— — * — CivilGeſetzbuch der Franzoͤſiſchen Republik. —.——————————— Ueberſetzt und mit Anmerkungen begleitet, von F. Laſſan, öffentl. Vertheidiger bei den Tribnnalien zu Coblenz. Dritter Theil. Coblenz in der Laſſaulr'iſchen Buchhandlung. Jahr 11. Drittes Buch. Erſte Abtheilung. Von den Erbſchaften und den Teſtamenten. Päiar Titel. Von den verſchiedenen Arten, das Eigen⸗ thum zu erwerben. Art. l. Da Eigenthum der Guͤter wird durch Erbſchaft, durch Schenkungen zwiſchen Lebenden, durch teſta⸗ mentariſche Schenkungen, oder durch die Wirkung Anmerkungen. Zum Art. 1 unb 2. Wenn auch nicht Inſtinct und Natur den Menſchen zum geſellſchaftlichen Leben ver⸗ einigen würden, ſo wurde ſein Intereſſe ihn dazu antreiben; denn die individuelle Sicherheit und das Eigenthum, welche ihn am naͤchſten angehn, neh⸗ men in der geſellſchaftlichen Vereinigung ihren Ur⸗ ſprung. Ohne Geſellſchaft wäre er auf ſeine allei⸗ nige Stärke beſchraͤnkt: es würde keine gemeinſchaft⸗ liche Vorſicht für die Zukunft, keineöffentliche Wach⸗ ſamkeit ſelbſt fuͤr den, der nicht für ſich ſelbſt ſorgt, kein Eigenthum, als das von Dingen, deren man ſich würklich und phyſiſch bemächtigt hätte, beſtehen. Die Geſellſchaft allein garantirt dem Menſchen das Feld, welches er gebaut hat, aber nicht bewachen kann; ohne ſie wurde das Eigenthum nichts, als ein chimari⸗ ſchet Traum ſein. 665 von Verbindlichkeiten(par l'effet des obligauons) erworben und uͤbertragen. Art. IM. Das Eigenthum wird auch durch Acceſſion oder Inkorporation, und durch Verjährung erworben. — Anmerkunsgen. Sicherheit und Eigenthum, die Grundlagen der Geſellſchaft, müſſen auch die des Civil Geſetbuches ſein. Dieſe Sicherheit beſchräͤnkt ſich nicht auf die Befugniß, zu gehen, zu kommen, uͤber ſeine Perſon zu verfugen; ſie begreift alles, was auf den Zu⸗ ſtand der Perſon Bezug hat, die Rechte in der Familie, die Exiſtenz in der Seſellſchaft. Deshalb muſte der Zuſtand der Perſonen der erſte Gegenſtand des Geſezbuches ſein; der zweite das Eigenthum. Das Eigenthum wird erworben, und uͤbertragen; allein ehe man beſtimmen kann, wie es uͤbertragen wird, muß die Art beſtimmt werden, wie es erwor⸗ ben werden kann. Die erſte und natuͤrlichſte Art zu erwerben, die Occupation(Beſitznahme), fällt in der Geſellſchaft weg. Sie iſt nur ein Faktum, welches mit der Deten⸗ tion(dem Beſitzſtand) der occupirten Sache aufhört. Ein andeter köunte ein Immobel occupiren, welches ich eben occupirt und verlaſſen hätte; um dieſe aufein⸗ anderfolgende Occupationen, welche eine ewige Quelle von Zwiſtigkeiten ſein würden, zu verhindern, muſte man der Occupation einen geſetzlichen Karakter, und dem Faktum, welches ſie konſtituirt, einen Rechis⸗ Titel geben. Die Occupation ohne dieſen Titel iſt alſo kein ErwerbsMittel mehr. Das Eigenthum erwirbt man alſo durch Erbſchaſt, Schenkungen, Kontrakte oder Folgen von Kontrakten: ferner durch Acceſſion, wenn ein Zuwachs ſich einer von uns beſeſſenen Sache ſo anbängt, daß er ohne 075 Art. 1I. Die Guͤter, welche keinen Herren haben, gehören der Ration an. Art. IV. Es giebt Dinge, welche niemand angehören, und deren Gebrauch allen gemeinſchaftlich iſt. Po⸗ lizey Geſetze beſtimmen die Art ihres Genuſſes. Die Befugniß zu jagen, oder zu ſiſchen wird gleich⸗ ſalls durch beſondere Geſetze regulirt. Anmerkungen. Schaden von derſelben nicht abzuloſen iſt, und endlich durch die Veriaͤhrung. Die Poſſeſſion iſt eine geſetzliche Detention, wel⸗ che von einer fortwahrenden Detention freiſpricht, indem ſie ihr die des Willens ſubſtituirt. Die blos thätliche Detention gehort der natuͤrlichen Ord⸗ nung an; die geſellſchaftliche Ordnung kann ſie nur⸗ indem ſie ſie legaliſirt, anerkennen. Das, was alſo einen Herrn hat, kann man nicht anderſt, als mit ſeiner Einwilligung, durch eine von ihm eingegan⸗ gene Verbindlichkeit, oder durch Verjaͤhrung erwerben. Zum Art. 3 bis s. Das Intereſſe der Geſellſchaft erlaubt nicht, die Jagd, die Fiſcherei, Schätze, vom Meer ausgeworfene Dinge, verlohrne Sachen, wie im Zuſtande der Natur demjenigen zuuͤberlaſſen, der ſie zuerſt occupiren wuͤrde. Der Gebrauch der na⸗ tuͤrlichen Faͤhigkeiten, die Gunſt des Zufalls, der Vortheil etwas zuerſt zu finden, köunen ein vor⸗ herbeſtehendes, rechtlich begruͤndetes Eigenthnm nicht entkraͤften. —* ————————————— 085 Art. VI. Das Eigenthum eines Schatzes gehört bem, der ihn in ſeinem eigenen Boden findet; wird der Schaz in fremdem Voden gefunden, ſo gehört er zur Hälfte dem, welcher ihn entdeckt hat, und zur an⸗ dern Hälfte dem Eigenthuͤmer des Bodens. Schaz iſt jedes verborgene oder vergrabene Ding, auf welches niemand ſein Eigenthum beweiſen kann, und welches durch die bloſſe Wirkung des Zufalls entdeckt wird. Art. VR. Die Rechte auf die ins Meer geworfene Effekten, Anmerkungen. Dieſe vorlaͤufige Grundſaͤtze, welche in beſonderu Regeln entwickelt werden, ſtehen hier an der Spitze des Buchs, welches von den verſchiedenen Arten, Eigenthum zu erwerben handelt, da ſie auf dieſe Arten Bezug haben. Dieſer erſte Tityl handelt indeſſen nur von einer derſelben: von der Erbfolge. Ohngeachtet es natuͤrlich ſcheinen ſollte, zuerſt das zu reguliren, was waͤhrend dem Leben des Menſchen ge⸗ ſchieht, ehe man an das denken könne, was ſich nach ſeinem Tode ereignet, ſo hat man doch aus folgen⸗ den Gründen dieſe Eintheilung annehmen und zuerſt von der Erbfolge, dann aber erſt von den Teſtamen⸗ ten und den Kontrakten handeln zu muſſen geglaubt: 1) weil die Erbfolge von dem Geſetze regulirt wird; die letzten aber blos erlaubt. 2) Weil die Erbfolge eine Art Fortſetzung des Ei⸗ genthums des Verſtorbenen zu Gunſten ſeiner 095 auf die Gegenſtaͤnde, welche das Meer auswirft, von welcher Gattung ſie auch ſein mögen, auf die Pflanzen und Kräuter, welche an den Ufern des Meeres wachſen, werden ebenfalls durch beſondere Geſetze beſtimmt. Das naͤmliche gilt von den verlohrnen Dingen, deren Herr ſich nicht einſtellt(ne se represente pas). Eb ſt er Sitel. Von den Erbſchaften. D Anmerkungen. Verwandten iſt, und alſo eine geringere Mutation des Eigenthums, als die Schenkungen und Ob⸗ ligationen bewerkſtelligt. 3) Weil der Menſch uͤber alles, was er waͤhrend ſeines Lebens zu thun hat, ſeine Vernuuft und ſeine Rechte zur Richtſchnur nehmen kann, aber das Geſetz über das verfuͤgen muß, worüber der Menſch in Lebzeiten nicht verfuͤgt hat. 4) Endlich, weil bei der bisherigen Lage der Geſetz⸗ gebung die SucceſſionsOrdnung derjenige Theil war, auf deſſen Abanderung am ſehnlichſten und mit dem meiſten Rechte gehofft wurde. Erſter Titel. Erſtes Kapitel. Die Erbfolge iſt eine CivilInſtitution, wodurch das Geſeß die Guter und Rechte, die Schulden und Verbindlichkeiten einer verſtorbenen Perſon auf an⸗ dere, welche in ihre Stelle eintreten, uͤbertraͤgt. Man unterſchied im geſchriebenen Rechte, wie in den Herkommen, zwei Arten von Erbfolge: die, welche * 10) Erſtes Kapitel. Von der Eroͤfnung der Erbſchaften, und dem Antritt(de la saisine) der Erben. Art. VIII. Die Erbſchaft wird durch den natuͤrlichen Tod und durch den buͤrgerlichen(Civil) Tod eroͤfnet. Anmerkungen⸗ durch den Willen des Menſchen uͤbertragen, und die, welche, in Ermangelung des Ausdrucks dieſes Wil⸗ lens, von dem Geſetz übertragen wird. Hier iſt von der letzten, von der rechtmäſigen Erbfelge, von der Erbfolge ab Intestat die Rede. Die erſte macht den Gegenſtand des zweiten Titels dieſes Buches aus. Dieſer erſte Titel enthaͤlt aiſo: das vermuthliche Teſtament eines Verſtorbenen, der keinen entgegen⸗ geſetzten Willen ausgedruͤckt haͤtte. Es kam alſo vor allem darauf an, ſich von der Macht der natuͤrlichen Neigungen zu durchdringen. Das Geſetz verfügt fuͤr alle die, welche nicht ſelbſt verfuͤgt haben: es ver⸗ muthet, daß ſie keinen andern Willen als den ſeinigen gehabt haben. Es muß alſo ſo verfuͤgen, wie der Verſtorbene ſelbſt in den letzten Augenblicken ſeines Lebens verfuͤgt haben wuͤrde, haͤtte er ſich ausdruͤcken können oder wollen. Zum Brt. S u. 9. Die allgemeinen Regeln worauf das Syſtem der Erbfolge beruht, iſt in der Natur begruͤndet, und bedarf keiner Erlaͤuterung. Die Wohl⸗ that des Lebens, welche ein Kind von dem Vater erhält, giebt ihm einen heiligen Anſpruch auf ſein Vermo⸗ gen. Wenn, der Ordnung der Natur zuwider, un⸗ glückliche Aeltern einem Kinde die Augen geſchloſſen haben, welcher Geſetzgeber möchte ihnen dann ſeine Hinterlaſſenſchaft entziehen? Sind keine Verwandte iu gerader Linie vorhanden, ſo läßt ſich vermuthen, (115 Art. IX. Die Erbſchaſt iſt, in Gemäßheit der im Geſetz; über die Beraubung der CivilRechte in Gefolge ge⸗ richtlicher Verurtheilungen, enthaltenen Verfuͤgungen Anmerkungen. daß die nächſten Collateral Verwandten auch die erſte Stelle in der Neigung des Verſtorbenen behaupte⸗ ten. Wenn auch dieſe Vermuthung nicht ſo ſtark, als in gerader Linie iſt, ſo kann doch das Geſetz, wenn der Verſtorbene ſchwieg, keine andere, als die der nähern oder entfernteren Verwandſchaft annehmen. Allein die Anwendung dieſer allgemeinen Grund⸗ ſatze konnte große Schwierigkeiten finden, denen man vorbengen muſte. Es kam daher zuerſt darauf an, zu beſtimmen, in welchem Augenblick die Erbſchaft erdfnet wird; die Wichtigkeit dieſer Frage iſt augen⸗ fallend, da die Erben verſchieden ſein können, je nachdem die Erbſchaft fruͤher oder ſpaͤter eroͤfnet wird. Ihre Beantwortung kann keinem Zweifel unterlie⸗ gen: ſobald wir ſterben, ſind die Bande zerriſſen, welche unſer Eigenthum an uns banden; das Geſetz kann ſie allein wieder anknuͤpfen. Trate es nicht gleich ein, ſo wuͤrde augenblicklich das keinem Herrn zugehoͤ⸗ rige Vermözen dem erſten beſten Preiß gegeben ſein. In dieſem phyſiſchen Augenblicke des Todes tritt der Erbe in die Rechte des Verſtorbenen ein: der iſt ſein Erbe, den das Geſetz in dieſem phyſiſchen Augen⸗ blicke dazu beruſt. Der Tod allein eröfnet die Erb⸗ ſe es laͤßt ſich keine Erbſchaft eines Lebenden enken. Der wird aber nicht mehr dafuͤr gehalten, der bloß der Menſchlichkeit der Geſetze ſein ſchuldiges Haupt verdankt. Er kann nichts mehr beſizen, denn er hat keine CivilEriſtenz mehr. Der naturliche Tod iſt ein phyſiſches und unwiberrufliches Factum; der Ci⸗ vilTod eine moraliſche Beraubung, die eines Ur⸗ theils und der Vollſtreckung deſſelben bedarf. Wenn „ G12 durch den buͤrgerlichen Tod von dem Augenblicke an eröfnet, wo man dieſem Tod verfallen iſt. Art. X. „ Wenn mehrere, welche reſpective die einen zu der Erbfolge der andern berufen waren, in demſelben Ereignß umkommen, ohne daß man erkennen könne, welcher zuerſt geſtorben iſt, ſo wird die Vermuthung, welcher den andern uͤberlebt haben möge, durch die Umſtaände des Faktums und in ihrer Ermangelung, durch die Kraft des Alters oder des Geſchlechts be⸗ ſtimmt. Anmerkungen. er gegen den Contumax verhaͤngt wird, der nicht ge⸗ hort worden iſt, und vielleicht blos deshalb verurtheilt ward, ſo iſt dieſer ihm doch nicht eher, als nach Ab⸗ lauf einer von dem Geſetz beſtimmten Zeitfriſt ver⸗ fallen. Blos nach deren Ablauf iſt ſeine Erbſchaft eröfnet; denn die Geſetze ſehen ihn ſo lange der CivilRechte fahig an, als die Zeit noch lauft, die ihm zu ſeiner Rechtfertigung geſtattet iſt. Zum Art. 10, 1In. 72. Unzählige Zufaͤlle, z. B. Schiffbruch, Brand, Schlachten, Erdbeben ꝛc.c. koͤnnen den Tod mehrerer Menſchen, in Entfernung aller Zeugen verurſachen. Wenn nun z. B. Vater und Sohn, Bruder und Schweſter in demſelben Ungluͤck umkommen, ſo kommt es darauf an, zu beſtimmen, wer vor dem andern geſtorben iſt; denn auf den Ueberlebenden, hatte er auch nur einen Augenblick länger gelebt, iſt die Erbſchaft, und durch ihn auf ſeine Erben uͤbergegangen. Je nachdem die Ver⸗ muthung fuͤr den einen oder den andern ſtreitet, daß er zuletzt gelebt habe, ſind die Erben verſchieden. 613 Art. XI. Wenn die, welche zuſammen umgekommen ſind, noch nicht fuͤnfzehn Jahre alt waren, ſo ſoll ver⸗ muthet werden, daß der älteſte uͤberlebt habe. Wenn ſie alle älter als ſechszig Jahre waren, ſo ſoll vermuthet werden, daß der juͤngſte überlebt habe. Wenn die einen juͤnger, als fuͤnfzehn, und die an⸗ dern älter, als ſechszig Jahre waren, ſo ſoll vermu⸗ thet werden, daß die erſten(die andern) uͤberlebt haben. Art. KII. Wenn die, welche zuſammen umgekommen ſind, fuͤnfzehn volle Jahre zuruͤckgelegt, und noch keine ſechszig erreicht hatten, ſo wird immer vermuthet, Anmerkungen. Um allen Zwiſtigkeiten vorzubeugen, mußte man po⸗ ſitive Regeln aufſtellen, welche nach einer aus der Natur hergeleiteten Wahrſcheinlichkeit in Ermange⸗ lung von ſichern Nachrichten zur Richtſchnur dienen ſollten. Das romiſche Recht hatte ſolche angenommen⸗ und, da ſie beſtimmt, faßlich, und auf Wahrſcheinlich⸗ keit gegruͤndet ſchienen, ſo hielt man ihre Beibehal⸗ tung für zweckmaͤſig. So lange die Kräfte des Men⸗ ſchen im wachſen ſind, ſtreitet die Vermuthung fuͤr den älteſten; ſobald ſie wieder abnehmen, für den juͤng⸗ ſten; im MittelAlter fur den Mann, und bei glei⸗ chem Geſchlecht, trirt die Vermuthung ein, daß die gewöhnliche Ordnung der Natur ſtatt gefunden habe, nämlich daß der juͤngſte zuletzt gelebt habe. (140 daß der(oder die) männlichen Geſchlechts zulezt ge⸗ lebt habe, wenn das Alter gleich iſt oder der Un⸗ terſchied, der in demſelben beſteht, ein Jahr nicht uberſteigt. Wenn ſie vom nämlichen Geſchlechte waren, ſo muß diejenige Vermuthung des Ueberlebens, a prè- somption de survie) welche nach der Ordnung der Ratur die Erbſchaft eröfnet, zugelaſſen werden; es wird demnach vermuthet, daß der jungere den ältern uͤberlebt habe. Art. XIII. Das Geſetz regulirt die Ordnung der Erbfolge unter den rechtmaͤſigen Erben; in ihrer Ermangelung gehn die Guͤter auf die natürlichen Kinder, ſodann Anmerkungen. Den erſten Rang in dieſer Diskuſſion behalten je⸗ doch immer die Umſtände der That ſelbſt, welche na⸗ turlich mehr gelten muſſen, als Vermuthungen, die blos in ihrer Ermangelung gehört werden. So z. V. ohngeachtet es wahrſcheinlich iſt, daß der ſtärkſte am längſten gelebt habe, ſo muß doch dieſe Vermu⸗ thung, wenn es erwieſen iſt, daß die TodesGefahr zuerſt auf ihn fiel, vor der ſtaͤrkern, die aus die⸗ ſem Umſtand folst, zuruckſtehen. um Art. 13 u. 14. Der natürliche oder burgerliche Tod eröfnet alſo die Erbſchaft in dem Augenblick wo er wirklich, unwiderruflich eintritt, und zwar zum Vortheil der rechtmäſigen Erben, das heißt der Verwandten, in den Graden, in welchen das Geſetz ſie von Rechtswegen zur Erbfolge beruft. Aus dem⸗ 015N auf den uͤberlebenden Gatten, und wenn keiner vor⸗ handen iſt, auf die Republik über. Art. TIV. Die rechtmäſigen Erben treten(sont snisis) von Rechtswegen und ohne weiteres, in die Guͤter, Rechte und Klagen(actions) des Verſtorbenen ein, unter der Verbindlichkeit(jedoch) alle Laſten der Erb⸗ ſchaft abzutragen; die natuͤrlichen Kinder, der uͤber⸗ lebende Ehegatte, und die Republik, muͤſſen ſich ge⸗ richtlich in den nachher zu beſtimmenden Formen in den Beſitz einſetzen laſſen. Anmerkunsen. ſelben Grund treten ſie auch von Rechtswegen und ohne alle Formalität in den Beſitz ein. Das Eigenthum kann nie zweifelhaft bleiben; der Menſch ſtirbt, ſeine Güter, ſeine Rechte, ſeine Anſpruͤche bleiben; an⸗ führen den Veſitz fort; es giebt keine Lucke arin. Wenn aber keine rechtmaͤſige Erben vorhanden ſind, ſo beruft das Geſetz andere zur Erbfolge die ihn ferner oder näher angehn; zuerſt die natürlichen Finder, die ihm durch die Bande der Natur ver⸗ wandt ſind; dann den Gatten, den Wahl und Nei⸗ gung mit ihm vereinigt haben; zuletzt ſein Vaterland⸗ das ihm vor allen Fremden theuer ſein muß. Da aber dieſe letztere nur in Ermangelung geſetzlicher Erben eintreten, ſo konnen blos die Gerichte ſie in den Be⸗ ſitz einſetzen, welche ſich zu üͤberzengen haben, ob 3 dadurch kein ſolcher geſetzlicher Erbe verdraͤngt erde. (165 3Z weites Kapitel. Von den zur Erbfolge erforderlichen Eigen⸗ ſchaften. Art. LV. Um erben zu können, muß man nothwendig im Augenblick der Eröffnung der Erbſchaft exiſtiren. Demnach ſind unfaͤhig zur Erbſchaft: 10 Wer noch nicht empfangen iſt. Anmerkungen. 8 weites Kapitel. Zum Art. 15. In demſelben Augenblicke, wo die Erb⸗ folge eroͤfnet iſt, tritt auch das Recht des Erben ein; die Stelle des Verſtorbenen darf keinen Augenblick unbeſetzt bleiben. Natürlich folgt daraus, daß man⸗ um zu erben, im Augenblicke des Todes eriſtiren muß. Wer nicht empfangen iſt, kann alſo nicht er⸗ ben. Ein Nichts kann keine Stelle einnehmen. Das Kind im Mutterſchooß wird aber fuͤr lebend ge⸗ achtet, wenn es anderſt lebensfaͤhig zur Welt kommt; denn ſeine Exiſtenz iſt gewiß, obgleich noch nicht entwickelt, und muß nothwendig entferntere Verwand⸗ te ausſchlieſſen(ſiehe lex antiqui3. J. si pars hæred. peta- tur, leg. 7. et 25. F de statu hom. und das jetzte Geſetz F. de ventre in possess. mitt.) Dieſe Befugniß hoͤrt aber auf, wenn bei der Geburt erkannt wird, daß die Frucht nicht lebensfaͤhig iſt; es iſt eben ſo gut, wenn ſie blos gebohren wird, um zu ſterben, als wenn ſie nicht gebohren waͤre.(Siehe Lex III. F. J. de posthumis hæredibus instituendis. Lex II. tit. eod. lex III. digest. de suis et legitimis hæredibus.) So wie ferner ein phyſiſches Factum einen Er⸗ hen, der nicht eriſtiren wuͤrde, oder zu eriſtiren aufgehoͤrt hätte, nicht eintreten laßt, ſo verhindert 0170 2) Das Kind, welches nicht lebensfähig(viabled gebohren iſt. 3) Dexjenige, der buͤrgerlich(civilement) tod iſt. Art. XVI. Ein Fremder wird nur in den Fällen und auf die⸗ ſelbe Art zur Erbfolge der Guͤter zugelaſſen, die ſein Verwandter, er mag nun ein Fremder oder ein Franzoſe ſein, auf dem Gebiet der Republik beſitzt, in welchen und auf welche ein Franzoſe ſeinen Ver⸗ wandten, der Guͤter in dem Lande dieſes Auslaͤnders beſitzen wuͤrde, erbt;(alles) in Gemäßheit der Ver⸗ fuͤgungen des Titels in Betreff: des Genuſſes der CivilRechte. Anmerkungen. ein geſetzliches Factum, daß ein zum bürgerlichen Tod Verurtheilter es nicht könne. Er iſt das Nichts des buͤrgerlichen Lebens. Das Geſetz hat keine Regeln uͤber die Epoche der Lebensfähigkeit aufgeſtellt. Es waͤre nicht möglich geweſen, ſie ſicher und beſtimmt genug anzugeben; die Geheimniſſe der Natur in dieſer Hinſicht ſind un⸗ erforſchlich. Lebensunfaͤhig iſt der, der die gewöhn⸗ liche Lebens Bahn des Menſchen zu durchlaufen plat⸗ terdings unfähig iſt; die Beurtheilung der beſondern Fälle, und die Anwendung dieſes allgemeinen Grund⸗ ſatzes darauf mußte dem Ermeſſen der Richter uͤber⸗ laſſen bleiben. Zum Art. 16. Eine natuͤrliche Folge des im Art. 17. des 1 Kapitels des 1 Titels des erſten Buchs des gegenwärtigen Geſetzbuchs(ſiehe 1ter Theil, Seite 9) aufgeſtellten und daſelbſt entwickelten Grundſatzes. 2 2 2 (18N Art. XVII. Sind unfähig zu erben, und als ſolche von der Erbfolge ausgeſchloſſen: 1) Derjenige, welcher verurtheilt wuͤrde, weil er den Verſtorbenen getödtet oder zu tödten ver⸗ ſucht hätte. 2) Derjenige, welcher eine verlaͤumderiſch befun⸗ dene KapitalKlage gegen den Verſtorbenen er⸗ hoben hätte. Anmerkungen. Zum Art. 17. Man kann aber wohl zur Erbſchaft fahig, allein derſelben unwürdig ſein. Die geſetzliche Erbfolge gruͤndet ſich auf die Vermuthung der Zu⸗ neigung des Verſtorbenen zu ſeinem naͤchſten Ver⸗ wandten. Es liegt aber ſchon in dem Begriff jeder Vermuthung, daß ſie der erwieſenen Wahrheit, ja felbſt der ſtärkern Vermuthung weichen muß. Könn⸗ te nnn aber in den hier beſtimmten Fällen das Geſetz, welches den Morder ſeines PVerwandten oder den Feigen, der ſeinen Tod ungerächt gelaſſen hätte, zur Erbfolge berufen würde, ſich mit dem ver⸗ muthlichen Willen des Verſtorbenen rechtfertigen? hat nicht der, welcher den Gefuͤhlen der Natur ab⸗ hat, auch den Rechten die ſie ihm gewährt, entſagt. Man hat iedoch nicht geglaubt, alle im römiſchen Rechte angenommenen Gruͤnde der Ausſchlieſſung in das neue Geſetz uͤbertragen zu mäſſen. Dies erſte hatte z. B. den ſtraflichen Umgang des Verſtorbenen mit dem Erben, die Verfägung, welche der Erbe vor dem Tode des Verſtorbenen uͤber eines ſeiner Guͤter getroffen haben mögte, die Angabe, daß der Erbe den Verſtorbenen verhindert habe, ſein Teſta⸗ ment zu machen oder zu verändern, fuͤr hinreichende K 19 N 30 Der großjaͤhrige Erbe, der, von dem Mord des Verſtorbenen unterrichtet, ihn der Juffiz nicht angezeigt(denoncé) haben winde. Art. XVIII. Die Unterlaſſung der gerichtlichen Veranzeigung kann weder den Aszendenten und Deszendenten des Mörders, noch ſeinen Verſchwägerten in denſelben Graden, noch ſeinem Gatten oder ſeiner Gattin, noch ſeinen Bruͤdern oder Schweſtern, noch ſeinen Anmerkungen. Veweggrünbde erklaͤrt, den Erben von der Erbfolge auszuſchlieſſen. Allein dieſe Gruͤnde geben nicht, wie die oben beſtimmten, einen feſten Punkt an, der die Unwuͤrdigkeit beſtimmt; ſie beruhen auf zwei⸗ felhaften, ſchwer zu erweiſenden, mancherlei Ausle⸗ gung empfaͤnglichen Thatſachen. Ihre Zulaſſung würde zu willkuͤhrlichen Erkenntniſſen und gehaſſigen Inguiſi⸗ tionen Gelegenheit geben. Freilich ſoll der Feind des Verſtorbenen ihn nicht erben; allein die Urſachen der Ausſchlieſſung muͤſſen ſo beſtimmt ſein, daß ihre Anwendung nicht beſtritten werden kann, ſonſt wuͤrde man, um einen Verſtorbenen zu rächen, Haß und Zwietracht uͤber ſeine ganze Familie bringen. Zum Art. 18. Sogar ſpricht das Geſetz den Erben von der Verbindlichkeit frei, den Mord des Erblaſ⸗ ſers gerichtlich zu verfolgen, wenn der Moͤrder ſein Vater, ſein Gatte, ſein Sohn oder ein ſonſtiger naher Verwandter war. Dann iſt das Stillſchwei⸗ gen ihm eine heiligere Pflicht als die Rache; es wuͤrde ein unmenſchliches Geſetz ſein, das ihm dieſe befehlen wuͤrde, da die Angabe des Moͤrders nicht ſtatt haben könnte, ohne die Moral und die öffent⸗ liche Sittlichkeit mit Fuſſen zu treten. G20N Dheimen und Tanten, noch ſeinen Neffen und Rich⸗ ten opponirt werden. Art. XIX. Der, von der Erbfolge, ſeiner Unwuͤrdigkeit hal⸗ ber, ausgeſchloſſene Erbe, iſt gehalten, alle Früchte und Einkunfte zuruͤckzugeben, deren Genuß er ſeit der Eroöfnung der Erbſchaft gehabt hat. Art. XX. Die Kinder des Unwuͤrdigen ſind, wenn ſie ſelbſt(de leur chel) und ohne Huͤlfe der Repräſen⸗ tation, zur Erbfolge gelangen, durch die Schuld ihres Vaters nicht ausgeſchloſſen; aber dieſer kann, in keinem Fall von dieſen Gutern die Nutznieſſung in Anſpruch nehmen, welche das Geſetz den Aeltenn von den Gütern ihrer Kinder bewilligt. Drittes Kapitel. Von den verſchiedenen Ordnungen der Erbfolge. Anmerkungen. Zum Art. 19, Er iſt possessor mulæ hdei, und als ſolcher zur Ruckerſtattung aller genoſſenen Fruͤchte gehalten⸗ Zum Art. 20. Die Fehler ſind perſoͤnlich; Kinder können alſo die Schuld des Vaters nicht tragen; allein der Pater darf auch ſelbſt von dieſer Gerechtis⸗ keit gegen ſeine Kinder nicht den mindeſten Vortheil ziehen. 6210 Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. XXl. Die Erbſchaften werden auf die Kinder und Des⸗ zendenten des Verſtorbenen, auf ſeine Aszendenten und ſeine Kollateral Verwandte in der Ordnung und nach den Regeln, welche hiernach beſtimmt ſind, ubertragen. Art. XXII. Das Geſetz erwaͤgt weder die Gattung noch den Anmerkungen. Ditr 5 p e 8um Art. 22. Es beſtand in dieſer Hinſicht zwiſchen dem römiſchen Rechte und den Herkommen ein offen⸗ barer Widerſpruch. Nach dem erſten bildete alles Vermögen des Verſtorbenen nur eine Maſſe, welche dem nachſten Verwandten zufiel. Nach den Herkom⸗ men gab es hingegen ſo viel Erbſchaften, als es Gattungen von Gütern gab. Ein Verſtorbener hin⸗ terließ einen Erben der Moͤbel und Achneſte, einen Erben der eigenthuͤmlichen väterlichen Guter, und einen des eigenthuͤmlich muͤtterlichen Vermoͤgens. Zuweilen konute dieſelbe Perſon alle dieſe Eigenſchaf⸗ ten vereinigen, aber oft waren ſie unter mehrere Häupter zerſtreut, die ſelbſt unter ſich oft nicht ein⸗ mal durch die Bande der Verwandſchaft verbunden waren. Der Wunſch, die FamilienGuͤter beiſammen zu be⸗ halten, hatte zuerſt den Unterſchied der eigenthuͤmlichen Guter, d. h. der durch Erbſchaft zugefallenen Im⸗ mobilien, in die Herkommen aufnehmen laſſen. (225 urſprung der Guͤter, um ihre Erbfolge zu regu⸗ liren. Art. XXlIIIl. Jede, Aszendenten oder Kollateral Erben zugefal⸗ 1 — Anmerkungen. Dieſer Wunſch aͤnſſerte ſeinen Einfluß nicht allein in den Geſetzen uͤber die Erbfolge, ſondern auch in je⸗ nen, die auf die Befugniß uͤber das Eigenthum zu ver⸗ fuͤgen, Bezug haben. Ein Sterbender konnte die ei⸗ genthuͤmlichen Guͤter entweder gar nicht oder nur einen kleinen Theil derſelben vermachen; nach an⸗ dern, noch ſtrengern, Herkommen konnte er ſie nicht einmal durch Schenkungen zwiſchen Lebenden ver⸗ aͤuſſern. Endlich nahm eben daher das den Ver⸗ wandten zuſtehende AbtriebsRecht ſeinen Urſprung, welches eine, für das oͤffentliche und das Privat⸗ Intereſſe ſo gefaͤhrliche Unſicherheit des Beſitzthums zur Folge hatte. † Dieſe Geſetzgebung mußte nothwendig unzaͤhlige Prozeſſe erzeugen, und die Theilung jeder Erb⸗ ſchaft erſchweren. Eudlich konnte man ſie unmoͤglich fuͤr den vermuthlichen Willen des Verſtorbenen hal⸗ ten, da oft entfernte, ihm unbekannte Verwandte die nahen, welche ſein ganzes Leben hindurch ſeiner Zuneigung genoſſen, ausſchloſſen. Alle dieſe Unter⸗ ſcheidungen ſind daher durch das neue Geſetz aufge⸗ hoben. Es giebt nur eine Erbſchafts Maſſe ohne Ruͤck⸗ ſicht auf den verſchiedenen Urſprung der Güter, wor⸗ aus ſie beſteht. Es bedarf keiner Bemerkung, daß der Unterſchied der Guͤter, in adliche, RitterGüter, und gemeine, buͤrgerliche Guͤter, als Ueberbleibſel des Feudalſyſtems hier in keine Erwaͤgung kommen konnte, da mit den Privilegien der Staͤnde auch die Privilegien des Bodens verſchwunden ſind. Zum Art. 23. Allein bei der Annahme dieſes Grund⸗ ſatzes glaubte man jedoch auch das Syſtem der Her⸗ 6230 lene Erbſchaft theilt ſich in zwei gleiche Theile; der eine für die Verwandten der väterlichen, der andere fur die Verwandten der muͤtterlichen Linie. Die halbburtigen Verwandten von der Mutter oder vom Vater her() werden durch die vollbuͤr⸗ tigen nicht ausgeſchloſſen; aber ſie nehmen, vorbe⸗ haltlich deſſen was im Art. XLII. hierunten verfugt werden wird, blos in ihrer Linie Theil. Die voll⸗ burtigen nehmen in beiden Linien Theil. Es geſchieht keine Devolution von einer Linie auf die andere, als wenn ſich von einer der beiden Linien Anmerkungen. kommen nicht unbedingt verwerfen zu muͤſſen. In⸗ dem man den vaterlichen und muͤtterlichen Verwand⸗ ten die Guͤter ihrer Linie entzog, ſchien es billig ihnen einen Erſatz dafuͤr zu gewaͤhren. Der Grundſatz von der Unterſcheidung der Güter war gerecht, allein die Schwierigkeiten ſeiner Anwendung hatten ſeine Ab⸗ berufung beſtimmt. Eine gleiche Theilung des Ver⸗ mogens zwiſchen die beiden Linien, ohne Ruͤckſicht auf die Gattung oder den Urſprung der Güͤter iſt an die Stelle getreten. Dieſe Theilung halt die Mitte zwiſchen der zu großen Einfachheit der romi⸗ ſchen Geſetze, und den zu feinen Unterſcheidungen der Herkommen. Eben ſo bleibt auch das Privile⸗ gium des doppelten Bandes, welches durch das Ge⸗ ſeß vom 17 Nivoſe 2ten Jahres unterdruckt ward⸗ abgeſchafft. Die Theilung der Erbſchaft zwiſchen den beiden Linien giebt jeder einen gleichen Antheil; die vollbürtigen Verwaudten werden in den beiden Linien ihre Rechte antreten, aber darum andere Verwand⸗ te nicht ausſchlieſſen, deren Rechte in der einen Linie⸗ (6) Uierini aut Consanguinii. 6 (24 N 3 kein Aszendent, und kein Kollateral Verwandter vor⸗ findet. Art. XXIV. Wenn dieſe erſte Abtheilung zwiſchen der väterli⸗ chen und mütterlichen Linie bewerkſtelligt iſt, ſo ge⸗ ſchieht keine Abtheilung mehr unter den verſchiede⸗ nen Zweigen; ſondern die jeder Linie zugefallene Halfte gehört, vorbehaltlich des Falles der Re⸗ preſentation, ſo wie es hierunten verfuͤgt werden wird, dem oder den, im nächſten Grad, verwandten Erben. Anmerkungen. weil ſie in der andern keine beſitzen, darum nicht weniger unwiderſprechlich ſind. Zum Art. 24. Hierdurch verſſegt eine ewige Quel⸗ le von Forderungen und Prozeſſen. Einige Her⸗ kommen hatten die Gewiſſenhaftigkeit in Hinſicht auf die Guͤter jeder Linie ſo weit getrieben, daß ſie in jeder Unterabtheilung wieder die väterlichen und muͤt⸗ terlichen aufſuchten und trennten. Dieſe Subtilitaͤt ſchien ſogar von dem Geſetz vom 17 Nivoſe ange⸗ nommen worden zu ſein. Pllein mehrere Rechtsge⸗ lehrte benuzten die undeutliche Abfaſſung dieſes Geſetzes, und ſuchten aus dem Terte deſſelben ſelbſt das Gegentheil zu beweiſen. Das Kaſſations Gericht hatte dieſe Deutung durch ſeine Ausſpruͤche beſtaͤtigt. Hier finden wir endlich dieſes unnatürtiche Syſtem förmlich prosſcribirt, welches tanſend Erben zur Theilung einer Erbſchaft berufen konnte, die tau⸗ ſendmal von den Koſten der Prozeſſe, den Aufſuchun⸗ gen der urſpruͤnglichen ErwerbsTitel, der genealogi⸗ ſchen Tafeln und einer Menge, in der Dunkelheit des Alters verlohrnen, Beweißmittel verſchlungen werden mußte. (25N Art. XXV. Die Rahe der Verwandſchaft beſtimmt ſich durch die Zahl der Generationen; jede Generation heißt ein Grad. Art. XXVI. Die Folge der Grade bildet die Linie; Man nennt die Folge von Graden zwiſchen Perſonen, die eine von der andern abſtammen, grade Linie, (und) die Folge der Grade zwiſchen Perſonen, die nicht die einen von den andern abſtammen, aber die von einem gemeinſchaftlichen StammVater abſtam⸗ men:(Collateral) SeitenLinie. Man unterſcheidet bei der graden Linie, die ab⸗ ſteigende und die aufſteigende grade Linie. Die erſte iſt die, welche das Haupt mit denen verbindet, welche von ihm abſtammen; die zweite iſt die, welche eine Perſon mit denen verbindet, von welchen ſie abſtammt. Art. XXVlII. Man zählt in grader Linie ſo viel Grade, als es Anmerkungen. Zum Art. 25 bis 29. Um die Erben zu erkennen und ihre Rechte zu vertheilen, mußte man vorerſt ih⸗ re Verhältniſſe zu dem Verſtorbenen beſtimmen⸗ Dies geſchieht hier auf eine deutliche und beſtimmte (265 Generationen zwiſchen den Perſonen giebt; ſo be⸗ findet ſich der Sohn in Hinſicht auf den Vater im erſten Grade, der Enkel im zweiten; und umge⸗ kehrt befinden ſich der Vater und der GroVater (in denſelben Graden) in Hinſicht auf die Söhne— und die Enkel. Art. XXVIII. In der SeitenLinie zählen ſich die Grade nach den Generationen, von einem der Verwandten bis zu dem gemeinſchaftlichen Stamm Vater, dieſen nicht einbegriffen, und von dieſem bis zu dem andern Verwandten. So befinden ſich zwei Bruͤder im zweiten Grad; der Onkel und der Neffe im dritten Grad; die Ge⸗ ſchwiſterinder im vierten und ſo fort. Zweiter Acbſchnitt. Von der Repraͤſentation. Art. XRKIX. Die Repraſentation iſt eine Fiction des Geſetzes, Anmerkungen. Art. Es bedarf keiner Entwickelung der Gründe, warum von der ehemals üblichen doppelten Rechnuug der Grade, nach dem Kanoniſchen und nach dem CivilRechte, hier nur die letzte beibehalten wor⸗ den iſt. 027) welche die Wirkung hat, die Repräſentanten in die Stelle, in den Grad und in die Rechte des Repra⸗ ſentirten eintreten zu laſſen. Anmerkungen. Zum Art. 29. Die Regel, daß der nächſte Per⸗ wandte der Erbe ſey, kann jedoch nicht immer ihre ſtrenge Anwendung finden; denn da ſie blos auf der Vermuthung beruht, daß der Verſtorbene ſeinen nach⸗ ſten Verwandten vorgezogen haben wuͤrde, ſo muß ſie auch dann, wenn dieſe Vermuthung nicht denk⸗ bar iſt, eine nothwendige Ausnahme erleiden. Da wirklich in der Natur der menſchlichen Neigungen eine Repräſentation beſteht, welche die Kinder in die Stelle ihrer verſtorbenen Aeltern einſetzt und die ganze Zärtlichkeit der Familie auf ſie üͤber⸗ trägt, ſo erkennt auch das Geſetz dieſe Repraſentation in Hinſicht auf die Erbſchaft an, indem es auf die Kinder die Rechte des verſtorbenen Vaters üͤbertragt. Ohne dieſe Fiction wuͤrde das Geſetz ſich beinahe immer mit dem Willen des Verſtorbenen im Wie⸗ derſpruch befunden haben. Das Syſtem der Repraͤſentation hat in dem roͤ⸗ miſchen Rechte einige Veraͤnderungen erlitten; erſt durch die Novelle CXVIII. ward die in grader ab⸗ ſteigender Linie von allen Ausnahmen befreit und die in der SeitenLinie eingefuͤhrt, in welcher ſie jedoch auf die Geſchwiſter Kinder beſchraͤnkt war. Die Re⸗ praͤſentation ward weder bei allen Herkommen, noch in allen auf gleiche Art angenommen; einige nah⸗ men ſie in der graden und der SeitenLinie, andere blos in der graden, andere in beiden bis ins unendliche, noch andere bis zu gewiſſen Graden, noch andere blos fuͤr gewiſſe Perſonen und Guͤter, an. Das neue Geſetz hat aus dem geſchriebenen Recht und den Herkommen die Verfuͤgungen bei⸗ behalten, welche der Natur und dem vermuthlichen Willen des Verſtorbenen am meiſten entſprechend ſchienen. (28 Art. XXX. Die Repräſentation hat in der graden abſteigen⸗ den Linie ins unendliche ſtatt. Sie wird in allen Fällen zugelaſſen, die Kinder des Verſtorbenen mögen nun mit den Deszendenten eines vorhergeſtorbenen Kindes konkurriren, oder die Deszendenten der beſagten Kinder moͤgen ſich wenn alle Kinder des Verſtorbenen vor ihm ver⸗ ſtorben ſind, untereinander, in gleichen oder un⸗ gleichen Graden befinden. Art. XXRl. Die Repräſentation findet zu Gunſten der Aszen⸗ denten nicht ſtatt; der nächſte in jeder der beiden Linien ſchließt immer den entfernteren aus. Anmerkungen. Zum Art. 30. Ueber dieſen Grundſaß konnte kein Zweifel entſtehn. Blos ein ungerechtes und unna⸗ tuͤrliches Geſetz könnte die Repraſentation in abſtei⸗ gender dinie ausſchlieſſen. Die Neigung des Men⸗ ſchen dehnt ſich auf alle ſeine Deszen denten aus; ſie ſind ihm alle gleich theuer; die Lebenden nehmen in ſeinem Herzen die Stelle der Verſtorbenen ein; ſie ſind alle ſeine Kinder. Die Repräſentation kann daher in abſteigender Linie keine Graͤnzen haben. Zum Art. 31. Ein anderes iſt es in aufſteigender Linie. Das Kind hat immer mehr Liebe fuͤr den Vater als den Gros Vater, und je ferner die Aszen⸗ denten von ihm ſtehn, je weniger ſpricht die Natur in ſeinem Herzen für ſie. Die nächſten Aszendenten müſſen alſo immer die entfernteren ansſchlieſſen. G²9N Art. XXRII. In der SeitenLinie iſt die Repräſentation zu Gun⸗ ſten der Kinder und Deszendenten von Brüdern oder Schweſtern des Verſtorbenen zugelaſſen, ſie mögen nun mit Oheimen oder Tanten fuͤr die Erbſchaft konkurriren, oder die Erbſchaft mag, wenn alle Bruͤder und Schweſtern des Verſtorbenen vor ihm Anmerkungen. Es ſcheint dazu gegen das Weſen der Repraſentation, ſie in aufſteigender Linie zuzulaſſen. Ein Strom kehrt nie zu ſeiner Quelle zuruͤck. Zum Art. 32. In KollateralLinie war die Anwen⸗ dung des Syſtems am ſchwuͤrigſten. Die Herkommen ſtellten drei verſchiedene Syſteme auf; nach dem ei⸗ nen war die Repraͤſentation auf die Geſchwiſter⸗ Kinder des Verſtorbenen beſchraͤnkt; nach dem andern dehnte ſie ſich auf alle Deszeudenten der Geſchwiſter aus; nach dem dritten ward ſie, wie in abſteigen⸗ der Linie, bis ins Unendliche zugelaſſen. Um unter dieſen drei Syſtemen eins zu wählen, muſte man zuerſt unterſuchen, welches dem Wunſch der Natur, der Ordnung der Zuneigungen und dem vermuthli⸗ chen Willen des Verſtorbenen am angemeſſenſten ſey. Wer keine Kinder hat und einen geliebten Brn⸗ der verliert, tragt natürlich ſeine Neigung auf die Deszendenten dieſes Bruders uͤber: die natuͤrliche Sympathie zwiſchen dem Alter und der Kindheittragt noch dazu bei, dies Verhaͤltniß zu verſtärken. Es iſt das Intereſſe des Staates, die Bande, welche die Familien vereinigen, nicht zu zerreiſſen. Aber das Geſetz darf auch nicht weiter gehn, als die Natur ſelbſt, und keine Neigungen vorausſetzen, wo keine beſtehen. Die Repraͤſentgtion auf alle Kollateral⸗ Verwandte ohne Unterſchied ausdehnen, wuͤrde vor⸗ ausſetzen daß der Verſtorbene fuͤr alle die nämliche (30 N geſtorben ſind, auf ihre Deszendenten in gleichen oder ungleichen Graden uͤbergegangen ſein. Art. XXXIII. In allen Faͤllen, worin die Repraͤſentation zuge⸗ laſſen iſt, wird die Theilung ſtammweiſe bewerk⸗ ſtelligt: hat ein Stamm mehrere Zweige erzeugt, Anmerkungen. Neigung gehabt habe, welche Vermuthung wenig⸗ ſtens nicht wahrſcheinlich ſein würde; dieſe unbe⸗ ſchraͤnkte Repraͤſentation wuͤrde zudem fuͤr jede FollateralErbſchaft eine ſolche Menge Erben berufen, daß der Handel und der Ackerban dadurch nothwen⸗ dig gefaͤhrdet wuͤrden. Man hat ſich daher beſtimmt, die Verfügungen des roͤmiſchen Rechtes beizubehal⸗ ten, ſie jedoch aber auf die Kinder der Neffen aus⸗ gedehnt. Zum Art. 33. Da die Repräſentation ein Faktum iſt, wodurch die Kinder den Antheil erhalten, der ihrem Vater, wenn er noch lebend geweſen waͤre, zugefallen ſein wurde, ſo folgt daraus, daß, ihre An⸗ zabl mag ſein, welche ſie will, ſie doch nicht mehr als ſeinen Antheil verlangen können. Sie zaͤhlen zuſammen nur fuͤr ein Haupt in der Erbſchaft, ſonſt wuͤrde dieſe Fiction ihren MitErben äuſſerſt nachtheilig ſein. So wie der Tod ihrer Aeltern ih⸗ nen nichts ſchaden kann, darf er ihnen auch nichts nutzen. Die Regel einer gleichen Theilung zwiſchen beiden Linien hat ein einfaches und wirkſames Mittel an die Hand gegeben, um allen Zwiſtigkeiten ein Ende zu machen, welche ehedem durch das Privilegium des doppelten Bandes über das einfache Band, d. heißt das Privilegium deren, die vom nämlichen Vater und der nämlichen Mutter abſtammen über die, die blos von einem von beiden abſtammen, verurſacht (31) ſo geſchieht die Unterabtheilung in jedem Zweig eben⸗ falls ſtammweiſe, und die Glieder deſſelben Zweigs theilen untereinander, auf den Kopf. Art. XXXIV. Man repräſentirt keine lebende Perſonen, ſon⸗ Anmerkungen. wurden. Dieſe Prärogative wurden von Juſti⸗ nian zuerſt zu Gunſten der Geſchwiſter und nach⸗ her ſelbſt zu Gunſten von Nichten und Neffen, wel⸗ che mit dem Verſtorbenen durch das doppelte Band verknuͤpft waren, eingefuͤhrt. Die Herkommen wa⸗ ren in dieſer Hinſicht eben ſo wie uͤber das Repra⸗ ſentationsRecht aͤuſſerſt verſchieden. Einige lieſſen das Privilegium zu, die einen nach dem römiſchen Recht, die andern in engern, die andern in noch wei⸗ tern Graden, die einen nur fuͤr einige Guͤter; andre ſchloſſen es ganz aus; noch andere beobach⸗ ten das Stillſchweigen in dieſer Hinſicht. Alle dieſe Verſchiedenheiten ſind verſchwunden; die nur von der Mutter oder nur von dem Pater Verwandte werden durch die vollbuͤrtigen nicht ausgeſchloſſen, aber ſie werden blos in ihrer Linie Antheil nehmen; die vollbuͤrtigen in den beiden Linien; ſo wird der Verwandte von Seiten des Vaters ſeinen Antheil in der, dem väterlichen Zweig zugewieſenen, Hälfte beziehen; der Verwandte von Seiten der Mutter den ſeinigen in der dem muͤtterlichen Zweig zuge⸗ wieſenen Halfte; der Verwandte von beiden Seiten den ſeinigen in beiden Hälften. Zum Art. 34. Man kann keinen Lebenden ſondern blos ſolche Perſonen, welche natürlich oder Civil Todt ſind, repraͤſentiren. Schon Doumoulin hat dieſen Grundſatz aufgeſtellt: rursus nola quod representatio nunquam est de persana vivente. sed tantnm de pa⸗ rente montuo naturaliter aut civiliter. Schon die bloſſe PVernunft ſagt, daß man in deſſen Stelle nicht ein⸗ treten kann, der lebend iſt und ſeinen Grad ausfühlt, (320 dern blos die, welche natuͤrlich oder Cuil Todt ſind. Anmerkungen. Staͤrkern Widerſpruch fand die Frage bei den RechtsGelehrten: ob man ein Individunm, welches, zu einer Erbſchaft berufen, dieſelbe ausgeſchlagen hat, repräſentiren koͤnne, da es doch ſeinen Grad nicht ausfullt? Das Geſetz hat ſie dem Grundſaß der Re⸗ praͤſentation zufolge und nach dem, am haͤufigſten angenommenen Rechts Gebrauch entſchieden. Die Art. 69 und 70 verfuͤgen, daß ſein Antheil den ſei⸗ ner MitErben vermehrt, und daß blos in dem Fall wo es der einzige Erbe iſt, ſein Antheil auf den folgenden Grad uͤbergeht. In der That, wenn an⸗ dere Erben in gleichen Graden mit dem Verzichtlei⸗ ſtenden vorhanden ſind, ſo konnten die welche ſeinen Theil in Anſpruch nehmen wollten, es nicht anderſt thun, als indem ſie durch Repräſentation in ſeine Stelle eintraͤten. Man kann aber keinen Lebenden repraͤſentiren. Eben ſo, wenn der Verzichtleiſtende entfernte, aber durch die Wohlthat der Repräſenta⸗ tion ihm naͤher gebrachte Verwandte zu vermuthli⸗ chen MitErben haͤtte, iſt es wieder gewiß, daß man ſeinen Plaz nichts anderſt einnehmen konnte, um mit ſeinen MitErben zu konkurriren, als durch die Repräſentation. Waäre er aber der einzige Erbe, dann hätte ſein nachſter Verwandter nicht nöthig ihn zu repräſentiren, um die Erbſchaft zu erhalten, worauf er verzichtet haͤtte. Er wuͤrde ſie alsdann nicht kraft der Repraſentation, ſondern kraft der Devolu⸗ tion(edict. præt. successiorum) in Beſitz nehmen. Dieſelbe Regel iſt offenbar auf den Fall anwend⸗ par, wenn der naͤchſte Erbe geſtorben wäre, ohne die Erbſchaft angenommen oder ausgeſchlagen zu haben. Seine Verwandten können die Erbſchaft nicht als ſeine Repräſentanten, ſondern blos als ſeine perſoͤn⸗ liche Erben in Anſpruch nehmen. Es wäre zu vielen Misbräuchen unterworfen, einem Individuum zu erlauben, eine ihm zugefallene Etb⸗ (330 Man kann den repraͤſentiren, auf deſſen Erbſchaft man verzichtet hat. Von den, den Deszendenten, zugefallenen Erbſchaften. Anmerkungen. ſchaft auf ſeine Kinder uͤbergehn zu laſſen, ohne ſelbſt den Titel als Erbe anzunehmen. Er wuͤrde zu viel Mittel finden, ſeine Glaͤubiger zu betrugen, und man würde zu betruͤgeriſchen FideiCommiſſen zu viel Gelegenheit geben: Man kann jedoch den repraͤſentiren, auf deſſen Erbſchaft man verzichtet hat, aber erſt nach ſeinem Tode. In dieſem Falle erhaͤlt der Verwandte ſein Recht nicht von der Hand des Repraͤſentirten, ſondern von dem Geſetze ſelbſt; er nimmt zwar ſeine Stelle ein, aber nicht der Repräſentirte ertheilt ſie ihm, ſon⸗ dern dieſes letztere. Man kann ſeine Rechte nie auf ſeine Erben uͤbertragen, aber die Repraͤſentation iſt kein Uebertrag; ſie iſt blos eine Subrogation, die durch das Geſetz verfugt iſt, und nicht in der Macht des Menſchen ſteht. Es liegt auch ein Grund der natuͤrlichen Billig⸗ keit darin, daß man eine Erbſchaft, zu welcher man durch die BlutsVerwandſchaft und das Geſetz bern⸗ fen iſt, einnehmen könne, ohne gezwungen zu ſein, die läſtige Erbſchaft desjenigen anzunehmen, der in Lebzeiten der naͤchſte war. Die Kinder, deren Vater alles verſchwendet hat, finden ſo in der Erbſchaft ihrer GrosAeltern eine HuͤlfsQuelle. Durch die Natur zu dieſer Erbſchaft berufen, düͤrfen ſie derſelben nicht durch die Schuld ihres Vaters beraubt werden, und die Glaͤubiger deſſelben können ſich nicht daruͤber be⸗ klagen, 1) weil ſie kein Recht auf eine Erbſchaft haben, die erſt nach dem Tod ihres Schuldners verfallen war, 2) weil ſie keinen groͤſſern Vortheil davon haͤt⸗ ten, wenn dieſe Erbſchaft auf andere, als die Repraͤ⸗ ſentanten des Schuldners uͤbergienge. 3 (34 AuteNXXV Die Kinder, oder ihre Deszendenten erben ihre Väter und Muͤtter, Gros Vater, Gros Muͤtter, oder andre Aszendenten, ohne Unterſchied des Geſchlechts, oder der ErſtGeburt, und gleichviel, ob ſie aus verſchiedenen Ehen gezengt ſind. Anmerkungen⸗ Zum Art. 35. Schon bei den Römern hatten alle Kinder gleiche Rechte auf die Erbſchaft ihrer Vä⸗ ter.(Siehe leßt. Kap. der Novelle 22, de nuptis, lex 77. F. svictis de legat. 2) Die meiſten Herkom⸗ men hatten jedoch dieſe Regel verkannt. In mehre⸗ ren Provinzen gehörte die ganze Erbſchaft den Bru⸗ dern, und den Schweſtern nur eine unbedeutende Ausſtener. Selbſt von den Bruͤdern erhielt in meh⸗ reren Provinzen, ſo wie bei dem geſammten Adel, der älteſte alles, die andern wurden wie die Schwe⸗ ſtern hehandelt. Dies war die erſte Urſache des be⸗ ſtaͤndigen Zwiſtes unter den ältern und den juͤngern⸗ der oft in gluhenden Haß ubergieng, und von dem ungluͤck und dem beſtändigen Anblick der reichern Geſchwiſter genährt, alle Familien Bande zerriß. Die Roͤmer kannten weder das Recht der Erſtgeburt noch die geſetzliche Ausſchlieſſung der Töchter.(. Ewanz cipati 9. instit. de liæeredit: quæ ab intest. deler.) Die Verfügungen der zwölf Tafeln huh Inſtinian durch die Novelle 118 auf, worin er allen Kindern gleiche Rechte ertheilte, und dieſe Novelle, welche die letzte Epoche der romiſchen Geſetzgebung ausmacht⸗ ward fortan in den Ländern, worin das geſchriebene Recht galt, vefolgt. Alle Ausnahmen, welche nach⸗ her in die Herkommen aufgenommen wurden, ſchrei⸗ ben ſich von dem Feudal Syſtem her. Auch noch un⸗ ter den erſten franzoſiſchen Königen galt der Grund⸗ ſatz der Gleichbheit unter den Kindern, wie bas Ge⸗ ſetz Eduards: si qui intestatus obierit, liberi ehns susceduut in Capita ausweißt. Unter den Capetin⸗ 635 Sie erben in gleichen Theilen und nach Hauptern, wenn ſie alle im erſten Grad und in ihrem eigenen Namen(de leur chef)(zur Erbſchaft) berufen ſind; Anmerkungen. gern kam zuerſt der Gebrauch auf, alle Feudal Be⸗ ſitzungen dem älteſten Sohn zu geben.(Verordnung Godfrieds Grafen von Bretagne von 1185: Majo⸗ res natn integrum dominium obtineant, et Junioribus, pro yosse suo, provideant de necessariis, ut honeste viverent. Die Buͤrger und Landleute folgten bald dem Adel nach, und derſelbe Grund fuͤhrte zur Aus⸗ ſchlieſſung der Toͤchter von der Erbſchaft, die in den meiſten Provinzen angenommen war, jedoch mit un⸗ zahligen und oft widerſprechenden Pariationen⸗ Nach den meiſten Herkommen hatte die Toch⸗ ter, welche dotirt worden war, nichts mehr zu begeh⸗ ren; die Art und der Betrag der Dotirung ward aber in jedem nach beſondern Grundſaͤtzen beſtimmt. Wenn auch nicht die natuͤrliche Billigkeit allen Kin⸗ dern deſſelben Vaters gleiche Rechte zuerkennen wuͤrde, ſo wuͤrde dieſe Geſetzgebung doch ſchon in der einzigen Hinſicht ungerecht ſein, weil ſie faſt immer mit dem vermuthlichen Willen der Aeltern im Widerſpruch ſtand. Das älteſte Kind erfuüllte nicht immer die Pflichten der kindlichen Liebe am gewiſſenhafteſten, und doch gab ihm das Geſetz alles, ſelbſt gegen den Willen des Vaters; oft opferte eine Tochter ſich auf, um ſeines Alters zu pflegen; das Geſetz benahm ihm die Befugniß, ihre treue Dienſte zu belohnen. Und doch ſollte jedes Geſetz uͤber die Erbfolge blos die des vermuthlichen Willens des Erblaſ⸗ ers ſein. Die konſtituirende Verſammlung hielt die Ab⸗ ſchaffung dieſer Misbraͤuche für eine ihrer heiligſten Pflichten. Ihre wohlthaͤtige Dekrete vom 15 Marz 1790 und vom 15 April 1791 wurden mit allge⸗ meinem Beifall aufgenommen. Die Erfahrung hat ſie bewährt, und das neue Geſetz ſanktionnirt. Man * 6360 ſie erben ſtammweiſe, wenn ſie alle, oder zum Theil, durch Repraäſentation(zur Erbſchaft) ge⸗ langen. Vierter Abſchnitt. Von den, den Aszendenten, zugefallenen Erbſchaften. Art. XXXVI. Wenn der Verſtorbene weder Nachkommenſchaft, Anmerkungen. darf dabei nicht aus dem Auge verlieren, daß hier blos von gleicher Theilung einer Erbſchaft ab iutestae die Rede iſt, d. h. einer Erbſchaft, woruͤber der Erh⸗ laſſer nicht verfuͤgt hat. Der Wille des Menſchen iſt aber nicht an dieſe ſtrenge Gleichheit gebunden, und er kann immer über einen Theil ſeiner Guͤter nach Belieben zu Gunſten eines ſeiner Erben oder andrer Perſonen verfuͤgen. Allein was er thun darf, darf das Geſetz ſich nicht erlauben. Seine Neigung kann beſondere Gründe haben: ſie kann auf Dankbarkeit oder wohlthätigen Abſichten veruhn; das Geſetz kann 5 weder dieſe Bewegrunde noch dieſe Rechte haben. Das Geſetz hat keinen andern Zweck, als ſeine Frei⸗ gebigkeit zu beſchraͤnken, wo es das Intereſſe der Ge⸗ ſellſchaft und die Erhaltung der Familien erheiſcht; allein es muß ſich darauf beſchränken, das zu über⸗ tragen, was der Menſch oder die Natur beſtimmt haben. Die Ungleichheit, welche ehedem von der Abſonderung der Guter in eigenthuͤmliche und Ac⸗ queſte, von dem Privilegium des doppelten Bandes w. herrührte, iſt ebenfalls verſchwunden; man ſehe weiter oben die Beweggruͤnde nach, welche den Ge⸗ ſetzgeber beſtimmt haben, auch in dieſer Hinſicht bei der Theilung eine vollkommene Gleichheit ein⸗ treten zu laſſen. 0375 noch Bruͤder, noch Schweſtern, noch Deszendenten von ihnen zuruͤckgelaſſen hat, ſo wird die Erbſchaft zur Hälfte unter die Aszendenten der väterlichen und Czur Hälfte) unter die Aszendenten der muͤtterlichen Linie vertheilt. Der Aszendent, welcher ſich im nächſten Grade befindet, erhaält die ſeiner Linie anklebende Halfte mit Ausſchluß aller andern. Die Aszendenten in demſelben Grade erben Kopf⸗ weiſe. Art. XXXVII. Die Aszendenten erben, mit Ausſchluß aller an⸗ dern, die Dinge, welche ſie ihren ohne Nachkom⸗ menſchaft verſtorbenen Kindern oder Deszendenten geſchenkt haben, wenn die geſchenkten Dinge ſich in Natur in der Erbſchaft wiederfinden. Wenn dieſe Gegenſtaͤnde veraͤuſſert worden ſind, ſo erhalten die Aszendenten den Kaufſchilling, der noch(allenfalls) darauf geſchuldet wuͤrde. Sie er⸗ Anmerkungen. Zum Art. 36. Die folgenden Verfuͤgungen des Ge⸗ ſetzbuchs ſind die nothwendigen Folgerungen des auf⸗ geſtellten Syſtems, und beduͤrfen keiner Erlaͤuterung. Wir werden uns daher darauf beſchränken, bloß ei⸗ nige Abweichungen von dem geſchriebenen Rechte zu erortern, welche, das nämliche Syſtem erzeugt hat. (38 N ben auch die Klage auf Zuruͤcknahme,('action de reprise) welche dem Schenkgeber zuſtehen koͤnnte. Art. XXXVIII. Wenn die Aeltern einer ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen Perſon ſie üͤberlebt haben, ſo wird die Erbſchaft, wenn ſie Geſchwiſter oder Deszendenten von Geſchwiſtern hinterlaſſen hat, in zwei gleiche Theile getheilt, von welchen nur die eine Hälfte dem Vater und der Mutter zufällt, welche ſie gleich⸗ falls unter ſich theilen. Die andere Hälfte gehört den Brüdern, Schwe⸗ Anmerkungen. Zum Art. 38. Man hat hier wieder die Stimme der Natur zu Rath gezogen. Ohne Zweifel müſſen die Aeltern die Kollateral Verwandte ausſchlieſſen. Allein, wenn, indem ſie ein Kind verlieren, ihnen andre übrig bleiben, iſt dann nicht die Theilung der Erbſchaft unter die Aeltern und Geſchwiſter in der Ordnung der Natur? Nach dem römiſchen Rech⸗ te ſchloſſen die Aszendenten die halbbürtigen Ge⸗ ſchwiſter aus, und theilten blos mit den Vollbuͤrtigen. Nach den meiſten Herkommen erbten die Aszenden⸗ ten die Moͤbel und Acqueſte, die Kollateral Ver⸗ wandte die eigenthuͤmlichen Guͤter. In einigen Pro⸗ vinzen erbten blos die Aeltern, nie aber die Gros⸗ Aeltern. An die Stelle aller dieſer Verfuͤgungen iſt eine gerechte, einfache, in ihrer Anwendung keinen Schwierigkeiten unterworfene Regel getreten. Die Aeltern theilen mit ihren Kindern die Erbſchaft des verſtorbeuen Kindes; ſie erhalten die Haͤlfte; die Geſchwiſter die andere. Iſt nur einer der Aeltern mehr vorhanden, ſo erhalten die Kinder drei Vier⸗ theile. Dieſe theilen ihren Antheil zu gleichen Thei⸗ 039 N ſtern oder ihren Deszendenten, ſo wie es in dem Abſchnitt: von den KollateralErbſchaf⸗ ten erkläͤrt werden wird. Art. XXXIX. Im, Falle wo die ohne Nachkommenſchaft verſtor⸗ bene Perſon Geſchwiſter oder Deszendenten von Ge⸗ ſchwiſtern hinterlaͤßt, und der Vater oder die Mutter vorhergeſtorben iſt, ſo wird der Theil, welcher ihm, oder ihr kraft des vorhergehenden Artikels zugefal⸗ len ſein wurde, mit der den Geſchwiſtern oder ihren Repraäſentanten zugefallenen Hälfte vereinigt, ſo wie es hierunten erklärt werden wird. i t. Von den Kollateral Erbſchaften. Art. XL⸗ Wenn Vater und Mutter einer ohne Nachkom⸗ menſchaft verſtorbenen Perſon vor ihr geſtorben ſind, Anmerkungen. len wenn ſie aus derſelben Ehe ſind; ſind ſie aus verſchiedenen Ehen entſproſſen, ſo erhaͤlt jede Linie die Hälfte; jedes Kind nimmt ſeinen Antheil in ſeiner Linie, und, wenn deren blos von einer Linie vorhan⸗ den ſind, ſo erhalten dieſe alles. Zum Art. 40 his 43. Hier treten wieder die obigen Grundſätze, ſo wie jener der gleichen Theilung zwi⸗ ſchen beiden Linien ein. 640 ſo ſind ihre Geſchwiſter oder ihre Deszendenten, mit Ausſchluß der Aszendenten und der andern Kol⸗ lateral Verwandten(zur Erbſchaft) berufen. Sie erben, entweder durch ſich ſelbſt, oder durch Repraͤſentation, ſo wie es im Abſchnitt: von der Repräſentation regulirt worden iſt. Wenn beide Aeltern der ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen Perſon ſie uͤberlebt haben, ſo ſind ihre Geſchwiſter oder ihre Repraͤſentanten blos zur Hälfte der Erbſchaft berufen; hat blos der Vater oder (blos) die Mutter ſie uͤberlebt, ſo ſind ſie zu den drei Viertheilen der Erbſchaſt berufen. Art. XLII. Die Theilung der Haͤlfte, oder der drei Viertheile, welche den Bruͤdern oder Schweſtern nach den Ver⸗ fugungen des vorhergehenden Artikels zugefallen ſind, wird unter ihnen zu gleichen Theilen bewerk⸗ ſtelligt, wenn ſie alle aus derſelben Ehe entſprun⸗ gen ſind; wenn ſie aus verſchiedenen Ehen ſind, ſo wird die Erbſchaft zwiſchen die väterliche und die muͤtterliche Linie des Verſtorbenen zu gleichen Hälf⸗ ten getheilt; die vollbuͤrtigen nehmen in den beiden Linien Theil; und die blos von der Mutter und blos von dem Vater her Verwandte jeder nur in ſeiner 041 Linie; ſind nur von einer Seite Bruͤder oder Schwe⸗ ſtern vorhanden, ſo erben ſie das Ganze mit Aus⸗ ſchluß von allen andern Verwandten von der andern Linie. Art. XLIII. In Ermangelung von Bruͤdern oder Schweſtern, oder Deszendenten von ihnen, und in Ermange⸗ lung von Aszendenten in einer oder der andern Linie, iſt die Erbſchaft, zur Haͤlfte, den uͤberlebenden Aszendenten und zur andern Haͤlfte den nächſten Verwandten der andern Linie zugefallen. Wenn Kollateral Verwandte im naämlichen Grad konkurriren, ſo theilen ſie nach den Köpfen. Art. XLIV. Im Fall des vorhergehenden Artikels hat der uͤber⸗ lebende Vater, oder die uͤberlebende Mutter die Nuz⸗ nieſſung von dem Drittel der Güter, welche er oder ſie nicht eigenthuͤmlich erbt. Anmerkungen. Zum Art. 44. Dieſe Verfuͤgung gruͤndet ſich eben⸗ falls auf den vermuthlichen Willen der Kinder, wel⸗ che gewiß, um den Genuß der KollateralErben zu beſchleunigen, die Urbeber ihrer Tage nicht in Man⸗ gel gelaſſen haben wuͤrde; ohne Zweifel gewährt ſie den Aeltern einen traurigen Erſat fuͤr den Verluſt ihrer Kinder, aber doch oft einige Erleichterung in den Bedürfniſſen des Alters. 642N Art. XLV. Die Verwandte, welche in weitern als dem zwölf⸗ ten Grade verwandt ſind, erben nicht. In Ermangelung von Verwandten von einem erb⸗ fähigen Grad in einer Linie erben die Verwandten der andern Linie das Ganze. Piertes Fapitel Anmerkungen. Sum Art. 45§. Nach dem zwolften Grad kennt mau keine Verwandſchaft mehr. In der That wuͤrde dann der Beweiß zu ſchwer werden. Der Stolz hat eher als das Intereſſe die Genealogien aufbewahrt; die groͤſte Menge der Menſchen, der Eitelkeit der Ge⸗ burt fremd, iſt der Sorgfalt unfahig, welche nöthig iſt, um einen alten Urſprung zu erweiſen, und doch ſind die Geſetze fuͤr die Menge gemacht. Puſſerdem mußte das Geſetzbuch, auch wenn man von der Schwie⸗ rigkeit der Beweiſe abſtrahiren wollte, doch ein Ziel ſtecken. Wenn mau der Verwandſchaft ins unend⸗ liche nachſpüren wollte, ſo wuͤrde eine Vermiſchung der Familien daraus entſtehen; die Erben wuͤrden unzahlig werden, und um immer gerecht zu ſein, wuͤr⸗ de man in unendliche Theilungen und Prozeſſe ge⸗ rathen. Nach dem zwöolften Grad iſt man von dem gemeinſchaftlichen StammVater ſo weit entfernt, die Familien Neigungen ſind ſo abgenutzt, daß man ſich mehrentheils nicht mehr kennt, und ſolche Verwand⸗ te nicht mehr Recht als jeder Fremde haben. Die einzige Gunſt, die man in dieſem Falle der Verwandſchaft bewilligen konnte, beſtand darin, daß man dem Verwandten, der der einzige im zwoͤlften Grade ſein wuͤrde, den Theil ſeiner Linie und zugleich jenen der fehlenden Linie zuerkannte. (43N Von den unregelmaͤſigen Erbſchaften. Erſter Abſchnitt. Von den Rechten der natuͤrlichen Kinder auf die Guͤter ih⸗ res Vaters oder ihrer Mutter, und von der Erbſchaft der ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen natuͤrlichen Kinder. Art. XLVI. Die natuͤrlichen Kinder ſind keine Erben; das Geſetz bewilligt ihnen nur dann Rechte auf die Guͤ⸗ ter ihres verſtorbenen Vaters, oder ihrer verſtorbe⸗ nen Mutter, wenn ſie geſetzlich anerkaunt worden Anmerkungen. Viertes Kapitel. Wir kommen itzt zu den unregelmäſigen Erb⸗ ſchaften, naͤmlich zu jenen, welche das Geſeß uber⸗ tragt, wenn ſſch kein rechtmäſiger Erbe in der Fami⸗ lie mehr vorfindet. Die Erbfolge, welche, wie wir geſehen haben, eine CivilInſtitution iſt, wird hier noch willkuͤhrlicher, und von dem poſitiven Rechte noch abhaͤngiger, welches dem Geſeßgeber zwiſchen mehreren verſchiedenen Verfuͤgungen freie Wahl läßt. Die ehemaligen Geſetze beriefen, in Ermangelung von Verwandten, den uͤberlebenden Gatten, und in deſſen Ermangelung, den Staat zur Erbſchaft. Man hat dieſe Verfuͤgungen beibehalten, aber dennoch ge⸗ glaubt, daß die anerkannten natuͤrlichen Kinder noch rechtmäſigere Anſpruͤche zu machen haͤtten, und ſie da⸗ her jenen vorgezogen. Zum Art. 46 bis 40. Die Aufſuchung der Vater⸗ ſchaft iſt verboten; den Aeltern allein bleibt es uber⸗ laſſen, durch ihre Anerkennung den Civilſtand ihres Kindes zu konſtatiren. Wenn aber die Natur in dieſem Falle auch einen Theil der väterlichen Beſik⸗ G440 ſind. Es ertheilt ihnen gar kein Recht auf die Guͤ⸗ ter der Verwandten ihres Vaters oder ihrer Mutter. Art. XLVII. Das Recht des natuͤrlichen Kindes auf die Güter ſeines verſtorbenen Vaters oder ſeiner verſtorbenen Mutter iſt beſtimmt wie folgt: Wenn der Vater oder die Mutter rechtmaͤſige Des⸗ zendenten hinterlaſſen hat, ſo iſt dieſes Recht von einem Drittel des Erbtheils, welches das natürliche Kind erhalten haben wuͤrde, wenn es rechtmaſig ge⸗ weſen ware: es iſt von der Hälfte, wenn der Va⸗ ter oder die Mutter keine Deszendenten, aber wohl Aszendenten oder Geſchwiſter hinterlaſſen hat: es Anmerkungen. thuͤmer in Anſpruch nimmt, ſo verbietet doch die Geſellſchaft, ſie den rechtmäſigen Kindern vollig gleich zu ſtellen. Ehedem war die Geſetzgebung offenbar äuſterſt un⸗ gerecht gegen die unehelichen Kinder. Ein barbari⸗ ſches Vorurtheil verfolgte ſie von ihrer Geburt an; und während die oͤffentliche Meinung ſie fuͤr die Schuld ihrer Väter ſrafte, erlitten die wahren Schul⸗ digen keine Beunruhigung in ihren Genuͤſſen, keine Verminderung ihrer perſonlichen Achtung. Die Geſetze vom 4 Junins 1793 und vom 12 Brumaire 2 Jahres fielen in das entgegengeſetzte Ertrem. Das neue Geſetz hat die Mittelſtraße zu halten geſucht. Es ſtellt die natürlichen Kinder nicht in denſelben Rang mit den Sproſſen einer achtungs⸗ wuͤrdigen und von allen Geſetzen geheiligten Verbin⸗ dung; es beehrt ſie nicht mit dem Titel von Erben; G450 iſt von den drei Viertheilen, wenn der Vater oder die Mutter weder Deszendenten noch Aszendenten, noch Bruder noch Geſchwiſter hinterlaͤßt. Art. XLVIII. Das natuͤrliche Kind hat ein Recht auf das ganze Vermögen, wenn ſein Vater oder ſeine Mutter keine Verwandten in erbfahigem Grade hinterlaſſen hat. Art. XLIX. Iſt das natuͤrliche Kind verſtorben, ſo können ſeine Kinder oder Deszendenten die Rechte, welche in den vorhergehenden Artikeln beſtimmt ſind, rekla⸗ miren. Anmerkungen. es bewilligt ihnen blos Rechte und garantirt die Schuld, welche ihre Aeltern kontrahirt haben, als ſie ihm die Geburt gaben, und zu der ſie ſich durch die Anerkennung bekannt haben. Die natuͤrlichen Kinder werden keine FamilienRechte ausuͤben: ſie bleiben anſſer der Familie; ſie haben auf das Ver⸗ mogen dieſer Familie, welcher ſie nicht angehören, keine Anſpruͤche; aber das Blut ihrer Aeltern fließt in ihren Adern, und das Geſetz kann die Rechte die⸗ ſes Blutes uicht verkennen. Dieſe Rechte ſind mit Weisheit beſtimmt; ſie ſind ansgedehnter, wenn blos Kollateral Erben vorhanden ſind, beſchränkter, wenn die Aeltern rechtmäſige Kin⸗ der oder Geſchwiſter hinterlaſſen. Sind keine Ver⸗ wandte mehr vorhanden, ſo ſchließen ſie die Rechte des Fiskus, welcher in der Ordnung der unregelmaͤ⸗ ſigen Erben der letzte iſt, aus. (46 0 Art. L. Das natuͤrliche Kind oder ſeine Deszendenten ſind gehalten, alles das, was ſie von dem Vater oder der Mutter, deren Erbſchaft eroͤffnet iſt, erhalten haben, und was der Collation, nach den im bten Kapitel, im Abſchnitt: von den Collationen (des rapports) aufgeſtellten Regeln, unterworfen ware, auf das aufzurechnen,(à imputer) was ſie zu verlangen berechtigt ſind. Art. Ll. Jede Reklamation iſt ihnen unterſagt, wenn ſie, bei Lebzeiten ihres Vaters oder ihrer Mutter, die Hälfte von dem, was ihnen durch die vorher⸗ gehenden Artikel zugewieſen iſt, von Seiten ihres Vaters oder ihrer Mutter, mit der ausdruͤcklichen Er⸗ klärung, erhalten haben, daß es ihre Abſicht iſt, das natuͤrliche Kind auf die Portion zu reduziren, welche ſie ihm angewieſen haben. Anmerkungen. Zum Art. 350 n. 51. Wenn die Aeltern, um der Ruhe ihrer Familie halber, Sorge getragen haben, ihre Schuld gegen das natuͤrliche Kind noch bei Leb⸗ zeiten abzutragen, wenn ſie bei dieſer Anticipation zugleich den Willen erklärt haben, daß ihre Erbſchaft nachher nicht mehr in Anſpruch genommen werden ſolle, ſo läßt das Geſetz dieſen Willen beſtehen. Eine ſol⸗ che Schenkung iſt den Kindern und der Familie nüz⸗ lich; den erſten gewährt ſie fruͤher den Genuß; ſie 47N In dem Falle, wo dieſe Portion geringer waͤre als die Hälſte von dem, was dem natuͤrlichen Kind zukommen muͤßte, ſoll es blos die Ergaͤnzungs Sum⸗ me(le supplément) reklamiren können, welche noͤ⸗ thig iſt, um dieſe Halfte voll zu machen. Art. LII. Die Verfuͤgungen der Artikel 47 und ₰8 ſind auf die ehebrecheriſchen, oder blutſchaͤnderiſchen Kinder nicht anwendbar. Das Geſetz bewilligt ihnen nichts, as Alimente. Art. LIII. Dieſe Alimente werden in Hinſicht auf die Ver⸗ moͤgensUmſtaͤnde des Vaters oder der Mutter, auf Anmerkungen. befreit die zweiten von einem gehaͤſſigen Glaͤubiger. Doch muß die Schenkung die Rechte, welche das Kind nach dem Tode der Aeltern gehabt haben wuͤrde, nicht uͤber die Haͤlfte verlezt haben. Zum Art. 32 bis 55. Da die Anerkennung der aus einem blutſchaͤnderiſchen oder ehebrecheriſchen Umgang erzeugten Kinder verboten iſt, go können ſie in kei⸗ nem Falle Erben werden. Sie haben auch keine Rechte, ſondern blos Anſpruͤche auf Mitleiden; ſie konnen nichts, als Nahrung fordern. Das Geſetz er⸗ laubt das Geſtaͤndniß einer Schwäche, nicht aber die Anerkennung eines Verbrechens. Nichtsdeſtoweni⸗ ger kann die Eriſtenz eines ſolchen Kindes zuweilen eine evidente Thatſache ſein. Ein Mann hat z. B. ein Kind geſetzlich, und in gehoͤriger Zeit verlaäͤngner; ein Urtheil hat es für die Frucht eines ehebrecheri⸗ 648N die Anzahl und die Qualitaͤt der rechtmäſigen Erben beſtimmt. Art. LIV. Wenn der Vater oder die Mutter des ehebreche⸗ riſchen oder blutſchaͤnderiſchen Kindes daſſelbe eine mechaniſche Kunſt werden haben erlernen laſſen, oder wenn eins der Aeltern ihm bei Lebzeiten wird Alimente verſichert haben, ſo ſoll das Kind keine Re⸗ klamation gegen ihre Erbſchaft erheben koͤnnen. Art. LV. Die Erbſchaft des ohne Nachkommenſchaft ver⸗ ſtorbenen natuͤrlichen Kindes iſt dem Vater oder der Anmerkungen. ſchen Umgangs der Mutter anerkannt. Dieſe kann nicht von der Verbindlichkeit freigeſprochen werden, ihm Alimente zu geben. Der Vater kann den Ge⸗ burts Akt als Vater unterzeichnet haben, ohne zu er⸗ klaren, daß er mit einem andern Weibe vorher ver⸗ bunden, oder die Mutter ſeine Schweſter war. In die⸗ ſem Falle kann das Kind dieſe Anerkennnng nicht geltend machen, aber das Factum derſelben berech⸗ tigt es Nahrung zu fordern. Schon das alte Recht nahm dieſen Grundſatz an; die Natur verlangt ſeine Beibehaltung, denn jedes huͤlfloſe Weſen darf von denen Nahrung fordern, die ihm das Leben gege⸗ ben haben. Zum Art. 53 und 56. Ehedem gehörte die Erbſchaft eines ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen unehelichen Kindes dem Fiskus. Die Verfuͤgung des Geſetzes zu Gunſten der Geſchwiſter iſt offenbar eine bloſſe 49N Mutter, welcher oder welche daſſelbe anerkannt hat, oder wenn es von dem einen und der andern aner⸗ kannt worden iſt, beiden zur Hälfte verfallen. Art. LVI. Wenn Vater und Mutter des naturlichen Kindes vor demſelben geſtorben ſind, ſo gehen die Güter, welche es von denſelben erhalten hat, wenn ſie ſich in Natur in der Erbſchaft vorfinden, auf die recht⸗ mäſigen Geſchwiſter über: die Klage auf die Ruck⸗ erſtattung(action en reprise), wenn eine ſolche ſtatt findet, oder der Kaufſchilling von den verkauf⸗ ten Guͤtern dieſer Art, wenn er noch geſchuldet wird, fällt ebenfalls an die rechmaſigen Geſchwiſter zu⸗ ruͤck. Alle andere Güter gehn auf die natuͤrlichen Geſchwiſter oder ihre Deszendenten über. Anmerkungen. Gunſt, denn blos rechtmaſige Verwandte heſitzen das Recht der Erbfolge; allein die Republit, welche in dieſem Falle die einzige ſein wurde, die Anſpruche zu machen hätte, kann darauf verzichten. Es ſchien zudem billiger, ſeine Verlaſſenſchaft an die Aeltern zurückfallen zu laſſen, welche die Pflichten der Na⸗ tur gegen es erfüllt haben, und alſo auch zu dem Ge⸗ nuß der Rechte der Vaterſchaft berechtigt ſind. Hat das natuͤrliche Kind weder Vater noch Mut⸗ ter, noch natuͤrliche Geſchwiſter, noch Deszendenten von ſolchen, ſo hat es keine rechtmäſige Erben; ſeine Erbſchaft geht dann auf ſeine unregelmaͤſigen Erben über, naͤmlich 1) anf ſeine natürlichen Kin⸗ der, 2) auf ſeinen Gatten, 3) auf die Republik. 4 C50 Zweiter Abſchnitt. Rechten des uͤberlebenden Ehegatten und der Re⸗ publik. Art. LVI. Wenn der Verſtorbene weder Verwandte in erb⸗ faͤhigen Graden, noch natuͤrliche Kinder zurucklaͤßt, ſo gehören die ſeine Erbſchaft ausmachenden Güter, dem überlebenden, nicht(von ihm) geſchiedenen Gatten. Art. LVIR. In Ermangelung eines überlebenden Gatten iſt die Erbſchaft der Republik erworben. Anmerkungen. Zum Art. 57. In Ermangelung von natuͤrlichen Kin⸗ dern, geht das Vermögen auf den Ehegatten uͤber, nach den Grundſätzen des römiſchen Rechtes im Titel unde vir et uxor. Die Rechte des Gatten treten erſt nach den der natuͤrlichen Kinder ein, weil er, ſo eng auch das Band war, welches ihn mit dem Ver⸗ ſtorbenen verknuͤpfte, doch immer einer fremden Fa⸗ milie angehort. Der zweite Titel ſichert indeſſen dem Gatten das Recht zu, dem uͤberlebenden Gatten in dem Fall, wo er keine andere Erben als natuͤr⸗ liche Kinder hinterlaſſen ſollte, ſeine Dankbarkeit und ſeine Zuneigung zu beweiſen. Geſchiedene Gatten können jedoch die Wohltbat dieſes Artikels nicht anrufen. Er beruht auf der Vermuthung, daß der Verſtorbene ſeinen Gatten der Republik vorgezogen haben würde, welche jedoch in diefem Fall verſchwinden muß. Zum Art. 58. Dies iſt eine allgemeine Regel in allen Staaten. Die Guter, welche niemand in An⸗ 0510 Art. LIX. Der uͤberlebende Ehegatte und die DomainenRe⸗ gie, welche ein Recht auf die Erbfolge zu haben behaupten, ſind gehalten, die Siegel auflegen, und in den fuͤr die Annahme der Erbſchaſten unter der Rechtswohlthat des Inventariums vorgeſchriebenen Formen ein Inventarium errichten zu laſſen. Art. LX. Sie muͤſſen die BeſitzEinſetzung von dem Tribu⸗ nal erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eröfnet iſt, anverlangen; das Tribunal kann nicht eher als nach drei Verkuͤndigungen und AnſchlagZetteln in den gebräuchlichen Formen und nach Anhorung des RegierungsKommiſſairs daruͤber erkennen. Anmerkungen. ſpruch nehmen kann, gehören der Geſellſchaft an. Was keinem Individunm gehört, fällt der Geſammt⸗ heit der Individuen zu, die der Staat vorſtellt. Zum Art. 59 bis 63. Eine unregelmäſige Erbſchaft tritt nur in Ermangelung rechtmaͤſiger Erben ein, dieſe haben aber das Recht, ſo lange ihre Klage nicht verjaͤhrt iſt, ihre Anſpruͤche geltend zu machen. Man mußte alſo dafür ſorgen daß die Erbſchaft ihnen er⸗ halten wuͤrde, wenn ſie noch in der nützlichen Zeit⸗ friſt erſcheinen ſollten. Die unregelmäſigen Erben tre⸗ ten daher nicht von Rechtswegen in den Beſitz ein; nicht der Tod des Erblaſſers, ſondern das Urtheil des Tribunals, welches ſie einſetzt, ubertragt die Erb⸗ ſchaft auf ſie. Die Maſſe der Güter muß durch ein (520 Art. LXl. Der uͤberlebende Ehegatte iſt auſſerdem noch ge⸗ halten, das MobiliarVermoͤgen anzulegen(de faire emploi du mobilier) oder eine hinreichende Caution zu ſtellen, um deſſen Erſatz in dem Falle zu ver⸗ ſichern, wenn in einer Zeitfriſt von drei Jahren Erben des Verſtorbenen erſcheinen wuͤrden; nach die⸗ ſer Zeitfriſt iſt die Caution entladen. Art. LKII. Der uͤberlebende Ehegatts, oder die Domainen⸗ Verwaltung, welche die ihnen reſpective vorgeſchrie⸗ benen Formalitäten nicht erfuͤllt hätten, ſollen zu Schadloshaltungen(dommages intérets) verurtheilt werden können, wenn deren ſtatt finden. Art. LXIII⸗ Die Verfügungen der Artikel 50, 60, 61 u. 62, Anmerkungen. Inventarium konſtatirt und alle VorſichtsMaasregeln getroffen werden, um die Rechte der allenfalſigen Erben für den Fall ihrer Erſcheinung zu bewahren. Es bleibt noch ein Fall übrig: uämlich, wenn we⸗ der Verwandte, noch natürliche Kinder, noch der Gatte, noch die Republik erſcheint, um eine Erbſchaft zu begehren. Dann iſt dieſe vakant. Diejenigen aber, welche Rechte auf dieſelbe geltend zu machen ha⸗ ben, muͤſſen durch die Geſetze an jemand angewieſen wer⸗ 653 ſind den, in Ermangelung von Verwandten(zur Erbſchaft) berufenen naturlichen Kindern, gemein⸗ ſchaftlich. F uͤnftes Kapitel. Von der Annahme und dem Ausſchlagen der Erbſchaften. Anmerkungen. den, um ſie gegen ihn zu verfolgen. In dieſem Falle wird, wie es weiter unten beſtimmt werden wird, zu dem Ende ein Kurator der vakanten Erbſchaft ernannt. Fünftes Kapitei. Wir kommen itzt zu dem zweiten Theil des Pro⸗ jektes, der von der Annahme und Ausſchlagung der Erbſchaften, der Art ihrer Tbeilung, den Wirkun⸗ gen dieſer letztern, und der Zablung der Schulden handelt. Dieſer Theil erheiſcht keine lange Entwik⸗ kelung. Er ſtellt nicht, wie der erſte ein neues Syſtem auf: er enthält lauter ſchon bekannte Re⸗ geln, die aber mit Sorgfalt und Vorſicht zum Theil aus dem geſchriebenen Rechte, zum Theil aus den Herkommen, zum Theil dem Rechts Gebrauch ent⸗ lehnt ſind. Das Geſetz würde unvollkommen ſein, wenn es nicht alles enthielte, was auf die Erbſchaft Bezug haben kann; es fangt damit an, den Angenblick der Eröffnung derſelben zu beſtimmen; es muß die ganze Zwiſchenzeit bis zu dem Augenblick durchlaufen, wo alle Schwierigkeiten gehoben, und durch eine end⸗ liche und unwiderrufliche Theilung alle Operationen be⸗ endigt ſind, welche, indem ſie den Antheil jedes Er⸗ ben an den Gütern und an den Laſten beſtimmt, alle Gemeinſchaft zwiſchen ihnen aufhebt. Die Regeln in dieſer Hinſicht ſind in den zwei letten Kapiteln des Geſetzes enthalten. Dieſe Ka⸗ (54N Erſter Abſchnitt. Von der Annahme. Art. LXIV. Man kann eine Erbſchaft geradezu und unbedingt, (purement et simplement) oder(auch) unter der Rechts Wohlthat des Inventariums annehmen. Art. LXV. Riemand iſt gehalten, eine ihm zugefallene Erb⸗ ſchaft anzunehmen. Anmerkungen. pitel enthalten eine Menge Artikel, die aber blos die Entwickelung einiger anerkannten Grundſätze ſind. Erſter Abſchnitt. Zwei verſchiedene Intereſſe müſſen immer den Ge⸗ ſetzeber in der Succeſſions Materie beſchäftigen: das der Erben, und das der Glaäubiger. Der Erbe erhält die Guͤter, aber das Geſetz er⸗ theilt ſte ihm uur unter der Verbindlichkeit, die La⸗ ſten abzutragen⸗ Zum Art. 64. u. 53. Die Glaͤubiger koͤnnen ihr Recht gegen den Erben ausuͤben, allein das Geſetz gewährt dieſem eine hinreichende Zeitfriſt, um ſich über den Zuſtand der Erbſchaft zu verſichern, und ſich zu entſchlieſſen, ob er ſie anuehmen oder ausſchla⸗ gen will. Alle Verfuͤgungen des Projektes zwecken dahin ab, ein gerechtes Gleichgewicht zwiſchen dieſen gleich empfehlungswürdigen Intereſſen zu erhalten um keines zum Nachtheil des andern zu beguͤnſtigen. Der Antritt einer Erbſchaft iſt ein Recht. Jeder kann aber, den Rechten eines Dritten ohnbeſchadet, auf ſeine Rechte verzeihn. Er kann daher nicht ge⸗ zwungen werden zu erben. 6550 Art. LXVI. Die verheiratheten Weiber koͤnnen ohne die Er⸗ mächtigung ihres Mannes, oder der Gerichte, in Gemaßheit der Verfuͤgungen des Geſetzes uͤber die gegenſeitigen Rechte und Pflichten der Ehegatten, keine Erbſchaft auf guͤltige Art annehmen. Die den Minderjaͤhrigen und Interdicirten zuge⸗ fallenen Erbſchaften ſollen nur in Gemäßheit der Verſugungen des Geſetzes: uͤber die Vormund⸗ ſchaßten, auf eine guͤltige Art angenommen wer⸗ den können. Art. LXVII. Die Wirkung der Annahme geht bis auf den Tag der Eroffnung der Erbſchaft zuruͤck. Anmerkungen. Es giebt zwei Arten der Annahme einer Erbſchaft, die erſte iſt ohne Vorbehalt, unbedingt. Die zweite geſchieht unter der Rechts Wohlthat des Inventariums. Hier iſt nur von der erſten die Rede. ZSum Art. 66. Siebe Art. 211 des ſechsten Kapi⸗ tels des Ften Titels des 1ten Buchs. Seite 149 Theil 1.) Art. 455. und folgende des achten Ab⸗ ſchnitts des zweiten Kapitels des Titels 10 des 1ten Buchs.(Seite 302 und f. des 1. Theils) und 503 des zweiten Kapitels des Tites 9. des erſten Buchs. (Theil 1. S. 327.) Zum Art. 67. Eine Folge des Grundſatzes, daß die Erbſchaft nicht einen Augenblick ohne Herrn bleiben darf. Eben ſo hat die Verzichtleiſtung, ohngeachtet ſie ſpaͤterhin erklaͤrt worden iſt, ihre Wirkung von 60560 Art. LXVIII. Die Annahme kann ausdruͤcklich oder ſtillſchwei⸗ ſchweigend ſein: ſie iſt ausdruͤcklich, wenn man in einem authentiſchen oder PrivatAkt den Titel oder die Eigenſchaft als Erbe annimmt; ſie iſt ſtill⸗ ſchweigend, wenn der Erbe einen Akt vornimmt, der nothwendig ſeine Abſicht,(die Erbſchaft) anzuneh⸗ men, vorausſetzt, und den er blos in ſeiner Eigen⸗ ſchaft als Erbe zu machen berechtigt wäre. Art. LXIX. Bloße konſervatoriſche Akte, Akte der proviſori⸗ ſchen Aufſicht und Verwaltung ſind keine Akte des Antritts der Erbſchaft, wenn man dabei nicht den Titel oder die Eigenſchaft als Erbe angenommen hat. Anmerkungen. dem Angenblick der Eröffnung an, und von dieſem Angenblick treten die Rechte deren ein, die die Stelle des Verzichtleiſtenden einnehmen. Zuu Atr. 68 u. 69. Dieſe Verfuͤgungen bezwecken ebenwohl, daß man die einmal angenommene Eigen⸗ ſchaft als Erbe nicht willkuhrlich wieder abſchutteln kön⸗ ne, und auf der andern Seite, daß der nicht mit die⸗ ſer Eigenſchaft belaſtet werden könne, der die Abſicht, ſie anzunehmen, nicht gehabt, und ſie nicht wirklich auf eine unzweifelhafte Art angenommen hätte. Denn ſo lange ein Erbe weder ausdrücklich noch ſtillſchwei⸗ gend angenommen hat, hat er die Befugniß zu ver⸗ zichten. Ein konſervatoriſcher Akt kann nicht als ein Beweiß dieſer Abſſcht angeſehen werden, er ſetzt blos eine lobenswürdige Sorgfalt fuͤr ein dringendes Bedürfniß voraus. 6375 Die Schenkung, der Verkauf oder Uebertrag ſei⸗ ner Erbrechte, von Seiten eines der MitErben, es ſey nun an einen Fremden, oder an alle ſeine Mit⸗ Erben, oder an einige unter ihnen, fuͤhrt ſeinerſeits die Annahme der Erbſchaft mit ſich(emporte). Eben ſo verhält es ſich 1) mit der Verzichtlei⸗ leiſtung, ſelbſt der unentgeltlichen, welche einer der Erben zum Vortheil eines oder mehrerer der MitErben macht. 2) Mit der Verzichtleiſtung, die er, ſelbſt zum Vortheil aller ſeiner MitErben ohne Unterſchied macht, wenn er fuͤr dieſe Verzichtleiſtung eine Vergutung erhaͤlt Gorsqu'il en recoit le pri. Art. LXXI. Wenn der, welchem eine Erbſchaft zugefallen iſt, Anmerkungen. Zum Art. 70. Ein anderes iſt es mit einer Schen⸗ kung oder einem Verkauf. Dies ſind Verfuͤgungen, die nur der Herr einer Sache machen kann. Um nicht anzunehmen, muß man geradezu und unbedingt ausſchlagen, dem Geſetz den Uebertrag der verlaſſe⸗ nen Rechte uͤberlaſſen, und nicht ſelbſt daruͤber ver⸗ fuͤgen. Der gute Glaube, welcher die Grundlage der Akte ſein muß, verbietet ebenfalls, daß ein Erbe, der zu einer nuͤtzlichen Erbſchaft berufen wäre, ſeine Glaͤubiger durch eine verſtellte Verzichtleiſtung, wo⸗ fur er ſich haͤtte bezahlen laſſen, taͤuſchen koͤnne. 6555 geſtorben iſt, ohne ſie ausgeſchlagen(repudice) zu haben, oder ohne ſie ausdruͤcklich oder ſtillſchwei⸗ gend angenommen zu haben, ſo können ſeine Erben ſie in ſeinem Namen(de son chef) annehmen oder ausſchlagen. Art. LXXII. Wenn dieſe Erben nicht einig ſind, um die Erb⸗ ſchaft anzunehmen oder auszuſchlagen, ſo muß ſie unter der Rechts Wohlthat des Inventariums, an⸗ genommen werden. Art. LXXIII. Der Großjährige kann die von ihm geſchehene ausdruͤckliche ober ſtillſchweigende Annahme einer Erbſchaft nicht(mehr) angreifen, den Fall ausge⸗ nommen, wenn dieſe Annahme die Folge eines gegen ihn verubten Betrugs geweſen wäre; er kann nie unter dem Vorwand der Verletzung reklamiren, den einzigen Fall ausgenommen, wo ſich die Erbſchaft durch die Entdeckung eines im Augenblick der Annah⸗ me unbekannten Teſtamentes verſchlungen, oder um mehr als die Hälfte vermindert finden wurde. Zweiter Abſchnitt. Von der Perzichtleiſtuns auf Erbſchaften. 0595 Art. LXXW. Die Vetzichtleiſtung auf eine Erbſchaft wird nicht vermuthet. Sie kann nicht anderſt, als auf der Greffe des erſten Inſtanz Gerichts, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eröfnet iſt, auf einem beſondern, zu die⸗ ſem Zweck gehaltenen Regiſter geſchehen. Art. LXXV. Der verzichtleiſtende Erbe wird angeſehen,(est cense) als waͤre er nie Erbe geweſen. Art. LXXVI. Der Antheil des Verzichtleiſtenden wächſt ſeinen MitErben zu; wenn er der einzige iſt, ſo iſt ſie dem folgenden Grade zugefallen(devolue). Art. LXXVII. Man kann nicht durch Repraͤſentation eines Erben Anmerkungen. Zweiter Abſchnitt. Zum Art. 74. Eine Verzichtleiſtung beruft andere Erben; ſie intereſſirt die Glaͤnbiger der Erbſchaft. Ein Akt dieſer Art muß alſo nothwendig offentlich ſein. Die Geheimhaltung könnte zu viele Mis⸗ braͤuche und Unterſchleife begunſtigen. Da die Verzichtleiſtung in der Regel nicht vermuthet wer⸗ den kann, ſo kann es keine ſtillſchweigende geben; ſie muß beſtimmt erklaͤrt werden. Zum Art. 77. Siehe Art. 34 des zweiten Abſchnitts des dritten Kapitels des gegenwärtigen Titels (Seite 31.) G60 zu einer Erbſchaft gelangen, auf welche dieſer ver⸗ zichtet hat. Wenn der Verzichtleiſtende der einzige Erbe ſeines Grades iſt, oder wenn alle ſeine MitEr⸗ ben Verzicht leiſten, ſo treten die Kinder in ihrem eigenen Namen(de leur chel) ein, und erben nach den Köpfen. Art. LXXVIII. Die Glaͤubiger deſſen der, ihren Rechten zum Nachtheil, Verzicht leiſtet, können ſich gerichtlich ermachtigen laſſen, die Erbſchaſt im Namen(de chet) ihres Schuldners und an ſeiner Stelle an⸗ zunehmen. In dieſem Falle iſt die Verzichtleiſtung blos zu Gunſten der Glaͤubiger und nur bis zur Konkurrenz ihrer Forderungen pernichtet; ſie iſt es aber nicht zum Vortheil des Erben, welcher Verzicht gelei⸗ ſtet hat. Anmerkungen. Zum Art. 78. Dieſe Verfuͤgung ſſchert die Rechte der Glaͤubiger gegen Misbräuche und Unterſchleife. Sie giebt ihnen die Mittel an die Hand, koſtſpielige KonkursProzeſſe zu vermeiden. Ergiebt ſich aber durch dieſe Operation ein Ueberſchuß, ſo kann er weder den Glaͤubigern zum Vortheil gereichen, deren Rechte getilgt ſind, noch dem Erben, welcher verzichtet hat. Dieſer Vortheil geht alsdann auf die uͤber, auf wel⸗ che nach der natuͤrlichen Erbfolge die Erbſchaft über⸗ gegaugen ſein wuͤrde. (615 Art. LXXIx. Die Befugniß, eine Erbſchaft anzunehmen oder* auszuſchlagen, verjährt ſich durch den Ablauf der Zeitfriſt, die zu der längſten Verjährung von Immo⸗ biliarRechten erforderlich iſt. Art. LXXX. Solange die Verjährung des Rechtes der An⸗ nahme nicht gegen die Erben, welche verzichtet ha⸗ ben, erworben iſt, haben ſie die Befugniß, die Erb⸗ ſchaft noch anzunehmen, wenn ſie nicht ſchon von andern Erben angenommen worden iſt: jedoch ohne Rachtheil der Rechte, welche dritte, entweder durch Verjährung oder durch, mit dem Kurator der va⸗ kanten Erbſchaft, guͤltig abgeſchloſſene Akte auf die Guͤter der Erbſchaft erworben haben können. Art. LXXXI. Mann kann nie, ſelbſt durch keinen EheKontrakt, Anmerkungen. Zum Art. 79 u. 80. Eine Verzichtleiſtung iſt nicht unwiderruflich. Man kann noch immer ſeinen Willen aͤndern, und die Erbſchaft antreten, ſo lange kein anderer ſie angenommen hat, und das Recht der An⸗ nahme nicht verjährt iſt. Zum Art. 31. Dieſe Verfuͤgung ſcheint den Regeln des Koutraktes zuwider, welche erlauben, auch kunf⸗ tige Beſitzthuͤmer zu verkaufen, z. B. Fruchte auf dem Halme, Thiere, die erſt zur Welt kommen, ꝛc. 1c. 0620 auf die Erbſchaft eines Lebenden verzichten, noch die eventueellen Rechte veraͤuſſern, die man auf dieſe Erbſchaft haben kann. Anmerkungen. ob ſie gleich noch nicht vorhanden ſind. Man kann ſelbſt eine Hoffnung verkaufen, z. B. eine Jaad, einen Fiſchfang, eine Liquidation von noch ungewiſ⸗ ſen Vortheilen; aber in allen dieſen Fällen iſt der Verkaufer Eigenthuͤmer, die Hoffnung, welche er verkauft, hat ihren ſichern Grund in ſeinem Feld, in der Heerde, ꝛc. ꝛc. deren Herr er iſt⸗ ſtatt daß die Hoff⸗ nung eines vermuthlichen Erben auf eine künftige Erbſchaſt keine ſichere Grundlage hat, und blos auf der oft trügeriſchen Hoffnung des Ueberlebens beruht. Zudem ſind alle Verkäufe verboten, welche der Na⸗ tur, dem Volkerrecht, und den Sitten zuwider lau⸗ ſen würden. Der Verkauf der Erbſchaft eines Le⸗ benden würde aber im hochſten Geade unſchicklich ſein, da ſie die Sebnſucht und die thätige Vorſicht des To⸗ des des Beſitzers vorausſetzt. Eben ſo iſt es mit der Verzichtleiſtung auf die Erbſchaft eines Lebenden. Bezahlt iſt ſie ein Ver⸗ kauf, und denſelben Einwuͤrfen unterworfen; unent⸗ geldlich iſt ſie entweder ein Beweiß der Verachtung, oder ſie kann auch die Folge eines Zwanges oder des Auſehns des Peſitzers ſelbſt ſein. Sie könnte für den Verzichtleiſtenden eine Leſion nach ſich ziehen, die das Geſetz nicht leiden darf. Die Herkommen hatten die Verzichtleiſtung der Töchter durch den HeurathsKontrakt erlaubt. Sie gaben die Vortheile, welche dieſe in ihrer Ausſtener und ihrer Niederlaſſung fanden, und den Wunſch, die Guͤter der Familie zuſammenzuhalten, zum Beweggrunde au. Dieſe Verfügung war eine Folge, ein Theil des Feudal Syſtems, und mußte mit dieſem ver⸗ ſchwinden. Die Ausſteuer iſt fuͤr die Tochter, wie fuͤr den Sohn, nur ein abſchläglicher Vorſchuß auf die Erbſchaft. Man verkaufte ihr dieſen zu thener durch ——*****— (630 Art. LXXRII. Die Erben, welche Effekten einer Erbſchaft weg⸗ gebracht oder verhehlt(diverti ou recele) haben, ſind der Befugniß, darauf Verzicht zu leiſten, ver⸗ luſtigt,(en sont déchus) ſie bleiben ihrer Verzicht⸗ leiſtung ohngeachtet geradezu und unbedingt Er⸗ ben,(héritiers purs et simples) ohne irgend einen Antheil an den weggebrachten oder verhehlten Din⸗ gen in Anſpruch nehmen zu können. Dritter Abſchnitt. Von der Wohlthat des Inventariums, ihren Wirkungen, und den Verbindlichkeiten des Erben, der der Rechts Wohl⸗ that des Inventariums genießt. Art. LXXXIII. Die Erklaͤrung eines Erben, welcher dieſe Eigen⸗ Anmerkungen. den Verluſt ihres ganzen Erbtheils. Die Erhaltung der Guͤter in der Familie iſt nicht ſo wunſchens⸗ werth, daß man daruͤber einen Theil der Familie ſelbſt aufopfern ſollte. Die Tochter gehoͤren ihr nicht weniger, als die Söhne an, und das romiſche Rect, welches dieſe Ausnahme nicht geſtattete, war in die⸗ ſer Hinſicht der Gerechtigkeit angemẽſener⸗ als die Herkommen. Dritter Abſchnitt. Schon in den fruͤheſten Zeiten fühlte man, wie wünſchenswerth es ſey, zwiſchen der unbedingten An⸗ nahme einer Erbſchaft, welche den Erben allen Laſten unterwirft, ſelbſt wenn ſie die Vortheile bei weitem (640 ſchaft blos unter der Rechts Wohlthat des Inventa⸗ riums anzunehmen die Abſicht hat, muß auf der Greffe des erſten Inſtanz Gerichtes abgegeben wer⸗ den, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eröffnet iſt; ſie muß auf das Regiſter eingetragen werden, wel⸗ ches zur Aufnahme der VerzichtleiſtungsAkte be⸗ ſtimmt iſt. Art. LXXXIV. Dieſe Erklaͤrung hat blos in ſo weit Wirkung, als vorher oder nachher ein getreues und genaues Inventarium der Guͤter der Erbſchaft in den durch das Geſetzbuch der CivilProzedur beſtimmten For⸗ men und in den Zeitfriſten, welche hiernach werden beſtimmt werden, beigebracht wird. Anmerkungen. uͤberſteigen ſollten, und der Verzichtleiſtung, wel⸗ che ihn jeder Hoffnung beraubt, ſelbſt wenn in der Folge der Activguſtand den Paſſivguſtand überſteigen ſollte, einen Mittelweg zu finden, um den Erben nicht zwiſchen der Furcht ſeines Ruins durch eine unbe⸗ ſonnene Annahme, und des ſichern Verluſtes aller ſei⸗ ner Anſpruͤche durch eine unwiderrufliche Verzichtlei⸗ leiſtung in die Mitte zu ſetzen. Vorzüglich die rö⸗ miſche Geſetzgebung ſuchte dergleichen Verzichtleiſtun⸗ gen vorzübeugen. Dieſes Volk, deſſen vorzüglichſter Zweck die unſterblichkeit war, ſah es als eine Schmach an, ohne Erben zu ſterben, wenn niemand ſich die ehrenvolle und großmüthige Pflicht aufladen wollte, die Rechte des Verſtorbenen anzunehmen und ſeine Verbindlichkeiten zu erfuͤllen; dieſes, der erſten Einfachheit der Sitten, und der edlen Großmuth des G65) Art. LXXXV. Der Erbe hat, vom Tage der Eroͤffnung der Erbſchaft an, drei Monate, um das Inventarium zu errichten. Er hat ferner eine Zeitfriſt von vierzig Tagen, um zu berathſchlagen, ob er die Erbſchaft anneh⸗ men oder ausſchlagen will, welche von dem Tage des Ablaufs der zur Verfertigung des Inventariums beſtimmten Zeitfriſt an, oder von dem Tage des Ab⸗ ſchluſſes des Inventariums an, wenn dieſes vor Ablauf der drei Monate geſchloſſen worden iſt, zu laufen anfangen. Art. LXXRVI. Befinden ſich indeſſen Dinge in der Erbſchaft, Anmerkungen. Volkes ſo wuͤrdige Vorurtheil verlohr nach und nach ſeine Kraft, und die Verzichtleiſtungen nahmen wie⸗ der uͤberhand. Damals verfiel man zuerſt auf den Gedanken, eine Bedenkzeit zu geſtatten, um uͤber die Annahme oder Nicht Annahme zu berathſchlagen. Juſtinian vervollkommnete dieſe Inſtitution, welche noch immer den Nachtheil hatte, daß oft eine, als gut angenommene Erbſchaft durch ſpäterhin entdeckte Laſten ſich ſo verſchlimmerte, daß bie Erben in groſ⸗ ſen Verluſt gebracht wurden, und fuͤhrte zu dem Ende die Rechtswohlthat des Inventariums ein. Der Nutzen dieſer Inſtitution war ſo fühlbar, daß ſie auch in allen Provinzen, die von den Herkommen regiert wurden, aufgenommen ward. Doch bedurf⸗ te es daſelbſt, um ſie zu genieſſen, ſogenannter: 5 066 N welche verderben konnten, oder deren Aufbewah⸗ rung koſtſpielig waͤre, ſo kann der Erbe, in ſeiner Eigenſchaft als Erbfähiger, und ohne daß man eine Annahme von ſeiner Seite daraus folgern könnte, ſich gerichtlich ermaͤchtigen laſſen, zum Verkauf die⸗ ſer Effekten zu ſchreiten. Dieſer Verkauf muß durch einen öffentlichen Be⸗ amten, nach vorhergegangenen AnſchlagZetteln und Bekanntmachungen, ſo wie ſie im Geſetzbuch von dem CivilProzeß regulirt ſind, geſchehen. Art. LXXXVII. Während der Dauer der Zeitfriſten,(welche den Erben) zur Errichtung des Inventariums und als Anmerkungen. Lettres du Prince, die jedoch ohne alle Schwierigkeit ertheilt wurden. Sie führte indeſſen in ihrer vorigen Srganiſation bedeutende Misbräuche mit ſich. Die Pielfachheit der Formen und die Geldgier der Ju⸗ ſtizBeamten haben oft dieſes Mittel, deſſengweck die Erhaltung der Erbſchaft und die Sicherheit der Erben war, zum gänzlichen Ruin der erſten, angewendet. Hier finden wir die Formen vereinfacht, und dieſen Misbrauchen vorgebeugt, deren ohngeachtet die Vor⸗ treflichkeit der Inſtitution ſelbſt nie in Zweifel gezo⸗ gen werden konnte. Dieſe Wohlthat hat die doppelte Wirkung: 1) Daß der BenefiziarErbe zu Zahlung der Schul⸗ den blos in ſo weit gehalten iſt, als die Erb⸗ ſchaft dazu ausreicht, und daß er mit ſeinem per⸗ ſonlichen Vermogen nicht dafür zu haften brauch. (670 Bedenkzeit(geſtattet ſind), kann er nicht gezwungen werden, eine Eigenſchaft anzunehmen, und es kann keine Verurtheilung gegen ihn erwirkt werden; wenn er, nach dem die Zeitfriſten verſtrichen ſind oder fruͤher, Verzicht leiſtet, ſo fallen die bis zu dieſem Zeitpunkte von ihm geſetzlich gemachten Ko⸗ ſten der Erbſchaft zur Laſt. Art. LXXVIII. Der Erbe kann, nach dem Ablauf der obigen Zeitfriſten, wenn Vetreibungen(poursuites) gegen ihn gerichtet werden, eine neue Friſt verlangen, welche das Gericht, bei welchem der Rechtsſtreit anhaͤngig iſt, nach den Umſtänden zu bewilligen oder abzuſchlagen hat. Anmerkungen. 2) Daß er ſelbſt forthin die Forderungen und An⸗ ſpruͤche geltend machen kann, die er an die Erbſchaft zu machen hat. Dieſe Inſtitution verdiente um ſo mehr, beibehal⸗ ten zu werden, da durch folgende Vorſichts Maasre⸗ geln fuͤr das Intereſſe der Glaͤubiger vollkommen ge⸗ ſorgt iſt: 1) Durch die von dem Erben auf der Greffe des Tribunals zu machende Erklaͤrung. 2) Durch die ihm auferlegte Verbindlichkeit, durch ein getreues Inventarium den Zuſtand der Erb⸗ ſchaft zu konſtatiren. 3) Durch die zur Erhaltung der Mobiliarſchaft vorgeſchriebenen Vorſichts Magsregeln. 3 (68 N Art. LXXXIX. Wenn der Erbe beweißt, entweder, daß er von dem Sterbfalle nicht unterrichtet war, oder daß die Zeitfriſten, entweder wegen der Lage der Güter, oder wegen vorgefallener Streitfragen unzureichend waren, ſo fallen die Koſten der Betreibungen, von welchen der vorhergehende Artikel handelt, der Erb⸗ ſchaft zur Laſt. Beweißt er dieſes nicht, ſo blei⸗ ven die Koſten ihm perſönlich zur Laſt. A r t. XC. Der Erbe behält nichtsdeſtoweniger, nach dem Ablauf der durch den Art. 85 bewilligten Zeitfriſten, ja ſelbſt nach Ablauf der in Gemäßheit des Art. g8 von dem Richter bewilligten(noch immerd die Befugniß, ein Inventarium zu errichten, und die Erbſchaft unter der Rechts Wohlthat des Inventa⸗ riums anzutreten, wenn er anderſt keinen Akt als Erbe vorgenommen hat, oder wenn kein in Rechts⸗ Anmerkungen. 4) Durch die gegen den Erben, der nicht alle Ef⸗ fekten in dem Inventarinm begriffen hat, ver⸗ hängte Verluſtigung der Rechtswohlthat. 5) Durch die fur den Verkauf der Möbel und Im⸗ mobilien vorgeſchriebenen Formalitäten. 6) Durch die dem Erben vorgeſchriebene ſtrenge RechnungsAblage. (69 Kraft erwachſenes Urtheil gegen ihn beſteht, wel⸗ ches ihn in der Eigenſchaft als unbedingter Erbe verurtheilt. Art. XCl Der Erbe, der ſich einer Verhehlung ſchuldig gemacht, oder wiſſentlich und in boͤslicher Abſicht unterlaſſen hat,(einige) Effekten der Erbſchaft in dem Inventarium zu begreifen, iſt der Rechtswohl⸗ that des Inventariums verluſtig. Art. XC1I. Die Wirkungen der Rechtswohlthat des Inven⸗ tariums beſtehen darin, das ſie dem Erben den Vor⸗ theil gewaͤhren: 1) Daß er zur Zahlung der auf der Erbſchaft haf⸗ tenden Schulden nur bis zur Concurrenz des Werthes der erhaltenen Guͤter verbunden iſt, und ſich der Zahlung dieſer Schulden entlaſten kann, indem er den Gläubigern und Legatarien alle Guͤter der Erbſchaft uͤberlaͤßt. 2) Daß ſeine perſönlichen Guͤter mit jenen, die von der Erbſchaft herruͤhren, nicht vermiſcht werden, und daß er das Recht behält, gegen dieſe(die Erbſchaft) die Zahlung ſeiner Forde⸗ rungen zu verfolgen. (70 N Art. KCIII. Der BenefiziarErbe iſt mit der Verwaltung der Güter der Erbſchaft beauftragt, und muß den Glaͤu⸗ bigern und Legatarien über ſeine Verwaltung Rech⸗ nung ablegen. Er kann in ſeinen perſonlichen Guͤtern nicht ange⸗ fochten(il n'y peut étre contraint) werden, als nachdem er mit der Vorlage ſeiner Rechnung in Ruͤckſtand verſetzt worden wäre, und in Ermange⸗ lung, dieſer Verbindlichkeit Genüge geleiſtet zu haben. Nach dem Abſchluß der Rechnung kann er blos bis zur Conkurrenz der Summen, mit welchen er ſich im Ruͤckſtand befindet, auf ſein perſönliches Vermogen angehalten werden. Art. XCIV. Er iſt nur für wichtige Fehler in der ihm aufge⸗ tragenen Verwaltung verantwortlich. Art. XCV. Er kann die Mobilien der Erbſchaft blos durch einen öſſentlichen Beamten, in einer Verſteigerung und nach den gewohnlichen Anſchlaggetteln und Be⸗ kanntmachungen veräuſſern. Wenn er ſie in Ratur beibringt, ſo iſt er fuͤr nichts, als fur die Verminderung ihres Werthes oder ihre 71 Verſchlimmerung(detérioration) durch ſeine Nachläſ⸗ ſigkeit, verantwortlich. Art. XCVI. Er kann die Immobilien nur in den durch das Geſetzbuch uͤber den CivilProzeß vorgeſchriebenen Formen verkaufen; er iſt gehalten, den Kaufſchil⸗ ling den Hypothekar Glaͤubigern, welche ſich be⸗ kannt gemacht haben werden, zu uͤbertragen(de deleguer). Art. XCVII. Wenn die Glaͤubiger, oder andere Betheiligte es fordern, ſo iſt er gehalten, fuͤr den Werth der in dem Inventarium begriffenen Mobiliarſchaft, und fuͤr den Theil des Kaufſchillings der Immöbel, welcher nicht auf die HypothekarGlaͤubiger uͤbertra⸗ gen iſt, gute und lößbare Bürgſchaft zu leiſten. In Ermangelung ſemerſeits, dieſe Buͤrgſchaft zu ſtellen, werden die Möbel verkauft, und ihr Kauf⸗ Preiß ſowohl, als der nicht uͤbertragene Theil des Kaufſchillings der Immobilien, hinterlegt, um zur Abtragung der auf der Erbſchaft haftenden Laſten verwendet zu werden. Art. XCVIII. Wenn irgend Glaͤubiger Oppoſition einlegen, ſo — (72N kann der BenefiziarErbe nur in der, von dem Rich⸗ ter beſtimmten Ordnung und vorgeſchriebenen Weiſe auszahlen. Legen keine Glaubiger Oppoſition ein, ſo zahlt er die Glaͤubiger und Legatarien nach der Ordnung, worin ſie ſich melden, aus. Art. XCIX. Die Glaͤubiger, die keine Oppoſition eingelegt haben, und erſt nach dem Abſchluß der Rechnung und der Zahlung des Ruͤckſtandes auftreten, haben keinen andern Ruͤckgriff als gegen die Legatarien. In dem einen und dem andern Falle verjährt der Ruͤckgriff ſich durch den Ablauf von drei Jahren, von dem Tage des Abſchluſſes der Rechnung und der Zahlung des Ruͤckſtandes an. Art. C. Die Koſten der Siegel Auflage, wenn ſie ſtatt gehabt hat, des Inventariums und der Rechnung fallen der Erbſchaft zur Laſt. Vierter Abſchnitt. Von vakanten Erbſchaften. Art. Cl. Wenn nach Ablauf der, zur Errichtung des In⸗ (73N ventariums und zur Bedenkzeit, geſtatteten Zeitfri⸗ ſten Niemand auſtritt, der die Erbſchaft in Anſpruch nimmt, wenn kein bekannter Erbe vorhanden iſt oder die bekannten Erben darauf verzichtet haben, ſo wird die Erbſchaft fuͤr vakant erachtet. Art. Ell. Das erſte Inſtanz Gericht, in deſſen Bezirk ſie eröffnet iſt, ernennt auf Begehren der Betheiligten oder auf die Anforderung des RegierungsKommil⸗ ſairs einen Kurator. Art. ClII. Der Kurator einer vakanten Erbſchaft iſt gehal⸗ ten, ihren Zuſtand vor allem durch ein Inventarium konſtatiren zu laſſen. Er uͤbt ihre Rechte aus und verfolgt ſie; er vertheidigt ſie wider die gegen ſie erhobenen Forderungen; er verwaltet ſie, unter der Obliegenheit, das in der Erbſchaft vorfindliche baa⸗ Anmerkungen. Vierter Abſchnitt. Zum Art. 101 bis 104. Hier treten die Verfuͤgun⸗ gen des vorigen Abſchnitts wieder ein. Auſſer dem Intereſſe der Glaͤubiger muß indeſſen auch noch fuͤr das der allenfalſigen Erben, die ſich noch in der Fol⸗ ge ausweiſen koͤnnten, geſorgt werden. Der Fiskus iſt der natürliche Aufbewahrer der aus der Erbſchaft herflieſſenden Summen, da, wenn kein Erbe oder Gläubiger ſeine Rechte darauf beweißt, ſie ihm ei⸗ genthuͤmlich zufallen. 0740 re Geld, ſo wie die aus dem Verkauf der Moͤbel oder Immöbel herflieſſende Gelder in die Kaſſe des Empfaͤngers der NationalRegie einzuſchieſſen, um die Rechte eines jeden zu bewahren, und unter der Verbindlichkeit einem jeden, dem es zuſtehen wird, Rechnung(daruͤber) abzulegen. Art. CIV. Die Verfuͤgungen des dritten Abſchnitts, über die Formen des Inventariums, uͤber die Art der Ver⸗ waltung, und uͤber die von dem BenefiziarErben abzulegenden Rechnungen, ſind übrigens den Kura⸗ toren von vakanten Erbſchaften gemeinſchaftlich. Sechstes Kapitel. Von der Theilung und der Collation(des rapports.) Anmerkungen. Sechstes Kapitel. Der Gegenſtand des letzten Kapitels iſt die Thei⸗ lung der Erbſchaft. Es zerfaͤllt in fuͤnf Abſchnitte⸗ 1) von der Theilung und ihrer Form, 2) von der Collation, 3) von der Zahlung der Schulden, 3) von den Wirkungen der Theilung und der Garantie der Looſe, 5) von der Wiederdlufhebung der Theilung. Auch hier kommt es wieder darauf an, das Inte⸗ reſſe der Erben und das der Glaͤubiger zu vereini⸗ gen. Die zahlreichen Verfügungen dieſes Kapitels ſind nichts, als die Folge von einigen Grundſätzen, deren Wahrheit unbeſtritten iſt. 075N Erſer Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form. Art. CV. Niemand kann gezwungen werden, in der Ge⸗ meinſchaft zu bleiben; und man kann immer, aller dem zuwiderlaufenden Verbote und Vertraͤge ohnge⸗ achtet, die Theilung anverlangen. Man kann jedoch uͤbereinkommen, die Theilung während einer beſtimmten Zeit auszuſetzen. Dieſe Uebereinkunft kann nicht uͤber füͤnf Jahre verbind⸗ lich ſein, aber ſie kann erneuert werden. Art. CVI. Die Theilung kann ſelbſt dann anverlangt wer⸗ den, wenn einer der MitErben den Genuß von ei⸗ 5 * — Anmerkungen⸗ Erſter Abſchnitt. Zum Art. 105. Es iſt ein angenommener Grundſatz⸗ daß niemand gezwungen werden koͤnne, mit andern in Gemeinſchaft zu bleiben. Eine immer fortwah⸗ rende Gemeinſchaft iſt mit der Veraͤnderlichkeit unſrer Intereſſen unverträglich. Man kann daher immer die Theilung, wenn ſie moglich iſt, oder die gerichtliche Verſteigerung, wenn keine Theilung geſchehen kann, anverlangen. Es können jedoch geſetzliche urſachen vorliegen, welche einen Aufſchub erheiſchen, und es iſt daher nicht verbothen, durch eine verbindliche Ue⸗ bereinkunft die Theilung auf gewiſſe Zeit auszuſetzen. Doch hat eine ſolche Uebereinkunft nur fuͤr eine ge⸗ wiſſe Zeitlang Kraft. i (760 nem Theil der Guͤter der Erbſchaft gehabt hätte, wenn kein Theilungs Akt oder kein zum Erwerb der Verjahrung hinreichender Beſitzſtand vorliegt. Die Klage auf Theilung kann, in ſo fern ſie die minderjährigen oder interdicirten MitErben betrifft, von ihrem, zu dem Ende von einem Familien Rath beſonders ermaͤchtigten Vormunde, ausgefuͤhrt(ex- ercée) werden. In ſo fern ſie die Abweſenden MitErben betrift, ſteht die Klage den in den Beſitz eingeſetzten Ver⸗ wandten zu. Art. CVIII. Der Mann kann, ohne Mitwirkung ſeiner Frau, die Theilung der ihr zugefallenen Mobilien und Immobilien, welche in die Gemeinſchaft fallen, an⸗ fordern; was die Gegenſtände betrift, welche nicht in die Gemeinſchaft fallen, ſo kann der Mann ihre Theilung nicht ohne Mitwirkung ſeiner Frau anfor⸗ dern; wenn er das Recht hat, ihre(der Frau) Güter zu benutzen, ſo kann er blos eine proviſoriſche Theilung verlangen. Die MitErben der Frau können die endliche Thei⸗ lung nicht anderſt anverlangen, als indem ſie Mann und Frau zugleich vorladen laſſen. (770 Art. CIX. Wenn alle Erben gegenwärtig und großjährig ind, ſo iſt die Siegel Auflage auf die Effekten der Erbſchaft nicht noͤthig, und die Theilung kann in jeder Form und durch jeden Akt, welche den Par⸗ theyen beliebig ſind, geſchehen. Wenn nicht alle Erben gegenwartig ſind, wenn ſich Minderjährige oder Interdicirte unter ihnen be⸗ finden, ſo muͤſſen in der kuͤrzeſten Zeitfriſt, ſey es nun auf Anſtehn der Erben, ſey's auf Betreiben des Regierungsommiſſairs bei dem erſten Inſtanz Ge⸗ richt, oder auch von Amtswegen von dem Friedens⸗ Richter des Bezirks, in welchem die Erbſchaft eröffnet iſt, die Siegel aufgelegt werden. Anmerkungen. Zum Art. 106 bis 132. Es giebt keine Theilung durch das Faktum der Theilung ſelbſt. Sie muß im⸗ mer durch einen Akt regulirt und beſtimmt werden, es ſey dann, daß der beſondere Beſitzſtand jedes der Theilenden ihm durch die Verjaͤhrung einen Rechts⸗ Titel des beſeſſenen Gegenſtandes verſchaft hätte. Wenn die Theilung zwiſchen Erben bewerkſtelligt wird, die alle großjährig und anweſend ſind, ſo ſteht es ihnen frei, jede beliebige Form zu wählen; wenn ſie zu Strittigkeiten Anlaß giebt, ſo hat das Gericht, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eröffnet iſt, daruͤber zu erkennen. Befinden ſich aber unter den Erben Interdicirte, Abweſende oder Minderjaͤhrige, ſo mußten beſondere Regeln aufgeſtellt werden, um ihr Intereſſe zu bewahren, das immer unter dem be⸗ ſondern Schuhe des Geſetzes ſtand. 078 Art. CX. Die Glaͤubiger können ebenfalls Kraft eines exe⸗ kutoriſchen Rechts Titels, oder einer Erlaubniß des Richters, die Siege Auflage anverlangen. Art. CxXl. Wenn die Siegel angelegt worden ſind, ſo kön⸗ nen alle Glaͤubiger, ſelbſt wenn ſie weder einen exe⸗ kutoriſchen Titel noch eine richterliche Erlaubniß ha⸗ ben, Oppoſition dabei einlegen. Das Geſetzbuch uͤber den CivilProzeß beſtimmt die, bei Aufhebung der Siegel und der Errich⸗ tung des Inventariums zu beobachtenden Forma⸗ litaͤten. Anmerkungen. Man hat die Entſcheidung der Schwierigkeiten, welche ſich uͤber die Theilungen erheben könnten, dadurch ſehr vereinfacht, daß man ſie einem ſumma⸗ riſchen Urtheil unterworfen hat, und wenn es nöthig iſt, die Theilung von einem Richter präſidiren ließ, der oft ein Vermittler ſein wird, und in jedem Fall das Tribunal in den Stand ſetzen kann, eine ſchnelle und gerechte Entſcheidung zu erlaſſen. Der Geſetzgeber hatte zwei Klippen mit gleicher Sorgfalt zu vermeiden; die, das Intereſſe des ſchwä⸗ chern Theils nicht hinlänglich zu beſorgen, und die, das Intereſſe der Großjaͤhrigen zu verletzen, indem man ſie in eine zu lange Ungewißheit uͤber die Fe⸗ ſtigkeit der Akte verſetzt hätte. Das Geſet hat ſie beide zu vermeiden geſucht. (79N Art. CXII. Die Klage auf Theilung, und die Streitfragen, welche ſich im Lauf der Operationen erheben, ge⸗ hören vor das Tribunal des Ortes, wo die Erb⸗ ſchaft eroͤffnet iſt. Vor eben dieſem Tribunal wird zu den Verſteige⸗ rungen(der Immobel) geſchritten, und vor daſſelbe werden die Klagen eingebracht, welche auf die Ga⸗ rantie der Looſe von Seiten der Mittheilenden unter⸗ einander, und jene, die auf die Wiederaufhebung Crescision) der Theilung Bezug haben. Art. Cxl111. Wenn einer der MitErben ſich weigert, in die Anmerkungen. Die Auflage der Siegel, die Nothwendigkeit des Inventariums, die Bildung der Maſſen von einem zu dem Ende augeſetzten Beamten, die Verkaͤufe vor den Augen der Gerichte, die Ziehung der Looſe, alles garautirt ſo viel möglich die ſtrenge Erhaltung aller Rechte, ſowohl in den, der Theilung vorher⸗ gehenden Operationen, als bei der Theilung ſelbſt. Mau hat folglich als Regel aufſtellen muͤſſen, daß die mit allen dieſen Foͤrmlichkeiten, mit Ermaͤchti⸗ gung eines FamilienRathes, oder durch emancipirte Minderjährige unter Beiſtand ihrer Kuratoren ge⸗ machte Akte definitiv ſind. Sie können blos aus ſol⸗ chen Gründen angefochten werden, die allen Par⸗ theyen gemeinſchaftlich ſind, z. B. Argliſt, Gewalt oder Verletzung uͤber ein Viertel. Um eine Theilung zu machen, muß natuͤrlich, vor allem, die Maſſe des zu theilenden Vermögens be⸗ (80) Theilung einzuwilligen, oder wenn ſich, entweder uͤber die Verfahrungs Art bei derſelben, oder über die Art ſie zu beendigen, Streitfragen erheben, ſo erkennt dieſes Tribunal, wie in ſummariſchen Sa⸗ chen daruͤber, oder kommittirt, wenn es ſtatt findet, einen der Richter zu den Operationen der Thei⸗ lung, auf deſſen Bericht es die Streitfragen ent⸗ ſcheidet. Art. CXIV. Die Abſchätzung der Immobilien geſchieht durch Kunſtverſtaͤndige, die von den Betheiligten Parthey⸗ en gewählt, oder, im Fall ihrer Weigerung, von Amtswegen ernannt werden. Der VerbalProzeß der Sachverſtaͤndigen muß die Grundlage der Abſchätzung angeben; er muß anzei⸗ Anmerkungen. ſtimmt werden. Dieſe Maſſe beſteht aus den vor⸗ rathigen Erhſchaftsſtücken, und aus jenen, welche die Erben von dem Erblaſſer waͤhrend ſeines Lebens er⸗ halten haben. Die Regeln, nach welchen dieſe letzten. wieder in die Erbſchaft zuruͤckgebracht werden, ma⸗ chen den Gegenſtand des zweiten Abſchnittes aus. Iſt die Maſſe einmal gebildet, ſo muß jeder ſeinen, ihm zuſtehenden Antheil, aus der zu theilenden Maſſe erhalten. Die Misbraͤuche, welchen man hier vor⸗ bengen mußte, konnten darin beſtehen, daß einer weniger erhalten haͤtte, als ihm zukam, oder Effek⸗ ten von geringerem Werthe, als die übrigen MitEr⸗ ben. Aus dieſer Sorgfalt des Geſetzes ſind jene weitläufigen Verfuͤgungen eutſprungen, welche beim (81 gen, ob der abgeſchätzte Gegenſtand bequem getheilt werden kann; auf welche Art; endlich muß er, im Falle der Theilung, alle die Theile, die man dar⸗ aus machen kann, jeden insbeſondere, und ihren Werth, beſtimmen. Art. CXV. Die Abſchatzung der Mobilien muß, wenn ſie nicht durch ein regelmaſiges Inventarium geſchehen iſt, von Sachverſtaͤndigen, nach ihrem wahren Werthe und ohne Aufgeld(Sans erue*) auf den Preiß der⸗ ſelben geſchehen. Art. CxVI. Jeder der MitErben kann ſeinen Antheil an den Mobilien und Immobilien der Erbſchaft in Natur verlangen; wenn jedoch Glaͤubiger vorhanden ſind, welche Arreſt oder Oppoſition eingelegt haben, oder wenn die Mehrzahl der Erben den Verkauf nöthig erachtet, um die Schulden und Laſten der Erbſchaft Anmerkungen. erſten Anblick geringfügig ſcheinen, aber doch alle weſentlich und nothwendig ſind. Sie ſind eben ſo auf Grundſaͤtze der Vernunft und Gerechtigkeit ge⸗ gruͤndet. Wir werden uns daher nicht weiter uͤber dieſelben ausdehnen; ihre bloße Ueberleſung iſt hin⸗ reichend, um den Leſer von ihren Beweggruͤnden, ihrem Zweck und ihrem wahren Sinn zu durchdringen. * Crue hieß man ehemals den ten, Ften, öten ꝛc. c. Pfennig, der noch über die Tare bezahlt werden muſte. 6 637N 5 abzutragen, ſo werden die Möbel öffentlich in der gewöhnlichen Form verkauft. Art. CXVII. Wenn ſich die Immobilien nicht bequem theilen laſſen, ſo muß zum Verkauf, durch eine Verſteige⸗ rung vor dem Tribunal, geſchritten werden. Die Partheyen können jedoch, wenn ſie alle groß⸗ jaͤhrig ſind, einwilligen, daß die Verſteigerung vor einem Notar geſchehe, über deſſen Wahl ſie uͤber⸗ einkommen. Art. CXVIII Nachdem die Möbel und Immobel geſchätzt oder verkauft worden ſind, ſo verweißt der Richter, wel⸗ cher Kommiſſair bei der Theilung iſt, die Par⸗ theyen vor ein en Notar, uber deſſen Wahl ſie uͤber⸗ einkommen, oder der, wenn ſie ſich nicht daruͤber vereinigen können, von Amtswegen ernannt wird. Vor dieſem Beamten wird zur Rechnungs Ablage, welche die Mittheilenden ſich ſchuldig ſein mögen, zu der Bildung der allgemeinen Maſſe, zu der Zu⸗ ſammenſetzung der Looſe, und zu der Beſtimmung der jedem Mittheilenden zu machenden Auslieferun⸗ gen(des ournissemens) geſchritten. Art. CXIX. Jeder Mit Erbe konferirt(lait rappori der Maſſe (83N die Geſchenke, welche er erhalten hat, und die Summen, welche er ſchuldet, nach den Regelm, welche hierunten werden aufgeſtellt werden. Art. CXX. Geſchieht die Collation nicht in Natur, ſo erhe⸗ ben die MitErben, welchen ſie geſchuldet wird, ei⸗ ne gleiche Portion aus der Erbſchafts Maſſe vorab. Die Vorerhebungen geſchehen, ſo viel möglich, in Gegenſtänden von derſelben Gattung, Eigenſchaft und Güte wie die, nicht in Natur, konferirten Ge⸗ genſtände. Art. CxXł. Nach dieſen Vorerhebungen ſchreitet man zur Bil⸗ dung von ſo viel gleichen Looſen aus der Erbſchafts⸗ Maſſe, als es mittheilende Erben, oder mittheilende Staͤmme giebt. Art. CXXII. Man muß bei der Bildung und Zuſammenſetzung der Looſe ſo viel als moͤglich vermeiden, die Erb⸗ ſchafts Güter zu zerſtuͤckeln, und die Anlagen(ex- ploitationʒ) zu theilen; und man muß ſuchen(ei il convient), wo möglich dieſelbe Quantitat von Mö⸗ beln, von Immöbeln, von Rechten oder ausſtehen⸗ 084 0 den Schulden von derſelben Natur und gleichem Werthe in jedes Looß aufzunehmen. Art. CXXlII. Die ungleichheit der Looſe in Natur wird durch eine Herausgabe, in Renten oder in Geld, gleich⸗ geſtellt. Art. CXXIV.⸗ Die Looſe werden von einem der MitErben ge⸗ macht, wenn ſie ſich uͤber die Wahl untereinander vereinigen können, und der, welchen ſie gewaͤhlt ha⸗ ben, den Auftrag annimmt; im entgegengeſetzten Falle werden die Looſe durch einen Sachverſtändi⸗ gen gebildet, welchen der Richter, der Kommiſſair iſt, zu bezeichnen hat. Die Looſe werden hierauf gezogen. Art. CXXV. Ehe man zur Ziehung der Looſe ſchreitet, ſteht es jedem Mittheilenden frei, ſeine Einwendungen gegen ihre Bildung vorzubringen. Art. CKXXVI. Die fur die Theilung der zu theilenden Maſſen aufgeſtellten Regeln, můſſen gleichfalls bei der unter den mittheilenden Stämmen zu machenden Unterab⸗ cheilung beobachtet werden. 085 Art. CXxVII. Wenn ſich während den vor einen Rotar verwie⸗ ſenen Operationen Strittigkeiten erheben, ſo ſoll der Notar üͤber die ſtrittigen Punkte und die gegenſeiti⸗ gen Auſſagen der Partheyen einen VerbalProzeß auf⸗ ſetzen, und ſie(die Partheyen) vor den zur Thei⸗ lung ernannten Kommiſſair zuruͤckweiſen; ubrigens ſoll nach den, im Geſetzbuch über den CivilProzeß vorgeſchriebenen Formen vorangeſchritten werden. Art. CXXVIII. Wenn nicht alle MitErben gegenwaͤrtig ſind, oder wenn es unter ihnen Interdicirte oder Minderjahrige, ſelbſt wenn ſie emancipirt wären, giebt, ſo muß die Theilung nach den, durch den Art. Clx. und die fol⸗ genden bis zu dem vorhergehenden einſchließlich, vor⸗ geſchriebenen Regeln vor Gericht vorgenommen werden. Wenn mehrere Minderjaͤhrige vorhanden ſind, welche entgegengeſetzte Intereſſe bei der Thei⸗ lung hätten, ſo muß jedem von ihnen ein Spezial und beſonderer Vormund gegeben werden. Art. CXXIX. Wenn im Falle des vorhergehenden Artikels eine Verſteigerung(von Immoͤbeln) ſtatt findet, ſo kann ſie nicht anderſt, als vor Gericht, nach den For⸗ men, die fuͤr die Veränſſerung der Guͤter der Min⸗ (860 derjaͤhrigen vorgeſchrieben ſind, ſtatt finden. Die Fremden werden immer dazu zugelaſſen. Art. GCXXX. Alle, in Gemaßheit der hier oben vorgeſchriebe⸗ nen Regeln, entweder von dem Vormunde, mit der Ermächtigung eines Familien Rathes, oder von emancipirten Minderjährigen unter dem Beiſtand ihrer Kuratoren, oder im Namen von Abweſenden, oder ſolcher, die nicht gegeñwärtig ſind, C0 ge⸗ ſchehene Theilungen, ſind deffnitiv. Sind die vor⸗ geſchriebenen Regeln nicht beobachtet worden, ſo ſind ſie nur proviſoriſch. Art. GXXRl. Jede, nicht zur Erbſchaft berufene Perſon, wenn ſie ſelbſt dem Verſtorbenen verwandt waͤre, welche einem MitEerben ihre Rechte auf die Erbſchaft ab⸗ getragen hätte, kann, ſowohl von allen MitErben, als von einem einzigen von ihnen von der Theilung (9) Hier darf der Unterſchied nicht aus dem Ange ge⸗ laſſen werden, der in den Worten, Abweſenden oder ſolcher die nicht gegen wärtig ſind,(absens⸗ on non yrésens) liegt. Die erſten find ſolche, deren Abweſenheit in Gemaͤßbeit der Verfuͤgungen des vierten Titels des erſten Buchs des Geſetzbuches gerichtlich anerkannt iſt; die zweiten ſolche, welche bei der Theilung aus irgend einer urſache nicht ge⸗ genwaͤrtig waren. CN dadurch entfernt werden, daß man ihr den Preiß der Abtretung zuruͤckbezahlt. Art. CXXXII. Nach der Theilung muͤſſen jedem der Mittheilen⸗ den die RechtsTitel eingehaͤndigt werden, welche auf die Gegenſtaͤnde, die ihm zugefallen ſind, beſon⸗ dern Bezug haben. Die Titel eines getheilten Eigenthums verbleiben demjenigen, der den gröſten Antheil daran beſitzt, mit der Verbindlichkeit, benjenigen ſeiner MitErben, welche ein Intereſſe dazu haben werden, damit aus⸗ zuhelfen. Die der ganzen Erbſchaft gemeinſchaftlichen Ti⸗ tel werden demjenigen, welchen alle Erben zu ihrem Aufbewahrer(depositaire) gewählt haben, mit der Verbindlichkeit uͤbergeben, auf jedesmaliges Begeh⸗ ren den Betheiligten damit auszuhelfen. Ergeben ſich Schwierigkeiten uͤber dieſe Wahl, ſo wird ſie durch den Richter beſtimmt. Zweiter Abſchnitt. Von der Collation(des rapports). . Jeder Erbe, ſelbſt der BenefiziarErbe, der zu einer Erbſchaft gelangt, muß ſeinen MitErben alles (880 konferiren, was er von dem Verſtorbenen durch Schenkungen zwiſchen Lebenden, mittelbar oder un⸗ mittelbar erhalten hat. Er kann weder die ihm von dem Verſtorbenen gemachte Geſchenke zurückhalten, noch die ihm vermachten Legate anfordern, wenn nicht die Geſchenke und Vermächtniſſe ihm aus⸗ druͤcklich zum voraus und auſſer ſeinem Erbtheil, oder mit Freiſprechung von der Verbindlichkeit der Collation gemacht worden ſind. Art. CXXXIV. Selbſt in dem Falle, wo die Geſchenke und Ver⸗ machtniſſe zum voraus oder mit Freiſprechung von der Verbindlichkeit der Collation gemacht worden ſind, kann der zur Theilung gelangende Erbe ſie Anmerkungen. Zum Art. 133 bis 137. Um eine Theilung zu be⸗ werkſtelligen, muß nothwendig vor allem die Maſſe der zu theilenden Güter gebildet werden. Dieſe Maſſe beſteht ſowohl aus den, gegenwaͤrtig in der Erbſchaft befindlichen Guͤtern als aus jenen, welche die Erben waͤhrend dem Leben des Erblaſſers von ihm erhalten haben. Nach dem römiſchen Rechte waren die Kinder, wenn ſie zur Erbſchaft ihres Vaters gelangten, nicht gehalten, die von ihm erhaltenen Schenkungen zu konferiren, wenn ſie ihnen zum voraus und mit Losſagung von der Collation gemacht worden waren. Die Herkommen ſuchten mehr Gleichheit unter den Erben zu erhalten. Einige erlanbten nicht ein⸗ mal den Perzichtleiſtenden, die erhaltenen Vortheile 089N blos bis zur Conkurrenz des Betrags behalten, wor⸗ uber der Verſtorbene verfuͤgen konnte. Der Ueber⸗ ſchuß iſt der Collation unterworfen. Art. CXXXV. Der Erbe, welcher auf die Erbſchaſt Verzicht leiſtet, kann nichtsdeſtoweniger bis zur Conkurrenz des Erbtheils, woruͤber der Verſtorbene verfuͤgen konnte, die Schenkung zwiſchen Lebenden zuruͤckhal⸗ ten, oder das ihm gemachte Vermaͤchtniß anver⸗ langen. Art. CXXXVI. Der Schenknehmer, welcher zur Zeit der Schen⸗ kung kein vermuthlicher Erbe war, aber ſich am Anmerkungen. zurückzuhalten; andre ſahen indeſſen die Unbilligkeit ein, die Befngniß, einem der Erben Beweiſe einer beſondern Zuneigung zu geben, ganz zu verbieten. Nach dieſen konnte der Erbe die Schenkungen zuruͤck⸗ halten, wenn er auf die Erbſchaft Verzicht leiſtete, und da man in derſelben Erbſchaft ſoviel verſchie⸗ dene Erbſchaften unterſchied, als es Gattungen von Guͤtern gab, oder ſo viel verſchiedene Herkommen die Güter ihrer Lage nach regierten, ſo nahm die⸗ ſelbe Perſon oft für einige Guͤter oder in einigen Provinzen die Eigenſchaft als Schenknehmer, und in andern die Eigenſchaſt als Erbe an. Dieſe ſubtilen Unterſcheidungen machen itzt einfa⸗ chern, den erſten Elementen der Juſtiz angemeſſenern Regeln Plaz. Ein beſonderes Geſeßz ſetzt der Be⸗ fugniß, zu Gunſten eines vermuthlichen Erben zu 5 . 3— 6 (90) Tage der Eröffnung der Erbſchaft zu der Erbſchaft berufen findet, iſt ebenfalls zur Collation verbunden, wenn der Schenkgeber ihn nicht von dieſer S lichkeit freigeſprochen hat. Art. CXXXVII. Die Geſchenke und Vermächtniſſe, welche dem Sohn desjenigen gemacht worden ſind, der zur Zeit der Eroffnung der Erbſchaft zu derſelben berufen iſt, werden immer betrachtet, als ſeyen ſie mit Frei⸗ ſprechung von der Verbindlichkeit der Collation ge⸗ macht worden. Wenn der Vater zur Erbſchaft des Schenkgebers gelangt, iſt er nicht verbunden ſie zu konferiren. Art. CXXXVIII. Eben ſo iſt der Sohn, wenn er fuͤr ſich und in Anmerkungen. verfuͤgen, beſtimmte Schranken; dem Schenkgeber ſteht es ſrei, zu erklaͤren, daß er dieſe Freigebigkeit dem Erben zum voraus zu Gunſten kommen laſſen will, und ſein Wille muß bis zum Betrag dieſes Antheils, uͤber welchen er verfuͤgen konnte vollzogen werden. Hat er den Schenkgeber von der Collation nicht freigeſprochen, ſo kann er ſich derſelben nicht entziehen; ſo wird der Wille des Verſtorbenen im⸗ mer die Regel ſein, welche man befolgen muß, ſo lange er den Verfuͤgungen des Geſetzes nicht zuwi⸗ derlaͤuft. Zum Art. 137 bis 140. Ehedem erhuben ſich zahl⸗ reiche Schwierigkeiten uͤber die Frage, ob ein Sohn 091 ſeinem Namen zur Erbſchaft des Schenkgebers ge⸗ langt, nicht gehalten, die ſeinem Vater gemachten Schenkungen zu konferiren, ſelbſt wenn er die Erb⸗ ſchaft dieſes(des Vaters) angenommen hätte; aber wenn der Sohn nur durch Repräſentation zur Erb⸗ ſchaft gelangt, ſo muß er das, was ſeinem Vater geſchenkt worden iſt, konferiren, ſelbſt dann, wenn er die Erbſchaft ausgeſchlagen hätte. Art. GCXXXIX. Die, dem MitGatten eines zur Erbſchaft beru⸗ fenen Gatten, gemachten Schenkungen und Ver⸗ maͤchtniſſe werden angeſehen, als ſeyen ſie mit Frei⸗ ſprechung von der Verbindlichkeit der Collaton ge⸗ macht. Wenn die Schenkungen und Vermachtniſſe zweien Ehegatten, von denen nur einer zur Erbſchaft berufen iſt, gemeinſchaftlich gemacht worden ſind, ſo konfe⸗ rirt dieſer die Hälfte. Sind die Schenkungen dem Anmerkungen. gehalten, ſey das zu konferiren, was ſeinem Vater, der Vater, was dem Sohne, der Gatte was ſeinem Mitgatten geſchenkt oder vermacht worden war. Allen dieſen Streitfragen iſt vorgebeugt. Alle Schenknun⸗ gen, welche nicht der Perſon des Erben gemacht wor⸗ den ſind, werden angeſehen, als ſeyen ſie zum voraus gemacht, wenn nicht der Schenkgeber einen entgegen⸗ geſehten Willen ausgedruͤckt hat. (920 zur Erbſchaft berufenen Gatten gemacht worden, ſo konferirt er ſie ganz. Art. CXL. Die Collation geſchieht nur in die Erbſchaft des Schenkgebers. Art. CXL. Was zur Riederlaſſung(hetablissement) eines der MitErben, oder zur Zahlung ſeiner Schulden verwendet worden iſt, muß konferirt werden. Art. CxLII. Die Koſten der Rahrung, des Unterhalts, der Erziehung, das Lehrgeld, die gewöhnlichen Koſten der Ausſtattung, der Hochzeit und der gebraͤuchlichen Geſchenke muͤſſen nicht konferirt werden. Anmerkungen. Zum Art. 140 bis 160. Alle Schwierigkeiten uͤber dieſe Materie beſchränkten ſich folglich auf folgende wer iſt gehalten zu konferiren? wem? was? . und wie. Sie ſind in dem Projekt auf eine Art enſchieden, welche allen Zweifel loößt: die Erben ſind zu konfe⸗ riren ſchuldig, und zwar blos den MitErben, nicht aber den Glaͤnbigern oder Legatarien. Sie ſind ge⸗ halten, alle erhaltene Vortheile zu konferiren, in de⸗ ren Klaſſe Koſten des Unterhalts, der Erziehung und Ausſtattung ꝛc. ꝛc. jedoch nicht gehören, welche von Seiten des Vaters eine Schuld, nicht aber eine Frei⸗ gebigkeit waren. Eudlich muß die Collation wo mög⸗ (935 Art. CXLIII. Das nämliche gilt von dem Nutzen(profits), welche der Erbe aus mit dem Verſtorbenen abgeſchloſſe⸗ nen Uebereinkunften gezogen haben kann, wenn dieſe Uebereinkuͤnfte damals, als ſie abgeſchloſſen worden ſind, keine indirekte Bevortheilung enthielten(ne présentaient aucun avantage indirect). Art. CXLIV. Die Collation findet gleichfalls wegen Geſell⸗ ſchafts Verbindungen nicht ſtatt, welche ohne Argliſt und Betrug zwiſchen dem Verſtorbenen und ſeinen Erben abgeſchloſſen worden ſind, wenn die Bedin⸗ Anmerkungen. lich in Natur, oder durch eine Verminderung des zu er⸗ haltenden ErbAntheils geſchehn. Da es der einzige Zweck der Collation iſt, zwiſchen den Erben die Gleich⸗ heit herzuſtellen, ſo kann ſie weder von dem Schenkneh⸗ mer, der im Augenblick der Eroͤffnung der Erbſchaft⸗ weder durch ſich, noch durch Repraſentation zur Erb⸗ ſchaft berufen war, noch von dem Erben, der Ver⸗ zicht geleiſtet hat, noch von demjenigen, der, er mag nun die Erbſchaft des Schenknehmers angenommen oder ausgeſchlagen haben, durch ſich ſelbſt zur Erb⸗ ſchaft des Schenkgebers gelangt, geſchuldet werden. Sum Art, 144. Wenn der Perſtorbene dem Erben ei⸗ nen Theil ſeines Vermögens gegen eine gleiche Hingabe von Seiten des letzten hingegeben hat, wenn er mit dieſem wie mit einem Fremden in Gemeinſchaft ge⸗ handelt hat, ſo kann der Portheil, der aus dieſem Handel entſprungen iſt, der Collation nicht unter⸗ worfen ſein. Das Verhaͤltniß des Erblaſſers zu dem (94N gungen derſelben durch einen authentiſchen Akt regulirt waren. Das Immöbel, welches durch Zufall und ohne Schuld des Schenknehmers zu Grunde gegangen iſt, iſt der Collation nicht unterworfen. Art. CXLVI. Die Fruͤchte und Zinſen der, der Collation unter⸗ worfenen Gegenſtände, werden blos vom Tag der Eröffnung der Erbſchaft an zu rechnen geſchuldet. Art. CXLVII. Die Collation wird nur von dem MitEkrben zum Vortheil der MitErben geſchuldet. Man iſt ſie we⸗ der⸗den Legatarien, noch den Glaäubigern der Erb⸗ ſchaft ſchuldig. Art. CxLVIII. Die Collation geſchieht in Natur, oder dadurch, daß man weniger nimmt. Anmerkungen. Erben iſt von dem Verhaltniß der Handels Geſell⸗ ſchaft ganz getrennt, und kann den Erben der Vor⸗ theile nicht berauben, die er in der Verbindung mit einem Fremden gleichfalls genoſſen haben würde. 095N Art. CXLIX. Sie kann bei Immobilien immer in Ratur gefor⸗ dert werden, wenn das gegebene Immoͤbel von dem Schenknehmer nicht veraͤuſſert worden iſt, und ſich keine(andere) Immöbel von gleicher Gattung, Werth und Guͤte in der Erbſchaft befinden, aus welchen man ohngefaͤhr gleiche Looſe fuͤr die ubri⸗ gen MitErben bilden könnte. Art. CL. Die Collation hat blos durch die verhaͤltnißmaͤſige Verminderung des ErbAntheils des Konferirenden ſtatt, wenn der Schenknehmer das Immöbel vor der Eröfnung der Erbſchaft verauſſert hat; ſie wird als⸗ dann nach dem Werth des Immöbels zur Zeit der Eroͤffnung(der Erbſchaft) geſchuldet. Art. CLl. In allen Fällen muͤſſen dem Schenknehmer die Koſten gutgeſchrieben werden, wodurch die Sache verbeſſert worden iſt, und zwar nach dem Maas⸗ ſtab des Betrages, in welchem ſich der Werth der Sache zur Zeit der Theilung erhöht befindet. Art. CLII. Eben ſo muͤſſen dem Schenknehmer die noͤthigen Auslagen zu gut kommen, welche er zur Erhaltung 096 5 der Sache gemacht hat, wenn auch die Sache ſelbſt dadurch nicht verbeſſert worden waͤre. Art. CLIII, Der Schenknehmer muß ſeiner Seits die Verlez⸗ zungen und Verſchlimmerungen(degradations et dé- tcriorations) verguten, wodurch der Werth des Im⸗ möbels durch ſeine Handlungen(de son keit) oder durch ſeine Schuld und Rachläſſigkeit verringert worden iſt. Art. CLIV. Im Falle, wo das Immöbel von dem Schenk⸗ geber veraͤuſſert worden iſt, muͤſſen die von dem Ankaufer gemachten Verbeſſerungen oder Verſchlim⸗ merungen in Gemäßheit der drei vorhergehenden Ar⸗ tikel aufgerechnet werden. Art. CLV. Wenn die Collation in Natur geſchieht, ſo wer⸗ den die Guͤter, frei von allen Laſten, womit der Schenknehmer ſie beſchwert hat, mit der Erbſchafts⸗ Naſſe vereinigt; aber die HypothekarGläubiger können bei der Theilung dazwiſchenkommen,(inter- venir) um ſich zu opponiren, daß die Collation zum Rachtheil ihrer Rechte geſchehe. ( Art. CLVI. Wenn die, einem zur Erbſchaft berufenen(Mit⸗ Erben,) mit Freiſprechung von der Collation, ge⸗ ſchehene Schenkung eines Immöbels den Antheil überſteigt, worüber der Erblaſſer verfugen konnte, ſo geſchieht die Collation des Ueberſchuſſes in Natur, wenn dieſer Ueberſchuß ſich bequem(von dem Gan⸗ zen) abtrennen läßt. Im entgegengeſetzten Falle muß der Schenkneh⸗ mer, wenn der Ueberſchuß die Hälfte des Werthes des Immöbels uͤberſteigt, das ganze Immöbel kon⸗ feriren, vorbehaltlich ſeines Rechtes, den Werth des Antheils, woruber dem Erblaſſer die Verfuͤ⸗ gung frei ſtand, aus der Maſſe vorab zu erheben; wenn dieſer Antheil die Hälfte des Werthes uͤber⸗ ſteigt, ſo kann der Schenknehmer das Immoöbel ganz behalten, vorbehaltlich ſo viel weniger(in ſei⸗ nem ErbAntheil) zu nehmen, und ſeine MitErben durch Geld oder auf andere Weiſe zu entſchädigen. Art. CLVII. Der MitEerbe, welcher ein Immöbel in Natur konferirt, kann den Beſitz deſſelben bis zur wirkli⸗ chen Auszahlung der Summen zuruͤckhalten, wel⸗ che ihm für Koſten oder Verbeſſerungen geſchuldet werden. (95 Art. CLVIII- Die Collation der Mobilien geſchieht blos dadurch, daß man weniger erhält. Sie geſchieht auf den Fuß des Werthes der Mobilien zur Zeit der Schen⸗ kung nach der dem Akt beigefugten SchätzungsLiſte, und in Ermangelung einer ſolchen SchätzungsLiſte nach einer Schätzung von Sachverſtändigen zu bil⸗ ligen Preiſen und ohne Aufſchlag auf denſelben Gan⸗ crue). Art. CLIX. Die Collation des gegebenen Geldes geſchieht da⸗ durch, daß man von den Geldern der Erbſchaſt ſo viel weniger erhalt. Im Fall der Unzulaͤngigkeit derſelben kann der Schenkgeber ſich von der Verbindlichkeit, das Geld zu konferiren, befreien, wenn er bis zur ſchuldigen Conkurrenz Möbel, und in Ermangelung von Mö⸗ veln Immoͤbel der Erbſchaft zurucklaͤßt. Dritter Abſchnitt. Von der Vezahlung der Schulden. Art. CLX. Die MitErben tragen untereinander, jeder nach Verhältniß deſſen, was er aus der Erbſchaft er⸗ 0990 haͤlt, zur Zahlung der Schulden und Laſten derſel⸗ ben bei. Art⸗ ELX Der UniverſalLegatar tragt nach Verhaltniß ſei⸗ nes Vortheils mit den Erben dazu bei; aber der PartikularLegatar iſt zur Zahlung keiner Schulden verbunden, vorbehaltlich jedoch der Hypothekar⸗ Klage auf das vermachte Immöbel. Art. CLXII. Wenn Immöbel einer Erbſchaft durch Spezial⸗ Hypotheken mit Zinſen beſchwert ſind, ſo kann jeder der MitErben fordern, daß die Renten getilgt und die Immöbel davon befreit werden mögten, ehe zur Bildung der Looſe geſchritten wird. Wenn die Mit⸗ Anmerkungen. Dritter Abſchnitt. Zum Art. 160 bis 173. Die Zahlung der Schulden iſt die erſte und wichtigſte Verbindlichkeit der Erben. Das Intereſſe der Schuldner muſte alſo nicht minder als das der Erben geſichert werden. Die erſten koͤn⸗ nen daher verlangen, daß bloß in ihrer Gegenwart getheilt werde, aber ſie konnen eine, ohne Betrug, in ihrer Abweſenheit geſchehene Theilung nicht an⸗ fechten, wenn ſie nicht durch eine Oppoſſtion ihren Willen, bei der Theilung gegenwaͤrtig zu ſein, aus⸗ druͤcklich an Tag gelegt haben. Es ſteht bei ihnen, der Theilung beizuwohnen, man iſt aber nicht ge⸗ halten, ſie dazu zu rufen. * (100) Erben die Erbſchaft in dem Zuſtand theilen, worinn ſie ſich befindet, ſo muß das(mit der Hypothek) beſchwerte Grundſtuͤck nach demſelben Maasſtab wie die andern Immobel abgeſchätzt werden; das Kapi⸗ tal der Rente wird von der Hauptſumme des Wer⸗ thes abgezogen; der Erbe, in deſſen Looß dieſes Immöbel faͤllt, bleibt allein mit der Leiſtung der Rente belaſtet, und muß ſeine MitErben dafür ga⸗ rantiren. Art. CLXII. Die Erben haften fuͤr die Schulden und Laſten der Erbſchaft perſoͤnlich, nach ihrem Antheil und ihren VirilPortionen, und hypothekariſch für das Ganze, vorbehaltlich ihres Ruͤckgriffs; es ſey nun gegen ihre MitErben, oder gegen die UniverſalLega⸗ tarien nach Verhältniß des Antheils in welchem ſie zur Zahlung beitragen můſſen. Anmerkungen. Die Regeln uͤber das Verhaͤltniß, in welchem die MitErben und die Legatarien zur Zahlung der Schul⸗ den beitragen, ſind durch das alte Recht und den Ge⸗ richts Gebrauch angenommen. Der UniverſalLegatar iſt gewiſſermaaßen MitErbe, und als ſolcher zum ver⸗ hältnißmäſigen Beitrag zu den Schulden gehalten. Die Verfugung, daß der Glaͤubiger ſeinen ereku⸗ toriſchen Titel gegen die Erben geltend machen kann⸗ ohne ihn neuerdings gegen ſie erekutoriſch erklären zu laſſen, iſt eine langerwuͤnſchte Neuerung in der be⸗ ſtehenden Geſetzgebung. Dieſe Formalitat dient (101) Art. CLXIV. Der Partikular Legatar, welcher die Schuld, wo⸗ mit das ihm vermachte Immöbel belaſtet war, ab⸗ getragen hat, tritt in die Rechte des Glaͤubigers ge⸗ gen die Erben und Univerſal Nachfolger ein. W Dem MitErben oder Univerſa Nachfolger, der durch die Wirkung der Hypotheken mehr als ſeinen Antheil an der gemeinſchaftlichen Schuld gezahlt hat, ſteht der Ruͤckgriff gegen die andern MitEr⸗ ben oder Univerſal Nachfolger blos für den Antheil zu, den jeder von ihnen perſoͤnlich davon zu tragen hat, ſelbſt in dem Falle, wo der MitErbe, der die Schuld bezahlt hat, ſich in die Rechte des Glaͤubi⸗ gers hätte einſetzen laſſen, jedoch ohne Rachtheil der Rechte eines MitErben, der durch die Rechtswohl⸗ that des Inventariums die Befugniß behalten hätte, Anmerkungen. blos, um Koſten zu verurſachen, die Prozeſſe zu ver⸗ vielfachen und den böſen Schuldnern Mittel an die Hand zu geben, die Zahlung zu verſchieben. Sie be⸗ fand ſich auch ſchon mit dem Rechts Grundſatz im offen⸗ baren Widerſpruch, daß der Erbe augenblicklich n die Stelle des Erblaſſers eintritt, und alle ſeine AktivRechte und Paſſiv Verbindlichkeiten erbt, eben ſo wie mit jenem, daß ein authentiſcher RechtsTitel durch den Tod des Schuldners nicht veraͤndert werden kann. — -* ——————— (102 die Zahlung ſeiner perſoͤnlichen Schuld wie jeder andere Glaubiger anzufordern. Art. CLXVI. Im Fall der Unzahlsfaͤhigkeit eines der MitErben oder Univerſa Rachfolger wird ſein Antheil an der HypothekarSchuld auf alle andere nach dem Maas⸗ ſtab ihrer Antheile vertheilt. Art. CLXVII. Die gegen den Verſtorbenen exekutoriſchen Rechts⸗ Titel, ſind gleichfalls gegen den Erben perſoͤnlich exekutoriſch. Doch ſoll nichtsdeſtoweniger der Glaͤu⸗ biger die Exekution derſelben nicht eher, als acht Ta⸗ ge nach der Zuſtellung dieſer Titel an den Erben in ſeiner Perſon oder an ſeinem Wohnort betreiben können. Art. CLXVIII. Sie können in jedem Falle und gegen jeden Gläu⸗ biger die Abſonderung des Vermoͤgens des Verſtor⸗ benen von dem Vermögen des Erben verlangen. Art. CLXIX. Das Recht kann jedoch nicht mehr ausgeubt werden, wenn in der den Verſtorbenen beſtehen⸗ den Aktivſchuld dadurch eine Renovation vorge⸗ gangen iſt, daß man den Erben zum Schuldner an⸗ genommen hat. (103 N Art. CLXX. Es verjährt ſich in Betreff der Mobilien durch den Ablauf von drei Jahren. Wegen Immöbel kann dieſe Klage ſolange erho⸗ ben werden, als ſie ſich in der Hand des Erben be⸗ finden. Art. CLXXI. Die Glaͤubiger eines Mittheilenden ſind nicht zu⸗ gelaſſen, die Abſonderung der verſchiedenen Vermö⸗ gen gegen die Glaͤubiger der Erbſchaft anzufordern. Art. CLXKII. Die Glaͤubiger eines Mittheilenden koͤnnen, um zu vermeiden, daß die Theilung nicht zum Betrug ihrer Rechte geſchehe, Oppoſition dagegen einlegen, daß auſſer ihrer Gegenwart dazu geſchritten werde; ſie haben das Recht auf ihre Koſten dazwiſchen zu kommen, aber ſie können eine vollzogene Theilung nicht angreifen, den Fall jedoch ausgenommen, wo man ohne ſie, und einer von ihnen eingelegten Op⸗ poſition zuwider dazu geſchritten wäre. Vierter Abſchnitt. Pon den Wirkungen der Theilung und der Garantie der Looſe. Ag t. CLXXIII. Jeder MitErbe wird ſo angeſehen, als habe er G104 allein und unmittelbar alle die in ſeinem Loos be⸗ griffenen oder ihm bei der Verſteigerung zugefalle⸗ nen Effekten geerbt, und nie das Eigenthum der an⸗ dern Effekten der Erbſchaft gehabt. Art. CLxxIV.“ Die MitErben ſind gehalten ſich gegenſeitig, die einen gegen die andern, wegen ſolchen Störungen und Evictionen, die aus einer der Theilung vorherigen Urſache herflieſſen, zu garantiren. Die Garantie hat nicht ſtatt, wenn die Art der erlittenen Eviction durch eine beſondere und aus⸗ druͤckliche Klauſel des Theilungs Aktes ausgenom⸗ men worden iſt; ſie hort auf, wenn der MitErbe die Eviction durch ſeine Schuld erleidet. Art. CLXXV. Jeder der MitErben iſt perſonlich verbunden, ſei⸗ nen MitErben fur den Verluſt, den ihm die Eviction verurſacht hat, nach Verhältniß lſeines Erbtheils zu entſchädigen. Wenn einer der MitErben unzahlsfähig iſt, ſo muß der Antheil, zu welchem er verbunden iſt, zwiſchen den, welchen die Garantie zukommt und allen zahlungsfähigen MitErben, gleich vertheilt werden. Art. CLXXVI. Die Garantie der Zahlungsfaͤhigkeit eines Schuld⸗ (105) ners einer Rente kann blos in den fünf auf die Thei⸗ lung folgenden Jahren verfolgt werden. Die Ga⸗ rantie wegen der Unzahlsfähigkeit des Schuldners findet nicht ſtatt, wenn dieſe erſt ſeit vollzogener Theilung eingetreten iſt. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Reſciſion im TheilungsGeſchaͤfte. Art. CLXXVII. Die Theilungen konnen wegen ſtatt gefundener Gewalt oder Argliſt wieder auſgehoben(rescindés) werden. Die WiederAufhebung kann ebenfalls ſtatt finden, wenn einer der MitErben eine Verletzung von mehr Anmerkungen. Fuͤlnfter Abſchnitt. Sum Art. 176 bis 182. Ohngeachtet die neue Ge⸗ ſezgebung die Reſciſion bei Verkaͤufen aufgehoben hat, hat man ſie bei den Theilungen beibehalten zu müſſen geglaubt, weil ihre Grundſätze verſchieden ſind. Der Verkaͤufer fordert den hoͤchſten Preiß; ber Käufer wuͤnſcht den geringſten zu geben. Sich ein⸗ ander fremd ſind ſie ſich auch nichts ſchuldig. Ihr Intereſſe, weit entfernt, gemeinſam zu ſein, iſt endge⸗ gengeſetzt. Der glucklichſte oder der geſchickteſte macht den beſten Handel. Es liegt kein hinlänglicher Grund vor, ſie zur Reſciſion zuzulaſſen, weil es das Weſen ihres Kontraktes iſt, ein kaufliches Ding in einem übereingekommenen Preiße zu übertragen und anzunebmen. Der Porwand, die Schadloshaltung einer Verletzung zu begehren, wurde koſtſpielige und E. 55 (106) als einem Viertheil zu ſeinem Nachtheil erweißt. Die bloße Auslaſſung eines Gegenſtandes der Erb⸗ ſchaft giebt nicht zu der Eröffnung einer Klage auf Reſciſion, ſonders blos zu einer Ergänzung des Thei⸗ lungs Aktes ſtatt. Art. CLXXVIII. Die Klage auf Reſeciſion wird gegen jeden Akt zu⸗ gelaſſen, der zum Gegenſtand hat, die Gemeinſchaft zwiſcthen MitEerben aufzuheben, wenn er auch Ver⸗ kauf, TauſchKontrakt, Vertrag oder auf jede an⸗ dere Art benannt wäre. Aber nach der Theilung oder nach dem Akt, welcher ihre Stelle vertritt, findet die Klage auf Reſciſion nicht mehr gegen den Ver⸗ Anmerkungen⸗ weitlaͤuftige Prozeſſe erzengen, die man in ihrem Urſprung erſticken muſte. Zudem hat man die Freiheit, zu verkaufen, aber nicht die, in Gemeinſchaft zu bleiben. Der Grund des Verkaufes iſt die Hoffnung eines Vortheiles, den jeder der Kontrahenten auf Unkoſten des andern ſucht. Der der Theilung iſt die Gleichſtellung. Die Theilung kann alſo ihrer Natur nach aufgehoben werden, denn es iſt nicht getheilt worden, wenn nicht jeder, wo nicht mathematiſch, doch bis auf ein gewiſ⸗ ſes Verhältniß gleichviel erhalten hat. Zum Art. 178. Allein wenn der erſte TheilungsAkt⸗ unter welcher Form man ihn auch verborgen haben mag, aufgehoben werden kann, ſo kann er es doch nicht mehr, ſobald ein zweiter Akt ihn gutgeheiſſen oder man über ſein Looß verfuͤgt hat, den einzigen Fall ausgenommen, wo ein Betrug ſtatt gefunden (107N trag ſtatt, welcher über die wirklichen Schwierig— keiten, welche der erſte Akt darbot, abgeſchloſſen worden iſt, ſelbſt wenn auch noch kein Prozeß uͤber die⸗ ſen Gegenſtand angefangen worden wäre. Art. CLXXIX. Dieſe Klage hat gegen den Verkauf nicht ſtatt, wo⸗ durch die andern MitErben oder einer von ihnen ei⸗ nem der MitErben ihre oder ſeine ErbRechte ohne Betrug auf ſeine eigene Gefahr verkauft hätte. Art. CLXXX. Um zu beurtheilen, ob eine Verletzung ſtatt ge⸗ Anmerkungen. haͤtte, der erſt nach der Veraͤuſſerung entdeckt wor⸗ den waͤre. Wenn man ihn vorher kannte, ſo hat man durch die Veraͤuſſerung auf das Recht verzichtet, ihn in Anſpruch zu nehmen. Zum Art. 179. Das Geſetz erlanbt ſolche Akte zwi⸗ ſchen Erben, welche in gutem Glauben über ihre ge⸗ genſeitigen Rechte nnterhandeln wollen. Es ertheilt ihnen nicht dieſelbe Kraft, wenn ſie zu Gunſten eines Fremden abgeſchloſſen worden ſind, oderwenigſtens er⸗ laubt es, wie wir weiter oben geſehen haben, den Erben, dieſe durch Zahlung des Ceſſions Preiſes zu ent⸗ fernen. Das Intereſſe der Familien kann oft erhei⸗ ſchen, Fremde in die haͤußlichen Geheimniſſe nicht eindringen zu laſſen, die oft Storung und Unruhe in die Geſchaͤfte bringen, und die blos ein Beweg⸗ grund des Intereſſes zum Ankauf der ErbRechte ver⸗ moͤgen konnte. G108 0 funden hat, ſchätzt man die Gegenſtaͤnde nach ihrem Werthe zur Zeit derTheilung ab. Art. CLXXXl. Der Beklagte bei der Klage auf Wieder Aufhe⸗ bung der Theilung kann ihren Lauf hemmen und ei⸗ ne neue Theilung verhindern, wenn er dem Klä⸗ ger die Ergänzung ſeines Erbtheils, entweder in Geld oder in Natur anbietet und leiſtet. Art. CLXXXII. Der MitErbe, welcher ſein Looß ganz oder zum Theil veräuſſert hat, iſt mit der Klage auf Reſci⸗ ſion wegen Gewalt oder Argliſt nicht mehr zuläſſig, wenn die von ihm geſchehene Veraͤuſſerung nach der Entdeckung des Betrugs oder, nachdem die Gewalt aufgehört hat, vorgenommen worden iſt. 3 w ei te. Anmerkungen. Zweiter Titel. Der Titel des CivilGeſetzbuches, welcher die Schenkungen zwiſchen Lebenden und die Teſtamente zum Gegenſtand hat, begreift alles, was den Men⸗ ſchen am lebhafteſten intereſſirt und ſeine Reigungen feſſelt. Er verfuͤgt uͤber ſein EigenthumsRecht, uͤber die Graͤnzen ſeiner Unabhaͤngigkeit in der Ausuͤbung dieſes Rechtes. Er legt die Grundlage der väterli⸗ chen Gewalt, und beſtimmt die Verhaͤltniſſe der Ver⸗ (109 Von Schenkungen zwiſchen Lebenden und von den Teſtamenten. Anmerkungen. wandten. Er entſcheidet, welche Freiheit in den Akten der Wohlthätigkeit, der Freundſchaft und der Dankbarkeit mit den Pflichten der Natur verein⸗ barlich iſt. Es iſt ſchwer, den, der gewoͤhnt iſt, ſich als den unumſchränkten Herrn ſeines Vermoͤgens anzuſehn, zu uberzeugen, daß er dadurch nicht eines Theils ſei⸗ nes EigenthumsRechtes beraubt wird, wenn man ihn, über die Quautität der Güter, uͤber welche er ver⸗ fuͤgen will, oder in Hinſicht auf die Perſonen, die der Gegenſtand ſeiner Znnejgung ſind, oder uͤber die Formen, worin er ſeinen Willen auszudruͤcken hat, gewiſſen Regeln unterwirft. Dies Gefuͤhl der Un⸗ abhaͤngigkeit in dem Gebrauch des EigenthumsRechtes gewinnt neue Stärke, je weiter der Menſch in ſeiner Laufbahn vorſchreitet. Die Natur und das Geſetz haben ihn zum Haupt und zum Vorſteher ſeiner Familie ernannt; er kann aber ſeine Rechte und Pflichten nicht ausuͤben, wenn er nicht die Mittel hat, die einen zu belohnen, die andern zu ſtrafen, und jenen, welche von der Natur oder dem Schickſal Unfälle erleiden, Unterſtuͤtzung zu verleihen. Dieſe Mittel befinden ſich in der guten Anwendung ſeines Vermoͤgens und einer der Gerech⸗ tigkeit und der Weisheit angemeſſenen Vertheilung. Der, welcher die Urheber ſeiner Tage verlohren hat und ſelbſt nicht ſo glücklich iſt, Vater zu ſein, glaubt noch mehr Recht zur Unabhaͤngigkeit in ſeinen Verfuͤgungen zu haben. Er hat blos den Regungen der Neigung und der Dankbarkeit zu folgen. Ha⸗ ben ſeine Verwandte die Bande zerriſſen, welche ſie vereinigen, ſo glaubt er keine Pflichten mehr gegen ſie zu haben. Vorzuͤglich am Ende ſeines Lebens beſchaftigt ſich der Menſch am lebhafteſten mit dem Schickſal von (110) Allgemeine Verfuͤgungen. Anmerkungen. jenen, die nach ſeinem Tod ſeine Stelle einnehmen ſollen. Dann ſieht er die Zeit voraus, wo er die guten Verwandten, gegen welche er Pflichten hat, nicht mehr von jenen wird unterſcheiden koͤnnen, die blos nach dem Beſitz ſeiner Guter ſtrebten. In die⸗ ſem Falle findet er ſeinen Troſt darinn, uͤber ſein Vermögen nach ſeinem Belieben zu verfuͤgen. Einige RechtsGelehrten haben den Einwurf gemacht, derjenige, welcher fuͤr eine Zeit verfuͤge, worinn er nicht mehr exiſtiren wird, uͤbe kein in der Natur gegruͤn⸗ detes Recht aus; es gebe kein Eigenthum, als in dem Beſitz, der mit dem Leben aufhoͤre. Der Uebertrag der Guͤter, nach dem Tode des Beſitzers, gehoͤre dem CivilGeſetz an, deſſen Zweck es iſt, den Unord⸗ nungen vorzubengen, welchen die Geſellſchaft noth⸗ wendig Preiß gegeben waͤre, wenn die Guter deſſel⸗ ben nunmehr die Beute des erſten Beſitznehmers wer⸗ den oder unter alle Glieder der Geſellſchaft zu glei⸗ chen Theilen getheilt werden ſollten. Sie behaup⸗ ten, die Erbfolge ab iotestat ſey die erſte und einzig geſetzliche Ordnung des Ueberganges der Guͤter nach dem Tod, und wenn der Menſch einige Macht ͤber dieſelbe noch nach ſeinem Tode ausuͤben ſollte, ſey es eine bloße Wohlthat des Geſetzes; dieſes trage ihm alsdann einen Theil ſeiner Gewalt über, mit Beſtimmung der Graͤnzen, die er nicht überſchreiten darf, und der Formen, denen er unterworfen iſt. Man koͤnne dem Willen des Menſchen den Uebertrag der Guͤter nicht uͤberlaſſen, da dieſer Wille nicht im⸗ mer geaͤuſſert werde, oft das Spiel der Leidenſchaf⸗ ten ſey, und, zu veraͤnderlich, nie hinlaͤnglich ſein könne, eine neue allgemeine Ordnung einzufuͤhren, welche die Erhaltung der Geſellſchaft erheiſcht und das Geſetz allein nach gerechten und einfoͤrmigen Re⸗ geln beſtimmen kann. Dies Syſtem wird von andern Publiziſten beſtrit⸗ ten, welche behaupten, daß es die Grundlagen der 6i Art. CLXXKIII Man kann uͤber ſeine Guͤter, ohne Erſatz(à titre Anmerkungen. geſellſchaftlichen Ordnung erſchuͤttere und die Grund⸗ ſaͤtze des Eigenthum Rechtes verletze. Sie glauben, dieſes Recht beſtehe weſentlich in dem Gebrauche, den jeder von dem, was ihm gehoͤrt, ma⸗ chen könne; wenn dieſe Verfügung, dieſer Uebertrag auch erſt nach dem Tode ſeine Wirkung haben ſolle, ſo ſey er doch nichtsdeſtoweniger waͤbrend dem Leben gemacht worden, und durch die Aufhebung des Rech⸗ tes, zu teſtiren, wuͤrde der Eigenthuͤmer zum bloſ⸗ ſen Nutznieſſer herabgeſetzt. In der Mitte dieſer Diskuſſion findet ſich eine Fuhrerinn, der man ohne Beſorgniß folgen kann; es iſt die Stimme der Natur, die bei allen Vol⸗ kern gehoͤrt und ſchier alle Geſetzgebungen angege⸗ ben hat. Die Bande des Bluts, welche die Familien verei⸗ einigen, werden durch die innere Zuneigung gebildet, die die Natnr in die Herzen der Verwandten ge⸗ legt hat. Die Energie dieſer Empfindung iſt ſtärker, je näher die Verwandſchaft iſt, und hat zwiſchen den Aeltern und ihren Kindern die hoͤchſte Kraft. Alle weiſe Geſeßgebungen haben die Ordnung dieſer Nei— gungen als die beſte Ordnung des Uebertrags der Guͤter angeſehen. Wenn aber das Geſetz blos den Regungen der Na⸗ tur zu folgen, und für den Uebertrag der Guͤter das Herz jedes FamilienGliedes allein zu Rath zu ziehen hat, ſo ſollte es gleichguͤltig ſcheinen, ob dieſer Ue⸗ bertrag durch den Willen des Menſchen oder die Macht des Geſetzes geſchieht. Allein es iſt nicht zu verkennen, wie vortheilhaft es iſt, dem Willen des Menſchen bis zu gewiſſen Schranken freien Raumzu laſſen. Das Geſetz kann blos die allgemeine Ord⸗ nnng der Familien zum Gegenſtand haben; ſeine Blicke können ſich weder auf jede von ihnen hinrich⸗ (112) gratuit) nicht anderſt als durch Schenkungen zwi⸗ Anm erkungen. ten, noch in ihr Inneres dringen, um die Huͤlfs⸗ mittel, das Betragen und die Beduͤrfniſſe jedes von ihren Gliedern zu erforſchen. Die Mittel hierzu ſtehn dem FamilienVater allein zu. Sein Wille wird alſo den beſonderen Beduͤrfniſſen und Vortheilen der Familie angemeſſener ſein. Es bleibt aber auf der andern Seite eben ſo nöthig, den Misbraͤuchen vorzu⸗ beugen, welche daraus entſtehen köunten, wenn man das Schickſal der Familien dieſem Willen ganz hin⸗ geben wollte. Nachlaͤſſigkeit, unvorhergeſehene Todesfalle koͤnnen die Aeuſſerung deſſelben verhindern, ungerechte Lei⸗ denſchaften koͤunen ihm eine boͤſe Richtung geben; allein in dieſem Falle darf das Geſetz ſich nur in ſe weit an die Stelle des Familien Vaters ſetzen, um ſein. Auslaſſung und ſein Unrecht zu verbeſſern. Iſt der Willen nicht ausgedruͤckt worden, ſo hat das Geſetz keine neue Regel aufzuſtellen: es ahmt alsdann das nach, was die Verwandten ſelbſt der natürlichen Ordnung ihrer Neigungen zufolge gethan haben wuͤrden. Iſt dies anch nicht der erklärte Wil⸗ le des Erblaſſers ſo iſt es doch immer ſein vermuth⸗ licher, und dieſe Vermuthung wird durch ſein Still⸗ ſchweigen noch bekräftet. Wenn der Ausdruck des Willens aber mit der Ver⸗ nunft im Widerſpruch ſteht; er hat, ſtatt das ſchoͤn⸗ ſte Recht der Natur auszuüben, dieſelbe beleidigt, ſo hat das Geſetz wieder keinen andern Zweck, als die⸗ ſen Willen von dem Einfluß ſchaͤdlicher Leidenſchaften zu befreien, und ihn blos in ſo weit beſtehen zu laſſen, als er vernuͤnftig iſt. Es vernichtet jene ubertriebene Freigebigkeit nicht, ſondern reduzirt ſie blos; der Wille bleibt in allem, was er mit der öf⸗ fentlichen Ordnung vertraͤgliches hat, beſtehn. Die Vefugniß, uͤber ſeine Guͤter zu verfuͤgen, mag nun eine Wohlthat des Geſetzes oder die Aus⸗ ubung des EigenthumsRechtes ſein, ſo iſt das gleich⸗ G113 ſchen Lebenden oder durch ein Teſtament in den hier⸗ nach beſtimmten Formen, verfuͤgen. Anmerkungen. gultig, vorausgeſetzt daß das Geſetz den eben ent⸗ wickelten Grundſätzen nicht zuwiderlaͤuft. Wäre es anders, hätte der Geſetgeber aus politiſchen Gruͤn⸗ den die durch die Natur für die Uebertragung der Guͤter angedeutete Ordnung verändert, oder die Be⸗ fugniß zu verfügen in zu enge Gränzen beſchränkt, ſo wäre es gleich laͤcherlich, zu behanpten, daß dieſe ſo beſchraͤnkte Befugniß noch eine Wohlthat ſey, oder daß unter der Herrſchaft eines ſolchen Geſetzes eine freie Ausübung des EigenthumsRechtes ſtatt finde. Hierzu kommt noch, daß das Syſtem, welches unter weiſen Beſchrankungen die freie Verfügung der Guter erlaubt, allen RegierungsFormen, die ganz despoti⸗ ſchen ausgenommen, am beſten anpaßt. Wenn die Familien ein politiſches Intereſſe haben werden, daß die Vertheilung der Guͤter Modifikationen er⸗ halte, ſo wird auf der einen Seite dieſes Intereſſe ſeinen Einfluß auf die Berechnungen des Familien⸗ Vaters haben, und auf der andern wird ſein Ehr⸗ geitz oder ſeine Eitelkeit von Pflichten beſchränkt wer⸗ den, deren Ueberſchreitung das Geſetz ihm nicht er⸗ laubt. Das Geſetz aber, welches dem Ehrgeiz die Leich⸗ tigkeit geſtatten würde, dieſe Pflichten aufzuopfern, wäre zerſtoͤrend füt die Familien und konnte in kei⸗ ner Hinſicht gut ſein. Noch muß man bemerken, daß das CivilGeſetz, welches ſich am wenigſten von dem NaturGeſetz ent⸗ fernt, ſchon dadurch, daß es ſich den verſchiedenen RegierungsFormen am beſten anſchmiegt, auch das⸗ lenige iſt, welches das EiganthumsRecht auf die feſte⸗ ſten Grundlagen begründet, und es vor den Stuͤrmen der Revolution ſchuͤtzt. Da die Befugniß zu verfuͤgen, innerhalb gewiſſen Schtanken gehalten, ſo große Vortheile darbietet, ſo iſt es nicht zu verwundern daß wir ſie ſchier in allen 8 (114N Art. CLXXXIV. Die Schenkung zwiſchen Lebenden iſt ein Akt, wodurch der Schenkgeber ſich auf der Stelle und unwiderruflich der geſchenkten Sache zu Gunſten des Schenknehmers begiebt, welcher dieſelbe an⸗ nimmt. Anmerkungen. Geſetzgebungen wiederfinden. Die älteſten Denkmaͤ⸗ ler der Geſchichte liefern Beweiſe von dem Gebrauch der Teſtamente, deren Urſprung ſich in der Nacht des Alterthums verliert. Wir finden ſie bei den Aegyptiern, zu Lacedamon, Athen, und ganz Griechen⸗ land; die Roͤmer ſtellten dreihundert Jahre nach der Gruͤndung der Stadt nach ihrem Beiſpiel die Regel auf: Patcr familias, uti legassit super tamilià pecuniaque sua, jus esto. Die Gallier kannten die Teſtamente noch eher, als das römiſche Recht; Markulf hat die bei ihnen üͤblichen Formen aufbewahrt. Alle Völker Europas haben die Befugniß, zu verfuͤgen, in ihre Geſetzgebungen aufgenommen. Nachdem wir dieſen allgemeinen Grundſaß uͤber den uebertrag der Guter entwickelt haben, bleibt uns nur ubrig, die Folgerungen daraus zu ziehen. Der erſte Titei enthält diejenigen, welche auf die Guter ſolcher Perſonen Bezug haben, die ohue VPer⸗ fügung verſtorben ſind. Es hleibt nur noch der Theil zu beſtimmen, der die Schenkungen unter Le⸗ benden und die Teſtamente betrifft. Allgemeine Verfuͤgungen. Zuerſt muſte man die allgemeinen Grundſätze auf⸗ ſtelen, nachher den Betrag der Guͤter beſtimmen, die der freien Verfuͤgung uͤberlaſſen bleiben, und eudlich die Formen beſtimmen, welche den Willen des Verfuͤgenden konſtatiren und ſeinen Vollzug verſichern follen. Dies iſt der allgemeine und einfache Plan dieſes Geſetzes. 01150 Art. CLXxxxV. Das Teſtament iſt ein Akt, wodurch der Teſta⸗ tor fuͤr die Zeit, wo er nicht mehr exiſtiren wird, uͤber ſein ganzes Vermögen oder einen Theil deſ⸗ ſelben verfuͤgt, und welchen er wiederrufen kann. Art. CLXXXVI. Die Subſtitutionen ſind verboten. Anmerkungen. An der Spitze deſſelben finden wir einige Regeln welche auf alle Gattungen von Verfügungen an⸗ wendbar ſind. Sum Art. 183. Der erſte Artikel beſtimmt die Art, auf welche man ohne Erſatz über ſeine Guter verfuͤ⸗ gen kann. Sie iſt nur zweierlei; Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden und Teſtamente. Der Unterſchied bei letzten Willens Meinungen zwiſchen Teſtamenten, Co⸗ dizillen oder Schenkungen des Todes ha ber iſt auf⸗ gehoben; es giebt keine andere mehr als Teſtamente. Zum Art. 186. Die meiſten dieſer allgemeinen Be⸗ merkungen beduͤrfen keiner Entwickelung. Bloß die des gegenwaͤrtigen Artikels, die wichtigſte unter al⸗ len, welche die FideiCommiß Subſtitutionen fuͤr im⸗ mer verbietet, gab zu einer Unterſuchung Anlaß. Dieſe Art von Verfuͤgung, von welcher wir in der römiſchen Geſetzgebung die erſten Spuren finden, war in den Zeiten der Republik unbekannt⸗ Der Familien Vater konnte damals ſein Vermögen nach unbeſchraͤnkter Willkühr vertheilen. Allein er hatte nicht die Macht, willkuͤhrlich eine eigene Erb⸗ folge zu beſtimmen, und ſo ſeine Nachfolger der kom⸗ menden Generationen deſſelben Vorrechts zu beran⸗ ben, deſſen er genoß. Die Argliſt erfand zuerſt die Subſtitutionen; der Ehrgeiz hat ſie zu ſeinen Pla⸗ „ (116) Jede Verfugung, wodurch der Schenknehmer, der eingeſetzte Erbe oder Legatar verpflichtet . Anmerkungen. nen benutzt und verewigt. Man hatte zuerſt dadurch Perſonen zu beguͤnſtigen geſucht, welche zur Erbfolge unfaͤhig waren; nachher diente daſſelbe Mittel eine fortwahrende Erbfolge ſelbſt zu Gunſten derjenigen zu bewirken, weiche von dem Geſetz nicht ausge⸗ ſchloſſen waren. Erſt unter Auguſt, im achten Jahr⸗ hundert ſeit der Gruͤndung Roms wurden die Fi⸗ deiCommiſſe zu Gunſten erbfaͤhiger Perſonen erlaubt. In Frankreich hatten zehn Herkommen, die ungefähr einen Fuͤnftheil ſeines alten Gebiets regierten, die Subſtitution verboten oder ſehr beſchraͤnkt; im gan⸗ zen übrigen Theil des Staates war ſie anfangs ſo unbedingt, wie bei den Römern, erlaubt. Da man aber bald empfand, wie wenig dieſe Befugniß, in jeder Familie, ja ſelbſt fuͤr jede Gattung von Guͤtern eine beſondere, ihr eigene, Erbfolge zu beſtimmen, mit dem allgemeinen Intereſſe der Geſellſchaft ver⸗ einbar waͤre, ſo beſtimmte die Ordonnanz von 1560, daß alle, welche kuͤnftighin gemacht werden wuͤrden, zwei Grade nicht uͤberſteigen duͤrften. Dieſes PalliativMittel half aber den Misbraͤu⸗ chen keineswegs ab. Die Erfahrung hat bewieſen, daß dieſe Inſtitution, deren Zweck es war, ein Glied der Familie durch die Beraubung aller uͤbri⸗ gen zu bereichern, in den reichen Familien ein be⸗ ſtändiger Zankapfel war. Die zahlreichen und be⸗ duͤrftigen Verwandten, welche aufgeopfert worden waren, ſuchten ihr einziges Hülfsmittel in den Strit⸗ tigkeiten, die ſie uͤber die Deutung des Willens, uber den Antheil, den ſie von den ſubſtituirten Guͤtern abzuziehen berechtigt waren, uber die Auslaſſung oder die unregelmäſigkeit der Formen erhuben. Jeder, der ſolche Guͤter beſaß, hatte als bloßer Nuznieſſer kein Intereſſe die Guͤter zu verbeſſern, er ſuchte im Gegentheil auf alle Art augenblicklichen Vortheil daraus zu ziehen, zum groſſen Nachtheil der folgen⸗ (117N wird, einem dritten(das Geſchenk, die Erbſchaft oder das Legat) aufzubewahren und zuruͤckzuerſtat⸗ Anmerkungen. den Beſitzer, welche ebenfalls blos zu neuen Auſſau⸗ gungen ihre Zuflucht nahmen. Ein große Maſſe von Eigenthum war zudem dem Umſchlag entzogen; die Ordonnanz von 1560 hatte ihre Wirkung ganz verfehlt. Alle die, welche einmal auf Unkoſten ihrer Geſchwiſter aller Prarogative eines groſſen Namens und eines bedeutenden Vermoͤgens genoſſen hatten, fehlten nicht, dieſelbe Verfugung zu errinnern, und wenn jede dieſer Subſtitutionen auf gewiſſe Grade beſchraͤnkt war, ſo waren ſie durch die ſteten Erneuerunzen nichtsdeſtoweniger fortwährend. Die, welche ſchon mit dem Raub ihrer Familie be⸗ reichert waren, bedienten ſich oft deſſelben Mittels, um ihre Gläubiger zu ſprengen. Ein großer Auf⸗ wand ließ großen Reichthum vorausſetzen; der Glaͤu⸗ biger, der die EigenthumsTitel ſeines Schuldners nicht unterſuchen konnte oder vernachläſſigte, es zu thun, ward das Opfer ſeines Zutrauens; und oft war jede Generation einer Familie, die durch die Sub⸗ ſtitutionen die ungeheurſten Beſitzthuͤmer erhielt, durch einen ſchandlichen Bankerut bezeichnet. Die Subſtitutionen erhielten nur dadurch einer Fa⸗ milie ihre Güter, daß ſie alle Glieder dem Glanz eines derſelben aufopferten. Eine ſolche Vertheilung kann nicht ſtatt finden, ohne nach und nach alle Re⸗ gungen jener natürlichen Zuneigung zu erſticken, welche der erſte Grundſatz des Uebertrags des Ver⸗ mögens unter Verwandten iſt. Es giebt keinen groͤſ⸗ ſern Fehler in der innern Organifation der Familien, als alle ihre Glieder in der Niedrigkeit zu erhalten, um einem einzigen eine glänzende Eriſtenz zu ver⸗ ſchaffen, und die, welche die Natur ale gleich erſchuf, in die traurige Nothwendigkeit zu verſetzen, die Wohlthätigkeit des Beſitzers eines Vermogens anzu⸗ ſlehen, welches ihnen gemeinſchaftlich angehoͤren ſollte; 61185 ten, iſt ſelbſt in Hinſicht auf den Schenknehmer, den eingeſetzten Erben, oder den Legatar nichtig. Art. CLXXAVII. Von dem Fall des vorhergehenden Artikels ſind die Verfugungen ausgenommen, welche den Ael⸗ tern und Geſchwiſtern im fuͤnften Kapitel des ge⸗ genwärtigen Titels erlaubt ſind. Art. CLXXXVIII. Die Verfuͤgung, wodurch ein Dritter berufen waͤre, vas Geſchenk, die Erbſchaft oder das Legat in dem Falle zu empfangen, wo der Schenkneh⸗ Anmerkungen. zumal da ein Reichthum, deſſen Urſprung ſo ungerecht iſt, ſelten Geſinnungen der Wohlthaͤtigkeit einfloßt. Wenn endlich die Subſtitutionen in die Zahl der vo⸗ litiſchen Inſtitutionen gehoͤren, ſo hat man hinlaͤng⸗ lich und auf eine weniger Misbräuchen unterworfene Art für dieſen Zweck geſorzt, indem man den Ver⸗ fügungen jeder Urt alle, mit den Pflichten der Natur vereinbarliche Freiheit, gelaſſen hat. Zum Art. 188. Man muß inzwiſchen nicht auſſer Acht laſſen, was das Geſetz unter Eubſtitutionen verſteht, naͤmlich nichts, als die ehemaligen FideiCommiſſe. Ich ſchenke oder vermache dem Peter einen Gar⸗ ten, unter der Verbindlichkeit ihn dem Paul zu hin⸗ terlaſſen. Eine ſolche Verfuͤgung iſt nichtig, ſelbſt in Hinſicht auf den Peter. Wenn ich aber fuͤr den Fall, wo Peter das Gut nicht antreten würde oder wollte, ſey's, weil ich ihn uͤberleben wuͤrde, oder, weil er zur Erbſchaft unfähig geworden wäre, oder weil er ſie ausgeſchlagen hätte, den Paul zum (119 mer, der eingeſetzte Erbe oder der Legatar es nicht empfangen würden, ſoll nicht als Subſtitution an⸗ geſehen werden, und guͤltig ſein. Art. CLXXRIX. Ein gleiches gilt von der Schenkung zwiſchen Lebenden oder dem Teſtament, wodurch dem einen die Ruznieſſung, und dem andern das bloße Eigen⸗ thum gegeben wird. Art. CXC. Bei jeder Verfuͤgung zwiſchen Lebenden oder durch ein Teſtament werden die unmöglichen Bedingniſſe, Anmerkungen. Schenknehmer oder Legatar einſetze, ſo iſt dieſe Ver⸗ fügung guͤltig. Sie war ehedem unter dem Namen, substitutio vulgaris bekannt, und man hatte keinen Grund ſie nicht beizubehalten, da bei derſelben zwi⸗ ſchen dem Schenkgeber oder Leſtator, und dem welcher das Vermächtniß erhaͤlt, ſich kein Dritter in der Mitte beſindet. Zum Art. 190. Man kann unbedingt und ohne wei⸗ teres oder aber unter gewiſſen Bedingungen ver⸗ fuͤgen. Derjenige zu deſſen Gunſten die Verfü⸗ gung geſchieht, iſt verbunden die Bedingungen zu erfuͤllen, wenn er der Wohlthaten der Verſcigung genieſſen will. Sind aber unter den Bedingungen ſolche, die der Natur der Dinge nach unmoglich zu erfuͤllen ſind, oder den Geſeßen oder Sitten zuwiderlaufen, ſo wer⸗ den dieſe Bedingungen als nicht geſchrieben ange⸗ ſeben. Der Akt, von welcher Gattung er auch immer ſein mag, Schenkung oder Teſtamenr, bleibt nichtsdeſtoweniger in ſeiner Kraft und Wirkung. 2 5 3 . 5 6 . 4 (120) die, welche den Geſetzen und guten Sitten zuwider⸗ laufen, ſo angeſehen als ſtuͤnden ſie nicht geſchrieben. Erſtes Kapitell. Von der Faͤhigkeit, durch Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden oder durch Teſtamente zu verfuͤgen oder zu erhalten. Art. CRCl. um eine Schenkung zwiſchen Lebenden, oder ein Anmerkungen. Erßtes Kapitel. Sum Art. 191. Dieſer Artikel hat beim erſten An⸗ blick etwas auffallendes. Muß man den nicht für alle Akte bei geſunder Vernunft ſein? Wenn man es in dieſem Falle beſonders zur Bedingung macht, muſte man dann dieſen Grundſatz nicht organiſiren? Welcher Beweiß ſoll zugelaſſen werden, um die Er⸗ fuͤllung deſſelben zu erproben? Dies ſind die Fragen welche man in dieſer Hinſicht aufgeworfen hat, und folgendes die Gruͤnde, welche den Geſetzgeber bewo⸗ gen, ihn ſo unbedingt in das Geſetz aufzunehmen. Die Freiheit der Vernunft und das vollkommenſte Bewuſtſein ſind vorzüglich zu den Verfuͤgungen, von welchen hier die Rede iſt, erforderlich. Oft verfügt der Menſch, zumal durch Teſtamente, erſt in ſei⸗ nen letzten Augenblicken. Wie viel Gefahren drohenals⸗ dann dem Kranken, und nur zu oft ſucht die argliſtige Habſucht ſeine BeurtheilungsKraft zu feſſeln. Fuͤr den Fall des Bloͤdſinns hat zwar das Geſetz geſorgt, wenn er gerichtlich anerkannt iſc, oder die Verfuͤgung ſelbſt die Spuren deſſelben enthaͤlt. Allein der Bloͤd⸗ ſinn iſt eine fortwaͤhrende Beraubung der Vernunft; man kann aber oft nicht bei Verſtand, und doch augenblicklich der Vernunft heraubt ſein. Ein nicht luterdizirtes Individuum kann einen Akt gemacht * (121) Teſtament zu machen, muß man bei geſunder Ver⸗ nunft ſein. Anmerkungen. haben, der alle äuſſere Zeichen der Freiheit an ſich traͤgt, während nichtsdeſtoweniger ſein Wille oder ſein Verſtand ſich in ſolch' kritiſchen Verhalt⸗ niſſen befand, daß man ſich unmoͤglich uͤberzeugen kann, daß er einer vollen Freiheit der Vernunft ge⸗ noſſen habe. Wenn z. B. ein Habſüchtiger die Fie⸗ berhitze eines Kranken benutzt haͤtte, um eine Ver⸗ fuͤgung zu ſeinem PVortheil zu erſchleichen, ſollte die⸗ ſer den Vortheil derſelben benutzen können. Welches ſollte aber die Art des Beweiſes ſein? Die Kotarien und Zeugen wuͤrden allerdings den Willen des Geſetzes verkennen, und ſich einer großen Nach⸗ läſſigkeit ſchu dig machen, wenn ſie nicht damit an⸗ fangen wuͤrden, ſich von der geſunden Vernunft des Verfüͤgenden zu uͤberzeugen, und ſie werden, ohn⸗ geachtet das Geſetz es nicht geradezu befiehlt, immer fortfahren in ihren Akten zu bemerken, daß der Ver⸗ fuͤgende ihnen bei geſundem Verſtande ſchien. Allein die Notarien und Zeugen können unmoͤglich Richter dieſes Zuſtandes ſein. Das Geſetz konnte in einer Materie, wo alles von immer veränderten Umſtaͤnden abhaͤngt, keine beſtimmte Regel aufſtellen, ſondern muſte die Anwendung des Geſetzes platterdings den Tribunalien uͤberlaſſen. Die Richter werden nichtsdeſtoweniger fühlen, wie gefaͤhrlich es ſein wur⸗ de, freventliche Reklamationen gegen Akte zuzulaſ⸗ ſen, deren Vollzug der erſte Wille des Geſetzes iſt. Sie werden nicht ermangeln ſich gegen die Kabale des perſoͤnlichen Intereſſe's in Acht zu nehmen, und ein ſolches Mittel blos dann zulaſſen, wenn ent⸗ ſcheidende und peremptoriſche Umſtande ihnen die mo⸗ raliſche und geſetzliche Ueberzeugung gewähren, daß der Verfuͤgende wuͤrklich den freien Gebrauch ſeiner Vernunft nicht hatte. (122) Art. CXClI. Federmann, die Perſonen allein ausgenommen, welche das Geſetz dazu unfähig erklärt, kann ſo⸗ wohl durch Schenkungen zwiſchen Lebenden als durch Teſtamente verfuͤgen und erhalten. Art. CXClII. Der Minderjahrige, der junger als ſechszehn Anmerkungen. Zum Art. 102. Dieſer Grundſaßz iſt auf alle Perſo⸗ nen anwendbar, welche den Gennß der CivilRechte haben. Die Uufähigkeit iſt ein Zufall, Es giebt alſo keine, als die welche von dem Geſetz ausdruͤck⸗ lich beſtimmt iſt, und natuͤrlich in die abſolute und relative zerfallt. In die erſte Klaſſe deren, welche zu verfuͤgen unfaähig ſind, gehören 1) die Minderjaͤhri⸗ gen unter 16 Jahren, 2) die Interdizirten; in die zweite 1) die Minderjährigen über 16 Jahre: 2) die verheuratheten Weiber. In Hinſicht auf die Unfaͤ⸗ higkeit zu empfangen gehoͤren in die erſte 1) das Weſen, welches nicht exiſtirt, 2) der Vormund vor Abſchluß ſeiner Rechnung; in die zweite 1) die na⸗ türlichen Kinder 2) Aerzte, Wund Aerzte, Avotheker und Diener des Kultus 3) Hospitien und offentliche Anſtalten, 4) die Fremden. Zum Art. 193 u. 194. Was die Interdicirte detrifft, ſo haben die Artikei 496 und 499 des 2ten Kapi⸗ tels des 11ten Titels des 1ten Buchs(Theil 1. S. 324 n. 326) dieſelben ohne Mückſicht auf lichte Augen⸗ blicke den Minderjaͤhrigen gleichgeſetzt. Was dieſe letzte betrifft, ſo muß der, der uber ſein Vermögen verfuͤgen will, auch zu dem Alter ge⸗ langt ſein, wo Nachdenken und Kenntniſſe ſeine Ver⸗ fügungen leiten können. Das Geſetz kann freilich in dieſer Hinſicht blos Vermuthungen aufſtellen; es hatte zwiſchen zweien die Wahl: zwiſchen der⸗ die G 123N Jahre iſt, kann gar nicht verfügen, vorbehaltlich jedoch deſſen, was im Bten Kapitel: von den Schenkungen zwiſchen Ehegatten, be⸗ ſtimmt iſt. Art. CXCIV. Der Minderjaͤhrige, welcher das Alter von ſechs⸗ Anmerkungen. aus einer beſtimmten Anzahl von Jahren entſpringt, und der, welche die Emancipation gewaͤhrt. Meh⸗ rere Beweggrunde ſtimmten fuͤr die erſte. Die Ael⸗ tern können ihr Kind mit 15 Jahren emancipiren. Man geſtattete ihnen dieſes Recht, weil man dar⸗ auf rechnete, daß ihre Zärtlichkeit fortfahren wuͤrde, die Handlungen des Emancipirten zu leiten, der in einemn ſo zarten Alter unmöglich die dazu nothige Erfahrung beſitzen kann. Deshalh kann auch der älternloſe Minderjahrige erſt mit 18 Jahren eman⸗ cipirt werden. Das echt zu verfugen muß aber durch einen eigenwilligen, unabhaͤngigen Akt ausgeuͤbt werden. Dieſen Willen, auf welchen Aeltern und Vormünder keinen Eiufluß haben duͤrfen, konnte man aber nicht bei einigen Minderjährigen mit 15, bei andern erſt mit 18 Jahren als vernuͤnftig vorausſetzen. Dieſer Wille wäre ferner nicht unabhaͤngig gewe⸗ ſen, hätte ein Minderjaͤhriger ihn nur in dem Falle ausuͤben können, wo er emancipirt geweſen waͤre; die Furcht, er moͤge dem Intereſſe der Aeltern zuwiderlan⸗ fende Verfuͤgungen treffen, hätte oft ein Hinderniß der Emancipation ſein koͤnnen. Uebrigens hat im gegen⸗ wärtigen Zuſtande der Civiliſation ein Minderjähri⸗ ger von 16 Jahren einen hinlaͤnglichen Unterricht erhal⸗ ten, um ſeine Pflichten gegen ſeine Aeltern zu ken⸗ nen. Sein Wille mag daher mit dieſem Alter reif genug ſein, um, nicht über ſein ganzes Vermögen⸗ ſondern über die Hälfte der Güter, deren Verfuͤgung dem Großlährigen freiſteht, verfüͤgen zu koͤnnen. G1240 zehn Jahren erreicht hat, ſoll nicht anderſt als durch ein Teſtament verfuͤgen können, und blos bis zur Conkurrenz der Hälfte des Vermögens, woru⸗ ber das Geſetz dem Großjährigen zu verfugen er⸗ laubt. Art. CXCV. Das verheurathete Weib ſoll keine Schenkung zwiſchen Lebenden ohne den Beiſtand oder die be⸗ ſondere Einwilligung ihres Mannes, oder ohne da⸗ zu von Gerichtswegen, in Gemäßheit der Verfuͤ⸗ Anmerkungen. Man hat jedoch einen gerechten Unterſchied zwi⸗ ſchen den Schenkungen zwiſchen Lebenden und den Te⸗ ſtamenten zu machen. Die Vermuthung, duß die von dem Minderjaͤhrigen fuͤr die Zeit nach ſeinem Tode gemachte Verfuͤgung durch die Grundſätze der Vernunft geleitet wuͤrde, war auf die Schenkungen zwiſchen Lebendenden, wodurch der Minderjährige ſein Vermoͤgen fuͤr immer hingeben würde, nicht an⸗ wendbar. Eine ſolche Befugniß würde dem Grund⸗ ſatz zuwiderlanfen, nach welchem er nicht einmal den geringſten Theil ſeiner Güter verauſſern darf. Das Geſeßz befuͤrchtet, daß bei Schenkungen unter Leben⸗ den der Minderjaͤhrige zu leicht das Opfer ſeiner Leidenſchaften werden moͤge. Bei teſtamentariſchen Verfuͤgungen wird ihn die Auſſicht oder die Annä⸗ berung des Todes mit dem Gefühl der Pflichten der Natur oder der Dankbarkeit durchdringen. Zum Art. 195. Siehe Theil 1. Seite 149. Es iſt hier wohl zu bemerken, daß das Weib ohne die ge⸗ ſetzliche Ermächtigung ſelbſt dann keine Schenkung unter Lebenden vornehmen kann, wenn ſie mit ihrem Manne in keiner Gemeinſchaft der Guͤter lebt, oder 01150 gungen des Artikel CCXXl. und CCXRIIl. im Ti⸗ tel: von der Ehe ermächtigt zu ſein, machen können. Es bedarf weder der Einwilligung des Mannes, noch der gerichtlichen Ermächtigung, um durch ein Teſtament zu verfuͤgen. Art. GXCVI. Um faͤhig zu ſein, durch einen Akt zwiſchen Le⸗ benden(etwas) zu erhalten, gnuͤgt es, im Augen⸗ blick der Schenkung empfangen zu ſein. um faͤhig zu ſein, durch ein Teſtament(etwas) zu erhalten, gnuͤgt es, zur Zeit des Sterbfalls des Teſtators empfangen zu ſein. Die Schenkung und das Teſtament ſollen nichtsdeſtoweniger ihre Wir⸗ kung blos in ſo weit haben, als das Kind lebens⸗ fähig zur Welt kommt. Art. CXEVIR Der Minderjährige ſoll, ſelbſt wenn er das Alter Anmerkungen. wenn dieſe Gemeinſchaft durch Urtheile oder ſelbſt die Trennung von Tiſch und Bett aufgehoben waͤre. Siehe in dieſer Hinſicht die Ver⸗ fuͤgungen bes obenangefuͤhrten Titels, ſo wie den Art. 305., Kapitel 5. des 11ten Titels des Iten Buchs.(Seite 204 des erſten Theiles.) Zum Art. 197. Es iſt aber nicht hinlaͤnglich, daß (126) von ſechzehn Jahren erreicht hat, nicht einmal durch ein Teſtament zum Vortheil ſeines Vormundes ver⸗ fuͤgen koͤnnen. Der großiahrig gewordene Minderjährige, ſoll zum Vortheil deſſen, der ſein Vormund war, we⸗ der durch Schenkung zwiſchen Lebenden, noch durch ein Teſtament verfuͤgen können, wenn nicht die end⸗ liche Vormundſchafts Rechnung vorher abgelegt und abgeſchloſſen worden iſt. Anmerkungen. der Wille des Verfuͤgenden gewiß ſey, erdarfauch nicht durch die Gewalt erzwungen worden ſein, die der, zu deſſen Gunſten verfügt wird, über die Ver⸗ nunft des Schenkgebers gehabt haben konnte. Eine ſol⸗ che Gewalt hat z. B. der Vormund uͤber ſeinen Pupil⸗ len, und um unzahligen Misbrauchen vorzubengen⸗ ſah das Geſetz ſich zu obigen Verfügungen gezwun⸗ gen. Man mnuſte den Vormuͤndern ebenfalls die Hoffnung benehmen, ſich mittelſt ſolcher Verfuͤgun⸗ gen, die ſie von ihren großjährig gewordenen Pu⸗ pillen erſchleichen könnten, von der Verbindlichkeit der Rechnungs Ablage zu befreien. Alle Rechte der Minderjahrigkeit laufen ſelbſt fur den Großlaͤhrigen noch gegen ſeinen geweſenen Vormund, bis zu dem Augenblick bis er ſich dieſer Pflicht entledigt hat, auf welche der Minderjährige nicht verzichten darf. Dieſe Regel wuͤrde gber nur zu oft umgangen wet⸗ den, wenn eine Verfuͤgung unter Lebenden oder ein Leſtament die Rechnung des Vormundes unnöthig machen konnte. Wenn man die Aszendenten ausgenommen hat⸗ ſo iſt es, weil man bei einer Verfügung zu ihren Gunſten eber die kindliche Liebe gls den Misbrauch ihres Anſehns als die Triebfedet derſelben vermu⸗ then konnte. G1275 In den beiden obigen Fällen ſind die Aszendenten der Minderjährigen ausgenommen, welche ihre Vor⸗ muͤnder ſind oder geweſen ſind. Art. CXCVIII. Die natuͤrlichen Kinder koͤnnen, weder durch Schenkung zwiſchen Lebenden noch durch ein Te⸗ ſtament, nichts auſſer dem empfangen, was ihnen im Titel: von den Erbſchaften bewilligt iſt. Art. GXCIX. Die Doktoren der Arzneikunde oder Chirurgie, die Geſundheits Beamten und Apotheker, welche ei⸗ Anmerkungen. Zum Art. 198. Jeder, erbfähige Verwandte, ſchließt ſie von jedem Antheil der Erbſchaft aus, denjenigen ausgenommen, den das Geſetz ihnen ausdrücklich be⸗ wihigt. Die den Ehen geſchuldete Aufmunterung erfordert, daß die natuͤrlichen Kinder nie derſelben Vorrechte wie die ehelichen, vor ihren ubrigen Ver⸗ wandten genieſſen können. Es bedarf hier nicht noch⸗ mal bemerkt zu werden, daß die Früchte einer ehe⸗ brecheriſchen oder blutſchänderiſchen Umarmung, in dem ſeltnen Falle, wo deren in Gefolge einer Nullität der Ehe, einer Verlaͤugnung des Vaters, oder einer ungeſetzlichen Anerkennung entdeckt werden koͤnnten, in keinem Falle mehr als Alimente durch ein Teſta⸗ ment erhalten konnen. Zum Art. 100. Die Unfaͤhigkeit, zu empfangen, welche aus der Profeſſion herfließt, war ehedem der Gegenſtand großer Strittigkeiten und von mancherlei Verfügungen. Allen Misbraͤuchen iſt wohl nicht vorzu⸗ bengen. Der Geſetzgeber hat ſich daher in einfr ſo C18 ne Perſon waͤhrend der Krankheit, woran ſie ſtirbe, behandelt haben, ſollen von den Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden oder den teſtamentariſchen Verfuͤgun⸗ gen keinen Vortheil ziehen können, die ſie während dem Laufe dieſer Krankheit zu ihren Gunſten ge⸗ macht häͤtte. Ausgenommen ſind: 1) die beſondern Verfuͤgungen, welche zu Vergel⸗ tung der geleiſteten Dienſte mit Hinſicht auf das Vermögen des Verfuͤgenden und dieſe Dien⸗ ſte gemacht worden ſind. 2) Die UniverſalVerfuͤgungen im Falle der Ver⸗ wandſchaft bis zum vierten Grad einſchließlich, vorausgeſetzt jedoch, daß der Erblaſſer keine Anmerkungen. uſſerſt belikaten Materie darauf beſchräukt, ſich ei⸗ ne beſondere Wachſamkeit uͤber die Verfügungen vor⸗ zubehalten, die der Kranke in der Krankheit, an welcher er ſtirbt, zu Gunſten der Perſonen machen könnte, die in dieſem Augenblick der phyſiſchen Schwäche den meiſten Einfluß auf ihn haben. Des⸗ wegen ſind unter gewiſſen Veſchraͤnkungen die Ver⸗ fugungen null, die er zu Gunſten derjenigen machen konnte, welche ihm durch ihre Kunſt oder die Tro⸗ ſtungen ſeines Glanbens Ruhe und Hoffnung ver⸗ ſchafft und dadurch ſein Herz gewonnen haben könnten. Die Richter werden nicht auſſer Acht laſſen, daß das Geſetz, durch eine nothwendige Folge, alle die erreicht, die auch ohne geſetzlichen Titel ſich in die Verrichtungen der Heilkunde einmiſchen und dem Kranken ihre Dienſte gewidmet haben könnten. Man entzieht jedoch dem Kranken die Vefugniß nicht, ihnen Beweiſe ſeiner Dankbarkeit im Verhält⸗ (129) Erben in grader Linie haben, wenn nicht der⸗ jenige, zu deſſen Vortheil die Verfuͤgung ge⸗ macht worden iſt, ſelbſt unter die Zahl dieſer Erben gehört. Dieſelben Regeln ſollen in Hinſicht auf den Diener des Kultus beobachtet werden. Art. CC Die Verfuͤgungen zwiſchen Lebenden oder durch Teſtamente, zum Vortheil der Hospitien, der Ar⸗ men einer Gemeinde oder gemeinnutzigen Anſtal⸗ ten ſollen ihre Wirkung blos in ſo weit erhal⸗ Anmerkungen⸗ niß ſeines Vermögens oder ihrer Dienſte zu geben. Nur äuſſerſt eigennützige Erben konnten aus einer nut fuͤr ſie entehrenden Habfucht ſolche Verfügungen an⸗ fechten. Eben ſo ungerecht wäre es geweſen, ihm die Befugniß zu entziehen, ſolche Perſonen, die zugleich ſeine Verwandte ſind, durch teſtamentariſche Verfuͤgungen zu bedenken. Blos wenn er Erben in grader Linie haͤtte, wuͤrde die Vermuthung, die die Urſache ihrer Unfaͤhigkeit iſt, wieder ihre ganze Kraft erhalten. Sum Art. 200. Selbſt das Mitleiden muß ſeine Graͤnzen haben. Das Intereſſe der Geſellſchaft und der Familien erheiſchen dieſe Beſchraͤnkung, welche ſich vor dem Edict von 1749 dadurch vortheilhaft auszeichnet, daß jenes blos in Hinſicht auf die Mobel Beſchraͤnkungen machte. Dergleichen Verfügungen ſind zudem gewiſſen Regeln unterworfen, deren Vollzug der Regierung obliegt. Dieſe muß endlich die Art und die Quantirät der Güter kennen, die auf dieſe Art dem Umſchlag entzogen werden. 0 (130 ten, als ſie durch einen Beſchluß der Regierung werden ermächtigt(autorisées) werden. Jede Verfügung zum Vortheil eines Unfähigen ſoll nichtig ſein, man mag ſie nun unter die Form eines läſtigen Kontraktes verbergen, oder unter dem Namen von unterſtellten Perſonen machen. Für unterſtellte Perſonen werden die Aeltern, die Anmerkungen. Zum Art. 201. Es war nicht genug, die Unfähigen zu bezeichnen, es muſten auch Maasregeln getrof⸗ fen werden, um zu verhindern⸗ daß das Geſeß nicht umgangen werden könne. Dem Richter bleibt es uͤberlaſſen, zu entſcheiden, ob ein Kontrakt, der die Form eines läſtizen Kontraktes hat, nicht ein⸗ geheime Begünſtigung eines Unfaͤhigen bezwecke; in dieſem Falle erklärt das Geſeß ihn fur null. Die ſer aber wird ſich blos durch Beweiſe oder wenigſtens nach ſo ſtarken Vermuthungen entſcheiden, daß ſie ihm die Ueberzeugung gewähren, daß der Akt keinen Glauben verdient, und daß der, welcher ihn eingegan⸗ gen iſt, keinen erlaubten, fuͤr beide Theile gleiche Laſten ſtipulirenden Kontrakt abzuſchlieſſen, die Abſicht hatte. Eben ſo wenig iſt es erlaubt, unterſtellte Perſonen einzufuhren. Das Geſetz erklärt, welche Perſonen immerfürunterſtellte Perſonen gehalten werden. Die natuͤrliche Folge davon iſt, daß, ſobald eine ſolche von dem Geſetz bezeichnete Perſon in dein Akte auftritt, der gichter ihn immer füt null erklären inuß, ohne daß die vermuthlichen Erben nöthig hätten, einen andern Beweiß zu erbringen. Dieſe geſetzliche Vermu⸗ thung zu ihren Gunſten kann alsdann zwar immer noch durch einen unmittelbaren, unwiderſprechlichen, poſitiven Beweiß, aber auch nur durch einen ſol⸗ chen, entkraͤftet werden. (131) Kinder und Deszendenten und der Ehegatte der un⸗ fähigen Perſon gehalten. Art. CCl1I. Man ſoll blos in dem Falle zum Vortheil eines Fremden verfügen koͤnnen, wenn dieſer(auch) zum Vortheil eines Franzoſen verfügen könnte. Anmerkungen. Zum Atr. 202. Siehe wieder den Art. 11 Kapitel 1 des 1ten Titels des erſten Buchs.(Theil 1. Seite 9.) Das Geſetz beobachtet über die Unfaͤhigkeit wegen Mangel an Freiheit, wegen Einſchränkungen und Ein⸗ lispelungen, wegen der Ungültigkeit eines von Zorn oder Haß beſtimmten Willens ein abſolutes Stillſchweie gen. Die, welche aus ſolchen Gründen dergleichen Ver⸗ fuͤgungen angefochten haben, haben beinahe nie hinlaͤng⸗ liche Beweiſe aufgefunden, um poſftive RechtsTitel umzuſtoſſen, und vielleicht wäre es für das allgemeine Intereſſe wuͤnſchenswerth geweſen, dieſe Ouelle von verderblichen und ſcandaloͤſen Prozeſſen dadurch ver⸗ ſtopft zu ſehen, daß das Geſetz dieſe Gruͤnde der Nullität fuͤr platterdings unzulaͤſſig erklaͤrt haͤtte. Alein der Betrug und die Leidenſchaften wurden alsdann in dem Geſetz ſelbſt ihre Strafloſigkeit begründet ge⸗ glaubt haben. Es können Umſtände beſtehen, worinn der Wille des Verfuͤgenden nicht frei war, oder worinn er ganz von einer ungerechten Leidenſchaft beherrſcht ward. Die Weisheit der Tribunalien vermag al⸗ lein dieſe Fakta abzuwiegen, und zwiſchen dem Glauben, welchen dieſe Akte verdienen, und dem Intereſſe der Familien die Wagſchale zu halten. Ihnen bleibt es überlaſſen, zu verhindern, daß dieſe nicht von habſüchtigen Fremden, welche die Schwäche der Sterbenden zu ihrem Vortheil misbrauchen könn⸗ ten, oder durch die Wirkungen eines Haſſes, den Pernunft und die Natur verdammen, beraubt werden⸗ „ „ 1 6 * 3 3 G1320 Zweites Kapitel. Von dem Antheile des Vermögens, uber wel⸗ chen verfuͤgt werden darf, und von der Reduction.. Erſter Abſchnitt. Von dem Antheile des Vermoͤgens, uͤber welchen man ver⸗ fuͤgen darf. Art. CCIII. Die Freigebigkeiten, ſie mögen nun durch Akte Anmerkungen. 8 weites Kapitel. Erſter Abſchnitt⸗ Zum Art. 203. Nachdem das Geſetz dieſe Grund⸗ ſaͤtze uber die Charaktere eines gewiſſen und vernunf⸗ tigen Willens, ohne welchen man zu verfuͤgen unfaͤ⸗ hig iſt, aufgeſtellt hat, kommt es zu den Beſcim⸗ mungen, die der HauptGegenſtand dieſes Titels ſind, welche auf die Sitten der Nation und das Gluͤck der Familien einen ſo wichtigen Einfluß haben muͤſ⸗ ſen. Es beſtimmt nämlich, welcher Tbeil des Ver⸗ mogens einer freien Verfuͤgung unterworfen bleibt. Freilich ſteht zu vermuthen, daß, wenn jedermann blos ſeiner Neigung folgen wüuͤrde, er ſein Vermo⸗ gen auf die, dem Gluck ſeiner Familie und den na⸗ turlichen Rechten ſeiner nächſten Erben, angemeſſene ſte Art vertheilen wurde, und daß dieſe Neigung in dem Herzen deſſen, der Abkoͤmmlinge hinterlaͤßt, ſich am wenigſten verirren könne. Allein wenn auch das Geſetz dieſes Zutrauen hat, ſo muß es auf der andern Seite erwägen, daß es Misbränche giebt, die von der menſchlichen Schwäche und den Leidenſchaften nicht zu trennen ſind, und Pflichten, deren Verletzung es in keinem Falle erlauben darf. (133N zwiſchen Lebenden, oder durch Teſtamente geſchehen, Anmerkungen. Die Aeltern, welche ihren Kindern eine natuͤrliche Eriſtenz gegeben haben, duͤrfen die Freiheit nicht haben, ſie in einer ſo wichtigen Hinſicht willkuͤbrlich ihrer CivilEriſtenz zu berauben: und wenn ſie im Gebrauche des EigenthumsRechtes ihre Freiheit be⸗ halten muͤſſen, ſo muͤſſen ſie doch auch die Pflichten gegen ihre Kinder und die Geſelſchaft erfuͤllen, wel⸗ che die Vaterſchaft ihnen auferlegt hat. Der Grundſatz aber, daß es auch den Aeltern er⸗ laubt ſein muß, ſelbſt zu Gunſten eines ihrer Kin⸗ der, vorzugsweiſe vor dem andern, über einen Theil ihres Vermögens nach Willkuhr zu verfuͤgen, ſchien eben ſo ſehr in der Natur gegruͤndet. Wenn alle Kinder deſſelben Vaters auch ein gleiches Recht auf ſeine Liebe haben, ſo muß die väterliche Gewalt doch auch Belohnungen gewaͤhren koͤnnen. Schon die Ver⸗ ſchiedenheit der Bedurfniſſe und der Mittel der Kin⸗ der, erfordert daß der Vater hinlaͤngliche Gewalt habe, um dieſe Ungleichheiten zu verbeſſern. Endlich muß die Geſetzgebung auch in die vaterliche Ltebe Zu⸗ trauen ſetzen; es war gerecht dem Vater die Mittel zu gewähren, in ſeinem Alter ein Kind zu ſeinem Troſt bei ſich zu behalten. Die Nacheiferung unter den Kindern befoͤrdert die Induſtrie; und bei Leuten von geringem Vermögen kam noch der Grund dazu, daß z. V. der Landmann, der nicht mehr Feld beſitzt, als er ſelbſt bauen kann, der Handwerker, der nur ſein Geraͤthe hat, ſich ploͤzlich ganz verlaſſen finden wuͤrde, wenn das Geſetz ihm nicht erlaubte, ein Kind vor den andern zu beguͤnſtigen. Um dem Familien Vater die Graͤnzen zu beſtim⸗ men, über welche hinaus er ſein EigenthumsRecht nie misbrauchen darf, hat das Geſetz zu allen Zei⸗ ten, bei allen polizirten Völkern, den Kindern, un⸗ ter dem Namen Pflichttheil(Legiina) einen ge⸗ wiſſen Theil des Vermogens ihrer Aszendenten vor⸗ behalten. Bei den Roͤmern war derſelbe durch den Digeſt, und den Coder auf den fuͤnften Theil des Ver⸗ (1340 ſollen, wenn der Verfuͤgende bei ſeinem Sterbfall nur ein rechtmäſiges Kind zuruͤckläßt, die Hälfte Anmerkungen. mögenk feſtgeſetzt. Durch die 18te Novelle ward er auf ein Drittel, wenn vier oder wenuiger Kinder vor⸗ handen wären; und auf die Hälfte, wenn ihrer fuͤnf oder mehrere vorhanden waren, beſtimmt. In Frankreich unterſchied man die Provinzen, worinn das geſchriebene Recht galt, von jenen, die von den Herkommen regiert wurden. In den erſten war der Pflichttheil beinahe allenthalben durch die No⸗ velle betimmt; die Herkommen hingegen ſtellten aͤuſſerſt verſchledene Prinzipien auf. Die einen nah⸗ men die Regeln des geſchriebenen Rechtes mit mehr oder weniger Veraͤnderungen an; die andern z. B. das von Paris, ſetzten einen beſondern Pflichtheil feſt. In jenen Gegenden, wo daruͤber keine beſtimmte Ver⸗ fuͤgung vorlag, hatte der Rechts Gebrauch die Regeln des geſchriebenen Rechtes, mit jenen des Pariſer Herkommens zusleich, aufgenommen, durch welches letzte der Pflichttheil anf die Halfte des Antheils feſtgeſetzt ward, den das Kind in der Erbſchaft er⸗ halten haben wurde, wenn ſeine Aszendenten keine Verfuͤgung zwiſchen Lebenden oder des Todes halber getroffen haben wuͤrden. Das Geſetz vom 10 Nivo⸗ ſe 2(Art. 16) hatte die Befugniß, zu verfuͤgen, wenn Deszendenten vorhanden waren, auf ein Zehn⸗ tel des Vermoͤgens beſchraͤnkt. Das Geſetz vom 4 Germinal s gab den Aeltern einen Theil ihrer alten Freiheit zuruͤck, indem es die Freigebigkeiten erlaub⸗ te, welche den vierten Theil des Vermoͤgens nicht uͤberſtiegen, wenn weniger als vier Kinder vorhan⸗ den waren, den fuͤnften, wenn ſie deren vier zuruͤck⸗ lieſſen, den ſechsten, wenn fuͤnf Kinder vorhanden waren, u. ſ. w. Bei der Abfaſſung dieſes Projekts hatte man die Portheile und die Nachtheile jedes dieſer Syſteme zu unterſuchen, um zu erkennen, welches auf die Le⸗ rechteſten Kombinationen des EigenthumsRechts mit G1355 ſeines Vermoͤgens nicht uͤberſteigen können; nicht das Drittheil wenn er zwei Kinder hinterlaßt; nicht Anmerkungen. den Pflichten der Vaterſchaft gegruͤndet ſey. Zu Rom lag es in dem Syſtem der Regierung eines kriegeri⸗ ſchen Volkes, den Fainilen Vätern eine unumſchrank⸗ te Gewalt zu geſtatten. Als ſeine Civiliſation ſich vervollkommnete, war es unmöglich geworden, dieſe alte Sitte zu reformiren. Nicht allein wollte jeder Vater keine Beſchränkung ſeines EigenthumsRechtes dulden, ſondern es war auch jeder zum Geſetzgeber ſei⸗ ner Familie konſtituirt wordeu. Jede ſolche Einſchrän⸗ kung haͤtte dieſe Magiſtratur herabgewurdigt. So blieb während zwoͤlf Jahrhunderten das Pflichttheil auf ein Viertheil beſchraͤnkt. Erſt gegen den Hinfall des Reichs erhielten die Kinder, wenn ſie drei oder we⸗ niger waren, das Drittel, und wenn ſie in groͤßerer Anzahl waren, die Haͤlfte. Dieſes Syſtem hatte große Nachtheile. Bei vier Kindern war das Pflicht⸗ theil eines jeden ein Zwölftel des Ganzen; bei fünfen, das Zehntel. So ward der Antheil, der um ſogroͤſ⸗ ſer ſein ſollte, je weniger Kinder vorhanden waͤren, auf eine inkonſequente Art kleiner. Dieſe Umwal⸗ zung der natürlichen Ordnung der Dinge ließ ſich durch nichts rechtfertigen. Das Pariſer Herkommen hatte das Eigenthums⸗ Recht und die FamilienPflichten genauer erwogen. Der Geſetzgeber hatte im Auge behalten, daß die Rechte und die Pflichten der Aeltern gleich heilig, der geſellſchaft⸗ lichen Ordnung gleich nothwendige Stuͤtzen ſind, daß ein volkommenes Gleichgewicht zwiſchen ihnen beſte⸗ hen muß, und daß die Freigebigkeit ein Ende haben muß, wenn ſie die Hälfte des Vermoͤgens verſchlun⸗ gen hat. Dieſes Syſtem hatte keine Nachtheile in ſeinem Pollzug. Man findet immer in demſelben ein gerechtes Verhältniß zwiſchen dem Antheil der Kinder, ihrer Auzahl, und ihrem Erkrechte. Aber oft hatte es ganz andere Reſultate, als man dabei im Auge gehabt hatte. Man will, daß jedes Kind einen hinlaͤnglichen Antheil am Vermoͤgen erhalten G136 5 das Viertheil, wenn er drei oder eine größere An⸗ zahl zuruͤckläßt. Anmerkungen. ſoll, um den Stand behaupten zu koͤnnen, den ſeine Aeltern ihm gegeben haben. Man mufßte dieſen alſo nicht die freie Verfuͤgung uͤber die ganze Haͤlfte ihres Vermogens ſelbſt in dem Falle laſſen, wo die Kinder, durch ihre Anzahl, auf einen zu kleinen Antheil ge⸗ ſetzt wuͤrden. Das beſte Syſtem iſt allerdings das, welches zu gleicher Zeit auf die Zahl der Kinder Ruckſſcht nimmt, und doch den Aeltern alle Freiheit läßt, die mit der Nothwendigkeit, das Looß derſelben zu verſichern⸗ verträglich iſt. Das roͤmiſche Geſetz erfullte eines Theils dieſe Bedingung, allein ſeine Proportionen erheiſchten eine große Abaͤndereng. Es hat nicht erwo⸗ gen, daß die Freiheit deſſen, der blos fuͤr ein Kind zu ſor⸗ gen hat, weniger beſchraͤnkt ſein muß, als die desjenigen⸗ der viele Kinder hat, und umgekehrt. Die Freiheit⸗ ſelbſt dann über zwei Drittel zu verfuͤgen, wenn mehr als vier Kinder vorhanden waren, war zu ausge⸗ dehnt; und die, welche das Geſeß vom 4 Germinal s gewährt, und die blos eine VirilPortion begreift wenn mehr als vier Kinder vorhanden ſind, zu ein⸗ geſchraͤnkt, da ſie ſich bei einer großen Anzahl von Kin⸗ dern auf beinahe nichts reduzirt. Man erwog, daß nach der Ordnung der Natur, die Aeltern keine andere Ab⸗ ſicht bei der Uebertragung ihres Vermoͤgens haben konnen, als den Vortheil ihrer Kinder, und die Ab⸗ ſicht, die ungleichheiten der Ratur und des Schick⸗ ſals zu verbeſſern. Wenn die Zahl der Kinder be⸗ traͤchtlich iſt, ſo muß das Geſetz alſo auch jedem einen hinlaͤnglichen Autheil zuſichern, ohne jedoch dem Va⸗ ter die Mittel zu benehmen, dieſen beſondern Be⸗ dürfniſſen abzuhelfen, die nothwendig dann ebenfalls zahlreicher ſein muͤſſen. Dies ſind die Grundſaͤtze, woraus man das Reſul⸗ tat des obigen Artikels abgeleitet hat. Es ſteht zwi⸗ ſchen beiden Syſtemen in der Mitte; wird es viel⸗ G137N Art. CCIV. In dem vorhergehenden Artikel ſind unter der Be⸗ nennung: Kind, alle Deszendenten, in welchem Grade ſie ſich befinden mögen, begriffen; ſie werden nichtsdeſtoweniger blos fuͤr das Kind gezählt, wel⸗ ches ſie in der Erbſchaft des Verfuͤgenden reprä⸗ ſentiren. Die Freigebigkeiten durch Akte zwiſchen Lebenden oder durch Teſtamente ſollen die Halfte der Guter nicht überſteigen duͤrfen, wenn der Verſtorbene, in Er⸗ Anmerkungen. leicht nicht in allen einzelnen Fällen alle Intereſſe be⸗ friedigen können, ſo ſinb doch wenigſtens die Hanpt⸗ Nachtheile vermieden, die bei der vorherigen Geſetz⸗ gebung ſo fühlbar geworden waren Zum Art. 205. Schon die Römer erkannten, daß, wenn die Aeltern ihren Kindern einen Pflichttheil ſchuldig ſind, den Kindern gegen die Aeltern dieſelbe Schuldigkeit obliegt: Quem admodum à patribus li- beris, ita à liberis patribus deberi legitunam. In Frankreich war ehedem durch die Eintheilung der Guͤter in Acqueſte und eigenthuͤmliche das Schickſal der Aszendenten in den Provinzen der Herkommen aͤuſ⸗ ſerſt von dem in jenen, worinn das geſchriebene Recht galt, verſchieden. Die Kinder waren nemlich in den⸗ ſelben verpflichtet, alle eigenthuͤmlichen Guͤter mit Ausſchluß der Aszendenten den CollateralErben zu bewahren. Die Rechte der erſten beſchrankten ſich auf die Acqueſte und die Moͤbel. In den Provinzen des ge⸗ ſchriebenen Rechtes und auch nach einigen Herkommen hatten die Aszendenten einen Pflichttheil, welcher im G138 mangelung von Kindern, einen oder mehrere As⸗ zendenten in jeder der beiden Linien, der väterlichen und der muͤtterlichen, zuruͤcklaͤßt; und nicht die drei Viertheile, wenn er blos in einer Linie Aszendenten zuruͤcklaͤßt. Die Aszendenten ſollen das, dieſe Art zu ih⸗ rem Vortheil vorbehaltene, Vermoͤgen, in derjenigen Ordnung, in welcher das Geſetz ſie zur Erbfolge Anmerkungen. Drittel des Vermoͤgens beſtand, das ſie zu glei⸗ chen Theilen unter ſich theilten. Wenn jedoch beide Aeltern oder einer von ihnen uͤberlebten, ſo⸗ hatten die GrosAeltern keinen Pflichttheil zu fordern, weil aufſteigender Linie keine Repräſentation giebt Bei einer Vergleichung der Grundſätze bes geſchrie⸗ benen Rechtes und der Herkommen iſt es nſcht zu ver⸗ kennen, daß die letzten die Pflichten nicht genug in Anſchlag brachten, welche aus den innigen Verhältniſſen zwiſchen den Aeltern und ihren Kindern entſpringen. ſind die der letzten, in Hinſicht auf die geſell⸗ ſchaftl iche Ordnung nicht ſo ausgedehnt, als die der Aeltern, weil das Schickſal der Aszendenten von dem Erbtheil, das ihnen in der Verlaſſenſchaft ihrer Des⸗ zendenten zugeſichert iſt, unabhängiger iſt, als das der Kinder von der Erbſchaft ihrer Aszendenten. Aus dieſen Gruͤnden iſt der von dem Geſetz zu Gun⸗ ſten der Aszendenten beſtimmte Vorhehalt, ohne Hinſicht auf ihre Anzahl, wenn deren in beiden Li⸗ nien vorhanden ſind, auf die Hälfte, und, wenn deren nur in einer Linie vorhanden ſind, auf drei Viertheile feſtgeſetzt. Dieſe letzte Verfuͤgung begründet ſich auf die gleiche Vertheilung des Vermoͤgens zwiſchen die däterliche und mütterliche Linie, wenn der Erblaſſer weder Nachkommenſchaft noch Geſchwiſter hinterläßt, welche einer der erſten Grundſätze des ganzen Sp⸗ (139 beruft, erhalten; und wenn nur in einer der(bei⸗ den) Linien Aszendenten vorhanden ſind, ſo ſollen ſie allein auf dieſen Vorbehalt in allen Fällen ein Recht haben, wo bei einer Theilung in Conkurrenz mit Collateral Erben ihnen nicht der Antheil des Ver⸗ mögens erſcheinen wuͤrde, worauf dieſer feſtge⸗ ſetzt iſt. Art. CCVI. In Ermangelung von Aszendenten oder Deszen⸗ Anmerkungen. ſtems des Uebertrags der Guͤter Todeshalber iſt. Das Schickſal der Aszendenten war von dieſem geſetzlichen Vorbehalt nicht abhaͤngig genug, um zu ihrem PVor⸗ theil eine ſo weſentliche Regel zu uͤberſchreiten, und da derſelben zufolge die Guͤter, die der Linie zu⸗ gewieſen ſind, welcher der Aszendent nicht angehoͤrt, ihm ganz fremd ſind, ſo kahn auch der Vorbehalt einen Antheil des Vermoͤgens, worauf er gar keine Anſpruͤche hat, nicht treffen. Noch iſt wohl zu bemerken, daß das Geſetz blos von jenen Aszendenten ſpricht, welche vom Geſetze zur Erbfolge berufen ſind. Wenn nun aber z. B. die GroßAeltern zugleich mit Geſchwiſtern oder Des⸗ zendenten von ihnen vorhanden wären, ſo wären die⸗ ſe letzten allein zur Erbſchaft berufen: dann findet eben⸗ falls kein Vorbehalt für die GrotAeltern ſtatt, und das ganze Vermogen kann unbedingt verfuͤgt werden. Zum Art. 206. Dieſer Artikel ward am lebhafteſten beſtritten, wobei vorzuglich die Anſpruche der Ge⸗ ſchwiſter wenigſtens in dem Falle, wo der Erblaſſer keine Nachkommen noch Aszendenten zurücklaſſen wür⸗ de, in Anſchlag kamen. G140 N denten ſollen die Freigebigkeiten durch Akte zwiſchen Anmerkungen. Das geſchriebene Recht erkannte den Geſchwiſtern nie einen Pflichttheil zu. Die Herkommen hatten ihnen meiſtens die eigenthümlichen Guͤter vorbehal⸗ ten, welche Verfuͤgung durch den Wunſch der Erhal⸗ tung der Güter in den Familien erzeugt worden war. Man wollte alle jene Verhältniſſe erhalten und vermehren, welche geneigt ſind, ſelbſt unter entfernten Verwandten die Empfindungen des Wohlwollens und der freundſchaftlichen Anhaͤnglichkeit zu erregen. Die Vermehrung dieſer Bande unter den Familien ſchien die ſicherſte Garantie des oͤffentlichen Wohls. Die urheber dieſes Syſtems hielten dafuͤr, daß die Gra⸗ de, wodurch die Geſchwiſter einem gemeinſchaftlichen Stammvater verbunden waären, noch dadurch ange⸗ nähert wuͤrden, wenn alle Geſchwiſter ſich zur Thei⸗ lung des Vermoͤgens vereinten, das meiſtens die In⸗ duſtrie dieſes gemeinſchaftlichen Vaters der Familie hatte, und das itzt ihren Wohlſtand begruͤn⸗ ete. Dieſes Mittel konnte in jener Zeit heilſame Wir⸗ kungen hervorbringen, wo die Verkaufe von Imms⸗ beln noch ſelten und die Indnuſtrie nicht aufgeweckt war. Seit aber der Handel die Immobel wie alle andere Guͤter in ſeinen Bewegungen verſchlungen hat, ſeit die Eigenthuͤmer, gewoͤhnt, die Natur ihres Be⸗ ſitzthums zu veraͤndern, mit leichter Muͤhe ein Joch zerreiſſen konnten, das ſie der Befugniß über einen Theil ihrer Guͤter zu verfuͤgen beranbte, ward es bei⸗ nahe allgemeiner Gebrauch, das Geſetz zu umgehen. Daruͤber war man einſtimmig, daß keinem Collateral⸗ Verwandten das Recht zuſtehen dürfe, eine Verfuͤgung zwiſchen Lebenden anzufechten, die auch ſelbſt fur die eigenthuͤmlichen Guͤter erlaubt waren. Eben ſo we⸗ nig konnten ſie VerkaufKontrakte, ſelbſt mit Vorbehalt des Nießbrauchs, oder unter der Verbindlichkeit eine LeibRente abzutragen, angreifen. Alſo die einzige Be⸗ fugniß, zu teſtiren, hätte man beſchränken köͤnnen. Was wuͤrde aber der Erfolg eines ſolchen Geſetzes gewe⸗ (141) Lebenden oder teſtamentariſchen Verfuͤgungen das ganze Vermogen erſchoͤpfen konnen. Anmerkungeun. ſen ſein? Die Erfahrung hat es bewieſen. Der Drang, zu verfuͤgen, das Gefuͤhl der Unabhaͤngigkeit erzeugte die nachtheiligſten Vertraͤge; mancher traf Schenkungen zwiſchen Lebenden, die er zu ſpat be⸗ reute; mancher ſah ſich gezwungen ſich auf bloße Nußtnieſſungen zu beſchraͤnken; endlich war eine un⸗ verſiegbare Quelle von Prozeſſen geofnet; und das Geſetz, ohnmächtig ſeinen erſten Zweck zu erreichen, war, ſtatt das Vand der Familien, ein immetwih⸗ render Zankapfel in denſelben geworden. Es warzu⸗ dem durch die Revolution abgeſchafft worden, und unſern Sitten und Gebraͤuchen wenig anpaſſend, waͤre ſeine WiederEinführung eine ungluckliche Neuerung ge⸗ weſen. Die unbefugte Freiheit, zu verfügen, gefällt dem Menſchen; ſie ruft Nacheiferung in den Familien auf; ſie zwingt gewiſſermaſſen die, welche von ihren Verwandten zu hoffen haben, ihnen mit Achtung und Liebe entgegenzukommen, ſtatt daß ein erzwungenes Recht Kaͤlte und Pitterkeit erzeugt. Der eine giebt nur ungern, weil er muß; die andern haben keinen Dank fuͤr ein Geſchenk, ſo das Geſetz, nicht der freie Wille ihnen gewahrt. Man hat den Einwurf ge⸗ macht/ das Alter werde oft verführt, oft das Opfer der argliſtigen Habſucht werden. Wenigſtens wird dieſe ihm ſchmeicheln und es wird nie Verachtung und Verlaſſung zu befürchten haben. Zudem können bei einer mächtigen Nation große Maſſen von Eigen⸗ thum ſich ohne Nachtheil in einer Hand befinden, und der Ackerbau ſelbſt erhalt in den ausgedehnten Verſuchen großer Gutsbeſitzer eine vortheilhaftere Ent⸗ wickelung. Dieſe Gruͤnde ſcheinen auf die Römer gewirkt zu haben, deren Geſetzgebung noch itzt allen andern zur Grundlage dient. Das Wohl des Staates, das In⸗ tereſſe der Jamilien erheiſchen zudem, daß jeder im frei⸗ en Gebrauch ſeines EigenthumsRechtes erhalten wer⸗ de, ſolange nicht mächtige und abſolnte Betrachtungen (142N Art. CCVII. Wenn durch einen Akt unter Lebenden oder durch ein Teſtament, uͤber eine Nutznieſſung oder eine Leib⸗ rente verfuͤgt wird, deren Werth den Betrag uͤber⸗ ſteigt, woruͤber verfuͤgt werden darf, ſo ſollen die Anmerkungen. ein Opfer erheiſchen. Dieſes Gefühl der Frelheit weckt die ſchlafende Induſtrie, und gewährt ihr Kraft zu ihren Unternehmungeu, Muth in den Geſahren! der allein arbeitet mit frohem Sinn, der für ſich zu arbeiten glaubt, und fur die, die ſeinem Herzen am nächſten ſtehn. Sicher ſucht er ſeine Erben zuerſt unter ſei⸗ nen Verwandten; unter ſeinen Brüdern, die von einem Pater erzengt, mit ihm erzogen worden, und der erſte und beſtändige Gegenſtand ſeiner Neigungen werden mußten. Wenn er demungeachtet ſie von ſei⸗ ner Erbſchaft ausſchließt, ſo muß eine noch innigere, noch mächtigere Zuneigung obwalten. Freilich giebt es auch ungerechte Bruͤder; allein wenn Leidenſchaf⸗ ten und unverdienter Haß die Beweggrunde einer ſolchen Verfuͤgung ſind, ſo ſtehn dieſen ja Mittel genug zu Gebot, wenn auch dieſes verboten ſein ſollte, um das Geſetz zu umgehen, und das Vermoͤ⸗ gen auf andere uberzutragen. Das ganze reduzirt ſich auf folgenden Grundſatz⸗ Wenn die Zuneigung des Erblaſſers das Teſta⸗ ment beſtimmt, ſo werden die Bruder, denen alle Mittel zu Gebot ſtehen, vor jedem Fremden dieſe . Zuneigung zu gewinnen, ſich nicht unverdienter Weiſe ausgeſchloſſen ſtehen; dictiren aber Haß und Lei⸗ denſchaften dieſe Verfüͤgzung, ſo iſt das Geſetz ohnmaͤchtig, alle Mittel abzuſchneiden, ſie zu be⸗ friedigen, wenn nicht in der Natur gegruͤndete, je⸗ de, ihren Rechten zuwiderlaufende, Verfügung um⸗ ſtoſſende Anſpruͤche vorliegen. Denn Haß und Leiden⸗ ſchaft wuͤrden ſich kein Gewiſſen daraus machen, das Geſetz durch Schenkungen zwiſchen Lebenden⸗ (143N Erben, zu deren Vortheil das Geſetz einen Vorbe⸗ halt macht, die Wahl haben, ob ſie dieſe Verfü⸗ sung vollziehen, oder den Betrag, woruͤber verfugt werden darf, dem, zu deſſen Gunſten die Verfuͤ⸗ gung getroffen iſt, eigenthuͤmlich uberlaſſen wollen. Anmerkungen. durch ſonſtige Vertraͤge zu entkraͤften; Argliſt und Trug würden allein beguͤnſtigt werden, und die Ver⸗ derbtheit uͤberhand nehmen. Man kennt ſogar kein wirkſameres Mittel, jene inni⸗ gen Verbindungen unter den Familien zu erhalten, als die Wohlthätigkeit der Verwandten gegenein⸗ ander aufzurufen, und das Mittel hierzu war, ihnen ihre Unabhängigkeit zu laſſen. Es liegt in dem menſchlichen Herzen, daß der Hang zur Wohlthätig⸗ keit durch die geringſte Idee von Zwang erſtickt wird. Man kann denen nichts geben, die zu fordern berechtigt ſind. Aber, machten die Gegner des Geſetzes den Ein⸗ wurf, ſollte man denn auch für den Fau keine Aus⸗ nahme gemacht haben, wenn der Erblaſſer weder Nach⸗ kommenſchaft noch Aszendenten zurucklaͤßt? Soll man nicht diejenige Verwandte von den andern unterſchei⸗ den, welche mit dem Erblaſſer unter einem Dache gelebt haben, derſelben väterlichen Gewalt unterwor⸗ fen waren, da ſein Vermögen doch gewöbnlich von dieſem gemeinſchaftlichen Vater herruhrt, der es durch ſeine Induſtrie erworben, und es ſicher unter alle ſeine Kinder vertheilt haben wuͤrde? welcher Bruder koͤnute den PVorbehalt eines geringen Theils ſeines Vermögens zum Vortheil aller ſeiner Geſchwiſter, in welcher Zahl ſie auch vorhanden wären, als ein Opfer betrachten? Wäre es ein ſo großer Vortheil, ihm die Befugniß zu geſtatten, ſein ganzes Vermo⸗ sen zum Nachtheil der ſeinigen auf eine fremde Fa⸗ milie überzutragen, oder eines ſeiner Geſchwiſter allen uͤbrigen vorzuziehen und dadurch den Stoff zu (1440 Art. CCVIII. Der nach ſeinem vollen Eigenthum beſtimmte Werth desjenigen Theils des Vermögens, welcher an einen der zur Erbſchaft berufenen(Erben) in grader Linie, es ſey nun mit der Laſt einer Leib⸗ rente abzutragen, oder ohne daß das Kapital zu⸗ Anmerkungen. einem ewigen Haß zwiſchen ihnen zu gewahren? Wenn man geſtehen muß, daß der Geſetzgeber alles anwenden muß, um die Familien Bande enger zu ſchlingen, ſoll er dann denen, die die Natur ſo eng verbunden hat, die Freiheit laſſen, ſie ganz zu zer⸗ reiſſen? Bei den Erbfolgen ab iutestat läßt man die Ge⸗ ſchwiſter mit den Aszendenten konkurriren, warum ge⸗ ſtattet man ihnen nicht denſelben Vorbehalt wie jenen? So maͤchtig auch beim erſten Anſchein dieſe Grün⸗ de ſind, ſo werden ſie doch durch noch wichtigere Er⸗ wäaungen entkraͤftet. Der ſicherſte Wegweißer des Geſebgebers iſt die Erfahrung. Weder zu Rom noch in den Staaten vom geſchriebenen Rechte ward den Geſchwiſtern ein Pflichttheil geſtattet; blos in dem Falle konnten ſie gegen die Verfuͤgung, wodurch ſie von der Erbſchaft ausgeſchloſſen waren, auftreten, wenn eine turpis persona zu derſelben berufen war. Die Reklamation, die die Geſchwiſter dann von ei⸗ nem Theil der Guͤter zu machen berechtigt waren, war eine der von dem Teſtator ſo ſchwer beleidigten Fa⸗ milie geſchuldete Rache. Waͤre der PVorbehalt ſtark geweſen, ſo haͤtte er, wie wir weiter oben entwik⸗ kelt, die Gefuͤhle des Wohlwollens, der Dankbarkeit, der Neigung weit eber erſtickt als befordert; waͤreer gering geweſen, ſo war er auch von wenigem Nuz⸗ zen, und konnte die Vortheile nicht aufwiegen, die ans einer unbedingten Freiheit zu verfuͤgen ent⸗ ſpringen. Hätte man in der SeitenLinie ſtrenge Fa⸗ milien Pflichten auferlegt, ſo mußte man es auch zum G1450 ruͤckgefordert werden könnte( londs perdu) oder wit Vorbehalt der Nutznieſſung, veraͤuſſert worden Anmerkungen. Vortheil der aͤlternloſen GeſchwiſterKinder thun; ſie haben mehr, als ihre Aeltern der Huͤlfe noͤthig; ihnen iſt der Onkel an Vatersſtatt; und doch ſind ſelbſt die Verfechter der dem Geſetz entgegengeſetzten Mei⸗ nung einſtimmig, daß man ohne Beeinträchtigung des EigenthumsRechtes dieſen Vorbehalt nicht über den Grad der Geſchwiſter ausdehnen durfe. Die Gruͤnde fuͤr den Vorbehalt in grader Linie ſind auf die Ge⸗ ſchwiſter keineswegs anwendbar. Der Vater hat nicht allein gegen ſeine Kinder ſondern anch gegen die Ge⸗ ſellſchaft die Verbindlichkeit kontrahirt, ihnen eine ſei⸗ nem Vermoͤgen angemeſſene Exiſtenz zu verſchaffen. Dieſe Pflicht iſt aber in Hinſicht auf die Geſchwiſter erfuͤllt, ſobald jeder ſeinen Antheil an dem älterli⸗ chen Vermoͤgen erhalten hat. Das Kind iſt ſeinen Aeltern Unterſtuͤtzung ſchuldig, die auf die Dankbar⸗ keit, anf die Natur und die Hülfloſigkeit des Alters gegruͤndet ſind. Alle dieſe Gruͤnde treten unter Ge⸗ ſchwiſtern nicht ein. Dieſe Erwaͤgungen haben die Geſetzgeber fuͤr die unbe⸗ dingte Freyheit beſtimmt. Wer arbeitet, mag wiſſen, daß er uͤber die Fruͤchte ſeiner Arbeit verfuͤgen kann; wer ſich Vermoͤgen erworben hat, ſey verſichert, Troͤſt⸗ ungen in ſeinem Alter zu finden; wer erben will, mag es zu verdienen ſuchen. Der Lauf der Neigungen wird unbeſchraͤnkt ſeyn; der Menſch wird die Pertra⸗ ge ſchließen konnen, die ihm beliebig ſind; er wird keinen Erben vor ſeinen Augen haben, der die Dauer ſeines Lebens berechnet; er wird ſich nicht bei Leb⸗ Zeiten genöthigt ſehen, verwegene oder verſtellte Ak⸗ te zu machen: nach ſeinem Tode wird kein ſkanda⸗ loͤſer Streit zwiſchen den Erben ſeines Willens und den Erben des Geſetzes entſtehen; mit einem Wort: dicet Pestator et erit Lex, wie die erſten Geſetzgebet des erſten Volkes gelehrt haben. 10 G1460 waͤre, ſoll auf den Antheil, uͤber welchen verfugt werden darf, aufgerechnet, und der Ueberſchuß, wenn ſich einer ergiebt, der Maſſe konferirt werden. Dieſe Aufrechnung und dieſe Kollation ſollen weder von jenen der andern in grader Linie zur Erbſchaſt berufenen(Erben), welche in dieſe Veräuſſerungen eingewilligt haͤtten, noch, in keinem Fall, von den in der KollateralLinie zur Erbſchaft berufenen(Er⸗ ben) anverlangt werden koͤnnen. Anmerkungen. Zum Art. 207. u. 208. Wenn das Geſetz auf einer Seite jede Vorſicht gebraucht, um den Vorbehalt der Erben in grader Linie zu ſichern, ſo muß es auf der andern Seite zu verhindern ſuchen, daß dieſe Erben nicht alle, von dem Wohlwollen der Dankbarkeit oder irgend andern Ruckſichten angegebene, Verfügungen willkuͤhrlich umſtoſſen koͤnnen. Bei einer Verfuͤgung uber eine Nuznieſſung oder eine LeibRente iſt es da⸗ her unumganglich nothwendig, erſt zu beweiſen, daß ihr Kapital den der Verfügung unterworfenen Be⸗ trag uberſteige, ehe man ſie anfechten kann. Noch mehr Ruͤckſicht verdienten die an einen der zur Erb⸗ ſchaft berufenen Erben unter laͤſtigen Bedingungen geſchehene Veraͤuſſerungen; es wäre der natuͤrlichen Freiheit und der Sicherheit des Eigenthums zuwider geweſen, ihre willkuͤhrliche Aufhebung zu erlauben; auf der andern Seite aber konnte man eben ſo wenig durch Aufrechthaltung von allen Klauſeln eines Aktes, der oft nur eine verſtellte Schenkung ſein konnte, die Beraubung aller uͤbrigen Erben ermaͤchtigen. Man hat daher einen Mittelweg eingeſchlagen; man un⸗ terſcheidet den Uebertrag des Eigenthums und den Werth deſſelben; nichts kann verhindern, daß das Eigenthum dem Kaͤufer verbleibe, allein der Werth deſſelben muß, ohne Ruͤckſicht auf die beſondern Sti⸗ pulationen, der Maſſe aufgerechnet werden. — (1470 Art. CCIX. Der Antheil des Vermögens, uͤber welchen ver⸗ fügt werden darf, ſoll den Kindern oder andern zur Erbſchaft berufenen Verwandten des Schenkgebers Lanz oder zum Theil, ſowohl durch Akte zwiſchen Anmerkungen. Zum Art. 209. Nachdem man den Betrag derjeni⸗ gen Guͤter, die der freien Verfügung unterworfen ſind, beſtimmt hatte, muſte man einen Punkt regu⸗ liren, über welchen die bisherige Geſetzgebung eben⸗ falls verſchieden war, nämlich ob dieſer Betrag, ganz oder zum Theil, durch Schenkung zwiſchen Le⸗ benden, oder durch Teſtamente einem oder einigen der zur Erbſchaft berufenen Erben gegeben werden koͤnne, ohne daß dieſe zur Collation verpflichtet waͤ⸗ ren. Dieſe Frage beantwortet das Geſetz in allen den Fallen bejahend, wo der Verfuͤgende ſeinen Wil⸗ len, den Schenknehmer von der Collation zu befreien, ausdruͤcklich und beſtimmt erklart hat. Dieſer Grund⸗ ſatz hat in der roͤmiſchen Geſetzgebung nie die gering⸗ ſte Abweichung erlitten; die Herkommen hingegen waren in dieſer Hinſicht äuſſerſt verſchieden. Die einen erlaubten einem der Kinder, zugleich Schenk⸗ nehmer, Legatar und Erbe zu ſein, und ſprachen den andern blos ihren Pflichttheil zu. Andre unter⸗ ſchieden die grade Linie von der SeitenLinie, und die Eigenſchaft als Schenknehmet zwiſchen Lebenden, von der als Legatar. Nach dieſen letztern, worunter ſich das Pariſer befand, konnte dieſelbe Perſon in gra⸗ der Linie weder Schenknehmer, noch Legatar, noch Erbe ſein. In der SeitenLinie konnte ſie zugleich Schenknehmet und Erbe, aber nicht zugleich Legatar und Erbe ſein. In andern dehnte dieſe Beſchraͤnkung ſich auf die Seitenginie aus; noch andere verboten platterdings, einen der vermuthlichen Erben zu be⸗ günſtigen, und befahlen in allen Fällen die Collation. Dieſes letzte Spſtem, welches die Erben zur Col⸗ * ₰ * — (1430 Lebenden, als durch Teſtamente gegeben werden können, ohne der Kollation von Seiten des zur Erb⸗ ſchaft gelangenden Schenknehmers oder Legatars unterworfen zu ſein, vorausgeſetzt, daß die Verfuͤ⸗ Anmerkungen. lation aller Schenkungen, ſelbſt dann, wenn ſie auf die Erbſchaft verzichteten⸗ verpflichtete, und kein Vermaͤchtniß zu ihrem PVortheil zuließ, beruhte auf dem Grundſaß einer vollkommenen Gleichheit ihrer Rechte. Das Geſetz ſtellt ſich darinn ganz an die Stelle des Erblaſſers, nicht, um ſeinem vermuthlichen Willen zuwider zu handeln, ſondern um ihn auf die gerechteſte Weiſe zu erfüllen. Wie ſehr entfernte es ſich indeſſen nicht von dem Gang der Natur, ſtatt ihr zu folgen? Wie haͤtte ſie denen gleiche Rechte gegeben, die ſie auf ſo ver⸗ ſchiedene Weiſe behandelt? Wo iſt die Familie, de⸗ ren Glieder alle gleiche phyſiſche Staͤrke, gleiche Ver⸗ nunftGaben, gleiche Talente erhalten haͤtten? deren keines ſeines guten Betragens ohnerachtet ein Ungluͤck erlitten hätte; deren keines von Krankheiten oder an⸗ dern Zufällen behelligt worden wäre? Finden wir nicht dieſes ſo traurige Gemählde der Menſchheit in jeder wieder, und muß man es nicht ganz aus dem Geſichte verlohrenhaben, wenn man mathemariſch eine gleiche Theilung unter denen berechnet, deren Ve⸗ durfniſſe ſo verſchieden ſind? Ihr NatnrRecht be⸗ ſchraͤnkt ſich darauf, einen ihren Beduͤrfniſſen ange⸗ meſſeuen Tbeil zu erhalten, und daß ſo viel moglich die Wagſchale des Glücks zwiſchen ihnen gleichgeſtellt werde. Das FamilieuHaupt, welches ſich ſtets mit dieſer Sorge beſchaͤftigt, erfüͤllt die billigſten Pflichten ei⸗ ner gleichen Zuneigung geßen alle ſeine Erben. Wenn nun aber das Geſetz ihm verboͤte, den einen zu un⸗ terſtußen, dem andern zu Hülfe zu kommen, den Uebeln abzuhelfen, und die traurige Ungleichheit zwi⸗ ſchen den gleich geliebten Kindern aufzuheben, dann wuͤrde er das Gewicht dieſer Feſſeln fuͤhlen, und G149 N gung(das Geſchenk oder Legat) ausdruͤcklich zum voraus und auſſer dem Erbtheil geſchehen ſey. Die Erklaͤrung, daß das Geſchenk oder Legat zum voraus und auſſer dem Erbtheil bewilligt iſt, ſoll ſowohl durch den Akt, der die Verfuͤgung ent⸗ Anmerkungen. dem Irtthum des Geſetzes fluchen, daß ſich an ſeine Stelle geſeßzt haͤtte, ohne eine ſeiner Pflichten zu er⸗ füllen, und ohne Ruͤckſicht auf die ewige Geſetze der Natur ſeine Vermuthungen auf eine chimäriſche Gleichheit gegruͤndet hätte. Konnen dieſe Nachtheile durch die einzige Beſorg⸗ niß aufgewogen werden, die auf die Gegner des Ge⸗ ſeßes ſo vielen Eindruck gemacht hat? Sie befurch⸗ ten nämlich die Eitelkeit der Familien Häupter, wel⸗ che ſie bewegen wuͤrde, ihr ganzes Vermogen auf einen Erben überzutragen, und dem Glanz die⸗ ſes Einzigen alle übrige aufzuopfern. Sie bedenken aber nicht, wie gering die Zahl der Reichen ge⸗ gen die große Menge derjenigen iſt, die mit einem geringen Vermogen den Ungleichheiten und e⸗ k⸗ . den Bedurfniſſen am meiſten ausgeſetzt ſind. Sie ir haben den Familien Vater aus dem Auge verloh⸗ in ren, der in ſeiner niedern Hütte kein Eigentbum als n ein kleines Feld beſitzt, das kaum zum Unterhalt ſei⸗ ne ner Familie hinreicht. In dem Alter ſeines Lebens 6 wuͤrde er ſeiner harten Arbeit nicht mehr vorſtehen t⸗ konnen, wenn er nicht ſein älteſtes Kind zu Hülfe 3 riefe. Dieſes arbeitſame Kind iſt mit ihm die Stüz⸗ ie ze ſeiner Familie; ſeiner Arbeit ſind ſeine Ge⸗ . ſchwiſtern es ſchuldig, wenn die Söhne ein ſie naͤh⸗ ſet rendes Handwert erlernen, und die Töchter mitteiſt i ihrer Ausſtener eine haußliche Niederlaſſung finden. un Iſt es nun die Eitelkeit, welche den Familien Vater bewegt, dieſem Kinde einen Vorzus zu geſtatten⸗ en und ſo viel möglich in ſeinen Händen eine Erbſchaft zu erhalten, die, in zukleine Portionen getheilt, kei⸗ n vem Nahrung verſchaffen konnte. und (150) halten wird, als ſpaͤterhin in der Form der Verfuͤ⸗ gungen zwiſchen Lebenden oder den Teſtamenten gemacht werden koͤnnen. 3 weiter Abſchnitt. Pon der Reduktion der Schenkungen und der Vermaͤchtniſſe Ai Die Verfuͤgungen ſowohl unter Lebenden als des Todes halber, welche den Theil(des Vermögens) woruͤber zu verfugen erlaubt iſt, uͤberſteigen werden, ſollen bei Eröffnung der Erbſchaft auf den Betrag dieſes Antheils reduzirt werden können. Anmerkungen. Zweiter Abſchnitt. Zum Art. 210. Man muſte den Fall vorſehen, wo die Verfuͤgungen deujenigen Theil des Vermoͤgens, woruͤber zu verfugen erlaubt iſt, uͤberſteigen wuͤrden, entweder, weil der Erblaſſer das geſetzliche Maas uͤberſchritten haͤtte oder auch weil nach dieſen Ver⸗ fuͤgungen noch mehrere Erben nachgekommen ſein können. Erſt hei Eroͤffnung der Erbſchaft kann ber Zuſtand der Dinge unterſucht werden, denn niemand hat das Recht, die Verfuͤgungen eines Lebenden über ſein Eigenthum anzugreifen. Ergiebt ſich aber aus der nach ſeinem Tod anzuſtellenden Berechnung, daß ſeine Verfuͤgungen einen Theil des geſetzlichen Vor⸗ behalts verſchlungen baben, ſo ſind dieſe Verfuͤgungen doch deshalb nicht vernichtet; ſie bleiben in ihrer vollen Kraft bis zur Conkurrenz der Summen, uͤber welche verfuͤgt werden durfte, und in der Ordnung⸗ welche hiernach beſtimmt iſt. G151) Art. CCXl. Die Reduktion der Verfuͤgungen zwiſchen Leben⸗ den kann von niemand als von denjenigen, zu de⸗ ren Vortheil das Geſetz einen Vorbehalt macht, ihren Erben oder Stellvertretern(ayans cause) die Anmerkungen. Zum Art. 211. Die erſte Frage, welche ſich hier darbot war die: wer die Reduktion zu fordern be⸗ rechtigt ſey. Nachher kommt natürlich die, welche den Gegenſtand des folgenden Artikels ausmacht, wie nemlich berechnet werden muß, ob eine Reduk⸗ tion ſtatt findet. Was die erſte betrifft, ſo iſt ihre Loͤſung einfach. Natuͤrlich hat niemand ein Recht, die Reduktion in Anſpruch zu nehmen, als die, zu deren Vortheil das Geſetz den Vorbehalt gemacht hat, und zu deren Nachtheil die Verfügungen erlaſſen worden ſind. Die natürlichen Kinder haben alſo kein Recht dieſe Reduktion in Anſpruch zu neh⸗ men. Zwar ſind ihre Rechte auf einen Antbeil regu⸗ lirt, der nach der Eigenſchaft der Erben beſtimmt wird; allein dieſe Rechte ſind ihnen nur gegen die Erb⸗ ſchaft zuerkannt; ſie können ſie alſo nur gegen dte Erb⸗ ſchaft, in der ſie ſich befinden, geltend machen: die ge⸗ ſchenkten Güter befinden ſich aber nicht mehr in der⸗ ſelben. Das naͤmliche gilt von den Gläubigern des Erblaſſers(in ſo fern die Schulden nach der Schenkung kontrahirt worden ſind.) Sie koͤnnen nicht zugelaſſen werden, die Rednktion zu verlangen, denn die geſchenkten Guter machten keinen Theii des Ver⸗ mögens ihres Schuldners aus, als ſie mit ihm kon⸗ trahirt haben; ſie können alſo die Beſitzer dieſer Gü⸗ ter nicht in Anſpruch nehmen. Wenn ſogar die Re⸗ duktion von jenen Perſonen anverlangt und bewirkt wird, zu deren Vortheil das Geſez den Vorbehalt macht, ſo ſind dieſe dadurch zur Zahlung der Schul⸗ den der Erbſchaft keineswegs gehalten; denn ſie ge⸗ langten nicht als Erben zu dieſen Gütern, ſondern das Geſetz betrachtet ſie als MitSchenkgeber. Die (1520 in ihre Rechte eingetreten ſind) anverlangt werdenz die Schenknehmer, die Legatarien und Glaͤubiger des Erblaſſers ſollen dieſe Reduktion weder verlan⸗ gen noch davon Vortheil ziehen können. Art. CCXII. um die Reduktion zu beſtimmen bildet man eine Naſſe aus allen zur Zeit des Sterbfalls des Schenk⸗ gebers oder Teſtators beſtehenden Guͤtern; man Anmerkungen. Rechte dieſer Gläubiger ebenfalls ſind blos gegen die Erbſchaft erworben; ſie können ſie alſo nur gegen dieſe geltend machen. Die unmittelbare Klage auf Reduktion iſt ihnen benommen, weil ſie nicht zur Ervſchaft gehoͤrt; ſie können alſo nicht unmittelbar da⸗ von Vortheil ziehen. Sie haben auf die wegge⸗ ſchenkten Güter zur Zeit ihres Kontraktes nicht ge⸗ zählt, da ſie ſich zu jener Zeit nicht in der Hand ih⸗ res Schuldners befanden; ſie können ſie daher auch itzt nicht in Anſpruch nehmen; ſie verlieren auch durch dieſe Beſchraͤnkung nichts, da ihre Rechte dadurch in nichts geſchmälert werden, denn wurde die Schenkung ohne Reſtitution beſtehen, ſo hätten ſie ja ebenfalls keinen Ruckgriff gegen dieſelbe. Zum Art. 212. Mau kam nun zur Erorterung der zweiten Frage: aus welchen Guͤtern die Vermoͤgens⸗ Maſſe gebildet werden muß, aus welcher ſich erge⸗ ven wird, ob eine Reduktion ſtatt finde oder nicht? Das Geſetz erklärt, daß zu der Maſſe der Guͤter, welche nach Zahlung der Schulden noch in der Erb⸗ ſchaft vorfindlich ſein wird, in Gedanken jene dazu gerechnet werden müſſen, worüber der Erblaſſer durch Schenkungen zwiſchen Lebenden verfugt hat. Auf keine andere Art haͤtte man der Befugniß, zu verfügen, Schranken ſetzen köͤnnen. Das Intereſſe der Geſell⸗ G153 rechnet ſodann jene hinzu(on y reunit fetivement) worüber durch Schenkungen zwiſchen Lebenden ver⸗ fugt worden iſt, und zwar nach ihrem Zuſtand zur Epoche der Schenkungen und ihrem Werth zur Zeit des Sterbfalls des Schenkgebers. Man berechnet (hierauf) nach dieſem geſammten Vermögen, nach Abzug der Schulden, welches, in Hinſicht auf die Anmerkungen. ſchaft erheiſcht allerdings, daß das Eigenthum nicht un⸗ gewiß bleibe, weil von ſeiner Stabilitaͤt dergute Anbau, und alle Verbeſſerungen deſſelben abhangen. Aber wir haben ebenfalls geſehen, daß der Uebertrag ei⸗ nes Theils des Vermoͤgens auf die Erben in grader Linie eine der Grunblagen der geſellſchaftlichen Ord⸗ nung iſt. Aeltern und Kinder haben gegenſeitige Pflichten, die vor bloßen Handlungen der Freigebig⸗ keit den Vorzug verdienen; die Erfuͤllung derſelben iſt die ſtillſchweigende Bedingung, unter welcher jene Freigebigkeiten gemacht und angenommen worden ſind; und ſelbſt in dem Falle, wo die Schenkung auch im Angenblicke der Annahme den der Verfuͤgung unterworfenen Antheil nicht uͤberſtiegen haͤtte, wuͤr⸗ den doch die Schenknehmer deshalb vor den Erben in grader Linie keinen Vorzug verdienen, da bei den erſten von einem bloßen Vortheil, bei den zweiten von einem noͤthigen Erbtheil die Rede iſt. Die Ver⸗ mindernng des Vermoͤgens des Schenknehmers giebt ſogar nicht einmal der Vermuthung einer Argliſt gegen den Schenknehmer Raum. Selbſt diejenigen Güter, deren Eigenthum im Fall einer Scheidung auf die Kinder übergegangen iſt, muͤſſen wieder aufgerechnet werden; denn aus dieſer Scheidung kaun nie fuͤr ſie ein ſolcher Vortheil ent⸗ ſpringen, daß die andern Kinder dadurch ihres ge⸗ ſetzlichen Vorbehalts beraubt wuͤrden. Es findet ferner kein Abzug wegen der Rechte der G1540 Eigenſchaft der von ihm zuruͤckgelaſſenen Erben, der Antheil war, woruͤber er verfuͤgen konnte. Art. CCXI1I. Eine Reduction der Schenkungen zwiſchen Leben⸗ den findet nie eher ſtatt, als nachdem der Werth aller in den teſtamentariſchen Verfuͤgungen einbegrif⸗ fenen Gütern erſchöpft iſt; wenn jedoch dieſe Re⸗ duktion eintritt, ſo geſchieht ſie dergeſtalten, daß man Anmerkungen. natuͤrlichen Kinder ſtatt; denn ihre Rechte ſind vor dem Tod noch nicht erworben, und ſie nehmen nur als Glaͤubiger an der Erbſchaft Antheil. Zum Art. 213. Wenn man itzt unterſucht, welche Verfuͤgungen im Falle der Unzulaͤnglichkeit der in der Erbſchaft zuruͤckgebliebenen Guter zuerſt reduzirt werden müſſen, ſo kann kein Zweifel obwalten, daß die Reduktion zuerſt die Vermaͤchtniſſe und dann erſt die Schenkungen treffen kann. Die Vermaͤchtniſſe machen einen Theil der Erbſchaft aus, die in dem Augenblick der Eroͤffnung auf die Erben, zu deren Gunſten das Geſetz den Vorbehalt macht, uberge⸗ gegaugen iſt. Dieſe Vermachtniſſe duͤrfen nicht eher als nach Abtragung der Schulden und Laſten bezahlt werden, und dieſer Vorbehalt iſt die erſte der ge⸗ ſetzlichen Schulden. Im Falle aber auch die Schenkungen unter Leben⸗ den angegriffen werden muͤſſen, war die zweyte Fra⸗ ge, ob eine vorzugsweiße vor der andern, oder ob alle in gleichem Verhaͤltniße der Reduktion unterworfen ſeyen. Das Geſetz gebietet, daß die ältern nicht eher angefochten werden koͤnnen, als nachdem die juͤngern, nach der Ordnung ihres Datums erſchoͤpft ſind. In der That hat ja der Schenkgeber, wenn dieſe letztern hinreichend ſind, um den Vorbehalt zu 0155N mit der letzten Schenkung anfangt, und ſo fort von den letztern bis zu den älteſten Schenkungen her⸗ aufſteigt. Art. CCxIV. Wenn eine zu reduzirende Schenkung zwiſchen Le⸗ benden einem der zu der Erbſchaft berufenen Erben gemacht worden iſt, ſo ſoll er den Betrag des An⸗ theils, der ihm als Erbe von jenem Theil des Ver⸗ moͤgens zukam, über welchen nicht verfugt werden durfte, von den geſchenkten Guͤtern zuruͤckbehalten können, wenn ſie anderſt von derſelben Gattung ſind. Art. CCxV. Wenn der Werth der Schenkungen zwiſchen Le⸗ Anmerkungen. erganzen, bei den erſten das geſetzliche Maas noch nicht berſchritten. Traͤfe die Reduktion alle Schen⸗ kungen, ſo hätte wieder der Schenkgeber ein Mittel, immer durch neue Schenkungen die aͤltern ganz oder zum Theil zu wiederrufen. So oft endlich der Ge⸗ ſeßgeber ſich gezwungen ſieht, ein Eigenthum anzu⸗ greifen, welches mehr oder weniger alt iſt, ſo iſt die offentliche Ordnung dabei intereſſirt, daß das älteſte Eigenthum vorzugsweiße geachtet werde, nach dem Grundſatz: qu prior est tempore, potior est jure. Zum Art. 214. Dieſen Grundſatz hatte ſchon die Or⸗ donnanz von 1721.(Art. 34) aufgeſtellt. So hat man jede Gelegenheit benutzt, das Eigenthum des Schenknehmers zu erhalten, wenn das Intereſſe der Erben es zuließ. (1565 venden dem Antheil des Vermögens, uͤber welchen verfugt werden durfte, gleichkommt, oder ihn uͤber⸗ ſteigt, ſo ſollen alle teſtamentariſche Verfuͤgungen er⸗ loſchen(caduques) ſein. Art. CCXVI Wenn die teſtamentariſchen Verfuͤgungen entwe⸗ der den Betrag, uͤber welchen verfügt werden durf⸗ te, oder den Antheil dieſes Betrags, der nach Ab⸗ zug des Werthes der Schenkungen zwiſchen Leben⸗ den noch übrigbleibt, überſteigen werden, ſo ſoll die Reduktion(au mare le franc) nach Verhältniß der Summen, ohne allen Unterſchied zwiſchen den Uni⸗ verſal⸗ und Partikular Vermächtniſſen geſchehen. Art. CCXVII. Richtsdeſtoweniger ſoll in allen den Fällen, wo der Teſtator ausdrücklich erklärt haben wird, daß Anmerkungen. Zum Art. 215. Eine natürliche und nothwendige Folge des Art. 213, der zur Vermeidung jeder Mis⸗ dentung hier ansdruͤcklich ausgedruͤckt iſt. Zum Art. 216. Da jeder Legatar ein gleiches Recht auf das zu ſeinem Vortheil gemachte Vermächtniß hat, ſo müſſen ſie auch alle, in gleichem Verhältniß, zur Deckung des geſetzlichen Vorbehalts beitragen. Zum Art. 217. Ein anderes iſt es jedoch, wenn der Teſtator ausdruͤcklich einen entgegengeſeßten Willen geäuſſert hat; da es in ſeiner Willkuͤhr ſtand, den (167N es ſein Wille iſt, daß dieſes oder jenes Vermächt⸗ niß vorzugsweiſe vor allen andern ausgezahlt werde, dieſer Vorzug ſtatt finden, und das Vermächtniß, welches der Gegenſtand dieſer Erklärung ſein wird, blos in ſo weit reduzirt werden, als der Betrag der andern unzureichend wäre, den geſetzlichen Vorbehalt voll zu machen. Art. CCXVIII. Der Schenknehmer ſoll die Fruͤchte(ructus) von demjenigen Betrag, der den der Verfuͤgung unter⸗ worfenen Antheil überſteigen wird, von dem Tag des Sterbfalls des Schenkgebers an zuruckerſtatten, wenn das Begehren der Reduktion in Jahresfriſt Anmerkungen. einen vor dem andern zu bevortheilen. Dieſer Wille muß geachtet werden, ſo lange keine vorgegruͤndete Rechte es unmöglich machen, ihn zu befolgen: und es wird nichts zu dem Ende gefordert, als daß dieſer Wille auf eine deutliche und beſtimmte Art ausge⸗ druͤckt ſey, worauf die Notarien vorzuglich Acht zu tragen haben. Zum Atr. 213 bis 220. Dieſe Artikel flieſſen aus den ſchon oben entwickelten Grundſätzen her, von wel⸗ chen ſie nothwendige Folgen ſind. Die Regel, nach welcher die juͤngſten Schenkungen zuerſt reduzirt wer⸗ den muͤſſen, würde ganz illuſoriſch werden, wenn der evinzirte Schenknehmer gegen den ihm vorher⸗ gehenden Schenknehmer in die Rechte desjenigen ein⸗ treten wuͤrde, der ihn evinzirt hat. Die Reduction, als ein perſonliches Privilegium kann daher nicht der Gegenſtand einer ſtillſchweigenden oder konven⸗ 61580 ¶dans l'annse) angebracht worden iſt; wo nicht, von dem Tage des Begehrens an. Art. CCXIX. Die, durch die Reduktion,(zur Erbſchaft) zu⸗ ruͤckzubringenden Immoͤbel fallen ohne Belaſtung von irgend, von dem Schenknehmer herruͤhrenden, Schulden oder Hypotheken, zuruͤck. Art. CCXX. Die Klage auf Reduktion oder Vindication kann von den Erben gegen jeden dritten Beſitzer der Im⸗ mobel angeſtellt werden, die einen Theil der Schen⸗ Anmerkungen. tionellen Subrogation ſein. Eben ſo rechtlich iſt der Grundſatz(Art. 219) nach welchem die Guͤter Schulden⸗ frei zuruͤckkehren; hier tritt die näͤmliche Erwagung wie⸗ der ein, welche auch den Glaͤubigern der Erbſchaft ijeden Ruͤckgriff gegen dieſe Guͤter benimmt. So unmoraliſch es auch ſcheint, daß man die Güter einer Perſon an ſich ziehen koͤnne, ohne ihre Schulden zu bezahlen, ſo ſehr iſt doch dieſe Befuguiß rechtlich gegruͤndet. Eine entgegengeſetzte Verfuͤgung wurde einestheils die Immoralität weit eher beguͤnſtigen; da die Erben, die kein Intereſſe baben wuͤrden, die ReduktionsKlage fuͤr die Glaͤubiger zu führen, ent⸗ weder mit dieſen oder den Schenknehmern unter⸗ handeln würden; auf der andern Seite hat, juri⸗ iſch betrachtet, dieſe ReduktionsKlage mit der Erb⸗ chaft nichts gemein. Der Rechts Titel worauf ſie ſich gruͤndet, iſt ja aͤlter als die Schenkung und dieſe konnte nur bedingungsweiſe geſchehen. Folglich muͤſſen auch alle von dem Schenknehmer den geſchenkten Gutern auf⸗ geworfene Schnlden und Laſten wegfallen; folglich kann 0159 kungen ausmachten, und von den Schenknehmern veräuſſert worden ſind; und zwar in derſelben Wei⸗ ſe und der nämlichen Ordnung wie gegen die Schenk⸗ nehmer ſelbſt, und nachdem zuvor das Vermoͤgen dieſer letztern diskutirt worden iſt(et discussion pré- alablement laite de leurs biens). Dieſe Klage muß nach der Ordnung des Datums der Veräuſſerungen, mit der jungſten anzufangen, angeſtellt werden. Drittes Kapitel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden. Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen zwiſchen Lebenden. Anmerkungen. der Erbe ſie gegen jeden Beſitzer vindiziren. Der Erbe, der einen Schenknehmer zwiſchen Lebenden evinzirt, wird in jeder Hinſicht ſo angeſehen, als habe er zur Zeit der Schenkung ſchon dieſe Güter erhalten. Denn wenn man zugeben wollte, daß ein Erbe von keinem, der Schulden hinterläßt, ſeinen Vorbehalt erben koͤnne, ohne dieſe Schulden zu bezahlen ſo hieſſe dies zu gleicher Zeit ſagen, daß jede Schenkung zwiſchen Lebenden durch ſolche Schulden widerrufen werden koͤnute, die der Schenkgeber ſeit der Schenkneh⸗ mung kontrahirt haͤtte, ein Grundſatz, den keine Ge⸗ ſetzgebung zugelaſſen hat. Es iſt freilich zu bedauern, daß Ideen der Moral hier mit Grundſaͤtzen in Colli⸗ ſion kommen, die man ohne die groͤſte Gefahr nicht verletzen darf, nemlich mit denen des Eigentbums⸗ Rechtes; denn wollte man auf der einen Seite die Moral befoͤrdern, ſo müßte man auf der andern der Corruption nothwendig alle Thore ofnen. (165) Art. CCxII. Alle Akte, welche eine Schenkung zwiſchen Leben⸗ den verfuͤgen, ſollen, in der gewöhnlichen Form der Kontrakte, vor Notarien aufgeſetzt, und es ſoll, un⸗ Anmerkungen. Drittes Kapitel. Erſter Abſchnitt. Zum Art. 221. Nachdem das Geſetz diejenigen Ei⸗ genſchaften beſtimmt hat, welche erforderlich ſind, um empfangen oder verfuͤgen zu konnen, nachdem es den Aniheil beſtimmt hat, uber welchen man verfuͤgen darf, und die Art angezeigt hat, nach welcher man die Reduktion vorzunehmen hat, wenn dieſer An⸗ theil überſtiegen worden iſt, beſchäftigt es ſich nun insbeſondere mit den Verfuͤgungen ſelbſt; es be⸗ ſtimmt ihre Formen, es ſtellt uͤber ihr Weſen und ihre Wirkungen Grundſaͤtze auf. Hier zog man zuerſt jene beruͤhmten Geſetze zu Rath, welche dem Audenken des Kanzlers d»Agueſ⸗ ſeau einen ewigen Ruhm zuſichern. Die Ordonnau⸗ zen uͤber die Schenkungen und die Teſtamente wa⸗ ren das Reſultat langwieriger Unterſuchungen. Sie wurden nicht eher angenommen, als nachdem man die Nation auf die damals einzig mögliche Art zu Rathe gezogen hatte, das heißt, nachdem man das Gutachten der Magiſtrats Perſonen und Rechts Ge⸗ lehrten eingefordert. Die Perfaſſer des Geſeßbuches haben dieſe Geſetze mit der Ehrfurcht eroͤrtert, wel⸗ che ihre Weisheir und ihr von der Erfahrung ge⸗ tronter Erfolg einflöſſen mußten. Bei den Schenkungen zwiſchen Lebenden unterſchei⸗ det man die Formalitäten, die in den Akten derſelben beobachtet werden müſſen, von jenen, die man die duſſern Formalitäten neunt. Die innern haben den doppelten Zweck, die Schenkungen zu konſtatiren, und ihre Art zu beſtimmen. Als geſetzlich konſtatirt (161) ter Strafe der Nullität, eine urſchrift davon zu⸗ ruͤckgelaſſen bleiben. Art. CCXXII. Die Schenkung zwiſchen Lebenden ſoll den Schenk⸗ geber nicht eher als von dem Tage an binden, an welchem ſie in beſtimmten Ausdruͤcken angenom⸗ Anmerkungen. ſieht man blos die an, welche von Notarien in der ge⸗ wöhnlichen Form der Kontrakte aufgeſetzt worden ſind. Die Minute(Urſchrift) muß in den Händen des Notars verbleiben; ſie darf weder dem Schenknehmer noch dem Schenkgeber ausgehandigt werden. Die Schen⸗ kung iſt ein Akt, wodurch der, welcher annimmt ſich verbindet, die Bedingungen derſelben zu erfüͤllen. Es darf alſo nicht in dem Willen der einen oder der andern Parthey ſteben, ſie aufzuheben, indem ſie ben Akt, der den Beweiß derſelben enthalt, ver⸗ nichten konnte. Zum Art. 222. Aus derſelben urſache, weil jede Schenkung zwiſchen Lebenden als eine gegenſeitige Verpflichtung angeſehen wird, iſt es unumgänglich nothwendig, daß beide Partheyen darinn auftreten, die, welche giebt, und die, welche annimmt. Dieſer Grundſaß iſt dem romiſchen Rechte gemäß, welches eine Freigebigkeit ſo lange als nicht vollbracht anſah, als der, dem ſie beſtimmt war, keine Kenntniß davon, oder nicht darein eingewilligt hatte. Da die Annahme eine weſentliche Bedingung von jeder Schenkung iſt, ſo mußte man fordern, daß ſie in beſtimmten Ausdrücken geſchehe. Hieraus ergiebt ſich, ohne daß es einer beſondern Verfügung dazu bedurft hätte, daß die Richter auf diejenige Umſtän⸗ de keine Ruͤckſicht nehmen dürfen, aus welchen man eine ſtillſchweigende Einwilligung zu erweiſen ſuchen wuͤrde, und daß man eine ſolche ſelbſt dann nicht vermu⸗ II (162) men worden ſein wird, und auch eher keine Wir⸗ kung hervorbringen. Die Annahme kann, bei Lebzeiten des Schenk⸗ gebers, durch einen ſpaͤtern und authentiſchen Akt, von welchem die Urſchrift zuruͤckbleiben ſoll, ge⸗ ſchehen; allein alsdann ſoll die Schenkung in Hinſicht auf den Geber, nicht eher als von dem Tage an Anmerkungen. then darf, wenn der Schenknehmer bei dem Schen⸗ tungsAlt gegenwärtig geweſen wäre, und ihn unter⸗ zeichnet haͤtte, oder wenn er in den Beſiß der ge⸗ ſchenkten Güter eingetreten waͤre. Doch durfte man eine Pefugniß nicht verweigern, welche dieſen Grundſätzen nicht zuwiderläuft, ohne dem Recht zu verfügen oft unuberſteigbate Hin⸗ derniſſe in den Weg zu legen. Zu einer Zeit, wo durch die ſteten Bewegungen des Handels, durch die ſo altäglich gewordenen Reiſen die nãchſten Verwand⸗ ten nothwendig ſich oft in groſſer Entfernung von einander aufhalten, mußte man ihnen erlauden, durch ſpatere beſondere Akte, oder auch durch beſonders Pevollmächtigte ihre Annahme zu erklären. Das Ge⸗ ſetz beſtimmt, welche Vollmacht zu dem Ende als hin⸗ länglich betrachtet werden ſoll. Die Frage, ob der Schenkuehmer die Freiheit ha⸗ ven ſolle, die noch nicht angenommene Schenkung zu widerrufen, hat zu heftigen Debatten Anlaß gege⸗ ben. Das Geſetz hat ſie beiahend enſchieden. Die einen behaupteten, daß, wenn dem Schenkuehmer teine ZeitFriſt geſebt würde, in welcher er zur An⸗ nahme nicht mehr zugelaſſen iſt, der Schenkgeber ihm auch dieſe Befugniß nicht willkührlich durch ſeinen Widerruf entziehen könne. Die andern behaupte⸗ ten hingegen, daß der Akt, vis zur Aunahme unvoll⸗ ſtindig ſey, und alſo nicht binden könne. Ihre Meinung war ſchon durch die Ordonnanz von 1731 (163) einige Wirkung haben, wo der Akt, der dieſe An⸗ nahme konſtatiren wird, ihm bekannt gemacht wor⸗ den ſein wird. Art. CCxxII. Wenn der Schenknehmer großjaͤhrig iſt, ſo muß die Annahme von ihm, oder in ſeinem Namen durch einen Bevollmächtigten geſchehen, deſſen Vollmacht die Befugniß, die ihm geſchehene Schenkung anzu⸗ nehmen, oder die allgemeine Gewalt enthalten muß, alle die Schenkungen anzunehmen, welche ihm ge⸗ macht worden wären oder gemacht werden konnten. Anmerkungen. beſtätigt worden. Die bloſſe Annahme allein iſt ebenfalls nicht hinlaͤnglich. Sie muß erſtens zu Lebzeiten des Schenkgebers geſchehen; und da die Schenkung nicht eher vollkommen ſein kann, als wenn der Schenkge⸗ ber unwiderruflich gebunden iſt, ſo kann die Annah⸗ me des Schenknehmers durch einen ſpätern Akt blos von dem Tage an ihre Wirkung hervorbringen, wo ſie dem Schenkgeber notifizirt worden ſein wird; eine Vorſicht, die man in den alten Geſetzen nicht findet, die aber auſſerſt nothwendig iſt, um zu ver⸗ hindern, daß der Schenkgeber nicht perſonlich das Dpfer von ſpätern Vertragen werde, die er in der Ue⸗ berzeugung, daß er nicht gebunden ſey, gemacht haben konnte. Zum Art. 223 bis 223. Die Annahme, welche den Schenknehmer nicht binden würde, könnte auch den Schenkgeber nicht verpflichten. Daher traten alle die über die Befugniß zu kontrahiren für gewiſſe Perſo⸗ nen in den vorhergehenden Titeln aufgeſtellte Re⸗ geln und Einſchränkungen hier wieder ein. Ohnge⸗ achtet eine Schenkung immer, ohne Ruckſicht auf die damit verbundenen Pedingungen, als ein Vortheil 6 (164N Dieſe Vollmacht ſoll vor einem Rotair gefertigt ſein muſſen, und eine Ausfertigung davon ſoll der Urſchrift der Schenkung oder der Urſchrift des Ak⸗ tes der Annahme, die durch einen beſondern Akt ge⸗ ſchehen konnte, angeheftet werden.⸗ Art. CCXXIV. Das verheirathete Weib ſoll in Gemäßheit der Vorſchrift der Artikel 211 und e1z des Titels: von der Ehe, keine Schenkung ohne die Einwilligung ſeines Mannes, oder im Falle der Weigerung von deſſen Seite, ohne Ermächtigung des Richters, an⸗ nehmen können. Art. CCXxXV. Die, zum Vortheil eines nicht emancipirten Mln⸗ derjahrigen oder eines Interdicirten geſchehene, Schen⸗ kung muß gemäß dem Art. 457 des Titels: von der Anmerkungen. zu Gunſten des Schenknehmers angeſehen werden muß, ſo iſt es doch ſchon hinlaͤnglich, daß ſie auch von Seiten dieſes letzten eine Verbindlichkeit ſey, um die Fähigkeit zu kontrahiren, oder die Formalitäten, wel⸗ che ſie erſetzen, zu erheiſchen. Dieſe allgemeinen Ver⸗ füͤgungen haben hier in ihrer Anwendung nur gerin⸗ ge Modifikationen erhalten. Der Art. 224 enthaält weder fuͤr die Weiber, welche nicht in Gemeinſchaft der Güter mit ihren Männern leben würden, noch fuͤr jene, die durch Urtheile getrennt ſein könnten, eine Ausnahme. Die Befugniß welche der Art. 225 (1650 Minderjährigkeit, von ſeinem Vormund ange⸗ nommen werden. Der emancipirte Minderjahrige ſoll unter Beiſtand ſeines Kurators annehmen können. Richtsdeſtoweniger ſollen die Aeltern des eman⸗ cipirten oder nicht emancipirten Minderjaͤhrigen, oder ſeine andern Aszendenten, ſelbſt bei Lebzeiten ſei⸗ ner Aeltern, und wenn ſie auch ſchon weder Vor⸗ muͤnder noch Kuratoren deſſelben ſind, für ihn anneh⸗ men konnen. At CCXXV Der Taubſtumme, der ſchreiben kann, ſoll ſelbſt oder durch einen Bevollmächtigten annehmen können. Wenn er nicht ſchreiben kann, ſo muß die An⸗ Anmerkungen. den Aszendenten geſtattet, iſt in der Natnr gegruͤn⸗ det. Das Geſetz wollte vermeiden, daß bei Akten, die immer fuͤr vortheilhaft gehalten werden, die Minderjährigen nicht das Opfer des perſoͤnlichen In⸗ tereſſe's oder der Nachläſſigkeit deren werden konnten, die das Geſetz beauftragt, in ibrem Namen anzu⸗ nehmen. Es hat die Bande des Bluts und der Na⸗ tur für eine hinlaͤngliche Vollmacht gehalten; und oh⸗ ne der väterlichen Gewalt und der Verwaltung der Vor⸗ muͤnder, den mindeſten Abbruch zu thun, ertheilt es allen Aszendenten die Befugniß, ohne ihre Einwilligung und ſelbſt ohne ihr Gutachten für den Minderjährigen zu acceptiren. Seit durch die glücklichen Anſtrengungen der Wohlthätigkeit und des Genies die Taubſtummen der Geſelſchaft zu⸗ rüͤckgegeben worden ſind, find ſie auch fähig gewor⸗ (166) nahme durch einen, zu dem Ende ernannten Kura⸗ tor, nach den im Titel: von der Minderjaͤhrig⸗ keit, aufgeſtellten Regeln geſchehen. Art. CCXXVII. Die Schenkungen zum Vortheil von Hospitien, der Armen einer Gemeinde, oder von gemeinnützi⸗ gen Anſtalten ſollen von den Verwaltern dieſer Ge⸗ meinden oder Anſtalten, nachdem ſie gehörig dazu ermächtigt worden, angenommen werden. Art. CCXXVIII. Jede gehörig angenommene Schenkung ſoll durch die bloſſe Einwilligung der Parthepen vollbracht ſein; Anmerkungen. den ihre Rechte und Pflichten auszuuͤben. Kann ba⸗ her der Taubſtumme durch Schreiben ſeinen Willen äuſſern, ſo kaun er ſelbſt oder durch einen Bevoll⸗ maͤchtigten annehmen, wo nicht, ſo wird ihm eigends hierzu ein Kurator ernannt(Art. 24 Die Scheu⸗ kungen zum Beſten der Armen oder ffentlicher An⸗ ſtalten, durfen nicht ohne Ermächtigung der Regie⸗ rung, die mit gleicher Sorgfalt fuͤr das Intereſſe der Familien und der Armen ſorgt, angenommen werden(Art. 227.) gum Art. 228. Mehrere Perfügungen der Ordon⸗ nanz von 1731 haben auf die praktiſche Tradition der geſchenkten Gegenſtände Bezug. Piele Her⸗ kommen erforderten dieſe Formalität, welche in den Provinzen vom geſchriebenen Rechte unbekannt wak. Sie vermehrt aber weder die Gewißheit noch die Un⸗ widerruflichkeit der Schenkungen. Man gab daher der Regel des römiſchen Rechtes, welches die Schen⸗ (1670 und das Eigenthum der geſchenkten Gegenſtände ſoll auf den Geſchenknehmer uͤbertragen ſein, ohne daß eine andere Auslieferung(extrahtion) vonnöthen wäre. Art. CLXXIX. Wenn die Schenkung Guͤter begreifen wurde, die einer Hypothek empfaͤnglich ſind, ſo ſoll die Ueber⸗ ſchreibung(transcription) der Akte, welche die Schenkung und die Annahme enthalten, ſo wie die Zuſtellung der Annahme, welche durch einen beſon⸗ Anmerkungen. tungen als bloße Pacte betrachtet, den Vorzug, da ſie eine Menge zweckloſer Schwierigkeiten hinwegräumt. Eine gehörig angenommene Schenkung iſt daher durch die bloße Einwilligung beider Parthepen vol⸗ lendet, und das Eigenthum iſt auf den Schenkneh⸗ mer uͤbergegangen, ſelbſt wenn keine Tradition ſtatt gefunden hat, ſelbſt wenn der Schenkgeber, auch oh⸗ ne ſich den Nießhrauch vorbehalten zu haben, immer im Beſitz der geſchenkten Güter geblieben wäre. Zum Art. 229 u. 230. Das römiſche Recht hatte eine andere aͤnſſere Formalitaͤt eingefuͤhrt: nemlich die Inſinuation der Schenkung. Es war der Zweck dieſer Bekanntmachung, jeden Betrug, z. B. durch die Vorgabe ſolcher Akte, und den Nachtheil der Glaͤubiger, welche von ſolchen Veraͤnſſerungen nicht unterrichtet geweſen waͤren, zu verhindern. Eine lange Reihe von Geſeßzen hatte in Frankreich die Inſinuation befohlen und organiſirt, deren Aus⸗ fübrung jedoch unendliche Schwierigkeiten darbot. Die Ordonnanz von 1731 hatte deren mehrere in Hinſicht auf die Anwendung der Nullitaͤt gegen die Schenkungen, bei welchen ſie nicht beobachtet Guüter gelegen ſind. (168) dern Akt ſtatt gehabt haben könnte, in denjenigen Hypothekat Bureauy geſchehen, in deren Bezirk die Ark CLX Dieſe Ueberſchreibung ſoll auf Betreiben des Man⸗ nes geſchehen, wenn die Guͤter ſeiner Frau geſchenkt worden ſind; und wenn der Mann dieſe Formalität nicht erfüllt, ſo ſoll die Frau ohne Ermächtigung dazu ſchreiten laſſen können. Wenn die Schenkung(zum Vortheil von) Minder⸗ jährigen, Interdicirten oder öffentlichen Anſtalten Anmerkungen. worden war, uͤber die Nothwendigkeit ihrer Erfuͤllung in den verſchiedenen Orten des Wohnſitzes der Par⸗ theyen und der Lage der Guͤter, über die Art und die ZeitFriſten derſelben, gehoben. Spaͤter fand man noch geſetzliche Auslegungen der Ordonnanz no⸗ chig, und dieſe bloße Formalität war der Gegenſtand eines dicken Bandes verwickelter Geſetze geworden. Dieſe ganze Geſetzgebung uͤber die Publizitat der SchenkungsAkte iſt ohne Gegenſtand, ſeitdem durch die Einfuͤhrung der HypothekarOrdnung nicht allein dieſe, ſondern auch alle Veräuſſerungen von Immöbel auf öffentliche Regiſter eingeſchrieben werden muſſen. Der Zweck aller dieſer Geſetze wird durch zwei einzige Artikel erreicht, welche verfügen, auf weſſen Betreiben und in welchen Hypothekar Bureaur dieſe Akte trans⸗ cribirt werden muſſen. Was die Mobel betrifft, die der Gegenſtand einer Schenkung ſein könnten, ſo betrifft ſie dieſe Formalität nicht, da kein Veraͤuſſe⸗ rungs Akt von Moͤbeln dieſer Foͤrmlichkeit unterworfen iſt. Man hielt es ebenfalls unnothig, die Transcrip⸗ tion des Aktes auf den Hypothekar Bureaux des Wohn⸗ 61695 geſchehen ſein wird, ſo ſoll die Ueberſchreibung auf Betreiben der Vormuͤnder, der Kuratoren oder Ver⸗ walter geſchehen. Art. CCXXxl. Der Abgang(1e delaut) der Ueberſchreibung kann von jedem opponirt werden, der ein Intereſſe dazu hat; die Perſonen, welche beauſtragt ſind, die Ue⸗ berſchreibung machen zu laſſen, die, welche in ihre Anmerkungen⸗ ortes der Partheyen zu verfuͤgen; da dieſe Formali⸗ tät ebenfalls in das allgemeine Syſtem der Erhaltung der Rechte der Glaͤubiger nicht aufgenommen worden iſt. Man kann ſich in dieſer Hinſicht auf die Publi⸗ zität der Regiſter und die Sorgfalt aller Betheilig⸗ ten verlaſſen, welche ſich vorher überzeugen werden, ob das ihnen zum Unterpfand angebotene Gut dem Schuldner noch angehoͤre. Zum Art. 231. Es war unnöthig, eine Zeit zu be⸗ ſtimmen, in welcher die Transcription geſchehen müſ⸗ ſe, da das eigne Intereſſe des Schenknehmers ihn beſtimmen muß, dieſe Formalitaͤt, durch welche erſt das Eigenthum auf ihn übergeht, zu beſchleunigen. Müßte er nicht ſonſt befurchten, daß ein wenig ge⸗ wiſſenhafter Schenkgeber die geſchenkten Güter noch⸗ mal veränſſern oder hpvotheziren koͤnne? Solange die Transcription nicht geſchehen iſt, mußte in dieſem Falle der Schenkgeber vor den Glaͤubigern oder An⸗ kaͤufern zurückſtehen, da dieſe kein anderes Mittel haben, ſich von dem wirklichen Eigenthum ihres Schuldners zu überzeugen, als die offentlichen Regi⸗ ſter der Hppotheken Verwaltung und daher nicht das Opfer der Unterlaſſung der geſetzlichen Einſchrei⸗ bung auf dieſe Regiſter werden können⸗ Dieoͤffent⸗ liche Moral konnte jedoch nicht zugeben, daß dieſe (1705 Rechte eingetreten ſind, und der Schenkgeber jedoch ausgenommen. Art. CCXXXII. Die Minderjaͤhrigen, die Interdicirten, die ver⸗ heiratheten Weiber, ſollen gegen den Abgang der Annahme oder der Ueberſchreibung der Schenkungen nicht reſtituirt werden; vorbehaltlich ihres Ruͤckgrifſs gegen ihre Vormuͤnder oder Maͤnner, wenn er ſtatt ſindet, und ohne daß die Reſtitution ſelbſt in dem Anmerkungen. Unterlaſſung auch denen zum Vortheilgereichen konne, deren Pflicht es war, für das Intereſſe der ihnen an⸗ vertrauten Perſonen zu wachen, und zu ihrem Vor⸗ theil die Ueberſchreibung zu beſorgen. Zum Art. 232. Die Frage, ob die Minderjahrigen und andere Privilegirte gegen die Unterlaſſung de Trans⸗ cription oder der alten Inſiuuation reſtituirt werden koͤnnten, war weder durch das römiſche Recht noch durch die alten Ordonnanzen entſchieden. Bis zur Ordon⸗ nanz von 1731, welche das Gegentheil, einer Dekla⸗ ration vom 19 Jänner 1712 gemaß, entſchied, war die Jurisprudenz in dieſer Hinſicht willkuhrlich. Man hat dieſe Verfügung der Ordonnanz beibehalten; ſie be⸗ ruht auf dem Grundſatz, daß, wenn die Minderjahri⸗ gen zur Erhaltung ihres Vermögens, und um ſie vor jeder ihrem Alter gefährlichen Argliſt zu bewahren, Privilegien genieſſen, ſie ſich doch dem allgemeinen Rechte nicht entziehen können, ſobald es blos dar⸗ auf ankommt, ihre Lage durch Schenkungen zu ver⸗ beſſern. Das Geſetz kann ihnen alſo nichts, als den Ruͤcgriff gegen die, welchen das Geſetz die Sorge der Transcription auferlegt, geſtatten. Es ſchweigt gegen den Ruͤckgriff, der im Namen offentlicher An⸗ (171 Falle ſtatt haben könnte, wenn die beſagten Vormuͤn⸗ der oder Maͤnner ſich unzahlsfaͤhig finden ſollten. Art. CCXRxlIII. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden ſoll blos das gegenwaärtige Vermögen des Schenknehmers begrei⸗ fen können; wenn ſie zukunftige Güter begreift, ſo ſollen ſie in dieſer Hinſicht nichtig ſein. Anmerkungen. ſtalten gegen ihre Verwalter ſtatt finden konnte, weil dieſe mit keiner andern, als der ihren AmtsVer⸗ richtungen anklebenden Verantwortlichkeit belaſtet wer⸗ den koͤnnen. Zum Art. 233 u. 234. Man hat die Frage aufgewor⸗ fen, ob die Schenkungen zwiſchen Lebenden, welche waͤhrend dem Leben des Schenkgebers nicht angenom⸗ men worden waͤren, die er aber nicht widerrufen hatte, als teſtamentariſche Verfuͤgungen beſtehen könuten. Man kann zwar ſagen, daß der Akt den Willen zu geben konſtatirt; daß wenn der Schenk⸗ nehmer durch keinen Widerruf der Befngniß anzu⸗ nehmen beraubt worden iſt, und der Schenkgeber ge⸗ ſtorben iſt, ohne ſeine Abſicht, ihn zu beſchenken, veraͤndert zu haben, dieſer in den geſetzlichen Schranken gehaltene Wille geachtet werden muß; al⸗ lein dieſe Meinung kann dennoch nicht durchgreiſen weil das Geſetz für die Teſtamente mehr Förmlich⸗ keiten, als fuͤr die Schenkungen zwiſchen Lebenden erfo⸗ dert. Man kann alſo nicht vermuthen, daß der Schenkgeber eine teſtamentariſche Verfuͤgung habe machen wollen, als welche ſein Akt nicht hinreichend ſein würde, und in keinem Falle durfte es erlaubt ſein, ſo von der Verbindlichkeit, die fuͤr die Teſta⸗ mente vorgeſchriebenen Formalitäten zu erfuͤllen, frei⸗ zuſprechen. Es beſteht keine Schenkung zwiſchen Le⸗ (1720 Art. CCXXXIV. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden, die unter Be⸗ dingungen geſchehen wäre, deren Vollzug von dem bloſſen Willen des Schenkgebers abhangt, ſoll nich⸗ tig ſein. t 58 Art. ccxxxv. Sie ſoll ebenfalls nichtig ſein, wenn ſie unter der Bedingung geſchehen ware, andere Schulden oder Laſten abzutragen, als die welche zur Zeit der Anmerkungen. benden, wenn ſſch der Schenkgeber nicht ſogleich und unwiderruflich ſeines Eigenthums begiebt. P Wenn man die Anwendung dieſes Grundſaßzes macht, ſo folgt nothwendig, daß die Schenkung blos das gegen⸗ waͤrtige Vermoͤgen des Schenkgebers begreifen, und nicht unter Bedingungen geſchehen kann, deren Er⸗ füllung blos von ihm abhängt. Die Ordonnanz von 1731 hatte jede Schenkung, die das gegenwartige und zukünftige Vermogen begreifen wuͤrde, auch fuͤr das gegenwaͤrtige nichtig erklärt, weil man eine ſolche Verfügung ſolange fuͤr untheilbar anſah, als kein ent⸗ gegengeſeßter Wille des Schenkgebers erwieſen war. Die von dem Artikel 233 gemachte Beſchränkung die⸗ ſer Verfuͤgung ſcheint jedoch der Natur der Sache und dem vermuthlichen Willen des Schenkgebers eher an⸗ gemeſſen. Zum Art. 235. Natuͤrlicherweiſe kamn man nun auf das, was die Schulden und Laſten betrifft. Auch hier iſt das Geſetz mit der Ordonnanz von 1731 einſtirmmig. Der Lakonis'm deſſelben über dieſen Punkt hatte anfangs einige Beſorgniß erregt, allein man fand bald, daß jede weitere Ausdebnung über⸗ luͤſſig geweſen ſein wurde. Die Schenkungen begrei⸗ 01730 Schenkung wirklich vorhanden waren, oder die ent⸗ weder im SchenkungsAkt, oder in dem Verzeichniſſe, welches demſelben beigefuͤgt werden mußte, aus⸗ druͤcklich bezeichnet wären. Art. CCxXXVI. Im Falle der Schenkgeber ſich die Freiheit vor⸗ behalten hätte, uͤber einen in der Schenkung be⸗ griffenen Gegenſtand oder uͤber eine beſtimmte, von den geſchenkten Guͤtern zu erhebende Summezu ver⸗ Anmerkungen. fen nemlich entweder die Geſammtheit der Guͤter, oder einen Theil der Guͤter, oder eine Gattung der Güter, oder einen beſondern Gegenſtand. Imerſten Falle wird blos das geſchenkt, was nach Abzug der Schulden uͤbrig bleibt. Folglich iſt der Schenknehmer der Geſammtheit der Guͤter, ohne daß es noͤthig geweſen wäre, es zu bemerken, gehalten, alle, zur Zeit ber Schenkung beſtehende, Schulden und Laſten abzutragen. Der Schenknehmer eines beſtimmten Theils der Güter, muß den verhältnißmaſigen Theil der Schulden tragen. Der Schenknehmer aller Guͤter einer gewiſſen Gattung z. B. aller oder eines Theils der Moͤbel oder Immöbel muß ebenfalls nach Ver⸗ hältniß ſeines Vortheils zu den Schulden beitragen, da das Geſetz eine ſolche Verfuͤgung als eine Univer⸗ ſalVerfuͤgung(disposition à titre universel) betrach⸗ tet. Der Schenknehmer aber eines beſtimmten Ge⸗ genſtandes iſt blos zu denjenigen Schulden und La⸗ — die ihm ausdrücklich auferlegt wor⸗ en ſind. Zum Art. 236. Eine andere nothwendige Folge des weiter oben,(bei den Artikeln 233 und 234) ent⸗ wickelten Grundſaßes. G1740 fugen, ſo ſoll, wenn er ſtirbt ohne daruͤber verfügt zu haben, der beſagte Gegenſtand oder die beſagte Summe den Erben des Schenkgebers gehoͤren, aller dem zuwiderlaufenden Klauſeln und Stipulationen ohngeachtet. Art. CexxxVII. Die vier vorhergehenden Artikel ſind auf die Schen⸗ kungen nicht anwendbar, von welchen in den Ka⸗ piteln VI. und VIIl. des gegenwärtigen Titels die Rede iſt. Art. CCxXXVIII. Jeder Schenkungs Akt von MobiliarEffekten ſoll blos fur die Effekten guͤltig ſein, uͤber welche ein, von dem Schenkgeber und dem Schenknehmer oder denen, welche fuͤr ihn annehmen, unterzeichnetes Anmerkungen. gum Art. 237. Eine Ausnahme, die ſich auf die Fordernngen der Natur und die innigſte Verbindung zwiſchen den Kontrahenten begrundet, und zur Be⸗ guͤnſtigung der Ehen geſtattet iſt; ſie rechtfertigt ſich auch dadurch, daß bei Schenkungen dieſer Art auch die aus der Ehe entſprungene Nachkommenſchaft intereſ⸗ ſirt iſt. gum Art. 233. Die Schenkungen von Möbel ſind nothwendig ibrer Natur nach ganz andern Regeln⸗ gls die von Immöbeln, unterworfen. Zuerſt muß ein PVerzeichniß der geſchenkten Gegenſtände dem Akte an⸗ geheftet werden, der immer oͤffentlich ſein muß, und worinn ein jeder Dritter die ihn intereſſirende Aus⸗ kunft finden muß. Da ferner auch dieſe Schenkun⸗ geu der Redultion untetworfen ſind, ſo war es we⸗ G175N Verzeichniß mit der Tape derſelben der Urſchrift der Schenkung angeheftet worden ſein wird. Art. CCXXXIX. Es iſt dem Schenkgeber erlaubt, ſich zu ſeinem Vortheil den Gebrauch oder die Ruznieſſung der ge⸗ ſchenkten, beweglichen oder unbeweglichen Guͤter, vorzubehalten oder zum Vortheil eines andern dar⸗ uͤber zu verfuͤgen. Art. CCXL. Wenn eine Schenkung von MobiliarEffekten mit dem Vorbehalt des Rießbrauchs geſchehen ſein wird, ſoll der Schenknehmer bei Erlöſchung des Rieß⸗ brauchs gehalten ſein, die geſchenkten Effekten, welche ſich in Natur vorfinden, in dem Zuſtande anzunehmen, worin ſie ſich befinden werden; er ſoll nur gegen den Schenkgeber oder ſeine Erben wegen Anmerkungen. ſentlich, daß auch die Tare der geſchenkten Gegenſtaͤnde darinn enthalten ſey. Das Geſetz ſagt: jeder Schen⸗ kungs Akt. Es ſpricht nicht von Geſchenken aus freier Hand, die keiner Form unterworfen werden können. Solche Geſchenke haben keine andere Regel, als die Nothwendigkeit der Tradition, mit Vorbehalt der Reduktion und der Collation in den vom Geſetz be⸗ ſtimmten Fällen. Zum Art. 239 u. 240. Dieſe Artikel beruhen auf den Grundſätzen der natuͤrlichen Billigkeit, und ihre Annahme gab zu keinen Erörterungen Anlaß. Die durch den erſten dem Schenkgeber geſtattete Befugnis, (176 den nicht vorfindlichen Gegenſtänden bis zur Kon⸗ kurrenz des Werthes, zu welchem ſie in dem die Taxe enthaltenden Verzeichniß abgeſchaͤtzt worden ſind, KlageRecht haben. Art. CCRLI. Der Schenkgeber kann ſich das Ruckfall Recht der geſchenkten Gegenſtände, ſowohl fur den Fall des Vorabſterbens des Schenknehmers allein, als auch für den Fall des Vorabſterbens des Schenk⸗ nehmers und ſeiner Deszendenten ſtipuliren. Dieſes Recht kann nur zum Vortheil des Schenk⸗ gebers allein ſtipulirt werden. Art. CCXLII. Das Ruͤckfall Recht ſoll die Wirkung haben, alle Anmerkungen. thut den Grundſaͤtzen, worauf jede Schenkung be⸗ ruht, keinen Abbruch, da das Eigenthum, un⸗ mittelbar auf den Schenknehmer im Angenblick der Annahme uͤbergeht. Zum Art. 241 u. 242. Wir haben oben geſeben daß jede Schenkung unwiderruflich iſt. Sollte dieſe Un⸗ widerruflichkeit das RuͤckfalRecht ausſchlieſſen? Ehe⸗ dem unterſchied man den geſetzlichen und den kon. ventionellen Ruͤckfall. Das Geſetz hat nur den erſten beibehalten, er muß ausdruͤcklich ausbedungen ſein, und kann es nur zum Vortheil des Schenkgebers al⸗ lein werden. Er kann es ferner nur fuͤr den einzi⸗ gen, in dem Artikel beſtimmten Fall, werden. Keine Stipulation konnte gerechter ſein. Sie iſt eine der (1770) Veräuſſerungen der geſchenkten Guter aufzuheben, und ſie von allen Laſten und Hypotheken frei und entlaſtet an den Schenkgeber zuruͤckfallen zu machen, vorbehaltlich jedoch der Hypothek der Ausſteuer, und der EheVertraͤge, wenn die andern Guͤter des ſchenknehmenden Ehegatten unzurcichend ſind, und blos in dem einzigen Falle, wenn die Schenkung ihm durch denſelben HeurathsKontrakt gemacht worden ſein wird, aus welchem dieſe Rechte und Hypothe⸗ ken herflieſſen. Zweiter Abſchnitt. PVon den Ausnahmen von der Regel der Unwiderruflichtelt der Schenkungen zwiſchen Lebenden. Art. CCXLIII. Eine Schenkung zwiſchen Lebenden ſoll aus kei⸗ Anmerkungen. Bedingungen der Schenkung; und eine gerechte Bedin⸗ gung, dader Schenkgeber ſich nur wegen der Neigung, die er zu dem Schenknehmer und ſeinen Deszenden⸗ ten trug, ſeines Eigenthums begeben hat. Selbſt der Dritte, welcher die geſchenkten Guͤter gekauft oder Geld darauf geſchoſſen haͤtte, kann ſich nicht bekla⸗ gen, da er durch den, in dem offentlichen Akt ſtipu⸗ lirten Vorbehalt genugſam gewarnt war. Zweiter Abſchnitt. Zum Prt. 243. Der erſte Grundſaz der Unwider⸗ ruflichkeit der Schenkungen erleidet blos in folgen⸗ den Fällen eine Ausnahme: 1) wegen der NichtEr⸗ füͤllung der Bedingungen, unter welcheu die Schen⸗ 12 (1785 nem andern Grunde widerrufen werden können, als wegen der NichtErfullung der Bedingungen, unter Anmerkungen. kung geſchehen iſt. Dieſe Urſache iſt allen Vertraͤgen gemein, weil kein Wortbrüchiger von ſeiner Untreue Vortheil ziehen darf. 2) Wegen der Undankvarkeit des Schenknehmers; in dieſem Falle erfordert ſowohl die offentliche Moral, als auch die naturliche Bil⸗ ligkeit den Widerruf der Schenkung, weil der Schenkgeber, hatte er den Undank des Schenkneh⸗ mers vorausſehen köunen, die Schenkung gewiß nicht gemacht haben wuͤrde. 3) Die dritte Ausnabme iſt der Fall der Nachgeburt von Kindern, deren Grund eben ſo rechtlich iſt. Als der Schenkgeber ſich ſeines Eigenthums begab, kannte er die Macht der väter⸗ ſichen Neigung nicht. Das Geſetz, welches hier mit der Natur übereinſtimmt, vermuthet, daß, wenn der Schenkgeber geglaubt hätte einſt Kinder zu erhalten⸗ er die Schenkung nicht gemacht haben wuͤrde. Der Schenknehmer darf daher, im Augenblick der Schen⸗ kung, keine wirklich lebende Kinder gehabt haden, wenn die Schenkung aus dieſem Grunde vernichtet werden ſoll. Der Widerruf wegen Nachgeburt von Kindern fin⸗ det ſich durch ein beruhmtes romiſches Geſetz begründet s unquam, Cod. de Revoc. donst). Es giebt in der That keine Erwägung, welche die Vermuthuns entkräften konnte, daß der Schenknehmer keinen Frem⸗ den ſeinen eigenen Kindern vorziehen wollte. Verge⸗ bens würde man einwenden, daß eine große Unſicher⸗ heit des Eigenthums daraus entſtehen muͤſſe, daß die Kinder erſt lange nachher gebohren werden kön⸗ nen, daß der Schenkgeber die Moͤglichkeit, noch Kin⸗ der zu erhalten, vorher erwägen konnte, und daß ſeine Freigebigkeiten pielleicht andere Verbindungen beſtimmt haben konnen. Alles muß den Geſetzen der Natur weichen, welche alle Neigungen der vaä⸗ terlichen Liebe unterordnet. Es laͤßt ſich nicht ver⸗ muthen, daß der Pater durch ſeine Freigebigkeit zu⸗ gleich ſeine Pflichten gegen die Geſellſchaft und gegen ſeine Deszendenten verleten wollte; könnte ein ſol⸗ chet Wile vermuthet werden, ſo wuͤrde das öffent⸗ 0179N welchen ſie geſchehen ſein wird, wegen Undankbar⸗ keit und wegen ſpäterhin gebohrner Kinder. Art. CCXLIV. Im Falle des Widerrufs wegen der NichtErfuͤl⸗ lung der Bedingungen, ſollen die Güter, frei von allen Laſten und Hypotheken, die von dem Schenk⸗ nehmer herruͤhren könnten, an den Schenkgeber zu⸗ ruͤckfallen; und der Schenkgeber ſoll, gegen jeden dritten Beſitzer der geſchenkten Immöbel alle Rechte Anmerkungen. liche Intereſſe ihn verwerfen. Selbſt der Schenkneh⸗ mer kann dieſe Grundſaͤtze nicht verkennen, und konnte die Schenkung alſo nur unter dieſer ſtilſchweigenden Bedingung aunehmen. Dieſe Regel iſt ſo beibehal⸗ ten worden, wie ſie ſich auch in der Ordonnanz von 1735 befand. Sum Art. 244. Wenn wir den Schenkgeber und den Schenknehmer betrachten, ſo müßten dieſe drei Ur⸗ ſachen des Widerrufs dieſelben Wirkungen hervorbrin⸗ gen. Allein man darf hier auch das Intereſſe jedes Dritten nie aus dem Auge verlieren. Deshalb ſind die Wirknngen des Widerrnfs verſchieden, je nachdem er aus dieſer oder jener Urſache ſtatt gefunden hat. Wenn aber im vorliegenden Falle die Glaͤubiger oder Ankaäu⸗ fer ſich beklagen wurden, ſo könnte man ihnen ant⸗ worten: warum habt ihr kontrahirt, ohne euch die Ratifikation des Schenkgebers verſchafft zu haben, oder euch über die RechtsTitel, worauf ſich das Ei⸗ genthum eures Gläubigers oder Schuldners grundete, zu verſichern? Erſt durch die Erfüllung der Verbind⸗ lichkeiten, worunter die Schenkung geſchah, geht das Eigenthum auf den Schenknehmer uͤber; ſind dieſe Bedingungen alſo nicht erfüllt worden, ſo iſt anch das Eigenthum nicht uͤbergegangen, und konnte daher auch nicht wieder veräuſſert werden. * (180) haben, die er gegen den Schenknehmer ſelbſt ha⸗ ben wuͤrde. Art. CCXLV. Eine Schenkung zwiſchen Lebenden ſoll wegen Un⸗ dankbarkeit nur in folgenden Fällen widerrufen wer⸗ den können: 1) wenn der Schenknehmer dem Leben des Schenk⸗ gebers nachgetrachtet hat. 2) Wenn er ſich Mishandlungen, Vergehen oder grobe Beleidigungen(sevices, delits ou miu- vais traitemens) gegen ihn hat zu ſchulden kom⸗ men laſſen. 3) Wenn er ihm Alimente verweigert. Art. CCxLVI. Der Widerruf wegen RichtErfuͤllung der Bedin⸗ Anmerkungen. Zum Art. 245. Dieſer Artikel beſtimmt, um will⸗ kuhrlichen Prozeſſen auszuweichen, die einzigen Fälle in welchen der Widerruf, Undanks halber ſtatt findet. Man hat ſie ſo ſehr beſchränkt als das Intereſſe der Geſellſchaft, die Sicherheit des Eigenthums auf der einen, und die Sittlichkeit auf der andern Seite es erlaubten. Auſſer poſitiven Mishandlungen finden wir auch noch die Verweigerung von Alimenten dar⸗ unter, nach dem Grundſatz: uecare videtur, qui ali- menta denegat. gum Art. 246. Weil die urſachen, worauf er ſich gruͤndet, einer Konteſtation unterworfen ſind, und alſo koutradittoriſch bewieſen werden muͤſſen. (181) gungen oder wegen Undankbarkeit ſoll nie ohne wei⸗ teres von Rechtswegen(de plein droit, ipo jure) ſtatt haben. Die Klage auf Widerruf der Undankbarkeit hal⸗ ber ſoll in JahresFriſt, von dem Tag des Ver⸗ gehens an, welches der Schenkgeber dem Schenk⸗ nehmer zur Laſt legt, oder von dem Tage an zu rechnen, wo das Vergehen dem Schenkgeber be⸗ kannt ſein konnte, angeſtellt werden muͤſſen. Dieſer Widerruf ſoll weder von dem Schenkgeber gegen die Erben des Schenknehmers, noch von den Erben des Schenkgebers gegen den Schenknehmer in Anſpruch genommen werden können, wenn nicht in dieſem letzten Falle die Klage(bereits) von dem Schenkgeber(ſelbſt) erhoben worden, oder dieſer im Laufe der Jahres Friſt von dem Vergehen an verſtor⸗ ben iſt. Art. CCxLVIII. Der Widerruf, der Undankbarkeit halber, ſoll weder den, von dem Schenknehmer gemachten, Ver⸗ Anmerkungen. Zum Art. 248. Der Widerruf wegen Undank muß nothwendig undere Folgen als der wegen Richt Erfül⸗ lung der Bedingungen hervorbringen; nicht als wenn —————————— (182) äuſſerungen, noch den Hypotheken und andern Re⸗ alLaſten, womit er den Gegenſtand der Schenkung beſchwert haben mag, Abbruch thun, vorausgeſetzt, daß alles dies ſtatt gehabt hätte, ehe der Auszug der Klage auf Widerruf am Rande der durch den Artikel 227 vorgeſchriebenen Transcription einge⸗ ſchrieben worden. Im Falle des Widerrufs ſoll der Schenknehmer verurtheilt werden, den Werth der veräuſſerten Ge⸗ genſtaͤnde, mit Ruͤckſicht auf die Zeit der Klage, Anmerkungen. dieſe Urſache nicht gleichfalls bie ganze Rache des Ge⸗ ſetzes verdiente, ſondern weil dieſe gegen den Schenk⸗ nehmer gerichtet werden muß, welcher dafür, daß er die Bande der Dankbarkeit zerriſſen hat, Strafe ver⸗ dient. Deshalb ſind auch die Urſachen der Undankbarkeit ausgedehnter, als die der Unwürdigkeit. Der Un⸗ wurdige war blos durch einen vermuthlichen Willen zur Erbſchaft berufen; der Schenknehmer warder Ge⸗ genſtand der ausdrucklichen und zärtlichen Sorgfalt des Schenkgebers geweſen; kein Dritter aber konnte den Undank des Schenknehmers vorausſehen; kein Dritter kann alſo das Opfer deſſelben werden, ſon⸗ dern die Strafe muß auf den Schenknehmer allein zurückfallen. Der oͤffentliche Glanben fordert auch, daß der Wi⸗ derruf der Schenkung nicht eher in Hinſicht auf je⸗ den Dritten einige Wirkung haben könne, als nach⸗ dem ſich vermuthen läßt, daß dieſer Dritte Kenntniß davon hatte; und dies laͤßt ſich erſt von dem Tage an vermuthen, wo der Schenkaeber am Rande der Schenkung auf dem öffentlichen Transcriptions Regi⸗ ſter von ſeiner Klage auf Widerruf Meldung ge⸗ than hat. (183) und die Früchte(rucuus) von dem Tage dieſer Klage an, zurückzuerſtatten. Art. CCXLIX. Die Schenkungen zu Gunſten der Ehe ſollen Un⸗ danks halber nicht widerrufen werden können. Art. CCL⸗. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden, welche von Perſonen geſchehen wäre, die zur Zeit der Schen⸗ kung keine wirklich lebende Kinder oder Deszenden⸗ ten hatten, von welchem Werthe dieſe Schenkungen auch ſein könnten, und unter welchem Titel ſie ge⸗ ſchehen ſein mögen, wenn ſie auch ſogar gegenſeitig oder remuneratoriſch(zur Vergeltung geſchehen) waͤ⸗ ren, ſelbſt die nicht ausgenommen, die von andern Perſonen, als von den Aszendenten zum Vortheil der Anmerkungen. Zum Art. 249. Das Verbrechen des Schenknehmers kann jedoch einen Akt, auf deſſen Glauben ſich eine neue Familie gebildet haͤrte, nicht umſtuͤrzen. Eine ſolche Schenkung hat nicht allein das Intereſſe des Schenknehmers, ſondern auch das ſeiner Beszendenten zum Zweck, die das Opfer ſeines Undanks nicht wer⸗ den können. Das Intereſſe der Gefellſchaft erheiſchte daher die obige Ausnahme. Zum Art. 250. Natürlich findet hier der Widerruf von Rechtswegen und ohne weiteres ſtatt, da die Geburt des Kindes ein Faktum iſt, welches durch die Regiſter des Civilſtandes immer konſtatirt wer⸗ den, und nicht beſtritten werden kaus. Iſt dieſes (184 Ehegatten, oder von einem Ehegatten zum Vor⸗ theil des andern, zu Gunſten einer Ehe gemacht worden waͤren, ſollen durch die Nachgeburt eines rechtmaͤſigen Kinbes des Schensgebers, ſelbſt eines ſolchen, das nach ſeinem Tode gebohren wuͤrde, oder durch die Legitimation eines natürlichen Kindes durch die nachherige Ehe, wenn nur dieſes(natuͤr⸗ liche Kind) ſeit der Schenkung gebohren worden iſt, ohne weiteres und von Rechtswegen widerrufen ſein und bleiben. Art. CCLI. Dieſer Widerruf ſoll ſelbſt dann ſtatt haben, wenn bas Kind des Schenkgebers oder der Schenkgeberinn jur Zeit der Schenkung(bereits) empfangen war. Art. CCLII Die Schenkung ſoll ebenfalls ſelbſt dann widerru⸗ fen bleiben, wenn der Schenknehmer ſchon in den Anmerkungen. Kind ein durch die nachherige Ehe legitimirtes, ſo iſt es jedoch nothig daß es erſt nach der Schenkung gebohren wolden ſey, da es nicht ausgedehntere Rechte, als ein eheliches Kind fordern kann. gum Art. 251. Jedes Weſen wird unter dem Her⸗ zen der Multer nach den Rechten immer fuͤr lebend erachtet, ſohald es ſeinen Vortheil gilt. Zum Art. 252 u. 255. Alle dieſe Verfuͤgungen, theils nothwendigeßolgen des obigen. theils 0185N Beſitz der geſchenkten Güter eingetreten waͤre, und ſeit der Rachgeburt des Kindes von dem Schenkge⸗ ber darinn belaſſen worden wäre, ohne daß der Schenknehmer jedoch gehalten wäre, die von ihm bezogenen Fruͤchte, von welcher Gattung ſie ſein mögen, anderſt als von dem Tage an zuruͤckzuer⸗ ſtatten, an welchem ihm die Geburt des Kindes oder ſeine Legitimation durch eine nachſolgende Ehe durch eine Zuſtellung(euploit) oder einen Akt in ge⸗ höriger Form bekannt gemacht worden ſein wird, und zwar von dann an, ſelbſt wenn das Begehren, um in die geſchenkten Guͤter einzutreten, erſt ſpaäter⸗ hin nach dieſer Bekanntmachung eingefuͤhrt worden ware. Art. CCLIII. Die, in jeder von Rechtswegen widerrufenen Schenkung einbegriffenen, Guter ſollen frei von allen, vom Schenknehmer herruͤhrenden, Laſten und Hypo⸗ theken zu dem Vermögen des Schenkgebers zuruck⸗ fallen, ohne daß ſie, ſelbſt nur ſubſidiariſch, zur Zurückerſtattung des Eingebrachten(de la dor) der Anmerkungen. in der natüͤrlichen Billigkeit aegruͤndete, von den aͤl⸗ tern Geſeßen beibehaltene Verfügungen, machen durch die Beſtimmtheit ihrer Abfaſſung jede weitere Er⸗ drterung überfluͤſfig. (1365 Frau von dieſem Schenknehmer, deſſen was ſie zu⸗ ruͤckzufordern haben könnte(de ses reprises) oder irgend anderer aus ihrein EheVertrage ihr herflieſ⸗ ſenden Vorheile angehalten werden könnten(ans quils puissent demeurer affeciss), und zwar ſoll dies ſelbſt dann ſtatt finden, wenn auch die Schen⸗ kung ſelbſt zu Gunſten der Ehe des Schenknehmers gemacht worden, und in den Ehekontrakt eingefuhrt worden waͤre, und wenn der Schenkgeber ſich durch die Schenkung als Buͤrge fuͤr den Vollzug des Ehe⸗ Vertrags verpflichtet hätte. Art. CCLIV. Alſo widerrufene Schenkungen können nicht mebr aufleben, oder von neuem Wirkung haben, weder durch den Tod des Kindes des Schenkgebers noch durch irgend einen beſtätigenden Akt; und wenn der Schenkgeber dieſelben Guͤter demſelben Schenkneh⸗ mer, entweder vor oder nach dem Tode des Kindes, durch deſſen Geburt die Schenkung widerrufen wor⸗ den war, ſchenken will, ſo ſoll er es nicht anderſt, als durch eine neue Verfügung thun können. Art. CCLV. Jede Klauſel oder Uebereinkunft, wodurch der Schenkgeber auf den Widerruf der Schenkung we⸗ gen der Nachgeburt eines Kindes vetzichtet hatte, G187 N ſoll als nichtig angeſehen werden und keine Wirkung hervorbringen. Art. CCLVI. Der Schenknehmer, ſeine Erben oder die, wel⸗ che in ſeine Rechte eingetreten ſind, oder urgend an⸗ dere Beſitzer der geſchenkten Gegenſtaͤnde ſollen nicht eher, als nach einem Beſitzſtand von dreiſig Jahren die Verjaͤhrung opponiren können, um ei⸗ ne durch die Rachgeburt eines Kindes widerrufene Schenkung geltend zu machen; dieſe dreiſig Jahre ſollen erſt von dem Geburts Tage des letzten Kindes des Schenknehmers, wäre es auch erſt nach ſeinem Tode zur Welt gekommen, zu laufen anfangen, und dies ohne Abbruch der geſetzlichen Unterbrechungen der Verjaͤhrung. P ee Von den teſtamentariſchen Verfuͤgungen. Erſter Abſchnitt. Von den allgemeinen Regeln uͤber die Form der Teſtamente⸗ Art. CCI.VII. Jedermann ſoll, durch ein Teſtament verfugen dürfen, es ſey nun unter dem Titel der ErbEinſez⸗ (188) zung, oder unter dem Titel eines Vermaͤchtniſſes, oder unter jeder andern Benennung, die dazu geei⸗ genet iſt, ſeinen Willen auszudruͤcken. Art. CCLVIII. Kein Teſtament ſoll, weder zum Vortheil eines — Anmerkungen. Vierbes Ke. Erſter Abſchnitt. Zum Art. 237. Auf die Regeln, welche auf die Schenkungen zwiſchen Lebenden Bezug haben, folgen die, welche die teſtamentariſchen Verfügungen be⸗ treffen. In den Provinzen vom geſchriebenen Rechte war bisher die ErbEinſetzung der vorzuglichſte Ge⸗ genſtand der Teſtamente. In den andern Theilen von Frankreich beſtimmte das Geſetz allein den Erben⸗ und die ErbEinſetzung war blos zu Gunſten der Eheu erlaubt; ja mehrere Herkommen gabeu nicht einmal dieſer Ausnahme ſtatt. Alle hatten den Verwandten, die einen unter dem Titel der eigenthuͤmlichen Gu⸗, ter, die andern unter dem von Acqueſten oder Mo⸗ beln einen Theil des Vermoͤgens vorbehalten. Dieſe Ordnung war mit der der naturlichen Zuneigungen in keiner Harmonie. Jeder Unterſchied in der Ge⸗ ſetzgebung mußte zudem verſchwinden, ſobald ein all⸗ gemeines Geſetz alen Bürgern gleiche Freiheit, zu verfugen, geſtattete. Die ErbEinſetzung iſt daher allen gleich erlanbt. Der größte Fehler der roͤmiſchen und altfranzöſiſchen Geſetzgebung über die Teſtamente war der, zu komplizirt zu ſein. Man hat daher die Mit⸗ tel geſucht, ſie zu vereinfachen. Man fing damit an, alle Schwierigkeiten über den Titel der Verfügung zu beſeitigen. Das Teſtament wird unter jedem Ti⸗ tel gultig ſein, ſobald er dazu geeignet iſt, den Willen des Teſtators auszudrücken. Sum Art. 258. Man hat blos eine, in der Ordon⸗ G189) Dritten, noch unter dem Titel einer wechſelſeitigen und gegenſeitigen Verfuͤgung, von zwei und mehreren Perſonen durch denſelben Akt errichtet werden koͤnnen. Art. CCLIX. Ein Teſtament kann ein eigenhändiges(olographi⸗ ſches) Teſtament ſein, oder es kann durch einen oͤf⸗ Anmerkungen. nanz von 1735(Art. 77) aufgeſtellte Regel aufrecht erhalten und erklärt. Es war daran gelegen, die Perſchiedenheit des Rechts Gebrauchs uͤber die Frage zu beſeitigen, ob nach dem Sterbfall eines der Te⸗ ſtatoren der andere das Teſtament widerrufen konne. Sie bejahen, hieſſe den Glauben der Reziprozitaͤt verletzen; es unwiderruflich erklaͤren, hieſſe die Ma⸗ tur des Teſtamentes veraͤndern, welches alsdann feine letzte Willeus Meinung mehr ſein kann. Man mußte daher eine Form ganz verbieten, welche entweder mit dem guten Glauben oder der Form der Teſta⸗ mente unverträglich war. Zum Art. 259. Man hat in dem römiſchen Rechte und den Herkommen diejenigen Formen von Akten aufgeſucht, welche die einfachſten und die ſicherſten ſchie⸗ nen. Sie ſind dreierlei; jede andere Form, und um ſo mehr die Verfuͤgungen, welche wortlich oder durch S oder Briefe geſchehen wären, werden nicht zu⸗ gelaſſen. Keine der drei oden angeführten Formen war in Frankreich unbekannt, nur waren in den Provinzen vom geſchriebenen Rechte die olographiſchen Teſta⸗ mente nur zum PVortheil der Kinder und Deszenden⸗ ten gültig. Das Geſetz dehnt ſie auf alle Franzoſen ohne Unterſchied aus; denn welcher Akt legt den Ansdruck des Willens ſicherer an den Tag, als der, welcher ganz von der Hand des Perfuͤgenden geſchrieben und unter⸗ zeichnet iſt? Wenn jene Provinzen ſo lange der Leich⸗ (190 fentlichen Akt oder in der myſtiſchen Form errich⸗ tet werden. Art. CCLXx. Das eigenhandige Teſtament ſoll nicht gůltig ſein, wenn es nicht durchaus von der Hand des Teſtators F Anmerkungen⸗ tigkeit, welche dieſes Teſtament darbietet, beranbt waren, ſo war es eine Folge der Ehrfurcht fur das roͤmiſche Recht, welches einen mit der Ausubung der politiſchen Rechte verbundenen Akt mit vielen Form⸗ lichkeiten umgeben zu muſſen geglaubt hatte. Dieſe Geſetgebung trug noch immer die Spuren ihres Ur⸗ ſprungs an ſich, wo die Teſtamente nur in Gegenwart und mit Ermächtigung des Volkes gemacht wurden. Gegenwärtig, wo es gnerkannt iſt, daß das Recht, zu teſtiren, dem CivilRecht angehoͤrt, und daß folglich von nichts mehr die Rede ſein kann, als eine hin⸗ längliche Vorſicht anzuwenden, um den Willen des Ceſtators zu erkennen, war es natuͤrlich, daß das Geſetz die Leichtigkeit immer vermehren mußte, ſobald über dieſen Willen kein Zweifel ubrig bleiben kounte. Was das myſtiſche Teſtament betrifft, ſo hat man die Frage erörtert, ob dieſe Form beibehalten zu werden verdiente. Man hat ſie bejaht, weil es billig ſchien, denen, welche ihr Teſtament nicht ſelbſt ſchreiben können, das Recht und die Befugniß zu laſſen, ihre Verfuͤgungen bis zu dem Tod geheim zu halten. Hum Urt. 260. Man wird weiter unten finden, welche Vorſſcht das Geſetz angewendet hat, um jedem Misbrauch von Teſtamenten dieſer Art vorzubeugen. Sie muͤſſen naͤmlich vor dem Vollzug dem Friedens⸗ Richter uͤbergeben weiden, welcher einen VerbalPro⸗ zeß uͤber den Zuſtand, worinn er das Teſtament be⸗ funden haben wird, aufzuſetzen und ſeine Niederlage bei einem Notar zu verordnen hat. (101 geſchrieben, datirt und unterzeichnet iſt; es iſt kei⸗ ner andern Formalitat unterworfen. Art. CCLXI. Ein Teſtament durch einen öfſentlichen Akt iſt das, welches von zwei Notarien in Gegenwart von zwei ₰ Zeugen, oder von einem Rotar in Gegenwart von vier Zeugen aufgenommen worden iſt. Anmerkungen. Zum Art. 261. Man hat bei Teſtamenten dieſer Art zwiſchen den von dem geſchriebenen Rechte vor⸗ geſchriebenen Foͤrmlichkeiten, und jenen, welche in den Provinzen der Herkommen gebraͤuchlich waren, die Mitte gehalten. In den letzten waren zwei Nota⸗ rien oder ein Notar und zwei Zeugen hinlaͤnglich; nach einigen konnten auch andere Beamten und ſelbſt Religions Diener Teſtamente errichten. In den er⸗ ſten waren mit dem Notar wenigſtens ſieben Zeugen erforderlich. Da die Freiheit, zu verfügen, in den Provinzen der Herkommen im Allgemeinen ſehr er⸗ weitert worden iſt, ſo ſchien es ſachdienlich, die Vor⸗ ſichts Maasregeln, um den Willen des Teſtators zu konſtatiren, daſelbſt zu vermehren; haͤtte man aber mehr Zeugen erfordert, als hierzu hinlänglich waren, ſo hatte man den Verfügenden unnöthiger Weiſe be⸗ läſtigt und vielleicht zuweilen in die Unmoglichkeit verſetzt, zu teſtiren. Wenn das Geſetz, ſelbſt bei zwei Notarien noch Zeugen erfordert, ſo geſchah es nict, als ob es Mis⸗ tranen in dieſe Beamten ſetzte, ſondern weil, da die Teſtamente meiſtens am Rande des Lebens gemacht werden, es nutzlich ſchien, die Aufſeher zu Gunſten eines Individuums zu vermehren, das durch Intri⸗ suen oder Habſucht belagert werden kann. (1920 Art. CCLXII. Wenn das Teſtament von zwei Notarien aufge⸗ nommen worden, ſo muß es ihnen von dem Teſta⸗ tor dictirt, und von einem der Notarien, ſo wie es dictirt wird, niedergeſchrieben werden. Iſt blos ein Notar zugegen, ſo muß es gleich⸗ falls von dem Teſtator dictirt und von dieſem No⸗ tar niedergeſchrieben werden. In dem einen und dem andern Falle muß es dem Teſtator in Gegenwart der Zengen vorgeleſen werden. Von dem allem muß ausdruͤcklich Meldung ge⸗ ſchehn. Art. CCLxIII. Dieſes Teſtament muß von dem Teſtator unterzeich⸗ net werden; wenn er erklaͤrt, daß er nicht unterzeich⸗ nen kann oder dazu auſſer Stande iſt, ſo ſoll in dem Anmerkungen. Sum Art. 262 bie 264. Alle dieſe Formalitäten ſind weſentlich, und die Notarien müſſen die größte Sorg⸗ falt tragen, keine auſſer Acht zu laſſen, da die Un⸗ terlaſſung irgend einer die Nullität nach ſich zieht. Siehe den Artikel 290 dieſes Abſchnitts. So muß z. B. immer dariun ausdruͤckliche Erwaͤhnung ge⸗ ſchehen, wenn das Teſtgment von zwei Notarien er⸗ richtet worden iſt, daß einer derſelben es eigenhaͤn⸗ dig geſchrieben hat. Die meiſten dieſer Formalitä⸗ ten(iedoch mit Ausnahme der eben bemerlten) ſind aus der Ordonnanz von 1735 entlehnt. G193N Akt von dieſer ſeiner Erklaͤrung, ſo wie von der Ur⸗ ſache, die ihn verhindert, zu unterzeichnen, ausdruͤck⸗ lich Meldung geſchehen. Art. CCLXIV. Das Teſtament ſoll von den Zeugen unterzeich⸗ net werden muͤſſen; nichtsdeſtoweniger ſoll es, auf dem Lande, hinlänglich ſein, daß einer der beiden Zeugen unterzeichne, wenn das Teſtament von zwei Notarien aufgenommen wird, und daß zwei der vier Zeugen unterzeichnen, wenn es von einem Rotar aufgenommen wird. Art. CCLXV. Zu Zeugen des Teſtamentes durch einen oͤffentli⸗ chen Akt ſollen weder die Legatarien, unter welchem Titel ſie es ſein mögen, noch ihre Verwandte und Verſchwägerte, bis zum vierten Grade einſchließ⸗ lich, noch die Schreiber(eleres) der Notarien, welche die Akte aufnehmen, genommen werden koͤnnen. Anmerkungen. Zum Art. 265. Es verſteht ſich daß die Grade hier blos nach dem CivilRechte gezahlt werden; Ver⸗ wandten im vierten Grade ſind daher die Geſchwiſter⸗ Kinder.(Siehe den 1ten Band Titel 5. S. 114.) 13 G194 Art. CCLXVI. Wenn der Teſtator ein myſtiſches oder geheimes Teſtament wird machen wollen, ſo ſoll er gehalten ſein, ſeine Verfügungen, er mag ſie nun ſelbſt ge⸗ ſchrieben haben oder durch einen andern haben ſchrei⸗ ben laſſen, zu unterzeichnen; das Papier, welches dieſe Verfuͤgungen enthalten wird, oder das Papier, welches zum Umſchlage dienen wird, wenn es in einen eingeſchloſſen iſt, ſoll verſchloſſen und verſiegelt werden. Der Teſtator legt es ſo, geſchloſſen und verſiegelt, dem Notar und wenigſtens ſechs Zeugen vor, oder er ſoll es in ihrer Gegenwart verſchlieſ⸗ ſen und verſiegeln laſſen und erklaͤren, daß das, was in dieſem Papier enthalten iſt, ſein, von ihm ge⸗ ſchriebenes und unterzeichnetes, oder ſein, von ei⸗ nem andern geſchriebenes und von ihm unterzeichne⸗ ees Teſtament iſt. Der Rotar ſoll einen Aufſchrifts⸗ Akt daruͤber aufſetzen, der auf dieſes Papier, oder Anmerkungen. gum Art. 266 bis 269. Der Gebrauch der myſti⸗ ſchen oder geheimen Teſtamenten war in den Pro⸗ vinzen der Herkommen(4es coutumes) unbekannt. Die Fortpflanzung dieſer Inſtitution zu Gunſten deren, die nicht ſchreiben können, oder aus wichtigen Be⸗ weggruͤnden weder ein eigenhandiges Teſtament ma⸗ chen, noch auch ihre Willens Meinnng offentlich be⸗ kannt machen wollen, ward allgemein gewunſcht. Sie ward gewiſſermaſſen nöthig, als die Zahl der Zeugen bei offentlichen Teſtamenten in denſelben Pro⸗ G1950 auf das Blatt, welches zum Umſchlage dienen wird, geſchrieben werden muß; dieſer Akt ſoll, ſowohl von dem Teſtator als von dem Notar, zugleich mit den Zeugen, unterſchrieben werden. Alles obige ſoll in einemfort, und ohne unterdeſſen andere Akte vorzu⸗ nehmen, geſchehen, und in dem Falle, wo der Te⸗ ſtator, wegen eines ihm ſeit der Unterzeichnung des Teſtamentes zugeſtoſſenen Hinderniſſes, den Auf⸗ ſchrifts Akt nicht unterzeichnen könnte, ſo ſoll von der von ihm daruͤber gemachten Erklaͤrung Meldung ge⸗ ſchehen, ohne daß es in dieſem Falle nöthig wäre, die Zahl der Zeugen zu vermehren. Art. CCLXVII. Wenn der Teſtator im Schreiben unerfahren iſt, oder wenn er nicht unterzeichnen konnte, als er ſeine Verfugungen niederſchreiben ließ, ſo ſoll auſſer der im vorhergehenden Artikel beſtimmten Zahl noch ein Zeuge mehr zum AufſchriftsAkt berufen werden, welcher den Akt mit den andern Zeugen unterzeich⸗ Anmerkungen. vinzen durch das neue Geſetz verdoppelt ward. Al⸗ lein man durfte bei Zulaſſung dieſer Form keine der Formalitäten vernachlaſſigen, die in den Provinzen des geſchriebenen Rechtes erforderlich waren. Man konnte Subſtitutionen von Perſonen oder Akten be⸗ fuͤrchten; man mußte Sorge tragen, alle moͤgliche Kniffe der Habſucht zu vereiteln, und vorzuͤglich bie⸗ 6 0195N nen ſoll, und es ſoll von der Urſache Meldung ge⸗ ſchehen, wegen welcher dieſer Zeuge berufen wor⸗ den iſt. Art. CCLXVIII. Wer nicht leſen kann, oder dazu auſſer Stande iſt, ſoll keine Verfugung in der Form eines myſii⸗ ſchen Teſtaments machen können⸗ Art. CCLXIx. Sollte der Teſtator nicht ſprechen aber doch ſchrei⸗ ben können, ſo ſoll er ein myſtiſches Teſtament er⸗ richten können, unter der Bedingung, daß das Te⸗ ſtament durchaus von ſeiner Hand geſchrieben, da⸗ tirt und unterzeichnet ſey, daß er es dem Notar und den Zeugen uͤberreiche, und daß er in ihrer Ge⸗ genwart, oben uͤber den Aufſchrifts Akt niederſchreibe: daß das Papier, welches er uͤberreicht, ſein Teſta⸗ ment iſt, worauf der Notar den Aufſchrifts Akt ſchreiben ſoll, worinn Meldung geſchehen muß, daß der Teſtator dieſe Worte in Gegenwart des Notars Anmerkungen. tet die Mehrzahl der Zeugen eine ſolche Garantie an, da ſie nicht leicht alle in ein ſträfliches Komplott rin⸗ ſtimmen. Deshalb wurden alle Formalitäten der Or⸗ donnanz von 1735 in Hinſicht auf die myſtiſchen Te⸗ ſtamente beibehalten. Die Formalitäten bei Eröf⸗ nung ſolcher Teſtamente ſind zudem die namlichen (1970 und der Zeugen geſchrieben hat; uͤbrigens ſoll alles, was im Artikel 266 vorgeſchrieben iſt, beobachtet werden. Art. CCLXR. Die Zeugen, welche berufen werden, um bei dem Teſtamente gegenwaͤrtig zu ſein, muͤſſen Maͤnner, Anmerkungen. wie bei den eigenhaͤndigen, und vielmehr durch die Zuziehung der Notarien und Zeugen, die den Auf⸗ ſchrifts Akt unterzeichnet haben, noch vermehrt, wie wir weiter unten ſehen werden. Zum Atr. 270. Schließlich einige Pemerkungen über die teſtamentariſchen Zeugen: 1) Es iſt hinlaͤnglich, wenn ſie ſich im Genuß der CivilRechte befinden, während die, welche bei an⸗ dern öffentlichen Akten, wo freilich nur zwei er⸗ forderlich ſind, gebraucht werden, nothwendig auch im Beſitz der politiſchen Rechte(Ciroyons) ſein muͤſſen. 2) Die Legatarien koͤnnen bei öffentlichen Teſtamen⸗ ten nicht Zengen ſeyn. Das Geſetz hat dieſe Aus⸗ nahme fuͤr die myſtiſchen Teſtamente nicht wie⸗ derhohlt. Die Orbonnanz von 1735 hatte eben⸗ falls nicht einmal den UniverſalLegatarien dieſe Befugniß benommen. 3) Die Schreiber(eleres) der Notarien koͤnnen eben⸗ falls bei den öffentlichen Akten nicht Zeugen ſein. Das Geſetz wiederhohlt auch dieſe Ausnahme nicht bei den myſtiſchen Teſtamenten. Das Geſetz(vom 25 Ventoſe 11) öber die Orga⸗ niſation des Notariats ſchließt zwar die Schreiber der Notarien unbedingt aus, allein dies allgemeine Ge⸗ ſetz kann in TeſtamentsMaterien nicht angerufen (193 N großjährig, in der Republik wohnhaft ſein, und der Civil Rechte genieſſen. 3 weiter Abſchnitt. Von den beſondern Regeln uͤber die Form gewiſſer Teſtamente. Art. CCLXRl. Die Teſtamente der MilitairPerſonen und der bei Anmerkungen. werden, für welche ein beſonderes Geſes alles, was die Zeugen betrifft, regulirt. Man muß zudem be⸗ merken, daß dieſes Verbot nur für den Aufſchrifts⸗ Akt aufhört, wo die Zahl von 6 Zeusen erforder⸗ lich iſt. Zweiter Abſchnitt. Nachdem das Geſetz die allgemeinen Regeln und Formen der Teſtamente beſtimmt hat, mußte es die beſondern Faͤlle vorſehen, worinn deren Anwendung nicht ſtatt flnden kann, und fuͤr ſolche anſſerordent⸗ liche Fälle beſondere, darauf anwendbare, tranſito⸗ riſche Beſtimmungen treffen. Die deshalbigen Ver⸗ fuͤgungen ſind aus dem römiſchen Rechte entlehnt, ſie ſind daraus in alle Geſetzgebungen übergegangen; durch die Erfahrung bewaͤhrt, bebuͤrfen ſie weder ei⸗ ner Rechtfertigung noch einer Erläuterung. Wir fin⸗ den ſie hier in noch groſſerer Beſtimmtheit als in der Ordonnanz von 1735 auseinandergeſetzt, worinn ſie ebenfalls eine Stelle gefunden hatten. Das Geſetz hat vier Fälle vorgeſehen, worinn die allgemeinen Regeln und Formen der Teſtamente eine Ausnahme erleiden können: 1) Die Begebenheiten des Krieges. 2) Peſt und anſteckende Krankheiten. 3) SeeReiſen. 4) Der Aufenthalt eines Franzoſen im Auslande. Zum Att. 271 bis 275. Der erſte Gegenſtand ſeiner (199 N den Armeen angeſtellten Individuen ſollen, es ſey in welchem Lande es immer wolle, von dem Vataillons oder Eskadrons Chef, oder von je⸗ dem andern Offizier von einem hoͤhern Grade, in Gegenwart von zwei Zeugen, oder von zwei Kriegs⸗ Kommiſſarien oder von einem ſolchen Kommiſſar in Gegenwart zweier Zeugen aufgenommen werden können. Art. CCLXXII. Sie ſollen auch, wenn der Teſtator krank oder verwundet iſt, von dem OberGeſundheits Beamten Cofficier de santé en cher) unter Beiſtand des mit der Polizey beauftragten MilitairKommandanten des Hospitals aufgenommen werden können. Anmerkungen. Sorgfalt waren die Krieger der Republik. Das Ge⸗ ſetz konnte ihrer nicht vergeſſen, als es darauf an⸗ kam, ihnen denjenigen Troſt zu verſchaffen, den der Menſch ſich gewohnlich ſo lebhaft wünſcht, wenn er die Erde verlaſſen muß. Das Recht, zu teſti⸗ ren, iſt zudem ein thenres und heiliges Recht der Natur, deſſen es dieienigen nicht berauben konnte, die der Dienſt des Vaterlandes aus ihrer Heimath ruft. Es hat daher zu ihren Gunſten die Mittel ſo ſehr vermehrt, als die Dringlichkeit der Umſtände es jedesmal zu erheiſchen ſchien. Deshalb ſind in dem, vom Art. 272 vorgeſehenen Falle keine Zeugen, wohl aber im Falle des Art. 271 auſſer den inſtrumenti⸗ renden Beamten erforderlich. Die Beſchränkung des Art. 273 iſt in den Rechten gegrundet, da der Soldak⸗ der alle CivilRechte genießt, auch den allgemeinen Geſetzen ſich nicht entziehen kann, ſobald ſeine beſon⸗ (200) Art. CCLXKIII. Die Verfüͤgungen der obigen Artikel ſollen blos zu Gunſten derjenigen ſtatt haben, welche ſich auf einer Militair Expedition oder auſſer dem Gebiet der Republik in Quartier oder in Garniſon, oder als KriegsGefangene bei dem Feinde befinden werden, ohne daß die, welche im Innern in Quartier oder Garniſon ſtehen werden, davon Vortheil ziehen könn⸗ ten, wenn ſie ſich nicht in einem belagerten Platz, oder in einer Citadelle und andern Orten befinden, deren Thoren geſchloſſen und mit welchen die Kom⸗ munikationen des Krieges halber unterbrochen wären. Art. CCLXXIV. Das, in oben beſtimmter Form errichtete Teſta⸗ ment, ſoll ſechs Monate, nachdem der Teſtator an einen Ort zuruͤckgekommen ſein wird, wo er die Frei⸗ heit hat, die gewohnlichen Formen zu gebrauchen, nichtig ſein. Anmerkungen. dere Lage es ihm nicht unmoͤglich macht, ſie in An⸗ ſpruch zu nehmen. Eben darauf grundet ſich der Art. 274. Endlich iſt noch zu bemerken, daß in Gemäß⸗ heit des J. 4 des Art. 287 im Falle des Art. 271 das Teſtament wenigſtens von einem der Zengen un⸗ terzeichnet werden, und, wenn der zweite es nicht auch unterzeichnet hat, die Urſache anführen muß, warum dies ſicht geſchehen iſt. (201) Art. CCLXXV. Die Teſtamente, welche in einem Orte aufgenom⸗ men werden, mit welchem alle Kommunikation der Peſt oder einer andern anſteckenden Krankheit halber unterbrochen iſt, ſollen in Gegenwart von zwei Zeu⸗ gen vor dem FriedensRichter oder vor einem der Munizipal Beamten der Gemeinde errichtet werden koͤnnen. Art. CCLXXVI. Dieſe Verfuͤgung ſoll ſowohl in Hinſicht auf die, welche von dieſen Krankheiten befallen wären, als auch auf die, welche ſich an ſolchen Orten befinden, wenn ſie auch nicht wirklich krank ſein ſollten, ſiatt finden. Art. CCLXXVII. Die in den beiden vorhergehenden Artikeln bemel⸗ deten Teſtamente ſollen ſechs Monate, nachdem die Anmerkungen. Zum Art. 275 bis 278. Grade in ſolchen Faͤllen, wo das Leben in der groͤſten Gefahr ſteht, iſt die Befugniß, ſeine letzte Willens Meinung zu machen⸗ dringender und unentbehrlicher, als je. Hierzu kommt noch, daß Krankheiten ſich nicht vorſehen laſſen, und daher unvorbereitet uͤberraſchen. Die Sorgfalt fuͤr die noch nicht angeſteckten Gegenden, die Moͤglichkeit, daß oft ſolche von Krankheiten heimgeſuchte Orte von jedem Notar abgeſchnitten oder die daſelbſt befind⸗ (202 Kommunikation mit dem Orte, in welchem ſich der Teſtator befindet, wiederhergeſtellt worden ſein wird, oder ſechs Monate, nachdem dieſer in einen Ort uͤbergegangen ſein wird, wo ſie nicht unterbrochen iſt, unguͤltig ſeyn. Art. CCLXXVIII. Die Teſtamente, welche auf dem Meer im Laufe einer SeeReiße gemacht werden, koͤnnen folgender⸗ maſſen aufgenommen werden: An Bord der SeeSchiffe und anderer Fahrzeuge des Staats von dem das Schiff kommandirenden Offizier oder in deſſen Ermangelung von demjenigen, der nach der DienſtOrdnung ſeine Stelle verſieht; von dem einen oder dem andern mit Zuziehung(con- Anmerkungen. lichen Notarien ſelbſt das Oyfer der Krankheit ge⸗ worden ſein können, haben in allen Geſetzgebungen zu Gunſten ſolcher Orte beſondere Verfuͤsungen erwirkt; ſie ſind jedoch nicht laͤnger gultig, als die Urſache be⸗ ſteht, welche ſie erheiſchten(Art. 277.) Endlich gilt auch hier obige Vemerkung uͤber die Zeugen. Zum Art. 278 bis 287. Hier treffen wir alle die PVorſichts Maasregeln wieder an, welche im erſten Buche des Geſetzbuches fuͤr die Konſtatirung und Er⸗ haltung der CivilAkte auf SecReißen vorgeſchrieben ſind. Hier iſt immer auſſer den inſtrumentirenden Beamten die Gegenwart zweier Zeugen erforderlich. Das Teſtament muß zudem in doppelter urſchrift gefertigt werden. (203 jointement) des VerwaltungsOffiziers, oder desje⸗ nigen, der ſeine AmtsVerrichtungen verſieht; Und an Bord der KauffahrtheySchiffe von dem Schiffs Schreiber, oder dem, der ſeine Stelle ver⸗ ſieht, von dem einen oder dem andern unter Zuzie⸗ hung des Kapitains, des Rheders oder Schiffs⸗ Patrons, oder in ihrer Ermangelung, derjenigen, die ihre Stelle verſehen. In allen Fällen ſollen dieſe Teſtamente in Gegen⸗ wart von zwei Zeugen aufgenommen werden müſſen. Art. CCLXXIX. Das Teſtament des Kapitains oder des Verwal⸗ tungsOffiziers, auf den StaatsFahrzeugen, und das des Kapitains, des Rheders oder des Patrons oder das des SchiffSchreibers auf den Kauffarthey⸗ Schiffen ſollen von denjenigen aufgenommen werden können, welche in der DienſtOrdnung nach ihnen kommen; vieſe haben ſich im Uebrigen nach den Ver⸗ fugungen des vorhergehenden Artikels zu bemeſſen. Art. CCLXXX. In allen Fällen ſollen von den, in den zwei vor⸗ hergehenden Artikeln bemeldeten Teſtamenten zwei Originalien gefertigt werden. Art. CCLXXRI. Wenn das Fahrzeng in einem fremden Hafen an⸗ 0204) landet, worinn ſich ein franzoöſiſcher Kommiſſair der Handels Angelegenheiten befindet, ſo ſollen die, wel⸗ che das Teſtament aufgenommen haben, gehalten ſein, eines der Originalien, geſchloſſen und verſie⸗ gelt, in die Hände dieſes Kommiſſairs zu hinterle⸗ gen, welcher es dem Marine Miniſter zu uͤberſenden hat; dieſer wird es auf der Greffe des Friedens Ge⸗ richtes in dem Wohnorte des Teſtators hinterlegen laſſen. Art. CCLXXXII. Bei der Ruͤckkehr des Fahrzeuges nach Frank⸗ reich, es ſey nun in den Hafen der Ausruͤſtung oder in jeden andern, ſollen die beiden Originalien des Teſtaments, ebenfalls geſchloſſen und verſiegelt, oder das uͤbriggebliebene Original, wenn das an⸗ dere in Gefolge des vorhergehenden Artikels im Lau⸗ fe der Fahrt deponirt worden wäre, auf dem Bu⸗ reau des Vorgeſetzten der SeeEinſchreibung(du prẽposè à Pinscription maritime) hinterlegt wer⸗ den. Dieſer Vorgeſetzte hat ſie unverzuͤglich dem MarineMiniſter zu uͤberſenden, der ihre Hinterlegung, ſo wie es im nämlichen Artikel beſagt iſt, verord⸗ nen wird. Art. CCLxxxIII. Auf der Roſle des Fahrzeugs ſoll am Rande des (205) Ramens des Teſtators von der geſchehenen Ueber⸗ gabe der Originalien des Teſtamentes, ſey es in die Hände eines Kommiſſairs der Handels Verbin⸗ dungen, ſey es auf das Bureau eines Vorgeſetzten zur SeeEinſchreibung, Meldung geſchehen. Art. CCLXxXXxIV. Das Teſtament ſoll, wenn es auch ſchon waͤh⸗ rend dem Laufe der SeeReiſe errichtet worden iſt, nicht angeſehen werden, als ſey es auf der See errichtet worden, wenn das Fahrzeug zur Zeit der Errich⸗ tung, an irgend einem Orte, er ſtehe nun unter frem⸗ der oder unter franzöſiſcher Herrſchaft, wo ſich ein franzöſiſcher öffentlicher Beamter befindet, angelan⸗ det war; in dieſem Falle ſoll es blos in ſo weit guͤltig ſein, als es nach den in Frankreich vorge⸗ ſchriebenen Formen oder nach jenen errichtet worden iſt, die in dem Lande, wo es gemacht worden ſein wird, gebraͤuchlich ſind. Art. CCLXXxV. Die obigen Verfuͤgungen ſollen den Teſtamenten gemeinſchaftlich ſein, welche von bloßen Reiſenden, die nicht zur Equipage gehören werden, errichtet werden. Art. CCLXXXVI. Ein, in der vom Art, 278 vorgeſchriebenen Form (206) auf dem Meer errichtetes Teſtament, ſoll blos in dem Falle gültig ſein, wenn der Teſtator auf dem Meere, oder in den drei Monaten, nachdem er ans Land und an einen Ort gekommen, wo er es in den gewöhnlichen Formen hätte von neuem er⸗ richten koͤnnen, geſtorben wäre. Art. CCLXXXVII. Ein auf dem Meere errichtetes Teſtament, ſoll kei⸗ ne Verfugung zu Gunſten der Offiziere des Schiffs enthalten können, wenn ſie keine Verwandte des Teſtators ſind. Die in den obigen Artikeln des gegenwärtigen Ab⸗ ſchnittes enthaltenen Teſtamente ſollen von den Te⸗ ſtatoren und von denen, welche ſie aufgenommen haben werden, unterzeichnet werden. Wenn der Teſtator erklaͤrt daß er nicht unter⸗ ſchreiben kann oder daran verhindert iſt, ſo ſoll von Anmerkungen⸗ Zum Art. 287. Hier treten die bei Gelegenheit des Art. 197 entwickelten Grunde wieder ein. Porzüglich auf dem Todesbette, in dieſen Augenblicken der Schwäche, mußte man den Kranken vor jeder Ge⸗ fahr der ueberliſtung und von Drohungen zu be⸗ wahren ſuchen. Deshalb darf er zu Gunſten deren.⸗ unter deren beſonderer Gewalt er ſteht, nicht teſti⸗ ren, wenn keine Verwandſchaft vermuthen läßt⸗ daß ſeine Verfüguns eher die Wirkung ider Neiguns⸗ gls des Anſehns oder der Gewalt war. Die übrigen Verfuͤgungen dieſes Artikels verdie⸗ (207 ſeiner Erklaͤrung, ſo wie von der Urſache, die ihn am Unterzeichnen verhindert, Meldung geſchehn. Im Falle, wo die Gegenwart von zwei Zeugen erforderlich iſt, ſoll das Teſtament wenigſtens von einem von ihnen unterzeichnet werden, und es ſoll von der Urſache Meldung geſchehen, weshalb der andere nicht unterzeichnet haben wird. Art. CCLXXXVIII. Ein Franzoſe, der ſich im Auslande befinden wird, ſoll ſeine teſtamentariſchen Verfuͤgungen durch einen Akt unter PrivatUnterſchrift, ſo wie es im Arti⸗ kel 20 vorgeſchrieben iſt, oder durch einen authenti⸗ ſchen Akt, nach den in dem Orte, wo er errichtet wird, gebraͤuchlichen Formen, errichten können. Art. CCLXXxIx. Die im Auslande gemachten Teſtamente ſollen ge⸗ Anmerkungen. nen eine beſondere Aufmerkſamkeit, da ſſe auf alle vorher beſchriebene Arten von auſſerordentlichen Te⸗ ſtamenten Bezug haben, und die geringſte Unterlaſ⸗ ſung der darinn vorgeſchriebenen Formalitäten nach dem Art. 290 die Nullität des Teſtamentes nach ſich zieht. Sum Art. 238 und 239. Franzoſen im Auslande haben die Wahl unter zwei Arten von Teſtamenten, ¹) olographiſche, welche alsdann nothwendig den Ver⸗ fuͤgungen des Art. 260 unterworfen ſind, 2) oͤf⸗ (208) gen das in Frankreich gelegene Vermogen nicht eher in Vollzug geſetzt werden können, als nachdem ſie auf dem Bureau des Wohnſitzes des Teſtators, wenn er einen behalten hat, und im engegengeſetzten Falle auf dem Bureau ſeines letzten bekannten Wohn⸗ ſitzes in Frankreich einregiſtrirt worden ſind; und im Falle das Teſtament Verfugungen uͤber in Frank⸗ reich gelegene Immöbel enthielte, ſoll es noch auſ⸗ ſerdem auf dem Bureau, in deſſen Bezirk dieſe Im⸗ möbel gelegen ſind, einregiſtrirt werden muͤſſen, oh⸗ ne daß deshalb doppelte Rechte gefordert werden könnten. Art. CCXC. Die Formalitäten, welchen die verſchiedenen Te⸗ ſtamente, durch die Verfügungen des gegenwartigen und des vorhergehenden Abſchnitts, unterworfen Anmerkungen. fentliche, welche in der Form der Landes Rechte des Ortes, wo der Teſtator ſich aufhaͤlt, abgeſaßt werden muͤſſen. gum Art. 290. Die Beſtimmung dieſes Artikels be⸗ greift die Verfugungen aller Artikel von dem 257ten einſchließlich an. Dieſer Theil des Geſetzbuches muß alſo der Gegenſtand eines beſondern Studiums für die Notarien werden. Sie duͤrfen ſich in ſo wichtigen Akten, von welchen das Schickſal der Familien ab⸗ haäͤngt, keine Nachläſſigkeit, keine Unterlaſſung zu Schuld kommen laſſen; ihr eigenes Intereſſe em⸗ pfiehlt ihnen die ſtrengſte Gewiſſenhaftigkeit und 0209) ſind, muͤſſen unter Strafe der Rullität be⸗ obachtet werden. Dritter Abſchnitt. Von den ErbEinſetzungen, und den Vermaͤchtniſſen im All⸗ gemeinen. Ant. CEXCI Teſtamentariſche Verfuͤgungen ſind entweder uni⸗ verſelle, oder unter einem Univerſal Titel, oder unter einem ParticularTitel. Anmerkungen. die ſorgfaͤltigſte Aufmerkſamkeit an, da ſie fuͤr ihre Akte von dem Geſetz verantwortlich erklaͤrt ſind. Dritter Abſchnitt. Zum Art. 291. Nachdem das Geſet die Form der Teſtamente beſtimmt hat, beſchaͤftigt es ſich mit den verſchiedenen teſtamentariſchen Verfügungen und ih⸗ ren Wirkungen. In den Provinzen vom geſchriebe⸗ nen Rechte kannte man ehedem blos die ErbEinſez⸗ zungen und die PartikularVermächtniſſe, in jenen der Provinzial Statuten blos die Univerſai⸗ und Par⸗ tikular Vermächtniſſe. Das neue Geſetz verwirft kei⸗ ne dieſer Benennnngen; es erlaubt ohne Unterſchied jene der ErbEinſetzung oder die eines Vermächtniſ⸗ ſes zu gebrauchen; ja es ſteht ſelbſt jedem frei, der alten Regel des geſchriebenen Rechtes ohngeachtet: Institutio hæredis est caput et fundamentum tolius tes- anent, weder die eine noch die andere zu gehrau⸗ chen,(ſiehe Art. 237 Seite 188) es iſt genng wenn der Teſtator deutlich zu erkennen gegeben hat, was das Individuum, zu Gunſten deſſen er verfuͤgt, er⸗ halten ſoll; es kommt blos darauf an, die Natur ſeiner Verfuͤgung zu kennen, zu definiren, zu ſchätzen. 14 (210) Jede dieſer Verfügungen, ſie mag nun unter der Benennung ErbEinſetzung, oder unter der Benen⸗ nung eines Vermächtniſſes geſchehen ſein, ſoll ihre Wirkung nach den hiernach fur die UniverſalVer⸗ maͤchtniſſe, fur die Vermächtniſſe unter einem Uni⸗ Anmerkungen. Alle teſtamentariſche Verfuͤgungen können aber blos dreierlei ſein: entweder ſind ſie univerſell: d. h. be⸗ greifen alles Vermoͤgen der Erbſchaft, oder ſie ge⸗ ſchehen unter einem UniverſalLitel, und begreifen ei⸗ nen aliquoten Theil der Erbſchaft, z. B das Drit⸗ tel, die Haälfte der Erbſchaft, oder alle Immoͤbel, oder das Drittel derſelben ꝛc. ꝛc. oder die Verfugung begreift nur einen einzelnen beſondern Gegenſtand. Das Geſetz will, daß jedermann uͤber ſeine ganze Habe, oder einen Theil derſelben, oder einen gewiſ⸗ ſen Gegenſtand derſelben verfugen konne; es liegt ihm aber nichts daran, ob er ſagt: ich ſetze den zum Erben ein, oder ich ernenne ihn zum UniverſalLega⸗ tar, ich ſeße ihn zum Erben des Drittels meines ein, oder ich gebe und vermache ihm ein rittel. Man muß blos auf den Willen des Menſchen ſehen, und da in der gewoͤhnlichen Annahme des Wortes Erbe denjenigen dedeutet, der alle Guter erben ſoll, ſo wird es in dem neuen Geſeß dem UniverſalLegatar gleichgeſtellt, der ebenfalls in der algemeinen Annahme des Wortes zur Erhaltung des ganzen Theils des Vermögens, über welchen verfügt werden darf, berufen iſt. Deshalb iſt der UniverſalLegatar ſo viel, als Erbe, die ErbEin⸗ ſetzung ſo viel, als das Univerſal Vermächtniß; und eben ſo fuͤr die Verfuͤgungen unter Univerſal und PartikularTitel. Um aber nicht immer die beiden Benennungen zu widerhohlen, ſchien es genug zu erklaͤren, daß kein Unterſchied unter ihnen beſteht, und daß man immer unter der von: Univer ſal⸗ Vermaͤchtniſſen, Vermachtniſſe don Uni⸗ (311) verſal Titel und fuͤr die unter einem PartichlarTitel aufgeſtellten Regeln haben. Vierter Abſchnitt. Von dem UniverſalVermächtniß. Art. CCXCll. Das Univerſal Vermächtniß iſt diejenige teſtamen⸗ tariſche Verfügung, wodurch der Teſtator einer oder mehreren Perſonen die Geſammtheit des Ver⸗ mögens giebt, das er bei ſeinem Tode hinterläßt. Art. CCxC1I. Wenn beim Abſterben des Teſtators Erben vor⸗ Anmerkungen. verſal oder PartikularTitel zugleich die Erb⸗ Einſetzung in die ganze Erbſchaft, in einen Theil derſelben, und in einen beſondern Gegenſtand der⸗ ſelben verſteht. Die einzige weſentliche Neuerung, welche das neue Geſetz, in den Provinzen vom geſchriebenen Rechte einfuͤhrt, beſteht in der Entkraͤftung der al⸗ ten Regel: nemo pro parte testatus et Pro parte intes- ratus decedere potest. Wenn ehedem ein Teſtament blos eine ErbEinſetzung in einen beſondern Gegen⸗ ſtand enthielt, ſo erhielt dieſer eingeſetzte Erbe nach obiger Regel die ganze Erbſchaft, wenn uͤber den Reſt derſelben nicht verfuͤgt war. Vierter Abſchnitt. Zum Art. 293 bis 295. Die aus dem Teſtament herflieſſenden Rechte gehen unmittelbar von dem Te⸗ ſtator auf das Individunm, zu deſſen Gnnſten die Verfuͤgung geſchehen iſt, üͤber. Allein anderſt ver⸗ * (212) handen ſind, welchen das Geſetz einen Theil ſeiner Guͤter vorbehält, ſo treten dieſe Ertzen von Rechts⸗ wegen und ohne weiteres durch ſeinen Tod in das ganze, die Erbſchaft ausmachende, Vermögen ein, Cils en sont saisis) und der UniverſalLegatar iſt gehalten, die Auslieferung der in dem Teſtament begriffenen Güter von ihnen zu verlangen. Anmerkungen. haͤlt es ſich mit dem Eigenthum, anderſt mit dem An⸗ tritt deſſelben(vasme)„In den Provinzen des geſchrie⸗ benen Rechtes unterſchied man die Erben und die Le⸗ gatarien. Bei den erſten galt die Regel: le mort valsit le vit, und ſie waren nicht gehalten, von dem vermuthlichen Erben die Auslieferung der Erbſchaft zu verlangen. In jenen der Provinzial Statuten trat die Regel: le mort salsit le vif blos fuͤrſdie vermuth⸗ lichen Erben ein, und die UniverſalLegatarien muß⸗ ten immer von dieſen die Auslieferung verlangen. Fur das erſte Syſtem ließ ſich anfuͤhren: daß, da die ErbEinſetzung vom Geſetz ermaͤchtigt iſt, der ein⸗ geſeßte Erbe auch ſeinen Rechts Titel in dem Geſetz ſelbſt hat, gleich dem, den das Geſetz zur Erbſchaft beruft; daß, ſobald ein eingeſetzter Erbe vorhanden iſt, es ein förmlicher Widerſpruch ſein wuͤrde, daß auch noch ein Verwandter dieſe Eigeuſchaft, ohne al⸗ len Vortheil, beſitzen ſolle; daß ein Teſtament in ge⸗ horiger Form ein Rechts Titel iſt, der, wie jeder an⸗ dere, proviſoriſch vollzogen werden muß: daß endlich das Begehren der Auslieferung und die vorherige Beſitznahme durch den Verwandten, welcher der Ei⸗ genſchaft als Erbe beraubt iſt, blos leicht zu vermei⸗ dende Prozeſſe und Koſten verurſachen. Die Anhaͤnger der andern Meinung ſehen den Grundſaß, nach welchem jeder, der vom Geſetz zur Erbſchaft berufen iſt, im Augenblicke des Todes als wirklicher Erbe behandelt werden muß, als die Schutz⸗ (213N Art. CCxciv. Nichtsdeſtoweniger ſoll der Univerſallegatar, in denſelben Fällen, den Genuß der in dem Teſtament begriffenen Guͤter von dem Tage des Sterbfalls an haben, wenn das Begehren der Auslieferung in JahresFriſt von dieſer Epoche an geſchehen iſt; wo nicht, ſo ſoll dieſer Genuß erſt von dem Tage des gerichtlich eingefuͤhrten Begehrens an, oder von dem Tage an, wo in die Auslieferung freiwillig einge⸗ willigt worden ware, anfangen. Art. CCXCV. Wenn beim Sterbfall des Teſtators keine Erben Aumerkungen. wehr der Familien an. Ein Leſtament ſoll erſt nach dem Tod einige Wirkung hervorbringen; der Litel des zur Erbſchaft berufenen Verwandten iſt nothwen⸗ dig gültig, der des eingeſetzten Erben wenigſtens einer Unterſuchung unterworfen. Endlich ſey die Zeit, welche dazu erforderlich ſey, um das Teſtament vor⸗ zulegen, ja nicht ſo lang, daß dem eingeſetzten Erben ein Nachtheil daraus erwachſen könne. Es war ziemlich ſchwer, zwiſchen dieſen beiden Sy⸗ ſtemen die Mitte zu treffen, und die Rechte der In⸗ teſtatErben mit jenen der eingeſetzten Erben zu verei⸗ nigen, zumal, da das Geſetz zwar die Verfügungen über die Geſammtheit des Vermoͤgens erlaubt, aber doch einen Vorbehalt macht. Das Geſetz legt dem Erben nur dann die Verbindlichkeit auf, die Auslie⸗ ferung zu verlangen, wenn er ſich mit dem Erben des Geſetzes in Konkurrenz befindet. Es war ſchwer, einen anderen Ausweg zu finden. Ware es nicht gegen (2140 vorhanden ſein werden, welchen das Geſetz einen Theil ſeines Vermögens vorbehält, ſo ſoll der Uni⸗ verſalLegatar durch den Tod, von Rechtswegen und ohne weiteres eintreten, ohne gehalten zu ſein, die Auslieferung zu verlangen. Art. CCXCVI. Jedes olographiſche Teſtament ſoll, ehe es in Vollzug geſetzt wird, dem Preſidenten des erſten Inſtanz Gerichtes, in deſſen Bezirk die Erbſchaft er⸗ öffnet iſt, vorgelegt werden. Dieſes Teſtament ſoll eröffnet werden, wenn es verſiegelt iſt. Der Pre⸗ ſident ſoll über die Vorlage, uͤber die Eröffnung Anmerkungen. die Menſchlichkeit und den vermnthlichen Willen des Teſtators geweſen, wenn eines ſeiner Kinder oder ei⸗ ner ſeiner Aeltern ſich im Augenblick ſeines Todes gus ſeinem Hauſe ausgeſtoſſen ſähe, ſelbſt ehe es den Titel desjenigen hätte unterſuchen konnen, der ſich als Erbe darſtellt. Dieſer letzte hat uͤber dieſe augen⸗ blickliche Verzögerung um ſo weniger Urſache zu kla⸗ gen, da er die Zinſen und Früchte von dem Angen⸗ genblicke des Todes an bezieht, wenn er ſein Begeh⸗ ren der Auslieferung in JahresFriſt angebracht hat. Zum Art. 296 und 297. Man mußte jedoch die Ver⸗ wandten in Stand ſetzen, den Akt, der ſie der Erb⸗ ſchaft beraubt, zu unterſuchen. Eben ſo wenig durf⸗ te es jedem Individuum, das ſich als UniverſalLe⸗ gatar ausgeben wuͤrde, erlanbt ſein, ſich der Erbſchaft zu bemächtigen, ohne vorher Vorſichts Maasregeln zu nehmen, um die Geſellſchaft ſicher zu ſtellen, und die Rechte der abweſenden Intereſſenten zu garantiren. —* ( 215) und den Zuſtand des Teſtamentes einen VerbalPro⸗ zeß errichten, und deſſen Hinterlegung in die Hände. eines von ihm dazu beſtellten Notars verordnen. Wenn das Teſtamem in der myſtiſchen Form er⸗ richtet iſt, ſo ſoll ſeine Vorlage, ſeine Eroͤffnung, ſeine Beſchreibung und ſeine Hinterlegung auf die⸗ ſelbe Art geſchehen; allein die Eröffnung ſoll nicht anderſt als in Gegenwart oder nach gehoͤriger Be⸗ rufung von jenen Rotarien und Zeugen geſchehen können, die den AufſchriftsAkt unterzeichnet haben, und ſich am Orte befinden. Art. CExEVII. Wenn im Falle des Artikels 295 das Teſtament ein olographiſches oder myſtiſches iſt, ſo ſoll der UniverſalLegatar gehalten ſein, ſich durch eine Or⸗ Anmerkungen⸗ Man mußte dabei die verſchiedenen Formen der Leſtamente in Erwaͤgung ziehen. Das, welches in einem oͤffentlichen Akt enthalten iſt, iſt keiner gericht⸗ lichen Vorſichts Maasregel unterworfen. Es befindet ſich in einem Depot wo jalle Intereſſenten es einſehen und verifiziren können. Iſt es aber ein olographi⸗ ſches oder myſtiſches, ſo mußte man den Verwand⸗ ten die Möglichkeit verſchaffen, es einzuſehen, ehe es den eingeſetzten Erben oder UniverſalLegatar in den Beſitz des Vermoͤgens einſetzen kann. Dieſer muß zu dem Ende durch eine Bittſchrift die BeſitzEinſez⸗ zung durch eine Ordonnanz des Preſidenten des Tri⸗ buͤnals verlangen, welcher dazu ausgeſetzt ward, weil das Geſetz ihn ebenfalls beauftragt, zur Eroffnung (216) donnanz des Preſidenten in den Beſitz einſetzen zu laſſen, welche unten auf ſeine Bittſchrift geſetzt wer⸗ den muß, die dem Hinterlegungs Akt beigefugt wird. Art. CCXCVIII. Der UniverſalLegatar, welcher mit einem Erben konkurrirt, dem das Geſetz einen gewiſſen Antheil des Vermögens vorbehalt, ſoll fuͤr die Schulden Anmerkungen. des myſtiſchen Teſtaments, und zu dem VerbalPro⸗ zeß uͤber den Zuſtand des olographtſchen Teſtamentes zu ſchrei en, nachdem er deſſen Hinterlegung bei ei⸗ nem, ve ihm zu dem Ende, erwaͤhlten Notar verordnet. Zum Art. 298. Die Erben, zu deren Vortheil das Geſetz den Vorbehalt macht und der UniverſalLegatar tragen jeder nach Verhaͤltniß ſeines Antheils, zur Be⸗ richtigung der Schulden und Laſten der Erbſchaft bei; der Legatar muß aber die Vermaͤchtniſſe allein auszah⸗ len, ohne daß die erſten dazu angehalten werdenkonnten. Ehedem war er in den Provinzen vom geſchriebe⸗ nen Rechte ermaͤchtigt, unter dem Namen der Fal⸗ zidia das Viertheil der Erbſchaft durch Abzuͤge von den Legaten zuruͤckzubehalten, wenn dieſe den Betrag von drei Viertheilen uͤberſtiegen. Bei den Roͤmern wurden die Teſtamente immer als dem politiſchen Rechte angehoͤrig betrachtet, und das Geſetz nahm daher alle Maasregeln, damit dieſer Akt der Magi⸗ ſtratur immer ſeine Vollziehung erbalten möge. Wenn nun aber der Teſtator den Betrag der Erb⸗ ſchaft durch Vermaächtniſſe ganz erſchoͤpft haͤtte, ſo hatte ja der eingeſetzte Erbe kein Intereſſe mehr, ſie anzunehmen; die Einſetzung ward nichtig und mit ihr G217N und Laſten der Erbſchaft des Teſtators, fuͤr ſeinen Antheil perſönlich und fuͤr das Ganze hypothekariſch haften, und er ſoll gehalten ſein, alle Vermaͤchtniſſe abzutragen, vorbehaltlich den Fall der Reduction, ſo wie es in den Artikeln 216 und 217 auseinander⸗ geſetzt iſt. Anmerkungen. das ganze Leſtament. Man ſetzte zudem voraus, daß der Teſtator den eingeſetzten Erben bloßen Legata⸗ rien habe vorziehen wollen, und er erhielt daher, wenn er mit Vermaächtniſſen uͤberlaſtet war, jene Befugniß durch ein Geſetz, das durch den Tribun Falzidins unter der Regierung Auguſts vorgeſchlagen wurde. Nachher ward dieſe Maasregel auf die Erben ab intestato und ſelbſt auf die, welchen das Geſetz einen Pflichttheil zuerkannte, ausgedehnt. Die Ordonnanz von 1735 hatte ſie beibehalten. In den Provinzen der Herkommen fand dieſer Ab⸗ zus zu Gunſten ſelbſt der UniverſalLegatarien nie ſtatt, und dieſe letzte Geſetzgebung hat bei Abfaſ⸗ ſung des Geſetzbuches den Vorzug erhalten. Die ge⸗ ſetzliche Vermuthung ſcheint eher fuͤr den beſtimmten Ausdruck des Willens des Teſtators in Hinſicht auf die Vermächtniſſe, als für den allgemeinen Titel des eingeſetzten Erben zu ſtreiten. Die Urſachen des Fal⸗ zidiſchen Geſetzes eriſtiren nicht mehr; das Geſetz⸗ indem es die Zahlung der Legate den UniverſalLega⸗ tarien oder eingeſetzten Erben unbedingt auferlegt, wird über die Abſicht des Teſtators, in Hinſicht auf den Vorzug der beſondern Legate, keinen Zweifel übrig laſſen; und wenn auch zuweilen ein Teſtator mit dem Zuſtande ſeines Vermoͤgens ſo unbekannt ſein ſollte, daß er der Einſetzung eines allgemeinen Erbens ohngeachtet das Ganze durch PartikularVer⸗ mächtniſſe erſchoͤpfen ſollte, ſo kann fuͤr einen ſo ſelt⸗ Fall keine beſondere Geſetzgebung aufgeſtellt werden. (218 N Fünfter Abſchnitt. Von den Vermächtniſſen unter einem UniverſalTitel. Art. CCXCIX. Das Vermachtniß unter einem UniverſalTitel iſt dasjenige, wodurch der Teſtator einen Antheil ſei⸗ nes Vermoögens, worüber ihm das Geſetz zu verfü⸗ gen erlaubt, z. B. die Hälfte, ein Drittel oder alle ſeine Immöbel oder alle ſein MobiliarHabe, oder einen beſtimmten Betrag von allen ſeinen Immobeln oder von ſeiner ganzen MobiliarHabe vermacht. Jedes andere Vermaͤchtniß iſt nur eine Verfuͤgung unter einem PartikularTitel. Art. CCC. Die Legatarien unter einem UniverſalTitel ſollen gehalten ſein, die Auslieferung von den Erben, wel⸗ Anmerkungen. Fuͤnfter Abſchnitt. gum Art. 299 bis 302. Der Legatar unter ei⸗ nem allgemeinen Titel, d. h. der, welcher nicht die Geſammtheit des Vermogens, ſondern blos, ent⸗ weder einen aliquoten Theil desjenigen, woruber verfuͤgt werden darf, z. B⸗ die Hälfte, ein Drittel, oder alle Immobel, oder alle Moͤbel, oder einen Teil der Immobel oder einen Theil der Möbel er⸗ hält, iſt immer gehalten, die Auslieferungzu verlan⸗ gen; er iſt ebenfalls zur Zahlung der Schulden und Laſten verhaltnißmaͤſig uach dem Antheil ſeines Ge⸗ winſtes verbunden. e 02195 chen das Geſetz einen Theil des Vermögens vorbe⸗ hält, in ihrer Ermangelung, von den UniverſalLe⸗ gatarien und in Ermangelung von dieſen, von dem Erben, der nach der im Titel: von den Erb⸗ ſchaften aufgeſtellten Ordnung(zur Erbſchaft) berufen ſein wird, anzuverlangen. Art. CCCl. Der Legatar unter einem UniverſalTitel ſoll, wie der Univerſalbegatar fuͤr die Schulden und Laſten der Erbſchaft des Teſtators, perſönlich fuͤr ſeinen Antheil und hypothekariſch fuͤr das Ganze haften. Art. CCCilIl. Wenn der Teſtator blos uͤber einen Theil desje⸗ nigen Betrages verfügt haben wird, uͤber welchen er verfuͤgen durfte, und dies unter einem Univerſal⸗ Titel gethan haben wird, ſo ſoll dieſer Legatar ge⸗ halten ſein, verhaͤltnißmaͤſig mit den geſetzlichen Er⸗ ben die beſondern Vermächtniſſe abzutragen. Anmerkungen. Noch iſt hier nicht auſſer Acht zu laſſen, daß, ſobald ein Legatar unter UniverſalTitel von irgend einem beſtimmten aliquoten Betrag der Güter vorhanden iſt, derjenige, welchem durch daſſelbe Teſtament der Reſt des Vermögens bewilligt wäre, wenn dies auch ſelbſt unter dem Titel als UniverſalLegatar geſchehen wäre, doch immer nur ebenfalls als Legatar unter einem UniverſalTitel betrachtet werden kann. (220) Sechster Abſchnitt. Von den Partiknlar Vermaͤchtniſſen. Art. CCCIII. Jedes einfache, unbedingte Vermaͤchtniß ſoll dem Legatar von dem Tage des Sterbfalls des Teſtators an, ein Recht auf den vermachten Gegenſtand geben; dieſes Recht geht auf ſeine Erben oder die, welche in ſeine Rechte eingetreten ſind, uͤber(Uest trans- missible). Nichtsdeſtoweniger ſoll der Partikularbegatar ſich eher weder in den Beſitz des vermachten Gegenſtan⸗ des einſetzen noch die Fruͤchte oder Intereſſen deſſel⸗ ben anverlangen koͤnnen, als von dem Tage an, wo er das Begehren der Auslieferung nach der vom Artikel 300 aufgeſtellten Ordnung eingefuͤhrt hat, Anmerkungeu. Sechster Abſchnitt. Zum Art. 303 bis 313. Was die Partikular Ver⸗ maͤchtniſſe betrifft, ſo hat man ſich in ihrer Hinſicht an den Grundſätzen des gemeinen Rechtes gehalten. Die Verfuͤgungen dieſes Abſchnitts ſind das natur⸗ liche Reſultat des weiter oben entwickelten Syſtems. Der Rechts Gebrauch hat ſie bewaͤhrt und allgemein bekannt gemacht. Bei der Abfaſſung dieſer Verfuͤgungen hat man vorzuͤglich im Auge gehabt, eine Menge Schwierig⸗ keiten aus dem Wege zu raͤumen, mit welchen man ehedem in dieſer Materie zu kaͤmpfen hatte. So z. V. kaun jeder Legatar von dem Teſtamente Ge⸗ (221) oder von dem Tage an, wo dieſe Auslieferung ihm gutwillig bewilligt worden waͤre. Art. CCCIV. Die Intereſſen oder Fruͤchte des vermachten Ge⸗ genſtandes ſollen zum Vortheil des Legatars von dem Tage des Sterbfalls an und ohne daß er ſein Begehren gerichtlich eingefuͤhrt haͤtte, laufen, 1) Wenn der Teſtator ſeinen Willen in dieſer Hinſicht ausdruͤcklich in dem Teſtamente er⸗ klaͤrt hat. 2) Wenn eine LeibRente oder eine Penſion unter dem Titel von Alimenten vermacht worden iſt. W Die Koſten des AuslieferungsGeſuchs ſollen der Erbſchaft zur Laſt fallen, ohne jedoch daß eine Re⸗ Anmerkungen. brauch machen, ohne gehalten zu ſein, mehr als ſein Vermaͤchtniß einregiſtriren zu laſſen. So wird alſo der alte Bediente, welchem der Erblaſſer Alimente vermacht hat, nicht mehr im Elende ſchmachten, weil er die EinregiſtrirungsKoſten des ganzen Leſtamen⸗ tes nicht erſchwingen kann. Der PartikularLegatar kann ͤbrigens zu Zahlung der Schulden nicht angehalten werden, da dieſe auf der Erbſchafts Maſſe haften, die nur nach Abzug der Vermaächtniſſe beſtimmt wird; vorbehaltlich jedoch der Reduktion, und des HypothekarRechtes, wie wir es weiter oben entwickelt haben. (222) duction des geſetzlichen Vorbehalts daraus entſprin⸗ gen könnte; Die Einregiſtrirungs Gebuͤhren ſollen von dem Le⸗ gatar geſchuldet werden; Alles, wenn es im Teſtament nicht anderſt ver⸗ ordnet iſt. Jedes Vermaͤchtniß ſoll insbeſondere einregiſtrirt werden koͤnnen, ohne daß dieſes Enregiſtrement ei⸗ nem andern, als dem Legatar oder denen, die in ſeine Rechte eingetreten ſind, zum Vortheil gereichen könne. Art. CCCVI. Die Erben des Teſtators oder die andern Schuld⸗ ner eines Vermächtniſſes ſollen perſoͤnlich zu deſſen Abzahlung gehalten ſein, jeder prorata des Antheils, der ihm in der Erbſchaft zufällt. Sie ſollen hypothekariſch fuͤr das Ganze bis zur Konkurrenz des Werthes der Immoͤbel der Erbſchaft, in deren Beſitz ſte ſich befinden, haften. Art. CCCVII. Der vermachte Gegenſtand ſoll mit ſeinem noth⸗ wendigen Zugehör, und in dem Zuſtand, worinn er ſich am Tage des Sterbfalls des Teſtators befin⸗ den wird, ausgeliefert werden, (223) Art. CCCVIII. Wenn der, welcher das Eigenthum eines Immö⸗ bels vermacht, hat, es nachher durch Acquiſitionen vermehrt, ſo ſollen dieſe Acquiſitionen, wenn ſie auch (an das vermachte Immobel) anſtoßen, ohne eine neue Verfuͤgung, nicht angeſehen werden, als ob ſie einen Theil des Vermaͤchtniſſes ausmachten. Anderſt ſoll es ſich mit den Verſchönerungen und den neuen Bauten(constructions) verhalten, die auf dem vermachten Grund und Boden gemacht worden wären, oder, mit einem eingeſchloſſenen Platze(en⸗ clos), deſſen Umfang(enceinte, Einfriedigung) der Teſiator erweitert hätte. Art. CCCIX. Wenn der vermachte Gegenſtand vor oder nach dem Teſtament, fuͤr eine Schuld der Erbſchaft oder ſelbſt für die Schuld eines Dritten hypothezirt wor⸗ den iſt, oder wenn er mit einer Rutznieſſung be⸗ ſchwert iſt, ſo iſt der, welcher das Vermachtuiß abtragen muß, nicht gehalten, ihn davon zu be⸗ freien, es ſey denn, daß ihm durch eine ausdruͤck⸗ liche Verfuͤgung des Teſtators auferlegt wäre, es zu thun. Art. CCCXx. Wenn der Teſtator das Eigenthum eines andern (224N vermacht haben wird, ſo ſoll das Vermachtniß nich⸗ tig ſein, der Teſtator mag nun gewußt haben oder nicht, daß der vermachte Gegenſtand ihm nicht an⸗ gehoͤrte. Art. CCCXI. Wenn das Vermaͤchtniß eine unbeſtimmte Sache begreift, ſo ſoll der Erbe nicht verbunden ſein, ſie von der beſten Qualität zu geben, aber er ſoll auch die ſchlechteſte nicht anbieten dürfen. Art. CCCXII. Das, dem Glaͤubiger gemachte Vermachtniß, ſoll nicht angeſehen werden, als ſey es zur Kom⸗ penſation ſeiner Schuld gemacht worden, noch das einem Bedienten gemachte Vermächtniß als zur Kompenſation ſeines Lohns. Art. CCCXIII. Der Legatar unter einem PartikularTitel ſoll nicht für die Schulden der Erbſchaft haften, vorbehalt⸗ lich der Reduktion des Vermaͤchtniſſes, ſo wie es oben auseinandergeſetzt iſt, und der Hypothekarla⸗ ge der Gläubiger. (225) Siebenter Abſchnitt, Von den TeſtamentsExekutoren. Art. CCCXIV. Der Teſtator ſoll einen oder mehrere Teſtaments⸗ Exekutoren ernennen konnen. Art. CCCxV. Er ſoll ſie in den Beſitz ſeines ganzen Mobiliar⸗ Vermögens oder eines Theils deſſelben eintreten laſſen können(il pourra leur en donner la saisine) aber dieſer Beſitz ſoll nicht uber Jahr und Tag von ſeinem Sterbfall an dauern können. Wenn er ihnen denſelben nicht gegeben hat, ſo ſollen ſie ihn nicht fordern können. Art. CCCXVI. Der Erbe ſoll dieſem Beſitz ein Ende machen kön⸗ nen, wenn er ſich erbietet, den Teſtaments Vollzie⸗ Anmerkungen. Siebenter Abſchnitt. Sum Art. 313 bis 323. Dieſer Abſchnitt regnlirt alles, was auf die Bollmacht und die Verantwort⸗ lichkeit der TeſtamentsExekutoren Vezug hat, fuͤr den Fall, wo der Teſtator von der Befugniß, einen oder mehrerezu ernennen, Gebrauch machen will, denn dies ſteht vollig in ſeinem freien Willen. Der Beſitz Autritt, der ihnen nothwendig erlaubt werden mußte, wenn dieſe Verrichtungen nicht ganz 15 (226) hern eine zur Zahlung der Mobilia Vermichtniſſe hinlaͤngliche Summe einzuhändigen, oder die Aus⸗ zahlung dieſer Vermächtniſſe erweißt. Art. CCCXVII. Wer ſich nicht verbindlich machen kann, kann kein Teſtaments Exekutor ſein. Art. CCCXVIII. Das verheurathete Weib ſoll blos mit Bewilki⸗ gung ihres Mannes die Verrichtungen als Teſta⸗ mentsVollzieherinn annehmen können. Wenn es, kraft des Eh Vertrags oder durch ein Urtheil, in Vermogens Trennung lebt, ſo ſoll es ſie, mit der Einwilligung ſeines Mannes, oder, im Falle ſeiner Weigerung, kraft einer gerichtlichen Ermächtigung, annehmen können, ſo wie es durch die Artikel 211 und 213 des Titels: von der Ehe vorgeſchrieben iſt. Anmerkungen. iluſoriſch ſein ſollten, kann ſich nie auf die Immo⸗ . bel ausdehnen; er iſt immer auf die Mobiliarſchaft und auf eine jahrige Friſt beſchraͤnkt, und der Erekutor zur Rechen chaft daruͤber gehalten. Auf der einen Seite ſolltet dieſe Verrichtungen in keinem Falle durch ürgend eine Hoffnung zu einem Gewinne oder eines gewiſſen Lohns herabgewuͤrdigt werden; auf der an⸗ dern Seite mußte das Geſetz dem Verwandten oder Freunde, der die heilige Pflicht auf ſich nimmt⸗ das Zutranen des Erblaſſers zu ehren, und für den Vollzug ſeines Willens zu ſorgen, anch gegen die G2275 Art. CCCxIx. Der Minderjährige kann nie TeſtamentsEpeku⸗ tor werden, ſelbſt nicht mit Ermächtigung ſeines Vormundes oder Kurators. Die Teſtaments Exekutoren ſollen die Siegel an⸗ legen laſſen, wenn Minderjährige, Interdizirte oder abweſende Erben vorhanden ſind. Sie ſollen in Gegenwart des vermuthlichen Er⸗ ben, oder nachdem ſie ihn gehörig berufen haben werden, ein Inventarium über das Vermögen der Erbſchaft errichten laſſen. Sie ſollen, wenn das baare Geld nicht hinlaͤng⸗ lich iſt, um die Vermächtniſſe auszuzahlen, den Verkauf der Mobiliarſchaft betreiben(ils provoque- ront la vente). Sie ſollen uͤber den Vollzug des Teſtamentes wa⸗ chen, und können, im Falle uͤber deſſen Vollzug Anmerkungen. Anmaſſungen und die Zudringlichkeiten, vielleicht gie⸗ riger, Erben oder Intereſſenten Schutz gewaͤhren. Das Geſeß hat die verſchiedenen Fälle beſtimmt, worinn die Verrichtungen des Exekutors eintreten, und ſeine Verfügungen machen ſowohl durch die Gewährleiſtung der Erfahrung, als die Beſtimmtheit ihrer Abfuſ⸗ ſung jede weitere Erorterung ganz uberglüſſig. 5 (223 N Strittigkeiten entſtehen, dazwiſchenkommen, um ſei⸗ ne Guͤltigkeit zu behaupten. Sie müſſen, nach Ablauf von JahresFriſt von dem Sterbfalle des Teſtators an, über ihre Ver⸗ waltung Rechenſchaft ablegen. Art. CCCXXI. Die Vollmacht des Teſtaments Vollziehers ſoll nicht auf ſeine Erben uͤbergehn. Art. CCCxXII. Wenn mehrere Teſiaments Exekutoren vorhanden ſind, welche dieſe Verrichtungen angenommen haben, ſo ſoll einer in Ermangelung der andern thaͤtigen können; ſie ſind ſolidariſch für die Rechenſchaft uͤber die ihnen anvertraute Mobiliarſchaſt verantwortlich, es ſey denn, daß der Teſtator ihre Verrichtungen getheilt, und jeder ſich auf diejenige beſchraͤnkt hãtte, welche ihm zugewieſen war. Art. CCCXXIII. Die von dem Teſtaments Exekutor fůr die Anle⸗ gung der Siegel das Inventarium, die Rechnungs ⸗ Ablage gemachten Auslagen, ſo wie alle andere auf ſeine Verrichtungen Bezug habende Unkoſten ſollen der Erbſchaft zur Laſt fallen. (229N Achter Abſchnitt. Pon dem Widerruf und der Kaduzität der Teſtamente. Art. CCCXXIV. Die Teſtamente können, ganz oder zum Theil, nicht anderſt als durch ein ſpäteres Teſtament, oder durch einen, vor Notarien, errichteten Akt, der die Erklaͤrung einer Villensänderung enthält, widerrufen werden. Art. CCCXXV. Spatere Teſtamente, welche die vorherigen nicht ausdrücklich widerrufen werden, ſollen in dieſen blos jene darinn enthaltene Verfuͤgungen vernichten, welche mit den neuern unverträglich ſind, oder ihnen zuwiderlaufen. Anmerkungen. Achter Abſchnitt. Zum Art. 324 bis 336. Die teſtamentariſchen Ver⸗ fuͤgungen,(denn es können von einem Teſtament nur einzelne Verfuͤgungen wegfallen und zwei Teſta⸗ mente können, jedes für den Theil, der dem andern nicht zuwiderlaͤuft, zuſammen beſtehen(Art. 2250 konnen widerrufen oder kadnzirt werden. Der Widerruf kann ſtatt haben 1) durch ein ſpate⸗ res Teſtament(324); hierbei iſt aber nicht auſſer Acht zu laſſen, daß das ſpätere Teſtament von allen vor⸗ geſchriebenen Formalitäten umgeben ſein muß, denn ſonſt wurde es kein Teſtament ſein. Eben ſo muß das ſpätere Teſtament, um dem erſten Abbruch thun zu koͤnnen, an und fuͤr ſich betrachtet, vollzogen wer⸗ (230) Art. C6xXW. Der burch ein ſpäteres Teſtament geſchehene Wi⸗ derruf ſoll ſeine ganze Wirkung haben, wenn auch dieſer neue Akt, wegen der Unfähigkeit des eingeſetz⸗ ten Erben oder des Legatars oder wegen verweiger⸗ ter Annahme(von deſſen Seite), ohne Vollziehung bleibt. Art. CCCXXVII. Jede Veraͤuſſerung des Ganzen oder eines Theils des vermachten Gegenſtandes durch den Teſtator, ſelbſt die durch einen Verkauf unter dem Vorbehalte des Ruͤckkaufs oder durch einen Tauſch, ſollen den Widerruf des Vermächtniſſes fuͤr alles, was verauſ⸗ ſert worden iſt, mit ſich fuͤhren, ſelbſt wenn dieſe Anmerkungen. den können. Zufaͤllige Urſachen des NichtVollzuges, die dem Teſtamente nicht ankleben wuͤrden z. B. die Unfaͤhigkeit des Erben, ſeine Repudiation der Erb⸗ ſchaft, benehmen dem Widerrufe nichts von ſeiner Kraft. 2) Durch einen Notarial Akt(324) wenn und in ſo fern dieſer die ausdrückliche Erklärung ent⸗ hält, daß der Teſtator ſeinen Willen verandert hat. 3) Durch den ſtillſchweigenden Willen des Teſtators (327), wenn der Teſtator nachher das Ganze oder einen Theil des vermachten Gegenſtandes verkauft hat. Die Nullität des Verkaufs kann in dieſem Fall den Ausdruck der Willens Veränderung nicht ſchwaͤ⸗ chen; es kann daher auch von keiner Unterſcheidung mehr die Rede ſein, ob die Schenkung freiwillig oder nothwendig war. (231) ſpaͤtere Beraͤuſſerung nichtig und der Gegenſtand in die Hand des Teſtators zuruͤckgekehrt wäre. Art. CCCXX VIII. Jede teſtamentariſche Verfuͤgung ſoll zerfallen(ka⸗ duzirt ſein), wenn der, zu deſſen Gunſten ſie ge⸗ ſchehen iſt, den Teſtator nicht berlebt hat. Art. CCCXXIX. Jede teſtamentariſche Verfuͤgung, welche unter ei⸗ ner, von einer ungewiſſen Begebenheit abhaͤngigen Bedingung geſchehen iſt, und zwar ſo, daß nach der Abſicht des Teſtators dieſe Verfuͤgung blos in ſo weit vollzogen werden ſoll, als dieſe Begebenheit ſich ereignen oder nicht ereignen wird, ſoll kaduzirt ſein, wenn der eingeſetzte Erbe oder der Legatar vor Erfuͤllung der Bedingung ſtirbt. Anmerkungen. Die Verfuͤgung zerfaͤllt(wird kaduzirt) 1) wenn der, zu deſſen Gunſten ſie geſchehen iſt, vor dem Te⸗ ſtator ſtirbt(328). 2) Wenn der vermachte Gegenſtand waͤhrend dem Le⸗ ben des Teſtators oder ſelbſt auch nach ſeinem Tode zu Grunde gegangen iſt, wenn es ohne Ver⸗ ſchulden und Zuthun des Erben geſchah(331). 3) Durch die Unfähigkeit des Legatars(332), 4) Durch die Repudiation des Vermächtuiſſes(ibid.) 5) Durch den Mangel der Erfüllung der ihm aufer⸗ legten Bedingungen(Art. 335). (232) Art. CCCxXXX. Die Bedingung, welche nach der Abſicht des Teſtators den Vollzug der Verfugung blos aufſchiebt, ſoll den eingeſetzten Erben oder den Legatar nicht verhindern, ein wirklich erworbenes, auf ſeine Erben ubertragbares Recht(auf den vermachten Gegen⸗ ſtand) zu haben. Art. CCCxRxI. Das Vermaͤchtniß ſoll zerfallen, wenn der ver⸗ machte Gegenſtand während dem Leben des Teſtators ganz zu Grunde gegangen iſt. Eben ſo ſoll es gehalten werden, wenn er ſeit ſei⸗ nem Tod, ohne Zuthun und ohne die Schuld des Erben zu Grunde gegangen iſt, ſelbſt wenn dieſen mit ſeiner Auslieferung in Ruͤckſtand verſetzt worden waͤre, wenn er unter den Haͤnden des Legatars gleichfalls hatte zu Grunde gehen muͤſſen. Anmerkungen. In Hinſicht auf den Kebertrag des Vermachtniſſes iſt jedoch zu bemerken, daß wenn die Bedingung von einer ungewiſſen Begebenheit abhaͤnaig iſt, und zwar ſo, daß der Abſicht des Teſtators gemaß, die Ver⸗ fuͤgung blos in ſo weit vollzogen werden ſoll, als die Be⸗ gebenheit ſich ereignen wird oder nicht, die Verfuͤgung nothwendig kaduzirt wird, wenn der Legatar vor Erfül⸗ lung der Bedingung ſtirbt(329). In dieſem Fall kann er nichts uͤbertragen, weil er nichts erworben hat. Iſt es im Gegentheil blos der Zweck der Bedingung, —— (233 Nrt. CCCXXXII. Dieteſtamentariſche Verfuͤgung ſoll zerfallen, wenn der eingeſetzte Erbe oder Legatar ſie ausſchlagen oder zu ihrem Empfang unfaͤhig ſein wird. Art. CCCXXKIII. Im Falle das Vermächtniß mehreren zuſammen gemacht worden ware, ſoll, wenn es ſtatt findet, zum Vortheil der Legatarien, das Recht des Zuwachſes eintreten. Das Vermaͤchtniß ſoll, als mehreren zuſammen gemacht, angeſehen werden, wenn es durch eine einzige und dieſelbe Verfuͤgung geſchehen iſt, und der Teſtator nicht jedem der Kollegatarien ſeinen Antheil an dem vermachten Gegenſtande beſtimmt hat. Art. CCCRxxlv. Es ſoll gleichfalls, als mehreren zuſammeen ge⸗ macht, angeſehen werden, wenn ein Gegenſtand, Anmerkungen. den Pollzug der Verfuͤgung zu verſchieben, ſo geht das Recht, welches wirklich auf dem Haupte des Le⸗ gatars beruht, durch ſeinen Tod auch auf ſeine Erben uͤber(Art. 330). Die Materie der Kaduzität fuͤhrt uns natuͤrlich auf die des ZnwachſungsRechtes, deſſen Theorie wir auf eine beſtimmte und faßliche Art in z einzige Artikel zuſammengedraͤngt finden(333 und 334). (234 der ohne Deterioration der Theilung nicht empfäng⸗ lich iſt, durch denſelben Akt mehreren Perſonen, obgleich jeder insbeſondere(separément) vermacht worden iſt. Art. CCCXXXV. Dieſelben urſachen, welche nach dem Art. 244 und den beiden erſten Verfuͤgungen des Artikels 245 des gegenwärtigen Titels das Begehren auf Wider⸗ ruf einer Schenkung zwiſchen Lebenden ermächtigen, ſollen auch für die Klage auf Widerruf von teſta⸗ mentariſchen Verfuͤgungen angenommen werden. Art. CCCXXXVI. Wenn dieſe Klage ſich auf eine ſchwere Beleidi⸗ Anmerkungen. sum Art. 335. u. 336. Wir haben in dem Theile des Geſetzes, der von den Schenkungen gehandelt, geſehen, daß ſie wegen NichtVollziehung der Bedin⸗ gungen, unter welchen ſie geſchehen ſind, widerrufen werden. Es war gerecht, denſelben Grundſatz auf die teſtamentariſchen Verfuͤgungen anzuwenden. Der Wille des Erblaſſers muß von dem, zu deſſen Gun⸗ ſten er verfuͤgt hat, heilig beobachtet werden. Wenn alſo ein Legakar, dem er gewiſſe Bedingungen auf⸗ erlegt hat, das Zutrauen des Verſtorbenen täuſcht, ſo muß es den Erben erlaubt ſein, zu verlangen, daß die Verfuͤgung fuͤr widerrufen erklaͤrt werde, und der darinn begriffene Gegenſtand mit der Bedin⸗ gung an ſie zurückfalle, den Willen des Erblaſſers zu erfullen. Doch mußte es den Tribunalien zu be⸗ ſtimmen überlaſſen bleiben, welche Klauſeln dieſe (235 gung(injure) gegen das Andenken des Teſtators gruͤndet, ſo muß ſie in JahresFriſt, von dem Tage des Vergehens an, erhoben werden. Fuͤnftes Kapitel. Von den Verfuͤgungen, welche zu Gunſten der Enkel des Schenkgebers oder Teſta⸗ tors, oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter erlaubt ſind. Art. CCCXXXVII. Die Aeltern ſollen das Vermoögen, woruͤber ſie Anmerkungen. Wirkung hervorbringen muͤſſen, ob der Widerruf auf der Stelle erklaͤrt werden muß, oder ob die Umſtande nicht erlauben, daß der Legatar zugelaſſen werde, ſeine Verabſaͤumung nachzuhohlen. Eben ſo gerecht war es, daß der Legatar im Falle des Undauks beſtraft werde. Die beiden erſten Pa⸗ ragraphen des Artikels 245(ſiehe Seite 180) die⸗ nen dabei zur Richtſchnur. Dieſer Abſchnitt beſchließt die allgemeinen Regeln uͤber alle unentgeltlichen Verfuͤgungen. Wir kommen nunmehr zu den Ausnahmen, die das Geſetz zu Gunſten gewiſſer beſonderer Verfuͤgungen geſtattet. Funftes Kapinel. ZSum Art. 337. In den meiſten Geſetzgebungen, auch in der bisherigen franzöſiſchen hatte die väterliche Gewalt in der Enterdunz eines der wichtigſten Mirtel, den Fehlern der Kinder vorzubeugen und ſie zu beſtrafen. Allein indem man den Aeltern dieſe ſchreckliche Waffe verlieh, hatte man die erſten Grund⸗ (236 5 zu verfugen befugt ſind, ganz oder zum Theil einem Anmerkungeun. ſitze des Uebertrags der Guter verkannt. Die An⸗ wendung dieſer Strafe traf meiſtens zugleich die un⸗ ſchuldige Nachkommenſchaft des Enterbten, die doch dem gerechten, obgleich erzuͤrnten, GroßVater nicht weniger theuer hätte ſein ſollen, einen nicht weniger weſentlichen Theil der Familie ausmachte, und die⸗ ſelden Rechte in Anſprach nehmen konnte. Sie kounte aber nur in ſeltnen Fällen den Erbtheil des enterbten Paters erhalten, und ward ſchier immer das unſchuldige Opfer ſeiner Proscription. Nichts konnte zudem ärgerlicher und der öffentlichen Sitt⸗ lichkeit nachtheiliger ſein, als jene ſcaudaloſen De⸗ patten vor den Gerichten, wo die Kindet das Anden⸗ ken ihrer Aeltern wegen bloßem GeldIntereſſe herab⸗ zuwuͤrdigen ſuchten, und auf der andern Seite oft niedrige Habſucht ihr eigenes Betragen mit den ſchwärzeſten Farben ſchilderte. Es ſchien jedoch zweckmäſig, ein Mittel ausfindig zu machen, um der alterlichen Gewalt ihr noͤthiges Anſehn, ohne Verletzung der Gerechtigkeit, zu erhal⸗ ten. Man hatte anfangs dies Miftel in einer Ver⸗ fuͤgung zu finden geglaubt, welche die Aeltern berech⸗ tigt haͤtte, das Kind, welches ſich einer notoriſchen Verſchwendung ſchuldig machen würde, auf die bloße Rutznieſſung ſeines Erbtheils zu beſchraͤnken und dieſen den Deszendenten zu verſichern. Die Syur dieſer Verfuͤgung hatte man in der romiſchen Geſeß⸗ gebung gefunden; allein bei naͤherer Unterſuchung ergab es ſich, daß ſie die meiſten Nachtheile der Ent⸗ erbung mit ſich fuͤhre. Die Leltern erhalten ihre größte Macht von der Natur, nicht von dem Geſetz; das Streben des Ge⸗ ſetzgebers muß alſo dabin gerichtet ſein, der Natur zu Huͤlfe zu kommen, und die Ehrfurcht zu erhalten, die ſie den Kindern füt die Urheber ihrer Tage ein⸗ oßt; iedes Geſetz, welches alſo den Sohn in den Fall verſeten wurde, das Andenken ſeines Vaters (2375 oder mehreren ihrer Kinder, durch Akte zwiſchen Lebenden oder teſtamentariſche Akte, unter der Ob⸗ Aumerkungen. anzufechten, und ihn vor den Tribunalien einer un⸗ gerechten und barbariſchen Proscription zu ziehen, iſt gewiſſermaſſen ſelbſt ein Angriff anf die väterliche Gewalt, die es herabſetzt. Es muß der erſte Grund⸗ ſaßz jeder Geſeßgebung üͤber dieſe Materie ſein, jeder offentlichen Klage zwiſchen Aeltern und Kindern vorzubeugen; es iſt daher unpolitiſch und gefährlich, den Aeltern irgend Waffen anzuvertrauen, welche die Kinder bekaͤmpfen koͤnnten. Wie konnte man aber glauben, daß das, auf den Nießbrauch reduzirte Kind, aus Zuneigung zu ſeiner Nachkommenſchaft, eine ſolche Beſchränkung nicht anfechten wurde? Dieſe für den Enkel wohlthätige Verfügung⸗ wäre doch im⸗ mer fur den Vater eine wahre Interdiction gewe⸗ ſen, die vielleicht auf ſeinen Kredit und ſein Schickſal den nachtheiligſten Einfluß haͤtte haben können? Von ſeinem Vater zum Verſchwender erklärt, wie hätte der Sohn auf offentliche Aemter Anſpruͤche machen oder ſich Zutrauen erwerben können? wäre die Strafe nicht zu hart geweſen, deren Wirkungen fortwährend geweſen wären, während die urſache der Beſtrafung vielleicht nur vorubergehend war. Es war daher leicht vorzuſehen, daß ſo von den Aeltern nachgeſetzte Kinder den Schutz der Tribunalien anflehen würden⸗, und mit wie viel Vortheil würden ſie nicht hier er⸗ ſcheinen? Die Verſchwendung beſteht in einer Reihe von Thatſachen, die das Geſeß nicht beſtimmen kann? was in dem einen Falle Verſchwendung iſt, kann es in einem andern Folle nicht ſein? Der Vater, die⸗ ſer erſte Richter, der nothwendig die Gruͤnde ſeiner Entſcheidung am beſten keunen mußte, hätte nicht mehr gehort werden können? die ſcandaloſeſten Debatten wuͤrden die Folge dieſer Verfuͤgung geweſen ſein; wih⸗ rend der Sohn das Andenken ſeines Vaters herabzu⸗ würdigen geſucht haben wurde, hätten ſeine eigenen Kinder ſich beſtrebt ihn als einen Verſchwender zu (238 liegenheit ſchenken können, dies Vermoͤgen den ſchon gebohrnen und kuͤnſtigen Kindern der beſagten Anmerkungen. hrandmarken. Hätte eine ſolche Familie nicht allen An⸗ ſprüchen auf die offentliche Achtung entſagen muͤſſen? Dieſe Verfuͤgung wuͤrde auch noch den Fehler ge⸗ habt haben, daß ſie das Recht des Pflichttheils geſchmälert haben wuͤrde, welches bisher nur im Falle der Enterbung reduzirt werden konnte. Die noto⸗ riſche Verſchwendung war aber nie Urſache der Eat⸗ erbung, ſondern blos einer Interdiction, die, wenn die urſache derſelben aufhoörte, ebenfalls wegfiel⸗ Ohngeachtet aber die vorgeſchlagene Verfügung, ſo wie man ſie beim erſten Vorſchlag des Geſetzbu⸗ ches abgefaßt hatte, nicht ſtatt finden konnte, ſo war doch die Idee derſelben nichtsdeſtoweniger gerecht und nützlich; es kam blos darauf an, dem doppelten Nachtheil derſelben vorzubengen; zu verhindern, daß ſie keine Quelle der Zwietracht und ärgerlicher Klagen werden konute, und daß ſie dem Geſetz, welches den Kindern, unabhaͤngig von dem Willen der Aeltern, einen Pflichttheil vorbehaͤlt, keinen Abbruch thun möge. Dieſe Bedingungen werden durch den obigen Artikel des Geſetzbuches vollkommen erfuͤllt; wir ha⸗ ben geſehen, daß der Antheil des Vermogens, über welchen in jedem Falle verfüͤgt werden darf, immer hinlanglich iſt, den Zweck zu erſuͤllen, den das Ge⸗ ſetz beabſſchtigt, naͤmlich die Enkel vor dem Elend zu ſchutzen, welchem das ſchlechte Betragen oder das Ungluͤck des Vaters ſie ſonſt Preiß geben könnte. Der GroßVater kann von dem Geſetz keine ausge⸗ dehntere Freiheit fordern, als die, das Gefuͤhl einer wahren Neigung zu ſeiner Nachkommenſchaft zu befriedigen. Das StaatsRecht aber erfordert, daß der PVorbehalt der Kinder nie geſchmälert wer⸗ den könne. Das Intereſſe des einzelnen kann die⸗ ſem keinen Abbruch thun. Auf die von dem Geſeß beſtimmte Art bleibt der geſetzliche Vorbehalt unan⸗ getaſtet; die Verfuͤgung der Aeltern begreift blos den 0239 5 Schenknehmer, doch blos im erſten Grade, zuruͤck zu liefern. Art. CCCXXXVIII. Im Falle des Sterbfalls ohne Kinder ſoll auch die Verfuͤgung guͤltig ſein, welche der Erblaſſer uber die Anmerkungen. Theil des Vermögens, der ihrer freien Verfuͤgung uͤberlaſſen war; ſie kann daher in keinem Falle Aulaß zu Konteſtationen geben; allen gerichtlichen Klagen iſt vorgebeugt; die Verfuͤgung ſelbſt hat keineswegs den Karakter einer Strafe; ſie iſt auf das verſchwenderiſche Kind, ſo wie auf das, welches durch Zufalle zuruͤckgeſetzt worden wäre oder durch ſeinen Stand ſolchen Zufaͤl⸗ len ausgeſetzt waͤre, anwendbar. Es bleibt moglich, daß die Aeltern, die ſich allein uͤber die Beweggruͤnde Rechenſchaft zu geben haben, warum ſie uͤber dieſen Theil ihres Vermoͤgens ſo und nicht anderſt verfuͤgen, blos die Abſicht gehabt haben, das Kind, dem ſie den Nießbrauch gewaͤhren und ſeine Nachkommen⸗ ſchaft zugleich zu beguͤnſtigen. Sie haben ſchon ohne⸗ hin von dem Geſetz die Befugniß erhalten, das Ver⸗ mögen demjenigen Kinde zu geben, welches ihnen an⸗ ſteht, und man hat dann weniger einen blinden Vor⸗ zug zu befuͤrchten, wenn das Vermögen auf alle Des⸗ dieſes Kindes ohne Unterſchied uͤbergehen muß. Man mufte zugleich die Form der Akte beſtim⸗ men, worinn eine ſolche Verfuͤgung niedergelegt wer⸗ den kann. Sie iſt dieſelbe, wie fuͤr Schenkungen zwiſchen Lebenden oder Teſtamente. Zum Art. 338. Es ſchien gerecht, die Anwendung deſ⸗ ſelben Grundſatzes aufdie Geſchwiſter Kinder zu erlau⸗ ben. Das Geſetz gewährt den Geſchwiſtern zwar keinen Borbehalt, allein ſein Wunſch wuͤrde doch offenbar detrogen werden, wenn die Familie ohne geſetzlichen (240 Geſammtheit oder einen Theil des Vermögens, wel⸗ cher nicht durch das Geſetz in der Erbſchaft vorbe⸗ halten iſt, durch einen Akt zwiſchen Lebenden oder einen teſtamentariſchen Akt zum Vortheil eines oder mehrerer ſeiner Geſchwiſter unter der Obliegenheit getroffen haͤtte, dieſes Vermogen den ſchon gebohr⸗ nen und zukuͤnftigen Kindern der beſagten ſchenkneh⸗ menden Geſchwiſter, jedoch blos im erſten Grade, zuruͤck zu liefern. Art. CCCXXXIX. Die, durch die beiden vorhergehenden Artikel er⸗ laubten, Verfugungen ſollen blos in ſo weit guͤltig Anmerkungen. Veweggrund ihres Vermoͤgens beraubt werden ſollte. Es wird aber oft der Fall ſein, daß ein Pruder gern ſeinen Bruder und zugleich ſeine Neffen bedenken mögte; daß er nicht geru den erſten vorubergehn, und doch auch die letztern, weil er die Verſchwen⸗ dung des Vaters befuͤrchtet, ſichern mögte. Sogar wenn man vorausſetzen könnte, daß der Schenkgeber blos aus Stolz deshalb ſeinen Geſchwiſtern die Ob⸗ liegenheit der Reſtitution zu Gunſten der Neffen auf⸗ zuerlegen wünſchte, damit die einen und die andern alles ſeiner Freigebigkeit verdanken moͤgten, warum ſollte das Geſetz nicht dieſen Stolz zum Vortheil der Familien benutzen? jenes ſind die beſten Grundſätze⸗ welche den Leidenſchaften der Menſchen eine der Menſchheit nützliche Richtung geben. um Art. 339. Dieſer Artikel unterſcheidet die Ver⸗ fügung des neuen Geſetzes ſo ſehr von den alten Sub⸗ ſtitutionen, daß man ihr nicht einmal dieſen Namen gegeben hat. Sie enthaͤlt zwar freilich eine Subſti⸗ —— ( ſein, als die Obliegenheit der Reſtitution zum Vor⸗ theil aller ſchon gebohrnen und zukuͤnftigen Kinder des Beſchwerten, ohne Ausnahme noch Vorzug des Alters oder Geſchlechtes, auferlegt iſt. Art. CCCXxL.. Wenn, in obigem Falle derjenige, der zum Vor⸗ theil ſeiner Kinder mit der Obliegenheit der Reſtitu⸗ tion beſchwert iſt, ſtirbt, und Kinder im erſten Gra⸗ de und Deszendenten von einem vorherverſtorbenen Kinde zuruͤcklaßt, ſo ſollen dieſe letzten, kraft der Repraͤſentation, den Antheil des vorhergeſtorbenen Kindes beziehen. Art. CCCXLI. Wenn das Kind, der Bruder oder die Schwe⸗ Anmerkungen. tution, weil ſie eine Erbfolge von dem ſchenknehmen⸗ den Kinde auf die Enkel begruͤndet; allein ſie iſt da⸗ rinn dem Begriff der ehemaligen Subſtitution ſchnur⸗ grade entgegengeſetzt, daß es nicht der Gegenſtand der den Aeltern bewilligten Befugniß iſt, eine neue Erbſchafts Ordnung zu begründen und die natuͤrlichen Rechte derjenigen anzufechten, welche das Geſetz zur Erbſchaft berufen haͤtte, ſondern vielmehr dieſe Ord⸗ nung und Rechte zu Gunſten einer Generation, wel⸗ che ſie verlohren haben würde, aufrecht zu erhalten. In den alten Subſtitutionen ward ein Zweig dem andern vorgezogen, die neue Verfuͤgung ſoll zur Er⸗ haltung eines bedrohten Zweiges dienen. Zum Art. 340. Siehe die bei Gelegenheit des Art. 30(S. 13) entwickelten Grundſätze. 16 2420 ſter, welchen gewiſſe Guͤter durch Akte zwiſchen Lebenden ohne die Obliegenheit der Reſtitution ge⸗ ſchenkt worden waren, eine neue Freigebigkeit an⸗ nehmen, welche ihnen durch einen Akt zwiſchen Le⸗ benden oder ein Teſtament unter der Bedingung gemacht worden iſt, daß die, vorher geſchenkten, Güter mit dieſer Laſt beſchwert bleiben ſollen, ſo iſt es ihnen nicht mehr erlaubt, die beiden zu ihrem Vortheil geſchehenen Verfuͤgungen zu trennen und auf die zweite Verzicht zu leiſten, um ſich an der erſten zu halten, wenn ſie ſich auch ſelbſt erbieten ſollten, die in der zweiten Verfugung begriſſenen Guͤter zu⸗ ruͤckzuerſtatten. Art. CCCXLM. Die Rechte der Beguͤnſtigten(des appellés) ſol⸗ len von der Epoche an eroffnet ſein, wo ans irgend Anmerkungen- Fum Art. 341. Derjenige, welcher einen Theil ſei⸗ nes Vermogens ohne die Obliegenheit der Reſtitn⸗ tion verſchenkt hat, kann dieſelbe durch eine neue Freigebigkeit auferlegen. Entweder muß der, zu deſ⸗ ſen Gunſten er verfuͤgt, beide unbedingt aufgeben, oder er iſt auch in Hinſicht auf die erſte gebunden. Die beiden Verfuͤgungen läſſen ſich nicht trennen. Zum Art. 32. Ueber den Augenblick des Eintritts der Rechte der Suvſtitution kann kein Zweifel be⸗ ſtehen. Sie treten ein, ſobald der Nießbrauch auf⸗ hoͤrt: es ſey nun durch den natuͤrlichen oder durch den G243 einer Urſache die Rutznieſſung des Kindes, des Bru⸗ ders oder der Schweſter, welche mit der Obliegen⸗ heit der Reſtitution beſchwert ſind, aufhören wird. Die antizipirte Ueberlaſſung des Nießbrauchs ſoll den Glaͤubigern des mit der Obliegenheit der Reſti⸗ tution Beſchwerten, die ſchon vor der Ueberlaſſung zu fordern hatten, nicht zum Rachtheil gereichen koͤunen. Art. CCCXxLIII Die Weiber der Beſchwerten ſollen, im Falle der Unzulänglichkeit des freien Vermögens, auf die zu⸗ ruͤckzuliefernden Guͤter keinen andern ſübſidiariſchen Regreß haben, als fuͤr das Kapital der Dotal⸗ Gelder, und blos in dem Falle, wo der Teſtator es ausdrucklich verordnet hätte. Anmerkungen. buͤrgerlichen Tod. Eben ſo anch, wenn der Nutznieſ⸗ ſer ſeinem Nießbrauch freiwillig entſagt; in dieſem Falle ſihd jedoch zwei wichtige Erwägungen zu machen: 1) Die zu Gunſten eines Kindes geſchehene antici⸗ pirte Ueberlaſſung kann den andern Kindern, welche ſpaͤterbin gebohren werden koͤnnten, nicht zum Nachtheil gereichen. 2) Eben ſo wenig kann ſie den wirklichen Gläubigern des Beſchwerten zum Nachtheil gereichen. Zum Art. 343. Die Beguͤnſtigung der Ehen wuͤrde kein hinlänglicher Grund geweſen ſein, um den Wei⸗ bern gegen die, in dieſer Art vermachten Guͤter, einen ſubſidiariſchen Rekurs zu erlauben. Das Geſetz be⸗ willigt ihuen denſelben blos für ihre DotalGelder * G244 0 Art. CCCXLIV. Derjenige, welcher ſolche durch die beiden vorher⸗ gehenden Artikel ermächtigte Verfuͤgungen treffen wird, ſoll durch denſelben Akt, oder durch einen ſpaͤtern Akt in authentiſcher Form einen, mit dem Vollzug dieſer Verfügungen beauftragten, Vormund ernennen können. Dieſer Vormund ſoll blos wegen einer der, im dem ſechsten Abſchnitt des 2ten Kapi⸗ tels des Titels: von der Minderjährigkeit und den Vormundſchaften, ausgedruͤckten Ur⸗ ſachen freigeſprochen werden können. Art. CCCXxLV. In Ermangelung dieſes Vormundes ſoll auf Be⸗ treiben des Beſchwerten oder ſeines Vormundes, wenn er noch minderjährig iſt, in MonatsFriſt, Anmerkungen. und in dem Falle, wo dieſe Befugniß ihnen aus⸗ drücklich von dem Teſtator bewilligt worden wäre. gum Art. 344 bis 363. Das Geſetz mußte iedoch alle Schwierigkeiten vorſehn, welche uͤber den Voll⸗ zug ſolcher Verfuͤgungen entſtehen können; man mußte vor allem, um den Zweck zu erreichen, den man da⸗ vei im Auge gehabt hatte, allen Strittigkeiren zwi⸗ ſchen dem beſchwerten Vater und den begunſtigten Kindern vorzubeugen ſuchen. Obige Artikelenthalten die Vorſichts Maasregeln, welche man hierzu am wirkſamſten hielt. Wenn der Vater die Obliegenheiten nicht erfuͤllen ſollte, die mit der Laſt der Reſtitution verbunden (245 von dem Tage des Sterbfalls des Schenknehmers oder Teſtators an, oder von dem Tage an, wo ſeit dieſem Sterbfall der, die Verfuͤgung enthaltende, Akt bekannt geworden ſein wird, ein Vormund ernannt werden. Art. CCCXLVI. Derjenige Beſchwerte, welcher dem vorhergehen⸗ den Artikel nicht genug gethan haben wird, ſoll der Wohlthat der Verfügung verluſtig ſein; und in die⸗ ſem Falle ſollen die Rechte(der Subſtituirten), auf Betreiben der Begüͤnſtigten, wenn ſie großjäh⸗ rig ſind, oder ihrer Vormuͤnder oder Kuratoren, wenn ſie minderjährig oder interdizirt ſind, oder auf das Betreiben von jedem Verwandten der großjahrigen, minderjaͤhrigen oder interdizirten, oder ſelbſt von Amtswegen auf Betreiben des Re⸗ gierungs Kommiſſairs bei dem erſten Inſtanz Gericht Anmerkungen. ſind, ſo muß zwiſchen ihm und ſeinen Kinder eine dritte Perſon ſtehen, deren, ihr von dem Geſetz vor⸗ gezeichnetes, Betragen zu keiner Zwietracht zwiſchen ibnen Gelegenheit geben könne. Dieſe finden wir in einem Vormund, welcher eigends dazu ernannt wird, um darüber zu wachen, daß nach dem Tode des Schenk⸗ gebers oder Teſtators ſein Wille puͤnktlich erfüllt werde. Es ware freilich zu wuͤnſchen, daß der Vor⸗ mund immer von demjenigen ſelbſt ernannt würde, welcher die Verfuͤgung macht; dieſe Wahl wuͤrde dem Vormund ſelbſt einen Titel mehr auf das Zutrauen und die Achtung des Beſchwerten geden. Iſt aber (246 5 des Ortes, wo die Erbſchaft eröffnet iſt, zum Vor⸗ cheil dieſer Begünſtigten eroͤffnet erklärt werden können. Art. CCCXLVII. Nach dem Sterbfall desjenigen, welcher unter der Obliegenheit der Reſtitution verfügt haben wird, ſoll in den gewöhnlichen Formen zum Inventarium al⸗ ler die Erbſchaft ausmachenden Guͤter und Effekren geſchritten werden, den Fall jedoch ausgenommen, wo es ſich blos von einem Partikular Vermächtniſſe handelte. Dies Inventarium ſoll die Abſchätzung der Möbel und MobiliarEffekten zu billigen Preißen enthalten. Art. CCCXLVIII. Daſſelbe ſoll auf Anſtehn des mit der Obliegen⸗ heit der Reſtitution Beſchwerten, und in der unter dem Titel: von den Erbſchaften, beſtimmten ZeitFriſt, in Gegenwart des zur Vollziehung er⸗ Anmerkungen. dieſe Ernennung nicht geſchehen oder der alſo ernann⸗ te Vormund geſtorben, ſo hat das Geſetz alle Vor⸗ ſichts Maasregeln getroffen, damit es auch in dieſem Falle nie an einem Vormund fehlen moͤge. Zuerſt perpflichtet es den Beſchwerten, unter Strafe der Wohlthat der Verfügung verluſtig zu werden, dieſe Ernennung zu betteiben. In ſeiner Ermangelung ſind die Begünſtigten ſelbſt, wenn ſie großjährig ſind⸗ ihre Vormuͤnder oder Kuratoren, wenn ſie minder⸗ (2470 nannten Vormundes errichtet werden. Die Koſten ſollen von dem, in der Verfuͤgung begriffenen, Ver⸗ mögen erhoben werden. Art. CCCxLIx. Wenn das Inventarium in obiger ZeitFriſt nicht auf Anſtehn des Beſchwerten errichtet worden iſt, ſo ſoll im folgenden Monat auf Betreiben des zur Vollziehung ernannten Vormundes, in Gegenwart des Beſchwerten, oder ſeines Vormundes, dazu ge⸗ ſchritten werden. Art. CCCL. Wenn den beiden vorhergehenden Artikeln kein Genüge geſchehen iſt, ſo ſoll auf Betreiben der im Ar⸗ tikel 346 bezeichneten Perſonen, mit Berufung des Beſchwerten, oder ſeines Vormundes, und des zur Vollziehung ernannten Vormundes, dazu geſchrit⸗ ten werden. Anmerkungen. jährig oder interdizirt ſind, alle ihre Verwandten, und ſelbſt der Regierungs Kommiſſair bei dem erſten InſtanzGericht damit beauftragt. Die folgenden Regeln beſtimmen die Verfahrungs⸗ Art, welche bei der Aufnahme der Guͤter, dem Ver⸗ kauf des MobiliarVermoͤgens, der Anlage der Gel⸗ der, der Transcription und Inſcription der Akte zu beobachten iſt. Sie ſchneiden alle Mittel ab, um die Verfuͤgung illuſoriſch zu machen, ohne jedoch den (248 Art. CCCLl. Wer mit der Reſtitution beſchwert iſt, ſoll gehal⸗ ten ſein, zum Verkauf aller in der Verfuͤgung be⸗ griffenen Möbel und Effekten, mit Ausnahme derje⸗ nigen jedoch, von welchen in den beiden folgenden Artikeln Meldung geſchieht, durch eine öffentliche Verſteigerung und nach vorhergegangener Verkundi⸗ gung durch AnſchlagZettel zu ſchreiten. Art, CCCL. Der Hausrath Cles meubles meublans) und an⸗ dere Mobiliar Gegenſtaäͤnde, welche mit der ausdruͤck⸗ lichen Bedingung, ſie in Natur zu behalten, in der Verfugung begriffen worden wären, ſollen in dem⸗ jenigen Zuſtand zuruͤckgegeben werden, worinn ſie ſich zur Zeit der Reſtitution befinden werden. Art. CCCLIII. Das Vieh und die Geräthſchaften, die zum Feld⸗ bau dienen, ſollen angeſehen werden, als ſeyen ſie in der Schenkung zwiſchen Lebenden, oder der teſta⸗ mentariſchen Schenkung dieſer Land Güter mit ein⸗ Anmerkungen. Genuß des Beſchwerten zu ſchmälern. Da ſie auf denſelben Grundſätzen beruhen, welche uns ſchon öfter vorgekommen ſind, ſo bedürfen ſie keiner weitern Erorterung. (249 begriffen; der Beſchwerte ſoll blos gehalten ſein, ſie aufnehmen und abſchätzen zu laſſen, um bei der Re⸗ ſtitution den gleichen Werth derſelben zuruͤckzu⸗ erſtatten. Art. CCCLIV. Der Beſchwerte hat das baare Geld, die aus dem Verkauf der Möbel und Effekten gelößten Gel⸗ der und diejenigen, welche von den AktivForderun⸗ gen eingegangen ſein werden, in einer ſechsmonat⸗ lichen Friſt von dem Tage des Abſchluſſes des In⸗ ventariums an, anzulegen. Dieſe ZeitFriſt ſoll nach Beſchafſenheit der Um⸗ ſtaͤnde verlaͤngert werden können. Art, CCCLV. Eben ſo ſoll der Beſchwerte gehalten ſein, dieje⸗ nigen Gelder, welche von den eingehenden AktivEf⸗ fekten und von der Einlöſung von Renten herruͤhren werden, ſpäteſtens in drei Monaten nach dem Em⸗ pfang dieſer Gelder anzulegen. Art. CCCLVI. Dieſe Anlegung ſoll der Verordnung des Urhebers der Verfuͤgung gemäß geſchehen, wenn er die Art der Effekten bezeichnet hat, worein ſie geſchehen ſoll; hat er dies nicht gethan, ſo ſoll ſie nicht anderſt als G150 im Immoͤbeln oder mit Privilegien auf Immobel geſchehen können. Art. CCCLVII. Die, durch die vorhergehenden Artikeln verordnete, Anlegung ſoll in Gegenwart und auf Betreiben des ſur den Vollzug ernannten Votmundes geſchehen. Art. CCCLVIII Die Verfuͤgungen durch Akte zwiſchen Lebenden oder Teſtamente mit der Obliegenheit der Reſtitution ſollen auf Vetreiben, entweder des Beſchwerten oder des fuͤr den Vollzug ernannten Vormundes, bekannt gemacht werden; nämlich, für die Immöbel durch die ueberſchreibung der Akte auf die Regiſter des Hypotheken Bureaus des Ortes, wo die Guter ge⸗ legen ſind; und was die gegen Hypothek auf Im⸗ möbel ausgelehnte Gelder betrifft durch die Inſcrip⸗ tion auf die zur Hypothek geſtellten Güter. » Art. CCCLIx. Der Abgang der Ueberſchreibung des Aktes, der die Verfugung enthält, ſoll von den Gläubigern und jedem dritten Erwerber, ſelbſt den Minderjährigen oder Interdicirten opponirt werden können, vorbe⸗ haltlich des Ruͤckgriffs gegen den Beſchwerten und gegen den fuͤr den Vollzug ernannten Vormund, (2510 und ohne daß die Minderjährigrn oder Interdicirten gegen dieſen Abgang der Transcription, ſelbſt im Falle der Unzahlsfähigkeit der Vormünder reſtiturt werden koͤnnten. Art. CCCLK. Die Ermangelung der Ueberſchreibung ſoll durch die Kenntniß, welche die Gläubiger oder jeder dritte Erwerber auf jedem andern Wege als dem der Trans⸗ cription erhalten haben könnten, weder ſupplirt noch als gedeckt betrachtet werden können. Art. CCCLXl. Weder der Schenknehmer, noch die Legatarien, ſelbſt nicht einmal die geſetzlichen Erben desjenigen, welcher die Verfuͤgung gemacht haben wird, noch auch ihre Schenknehmer, Legatarien oder Erben koͤn⸗ nen, in irgend einem Falle, dem Beguͤnſtigten den Abgang der Transcription oder Inſcription oppo⸗ niren. C Der fuͤr den Vollzug ernannte Vormund ſoll per⸗ ſönlich verantwortlich ſein, wenn er die oben für die Aufnahme der Guͤter, fuͤr den Verkauf der Mobiliar⸗ ſchaft, fuͤr die Anlage der Gelder, fuͤr die Trans⸗ cription und Inſcription aufgeſtellten Regeln nicht 0252) vollkommen befolgt hat, und wenn er im Allgemei⸗ nen nicht alle nöthige Betreibungen gemacht hat, damit die Obliegenheit der Reſtitution gut und ge⸗ treulich befolgt werde. Art. CCCLXIII. Wenn der Beſchwerte minderjaͤhrig iſt, ſo ſoll er, ſelbſt im Falle der Unzahlsfaͤhigkeit ſeines Vormun⸗ des, nie wegen dem NichtVollzug der dieſem durch die Artikel des gegenwaͤrtigen Kapitels vorgeſchrie⸗ benen Regeln reſtituirt werden können. Sechstes Kapitel. Von den, von dem Vater, der Mutter oder andern Aszendenten unter ihren Deszenden⸗ ten, vorgenommenen Theilungen. Art. CCCLXIV. Die Aeltern und andern Aszendenten ſollen ihr Anmerkungen. Sechstes Kapitel. Zum Atr. 364. Es giebt noch eine andere Gattung von Verfuͤgungen, welche auf das Schickſal der Fa⸗ milien einen großen Einfluß haben muͤſſen; dieſes ſind die Theilungen, welche die Aeltern und Aszendenten mit ihrem Vermögen unter ihren Deszendenten vor⸗ nehmen. Dieſer Akt iſt einer der wichtigſten der 02535 Vermögen unter ihre Kinder und Deszendenten ver⸗ theilen und eintheilen können. Art. CCCLXV. Dieſe Theilungen ſollen durch Akte zwiſchen Le⸗ benden oder teſtamentariſche Akte, unter denſelben Formalitaͤten, Bedingungen und Regeln, die für die Schenkungen zwiſchen Lebenden und die Teſta⸗ mente vorgeſchrieben ſind, geſchehen können. Die Theilungen, welche durch Akte zwiſchen Le⸗ Anmerkungen. väterlichen Gewalt und Zuneigung; zwar werden die Aeltern oft ſich auf die Vertheilung verlaſſen, welche das Geſetz ſelbſt beſtimmt hat; allein oft werden die, welche ein geringes Vermoͤgen beſſtzen, ſo wie die, deren Vermögen aus Guͤtern beſteht, die nicht wohl einer Theilung empfaͤnglich ſind, durch dieſen Aus⸗ weg allen Zwiſtigkeiten zwiſchen ihren Kindern vor⸗ zubeugen ſuchen. Wie traurig muͤßte nicht fur einen Vater die Beſorgniß ſein, die Früchte ſeiner Arbeir moͤgten einſt unter ſeinen Söhnen Hader und Zwietracht verurſachen; wie beruhigend die Befugniß welche das Geſet ihm hier geſtattet? Wem konnte man zudem dieſe Theilung mit mehr Zutrauen uͤberlaſſen als den Aeltern, die den Werth ihres Vermoͤgens am ge⸗ ngueſten kennen müſſen, und dieſe Magiſtratur nicht allein mit der Unpartheilichkeit von Richtern, ſon⸗ dern auch mit jener zarten Sorgfalt verſehen wer⸗ 3 die die väterliche Zuneigung allein einflößen nn. Sum Art. 365. Es iſt eine natuͤrliche Folge dieſes Artikels, daß die Theilung durch einen Akt zwiſchen Lebenden unwiderruflich, die durch ein Teſtament aber bis zum Sterbfall widerruflich iſt. 02540 venden geſchehen, ſollen blos das gegenwartige Ver⸗ mögen zum Gegenſtand haben koͤnnen. Art. CCCLXVI Wenn nicht das geſammte Vermögen, welches der Asſendent am Tage ſeines Sterbfalls hinterlaſ⸗ ſen wird, in der Theilung einbegriffen worden ſein wird, ſo ſollen diejenigen Güter, welche darinn nicht werden einbegriffen worden ſein, in Gemäß⸗ heit des Geſetzes getheilt werden. Art. CCCLXVII. Wenn die Theilung nicht unter alle Kinder, die zur Zeit des Sterbfalls vorhanden ſein werden, und die Deszendenten der vorherverſtorbenen, geſche⸗ hen iſt, ſo ſoll die Theilung null ſein. Sowohl die Kinder, oder Deszendenten, welche darinn keinen Antheil erhalten haben werden, als ſelbſt diejenigen, Anmerkungen. Was den zweiten§. dieſes Artikels betrifft ſiehe den Art. 233 S. 171 des gegenwärtigen Bandes. gum Art. 367. Man mußte jedoch den Misbraͤuchen vorbeugen, welche der Stolz, blinde Zuneigung oder andere Leidenſchaften von dieſer Verfuͤgung hätten machen konnen. Es iſt keineswegs der Zweck der⸗ ſelben, die Vereinigung des ganzen Vermogens auf ein oder mehrere Haͤupter zu begünſtigen und den uͤbrigen in dieſer Hinſicht aufgéſtellten Regeln Ab⸗ bruch zu thun⸗ 0255 5 unter welchen die Theilung ſtatt gehabt hat, ſollen eine neue Theilung in der geſetzlichen Form anver⸗ langen können. Art. CCCLXxVIII. Jede von einem Aszendenten geſchehene Theilung ſoll wegen einer Verletzung von mehr als einem Anmerkungen. ZBum Art. 368. Wenn daher die theilenden Aszen⸗ denten dieſe Grundſätze auſſer Acht gelaſſen hätten, entweder durch Auslaſſung eines Kindes oder ſeiner Deszendenten, welcher Fall im vorhergehenden Ar⸗ tikel vorgeſehen iſt, oder durch eine unerlaubte Be⸗ gänſtigung eines Kindes vor dem andern, ſo kann die Theilung angefochten werden. Man kann hier nur zwei Fälle vorausſetzen, 1) ent⸗ weder hat der Vater ſeine ganze Hinterlaſſenſchaft getheilt, oder er hat auch noch zu Gunſten eines oder mehrerer Kinder Verfügungen zum vorab getroffen. Im erſten Falle kann der Akt nicht anderſt als we⸗ gen einer Verletzung, die das Viertheit üͤberſteigen muß, angefochten werden. Hätte z. B. ein Kind 1500 Fr. in der Theilung erhalten, ſo müßte es, um ſie aufechten zu koͤnnen, durch die Liquidation erweiſen, daß es bei einer vollig gleichen Theilung mehr als 2000 Fr. hätte erhalten muͤſſen. Man konnte dieſe Proportion nicht vortheilhafter kombi⸗ niren, weil der Vater in allen Fällen über ein Vier⸗ theil ſeines Vermoͤgens verfügen darf, und alſo kein Kind einen gerechten Grund zur Klage haben kann, ſo bald der Unkerſchied zu ſeinem Nachtheil kein Viertheil uberſteigt. Der zweite Fall iſt der, wo ein Vater, nachdem er vorab und auſſer dem Erbtheil über den Betrag dis⸗ vonirt hätte, der ſeiner Verfügung überlaſſen iſt, nach⸗ 62565 Viertheil angefochten werden können; ſie ſoll eben⸗ falls in dem Falle angefochten werden können, wo es ſich aus der Theilung und den zum vorab und auſſer dem Erbtheil getroffenen Verfuͤgungen zuſam⸗ Anmerkungen. her den Reſt deſſelben unter ſeine Kinder getheilt haͤtte. In dieſem Falle beſtimmt das Geſetz⸗ daß die Theilung dernichtet werden ſoll, wenn auch keine Verleung uͤber das Viertheil ſtatt gefunden hat, ſobald nur der Betrag der Verfügung und der Ueberſchuß des Antheils, den jeder erhalten haben wurde, wenn die Antheile gleich geweſen wären, zuſammen den Betrag überſchreiten, uͤber welchen verfuͤgt werden konnte. Es war der Zweck dieſer Combination, der ubertrie⸗ penen Vevortheilung eines Kindes durch die Vermin⸗ derung des disponiblen Antheils zugleich mit einem Ue⸗ berſchuß in der Theilung des andern Vermoͤgens vor⸗ zubeugen. Ein Pater hat z. B. 60000 Fr. Vermo⸗ gen und zwei Kinder; er ſchenkt einem derſelben das disponible Drittel mit 20000 Fr. Bei der Theilung der üͤbrigen 40000 Fr. giebt er dem einen 24000 Fr. dem andern 16000 Fr. Da der Ueberſchuß der Theilung nur von 4000 Fr. iſt, ſo wuͤrde wegen der Theilung ſelbſt keine Verletzung über das Viertheil ſcatt finden; und wenn dieſelbe erforderlich waͤre, ſo wuͤrde das eine Kind 44000 Fr. und das andere nur 16000 erhalten, ſtatt daß dem Geſetze gemaß es nicht weniger als 20000 erhalten kann. Dieſem Misbrauch wird durch obige Verfuͤgung vorgebeugt. Der Vater hat nur ein geſetzliches Mit⸗ tel, ein Kind zu bevortheilen, nämlich in dem Theil des Vermögens, der ſeiner Verfuͤgung überlaſſen bleibt. Bei einer Theilung kann er ihm mehr als dem andern geben, nur darf dieſer Ueberſchuß das Piertheil nicht überſteigen; macht er anſſer der Thei⸗ lung auch noch Verſügungen zumm vorab, ſo iſt die Theilung nichtig, wenn der Ueberſchuß in der Thei⸗ lung und dieſe Verfuͤgungen zuſammengenommen 62575 mengenommen ergaͤbe, daß einer der Mittheilenden einen gröſſern Vortheil, als das Geſetz erlanbt, er⸗ halten hätte. Anmerkungen. den disponiblen Antheil nicht überſchreiten, wenn auch in der Theilung ſelbſt keine Verletzung über das Viertheil ſtatt gefunden. Dadurch wird dem Va⸗ ter die Befugniß genommen, einem Kinde zuerſt den disvoniblen Antheil zu ſchenken und nachher daſſelbe anch noch in der Theilung, bis zur Konkurrenz ei⸗ nes Vlerkheils, zu beguͤnſtigen. Ehedem waren in einem groſſen Theile von Frank⸗ reich die VermoͤgensDemiſſionen gebräuchlich; ſie waren ſehr verſchiedenen Regeln unterworfen. In gewiſſen Provinzen waren ſie widerruflich, vhngeachtet es gewiſſermaſſen Schenkungen zwiſchen Lebenden waren, wenigſtens konnten ſie nicht als Teſtamente angeſehen werden, da ſie gleich eintretende Wirkung hatten. Das neue Geſeß ſchweigt über dieſe Art Verfuͤgungen und hat ſie folglich unterſagt. Die Er⸗ fahrung hatte die Nachtheile derſelben zu ſehr be⸗ währt. Der Sohn, welchem der PVater das Eigen⸗ thum der Guͤter unter dem Vorbehalt des Wider⸗ rufs übertragen hatte, ſchmeichelte ſich immer, daß dieſer nicht einrreten würde. Er ſchloß Kontrakte mit Drittern, nahm Verauſſerungen vor ꝛc. 1c. Im Falle des Widerrufes, der nie ohne zahlreiche PFro⸗ zeſſe ſtatt fand, und die Quelle der ärgerlichſten Zwi⸗ ſtigkeiten war, befand ſich ſowohl der, welcher die Guͤter wieder an ſich ziehen wollte, als der, dem ſle entzogen werden ſollten, als auch der dritte Be⸗ ſitzer und jeder Intereſſirte in der unangenehmſten Lage. Dieſe Verfuͤgung war zudem ganz unnütz; die Ael⸗ tern können ja durch Schenkungen zwiſchen Lebenden alle ihnen anſtaͤndige Bedingungen dem Schenkneh⸗ mer auflegen; ſie ſere dieſelbe Freiheit in dem TheilungsAkte, wenn ſie nur Sorge tragen, den oben entwickelten Regeln nicht entgegen zu handeln, 17 (258 Art. CCCLXIX. Dasjenige Kind, welches aus einem der im vor⸗ hergehenden Artikel angefuͤhrten Gruͤnde die von ſei⸗ nem Aszendenten geſchehene Theilung anfechten wuͤr⸗ de, ſoll die Köſten der Abſchätzung vorlegen; ſie ſol⸗ len ihm, eben ſo wie die Koſten des Rechts Streites, zur Laſt fallen, wenn die Beſchwerde nhne Grund befunden wird. Siebentes Kapitel. Von den Schenkungen durch Eh Verträge zum Vortheile der Ehegatten und der aus der Ehe zu erzielenden Kinder. Art. CCCLXX. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden von gegen⸗ waͤrtigen Gütern, wenn ſie auch ſchon durch einen Anmerkungen. nach welchen die Demiſſionen, wenn ſie noch ferner⸗ hin haͤtten erlaubt ſein ſollen, fur unwiderruflich hät⸗ ten erklaͤrt werden müſſen. Siebentes Kapitel. Zum Art. 370 n. 371. Es giebt zwei andere Gat⸗ tungen von Schenkungen, welche immer beſondern Regeln unterworfen waren, und zu deren Gunſten die allgemeinen Verfuͤgungen Modifikationen erlit⸗ ten. Dies ſind die, in einem EheVertrag zu Gun⸗ ſten der Ehegatten und der aus der Ehe zu erzielen⸗ den Kinder, und die von Ehegatten untereinander 0259 EheVertrag zum Vortheil der Ehegatten oder eines derſelben geſchehen iſt, ſoll den allgemeinen Regeln unterworfen ſein, welche fuͤr die unter dieſem Rechts⸗ Titel geſchehenen Schenkungen vorgeſchrieben ſind. Eine ſolche ſoll zum Vortheil zukuͤnftiger Kinder nicht ſtatt haben können, die im obigen Kapitel V ausgedruͤckten Fälle ausgenommen. Art. CCCLXXI. Die Aeltern, die andern Aszendenten, die Kol⸗ lateral Verwandte der Ehegatten, und ſelbſt Fremde ſollen die Geſammtheit oder einen Theil der Vermoͤ⸗ gens, welches ſie am Tage ihres Sterbfalls hinter⸗ Anmerkungen. geſchehenen Schenkungen. Von der erſten iſt im ge⸗ ienieien Käpitel, von der zweiten im folgenden die Rede. Jedes Geſetz uͤber dieſen Gegenſtand, welches die Begünſtigung der Ehen nicht weſentlich zum Gegen⸗ ſtand haben wuͤrde, waäre ſowohl der Politik als der Menſchlichteit zuwider. Ein ſolches Geſetz wuͤrde aber dasjenige ſein, welches die Schenkungen, wo⸗ durch dieſe Verbindungen oft beſtimmt und veranlaßt werden, beſchraͤnken oder ihnen Hinderniſſe in den Weg legen würde. Es würde ſogar ungerecht ſein, die ſchenkgebenden Verwandten den Regeln unbedingt zu unterwerfen, welche die Schenkungen unter Le⸗ benden ſo ganz von den Teſtamenten unterſcheiden. Der Vater, welcher ſeine Kinder verheirathet, be⸗ denkt blos ihr zukuͤnftiges Gluck; die gegenwaͤrtige Ausſteuer iſt beinahe immer den Verfuͤgungen uͤber die kuͤnftige Erbſchaft untergeordnet; die EheVer⸗ 5 (260) laſſen werden, durch den EheVertrag ſowohl zum Vortheil der beſagten Ehegatten, als zum Vortheil der aus ihrer Ehe zu erzielenden Kinder fur den Fall wo der Schenkgeber den ſchenknehmenden Ehegat⸗ ten uͤberleben wuͤrde, verſchenken können. Eine ſolche Schenkung, wenn ſie auch blos zum Vortheil der Ehegatten oder eines derſelben geſchehen wäre, ſoll immer in dem beſagten Falle des Ueber⸗ lebens des Schenkgebers ſo angeſehen werden, als ſey ſie zum Vortheil der aus der Ehe zu erzielenden Kinder und Deszendenten geſchehen. Art. CCCLXXII. Eine Schenkung in der im vorhergehenden Arti⸗ Anmerkungen. traͤge gehoren alſo nicht allein beiden Arten von Ak⸗ ten, den Schenkungen zwiſchen Lebenden, und deu EheVerträgen an, ſondern man muß ſie auch noch als einen Vertrag zwiſchen zwei Familien betrachten⸗ fuͤr welchen man ihnen die großte Freiheit laſſen muß. Dieſe Grundſätze ſind unveränderlich und das neue Geſetz hat blos ihre Wirkungen aufrecht erhalten. Deshalb konnen die Aszendenten, die Kollateral⸗ Perwandten und ſelbſt jeder Fremde die Geſammt⸗ beit oder einen Theil des Vermögens, welches ſie am Sterbtage hinterlaſſen werden, den künftigen Ehegatten ſchenken; und, wenn es auch nicht aus⸗ drucklich bemerkt iſt, ſo wird dieſe Verfuͤgung immer angeſehen, als ſey ſie nicht allein zum Vortheil dieſer, ſoudern auch der aus ihrer Ehe zu erzielenden Kin⸗ der und Deszendenten geſchehen. Zum Art. 372. Die kontraktsmaͤſigen Inſtitutionen (261) kel beſtimmten Form ſoll blos in dem Sinne unwi⸗ derruflich ſein, daß der Schenkgeber nicht mehr un⸗ entgeltlich(à ütre gratuit) über die in der Schen⸗ kung begriffenen Gegenſtände verfügen darf, ausge⸗ nommen über maͤßige Summen, als Belohnung Crecompense) oder unter einem andern Titel. Art. CCCLXXIII. Eine Schenkung durch einen EheVertrag ſoll zu⸗ gleich(cumulativement) das gegenwärtige und zu⸗ kunftige Vermögen, ganz oder zum Theil begreifen können, unter der Bedingung, daß dem Akt ein Abſchätzungs Verzeichniß der Schulden und Laſten des Schenkgebers, welche am Tage der Schenkung Anmerkungen. zu Gunſten der Ehe ſind forthin erlanbt. Das Geſetz beſtimmt ausdruͤcklich die Gattung und die Wirkun⸗ gen dieſer Verfüͤgung. Man muß dabei den Rechts⸗ Titel und den Portheil derſelben unterſcheiden. Der RechtsTitel iſt unwiderruflich. Der Urheber der Verfuͤgung kann nicht mehr unentgeldlich daruͤber ver⸗ fuͤgen, ausgenommen üͤber geringe Summen, als Lohn oder für irgend andere Urſachen. Was aber den Bor⸗ theil betrifft, ſo kann er nicht eher als zur Epoche des Sterbfalls beſtimmt werden, weil der Verfügende bis dahin die Befugniß behalt, unter laͤſtigem Titel (Sub ttulo oneroso) zu veraͤuſſern. Zum Art. 373 u. 374. Solche Schenkungen können zugleich die gegenwärtigen und zukuͤnftigen Guter be⸗ greifen; man hat blos eine Vorſicht gebraucht, die von der Erfahrung angerathen war. Der Ehegatte, wel⸗ chem das gegenwärtige und zukünftige Vermogen (262) beſtehen werden, beigefuͤgt werde; in welchem Falle es dem Schenknehmer bei dem Sterbfalle des Schenk⸗ gebers frei ſtehen ſoll, ſich an dem gegenwärtigen Vermögen zu halten und auf das uͤbrige Vermögen des Schenkgebers Verzicht zu leiſten. Art. CCCLXXIV. Wenn das Verzeichniß, von welchem im vorher⸗ gehenden Artikel die Rede iſt, dem Akt, welcher die Schenkung des gegenwartigen und zukuͤnftigen Ver⸗ mögens enthält, nicht beigefügt worden iſt, ſo ſoll der Schenknehmer verbunden ſein, dieſe Schenkung ganz anzunehmen oder ganz auszuſchlagen. Im Falle der Annahme ſoll er blos dasjenige Vermo⸗ gon in Anſpruch nehmen können, welches am Tage Anmerkungen. geſchenkt worden war, hatte bei dem Tode des Schenk⸗ gebers das Recht, die zur Epoche der Schenkung be⸗ ſtehenden Guter zu nehmen, und auf die kuͤnftigen Güter zu verzichten, oder aber das Vermoͤgen ſo anzunehmen, wie es zur Zeit des Sterbfalls beſtand. Wenn der Schenknehmer von dieſer erſten Befugniß Gebrauch machte, ſo entſtanden gewohnlich Prozeſſe ohne Zahl, welche die Länge der Zeit noch verwik⸗ kelter machte, um den Betrag und den Zuſtand des Vermoͤgens zur Zeit der Schenkung zu beſtimmen. Auf dieſe Art wurden zugleich die Glaͤubiger, deren Titel kein gewiſſes Datum hatte, um ihre Anſpruͤche betrogen. Die Beguͤnſtigung der Ehen darf aber nicht mit der Ruhe der Familien und dem gntem Glauben unvereinbarlich ſein. Deshalb muß der Schenkung der gegenwaͤrtigen und zukunftigen Guͤter (263 des Sterbfalls des Schenkgebers vorhanden iſt, und zur Zahlung aller Schulden und Laſten der Erb⸗ ſchaft gehalten ſein. Art. CCCLXXV. Jede Schenkung durch einen EheVertrag zu Gun⸗ ſten der Ehegatten und der aus ihrer Ehe zu erzie⸗ lenden Kinder, von welchen Perſonen ſie auch ge⸗ ſchehen mag, ſoll gleichfalls unter der Bedingung geſchehen können, alle Schulden und Laſten der Erb⸗ ſchaft des Schenkgebers ohne Unterſchied zu bezahlen, oder unter irgend andern Bedingungen, deren Erfuͤl⸗ lung von ſeinem Willen(dem des Schenknehmers) abhaͤngt: der Schenknehmer ſoll gehalten ſein, dieſe Bedingungen zu erfuͤllen, wenn er anderſt nicht lie⸗ ber auf die Schenkung verzichten will; und im Falle, wo der Schenkgeber durch einen EheVertrag ſich Anmerkungen. ein Verzeichniß der zur Zeit der Schenkung beſtehen⸗ den Schulden und Laſten beigefuͤgt werden, welche der Scheuknehmer zu tragen hat. Iſt dies nicht ge⸗ ſchehen, ſo kann dieſer im Falle der Annahme der Schenkung nichts, als die zur Zeit des Sterbfalls vorfindlichen Guͤter anverlangen. Zum Art. 375. Die Schenkungen durch EheVertraͤge koͤnnen unter Bedingungen geſchehen, deren Vollzug von dem Willen des Schenkgebers abhaͤngt; eine neue Ausnahme von der allgemeinen Regel. Der ſchenknehmende Ehegatte iſt beinahe immer das Kind oder der Erbe des Schenknehmers. Es liegt daher (264) die Befugniß vorhehalten hätte, uͤber einen in der Schenkung ſeines gegenwärtigen Vermoͤgens einbe⸗ griffenen Gegenſtand oder uber eine beſtimmte, aus dieſem Vermögen zu nehmende Summe zu verfügen, ſo ſoll dieſer Gegenſtand oder dieſe Summe, wenn er ſtirbt ohne daruͤber verfuͤgt zu haben, als in der Schenkung einbegriffen angeſehen werden, und dem Schenknehmer oder ſeinen Erben angehören. Art. SCcLXXVI. Schenkungen, die durch einen EheVertrag ge⸗ ſchehen ſind, ſollen unter dem Vorwande der Richt⸗ Annahme weder angefochten noch für nichtig erklärt werden können. Art. CCCLXXVII. Jede zu Gunſten einer Ehe geſchehene Verfuͤgung ſoll kaduzirt ſein, wenn die Ehe nicht darauf folgt. Anmerkungen. in der Natur der Dinge, daß er ſich dem Willen des⸗ jenigen unterwerfe, der auf ſeiu Schickſal einen ſ⸗ großen Einfluß hat. Iſtes ein Fremder, deſſen Wohl⸗ that er genießt, ſo macht ihm die Dankbarkeit dieſe Bedingung zur Fflicht. Züm Art. 377. Das Geſetz macht keinen Unterſchied, es ſagt: jede Ehe. Man kann alſo nicht mehr wie ehedem den Einwurf machen, die Schenkungen in grader Linie müßten dennoch ihre Wirkung behalten, wenn auch ſchon die Ehe nicht gefolat wäre. — (265) Art. CCCLXX VI. Die, einem der Ehegatten in den Fällen der Ar⸗ tikel 371, 373 und 37 hieroben geſchehenen Schen⸗ kungen, ſollen kaduzirt ſein, wenn der Schenkgeber den ſchenknehmenden Ehegatten und ſeine Nachkom⸗ menſchaft uͤberlebt. Art. CCCLXXIX. Alle, den Ehegatten durch ihren EheVertrag ge⸗ ſchehenen Schenkungen, ſollen bei der Eroffnung der Erbſchaft des Schenkgebers auf den Betrag, woruͤber ihm das Geſetz zu verfuͤgen erlaubte, redu⸗ zirt werden können. Achtes Kapitel. Anmerkungen. 8um Art. 378. Dieſe Verfuͤgung enthaͤlt ein wirk⸗ ſames Mittel, die Schenkungen durch EheVertraͤge zu beguͤnſtigen, da die Beſorgniß, einen Theil des Vermoͤgens auf eine fremde Familie uͤbergehn zu ſehen, dadurch entkraͤftet wird. Noch iſt zu bemerken, daß alle in dieſem Kapitel zur Befoͤrderung ſolcher Schenkungen bewilligte Be⸗ günſtigungen bloß zu Gunſten der Ebe ſtatt haben. Es iſt daher nicht genug, daß eine Schenkung in einem Artikel eines EheKontraktes enthalten iſt; wenn ſie an jeden Dritten als einen der kuͤnftigen Ehegatten geſchehen iſt, ſo tritt ſie in die Klaſſe ge⸗ woͤhnlicher Verfügungen zuruͤck, und wlrd von den all⸗ gemeinen Grundſätzen regulirt. (266) Von den Verfuͤgungen zwiſchen Ehegatten, ſowohl durch EheVerträge als auch waͤh⸗ rend der Ehe. Art. CCCLxXX. Die Ehegatten ſollen ſich durch EheVertraͤge, gegenſeitig, oder einer von beiden dem andern, mit f Vorbehalt folgender Modifikationen jede beliebige Schenkung machen können. Art. CCCLRRRl. d Keine Schenkung zwiſchen Lebenden von gegen⸗ waͤrtigem Vermögen, die durch den EheVertrag zwi⸗ ſchen Ehegatten geſchehen iſt, ſoll angeſehen werden, Anmerkungen. Achtes Kapitel. Zum Art. 380 bis 386. Alle Geſeßgebungen vorjener, die durch das Geſetz vom 17 Nivoſe 2ten Jahres eingefuͤhrt ward, machten immer einen Unterſchied zwiſchen den Schenkungen, welche die Ehegatten ſich untereinander durch ihren EheVertrag,und jenen, wel⸗ che ſie ſich waͤhrend der Ehe machen wuͤrden. Die Ehe iſt ein Vertrag, worinn es den Minder⸗ jaͤhrigen unter Beiſtand ihrer Verwandten und den Großjaͤhrigen ohne denſelben frei ſtehen muß, ihre Rechte und die Vortheile, die ſie ſich machen wollen, zu ſtipuliren. Ihre gegenſeitige Gefühle ſind als⸗ dann in ihrer ganzen Energie, und keiner hat noch jene Gewalt über den andern, welche das Reſul⸗ tat der Verbindung und des fortwährenden Um⸗ gangs iſt. Die Begünſtigung der Eben erbeiſcht da⸗ her, daß die Ehegatten im Augenblicke ihrer Ver⸗ G2675 als ſey ſie unter der Bedingung des Ueberlebens des Schenknehmers gemacht worden, wenn dieſe Bedingung nicht förmlich ausgedruckt iſt; jede ſolche Schenkung ſoll allen oben fuͤr dieſe Art von Schen⸗ kungen aufgeſtellten Regeln und Formen unterwor⸗ fen ſein. Art. CCCLXXXII- Jede Schenkung von zukünftigem Vermögen, oder von gegenwärtigem und zukuͤnftigem Vermögen, die unter Ehegatten durch den EheVertrag geſchehen iſt, ſie mag nun einfach oder gegenſeitig ſein, iſt Anmerkungen. bindung die Freiheit haben muͤſſen, ſich jede Schen⸗ kung zu machen, welche ihnen beliebig iſt, und den geſetzlichen Verfuͤgungen keinen Abbruch thut. Die Schenkungen unter Ehegatten durch den Ehe⸗ Kontrakt ſind daher immer unwiderruflich, weil die Schenkung vielleicht die Ehe beſtimmt hat, und dieſe ohne die Schenkung nicht erfolgt ſein wuͤrde. Sie unterſcheiden ſich darinn von den Schenkungen wäh⸗ rend der Ehe, welche immer widerruflich ſind. Die romiſchen Geſetze hatten anfangs ſolche Schen⸗ kungen zwiſchen Ehegatten unbedingt verboten. Man vefuͤrchtete, ſie mochten gegenſeitig ihr Vermoͤgen einer augenblicklichen Leidenſchaft aufopfern; oder die Ehe mochte dadurch kaͤuflich und der ſanftmuͤthige Ehegatte gezwungen werden, den Frieden der Ehe durch erpreßte Schenkungen zu erkaufen. Unter An⸗ tonin ward dies allgemeine Verbot widerrufen; man glaubte allen dieſen Nachtheilen dadurch vorzu⸗ beugen, daß man den Ehegatten die Befugniß ge⸗ ſtattete, die waͤhrend der Ehe gemachten Schenkungen —.———— (268 5 den im vorhergehenden Kapitel fur aͤhnliche Schen⸗ kungen, welche ihnen(den Ehegatten) von einem Dritten gemacht werden, aufgeſtellten Regeln un⸗ terworfen; vorbehaltlich, daß ſie nicht auf die, aus der Ehe abſtammenden Kinder uͤbergeht, wenn der ſchenknehmende Ehegatte vor dem ſchenkgebenden ſtirbt. Art, CCCLXXxlII. Der Ehegatte ſoll, im Falle, wo er keine Kin⸗ der noch Deszendenten hinterlaͤßt, ſowohl durch den EheVertrag als während der Ehe, zu Gunſten des Anmerkungen. zu widerrufen. Dieſer Grundſatz ward in faſt allen Provinzen vom geſchriebenen Rechte bisher befolgt. In jenen der Herkommen hingegen hatte man das alte, unbedingte Verbot der Schenkungen waͤhrend der Ehe beihehalten, mit der einzigen Ausnahme der gegenſeitigen Schenkungen zum Vortheil des Laͤngſtlebenden; und ſelbſt dieſe waren, ſowohl in Hin⸗ ſicht auf die Gattung als des Betrages des Vermoͤ⸗ gens, welches ſie begreifen durſten, mehr oder minder beſchraͤnkt, jenachdem zur Zeit der Auflöſung der Ehe Kinder vorhanden waren oder nicht. Durch die⸗ ſe Modifikation des allgemeinen Verbotes hoffte man die Bedingung der Reziproziraͤt und des Ueberlebens, wuͤrde jede gehaͤſſige Abſicht eines der Ehegatten, ſich auf Unkoſten des andern zu bereichern, entfernen, und die Schranken, welche man dieſen Schenkungen geſetzt hatte, wuͤrden das Vermögen jeder Familie erhalten. Das neue Geſetz hat aus den beyden Spſtemen bielenigen Verfuͤgungen genommen, welche es der (269 5 andern Ehegatten, uͤber den ganzen Vermoͤgens An⸗ theil eigenthumlich verfugen können, woruͤber er zu Gunſten eines Fremden verfuͤgen könnte, und ihm die Nutznieſſung des ganzen Antheils bewilligen können, woruͤber das Geſetz zum Nachtheil der Erben zu verfuͤgen verbietet. Und im Falle, wo der ſchenkgebende Ehegatte Kinder oder Deszendenten hinterlaſſen wird, ſoll er dem andern Ehegatten entweder ein Viertheil als Anmerkungen. Wuͤrde der Ehen, dem gegenſeitigen Intereſſe der Gatten, und dem der Kinder am angemeſſenſten hielt. Es iſt dem Ehegatten erlaubt, den andern ſowohl durch den EheVertrag(Art. 380), als auch waͤh⸗ rend der Ehe(Art. 386) zu beſchenken. Im Falle er keine Kinder zurucklaͤßt, kann er ihm alles das geben, was er einem Fremden geben darf, und auſſerdem den Nießbrauch des geſammten Antheils, woruͤber das Geſetz ihm zum Nachtheil der direkten Erben zu verfuͤgen verbietet(Art. 383). Läßt er Des⸗ zendenten zuruͤck, ſo darf die Schenkung das Vier⸗ theil der Guͤter als Eigenthyum und den Nießbrauch eines Viertheils oder blos den Nießbrauch der Hälfte nicht uͤberſteigen(ibid.) Jede während der Ehe ge⸗ ſchehene Schenkung iſt immer widerruflich, und das Weib bedarf zu dieſem Widerruf keiner Ermächti⸗ gung(Art. 385). Da das Geſetz erlaubt, über den ganzen Betrag des Vermoͤgens, der den Erben in grader Linie nicht vorbehalten iſt, ſelbſt zu Gunſten jedes Fremden zu verfuͤgen, ſo wäre es nicht konſe⸗ quent geweſen, dem einen Ehegatten nicht dieſelbe Freiheit zu Gunſten ſeines MitGatten zu laſſen. Da es ſogar meiſtens die Wirkung der innigen Verbindung der Ehegatten iſt, daß ihre Beſorgniß und ihre Nei⸗ gung ſich eher auf den Gatten hinwendet, welcher des (270) Eigenthum und ein anderes Viertheil zur Nutznieſ⸗ ſung, oder die Hälfte ſeines ganzen Vermögens zur Nutznieſſung allein geben können. Art. CCCLXXXIV. Der Minderjahrige ſoll dem andern Ehegatten durch den EheVertrag, ſowohl durch einfache als durch gegenſeitige Schenkung, nichts als mit Ein⸗ willigung und unter Beiſtand derjenigen geben koön⸗ Anmerkungen. andern uͤberleben wird, als auf die Perwandten⸗ welche zur Erbſchaft berufen ſind, ſo iſt man die⸗ ſer Stimme der Natur gefolgt, indem man ſie er⸗ mächtigte, im Falle keine Kinder aus ihrer Verbin⸗ dung entſprungen ſind, ſich die Nubnieſſung des ge⸗ ſammten disponiblen Antheils zu vermachen. Laͤßt der Gatte Kinder zuruͤck, ſo theilt ſeine Nei⸗ gung ſich zwiſchen ihnen und dem Gatten; ſelbſt dann, wenn er ſich verſichert glaubt, daß der überlebende Ehegatte den den Kindern am nützlichſten Gebrauch von der Geſammtheit des Vermogens machen wuͤrde. Die Pflichten der Vaterſchaft ſind perſonlich, und der ſchenkgebende Ehegatte darf ſie keinem Dritten auvertrauen; er kann daher nicht ermachtigt werden, dem andern Gatten mehr als einen Theil ſeines Ver⸗ mögens zu überlaſſen, welchen der Art. 333 be⸗ ſtimmt. Man hat aber deshalb dem Ehegatten die Wahl gelaſſen, nach Beliebeu entweder einen Theil des Vermoͤgens eigenthuͤmlich oder blos den Nießbrauch eines gewiſſen Antheils zu vermachen, ſowohl damit er im erſten Falle ſeine perſoͤnlichen Beduͤrfniſſe be⸗ ſtreiten, als auch ſich bei den Kindern in Achtung erhalten konne. Es ſchien einigen aͤuſſerſt hart, daß durch dieſe Perfuͤgungen die Aszendenten des Nießbrauchs des G2710 nen, deren Einwilligung fuͤr die Guͤltigkeit ſeiner Ehe erforderlich iſt; mit dieſer Einwilligung ſoll er alles geben können, was das Geſetz dem großjaͤh⸗ rigen Ehegatten dem andern zu geben erlaubt. Art. CCCLXXXV. Alle während der Ehe zwiſchen Ehegatten ge⸗ ſchehene Schenkungen, wenn ſie auch ſchon Schen⸗ kungen zwiſchen Lebenden genannt ſind, ſollen immer widerruflich ſein. Das Weib kann ſie widerrufen, ohne dazu von teinem Manne oder von den Gerichten ermächtigt zu ſein. Anmerkungen. geſetzlichen Vorbebalts beraubt werden könnten, ſo daß der Vorbehalt eigentlich nur ihren Erben zu Gunſten kömmt. Allein dies iſt die Folge der Be⸗ sunſtigung der Ehen. Der Tod eines der Ehegat⸗ ten kann die Lage des andern nicht verſchlimmern, am wenigſten durch ſolche Rechte, welche blos durch die— 2 der Ordnung der Natur eroͤffnet werden. Nachdem man auf ſolche Weiſe die Befugniß zu ver⸗ fuͤgen beſchränkt hatte, blieb nichts mehr übrig, als den Misbraͤuchen vorzubeugen, welche aus den Schenkungen während der Ehe entſtehen koͤnnten. Man hat dabei die Verfuͤgung des ſpatern roͤmiſchen Geſetzes beibehalten. Es kann wohl kein Zweifel uͤbrig bleiben, daß eine ſolche Schenkung die Wir⸗ kung einer freiwilligen Einwilligung ſey, und we⸗ der dem Anſehn, noch einem nnuͤberlegten voruͤber⸗ gehenden Ausbruch der Leidenſchaft zuzuſchreiben (272N Dieſe Schenkungen ſollen durch die Rachgedurt von Kindern nicht widerrufen werden. Art. CCCLXXXVI. Die Ehegatten ſollen, während der Ehe, ſich weder durch Akte zwiſchen Lebenden, noch durch ein Teſtament gegen⸗ und wechſelſeitige Schenkungen in einem und demſelben Akte machen können. Art. CCCLXXXVIMI. Der Mann, oder die Frau, welcher oder welche Kinder von einer fruͤhern Ehe hat, und eine zweite und ſpaͤtere Ehe abſchlieſſen wird, ſoll dem neuen Ehegatten nicht mehr als einen Antheil eines eheli⸗ Anmerkungen. ſey, wenn das Weib, um ſie zu widerrufen, keiner Ermaͤchtigung bedarf; und wenn, um dieſen Wider⸗ ruf noch mehr zu erleichtern, und den Vorwand der Untheilbarkeit der in einem und demſelben Akte ent⸗ haltenen Verfuͤgungen abzuſchneiden, die Ehegatten ſich waͤhrend der Ehe keine gegenſeitige Verfügung durch denſelben Akt machen duͤrfen(Art. 386). Zum Art. 387. Eine zweite Ehe des ſchenknehmen⸗ den EheGatten kann ſeine Rechte nicht vermindern, ſelbſt wenn Kinder aus einer erſten Ehe vorhanden waͤren. Das Geſetz beſchaͤftigt ſich nur in einer andern Hinſicht mit den zweiten Ehen. Die Erfahrung aller Zeiten hat bewieſen, wie ſehr es noͤthig ſey, daß es mit beſonderer Sorgfalt daruͤber wache, daß ein zweiter Chegatte den Kindern erſter Ehe nicht ſchaden konne, deren Urſprung oft fuͤr ihn eine unangenehme Erinnerung iſt. Deswegen er⸗ ſ G273 chen Kindes, und zwar eines ſolchen, das am we⸗ nigſten erhält, geben können; und ohne daß, in ir⸗ gend einem Falle, dieſe Schenkungen das Viertheil des Vermögens überſteigen könnten. Az CEIi1. Die Ehegatten ſollen ſich unmittelbar nichts mehr ſchenken können, als ihnen durch obige Verfügun⸗ gen erlaubt iſt. Jede verſteckte Schenkung oder eine ſolche die an Anmerkungen. laubt das Geſetz dem wiederverhenratheten Gatten nicht, ſeinem neuen Gatten mehr als einen Antheil eines rechtmäſſigen Kindes„und zwar eines ſolchen, das nach den Grundſatzen des geſetzlichen Vorbehal⸗ tes den geringſten Antheil erhaͤlt, zu geben. Und da es geſchehen konnte, daß der Autheil dieſes Kin⸗ des dennoch das Viertheil überſteigen wuͤrde, ſo er⸗ laubt das Geſetz nicht, daß in irgend einem Falle eine ſolche Schenkung dieſen Betrag, welcher das Marimum iſt, uberſteigen koͤnne. Dies ſind die Grundſätze, worauf dieſer wichtige Titel des Geſetzbuches beruht. Man hat jene, dem Menſchen ſo theure, Freiheit in der Ansübung ſeines EigenthumsRechtes ſtets im Auge gehabt; wenn das Geſetz einen Theil ſeines Vermogens ſeiner Ver⸗ fuͤgung entzieht, ſo geſchieht es zu Gnnſten ſeiner innigſten Vluts Verwandten, und in einem ſolchen Verhältniß, daß ſich unmöglich vermuthen laßt, daß dieſe Verfüͤgung mit dem Willen des Familien Va⸗ ters in Widerſpruch ſtehen ſollte. Dieſer wird im⸗ mer der oberſte Richter des Schickſals ſeiner Erben ſein; ſeine Macht wird geachtet, ſeine Liebe gefürch⸗ tet werden; er wird der ſüßen Beruhigung genieſ⸗ 18 2740 unterſchobene Perſonen geſchehen waͤre, ſoll nich⸗ tig ſein. Art. CCCLXXXIX. Als Schenkungen an unterſchobene Perſonen wer⸗ den angeſehen die Schenkungen eines der Ehegatten zum Vortheil der Kinder oder eines der Kinder des andern Ehegatten aus einer frühern Ehe deſſelben, und diejenigen, die der Schenknehmer zu Gunſten derjenigen Verwandten des andern Ehegatten ge⸗ macht hätte, deren vermuthlicher Erbe der andere Ehegatte am Tage der Schenkung war, wenn auch dieſer letztere ſeine ſchenknehmenden Verwandten nicht uberlebt hätte. Anmerkungen. ſen, ſein Vermoögen, die Früchte ſeiner Arbeit, nach Wohlgefallen unter ſeine Kinder vertheilen zu kon⸗ nen; er kann dieſe wohlthärige Gewalt ſogar auf ſeine Enkel und GeſchwiſterKinder ausdehnen; fuͤr die EheKontrakte, fuͤr die Verfuͤgungen während der Ehe hat man alle die Freiheit bewilligt, die mit dem Intereſſe der Familien vereinbarlich war, und in⸗ dem man die unabhaͤngigkeit der Ehegatten in dieſen Verfuͤgungen zum erſten Grundſatz machte, hat man Harmonie und gegenſeitige Achtung unter ihnen zu begruͤnden geſucht. Endlich hat man, ſoviel als moglich, die Formen vereinfacht, und jenen unzaͤhligen Foutroverſen ein Ende gemacht, welche die Familien zu Grunde rich⸗ teten, und die Teſtatoren vorher immer in einer beunruhigenden Ungewißheit uͤber den Vollzug ihrer PVerfugungen lieſſen. ———— — * 8 — * 5 . ¹ K Anhang zum erſten Buche des Geſetzbuches. A. Nachtrag zum erſten Artikel des Preliminar⸗ Titels. Beſchluß der Regierung vom 25 Ther⸗ midor 11, welcher den Zeitpunkt beſtimmt, von welchem an die Verkündigung jedes Geſetzes in jedem Depar⸗ tement fur bekannt erachtet wird. St. Clond am 25 Thermibor 11 Fahres. Die Regierung der Republik, auf den Bericht des GrosRichters Juſtitz Miniſters, nach An⸗ ſicht des Art. 1. des Civil Geſetzbuches, und nach Anhörung des Staats Raths beſchließt: Das beigefugte Verzeichniß der Entfernung aller HauptOrte der Departemente von Paris, in Kilometern, Myriametern und alten Lieues ausge⸗ worfen, ſoll ins Geſetz Regiſter eingeruͤckt werden (2785 um zur Regulirung und Anzeige des Tages zu dienen, an welchem die Verkündigung jedes Geſetzes dem Artikel 1. des CivilGeſetzbuches gemäß in jedem De⸗ partement der Republik für bekannt erachtet wird. Art. I. Der GrosRichter Juſtit Miniſier iſt mit dem Vollzug des gegenwärtigen Beſchluſſſes beauf⸗ tragt, der ebenfalls ins Geſetz Regiſter eingeruͤckt wer⸗ den ſoll. Ueberſicht der Entfernung te der Departemente v en aller HauptOr⸗ on Paris, in Ki⸗ lometern, Myriametern und alten tieues ausgeworfen · Namen der Entfernungen in ———————— Departemente.] Hauptorte.. S er Ain. 86* Aisne.„Laon.„ 12712 7 25 3 i Moulins. 23928 9 571 Alpen(niedere). Digne.„ 755 75 5151„ Alpen(obere). Gap.„ 665 65 5133 Alpen(See).„Nice. 960 95„191, Ardeche. Privas.„ 506 50 6 1213 Ardennen. Mezieres. 234 23 4 46 Aube. Troyes.„1150155 31 ½ (279 —ᷓ̃————— Namen der — — Departemente.] HauptOrte. Entfernungen in —— Kilo met. My⸗ riam. alte Carcaſſonne.. Aveyron Rhodez. RhoneMundung. Marſeille... Calvados. Caen. Cantal.„Aurillac. Charente. Angouleme.. Charente(untere). Saintes. Cher. PBourges. Correze. Tulles. GoldKuͤſten„Dijon 3 NordKuͤſten Saint⸗Brieux. Creuze. Gueret.„ Doire(die). Jvre. Dordogne Perigueur.. Doubs. Beſancon. Drome..„Valence. . Dyle. Bruͤſſel. Escaut. Gand Eure. Evreux... Eure und Loire.. Chartres.. Finiſtere. Quimper.. Wälder.„Luxemburg.. Gard.„Nismes Garonne(obere). Toulouſe.. Gers. Auch.„ Gironde.„Bordeaur.. Gols.„ Baſtia Herault. Montpellier.. Ille und Villaine. Rennes... „„ — . . 472 47 2 94 396 39 6 79 550 56„112 305 30 5 61 333 33 3 66 104 10 4 20 92 9 2) 18 623 62 3124 367 36 7 73 70270 2140 669 66 0 133 74374 3148 137367 3114 873 87 3174 75275 2 150 346 34 6 68 Lieues. „„b„elu u elbl . 6 3 Namen der ———————— Departemente. HauptOrte. Kilo met, My⸗ riam. alte Entfernungen in ———— Lieues. Jnre Indre und Loire. Iſeret Jemmappes. Im Shhes. Lenn Liamone Loire und Cher.. vvi Loire(obere).. Loire(untere)... Lirett L Lot und Garonne. Lozere..„ Maine und Loire. Wanch Marengo. Wne Marne(obere).. Mayenne. Meurthe Mh Maas(untere).. Mont⸗blanc„. Donnersberg... Morbihan„ „ Chateau⸗Rour.. rs Grenoble. Mons 3 Lons⸗le⸗Saulnier Mont⸗de⸗Marſan. Genf Wareig Montbriſon.. Le⸗Puy.„ Rantes. Orleans„ Cahors„ Agsn. Wende. Bruges. Angers. Saint⸗Lo.. Alerandrien.„ Chalons. Chaumont. Laval Nanch. Bar⸗ſin⸗Ornain.. Maſtricht. Chambery WMaynz. * . Vannes 242 558 244 411 704 513 871 182 443 505 389 123 55 714 563 380 306 326 832 164 247 281 334 251 448 565 548 259 25 9 24 2 56 8 24 4 41 1 70 2 514 87 3 18 1 44 3 505 38 9 12 3 55 8 71 4 51 48 113 109 100 6.—— v w e u e—e (281) ——————.—.—.—————————————— Namen der Entfernungen in ————————— ilo! My⸗ſ alte Departemente.] HauptOrte. ſKioſlp⸗ gatte, Moſel„Metz 308 30 8 61 1 Zwey Nethen„Anvers. 35535 5 71* Nieyre Revers. 235 23 5 Nord Cille„36 36 Diſe Beauvais 58 38 171 Orne. Alencon„91 19 1 38 Durthe. üttich. 41141 1 532 Pas⸗de⸗Calais. Arras„19319 3 38 Turin 70375 31521 Puy⸗de⸗Dome Clermont. 38438 4 76 Pyreneen(nied.) Pau 78178 1156 Pyreneen Cobere). Tarbes. 81581 5163 Pyreneen(Orient) Perpignan. 885 88 5 1772 Vhein(Nieder).. Strasburg. 46446 4 02 Rhein(Ober). Colmar. 48148 1 56 Nhein und Moſel. Coblenz. 597 50 71102 Rhone. Lyon. 466 45 6 93 B Ruhr..„Aachen. 45745 7 52 2 Sambre u. Maas Namur. 345 34 5 59 Saone(obere). Veſoul 335435 4 75 ½ Saone und Loire. Macon. 399130 9 79 Saar. Trier.„041„ 32 Sarthe. LeMans 21121 1 42 5 Seine(untere). Rouen.„13713 7 27 Seine und Marne Melun. 46 46 09 Seine und Hiſe. Verſailles 21 21 43 Zwey Sevren. Niort. 41641 6 832 Seſia„Verceil. 83683 6 167 (2820 Namen der ——j—————— Departemente. HauptOrte. Somme... Stura.. Tanaro.. Tarn.. B Vaucluſe. Vendee. Vienne.. Vienne(ober⸗. — „„„* 5„ ₰ 8„ „„* * Yonne„Auperre. Amiens..— Coni.„ Aſti„* Alby. 6 Draguignan.. Rvignon. Fontenay.. Poitiers Limognes. Epinal. ————— Entfernungen in ——— Kilo My⸗ſ alte met. riam. Lieues. 128 843 816 657 890 707 447 3473 380 3 381 168 16 O S—— d „— S 00 + T So 6 + SO0 600— 00—„0—— —— S S— 60 B. Nachtrag zum dritten Titel des 1ſten Buchs des CivilGeſetzbuches. Geſetz vom 11 Germinal 11. Von den Vornamen. Art. l. Ven der Verkuͤndigung des gegenwärtigen Geſez⸗ zes an, können nur blos die Namen, welche in den verſchiedenen Kalendern gebräuchlich ſind und die bekannter Perſonen der alten Geſchichte als Vorna⸗ men in die Regiſter des Civilſtandes aufgenommen werden, welche beſtimmt ſind die Geburt der Kin⸗ der zu konſtatiren; es iſt den öffentlichen Beamten unterſagt, irgend andere Ramen in ihre Akte auf⸗ zunehmen. Art. 1I. Jedermann, der itzt entweder den Ramen einer wirklich beſtehenden Familie oder irgend einen, in der Bezeichnung des vorhergehenden Artikels nicht (284) einbegriffenen Vornamen fuͤhrt, kann deſſen Aende⸗ rung anverlangen, wobei er ſich nach den Verfuͤ⸗ gungen dieſes nämlichen Artikels zu richten hat. Art. III. Dieſe Veränderung ſoll auf ein Urtheil des Bezirks⸗ Gerichtes ſtatt haben, welches die Berichtigung des Aktes des Civilſtandes verordnen ſoll. Das Urtheil ſoll, nach Anhörung des Regierungs⸗ Kommiſſairs auf eine bloße Bittſchrift erlaſſen wer⸗ den, welche der, der die ¶Namens) Veranderung begehren wird, wenn er grosjährig oder emancipirt iſt, oder im Falle er minderjährig iſt, ſeine Ael⸗ tern oder ſein Vormund zu uͤbergeben haben. Von den Namens Aenderungen. Nrt. IV. Jedermann, welcher einen Grund haben wird, ſeinen Ramen zu veraͤndern, ſoll ſein, die Be⸗ weggrunde enthaltendes, Geſuch der Regierung vor⸗ legen. Ar. V. Die Regierung hat in der für die Verordnungen der öffentlichen Verwaltung vorgeſchriebenen Form daruͤber zu erkennen. di de 60 0285 Art. VI. Wenn ſie das Begehren zulaͤßt, ſo erlaubt ſie die Namens Veränderung durch einen in derſelben Form erlaſſenen Beſchluß, der aber erſt nach Ablauß ei⸗ nes Jahres von dem Tage ſeiner Einruͤckung ins Geſetz Regiſter an zu rechnen ſeinen Vollzug erhal⸗ ten ſoll. Art. VII. Waährend dem Laufe dieſes Jahres ſoll jeder, da⸗ zu Berechtigte, zugelaſſen werden, der Regierung eine Bittſchriſt zu übergeben, um den Widerruf des Beſchluſſes, der die NamensVeraͤnderung erlaubt, zu erwirken; und die Regierung ſoll, wenn ſie die Oppoſition für gegründet erachtet, dieſen Widerruf erlaſſen. Art. VIII. Haben keine Oppoſitionen ſtatt gehabt, oder ſind die, welche ſtatt gehabt haben, nicht zugelaſſen wor⸗ den, ſo ſoll der Beſchluß, welcher die Namens Ver⸗ änderung erlaubt, nach Ablauf des Jahres ſeine ganze und völlige Wirkung haben. A I. Gegenwaͤrtiges Geſetz ändert nichts an den Ver⸗ fügungen der beſtehenden Geſetze über die Fragen (2860ꝗ)„ des Civilſtandes, welche Namens Veranderungen nach ſich ziehen; dieſe fahren fort, in den gewöhn⸗ lichen Formen vor den Tribunalien verfolgt zu werden. Bemerkungen uͤber vorſtehendes Geſetz⸗ Schier bei allen europäiſchen Nationen bezeichnet man die Perſonen durch einen oder mehrere Namen, welche dem Individuum ankleben, und durch einen audern Na⸗ men, den daſſelbe mit allen Gliedern ſeiner Familie gemein hat. Mit dieſen verbinden gewiſſe Perſonen noch jene Titel, die von FeudalBeſitzungen oder Rechten herruͤhren, und gewiſſermaſſen blos eine Er⸗ ganzung der Bezeichnung des Individnums oder ſei⸗ ner Familie ſind, welche zur genauen Unterſcheidung der Perſonen keineswegs erforderlich iſt. Der Vorname und der Familien Name ſind hinge⸗ gen in dem gegenwärtigen Zuſtand der Geſelſchaft unentbehrlich; und ohngeachtet der Gebrauch der Fa⸗ miliennamen nicht viel älter als das Jahr 1000 der chriſtlichen Zeitrechnung iſt, ſo hat dieſe Unentbehr⸗ lichteit ihn doch ganz allgemein gemacht. Vor die⸗ ſer Epoche hatte man keine Familien Namen; wenig⸗ ſtens bezeichnen die ältern Dokumente, welche auf nns gekommen ſind, die Perſonen nicht anderſt als durch ihre Vornamen, gewohnlich den Taufnamen. Noch itzt giebt es im nordlichen Europa Familien ⸗ welche keinen gemeinſchaftlichen Namen haben, und ih⸗ re Glieder nicht anderſt als durch ihre Vornamenin Perbindung mit jenem ihres Vaters bezeichnen z. B. Paul, Sohn von Peter ꝛr. 1c. Die erſten Familiennamen, welche bloſſe Zunamen waren, entſtanden aus der Nothwendigkeit, in den geſellſchaftlichen Verhältniſſen die Perſonen zu unter⸗ ſcheiden, welche denſelben Vornamen fuͤhrten; dieſe Unterſcheidung ward in dem Grade nothwendiger ale die religiöſen Ideen auf die Wahl des Vorna⸗ mens einwirkten und den Kreiß verengten, in wel⸗ (287 chem er gewählt werden konnte; aber ſelbſt dieſe Zu⸗ namen, die bei dem Adel meiſtens von ſeinen Be⸗ ſitzungen, bei den andern Klaſſen der Geſellſchaft von dem Gewerb, oder irgend einer phyſiſchen oder mo⸗ raliſchen Eigenſchaft entlehnt wurden, waren lange Zeit hindurch ebenfalls blos individuell, und wurden wahrſcheinlich erſt zu der Zeit Philipps Auguſts ganz erblich. Seit dieſer Epoche machten dieſe Zunamen, wel⸗ che itzt Familiennamen geworden waren, eine Art von Eigenthum aus, welches auf die Deszen⸗ denten, und zuweilen ſelbſt nach dem oͤrtlichen Ge⸗ brauche, auf die zu Erben eingeſeßten Legatarien uͤber⸗ gieng. Es gehoͤrt alſo, was das gemeine Recht be⸗ trifft, in die Competenz der Tribunalien, und blos fuͤr Ausnahmen vor den Geſetzgeber; allein da dies Eigenthum ſeine Wichtigkeit zuerſt von den Feudal⸗ Rechten und den adlichen Auszeichnungen erhielt, die damit verbunden wurden, ſo ſcheint die ehemalige Geſetzgebung ſich auch blos mit der Regulirung der⸗ jenigen Falle beſchaͤftigt zu haben, wobei dieſe Pri⸗ vilegien intereſſirt waren. Dieſe Geſetzgebung hatte verordnet, daß man in Vollzug der Ordonnanz Hein⸗ richs Il. vom 26 Maͤrz 1555 ſeinen Namen nicht an⸗ derſt als in Gemäßheit offener koͤniglicher Briefe ver⸗ ändern koͤnne, die auf die Regiſter der obern Ge⸗ richts Hoͤfe eingetragen werden mußten. Solche Brie⸗ fe hieſſen: Lettres de commutation de nom und ent⸗ hielten immer die Klauſel: sauk notre droit en autre chose et l'autrui en tout. Ohngeachtet in den königlichen Ordonnanzen immer los von adlichen Familiennamen die Rede war, ſo traten doch auch dieſelben Grundſätze für die bürger⸗ lichen ein; man hat mehrere Beiſpiele von PrivatPer⸗ ſonen, welche ihre Namen kraft koͤniglicher Briefe oder kraft von Beſchlüſſen der obern Gerichts Hoͤfe ver⸗ ändert haben, theils um ſich eines bizarren Namens zu entledigen, theils um einen infam gewordenen abzuſchütteln. Zuweilen ward ſogar in dieſem leßten Falle die RamensAenderung anbefohlen, wel⸗ ches z. B. mit den Familien der Königs Moͤrder der Fall war. (288) neber den Vornamen enthielt dieſe Geſetzgebung gar keine Beſtimmung. Er hieng immer mit der reli⸗ gidſen Ceremouie der Taufe zuſammen, die damals zugleich der CivilAkt war; und da die Religion nicht erlaubte, einen Namen auſſer ihrem Kalender zu waͤh⸗ len, ſo hatte man keine andere Garantie gegen die Ausſchweifungen der EinbildungsK aft nöthig. Die Dekrete der kouſtituirenden Verſammlung vom 18 Junins 1790 und 19 Dezember 1797, welche die Titel abſchaften und befahlen, blos den Familien⸗ namen zu fuͤhren, brachten die erſte Veraͤnderung in dieſe Geſetzgebung; die zweite das Dekret vom 20 September 1792, welches die oͤffentlichen Beamten dazu beſtimmte, die Akten des Civilſtandes hinführo aufzunehmen. Dieſe erſte Veranderung hatte blos einen heilſamen Einfluß, weil ſie einerſeits eine un⸗ nütze und uͤberfluͤſſige Ergänzung der individuellen Bezeichnung abſchafte und andrerſeits weit eutfernt eine Unordnung einzufuͤhren, die entfernte, wel⸗ che damals aus der Adoption einer Menge von der Eitelkeit entlehnter Zunamen entſprang; allein die zweite, indem ſie einen der, zur Erhaltung der Geſellſchaft wichtigſten, Akte der religiöſen Auf⸗ ſicht entzog um ihn der Civil Gewalt zu übergeben, ohne jedoch irgend eine Regel über die Wahl der Namen, die man ſeinen Kindern geben konnte, vor⸗ zuſchreiben, war Schuld daß eine Unordnung daraus ⸗ welche der Geſetzgeber nicht vorgeſehen atte. Dieſe, dem Eigenſinn, der Fantaſte, und der Aus⸗ zeichnungs ſucht gelaſſene Befugniß hatte mehr als eine ſchädliche Folge; der Taufname, dem man nun die paſſendere und deshalb in dem neuen Ge⸗ ſetz beibehaltene Benennung Vornamen gab, ward willkuͤhrlich, zuweilen unter lebloſen und abſtracten Gegenſtaͤnden, und noch öfter unter den Namen wirklich lebender Perſonen gewaͤhlt, ein Soſtem, welches die gefährlichſte Unordnung herbeifuͤhrte. Man beſchraͤnkte ſich ſelbſt nicht hierauf; jeder gab dieſem Grundſatz eine weitere beliebige Ausdehnung und gab nicht allein ſeinen Kindern willkuͤhrliche Na⸗ men, ſondern glaubte auch den ſeinigen, durch eine bloſſe vor der Munizipalitaͤt oder oft in einer Volks⸗ (289 Geſellſchaft abgegebene Erklaͤrung veraͤndern zu können. Die NationalKonvention ſelbſt konſacrirte dieſen Grundſatz durch ein Dekret vom 24 Brumaire 2ten Jahres, welches die Befugniß jedes Buͤrgers, ſich einen beliebigen Namen zu geben, anerkennt, und die Bgrin. Groux, welche ſich Freiheit nennen wollte, vor die Munizipalität verweißt, um ihre Erklaͤrung deshalb abzugeben. Der Misbrauch und die Gefahren dieſer Maxime waren jedoch ſo groß, daß ſie bald den eifrigſten Be⸗ kennern derſelben fuͤhlbar wurden, und ein Geſetz vom 6 Fruktidor 2 Jahres verbietet:; andre Vor⸗ oder Familiennamen anzunehmen, als die, welche in dem GeburtsAkte enthalten ſind, und befiehlt denen, welche die ihrigen verlaſſen haben, ſte wieder anzu⸗ nehmen. Dies iſt der Zuſtand der gegenwaͤrtigen Geſetzge⸗ bung, welche, wie man ſieht, drei HauptVerfuͤgun⸗ gen begreift; die erſte, welche jedem franzoſiſchen Buͤrger verbietet, einen aus dem FendalRechte her⸗ flieſſenden Vornamen oder Titel anzunehmen. Die zweite die, welche die Haltung der zur Konſtati⸗ rung der Geburt und der Namen der Perſonen beſtimm⸗ ten Regiſter oͤffentlichen Beamten uͤberträgt: und endlich die dritte, welche verbietet andere, als die im GeburtsAkt enthaltene Namen anzunehmen. Es iſt jedoch leicht einzuſehen, daß zur Ergänzung des Syſtems eine letzte Verfuͤgung fehlt, weil keine derſelben verbietet, einem Kinde den Namen einer wirklich lebenden Familie zu geben; keine demjenigen, welcher in den ſtürmiſchen Zeiten der Revolution von einem unklugen Freund oder Vater einen Namen er⸗ balten hat, welchen itzt die öffentliche Meinung ver⸗ wirft, die Befugniß ertheilt, dieſen Namen zu ver⸗ aͤndern, endlich weil keine Gewalt durch die Geſetz⸗ gebung den Auftrag erhalten hat, in den Fällen, wo die alte Geſetzgebung es zuließ, eine NamensVer⸗ aͤnderung zu ermächtigen. Obiges Geſetz ergaͤnzt dieſe Vergeſſenheit des Ge⸗ ſezes und macht den Irrthuͤmern und Misbraͤuchen ein Ende, zu welchen das Stillſchweigen deſſelben 19 (290) jeden Tag Gelegenheit gab. Es zerfallt in zwei Titel; der erſte handelt von den Vornamen, der zweite von den NamensAenderungen. Man hat, wie wir ſchon oben bemerkt haben, das Wort: Vorname ſtatt des: Taufname bei⸗ behalten, weil es auſſer ſeiner Beſtimmtheit, noch den Vortheil hat, auf die Namen aller Glieder der Geſellſchaft, zu welcher Religion ſie ſich auch beken⸗ nen moͤgen, anwendbar zu ſein. Der erſte Artikel beſchraͤnkt die Wahl der Vor⸗ namen auf die, welche in den verſchiedenen Kalen⸗ dern gebraͤuchlich ſind, und die bekannten Perſonen der alten Geſchichte. Die Beweggründe dieſer Ver⸗ fuͤgung finden ſich in der Nothwendigkeit, worinn der Geſetzgeber heutzutage verſetzt iſt, das zu thun, was ededem durch die religiöſen Ideen bewerkſtelligt ward. Er muß der Verwirrung vorbengen, die aus der Adop⸗ tion des Namens einer wirklichen Familie zum Vor⸗ namen eines Individuums entſtehen konnte; er muß der Schmeicheley jenes Patronat entziehen, unterwel⸗ ches Schwachheit, Mittelmaͤſigkeit und ſelbſt das Ver⸗ prechen oft ihre Zuflucht nahmen; endlich muß er den Maͤnnern, welche ihre Talente, ihre Tugenden oder große Ereigniſſe uͤber andere erheben, den ausſchließ⸗ lichen Beſitz ihres Namens, er mag nun ehrenvoll und ruͤhmlich oder aber eine druͤckende Buͤrde ſein, verſichern, und ihn ohne Ungewißheit über das In⸗ dividuum, das ihn getragen hat, auf die Nachwelt übertragen, da die Zeit allein die Namen hiſtoriſch machen kann. um aber dieſen Zweck zu erreichen, wuͤrde es nicht hinreichend geweſen ſein, die Adoption von Namen dieſer Art geradezu zu verbieten, ohngeachtet dieſer Weg der einfachſte ſcheinen ſollte. Die Menge Fa⸗ miliennamen, welche zugleich Vornamen ſind, mach⸗ ten es nothwendig, der Abfaſſung des Geſetzes die groͤſte Beſtimmtheit zu geben; hätte man ſich aber auf ein Verbot beſchraͤnkt, ſo haͤtte man mittelbar jenen Familien das Recht gegeben, alle die anzu⸗ fechten, welche ihren Familien Namen zum Vornamen haͤtten annehmen koͤnnen. Anderntheils ſchien eszweck⸗ mäſig, der öffentlichen Meinung eine gewiſſeRichtung zu G2910 geben, und anzudeuten, daß der dem Kinde bei ſeiner Geburt gegebene Vorname blos ein Mittel iſt, es von ledei andern zu unterſcheiden, nicht aber eine Weiſſagung ſeiner kunftigen Beſtimmung, und daß die Wahl deſſelben wohl ein Andenken der Freund⸗ ſchaft und Dankbarkeit, nicht aber eine Auszeichnung des PartheyGeiſtes ſein darf. Endlich laͤßt die Be⸗ ſchränkung dieſes Artikels der Wahl eine ſolche Aus⸗ dehnung, daß niemand ſich daruber beſchweren kann, und die Anhänger jeder Religion, jeder Meinung darinn ihre Befriedigung finden werden. Die übrigen Artikel deſſelben Litels handeln von der Befugniß, die Abaͤnderung der in der Bezeich⸗ nung des erſten nicht einbegriffenen Namen zu erlan⸗ gen. Man hat geglaubt, dieſer Formalität die mög⸗ lichſte Einfachheit geben zu müſſen, ohne ihr jedoch den Karakter der Authentizität zu benehmen, den der Gegenſtand erheiſcht. Deshalb iſt ein Urtheil eines Bezirks Gerichts zu dieſer Berichtigung erfor⸗ derlich, welches aber auf eine bloſſe Bittſchrift und ohne Koſten ertheilt werden muß. Was den zweiten Titel betrifft, ſo behaͤlt die letzte Verfügung deſſelben den Tribunalien vor, wie bis⸗ her uber die NamensVeraͤnderungen zu entſcheiden, welche von Fragen des Civilſtandes abhangen. Des⸗ halb kann nie ein Misbrauch der durch die andern Artikel bewilligten Befugniß zu fuͤrchten ſein, und ſo oft ein PrivatIntereſſe im Spiele iſt, ſo oft es dar⸗ auf ankommen wird, den Civilſtand der Perſonen durch eine Namens Veraͤnderung zu beſtimmen, hat die Regierung kein Recht dazwiſchen zu kommen. 8 Wenn aber dieſe Veraͤnderung blos ſolche Umſtaͤnde zum Beweggrunde hat, die von dem Civilſtande und dem Vermoͤgen der Perſonen ganz unabhängig ſind, z. B. die Lächerlichkeit ode Infamie eines Nameus, ſo kann niemand beſſer, als die Regierung uͤber die Gültigkeit der Gruͤnde, worauf ſich das Begehren ſtuht, erkennen; ſie, die an der Spitze der Verwal⸗ tung zuerſt im Stande iſt, ein vernünftiges Pe⸗ gehren und einen Einfall des Eigenſinns zu unter⸗ ſcheiden. Auch war ehedem dieſe Befugniß eine der Attributionen des Hauptes der Regierung, und 5 (292N damals war eine Namens Aenderung von weit gröſ⸗ ſerer Wichtigkeit, als itzt. Damals hatte man nicht allein über die Beweggründe der Verandernng zu er⸗ kennen, ſondern man mußte anch zu verhindern ſu⸗ chen, daß die Annahme eines neuen Namens keine hoͤhern Vorrechte des Adels gewaͤhren moͤge. Heut⸗ zutage iſt die Wahl eines neuen Namens an und für ſich gleichgäſtig, weit der, der die Ermächtigung dazu erhält, keine Auszeichnung und keine Privile⸗ gien daraus herleiten kann; dieſe Wahl kann hoch⸗ ſtens einen Privatmann intereſſiren und das Geſeß iäßt ibm daher die nothige ZeitFriſt, um ſeine Oppo⸗ ſition geltend zu machen. Dieſe Vorſicht beugt jedem Misbrauche zum voraus vor, der aus dem von obigem Geſetze angenommenen Grundſatze eutſtehen könute, welches einen der wich⸗ tigſten Thelle der Geſeßgebung den des Civilſtau⸗ des der Buͤrger, ergänzt. —— II. Anhang zum dritten Buche. A. Nachtrag zum erſten Abſchnitt des vier⸗ ten Kapitels des erſten Titels. Tranſitoriſches Geſetz vom 14 Floreal 11 Jahres, uber die Rechte der natuͤrlichen Kinder, deren Ael⸗ tern ſeit der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 12 Brumaire 2 Jahres verſtorben ſind. Art. 1. Der Stand und die Rechte der auſſerehelichen Kinder, deren Aeltern ſeit der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 12 Brumaire 2 Jahres bis zur Ver⸗ kuͤndigung der Titel des Civil Geſetzbuches: über die Vaterſchaft verſtorben ſind, ſollen nach der von die⸗ ſen Titeln vorgeſchriebenen Art regulirt werden. 294 Art. 11. Die Vertrage und die in Rechtskraft erwachſenen urtheile, wodurch der(Civil) Stand und die Rech⸗ te der beſagten Kinder beſtimmt worden wären, ſol⸗ len ihrer Form und Inhalt nach vollzogen werden. B. Nachtrag zum zweiten Titel des drit— ten Buchs. Geſetz vom 25 Ventoſe 11, welches die Or⸗ ganiſation des Notariats Weſens enthält. Grſter Titel. Von den Notarien und den Notariats⸗ Akten. Erſter Abſchnitt. Von den AmtsVerrichtungen, dem AmtsKreis und den Pflichten der Notarien. Art. l. Die Notarien ſind öffentliche Beamten, welche angeſtellt ſind, um alle Akte und Kontrakte aufzu⸗ nehmen, welchen die Partheyen den Karakter der Autheatizität, der den Akten der öffentlichen Ge⸗ 0295 N walt anhängt, geben wollen oder muͤſſen, und um deren Datum zu verſichern, ſie aufzuwahren, und exekutoriſche und andere Ausfertigungen(grosse⸗ et expéditions) davon zu geben. Art. 1I. Sie ſind fuͤr ihre Lebenszeit angeſtellt. Art. 111 Sie ſind gehalten, ihre amtliche Hulfe(leur mi- nistére) zu leiſten, wenn ſie dazu aufgefordert werden. Art. IV. Jeder Notar ſoll ſich an dem Orte aufhalten muͤſ⸗ ſen, der ihm von der Regierung beſtimmt wird. Im Falle der Zuwiderhandlung ſoll der Notar angeſehen werden, als habe er ſeine Entlaſſung gegeben; folg⸗ lich ſoll der Gros Richter JuſtitzMiniſter, nach Ein⸗ ziehung des Gutachtens des Tribunals, der Regie⸗ rung vorſchlagen können, ihn durch einen andern zu erſetzen. Art Die Notarien uben ihre AmtsVerrichtungen aus wie folgt, nämlich: Die der Staͤdte, wo ein Appellations Tribunal (296 5 beſteht, in dem Umfange des Amts Kreiſes dieſes Tribunals; Die der Städte, wo blos ein Tribunal erſter In⸗ ſtanz beſteht, in dem Umfange des Amts Kreiſes die⸗ ſes Tribunals; Die der andern Gemeinden in dem Umkreiß des Bezirks des Friedens Gerichtes. Art. V. Es iſt jedem Notar unter Strafe, waͤhrend drei Monaten von ſeinen AmtsVerrichtungen ſuspendirt und im Ruͤckfalle abgeſetzt zu werden, ſo wie unter Strafe aller Schadloshaltungen verboten, auſſer⸗ halb ſeines AmtsKreiſes zu inſtrumentiren. Art. VII. Die AmtsVerrichtungen der Notarien ſind unver⸗ träglich mit jenen der Richter, Regierungs Kommiſ⸗ ſarien bei den Tribunalien, ihren Subſtituten, den Greffiers(Gerichtſchreiber), Avoues, Huiſſiers, Vorgeſetzten der Einnahme der mittelbaren und un⸗ mittelbaren Steuern, der Richter, Greffiers und Huiſſiers der FriedensGerichte, der PolizeyKommiſ⸗ ſarien und VerſteigerungsKommiſſarien(commis- saires aus ventes). (297N 3 weiter Abſchnitt. Von den Aeten, von ihrer Form; von den Minuten, exe⸗ kutoriſchen und andern Ausfertigungen(grosses et en pditious) und Repertorien. Art. VIII. Die Notarien ſollen keine Akte aufnehmen können, worinn ihre Verwandte oder Verſchwägerte, in allen Graden der graden Linie, und in der SeitenLinie bis zum Grad von Onkel oder Reffe einſchließlich, Parthie waͤren, oder welche irgend eine Verfügung zu ihrem Vortheil enthalten konnten. Art. 1X. Die Akte ſollen von zwei Rotarien, oder von ei⸗ nem Notar mit Zuziehung zweier Zeugen, welche franzöſiſche Buͤrger ſein, ſchreiben können, und in dem Gemeinde Bezirk, in welchem der Akt errichtet wird, wohnhaft ſein muͤſſen, aufgenommen werden. Art. X. Zwei Notarien, die mit einander in den durch den Artikel 8 verbotenen Graden verwandt oder verſchwaͤ⸗ gert ſind, ſollen zu demſelben Akte nicht konkurri⸗ ren können. Perſonen, welche entweder den Notarien oder den kontrahirenden Partheyen in den, von dem Artikel 8 verbotenen, Graden verwandt oder verſchwägert, ihre Schreiber oder in ihren Dienſten wären, ſollen keine Zeugen ſein können. (298 Art. Kl. Der Name, der Stand und der Wohnort der Par⸗ theyen muͤſſen den Rotarien bekannt ſein, oder ihnen in demſelben Akte von zwei ihnen bekannten Zeugen bezeugt werden, welche dieſelben Eigenſchaften haben muͤſſen, die zu einem InſtrumentargZeugen erforder⸗ lich ſind. Art. XII Alle Akte muͤſſen unter hundert Franken Strafe gegen den zuwiderhandelnden Notar den Namen und die Reſidenz des Notars, der ſie aufnimmt, angeben. Sie muͤſſen ebenfalls unter der im nachfolgenden Artikel 18 verhaͤngten Strafe und ſelbſt, im vor⸗ kommenden Falle, unter Strafe des Falſums die Namen der Inſtrumentargeugen, ihren Wohnort, den Ort, das Jahr und den Tag, an welchem die Akte errichtet worden ſind, angeben. Art. XIII. Die Akte der Notarien ſollen in einem und dem⸗ ſelben Kontext, leſerlich, ohne Abkuͤrzung, weißen Raum, Luͤcken, noch Zwiſchenraume geſchrieben werden; ſie ſollen die Namen, Vornamen, Quali⸗ täten und Wohnorte der Partheyen, ſo wie der Zeu⸗ gen, welche im Falle des Artikels 11 berufen wer⸗ den könnten, enthalten; ſie ſollen die Summen und (299 5 die Data in Buchſtaben angeben; die Vollmachten der Kontrahenten ſollen der Minute angeheftet wer⸗ den, welche Meldung thun muß, daß der Akt den Partheyen vorgeleſen worden iſt, alles unter Strafe einer Geldbuße von hundert Franken gegen den zu⸗ widerhandelnden Rotar. Art. XIV. Die Akte ſollen von den Partheyen, den Zeugen und den Notarien, die am Ende des Aktes davon Meldung zu thun haben, unterzeichnet werden. Was die Partheyen betrifft, welche nicht unter⸗ zeichnen können oder daran verhindert ſind, ſo muß der Rotar am Ende des Aktes von ihren Erklaͤrun⸗ gen in dieſer Hinſicht Meldung thun. Art. XV. Die Zuſätze(renvois) und Apoſtillen dürfen, vorbehaltlich folgender Ausnahme, nur an den Rand geſchrieben werden. Sie ſollen, unter Strafe der Nullität, ſowohl von den Notarien als von den andern Perſonen, die den Akt unterzeichnet ha⸗ ben, gleichfalls unterzeichnet oder paraphirt wer⸗ den; wenn die Länge des Zuſatzes erheiſcht, daß er zu Ende des Aktes verſetzt werde, ſo ſoll er nicht allein auf dieſelbe Art wie die an den Rand hingeſchriebenen Zuſätze unterzeichnet oder (300 5 paraphirt, ſondern auch unter Strafe der Rullität des Zuſatzes von den Partheyen ausdrücklich gutge⸗ heiſſen werden. Art. XVI. In der Hauptſchrift des Aktes(dans le corps de racte) ſoll nichts uͤbergeſchrieben, noch zwiſchen die Linien eingeſchaltet, noch irgend etwas zugeſetzt wer⸗ den; und die übergeſchriebenen, zwiſchengeſchobenen oder zugeſetzten Worte ſollen nichtig ſein. Die Wor⸗ te, welche ausgeſtrichen werden muͤſſen, ſollen es auf ſolche Art werden, daß man am Rande der ihnen torresponbirenden Seite oder am Ende des Aktes ihre Zahl konſtatiren könne, und ihre Ausſtreichung muß auf dieſelbe Art, wie die an den Rand geſchrie⸗ benen Zuſätze gutgeheiſſen werden; alles unter Stra⸗ fe einer Geldbuße ſo wie aller Schadloshaltungen, und ſelbſt der Abſetzung im Falle eines Betrugs, gegen den Notar. Art. XVII. Der Notar, welcher den Geſetzen und den Be⸗ ſchluſſen der Regierung uber die abgeſchafften Na⸗ men und Qualiftkationen, die FeudalClauſeln und Ausdruͤcke, vie Maaſe und den Kalender der Repu⸗ vlit ſo wie die Dezimal Berechnung zuwiderhandelt, ſoll in eine Geldſtrafe von hundert Franken, die im Rückfalle doppelt ſein ſoll, verurtheilt werden. (301) Art. XVIII. Der Notar ſoll, in ſeiner Schreibſtube, ein Ver⸗ zeichniß frei aufgehangen haben, worauf er die Na⸗ men, Qualitäten und Wohnorte der Perſonen einzu⸗ ſchreiben hat, welche in dem umfange des Bezir⸗ kes, worinn er ſeine AmtsVerrichtungen verſehen darf, interdizirt ſind oder einen gerichtlich ernannten Beiſtand haben; er hat die darauf Bezug habenden urtheile darauf einzuführen, alles unmittelbar nach der ihm davon geſchehenen Notifikativn und unter Strafe aller Schadloshaltunen gegen die Partheyen. Art. XIX. Alle Notariats Akte ſollen gerichtlichen Glauben haben und im ganzen Umſange der Republik exeku⸗ toriſch ſein. Richtsdeſtoweniger ſoll, im Fall eine Haupttla⸗ ge auf ein Falſum(action en faux principal) der Vollzug des gerichtlich als falſch angeklagten Aktes durch die Erklärung des Urtheils Jury des Inhaltes: daß die Anklage ſtatt findet, aufgehalten werden; im Falle einer, als InzidentPunkt geſche⸗ henen, Inſcription wegen eines Falſums ſollen die Tribunalien, nach der Vichtigkeit der Umſtände, den Vollzug des Aktes einſtweilen ſuspendiren können. C302) Art. XX. Die Notarien ſollen gehalten ſein, von allen Ak⸗ ten, welche ſie aufnehmen werden, die urſchrift (minute) zuruͤckzubehalten. Doch ſind in der gegenwartigen Verfuͤgung die Lebensſcheine(certkcats de vie), Vollmachten, Offenkundigkeits Akte(actes de notorieté), Quittun⸗ gen von Paͤchten, Miethen, Gehaltern, Ruckſtaͤnden von Zinſen und Renten, und andere einfachen Akten, welche dem Geſetz gemäß auf einem Blatt(en brevet) ausgefertigt werden duͤrfen, nicht mit einbegriffen. Art. XXI. Das Recht, exekutoriſche Abſchriften(grosses) und Ausſertigungen auszuliefern, ſteht blos dem Notar, der die Urſchrift beſitzt, zu; jeder Notar ſoll jedoch von einem Akt, der bei ihm als Urſchrift niedergelegt worden ſein wird, Abſchrift ertheilen koͤnnen. Die Notarien ſollen keine Minute aus der Hand geben konnen,(ue pourront s'en désaisir) ausge⸗ nommen in denen vom Geſetz vorgeſehenen Fällen, und kraft eines Urtheils. Sie haben, ehe ſie eine ſolche aus der Hand ge⸗ ben, eine ihr nachgebildete Abſchrift C(une copie —— —— (303 gurée) anfzuſetzen und zu unterzeichnen, welche, nachdem ſie von dem Preſidenten und Kommiſſair des Civil Gerichtes ihres Wohnortes beglaubigt worden ſein wird, der Minute ſubſtituirt werden ſoll, deren Stelle ſie bis zu ihrer Zuruͤckbringung(reintegration) vertreten ſoll. Art. XXIII. Die Notarien ſollen gleichfalls, ohne eine Ordon⸗ nanz des Preſidenten vom erſten InſtanzGerichte unter Strafe aller Schadloshaltungen, einer Geld⸗ buße von hundert Franken, und im Ruͤckfalle, der Suspenſion von ihren Amts Verrichtungen waͤhrend drei Monaten, keinen andern Perſonen, als den ſuͤr ſich ſelbſt dabei intereſſirten Perſonen, ihren Erben oder denen welche in ihre Rechte eingetreten ſind, eine Ausfertigung der Akte ertheilen oder ihnen da⸗ von Kenntniß geben können; vorbehaltlich jedoch des Vollzugs der Geſetze und Verordnungen uͤber das Enregiſtrement und jener in Betreff der Akte, wel⸗ che bei den Tribunalien verkuͤndigt werden muͤſſen. Art. XXIV. Im Falle eines gerichtlichen Befehls(en cas de compulsoire) ſoll der VerbalProzeß daruͤber von dem Rotar, bei welchem der Akt niedergelegt war, errich⸗ tet werden, wenn nicht das Tribunal, welches den 304 Befehl dazu ertheilt hat, eines ſeiner Glieder oder jeden andern Richter oder einen andern Notar dazu kommittirt. Art. XXV. Rur die exekutoriſchen Ausfertigungen(les gros- ven) ſollen in der exekutoriſchen Form ausgefertigt werden. Sie ſollen mit denſelben Ausdrucken, wie die Urtheile der Tribunalien überſchrieben werden (intitulses) und endigen. Art. XXVI. Auf der urſchrift muß von der an jede der inte⸗ reſſirten Partheyen geſchehenen Ablieferung einer er⸗ ſten exekutoriſchen Ausfertigung Meldung geſchehen. Es darf ihnen, unter Strafe der Abſetzung keine andere mehr ohne eine Ordonnanz des erſten In⸗ ſtanz Gerichts, die der Urſchrift angeheftet bleiben muß, ausgefertigt werden. Art. XXVII. Jeder Notar iſt verbunden, ein beſonderes Pett⸗ ſchaſt oder Siegel zu haben, welches ſeinen Namen, ſeine Qualität und ſeinen Wohnſitz und nach einem gleichförmigen Modelle den Stempel der franzoͤſiſchen Republik enthalten ſoll. 0305 5 Den exekutoriſchen und andern Ausfertigungen der Akte ſoll dieſes Siegel aufgedruͤckt werden. Art. XXVIII. Die Notariats Akte ſollen legaliſirt werden(“, und zwar die der Notarien, die im SitzungsOrte des Appell Gerichtes reſidiren, wenn man auſſerhalb ihres AmtsKreiſes davon Gebrauch machen wird, und die der andern Rotarien, wenn man auſſerhalb ihres Departementes davon Gebrauch machen wird. Die Legaliſation ſoll durch den Preſidenten des erſten InſtanzGerichtes von dem Wohnorte des Notars oder des Ortes, wo der Akt oder die Aus⸗ fertigung aus geliefert werden wird, geſchehen. Art. XXIX. Die Notarien ſollen uͤber alle die Akte, die ſie aufnehmen werden, ein Repertorium fuhren. Ark. Die Repertorien ſollen von dem Preſidenten, oder in ſeiner Ermangelung von einem andern Richter des Civil Gerichts von dem Wohnorte des Notars mit der Seitenzahl bezeichnet und paraphirt werden; () Das heißt, es ſoll unten beglaubigt werden, daß die Unterſchrift des Aktes wirklich die des, durch ſeine Eigenſchaft dazu berufenen, oͤffentlichen Notars iſt. —— (306 N ſie ſollen das Datum, die Art und Gattung der Akte, die Namen der Partheyen, und die Anfuͤhrung der Einregiſtrirung enthalten. 3weiter Titei. Verfaſſung(regime) des Notariats. Erſter Abſchnitt. Anzahl, OrtsAnſtellung(placement) und CautionsLeiſtung der Notarien. Art. XXRl. Die Zahl der Notarien für jedes Departemene, ihre Anſtellung und Reſidenz ſollen von der Regie⸗ rung dergeſtalten beſtimmt werden, 1) daß es in den Städten von hunderttauſend Seelen und mehr je höchſtens fuͤr ſechs tauſend Einwohner einen Notar gebe; 2) daß es in den andern Staͤdten, Flecken oder Ortſchaften wenigſtens zwei und hoͤch⸗ ſtens funf Rotarien in jedem Friedens Gerichts Be⸗ zirke gebe. Art. KXXII. Die Suppreſſion oder Verminderung der Plätze ſoll nicht anderſt, als durch Sterbfälle, Entlaſſung oder Abſetzung geſchehen. 1 (307 Art. XXRl11 Die Notarien uͤben ihre AmtsVerrichtungen ohne Patent aus; aber ſie ſind einer von der Regierung nach den hiernach aufgeſtellten Grundſätzen beſtimmten Caution unterworfen, welche insbeſondere zur Garan⸗ tie, der gegen ſie in Gefolge der Ausuͤbung ihrer Amts⸗ Verrichtungen ausgeſprochenen Verurtherlungen, be⸗ ſtimmt ſein ſoll. Wenn kraft dieſer Garantie der Betrag der Cau⸗ tion ganz oder zum Theil verwendet worden ſein wird, ſo ſoll der Notar von ſeinen AmtsVerrichtun⸗ gen ſo lange ſuspendirt ſein, bis die Caution ganz wiederhergeſtellt worden ſein wird: und in Erman⸗ gelung ſeiner Seits in einer ſechsmonatlichen Friſt den geſammten Betrag der Caution wiederherzuſtel⸗ len, ſoll er angeſehen werden, als habe er ſeine Ent⸗ laſſung gegeben, und erſetzt werden. Art. XXXIV. Die Caution ſoll von der Regierung nach Ver⸗ haͤltniß des Amts Bezirkes und der Reſidenz jeden Notars zuſammen in Anſchlag gebracht, nach einem Minimum und einem Maximum nach folgen⸗ der Tabelle beſtimmt werden; nämlich: und in Wohnorten von unter JoooEinwohnern von 5000— 10000 von 10000— 25000 von 23000— 50000 von§o000— 275000 von 75000— 100000 von 100000 und mehr von Paris.„ 3200 3800 2200 2800 1400 2000 AmtsKreiſe von —.————————— Appellations⸗ Gerichten er⸗ Friedens⸗ Gerichten. ſſter Inſtanz.] Gerichten. Rechte.] Rechte. Min Maxi⸗ Mini Maxi Mini Maxi mum mum. mum ſmum ſmum ſmum —— 11oooſtʒcol 5oo 8c0 ˙ 2000 250015001800] 800 1000 2500 3200 1800 2200 100 1400 Fuͤr die Notarien der 1 3800 4400 28003400—— 44oo 5000 3400 4000— — 6000———— — 12000——— ſchon u Dieſe Cautionen ſollen, nach Abzug aller ber den Geſetzen ß bezahlt, zuruͤckbezahlt, die Intereſſen derſelben abgetragen werden. vorher geſchehenen Zahlungen, und „ n gemaͤ die Cautione (309 3 weiter Abſchnitt. Nbthige Bedingungen, um zu dem Notariat zugelaſſen zu werden und Art der Ernennung. Art. XXXV. Um zu den AmtsVerrichtungen eines Notars zu⸗ gelaſſen zu werden, muß man 1) das Bürgerrecht genieſſen, 2) den Geſetzen uͤber die Militair Conſtription ge⸗ nug gethan haben, 3) 25 volle Jahre alt ſein, 4) ſich uͤber die durch die folgenden Artikel vor⸗ geſchriebene ArbeitsZeit ausweiſen. Art. XXXVI. Die ArbeitsZeit(stage) ſoll, vorbehaltlich fol⸗ gender Ausnahmen, von ſechs vollen und ununter⸗ brochenen Jahren ſein; von welchen man wenigſtens eins der zwei letzten in der Eigenſchaft als erſter Schreiber bei einem Notar von einer der gleichen Klaſſe, worinn die Stelle erledigt iſt, zugebracht haben muß. Art. XXXVII. Die ArbeitsZeit ſoll blos von vier Jahren ſein duͤrfen, wenn man drei davon in der Schreibſtube eines Rotars von einer höhern Klaſſe als die, in welcher die Stelle erledigt iſt, zugebracht hat, und (3105 wenn der Aspirant waͤhrend dem vierten als erſier Schreiber bei einem Notar von einer hoͤhern oder der gleichen Klaſſe, worinn die Stelle erledigt iſt, fuͤr welche er ſich darſtellt, gearbeitet hat. Art. XXXVIII. Eiu Notar, der bereits angenommen iſt, und ſeit einem Jahr in einer untern Klaſſe ſeine AmtsVer⸗ richtungen verſehen hat, ſoll von der Verbindlich⸗ keit, ſich uͤber eine ArbeitsZeit auszuweiſen, befreit ſein, um zu einer, in einer unmittelbar höhern Klaſſe faͤlligen, Rotarſtelle zugelaſſen zu werden. Art. XXXIX. Der Aspirant, der während vier ununterbroche⸗ nen Jahren bei einem Notar erſter oder zweiter Klaſſe gearbeitet haben wird, und der während we⸗ nigſtens zwei Jahren, Vertheidiger oder Avoue bei einem Civil Tribunal geweſen ſein wird, ſoll in einer der Klaſſen, worinn er ſeine ArbeitsZeit zugebracht hat, zugelaſſen werden können, wenn er nur wah⸗ rend einem der beiden letzten Jahre ſeiner Arbeits⸗ Zeit in der Eigenſchaft als erſter Schreiber bei ei⸗ nem Notar von einer der gleichen Klaſſe, worinn die Stelle erledigt iſt, gearbeitet hat. Art. XI. Die von den vorhergehenden Artikeln erforderliche (311 Arbeits Zeit muß immer um ein Drittheil verlängert werden, ſo oft der Aspirant, welcher bei einem Rotar von einer untern Klaſſe gearbeitet hat, ſich um eine Stelle von einer unmittelbar höhern Klaſſe auszufüllen darſtellen wird. Art. XLI. Um zugelaſſen zu werden, die AmtsVerrichtungen eines Notars dritter Klaſſe zu verſehen, ſoll es hin⸗ laͤnglich ſein, daß der Aspirant waͤhrend drei Jah⸗ ren bei einem Notar erſter oder zweiter Klaſſe gear⸗ beitet habe, oder daß er während zwei Jahren bei einem Apellations oder erſten Inſtanz Tribunal die AmtsVerrichtungen eines Vertheidigers oder Avoue's verſehen, und auſſerdem während einem Jahre bei einem Notar gearbeitet habe. Art. XLIl. Die Regierung kann die Individuen, welche Ver⸗ waltungs oder gerichtliche AmtsVerrichtungen ver⸗ ſehen haben werden, von der Verbindlichkeit ſich uber die ArbeitsZeit auszuweiſen, freiſprechen. Art. XLlII. Der Aspirant ſoll von dem Disz iplin Ausſchuß (chambre de discipline) des Bezirks, worinn er ſeine AmtsVerrichtungen verſehen ſoll, ein Zeugniß 03120) ſeiner Moralität und Fähigkeit begehren. Dies Zeugniß kann nicht eher ertheilt werden, als nach⸗ dem der Ausſchuß dem Regierungs Kommiſſair bei dem erſten Inſtanz Gericht eine Ausfertigung der Be⸗ rathſchlagung, wodurch es bewilligt worden ſein wird, uͤberſendet haben wird. Art. XLIV. Im Falle der Verweigerung ſoll der Ausſchuß verbunden ſein, ein, die Beweggruͤnde enthaltendes, Gutachten zu geben, und es dem Regierungs Kommiſ⸗ ſair mitzutheilen, der es mit ſeinen Bemerkungen dem GrosRichter zu uͤberſenden hat. Art. XLV. Die Notarien werden von dem erſten Konſul er⸗ nannt, und erhalten eine Kommiſſion von ihm, welche den beſtimmten Ort ſeiner Reſidenz bezeich⸗ nen wird. Art. XLVI. Die Kommiſſionen der Rotarien werden, in ihrer Ueberſchrift, an das erſte Inſtanz Gericht gerichtet, in deſſen AmtsKreiß der Ernannte ſeine Reſidenz haben wird. Art. XLVII. Der Ernannte ſoll in Zeie von zwei Monaten ven (3130 ſeiner Ernenmung an, und unter Strafe der Verlu⸗ ſtigung ſeiner Stelle, gehalten ſein, in der Audienz des Tribunals, an welches die Kommiſſion gerichtet worden, den Eid abzulegen, den das Geſetz von jedem öffentlichen Beamten erheiſcht, ſo wie jenen, ſeine AmtsVerrichtungen mit Genauigkeit und Recht⸗ ſchaffenheit zu verſehen. Er ſoll zur Eidesleiſtung nicht anderſt, als nach Vorlage des Originals ſeiner Kommiſſion und der Quittung der Zahlung ſeiner Caution zugelaſſen werden. Er iſt gehalten, den VerbalProzeß der Eideslei⸗ ſtung auf dem Sekretariat der Munizipalität des Ortes, wo er reſidiren muß, nind auf der Greffe aller der Tribunalien, in deren Amts Kreiß er ſeine Amts Verrichtungen zu verſehen hat, einregiſtriren zu laſſen. Art. XLVIII. Er hat nicht eher, als von dem Tage ſeiner Ei⸗ desleiſtung an, ein Recht ſeine Amts Verrichtungen auszuuben. Art. LLIX. Ehe er ſeine»AmtsVerrichtungen antritt, haben die Notarien auf der Greffe jedes erſten Inſtanz Ge⸗ richts ihres Departementes und auf dem Sekreta⸗ (3140 riat der Munizipalitaͤt ihres Wohnſitzes ihre Unter⸗ ſchrift und ihren Handzug zu hinterlegen. Die Notarien in den Orten, wo AppellGerichte ihren Sitz haben, haben auſſerdem dieſelbe Nieder⸗ lage auf der Greffe der andern erſten Inſtanz Gerich⸗ te ihres AmtsKreiſes zu machen. Dritter Abſchnitt⸗ Disziplin Ausſchuͤſſe.. Art. L. Die Ausſchuͤſſe Cles chambres) welche fuͤr die innere Disziplin der Rotarien errichtet werden, ſol⸗ len durch beſondere Verordnungen organiſirt werden. Art. Ll. Das Honorar und die Muͤhwaltung der Notarien ſollen gutlich zwiſchen ihnen und den Partheyen re⸗ gulirt werden; kann dieſes nicht geſchehen, ſo ſol⸗ len ſie von dem CivilGericht der Reſidenz des No⸗ tars, auf das Gutachten des Ausſchuſſes, und anf bloße Rechnungen, ohne Köſten, beſtimmt werden. Art. LM. geder ſuspendirte, abgeſetzte oder durch einen an⸗ dern erſetzte Notar, muß ſogleich, nach der ihm geſchehenen Notifikation von ſeiner Suspenſion, ſei⸗ 03¹5N ner Abſetzung oder ſeiner Erſetzung durch einen an⸗ dern, die AmtsVerrichtungen ſeines Standes auf⸗ hören, unter Strafe aller Schadloshaltungen und der andern von dem Geſetz gegen jeden ſuspendirten oder abgeſetzten Beamten, der in der Verrichtung ſeiner Functionen fortfährt, verhängten Verurthei⸗ lungen. Der ſuspendirte Rotar darf ſie unter denſelben Strafen nicht eher, als nach Ablauf der Suspenſions⸗ Zeit wieder aufnehmen. Art. LII. Alle Suspenſionen, Desſtitutionen, Verurthei⸗ lungen zu Geldbußen und Schadloshaltungen ſollen von dem CivilGericht ihrer Reſidenz auf Betreiben der betheiligten Partheyen, oder von Amtswegen, auf Betreiben des RegierungsKommiſſairs ausge⸗ ſprochen werden. Dieſe Urtheile ſollen der Appellation unterworfen, und proviſoriſch exekutoriſch ſein, mit Ausnahme jedoch der pekuniairen Verurtheilungen. Vierter Abſchnitt. Aufbewahrung, Uebertrag, Verzeichniß der Minuten und Beitreibung der Gebühren(et recouvrement). Art. LIV. Die Minuten und Repertorien eines Notars, der 03165 durch einen andern erſetzt worden, oder deſſen Stelle unterdruͤckt worden ſein wird, können von ihm oder ſeinen Erben einem der in derſelben Gemeinde reſidi⸗ renden Notarien oder einem der in demſelben Kanton reſidirenden Notarien, wenn der, welcher erſetzt worden, der einzige in ſeiner Gemeinde angeſtellte Notar war, uͤbergeben werden. Art. LV. Wenn die Uebergabe der Minuten und Reperto⸗ rien des erſetzten Rotars nicht in Gemäßheit des vorhergehenden Artikels in MonatsFriſt von dem Tage der Eidesleiſtung ſeines Rachfolgers an zu rechnen, geſchehen iſt, ſo muͤſſen ſie dieſem uͤber⸗ geben werden. Art. LVI. Iſt die Notariats Stelle unterdruͤckt worden, ſo iſt der Titular oder ſeine Erben gehalten, die Mi⸗ nuten und Repertorien in einer ZeitFriſt von zwei Monaten vom Tage der Unterdruͤckung an zu rech⸗ nen, einem der Notarten der Gemeinde oder einem der Notarien des Kantons, in Gemäßheit des Ar⸗ tikels 5ð zu uͤbergeben. Art. LVII. Der RegierungsKommiſſair bei dem erſten In⸗ ſtanz Gericht iſt beauftragt, daruͤber zu wachen, daß 03170 die von den vorhergehenden Artikeln vorgeſchriebe⸗ ne Uebergabe geſchehen moge; und wenn im Falle der Unterdruͤckung der Stelle der Titular oder ſeine Erben nicht in den vorgeſchriebenen ZeitFriſten einen Notar erwaͤhlt haben, welchem die Minuten und Repertorien übergeben werden ſollen, ſo ſoll der Kommiſſair denjenigen beſtimmen, bei welchem ſie hinterlegt werden ſollen. Der Titular oder ſeine Erben, welche im Ruͤck⸗ ſtund befunden wuͤrden, den Verfüͤgungen der Artikel 55 und 36 genug zu thun, ſollen zu einer Geldbuße von hundert Franken fuͤr jeden Monat der Verzoge⸗ rung von dem Tage der ihnen geſchehenen Aufforde⸗ rung, die Uebergabe zu bewerkſtelligen, an zu rechnen, verurtheilt werden. Art. LVIII. In allen Fällen ſoll ein ſummariſches Verzeichniß der übergebenen Minuten aufgeſetzt werden; und der Notar, welcher ſie in Empfang nehmen wird, muß zu Ende dieſes Verzeichniſſes, von welchem eine zweite urſchrift dem Disziplin Ausſchuß ubergeben werden ſoll, ſich dieſelben zur Laſt ſchreiben. Art. LIX. Der Titular oder ſeine Erben und der Notar, welche die Minuten in Gemaßheit der Artikel 54, 03¹8N 55 und 56 in Empfang zu nehmen haben, ſollen gůtlich üͤber die einzunehmenden Gebuͤhren wegen den Akten, deren Honorar noch geſchuldet wird, und die Gebuͤhren der Ausfertigungen, unter⸗ handeln. Können ſie nicht einig werden, ſo ſollen ſie von zwei Notarien geſchatzt werden, uͤber deren Wahl die Partheyen uͤbereinzukommen haben, oder welche von Amtswegen unter den Notarien von derſelben Reſidenz oder in ihrer Ermangelung unter den der nächſten Reſidenz ernannt werden ſollen. Art. LX. Alle Niederlagen von Minuten unter der Benen⸗ nung: chambres des contrats, bureaux de tabel- Ronage und andere, bleiben unter der Aufſicht ihrer gegenwärtigen Beſitzer erhalten. Die exekutoriſchen und andern Ausfertigungen davon konnen aber blos von einem Notar von der Reſidenz des Depots oder in deren Ermangelung von einem Notar von der naͤchſten Reſidenz ertheilt werden. Wenn jedoch die beſagten Depots von Minuten der Greffe(Gerichtsſchreiberei) eines Tribunals uͤbergeben worden ſind, ſo können, in dieſem einzi⸗ gen Falle, die exekutoriſchen und andern Ausferti⸗ gungen von dem Greffier ertheilt werden. (319 5 Art. LXI. unmittelbar nach dem Sterbfalle eines Notars oder eines andern Beſitzers von Minuten ſoll der Friedens Richter ſeiner Reſidenz die Siegel auf die Minuten und Repertorien anlegen, ſo lange bis ein anderer Notar einſtweilen durch eine Ordonnanz von dem Preſidenten des Tribunals von der Reſidenz des Verſtorbenen damit beauftragt worden ſein wird. Dyitter S nel Von den gegenwaͤrtigen Notarien. Art. LXII. Alle Notarien, welche ſich am Tage der Verkun⸗ digung des gegenwaärtigen Geſetzes in AmtsVerrich⸗ tung befinden werden, ſind endlich beibehalten. Art. LXIII. Eben ſo ſind diejenigen Notarien endlich beibe⸗ halten, welche am Tage der Verkundigung des ge⸗ genwärtigen Geſetzes, ohne durch andre erſetzt wor⸗ den zu ſein, die Ausubung ihrer AmtsVerrichtun⸗ gen blos wegen Unverträglichkeit der Stellen oder wegen Militair Dienſt unterbrochen hatten, oder durch dieſe Urſachen verhindert worden wären, ſie anzutreten. 0320 5 Art. LXIV. Alle beſagte Notarien ſollen nach dem Datum ihrer reſpektiven Aufnahme ihre AmtsVerrichtungen ausuben, oder ſie auszuuben fortfahren und ihren Rang untereinander behalten. Sie ſind aber gehalten, in den drei Monaten von dem Tag der Verkuͤndigung des gegenwärtigen Geſetzes an 1) alle Titel und Aktenſtuͤcke, welche ihre vorhe⸗ rigen Ernennungen betreffen, auf der Greffe des erſten Inſtanz Gerichts ihrer Reſidenz gegen einen Empfangſchein des Greffiers zu hinter⸗ legen, 2) ſich mit dieſem Empfangſchein an die Regie⸗ rung zu wenden, um von dem erſten Konſul eine BeſtätigungsKommiſſion zu erhalten, wo⸗ rinn das Datum ihrer erſten Ernennung und Aufnahme, ſo wie der beſtimite Qrt ihrer Re⸗ ſidenz angefuͤhrt werden ſoll. Art. LXV. Jeder der beſagten Notarien ſoll gehalten ſein, in den zwei Monaten nach der Ablieferung dieſer Kom⸗ miſſion den von dem Art. 47 vorgeſchriebenen Eid abzulegen und ſich nach den Verfuͤgungen des Arti⸗ kels 49 in Hinſicht auf die Hinterlegung ſeiner Un⸗ terſchrift und Handzeichens zu richten. (3210 Der gegenwartige und der vorhergehende Artikel ſollen unter Strafe der Verluſtigung vollzogen werden. Art. LXVI. Die Notarien, welche unvertraͤgliche AmtsVer⸗ richtungen vereinigen, ſollen gehalten ſein, in den drei Monaten, von dem Tag der Verkuͤndigung des gegenwartigen Geſetzes an eine derſelben zu wählen, und den Akt dieſer Wahl auf der Greffe des erſten Inſtanz Gerichtes ihrer Reſidenz zu hinterlegen, wi⸗ drigenfalls ſie, als hätten ſie ihre Entlaſſung von ihrem Stande als Notarien gegeben, angeſehen und erſetzt werden ſollen: und im Falle ſie fortfahren ſoll⸗ ten, ihn auszuuͤben, ſollen ſie in die vom Art. 82 ausgeſprochene Strafe verfallen ſein. Art. LXVII. Von dem Tag ihrer Wahl an, ſollen ſie eine ZeitFriſt von drei Monaten haben, um ihre Com⸗ miſſion von dem erſten Konſul zu erhalten, und die von den Artikeln 67 und 69 vorgeſchriebenen For⸗ malitäten zu erfuͤllen, alles unter derſelben Strafe. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. LXVIII. Jeder in Zuwiderhandlung der in den Art. 7, 8, 9, 10, 14, 20, 52, 64, 65, 66 und 67 enthal⸗ 21 (322 tenen Verfuͤgungen geſchehene Akt iſt nichtig, wenn er nicht mit der Unterſchrift aller Partheyen verſehen iſt; und wenn der Akt mit der Unterſchrift aller kon⸗ trahirenden Partheyen verſehen iſt, ſo ſoll er blos als ein Vertrag unter Privatlnterſchrift gelten, vor⸗ behaltlich, in beiden Fällen, der Schadloshaltungen gegen den zuwiderhandelnden Notar, wenn ſie ſtatt finden. Art. LXIX. Das Geſetz vom 6 Oktober 1791 und alle andere ſind in allem, worin ſie dem gegenwärtigen zuwi⸗ derlauſen, abberufen⸗ B Beſchluß der Regierung, welcher eine einfoͤrmige Formel fuͤr die Ueberſchrift und den Schluß der exekutoriſchen Ausfertigungen der Notariats Akte beſtimmt. Paris am 25 Prairial 11. Die Regierung der Republik, auf den Bericht des Gros Richters, JuſtitzMiniſters, nach Anſicht des Art. 25 des Geſetzes vom 25 Ventoſe 11 über die Organiſation des Notariats, welcher lautet wie (3230 folgt:„NRur die exekutoriſchen Ausfertigungen Cles grosses) ſollen in der exekutoriſchen Form aus⸗ gefertigt werden. Sie ſollen mit denſelben Aus⸗ druͤcken, wie die Urtheile der Tribunalien, uͤber⸗ ſchrieben werden(imtitulses) und endigen“; nach Anhörung des Staats Rathes, beſchließt: Art. 1. Die Ausſertigungen in exekutoriſcher Form der von Notarien errichteten Akte, ſollen uͤberſchrieben werden wie folgt: AU NOM DU PEUPLE FRANCAls. Bonaparce, premier Consul de la République, à tous ceux qui ces présentes verront. salut. Fai- sons savoir, que pardevant tel notatre 3 lurent présens etc. etc. 2) Dieſelben exekutoriſchen Ausfertigungen ſollen ſchlieſſen wie folgt: Mandons et ordonnons à tous huissiers sur ce requis, de mettre ces présentes à exécution; à tous commandans et officiers de la lorce publique, d'y préter main korte, lorsquils en seront legalement requis et aux commissaires près les tribunaux d'y tenir la main. En foi de quoi nous avons fait sceller ces présentes, qui furent kaites et passées à le, et ont les dits(les parcies) signé à la minute demeu- rée à (324 5 Art. 1I. Der GrosRichter Juſtitz Miniſter iſt mit dem Voll⸗ zug des gegenwärtigen Beſchluſſes, der ins Geſetz⸗ Regiſter eingeruͤckt werden ſoll, beauftragt. C. Beantwortung verſchiedener auf den Vollzug des Geſetzes vom 26 Vento⸗ ſe und ſeine Anwendung auf die Ver⸗ fuͤgungen des CivilGeſetzbuches Be⸗ zug habender Fragen. Erſte Frage. Antwort. Wie hat ſich der Notar Er muß dem Greffier ein zu verhalten, der die Ti⸗Duplikata derienigen Pa⸗ tel, die er in Gemäßheit piere uͤbergeben, welche be⸗ . weiſen, daß er dieſe Tifel des Artikels 64 hinterle⸗ pei der Liguibation oder ir⸗ gen muß, um ſeine Com⸗ gend an andern Orten hin⸗ miſſion vom erſten Konſul terlegt hat.(Schreiben des zu erhalten, nicht mehr GrosRichters an die Kom⸗ beſitzt. miſſarien bei den erſten In⸗ ſtanzGerichten vom 5 Flo⸗ real 11. 2te Frage. Antwort. Kann der Grefſier ſich Keine andern als die, für das Depot dieſer Ti⸗ welche das Geſes vom at (3250 tel einige Gebuͤhren zah⸗ Ventoſe 7 Jahres erlaubt len laſſen. hat. (Naͤmliches Schreiben.) Zte Frage. Antwort. Dürfen die Notarien, FPis zur Beendigung der welche nicht an dem Or⸗ Organiſation muß jeder No⸗ te reſidiren, der ihnen tar kufiſelnen We. durch ihre alte Commiß⸗(Naͤmliches Schreiben.) ſion angewieſen iſt, ihre AmtsVertichtungen einſt⸗ weilen an den Orten zu verſehen fortfahren, wo ſie ſich jetzt aufhalten, ohne dem Art.§ des Ge⸗ ſetzes zuwiderzuhandeln. 4te Frage. Antwort. Muß der Art. 6, wel⸗ Die Notarien muͤſſen ſich, cher den Notarien verbie⸗ von jeßt an auf den Amts⸗ tet auſſerhalb ihres Kreiß beſchraͤnken, welchen 5 das neue Geſetz ihnen an Amts Kreiſes zu inſtrumen⸗ ee eſetz ihnen an⸗ tiren, von der Verkundi⸗(Nimliches Schteiben.) gung des Geſetzes oder blos von dem Tage an, wo die Notarien ihre neue Commiſſion werden erhal⸗ (326) ten haben, vollzogen werden. Ste Frage. Antwort. Kann der Notar nicht Alle Akte der freiwilligen wenigſtens auſſer dieſem Inrisdictivn, welche die No⸗ Amts Kreiſe, gewiſſe Akte, tarien ansuͤben, erhalten 6 ihre Authentizität von dem B. Inventarien ꝛc. vor 3 Karakter, welchen der No⸗ nehmen, vorzüglich wenn tar begleitet. Der No⸗ in dem Kanton, wo eine tar hat aber auſſer ſeinem Erbſchaft erledigt iſt, kein AmtsKreiſe dieſen oͤffentli⸗ Notar vorhanden iſt. chen Karakter nicht mehr, und kann daher daſelbſt eben ſo wenig inſtrumentiren, als ein Richter auſſerhalb ſeines AmtsKreiſes zu Gericht ſiz⸗ zen koͤnnte. 6te Frage. Antwort. Muß ein Akt, wenn er Der Art. 12 ſpricht zwar nur von einem Notar; al⸗ von zwei Notarien aufge⸗ ſein in dieſem Artitel iſ nommen wird, die Be⸗ auch nur von jenen Alten die zeichnung von beiden oder Rede, welche ein Notar blos von einem von bei⸗ unter Zuziehung von zwei den enthalten. Zeugen aufnehmen wuͤrde, und da er die Bezeichnung der beiden Zeugen, welche den zweiten Notar erſetzen, (327 erheiſcht, ſo folgt daraus⸗ daß wenn der Akt von zwei Notarien aufgenommen wird⸗ er die Bezeichnung von bei⸗ den enthalten muß. 7te Frage. Antwort. Muß das Siegel auch Alerdings, weil das Sie⸗ den Akten auf fliegenden gel ihnen den erſten Karakter Blättern(eu brevet) ſo der Legaliſation ertheilt⸗ wie den Ausfertigungen und eine Garantie ihrer aufgedrückt werden? Glaubhaftigkeit iſt. Ste Frage. Antwort. Die Art. 29 und 30 Da das Geſetz vom 25 Ven⸗ des Geſetzes, welche die toſe blos jene Verfuͤgungen Haltung und Form der der vorhergehenden Geſetze Repertorien vorſchreiben, widerruft, welche den ſeini⸗ thun keine Meldung von gen zuwiderläufen, ſo folbt darans, daß der Art. 16 des der durch den Art. 16 g. Titels 3 des Geſetzes vom 6 des Titels 3 des Geſetzes Ottober 1791 immer vom 6 Oktober 1791 vor⸗ ſeine Wirkung behaͤlt. Die geſchriebenen Hinterlegung Notarien muſſen alſo, einer derſelben auf der Greffe Entſcheidung des GrosRich⸗ der Tribunalien. Sind kers gemaß, fortfahren, das die Notarien alſo von die⸗ eine Exemplar ihrer Reperto⸗ ſer Formalitat befreit? rien fuͤr das Jahr 11 nnd die folgende Jahre auf der Greffe (328 N der BezirksGerichte zu hin⸗ terlegen; widrigenfalls ſie der durch das Geſetz von 1791 verhängten Strafe verfallen wuͤrden. 9te Frage. Antwort. Kann nach dem neuen Die Vezeichnung der Im⸗ Geſetz ein Ehegatte dem mobel war zu einer Schen⸗ andern das Eigenthum kung von allem, woruͤber das oder die Nutznieſſung des Geſet zu verfüͤgen erlaubt nie disponiblen Antheils, den erſorderlich. Die Abſcätzung er bei ſeinem Sterbſal der Mobel war blos für die Schenkungen zwiſchen Leben⸗ binterlaſſen wird, verma⸗ den noͤthig, wo die Tradition chen, ohne die Bezeich⸗ erforderlich warz ſelbſt fürbie⸗ nung und Abſchatzung die⸗ ſe war ſie aber ebenfals nicht ſer, beweglichen oder un⸗ erforderlich, wenn die Schen⸗ beweglichen Guͤter, bei⸗ kung durch den EheVertrag zulegen. zum PVortheil der Ehegatten geſchehen war. Hier iſt von einer Schen⸗ kung von demjenigen Ver⸗ moͤgen die Rede, das ein Ehegatte bei ſeinem Sterb⸗ falle hinterlaſſen wird, alſo von einer Schenkung des To⸗ des halber, die ohne Tradi⸗ tion guͤltig iſt. Folglich ſcheint auch weder die Be⸗ 329 5 1ote Frage. Kann eine, nach dem Geſetz vom 17 Rivoſe 12 Jahres geſchehene gegen⸗ ſeitige Schenkung von ei⸗ nem der Ehegatten kraft zeichnung noch die Abſchaz⸗ zung erforderlich. Der Art. 238 des dritten Buchs des Geſetzbuchs ſpricht blos von Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden. Die Schen⸗ kungen durch EheVertraͤge haben aber dieſelbe Beguͤn⸗ ſtigung wie die Akten des Todes halber. Aus dieſer Urſache hatte ſchon der Art. 17 der Ordonnanz von 1735 ſie von den von dem Art. 15 vorgeſchriebenen Formalitaͤ⸗ ten befreit, worunter ſich die Bezeichnung oder Abſchaͤz⸗ zung der geſchenkten Mobi⸗ liarſchaft befanden. Das neue Geſetzbuch hat dieſe Veguͤn⸗ ſtigung beibehalten. Antwort. Nein, weil dieſe Schen⸗ kung nach dem Geſetz vom 17 Nivoſe unwiderruflich war, und der angefuͤhrte Ar⸗ tikel des Civil Geſetzbuches keine zurückwirkende Kraft des Art. 391 des Titels haben kann. 11l. des Civil Geſetzbuches, (330) der alle zwiſchen Ehegat⸗ ten geſchehene Schenkun⸗ gen, ſelbſt wenn ſie als Schenkungen zwiſchen Le⸗ benden qualifizirt ſind ⸗ widerruflich erklaͤrt, wi⸗ derruſen werden? IIte Frage. Wenn dieſelbe gegenſei⸗ tige Schenkung von Ehe⸗ gatten geſchehen wäre, Antwort. die keine Deszendenten, Nein, aus demſelben wohl aber Aszendenten be⸗ Grunde. ſitzen, iſt ſie alsdann dem von dem Art. 205 deſſel⸗ ben Buches beſtimmten Vorbehalt unterworfen? 1ate Frage. Antwort. Welche Akte können die Die Dekiaration vom 9 De⸗ Rotarien auf einem ſlie⸗ zember 1723 bleibt die Norm, uach welcher die No⸗ zu richten haben. Dieſe De⸗ chen müſſen ſie eine Ur⸗ klaration, die urſpruͤnglich ſchrift zuruͤckbehalten? nur die Notarien von Paris vetraf, ward einem Beſchluß 0331) vom 22 deſſelben Monats Dezember gemäß auf die Re⸗ giſter des Parlamentes von Paris eingetragen, und nach⸗ her in nachſtehender und meh⸗ reren andern ſeiner Verfuͤ⸗ gungen durch eine Deklara⸗ tion vom 5 Dezember 1731 beſtätigt, die am 15 deſſel⸗ ben Monats einregiſtrirt ward. Nach derſelben zer⸗ fallen alle Akten in zwet Klaſſen, namlich einfache⸗ welche en brevet auf ein flie⸗ gendes Blatt errichtet wer⸗ den können. In die zweite gehoren alle die, welche nicht in der erſten bezeichnet ſind, das heißt alle complexe und Synallagmatariſche Akte⸗ von welchen der Notar die urſchrift zuruͤckbehalten muß. Der Art. der Deklaration enthaͤlt die Aufzählung derie⸗ nigen, welche en brevet er⸗ richtet werden konnen⸗ denn dies ſteht in dem Be⸗ lieben der Partheyen, indem von allen Akten eine Urſchrift zuruͤckbehalten werden kann, die aber von denen im 52 ver⸗ zeichneten zuruͤckbehalten wer⸗ den muß. 6. 1. Akte, welche auf flie⸗ genden Blättern errichtetwer⸗ den koͤnnen. *) Die Vollmachten, Zeug⸗ niſſe, Akten der Offenkun⸗ digkeit, Ermächtigungen⸗ Widerruͤfe, Ablängnun⸗ gen, Abſtände(desistemens von einer Klage oder von Anſpruͤchen), Einwilligun⸗ (3320 gen, Aufhebungen von MobiliarOppoſitionen Freilaſſungen, Entlaſtun⸗ gen(decharges), Kau⸗ tionsſtellungen, und über⸗ haupt alle einfachen Akte, welche keine Verbindlich⸗ keit zwiſchen mehreren Par⸗ theyen enthalten. b) Vertraͤge uͤber Lehrzeit, Uebertraͤge von ſolchen Ver⸗ traͤgen, Quittungen über Lohn, oder ruͤckſtaͤndige Renten, Zinſen, Quit⸗ tungen von Arbeitern, Handwerkern, Tagloͤhnern und Arbeitsleuten aller Art fuͤr Gegenſtaͤnde ihres Handwerks oder ihrer Kunſt, Quittungen uͤber Pachte und Miethzinſe, von den Kautionsſtellun⸗ gen der Angeſtellten bei denoͤffentlichen Regien und Verwaltungen, bis zu wel⸗ chen Summen ſie ſich auch belaufen mögen. c) Die Uebereinkuͤnfte, Haͤn⸗ del, Vertraͤge und Obli⸗ gationen, die die Summe von 300 Franken nicht uͤberſteigen, und endlich 4) mehr andere in beſagter Deklaration enthaltene Ak⸗ te, die man hier anzufuͤh⸗ ren für unnöthig haͤlt, da ſie blos geiſtliche oder Be⸗ nefiziar Gegenſtaͤnde betref⸗ fen, welche in dieſem Au⸗ genblick nicht mehr daſſel⸗ be Intereſſe darbieten. Von allen andern, oben (333N nicht ausdruͤcklich angeführ⸗ ten Akten muß alſo eine Ur⸗ ſchrift zuruͤckgehalten werden. Es giebt aber gewiſſe Akte, fuͤr welche dieſe Formalitat von beſondern Geſetzen be⸗ ſtimmt vorgeſchrieben iſt. Wir halten es fuͤr nützlich ſie hier namentlich anzufuͤh⸗ ren, da diejenigen, welche auf fliegende Blätter errich⸗ tet worden waͤren, von dem⸗ ſelben Geſetze fuͤr nichtig er⸗ klaͤrt werden. §. 2. Verzeichniß derjeni⸗ gen Akte, von welchen, kraft der angefuͤhrten Geſetze, unter Strafe der Nullität eine Ur⸗ zuruͤckbehalten werden muß. 1) Die Quittungen von Aus⸗ ſtenern und Collationen. (Ordonnanz von1629, Ar⸗ tikel 130.) 2) Die Aktein von Beſitznah⸗ nahmen geiſtlicher Benefi⸗ zien, und andere, welche geiſtliche Gegenſtaͤnde be⸗ treffen, und deren Aufzäh⸗ lung man hier fuͤr üͤber⸗ fluͤſſig haͤlt, welche aber in dem Edict vom November 1637(das durch jenes vom Dezember 1691 und die Deklaration vom 24 Februar 1737 beſtätigt iſt,) enthalten ſind. 3) Die Kontrakte von jedem Immoͤbel Austauſch.(Be⸗ ſchluß des kon. Rathes vom 10 Aprill 16 82.) (334 4) KaufVertraͤge, und ande⸗ re Akte, wodurch das Ei⸗ genthum von Immöbeln und Erbſchaften uͤbertragen wird.(Drei Beſchlüſſe des kon. Raths vom 10 Aprill 1683, 5 Innius 1706 und 2 Janner 1749. Beſchluß vom Parlamente von Paris vom 19 Aprill 1714 und Ordonnanz von Orleans Art. 83.) 5) Die Annahmen von oder Verzichtleiſtungen auf Erb⸗ ſchaften und Gemeinheiten (Beſchluß des Parlaments von Paris vom 14 Fe⸗ bruar 1701.) 6) Jede Schenkung zwiſchen Lebenden.(Ordonnanz vom Februar 1731 Artikel 1. CivilGeſetzbuch Art. 221 drittes Buch, Geſetz vom 13 Floreal 11 Jahres, Seite 160.) 7) Die Inventarien und Auf⸗ nahmen, ſie moͤgen nun in Gefolge von EheVer⸗ traͤgen, oder von einer zwiſchen Ehegatten beſte⸗ henden Guͤtergemeinſchaft ſtatt finden.(Verordnung vom 14 Maͤrz 1731) ſo wie alle die, welche nach Sterbfaͤllen, oder wegen Abweſenheit oder Inter⸗ diction errichtet werden. 8) Die Abſchätzungen von Arbeiten und die Vertraͤge uͤber Unternehmungen, ſo wie die Quittungen über Verwendungen zu Bau⸗ (3350 ten oder andern Arbeiken⸗ (Reglementariſches Urtheil des Chatelet von Paris vom 3 Oktober 1689, be⸗ ſtätigt durch den Beſchluß vom 31 Julius 1690.) 9) Die Teſtamente und Co⸗ dizille.(Art. 20 und 69 des Zten Buchs des Civil⸗ Geſetzbuches, Geſetz vom25 Ventoſe 11, Seite 302 n. 322 wodurch die Verfuͤgun⸗ gen des Edictes vom Maͤrz 1696, das die Teſtamente und Codizille den Teſta⸗ toren im Original, und ohne auf die Kontrollen und Regiſter eingetragen zu ſein, auszulieſern er⸗ lanbte, ansdruͤcklich wi⸗ derrufen ſind.) 10 Endlich mehrere andere Akte, die ihrer RNatur und ihren Stipulationen gemaß, ſo wie nach dem in dieſer Hinſicht beſtehen⸗ den Rechts Gebrauch und der Meinung aller Rechts⸗ Gelehrten und Schriftſtel⸗ ler ebenfalls in Urſchrift zuruͤckbehalten werden muͤſ⸗ ſen, nämlich: Die EheVertrage, Geſell⸗ ſchafts Vertraͤge oder Vergleiche, die Ueber⸗ einkuͤnfte, Verträge„ Händel und Obligatio⸗ nen über 30 Franks. Die Obligationen, die zu⸗ gleich eine Verpfaͤndung ſtipuliren. (3360 Die Pacht oder MiethKon⸗ trakte, die Pacht Kontrakte von Heerden fuͤr die Hälfte der Nutzung(baux à chep- rel), die Paͤchte auf Le⸗ benslang, die Erbbeſtan⸗ de, die gegenſeitigen Schen⸗ kungen, die Einſetzungen von lebenslaͤnglichen oder ewigen Renten, renume⸗ ratoriſche oder mit Laſten verbundene Bewilligungen, Verſteigerungen von Im⸗ moͤbel, RechnungsAbſchluͤſ⸗ ſe, Liquidationen, Thei⸗ lungen, die Uebertragung von ErbRechten, die von Schulden, um andere Summen zu tilgen, wel⸗ che kraft eines in Urſchrift zuruͤckbehaltenen Aktes ge⸗ ſchuldet werden, die Auf⸗ hebungen von Immobiliar⸗ Dppoſitionen oder Hypo⸗ thekarInſcriptionen, die von Mreſten oder Oppoſi⸗ tionen, die in die Hände der oͤffentlichen ſeh ſter geſchehen ſind, die Quittungen von Summen⸗ welche kraft anderer in Minute zuruͤckbehaltener Akte geſchuldet werden, die Vertraͤge uͤber Ver⸗ gleiche, Bewilligungen, Rachläſſe, und andere Koniordaten zwiſchen Gläu⸗ bigern, die Erklaͤrungen von Acquiſitionen, die Ak⸗ ten uͤber Hinterlegungen⸗ die von uUueberlaſſun⸗ gen 1. 1c. 1c. Schließlich iſt zu bemer⸗ (3375 13te Frage. Duͤrfen die Notarien zwei Repertorien halten, eins fuͤr die Akte, von welchen ſie die Urſchrift zuruͤckhalten, und eins fur die, welche ſie auf flie⸗ genden Blaͤttern errich⸗ ten? ken, baß in obiger Nomen⸗ klatur der groͤſte Theil jener Akte enthalten iſt, die die Partheyen nothwendig, dem Geſetz gemaͤß, vor Notarien errichten muͤſſen. Dke Notarien ſind alſo doppelt verpflichtet, dieſem we⸗ ſentlichen Theil ihrer Attri⸗ butionen eine beſondere Auf⸗ merkſamkeit zu widmen, und die Partheyen vor jedem Schaden zu bewahren, der durch ihre Schuld entſtehen konnte, und endlich doch auf ſie zurückfa llen wuͤrde. Antwort. Man koͤnnte ſagen, das Geſetz, indem es(Att. 19) den Notarien die PVerbind⸗ lichkeit auferlegt hat, die von ihnen errichtete Akte in ein Repertorium einzutragen, habe die Zahl der Reperto⸗ rien nicht beſtimmt; daß es alſo jedem Notar frei ſtehen muͤſſe eins oder zwei Repertorien zu halten, und daß dem Wille des Geſetzes genug geſchehen ſey, wenu nur die Akte ſich, ihrer Gat⸗ tung nach, auf das eine oder andere dieſer Repertorien eingetragen befaͤnden. Nichtsdeſtoweniger iſt aus dem Art. 30 des Geſetzes er⸗ ſichtlich, daß es die foͤrmli⸗ che Abſicht deſſelben iſt, daß die Notarien nur ein Reper⸗ torium für alle Akte halten ſollen, weil dieſer Artikel 22 (338 verordnet, baß jedes Reper⸗ torinm die Gattung(la na- ture)(d. h. ob er en brevet oder in Urſchrift errichtet iſt) und die Art(l'espoce) des Aktes(d. h. ſeine Bezeich⸗ nung als Vollmacht, Ver⸗ kauf 1c. c.) enthalten ſoll, welches in dem Falle, wo alle Akte von derſelben Gat⸗ tung ſich in einem MReperto⸗ rium hefinden wuͤrden, of⸗ fenbar uͤberfluſſig ware. Ue⸗ hrigens iſt die Haltung ei⸗ nes einzigen Repertbriums in mancherlei Hinſſcht weit bequemer, weniger Irthuͤ⸗ mern unterworfen, und die, welche ſich darinn eingeſchli⸗ chen haben könuten, leichter zu berichtigen. 14te Frage. Antwort. Keineswegs. Es iſt der Iſt der Artikel I1 des gwec dieſer Perfügung ſch Geſetzes vom 21 Frimai⸗ zu verſichern, ob alle Akte auf das Repertorium einge⸗ re?, welcher die Nota⸗ l g2irit ein⸗ 5 regiſtrirt ſind. ie macht rien ihr Re⸗ einen tzei 3 Vereebrrns i uͤber's Enregiſtrement aus pertorium alle drei Mo⸗— nate vom Einnehmer des die Haltung Repertorien. eſe allein Enregiſtrements viſiren zu ve, e neuen eſetze eſtimmt laſſen, durch das Geſe welches ſich darauf beſchrankt; vom 25 Ventoſe 11, ab⸗ jene i nicht beſtimmt widerruft, ſo berufen. iſt ſie nothwendig beibehal⸗ ten; nnd das Viſa, wel⸗ ches dem Art. 30 gemaß der (339) 15te Frage. Der Art. 7 erklaͤrt un⸗ ter andern die AmtsVer⸗ richtungen der Notarien fuͤr unvertraͤglich mit je⸗ nen von Richtern und Frie⸗ dens Richtern. Iſt dieſe Verfuͤgung auch auf die Suppleanten anwendbar? 16te Frage. Derſelbe Artikel erklaͤrt die Verrichtungen als No⸗ tar unverträglich mit je⸗ nen der Verſteigerungs⸗ Kommiſſarien(commis- saires aux veutes); folgt daraus, daß die Nota⸗ Preſident auf die Repertorien zu ſetzen hat, macht das Viſa des Einnehmers kei⸗ neswegs überfluͤſſig. Antwyrt. Das Stillſchweigen des Geſetzes in dieſer Hinſicht läßt keine Ausdehnung des darinn enthaltenen Verbotes zu. Die Suppleanten haben nur eine augenblickliche und voruͤbergehende Miſſion; das Geſetz hat aber nur jene Richter im Auge gehabt, welche beſtändig dieſe Ver⸗ richtungen verſehen; das Geſetz vom 24 Vendemiaire 3 Jahres, welches dieſelbe Verfuͤgung in Betreff der Unverträglichkeit der Stellen von Notarien und Richtern enthielt, beobachtet daſſelbe Stillſchweigen uͤber die Sup⸗ pleanten; und man iſt nie darauf verfallen, dieſelbe auf ſie anwenden zu wollen. Antwort. Keineswegs. Die Verſtei⸗ gerungs Kommiſſarien haben gewiſſe, beſtimmte, von de⸗ nen des Notariats verſchie⸗ dene Obliegenheiten und Verrichtungen; dieſe hat das Geſetz mit jenen des Pota⸗ riats unvereinbarlich erklärt. Dies geht aber jene Gemein⸗ den gar nicht an, wo es keine beſondere Verſteige⸗ rungs Kommiſſarien giebt, „ rien keine MobiliarVer⸗ ſteigerung mehr vorneh⸗ mer duͤrfen? 17te Frage. Sind die Akte, welche von Notarien auſſerhalb ihres AmtsKreiſes aufge⸗ nommen worden ſind, ehe ſie das neue Geſetz kann⸗ ten, gultig? 340 —˙———————— wo das Recht der Möbele Verſteigerungen, ſtatt von den Verrichtungen der No⸗ tarien verſchieden zu ſein⸗ vielmehr eine ihrer Attri⸗ butionen, wozu ſie ſogar ihr Miniſterinm nicht verwei⸗ gern duͤrfen, iſt. Antwort. Die Tribunalien haben uͤber die Gültigkeit dieſer Akte zu erkennen, und zu unterſuchen, ob das Geſetz ur Zeit ihrer Errichtunß erekukoriſch war. Der Arti⸗ kel 6, der dem Notar verbie⸗ tet, anſſerhalb ſeines Amts⸗ Kreiſes zu inſtrumentiren⸗ verhängt blos gegen ihn eine Strafe, ohne von dem Akt zu ſprechen; allein der Arti⸗ kel 6s verordnet, daß jeder in Zuwiderhandlung des Ar⸗ tikels 6 errichtete Akt, wenn er von allen Partheyen un⸗ terzeichnet iſt, blos als ein Akt unter Privatunterſchrift gelten ſoll, vorbehaltlich al⸗ ler Schadloshaltungen gegen den inſtrumentirenden No⸗ tar, wenn ſie ſtatt finden. Datum derjenigen Geſetze, welche die beiden er⸗ ſten Titel des dritten Buchs des Civil⸗ Geſetzbuches ausmachen. Erſer Titel. Von den Erbſchaften. Dekre⸗ tirt am 29 Germinal 11ten Jahres, verkuͤndigt am 9 Floreal. Zweiter Titel. Von den Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden und den Teſtamenten. Dekretirt am 13 Floreal xIten Jahres, verkuͤndigt am 23 Floreal. InhaltsRegiſter des dritten Bandes. PraͤliminarTitel. Seite. Von den verſchiedenen Arten, das Eigenthum zu erwerben, Art. 1— 8 5 Erſter Titel. Von den Erbſchaſten. Erſtes Kapitel. Von der Eroͤffnung der Erbſchaften und dem Antritt der Erben, Art. 8— 15 10 Zweites Kapitel. Von den zur Erbfolge erforderlichen Eigen⸗ ſchaften, Art. 15— 21 16 Drittes Kapitel. Von den verſchiedenen Ordnungen der Erbfolge. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfü⸗ gungen, Art. 21— 29 (343 5 Seike. Zweiter Abſchnitt. Von der Reprä⸗ ſentation, Art. 29— 35 Dritter Abſchnitt. Von den den Des⸗ zendenten zugefallenen Erbſchaften, Art. 35 Vierter Abſchnitt. Von den den As⸗ zendenten zugefallenen Erbſchaften, Art. 36— 40 Fuͤnfter Abſchnitt. Von den Kollate⸗ ralErbſchaften, Art. 40— 46 Viertes Kapitel. Von den unregelmaͤſigen Erbſchaſten. Erſter Abſchnitt. Von den Rechten der natuͤrlichen Kinder auf die Guͤter ihres Vaters oder ihrer Mutter, und von der Erbſchaſt der, ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen, natuͤrlichen Kinder, Art. 46— 57 Zweiter Abſchnitt. Von den Rechten des uͤberlebenden Ehegatten und der Republik, Art. 57— 64 Fuͤnftes Kapitel. Von der Annahme und dem Ausſchlagen der Erbſchaften.“ Erſter Abſchnitt. Von der Annahme, Art. 64— 74 Zweiter Abſchnitt. Von der Verzicht⸗ leiſtung auf Erbſchaften, Art. 75— 83 Dritter Abſchnitt. Von der Rechts⸗ 26 34 36 39 43 50 54 58 (344 0 Seite. Wohlthat des Inventariums, ihren Wirkun⸗ gen, und den Verbindlichkeiten des Erben, wel⸗ cher der Rechts Wohlthat des Inventariums genießt, Art. 83— 101 Vierter Abſchnitt. Von vakanten Erb⸗ ſchaften, Art. 101— 105 Sechstes Kapitel. Von der Theilung und der Collation. Erſter Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form, Art. 105— 133 Zweiter Abſchnitt. Von der Collation, Art. 133— 160 Dritter Abſchnitt, Von der Bezah⸗ lung der Schulden, Art. 140— 173 Vierter Abſchnitt. Von den Wirkun⸗ gen der Theilung und der Garantie der Looſe, Art. 173— 177 Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Reſtiſion im Theilungs Geſchäfte, Art. 177— 183 Zweiter Titel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden und von den Teſtamenten. 63 7½ 87 9⁸ 103 105 Allgemeine Verfuͤgungen, Art. 183— 191 110 Erſtes Kapitel. Von der Fähigkeit, durch Schenkungen zwi⸗ (3455 Seite⸗ ſchen Lebenden oder durch Teſtamente zu verſü⸗ gen oder zu erhalten, Art. 191— 203 Zweites Kapitel. Von dem Antheile des Vermogens, über wel⸗ chen verfuͤgt werden darf, und von der Reduktion. Erſter Abſchnitt. Von dem Antheile des Vermögens, uͤber welchen man verfügen darf, Art. 203— 210 Zweiter Abſchnitt. Von der Reduction der Schenkungen und Vermächtniſſe, Art. 210 bis 221 Drittes Kapitel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden. Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen zwiſchen Lebenden, Art. 221 bis 243 Zweiter Abſchnitt. Von den Ausnah⸗ men von der Regel der Unwiderruflichkeit der Schenkungen zwiſchen Lebenden, Art. 243 bis 257 Viertes Kapitel. Von den teſtamentariſchen Verfuͤgungen. Erſter Abſchnitt. Von den allgemei⸗ nen Regeln uͤber die Form der Teſtamente, Art. 257— 271 120 132 150 159 177 187 (346 5 Seite. Zweiter Abſchnitt. Von den beſondern Regeln uͤber die Form gewiſſer Teſtamente, Art. 271— 29r 198 Dritter Abſchnitt. Von den ErbEin⸗ ſetzungen und den Vermächtniſſen im Allgemei⸗ nen, Art. 291— 292 209 Vierter Abſchnitt. Von dem Univer⸗ ſal Vermãchtniß, Art. 392— 299 211 Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Ver⸗ maͤchtniſſe unter einem Univerſal Titel, Art 299 bis 303 218 Sechster Abſchnitt. Von den Parti⸗ kularVermaͤchtniſſen, Art. 303— 314 220 Siebenter Ab ſchnitt. Von den Teſta⸗ ments Exekutoren, Art. 314— 324 325 Achter Abſchnitt. Von dem Widerruf und der Kaduzität der Teſtamente, Art. 324 bis 337 239 Fuͤnftes Kapitel. Von den Verfuͤgungen, welche zu Gunſten der Enkel des Schenkgebers oder Teſtators, oder ſeiner GeſchwiſterKinder erlaubt ſind, Art. 337— 364 235 Sechstes Kapitel. Von den, von dem Vater, der Mutter oder (3475 Seite. andern Aszendenten unter ihren Deszendenten vorgenommenen Theilungen, Art. 364— 370 252 Siebentes Kapitel. Von den Schenkungen durch EheVertraͤge zum Vortheile der Ehegatten, und der aus der Ehe zu erzielenden Kinder, Art. 370— 380 358 Achtes Kapitel. Von den Verfuͤgungen zwiſchen Ehegatten, ſowohl durch EheVertraͤge als auch waͤhrend der Ehe, Art. 380— 389 266 —— Anhang. 1. Anhang zum erſten Buche des Geſetzbuches. A. Nachtrag zum erſten Artikel des Praͤlimi⸗ narTitels. Beſchluß der Regierung vom 25 Thermidor 11 277 B. Nachtrag zum dritten Titel des erſten Buchs des Civil Geſetzbuches. Geſetz vom 11 Germinal 11. 283 II. Anhang zum dritten Buch. A. Nachtrag zum erſten Abſchnitt des vier⸗ (348 Seite⸗ ten Kapitels des erſten Tites. Tranſitori⸗ ſches Geſetz vom 14 Floreal 11 Jahres 293 B. Nachtrag zum zweiten Titel des dritten Buchs. Geſetz vom 25 Ventoſe 11 294 C. Beſchluß der Regierung vom 25 Prai⸗ rial 11 322 D. Beantwortung verſchiedener auf den Voll⸗ zug des Geſetzes vom 5 Ventoſe und ſein⸗ Anwendung auf die Verfügungen des Ci⸗ vil Geſetzbuches Bezug habender Fragen 324 — Alphabetiſches SachRegiſter zum dritten Buche des Geſetzbuches. 9 * Asſchähung ſiehe Mdbel, Immober. Abtheilung(Regeln fuͤr die) der Erbſchaft zwiſchen die beiden Linien: ſiehe Erbſchaft. Aeltern, welche Verfüͤgungen ſie zu Gunſten ihrer Enkel treffen kdunen Art. CCCXXXVII. Seite 235. in wie weit ſie guͤltig ſind CCCXXXIX. 240. die Repräſentation der Deszendenten findet ſtatt dabei CCCXL. 241. ſiehe Be⸗ ſchwerte, Beguͤnſtigte, Vormund. Aeltern und Aszendenten koͤnnen ihr Vermbgen un⸗ ter ihre Kinder theilen CCCLXIV. 252. ſiehe Theiluns⸗ Aete(zwiſchen Lebenden) ſiehe Schenkung. Annahme(einer Erbſchaft) von welchem Tage an ſie ihre Wirkung hat LXVII. 35. ſie kann ausdrücklich oder ſtilſchweigend ſein LXVIII. 56. welche Akte keine Annahme mit ſich fuͤhren LXIX. ibid. welche hingegen die Annahme mit ſich fuͤhren LXX. 57. welche nicht angefochten werden (350) kann, und unter welcher Beſchräͤnkung LXXIII. 58. wann das Recht der Annahme ſich verjährt LXXIX 6a. LXXX. ibid. Annahme Ceiner Schenkung zwiſchen Lebenden,) wie ſie geſchehen kann CCXXII. 161. durch wen ſie geſchehen kann und muß CCXXXIII. 163. CCXXIv. 104. CCXRXv. ibid. CeXXVI. 165. CCXXVIII. 166. Apotheker, Beſchränkung ihrer Befugniß durch Schen⸗ kungen und Teſtamente zu erhalten, ſiehe Schenkung, De⸗ ſtament. Aszendenten wann und wie ſie erben XXXVI. 36. was XXXVII. 37. wann und in welchem Verhaͤltniß ſie mit den Collatera Verwandten konkurriren XXXVIII. 35. XXXIX. 39. wann ſie die Nutznieſſung desjenigen Vermd⸗ gens Antheils haben, den ſie nicht eigenthuͤmlich erben XLIV. 41. B. Bedingungen,(der Schenkungen zwiſchen Lebenden und Teſtamente) welche angeſehen werden, als ſtuͤnden ſie nicht geſchrieben CXC. 119. Begünſtiote(durch die Obliegenheit der Reſtitution zu ihrem Vortheit,) wann ihre Rechte eroffnet ſind CCCXLII. 243. ſiehe Aeltern, Beſchwerte, Vormund. Beſchwerte(mit der Obliegenheit der Reſtitution an ih⸗ re Kinder,) konnen zwei zu ihrem Vortheil geſchehene Ver⸗ fuͤgungen, von welchen die zweite der erſten die Bedingung der Reſtitution mittheilt, nicht trennen CCCXLI. 251. ihre Weiber haben keinen Regreß gegen die beſchwerten Güter CCCXLIII. 243. muͤſſen einen Vormund ernennen laſſeu ſiehe Vormund; unter welcher Strafe ibid. ihre Obliegen⸗ heiten in Hinſicht auf die Mobiliarſchaft CCcTLI. 248. (351) CooCLII. GCCLIII. ibid. in Hinſichl auf die Verwendung und Anlage der Gelder CCCLIV. 249. CCCLV. CCCLVI. ibid. CCCLVII. 250. die Minderjaͤhrigen koͤnnen gegen die Unterlaſſungen ihres Vormundes nicht reſtituirt werden CCCLXIII. 252. ſiehe Begünſtigte, Inventarium, Vormnnd⸗ C. Chirurgen, Beſchränkung ihrer Befugniß durch Schen⸗ kungen oder Teſtamente zu erhalten, ſiehe Schenkung, Teſtament. Collation wird von jedem Erbeu geſchuldet CXIX. 92. CXXXIII. 37. auf welche Weiſe ſie geſchieht CXX. 33. Der Ueberſchuß uͤber den disponiblen Antheil iſt ihr immer unterworfen CXXXV. 83. welche Vermaͤchtniſſe und Schen⸗ rungen nicht konferirt werden muͤſſen CXXXVII. 90. CXxXXVIII. ibid. CXxXXIX. 9r. in welche Erbſchaft ſie geſchieht CXL. 92. welche Verordnungen ferner der Collation unterworfen ſind CXLI. ibid. Ausnahmen CXLII. ibid. CXLIII. 93. CXLIV. ibid. CXLV. 94. CXLVI. ibid. auf welche Art ſie geſchieht CXLVIII. ibid. wann ſie bei Immdbeln in Natur gefordert werden kann CXLIX. 93. wann durch die Verminderuns des ErbAntheils CL. ibid. Regeln nach welchen die Berechnung geſchieht CLI. CLII. ivid. CLIII. 96. CLIV. CLV. ibid. fernere Verfuͤgungen über die Collation der Immoͤbel CLVI. 97. CLVII. ibid. uͤber die Collation der Mobiliarſchaft CLVIII 93 CLIX. ibid. D. Deszendenten wann und wie ſte erben, ſiehe Kinder, Repräſentation. (3520 Diener des Cultus, Beſchränkung ihrer Befngniß durch Schenkungen und Teſtamente zu erhalten, ſiehe Teſtament, Schenkung. Dinge(welche niemand angehdren,) lihr Gebrauch iſt ge⸗ meinſchaftlich IV. 7. wie er regulirt wird ibid, wer ein Recht auf verlohrne Dinge hat VIIe9. Doktoren ſiehe Schenkung, Teſtament. E. Effecten(ins Meer geworfene oder vom Meer ausge⸗ worfene,) die Rechte darauf werden durch beſondere Geſetze beſtimmt VII. 3. Effecten(der Erbſchaft) wann und welche verkauft wer⸗ den müſſen, und auf weiche Art LXXXVI. 63. dieſer Ver⸗ kauf zieht keine Annahme der Erbſchaft mit ſich ibid. Eigenthum, wie es erworben und uͤbertragen wird Pes. 5. Ehegatte, wann einer den andern erbt, und unter wel⸗ cher Beſchränkung LVII. 50. wo er die Einſetzung nachzu⸗ ſuchen hat und ſeine Obliegenheiten LIX. 51. LX. ibid. LXI. 52. unter welchen Strafen LXIII. 52. welche Scheu⸗ kungen ſie ſich untereinander machen konnen, ſieche Schen⸗ kung. Duͤrfen ſich während der Ehe keine gegenſeitige durch einen und denſelben Akt machen CCCLXXXVI. 272. Enkel, welche Verfuͤgungen zu ihrem Vortheil erlaubt ſind, ſiehe Aeltern. Erben, rechtmäſige, treten von Rechtswegen in den Beſitz der Erbſchaft ein XIV. 15. die unregelmäſigen muͤſſen ſich gerichtlich einſetzen laſſen ibid. wer es nicht ſein kaun, ſiehe Erbfolge. Obliegenheiten deſſen, der ſeiner Unwuͤr digkeit halber von der Erbſchaft ausgeſchloſſen iſt XIX. 20. wann die Erben desjenigen, dem eine Erſchaft zugefallen iſt, ſie an⸗ 03530 nehmen oder ausſchlagen konnen LXXI. 57 wieres gehalten wird, wenn dieſe Erben uneinig ſind LXXII. 58. jeder kann ſeinen Antheil an Mobilien und Immobeln in Natur verlan⸗ gen CXVI. 32, ſiehe Exekutoren, Erbſchaft, Teſt a⸗ tor, Vermächtniß. Erbe(Benefiziar) ſeine Obliegenheiten und ſeine Vor⸗ rechte XCIII. 70 ſeine Verantwortlichkeit XCIV. ibid. wie er die Moliliarſchaft der Erkſchaſt zu veraͤuſſern hat XCV. ibid. wie die Immobilien XCVII, ibid. wie er die Legatarien auszuzahlen hat XCVIII. ibid. Erbfolge, ihre Ordnung wird vom Geſetz regulirt XIII. 14. wie ibid. Wer dazu uufähig iſt XV. 16. CVII. 18. Aus⸗ nahme XVIII. 19. die Unfähigkeit geht nicht auf die Kinder uͤber XX. 20. auf welche Art ein Frember dazu fähig iſt XVI. 17. Erbſchaft, wodurch ſie erdfnet wird VIII. 70. wann IX. I11. auf wen und wie ſie übertragen wird XXI. 21. das Geſetz nimmt keine Ruͤckſicht auf die Gattung und den Urſprung der Guͤter, woraus ſie beſteht XXII. 21. jede, Aszendenten oder CollateratErben zugefallene, wird in zwei Theile fuͤr die Verwandte der beiden Linien getheilt XXIII. 22. auf weiche Art die Verwandten der beiden Linien daran Theil nehmen ibid. wann eine Devolution von einer Linie auf die andere geſchieht ibid. Nach dieſer eyſten Abtheilung ge⸗ ſchieht keine weitere mehr XXIV. ag. wem die Erbſchaft ei⸗ nes ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen natürlichen Kindes zufaͤllt LV. 43. LVI. 49. man kann jede Erbſchaft bedingt oder unbedingt annehmen LXIV. 54. niemand iſt gehalten ſie anzunehmen LXV. ibid. wie die, verheuratheten Frauen, Minderjahrigen und Interdizirten, zugefallenen Erbſchaften angenommen werden muͤſſen LXVI. 55. ſiehe Annahme⸗ Wann eine Erbſchaft fuͤr vakant erachtet wird CI. 72. es 23 (354 wird ein Curator derſelben ernannt CII. 73. deſſen Obliegen⸗ heiten CIII. ibid. CIV. 74., ſiehe Co lation, Erbe, Schulden, Theilung, Vermächtniß. Exekutor(Teſtaments,) wer ihn ernennen kann CCCXIV. 225. er kann in den Beſitz des Vermoͤgens eintreten CCCXV ibid. wie der Erbe dieſem Beſitz ein Ende machen kann CCCXVI. ibid. wer es nicht oder nur mit Ermaͤchtigung ſein kann CCCXVII. 226. CCCXVIII. ibid. CCCXIX⸗ 227. Obliegenheiten des Exekntors CCCXX. ibid. ſeine Volls macht geht nicht auf ſeine Erben uͤber CCCXXI. 223. Ver⸗ hältniſſe untereinander, wenn mehrere ernannt ſind CCCXxXRII. ibid. ſeine Auslagen fallen der Erbſchaft zu Laſi CCCXXIII. ibid. F. Fiſcherei wird burch beſondere Geſetze regulirt V. 7. Freigebigkeiten, welchen Betrag ſie nicht uͤberſteigen vuͤrfen, wenn Kinder vorhanden ſind CCIII. 132. welchen, wenn Aszendenten vorhanden ſind CCV. 137. wie die Kin⸗ der dabei gezählt werden CCIV. ibid. dürfen das Ganze er⸗ ſchdpſen, wenn weder Kinder noch Aszendenten vorhanden ſind C0VI. 137. welche Wahl dem Erben freiſteht, wenn ſie den Vorbehalt durch eine Verfügung uͤber eine LeibRente oder Nutznieſſung üͤberſteigen CCVII. 142. wie der Antheil, uͤber welchen verfuͤgt werden durfte, beſtimmt wird CCVIII. 144. der disponible Antheil kann den Kindern und andern Verwandten mit Freiſprechung von der Collation gegeben werden CCIX. 147. die Freigebigkeiten, welche den disponi⸗ blen Antheil überſteigen, ſind der Reduktion unterworfen CCX. 150., ſiehe Reduktion. 03550 Freider, wann und wie er zur Erbſchaft zugelaſſen wird ßehe Erbfolge. G. Garantie der Theilung, ſiehe Theilnng.* Gemeinſchaft, niemand kann gezwungen werden, da⸗ rinn zu bleiben CV. 75. Geſchwiſter, wann und in welchem Verhaͤltniß ſie zur Erbſchaft berufen find XL. 39. XLI. 40. XLIII. 41. wie der ihnen zugefallene Antheil getheilt wird XLII. XLIII. ibid. Geſchwiſter Kinder, welche Verfuͤgungen zu ihrem Portheil erlaubt ſind CCCXXXVIII. 239. in wie weit ſie gultig ſind CCCXXXIX. 240. die Repräſentation findet dabei ſtatt COCXL. ibid, ſiehe Beſchwerte, Beguͤnſtig⸗ te, Vormund. Geſundheits Beamte, Beſchränkung ihrer Faͤhigkeit durch Teſtamente oder Schenkungen zu erhalten, ſiehe Schen⸗ kung, Teſtament. Glaubiger der verzichtleiſtenden Erben haben ſich gericht⸗ lich ermaͤchtigen zu laſſen, die Erbſchaft im Namen ihres Schuld⸗ ners anzunehmen LXXVIII. 60. Wirkungen dieſer An⸗ nahme ibid. die der Legatarien können Oppoſition gegen die Zahlung der Legate anlegen XCVIII. 7I. in Ermangelung der Oppoſition haben ſie blos gegen die Legatarien ſelbſt ihren Ruͤckgriff XCIX 72. wann dieſer verjaͤhrt ibid. Rechte der Glaͤubiger der Erben gegen die Erbſchaft CLXVIII. 102. Ausnahmen und Beſchraͤnkungen CLXIX. ibid. CLXX. 103. CLXXI. ibid. kdnnen der Theilung beiwohnen CLXXII. ibid. Grad(was ein) iſt XXV. 25. die Folge der Grade bil⸗ 03560 det die Linie XXVI. 25. wie man die Grade in grader Li⸗ nie zäͤhlt XXVII. 25. wie in der SeitenLinie XXVIII. 26. Güter(herrenloſe) gehdren der Nation II. 7. S. Jagd, die Befugniß dazu wird durch beſondere Geſetze re⸗ gulirt V. 7. Inventarium(Rechts Wohlthat des) muß durch eine Erklärung auf der Greffe des CivilGerichtes vorbehalten wer⸗ den LXXXIII. 63. in wie fern dieſe Erklaͤrung ihre Wir⸗ rung hat LXXXIV. 64. in welcher ZeitFriſt demnach das Inventarium errichtet werden muß LX XXV. 65. waͤhrend dieſer ZeitFriſt kann der Erbe nicht gezwungen werden, eine Eigenſchaft anzunehmen LXXXVII. 66. dieſe Friſt kann verlängert werden LXXXVIII. 67. auf weſſen Koſten LXXXIX. 68. wann der Erbe auch nachher noch die Be⸗ fugniß behält, ein Inventarium zu errichten XC. 63. wer der Rechts Wohlthat des Inventariums verluſtig iſt XCI. 69. Wirkungen derſelben XCII. 69. und folgende. Wem die Ko⸗ ſten des Inventarinms zur Laſt fallen C. 72. Inventarium muß bei dem Sterbfalle deſſen errichtet werden, der unter der Bedingung der Reſtitution verfuͤgt hat CCCXLIX. 247. auf weſſen Betreiben, in welcher Zeit⸗ Friſt und in Gegenwart welcher Perſonen CCCXLVIII. a46. CCCXLIX. 247. CCCL. ibid. K. Kinder und Deszendenten erben ihre Aszendenten und wie XXXV. 34. wann ſie die von ihren Aeltern vor⸗ genommene VermogensTheilung anfechten können CCOCLXVIII. 255. muſſen die Kbſten der Klage vorlegen CCCLXIX. 253. (3570 Kinder(natuͤrliche) ſind keine Erben XTLVI. a3. wann ſie Rechte auf die Erbſchaft ihrer Aeltern haben ibid. Beſtimmung dieſer Rechte XLVII. 44. XLVIII. 45. wenn ſie verſtorben ſind, treten ihre Kinder und Deszen⸗ denten in dieſe Rechte ein XLLIX. ibid. was ſie aufzurechnen verpflichtet ſind L. 46. wann ihnen jede Reklamation unter⸗ ſagt iſt LI. ibid. wer dieſelben erbt, ſiehe Erbſchaft. Wie ſie in die Erbſchaft eingeſetzt werden und ihre Obliegenheiten LXIII. 52. was ſie durch Teſtamente oder Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden erhalten koͤnnen CXCVIII. I27. Kinder Caus blutſchaͤnderiſchen oder ehebrecheviſchen Ver— bindungen) haben keine Rechte gegen die Erbſchaft ihrer Ael⸗ tern LII 47. können blos Alimente fordern ibid. wie dieſe beſtimmt werden LIII. ibid. wann ihnen gar keine Reklama⸗ tion zuſteht LIV. 43. Klage auf Theiling, wann ſie zugelaſſen wird CLXXVII. 195. gegen welche Akte CLXXVIII. 106. wann ſie nicht ſtatt findet ibid. CLXX IX. 107. Regeln fuͤr dieſelbe CLXXX. 107. wie ſie gehemmt werden kann CILXXXI. 108. wann ſie unzulaͤſſig iſt CLXXX II. 103. Klage auf Widerruf einer Schenkung zwiſchen Leben⸗ den oder eines Teſtamentes, ſiehe Schenkung, Teſta⸗ ment, Widerruf. L⸗ Legat ſiehe Vermächtniß. Legatar(Univerſal), wann er die Auslieferung des Ver⸗ moͤgens von den Inteſtat Erben anverlangen muß CCXCIII. aII. von welcher Epoche an er den Genuß hat CCXCIV. 213. wann er ohne weiteres in den Beſitz eintritt CCXCV. ibid. wann er ſich durch eine Ordonnanz des Preſidenten ein⸗ ſetzen laſſen muß CCXCVII. 215. in wie weit er fuͤr Zah⸗ 6358 lung der Schulden der Erbſchaft haftet CLXI. 99. CCXCVIII. a16. Legatar(unter einem UniverſalTitel,) von wem er die Auslieſerung verlangen muß C0C. ats. in wie weit er fur die Schulden der Erbſchaft haftet CCCI. a19. in wie weit fuͤr die Partikular Vermaͤchtniſſe CCCIII. 219. Legatar(Partikular,) wann er ſich in Beſitz einſetzen laſſen kann CCCIII. 220. in welchem Falle die Intereſſen und Fruͤchte ihm vom Tage des Sterbfalls an laufen CCCIV. 221. wem die Koſten der Auslieferung und des Enregiſtrements zur Laſt fallen CCCV. a21. haftet nicht fuͤr Schulden der Erbſchaft CLXI. 99. CCCXIII. aa4. der, welcher die auf dem ihm vermachten Immdbel haftenden Schulden absetragen hat, tritt in die Rechte des Glaͤnbigers ein CLXIV. 101. ſiehe ZuwachsRecht. Linie, wie ſie gebildet wird XKVI. 25. was die grade Linie iſt ibid. die grade aufſteigende und die grade abſteigende ibid. wie man die Grade in der graden Linie zählt XXVI. 21. in der SeitenLinie XXVIII. 26. Looſe ber die Erbſchafts Antheile, ſihe-Theilung⸗ Minderjährige, ihre Befugniß zu ſchenken und zu te⸗ ſtiren, ſiehe Schenkung, Teſtament⸗ Was der minder⸗ jährige Ehegatte ſeinem Mitgatten ſchenken kann und wie CCCLXXXIV. 270. ſiehe Schenkung. Mobilien der Erbſchaft, wie und durch wen ſie geſchaͤtzt werden CXV. gr. ſiehe Erbe, Erbſchaft, Inventa rium. Wann ſie in Natur getheilt werden muͤſſen GCXVI⸗ 31. wann verkauft ibid. (359 N N. Notarien, ihre AmtsVerrichtungen bei Theilung der Erbſchaft CXVIII. 82. P. Pflanzen und Kränter(die am Meere wachſen,) wer eln Recht darauf hat, VII. 3. Rechts Wohhithat des Inventariums, ſiehe IFnven⸗ tarium. Reduction von Schenkungen und Vermächtniſſen, wann ſie eintritt CCXK. 150. wer ſie verlangen kann CCXI. 151. wie ſie bewerkſtelligt wird OCXII. 152. wann und wie die der Schenkungen zwiſchen Lebenden ſtatt findet CCXIII. 154. Beſugniß der Erben dabei CCXIV 155. wenn die Schen⸗ kungen den disponiblen Antheil erſchopft haben, ſind alle te⸗ ſtamentariſche Verfuͤgungen kaduzirt CCXV. 155. nach wel⸗ chem Verhaͤltnis die Reduction geſchieht CCXVI. 156. Aus⸗ nahme CCXVII. ibid. Wirkungen derſelben CCXVIII. 157⸗ CCXIX. 138. gegen wen und wie die Klage auf Reduction erhoben werden kann CCXX. 158. Repräſentation, was ſie iſt XXIX. 26. hat in gra⸗ der abſteigender Linie ins unendliche ſtatt XXX. 28. in auf⸗ ſteigender gar nicht XXXI. ibid. in wie weit ſie in der Sei⸗ tenLinie ſtatt findet XXXII. 29. ihre Wirkungen auf die Theilung XXXIII. 30, die von lebenden Perſonen findet nicht ſtatt XXXIV. 31. man kann den repraſentiren auf deſſen Erbſchaft man verzichtet hat ibid. Republik, wann ſie Erbin iſt LVIII. 50. welche Ver⸗ bindlichkeiten der DomainenRegie obliegen, um die Erbſchaft (360) zu erhalten, und auf welche Art ſie veingeſetzt werden muß LIX. 5I1. LX ibid. unter welcher Strafe LXII. 52. S. Schaz, wem er gehoͤrt VII. 8. was er iſt ibid. Schenknehmer, welcher erbt, iſt immer zur Colla⸗ tion verbhunden CCXXXIX. 173. Siche Schenkungen; ſelbſt der, welcher kein vermuthlicher Erbe war, iſt dazu gehal⸗ ten CXXXVI. 89. Schenkungenzwiſchen Lebenden muͤſſen konferirt werden CXX XIII. 87. in wie weit, wenn ſie mit Losſpre⸗ chung von der Collation geſchehen ſind CXXX IV. 88. in wie weit der verzichtleiſtende Erbe ſie zuruͤckhalten kann CXXXV. 89. welche angeſehen werden, als ſeyen ſie mit Freiſprechung von der Collation geſchehen CXXXVII. 90. CXXXVIII. CXXXIX. ibid. was eine Schenkung iſt CLXXX IV 114. um eine zu machen muß man bei geſunder Vernunft ſein CXCI. 120, wer dergleichen machen und er⸗ halten kann CXCTI. 122. Ausnahme CXCIII. ibid. Be⸗ ſchraͤnkungen dieſer Befugniß CXCIV. 123. CXCV. 124. man muß empfangen ſein, um durch Schenkungen oder Te⸗ ſtamente was zu erhalten GXCVI. I25. beſondere Beſchrän⸗ kung der Faͤhigkeit der Doctoren, Chirurgen, Geſundheits Ve⸗ amten, Apotheker CXCIX. 127. der Diener des Cultus ibid. der Armen und Hospitien CC. 129. der Fremden CCII. 132. die zu Gunſien unterſchobener Perſonen ſind nichtig CCI. 130. wer dafuͤr geachtet wird ibid. welchen Antheil des Vermögens man verſchenken darf, ſiehe Freigebigkeit, Reduction. Form der Schenkungen zwiſchen Lebenden CCXXI. 160. von welchem Tag an ſie fuͤr den Schenkgeber verbindlich ſind CCXXII. 161. ſiehe Annahme. Die Schenkung iſt durch die bloſſe Einwilligung der Partheyen vollbracht CCXXVIII. (361) 166. wie die von Immdbeln vollbracht wird CCXXIXK. 167. auf weſſen Betreibung die Transcription geſchehen inuß, ſiehe Ueberſchreibung, Transcription. Jede Schen⸗ kung darf blos das gegenwaͤrtige Vermoͤgen begreifen CCXXXIII. 171. welche Bedingungen ihre Nichtigkeit mit ſich führen CCXXXIV. 172. CCXXXV. ibid. Wirkungen des Vorbehalts einer gewiſſen, in der Schenkung einbegrifſe⸗ nen Summe CCXXXVI. 173. Ausnahme CCXXXVII, 174. beſondere Verfuͤgungen uͤber die Schenkungen von Mo⸗ bilien CCXXXVIII. ibid. der Schenkgeber kann ſich den Nießbrauch der geſchenkten Gegenſtände vorbehalten CCXXXIX. 175. Wirkungen eines ſolchen Vorbehalts für eine Schenkung von Mobilien CCXKL. ibid. fuͤr welchen Fall der Schenkgeber ſich das Recht des Ruͤckfalls ausbedingen kann CCXLI. 176. Wirkungen dieſes Vorbehaltes CCXLTI. ibid. aus welchem Grunde eine Schenkung widerrufen werden kaun CCXLIII. 177. Wirkung des Widerrufs, ſiehe Widerruf. Schenkungen durch EheVerträge, zum Vortheil der Ehegatten, ſind den allgemeinen Regeln unterworfen CCCLXX. 258. finden zum Vortheil zukuͤnftiger Kinder nicht ſtatt, ibid. wer ſolche Schenkungen treffen kann CCCLXXI. 259. ſie werden immer angeſehen, als ſeyen ſie zum Vortheil der zu erzielenden Kinder geſchehen ibid. in wie weit ſie unwiderruflich ſind CCCLXII. 26. unter welchen Bedingungen ſie das gegenwärtige und zukuͤnftige Vermdogen zugleich begreifen koͤnnen CCCLXKIII. 261, wie es im Fall der NichtErfuͤlung dieſer Vedingung gehalten werden muß cccLXRIv. 262. unter welchen Bedingungen ſie ferner geſchehen koͤnnen CCCLXXV. 263. ſie können nicht unter dem Vorwande der NichtAnnahme angefochen werden CCCLXXVI. 264. wann ſie kaduzirt ſind CCCXXVII (362) 264 CCCLXXKVIII. 263. ſind der Reduction unterworfen cœCœTLXXKIR. Schenkungen von Ehegatten untereinander ſind erlaubt C6CLXXX. 266. müſſen ausdruͤcklich anfuͤhren, ob ſie unter der Bedingung des Ueberlebens des Schenkneh⸗ mers geſchehen ſind CCCLXXXI. 266. welchen Regeln ſie unterworfen ſind ibid. CCCLXXXII. 267. welchen Ver⸗ mögensAntheil ſie begreifen duͤrfen CCCLXXXIII. 263. welche der minderjährige Ehegatte machen kann CCCLXXXIIV. 270. ſind immer widerruflich CCCLEXXXV. 277. die Fran kann ſie ohne Ermaͤchtigung widerrufen jrid. werden durch Nachgeburt von Kindern nichr widerrufen ibid. konnen nicht gegenſeitig durch denſelben Akt geſchehen CCCLXXXV. 272. was ſie im Falle einer zwei⸗ ten Ehe begreifen duͤrfen CCCLXXXVII. 272. jede verſtekte iſt unguͤltig CCCLXXXVIII. 273. welche fuͤr eine ſolche zu halten iſt CCCLXXXIX. 274 Schulden(der Erbſchaft,) in welchem Verhaͤltniß die Er⸗ ven zu ihrer Zahlung beitragen CL⸗X. 98. in welchem die Uni⸗ verſalLegatarien CLXI. 99. Regeln für die Tilgung der Hy⸗ pothekar Schulden CLXII. 90. die Erben haften perſonlich fuͤr ihren Antheil und hypothekariſch fuͤr das Ganze CLXIII⸗ 100. Rechte desjenigen, der durch die Wirkung der Hypothe⸗ ten mehr als ſeinen Antheil bezahlen muß CLXV. 101. im Falle der Unzahlsfähigkeit eines der Contribuenten wird ſein Antheil unter die übrigen vertheilt CLXVI. 102. die gegen den Verſtorbenen exekutoriſchen RechtsTitel ſind es anch gegen ſeine Erben CLXVII. ibid. Rechte der Erben und der Gläu⸗ biger in Hinſicht auf die Abſonderung des Vermoͤgens des Verſtorbenen und der Erben CLXVIII. 102. CLXXI. 103. Ausnahmen CLXIX. 102. CLXX. 103. die Gläubiger ha⸗ (363 5 ben das Recht der Theilung der Erbſchaft beizuwohnen CLXXII. 103. Siege! Auflage, auf die Erbſchaft, wann ſie nothwendig ſtatt findet CIX. 77. kann auch von den Glaͤubigern verlangt werden CX. 78. nach derſelben können alle Glaäͤubiger Oppo⸗ ſition anlegen CXI. 78. Form der SiegelAuflage ibid. Subſtitutionen ſind verboten OLXXXVI. I15. was eine iſt ibid. Ausnahme CLXXXVII. I118. was nicht als eine ſolche angeſehen wird CLXXXVIII. CLXXX IX. ibid. T. Teſtament, was es iſt CLXXXV II5. man muß em⸗ pfangen ſein, um durch ein Teſtament erhalten zu konnen CXCVI. 125. beſondere Verfügungen für die der Minderjaͤh⸗ rigen CXCIII. 122. CXCIV. 123. für die zum Vortheil der Vormuͤnder CXCVII. 125. beſondere Beſchraͤnkung fuͤr die zu Gunſten der Apotheker, Geſundheits Beamten, Chirurgen, Doctoren und Diener des Cultus CXCIX. 127. zum Vor⸗ theil der Hospitien und Armen CC. 129. zum Vortheil von Fremden CCTI. 137. die zu Gunſten unterſchobener Perſonen ſind nichtig CCI. 130. welche Perſonen fuͤr unterſchoben ge⸗ halten werden ibid. bis zu welchem Betrag man durch Teſta⸗ mente verfuͤgen darf, ſiehe Freigebigkeit, Reduction. Ein Teſtament kann von jedem, unter jeder Benennung, errich⸗ tet werden CCLVII. 187. kein wechſelſeitiges kann durch ei⸗ nen Akt errichtet werden CCLVIII. 188. wie vielerlei Te⸗ ſtamente es giebt CCLIX. 189. wie ein eigenhändiges Teſta⸗ ment beſchaffen ſein muß CCLX. 190. wie ein oͤffentliches CCLXI. 191. Formalitäten bei Errichtung eines ſolchen CCLXII. 192. CCLXIII. ibid. CCLXIV. 193. wer nicht geuge dabei ſein kann CCLXV. 193. wie ein myſtiſches Te⸗ ſtament beſchaffen ſein muß und dabei zu beobachtende Forma⸗ (364) litaͤten CCLXVI. 194. GCCLXVII. 195. wer kein myſii⸗ ſches Teſtament machen kann CCLXVIII. 196. unter wel⸗ cher Bedingung derjenige eins errichten kann, der zwar ſchrei⸗ ben aber nicht ſprechen kann CCLXIX. ibid. welche Eigen⸗ ſchaften die Zeugen bei den Teſtamenten haben muͤſſen CCLXX. 197. beſondere Vevfuͤgungen fuͤr die Teſtamente der Militair⸗ Perſonen CCLXXI. 193. CCLXXII. 199. CCLXXIII. 200. CCLXXIV. ibid. fuͤr die Teſtamente die in Orten, wo die Peſt oder anſteckende Krankheiten herrſchen, errichtet wer⸗ den CCLXXV. ao1. GCCLXXVI. CCLXXVII. ibid. fuͤr die Teſtamente welche auf der See errichtet werden CCLXXVIII. 20 2. CCLXXIX. 203. CCLXXX. CCLXXXI. ibid. CCLXXX II. 204. CCLXXXIII. ibid. CCLXKXXIV. 205. CCLXXXV., CCLXXXVI. ibid. CCLXXLVII. 206. fuͤr die Teſtamente, welche ein Fran⸗ zoſe im Auslande errichten könnte CCLXXKXVIII. 207. CCLXKXKXIX. ibid. welche Verfuͤgungen bei den Teſtamen⸗ ten unter Strafe der Nullität vorgeſchrieben ſind CCXC. 208. wie ein olographiſches oder myſtiſches Teſtament erdſnet und hinterlegt werden muß CCXCVI. 214. wer ein Teſtaments⸗ Exekutor werden kann und deſſen Rechte und Obliegenheiten ſiehe Exekutor. Wie die Teſtamente widerrufen werden kdn⸗ nen CCCXIV. 229. in wie weit durch ein ſpäteres Teſta⸗ ment CCCXXV. ibid. der Widerruf behaͤlt immer ſeine Wir⸗ kung CCCXXVI. 230. in welchen Faͤllen der Widerrufohne weiteres eintritt, oder eine teſtamentariſche Verfuͤgung kadu⸗ zirt wird CCCXXVII. ibid. CCCXXVIII. 231. CCCXKXIX. ibid. CCCXXX 232. COCXXXII. 233. Ausnahme CCCXXX. 232., ſiehe Widerruf, Klage auf Widerruf, Verfuͤgungen, Freigebigkeiten. Teſtator kann einen TeſtamentsExekutor ernennen (365 5 CCCXIV. 225. unter welcher Vollmacht, ſiehe Gxekutor, Teſtament. Theilung, jedermann kann ſie anverlangen CV. 75. doch kann ſie ausgeſetzt werden ibid. ſie kann ſelbſt dann verlanat werden, wenn ſich einer der Eyben ſchon im Beſitz eines Theils des Vermögens befunden hat CVI. 75. wie ſie im Falle der Repräſentation bewerkſtelliget wird XXXIII. 30. wer ſie im Namen der Minderjaͤhrigen, Interdizirten und Abweſenden verlangen muß CVII. 76. Beſtimmung der Rechte der Frau in Hinſicht auf das Begehren der Theilung CVIII. ibid⸗ wann alle Erben grosjaͤhrig ſind kann ſie in jeder beliebigen Form geſchehen CIX. 77. wie, wenn nicht alle gegenwärtig oder einige minderjährig oder interdizirt ſind ibid. vor welchen Richter die Klage auf Theilung gehört CXII. 79. ſo wie alle, uͤber die Theilung ſelbſt entſiehende, Strittigkeiten CXIII. 79. Verrichtungen des Notars bei derſelben CXVIII. 82. Art der Theilung CXXKI. 82. Regeln fuͤr die Bildung der Looſe CXXII. ibid. wie die Ungleichheiten gleichgeſtellt werden CXXIII. 34. von wem die Looſe gebildet werden CXXIV. 34. vor dem Zug muß jeder Theilende ſeine Einwendungen machen CXXV. dieſelben Regeln gelten fuͤr die UnterAbthei⸗ lungen CXXVI. ibid. Avt die uͤber die Theilung entſtehen⸗ den Schwierigkeiten zu heben CXXVII. 35. beſondere Re⸗ geln fuͤr die Theilung, wenn einige MitErben abweſend, min⸗ derjährig oder interdizirt ſind CXXVIII. ibid. welche Thei⸗ lungen definitiv ſind CXXX. 86. wie Fremde von der Thei⸗ lung ausgeſchloſſen werden können CXXX I. ibid. Wirkun⸗ gen und Folgen der Theilung CXXXII. 87. CLXXIII. 103. die Erben ſind gehalten ſich dieſelbe zu garantiren CLXXIV. 10z. CLXXV. CLXXVI. ibid. wie die Thei⸗ lung wieder aufgehoben werden kann CLXXXVII. 105. ſiehe Klage, wie die Theilung des Vermogens unter die Kin⸗ (366) der und Aszendenten geſchehen kann CCCLXV. 2353. wenn ſie nicht das ganze Vermoͤgen begreift, ſo wird der Reſt dem Geſetze gemaͤß getheilt CCCLXVI. 254. welche Theilungen dieſer Art null ſind CCCLXVII. ibid. welche an⸗ gefochten werden koͤnnen CCCLXVIII. a55. auf weſſen Ge⸗ fahr und Koͤſten CCCLXIX. 258 Transcription iſt bei Schenkungen von Immoͤbeln er⸗ ſorderlich CCXXIX. 167. auf weſſen Betreiben ſie geſchehen muß CCXXX. 168. von wem ihr Abgang opponirt werden kann CCXXXI. 169. man kann gegen denſelben nicht reſti⸗ tuirt werden CCXXXII. 170. ſie iſt fuͤr die Verfügungen unter Obliegenheit der Reſtitution erforderlich CCOLVILII. 250. vor wem in dieſem Fall ihr Abgang opponirt werden kann CCCLTX. ibid. es findet auch dann Reſtitution dagegen ſtatt ibid. ſie kann nicht ſupplirt werden COCLX. 251. von wem ihr Abgang nicht opponirt werden kann COCLXF. ibid. U. Ueberleben's(Vemuthung des) wie ſie begruͤndet wird X. 12. XI. 13. XII. ibid. Ueberſchreibung ſiehe Transcription. V. Verfügungen, welche man über ſein Vermögen treffen rann CLXXXIII. I1I. wie vielerlei Art von teſtamentari⸗ ſchen Verfuͤgungen es giebt CCXCI. 209. ihre Wirkungen ibid., ſiehe Vermächtniß, Teſtament, Schenkung. Verfuͤgungen unter der Obliegenheit der Reſtitution an die Deszendenten, muͤſſen bekannt gemacht werden, auf weſſen Betreiben, und wie CCCLVIII. 250. ſiehe Trans⸗ cription. (367N Bermächtniſſe muͤſſen konferirt werden CXXXIII. 87. bis zur Konkurrenz des disponiblen Antheils, ſelbſt wenn ſie mit Freiſprechung von der Collation geſchehen waͤren CXXXIV. 88. bis zu welcher Konkurrenz der verzichtlei⸗ ſtende Erbe ſie anverlangen kann CXXXVI. 89. welche an⸗ geſehen werden, als ſeyen ſie mit Freiſprechung von der Col⸗ lation geſchehen CXXXVII. 90. CXXXVIII. ibid. CXXXIX. ibid. Vermächtniß(Univerſal) was es iſt CCXCII. 211. ſiehe Legatar(Uuiverſal.) Vermächtuiß(unter einem UniverſalTitel) was es iſt CCXCTX. ats., ſiehe Legatar(unter einem Univerſal⸗ Titel.) Vermaͤchtniß(Partiknlar) was es iſt CCCIII. 220. ſeine Wirkungen ibid., ſiehe Legatar(Partikular), jedes kann veſonders einregiſtrirt werden CCCV. 227. wer fuͤr deſſen Abzahlung' haftet CCCVI. 222. es wird mit Zubehdoͤr aus⸗ geliefert CCCVII. ibid. in welchem Zuſtand ibid. welche Ver⸗ mehrungen als zum Vermaͤchtniß gehbrig angeſehen werden und welche nicht CCCVIII. 223. wie es mit den daraufhaf⸗ tenden Hypotheken gehalten wird CCCIX. ibid. wie, wenn der vermachte Gegenſtand dem Teſtator nicht zugehoͤrt COCX. ibid. von welcher Qnalitat der vermachte Gegenſtand gegeben werten muß CCCXI. 224. ein Vermaͤchtniß wird nicht an⸗ geſchen, als ſeh es zur Compenſation von Schulden oder Lohn geſchehen CCCXII. ibid. Verwandſchaft wie ihre Naͤhe beſtimmt wird XXV. 25. in weiter als dem zwolften Grade erben die Verwandten nicht XLV. q2. in Ermangelung von erbfaͤhigen in einer Linie erben die der andern Linie das Ganze ibid. Verzichtleiſtung Cauf eine Erbſchaft) wird nicht ver⸗ muthet LXXIV. 59. ihre Wirkung LXXV. ibid⸗ (368) LXXVI. LXXVII. ibid. wie ſich die Befugniß dazu Ler⸗ jaͤhrt LXXIX. 61. man kann nie auf die Erbſchaft eines Lebenden Verzicht kleiſten LXXXI. 61. wodurch die Befug⸗ niß zu verzichten verlohren geht LXXXII. 63. Vorbehalt ſiehe Freigebigkeiten. Vormund(um uͤber die Erfuͤllung der Bedingung der Reſtitution an die Deszendenten zu wachen), kann von dem Urheber der Verfuͤgung ernannt werden CCCXLIV. 244. wird ſonſt auf Betreiben des Beſchwerten ernannt COCXLV. ibid. unter welcher Strafe CCCXLVI. 245. im Falle der Unterlaſſung von ſeiner Seite auf weſſen Betreiben ibid. ſei⸗ ne Obliegenheiten CCCXLVTII. 246. CCCXLIX. 247. CCCL. ibid. CCCLVII. a50. CCCLVIII. ibid., ſiehe Inventarium, ſeine Verantworitichken CCCLXIII. 251. W. Wiederaufhebung der Theilung, ſiehe Theilung. Widerruf ceiner Schenkung zwiſchen Lebenden) wann er ſtatt findet CCXLIII. 177. Wirkungen des Widerrufs wegen NichtErfuͤllung der Bedingungen CCXLIV. 179 wann er wegen Undank ſtatt findet CCXKLV. 180. wann er von Rechtswegen eintritt CCXLVI. ibid. in welcher Zeit die Klage auf Widerruf angeſitellt werden muß CCXLVII. 131. Wirkungen des Widerrufs, Undanks halber CCXLVIII. ibid. in Hinſicht auf welche Schenkungen er nicht ſtatt findet OCXLIX. 183. durch die Nachgeburt von Kindern tritt der Widerruf der Schenkung von Rechtswegen ein CCL. ibid. ſelbſt wenn das Kind zur Zeit der Schenkung empfangen war OCILI. 184. in weſchem Falle dieſer Widerruf ferner ſtatt findet CCLII. 184. Wirkungen des Widerrufs wegen Nach⸗ geburt von Kindern ibid. CCLIII. 185. OCLIV. 186. man (369 5 kann auf dieſen Widerruf nicht verzichten CCLV. wann man ihm die Verjaͤhrung opponiren kann CCLVI. 187. Widerruf(eines Teſtaments), ſiehe Teſtament. In welchen Fällen die Klage darauf erhoben werden kann CCCXXXV. 234. in welcher Zeit CCCXXXVI. ibid. Z. Zeuge ſiehe Teſtament. Zuwachs Recht, wann es zum Portheil der Legatarien eintritt CCCXXXIII. 333. CCCXXXIV. ibid. 44 — * Nachricht fuͤr die Subſcribenten. Mi dieſer Lieferung iſt nunmehr der dritte Theil des Geſetzbuches geſchloſſen. dit dem Druck des zweiten wird in vierzehn Tageß begonnen; der Sub⸗ ſcriptions preiß deſſelben muß bei Verabreichung die⸗ ſer Lieferung vorausbezahlt werden; jeder Band wird ein Alphabet ſtark und der Preiß bleibt deshalb fuͤr jeden derſelbe. Vom Rivoſe an erſcheint in der VerlagsHand⸗ lung ein Journal fuͤr Geſetzkunde und RechtsGelehrſamkeit. Herausgegeben von F. Laſſaulx, Avoue bei den Tribunalien in Coblenz. in monatlichen Heften von 6 Bogen. Es enthält: 1) Den franzoſiſchen Dertaller Geſetze und Beſchluſſe der Regierung, im Civil- und Cri⸗ minalFache, uͤber die Organiſation der Tribu⸗ nalien, den Prozeßgang, die Einfuͤhrung des — 0— neuen Civil Geſetzbuches ꝛc ꝛc. in cronologiſcher Ordnung und nach Materien; von dem Geſetz vom 27 Ventoſe gten Jahres, uͤber die Organi⸗ ſation der neuen Tribunalien, an. 2) Entſcheidungen des GrosRichters Juſtiz Mi⸗ niſters, des Kaſſations Tribunals und der Ap⸗ pell Tribunalien uber ſtrittige Punkte der Ge⸗ ſetzgebung, vorzuͤglich uber die Schwierigkeiten, welche auf die Einfuͤhrung des neuen CivilGe⸗ ſetzbuches Bezug haben konnten. 3) Abhandlungen über einzelne Theile der Ge⸗ ſetzgebung. Eine gedraͤngte Darſtellung merkwuͤrdiger Ci⸗ vil⸗ und CriminalProzeſſe, mit den Gruͤnden ihrer Entſcheidungen. 50 Ankuͤndigungen und Rezenſionen, ſowohl zu Paris als in den Departementen erſcheinender, die franzöſiſche Geſetzgebung betreffende, merk⸗ wuͤrdiger Werke. Eine ſorgfältige Auswahl, die möglichſte Correkt⸗ heit des Teytes, und ihr gemeinnütziger Zweck wer⸗ den daſſelbe zu empfehlen ſuchen. Beiträge nmmt der Herausgeber mit Dank an. Von dieſer Zeitſchrift erſcheint am 15 Nivoſe 12ten Jahres das erſte Heft, und ſofort am 15ten je⸗ den Monats ein Heft von 6 Bogen. 3 Hefte ma⸗ chen einen Band aus. Von Druck und Papier dient gegenwaͤrtige Ueberſetzung zur Probe. Der Preiß iſt 15 Franken für den Jahrgang, g fuͤr den Semeſter. Auf kuͤrzere Zeit wird keine Pränume⸗ ration angenommen. Bei Ablieferung des erſten Heftes muß der halb⸗ jährige Pranumerations Preiß erlegt und vor Ablie⸗ ferung des ſiebenten erneuert werden. Zur Vermei⸗ — 0— dung aller Unordnung wird auf die Bedingung der Vorausbezahlung unnachläſſig geachtet wer⸗ den. Auf Beſtellungen, welchen der Preiß nicht beigeſchloſſen wäre, wird keine Ruͤckſicht genommen, und jedes Abonnement, welches nicht zu gehoͤriger Zeit erneuert iſt, für erloſchen geachtet, und an den ruͤckſtändigen Abonnenten keine Sendung mehr ge⸗ macht. Die Hefte werden jeden Monat beſtimmt eintreffen. Man abonnitr ſich hierauf, wie auf das Eivil Ge⸗ ſetzbuch bei der: Verlagshandlung in Coblenz. Fuͤr ganz Deutſchland in der Jägeriſchen Buchhandlung in Frankfurth. Aachen bei Neuer und Cudell. Andernach bei Laſſaulx und Heckmann. Bingen bei Franz Schödler Buchbinder. Crefeldt bei Abr. Ter Mer. Cölln bei Rommerskirchen. Creuznach bei Kehr. Frankenthal bei Ph. Pet. Prinz⸗ Kirn bei Georg Simon junior. Landau bei Georges und Prinz Buch⸗ drucker. Mainz bei Jacob Doſetti. —— bei Theodor Zabern Prefektur⸗ Buchdrucker. —— bei Pfeiffer Prefektur Buchdrucker. Trarbach bei Adolph Heitz Buchbinder. Drier bei Linz. Weißenburg ber Fr. Bok Buchdrucker. Coblenz am 30 Frimaire 12. Die Verlagshandlung⸗ Anhang. Drittes Buch, erſter Titel. Aus PVerſehen iſt das tranſitoriſche Beſetz vom 14 Floreal 11 Jahrs im dritten Theil Seite 293 mit einigen Auslaſſungen abgedruckt worden. Es folgt daher hier nochmal. Tranſitoriſches Geſetß vom(14 Floreal 11Jahrs) 4 May 1803 uͤber die Rechte der natuͤrlichen Kinder, deren Aeltern erſt ſeit der Verkuͤn⸗ digung des Geſetzes vom 12 Brumaire 2 Jahrs verſtorben ſind. Art. r. Der Stand und die Rechte der uneh⸗ lichen Kinder, deren Aeltern ſeit der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 12 Brumaire 2 Jahrs bis zur Verkuͤndigung der Titel des Civil Geſetzbuchs: von der Vaterſchaft und der Abſtammung, und von der Erbfolge, verſtorben ſind, werden auf die, von dieſen Titeln vorgeſchriebene, Art und Weiſe, regulirt. Art. 2. Jedoch ſollen die Verordnungen zwiſchen Lebenden oder die teſtament ariſche Verordnungen, welche vor der Verkündigung derſelben Titel des Civil Geſetzbuchs errichtet worden ſind, und worin die Rechte dieſer natuͤrlichen Kinder beſtimmt wor⸗ den wären, ihren Vollzug erhalten, vorbehaltlich der Reduktion auf denjenigen Antheil über welchen dem CivilGeſetzbuch gemäß verfügt werden konnte, und vorbehaltlich gleichfalls einer Vermehrung in Gemäßheit des Art. Z61 des Geſetzes über die Erbfolge, in dem Falle, wo der geſchenkte oder vermachte Antheil geringer wäre, als die Hälfte von dem, was, demſelben Geſetz zufolge, dem natuͤrlichen Kinde zukommen ſoll. Art. 3. Die Uebereinkunfte und in Rechts Kraft erwachſene Urtheile, woburch der Stand und die Rechte der beſagten naturlichen Kinder regulirt wor⸗ den ſein könnten, ſollen ihrem ganzen Inhalt nach vollzogen werden. —————— Anmerkung. Seit dem Abdruck dieſer Ueberſetzung ſind noch mehrere Kaiſ. Decrete erſchienen, welche Verfuͤgungen des Geſetzbuchs organiſiren, ſo wie mehre⸗ re Gotachten des Staats Ra ths uͤber die Den⸗ tung einzelner Artikel deſſelben. Ich hätte die Bogen⸗ zahl dieſes Theils bei weitem uͤberſchreiten muͤſſen, wenn wir die im Anhang enthaltene Sammlung durch ihre Mittheilung hätten ergänzen wollen; um aber meinen Leſern in Hinſicht der Vollſtaͤndigkeit nichts zu wuͤnſchen übrig zu laſſen, habe ich mich entſchloſſen; uoch einen Anhang zu liefern, welchen die Subſcribenten, nach Belieben, nach ſeiner Erſcheinung durch dieſelbe Vuch⸗ handlungen beziehen koͤnnen, welche ſie mit dem Geſetz⸗ b rſehen haben. Der Ueberſetzer ⸗ — Unter der Preſſe iſt: Anhang zu dem CivilGeſetzbuch der Fir uͤberſetzt und mit Anmerkungenbegleitet von F. gaſſaulr. Dieſer Anhang enthalt die Ergänzung des in den Anmerkungen zu dem Texte enthaltenen, und aus den offiziellen Verhandlungen uͤber das CivilGeſetz⸗ buchs gezogenen, Kommentars. Unter jedem Titel des Geſetzbuchs finden ſich darin a) die allgemeinen Grundſätze deſſelben; b) die Abweichungen derſelben von den der vori⸗ gen Geſetzgebung; c) die Angabe der korrespondirenden Texte dieſer leztern; a) die Meinungen, welche bei der Diskuſſion des Geſetzbuchs den darin herrſchenden ent⸗ gegengeſetzt worden ſind, nebſt ihren Gruͤnden; e) die Kaiſ. Decrete und Gutachten des Staats⸗ Raths, welche auf die Materien des Civil⸗ Geſetzbuchs Bezug haben, und ſeit deſſen Verkundigung erſchienen ſind. Da es in dem freien Willen der Subſcribenten ſtehr, ob ſie auch dieſen Anhang nehmen wollen oder nicht, ſo war es unmöglich ihn in dem bisheri⸗ gen SubſcriptionsPreiß abzulaſſen. Gleich nach der Vollendung des Drucks, ſpäteſtens zu kuͤnf⸗ tiger Oſtermeſſe, wird er aber in allen Buchhand⸗ luugen, welche ſich bisher mit dem Debit unſerer Ausgabe des Geſetzbuchs befaßt haben, in dem äuſſerſt billigen Laden Preiß zu finden ſein. Auch wird derſelbe, als ein ſür ſich beſtehendes Ganze, unter einem beſondern Titel für diejenige zu haben ſein, welche die Ueberſetzung des Geſetzbuchs nicht beſitzen. Laſſaulrſche Buchhandlung in Koblenz. —— für Geſetzkunde und RechtsGelehrſamkeit mit Genehmigung S. E des GrosRichters herausgegeben von . Dieſe Zeitſchrift, von welcher monatlich ein Heft von 6 Bogen erſcheint, gewährt einen vollſtaͤndigen Ueberblick der franzöſiſchen Geſetzgebung und GerichtsPflege. Sie enthält 1) juriſtiſche Abhandlungen, 2) Entſcheidungen ſtrittiger RechtsFragen aus dem neuen Recht, vorzug⸗ lich ans dem CivilGeſetzbuch durch die oberſten Gerichtshoͤfe, 3) Merkwuͤrdige CivilProzeſſe und 4) Kri⸗ minalProzeduren, welche vor franzoſiſchen Gerichten ver⸗ handelt worden. 5) ein eigner Prtikel wird in Zukunft ſolche Urtheilsſpruͤche der Appellationshoͤfe von Trier und Luttich liefern, welche für die Rhein Departemente ein beſonderes Intereſſe darbieten, 6) den franzoſiſchen Text aller ins Gerichts Fach einſchlaͤgigen SenatsKonſulte, Geſetzen und Kaiſerl. Dekrete. Anch wird man mit be⸗ ſonderer Sorgfalt die auf das NotariatsWeſſen Bezug habende Entſcheidungen ſammlen, ſo wie die, welche in ſtaatsrechtlicher Hinſicht auch fuͤr Denutſchland Intereſſe haben. Das Geſetzbuch des gerichtli⸗ cheu Verfahrens in Civil Sachen, ſo wie der HandelsKoder werden es möglich machen, der Zeitſchrift noch gröſſere Mannigfaltigkeit zu verleihen. Der Preiß des Jahrgangs iſt 15 Fr. 50 Ct., 7 Fl. rheiniſch oder 4 Rthlr. ſaͤchſich. Man kann ſie durch alle ſolide Buchhandlungen beziehen. Wer den Abonne⸗ mentsPreiß an die Verlagshandlung unmittelbar einſen⸗ det, erhaͤlt die Hefte gleich nach ihrer Erſcheinung, ſo weit die franz. Poſten reichen, poſtfrei zugeſundt. Das achte Heft des zweiten Jahrgangs iſt ſo eben erſchienen. Laſſaulyſche Buchhandlung, in Koblenz· —— Verlags⸗Artikel der Laſſaulr'ſchen Buchhandlung in Coblenz⸗ M Giulettto, ein Roman von F. Laſſaulx. zter und zter Theil, mit Kupfern, in 8. i Aphorismen über die Organonomie von J. Goͤrres, Profeſſor der Phiſik an der Secondärſchule in Coblenz 8. Jahr TI. 1803. 65 1 Luͤtzel⸗Coblenz, ein hiſtoriſch⸗ topographiſcher Verſuch von A. Laſſaulx. Mit Urkunden. in 8. Jahr 11. 1303. 18 kr. Geheime Nachrichten uͤber Rußland, gter Theil, oder Briefe eines Franzoſen an einen Deutſchen z. ꝛc. von Maſſon, ehemals Premier⸗Major in rußiſchen Dien⸗ ſten und geheimer Sekretair des Großfuͤrſten Alexander Paulvides s. Koblenz bei Laſſaulx und Baſel bei Decker. Jahr 10. 1802. 2 fl. 24 kr. Vergleichungs⸗Tafeln der neuen Maaſe der fraͤnkiſchen Republik, mit den, in den ehemals trieriſchen, köllni⸗ ſchen, pfaͤlziſchen und andern Landen, woraus gegenwär⸗ tig das Rhein und Moſel Departement beſteht, gebraͤuch⸗ —— lichen Maaſen. Verfertiget und berechnet nach den Re⸗ ſultaten der Arbeit der Kommiſſion für die Maaſe uud Gewichte dieſes Departements durch Joh. Niklas Si⸗ mon, Profeſſor der Mathematik zu Koblenz, Mitglied dieſer Kommiſſion. Bekannt gemacht auf Befehl des Prefekten. Klein 4to. Jahr 11. 1803. f. 36 kr. Ueber die vier neuen Departemente des linken Rhein⸗ ufers in Hinſicht auf Cultur, Gemeingeiſt, Geſetzgebung, Finanz⸗Syſtem, Unterricht, Polizei und Rechts⸗pflege. Von Rebman, Richter am Reviſions⸗Gerichte zu Trier. 40 kr. Hiſtoriſches Taſchenbuch von F. Laſſaulr. Erſter Jahrgang 45 kr. Aphorismen uͤber die Kunſt, als Einleitung zu kuͤnfti⸗ gen Aphorismen uͤber Organomie, Phyſik, Pſychologie und Anthropologie, von J. Goͤrres, Profeſſor an der Secondairſchule in Coblenz. Jahr 10. 1802. 1 fl. 15 kr⸗ Die Gruͤndung der Republik, Ode von F. Laſ⸗ ſaulx, nach der franzoͤſiſchen von Maſſon, Verfaſ⸗ ſer der Helvetier, welche den vom NationalInſtitut aus⸗ geſetzten Preiß der Dichtkunſt erhalten hat, nebſt dem franzoſiſchen Grundterte. Groß 8. Jahr 10. 2 15 kr. Synoptiſche Tabellen der Chemie von Fourcroy; uͤberſetzt von FJ. Görres, Profeſſor der Phyſik an der Secondairſchule zu Koblenz. Jahr 9. Schreibpapier 2 fl. Auf größerm Schreibpapier 3 fl. 30 kr. In 24 Tafeln zum Aufziehen auf Pap⸗ pendeckel 3 fl. — 0— Beſchreibung der merkwuͤrdigſten Denkmaͤler von Ober⸗ Egypten, dem Bgr. Bonaparte, erſten Konſul der fraͤnkiſchen Republik, vorgelegt von Ripault, Mit⸗ glied des Inſtituts von Egypten 8. Jahr 9. 30 kr. Reiſe von Paris nach St. Cloud, nach dem Franzoſi⸗ ſchen von Neel 18. Jahr 9. 30 kr. Anſon's Gedicht von der Moſel, in metriſcher Ueber⸗ ſetzung nebſt dem lateiniſchen Grundtexte von F. Laſ⸗ ſaulx s. Jahr 10.. Ueber die Dezimal⸗Rechnung von Prieur(von der Goldkuͤſte) s. Jahr 7. 12 kr. Aurelius Victor de viris illustribus 3. Auf weiſem Druckpapier 24 kr. Auf Schreibpapier 30 kr. Fraͤnkiſche Konſtitution vom Jahr 8. 8. 12 kr. Gutachten uͤber die Vertheilung der Kriegsſchaͤden 24 kr. ueber die Anbauung des Acacienbaums 12 kr. Livres de ÿFond du cit. Las saulx NWr.? ₰02 4 Coblenz. Cn CIVIIL de la République frangaise. Tom I. Iére⸗ Livraisou. Tom Il. Ière. Livraison 2 Hr. 15 ct. ou 1 fl. Lables de comparaison des nouvelles mesures de la Ré- publique krangaise avec celles des cidevant pais de Tréves, Cologne, du Palatinat et autres usitées dans les commu- . — 0— nes qui forment netuellement le département de Rhin et Moselle, calculées par J. W. Fimon, Professeur des Ma- chématiques à l'école secondaire à Coblenz. Publises par ordre du Prélet du département de Rhin et Moselle, in. 5 kr. 50 ct ou 1 fl. 36 kr⸗ Essni historique et topographique sur la cidevant com- mune de Lutzelcoblenz par A. Lassaulæ, juge au tribu- nal eriminel du département de Rhin et Moselle 8, an 11. 65 ct. ou 18 kr. Memoires zecrets zur la Russie, Jom IV. on lettres d'un . Frangais à un Allemand etc. etc. par Mason, cidevant major en preinier au service de la Ruseie et s6crétaire des commandements d'Alexandre Pauloſde s. Coblenz chez Lassaulx et Bäsle chez Decker an 10, 1802. 5 Fr. Recneil des pièces fugitives de la litterature allemande (par Meissner, Rabener, Jean Paul, Lafontaine ete.) Coblenz chez Lassaulx et Paris chez Pougens 18. Sur les quatre nouveaux départements de la rive gauche du Rhin, considérés sous les rapports de le culture, de l'esprit public, de la legislation, des linances, de l'm- struction publique, de la police et de l'administration de la justice. Par le cit. Nebmann, juge au tribunal de re- vision établi à Aréves 8 1fr. 72 ct. ou 48 kr⸗ Les années d'apprentissage de Guillaume Meister, pur Gche, roman traduit de Hatlemand 1er et zéme. Vol. 8. an 9 2 fr. ou 55 kr. Franc de port 3 lr. ou 1 fl. 24 kr. Tableau comparatit de la differencé entre la valeur du livre tournois et celle du franc 20 ct ou 6 kr. Calcul Decimal par Prieur,(de la Coted'or) S. an 7. 42 ct. on 12 Kr. Notions élémentaires sur le zisteme des nouvelles mesu- res par l'Agence teimporaire des poids et mesures, an 7. 8. 72 ct. on 20 kr. Constitutien de l'au 3, in S. 4½ et., on 12 kr. ⸗ 4 ——— ² 1 . S 14 Senqae