſtigung der Ehen nicht weſentlich zum Gegen⸗ ſtand haben wuͤrde, waͤre ſowohl der Politik als der Menſchlichteit zuwider. Ein ſolches Geſetz würde aber dasjeuige ſein, welches die Schenkungen, wo⸗ durch dieſe Verbindungen vft beſtimmt und veranlaßt werden, beſchraͤnken oder ihnen Hinderniſſe in den Weg legen wuͤrde. Es würde ſogar ungerecht ſein, die ſchenkgebenden Verwandten den Regeln unbedingt zu unterwerfen, welche die Schenkungen unter Le⸗ benden ſo ganz von den Teſtamenten unterſcheiden. Der Vater, welcher ſeine Kinder verheirathet, be⸗ denkt blos ihr zukunftiges Gluͤck; die gegenwaͤrtige Ausſteuer iſt beinahe immer den Verfuͤgungen über die kuͤnftige Erbſchaft untergeordnet; die EheVer⸗ (260) laſſen werden, durch den EheVertrag ſowohl zum Vortheil der beſagten Ehegatten, als zum Vortheil der aus ihrer Ehe zu erzielenden Kinder fur den Fall, wo der Schenkgeber den ſchenknehmenden Ehegat⸗ ten uͤberleben wuͤrde, verſchenken können. Eine ſolche Schenkung, wenn ſie auch blos zum Vortheil der Ehegatten oder eines derſelben geſchehen waͤre, ſoll immer in dem beſagten Falle des Ueber⸗ lebens des Schenkgebers ſo angeſehen werden, als ſey ſie zum Vortheil ber aus der Ehe zu erzielenden Kinder und Deszendenten geſchehen. Art. CCCLXXII. Eine Schenkung in der im vorhergehenden Arti⸗ Anmerkungen. traͤge gehören alſo nicht allein beiden Arten von Ak⸗ ten, den Schenkungen zwiſchen Lebenden, und den EheVerträgen an, ſondern man muß ſie auch noch als einen Vertrag zwiſchen zwei Familien betrachten, für welchen man ihnen die großte Freiheit laſſen muß. Dieſe Grundſaͤtze ſind unveraͤnderlich und das neue Geſetz hat blos ihre Wirkungen aufrecht erhalten. Deshalb koͤnnen die Aszendenten, die Kollateral⸗ Verwandten und ſelbſt jeder Fremde die Geſammt⸗ heit oder einen Theil des Vermoͤgens, welches ſie am Sterbtage hinterlaſſen werden, den künftigen Ehegatten ſchenken; und, wenn es auch nicht aus⸗ drcklich bemerkt iſt, ſo wird dieſe Verfuͤgung immer angeſehen, als ſey ſie nicht allein zum Vortheil dieſer, ſondern auch der aus ihrer Ehe zu erzielenden Kin⸗ der und Deszendenten geſchehen. gum Art. 372. Die kontraktsmäſigen Inſtitutionen (261) kel beſtimmten Form ſoll blos in dem Sinne unwi⸗ derruflich ſein, daß der Schenkgeber nicht mehr un⸗ entgeltlich(à titre gratuit) uͤber die in der Schen⸗ kung begriffenen Gegenſtände verfugen darf, ausge⸗ nommen uͤber maͤßige Summen, als Belohnung (recomnpense) oder unter einem andern Titel. Art. CCcL.xxm. Eine Schenkung durch einen EheVertrag ſoll zu⸗ gleich(cumulauvement) das gegenwärtige und zu⸗ kunftige Vermögen, ganz oder zum Theil begreifen können, unter der Bedingung, daß dem Akt ein Abſchatzungs Verzeichniß der Schulden und Laſten des Schenkgebers, welche am Tage der Schenkung Anmerkungen. zu Gunſten der Ehe ſind forthin erlaubt. Das Geſetz beſtimmt ausdruͤcklich die Gattung und die Wirknn⸗ gen dieſer Verfügung. Man muß dabei den Rechts⸗ Titel und den Vortheil derſelben unterſcheiden. Der RechtsTitel iſt unwiderruflich. Der Urheber der Verfuͤgung kann nicht mehr unentgeldlich daruͤber ver⸗ fuͤgen, ausgenommen über geringe Summen, als Lohn oder fuͤr irgend andere Urſachen. Was aber den Vor⸗ theil betrifft, ſo kann er nicht eher als zur Epoche des Sterbfalls beſtimmt werden, weil der Verfuͤgende bis dahin die Befugniß behaͤlt, unter laͤſtigem Titel (sub titnlo oneroso) zu veräuſſern. Zum Art. 373 u. 374. Solche Schenkungen können zugleich die gegenwärtigen und zukuͤnftigen Güter be⸗ greifen; man hat blos eine Vorſicht gebraucht, die von der Erfahrung angerathen war. Der Ehegatte, wel⸗ chem das gegenwaͤrtige und zukuͤnftige Vermögen (262) beſtehen werden, beigefuͤgt werde; in welchem Falle es dem Schenknehmer bei dem Sterbfalle des Schenk⸗ gebers frei ſtehen ſoll, ſich an dem gegenwärtigen Vermögen zu halten und auf das üͤbrige Vermögen des Schenkgebers Verzicht zu leiſten. Art. CCCLXXIV. Wenn das Verzeichniß, von welchem im vorher⸗ gehenden Artikel die Rede iſt, dem Akt, welcher die Schenkung des gegenwartigen und zukunftigen Ver⸗ mögens enthält, nicht beigefugt worden iſt, ſo ſoll der Schenknehmer verbunden ſein, dieſe Schenkung ganz anzunehmen oder ganz auszuſchlagen. Im Falle der Annahme ſoll er blos dasjenige Vermö⸗ gon in Anſpruch nehmen können, welches am Tage Anmerkungen. geſchenkt worden war, hatte bei dem Tode des Schenk⸗ gebers das Recht, die zur Epoche der Schenkung be⸗ ſtehenden Güter zu nehmen, und auf die kuͤnftigen Guͤter zu verzichten, oder aber das Vermoͤgen ſo anzunehmen, wie es zur Zeit des Sterbfalls beſtand. Wenn der Schenknehmer von dieſer erſten Vefugniß Gebrauch machte, ſo entſtanden gewoͤhnlich Prozeſſe ohne Zahl, welche die Länge der Zeit noch verwik⸗ kelter machte, um den Betrag und den Zuſtand des Vermogens zur Zeit der Schenkung zu beſtimmen. Auf dieſe Art wurden zugleich die Glaͤubiger, deren Titel kein gewiſſes Datum hatte, um ihre Anſpruͤche betrogen. Die Beguͤnſtigung der Ehen darf aber nicht mit der Ruhe der Familien und dem gutem Glauben unvereinbarlich ſein. Deshalb muß der Schenkung der gegenwaͤrtigen und zukünftigen Güter (263 des Sterbfalls des Schenkgebers vorhanden iſt, und zur Zahlung aller Schulden und Laſten der Erb⸗ ſchaft gehalten ſein. Art. CCCLxxV. Jede Schenkung durch einen EheVertrag zu Gun⸗ ſten der Ehegatten und der aus ihrer Ehe zu erzie⸗ lenden Kinder, von welchen Perſonen ſie auch ge⸗ ſchehen mag, ſoll gleichfalls unter der Bedingung geſchehen können, alle Schulden und Laſten der Erb⸗ ſchaft des Schenkgebers ohne Unterſchied zu bezahlen, oder unter irgend andern Bedingungen, deren Erfuͤl⸗ lung von ſeinem Villen(dem des Schenknehmers) abhaͤngt: der Schenknehmer ſoll gehalten ſein, dieſe Bedingungen zu erfüllen, wenn er anderſt nicht lie⸗ ver auf die Schenkung verzichten will; und im Falle, wo der Schenkgeber durch einen EheVertrag ſich Anmerkungen. ein Verzeichniß der zur Zeit der Schenkung beſtehen⸗ den Schulden und Laſten beigefuͤgt werden, welche der Schenknehmer zu tragen hat. Iſt dies nicht ge⸗ ſchehen, ſo kann dieſer im Falle der Annahme der Schenkung nichts, als die zur Zeit des Sterbfalls vorfindlichen Guͤter anverlangen. Zum Art. 375. Die Schenkungen durch EheVertraͤge können unter Bedingungen geſchehen, deren Vollzug von dem Willen des Schenkgebers abhaͤngt; eine neue Ausnahme von der allgemeinen Regel. Der ſchenknehmende Ehegatte iſt beinahe immer das Kind oder der Erbe des Schenknehmers. Es liegt daher (264 5 die Befugniß vorbehalten hätte, uͤber einen in der Schenkung ſeines gegenwaͤrtigen Vermögens einbe⸗ griffenen Gegenſtand oder uͤber eine beſtimmte, aus dieſem Vermögen zu nehmende Summe zu verfuͤgen, ſo ſoll dieſer Gegenſtand oder dieſe Summe, wenn er ſtirbt ohne daruͤber verfuͤgt zu haben, als in der Schenkung einbegriffen angeſehen werden, und dem Schenknehmer oder ſeinen Erben angehören. Art, CCCLXXVI. Schenkungen, die durch einen EheVertrag ge⸗ ſchehen ſind, ſollen unter dem Vorwande der Nicht⸗ Annahme weder angefochten noch für nichtig erklaͤrt werden können., Art. CCCLXXVII. Jede zu Gunſten einer Ehe geſchehene Verfuͤgung ſoll kaduzirt ſein, wenn die Ehe nicht darauf folgt. Anmerkungen. in der Natur der Dinge, daß er ſich dem Willen des⸗ jenigen unterwerfe, der auf ſein Schickſal einen ſo großen Einfluß hat. Iſt es ein Fremder, deſſen Wohl⸗ that er genießt, ſo macht ihm die Dankbarkeit dieſe Bedingung zur Pflicht. Zum Art. 377. Das Geſetz macht keinen Unterſchied, es ſagt: jede Ehe. Man kann alſo nicht mehr wie ehedem den Einwurf machen, die Schenkungen in grader Linie muͤßten dennoch ihre Wirkung behalten, wenn auch ſchon die Ehe nicht gefolgt wäre. (265 N Art. CCCLXXVIII. Die, einem der Ehegatten in den Fällen der Ar⸗ tikel 371, 373 und 375 hieroben geſchehenen Schen⸗ kungen, ſollen kaduzirt ſein, wenn der Schenkgeber den ſchenknehmenden Ehegatten und ſeine Nachkom⸗ menſchaft uͤberlebt. Art. CCCLXXIX. Alle, den Ehegatten durch ihren EheVertrag ge⸗ ſchehenen Schenkungen, ſollen bei der Eroffnung der Erbſchaft des Schenkgebers auf den Betrag, woruͤber ihm das Geſetz zu verfügen erlaubte, redu⸗ zirt werden können. Achtes Kapitel. Anmerkungen. Zum Art. 378. Dieſe Verfuͤgung enthält ein wirk⸗ ſames Mittel, die Schenkungen durch EheVertraͤge zu beguͤnſtigen, da die Beſorgniß, einen Theil des Vermögens auf eine fremde Familie üͤbergehn zu ſehen, dadurch entkraͤftet wird. Noch iſt zu bemerken, daß alle in dieſem Kapitel zur Befoͤrderung ſolcher Schenkungen bewilligte Be⸗ guͤnſtigungen bloß zu Gunſten der Ehe ſtatt haben. Es iſt daher nicht genug, daß eine Schenkung in einem Artikel eines EheKontraktes enthalten iſt; wenn ſie an jeden Dritten als einen der kuͤnftigen Ehegatten geſchehen iſt, ſo tritt ſie in die Klaſſe ge⸗ woͤhnlicher Verfügungen zuruͤck, und wird von den all⸗ gemeinen Grundſaͤtzen regnlirt. (266) Von den Verfuͤgungen zwiſchen Ehegatten, ſowohl durch EhVertraͤge als auch waͤh⸗ rend der Ehe. Art. CCCLXXXR. Die Ehegatten ſollen ſich durch EheVerträge, gegenſeitig, oder einer von beiden dem andern, mit Vorbehalt folgender Modiffkationen jede beliebige Schenkung machen koͤnnen. Art. CCCLXXRl. Keine Schenkung zwiſchen Lebenden von gegen⸗ wärtigem Vermögen, die durch den EheVertrag zwi⸗ ſchen Ehegatten geſchehen iſt, ſoll angeſehen werden, Anmerkungen. Achtes Kapitel. Fum Art. 380 bis 386. Alle Geſetzgebungen vor jener, die durch das Geſetz vom 17 Nivoſe 2ten Jahres eingefuͤhrt ward, machten immer einen Unterſchied zwiſchen den Schenkungen, welche die Ehegatten ſich untereinander durch ihren EheVertrag, und jenen, wel⸗ che ſie ſich waͤhrend der Ehe machen wuͤrden. Die Ehe iſt ein Vertrag, worinn es den Minder⸗ jaͤhrigen unter Beiſtand ihrer Verwandten und den Großlaͤhrigen ohne denſelben frei ſtehen muß, ihre Rechte und die Vortheile, die ſie ſich machen wollen, zu ſtipuliren. Ihre gegenſeitige Gefühle ſind als⸗ dann in ihrer ganzen Energie, und keiner hat noch jene Gewalt uͤber den andern, welche das Reſul⸗ tat der Verbindung und des fortwaͤhrenden Um⸗ gangs iſt. Die Beguͤnſtigung der Ehen erheiſcht da⸗ her, daß die Ehegatten im Augenblicke ihrer Ver⸗ (267 als ſey ſie unter der Bedingung des Ueberlebens des Schenknehmers gemacht worden, wenn dieſe Bedingung nicht förmlich ausgedruckt iſt; jede ſolche Schenkung ſoll allen oben fur dieſe Art von Schen⸗ kungen aufgeſtellten Regeln und Formen unterwor⸗ fen ſein, Art. CCCLXXKII. Jede Schenkung von zukuͤnftigem Vermögen, oder von gegenwärtigem und zukunftigem Vermögen, die unter Ehegatten durch den EheVertrag geſchehen iſt, ſie mag nun einſach oder gegenſeitig ſein, iſt — Anmerkungen. dindung die Freiheit haben muſſen, ſich jede Schen⸗ kung zu machen, welche ihnen beliebig iſt, und den geſetzlichen Verfuͤgungen keinen Abbruch thut. Die Schenkungen unter Ehegatten durch den Ehe⸗ Kontrakt ſind daher immer unwiderruflich, weil die Schenkung vielleicht die Ehe heſtimmt hat, und dieſe ohne die Schenkung nicht erfolgt ſein würde. Sie uuterſcheiden ſich darinn von den Schenkungen waͤh⸗ rend der Ehe, welche immer widerrnflich ſind. Die roͤmiſchen Geſetze hatten anfangs ſolche Schen⸗ kungen zwiſchen Ehegatten unbedingt verboten. Man befuͤrchtete, ſie moͤchten gegenſeitig ihr Vermoͤgen einer augenblicklichen Leidenſchaft aufopfern; oder die Ehe mochte dadurch käͤuflich und der ſanftmüthige Ehegatte gezwungen werden, den Frieden der Ehe durch erpreßte Schenkungen zu erkaufen. Unter An⸗ tonin ward dies allgemeine Verbot widerrufen; man glanbte allen dieſen Nachtheilen dadurch vorzu⸗ bengen, daß man den⸗ Ehegatten die Befugniß ge⸗ ſtattete, die waͤhrend der Ehe gemachten Schenkungen (268) den im vorhergehenden Kapitel fuͤr aͤhnliche Schen⸗ kungen, welche ihnen(den Ehegatten) von einem Dritten gemacht werden, aufgeſtellten Regeln un⸗ terworfen; vorbehaltlich, daß ſie nicht auf die, aus der Ehe abſtammenden Kinder uͤbergeht, wenn der ſchenknehmende Ehegatte vor dem ſchenkgebenden ſtirbt. Art. CCCLXXRlII. Der Ehegatte ſoll, im Falle, wo er keine Kin⸗ der noch Deszendenten hinterlaͤßt, ſowohl durch den EheVertrag als waͤhrend der Ehe, zu Gunſten des Anmerkungen. zu widerrufen. Dieſer Grundſatz ward in faſt allen Provinzen vom geſchriebenen Rechte bisher befolgt. In jenen der Herkommen hingegen hatte man das alte, unbedingte Verbot der Schenkungen waͤhrend der Ehe beibehalten, mit der einzigen Ausnahme der gegenſeitigen Schenkungen zum Vortheil des Laͤngſtlebenden; und ſelbſt dieſe waren, ſowohl in Hin⸗ ſicht auf die Gattung als des Betrages des Vermo⸗ gens, welches ſie begreifen durften, mehr oder minder beſchraͤnkt, jenachdem zur Zeit der Auflöſung der Ehe Kinder vorhanden waren oder nicht. Durch die⸗ ſe Modifikation des allgemeinen Verbotes hoffte man die Bedingung der Reziprozirtat und des Ueberlebens, wuͤrde jede gehaͤſſige Abſicht eines der Ehegatten, ſich auf Unkoſten des andern zu bereichern, entfernen, und die Schranken, welche man dieſen Schenkungen hatte, wuͤrden das Vermoögen jeder Familie erhalten. Das ueue Geſetz hat aus den beyden Syſtemen biejenigen Verfuͤgungen genommen, welche es der (269) andern Ehegatten, uͤber den ganzen Vermögens An⸗ cheil eigenthümlich verfügen können, worüber er zu Gunſten eines Fremden verfuͤgen könnte, und ihm die Rutznieſſung des ganzen Antheils bewilligen können, woruͤber das Geſetz zum Nachtheil der Erben zu verfuͤgen verbietet. und im Falle, wo der ſchenkgebende Ehegatte Kinder oder Deszendenten hinterlaſſen wird, ſoll er dem andern Ehegatten entweder ein Viertheil als Anmerkungen. Wuͤrde der Ehen, dem gegenſeitigen Intereſſe der Gatten, und dem der Kinder am angemeſſenſten hielt. Es iſt dem Ehegatten erlaubt, den andern ſowohl durch den EheVertrag(Art. 380), als auch wäh⸗ rend der Ehe(Art. 386) zu beſchenken. Im Falle er keine Kinder zuruͤcklaͤßt, kann er ihm alles das geben, was er einem Fremden geben darf, und auſſerdem den Nießbrauch des geſammten Antheils, woruͤber das Geſetz ihm zum Nachtheil der direkten Erben zu verfuͤgen verbietet(Art. 383). Läßt er Des⸗ zendenten zuruͤck, ſo darf die Scheukung das Vier⸗ theil der Guͤter als Eigentyum und den Nießbrauch eines Viertheils oder blos den Nießbrauch der Haͤlfte nicht uͤberſteigen(ibid.) Jede während der Ehe ge⸗ ſchehene Schenkung iſt immer widerruflich, und das Weib bedarf zu dieſem Widerruf keiner Ermächti⸗ gung(Art. 385). Da das Geſetz erlaubt, uͤber den ganzen Betrag des Vermoͤgens, der den Erben in grader Linie nicht vorbehalten iſt, ſelbſt zu Gunſten jedes Fremden zu verfuͤgen, ſo wäre es nicht konſe⸗ quent geweſen, dem einen Ehegatten nicht dieſelbe Freiheit zu Gunſten ſeines Mit Gatten zu laſſen. Da es ſogar meiſtens die Wirkung der innigen Verbindung der Ehegatten iſt, daß ihre Beſorgniß und ihre Nei⸗ gung ſich eher auf den Gatten hinwendet, welcher den (270) Eigenthum und ein anderes Viertheil zur Nutznief⸗ ſung, oder die Hälfte ſeines ganzen Vermögens zur Nutznieſſung allein geben können. Art. CCCLXXXIV. Der Minderjährige ſoll dem andern Ehegatten durch den EheVertrag, ſowohl durch einfache als durch gegenſeitige Schenkung, nichts als mit Ein⸗ willigung und unter Beiſtand derjenigen geben kön⸗ Anmerkungen. andern uͤberleben wird, als auf die Verwandten, welche zur Erbſchaft berufen ſind, ſo iſt man die⸗ ſer Stimme der Natur gefolgt, indem man ſie er⸗ maͤchtigte, im Falle keine Kinder aus ihrer Verbin⸗ dung entſprungen ſind, ſich die Nutznieſſung des ge⸗ ſammten disponiblen Antheils zu vermachen. Laͤßt der Gatte Kinder zuruͤck, ſo theilt ſeine Nei⸗ gung ſich zwiſchen ihnen und dem Gatten; ſelbſt dann, wenn er ſich verſichert glaubt, daß der uͤberlebende Ehegatte den den Kindern am nützlichſten Gebrauch von der Geſammtheit des Vermoͤgens machen wuͤrde. Die pflichten der Vaterſchaft ſind perſoͤnlich, und der ſchenkgebende Ehegatte darf ſte keinem Dritten anvertrauen; er kann daher nicht ermaͤchtigt werden, dem andern Gatten mehr als einen Theil ſeines Ver⸗ moͤgens zu überlaſſen, welchen der Art. 383 be⸗ ſtimmt. Man hat aber deshalb dem Ehegatten die Wahl gelaſſen, nach Velieben entweder einen Theil des Vermögens eigenthuͤmlich ober blos den Nießbranch eines gewiſſen Antheils zu vermachen, ſowohl damit er im erſten Falle feine perſoͤnlichen Bedürfniſſe be⸗ ſtreiten, als auch ſich bei den Kindern in Achtung erhalten konne. Es ſchien einigen aͤuſſerſt hart, daß durch dieſe Verfuͤgungen die Aszendenten des Nießbrauchs des (271 nen, deren Einwilligung fuͤr die Gultigkeit ſeiner Ehe erforderlich iſt; mit dieſer Einwilligung ſoll er alles geben können, was das Geſetz dem großjaͤh⸗ rigen Ehegatten dem andern zu geben erlaubt. Art. CCCKXRXV. Alle während der Ehe zwiſchen Ehegatten ge⸗ ſchehene Schenkungen, wenn ſie auch ſchon Schen⸗ kungen zwiſchen Lebenden genannt ſind, ſollen immer widerruflich ſein. Das Weib kann ſie widerrufen, ohne dazu von ſeinem Manne oder von den Gerichten ermächtigt zu ſein. Anmerkungen. geſetzlichen Vorbebalts beranbt werden koͤnnten, fo daß der Vorbehalt eigentlich nur ihren Erben zu Gunſten kommt. Allein dies iſt die Folge der Be⸗ guͤnſtigung der Ehen. Der Tod eines der Ehegat⸗ ten kann die Lase des andern nicht verſchlimmern, am wenigſten durch ſolche Rechte, welche blos durch die der Ordnung der Natur eröffnet werden. Nachdem man auf ſolche Weiſe die Befugniß zu ver⸗ fuͤgen beſchraͤnkt hatte, blieb nichts mehr uͤbrig, als den Misbraͤuchen vorzubeugen, welche aus den Schenkungen waͤhrend der Ehe entſtehen koͤnnten. Man hat dabei die Verfuͤgung des ſpaͤtern römiſchen Geſetzes beibehalten. Es kann wohl kein Zweifel übrig bleiben, daß eine ſolche Schenkung die Wir⸗ kung einer freiwilligen Einwilligung ſey, und we⸗ der dem Anſehn, noch einem nnuͤberlegten voruͤber⸗ gehenden Ansbruch der Leidenſchaft zuzuſchreiben G272N Dieſe Schenkungen ſollen durch die Nachgeburt von Kindern nicht widerrufen werden. Art. CCCLXXXVI. Die Ehegatten ſollen, während der Ehe, ſich weder durch Akte zwiſchen Lebenden, noch durch ein Teſtament gegen⸗ und wechſelſeitige Schenkungen in einem und demſelben Akte machen konnen. Art. CCCLXXXVII. Der Mann, oder die Frau, welcher oder welche Kinder von einer fruͤhern Ehe hat, und eine zweite und ſpatere Ehe abſchlieſſen wird, ſoll dem neuen Ehegatten nicht mehr als einen Antheil eines eheli⸗ Anmerkungen. ſey, wenn das Weib, um ſie zu widerrufen, keiner Ermaͤchtigung bedarf; und wenn, um dieſen Wider⸗ ruf noch mehr zu erleichtern, und den Vorwand der Untheilbarkeit der in einem und demſelben Akte ent⸗ haltenen Verfuͤgungen abzuſchneiden, die Ehegatten ſich waͤhrend der Ehe keine gegenſeitige Verfügung durch denſelben Akt machen dürfen(Art. 386). Zum Art. 387. Eine zweite Ehe des ſchenknehmen⸗ den Ehe Gatten kann ſeine Rechte nicht vermindern ſelbſt wenn Kinder aus einer erſten Ehe vorhanden waͤren. Das Geſetz beſchaͤftigt ſich nur in einer andern Hinſicht mit den zweiten Ehen. Die Erfahrung aller Zeiten hat bewieſen, wie ſehr es nöthig ſey, daß es mit beſonderer Sorgfalt daruber wache, daß ein zweiter Ehegatte den Kindern erſter Ebe nicht ſchaden konne, deren Urſprung oft fuͤr ihn eine unangenehme Erinnerung iſt. Deswegen er⸗ (273 chen Kindes, und zwar eines ſolchen, das am we⸗ nigſten erhaͤlt, geben können; und ohne daß, in ir⸗ gend einem Falle, dieſe Schenkungen das Viertheil des Vermögens uͤberſteigen könnten. Art. CCCLXXXVIII. Die Ehegatten ſollen ſich unmittelbar nichts mehr ſchenken können, als ihnen durch obige Verfuͤgun⸗ gen erlaubt iſt. Jede verſteckte Schenkung oder eine ſolche die an Anmerkungen. laubt das Geſetz dem wiederverhenratheten Gatten nicht, ſeinem neuen Gatten mehr als einen Antheil eines rechtmaͤſſigen Kindes, und zwar eines ſolchen, das nach den Grundſätzen des geſetzlichen Vorbehal⸗ tes den geringſten Antheil erhaͤlt, zu geben. Und da es geſchehen koͤnnte, daß der Antheil dieſes Kin⸗ des dennoch das PViertheil uͤberſteigen wuͤrde, ſo er⸗ laubt das Geſetz nicht, daß in irgend einem Falle eine ſolche Schenkung dieſen Betrag, welcher das Maximum iſt, uͤberſteigen konne. Dies ſind die Grundſätze, worauf dieſer wichtige Titel des Geſetzbuches beruht. Man hat jene, dem Menſchen ſo theure, Freiheit in der Ausuͤbung ſeines EigenthumsRechtes ſtets im Auge gehadt; wenn das Geſetz einen Theil ſeines Vermoͤgens ſeiner Ver⸗ fuͤgung entzieht, ſo geſchieht es zu Gunſten ſeiner innigſten Vluts Verwandten, und in einem ſolchen Verhaͤltniß, daß ſich unmoͤglich vermuthen laͤßt, daß dieſe Verfuͤgung mit dem Willen des Familien Va⸗ ters in Widerſpruch ſtehen ſollte. Dieſer wird im⸗ mer der oberſte Richter des Schickſals ſeiner Erben ſein; ſeine Macht wird geachtet, ſeine Liebe gefürch⸗ tet werden; er wird der ſuͤßen Beruhigung genieſ⸗ 13 (274 N unterſchobene Perſonen geſchehen waͤre, ſoll nich⸗ tig ſein. Art. CCCLXXXIX. Als Schenkungen an unterſchobene Perſonen wer⸗ den angeſehen die Schenkungen eines der Ehegatten zum Vortheil der Kinder oder eines der Kinder des andern Ehegatten aus einer fruͤhern Ehe deſſelben, und diejenigen, die der Schenknehmer zu Gunſten derjenigen Verwandten des andern Ehegatten ge⸗ macht haͤtte, deren vermuthlicher Erbe der andere Ehegatte am Tage der Schenkung war, wenn auch dieſer letztere ſeine ſchenknehmenden Verwandten nicht uͤberlebt hätte. Anmerkungen. ſen, ſein Vermögen, die Fruͤchte ſeiner Arbeit, nach Wohlgefallen unter ſeine Kinder vertheilen zu kön⸗ nen; er kann dieſe wohlthaͤrige Gewalt ſogar auf ſeine Enkel und GeſchwiſterKinder ausdehnen; fuͤr die EheKontrakte, fuͤr die Verfuͤgungen waͤhrend der Ehe hat man alle die Freiheit bewilligt, die mit dem Intereſſe der Familien vereinbarlich war, und in⸗ dem man die Unabhaͤngigkeit der Ehegatten in dieſen Verfuͤgungen zum erſten Grundſatz machte, hat man Harmonie und gegenſeitige Achtung unter ihnen zu begruͤnden geſucht. Endlich hat man, ſoviel als möglich, die Formen vereinfacht, und jenen unzähligen Koutroverſen ein Ende gemacht, welche die Familien zu Grunde rich⸗ teten, und die Teſtatoren vorher immer in einer beunruhigenden Ungewißheit über den Vollzug ihrer Verfuͤgungen lieſſen. ————— 1 Anhang zum erſten Buche des Geſetzbuches. A. Nachtrag zum erſten Artikel des Preliminar⸗ Titels. Beſchluß der Regierung vom 25 Ther⸗ midor 11, welcher den Zeitpunkt beſtimmt, von welchem an die Verkuͤndigung jedes Geſetzes in jedem Depar⸗ tement fuͤr bekannt erachtet wird. St. Cloud am 25 Thermidor 11 Jahres. Die Regierung der Republik, auf den Bericht des GrosRichters Juſtitz Miniſters, nach An⸗ ſicht des Art. I. des Civil Geſetzbuches, und nach Anhoͤrung des Staats Raths beſchließt: Das beigefuͤgte Verzeichniß der Entfernung aller HauptOrte der Departemente von Paris, in Kilometern, Myriametern und alten Lieues ausge⸗ worfen, ſoll ins GeſetRegiſter eingeruͤckt werden 0278 5 um zur Regulirung und Anzeige des Tages zu dienen, an welchem die Verkuͤndigung jedes Geſetzes dem Artikel 1 des CivilGeſetzbuches gemäß in jedem De⸗ partement der Republik fur bekannt erachtet wird. Art. 1I. Der GrosRichter JuſtitzMiniſter iſt mit dem Vollzug des gegenwärtigen Beſchluſſſes“ beauf⸗ tragt, der ebenfalls ins Geſetz Regiſter eingeruͤckt wer⸗ den ſoll. Ueberſicht der Entfernungen aller HauptOr⸗ te der Departemente von Paris, in Ki⸗ lometern, Myriametern und alten lieues ausgeworfen. Namen der Entfernungen in —.———— Kilo My⸗ſ alte Departemente. HauptdOrte... Ain„Bourg. 432 43 2 86 1 Aisne Laon. 12712 7 25 3 Allier. Moulins. 289 28 9 57 Alpen(niedere). Digne. 75575 5131 Alpen(obere). Gap.„ 665 66 5133 Alpen(See). Nice.„ 960 95„191 Ardeche. Privas. 6o6 60 6121 Ardennen. Mezieres. 234 23 4 46 Arriege. Foir. 275 2150 » (279 N ————— Namen der Entfernungen in —————— il Ky⸗ lt Departemente.] HanptOrte. e geuez. — — Aube. Carcaſſonne. 76576 5 Aveyron Rhodez. 602 69 2 — 80 S 5 RhoneMundung. Marſeille. 813 81 3 1521 Calvados. Caen. 20326 3 521 Cantal.„Aurillac 330 53 9 107 Chmeite Angouleme. 454 45 4 901 Charente(untere). Saintes 454 48 4 96 E Cher.. Bourges. 33 23 3 467 Cee u 46146 1 92* GoldKuͤſten. Dijon 305 30§ 51 NordKüſten. Saint⸗Brieux. 446 44 5 80 ½ Creuze.„ Gueret. 423 42 8 35 2 Doire(die). Jvre. 621 92 11647 Dordogne Perigueux 472 47 2 94 3 Doubs. Beſancon 306 39 6 79 1 Drome.„Valence 560 56„112 Dyle. PBrüſſel 30 30 5 61 Escaut. Gand 333333 3 667 Eure. Evreur. 0 10 4 20 3 Eure und Loire. Chartres. 9209 2 18 7 Fiñiſtent Quimper. 623 62 3,124 4 Wäden Luxemburg. 367 36 7 23 2 Garb. Pismrs 70270 21402 669 66 9133 Garonne(obere). Toulouſe.. 74374 31482 Se Gironde. Bordeaur. Gold Baſin Herault. Montpellier. Ille und Villaine. Rennes.. 373 37 3114 ½ 873 87 3174 5 75275 21605 ſès: . . — . * „ . * * . . . * — * ⸗ . 1346 34 6 (280) Namen der Entfernungen in ———— Departemente.] Hauptorte. n ges. Indre. Chateau⸗Rour.. 269 5 9 51 Indre und Loire. Tours. 24224 2 48 Iſere. BGrenoble. 55856 81132 SJemmappes. Mons 24424 4 481 Jura.„LLons⸗le⸗Saulnierſ41141 1 82 Landes. Mont⸗de⸗Marſan. 70470 2140 ½ Leman.„Genf. 1351 4102 ½ Liamone. Ajaccio. 37187 3174½ Loire und Cher.. Blois. 18218 1 36½ Loire. Montbriſon. 44344 3 88 7 Loire(untere).. Nantes. 38038 9 771 Loiret.„Orleans 12312 3 28 ½ Lot. Cahors 55855 8111 Lot und Garonne. Agen. 71471 4142 ½ Lozere. Mende.„ 563 56 6113 ½ öys. PBruges 350 33 3 76½ Maine und Loire. Angers. 30630„ 60⸗ Manche Saint⸗Lo.„ 326 32 6 65 ½ Marengo. Alerandrien. 852 85 21707 Marne. Chalons. 15416 4 32½ Marne(obere). Chaumont. 247245 497 Mayenne. Laval. 51 28 1 56 Meurthe. Nancy. 33433 4 561 Maas.„Bar⸗ſur⸗Ornain. 25125 1 50 ½ Maas(untere). Maſtricht. 448 44 3 892 Mont⸗blanc Chambery. 56556 8ſ113 Donnersberg. Maynz. 54854 51002 Morbihan„ Vannes 5oo 50„100⸗ Namen der ——————————— Departemente. HauptOrte. Entfernungen in ——— Kilo] My⸗ſalte met. riam. Lieues⸗ Moſel.„Metz„ Zwey Nethen.. Anvers.. Rievre.„WNevers.. Nord.„Lille„ Hi Beauvais. Orne.„Alencon. Qurthe.. Lüttich.. Pas⸗de⸗Calais. Arras.. Turin Puy⸗de⸗Dome. Clermont.. Pyreneen(nied.). Pau„„ Pyreneen(obere). Tarbes.. Pyreneen(Orient) Perpignan. Rhein(Nieder).. Strasburg. Rhein(Ober) Colmar... Rhein und Moſel. Coblenz.. Rhone. Lyon. Ruhr.„Aachen.. Sambre u. Maas Namur.. „„ Saone(obere). Veſoul.. Saone und Loire. Macon.. Saar. Triel Sarthe. LeMans. Seine„Paris Seine(untere). Rouen. Seine und Marne Melun. Seine und Oiſe.. Verſailles. Zwey Sevren. Niort. Seſia„ Verceil.. * „ 19319 3 38 45745 7 92 308 30 8 61 35535 5 71 236 23 6 N 23623 6 47 88 8 8 17 10119 1 38 41141 1 82 76376 3152 384 38 4 76 78178 1156 815 81 5163 888 88 8 177 46446 4 92 48148 1 06 597 50 7119 2532 6 9 „ vbn b l 34534 5 69 35435 4 70 E 399139 9 79 5 41041„ 82 21121 1 425 13713 7 27 46 46 9 21 2 1 4 1836]83 61 41641 6 8 6 (282) Namen der Entfernungen in —————————zůĩũů———— Kilo] My⸗ alte Departemente. HauptoOrte. met. ian. Liehies. Stura.„Coni.„84384 3165 Tanaro.. Aſti. 16 b1 5163 Z 632 65 7 131: Var. Draguignan.. 890 60„178 Vaucluſe. Avignon. 70770 7 141½ Vendee. Fontenay. 447 44 7 89 Vienne. poitiers 3347 34 3 657 Vienne(obere). Limognes. 380 385 Vosges.„Epinal. 391 351 76 ½ Yonne„Auxerre 168 16 8 33 ———————————— B. Nachtrag zum dritten Titel des Iſten Buchs des Civi[ Geſetzbuches. Geſeß vom 11 Germinal 11. Von den Vornamen. Art. 1. Ven der Verkundigung des gegenwärtigen Geſez⸗ zes an, können nur blos die Namen, welche in den verſchiedenen Kalendern gebräuchlich ſind und die bekannter Perſonen der alten Geſchichte als Vorna⸗ men in die Regiſter des Civilſtandes aufgenommen werden, welche beſtimmt ſind die Geburt der Kin⸗ der zu konſtatiren; es iſt den öffentlichen Beamten unterſagt, irgend andere Namen in ihre Akte auf⸗ zunehmen. Art. IU. Jedermann, der itzt entweder den Ramen einer wirklich beſtehenden Familie oder irgend einen, in der Bezeichnung des vorhergehenden Artikels nicht (284) einbegriffenen Vornamen fuͤhrt, kann deſſen Aende⸗ rung anverlangen, wobei er ſich nach den Verfü⸗ gungen dieſes nämlichen Artikels zu richten hat. Art. II. Dieſe Veränderung ſoll auf ein Urtheil des Bezirks⸗ Gerichtes ſtatt haben, welches die Berichtigung des Aktes des Civilſtandes verordnen ſoll. Das Urtheil ſoll, nach Anhörung des Regierungs⸗ Kommiſſairs auf eine bloße Bittſchrift erlaſſen wer⸗ den, welche der, der die(Namens) Veränderung begehren wird, wenn er grosjährig oder emancipirt iſt, oder im Falle er minderjährig iſt, ſeine Ael⸗ tern oder ſein Vormund zu übergeben haben. Von den Namens Aenderungen. Art. WV. Jedermann, welcher einen Grund haben wird, ſeinen Namen zu veraͤndern, ſoll ſein, die Be⸗ weggrunde enthaltendes, Geſuch der Regierung vor⸗ legen. Art. V. Die Regierung hat in der fur die Verordnungen der öffentlichen Verwaltung vorgeſchriebenen Form daruͤber zu erkennen. (285 Art. VI. Wenn ſie das Begehren zulaͤßt, ſo erlaubt ſie die Ramens Veranderung durch einen in derſelben Form erlaſſenen Beſchluß, der aber erſt nach Ablauf ei⸗ nes Jahres von dem Tage ſeiner Einrückung ins Geſetz Regiſter an zu rechnen ſeinen Vollzug erhal⸗ ten ſoll. Art. VII. Wahrend dem Laufe dieſes Jahres ſoll jeder, da⸗ zu Berechtigte, zugelaſſen werden, der Regierung eine Bittſchrift zu übergeben, um den Widerruf des Beſchluſſes, der die Namens Veränderung erlaubt, zu erwirken; und die Regierung ſoll, wenn ſie die Oppoſition für gegrundet erachtet, dieſen Widerruf erlaſſen. Art. VIII⸗ Haben keine Oppoſitionen ſtatt gehabt, oder ſind die, welche ſtatt gehabt haben, nicht zugelaſſen wor⸗ den, ſo ſoll der Beſchluß, welcher die Namens Ver⸗ aͤnderung erlaubt, nach Ablauf des Jahres ſeine ganze und völlige Wirkung haben. Art. 1X. Gegenwaͤrtiges Geſetz ändert nichts an den Ver⸗ fügungen der beſtehenden Geſetze über die Fragen (286 des Civilſtandes, welche NamensVeränderungen nach ſich ziehen; dieſe fahren fort, in den gewohn⸗ lichen Formen vor den Tribunalien verfolgt zu werden. Bemerkungen üͤber vorſtehendes Geſetz. Schier bei allen enropaiſchen Nationen bezeichnet man die Perſonen durch einen oder mehrere Namen, welche dem Individuum ankleben, und durch einen andern Na⸗ men, den daſſelbe mit allen Gliedern ſeiner Familie gemein hat. Mit dieſen verbinden gewiſſe Perſonen noch jene Titel, die von FeudalBeſitzungen oder Rechten herruͤhren, und gewiſſermaſſen blos eine Er⸗ gänzung der Bezeichnung des Individuums oder ſei⸗ ner Familie ſind, welche zur genauen Unterſcheidung der Perſonen keineswegs erforderlich iſt. Der Vorname und der Familien Name ſind hinge⸗ gen in dem gegenwärtigen Zuſtand der Geſeliſchaft unentbehrlich; und ohngeachtet der Gebrauch der Fa⸗ miliennamen nicht viel älter als das Jahr 1000 der chriſtlichen Zeitrechnung iſt, ſo hat dieſe Unentbehr⸗ lichkeit ihn doch ganz allgemein gemacht. Por die⸗ ſer Epoche hatte man keine Familien Namen; wenig⸗ ſtens bezeichnen die ältern Dokumente, welche auf uns gekommen ſind, die Perſonen nicht anderſt als durch ihre Vornamen, gewoͤhnlich den Taufnamen. Noch itzt giebt es im noͤrdlichen Entopa Familien⸗ welche keinen gemeinſchaftlichen Namen haben, und ih⸗ re Glieder nicht anderſt als durch ihre Vornamen in Verbindung mit jenem ihres Vaters bezeichnen z. B. Paul, Sohn von Peter w. 1. Die erſten Familiennamen, welche bloſſe Sunamen waren, entſtanden aus der Nothwendigkeit, in den geſellſchaftlichen Verhaͤltniſſen die Perſonen zu unter⸗ ſcheiden, welche denſelben Vornamen fuͤhrten; dieſe Unterſcheidung ward in dem Grade nothwendiger, als die religiöſen Ideen auf die Wahl des Vorna⸗ mens einwirkten und den Kreiß verengten, in wel⸗ (287 chem er gewahlt werden konnte; aber ſelbſt dieſe Zu⸗ namen, die bei dem Adel meiſtens von ſeinen Be⸗ ſizungen, bei den andern Klaſſen der Geſellſchaft von dem Gewerb, oder irgend einer phyſiſchen oder mo⸗ raliſchen Eigenſchaft entlehnt wurden, waren lange Zeit hindurch ebenfalls blos individuell, und wurden — erſt zu der Zeit Philipps Auguſts ganz erblich. Seit dieſer Epoche machten dieſe Zunamen, wel⸗ che itzt Familiennamen geworden waren, eine Art von Eigenthum aus, welches auf die Deszen⸗ denten, und zuweilen ſelbſt nach dem öortlichen Ge⸗ brauche, auf die zu Erben eingeſeßten Legatarien uͤber⸗ gieng. Es gehoͤrt alſo, was das gemeine Recht be⸗ trifft, in die Competenz der Tribunalien, und blos für Ausnahmen vor den Geſetzgeber; allein da dies Eigenthum ſeine Wichtigkeit zuerſt von den Feudal⸗ Rechten und den adlichen Auszeichnungen erhielt, die damit verbunden wurden, ſo ſcheint die ehemalige Geſetzgebung ſich auch blos mit der Regulirung der⸗ jenigen Fälle beſchaͤftigt zu haben, wobei dieſe Pri⸗ vilegien intereſſirt waren. Dieſe Geſetzgebung hatte verordnet, daß man in Vollzug der Ordonnanz Hein⸗ richs ll. vom 26 März 1555 ſeinen Namen nicht an⸗ derſt als in Gemäßheit offener königlicher Briefe ver⸗ ändern koͤnne, die auf die Regiſter der obern Ge⸗ richtsHöfe eingetragen werden mußten. Solche Brie⸗ fe hieſſen: Lettres de comanutation de nom und ent⸗ hielten immer die Klauſel; sauf notre droit en antre chose et l'autrui en tout. Ohngeachtet in den koͤniglichen Ordonnanzen immer blos von adlichen Familiennamen die Rede war, ſo traten doch auch dieſelben Grundſätze fuͤr die bürger⸗ lichen ein; man hat mehrere Beiſpiele von Privater⸗ ſonen, welche ihre Namen kraft königlicher Briefe oder kraft von Beſchluͤſſen der obern Gerichts Höfe ver⸗ indert haben, theils um ſich eines bizarren Namens zu entledigen, theils um einen infam gewordenen abzuſchütteln. Zuweilen ward ſogar in dieſem letten Falle die Namens Aenderung anbefohlen, wel⸗ ches z. B. mit den Familien der Königs Moͤrder der Fall war. (288) ueber den Vornamen enthielt dieſe Geſetzgebung gar keine Beſtimmung. Er hieng immer mit der reli⸗ gidſen Ceremonie der Taufe zuſammen, die damals zugleich der CivilAkt war; und da die Religion nicht erlaubte, einen Namen anſſer ihrem Kalender zu wäh⸗ len, ſo hatte man keine andere Garantie gegen die Ausſchweifungen der EinbildungsKraft nöthig. Die Dekrete der konſtituirenden Verſammlung vom 18 Junins 1790 und 19 Dezember 1791, welche die Titel abſchaften und befahlen, blos den Familien⸗ namen zu führen, brachten die erſte Veraͤnderung in dieſe Geſetzgebung; die zweite das Dekret vom 20 September 1792, welches die öffentlichen Beamten dazu beſtimmte, die Akten des Civilſtandes hinfüͤhro anfzunehmen. Dieſe erſte Veränderung hatte blos einen heilſamen Einfluß, weil ſie einerſeits eine un⸗ nutze und überfluͤſſige Ergaͤnzung der individnellen Bezeichnung abſchafte und andrerſeits weit entfernt eine Unordnung einzufuͤhren, die entfernte, wel⸗ che damals aus der Adoption einer Menge von der Eitelkeit entlehnter Zunamen entſprang; allein die zweite, indem ſie einen der, zur Echaltung der Geſellſchaft wichtigſten, Akte der religioſen Auf⸗ ſicht entzog um ihn der Civil Gewalt zu uͤbergeben, ohne jedoch irgend eine Regel über die Wahl der Namen, die man ſeinen Kindern geben konnte, vor⸗ zuſchreiben, war Schuld daß eine Unordnung daraus ſ⸗ welche der Geſetzgeber nicht vorgeſehen hatte. Dieſe, dem Eigenſinn, der Fantaſie, und der Aus⸗ zeichnungsſucht gelaſſene Befugniß hatte mehr als eine ſchaͤdliche Folge; der Taufname, dem man nun die paſſendere und deshalb in dem neuen Ge⸗ ſetz beibehaltene Benennung Vornamen gab, ward willkuͤhrlich, zuweilen unter lebloſen und abſtracten Gegenſtänden, und noch öfter unter den Namen wirklich lebender Perſonen gewaͤhlt, ein Syſtem, welches die gefaͤhrlichſte Unordnung herbeifuͤhrte. Man beſchraͤnkte ſich ſelbſt nicht hierauf; jeder gab dieſem Grundſatz eine weitere beliebige Ausdehnung und gab nicht allein ſeinen Kindern willkuͤhrliche Na⸗ men, ſondern glaubte auch den ſeinigen, durch eine bloſſe vor der Munizipalitat oder oft in einer Volks⸗ (289 Geſellſchaft abgegebene Erklaͤrung veraͤndern zu koͤnnen. Die National Konvention ſelbſt konſacrirte dieſen Grundſatz durch ein Dekret vom 24 Brumaire 2ten Jahres, welches die Befugniß jedes Buͤrgers, ſich einen beliebigen Namen zu geben, anerkennt, und die Bgrin. Grour, welche ſich Freiheit nennen wollte, vor die Munizipalität verweißt, um ihre Erklaͤrung deshalb abzugeben. Der Misbrauch und die Gefahren dieſer Marime waren jedoch ſo groß, daß ſie bald den eifrigſten Be⸗ kennern derſelben fuͤhlbar wurden, und ein Geſetz vom 6 Fruktidor 2 Jahres verbietet: andre Vor⸗ oder Familiennamen anzunehmen, als die, welche in dem GeburtsAkte enthalten ſind, und befiehlt denen, welche die ihrigen verlaſſen haben, ſie wieder anzu⸗ nehmen. Dies iſt der Zuſtand der gegenwaͤrtigen Geſetzge⸗ bung, welche, wie man ſieht, drei HauptVerfuͤgun⸗ gen begreift; die erſte, welche jedem franzoſiſchen Buͤrger verbietet, einen aus dem FeudalRechte her⸗ flieſſenden Vornamen oder Titel anzunehmen. Die zweite die, welche die Haltung der zur Konſtati⸗ rung der Geburt und der Namen der Perſonen beſtimm⸗ ten Regiſter oͤffentlichen Beamten uͤberträgt: und endlich die dritte, welche verbietet andere, als die im GeburtsAkt enthaltene Namen anzunehmen. Es iſt jedoch leicht einzuſehen, daß zur Ergänzung des Syſtems eine letzte Verfuͤgung fehlt, weil keine derſelben verbietet, einem Kinde den Namen einer wirklich lebenden Familie zu geben; keine demjenigen, welcher in den ſtuͤrmiſchen Zeiten der Revolution von einem unklugen Freund oder Vater einen Namen er⸗ halten hat, welchen itzt die offentliche Meinung ver⸗ wirft, die Befngniß ertheilt, dieſen Namen zu ver⸗ aͤndern, endlich weil keine Gewalt durch die Geſetz⸗ gebung den Auftrag erhalten hat, in den Fällen, wo die alte Geſetzgebung es zuließ, eine NamensVer⸗ aͤnderung zu ermaͤchtigen. Obiges Geſetz ergaͤnzt dieſe Vergeſſenheit des Ge⸗ ſetzes und macht den Irrthumern und Misbraͤuchen ein Ende, zu welchen das Stillſchweigen deſſelben ¹9 (290) jeden Tag Gelegenheit gab. Es zerfaͤllt in zwei Titel; der erſte handelt von den Vornamen, der zweite von den NamensAenderungen. Man hat, wie wir ſchon oben bemerkt haben, das Wort: Vorname ſtatt des: Taufname bei⸗ behalten, weil es auſſer ſeiner Beſtimmtheit, noch den Vortheil hat, auf die Namen aller Glieder der Geſellſchaft, zu welcher Religion ſie ſich auch beken⸗ nen moͤgen, anwendbar zu ſein. Der erſte Artikel beſchraͤnkt die Wahl der Vor⸗ namen auf die, welche in den verſchiedenen Kalen⸗ dern gebraͤuchlich ſind, und die bekannten Perſonen der alten Geſchichte. Die Beweggruͤnde dieſer Ver⸗ fuͤgnng finden ſich in der Nothwendigkeit, worinn der Geſetzgeber heutzutage verſetzt iſt, das zu thun, was ededem durch die religioͤſen Ideen bewerkſtelligt ward. Er muß der Verwirrung vorbengen, die aus der Adop⸗ tion des Namens einer wirklichen Familie zum Vor⸗ namen eines Individuums entſtehen konnte; er muß der Schmeicheley jenes Patronat entziehen, unter wel⸗ ches Schwachheit, Mittelmaͤſigkeit und ſelbſt das Ver⸗ brechen oft ihre Zuflucht nahmen; endlich muß er den Maͤnnern, welche ihre Talente, ihre Tugenden oder große Ereigniſſe uͤber andere erheben, den ausſchließ⸗ ſichen Beſitz ihres Namens, er mag nun ehrenvoll und ruͤhmlich oder aber eine druͤckende Buͤrde ſein, verſichern, und ihn ohne Ungewißheit uͤber das In⸗ dividuum, das ihn getragen hat, auf die Nachwelt uͤbertragen, da die Zeit allein die Namen hiſtoriſch machen kann. Um aber dieſen Zweck zu erreichen, wuͤrde es nicht hinreichend geweſen ſein, die Adoption von Namen dieſer Art geradezu zu verbieten, ohngeachtet dieſer Weg der einfachſte ſcheinen ſollte. Die Menge Fa⸗ miliennamen, welche zugleich Vornamen ſind, mach⸗ ten es nothwendig, der Abfaſſung des Geſetzes die groͤſte Beſtimmtheit zu geben; hätte man ſich aber auf ein Verbot beſchränkt, ſo haͤtte man mittelbar jenen Familien das Recht gegeben, alle die anzu⸗ fechten, welche ihren Familien Namen zum Vornamen hätten annehmen können. Anderntheils ſchien eszweck⸗ mäſig, der offentlichen Meinung eine gewiſſeRichtung zu (291 geben, und anzudeuten, daß der dei Kinde bei ſeiner Geburt gegebene Vorname blos ein Mittel iſt, es von jedem andern zu unterſcheiden, nicht aber eine Weiſſagung ſeiner künftigen Beſtimmung, und daß die Wahl deſſelben wohl ein Audenken der Freund⸗ ſchaft und Dankbarkeit, nicht aber eine Auszeichnung des PartheyGeiſtes ſein darf. Endlich läßt die Be⸗ ſchraͤnkung dieſes Artikels der Wahl eine ſolche Aus⸗ dehnung, daß niemand ſich daruͤber beſchweren kann, und die Auhaͤnger jeder Religion, jeder Meinung darinn ihre Befriedigung finden werden. Die ubrigen Artikel deſſelben Titels handeln von der Befugniß, die Abänderung der in der Bezeich⸗ nung des erſten nicht einbegriffenen Namen zu erlan⸗ gen. Man hat geglaubt, dieſer Formalität die mog⸗ lichſte Einfachheit geben zu müſſen, ohne ihr jedoch den Karakter der Authentizirär zu benehmen, den der Gegenſtand erheiſcht. Deshalb iſt ein Urtheil eines Bezirks Gerichts zu dieſer Berichtigung erfor⸗ derlich, welches aber auf eine bloſſe Bittſchrift und ohne Koſten ertheilt werden muß. Was den zweiten Titel betrifft, ſo behaͤlt die letzte Verfügung deſſelben den Tribunalien vor, wie bis⸗ her uͤber die NamensVeraͤnderungen zu entſcheiden, welche von Fragen des Civilſtandes abhaͤngen. Des⸗ halb kann nie ein Misbrauch der durch die andern Artikel bewilligten Befugniß zu fürchten ſein, und ſo oft ein PrivatIntereſſe im Spiele iſt, ſo oft es dar⸗ auf ankommen wird, den Civilſtand der Perſonen durch eine NamensVerauderung zu beſtimmen, hat die Regierung kein Recht dazwiſchen zu kommen. Wenn aber dieſe Veranderung blos ſolche Umſtände zum Beweggrunde hat, die von dem Civilſtande und dem Vermogen der Perſonen ganz unabhaͤngig ſind, z. B. die Laͤcherlichkeit oder Infamie eines Namens, ſo kann niemand beſſer, als die Regierung uͤber die Guͤltigkeit der Gruͤnde, worauf ſich das Begehren ſtuͤtzt, erkennen; ſie, die an der Spitze der Verwal⸗ tung zuerſt im Stande iſt, ein vernünftiges Be⸗ gehren und einen Einfall des Eigenſinns zu unter⸗ ſcheiden. Auch war ehedem dieſe Befugniß eine der Attributionen des Hauptes der Regierung, und 3 (292 damals war eine NamensAenderung von weit gröſ⸗ ſerer Wichtigkeit, als itzt. Damals hatte man nicht gllein uͤber die Beweggründe der Veranderung zu er⸗ kennen, ſondern man mußte anch zu verhindern ſu⸗ chen, daß die Annahme eines uenen Namens keine hohern Vorrechte des Adels gewaͤhren moͤge. Heut⸗ zutage iſt die Wahl eines neuen Namens an und fuͤr ſich gleichguͤltig, weil der, der die Ermächtigung dazu erhält, keine Auszeichnung und keine Privile⸗ gien daraus herleiten kann; dieſe Wahl kann hoͤch⸗ ſtens einen Privatmann intereſſiren und das Geſetz laßt ihm daher die nothige ZeitFriſt, um ſeine Oppo⸗ ſition geltend zu machen. Dieſe Vorſicht beugt jedem Misbrauche zum voraus vor, der aus dem von obigem Geſeße angenommenen Grundſatze eutſtehen könute, welches einen der wich⸗ tigſten Theile der Geſetzgebung, den des Eivilſtan⸗ des der Buͤrger, ergaͤnzt. II. Anhang zum dritten Buche. 4. Nachtrag zum erſten Abſchnitt des vier⸗ ten Kapitels des erſten Titels. Jranſitoriſches Geſetz vom 14 Floreal 11 Jahres, uͤber die Rechte der naturlichen Kinder, deren Ael⸗ tern ſeit der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 12. Brumaire 2 Jahres verſtorben ſind. Art. 1. Der Stand und die Rechte der auſſerehelichen Kinder, deren Aeltern ſeit der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 12 Brumaire 2 Jahres bis zur Ver⸗ kundigung der Titel des Civil Geſetzbuches: uͤber die Vaterſchaft verſtorben ſind, ſollen nach der von die⸗ ſen Titeln vorgeſchriebenen Art regulirt werden. G294 Art. 1I. Die Vertraͤge und die in Rechtskraft erwachſenen urtheile, wodurch der(Civil) Stand und die Rech⸗ te der beſagten Kinder beſtimmt worden wären, ſol⸗ len ihrer Form und Inhalt nach vollzogen werden. B. Nachtrag zum zweiten Titel des drit⸗ ten Buchs. Geſetz vom 25 Ventoſe 11, welches die Or⸗ ganiſation des Notariats Weſens enthalt. Erſir iel Von den Notarien und den Notariats⸗ Akten. Erſter Abſchnitt. Pon den AmtsVerrichtungen, dem AmtsKreis und den Pflichten der Notarien. Die Notarien ſind öffentliche Beamten, welche angeſtellt ſind, um alle Akte und Kontrakte aufzu⸗ nehmen, welchen die Partheyen den Karakter der Authentizität, der den Akten der öffentlichen Ge⸗ G295 N walt anhängt, geben wollen oder muͤſſen, und um deren Datum zu verſichern, ſie aufzuwahren, und exekutoriſche und andere Ausfertigungen(grosses et expẽditions) davon zu geben. Art. 1I. Sie ſind für ihre Lebenszeit angeſiellt. Art. 111 Sie ſind gehalten, ihre amtliche Huͤlfe(leur mi- nistére) zu leiſten, wenn ſie dazu aufgefordert werden. Art. 1V. Jeder Notar ſoll ſich an dem Orte aufhalten muͤſ⸗ ſe, der ihm von der Regierung beſtimmt wird. Im Fcdle der Zuwiderhandlung ſoll der Notar angeſehen weden, als habe er ſeine Entlaſſung gegeben; folg⸗ lich ſoll der Gros Richter JuſtitMiniſter, nach Ein⸗ ziehing des Gutachtens des Tribunals, der Regie⸗ rung vorſchlagen können, ihn durch einen andern zu erſetzn. Art. V. Die Notarien üben ihre Amts Verrichtungen aus wie folgt, nämlich: Die der Städte, wo ein Appellations Tribunal (296 5 beſteht, in dem Umfange des AmtsKreiſes dieſes Tribunals; Die der Staͤdte, wo blos ein Tribunal erſter In⸗ ſtanz beſteht, in dem Umfange des AmtsKreiſes die⸗ ſes Tribunals; Die der andern Gemeinden in dem Umkreiß des Bezirks des Friedens Gerichtes. Art. V. Es iſt jedem Rotar unter Strafe, während drei Monaten von ſeinen AmtsVerrichtungen ſuspendirt und im Ruͤckfalle abgeſetzt zu werden, ſo wie unter Strafe aller Schadloshaltungen verboten, auſſer⸗ halb ſeines AmtsKreiſes zu inſtrumentiren. Art. VII. Die AmtsVerrichtungen der Notarien ſind unvr⸗ träglich mit jenen der Richter, Regierungs Komriſ⸗ ſarien bei den Tribunalien, ihren Subſtituten, en Greffiers(Gerichtſchreiber), Avoues, Huiſſics, Vorgeſetzten der Einnahme der mittelbaren unt un⸗ mittelbaren Steuern, der Richter, Greffier und Huiſſiers der Friedens Gerichte, der PolizeyKonmiſ⸗ ſarien und VerſteigerungsKommiſſarien(canmis saires aux ventes). 297N 3 weiter Abſchnitt. Von den Akten, von ihrer Form; von den Minuten, exe⸗ dutoriſchen und andern Ausfertigungen(grosses et ex- péditions) und Repertorien. Art. VIII. Die Notarien ſollen keine Akte aufnehmen können, worinn ihre Verwandte oder Verſchwägerte, in allen Graden der graden Linie, und in der SeitenLinie bis zum Grad von Onkel oder Reffe einſchließlich, Parthie wären, oder welche irgend eine Verfuͤgung zu ihrem Vortheil enthalten könnten. Art. IX. Die Akte ſollen von zwei Rotarien, oder von ei⸗ nem Notar mit Zuziehung zweier Zeugen, welche franzöſiſche Bürger ſein, ſchreiben können, und in dem Gemeinde Bezirk, in welchem der Akt errichtet wird, wohnhaft ſein muͤſſen, aufgenommen werden. Art. X. Zwei Notarien, die mit einander in den durch den Artikel 8 verbotenen Graden verwandt oder verſchwä⸗ gert ſind, ſollen zu demſelben Akte nicht konkurri⸗ ren koͤnnen. Perſonen, welche entweder den Rotarien oder den kontrahirenden Partheyen in den, von dem Artikel 8 verbotenen, Graden verwandt oder verſchwägert, ihre Schreiber oder in ihren Dienſten wären, ſollen keine Zeugen ſein können. (298 5 Art. Kl. Der Rame, der Stand und der Wohnort der Par⸗ theyen muͤſſen den Rotarien bekannt ſein, oder ihnen in demſelben Akte von zwei ihnen bekannten Zeugen ezeugt werden, welche dieſelben Eigenſchaften haben muͤſſen, die zu einem Inſtrumentargeugen erforder⸗ lich ſind. Art. XII. Alle Akte muͤſſen unter hundert Franken Strafe gegen den zuwiderhandelnden Notar den Namen und die Reſidenz des Notars, der ſie aufnimmt, angeben. Sie muͤſſen ebenfalls unter der im nachfolgenden Artikel 18 verhaͤngten Strafe und ſelbſt, im vor⸗ kommenden Falle, unter Strafe des Falſums die Ramen der InſtrumentarZeugen, ihren Wohnort, den Ort, das Jahr und den Tag, an welchem die Akte errichtet worden ſind, angeben. Art. XIII. Die Akte der Notarien ſollen in einem und dem⸗ ſelben Kontext, leſerlich, ohne Abkuͤrzung, weißen Raum, Luͤcken, noch Zwiſchenräume geſchrieben werden; ſie ſollen die Namen, Vornamen, Quali⸗ täten und Wohnorte der Partheyen, ſo wie der Zeu⸗ gen, welche im Falle des Artikels 11 berufen wer⸗ den könnten, enthalten; ſie ſollen die Summen und (299 die Data in Buchſtaben angeben; die Vollmachten der Kontrahenten ſollen der Minute angeheftet wer⸗ den, welche Meldung thun muß, daß der Akt den Partheyen vorgeleſen worden iſt, alles unter Strafe einer Geldbuße von hundert Franken gegen den zu⸗ widerhandelnden Rotar. Art. XIV. Die Akte ſollen von den Partheyen, den Zeugen und den Notarien, die am Ende des Aktes davon Meldung zu thun haben, unterzeichnet werden. Was die Partheyen betrifft, welche nicht unter⸗ zeichnen konnen oder daran verhindert ſind, ſo muß der Rotar am Ende des Aktes von ihren Erklaͤrun⸗ gen in dieſer Hinſicht Meldung thun. Art. V. Die Zuſätze(renvois) und Apoſtillen dürfen, vorbehaltlich folgender Ausnahme, nur an den Rand geſchrieben werden. Sie ſollen, unter Strafe der Nullität, ſowohl von den Notarien als von den andern Perſonen, die den Akt unterzeichnet ha⸗ ben, gleichfalls unterzeichnet oder paraphirt wer⸗ den; wenn die Länge des Zuſatzes erheiſcht, daß er zu Ende des Aktes verſetzt werde, ſo ſoll er nicht allein auf dieſelbe Art wie die an den Rand hingeſchriebenen Zuſätze unterzeichnet oder (300) paraphirt, ſondern auch unter Strafe der Rullität des Zuſatzes von den Partheyen ausdruͤcklich gurge⸗ heiſſen werden. Art. XVI. In der Hauptſchrift des Aktes(dans le corps de l'acte) ſoll nichts uͤbergeſchrieben, noch zwiſchen die Linien eingeſchaltet, noch irgend etwas zugeſetzt wer⸗ den; und die ͤbergeſchriebenen, zwiſchengeſchobenen oder zugeſetzten Worte ſollen nichtig ſein. Die Wor⸗ te, welche ausgeſtrichen werden muͤſſen, ſollen es auf ſolche Art werden, daß man am Rande der ihnen korrespondirenden Seite oder am Ende des Aktes ihre Zahl konſtatiren könne, und ihre Ausſtreichung muß auf dieſelbe Art, wie die an den Rand geſchrie⸗ benen Zuſätze gutgeheiſſen werden; alles unter Stra⸗ fe einer Geldbuße ſo wie aller Schadloshaltungen, und ſelbſt der Abſetzung im Falle eines Betrugs, gegen den Notar. Art. XVII. Der Notar, welcher den Geſetzen und den Be⸗ ſchluͤſſen der Regierung uͤber die abgeſchafften Na⸗ men und Qualifikationen, die FeudalClauſeln und Ausdruͤcke, vie Maaſe und den Kalender der Repu⸗ vlik ſo wie die Dezimal Berechnung zuwiderhandelt, ſoll in eine Geldſtrafe von hundert Franken, die im Ruͤckfalle doppelt ſein ſoll, verurtheilt werden. — — — ——„— — (301 Art. XVIII. Der Rotar ſoll, in ſeiner Schreibſtube, ein Ver⸗ zeichniß frei aufgehangen haben, worauf er die Ra⸗ men, Qualitaten und Wohnorte der Perſonen einzu⸗ ſchreiben hat, welche in dem Umfange des Bezir⸗ kes, worinn er ſeine AmtsVerrichtungen verſehen darf, interdizirt ſind oder einen gerichtlich ernannten Beiſtand haben; er hat die darauf Bezug habenden urtheile darauf einzufuhren, alles unmittelbar nach der ihm davon geſchehenen Notifikation und unter Strafe aller Schadloshaltungen gegen die Partheyen. Art. XIX. Alle Notariats Akte ſollen gerichtlichen Glauben haben und im ganzen Umfange der Republik exeku⸗ toriſch ſein. Richtsdeſtoweniger ſoll, im Fall eine HauptKla⸗ ge auf ein Falſum(action en faux principal) der Vollzug des gerichtlich als falſch angeklagten Aktes durch die Erklaͤrung des urtheils Jury des Inhaltes: daß die Anklage ſtatt findet, aufgehalten werden; im Falle einer, als InzidentPunkt geſche⸗ henen, Inſtription wegen eines Falſums ſollen die Tribunalien, nach der Wichtigkeit der Umſtaͤnde, den Vollzug des Aktes einſtweilen ſuspendiren können. (302) Art. XX. Die Notarien ſollen gehalten ſein, von allen Ak⸗ ten, welche ſie aufnehmen werden, die Urſchrift ¶minute) zuruͤckzubehalten. Doch ſind in der gegenwaͤrtigen Vezfuͤgung die Lebensſcheine(certificats de vie), Vollmachten, Offenkundigkeits Akte(actes de notorieté), Quittun⸗ gen von Paͤchten, Miethen, Gehaͤltern, Ruͤckſtaͤnden von Zinſen und Renten, und andere einfachen Akten, welche dem Geſetz gemäß auf einem Blatt(en brevet) ausgefertigt werden duͤrfen, nicht mit einbegriffen. Art. XXI Das Recht, exekutoriſche Abſchriften(grosses) und Ausſertigungen auszuliefern, ſteht blos dem Notar, der die urſchrift beſitzt, zu; jeder Rotar ſoll jedoch von einem Akt, der bei ihm als Urſchrift niedergelegt worden ſein wird, Abſchrift ertheilen können. Art. XXII. Die Notarien ſollen keine Minute aus der Hand geben koͤnnen,(ne pourront s'en désaisir) ausge⸗ nommen in denen vom Geſetz vorgeſehenen Fällen, und kraſt eines Urtheils. Sie haben, ehe ſie eine ſolche aus der Hand ge⸗ ben, eine ihr nachgebildete Abſchrift(une copi⸗ —— (303 gurde) anfzuſetzen und zu unterzeichnen, welche, nachdem ſie von dem Preſidenten und Kommiſſair des Civil Gerichtes ihres Wohnortes beglaubigt worden ſein wird, der Minute ſubſtituirt werden ſoll, deren Stelle ſie bis zu ihrer Zuruͤckbringung(reintegration) vertreten ſoll. Art. XXIII. Die Rotarien jollen gleichfalls, ohne eine Ordon⸗ nanz des Preſidenten vom erſten Inſtanz Gerichte unter Strafe aller Schadloshaltungen, einer Geld⸗ buße von hundert Franken, und im Ruͤckfalle, der Suspenſion von ihren AmtsVerrichtungen waͤhrend drei Monaten, keinen andern Perſonen, als den fuͤr ſich ſelbſt dabei intereſſirten Perſonen, ihren Erben oder denen welche in ihre Rechte eingetreten ſind, eine Ausfertigung der Akte ertheilen oder ihnen da⸗ von Kenntniß geben können; vorbehaltlich jedoch des Vollzugs der Geſetze und Verordnungen uͤber das Enregiſtrement und jener in Betreff der Akte, wel⸗ che bei den Tribunalien verkuͤndigt werden muͤſſen. Art. XXIV. Im Falle eines gerichtlichen Befehls(en cas de compuſsoire) ſoll der Verbalprozeß daruͤber von dem Notar, bei welchem der Akt niedergelegt war, errich⸗ tet werden, wenn nicht das Tribunal, welches den (304 N Befehl dazu erthellt hat, eines ſeiner Glieder oder jeden andern Richter oder einen andern Notar dazu kommittirt. Art. XXV. Nur die exekutoriſchen Ausfertigungen(les gros- ses) ſollen in der exekutoriſchen Form ausgefertigt werden. Sie ſollen mit denſelben Ausdrüͤcken, wie die urcheile der Tribunalien uͤberſchrieben werden (intitulses) und endigen. Art. XXVI. Auf der urſchrift muß von der an jede der inte⸗ reſſirten Partheyen geſchehenen Ablieferung einer er⸗ ſten exekutoriſchen Ausfertigung Meldung geſchehen. Es darf ihnen, unter Straſe der Abſetzung keine andere mehr ohne eine Ordonnanz des erſten In⸗ ſtanz Gerichts, die der Urſchrift angeheftet bleiben muß, ausgefertigt werden. Art. XXVII. Jeder Notar iſt verbunden, ein beſonderes Pett⸗ ſchaſt oder Siegel zu haben, welches ſeinen Ramen, ſeine Qualität und ſeinen Wohnſitz und nach einem gleichförmigen Modelle den Stempel der franzoͤſiſchen Republik enthalten ſoll. 03050 Den exekutoriſchen und andern Ausfertigungen der Akte ſoll dieſes Siegel aufgedruckt werden. Art. XXVIII. Die Notariats Akte ſollen legaliſirt werden(“), und zwar die der Rotarien, die im SitzungsOrte des Appell Gerichtes reſidiren, wenn man auſſerhalb ihres AmtsKreiſes davon Gebrauch machen wird, und die der andern Notarien, wenn man auſſerhalb ihres Departementes davon Gebrauch machen wird. Die Legaliſation ſoll durch den Preſidenten des erſten Inſtanz Gerichtes von dem Wohnorte des Notars oder des Ortes, wo der Akt oder die Aus⸗ fertigung ausgeliefert werden wird, geſchehen. At. X Die Notarien ſollen uͤber alle die Akte, die ſie aufnehmen werden, ein Repertorium fuͤhren. Art. XXX. Die Repertorien ſollen von dem Preſidenten, oder in ſeiner Ermangelung von einem andern Richter des Civil Gerichts von dem Wohnorte des Notars mit der Seitenzahl bezeichnet und paraphirt werden; () Das heißt, es ſoll unten beglaubigt werden, daß die Unterſchrift des Aktes wirklich die des, durch ſeine Cigenſchaft dazu berufenen, öffentlichen Notars iſt. 20 306) ſie ſollen das Datum, die Art und Gattung der Akte, die Namen der Partheyen, und die Anfuͤhrung der Einregiſtrirung enthalten. 3weiter Sitel. Verfaſſung Cregime) des Notariats. Erſter Abſchnitt. Anzahl, OrtsAnſiellung(placement) und CautionsLeiſtung der Notarien. Art. XaRl. Die Zahl der Notarien fur jedes Departement, ihre Anſtellung und Reſidenz ſollen von der Regie⸗ rung dergeſtalten beſtimmt werden, 1) daß es in den Städten von hunderttauſend Seelen und mehr je höchſtens für ſechs tauſend Einwohner einen Rotar gebe; 2) daß es in den andern Stäͤdten, Flecken oder Ortſchaften wenigſtens zwei und höch⸗ ſtens fuͤnf Notarien in jedem Friedens Gerichts Be⸗ zirke gebe. Art. XXXII. Die Suppreſſion oder Verminderung der Plätze ſoll nicht anderſt, als durch Sterbfälle, Entlaſſung oder Abſetzung geſchehen. — (307 Art. XXKIII Die Notarien uͤben ihre Amts Verrichtungen ohne Patent aus; aber ſie ſind einer von der Regierung nach den hiernach aufgeſtellten Grundſãtzen beſtimmten Caution unterworfen, welche insbeſondere zur Garan⸗ tie, der gegen ſie in Gefolge der Ausuͤbung ihrer Amts⸗ Verrichtungen ausgeſprochenen Verurtheilungen, be⸗ ſtimmt ſein ſoll. Wenn kraft dieſer Garantie der Betrag der Cau⸗ tion ganz oder zum Theil verwendet worden ſein wird, ſo ſoll der Notar von ſeinen AmtsVerrichtun⸗ gen ſo lange ſuspendirt ſein, bis die Caution ganz wiederhergeſtellt worden ſein wird: und in Erman⸗ gelung ſeiner Seits in einer ſechsmonatlichen Friſt den geſammten Betrag der Caution wiederherzuſtel⸗ len, ſoll er angeſehen werden, als habe er ſeine Ent⸗ laſſung gegeben, und erſetzt werden. Art. XXXIV. Die Caution ſoll von der Regierung nach Ver⸗ hältniß des Amts Bezirkes und der Reſidenz jeden Rotars zuſammen in Anſchlag gebracht, nach einem Minimum und einem Maximum nach folgen⸗ der Tabelle beſtimmt werden; naͤmlich: Füͤr die Notarien der AmtsKreiſe von ———z—— Appellations⸗ Gerichten er⸗] Friedens⸗ . Gerichten. ſter Inſtanz.] Gerichten. . und in Wohnorten von Ert der Kechte Rechte.] Rechte. Mini i⸗ Mini Maxi Mini Maxi mum mum. mum ſmumſmum mum unter JoooEinwohnern!—— roooſtʒool 5oo 800 von 5000— 10000 ſ 2000 2500ſ15001800] 800 1000 von 10000— 25000 ſ 2500 32001800a2 c010001400 von 25000— 50000 † 3200 3800 2200 2800 14002000 von 50000— 75000 3800 4400 2800 3400—— von 75000— 100000 4400 5000 34004000— von 100000 und mehr 5cbo——— von Paris„„— 12000— 1—— Dieſe Cautionen ſollen, nach Abzug aller ſchon vorher geſchehenen Zahlungen, den Geſetzen über die Cautionen gemaͤß bezahlt, zuruͤckbezahlt, und die Intereſſen derſelben abgetragen werden. 0309 3 weiter Abſchnitt. Noͤthige Bedingungen, um zu dem Notariat zugekaſſen zu werden und Art der Ernennung. Art. XXXV. Um zu den AmtsVerrichtungen eines Notars zu⸗ gelaſſen zu werden, muß man 1) das Burgerrecht genieſſen, 2) den Geſetzen uber die Militair Conſtription ge⸗ nug gethan haben, 3) 25 volle Jahre alt ſein, 4 ſich uͤber die durch die folgenden Artikel vor⸗ geſchriebene ArbeitsZeit ausweiſen. Art. XXXVI. Die ArbeitsZeit(stage) ſoll, vorbehaltlich fol⸗ gender Ausnahmen, von ſechs vollen und ununter⸗ brochenen Jahren ſein; von welchen man wenigſtens eins der zwei letzten in der Eigenſchaft als erſter Schreiber bei einem Notar von einer der gleichen Klaſſe, worinn die Stelle erledigt iſt, zugebracht haben muß. Art. XXXVII. Die ArbeitsZeit ſoll blos von vier Jahren ſein durfen, wenn man drei davon in der Schreibſtube eines Notars von einer höhern Klaſſe als die, in welcher die Stelle erledigt iſt, zugebracht hat, und (316 wenn der Aspirant während dem vierten als erſter Schreiber bei einem Notar von einer höhern oder der gleichen Klaſſe, worinn die Stelle erledigt iſt, fuͤr welche er ſich darſtellt, gearbeitet hat. Art. XXXVIII. Eiu Notar, der bereits angenommen iſt, und ſeit einem Jahr in einer untern Klaſſe ſeine AmtsVer⸗ richtungen verſehen hat, ſoll von der Verbindlich⸗ keit, ſich uͤber eine ArbeitsZeit auszuweiſen, befreit ſein, um zu einer, in einer unmittelbar höhern Klaſſe faͤlligen, Notanſtelle zugelaſſen zu werden. Art. XXXIX. Der Aspirant, der während vier ununterbroche⸗ nen Jahren bei einem Notar erſter oder zweiter Klaſſe gearbeitet haben wird, und der während we⸗ nigſtens zwei Jahren, Vertheidiger oder Avoue bei einem CivilTribunal geweſen ſein wird, ſoll in einer der Klaſſen, worinn er ſeine Arbeits Zeit zugebracht hat, zugelaſſen werden können, wenn er nur wäh⸗ rend einem der beiden letzten Jahre ſeiner Arbeits⸗ Zeit in der Eigenſchaft als erſter Schreiber bei ei⸗ nem Notar von einer der gleichen Klaſſe, worinn die Stelle erledigt iſt, gearbeitet hat. Art. XI⸗ Die von den vorhergehenden Artikeln erforberliche ſer der ſeit Bet⸗ ich⸗ fteit ſaſſe (3110 Arbeitsgeit muß immer um ein Drittheil verläͤngert werden, ſo oſt der Aspirant, welcher bei einem Kotar von einer untern Klaſſe gearbeitet hat, ſich um eine Stelle von einer unmittelbar hohern Klaſſe auszufuͤllen darſtellen wird. Art. XLI. um zugelaſſen zu werden, die AmtsVerrichtungen eines Notars dritter Klaſſe zu verſehen, ſoll es hin⸗ länglich ſein, daß der Aspirant während drei Jah⸗ ren bei einem Notar erſter oder zweiter Klaſſe gear⸗ beitet habe, oder daß er während zwei Jahren bei einem Apellations oder erſten Inſtanz Tribunal die Amts Verrichtungen eines Vertheidigers oder Avoue's verſehen, und auſſerdem waͤhrend einem Jahre bei einem Notar gearbeitet habe. Art. XLII. Die Regierung kann die Individuen, welche Ver⸗ waltungs oder gerichtliche AmtsVerrichtungen ver⸗ ſehen haben werden, von der Verbindlichkeit ſich uber die ArbeitsZeit auszuweiſen, freiſprechen. Art. XLIII. Der Aspirant ſoll von dem Disziplin Ausſchuß (chambre de discipline) des Bezirks, worinn er ſeine AmtsVerrichtungen verſehen ſoll, ein Zeugniß 03120 ſeiner Moralitat und Fähigkeit begehren. Dies Zeugniß kann nicht eher ertheilt werden, als nach⸗ dem der Ausſchuß dem RegierungsKommiſſair bei dem erſten Inſtanz Gericht eine Ausfertigung der Be⸗ rathſchlagung, wodurch es bewilligt worden ſein wird, uͤberſendet haben wird. Art. XLIV. Im Falle der Verweigerung ſoll der Ausſchuß verbunden ſein, ein, die Beweggruͤnde enthaltendes, Gutachten zu geben, und es dem Regierungs Kommiſ⸗ ſair mitzutheilen, der es mit ſeinen Bemerkungen dem GrosRichter zu uͤberſenden hat. Art. XLV. Die Rotarien werden von dem erſten Konſul er⸗ nannt, und erhalten eine Kommiſſion von ihm, welche den beſtimmten Ort ſeiner Reſidenz bezeich⸗ nen wird. Art. XLVI. Die Kommiſſionen der Rotarien werden, in ihrer Ueberſchrift, an das erſte InſtanzGericht gerichtet, in deſſen AmtsKreiß der Ernannte ſeine Reſidenz haben wird. Art. XLVII. Der Ernannte ſoll in Zeit von zwei Monaten von (3135 ſeiner Ernennung an, und unter Strafe der Verlu⸗ ſtigung ſeiner Stelle, gehalten ſein, in der Audienz des Tribunals, an welches die Kommiſſion gerichtet worden, den Eid abzulegen, den das Geſetz von jedem öffentlichen Beamten erheiſcht, ſo wie jenen, ſeine AmtsVerrichtungen mit Genauigkeit und Recht⸗ ſchaffenheit zu verſehen. Er ſoll zur Eidesleiſtung nicht anderſt, als nach Vorlage des Originals ſeiner Kommiſſion und der Quittung der Zahlung ſeiner Caution zugelaſſen werden. Er iſt gehalten, den VerbalProzeß der Eideslei⸗ ſtung auf dem Sekretariat der Munizipalität des Ortes, wo er reſidiren muß, nind auf der Greffe aller der Tribunalien, in deren AmtsKreiß er ſeine AmtsVerrichtungen zu verſehen hat, einregiſtriren zu laſſen. Art. XLVIII. Er hat nicht eher, als von dem Tage ſeiner Ei⸗ desleiſtung an, ein Recht ſeine Amts Verrichtungen auszuuͤben. Art. XLIX. Ehe er ſeine AmtsVerrichtungen antritt, haben die Notarien auf der Greffe jedes erſten InſtanzGe⸗ richts ihres Departementes und auf dem Sekreta⸗ (3140 riat der Munizipalitaͤt ihres Wohnſitzes ihre Unter⸗ ſchrift und ihren Handzug zu hinterlegen. Die Notarien in den Orten, wo AppellGerichte ihren Sitz haben, haben auſſerdem dieſelbe Rieder⸗ lage auf der Greffe der andern erſten InſtanzGerich⸗ te ihres AmtsKreiſes zu machen. Dritter Abſchnitt. Disziplin Ausſchuͤſſe.. Die Ausſchuͤſſe(les chambres) welche fuͤr die innere Disziplin der Notarien errichtet werden, ſol⸗ len durch beſondere Verordnungen organiſirt werden. Art. Ll. Das Honorar und die Muͤhwaltung der Notarien ſollen guͤtlich zwiſchen ihnen und den Partheyen re⸗ gulirt werden; kann dieſes nicht geſchehen, ſo ſol⸗ len ſie von dem CivilGericht der Reſidenz des No⸗ tars, auf das Gutachten des Ausſchuſſes, und auf bloße Rechnungen, ohne Koͤſten, beſtimmt werden. Art. LII. Jeder ſuspendirte, abgeſetzte oder durch einen an⸗ dern erſetzte Notar, muß ſogleich, nach der ihm geſchehenen Notifikation von ſeiner Suspenſion, ſei⸗ 0315N ner Abſetzung oder ſeiner Erſetzung durch einen an⸗ dern, die AmtsVerrichtungen ſeines Standes auf⸗ hoͤren, unter Strafe aller Schadloshaltungen und der andern von dem Geſetz gegen jeden ſuspendirten oder abgeſetzten Beamten, der in der Verrichtung ſeiner Functionen fortfährt, verhängten Verurthei⸗ lungen. Der ſuspendirte Notar darf ſie unter denſelben Strafen nicht eher, als nach Ablauf der Suspenſions⸗ Zeit wieder aufnehmen. Art. LIII. Alle Suspenſionen, Desſtitutionen, Verurthei⸗ lungen zu Geldbußen und Schadloshaltungen ſollen von dem CivilGericht ihrer Reſidenz auf Betreiben der betheiligten Partheyen, oder von Amtswegen, auf Betreiben des RegierungsKommiſſairs ausge⸗ ſprochen werden. Dieſe Urtheile ſollen der Appellation unterworfen, und proviſoriſch exekutoriſch ſein, mit Ausnahme jedoch der pekuniairen Verurtheilungen. Vierter Abſchnitt. Aufbewahrung, Uebertrag, Verzeichniß der Minuten und Beitreibung der Gebuͤhren(et recouvrement. Art. LIV. Die Minuten und Repertorien eines Notars, der 03165 durch einen andern erſetzt worden, oder deſſen Stelle unterdruͤckt worden ſein wird, konnen von ihm oder ſeinen Erben einem der in derſelben Gemeinde reſidi⸗ renden Notarien oder einem der in demſelben Kanton reſidirenden Rotarien, wenn der, welcher erſetzt worden, der einzige in ſeiner Gemeinde angeſtellte Notar war, uͤbergeben werden. Art. LV. Wenn die Uebergabe der Minuten und Reperto⸗ rien des erſetzten Notars nicht in Gemäßheit des vorhergehenden Artikels in MonatsFriſt von dem Tage der Eidesleiſtung ſeines Nachfolgers an zu rechnen, geſchehen iſt, ſo muͤſſen ſie dieſem uͤber⸗ geben werden. Art. LVI. Iſt die Rotariats Stelle unterdruͤckt worden, ſo iſt der Titular oder ſeine Erben gehalten, die Mi⸗ nuten und Repertorien in einer ZeitFriſt von zwei Monaten vom Tage der Unterdruckung an zu rech⸗ nen, einem der Notarten der Gemeinde oder einem der Notarien des Kantons, in Gemaͤßheit des Ar⸗ tikels 5ð zu uͤbergeben. Art. LVII. Der RegierungsKommiſſair bei dem erſten In⸗ ſtanz Gericht iſt beauſtragt, daruͤber zu wachen, daß (317 die von den vorhergehenden Artikeln vorgeſchriebe⸗ ne Uebergabe geſchehen möge; und wenn im Falle der Unterdruͤckung der Stelle der Titular oder ſeine Erben nicht in den vorgeſchriebenen ZeitFriſten einen Notar erwählt haben, welchem die Minuten und Repertorien uͤbergeben werden ſollen, ſo ſoll der Kommiſſair denjenigen beſtimmen, bei welchem ſie hinterlegt werden ſollen. Der Titular oder ſeine Erben, welche im Ruͤck⸗ ſtand befunden wuͤrden, den Verfuͤgungen der Artikel 55 und 56 genug zu thun, ſollen zu einer Geldbuße von hundert Franken fuͤr jeden Monat der Verzoͤge⸗ rung von dem Tage der ihnen geſchehenen Aufforde⸗ rung, die Uebergabe zu bewerkſtelligen, an zu rechnen, verurtheilt werden. Art. LVIII. In allen Fällen ſoll ein ſummariſches Verzeichniß der uͤbergebenen Minuten aufgeſetzt werden; und der Notar, welcher ſie in Empfang nehmen wird, muß zu Ende dieſes Verzeichniſſes, von welchem eine zweite Urſchriſt dem Disziplin Ausſchuß uͤbergeben werden ſoll, ſich dieſelben zur Laſt ſchreiben. Art. LIX. Der Titular oder ſeine Erben und der Notar, welche die Minuten in Gemaͤßheit der Artikel 54, (318) 55 und 56 in Empfang zu nehmen haben, ſollen gutlich üͤber die einzunehmenden Gebuͤhren wegen den Akten, deren Honorar noch geſchuldet wird, und die Gebuͤhren der Ausfertigungen, unter⸗ handeln. Können ſie nicht einig werden, ſo ſollen ſie von zwei Notarien geſchätzt werden, über deren Wahl die Partheyen uͤbereinzukommen haben, oder welche von Amtswegen unter den Notarien von derſelben Reſidenz oder in ihrer Ermangelung unter den der naͤchſten Reſidenz ernannt werden ſollen. Art. LX. Alle Niederlagen von Minuten unter der Benen⸗ nung: chambres des contrats, bureaux de tabel- lionage und andere, bleiben unter der Aufſicht ihrer gegenwärtigen Beſitzer erhalten. Die exekutoriſchen und andern Ausfertigungen davon können aber blos von einem Notar von der Reſidenz des Depots oder in deren Ermangelung von einem Rotar von der naͤchſten Reſidenz ertheilt werden. Wenn jedoch die beſagten Depots von Minuten der Greſſe(Gerichtsſchreiberei) eines Tribunals uͤbergeben worden ſind, ſo können, in dieſem einzi⸗ gen Falle, die exekutoriſchen und andern Ausferti⸗ gungen von dem Greffier ertheilt werden. (319 5 Art. LKl. Unmittelbar nach dem Sterbfalle eines Notars oder eines andern Beſitzers von Minuten ſoll der Friedens Richter ſeiner Reſidenz die Siegel auf die Minuten und Repertorien anlegen, ſo lange bis ein anderer Notar einſtweilen durch eine Ordonnanz von dem Preſidenten des Tribunals von der Reſidenz des Verſtorbenen damit beauftragt worden ſein wird. Von den gegenwaͤrtigen Notarien⸗ Art. LXKII. Alle Notarien, welche ſich am Tage der Verkuͤn⸗ digung des gegenwärtigen Geſetzes in AmtsVerrich⸗ tung befinden werden, ſind endlich beibehalten. Art. LRII. Eben ſo ſind diejenigen Notarien endlich beibe⸗ halten, welche am Tage der Verkundigung des ge⸗ genwärtigen Geſetzes, ohne durch andre erſetzt wor⸗ den zu ſein, die Ausuͤbung ihrer AmtsVerrichtun⸗ gen blos wegen Unvertraͤglichkeit der Stellen oder wegen Militair Dienſt unterbrochen hatten, oder durch dieſe Urſachen verhindert worden wären, ſie anzutreten. (320) Art. LXIV. Alle beſagte Notarien ſollen nach dem Datum ihrer reſpektiven Aufnahme ihre AmtsVerrichtungen ausuͤben, oder ſie auszuuͤben fortfahren und ihren Rang untereinander behalten. Sie ſind aber gehalten, in den drei Monaten von dem Tag der Verkundigung des gegenwaͤrtigen Geſetzes an 1) alle Titel und Aktenſtuͤcke, welche ihre vorbe⸗ rigen Ernennungen betreffen, auf der Greffe des erſten Inſtanz Gerichts ihrer Reſidenz gegen einen Empfangſchein des Greffiers zu hinter⸗ legen, 2 ſich mit dieſem Empfangſchein an die Regie⸗ rung zu wenden, um von dem erſten Konſul eine BeſtaͤtigungsKommiſſion zu erhalten, wo⸗ rinn das Datum ihrer erſten Ernennung und Aufnahme, ſo wie der beſtimmte Ort ihrer Re⸗ ſidenz angefuͤhrt werden ſoll. Art. LXV. Jeder der beſagten Notarien ſoll gehalten ſein, in den zwei Monaten nach der Ablieferung dieſer Kom⸗ miſſion den von dem Art. 47 vorgeſchriebenen Eid abzulegen und ſich nach den Verfügungen des Arti⸗ kels 49 in Hinſicht auf die Hinterlegung ſeiner Un⸗ terſchrift und Handzeichens zu richten. (321) Der gegenwärtige und der vorhergehende Artikel ſollen unter Strafe der Verluſtigung vollzogen werden. Art. LXVI Die Notarien, welche unverträgliche AmtsVer⸗ richtungen vereinigen, ſollen gehalten ſein, in den drei Monaten, von dem Tag der Verkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Geſetzes an eine derſelben zu wählen, und den Akt dieſer Wahl auf der Greffe des erſten Inſtanz Gerichtes ihrer Reſidenz zu hinterlegen, wi⸗ drigenfalls ſie, als haͤtten ſie ihre Entlaſſung von ihrem Stande als Notarien gegeben, angeſehen und erſetzt werden ſollen: und im Falle ſie fortfahren ſoll⸗ ten, ihn auszuuͤben, ſollen ſie in die vom Art. 82 ausgeſprochene Strafe verfallen ſein. Art. LXVII. Von dem Tag ihrer Wahl an, ſollen ſie eine ZeitFriſt von drei Monaten haben, um ihre Com⸗ miſſion von dem erſten Konſul zu erhalten, und die von den Artikeln 67 und 69 vorgeſchriebenen For⸗ malitaͤten zu erfullen, alles unter derſelben Strafe. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. LXVIII. Jeder in Zuwiderhandlung der in den Art. 7, 8, 9, 10, 14, 20, 32, 64, 65, 66 und 67 enthal⸗ 21 (322N tenen Verfuͤgungen geſchehene Akt iſt nichtig, wenn er nicht mit der Unterſchrift aller Partheyen verſehen iſt; und wenn der Akt mit der Unterſchrift aller kon⸗ trahirenden Partheyen verſehen iſt, ſo ſoll er blos als ein Vertrag unter PrivatUnterſchrift gelten, vor⸗ behaltlich, in beiden Fällen, der Schadloshaltungen gegen den zuwiderhandelnden Notar, wenn ſie ſtatt finden. Art. LLI Das Geſetz vom 6 Oktober 1791 und alle andere ſind in allem, worin ſie dem gegenwärtigen zuwi⸗ derlaufen, abberufen. B. Beſchluß der Regierung, welcher eine einfoͤrmige Formel fuͤr die Ueberſchrift und den Schluß der exekutoriſchen Ausfertigungen der Notariats Akte beſtimmt. Paris am 25 Prairial 11. Die Regierung der Republik, auf den Bericht des Gros Richters, Juſtitz Miniſters, nach Anſicht des Art. 25 des Geſetzes vom 25 Ventoſe 11 uͤber die Organiſation des Notariats, welcher lautet wie (323) folgt:„Nur die exekutoriſchen Ausfertigungen C(les grosses) ſollen in der exekutoriſchen Form aus⸗ gefertigt werden. Sie ſollen mit denſelben Aus⸗ druͤcken, wie die Urtheile der Tribunalien, uͤber⸗ ſchrieben werden(intitulées) und endigen“; nach Anhörung des Staats Rathes, beſchließt: Art. 1. Die Ausfertigungen in exekutoriſcher Form der von Notarien errichteten Akte, ſollen uberſchrieben werden wie folgt: AU NOM DU PEUPLE FRANCAlsS. Bonaparce, premier Consul de la République, ä tous ceux qui ces présentes verront. salut. Fai- sons savoir, que pardevant tel notaire„ à furent présens etc. etc. 2) Dieſelben exekutoriſchen Ausfertigungen ſollen ſchlieſſen wie folgt: Mandons et ordonnons à tous huissiers sur ce requis, de mettre ces présentes à exécution; à tous commandans et officiers de la lorce publique, d'y préter main forte, lorsqu'ils en seront legalement requis et aus commissaires proès les tribunaux d'y tenir la main. LEn foi de quoi nous avons fait sceller ces présentes, qui furent laites et passées à le, et ont les dits(i⸗s parties) signé à la minute demeu- rée à (324 Art. 1l. Der Gro Richter Juſtitz Miniſter iſt mit dem Voll⸗ zug des gegenwärtigen Beſchluſſes, der ins Geſetz⸗ Regiſter eingeruckt werden ſoll, beauftragt. C. Beantwortung verſchiedener auf den Vollzug des Geſetzes vom 27 Vento⸗ ſe und ſeine Anwendung auf die Ver⸗ fugungen des CivilGeſetzbuches Be⸗ zug habender Fragen. Erſte Frage. Antwort. Wie hat ſich der Notar Er muß dem Greffier ein zu verhalten, der die Ti⸗ Duplikats derienigen Pu⸗ tel, die er in Gemäßheit ⸗ übergeben, welche be⸗ des Artikels 64 hinterle⸗. bei der Liquidation oder ir⸗ gen muß, um ſeine Com⸗ gend an andern Orten hin⸗ miſſion vom erſten Konſul terlegt hat.(Schreiben des zu erhalten, nicht mehr GrosRichters an die Kom⸗ beſitzt. mtſſarien bei den erſten In⸗ ſtanz Gerichten vom 5 Flo⸗ real 11. 2te Frage. Antwort. Kann der Greffier ſich Keine gubern als die, für das Depot dieſer Li⸗ welche das Geſetz vom 21 (3250 tel einige Gebuͤhren zah⸗ len laſſen. Zzte Frage. Duͤrfen die Notarien, welche nicht an dem Or⸗ te reſidiren, der ihnen durch ihre alte Commiſ⸗ ſion angewieſen iſt, ihre AmtsVerrichtungen einſt⸗ weilen an den Orten zu verſehen fortfahren, wo ſie ſich jetzt aufhalten, ohne dem Art.§ des Ge⸗ ſetzes zuwiderzuhandeln. 4te Frage. Muß der Art. 6, wel⸗ cher den Notarien verbie⸗ tet, auſſerhalb ihres Amts Kreiſes zu inſtrumen⸗ tiren, von der Verkuͤndi⸗ gung des Geſetzes oder blos von dem Tage an, wo die Notarien ihre neue Commiſſion werden erhal⸗ Ventoſe 7 Jahres erlaubt hat. (Naͤmliches Schreiben.) Antwort. Pis zur Beendigung der Organiſation muß jeder No⸗ tar auf ſeinem Poſten bleiben. (Naͤmliches Schreiben.) Antwork. Die Notarien muͤſſen ſich, von jetzt an auf den Amts⸗ Kreiß beſchraͤnken, welchen das neue Geſetz ihnen an⸗ weißt. (Namliches Schreiben.) 0326) ten haben, vollzogen werden. 5te Frage. Antwort. Kann der Notar nicht Ale Akte der freiwilligen wenigſtens auſſer dieſem Jurisdiction, welche die Ro⸗ AmtsKreiſe, gewiſſe Akte, tarien ausuͤben, erhalten 8 Seiſitetn ve ihre Authentizität von dem .. 3 3 . 3 Karakter, welchen der No⸗ nehmen, vorzůglich wenn tar begleitet. Der No⸗ in dem Kanton, wo eine tar hat aber auſſer ſeinem Erbſchaft erledigt iſt, kein AmtsKreiſe dieſen oͤffentli⸗ Rotar vorhanden iſt. chen Karalter nicht mehr, und kann daher daſelbſt eben ſo wenig inſtrumentiren, als ein Richter auſſerhalb ſeines AmtsKreiſes zu Gericht ſiz⸗ zen koͤnnte. 6te Frage. Antwort. i Der Art. 12 ſpricht Muß ein Akt, wenn er En nur von einem Notar; al⸗ von zwei Notarien aufge⸗ ſin in dieſem Artitel iſ S auch nur von jenen Akten die zeichnung von beiden oder Rede, welche ein Notar blos von einem von bei⸗ unter Zuziehung von zwei den enthalten. Zeugen aufnehmen wuͤrde, und da er die Bezeichnung der beiden Zeugen, welche den zweiten Notar erſetzen (327N erheiſcht, ſo folgt daraus, daß wenn der Akt von zwei Notarien aufgenommen wird⸗ er die Bezeichnung von bei⸗ den enthalten muß. 7te Frage. Antwort. Muß das Siegel auch Allerdings, weil das Sie⸗ den Akten auf fliegenden gel ihnen den erſten Karakter Blättern(eu brevet) ſo der Legaliſation ertheilt, wie den Ausfertigungen und eine Garantie ihrer P bhaftigkeit iſt. aufgedruͤckt werden? Slaubhaftigkeit iſt B8te Frage. Antwort. Die Art. 29 und 30 Da das Geſetz vom 25 Ven⸗ des Geſetzes, welche die toſe blos jene Verfuͤgungen Haltung und Form der der vorhergehenden Geſetze Repertorien vorſchreiben, widerruft, welche den ſeini⸗ chun keine Meldung von en zuwiderlaufen, ſo folst der durch den Art. 16 Titels 3 des Geſetzes vom 6 des Titels 3 des Geſetzes Httober vom 6 Oktober 1791 vor⸗ ſeine. Wirkung behalt. Die geſchriebenen Hinterlegung Notarien muͤſſen alſo, einer derſelben auf der Greffe Entſcheidung des GrosRich⸗ der Tribunalien. Sind ters gemäß, fortfahren, das die Notarien alſo von die⸗ eine Eremplar ihrer Reperto⸗ ſer Formaliʒit befreit? rien fuͤr das Jahr 1I nnd die folgende Jahre auf der Greffe (328 der BezirksGerichte zu hin⸗ terlegen; widrigenfalls ſie der durch das Geſetz von 1791 verhaͤngten Strafe verfallen wuͤrden. 9te Frage. Antwort. Kann nach dem neuen Die Vezeichnung der Im⸗ Geſetz ein Ehegatte dem moͤbel war zu einer Schen⸗ andern das Eigenthum kung von allem, woruͤber das oder die Rutznieſſung des Geſeb zu verfügen erlaubt/ nie disponiblen Antheils, den erforderlich. Die Abſchähung bei Sterbfall der Mobel war blos für die er bei ſeinem Sterbſa Schenkungen zwiſchen Leben⸗ hinterlaſſen wird, verma⸗ den noͤthig, wo die Tradition chen, ohne die Bezeich⸗ erforderlich war; ſelbſt fuͤrdie⸗ nung und Abſchätzung die⸗ ſe war ſie aber ebenfalls nicht ſer, beweglichen oder un⸗erforderlich, wenn die Schen⸗ beweglichen Guter, bei⸗ kung durch den EheVertrag zulegen. zum Vortheil der Ehegatten geſchehen war. Hier iſt von einer Schen⸗ kung von demjenigen Ver⸗ moͤgen die Rede, das ein Ehegatte bei ſeinem Sterb⸗ falle hinterlaſſen wird, alſo von einer Schenkung des To⸗ des halber, die ohne Tradi⸗ tion guͤltig iſt, Folglich ſcheint auch weder die Be⸗ (329 zeichnung noch die Abſchaͤz⸗ zung erforderlich. Der Art. 238 des dritten Buchs des Geſetzbuchs ſpricht blos von Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden. Die Schen⸗ kungen durch EheVertraͤge haben aber dieſelbe Beguͤn⸗ ſtigung wie die Akten des Todes halber. Aus dieſer Urſache hatte ſchon der Art. 17 der Ordonnanz von 1735 ſie von den von dem Art. 15 vorgeſchriebenen Formalita⸗ ten befreit, worunter ſich die Bezeichnung oder Abſchaͤz⸗ zung der geſchenkten Mobi⸗ liarſchaft befanden. Das neue Geſetzbuch hat dieſe Begün⸗ ſtigung beibehalten. rote Frage. Antwort. Kann eine, nach dem Nein, weil dieſe Scheu⸗ Geſetz vom 17 Rivoſe 12 kung nach dem Geſetz vom Jahres geſchehene gegen⸗7 „ war, und der angefuͤhrte Ar⸗ ſige Serkingent„ tikel des CivilGeſetzbuches nem der Ehegatten kraft keine zuruͤckwirkende Kraft des Art. 381 des Titels hapen kann. 1. des Civil Geſetzbuches, (330) der alle zwiſchen Ehegat⸗ ten geſchehene Schenkun⸗ gen, ſelbſt wenn ſie als Schenkungen zwiſchen Le⸗ benden gqualifizirt ſind⸗ widerruflich erklärt, wi⸗ derrufen werden? IIte Frage. Wenn dieſelbe gegenſei⸗ tige Schenkung von Ehe⸗ gatten geſchehen wäre, Antwort. die keine Deszendenten, Nein, aus demſelben wohl aber Aszendenten be⸗ Grunde. ſitzen, iſt ſie alsdann dem von dem Art. 205 deſſel⸗ ben Buches beſtimmten Vorbehalt unterworfen? 12te Frage. Antwort. Welche Akte können die Die Deklaration vom) De⸗ Rotarien auf einem flie⸗ zember 1723 bleibt die genden Blatt(en brevec) Norm„ un melchet Be Ae⸗ tarien ſich in dieſer Hinſicht ausfertigen 4 6 wn zu richten haben. Dieſe De⸗ chen müſſen ſie eine Ur⸗ klaration, die urſpruͤnglich ſchrift zuruͤckbehalten? nur die Notarien von Paris betraf, ward einem Beſchluß 0331) vom 22 dbeſſelben Monats Dezember gemäß auf die Re⸗ giſter des Parlamentes von Paris eingetragen, und nach⸗ her in nachſtehender und meh⸗ reren andern ſeiner Verfuͤ⸗ gungen durch eine Deklara⸗ tion vom 5 Dezember 1731 beſtatigt, die am 15 deſſel⸗ ben Monats einregiſtrirt ward. Nach derſelben zer⸗ fallen alle Akten in zwei Flaſſen, nämlich einfache, welche en brevet auf ein flie⸗ gendes Blatt errichtet wer⸗ den koͤnnen. In die zweite gehören alle die, welche nicht in der erſten bezeichnet ſind⸗ das heißt alle complere und Synallagmatariſche Akte⸗ von welchen der Notar die Urſchrift zuruͤckbehalten muß. Der Art. 4 der Deklaration enthaͤlt die Aufzaͤhlung derie⸗ nigen, welche en brevet er⸗ richtet werden konnen, denn dies ſteht in dem Be⸗ lieben der Partheyen, indem von allen Akten eine Urſchrift zuruͤckbehalten werden kann, die aber von denen im§2 ver⸗ zeichneten zurückbehalten wer⸗ den muß. S. 1. Akte, welche auf flie⸗ genden Blättern errichtetwer⸗ den koͤnnen. *) Die Pollmachten, Zeng⸗ niſſe, Akten der Offenkun⸗ digkeit, Ermächtigungen, Widerruͤfe, Abläugnun⸗ gen, Abſtaͤnde(desistemens von einer Klage oder von Anſprüchen), Einwilligun⸗ (3325 gen, Aufhebungen von MobiliarOppoſitionen, Freilaſſungen, Entlaſtun⸗ gen(decharges), Kau⸗ tionsſtellungen, und uͤber⸗ haupt alle einfachen Akte, welche keine Verbindlich⸗ keit zwiſchen mehreren Par⸗ theyen enthalten. b) Vertraͤge uͤber Lehrzeit, Uebertraͤge von ſolchen Ver⸗ traͤgen, Quittungen uber Lohn, oder ruͤckſtaͤndige Renten, Zinſen, Quit⸗ tungen von Arbeitern, Handwerkern, Taglöhnern und Arbeitsleuten aller Art fuͤr Gegenſtaͤnde ihres Handwerks oder ihrer Kunſt, Quittungen über Pachte und Miethzinſe, von den Kautionsſtellun⸗ gen der Angeſtellten bei denoͤffentlichen Regien und Verwaltungen, bis zu wel⸗ chen Summen ſie ſich auch belaufen mogen. c) Die Uebereinkuͤnfte, Hän⸗ del, Vertraͤge und Obli⸗ gationen, die die Summe von 300 Franken nicht überſteigen, und endlich d) mehr andere in beſagter Deklaration enthaltene Ak⸗ te, die man hier anzufuͤh⸗ ren fuͤr unnoͤthig haͤlt, da ſie blos geiſtliche oder Be⸗ neſiziar Gegenſtände betref⸗ fen, welche in dieſem Au⸗ genblick nicht mehr daſſel⸗ de Intereſſe darbieten. Von allen andern, oben (333 nicht ausdruͤcklich angefuͤhr⸗ ten Akten muß alſo eine Ur⸗ ſchrift zuruͤckgehalten werden. Es giebt aber gewiſſe Akte, fuͤr welche dieſe Formalitaͤt von beſondern Geſetzen be⸗ ſtimmt vorgeſchrieben iſt. Wir halten es fuͤr nuͤtzlich ſie hier namentlich anzufüh⸗ ren, da diejenigen, welche auf fliegende Blätter errich⸗ tet worden waͤren, von dem⸗ ſelben Geſetze fuͤr nichtig er⸗ klaͤrt werden. §. 2. Verzeichniß derjeni⸗ gen Akte, von welchen, kraft der angefuͤhrten Geſetze, unter Strafe der Nullitat eine Ur⸗ ſchrift zuruͤckbehalten werden muß. 1) Die Quittungen von Aus⸗ ſtenern und Collationen. (Ordonnanz von1629, Ar⸗ tikel 130.) 2) Die Akten von Beſitznah⸗ nahmen geiſtlicher Benefi⸗ zien, und andere, welche geiſtliche Gegenſtaͤnde be⸗ treffen, und deren Aufzaͤh⸗ lung man hier fuͤr uͤber⸗ flͤſſig haͤlt, welche aber in dem Edict vom November 1637(das durch jenes vom Dezember 1691 und die Deklaration vom 24 Februar 1737 beſtätigt iſt,) enthalten ſind. 3) Die Kontrakte von jedem Immoͤbel Anstauſch.(Be⸗ ſchluß des koͤn. Rathes vom 10 Aprill 1682.) (334 4) KaufVertraͤge, und ande⸗ re Akte, wodurch das Ei⸗ genthum von Immoͤbeln und Erbſchaften uͤbertragen wird.(Drei Beſchlüſſe des kön. Raths vom 10 Aprill 1683, 5 Junius 1706 und 21 Jänner 1749. Beſchluß vom Parlamente von Paris vom 19 Aprill 1714 und Ordonnanz von Drleans Art. 83. 5) Die Annahmen von oder Verzichtleiſtungen auf Erb⸗ ſchaften und Gemeinheiten (Beſchluß des Parlaments von Paris vom 14 Fe⸗ bruar 1701.) 6) Jede Schenkung zwiſchen Lebenden.(Ordonnanz vom Februar 1731 Artikel 1. Civil Geſetzbuch Art. 221 drittes Buch, Geſetz vom 13 Floreal 11 Jahres, Seite 160.) 7) Die Inventarien und Auf⸗ nahmen, ſie moͤgen nun in Gefolge von EheVer⸗ traͤgen, oder von einer zwiſchen Ehegatten beſte⸗ henden Gütergemeinſchaft ſtatt finden.(Verordnung vom 14 Maͤrz 1731) ſo wie alle die, welche nach Sterbfaͤllen, oder wegen Abweſenheit oder Inter⸗ diction errichtet werden. 8) Die Abſchaͤtzungen von Arbeiten und die Vertraͤge uͤber Unternehmungen, ſo wie die Qnittungen über Verwendungen zu Bau⸗ (335 N ten oder andern Arbeiken. (Reglementariſches Urtheil Chatelet von Paris om 3 Oktober 1639, be⸗ ſtätigt durch den Beſchluß vom 31 Julius 1690.) 9) Die Teſtamente und Co⸗ dizille.(Art. 20 und 69 des Zten Buchs des Civil⸗ Geſetzbuches, Geſetz vomas Ventoſe 11, Seite 302 n. 322 wodurch die Verfuͤgun⸗ gen des Edictes vom Maͤrz 1696, das die Teſtamente und Codizille den Teſta⸗ toren im Original, und ohne auf die Kontrollen und Regiſter eingetragen zu ſein, auszulietern er⸗ laubte, ausdruͤcklich wi⸗ derrufen ſind.) 10 Endlich mehrere andere Akte, die ihrer Natur und ihren Stipulationen gemaß, ſo wie nach dem in dieſer Hinſicht beſtehen⸗ den Rechts Gebrauch und der Meinung aller Rechts⸗ Gelehrten und Schriftſtel⸗ ler ehenfalls in Urſchrift zurückbehalten werden muͤſ⸗ ſen, naͤmlich: Die EheVertraͤge, Geſell⸗ ſchafts Vertraͤge oder Vergleiche, die Ueber⸗ einkunfte, Verträge, Händel und Obligatio⸗ nen uͤber 30 Franks. Die Obligationen, die zu⸗ gleich eine Verpfaͤndung ſtipuliren. (336 N Die Pacht oder MiethKon⸗ trakte, die Pacht Kontrakte von Heerden fuͤr die Hälfte der Nutzung(baux à chep- tel), die Paͤchte auf Le⸗ benslang, die Erbbeſtän⸗ de, die gegenſeitigen Schen⸗ kungen, die Einſetzungen von lebenslänglichen oder ewigen Renten, renume⸗ ratoriſche oder mit Laſten verbundene Bewilligungen⸗ Verſteigerungen von Im⸗ moͤbel, Rechnungs Abſchlüſ⸗ ſe, Liquidationen, Thei⸗ lungen, die Uebertragung von ErbRechten, die von Schulden, um andere Summen zu tilgen, wel⸗ che kraft eines in urſchrift zuruͤckbehaltenen Aktes ge⸗ ſchuldet werden, die Auf⸗ hebungen von Immobiliar⸗ Dppoſitionen oder Hypo⸗ thekarJuſcriptionen, die von Arreſten oder Oppoſi⸗ tionen, die in die Hände der oͤffentlichen ſewt ſter geſchehen ſind, die Quittungen von Summen⸗ welche kraft anderer in Minute zuruͤckbehaltener Akte geſchuldet werden, die Verträge uͤber Ver⸗ gleiche, Bewilligungen ⸗ Nachläſſe, und andere Ronkordaten zwiſchen Gläu⸗ bigern, die Erklärungen von Acquiſitionen, die Ak⸗ ten uͤber Hinterlegungen⸗ die von Ueberlaſſun⸗ gen k. 1c. 1c. Schließlich iſt zu bemer⸗ (3375 13te Frage. Duͤrfen die Notarien zwei Repertorien halten, eins fuͤr die Akte, von welchen ſie die urſchrift zuruͤckhalten, und eins fuͤr die, welche ſie auf flie⸗ genden Blättern errich⸗ ten? ken, daß in obiger Nomen⸗ klatur der groͤſte Theil jener Akte enthalten iſt, die die Partheyen nothwendig, dem Geſetz gemaͤß, vor Notarien errichten muſſen. Dke Notarien ſind alſo doppelt verpflichtet, dieſem wme⸗ ſentlichen Theil ihrer Attri⸗ butionen eine beſondere Auf⸗ merkſamkeit zu widmen, und die Partheyen vor jedem Schaden zu bewahren, der durch ihre Schuld entſtehen koͤnnte, und endlich doch auf ſie zuruͤckfallen wuͤrde. Antwort. Man könnte ſagen, das Geſetz, indem es(Art. 19) den Notarien die Verbind⸗ lichkeit anferlegt hat, die von ihnen errichtete Akte in ein Repertorinm einzutragen, habe die Zahl der Reperto⸗ rien nicht beſtimmt; daß es alſo jedem Notar frei ſtehen muͤſſe eins oder zwei Repertorien zu halten, und daß dem Wille des Geſetzes genug geſchehen ſey, wenn nur die Akte ſich, ihrer Gat⸗ tung nach, auf das eine oder andere dieſer Repertorien eingetragen befaͤnden. Nichtsdeſtoweniger iſt aus dem Art. 30 des Geſetzes er⸗ ſichtlich, daß es die foͤrmli⸗ che Abſicht deſſelben iſt, daß die Notarien nur ein Reper⸗ torium für alle Akte halten ſollen, weil dieſer Artikel 22 (338 verordnet, daß jedes Reper⸗ torium die Gattung(la na- ture)(d. h. ob er en brevet oder in Urſchrift errichtet iſ und die Art('espsce) des Aktes(d. h. ſeine Bezeich⸗ nung als Vollmacht, Ver⸗ kauf 1c. 1c.) enthalten ſoll⸗ welches in dem Falle, wo alle Akte von derſelben Gat⸗ tung ſich in einem Reperto⸗ 6 rium befinden wuͤrden, of⸗ fenbar uͤberfluͤſſig ware. Ue⸗ 4 brigens iſt die Haltung ei⸗ 3 nes einzigen Repertoriums in mancherlei Hinſicht weit 1 beqnemer, weniger Irthu⸗ 6 mern unterworfen, und die, welche ſich darinn eingeſchli⸗ 3 chen haben koͤnnten, leichter zu berichtigen. 14te Frage. Antwort. e Keineswegs. Es iſt der 4 j Iſt der Artikel 51 des wec in Lerfigunz ſich 5 vom 21 Frimai⸗ zu verſichern ob alle Akte Seſetzes v 5 auf das hiepettorium einge⸗ re7, welcher die Nota⸗ tragen e gehörig ein⸗ regiſtrirt ſind. ie macht rien verpflichtet ihr Re⸗ einen Theil der Verordnung . i le drei Mo⸗ uber's Enregiſtrement aus⸗ pertorium ale dr uͤnd hat keinen Bezug auf nate vom Einnehmer des die Haltung u ftrn der Repertorien. ieſe allein 1 Enregiſtrements viſiren zu von dem Art. 30 des neuen Geſetzes beſtimmt 1 laſſen⸗ durch das Geſet welches ſich darauf beſchränkt; 3 vom 25 Ventoſe TI, ab⸗ und da es jene Verfuͤgung nicht beſtimmt widerruft, ſo berufen. iſt ſie nothwendig beibehal⸗ ten; und das Piſſa, wel⸗ ches dem Art. 30 gemäß der t * — 0339) Preſident auf die Repertorien zu ſetzen hat, macht das Piſa des Einnehmers kei⸗ neswegs uberflüſſig. 15te Frage. Antwyrt. er Art. 7 erklärt un⸗ Das Stilſchweigen des 8 Geſetzes in dieſer Hinſicht ter andern die Amts Ver⸗ läßt keine Ausdehnung des ſen darinn enthaltenen Verbotes richtungen der Notarien Die Suppleanten haben ur unverträglich mit je⸗ nur eine augenblickliche und f. gich vorüͤbergehende Miſſion; das nen von Richtern und Frie⸗ Geſetz hat aber nut'jene F c ieſe Richter im Auge gehabt, densRichtern. Iſt dieſ⸗ welche beſtändig dieſe Ver⸗ Verfügung auch auf die richtungen verſeheu; das 2 Geſetz vom 24 Vendemiaire Suppleanten anwendbar? Jahres, welches dieſelbe Verfuͤgung in Betreff der Unverträglichkeit der Stellen von Notarien und Richtern enthielt, beobachtet daſſelbe Stillſchweigen über die Sup⸗ pleanten; und man iſt nie darauf verfallen, dieſelbe auf ſie anwenden zu wollen. 16te Frage. Antwort. Derſelbe Artikel erklaͤrt Keineswegs. Die Verſtei⸗ gerungs Kommiſſarien haben die Verrichtungen als No⸗ gewiſſe, beſtimmte, von de⸗ j ze, nen des Notariats verſchie⸗ tar unverträglich mit je⸗ dene Obliegenheiten in en der Verſteigerungs Verrichtungen; dieſe hat das ſ 8 8 Geſetz mit jenen des Nota⸗ Kommiſſarien(commis- riats unvereinbarlich erklart. — 8 Dies geht aber jene Gemein⸗ sures aus ventes); folgt den. daraus, daß die Nora⸗ keine beſondere Vetſteige⸗ rungs Kommiſſarien giebt, * (340 rien keine MobiliarVer⸗ ſteigerung mehr vorneh⸗ mer duͤrfen? 17te Frage. Sind die Akte, welche von Notarien auſſerhalb ihres AmtsKreiſes aufge⸗ nommen worden ſind, ehe ſie das neue Geſetz kann⸗ ten, gultig? wo das Recht der Möbel⸗ Verſteigerungen, ſtatt von den Verrichtungen der No⸗ tarien verſchieden zu ſein vielmehr eine ihrer Attri⸗ butionen, wozu ſie ſogar ihr Miniſterium nicht verwei⸗ gern duͤrfen, iſt. Antwork. Die Tribunalien haben uͤber die Gultigkeit dieſer Akte zu erkennen, und zu unterſuchen, ob das Geſeß ur Zeit ihrer Errichtung erekukoriſch war. Der Arti⸗ kel 6, der dem Notar verbie⸗ tet, auſſerhalb ſeines Amts⸗ Kreiſes zu inſtrumentiren⸗ verhängt blos gegen ihn eine Strafe, ohne von dem Alt zu ſprechen; allein der Arti⸗ zel 68 verordnet, daß jeder in Zuwiderhandlung des Ar⸗ tikels 6 errichtete Akt, wenn er von allen Partheyen un⸗ terzeichnet iſt, blos als ein Akt unter Privathnterſchrift gelten ſoll, vorbehaltlich al⸗ ler Schadloshaltungen gegen den inſtrumentirenden No⸗ tar, wenn ſie ſtatt finden. ——— Datum derjenigen Geſetze, welche die beiden er⸗ ſten Titel des dritten Buchs des Civil⸗ Geſetzbuches ausmachen. Erſer Titel. Von den Erbſchaften. Dekre⸗ tirt am 29 Germinal 1xten Jahres, verkuͤndigt am 9 Floreal. Zweiter Titel. Von den Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden und den Teſtamenten. Dekretirt am 13 Floreal 11ten Jahres, verkundigt am a3 Floreal. Inhalts Regiſter des dritten Bandes. PraͤliminarTitel. Seite. Von den verſchiedenen Arten, das Eigenthum zu erwerben, Art. 1— 8 5 Erſter Titel. Von den Erbſchaſten. Erſtes Kapitel. Von der Eroffnung der Erbſchaften und dem Antritt der Erben, Art. 8— 15 10 Zweites Kapitel. Von den zur Erbfolge erforderlichen Eigen⸗ ſchaften, Art. 15— 21 16 Drittes Kapitel. Von den verſchiedenen Ordnungen der Erbfolge. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfu⸗ gungen, Art. 21— 29 21 0 21 (343 Seite. Zweiter Pbſchnitt. Von der Reprä⸗ ſentation, Art. 29— 35 Dritter Abſchnitt. Von den den Des⸗ zendenten zugefallenen Erbſchaften, Art. 35 Vierter Abſchnitt. Von den den As⸗ zendenten zugefallenen Erbſchaften, Art. 36— 40 Füͤnfter Abſchnitt. Von den Kollate⸗ ralErbſchaften, Art. 40— 46 Viertes Kapitel. Von den unregelmäſigen Erbſchaften. Erſter Abſchnitt. Von den Rechten der naturlichen Kinder auf die Güter ihres Vaters oder ihrer Mutter, und von der Erbſchaft der, ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen, natuͤrlichen Kinder, Art. 46— 37 Zweiter Abſchnitt. Von den Rechten des überlebenden Ehegatten und der Republik, Art. 57— 64 Fuͤnftes Kapitel. Von der Annahme und dem Ausſchlagen der Erbſchaften.“ Erſter Abſchnitt. Von der Annahme, Art. 64— 74 Zweiter Abſchnitt. Von der Verzicht⸗ leiſtung auf Erbſchaften, Art. 75— 83 Dritter Abſchnitt. Von der Rechts⸗ 26 36 39 43 54 55 (344 5 Seite. Wohlthat des Inventariums, ihren Wirkun⸗ gen, und den Verbindlichkeiten des Erben, wel⸗ cher der Rechts Wohlthat des Inventariums genießt, Art. 83— 101 63 Vierter Abſchnitt. Von vakanten Erb⸗ ſchaften, Art. 101— 105 72 Sechstes Kapitel. Von der Theilung und der Collation. Erſter Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form, Art. 105— 133 75 Zweiter Abſchnitt. Von der Collation, Art. 133— 160 87 Dritter Abſchnitt, Von der Bezah⸗ lung der Schulden, Art. 140— 173 98 Vierter Abſchnitt. Von den Wirkun⸗ gen der Theilung und der Garantie der Looſe, Art. 173— 177 103 Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Reſtiſion im Theilungs Geſchaͤfte, Art. 177— 183 105 Zweiter Titel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden und von den Teſtamenten. Allgemeine Verfuͤgungen, Art. 183— 191 110 Erſtes Kapitel. Von der Fähigkeit, durch Schenkungen zwi⸗ (345 Seite. ſchen Lebenden oder durch Teſtamente zu verfuͤ⸗ gen oder zu erhalten, Art. 191— 203 120 Zweites Kapitel. Von dem Antheile des Vermoͤgens, über wel⸗ chen verfuͤgt werden darf, und von der Reduktion. Erſter Abſchnitt. Von dem Antheile des Vermögens, uͤber welchen man verfugen darf, Art. 203— 210 132 Zweiter Abſchnitt. Von der Reduction der Schenkungen und Vermächtniſſe, Art. 210 bis 221 150 Drittes Kapitel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden. Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen zwiſchen Lebenden, Art. 221 bis 243 159 Zweiter Abſchnitt. Von den Ausnah⸗ men von der Regel der Unwiderruflichkeit der Schenkungen zwiſchen Lebenden, Art. 243 bis 257 177 Viertes Kapitel. Von den teſtamentariſchen Verfuͤgungen. Erſter Abſchnitt. Von den allgemei⸗ nen Regeln uͤber die Form der Teſtamente, Art. 257— 271 187 (346) Seite. Zweiter Abſchnitt. Von den beſondern Regeln uͤber die Form gewiſſer Teſtameme, Art. 271— 291 Dritter Abſchnitt. Von den ErbEin⸗ ſetzungen und den Vermaͤchtniſſen im Allgemei⸗ nen, Art. 291— 292 Vierter Abſchnitt. Von dem Univer⸗ ſal Vermachtniß, Art. 292— 299 Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Ver⸗ mächtniſſe unter einem UniverſaſTitel, Art 299 bis 303 Sechster Abſchnitt. Von den Parti⸗ kular Vermnaͤchtniſſen, Art. 303— 314 Siebenter Abſchnitt. Von den Teſta⸗ ments Exekutoren, Art. 314— 324 Achter Abſchnitt. Von dem Widerruf und der Kaduzität der Teſtamente, Art. 324 bis 337 Fuͤnftes Kapitel. Von den Verfuͤgungen, welche zu Gunſten der Enkel des Schenkgebers oder Teſtators, oder ſeiner GeſchwiſterKinder erlaubt ſind, Art. 337— 364 Sechstes Kapitel. Von den, von dem Vater, der Mutter oder 198 209 21I 218 220 225 239 235 (347 Seite. andern Aszendenten unter ihren Deszendenten vorgenommnenen Theilungen, Art. 364— 370 252 Siebentes Kapitel. Von den Schenkungen durch EheVertraͤge zum Vortheile der Ehegatten, und der aus der Ehe zu erzielenden Kinder, Art. 370— 380 258 Achtes Kapitel. Von den Verfuͤgungen zwiſchen Ehegatten, ſowohl durch EheVerträge als auch während der Ehe, Art. 380— 389 266 ——FY— Anhang. 1. Anhang zum erſten Buche des Geſetzbuches. A. Nachtrag zum erſten Artikel des Prälimi⸗ narTitels. Beſchluß der Regierung vom 25 Thermidor 11 277 B. Nachtrag zum dritten Titel des erſten Buchs des Civil Geſetzbuches. Geſetz vom 11 Germinal 11. 283 U. Anhang zum dritten Buch. A. Nachtrag zum erſten Abſchnitt des vier⸗ (348 Seite⸗ ten Kapitels des erſten Tites. Tranſitori⸗ ſches Geſetz vom 14 Floreal 11 Jahres B. Nachtrag zum zweiten Titel des dritten Buchs. Geſetz vom 25 Ventoſe 11 C. Beſchluß der Regierung vom 25 Prai⸗ rial 11 293 294 322 D. Beantwortung verſchiedener auf den Voll⸗ zug des Geſetzes vom 25 Ventoſe und ſeine Anwendung auf die Verfuͤgungen des Ci⸗ vil Geſetzbuches Bezug habender Fragen 324 ———— Alphabetiſches Sach Regiſter zum dritten Buche des Geſetzbuches. A. Aoſchätzung ſiehe Mobel, Immdbel. Abtheilung(Regeln fuͤr die) der Erbſchaft zwiſchen die beiden Linien: ſiehe Erbſchaft. Aeltern, welche Verfuͤgungen ſie zu Gunſien ihrer Enkel treffen koͤnnen Art. CCCXXXVII. Seite 235. in wie weit ſie guͤltig ſind CCCXXXTX. 240. die Repräſentation der Deszendenten findet ſtatt dabei CCCXL. 247. ſiehe Be⸗ ſchwerte, Beguͤnſtigte, Vormund. Nertern und Aszendenten konnen ihr Vermbgen un⸗ ter ihre Kinder theilen CCCLXIV. 252. ſiehe Theilung⸗ Akte(zwiſchen Lebenden) ſiehe Schenkung. Annahme Ceiner Erbſchaft) von welchem Tage an ſie ihre Wirtung hat LXVII. 55. ſie kann ausdrücklich oder ſtilſchweigend ſein LXVIII. 56. welche Akte keine Annahme mit ſich fuͤhren LXIX ibid. welche hingegen die Annahme mit ſich fuͤhren LXX. 57. welche nicht angefochten werden 0350 5 kann, und unter welcher Beſchraͤnkung LXXIII. 58. wann das Recht der Annahme ſich verjaͤhrt LXXIX 62. LXXX. ibid. Annahme Ceiner Schenkung zwiſchen Lebenden,) wie ſie Leſchehen kann CCXXII. 161. durch wen ſie geſchehen kann und muß CCXXXIII. 163. CCXXIV. 104. CCXXV. ibid. CCXXVI. 165. CCXXVIII. 166. Apotheker, Beſchraͤnkung ihrer Befugniß durch Schen⸗ kungen und Teſtamente zu erhalten, ſiehe Schenkun 8g, Te⸗ ſtament. Aszendenten wann und wie ſie erben XXXVI. 36. was XXXVII. 37. wann und in welchem Verhaͤltniß ſie mit den Collatera Verwandten konkurriren XXXVIII. 38. XXXIX. 39. wann ſie die Autznieſſung desjenigen Vermö⸗ gensAntheils haben, den ſie nicht eigenthuͤmlich erben XLIV. 41. B. Bedingungen,(der Schenkungen zwiſchen Lebenden und Teſtamente) weſche angeſehen werden, als ſtuͤnden ſie nicht geſchrieben CXOC. 119. Begünſtigte(durch tie Obliegenheit der Reſtitution zu ihrem Vortheil,) wann ihre Rechte eroͤffnet ſind CCCXLII. 347. ſiehe Aeltern, Beſchwerte, Vormund, Beſchwerte(mit der Obliegenheit der Reſtitution an ih⸗ re Kinder,) kdnnen zwei zu ihrem Vortheil geſchehene Ver⸗ fuͤgungen, von welchen die zweite der erſten die Bedingung der Reſtitution mittheilt, nicht trennen OCCOXLI. a5. ihre Weiber haben keinen Regreß gegen die beſchwerten Guͤter CCCXLIII. a43. muͤſſen einen Vormund ernennen laſſen ſiehe Pormund; unter welcher Strafe ibid. ihre Obliegen⸗ heiten in Hinſicht auf die Mobiliarſchaft C0CLI. 249. 63515 ccoCLII. CCCLIII. ibid. in Hinſichl auf die Verwendung und Anlage der Gelder CCCLIV. 249. CCCLV. CCCLVI. ibid. CCCLVII. 20. die Minderjaͤhrigen koͤnnen gegen die Unterlaſſungen ihres Vormundes nicht reſtituirt werden CCCLXIII. 2s2. ſiehe Beguͤnſtiote, Inventarium, Vormnnd. C. Chirurgen, Beſchränkung ihrer Befugniß durch Schen⸗ eungen oder Teſtamente zu erhalten, ſiehe Schenkung, Teſtament. Collation wird von jedem Evbeu geſchuldet CXIX. 83. CXXXIII. 87. auf welche Weiſe ſie geſchieht CXX. 83. Der Ueberſchuß uͤber den disponiblen Antheil iſt ihr immer unterworfen CXXXV. 88. welche Vermaͤchtniſſe und Schen⸗ kungen nicht konferirt werden muͤſſen CXXXVII. 90. CXXXVIII. ibid. CXXXIX. 91. in welche Erbſchaft ſie geſchieht CXL. 92. welche Verordnungen ferner der Collation unterworſen ſind CXLI. ibid. Ausnahmen CXLII. ibid. CXLIII. 93. CXLIV. ibid. CXLV. 94. CXLVI. ibid. auf welche Art ſie geſchieht CXLVIII. ibid. wann ſie bei Immobeln in Natur gefordert werden kann CXLIX. 95. wann durch die Verminderung des ErbAntheils CL. ibid. Regeln nach welchen die Berechnung geſchieht CLI. CLII. ibid. CLIII. 96. CLIV. CLV. ibid. fernere Verfügungen über die Collation der Immobel CLVI. 97. GCLVII. ibid. uͤber die Collation der Mobilirſchaft CLVIII 93⸗ CLIX. ibid.. D. Deszendenten wann und wie ſie erben, ſiehe Kinder, Repräſentation. (3520 Diener des Cultus, Beſchränkung ihrer Vefngniß durch Schenkungen und Teſtamente zu erhalten, ſiehe Teſtament, Schenkung. Dinge(welche niemand angehören,) ſihr Gebrauch iſt ge⸗ meinſchaftlich IV. 7. wie er regulirt wird ibid. wer ein Recht auf verlohrne Dinge hat VII. 9. Doktoren ſiehe Schenkung, Teſtament. E. Effecten(ins Meer geworfene oder vom Meer ausgen worfene,) die Rechte darauf werden durch beſondere Geſetze beſtimmt VILI. 8Z. Effecten(der Erbſchaft) waun und welche verkauft wer⸗ den muͤſſen, und auf welche Art LXXXVI. 65. dieſer Ver⸗ kauf zieht keine Annahme der Erbſchaft mit ſich ibid. Eigenthum, wie es erworben und uͤbertragen wird I. 5. TI. 6. Ehegatte, wann einer den andern erbt, und unter wel⸗ cher Beſchränkung LVII. 50. wo er die Einſetzung nachzu⸗ ſuchen hat und ſeine Obliegenheiten LTX. 51. LX. ibid. LX I. 52. unter welchen Strafen LXIII. 5a. welche Schen⸗ kungen ſie ſich untereinander machen koͤnnen, ſiehe Schen⸗ kung. Duͤrfen ſich während der Ehe keine gegenſeitige durch einen und denſelben Akt machen CCCLXXXVI. 272. Enkel, welche Verfuͤgungen zu ihrem Vortheil erlaubt ſind, ſiehe Aeltern. Erben, rechtmäſige, treten von Rechtswegen in den Beſitz der Erbſchaft ein XIV. 15. die unregelmaͤſigen muͤſſen ſich gerichtlich einſetzen laſſen ibid. wer es nicht ſein kann, ſiehe Erbfolge. Obliegenheiten deſſen, der ſeiner Unwuͤrdigkeit halber von der Erbſchaft ausgeſchloſſen iſt XIX. 20. wann die Erben desjenigen, dem eine Erſchaft zugefallen iſt, ſie an⸗ (3530 nehmen oder ausſchlagen können LXX I. 57 wieres gehalten wird, wenn dieſe Erben uneinig ſind LXXII. 58. jeder kann ſeinen Antheil an Mobilien und Immöbeln in Natur verlan⸗ gen CXVI. 32, ſiehe Exekutoren, Erbſchaft, Teſta⸗ tor, Vermächtniß. Erbe(Benefiziar) ſeine Obliegenheiten und ſeine Vor⸗ rechte XCIII. 70 ſeine Verantwortlichseit X CIV. ibid. wie er die Molitiarſchaft der Erbſchaft zu veräuſſern hat XCV. ibid. wie die Immobilien XCVII. ibid. wie er die Legatarien auszuzahlen hat XCVIII. ibid. Erbfolge, ihre Ordnung wird vom Geſetz reguiirt XIII. 14. wie ibid. Wer dazu unfaͤhig iſt XV. 16. CVII. 18. Aus⸗ nahme XVIII. 19. die Unfähigkeit geht nicht auf die Kinder uͤber XX. 20. auf welche Art ein Fremder dazu faͤhig iſt W. 1. Erbſchaft, wodurch ſie erdfnet wird VIII. 10. wann IX. 11. auf wen und wie ſie uͤbertragen wird XXI. 21. das Geſetz nimmt keine Ruͤckſicht auf die Gattung und den Urſprung der Guͤter, woraus ſie beſteht XX II. 21. jede, Aszendenten oder CollateralErben zugefallene, wird in zwei Theile fuͤr die Verwandte der beiden Linien getheilt XXIII. 22. auf welche Art die Verwandten der beiden Linien daran Theil nehmen ibid. wann eine Devolution von einer Linie auf die andere geſchieht ibid. Nach dieſer erſien Abtheilung ge⸗ ſchieht keine weitere mehr XXIV. 28. wem die Erbſchaft ei⸗ ues ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen natuͤrlichen Kindes zufällt LV. as. LVI. 49. man kann jede Erbſchaſt bedingt oder unbedingt annehmen LXIV. 54. niemand iſt gehalten ſie anzunehmen LXV. ibid. wie die, verheuratheten Frauen, Minderjährigen und Interdizirten, zugefallenen Erbſchaften angenommen werden muͤſſen LXVI. 55. ſiehe Annahme Wann eine Erbſchaft fuͤr vakant erachtet wird CI. 73. es 23 (354 wird ein Eurator derſelben ernannt CII, 73. deſſen Obliegen⸗ heiten CIII. ibid⸗ CIV. 74. ſiehe Collation, Erbe, Schulden, Theilung, Vermächtniß. Exekutor(Teſtaments,) wer ihn ernennen kann CCCXIV. 225. er kann in den Beſitz des Vermoͤgens eintreten CCCXV. ibid. wie der Erbe dieſem Beſitz ein Ende machen kann CCCXVI. ibid. wer es nicht oder nur mit Ermaͤchtigung ſein kann CCCXVII. 226. CCCXVIII. ibid. CCCXIX. 227. Obliegenheiten des Exekutors CCCXX. ibid. ſeine Voll⸗ macht geht nicht auf ſeine Erben uͤber CCCXXKI. 223. Ver⸗ haͤltniſſe untereinander, wenn mehrere ernannt ſind CCCXXII. ibid. ſeine Auslagen fallen der Erbſchaft zu Laß CCCXXIII. ibid. F. Fiſcherei wird durch beſondere Geſetze regulirt V.. Freigebigkeiten, welchen Betrag ſie nicht ͤberſteigen duͤrſen, wenn Kinder vorhanden ſind CCIII. 132. welchen, wenn Aszendenten vorhanden ſind CCV. 137. wie die Kin⸗ der dabei gezaͤhlt werden CCIV. ibid. duͤrfen das Ganze er⸗ ſchopſen, wenn weder Kinder noch Aszendenten vorhanden ſind CCVI. 137. welche Wahl dem Erben freiſteht, wenn ſie den Vorbehalt durch eine Verfuͤgung uͤber eine LeibRente oder Nutznieſſung überſteigen CCVII. 142. wie der Antheil, uͤber welchen verfuͤgt werden durfte, beſtimmt wird CCVIII. 149. der disponible Antheil kann den Kindern und andern Verwandten mit Freiſprechung von der Collation gegeben werden CCIX. 147. die Freigebigkeiten, welche den disponi⸗ blen Antheil uͤberſteigen, ſind der Rednktion unterworfen CCX. 15o., ſiehe Reduktion. 03550 Fremder, wann und wie er zur Erbſchaft zugelaſſen wird ſiehe Erbfolge. G. Garantie der Theilung, ſiehe Theilung. Gemeinſchaft, niemand kann gezwungen werden, da⸗ rinn zu bleiben CV. 75. Geſchwiſter, wann und in welchem Verhaͤltniß ſie zur Erbſchaft berufen find XL. 39. XLI. 40. XLIII. 41. wie der ihnen zugefallene Antheil getheilt wird XLII. XLIII. ibid. Geſchwiſter Kinder, welche Verfuͤgungen zu ihrem Portheil erlaubt ſind CCCXXXVIII. 239. in wie weit ſie gultig ſind CCCXXKXKIX. 240. die Repräſentation findet dabei ſtatt CCCXL. ibid. ſiehe Beſchwerte, Begünſtig⸗ te, Vormund. Geſundheits Beamte, Beſchränkung ihrer Fähigkeit durch Teſtamente oder Schenkungen zu erhalten, ſiehe Schen⸗ rung, Teſtehent. Gläubiger der verzichtleiſtenden Erben haben ſich gericht⸗ lich ermaͤchtigenzu laſſen, die Erbſchaft im Namen ihres Schuld⸗ ners anzunehmen LXXVIII. 60. Wirkungen dieſer An⸗ nahme ibid. die der Legatarien boönnen Oppoſition gegen die Zahlung der Legate anlegen XCVIII. 7I. in Ermangelung der Oppoſition haben ſie blos gegen die Legatarien ſelbſt ihren Rückgriff XCIX 72. wann dieſer verjaͤhrt ibid. Rechte der Glaͤubiger der Erben gegen die Erbſchaft CLXVIII. 102. Ausnahmen und Beſchraͤnkungen CLXIX. ibid. CLXX. 103. CLXXI. ibid. koͤnnen der Theilung beiwohnen CLXXII. ibid. Grad(was ein) iſt XXV. 23. die Folge der Grade bil⸗ (3560 det die Linie XXVI. 25. wie man die Grade in grader Li⸗ nie zaͤhlt XXVII. 25. wie in der SeitenLinie XXVIII. 26. Guͤter(herrenloſe) gehdren der Nation LI. 7. J. Jagd, die Befugniß dazu wird durch beſondere Geſetze re⸗ gulirt V. 7. Inventarium(Rechts Wohlthat des) muß durch eine Erklärung auf der Greffe des Civil Gerichtes vorbehalten wer⸗ den LX XXIII. 63. in wie fern dieſe Erklärung ihre Wir⸗ kung hat LXXXIV. 64. in welcher ZeitFriſt demnach das Inventarium errichtet werden muß LXXXV. 65. waͤhrend dieſer ZeitFriſt kann der Erbe nicht gezwungen werden, eine Eigenſchaft anzunehmen LXXXVII. 66. dieſe Friſt kann verlaͤngert werden LXXXVIII. 67. auf weſſen Koſten LXXXIX. 63. wann der Erbe auch nachher noch die Be⸗ ſugniß behaͤlt, ein Inventarium zu errichten XC. 68. wer der Rechts Wohlthat des Inventariums verluſtig iſt XCI. 69. Wirkungen derſelben XCII. 69. und folgeng Wem die Ko⸗ ſten des Inventarinms zur Laſt fallen C. 72. Inventarium muß bei dem Sterbfalle deſſen errichtet werden, der unter der Bedingung der Reſtitution verfügt hat CCCXLIX. 247. auf weſſen Betreiben, in welcher Zeit⸗ Friſt und in Gegenwart welcher Perſonen CCCXLVIII. 246. CCCXLIX. 247. CCCL. ibid. K. Kinder und Deszendenten erben ihre Aszendenten und wie XXXV. 34. wann ſie die von ihren Aeltern vor⸗ genommene VermdgensTheilung anfechten kbnnen CCCLXVIII. 255. müſſen die Koſten der Klage vorlegen CCCLXIX. 238. (3575 Kinder(natuͤrliche) ſind keine Erben XTVI. 43. wann ſie Rechte auf die Erbſchaft ihrer Aeltern haben ibid. Beſtimmung dieſer Rechte XLVII. 44. XLVIII. 45. wenn ſie verſtorben ſind, treten ihre Kinder und Deszen⸗ denten in dieſe Rechte ein XLIX. ibid. was ſie aufzurechnen verpflichtet ſind L. 46. wann ihnen jede Reklamation unter⸗ ſagt iſt LI. ibid. wer dieſelben erbt, ſiehe Erbſchaft. Wie ſie in die Erbſchaft eingeſetzt werden und ihre Obliegenheiten LX III. 52. was ſie durch Teſtamente oder Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden erhalten kdnnen CXCVIII. 127. Kinder(aus vlutſchaͤnderiſchen oder ehebrecheriſchen Ver⸗ bindungen) haben keine Rechte gegen die Ervſchaft ihrer Ael⸗ tern PII 47. können blos Alimente fordern ibid. wie dieſe beſtimmt werden LIII. ibid. wann ihnen gar keine Reklama⸗ tion zuſteht LIV. 43. Klage auf Theilung, wann ſie zugelaſſen wird cLXXVII. 195. gegen welche Akte OLXXVIII. 106. wann ſie nicht ſtatt findet ibid. CLXXIX. 107. Regeln fuͤr dieſelbe CLXXX. 107. wie ſie gehemmt werden kann CLXXXI. 108. wann ſie unzulsſſig iſt CLXXXII 103. Klage auf Widerruß einer Schenkung zwiſchen Leben⸗ den oder eines Teſtamentes, ſiehe Schenkung, Teſta⸗ ment, Widerruf. L. Legat ſiehe Vermaͤchtniß. Legatar(Univerſal), wann er die Auslieferung des Ver⸗ mogens von den Inteſtat Erben anverlangen muß CCXCIII. 211. von welcher Epoche an er den Genuß hat CCXCIV. 213. wann er ohne weiteres in den Beſitz eintritt CCXCV. ibid, wann er ſich durch eine Ordonnanz des Preſidenten ein⸗ ſetzen laſſen muß CCXCVII. 215. in wie weit er fuͤr Zah⸗ (3685 lung der Schulden der Erbſchaft haſtet CLXI. 99. CCXCVIII. 216. Legatar(unter einem UniverſalTitel,) von wem er die Auslieferung verlangen muß CCC. 218. in wie weit er fuͤr die Schulden der Erbſchaft haftet CCCP 219. in wie weit fuͤr die PartikularVermaͤchtniſſe CCOIII. 219. Legatar(Partikular) wann er ſich in Beſitz einſetzen laſſen kann CCCTII. a20. in welchem Falle die Intereſſen und Fruͤchte ihm vom Tage des Sterbfalls an laufen CCCIV. 221. wem die Koſten der Auslieferung und des Enregiſtrements zur Laſt fallen CCCV. 2271 haftet nicht fuͤr Schulden der Erbſchaft CLXI. 99. CCCXIII. 224. der, welcher die auf dem ihm vermachten Immobel haftenden Schulden abgetragen hat, tritt in die Rechte des Gläubigers ein CLXIV. 101. ſiehe ZuwachsRecht. Linie, wie ſie gebildet wird XXVI. 25. was die grade Linie iſt ibid. die grade aufſteigende und die grade abſteigende ibid. wie man die Grade in der graden Linie zahlt XXVI. 21. in der SeitenLinie XXVIII. 26. Looſe uͤber die Erbſchafts Antheile, ſiehe Theilung. M. Minderjährige, ihre Befugniß zu ſchenken und zu te⸗ ſtiren, ſiehe Schenkung, Teſtament. Was der minder⸗ jährige Ehegatte ſeinem Mitgatten ſchenken kann und wie CCCLXXXIV. 270. ſiehe Schenkun g. Mobilien der Erbſchaft, wie und durch wen ſie geſchätzt werden CXV. 81. ſiehe Erbe, Erbſchaft, Inventar rium. Wann ſie in Natur getheilt werden muͤſſen CXVI. 23, wann verkauft ibid. 03595 N. Notarien, ihre AmtsVerrichtungen bei Theilung der Erbſchaft CXVILII. 82. P. Pflanzen und Kränter(die am Meere wachſen,) wer ein Recht darauf hat, VII. 3. R. Rechts Wohhlthat des Inventariums, ſiehe Inven⸗ tarium. Reduction von Schenkungen und Vermächtniſſen, wann ſie eintritt CCX. 150. wer ſie verlangen kaun CCXI. 151. wie ſie bewerkſtelligt wird CCXII. 152. wann und wie die der Schenkungen zwiſchen Lebenden ſtatt findet CCXTII. 154. Befugniß der Erben dabei CCXIV 155. wenn die Schen⸗ kungen den disponiblen Antheil erſchdpft haben, ſind alle te⸗ ſtamentariſche Verfuͤgungen kaduzirt CCXV. 155. nach wel⸗ chem Verhaͤltniß die Reduction geſchieht CCXVI. 156. Aus⸗ nahme CCXVII. ibid. Wirkungen derſelben CCXVIII. 157. cCXIX. 158. gegen wen und wie die Klage auf Reduction erhoben werden kann CCXX. 153. Nepräſentation, was ſie iſt XXIX. 26. hat in gra⸗ der abſteigender Linie ins unendliche ſtatt XXX. 23. in auf⸗ ſteigender gar nicht XXXI. ibid. in wie weit ſie in der Sei⸗ tenLinie ſiatt findet XXX II. 29. ihre Wirkungen auf die Theilung XXXIII. 30. die von lebenden Perſonen findet nicht ſtatt XXXIV. 31. man kann den repräſentiren auf deſſen Erbſchaft man verzichtet hat ibid. Republik, wann ſie Erbin iſt LVIII. 50. welche Ver⸗ bindlichseiten der DomainenRegie obliegen, um die Erbſchaſt (360) zu erhalten, und auf welche Art ſie beingeſetzt werden muß LTX. 51. LX ibid. unter welcher Strafe LXKII. 52. Schaz, wem er gehoͤrt VII. 8. was er iſt ibid. Schenknehmer, welcher erbt, iſt immer zur Colla⸗ tion verbbunden CCXXXTX. 175. Siehe Schenkungen; ſelbſt der welcher kein vermuthlicher Erbe war, iſt dazu gehal⸗ ten OXXXVI. 89. Schenkungenzwiſchen Lebenden muͤſſen konferirt werden CXXXIII. 87. in wie weit, wenn ſie mit Losſpre⸗ chung von der Collation geſchehen ſind CXXXIV. 88. in wie weit der verzichtleiſtende Erbe ſie zuruͤckhalten kann CXXXV. 89. welche angeſehen werden, als ſeyen ſie mit Freiſprechung von der Collation geſchehen CXXXVII. 00. CXXXVIII. CXXXTX. ibid. was eine Schenkung iſt C1 XXXIV 11. um eine zu machen muß man bei geſunder Veruunſt ſein CXCI. 120. wer dergleichen machen und er⸗ halten kann OCXCII. 122. Ausnahme CX CITI. ibid. Be⸗ ſchraͤnkungen dieſer Befugniß CXCIV. 123. CXCV. 123. man muß empfangen ſein, um durch Schenkungen oder Te⸗ ſtamente was zu erhalten CXCVI. 125. beſondere Veſchrän⸗ kung der Fähigkeit der Doctoren, Chirurgen, Geſundheits Be⸗ amten, Apotheker CXCIX. 727. der Diener des Cultus ibid. der Armen und Hospitien CC. 129. der Fremden CCII. 132. die zu Gunſten unterſchobener Perſonen ſind nichtig CCI. 130. wer dafuͤr geachtet wird ibid. welchen Antheil des Vermoͤgens man verſchenken darf, ſiehe Freigebigkeit, Reduction. Form der Schenkungen zwiſchen Lebenden CCXXI. 160. von welchem Tag an ſie fuͤr den Schenkgeber verbindlich ſind CCXXII. 161, ſiehe Annahme. Die Schenkung iſt durch die bloſſe Einwilligung der Partheyen vollbracht CCXXVIII. (361) 165. wie die von Immobeln vollbracht wird CCXXIX. 167. auf weſſen Vetreibung die Transcription geſchehen muß, ſiehe Ueberſchreibung, Transcription. Jede Schen⸗ kung darf blos das gegenwaͤrtige V CCXXX III. 171. welche Bedingungen ihre Nichtigkeit mit ſich fuͤhren CCXXXIV. 172. CCXXXV. ibid. Wirkungen des Vorbehalts einer gewiſſen, in der Schenkung einbegrifſe⸗ nen Summe CCXXXVI. 173. Ausnahme CCXXXVII, 174. beſondere Verfuͤgungen uͤber die Schenkungen von Mo⸗ bilien CCXXXVIII. ibid. der Schenkgeber kann ſich den Nießbrauch der geſchenkten Gegenſitände vorbehalten ermoͤgen begreifen CCXXXLX. 175. Wirkungen eines ſolchen Vorbehalts fuͤr eine Schenkung von Mobilien CCXL. ibid. fuͤr welchen Fall der Schenkgeber ſich das Recht des Ruͤckfalls ausbedingen kann CCXLI. 176. Wirkungen dieſes Vorbehaltes CCXLII. ibid. aus welchem Grunde eine Schenkung widerrufen werden kann CCXLIII. 177. Wirkung des Widerrufs, ſiehe Widerruf. Schenkungen durch EheVerträge, zum Vortheil der Ehegatten, ſind den allgemeinen Regeln unterworfen CCCLXX. 258. finden zum Vortheil zukuͤnftiger Kinder nicht ſtatt, ibid. wer ſolche Schenkungen treffen kann CCCLXX I. 259. ſie werden immer angeſehen, als ſeyen ſie zum Vortheil der zu erzielenden Kinder geſchehen ibid. in wie weit ſie unwiderruflich ſind CCCLX II. 26. unter welchen Bedingungen ſie das gegenwaͤrtige und zukünftige Vermdgen zugleich begreifen kdnnen CCCLXXIII. 261, wie es im Fall der NichtErfülung dieſer Bedingung gehalten werden muß CCCLXXIV. 262. unter welchen Bedingungen ſie ferner geſchehen kdunen CCCLXXV. 263. ſie können nicht unter dem Vorwande der NichtAnnahme angefoch en werden CCCLXXVI. 264. wann ſie kaduzirt ſind COCXXVII, * 122 73 G362 26. CCCLXXVIII. 265. ſind der Reduction unterworfen CCCLXXIX. Schenkungen von EChegatten untereinander ſind erlaubt CCCLXXX. 266. muͤſſen ausdruͤcklich anfuͤhren, ob ſie unter der Bedingung des Ueberlebens des Scheneneh mers geſchehen ſind CCCLXXXI. 266. welchen Regeln ſie unterworfen ſind ibid. CCCLXXXII. 267. welchen Ver⸗ mogens Antheil ſie begreifen duͤrfen CCCLXXXIII. 263. welche der minderjährige Ehegatte machen kann 6Eo 20. ſind immer widerruflich CCCLXXXV. 271. die Frau kann ſie ohne Ermaͤchtigung widerrufen ibid. werden durch Nachgeburt von Kindern nicht widerrufen ibid. koͤnnen nicht gegenſeitig durch denſelben Akt gefchehen CCCLXKXXKVI. 272. was ſie imn Falle einer zwei⸗ ten Ehe begreifen dͤrfen CCCLXXXVII. 272. jede verſiekte iſt unguͤltig CCCLXX XVIII. 273. welche fuͤr eine ſolche zu halten iſt GC CLXXXIX. 274. Schulden(der Erbſchaft,) in welchem Verhältniß die Er⸗ ven zu ihrer Zahlung beitragen CLX. 98. in welchem die Uni⸗ verſalLegatarien CLXI. 99. Regeln fur die Tilgung der Hy— pothekarSchulden CLXII. 90. die Erben haften perſonlich fuͤr ihren Antheil und hypothekariſch für das Sanze CLX. 100. Rechte desjenigen, der durch die Wirkung der Hypothe⸗ ten mehr als ſeinen Antheil bezahlen muß CLXV. 101. im Falle der Unzahlsfaͤhigkeit eines der Contribuenten wird ſein Antheil unter die uͤbrigen vertheilt CLXVI. 102. die gegen den Verſtorbenen exekutoriſchen RechtsTitel ſind es auch gegen ſeine Erben CLXVII. ibid. Rechte der Erben und der Gläu⸗ biger in Hinſicht auf die Abſonderung des Vermoͤgens des Verſtorbenen und der Erben CLXVIII. 102. CLXXI. 103. Ausnahmen CLXIX. 102. CLXX. 103. die Glaͤubiger ha⸗ (363 ben das Recht der Theilung der Erbſchaft beizunwohnen CLXXII. 103. SiegelAuflage, auf die Erbſchaft, wann ſie nothwendig ſtatt findet CIX. 77. kann auch von den Glaͤubigern verlangt werden CX. 78. nach derſelben koͤnnen alle Glaͤubiger Oppo⸗ ſition anlegen CXI. 78. Form der Siege Auflage ibid. Subſtitutionen ſind verboten CLXXXVI. I115. was eine iſt ibid. Ausnahme CLXXXVII. 118. was nicht als eine ſolche angeſehen wird CL XXXVIII. CLXXX IX. ibid. (— T. Teſtament, was es iſt CLXXXV 115. man muß em⸗ pfangen ſein, um durch ein Teſtament erhalten zu können CXCVI. 125. beſondere Verfuͤgungen fuͤr die der Minderjäh⸗ rigen CX CIII. 122. CXCIV. 123. fuͤr die zum Vortheil der Vormuͤnder CX CVII. 125. beſondere Beſchraͤnkung fuͤr die zu Gunſten der Apotheker, Geſundheits Beamten, Chirurgen, Doctoren und Diener des Cultus CX CTX. 127. zum Vor⸗ theil der Hospitien und Armen CC. 129. zum Vortheil von Fremden CCII. 131. die zu Gunſten unterſchobener Perſonen ſind nichtig CCI. 130. welche Perſonen fuͤr unterſchoben ge⸗ palten werden ibid. bis zu welchem Betrag man durch Teſta⸗ mente verfuͤgen darf, ſiehe Freigebigk eit, Reduction. Ein Teſtament kann von jedem, unter jeder Benennung, errich⸗ tet werden CCLVII. 187. kein wechſelſeitiges kann durch ei⸗ nen Akt errichtet werden CCLVIII. 188. wie vielerlei Te⸗ ſtamente es giebt CCLIX. 189. wie ein eigenhaͤndiges Teſta⸗ ment beſchaffen ſein muß CCLX. 190. wie ein offentliches CGCLXI. 191. Formalitäten bei Errichtung eines ſolchen cCLXII. 192. CCLXKIII. ibid⸗ CCTLXIV. 193. wer nicht geuge dabei ſein kann GCCLXV 103. wie ein myſtiſches Te⸗ ſtament beſchaffen ſein muß und dabei zu beobachtende Forma⸗ (364 5 litäten CCLXVI. 194. CCLXVII. 195. wer rein myſti⸗ ſches Teſtament machen kann COLXVIII. 196. unter wer⸗ cher Bedingung derjenige eins errichten kann, der zwar ſchrei— ben aber nicht ſprechen kann CCLXIX. ibid. welche Eigen⸗ ſchaften die Zeugen beiden Teſtamenten haben muͤſſen CCILXX. 197. beſondere Verfuͤgungen fuͤr die Teſtamente der Militair⸗ Perſonen CCLXXI. 198. CCLXXKII. 199. CCLXXIII. 200. CCLXXIV. ibid. fuͤr die Teſtamente die in Orten, wo die Peſt oder anſteckende Krankheiten herrſchen, errichtet wer⸗ den CCLXXV. 2o1. CCLXXVI. CCLXXVII. ibid. für die Teſtamente welche auf der See errichtet werden SCL 203. CCLXXX. QELXXXI, ibid CCLXr 204. CCLXXXIII. ibid. ECLXXIV. 20 CE CCLXXLVII. 206. für die Teſtamente, welche ein Fran⸗ zoſe im Auslande errichten kdnnte CCLXXXVIII. 207. CCLXXXIX. ibid. welche Verfuͤgungen bei den Teſtamen⸗ ten unter Strafe der Nullitaͤt vorgeſchrieben ſind CCXC. 20. wie ein olographiſches oder myſtiſches Teſtament eröfnet und hinterlegt werden muß CCXCVI. 214. wer ein Teſtaments⸗ Exekutor werden kann und deſſen Rechte und Obliegenheiten ſiehe Exekutor. Wie die Teſtamente widerrufen werden kon⸗ nen CCCXIV. 229. in wie weit durch ein ſpäteres Teſta⸗ ment CCCXXV. ibid. der Widerruf behält immer ſeine Wir⸗ kung CCCXXVI. 230. in welchen Faͤllen der Widerrufohne weiteres eintritt, oder eine teſtamentariſche Verfüͤgung kadu⸗ zirt wird CCCXXVII. ibid. CCCXXVIII. 231. DCCXXIX. ibid. CCCXXX. 232. CCCXXXKII. 333. Ausnahme CCCXXX. 232., ſiehe Widerruf, Klage auf Widerruf, Verfuͤgungen, Freigebigkeiten. Teſtator kann einen TeſtamentsExekuto ernenner (365 CCCXIw. 225. unter welcher Vollmacht, ſiehe Exekutor, Teſtament. Theilung, jedermann kann ſie anverlangen C V. 75. doch rann ſie ausgeſetzt werden ibid. ſie kann ſelbſt daun verlangt werden, wenn ſich einer der Erben ſchon im Beſitz eines Theils des Vermoͤgens befunden hat CVI. 75. wie ſie im Falle der Repräſentation bewerkſtelliget wird XXX III. 30. wer ſie im Namen der Minderjaͤhrigen, Interdizirten und Abweſenden verlangen muß CVII. 76. Beſtimmung der Rechte der Frau in Hinſicht auf das Begehren der Theilung CVIII. ibid. wann alle Erben grosjährig ſind kann ſie in jeder beliebigen Form geſchehen CIX. 77. wie, wenn nicht alle gegenwärtig oder einige minderjährig oder interdizirt ſind ibid. vor welchen Richter die Klage auf Theilung gehdrt CXII. 79. ſo wie alle, uͤber die Theilung ſelbſt entſtehende, Strittigkeiten CXTII. 79. Verrichtungen des Notars bei derſelben CXVIII. 82. Art der Theilung CXXI. 82. Regeln fuͤr die Bildung der Looſe CXXII. ibid. wie die Ungleichheiten gleichgeſtellt werden CXXIII. 8g. von wem die Looſe gebildet werden CXXIV. 34. vor dem Zug muß jeder Theilende ſeine Einwendungen machen CXXV. dieſelben Regeln gelten für die UnterAbthei⸗ lungen CXXVI. ibid. Art die uͤber die Theilung entſtehen⸗ den Schwierigkeiten zu heben CXXVII. 85. beſondere Re⸗ geln fuͤr die Theilung, wenn einige MitErben abweſend, min⸗ derjaͤhrig oder interdizirt ſind CX XVIII. ibid. welche Thei⸗ lungen definitiv ſind CXXX. 86. wie Fremde von der Thei⸗ lung ausgeſchloſſen werden können CXXXI. ibid. Wirkun⸗ gen und Folgen der Theilung CXXXII. 87. CLXXIII. 1o3. die Erben fſind gehalten ſich dieſelbe zu garantiren CLXXIV. 10z. CLXXV. CLXXVI. ibid. wie die Thei⸗ lung wieder aufgehoben werden kann CLXXXVII. 105. ſiehe Klage, wie die Theilung des Vermogens unter die Kin⸗ 0366 N der und Aszendenten geſchehen kann CCCILXV. 283. wenn ſie nicht das ganze Vermoͤgen begreift, ſo wird d Reſt dem Geſetze gemäß getheilt CCCLXVI. 254. welche Theilungen dieſer Art null ſind CCCLXVII. ibid. welche an⸗ gefochten werden koͤnnen CCCLXVIII. 255. auf weſſen Ge⸗ fahr und Kdoͤſten CCCLXIX. 258. Transcription iſt bei Schenkungen von Immdbeln er⸗ forderlich COCXXILX. 167. auf weſſen Betreiben ſie geſchehen muß CCXXX. 168. von wem ihr Abgang opponirt werden kann CCXXXI. 169. man kann gegen denſelben nicht reſti⸗ tuirt werden CCXXXII. I70. ſie iſt fuͤr die Verfuͤgungen unter Obliegenheit der Reſtitution erforderlich GCCOLVIII. a50. vor wem in dieſem Fall ihr Abgang opponirt werden kann CCCLIX. ibid. es findet auch dann Reſtitution dagegen ſtatt ibid. ſie kann nicht ſupplirt werden CCCLX. 251. von wem ihr Abgang nicht opponirt werden kann CCCLXI. ibid. er U. Ueberleben's(Vemuthung des) wie ſie begruͤndet wird N. 12. XI 131 XI. ibid. Ueberſchreibung ſiehe Transeription. V. Verfuͤgungen, welche man uͤber ſein Vermogen treffen kann GLXXXIII. III. wie vielerlei Art von teſtamentari⸗ ſchen Verfuͤgungen es giebt CCXCI. 209. ihre Wirkungen ibid., ſiehe Vermächtniß, Teſtament, Schenkung.⸗ Verfuͤgungen unter der Obliegenheit der Reſtitution an die Deszendenten, muͤſſen bekannt gemacht werden, auf weſſen Betreiben, und wie CCCLVIII. 250. ſiehe Trans⸗ eription. (66 ½0 Vermaͤchtniſſe muͤſſen bonferirt werden CXXXIII. 87. bis zur Konkurrenz des disponiblen Antheils, ſelbſt wenn ſie mit Freiſprechung von der Collation geſchehen wären CXXXIV 88. bis zu welcher Konkurrenz der verzichtlei⸗ ſtende Erbe ſie anperlangen kann CXXXVI. 89. welche an⸗ geſehen werden, als ſeyen ſie mit Freiſprechung von der Col⸗ lation geſchehen CXXXVII. 90. CXXXVIII. ibid. OXXXIX. ibid. Vermaͤchtniß(Univerſal) was es iſt CCXCII. 21I. ſiehe Legatar(Uuiverſal.) Vermaͤchtniß Cunter einem UniverſalTitel) was es iſt OCXCTX. AI8., ſiehe Legatar(unter einem Univerſal⸗ Titel.) Vermäͤchtniß(Partiknlar) was es iſt CCCTII. 220. ſeine Wirkungen ibid., ſiehe Legatar(Partikular), jedes kann veſonders einregiſtrirt werden CCCV. 221. wer fuͤr deſſen Abzahlung haftet CCCVI. 322. es wird mit Zubehdr aus⸗ geliefert CCCVII. ibid. in welchem guſtand ibid. welche Ver⸗ mehrungen als zum Vermächtniß gehdrig angeſehen werden und welche nicht CCCVIII. 223. wie es mit den darauf haf⸗ tenden Hypotheken gehalten wird CCCTX. ibid. wie, wenn der vermachte Gegenſtand dem Teſtator nicht zugehdrt CCCX. ibid. von welcher Qualitaͤt der vermachte Gegenſtand gegeben werden muß CCCXI. 224. ein Vermaͤchtniß wird nicht an⸗ geſehen, als ſey es zur Compenſation von Schulden oder Lohn geſchehen GCCCXII. ibid. Verwandſchaft wie ihre Naͤhe beſtimmt wird XXV. 25. in we ter als dem zwolften Grade erben die Verwandten nicht XLV. 42. in Ermangelung von erbfaͤhigen in einer Linie erben die der andern Linie das Ganze ibid. Verzichtleiſtung Cauf eine Erbſchaft) wird nicht ver⸗ muthet LXXIV. 59. ihre Wirkung LXXV. ibid. (368) LXXVI. LXXVII. ibid. wie ſich die Befugniß dazu ver⸗ jährt LXXLX. 61. man kann nie auf die Erbſchaft eines Lebenden Verzicht leiſten LXXXI. 61. wodurch die Bef niß zu verzichten verlohven geht LXXXII. 63. Vorbehalt ſiehe Freigebigkeiten. Vormund Cum uͤber die Erfüllung der Bedingung der Reſtitution an die Deszendenten zu wachen), kann von dem Urheber der Verfuͤgung ernannt werden CCCXLIV. a44. wird ſonſt auf Betreiben des Beſchwerten ernannt CCCXLV. ibid. unter welcher Strafe CCCXLVI. a45. im Falle der Unterlaſſung von ſeiner Seite auf weſſen Betreiben ibid. ſei⸗ ne Obliegenheiten CCCXRTLVIII. a46. CCCxLIX. 247. CCCE. ibid. CCCLVII. 250. CCCLVIII. ibid., ſiehe IFnventariumn, ſeine Verantworltichtei] CCCLXIII. aß1. W Wiederaufhebung der Theilung, ſiehe Theilungs. Widerruf Ceiner Schenkung zwiſchen Lebenden) wann er ſtatt findet CCXLIII. 177. Wirkungen des Widerrufs wegen NichtErfuͤllung der Bedingungen CCXLIV. 179. wann er wegen Undank ſtatt findet OCXLV. 180. wann er von Rechtswegen eintritt CCXLVI. ibid. in welcher Zeit die Klage auf Widerruf angeſtellt werden mus CCXLVII. 131. Wirkungen des Widerrufs, Undanks halber CCXLVIII. ibid. in Hinſicht auf welche Schenkungen er nicht ſtatt findet CCXLIX. 183. durch die Nachgeburt von Kindern tritt der Widerruf der Schenkung von Rechtswegen ein CCL. ibid. ſelbſt wenn das Kind zur Zeit der Schenkung empfangen war CCLI. 184. in welchem Falle dieſer Widerruf ferner ſtatt findet CCLII. 184. Wirkungen des Widerrufs wegen Nach Leburt von Kindern ibid. CCLIII. 135. CCLIV. 186. man (369 5 kann auf dieſen Wiberruf nicht verzichten CCILV. wann man ihm die Verjaͤhrung opponiren kann CCLVI. 187. Widerruf Ceines Teſtaments), ſiehe Teſtament. In welchen Fällen die Klage darauf erhoben werden kann CCCXXXV. 234. in welcher Zeit CCCXXXVI. ibid. Z. Zeuge ſiehe Teſtament. ZuwachsRecht, wann es zum PVortheil der Legatarien eintritt CCCXXXIII. az3. CCCXXXIV. ibid. 24 Nachricht fuͤr die Subſcribenten⸗ Mit dieſer Lieferung iſt nunmehr der dritte Theil des Geſetzbuches geſchloſſei. Mit dem Druck des zweiten wird in vierzehn Tagen begonnen; der Sub⸗ ſtriptions Preiß deſſelben muß bei Verabreichung die⸗ ſer Lieferung vorausbezah It werden; jeder Band wird ein Alphabet ſtark und der Preiß bleibt deshalb für jeden derſelbe. Vom Nivoſe an erſcheint in der Verlags Hand⸗ lung ein Journal fuͤr Geſetzkunde und RechtsGelehrſamkeit. Herausgegeben von F. Laſſauly, Avoue bei den Tribunalien in Coblenz. in monatlichen Heften von 6 Bogen. Es enthãlt: 1) Den franzöſiſchen Tertaller Geſetze und Beſchlüſſe der Regierung, im Civil⸗ und Cri⸗ minalFache, über die Organiſation der Tribu⸗ nalien, den Prozeßgang, die Einfuhrung des —,0— neuen Eivil Geſetzbuches ꝛc ꝛc. in cronologiſcher Ordnung und nach Materien; von dem Geſetz vom 27 Ventoſe gten Jahres, über die Organi⸗ ſation der neuen Tribunalien, an. 2) Entſcheidungen des Gros Richters Juſtiz Mi⸗ niſters, des Kaſſations Tribunals und der Ap⸗ pell Tribunalien über ſtrittige Punkte der Ge⸗ ſetzgebung, vorzuglich uber die Schwierigkeiten, welche auf die Einfuͤhrung des neuen CivilGe⸗ ſetzbuches Bezug haben könnten. 3) Abhandlungen über einzelne Theile der Ge⸗ ſetzgebung. 4 Eine gedrangte Darſtellung merkwuͤrdiger Ci⸗ vil⸗ und CriminalProzeſſe, mit den Gruͤnden ihrer Entſcheidungen. 50 Ankundigungen und Rezenſionen, ſowohl zu Paris als in den Departementen erſcheinender, die franzöſiſche Geſetzgebung betreffende, merk⸗ wuͤrdiger Werke. Eine ſorgfältige Auswahl, die möglichſte Correkt⸗ heit des Textes, und ihr gemeinnutziger Zweck wer⸗ den daſſelbe zu empfehlen ſuchen. Beiträge nimmt der Herausgeber mit Dank an. Von dieſer Zeitſchrift erſcheint am 15 Nivoſe r2ten Jahres das erſte Heft, und ſofort am 16ten je⸗ den Monats ein Heſt von 6 Bogen. 3 Hefte ma⸗ chen einen Band aus. Von Druck und Papier dient gegenwärtige Ueberſetzung zur Probe. Der Preiß iſt 15 Franken für den Jahrgang, fuͤr den Semeſter. Auf kuͤrzere Zeit wird keine Praͤnume⸗ ration angenommen. Bei Ablieferung des erſten Heftes muß der halb⸗ jährige PränumerationsPreiß erlegt und vor Ablie⸗ ferung des ſiebenten erneuert werden. Zur Vermei⸗ — 0— dung aller Unordnung wird auf die Bedingung der Vorausbezahlung unnachläſſig geachtet wer⸗ den. Auf Beſtellungen, welchen der Preiß nicht beigeſchloſſen wäre, wird keine Ruckſicht genommen, und jedes Abonnement, welches nicht zu gehöriger Zeit erneuert iſt, fuͤr erloſchen geachtet, und an den rückſtändigen Abonnenten keine Sendung mehr ge⸗ macht. Die Heſte werden jeden Monat beſtimmt eintreffen. Man abonnitr ſich hierauf, wie auf das Civil Ge⸗ ſetzbuch bei der: Verlagshandlung in Coblenz. Für ganz Deutſchland in der Jägeriſchen Buchhandlung in Frankfurth. Aachen bei Neuer und Cudell. Andernach bei Laſſaulx und Heckmann. Bingen bei Franz Schödler Buchbinder. Crefeldt bei Abr. Der Mer. Cölln bei Rommerskirchen. Creuznach bei Kehr. Frankenthal bei Ph. Pet. Prinz. Kirn bei Georg Simon junior⸗ Landau bei Georges und Prinz Buch⸗ drucker. Mainz bei Jacob Toſetti. —— bei Theodor Zabern Prefektur⸗ Buchdrucker. —— bei Pfeiffer Prefektur Buchdrucker. Trarbach bei Adolph Heitz Buchbinder. Trier bei Linz. Weißenburg bei Fr. Bok Buchdrucker. Coblenz am 30 Frimaire 12. Die Verlagshandlung. Verlags⸗Artikel der Laſſaulx'ſchen Buchhandlung in Coblenz. Ame Ginlettto, ein Roman von F. Laſſaulx. 1ter und 2ter Theil, mit Kupfern, in s. 3 fl. Aphorismen uͤber die Organonomie von J. Goͤrres, Profeſſor der Phiſik an der Secondaͤrſchule in Coblenz 8. Jahr 11. 1803. 3 fl. Luͤtzei⸗Coblenz, ein hiſtoriſch⸗ topographiſcher Verſuch von A. Laſſaulx. Mit Urkunden. in 3. Jahr 11. 1303. 18 kr. Geheime Nachrichten uͤber Rußland, ter Theil, oder Briefe eines Franzoſen an einen Deutſchen ꝛc. ꝛc. von Maſſon, ehemals Premier⸗Major iu rußiſchen Dien⸗ ſten und geheimer Sekretair des Großfürſten Alerander Pauloides s. Koblenz bei Laſſaulx und Baſel bei Decker. Jahr 10. 1802. 2 fl. 24 kr. Vergleichungs⸗Tafeln der neuen Maaſe der fraͤnkiſchen Republik, mit den, in den ehemals trieriſchen, koͤllni⸗ ſchen, pfaͤlziſchen und andern Landen, woraus gegenwaͤr⸗ tig das Rhein und Moſel Departement beſteht, gebraͤuch⸗ — 0— lichen Maaſen. Verfertiget und berechnet nach den Re⸗ ſultaten der Arbeit der Kommiſſion für die Maaſe und Gewichte dieſes Departements durch Joh. Niklas Si⸗ mon, Profeſſor der Mathematik zu Koblenz, Mitglied dieſer Kommiſſion. Bekannt gemacht auf Befehl des Prefekten. Klein 4to. Jahr 11. 1803. 1 fl. 36 kr. Ueber die vier neuen Departemente des linken Rhein⸗ ufers in Hinſicht auf Cultur, Gemeingeiſt, Geſetzgebung, Finanz⸗Syſtem, Unterricht, Polizei und Rechts⸗Pflege. Von Rebman, Richter am Reviſions⸗Gerichte zu Trier. 40 kr. Hiſtoriſches Taſchenbuch von F. Laſſaulr. Erſter Jahrgang 45 kr. Aphorismen uͤber die Kunſt, als Einleitung zu kunfti⸗ gen Aphorismen uͤber Hrganomie, Phyſik, Pſpchologie und Anthropologie, von J. Goͤrres, Profeſſor an der Secondairſchule in Coblenz. Jahr 10. 1802. 1 fl, 15 kr. Die Gründung der Republik, Ode von F. Laſ⸗ ſaulr, nach der franzoſiſchen von Maſſon, Verfaſ⸗ ſer der Helvetier, welche den vom Natlonal Inſtitut aus⸗ geſetzten Preiß der Dichtkunſt erhalten hat, nebſt dem franzoſiſchen Grundterte. Groß 3s. Jahr 10. 15 kr. Synoptiſche Tabellen der Chemie von Foureroy; uͤberſetzt von J. Görres, Profeſſor der Phyſik an der Secondairſchule zu Koblenz. Jahr 9, Schreibpapier 2 fl. Auf groͤßerm Schreibpapier 3 fl. 30 kr. In 24 Tafeln zum Anfziehen auf Pap⸗ gendeckel 3 ß. — 5— Beſchrelbung der merkwuͤrdigſten Denkmäler von Ober⸗ Egypten, dem Bgr. Bonapar te erſten Konſul der fräͤnkiſchen Republik, vorgelegt von Ripault, Mit⸗ glied des Inſtituts von Egypten 8. Jahr 9. 30 kr. Reiſe von Paris nach St. Cloud, nach dem Franzoͤſi⸗ ſchen von Neel 18. Jahr 9. 30 kr. Auſon's Gedicht von der Moſel, in metriſcher Ueber⸗ ſetzung nebſt dem lateiniſchen Grundterte von F. Laſ⸗ ſaulr s. Jahr 10. 30 kr. ueber die Dezimal⸗Rechnung von Prieur(von der Goldkuͤſte) s. Jahr 7. 12 kr. Aurelius Victor de viris illustribus 5. Auf weiſem Druckpapier 24 kr. Auf Schreibpapier 30 fr. Fraͤnkiſche Konſtitution vom Jahr 3. 6. 12 kr. Gutachten über die Vertheilung der Kriegsſchäden 24 kr. Ueber die Anbanung des Acacienbaums 12 kr. Lipres de fond du cit. Las Sauls Nr.? 402 4 Cohlenz. Conn CIvII de la République frangaise. Tom I. Iere. Livraison, Tom lI. Ière. Livraisch 2 fr. is ct. ou 1 fl. Pables de comparaison des nouvelles mesures de la Rs- publique frangaise avec celles des cidevant pais de Tréves, Cologue, du Palatinat et autres uzities dans les commu- — 0— ues qni korment actuellement le département de Rhin et Moselle, calculses par J. N. Simon, Prolesseur des Ma- chematiques à l'école secondaire à Coblenz. Publises par ordre du Prélet du département de Rhin et Moselle, inz. 5 Fr. 50 ct ou 1 fl 36 kr. Essei historique et topographique sur la cidevaut com- mun⸗ de Lutzelcoblenz par A. Lassuulæ, juge au tribu- nal eriminel du département de Rhin et Moselle 8, an 11. 65 ct. ou 18 kr. Memoires secrets sur la Russie, Tom IV. ou lettres d'un Fraugais à un Allemand ete. etc. par Mason, ctant major en preinier au service de la Ruseie et séerétaire des commandements d'Alexandre Paulofde 8. Coblenz ches Lassaulx et Bäsle chez Decker an 10, 1802. 5 fr. Recueil des pièces fugitives de la litterature alleiande (par Meissner, Rabener, Jean Paul, Lafoutaine etc.) Coblenz chez Lassaulx et Paris chez Pougens 18. Sur les qustre nouveaux départements de la rive gauche du Rhin, considérés sous les rapports de le culture, de l'esprit publie„de la legislation, des linances, de l*in- struction publique, de la police et de l'adininistration de la justice. Par le cit. Kebmann, juge an tribunal de re- vieion établi à 1réves 8 fr. 72 ct ou 43 kr⸗ Les années d'apprentissage de Guillaume Meister, par Gœche, roman traduit de Fallemand 1er et zéme. Vol. 8. an 9 2 tr. ou 55 kr. Franc de port 3 fr. ou 1 fl. 24 kr. Tablenu comparatir de la difference entre la valeur du livre tournois et celle du frane 20 ct ou 6 kr. caleul Decimal par Prieur,(de la Coted'or) 3. an7. 42 ct. ou 12 kr. Notions élémentaires sur le zisteme des nouvelles mesu- res par'Agence temporaire des poids et inesures, an7. 3 72 et. ou 20 kr⸗ Constitution de l'an 3, in S. 2 ct, on 12 kr⸗ ——— ——————————— — ⸗—————— M — 1 e1 sence 3 N