———— ²— Die Geſetzgebung N a poleons, dargeſtellt und kommentirt von D. F L6ſſany ordentl. Profeſſor des Codex Napoleon an der Fakultät der Rechte zu Koblenz. Erſte Abtheilung. Privat Recht. Zweiter Theil. ——— Koblenz, 1809. Sedruckt und verleot bei Pauli und Comp⸗ Coder Na poleon, dargeſtellt und kommentirt 1 von D. F. Laſſaulr. ordentl. Profeſſor des Codex Napoleon au der Fakultat der Rechte zu Koblenz⸗ Z weiter Theil. — Koblenz, 1 80 9. Sedruckt und verlegt bei Pauli und Conp. — 3 8* 5 * 6 6 —— Vorrede. — Mon wird bemerken, daß ich in dieſan zwei⸗ ten Theile weniger weit vorgeruͤckt bin, als ich gehofft hatte. Man darf jedoch daraus nicht auf eine groſſe Vermehrung der Baͤndegahl ſchlieſſen. Die Materten des erſten Buchs erfordern die meiſten Erlaͤuterungen, weil ſie von dem roͤmiſchen und dem ſogenannten deutſchen Privat Rechte, am meiſten abweichen, und haben in der Anwendung viele Streit⸗ fragen veranlaßt, indem dieſe Geſetzgebung zum Theil ganz neu iſt, und ſich daher erſt unter unſern Augen durch die Jurisprudenz ausbil⸗ det. Bei dem zweiten Buche und den zwan⸗ zig letzten Titeln des dritten werde ich mich um ſo kuͤrzer faſſen koͤnnen⸗ Es haben ſich in den erſten Theil, wahr⸗ ſcheinlich auch in dieſen, durch eine anhalten⸗ de Unpaͤßlichkeit, die mich oft an einer ge⸗ naueren Durchſicht der Correctur Bogen ver⸗ hinderte, mehrere Druckfehler eingeſchlichen. Diejenige, welche mir im Durchleſen aufge⸗ fallen ſind, habe ich hiernach bemerkt; wahr⸗ ſcheinlich ſind mir mehrere andere, weniger ſinnentſtellende entgangen. Die billige Kritik wird hoffentlich meine Rechnung nicht mit den leicht zu erkennenden Fehlern des Se⸗ tzers vergroͤſſern⸗ Koblenz am 15ten April 1809. Codex Napoleon.⸗ Erſtes Buſch⸗ Zweite Abtheilung. — — Zweiter Titel. Von der Ehe. F uͤnftes Kapitet. Von der Aufloßung der Ehe. 5. 87. D⸗ Ehe wird aufgelößt: durch den natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tod eines der Ehegatten; durch die geſetzlicher Weiſe ausgeſprochene Eheſcheidung. In dem einen und dem andern Falle darf ſich die Frau nicht eher als nach dem Ablauf von zehn vollen Monaten ſeit der Auflößung der fruͤhern Ehe wieder verehelichen, und iſt die Eheſcheidung mit beiderſeitiger Einwilligung ohne Angabe der Beweggründe ausgeſprochen worden, erſt nach dem Ablauf von drei vollen Jahren ſeit derſelben Epoche. Loere III. 523, 531. IV. 435. VerbalProzeſſe vom 14ten Ven⸗ demiaire 20, 49 Ventoſe 11, Projekt des C. G. Be I. Tit. 5. Art. 25, 76. L. 2. C de secund. nupt. 15. 9.)L. 15. C. ex quib. caus. inkam. arrog.(2. 12.) Mein Jonrnal, drikter Jahrgang. Décis. S. 136. Delvincourt, Instit. I. 290. Pandectes frangaises, Iv. 33. Jurispradence du Code Napoléon, an 13. I 344. 1) Wir haben bereits einigemal bemerkt, daß jedes Urtheil, welches den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht, auch zugleich die Ehe, kraft des Geſetzes und ohne weiteres, auflößt. Der Art. 227. No. Z. muß jedoch mit den Art. 26 und 27 in Uebereinſtimmung geſetzt und in der Art verſtanden werden, * 227 223, 396 297 4 daß die Auflößung der Ehe nicht mit dem Tage des Urtheils, ſondern mit dem der Exekution eintritt; ſo daß, falls der Ver⸗ urtheilte vor der Exekution ſterben ſollte, die Ehe erſt von dem Tage ſeines natuͤrlichen Todes an aufgelößt ſeyn wuͤrde. ) Kann eine von dem Mitgatten eines in comtumacian Ver⸗ urtheilten während der funfjährigen Gnadenfriſt abgeſchloſ⸗ ſene Ehe wegen Bigamie durch das offentliche Miniſterium angefochten werden? Ich glaube nicht, daß vor Ablauf der fünfjährigen Friſt eine ſolche Klage zulaßig ſeyn wuͤrde. Das Geſetz behandelt den Contumar waͤhrend derſelben, wie ein Indivibuum, deſſen Exiſtenz ungewiß iſt.(28) In der That, iſt uͤber ſeine gezwungene oder freiwillige Erſcheinung dieſel⸗ be Ungewißheit wie in Hinſicht auf die Zuruͤckkunft eines Abweſenden vorhanden. Der Geiſt der Geſetzgebung und ſelbſt die öffentliche Ordnung ſcheinen daher fuͤr die Anwendung der Verfuͤgung des Art. 139 auf den Contumar zuſammen⸗ zuſtimmen. Erſcheint er, und ſeine kontradiktoriſche Verur⸗ theilung zieht den burgerlichen Tod nicht nach ſich, ſo bleibt es ihm immer noch frei, auf die Mullitaͤt der Ehe ſeines Mitgatten anzutragen; erſcheint er aber nicht, ſo wurde die Nichtigkeits Erkläͤtung dieſer Ehe nur ein öffentliches Aerger⸗ niß ohne allen Zweck darbieten, weil die Ehegatten gleich nach dem Ablauf der fuͤnf Jahre ihr Ehebuͤndniß erneuern Lönnten. dung aufgeloͤßt werden kann, auch auf ſolche Ehen anwend⸗ bar, welche vor dem Geſetz von 1792, alſo unter einer Ge⸗ ſetzgebung abgeſchloſſen worden ſind, welche keine Eheſcheidung, aus welchem Grunde es auch ſein mochte, zuließ? Die Verfaſſer der pandectes frangaises verneinen dieſe Frage kraft welcher die Ehe durch die Eheſchei⸗ 5 gegen die Jurisprudenz der Gerichtshöfe, die Meinung der vorzuglichſten Rechtsgelehrten, und die allgemeine Rechts⸗ Principien uͤber die Epoche, mit welcher die Wirkung der Geſetze eintritt. Mir iſt nur ein einziger Fall bekannt, in welchem dieſer Grund der Unzuläͤßigkeit gegen eine Schei⸗ dungsklage vor dem Appellhof von Turin ohne Erfolg ein⸗ gewendet ward. Auch geſtehen die angefuͤhrten Schriftſtel⸗ ler, was ihre Behauptung ganz zu Boden ſchlägt, daß durch das Geſetz von 1792 alle vor ſeiner Verkuͤndigüng ab⸗ geſchloſſene Ehen durch die Eheſcheidung aufloͤsbar erklärt worden ſind. Aus welcher Verfuͤgung des Coder kann man aber die Entſcheidung ableiten, daß dieſe durch ein fruͤheres Geſetz auflösbar erklärte Ehen hinfuͤhro wieder unzertrennlich ſein ſollen? Allein auch ohne den aus dem Geſetz von 1792 abgeleiteten Beweggrund iſt es augenfaͤllig, daß bei der An⸗ wendung der Geſetze uͤber die Eheſcheidung auf alle beſtehende⸗ Ehen, ohne Ruͤckſicht auf die Zeit ihres Abſchluſſes, von keiner zuruckwirkenden Kraft des Geſetzes die Rede iſt. Sonſt muͤßte man auch annehmen, was jedoch die Vertheidiger jener Behauptung wohl ſchwerlich zugeſtehen möͤchton, daß bie Ehe⸗ gatten, welche ſich unter der Herrſchaft des Geſetzes von 1392, welches die Eheſcheidung wegen Unverträglichkeit des Charak⸗ ters zuließ, verehelicht haben, auch noch unter der Herrſchaft des Coder die Eheſcheidung aus dieſer Urſache in Anſpruch nehmen könnten. Wuͤrden uͤberhaupt wohl die Gegner der Ehe⸗ ſcheidung, wenn man ihrem Vorſchlag zufolge die Ehe für un⸗ aufloͤsbar erklart hätte, denjenigen Ehegatten, die ſich unter der Herrſchaft einer Geſetzgebung verehelicht hatten, die die Eheſchei⸗ dung zuließ, erlaubt haben, auch nachher noch dieſe in An⸗ ſpruch zu nehmen? Endlich hatte der Appellhof von Mont⸗ 4 pellier(in ſeinen Bemerkungen S. 13) ausdraͤcklich dar⸗ auf angetragen, eine Ausnahme in Hinſicht auf die Ehen, wel⸗ che vor 17092 abgeſchloſſen worden, zu machen; ein Vorſchlag, der jedoch ohne Folge blieb,„weil die neue Geſetzgebung in Be⸗ treff der Eheſcheidung eben ſo wenig als die in Betreff der Erbfolge, des Pflichttheils ꝛc. zuruͤckwirke, und die Ehegatten das Recht, in der Ehe zu verbleiben, nur in ſo weit erwerben konn⸗ ten, als das Civil Geſetz, unter deſſen Gewalt allein auch vor der Revolution ihre Ehe abgeſchloſſen ward, weil daſſelbe allein die Form und die Bedingungen der Ehe regu⸗ liren konnte, es ihnen fernerhin geſtatten wuͤrde.“ 4) Schwieriger ſcheint Anfangs die Frage: ob auch ſolche That⸗ ſachen zur Eheſcheidung ſtatt geben können, welche ſich vor der Verkuͤndigung des Coder ereignet haben. In Frankreich fallt zwar dieſe Schwierigkeit durch das Geſetz von 1792 weg, weil dieſe Thatſachen ſich nothwendig unter ſeiner Herrſchaft zugetragen haben muͤſſen; allein in Staten und Provinzen, in welchen dieſes Geſetz nicht rezipirt worden, hat ſie die Meinungen der Rechtsgelehrten getheilt, und wir haben ſogar ein Urtheil des Tribunals von Turin vom 9 Frimaire 12 vor uns, welches aus dem Grunde,„daß nach der Geſetzgebung, welche zur Zeit der von der Klägerin auf Eheſcheidung artikulirten Thatſachen beſtand, dieſe ſie hochſtens nur zu einer Klage auf Trennung von Tiſch und Bett, nicht aber zur Scheidung haͤtten berechtigen können“, ihre Klage unzuläßig erklärte. Die⸗ ſes Urtheil ward jedoch durch den Appellhof von Turin (Urtheil vom 21 Floreal 12) reformirt. Der Appellhof ging dabei von dem Grundſatze aus, daß, um den Geiſt, in wel⸗ chem die Verfuͤgungen des Coder in Betreff der Eheſcheidung erlaſſen worden und anzuwenden ſind, zu erkennen, man noth⸗ 7 wendig auf das Geſetz von 1792 Ruckſicht nehmen muͤſſe; daß in dieſem Geſetz die Abſicht des Geſetzgebers, die Eheſcheidung auch wegen ſolcher Thatſachen und Urſachen zuzulaſſen, welche zur Zeit ſeiner Verkundigung bereits eingetreten waren, dent⸗ lich ausgeſprochen ſei; daß man auch deshalb dieſem Geſetz den Vorwurf einer Retroaction nicht machen koͤnne, weil das Recht der Geſetzgebung in Betreff der Ehe von jeher der weltlichen Gewalt allein zuſtehen konnte, und das geiſtliche Dogm der Unauflosbarkeit der Ehe nur durch eine Toleranz des Souverains vor der Revolution eine verbindliche Kraft erhalten hatte, welche dieſer ihm jederzeit zu benehmen befugt war; daß endlich der Coder wohl in Hinſicht auf die Bedingungen und urſachen der Eheſcheidung Abänderungen getroffen, den Grundſatz der Auflösbarkeit der Ehe durch die Eheſcheidung aber in demſelben Geiſte wie das Ge⸗ ſetz von 1792 aufgeſtellt habe; dieſer Grundſatz ſei daher in den Staaten, wo dieſes Geſetz nicht rezipirt worden, in dem⸗ ſelben Sinn anzuwenden, wie er angewendet werden muͤßte, falls die Verkuͤndigung dieſes Geſetzes vorhergegangen waͤre.— Dieſes letzte Argument ſcheint wirklich entſcheidend, denn ohn⸗ geachtet das Geſetz von 1792 nur in Frankreich Geſetzes Kraft haben kann, ſo muß es doch bei der Diskuſſion dieſer Frage beruͤckſichtigt werden, indem der Coder fuͤr ein Land entwor⸗ fen ward, welches zur Zeit ſeiner Verkuͤndigung unter der Herrſchaft dieſes Geſetzes ſtand, und daher, ſobald das Gegen⸗ theil nicht am Tage liegt, vermuthet werden muß, als ſei der Grundſatz der Eheſcheidung im demſelben Geiſte darein uͤber⸗ tragen worden. §) Es iſt der Zweck der Verfuͤgungen der Artikel 228 und 296 jeder Ungewißheit uͤber die Abſtammung der Kinder(urbatio 8 sanguinis) welche die Frau während dieſer Zeit zur Welt brin⸗ gen könnte, vorzubeugen. Man hat jedoch in das franzöſiſche Mecht die Formalitäten nicht aufgenommen, welche die ro⸗ miſche Geſetzgebung angeordnet hatte, um ſich der Schwanger⸗ ſchaft zu verſichern, weit ſie den Sitten unſers Zeitalters nicht angemeſſen ſchienen. 6) Zieht die Uebertretung dieſes Verbots die Mullität der in Zuwiderhandlung der angefuͤhrten Artikel abgeſchloſſeuen Ehe nach ſich? Ich habe bereits im 1. Theile§. 72, No.§. S. 280 dieſe Frage vorläuſig berührt. Unter den franzöſiſchen Rechts Gelehrten iſt Delvincourt la. a. O.) der einzige, welchor dieſes Verbot als ein vernichtendes Ehehinderniß an⸗ ſieht. Er ſtuͤtzt ſich dabei 1) auf bie prohibitive Abfaſſung des Geſetzes,(IL 5. C. de LL.) Allein es iſt ein äußerſt trivialer Grundſatz des franzöſiſchen Rechtes, daß die Tribunalien keine Nullität auszuſprechen befugt ſind, welche nicht im Geſetz geſchrieben ſteht⸗ Freilich wendet Hr. Delvin⸗ court ein, dies ſei auch bei dem Verbote der Art. 205 und 208 nicht der Fall, und er glaube, daß ſo oft das Geſetz erklaͤre, ein Individuum duͤrfe dieſes oder jenes nicht thun, es auch ſeine Perſon mit einer legalen Incapa⸗ citaͤt belege, und ſtillſchweigend die Nullität jedes dieſes Verbotes ohngeachtet errichteten Aktes erkläre; allein ) Dieſe ällgemeine Behauptung iſt offenbar falſch; das Geſetz verbietet z. B. die Ehe von Militair Perſonen oh⸗ ne Erlaubniß ihrer Obern; es iſt aber noch niemand eingefallen, eine dieſes Verbotes ohngeachtet abgeſchloſ⸗ ſene Ehe als nichtig anzufechten; es verbietet alle gerichtliche Zuſtellungen an Sonn- und Feiertagen; — 9 eine an einem ſolchen Tage gemachte Zuſtellung wuͤrde aber nichts deſtoweniger guͤltig ſein. b) Nehmen wir aber an, daß aus einem geſetzlichen Verbot eben ſowohl ein verhin derndes als ein vernichtendes Ehe Hinderniß herfließen kann, ſo bleibt uns dann, wenn der Geſetzgeber ſelbſt ſich uͤber die Wirkungen ſeines Verbots nicht ausdruͤcklich er⸗ klärt hat, nichts uͤbrig, als ſeine Abſicht bei dem Ver⸗ bot, den Geiſt worin er es erlaſſen, zu erforſchen, und hihm in der einen oder andern Klaſſe ſeine Stelle an⸗ zuweiſen, je nachdem das Wohl der Geſellſchaft und die öffentliche Ordnung es erheiſchen. Gehen wir von dieſen Grundſätzen aus, ſo duͤrfte es nicht ſchwer ſeyn, zu erweiſen, daß die Uebertretung dieſes Verbots die Nullität der Ehe nicht nachſſich ziehen kann: A) War dies ſicher nicht die Ab ſicht des Geſetzge⸗ gebers; der Appellhof von Lyon hatte ausdruck⸗ lich darauf angetragen, man moͤge ſich daruͤber er⸗ klären, ob dieſe Uebertretung die Nullitaͤt der Ehe zur Folge haben ſolle. Dies iſt nicht geſchehen, ja man hat dieſe Uebertretung nicht einmal mit einer Poͤnalilät belegt, weil, wie Locre, der der ganzen Verhandlung im Staats Rathe beigewohnt hat, uns ſagt,„es zu hart geweſen waͤre, die Uebertre⸗ „tung einer bloßen Vorſichtsregel, wel⸗ ℳche weder mittelbar noch unmittelbar, wie die Ver⸗ „fuͤgungen des Kapitels IV. auf die Verhuͤtung „großer Unordnungen abzweckt, mit der Mullität „der Ehe zu beſtrafen.“ B) Eben weil hier von einer bloßen Vorſichts⸗ 10 masrege l die Rede iſt, läßt ſich dieſer Fall mit dem der Art. 298 und 298, deren Verfuͤgungen aus den wichtigſten Erwägungen der oͤffentlichen Ordnung und Moral abgeleitet ſind, durchaus nicht vergleichen. Der Geſetzgeber glaubte dieſe Maaß⸗ regel nicht vernachläßigen zu dürfen, um aͤrgerliche Prozeſſe uber die Abſtammung der Kinder zu ver⸗ meiden. Nicht die Ehe war ihm gehäßig, ſondern die daraus entſpringende Ungewißheit uͤber den Stand der Kinder; wird nun durch die Fahrlaͤßig⸗ xeit der Beamten des Civilſtandes ſeine Vorſicht vereitelt, ſo haben die Tribunalien zu erkennen, welcher Ehe ein in jener Friſt gebohrnes Kind angehoͤte, allein es iſt nicht allein keine geſetzliche Ver⸗ fuͤgung ſondern auch nicht einmal ein vernuͤnftiger Grund vorhanden, die zweite Ehe aufzulößen, auſſer⸗ dem daß dieſe Nullitat, die doch ohne Urtheil nicht ein⸗ treten kann durchaus zwecklos waͤre, indem die Ehegat⸗ ten ſich auf der Stelle wieder verehelichen koͤnnten. 2) Allein, ſett Delvincourt hinzu: da das Geſetz we⸗ der gegen die Ehegatten noch gegen die Beamten des Civilſtandes eine Strafe verhaͤngs hat, ſo wurde, wenn auch die Mullität der Ehe nicht ausgeſprochen werden kann, daraus folgen, daß jenes Verbot ungeſtraft verlett werden köunte, Dagegen bemerken wir: bei einer bloßen Vorſichtsmaasregel ſchien es hinluͤnglich, das Verbot zu erlaſſen, und ſich in Hinſicht auf ſeine Beob⸗ achtung auf die Treue der Beamten des Civilſtandes zu verlaſſen. Auch ſcheint ſogar eben dieſer Umſtand die Abſicht des Geſebgebers noch deutlicher zu verrathen; 11 in der That iſt jede Uebertretung jenes geſetzlichen Ver⸗ bots von Seiten der Partheyen ganz unmoͤglich, ſobald der Beamte des Civilſtandes nicht die Hand dazu bie⸗ tet; auch iſt die Uebertretung von Seiten der Partheyen weit weniger ſtraͤflich als die von Seiten des Beam⸗ ten, der in Eid und Pflichten ſteht und von dem Ge⸗ ſetz mit der Handhabung jener Vorſichts Maasregel be⸗ auftragt iſt. Waͤre demnach die Nullität der Ehe eine angemeſſene und der Gerechtigkeit des Geſetzgebers wuͤrdige Strafe? Endlich kann ja eine Uebertretung durch Verwei⸗ ſung, Suspenſion oder Deſtitution des Beamten geahndet werden, und es bleiben daher noch Mittel genug uͤbrig, um den Vollzug jener geſetzlichen Verfuͤgung zu verſichern. 7) Auch aus dem Verbot des Art. 297 fließt nur ein verhin⸗ derndes, kein vernichtendes Ehehinderniß her. Der Zweck deſſelben iſt, von der Eheſcheidung zuruͤckzuhalten; ein⸗ zelne, nie vorher in Anſchlag zu bringende, Uebertretungen deſ⸗ ſelben konnen dieſen nicht vereiteln, und die nirgends im Geſetz begruͤndete Nullitaͤt der Ehe waͤre keine angemeſſene Strafe dafuͤr. 8) Die Sektion wollte auf den Vorſchlag des Appellhofes von Lyon dem Wittwer verbieten, vor dem Ablauf von dreien Mo⸗ naten nach der Aufloͤßung einer erſten Ehe zur zweiten zu ſchreiten. Dieſer Vorſchlag gruͤndete ſich einzig auf den oͤf⸗ fentlichen Anſtand; da er aber gelinder war, als die öffentliche Meinung ſelbſt, ſo wäre dieſe Verfugung im Allgemeinen von keinem Nutzen geweſen; in einzelnen Faͤllen hätte ſie dagegen Nachtheile haben können. Der Vorſchlag ward daher beſeitigt. 9) Ohngeachtet der Art. 228 von dem Falle keine Meldung thut, wo eine Ehe nichtig erklaͤrt worden iſt, und ſogar ſtreng genommen keine Aufloßung der Ehe ſtatt finden kann, T2 wmenn das Urtheil erklärt, daß keine Ehe vorhanden geweſen, ſo hat doch der Appellhof von Trier durch ein Urtheil vonn 30 April 1806 ſeine Verfugung auch auf dieſen Fall augewendet. Und es laͤßt ſich nicht in Abrede ſtellen, daß in der That derſelbe Beweggrund vorhanden iſt, der die Vorſichts Maasregel des Art. 228 beſtimmt hat.(S. die weit⸗ läuftige Erörterung dieſer Frage in meinem Journal a. a. O) Er ſt er Abſchnitr. Allgemeine Gtundſatze in Betreff der Eheſcheidung. Tit. 6 des 1 Buchs des Coder Napoleon. Romiſches Recht: h. de divort. er repud, iag. 3.) Cod. de repudiis, et juciciis de moribhe, sublato 15. 170) Soluto matr. dueadm, dos pet. ¶5 18.) Divortio facto apud querm Lb.(5. 24.) de alendis lib. ac parent.(3. 25.) Nov. 22. cap. 13. Nov. chap. 9. Nov. 134 et 140. Aelteres franzoſtſches Recht: über die Furisprudenz in Hinſicht anf die ehedem unter Katholieen al⸗ lein übliche Trennung von Tiſch und Bett, ſo wie in Hinſicht auf die Ebeſcheidung der Juden, ſiehe das Rspertoire unigersel, „erbs diorce, S6paracion. Geſetze vom 30 September 1792, vom 8 Nivoſe 2, 5 Floreal 2, und 15 Thermidor 3 vn. Ueberſicht der ältern Geſetzgebung und Juris⸗ prudenz Es iſt keinem Zweiſel unterworfen, daß die römiſche Scheidung und Repudiation durch die Romer nach Gallien verpflanzt ward und noch einige Zeit nach der Gruͤndung der fraͤnkiſchen Monarchie daſelbſt uͤblich war, wie es aus den Formeln Marculphs(Lib.. cap. 0.) erweißlich iſt indem das darin enthaltene ScheidungsLibell ausdruͤcklich die Klanſel enthaͤlt: atque ideo unus quisdue ex ipsis, aive ad ser- vitium Dei in monasterio auc copulæ nutrimonti Sociare e voluerit, lcenciam Aabeau. Die Verfaſſer der Pandectes fraugaises,(IV. 17.) Fellen dies zwar in Abrede, geſtehen aber ſelbſt, daß Karl der Große zuerſt durch ein förmliches Geſetz die Ehe unauflöslich erelärt habe; von dieſer Epoche an pflegte man, um eine Ehe aufzulbßen, den rechtsformlichen Weg einzuſchlagen, ſie unter irgend einem Vorwande 1al ſicht zel s⸗ und — S— 13 nichtig erblären zu laſſen. Der Grundſaßz der Unaufidosbarbdit einer rechtsguͤltigen Ehe ward ſeitdem unbedingt undlſtrenge gehand⸗ habt, ſo daß nicht eininal die Ausnahme, welche in den Dekretalen(Cap. 2. X. de convers. conjug. Cap. 11 eod,) zu Gunſten des Kloſterlebens gemacht wird, und auf dem beruͤchtigten Unterſchied zwiſchen dem ma⸗ trimonium ratum und dem matrimonium ratum atque consummnatum beruht, in Frankreich allgemein und ohne Widerſpruch angenommen war⸗ Da jedoch Leichtſinn, Sittenverderbniß und Leidenſchaft die Harmo⸗ nie, welche unter Ehegatten herrſchen ſollte, nur allzuofe in einem Grade ſidren, der ihnen das gemeinſchaftliche Leben unertraͤglich und oft ſogar gefaͤhrlich macht, ſo ſah man ſich von jeher gendthigt, fakti⸗ ſche Trennungen ſelbſt in dem Augenblick zu erlauben, wo die Geſetz⸗ gebung und die Jurisprudenz das Band der Ehe für unaufloslich er⸗ klaͤrten. Die Trennung von Tiſch und Bert, welche die hauptſächlichſte Wirkungen der Ehe zwar ſuspendirte, das Band der Ehe jedoch beſtehen ließ, trat demnach an die Stelle der Cheſcheidung⸗ Wir wollen kurz die Grundſätze der ältern Jurisprudenz in Hinſicht auf dieſe Trennungen durchgehen⸗ 1) welche Urſachen berechtigten zu einer Blage aufDren⸗ nung von Tiſch und Bett? *) Da, ſtrenge genommen, der Frau allein das Recht zuſtand, auf Trennung von Tiſch und Vett zu klagen, ſo war die Klage, welche der Mann im Falle des Ehebruchs der Frau, anzuſtel⸗ len befugt war, eigentlich eine peinliche Krage, deren Titel die erlittene Beleidigung und die Beſtrafung der Ehebrecherin war. Allein nach der einſtimmigen Jurisprudenz aller Gerichtshoͤfe des Koͤnigreichs ſprach daſſerbe Urtheil, welches die Frau als des Ehebruchs ſchuldig zu der geſetzlichen Strafe der Novelle 139 verurtheilte(doch fiel ſeit dem 16 Jahrhundert die Strafe der Geiſſelung weg) zugleich die Trennung von Tiſch und Vett aus. Nahm der Mann ſeine Frau in den zweien Jahren nicht zuruͤck, ſo ſchnitt man ihr die Haare ab, und ſie mußte die Tracht der Kloſterfrauen, bei welchen ihr der Aufenthait angewieſen wor⸗ den, annehmen. That ſie jedoch nicht freiwillig gerſniche Geluͤbde, ſo behielt ſie nicht allein die buͤrgerliche Fähigseit, ſondern auch die Freiheit, ſich nach dem Tode ihres Mannes anderweitig zu verheurathen, ſo wie es durch die Urtheilsſpruͤche des Parlaments von Paris, vom 16ten Jenner und axten Juni 14 1684, zum Portheil der Marie Joiſel, auf den Antrag Talons, entſchieden ward. Daſſelbe) Urtheil pflegte endlich, wenn keine Kinder vorhanden waren, dem Mann die Ausſieuer der Frau ſo wie ihren Antheil an der Gemeinſchaſt, falls eine beſtand, zuzuerkennen, und die Frau ihres Wittwen⸗ gehaltes und aller andern ihr in ihrem Ehekontrakt zugeſicher⸗ ten Vortheile verluſtig zu erklären, es ſei denn, daß ter Mann die Ausſchweifungen ſeiner Frau beguͤnſtigt haͤtte. Auch konnte er auf die Ausſtener keine Anſprüche machen, wenn er ſeine Frau, wenn gleich auf der That, getödtet hatte⸗ b) Der Ehebruch des Mannes, jedoch nur, wenn er von offentlichem Aergerniſſe begleitet war, oder wenn der Mann ſeine Konkubine in dem gemeinſchaftlichen Hauſe gehalten hat⸗ te. Auch konute die Frau den Ehebruch des Mannes als Grund der Unzulaͤſſigkeit gegen ſeine Klage auf Trennung wegen Ehebruch von ihrer Seite einwenden⸗ Noch iſt ferner in dieſer Hinſicht zu bemerken: à) Daß derjenige, der des Ehebruchs mit der Frau eines andern uͤber⸗ fuͤhrt war, zu willkuͤhrlichen Strafen verurtheilt werden konnte, bei deren Beſtimmung man hauptſaͤchlich auf den hoͤhern Stand der Mitſchuldigen Ruͤckſicht zu nehmen pflegte. Doch ward die Jurisprudenz in dieſer Hinſicht immer gelinder, und beſchränkte ſich zuletzt auf unbedeutende Geldſtrafen, bis durch den letzten Artikel des PonalCodex vom 25 Sept. 1797 auch dieſe ganz wegfielen⸗ b) Daß die Klage des Mannes wegen Ehebruch durchaus perſon⸗ lich war. Doch konnte: 1) der Erbe eine von ihm erhobene Klage verfolgen und zu Ende fuͤhren, jedoch nur, um die Fran ihvrer Vortheile und Ausſteuer verluſtig erklären zu laſſen, und ohne auf die Ponalitäten der Authentica antragen zu koͤnnen.(Urtheil des Parlaments von Paris vom 5 Jaͤnner 1680.) 2) Auchſkonnten die Erben des Mannes den Ehebruch der Wittwe einwenden, nicht zwar um ſie ihrer Ausſteuer und der ihr im Ehe Kontrakt zugeſicherten Vortheile verluſtig erklären zu laſſen, ſondern um ihr die Liberalitäten ſtreitig zu ma⸗ chen, welche ihr Autor derſelben gemacht haben konnte. Doch ließ man dieſe Einwendung ſchwieriger zu, wenn die Frau in einer zweiten Ehe lebte.(Urtheilsſpruͤche vom 9. May 15 1685, November 17a1, Sten April 1559, uns 17ten Maß 1736.) 3) Das öffentliche Miniſterium konnte in dem Fall, wo ber Mann den Ehebruch der Frau beguͤnſtigte, beide, des öffentlichen Aergerniſſes halber, verfolgen; doch trat alsdann nicht die gewöhnliche Strafe des Ehebruchs, ſondern die Straſe der Hurerei und Kupplerei ein. *) Ehebrecher Lonnten ſich untereinander, weder mittelbar noch unmittelbar, weder Liberalitäten und Schenkungen machen, ſelbſ nicht einmal zum LebensUnterhalt. Eben ſo waren die Ver⸗ mächtniſſe zum Portheit in einem ehebrecheriſchen Umgange erzeugter Kinder nichtig. 4) 3wei Perſonen, die mit einander im Ehebruch gelest hatten, konnten ſich nie mit einander verehelichen. e) Jede Klage auf Ehebruch war der Verfuͤgung der ler Julia gemäß, fuͤnf Jahre nach dem Tage, wo das Verbrechen begaugen worden, verjährt. 7) Endlich war es ſehr gebräuchlich, anſtatt im gewohnlichen Wege eine Klage wegen Ehebruch gegen die Fran zu erheben, bei dem Konig eine lettre de Cachet zu ihrer Verhaftung in einem Floſter zu erwirken. Derjenige, der dieſen Weg eingeſchlagen hatte, war nachher unzuläßig, zu dem Weg einer gerichtlichen Klage zuruͤckzukehren, wie es durch ein be⸗ ruͤhmtes Urtheil des Parlaments von Paris vom 30 Auguſt 1776 entſchieden ward. e) Bon dem Manneveruͤbte Mishandlungen, wo⸗ bei Stand und Erziehung und die GeſundheitsUmſtände der Klägerin beſonders beruͤckſichtigt wurden⸗ d) Die Diffamation, in Hinſicht auf welche ſolgende Grundſätze allgemein angenommen waren: 1) So oſt der Mann in einer infamirenden Klage gegen ſeine Frau unterlegen hatte, war dieſes allein ein hinläͤnglicher Beweiß der Diſſamation, und die Trennung ward ohne wei⸗ teres erbannt. a) Die Diffamation konnte aber auch aus beleidigenden Reden und Anſchuldigungen des Mannes herfließen, worunter die des Ehebruchs die haͤufigſte war. Ein Urthei des Parla⸗ ments von Paris vom 4 Julius 1782 hat in einem Falle, worin die Diffamation mit oͤffentlichem Aergerniß verbun⸗ den war, den Mann zugleich der ihm im Ehekontrat zuge⸗ ſicherten Vortheile verluſtig erblärt. Bei Leuten von hoͤ⸗ herem Stande war ein gerlngerer Grad von Publizität hinlaͤnglich, um die Trennung anf dieſes Mittel zu erkennen. 3) Eine durch den Mann mittelſt falſcher Beſchuldigungen ans⸗ gewirbte lettre de Cachet konnte gleichfalls zu einer Klage auf Trennung berechtlgen, weil die leitres de Cachet, wie es zuletzt uͤblich war, auf Gefahr deſſen, der ſie nachſuchte, ertheilt wurden. ) Eine von dem Manne erhobene Klage auf Nullität der Ehe ward von dem Parlament von Paris am 17ten Auguſt 1730 als ein hinlänglicher Grund angeſehen, um auf Anru⸗ ſen der Frau die Trennung von Tiſch und Bett zu erkennen. 1) Krankheiten waren im Allgemeinen, ſelbſt ekelhafte und anſieckende, kein hinlänglicher Grund zur Trennung; wohl aber die veneriſche Krankheit, nach der Furisprudenz mehrerer Parlamente, unter andern des von Metzz(Urtheile vom 1 Julius und 14 Dezember 1691) weniger beſtimmt war die Jurisprudenz des Parlaments von Paris. Der Grund jenes Unterſchiedes iſt augenfaͤllig: Krankheiten im Allgemeinen ſind Calamitäten der Natur, welchen die Tugend ſo wie das Laſter ausgeſetzt iſt; die Luſiſenche hingegen iſt die Strafe von Ausſchweifungen, welche der Unſchuldige nicht tragen darf. Auch kann eine Frau ſich gegen jede andere Krankheit leich⸗ ter ſchutzen, als gegen dieſe, die unter dem Schleier des Ver⸗ gaügens den Keim der Aufloßung verbirgt. 2) Auch der Wahnſinn und ſelbſt die Wuth des Mannes war im Allgemeinen keinhinlaͤnglicher Grund zur Trennung von Tiſch und Bett. Doch hat man einige Beiſpiele von gegen⸗ theiligen Entſcheidungen. 2) Auf welche Art ward die Rlage auf Trennung einge⸗ leitet? In Frankreich war dieſe Klage ſtets von der Kompetenz des welt⸗ 17 lichen Richters, den Gerichtsſprengel des Parlaments von Douay allein ausgenommen, in welchem durch beſondere Geſetze (Konkordat vom 10 Maͤrz 1541 zwiſchen Karl dem Fuͤnften und dem Biſchof von Lüttich vom 29ten September 1449 zwiſchen dem Her⸗ zoge von Vurgund, Grafen von Flandern und Henanlt, und dem Biſchof von Cambvay, durch den daſelbſi rezipirten Can. 8. sess. 2. Con- eil. Trid. und endlich die Chartres générales du Hainaut, Ayt. 12, chap. 121.) die Competenz der geiſtlichen Offizialate begrͤndet war. Wie es ſcheint, hatten in fruͤheren Zeiten auch im übrigen Frankreich die geiſtlichen Vehoͤrden die Erkenntniß über dieſe Klagen an ſich geriſſen⸗ allein ein Urtheil des Parlaments von Paris vom 23 Mai 1653 er⸗ klärte bereits eine von dem geiſtlichen Richter ansgeſprochene Tren⸗ nung von Tiſch und Bett nichtig und mißbrauchlich. Denſelben Grund⸗ ſatz enthalten Urtheile des Parlaments von Rennes vom 31ten Jänner 1736, und 28ten Jänner 1737. Aus den Urtheilen der Parlamente uͤber die vor der Revoluzion äuſſerſt häufige Klagen diéſer Art, laſſen ſich folgende Regeln der äͤltern Jurisprudenz abſtrahiren? N Jede freiwillige Trennung, in welcher Form ſie auch immer gen ſchehen ſeyn mochte, war durchaus nichtig. Kein Vergleich, reine vor Notarien abgeſchloſſene Convention, wodurch die Ehegatten ſich zu einer ſolchen Trennung verpflichtet hatten, ward von den Gerichten anerkannt. Dieſer Grundſatz wird durch eine Menge ein⸗ ſtimmiger Urtheilsſpruͤche anßer allen Zweifel geſetzt. Doch hat das Parlament von Metz durch ein Urtheil vom a3 November 1637 die Erben eines der Ehegatten unzuläßig erklärt, eine von ihrem Autor und ſeinem Mitgatten freiwillig verabrebete und voll⸗ zogene Trennung anzufechten, und eben ſo hat ein Urtheil des Parlaments von Paris vom arten Oetober 1711 einen Ver⸗ gleich, wodurch eine ſolche Trennung bewilligt worden war, guͤl⸗ tig erkläͤrt, allein dieſer Vergleich war auf eine Klage auf Tren⸗ nung und nach einer Unterſuchung, die den vollſtändigſten Be⸗ weiß der artikulirten Thatſachen enthielt, abgeſchloſſen, und wäh⸗ rend dreißig Jahren vollzogen worden. Dieſe durch beſonders Umſiände motivirte Ausnahme beſtätigen den Grundſatz. 2 18 2. Der Richter autbriſirte die Trennung erſt nach vorläufiger und ſtrenger Unterſuchung der Thatſachen, nach Anhörung des An⸗ trags der Koniglichen Beamten. 3. Gleich nach Einleitung der Kiage pflegten die Gerichte den Ort zu beſtimmen, an welchem die Frau während der Klage ihren Aufenthalt nehmen mußte, ſo wie die Proviſion oder ali⸗ mentariſche Penſton, welche der Mann ihr zu zahlen hatte. 3. Die Trennung ward gewöhnlich auf unbeſtimmte Zeit verord⸗ net; ſie waͤhrte ſodann ſo lange, bis beide Ehegatten dahin uͤber⸗ einkamen, ihr freiwillig ein Ende zu machen. Doch hat man auch Beiſpiele, daß ſolche Trennungen nur auf eine beſtiminte Anzahl von Fahren verordnet wurden⸗ 3) welches waren die wirkungen der Trennung von Tiſch und Bett? z. Es war die hauptſächlichſie Wirkung der Trennung, die Frau von der Verbindlichkeit zu vefreien, bei ihrem Manne zu woh⸗ uen. Es ſtand ihr frei, ſich hinfuͤhro jeden anſtaͤndigen Aufent⸗ haltsOrt zu waͤhlen⸗ ohne daß ſie gezwungen werden konnte, in ein Kloſter zu gehn. a. Die Trennung von Tiſch und Bett zog immer die Trennung der Guͤter nach ſich. Dieſe ward jedoch im Bezirke des Parlaments von Douay durch die weltlichen Gerichte auf die Anſicht des Urtheils des geiſtlichen Offizialats, welches die Trennung erkannt hatte, ausgeſprochen⸗ Die Frau, welche in Gemeinſchaft der Guͤ⸗ ter gelebt hatte, vehielt das Recht, auf die Gemeinſchaft Per⸗ zicht zu leiſten, oder ſie anzunehmen⸗ 3. Wenn die Frau die Trennung wegen Mishandlungen erwirkt hatte, ſo war ſie beſugt, alle Vortheile, die ſie ihrem Manne im Ehekontrabt zugeſichert hatte, zu widerruſen, ſelbſt wenn ſie un⸗ ter der Bedingung der Reziprozität ſtipulirt geweſen wären. Zwar vat ein Urtheil des Parlaments von Paris vom Sten März 1735 in dieſem letzten Falle eine gegenſeitige Schenkung aufrecht er⸗ yalten, allein zwei Urtheile vom g6ten Februar 17a8 und 4ten Julius 1782 haben ſeitdem die fruͤhere gegentheilige Jurispru⸗ denz beſtaͤtigt⸗ — 19 Was die Proteſtanten betraf, ſo konnten auch ſie vor der Re⸗ voluzion auf das Rechtsmittel der Eheſcheidung keine Anſpruͤche ma⸗ chen. War ihre Ehe, den Geſetzen des Koͤnigreichs gemäß, vor ei⸗ nem katholiſchen Pfarrer abgeſchloſſen worden, ſo wurden ihre Wir⸗ Lungen auch von denſelben Geſetzen regiert; war ſie hingegen von einem proteſtantiſchen Pfarrer abgeſchloſſen worden, ſo war ſie ſiren⸗ ge genommen, nichtig,(Siehe Theil I. S. 331) und dann konnte von Scheidung eines Pandes, das als nicht vorhanden angeſehen ward⸗ keine Rede ſeyn. Die Jurisprudenz der Gerichtshoͤfe konnte die Stren⸗ ge der Geſetzgebung zwar in ſo weit mildern, daß ſie uͤber die Nulli⸗ tät dieſer Ehen die Augen ſchloß; ſie wuͤrde ſich jedoch ſelbſt wider⸗ ſrochen haben, wenn ſie, indem ſie die Exiſtenz einer nach franzd⸗ fiſchen Geſetzen rechtsguͤltigen Ehe anerkannte, die Scheidung derſelben zugelaſſen hätte, da doch nach denſelben franzdſiſchen Geſetzen die Ehe weſentlich unauflösbar war. Auffallend iſt es, daß die Juden groͤßere Vorrechte genoſſen, als die Proteſtanten, welcher Unterſchied daraus herfloß, daß die Re⸗ Ugion der erſtern im Staat geduldet, die der Audern aber prostribirt war⸗ Ihnen wär es erlaubt, ihre Ehen nach den Gebraͤuchen ihrer Religion abzuſchließen, und durch ein Urtheil des Chatelet von Paris vom 20 Maß 1779 in der beruͤhmten Sache des Juden Peixotte gegen ſeine Frau Sara Mendes d'Aroſta ward es fbrmlich anerkannt, daß die Scheidung unter Inden keinen andern Regeln als ihren eignen Geſetzen und Gebräuchen unterworfen ſeh⸗ Das Geſetz vom zoten September 1793 fuͤhrte die Eheſcheidung in ganz Frankreich und für alle Franzoſen wieder ein. Die Geſetze vom gten Nivoſe und 5ten Floreal aten Jahrs beguͤnſtigten die Klagen au Eheſcheidung in einem Grade, der alle Schranken der Sittlichteit überſtieg, indem ſie alle Eheſcheidungen durch eine bloße von den Ehe⸗ gatten vor einem Munizipal Beamten, dem Friedensrichter oder vor Nota⸗ rien, abgegebene Erklärunsg gultig erklaͤrten. Das Geſetz vom Iten Thermidor 3 kehrte wieder zu dem Syſtem der Geſetzgebung von 1793 zuruͤck, die nur durch den Codex Napoleon verdraͤngt ward. Ueber die ältere franzöſiſche Jurisprudenz in Betreff derſ Trennung von Tiſch und Pett, ſiehe Van Espen, das Dictionnaire des arréts von * 233 295 304 20 Prillon, die Sammlungen Deniſarts, die essais de Jurispru- dence des Herru de la Motte, die Conkéreuces de Paris et dAngers sut 1emariage, Md das Képerteire unwersel, verbis: Separalion Achhw„adteſ comruhaute, diorce, ſemme. Die Eheſcheidung iſt die geſetzmäßige Auflöſung des ehelichen Bandes. Sie findet nur in den vom Geſetz aus⸗ pruͤcklich vorgeſehenen Fällen ſtatt. Jede freiwillige Ehe⸗ ſcheidung iſt nichtig; aber das Geſetz nimmt die gegen⸗ ſeitige, freiwillige, Einwilligung beider Ehegatten, wenn ſie ſolche unter Beobachtung der geſetzlichen Bedingungen an Tag gelegt haben, und nach den vom Geſetz beſtimm⸗ ten Pruͤfungen darauf bebaren, als einen hinreichen⸗ den Beweiß an, daß in Hinſicht auf ſie eine peremptoriſche urſache zur Eheſcheidung vorhanden iſt. Einmal geſchiedene Ehegatten dürfen ſich nicht wieder mit einander verehelichen. Die Eheſcheidung bringt in den Rechten und Vortheilen, welche die Geſetze und die Ehe Pakten ihrer Aeltern den Kindern zuſichern, keine Aenderung hervor. Locre, IV. 13. 6t suiv. 420 et suiv. VerbalProzeſſe vom 14, 16, nnd an Vendemaire 10, und 15 Nivoſe 12 Projekt, Buch 1. Ti⸗ tel 6. Kap. 1. Podhier, in Pandest. Just. L. 24. tit 2. art. 1. 0. 2. Reßertoire universel verbo: dioce. Discours du Tri- bun Cæoh NWesas, édit. olhe. I. 468. Art 7 und 8 der Statuten der Kaiſerl. Famille vom Zoten Mai 1806. Moncesquieu, ssprit des lois; lib. 16. chap. 15. Pandectes frangaises IV. 1 er wuiv. Male ille, Analyse raisonnée, I, 235 et suiv. Thibaut Syſiem des Pandekten Rechts, I.§ 423 u. ff. de divort. et repud. 4. 3) 1) Pothier definirt die Eheſcheidung; legitima viri et mu⸗ 2I Reris separatio, hge animo facta, ut nunquam re- integretur matrimonium. 2) Ungluͤcklicher Weiſe war in dem Geſetz von 1792 e u. ſaz, daß die Ehe eine doch wenigſtens in der Abſicht der Kontrahenten auf Lebenszeit eingegangene Geſellſchaft i ganz aus dem Auge gelaſſen worden; es beguͤnſtigte und erleichterte die Eheſcheidungen ſo ſehr, daß die traurigen Wir⸗ kungen deſſelben nothwendig ſehr bald fuͤhlbar werden muß⸗ ten. Zudem fiel die Verkuͤndigung dieſes Geſetzes, das die Leidenſchaften ſo ſehr beguͤnſtigte, in eine Epoche, wo die Leidenſchaften alle aufgeregt waren, und die politiſchen Er⸗ eigniſſe den Frieden ſo vieler Familien und Ehen zerſtört hatten. Bringt man ferner die nicht unbedeutende Anzahl von ſimulirten Eheſcheidungen in Anſchlag, wodurch die Wei⸗ ber vieler Emigrirten ihr eignes Vermoͤgen vor der Konfis⸗ kation zu ſichern ſuchten, ſo iſt das ungeheure Misverhaͤltniß welches man in einigen Jahren zwiſchen der Zahl der Ehen und der der Eheſcheidungen bemerkt, ohne Muͤhe zu er⸗ kläͤren⸗ Als unter dieſen Umſtänden die Reform dieſes Theils der Geſetzgebung zur Sprache kam, erhub ſich eine ſtarke Par⸗ thei mit Macht gegen den Grundſatz der Eheſcheidung uͤber⸗ haupt. Fuͤr ihre Meinung ſprach, außer der Erfahrung der Revoluzions Jahre, auch die Stimmung der Zeit, weil in dem Augenblick, wo das Konkordat die katholiſche Religion als die der Mehrzahl der Franzoſen wieder unter den öffentli⸗ chen Schutz der Regierung nahm, eine von dieſer Religion durchaus verworfene Neuerung nothwendig in gehäſſigem Lichte erſcheinen mußte. Hatte man vorher die Eheſcheidung als eine an und fuͤr ſich vortrefliche Inſtitution hoch geprie⸗ 22 ken, ſo wollte man ſie itzt auch nicht einmal mehr fuͤr ein nothwendiges Huͤlfsmittel gegen größere Uebel anerkennen. Der Staatsrath hatte daher vorläufig uͤber folgende Fra⸗ gen zu erkennen: Darf und ſoll der Geſetzgeber uͤberhaupt die Eheſcheidung aus irgend einem Grunde erlauben? Soll ſie nur wegen beſtimmken Urſachen, oder auch we⸗ gen Unvertraglichkeit des Karakters ſtatt finden? 3) Die Vorfrage uͤber die Competenz des Geſetgebers war bereits durch die Grundſätze des Titels: von der Ehe, entſchieden; als eine bloß burgerliche Uebereinkunft ſteht ſie ausſchließlich un⸗ ter der Herrſchaft des Eivil Geſetzes; und ſobald der Geſetzgeber eine Ehe ohne Sakrament anerkannt hatte, konnte uber ſeine Befugniß, deren Auflößung zu erlauben, während die Reli⸗ gion ſie fuͤr unauflöslich erklärt, auch kein Zweifel mehr obwalten. Es iſt hier der Ort, einen ſcheinbaren Widerſpruch zu beruhren, den manche der neuen franzöſiſchen Geſetgebung vorwerfen. Das CivilGeſetz, ſagen ſie, erlaubt die Eheſchei⸗ dung und die Wiederverehelichung geſchiedener Ehegatten, waͤhrend die von der Regierung angeſetzte Pfarrer geſchiede⸗ nen Ehegatten, die ſich wieder verehelichen wollen, die prie⸗ . ſterliche Einſegnung verweigern, und ſo die Wiedervereheli⸗ chung verhindern. Allein hier iſt kein Widerſpruch, ſon⸗ dern Conſequenz der Geſetzgebung. Das CivilGeſetz geht bei ſeinen Vorſchriften aus einem bloß politiſchen Geſichts⸗ punkte aus, und läßt nachher den Gewiſſen ihre Freiheit; eine Reform der ReligionsLehren liegt auſſer ſeinem Wir⸗ kungskreiſe; da die prieſterliche Einſegnung keine Bedingung einer geſetzlichen Ehe iſt, ſo folgt daraus, daß das Cioil Geſetz 24 6 den geſchiebenen Ehegatten die Wiederverehelichung erlaubt, nicht, daß es ihnen auch die kirchliche Beſtätigung dieſer zweiten Ehe verſchaffen muͤſſe; es ſichert dieſer zweiten Ehe alle Civil Wirkungen zu; kein Rotar darf ſich weigern, die EhePakten derſelben aufzunehmen, kein Beamter des Civil⸗ ſtandes den HeirathsAkt aufzuſetzen; die in dieſer Ehe er⸗ zeugte Kinder ſind in den Augen des Geſetzes rechtmaͤßig, felbſt wenn dieſelbe von keinem Pfarrer eingeſegnet worden wäre, ſo wie die in einer vor dem Prieſter, und nicht vor dem Maire, abgeſchloſſenen Ehe erzeugte Kinder von dem buͤrgerlichen Geſetze immer als uneheliche Kinder betrachtet werden; das Geſetz laßt den religiöſen Meinungen ihre ganze Freiheit, es bietet ihnen deshalb, wie wir in der Folge ſehen werden, zugleich mit einem Mittel, welches der katholiſche Glaube misbilligt, ein anderes an, welches er erlaubt. Es uͤberläͤßt den Gewiſſen die Wahl zwiſchen dem einen und dem andern: wer gegen den Willen ſeiner Kirche die Eheſcheidung der Trennung von Tiſch und Bett vorgezogen hat, kann dem Geſetzgeber keinen Vorwurf machen, wenn dieſe Kirche ſeine zweite Ehe, die der Staat anerkennt und ſchutzt, nicht an⸗ erkennen will⸗ ₰) Wenn aber uͤber die Befugniß des Geſetzgebers, die Ehe⸗ ſcheidung zuzulaſſen, kein Zweifel obwalten kann, ſo bot die zweite Frage: ſoltte er ſie zulaſſen? größere Schwie⸗ rigkeiten dar, ohngeachtet der Geſichtspunkt, von welchem bei ihrer Beantwortung ausgegangen werden mußte, von dem obi⸗ gen Grundſatz gleichfalls angegeben war: es durfte nämlich ein blos po litiſcher, kein religidͤſer ſeyn. So viel auch äber die Vortheile der Eheſcheidung von der einen, und uͤber die Nachtheile derſelben von der andern 24 Seite geſchrieben und geſprochen ward, ſo war doch lange kein Reſultat moͤglich, weil man den wahren Geſichtspunkt, aus dem die Frage beurtheilt werden muß, erſt ſpät feſtſetzte. Die Verfaſſer des Geſetzes vom 20. September 17092 hatten of⸗ fenbar Unrecht, indem ſie die Eheſcheidung aus der buͤrger⸗ lichen Freiheit herleiteten,„welche durch eine unauf⸗ loͤsliche Verpflichtung verlohren gienge,“ indem alle buͤrgerliche Freiheit nur dann vorhanden iſt, wenn ihre Aus⸗ uͤbung den Geſetzen der oͤffentlichen Ordnung untergeordnet iſt; eben ſo unrichtig iſt der Grundſatz der abſoluten Vor⸗ treflichkeit der Inſtitution der Eheſcheidung, indem ſie nur ein Huͤlfsmittel iſt: ſobald ſie aber ein Huͤlfsmittel, oder wohl gar ein nothwendiges Huͤlfsmittel werden kann, iſt es eben ſo unrichtig, ſie an und fuͤr ſich fuͤr ein Uebel zu er⸗ klaͤren. Die Gegner der Eheſcheidung, welche behaupten, daß die Idee der Unaufloßbarkeit der Ehe fuͤr die Ehegatten ein Grund ſeyn wuͤrde, ihre Fehler gegenſeitig mit Geduld zu ertragen, indem niemand ſich gegen das eiſerne Joch der Nothwendigkeit auflehne, haben nicht weniger Recht, als die Verfechter derſelben, welche behaupten, daß eben der Gedanke der Unaufloͤßbarkeit der Ehe die Quelle ſo vieler Ausſchwei⸗ fungen ſey, daß häusliche Leiden nur durch die Gewißheit ihrer Verlaͤngerung auf die ganze Lebenszeit unertraͤglich wuͤr⸗ den, und daß ein endloſer Kummer zur Verzweiflung fuͤhre. Beiden bietet die Erfahrung tauſend Belege zu ihren Be⸗ hauptungen dar. Auch das Intereſſe der Kinder kann kein Entſcheidungs⸗ grund werden. Eine Scheidung macht ſie oft weniger elend als eine ungluͤckliche Ehe; oft iſt es umgekehrt der Fall. Ohne Zweifel iſt die Scheidung fuͤr die Kinder ein trauriges 25 Ereigniß; aber das Uebel liegt nicht ſowohl in dem Akt der Scheidung, als in den Auftritten des innern Zwiſtes, wel⸗ che ihn nothwendig gemacht haben. Wenigſtens bleibt den geſchiedenen Ehegatten die Hoffnung, diejenige Achtung fuͤr ihre Perſonen zu erzwingen, welche eine neue Verbindung rechtfertigen kann, und die Eindruͤcke ihrer erſten Ehe durch eine gluͤcklichere auszulöſchen. Vielleicht iſt dieſer Fall der glucklichſte, der ſich fuͤr die Kinder ereignen kann; wenigſtens wird ſich die natuͤrliche Zuneigung leichter in die Reinheit einer geſetlichen Verbindung als in den Ausſchweifungen unerlaubter Laſter erhalten, die ſo ſchwer zu vermeiden ſind, wenn man alle Anſpruͤche auf die Ehe verlohren hat. Das wahre Intereſſe der Kinder beſteht darin, die Urheber ihrer Tage gluͤcklich und achtungswerth zu ſehn, nicht aber traurig, iſolirt, verlaſſen, oder durch Genuͤſſe entſchaͤdiget, welche nie ohne Bitterkeit ſind, weil immer die Reue ſie begleitet. 5) Die Sitten und Gebräuche der Nation, die Stimmung der Zeit, der Vortheil des Staats, dies ſind die Gruͤnde, die bei der Beantwortung jener Frage einzig in Anſchlag gebracht wer⸗ den konnen. Die Eheſcheidung wuͤrde bei einem einfachen Volke, deſſen weniger ſinnliche Verfeinerung fuͤr das Gluͤck der Ehe, und folglich fur ihre Dauer, nichts befurchten laſſen, zugleich unnuͤtz und gefaͤhrlich ſein. Bei einem Volke, deſſen verdor⸗ bene Sitten die Verletzungen der ehelichen Treue und die un⸗ zähligen Unordnungen, welche die nothwendigen Folgen davon ſind, begunſtigen, bei welchem Heftigkeit der Leidenſchaften und die Ausſchweifungen zuͤgelloſer Begierden das Gluͤck der Gattelr und der Kinder gefaͤhrden, duͤrfte ſie ſchwer zu ent⸗ behren ſeyn. Inkonſequent waͤre ſie bei einem Volke, das ſich zu einem einzigen Kultus bekennen wuͤrde, der die Un⸗ 26 auflösbarkeir der Ehe unter ſeine Dogmen zählt. In Frank⸗ reich* 1) ſteht ſie mit dem ſtaatsrechtlichen Grundſatz der⸗ Frei⸗ heit der Religionen in Uebereinſtimmung; 2) ſie ſteht mit dem franzoſiſchen PrivatRecht nicht in Widerſpruch, und 3) ſie iſt an und fur ſich betrachtet der Trennung von Tiſch und Bett vorzuziehn⸗ Erſter Grund ſatz. Die Eheſcheidung ſteht mit dem ſtaatsrechto uchen Grundſatz der Freiheit der Religionen in Uebereinſtimmung⸗ Das ganze Syſtem der Geſetzgebung uͤber die Freiheit der Religionen iſt die Entwickelung der beiden Grundregeln? daß man derFreiheit der Buͤrger iwallem, wo⸗ Lei die oͤffentliche Ordnung nicht betheiligt ſt, keine Schranken ſeben duͤrfe; daß aber in allem, was die oͤffentliche Ordnung betrift, die Handlungen der Bürger der Aufſicht des Staats unterworfen ſind. Der innere Glaube eines Buͤrgers hat mit der oͤffentlichen Ordnung nichts zu ſchaffen; das Geſetz zwingt ihn nicht, ſich aͤuſſerlich zu dieſer oder jener Religion zu bekennenz es ſichert ſeinen Civilſtand auf eine Art und Weiſe, die ſeinem Glauben nicht wider⸗ ſtreben kann, weil ſie fuͤr die Bekenner aller Religionen die nämliche iſt; ſei er im Grunde ſeines Herzens Heide oder Mohometaner, es ſchließt ihn von keiner oͤffentlichen Staats⸗ vedienung aus Erſte Anwendung. Freiheit der Gewiſſen. Will er aber ſeinen innerlichen Glauben äuſſerlich an den Tag legen, ſo hat man zu unterſcheiden, ob er es allein und füͤr ſich, oder in Geſellſchaft mehrerer ſeiner Glaubensgenoſ 25 ¹ ſen thut. Im erſten Falle bekuͤmmert ſich der Staat nicht mehr um ſeine Religionsubungen als um jede andere Handlung ſeines Lebens; ſobald ſie der oͤffentlichen Ordnung nicht zu⸗ widerlaufen, verhindert die Polizei ihn nicht daran. Zwei⸗ te Anwendung. Freiheit der Religionen.*) Anderſt iſt es, ſobald mehrere gemeinſchaftlich einen Got⸗ tesdienſt halten. Die Bildung einer jeden Sekte erregt Auf⸗ ſehen, oft Unruhen im Staate, und es kommt daher der Re⸗ gierung zu, ihre Grundſätze zn unterſuchen, und ihren oͤffent⸗ lichen Gottesdienſt zu erlauben oder zu verbieten, je nachdem er den Sitten der Nation entſpricht oder nicht. Gewoͤhnlich iſt die Mehrzahl der Nation einem Glauben zugethan, die Mehrzahl der Minorität wieder einem Glauben. Vielleicht iſt der Reſt der Minorität in eine Menge Sekten getheilt. Wenige koͤnnen zwar denſelben Schutz aber nicht dieſelbe Be⸗ gunſtigung fuͤr ihren Glauben fordern, als Viele. Der Staat kann daher in ſeinen Verfuͤgungen uͤber die Polizei der Kulte nur auf die Religion der Mehrzahl und auf die Religionen, welche nach der der Mehrzahl die meiſte Anhänger haben, Ruͤckſicht nehmen. Er kann die uͤbrige Sekten wohl unter *) Ich gebe daher weder zu, daß, wie Herr Profeſſor Heiſe in ſeinein Aufſatz uͤber SewiſſensFreiheit, in den Stn⸗ dien, herausgegeben von Daub und Creuzer, Th. I. S. 292 behauptet, der Staat den Bekennern einer andern Religion, als der herrſchenden, jede HausAndacht ſelbſt im Inuern ihrer Familie, ohne Zulaſſung von Fremden, zu verbieten befugt ſei, wenn gleich dieſe Andacht in Nichts der oͤffentlichen Ordnung und Polizei zuwiderlaufen ſollte, noch viel weniger aber, daß der Staat alle Einwohner zwingen koͤnue, ſich, unter Strafe der Lan⸗ desverweiſung, d ffentlich zu der herrſchenden Religion zu be⸗ kennen, und ſogar die gottesdienſtlichen Gebräuche derſelben mit⸗ zumachen, Gott behuͤte uns vor einer ſolchen GewiſſensFreiheit 28 den allgeweinen Schutz der Polizei nehmen, aber ihnen keine beſondere Unterſtutzung verleihen,(indem er ihre Prieſter be⸗ ſolden, ihren Gottesdienſt organiſiren zc. wuͤrde). Daher der Unterſchied zwiſchen anerkannten und bloß gedulde⸗ ten Religionen. Dritte Anwendung⸗ Das CivilGeſetz muß, ſo viel möglich, vermeiden, Hand⸗ lungen zu verbieten, welche eine der anerkannten Religionen erlaubt, indem es, wenn es ſie erlaubt, dem Bekenner jeder andern die Freiheit läßt, von dieſer Erlaubniß keinen Gebrauch zu machen, wenn ſein geiſtliches Geſetz ihm dieſen Gebrauch verbietet, während ein Verbot die CivilGeſetzgebung mit dem StaatsGeſetz in Widerſpruch ſetzen wurde, das die Grund⸗ ſätze jener Religion autoriſirt, während das Civi[Geſetz deren Ausubung hemmen wuͤrde. Vierte Anwendung. Unter den durch das Geſetz vom 18 Germinal 10 Jahrs in Frankreich anerkannten Religionen befindet ſich die Pro⸗ teſtantiſche, welche die Eheſcheidung zuläßt. Die Beibe⸗ haltung der Eheſcheidung ſteht daher mit den ſtaatsrechtlichen Grundſätzen in Hinſicht auf die Religion in Uebereinſtimmung⸗ Der Einwurf des Tribuns Carion Niſas, als ob man aus demſelben Grunde die Repudiation, die Bigamie, das Ausſetzen der Kinder ꝛc. erlauben muͤſſe, zerfällt durch obigen Unterſchied zwiſchen den geduldeten und aner⸗ tannten Religionen. Da die erſte nicht in die Organi⸗ ſation des Staatsgebaͤudes aufgenommen worden ſind, ſo nimmt auch der Geſetzgeber auf ihre Dogmen gar keine Ruͤck⸗ ſicht. Er duldet ihre Anhänger; ſobald ſie aber in ihren Religionsäbungen die Geſetze der öffentlichen Ordnung uber⸗ Ceten, zieht ſie die Polizei zur Verantwortung, und ein Ma⸗ 29 hometaner wuͤrde in Frankreich zur Entſchuldigung ſeiner Bigamie ſeinen Glauben nicht mit Grunde einwenden kon⸗ nen, weil der Staat ihm nur unter der Bedingung Duldung ſeines Glaubens zuſichert, daß er ſich den Geſetzen der oͤf⸗ fentlichen Ordnung unterwerfe. Zweiter Grundſatz. Die Eheſcheidung, welche dem Staats⸗ Recht entſpricht, ſteht mit der CivilGeſetzgebung uͤber die Ehe in keinem Widerſpruch⸗ Man hat dieſen Widerſpruch darin zu finden geglaubt, daß man die Ehe eine auf Lebenszeit abgeſchloſſene Ueber⸗ einkunft definirt hatz allein man muß zwiſchen einer lebens⸗ läng lichen Verbindung und der abſoluten Unauf⸗ lößbarkeit derſelben unterſcheiden. Außer der katholi⸗ ſchen Kirche hat keine politiſche und keine geiſtliche Geſetzge⸗ bung den Grundſatz dieſer abſoluten Unauflößbarkeit ange⸗ nommen, und ohngeachtet keine civiliſirte Nation die Wahrheit verkannt hat, daß die Ehe in der Abſicht der Kontra⸗ henten auf Lebenszeit abgeſchloſſen wird, ſo hat doch keine jenen Grundſatz ihrer Unauflößbarkeit in ſeiner ganzen Strenge gehandhabt. Die katholiſche Kirche ſelbſt hat ihn durch die Trennung von Tiſch und Bett, welche in poli⸗ tiſcher Hinſicht offenbar nachtheiliger als die Scheidung iſt, weil die Ehegatten ſich nicht wieder verehelichen durfen, modifizirt. Aus dieſem Grunde wärd alſo die Scheidung in das neue Geſetzbuch aufgenommen, aber, wie Locre richtig bemerkt, es wäre ein großes Ungluͤck wenn ſie in die Gewohnheiten der Nation uͤbergehen ſollte. Das Geſetz hat, wie wir in der Folge ſehen werden, nichts außer Acht gelaſſen, um dies zu verhindern. Keine Verachtung treffe den, der davon Gebrauch macht, aber die öffentliche Meinung betrachte ihn als einen Menſchen, dem ein großes Ungluͤck zugeſtoßen iſt. 30 Der Art. 7. der Statuten der kaiſerlichen Familie vom 30 Mai 1806 lautet, wie folgt: Die Eheſcheidung iſt den Gliedern der kai⸗ ſerlichen Familie von jedem Geſchlecht und in jedem Alter unterſagt. „Art. 8. Sie können jedoch auf die Lrennung von Tiſch „und Bett antragen⸗ „Dieſe wird durch die bloße Autoriſation des Kin oh⸗ „ne Prozeß oder andere Formalität, bewerkſtelligt. „Sie bringt bloß in Hinſicht auf die gemeinſchaftliche „Wohnung ihre Wirkung hervor, und aͤndert nichts an den „„Ehepakten.“ 3) Die Eheſcheidung iſt an und für ſich der Trennung von Tiſch und Bett vorzuziehn. Die Scheidung zerreißt das Band der Ehe, die Trennung von Tiſch und Bett laͤßt es beſtehn; dies ausgenommen, ſind ihre Wirkungen wenig verſchieden; die Verbindung der Perſonen, die Gemeinſchaft, welche das Weſen der Eße aus⸗ machen, beſtehen nicht mehr. Warum denn den Namen beibehalten, wo die Sache nicht mehr vorhanden iſt? Iſt nicht der Hauptzweck der Ehe getaͤuſcht? Hat nicht das Weib keinen Mann, der Mann kein Weib mehr? Die Trennung von Tiſch und Bett benimmt den faktiſch in den ledigen Stand zuruͤckgekehrten Ehegatten alle Hoffnung einer geſetz⸗ lichen Verbindung, ſie läßt aber eine Gemeinſchaft des Na⸗ mens zwiſchen ihnen beſtehen, die alle Schande, womit ein Theil ſich bedecken mag, auf den andern zuruͤckwirft. Einer der Ehegatten war doch ſchuldlos; er war als ein Opfer der Bru⸗ talität oder der Ausſchweifungen des Andern getrennt worden; warum ihn denn zum zweitenmale durch das Verbot der rechtmaͤ⸗ ßigſten und ſußeſten Genuͤſſe aufopfern? Kann nicht auch ſelbſt 37 der ſtrafbare Theil doch einige Ruͤckſicht verdienen? Kann er nicht auch, durch Nachdenken gebeſſert, eine Gefaͤhrtin finden, fuͤr welche ſein Herz zu Empfindungen fähig waͤre, die er der erſten Gattin verſagt hatte? Man hat nur einen Einwurf gemacht— die Möglichkeit der Wiedervereinigung. Allein wie viele Trennungen und wie wenig Verſoͤhnungen haben nicht die Annalen der Jurisprudenz aufgezeichnet. Wie ſchwer iſt nicht jede Annäherung? Die Klage auf Trennung ſetzt ſchon außerordentlich erbitterte Gemuͤther voraus; die Dis⸗ kuſſion derſelben vermehrt noch dieſe Erbitterung; die Aus⸗ einanderſetzung der gegenſeitigen Anſpruͤche nach der Trennung gewaͤhrt ihr neue Nahrung. Endlich wird jeder von bei⸗ den Ehegatten, einſam, von der Ruͤckerinnerung, oft von Reue gequaͤlt, von der Begierde angetrieben, dieſe Leere auszu⸗ fullen, ohne Hoffnung, eine Verbindung anzuknuͤpfen, welche die Geſellſchaft anerkennen wuͤrde, auf gewiſſe Art gezwun⸗ gen, der Zerſtreuung nachzugehn, nach und nach zu gllen Aus⸗ ſchweifungen herabſinken; wenigſtens wird dies das Schick⸗ ſal aller gemeinen Seelen ſein, die in ſich ſelbſt nicht Kraft genug finden, um dem Drang der Verſuchungen zu wider⸗ ſtehn. Wenn man aber beinahe kein Beiſpiel von Ausſoͤh⸗ nungen hat, wenn dieſe ſeltene Wiedervereinigungen ſcanda⸗ loͤſer als die Trennungen ſelbſt waren, ſo ſah man im Ge⸗ gentheil an Orten, wo die Eheſcheidung erlaubt war, nicht ſelten zwei ungluͤckliche Weſen, Opfer heftiger Leidenſchaften, nach der Scheidung anderweitige Ehen ſchließen, auf welche kein Zeichen der Reue gefolgt iſt. Was die Gatten betrifft, ſo iſt daher in Hinſicht auf ſie die Scheidung ohne Wiederſpruch der Tren⸗ nung vorzuziehn. Allein fragt man, was wird aus den Kindern werden? Wir antworten; was wird aber aus den Kindern 32 nach der Trennung? die Geſetze haben zwar immer die zweite Ehen aus einem unguͤnſtigen Geſichtspunkte betrachtet, allein ohne zu unterſuchen, ob dieſe Misgunſt ſich nicht auf ein Vorur⸗ theil gruͤndet, und eine zweite Ehe nicht oft ein Beweiß der Zärtlichkeit für die Kinder war, ſo iſt es hinreichend zu be⸗ merken, daß hier nicht von einer Gattin die Rede iſt, die der Tod ihres Beſchuͤtzers und Freundes beraubt hat, und deren Herz, noch mit dem Gefuͤhl der Liebe angefullt, jede Idee einer neuen Neigung mit Bitterkeit zuruͤckſtößt. Es iſt von Ehegatten die Rede, die, gezwungen ihr vergangenes Le⸗ ben zu vergeſſen und ſich eine neue Exiſtenz zu ſchaffen, ſich nur allzu oft dem Laſter in die Arme werfen werden, wenn ihnen eine rechtmaͤßige Neigung verboten iſt. Es kommt darauf an, uͤber das Gluͤck und Ungluͤck der Aeltern zu entſchei⸗ den; kann dies letzte aber, ſo wie wir es erwieſen haben, nur durch die Scheidung vermieden werden, ſo kann von einem entgegengeſetzten Intereſſe der Kinder weiter keine Rede ſeyn. 6) Nachdem ſomit die erſte Frage bejahend entſchieden war, ſchritt man zur Unterſuchung der zweiten Frage. Soulte die Eheſcheidung nur wegen beſtimmten Urſachen, oder auch wegen Unverträglichkeit des Charakters, oder mit gegenſeitiger Ueber⸗ einſtimmung ſtatt finden? Die Debatten uͤber dieſe einzige Frage fuͤllen 50 Seiten in dem VerbalProzeß. Wir ſind um ſo mehr genoͤthigt, die von beiden Seiten angefuͤhrte Grunde kurz gegeneinander zu ſtellen, als ſich aus dieſer Diskuſſion allein der wahre Geſichtspunkt ergiebt, aus welchem man bei der Entſcheidung ausgegangen iſt. Ueberhaupt geben uns dieſe Vorfragen Gelegenheit, das ganze Syſtem der Geſetzgebung in Betreff der Eheſchei⸗ dung darzuſtellen, und wir werden uns nachher bei Eroͤrte⸗ 33 —tung der reglementariſchen Verfuͤgungen dieſes Titels um ſo kurzer faſſen können. Das Geſetb vom 20 September 1702 erlaubte die Ehe⸗ ſcheidung unbedingt: 1. mit gegenſeitiger Einwilligung beider Ehegatten; 2. auf die bloße Angabe der Unverträglichkeit des Cha⸗ rakters von Seiten eines der Ehegatten. Die Eheſcheidung wegen einſeitig vorgegebener Unverträg⸗ lichkeit des Charakters hatte alle Charaktere einer eigentlichen Repudiation. Zu der mit gegenſeitiger Einwilligung erfor⸗ derte das Geſetz nichts als die bſoße einſtimmige Erklaͤrung beider Ehegatten. Die Kommiſſion hatte beide Arten der Eheſcheidung von ihrem Syſteme ausgeſchloſſen, und die Geſetzgebungs Sektion im Staatsrath war ihrer Meinung beigetreten. Sie wollte keine Eheſcheidung als wegen be⸗ ſtimmten, artikulirten und erwieſenen Thatſachen geſtatten. Die Mehrheit der Appellationshofe war derſelben Meinung, einige(die von Montpellier und Riom) giengen noch weiter. Die Mehrheit der Kommiſſarien des Kaſſationshofes, die Mi⸗ norität der Geſetgebungs Sektion, viele Staatsräthe und der Faiſer ſelbſt, ſchienen aber der entgegengeſetzten Meinung zu ſein. Allein da man anfangs die Eheſcheidung auf Anrufen eines der Ehegatten von der mit Einwilligung beider Ehe⸗ gatten nicht unterſchied, ſo ward lange debattirt, ehe man die Diskuſſion auf die Vorfrage zuruͤckfuͤhrte Soll uͤberhaupt die Eheſcheidung nur wegen beſtimmten That⸗ ſachen, oder Soü ſie auch aus unbeſtimmten Beweggruͤnden ſtatt finden? Dieſe letzte Frage ward durch die große Mehrheit des Staatsruths verneinend entſchieden; wir muͤſſen daher zeigen, 3 34 auf welche Art dieſe Entſcheidung mit dem Art. 233 des Geſetzbuchs in Uebereinſtimmung gebracht ward, und daß der, von dieſem Artikel aufgeſtellte, Grundſatz alle Vortheile der Eheſcheidung aus unbeſtimmten Beweggruͤnden, ohne ihre Nachtheile, in den Coder ubertragen hat. Ehe wir die Gruͤnde jener verneinenden Entſcheidung aus⸗ einanderſetzen, wollen wir nur mit wenigen Worten einige derjenigen beruͤhren, welche für die Eheſcheidung aus unbe⸗ ſtimmten Beweggrunden zwar anfangs angefuͤhrt, aber auf der Stelle beſeitigt wurden, und daher bei der Abſtimmung nicht mehr in Anſchlag kamen. 1 Es ward bemerkt, daß gewöhnlich, wenigſtens das weib⸗ liche Geſchlecht, ſich noch in der Minderjährigkeit ver⸗ heurathe, in einem Alter, in welchem die Leidenſchaften auf dieſen Vertrag allzuvielen Einfluß haͤtten; warum der Minderjährige nicht gegen die Ehe, wie gegen jeden andern Kontrakt, wegen Läſion reſtituirt werden ſolle? Man erwiederte dagegen die Ehe ſei ſchon deshalb keiner andern Uebereinkunft zu vergleichen, weil nicht allein die bei⸗ den Ehegatten, ſondern die ganze Geſellſchaft, dabei betheiligt wären; zudem ſei der Beweiß der Läſion, der bei jedem Kontrakt die Bedingung der Reſtitution des Minderjaͤhrigen wäre, hier unmoͤglich, und könne nicht aus einer bloßen Willensänderung herfließen. Endlich habe der Geſetzgeber dieſe Läſion unmöglich zu machen geſucht, indem er in Räckſicht auf den Einfluß der Leidenſchaften die Minderjährig⸗ keit, in Hinſicht auf die Ehe, verlängert, und ſeine Vorſicht ſelbſt auf das Alter der Großjährigkeit ausgedehnt habe. 2. Wenn einer der Ehegatten wegen beſtimmten Urſachen auf Eheſcheidung klagt, und in ſeiner Klage unterliegt, * 35 ſo wurde ſein Schickſal unerträglich ſein, wenn er ge⸗ zwungen waͤre, ſich wieder mit dem andern zu vereini⸗ gen. Man muß ihm daher den Ausweg der Eheſchei⸗ dung wegen Unvertraͤglichkeit des Charakters laſſen. Dieſer Einwurf iſt im Grunde keiner, indem nach dieſem Grundſatz die Klage auf Eheſcheidung allein ein hinreichender Grund ſein wuͤrde, um dieſe auszuſprechen. 3. Da die Ehe eine Uebereinkunft, ein Geſellſchafts Ver⸗ trag, iſt, ſo muß ſie auch durch die Einwilligung der Kon⸗ trahenten aufgeloͤßt werden konnen. Auch dieſer Einwurf iſt ungegrundet; die eheliche Geſell⸗ ſchaft wird ihrer Natur nach auf Lebenslang abgeſchloſſen. Kein Geſetgeber wurde es erlauben, ſie auf eine beſtimmte Zeit zu beſchränken. Die einem der beiden Ehegatten ertheilte Er⸗ laubniß, die Dauer der Ehe willkuͤhrlich zu reguliren, wurde daher der Natur dieſes Kontraktes widerſtreben; eben ſo we⸗ nig leidet die Ehe in Hinſicht auf den Gegenſtand des Ver⸗ trags eine Vergleichung mit den uͤbrigen Uebereinkuͤnften; endlich ſind, wie ſchon oben bemerkt worden, nicht allein die Ehegatten, ſondern auch die Kinder, die Familie, die oͤffent⸗ liche Ordnung bei dieſer Geſellſchaft betheiligt, und es kann daher nicht von den Ehegatten allein abhangen, ſie aufzuloßen. Von den Gruͤnden, welche fuͤr die Eheſcheidung aus un⸗ beſtimmten Beweggruͤnden angefuͤhrt worden ſind, blieben demnach nur zwei uͤbrig, welche aber wirklich peremptoriſch ſind. Das Syſtem des Codex war die Folge der doppel⸗ ten Ueberzeugung des Staatsraths, daß noch wichtigere Gruͤnde fuͤr die Verwerfung dieſer Art von Eheſcheidung ſtimmten. daß es aber nothwendig ſei, ihre Vortheile in die * 36 nrur Geſetzgebung uberzutragen. Wie dies moglich deworben, werden wir anseinanderſetzen⸗ Der erſte dieſer Vortheite beſteht darin, daß das Huͤlfs⸗ mittel der Eheſcheidung nicht grade in denjenigen Fällen, worin es am nothwendigſten iſt, dem Beduͤrftigen abgeſchnit⸗ ten werde. Dieſer Fall iſt unter andern dann vorhanden, wenn das haͤusliche Ungluͤck der Ehegatten nicht ſowohl in beſtimmten Thatfachen, die man beweißen könnte, als in ei⸗ ner Folge von beleidigenden Handlungen und Bitterkeiten ſeinen Grund hat, und eine ſtrenge Beobachtung des aͤuſſern Anſtandes die innere Zwietracht den Augen des Publikums entzieht. Ungluͤckliche Ehen dieſer Art ſind, wie der Kaſ⸗ ſationshof bemerkte, die haͤufigſten, und es hieße grade den ungluͤcklichſten Ehegatten das Mittel der Eheſcheidung ganz entziehen, wenn man es ihnen nur unter der Bedingung ge⸗ ſtatten wollte, beſtimmte Thatſachen als Grund derſelben an⸗ zufuͤhren. Auch war man bereits dahin ubereingekommen, daß das naturliche Unver mögen wegen der Schwie⸗ rigkeit und dem Aergerniß des Beweißes kein Grund zur Scheidung aus beſtimmter urſache werden könne. Das Na⸗ turrecht ſchien jedoch fur Ehegatten, die ſich in dieſem Falle befinden koͤnnen ein Mittel, ihre Verbindung aufzuheben, in Anſpruch zu nehmen⸗ welches die Eheſcheidung ohne An⸗ gabe des Beweggrundes darbot. Der zweite Vortheil beſteht darin, daß die Eheſcheidung auch dann möhlich wird, wenn zwar ein juriſtiſcher Grund zur Eheſcheidung aus beſtimmter Urſache vorhanden iſt, ihn aber anzufuhren Ehrgefüͤhl, Menſchlichkeit, oder die Schwie⸗ rigkeit des Beweißes dem beleidigten Theile verbieten. Wie we⸗ nige Gatten werden ſich entſchließen koͤnnen, die Schande ihrer 37 ohebrecheriſchen Weiber vor den Gerichten aufzudecken, um ſo mehr, da dieſe ſie ſelbſt, nach dem Vorurtheil der öffentlichen Meinung, Echerlich macht? Es giebt Mishandlungen, welche das Geſet ſo ſchwer beſtraft, 6. B. Angriffe auf das Leben) daß ein zartfuhlendes Weib oft lieber alle Qualen ertragen, als durch deren gerichtliche Publizität ihren Mann in Gefahr bringen wuͤrde, ſein Leben auf dem Blutgeruſte zu verlieren. Die meiſte Mishandlungen ſind aus Mangel an Zeugen nicht zu beweißen; öfter noch⸗ iſt dies bei dem Ehebruch der Fall, deſſen Beweis immer ſchwer, oft un⸗ möglich iſt. Welche Ehe aber, worin der Mann, von dem Ehebruch ſeiner Frau völlig uͤberzeugt, denno“, kein Mittel hätte, dieſe gehaſſige Bande zu zerreißen? Vergebens wendet man gegen dieſe Gruͤnde ein, daß das Geſetz ehen ſo wenig dem Ehebruch und dem Verbrechen Ungeſtraftheit zuſichern, als auf Vorurtheile Ruͤckſicht nehmen duͤrfe; das Geſet ſoll das Verbrechen nicht begunſtigen, ſondern nur denjenigen Ehe⸗ gatten einen Ausweg bieten, es zu verſchweigen, welche edel genug denken, um ihre Freiheit nicht mit dem Unglück ihres Unterdruckers erkaufen zu wollen. Es wuͤrde ein barbariſches Geſetz ſein, welches den Beleidigten zwingen wollte, die Rache der Gerichte anzuflehen. Jedes Verhrechen giebt zu zwei verſchiedenen Klagen ſtatt, zu der des Staates, wegen der be⸗ leidigten Sicherheit, und zu der des Beleidigten. Das Ge⸗ ſetz laſſe den erſten ihren Lauf, wenn das Verbrechen zu den Ohren des Richters kommt; aber es laſſe wenigſtens dem Beleidigten die Freiheit, die empfangene Beleidigung in die Tiefe ſeines Herzens zu verſchließen. Allein wenn dieſe Gruͤnde hinreichend waren, um den Geſetzgeber zu beſtimmen, die Vortheile der Eheſcheidung 38 aus unbeſtimmten Gruͤnden in das neue Geſetz uͤberzutragen, ſo waren doch noch wichtigere Gruͤnde vorhanden, um dieſe Eheſcheidung, ſo wie das Geſetz vom 20 September 1792 ſie eingefuͤhrt hatte, zu verwerfen. Die oͤffentliche Meinung erhob ſich mit Macht dagegen, und bezog ſich nicht allein auf die Erfahrung der vergangenen Jahre, ſondern auch auf die Autorität der meiſten Appellhoͤfe; das Beiſpiel der Provinz hatte bewießen, daß ſie auch in dem heutigen Zuſtand der Sitten der Mehrzahl der Nation ganz entbehrlich ſei, weil in vielen Departementen gar kein Gebrauch davon gemacht worden war, und wenn die Sitten der Hauptſtadt eine andere Rich⸗ tung genommen hatten, ſo mußte das Geſetz, anſtatt dieſe zu beguͤnſtigen, ihr Schranken ſetzen; ſie gab zu allzuvielen nicht zu verhuͤtenden Misbraͤuchen ſtatt, und ließ der Will⸗ kuͤhr, dem Leichtſinn, und der Verderbtheit der Sitten freie Haͤnde; die Eheſcheidung wegen der von einem der beiden Ehegatten vorgeſchutzten Unverträglichkeit des Karakters war eine wahre Repudiation; die willkuͤhrliche durch nichts be⸗ beſchränkte Aufhebung der Ehe durch den bloßen Willen bei⸗ der Ehegatten wiberſtrebte dem erſten Grundſatz und dem weſentlichen Charakter der Ehe, ohne in Anſchlag zu bringen, daß dieſer Wille gewohnlich nur von einer Seite frei, und die Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung meiſtens gleichfalls nur eine verſteckte Repudiation warz endlich waren die nachtheilige Folgen, welche jede Eheſcheidung fuͤr alle Glieder der Familie hat, ein wichtiger Grund für den Ge⸗ ſetzgeber, ſie nur im Falle der aͤußerſten Nothdurft zu erlauben. Aus allen dieſen Gruͤnden ward entſchieden, daß die Eheſchei⸗ dung nur aus beſtimmten Urſachen zuzulaſſen ſei. Um jedoch die Vortheile der Eheſcheidung aus unbe⸗ 39 ſimmten Gruͤnden in das neue Geſetz uberzutragen⸗ ſchlug man anfangs eine geheime Prozedur in Ehe⸗ ſcheidungsſachen vor. Da man indeſſen einſah, daß in Sachen, die vor ein Tribunal gebracht muͤſſen, kein Geheim⸗ niß denkbar iſt, ſchlug man den Ausweg ein, beſtimmte An⸗ zeichen feſtzuſetzen, an welchen der Richter erkennen kann, daß eine beſtimmte Urſache zur Eheſcheidung vorhanden iſt, ohne daß die Partheien gezwungen wären, dieſe zu erklären. Er ſpricht alsdann die Eheſcheidung nicht aus, weil die gegenſeitige Einwilligung erklaͤrt worden iſt, ſondern weil dieſe Einwilli⸗ gung, in Verbindung mit den uͤbrigen geſetlichen Bedin⸗ gungen, ihn uͤberzeugt, daß die Eheſcheidung nothwendig und ein beſtimmter Grund zu derſelben vorhanden iſt. Reſultat. 1) Die Eheſcheidung ſoll in das franzöſiſche Recht definitio aufgenommen werden⸗ 2) Sie ſoll jedoch nur wegen beſtimmten Urſachen ſtatt finden. 3) Um jedoch der neuen Geſetzgebung die Vortheile der Ehe⸗ ſcheidung aus unbeſtimmten Gruͤnden anzueignen, ſoll es erlaubt ſein, die Urſachen der Eheſcheidung zu verſchwei⸗ gen, wenn die Ehegatten, die ſich in dem Fall befinden, auf dieſe Beguͤnſtigung Anſpruch machen zu können, durch Erfuͤllung der geſetzlichen Bedingungen, durch die Unterwer⸗ fung unter die ihnen auferlegte Prufungen, und die Dar⸗ bringung der ihnen vorgeſchriebenen Opfer beweißen, daß in Hinſicht auf ſie eine ſolche Urſache vorhanden iſt. Das Geſetz erlaubt nicht die Eheſcheidung, weil die gegen⸗ ſeitige Einwilligung der Ehegatten vorliegt, ſondern es nimmt in beſondern Umſtänden dieſe Einwilligung als den Beweiß einer peremptoriſchen Urſache zur Scheidung an. 40 7) Das in dem Art. 205*) enthaltene Verbot, welches die Kom⸗ miſſion Anfangs vorgeſchlagen, dann wieder zuruͤckgenommen hatte, ward von der Sektion wiederhergeſtellt, im Staatsrath heftig beſtritten, und hing erſt nach wiederholten Debatten, gegen die Meinung des Tribunats, welches wenigſtens eine Modifikation deſſelben verlangte, durch. Einestheils ward behauptet: Der Geſetzgeber erlaube nur ungern die Scheidung, und muͤſſe daher nichts ſo ſehr als die Wiederherſtellung der Ehe begunſtigen; das Verbot werde die Freiheit der Gewiſſen beſchränken; es enthalte einen Wi⸗ berſpruch, weil die Scheidung die Ehegatten in den Zuſtand verſetze, als waͤren ſie nie verheirathet geweſen, und ihnen daher vollige Freiheit in der Wahl eines neuen Ehegatten laſſen muͤſſe; die Wiedervereinigung waͤre, norzuglich fuͤr die Kinder, wuͤnſchenswerth, niemand habe aber ein Intereſſe dabei, daß ſie auf immer unmoͤglich gemacht werde⸗ Alle dieſe Erwaͤgungen ſchienen den Anhaͤngern der ent⸗ gegengeſetten Meinung nicht wichtig genug, um eine zweite Ehe zwiſchen geſchiedenen Ehegatten zu erlauben, denn nur von einer zweiten Ehe, bemerkten ſie, nicht von der Wieder⸗ herſtellung der erſten, die unwiderruflich aufgeloßt wäre, koͤnne hier die Rede ſein. Sie beriefen ſich auf die Autorität Mon⸗ tesquieu's(B. XVI, Kap. 15.) und die von demſelben angefuͤhrten Gruͤnde; auf den Misbrauch, der unter dem Ge⸗ ſetz vom 20 September 1702(Art. 2,§. 3.) von der Er⸗ *) Es leedarf wohl kaum der Bemerkung, daß das Wort: divorce- ront, ohngeachtet es in der zukuͤnftigen geit gebraucht ſt, nur auf ſolche Ehegatten anwendbar iſt, deren Eheſcheidung von dem Be⸗ amten des Civilſtandes bereits ausgeſprochen worden iſi. Bis zu dieſem Augenblick iſt die Wiedervereinigung erlaubt. 4 41 laubniß ver Wiedervereinigung gemacht worden, kraft welcher man ſich aus der Ehe gleichſam nur ein Spiel gemacht haͤtte; das Geſetz erlaube die Scheidung nur dann, wenn das gemeinſchaftliche Leben den Ehegatten ganz unertraͤglich geworden wäre; in dieſem Falke ſei auch eine Wiedervereini⸗ gung kaum denkbar, und immer um ſo gefaͤhrlicher, als eine zweite Scheidung ſcandaloͤſer als die erſte ſein wurde; ſchon die Moglichkeit der Wiedervereinigung wuͤrde die Scheidungen vervielfaltigen, weil man ſich leichter zur Scheidung entſchlieſ⸗ ſen wuͤrde; ſie wuͤrde ſimulirte Eheſcheidungen zum Nachtheil der Rechte von Dritten erleichtern und beguͤnſtigen, wenn man ihnen willkuͤhrlich ein Ende machen koͤnntez endlich hieſſe es mit der Ehe und der Scheidung zugleich ein Spiel treiben, wenn man von der einen zu der andern zuruckkeh⸗ ren konnte. Auch der Vorſchlag des Tribunats, die Wieder⸗ vereinigung wenigſtens in dem Falle zu erlauben, wo die Scheidung aus einer beſtimmten Urſache nachgeſucht worden wäre, ward im Staatsrath vetworfen, weil er ſich einzig auf das Intereſſe der Kinder gruͤndete, und man ſchon vorher um Allgemeinen uͤbereingekommen war, daß daſſelbe bei den Fragen uͤber die Zulaͤßigkeit der Eheſcheidung gar nicht in Anſchlag kommen koͤnne 8) Es war bei dieſer Verhandlung von einer wichtigen Erwaͤ⸗ gung gar nicht die Rede, welche ſich gegen deſes Verbot geltend machen lieſſe, und bereits durch die Erfahrung unter⸗ ſtuͤtzt wird; dies iſt die Unmoͤglichkeit, die faktiſche Wieder⸗ vereinigung geſchiedener Ehegatten zu verhindern, das daraus entſpringende oͤffentliche Aergerniß, und der nicht zu berech⸗ nende Nachtheil, der für die in einem ſolchen Umgange er⸗ zeugte Kinder daraus entſteht, denn da ſich die Ehegatten noth⸗ 42 wendig in böſem Glauben befinden,/ und durch den Artikel 295 in die Unmöglichkeit verſett ſind, ihrer Verbindung eine recheformige Form zu geben, ſo können dieſe nur auf den Stand naturlicher Kinder Anſpruch machen. Leider werden ſolche Wiedervereinigungen durch die oͤffentliche Meinung, welche ſtuͤrker als das Geſetz iſt⸗ boguͤnſtigt. 9) Wie aber, wenn ſolche geſchiedene, aber faktiſch wieder ver⸗ einigte Ehegatten mit Dritten kontrahiren, die von der Schei⸗ dung nicht unterrichtet, mit wirklichen Ehegatten zu kontra⸗ hiren glauben, und daher auf die Sicherheiten zählen, welche dieſe ihnen zu geben im Stande ſein würden. Ein Urtheil des Kaſſationshofes vom 1 Meſſidor IT hat entſchieden, daß, ſobald ſie in dem Akt die Eigenſchaft als Ehegatten ange⸗ nommen haben, fie nachher unzulaͤßig ſind, ihre Eheſcheidung einzuwenden, indem es das Caſſations Geſuch der geſchiedenen Dame Brandy gegen ein Urtheil verwarf, welches ſie in ihrem Reſtitutions Geſuch gegen einen VerkaufsAkt unzuläfig erklaͤrte, den ſie als verehelichte Dumarer gemeinſchaftlich mit ihrem Manme abgeſchloſſen hatte. 10) Sollte es geſchiedenen Ehegatten gelingen, durch Einver⸗ ſtändniß mit dem Beamten des Civilſtandes, oder durch deſ⸗ ſen Unwiſſenheit der erſten Ehe, ihre Wiedervereinigung durch einen HeurathsAkt zu beſiegeln, ſo wuͤrde dieſe zweite Ehe nichtig ſein, weil die Grunde des Verbotes des Art. 295 aus der oͤffentlichen Ordnung abgeleitet ſind.(Siehe F. 87. No. 6. S. 8 hieroben, und Th. Il. S. 278, 5. 72.) Die Trennung einer ſolchen Ehe konnte ohne allen Zweifel von dem offentlichen Mi⸗ niſterium nachgeſucht werden, weil die Handhabung der Ge⸗ ſetze der öffentlichen Ordnung ihm heſonders anvertraut iſt, ſo wie von jedem, der ein wirklich eroffnetes Intereſſe haben 43 wärde, auf die Nullität derſelben zu klagen. Daher glaube ich, daß nicht allein die Theil 1. S. 277, 5. 71. No. 3. S. 299, §. 75. No. 8. entwickelte Grundſaͤtze hier wieder ihre Anwen⸗ dung finden, ſondern daß auch, falls das oͤffentliche Miniſterium bei Lebzeiten der Ehegatten keine Klage erhoben haben ſollte, die Jurisprudenz die Strenge des Geſetzes in ſo weit mildern wird, die Collateral Verwandten in einer Klage, die ſie zum Nach⸗ theil der in der nichtigen Ehe erzeugten Kinder erheben koͤn⸗ ten, unzuläßig zu erklären. 11) Die Eheſcheidung kann auf die Vortheile, welche den Kin⸗ dern durch die EhePakten ihrer Aeltern oder das Geſetz zu⸗ geſichert ſind, keinen Einfluß haben. Dieſes häusliche Un⸗ gluͤck darf ſie weder bereichern, noch aͤrmer machen. 12) Da, dem Geſetz vom 14ten April 1803 zufolge, alle vor der Verkuͤndigung des Coder ausgeſprochene Eheſcheidungen die Wirkungen hervorbringen, welche die zur Zeit des Ausſpruchs beſtehende Geſetzgebung ihnen beilegte, ſo ſteht allen Ehe⸗ gatten, die unter dem Geſetz von 1702 geſchieden worden ſind, auch noch unter der Herrſchaft des Coder die Befugniß zu, ſich wieder mit einander zu verehelichen. 13) Das Tribunat hatte den Vorſchläg gemacht, einem Ehe⸗ gatten, welcher einmal geſchieden worden, und ſich wieder verehelicht hätte, die Scheidung unbedingt zu unterſagen. Da dieſer Vorſchlag jedoch nicht in den Coder aufgenommen worden iſt, ſo wuͤrde keine Juſtizſtelle befugt ſein, dieſen Grund der Unzuläßigkeit gegen ſeine Klage anzunehmen. Aus dem Verba Prozeß iſt nicht zu erſehen, warum der Vor⸗— ſchlag verworfen worden; wie Malleville(1. 296.) ver⸗ ſichert, geſchah es auf die Bemerkung, ein ſolches geſchie⸗ denes und wieder verehelichtes Individuum könne ſich in 44 einer ſo traurigen Lage befinden, daß eine zweite Scheidung ganz unumgänglich nothwendig ſei. 12) Der Art. 2 der Entſcheidungen des großen Sanhedrins vom 2März 1807 enthält in Bezug auf die Eheſcheidungen unter Inden folgende Erklärung: Art 2, Nachdem der große Sanhedrin in Erwägung gezogen hat, wie viel heutzutage darauf ankommt, die Gebraͤuche der He⸗ präer in Betreff der Ehe mit dem CivilGeſetzbuch von Frankreich und dem Konigreich Ftalien in Uebereinſtimmung zu ſetzen, und in Erwägung, daß es ein SGrundſatz der Religion iſt, ſich den puͤrgerlichen Geſetzen des Staats zu unterwerfen, erkennt und⸗ erklärt derſelbe: daß die durch das Moſaiſche Geſetz erlaubte Repudiation nur dann guͤltig iſt, wenn ſie die Aufloßung aller Bande zwi⸗ ſchen den Ehegatten, ſelbſt in buͤrgerlicher Hinſicht bewirkt; daß, da nach den Verfügungen des CivilGeſetzbuchs, wel⸗ chem die Iſraeliten als Franzoſen und Italiäner unterwor⸗ ſen find, die Eheſcheldung nicht eher vollendet iſt, als nach⸗ dem die Gerichte ſie durch ein definitives Urtheil erkanut ha⸗ ven, es daraus folgt, daß die Moſaiſche Repudiation nicht die völlige Wirkung hatte, die ſie haben muß, weil einer der Ehegatten gegen den andern den Abgang der Intervention der CivilObrigkeit bei der Aufloßung des ehelichen Bandes geltend machen koͤnnte; Weshalb der große Sanhedrin, Lraft der Sewalt, womit er be⸗ Lleidet iſt, verfügt und als ReligionsGrundſatz verordnet: daß hinfuͤhro keine Repudiation oder Eheſcheidung nach den durch das Moſaiſche Geſetz eingeführten Formalitäten geſche⸗ hen darf, bevor nicht die She durch die kompetente Tribu⸗ nalien und in der, durch das Civi Geſetzbuch vorgeſchriebenen, Form fuͤr aufgeldßt erklärt worden iſtz) Demzuſolge iſt es jedem Rabbiner, in beiden Staaten von Frankreich und dem Konigreich Itatien, ausdruͤcktich verboten, ſein Amt zu irgend einer Repudiation oder Eheſcheidung zu techen, bevor ihm nicht das Civicuytheit, welches die Schri⸗ 45 dung erkannt hat, in gehdriger Form vorgelest worden iſt, und erklaͤrt, daß derjenige Rabbiner, der ſich erlauben wuͤr⸗ de, gegenwaͤrtiges religidſe Statut zu verletzen, als unwuͤrdig angeſehen werden ſoll, dieſe Amtsverrichtungen fernerhin zu verſehen. 3 weiter Abſchniätt. Von der Eheſcheidung auf die Klage eines der Ehegatten. Erſte Abtheilung. Von den Thatſachen, welche eine ſolche Klage begruͤnden. 5. 89. Klagt nur einer der Ehegatten auf die Scheidung, ſo muß er die Thatſachen artikuliren, worauf ſeine Klage ſich gruͤndet. Polgende Thatſachen allein koͤnnen eine ſolche Klage begruͤnden: 1) der Ehebruch der Fran; 20 der des Mannes; 3) Eyzeſſe, Mishandlungen und ſchwere Beleidungen; 4) die Verurtheilung eines der Ehegatten zu einer in⸗ famirenden Strafe. Locré IV, 108 et suiv. Pandectes fraugaises, IV. 37. Proſet du Code Civil, L. 1. tit, 6. chnp. 5. Thibaut S. d. P. b⸗ 423 u. ff. L. 8. 13. C. de repud. et jnd. de mor. subl.(5. 177 Nov. a2. cap. 15. F 1et a. Nov. 117. cap. 3.§. 2 cap. 9. . 5.(Die Nov. 120 war in Frankreich nicht rezipirt.) L. 22§. 7. H olut. matr.(à4. 3.) 1. 20, 22, 23, 24, 25, ff. ad. leg. Jul. de adult.(48. 5.) L. 4. C. eod. tit.(9. 9.) csp. 4. 5. 11. X Le de eo. qui cognov. consang. uxor⸗ 4 13. Geſetz vom 30 Sep⸗ tember 1792. Annalen der GSeſetzgebung Napoleons, II. 77. 146. Journal fuͤr Geſ. und Rechtsgelehrſ. 2 Jahrg 1 Band S. 31. Kpertotre aniversel verbo: adultèrs. 39 *30 331 229 46 4) Das Geſetz von 17092 erlaubte auch die Eheſcheidung noch: à) wegen dem Blödſinn, dem Wahnſinn oder der Wuth eines der Ehegatten. Dieſer Grund der Schei⸗ dung ward jedoch weggeſtrichen, weil es allzuhart ſchien, ein unwillkuͤhrliches, oft voruͤbergehendes, Ungluͤck mit ei⸗ ner Poͤnalität zu belegen, und die Auflößung einer Ge⸗ ſellſchaft von Freuden und Leiden grade in dem Augenblick zu erlauben, wo einer der Ehegatten des andern am mei⸗ ſten bedarf. p) Wegen einer fünfjährigen Abweſenheit eines der Ehegat⸗ ten,(die man mit der boͤslichen Verlaſſung, von welcher hiernach die Rede ſein wird, nicht zu verwechſeln hat.) Allein da jede unfreiwillige Abweſenheit gleichfalls ein ungluͤck iſt, ſo wurde die Sorgfalt, welche das Geſetz fuͤr die Erhaltung des Vermögens des Abweſenden traͤgt, we⸗ nig mit einer Verfuͤgung harmonirt haben, die ihn ſeiner Gattin beraubt hätte; dieſe wäre um ſo ungerechter gewe⸗ ſen, da der Mann meiſtens zum Vortheil von Frau und Kind jene weite und gefahrvolle Reiſen unternimmt, welche eine Ungewißheit uͤber ſeine Exiſtenz veranlaſſen koͤnnen. Doch enthaͤlt der Art. 139 eine beſondere Verfuͤgung fuͤr den Fall, wo die zuruͤckgebliebene Ehegattin auf die Vermu⸗ thung des Todes des Abweſenden zur zweiten Ehe ge⸗ ſchritten waͤre. e) Die boͤsliche Verlaſſung eines der Ehegatten durch den andern ward gleichfalls nicht als Grund der Eheſchei⸗ dung in die neue Geſetzgebung uͤbertragen, 1) weil ſie ein Mittel zur Eheſcheidung dargeboten ha⸗ ben wuͤrde, das in dem freien Willen eines der Ehe⸗ gatten geſtanden hätte; 47 2) weil es allzuſchwer ſchien, ſie von einer bloßen Ab⸗ weſenheit zu unterſcheiden; und 5) weil, wenn die Entfernung von entſcheidenden Um⸗ ſtaͤnden begleitet iſt, die uͤber die Abſicht einer bös⸗ lichen Verlaſſung keinen Zweifel uͤbrig laſſen, eine ſchwere Beleidigung vorhanden iſt, die zur Schei⸗ dung berechtigt. So hat der Appellhof von Bruͤſſe! am 8. Fructidor 13,(ſiehe meine Annalen der Geſetzg. Napoleons) auf Anrufen der Dame von Plukett die Eheſcheidung erkannt, weil ihr Mann ſie verlaſ⸗ ſen, ſie ſodann ohne alle Unterſtutzung gelaſſen, und ihr ſogar die Aufnahme in ſeine Wohnung verweigert hatte⸗ d) Wegen natüͤrlichemUnvermoͤgen. Die Schwie⸗ rigkeit und Unſittlichkeit des Beweißes bewogen den Ge⸗ ſetzgeber, auch dieſe Urſache der Eheſcheidung zu verwer⸗ fen*). Der Vorſchlag des Appellhofes von Lyon, die⸗ ſen Beweis von dem einzigen Umſtand der Unfruchtbarkeip der Frau während einer geſetzten Zeit abhaͤngen zu laſſen, hatte, als auf ein alizu unſicheres Kennzeichen gegruͤndet, ein gleiches Schickſal. Der Fall des natuͤrlichen Unver⸗ *) Im Fall eines accidentellen, unheilbaren, äuſſevlich zu erkennen⸗. den Unvermoͤgens, wegen Verſtuͤmmelung oder monſiroͤſer Be⸗ ſchaffenheit der Geſchlechtstheile, halte ich zwar eine Klage auf Nulität der Ehe, nicht aber eine Klage auf Eheſcheidung, für zu⸗ läßig: 1) weil dieſer Fall unter keine der geſetzlichen Urſachen der Eheſcheidung gebracht werden kann, 2) weil die Klage nur auf den Art. 146 begruͤndet werden kann, in welchem Falle der Rich⸗ ter erklären muß, daß gar keine Ehe vorhanden war. Siehe den Theil I. S. a1. 5. 67. No., litt. c. dieſer Expoſttion, und meine Annalen der Geſetzgebung Napoleo 6, Theit 1. S. 375 48 mogens iſt übrigens einer von denjenigen, wodurch man ſich beſtimmt gefunden hat, die Scheidung auf das An⸗ rufen beider Ehegatten ohne Angabe der Urſache zu er⸗ lauben. Siehe oben S. 36. e) Wegen Emigration. 1) Wegen öffentlicher Diffamation, und Angriffen von Sei⸗ ten eines der Ehegatten auf das Leben des andern. Bei⸗ de urſachen finden ſich in die allgemeine Verfuͤgung des Art. 231 verſchmolzen, um ſo mehr, da die zweite nicht hätte artikulirt werden koͤnnen, ohne eine peinliche An⸗ klage nach ſich zu ziehn, welche die Klage der Ehegatten wenigſtens nicht nothwendig mit ſich führt, ſobald bloße Beleidigungen und Mishandlungen der LTitel derſelben ſind. 2) Alle Geſetzgebungen, welche die Eheſcheidung zulaſſen, neh⸗ men auch den Ehebruch als eine hinlaͤngliche Urſache der⸗ ſelben an, nicht allein, weil durch jede Verletzung der ehe⸗ lichen Treue das Band der Ehe faktiſch zerriſſen wird, ſon⸗ dern auch wegen ihren nachtheiligen Folgen fuͤr die Ehre und Ruhe des beleidigten Ehegatten und das Vermogen der recht⸗ maͤßigen Kinder. Das Geſetz macht jedoch, vorzuͤglich aus dieſer letzten Ruͤckſicht, einen Unterſchied zwiſchen dem Ehe⸗ btuch des Mannes und dem von Seiten der Frau. Der letzte giebt unbedingt,(Art. 229) der erſte nur in gewiſſen Fällen zur Eheſcheidung ſtatt. 30) Nach dem Projekt der Kommiſſion ſollte auch der Ehebruch der Frau nur dann ein Grund zur Scheidung werden, wenn er entweder von oͤffent⸗ lichem Aergerniß begleitet geweſen wäͤre, oder durch eigenhändige Schriften derſelben hätte erwieſen werden können; ſie hatte dabei die Abſicht, eine immer aͤrgerliche und oft unzureichende 49 Beweißfuͤhrung durch Zeugen zu vermeiben; allein die Bemer⸗ kungen, daß es ſchier unmöglich ſei, beſtimmte Kennzeichen an⸗ zugeben, wann ein öffentliches Aergerniß vorhanden wäre, und daß der Unterſchied zwiſchen dem geheimen und öffent⸗ lichen Ehebruch und die dem erſten geſetzlich ertheilte Be⸗ gunſtigung den Sitten zum Nachtheil gereichen muͤſſe, be⸗ ſtimmte die Mehrheit des Staatsraths, die erſte Bedingung zu verwerfen, ohngeachtet die Sektion der Geſebgebung der Meinung der Kommiſſion beigetreten war. Die zweite Be⸗ dingung warb gleichfalls verworfen, weil ſie allzuoft den Mann in die Unmoglichkeit verſett haben wuͤrde, ſelbſt im Falle notoriſcher Ausſchweifungen ſeines Weibes die Eheſchei⸗ dung zu erwirken. 3) Mehrere Appellativnshöfe hatten den Vorſchlag gemacht, ausſchweifende Sitten(dsrsglement de mœure) der Frau gleichfalls als Grund der Eheſcheidung gelten zu laſſen; dieſer Vorſchlag blieb ohne Folgen, weil es unmsglich ſchien, zu beſtimmen, wann dieſer Fall vorhanden wäre. Nicht alle in der L. 8.§. 5. Cod. de repud. angefuͤhrte Kennzeichen wurden auf unſre heutige Sitten anwendbar geweſen ſein. Ich bin daher auch nicht der Meinung der Verfaſſer der Pandee⸗ tes Hrangaises, als ob die ausſchweifende Lebensart der Frau den Mann berechtigen könne, wegen ſchwerer Beleidigung die Eheſcheidung nachzuſuchen. Der Mann hat, als Haupt der Familie, uͤber die Auffuͤhrung ſeiner Frau zu wachen; ſeine Schuld iſt es, wenn die Autorität, welche das Geſeß ihm ertheilt, nicht geachtet wird; der wirkliche Ehebruch er⸗ maͤchtigt ihn zur Scheidung, Verletzungen des Anſtanbes ſind nur ein Gegenſtand ſeiner haͤuslichen Polizei, 4 50 4) Die Beſchränkung, welche der Art. 230 in Hinſicht auf den Ehebruch des Mannes enthaͤlt, und welcher gleichfalls die 1L 8. 5. 2. C de repud. entſpricht, grundet ſich einestheils, wie bereits bemerkt, darauf, daß der Ehebruch des Mannes nicht mit dem der Frau gleich nachtheilige Wirkungen hat, und anderntheils auf die Nothwendigkeit, das Anſehen des Mannes aufrecht zu erhalten, und auf die Unſchicklichkeit jeder Klage dieſer Art von Seiten der Frau. Aus dieſen Grun⸗ den beſchränkte man ihr Klagrecht auf den Fall, wo ber Ehebtuch des Mannes mit einer Beleidigung verknuͤpft iſt, die fuͤr ein Weib die unerträglichſte iſt, und die ſchon die Römer eine Grauſamkeit nannten. Uebrigens genugt es nach dem angefuͤhrten Artikel, daß der Mann ſeine Konkubine im Hauſe gehalten habe, während das roͤmiſche Geſetz, wo nicht dem Geiſte doch den Ausdrucken zufolge, gewiſſermaßen erforderte, daß die Frau Zeugin des Ehebruchs geweſen ſei Es iſt hin⸗ lnglich, daß der Ehebruch erwieſen ſei, und daß er mit ei⸗ ner Perſon begangen worden⸗ welche zur Zeit deſſelben, gleich⸗ viel in welcher Eigenſchaft, in dem gemeinſchaftlichen Hauſe wohnte. Der Appellhof von Poitiers hat ſogar durch ein Uitheil vom 2. Prärial 12 die Eheſcheidung aus dieſem Be⸗ weggrund zugelaſſen, ohngeachtet die Frau vor Erhebung ih⸗ rer Klage die gemeinſchaftliche Wohnung verlaſſen hatte und zu ihrem Vater gezogen war⸗ weshalb der Mann ihr die Einrede entgegenſetzte, daß das Haus, worin er ſeine Konku⸗ bine gehalten, aufgehort habe, das gemeinſchaftliche zu ſein. (Siehe mein Journal, Jahrgang 2, Band 1, Se 31.) Dieſe Entſcheidung iſt von den Verfaſſern der Jurisprudence du Code Napoleon, an 12 1. 350 et suiv. meiner Mei⸗ nung nach mit Unrecht getadelt worden, indem durch eine, durch 51 bie Beleidigungen des Mannes veranlaßte, augenblickliche Ent⸗ fernung der Frau aus der Wohnung des Mannes dieſe nicht aufhoͤrt, die gemeinſchaftliche Wohnung zu ſein, da ſie das Recht hat, jeden Augenblick dahin zuruͤckzukehren. Anderſt wäre es, wenn die Frau, vhne Schuld des Mannes, und vor der Einfuͤhrung der Konkubine in die gemeinſchaftliche Wohnung, dieſe verlaſſen hätte. Ihre Klage wuͤrde alsdann unzuläßig ſein, weil die Wohnung durch ihre Schuld aufge⸗ hoͤrt hatte, gemeinſchaftlich zu ſein, und in keinem Falle mit dem Ehebruch des Maͤnnes die beleidigende Abſicht ver⸗ bunden war, welche(Siehe die Note 6 hietunten) allein das Klagrecht der Frau begruͤndet hat. Dieſen Grundſatz hat auch ein Urtheil des Appellhofes von Paris(Siehe mein Journal al a. O.) proklamirt. 5) Die Ausdruͤcke: wenn er ſeine Konkubine im gemein⸗ ſchaftlichen Hauſe gehalten hät, ſind jedoch nicht in der Art zu verſtehen, als ob ein foͤrmliches Konkubina t, in dem Begriffe, den man mit dieſem Worte gewöhnlich verbindet, oder ein fortgeſetzter Umgang mit einer unterhaltenen Bei⸗ ſchlaͤferin, durchaus erfordert werde, um die Frau zur Schei⸗ dungsKlage zu berechtigen. Dieſe Klage iſt nach der ein⸗ ſtimmigen Jurisprudenz der Gerichte immer zuläſſig, ſo oft der Mann, wenn gleich nur einmal, mit einer Perſon Ehebruch gepflogen hat, welche, als zur Haushaltung gehorig, bereits vorher im Hauſe aufgenommen war,(weil in dieſem Falle der Ehebruch von der empfindlichſten Beleidigung und der Kränkung des Anſe hns, welches der Hausfrau zuſtehen muß, begleitet iſt), oder ſo oft der Mann Jemand, um Ehebruch zu treiben, in die gemeinſchaftliche Wohnung ab⸗ ſichtlich eingefͤhrt hat, weii in dieſem Falle die Beleidigung 52 für die Frau noch vnerträglicher iſt. So wuͤrde der Mann mit der Einrede unzuläſſig ſein, daß der Art. 230 ſeine An⸗ wendung nicht finden könne, weil die Perſon, mit welcher er den Ehebruch getrieben, von ſeiner Frau ins Haus ge⸗ nommen worden war.(S. meine Annalen der Geſ. Napell. S. 77.) Immer iſt es der Mann, der ſeine Beiſchläferin in der ehelichen Wohnung hält, wenn er ſie nicht kraft der ihm als Herrn zuſtehenden Gewalt daraus entfernt. 6) Es folgt aber aus der Abfaſſung des beſagten Artikels, daß der Ehehruch nothwendig in der gemeinſchaftlichen Wohnung begangen, oder die Mitſchuldige des Ehebruchs in die ge⸗ meinſchaftliche Wohnung eingeführt worden ſein muß, um dieſe Klage zu begruͤnden. Der Ehebruch des Mannes mit einer Perſon, die in demſelben Hauſe, welches er mit ſeiner Familie bezieht, bereits vorher gewohnt haͤtte, oder nachher zufällig in daſſelbe Haus gezogen wäre, ohne von dem Manne unterhalten zu ſein, oder in ſeiner Miethe zu wohnen, wuͤrde nicht in dieſe Kathegorie gehoren. Auf der an⸗ dern Seite könnte aber der Mann der Klage ſeiner Frau dadurch nicht ausweichen, indem er ihr einen, feiner Beiſchläferin ſelbſt, mittelbar oder unmittelbar, ertheilten MiethKontrakt einwen⸗ den wurbe. Der Richter wird bei Beurtheilung ſolcher Fälle um ſo ſttenger gegen ihn ſein, als er die Freiheit hat, ſeine Beiſchläferin an jedem andern Orte zu halten; nur darf er ſelbſt ihr die Aufnahme in die gemeinſchaftliche Wohnung (worunter allerdings, falls er ein eignes Haus bewohnt, das ganze Haus verſtanden werden muß,) nicht geſtattet oder ver⸗ ſchaft haben. Nicht der Ehebruch des Mannes, ſondern die damit verbundene Beleidigung begrändet bas Klagrecht der Frau; da der erſte mitteiſt des unbedingten Verbots der Anerkennung 53 von ehebrecheriſchen Kindern nicht dieſelbe nachtheilige Folgen wie der der Frau nach ſich zieht, ſo mußte die poſitive Ge⸗ ſetzgebung die Verletzungen der chelichen Treue durch den Mann vor den Richterſtuhl der Moral verweiſen, weil ein allzuaus⸗ gedehntes Klagrecht der Frau durch ärgerliche Prozeſſe die oͤffent⸗ liche Sittlichkeit untergraben und das Anſehn des Mannes her⸗ abgewuͤrdigt haben wuͤrde; wenn aber der Mann zu dem Ehebruch muthwillig die empfindlichſte aller Beleidigungen veifuͤgt, ſo begruͤndet dieſe Beleidigung ein Klagrecht, das ſich daher auch allein nach der Groͤße jener Beleidigung be⸗ mißt. Es iſt jedoch weder erforderlich, daß das Konkubinat notoriſch geweſen, noch ſelbſt daß die Frau von dem Ehe⸗ bruch des Mannes zur Zeit, wo er begangen worden, unter⸗ richtet geweſen ſei. Die Schuld des Mannes wird durch ihre zufällige Unwiſſenheit nicht vermindert.(S. meine An⸗ nalen der Geſetzg. Napoleons, 11. S. 77.) 2) Nur in aͤuſſerſt ſeltenen Fällen duͤrften wohl Augenzeugen oder ſchriftliche Beweiſe uͤber das Faktum des Ehebruchs ſelbſt vorhanden ſein, das einestheils keine Spur zuruͤckläßt, und deſſen groͤßter Reiz anderntheils in dem Geheimniß be⸗ ſteht. Es bedarf daher wohl kaum der Bemerkung, daß die⸗ ſer Beweiß, wie unter der roͤmiſchen Geſetzgebung,(Ulpian. in Fragm. tit. 6. F. 125 die Verfuͤgungen der LL. 20, 22, 23, 24 et 25 ad Leg Jul. de adult. und der L 4. C. eod. tit. handeln nur von dem Falle, worin es dem Vater oder dem Manne exlaubt ſein ſoll, die auf dem Ehebruch Betrof⸗ fene zu tödten, nicht aber von dem Beweiß des Ehebruchs in einer ScheidungsKlage, ſ. meine Annalen lI. S. o0.) ſich auch aus einer Reihe von beſtimmten, artikulirten, unzweideutigen, gehorig erwieſenen Indizien ergeben kann. Als ſolche wurden 54 in einzelnen Fällen von den Gerichten angeſehen, wenn die Frau Nächte mit ihrem Liebhaber außer dem ehelichen Hauſe zugebracht hatte, wenn der Liebhaber in Abweſenheit des Man⸗ nes bei Nachtszeit von der Frau eingelaſſen worden war ꝛc. ſo wie uͤberhaupt jede unanſtändige Vertraulichkeit,(elvtisi mamillarum vel pudendorum obtrectionem permiserit.) Auch kann dieſer Beweiß ſich aus der Correſpondenz der Ehe⸗ brecherin ſelbſt ergeben, wie ein Urtheil des Appellgerichts von Bordeaux(ſiehe meine Annalen der Geſ. Napol. II. S. 90) es am 27 Februar 1807 entſchieden hat. Ebendaſelbſt findet man, S. 82. ein Beiſpiel eines Falles, worin die von dem Manne artikulirte Thatſache nicht beſtimmt und entſcheidend genug befunden wurden, um die Eheſcheidung zu erken⸗ nen. Wir werden in der Folge ſehen, daß Hausleute, Ver⸗ wandte und Bedienten guͤltige Zeugen in Klagen dieſer Art abgeben konnen⸗ 8) Iſt die Klage auf Scheidung wegen Ehebruch noch heut⸗ zutage der fuͤnfjährigen Verjaͤhrung unterworfen? Keines⸗ wegs, da die Lex Julia, worin dieſe Verjährung begruͤndet iſt, ihre geſetzliche Wirkung verlohren hat. Doch wird aus dem Stillſchweigen des Mannes waͤhrend einer ſo langen Zeit in der Regel ein Grund der Unzulaͤßigkeit ſeiner Klage abgeleitet werden koͤnnen, weil der Richter nothwendig ſeine Verzeihung vorausſetzen muß, wenn nicht ganz beſon⸗ dere Umſtände jede Vermuthung einer Verſohnung ausſchließen. Ueber den Beweis des Ehebruchs, der ſich aus der in Ab⸗ weſenheit des Mannes eingetretenen Schwangerſchaft, ſo wie aus der Verheimlichung der Geburt ergeben kann, verweiſen wir auf den erſten Theil§. 80. S. 336. Wenn uͤbrigens im Falle des Art. 313 nach gerichtlich erwieſenem Chebruch die Verheimlichung der Geburt ein wichtiger Umſtand in Hin⸗ ſicht auf den Stand des Kindes wird, ſo muß auf der an dern Seite dieſe Verheimlichung auch bei einer Klage auf Scheidung wegen Ehebruch allerdings in Anſchlag gebracht werden, eben ſo wie die Verheimlichung der Schwangerſchaft, wenn ſie von der Abweſenheit des Mannes,(wenn ſie gleich kuͤrzere Zeit als die, welche im Falle des Art. 312 erforderlich iſt, gewaͤhrt hat) und den Beweißen eines verdächtigen Um⸗ gangs der Frau mit Andern unterſtuͤtzt ſein ſollte. 9) Dieſelbe Regeln find in Hinſicht auf den Beweis des Ehe⸗ bruchs des Mannes anwendbar.(Siehe in meinen Annalen der Geſ. Nap, a. a. O. eine Entſcheidung des Appellhofs von Paris vom I3 Fruktidor 1x.) 10) Die Rechtsgelehrten ſind getheilter Meinung uͤber die Fra⸗ ge: ob die Mittheilung des veneriſchen Uebels eine ſchwere Beleidigung ſei, welche im Sinne des Art. 231 zur Ehe⸗ ſcheidung ſtatt gebe? daß eine Krankheit, auch die ſchmerzlichſte und unheilbarſte, nie der Grund einer Klage zur Eheſcheidung werden koͤnne, haben wir oben S. 46. geſehen; nur die mit der Mittheilung der Luſtſeuche verbundene Beleidigung koͤnnte ſie alſo zu einem Grunde der Scheidung erheben. Die Fra⸗ ge, welche daher wohl in ſolchen Fällen unterſucht werden muͤßte, iſt, ob eine ſolche Beleidigung vorhanden, mit an⸗ dern Worten, ob die Mittheilung bloß zufallig, oder freiwillig oder gar abſichtlich, geſchehen iſt. Dieſer Anſicht entſpricht auch die Jurisprudenz des Kaſſationshofes, und ſo lößt ſich de anſcheinende Widerſpruch, der ſich zwiſchen den Urtheilen der Appellhoͤfe befindet.(Siehe meine Annalen der Geſ. Ne Th. 1l. 25te Entſcheidung.) 36 11) Auch in Hinſicht auf die zweite Urſache der Eheſcheidung, von welcher der Art. 231 handelt, iſt das franzöſiſche Geſetz weniger ſtreng, als das römiſche Recht, welches die Eheſcheidung nur dann zuließ, wenn die Mishandlungen geeigenſchaftet waren, das Leben eines der Ehegatten in Gefahr zu ſetzen, oder die mit dem Zuſtand der Freiheit verbundene Rechte zu kränken, (wenn z. B. der Mann ſeine Frau mit Ruthen hatte ſtreichen laſſen;) das franzoͤſiſche Recht nimmt aber eine dreifache Abſtufung der Beleidigungen an, welche die Schei⸗ dung nach ſich ziehen koͤnnen: 1) Den erſten und hochſten Grad bezeichnet das Geſeß mit dem Worte: Epzeſſe(excés). Die Kommiſſion hat⸗ te ihn in ihrem Projekt auf die Anſchlaͤge eines der Ehe⸗ gatten auf das Leben des andern beſchraͤnkt. Auf die, Bemerkung des Tribunats, daß der Ehegatte, der eine der rechtmaͤßigſten Urſachen der Eheſcheidung fur ſich ha⸗ ben wuͤrde, alsdann keinen Gebrauch davon machen koͤnnte, ohne zugleich in einer peinlichen Anklage gegen ſeinen Mitgatten als Ankläger auſzutreten, ward jener generelle Ausdruck dem ſpeziellen ſubſtituirt, und die geſetz⸗ liche Verfuͤgung dadurch auf alle Handlungen ausgedehnt, welche die Sicherheit der Per ſonen gefaͤhrden, ohne dabei die Abſicht in Anſchlag zu bringen. 2) Der zweite begreift unter dem allgemeinen Ausdruck: Mishandlungen, Cévices) alle diejenige Beleidi⸗ gungen, welche weniger die Sicherheit des Ehegatten ge⸗ faͤhrden, als ſeine Ruhe zerſtören, wobei jedoch der Red⸗ ner der Regierung ausdruͤcklich bemerkte, daß nicht von einzelnen, voruͤbergehenden Aufwallungen des Zorns, ſondern von eigentlichen, perſoͤnlichen Mishandlungen „ unb einem beſtändigen Zuſtande von Unterdruͤckung die Rede ſei. Zwar hatte die Kommiſſion dieſen Grund der Eheſcheidung gleichfalls in ihr Projekt aufgenom⸗ men, allein da ſie ſich dabei des Ausdrucks: les delits qui donneront lieu au divorce, sont; etc. bediente, ſo muß man vermuthen, daß ſie nur ſolche Mishandlungen darunter verſtand, welche durch das Geſetz als Delicte an⸗ geſehen werden und mit einer Zuchtpolizeiſtrafe belegt ſind. Dies war ſogar die nothwendige Folge ihres Syſtems, welches die CivilKlage der peinlichen unterordnete. Al⸗ lein alsdann hätte wieder kein Ehegatte von dieſem Grun⸗ de Gebrauch machen koͤnnen, ohne ſeinen Mitgatten dem ZuchtPolizei Gericht zu uberliefern, wodurch man ſich bewogen fand, jenen Ausdruck zu unterdruͤcken. Stand und Erziehung und die GeſundheitsUmſtaͤnde der Partheien muͤſſen ubrigens in jedem beſondern Falle beruckſichtigt wer⸗ den, wie es aus den Beiſpielen zu erſehen iſt, die man in meinen Annalen der Geſ. Nap. II. 24te Entſcheid. nachſchlagen kann. Die Sektion wollte uͤbrigens nur der Frau die Befugniß geſtatten, wegen Mishandlungen die Eheſcheidung in Anſpruch zu nehmen, weil der Mann durch die Starke, welche die Natur, und die Gewalt, die das Geſetz ihm verliehen, hinlaͤnglich dagegen ge⸗ ſchutzt ſei, und er dieſe Klage nicht erheben könne, ohne ſich ſelbſt der Feigheit anzuklagen. Ausnahmen, ſetzte man hinzu, könne das Geſetz nicht zur Richtſchnur ſeiner Verfuͤgungen nehmen. Auf die Bemerkung des Tri⸗ bunats: daß kranke, ſchwaͤchliche und bejahrte Männer alsdann kein Mittel haben wuͤrden, den Mishandlungen ihrer Weiber zu entgehen, und daß es hinlänglich ſei, 5⁸ daß zuweilen, wenn auch in ſeltnen Fällen, ein Mann wirklich Grund habe, dieſe Klage anzuſtellen, um ſie ihm nicht zu verſagen, ward die erſte Abfaſſung wieder hergeſtellt*). 3) Der dritte Grad begreift unter dem Ausdruck: ſchwe⸗ re Beleidigungen, Cnjures graves) die Angriffe eines der Ehegatten auf die Ehre des andern. Die Kommiſſion ließ, der alten Jurisprudenz gemaͤß, ſolche Beleidigungen nur in dem einzigen Falle der oͤffent⸗ tichen Diffamation als urſache der Eheſcheidung gelten. Der Staatsrath hatte die Abfaſſung der Kom⸗ miſſion anfangs genehmigt, aͤnderte ſie aber nachher auf den Antrag der Sektion. Die Beleidigungen, welche der Geſetgeber hierbei im Auge hatte, ſind uͤbri⸗ gens, ſo wie der Zuſaß ſchwere es andeutet, in mo⸗ raliſcher Hinſicht das, was die Mishandlungen in phyſi⸗ ſcher ſind. Es iſt weder durchaus erforderlich, daß ſie von perſönlichen Mishandlungen begleitet waren, noch daß das ganze Publikum Zeuge geweſen ſei, aber ſie muͤſſen in Hinſicht auf die Qualität, die Erziehung, die Abſicht der Partheien, und die umſtaͤnde, worin ſie ſich befanden, von Wichtigkeit ſein. So kam man, um einige Beiſpiele anzufuͤhren, beſtimmt uͤberein, daß eine Frau, in einer Klage auf Eheſcheidung wegen Ehebruch unterlegen h haͤtte, berechtigt ſei, die Scheibung von demſelben wegen der dadurch erlittenen Beleidig guñ zu —— 7——— „) Es iſt mir wirklich ein Fall betannt, wo vor dem Tribunal von Mainz ein Handelsmann aus dieſer Stadt wegen erlittenen thätlichen Mishandlungen auf Eheſcheidung gegen ſeine Fran seklagt hat. 59 fordern; ein anderer Appellationshof hat den Grundſatz angenommen, daß auch die in einem, von dem Manne an die Frau erlaſſenen, Briefe enthaltene beleidigende Ausdruͤcke dieſe zur Eheſcheidung berechtigen können. Cben ſo iſt es anerkannt, daß die von dem Beklagten auf Eheſcheidung zu ſeiner Vertheidigung angefuͤhrte Thatſachen nicht als Injurien anzuſehen ſind, und zu einer neuen Klage auf Eheſcheidung aus dieſem Grunde nicht berechtigen koͤnnen.(Siehe meine Annalen der Geſetz. Nap. Il. a. a. O.) Die Sektion wollte gleichfalls nur der Frau das Recht zugeſtehen, wegen Injurien auf Eheſcheidung zu klagen, weil es un⸗ anſtändig ſein wuͤrde, ein Familienhaupt uͤber Injurien von Seiten der unter ſeiner Gewalt ſtehenden Frau, die ihn ſchon deshalb nicht leicht oͤffentlich diffami⸗ ren könne, klagen zu hoͤren. Der Staatsrath trat der Meinung der Sektion bei, kehrte jedoch auf die Bemerkung des Tribunats, daß man dem Manne nicht wohl dieſes Mittel entziehen duͤrfe, ſich von einem Wei⸗ be zu trennen, das ſeine Ehre und Rechtſchaffenheit oͤf⸗ fentlich angreifen wuͤrde, zu der erſten Abfaſſung zuruͤck. 12) Eine wichtige Frage iſt die: ob eine Kompenſation der von den Ehegatten ſich gegenſeitig zugefuͤgten Beleidigungen ſtatt finde? Am haͤufigſten wird dieſe Kompenſation von dem auf Eheſcheidung beklagten Manne eingewendet, indem er behauptet, daß die Frau die Mishandlungen, worauf ſie ihre Klage begruͤndet, ſich durch ihre Ausſchweifungen zugezogen habe. Man hat uͤber dieſe Frage mehrere Urtheile verſchie⸗ dener Gerichtshoͤfe, welche aus ganz entgegengeſetzten Prin⸗ 60 üpien ausgegangen und miteinander in Widerſpruch zu ſte⸗ hen ſcheinen.(S. meine Annalen d. G. N. Il. 27te Entſcheid.) Vielleicht läßt ſich jedoch dieſer Widerſpruch heben, wenn man bei. Entſcheidung der Frage aus, folgendem Geſichts⸗ punkt ausgeht: a) ſcheint es mir keinem Zweifel unterworfen, daß eine wirkliche Kompenſation von erlittenen Mishandlungen nie ſtatt finden kann, und daß eben ſo wenig der Ehe⸗ bruch der Frau mit den von derſelben erlittenen Mishandlungen, noch der Ehebruch des Mannes mit dem der Frau kompenſirt werden kannz in dem letz⸗ ten Falle, weil der Ehebruch der Frau den Mann zur Scheidung berechtigt, nicht aber umgekehrt, alſo eines⸗ theils ein wirkliches Klagrecht vorhanden iſt, welches durch eine Handlung nicht entkraͤftet werden kann, der das Geſetz dieſe Wirkung nicht belegt; ſollte ſogar der Ehebruch des Mannes von denjenigen Umſtaͤnden begleitet ſein, welche die Fraugleichfalls zur Klage auf Scheidung be⸗ rechtigen, ſo entſteht zwar allerdings fur ſie das Recht dar⸗ aus, ihrerſeits auf die Scheidung anzutrggen und dadurch die Wirkung des Art. 209 zu entkräften, allein keine geſetz⸗ liche Verfuͤgung erlaubt dem Richter, aus dem Ehe⸗ bruch des Mannes einen Grund der Unzuläͤßigkeit gegen ſeine ScheidungsKlage abzuleiten, und durch die Ver⸗ weigerung der Scheidung ein ſo unmoraliſches Verhaͤlt⸗ niß, als hier nothwendig vorausgeſotzt werden muß, zum Aergerniß der Geſellſchaft zu verewigen⸗ b) Eben ſo wenig kann der Mann, um ſich gegen eine ScheidungsKlage zu ſchuͤtzen, welche die Frau wegen arlittenen Mishandlungen erhebt, den Ehebruch der Frau 67 einwenden. Auch hier iſt von beiden Seiten ein Klag⸗ vecht auf Scheidung vorhanden; er kann ihrer Klage eine Klage auf Scheidung entgegenſetzen, nicht aber aus ihrem Ehebruch einen Grund der Unzuläͤſſigkeit ihrer Klage ableiten, der nirgends in dem Geſetze begruͤndet iſt. Zudem wird jede Klage auf Scheidung wegen Ehe⸗ bruch durch die Verzeihung des Mannes und die Aus⸗ ſohnung der Ehegatten unzulaͤſſig; ein Antrag, der auf die Fortdauer der Ehe abzweckt, ſetzt aber nothwendig eine ſolche Verzeihung voraus, und ich glaube demnach ſogar, daß der Mann, der anſtatt auf den Ehebruch ſeiner Frau einen ScheidungsAntrag zu begruͤnden, ihr denſelben nur eingewendet hat, um ſeine eigene Fehler zu kompenſiren, nachher in einer ſolchen Klage unzulaͤ⸗ ßig ſein wurde, falls die von der Frau artikulirte That⸗ ſachen zu dem Ausſpruch der Eheſcheidung nicht hinlaͤng⸗ lich befunden werden ſollten. c) Aus denſelben Gruͤnden findet eben ſo wenig eine Kom⸗ penſation von Beleidigungen und Injurien ſtatt. Sind die von der Klägerin erlittene Mishandlungen wichtig genug, um dem Richter die Ueberzeugung zu gewaͤhren, daß das gemein ſchaftliche Leben den Ehe⸗ gatten unerträglich iſt, wie ſollten alsdann die dem Beklagten von der Klagerin ihrerſeits zugefuͤgte Be⸗ leidigungen und Mishandlungen ihm jene Ueberzeugung benehmen koͤnnen? 13) Dagegen aber ſcheint es mir gleichfalls keinem Zweifel unterworfen zu ſein, daß ſo oft die Mishandlungen des ei⸗ nen Theils durch das ſchlechte Betragen oder die Injurien des andern provozirt und veranlaßt worden ſind, dieſes die 02 Wichtigkeit derſelben vermindert, und der Richter dadurch be⸗ ſtimmt werden kann, die Klage abzuweißen. Keine voruberge⸗ hende Aufwallung eines gereizten Gemůths, ſondern ein be⸗ ſtaͤndiger Zuſtand der Unterdruͤckung iſt es, was zu der Ueber⸗ zeugung erfordert wird, daß das gemeinſchaftliche Leben den Ehegatten unerträglich geworden ſei. Oft iſt weniger Schuld auf der Seite desjenigen, der ſich die erſte Thätlichkeit erlaubt hat, als auf der Seite desjenigen, der in der Abſicht, ſeinen Gatten aufs äußerſte zu treiben und ſich einen Weg zur Eheſcheidung zu bahnen, keine Kränkungen und keine Bit⸗ terkeiten erſpart hat, um zu dieſem Zweck zu gelangen. In ſolchen Fällen kann der Richter auf das Betragen des Klä⸗ gers Rückſicht nehmen, um die Schuld des Beklagten abzu⸗ waͤgen, und eine Beleidigung, welche, aus freien Stuͤcken zugefugt, hinlanglich wäre, um die Eheſcheidung zu erkennen, kann unzulaͤnglich befunden werden, wenn ſie mit den vor⸗ herigen Vorgaͤngen in Uebereinſtimmung geſetzt wird. Daß dieſe Grundſäͤtze auch die des Kaſſationshofes ſind, beweißt ein Urtheil deſſelben vom 14 Prairial 13ten Jahrs(Siehe meine Annalen der G. N. II. 27te Entſcheidung.) 14) Zwiſchen dem Art. 232 und dem Geſetz von 1792 befin⸗ bet ſich der Unterſchied, daß das letzte die Eheſcheidung wegen einer peinlichen oder entehrenden Sttäfe auto⸗ riſirte, während der erſte bloß infamirende Strafen als Grund der Eheſcheidung gelten läßt. Dieſer Grund fand ſich nicht in dem Projekt der Commiſſion, ward aber von mehteren Seiten reklamirt,„weil die Tugend zwingen, in „der innigſten Verbindung mit dem Laſter zu leben, einen „Lebenden an einen Leichnam ſchmieden hieße.“ 53 Zweite Abtheilung. Von der Form der Klaye. §. 00. Jede Klage auf Eheſcheidung muß vor dem Civil Ge⸗ richte des Ortes, an welchem die Ehegatten wohnhaft ſind, angebracht werden. Sie kann der Emtſcheidung von Schiedsrichtern nicht unterworfen werden. Sind die Thatſachen, worauf die Klage ſich gruͤndet, von der Art, zu einem peinlichen Verfahren von Seiten des öffentlichen Miniſteriums ſtatt zu geben, ſo bleibt die Civilſlage bis nach dem Urtheil uber die peinliche Klage ſuspendirt, aus welchem jedoch in Hinſicht auf die Civil Klage kein Vor⸗ urtheil abgeleitet werden kann. Locre, IV, a46. Projet du Code civil, Liv. I. tit. 6. art. 4 26, 27. Procés-verbaux des 26 vendémiaire, 4 brumaire, 14 nivose et 22 lructidor 10. Art. 1004 des Geſetzb. uͤber das Verfahren im bürgerlichen Prozeß. Annalen der Geſetzgebunz Napoleons, Theil II. S. 74. 1) Der Art. 234 enthält brei verſchiedene Entſcheidungen a) daß die Klagen auf Eheſcheidungen nur vor den offentlich angeordneten Juſtiz Behoͤrden angebracht werden koͤnnen, (Art. 100 des Geſuͤber das Verfahren im buͤrg. Prozeß) weil bei jeder Klage dieſer Art die oͤffentliche Ordnung betheiligt iſt; b) daß ſie ausſchließlich von der Kompetenz der CivilGe⸗ Gerichte ſind; ſelbſt wenn die Thatſachen, worauf die Klage ſich gruͤndet, zu einer peinlichen Beſtrafung ge⸗ eigenſchaftet wäre, ſo kann doch der Ehegatte ſelbſt nur eine CivilKlage erheben, welche Beſtimmung dem Geſetzb äber das Verfahren im peinlichen Prozeß derogirt; *35 64 ) daß das Tribunal des Wohnorte s der Ehegatten aus⸗ ſchließlich kompetent iſt; und zwar hat daſſelbe Tribu⸗ nal, welches uber dieſe Klage erkannt hat, nachher auch über alle die Streitfragen zu erkennen, welche ſich ber die Wirkungen derſelben erheben können, wenn gleich der Mann nach oder ſchon während der ScheidungsKlage ſei⸗ nen Wohnort veraͤndert, und dieſe Veraͤnderung in der geſetzlichen Form beurkundet haͤtte.(urctheil des Kaſſationshofes vom zoten May 1808. Annalen der Geſetzgebung Napoleons, Theil I1. S. 74.) 2) Es iſt eine andere Abweichung von den allgemeinen Prin⸗ zipien der KriminalGeſetgebung,(Art. 3. des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im peinlichen Prozeß.) daß ſelbſt in den Fällen, wo die peinliche Klage von Amtswegen er⸗ hoben und betrieben wird, der peinliche Richter nicht zu⸗ gleich uͤber die Civil Anträge der Partheien erkennen kann. Einestheils ſchien eine Klage auf Eheſcheidung allzuwichtig, um der Gegenſtand einer acceſſoriſchen Entſcheidung werden zu können, und anderntheils muß nach ganz andern Grundſätzen daruber erkannt werden als die, welche in Hin⸗ ſicht auf die peinliche Klage zur Verurtheilung oder Freiſpre⸗ chung des Angeklagten beſtimmen können. 3 Die Frage, ob in dem oben(Nro. 2.) angefuͤhrten Falle die CivilKlage oder die KriminalKlage zuerſt entſchieden werden ſolle, gab im Staatsrath zu einer lebhaften Dis⸗ kuſſion Anlaß. Die Sektion war fuͤr die Priorität der Ci⸗ vilKlage, die Kommiſſion war entgegengeſetzter Meinung. Die erſte behauptete: der KriminalProzedur die Priorität ertheilen, hieſſe die CivilKlage ganz unnutz machen, denn wuͤrde der peinliche Richter entſcheiden, daß kein Verbrechen 65 vorhanden ſei, ſo könne dieſes auch kein Grund der Eheſchei⸗ dung werden; wuͤrde er aber den Verbrecher verurtheilen, ſo wuͤrde dieſe Verurtheilung allein eine hinreichende Urſache der Eheſcheidung ſein. Die Lage des Klaͤgers wuͤrde gar zu gehäſſig werden, indem, wenn gleich das oͤffentliche Miniſte⸗ rium die Klage verfolgen wuͤrde, er doch immer als erſte Ur⸗ ſache derſelben erſcheinen muͤßte; endlich wuͤrde man die Ge⸗ ſchwornen, welche nur Richter der Thatſachen wären, zu Richtern einer Frage uͤber den Civilſtand erheben, indem der Einfluß des peinlichen Urtheils auf die Entſcheidung des Ci⸗ viProzeſſes unwiderſprechlich ſei. Die Eheſcheidung, nicht die Beſtrafung des Verbrechens, ſei der Zweck der Klage; die peinliche Prozedur ſei daher bloß zufällig, und muͤſſe der Ci⸗ vilProzedur nachſtehen. Man erwiederte dagegen: buͤrgerliche und peinliche Kla⸗ gen ſeien alluſehr verſchieden, um nicht oft ein kontradikto⸗ riſches Reſultgt zu haben; der Beweis, der dem CivilRich⸗ ter hinlaͤnglich geſchienen habe, wuͤrde oft die Ueberzeugung der Geſchwornen um ſo weniger beſtimmen konnen, als die Abſicht bei ihnen hauptſͤchlich in Anſchlag komme, ſtatt daß der CivilRichter nur den Beweiß der Thatſachen zur Grund⸗ lage ſeiner Entſcheidung nehme; dieſe gehaͤſſige Kontradiktion zweier Urtheile uͤber dieſelbe Sache, wovon eines entſcheiden wuͤrde, es ſei ein Verbrechen vorhanden, und das andere, es ſei keines vorhanden, wuͤrde aber vermieden, wenn man die peinliche Prozedur vorausgehen lieſſe, und die CivilKlage nur im Falle eines bejahenden Ausſpruchs der Geſchwornen erlauben wuͤrde. Offenbar haͤtte aber der Vorſchlag der Sektion das In⸗ 5 50 tereſſe des Klägers allzuſehr gekräͤnkt; ein Faktum kann nicht wichtig genug ſein, um eine peinliche Verurtheilung zu ver⸗ dienen, aber doch mehr als hinlänglich, um eine Eheſcheidung zu begruͤnden. Die Lage des Ehegatten, der auf eine Art mishandelt worden wäre, die dem oͤffentlichen Miniſterium zu einem peinlichen Verfahren geeigenſchaftet ſcheinen konn⸗ te, waͤre ungleich ſchwieriger geweſen, als die eines Ehegatten der nur geringere Beleidigungen erlitten haͤtte, und in Aus⸗ ubung ſeines Klagrechts durch keine von Amtswegen erhobene peinliche Klage hätte gehemmt werden können. 4) Der Vorſchlag des Staatsrath Portalis, die Befugniß des Kaiſerl. Prokurators bei dem peinlichen Gerichte, eine peinliche Prozedur anzufangen, auf den Fall zu beſchraͤnken, wo ein wirkliches corpus delicti vorhanden wäre, und in dieſem Falle das urtheil des CivilProzeſſes von dem Urtheil der peinlichen Anklage abhangen zu laſſen, räumte gleichfalls nur einen Theil der Schwierigkeit aus dem Wege, denn eines⸗ theils beruhte er zum Theil auf der Unterſtellung, als ob der klagfuͤhrende Chegatte die Wahl der peinlichen und CivilKlage habe, in welchem Falle man das Klagrecht des offentlichen Mi⸗ niſteriums eher haͤtte beſchränken können als jetzt, wo der Coder dem Ehegatten die peinliche Klage ganz verſagt, und anderntheils iſt ſelbſt der Fall moͤglich, wo zwar ein wirkliches corpus delicti vorhanden, der Beweiß aber zu einer pein lichen Verurtheilung unzulänglich, und dennoch ein hiläͤnglicher Grund zur Eheſcheidung vorhauden ſein kann. 8) Dieſe Diskuſſion fuͤhrte endlich auf den Grundſatz, welchen wir im Att. 235 finden, nach welchem zwar die CivilKlage vis nach der Entſcheidung uͤber die peinliche Prozedur aus⸗ geſetzt bleiben muß, dieſe jedoch der Entſcheidung uͤber die GivilKlage nicht präjudiziirt. Dies iſt jedoch nur dann der moͤgliche Fall, wenn ein FreiſprechungsUrtheil erlaſſen wor⸗ den iſt; denn ſobald der peinliche Richter eine Thatſache fuͤr erwieſen erklärt hat, kann der CivilRichter die Epiſtenz die⸗ ſes Faktums nicht mehr in Zweifel ziehen, ſondern ſeine Un⸗ terſuchung beſchränkt ſich lediglich auf die Frage: ob die durch ein rechtskraͤftiges Urtheil fur erwieſen erklärte Thatſache zur Eheſcheidung berechtigt? Den Kaiſ. Prokuratoren kann uͤbri⸗ gens in Anſtellung peinlicher Verfolgungen nichVorſicht genug anempfohlen werden. Gewoͤhnlich werden in den, in der er⸗ ſten Hitze entworfenen, Bittſchriften die Vorgänge, die die Klage veranlaſſen, mit allzugtellen Farben dargeſtellt; die Erfahrung hat bewießen, daß die wenigſte Klagen auf Ehe⸗ ſcheidung wegen Mishandlungen bis zu Ende verfolgt wer⸗ denz eine peinliche Prozedur muß aber nothwendig die Par⸗ theien erbittern, und die Wiederverſoͤhnung erſchweren. Sel⸗ ten hat ſie auch, den Fall eines vorſätzlichen Mordanſchlags ausgenommen, ein Reſultat, indem doch ſelten alle Schuld auf einer⸗ Spite iſt, und die Geſchwornen ſchon bei Mis⸗ handlungen oder Schläͤgereien unter Fremden gewohnlich in ihren Entſcheidungen nur allzu gelind ſind. 6 Nach dem Geſetz vom 20 September 1702 waren es die Beamten des Civilſtandes, welche in den darin aufgezaͤhlten Fallen die Eheſcheidung auszuſprechen und daher auch uber die Mittel der Eheſcheidung zu erkennen befugt waren. Dieſe Befugniß war jedoch von geringer Wichtigkeit, indem es gar keines Grundes bedurfte, um die Eheſcheidung mittelſt der Angabe der einſeitigen Unverträglichkeit des Charakters zu erwirken. Es war lange eine kontroverſe Frage: ob 68 pie Tribunalien das Recht hätten, von den Beamten⸗bes ivilſtandes ausgeſprochene Eheſcheidungen wegen Nicht Beob⸗ achtung der eſetzlichen Fotmslitaten zu annulliren? Zwei Urtheilsſpruͤche des Ka ationshofes, vom 14ten Vendentaire“ und 2ten Brumaire 10, beſtätigten jedoch die Kompetens der Gerichts Behörden, aus folgenden Gruͤnden weil es ein unvoll⸗ ſtändiges Geſetz waͤre, welches die Urſachen und Forialitäten der Eheſcheidung vorgeſchrieben, und kein Mittol ubrig gelaſſen häͤtte, deren Verlebungen zu ruͤgen; daß, da das Geſetz von 1792 die kompetende Behörde nicht namentlich beſtimmt ha⸗ be, die Handhabung dieſes Geſetzes wie aller ubrigen den Gerichtet überlaſſen bleiben muſſe, indem die Beämten des Civilſtandes nicht befugt ſein könnten, über Fragen in Betreff des Civilſtandes zu erkennen. Seitdem haben das Kaffations⸗ gericht und die Appellationshöfe dieſen Grundſatz imnrer ge⸗ handhabt, der jedoch durch das Gutächten des Staatsraths vom 11 Pralrial 12 Jahrs fur die gegen Emigranten und Abweſende ausgeſprochene Eheſcheidungen eine Auskahme erleidet. Wir werden in der Folge auf diefes Gutachten zurkickkommen. Das neue Geſet, welches kwerhaupt die Be⸗ amten des Civilſtandes in ihren Verrichtungen in dieſer Ei⸗ genſchaft ganz von den Gerichten abhäͤngig macht, erlaubt ihnen nur mehr auf Anſicht des urtheils, welches uͤber die Eheſcheidungs Klage erkannt hat, den Akt der Eheſcheidung aufzuſetzen. Haͤtte jedoch demungeachtet ein Beamter des Civilſtandes, ohne dazu durch ein Urtheil autoriſirt zu ſein, eine Eheſcheidung ausgeſprochen, ſo könnte deren nur vor den Gerichten verfolgt werden, weil die Praͤfekten reine Entſcheidung erlaſſen können, welche den Civilſtand eines Buͤrgers reguliren wuͤrde, und es ganz zufallig iſt, daß 69 die Verrichtungen als Beamte des Civilſtandes den ihnen in allen VerwaltungsAngelegenheiten untergeordneten Maire's uͤbertragen worden ſind⸗ 5 91. um zu einer Klage auf Eheſcheidung autoriſirt zu wer⸗ den 1) hat der Kläger dem Präſidenten des Tribunals eine Bittſchrift einzureichen, welche Zeit und Umſtände der Thatſachen, worauf ex ſeine Klage gruͤnden will, genau angeben muß. 2) Derſelbe Präſident hat ſodann einen Verſuch zur Auſſöhnung der Ehegatten und zum Vergleich uͤber die Klage zu machen. 3) Kommt dieſer nicht zu Stande, ſo ertheilt das Tri⸗ bunal auf den Bericht des Präſidenten und nach Anhörung des Kaiſerl. Prokurators, die Autoriſation zur Vorladung⸗ Locré, IV, 269 Proces-verbatx des 26 vendémſaire, 14 nivose 10 et 19 veutose II. Projet du Code, liv. I, tit. 6. art. 6 er suiv. Mein Journal, Jahrg. II. B 2. S. 161 u ff. S⸗uͤber das Verfahren bei der Klage auf Trennung von Tiſch und Bett nach der vorigen JFurisprudenz das Répertoire nuiversel, verbo: cpa- ration de vorps. Pandectes krangaises IV. 50. Journal du Pa- lnis, 1806, Nro. 368, 370, 379. Collection d'rréts et de ju- gemens, 1303. p. 510. ¹) Bei der Prozedur ſelbſt iſt man aus ganz andern Grund⸗ ſätzen ausgegangen, als die, welche bei dem gewoͤhnlichen Prozeßgang ihre Anwendung finden; ſtatt daß dieſe den Zu⸗ 8 tritt zu den Gerichten auf jede Art zu erleichtern ſuchen, hat man ihn bei EheſcheidungsKlagen vielmehr erſchwert. Nach der franzoſiſchen Prozeßordnung iſt im Allgemeinon 236 237 238 ²39 70 keine Erlaubniß des Richters erforderlich, um eine Klage vor Gericht einzufuͤhren,(ſo wie es uͤberhaupt einer der unver⸗ kennbaren Vortheile dieſer Prozeßordnung iſt, daß alle Akte der Inſtruktion des Prozeſſes ohne Zuziehung des Richters durch die miniſteriellen Beamten gemacht werdenz) in Ehe⸗ ſcheidungs Klagen aber darf keine Ladung von einem Huſſier anderſt als kraft der ausdruͤcklichen Erlaubniß des Richters er⸗ laſſen werden; der Zweck dieſer Verfuͤgung iſt, Zeit zu ge⸗ winnen, den erſten Augenhlick der Aufwallung voruber ge⸗ hen zu laſſen, und vor Ertheilung dieſer Erlaubniß einen letzten Verſuch zum Vergleich zu machen, der dadurch von dem gewöhnlichen verſchieden iſt, daß nicht der Friedensrichter, ſondern der Praͤſident des Tribunals ſelbſt damit beauftragt iſt, und die Partheien, wenigſtens der Kläger, nothwendig, perſoͤnlich dabei erſcheinen muͤſſen. * Das Verfahren faͤngt mit der Klagſchrift an, in welcher die Thatſachen, worauf die Klage ſich gruͤndet, genau angegeben ſein muͤſſen. Bei der Abfaſſung dieſer Klagſchrift kann man nicht vorſichtig genug zu Werke gehn, indem ſie die Grund⸗ lage des ganzen Prozeſſes iſt; die Thatſachen, Zeit, Ort und Zeugen muͤſſen genau artikulirt und die Beweißſtucke beige⸗ fugt werden, wenn deren vorhanden ſind. Zwar hat ein Urtheil des Appellationshofes von Bruͤſſel Qournal du Pa- lais, 1806, No 568,.) vom 12 Frimaire 14, den Grundſatz angenommen, baß der Klaͤger auch noch in der Audienz Be⸗ weisſtuͤcke vorzulegen befugt ſei, welche der Bittſchrift nicht beigefügt waren; allein ein Urtheil des Appellationshofes von Paris(Journal du Palais 1806, No. 370) vom 18 Februar 1806, hat in einer Klage auf Eheſcheidung wegen Ehebruch den Kläger abgewieſen,„weil die Klagſchrift den 71 „Ort, den Tag, die Stunde, und die Umſtände nicht genau „genug angegeben habe, um den Beklagten in Stand zu „ſetzen, die Klage zu widerlegen.“ Daſſelbe Appellations⸗ Gericht hat durch ein anderes Uetheil vom 14 Mai 1806 Cournal du Palais 1806, No. 579.) den Grundſatz aufge⸗ ſtellt, daß, wenn die Thatſachen, worauf ſich die Klage gruͤn⸗ det, in der erſten dem Praͤſidenten uͤberreichten Klagſchrift nicht genau genug angegeben ſind, der K laͤger nachher dieſe Auslaſſung nicht mehr durch eine ſpäterhin dem Beklagten zugeſtellte zuſaͤtzliche Klag ſchrift verbeſſern könne, und deshalb den Kläger, der ſich in dieſem Falle befand, mit ſeiner Klage abgewieſen. Die Urſache, warum man weniger ſtrenge in Zulaſſung von ſolchen Be⸗ weißſtuͤcken, die der Klagſchrift nicht beigefugt waren, iſt, waͤh⸗ rend die Beweißfuͤhrung ſich auf die Thatſachen beſchränken muß, die in derſelben angefuͤhrt waren und ſich nicht auf ſolche ausdehnen kann, die erſt ſpäterhin artikulirt worden ſind, liegt darin, daß der Klager nicht wiſſen kann, welche Thatſachen der Beklagte in Abrede ſtellen wird, und daher erſt durch deſſen Vertheidigung in die Nothwendisgkeit verſetzt werden kann, Schriften offen zu legen, welche er vielleicht aus Schonung bis dahin zuruͤckgehalten hatte. Ein Urtheil, welches der Kaſſationshof am 2ten März 1808 erlaſſen hat, (Collection d' arrẽts et de Jugemens, 1808, p. 510) enthaͤlt jedoch eine weit mildere Auslegung des Art. 236 als die oben angefuͤhrte Urtheile des Appellhofes von Paris; es ward nämlich auf Caſſation eines Urtheils des Appellhofes von Caen aus dem Grunde angetragen, weil es den Beweiß von Thatſa⸗ chen zugelaſſen hatte, die in einer ScheidungsKlage artikulirt wor⸗ den waren, ohngeachtet die Klagſchrift bloß das Jahr aber weder 72 Tag noch Monat angegeben hatte; allein das Geſuch ward ver⸗ worfen:„angeſehen, daß der Appellhof von Caen, indem er entſchieden hat, daß die Thatſachen, welche ſich ſowohl vor als nach der Epoche zugetragen haben, wo die Eheleute Cordey auf⸗ gehoͤrt haben zuſammen zu wohnen, umſtaͤndlich genug angege⸗ ben waͤren, um ihren Beweiß zuzulaſſen, den Art. 236 des Coder nicht hat verletzen koͤnnen, indem dieſer Artikel nicht beſtimmt, auf welche Art die Thatſachen de⸗ taillirt werden muͤſſen, worauf eine Schei⸗ dungsKlage begrundet wird.“ 3) Man muß auch bemerken, daß bis zu dem Augenblick der Erſcheinung der Partheien vor dem Praͤſidenten dem Kläger vernuͤnftiger Weiſe die Befugniß nicht abgeſprochen werden kann, Zuſaͤtze und Nachträge zu ſeiner Klagſchrift zu ma⸗ chen, weil er ſie bis zu dieſem Augenblick zuruͤckziehn, ver⸗ ändern, und neuerdings einreichen kann. 4) Alle fuͤr den EheſcheidungsProzeß vorgeſchriebene Formali⸗ taͤten muͤſſen ſtrenge beobachtet werden; jede Unterlaſſung oder Verletzung derſelben zieht die Nullität des Verfahrens nach ſich. 5) Die Frau bedarf der Autoriſation des Mannes nicht, um eine EheſcheidungsKlage zu erheben. Urtheil des Kaſſations⸗ hofes vom 25 Germinal 13,(S. mein Journal, Jahrg. II. Band 2, S. 162.) Die, welche das Tribunal ihr kraft des Art. 240 ertheiltz, iſt hinlänglich. 6) Sobald der Praͤſident die Klagſchrift erhalten hat, befiehlt er den Partheien, zuſammen vor ihm zu erſcheinen.(Art. 238.) Er ſelbſt hat dem Ehegatten, gegen welchen die Klage gerich⸗ tet iſt, den diesfalſigen Befehl mitzutheilen; dieſe Mittheilung iſt zwar, ſo wie daſſelbe Urtheil des Kaſſationshofes vom 25 73 Germ. 13 es entſchieden hat, den gewoͤhnlichen Formalitäten ge⸗ richtlicher Zuſtellungen nicht unterworfen, es muß aber doch eine ſchriftliche Meldung von derſelben geſchehen, welche der Präͤſident in ſeinen Verba Prozeß aufnehmen kann.(Siehe mein Journal, a. a. O.) 7) Die Friſt von 3 Tagen, von welcher im Art. 240 die Rede iſt, kann von dem Tage an gerechnet werden, wo die Papiere dem Kaiſerl. Prokurator uͤbergeben worden ſind. Urctheil des Kaſſationshofes vom 25 Germinal 13. 8) Lauft ber Verſuch zum Vergleich 39) fruchtlos ab, ſo wird die Erlaubniß zur Vorladung ertheilt, oder noch ſuſpendirt 40); von welcher letzten Befugniß das Tribunal vorzuͤglich dann Gebrauch machen wird, wenn der berufene Ehegatte nicht erſchienen iſt, oder wenn der Praͤſident ſich durch das Benehmen beider Ehegatten uͤberzeugt hat, daß die erſte Er⸗ bitterung eine Erklaͤrung verhindert hat, und bei kaͤlterem Blute vielleicht noch eine Ausſohnung bewirkt werden kann. Die Zuſammenkunft der Ehegatten muß uͤbrigens nicht auf dem Tribunal ſtatt haben, ſondern der Praſident kann jeden ſchicklichen Ort dazu beſtimmen, ja ſie ohnbedenklich in ſei⸗ ner eignen Behaußung veranſtalten. Das Urtheil, welches die Erlaubniß zur Vorladung noch ſuspendirt, iſt als ein durchaus praͤparatoriſches Urtheil keiner Appellation unter⸗ worfen. Das Geſetz ſchweigt von dem Falle der Verſöhnung, und legt dem Präſidenten nur in dem Falle der NichtVerſöhnung die Verbindlichkeit der Errichtung eines Verbal Prozeſſes auf. Dieſe ſcheint auch im erſten Falle deshalb uͤberfluͤſſig, weil der Art. 274 den Zeugenbeweiß der Ausſöhnung zuläßt. Auch iſt der Fall kaum denkbar, daß ein Ehegatte, der auf — 74 die Vorſtellungen des Präſidenten die Hand zur Ausſoͤhnung geboten, unmittelbar darauf, ohne neuen Grund, nicht allein dieſe Thatſache ablugnen, ſondern auch bei demſelben Prä⸗ ſidenten nochmal perſoͤnlich einkommen werde, um ſeine Kla⸗ ge zu verfolgen. Iſt aber ein neuer Grund vorhanden, ſo wuͤrde ein VerbaProzeß uber die Ausſoöhnung der Klage doch nicht im Wege ſtehn. 10) Ehedem ertheilte der Richter, dem die Klage eingereicht ward, die Erlaubniß, auf die Trennung von Tiſch und Bett vorzuladen. Jetzt ſtattet der Präſident nur ſeinen Bericht an das Tribunal ab, welches die Erlaubniß zu ertheilen hat. Die Kommiſſion wollte dieſes, vorbehaltlich der Berufung, ſogar ermächtigen, die Er⸗ laubniß zur Vorladung ganz abzuſchlagen, allein der Rich⸗ ter wäre alsdann mächtiger geweſen als das Geſetz; er haͤtte nämlich die Eheſcheidung ſogar dann verweigern koͤnnen, wenn das Geſetz ſie erlaubt. Wollte man ſogar, wie der Kaſſationshof verlangte, dieſe Befugniß auf ben Fall einſchränken, wo die von dem Kläger vorgeſchuͤtzte Gruͤnde nicht von der Zahl der geſetzlichen Urſachen geweſen waͤren, ſo hätte man doch immer, ohne allen Vortheil, die Prozeſſe vervielfaͤltigt, indem man zuerſt uͤber die Frage Prozeß ge⸗ fuhrt haben wuͤrde, ob man Prozeß fuͤhren duͤrfe? und es wäre oft unmoͤglich geweſen, dieſe Vorfrage zu entſcheiden, ohne in die Hauptſache einzugehn. Unbegreiflich bleibt es mir aber, wie die Verfaſſer der Pandectes lrangaises(a. a. D.) noch itzt behaupten können, das Tribunal ſei befugt, die Erlaubniß zur Vorladung ganz zu verweigern, da doch der Art. 10, Tit. 6 des Projektes, welches ihm dieſe Befugniß, vorbehaltlich der Appellation ertheilte, aus⸗ druͤcklich verworfen worden iſt. Eben ſo irrig iſt ihre Be⸗ 25 hauptung, als ob, falls ein Tribunal ſich dennoch eine ſolche Verweigerung erlauben ſollte, der Kläger von dieſem Urtheil die Appellation gegen den Kaiſerlichen Prokurator einlegen und verfolgen könnte. Er häͤtte nur bei dem Appell⸗ hof mittelſt einer einfachen Vorſtellung einzukommen, wor⸗ auf dieſer nicht ermangeln wuͤrde, die Entſcheidung des erſten Richters zu reformiren. §. 92. Iſt die Erlaubniß zur Vorladung ertheilt, ſo hat das Tribunal, nach einer vorlaͤufigen ſummariſchen und gehei⸗ men Inſtruktion uͤber die Zuläſſigkeit der Klage zu entſcheiden. Unzuläſſig kann die Klage erklaͤrt werden: a) wenn die Thatſachen, worauf ſie ſich gruͤndet, kein geſetzlicher Grund der Eheſcheidung iſt; b) Wenn ſeit der Thatſache, worauf die Klage ſich gruͤndet, eine Auſſöhnung unter den Ehegatten ſtatt gefunden hat. Locre IV. 278. 364. Proe ès-verbaux des 26 vendémiaire et 22 kructidor 10, et 19 ventose 11. Projet du Code, liv. 1. tt, 6. 9 art. 13, 39, 40, 41, 42, 44, 45, 46, 47, 48⸗ Annalen der Ge⸗ ſetzggeb. Napoleons Thl. II. Zote Entſcheidung. Jurisprudence du Code Napoléon, 1806, I. 23. 1) Selbſt wenn weder von dem Beklagten noch von dem öffentlichen Miniſterium prozeßhindernde Einreden vorgebracht worden ſind, muß das Tribunal durch ein erſtes Urtheil uͤber die Zuläſſigkeit der Klage erkennen, ehe es zum Endurtheil oder zur Beweißfuͤhrung ſchreiten kann. urtheil des Kaſſations⸗ Hofes vom 18 Frimaire 14(Jurisprud. du C. N. a. a. O.) 2) In dem erſten der beiden Fälle, worin eine Klage unzulä⸗ ßig erklärt werden kann, muß dieſe Unzuläßigkeit ſich aus 24r 242 243 244 245 246 275 273 274 76 der Klagſchrift und der vorlaͤufigen Verhandlung ergeben; es findet daher kein weiterer Beweiß ſtatt; wohl aber in dem zweiten. 3) Uueber den Grund der Unzuläßigkeit, den man auf die L9⸗ ff. de solut. matr. geſtutzt aus einer Kompenſation von Beleidigungen ableiten koͤnnte, ſiehe hieroben S. 50§. 89 Nro. 12 4 Welches ſind die Thatſachen, woraus ſich der Beweiß einer Auſſöhnung unter den Ehegatten ergiebt? Das Geſetz hat die Beurtheilung und Prufung derſelben unbedingt dem Er⸗ meſſen der Tribunalien anheim geſtellt. Urth⸗ des Caſſations⸗ hofes vom 25 May 1808.) Ueber die Anwendung dieſer Gewalt auf einzelne Faͤlle ſehe man die Urtheile des Appellhafes von Bordeaur vom 9 Fruktidor 12, von Bruſſel vom 13 Vendemiaire 14 von Angers vom 31 Julius 1807 und. des Caſſationshofes vom 2 März und 4 April 1808(Annalen, Theil II. Zote Entſcheid.) nach. Im Allgemeinen laſſen ſich, daraus folgende Grundſaͤtze abſtrahiren: *) daß die Gerichtshöfe der erſten und zweiten Inſtanz aus⸗ ſchließlich uͤber die faktiſche Fragen zu erkennen haben, ob eine Auſſoͤhnung ſtatt gefunden habe, ohne daß ihre Entſcheidung, ſelbſt wenn ſie offenbar unrichtig ſein, ſollte, mit Erfolg im Caſſations Wege angefochten wer⸗ den könnte. urtheil des Caſſationshofes vom 2 März und 25 May 1808.(Annalen a. a. O.) b) daß die bloſſe Erſcheinung einer Frau mit ihrem Man⸗ ne im Publikum und ein aͤuſſerlich anſtändiges Betra⸗ gen von beiden Seiten gllein kein hinreichender. Beweiß der Auſſohnung iſt, weil Furcht oder geſellſchaftlicher Anſtand ein Weib zuruͤckhalten koͤnnd, das Publikum zum Vertrauten ihrer Leiden, oder zum Zeugen ihrer Un⸗ terdruͤckung zu machen; c) daß die fortgeſetzte Zuſammenwohnung der Ehegatten eben ſo wenig als ein Beweiß der Auſſoͤhnung angeſehen wer⸗ den kann, wenn ſie von keinen beſondern Umſtaͤnden vegleitet iſt, die die Wiederherſtellung des guten Ver⸗ haͤltniſſes unter den Ehegatten vorausſetzen, weil die der Frau durch den Art. 268 bewilligte Befugniß bloß fa⸗ kultativ iſt, und man daraus allein, daß ſie keinen Ge⸗ brauch davon gemacht hat, um ſo weniger auf eine Auſſohnung ſchlieſſen kann, als der Art. 250 ausdrcklich den Fall unterſtellt, daß die Frau während dem Prozeſſe fortgefahren habe, bei ihrem Manne zu wohnen. 6) Die Kommiſſion(Art. 42) wollte die Ausſohnung kraft des Geſetzes vermuthet wiſſen, ſo oft ſeit der Klage oder ſeit der Thatſache, worauf die Klage ſich gruͤndet, eine Schwan⸗ gerſchaft der Frau eingetteten waͤre, und zwar gieng ſie ſo weit, daß falls dis Beklagte es vernachlaͤßigen ſollte, dieſe Schwangerſchaft einzuwenden, ſie jedem Buͤrger das Recht geſtatten wollté, ſie dem Kaiſerl. Prokurator zu veraneigen, der ſpddnh von Amtswegen den Ausſpruch der Eheſcheidung ver⸗ hindern, und ſogar die bereits ausgeſprochene wieder nichtig erklaͤren zu laſſen befugt ſein ſollte. Der Kaſſationshof und mehrete Appellhoͤfe erhoben ſich mit Macht gegen dieſen Vorſchlag, der der Frau ein unfehlbares Mittel an die Hand gegeben haͤtte, durch einen neuen Ehebruch die Klage des Mannes abzuſchneiden. Er ward demnach verworfen, und alles dem Ermeſſen den Tribunalien ohne Einſchtänkung anheim geſtellt. Doch bleibt es auſſer Zweifel(konferire den 78 §. 80. Nro. 6. Theil I. S. 342) daß zwei Urtheile, von welchen das eine das Kind für ehelich erklären, und das andere die Eheſcheidung dennoch zugelaſſen wuͤrde, in manchen Fällen unvereinbarlich ſein wuͤrden, und es daher immer am räthlichſten ſein duͤrfte, durch daſſelbe Urtheil uͤber den Stand des Kindes, falls er beſtrit⸗ ten ſein ſollte, und die EheſcheidungsKlage zu entſcheiden. Zwar haben wir ein vom Caſſationshof beſtäͤtigtes Urtheil des Appellhofes von Caen vor uns, welches die nach der Ruͤckkehr der Frau in die eheliche Wohnung eingetretene Schwangerſchaft derſelben nicht als Grund der Unzuläſſigkeit gegen die Fortſe⸗ tzung der Klage annahm, ohngeachtet die beſondern Umſtaͤnde durchaus keinem Zweifel ſtatt gaben, daß der Mann wirklich Ur⸗ heber dieſer Schwangerſchaft war; allein in dieſem Falle war es die Frau, welche wegen Mishandlungen auf Eheſcheidung geklagt und in einen letzten Verſuch, den ehelichen Frieden wie⸗ der herzuſtellen, eingewilligt hatte; da aber nach einem Auf⸗ enthalt von wenigen Monaten der Mann ſie durch neue Mishandlungen gezwungen hatte, ihre Klage fortzuſetzen, ſo ſprach der Richter der unterdeſſen eingetretenen Schwanger⸗ ſchaft ohngeachtet die Eheſcheidung aus⸗ Dieſes Urtheil kann jedoch nur durch die Verfugung des Art. 273 gerechtfertigt wer⸗ den, indem die Schwangerſchaft der Frau nothwendig der voll⸗ kommenſte Beweiß der unter den Ehegatten erfolgten Auſſoͤh⸗ nung iſt, ſobald nicht behauptet wird, daß ſie das Reſultat eines ehebrecheriſchen Umgangs ſei. 6) Eben ſo ward auch der Vorſchlag der Kommiſſion(Projekt, Art, 14 u. 15) beſeitigt, das ganze Verfahren bei verſchloſſenen Thären vorzunehmen, und in allen EheſcheidungsProzeſſen ſogar die Vettheilung gedruckter Denkſchriften unter einer 79 Geldſtrafe zu verbieten. Es iſt kein Geheimniß denkbar, ſobald eine Sache vor einem aus mehreren Perſonen beſte⸗ henden Gerichte verhandelt wird, und oft haͤtte jenes Ver⸗ bot dem in ſeiner Ehre angegriffenen Ehegatten das einzige Mittel benommen, ſich vor den Augen des nicht immer par⸗ theiloſen Publikums zu rechtfertigen. Alles, was der oͤf⸗ fentliche Anſtand und die Sittlichkeit fordern können, iſt geſchehen, indem die Erklärungen der Partheyen, und in der Folge die Auſſagen der Zeugen bei verſchloſſenen Thuͤren aufgenommen werden. Hier muͤſſen oft die ſcandaloͤſeſten Umſtaͤnde genau erdrtert werden, waͤhrend bei den öffentli⸗ chen Vortraͤgen die Vertheidiger durch die Vermeidung aller unanſtaͤndigen Ausdruͤcke ihre Achtung fuͤr die Sitten und das Tribunal, vor welchem ſie ſprechen, zu erkennen geben werden. Der Ausweg der Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung ſteht ubrigens denen offen, welche die Publi⸗ zität eines gerichtlichen Verfahrens furchten. 7) Der Klaͤger muß bei dem ganzen Verfahren immer perſön⸗ lich erſcheinen; er kann ſich aber von ſeinem Anwald be⸗ gleiten laſſen, und dieſer kann den Vortrag machen. Es giebt durchaus keine Ausnahme von dieſer Verbindlichkeits die welche fur oͤffentliche Beamten, welche in Dienſtgeſchäften abweſend ſind, vorgeſchlagen ward, iſt verworfen worden, weil eben dieſe Entfernung Klagen auf ungegruͤndete Vermuthungen begunſtigen möchte. Der Beklagte hat aber das Recht, bloß durch einen Bevollmaͤchtigten zu erſcheinen. 8) Erſcheint der Beklagte nicht, ſo wird zwar gegen ihn par delaut erkannt, der Kaiſerl. Prokurator bleibt aber nichts deſtoweniger der geſetzliche Kontradiktor, und hat alle Gruͤn⸗ de der Unzulaſſigkeit der Klage geltend zu machen. Wird 80 der Kläger aber auch in Abweſenheit des Beklagten unzuläſſig in ſeiner Klage erklärt, ſo kann er die Berufung von dieſem Urtheil doch nur gegen den, wenn gleich nicht erſchienenen, Beklagten, einlegen, und auch nur gegen dieſen die Klage vor dem Appellationshof verfolgen; denn da das öffentliche Miniſterium nur wegen der ihm aufgetragenen Handhabung der Geſetze auftritt, ſo kann daſſelbe nie in ſeinem eignen Namen in einen Prozeß gezogen werden. Wie könnte der Kaiſerl. Prokurator eines Tribunals als Appellat vor einem Appellationshof figuriren, da bei dieſem ein Genera Proku⸗ rator beiſitzt, und beide nur eine und dieſelbe Perſon, das öffentliche Miniſterium, die Stimme des Geſetzes, ſind. 9) Die Ordonnanz, welche das Tribunal in Gemäßheit des Art. 245 zu erlaſſen hat, iſt, wenn der Beklagte nicht er⸗ ſcheint, als ein bloßes Urtheil par delaut anzuſehn, ge⸗ gen welches derſelbe in der geſetlichen Zeitfriſt Oppoſition einlegen kann, in welchem Falle die geheime Inſtruktion, die durch die Art. 242— 245 vorgeſchrieben iſt, in ſeiner Ge⸗ geuwart nochmal vorgenommen werden muß, wenn ſie be⸗ reits ſtatt gehabt hat. 40) Die Bemerkungen über die Zeugen, von welchen der Art. 243 ſpricht, verhindern die Partheien nicht, noch ſpäterhin (Art. 280) alle Einwendungen gegen die Zuläſſigkeit dieſer oder jener Zeugen vorzubringen. 41) Der Art. 244 macht es dem Richter zur Pflicht, auf die Geſtändniſſe des Beklagten Ruckſicht zu nehmen. Zwar kann derſelbe auf ſie allein ſein Urtheil nicht begruͤnden, weil ſonſt nichts leichter wäre, als durch einen verabredeten Prozeß die Verfuͤgung des Geſetzes, welche alle freiwillige Scheidungen verbietet, iu umgehen; ſie können aber 37 allerdings als Ergaͤnzung des Beweißes dienen, und verdie⸗ nen dann beſondere Ruͤckſicht, wenn ein Corpus delicti vorhanden iſt, oder die beſondere Umſtaände des Falles jede Vermuthung einer Verabredung ausſchlieſſen. Urtheil des Caſ⸗ ſationshofes vom 11 Frimaire 14. C d. C. N. an 14 p. 35.) §. 03 Unmittelbar nach dem Urtheil, welches die Klage zu⸗ läſſig erklärt hat, ſchreitet das Tribunal zur Erkenntniß uͤber die Klage ſelbſt. Dieſes zweite Urtheil autoriſirt entweder die Partheien, die Eheſcheidung ausſprechen zu laſſen, oder es läßt den Kläger vorlaͤufig zum Beweiß der von ihm artikulirten Thatſachen zu. Dieſer Beweiß kann durch Zengen gefuͤhrt werden, die auch, jedoch mit Aus⸗ ſchluß der Deszendenten, unter den Verwandten und dem Hausgeſinde genommen werden können, und deren Ausſagen in Gegenwart der Partheien, ihrer Rechtsbei⸗ ſtaͤnde und Freunde, jedoch bei verſchloſſenen Thuͤren, auf⸗ genommen werden. Die weitere Erörterung der Sache wird ſodann in die öffentliche Audienz verwieſen, und durch ein letztes, auf Bericht, erlaſſenes, Urtheil, wird die Eheſchei⸗ dung entweder erlaubt, oder die Klage abgewießen. In dem einzigen Falle, wo dieſe ſich auf erlittene Exzeſſe, Mishandlungen oder ſchwere Veleidigungen grundet, kann das Tribunal, ſelbſt, wenn dieſe vollkommen erwieſen ſind, vorläufig nur die einſtweilige Trennung der Ehegatten waͤhrend eines Pruͤfungs Jahres verordnen, nach deſſen Ablauf die Scheidung jedoch auf Amufen des Klaͤgers ohne weiteres erkannt werden muß. Der Kläger muß dem ganzen Verfahren in Perſon bei⸗ wohnen, doch iſt ihm der Beiſtand eines Anwaldes er⸗ Th. 11. 5 247 359 260 255 258 82 laubt. Der Beklagte kann ſich durch einen Bevollmäch⸗ tigten vertreten laſſen. Grundet die Klage ſich auf die Verurtheilung eines der Ehegatten zu einer entehrenden Strafe, ſo wird die Ebe⸗ ſcheidung auf die bloße Vorlage einer authentiſchen Aus⸗ fertigung der in Rechtskraſt erwachſenen Verurtheilung erlaubt. Locrèé, IV, 290. Maleidle, I, 275. Journal fuͤr Geſetßkunde und Rechtsgelehrſ. von Laſſaulx und Birubaum, décisions clmoisien, p. 1. Annalen der Geſetzg. Napol. Th. I. S. 92 Jurisprudenes du Code Nnpolson, an 13 I. 393 an 13071 I. 46b. Jour- nal du Palais 1808, I. 373. *) So lange der Beklagte nicht erſcheint, wird im Kontuma⸗ zia Wege gegen ihn verfahren; da jedoch verabredete Schei⸗ dungen proſcribirt ſind, ſo darf deshalb der Antrag des Klaͤgers ihm nicht unbedingt zuerkannt werden. Dasöffentliche Mi⸗ niſterium bleibt forthin ſein geſetzlicher Gegner, um zu ver⸗ hindern, daß nicht außer den von dem Geſetz beſtimmten Fällen durch Verabredung unter den Partheien die Eheſchei⸗ dung erſchlichen werde. Doch kann daſſelbe nur im Requi⸗ ſitions Wege und nicht als Parthie auftreten; es kann daher von den Urtheilen, welche gegen ſeine Anträge erlaſſen werden, eben ſo wenig Appellation einlegen, als der Kläger die Appellation von den Urtheilen, welche dieſen Anträgen gemaͤß erlaſſen werden können, gegen das öffentliche Miniſterium zu verfolgen befugt iſt. Man hat dieſen Fall von dem, von welchem hieroben S. 75,§. 91. No. 10 die Rede war, wohl zu unterſcheidenz nicht mit dem Verſuch zum Vergleich, der durch den Art. 239 vorgeſchrieben iſt, ſondern mit der Vorladung hebt der Pro⸗ zeß an; vorher iſt alſo keine Parthie vorhanden, gegen wel⸗ che das Verfahren gerichtet werden konnte; und da das Tri⸗ bunal die Autoriſation, ohne den Beklagten zu hoͤren, er 83 theilt oder ſuspendirt, ſo kann auch die Reformation des Urtheils erſter Inſtanz, wodurch dieſe Autoriſation mit Unrecht abgeſchlagen worden, durch eine einſeitige Vor⸗ ſtellung erwirkt werden. Sobald aber das Verfahren durch die Vorladung angeknuͤpft iſt, kann der Kläger alle weitere Verhandlungen nur mit dem Beklagten und gegen ihn vor⸗ nehmen; wird er daher, ſelbſt durch ein KontumazialUrtheil, in ſeiner Klage unzuläͤſſig erklaͤrt oder mit ſeiner Klage ab⸗ gewieſen, ſo hat er die Berufung von dieſem Urtheil gegen den Beklagten einzulegen und zu verfolgen, welchem der Vortheil dieſes Urtheils zuerkannt iſt. 2) Das Urtheil, welches äber die Zuläſſigkeit der Klage erkennt, iſt ein wahres EndUrtheil, von welchem folglich die Appella⸗ tion zulaͤſſig iſt; da jedoch zuweilen die Klage ſelbſt zur Ent⸗ ſcheidung reif ſein kann, ſo ſchreitet das Tribunal unmit⸗ telbar darauf zum Urtheil uͤber dieſelbe. Wird durch das zweite Urtheil die Eheſcheidung erlaubt, ſo wird dadurch ein doppelter Prozeß vermieden, indem alsdann bie Appellation von dem ZulaſſungsUrtheil und dem Endurtheil zugleich einge⸗ legt und zur Entſcheidung gebracht werden kann; wird aber der Kläger vorläufig zum Beweiß verwießen, ſo darf der Be⸗ klagte ihn dieſen nicht antreten laſſen, wenn er nicht das Recht der Appellation von dem ZulaſſungsUrtheil verlieren will, ſondern muß durch die allſobald einzulegende Berufung von dieſem letzten dem weitern BeweißVerfahren Einhalt thun.(Urtheil des Appellhofes von Agen vom 20 Jänner 1807,(urisp. du C. N. 1808, I. 304). Man hatte ſich auf den Art. 247 berufen, um zu behaupten, daß von dem Urtheil uͤber die Zuläſſigkeit der Klage keine Appellation ein⸗ gelegt werden koͤnne, weil dieſem Artikel zufolge das Tribu⸗ „ 84. nal gleich nach dieſem Urtheil uͤber die Klage ſelbſt erkennen ſoll; allein dieſe Meinung ward bereits durch ein Urtheil des Kaſſa⸗ tionshofes vom 30 Juli 2805(Journal du Paleis a. a. O.) pro⸗ ſcribirt, welches consultis Classibus erlaſſen worden iſt, und zu⸗ gleich entſchieden hat: daß, wenn von dem ZulaſſungsUrtheil Appellation eingelegt worden iſt, der Appellhof ſich auf die Unter⸗ ſuchung der Frage über die Zuläſſigkeit oder Nichtgulaͤſſigkeit der Klage beſchränken muß, ohne uber die Pertinenz der ar⸗ tikulirten Thatſachen ſelbſt erkennen zu koͤnnen. 3) Es ſind berhaupt nach dem ZulaſſungsUrtheil drei Faͤlle moͤglich: a) hat es ſich aus den Diskuſſionen und kontradiktori⸗ ſchen Debatten zwiſchen den Partheien ergeben, daß die Urſache der Eheſcheidung vollkommen gegrundet iſt. In dieſem Falle wird jede weitere Beweißfuͤhrung über⸗ fluͤſſig, das Tribunal kann unmittelbar zu dem End⸗ urtheil ſchreiten, und die Eheſcheidung zula ſſen. (245) In dieſer Hinſicht iſt zu bemerken, daß der Aus⸗ druck: die Eheſcheidung aus ſpre chen, ſohr un⸗ richtig iſt, indem nur der Beamte des Civilſtardes die Eheſcheidung ausſprechen kann; das Tribunal läͤßt nur dieſe Ausſprechung zu. Deshalb iſt aber dieſes Endurtheil von dem Urtheil uͤber die Vorfrage der Zu⸗ läſſigkeit der Klage dennoch ſehr verſchieden; das erſte erklärt die Klage, das zweite die Eheſcheidung ſelbſt fuͤr zulaſſig. p) Die Klage iſt nicht allein von jedem Beweiße entblößt, ſondern die Thatſachen, zu deren Beweiß der Kläger ſich erbietet, ſind von der Art, daß ſie, auch erwießen, doch die Klage nicht rechtfertigen wuͤrden; auch in die⸗ 35 ſem Falle wird deren Beweiß uͤberfluſſig, und das Tri⸗ bunal weißt den Klaͤger ohne weiteres ab. Dieſe Be⸗ fugniß ergiebt ſich aus den Worten: laits pertinens, welche auf das ausdruͤckliche Begehren des Tribunats zugeſetzt wurden. Man darf dieſen Fall nicht mit dem⸗ jenigen verwechſeln, von welchem hieroben(S. 75§. 02 die Rede iſt. Ein Beiſpiel wird den Unterſchied beider Fälle einleuchtender machen: Titius klagt auf Ehe⸗ ſcheidung, weil ſeine Frau durch ihre Verſchwendung ſeine VermoͤgensUmſtaͤnde zerruttet; er muß in ſeiner Kla⸗ ge unzulaͤſſig erklaͤrt werden, weil hier kein geſetzlicher Grund zur Eheſcheidung vorhanden iſt. Sempronia klagt dagegen auf Eheſcheidung wegen angeblich er⸗ littenen perſonlichen Mishandlungen; es ergiebt ſich aber aus ihrer Klagſchrift, daß die von ihr artikulirte Thatſachen, ſelbſt wenn ſie erwießen wären, ruͤckſichtlich auf Stand und Erziehung der Partheien, nicht hinlaͤng⸗ lich waͤren, um die Scheidung zu erkennen. In dieſem Falle muß das erſte Urtheil die Klage zwar zuläſſig erklaͤren, weil der Titel derſelben geſetzlich iſt, ein zwei⸗ tes muß jedoch die Klaͤgerin auf der Stelle abweiſen, quia frustra probatur quod probatum non prodest. c) Die von dem Kläͤger angefuͤhrte Thatſachen ſind von der Art, daß ſie, erwießen, die Eheſcheidung nach ſich ziehen muͤſſen. Sie ſind aber beſtritten und uner⸗ wießen. Das Tribunal laͤßt den Klaͤger zu dem Be⸗ weiße derſelben, und den Beklagten zum Beweiße des Gegentheils zu. 4) Bisher ſind noch keine Zeugen abgehoͤrt worden. Es ſind daher nur zwei Beweißmittel denkbar, welche dem Tribunal 36 ohne weitere Unterſuchung die Ueberzeugung von dem Grund der Klage gewaͤhrt haben koͤnnen, ſchriftliche, von dem Beklagten anerkannte,(weil ſonſt eine Verifikation der Handſchrift dem Endurtheil vorhergehen muͤßte,) Be⸗ weiß ſtuͤcke, oder das Geſtändniß des Beklagten⸗ Manche Rechtsgelehrte haben zwar behaupten wollen, das letzte konne von dem Richter gar nicht in Anſchlag gebracht wer⸗ den, weil es ſonſt leicht ſein wurde, durch einen ſimulirten Prozeß uber erdichtete Thatſachen die geſetzlicht Verfuͤgung, welche frei⸗ willige Scheidungen verbietet, zu umgehn. Allein dieſe Erwägung welche den Richter zwar allerdings zur Vorſicht beſtimmen muß, wenn die ubrige Umſtände einem Verdacht der Simulation der Klage ſtatt geben und die angefuͤhrte Thatſachen unwahr⸗ ſcheinlich oder von allen Beweißen entblößt find, kann ihn nicht verhindern, die Geſtändniſſe des! Beklagten, von deren Aufrichtigkeit er uͤberzeugt iſt, in ſeiner Entſcheidung um ſo⸗ mehr zu beruͤckſichtigen, je ſchwieriger oft ein volliger Be⸗ weiß in ſolchen Prozeſſen iſt. Siehe§. 92, Nro. 11, S. 80. §) Am räthlichſten duͤrfte es ſein, nach der Vorſchrift des Art. 450 des Geſ. uͤber das Verfahren im buͤrgerl. Prozeß, mit dem Vollzug des Urtheils, welches den Kläger zum Beweiß zuläßt, ſo wie desjenigen, welches uͤber die gegen die Zeugen gemachte Einwuͤrfe erkennt, und jedes andern, von welchem die Berufung zuläſſig iſt,(Art. 451 ebenda⸗ ſelbſt) während acht Tagen einzuhalten, um dem Suk⸗ kumbenten Zeit zu laſſen, die Appellation einzulegen. Wir haben oben den Grund angegeben, warum keine Friſt waͤh⸗ rend dem Urtheil, welches uͤber die Zuläſſigkeit der Klage erkennt, und dem uber die Klage ſelbſt, beobachtet werben muß, weil nämlich dieſe zur endlichen Entſcheidung reif ſein 37 kann, und in dieſem Falle der Proze vereinfacht wird, wenn von beiden Urtheilen zugleich die Appellation eingelegt und verfolgt wird. Da es jedoch ein angenommener Grunbſatz iſt,(ſiehe Nro. 7 hierunten) daß das Geſetzbuch uͤber das Ver⸗ fahren im buͤrg. Prozeß auf EheſcheidungsKlagen nicht an⸗ wendbar iſt, ſo kann, falls das Tribunal dieſe achttägige Friſt zu beobachten nicht fur raͤthlich finden ſollte, auch der Beklagte nicht gezwungen werden, ſeine Berufung bis nach Ablauf der achttägigen Friſt zu verſchieben, welche durch den Art. 449 deſſ. Geſ. vorgeſchrieben iſt. 6) Die Diskuſſion, welche vor dem Endurtheil ſtatt findet, kann nicht mehr die Frage zum Gegenſtande haben, ob die arti⸗ kulirte Thatſachen pertinent ſind; in dieſer Hinſicht iſt alles entſchieden: es kommt einzig darauf an, ob ſie bewießen ſind oder nicht. 7) Muͤſſen in den Punkten, worin der Codex den Geſetzen uͤber das gewöhnliche Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß keinen Ab⸗ bruch thut, dieſe letzte befolgt werden? Dieſe Frage muß ſeit der Verkundigung des Geſetzbuchs uber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß verneint werden, weil der Art. 88T dieſes Geſetzbuchs in Hinſicht auf das Verfahren im Schei⸗ dungs Prozeſſe unbedingt auf den Coder Napoleon verweißt. Deshalb hat auch der Kaſſationshof durch ein Urtheil vom 28ten Dezember 1807(Annalen d. Geſ. Nap. Th. 1l. S. 02) ein Urtheil des Appellhofes von Paris vom 1 Thermidor 13 kaſſirt, welches den Grundſatz aufgeſtellt hatte, daß ein Zeugen Verhör, welches in einem ScheidungsProzeſſe vorgenommen worden, dann nicht wieder von neuem ange⸗ fangen werden duͤrfe, wenn der Fehler, wegen welchem es nichtig erklärt worden, nicht durch die Schuld des Richters, 88 ſondern durch die der Parthei ſelbſt entſtanden iſt.(Art. 292 und 293 des Geſetzb. uͤber das Verf. im buͤrgerl. Prozeß) Dieſes Urtheil ſtellt foͤrmlich den Grundſatz auf, daß da der Coder die Form des Verfahrens in EheſcheidungsKlagen vor⸗ gezeichnet habe, ein ſolches Verfahren nur dann nichtig erklärt werden koͤnne, wenn dieſer Vorſchrift zuwidergehandelt wor⸗ den iſt, nicht aber wegen Zuwiderhandlungen gegen die Regeln des gewöhnlichen Prozeſſes. 8) Die Tribunalien werden von der Befugniß, welche der Art. 250 ihnen geſtattet, nur in ſolchen Faͤllen Gebrauch machen, wenn noch einige Hoffnung zur Ausſoͤhnung der Ehegatten vorhanden iſt, indem widrigenfalls aus dieſer einſtwetligen Trennung mehr Rachtheil als Nutzen entſpringen kann. Darum hat auch das Geſetz ihnen die Befugniß, ſie zu ver⸗ ordnen, nur in dem einzigen Falle geſtattet, wo der Grund der Klage dieſer Hoffnung eher als z. B. im Falle des Ehe⸗ bruchs Raum giebt 9) Muß, nach Ablauf des Präfungs Jahres, das Tribunal die 2 8 Scheidung unbedingt erkennen, oder behaͤlt es das Recht⸗ die Klage abzuweißen? Die Verfaſſer der pandectes fran- gaises ſind der letzten Meinung, ſcheinen aber aus einem ganz irrigen Geſichts Punkt ausgegangen zu ſein. Das Tri⸗ bunal hat, wie ſo eben bemerkt, nur die einzige Frage zu beurtheilen: ſind die Thatſachen, welche fruͤher ſchon fuͤr pertinent erklärt worden ſind, erwießen, oder ſind ſie es nicht? nur in dem erſten Falle erlaubt ihm der Art. 239 ein Prä⸗ fungs Jahr zu verordnen, nach deſſen Ablauf es, wie der Art. 260 gebietend ſagt, die Scheidung zulaſſen muß,(qui pour lors admettra le divorce.) Findet das Tribunal, daß der Beweiß nicht erbracht iſt, ſo muß es die 89 Klage abweißen, und dann bedarf es, wie Herr v. Malle⸗ ville richtig bemerkt,(Th. I. S. 275) keines Praͤfungs⸗ Jahres. Doch pflegt alsdann das Urtheil die Zeit zu be⸗ ſtimmen, in welcher die Frau, wenn ſie die gemeinſchaftliche Wohnung verlaſſen hat, in dieſelbe zuruͤckkehren ſoll, und bei deren Beſtimmung kann auf die Umſtände und vorzug⸗ lich auf die Erbitterung des in ſeinen Hoffnungen getaͤuſch⸗ ten Sukkumbenten allerdings Ruͤckſicht genommen werden. Man ſehe uͤbrigens die Urtheile des Kaſſationshofes vom 26 Mai 1807, und des Appellhofes von Nismes vom 8ten Julius 1807(Journal du Palais, an 1808, I. 167. 204.) 10) Weit ſchwieriger iſt die Frage, ob die Appellation von dem Urtheil, welches das Präfungs Jahr verordnet, vor dem Endurtheil zuläſſig ſei oder nicht? weder die Diskuſſionen im Staatsrathe, noch die Vortraͤge der Redner, geben uns Licht daruͤber, und die uns bekannte Kommentatoren haben ſie gar nicht beruͤhrt. Eines Theils läßt ſich behaupten, dieſes Urtheil habe alle Ka⸗ raktere eines EndUrtheils, indem dadurch, nicht aber durch dasſenige, welches in Gemaͤßheit des Art. 260 erlaſſen wird, der Prozeß ſelbſt entſchieden wird; aber nicht allein, daß die Frage, ob die Eheſcheidung ausgeſprochen werden muſ⸗ ſe, dadurch bejahend entſchieden wird, ſo ſeien auch ſeine ubrige Verfuͤgungen definitiv, und daher der Appellation un⸗ terworfen; es trenne die Ehegatten auf ein Jahr, und ver⸗ ordne die Zahlung einer Penſion; waͤre die Appellation da⸗ von erſt nach dem Endürtheil zulaͤſſig, ſo koͤnne dadurch weder erwirkt werden, daß die Trennung nicht ſtatt gehabt, noch daß die Penſion nicht bezahlt worden waͤre; der Voll⸗ zug des Urtheils, wodurch das Pruͤfungs Jahr verordnet 3 werbe; könne endlich ſogar als eine Untetwerfung des Beklag⸗ een angeſehen werden, weil dieſes Urtheil nothwendig die Klage als ſtatthaft und erwießen vorausſetzes endlich wurde, wenn der Appellations Richter die Meinung des Richters er⸗ ſter Inſtanz nicht theilen ſollte, dieſer Vollzug die traurig⸗ ſte Folgen haben; die Trennung wurde die Ehegatten ſich ganz entfremden; die bezahlte Penſion ſei fuͤr beide verloh⸗ ren, und ſie wuͤrden während dem Pruͤfungs Jahr ander⸗ weitige Verhältniſſe anknuͤpfen, welche die Wiedervereini⸗ gung weit mehr erſchweren wuͤrden, als wenn ſie auf der Stelle verordnet worden waͤre: Dagegen wird eingewendet: das Geſetz nenne das fragliche Urtheil: avant haire droit, welches einen Vorbeſcheid be⸗ deute, von welchem die Appellationl erſt nach dem EndUr⸗ theil, und zugleich mit der Berufung von dieſem, eingelegt werden könne; der Art 262 erlaube die Berufung nur von dem Urtheit kber die Zuläſſigkeit der Klage und dem End⸗ urtheil, alſo nach hem Grundſatz inolusio unius etc. nicht: von dem, welches das Prufungs Jahr verordne; dieſes lette Urtheil ſei zwar, vielleicht, in ſoweit definitiv, daß der Richter nach dem Prufungsjahr die Eheſcheidung auf An⸗ ſtehen des Klägers zulaſſen muͤſſe; in einem andern Sinne ware es aber offenbar bedingt, weil es einem ungewiſſen Ereigniß, der Beharrlichkeit des Klägers auf ſeiner Klage, untergeordnet ſeiz freilich ſei es nicht moͤglich zu machen, daß das Prufungsjahr nicht beſtanden habe, aber das Ge⸗ ſetz habe hier ein kleines Uebel erlauben muͤſſen, um ein groſſeres zu vermeiden; oft koͤnne auch die Trennung heilſa⸗ me Wirkungen haben, weil während der Prufungszeit die ungewißheit des Klägers, ob der Appellations Richter nicht 9T noch nach dem Jahre die Entſcheidung des erſten Richters umſtoſſen wuͤrde, fortdauere, und ihn zur Verſoͤhnung ge⸗ neigt machen muͤſſe; die Verfuͤgung des Urtheils in Betreff der Penſion könne von den uͤbrigen getrennt werden, und ſei allerdings der Berufung unterworfen. Ich muß geſtehen, daß ich dieſer letzten Meinung nicht beitreten kann. Der Grund, den man daraus hergeleitet hat, daß das Ur⸗ theil avant faire droit qualifizirt iſt, verſchwindet vor dem Art. 452 des Geſ. uͤber das Verfahren im buͤrg. Prozeß, der alle interlokutoriſche Urtheile, von welchen der Art. 451 die Berufung ausdruͤcklich erlaubt, gleichfalls avant cire droit qualifizirt; daß der Coder die Appellation von dieſem urtheil nicht ausdruͤcklich er laubt hat, kann gleichfalls nicht in Anſchlag kommen, denn da er ſie auch nirgends ver⸗ boten hat, ſo bleibt es bei den allgemeinen RechtsPrinzipien nach welchen ſie offenbar zulaͤffig iſt. Auch ſcheint dieſe Meinung die des Kaſſationshofes(ſiehe das oben angefuhr⸗ te Urtheil vom 26 May 1807) zu ſein. 11) Koͤnnen die Tribunalien auch in dem Falle die einſtweili⸗ ge Trennung der Ehegatten verordnen, wenn die Thatſa⸗ chen, worauf die Klage ſich gruͤndet, nicht hinlänglich er⸗ wieſen ſind? Dieſe mit der obigen enge verwandten Frage muß verneinend beantwortet werden, wie es ſich auch aus den oben angefuͤhrten Urtheilen ergiebt. Siehe ferner ein uUrtheil des Appellationshofes von Nismes vom 8 Julius 1807.(Journal du Palais 1808, I. 208. 12) Kann ein Appellhof auch in der Appellations Inſtanz den Beweiß ſolcher Mishandlungen und Beleidigungen, die ſeit der Einfuͤhrung der Klage ſtatt gefunden haben, zulaſſen, und zu dem Ende ein Zeugen Verhör vor dem Appellhof ſelbſt abhalten 9* laſſen? Auch dieſe Frage iſt durch obiges Urtheil des Kaſſa⸗ tionshofes vom 26 May 1807 bejahend entſchieden worden. 13) Das Verbot. die Deszendenten als Zeugen abzuhoͤren, iſt unbedingt und erleidet keine Ausnahme, ſelbſt nicht, wenn. ſie nothwendige Zeugen ſein ſollten. Da die CivilKlage faſt immer eine KriminalKlage veranlaſſen kann, ſo wuͤrden ſie ſich allzuoft in der Nothwendigkeit befinden, bie Menſch⸗ lichkeit zu verläugnen, oder einen Meineid zu ſchwören.(Ur⸗ theil des Appellhofes von Bruͤſſel vom 13 Vendemiaire 14, ¶(Jurisprudence du C. N. an 4. p. 448.)— *4) Die Zeugen muͤſſen immer vor dem Tribunal, bei welchem die Klage anhaͤngig iſt, abgehoͤrt werden; die Befugniß, wel⸗ che das Geſetzb. uͤber das Verf. im buͤrg. Prozeß den Gerichten in gewöhnlichen Rechtsſachen ertheilt, entfernte Zeugen vor einem andeen Tribunal oder durch einen Friedensrichter ver⸗ nehmen zu laſſen, erſtrecht ſich nicht auf ScheidungsProzeſſe, a) weil jenes Geſetzb. uͤberhaupt auf ſolche nicht anwend⸗ bar iſt; b) weil die Gegenwart der Partheien und des Kaiſ. Pro⸗ kurators bei der Abhoͤrung der Zeugen erforderlich iſt E53) 15) Das ZeugenVerhoͤr kann jeboch, wenn einer oder einige Richter, welche dem Anfang deſſelben beigewohnt haben, ver⸗ hindert werden ſollten, von andern oder auch von Supplean⸗ ten fortgeſetzt und zu Ende gefuͤhrt werden. Urtheil des Av⸗ pellhofes von Met vom 7 März 1807. 46) Gegen eine SchkidungsKlage wegen Verurtheilung eines der Ehegatten zu einer entehrenden Strafe kann die nach⸗ herige Verſohnung als Grund der Unzuläßigkeit nicht einge“ wendet werden. Dieſer Grund der Eheſcheidung beruht 2 93 micht auf einer perſönlichen, dem Kläͤger zugefuͤgten, Belei⸗ vigung, die durch deſſen Verzeihung beſeitigt werden könnte, ſondern auf der Infamie des Verurtheilten. Deshalb hat auch der Art. 261 gar keine kontradiktoriſche Prozedur verordnet, welche auch durch die Exiſtenz eines authentiſchen Be⸗ weißes der Urſache der Eheſcheidung uͤberfluͤſſig wird. Doch iſt zu bemerken: 4) daß, da das KaſſationsGeſuch in Kriminalſachen ſuspenſive Wirkung hat, die Eheſcheidung erſt nach dem Ablauf der fur daſſelbe geſtatteten Friſt oder nach dem Urtheil uͤber das Geſuch ausgeſprochen werden kann; 2) daß im Falle eines KontumazialUrtheils die Scheidung erſt nach Ablauf der fuͤnfjährigen GnadenFriſt erlaubt werden kann. §. 04. Wird von dem Urtheil, welches uͤber eine Scheidungs⸗ Klage erkannt hat, Berufung eingelegt, ſo muß die Sa⸗ che in der Appellations Inſtanz als dringend verhandelt und abgeurtheilt werden. Das Kaſſations Geſuch in Eheſcheidungs Klagen hat ſus⸗ penſive Wirkung. In den zweien Monaten, welche auf den Ablauf der Opyoſitions⸗Appellations⸗ und fur die Einfuͤhrung des Kaſ⸗ ſations Geſuchs bewilligten Friſten folgen, muß der obſie gende Theil nach gehoriger Vorladung des andern Theils die Scheidung von dem Beamten des Civilſtandes des Wohnortes der Partheyen ausſprechen laſſen, widrigenfalls er der Wohlthat des erwirkten Urtheils verluſtig iſt, und die Eheſcheidung nur wegen einer neuen uUrſache erwir⸗ 25 94 ken kann, in welchem Falle er jedoch die fruhere Urſa⸗ chen gleichfalls geltend machen kann. Locré, IV, 319, Malenide, I. 275 VerbalProzeß vom 10ten Ventoſe 11. Annalen der Geſetzgeb. Napoleons, Th. I. S 33. Th. II. S. 74. Répertoire universel, verbo: separation de eorps. 1) Da jede freiwillige Scheidung durchaus verboten iſt, ſo können auch die Ehegatten die Scheidung nicht durch einen Vergleich uͤber die ScheidungsKlage bewerkſtelligen, und kein Beamter des Civilſtandes wuͤrde befugt ſein, die Scheidung auf Anſicht eines ſolchen Vergleichs auszuſprechen, noch wuͤrde derſelbe demjenigen Ehegatten, der denſelben länger nicht erfuͤllen wollte, mit einigem Erfolg eingewendet wer⸗ den konnen. Eben ſo wenig kann aus einer ſtillſchweigen⸗ den oder ausdrucklichen, freiwilligen Unterwerfung(acquies- cement) eines der Ehegatten unter ein Urtheil ein Grund der Unzuläſſigkeit gegen eine von ihm eingelegte Appellation oder ſein Kaſſations Geſuch abgeleitet werden, ſondern ſo lange er ſich noch in den nutzlichen Friſten befindet, muß die Appel⸗ lation oder das Caſſations Geſuch immer angenommen werden, ſelbſt wenn er foͤrmlich und ausdräcklich darauf Verzicht ge⸗ leiſtet hätte.(Urtheil des Caſſationshofes vom 18 Auguſt 1807, Annal. a. a. H.) In dieſer Hinſicht iſt die neue Ge⸗ ſetzgebung weit ſtrenger als die aͤltere(ſiehe das Repertoire universel, 6dition Goyoe) nach welcher eine ſolche freiwillige Unterwerfung ihre Wirkungen hervorbrachte. 2) Es folgt daraus, daß der Beamte des Civilſtandes in kei⸗ nem Falle eher als nach dem Ablauf der Oppoſitions⸗ Ap⸗ pellations⸗ und EaſſationsFriſten die Eheſcheidung ausſpre⸗ chen darf, ſelbſt wenn beide Partheyen ihn fräher dazu auf⸗ fordern ſollten; er wurde ſie immer bis zu dem Ablauf jener 95 Friſten abweiſen muͤſſen, deren Epoche ihm nicht unbekanm ſein kann, da das Urtheil ihm vorgelegt werden muß. 3) Nach der Abfaſſung des Art. 266 koͤnnte man glauben, als ob es hinlaänglich wäre, die Vorladung, um vor dem Be⸗ amten des Civilſtandes zu erſcheinen, in der zweimonatlichen Friſt zu erlaſſen. Dieſe Meinung wuͤrde jedoch irrig ſein. Der Tag der Erſcheinung muß gleichfalls in dieſelbe zwei⸗ monatliche Friſt fallen, wie es aus dem Art. 264 erhellt, 4) Der Art. 443 des Geſ. uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß derogirt, ob er gleich in einem ſpäteren Geſetz ent⸗ halten iſt, dem Art. 263 des Coder Napoleons durchaus nicht. Der Scheidungs Prozeß iſt eine der ſpeziellen Pro⸗ zeduren, auf welche, wie wir ſchon oben bemerkt, dieſes Ge⸗ ſetzbuch durchaus nicht anwendbar iſt. §) Der Art. 265 darf nicht in der Art verſtanden werden, als ob in dem Falle emes in der Appellations Inſtanz er⸗ laſſenen ContumazislUrtheils die zweimonatliche Friſt nach Ablauf der OppoſitionsFriſt, in dem Falle eines kontradiktoriſchen Urtheils in der zweiten Inſtanz aber von dem Ablauf der zum KaſſationsGeſuch bewilligten Friſt an zu laufen anfange; da auch von einem Kontumazial⸗ Urtheil Caſſation nachgeſucht werden kann, ſo beſteht der einzige Unterſchied in;beiden Fällen darin, daß in dem erſten derſelben die Friſt, um Caſſation nachzuſuchen, erſt mit dem Ablauf der OppoſitionsFriſt, und die zwei Monate alſo erſt nach Ablauf der Oppoſitions⸗und CaſſationsFriſten zu lau⸗ fen anfangen. 5) Da der Art. 263 das CaſſationsGeſuch nur von Urtheilen in letzter Inſtanz geſtattet, und die Tribunalien uͤber alle 268 96 Eheſcheidungs Prozeſſe nur in erſter Inſtanz zu erkennen be⸗ fugt ſind, ſo folgt daraus: 4) daß, falls die Eheſcheidung auf ein Urtheil erſter In⸗ ſtanz, von welchem keine Berufung eingelegt worden iſt, ausgeſprochen werden ſoll, die zweimonatliche Friſt drei Monate nach dem Tag der Zuſtellung des Urtheils es mag nun ein kontradiktoriſches oder ein Contumazial⸗ Urtheil ſein, zu laufen anfangen; 2) im Falle eines in zweiter Inſtanz par défaut erlaſſenen Urtheils, nach dem Ablauf der OppoſitionsFriſt und der dreimonatlichen zur Einfuͤhrung des Caſſations Ge⸗ ſuchs geſtatteten Friſt; 3) im Falle eines kontradiktoriſchen in der Appellations In⸗ ſtanz erlaſſeneh Urtheils nach Ablauf derſelben dreimo⸗ natlichen Friſt. 7) Der Beamte des Civilſtandes des Ortes, an welchem die Ehegatten zur Zeit der Einfuͤhrung der Klage ihren Wohnſitz hatten, iſt allein kompetent, die Eheſcheidung aus⸗ zuſprechen, ſelbſt wenn der Mann waͤhrend dem Prozeſſe, vor oder nach dem Urtheil, ſeinen Wohnſitz veraͤndert, und dieſe Veränderung geſetzlicher Weiſe beurkundet haͤtte. Ur⸗ theil des Caſſationshofes vom 29 May 1808.(Annalen, M. 74.) Dritte Abthetlung. Pon den proviſoriſchen Maasregeln, zu welchen die Scheidungs⸗ Klage berechtigen kann. §. 05. Die Frau iſt befugt, ſie man nun in dem Prozeſſe als Klägerin oder als Beklagte auſtreten, die gemeinſchaft⸗ liche Wohnung zu verlaſſen, und, falls ihr perſoͤnliches 97 Vermogen ihr keine hinlangliche Mittel zur ſtandes⸗ mäſſigen Exiſtenz darbietet, von ihrem Manne eine alimen⸗ tariſche Penſion zu verlangen, deren Betrag der Richter vuͤck⸗ ſichtlich auf die beiderſeitigen Vermoͤgens Umſtaͤnde beſtimmt. Eben ſo hat das Tribunal, auf den Antrag der Frau, den Ort zu beſtimmen, an welchem ſie ſich während dem Prozeſſe aufzuhalten hat, und dieſe iſt verbunden, ſo oft ſie dazu aufgefordert wird, ſich uͤber den wirklichen Aufent⸗ halt an dieſem Orte auszuweißen, widrigenfalls der Mann die Znhlung der ihr zuerkannten Penſion verweigern, und ſie auſſerdem, falls ſie Klägerin war, in der Fortſe⸗ tzung ihrer Klage unzulaͤſſig erklären laſſen kann. Locre IV. 330. PVerbalProzeſſe vom a6 Pendemlaire und 6 Ni⸗ voſe 10. Mein Journal, Jghrg. 3. décitions choisies, No. 12. p. 156. 1) Die Verfuͤgung des Art. 268 beruht auf einem ganz andern Grundſatze als die des Art. 250. Die erſte hat zur Abſicht, den Nachtheilen und den Gefahren vorzubeugen, die oft fuͤr die Frau daraus entſpringen koͤnnten, wenn ſie gezwungen wäre, während dem EheſcheidungsProzeſſe mit ihrem Manne unter einem Dache zu wohnen. Dieſe Maasregel iſt alſo weſentlich proviſoriſch, und ohne Einfluß auf die Entſchei⸗ dung der Hauptſache ſelbſt. Die Anwendung des Art. 259 hingegen ſetzt eine vollendete Inſtruktion voraus, und zieht die Entſcheidung der Hauptſache nach ſich. 2) Kann die Frau die Wohnung ihres Mannes von dem Au⸗ genblicke an verlaſſen, wo ſie dem Präſidenten ihre Klag⸗ ſchrift eingereicht hat, oder erſt dann, wenn die Vorladung zu der erſten Audienz, die bei verſchloſſenen Thuͤren gehalten wird, ertheilt worden iſt? Die Furcht, jene Befugniß mä⸗ ge die Scheidungen begunſtigen, ſo wie die Beſorgniß, 11. Th. 7 . dõ falſche Schaam, fremde Einlispelungen, und der oͤffentliche Ausbruch der haͤuslichen Zwiſtigkeiten moͤchten eben ſo viele Hinderniſſe der Ausſoͤhnung werden, haben dieſer letzten Mei⸗ nung viele Anhaͤnger erworbens dieſe behaupten, die Worte: pendant la pourauite, ſetzten nothwendig einen Prozeß vor⸗ aus, der Prozeß werde aber erſt durch die Ladung einge⸗ fuͤhrt. Man hat aber dagegen, wie mir ſcheint, mit Recht ein⸗ gewendet: der Zweck des Geſetzes werde oft ganz verfehlt, und nicht altein Aergerniß ſondern ſogar großes Ungjuͤck ver⸗ anlaßt werden, wenn man die Frau zwingen wollte, ſo lange in der Geſellſchaft ihtes Mannes zu verbleiben, bis ſie alle durch die Art. 234— 241 vorgeſchriebene Prälimi⸗ ngrien erfüllt haben wuͤrde; um ſo mehr, als vorzuglich im erſten Augenblicke der Haß am heftigſten aufgeregt iſt, und durch ben Anblick des Begenſtandes deſſelben es nothwendig noch mehr wird; daß endlich der Att. 268 der Frau jene Befugriß unbedingt ertheilt, ſie möge als Klägetin oder als Beklagte erſcheinen; als Klägerin trete ſie aber in dem Augenblicke auf, wo ſie ihre Flagſchrift dem Präſi⸗ denten überreicht, welches der erſte Akt des gerichtlichen Ver⸗ fahrens ſei.(S. mein Journal a. a. O.) 3) Die Fran bedarf ſogar der Erlaubniß des Richters nicht, um die Wohnung ihres Mannes zu verlaſſen, aber ſobald ſie dieſen Schritt gethan hat, iſt ſie verbunden, ihn auf der Stelle dem Tribunal zu veranzeigen, und um Beſtimmung des Ortes zu bitten, an welchem ſie während des Prozeſſes ihren Aufenthalt nehmen ſoll. 4) Wenn es der Mann iſt, der wegen Mishandlungen auf Scheidung klagt, ſo kann er zwar darauf antragen, daß dos Tritunal einen Ort beſtimme, an welchem ſeine 99 Frau ſich während des Prozeſſes aufzuhalten habe, unter der Bedingung, fuͤr ihren Unterhalt zu ſorgen falls ſie keine hinlängliche eigne Einkuͤnfte hat, aber er ſelbſt kann nie ge⸗ zwungen werden, die gemeinſchaftliche Wohnung mit einer andern zu vertauſchen, da er bis zu dem wirklichen Ausſpruch der Eheſcheidung das Haupt der ehelichen Geſellſchaft bleibt. 5) Da die Ehe bis zu dieſem Augenblick fort beſteht, ſo behaͤlt auch der Mann nicht allein die Verwaltung der Gemein⸗ ſchaft, ſondern auch die des Vermoͤgens ſeiner Frau, wenn er vorher damit beauftragt war. Wenn jedoch die Einkuͤnf⸗ te dieſes letzten fuͤr den Unterhalt der Frau hinreichend ſind, ſo kann bas Tribunal, anſtatt den Mann zur Zahlung einer alimentariſchen Penſion zu verurtheilen, dieſe autoriſiren, ihre Einkuͤnfte ſelbſt zu beziehen; hat ſie kein perſoͤnliches Vermögen, ſo fallt ihr Unterhalt, dem Art. 214 zufolge, dem Manne zur Laſt. 5) Das urtheil, welches den Betrag der alimentariſchen Pen⸗ ſion feſtſetzt, iſt der Appellation unterworfen, eben ſo wie dasjenige, welches den AufenthaltsOrt der Frau waͤhrend dem Prozeſſe beſtimmt. 7) Es ſchien unnoͤthig, fuͤr den Unterhalt des Mannes wäh⸗ rend dem Prozeſſe zu ſorgen, weil er fortfährt, alle Einkuͤnfte ſeines und des gemeinſchaftlichen Vermogens zu beziehen. Sollte jedoch alles Vermögen Paraphernal Gut der Frau ſein, oder dieſe in völliger Trennung der Göter leben und der Mann gar kein Vermoͤgen beſitzen, ſo koͤnnte die Frau, kraft der Art. 1537 und 1575 verurtheilt werden, ihrem Manne eine alimentariſche Penſion zu zahlen. 8) Nicht ſelten pflegen die Tribunalien den Familien Rath uͤber den Ort, an welchem die Frau während dem Prozeſſe woh⸗ 100 nen ſoll, zu Rathe zu ziehen. Vorzuͤglich ſucht man es zu vermeiden, ihr ihren Aufenthalt bei ſolchen Verwandten an⸗ anzuweißen, von welchen zu befuͤrchten ſteht, daß ſie ihre Erbitterung vermehren und eine Ausſohnung zu verhindern ſuchen werden. Man hat Beiſpiele, wo aus dieſem Grun⸗ de die Tribunalien der Tochter die Erlaubniß verſagt haben, bei ihren eignen Aeltern zu wohnen. 9) Das Geſetz konnte, ohne den Betrug zu beguͤnſtigen, die Art des Beweißes nicht beſtimmen, den die Frau uͤber ihren wirklichen Aufenthalt in der ihr angewieſenen Wohnung beizubringen hat. Das Zutrauen, welches das Tribunal auf die Perſonen hat, bei welchen es ihr dieſe Wohnung an⸗ weißt, ſo wie das Stillſchweigen des Geſetzes laſſen uns die Folgerung ziehen, daß das Zeugniß dieſer Perſonen der beſte Beweiß ſein werde, der wegen der Verwandſchaft der Zeugen allein nicht verworfen werden kann. Ohngeach⸗ tet uͤberhaupt das Geſetz der Frau den Beweiß auferlegt, ſo wird er doch in den meiſten Faͤllen, wo der Mann die Zahlung der Penſion verweigern oder der Frau die durch den Art. 269 begrkndete Einrede der Unzulſſigkeit entgegenſetzen wird, auf den Mann zuruckfallen, indem der Beweiß, daß die Frau die ihr angewieſene Wohnung nicht verlaſſen habe, ein negativer Beweiß ſein wuͤrde. Die Frau iſt allerdings verbunden, ſich, wofern ſie dazu aufdefordert wird, uͤber ihren Aufenthalt in dieſer Wohnung auszuweißen; behauptet aber der Mann, ſie habe ſie verlaſſen, ſo hat er dies poſitive Fak⸗ tum zu erweißen. 10) Auch glaube ich nicht, daß die StrafVerfuͤgung des Art. 260 auf die Frau anwendbar waͤre, wenn ſie mit den Perſonen, bei welchen ihr der Aufenthalt angewieſen TOT iſt, einen oder mehrere Tage auswaͤrts, z. B. auf bem Lande, zugebracht hätte. Nicht das Haus iſt es, was die Wahl des Tribunals beſtimmt, ſondern ſein Zutrauen auf die Bewohner deſſelben. Sollten dieſe jedoch ihren Wohnſitz in eine ganz andere Gegend verlegen, ſo wuͤrde die Frau immer klug thun, ſich mit einer Bittſchrift an das Tribu⸗ nal zu wenden, um die Beſtimmung eines andern Aufent⸗ haltsortes oder die Erlaubniß, ſie zu begleiten, zu erbitten. Sollte die Frau Klaͤgerin ſein, ſo waͤre dies um ſo noͤthiger, als ihre perſoͤnliche Gegenwart bei dem gerichtlichen Verfah ren dann unnachlaͤſſig iſt 4) Oft pflegen die Gerichte auch den Mann zu verurtheilen, ſeiner von Mitteln entblößten Frau auſſer der alimentariſchen Penſion, unter dem Titel einer Proviſion eine Summe zu Beſtreitung der ProzeßKoſten ein fuͤr allemal zu bezahlen. 5. 06. Die Ausuͤbung der väterlichen Gewalt wird durch die Scheidungs Klage nicht unterbrochen, es ſei denn, daß das Tribunal es dem Vortheil der Kinder entſprechend finden ſollte, ſie waͤhrend derſelben der Verwaltung des Vaters zu entziehen. Beſteht zwiſchen den Ehegatten eine Gemeinſchaft der Guͤter, ſo kann die Frau, wie weit der Prozeß auch im⸗ mer gediehen ſein mag, darauf beſtehen, daß die Mobi⸗ larEffekten der Gemeinſchaft unter Siegel gelegt werden. Der Mann kann dieſe Siegel nicht wieder abnehmen laſſen, ohne zugleich uber dieſe Effekten ein Inventarium errich⸗ ten zu laſſen, das ihre Abſchätzung enthalten muß, für de⸗ ten Betrag er ſodann als gerichelicher Aufbewahrer haftet. Alle von dem Mann waͤhrend dem Prozeſſe zum Be⸗ 103 an laſt der Gemeinſchaft eingegangene Verbinblichkeiten, ſo wie alle Veraͤuſſerungen von gemeinſchaftlichen Jmmoͤbeln ſind nichtig, wenn ſie betruͤglicher Weiſe, zur Schmälerung der Gerechtſame der Frau, eingegangen worden ſind oder ſtatt gefunden haben. Locre, 324, 346. PerbalProzeſſe vom 25ten Vendemiaire 10, Projekt B. I. Tit. 6. Kap. 3, Art. 32, 35 u. ff. Journaldu Palais, 1807, T. 206. 7) Die Kommiſſion wollte die väterliche Gewalt unbedingt und in allen Faͤllen aufrecht erhalten; es giebt jedoch Fälle, z⸗ B. wenn die Klage der Frau ſich auf den Ehebruch des Mannes gruͤndet, wo die Sittlichkeit der Kinder Gefahr laufen konnte, wenn ſie, der muͤtterlichen Aufſicht entzogen, unter der Gewalt des Vaters verbleiben ſollten. Der Ge⸗ ſetzgeber hat ſich daher begnuͤgt, die Fortdauer der vaͤterli⸗ chen Gewalt waͤhrend des Prozeſſes als Grundſatz aufzu⸗ ſtellen, und die Ausnahmen, welche das Beſte der Kinder in jedem einzelnen Falle von dieſem Grundſatze erheiſchen mag, dem Ermeſſen der Gerichte anheim zu ſtellen*). 2) Der FriedensRichter iſt befugt, auf das Anrufen der Frau und ohne Ordonnanz des Tribunals zur SiegelAnlage zu ſchreiten. Zwei uixntſtt Vorſchlaͤge, von welchen der eine(Projekt, Art. 25) dahin abzweckte, auch der in Trennung der Guͤter lebenden 5 das Recht, die Siegel Anlage zu *) Dem der ucterſeunben des Codex Napoleon in der Jenaer Allgem. Litteraturgeitung vom Dezember 1803 glaube ich bei dieſer Gelegenheit bemerken zu muͤſſen, daß hier, wie im Art. 307 die Ausdruͤcke: pour le plus grand avautage des en- lants(nicht pour l'avautage le plus graud) nicht im Superlativ heißen: wenn der allergrdͤßte Vortheil der Kinder es erheiſcht, ſondern im Comparativ, wenn das Tribunat, zum großern Vortheil der Kinder ꝛc. 103 fordern, zu ertheilen, waͤhrend der andere ſelbſt der in Ge⸗ meinſchaft lebenden Frau dieſes Recht nur dann bewilligen wollte, wenn ihr Vermoͤgen Gefahr liefe, wurden beide beſeitigt, weil der erſte allzuläͤſtig fuͤr den Mann ſchien⸗ und der zweite eine vorlaͤufige Unterſuchung nothwendig gemacht hatte, wäͤhrend welcher der Mann die Effekten der Gemeinſchaft hätte bei Seite ſchaffen können⸗ 3) Verweigert der Friedens Richter, die Siegel anzulegen, ſo hat ſich die Frau mit einer Bittſchrift an das Tribunal zu wenden, welches nach Unterſuchung der einzigen Frage, ob ſie in Gemeinſchaft der Guͤter lebt, ihm den. Befehl dazu zu ertheilen hat. 4) Legt hingegen der Mana gegen die SiegelAnlage Oppoſi⸗ tion ein, ſo hat das Tribunal, vorbehaltlich der Appellation, daräber zu erkennen. Eine ſolche Oppoſition iſt jedoch nur in dem einzigen Falle zuläſſig, wenn ſie ſich darauf gruͤndet, daß keine Gemeinſchaft zwiſchen den ſtreitenden Theilen beſtanden habe. Als in Gemeinſchaft lebend wird uͤbrigens diejenige Frau nicht angeſehen, welche nur in einer Gemeinſchaft der Errungenſchaft(commusauté d'acquéis) lebt, weil dem Art. 1498 zufolge die Mobilarſchaft von dieſer Gemeinſchaft ausgeſchloſſen iſt. Sollte aber dem Art. 1499 gemaͤß die Mobilarſchaft in die Gemeinſchaft gehoͤren, ſo waͤre die Frau auch auf die Siegel Anlage anzutragen bi⸗ fugt. In jedem Falle iſt der Art. 271 auch auf ſie anwend⸗ bar, und ſichert ihr Intereſſe in dem Falle, wo die Ge meinſchaft ſich auf die erworbene Immoͤbel beſchränkt. 8) So lange der in Gemeinſchaft lebende Ehemann das Ge⸗ gentheil nicht erweißt, wird von allen MobilarEffekten ver⸗ muthet, als gehoͤrten ſie der Gemeinſchaft an. 104 6) Die Kommiſſion(Aut 370) verlangte eine Buͤrgſchaft von dem Manne, wenn derſelbe auf die Siegel Abnahme an⸗ tragen ſollte. Dieſe Bedingung ward als allzuhart beſeitigt; er haftet aber als gerichtlicher Aufbewahrer, das heißt, ſelbſt mittelſt PerſonalArreſt, fuͤr die Darſtellung der in⸗ ventariſirten Effekten ſelbſt, oder fuͤr den Werth derſelben. (70) Ein Urtheil des Appellhofes von Bruͤſſel vom 6 Au⸗ guſt 1806(ournal du Palais a. a. O.) hat entſchieden, daß die Gerichte nicht befugt ſind, den Mann zur Leiſtung einer Buͤrgſchaft zu veruutheilen, weil der Art. 270, der die Si⸗ cherheiten der Frau regulirt, eine ſolche nicht erfordert. 7 Eben ſo hatte die Kommiſſion(Art. 38) iede Verpflichtung oder Veraͤuſſerung nichtig erklaͤrt, welche der Mann ſeit dem Tage der Einfuͤhrung derScheidungsKlage eingegangen oder vor⸗ genommen haben koͤnnte. Der Kaſſationshof wollte dagegen alle von dem Mann eingegangene Kontrakte aufrecht erhal⸗ ten, ihn ſelbſt aber gegen ſeine Frau fuͤr ſeine Geſchaͤfts⸗ Fuͤhrung verantwortlich erklären; das Tribunat endlich woll⸗ te die Rechte der Frau durch eine Inſcription geſichert wiſſen. Alle dieſe Syſteme waren mit groſſen Nachtheilen ver⸗ bunden. Das der Kommiſſion wuͤrde nicht allein den Mann in allen ſeinen Geſchaͤften von der Einfuͤhrung der Klage an durch⸗ aus gelaͤhmt haben, ſondern waͤre auch dem Intereſſe der Drit⸗ ten, die in gutem Glauben mit ihm kontrahirt hätten, all⸗ zu nachtheilig geweſen; das des Kaſſationshofes bot der Frau keine hinlaͤngliche Sicherheit dar, und in dem Syſtem des Tribunats waͤre ſie allzuoft das Opfer ihrer Unbekannt⸗ ſchaft mit den Geſetzen geworden. Die Anwendung der all⸗ gemeinen und einfachen Regel: que la fraude vicie tous les actes, beſeitigt alle dieſe Schwierigkeiten. Die Ge⸗ 105 ſchaͤftsFährung des Mannes iſt nicht gehemmt; alle in gu⸗ tem Glauben abgeſchloſſene Kontrakte ſind guͤltig; haben ſie aber zum Zweck, die Frau um ihren Antheil an der Ge⸗ meinſchaft zu betruͤgen, ſo hat dieſe ein Klagrecht, um ſolche in betruͤglicher Abſicht eingegangene Verbindſichkeiten an⸗ nulliren zu laſſen, und die in derſilben Abſicht veraͤuſſerte Immoͤbel zu vindiziren. 8) Da die Ehe erſt durch den Ausſpruch der Scheidung durch den Beamten des Civilſtandes aufgelößt wird, ſo kommt je⸗ der Vortheil, der bis zu dieſem Augenblick erſcheinen mag, der Gemeinſchaft zu Gut, ſo wie dieſelbe jeden unverſchul— deten, und nicht durch den Betrug des Mannes herbeige⸗ fuͤhrten, Schaden zu tragen hat. Vierte Abtheilung. Pon den beſondern Wirkungen der auf die einſeitige Klage eines der Ehegatten ausgeſprochenen Scheidung. §. 07. Der Ehegatte, gegen welchen die Eheſcheidung erkannt worden, verliert alle Vortheile, welche ſein Mitgatte ihm, im Eheſontrakt, oder auch während der Ehe, zuge⸗ ſichert haben mag. Iſt die Scheidung wegen Ehebruch ausgeſprochen wor⸗ den, ſo darf die Ehebrecherin ſich nie mit ihrem Mitſchul⸗ digen verehelichen Sie wird auſſerdem, durch daſſelbe urtheil, und auf den Antrag des öffentlichen Miniſte⸗ riums, in eine ZuchtPolizeiſtrafe verurtheilt. Der Ehegatte, der die Eheſcheidung erwirkt hat, 0e a) bebält die Vortheile, welche ſein Mitgatte ihm, ſelbſt unter der Bedingung der Reziprozität, zugeſichert hatte; b) er kann, wenn dieſe Vortheile und ſein eignes Ver⸗ 30r 106 mögen zu ſeinem Unterhalt unzureichend ſind, eine alimentariſche Penſion aus dem Vermögen des an⸗ dern Ehegatten erhalten, die jedoch das Drittel der Einkunfte dieſes letzten nicht uͤberſteigen darf; z2) Ihm werden gleichfalls die Kinder übergeben, es ſei denn, daß das Tribunal ſie, um ihres eignen Beſtens willen, der Pflege des andern Ehegatten, oder einer dritten Perſon, anvertrauen ſollte. In jedem Falle haben beide Ehegatten gemeinſchaftlich, jeder im Verhältniß ſeines Vermögens, zu den Koſten des Unterhalts und der ſtandesmäßigen Erziehung der Kinder beizutragen, und ſie behalten beide das Recht der Auſßſicht uͤber dieſelbe. Locré, IV. q25 et sui. Malenille, I. 301. Lapeyrère, litt. A. Nro. 18. L. 13. ff. de his, quæ ut udign. auff.(34. 9.) L. . C. ac. leg. jul. de adult.(9. 9.) Nov. 117, cap. 7 8. 303 et 9. Nro. 14, cap. 10. Kuthentica sed hodie, C. ad. leg. Jul. de adult.(9. 9.) Arguml ex lege 3. J. 4 etz. C. de repud. et jud. de morihus subl.(5. 17.0 Lex unica, C. cdv. lacto apud qnem. 15. 24.) Authentica s1 pater⸗ ibid. Geſetz vom 20 September 1792. Annalen der Geſetzgebung Napoleons, Theil II. S. 74. Thibaut, I.. 394. Journal du Palais, 1806 II. 100. Pandectes frangaises, IV. 135. Jurisprud. n C. 1807„ II. 40. an 14 314. 2) Uueber die allgemeinen Wirkungen der Eheſcheidung ſiehe den erſten Abſchnitt dieſes Kapitels, S. 20. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die geſchiedene Ehegattin den Namen ihres Man⸗ nes nicht mehr fuͤhren darf; ſtrenge genommen, läßt ſich ſogar behaupten, daß nach franzöſiſchem Rechte die Frau den Namen ihres Mannes nicht annimmt, indem in allen gerichtlichen Verhandlungen eine verheurathete Frau nie unter dem Namen ihres Mannes ſondern unter ihrem eignen ro7 Familien Namen auftritt; ſo ſagt man nicht: Catharine Demaup, gebohrne Genty, ſondern Catharine Genty, Ehefrau von Demaux; nach der Eheſcheidung wurde ſie fich qualifiziren: Demoiselle Genc, 6pouse di- vorcée de Demau. 2) Eine wichtige Frage iſt, ob, wenn der Ehegatte, der die Eheſcheidung erwirkt hat, nach dem Endurtheil, welches die Eheſcheidung autoriſirt, aber vor dem wirklichen Aus⸗ ſpruch derſelben durch den Beamten des Civilſtandes, in der zu dieſem Ende bewilligten Friſt, abſtirbt, die Wirkungen der Eheſcheidung ſeinen Erben erworben ſind? Dieſe Frage iſt eine der ſchwierigſten, welche der Coder unentſchieden ge⸗ laſſen hat. Fuͤr den Erben läßt ſich geltend machen, daß, da der Akt, wodurch der Beamte des Civilſtandes die Eheſcheidung ausſpricht, an und fuͤr ſich keine Poͤnalitaͤt nach ſich ziehen kann, die Beraubung der in den EhePak⸗ ten bedungenen Vortheile das Reſultat der Thatſachen iſt, welche zu der EheſcheidungsKlage ſtatt gegeben haben, und daher eintreten muß, ſobald dieſe Thatſachen durch ein in Rechtskraft erwachſenes Urtheil auſſer Zweifel geſetzt worden ſind; daß die Verzeihung der erlittenen Beleidigungen durch den verſtorbenen Ehegatten ſich nicht vermuthen läßt, ſo lange dieſe Vermuthung durch kein poſitives Faktum unter⸗ ſtutzt iſt, und er ſich noch in der nuͤtzlichen Friſt befand, um die Eheſcheidung ausſprechen zu laſſen; viel eher muͤſſe vermuthet werden, daß der Tod allein ihn daran verhindert ha⸗ be, dieſe Foͤrmlichkeit zu erfullen, während im Falle des Art. 266 die freiwillige Verzichtleiſtung auf die Vortheile des erwor⸗ benen Urtheils keinem Zweifel uͤber die Abſicht Raum gebe. Die Anhaͤnger der entgegengeſetzten Meinung erwiedern da⸗ 108 gegen nur durch den Ausſpruch der Eheſcheidung durch den Beamten des Civilſtandes wuͤrden die Ehegatten getrennt; bis zu dieſem Augenblick beſtehe das Band der Ehe, und da es bis dahin in der Willkuͤhr des obſiegenden Theils ſtehe, es auf⸗ zuloͤßen oder nicht, ſo ſei nicht zu läugnen, daß in obigem Falle zur Zeit des Abſterbens die Ehe noch wirklich beſtan⸗ den habe, und der Art. 299 alſo durchaus nicht darauf an⸗ wendbar ſei. Die Frage ward dem Appellhof von Bruͤſſel zur Entſcheidung vorgelegt, und zwar in einem Falle wo die Eheſcheidung wegen dem Ehebruch der Frau ausgeſprochen worden und der Mann am Tage nach dem Urtheil verſtorben war. Dieſer Appellhof hat ſowohl aus den oben angefuͤhrten Gruͤnden, als auch,„weil die Klage auf Ehebruch auf die Erben ubergehe, wenn ſie von dem Manne erhoben worden ſei, alſo noch vielmehr die Einreden, welche aus dem Ur⸗ theil, das den Ehebruch fuͤr erwießen erklaͤrt hat, herfließen können; und in Erwaͤgung daß man bei der Abfaſſung des Art. 299 den Fall im Auge gehabt habe, der ſich am haͤu⸗ ſigſten ereigne, ohne daß der Geſetzgeber dabei an die Ent⸗ ſcheidung obiger Frage gedacht hätte“ die Johanne Maria Welvis, geſchiedne Ehefrau Poot, durch ein Urtheil vom 26ten April 1806, Cournal du Palais g, a. D.) zum Vor⸗ theil der Erben Poot der ihr im EheKontrakt zuge⸗ ſicherten Vortheile verluſtig erklärt. Zwar hat die Johanne Welvis von dieſem Urtheil Caſſation nachgeſucht, allein vor kurzem war die Entſcheidung des Caſſationshofes noch nicht erfolgt, welche wir nachzutragen nicht ermangeln werden. 3) Die neue Geſetzgebung behandelt die Ehebrecherin weit gün⸗ ſtiger als die vorige, welche ſie nicht allein der Liberalitaͤten ihres Mannes, ſondern auch ihrer Ausſteuer und ihres An⸗ — 109 cheils an der Gemeinſchaft beraubte.(Siehe Seite 14.) Eine Geſetzgebung in welcher die Eheſcheidung ein Mittel werden konnte, ſich zu bereichern, ſchien jedoch der Sittlich⸗ keit wenig entſprechend. Die durch den Art. 299 ausgeſpro⸗ chene Verluſtigung erſtreckt ſich uͤbrigens auf alles, was den Namen einer Liberalität verdient: Wittwengehalt, Schen⸗ kung zum Vortheil der Ehe, Stipulation eines Voraus oder eines groͤßern Antheils in der Gemeinſchaft ꝛc. 4) Die von dem Art. 300 entſchiedene Frage, in Betreff der Liberalitäten, welche unter der Bedingung der Reziprozität ſti⸗ pulirt ſind, war unter der vorigen Jurisprudenz lange kon⸗ trovers.(Siehe S. 18.) 5) Wir haben oben die Frage unterſucht und verneint, ob die Frau den Ehebruch des Mannes als einen Grund der Unzu⸗ läſſigkeit gegen ſeine Klage auf Eheſcheidung einwenden könne. Durchaus falſch iſt die Behauptung der Verfaſſer der Pan- dectes frangaises(a. a. O.) däß ſie durch dieſe Einrede ſich wenigſtens vor der StrafVerfuͤgung des Art. 209 ſichern koͤnne. Dieſe Behauptung, welche unter der vorigen Geſetz⸗ gebung wohl gegrundet ſein mochte(Cjas, ad leg. 59, fl sol. matr. lib. 2. qucest. Perez Cod. od. No. 4¹) gruͤnden ſie auf die in Frankreich nicht mehr verbindliche L. 39. fr. solut. matr. und auf den Umſtand, daß in obigem Falle der Un⸗ dank, den der Geſetzgeber durch die Verfuͤgung des Art. 299 ha⸗ be beſtrafen wollen, nicht vorhanden ſei. Es bleibt aber nichts deſtoweniger wahr, daß die Einrede des Ehebruchs des Mannes, vorausgeſetzt, daß er ſeine Konkubine nicht im gemeinſchaftlichen Hauſe gehalten habe, weder die Klage des Mannes hemmen, noch die Frau zu einer GegenKlage auf Scheidung berechtigen kann; daß folglich die Scheidung 110 nur auf den Antrag des Mannes, und nur wegen dem Ehe⸗ bruch der Frau erkannt wird; daß folglich der Mann allein die Eheſcheidung erwirkt, und daß daher, da die Art. 299 und 300 keine Ausnahmen machen, auch kein Richter in obigem Falle eine ſolche zu ſeinem Nachtheil zu machen be⸗ fugt ſein wuͤrde. 6) Da der PonalCodex keine Strafe gegen den Ehebruch ent⸗ haͤlt, ſo war die erſte Frage, welche man zu unterſuchen hatte, die ſoll uͤberhaupt wieder eine Strafe gegen den Ehe⸗ bruch verhangt werden? und die zweite; ſoll ſie nur die Ehebrecherin oder auch den Ehebrecher betreffen? die erſte ward unbedenklich bejaht, weil es ſonſt ſchwer und beinahe unmoͤglich geweſen waͤre, die Ehebrecherin zu verhindern, ih⸗ ren ſträͤflichen Umgang zum öffentlichen Aergerniſſe fortzu⸗ ſeten; die zweite ward hingegen verneint, weil die Strafe ſich nur nach dem Schaden, der fuͤr die Geſellſchaft aus ei⸗ nem Verbrechen entſtehe, bemeſſen mäſſe, und der Ehebruch des Mannes in dieſer Hinſicht dem des Weibes nicht gleichge⸗ ſtellt werden konne, Die von der Sektion in Vorſchlag gebrachte Strafe ward uͤbrigens genehmigt, ohngeachtet ſie von meh⸗ reren allzu gelind und vorzuglich der Unterſchied zwiſchen dem Mapimum und dem Minimum zu groß befunden ward. 7) Es iſt zu bemerken, daß das Verbot der Ehe zwiſchen der Ehebrecherin und ihrem Mitſchuldigen nur dann ſtatt findet, wenn das Faktum des Ehebruchs ſowohl als die Perſon des Mitſchuldigen durch das Urtheil uͤber die Klage des Mannes gerichtlich beurkundet ſind, daß aber außer die⸗ ſem Falle weder der Beamte des Civilſtandes unter dem Vor⸗ wande, daß zwei Perſonen vorher zuſammen in einer ehe⸗ brecheriſchen Berbindung gelebt haben, die Aufnahme ihres LIIT HeurathsAktes verſagen darf, noch die Familie aus demſelben Grunde zur Oppoſition gegen die Ehe berechtigt ſein wuͤrde. 8) Die Kommiſſion wollte, ohne ſich auf dies Verbot zu be⸗ ſchränken, welches ſogar nach dem kanoniſchen Rechte nicht mehr abſolut war,(Ganon 64 des Konzil. von Meaur) die Ehekrecherin zu jeder andern Ehe unbedingt unfähig erklä⸗ ren. Auch im StaatsRath war die Majorität Anfangs fur die abſolute Unfaͤhigkeit, und erſt nach langen Diskuſſionen ward die gemilderte Abfaſſung genehmigt, weil das be⸗ ſchränkte Verbot den Zweck, den Ehebruch nicht durch die Ausſicht der Scheidung zu beguͤnſtigen, erreicht, das ab⸗ ſolute aber die Beſſerung der Ehebrecherin zu verhindern und ihr ſelbſt fur die Fortſetzung ihrer Ausſchweifungen eine Entſchuldigung darzubieten ſchien. 9) Derſelbe Artikel(298) enthält noch zwei Beſtimmungen, die man nicht uͤberſehen darf: die eine, daß die Strafe durch daſſelbe Urtheil ausgeſprochen werden muß, welches die Eheſcheidung erkennt; die zweite, daß ſie nur auf Anſuchen des oͤffentlichen Miniſterium, und nicht auf das des Man⸗ nes, verhängt werden kann. Dieſe zweite enthaͤlt eine Abwei⸗ chung von dem vorigen franzoſ. Gerichtsgebrauch, die folgenden Grund hat: ehedem konnte nur die Frau allein auf Tren⸗ nung von Tiſch und Bett klagen(ſiehe S. 13); da dem Manne dieſe Klage auch ſogar im Falle des Ehebruchs verſagt war, ſo blieb in dieſem Falle nichts brig, als eine peinliche Klage gegen die Ehebrecherin zu erheben, und ward dieſe verurtheilt, ſo iog das Urtheil die Trennung ohne weiteres und von Rechtswe⸗ gen nach ſich. Da ihm aber heutzutage die doppelte direkte Klage auf Scheidung und auf Trennung von Tiſch und Bett wegen Ehebruch freiſteht, ſo tritt wieder der allgemeine * LI2 Grundſatz ein, daß die Parthei in jedem KriminalProzeß nur auf vollige Schadloshaltung, das offentliche Miniſterium allein aber auf Anwendung der geſetzlichen Strafe anzutragen⸗ befugt iſt. 10) Die Klage auf Eheſcheidung wegen Chebruch iſt unter der neuen wie unter der vorigen Geſetzgebung durchaus perſoͤn⸗ lich, und weder das öffentliche Miniſterium, noch die Fa⸗ milie ſind befugt, eie verheurathete Frau wegen Ehebruch zu verfolgen. Auſſer dem allgemeinen Rechts Grondfatze, daß der Ehebruch eine perſoͤnliche Beleidigungiſt, die durch die ausdruͤckliche oder ſtillſchweigende Verzeihung des beleidigten Theils ausgelöſcht wird, folgt dies auch unwiderſprechlich daraus, daß dem Art. 298 zufolge die Strafe des Ehebruchs durchaus nur durch daſſelbe Urtheil ausgeſprochen werden darf, welches uͤber die Ehr⸗ ſcheidungs Klage erkennt; den Fall einer ſolchen Klage aus⸗ genommen, darf alſo keine Strafe wegen Ehebruch ausge⸗ ſprochen werden. Nun wäre es aber eine wahre Abſurdität zu behaupten, daß Jemand gegen den Willen des Mannes eine EheſcheidungsKlage gegen ſeine Frau zu erheben befugt ſein konne. Verzeiht der Mann ſeiner Frau ſogar nach dem Urtheil, welches die Eheſcheidung zulaßt, ehe es durch den wirklichen Ausſpruch der Eheſcheidung vollzogen worden iſt, ſo faͤllt dieſes und mit ihm die auf den Antrag des öffent⸗ lichen Miniſteriums ausgeſorochene ZuͤchtigungsSträfe weg. 1¹) Demzufolge kann es auch nicht zweifelhaft ſein, daß die Erben des Mannes keine Klage gegen ſeine Frau wegen Ehebruch erheben können, denn welches ſollte der Zweck einer ſolchen Klage ſein? die Beſtrafung der Frau kann ſie nicht zur Folge haben, weil die Ehe bereits durch den Tod aufge⸗ 2 1J3 lößt iſt, und nur das Urtheil, weches eine Ehe wegen Ehe⸗ bruch ſcheidet, zugleich gegen die Ehebrecherin eine Strafe verhaͤngen kann. Nach der vorien Jurisprudenz waren die Erben zwar zuläſſig, den Ehebrich der Frau einzuwenden, um ſie der Liberalitäten, welch ihr Mann ihr zugeſichert hatte, verluſtig erklären zu laſen;(Seite 14) allein ohn⸗ geachtet Herr v. Maleville ihnen dieſes Recht auch noch heutzutage zugeſteht, ſo ſchein mir dieſe Meinung doch nur in dem Falle haltbar, wenn der Mann in Jahresfriſt von dem Ehe⸗ bruch an verſtorben iſt.(Art. 957. Sie wuͤrden ſich auſſerdem in demſelben Falle befinden, wie jeder Andere, deſſen Autor zum Antrag auf Widerruf einer Schenkung Undanks halber berechtigt geweſen waͤre, aber die zur Einfuͤhrung der Klage beſtimmte Friſt haͤtte verſtreichen laſſen. Auſſerordentliche Umſtände ausgenommen, duͤrfte aber auch das Stillſchweigen des Mannes waͤhrend einem Jahre, ſeitdem der Ehebruch ihm bekannt war, ihm ſelbſt als Grund der Unzuläſ⸗ ſigkeit ſeiner Klage mit Erfolg eingewendet werden koͤnnen,) Auſſer dieſem Falle könnte die gegen die Frau auszuſpre⸗ chende Verluſtigung nur als Strafe des von ihr begangenen Ehebruchs erkannt werden, und es iſt ein allgemein angenom⸗ mener Grundſatz, daß keine Strafe ohne ein vorhandenes Strafgeſetz ausgeſprochen werden kann. Die Art. 298 u. 299 widerſtreben ſogar der Klage der Erben offenbar. Dem er⸗ ſten zufolge kann die gegen den Ehebruch verhaͤngte Ge⸗ fängnißſtrafe nur durch das Urtheil ausgeſprochen wer⸗ den, welches die Eheſcheidung autoriſirt; dem Art. 299 zu⸗ folge trift die Verluſtigung der Liberalitaͤten ih⸗ res Mannes nur die Ehebrecherin, gegen welche die Ehe⸗ 11. Th. 8 114 ſcheidung ausgeſprocher worden iſt. Hierzu kommt, daß das Stillſchweigen des Mames ſeine Verzeihung und Verzicht⸗ leiſtung auf dieſe, durchus perſoͤnliche, Klage vorausſetzt. 12) Schwieriger iſt die Frage: ob die Erben die von dem Manne erhobene Klage auf Eheſcheidung in ſo weit fortzu⸗ fuͤhren berechtigt ſind, als ſie darauf abzweckt, die Frau der ihr zugeſicherten Liberalitäen verluſtig erklären zu laſſen, und zwar hangt dieſe Frage nit derjenigen zuſammen, die wir hieroben No. 2. S. 107, eroͤrtert haben. In jedem Falle ſcheint der Art. 955 den Erben dieſes Richt zu ertheilen, indem der Ehebruch der Frau die ſchwerſte Beleidigung iſt, welche ſie dem Manne zufuͤgen kann, und in dem Falle, wo der Mann wirk ich eine Klage erhoben und nur durch den Tod an der Fortſetzung derſelben gehindert worden iſt, ſeine Ver⸗ zeihung nicht vermuthet werden kann, ſtatt daß ſie in obigem Falle nothwendig vorausgeſetzt werden muß. Ich glaube demnach, daß die Erben nur kraft der Art. 955 und 957 eine von ihrem Autor erhobene Klage fortfuͤhren koͤnnen, ohngeachtet ich fruͤher mit den meiſten Rechtsgelehrten„ die uͤber den Coder geſchrieben und dieſe Frage nach den Grundſätzen der ältern Jurisprudenz beurtheilt haben, fie ohne Einſchraͤnkung dazu befugt hielt. Ihr Antrag be⸗ zweckt immer eine Pönalität, die der Richter ohne Geſet nicht ausſprechen kann, und ein ſolches iſt, auſſer obigen Artikeln, nicht vorhanden, da der Art. 299 von einem andern Falle ſpricht, und Strafgeſetze nicht analogiſch angewendet werden duͤrfen. 13) Gewohnlich wird das Verbot, ſich mit dew Mitſchuldigen 115 des Ehebruchs zu verehelichen, in das Urtheil ſelbſt eingeruckt. Allein weder die Auslaſſung dieſes Vevbots noch ſelbſt der umſtand, daß das Tribunal der Verfuͤgung des Art. 298 zuwider die Ehebrecherin nicht zur geſetzlichen Strafe verur⸗ theilt hatte, wuͤrde dieſe zum Kaſſations Geſuch gegen das Urtheil berechtigen, weil zur Begruͤndung eines ſolchen Geſuches die Verletzung ſolcher geſetzlichen Verfuͤgungen erforderlich iſt, welche zum Vortheil des Klägers auf Kaſſation erlaſſen ſind. 14) Eben ſo wenig iſt es erforderlich, den Mitſchuldigen des Ehebruchs zur Sache beizuladem Der Codex hat dieſe Bei⸗ ladung nirgends verordnet, und ohngeachtet ihm das Recht, als Intervenient aufzutreten um ſeine Unſchuld zu erweißen, nicht abgeſprochen werden kann, ſo iſt es eben ſo unbeſtreit⸗ bar, daß, wenn er nicht freiwillig erſcheint, kein Grund vorhan⸗ den iſt, ihn in den Prozeß zu ziehen Gegen ihn kann keine Verurtheilung erlaſſen werden, und ſobald das urtheil der Ehebrecherin verbietet, ſich mit ihm zu verehelichen, iſt der Vollzug des Geſetzes verſichert⸗ 15) Durch die Eheſcheidung wird die Gemeinſchaft der Glter, wenn rine zwiſchen den Ehegatten beſtanden hat, aufgeloßt. Alle Streitfragen, welche ſich uͤber die Liqurdation dieſer Ge⸗ meinſchaft, uͤber die Auseinanderſetzung der gegenſeitigen An⸗ ſpruͤche der Ehegatten erheben moͤgen, konnen nur vor dem⸗ jenigen Tribunal anhaͤngig gemacht werden, welches über die ScheidungsKlage erkannt hat, ſelbſt wenn während oder ſeit derſelben einer der Ehegatten oder ſelbſt beide ihren Wohnſitz verändert haben ſollten, nach dem Grundſatz, daß jedes Tri⸗ bungl uͤber die Exekution ſeiner Urtheile zu erkennen hat. Urtheil des Kaſſationshofes vom 29ten Maͤrz 1808,(Anna⸗ len der Geſetzg. Napoleons II. I7te Entſcheidung.) 7 46 16) Der Ehegatte, welcher die Eheſcheidung erwirkt hak, iſt gleichfalls allein berechtigt, zu ſeinem Unterhalt eine alimen⸗ tariſche Penſion aus dem Vermögen des andern Ehegatten Ju fordetn. Die Kommiſſion(rt. 51) hatte das Minimum dieſer Penſion auf ein Sechſtel der Einkunfte des Sukkum⸗ benten beſtimmt; der Stnatsrath glaubte aber die Beſtim⸗ mung derſelben unbedingt dem tichterlichen Ermeſſen anheim ſtellen zu muͤſſen, weil die perſönliche Lage der Partheien und ſelbſt ihr Betragen, Cda auch der obſiegende Theil och die erſte Veranlaſſung zur Scheidung gegeben haben kann,) hier beſonders zu beruͤckſichtigen ſind. Beide Ehe⸗ gatten werden ſich ubrigens durch die Eheſcheidung wieder völlig fremd; und die Tribunalien haben daher nur mit groſſer Vorſicht von der ihnen durch den Art. 301 ertheil⸗ ten Befugniß Gebrauch zu machen. Nicht allein hat der Ge⸗ ſetzgeber den Fall genau beſtimmt, worin der obſiegende Ehe⸗ gatte allein eine ſolche Penſion erhalten kann,(wenn nam⸗ lich weder ſein eignes Vermögen noch die ihm von ſeinem Mitgatten zugeſicherte Vorcheile, welche gewoͤhnlich erſt durch den Tod deſſelben eroͤfnet werden, zu ſeinem Unterhalt hin⸗ reichend ſind) ſondern auch in dieſem bleibt es ganz dem rich⸗ terlichen Ermeſſen überlaſſen, ihm eine ſolche zu bewilligen oder nicht.(Le tribunal pouriu lui accorder,) 17) Dieſe Penſion muß in demſelben Augenblick verlangt und zuerkannt werden, wo über die ScheidungsKlage erkannt wird. Späterhin findet keine Klage darauf mehr ſtatt, ſo wie ſie auch wegen einer ſeit der Scheidung eingetretenen Duͤrftigkeit nicht in Anſpruch genommen werden kann.(ur⸗ theil des Kaſſationshofes vom 8 Jaͤnner 1806, Annal. 1I. 117 Zte Entſcheidung.) Sie kann vermindert oder widerrufen werden: a) wenn derjenige, dem ſie bewilligt worden, ihrer nicht mehr bedarf, b) wenn derjenige, der ſie zu zahlen hatte, ſelbſt in Duͤrf⸗ tigkeit geraͤth. Ein Urtheil des Appellhofes vom Beſancon vom 20ten Brumaire 1(Jurisprudence du C. N. an I4. p. 312.) hat ſogar den Grundſatz aufgeſtellt, daß ſie in keinem Falle erhoht werden konne, weil das Urtheil, das ſie nach dem VermoͤgensZuſtand des Sukkumbenten zur Zeit der Scheidung beſtimme, keiner Abaͤnderung unterworfen ſei. Allein dieſe Behauptung wird durch die Verfuͤgung des Geſetzes widerlegt, nach welcher die Penſion vermindert oder wider⸗ rufen werden kann. Man kann dieſelbe auch nicht, wie dieſer Appellhof gethan hat, mit der Rechtswohlthat der Com⸗ petenz bei der Ruͤckerſtattung der Ausſteuer vergleichen, ſon⸗ dern ſie iſt ein dem Beduͤrftigen ertheiltes Recht, aus dem Ver⸗ moͤgen des Ehegatten, der durch ſeine Schuld die Auflo⸗ ſung des ehelichen Bandes veranlaßt hat, ſeinen Unterhalt zu erhalten. Daß dieſes Recht dann nicht geltend gemacht werden kann, wenn das Beduͤrfniß erſt zu einer Zeit einge⸗ treten iſt, wo das Band der Ehe nicht mehr beſtand, iſt durchaus rechtlich; daß aber der Richter, wenn er dem im Au⸗ genblich der Scheidung beſtehenden und alſo wenigſtens zum Theil durch dieſe verurſachten Beduͤrfniß wegen den geringen VermogensUmſtaͤnden des andern Ehegatten nur unvollkom⸗ men abhelfen kann, durch dieſe Beſtimmung ſo gebunden ſei, daß er bei veraͤnderten Umſtänden den reicher geworde⸗ nen Sukkumbenten zu einem gröſſeren Beitrag anzuhalten 118 nicht befugt wäre, waͤhrend er den verarmten ſelbſt von dem unzureichenden freiſprechen kann, ſcheint mir weder in dem. Tert noch in dem Geiſt des Geſetzes zu liegen. 18) Werden durch die Eheſcheidung der Wittwen Gehalt und die vurch die MatrimonialConventionen fuͤr den Fall des Ablebens eines der Ehegatten ſtipulirte Vortheile erofnet? Dieſe wich⸗ tige Frage iſt durch den Art. 1452 des Codex verneinend entſchieden. Zwar hat man behaupten wollen, der Witt⸗ wengehalt ſei unter der allgemeinen Benennung von goins de survie nicht begriffen, und muͤſſe von dem Tag der Auflo⸗ ßung der Ehe an bezahlt werden. Dieſe Behauptung findet. ſich jedoch durch ein Urtheil des Kaſſationshofes vom Bten May 1807(I. d. C. N. 1807, II. 49.) widerlegt. 19) Die Eheſcheidung löſt die häusliche Regierung auf; man mußte. daher das kuͤnftige Schickſal ber Kinder beſtimmen. Sie bleiben bei einem der Ehegatten, und zwar bei dem, fuͤr deſſen Moralität im Allgemeinen die Vermuthung ſtreitet, dem Rechte des Tribunals, wenn dieſe Vermuthung ſich durch beſtimmte Thatſachen entkraͤftet finden ſollte, andere Verfuͤgungen zu treffen, ohnbeſchadet(Siehe die Anmerkung S. 102). Doch bleibt dem andern Ehegatten das Recht der MitAufſicht uͤber ſeine Kinder und die Verbindlichkeit zu ihrem Unterhalt bei⸗ zutragen. Dies iſt das ganze Syſtem der Art. 302 u. 303. 20) Es iſt zu bemerken, daß der Art. 267 nur eine proviſori⸗ ſche Verfuͤgung enthältz iſt daher die Eheſcheidung gegen den Vater erkannt worden, ſo hat er von dem Augenblick der wirklich ausgeſprochenen Eheſcheidung an die Kinder der Mutter zu überliefern, wenn das Tribunal es nicht anders verordnet. 2¹) Das Geſetz von 1792 uͤbergab die Töchter der Mutter⸗ 119 die Soͤhne dem Vater. Ohngeachtet die allgemeine Regel des neuen Geſetzes den Vorzug vor dieſer verdient, ſo wer⸗ den doch in beſondern Fällen die Tribunalien den Einfluß des Geſchlechtes auf die Erziehung nicht aus den Augen ver⸗ lieren. 22) Selbſt wenn das Schickſal der Kinder regulirt iſt, und es treten Urſachen ein, die eine Veraͤnderung nothig oder wuͤnſchenswerth machen, z. B. eine zweite Ehe des Ehegat⸗ ten, welchem die Kinder anvertraut ſind, ein gaͤnzlicher Ruͤckgang in ſeinen Vermogensumſtaͤnden ꝛc. ꝛc., ſo iſt das Tribunal immer befugt; dieſe Aenderung zu treffen. 23) Anfangs wollte man der FamilienVerſammlung es über⸗ laſſen, das Schickſal der Kinder zu reguliren, oder wenig⸗ ſtens ihr Gutachten daruͤber einziehen; allein in dem Augen⸗ vlick, wo die Erbitterung der Ehegatten nothwendig auch die Familien entzweit hat, ließ ſich von dieſer Verſammlung ein weniger beftiedigendes Reſultat hoffen, als von der Be⸗ ſtimmung des unpartheyiſchen Richters, der während dem Lauf des Prozeſſes Gelegenheit gehabt hat, den Charakter der Ehegatten kennen zu lernen 4) Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, daß das Recht der Aufſicht desjenigen Ehegatten, welchem die Kinder nicht anvertraut worden ſind, den Verfuͤgungen desjenigen, welchem ſie ubergeben worden ſind, keinen Eintrag thun darf. Der erſte kann aber ſeine Beſchwerden dem Tribunal vortragen, das allein daruber zu erkennen, ſo wie auch den Beitrag jedes der Ehegatten zu den Koſten der Erziehung nach ſeinen Mit⸗ teln zu beſtimmen hat. Alle Verfuͤgungen eines Tribunals uber dieſen Gegenſtand ſind der Appellation unterworfen. 120 25) Wenn dagegen der Ehegatte, dem die Kinder anvertraut waren, ſtirbt, ſo kehren dieſe, falls ſie noch minderjährig ſind, unter die Vormundſchaft des andern Ehegatten zuruͤck. Drltter Abſchnük. Von der Eheſcheidung auf das gemeinſchaftliche Anſuchen beider Ehegatten. Erſte Abtherlung. Von der Form des Perfahrens. §. 08. Die Eheſcheidung kann ausgeſprochen werden, ohne daß a3 die Ehegatten gezwungen werden koͤnnten, die Urſache, aus welcher ſie ſie verlangen, zu erklären, vorausgeſetzt: a) daß beide Ehegatten gemeinſchaftlich in der hiernach beſtimmten Form darauf antragen, und auf dieſem Antrag beharren; b) daß beide Ehegatten, in Hinſicht auf die Ehe, groß⸗ 275 jährig ſind; c) ihre Ehe mehr als zwei Jahre aber noch nicht zwan⸗ 276, 27 zig Jahre beſtanden habe, die Frau auch das Alter von fuͤnf und vierzig Jahren noch nicht erreicht habe; d) daß endlich der Antrag der Ehegatten mit Einwilli⸗ 278 gung der Aeltern, in der von dem Art. 150 beſtimm⸗ ten Ordnung, geſchehe und wiederholt werde. Focre, IV, 377. Procès-verbanx du 14 et 16 veudém. 10, 4 et 20. brum. 11, et 19 ventose 11. Paudectes fraugaises, IV, 1071, 109. 2) ueber den Geiſt, in welchem die Eheſcheidung mit gegenſei⸗ tiger Einwilligung in die neue Geſetzgebung aufgenommen worden iſt, ſehe man den F 88, No. 6, S. 32. 2) Die Sektion und das Tribunat beſtanden darauf, dieſe Art F2T Eheſcheidung durchaus zu proſcribiren, ſobald Kinder aus der Ehe vorhanden wären, weit die Kinder eben ſowohl als die Aeltern bei dem Kontrakt der Ehe betheiligt wären, und daher die bloße Einwilligung der letztern zur Auflößung derſel⸗ ben nicht hinreichen könne. Dieſer Antrag ward jedoch in ber Sitzung vom 20 Brumaire 11 befeitigt, weil die Exiſtenz von Kindern ohne allen Einfluß auf die Gruͤnde, welche zur Beibehaltung dieſer Art der Eheſcheidung beſtimmt haben, ſo wie auf die gegenſeitige Lage der Ehegatten iſt. Da die gegenſeitige Einwilligung nur als Beweiß der Exiſtenz einer peremptoriſchen Urſache zut Eheſcheidung an⸗ genommen wird, und die Frage, ob das gemeinſchaftliche Leben den Ehegatten unerträglich geworden, nicht wohl zwei⸗ felhaft ſein durfte, wenn dieſe ſich allen läſtigen Bedingungen dieſer Eheſcheidung unterwerfen, ſo kann das Daſein von Kindern eben ſo wenig ein Grund werden, die Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung als die auf den einſeitigen Antrag eines der Ehegatten zu verhindern; um ſich zu uͤber⸗ zeugen, daß es vielmehr das Intereſſe der Kinder iſt, die erſte Gattung von Eheſcheidung zu erlauben, darf man nur die Lage der Ehegatten bedenken, in Hinſicht auf welche der Geſetzgeber ſie autoriſirt hat, und welche man burch die Verſperrung dieſes Auswegs in die Nothwendigkeit verſetzen wuͤrde, eine Klage aus einem beſtimmten Beweggrund zu erheben Endlich hätte jene Einſchraͤnkung neun Zehntheile aller Ehegatten dieſes Huͤlfsmittels beraubt. 3) Der Art. 275 erfordert die Majorität der Ehegatten, weil noch mehr Ueberlegung erforderlich iſt, um einen Kontrakt von ſolcher Wichtigkeit aufzuloͤßen, als um ihn abzuſchlieſſen. Ehegatten, welche kaum verheurathet, ihre Verbindung ſchon N 122 wieder trennen wollen, klagen ſich ſelbſt des Leichtſinns an, und das Geſet zwingt ſie daher, ſich erſt kennen zu lernen, ehe ſie zurdieſemraͤpſſerſten Mittel ihre Zuflucht nehmen(276); ſolche welche zwanzig Jahre lang in einer ruhigen Ehe gelebt haben, verdienen keinen Glauben in der von Beweißen entblößten Behauptung: daß ihnen das gemeinſchaftliche Len ben unerträglich ſei(77); die zweite Ausnahme deſſel⸗ ben Aftikels ward durch verſchiedene Beweggruͤnde beſtimmt: da eine fuͤnf und vierzigjährige Frau gewohnlich ihre Reize verlohren hat und ſelten Gelegenheit findet, ſich wieder zu verehelichen, ſo kefuͤrchtete man, der Mann moͤchte ſeine Autorität misbrauchen, um ihre Einwilligung zu einer Schei⸗. dung zu erpreſſen, welche ſie dem Elend Preiß geben wuͤrde; auch ward bemerkt, daß in dieſem Falle der Staat wenig Vortheile von der Auflöſung der Ehe zu hoffen habe. Dem⸗ ohngeachtet iſt nicht zu läͤugnen, daß dieſes unbedingte Ver⸗ bot, ohngeachtet es in dem Mitleiden des Geſetzgebers mit betagten Frauen ſeinen Grund hat, in einzelnen Fällen ihnen den einzigen Ausweg ihrem Elend zu entrinnen, verſchlieſſen wird. In der Einwilligung der Aszendenten(278) hoffte man die ſtärkſte Gewährleiſtung zu finden, daß wirklich eine peremptoriſche Urſache zur Scheidung vorhanden ſei⸗ weshalb ſie ſelbſt, wenn die Ehegatten. großjährig ſind, un⸗ bedingt erforderlich iſt⸗ 7 4) Iſt derjenige, der in einer ScheidungsKlage aus beſtimmter urſache unterlegen hat, nachher unzulaͤßig, die Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung nachzuſuchen? Ich finde die⸗ ſen Grund der Unzuläſſigkeit, den die Verfaſſer der Pandec⸗ tes frangaises(IV. 101) mit ſeichten Gruͤnden vertheidigen, nirgends im Geſetz begrundet; ein gleiches gilt von der Be⸗ 123 hauptung derſelben RechtsGelehrten, als ob, wenn einer der Ehegatten waͤhrend dem Verfahren zuruͤcktreten ſollte, er nachher unzulaͤſſig ſein wuͤrde, daſſelbe von neuem anzufan⸗ gen.(ro9 ibid.) Jeder Grund der Unzuläſſigkeit muß entwe⸗ der aus einer geſetzlichen Vorſchrift oder aus einer mit der Klage durchaus unvereinbarlichen Thathandlung abgeleitet werden. Derjenige aber, der einwilligt, einen letzten Ver⸗ ſuch zu machen, ob er die Fortdauer des gemeinſchaftlichen Lebens ertragen koͤnne, leiſtet weder ausdruͤcklich noch ſtill⸗ ſchweigend fuͤr immer auf die Befugniß, die Scheidung nachzuſuchen, Verzicht. Kein Geſetz verſchließt ihm den Zu⸗ gang der Gerichtshoͤfe; welcher Richter koͤnnte ſich alſo wei⸗ gern ſeiner Klage Gehör zu geben? 8) Eben ſo unbeſtreitbar iſt es, daß, wer anfangs den Weg der Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung eingeſchlagen hat, dieſen verlaſſen und eine Klage auf Scheidung aus beſtimm⸗ ter Urſache erheben kann, und daß dieſelbe Befugniß ihm zuſteht, wenn ſein Mitgatte waͤhrend dem Verfahren ſeine Einwilligung zuruͤckzieht. Im letzten Falle erfullt dieſer die Bedingung nicht, unter welcher der beleidigte Gatte den ge⸗ linderen Weg eingeſchlagen hat; im erſten kann er durch neue Beleidigungen bewogen werden, einer Schonung zu entſagen, welche durchaus facultativ iſt. 6) Sind die Grundſätze, welche das Gutachten des Staats⸗ raths vom 16 Thermibor 13(Th. I. S. 217) aufgeſtellt hat, auch in Hinſicht auf den Beweiß der Exiſtenz der As⸗ zendenten anwendbar, die in der Ordnung des Art. 150 berufen ſind, ihre Einwilligung zur Eheſcheidung zu erthei⸗ len? Dieſe Frage muß verneint werden, weil der Art. 283 ausdruͤcklich verfuͤgt, daß die letzten ſo lange fuͤr lebend zu 124 halten ſind, bis ihre SterbAkte vorgelegt werden Auch kann man nicht aus Analogie die Gunſt, welche der Ge⸗ ſetzgeber der Ehe ertheilt, auf den Fall der Eheſcheidung an⸗ wenden, die er aus einem unguͤnſtigen Geſichts Punkt au⸗ ſieht. §. 99. Die Ehegatten ſind verbunden, ehe ſie ihren Antrag anbringen können: a) ein Inventarium uͤber ihr ganzes, abzuſchätzendes, bewegliches und unbewegliches Vermogen errichten zu laſſen, und durch Liquidation oder einen Vergleich die Anſprüche und Rechte, welche jedem von ih⸗ nen nach den Geſetzen oder den Eheßakten zuſtehen mögen, feſtzuſetzen und zu reguliren. v) Sie haben ſich daruͤber zu vereinigen, wem, ſowohl während dem Prozeſſe als nach demſelben, die in ih⸗ rer Verbindung erzeugte Kinder anvertraut bleiben ſollen; e) ſo wie uͤber den Ort, an welchem die Frau ſich waͤhrend dem Verfahren aufhalten ſoll, und 4) über die Summe, welche der Mann ibr während derſelben Zeit zahlen ſoll, wenn ihre eigne Einkünf⸗ te zur Beſtreitung ihrer Bedürfniſſe nicht hinrei⸗ chend ſind⸗ Ihre Uebereinkunft über dieſe verſchiedene Punkte muß ſchriftlich auſgeſetzt werden. Locré, IV. 390. Procetrverbaus du 14 nivose 10„ et 19 ven- tose II. Maleuile, E 289„ Pandectes franęaises, IV, 107. 2) Die Inventur und Taxe des Vermoͤgens ſind unnachläſſige Präliminarien dieſer Eheſcheidung; den Grund dazu hat man 225 in dem Art. 305 zu ſuchen. Da dieſelbe zum Vortheil der Kinder vorgeſchrieben ſind, ſo haben einige Rechts Gelehrte behaupten wollen, die Kinder mußten zu der Abfaſſung des Inventariums beigeladen werden; ich kann jedoch dieſer Meinung nicht beipflichten. Hätte der Geſetzgeber dieſe Ab⸗ ſicht gehabt, ſo hätte er es auch beſtimmen muͤſſen, durch wen die nothwendig minderjährige Kinder repräſentirt wer⸗ den ſollen. Die Kinder haben jedoch ohne allen Zweifel das Recht, zu ſeiner Zeit Auslaſſungen und Irrthuͤmer in dem Inventarium zu ruͤgen; vor der Hand aber konnen ſie auf das Recht, demſelben beizuwohnen, um ſo weniger Anſpruch machen, als bis zu dem wirklichen Ausſpruch der Eheſchei⸗ dung Niemand auf die Praͤliminarien derſelben einige An⸗ ſpruͤche begruͤnden kann. 2) Die vorlaͤufige, der Bedingung der wirklichen Eheſcheidung untergeordnete, Liquidation der gegenſeitigen Rechte und An⸗ ſpruͤche der Ehegatten, hat den heilſamen Zweck, den beinahe unvermeidlichen Prozeſſen vorzubeugen, welche die Reguli⸗ rung dieſer Anſpruͤche veranlaſſen wurde, falls ſie erſt nach dem Ausſpruch der Eheſcheidung ſtatt finden ſollte. Sie iſt weit weniger Schwierigkeiten unterworfen, wenn ſie in einer Epoche geſchieht, wo die Ehegatten, oder wenigſtens einer von ihnen, zu Aufopferungen entſchloſſen ſind, als wenn man ſie verſchieben wollte, bis dahin ſie ſich fremd geworden ſind, und kein Grund zu gegenſeitiger Schonung mehr vorhanden iſt. 3) Dieſe Uebereinkunft muß, falls die Ehegatten unter der Do⸗ ta Verfaſſung leben, alles reguliren, was auf die Ruͤcker⸗ ſtattung der Ausſtener Bezug hat; leben ſie in Gemeinſchaft der Guͤter, ſo muß dieſe liquidirt werden; die Frau muß erklären, ob ſie ſie annehmen oder darauf Verzicht leiſten 126 will; im letzten Falle muſſen die ihr zukommende Entſchaͤ⸗ digungen und Ruͤckerſtattungen regulirt werden; eben ſo muͤſ⸗ ſen, falls ein EhcVertrag vorhanden iſt, die Wirkungen deſſelben feſtgeſetzt werden. 4) Die den Ehegatten ertheilke Befugniß, ſich uͤber dieſe An⸗ ſpruͤche zu vergleichen, gab zu einigen Diskuſſionen im Staats⸗ rathe Anlaß. Da das Band der Ehe noch beſteht, ſo woll⸗ ten einige, daß die Frau ſich nicht ohne Ermaͤchtigung des Richters ſollte vergleichen können, um ſo mehr, weil ſonſt zu befürchten ſtunde, daß der Mann ihr ſeine Einwilligung zur Scheidung allzu theuer verkaufen moͤge. Man bemerk⸗ te dagegen, es durfte eben ſo oft der Fall ſein, daß die Frau mit der Aufopferung einiger Vortheile das Stillſchweigen des Mannes uͤber die eigentliche Urſache der Scheidung gern er⸗ kaufen wärde; ſolche Aufopferungen ſeien, als beinahe nothwendige Folgen dieſer Art von Scheidung, welche das Geſetz dem freien Willen der Ehegatten anheim ſtellt, gar nicht zu vermeiden; die Interventſon des Richters in der Prozedur ſei einestheils zwecklos, weil die wahre Urſache der Scheidung ihm unbekannt ſei, und er daher nicht mit Kenntniß uber die Bedingungen des Vergleichs urthei⸗ len konne, anderntheils illuſoriſch, weil es dem Ehegatten, gegen den er entſcheiden würde, immer frei ſtunde, ſeine Einwilligung zur Eheſcheidung zurkckzuziehen. Da endlich die Nothwendigkeit der Autoriſution weniger aus der Schwäche als aus der Abhaͤngigkeit der Weiber her⸗ fließt, von welcher bei dieſer Gelegenheit die Rede nicht ſein kann, ſo kam man dahin uberein, daß die allgemeine Ermäch⸗ tigung des Geſetzes in dem beſondern Falle hinreiche. So⸗ gar die Intervention des Familienraths bei dem Vergleiche 127 ſchien unnöthig, weil die Frau, im Falle einer wirklichen Verletzung, während der ganzen Prozedur, und bis zum wirk⸗ lichen Ausſpruch der Eheſcheidung, das Mittel in Haͤnden hat, ſich gegen dieſelbe zu reſtituiren. 5) Ans dieſem Grunde ſcheint mir auch die Frage, welche die Verfaſſer der Pandectes franhsises(Th. IV. S. 107) ver⸗ neinend und Hr. v. Maleville(Th. l. S. 289) beja⸗ hen d entſcheiden, ob naͤmlich die Ehegatten die Regulitung ihrer gegenſeitigen Anſpruͤche Schiedsrichtern uͤberlaſſen können, ganz ohne Gegenſtand. Näturlich bleibt es ihnen unbenommen, die Auseinanderſetzung dieſer Anſpruͤche jedem Dritten zu tberlaſſen, um ſo mehr, da in ihrer Lage per⸗ ſoͤnliche Erörterungen ſolcher Gegenſtaͤnde ſelten zu einem be⸗ friedigenden Reſultat fuͤhren; allein jeder Begriff eines ſchiedsrichterlichen Urtheils, mit exekutoriſcher Kraft, fällt hier ſchon darum weg, weil der Sukkumbent ein einfaches Mittel hat, die Wirkungen dieſer Entſcheidung zu hemmen, indem ersſeine Einwilligung zuruͤckzieht. Schon aus dieſem Grunde ſteht auch nicht zu befahren, daß von dieſer Art Scheidung je von andern Ehegatten Gebrauch gemacht wer⸗ den ſollte, als von ſolchen, denen kein Opfer zu groß iſt, um. unerträgliche Bande zu löſen. 6) Die Uebereinkunft der Ehegatten muß das Reſultat ihrer freiwill igen Uebereinkunft ſein. Erheben ſich Schwie⸗ rigkeiten, ſo kann kein Richter ſie aus dem Wege raͤumen. Einer der Ehegatten muß nachgeben, oder die Scheidung un⸗ terbleibt. Freilich wird eben ſowohl der unterdruͤckte als der Schuldige das Opfer bringen, allein es wat kein Ausweg möglich; das Geſttz hat alles gethan, indem es ihm die Moglichkeit, ſich dem Drucke zu entzirhen, verſchafft. 128 7) Nach dem Ausſpruch der Eheſcheidung mit gegenſeitiger Ein⸗ willigung iſt keiner der Ehegatten befugt, eine alimentariſche Penſion aus dem Vermögen des andern zu fordern. Hat einer derſelben alſo keine Mittel zum Unterhalt, ſo muß er Sorge tragen, durch den Vergleich, von welchem hieroben die Rede iſt, ſeine Epiſtenz zu verſichern. 8) Der Art. a80 ſchreibt zwar vor, daß die Uebexeinkunft ſchriftlich abgefaßt werden, nicht aber, daß dieſes in authentiſcher Form geſchehen ſoll; ein Akt unter Pripat⸗ Unterſchrift iſt alſo hinlaͤnglich, ohngeachtet die Form eines NotariatsAktes gebräuchlicher, und vorzuglich wegen der Exekution, welche dieſe Akte gewaͤhren, in jedem Falle anzu⸗ rathen iſt. 5. 100. x Die Ebegatten muͤſſen ſodann zuſammen, in Perſon, und in Begleitung zweier Notarien vor dem Präſidenten des Tri⸗ bunals erſter Inſtanz ihres Bezirks erſcheinen, und die Erklärung abgeben, daß ſie beide gegenſeitig auf die Ehe⸗ ſcheidung antragen. 2s Gelingt es dieſem nicht, ſie zu vereinigen, ſo ertbeilt er ihnen Akt uͤber ihre Erklaͤrung, und ſie haben ſodann, in asz ſeiner Gegenwart, den beſagten Rotarien folgende Aktenſtücke einzuhaͤndigen: 4) das Inventarium uͤber ihr Vermoͤgenz b) den Vertrag üͤber ihre gegenſeitige Gerechtſame und Anſpruͤche und üͤber die uͤbtige obenbemeldete Punkte; c) ihre Geburts Akte und ihren HeurathsAkt; dh die Geburts Akte aller in ihrer Ehe erzeugten Kin⸗ der, die SterbAkte deren, welche verſtorben ſind; 129 e) die, in authentiſcher Form abgegebene, Erklaͤrung ihrer Aeltern oder Groß Aeltern, daß ſie in die Ehe⸗ ſcheidung einwilligen. Die Notarien haben uͤber dieſe Hinterlegung, ſo wie uͤber den ganzen Hergang und alles, was dabei geſagt wor⸗ den, einen umſtaͤndlichen VerbalProzeß aufzuſetzen. Der Präſident ermahnt die Frau, ſich in Zeit von 24 Stun⸗ den in die Wohnung, die durch die Uebereinkunft mit ihrem Manne beſtimmt worden, zu begeben, und waͤhrend dem Verfahren darin zu verbleiben. Dieſe Erklaͤrung muß in den erſten fuͤnfzehn Tagen des vierten, ſiebenten und zehnten darauf folgenden Monats wiederholt, und die Einwilligung der Ascendenten jedesmal in derſelben Form erwießen werden. Sobald einer der Ehegatten, oder auch nur einer der lehenden Ascendenten, ſeinen Entſchluß ändert, zerfallt das ganze Verfahren durch die alleinige Kraft des Geſetzes in Nichts. Im ent⸗ gegengeſetzten Falle haben die Ehegatten ihren Antrag per⸗ ſönlich, in Begleitung von zweien angeſehenen Perſonen des Bezirks, in den erſten fünfzehn Tagen von dem Tage an zu rechnen, wo ſeit ihrer erſten Erklärung ein Jahr verfloſſen war, zu erneuern, und beſtehen ſie, eines letzten Verſuches zum Vergleich ohngeachtet, darauf, ſo muß ihnen Akt daruͤber ertheilt, und uͤber dieſe letzte Erklärung von dem Gerichtsſchreiber des Tribunals ein Protokoll geführt werden. Das Tribunal hat, nach Anhörung des Berichtes des Präſidenten und auf den ſchriftlichen Antrag des Faiſerl. Prokurators, zu unterſuchen: 11. Th. 9 234 35 336 237, 2 389, 290 130 „) ob die Partheien die vom Geſetz auferlegte Bedin⸗ gungen erfullt, und b) die vorgeſchriebene Formalitaten beobachtet haben. Es erklaͤrt ſodann auf der Stelle durch ein urtheil, welches die Beweggründe enthalten muß, daß die Ehe⸗ ſcheidung autoriſirt iſt, oder daß ſie nicht zuläſſig iſt. Locré, IW., 389 et suiv. Proces-verbaux des 16 vendémiaire et 22 3 fructidor 10, et du 19 ventose 11. pandeetes frangaises, IV. I115, 1) Da der Art. 283 den Beweiß der Einwilligung der Aeltern oder andrer noch am Leben befindlichen Ascendenten erfordert, ſo hat dies zu der Frage Anlaß gegeben, ob bie Ehegatten auch den Tod ihrer UrGroßAeltern erwei⸗ ßen müſſen, falls die Aeltern Und GroßAeltern verſtorben ſind, welche Bedingung um ſo läſtiger geweſen ſein wuͤrde, weil, wie bereits oben bemerkt, die Verfuͤgungen des Gut⸗ achtens des Staatsraths vom 4 Thermidor 13, bei Ehe⸗ ſcheidungen ihre Anwendung nicht finden konnen. Dieſe Fra⸗ ge muß jedoch verneinend beantwortet werden, weil detr letzten Verfuͤgung deſſelben Art. 283 züfolde, die mit der erſten in Verbindung geſetzt werden muß, nur die Aeltern und GroßAeltern, ſo lange als ihre SterbAkte nicht offen ge⸗ legt werden, fuͤr lebend gehalten werden. 2) Die Einwilligung der Aeltern muß durch einen authen⸗ tiſchen Akt ertheilt werden; dieſer kann kein andrer als ein NotariatsAkt ſein, weil kein anderer offentlicher Beam⸗ ter beauftragt iſt, ſolche freiwillige Erklaͤrungen aufzunehmẽn. Die perſoͤnliche Erſcheinung der Aeltern vor dem Präſidenten ann die Stelle dieſes Aktes nicht vertreten, der dem von den Notarien zu errichtenden VerbalProzeß beigefuͤgt werden muß. 137 3) Die Frau darf nicht, wie bei der Eheſcheidung auf die Kla⸗ ge eines der Ehegatten, wäͤhrend dem Verfahren in der ge⸗ meinſchaftlichen Wohnung verbleiben, fonbern ſie muß dieſe mit einer andern vertauſchen, uͤber welche die Ehegatten ſich zu vereinigen haben(Art. 281 u. 284). Die Urſache dieſes Unterſchiedes hat man wohl darin zu ſuchen, daß die einſeitige Klage auf Eheſcheidung nur von einer Seite eine Erbittetung vorausſetzt, die durch die Bemuͤhungen des andern Ehegatten vielleicht beſeitigt werden kann, ſo daß das gemeinſchaftliche Leben der Ehegatten eine immer wuͤnſchenswerthe Verſohnung herbeifuhren kann. Im Falle der Eheſcheidung mit gegenſei⸗ tiger Einwilligung läßt ſich eine ſolche Verſohnung im Gegen⸗ theil eher von der Trennung der Ehegatten erwarten; auch wuͤrde ihr gemeinſchaftliches Leben während dem Verfahren ein ſehr zweideutiges Verhaͤltniß hervorbringen, indem nicht, wie bei der Eheſcheidung auf die einſeitige Klage eines der Ehegatten, zu vermuthen ſteht, daß im Falle einer fortgeſetzten ehelichen Beiwohnung der beklagte Ehegatte daraus einen Grund der Unzuläſſigkeit gegen die Fortſetzung der Klage ableiten werde. 4) Vernachläſſigen die Ehegatten, ihre Erklaͤrung in den be⸗ ſtimmten Friſten zu wiederholen, ſo iſt zwar das ganze fruͤ⸗ here Verfahren vernichtet, allein ohne allen Grund behaupten die Verfaſſer der Pandectes frangaises daß ſie unzuläſſig ſein wuͤrden, daſſelbe noch einmal von vorne anzufangen. 5) Wenn während der Prozedur einer der Aszendenten, welche ihre Einwilligung ertheilt haben, ſtirbt, ſo hat man zu unter⸗ ſcheiden, ob es Vater, Mutter, Großvater oder Großmutter war. Das Abſterben des Vaters macht ſofort bei der näch⸗ - 132 ſten Erſcheinung der Partheien die Einwilligung der Mut⸗ ter, in Ermangelung der Mutter die des Großvaters, in deſ— ſen Ermangelung die der Großmutter nothwendig. Iſt dieſe (oder der Großvater) allein vorhanden, und ſtirbt während der Prozebur, ſo wird jede fernere Einwilligung unnöthig. 6) In den Art. 286 und 287 bedient ſich der Geſetzgeber der Worte: requerront, réquisition? um anzuzeigen, daß hier nicht von einer Klage die Rede iſt, woruͤber der Richter nach ſeinem Ermeſſen zu erkennen hat, ſondern von einem An⸗ trag, welchem er willfahren muß, wenn uͤbrigens die Vor⸗ ſchriften des Geſetzes befolgt worden ſind. 2) Von dieſem Augenblick an hoͤrt auch die konfidentielle Inſtruktion auf, und das gerichtliche Verfähren hebt an. Nicht die Notarien, ſondern der Gerichtsſchreiber hat daher den VerbalProzeß zu errichten, und die Aktenſtuͤcke, welche bisher in den Händen eines der erſten verblieben find, muͤſſen der Richter übergeben werden. 8) Da die Liſten der Notablen, welche die ConſtitutionsAkte vom 22 Frimgire 8, eingefuͤhrt hatte, ſeitdem abgeſchafft worden ſind, ſo iſt der Ausdruck: personnes notables im Art. 87 von ſolchen Perſonen zu verſtehn, welche als öf⸗ fentliche Beamte, als Mitglieder der WahlCollegien, oder uͤber⸗ haupt ihrer Kennmiſſe und Rechtſchaffenheit halber in einem guten Rufe ſtehn⸗ Es folgt ferner aus dem Art. 287, daß ſie nothwendig ſchreiben können muͤſſen. 9) Alle von den Art. 280— 290 vorgeſchriebene Formalitäten muͤſſen unter Strafe der Nullitat des ganzen Verfahrens Peobachtet werden. §. 107. Die Appellation von dem Urtheil, welches die 133. Eheſcheidung unzuläſſig erklärt hat, kann nur dann an⸗ genommen werden: a) wenn ſie von beiden Ehegatten, b) jedoch durch zwei verſchiedene Akte, e) fruͤheſtens in den zehn Tagen und ſpäteſtens in den zwanzig Tagen von dem Datum des Urtheils erſter Inſtanz an eingelegt und ſowohl dem andern Ehegatten als dem Kaiſerl. Prokurator zugeſtellt wird. In der Appellations Inſtanz muß in einer beſtimmten Friſt daruͤber erkannt werden. Jedes Urtheil, welches die Eheſcheidung autoriſirt, es mag in erſter oder zweiter Inſtanz ergangen ſein, wird als nicht erlaſſen angeſehen, wenn nicht in den zwanzig Tagen von ſeinem Datum an die Eheſcheidung durch den Beamten des Civilſtandes, auf Anſuchen und in Gegen⸗ wart beider Ehegatten, wirklich ausgeſprochen worden iſt. Locri, IV 417 et suiy. Proces-yerbal du. 22 frucditor 10. 1) Die AppellationsFriſt lauft nicht vom Tage der Zuſtel⸗ lung, ſondern von dem Tage des Ausſpruchs des Ur⸗ theils an; da beide Ehegatten den Prozeß verlohren haben, ſo iſt jede Zuſtellung uͤberflͤſſig. 2) Die Appellation darf nicht in den erſten zehn Tagen einge⸗ legt werden, aus dem Grunde, der die allgemeine Vexfuͤgung des Art. 4 4 4 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrg Prozeß beſtimmt hat. Man hat die gewöhnliche Appellations⸗ Friſt abgekurtzt, um der Ungewißheit uͤber den Stand der Ehegatten ein Ende zu machen, und man konnte es ohne allen Nachtheil, da beide Partheien nothwendig zur Zeis des Urtheils anweſend oder doch in der Naͤhe ſind. 294 134 3) Kann der Faiſerl. Prokurator Appellation einlegen? Ich glaube nicht, da der Art. 291 die Berufung nur dann zu⸗ läſſig erklärt, wenn ſie von den Ehegatten eingelegt worden iſt. Aus dem Art. 292 läßt ſich dieſes Recht nicht folgern; die darin vorgeſchriebene Zuſtellung muß ihm gemacht wer⸗ den, um ihn in den Stand zu ſetzen, dem folgenden Art. 203 Genuͤge zu leiſten. 4) Der Art. 293 weicht darin von dem Art. 262 ab, daß die⸗ ſer letzte nur im Allgemeinen dem Appellationshof Eile anl empfiehlt, der erſte aber eine Friſt beſtimmt, in welcher die Entſcheidung erfolgen muß. Der Grund dieſes Unteiſchiebð liegt darin, daß im erſten Falle zuweilen eine neue Inſtrüktion noͤthig ſein kann, im zweiten aber nur eine Wetifikation, welche immer in einer beſtimmten Zeitfriſt vorgenommen werden kann. Uebrigens wuͤrde das Urtheil eines Appellationshofes el⸗ ches auch nach der beſtimmten Zeitfriſt erlaſſen worden wi. re, deshalb dennoch nicht nichtig ſein, weil bas Geſetz dieſ⸗ Nullität nicht verhangt hat, und das Faktum des Richters von dem Willen der Pärtheien unabhängig it. 5) Die Partheien muͤſſen endlich beide, bis zü dem letzten Au⸗ genblicke auf ihrem Entſchluß beharten. Weigert ſich daher eine derſelben, vor dem Beamten des Ciuvilſtandes zu er⸗ ſcheinen, um die Eheſcheidung ausſprechen zu laſſen, ſo bleibt das Urtheil ohne Kraft. Ein gleiches gilt in allen Fillen, wo ſie, wenn auch wegen der Krankheit eines der Ehegat⸗ ten, die zwanzigtägige Friſt hätten verſtreichen laſſen. Es iſt aber auſſer allem Zweifel, daß der Beamte des Eivilſtandes nicht allein befugt ſondern ſogar verbunden iſt, ſich auf die Reauiſition der Partheien in die Wohnung des kranken Ehe⸗ satten zu verfügen, um daſelbſt die Scheidung auszuſprechen 135 und daß er im Weigerungsfalle fuͤr allen Schaden im Civil Wege verantwortlich ſein wuͤrde. Zweite Abtheilung- Pon den beſondern Wirkungen der Eheſcheidung mit gegen⸗ ſeitiger Einwilligung. §. 102. Keiner der Ehegatten darf eher als drei Jahre nach dem Ausſpruch der Eheſcheidung zu einer andern Ehe ſchreiten. Sind Kinder aus der aufgelößten Ehe vorhanden, ſo geht durch die Eheſcheidung das Eigenthum der Haͤlfte des Vermogens veider Ehegatten, nach dem Beſtand den es an dem Tage ihrer erſten Erklärung hatte, kraft des Geſetzes Gpso jure) auf dieſe Kinder uͤber; die Aeltern behalten jedoch den Rießbrauch dieſer Hälfte bis zur Majorität ihrer Kinder, unter der Bedingung, für ihren ſtandesmaͤſſigen Un⸗ terhalt und Erziehung zu ſorgen; alles den uͤbrigen Vor⸗ theilen ohnbeſchadet, welche den beſagten Kindern durch die EhePakten ihrer Aeltern zugeſichert ſein könnten. Locre, IV. 437, 461. Art. 745 913, 927, 922 des Eoder⸗ Nap⸗ Grenler, traité des donations et restameuts, III. o04. 1) Die Verfligungen dieſer Artikel ſind die ſtärkſte Gewaͤhrleiſtung, daß von dieſer Gattung der Eheſcheidung nur dann Gebrauch gemacht werden wird, wenn däs gemeinſchaftliche Leben den Ehegatten wirklich unerträglich geworden iſt. Beide Verfu⸗ gungen ſind als StrafVerfuͤgungen anzuſehn. Ich habe be⸗ reits S. 11 bemerkt, daß ich das Verbot des Art. 297 nur fur ein verhinderndes, nicht aber fuͤr ein vernichtendes Ehe⸗ Hinderniß halte. 2) Aus der Verfugung des Art. 305 folgt: 397 305 136 a) daß die Ehegatten vom Tage ihrer erſten Erklärung an keine Veräuſſerung mehr machen duͤrfen, weil in dem Falle, wo die Eheſcheidung wirklich ausgeſprochen wird, die Kinder von dieſem Tage an MitEigenthuͤmer gller Vermoͤgensſtucke ſind; b) daß die Kinder daher das Recht haben, ihren Antheil an ſolchen Gegenſtaͤnden, die waͤhrend dem Verfahren ver⸗ äuſſett worden ſein koͤnnten, zu vindizirenz. c) daß die Theilung in der Art geſchehen muß, welche für die Theilung von Erbſchaften vorgeſchrieben iſt, bei welchen Minderjährige betheiligt ſind, weil die Kinder nothwendig, minderjährig ſind. 3) Der Art. 305 läßt jedoch manche Streitfragen— welche ſich erheben können, wenn die Kinder aus der aufge⸗ loßten Ehe, zu deren Vortheil allein der Art. 305 verfugt, ſich in Conkurrenz mit Kindern aus einer fruͤhern oder ſpaͤtern Ehe befinden. Jede Entſcheidung derſelben muß von dem Grundſatze ausgehen, daß das Geſetz die Ehegat⸗ ten, nicht aber die Kinder beſtrafen wollte. 4) Was nunmehr die Kinder aus einer fruͤhern Ehe tetrift. ſo ſcheint es mir, als koͤnnten ſie durch die Eheſcheidung in ihren Rechten durchaus nicht geſchmälert werdene Der Artikel 745 ſichert ihnen ein gleiches Erbrecht mit den Kin⸗ dern einer ſpaͤtern Ehe zu, welches zwar allerdings durch Schenkungen oder teſtamentartſche Verfuͤgungen auf das Pflichttheil reduzirt werden kann; allein nur der aus⸗ druͤckliche und freie Wille der Aeltern kann zum Por⸗ theil eines Dritten eine ſolche Schmaͤlerung ihres geſet⸗ lichen Erbtheils treffen. Die Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung kann jedoch„wenn ſie von keiner ausdruͤckli⸗ 12* 13 chen Schenkung begleitet iſt, gewiß nicht fuͤr eine Erklärunz der geſchiedenen Ehegatten gelten, daß ſie die Kinder, die ei⸗ ner von ihnen oder beide aus einer fruͤhern Ehe haben mag, zum Vortheil der in ihrer Verbindung erzeugten auf das Pflichttheil reduziren wollen. Es fragt ſich alſo nur, ob man dem Geſetzgeber bei der Abfaſſung des Art. 305 die⸗ ſe Abſicht unterſtellen kann, und dieſe Frage muß nothwen⸗ dig verneinend beantwortet werden, wenn man erwaͤgt, daß er die Ehegatten, und nicht die Kinder ſtrafen wollte. Es folgt hieraus, meiner Meinung nach,(die auch die von Locré iſt) unwiderſprechlich, daß in dem Falle einer Conkurrenz mit Kindern einer fruͤhern Ehe die in der aufgeloßten Ehe erzeugte Kinder nur die Hälfte desjenigen Antheils eigenthuͤm⸗ lich erwerben, den ſie in der Erbſchaft ab intestato erhalten haben wurden, wenn ſie am Tage der erſten von den Ael⸗ tern abgegebenen Erklaͤrung eröfnet worden wäre; dem Rechte der Aeltern ohnbeſchadet, die Kinder der erſten Ehe durch eine ausdruͤckliche und beſondere Verfuͤgung auf das Pflichttheil zu reduziren. 5) Dies fuͤhrt uns aber zu der zweiten ungleich ſchwierigeren Frage: ob nämlich der von dem Artikel 305„begrundete Vortheil keiner Reduktion unterworfen ſein ſoll, um das Pflichttheil der Kinder einer fruͤheren oder auch ſpäteren Ehe zu ergaͤnzen? dieſe Frage kann natuͤrlich nur die Haͤlfte betreffen, welche ihnen kraft des Artikels 305 anerfallen iſt, denn was denjenigen Vermoͤgens⸗ Antheil betrift, denn ſie noch auſſerdem kraft der EhePak⸗ ten oder kraft beſonderer Liberalitäten erhalten haben konnten, ſo bleibt er ohnbezweifelt den allgemeinen Grundſätzen uͤber die Reduktion der Liberalitäten unterworfen. um ſie zu 138 beantworten, hat man nothwendig zu unterſuchen, ob der zu⸗ fätlige Vortheil, den der Art. 305 begruͤndet hat, einer Schen⸗ kung gleichgeſett werden kann oder nicht? für die letzte Mei⸗ nung läßt ſich behaupten: daß hier der Wille des Schenk⸗ gebets, der zu jeder Liberalität erforderlich iſt, fehles daß alſo jener Vortheil ein Voraus ſei, welches die Kinder dem Geſotz allein zu verdanken hätten; daß dem Coder zufolge nut die Liberalitäten der Collation unterworfen wären; daß die Art. 913, 927, 922 und 923 zu Gunſten der zu ei⸗ nem Pflichttheil Berechtigten nur die Reduktion der Liberali⸗ räten verordne, eine Verfuͤgung, die ſich auf jenen Antheil nicht erſtrecken könne, der den Kindern im Falle des Art. 305 als Entſchädigung und nicht als Erbtheil, durch das Geſeßz zugeſichert ſei; dieſe Hälfte ſei von dem Vermoͤgen der Aeltern unwiderruflich getrennt, und koͤnne bei der Ope⸗ peration, welche durch den Art. 922 vorgeſchrieben iſt, nicht in Anſchlag gebracht werden⸗ Dagegen läßt ſich einwenden? daß, wenn jener Vortheil weber der Collation noch der Reduktion unterworfen werden koͤnne, und die Kinber der durch die Eheſcheidung aufgelößten Ehe noch auſſerdem als Erben ihren Antheil in dem ruckgs laſſenen Vermoögen ihter Aeltern nehmen koͤnnten, der Antheil der Kinder einer frühern oder ſpätern Ehe unendlich geſchmalert, und in einzelnen Fällen ganz verſchlungen werden könnte. Die Aeltern koͤnnen, nach der Eheſcheidung, die andere Huͤffte ihres Vermögens ganz oder zum Theil verzehrt oder verſchleu⸗ dert haken. Nehmen wir z. B. an, doß die den Kindern kraft des Art, 305 erworbene Haͤlfte die 3 des ganzen zur Zeit des Abſterbens vorhandenen Vermogens ausmachen, ſo würben ſie vieſe 4½ voraus behalten, und noch auſſerdem 139 ihren ErbAntheil in den uͤbrigen nehmen. Haͤtten aber die Neltern auſſer jener Hälfte gar nichts zuruͤckgelaſſen, ſo wurden die Kinder der anderen Ehen auch gar nichts erhalten. Dies kann aber unmoͤglich die Abſicht des Geſetzgebers bei einer Maasregel geweſen ſein, deren einziger Zweck es iſt, die Ehegatten von der Scheidung zuruͤckzuhalten. Die Kin⸗ der der geſchiedenen Ehe bleiben durch die Verfuͤgung des Art. 305 noch immer ſehr beguͤnſtigt, wenn die Kinder der uͤbrigen Ehen dadurch auf ihr Pflichttheil reduzirt werden koͤnnen; ſicher aber hat der Geſetzgeber ſie dieſes um ſo we⸗ niger berauben wollen, als ſogar auſſereheliche Kinder des ihnen zugeſicherten Antheils durch die Verfuͤgungen ihrer Ael⸗ tern nicht ganz beraubt werden köͤnnen. Man inuß da⸗ her annehmen, daß der durch den Art. 305 begruͤndete Vor⸗ theil den allgemeinen Regeln uͤber den Pflichttheil und der Reduktion zur Ergänzung deſſelben, welche in den Art. 913, 914, 921 u. 022 enthalten ſind, unterworfen bleibt. Dies ſind die Gruͤnde der einen und der andern Mei⸗ nung. Kein Urtheil uͤber dieſe Frage iſt uns noch bekannt. 6) Der Art. 305 ſchließt mit den Worten:„alles den ubri⸗ „gen Vortheilen ohnbeſchadet, welche den beſagten „Kindern durch die EhePakten ihrer Aeltern zugeſichert ſein „koͤnnen“ Dieſe Verfuͤgung beſchraͤnkt ſich jedoch, durch den Titel 11 des dritten Buchs des Coder, von ſelbſt: a) auf die Vortheile, welche in dem Codex vorherigen EheKontrakten zu Gunſten der in der Ehe zu erzielen⸗ den Kinder begruͤndet ſind; b) auf die Schenkungen, welche die Aeltern ſeit der Ver⸗ kuͤndigung des Codex zu Gunſten ihrer vor der Ehe ge⸗ bohrnen und durch dieſe legitimirten Kinder gemacht T40 haben können, weil, wie wir in der Folge zeigen werden, keine Schenkungen zu Gunſten der in der Ehen zu erzielenden Kinder mehr gemacht werden koͤnnen. 7) Sollten ſich über den Vollzug der Convention der Ehe⸗ gatten uͤber die Regulirung ihrer gegenſeitigen Anſpruͤche und uber die Erhaltung und Erziehung der Kinder in der Folge Schwierigkeiten erheben, ſo hat das Tribunal, vorbe⸗ haltlich der Appellation, daruͤber zu erkennen, wobei jedoch der Grundſatz nicht aus dem Auge gelaſſen werden darf, daß jene Convention das Geſetz der Partheyen iſt. Vierter Ab ſchnitt. Von den Klagen auf Nullität der Eheſcheidung. H. 103. Eine Klage auf Rullität einer Ebeſcheidung findet nur in einem der drei folgenden Fälle ſtatt: *) wenn ſie durch einen inkompetenten Beamten des Civilſtandes ausgeſprochen worden iſt; b) wenn ſie nach Ablauf der geſetzlichen Friſten ausge⸗ ſprochen worden iſt; e) wenn ſie, falls die Eheſcheidung auf den einſeitigen Antrag eines der Ehegatten autoriſirt worden ſt, auſ⸗ ſer der perſoͤnlichen Gegenwart dis Klägers, und falls ſie mit gegenſeitiger Einwilligung verlangt wor⸗ den iſt, in Abweſenheit eines der Ehegatten, aus⸗ geſprochen worden iſt. Gütachten des Staatsraths vom 18 Prairial 12. Trauſitoriſches Seſetz vom 2 Germinal 11.(Siehe mein Jvurnal, Jahrg. 1. B. 3. S. 36, Band 4, St 15) Annaſen der Geſetzgebung Na⸗ pvoleons, Th. II. 74. 1) Die Nullitäten, welche ſch in dem Urtheil, welches die 141 Eheſcheidung zugelaſſen hat, befinden moͤgen, koͤnnen keine Klage auf Nullität der Eheſcheidung begruͤnden, weil das Urtheil vor dem wirklichen Ausſpruch derſelben in Rechts⸗ kraft erwachſen ſein muß, und ſomit jene Mullitaͤten geheilt ſind. 2) Der einzig kompetente Beamte des Civilſtandes iſt der, in deſſen Mairie die Ehegatten zur Zeit der Einfuͤhrung der Klage ihren Wohnſitz hatten, und zwar ohne Ruͤck⸗ ſicht auf eine ſeitdem eingetretene Veraͤnderung des Wohn⸗ ſitzes.(Annalen a. a. O.) 3) Da das urtheil durch den bloſſen Ablauf der zum Aus⸗ ſpruch der Scheidung beſtimmiten Friſten kraft des Geſe⸗ tzes in Nichts zerfallt, ſo wuͤrde eine ſpaͤterhin ausgeſproche⸗ ne Eheſcheidung auf keinem Urtheil beruhen, alſo durchaus nichtig ſei. 4) Die perſoͤnliche Gegenwart der Ehegatten kann, da das Geſetz ſie ausdruͤcklich vorſchreibt, und alle ſeine Vorſchriften in dieſer Materie unter Strafe der Nullitaͤt befolgt werden muͤſſen, durch keine Vollmacht erſetzt werden; allein wir haben bereits bemerkt, daß der Beamte des Civilſtandes ſich im Falle einer Krankheit in die Behaußung der Ehegatten verfuͤgen kann. 5) Wer kann auf Nullität einer Eheſcheidung klagen? da dem oͤffentlichen Miniſterium dieſes Recht nicht ausdrucklich er⸗ theilt iſt, und es ohne eine beſondere geſetzliche Ausnahme nicht als Parthie, ſondern nur in bereits anhaͤngigen Pro⸗ zeſſen im Requiſitions Wege, aufzutreten befugt iſt, ſo glaube ich nicht, daß es daſſelbe in Anſpruch nehmen kann. Was die Ehegatten ſelbſt betrifft, ſo glaube ich, daß ſie im Falle einer Scheidung mit gegenſeitiger Einwilligung gleichfalls un⸗ 142 zuläſſig ſein wuͤrden, auf Nullität zu klagen, weil der Feh⸗ ler, der dieſe Mullität begruͤndet, nothwendig beiden gemein⸗ ſchaftlich ſein wuͤrde. Im Falle der Scheidung auf den einſeitigen Antrag eines der Ehegatten halte ich nur denje⸗ nigen der Ehegatten, gegen welchen die Scheidung erkannt wor⸗ den iſt, und ſeine Erben, zur NullitätsKlage berechtigt. Daſ⸗ ſelbe Recht ſteht ohne Zweifel nach dem Tode der Ehegatten den von denſelben(Siehe h. 88. No. 8. S. 41.) nach der Schei⸗ dung erzeugten Kindern zu. Auch iſt es angenommen, daß derjenige der Ehegatten, der in dem andern den Stand als geſchiedener Ehegatte anerkannt hat, nachher nicht mehr auf Rullitaͤt der Scheidung klagen kann, daß aber der Tod eines der Ehegatten eine ſolche Klage nicht unzulaͤſſig macht. 6) Da dem tranfitoriſchen Geſetz vom 2 Germinal 1x zufolge alle dem Codex vorherige Eheſcheidungen ihre Wirkungen nach der Geſetzgebung, unter welcher ſie ausgeſprochen wor⸗ den, hervorbringen, ſo haben(Siehe§. 90. Nro. 6. S. 67.) die Gerichte uͤber die Klagen auf NRullitat derſelben zu erkennen, ſie mögen ſich nun auf einen Fehler in der Form des Aktes, oder auch auf die Behauptung gruͤnden, daß der Grund, worauf die Eheſcheidung erkannt worden, falſch ſei. Dieſe Befugniß erleidet jedoch eine Beſchraͤnkung durch das Gutachten des Staatsraths vom 18 Prairial 12(mein Journ. a. a. O.) nach welchem alle zuruͤckgekehrte Emigranten und Abweſende unzulaͤſſig ſind, die in ihrer Abweſenheit aus⸗ geſprochene Eheſcheidungen anzufechten, ſobald ein in der Form guͤltiger Akt der Eheſcheidung vorliegt. Dieſe Verfuͤ⸗ gung, deren Zweck es war, eine Menge von Prozeſſen, welche viele Familien beunruhigt und alle Verhuͤltniſſe ver⸗ wirrt haben wuͤrden, in der Geburt zu erſticken, iſt von 143 dem Caſſationshof durch viele Urtheile ſeitdem ſtrenge gehand⸗ habt worden. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Trennung von Tiſch und Bett, 5. 104. Die Trennung von Tiſch und Bett iſt die Suspenſion der hauptſächlichſten Wirkung der Ehe, naͤmlich des gemein⸗ ſchaftlichen Lebens der Ehegatten; ſie macht der Gemein⸗ ſchaft der Güter, wenn eine ſolche unter ihnen beſtand, ein Ende. Sie findet in allen Fällen ſtatt, worin die Eheſcheidung auf den einſeitigen Antrag eines der Ehegatten erkannt wer⸗ den kann, allein die gegenſeitige Einwilligung der Ehe⸗ gatten kann nie die Stelle des Beweißes der urſache der Trennung erſetzen. Das Geſitzbuch über das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß hat das Verfahren auf Trennung von Tiſch und Bett vorgeſchrieben. Loré, IV, 462. Proces-verbaux des 14 et 24 vendémiaire, et 4 brumaire 10. Pandectes frangatses, IV, 149, 151. Art. 37 bis 330 des Geſetzbuchs üͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß. Annalen der Geſetzg. Napoleons I, 206. Répertoire universel, verbo: sparation du zorps. PFochier, traité du contrat de mar. No. 522. Z/odeau sur Lolec, litt. C. No. 39, litt. D. No. 36. Nouseaud de la eomnmunautẽ, No. 2 et auiv. Ma- Sead, arréts notables, tom. I,§. 69. Dafacl, arréts et regl. do parl de Bretagne, liv. I. ehap, 144. Oeuvr. de dAguesgeau, tome III. Kolbseau, verbo geparaion. Journal du Palais, 1808, I. 203. Collect. d'arréts, au 1805, p. 158. Jurisprudence do C. N. 1807, I. 470. 1808, II. 326, 332. 1) Nachdem die Frage, ob die Eheſcheidung beibehalten 307 144 werden ſolle, entſchieden war, hatte man ſich nut noch mit der zu beſchaͤftigen, ob zugleich mit derſelben auch die Trennung von Tiſch und Bett wieder einzufuhren ſei. Dieſe Inſtitution hat offenbar den politiſchen Nachtheil, daß das Band der Ehe fortdauert, während der Zweck der Verbindung wegfällt. Weniger bedeutend iſt der Einwurf, der dagegen gemacht ward, daß ſie die Schande des Man⸗ nes verewige, indem die ſelbſt wegen Ehebruch von Tiſch und Bett getrennte Frau fortfahre, ſeinen Namen zu fuͤh⸗ ren, und die Schande ihres ſchlechten Lebenswandels daher auf ihn zurckfalle. Ohngeachtet die Zuchthausſtrafe, womit das neue Geſetzbuch den Ehebruch der Frau beſtraft, wohl ſchwerlich die ehedem uͤbliche Einſperrung ehebrecheriſcher Weiber in ein Kloſter erſetzen wird, ſo konnte dieſer Nachtheil doch kein Grund werden, die Trennung zu unter⸗ ſagen, weil er nicht die Geſellſchaft, ſondern nur den ein⸗ zelnen betrifft, der nach dem Grundſatz: volenti non kit injuria, kein Recht zu klagen hat, ſobald er ſtatt dem Mit⸗ tel der Eheſcheidung, welches das Geſetz ihm darbot, frei⸗ willig ſeine Klage auf die Trennung von Tiſch und Bett veſchränkt hat. Aus dem nämlichen Grunde kann er ſich uber den Cölibat nicht beſchweren, den er ſich ſelbſt aufer⸗ legt; für das Intereſſe des Beklagten aber, der die Wahl der Klage nicht hat, iſt durch den Art. 310 geſorgt. Man ſtritt lange uͤber die gegenſeitige Vortheile der Ehe⸗ ſcheidung und der Trennung von Tiſch und Bett. Die Möglichkeit der Wiedervereinigung iſt nur ein ſchwacher Grund fur die letzte, wie es in der Diskuſſion der Frage: ob die Wiedervereinigung geſchiedener Ehegatten zu er⸗ lauben ſei, anſchaulich dargeſtellt ward. Fur die Kinder 145 durfte allerdings die Trennung in vielen Fällen vortheilhafter als die Scheidung ſein, weil wiederwerheurathete Aeltert meiſtens in der Sorgfalt fuͤr die Kinder einer fruhern Ehe nachlaſſen; ſicher aber iſt in Hinſicht auf die Ehegatten die Trennung ein unnaturlicherer Zuſtand als die Eheſcheidung. Auch ſcheinen die Gruͤnde, welche man angefuͤhrt hat, um zu beweiſen, daß der Grundſatz der Gewiſſensfreiheit, der fur die Beibehaltung der Eheſcheidung beſtimmt hatte, auch die Wiedereinfuͤhrung der Trennung von Tiſch und Bett er⸗ fordere, nicht uͤber jeden Einwurf erhaben. Die Kommiſ⸗ ſion war der Meinung, daß wenn das Civil Geſetz nur das einzige Mittel der Eheſcheidung darbieten wuͤrde, der Ka⸗ tholik ohnbedenklich davon Gebrauch machen könne, um den CivilKontrakt aufzuloſen; ſeinem Glauben an die Unaufloͤß⸗ barkeit des Sakramentes geſchehe dadurch kein Eintrag, und ſein Gewiſſen ſei beruhigt, wenn er, dieſem Glauben getreu, ſich nicht wieder verheurathen wuͤrde. Man hat zwar dagegen eingewendet, daß er, wenn er ſeinen Prinzi⸗ pien konſequent handeln wolle, dennoch keinen Gebrauch von dem Mittel der Eheſcheidung machen duͤrfe, um nicht ſeinem Mitgatten eine, ſeinem Glauben zufolge, unerlaubte Freiheit zuzuwenden; allein indirekt iſt dies jetzt auch der Fall, indem dadurch, daß er die Trennung von Tiſch und Bett nachſucht, ſein Mitgatte(die Ehebrecherin ausgenommen) die Be⸗ fugniß erhaͤlt, dieſe Trennung in eine Scheidung verwandeln zu laſſen. Indeſſen war die Freiheit der Gewiſſen doch der Grund, welcher den Staatsrath zur bejahenden Antwort beſtimmte. 2) Die Eheſcheidung von Tiſch und Bett kann nur wegen der ſelben Urſachen ausgeſprochen werden, welche auch zur Ehe⸗ . Th. 10 146 ſcheidung berechtigen. Wie mogen demnach die Verfaſſer ber Pandectes frangaises behaupten, daß der Richter ein ande⸗ res Maas und Gewicht fur Klagen auf Eheſcheidung und fuͤr Klagen auf Trennung haben muͤſſe, und daß Beleidigungen, unzulänglich die erſte zu erwirken, hinlaͤnglich ſeien, um die zweite zu erkennen. Ueberhaupt halten dieſe Rechtsgelehrten ſich allzuſehr an den Prinzipien der vorigen Jurisprudenz, welche in dieſer Materie durchaus ihren Einfluß verlohren haben. 3) Der Beklagte in einem Eheſcheidungs Prozeß kann dieſer Klage einen beiläufigen Antrag auf Trennung von Tiſch und Bett entgegenſetzen,(Urtheil des Appellationshofes von Metz vom 7 May 1807. J. d. C. N. 1807 I. 470.) eben ſo wie er auch, wenn er eine geſetzliche Urſache hat, auf die Eheſcheidung inzidentweiſe antragen kann. Auch kann der Klaͤ⸗ ger von ſeiner EheſcheidungsKlage abſtehen, um auf die Tren⸗ nung zu klagen und umgekehrt. Aber der Kläger kann nicht eine ScheidungsKlage in eine TrennungsKlage verwandeln, weil fuͤr jede dieſer Klagen ein beſonderes Verfahren vorgeſchrieben iſt, ſondern er muß, um dieſen Zweck zu erreichen, von der Scheidungs Klage ganz abſtehen und das Verfahren auf Trennung von vorn anfangen⸗(Urtheil des Appellhofes von Rismes vom 8 Julius 1807. Qourn. du Pal. 1808. I. 208.) 4) Ohngeachtet ſchon ehedem freiwillige Scheidungen durchaus nichtig waren,(Siehe S. 17) ein Grundſatz, von wel⸗ chem man jedoch fur Perſonen von hohem Rang Ausnohmen zuließ, ſo ward doch die, dieſer Jurisprudenz entſprechende, Verfugung des Art. 307 aus dem Grunde heftig angefoch⸗ ten, weil ſie den Katholiken, welchen ihr Glaube ſchon die 147 Scheidung verbietet, auch noch ein Mittel zur Trennung zu gelangen entzoͤge, welches den Anhaͤngern anderer Religionen bewilligt iſt, und ſie daher allein in die peinliche Lage verſetze, in Hinſicht auf welche der Ausweg der Scheidung mit ge⸗ genſeitiger Einwilligung genehmigt worden war. Allein man erwiederte mit Erfolg: nur aus religiöſen Grundſätzen kön⸗ ne jemand die bloße Trennung der wirklichen Scheidung vorziehen; dieſelbe Dogmen aber, welche die Scheidung ver⸗ bieten, lieſſen auch die gegenſeitige Einwilligung nicht als eine Urſache der Trennung gelten; da man uͤbrigens eine Trennung, die die Wiedervereinigung nicht ausſchließt, den harten Bedingungen der Scheidung mit gegenſeitiger Ein⸗ willigung nicht unterwerfen könne„ſo wuͤrden ſolche Tren⸗ nungen allzuhäufig und nur altzuoft zum Betrug der Glaäu⸗ biger ſtatt haben. Zwei Folgen gehn aus dieſem Verbot hervor: 1) daß im Falle des Ausbleibens des Beklagten das öf⸗ fentliche Miniſterium der geſetzliche Kontradiktor des Klägers wird; 2) daß, falls der Beklagte erſcheint, die Richter ſich nicht immer, wie bei einer andern CivilKlage, mit ſeinem bloßen Geſtaͤndniſſe begnuͤgen muͤſſen, ſondern, wenn die Umſtaͤnde vermuthen laſſen, daß es vielleicht mit dem Klaͤger verabredet ſei, von dieſem weitere Beweiße zu fordern verbunden ſind. 5) Die Art. 875— 880 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß reguliren das Verfahren im Tren⸗ nungs Prozeß. Wir bemerken in dieſer Hinſicht folgendes: * 1483 „) der Art. 878 handelt von der Einleitung der Klage auf Trennung, zu welcher die Frau der Ermaͤchtigung des Richters bedarf, wahrend ſie zu einer Klage auf Schei⸗ dung nicht erforderlich iſt; ein unterſchied der auf dem Zweck beider Klagen beruht, denn da ſelbſt eine ausge⸗ ſprochene Trennung die eheliche Gewalt und die Unfaͤhig⸗ keit der Frau, ohne ſpezielle Ermaͤchtigung vor Gericht aufzutreten, noch beſtehen läßt, ſo iſt es natürlich, daß auch dieſer, gegen den Mann gerichteten, Klage eine ſpe⸗ zielle Ermäͤchtigung vorhergehe. v) Die Artikel 875—878 handeln von dem vorläufigen Ver⸗ ſuch zum Vergleich, der, wie bei EheſcheidungsKlagen, nicht vor der gewoͤhnlichen VergleichsKammer, ſondern vor dem Präſidenten des Tribunals, ſtatt finden muß. c) Der Art. 878 regulirt die reſpektive Kompetenz des Praͤ⸗ ſidenten und des Tribunals, in Hinſicht auf die vorläu⸗ ſige Beſtimmungen, zu welchen eine Klage auf Trennung, ſo wie eine ScheidungsKlage, ſtatt geben kann. Er ent⸗ ſpricht daher dem Art. 268 des Coder Napoleon, ausge⸗ nommen, daß in dem Falle einer Klage auf Scheidung das Tribunal, in dem Falle einer Klage auf Trennung aber der Praͤſident das Haus zu beſtimmen hat, worin die Frau ſich wahrend dem Prozeſſe aufhalten muß. d) Dem Art. 879 zufolge darf das urtheil nur nach ange⸗ hortem Antrag des offentlichen Miniſteriums erlaſſen werden. e) Endlich gehoren Trennungsklagen unter die, in Hinſicht auf welche das Tribunal von der ihm vom Art. 87 er⸗ theilten Befugniß Gebrauch machen, und deren Verhand⸗ lung— bis zum urtheil, das nothwendig öffentlich erlaſſen werden muß— bei verſchloſſenen Thuͤren verordnen kann⸗ 149 6) Völlig unhaltbar, und dem Buchſtaben und Geiſte des Ge⸗ ſetzes gleich zuwider, iſt offenbar die Meinung der Verfaſſer der Pandectes Krangaises(Th. IV S. 154), als ob der Klaͤger die Thatſachen, worauf er ſeine Klage ſtuͤtzt, in einer vor einem Polizeiſommiſſar oder Sicherheits Beamten auf⸗, geſetzten Klagſchrift artikuliren, und dieſe Klagſchrift ſodann dem Tribunal uͤberreichen koͤnne, und zwar aus dem einzigen Grunde, weil dieſe Beamte an die Stelle der alten Kommiſſarien des Chatelets gekommen waͤren. 7) Da die Trennung von Tiſch und Bett die Ehe nicht in allen ſondern nur in einigen Wirkungen ſuspendirt, ſo blei⸗ ben alle Obliegenheiten der Ehegatten, welche keine Folgen ihres gemeinſchaftlichen Lebens ſind, feſt beſtehen. Die Ehegatten ſind ſich gegenſeitig Alimentation ſchuldig; die Frau iſt ihrem Manne ſogar Gehorſam ſchuldig, in ſoweit er zwiſchen Perſonen ſtatt finden kann, welche nicht zuſammen wohnen; die Frau iſt nur zu VerwaltungsAkten befugt, und bedarf, um zu kontrahiren oder vor Gericht aufzutre⸗ ten, der Ermächtigung ihres Mannes oder des Richters, und wenn der Mann ihr auch ihren Wohnort nicht vorſchrei⸗ ben kann, ſo iſt es doch keinem Zweifel unterworfen, daß im Falle eines ausſchweifenden Betragens die Gerichte befugt ſind, auf das Anſtehen des Mannes ihr einen Ort zum Aufenthalt anzuweißen. 8) Man hat die Trennung von Tiſch und Bett wohl von der der Guter zu unterſcheiden, von welcher in dem Tit. V des dritten Buchs die Rede iſt, und welche den Ehegatten, der ſie erwirkt hat, von der Pflicht, bei ſeinem Mitgatten zu woh⸗ nen, nicht befreit. Allein, da die Trennung der Guͤter, welche eine der Folgen der Trennung von Tiſch und 150 Bett iſt, denſelben Regeln wie die bloße Trennung der Gü⸗ ter unterworfen iſt, ſo verſparen wir bis dahin, wo von dieſer im Allgemeinen die Rede ſein wird, die Exrörterung mehrerer Fragen, die darauf Bezug haben. 9) Die Verfuͤgung des Art. 267 des Coder iſt auch in einer TrennungsKlage anwendbar, weil in Hinſicht auf die Auflö⸗ ßung der Gemeinſchaft die Trennung von Tiſch und Bett dieſelbe Wirkungen wie die Eheſcheidung hat. urtheil des Appellhofes von Bruͤſſel vom 8 Merz 1807.(Collect d'ar- rẽts et de Jug 1808, 158.) Ein gleiches gilt von der Verfugung des Art. 268.(ibid.) in Betreff der alimentariſchen Penſion⸗ die jedoch nicht der Präſident allein, ſondern das Tribunal zu beſtimmen hat. 10) Das Vorgeben einer erfolgten Auſſohnung iſt in der Klage. auf Trennung ſo wie in der EheſcheidungsKlage ein guͤltiges Mittel, den klagenden Theil in Fortſetzung ſeiner Klage un⸗ zulaͤſſig erklaͤren zu laſſen. Urtheil des Appellhofes von Trier vom 8 Jänner 1808.(Annalen 1. 206.) uUeber einen merkwuͤrdigen Fall, wo die während dem Prozeß eingetrete⸗ ne Schwangerſchaft der Frau nicht als hinlaͤnglicher Beweiß der Auſſöhnung befunden ward, weil der Mann ſie mit Ge walt in die gemeinſchaftliche Wohnung zuruͤckgefuͤhrt hatte, hat man ein Urtheil des Appellhofes von Nismes vom 25 Februar 1808. C. d. C. N. 1808, II. 346.) 4¹) Zwiſchen dem Art. 875 des Geſ. uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß und dem Art. 236 des Coder Napoleon iſt der weſentliche Unterſchied, daß dem letzten zufolge die in dem ScheidungsProzeß zu ubergebende Klagſchrift die That⸗ ſachen umſtänd lich anfuͤhren muß, ſtatt daß die Bitt⸗ ſchrift, welche in der TrennungsKlage eingereicht werden 157 muß, ſie nur ſummariſch anfuͤhren ſoll. Aus dieſer urſache, und weil dem Art. 306 zufolge in den Trennungs⸗ Klagen die Regeln der gewohnlichen Prozedur in allen Faͤllen beobachtet werden muͤſſen, füer welche der Titel 9 des? Buchs des zweiten Theils des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im burgerlichen Prozeß keine beſondere Vorſchriften enthalt, läßt man auch Nachtraͤge zu dieſer Bittſchrift während dem Lauf des Prozeſſes zu. Urtheil des Appellhofes von Beſancon vom 9 April 1808.(J. d. E. N 18o8. 11 3327) 12) Kann die Frau unzuläſſig erklärt werden, ihre Klage fort⸗ zuſetzen, wenn ſie waͤhrend des Prozeſſes die ihr angewieſene Wohnung verlaſſen hat, ſo wie es in der Eheſcheidungs Kla⸗ ge geſchehen kann? Dieſe Frage haben die Appellhoͤfe von Trier(durch ein Urtheil vom 8 Jänner 1808. Annalen I. S. 208.) und von Bruͤſſel(durch ein Urtheil vom 16 Julius 1807, Collect. dꝰarréis, 1808, p. 253.) verneinend entſchieden, weil der Art. 269 nur auf EheſcheidungsKlagen anwendbar iſt, und der Art. 878 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerl. Prozeß nicht wie der angefuͤhrte Art. 269 die Verluſtigung des Klagrechts auf die Verlaſſung der angewieſenen Wohnung ſetzt. 13) Auch die Verfuͤgung des Art. 302 iſt in dem Falle einer TrennungsKlage nicht anwendbar. Da die Scheidung das Band der Ehe auflößt, ſo kann der Mann die väterliche Gewalt, welche ihm nur als Haupt der ehelichen Geſellſchaft vorzugsweiſe vor der Mutter zuſteht, nicht mehr ausſchließ⸗ lich in Anſpruch nehmen, und das Geſetz uͤberträgt ſie daher demjenigen Ehegatten, den es fuͤr den wuͤrdigſten halten muß. Im Falle der Trennung von Tiſch und Bett dauert die Ehe fort; und der Art. 373, nach welchem die väterliche 152 Gewalt, ſo lange die Ehe beſteht, durch den Vater ausgeuͤbt wird, muß daher vollzogen werden. Dieſe Anſicht wird durch ein Urtheil des Appellhofes von Paris vom r2ten Julius 1808 Qournal du Palais 1808, II. p. 295) unterſtuͤtzt. Doch iſt kein Zweifel, daß die Tribunalien das Recht haben, zum Beſten der Kinder, die Ausübung der voterlichen Gewalt durch den Vater zu beſchränken, oder ſie ihm ganz zu entziehen, wenn er durch ſein Betragen ſich deren unwuͤrdig macht. Aber zu einem ſolchen Entſchluſſe werden wichtige Beweggruͤnde erfordert. 14) Finden die Art. 290 und 300 im Falle der Trennung von Tiſch und Bett ihre Anwendung?(Ich bemerke bei dieſer Gelegenheit, daß im erſten Theile S. 08. No. 4. der Art. 299 nur durch ein Verſehen des Setzers an die Stelle des Art. 302 geſetzt worden iſt.. Dieſe wichtige Frage hat der Appellhof von Rennes durch ein Urtheil vom 2r Maͤrz 1808 hejahend entſchieden, welche Entſcheidung auch der Art. 955 unterſtutzt. Ueberhaupt haͤngt dieſe Frage mit der⸗ jenigen innig zuſammen, welche wir§. 97. No. 2. S. 107 erörtert haben. 15) Ein Urtheil des Appellhofes von Angers vom 18 Julius 1808(Journal du Palais 18o9, l. p. 96) hat entſchieden: 1) daß, falls das Tribunal zum Beſten der Kinder verordnet hat, daß ſie während dem Prozeſſe einem Dritten zur Pflege und Aufſicht anvertraut werden ſollen, der Mann nicht das Recht hat, ſie eigenmächtig wieder zu ſich zu nehmen; 2) daß der Mann auch im Falle einer Klage auf Trennung verurtheilt werden kann, ſeiner Frau während dem Prozeſſe eine alimentariſche Penſion zu zahlen. Siehe No. 9 hieroben. 16) Da die Trennung die Ehe fortan beſtehen läßt, ſo dauert 153 auch die Obliegenheit der Ehegatten, ſich gegenſeitig zu un⸗ terſtutzen, nach derſelben fort.(Siehe Nro. 7 hieroben.) Den Tribunalien bleibt es uͤberlaſſen, im Vechaͤltniſſe des Beduͤrf⸗ niſſes des einen und des Vermoͤgens des andern, den Betrag dieſer Unterſtutzung zu beſtimmen, wobei die Vorſchriften, welche fuͤr den Fall der Trennung der Güter erlaſſen ſind, einigermaßen zur Richtſchnur dienen koͤnnen. §. 105. Die freiwillige Wiedervereinigung der Ehegatten macht nicht allein der Trennung von Tiſch und Bett, und allen ihren Wirkungen ein Ende, ſondern die Verurtheilung der Frau zu einer ZuchtPolizei Strafe wegen Ehebruch verliert ſogar gleichfalls ihre Wirkung. Findet aber keine Verſoͤhnung ſtatt, und die Trennung hat drei Jahre gedauert, ſo hat, den Fall jedoch ausgenommen, wo ſie wegen dem Ehebruch der Frau erkannt worden iſt, d y Beklagte das Recht, ſie in eine Eheſcheidung verwandeln zulaſſen, falls der Kläger nicht einwilligt, ihr auf der Stelle ein Ende zu machen. Locre. IV 484. Proces-verbaux des 16, 24 et 26 vendémiaire 10. Maleuille, I. 307. Jurisprudence du C, N. 1g08, I, 307. 2) Iſt in dem Falle, wo die Gemeinſchaft der Guͤter durch eine Trennung von Tiſch und Bett aufgelößt worden iſt, eben ſo wie im Falle einer bloßen Trennung der Guͤter, ein Notariats Akt nöthig, um nach der Wiedervereinigung der Ehegatten die Gemeinſchaft wieder herzuſtellen? Die Allgemein⸗ heit der Abfaſſung des Art. 1451 läßt mir keinen Zweifel ubrig, daß dieſe Frage gegen die vorige Jurisprudenz, und gegen die Meinung des Herrnv. Maleville, bejahend entſchieden werden muß. 2) Selbſt nach einer erſten Trennung von Tiſch und Bett und 308 309 154 der darauf erfolgten Ausſohnung und Wiedervereinigung der Ehegatten bleibt eine zweite Klage auf Trennung wegen neuen Urſachen zuläſſig. Dieſer ſehr ſeltne Fall ward im Jahre 4808 zur Entſcheidung des Appellhofes von Paris gehracht, und die Einrede der Unzuläſſigkeit gegen die zweite Klage durch ein Urtheil vom 16 April beſeitigt.(Jurisp. du C. N 1208, 1. 307.) Wenn die ZuchtPolizeiſtrafe we⸗ gen Ehebruch in einem ScheidungsProzeſſe ausgeſprochen worden iſt, ſo kann der Mann durch ſeine Verzeihung die Wir⸗ kung dieſer Verurtheilung nicht hemmen; anderſt iſt es im Falle der Trennung, wo das Band der Ehe fortbeſteht; auch entſpricht die Befugniß, welche der Art. 309 dem Manne ertheilt, der vorigen Jurisprubenz.(Siehe S. 13.) 3) Muß die Appellation von dem Urtheil, welches(auf Antrag des öffentlichen Miniſteriums) dieſe Strafe gegen die Ehe⸗ brecherin verhaͤngt hat, als von einem ZuchtPolizeiGericht erlaſſen vor dasjenige ZuchtPolizei Gericht, welches die Ap⸗ pellations Inſtanz des erſten ausmacht,(Art. 207 u. 202 des Geſetzb. uber das Verfahren im peinlichen Prozeß.) oder vor den Appellhof gebracht werden? Ich glaube, daß ſie nur vor dem letztern anhängig gemacht werden kann, weil dieſe Ver⸗ urtheilung in dem Falle des Art. 308 ſowohl als des Art. 298 immter acceſſoriſch iſt, und nur durch das Urtheil uber die Scheidungs⸗ oder TrennungsKlage verhängt werden kann, und die Berufung von dieſem Theil des Urtheils daher um ſo weniger insbeſondere und vor einer andern Juſtiz⸗ Behoͤrde anhaͤngig gemacht werden kann, als dem offentlichen Miniſterium ausdrücklich die Befugniß unterſagt iſt, auſſer dem Fall einer ſolchen CivilKlage eine Frau wegen Ehebruch vor dem ZuchtPolizeiGericht zu verfolgen. Da die Verfol' gung der Verurtheilung nur beilaͤufig ſtatt finden kann, ſo muß auch die Appellation von derſelben der Appellation uͤber die Klage ſelbſt untergeordnet ſein. 4) Die 5. 97, No. 3, 6, 9, 10, entwickelte Grundſätze ſind auch auf eine Klage auf Trennung wegen Ehebruch anwendbar. 5) Die Verfuͤgung des Art. 310 iſt eine Folge des Grund⸗ ſatzes der Religions Freiheit, weil es ſonſt von dem Kläger abgehangen haͤtte, den Beklagten durch die Wahl ſeiner Kla⸗ ge der Befugniß, ſich wieder zu verehelichen, zu berauben. Man glaubte dieſe Gunſt nicht auf die Ehebrecherin aus⸗ dehnen zu muͤſſen, welche ſich deren unwuͤrdig gemacht hat. Auch kann erſt nach einer dreijährigen Trennung davon Ge⸗ brauch gemacht werden, wenn die Leidenſchaft abgekuͤhlt und das Andenken an die erlittene Beleidigungen geſchwächt iſt, und daher eher zu hoffen ſteht, daß der Ehegatte, der aus religiöſen Grundſaͤtzen die Trennung der Scheidung vor⸗ gezogen hat, in eine Wiedervereinigung einwilligen werde. Der Klaͤger kann in keinem Falle auf dieſelbe Gunſt Anſpruch machen, weil er nicht allein die Wahl der Klage, ſondern auch bis zu dem Endüurtheil die Befugniß hatte, von ſeiner TrennungsKlage abzuſtehn, und auf die Schei⸗ dung anzutragen. 6) Die Glieder der Kaiſerlichen Familie koͤnnen auf die Tren⸗ nung von Tiſch und Bett antragen, welche durch die bloſſe Autoriſation des Kaiſers bewerkſtelligt wird. Ueber deren Wirkungen ſiehe S. 30. Dritter Titel⸗ Von der väterlichen Gewalt. Rdmiſches Recht: Inst. de patr. potest. G. 90 quib. mod. jus patr. potest. solv.(1. 120) fl. de his qui sui vel alieni jur. sunt. (1. 6.) de patr. potest(3. 470 Fragm. Ulp. tit. 5. Novell. 81. Aeltere franzöſiſche Geſetzgebung: Dieſelbe Titel in den Provinzen des römiſchen Rechts. Ueber die Verfuͤgungen der Gewohnheits Rechte, welche die roͤmiſche väterliche Gewalt faſt allgemein verwarfen, ſiehe: Pothier traité de la garde-noble ot de la garde- bourgeoise, Repertoire unwerte!, verbo; puis- Sance palernele, und das Geſetz vom 24 Auguſt 1790. Hiſtoriſche Ueberſicht der vorigen Geſetzgebung und Juris⸗ prudenz in Hinſicht auf die väterliche Gewalt. Die romiſche väterliche Gewalt war mit der romiſchen Geſetzgebung nach Gallien verpflanzt worden, und ſcheint ſich felbſt bis zu Ende des fuͤnfzehnten Jahrhunderts in ganz Frankreich erhalten zu haben. Wenigſtens iſt aus dem Gloſſarinm des franzdſiſchen Rechts. T, F. 378 erſichtlich, daß noch unter den Koͤnigen der zweiten Dynaſtie die Vaͤ⸗ ter das Recht hatten, zur Beſtreitung ihrer. Beduͤpfniſſe ihre Kinder zu verkaufen. Als die Kdnigin Johanna von EChampagne⸗ Gemahlin Philipps des Schdnen, im Jahr 1304 ihr Teſtament errichtere, und daſſelbe durch ihren älteſten Sohn, der damals 14 volle Jahre alt war, beſtätigen laſſen wollte, ſo bedurfte er dazu der Autoriſation ſeines Vaters,(Puuno]⸗ hist. gymn. Nuvarr. p. 12, dit. de 1677.) als Philipp von Valois ſeinem Sohne das Herzogthum der Normandie und die Graſſchaften von Anjou und Maine öbergab, emanzipirte er ihn vorher Lam 13 Februar 1337, An Tillet, rocueil des rois de France p. 297 édit. de 1603,5 ei 157 2* Freiches that der Konig Johann, als er ſeinem Sohn Philtpp das Herzogthum und die Graſſchaft Burgund ſchenkte(am bten September 1363, Gollut, histoire de la Franche-Comté, liv. 8, chap. 27.) Endlich enthalten die Entſcheidungen von JFean des Mares, der unter Karl VI gelebt haben ſoll, foͤrmliche Beweiße, daß die Grundſätze des römiſchen Rechtes in Hinſicht auf die väterliche Gewalt zu ſeiner Zeit noch die Oberhand erhalten hatten. Allein ſpäterhin finden wir es eben fo allsemein angenommen, qu'en payꝛ coutumiers droit de puissance paternelle n'a lieu.(Loisel, règles coutumières, lw. 1. tit. 2, art. 37. Dumoulin, sur la coutume de Paris, F. 25, no. 13.). Der Art. a2x der goutinne von Senlis ſpricht ſogar dieſen Grundſatz woͤrtlich aus, In den Provinzen des geſchriebenen Rechts erhielt ſich zwar die roͤmiſche väterliche Gewalt; da aber in der letzten Epoche die roͤmiſche Geſetzgebung ſelbſt in dieſer Hiuſicht viel von ihrer Strenge nachgelaſſen hatte, und durch die Jurisprudenz noch immer gemildert ward, ſo veranlaßte dies mehrere franzdſiſche Rechtsgelehrte zu behaupten: daß man in ganz Frankreich nur den Schatten der väterlichen Gewalt beibe⸗ halten habe. Da der Codex den Principien der GewohnheitsRechte vor denen des roͤmiſchen Rechts den Vorzug ertheilt hat, ſo ward im Staatsrath ausdruͤcklich der Vorſchlag gemacht, den Titel IX anſtatt: von derväterlichen Gewalt, von den Rechten und Pflichten der Aehtern zu uͤberſchreiben,(VerbalProzeß vom aßten Frimaire 10,) der hauptſächlich deshalb verworfen ward, weil die erſte Benennung im Sprachgebrauch angenommen ſei. Im Allgemeinen hatte in den Provinzen der Gewohnheits Rechte der Vater keine groͤßere SGewalt uͤber die Perſon und das Vermoͤgen ſeiner Kinder als jeder Vormund(Serres Institutions du droit kran- cais, liv. 1. tit. g.) Doch hatten zwei und fuͤnfzig dieſer Gewohnheits Rechte, deren Verzeichniß man im Répertoire uni- versel, verbo: Fhissahnce vaternelle, findet, die vaͤterliche Sewalt mit mehr oder weniger Einſchränkungen beibehalten, die von Auvergne und Burgund nicht mitgezählt, in welchen Provinzen die Mei⸗ nungen der Rechtsgelehrten getheilt waren, indem wenigſtens einige Wipkungen der väterlichen Gewalt die Vernichtung derſelden uͤberlebt hatten. 158 1) Von den Perſonen, welchen die vaterliche Sewalt zu⸗ ſtand, und welche derſelben unterworfen waren. Um die väterliche Gewalt auszuuͤben, mußte man im Koͤnigreiche wohnhaft ſein; wer aufewig verbannt war, ward derſelben verluſtig, ſelbſt in Hinſicht auf die Kinder, welche er nach der Verban⸗ nung erzeugt hatte. Die Verbannung auf eine Zeitlang, weſche man der roͤmiſchen Relegation gleichſetzte, hatte nicht dieſerbe Wirkung, cUrtheil vom 1 April 1632, in der Sache des GeneralSchatzmeiſters von Pontac.) Die Grundſaͤtze des Titels Inst. quib. mod. jus patr. potest. solv. der L. 5. fl. de his qun sui vel alieni juris suut, und der L. 7. C. de patria potest, des J. 10. Just. de adopt. der L. 5. C. eod. tit. und der L. penult. fl. de agnosc. lib. wurden in den Provinzen des geſchriebenen Rechtes ſtrenge und ohne Ausnahme keſolgt. In den meiſten Provinzen der Gewohnheits Rechte nahm nicht allein die Gewalt des Vaters mit der Majoritaͤt oder Emanzipation der Kin⸗ der ein Ende,(mit Ausnahme jedoch der den Aeltern in Hinſicht auf die Ehe ertheilte Vefugniſſe) ſondern die Mütter nahmen auch an der Ausuͤbung derſelben Antheil, und im Falle des Abſterbens des Va⸗ zers während der Minderjährigkeit der Kinder ging ſie ganz auf die Mutter, und nach einigen GewohnheitsRechten ſogar auf ihren zweiten Mann über. 2) von den wirkungen der v«terlichen Gewalt. 1) Die väterliche Gewalt ertheilte das Recht der Zuͤchtigung im Falle des Ungehorſams oder ſchlechten Vetragens der Kinder. Die⸗ ſes Recht ward jedoch durch die Aufſicht der Juſtiz Behorden ſehr be⸗ ſchraͤnkt, und der Misbrauch deſſelben zog nach der allgemein angenommenen Jurisprudenz den Verluſt der väterlichen Gewalt nach ſich.(Urtheile des Parlaments von Toulvufe, vom 37 Jänner 1675, von Paris vom 25 Mai 1680.) Sobald über⸗ haupt die Strafen, welche die Vergehungen der Kinder verdie⸗ nen mochten, die Schranken einer väterlichen Zuͤchtigung uͤber⸗ ſchritten, durfte der Vater ſie nicht ſelbſt erkennen, ſondern er hatte das Kind der Obrigkeit zu uͤberliefern. Doch findet man bei Baſſet (Theil II. Buch 4. Tit. 10, Kap. 3) ein Urtheil angefuͤhrt, wodurch ein Vater, mit Beiſtimmung ſeiner Familie, ſeinen Sohn, der dem 2 — 139 Leben ſeiner Aeltern nachgeſtellt hatte, ſeiner Erbſchaft verluſiid er klärt, und zu einer zwanzigjaͤhrigen Eiſenſtrafe verurtheilt hat⸗ Allein der GeneralProkurator bei dem Parlament von Grenoble legte von dieſem Urtheil die Appellation a minima(weil die Straſe allzu gelind ſei) ein, und durch ein Urtheil vom 19 September 1663 ward der Sohn zur ewigen Galeerenſtrafe verurtheilt. Die⸗ fes Veiſpiel iſt jedoch das einzige, welches mir bekannt iſt, und in neuern Zeiten hatte der Vater, der in ſeiner haͤuslichen Poli⸗ zei keine hinlaͤngliche Mittel zur Veſſerung oder Zuͤchtigung ſeiner ungerathenen Kinder fand, keinen andern Weg, als ſie der Juſtiz zu überliefern, oder eine lettre de cachet zu ihrer Einſperrung in einer Feſtung dder in einem Kloſter zu erwirken, welche nicht leicht abgeſchlagen ward. Hatte er aber den erſten Weg einge⸗ ſchlagen, ſo konnte er durch den nachherigen Abſtand von ſeiner Klage oder den Wiederruf derſelben der Verfolgung des oͤffentlichen Miniſteriums keinen Einhalt thun.(Urtheile des Parlaments von Grenoble vom November 1621 und des von Paris vom 3 April 1643, von Toulouſe vom 23 Dezember 7577.) Sowohl in den Provinzen des geſchriebenen Rechtes als in denen der Sewohnheits Rechte war es ein allgemein angenommener, und durch eine einſtimmige Jurisprudenz begruͤndeter, Grundſatz, daß der Vater, falls ſeine Kinder kein eignes Vermdoͤgen hatten, nicht gezwungen werden konnte, die Geldſtrafen und Entſchaͤdi⸗ gungen zu zahlen, zu welchen die unter ſeiner Gewalt ſtehende Deszendenten wegen perſoͤnlichen Verbrechen oder Vergehungen verurtheilt worden waren.(Urtheile des Parlaments von Paris vom 30 Dezember 1611, und 22 Dezember 1587, von Tonlouſe vom 9 April 1596, von Probence vom 26 November 1654 und 21 Ju⸗ nius 1664, von Flandern vom oten Jänner 1706 u. a.) Doch erhielt dieſer Grundſatz Ausnahmen: a) wenn der PVater die Vertheidigung ſeines Sohnes uͤbernom⸗ men, oder ihn auch nur autoriſirt hatte, vor Gericht zu er⸗ ſcheinen; b) wenn der Sohn den Schaden in einer Arbeit oder Verrich⸗ tung veruͤbt hatte, die ihm von ſeinem Vater übertragen wor⸗ den war; 160 e) Wenn der Vater das Deliktum oder Quaſidelietum veryin⸗ dern konnte, uud es nicht gethan hatte; d) in allen Faͤllen, worin beſondere PolizeiVerordnungen die Aeltern fuͤr das Faktum ihrer Kinder verantwortlich erklärt hatten; e) Endlich hatten die Coutunies von Bretayne(Art. 611) und Lüttich(Kap. 1. Art. 8) durch beſondere Verfügungen die des neueren romiſchen Rechtes inBetreff der Verantwort⸗ lichkeit der Aeltern geſchärft, und man hat Beiſpiele, daß dieſe Verfuͤgungen auch in andern Provinzen durch die Jurisprudenz der Gerichte eingefuͤhrt worden ſind. 3) In Hinſicht auf die Verbindlichkeiten des Vaters in Betreff der von dem Sohne kontrahirten Schulden handhabte die Jurisprudenz die Verfuͤgungen der LL. 44%, 45 et 46 fl. de pecnl. LI. 1, 13, 19. 20, H. de in rem verso, unbedingt. Doch ward der Vater verurtheilt, die Vorſchüſſe zu zahlen, welche ſeinem Sohne fuͤr noth⸗ wendigen Unterhalt, Kleidung oder Equipirung im Felde, ſo wie fuͤr deſſen Pflege und Heilung in Krankheiten gemacht worden waren; auch hat man mehrere Urtheile, wodurch er verurtheilt worden iſt, ſeinen Sohn aus der Gefangenſchaft loszukaufen, oder den von einem Dritten vorgeſchoſſenen Loſepreiß zuruͤckzuerſtatten. Hatte jedoch der Vater den Sohn, in Faͤllen, wo dieſe Autoriſation erforderlich war, autoriſirt, eine Verbindlichkeit einzugehen, ſo haftete er im Falle der Unzulänglichkeit des Vermd⸗ gens des Sohnes mit ſeinem eignen Vermogen fuͤr die Zahlung derſelben. Daſſelbe galt von den Verbindlichkeiten, welche der Sohn im Dienſte des Staats kontrahirt hatte, wenn er ſeine Amtsverrichtungen mit Einwilligung ſeines Vaters angetreten hatte, und zwar hat man Beiſpiele,(Urtheil des Parlaments von Srenoble vom 23 Mai 1637.) daß zuwellen gegen die L. 5. C. de de curion. das Stillſchweigen des Vaters als eine hinlaͤngliche Einwilligung angeſehen ward. In Hinſicht auf die aus einer Vormundſchaft entſpringende Verpflichtungen befolgte man die Grundſätze der L. 7. fH de tutelis und 29. ff. de admin. et peric. tut. Für ſolche Verbindlichkeiten, die der Sohn in Han d⸗ rungsgeſchäften eingegangen hatte, war der Vater in den + — 11. 161 Provinzen Berry(Coutumes, tit. I. art. 9 er 10.) und Bour⸗ bonnois(Art. 163.) ſubſidiariſch verpflichtet, wenn er zu der Handlung ſeines Sohnes ſeine, wenn auch ſtillſchweigende, Einwilli⸗ gung ertheilt hatte. In allen uͤbrigen Provinzen hielt man ſich in Hinſicht auf ſolche Verpflichtungen, die in Handlungsgeſchäſten Lontrahirt worden waren, an die allgemeine Principien. Die bloße Gegenwart des Paters bei dem Ehekontrakt ſeines Sohnes machte den erſten für die Ruͤckevſtattung der Ausſteuer verbindlich, wenn dieſe ſelbſt erſt ſeitdem, und in ſeiner Abweſenheit, bezahlt worden war,(Urtheile des Parlaments von Toulouſe, vom zten Julius 1664 und 17 Juni 1674, von Grenoble vom 33 Septem⸗ ber 1667, von Provence vom iten Dezember 1639 u. a.) ohnge⸗ achtet die LL. 52. fl.. trausgred. 12. ff. volut, matr. die Dotal⸗ Klage nur dann gegen den Vater zuläͤfſig erklären, wenn er die Mus⸗ ſteuer empfangen hat, oder ſie auf ſeinen Befehl an den Schwieger⸗ ſohn bezahlt worden iſt, im entgegengeſetzten Falle der Schwieger⸗ vater nur bis zur Conkärrenz des Peculiums oder deſſen, was on ſeinein Vortheil verwendet worden, verurtheilt werden ſoll⸗ Man findet auch einige Urtheile, welche den Grundſätzen dieſer Ge⸗ ſetze treu geblieben ſind, allein die ſchaͤrfere JFurisvrudenz behielt im Allgemeinen die Oberhand. Wir halten es fuͤr überfluſſig, in die Erdrterung der vielen Streitfragen einzugehn, die ſich in ſol⸗ chen gegen den Vater gerichteten DotalKlagen unter der vorigen Seſetzgebung ergeben haben, und in Hinſicht auf welche wir unſre Leſer auf das Képertoire universel verweißen. Was den Einfluß der väterlichen Gewalt auf die buͤrgerliche Fähigkeit des Sohnes betrifft, ſo befolgte man folgende Srund⸗ ſätze: 4) In den Provinzen des geſchriebenen Rechtes. Im Allgemeinen galten in Hinſicht auf die Fähigseit des Sohnes, dffentliche Aemter und Vormundſchaften zu bekleiden, die Grundſatze der L. 9. fl. de his qui sui vel alien. Jjur. sunt, der L. 13.§. 5. L. 14. ff. ad SC. Trebellian. LL. 77 et 78. H. de Judie, in Hinſicht auf die Fähigkeit, zu erwer⸗ ben, die L. 16. F. si pater, die L, 50, f. ad SC. Prebell. pie Th. 11 162]* L. 15. F. ult. fl. de adquir. hered. die LL. 6 et 8. C. de bonis quae lib.(anch ward jedes Lehn, deſſen Inveſtitur der Sohn erhielt, als peculium castrense vel quasi castrense an⸗ geſehn, traité du droit commun, des kiels, p. 79.) in Hinſicht auf ſeine Befugniß ſich einen eignen von dem ſeines Vaters ge⸗ trennten Wohnſitz zu erwählen, die LL. 5 et 4. H. ad munic. in Hinſicht anf ſeine Fähigkeit, zn kontra hiren die L. 39. fl. de oblig. et act. L. 8. C. de hicejuss. L. 10. F. 1. H. eod. tit. In Hinſicht auf die Befugniß des Sohnes, über diejenige Guͤter, deren volliges Eigenthum ihm zuſtand, in derſelben Art zu verfüͤgen, als wenn er nicht unter der väterlichen Gewalt geſtanden hätte, herrſchte keine einformige Jurisprudenz Der lateiniſche Text der Nov. 117. Cap. 1. F. 1. geſteht ihm dieſe Beſugniß foͤrmlich zu, und dieſer Text entſpyricht ſowohl der Meinung Fuͤrgoles Gnr les domations, quaest. z1.) als einem Urtheit des Parlaments von Tonlou ſe vom 23 Februar 1688. Andrerſeits ſchien jedoch die Entſcheidung der Nov. 117 mit der⸗ jenigen in Widerſpruch zu ſtehn, welche den Familien Sohn unfähig erelärt, ohne die Einwilligung ſeines Vaters in Vetreff derſelben Guͤter Prozeß zu fuͤhren,(L. 3. C. de bou, quae lib.) deren Veraͤuſſerung jene ſogar zu erlauben ſcheint.(Das Wort disponere in der angefuͤhrten Novelle, worauf man dieſe Befugniß begründen will, iſt in der That nur ein UeberſetzungsFehler, indem im griechiſchen Texte Gzozvbtv ſteht, welches nicht verfuͤgen⸗ ſondern nur verwalten bedeutet.) Was diejenige Guͤter betraf, deren Nießbrauch dem Vater eraft der väterlichen Gewalt(und nicht wie bei den peculium adventicium, von welchem ſo eben die Rede war, aus ein nem andern Titel) zuſtand, ſo befolgte man die Grundſätze der L. 5.§. 2. de bonis quae lib. und der Vater behielt den Ge⸗ nuß und die Verwaltung dieſer Guͤter, welche Verfuͤgungen der Sohn auch über das Eigenthum derſelben getroffen haben mochte Auch war zu dieſen letzteren die Einwilligung des Vaters erſorderlich, (L. 8. J. 5. l. e.) ohngeachtet man einige Urtheile hat, welche den gegentheiligen Grundſatz angenommen haben. 163 Auch die Verfuͤgungen des SC. Maced. wurden in den Pro⸗ vinzen des geſchriebenen Rechtes unbedingt gehandhabt. Da der Pater und der Familien Sohn als eine und dieſelbe Perſon angeſehen wurden, ſo konnte nicht allein keine buͤrgerliche Verpflichtung zwiſchen ihnen ſondern auch nicht einmal zwiſchen Pruͤdern, die unter der Gewalt deſſelben Paters ſtanden, beſtehn; in Hinſicht auf die Schenkungen unter Lebenden zwiſchen Vater und Sohn galt jedoch die E. 25. de donat inter virnm et uxor, und die L. 31. J. 2. fl. de donat. L. 17. C. de donat, und zwar war im Bezirke der Parlamente von Toulouſe und Bor⸗ deaux die Inſinnation nicht einmal erforderlich. Auch gab es mehrere Faͤlle, die man in dem Rép univ. nach⸗ ſchlagen kann, worinn ſelbſt einem nicht emanzipirten Sohne gemachte Schenkungen nach der herrſchenden JFurisprudenz fuͤr un⸗ widerruflich ghalten wurden, und worunter hauptſaͤchlich die Schenkungen zu Gunſten der Ehe zu bemerken ſind.(Faber, de errör. pragim. decad. 41. err. 2 et 4. Kicard, traité des donations, part. I. No. 209 In Hinſicht auf die Fähigkeit des Sohnes, Prozeſſe zu fuͤhren, befolgte man die! S. ce bonis quae liberi, die LL. get 9. fl. de obligat. et act. die L. 39 fl. de judiciis. und die L. 8. H. de procurat. Da in bem franz. Rechte der Unterſchied, den das römi⸗ ſche zwiſchen öffentlichen Verbrechen und Privat⸗ Verbrechen machte, nicht angenommen war, ſo bedurfte der großjährige Sohn der väterlichen Autoriſation in keinem Falle, um eine peinliche Klage zu erheben.(Bonhier, chap. 16. Mo. 29.) Ueber die Unfaͤhigkeit des Sohnes, ſich ohne die Einwilli⸗ gung ſeiner Aelrern zu verehelichen, ſiehe den Th. T. S. 235. Was die Befugniß des Sohnes, durch ein Teſtament oder eine Schenkung Todes halber zu vevfugen, betraf, ſo befolgte man die Perfügungen der L. 7. fl. de donat. L. Z. f. qui testaw. kac. poss. Was das peculium adventieium des Sohnes betraf ſo konnte er uͤber diejenige Guͤter nicht ohne Einwilligung ſeines Vaters verfuͤgen, von welchen dieſem der Nießbrauch zuſtand, 164 wohl aber uͤber die, deren unbeſchraͤnktes Eigenthum dem Sohne zuſtand,(Perez, C. tit. de mortis caus. donat. No. 18. Go- cholred. ad leg. 3. C. qui test. ſac. poss. Fapre, Jürispr. Papin. tit. S. princip. 3. illat. z. Ricurd, des donations, part. 1. No. 27 et 279, Furgole, des don. quaest. 22.) Beſtritten ward dieſe Meinung von Barry, Bouhier, und Favre, der in ſei⸗ nem Werke: de error. pragmat.(Decad. 43. err. 6 et 7.) ſeine fruͤhere Meinung, die jedoch im Gerichtsgebrauch die Oberhand behielt, widerrief. Ueber die Jurisprudenz in Betreff der Kon⸗ troverſen, ob der Sohn ſich im Falle der Abweſenheit oder der Weigerung des Vaters von den Gerichten autoriſiren laſſen könne, ob er mit Einwüligung ſeines Vaters zu deſſen Beſten eine Schenkung Todes halber machen eoͤnne, ob eine Schenkung Todes halber zum PVortheil des Vaters guͤltig war, wenn dieſer ſie erſt nach dem Tode des Sohnes angenommen hatte, ſiehe das Répertoire universel. Auch waren die Teſtamente guͤlkig, wodurch der Familien ſohn⸗ ohne Einwilligung ſeines Vaters, auch uͤber ſein peculium ad- venticium zu Gunſten ſeiner Kinder verfüͤgt hatte.(Catellan. liv. a. chap. 40. Instit, du droit frangais, par Ferres p. 3376) enthielt aber ein ſolches Teſtament Verfuzungen zum Beſiten drit⸗ ter Perſonen, ſo ſielen ſie dein Antheil der Kinder zu. Auch onnte der Familienſohn, mit Einwilligung ſeines Vaters ein Teſtament ad pias eausas machen⸗ 8) In den Provinzen der GewohnheitsRechte. Wie zahlloſe Provinzialſtatuten und GewohnheitsRechte laſſen ſich iu diſer Hinſicht in zwei Klaſſen abtheilen. Nach denen der erſien Klaſſe(Paris, Normändie, Vermandais„Orleäns⸗ Chartres, Chateaunenf u. a.) hatte die väterliche Gewalt, wie unter dem Codex, keinen Einfluß auf die vuͤrgerliche Fähigkeit, die bloß von der Eigenſchaft als Minderjähriger oder Großjaͤhriger, nicht aber von der als Familienſohn oder der Emancipation abhieng⸗ Die der zweiten Klaſſe(Verry, Bonrbonnais, Bretagne, Bor⸗ deaur, Mes, Roche lle Douai, Lille, Troies u. a) näherten ſich mehr den Principien des romiſchen Rechtes. Die väterliche Ge⸗ walt war, nach ihren Verfügungen, eine Art Vormundſchaft, 165 welche den Familien Sohn, ſelbſt nach ertangter Großjährigkeit. unfähig machte, ohne Einwilligung des Paters zu kontrahiren oder vor Gericht aufzutreten, HandlungsGeſchäfte und peinliche, Prozeſſe jedoch ausgenommen. Zu bemerken iſt, daß, da nach dem röwiſchen Rechte der Familien⸗ ſohn fähig war, zu kontrahiren, die Jutervention des Vaters. nur die einzige Wirkung hatte, denſelben mit verbindlich zu machen während ſie in den Provinzen der Gewohnheits Rechte die dop⸗ pelte Wirkung hatte, dem Sohne die Faͤhigkeit zu kontrahiren. zu ertheilen, und den Pater ſolibariſch mit ihm zu verpflich⸗ ten.(Voet, ad Pand. liv. 15. tit. I. No. 11,) Da dieſe Autori⸗ ſation nach dem nenen Rechte nicht mehr erforderlich iſt, ſo uͤber⸗ gehen wir die Streitſragen, die ſich uͤber die Form, die Zeit und, die Wirkungen derſelben erhoben haben, s) welches war der Einfluß der vaͤterlichen Gewalt auf die Guͤter desjenigen, der ihr unterworfen war. In den Provinzen des geſchriebenen Rechts hielt man ſich ſtreng an die Principien des roͤmlſchen Rechts. Da es jedoch zuweilen ſchwer iſt, die Guͤter, welche in dem pecultum profectitium begriffen werden, von denjenigen zu unterſcheiden, welche in das peculinm adventiciunt gehören, ſo fuͤhren wir folgende drei Entſcheidungen an; a) ein Urtheit des Parlaments von Dijon vom 23 Juni 1617 welches entſchied, daß die Guter eines vierzigjaͤhrigen Familienſohns, der bei ſeinem Vater wohnte, und dieſe Güter erworben hatte, ohne eine offentliche Dienſtanſtellung zu bekleiden, ſeinem Vater angehdr'ten b) Ein Urtheil des Parlaments von Toulouſe vom Jahr 1677 welches entſchied, daß, wenn der Sobn weder bei ſeinem Vater wohnte noch von demſelben ſeinen Unterhalt bezog, alles was er erwerben mogte, zu dem peculium adventicium gehörte. c) Das Parlament von Flandern hat am 22 Jänner 1689 entſchieden, daß, ſobald der Sohn einen beſondern Handel trieb, der Vater, ſelbſt wenn er ihn ernährte und unter ſeine Gewalt hielt, das Eigenthum der von demſelben erworbenen Guͤter nicht an ſich ziehen konnte. In vielen GewohnheitsRechten gab die den Aeltern ertheilte geſetza liche Vormundſchaft denſelben das Recht, das Vermogen ihrer ninderiäh. rigen Kinder zu verwalten, und die Einkünfte deſſelben zu beziehen, 166 uͤber welche ſie nach einer gewiſſen Epoche rechnungspflichtig waren⸗ Dieſes Recht hieß garde-noble oder garde-bourgeoise, je nachdem die Pflegebefohlnen adlich oder buͤrgerlich waren, und der Vormund ward gardien genannt. Die garde-noble ertheilte nach vielen Ge⸗ wohnhelts Rechten dem Ueberlebenden von adlichen Ehegatten, oder in ih⸗ rer Ermangelung den Aszendenten, oder auch ſelbſt den nächſten Colla⸗ teralverwandten, das Recht, die Fruͤchte und Einkünfte, entweder bloß der Lehngüter oder von allen ImmpbilarBeſitzungen zu beziehen, welche Minderjaͤhrigen anerfallen waren, die die Feuda Majorität noch nicht erreicht hatten; nach vielen Gewohnheits Rechten hatte der gardien auch die Verwaltung, ja nach einigen erhielt er ſelbſt das Eigenthum des Mo⸗ hiliarVermögens, unter der Obliegenheit, den Minderjaͤhrigen eine ſtandesmaäſſige Erziehung zu ertheilen, und ihre Mobiliarſchulden ſo wie die auf ihren Guͤtern haftende jaͤhrliche Laſten zu zahlen. 6 Von der Beendigung der vaͤterlichen Sewalt. Die väterliche Gewalt endigte: a) mit der Emanzipation durch einen Akt, und zwar konnte dieſer, der fruͤhern Jurisprudenz zuwider, eben ſowohl vor einem Notar als vor der Obrigkeit errichtet werden; ldie Bezirke der Parlgmeute von Aix, Vordeaux, Beſangon und des Herzogthums Burgund jedoch aus⸗ genommen) Eben ſo konute auch nach einigen Gewohnheits Rech⸗ ten die Emancipation durch einen Notariats Abt geſchehen, waͤhrend ſie nach andern vor der Obrigkeit geſchehen mußte. In den Provinzen des geſchriebenen Rechtes, welche den Gebrauch der Emanzipation durch Notariats Abte nicht angenommen hatten, war anch die perſonliche Gegenwart des Vaters bei dem Akt nach der L. 6. C. de emanc. erforderlich, wahrend die Emancipation vor einem Notar auch durch einen Prokurator geſchehen konnte, Eine auf eine Handlung beſchraͤnkte Emancipation war unguͤl⸗ tig, weil die väterliche Gewalt untheilbar iſt, aber ſie galt als Autoriſation, wenn dieſe dem Sohne anderſt die Fähigkeit zu der Handlung ertheilen konnte. b) Durch die ſtillſchweigende Emancipation, die aus der abgeſonder⸗ ten, von der des Vaters getrennten, Wohnung des Sohnes her⸗ floß. Verſchieden war die Jurisprndenz über die Frage: wie lange die Trennung von Pater und Sohn gedanert haben müſſe, 167 um die Vermuthung der Befreiung ldes letztern von der väter⸗ lichen Gewalt zu begruͤnden. Auch war es erforderlich, daß ſie nicht gegen den Willen des Vaters ſtatt gefunden hatte. e] Durch die Emancipation, welche gewiſſe Staatsbedienungen eraft des Geſetzes nach ſich zogen. Die Frage, welche Bedie⸗ nungen dieſe Wirkung hatten, hat bei der gänzlichen Umwaͤlzung der politiſchen und CivilGeſetzgebung alles Intereſſe verlohren. d) durch die Emancipation durch die Ehe. Doch waren mehrere Prooinzen des geſchriebenen Rechtes,(3. B⸗ die Bezirke der Parlamente von Beſancon und Toulouſe, mit Ausſchluß der Städte Toulouſe und Montpellier) wo man ſich ſtrenger an die Principien des roͤmiſchen Rechtes band, nach welchen die Ehe dieſe Wireung nicht hervorbringt. In allen Provinzen der Gewohn⸗ heits Rechte emaneipirte die Ehe ſowohl die Toͤchter als die Sdhne⸗ *) Ein gewiſſes Alter hatte in den meiſten Provinzen der Ge⸗ wohnheitsRechte die Wirkung, von der väterlichen Gewalt zu be⸗ freien. Von den Provinzen des geſchriebenen Rechtes ward daſ⸗ ſelbe nur von dem Herzogthume Burgund durch den General⸗ Advokaten Durand behauptet, eine Behanptung, die jedoch von dem Präſidenten Vonhier beſtritten ward. k)durch den natürlichen Pod; nur in den Provinzen, wo die Ehe nicht emancipirte blieben nach dem Tode des Vaters die Kinder unter der Gewalt des Sroßvaters; hatte der Großvater ſeinen Sohn emancipirt und die Enkel unter ſeiner Gewalt behalten, ſo waren dieſe durch den Tod ihres Großvaters emancipirt. 2 durch den buͤrgerlichen Tod des Sohnes oder des Vaters. n. Endlich konnte der Vater geswungen werden, ſeine Kinder zu emantipiren, wenn er ein unter dieſer Bedingung gemachtes Vermächtniß aygenommen hatte, wenn er ſie mishandelte, ihnen den noͤthigen Unterhalt verweigerte, ſie zu Ausſchweifungen verlei⸗ tete, und üͤberhanpt die Rechte der vaterlichen Gewalt miöbrauchte⸗ In Hinſicht auf mehrere andere Streitfragen üͤver dieſe Materie, verweißen wir unſere Leſer auf das Répertoire universel; wir be⸗ gnuͤgen uns, hier zu bemerken, daß die Wirkungen der väterlichen Gewalt in Hinſicht auf die Guͤter auf diejenige beſchraͤnkt waren, welche ihrer Lage nach von den roͤmiſchen Seſetzen regiert wurden 166 in Petreff der kuͤrgerlichen Unfähigkeit des Sohnes, ſo wie der Un, fähigkeit zu teſtiren, wurden als ein PerſonalStatut angeſehen, wels ches ihm aller Orten nachfolgte. Siehe uͤbrigens uͤber die aͤltere Juris⸗ prudenz auſſer dem Répertoire nniversel, verbis Puisvunce Palerne%, Smancipation, ecument, pécule, garde noble, die Institutes Cou- tumiéres par Loigel, ayec les notes de Laurier, Henzs, tome dnaest. 13% le traité d'Arau, de patria potestate, Bouhier, sur la Cont. de Bourgogne, chap. 16, 17, 19 et 22. Furgole„ dquest. sur l'Ordonnauce de I1731, le traité des testa- mens du muéme, Nicard, des donations, le Dictjonnaire des arréts par Zrllon, les arréts de Maynand, de Cambolas, de Catellan, de Bounot, le couthmier général de Nichebourg, et la disserta- tion; sur la puisgance hacernelle, d'après les principes du droit na⸗ tnrel, du droit romain, et de l'ancien droit krangais, comparés à ceux du Code civil, par M. Bloechel.(Strasbourg, 1806.) Erſtes Kapitel. Von dem Urſprung der väterlichen Gewalt. §. 106. Die Gerechtſame, welche das Geſetz den Aeltern uͤber. die Perſon und das Vermögen ihrer Kinder einräumt, werden väterliche Gewalt genannt. Sie wird durch die Abſtammung begruͤndet. Der Beweiß der Filiation ergiebt ſich: Naus der Ehe; b) aus der Anerkennung natuͤrlicher Kinder. 4) Ueber den Beweiß der Paternität durch die Ehe und die Ausnahmen, welche der Grundſatz: pater est eic. erleidet,. ſiehe den§. 80. Theil 1. S. 335. §. 107. Ratürliche Kinder ſind alle die, welche keiner Ehe an⸗ gehören. Sie werden eingetheilt: 169 a) in ſolche, welche von zweien Perſonen gezeugt wor⸗ den ſind, von welchen die eine oder welche beide in den Banden der Ehe befangen waren;(enlans adulterins.) b) ſolche, welche von zweien Perſonen erzeugt worden ſind, die miteinander in einem Grade verwandt waren, in welchem die Ehe verboten iſt.(enkant⸗ incestueux) e) ſolche, die in einem unerlaubten Umgange von ſol⸗ chen Perſonen gezeugt worden ſind, die ſich in keinem der beiden obigen Fälle befanden.( Bätards sim⸗ ples.) Es giebt eine doppelte Art der Anerkennung natiürlicher Kinder: die freiwillige und die gerichtliche. Die erſte beſteht in einer von dem Vater oder der Mut⸗ ter in einem authentiſchen Akt abgegebenen Erklä⸗ rung. Die zweite fließt aus einem Urtheil her, welches auf die gegen den Vater oder die Mutter gerichtete Klage des Kindes auf Anerkennung der Paternitat oder der Ma⸗ ternität erlaſſen worden iſt. Jede Anerkennung eines natuͤrlichen Kindes, ſo wie jede Klage eines Kindes auf Anerkennung der Paternität oder Maternität in den Fällen, wo ſie erlaubt iſt, kann von Allen und Jeden, die ein Intereſſe dazu haben, beſtritten werden. Zu Gunſten ſolcher natuͤrlichen Kinder, welche in ei⸗ ne der beiden erſten obigen Klaſſen gehoͤren, findet we⸗ der eine freiwillige noch eine gerichtliche Anerkennung ſtatt. Locre, V. 2 ½4. Proces-verbaux des 24 et a6 brumaire 10. Ma- leille I. 353. Joudnnealu et Solon, I. 432. Nr 1. 335 No. 1 Proj⸗ 05 339. 70 du c. c. liv. I. tit 2. art. 27 et ag. tit.. art. 8. Garnier-Derchénen, traitẽ elẽmentaire du notariat. p. 3. Thibaut S. d. P. L. 474 u. ff. Seſetze vom 4 Juni 1793, 12 Brum. 2, und 14 Floreal 11. Mein Journaj, ater Jahrgang, Vand 4. S. 23. 3ter Jahrg. S. 411. Jurisprud, dn C. N. an 13. II. 379. 1307 II. 140. Collect. d'arréts et de Jug, 1807. p. 230. 4) ueber die ältere Jurisprudenz in Betreff der Anerkennung unehelicher Kinder ſehe man das Repertoire universel verbo: bãtard. Klagen auf Anerkennung der Paternität waren damals nicht allein zuläſſig ſondern ſehr begänſtigt, bis dahin das Geſetz vom 12 Brumaire 2 Jahrs ſie unbe⸗ dingt verbot. Dieſes Geſetz, welches uͤbrigens den natuͤrli⸗ chen Kindern faſt gleiche Rechte mit den ehelichen bewilligte, zog eine unzählige Menge von Prozeſſen nach ſich. Da uͤber das Schickſal der ſeit der Verkuͤndigung deſſelben bis zur Ver⸗ zündigung des Eoder gebohrnen natärlichen Kinder nichts ver⸗ fuͤgt war, ſo ward dieſe Luͤcke durch das tranſitoriſche Geſetz vom 24 Floreal 11,(mein Journal, Jahrgang I. B St 23.) ausgefuͤllt. Ueber die Jurisprudenz in Betreff ſolcher Anerkennungen, welche noch unter der Herrſchaft des Geſe⸗ tzes vom Brumaire 2 ſtatt gefunden haben, ſiehe mein Journal, Zter Jahrgang B. 2. S. 411. 2) Der Art. 1317 des Coder enthaͤlt die Definition eines au⸗ thentiſchen Aktes. Offenbar iſt der GeburtsAkt ein ſolcher. Es iſt jedoch nicht hinlaͤnglich, daß Jemand als Kind dieſes oder jenes Vaters darin eingeſchrieben ſei; es iſt auch erforderlich, daß der Vater es ausdruͤcklich in dem Akt für das ſeinige anerkannt habe. Die Gegenwart des Va⸗ ters bei dem Akt gilt als Anerkennung, aber ſie kann nur durch den Akt ſelbſt erwieſen werden. War er aber nicht ſelbſt zugegen, ſo muß er durch einen aut hentiſchen Akt 77 einem Dritten die Vollmacht ertheilt haben, die Anerken⸗ nung in dem GeburtsAkt fur ihn zu machen, oder auch nur in einem ſolchen Akte die Erklärung ausgeſtellt haben, daß er Vater des Kindes ſei. Vollmacht oder Erklärung muͤſſen dem Akt beigebogen werden, und zwar waͤre die Anerkennung ſelbſt nich⸗ tig, wenn ſie unter Privatunterſchrift ausgeſtellt waͤren; denn man hat in jenem Inſtrument zwei verſchiedene Akte zu unterſcheiden: den GeburtsAkt, der allerdings authentiſch iſt; die Anerkennung, welche dieſen Charakter nicht hat, wenn ſie gleich in den authentiſchen GeburtsAkt eingeruͤckt worden iſt, wenn der Akt ſelbſt, der ſie enthaͤlt, die Eigenſchaft der Authentizität nicht hat, die durch den Art. 334 erfordert wird. 3) Die Mutter iſt auch nicht befugt, dem Kinde den Namen einer dritten lebenden Perſonen, gegen den Willen dieſer letzten, ſelbſt als Vornamen beizulegen, denn ſobald die Mutter bekannt iſt, der Vater aber das Kind nicht aner⸗ kannt hat, kann daſſelbe keinen andern Familien Na⸗ men als den ſeiner Mutter fuͤhren; ſo hat der Appellhoff von Bruͤſſel auf die Klage von Johann Lambert Bo⸗ vey verordnet, daß aus dem GeburtsAkt des unehelichen Kindes der Marie Oda Riga der Vornamen Bo⸗ vey(die Mutter hatte das Kind unter dem Namen: Jo⸗ hann Lambert Bovey Riga eintragen laſſen,) weg⸗ geſtrichen werden ſolle, weil dieſer Vorname ihm in der Abſicht beigelegt worden zu ſein ſchien, den Kläger als Va- ter des Kindes zu bezeichnen.(Collect. d'arréts et de Jugem. 1807. p. 280) 4) Die Anerkennung kann ſowohl vor einem Notar als vor einem Beamten des Civilſtandes oder einem Friedensrichter 273 geſchehen, ja ſogar durch eine beiläufig in einem Prozeſſe vor jeder JuſtitzBehorde abgegebene Erklärung. Durchaus mit Unrecht behauptet Garnier-Deschẽnes in ſeinem traité clementaire du. Motariat p. 35, die Notarien ſeien aus⸗ ſchließlich befugt, ſolche AnerkennungsAkte aufzunehmen, wenn die Anerkennung nicht im GeburtsAkte geſchehen iſt. Der Art. 334 erfordert nur einen authentiſchen Akt und die Definjtion des Art. 1317 paßt auf alle oben angefuͤhrte Fälle. 5) Es iſt ſogar hinlänglich, wenn der Vater in einem offent⸗ lichen Akt beilaͤufig Jemand als ſein natuͤrliches Kind qualifizirt, oder einen Akt, worin ihm dieſe Qualifikation ertheilt wird, unterzeichnet hat. Er wurde weder mit der Ein⸗ rede, daß die Quglifikationen das Werk des Notars ſind⸗ noch mit der, daß keine ausdruͤckliche und förmliche Anerkennung vorhanden ſei, gehoͤrt werden koͤnnen, indem er, wenn er anderſt nicht den Akt als verfaͤlſcht angreift, geſtehen muß, daß die Qualitäten ihm vor der Unterſchrift vorgeleſen worden ſind,(Art. 13 des Geſetzes vom 25 Ventoſe 11.) und eine ſolche Qualifikation, ſobald er ſie durch ſeine Unter⸗ ſchrift ratifizirt hat, offenbar die Anerkennung des Standes als natuͤrliches Kind in ſich ſchließt. Urtheil des Appell⸗ hofes von Brüſſel vom 17 Junius 1807.(J. du G. N. 1807 II. 1L40.) 6) Eine Anerkennung unter PrivatUnterſchrift, wäre ſie gleich einregiſtrirt, eine ſolche die in einem Briefwechſel oder einem olographiſchen Teſtamente enthalten waͤre, wuͤrde offenbar nichtig ſein. Schwieriger ſcheint die Frage in Hinſicht auf eine ſolche, die in einem myſtiſchen Teſtament enthalten. wäre. Meiner Meinung nach iſt ſie gleichfalls nichtig, in⸗ 173 dem die Anerkennung nicht in dem authentiſchen Subſeriß⸗ tions Akt, ſondern in dem Teſtamente ſelbſt, welches an und fuͤr ſich nicht authentiſch iſt, enthalten ſein wuͤrde. Woll⸗ te man das Gegentheil behaupten, ſo muͤßte man auch die Anerkennung fuͤr guͤltig annehmen, welche in einem Akt unter PrivatUnterſchrift enthalten waͤre, der bei einem No⸗ tar hinterlegt worden, und woruͤber dieſer einen acte de dépom errichtet hat. Eine ſolche Hinterlegung ertheilt zwar den nachher von dem Notar ertheilten Ausfertigungen des Aktes in ſoweit Authentizität, daß Niemand ohne eine inscription en kaux behaupten kann, daß die Abſchrift dem Original nicht gleichlautend ſei, aber ſie kann die Natur des Aktes ſelbſt nicht verändern⸗ 7) Eben ſo wuͤrde die Anetkennung ohne Kraft ſein, welche in einem Akt unter PrivatUnterſchrift enthalten wäre, deſ⸗ ſen Unterſchrift gerichtlich anerkannt worden iſt. Der Akt, welchen das Tribunal uͤber die Anerkennung der Un⸗ terſchrift ertheilt, iſt wohl ein authentiſcher Akt, und er⸗ theilt dem anerkannten Akte ein gewiſſes Datum, er kann dieſem aber eben ſo wenig die Eigenſchaft eines authentiſchen Aktes mittheilen, als der acte de dépot des Notars. Zwar hat man ein Urtheil des Appellhofes von Paris,(J. d. C. N. an 13. II. 379.) welches, gegen den Antrag des öffentlichen Miniſteriums, angenommen hat,„daß ein Akt unter Pri⸗ „vatUnterſchrift, der eine Anerkennung der Vaterſchaft „enthält, durch die öffentliche und foͤrmliche vor Gericht geſche⸗ „hene Anerkennung der Unterſchrift authentiſch werde,“ allein dieſes Urtheil iſt in einem Falle erlaſſen worden, wo auf dieſen Akt nur eine Klage auf Alimentation erhoben worden war. Wir werden in der Folge unterſuchen, ob und in wie weit eine der Form nach nichtige Anerkennung ein Klagrecht auf Alimentation 174 vegrunden kann. Der von dem Appellhof von Paris in obigem Urtheil in allgemeinen Ausdruͤcken aufgeſtellte Grund⸗ ſatz iſt aber offenbar falſch. Wenn das Geſetz einen au⸗ thentiſchen Akt erfordert, ſo iſt es, weil es darin eine Ge⸗ waͤhrleiſtung findet, daß die Anerkennung freiwillig, proprio motu. geſchehen iſt, während es in einem Akt unter Pri⸗ vatUnterſchrift das Reſultat des Zwanges, des Betruges oder der Verfuͤhrung zu finden befuͤrchtet, deren Urheber die Gegenwart eines oͤffentlichen Beamten geſcheut haben. Je⸗ de Anerkennung unter PrivatUnterſchrift iſt alſo urſpruͤnglich unzulaͤnglich und mangelhaft. Dieſer Fehler kann durch die gerichtliche Anerkennung der Unterſchrift auf dem Akte,(die man von der gerichtlichen Anerken⸗ nung des Kindes wohl zu unterſcheiden hat,) nicht geheilt werden. Dieſe Unterſchrift kann der Schreiber, oh⸗ ne Verletzung der Wahrheit, nicht verläugnen; der ur⸗ ſprungliche Fehler des Aktes, der nicht in einer Ungewißheit uͤber den Autor dieſer Unterſchrift beſtand, ſondern darin, daß die Gegenwart keines offentlichen Beamten dafuͤr burgt, daß ſie freiwillig ertheilt worden, faͤllt aber durch die Anerken⸗ nung der Unterſchrift keineswegs weg. Das entgegenge⸗ ſetzte Syſtem wuͤrde die Verfuͤgung der Art. 334 u. 340 zugleich entkräften, indem Jeder, der eine in einem Briefe oder in irgend einem Akt unter PrivatUnterſchrift enthaltene Anerkennung vor ſich hätte, nur auf Anerkennung der Unterſchrift vorzuladen brauchte, um ſeine Filiation zu begrunden. Zwar hat man einge⸗ wendet, jede Verpflichtung unter Privatlnterſchrift werde authentiſch ſobald die Unterſchrift gerichtlich anerkannt ſei; daſſelbe muſſe bei einem AnerkennungsAkt der Fall ſein; der unterſchied zwiſchen beiden Fällen iſt jedoch ſo augenfaͤllig, daß dieſes Argument kaum eine Wiederlegung verdient. Eine Ver⸗ pflichtung unter PrivatUnterſchrift iſt ihrer Form nach eben ſo guͤltig als eine, die in einem authentiſchen Akt enthalten iſt; nur, um ſie epekutoriſch zu erklaͤren, iſt die Anerken⸗ nung des Verpflichteten vonnoͤthen. 8) Kann der Vater ein Kind, womit ein Mädchen ſchwanger geht, vor der Geburt anerkennen? Dieſe Frage, welche nach der§. 36 bis. Th. I. S. 118 aufgeſtellten Regel nicht ſchwer zu beantworten iſt(Art. 9o6.), ward von den Tribu⸗ nalien bereits oͤfters ohne Anſtand bejahend entſchieden. (J. d. C. N. 1806, 11. 231.) Sehr mit Unrecht werfen die Hr. Jouanneau und Solon 1. 432, Note T. ſie daher als unentſchieden auf. 9) Ein, ſeiner Form nach gultiger, Akt der Anerkennung hat folgende Wirkungen: a) Er begruͤndet die väterliche Gewalt und alle damit ver⸗ bundene Rechte und Obliegenheiten;(Art. 383.) b) er ertheilt dem Kinde den Familien Namen desjenigen der es anerkannt hat; dennoch wird es von den Hrn. Jouanneau und Solon(I. 435, No. I.) als unent⸗ ſchieden angeſehen, ob natuͤrliche Kinder den Namen ihres Vaters fͤhren duͤrfen, wenn zugleich eheliche vorhanden ſind. Sobald ein authentiſcher Akt der Anerkennung vorhanden iſt, kann und darf das Kind ſogar keinen andern Namen als den ſeines Vaters fuͤhren, weil das Geſetz alle freiwillige NamensAenderungen verboten hat. Auch ſind Praxis und Jurisprudenz in dieſer Hinſicht ſo unbeſtritten und notoriſch, daß es ſchier unbegreiflich iſt, wie jene Bemerkung aus der Feder eines franz. RechtsGelehrten gefloſſen ſein kann. Zwar iſt kein ausdrucklicher Artikel in dem Codex enthal⸗ 176 ten, der den naturlichen Kindern dieſes Recht ertheilt, aber es iſt ja auch keiner vorhanden, welcher ſagt, daß ehe⸗ liche Kinder den Namen ihres Vaters fuͤhren ſollen, woruber doch noch Niemand ein Zweifel aufgeſtoſſen iſt. Uebrigens werden uneheliche Kinder durch die Anerken⸗ nung des Vaters nicht Mitglieder ſeiner Familie;„auſſer „der Ehe gebohrne Kinder haben keine andere Angehorige „als Vater und Mutter; ſie haben keine Verwandte“ ſagt der Caſſationshof in einer Urtheil vom 3 September I8o6.(J. du Pal. 1807. I. 163.) c) Sie ethalten dadurch gewiſſe Rechte auf die Erbſchaft ih⸗ rer Aeltern nach deren Tode, und waͤhrend ihren Lebzeiten ein Recht auf Alimentation, welche eine der väterlichen Gewalt anklebende Obliegenheit iſt. 10) Dies fuͤhrt uns zur Eroͤrterung der Frage, ob eine An⸗ erkennung, die als ſolche wegen einem Fehler in der Form ungültig iſt, das Kind zur Alimentation berechtigen könne, mit andern Worten, ob der Vater den Fehler der Anerken⸗ nung einwenden könne, um ſich dieſer Obliegenheit zu ent⸗ ziehen. Dieſe Frage iſt durch drei Urtheile des Appellhofes von Paris(von welchem das letzte vom 31 Jänner 1807 iſt, J. du Pal. 1807. I. 248) bejahend und durch zwei Ur⸗ theile des Kaſſationshofes vom 3 Ventoſe 10 und 26 Maͤrz 1806 verneinend entſchieden worden. Ohngeachtet die Verfaſſer der J. d. C. N.(an I3. I1. 392) allzuweit gehen, wenn ſie auf den Art. 756 geſtuͤzt ſogar den aner⸗ kannten natuͤrlichen Kindern das Recht, auf Alimentation zu klagen, abſprechen wollen, welches nicht aus dem Art.. 786 ſondern aus der Verfuͤgung, kraft welcher die Anerken⸗ nung ſie der väterlichen Gewalt unterwirft, herfließt, ſo 177 trete ich doch, nach reifer Ueberlegung, der Meinung des Caſſationshofes unbedingt bei, daß die aus dem Anerken⸗ nungsAkt herflieſſende Rechte untheilbar ſind, und eine nich⸗ tige Anerkennnung durchaus keine Wirkung hervorbringt Das HauptArgument der Vertheidiger der gegentheiligen Meinung, welches ſich auf den Art. 762 gruͤndet, nach wel⸗ chem, ihrer Behauptung zufolge, ſolchen Kindern, die in einem ehebrecheriſchen oder blutſchaͤnderiſchen Umgan⸗ ge gezeugt worden ſind, ſogar ein Klagrecht auf Alimenta⸗ tion zuſtehen ſoll, ohngeachtet das Geſetz ihre Anerkennung unmoͤglich gemacht hat, ſo daß alſo das Recht zur Alimen⸗ tation von der Anerkennung ſelbſt unabhängig ſei, faͤllt mit dieſer Behauptung zuſammen, welche wir zu ſeiner Zeit ohne groſſe Muͤhe wiederlegen werden.(S. No. 14 u. 15 hierunten.) 21) Es iſt jedoch ein Fall— wo ſolche Kinder, deren Anerkennung der Form halber nichtig iſt, dennoch aus dem Akt, worin dieſelbe enthalten iſt, einige Rechte ableiten koͤnnen; dieſer Fall iſt dann vorhanden, wenn der Vater darin eine formliche und beſtimmte Verbindlichkeit ubernommen hat. Ich glaube, daß alsdann der Richter befugt ſein wuͤrde, die Verpflichtung von der Anerken nung zu unterſcheiden, und da die erſte auch unter PrivatUnterſ ſchrift gultig eingegangen werden kann, den Vater zur Erfuͤllung derſelben zu verur⸗ theilen. Es iſt zwiſchen dieſem und dem vorigen Falle ein groſſer Unterſchied; im erſten enthaͤlt der Akt nichts als eine Anerkennung, welche das Geſetz nichtig erklärt hat; das Recht zur Alimentation iſt eine Folge der Unterwerfung des Kindes unter die vaͤterliche Gewalt, die durch dieſe nichtige Anerkennung nicht begruͤndet werden kann; im zweiten Falle enthaͤlt der Akt I1. Th. 12 178 auſſer der Anorckennung eine beſtimmte Verpflichtung, wel⸗ che der Form nach guͤltig iſt, und deren Vollzug die Tribu⸗ nalien nicht verweigern könnten, wenn ſie in einem andern, beſondern, Akt enthalten wäre. In dieſem Falle glaube ich nicht, daß die Nichtigkeit der in demſelben Akt enthalte⸗ nen Anerkennung die der Verpflichtung nach ſich zieht, wenn dieſe nicht aus einem andern Grunde angefochten werden kann. gur Unterſtutung dieſer Meinung glaube ich mich auch auf ein Urtheil des Caſſationshofes vom 10 Maͤrz 1808(J. d. C. N. 1808. I. 358.) berufen zu können. Die Demoiſelle Monty hatte, ſowohl in ihrem eignen Namen als auch als Vormuͤnderin ihrer natuͤrlichen Tochter, gegen den Hrn. Mayereine Klage auf Entſchaͤdigung wegen Verfuͤhrung und auf Anerkennung und Alimentation ihrer Tochter er⸗ hoben. Da dieſe Klage nur von Schriften unter Privat⸗ Unterſchrift unterſtuͤtzt war, ſo wieß der Appelthof von Pa⸗ ris ſie mit dieſer Klage ab, verurtheilte jedoch den Hrn. Mayer, der Tochter der Demoiſelle Monty eine älimentariſche Penſion von 500 Fr. und zur Zeit ihrer Majoritaͤt oder ihrer Verehelichung eine Summe von 12000 Franken zu zahlen, weil er dieſe Verbindlichkeit in den vorgelegten Schriften förmlich uͤbernommen hatte, und der Cuſſationshof verwarf das CaſſationsGeſuch von dieſem Urtheil,„weil die Verur⸗ theilung ſich nicht auf die Vermuthung der Paternität ſon⸗ dern auf die beſondere Umſtaͤnde des Falles und die eigene fruͤhere Anerbietungen des Klägers auf Kaſſation grunde, und es dem Caſſationshof nicht zuſtehe zu entſcheiden, ob der Appellhof wohl oder uͤbel geſprochen, indem er darin eine verbindliche Verpflichtung anerkannt habe.“ 12) Der Stand eines Individuums darf nicht unbedingt 179 von dem Zeugniß eines andern einzelnen Individuums abhan⸗ gen. Deshalb ertheilt der Art. 330 allen Betheiligten die Befugniß, die freiwillige oder gezwungene Anerkennung ei⸗ nes naturlchen Kindes zu beſtreiten. Am haͤufigſten wer⸗ den es die uͤbrigen Kinder, und die Erben des Vaters oder der Mutter ſein, welche von dieſer Befugniß Gebrauch machen. Doch iſt ſogar der Fall denkbar, daß das Kind ſelbſt, welchem man durch eine Anerkennung einen andern als ſeinen wahren Stand beigelegt hätte, die Anerkennung beſtreite. 13) Dieſe, den Betheiligten ertheilte, Befugniß hat jedoch ihre Schranken. So wuͤrden, falls der Vater ein Kind ohne Angabe der Mutter anerkannt hätte, die Erben deſ⸗ ſelben nicht zu dem Beweiße zugelaſſen werden konnen, daß dieſes Kind in einem ehebrecheriſchen oder blutſchaͤnderiſchen Umgange erzeugt worden ſei, weil das Geſetz jede Aner⸗ kennung eines ſolchen Kindes proscribirt hat, und das Re⸗ ſultat dieſes Beweißes doch eine ſolche ſein wuͤrde. Auch der negative Beweiß, daß der Urheber der Anerkennung nicht Vater des Kindes ſei, duͤrfte wohl in den we⸗ nigſten Fällen moglich ſein; wohl aber kann eine Anerken⸗ nung durch den geſetzlichen, doch nie durch Zeugen zu fuͤhren⸗ den, Beweiß entkraͤftet werden, daß ein Anderer als der Autor der Anerkennung Vater des Kindes iſt. 14) Das unbedingte Verbot des Art. 335, welches ſowohl von dem Projekt der Kommiſſion(Art. 64 u. 68 des 3ten Buchs) abweicht, als dem Geſetz vom Brumaire 2 Jahrs derogirt, hat man zum Theil den Bemerkungen des Appellhofes von Lyon zu verdanken, der ſich mit Nachdruck gegen die Immora⸗ 3 180 ität einer Geſetzgebung äuſſerte, welche es erlauben wuͤrde, foͤrmliche Beweiße des Ehebruchs und der Blutſchande auf⸗ zuzeichnen und zu verewigen. Unmoͤglich kann das Geſetz, vemerkte dieſer Gerichtshof, einer Mutter dasRecht erthei⸗ len, ihre Blutſchande in ein öffentliches Regiſter einzutra⸗ gen, einem Vater, einem Bruder erkuben, es oͤffentlich zu erklären, daß er der Bruder ſeines Sohnes, der Vater ſei⸗ nes Neffen iſt; einem Wollſtling, daß er mit der Ehe ſein Spiel getrieben habe. Das Geſetz muß dieſe Schandthaten ignoriren oder beſtrafen. Die Sektion trat zwar der Mei⸗ nung des Appellationshofes von Lyon bei, glaubte aber, es ſei am beſten, in dem Coder dieſer Kinder gar nicht zu er⸗ wähnen. Im Staatsrath kam man jedoch über die Noth⸗ wendigkeit uͤberein, den Tribunalien eine beſtimmte Vor⸗ 3 ſchrift zu ertheilen, ſo wie uber die, jede Anerkennung zu ver⸗ bieten, die zugleich das Geſtändniß eines Verbrechens ent⸗ halten wuͤrde. Zu bemerken iſt, daß es der Polizei Gewalt nicht erlaubt iſt, der Abſtammung des Kindes nachzuforſchen, und daß jedes Kind ſo lange als in einem auſſerehelichen Umgange von freien Perſonen erzeugt angeſehen wird, als der Chebruch oder die Blutſchande nicht erwießen oder durch das Geſtändniß der Aeltern bewaͤhrt ſind. Freilich kann deshalb auch die Anerkennung blutſchanderiſcher und ehebre⸗ cheriſcher Kinder durch den Vater ohne Angabe der Mutter, oder durch die Mutter ohne Angabe des Vaters, nicht wohl ver⸗ hindert werden; allein man fand dabei weniger Nachtheil als bei dem entgegengeſetzten Syſtem, weil geheime Verbrechen dieſer Art den Sitten nicht ſo nachtheilig ſind, als deren Ver⸗ folgung und die damit verbundene Publizität. 15) Man hat zwiſchen dem Art. 335 und 342 und dem Art. X 187 762 einen Widerſpruch zu finden geglaubt, den wir bereits oben Nro. 10 beruͤhrt haben, und der meines Erachtens nicht ſchwer zu loßen iſt. Man darf naͤmlich nur annehmen, daß der Art. 762 in ſeiner Anwendung auf die Fälle zu be⸗ ſchraͤnken iſt, worin das Geſetz, aller Vorſicht ohngeachtet, nicht verhindern kann, daß der Stand in einem ehebreche⸗ riſchen oder blutſchänderiſchen Umgange erzeugter Kinder be⸗ urkundet werde, deren Schickſal in dieſen ſeltnen Faͤllen es daher nothwendig reguliren mußte. Dieſe Faͤlle ſind folgende: a) wenn eine Ehe wegen Bigamie oder Blutſchande nich⸗ tig erkläͤrt worden iſt, und deide Ehegatten in böſem Glauben waren; b) wenn ein Kind von dem Vater mit Fug verlaugnet worden iſt. 16) Ueber die Frage, welche Kinder als Fruͤchte eines ehebreche⸗ riſchen oder blutſchaͤnderiſchen Umgangs anzuſehen ſind, ſiehe Theil 1.§. 84. No. 5 und 6, S. 379. §. 108. Der Vater und die Mutter können, Jeder insbeſondere, ein natürliches Kind, freiwillig anerkennen. Doch „) bringt die Anerkennung des Vaters, ohne das Ein⸗ geſtändniß der Mutter, nur in Hinſicht auf ihn ihre Wirkungen hervors v) bringt eine, während der Ehe gemachte Anerken⸗ nung eines vor Eingehung der Ehe erzeugten natür⸗ lichen Kindes nur dann ihre Wirkungen hervor, 1) wenn die Ehe aufgeloͤßt, und 2) keine Kinder aus derſelben vorhanden ſind⸗ Jede Klage auf Anerkennung der Vaterſchaft iſt verboten; den einzigen Fall einer gewaltſamen Entfuͤhrung 336. 340 340 0* — 5 182 ausgenommen, wenn der Zeitpunkt derſelben mit dem dek. Empfängniß uͤbereinſtimmt; ſelbſt in dieſemm Falle findet keine Klage auf Anerkennung ſtatt, wenn ſie nur den Stand eines ehebrecheriſchen oder blutſchaͤnderiſchen Baſtards begruͤnden könnte. Die Klage auf Anerkennung der Maternität iſt unter folgenden Bedingungen erlaubt: 1 daß ein Anfang eines ſchriftlichen Beweißes vorhan⸗ den ſei; 2) daß ſie nicht zur Anerkennung des Standes eines ehebrecheriſchen oder blutſchaͤnderiſchen Baſtards fuͤhre. Der Erfolg dieſer Klage haͤngt von dem Beweiße ab, daß der Kläger identiſch daſſelbe Individuum iſt, von welchem die Beklagte embunden worden. Lonre, V. 258 etsuiv. Malerlle, 333 et suiv. Projet du C. C. liv. I. ut. 7. art. 27. Nov. 89. cap. I2. 15. Cap. 5. in fin. X. de eo qui dux. Deltucourt, Inst. I 135. Colleetion d'arréts et de Jug. 1506, II. p. 192. Thibant S. des P 8. 474 u. F. Annalen der Geſetzz. Napoleons, I. S. 266. Art. 1 des Statuts vom 30 März 1806. v) Die Verfuͤgung des Art. 336, welche mit dem Vorſchlag der Kommiſſion(Art. 27 a. a. O.) in gradem Widerſpruche ſteht, gieng nicht ohne heftigen Widerſpruch durch Die Kommiſſion behauptete: die Anerkennung des Vaters koͤnne erſt durch die der Mutter eine hinlängliche Vermuthung zu Begruͤndung der Abſtammung gewaͤhren, weil ſonſt die beſſer unterrichtete Mutter dem Kinde nachher einen andern Vater geben konne; auch koͤnne man, ward behauptet, das Kind ſelbſt, ohne ſein In⸗ tereſſe zu verletzen, nicht dem erſten Occupanten Preiß geben; das Kind wuͤrde von einer ſolchen Anerkennung durchaus 183 Leinen Vortheil haben, nicht in Hinſicht auf ſeinen Stand, weil ſie ihm doch nur den eines Baſtardes konferiren konne, und nicht in Hinſicht auf die Unterſtuͤzung, welche ihm der Vater auch ohne Anerkennung ertheilen könne; waͤre aber die Anerkennung ohne Einwilligung und Angabe der Mutter verbsten, ſo wuͤrde dieſer es, was ihm weit vortheilhafter wäre, eher adoptiren; zudem gehore rjedes uneheliche Kind der Mutter an, und es wäre unrecht, ohne deren Einwilligung daruͤber zu verfuͤgen. Dieſen Erwaͤgungen ſetzte man folgenbe entgegen: die Gewißheit der Paternität konne auſſer der Ehe eben ſo groß als in der⸗ ſelben ſeyn; jeder Stand, ſelbſt der eines natuͤrlichen Kindes ſei doch immer ein Vortheil; mancher, der nichts verſchenken konne, habe doch Mittel, ſein naturliches Kind zu ernähren; die Anerkennung des Vaters könne dem wahren Stande des Kindes nie Abbruch thun, weil nichts das Kind verhindere gegen eine irrthämliche oder falſche Anerkennung zu rekla⸗ miren; die Rechte der Mutter duͤrften die des Kindes nicht ſchmälerns dieſelbe koͤnne verheurathet, abweſend, todt, ſelbſt im Kindbette verſtorben ſein, warum man alsdann das Kind der lnerkennung ſeines Vaters berauhen ſollte? ſelbſt die Moͤg⸗ lichkeit, daß mehrere zugleich die Paternitat eines Kindes in Anſpruch nehmen könnten, fuͤhre keinen Nachtheil fuͤr das Kind mit ſich, weil das Reſultat des Streites ihm doch immer irgend einen Stand verſchaffen wuͤrde; ein Baſtard gehoͤre niemand an, warum denn denjenigen ahweißen, der ihm ſeinen Schutz anbietet? Dieſe Gruͤnde bewogen den Staatsrath zu verfuͤgen, daß die Anerkennung des Vaters ohne das Geſtaͤndniß der Mutter guͤltig ſein ſolle, aber ſie gewaͤhrt dem Kinde kein Recht gegen die, welche ſie als Mutter anfuͤhrt, weil niemand ohne Vollmacht von einem Dritten einen Rechtstitel gegen denſelben begruͤnden kann. Zugleich ward. dabei bemerkt, daß, falls der Vater die Mutter ohne ihre Einwilligung namhaft machen ſollte, dieſe ſogar zu einer Injurien Klage gegen denſelben allerdings befugt ſein wuͤrde. 2) Kann der Widerſpruch der Mutter die Anerkennung des Vaters entkraͤften? eben ſo wenig, ohngeachtet die Sektion anfangs darauf angetragen hatte.(VerbalProzeß vom 20ten Fruktidor; 11. 38.) Hätte man dieſen Widerſpruch ohne alle Unterſuchung annehmen wollen, ſo wäre das Intereſſe des Kindes allzuſehr gefährdet geweſen; freilich kennt die Mutter das Geheimniß der Paternitaͤt am beſten, aber es darf doch nicht von ihrem höſen Willen allein abhangen, es zu ver⸗ heimlichen und, vielleicht aus Haß gegen den Vater, deſſen gute Abſicht zu paralyſiren; wollte man aber ih⸗ ren Widerſpruch einer Unterſuchung unterwerfen, ſo lag die Schwierigkeit in der Beſtimmung der Umſtaͤnde, die ihn entkraͤften ſollten. Hauptſaͤchlich beſtimmte man ſich aber durch den Grund, daß die Mutter zu einem ſolchen Einſpruch durchaus kein Intereſſe hat, ſobald die von dem Voater ge⸗ ſchehene Anerkennung ihr in keinem Falle zum Nachtheil gereichen kann. 3) Es kann nicht von einem der Ehegatten abhangen, nach dem Abſchluß der Ehe das Loos ſeiner ehelichen Kinder zu ſchmaͤlern. Wenn es den Ehegatten nicht erlaubt iſt, nach der Ehe ihre gemeinſchaftliche Kinder zu legitimiren, ſo können noch vielmehr Kinder, die einem von ihnen fremd ſind, keine Rechte erhalten, die denen der ehelichen Abbruch thun konnten; faͤllt jedoch der Beweggrund dieſer Verfu⸗ gung weg, ſo bringt die Anerkennung ihre Wirkung hervor. 185 Dieſe Verfuͤgungen des Artikels 337 ſind ſogar auf die An⸗ erkennung eines Kindes durch beide Ehegatten als die Frucht eines fruͤhern Umgangs anwendhar. Mie Unrecht behauptet Delvincourt(1. 185) daß dieſe Anerkennung ihm die Rechte eines naturlichen Kindes ertheilen muͤſſe, weil der andere Ehegatte, von der Exiſtenz des Kindes nothwen⸗ dig unterrichtet, nicht behaupten könne, betrogen worden zu ſein. Der Artikel 337 verfuͤgt ſowohl zum Vortheil der Kinder als der Ehegatten; er laͤßt keine Ausnahmen zu; auch muß in Hinſicht auf die Ehegatten, welche ein gemein⸗ ſchaftliches Kind weder vor der Ehe anerkannt noch durch die⸗ ſelbe legttimirt haben, vermuthet werden, daß beides zufolge einer Uebereinkunft nicht geſchehen iſt. 4) Man hat behaupten wollen, der Art. 337 ſei in der Art. zu verſtehen, daß jede waͤhrend der Ehe gemachte Anerken⸗ nung nichtig ſei. Dies iſt aber offenbar nicht der Fall, ſondern ihre Guͤltigkeit oder vielmehr ihre Wirkungen ſind nur den Bedingungen der Auflößung der Ehe und der RichtExiſtenz von Kindern aus derſelben untergeordnet. Die Frau bedarf ſogar der Autoriſation ihres Mannes nicht, um, waͤhrend der Ehe, ein Kind anzuerkennen, das ſie vor der⸗ ſelben von einem Andern gehabt haͤtte, ſo wie es aus der Verfuͤgung folgt, daß die von einem der Ehegatten gemachte Anerkennung dem andern nicht zum Nachtheil gereichen koͤnne. Sind aber auch Kinder aus der Ehe vorhanden, ſo giebt es dennoch einen Fall, worin die An⸗ erkennung keine Wirkungen hervorbringen wuͤrde. Dieſer iſt dann vorhanden, wenn der Autor der Anerkennung zuerſt verſtorben wäre, und im Ehekontrakt ſeinem Mitgat⸗ ten ſein ganzes Vermoͤgen geſchenkt hätte, welcher Schenkung die Anerkennung keinen Abbruch thun kann. 186 3) Eten ſo hat man behauptet, eine nach Auflößung ber Ehe gemachte Anerkennung koͤnne, ſobald aus der aufge⸗ lößten Ehe Kinder vorhanden waͤren, dieſen keinen Eintrag thun, und folglich keine Wirkungen hervorbringen. Man ſtutzte ſich dabei auf folgende Stelle des Redners der Regie⸗ rung bei der Vorlage des beſagten Artikels:„wenn, zur Zeit der Auflößung der Ehe, keine Kinder vorhanden ſind, ſo iſt kein Beweggrund vorhanden, daß die Anerkennung nicht auf dieſelbe Art ihren Vollzug erhalte, als wenn gar kei⸗ ne Kinder in der Ehe erzeugt worden wäͤren“; um zu behaupten, daß das Intereſſe der Kinder allein. die Verfuͤgung des Art. 337 beſtimmt habe, nicht aber das des Ehegatten, weil die Anerkennung eines natuͤrlichen Kin⸗ des duoch einen der Ehegatten ohnehin den Rechten des, andern keinen Abbruch thun konne, indem ſie erſt bei Thei⸗ lung der Erbſchaft, alſo nach Auflößung der Ehe, ihre Wir⸗ kungen hervorbringt. Daß die Abſicht des Geſetzgebers nicht geweſen ſei, den Frieden der Ehe zu verſichern, ſondern einzig fuͤr den Vortheil der rechtmäſſigen Kinder zu ſorgen, folge auch ſchon daraus, daß er nicht die Anerkennung verboten, ſondern nur ihre Wirkungen fuspendirt habe; es koͤnne daher auch nicht ſeine Abſicht geweſen ſein, eine Schmälerung ihrer Rechte durch eine nach Auflößung der Ehe geſchehene Anerkennung zu erlauben, und ſobald eheliche Kinder vorhanden wären, muͤſſe der Art. 337, oh⸗ ne Ruͤckſicht auf die Epoche der Anerkennung, ſeinen Voll⸗ zug erhalten: die Worte pendant le maiage, ſeien nicht als eine poſitive Verfuͤgung deſſelben anzuſehen, ſondern man habe dadurch bloß die Quelle der legitimen Deszen⸗ denz, deren Rechte durch dieſen Artikel ſicher geſtellt werden 187 ſollten, anzeigen wollen. Wir koͤnnen dieſe Graͤnde nicht. beſſer als mit den eignen Worten des Caſſationshofes wi⸗ derlegen, welcher durch ein Urtheil vom 6 Jänner 1808, (Collect. a. a. O.) ein darauf geſtuͤtztes Caſſations Geſuch verworfen hat:„In Erwaͤgung, daß jede Diskuſſion uͤber „den Geiſt eines Geſetzes uͤberfluͤſſig wird, ſobald der Tert „deutlich iſt; daß der Art. 337 des Coder Napoleon augen⸗ „faͤllig nur von ſolchen Anerkennungen ſpricht, welche waͤh⸗ „rend der Ehe gemacht worden ſind; daß es nur die⸗ „ſe, während der Ehe, geſchehene Anerkennungen ſind, „welche in den vom Art. 337 vorgeſehenen Fällen zu Gun⸗ „ſten der natuͤrlichen Kinder keine Wirkungen hervorbringen „koͤnnen, ꝛc.“ 6) Im Allgemeinen verſagt das Geſetz den Kindern jedes Klag⸗ recht auf Anerkennung der Paternität; der Art. 340 laͤßt. nur eine Ausnahme von dieſer Regel, und zwar in einem be⸗ ſondern Falle, zu. Dieſen ausgenommen berechtigt weder der Anfang eines ſchriftlichen Beweißes noch irgend ein fak⸗. tiſcher ThatUmſtand zu einer Klage dieſer Art. Dieſe Verfuͤgung entſpricht der tranſitoriſchen Geſetzgebung,(Geſ. v. 12 Brum. 2) ſteht aber mit der ältern im Widerſpruch, die die Maxime: creditur virgini handhabte. Die Schwierigkeit und das⸗ Aergerniß des Beweißes, ſo wie Ungewißheit der Pater⸗ nität waren nicht die einzigen Gruͤnde, welche zu dieſer Neue⸗ rung beſtimmt haben. Nicht weniger Ruͤckſicht ward dabei auf die Misbräuche genommen, zu welchem das Geſchwän⸗ gerten ehedem ertheilte Klagrecht ſtatt gab; Mädchen von dem ausſchweifendſten Lebenswandel ſpekulirten auf die Pu⸗ blizität ihrer Ausſchweifungen, und gewoͤhnlich mußte der reichſte ihrer Liebhaber, um die Schande eines ärgerlichen 185 Prozeſſes zu vermeiden, ihr Stillſchweigen mit Gold er⸗ kaufen. 7) Man hat zu bemerken, daß nach der allgemeinen, unbedingten und von dem Caſſationshof ſtrenge gehandhabten Jurisprudenz das Verbot der Klagen auf Anerkennung der Vaterſchaft ſich auf alle Klagen erſtreckt, welche unter dem Vorwand der Schwängerung auf Entſchaͤ⸗ digung wegen Verluſt der Jungferſchaft, Verfuͤhrung, Kind⸗ betts Koſten, und uberhaupt unter welchem Namen es immer ſein mag, angeſtellt werden können. Die Vaterſchaft iſt untheilbar, und es wäre ein offenbarer Widerſpruch, wenn Jemand wegen Schwängerung einer Frauensperſon zur Ent⸗ ſchädigung verurtheilt werden könnte, ohne daß er jedoch als Vater des von ihr gebohrnen Kindes zur Unterhaltung dieſes letztern angehalten werden koͤnnte. Doch darf man dieſen Fall nicht mit dem verwechſeln, wo ein EheKontrakt abgeſchloſſen oder ein ſchriftliches HeurathsVerſprechen aus⸗ geſtellt worden iſt und wo eine EntſchädigungsKlage, nicht wegen dem Verluſt der Jungferſchaftz, ſondern wegem dem NichVollzug der Uebereinkunft und dem dadurch erlittenen Schaden in beſondern Umſtänden zuläſſig ſein kann⸗ 8) Ueber mehrere Streitfragen, zu welchen die Verfuͤgung des Art. 340 in den Staaten, in welchen vorher noch Klagen auf Anerkennung der Vaterſchaft erlaubt waren, in Betreff ſolcher Kinder ſtatt geben kann, welche vor der Einführung des Codex gebohren oder empfangen waren„ſehe man meine Annalen a. a. O. nach. Erworbene Rechte ſchuͤtzen, wo keine erworben ſind, keine geſtatten, dies ſcheint mir die richtige Anwendung des Artikels 340 zu ſein. Das Geſetz ſoll nicht zuruͤckwirken, aber es darf auch nicht ohne Vollzug bleiben; wer daher z. B. ſeine Klage erſt durch eine einſeitige 189 Ladung eingefuͤhrt hätte, ohne durch Geſtändniſſe den Be⸗ weiß der Paternität erworben zu haben, oder ſelbſt zu einem Beweiße zugelaſſen worden zu ſein, wuͤrde in Fortſetzung ſei⸗ ner Klage, meiner Meinung nach, unzuläſſig ſein. Sobald noch kein Schritt zu Erforſchung der Vaterſchaft geſchehen iſt, glaube ich nicht, daß einer geſchehen darf. Anderſt ver⸗ hält es ſich mit dem, der ſeinen Beweiß angetreten oder vollbracht hat; das Urtheil, welches ihn dazu zuließ und welches den beſtehenden Geſetzen zufolge erlaſſen worden, ertheilt ihm ein erworbenes Recht, das keine ſpaͤtere Geſetz⸗ gebung ihm mehr entwinden kann⸗ 9) Die Ausnahme, welche der Art. 340 fuͤr den Fall der Entfuͤhrung der Mutter macht, iſt die einzige, welche die all⸗ gemeine Regel erlaubt, Die Kommiſſion und die Sektion wollten ſogar in dieſem Falle dem Kinde das Recht verſagen, den Namen des Entfuͤhrers zu fuͤhren, und ihm eine dloße Entſchaͤ⸗ digungsKlage geſtatten. Auch im Staatsrath gieng dieſer An⸗ trag anfangs durch, weil man einen Widerſpruch darin fand, daß jemand gezwungen werden könne, ein Kind fuͤr das ſeinige zu halten; das Tribunat fand aber einen weit größeren, darin, wenn die Paternitaͤt des Entfuͤhrers erwießen werden duͤrfte, um eine Entſchaͤdigung zu erhalten, ohne daß er doch zum Vater des Kindes erklärt werden könnte, das die Mutter, wegen deren Schwaͤngerung er verurtheilt worden, zur Welt gebracht haͤtte. Dieſe Bemerkung fand Eingang; es iſt jedoch zu bemerken: a) daß nur von einet gewaltſamen Entfuͤhrung(Kap') nicht aber von einer Verfuͤhrung(Rapt de seduetuon) die Rede iſt; b) daß die Entfuͤhrte nicht geradezu auf die Anerkennung 100 der Paternitat zu klagen befugt iſt, ſondern daß vorerſt durch ein Urtheil entſchieden ſein muß, daß eine gewalt⸗ ſame Entfuͤhrung ſtatt gehabt hat; c) ſelbſt, wenn die Entfuͤhrung bewährt iſt, und die Epoche der Empfaͤngniß mit der der Entfuͤhrung zuſammentrift, muß der Entfuͤhrer nicht nothwendig zum Vater des Kindes erklaͤrt werden, ſondern er kann es nur, wenn der Richter in den ThatUmſtaͤnden, welche die Entfuͤhrung begleitet haben, die Elemente ſeiner Ueberzeugung findet. Deshaib wurden die Worte: pourra étre, der erſten Abe faſſung: sera, ſubſtituirt, hauptſächlich weil es unmöglich iſt, die Epoche der Empfaͤngniß genau anzugeben. 40) Die Klage auf Anerkennung der Maternitaͤt ward, des heftigen Widerſpruchs des Appellhofes von Lyon ohngeach⸗ tet, erlaubt, ſo oft der Anfang eines ſchriftlichen Beweißes vorliegt. Die Beweggrunde, welche den Geſetzgeber bewogen haben, die Aufſuchung der Paternität zu verbieten, ſind hier nicht vorhanden; die Maternität iſt weder ungewiß, noch laſſen ſich ſo leicht frevelhafte, aus gewinnſichtigen Abſichten unternommene, Klagen befuͤrchten. 11) Findet dieſe Klage auch gegen verheurathete Weiber ſtatt? hier hat man wieder die Epoche der Empfängniß zu beruͤck⸗ ſichtigen. Iſt das Kind wäͤhrend der Ehe der Mutter em⸗ pfangen worden, ſo iſt kein Zweifel, daß es in ſeiner Klage unzuläſſig ſein wuͤrde,(342) weil ſie auf die Anerkennung ſeines Standes als ehebrecheriſches Kind hinauslaufen wuͤrde. Iſt es aber vor der Ehe empfangen worden, ſo wuͤrde ſie zuläſſig ſein, weil der Artikel keine Ausnahme enthält, und die, wel⸗ che in Vorſchlag gebracht ward, ausdruͤcklich verworfen wor⸗ den iſt. Nicht einmal der Vorſchlag ward angenommen, das ToT Klagrecht des Kindes bis zur Eroͤffnung der Erbſchaft zu ver⸗ ſchieben, weil die Mutter, welche ihrem Manne das Daſein eines unehelichen Kindes verheimlicht haͤtte und dieſem ſogar die Alimentation verſagen wuͤrde, wenig Ruͤckſicht zu verdienen ſchien. Auch wuͤrde durch die Verſagung des Klagrechtes der Zwock, den Frieden in der Familie zu erhalten, doch nicht erreicht worden ſein, indem nicht zu vermuthen ſteht, daß das Kind ſich zu dieſem letzten Mittel entſchließen wird, als nachdem es vorher ſeine Beſchwerden auſſergerichtlich auf jede Weiſe geltend gemacht hat, wodurch ſein Daſein noth⸗ wendig dem Manne vor der Klage bekannt werden muß. 12) In Hinſicht auf den Anfang eines ſchriftlichen Beweißes, den der Art. 341 erfordert, iſt zu bemerken, daß man bei der Diskuſſion ausdruͤcklich uͤbereinkam, daß der auf den Re⸗ giſtern des Cwilſtandes befindliche GeburtsAkt eines Kindes, deſſen Tod nicht bewaͤhrt wäre, nicht als Anfang eines ſchriftlichen Bew ißes gelten könnez erſtens, weil der Zeu⸗ genbeweiß, ſobald die Identitat dadurch konſtatirt werden ſoll, allzu unzuverläſſig iſt, und andern Theils, weil man ſich in einem Zirkel herumdrehen wuͤrde, um zu beweiſen, daß dieſer GeburtsAkt der des Kindes ſei, wenn man den Ge⸗ burtsAkt ſelbſt als Beweiß anfuͤhren könnte. Ein ſchriftli⸗ cher Beweiß iſt nur dann vorhanden, wenn er ſich auf eine beſtimmte Perſon bezieht, nicht wenn er auf mehrere paſſen kann. Man ſehe in dieſer Hinſicht den Art. 324 und unſere Bemerkungen uͤber denſelben nach. 13) Kann der Abgang eines ſchriftlichen Beweißes, wie im Falle des Art. 323, durch unbeſtrittene faktiſche Unſtände erſetzt werden. Fuͤr dieſe Meinung läßt ſich anfuͤhren, daß der Geſetzgeber in ſeinen Forderungen fuͤr den Beweiß einer 373 333 192 unehelichen Geburt nicht ſtrenger als fuͤr den Beweiß einer ehelichen ſein kann. 14) Die Glieder der Kaiſerlichen Familie durfen ihre auſſer⸗ eheliche Kinder nicht ohne die Einwilligung des Kaiſers an⸗ erkennen.(Art. 12 des Statuts vom 30 März 1806.) Zweites Kapitel. Wem die väterliche Gewalt zuſteht. 5. 109. Nur den Aszendenten im erſten Grade ſtebt die väter⸗ liche Gewalt zu. Ueber eheliche Kinder uͤbt ſie, waͤhrend der Ehe, der Vater allein aus; nach dem Tode des Vaters geht ſie auf die Mutter uͤber. Die väterliche Gewalt uͤber uneheliche Kinder ſteht demjenigen der Aeltern zu, das ſie geſetzlicher Weiſe aner⸗ kannt hat. Sind ſolche Kinder von Vater und Mutter geſetzlich an⸗ erkannt, ſo uͤbt ſie der Vater allein aus; nach dem Lode des Vaters kommen ſie unter die Gewalt der Mutter⸗ Locré, V 378. Malevlle, I. 377. Thibaut S. d. P. J. 344 u⸗ ff. 353 u. ff. 4) Wir haben bereits bemerkt, daß die väterliche Gewalt des franzoſiſchen Rechtes mit der des roͤmiſchen Rechtes durchaus nicht verglichen werden kann. Beide gehen von ganz ver⸗ ſchiedenen Grundſätzen aus; die letzte war, wenigſtens ur⸗ ſpruͤnglich, ein Ausfluß des EigenthumsRechts, welches den Vätern uͤber ihre Kinder zuſtand und ſich daher auf die Deszendenten derſelben erſtreckte; in dem ftanzöſiſchen Rech⸗ te iſt die väterliche Gewalt nichts als der Inbegriff der Rechte, welche man dem Vater als nothwendige Mittel zur 193 Erfuͤllung ſeiner Väterpflichten zugeſtehen mußte, oder dee Maasregeln, welche man fuͤr den Schutz und die Vertheidi⸗ gung, fuͤr die haͤusliche Verwaltung und die Erziehung des Kindes noͤthig erachtete. Deshalb ſind auch die Muͤtter zu derſelben berufen, welche nach dem roͤmiſchen Rechte davon ausgeſchloſſen waren, weil das Eigenthum der Kinder auf ſie nicht ubergehen konnte. Ueberhaupt war die roͤmiſche Geſetz⸗ gebung uͤber die väterl. Gewalt durchaus poſitiv, während das franzöſiſche Recht in dieſer Materie ſich mehr den Grund⸗ ſätzen des Naturrechts naͤhert, welches der Mutter gleiche Rechte mit dem Vater uͤber ihre Kinder anerkennt, und wenn dieſe Gleichheit der Rechte, die durch gleiche Sorgfalt, Zu⸗ neigung und Beſchwerden begruͤndet wird, den Vorrech⸗ ten des Mannes als Haupt der ehelichen Geſellſchaft wei⸗ chen muß, ſo tritt doch, in Ermangelung des Vaters, die Mutter in ihre Rechte zuruͤck. 2) Eben ſo konnte die römiſche väterliche Gewalt in Hinſicht auf auſſereheliche Kinder nur durch die Adoption oder Le⸗ gitimation begtündet werden; da die franzöſſſche väterliche Gewalt den Vaterpflichten anklebt, ſo tritt ſie ein, ſobald in einer geſetzlichen Anerkennung ein hinlaͤnglicher Beweiß der Vaterſchaft oder Maternitaͤt vorliegt. 3) Da, wie oben bemerkt, Vater und Mutter gleiche Rechte haben, und der Grund, wegen welchem die Rechte der Mutter während der Ehe denen des Vaters untergeordnet ſind, (nämlich ihre Abhaͤngigkeit von ihrem Manne) in Hinſicht auf die Aeltern natuͤrlicher Kinder nicht beſteht, ſo fragt ſich, warum, wenn ein auſſereheliches Kind von 11. Th. 13 27⁴ 194 Vater und Mutter zugleich anerkannt iſt, der Vater vor der Mutter den Vorzug erhält, den ihm zwar keine beſtimmte geſetzliche Verfuͤgung aber eine und ſtrittene Jurisprudenz zugeſteht. Ich weiß keinen ändern, als weil das Kind von dem Vater, als dem ſtarkern, ſich im Allgemeinen gröſſern Schutz zu verſprechen hat, und, da es deſſen Namen fuͤhrt, von ihm ſeinen Platz in der Geſellſchaft angewieſen erhält. 4) Der Kaiſer uͤbt die väterliche Gewalt uͤber alle Glie⸗ der der Kaiſerlichen Familie während ihrer Minderjaͤhrigkeit aus.(Art, 1 des Statuts vom 30 März 1806.) Iſt er ſelbſt minderjaͤhrig, ſo wird ſie von dem Regenten und dem Regierungs Rath ausgeubt.(Art.« doſ.) 5) Es wäre hier der Ort, die Frage zu ünterſuchen, in wie weit der Art. 302 des Coder Napoleon den Vater, gegen welchen die Eheſcheidung ausgeſprochen worden, der väterli⸗ chen Gewalt beraubt? Da es aber zu dem Ende nöthig iſt, den Umfang dieſer Gewalt zu kennen, ſo verſparen wie ſie bis zum folgenden Kapitel Drittes Napitei. Von der Ausdehnung und den Schranken der väterlichen Gewalt. §. IIO. Folgendes ſind die mit der väterlichen Gewalt verbun⸗ dene Gerechtſame: ) das Recht der Aufſicht uber das Kind und derLeitung ſeiner Handlungen, kraft deſſen der Vater(oder die Mutter) für ſeine Erziehung zu ſorgen hat Folgen dieſes Rechtes ſind, daß das Kind die Wohnung des Vaters oder jeden andern ihm von dieſem angewieſenen Aufenthalts Ort ohne deſſen 1. 195 Erlaubniß nicht verlaſſen darf(es ſei denn um, nach erreichtem Alter von 18 Jahren, freiwillig Kriegs⸗ Dienſte zu nehmen) und ſich ohne Einwilligung des Vaters nicht verehelichen kann. b) Ein Zuͤchtigungs Recht, welches ſich bis auf 315 eine Einſperrung in einer dazu beſtimmten Anſtalt 376 erſtreckt, die der Vater kraft ſeiner Autoritaͤt zu ver⸗ ordnen befugt iſt, oder worauf er nur antragen kann, 377 wenn er zur zweiten Ehe geſchritten iſt, oder 373 das Kind das Alter von 16 Jahren erreicht hat 379˙33 oder eignes Vermögen beſitzt. Der Mutter ſteht das Recht, das Kind einſperren zu laſſen, nur unter die⸗ ſer letzten Beſchränkung zu. c) Das Recht des Nießbrauchs des eignen Vermo⸗ 348 gens des Kindes, welches ſich jedoch weder auf dasje⸗ nige erſtreckt, was daſſelbe durch eine eigne von der ſei⸗ ner Aeltern getrennte Induſtrie erwerben mag, noch auf dasjenige, was ihm unter der Bedingung ge⸗ 337 ſchenkt worden, daß die Aeltern keine Nußnieſſung davon haben ſollen. Dieſer Rießbrauch endigt durch die Eheſcheidung der Aeltern, durch die Emanzipa⸗ tion der Kinder, wenn dieſe das I8te Jahr zuruͤckgelegt haben, oder wenn die Mutter zur zweiten Ehe ſchreitet. d) Dasjenige der Aeltern, welchem die vaͤterliche Ge⸗ walt zuſteht, iſt zugleich Vormund uͤber das Ver⸗ mogen der Kinder, bis zu ihrer Majorität, in wel⸗ 239 cher Vormundſchaft es ſich mehrerer Beguͤnſtigungen zu erfreuen hat. Die der väterlichen Gewalt anklebende Laſten beſtehen * 337 386 196 in der Obliegenheit, dem Kinde Unterhalt und eine ſtan⸗ desmäſſige Erziehung zu geben. In keinem Falle haben die Aeltern das Recht, ihre Kinder zu enterben. Locre, V. 579, vI 19 etsniv. Maleville, 371, 397. Proce verbaux Aes 36 frimaire 10, 8 vendémiaire et 20 brumaire 11. Delvincohrt, J. 191, 211. Pandectes frangaises, W. 33 355. Pochier, traitèé de la garde, art. Z. J. 4. Merveilleu, chap.. No. 2. Réhussohn, chap. 7. No. 52. Duplessis, sur 1a Coutune de Puris, art. 267 Bourjom, tit. 19, chop. 10, No. as et 29. Journal du Palais, 1803, II. 304. L. 3. C⸗ de patr. potest.(8 47.) L 1. et 4. C. de bonis mat.(6. 60.) 1 6. C. de bon. quse lib.(6. 61.) Nov. 117, cap 1. in pr. LL7 et 8, f. de pecul.( 15. I.) L4§. 1. LL5„ 7 et 13, fl. de Castr. pec.(49. 17.) L. C, eod.( 12. 37) L. 5. C. kam⸗. ercisc.(3. 36.) 1) Man hat die väterliche Gewalt von der damit verbundenen Vormundſchaft, die allerdings, wie H. v. Allmen⸗ dingen in ſeiner Allg. Bib. S. 290 richtig bemerkt, fuͤr einen deutſchen Civiliſten etwas Auffallendes hat, wohl zu unterſchei⸗ den. Die ſpitzfindige Unterſcheidung, welche Loere(VI. S.„ u. ff) aufſtellt, und nach welcher ſo lange die Ehe beſteht, der Vater nur administrateur nicht tuteur ſein, nach der Auflöſung der Ehe aber erſt uteur werden ſoll, be⸗ ruht auf dem einzigen Worte adnrinistrateur, welches in dem Art. 380 gebraucht wird. Ich erklaͤre mir dagegen den Ge⸗ brauch dieſes Wortes folgendermaſſen: die väterliche Ge⸗ walt hat in Hinſicht auf die Perſon des Kindes ausgedehn⸗ tere und ſelbſtſtändigere Rechte als die Vormundſchaft, Deshalb wollte man die Rechte der väterlichen Gewalt von der damit verbundenen Verwaltung des Vermoͤgens unterſcheiden, um anzudeuten, daß, ohngeachtet der Vater in 197 der erſten Hinſicht mehr als Vormund iſt, er dennoch in der letzten Hinſicht nur Verwalter, nicht Herr, alſo nichts als bloſſer Vormund ſei, mit andern Worten, daß die ausgedehntere Vormundſchaft des Vaters, väterliche Gewalt genannt, in Bezug auf die Guͤter des Pupillen nichts als eine gewoͤhnliche Verwaltung oder Vor⸗ mundſchäft iſt. Der von Loers gemachte Unterſchied hin⸗ gegen findet ſich nirgends in dem Geſetz begruͤndet, und zer⸗ fuͤllt, ſobald man ihn näher beleuchtet. Die dem Vater uͤbertragene Verwaltung der Guͤter ſeiner Kinder un⸗ terwirft ihn, wie wir in der Folge ſehen werden, mit ei⸗ nigen Beguͤnſtigungen, allen Obliegenheit eines andern Vormundes; wenn Locrs S. 27 ſagt: enin la tutelle commence au déces du pére ou de la mére, et, de ce momene, le père quaut à l'adminis- tration des biens, demeure nssujetti aus mémes exclu- sions qu'un iuteur ordinaire, ſo iſt dies offenbar falſch, weil die von demſelben bei dieſer Gelegenheit ang fuͤhrte Art. 343 und 344, auf den Vater eben ſowohl während als nach der Ehe anwendbar ſind; ein gleiches gilt of⸗ fenbar von dem Art. 457, worin der Vater ausbruͤcklich teur genannt wird, ohngeachtet doch wohl Niemand behaupten wird, daß er fuͤr den Vater erſt nach Aufloͤſung der Ehe verbindlich werde. Ueberhaupt iſt es ſchwer zu begreifen, wel⸗ che Aenderung der Tod der Mutter in Hinſicht auf die Rechte des Vaters uͤber die Kinder hervorbringen ſoll, da er dieſe Rechte auch bei Lebzeiten der Mutter allein ausubt. Ganz zufäͤllig iſt es, daß gewoͤhnlich mit dieſer Epo⸗ che die Vormundſchaft des Vaters uͤber das Vermoͤ⸗ gen der Kinder exft aufenor nird, wil 6 n d Fes⸗ 198 der Mutter nur ſelten eig nes Vermögen beſitzen werden; ſollte dies jedoch durch ein Legat oder eine Schenkung der Fall ſein, ſo wuͤrde dieſe Vormundſchaft auch fruͤher anfan⸗ gen. Alle Schwierigkeiten heben ſich daher leicht, wenn wir die auf das eigne Vermoͤgen des Pupillen beſchränkte Vormundſchaft oder Verwaltung von der väterlichen Ge⸗ walt trennen, mit welcher die erſte nur in ſo weit zuſammenhaͤngt, daß ſie von derſelben unzertrennlich iſt, und der Vater ſich derſelben in keinem Falle entledigen kann, wie doch Delvincourt,(I. 21x.) es mit Unrecht unterſtellt. Ich verſpare es auf den Titel: von der Vormund⸗ ſchaft, noch weitlaͤuftiger zu zeigen, daß die Vormundſchaft des Vaters in Betreff der eignen Guͤter der Kinder allen Re⸗ geln einer gewoͤhnlichen Vormundſchaft unterworfen iſt, ſo daß. wir in dieſem Titel ganz von derſelben abſtrahiren, und die Fra⸗ gen, welche ſich in dieſer Hinſicht erheben koͤnnen, auf den Ab⸗ ſchnitt: von der Vormundſchaft der Aeltern verſparen koͤnnen, wo wir auch die dem Vater bewilligte Beguͤnſtigungen, die aus den Art. 353, 354 und 370 her⸗ flieſſen, feſtſetzen werden. 2) Der Art. 374 handelt von einer der Folgen eines allgemei⸗ nen Grundſatzes, welchen er vorausſetzt, ohne ihn auszuſpre⸗ chen; denn das Verbot, das väterliche Haus, oder was daſ⸗ ſelbe iſt, den vom Vater angewieſenen AufenthaltsOrt, ohne deſſen Erlaubniß zu verlaſſen, iſt nur ein Ausfluß des Rechtes der Aufſicht uber ſeine Kinder und derLeitung ihrer Handlungen, welches dem Vater zuſteht. Der Art. 203(im Titel von der Ehe) legt den Aeltern die Verbindlichkeit auf, ihre Kin⸗ der zu unterhalten und zu erziehen. Man muß ihnen daher auch die Mittel zugeſtehen, dieſe Obliegenheit zu erfuͤllen. 199 3) Der Coder ſchweigt jedoch uͤber mehrere Fragen, welche zum Theil im Staatsrathe zur Sprache kamen, deren Erörterung aber bis nach der Feſtſetung der allgemeinen Grundſätze verſchoben ward, und die nachher in Vergeſſenheit gerathen zu ſein ſcheinen. Wir wollen dieſelhe hier durchgehen: ) hat, wenn der Vater ſeinem Kinde eine ſchlechte oder unpaſſende Erzehung giebt, der Groß Vater das Recht, es deſſen Aufſicht zu entziehen? Dieſe Frage ward und mußte im Allgemeinen verneinend beantwortet werden, (VerbalProzeß vom 26 Frimaire 10.) weil nur den Aszen⸗ denten im erſten Grade die väterliche Gewalt zuſteht und daher, ſo lange der Vater lebt, der GroßVater die Aus⸗ ubung derſelben durch den erſten nicht beſchraͤnken kann⸗ Sie haͤngt jedoch mit der folgenden znſammen, py ob in demſelben Falle das Kind oder die Familie das Recht haben, ihre Klagen den Tribunalien vorzutragen, und ob dieſe zweckmaͤſſige Maasregeln, um dem Kinde eine beſſere Er, ziehung zu verſchaffen, zu verordnen berechtigt ſind? Ich glaube dieſe Frage aus folgenden Gruͤnden bejahend be⸗ antworten zu koͤnnen 1) jede häusliche Gewalt bleibt immer deroͤffentlichen unter⸗ geordnet. Die Art. 372 und 373 ſchließen daher die Befugniß nicht aus, der väterlichen Autorität, im Falle eines Mißbrauchs, Schranken zu ſetzen, und zwar muß dies eben ſowohl dann der Fall ſein, wenn der Vater das Recht der Aufſicht und Direktion, welches ihm uͤber ſeine Kinder anvertraut iſt, misbraucht, als wenn er die Schranken ſeines Zuͤchtigungs Rechtes uͤberſchreitet. 200 2) Wenn die Art. 203 und 385 dem Vater aufgeben, ſeinen Kinbern eine Erziehung zu ertheilen, ſo läßt ſich dies nur von einer guten, moraliſchen und angemeſ⸗ ſenen Erziehung verſtehen. Eine auffallend ſchlechte Etziehung erfüͤlt alſo den Willen des Geſetzes nicht, und es muß daher ein Mittel geben, den Vater zur Erfuͤllung jener Obliegenheiten anzuhalten, welches kein anderes als der Rekurs an die Obrigkeit ſein kann. 3) Da dieſer Fall von dem Coder nicht ausdräcklich ent⸗ ſchieden iſt, ſo begruͤndet ſchon der Art. 4 die Befug⸗ niß der Gerichte, nach den Grundſätzen der natuͤrlichen Billigkeit uͤber ſolche Beſchwerden zu erkennen. Ich geſtehe jedoch, daß nur in außerſt ſeltnen Fällen ſolche Einſchränkungen der väterlichen Gewalt räthlich ſein duͤrften, indem die öffentliche Sittlichkeit größtentheils von dem haͤuslichen Regiment der Familien abhaͤngt; es giebt. jedoch Fälle, wo alle dieſe Erwaͤgungen vor dem Intereſſe der Kinder verſchwinden muͤſſen; dies wuͤrde z. B. der Fall ſein, wenn ein Vater ſeine Tochter zu Ausſchweifungen verfuh⸗ ren oder ſie verkuppeln wollte; dies fuͤhrt uns zu der c) dritten Frage, ob der ausſchweifende Lebenswandel des Vaters die Gerichte ermaͤchtigen kann, die Kinder ſeiner Gewalt zu entziehen? Ohngeachtet man die Vormund⸗ ſchaft uͤber das Vermoͤgen von der väterlichen Gewalt zu unterſcheiden hat, und die Anwendung der Art. 443 und 444 daher im Allgemeinen den Vater nur der erſten nicht aber der zweiten beraubt, ſo läßt mir doch der hieroben liu. b. No. 2. entwickelte Grundſatz nicht den mindeſten Zweifel, daß in dieſem Falle die Tribunalien 201 befugt ſind, vorbehaltlich der Appellation, auf den Antrag der Familie oder der Kinder ſelbſt, ſolche Einſchränkungen der väterlichen Gewalt zu treffen, welche das Beſte der Kinder erheiſchen mag, und zwar verdient in dieſem Falle der Vater weniger Ruckſicht als in dem von lit. b. weil ſein gerichtlich anerkanntes ſchlechtes Betragen, oder ſeine Ver⸗ untreuungen, ſeine Moralität bereits in ein ſchlechtes Licht geſetzt haben. d) Kann der Vater ſeine Kinder zwingen, dieſen oder jenen Stand zu nehmen? Ich ſehe dieſe Befugniß als eine noth⸗ wendige Folge ſeiner Obliegenheit, fur die Erziehung der⸗ ſelben zu ſorgen, an, und finde in der Ausnahme, die der Art. 37 4 in Hinſicht auf Militär Dienſte macht, welche der Sohn, wenn er das Alter von 18 vollen Jahren er⸗ reicht hat, kraft einer beſondern Emanzipation des Geſetzes gegen den Willen des Vaters nehmen kann, eine Beſtäti⸗ gung der Regel. Sollte inzwiſchen der Stand, welchen er ſei⸗ nem Sohne gegen deſſen Willen aufdringen wollte, dem Stande oder dem Vermoͤgen des Vaters nach im höͤch⸗ ſten Grade unpaſſend ſein, dann glaube ich, daß dieſer Fäll in die Cathegorie deſſen, von welchem hieroben liu. b die Rede war, gehoͤrt. Im Allgemeinen kann aus dieſem, dem Vater bewilligten, Rechte nicht wohl fuͤr das Kind ein groſſer Nachtheil entſpringen, denn a) behalt es die Befugniß, nach der Eniancipation oder erlangter Grosjaͤhrigkeit dieſen Stand wieder zu ver⸗ ändern; und da man vor dem Alter von 25 Jahren weder die Prieſterweihe erhalten(Ar. 26 der Verordnung vom 26 Meſſidor 9.) noch vor erlangter Majorität eine StaatsBedienung antreten kann, ſo 202 kann die Wahl des Vaters weber den Sohn zum Cö⸗ libat verurtheilen, noch ſeine ganze kuͤnftige Lebensbe⸗ ſtimmung unwiderxuflich feſtſetzen. b) Giebt die dem Sohne durch den Artikel 374 er⸗ theilte Befugniß ihm ein Mittel, entweder, wenn ihn ſeine Neigung dahin zieht, in den Militairſtand zu treten, oder doch durch die Drohung, von dieſer Befugniß Gebrauch zu machen, ſeinen Vater zu be⸗ ſtimmen, ihm die Wahl ſeines Standes zu überlaſſen. a) So wenig als das Kind ſich gegen den Willen der Ael⸗ tern verehelichen darf, ſo wenig duͤrfen die Aeltern es gegen ſeinen Willen zu einer Ehe zwingen. Dies folgt aus den Art. 146 und 180, die die freie Ein⸗ willigung(nicht der Aeltern ſondern) der Kontrahenten erfordern. Doch darf man bloße Rathſchläge, dringende Bitten, und die Nachgiebigkeit der kindlichen Ehrfurcht, (cranie rẽverentielle, Art. 1114.) nicht mit wirklichem Zwange(Art. 1112.) verwechſeln, welcher letztere nicht allein das Kind berechtigen wuͤrde, den Schutz der Ge⸗ richte anzuflehen, ſondern ſogar zur Klage auf Nullität der Ehe ſtatt giebt. 4) In Hinſicht auf das dem Vater kewilligte, im Staatsrathe gemilderte, Zuͤchtigungs Recht bieten ſich uns folgende Bemerkungen dar: a) von der Befugniß, welche der Art. 376 dem Vater ge⸗ ſtattet, durfte wohl ſehr ſelten Gebrauch gemacht werden, ja ich getraue mich, zu behaupten, daß man uͤberhaupt ſeit der Verkuͤndigung des Coder noch kein einziges Beiſpiel hat, wo ein Vater die Einſperrung ſeines Sohnes verord⸗ 203. net oder requirirt hätte. Sollen die diesfallſige Verfugun⸗ gen des Codex von Wirkſamkeit ſein, ſo muͤßte man dämit anfangen, 6. B. in den verſchiedenen ErziehungsAnſtalten) paſſende Einrichtungen zur Einſperrung ungerathener Kin⸗ der zu treffen, indem der Zuſtand der oͤffentlichen Arreſt⸗ und Zuchthaͤuſer, und die in vielen beinahe unmögliche Abſonderung der verſchiedenen Klaſſen von Verbrechern, jeden Vater abſchrecken muß, von dem Mittel einer obrig⸗ keitlichen Einſperrung Gebrauch zu machen. Zwar be⸗ ſtimmt das Geſetz den Ort nicht, wo das Kind ein⸗ geſperrt werden ſoll, und der Artikel, der die maison de correction dazu beſtimmte, ward abſichtlich dahin abgeuͤndert, dem Vater und dem Richter in dieſer Hinſicht alle Freiheit zu laſſen; der Praͤſident iſt demnach befugt, die Einſperrung an jedem ſchicklichen Orte zu verordnen, die Schwierigkeit wird nur darin liegen, einen ſolchen aus⸗ findig zu machen. Allein da ein Kind unter ſechszehn Jahren ſich noch ganz unter der Hand des Vaters befindet, ſo kann dieſer es ohne alle Formalität, und wo er will, ein⸗ ſperren; ſo lange die guͤchtigung weder grauſam, noch fuͤr das Kind gefaͤhrlich iſt, hat niemand das Recht, ſich der⸗ ſelben zu widerſetzen, und ich kann mir daher kaum den Fall denken, wo der Vater ſich bewogen finden ſollte, die Obrigkeit mit ſeinen haͤuslichen Verhaͤltniſſen zu behelli⸗ gen, ſo lange der Art. 376 anwendbar iſt. b) Das Geſetz vom 24 Auguſt 1702 hatte fuͤr die Faͤlle, wo heutzutage der Vater die Einſperrung des Kindes zu verordnen oder zu requiriren befugt iſt, ein FamilienTri⸗ bunal errichtet, welches uͤber die Klage des Vaters zu er⸗ kennen hatte, und deſſen Urtheile von dem Richter exeku⸗ 204 toriſch erklaͤrt werden mußten. Dieſe Ordnung der Dinge war eben ſo unwirkſam als unanſtändig. Sie gab zu förm⸗ lichen Prozeſſen zwiſchen Vater und Kind Anlaß, die der erſte nicht verlieren konnte, ohne ſein Anſehn zu kompromittiren, und wobei auf das Alter und die Lage des Kindes gar keine Ruͤckſicht genommen war. c) Man konnte dem Vater ohne allen Nachtheil das Recht uͤberlaſſen, aus eignem Willen ein Kind unter 16 Jahren auf kurze Zeit einſperren zu laſſen; allein es wuͤrde un⸗ vorſichtig geweſen ſein, einen Juͤngling, deſſen ſorgfältige Erziehung vielleicht eine allzufruhe Entwickelung veranlaßt hat, ſeiner unbedingten Willkuͤhr zu uberlaſſen. Welches Zutrauen man auch in die Väter ſetzen mag, ſo kann das Geſetz doch nicht annehmen, daß ſie alle gut und tugendhaft ſind; der Vater muß daher in ſolchen Faͤllen ſeine Gruͤnde den Magiſtrats Perſonen vortragen, welche daruͤber zu er⸗ kennen haben. Man hat gegen dieſe VerfahrungsArt den Einwurf gemacht, daß in dem Falle, wo der Sohn ein wirkliches Verbrechen begangen hätte, ſie den Vater in eine große Verlegenheit verſetze, indem er durch die Angabe der Beweggruͤnde, welche ihn zur Verhaftung beſtimmen, ſeinen Sohn einem peinlichen Verfahren Preiß gebe. Die Verfaſſer der pandectes trangaises hatten daher gewuͤnſcht, die leures de cachet wieder eingefuͤhrt zu ſehn; allein auch von den Misbräuchen abgeſehn, die von dieſen geheimen Befehlen ehedem gemacht wurden und kaum zu vermeiden ſind, haben ſie dabei wohl ſchwerlich bedacht, daß es keine Kloͤſter mehr giebt, um wie vordem, wenigſtens die Maͤdchen, kraft ſolcher Befehle einzuſperren, und daß man dem Vater 205 doch immer ein Mittel haͤtte geſtatten muͤſſen, um ſich des Sohnes zu verſichern, bis dahin der Kaiſer uͤber ſein Ge⸗ ſuch erkannt haben kann. Auch iſt jener Nachtheil nicht ſo groß, als man denſelben vorgeſtellt hat; denn 1) muß man von allen den Faͤllen ganz abſtrahiren, wo das öffentliche Miniſterium auf einem andern Wege als durch die Erklärung des Vaters zur Kenntniß des Verbrechens gelangt, in welchen der Vater die oͤffentli⸗ che Klage deſſelben nicht aufhalten kann. 2) Erfährt aber die Obrigkeit die Handlung des Sohnes t nur durch den Vater, ſo ſteht es einestheils bei dem 6 letzten, ſeine Mittheilung in ſo weit zu mildern, daß 6 ſie zu keiner peinlichen Verfolgung Anlaß geben kann, t und anderntheils läßt der Art. 378 den MagiſtratsPer⸗ ſonen die vollige Freiheit, wenn ſie die vaͤterliche Zuͤch⸗ tigung zur Beſſerung des Verbrechers fuͤr hinlänglich hal⸗ 4 ten, von jeder oͤffentlichen Verfolgung eines geheei⸗ . men Verbrechens, ſelbſt wenn der Vater ihnen alle k umſtaͤnde deſſelben entwickelt haben ſollte, abzulaſſen⸗ Auſſer dieſer Erwägung wuͤrde es auch gegen den Zweck 9 des Geſetzes ſein, wenn man einem Irrthum, einer 1 Verwirrung der Jugend, Publizität geben, und ihr An⸗ denken verewigen wollte. Dann koͤnnte oft dieſelbe Be⸗ ſtrafung, wodurch ein Vater ſein Kind vor groſſeren Lei⸗ n den in reifern Jahren zu bewahren ſucht, nachher den n ganzen Reſt ſeines Lebens verbittern. ſe a) Es iſt keinem Zweifel unterworfen, daß die Beraubung hr der Lebensannehmlichkeiten, eine geringere Nahrung und ſt Kleidung ꝛc. ꝛc. die von dem Vater verordnete oder requi⸗ it rirte Einſperrung als ein Zuchtigungs Mittel begleiten koͤnnen⸗ 206 allein die Obrigkeit hat immer die Befugniß und die Ob⸗ liegenheit, zu verhindern, daß dieſe Strenge nicht in Grauſamkeit ausarte. e) In dem Falle des Art. 379 bedarf es keines Befehls des Präſidenten zur Freilaſſung des Kindes. Derjenige, bei welchem das Kind eingeſperrt iſt, kann es auf die bloſſe ſchriftliche Weiſung des Vaters in Freiheit ſetzen. †) In dem Falle des Art. 380 ſetzt das Geſetz bei dem Va⸗ ter weder dieſelbe Zaͤrtlichkeit noch dieſelbe Unpartheilichkeit als im Falle des Art. 376 voraus. Die Verfuͤgung deſ⸗ ſelben beſchraͤnkt ſich ubrigens auf die Kinder der erſten Ehe. Jouanneau und Solon(l. 488, No. 2,) finden es zweifelhaft, ob die daſelbſt vorgeſchriebene Form auch dann beobachtet werden muß, wenn der Vater zum zwei⸗ tenmale Wittwer geworden iſt. Ich wuͤrde dieſe Frage unbedenklich bejahen, vorzuͤglich wenn Kinder aus der zweiten Ehe vorhanden ſind. g) Der Geſetzgeber befurchtete, im Falle des Art. 381, daß die Mutter, zu ſchwach oder zu leicht beaͤnſtigt, vielleicht von dieſem auſſerordentlichen Zuͤchtigungs Mittel einen zu leichtſinnigen Gebrauch machen koͤnnte. Auf der andern Seite hielt man es fuͤr raͤthlich, einer vertheidigungsloſen Wittwe, deren Handlungen jeder Verlaͤumdung blos⸗ geſtellt ſind, durch die Mitwirkung zweier väterlichen Ver⸗ wandten, unpartheiiſche Zeugen zu verſchaffen, welche ſie immer uͤber die Nothwendigkeit dieſer ſtrengen Maasregel rechtfertigen koͤnnen. Das Geſetz erfordert uͤbrigens die Beiſtimmung beider Verwandten; verweigert nur einer derſelben die ſeinige, ſo konnte die Einſperrung nur in der durch den Art. 468 vorgeſchriebenen Form erwirkt wer⸗ — 207 den. Denſelben Weg hätte die Mutter und Vermunde⸗ rin dann einzuſchlagen, wenn keine vaͤterliche Verwand⸗ te vorhanden ſein ſollten, h) Noch groſſere Vorſicht war im Falle des Art. 382 erfor⸗ derlich. War der Vater allenfalls ein Verſchwender, ſo ſtand zu befuͤrchten, daß er wohl gar ſein Kind zu be⸗ rauben ſuchen, daß vielleicht ſelbſt Rache wegen der Wei⸗ gerung des Kindes, oder die Hoffnüng, es werde ſeine Freiheit erkaufen, ihn zu einer ungerechten Strenge be⸗ wegen mogten. In dieſem einzigen Falle hat man ſogar dem Kinde die Appellation an den Präſidenten und Gen. Prokurator des Appellations Gerichtes vorbehalten. Es folgt ubrigens aus dieſem Artikel, daß der Vater von der ihm durch den Art. 376 ertheilten Gewalt nur ſelten nach dem Tode der Mutter wird Gebrauch machen koͤnnen, indem durch denſelben das Kind meiſtens perſönliches Vermoͤgen erwirbt; das Wort: état ſetzt beinahe nothwendig voraus, daß das Kind Eigenthuͤmer oder Vorſteher einer Fabrik, einer Handlung oder ſonſtigen Anſtalt dieſer Art ſei, indem ein Kind auf andere Weiſe nicht wohl einen Stand haben kann. Ohngeachtet der Art. 383 nur von den Art. 376, 377, 378 und 379 ſpricht, ſo glaube ich, daß, weil derſelbe Beweggrund auch auf die Aeltern unehelicher Kinder an⸗ wendbar iſt, der Artikel 382 gleichfalls in ihrer Hinſicht beobachtet werden muͤſſe. Auch glaube ich, daß die Mutter die Einſperrung nur im Requiſitions Wege erwirken kann. Nur bedarf es der Zuſtimmung der väterlichen Ver⸗ wandten nicht, weil natuͤrliche Kinder keine Familie haben⸗ 4) Endlich hatte der Kaſſationshof ausdruͤcklich darouf an⸗ 208 getragen, baß die Einſperrung ſich nicht bis über die Voll⸗ jährigkeit erſtrecken duͤrfe; ohngeachtet in dieſer Hinſicht nichts ausdruͤcklich entſchieden ward, glaube ich doch, daß, da die väterliche Gewalt mit der Grosjaͤhrigkeit endigt, auch ihre Wirkungen mit dieſem ZeitPunkt aufhoͤren muſſen. Derſelben Meinung iſt Locre S. 623. 3) In Hinſicht auf das den Aeltern bewilligte Recht des Nießbrauchs uͤber das eigne Vermoͤgen der Kinder, welches der Appellhof von Paris(Observ. p. 75, 76/ 77) als einen Ueberreſt des FeudalSyſtems beſtritt, und welches gewiſſermaſſen ein Vergleich iſt, den die Kommiſſion zwiſchen den Syſtemen der Provinzen des geſchriebenen Rechtes und der Gewohnheits Rechte beabſichtigte, bemerken wit folgendes: *) Dieſer Nießbrauch hoͤrt mit dem 18ten Jahre auf, um kein Hinderniß der Ehe oder Emanzipation der Kinder zu werden⸗ b) Er ſteht bloß den Aeltern ehelicher Kinder zu, weil er ausſchließlich zum Vortheil der Aeltern begruͤndet iſt, und quia nemo ex dehcp suo debet consequi emolu- lumenium. Auch hat der Art. 383 die Verfuͤgung des Art. 384 auf den Vater unehelicher Kinder nicht an⸗ wendbar erklärt. Anderer Meinung ſind die Verfaſſer der Pandectes frangaises IV. 353. c) Der Art. 386 iſt nur in der Abſicht erlaſſen worden, dasjenige der Ehegatten, gegen welches die Eheſcheidung aus⸗ geſprochen worden, dieſes Nießbrauchs verluſtig zu erklären⸗ Wäre aber die Eheſcheidung gegen den Vater erkannt wor⸗ den, ſo könnte ſich die Mutter nicht auf die Verfuͤgung deſſelben berufen, um ihn in Anſpruch zu nehmen. Man wurde ihr den Art. 384 mit Erfolg einwenden, der ſie 200 nur in dem Falle, wo ſie ihren Mann uͤberlebt, zu bem⸗ ſelben beruft. Die Eheſcheidung darf in keinem Falle ein Mittel zur Bereicherung werden. ) Im Falle der Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung glaube ich, gegen die Meinung von D elvincourt, I. 192, daß der Nießbrauch fortdauert; er ſtutzt die ſeinige darauf, daß keiner der Ehegatten behaupten könne, die Eheſcheidung ſei nicht gegen ihn ausgeſprochen worden, und daß man im Zweifel zu Gunſten der Kinder entſchei⸗ den muͤſſe. Auch findet er einen Widerſpruch darin, daß die Aeltern, welche den Kindern die Haͤlfte ihres eignen Ver⸗ mogens abtreten muͤſſen, den Nießbrauch des perſoͤnlichen Vermogens der Kinder behalten ſollen. Ich glaube dagegen 1) daß ſich in dieſem Falle durchaus nicht behaupten läͤßt, daß die Eheſcheidung gegen einen der Ehegatten er⸗ kannt worden ſei, und daher der Art. 386 nicht an⸗ wenbbar iſt; 2) daß grade weil die Aeltern ohnehin die Hälfte ihres Vermoͤgens verlieren, und dennoch mit der Laſt der Erzie⸗ hung und Unterhaltung der Kinder beſchwert bleiben, man ihnen ohne deutliche Beſtimmung jenen Nießbrauch nicht entziehen kann. *) Der Mann bleibt, wenn er ſich wieder verehelicht, immer das Haupt der Familie, die Frau aber geht durch ihre zweite Ehe in eine andere uͤber, der ſie daher die Einkuͤnfte der Kinder ihrer erſten Ehe nicht zubringen darf; daher der Unterſchied, der aus der zweiten Beſtimmung des Art. 386 in Hinſicht auf Mann oder Frau herfließt. k) Der Vater ſelbſt darf während dem Nießbrauch die Gu⸗ 11. Th. 14 210 Ler der Kinder weder veraͤuſſern noch hypotheziren.(Art. 457.) 8) Der Art. 385 entſcheidet die KontroversFrage, in wie fern die Koſten der Prozeſſe, welche die Minderjährigen als Kläger oder Beklagte fuͤhren mußten, dem gardien zur Laſt fallen ſollten.(Art. 673) „) Die Begräbnißkoſten und Koſten der letzten Krankheit, von welchen in demſelben Artikel die Rede iſt, ſind nicht, wie Delvincourt es S. 101 irrthuͤmlich behauptet, die des Kindes,(weil mit ſeinem Tode der Nießbrauch ein Ende nimmt, und dieſe Koſten alſo ſeinen Erben ge⸗ meinſchaftlich und nicht dem Vater ausſchließlich zur Laſt fallen) ſondern die derjenigen Perſonen, von welchen das Kind geerbt oder Schenkungen erhalten hat, und deren Rückerſtattung der Vater von dem Kinde zu Ende der Nutznieſſung nicht fordern darf. 5) Die Worte: velon leur ſortune, im No. 2 deſſelben Arti⸗ kels beziehen ſich auf das eigne Vermögen des Kindes, um anzudeuten, daß falls ein Kind eignes Vermögen hat, die Erziehung deſſelben nicht allein dem Vermoͤgen des Va⸗ ters, ſondern auch dieſem perſonlichen Vermögen angemeſſen ſein muß. ) Erfüllt der Vater die ihm durch den Art. 385 auferlegte Obliegenheiten nicht, ſo kann ihm der Nießbrauch entzogen werden. 0) Herr von Maleville erörtett(. 3080) die Frage, ob der Vater nicht, der Nov. 117. Cap. 1 gemaͤß, der Verfuͤgung des Art. 387 und eines ausdruͤcklichen Ver⸗ bots des Erblaſſers ohngeachtet, wenigſtens den Nießbrauch desjenigen Pflichttheils in Anſpruch nehmen koͤnne, den 21T z. B. die Mutter, oder ein andrer muͤtterlicher Aszen⸗ dent dem Kinde nicht haͤtte entziehen koͤnnen? Er glaubt dieſe Frage verneinen zu muͤſſen, 2) weil der Art. 387 keine Ausnahme mache, und 2) durch die Vergroͤßerung des Pflichttheils das Verbot des muͤtterlichen Aszendenten beinahe ohne Wirkung bleiben wuͤrde. Ich muß geſtehen, daß dieſe Gruͤnde mich nicht uber⸗ zeugen koͤnnen: da es nicht von dem muͤtterlichen Aszen⸗ zendenten abhängt, dem Kinde ſeinen Pflichttheil zu hinter⸗ laſſen oder nicht, ſo kann er auch mit dieſem unfreiwilligen Vermaͤchtniß keine Bedingungen verknuͤpfen; der zweite Ein⸗ wurf des Herrn v. Maleville iſt ohnehin wenig er⸗ heblich, weil man bei Abfaſſung des Art. 387 die mut⸗ terliche Aszendenten nicht insbeſondere im Auge gehabt hat, und ſeine Verfuͤgung ſich nicht auf ſie beſchrankt. m) Auch iſt zu bemerken, daß der Teſtator oder Schenkge⸗ ber zwar dem Vater den Nießbrauch, nicht aber die Ver⸗ waltung des Vermaͤchtniſſes, der Erbſchaft vder der Schen⸗ kungen entziehen kann, die er deſſen Kindern macht oder hinterlaͤßt, weil eme ſolche Bedingung als ein Ein⸗ griff in die Rechte der väterlichen Gewalt, die in der öf⸗ fentlichen Ordnung ihren Grund haben, und daher nicht willkuhrlich geſchmaͤlert werden koͤnnen, ohne Wirkung ſein wuͤrde. Die Vormundſchaft uͤber dieſe Guͤter iſt von der vä⸗ terlichen Gewalt unzertrennlich, und kann nur durch die Gerichte dem ſchlechten oder ungetreuen Verwalter entzogen werden. Auch waͤre die Einmiſchung eines Fremden in die Verwaltung dieſer Güter mit der Verfüͤgung des Art. * 272 450 vnvereinbarlich, nach welcher der Vörmund, den Minderjährigen in allen CivilAkten repräſentirt, ſo daß neben der Vormundſchaft des Vaters nicht noch eine andere Vormundſchaft beſtehen kann.(Urtheil des Appellhofes von Beſan gon vom 75 November 1807, Journal du Palais, 1808, Il. 304) n) Es bedarf kaum der Bemerkung, daß der Rießbrauch des Va⸗ ters der Verfuͤgung der L ult. C. de usufr. zuwider, mit dem Tode des Kindes ein Ende nimmt. o) Es läßt ſich auch die Frage aufwerfen, ob dasjenige, was das Kind vor dem Alter von 18 Jahren durch eine gemeinſchaftliche Arbeit im Hauſe des Vaters verdient, dem Kinde oder dem Vater jugehören ſoll? Will man ſich buchſtäblich am Terte halten, ſo muß man entſcheiden, daß das Eigenthum dem Kin⸗ de gehort, weil der Art. 387, indem er dem Vater den Nießbrauch von demjenigen verweigert, was das Kind durch eine abgeſonderte Induſtrie verdient, ihm ſtilſchweigend nicht das Eigenthum ſondern den Nieß⸗ prauch deſſen zuerkennt, was es durch eine gemein⸗ ſchaftliche Induſtrie verdient. Die Frage iſt je⸗ doch an und für ſich von keiner praktiſchen Anwendung. Unter Handwerkern und Leuten von geringem Stande kompenſirt ſich der Taglohn, den ein Kind unter 48 Jah⸗ ren verdienen mag, mit der Nahrung und Kleidung, die der Vater ihm vetabreicht, und die er ihm nur im Ver⸗ hältniſſe ſeines Vermögens ſchuldig iſt; bei Leuten von Stande, die nach ihren VermoͤgensUmſtänden dieſe Kom⸗ penſation nicht einzuwenden befugt waren, verdienen die Kinder ſeiten etwas durch ihrer Hände Arbeit. 213 6) Wir kommen nunmehr zu der Frage zuruͤck, welche wir§. 109 No. 5, Seite 104 aufgeworfen haben. Die Verfaſſer der Jurisprud. du Code Napol.(1808, I. 3357.) haben dieſe Frage weitlaͤuftig erörtert, und fuͤhren zwei Urtheile des Appellhofes von Paris zur Unterſtützung des Reſultates ihrer Unterſuchung an, nach welchem ſelbſt der Vater, gegen welchen die Eheſcherdung ausgeſprochen worden iſt, der vaͤterlichen Gewalt nicht beraubt ſein ſoll. Sie ſcheinen mir aber die verſchieden: Wirkungen der väterlichen Gewalt nicht ſorgfaͤltig genug unterſchieden zu haben. Unbezweifelt iſt es, daß der Vater der Verwaltung oder Vormundſchaft im en⸗ gern Sinne, welche mit der ausgedehnteren Vor⸗ mundſchaft, vaͤterliche Gewalt genannt, verknuͤpft iſt, durch die Eheſcheidung nicht beraubt wird, und daß es dazu einer beſondern auf die Art. 443 oder 444 begründeten Entſetzung beduͤrfte. Dies iſt auch alles, was aus den beiden angefuhrten Urtheilen des Appellhofes von Paris folgt: im erſten Falle kam es darauf an, zu beſtimmen, bei wem die Kinder, welche nach der Eheſcheidung der Mutter anvertraut worden waren, ihren geſetzlichen Wohnſitz haͤtten; der Appellhoftent⸗ ſchied, den Art. 108 zufolge, bei ihrem Vater. Im zweiten Falle wollte man den Kindern ſogar einen andern Vor⸗ mund ernennen laſſen, welches Verfahren der Appellhof als unſtatthaft verwarf⸗ Gehen wir nun aber zu den Wirkungen der ausge dehn⸗ tern Vormundſſchaft, väterliche Gewalt genannt, uͤber, ſo durfte es nicht ſchwer fallen, zu beweißen, daß der Va⸗ ter, gegen welchen die Eheſcheidung erkannt worden,(wenn das Tribunal ihm nicht allenfalls in Gemäßheit des Art. 302 die Kinder anvertraut hat, in welchem Falle freilich die vä⸗ 214 trliche Gewalt unbeſchraͤnkt fortdauert) ſie nicht mehr in An⸗ ſpruch nehmen kann, ſondern daß in dieſer Hinſicht ein ganz beſonderes Verhältniß eintritt, das jedoch von einer dativen Vormundſchaft, wofuͤr Locré es anſehen moͤchte, ſehr verſchieden iſt. Man hat dabei zu unterſcheiden, ob die Kinder der Mutter, die die Scheidung erwirkt hat, gelaſſen, oder einer dritten Perſon anvertraut worden ſind. In keinem von beiden Fällen ſteht die Ausubung der väterlichen Gewalt dem Vater zu, weil er ſie dem Arti⸗ kel 373, zufolge, nur waͤhrend der Ehe ausſchließlich auszu⸗ uben hat. Im erſten hat nothwendig die Mutter das Recht der Aufſicht uͤber die Handlungen des Kindes, ſo wie das, ſeine Erziehung zu leiten; das Recht, welches in dieſem Falle der Art. 303 dem Vater vorbehält, iſt nur das Recht einer Kontrolle uͤber die von der Mutter getroffene Ver⸗ fuͤgungen; ſobald er aber glaubt, daß die Mutter dem Kinde keine paſſende, ſtandesmaͤſſige, Erziehung ertheile, oder daß ſie es ihm an der nothigen Ausbildung fuͤr den Stand, den das Kind ſich ſelbſt oder ſeine beide Aeltern gemeinſchaftlich fur daſſelbe gewaͤhlt haben, fehlen laſſe, bleibt ihm nichts uͤbrig, als ſeine Beſchwerden dem Tribunal vorzutragen, und ſich deſſen Entſcheidung zu unterwerfen. Eben ſo wenig kann ich ihm das Zuͤchtigungs Recht zuerkennen, welches mit der Auf⸗ ſicht uber die Erziehung nothwendig verbunden ſein muß, und, meiner Meinung nach, in den fraglichen Fällen uͤber⸗ haupt nur im Requiſitionswege ausgeubt werden kann. Im zweiten Falle hat das Tribunal das Recht der Aufſicht und Leitung beiden Ehegatten entziehen zu muͤſſen geglaubt; beide haben daher ein gleiches Recht, die von dem Tribunal ſelbſt vorgeſchriebene Erziehang zu kontrolliren, und im Falle der Vernachläſſigung Beſchwerden zu fuͤhren. al ſ 215 Was enblich das Recht des Nießbrauchs betrift, ſo ſehe man nach, was wir oben in dieſer Hinſicht bemerkt haben. Aus allem Obigem ergiebt ſich die Schlußfolge, daß der Vater, gegen welchen die Eheſcheidung erkannt worden iſt, oder dem das Tribunal, nachdem er ſelbſt ſie erwirkt hatte, die Erziehung ſeiner Kinder zu deren eignem Beſten entzogen hat, zwar Vormund über ihr perſönliches Vermogen bleibt, aber der Rechte der ausgedehnteren Vormundſchaft, väterliche Gewalt genannt, ſich, mit Ausnahme der Wir⸗ kungen derſelben in Betreff der Ehe, nicht mehr zu erfreuen hat. 2) Das Recht der Enterbung ward von dem Caſſationshof und den Appellhöfen von Aix und Montpellier we⸗ nigſtens in einigen beſtimmten Fällen in Anſpruch genom⸗ men, wo kein Misbrauch deſſelben möglich waäre, naͤm⸗ lich: 12) wegen ſchweren Beleidigungen oder Mishand⸗ lungen; 2) im Folle, wo das Kind eine peinliche oder korrectionelle Klage gegen den Vater erhoben haͤtte; 3) im Falle der Verehlichung gegen den Willen des Vaters, vor dem Alter von 25 Jahren; 4) im Falle der Verurtheilung zu einer pemlichen oder entehrenden Strafe. Allein keine dieſe Urſachen wäre ohne allen Nachtheil geweſen. In Hinſicht auf die erſte und zweite verweiſen wir vorlaͤufig auf den Art. 727; geringere Beleidigungen ſchienen mit der Re⸗ duktion auf das Pflichttheil hinlaͤnglich beſtraft; wie hätte auch das Geſetz ſelbſt in den Fällen, wo ſie zu einer peinlichen Strafe geeigenſchaftet ſind, den Vater gewiſſermaſſen auffordern können, die Infamie ſeines Sohnes zu provoziren? Die Verehlichung gegen den Willen des Vaters kann dieſer in den Fällen, wo der Abgang ſeiner Einwilligung ein ver⸗ nichtendes Ehehinderniß iſt, auf eine zugleich wickſamere und paſſendere Art ſtrafen, als durch die Entetbung, wenn⸗ 216 er die Ehe ſelbſt aufhebt; es wäre ein Widerſpruch in der Geſetzgebung geweſen, wenn ſie in den Fällen, wo ſie nur eine ehrfurchtsvolle Anftage vorgeſchrieben hat, die Strafe der Enterbung erlaubt haͤtte; eben ſo mußte der Geſetzgeber dem Kinde jede peinliche und korrektionelle Klage gegen ſei⸗ nen Vater entweder verbieten, oder, wenn er ſie ihm erlaubt, darf er es nicht beſtrafen, wenn es von dieſer Befugniß Gebrauch macht;(auch bieten die Annalen der Jurispru⸗ denz nicht ein einziges Beiſpiel einer ſolchen Klage dar.) im Letzten der obigen Fälle endlich hat das Kind zwar gegen die Geſellſchaft nicht aber gegen ſeinen Vater gefehlt. An und fur ſich betrachtet waͤre jede Enterbung oft der Urſprung von Verbrechen, immer des Zwiſtes in der Familie geweſen. Der Vorſchlag ward daher unbedingt verworfen. In dem Titel: von den Erbſchaften, wird von der disposition olhicieuse, die zum Theil ihre Stelle erſetzen ſoll, die Rede ſein. 5 Die väterliche Gewalt endigt: nit dem Tode des Letztlebenden von Vater und Mutter; * mit der Majorität des Kindes; mit ſeiner Emanzipation; 337 durch die zweite Ehe der uͤberlebenden Mutter; zca durch die auf den Antrag eines der Ehegatten er⸗ kannte Eheſcheidung. Doch dauert ſie, in Betreff der Ehe, bis zum 26ten Jahre der Söhne und bis zum 2rten der Töchter, der Emanzipation und Eheſcheidung ohngeachtet, fort. Das Kind iſt, in jedem Alter, ſeinen Aeltern Ehrfurcht ſchuldig. 217 . Locre, V. 366. Procésverbanx des 8 vendémiaire, a frimaire, Toet 26 ventose II. L. 4, 5et6, f. de in jus vocaudo.(a. 4.) LL. 2, 5 et 7 fl. de Obseq. par.(37. 15.) Pandectes Hran⸗ caises, IV. 326. Thibaut, S⸗ d. P. J. 494 u. ff. 2) Wir werden im Titel: von den Vormundſchaften, von der Form und den Wirkungen der Emanzipation handeln; vorläufig beſchränken wir uns auf die Bemerkung, daß die Aeltern in keinem Falle, wie ein anderer Vormund, zu der Emanzipation aufgefyrdert oder gar gezwungen wer⸗ den koͤnnen. 2) Man hatte darauf angetragen, den Art. 371, der eher eine moraliſche Sentenz als eine Verfugung enthalte, ganz weg⸗ zuſtreichen. Derſelbe kann jedoch in vielen, in dem Coder nicht namentlich vorgeſehenen, Fällen dem Richter als Ent⸗ ſcheidungs Grund dienen. Ohngeachtet ſich heutzutage nicht mehr behaupten läßt, daß der Sohn ſeinen Vater ohne Er⸗ laubniß des Richters nicht vor Gericht laden duͤrfe, und ſtrenge genommen, der Unterſchied zwiſchen famoͤſen und nicht famoſen Klagen nicht mehr beſteht, ſo ertheilt dieſer Artikel doch dem Richter das Recht, das Kind, welches in ei⸗ nem Prozeſſe die ſeinem Vater ſchuldige Ehrfurcht auſſer Augen ſetzen wuͤrde, zur Ordnung zu verweiſen. 3) Es wäre unnöthig geweſen, die Verfuͤgung der L. 7. ff. de Obseq. parent. ausdruͤcklich zu wiederhohlen, da ſie eine nothwendige und ſtillſchweigende Folge der Obliegenheit der Kinder iſt, ihren Aeltern Alimente zu reichen. 4) Es gab ehedem gewiſſe Wuͤrden und Bedienungen, welche von der väterlichen Gewalt befreiten. Dieſe Verfuͤgung war zweck⸗ mäſſig zu einer Zeit, wo die Wirkungen dieſer Gewalt ſich auf die ganze Lebensdauer des Sohnes erſtreckten; es iſt aber läͤcher⸗ 218 lich, wenn man die Verfaſſer der Pandectes Hrangaise⸗ behaupten hört, daß dieſer Grundſatz auch auf die heutige Geſetzgebung anwendbar ſei, da doch Niemand eine der von ihnen angefuͤhrten Wuͤrden früher als zu einer Zeit be⸗ kleiden kann, wo die väterliche Gewalt ohnehin aufgehört hat. 8) Der Caſſationshof hatte Observ p. 131) darauf angetra⸗ gen, die Beraubung der vaͤterlichen Gewalt mit der Verur⸗ theilung zu einer peinlichen und entehrenden Strafe zu verbinden. Dieſer Vorſchlag ſtand jedoch mit dem Grund⸗ ſatze im Widerſpruch, daß nur der tuͤrgerliche Tod die Be⸗ raubung der Civil Rechte nach ſich ziehen ſolle. Da uͤbrigens der Vater, der ſich in dieſem Falle befindet, in der perſoͤn⸗ lichen Ausubung der väterlichen Gewalt verhindert iſt, ſo uberließ man es der Jurisprudenz, das Geſetz in dieſer Hin⸗ ſicht zu ergaͤnzen. 6) Dem Art. 36 des Statuts vom 1 Maͤrz 1808(Annalen der Geſetzg. Nap. 1. S. 15) zufolge kann kein Herzog, Graf, Baron oder Chevalier ein männliches Kind adoptiren, oder den ihm bewilligten oder anerfallenen Titel einem Kin⸗ de uͤberlaſſen, welches er adoptirt hatte, bevor er mit demſel⸗ ben bekleidet war, wenn ihn der Kaiſer nicht durch beſondere Patentbriefe dazu autoriſirt hat. Um dieſe zu erhalten, hat der Impetrant ſich an den Erz Kanzler des Reichs zu wenden. In Hinſicht auf die uͤbrige Guter eines Majoratsherrn bringt eine fruͤhere Adoption alle ihre Wirkungen nach der Vorſchrift des Coder Napoleon hervor, ſo wie ein ſolcher auch zur Adop⸗ tion von Kindern weiblichen Geſchlechts, auf welche ſeine Titel nicht uͤbergehen konnen, keiner Autoriſation bedarf. S——— VBierter Titel. Von der Adoption. Rbmiſches Recht: Instit, de adopt.(1. 1I.) fl. de adopt. et emanc.(x. 7.) C. de patria potest(8. 47.) ibid, de adopte, 8. 43.) Aeltere franzoſiſche Geſetzgebung: Geſetz, vom 18 Jänner 1792, 7 März und 4 Junius 1793 15 Frimaire, und 21 Fruktidor Jahr 3, Beſchluß vom 19 Floreals, und tran? ſitoriſches Geſetz vom a5 Germinal 11. Hiſtoriſche Vorbemerkung. Die politiſche Inſtitution der rdmiſchen Adoption war⸗ in vas franzoſiſche Recht nicht uͤbergegangen. Zwar findet man viele zitere Rechtsgelehrte, weiche behaupten, daß die Adoption in Frankreich ſtatt fände, allein man ſieht ſich vergebens nach den Beweißen dieſer Be⸗ hauptung um, Die Beiſpiele, welche die ältere franzdſiſche Geſchich⸗ te uns liefert, eönnen als ſolche nicht gelten, denn da ſie ſich auf Konige undFuͤrſten von hohem Range beſchränken«3 B. die Adoption Childerichs, des Sohnes von Grimoald, durch den Konig von Auſtraſien Siegebert(672) die Adoption Childeberts durch ſeinen Onkel Gontran, Konig von Orleans und Burgund, Gott⸗ frieds, Herzogs von NiederLothringen, durch den Kaiſer Ale xis (096) Balduins, durch den Prinzen von Ebeſſa,) ſo ſind ſie nur als Ernennungen von Nachfolgern und Erben anzuſehn. Zwar kommt in den Capitularien und Formeln des aͤlteren Rechtes das Wort Adoption vor(Sammlung von Baluze,1 Th. S. 39, von Len⸗ deubroe, Th. I. S. 608, Th. 2. S. 413, 481, 526, 527) allein geht man alle Stellen, die darauf Vezug haben, aufmerkſam durch, ſo findet man, daß die damalige Adoptivn nichts als eine eigentliche 220 Erbeinſesung war, welche anf den buͤrgerl. Stand des Adoptirten nicht den geringſten Einfluß hatte. Wahrſcheinlich hat man in dieſer Art von Adoption den Urſprung der kontraktuellen Erbeinſetzung, von der in der Folge die Rede ſein wird, zu ſuchen, welche dem franzdſiſchen Rechte eigen iſt, und von der erſten nur darin abweicht, daß ſie nur im Ehekontrakt geſchehen konnte. Einige Rechtsgelehr⸗ te, unter andern die Verfaſſer des Répertoire unirersel, haben auch in der ahliation eine Art Adoption zu finden geglaubt, welche durch die Landrechte von St. Jean d»Angely, Nivernais und Bourbonnais autoriſirt war; allein auch dieſes RechtsInſtitut gieng nicht von dem Prinzip der Adoption, oder der Veraͤnderung des Familienſtandes, ſondern von dem einer Geſellſchaft der Guter aus. Eben ſo wenig kann man in der ſogenannten transmission de nom et d'hérédité eine Adoption erkennen, wodurch man einen Fremden unter der Bedingung zum Erben einſetzte, den Namen und das Wappen des Erblaſſers zu fuͤhren, indem ein ſolcher Ast weder eine buͤrgerliche Verwandtſchaft begruͤndete, noch dem Adoptirten andere Rechte als die eines Schenknehmers, Legatars oder eingeſetzten Erben ertheilte. End⸗ lich kam das Wort Adoption auch noch bei einem Gebrauche vor, der in dem Hopital de la charité und dem Hotel Pien zu Lyon gebraͤuchlich war,(Art. 9 der lertres patentes vom November 1672) deſſen haupt⸗ ſäͤchlicher Zweck es jedoch war, den Verwaltern dieſer Hospitien eine gröſſere Autoritaͤt uͤber die ihrer Pflege anvertraute Waiſen zu ertheilen. Man muß daher annehmen, daß die eigentliche Adoption dem franzdſiſchen Rechte durchaus unbekannt war,(Masuen, prastien forensis, tit. 15 No. 56, Dhumoulin, sur l'ancienne coutume de Paris F. 2. gloss. 2, Mo. 10.) als die NationalVerſammlung durch ein Dekret vom 13 Fänner 1792 verordnete:„daß der Geſetz⸗ gebungsAusſchuß die Adoption in ſeinem allgemeinen Plane'einer Ei⸗ vilGeſetzgebung zu begreifen habe;“ durch die Dekrete vom? May und 3 Junius ward dieſer Auftrag in Erinnerung gebracht; ein Dekret vom 15 Frimaire 3 erkannte an, daß, da das Prinzip der Adoption ange⸗ nommen ſei, jede bereits geſchehene Adoption dem Adoptirten ein ge⸗ wiſſes Erbrecht zuſichere, das ihn berechtige, auf die Erbſchaft des Adoptanten die Siegel anlegen zu laſſen; durch ein Dekret vom atten Fruktidor 3 ward der Bericht uͤber die Wirkungen der Adoption 221 nochmal gefordert, und amn 19ten Floreal 8 Jahrs öberſchickte die Regierung den Beamten des Civilſtandes das Formulor von Adop⸗ tions Akten; da aber die Form und die Wirkungen ver Adoption erſt durch den Codex Napoleon regulirt wurden, ſo ward ain 25 Germ. II ein tranſitoriſches Geſetz uͤber die Guͤltigkeit und die Wirkungen der Adoptionen, die ſeit dem Jaͤnner 1792 bis zur Verkündigung des Co⸗ dex ſtatt gefunden hatten, erlaſſen. Siehe uͤbrigens das Répertoire univers el, verbo adopclon, und den traité de l'adoption par Greniere Erſtes Kapitet. Von den Adoption. S Die Adoption iſt entweder konventionell oder te⸗ ſtamentariſch. Die erſte iſt ein unter gewiſſen Bedingungen erlaubter Wohlthätigkeits Kontrakt, wodurch zwiſchen dem Adoptan⸗ ten und dem Adoptirten eine buͤrgerliche Verwandtſchaft be⸗ gründet wird, die dem Adoptirten die Erbrechte eines ehe⸗ lichen Kindes auf das Vermögen des Adoptanten gewährt, ohne ihn jedoch der Familien⸗ und Erbrechte in ſeiner na⸗ tuͤrlichen Familie zu berauben. Die teſtamentariſche Adoption weicht von der konventionellen nur darin ab, daß ſie durch ein Teſta⸗ ment des Pfleg Vormundes zu Gunſten ſeines Pfleg Kindes begrundet wird, welches nach dem Tode des Vormun⸗ des, jeboch nur, falls er keine rechtmäſſige Kinder zuruͤck⸗ läßt, ſeine Wirkungen hervorbringt. Locré, V. 335. Grenier, traité de l'adoption, IIT, 512. Delin- court, Iustitutes, I. 195. Proces-verbaux des 6 friwaire 10 et 27 brum. 1I. Sachartäs Handbuch II. 113.(Art. 12 des Statuts vom 30 May 1306, Art. 10 u. 12 des erſten Statuts vom 1 Map 1808, Art 36 des zweiten Statuts von demſelben Tage⸗(Anngl⸗ der Geſ. Napol. I. 1.) Thibaut, 9. 483 u. ff. 366 222 2) Die Kommiſſion hatte die Adoption von ihrem Plane ginz⸗ lich ausgeſchloſſen. Da ſie dieſelbe als eine politiſche Inſti⸗ tution betrachtete, als eine Ausnahme von dem gemeinen Rechte, die nur als Belohnung wichtiger Dienſte erlaubt werden könnte, ſo glaubte ſie, daß nur der Geſ. Korper die Er⸗ laubniß zu adoptiren ertheilen koͤnne, und daß das Geſetz, welches eine Adoption erlauben wuͤrde, auch zugleich die Wirkungen deſſelben feſtſetzen muͤſſe. Sie hielt die Adop⸗ tion als Inſtitution des Civi Rechts fuͤr uͤberfluͤſſig, weil ſie den franzöſiſchen Sitten fremd war, und fuͤr gefaͤhrlich, ſowohl wegen des Misbrauchs, der davon gemacht werden koͤnnte, um natuͤrlichen Kindern auf indirektem Wege verbo⸗ tene Liberalitäten zuzuwenden, als auch, weil ihre Unwider⸗ ruflichkeit im Falle der Reue das Ungluͤck des AdoptivVaters ſowohl als des AdoptivKindes zur Folge haben koͤnnte; man behauptete ferner: als Inſtitution des PrivatRechts betrachtet, habe der Staat keinen Vortheil davon zu gewar⸗ ten; AdoptivKinder wuͤrden die Stelle eigner Kinder immer nur unvollkommen erſetzen; als Wohlthat betrachtet ſei ſie aber ganz uͤberfluͤſſig, weil in den Faͤllen, wo die Adoption erlaubt ſei, die Freiheit zu geben durchaus keinen Schran⸗ Len unterworfen ſei. Auſſer den Bemerkungen der Kommiß⸗ ſion verdienen uͤber dieſen Gegenſtand auch die geleſen zu wer⸗ den, welche der damalige Tribun Grenier im Vendemiaire 10 unter dem Titel: KEssai sur Padoption, considérée dans ses rapports avec l'histoire. la morale et la législation herausgab, und die man im dritten Theil ſeines Werkes: zur les donations et tesraments, wieder abgedruckt findet. Der Grundſatz der Adoption ward jedoch in der Sitzung vom 27 Brumaire II dekrekirt. Wenn gleich nicht zu 223 ſäugnen war, daß weder die Adoption der Römer noch bie der alten Franken zu unſern Sitten paßt, ſo bot doch eine neuere Geſetzgebung ein dem Geiſt der Zeit angemeſſeneres Beiſpiel dar. Man hatte die Adoption in das preuſſiſche Geſetz⸗ buch aufgenommen; allein ſie loßt nach demſelben die Bande der Natur zwiſchen dem Adoptirten und ſeiner erſten Familie nicht auf; ſie iſt ein bloß perſönlicher Kontrakt zwiſchen dem Adoptanten und dem Adoptirten, deſſen auf ſie beſchraͤnkte Wickungen den uͤbrigen Gliedern der Familie fremd blei⸗ ben. Dieſe Idee giebt den Geſichts Punkt an, von welchem die neue Adoption ausgeht. Man fand eine Verbindung, die zugleich dem Adoptanten Troſt und dem Adoptirten Unterſtü⸗ tzung gewährt, dem Charakter der Nation vollkommen an⸗ gemeſſen; man erwog, daß, einmal von dem Geſetz aner⸗ kannt, die Sitte ſie willig aufnehmen wuͤrde, weil das Gu⸗ te blos angedeutet zu werden braucht, um Goͤnner zu fin⸗ den; daß ſie dem Buͤrger, der keine Kinder hat, und der auf die Hoffnung Verzicht geleiſtet hat, deren zu erhalten, die Mittel gewährt, unter den Kindern ſeiner weniger beguͤterten Mit⸗ buͤrger Stuͤtzen ſeines Alters zu finden, die ihrerſeits die Wohlthat einer ſorgfaͤltigen Erziehung durch ſtäte Dankbar⸗ keit zu vergelten ſuchen wuͤrden. Dieſer Akt, der weit ent⸗ fernt, mit dem Feudal Syſtem in einiger Verbindung zu ſtehn, vielmehr in den Republiken heimiſch war, ſollte fortan kein Mittel ſein, einen verderblichen Ehrgeiz zu befriedigen; der Landbewohner, hoffte man, wuͤrde ſeine Wirkungen, wie der Städter, und öfter als dieſer, in Anſpruch nehmen; dieſe Wirkungen ſollten noch während dem Leben des Adoptanten fuͤhlbar werden; er ſelbſt ſollte noch die Fruͤchte ſeiner Wohltha⸗ Len einärndten, und wenn auch noch nach ſeinem Tode dem 224 Adoptirten Vortheile zugeſichert ſind, ſo ſollte doch der Adöp⸗ tant zuerſt dem Staate einen Buͤrger erzogen haben, ehe er ſich einen Erben geben kann. Da dieſe Adoption keine Veraͤnde⸗ rung der FamilienVerhaͤltniſſe bewirkt, ſo iſt der Adoptant blos ein, vom Geſetze anerkannter, Pfleger, der ohne, ſelbſt ſchein⸗ weiße, die Rechte der Paternitat zu genieſſen, doch einige Vor⸗ theile derſelben erhalten wird: ſie ſoll eine auf Wohlthaten und Dankbarkeit gegruͤndete QuaſiPaternität ſein, ohne den Adoptirten der Vortheile der wirklichen zu berauben. 2) Dieſer Anſicht gemaͤß fiel auch der Vorſchlag weg, die Adop⸗ tion der Genehmigung des Geſetzg. Koͤrpers oder der Regie⸗ rung zu unterwerfen; denn ſobald ſie eine privatrechtli⸗ che Inſtitution ſein ſollte, mußte man auch alle Buͤrger in den Stand ſetzen, Antheil daran zu nehmen. Dies wäͤre aber durchaus der Fall nicht geweſen, wenn das Geſuch bei den oberſten Staats Behoͤrden haͤtte angebracht werden muͤſſen; auch war, ſobald jeder politiſche Zweck wegfiel, kei⸗ ne Urſache vorhanden, den Tribunalien die Erkenntniß uͤber die Zuläſſigkeit der Adoption zu entziehen, da ſie doch noth⸗ wendig uber ihren Vollzug erkennen mußten. 3) Die franzöſiſche Adoption erleidet demnach gar keine Verglei⸗ chung mit der römiſchen; ſie iſt keine vollkommene Nachah⸗ mung der Vaterſchaft und bringt nur eine geringe Veränderung im buͤrgerlichen Zuſtande hervor. Man hat gefuͤhlt, daß wenn man ſich der Natur allzuſehr annaͤhern wollte, der Zweck des Geſetgebers ganz verfehlt werden wurde, indem das Geſetz ohnmächtig iſt, um die Wirkungen der Natur hervorzubrin⸗ gen. Der Hauptzug der franzoͤſiſchen Adoption iſt eine kon⸗ traktuelle Erbeinſetzung, welche eine auf die Ehe veſchränkte buͤrgerliche Verwandtſchaft und die gegenſeitige 225 Obliegenheit der Alimentation nach ſich zieht. Deshalb bezeich⸗ net aber die ſowohl von Zacharia als von Delvincourt gegebene Difinition das Inſtitut der franz. Adoption nicht voll⸗ kommen. Es iſt keine Vaterſchaft ohne vaͤterliche Ge⸗ walt denkbar, auf welche der Adoptant gar keine An⸗ ſpruͤche hat. Auch bedient ſich der Geſetzgeber ſogar ab⸗ ſichtlich der Ausdruͤcke: adoptant, adopié, anſtatt père adopuß, enkaut adoptif, um die Verſchiedenheit des Ver⸗ haͤltniſſes der Adoption von der Vaterſchaft anzudeuten. Wenn uͤbrigens dieſe Idee nicht mit derſelben Beſtimmt⸗ heit, die man in andern Titeln des Coder bemerkt, durch⸗ gefuͤhrt iſt, ſo hat man die Urſache darin zu ſuchen, weil dieſer Titel, der nicht in dem Projekte befindlich war, nacheinander ſieben Abfaſſungen erhalten hat, die aus ver⸗ ſchiedenenGeſichtspunkten ausgiengen, ſo daß einige Artikel in dem Syſtem der Nachahmung der Va⸗ terſchaft, andere in dem Syſtem einer bloßen kontrak⸗ tuellen Erbeinſetzung in Vorſchlag gebracht worden ſind. 4) Der Adoptirte erhält kein Erbrecht auf das Vermögen der Verwandten des Adoptanten, weil es nicht von einem Inbi⸗ viduum abhaͤngen darf, die Erbfolge einer ganzen Familie zu verändern. Der Adoptirte wird ſogar nicht einmal Glied der Fa⸗ milie des Adoptanten; haͤtte man ihn ſeiner natuͤrlichen Fami⸗ lie entziehen wollen, ſo wäre dies unnatuͤrliche Verhaͤltniß ſicher nicht in die Gewohnheiten der Nation aufgenommen worden; haͤtte man die Bande der natuͤrlichen Verwandſchaft neben denen der buͤrgerlichen Verwandſchaft beſtehen laſſen, ſo waͤre eine beſtaͤndige Colliſion nicht zu vermeiden geweſen. 5) Man hat es unbillig gefunden, daß der Adoptirte im Fall⸗ I1. Th. 15 226 der Conkutrenz mit ehelichen Kindern gleiche Rechte mit dieſen genießen ſoll. Man hat dabei uͤberſfehen, daß der Adoptant ihn immer auf das Pflichttheil reduziren kann. Mehr konnte der Geſetzgeber nicht fuͤr die ehelichen Kinder thun, deren Geburt zur Zeit der Adoption nicht vor⸗ zuſehen war, ohne gegen den Adoptirten ungerecht zu werden, der auf die Vortheile ſeines unwiderruflichen Kontrak⸗ tes Rechnung zu machen befugt war. Auch ſind die Rechte jener Kinder um ſo weniger gekränkt, als die des Adoptirten bereits vor ihrer Geburt erworben waren. 6) Von der teſtamentariſchen Adoption wird im zweiten Kapiter die Rede ſein. Erſter Abſchnitt. Pon der Natur, den Bedingungen und den Wirkungen der Adoptlon. §. I73. Die zur Adoption erforderliche Bedingungen ſind: a) Von Seiten des Adoptanten: Nfunfzig Jahre alt, und fuͤnfzehn Jahre älter zu ſein, als der Adoptirte. In dem einzigen Falle, wo der letztere ihm das Leben gerettet hat, es mag nun in einem Gefechte geſchehen ſein, oder indem er ihn aus Feuers ⸗ oder Waſſersgefahr ge⸗ rettet hat, fallen beide obige Bedingungen weg, und der Adoptant iſt, in ſo fern er die beide folgende ver⸗ einigt, zu dem Kontrakt der Adoption befugt, wenu er nur großjährig und älter als der Adoptirte iſt; 2) zur Zeit der Adoption keine eheliche Deszendenz zu haben 3) die Einwilligung ſeines Mitgatten, falls er ver⸗ 344 heurathet iſt, beizubringen. 343 34¹ 343 227 b.) Von Seiten des Adoptirten? 1) daß er nicht bereits vorher von einem andern adoptirt worden ſei. Doch ſteht die Adoption durch einen der Ehegatten der des andern nicht im Wege; 2) großjährig zu ſein; 346 3) die Einwilligung ſeiner Aeltern beizubringen, ſo lange er noch nicht 25 Jahre alt iſt. Nach dieſem Alter kann er den Contrakt der Adoption abſchlie⸗ ßen, wenn eine ehrfurchtsvolle Anfrage voraus⸗ gegangen iſt. 4) Derſelbe muß, waͤhrend ſeiner Minderjaͤhrigkeit, und wahrend wenigſtens ſechs Jahren, ununter⸗ brochene Unterſtuͤtzung und Pflege von dem Adop⸗ tanten erhalten haben, welche Bedingung jedoch gleichfalls in dem Falle wegfällt, wenn der Adoptirte dem Adoptanten das Leben gerettet hat. Locré, V. 376 et Kuiv. Grenier, III. 512 et suiv. Maleville, 345. 5. 1 3, ½ 7, 9, 10. Inst. h. t(1. 11.) LE. 5. 10. C. h. t. (3·45.) L. ult. eod. L. 1. F. 1.f. h. t.(1. 7.) LL. 2, 5, 5, 7, 8. 9, 10, 11, 12 15, F. 1 et 3, 16, 17 F. 3. 13 19, 36, 22. 3 25 30 3, S 1. 3„. 1.. S. 1 er 3 eod. Répertoire universel, verbo: adopeion. Thibaut,. 488 u⸗ ff. mein Journal, Jahrgang I. Th. 2. S. 132. Jurisprudence du Code Napoléon, an 12, I. 491. II. 220. an 13, I. 473. 1807. I. 320. Décisions notables de la cour de Bruxelles, zéme vol, P zbo. Jurisprudence de la Cour de Cass. par Firey, 1803, 7 cahier. No. 5. Procès-verbaux des 6, 14 et 16 trunaire, 4 et 10 nwose 10, 27 brumaire II. 1) Wir haben oben den allgemeinen Geſichtspunkt feſtgeſetzt, aus welchem die Adoption angenommen ward, nämlich als ein Mittel, demjenigen, welcher keine eheliche Deszendenz „ 228 zu hoffen hat, wenigſtens einigen Erſatz für die mit der Pater⸗ nität verknupfte Annehmlichkeiten zu verſchaffen. Es kam nun⸗ mehr bei der Organiſation dieſes Mittels darauf an, die Sittlichkeit und nicht die Zugelloſigkeit zu belohnen, die Wohl' thaͤtigkeit und nicht den Coͤlibat zu begunſtigen, zu verhin⸗ dern, daß die Stimme des Bluts nicht durch die des Vor⸗ theils erſtickt werde, und den geheiligten Rechten der natuͤr⸗ lichen Aeltern in dem Geſetz ſo wie in der Ordnung der Natur den erſten Rang zuzuſichern. Endlich hatte man bei dieſer Inſtitution die Sitten und Gewohnheiten der Na⸗ tion um ſo mehr zu beruͤckſichtigen, weil ſonſt Niemand da⸗ von Gebrauch gemacht haben wuͤrde. 2) Nach dem roömiſchen Rechte war, wenigſtens zu der Arro⸗ gation, ein Alter von 60 Jahren erforderlich; der Adoptant mußte 18 Jahre älter als der Adoptiv Sohn oder Enkel⸗ und verheurathet oder Wittwer ſein. Dieſ⸗ Bedingung ward im Staatsrath zu verſchiedenenmalen reklamirt; folgendes ſind die Gruͤnde, welche man dieſem Vorſchlag entgegengeſebt hat, und die die Oberhand erhalten haben: die Geſetze gegen den Chlibat waren bei den verſchiedenen Nationen, nach dem Zu⸗ ſtande einer jeden derſelben, mehr oder weniger ſtreng. Ly⸗ zurgs Tafeln paſſen nicht zu unſerer Sitte. Sollte in⸗ deſſen die den Hageſtolzen geſtattete Befugniß, zu adoptiren, den Cölibat wirklich befordern, ſo iſt es keinem Zweifel untet⸗ worfen, daß man ihnen dieſe Befugniß entziehen muͤßte. Die Verfechter dieſer Meinung grunden dieſe Beſorgniß aber weniger auf die Fähigkeit, in einem Alter von 50 Jahren noch Kinder zu zeugen, als auf die Beſorgniß, ſelbſt junge Leute mögten, bei der Aufſicht, einſt adoptiren zu koͤn⸗ nen, die Ehe vermeiden. Dieſe Furcht zeugt von einem 7 229 zu groſſen Glauben an die Vorſicht der Menſchen, und von zu wenigem Vertrauen auf die Regungen der Ra⸗ tur. So wie man eigene Kinder immer fremden vor⸗ ziehen wird, ſo wird die Ehe immer vor der Adoption den Vorzug behalten. Auch bei der Befugniß zu adoptiren, wird es immer Hageſtolze geben, aber ſie ſind eine Aus⸗ nahme in der Geſellſchaft, die nicht dieſer Befugniß ihren urſprung verdankt, die wirklich beſteht, und zu allen Zeiten beſtanden hat. Mancher hat ſein Leben verſtreichen laſſen, ohne aus ſtraͤf⸗ lichem Leichtſinn an eine hausliche Niederlaſſung zu denken. Er iſt freilich tadelnswuͤrdig, aber die Zeit zur Ehe iſt fuͤr ihn verſtrichen; ſpäte Ehe ſind ſelten glucklich, und noch ſelt⸗ ner der Geſellſchaft erſprießlich. Man gewaͤhre ihm alſo ein Mittel, durch einen ſeiner Lage angemeſſenen Schritt wenigſtens einen Theil ſeines Unrechts wieder gut zu ma⸗ chen. Warum ſollte man ihm die Wohlthätigkeit verbieten, und warum, weil er bisher ein unnuͤtzes Glied der Geſell⸗ ſchaft war, ihn verurtheilen, es zu bleiben? Eine zweite Gattung von Hageſtolzen wird durch Krank⸗ heit an der Ehe verhindert; eine dritte durch duͤrftige Ver⸗ moͤgensUmſtände, und oft durch vie Pllicht, arme Aeltern, hulfloſe Verwandte zu ernähren. Wie viel ungerechter wuͤrde nicht dieſe Ausſchlieſſung in Hinſicht auf ſie ſein? ſie ſind vor⸗ wurfsfrei, und beklagenswerth; die Adoption, die andern ein bloſſer Genuß iſt, kann fuͤr ſie ein Beduͤrfniß ſein, und wenn es nicht zu gefährlich geweſen wäre, aus Furcht misbräuchlicher Anwendungen eine Ausnahme von der allgemei⸗ nen Regel zu erlauben, ſo hätte fur ſie die Epoche, worin die Adop⸗ tion erlaubt iſt, fruͤher als fuͤr jeden andern eintreten muͤſſen. 230 2) Die Sektion hatte gleichfalls einen Artikel in Vorſchlag gebracht, der die Adoption allen Ehegatten ſo lange verbot, bis dahin ſeit dem Abſchluß der Ehe zehn volle Jahre ver⸗ floſſen wären. Allein dieſer Vorſchlag wuͤrde ſeinen Zweck, ſich der Unfruchtbarkeit der Ehe zu verſichern, nicht erreicht haben; man hat Beiſpiele, daß die Fruchtbarkeit erſt funf⸗ zehn Jahre nach dem Abſchluß der Ehe eingetreten iſt; uͤber⸗ haupt muß die Wahrſcheinlichkeit derſelben mehr nach dem Alter der Ehegatten als nach der Dauer der Ehe beurtheilt werden; auch macht die Bedingung der Einwilligung des andern Ehegatten dieſes Verbot uͤberfluͤſſig, indem er ſie ſicher ſo lange verweigern wird, als noch Hoffnung zu einer ehe⸗ lichen Nachkommenſchaft vorhanden iſt. 4) Die Gunſt der Ehe hat die HauptBedingung des Art 343 beſtimmt. Da die Adoption hauptſächlich erlaubt ward, um dem Adoptanten einen Troſt uͤber den Mangel von Kindern zu gewäh⸗ ren, ſo muß er nicht allein keine Kinder haben, ſondern ſich auch in einem Alter befinden, wo ihm wenig Hoffnung bleibt, deren durch die Ehe zu erlangen. Doch ſchien das Intereſſe der Ehe hinlänglich geſichert, wenn die Befugniß jzu adoptiren auf ſolche Perſonen beſchränkt wuͤrde, welche das Alter von 50 Jahren zuruckgelegt haben. Eheleuten, deren Verbin⸗ dung bis dahin unfruchtbar geblieben, läßt die Natur kaum noch Hoffnung, Kinder zu erzielen. Was den unverheura⸗ theten Mann betrifft, ſo hat ſie ihm zwar nicht nothwen⸗ dig dieſelbe Graͤnzen geſteckt, aber nur wenige denken in dieſem Alter noch an die Ehe, und die Geſellſchaft hat kein Intereſſe mehr, ſie dazu aufzufordern. 8) Es kann niemand von zweien Perſonen zugleich adoptirt werden, weil das Verhaͤltniß zwiſchen mehreren Adoptanten 231 und den natürlichen Aeltern allzu komplizirt ſein wuͤrde, und eine Theilung der Pflege, die der Adoption vorherge⸗ hen muß, keinem der Adoptanten die Hoffnung laſſen wuͤrde, dem Adoptirten kindliche Geſinnungen einzufloͤſſen. Auch wiederſtreitet die Adoption durch mehrere Perſonen der Fietion der Paternität, die ein großer Theil des Staats⸗ raths bei der Diskuſſion dieſes Titels immer im Auge behielt.(“) Die Ausnahme zu Gunſten der Ehegatten, welche der Art. 344 enthalt, fließt aus dem Titel ihrer Verbindung her. Die Natur hat ihnen keine Kinder ge⸗ waͤhrt, oder ſie ihnen entriſſen, ſie können alſo andere auf⸗ nehmen, die ihnen, als wären ſie der Ehe entſproſſen, ge⸗ meinſchaftlich angehören können. Ich ſage koͤnnen, denn ſie koͤnnen auch nur einem der Ehegatten angehoren, wenn nur dieſer eine ſie adoptirt. In der That kann ein Gatte das Verlangen, ſelbſt das Bedürfniß, der Adoption empfin⸗ den, ohne daß der andere dieſes Gefuͤhl theilt, welches das Reſultat ganz verſchiedener Verhaͤltniſſe in Hinſicht auf ihre beiderſeitigen Verwandten ſein kann. Der eine kann die ſeinigen lieben, und die natärliche Erbfolge in ihrer Hinſicht nicht verändern wollen; die des andern können ihm fremd, oft vielleicht unbekannt ſein. Die Einwilligung des andern Ehegatten iſt jedoch immer zur Adoption erforderlich, ſowohl damit nicht die einſeitige Adoption den Frieden der Ehe ſtö⸗ ren möge, vorzuglich ater, daß nicht einer der Ehegatten (*) Wie die Hn. Pfeiffer,(TL. 154) behaupten eonnen, das gem. Recht laſſe es unbeſtimmt, ob jemand von mehreren Perſonen zugleich adoptirt werden konne, iſt mir unbegreiflich, da das durch die rdmiſche Adoption erzengte KindsVerhältniß doch, meiner Mei⸗ nung nach, untheilbar war. 232 ſeine uneheliche Kinder in die gemeinſchaftliche Woh⸗ nung einfuͤhren könne. Dieſe Einwilligung wird den Adop⸗ tirten gegen den nicht adoptirenden Ehegatten ohngefähr in dieſelbe Lage verſetzen, worin ſich Kinder aus einer erſten Ehe gegen StiefAeltern befinden; doch iſt die des erſten weniger unangenehm, weil er keine andere Kinder neben ſich hat, die gewöhnlich der beſondern Vorliebe ihrer rechten Aeltern genieſſen. 6) Was die von Seiten des Adoptirten erforderliche Bedingun⸗ gen betrifft, ſo ſcheint es auffallend, daß eine volljährige Perſon adoptirt werden könne. Die erſte Idee, welche uns bei der Adoption aufſtößt, und ſie den Freunden liberaler und menſchenfreundlicher Inſtitutionen empfohlen hat, iſt, daß ſie zu Gunſten des Schwachen ſtatt finde, und ſogleich faͤllt uns dabei ein Kind, oder doch ein Minderjaͤhriger bei. Es wuͤrde nichtsdeſtoweniger eine falſche Schlußfolge ge⸗ weſen ſein, haͤtte man, durch eine Vermiſchung des Fak⸗ tums mit dem Kontrakte, geglaubt, der Kontrakt der Adop⸗ tion ſelbſt muͤſſe waͤhrend der Minderjährigkeit des Adoptir⸗ ten abgeſchloſſen werden; denn ein ſo wichtiger Aét wuͤrde ohne die Ratifikation deſſelben nach erlangter Großjährigkeit nie vollkommen geweſenlſein. Was wäre aber alsdann ſein Schickſal geweſen, wenn der Adoptant nach der Adop⸗ tion, aber doch vor dieſer Epoche geſtorben wäre? Wäre die Erbſchaft auf ihn, und durch ihn auf ſeine Erben uber⸗ gegangen? Bei dergleichen Fällen iſt alles, was nicht ge⸗ nau beſtimmt werden kann, nachtheilig und beunruhigend. Wie unangenehm wuͤrde nicht auſſerdem die Lage des Adoptanten geweſen ſein, der ſeinerſeits gebunden geweſen wäre, waͤhrend der Adoptirte ſeinen Willen behalten hätte. 233 Das Problem lag alſo darin, den Kontrakt gleich in ſeinem urſprunge vollkommen zu machen, bloß Großjährige daran Theil nehmen zu laſſen, ohne jedoch die weſentliche Urſache deſſelben, nämlich eine der huͤlfsbeduͤrftigen Minderjaͤhrigkeit gewidmete Pflege, auszuſchlieſſen. Hier finden wir es voll⸗ kommen geloͤßt. So erhält die Adoption einen neuen Grad von Nuͤtzlichkeit: ſie wird nicht blos mehr durch die Ho ff⸗ nung einer wechſelſeitigen Unterſtuͤtzung, ſondern durch das Gefuͤhl derſelben beſtimmt, und von der Wohlthätigkeit vorbereitet, durch die Dankbarkeit ſanctionirt. Dieſe Bedingung der vorherigen Unterſtutzung ſchien ſo weſentlich in dem Prinzip dieſes Kontraktes zu liegen, und ſo gluͤcklich in ihren Wirkungen, daß man nicht einmal, ſo wie einige es verlangt hatten, den Onkel, der ſeinen Neffen zu adoptiren die Abſicht hat, davon befreien zu muͤſſen er⸗ achtete. Wie ſollte auch in der That dieſe Verwandtſchaft eine ſolche Ausnahme begruͤnden? Der Neffe eines kinder⸗ loſen Onkels iſt allerdings ſchon einer ſeiner geſetzlichen Er⸗ ben; dieſe Eigenſchaft, welche von der Adoption unabhaͤngig iſt, ſichert ihm Rechte zu, die ſein Onkel durch beſondere Dispoſitionen ausdehnen kann; allein, um adoptirt zu wer⸗ den, muß dieſer ſich durch eine vorherige Pflege dazu berech⸗ tigt haben, die man, um die Inſtitution in ihrer Reinheit zu erhalten, in keinem Falle erlaſſen konnte. Sonſt koͤnn⸗ te dieſe plotzliche Adoption nichts als ein Mittel ſein, die Geſchwiſter des Adoptirten des ihnen durch die Geſetze zu⸗ geſicherten Erbtheils zu berauben. 7) Es giebt indeſſen eine zweite Gattung der Adoption, näm⸗ lich die von Perſonen, denen der Aboptant die Errettung ſeines eignen Lebens unter Umſtänden, die der Beweiß ei⸗ 234 ner beſondern Anhaͤnglichkeit und Ergebenheit ſind, verdankt. Sie wird, wie die Gelegenheit dazu, äuſſerſt ſelten ſein. Die gegenſeitige Lage des Adoptanten und Adoptirten iſt hier grade die entgegengeſetzte von der einer gewohnlichen Adoption, allein die erſtere verdient eben deshalb um ſo mehr beguͤnſtigt zu werden, weil ſie dem Geretteten das Mitel gewaͤhrt, ſeine Schuld an ſeinen Wohlthäter abzutragen. In ſolchen Fällen muß jeder Zwang, jede Einſchraͤnkung wegfallen. Drei einzige, unnachlaͤſſige, Bedingungen bleiben ſtehn: ſind Kinder vorhanden, ſo ſchlieſſen ihre, ſchon be⸗ ſtehende Rechte, die Adoption aus; iſt der Retter aͤlter als der Gerettete, ſo kann die Adoption, die doch immer einige Aehnlichkeit mit der Vaterſchaft hat, der Natur der Dinge nach nicht ſtatt finden; eben ſo wenig darf ſie gegen den Willen des Mitgatten des Adoptanten geſchehen. 8) Da jedoch in dieſem Falle die Nachahmung der Paternität beinahe ganz wegfäͤllt, indem die erforderliche Verſchieden⸗ heit des Alters nur von einem Jahre, Monate oder Tag ſein kann, und der Adoptant, in der zur Adoption noth⸗ wendigen Vorausſetzung, daß er keine legitime Deszendenz habe, aber ſein ganzes Vermoͤgen(den Vorbehalt zu Gunſten ſei⸗ ner Aszendenten allein ausgenommen) die freie Verfuͤgung hat, ſo duͤrfte er ſsgar in diefem ſeltenen Falle eher von dem einfachen Mittel einer Schenkung unter Leben⸗ den Gebrauch machen, um ſeine Dankbarkeit zu beweiſen, als von der durch viele Formalitäten erſchwerten Befug⸗ niß der Adoption. Ich glaube ſogar, daß man in Hin⸗ ſicht auf die Bedingung des Alters keine Ausnahme in die⸗ ſem Falle geſtattet haben wuͤrde, wenn man nicht zur Zeit, als der Titel der Adoption diskutirt ward, geglaubt haͤtte, daß 235 der Titel von der Erbfolge auch zu Gunſten der Collateral⸗ Verwandten eineu Pflichttheil feſtſetzen wuͤrde. 9) Die von demſelben Artikel bewilligte Gunſt muß(und kann daher auch ohne allen Nachtheil) auf die darin insbeſondere vorgeſehene Fälle beſchränkt werden. Die Sektion wollte ſie auf jedes Individuum ausdehnen, das einem andern einen wichtigen Dienſt Gervice importani) erwieſen hätte, allein auſſerdem, daß es ſchwer zu beſtimmen iſt, welche Dienſt⸗ leiſtungen fur wichtig gehalten werden muͤſſen, hätte dieſe Ver⸗ fügung ſich auch auf ſolche Perſonen erſtreckt, welche, 6. B. Aerzte, Gewiſſensräthe, Advokaten) ihren Einfluß benutzen könnten, um den Adoptanten zu einer Adoption zu ih⸗ rem Vortheil zu uͤberreden. Doch läßt der generiſche Ausdruck: Streit,(Combat) den Tribunalien die Be⸗ fugniß, die Gunſt des Artikels 345 in manchem Falle anzuwenden, worin Jemand auch auſſer dem Kriege ſein Le⸗ ben in Gefahr geſetzt hat, um das des Adoptanten zu ret⸗ ten, z. B. bei einem Anfalle von Straſſenräubern ꝛc. 10) In Hinſicht auf die Bedingung der ſechsjährigen Unterſtuͤ⸗ tzung des Adoptirten waͤhrend ſeiner Minorität glaube ich bemerken zu muͤſſen: a) daß das Geſetz die Art des Beweißes nicht vorgeſchrieben hat, um den Tribunalien freie Hände zu laſſen. Ueber⸗ haupt ſchließt das ganze Verfahren bei dem Adoptions⸗ Prozeß jede Idee eines gerichtlichen BeweißVerfahrens aus, ſondern die Glieder des Tribunals haben, laut dem Art. 355, uͤber die Wahrheit dieſer Angabe auf jedem auſſergerichtlichen Wege ſowohl, als mittelſt Correspon⸗ denz mit den LokalBehorden, Erkundigungen einzuziehen. Ein foͤrmliches BeweißVerfahren waͤre auch durchaus üͤber⸗ „ 236 flſſig geweſen, indem das Tribunal die Beweggrunde ſei⸗ ner Entſcheidung nicht einmal anfuͤhren darf. b) Ich glaube auch nicht, daß die Unterſtuͤtzung und Pflege von welcher in dieſem Art. 345 die Rede iſt, nothwendig in einer GeldUnterſtutzung, und einer dem Adoptirten in dem Hauſe des Adoptanten ertheilten Pflege und Erzie⸗ hung beſtehen muß. Der Zweck des Geſetzgebers war, der Reue vorzubeugen, welche nur allzuoft auf die Adop⸗ tion folgen wuͤrde, wenn ſie das Werk der Laune oder einer voruͤbergehenden Aufwallung ſein konnte. Das Geſetz erheiſcht deshalb, daß ein langes und inniges Verhaͤltniß den Adoptanten in den Stand geſetzt habe, den Charak⸗ ter des Adoptirten kennen zu lernen, und ſich dieſen durch die Bande der Dankbarkeit zu verpflichten. Es ſcheint mir demnach, daß vorzuglich dann, wenn der Adoptant dem In⸗ dividuum, welches er adoptiren will, nahe verwandt iſt, dem Art. 343 Genuͤge geſchieht, wenn dem Richter die Ue⸗ berzeugung gewaͤhrt wird, daß der erſte fortwährend eine lebhafte Zuneigung zu dem letzten bewießen hat, ohne daß der Umſtand, daß der Adoptirte im Hauſe ſeiner natuͤrlichen Ael⸗ tern erzogen worden, ein Hinderniß der Adoption ſein könnte. 11) Der Art. 346 erheiſcht nur die Einwilligung der Aeltern, nicht aber die der ubrigen Aszendenten, eine Folge des Grundſatzes, daß die väterliche Gewalt den Letzten, den Fall der Ehe ausgenommen, nie zuſteht. Es fragt ſich uͤbrigens, ob hier, wie im Falle des Art. 148 zwiſchen den Söhnen und Töchtern in Hinſicht auf das Alter ein Un⸗ terſchied zu machen iſt, und ob die letzte nach dem Alter von a1 Jahren nach einer ehrfurchtsvollen Anfrage zur Adop⸗ 237 tion zu ſchreiten befugt ſind? Dieſe Frage iſt verneinend zu beantworten, a) weil das Geſetz keinen Unterſchied macht, und b) der Beweggrund, der jenen Unterſchied in Hinſicht auf die Ehe beſtimmt hat, in Hinſicht auf die Adoption nicht beſteht. Auch ſind hier nicht dieſelbe Mittel vorhan⸗ den, um, wie im Fall des Art. 153(Th. 1. S. 252. N. 11) dieſen Unterſchied gegen die buchſtäbliche Abfaſſung des Geſetzes zu begruͤnden; der Art. 153 enthaͤlt nichts als die Anwendung eines Grundſatzes, der durch den vorherge⸗ henden Artikel, der dieſen Unterſchied ausdruͤcklich macht, aufgeſtellt wird; der Art. 346 enthaͤlt aber den Grundſatz ſelbſt, ohne zwiſchen Söhnen und Toͤchtern, wie der Art. 352, denſelben Unterſchied zu machen. 42) Wir haben nunmehr noch einige Ein ſchraͤnkungen der Adoption zu beruͤhren, welche zwar in Vorſchlag gebracht, aber verworfen worden ſind, und deren Kenntniß durchaus nothwendig iſt, um den Geiſt der neuen Inſtitu⸗ tion der Adoption zu faſſen: a) die Sektion hatte einen Artikel in Vorſchlag gebracht(ate Abfaſſung, Art. 8.) nach welchem unverehelichte Perſonen nur Individuen von demſelben Geſchlechte ſollten adoptiren können, mit Kusnahme jedoch von Neffen und Nichten, Vettern und Baſen im erſten Grade. Dieſer Artikel gieng anfangs(16 Frimaire 10) im Staatsrath durch, nach⸗ dem der Vorſchlag, die Ausnahme wegzuſtreichen, weil die Furcht vor dem vertraulichen Verhaͤltniß zwiſchen On⸗ kel und Nichte das Eheverbot in dieſen Graden beſtimmt haͤtte, verworfen worden war, indem die Grundſätze der Ehe auf die Adoption durchaus nicht anwendbar wa⸗ 238 een, und der Onkel, der Abſichten auf ſeine Nichte hätte, ſich nicht durch die Adoption den Weg zur Ehe ganz ver⸗ ſperren wuͤrde. Das Verbot blieb in den ſpätern Abfaſ⸗ fungen ſtehen, als aber die Bedingung der Majorirät des Adoptirten und der Einwilligung ſeiner Aeltern genehmigt, und die Form des Verfahrens beſtimmt worden war, ward daſſelbe als durchaus uͤberfluſſig weggeſtrichen, damit nicht die Verſchiedenheit des Geſchlechts unguͤckliche Waiſen von der Wohlthat der Adoption ausſchlieſſen moͤchte. b) Gleiches Schickſal hatte der Vorſchlag der Sektion, nach dem Alter von 70 Jahren die Adoption zu verbieten, der ſich ſowohl auf die Furcht einer durch die Schwaͤche des Alters erleichterten Suggeſtion, als auf die Betrachtung gruͤndete, daß ein Greiß in dieſem Alter keine Hoff⸗ nung mehr habe, ſein AdoptivKind aufwachſen und ver⸗ ſorgt zu ſehen. Dieſer Vorſchlag hing jedoch zum Theil mit dem Syſtem zuſammen, nach welchem die Adoption nur zu Gunſten von Minderjährigen ſtatt finden ſollte, und anderntheils ſetzte man ihm entgegen, es ſei ein Wider⸗ ſpruch der Geſetzgebung, in einem Falle, wo die Ehe er⸗ laubt ſei, die Adoption zu verbieten; auch ſchließe die Be⸗ dingung einer vorläufigen ſechsjährigen Unterſtuͤtzung die Be⸗ ſorgniß jeder Suggeſtion oder Captation aus. c) Eben ſo wollte wohl die Sektion erlauben, mehrere Kinder auf einmal, nicht aber nacheinander zu adoptiren.(2te und 3te Abfaſſung, Art. 13, 4te Abfaſſung, Art. S. Zte Abfaſſung, Art. 7.) Auch dieſer, gleichfalls in der Vorausſetzung, daß die Adoption in der Minderjäh⸗ rigkeit ſtatt finden könne, gemachte Vorſchlag, der ſich darauf grundete, daß es nicht von dem Adoptanten ab⸗ hangen duͤrfe, die Wirkungen eines mit der Familie des 239 Adoptirten abgeſchloſſenen Vertrages zu veraͤndern, ward verworfen. Der nothwendig großjaͤhrige Adoptitte hat die Freiheit, den Kontrakt der Adoption ahzuſchließen oder ab⸗ zuhhnen; thut er das erſte, ſo kann er ſich nicht beſchwe⸗ ren, daß ſeine Rechte derſelben Bedingung wie die von eheli⸗ chen Kindern, naͤmlich der Schmaͤlerung durch die Nachge⸗ burt von Geſchwiſtern unterworfen ſind; ſogar iſt er in man⸗ chem Betracht noch mehr beguͤnſtigt, da, dem Art. 345 zufol⸗ ge, der Adoptant ihm nur folche AdoptivGeſchwiſter geben kann, welchen er vorher waͤhrend ſechs Jahren ohne Un⸗ terbrechung ſeine Unterſtuͤtzung hat angedeihen laſſen. dh Endlich ward auch der Vorſchlag verworfen, nach welchem die Adoption a nerkannter natuͤrlicher Kinder verboten ſein ſollte.(ate Abfaffung, Art. 9.) Dieſes iſt eine der Fragen, in Hinſicht auf welche die Jurisprudenz der Appellationshoͤfe lange Zeit unbeſtimmt war, und zum Theil noch iſt. Ehe wir in die Eroͤrterung derſelben ein⸗ gehn, glaube ich eine kurze Ueberſicht der Debatten, welche im Staatsrath in Bezug auf dieſelbe ſtatt gefunden ha⸗ ben, vorausſchicken zu muͤſſen. In der Sitzung vom 6ten Frimaire 10 ward der Vorſchlag gemacht, die Adoption der Kinder unbekannter Aeltern zu verbieten, um die Adoption unehelicher Kinder unmöglich zu machen. Der Kaiſer bemerkte dagegen: die Adoption, welche nur ein unnaturliches Verhaͤltniß erzeuge, ſo oft ein Vater oder eine Mutter dieſe Eigenſchaft ablege, um ihr Kind in eine fremde Familie hinzugeben, erſcheine grade unter dem Ge⸗ ſichts Punkt als eine gluͤckliche Idee, daß ſie den Aeltern unehelicher Kinder das Mittel gewaͤhre, ihre Kinder der Schande zu entziehen, ohne daß die oͤffentliche Sittlich⸗ 240 Leit dadurch beleidigt werde; auf den Einwurf des Sena⸗ tors Tronchet, daß es inkonſequent ſein wuͤrde, die Ba⸗ ſtarde unfaͤhig zur Erbfolge zu erklären, und das Mittel, dieſe Unfähigkeit zu umgehen, dem Verbot zur Seite zu ſetzen, erwiederte derſelbe mit Recht: eine den Baſtarden geſtattete Erbfähigkeit wuͤrde eine Beleidigung der Sitten ſein; da aber ihre Unfaͤhigkeit ſich nicht auf den Haß ge⸗ gen die Kinder, ſondern auf die Wurde der Ehe grunde, ſo wuͤrde der oͤffentliche Anſtand nicht verletzt, wenn ihnen die Erbfähigkeit auf indirektem Wege, nicht als unehelichen Kindern, ſondern als AdoptivKindern ruͤckerſtattet wuͤrde. Auch ward bemerkt, daß man bei der Diskuſſion der Rechte der natürlichen Kinder zum Theil in der Voraus⸗ ſetung, daß ihr Schickſal durch die Adoption verbeſſert werden könne, ſtrenger gegen ſie geweſen wäre; daß der Vater ſeinen nicht anerkannten natuͤrlichen Kindern durch eine Erbeinſetzung dieſelbe Vortheile wie durch die Adoption zuwenden koͤnne; daß endlich das Verbot der Adoption von Kindern unbekannter Aeltern grade diejenige Adoptionen verhindern würde, die das Geſetz am meiſten be⸗ gunſtigen muͤſſe, wenn naͤmlich reiche, kinderloſe, Per⸗ ſonen aͤlternloſe Kinder aus einem Waiſen⸗ oder Findel⸗ hauſe in der Hoffnung an Kindesſtatt annaͤhmen, eine um ſo größere Anhänglichkeit bei denſelben zu finden, weil ihre natuͤrliche Aeltern ihnen unbekannt ſind. Am 14 Frimaire darauf kam es nunmehr zur Diskuſ⸗ ſion des Artikels, der die Adoption anerkanter na⸗ tuͤrlicher Kinder verbot, welchem man, dem oben an⸗ genommenen Grundſatze gemäß, die Einſchraͤnkung beige⸗ ſetzt hatte, daß den Fall einer förmlichen Anerkennung 241 ausgenommen keine Klage zulaͤſſig ſein ſollte, um zu be⸗ weißen, daß der Adoptirte das natuͤrliche Kind des Adop⸗ tanten ſei. Hier ward nun das Verbot geradezu ange⸗ fochten, weil es den Stand der unehelichen Kinder kom⸗ primittiren konne, indem ihre Aeltern, um ſich die Befugniß der Adoption offen zu halten, die Anerkennung derſelben verſchieben moͤchten. Man erwiederte zwar dagegen, die Sektion habe das Verbot als eine Folge des Grundſatzes, welches den natuͤrlichen Kindern nur ein beſchränktes Recht auf die Erbſchaft ihrer Aeltern zuerkennt, in Vorſchlag gebracht; allein auf die Bemerkung, daß dieſes Recht die allgemeine Regel, die Adoption aber die Ausnahme von dieſer Regel ſei, durch welche das Verbot groſſerer Libera⸗ litäten zu Gunſten unehelicher Kinder nicht umgegangen werde ſondern wezfalle, ward der Artikel ſupprimirt. Es iſt daher unbeſtreitbar, daß der Staatsrath das Verbot der Adoption unehelicher Kinder, ſie moͤgen nun anerkannt ſein oder nicht, nicht genehmigt hat.*) Da aber der Art. 357 den Tribunalien eine unbeſchränkte Freiheit läßt, die Adoption zu erlauben oder zu verbieten, ſo folgt daraus keineswegs, daß die Weigerung eines Appellhofes, die Adoption eines naturlichen Kindes zu *) Zwar hat man, um das Gegentheil zu beweißen, ſich auf fol⸗ gende Stelle im VerbaProzeß vom 27ten Prumaire 10 berufenz Herr Treilhard bemerkt: der Nachtheil, daß ſie(die Adoption) „mißbraucht werden koͤnne, um Liberalitäten zu Gunſten na⸗ „tuͤrlicher Kinder zu verſtecken, iſt nicht reell;, entweder ſind „dieſe Kinder anerkannt, und dannk dnnen ſie nicht adop⸗ „tirt werden; ſind ſie es nicht, ſo iſt ihre Abſtammung U, Th. 16 — 242 beſtätigen, zur Caſſation ſeines Urtheils ſtatt geben könne. Dieſe Frage wird daher immer der Jurisprudenz der Ge⸗ richtshofe untergeordnet bleiben, und wir glauben daher, um ſie vollkommen zu erlaͤutern, mit einer Ueberſicht der Gruͤnde ſchließen zu muͤſſen, welche, abgeſehn von der Diskuſſion im Staatsrathe, fuͤr und wider angefuͤhrt wor⸗ den ſind⸗ Mehrere Urtheile der Appellhoͤfe von Paris, Gom 15 Germinal 12) von Nismes,(vom 18 Floreal und 3 Prairial 12) von Beſangon,(vom 1 Pluvioſe 13) haben erklärt, daß die Adoption eines natuͤr⸗ lichen Kindes nicht ſtatt finde. Keines dieſer urtheile iſt motivirt,(Art. 337) es iſt aber notoriſch, daß folgendes die Gruͤnde waren, welche jene Entſcheidungen beſtimmt haben: „Der Art. 9o8 des Codexr will, daß uneheliche Kinder, weder durch Schenkungen noch durch Teſtamente, etwas mehr ſollen erhalten können, als ihnen im Titel von der Erbfolge zuerkannt iſt. Die franzoſiſche Adoption ſei eine wahre Schenkung, welche in der Verfuͤgung dieſes Arti⸗ kels einbegriffen ſei. Der Coder habe die Anerkennung natuͤrlicher Kinder nirgends erlaubt; dieſe Erlaubniß könne „ungewiß. Warum auch den Urheber chrer Tage der Mittel be⸗ „rauben, den Fehler ihrer Geburt einigermaßen zu verbeſſern?“ Der Schluß dieſer Meinung beweißt, daß Herr Treihard ſelbſt weit entſernt war, die Adoption natuͤrlicher Kinder zu mißbilli⸗ gen daß er aber in der Meinung ſtand, als habe der Staatsrath ſie proſeririrt, ein Irrthum, der leicht moglich war, indem er erſt am 27 Fruktidor 10 zum Staatsrath ernannt worden war, alſo veinahe neun Monate nachher, als die Frage uͤber die Adoption der unehelichen Kinder diskutirt worden war. 243 man nicht daraus folgern, daß der Art. 243 keine Be⸗ ſchraͤnkung in dieſer Hinſicht enthalte; dieſer Artikel ſage nicht:'adoption est permise aus personnes etc. ſon⸗ dern nur: l'adoption n'est permise qu'aux personnes etc. welches andere Ausnahmen nicht ausſchließe; das Ver⸗ bot der Adoption natuͤrlicher Kinder folge aber,(und dies iſt in der That das ſtärkſte Argument fuͤr dieſe Meinung) unwiderſprechlich daraus, daß ihre Adoption von allen Wirkungen, die der Coder der Adoption beilegt, nur eine einzige hervorbringen koͤnne, und zwar grade die, welche mit dem Art. 0o8 unvereinbarlich wäre: um dies zu beweißen, habe man nur die Wirkungen der Adoption durchzugehen: 1) der Adoptirte wird, wenigſtens in einer Ruͤckſicht, Sohn des Adoptanten;(Art. 348.) 2) die Adoption ertheilt dem Adoptirten das Recht, den Namen des Adoptanten zu fuͤhren;(Art. 347.) 3) ſie begruͤndet die Obliegenheit der Alimentation⸗ QArt. 349.) „Alle dieſe Wirkungen könne die Adoption eines na⸗ tuͤrlichen Kindes nicht hervorbringen, weil ſie ſchon vor derſelben vorhanden waren.“ 4) Sie ertheilt dem Adoptanten das Erbrecht eines rechtmaͤſſigen Kindes, und gerade dieſes Erbrecht hat das Geſetz den unehelichen Kindern verſagt. Dieſes aus der neuen Geſetzgebung gezogene Argument unterſtuͤtzte man durch das Beiſpiel der römiſchen Ge⸗ ſetzgebung, wobei man ſich auf die L 10. C de adopt. berief, um zu beweißen, daß die Verſchiedenheit zwi⸗ ſchen der roͤmiſchen und franzöſiſchen Adoption nicht 4 244 ſe groß ſei, uls die Anhaͤnger der entgegengeſezten Mei⸗ nung behaupten. Dieſe letztere ſtuͤtzen ſich hauptſaͤchlich derauf, daß der Codex die Adoption vnehelicher Kindet nirgends verboten habe, und daß jedem Misbrauch dieſer Befugniß durch die den Tribunalien ertheilte Gewalt, das Adoptions Geſuch ohne Angabe der Beweggruͤnde zu verwerfen, vorgebeugt worden. Der Appellhof von Bruͤſſel war der erſte, der, nach⸗ dem bei einer erſten Berathſchlagung die Meinungen getheilt waren, durch ein Urtheil vom T6ten Prairial 4, in einem beſonders guͤnſtigen Falle, aber noch vor der Bekanntmachung der Diskuſſion im Staatsrathe, welche erſt im Ften Bande von Locré zur Kenntniß des Putlikums gelangte, die Adoption eines anerkannten nä⸗ tuͤrlichen Kindes zulaͤſſig erklärte; der Appellhof von Pa⸗ tis(erſter Senat) hat ſeitdem durch ein Urtheil vom oten MNovember 1807 denſelben Grundſatz angenommen. Noch hat man kein Urtheil des Caſſationshofes, welches eine unter der Herrſchaft des Coder beſtätigte Adoption eines naturlichen Kindes gutgeheißen hätte,(ein Urtheil vom 24ten November 1806 hat gegen den Antrag des GeneralProkurators Merlins eine ſolche beſtätigt, die vort der Verkuͤndigung des Coder ſtatt gefunden hattes) allein da die Gerichtshöfe in dieſen Fällen mit derſelben Gewalt wie ein Geſchwornen Gericht bekleidet ſind, ſo iſt es ohnbe⸗ zweifelt, daß ein Urtheil, welches eine ſolche von dem Geſetz nicht ausdruͤcklich verbotene Adoption gutgeheißen hat, eben ſo wenig kaſſirt werden könnte, als ein Urtheil, welches ein ſolches Adoytions Geſuch verworfen hätte, indem man die Gruͤnde nicht kennen kann, die das letzte Urtheil 245 beſtimmt haben, und die eben ſo gut aus den perſon⸗ lichen Verhältniſſen und Sitten des Adoptanten als aus dem Stande des Adoptirten abgeleitet ſein koͤnnen. Dieſe den Tribunalien ertheilte Gewalt wird vorzuglich verhindern, daß nicht zum Nachtheil der Sitten die Fruͤchte ehebreche⸗ riſcher und blutſchaͤnderiſcher Verbindungen die Rechte ehe⸗ licher Kinder erhalten; das Geſetz hat das Wohl der oͤf⸗ fentlichen Sittlichkeit dem Gewiſſen der Richter anver⸗ traut, welche, von jeder Rechenſchaft freigeſprochen, die öffentliche Meinung zur Richtſchnur ihrer Entſcheidungen nehmen koͤnnen. 13) Kann Jemand zwei Ehegatten adoptiren? Herr Grenier verneint bieſe Frage, auf den Artikel 348 geſtuͤtzt, der die Ehe zwiſchen den AdoptivKindern deſſelben Individuums verbietet, und weil in der Fiktion wie in der Realitaͤt die Titel als Ehegatten und Geſchwiſter unvereinbarlich wären⸗ Ich kann dieſer Meinung nicht beipflichten; das Geſetz enthält kein ausdruͤckliches Verbet, indem der Artikel 348 offenbar nur von der Ehe nach der Adoption ſpricht, und man bei Abfaſſung deſſelben an die Adoption zweier Ehe⸗ gatten durchaus nicht gedacht hat. Da uͤbrigens von meh⸗ reren AdoptivKindern jedes in ſeiner Familie bleibt, ſo glaube ich nicht, daß die Fiktion einer durch die Adoption erzeugten Verſchwiſterung hinlaͤnglich ſein kann, ein ſolches Verbot daraus abzuleiten, von welchem in dem Geſetze nirgends eine Spur befindlich iſt. 4) Durch das Geſetz vom k6ten Frimaite r4 hat der Kaiſer alle Kinder der in der Schlacht von Auſterlitz gebliebe⸗ nen franzöſiſchen Generale, Offiziere und Soldaten adoptirt. Auf ſeine Koſten werden die Knaben zu Rambouillet, 246 die Mädchen zu St. Germain erzogen. Die Knaben werden ſodann angeſtellt und die Maͤdchen ausgeſtattet. Außer ihren Tauf⸗ und Familien Namen haben ſie das Recht, auch noch den Namen Napoleon zu fuͤhren, zu welchem En⸗ de der GrosRichter durch daſſelbe Geſetz beauftragt worden iſt, die durch den Codex Napoleon vorgeſchriebene Formali⸗ taͤten zu erfullen. §. 114. Die Adoption bringt folgende, unwiderruſliche, Wirkungen hervor: 1) ertheilt ſie dem Aboptirten den Namen des Adop⸗ tanten, den er dem ſeinigen zuſetzt; 349 2) begruͤndet ſie zwiſchen dem Adoptanten und dem Adoptirten eine gegenſeitige Obliegenheit der Alimen⸗ tation, ohne jedoch derjenigen Abbruch zu thun, welche zwiſchen dem Adoptirten und ſeinen naturlichen Aeltern beſteht; 3) entſteht aus der Adoption ein vernichtendes 345 Hinderniß der Ehe des Adoptanten mit dem Adoptirten, der Ehe eines derſelben mit dem Mitgatten des andern, ſo wie der zwiſchen den ehelichen und Adoptiv Kindern deſſelben Individuums; 4) ertheilt ſie dem Adoptanten alle Erbrechte eines recht⸗ 350 mäſſigen Kindes auf das Vermögen des Adoptan⸗ ten, nicht aber auf das ſeiner Verwandten; §) flieſſen daraus zum Vortheil des Adoptanten und ſeiner Deszendenz ſolgende Rechte auf die Hinterlaſſenſchaft des ohne rechtmäſſige Deszendenz verſtorbenen Adop⸗ tirten her: a) der Adoptant nimmt alle dem Adoptirten ge⸗ 347 47 ſchenkte Erbſchaftsſtuͤcke, welche noch in Natur vorhanden ſind, zuruͤck, jedoch unter der Obliegen⸗ heit zur Zahlung der Schulden verhältnißmäſſig beizutragen, und den Rechten jedes Dritten ohn⸗ beſchadet; p) daſſelbe Recht iſt er in der Verlaffenſchaft der rechtmäſſigen Deszendenten des Adoptirten aus⸗ zuüben befugt, falls dieſe ohne eheliche Rach⸗ kommenſchaft verſtorben ſind; c) die Deszendenten des Adoptanten uͤben daſſelbe Recht in der Hinterlaſſenſchaft des ohne eheliche Deszendenz verſtorbenen Aboptirten aus, nicht aber in der Hinterlaſſenſchaſt der Deszendenten des Adoptirten, ſelbſt wenn ſie ohne eheliche Nach⸗ kommenſchaft abgelebt ſind. 7) Alle uͤbrige Guͤter des Adoptirten gehen in allen Fällen auf ſeine natürliche Erben uͤber, welche ſelbſt in Hinſicht auf diejenige Erbſchaftsſtuͤcke, welche der Adoptant dem Adoptirten geſchenkt hat, nur durch den erſten und ſeine eheliche Deszendenz ausgeſchloſſen werden. Pocré, V, 455 et suiv. Maleile, I. 552. Grenien, III. 317. Procès-verbaax des 6 et 14 frimaire et nivose 10, 27 brumna t 25 ventose II. Hugo, Civ. Magaz. 2 B. S. 227. Thi⸗ baut S. d. P. 6 491 und 492 1) Die Adoption weicht darin von einem gewöhnlichen Kontrak⸗ te ab, daß ſie nicht durch die Einwilligung der Kontrahenten wieder aufgehoben werden kann. Alle Verhaͤltniſſe, welche auf den Civilſtand der Perſonen Einfluß haben, muͤſſen unwi⸗ derruflich ſein. Deshalb kann auch der Adoptant den dop⸗ tirten unter keinem Vorwande enterben; der letztere kann 351 No. 1. 352 351 No⸗ 2 348 burch ſeine Unwuͤrdigkeit von der Erbſchaft des erſten aus⸗ geſchloſſen werden, aber das Verhaͤltniß der Aboption kann nicht mehr aufhoͤren. 2) Die Frage, ob die vaterliche Gewalt dem Adoptiv⸗ Vater oder dem natuͤrlichen Vater zuſtehen ſollte, fiel weg, ſobald es entſchieden war, daß die Adoption erſt nach der Majorität des Adoptirten, mit welcher dieſe Gewalt aufhoͤrt, ſtatt finden ſollte. In den Fällen, wo die Wirkuugen der⸗ ſelben ſich jedoch uͤber die gewöhnliche Majorität hinauser⸗ ſtrecken z. B. in Hinſicht auf die Ehe des Sohnes vor dem Alter von 25 Jahren, iſt es der natuͤrliche Vater welchem ſie zuſteht.(Art. 348.) Sollten in dieſem Falle keine natuͤrliche Aszendenten mehr vorhanden ſein, ſo bedarf der Adoptirte weder der Einwilligung des Familienraths noch der des Adoptanten zu ſeiner Ehe. 3) Die Verfuͤgung des Art. 347 entſpricht dem in Deutſchland uͤblichen Gebrauche.(Hugo und Thibaut a. a. O.) 4) Das EheVerbot des Art. 348 gruͤndet ſich auf die Gefahr der Vertraulichkeit zwiſchen jungen Leuten verſchiedenen Ge⸗ ſchlechts, die unter einem Dache zuſammenleben. Dieſe Gefahr iſt noch groͤßer als im Falle der Art. 161 und ff. weil die mit der natuͤrlichen Verwandtſchaft verbundene Be⸗ griffe von der unerlaubtheit eines innigen Umgangs hier wegfallen. 5) Iſt die Ehe zwiſchen den anerkannten natuͤrlichen Kin⸗ dern des Adoptanten und dem Adoptirten verboten. Ich glaube, daß man unterſcheiden muß. Der Art. 348 macht keinen Unterſchied zwiſchen ehelichen und unehelichen Kindern, da er aber die Ehe nur zwiſchen dem Adoptirten und den Kindern: qui pourraient aurvenir à l'adoptant verbietet, 249 ſo iſt dies buchſtäblich von ſolchen unehelichen Kindern nicht zu verſtehen, die bereits vor der Adoption gebohren und anerkannt waren. Freilich läßt ſich dagegen einwenden, daß man bei der Abfaſſung des Art. 348 die natärliche Ki⸗ der nicht insbeſondere im Auge gehabt hat, und daher das Verbot nur deshalb auf die ſpäterhin gebohrne Kinder be⸗ ſchraͤnkt habe, weil es die HauptBedingung der Adoption iſt, daß vor derſelben keine eheliche Deszendenz vorhanden ſei. 6) Die dem Adoptirten durch den Art. 340 auferlegte Ver⸗ bindlichkeit iſt eine Folge der Dankbarkeit, welche er dem Adoptanten fuͤr die von ihm erhaltene Wohlthaten ſchuldig iſt; ſie iſt von Seiten des Adoptanten eine Fortſetzung dieſer Wohlthaten, die er dem Adoptirten nach dem Abſchluß des reiflich uͤberlegten Kontraktes der Adoption nicht mehr entziehen kann. Sollte die Nothwendigkeit eintreten, die Alimentation des Adoptirten unter ſeinen natuͤrlichen Vater und den Adoptanten zu vertheilen, weil jeder derſelbe allein unvermögend wäre, ausſchließlich dafuͤr zu ſorgen, ſo haben die Gerichte den ſub ſidiariſchen Beitrag des na⸗ tuͤrlichen Vaters zu beſtimmen. 2) Dem Syſtem der Sektion zufolge ſollte der Adoptirte, der demſelben zufolge in die Familie des Adoptanten ubergieng, ein Erbrecht, nicht allein auf das Vermoͤgen des Adoptirten, ſondern auch auf die Erbſchaften ſeiner Verwandten haben, die ihn zwar davon hätten ausſchlieſſen können, gllein als⸗ dann auch auf ihre gegenſeitige Erbrechte auf das Vermoͤgen des AdoptivKindes hätten Verzicht leiſten muͤſſen. Auſſerdem daß das ganze Syſtem der Nachahmung der Natur durch die Adoption beſeitigt ward, bemerkte man auch im Staatsrathe, daß es weder von einem Individuum, noch ſelbſt von dem ge⸗ 250 ſetzgebenden Korper abhangen därfe, durch ein ſpezielles Geſetz die Erbfolge einer beſondern Familie zu veraͤndern; auch ertheilte ſelbſt ehedem die von dem Fuͤrſten bewilligte Legiti⸗ mation dem Legitimirten die Erbfähigkeit nur in ſo weit, als alle PräſumptivErben des natürlichen Vaters ihre Einwilligung dazu ertheilt hatten. 3) So konute auch der Adoptant den Adoptirten nicht zum Nachtheil der natuͤrlichen Verwandten des letzten beerben; allein nichts iſt billiger als das demſelben ertheilte Recht, dis Sachen, welche er dem Adoptirten aus perſönlicher Zuneigung, und nicht um eine fremde Familie zu bereichern, geſchenkt hat, zuruͤckzunehmen, falls ſie noch in Natur vorhanden ſind, jedoch den Rechten jedes Dritten ohnbeſchadet, weil der Adoptirte, in deſſen Hände dieſe Sachen mit keiner Subſtitution be⸗ ſchwert waren, ſowohl unter einem laͤſtigen als unter einem unentgeltlichen Titel unter Lebenden daruͤber verfuͤgen konnte. Unter den Dritten, deren Rechte vorbehalten ſind, darf man iedoch die Legatarien nicht begreifen, welchen der Adoptirte dieſe Sachen vermacht hätte; indem eine ſolche teſtamenta⸗ riſche Verfuͤgung erſt durch den Tod des Adoptirten ihre Kraft erhaͤlt, alſo zu einer Zeit, wo das Recht des Ruͤck⸗ falls an den Adoptanten eroͤffnet war. 9) Auch iſt dieſes Ruͤckfalls Recht mit der Obliegenheit, zur Zahlung der Schulden pro modo emolumenti beizutragen, beſchwert, weil die Sicherheit des Verkehrs erheiſcht, daß die Erfullung aller erlaubten Verbindlichkeiten vor Allem ver⸗ ſichert werde. Sollte aber der Adoptant durch die Wirkung einer hypothekariſchen Verbindlichkeit gezwungen werden, mehr als ſeinen Beitrag zu zahlen, ſo hätte er fuͤr dieſen Ueberſchuß ſeinen Ruͤckgriff an die uͤbrige Erbſchaftsſtuͤcke. 251 10) Das Wort: oses, im Art. 351 iſt eben ſo gut von Mobi⸗ tiar Gegenſtänden als von ImmobiliarBeſitzungen zu verſtehen; der Einwurf, daß es unmoglich ſei, die Identität gewiſſer Mobilien, z. B. des baaren Geldes, zu erkennen, hindert den Adoptanten nicht, ſeine Rechte geltend zu machen, ſo⸗ bald er nur erweißen kann, daß die Sachen, die in der Erbſchaft befindlich ſind, identiſch dieſelbe ſind, welche er dem Adoptirten geſchenkt hat. 17) Dieſes Ruͤckfalls Recht wuͤrde ſich aber nicht auf ſolche Gegenſtäͤnde erſtrecken, welche der Adoptant dem Adoptirten zwar urſpruͤnglich geſchenkt hatte, welche dieſer aber, nach⸗ dem er ſie veräuſſert, durch Tauſch, Ruͤkkauf, Erbſchaft ꝛc., oder auf andere Art wieder an ſich gebracht hatte. In die⸗ ſem Falle iſt die geſetzliche Bedingung, welcher dieſes Recht untergeordnet iſt, nicht mehr vorhanden; der Adoptirte hatte durch ſeine Verfuͤgung uber jene Gegenſtände das Recht des Adoptanten unwiderruflich getilgt. Es iſt nicht mehr der geſchenkte Gegenſtand, der ſich in der Erbſchaft befindet, ſondern ein von dem Adoptirten erworbener.(L C. de remiss. pig L 88.§. 8. de solut.) Doch erleidet dieſe Entſcheidung eine Ausnahme, wenn der Adoptirte in den Beſitz des veraͤuſſerten Gegenſtandes durch die Reſciſion der Veräuſſerung, wegen einem derſelben inhaͤrirenden Fehler, wieder eingetreten iſt. 12) Erſtreckt ſich jenes Ruͤckfalls Recht auf den noch ausſtehen⸗ den KaufPreiß der veraͤuſſerten Gegenſtaͤnde, nach dem Grundſatz: pretium succedit loco rei? Ich glaube nicht weil der Art. 351 nach den Worten: et qui ezisteront en nature) nicht wie z. B. der Art. 747, hinzuſetzt: ou le prix, qui peut en être du. 252 13) Das Ruͤckfalls Recht iſtkin allen obigen Fällen nur zum Vor⸗ theil des Adoptanten allein, oder des Adoptanten und ſeiner ehelichen Deszendenz, nie aber zum Vortheil ſeiner Collateral⸗ Verwandten begruͤndet. Aber ſobald es zum Vortheil des Adoptanten oder ſeiner Deszendenten eroͤffnet war, geht es durch den Tod des dazu Berechtigten auf ſeine Erben ſelbſt in der SeitenLinie uͤber⸗ 74) Haben die Kinder des Adoptirten, wenn dieſer vor dem Adoptanten verſtorben iſt, als Repraͤſentanten ihres Vaters, ein Erbrecht auf das Vermoͤgen des Adoptanten? Dieſe Frage muß nach dem allgemeinen Grundſatze, daß bie Wir⸗ kungen der Adoption auf den Adoptanten und den Adoptir⸗ ten beſchränkt ſind,(Art. 345, 351, 352.) verneint werden. Die Kinder des Adoptirten können das Recht der Repraſen⸗ tation nicht anrufen, weil das Geſetz dieſe Fiktion auf Adoptiv Kinder nicht anwendbar erklärt hat; eben ſo ſpricht der Art. 74 nicht von der Deszendenz des Adop⸗ tirten, und die Vorſicht, mit welcher der Geſetzgeber im Art. 759 die Rechte der Deszendenten unehelicher Kinder feſtge⸗ ſetzt hat, erlaubt es nicht, ſein Stillſchweigen in Betreff der Deszendenten des Adoptirten einer bloſſen Vergeſſenheit zu⸗ zuſchreiben. 15) Sollte der Adoptant vor ſeinen RKeltern abſterben, ſo wurde der Adoptirte gleichfalls kein Erbrecht auf den Antheil deſſelben in der aͤlterlichen Hinterlaſſenſchaft haben, welcher auf die ehe⸗ lichen Kinder des Aboptanten, oder, in ihrer Ermangelung, auf ſeine Collatera Verwandten uͤbergehen wuͤrde. 16) Wird eine Schenkung unter Lebenden durch eine nachherige Adoption widerrufen? Auch dieſe Frage muß verneint wer⸗ den. Die ruͤckwirkende Kraft, welche der Art. 960 der Nach⸗ — 253 geburt von ehelichen Kindern beilegt, beruht auf der Unter⸗ ſtellung, daß der Schenkgeber die Schenkung nur unter der Bedingung der Ruͤckerſtattung in dieſem Falle gemacht ha⸗ be. Dieſe Vermuthung nimmt ihren Urſprung in den ewi⸗ gen Geſetzen der Natur, nach welchen der Vater eigne Kinder jedem Fremden vorzieht. Dieſe Vermuthung kann auf den Adoptirten nicht ausgedehnt werden, und da die Adoption doch einigermaßen in dem Willen des Adoptanten ſteht, ſo wuͤrde die ihr beigelegte Wirkung, fruͤhere Schen⸗ kungen zu widerrufen, dem Adoptanten ein Mittel an die Hand geben, ihrer Natur nach unwiderrufliche Akte ein⸗ ſeitig aufzuheben. Auch legt der Art. 960 nur der Nach⸗ geburt von ehelichen Kindern dieſe Wirkung bei, wel⸗ cher Ausdurck nicht allein die uneheliche ſondern auch Adop⸗ tiv Kindern ausſchließt, indem der Art. 344 nur ſolchen Perſonen die Adoption erlaubt, welche keine eheliche Kinder haben. 17) Daſſelbe, was wir ſo eben in Hinſicht auf Schenkungen unter Lebenden bemerkt haben, iſt auch auf kontrac⸗ tuelle Erbeinſetzunge n anwendbar. 18) Es folgt ferner daraus, daß der Adoptirte die Reduktion der vorherigen Liberalitaten zur Ergaͤnzung ſeines Pflichttheils zu fordern nicht berechtigt iſt. In Hinſicht auf ſolche Libera⸗ litäten, welche nach der Adoption gemacht worden ſind, kann man ihm dieſes Recht nach dem Art. 350 nicht abſpre⸗ chen. 19) Der Adoptant hat aus dem Vermoͤgen des Adoptirten kein Pflichttheil zu fordern, weil er uͤberhaupt kein Erbrecht auf deſſen Vermögen hat; denn ohngeachtet das Geſetz ſich in den Art. 351 und 252 des Wortes„uccadar bedient, 254 unb das dem Aboptanten und ſeinen Deszendenten bewilligte RuͤckfallsRecht in ſo weit als ein Erbrecht ausgeuͤht wird, daß es ſie zum Beitrag zur Zahlung der Schulden verpflichtet, ſo ſchließt doch vielmehr die Abfaſſung derſelben Artikel jedes Erb⸗ recht im eigentlichen Sinne aus; hinterlaͤßt daher der Adop⸗ tirte keine natuͤrliche Verwandte im erbfaͤhigen Grade, ſo glaube ich, daß ſeine Erbſchaft nicht auf den Adoptanten, ſondern auf ſeine unregelmäſſige Erben uͤbergeht. 20) Die Aeltern des Adoptanten koͤnnen gegen den Adoptirten kein Pflichttheil aus dem Vermoͤgen des Adoptanten in Anſpruch nehmen. Der Adoptirte hat auf dieſes Vermoͤgen alle Rechte eines ehelichen Kindes, welche Rechte mit einem Pflichttheil zu Gunſten des Aszendenten unver⸗ einbarlich ſind⸗ a1) Der Art. 350 läßt offenbar dem Adoptanten die Freihen, ſich nach der Adoption zu verehelichen; allein das Geſetz ſchweigt uͤber die Frage: ob in dieſem Falle der Adoptirte die durch den Art. 1008 zu Gunſten der Kinder einer frö⸗ hern Ehe begrändete Reduction der von dem Adoptanten ſeinem Mitgatten zugeſicherten Vortheile in Anſpruch neh⸗ men kann. Buchſtäblich genommen, verſagt ihm der Art. 1098 dieſes Recht, indem er es nur den Kindern d'un autre lit geſtattet. 22) Alsdann fragt ſich aber, ob der Adoptirte das Pflichttheil, welches der Art. 913 beſtimmt, in der Art. in Anſpruch nehmen kann, als ſei der Nittgatte des Adoptanten ihm durchaus fremd, oder ob er ſich auf das Pflichttheil beſchraͤn⸗ ken muß, welches der Art. 1094 regulirt hat? Dieſe Frage iſt um ſo ſchwieriger, als der Adoptirte in manchen Faͤllen bei der bejahenden und in manchen bei der veineinenden Entſchei⸗ 255 dung berſelben gewinnen muß; iſt z. B. nur ein Aboptirker vor⸗ handen, ſo wuͤrde er dabei verlieren, wenn man den Art. 913 auf ihn anwenden wollte; ſind deren aber drei vorhanden, ſo wuͤrden ſie bei der Anwendung deſſelben Artikets gewin⸗ nen, weil alsdann die dem Mitgatten des Adoptanten zuge⸗ ſicherte Liberalitäten auf ein Viertheil als Eigenthum rebuzirt werden muͤßten, während, wenn man den Art. 1004 anwend⸗ bar erklärt, derſelbe ein Viertheil als Eigenthum und den Nieß⸗ brauch eines andern Viertheils, oder den Nießbrauch der Hälfte, behalten könnte. Um dieſe Schwierigkeit zu loͤßen, muß man erwaͤgen, daß die Adoptirte ſich in einer ganz beſondern Klaſſe befinden. Sie ſind weder Kinder einer fruͤhern Ehe,(alſo iſt ihnen der Art. 1008 fremd) noch gemein⸗ ſchaftliche Kinder des ſchenkgebenden und ſchenknehmenden Ehegatten, alſo iſt auch der Art. 1094 auf ſie nicht anwend⸗ bar. Der Art. 350 widerſpricht dieſer Idee nicht, denn, wenn er den Adoptirten einem ehelichen Kinde gleichſetzt, ſo geſchieht es nur in Hinſicht auf das Erhrecht auf das Vermoͤgen des Adoptanten. Ich glaube daher auch, daß auf dieſes Recht des Adoptirten in jedem Falle nur der Art. 913 anzuwen⸗ den iſt, vorbehaltlich, im Falle der Konkurrenz deſſelben mit andern ehelichen Kindern, die Art. 1094 und 1098 auf die Rechte und die Antheile derſelben anzuwenden. Noch iſt mir kein Urtheil weder uͤber dieſe noch uͤber die übrigen hieroven eroͤrterte Fragen bekannt. 13) Nach allen hieroben beſtimmten Wirkungen der Adoption iſt es mir unbegreiflich, wie ein deutſcher Juriſt(Pfeiffer 1. 154) dem Coder deshalb Unvollſtändigkeit vorwerfen konnte, weil er nicht beſtimmt habe, welche Rechte der Adoptant durch die Adoption erlange, ob Jemand an die Stelle eines 533 354 355 355 357 353 359 360 256 Enkels adoptirt werden könne, ob eine Adoption auf eine gewiſſe Zeit ſtatt habe ꝛc. Zweiter Abſchnitt.⸗ Von der Form der Adoption. §. 115. Die kontractuelle Adoption wird durch eine, vor dem Friedens Richter, in deſſen Gerichtsſprengel der Adoptant wohnhaſt iſt, abzugebende Erklärung der beiderſeitigen Einwilligungen des Adoptanten und des Adoptirten(und der Perſonen, unter deren Gewalt er ſich in Hinſicht auf die Adoption befinden mag,) eingeleitet. Dieſe Erklä⸗ rung muß demnach ſowohl durch das Tribunal erſter In⸗ ſtanz als durch den Appellhof, in deren Bezirk jenes Friedens Gericht gehört, nach vorheriger Unterſuchung a) ob alle geſetzliche Bedingungen erfuͤllt worden ſind, p) ob der Adoptant in einem guten Rufe ſteht, beſtätigt werden. In dieſem Falle muß das Urtheil öf⸗ ſentlich erlaſſen, und durch Anheſtung an öffentlichen Or⸗ ten bekannt gemacht, die Adoption ſelbſt aber in einer Nothftiſt von dreien Monaten in dem Wohnſitz des Adop⸗ tanten auf die Regiſter des Civilſtandes eingetragen werden. Stirbt der Adoptant nach der Vorlage des vor dem Iriedens Richter errichteten Aktes bei Gericht, ſo kann das Verfahren fortgeſetzt und die Adoption nach Beſchaffen⸗ heit der Umſtände erlaudt werden, wobei es ſeinen Er⸗ ben unbenommen bleibt, ihre Bemerkungen in dieſer Hin⸗ ſicht einzureichen. Das Adoptions Geſuch mag nun angenolnmen oder ver⸗ 257 worſen werden, ſo darf das Urtheil die Beweggruͤnde der Entſcheidung nicht entbalten. Die teſtamentariſche Adoption geſchieht in der 356 Jorm eines gewöhnlichen Teſtaments. Locre, V, 471 gt suiv. Procès verbaux des 27 brumaire, 13 trimaire et 37 ventose 11. L. a4 cum sequent. 5. I. ff. de ndopt.(1. 7.) Grenier, III, 523 et suiv. Pandectes krangai- ses, IV, 278. Journ, du Palais, 1307 II. 42. 1) Wir haben bereits oben die Gruͤnde auseinandergeſetzt, welche die Competenz der Tribunalien, um uͤber AdoptionsGeſuche zu erkennen, begruͤndet haben. In dem Syſtem, nach wel, chem die Adoption eine durchaus politiſche Inſtitution ſein ſollte, hatte nur eine der oberſten Staats Gewalten, die allein auſſerordentliche Belohnungen fuͤr eminente Dien⸗ ſte zu ertheilen befugt ſind, daruber erkennen können; in dem Syſtem, nach welchem ſie eine vollkommene Nachahmung der Natur ſein ſollte, hätte nur der Geſetzgeber ſie geſtatten koͤnnen, der alles, was auf den Civilſtand der Bürger Bezug hat, zu reguliren hat, und daher allein Aus⸗ nahmen von ſeinen allgemeinen Vorſchriften zulaſſen kann. Allein in dem Syſtem, welches wir oben entwickelt haben, unbd worin ſie nichts als eine Erbeinſetzung, eine Liberalität, iſt, mußte die Entſcheidung daruͤber den Tribunalien, deren Schutz jedes Eigenthum anvertraut iſt, anheim geſtellt wer⸗ den. 2) Die Erklärung muß vor dem Friedens Richter des Wohnſitzes des Adoptanten abgegeben werden, weil das Tribunal, in deſſen Bezirk dieſes FriedensGericht gehort, die meiſten Mittel hat, uͤber die Moralität und den Ruf des Adoptanten und die 11. Th. 17 258 Beweggruͤnde der Adoption Erkundigungen einzuziehen. Der Wohnſitz, von welchem hier die Rede iſt, iſt offenbar der, wo der Adoptant ſeine HaupNiederlaſſung hat, und ganz ohne Grund behaupten die Verfaſſer der Pandectes fran- gaises.( 278.) man habe hier den Ausdruck: domicile, nicht im ſtrengen Sinne zu nehmen. Im Gegentheil wuͤrde eine vor einem andern FriedensRichter abgegebene Erklärung nichtig ſein. Die Partheien konnen jedoch dieſe Erklärung auch durch einen mit einer authentiſchen Spezial⸗ Vollmacht verſehenen Bevollmaͤchtigten abgeben laſſen, und ihre perſonliche Gegenwart iſt durchaus nicht erforderlich. (urtheil des Appellhofes von Brüſſel vom 22ten April 1807.) 2) Weder die von dem Art. 354 noch die von dem Art. 357 vorgeſchriebene Friſt iſt eine Nothfriſt, in der Art, daß die Verabſäumung derſelben die Fortſetzung des Verfahrens hin⸗ dern ſollte; denn a) erklaͤrt keiner dieſer Artikel das ſpäter⸗ hin vorgenommene Verfahren nichtig, wie man es doch bei dem Art. 350 noͤthig gefunden hat; und b) wuͤrde auch dieſe Nichtigkeit durchaus keine andere Wirkung haben, als den Partheien unnoͤthige Koſten zu verurſachen, um uͤber ihre Erklärung einen neuen Akt aufſetzen zu laſſen, oder das Verfahren erſter Inſtanz von neuem vorzunehmen. Andrer Meinung ſind die Verfaſſer der Pandectes frangaises(a. a. O.) 4) Die Tribunalien haben, wie ein wahres GeſchwornenGericht, das Niemand über die Beweggruͤnde ſeiner Ueberzeugung Rechenſchaft ſchuldig iſt, uͤber die Zulaͤſſigkeit oder Unzuläſ⸗ ſigkeit des AdoptionsGeſuches zu erkennen. Sie werden vorzüglich von dieſer Gewalt Gebrauch machen, um die 259 Adoption in einem ehebrecheriſchen Umgange erzeugter Kin⸗ der, die der oͤffentliche Ruf als ſolche vergnzeigt, zu verhin⸗ dern. Sie haben keine Beweiße zu fordern, ſondern Erkun⸗ digungen einzuziehn. Das Geſetz uͤberlaͤßt ihnen die Wahl der Mittel, welche ſowohl in einer auſſergerichtlichen Corres⸗ pondenz mit den Lokal Behoͤrden als auch ſelbſt in muͤndlichen Anfragen beſtehen koͤnnen. Die Worte: sans aucune autre forme de procédure im Art. 356 verbieten ihnen jedoch, ein Zeugen Verhoͤr abzuhalten, oder ein kontradiktori⸗. ſches Verfahren einzuleiten. 5) Wird das Geſuch verworfen, ſo darf das Urtheil, obgleich es die Beweggruͤnde nicht enthaͤlt, nicht in der Audienz verkuͤndigt werden, um dem guten Rufe des Adoptanten keinen Abbruch zu than. Denn ſollte daſſelbe auch durch einen Fehler in der Form des Verfahrens oder ſonſtige rechtliche Erwägungen beſtimmt worden ſein, ſo wuͤrde die Verlaͤumdung doch nie ermangeln, faktiſche ehrenruͤhrige Beweggrunde vorauszuſetzen. 6) Ueberhaupt war durchaus kein Beweggrund vorhanden, um die Publizität des gewöhnlichen Prozeſſes auf die Unterſu⸗ chung uͤber die Zulaͤſſigkeit eines AdoptionsGeſuches auszu⸗ dehnen. Dieſe Publizität iſt zu Gunſten der Verwandten des Adoptanten in Anſpruch genommen worden; allein da er keine eheliche Deszendenz haben kann, ſo haͤtte man doch in keinem Falle den Collatera Verwandten das Recht erthei⸗ len koͤnnen, das AdoptionsGeſuch foͤrmlich vor Gericht zu be⸗ ſtreiten. Vielmehr iſt durch die geheime Prozedur viel beſſer fuͤr ihr Intereſſe geſorgt; nicht allein wird der Richter die Erkundigungen, welche das Geſetz ihn einzuziehn beauftragt, 260 ſich meiſtens durch die Verwandten zu verſchaffen ſuchen, ſondern es bleibt dieſen auch unbenommen, dem oͤffentlichen Miniſterium, ſo wie jedem Richter, auſſergerichtlich, alle Auf⸗ ſchluſſe ſowohl uͤber die Beweggruͤnde der Adoption, als uͤber die Sittlichkeit des Adoptanten und des Adoptirten mitzu⸗ Aheilen. Zwar ertheilt ihnen nur der Art. 360 das Recht, in dem darin vorgeſehenen Falle förmliche Denkſchriften ein⸗ Jureichen; die renseignemenis convenables, von welchen in dem Art. 355 die Rede iſt, begreifen jedoch jede Auskunft, welche der Richter ſich, auf irgend einem Wege, uͤber das Verhaͤlt⸗ niß zwiſchen dem Adoptanten und dem Adoptirten, uͤber die Verſtandesſchwäche des Adoptanten, die Suggeſtion des Adop⸗ titten, ſo wie über die Wahrheit der von beiden oder einem derſelben angefuͤhrten Thatſachen verſchaffen kann. Auf der andern Seite ſchließt auch ſchon der Gegenſtand eines Ver⸗ fahrens, welches hauptſaͤchlich auf eine Unterſuchung uber die Sittlichkeit und die Rechtſchaffenheit des Adoptanten hinaus⸗ läͤuft, jede Idee der Publizität aus. „) Man hat die Bekanntmachung und Anheftung des Urtheils⸗ welches die Adoption zulaͤßt, verordnen zu muͤſſen geglaubt, weil ſie doch einige Veraͤnderung in dem Civilſtande nach ſich zieht, von welcher die Geſellſchaft Kenntniß zu nehmen befugt iſt. 3) Treten die Wirkungen der Aboption von dem Tage der er⸗ ſten Erklärung an oder von dem des Urtheils, welches ſie er⸗ laubt, oder erſt mit dem Tage ein, an welchem ſie auf die Regiſter des Civilſtandes eingetragen worden iſt? Da erſt durch dieſe letzte Handlung der Adoptions Contrakt, der bis dahin ein Projekt bleibt, wirklich abgeſchloſſen wird, ſo kann er auch erſt von dieſem Tage an ſeine Wirkungen hervorbringen. 261 Deshalb wird auch ſchicklicher das Urtheil nicht eher als nach der Inſcription auf die Regiſter des Civilſtandes an⸗ geheftet, um nicht das Publikum in Irrthum zu fuͤhren, wenn die Adoption nachher doch nicht zur Vollendung gerei⸗ chen ſollte. 9) Herr Grenier macht in dieſer Hinſicht folgenden Unter⸗ ſchied: ruͤckſichtlich auf die Erben des Adoptanten ſei die Adoption bereits durch die vor dem Friedens Richter ab⸗ gegebene Erklärung vollendet, wie es aus dem Artikel 360 erhelle; ruckſichtlich auf dritte Perſonen erhalte ſie aber erſt durch die Inſcription auf die Regiſter des Civil⸗ ſtandes ihre Vollendung. Allein den Fall des Art. 360 aus⸗ genommen kann es den Erben durchaus gleichguͤltig ſein, ob die Adoption von der erſten oder zweiten Epoche an vollen⸗ det iſt; und daß man fur dieſen Fall eine beſondere Verfuͤgung noͤthig gefunden hat, ſcheint mir zu beweiſen, daß man ihn als eine Ausnahme von der Regel betrachtet hat. Hr⸗Grenier unterſucht die Frage nicht in Hinſicht auf die Verbindlichkeit des Kontraktes zwiſchen dem Adoptanten und dem Adoptir⸗ ten. In der Diskuſſion findet man aber ausdruͤcklich, daß der Staatsrath geglaubt hat, die auf die Verſpätung der Inſcription geſetzte Verluſtigung zeige hinlänglich an:„daß „der Contrakt erſt durch dieſe Inſcription ſeine Kraft erhalte, „nnd folglich erſt von dem Augenblick an, wo ſie geſche⸗ „hen, einige Wirkung hervorbringe.“ Alſo ſteht es bis zu dem Augenblick der Inſcription jeder der Par⸗ theien frei, zuruͤckzutreten; das Urtheil erlaubt blos die Adoption, die es jedoch nicht begruͤndet. Erſt durch den Ein⸗ trag auf die Regiſter des Civilſtandes wird der Kontrakt unwi⸗ perruflich; haͤtte dahen eine der Partheien ihren Willen ver⸗ 262 ändert, ehe die andere dieſen Eintrag erwirkt hat, ſo kann ſie denſelben entweder durch eine dem Beam⸗ ten des Civilſtandes zuzuſtellende Oppoſition verhindern, oder durch eine an die Parthie zu erlaſſende Inſinuation dieſer Willensaͤnderung eine ſpaͤterhin, derſelben ohngeachtet, gemach⸗ te Inſcription unwirkſam machen. Daruͤber, daß die Adop⸗ tion, in Hinſicht auf dritte Perſonen, erſt von dem Tage der Inſcription an beſteht, kann nicht einmal ein vernuͤnftiger Zweifel obwalten, indem ſie durch das Ur⸗ theil des Appellhofes benachrichtigt werden: qu'il) 4 lien à l'adoption. 10) Der Art. 360 legt der vor dem FriedensRichter abgegebenen Erklärung beinahe dieſelbe Wirkung, welche die teſtamen⸗ tariſche Adoption, im Falle des Art. 366 hat, bei, voraus⸗ geſetzt jedoch, daß ſie vor dem Abſterben den Gerichten be⸗ reits vorgelegt worden ſei, widrigenfalls ſſie ohne Wirkung verbleibt. Da jedoch der Zuſtand von Krankheit und Schwä⸗ che, worin der Adoptant ſich in dieſem Falle zur Zeit der Erklärung befunden haben mag, eine groͤſſere Vorſicht erfor⸗ dert, und andrerſeits die Eroͤffnung der Erbſchaft den Colla⸗ tera Verwandten ein wirkliches Intereſſe ertheilt, die Adop⸗ tion zu beſtteiten, ſo werden ſie gewiſſermaßen eingeladen, dem Richter alle Aufklärungen mitzutheilen, ohne daß jedoch ein kontradiktoriſches Prozeß Verfahren eingeleitet werden könnte, welches durch die Natur des AdoptionsGeſuches aus⸗ geſchloſſen wird. 1) Gegen das Urtheil, welches ein AdoptionsGeſuch verwirft, kann jede der Partheien bei dem Appellhof einkommen; ſo wie uͤberhaupt jeder Akt des Verfahrens von der fleißig⸗ ſten veider Partheien vorgenommen werden kann. Eð be⸗ 263 darf zu dem Ende keines AppellationsAktes, ſondern der Appellant hat nur eine Ausfertioung des Urtheils erſter In⸗ ſtanz auszunehmen, und dieſelbe mit allen Schriften, die dem Tribunal vorgelegt worden waren, dem Appellhof mit einer Denkſchrift(Requéte) die zugleich den Antrag auf die Re⸗ formation dieſes Urtheils enthalten muß, zu übergeben. 12) Man hat die Frage aufgeworfen, ob gegen die Urtheile in Adoptions Sachen ein KaſſationsGeſuch zuläſſig ſei? Ich glaube nicht. Iſt die Adoption verworfen worden, ſo kann dieſes Geſuch durchaus keine Wirkung hervorbringen, indem der Kaſſationshof uͤber die Beweggruͤnde, die das Urtheil ke⸗ ſtimmt haben, einestheils nicht erkennen darf, weil die Fra⸗ ge: ob gut oder übel geſprochen, nicht von ſeiner Competenz iſt, und anderntheils nicht kann, weil das Urtheil dieſe Be⸗ weggrunde nicht enthaäͤlt. Iſt hingegen die Adoption ange⸗ nommen worden, und das Urtheil wäre der Caſſation empfuͤng⸗ lich, weil es z. B. von einem inkompetenten Gerichtshof erlaſſen worden waͤre, ſo iſt doch der Fall der Zuläͤſſigkeit eines Caſſations Geſuches kaum denkbar. Weder der Adoptant noch der Adoptirte wuͤrde darin zuläſſig ſein, weil das Ver⸗ fahren als ihnen gemeinſchaftlich angeſehen wird, und niemand auf eine Irregularität, die er ſelbſt begangen, ein Caſſations⸗ Geſuch gruͤnden kann; den Erben des Adoptanten aber iſt der Weg der Caſſation verſperrt, weil ſie nicht als Par⸗ theien in dem Prozeß aufgetreten ſind. Gerr Grenier will im Falle des Art. 360 eine Ausnahme zulaſſen, die weiner Meinung nach jedoch auch nicht ſtatt finden kann, weil dieſer Artikel kein eigentlich kontradiktoriſches Verfahren an⸗ ordnet.) Man darf nicht aus dem Auge verlieren, daß alle urtheile des Caſſationshofes, welche bisher uber die Guͤltigkeit 264 von Adoptions Geſuchen erlaſſen worden ſind, ſolche Aboptionen zum Gegenſtande haben, welche vor dem Codex ſtatt ge⸗ funden hatten. 13) Die teſtamentariſche Adoption kann ſowohl durch ein olo⸗ graphiſches als ein myſtiſches oder authentiſches Teſtament geſchehen. Alle Streitfragen, ſowohl uͤber die Guͤltigkeit des Teſtaments, worin ſie enthalten iſt, und wel⸗ ches nicht nothwendig auſſer derſelben auch noch andere Ver⸗ fugungen enthalten muß, ſo wie äber die Zuläſſigkeit derſelben werden in dem Wege eines gewoͤhnlichen Prozeſſes zwiſchen den Erben des Adoptanten und dem Adoptirten verhandelt, und dies iſt wohl der einzige Fall, wo auch der Ca ationshof mit der Erkenntniß befangen werden kann. Erheben ſich keine ſolche Streitfragen, ſo bedarf dieſe Adoption der gerichtlichen Beſtäͤ⸗ tigung nicht, worin der Art. 366 von dem Art. 360 abweicht. Drittes Kapitel. Von der wohlthätigen Vormundſchaft. 5. T16. Die wohlthätige Vormundſchaſt iſt ein Woblthätigkeies⸗ Komtrakt, wodurch Jemand in der Abſicht, und unter der Verbindlichkeit, einem Minderjährigen befondere Vortheile zu gewähren, auf welche er den Geſetzen nach keinen Anſpruch machen kann, ſeine Vormundſchaft, allenfalls ſelbſt bei Lebzeiten ſemer natürlichen Aeltern, übernimmt. Dieſes Inſtitut iſt eine Vorbereitung zur Adoption, ohngeachtet es weder der Adoption nothwendig vorher⸗ gehen, noch dieſe nothwendig darauf erfolgen muß. Locré, V, 491. Procès-verbal du 2z1 ventose 11, Grenier, UI. 534. L.. F. 4. H. de lib. hom. exhib.(45. 29,) L. 132. d⸗ V. O.(45. 1) Thibaut, S. d. P. 5. 493. 3 a charia“s Handbuch, II. S. 119. 5. 318. 265 2) Das dem neuen franzoͤſiſchen Rechte ganz eigne Inſtitut der wohlthaͤtigen Vormundſchaft(mielle officieuse) iſt von dem Pflegeväterlichen Verhaͤltniß(alumni, ſiehe F. G. Strun, de jure alumnar. Jen 17160 durch die Oblie⸗ genheiten, welche es gegen den Pfleg Vormund unwiderruf⸗ lich begrundet, weſentlich verſchieden. Man hatte bei ſeiner Einfuͤhrung die Abſicht, die Adoption vorzubereiten und zu erleichtern; erfolgt die Adoption barauf, ſo iſt es gewiſſermaßen als der Anfang derſelben anzuſehn. Da nämlich die Adoption erſt nach der Majorität des Adoptirten erlaubt iſt, ſo ſtand zu befuͤrchten, daß die Bedingung einer ſechsjährigen, dem Adoptir⸗ ten waͤhrend ſeiner Minderjährigkeit ertheilten, Pflege ein Hin⸗ derniß derſelben werden moͤge, weil es leicht geſchehen kann, daß die Familie des Minderjaͤhrigen in der Ungewißheit, ob die Adoption erfolgen werde, ihn dem Adoptanten nicht anvertrauen will, weil derſelbe ein Kind, welches er blos faktiſch zu ſich genommen aber ſich zu nichts vertragsmaͤſſig verpflichtet hat, nach Willkühr wieder verſtoßen koͤnnte. Der Kontrakt der wohlthaͤtigen Vormundſchaft hat daher den Zweck, ihm die Unterſtuͤtzung des PflegVaters ſelbſt auf den Fall, wo dieſer dem Projekt der Adoption entſagen ſollte, bis zu erlangter Großjährigkeit zuzufichern. Sie iſt daher eine, obgleich nicht nothwendige, Vorbereitung, und ein Huͤlfsmittel der Adoption. Leider duͤrfte, da, wie Herr von Maleville ſehr richtig bemerkt, die Wohlthaͤtigkeit nicht gern Feſſeln trägt, der Gebrauch dieſes Huͤlfsmittels ſehr ſelten ſein. 5 117. Den Kontrakt der wohlthätigen Pflege kann jeder ab⸗ ſchlieſſen, der zur Adoption befugt iſt, jedoch nur zu Gun⸗ 36 266, ſten eines Minderjaͤhrigen, der juͤnger als funfzehn Jahre Im Namen des Minderjährigen wird er durch die Per⸗ 64 ſonen, unter deren Gewalt er ſteht, abgeſchloſſen. Beide Partheien haben zu dem Ende ihre Erklärung s63 vor dem Friedens Richter, in deſſen Gerichts Bezirk der Minderjaͤhrige ſeinen Wohnſitz hat, abzugeben, der einen VerbalProzeß daruͤber errichtet. Locré, V, 494. Procès-verbal du a1 veutose 11. Grenier, III. 632. Pandectes Hangaises IV. as6. Geſetz vom 15ten Pluvioſe 13.(in meinem Fournal, Jahrgaug II. Band I. Seite 2790 2) Da die wohlthäͤtige Vormundſchaft zur Adoption fuhren ſoll, ſo mußte man von Seiten des Pfleg Vormundes dieſelbe Bedingungen, die zur Adoption nothwendig ſind, fordern. Die Bedingung der vorherigen Unterſtuͤtzung des Minderjäh⸗ rigen faͤllt jedoch weg, weil die Pfleg Vormundſchaft ſelbſt das Mittel dieſer Unterſtuͤtzung iſt. Deshalb ward auch in uebereinſtimmung mit dem Art. 345 das Marimum des Alters des Pflegekindes auf 15 Jahre beſtimmt, weil ein erſt ſpäterhin eingetretenes Pflegväterliches Verhaͤltniß dennoch zur Adoption nicht berechtigen wuͤrde, indem die ſechs⸗ jährige Unterſtützung, die der Art. 345 erheiſcht, nothwendig in der Minderjährigkeit ertheilt worden ſein muß. Die wohlthaͤ⸗ tige Vormundſchaft iſt aber zu Gunſten von Kindern von dem zarteſten Alter erlaubt. 2) Da dieſer Kontrakt nur zu Gunſten eines Minderjährigen abgeſchloſſen werden kann, ſo mußte das Geſetz die Perſonen beſtimmen, die ihn in ſeinem Namen abzuſchließen befugt ſind: dies ſind die Aeltern, in ihrer Ermangelung der Familien⸗ rath, und falls das Kind keine bekannte Verwandten hat, die Verwaltung des Hospitiums, worin es aufgenommen 362 267 worden, oder die Munizipalität des Ortes, an welchem es ſich aufhält. Folgende Stelle Locré's uͤber dieſe Bedingung konnte übrigens zu dem Irrthum Anlaß geben, als ob die Ein⸗ willigung der Aeltern nie zur Adoption erforderlich waͤre, ſon⸗ dern nur eine ehrfurchtsvolle Anfrage: mais on devait porter plus loin la condition, d'nprès laquelle l'adopié est obligé de prendre le consentement ou le conseil des ascen- dants; plus loin quant à son stendue: l S'agit d'un mineur, il fuut donc plus quun conseil, il ſaut un conen- eemene, daſſelbe iſt bei der Adoption, falls der Adoptirte junger als 25 Jahre iſt, der Fall. Siehe den Art. 346 und die Note IT zu dem§. I13. 3) Die Intervention des Richters bei dem Kontrakt der wohl⸗ thaͤtigen Votmundſchaft war deshalb nicht erforderlich, weil er keine Aenderung in dem Stand der Perſon hervorbringt. Er wird durch die beiderſeitige Einwilligung der Partheien abgeſchloſſen, die durch einen öffentlichen Beamten bewährt werden muß, der, wie bei jeder andern Vormundſchaft, der FriedensRichter des Wohnſitzes des Kindes iſt. 4) Der Ehegatte, der ſeine Einwilligung zur Uebernahme einer wohlthaͤtigen Vormundſchaft durch ſeinen Mitgatten ertheilt, wird deshalb nicht MitVormund. Zu dem Ende waͤre ſeine ausdruͤckliche Erklärung erforderlich, die ſelbſt dieſe Wirkung nur dann hervorbringen kann, wenn er uͤhrigens alle er⸗ forderliche Eigenſchaften vereinigt. §) Ganz mit Unrecht behaupten die Verfaſſer der Pandectes lrangaises, daß der Art. 361 in der Art zu verſtehen ſei, als ob in Ermangelung der Aeltern die Einwilligung der GroßAel⸗ tern hinlaͤnglich wäre. Die Einwilligung der Aeltern iſt deshalb hinlänglich, weil das Kind unter ihrer Gewalt ſteht, die väter⸗ * 354 365, 370 366 367 369 304 268 liche Gewalt gehs aber, den Fall der Ehe ausgenommen, nicht auf die Aszendenten in hoͤherem Grade uͤher; ſteht daher auch das Kind unter der Vormundſchaft eines Aszendenten, ſo wuͤrde deſſen Einwilligung doch eben ſo wenig, als die eines an⸗ dern Vormundes hinlaͤnglich, ſondern die des Familien⸗ Rathes durchaus erforderlich ſein⸗ §. I18 Die wohlthaͤrige Vormundſchaft hat folgende Wirkungen: a) der Vormund übernimmt dadurch die Obliegen⸗ heit, aus ſeinen eignen Mitteln den Pupillen zu ernaͤhren, ihn zu erziehen, und ihn in den Stand zu ſetzen ſeiuen LebensUnterhalt zu verdienen; b) Er wird dadurch rechnungspflichtiger Vormund uͤber das eigne Vermögen des Pupillen; c) Hat die Vormundſchaft fuͤnf Jahre gedauert, ſo kann der Vormund den Pupillen ſelbſt vor ſeiner Majorität durch ein Teſtament adoptiren, vorausgeſetzt jedoch, daß er keine eheliche Des⸗ zendenz hinterlaſſe; c) Sie ertheilt dem Pupillen ein Recht auf Alimen⸗ tation während ſeiner Minderjahrigkeit, welches er auch gegen die Erben ſeines Pfleg Vormundes gel⸗ tend zu machen befugt iſt, und ein Klagrecht auf Entſchädigung, wenn der Pfleg Vormund nach er⸗ langter Großjabrigkeit des Pupillen ihm die Adop⸗ tion verweigert, und dieſer letztere ſich ohne eigne Schuld auſſer Stande befinbet, ſeinen Lebensun⸗ terhalt zu verdienen. Dieſe Wirkungen können durch beſondere Stipulationen eingeſchraͤnkt oder ausgedehm werden. 269 Locré, 499 et mir. procès-verbaux du 18 irinusire t wen⸗ tose 11. Grenier, III. 533. Pfeiffer. I. 465. 4) Bei Beſtimmung der Wirkungen der wohlthätigen Vor⸗ mundſchaft iſt man von dem Grundſatz ausgegangen, daß ſie dem Pupillen Pflege und Unterſtütung gewähren, nicht aber ihn bereichern ſoll. 2) Da ſie eine wahre Vormundſchaft iſt, ſo konnte neben derſelben keine andere Vormundſchaft beſtehen.(365.) Da aber nur Zuneigung und wohlthätige Abſichten zu dieſem Kontrakt beſtimmen koͤnnen, ſo kann der zufallige Umſtand, daß der Pupille eignes Vermögen beſitzt, die Obliegenheit des Vormundes, die Koſten ſeines Unterhaltes und ſeiner Erziehung ausſchließlich zu tragen, nicht vermindern, es ſei denn, daß die Partheyen anderſt uͤbereingee⸗ kommen wären. 3) Sobald eignes Vermögen vorhanden iſt, finden in Hinſicht auf daſſelbe alle Vorſchriften fuͤr gewoͤhnliche Vormundſchaf⸗ ten ihre Anwendung. Der Pflege Vormund hat alſo auch einen Gegen Vormund ernemnen zu laſſen. 4) Man hatte den Vorſchlag gemacht, im Falle des Abſterbens des Pfleg Vormundes vor der Majorität des Pupillen die Adoption eintreten zu laſſen, ſo oft der Pfleg Vormund nicht in ſeinem Teſtamente erklärt haben wuͤrde, daß es ſeine Abſicht nicht geweſen ſei, die Adoption zur Vollen⸗ dung zu bringen. Dieſer Vorſchlag, der ſich auf die Ver⸗ muthung gruͤndete, daß nur der Tod des Pfleg Vormundes die Adoption verhindert habe, wuͤrde die Inſtitution der wohlthaͤtigen Vormundſchaft durchaus veraͤndert haben, in⸗ dem er ſie zu einer Adoption unter einer reſolutoriſchen Be⸗ vingung erhoben hätte. Er ward demnach verworfen, Der 270 von dem Art. 366 vorgeſehene Fall war jedoch ſo günſtig, daß man die Adoption wenigſtens alsdann zulaſſen zu muͤſſen glaubte, wenn die ausdruͤckliche Erklärung des Pfleg⸗ Vormundes vorliegt, daß es ſeine Abſicht war, ſie zur Vol⸗ lendung zu bringen. 5) Die Nachgeburt von Kindern während der Vormundſchaft ändert zwar nichts in dem pflegälterlichen Verhältniß, hin⸗ dert aber immer die Adoption. 6) Die Obliegenheit des Vormundes, füͤr den Unterhalt des Kindes bis zur Majorität zu ſorgen, geht auch nach ſeinem Tode auf ſeine Erben uber; dieſe Obliegenheit gewährt auch den Maaßſtaab der Entſchaͤdigung, welche dem Pupillen in ſolchen Fällen, wo nichts vorher regulirt war, und es die Umſtaͤnde oder ſelbſt das Intereſſe des Pupillen verhindern, daß er ſeine Erziehung und ſeinen Unterhalt in Natur in der Wohnung der Erben erhalte, zuerkannt werden muß. Der Artikel 367 uͤberlaͤßt es den Gerichten, falls die Partheyen ſich nicht vereinigen koͤnnen, die Natur und den Betrag der Unterſtuͤtzung, welche dieſe dem Pupillen ſchuldig ſind, zu reguliren. Da jedoch ihre Obliegenheit nicht weiter geht, als ihm bis zur Majorität Mittel zur Subſiſtenz zu verſchaffen, ſo folgt daraus, daß ſie in dem Falle wegfallt, wenn das eigne Vermoͤgen des Pupillen dazu hinlänglich iſt. 2) Die Einwilligung oder Annahme des Pupillen nach erlang⸗ ter Großjährigkeit iſt eben ſowohl erforderlich, damit die te⸗ ſtamentariſche Adoption zur Vollendung gelange, als ſie zur kontraktuellen Adoption unnachläſſig iſt. Aus dieſem Grun⸗ de mögte es auch wohl zweckmäſſig ſein, das Teſtament, worin ſie enthalten iſt, nach der Großjährigkeit des Adop⸗ 271 tirten auf die Regiſter des Civilſtandes eintragen zu laſſen, um dieſe Annahme zu beurkunden. 8) Leiſtet der Pupille freiwillig auf die Adoption Verzicht, ſo kann er auf keine Entſchaͤdigung Anſpruch machen, wenn nicht anderſt ſelbſt fur dieſen Fall eine ausdruͤcklich hedungen iſt. Der Vormund kann aber verurtheilt wer⸗ den, ihm eine ſolche zu zahlen, wenn er einestheils die Adoption verweigert und auf der andern Seite der Pupille ſich(ohne ſeine eigne Schuld) auſſer Stande befindet, ſein Brod zu verdienen. Man konnte den PflegVater nicht mit demjenigen in eine Klaſſe ſetzen, der ſich bei einer Wohlthat zu nichts anheiſchig macht; die Uebernahme einer wohlthäti⸗ gen Vormundſchaft kuͤndigt die Abſicht einer Adoption an; der Pfleg Vormund geht die beſtimmte Verpflichtung ein, das Kind in den Stand zu ſetzen, ſein Brod zu verdienen; ändert er ſeinen Sinn in Hinſicht der Adoption, ohne ſelbſt dieſe Obliegenheit erfullt zu haben, ſo erfordert die Billigkeit, daß das Kind nicht ohne alle Huͤlfe gelaſſen werde. 9) Die ihm zukommende Entſchadigung kann ſich jedoch weder nach der Erziehung noch nach der Unterſtuͤtzung bemeſſen, welche das Kind bisher erhalten hat. Was der Pfleg Vor⸗ mund uͤber ſeine Verbindlichkeit geleiſtet hat, kann keine ausgedehntere Verpflichtung nach ſich ziehen; liegt daher keine ausdruͤckliche Stipulation vor, ſo reduzirt ſich jene Entſchä⸗ digung auf die Mittel, dem Pupillen ein buͤrgerliches Ge⸗ werbe zu verſchaffen, welches ihm LebensUnterhalt gewaͤhrt. 10) Unbegreiflich bleibt es mir nun wieder, wie die Herrn Pfeiffer nach allen obigen Beſtimmungen behaupten können(1. 165)„der Codex habe unbeſtimmt gelaſſen, ob „der Pflege Vater den Muͤndel verſtoßen koͤnne, und ob die 272 „Pflege einen gewiſſen Zeitraum hindurch, oder bis zu einem „gewiſſen Alter dauern muͤſſe; ſo wie auch: ob das Kind, „welches vor der Volljährigkeit aus der Pflege tritt, „und nicht im Stande iſt, ſich ſeinen Unterhalt zu verſchaf⸗ „fen deshalb Entſchadigung verlangen könne.“ Noch unbe⸗ greiflicher aber iſt es, daß ſie nach der Analogie des Art. 367 auch dieſe letzte Forderung begruͤndet finden, die das Projekt ausdruͤcklich anerkannt haben ſoll. In dem Projekt iſt keine Spur davon zu finden, und der Art. 367, der von dem Falle handelt, wo der PflegeVater durch den Tod an der Erfuͤllung ſeiner Obliegenheiten gehindert wird, iſt doch wahrlich auf den nicht analogiſch anzuwenden, wo das Kind ſich ſeiner Pflege entzieht. Die Obliegenheiten des Pfleg⸗ Vaters ſind, das Kind bis zu ſeiner Volljährigkeit zu unter⸗ halten, und es alsdann zu adoptiren oder in den Stand zu ſetzen, ſeinen LebensUnterhalt zu gewinnen. Verlaͤßt nun vas PflegeKind den Vormund vor erlangter Großjährigkeit, ſo kann er weder verurtheilt werden, ihm dieſen Unterhalt auſſer dem Hauſe zu verabreichen, noch es fur eine Unfähigkeit zu entſchaͤdigen, welche es ſich durch die einſeitige Aufhebung des Pflegväterlichen Verhaltniſſes ſelbſt zugezogen hat. 11) Ohngeachtet die wohlthaͤtige Vormundſchaft als eine Vor⸗ bereitung der Adoption anzuſehen iſt, ſo iſt deshalb doch die Adoption ſelbſt allen in dem erſten und zweiten Kapitel die⸗ ſes Titels entwickelten Regeln unterworfen. So guͤnſtig auch dieſer Fall iſt, muͤſſen die Gerichte ſie doch nicht nothwendig zulaſſen, wie es aus dem Art. 368 unwider⸗ ſprechlich folgt, weil ſonſt das daſelbſt vorgeſchriebene gericht⸗ liche Verfahren ganz überflüſſig geweſen wäre. Auch bin ich nicht der Meinung von Grenier(. 537) daß der ver⸗ 273 ehelichte Pfleg Vormund, der die Einwilligung ſeines Mit⸗ gatten zur Uebernahme dieſer Vormundſchaft erhalten hat, deſſen Einwilligung zur Adoption nicht beduͤrfe. Die Adoption begruͤnder ein von der wohlthätigen Vormundſchaft weſentlich verſchiedenes Vrrhaͤltniß. Die in dem einem Falle ertheilte Ein⸗ willigung iſt daher in dem andern nicht hinlänglich, und we⸗ der der Art. 368 noch der Art. 344 macht dieſe Ausnahme; die, welche der Art. 344 fuͤr den Fall des Art. 366 macht, beweißt ſogar unwiderſprechlich, daß ſie auf den Fall des Art. 368 nicht auszudehnen iſt. 12) Noch bleiben uns zwei Fragen zu erörtern ubrig, in Hin⸗ ſicht auf welche der Coder ſich nicht ausdruͤcklich erklärt hat: 3) Verliert im Falle des Art. 363 der natuͤrliche Vater des Pupillen den Nießbrauch von dem Vermögen deſſelben? Ich glaube ja, weil er der väterlichen Gewalt anklebt, deren Ausuͤbung mit dem Pflegälterlichen Verhältniß unvereinbarlich iſt. Auch fallen die Laſten, unter welchen der Art. 385 dem Vater dieſen Nießbrauch geſtattet, weg. b) Kann der Vater, unter deſſen Gewalt der Pupille ſich vor der Vormundſchaft befand, ihn aus derſelben zuruͤck⸗ ziehen? Ich glaube nicht. Daß das Pflegväterliche Ver⸗ haltniß mit Einwilligung beider Partheien aufgehoben werden kann, ſcheint mir daraus zu folgen, daß es durch einen, keiner richterlichen Beſtätigung unterworfenen, Kon⸗ trakt begruͤndet wird. So wenig aber als der Pfleg Vor⸗ mund dieſen Kontrakt einſeitig aufheben kann, eben ſo wenig können die Aeltern oder die Familie des Pupillen ihn aufheben, falls ſie ſich nicht dieſe Befugniß ausdrucklich II. Th. 18 274 vorbehalten haben. Scute jedoch der Pfleg Vormund das Kind mishandeln, oder uͤberhaupt die uͤbernommene Ot⸗ liegenheiten nicht der Uebereinkunft oder der geſetzlichen Vorſchrift gemaͤß erfullen, ſo ſteht der Familie das Recht offen, ihre Beſchwerden den Gerichten vorzutragen, welche nach Beſchaffenheit der Umſtände den Pfleg Vormund verurtheilen koͤnnen, das Kind auſſer dem Hauſe erzie⸗ hen und unterhalten zu laſſen, oder gar den Kontrakt wegen NichtErfuͤllung der Bedingungen von ſeiner Seite aufheben und ihn zur Zahlung einer angemeſſenen Ent ſchädicung verurtheilen können. Fünfter Titel. Von Vormundſchaften und Kuratelen. ————— Roͤmiſches Recht? Inst, Lib. 1. tit. XIII. usque ad finew, Dig. Tib. XXVI et XXKVII. Cod. Lib. V tit. XXVIII. usque ad hn. Ueber das ältere franzöſtſche Recht ſiehe Ferres, Institutions du droit frangais und das Réper- tome universel, verbis. Curatele, curateur, emancipacion, mineur, Cutelle, cuteur. Hiſtoriſche Vorbemerkung. Die romiſche Geſetzgebung in Betreff der Vormundſchaſten war ſelbſt in den Provinzen des geſchriebenen Rechtes durch die Jurisprun denz ſehr modifizirt worden; ein groſſer Thell ihrer Verfuͤgunges war dagegen theils in die coutuwes, theils in die Jurisprudenz der Provinzen der GewohnheitsRechte aufgenommen worden. Wir wer“ den Gelegenbeit finden, die wichtigſien jener Modifikationen in der Folge dieſer Expoſttion anzuführen, und begnuͤgen uns hier, diejeni⸗ ge zu beruͤhren, welche als algemeine Grundſätze des ͤltern franzoſiſchen Rechts angeſehen werden konnen: 1) Waren alle und jede Vormundſchaften, ſelbſt in den Provinzen des geſchriebenen Rechts, in ſo weit dativ, daß ſelbſt der durch das Teſtament des PVaters ernannte Vormund der richterli⸗ chen Beſtätigung, die jedoch hochſt ſelten verweigert ward, be⸗ durfte(Serres, Inst. p. 70. Maynad, liv. 6. ch. 49. Lohet t Zrodeau, litt. L. chap. 2.) Auffalend iſt es, daß nach der * 276 rinzigen contume von Bvurbonnois,(Art. 174) dem rb⸗ miſchen Rechte gem“ß, die teſtamentariſche Vormundſchaft ohne richterliche Veſtätiguns ihre Wirkungen hervorbrachte. 3) Man befolgte ferner in gans Frankreich die Auth. matri=t aviæ, C. quando mulier tutel. oflic. vorausgeſetzt jedoch, daß die Mutter 21 Jahre alt war. Dieſe Vormundſchaft der Mutter war ſogar die einzige geſetzliche Vormund ſchaft, indein die Mutter(oder Grosmutter) ſie ohne das Gutachten der Familie einzuziehen, und ohne richterliche Beſtätigung anzu⸗ treten befugt war. 3) Waren veide Aeltern verſtorben, und kein Vormund aus dem Teſtament vorhanden, ſo ernannten die Juſtiz Behoͤrden, nachdem ſie vorher das Gutachten der Verwandten eingezogen hatten, ei⸗ nen Vormund, und zwar wurde die Vormundſchaft von Buͤrger⸗ lichen durch den gewohnlichen Richter die von Adlichen aber durch die Senéchauſſées unt Amtleute beſtellt.(Art. 6 des Edikts von Cremieu.) Uebrigens machte man zwiſchen den väterlichen und muͤtterlichen Verwandten keinen Unterſchied, und hielt ſich in den Provinzen der Gewohnheits Rechte weniger ſtreng an die Grade der Verwandſchaft als in denen des geſchriebenen Rechtes. Perſonen von hoherem Range pflegte man auſſer dem mit der PVerwaltung beauftragten Vormunde(tuteur onéraire) auch noch einen EhrenVormund(tuteur honoraire) zu ernennen, deſ⸗ ſen Verrichtungen ſich darauf beſchränkten, uͤber die Verwaltung des wirklichen Vormundes die Aufſicht zu führen Da dieſer Eh⸗ renVormund gleichfalls unter den Perſonen vom hoheren Range genommen ward, ſp hat man kein Beiſpiel, daß man die von der L. 3.. 2 fl. de adm. et per⸗ tut, vegründete Verantwortlich⸗ * geit auf ihn angewendet haͤtte⸗ Maynard, liv. 2. chap. 96. Vedel, sur Catellan liv. 8. chap, 9. 5 Endlich nahm in den Provinzen des geſchriebenen Rechts die Vormundſchaft mit dem 14ten Jahre fuͤr die Knaben und dem zwolf⸗ ten für die Mädchen ein Ende, und alsdann trat eine Kuratel ein, die der Vormund zu übernehmen nicht gezwungen werden konnte. In“ den Provinzen der Sewohnheits Rechte dauerte die Vor⸗ mundſchaft bis zur Großjährigkeit fort. 277 Erſtes Kapitel. Allgemeine Grundſätze. or Vormundſchaft heißt die zu Gunſten der Min⸗ derjährigen und Interdizirten geſetzlich angeordnete Ver⸗ waltung ihrer Perſonen und ihres Vermögens. Minderjährig iſt jedes Individuum, ohne Unter⸗ ſchied des Geſchlechts, welches das Alter von 27 vollen Jahren noch nicht erreicht hat. Interdizirt nennt man jedes großjährige In⸗ dividuum, welchem die Ausuͤbung der CivitRechte benom⸗ men worden iſt. Dies kann geſchehen, wenn ein ſolches Individuum ſich in einem gewöhnlichen Zuſtande von Blöd⸗ ſinn, Wahnſinn oder Wuth befindet, ſelbſt wenn dieſer Zu⸗ ſtand Zwiſchenräume von Vernunft(acida intervalla) dar⸗ bieten ſollte. Locré, VI. 5et suiv. 450 et suiv. Projet du e. e. liv. 1. tit⸗ 10. art. 30, Procés-verbaux des 26 krimare 10 6 brumaire, ab ventose et 15 germinal 1I. F. 4. Inst. de eurat.(1. 23.)L. 6. C. de curat. fur.(5. 70.) L. 9, C. qui test⸗ fac. poss. 6. 22.) Despeises, Il. 10. Kiccard, des donat. part. 1. No. 147 et suiv. Forres, p. 241. Deluincourt I. 208. Thibaut S. d. P. F⸗ 458. u. ff. S. 531 No. 1. Sachariäs Handbuch, J. 24. 1) Da die väterliche Gewalt des franzoſiſchen Rechts nichts als eine Vormundſchaft mit ausgedehnterer Gewalt iſt, ſo paßt allerdingt obige Definition auch auf dieſelbe. In dem Abſchnitte: von der Verwaltung des Vormundes, werde ich zei⸗ gen, in wie weit die allgemeine Vorſchriften in Betreff der Vor⸗ mundſchaften auch auf den Vater anwendbar ſind. Die von“ Zacharia gegebene Difinition der Vormundſchaft im wei⸗ tern Sinne erſtreckt ſich auf jede von dem Geſetz begruͤnde⸗ 383 435 489 278 ten Obſorge fuͤr bas Intereſſe eines Dritten, der es ſelbſt nicht gehoͤrig in Obacht zu nehmen im Stande iſt. Die von Delvincourt gegebene Definition hat den groſſen Fehler, daß ſie den HauptCharakter der Vormundſchaft, (daß ſie naͤmlich zum Vortheil der Minorennen und In⸗ terdizirten angeorduet iſt,) nicht ausſpricht. 2) Der Codex hat den Unterſchied zwiſchen der Tutel der Un⸗ mundigen und der Kuratel der Mändigen nicht bei⸗ behalten, ohngeachtet der Appellhof von Montpellier, der ſich uͤberhaupt ſtrenge an den Principien des roͤmiſchen Rech⸗ tes hielt, auf deſſen Beibehaltung angetragen hatte; der in der Prapis hoͤchſt unweſentliche Unterſchied zwiſchen Tutel und Kuratel wuͤrde uͤbrigens, ſobald man den Begriff det Kuratel(wie es im neuen franzöſiſchen Rechte geſche⸗ hen iſt) durchaus auf eine Verwaltung von Sachen beſchraͤnkt, nicht einmal richtig geweſen ſein, weil die Sorg⸗ falt fuͤr die Perſon des Minderjährigen nicht mit dem I4ten Jahre aufhoͤren kann. Auch fällt durch die Feſtſetzung der Minderjahrigkeit auf 31 Jahre und die Autoriſation der Emanzipation mit 18 Jahren der einzige Grund weg, der ſich fuͤr jenen Unterſchied geltend machen ließ, nämlich die fuͤr den Vormund, aus der allzu langen Dauer der Vormundſchaft, entſpringende Beſchwerniß. 3) Die Majorität war durch das Geſetz vom 20 September 1792 auf das Alter von 21 vollen Jahren feſtgeſetzt worden. Der Appellhof von Nancy trug darauf an, ſie wieder, wie vor der Revolution, erſt zu Ende des 25ten Jahres eintreten zu laſſen. Allein auſſerdem, daß das CivilGeſetz alsdann mit der Conſtitution im Widerſpruch geſtanden haͤtte, welche die Ausubung der ſtaatsbuͤrgerlichen Rechte mit dem Alter 279 von 21 Jahren zuläßt, kam man auch dahin uberein, daß wenn die natürliche Unfähigkeit den Maaßſtab der buͤrgere lichen abgeben ſollte, kein Grund vorhanden ſei, die Majori⸗ tät weiter hinauszuſchieben. Auch hat die Erfahrung bewießen, daß z. B. in der Normandie, wo die Majorität ehedem mit zwanzig Jahren eintrat, kein Nachtheil daraus entſtan⸗ den iſt; und daß daher die Nachtheile, welche man in den übrigen Gegenden von Frankreich der neuen Geſetzgebung über die Epoche der Majorität zugeſchrieben hat, mehr auf Rech⸗ nung der, von jedem Uebergang zu einer neuen Ordnung der Dinge unzertrennlichen, Exaltation und der politiſchen Ereigniſſe zu ſeten ſind. Auch wuͤrde eine Neuerung in die⸗ ſer Hinſicht unzählige häußliche Anordnungen zerſtoͤrt haben, die im Zutrauen auf eine eiffjährige Geſetzgebung getroffen worden ſind, und ſie hätte, da man die Individuen, welche das Geſetz fräher fur großjaͤhrig anerkannt hatte, doch nicht wieder unter Vormundſchaft hätte ſetzen koönnen, eine auf⸗ fallende Ungleichheit unter den Buͤrgern erzeugt. Endlich hat das Geſetz in Hinficht auf den wichtigſten Kontrakt, auf welchen die Leidenſchaft mehr Einfluß als die Ueberlegung hat, befondere Vorſichtsmaaßregeln getroffen⸗ 4) Das Geſetz thut von den T aubſtummen keine ausdruͤck, liche Meldung. Da aber die Unfähigkeit zu den Geſchaͤften des buͤrgerlichen Lebens der Grund jeder Interdiktion iſt, ſo ſind die Gerichte allerdings befugt, je nachdem dieſe Unfaͤ⸗ higkeit in hoherem und geringerem Grade vorhanden iſt, ei⸗ nen Taubſtummen zu interdiziren, oder ihm einen Beiſtand zur Seite zu ſetzen. §) Die letzte Verfuͤgung des Art. 489 widerſpricht fowohl der römiſchen Geſetgebung als der ältern Jurisprudenz. Der 280 Art. 489 in Verbindung mit dem Art. 302 dberogirt der L 6 C. de curat. kur. und der L. 9. C. qui test. lac. ſörmlich. Mit Unrecht behaupten daher die Hrn. Pfeiffer U. 223.) der Coder habe dieſer Verfuͤgungen nicht erwaͤhnt. 6) Blöd ſinn(imbscillité) nennt man die Verſtandesſchwäche, welche aus dem Mangel oder der Konfuſion der Begriffe entſteht. Der Wahnſinn iſt der Zuſtand, worin irrige und verkehrte Begriffe in einem Grade vorherrſchend ſind, daß die Wirkung der Vernunft dadurch gelähmt wird. Die⸗ ſer Zuſtand wird zur Wuth, wenn der Wahnſinn auf einen Grad geſtiegen iſt, worin die Begriffe des Wahnſinnigen ſich in Handlungen äuſſern, die ihm und andern Perſonen Schaden bringen koͤnnen. 2) Jeder Minderzährige befindet ſich im Zuſtand einer geſetzli⸗ chen Interdiktion, die ſich auf die gewöhnliche Unfähigkeit der Jugend zu den Geſchaften des buͤrgerlichen Lebens gruͤn⸗ det. Da die Wirkung der Interdiktion nur darin beſteht, den Großjährigen unter Vormundſchaft zu bringen, und der WMinderjährige bereits unter einer einer ſolchen ſteht, ſo wuͤrde offenhar eine gegen einen Minderjahrigen gerichtete Interdik⸗ tions Klage ohne Zweck ſein. In dem Projekt der Commiſſion befand ſich ein Artiket, nach welchem die Interdiktions Klage gegen nicht emanzipirte Minderjahrige ausdruͤcklich unzulaͤſſig erklärt ward. Der Kaſſationshof machte dagegen den Ein⸗ wurf, es duͤrfte nicht ohne Nutzen ſein, dieſe Klage auch gegen nichtemanzipirte Minderjährige in dem letzten Jahre ihrer Minderjaͤhrigkeit zu erlauben, weil ſonſt zu befuͤrchten ſtuͤnde, daß der Zwiſchenraum von der Klage bis zu dem Urtheil angewendet werden moͤchte, die in der Minderjährigkeit vorgenommene Handlungen zu —— —— — S— 2——————————— ——————————————— —= 2 S 2——— 2.———— 281 ratifiziren, deren jede ſodann auch nach ausgeſprochener In⸗ terdiktion der Gegenſtand eines beſondern Prozeſſes werden wuͤrde. In der endlichen Abfaſſung befindet ſich der Arti⸗ tikel der Commiſſion nicht, woraus Hr. Locre(S. 436.) die Folge zieht, daß auch gegen den Minderjährigen die Interdiktions Klage ſtatt finde. Man ſieht ſich jedoch in dem VerbalProzeß vergebens nach den Belegen zu dieſer Behauptung um. Mir ſcheint es vielmehr, als habe der Staatsrath nicht einmal gegen den emanzipirten Minderjähri⸗ gen ſondern ausſchließlich nur gegen Großjahrige die Interdik⸗ tionsKlage geſtatten wollen, und deshalb in dem Art. 489 ſich abſichtlich nicht des Ausdruckes: tout individu, ſondern des: le majeur, bedient; ſo wie auch im Art. 108 von dem maſeur interdit ausdruͤcklich im Gegenſatz von dem mineur die Rede iſt. Dieſe Meinung wird ferner von dem Art. 509 unterſtutzt, welcher das Reſultat der Interdiktions Kla⸗ ge mit den Worten ausdruckt: l'mnterdit est assimils au mi- neur; eine gegen einen Minderjährigen zu erhebende Klage, um ihn einem Minderjaͤhrigengleichſtellen zu laſſen, iſt aber doch baarer Unſinn. Dem von dem Caſſationshof befuͤrchteten Nachtheil iſt durch die Verfuͤgungen der Art. 503 und 497 hinlaͤnglich vorgebeugt, und die Emanzipation des Minderjährigen ſcheint mir keinen hinlaͤnglichen Grund dar⸗ zubieten, um die Interdiktions Klage gegen ihn zu geſtatten; hat er vor dem, Alter, worin ſie erlaubt iſt, Spuren von Blod⸗ ſinn, Wahnſin oder Wuth gezeugt, ſo wird man ihn wohl ſchwerlich emanzipiren; iſt dies aber nach der Emanzipation und vor der Großjaͤhrigkeit der Fall, ſo bewahren ihn einestheils die Art. 483 u. 484 vor bedeutendem Schaden, und es iſt andrerſeits keinem Zweifel unterworfen, daß der Fa⸗ 311 312 430 513 499 282 milien Rath ihn mittelſt analogiſcher Anwendung des Art. 485 auf einem weit kuͤrzeren Weg als auf dem einer Inter⸗ diktionsKlage wieder unter Vormundſchaft ſetzen kann. Ver⸗ gleicht man auch die Art. 483 und 400 ſo wird man fin⸗ den, daß das Syſtem des Geſetzes auf folgender Parallele veruht: Aus Blödſinn oder Wohnſinn= der aus der Jugend entſpringen⸗ entſpringende gänzliche Un⸗ den gänzlichen Uunfaͤhigkeit faͤhigeeit des nicht emanzipirten Min⸗ derjährigen. Aus Verſtandes ſchwäche entſprin⸗ der in hoherem Alter vermin⸗ gende Unfähigkeit zu wich⸗ derten und auf wichtige Ge⸗ tigen Heſchaſten, ſchaͤfte beſchränkten Unfahig⸗ Leit emanzipirter Minder⸗ jahrigen. §. 120. Die Knratel iſt, nach franzöſiſchem Rechte, eine ge⸗ ſetzlich angeordnete Obſorge fur die Sachen einer Per⸗ ſon, die ſelbſt dafür Sorge zu tragen auſſer Stande iſt. Der Kurator unterſcheidet ſich von dem Vormund dadurch: 2) daß er nicht, wie dieſer, in die Stufen der väterlichen Gewalt tritt; v) daß ſeine Vollmacht oft mehr beſchränkt iſt; e) daß ſeine Obſorge ſich nicht auf die Perſon erſtreckt. Kuratoren können ernannt werden: 1) den Verſchollenen; Cabsents) 2) vakanten Erbſchaſten; 30 den emanzipirten Minderzaͤhrigen; 4) den Verſchwendern; 5) den Perſonen, auf deren Interdiktion angetragen worden, und welche zwar nicht als blöd ⸗oder 283 wahnſinnig, jedoch aber zur Verwaltung ihrer Geſchäfte in wichtigen Gelegenheiten unfähig be⸗ tunden worden ſind. Locrs, VI. 498 et suiv. II, 314. Procès-verbaus des 16 et 24 kructidor 9, et 13 brumaire 11. Thibaut, F⸗ 498. F. 509 u. ff. 4) Der in dem roͤmiſchen Rechte entſpringende Begriff einer von allen perſoͤnlichen Verhaͤltniſſen abſtrahirenden Kuratel uber Sachen hat ſich erſt nach und nach ausgebildet, und dieſes iſt die Urſache, warum wir in dem Codey verſchiede⸗ ne Benennungen fuͤr dieſelbe Sache finden. So ſpricht der Art. ro8, der vorigen Jurisprudenz gemaͤß, von einem curateur du majeur interdit, weil bei der Diskuſſion des Titels: vom Wohnſitz, der zehnte Titel noch nicht abgefaßt war, in welchem man den Interdizirten unter Tutel geſetzt hat, weil die Verrichtungen ſeines Vormundes ſich auf ſeine Perſon ausdehnen. Wenn man ſich dagegen in den von den Art. 409 und 513 vorgeſehenen Fällen anſtatt des Wortes curateur, des Ausdrucks: coneil bedient hat, ſo hat man es vorzuglich der negativen Entſcheidung der Frage: ob der Verſchwender wieder unter Kuratel(in dem Sinne der vorigen Jurisprudenz, nach welcher der Verſchwender wie der Raſende unter Kuratel ſtand) geſetzt werden ſolle, zu⸗ zuſchreiben. Dieſer Rath iſt aber ein wirklicher Kurator, nicht allein nach der Definition, die wir aus den Grund⸗ ſaͤtzen des neuen Rechtes abſtrahirt haben, ſondern auch weil ſeine Verrichtungen buchſtäblich dieſelbe ſind, welche das Geſetz dem Kurator des emanzipirten Minderjahrigen uber⸗ tragen hat. Wir halten uns, um unſere Arbeit zu verein⸗ fachen, an der Sache und nicht an den Worten, und 284 nennen daher jeden Kurator, dem eine cura realis anver⸗ traut iſt. 2) Das Wort: absent, iſt im Artikel 112 ſo wie in allen ubrigen deſſelben Titels nicht von demjenigen zu verſtehen, der ſich in der Entfernung von ſeinem Wohnſitz aufhält, ſondern ausſchließlich auf die Individuen zu beſchraͤnken, uͤber deren Leben und Tod man ſich in völliger Ungewiß⸗ heit befindet(Verſchollene); hat die Abweſenheit noch nicht lange genug gedauert, um dieſe Ungewißheit durch ein Ur⸗ theil anzuerkennen, oder iſt uͤberhaupt noch kein ſolches Ur⸗ theil erwirkt worden, ſo bedient ſich das Geſetz der Worte: vermuthlich Abweſende, vermuthliche Abweſenheit. 3) Wir werden im Titel: von den Erbſchaften, beſtim⸗ men, wann eine Erbſchaft fuͤr vakant zu halten iſt; im Ka⸗ pitel von der Em anzipation, wann dieſe eintreten kann; im folgenden Kapitel wird von den Fällen die Rede ſein, wo dem Verſchwender ein Kurator zur Seite ge⸗ ſetzt werden kann, und eben daſelbſt von dem Falle, wo eine zur Interdiktion unzulängliche Verſtandesſchwäche zur Ernen⸗ nung eines Kurators ſtatt geben kann. 4) Ich glaube, daß weder der gerichtliche Sequeſter(Art. 1967 u.ff.) noch die Sindici eine Fallit Maſſe(Art. 476 des HandlungsGeſetzbuchs) in eine Flaſſe mit den Kuratoren ge⸗ ſetzt werden können. In beiden Fällen wird die gerichtliche Verwaltung nicht wegen der Abweſenheit oder Unfähigkeit des Eigenthuͤmers, noch zu ſeinem Beſten, ſondern zum Vortheil von dritten Betheiligten verordnet. 5. 121. Wird Jemand durch die Obrigkeit ernannt, um das PrivatIntereſſe einer Perſon, die ſelbſt dafur Sorge zu ee ——— 285 trageh duſſer Stande iſt, in einem einzigen beſondern, Falle zu verwahren, ſo heißt er Spezial Vormund, oder Vormundad oe, wenn ſein Auftrag ſich auf ein per⸗ ſönliches Verhältniß bezieht oder zum Vortheil eines Min⸗ derjährigen oder Interdizirten ertheilt wird; Sp ezial⸗ Kurator, wenn der Auftrag ſich auf die Sachen eines nicht interdizirten Grosjahrigen bezieht. So wird ein Spezial Vormund ernannt? 2) dem unehelichen, weder von dem Vater noch von der Mutter anerkannten, Kinde, welches ſeiner Minderjährigkeit halber unfähig iſt, ſeine Einwil⸗ ligung zur Ehe zu ertheilen; 2) dem minderſährigen Kinde des Vaters, deſſen Guͤter mit einer Subſtitution zum Vortheil dieſes Kindes beſchwert ſind, um uͤber die Erfuͤllung der⸗ ſelben zu wachen; 3) dem Kinde, das von dem Ehemann ſeiner Mut⸗ ter verlaͤugnet wird, um es gegen dieſe Klage zu vertheidigen. Ein SpezialKurator wird ernannt: 1) dem Taubſtummen, um eine ihm gemachte Schen⸗ kung anzunehmen; 2) dem büͤrgerlich Todten, um ſeine Prozeſſe vor Gericht zu fuͤhren; 3) der Leibes Frucht, wenn die Wittwe ſich bei dem Sterbfalle des Mannes fuͤr ſchwanger erklärt. Locre, VI. Proces-verbaux des 22 frimaire I0 et 22 vendémiaire 11. L. 8, fl. de adin. et peric. tut. W. 26.) Siehe Theit I dieſer Expoſition, J. 43. No. 4 S. 140. 63 No. 16. S. 257 und S. 37, No. 10. S. 357. 4) Von dem Spezia Vormund der, im erſten und dritten der 159 1055 1056 3¹8 ²5 39 286 obigen Fälle ernannt wird, war bereits im erſten Theile dieſer Expoſition die Rede. Von der Ernennung und den Pflichten des Vormunds, der uͤber die Erfuͤllung einer Sub⸗ ſtitution zum Vortheil der Kinder zu wachen hat, wird im Titel: von den Erbſchaften, die Rede ſein. 2) Eben ſo von dem SpezialKurator, der im erſten der obi⸗ gen Faͤlle ernannt wird; uͤber die Gruͤnde, aus welchen dem buͤrgerlich Todten ein ſolcher ernannt wird, ſiehe den erſten Theil,§. 43. Nro. 4. S. 140. 3) Im erſten Augenblick ſcheint es, als ob das Amt eines Kurators der LeibesFrucht, von welchem der Art. 303 han⸗ delt, eher in die Klaſſe der Spezial Vormundſchaf⸗ ten gehoͤre; da daſſelbe aber mit der Geburt des Kindes ein Ende nimmt, und daher mit keiner Obſorge fuͤr deſſen Perſon verknupft iſt, ſondern ſich, wie wir in der Folge erſehen werden, lediglich darauf beſchränkt, fuͤr die Erhal⸗ tung(nicht einmal die Verwaltung) der Erbſchaft waͤhrend dem kurzen Zeitraum, bis dahin Gewißheit in Hinſicht auf den Erben eingetreten ſein wird, Sorge zu tragen, und die betrugliche Unterſchiebung eines Kindes zu verhindern, ſo hat ſein Auftrag lediglich die Erbſchaft, alſo eine Sache, zum Gegenſtand. §. 122. Bei jeder Vormundſchaft beſteht ein GegenVor⸗ o mund, deſſen nur mit der Vormundſchaft endigende Ver⸗ richtungen darin beſtehen, die Vormundſchaft zu kontrolli⸗ ren, und fuͤr das Intereſſe des Minderjährigen in allen Fällen Sorge zu tragen, wo daſſelbe mit dem des Vor⸗ mundes in Widerſpruch ſtehen ſollte. Der Gegen Vormund iſt aber nicht Stellvertreter des 4²5 287 Vormundes im Falle der Verhinderung oder des Abſter⸗ bens dieſes letztern⸗ Locré, VI. 135 et suiv. L. 13. ff. de tutel.(ab. 1.) Tit. C, iu quib. cas. tut. vel. curat. hab.(3Z. 36.) Bloechel, Auslyse des principales questions, qui peuvent s'élever sur le titre: de la minorité, de la tatelle, etc. etc.(Strasbourg, 1503) ₰ 29 1) Die Inſtitution eines beſtaͤndigen Rontrolleurs der Vor⸗ mundſchaft war ehedem in Frankreich ſowohl in den Pro⸗ vinzen des geſchriebenen Rechtes als in den Provinzen der Gewohnheits Rechte völlig unbekannt. Stand das Intereſſe des Vormundes mit dem des Pupillen im Widerſpruch, ſo pflegte man dem letzten einen Kurator zu ernennen. 2) Es giebt einige Rechts Gelehrte, welche aus dem Art. 424 folgern wollen, als ob der GegenVormund im Falle einer augenblicklichen und voruͤbergehenden Verhinderung des Vor⸗ mundes deſſen Verrichtungen zu verſehen habe, weil die⸗ ſer Artikel ihn nur in dem Falle des Abſterbens und der Abweſenheit,(welche ſie von einer legalen Abweſenheit in dem Sinne des Titels 1V. des Coder verſtanden wiſſen wol⸗ len,) davon ausſchlieſſe. Dieſe Anſicht iſt jedoch hoͤchſt irrig: im Falle einer voruͤbergehenden Verhinderung hat der Vor⸗ mund auf ſeine Gefahr einen Bevollmächtigten fuͤr die Be⸗ ſorgung der Angelegenheiten des Minderzährigen, die ſich nicht verſchieben laſſen, zu beſtellen; ällein nicht allein, daß dem Gegen Vormund, deſſen Verrichtungen genau beſtimmt ſind, dieſe Vollmacht nirgends vom Geſetz ertheilt iſt, wuͤrde er nicht einmal die annehmen koͤnnen, die der Vor⸗ mund ihm ertheilen wollte; er wuͤrde ſonſt zwei ganz entge⸗ gengeſetzte Verrichtungen in ſeiner Perſon vereinigen, und 288 anſtatt der Kontrolleur des Vormundes zu ſein, ſich mit der Perſon dieſes letzten identifiziren. 3) Die RechtsGelehrten, welche die väterliche Gewalt nicht von der Vormundſchaft trennen, und dem Va⸗ ter die Eigenſchaft als Vormund erſt nach dem Abſchluß der Ehe zugeſtehen wollen, behaupten, daß der Vater nicht gezwungen ſei, die Ernennung eines Gegen Vormundes zu erwirken, wobei ſie ſich auf die Art. 421 und 300 berufen, nach welchen die Vormundſchaft des Vaters erſt nach dem Tode der Mutter anfangen und daher erſt zu dieſer Epoche die Verbindlichkeit eintreten ſoll, einen GegenVormund ernen⸗ nen zu laſſen. Ich habe ſogar gehoͤrt, daß man dieſes Ar⸗ gument umgekehrt und behauptet hat, der Vater duͤrfe nicht als Vormund betrachtet werden, weil ihm kein GegenVor⸗ mund zur Seite geſetzt werden koͤnne, der doch dem Art. 420 zufolge bei je der Vormuntdſchaft beſtehe. Ich glaube, daß die Anſicht, welche ich 5. 110 Nro. x entwickelt habe, alle Schwierigkeiten beſeitigt, die von dem entgegengeſetz⸗ ten Syſtem unzertrennlich ſind. Der Art. 421 ſteht mir keineswegs im Wege; denn da derſelbe im Allgemeinen auf den erſten Abſchnitt zuruͤckweißt, ſo bezieht er ſich eben ſo gut auf den Art. 389 als auf den Art. 300; es bleibt mir daher nur zu zeigen uͤbrig, daß auch in Hinſicht auf die Ernennung des Gegen Vormundes die Verwaltung, von welcher der beſagte Artikel 389 ſpricht, jeder andern Vor⸗ mundſchaft gleichgeſetzt iſt; durchgehen wir die verſchiedene Fälle, welche ſich in der Praxis darbieten koͤnnen: a) das Kind beſitzt kein eignes Vermoͤgen; alsdann iſt keine Ernennung eines Gegen Vormundes vonnöthen, weil keine Vormundſchaft im engern Sinne vorhanden 289 iſt, und die väterliche Gewalt keiner Kontrolle un⸗ terworfen iſt; b) das Kind beſitzt eignes Vermoͤgen, von welchem der Vater bis zum 18ten Jahre den Nießbrauch hat. Be⸗ ſchraͤnkt ſich der Vater bis zu dieſer Zeit auf die bloſſe Verwaltung dieſes Vermögens, ſo iſt wieder die Ernennung eines Gegen Vormundes unnoͤthig, weil der Vater zu ſeinem eignen Beſten verwaltet, und über die Einkuͤnfte, welche ihm zugehören, keine Rechnung ſchuldig iſt; doch giebt es einen Fall, wo ſelbſt alsdann der Vater die Ernennung eines Gegen Vormundes zu erwirken hat, nämlich der, von welchem der Art. 453 handelt, deſſen Verfuͤgung nicht allein auf den Fall anwendbar iſt, wo die Mobilien den Kindern durch den Tod eines der Aeltern anerfallen ſind, ſondern auf jeden andern, wo ſie durch Schenkung oder Erbſchaft ein Mobiliar Vermoͤgen er⸗ halten. Will aber der Vater, eines groſſen Vortheils des Kindes oder einer dringenden Nothwendigkeit halber, 6. B. im Falle einer HypothekarKlage) ſolche Verfuͤgungen treffen, welche die Schranken ſeiner Verwaltung uberſchrei⸗ ten, und das Kapital ſelbſt angreifen, ſo hat er zu dem Ende denſelben Weg einzuſchlagen, der jedem Vormunde vorgezeichnet iſt, indem ihn das ihm durch den Art. 389 an⸗ vertraute VerwaltungsRecht zu ſolchen Verfuͤgun⸗ gen nicht befugt. Er hat ſich daher an den Familien Rath zu wenden, und da er vor demſelben in der Eigenſchaft als Vormund auftreten muß, ſo glaube ich um ſo mehr, daß auch in demſelben Augenblick ein Gegen Vormund ernannt werden muß, um die Operationen, die er in dieſer U. Thb. 79 290 Eigenſchaft vornimmt, zu kontrolliren, als 3. B. im Falle einer Veräuſſerung der Art. 450 die Gegenwart des GegenVormundes ausdruͤcklich erheiſcht, und keine Ausnahme fur ſolche Veräuſſerungen macht, die auf An⸗ ſuchen des Vaters, der ſich im Falle des Art. 380 be⸗ findet, verordnet worden ſind; ſobald ihm aber in einem Falle ein Gegen Vormund zur Seite geſetzt werden muß, glaube ich, daß es in allen Fällen geſchehen muß, worin er vormundſchaftliche Verrichtungen ausubtz folglich: c) in dem Falle, wenn das Kind, ſelbſt vor dem Alter von 18 Jahren, eignes Vermögen erwerben ſollte, deſſen Nieß⸗ brauch den Art. 386 und 387 zufolge dem Vater nicht zuſtehen wuͤrde. Da er in dieſem Falle ſelbſt rechnungs⸗ pflichtig uͤber die Einkunfte iſt,(Art. 389) ſo unterſcheidet ſich ſeine Verwaltung in nichts von einer gewoͤhnlichen Vormundſchaft. 4) Haben die Kinder das Alter von 18 Jahren erreicht, ſo hat man zu unterſcheiden, ob ſie emancizirt ſind oder nicht. Im erſten Falle iſt freilich die Ernennung eines Ge⸗ gen Vormundes unnoͤthig, weil die Vormundſchaft ſelbſt auf⸗ gehort hat; im zweiten aber iſt die Verwaltung des Vaters, weil er nunmehr rechnungspflichtig iſt, wieder allen Regeln einer gewoͤhnlichen Vormundſchaft unterworfen, und ich glaube um ſo mehr, daß der Vater, von dem Augenblick an, wo er die Verwaltung des perſoͤnlichen Vermoͤgens der Kinder nicht mehr zu ſeinem eignen Vortheil, ſondern für ihre Rechnung, fortfuhrt, einen Gegen Vormund ernen⸗ nen laſſen muß, als durchaus kein Grund vorhanden iſt, die Verfücung des Art. 421 auf den Vater, deſſen Ehe aufgeloßt iſt, zu beſchränken, und ſomit denjenigen, der 291 in der Ehe lebt, von jeder Verantwortlichkeit fur allen⸗ falſige Veruntreuungen und Unterſchleife freizuſprechen; Auch ſetzt der Art. 470, der den Vater, als Vormund, von der Verbindlichkeit freiſpricht, dem Gegen Vormund von Zeit zu Zeit eine Ueberſicht ſeiner Verwaltung zu uͤbergeben,(eine Beguͤnſtigung, die darin ihren Grund hat, daß dieſe Verwaltung in den meiſten Fällen nurg Jah⸗ re dauern kann) die Exiſtenz eines Gegen Vormundes voraus, ohne zwiſchen dem Vater, der in der Ehe, oder dem der auſſer der Ehe lebt, einen Unterſchied zu ma⸗ chen. 5. 123. Jeder Vormund und Kurator iſt zu Ende ſeiner Tutel oder Kuratel rechnungspflichtig. 465 Doch ſind die Aeltern von jeder Rechnungs Ablage über die Einkuͤnfte des eignen Vermögens ihrer Kinder waͤh⸗ 339 rend der Zeit, wo ihnen der Rießbrauch kraft der väter⸗ lichen Gewalt zuſtand, freigeſprochen. 1) Die Verfaſſer der Pandectes frangaises behaupten ſogar, (IV. 475.) weil die Verwaltung des Vaters keine Vor⸗ mundſchaft ſei, ſo unterwerfe ſie den Vater weder den Obliegenheiten einer Vormundſchaft, noch den ſtrengen RechnungsAblagen, die mit jeder Vormundſchaft verbunden ſeien. Beide Behauptungen ſind grundfalſch. Aus der erſten wuͤrde folgen, daß der Vater während ſeiner Ver⸗ waltung, und bloß deshalb, weil dieſe Verwaltung noch nicht durch den Tod der ganz davon ausgeſchloſſenen Mut⸗ ter in eine Vormundſchaft uͤbergegangen iſt, von der Beobachtung der 453, 457, 458, 450, 461, 463, 464, * 292 465, 457 freigeſprochen wäre; die zweite ſteht mit dem Art. 389 in offenbarem Widerſpruch, der den Vater uber Kapital und Einkuͤnfte unbedingt rechnungspflichtig erklärt, mit alleinigem Ausſchluß derjenigen Einkuͤnfte, welche ihm ſelbſt zugehoren, und die er folglich nur ſich ſelbſt verrechnen Loͤnnte. Zweites Kapitel. Von Ernennung der Vormunder und Kuratoren. Erſter Abſchnitt. Von Ernennung der Vormuͤnder. Erſte Abtheilung. Von der Beſtellung der Vormundſchaften über Minderjährige. §. I24. Die Vormundſchaft uber Minderjahrige iſt von einer wierfachen Art? a) die der väterlichen Gewalt anklebende Vormund⸗ ſchaſt des Vaters oder der Mutter, welche in die⸗ ſer Gewalt ihren urſprung nimmt. b) Die teſtamentariſche Vormundſchaft, welche in dem Teſtament des Vaters oder der Mut⸗ ter ihren Urſprung nimmt. c) Die geſetzliche Vormundſchaft, welche in einer geſetzlichen Beſtimmung ihren Urſprung nimmt. c) Die dative welche in der Ernennung durch den Familien Rath ihren Urſprung nimmt. ¹) In den meiſten Schriften uͤber den Coder nimmt man nur eine dreifache Art von Vormundſchaft an, nemlich die geſetz⸗ liche, teſtamentariſche und dative. Die der vä⸗ terlichen Gewalt anklebende Vormundſchaft der Aeltern iſt jedoch von der Vormundſchaft der Aszendenten ſo weſentlich 203 verſchieden, daß ich ihr, wie es auch im Coder ſeibſt geſchieht, eine beſondere Unterabtheilung widmen zu muͤſſen geglaubt habe⸗ Erſte UnterAbtheilung: WVon der der älterlichen Gewalt anklebenden Vormundſchaft des Baters und der Mutter⸗ §. 725. Es iſt der weſentliche Charakter der Vormundſchaft des Vaters, daß ſie mit der väterlichen Gewalt innig verbun⸗ den iſt, daß daher kein Entſchuldigungs Grund den Va⸗ ter berechtigen kann, ſie abzulehnen, ſo wie er derſel⸗ ben durch keinen Vertrag entſagen, oder ſie beſchraͤnken kann. Sie nimmt, kraft des Geſetzes, ohne weiteres, ih⸗ ven Anſang, ſobald das Kind eignes Vermögen erwirbt. Die Vormundſchaft der Mutter nimmt mit dem natür⸗ lichen oder buͤrgerlichen Tode, oder der(legalen) Abwe⸗ ſenheit des Vaters, ihren Anfang. Die Mutter kann ihr entſagen, unter der Obliegenheit, die Pllichten der⸗ ſelben ſo lange zu verſehen, bis ſie fuͤr die Ernennung eines Vormundes Sorge getragen hat. Die wiederhei⸗ rathende Mutter darf obne Einwilligung des Familien⸗ Raths die Vormundſchaft nicht beibehalten; zeigt ſie dem. Familien Rath ihre bevorſtehende Ehe nicht an, ſo ver⸗ tiert ſie die Vormundſchaft kraft des Geſetzes, und ihr neuer Ehemann haftet ſolidariſch fuͤr allen aus der un⸗ gebuͤhrlichen Verwaltung entſtandenen Schaden. Be⸗ ſtätigt der Familienrath die Vormundſchaft der Mut⸗ ter, ſo muß er ihr nothwendig ihren Mann als Mit⸗ Vormund beiordnen. Locré, V. 19 et suiv. Procés-verbaux des 26 frimaire 10 et26 ventos⸗ 11. Pandectes frangaises, IV. 477„ 480, 490. Del— vincourt, lutitutes, I. 211. Bechel, Aualyse b. 1.3.7. 1338 393 390 147 395 396 294 v. Almendingen, dogmatiſche Darſtellung der Lehre des franzdſiſchen Rechts von Vormundſchaft S. 197. L. 10, K. 7. fi. de excusat.(7. I.) Auth sacram. Cod. quaudo mul. iut. off.(5. 35.) L. 2 ibid. L. 18 ff. de tut.(a5. 1.) L. 2. 9. 1 ot 2 ff. qui pet. tut.(25. 6.) LL. Zet 11. C. eod.(5. 31. Nov⸗ 22. cap. 10. Nov. 94. cap. 2. Nov. 115. cap.l15. 2) Ich habe bereits Gelegenheit gehabt zu entwickeln, was ich unter der Vormundſſchaft des Vaters verſtehe, und wel⸗ chen Unterſchied ich zwiſchen derſelben und der väterlichen Gewalt ſelbſt annehme. Ich nenne naͤmlich: Vor mund⸗ ſchaft, diejenige vormundſchaftlicheVerricht un⸗ gen des Vaters, welche zwar nach dem franzöſiſchen Rechte mit der väterlichen Gewalt verbunden, aber dennoch kein Ausfluß derſelben ſind. Sie begreifen alſo weder die Rechte des Vaters uͤber die Perſon des Kindes, noch das Recht der Adminiſtration der Guͤter des Kindes bis dahin dieſes das 18te Jahr erreicht hat, weil das dem Vater ertheilte Recht der Nutznieſſung,(welches ein Ausfluß der väterlichen Gewalt iſt) das Recht der Ad⸗ miniſtration involvirt, wohl aber alle Verfuͤgungen uͤber die Guͤter des Kindes, ſelbſt vor dem 8ten Jahre, welche die Gränzen des AdminiſtrationsRechtes uberſchreiten, und nach dem 18ten Jahre(oder auch vor demſelben in Hin⸗ ſicht auf diejenige Guͤter, von welchen dem Vater der Nieß⸗ brauch nicht zuſteht,) auch das Recht der Adminiſtration, welches alsdann nicht mehr, als eine Folge des Nießbrauchs, ein Ausfluß der väterlichen Gewalt iſt. Die Vormund⸗ ſchaft des Vaters hebt alſo an: a) in dem Augenblich, wo das Kind Guͤter erwirbt, deren Nießbrauch dem Vater nicht zuſteht; b) in dem Augenblick, wo der Vater in Betreff der Guͤter. 295 deren Nießbrauch ihm zuſteht, Verfuͤgungen treffen wilk, die die Schranken ſeines AdminiſtrationsRechtes uͤberſteigenz e) in dem Augenblick, wo das nicht emanzipirte Kind das 18te Jahr zuruͤckgelegt hat. Ich gruͤnde dieſe Behauptung darauf: u) daß das Geſetz bei keiner ſeiner Vorſchriften über die vormundſchaftliche Handlungen, felbſt da nicht, wo aus⸗ druͤcklich von dem Vater die Rede iſt, eine Ausnahme zu Gunſten desjenigen macht, der noch in der Ehe lebt; nehmen wir aber an, daß er zur Beobachtung dieſer Vorſchriften wie jeder andere Vormund verbunden iſt, ſo muͤſſen wir in ihm auch neben der väterlichen Ge⸗ walt die Eigenſchaft eines eigentlichen Vormundes aner⸗ kennen; b) ohne Ungereimtheit laßt es ſich nicht behaupten, daß die Art. 443 und 444 auf den Vater erſt nach Auf⸗ lößung der Ehe, nicht aber während der Ehe, anwendbar wären. Da nun aber, wie wir oben entwickelt haben, der als Vormund entſetzte Vater dennoch die väterliche Gewalt in ihrer ganzen Ausdehnung behaͤlt, worin ſie nicht durch eine beſondere Verfuͤgung beſchraͤnkt worden iſt, und uͤberhaupt der Richter die vaterliche Gewalt bei Lebzei⸗ ten des Vaters dieſem wohl wegen Mißbrauch entziehen, aber keinem Dritten uͤbertragen kann, waͤhrend im Falle der Entſetzung des Vaters als Vormund ein anderer Vormund an deſſen Stelle ernannt werden kann und muß, ſo ergiebt ſich daraus die unwiderſprech⸗ liche Schlußfolge, daß man die vaͤterliche Gewalt(oder Vermundſchaft des Vaters im weitern Sinne) von der (eigentlichen) Vormundſchaft des Vaters in Be⸗ 296 zug auf die Guͤter zu unterſcheiden hat, und daß beide zwar in ſo weit innig verbunden ſind, daß die erſte die zweite in ſich ſchließt, und der Vater ſie in keinem Falle ablehnen kann, nicht aber ſo unzertrennlich, daß der Va⸗ ter der letzten nicht entſetzt, und dieſelbe einem Dritten uͤbertragen werden koͤnnte. e) Es ergiebt ſich hieraus, daß man den erſten Unterſchied zwi⸗ ſchen der Vormundſchaft des Vaters und der der Mutter in der Epoche zu ſuchen hat, wo die eine und die andere ih⸗ ren Urſprung nimmt. Da dieſe Vormundſchaft zu den Prä⸗ rogativen der väterlichen Gewalt gehoͤrt, welche der Vater waͤhrend der Ehe allein ausuͤbt,(Art. 373) ſo nimmt die des Vaters ihren Urſprung, ſobald nur ein Ge⸗ genſtand von vormundſchaftlichen Verrichtungen vorhanden iſt. Die der Mutter aber nimmt erſt alsdann ihren An⸗ fang, wenn mit der Aufloößung der Ehe durch den natur⸗ lichen oder buͤrgerlichen Tod des Mann⸗s die väterliche Ge⸗ walt auf ſie uͤbergeht,(Art. 300.) oder wenn durch das Ver⸗ ſchwinden ihres Mannes die Vormundſchaft verlaſſen iſt. (Art. 141.) In der Regel wird auch die des Vaters erſt zu derſelben Epoche eintreten, weil der Fall, wo das Kind noch bei Lebzeiten beider Aeltern eignes Vermögen beſitzt, aͤuſſerſt ſelten iſt. 3) Der zweite weſentliche Unterſchied, der zwiſchen dem Va⸗ ter und der Mutter beſteht, liegt darin, daß der Vater ſich der Vormundſchaft unter keinem Vorwande entledigen kann. Ich kann nicht begreifen, wie die Verfaſſer der Pandectes frangaises ſowohl, als Hr. Delvincourt ſagen koͤnnen, der Vater könne die Vormundſchaft ſeiner Kinder ohne geſetzliche Entſchuldigung nicht ableh⸗ 297 nen. Es giebt keine einzige geſetzliche Entſchuldigung, wel⸗ che den Vater berechtigen könnte, die Vormundſchaft ſeiner eignen Kinder auszuſchlagen. 4) Der Mutter hingegen geſtattet das Geſetz das Recht, die Vormundſchaft abzulehnen, wenn ſie glaubt, daß ihre Kraͤfte zu Fuͤhrung derſelben nicht hinreichen. Dieſe Ausnahme von der Regel, nach welcher dieſe Vormundſchaft der väterl. Ge⸗ walt anklebt, hat in dem eignen Intereſſe des Kindes ihren Grund, indem oft ein Weib, bei welchem man wenig Erfah⸗ rung in den Geſchäften des burgerlichen Lebens vermuthen kann, zur Verwaltung eines ausgedehnten Vermoͤgens und zur Fuͤhrung verwickelter Prozeſſe ſich unfaͤhig fuͤhlen kann. Das Geſetz bleibt aber ſeinem Syſteme in ſo weit getreu, daß die Mutter auf dieſes Vorrecht der väterlichen Gewalt wohl Ver⸗ zicht leiſten, es ihr aber(den Fall einer zweiten Ehe ausge⸗ nommen,) nicht entzogen werden kann, ohngeachtet einige Beſchraͤnkungen deſſelben ſtatt finden können. 5) Es iſt keine Friſt vorgeſchrieben, um dieſe Verzichtleiſtung zu machen; ſie kann daher zu jeder Zeit geſchehen. Zwar behauptet Locré: si la mére fait acte de tuteur, sans déclarer auparavant que ce nest que provisoirement, et en attendant qu'elle ait fait nommer un autre tuteur à ses enfans, olle renonce au dmoit de refiser la cutele, allein mit Recht erklaͤrt v. Almendingen dieſen Schluß fur rrig. Das Geſetz/ indem es der Mutter die Befugniß ertheilt, auf die Vormundſchaft Verzicht zu leiſten, erklärt ſie in jedem Falle gehalten, die Bormundſchaft ſo lange fortzufuͤhren, bis dahin ſie einen andern Vormund habe ernennen laſſen. Da ihr aber keine Friſt beſtimmt iſt, in welcher ſie dieſe Ernennung provoziren ſoll, ſo kann ſie 298 es jederzeit thun, ohne daß man ihr die vormundſchaftliche Verrichtungen, welche ſie bis dahin vornehmen konnte und mußte, einwenden konnte. D. Bloͤchel macht folgenden Unterſchied: ſo lange die Mutter ihre Abſicht, die Vormund⸗ ſchaft anzunehmen, nicht ausdruͤcklich erklärt habe, ſo könne man aus ihren vormundſchaftlichen Verrichtungen keine ſtill⸗ ſchweigende Annahme derſelben folgern, habe ſie aber dieſe Abſicht einmal dem Familien Rath erkuͤrt, ſo koͤnne ſie ohne rechtmaͤſſigen Entſchuldigungs Grund dieſelbe nicht mehr ab⸗ geben. Gehn wir aber auf den Grund jener geſetzlichen Ver⸗ fuͤgung, die weniger aus dem Intereſſe der Mutter als aus dem des Kindes abgeleitet iſt, zuruͤck, ſo finden wir, daß auch die foͤrmliche Annahme der Vormundſchaft von Seiten der Mutter keine Verzichtleiſtung auf das Recht, ſie wieder abzugeben, in ſich ſchließt. Sie kann ſich Anfangs uͤber den Umfang der damit verbundenen Obliegenheiten getäuſcht haben, und es hieſſe ſchlecht fuͤr das Intereſſe des Kindes ſorgen, wenn man ſie grade dann zwingen wollte, die Vormundſchaft fortzu⸗ fuͤhren, wenn die Erfahrung ſie zur Erkenntniß ihrer Unfä⸗ higkeit gebracht hat. Dieſe unbedingte Befugniß der Mut⸗ ter, ſelbſt die angetretene Vormundſchaft wieder abzugeben, eutſpricht auch der vorigen Jurisprudenz.(Faber, Cod. lib. 3. tit. 21. del. 2. Despeisses, tom“ 1. pag. 294. Col. 2) 6) Kann die Mutter die Vormundſchaft ihrer Kinder in An⸗ ſpruch nehmen, wenn denſelben vor der Verkuͤndigung des Codex ein andrer Vormund ernannt worden war? Ich glaube, ohne allen Zweifel, da dem Geſetz dadurch keine ruͤckgreifende Wirkung beigelegt wird, ſondern nur das beſtehende Geſetz fuͤr die Zukunft in Vollzug geſetzt wird. 299 7) Muß dem Vater(oder der Mutter,) welchem die Vormund⸗ ſchaft kraft der väterlichen Gewalt zuſteht, falls er(oder ſie) ſelbſt minderjaͤhrig iſt, ein Curator zur Seite geſetzt werden? Dieſe Frage ſcheint mir ohne allen Zweifel bejahet werden zu muͤſſen; da dem Art. 480 u. ff. gemäß der Vater in dieſem Falle unfaͤhig iſt, gewiſſe Handlungen in Betreff ſeines eignen Vermoͤgens ohne Beiſtand eines Curators vorzunehmen, ſo kann er doch unmöglich befugt ſein, dieſelbe Handlungen in Be⸗ treff des Vermoͤgens ſeiner Kinder ohne dieſen Beiſtand vor⸗ zunehmen. Doch werden die Verrichtungen dieſes Curators ſehr beſchraͤnkt ſein, indem zu den meiſten Handlungen, zu welchen der emanzipirte Minderjährige des Beiſtandes ſeines Curators bedarf, fuͤr den nicht emanzipirten Pupillen die Au⸗ toriſation des Familien Rathes erforderlich iſt. 8) Tritt der Muͤndel, der in den Provinzen des geſchriebenen Rechtes muͤndig war, und folglich nur mehr unter Kuratel ſtand, durch die Verkuͤndigung des Coder Napoleon unter die Vormundſchaft ſeiner Aeltern zuruͤck? Dieſe Frage hat der Kaſſationshof nach einer langen Berathſchlagung am 6 April 1808 verneinend entſchieden,„angeſehen, daß es ſich „aus dem Art. 300 ergiebt, daß die Minderjährige nur, „wenn ſie nicht emanzipirt ſind, unter der Vormundſchaft „ihrer Aeltern ſtehen, daß Fanny Veyrans zur Zeit „der Verkuͤndigung des Toten Titels des Coder muͤndig, „und folglich als emanzipirt anzuſehen, und daher der „geſetlichen von dieſem Artikel begruͤndeten Vermundſchaft „nicht unterworfen war.(Coll d'arr ei Jug, 1808. p. 362) 9) Der Art. 300 ſpricht nur von dem Falle, wo die Ehe durch den natuͤrlichen oder burgerlichen Tod eines der Ehegatten aufgelößt worden iſt. Man ſehe Seite 213§. 110 No. 6 300 was wir in Hinſicht auf den Fall der Eheſcheidung bemerkt haben. Anderer Meinung iſt Loers, welcher behauptet, daß die Vormundſchaft durchaus auf denjenigen Ehe⸗ gatten uͤbergehe, welchem die Kinder anvertraut werden, welche Behauptung er auf die Art. 302 und 303 grůndet. Ich kann dieſer Meinung nicht beitreten, weil ich in dieſen Artikeln die Abſicht nicht erkennen kann, die von der vater⸗ terlichen Gewalt zu unterſcheidende Vormundſchaft oder Verwaltung des Vermoͤgens des Kindes dem Vater zu be⸗ nehmen. In dieſem Sinne hat auch der Appellhof von Paris das Geſuch einer geſchiedenen Ehefrau, welche im Falle des Art. Zo2 auf die Beſtellung eines andern Vor⸗ mundes fuͤr ihre Kinder angetragen hatte, beſeitigt. Der Einwurf von Locrsé, daß die Perſon, welcher die Erzie⸗ hung der Kinder anvertraut iſt, nicht fuͤr deren Unterhalt ſorgen könnte, wenn das Geſetz ihr nicht die Verwaltung der Gäter und die freie Verfuͤgung uͤber die Einkuͤnfte geſtatte, hebt ſich durch den Art. 303, nach welchem der Richter zu beſtimmen hat, welchen Beitrag jeder der Ehegatten ihr zu machen hat, oder welche Summe aus den perſoͤnlichen Einkuͤnften des Kindes zu demſelben Behufe verwendet werden foll. Der Vater kann immer verwalten, und den Betrag ſeiner Verwaltung in die Hände der Per⸗ ſon, welcher die Kinder anvertraut ſind, einliefern. 10) Wird, nachdem die Mutter auf die Vormundſchaft frei⸗ willig Perzicht geleiſtet hat, ein väterlicher Verwandter zum Vormund ernennt, ſo ſteht ihrer Ernennung zum Gegen⸗ Vormund, deſſen Verrichtungen weit einfacher ſind, nichts im Wege. Doch glaube ich nicht, daß ſie gezwungen werden kann, ſie anzunehmen. 301 11) Nicht ohne Schwierigkeit ſcheint die Frage zu ſein, ob die geſchiedene Mutter nach dem Tode ihres Mannes die Vormundſchaft als geſetzliche Vormuͤnderin in Anſpruch neh⸗ men könne?(konf. 5. 110 No 6, Seite 213 und No 9 S. 290 hieroben.) Ich glaube, daß ſie bejaht werden muß. Der Art. 390 kann der Mutter nicht wohl eingewendet wer⸗ den, weil der Geſetzgeber in demſelben ganz von der Eheſchei⸗ dung abſtrahirt. Weder der erſte noͤch der ſiebente Abſchnitt des zehnten Titels enthält aber irgend eine Verfuͤgung, wo⸗ durch die Eheſcheidung fur eine Urſache des Ausſchluſſes oder der Unfähigkeit zur Vormundſchaft erklaͤrt wird. Ich glau⸗ be demnach nicht, daß man der Mutter die Eheſcheidung einwenden könne, um ihr die geſetzliche Vormundſchaft ihrer Kinder vorzuenthalten, ſobald durch den Tod des Mannes das Vethältniß, welches bis dahin beſtanden hat, und die Ver⸗ waltung des Vaters aufgehoͤrt hat, wenn anderſt die Urſache der Eheſcheidung die Mutter nicht in die Flaſſe der Perſonen ſetzt, die dem Art. 444 zufolge von der Vormundſchaft aus⸗ geſchloſſen ſind. Die Verfuͤgung des Art. 305 iſt uͤbrigens auf die geſchiedene Eheftau, die zur zweiten Ehe ſchreitet, eben ſowohl als auf die Wittwe anwendbar. 72) Der dritte Unterſchied zwiſchen der Vormundſchaft des Vaters und der der Mutter beſteht darin, daß der erſte ſie (gegen die Meinung der Commiſſion, Tit. 9, Art. 10) im Falle einer zweiten Ehe ohne Zuziehung des Familienraths behaͤlt, weil er derſelben ohngeachtet, Haupt der Familie bleibt. Die Mutter aber, welche durch ihre neue Ehe in eine andere Familie ubergeht und von einem fremden Manne abhaͤngig wird, behält die Vormundſchaft nur in ſoweit, als der Familienrath ihr ſie zu laſſen für gut findet, in welchem Fal⸗ 302 le ihr zweiter Mann nothwendig Mitvormund wird, da⸗ mit ſeine Autorität nie mit den Handlungen der Votmuͤnderin in Widerſpruch gerathen konne. Da eine verheurathete Frau keine Handlung ohne Autoriſation ihres Mannes vornehmen darf, ſo bleibt in dieſem Falle die Mutter offenbar nur dem Namen nach Vormuͤnderin, waͤhrend die Vormundſchaft ſelbſt auf ihren zweiten Mann uͤbergeht; und da ihre Abhän⸗ gigkeit von dieſem letzten ſie gewiſſermaſſen in die Unmoͤg⸗ lichkeit verſetzt, die vormundſchaftliche Verrichtungen ſelbſt zu verſehen, ſo läßt ſich behaupten, daß im Falle des Art. 395 die Vormundſchaft dativ wird, indem der Familienrath darüber zu erkennen hat, ob der zweite Mann zu der Stelle als Vormund geeigenſchaftet iſt. Die Verfuͤgungen, welche in den Titeln der Pandekten und dem Coder: qui petant tu- iores gegen die wiederheirathende Mutter enthalten ſind, wurden ehedem nur in dem Bezirke des Parlaments von Toulouſe befolgt; ſelbſt in den uͤbrigen Provinzen des ge⸗ ſchriebenen Rechtes begnuͤgte man ſich, die Mutter zur Schad⸗ loshaltung ihrer Kinder erſter Ehe zu verurtheilen.(Kous- Seaud, verbo duteur, sect. 2. Malenille, I. 414.) 13) Glaubt der Familien Rath der wiederheirathenden Mutter, oder vielmehr ihrem zweiten Manne, die Vormundſchaft beneh⸗ men zu mäſſen, ſo kann er ihr doch die väterliche Gewalt uͤber ihre Kinder, die ihr kraft dem Art. 373 zuſteht, nicht entziehn. Da ſie aber dem Art. 381 zufolge das Recht der Zuͤchti⸗ gung, und dem Art. 386 zufolge das Recht des Nießbrauchs verliert, ſo beſchraͤnkt ſich dieſelbe auf das Recht der Erzie⸗ hung und Aufſicht uber die Handlungen der Kinder. Giebt ihre Auffuͤhrung zu Beſchwerden ſtatt, ſo hat ſie die Ein⸗ ſperrung durch den ernannten Vormund, nach Vorſchrift des 303 Art. 468, erwirken zu laſſen, oder falls der Vorrnund ſeine Mitwirkung verweigern ſollte, ihre Klagen unmittelbar dem Familien Rathe vorzutragen. In keinem Falle aber kann der Familien Rath den Minderjährigen emanzipiren, ſo lange ſeine Mutter noch am Leben iſt, ſelbſt wenn ſie durch ihre zweite Ehe die Vormundſchaft verlohren hätte, da das Recht der Emancipation der vaͤterlichen Gewalt weſentlich an⸗ klebt.(Art. 477, und Urtheil des Appellhofes von Col⸗ mar vom 17 Juni 1807. Jurisp. du C. Nap. 1809. I. 20) 14) Kann der Familienrath, welcher der wiederheirathenden Mutter die Vormundſchaft entzogen hat, ſie ihr im Falle der Erledigung zuräckerſtatten? Dieſe Frage muß bejaht werden, weil der Vorſchlag der Commiſſion(Art. 13.) der Familie dieſe Befugniß zu benehmen, in das Geſetz nicht aufgenommen worden iſt. Auch kann vielleicht die Unfrucht⸗ barkeit der zweiten Ehe die HauptBeſorgniß der Familie beſeitigt haben. Das von Bloͤchel F. 9. angefuͤhrte Argument, daß ſie dem Art. 305 gemaͤß, als Mutter die Vormund⸗ ſchaft verlohren habe, und als Fremde wegen dem Art. 442 nicht dazu ernannt werden könne, kann mich nicht uͤber⸗ zeugen, da der Art. 305 nicht, wie der Art. 12 des Projekts, ſagt, daß ſie unwiderruflich die Fähigkeit zur Vor⸗ mundſchaft verliere. 15) In Hinſicht auf die Verantwortlichkeit des zweiten Man⸗ nes iſt zu bemerken, daß ſie ſich in dem vom Art. 305 vor⸗ geſehenen Falle auf die der Ehe vorherige Verwaltung der Mutter erſtreckt,(ohngeachtet auch in dieſem Falle das Hy⸗ pothekarrecht der Kinder auf das Vermögen des zweiten Mannes nur von dem Tag der Ehe an beſteht, weil er 30 ½ erſt von dieſem Tage an gegen ſie verpflichtet iſt,) wahrend es im Falle des Art. 306 auf die nachherige Verwaltung beſchraͤnkt iſt. 16) Die Verfaſſer der Pandectes frangaises behaupten, mei⸗ ner Meinung nach irrthuͤmlich, daß der zweite Mann ſich wie ehedem im Falle des Art. 305 aller Verantwortlichkeit entziehen könne, wenn er ein Inventarium errichten laſſe, und ſich unter der Bedingung der Trennung der Guͤter ver⸗ eheliche, weil alsdann jede Vermuthung von Betrug von ſeiner Seite wegfalle, und die ihm aufgebuͤrdete Verantwortlichkeit keinen Grund habe. Da aber der Art. 393 gar keine Aus⸗ nahme zulaͤßt, ſo muͤſſen wir darin eine zu Gunſten der Kinder begrundete Strafe der Nachläſſigkeit des Mannes ſehen, der vor der zweiten Ehe ſeine Frau nicht angehalten hat, fuͤr die Beſtellung der Vormundſchaft ihrer Kinder aus einer fraͤhern Ehe zu ſorgen, und da dieſe Nachläſſigkeit in dem Falle der Trennung der Gter wie in den Falle der Ge⸗ meinſchaft dieſelbe iſt, ſo muß auch jener Unterſchied weg⸗ fallen, indem die vorige Geſetzgebung durch den Art. 7 des Geſetzes vom 30 Ventoſe in dieſer Materie alle verbindliche Kraft verlohren hat. 17) In Hinſicht auf den Art. 392 iſt zu bemerken! daß die Worte: devant notaires, nach den allgememen Ver⸗ ordnungen uͤber das Notariat in der Art zu verſtehen ſind, daß die Erklärung vor einem Notar und zwei Zeugen oder vor zwei Notarien abgegeben werden muß. Der Frie⸗ densRichter, vor welchem ſie gleichfalls abgegeben werden kann, iſt der des Wohnortes des Vaters. Zwar behauptet Locré, jeder FriedensRichter ſei dazu kompetent,(S. 65) welches ich aber um ſo weniger annehmen kann, als das Tri⸗ 305 bunat ausdruͤcklich darauf angetragen hatte, anſtatt devam le Juge de paixt devant x Juge de puix, zu ſetzen, weil es gleichgaltig ſei, ob der Deklarant in dem Gerichtsſprengel des FriedensRichters, vor welchem er ſeine Erklärung abgebe, wohnhaft ſei. Dieſer Antrag, welcher jedoch ohne Erfolg blieb, war dem Sprachgebrauch gemaß, nach welchem die Worte: le Juge de paix ſich nur auf einen FriedensRichter be⸗ ziehen koͤnnen, und, dieſes angenommen, kann es wohl nicht zweifelhaft ſein, welcher dieſer eine iſt. 18) Die geſetliche Vormundſchaft der Aeltern erſtreckt fich auf ihre natuͤrliche wie auf ihre eheliche Kinder, weil ſie ein Vor⸗ recht der väterlichen Gewalt, die ſich auf die erſte ausdehnt, iſt. Ganz unbegreiflich bleibt es mir, wie die Verfaſſer der Pandectes frangaises(IV 477) ganz ohne irgend ei⸗ nen Grund anzufuͤhren, das Gegentheil behaupten koͤnnen. 5. 126. Die Vormundſchaft der Mutter kann durch die Ernen⸗ nung eines Beiſtandes beſchränkt werden, den ſie uber alle, oder über gewiſſe, in der Ernennung zu beſtimmende, vor⸗ mundſchaftliche Verrichtungen zu Rathe ziehen muß. Nur der Vater kann ihr einen ſolchen Beiſtand zur Seite ſetzen. Daſſelbe Recht ſteht der Familie nicht zu. Locre, VI. 2 et suiv. Proces-verbaux des 26 Ir maire 10 et 22 vendémiaire II. LL. 1, 3, 4 9 et 31. f. de test. tut.(26. 2.) Upic, Fragm. tit. 11, F. 14, 1) Der vierte Unterſchied zwiſchen der Vormundſchaft des Vaters und der der Mutter beſteht in den Einſchraͤnkungen welchen die letzte unterworfen werden kann. Die Vormund⸗ ſchaft der Mutter erlitt ſogar im Staatsrathe groſſen Wider⸗ 11. Th. 20 391 395 306 ſpruch, der ſich auf die Unerfahrenheit und die Unfähigkeit ihres Geſchlechts zur Verwaltung buͤrgerlicher Geſchäfte grn⸗ dete. Während man dagegen einerſeits einwendete: der Nießbrauch des Vermoͤgens ihrer Kinder, den man der Mut⸗ ter kraft der väterlichen Gewalt zugeſtanden habe, ſchlieſſe die Befugniß ber Verwallung in ſich, und der Ausſchluß der Mutter von der Vormundſchaft wuͤrde die Ehrfurcht ihrer Kinder fuͤr dieſelbe vermindern; ſuchte man anderntheils dem noch groͤſſern Nachtheil, welche daraus entſprungen ſein wuͤrde, wenn die Unfaͤhigkeit der Mutter den Familienrath in die Nothwendigkeit verſetzt hätte, ihre Abſetzung zu pro⸗ voziren, durch die Verfuͤgung des Artikels 391 vorzubeu⸗ gen. Der Beiſtand, weſcher der Mutter zur Seite ge⸗ ſetzt werden kann, iſt eine Art von teſtamentariſcher Vor⸗ mund, der jedoch der Verfuͤgung des roͤmiſchen Rechtes zu⸗ wider auch durch éinen andern Akt als ein Teſtament er⸗ nannt werden kann. *) Dieſer, der Mutter zugeordnele, Beiſtand iſt nicht, wie ihr zweiter Mann, eigentlich ſelbſt Votmund. Da er auch nicht, wie dieſer, MitVormund heißt, ſo geſchehen alle Handlungen der Vormundſchaft im Namen der Mutter allein; aber es iſt auch nicht ganz richtig, wenn Locré(S, 38) behauptet: iln'a qu'un pouvoir dꝰopposition, par lequel il peut empécher l2 mére de faire des actes imprudents. Es wuͤrde daraus folgen, als ob die von der Mutter, ohne Beiziehung des Beiſtandes, aber ohne Oppoſition von ſeiner Seite, vorgenommene Handlungen guͤltig wäͤren. Dieſe Anſicht widerſpricht jedoch dem Text des Geſetzes: ei le péère spé- cifie les actes, pour lesquels le conseil sera nommè, ja iutrice era Mabile à faire les autres vans Jon asvistancs; 307 ſie hat alſo die erforderliche Faͤhigkeit nicht, um die Akte, fuͤr welche der Rath ihr zur Seite geſetzt iſt, ohne deſſen Beiſt and vorzunehmen, oder mit andern Worten, Akte dieſer Art, die ſie ohne deſſen Beiſtand vorgenommen hat, ſind nichtig. Es iſt alſo nicht hinlaͤnglich, daß er keinen Einſpruch gethan habe, ſeine Einwilligung zu dem Akt muß auch bewährt ſein. 3) Iſt die Vormuͤnderin anderer Meinung als der Beiſtand, ſo kann ſie ſich an den Familien Rath wenden, um auto⸗ riſirt zu werden, der dieſe Autoriſation nicht ertheilen darf, ohne den Beiſtand vorher gehoͤrt zu haben. 4) Selbſt wenn der Beiſtand fuͤr alle vormundſchaftliche Ver⸗ richtungen ohne Ausnahme ernannt iſt, ſo iſt ſein Auſtrag doch auf die Verhandlungen der eigentlichen Vormundſchaft beſchraͤnkt und er hat keine Theilnahme an der väterlichen Gewalt, die der Vater und die Mutter ſogar durch die Ab⸗ ſetzung von der Vormundſchaft nicht verlieren, es ſei denn, daß ſie durch eine beſondere Verfuͤgung zum Beſten der Kinder beſchraͤnkt oder ihnen ganz entzogen worden wäre.(§. 110, Mo. Z. litt. c. S. 200.) Auch iſt es bloß die Be⸗ ſorgniß der Unfaͤhigkeit der Mutter zu der Verwaltung des Vermogens, welche die Verfuͤgungen des Artikels 307 beſtimmt hat, und ſogar in dem Syſtem, nach welchem die Mutter nicht geſetzliche Vormuͤnderin ihrer Kinder bleiben ſollte, haͤtte man ihr die Erziehung ihrer Kinder, und das damit verbundene Recht der Auf ſicht, ſo wie das Zuͤch⸗ tigungs Recht, unter den Beſchränkungen, die im Titel: von der väterlichen Gewalt, feſtgeſetzt ſind, nicht entziehen können. 397 350 100 393 z01 308 Zweite Unter Abtheilung. Pon der teſiamentariſchen Vormundſchaft. 5. T27. Das Recht, eine teſtamentariſche Tutel anzuordnen, ſtebt nur demjenigen der Aeltern, welches ſich im Genuß der väterlichen Gewalt befindet, mit folgenden Beſchrän⸗ kungen in Hinſicht auf die wiederheirathende Mutter, zu: 2) die wiederverheirathete Mutter, welche der Familiem⸗ Rarh als Vormuͤnderin ihrer Kinder aus einer fru⸗ heren Ehe nicht beſtätigt bat, verliert dieſes Recht; b) die von der wiederverheiratheten Mutter, die in die⸗ ſer Vormundſchaft neibehalten worden iſt, getroffene Wahl, iſt der Beſtätigung des Familien Raths un⸗ terworfen. Die Ernennung eines teſtamentariſchen Vormundes kann ſowohl in einem Teſtamente, als durch eine vor dem Frie⸗ dens Richter in Begleitung ſeines Gerichtſchreibers, oder auch durch eine von Notarien aufgenommene Erklärung, geſcheben; der Gewäblte iſt jedoch nicht ſchuldig, die Vormundſchaſt zu uͤbernehmen, wenn er ſich nicht in der Klaſſe derjenigen Perſonen befindet, welchen der Familien⸗ Rath in Ermangelung einer teſtamentariſchen Vormund⸗ ſchaft die dative haͤtte uͤbertragen koͤnnen. Locre, VI. 61 et suiv. procseverbaux des 22 vendém. 6 brum et 26 ventose 11. 494 et suiv. Projet du c e. liv. 1 tit.. art. 15, 18. v. Al⸗ mendingen, Alg. Pib. I. 201 u ff. Tyibaut, 5. 503 u. Fſ. L. 1, F. 3. L. 4. C. de test. tut(5. 28.) LL. 2, 3. H. de conkirm. tut.(2p. 3) L. 1. a. Cod. eod.(5 29. Inst. S. 5. tut. dar. poss. 11214.) LL. 7. 23, 32, 35, 36. H. d⸗ Malevtlle, I. 413. Pandectes krangaises, IV. qui test. excus. tutor.(7. 1.) Mein Journal, Jahrg. 1, B. 3,S. 221 u. ff. 309. Blchel,§. 12—17. Bibliothèque du barrenu et der facultés de droit, 1809, preimière partie p. 57. 1) Ich nenne dieſe Vormundſchaft eine teſtamentariſche, obgleich ſie nicht nothwendig in einem Teſtamente beſtellt werden muß, weil der Akt, der die Ernennung eines ſolchen Vormundes enthaͤlt, doch immer als eine letzte Willensmeinung anzuſehen iſt. Der Geſetzgeber hat ihn nur deshalb von der gewoöhnlichen Form der Teſtamente freigeſprochen, damit nicht die Ernennung des Vormundes durch einen Fehler in der Form des Teſtamentes unwirkſam gemacht werden koͤnne. Siehe uͤbrigens in Hinſicht auf die Form dieſes Aktes die Note 17 zu dem§. 125, Seite 304. 2) Daß dieſe Ernennung auch durch ein olographiſches Teſtament geſchehen kann, welches alle Bedingungen eines ſolchen vereinigt, daruͤber kann dem Art. 398 zufolge wohl kein Zweifel obwalten. Schwieriger iſt aber die, ob die von dem Vater(oder der Mutter) geſchriebene, datirte und unterzeichnete Ernennung unter PrivatUnterſchrift, wenn ſie durchaus keine weitere Verfuͤgungen enthalten ſollte, gältig ſein wuͤrde? Ich glaube nicht. Zwar hat dieſer Akt die zußere Form eines olographiſchen Teſtamentes, kann aher doch dem Art. 976 zufolge nicht als ein Teſtament betrachtet werden, weil er durchaus keine teſtamentariſche Anordnungen enthaͤlt; er iſt daher nichts als eine Ernennung eines teſta⸗ mentariſchen Vormundes unter PrivatUnterſchrift. Der Art. 392 will aber daß die Ernennung in einem Teſtamente oder in einem authentiſchen Akt geſchehe. Auch iſt mit dieſer Entſcheidung kein groſſer Nachtheil verbunden, da es der Familie immer unbenommen bleibt, bei Beſtellung der Vor⸗ mundſchaft auf die Wahl des Vaters Ruͤckſicht zu nehmen. 310 3) Die franzoſiſche teſtamentariſche Vormundſchaft ſchließt, wie die römiſche, die legitime Tutel der Aszendenten aus; auch ſteht das Recht, ſie anzuordnen, wie bei der römiſchen tutela testamenturia perfecta, nur denjenigen zu, die ſich im Be⸗ ſitz der väterlichen Gewalt befinden. 4) So wie Locrs(Seite 70) behauptet verliert dasjenige der Aeltern, welches von der Vormundſchaft abgeſetzt worden iſt, das Recht, einen teſtamentariſchen Vormund zu beſtellen. Mit Recht bemerkt Herr von Almendingen dagegen, daß dieſes Recht, als ein Ausfluß der väterlichen Gewalt, von der Vormundſchaft getrennt, beſtehe. Ich glaube aber dennoch, daß die Meinung von Locré in der Praxis, welche allenthalben der Billigkeit viel einräumt, die Ober⸗ hand behalten wird, weil ſie dem Intereſſe der Kinder entſpricht. Locrs gruͤndet ſie darauf, daß dieſes Recht eine Fortſetzung der geſetzlichen Vormundſchaft der Aeltern ſei, und alſo mit dieſer aufhören muͤſſe(man ſehe was wir oben uͤber den Unterſchied zwiſchen Vormundſchaft und väterlicher Gewalt und zwiſchen der dieſer letzten anklebenden Vormund⸗ ſchaft der Aeltern und der geſetzlichen Vormundſchaft der Aszendenten bemerkt haben) und daß derjenige, der durch den Art. 445 von dem Rechte ausgeſchloſſen iſt, zur Beſtellung der durch ſeine Abſetzung eingetretenen dativen Vormundſchaft mitzuwirken, noch viel weniger das Recht, einen Vormund allein zu beſtellen, in Anſpruch nehmen koͤnne. Dieſe Anſicht ſcheint wirklich die der Majorität des Staatsra⸗ thes geweſen zu ſein, indem man auch der wiederverheira⸗ theten Mutter, die die Vormundſchaft verlohren hat, das Recht der Anordnung der teſtamentariſchen Vormundſchaft entzogen, und derjenigen, die in der Vormundſchaft beſtätigt 311 worden, es unter derſelben Bedingung, der ihre eigne Vor⸗ mundſchaft unterworfen iſt— der Beſtätigung des Fami⸗ lien Raths— gelaſſen hat. 5) Behält die Mutter, welche die Vormundſchaft abgelehnt hat, das Recht, einen teſtamentariſchen Vormund zu be⸗ ſtellen? Ich wurde, ohngeachtet man im Staatsrath dieſes Recht als eine Fortſetzung der geſetzlichen Vormundſchaft angeſehen zu haben ſcheint, dieſe Frage mit Hrn. Bloͤchel bejahen, weil der Unterſchied zwiſchen dem Falle, wo die Mut⸗ ter die Vormundſchaft freiwillig abgelehnt, und dem, wo ſie der⸗ ſelben entſetzt oder auch bei ihrer zweiten Ehe nicht darin be⸗ ſtätigt worden, allzugroß iſt, um eine ſelbſt in dieſen letz⸗ ten Fällen mehr in das Geſetz hinein gelegte als aus dem⸗ ſelben abgeleitete Strafverfugung auf den erſten anzuwenden; (eine Mutter kann ihre eigne Unfähigkeit zur Verwaltung eines weitläuftigen Vermögens ſehr wohl fuͤhlen, und doch ſehr wohl im Stande ſein, die Faͤhigkeit eines Dritten zu beurtheilen, und die dem Intereſſe ihrer Kinder vortheilhaf⸗ teſte Wahl zu treffen; auch läßt ſich im erſten Falle nicht wie in dem des Art. 444 einwenden, daß ſie ſich durch ihr ſchlech⸗ tes Betragen oder ihre Veruntreuungen dieſes Rechts ver⸗ luſtig gemacht, noch, wie im Falle des Art. 395, daß ihre Abhängigkeit von einem Fremden das Intereſſe der Kinder kompromittire) wenn nicht andrerſeits dieſem Recht der Mutter der ganz peremptoriſche Einwand im Wege ſtuͤnde, daß man, ohne eine ausdräcktiche Verfuͤgung, ihr das Recht nicht zugeſtehen kann, durch ihre Wahl die von dem Fami⸗ lien Rath geſetzlich geſchehene Beſtellung der Vormundſchaft zu widerrufen, welches doch nothwendig mit dem Recht, eine bei ihren Lebseiten vergebene und von ihrem Willen 312 unabhängige Vormundſchaft nach ihrem Tode zu beſtellen, verknuͤpft ſein wuͤrde. 6) Die von der nicht nicht wieder verheiratheten Mutter ge⸗ troffene Wahl iſt keiner Beſtätigung unterworfen. 7) Nichts verhindert die wiederverheirathete, aber in der Vormundſchaft beibehaltene Mutter, ihren zweiten Mann zum Vormund zu ernennen. Dieſe Wahl wird in den meiſten Fällen ſogar den Vortheil haben, nur eine Fortſe⸗ tzung der bisherigen Vormundſchaft darzubieten, und kann in keinem Falle dem Minderjaͤhrigen zum Nachtheil gerei⸗ chen, da ſie der Beſtätigung des Familienrathes unterwor⸗ fen iſt. 3) Wuͤrde die Ernennung eines Vormundes auf gewiſſe Zeit oder unter gewiſſen Bedingungen guͤltig ſein? Ich glaube allerdings, weil der Coder ſie nirgends verboten hat. Zwar ließ man ehedem, als jede teſtamentariſche Vormundſchaft noch der obrigkeitlichen Beſtatigung unterworfen war, keine ſolche Beſchraͤnkungen derſelben zu; und weil der Auf⸗ trag des Vormundes nicht ſowohl in dem Teſtamente als in der Beſtätigung der Obrigkeit ſeinen Urſprung nahm, war er an die in dem Teſtamente enthaltene Bedingungen nicht gebunden. Da aber heutzutage der teſtamentariſche Vormund ohne Beſtaͤtigung kraft der ihm durch das Teſtament ertheilten Vollmacht in ſeine Verrichtungen eintrirt, ſo glaube ich auch, daß die Bedingungen und Beſchraͤnkungen dieſer Vollmacht beobachtet werden muͤſſen. So kann z. B. der Vater es räthlich finden, nur auf kurze Zeit, und bis dahin eine verwickelte Erbſchaft auseinandergeſetzt und liquidirt ſei, einen Geſchaäͤftsm unn zur Vormundſchaft zu berufen, in der Ab⸗ ſicht, daß ſpaͤterhin die Verwaltung des Vermögens an ei⸗ 3¹3 nen Verwandten fdes Minderjährigen zuruͤckfallen moͤge⸗ Der GegenVormund wuͤrde in dieſem Falle die Obliegenheit auf ſich haben, zu wachen, daß der Vormund die Schran⸗ ken ſeiner Vollmacht nicht uͤberſchreitet, und nach Ablauf der Zeit, auf welche er ernannt iſt, die Ernennung eines andern zu provoziren. 9) Eben ſo glaube ich, daß die Vormundſchaft auch in der Art getheilt werden kann, daß jedem der Kinder ein beſon⸗ derer Vormund angeordnet werde. Dieſe Theilung wird ſogar bei einem weitlaͤuftigen Vermoͤgen das Amt des Vor⸗ mundes ſehr erleichtern, und kann, falls die Kinder ver⸗ ſchiedenen Ehen angehoͤren, von groſſem Nutzen ſein. 10) Die Minderjaͤhrigkeit des Vaters oder der Mutter be⸗ nimmt ihnen das Recht der Anordnung eines teſtamenta⸗ riſchen Vormundes nicht, indem die aus der Ehe herflieſ⸗ ſende Emanzipation ſie zu allen Handlungen berechtigt, zu welchen das Geſetz ſie nicht unfaͤhig erklärt hat, worunter dieſe nicht befindlich iſt. Sollte aber die Wahl der Ael⸗ tern auf einen Minderjährigen fallen, ſo wuͤrde ſie dem Art. 442 zufolge nichtig ſein, und der Famitienrath muͤß⸗ te zur Beſtellung der Vormundſchaft in der Art ſchrei⸗ ten, als waͤre gar kein teſtamentariſcher Vormund vor⸗ handen. Ein anderes waͤre es, wenn der Vater einen Minderjaͤhrigen zum Vormund ernannt haͤtte, um die Vormundſchaft nach erreichter Großjährigkeit anzutreten. Im Falle einer ſolchen bedingten Ernennung haͤtte der Familien Rath die Vormundſchaft nur bis zu dieſer Epoche zu beſtellen. 11) Wir haben oben bemerkt, daß der Vater der Mutter durch die Ernennung eines andern Vormundes die natuͤrliche Vor⸗ 314, mundſchaft ihrer Kinder nicht entziehen kann. Sollte der Vater jedoch einen ſolchen Vormund ernannt haben, ſo glaube ich, daß dieſe Verfugung als Ernennung eines Bei⸗ ſtandes gelten muͤſſe; weil nach der Regel: wer das Groͤſ⸗ ſere will, will auch das Geringere, die Abſicht des Vaters eben ſo wenig als ſeine Befugniß zur Ernennung eines ſol⸗ chen Beiſtandes zweifelhaft ſein kann. 12) Eben ſo glaube ich auch, daß Nichts das uͤberlebende der Ael⸗ tern verhindert, mehrere Vormuͤnder zu ernennen, und die Vormundſchaft in der Art unter ſie zu vertheilen, daß der eine mit der Sorge uͤber die Perſon und der andere mit der Sorge äber das Vermogen des Minderjährigen beauf⸗ tragt ſei, indem die Verfuͤgung des§. 4. lnoit qui test. tutor. und der LI 12, 15, 14, et 15. ff. de test. iut. nicht mehr anwendbar ſinh. Urtheil des Appellhofs von Paris vom 15 Meſſidor 12.(Mein Journal a. a. O.) 13) Jede teſtamentariſche Vormundſchaft iſt widerruflich, weil ſie durch einen ſeiner Natur nach widerruflichen letzten Wil⸗ lens Akt ubertragen wird. 14) Da ſie nur der Ausfluß des einſeitigen Willens eines ein⸗ zelnen Bürgers iſt, welcher die Lage eines nicht konſenti⸗ renden Dritten nicht verſchlimmern kann, ſo kann eine ſolche Vormundſchaft nur in dem Falle aufgedrungen werden, wo ſie dem ernannten Vormund auch von dem mit einer admini⸗ ſtrativen Autorität bekleideten Familien Rath ubertragen wer⸗ den könnte. Auch in dieſem Falle eine Weigerung zuzulaſſen hätte nur unnothige Koſten verurſacht, indem, da der Fa⸗ milien Rath doch wohl von der Beſtimmung des Vaters nicht leicht abgegangen wäre, man auf dem Wege der Wahl iu bemſelben Reſultat gelanst wäre. Dritte UnterAbtheilung. PVon der geſetzlichen Vormundſchaft der Aszendenten⸗ 5. 128. Die geſetzliche Vormundſchaft der Aszendenten tritt kraft des Geſetzes und ohne Beſtaͤtigung ein, ſo oft der Vater oder die Mutter keinen teſtamentariſchen Vormund berufen haben. Sie ſteht nur den maͤnnlichen Aszendenten zu, und der dem Grade nach nähere Aszendent ſchließt einen dem Grade nach entfernteren aus. Sind in beiden Linien dem Grade nach gleich nahe Aszendenten vorhanden, ſo geht der vaͤterliche Aszendent immer dem muͤtterli⸗ chen vor. Findet zwiſchen zwei Aszendenten von höhe rem Grade, die beide der vͤterlichen Linie des Min⸗ derjährigen angehoͤren, eine Konkurrenz ſtatt, ſo geht der vaͤterliche UrBroßVater des Vaters des Minder⸗ jährigen dem muͤtterlichen vor; im Falle der Kon⸗ kurrenz zwiſchen zwei UrGroßvätern von der mutterlichen Linie hat der Familien Rath zu beſtimmen, welcher von beiden die Vormundſchaft fuͤhren ſoll. Locré, VI, 75. Proces-verbaux des 22 vendémiaire et 26 veu- toe 1I. Projet du code civil, liv⸗ 1, tit. g, art. 20. v. Al⸗ mendingen, S. 20g. Blæchel, Aual.§. 15. Thibaut S. d de legitim. tut.(25. 4.) L. 2 Cod. eod.(5. 30.) Delvincourt. S 1) Die Commiſſion wollte die weibliche Aszendenten, in Er⸗ mangelung von maͤnnlichen, zur geſetzlichen Vormundſchaft berufen. Die Schwaͤche des Geſchlechts mit der des Alters verbunden, ſo wie die Beſorgniß, intereſſirte Rathgeber moͤch⸗ ten ſie zur Annahme der Vormundſchaft, ihrer Unfaͤhigkeit 40 ½ 403 404 316 ohngeachtet, beſtimmen, bewog den Staatsrath von dieſem Syſtem abzugehen. Aus dem Art. 442 ergiebt es ſich, daß ſie durch den Familien Rath zu der Vormundſchaft ernannt werden können, aber ſie haben kein Recht auf dieſelbe. 2) Im Falle der Konkurrenz zwiſchen Aszendenten von gleichem Grade zieht das Geſetz immer denjenigen vor, der den Namen des Minderjahrigen fuͤhrt, weil der Familiengeiſt und das Familien Intereſſe vermuthlich bei demjenigen beruhen, der ſeinen Namen auf den Pupillen fortgepflanzt hat. 3) Der Coder Napoleon kennt keine andere geſetzliche Tutel als die der Aszendenten. 4) Die Aszendenten ſind nicht, wie der Vater, verbunden, die Vormundſchaft in jedem Falle zu ubernehmen. Sie koͤnnen dieſelbe ablehnen, falls ſie einen der geſetzlichen Entſchuldi⸗ gungsGruͤnde fur ſich haben, die wir in der Folge auftählen werden. Sie können und muͤſſen im Falle der Unfaͤhigkeit ausgeſchloſſen werden. 80 Die geſetzliche Vormundſchaft der Aszendenten iſt nicht allein der teſtamentariſchen untergeordnet, ſondern auch dann, wenn der teſtamentariſche Vormund entweder die Vormund⸗ ſchaft aus einem geſetzlichen Entſchuldigungs Grunde abgelehnt hat, oder von derſelben ausgeſchloſſen worden iſt, wird die Vormundſchaft dativ. Herr v. Almendingen geht aber zu weit, wenn er Seite 205 behauptet, der ſtillſchweigend verworfene Aszendent könne in dieſem Falle nicht zum Vor⸗ mund angeordnet werden, indem der Art. 405 nur dem Familien Rath die Wahl des Vormundes ubertraͤgt, nirgends aber den Aszendenten, mit deſſen Voruͤbergehung der Vater den entſchuldigten, abgeſetzten oder verſtorbenen Vormund ernannt hatte, zur Vormundſchaft unfaͤhig erklaͤrt. Auch glaube ich, 317 daß, falls die von dem Vater oder der Mutter getroffene Ernennung wegen einem Fehler in der Form nichtig erklärt werden ſollte, die geſetzliche Vormundſchaft der Aszendenten eintreten muß, da der Art. 405 die Vormundſchaft in die⸗ ſem Falle nicht dativ erklärt, und ein nichtiger Akt uber⸗ haupt anzuſehen iſt, als waͤre er nie vorhanden geweſen. 6) Tritt die geſetzliche Vormundſchaft der Aszendenten ein, wenn der Familien Rath der wiederheirathenden Mutter die Vormundſchaft entzieht? Bloͤchel(a. a. O.) bejaht dieſe Frage: a) weil nach der Ordnung des Coder die dative Vor⸗ mundſchaft der geſetzlichen untergeordnet, und in dieſem Falle eben ſo zu verfahren ſei, als wenn die Mutter verſtorben waͤre; b) weil die Ausdruͤcke: ni ascendants mäles in den Art. 402 und 405 augenfaͤllig andeuten, daß die Aszenden⸗ ten immer vor dem durch den Familien Rath ernannten Vormund den Vorzug haben. 7) Die Guͤter der Prinzen und Prinzeſſinnen des Kaiſerlichen Hauſes, deren Aeltern verſtorben ſind, werden während ih⸗ rer Minderjaͤhrigkeit durch einen oder mehrere Vormuͤnder, die der Kaiſer ernennt, verwaltet.(Art. 9 des. Statuts vom 30 Maͤrz 1806.) Vierte Unterabtheilung. Von der durch den Familien Rath uͤbertragenen Vormundſchaft. No. 1. Von der Bernſung des Familien Raths. Wenn kein, von dem Geſetz zu der Vormundſchaft be⸗ 405 rufener Aszendent vorhanden iſt, und beide Aeltern verſtorben ſind, ohne einen Vor⸗ mund ernannt zu haben, 318 oder wenn der teſtamemariſche oder geſetzliche Vormund zur Vormundſchaft untauglich erkläͤrt worden iſt, oder ſich auf guͤltige Weiſe entſchuldigt hat, oder wenn der Vater allein verſtorben iſt, der Familien⸗ Rath aber der wiederheirathenden Mutter die Vormund⸗ ſchaft zu laſſen nicht für räthlich findet, ſo muß die Vormundſchaft durch den Familien Rath beſtellt werden. Der Friedens Richter hat denſelben zu berufen. Er hat aob dieſe Berufung von Amtswegen vorzunebmen, ſobald er von den Thatſachen, welche die Beſitelluna der Vor⸗ mundſchaft nöthig machen, und die Jedermann ihm zu veranzeigen berufen iſt, Kenntniß erhaͤlt. Er darf dieſe Beruſung nicht verweigern, wenn er von den dazu berech⸗ tigten Perſonen dazu aufgefordert wird. Dieſes Recht ertheilt das Geſetz: 2) allen Verwandten des Minderjährigen; b) ſeinen Gläubigern; e) Jedem, der bei der Beſiellung der Vormundſchaft auf irgend eine Weiſe betheiligt iſt Locré, 405 et suiv. Proceés-verbaux des 22 vendémiaire et a6 „eutose 11. Projet du code civil, liv. I. tit. 9. art 23 t 34 Thibaut, S. 510. Blœchel, S. 19. Journal du Barreau, 1509, prem. part. pe 61. 1) Die Kommiſſion wollte die Kollatera Verwandte, welche in den Fällen der Art. 304 und 395 es verabſäumen wuͤr⸗ den, die Berufung des Familienraths zu provoziren, fuͤr jeden allenfallſigen Schaden gegen den Minderjährigen ver⸗ antwortlich erklären. Dieſer Vorſchlag ward jedoch beſe i⸗ tigt, weil einerſeits die Erfahrung vorlag, daß in der Bretagne, wo dieſe Verantwortlichkeit ehedem beſtand, 319 ſie nie in Anſpruch genommen worden war, und anderntheils das Intereſſe des Minorennen durch die dem Friedensrichter auferlegte Obliegenheit, den Familien Rath von Amtswegen zu berufen, und die jedem Betheiligten bewilligte Befugniß, die Verſammlung zu provoziren, hinlaͤnglich ſicher geſtellt ſchien. 2) Die Worte: ou d'autres parties incéresvées im Art. 406 ſind auf jeden anwendbar, dem an der Beſtellung der Vor⸗ mundſchaft gelegen iſt, z. B. einen Schuldner, welcher ſein⸗ Schuld abtragen, den Päͤchter, der ſeine Pacht erneuern, den Dritten, der einen Prozeß gegen den Minderjaͤhrigen erheben moͤchte. 3) Jedermann iſt befugt, dem FriedensRichter den Sterbfall oder das Faktum, welches die Beſtellung der Vormundſchaft noͤthig macht, zu veranzeigen. Jede ſolche Anzeige verpflichtet den Friedens Richter zu der Berufung des Rathes von Amtswe⸗ gen. Sie iſt von der Requiſition dieſer Berufung verſchie⸗ den, die jemand um ſeines eignen Intereſſes willen macht, weil der Requirent fuͤr die Zuſtellung des von dem Friedens⸗ Richter ertheilten Vorladungs Befehls an die Glieder des Ra⸗ thes ſelbſt zu ſorgen hat. Doch geſchieht, um die Koſten dieſer Zuſtellungen zu ſparen, die Berufung der Glieder meiſtens durch Briefe, welche der FriedensRichter an ſie erläßt; erſcheint aber der Berufene nicht, ſo muß allerdings⸗ erſt eine foͤrmliche Vorladung vorhergehen, ehe er zu den, gegen die Ausbleibenden verhängte, Strafen verurtheilt werden kann. 4) D. Bloͤchel wirft in Hunſicht auf den Art. 494 die Frage auf, vor welchem Friedensrichter nach dem Tode des Vaters der Familien Rath zur Ernennung«nes Gegen⸗ 320 Vormundes berufen werden wuͤſſe, wenn nach ausgeſpro⸗ chener Eheſcheidung das Kind fortwährend bei der Mutter ver⸗ blieben ſei? Ich bin mit den Verfaſſern des Jourval du bar- renu der Meinung, daß Hr. Bloͤchel allzuweit geht, wenn er behauptet, daß das Kind ſelbſt in dem Falle, wo der Vater befugt geweſen waͤre, es von der Mutter weg und zu ſich zu nehmen, bei der Mutter ſchon dadurch ſeinen Wohnſis erworben habe, daß der Vater von dieſem Rechte keinen Ge⸗ brauch gemacht habe. Allein die Frage iſt an und fur ſich durchaus keiner Schwierigkeit unterworfen. Wo auch im⸗ mer das Kind bei Lebzeiten des Vaters ſeinen geſetzlichen Wohnſitz gehabt haben mag, ſo iſt es doch unbezweifelt, daß es von deſſen Tode an keinen andern Wohnſitz als den ſeiner Mutter, die zugleich ſeine geſetzliche Vormuͤnderin iſt, haben kann; daß alſo der Familienrath zur Ernennung des GegenVormundes nur an dem Orte, wo die Mutter wohnhaft iſt, berufen werden kann. 8) Folgende Perſonen ſind ferner berechtigt, und ſogar ver⸗ pflichtet, eine Verſammlung des FamilienRathes zu pro⸗ voziren: 1) Alle geſetzliche Vormuͤnder, vor dem Antritt ihrer Amtsverrichtungen, um einen BeiVormund ernennen zu laſſen. 2) Der Vormund, ſo oft vormundſchaftliche Verrichtungen eintreten, welche er nicht ohne Genehmigung oder Er⸗ mächtigung des Familien Rathes abthun darf, und welche wir in der Felge anfuͤhren werden.. 3) Der BeiVormund, im Falle die Vormundſchaft erle⸗ digt oder verlaſſen iſt, um zur Ernennung eines neuen Vormundes zu ſchreiten⸗ 321 4) Der Gegen Vormund, ſo wie alle Verwandte oder Ver⸗ ſchwägerte des Minderjährigen im Grade von Geſchwi⸗ ſterKindern, oder noch nähern Graden, um aus irgend einer vom Geſetz ermächtigten Urſache auf die Abſetzung des Vormundes anzutragen.(Art. 446.) 5) Dieſelbe Verwandte, doch mit Ausſchluß des Vormundes, um in denſelben Faͤllen die Abſetzung des BeiVormundes zu provoziren.(426.) 6) Die Wittwe, ſo wie alle Verwandte, wenn die erſte bei dem Sterbfall des Mannes ſchwanger iſt, um einen Kurator der Leibesfrucht ernennen zu laſſen.(303.) 7) Die Wittwe, welche zur zweiten Ehe ſchreiten will, um entſcheiden zu laſſen, ob ſie die Vormundſchaft uͤber ihre Kinder erſter Ehe ferner behalten ſoll oder nicht.(308.) 8) Die Verwandte oder Verſchwaͤgerte im Grade von GeſchwiſterKindern oder noch naͤhern Graden, welche ei⸗ nen Minderjährigen fuͤr fähig halten, emanzipirt zu wer⸗ den, um den Rath uͤber die Emanzipation berathſchlagen zu laſſen.(479.) 9) Der Minderjaͤhrige, welcher ſich verehelichen will, um die Einwilligung des Familien Rathes nachzuſuchen.(I60.) 10) Derjenige Vater, der ein Vermächtniß oder eine Schen⸗ kung von ſeinem Vater oder ſeinem Bruder unter der Obliegenheit erhalten hat, es an ſeine Kinder zuruͤckzu⸗ erſtatten, um, wenn dieſe Ernennung nicht in demſelben Akte enthalten iſt, einen Vormund fur den Vollzug die⸗ ſer Verfuͤgung ernennen zu laſſen.(1036.) 11) Daſſelbe Recht der Zuſammenberufung des Rathes ſteht den Verwandten der Interdizirten, ſo wie denen der 1I. Th. 21 322 Minderjährigen zu Beſtellung der Vormundſchaft zu, ſo⸗ bald das Urtheil, welches die Interdiktion ausſpricht, in Rechts Kruft erwachſen iſt.(Art. 505.) 12) Das Gericht erſter Inſtanz muß, ehe es uͤber irgend ein Interdiktions Geſuch erkennt, vorerſt den Familien⸗ Rath zuſammenberufen laſſen, um ſein Gutachten uͤber den Zuſtand des Individuums, gegen welches die Inter⸗ diktion nachgeſucht wird, abzugeben.(Art. 406.) 6) Nur der FriedensRichter hat das Recht, den Familien Rath zu berufen. Dieſes Rocht ſteht dem Kaiſerl. Prokurator bei dem Tribunal erſter Inſtanz nicht zu⸗(Urtheil des Caſſa⸗ tionshofes vom 17 Frimaire 1 3.) No. 2. Von der Zuſammenſetzung des Familien Ratha. §. 130. Der Familien Rath beſieht: a16 1) aus dem Friedens Richter, als Präſidenten; 2) aus ſechs Verwandten oder Verſchwägerten, welche zur Hälfte von vaͤterlicher und zur Hälfte von muͤt⸗ terlicher Seite, ſowohl in der Gemeinde, worin die Vormundſchaft erledigt iſt, als in der Entfernung von zwei Myriametern(4 Stunden) genommen werden muͤſſen. In jeder Linie muͤſſen immer die nächſte Ver⸗ wandten berufen werden. Sind aber in einer Linie nä⸗ here, und in der andern entferntere Verwandte vorhanden, ſo müſſen doch immer drei Verwandte von jeder Linie genommen werden, und die naͤhere Verwandte der einen Linie ſchlieſſen die entferntere der andern nicht aus. 4oꝛ 323 Von Verwandten in gleichen Graden und von derſelben Linie ſchließt der ältere den juͤngern aus. Der Ver⸗ wandte geht dem Verſchwägzerten von demſelben Grade vor. Die vollbürtige Bruͤder der Minderjährigen, und die Männer ihrer vollbuͤrtigen Schweſter gehen allen an⸗ dern Verwandten vor. Sie ſind immer Glieder des Fa⸗ milien Rathes und es werden nur ſo viele Verwandte oder Verſchwägerte auſſer ihnen dazu berufen, als nöthig ſind, um die geſetzliche Zahl zu ergänzen. Sind mehr als ſechs Bruͤder oder Schwager vorhan⸗ den, ſo ſind ſie nichts deſtoweniger doch alle Glieder des Rathes, eben ſo wie die weiblichen Aszendenten, und die maännlichen Aszendenten, welche aus guͤltigen Urſachen die Vormundſchaft abgelehnt haben mogen und in dieſem Falle tritt eine Ausnahme von der Beſchrankung der Zahl der Glieder des Rathes auf ſechs ein. Sind in der Gemeinde, wo die Vormundſchaft eröffnet iſt, und im Umkreis von zwei Myriametern, in einer od er der andern der beiden Linien keine drei Verwandte oder Verſchwägerte vorhanden, ſo hat der Friedens Richter en⸗ weder ſolche Verwandte oder Verſchwägerte, welche in gröſſeren Entfernungen wohnhaft ſind, oder ſolche Buͤr⸗ ger aus der Gemeinde ſelbſt zu berufen, von welchen es bekannt iſt, daß ſie mit dem Vater oder der Mutter der Minderjährigen fortwaͤhrend in freundſchaftlichen Verhaͤlt⸗ niſſen geſtanden haben. Selbſt in dem Falle, wo am Orte ſelbſt eine hinrei⸗ chende Anzahl von Verwandten oder Verſchwägerten vor⸗ 40⁸ 410 324 Panden iſt, kann der Friedens Richter dennoch erlauben, in der Entfernung wohnhafte Verwandte oder Verſchwaä⸗ gerte in näheren, oder in denſelben, Graden wie die an⸗ weſende zu laden, jedoch in der Art, daß alsdann ſo viele von dieſen letzten weggelaſſen werden, daß die Zahl von ſechſen nicht uͤberſtiegen wird. Locré, VI. 94 et suiv. procés-verbaux des 22 vendéwiaire, 6 trimere et 26 veutose xI. brojet du C. C. liv.. tit 9. Art⸗ 27 31 10 fl. de legit. tut.[26 4. Mein Journal Jahrg⸗ 1807, II. S. a60. v. Almendingen⸗ Allg. Vib. I. a11u. ff. Blochel,§. 30—22. pandectes Hrangaises, IV. 514. Art. 833 des Geſetzb. ͤber das Perfahren im buͤrgerlichen Prozeß. Tit. 1., Art⸗ 11 und 13, und Tit. 5 des Statuts vom 30 Mörz 1806. ) Um den Zweck, den der Geſetzgeber bei der Inſtitution ei⸗ nes OberVormundes in dem Familien Rath beabſichtigte, zu erreichen, kam es vorzuͤglich darauf an, fuͤr bie beſtmoͤglich⸗ iſte Zuſammenſetzung deſſelben zu ſorgen. Man hat daher: 1) nicht alle Verwandte, ſondern nur eine beſtimmte Anzahl, und zwar 2) die nächſte Vetwandte, und 3) eine gleiche Anzahl von beiden Linien, um das Uebergewicht der einen uͤber die andere und den Einfluß des Familien⸗ Partheigeiſtes zu vermindern, berufen; 4) der Friedens⸗ Richter, deſſen Unpartheilichkeit die Berathſchlagungen zum Beſten des Minderjährigen leiten und lenken ſoll, iſt Prä⸗ ſident deſſelben. Nur zu Gunſten der Aszendenten und Bruͤder macht das Geſetz eine Ausnahme von der Beſchraͤn⸗ kung der Zahl der Glieder des Rathes auf ſechs, weil es ungerecht ſchien, einem Bruder vorzugsweiſe vor de.“ andern das Recht zu ertheilen, fur das Beſte ſeines Bruders zu ſorgen. 325. 2) Man kann nicht zugleich Vormund und Mitglied des Fa⸗ milien Rathes oder Ober Vormundes ſein. 3) Die Beſtimmung des Art. 409 in Betreff der Entfernung, in welcher die Glieder des Familien Rathes berufen werden ſollen, hat das Intereſſe der Familien Mitglieder zur Abſicht, damit der Ruf fur ſie nicht allzu beſchwerlich werde. 4) Iſt in dieſer Entfernung keine hullaͤnglicher Anzahl von Verwandten vorhanden, ſo bleibt es dem Ermeſſen des Frie⸗ densRichters uberlaſſen, oh er in einer groͤſſern Entfernung wohnhafte Verwandte(mittels einer an den Frie⸗ densRichter, in deſſen Bezirke ſie wohnhaft ſind, zu erlaſ⸗ ſenden Requiſition) berufen, oder in der geſetzlichen Entfernung wohnhafte Freunde des Verſtorbenen berufen wilt. Sollten jedoch jene in der Entfernung wohnhafte Verwandte ſich bereit⸗ willig erklaͤren, dem Familien Rath beizuwohnen, ſo iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß ſie, vorzugsweiſe vor allen Fremden, dazu berufen werden muͤſſen. Siehe die Note 6 hierunten. 8) Wenn nur in einer Linie Verwandte fehlen, muͤſſen als⸗ dann zur Ergänzung der geſetzlichen Zahl Verwandte aus der anderen Linie oder Freunde des Verſtorbe⸗ nen berufen werden? Die Verfaſſer der paudectes fran- Faises ſind der erſten, Herr Bloͤchel(F. 24) der zweiten Meinung, welcher beizutreten ich um ſo weniger Anſtand nehme, als ſie nicht allein dem durch den Art. 407 aufge⸗ ſtellten Grundſatz entſpricht, ſondern auch durch die Abfaſſung des Art. 400 unterſtuͤtzt wird: lorsque les parents ou alliés de l'une ou de l'autre ligne. Waͤre es die Abſicht des Ge⸗ ſetzgebers geweſen, die Berufung von in der Entfernung wohn⸗ haften Verwandten oder Freunden nur in Ermangelung von 326 Verwandten in beiden Linien zu erlauben, ſo muͤßte es heiſſen: lorsque les parenis ou alhés de l'une æc l'autre ligne. 6) Sollte der FriedensRichter bei der Zuſammenſetzung des Fa⸗ milien Rathes die von dem Geſetz beſtimmte Ordnung auſſer Acht laſſen, und z. B. Verſchwägerte vorzugsweiſe vor Ver⸗ wandten von demſelben Grade, oder entferntere Verwandte oder gar Fremde mit Ausſchluß der im Orte wohnhaften Verwandten, berufen, ſo wuͤrde dieſe Irregularität in der Zu⸗ ſammenſetzung der Verſammlung dennoch die Nullität der von ihr genommenen Berathſchlagungen nicht nach ſich ziehn, ſo wie es in der beruͤhmten Sache von Themines in einem Falle, wo der Gegenſtand dieſer Berathſchlagung von der hoͤchſten Wichtigkeit war, entſchieden worden iſt.(S. mein Journal a. a. O.) Dieſe Entſcheidung gruͤndet ſich darauf, daß der Art. 407 die Strafe der Nullität nicht aus⸗ druͤcklich verhaͤngt hat. Auch wäre das Intereſſe des Min⸗ derjaͤhrigen allzuſehr gefährdet geweſen, wenn jeder, meiſtens unwillkuͤhrliche und aus der Unbekanntſchaft des Friedens⸗ Richters mit dem Stammbaum der Familie entſpringende, Irrthum die Nullität alles deſſen, was in Gefolge der Be⸗ rathſchlagung des Familien Raths vorgenommen worden, hätte nach ſich ziehen können. 2) Dafür aber, daß der FriedensRichter durch willkährliche Uebertretung der Art. 407— 410, und durch eine abſichtlich unregelmäſſige Zuſammenſetzung des Rathes das Intereſſe des Minderjährigen nicht gefährden koͤnne, iſt durch den Art. 883 des Geſetzb. uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß hinlänglich geſorgt. So oft eine Berathſchlagung nicht einſtimmig genommen worden iſt, bleibt es, ſelbſt in den Fällen, wo die Berathſchlagung der Homologation 327 der Gerichte nicht nothwendig unterworfen iſt, der Mi⸗ norität unbenommen, die Majorität des Rathes ohne vorhe⸗ rigen Vergleichsverſuch vor das Tribunal zu laden, um den genommenen Beſchluß reformiren zu ſehn. Eben ſo hat jeder Verwandte oder Verſchwägerte, der durch Berufung von ent⸗ fernteren Verwandten oder gar von Fremden von dem Fami⸗ milienRath ausgeſchloſſen worden, das unbeſtrittene Recht, die Glieder dieſer Verſammlung vor das Tribunal vorladen zu laſſen, damit dieſes verordne, daß die von ihnen genom⸗ mene Berathſchlagung auf ſich beruhen, und von einer neuen, geſetzlich zuſammengeſetzten, Verſammlung zu einer neuen Berathſchlagung geſchritten werden ſolle. Daß von dieſem aͤuſſerſten Mittel nur in hochſt ſeltenen Fällen Ge⸗ brauch gemacht werden duͤrfte, iſt ſicher; allein noch weit ſeltener duͤrfte der Fall ſein, wo die unregelmäſſige Zuſam⸗ menſetzung des Rathes das Reſultat ſträflicher Machinationen oder die Wirkung betruglicher Abſichten ſein wird. Das Mit⸗ tel ſteht daher mit dem Bedurfniß im Verhältniß, und es iſt hinlänglich, daß die Geſetzgebung ein ſolches darbietet, um die Wirkungen eines ſo unwahrſcheinlichen Betruges zu hemmen. Sollte in einem kaum denkbaren Falle kein Gebrauch davon gemacht werden, ſo waͤre es wieder dem wahren Intereſſe der Geſellſchaft weit entſprechender, die einmal vollzogene Berathſchlagung, und das was derſelben zufolge geſchehen iſt, aufrecht zu halten, als durch die Zulaſſung einer Nullitäts⸗ Klage alle Verhandlungen mit Minderjährigen unſicher und unzuverläſſig zu machen. Ueberhaupt war es der Haupt⸗ zweck, den man bei der neuen Geſetzgebung uͤber die Vor⸗ mundſchaften im Auge hatte, den Geſchaͤften, bei welchen Minderjährige betheiligt ſind, ohne das Intereſſe derſelben 328 zu gefaͤhrden, dieſelbe Stabilität und Unwiderruflichkeit zu ertheilen, als wären ſie mit Großjährigen abgeſchloſſen worden, und dieſes Reſultat wäre ſchwer zu erreichen ge⸗ weſen, wenn jede Irregularirät in der Zuſammenſetzung des Familien Rathes die Reſciſion der mit demſelben abgeſchloſſe⸗ nen Verbindlichkeiten häͤtte nach ſich ziehen können. 8) Ueber die Bildung und Zuſammenſetzung des Familien Ra⸗ thes des Kaiſerlichen Hauſes, ſehe man den Titel V. und die Art. 11 und 13 des erſten Titels des Statuts vom 30 Maärz 1806. 5. 131. Es können nicht Glieder des Familien Rathes ſein: 442 a) Minderjährige, die Aeltern allein ausgenommen; b) Interdizirte; c) Weiber, mit Ausnahme der Aszendentinnen; d) alle die, welche entweder ſelbſt, oder deren Ael⸗ tern mit dem Minderjaͤhrigen einen Prozeß haben, wodurch der Stand des Minderjaͤhrigen, ſein Vermögen oder ein anfehnlicher Theil deſſelben kompromittirt iſt; 445 e) jedes Individuum, welches von einer Vormund⸗ ſchaft ausgeſchloſſen oder abgeſetzt worden iſt. Locré, VI 209 et suir. Projet du code ciwil, liv. 1. tit. 3. art. 55. Annalen der Geſetzgebung Napoleons, II, 26te Entſch. 1) Wir werden in der Folge auf den Art. 442 zuruͤckkommen. Hier iſt jedoch der Ort, eine beſonders wichtige und delikate Frage zu unterſuchen: ob naͤmlich im Allgemeinen jeder, den das Geſetz zur Vormundſchaft untauglich erklärt, auch nicht Mitglied des Familien Rathes ſein kann, mit andern Wor⸗ ten, ob die Verfuͤgung des Art. 445 ſich auf ſolche Perſonen 329 erſtreckt, die zwar von keiner Vormundſchaft wirklich ausge⸗ ſchloſſen oder abgeſetzt worden ſind, aber dem Art. 444 zufolge doch, falls ſie eine ſolche vekleidet hätten, von derſelben haͤtten abgefetzt werden muͤſſen? Der Caſſationshof hat durch ein Urtheil vom 13 Oktober 1807, consultis classibus, ent⸗ ſchieden: daß die Art. 442 und 445 in reſtriktivem Sinne anzuwenden ſind; daß, wenn der Art. 444 den Tribunalien das Recht ertheilt, das Betragen und die Handlungen der Vor⸗ muͤnder zu unterſuchen und zu beurtheilen, der Art. 445 ih⸗ nen dieſes Recht in Hinſicht auf die Glieder der Familien Raͤthe implieité verſagt, indem dieſer Artikel ſie nur dann von der Verſammlung ausſchließt, wenn ſie vorher von einer Vor⸗ mundſchaft abgeſetzt oder ausgeſchloſſen worden ſind; daß alſo die Vollmacht der JuſtitzBehörden in dieſer Hinſicht ſich auf die Unterſuchung beſchraͤnkt, ob ein Glied des Familien Rathes vorher eine ſolche Abſetzung erlitten habe; daß auch aus dieſer Beſchraͤnkung kein wirklicher Nachtheil entſpringen koͤnne, in⸗ dem, ſobald gegen die Berathſchlagung eines Familien Raths gegruͤndete Einwendungen gemacht werden, die Tribunalien das Recht haben, dieſe Berathſchlagung zu reformiren: wohl aber wuͤrde eine dem Art. 445 ertheilte extenſive Interpreta⸗ tion den groſſen Nachtheil nach ſich ziehen, die Verläum⸗ dung zu beguͤnſtigen, die Ruhe der Familien zu ſtöhren, und ohne allen Vortheil ärgerliche Unterſuchungen uͤber den guten Ruf der Buͤrger zu veranlaſſen. Es iſt alſo unrichtig, wenn Delvincourt(1. 235.) ſagt: les motils d'in- capacité pour la iutelle sont les mémes que ceux pour le cons eil de famille. ) Noch iſt in Hinſicht auf den Art. 445 zu bemerken, daß derjenige, der von einer Vormundſchaft ausgeſchloſſen oder 411 414 413 330 abgeſetzt worden iſt, nicht allein von demjenigen Familien⸗ Rath, der mit der Aufſicht uber dieſe Vormundſchaft beklei⸗ det iſt, ausgeſchloſſen, ſondern uberhaupt unfähig iſt, Mit⸗ glied irgend eines Familien Raths zu werden. 3) Der Ausdruck: les ascenduntes, im Art. 442 iſt in Hin⸗ ſicht auf die Bildung des Familien Raths auf die Witt⸗ wen zu beſchränken; Mann und Frau koͤnnen nicht zu⸗ gleich Mitglieder eines Familien Raths ſein, weil, ſo lange die Ehe beſteht, alle Handlungen der Frau der Genehmigung des Mannes unterworfen ſind, und daher die Frau nicht gegen ihren Mann ſtimmen kann. No. 3. PVon der Berufung des Rathes⸗ §. 132 Der Rath verſammelt ſich auf die Ladung des Friedens⸗ Richters, welche zugleich den Tag der Verſammlung be⸗ ſtmmt. Doch muß ſie denen in der Gemeinde oder im Um⸗ kreiße von zwei Myriametern(ꝗStunden) wohnhaften Glie⸗ dern wenigſtens am vierten Tage vor der Erſcheinung zuge⸗ ſtellt werden. Für die, welche in einer groͤſſeren Entfer⸗ nung wohnen, muß immer fur drei Myriameter(oder 6 Stunden) ein Tag zugeſetzt werden. Die Geladenen haben an dem feſtgeſetzten Tage ent⸗ weder perſönlich oder durch einen Spezial Bevollmãchtig⸗ ten, der nicht mehr als eine Perſon vertreten kann, zu erſcheinen. Jeder Geladene, der ohne rechtmaͤſſige Entſchuldigung ausbleibt, iſt in eine Geldſtrafe verfallen, welche der Frie⸗ dens Richter ohne Appellation aus pricht. Dem Ermeſſen des Friedens Richters bleibt es anheim geſtellt, ob et den 331 Ausbleibenden erfetzen, oder die Verſammlung bis zu fei⸗ ner Erſcheinung ausſetzen will. Locyé, Vl, 112. Projet du C. C. liv. 1. tit, g. art. 29. Procès- verbal dn 22 vendémiaire 11. 4) Die Friſt, welche der Art. 411 bewilligt, iſt von dreien freien Tagen. Ihre Nicht Beobachtung zieht in keinem Falle die Rullität des Verfahrens nach ſich, aber derjenige, dem die feſtgeſetzte Friſt zwiſchen der Ladung und dem Er⸗ ſcheinungsTage nicht geſtattet worden iſt, kann nicht in die durch den Art. 313 beſtimmte Geldſtrafe verurtheilt wer⸗ den; es iſt ſogar, wie bereits bemerkt, faſt allgemein gebraͤuch⸗ lich, zur Erſparung der Koſten die Glieder durch ein Cirku⸗ larſchreiben des FriedensRichters von dem Tage der Erſchei⸗ nung zu benachrichtigen. Dieſes Verfahren kann keinen an⸗ dern Nachtheil als einen Verzug von einigen Tagen nach ſich ziehen, wenn ein oder das andere Glied auf dieſe auſſer⸗ gerichtliche Benachrichtigung zu erſcheinen ſich weigern ſollte. 2) Die Commiſſion wollte, daß im Falle, wo ein Betheiligter bei dem FriedensRichter eine Vorladung zur Berufung des Familien Raths erwirkt, und bei der Zuſtellung die durch den Art. 411 beſtimmte Friſt nicht beobachtet haͤtte, jede Berathſchlagung nichtig ſein ſollte, ſo oft nicht alle gela⸗ dene Glieder dabei erſchienen waͤren. Dieſer Vorſchlag ward beſeitigt, weil im Falle der freiwilligen Erſcheinung der Partheien die Nicht Beobachtung der Friſten geheilt iſt; ſollten mehrere Gieder der Verſammlung ausbleiben, fo wuͤr⸗ den dieſe ſich ohnehin in der Unmoͤglichkeit befinden, zu berath⸗ ſchlagen und die Koſten einer neuen Ladung auf den Requiren⸗ ten zuruͤckfallen; ſollte aber nur ein Glied ausbleiben, und der Friedens Richter nicht fuͤr räthlich finden, von der ihm 33² durch den Art. 414 ertheilten Befugniß, die Verſammlung auszuſetzen, Gebrauch zu machen, ſo bleibt es dieſem Gliede unbenommen, gegen die Berathſchlagung einzukommen. 3) Bleibt nur ein Mitglied aus, ſo hangt es von dem Ermeſ⸗ ſen des FriedensRichters ab, ob zur Berathſchlagung geſchrit⸗ ten oder die Verſammlung auf einen andern Tag ausgeſetzt werden ſoll; bleiben aber mehrere aus, und es kann daher keine Berathſchlagung ſtatt finden, Art. 4135) ſo kann der FriedensRichter durch daſſelbe Urtheil, wodurch er die aus“ bleibende Glieder in die Geldſtrafe verurtheilt, ihnen auf⸗ geben, an einem feſtgeſetzten Tage bei der Verſammlung zu erſcheinen; bleiben ſie nochmals aus, ſo verfallen ſie zum zweitenmale in die Geldſtrafe. 4 Verurtheilungen zu folchen Strafen ſind zwar dem Art. 413 zufolge keiner Berufung unterworfen; da aber das Ur⸗ thei nothwendig in Abweſenheit der ausgebliebenen Glieder erlaſſen wird, ſo iſt es, wie jedes ContumazialUrtheil, der Oppoſition unterworfen, mittelſt welcher der Verurtheilte zu⸗ gelaſſen werden muß, die EntſchuldigungsGruͤnde uͤber ſein Ausbleiben vorzutragen, uͤber welche ſodann der Friedens⸗ Richter in letzter Inſtanz erkennt. Die Beurtheilung derſel⸗ ben hat das Geſetz ganz dem richterlichen Ermeſſen uberlaſſen. 8) Durch die Verfuͤgung des Art. 412 wollte man vermeiden, daß nicht die Ernennung des Vormündes ganz von einem oder einigen Gliedern, welche die Vollmacht der ubrigen uͤber⸗ nommen hätten, abhangen könnte. Wie iſt aber die Bedin⸗ gung der Spezialität, welche die Vollmacht haben ſoll, zu ver⸗ ſtehen? geſchieht derſelben genug, wenn die Vollmacht im All⸗ gemeinen den Gege nſtand, woruber berathſchlagt werden ſoll, bezeichnet, oder muß ſie auch die perſ önliche Mei⸗ 333 nung des Vollmachtgebers enthalten? Iſt es z. B. genug, wenn ſie ertheilt wird, um die Stelle des Vollmachtgebers bei der Berathſchlagung über die Wahl eines Vormundes zu verſehen, oder muß ſie auch die Perſon bezeichnen, wel⸗ cher det Bevollmächtigte ſeine Stimme ertheilen ſoll? Ich glaube, daß der Geſetzgeber durch dieſe Bedingung bloß andeuten wollte, daß eine General Vollmacht in dieſem be⸗ ſondern Falle nicht zuläſſig ſei; daß aber die Spezia Vollmacht angenommen werden muß, ſobald ſie dahin lautet, den Vollmachtgeber bei der auf dieſen oder jenen Tag feſtge⸗ ſetzten Familien Verſammlung zu vertreten, und in ſeinem Namen uber die daſelbſt vorkommende Gegenſtände abzuſtim⸗ men. Der Art. 412 iſt nicht bloß auf den Fall, wo es ſich von der Beſtellung der Vormundſchaft handelt, ſondern auf jede andere Berathſchlagung uͤber ſolche Gegenſtände, uͤber welche die Glieder ſich erſt nach dem Vortrag der Grauͤnde und der Unterſuchung der offen gelegten Schriften eine Meinung bilden koͤnnen,(6. B. im Falle des Art. 464) anwendbar. Man kann daher um ſo weniger fordern, daß die Vollmacht die perſoͤn liche Meinung des Vollmachtgebers enthalte, als der Staatsrath ſogar in dem einzigen Falle, wo dies moͤglich iſt, ſolche procuraions avec déeagnation vermeiden wollte,„indem die Wahl des Vormundes erſt durch „die Berathſchlagung beſtimmt wird, und, wenn der er⸗ „nannte Vormund ſich entſchuldigen ſollte, ſogleich zur „Wahl eines neuen geſchritten werden muß.“(Der Con⸗ ſul Cambaceres, in der Sitzung vom 22 Vendem. 11.) 6) Es iſt jedoch unbeſtreitbar, daß, falls der Vollmachtgeber ſelbſt die Vollmacht beſchränkt haͤtte, der Bevollmäͤchtigte nur im Sinne ſeiner Vollmacht zu ſtimmen befugt ſein wuͤr⸗ 416 415 334 de; der FriedensRichter hat zu dem Ende die Vollmachten zu unterſuchen, und wenn durch ihre Beſchraͤnkungen das Ziel der Berathſchlagung nicht erreicht werden kann, die Verſammlung auszuſetzen, und den Verwandten aufzuge⸗ ben, in Perſon zu erſcheinen, oder fuͤr die in der erſten Vollmacht unvorhergeſehene Fällen eine neue zu ertheilen. No 4. Von den Berathſchlagungen des Familien Rathes. 5. 133. Der Rath tritt unter dem Vorſitz des FriedensRichters auf dem FriedensGericht oder an jedem andern von dem Friedens Richter beſtimmten Lokal zuſammen. Keine Be⸗ rathſchlagung darf genommen werden, wenn nicht wenig⸗ ſtens drei Viertbeile der berufenen Glieder verſammelt ſind. Der FriedensRichter hat berathſchlagende Stimme, und im Falle der Theilung giebt die ſeinige den Aus⸗ ſchlag. Locré, VI. I18. Projet du C. C. liv. I. tit. 9. Art. 30. Pro- cesverbal du 29 vendémiaire 11. Pandectes krancaises, IV 319. 1) Es iſt ſchwer, die drei Viertheile von ſechs Gliedern zu beſtimmen(denn da bei dieſer Beſtimmung nur die be⸗ rufene Glieder in Anſchlag kommen, ſo kann der Friedens⸗ Richter ſelbſt nicht mitgezählt werden) da aber die Gegenwart dieſer drei Viertheile wenigſtens erfordert wird, ſo iſt ge⸗ wohnlich die Anweſenheit von fuͤnf Gliedern nothwendig; der Geſetzgeber wuͤrde ſich daher beſtimmter ausgedruͤckt haben, wenn er die Gegenwart der fuͤnf Sechstheile der berufenen Glieder erfordert hätte, wenn er bei der im Art. 415 enthal⸗ tenen allgemeinen Beſtimmung nicht auch den Fall des Art. 408 im Auge gehabt hätte, in welchem die Zahl der Glie⸗ 335 der die von ſechſen überſteigen kann. Die Verfaſſer der Pandecies franguises geben übrigens eine ſchlechte Meinung von ihren arithmetiſchen Kenntniſſen, wenn ſie S. 319 be⸗ haupten: c'est à dire, qu'il peut délibérer au nombre de quatre, car, ce nombre, lorme les trois uarts de celui de veyt(wobei ſie ſogar, gleichfalls irrthuͤmlich den Friedens Richter in Anſchlag bringen') 2) Die Glieder des Familien Raths leiſten keinen Eid. Dieſe Formalität iſt weder vorgeſchrieben noch gebräuchlich⸗ 3) Der FriedensRichter hat zwar das Lokal, an welchem die Verſammlung zuſammentreten ſoll, zu beſtimmen, jedoch muß daſſelbe nothwendig in ſeinem Gerichtsſprengel gelegen ſein, weil er nur in demſelben oͤffentlichen Charakter hat. Der Familien Rath konnte alſo nicht bei einem auſſer dieſem Ge⸗ richtsſprengel wohnhaften Verwandten zuſammentreten. ₰ Die Berathſchlagungen werden nach der bloſſen Stimmen⸗ mehrheit genommen. Eine abſolute Majorität iſt zu ihrer Guͤltigkeit nicht erforderlich⸗ 5. 134. Der Rath ſchreitet zuerſt zur Ernennung des Vor⸗ mundes. Wohnt der ernannte Vormund der Berath⸗ ſchlasung bei, und glaubt einen geſetzlichen Entſchuldi⸗ gungs Grund fur ſich zu haben, um die Vormundſchaft abzulehnen, ſo muß er dieſen auf der Stelle, und unter Strafe, nachher nicht mehr damit gehört zu werden, vortragen. Der Rath berathſchlagt ſodann uber die Fra⸗ ge, ob der vorgebrachte Entſchuldigungs Grund hinrei⸗ chend und im Geſetz begruͤndet iſt oder nicht. Im erſten Falle ſchreitet er ſogleich zur Ernennung eines andern Vormundes; im zweiten verwirſt er durch eine motivirte 4³⁸ 439 44⁰ 336 Berathſchlagung die vorgebrachte Entſchuldigung. Hat der ernannte Vormund der Berathſchlagung ſelbſt nicht beigewohnt, ſo muß ſie ihm auf Betreiben eines von der Verſammlung zu bezeichnenden Mitgliedes in einer be⸗ ſtimmten Friſt zugeſtellt werden; glaubt er alsdann, einen geſetzlichen Entſchuldigungs Grund fuͤr ſich zu haben, ſo muß er, in einer gleichfalls beſtimmten Friſt von der Zu⸗ ſtellung an, den Familienrath zuſammenberufen, um uͤber dieſe Entſchuldigung zu erkennen. So oft der Familien Rath die von dem Vormund vorge⸗ brachte Entſchuldigungs Gruͤnde verworfen hat, ſteht es dieſem frei, gegen dieſe Entſcheidung bei dem Tribu⸗ nal erſter Inſtanz einzukommen; er iſt aber verbunden, waährend dem Rechtsſtreit, und bis dahin derſelbe in letzter Inſtanz entſchieden iſt, die Vormundſchaft zu verſehen. Findet das Tribunal ſeine Entſchuldigungen gegruͤndet, ſo können die Glieder des Raths, welche ſie verworfen haben, in die Koſten des Prozeſſes verur⸗ cheilt werden. Werden ſie hingegen vor Gericht gleichfalls als unſtatthaft verworfen, ſo m uß der Vormund zugleich in die Koſten verurtheilt werden Locrs, VI. 198 et suiv. Projet du C, C. tit. 9. Art. 33. Procés- verbaux des a et 29 vendémiaire II. Art. 382 und 839 des Ge⸗ ſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß. v. Al⸗ mendingen, 217. 273. Mein Journal, III. V. 2 S 270 · Annalen der Geſetzgebung Napoleons. II. 26te Entſcheidung. Pandectes francaises, IV. 550. 4) Der Text weicht darin von dem Projekte ab, daß dem erſten zufolge derjenige, welcher der Berathſchlagung durch einen Bevollmaͤchtigten beiwohnt, nicht fuͤr gegenwärtig gehalten wird. Die Anweſenheit, von welcher der Art. 435 337 ſpricht, iſt nur von ſeiner perſonlichen Gegenwart zu verſtehen. Der Auftrag des Bevollmäͤchtigten beſchränkt ſich darauf, uͤber die Wahl des Vormundes zu ſtimmen; mit der Erfuͤllung dieſes Auftrages iſt das Mandat erloſchen, es ſei denn, daß die Vollmacht ihm ausdräcklich die Gewalt ertheile, im Falle der Ernennung des Vollmachtgebers ſeine Entſchuldigungen vorzutragen. 2) Die durch die Art. 438 und 439 ausgeſprochene Verluſti⸗ gung des Rechtes, EntſchuldigungsGrunde geltend zu machen, wenn es nicht in der geſetzlichen Zeitfriſt geſchehen iſt, gruͤn⸗ det ſich darauf, daß die EntſchuldigungsGruͤnde zur Vor⸗ mundſchaft keineswegs unfaͤhig machen, und daher ihre Wir⸗ kung nur in ſo weit hervorbringen konnen, als derjenige, zu deſſen Gunſten ſie begruͤndet ſind, davon Gebrauch macht. 3) Die Worte: le conseil de famille, im Art. 439 ſind in der Art zu verſtehen, daß der Familien Rath aus denſelben Gliedern beſtehen muß, welche die Wahl ſelbſt getroffen ha⸗ ben. 4) Die Kommiſſion hatte dem Familien Rath eine wahre Ju⸗ risdiktion beigelegt, indem er uͤber die von dem Vormund vorgebrachte EntſchuldigungsGruͤnde unwiderruflich erkennen ſollte. Durch dieſe Verfuͤgung hätte es in ſeiner Gewalt geſtanden, alle geſetzliche Entſchuldigungs Gruͤnde ihrer Wirkung zu berauben, und die Vormundſchaft Perſonen auf⸗ zubuͤrden, deren Freiſprechung aus dem allgemeinen Wohl oder dem eignen Intereſſe des Minderjährigen abgeleitet iſt. 5) Man hat bei dieſer Gelegenheit zu bemerken, daß die Be⸗ rathſchlagungen des Familien Rathes in keinem Falle Ur⸗ theile ſind, indem dieſer Rath durchaus keine Gerichts⸗ II. Th. 23 335 Relle iſt. Dies folgt auch ſchon daraus unwiderſprechlich, daß es nach dem franzöſiſchen Staatsrecht in keiner Rechtsſache mehr als zwei Inſtanzen geben kann; nun iſt aber dem Art. 889 des Geſetzbuchs über das Verfahren im burgerlichen Prozeß zufolge jedes von einem Tribunal erſter Inſtanz uͤber eine Berathſchlagung eines Familien Rathes erlaſſene Urtheil der Appellation unterworfen.(Dieſen Grundſatz hatte der Caſſationshof bereits begrundet, ſiehe mein Journal 1M1. Band 2, S. 70, ehe er noch durch den oben angefuhr⸗ ten Artikel zum Geſetz erhoben ward.) Endlich fehlt auch jenen Berathſchlagungen durchaus die exekutoriſche Kraft. Sie werden weder im Namen des Kaiſers erlaſſen, noch ſchließen ihre Ausfertigungen mit der exekutoriſchen Formel, die nach der Konſtitution nur auf Urtheile und Notariats⸗ Akte geſetzt werden darf. 6) Die Glieder des Familien Raths, welche die Wahl getrof⸗ fen haben,(nicht alle, welche derſelben beigewohnt haben) Lönnen zur Schadloshaltung verurtheilt werden, wenn ſie die Entſchuldigungs Grunde des Vormundes mit Unrecht ver⸗ worfen haben. Der Vormund m uß in die Koſten verurtheilt werden, wenn das Urtheil der Gerichte der Berathſchlagung der Familie entſpricht. Der Grund dieſes Unterſchieds liegt darin, daß die Berathſchlagung des Rathes oft dadurch be⸗ ſtimmt worden ſein kann, daß der Vormund nicht gleich An⸗ fangs die erforderliche Beweiſe des angefuhrten Entſchuldigungs⸗ Grundes offen gelegt hatte, oder daß dieſe Beweiſe von der Art waren, daß die Glieder des Raths ihre Guͤltigkeit nicht beurtheilen konntenz da man vermuthen muß, daß nur das Intereſſe des Minderjährigen ihre Meinung beſtimmt habe, ſo durfen ſie nur im Falle, wo ſie auf einem 339 freiwilligen Irrthum beharrt haben, dafuͤr Strafe leiden. 7) Mit Unrecht ſagt Herr v. Almendingen, der Friedens⸗ Richter habe in der Regel nur eine berathende, keine zah lende Stimme, und nur im Falle der Theilung gebe die ſeinige den Ausſchlag. Der Ausdruck:„oia delibéra- ein« ſpricht das Gegentheil von„oiæ consultacine aus, wel⸗ che z. B. nach der Konſtitution vom Jahr 8 dem zweiten und dritten Conſul bewilligt war; voix delibérative heißt aber nach dem Detionnare d'Acadeime: avoir doit de Sag⸗ das une as emblée. 8) Nicht allein muß die Stimme des Friedens Richters gezäͤhlt werden, ſondern der Fall iſt ſogar möglich, wo ſeine Stimme zugleich die Theilung hervorbringt und den Ausſchlag giebt. Die Verſammlung beſteht z. B. auſſer ihm noch aus fuͤnf Gliedern, drei ſtimmen fuͤr Titius, zwei fuͤr Sempronius; der FriedensRichter ſtimmt auch fuͤr den letzten, der dem⸗ zufolge ernannt iſt. Dieſe von der vorigen Jurisprudenz abweichende Verfuͤgung ward von dem Caſſationshof ange⸗ fochten, weil die Commiſſion die Glieder des Familien Raths fuͤr die Ernennung verantwortlich erklärt hatte, und es daher ungerecht ſchien, daß der FriedensRichter die Wahl gegen den Willen der Mehrheit der verantwortlichen FamilienGlieder beſtimmen könne. Die Sektion brachte darauf eine Ver⸗ fuͤgung in Vorſchlag, welche beinahe derjenigen entſprach, welche Herr v. Almen din en als dekretirt vorausſetztz da aber der Grundſatz der Verantwortlichkeit der Familien Glieder nachher verworfen ward, ſo kam man in der Sitzung vom 25 Vendemiaire zu dem Syſtem der Kom⸗ miſſion zuruͤck. 340 9) Der Coder erfordert, wie bereits bemerkt, keine abſolute Stimmenmehrheit fuͤr die Berathſchlagungen der Familien Rä⸗ the. Man fand, daß dieſe Bedingung bei Berathſchlagungen uber VerwaltungsGegenſtände ohne Nutzen ſei, indem dieſe meiſtens dem Tribunal vorgelegt werden muͤſſen, und immer durch jedes diſſentirende Mitglied dahin gebracht werden konnen. Bei Ernennungen hätte ſie große Nachtheile haben können, denn, wenn ſich keine abſolute Majorität gebildet hätte, ſo wäre die Vormundſchaft unteſetzt geblieben. Stimmen daher von den ſirben Gliedern der Verſammlung drei fuͤr Cajus, zwei fuͤr Titius, und zwei fur Sempronius, ſo iſt der erſtere Vormund. 10) Die Ernennung des Vormundes iſt der Beſtaͤtigung des Tribunals nicht unterworfen, ſie kann aber durch jedes diſſen⸗ tirende Mitglied im Falle einer Irregularität vor demſelben angefochten werden, welches vorbehaltlich der Appellation zu erkennen hat.(Art. 883 u. 889 des Geſetzb. uͤb. d. Verfah⸗ ren im buͤrgerlichen Prozeß.. Wird ſie annullirt, ſo iſt dies kein hinreichender Beweggrund, um die Verwandte, welche die erſte Wahl getroffen hatten, von der Theilnahme an einer zwkiten auszuſchlieſſen. Urtheil des Caſſationshofes vom 13 Oktober 1807.(meine Annalen a. a. O.) 11) Hat der Rach, im Fälle des Art. 440, die vorgebrachte EntſchuldigungsGründe verworfen, ſo glaube ich nach der Analogie des Art. 439 des Coder, und 882 des Geſetzbuchs über das Verfahren im bürgerl. Prozeß behaupten zu kon⸗ nen, daß der ernannte Vormund in dreien Tage von der Berathſchlagung an, wenn er derſelben beigewohnt hat, oder von dem Tag ihrer Zuſtellung an, wenn er derſelben nicht beige⸗ 341 wohnt hat, unter Strafe der Verluſtigung ſeines Klagrechts bei dem Tribunal dagegen einkommen muß. 12) Mit Unrecht leiten die Verfaſſer der Pandectes frangai- ses aus einer alten, nicht unbeſtrittenen Jurisprudenz, die Folge ab, daß der Vormund die Vormundſchaft auszuſchla⸗ gen befugt ſei, wenn er nicht zu der Verſammlung, in wel⸗ cher die Wahl geſchehen, berufen worden ſei, indem der Axt. 439 vorausſetze, daß dér ernannte Vormund wenigſtens gela⸗ den worden. Dieſe Behauptung iſt weder durch den Text des Geſetzes begruͤndet, noch laͤßt ſie ſich aus der Abſicht des Geſetzgebers ableiten. Der Vormund mag zu der Verſamm⸗ lung berufen worden ſein oder nicht, ſo behält ihm Art. 439 in dem Falle, wo er einen geſetzlichen EntſchuldigungsGrund fur ſich hat, ſein Recht offen; hat er keinen ſolchen fur ſich, ſo kann er ſich durch die Ernennung nicht beſchwert findet. 13) Glaubt ein geſetzlicher oderteſtamentariſcher Vor⸗ mund einen EntſchuldigungsGrund fuͤr ſich zu haben, der ihn von der Uebernahme der Vormundſchaft befreie, ſo hat er den Familien Rath ſogleich nach der Eroͤfnung der Vor⸗ mundſchaft zu berufen, um daruͤber zu berathſchlagen. Auch auf dieſen Fall durfte der Art. 439 analogiſch anzuwenden ſein. Sicher aber leiſtet er durch den wirklichen Antritt der vormundſchaftlichen Verrichtungen auf dieſes Recht Verzicht. Bei der Beſtellung einer dativen Tutel ſchreitet der F milien Rath unmittelbar nach der Wahl des Vormundes zur Ernennung eines Gegen Vormundes. Inder geſetzliche(Vater und Mutter nicht ausge⸗ nommen,) und teſt amentariſche Vormund ſt ver⸗ bunden, vor dem Antritt ſeiner vormundſchaſtlichen Ver⸗ 42² 451 1⁵3 4r7 342 richtungen den Familien Rarh zuſammen zu berufen, um zur Ernennung eines GegenVormundes zu ſchreiten. Unterläßt er es, ſo kann jeder Verwandte, Gläubiger, oder auf ſonſtige Weiſe Betheiligter, den Familien Rath zu dem Ende zuſammenberufen laſſen. Daſſelbe kann der Friedens Richter von Amtswegen thun. Hat in dieſem Falle der Vormund ſich in die ihm uͤber⸗ tragene Verwaltung bereits eingemiſcht, ſo kann der Fa⸗ milien Rath ihm zugleich, falls er die Ernennung eines GegenVormundes aus einer böſen Abſicht unterlaſſen hat, die Vormundſchaft abnehmen, ſeiner Verbindlichkeit zur völligen Schadloshaltung des Minderjährigen ohnbeſcha⸗ det. Der GegenVormund muß, den einzigen Fall ausgenom⸗ men, wo der Vormund ein vollbuͤrtiger Bruder des Pu⸗ pillen iſt, aus derjenigen der beiden Linien genommen wer⸗ den, welcher der Vormund nicht angehöͤrt. Der Vormund hat keine Stimme weder bei der Wahl noch bei der Abſetzung des Gegen Vormundes. Beſitzt ein in Frankreich wohnhafter Minderjaͤhriger Guͤ⸗ ter in den Kolonien, oder umgekehrt, ſo wird die beſondere Verwaltung dieſer Guͤter einem Pro Tutor uͤbertragen, der von dem Vormund abhängig iſt, und nicht unter deſ⸗ ſen Verantwortlichkeit verwaltet. Loe. VI, 127, 156 et suiv. Projet cu code civil, liv. 2. tit. 9. art 30 Proces-verbal des 22 et 29 veudémiaire 14 Thi⸗ baut, J. 499, 513. Geſetz vom 25 Pluvioſe 13.(in mein⸗Journal, Jahrgang 2. Vand 1, S. 279.) Journ. du Pah. 1807. I 161. 1) Ueber die Fälle, worin ſelbſt wahrend der Ehe dem Vater ein GegenVormund zur Seite geſetzt werden muß, ſiehe§. 122, Nro. 3, S. 288. 343 2) Die Gegen Vormundſchaft iſt immer dativz es giebt kein geſetzlicher Gegen Vormund, und ſie kann durch kein Teſta⸗ ment beſtellt werden. 3) In der ganzen Inſtitution des Gegen Vormundes iſt die Abſicht des Geſetzgebers vorherrſchend, jeder Connivenz zwi⸗ ſchen dem GegenVormund und dem Vormund vorzubeugen und dem letzten allen Einfluß auf die Wahl des erſten, ſo wie alle Mittel, ſich eines läſtigen Aufſehers zu entledigen, zu entziehen. 4) Aus dieſem Geſichts Punkt hat man auch bei Entſcheidung der Frage auszugehen, ob, falls in einer Linie keine Ver⸗ wandte vorhanden ſind, der Gegen Vormund aus den ſie repräſentirenden Freunden, oder auch unter dem Familien⸗ Rath nicht beiwohnenden Freunden, oder aber aus den Ver⸗ wandten der andern Linie genommen werden muß? Die imperative Abfaſſung des Geſetzes: le subrogé tuteur era pris zeigt hinlänglich an, daß der Geſetzgeber in kei⸗ nem Falle das Intereſſe des Pupillen den Verwandten und Verſchwaͤgerten einer Linie anvertrauen wollte. Deshalb muͤſſen, ſelbſt wenn in einer Linie eine Ueberzahl von Verwandten vorhanden iſt, zur Ergaͤnzung der andern Linie Freunde, und nicht dieſe Verwandte, berufen werden. Der Art. 432 muß daher mit dem Art. 423 in der Art kom⸗ binirt werden, daß der von dem erſten autoriſirte Entſchul⸗ digungs Grund in Hinſicht auf Gegen Vormundſchaften nur dann zuläſſig iſt, wenn Verwandte oder Verſchwägerte von der Linie, aus welcher der GegenVormund genom⸗ men werden muß, in der geſetzlichen Entfernung wohn⸗ haft ſind. 5) Da der Vormund bei der Wahl des Gegen Vormundes kei⸗ 344 ne Stimme hat, ſo muß, falls nicht urſpruͤnglich auſſer dem FriedensRichter ſechs Glieder anweſend waren, die Ver⸗ ſammlung ausgeſetzt und ein anderes Glied an die Stelle des Vormundes berufen werden. 6) Der Gegen Vormund kann bei allen Gelegenheiten, wo das Intereſſe des Minderjährigen nicht mit dem des Vormundes kollidirt, Mitglied des Familien Rathes ſein.(Urtheil des Caſfa⸗ tionshofes vom 3 September 1806.) 7) Man hatte den Vorſchlag gemacht, im Falle des Art. 417 den Protutor in der Colonie ernennen zu laſſen, der jedoch auf die Bemerkung, daß oͤfters daſelbſt keine Ver⸗ wandten vorhanden ſein wurden, verworfen ward. Ueber die Pflichten und Verrichtungen dieſes Protutors ſehe man ubrigens die Deklarationen vom 15 Dezember 1721 und vom 1 Februar 1743 nach. 8) Fuͤr alle in Frankreich gelegene Guͤter eines Minderjähri⸗ gen kann nur eine Vormundſchaft(obwohl mehrere Vormuͤnder) beſtehen. Iſt daher das Vermoͤgen ſehr weit⸗ läufig und zum Theil in entfernten Departementen gele⸗ gen, ſo kann der Familienrath wohl den Vormund auto⸗ riſiren, deren Verwaltung beſoldeten Adminiſtratoren zu ubertragen,(Art. 454) die jedoch unter ſeiner Verantwort⸗ lichkeit thätigen. Der FamilienRath kennt nur ihn, und er allein muß uͤber das geſammte Vermoͤgen Rechnung ab⸗ legen. 9) ueber die Art der Beſtellung der Vormundſchaft von Kin⸗ dern, welche in Hospitien oder Waiſenhaͤuſern befindlich ſind, ſehe das Geſetz vom 15 Pluvioſe 13.(Mein Journal a. a. O.) 345 §. 136. Da die Uebernahme einer Vormundſchaft eine öffentliche vom Staat uͤbertragene Laſt iſt, ſo kann ſich Niemand willkuͤhrlich davon beſreien, Doch können, aus dem Intereſſe des Staates, aus der natuͤrlichen Billigket, und dem Intereſſe des Pu⸗ pillen ſelbſt abgeleitete Ruͤckſichten Ausnahmen von die⸗ ſer Regel begruͤnden. Iſt die Ausnahme von der Art, daß das Geſetz daruͤ⸗ ber unmittelbar urtheilt, ſo entſteht ein Unfähigkeits Grund. Die Vormundſchaft darf alsdann nicht uͤhertragen und uͤbernommen werden. Iſt dies dennoch geſchehen, oder tritt die Unfähigkeit erſt nach der Uebernahme ein, ſo muß der Vormund ſogar entfernt oder abgefetzt werden. Wenn dagegen das Geſetz es dem Urtheil des zur Vor⸗ mundſchaft Berufenen uͤberläßt, ob er die zu ſeinem Vor⸗ theil begruͤndete Ausnahme in Anſpruch nehmen will oder nicht, ſo emſteht ein Entſchuldigungs Grund. Die Vor⸗ mundſchaft kann alsdann wohl uͤbertragen, muß aber nicht angenommen werden. Alle geſetzliche Verfuͤgungen in Betreff dieſer Ausnah⸗ men ſind ſowohl auf das Amt eines Gegen Vormundes, als auf die Vormundſchaft ſelbſt anwendbar. Locré, VI, 148 Sloechel, Analyse F. 30. Allgem. Bibl. I. 227. 1) Sind die Verfuͤgungen des 5 und 7 Abſchnitts des zweiten Kapitels des 10 Titels des Codex, welche der Art. 426 dem Gegen Vormund gemeinſchaftlich erklärt, auch auf den Bei⸗ ſtand anwendbar, welchen der Vater der uͤberlebenden Mut⸗ ter zur Seite ſetzen kann? Hr. Bloͤchel glaubt dieſe Frage bejahen zu muͤſſen, weil dieſer Beiſtand doch der eigentliche 4½6 457 346 Vormund ſei,(dem man bloß aus Ruͤckſicht füͤr die mät⸗ terliche Autorität dieſen Namen verſagt habe,) indem ſeine Intervention zur Guͤltigkeit aller Akte, die der Vater der Mutter nicht allein habe anvertrauen wollen, erforderlich iſt. Ich kann dieſer Meinung nicht beipflichten. Da das Geſetz ſtumm iſt, ſo koͤnnte nur die Analogie jene Be⸗ hauptung begrunden; es beſteht aber zwiſchen beiden Fällen ein weſentlicher Unterſchied, der jede analogiſche Anwendung einer fur den einen erlaſſenen Beſtimmung auf den andern aus⸗ ſchließt. Aus der Entſchuldigung des ernannten GegenVor⸗ mundes kann fuͤr den Pupillen kein groſſer Nachtheil ent⸗ ſpringen, indem der Familien Rath ſofort zur Ernennung eines andern ſchreiten muß. Da aber das Recht, der uber⸗ lebenden Mutter einen Beiſtand zur Seite zu ſetzen, nur dem Vater, nie aber dem Familien Rath zuſteht, ſo wurde die Entlaſſung des angeordneten Beiſtandes den groſſen Nach⸗ theil haben, die Vorſicht des Vaters gaänzlich zu vereiteln. Nro. 2. PVon den Gruͤnden, welche von der Uebernahme einer Vormundſchaſt freiſprechen. §. 137. Von der Verbindlichkeit, eine Vormundſchaft zu über⸗ nehmen, ſind freigeſprochen: A) Aus Rückſicht für das Intereſſe des Staates, a) die Inhaber der durch die Titel 3, 5„ 6, 8 9 10 und 11 der Konſtitutions Akte vom 18 May 1804(28 Floreal 12) geſtifteten Wuͤrden; b) die in den Art. 427 und 425 des Codex nament⸗ lich angefuͤhrte Beamten; e) alle Buͤrger, welche in einem andern Departement 347 als demjenigen, wo die Vormundſchaft beſteht, ein öffentliches Amt bekleiden, oder auſſerhalb des Kontinental Gebietes des Reichs einen diplomatiſch anerkannten Auftrag des Kaiſers beſorgen. B) Aus Ruͤckſichten der natuͤrlichen Billigkeit: 2) jeder, der mit dem Pupillen weder verwandt noch verſchwägert iſt, wenn anderſt im Umkreiſe von 4 Myriametern(g Stunden) zur Fuͤhrung der Vor⸗ mundſchaft taugliche Verwandte oder Verſchwaä⸗ gerte befindlich ſind. O Aus Rückſicht fur das eigne Intereſſe des Pupillen: a) die Aszendeſtinnen; b) wer fuͤnf und ſechzig Jahre alt iſt; c) wer mit einer ſchweren und anhaltenden Gebrech⸗ 435 lichkeit behaftet iſt; d) wer Gatte oder Vater iſt, kann nicht gezwun⸗ gen werden, auſſer der Vormundſchaft uͤber ſeine eigne Kinder mehr als eine zu uͤbernehmen. Niemand kann gezwungen werden, deren mehr als zwei anzunehmen; e) fuͤnf eheliche, lebende, Kinder befreien von der 436 Uebernahme jeder andern, auſſer der uber ſie ſelbſt zu fuͤhrenden, Vormundſchaft. In den Armeen des Kaiſers in Dienſtihätigkeit verſtorhene Kinder, ſo wie die, welche mit Hinterlaſſung von noch wirklich lebenden Deszendenten verſtorben ſind, werden als lebend mitgezählt. 423, 432 494 433 Locre, 158 et suiv. Procès-verbaux des 29 vendémiaire, I3 fri- maire et 26 ventose I1 Projet du c. c. liv. 1 tit. 9. art. 45, 47„ 48 50. Locre, Législation et Jurisprudence trangaise, 34⁸ I. 125 Senatus Conſulte vom 2 Februar und März 1808. Aete vom 30 März und ag May 1806. v. Almendingen, S. 231 u. ff. Thibaut,. 513 u. ff. Gutachten des Staatsraths vom 20 Nov. 1806.(Mein Journal III. 85.) Tit. ff de excust. tut. 27 1.) Inst. de excnsat. tut. 1. 25.) Cod. de excuz. tut.(5. 62.) L nnic. C. qui morbo se excus.(10. 50.) L. 1et 2. C. si tut. reipub. caus. ab.(5. 64.) L, 32 et 36, leg. 35, g. 1. leg. 10. h. 2. leg. 3. leg. 221 S. II. ff. ex quib. cans⸗ mj.(4. 4. 1) Es iſt in Hinſicht auf alle obige EntſchuldigungsGruͤnde zu bemerken, daß das Geſetz es dem eignen Urtheil des Beru⸗ fenen anheim ſtellt, ob er ohne Nachtheit fuͤr den oͤffentli⸗ Dienſt die Vormundſchaft führen, und das Intereſſe des Pupillen und des Staats zugleich wahrnehmen zu konnen glaubt: ob er die Laſt der Veormundſchaft vor den Verwand⸗ ten oder Verſchwägerten eines ihm theuern Pupillen tragen will: ob er ſeines Alters, ſeiner Gebrechlichkeit, der Vorſorge fuͤr ſeine eigne Familie oder mehrerer anderer Vormund⸗ ſchaften ohngeachtet noch Kraͤfte und Zeit genug zur Fuͤhrung einer weitern Vormundſchaft zu finden glaubt. Es iſt der weſentliche Charakter der EntſchuldigungsGruͤnde, daß nur derjenige, zu deſſen Gunſten ſie begrundet ſind, aber kein Dritter ſie in Anſpruch nehmen kann. 2) Kraft der von ihnen bekleideten Wärden ſind von der Ue⸗ bernahme einer Vormundſchaft freigeſprochen: a) die Glieder der Kaiſerlichen Familie; b) die Prinzen, welche Gros Wuͤrden des Reichs bekleiden, nämlich: 1) der Groß Wähler, Koͤnig von Spanien und Indien; 2) der Erzkanzler des Reichs; 3) der Erzkanzler des Staats; 4) der Erzſchatzmei⸗ ſter; 5) der GroßKonnetable, König von Holland; 6) der GrofAdmiral, Koͤnig von Neaßel; 7) der Gene⸗ 349 ral Gouverneur der Departemente jenſeits den Alpenz 8) der General Gouverneur, Großherzog von Toskana; 9) der Vize Groß Waͤhler und der Vize Groß Connetable. c) Die Groß Beamten des Reichs, nämlich: die Reichs⸗ Marſchaͤlle, die Inſpektoren, und GeneralObriſten der Artillerie und des Genie Korps, der Cavallerie und der Marine; die buͤrgerlichen GroßBeamten der Kro⸗ ne, naͤmlich: der GroßAlmoſenier, der GroßKammer⸗ herr, der Großmarſchall des Pallaſtes, der Groß⸗ Stallmeiſter, der Groß Jägermeiſter, der Großmei⸗ ſter der Ceremonien; der GroßCanzler und der Groß⸗ Schatzmeiſter der EhrenLegion ſind den Groß Beamten des Reichs gleichgeſetzt. d) Die Senatoren. e) Die StaatsRaͤthe, in deren Zahl man die Miniſter zu begreifen hat. 1) Die Glieder des Geſetzg. Koͤrpers. 3) Kraft der von ihnen bekleideten DienſtAnſtellungen ſind fol⸗ gende Perſonen befreit: a) Die Richter des Kaſſationshofes, der Kaiſ. General⸗ Prokurator bei demſelben Hofe und ſeine Subſtituten. b) Die Praͤfekten. c) Der Text ſpricht auch noch die Commiſſarien des Kai⸗ ſerlichen RechnungsWeſen von derſelben Verbindlich⸗ keit frei. Allein das Geſetz vom 16 September 1807, welches 13 Tage nach der neuen Abfaſſung des Coder erlaſſen worden iſt, hat dieſe Commiſſarien unterdruͤckt und an ihre Stelle eine Cour des compies geſetzt, die aus einem erſten Präſidenten, dreien Praͤſidenten der drei Senate, aus maitres des comptes, Referen⸗ 350 darien, einem General Prokurator und einem Gref⸗ ſier beſteht. Ohne eine authentiſche Interpretation läßt ſich nicht beſtimmen, ob alle Glieder dieſes Ge⸗ richtshofes die den ehemaligen Commiſſarien des Rech⸗ nungsweſens zugeſtandene Befreiung in Anſpruch zu nehmen befugt ſind. d) Ohngeachtet alle uͤbrige oͤffentliche DienſtAnſtellungen im Allgemeinen von der Verbindlichkeit der Uebernah⸗ me einer Vormundſchaft nicht freiſprechen, ſo haben ſie dieſe Wirkung doch in Hinſicht auf ſolche Vor⸗ mundſchaften, welche in einer allzugroßen Entfer⸗ nung von dem Orte, wo das Amt verſehen wer⸗ den muß, eroͤfnet ſind. Der Staatsrath hat durch ein Gutachten vom 20 November 1806 entſchieden, daß dieſe Beguͤnſtigung nicht allein auf diejenige Re⸗ ligions Diener anwendbar ſei, welche Pfarreyen oder Succurſalen verſehen, ſondern auf alle die, welche mit religiöſen Verrichtungen beauftragt ſind, welche ſie zum Aufenthalte an einem beſtimmten Orte verpflichten, in welchen ſie vom Kaiſer anerkannt und fuͤr wel⸗ che ſie vereidet ſind. 4) Dieſe letzte Beſtimmung dient zugleich zur Erläuterung der Worte: une konction publ'que, in dem Art. 427. Ein oͤffentliches Amt iſt nur ein ſolches, welches demjeni⸗ gen, der es bekleidet, einen oͤffentlichen Charakter ertheilt, in welchem er von der StaatsGewalt anerkannt und fuͤr welches er vereidet iſt. Dieſer Beſtimmung zufolge ſind weder die Angeſtellten in den Buͤreaus der“ verſchiedenen Verwaltun en, noch die Sekretarien der Mairien als öffent⸗ liche Beamte anzuſehen. 357 3) Ehedem waren MilitairPerſonen unfähig eine Vormund⸗ ſchaft zu uͤbernehmen;(F. 14. Inst. de excus. tut) ſeit der Verkuͤndigung des Codex ſind ſie nur mehr befugt, eine an⸗ getragene Vormundſchaft abzulehnen. Wenn Locre, S. 165 behauptet, reformirte MilitairPerſonen, und ſolche, welche ihre Retraite erhalten haͤtten, ſeien nicht mehr be⸗ rechtigt, dieſe Entſchuldigung in Anſpruch zu nehmen, ſo iſt dieſe Behauptung nur von den letzten wahr, weil ſie in den Stand der Buͤrger zuruͤckgetreten ſind. Da aber refor⸗ mirte MilitairPerſon bereit ſein muͤſſen, auf den erſten Ruf der Regierung unter die Fahnen zuruͤckzukehren, ſo beſteht in Hinſicht auf ſie der Grund jener geſetzlichen Ent⸗ ſchuldigung immerfort, ſo lange ſie ihren endlichen Abſchied nicht genommen oder erhalten haben. Dieſer Unterſchied iſt bereits bei einer andern Gelegenheit anerkannt worden. (Th. 1. S. 264.) 6) Es giebt eine Art öffentlicher Verrichtungen, welche aber weſentlich voruͤbergehend ſind: dies ſind die Miſſionen oder Sendungen; ſie befreien von der Vormundſchaft, ohne Ruͤckſicht auf ihre Dauer, jedoch nur unter der dreifa⸗ chen Bedingung: 1) daß ſie vom Kaiſer ertheilt worden ſind; 2) und zwar auſſerhalb des KontinentalGebie⸗ tes des Reichs; 3) daß die Sendung entweder authentiſch 6. B. eine Geſandſchaft) oder von dem Miniſter, in deſſen Departement fie einſchlägt, bewährt ſei. Dieſer hat ſich äber die Natur der Miſſion nicht zu erklaren, ſondern kann ſich darauf beſchränken, ſelbſt ohne Angabe der Beweggruͤn⸗ de, zu erklären, ob die Miſſion geeigenſchaftet iſt, von der Vormundſchaft zu befreien oder nicht. Die Hrn. Pfeif⸗ fer behaupten,(1. 194) die gegrundete Bemerkung des Ap⸗ 352 pellhofes von Paris,„daß nur eine dauernde Miſſion „entſchuldigen könne, weil ſonſt Jeder, weſcher eine beſchwer⸗ „liche Vormundſchaft los zu ſein wuͤnſche, ſich nur einen „auswärtigen Auftrag auf einige Tage auswirken koͤnne, „ſei nicht beruͤckſichtigt worden.“ Dieſer Vorwurf iſt eines⸗ theils ungegruͤndet, denn die Hrn. Pfeiffer haͤtten ſich durch die Einſicht des VerbalProzeſſes vom 29 Vendemiaire 11 mit leichter Muͤhe uͤberzeugen können, daß, um dieſen Nachtheil, dem wohl ſchon die zweite Verfuͤgung des Art. 431 vorbeugt, zu vermeiden, der Art. 429, der ſich nicht im Projekte befand, eingeſchaltet worden iſt. Anderntheils muß ich geſtehen, daß in der Provinz wohl Niemand auf dieſe Be⸗ merkung des Pariſer Appellhofs verfallen wäre, indem man daſelbſt die Mittel nicht kennt, ſich eine Sendung des Kaiſers ins Ausland nach Belieben auszuwirken. 7) Der Art. 432 geht von dem Grundſatz aus, daß wenn die Vormundſchaft eine offentliche Laſt iſt, ſie doch auch, und hauptſaͤchlich, eine FamilienLaſt iſt; und daß, wenn das In⸗ tereſſe des Minderjährigen einestheils gekränkt wäͤre, wenn man ſeinen Vormund in einer allzugroſſen Entfernung aufe ſuchen muͤßte, es doch auch auf der andern Seite nicht zugiebt, daß in der Nähe wohnende Verwandte die Laſt der Vor⸗ mundſchaft einem entfernten Fremden aufkuͤrden koͤnnen. Zu bemerken iſt, daß der Vorſchlag, jedem Verwandten oder Ver⸗ ſchwägerten, der in ſeiner Abweſenheit zu einer Vormund⸗ ſchaft berufen worden wäre, das Recht zu ertheilen, ſie ab⸗ zulehnen, ſo oft in der Naͤhe ein näͤherer Verwandte oder Verſchwägerte befindlich ſein wuͤrde, verworfen worden iſt. 8) Wenn der Art. 433 ſowohl von dem römiſchen Recht als von der allgemeinen Regel des franzöſiſchen Rechtes, welche 353 die Beguͤnſtigungen des Alters erſt mit 70 Jahren eintreten läßt, eine Ausnahme macht,(Art. 800 des Geſetzbuchs über das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß) ſo gefchah es, weil es im Allgemeinen zu wuͤnſchen iſt, daß der ernannte Vor⸗ mund die Vormundſchaft bis zur Großjährigkeit oder Eman⸗ zipation fortfuͤhre. Der Art. 433 uͤberläßt es daher dem eignen Ermeſſen des Berufenen, ob er ſich die Kräfte fuͤhlt, die Vormundſchaft länget als bis zu ſeinem 7oten Jahre fortzufuͤhren. Iſt dies nicht der Fall, ſo erheiſcht es der eigne Vortheil des Minderjährigen, daß ihm erlaubt werde, ſchon itt von dem aus dem Alter hergeleiten Entſchul⸗ digungs Grunde Gebrauch zu machen. 9) Der Art. 234 iſt nicht ſowohl von Krankheiten, als von Gebrechlichkeiten,(nkirmité) zu verſtehen, aus welchen ein fortwährender Zuſtand von Unfähigkeit zur Verwaltung von Geſchäften entſteht, z. B. Blindheit, Taubheit. Doch iſt ſeine Verfuͤgung auf unheilbare und ſelbſt langwierige Krank⸗ heiten auszudehnen, weil alsbann derſelbe Beweggrund zur Entſchuldigung vorhanden iſt. Da das franzoͤſiſche Recht nicht, wie das römiſche, in Hinſicht auf einzelne Krankheiten beſondere Verfuͤgungen enthaͤlt, ſo bleibt die Beurtheilung des Zuſtandes, der als Entſchuldigung angefuͤhrt wird, dem Familien Rathe, vorbehaltlich des Recurſes an die Gerichte, uͤberlaſſen. 10) Der Art. 435 geht von der Beſorgniß aus, daß eine allzu getheilte Sorgfalt der Verwaltung nachtheilig werden moͤch⸗ te. Man hat zu bemerken, daß die in dem zweiten Abſchnitte enthaltene Beguͤnſtigung ſich auf den Gatten oder Vater erſtreckt; daß alſo nur eine dieſer Bedingungen erfor⸗ 11. Th. 23 354 derlich iſt, um ſie in Anſpruch zu nehmen; daß ſie ſich auf den Wittwer, der zugleich Vater iſt, ausdehnt, nicht aber auf den Wittwer, der keine eheliche Deszendenz hat. Auch iſt in Hinſicht auf denſelben Artikel zu bemerken, daß die Vormundſchaft uͤber mehrere Pupillen, die ein gemeinſchaft⸗ liches Vermögen beſitzen, nur fuͤr eine Vormundſchaft zu rechnen iſt. 11) Die Verfuͤgung des Art. 436 grändet ſich einestheils auf die Ruckſicht, welche ein mit der Vorſorge fur eine eigne zahl⸗ reiche Familie beſchwerter Vater verdient; ſie iſt anderntheils eine Begunſtigung fruchtbarer Ehen. Schon das ältere fran⸗ zöſiſche Recht hatten den Unterſchied, den das roͤmiſche in Hinſicht auf die Zahl der Kinder zwiſchen Rom, Italien und der Provinz machte, verworfen oder doch auf die Haupt⸗ ſtadt beſchraͤnkt. Weder uneheliche noch Adoptivhinder konnen ubrigens in Anſchlag gebracht werden, um die von demSArt. 436 erforderliche Zahl von Funfen zu ergänzen. Eben ſo wenig kann man auf empfangne oder noch nicht gebohrne Kinder Ruͤckſicht nehmen, weil ſie bloß in ihrem eignen Intereſſe fur lebend erachtet werden. L 7 ff. de statu hom. L. 2. ff. de mort. infer- L. g. f. ad leg kalcid. L 2.§. 6. f de excus Was die ver⸗ ſtorbene Kinder betrift, ſo durfen ſie nur in zweien Fällen in Anſchlag gebracht werden: 2) wenn ſie ſelbſt Deszendenten hinterlaſſen haben, welche jedoch, in welcher Zahl ſie auch vorhanden ſein mogen, „ nur für ihren Autor gezählt werden. Der gegentheilige PVorſchlag des Appellhofes von Toulouſe ward mit ſo viel wehr Recht verworfen, als der mit ihrer Vormund⸗ ſchaft belaſtete Großvater ohnehin in dem Art. 435 355 einen EntſchuldigungsGrund findet, und derjenige, der nicht damit beſchwert iſt, auch aus der Zahl ſeiner Enkel mit Billigkeit keine Entſchuldigung ableiten kann; b) wenn ſie in den Armeen des Kaiſers in Dienſtthätig⸗ keit verſtorben ſind, gleichviel, welches die Urſache ihres Todes, oder die Gattung ihrer Anſtellung, war. 12) Folgende EntſchuldigungsGruͤnde, welche das romiſche Recht zuließ, haben durch das Stillſchweigen des Coder dieſe geſetz⸗ liche Wirkung verlohren(denn nichts verhindert den Fami⸗ lien Rath auch ſolche Emtſchuldigungen zu beruckſichtigen, welchen das Geſetz die Wirkung, von der Uebernahme einer Vor⸗ mundſchaft freizuſprechen, nicht ausdruͤcklich beigelegt hat,): 2) die Verwaltung der öffentlichen Steuern.(L 4r. ff. de excus. tut.) b) Alle Richterſtellen,(5. Z. Inst. de excus) ſo wie die gerichtliche Praxis.(L 2 C. de ado div jud) e) Einer gleichen Beguͤnſtigung hatten ſich die Lehrer der Wiſſenſchaften und liberalen Kuͤnſte zu erfreuen.(L. 4. C de proless.) d) Die Entfernung von dem Orte, wo die Vormundſchaft eines wenig bemittelten Minderjährigen eröfnet iſt, war gleichfalls eine hinreichende Entſchuldigung.(L i0. F. 4 LL. 19. 24 5 2. l. ult. H. olt ff. de excusat.) Ohngeachtet der Art. 427 dieſen Entſchuldigungs Grund auf den Fall einer offentlichen Dienſtanſtellung in der Entfernung beſchrankt hat, ſo werden die Familien⸗ Räche doch nur im Falle einer unumgänglichen Noth⸗ wendigkeit oder beſonderer FamilienVerhaͤltniſſe einen, 356 in der Entfernung von dem zu verwaltenden Vermögen, wohnhaften Vormund ernennen. Die Lage des Vermoͤ⸗ gens, nicht aber der fruͤhere Wohnſitz des Pupillen iſt es, was man dabei hauptſächlich zu beruͤckſichtigen hat, in⸗ dem der letzte, von dem Augenblick der Ernennung des Vormundes an, ſeinen Wohnſitz bei dieſem hat. d) Todfeindſchaft mit dem Berſtorbenen. Gh. 11„ et 12, Inst. de excus at.) Ohngeachtet dieſe Entſchuldi⸗ gung nicht namentlich in das Geſetz aufgenommen wor⸗ den iſt, ſo beweißt doch der Art. 442, No. 4, hinlang⸗ lich, daß der Familien Rath auf das Verhaͤltniß, welches zwiſchen dem Vormund und den Aeltern des Minder⸗ jähtigen beſtanden haben mag, Ruͤckſicht zu nehmen be⸗ fugt iſt. e) Eben ſo hat man es dem Familien Rath überlaſſen zu muͤſſen geglaubt, mit Hinſicht auf den Stand und das Vermögen des Pupillen, die Armuth, C. 6. Inst. de excus L 7. L 40 ff. eod) die Unwiſſenheit und Unfähigkeit des Berufenen(S 8 Inst. eod. L 6§ ult. f eod.) zu beruͤckſichtigen. Der Art. 444 deutet hinlänglich an, daß ſo oft die letzte ſo groß iſt, daß das Intereſſe des Pupillen dadurch gefaͤhrdet wer⸗ den kann, der Familien Rath vielmehr im Geiſte des Geſetzes handelt, wenn er den Unfaͤhigen durch ſtill⸗ ſchweigende Voruͤbergehung von der Vormundſchaft ent⸗ fernt, als durch deſſen Ernennung die Nothwendigkeit einer immer unangenehmen Abſetzung herbeifuͤhrt. §. 138. Im Allgemeinen berechtigt jeder Entſchuldigungs Grund, der erſt nach Uebernahme der Vormundſchaft eingetreten ———————————— 357 iſt, den Vormund, dieſe abzugeben; dieſe Regel erleidet am zwei Ausnahmen: a) die Nochgeburt von ehelichen Kindern, welches ihre Zahl auch ſein mag, ertheilt dieſes Recht nicht. b) Alters halber darf eine Vormundſchaft eher nicht abgegeben werden, als bis dahin der Vormund das ote Jahr erreicht hat. Hat der Vormund die Vormundſchaft wegen einer oͤf⸗ fentlichen Dienſtanſtellung oder Sendung abgegeben, ſo kann der Familien Rath ſie ihm zuruͤckerſtatten, wenn er nach Beendigung dieſer Dienſtanſtellung oder Sendung ſie zuruͤckfordert, oder der neu ernannte Vormund ſeine Entlaſſung in Anſpruch niinmt. Locré, VI, 166 et suiv. Projet du C. C. liv. F. tit. 9. art. 47. Procès-verbul du 29 vendémiaire 11, Malele, I. 439 Thi⸗ baut., F. 512„ litt. C. L. penult. F. 7. f. de Jure umun. (So. 6.) L. 28. ff. de excusat.(27. I.) ¹) Die allgemeine Regel des franzoöſiſchen Rechtes läuft der des römiſchen ſchnurſtraks entgegen⸗ 2) Wir haben oben§ 135. S. 336 geſehen, in welcher Zeit der zu einer dativen Vormundſchaft Berufene ſeine Entſchuldi⸗ gungsGruͤnde geltend machen muß. Da jede Gegen Vormund⸗ ſchaft nothwendig dativ iſt, ſo ſind die Verfuͤgungen dieſes Paragraphs auf den Gegen Vormund anwendbar. Was den geſetzlichen und teſtamentariſchen Vormund be⸗ trift, ſo kann man aus dem Art. 430 die Behaußtung ableiten, daß derſelbe in einer dreitägigen Friſt, von dem Tage an, an welchem er von der Eroͤfnung der Vormund⸗ ſchaft Kenntniß erhalten, unter Strafe, nicht mehr damit angehoͤrt zu werden, den Familien Rath zu berufen habe, um uber ſeine Entſchuldigungen zu berathſchlagen. Ich glaube 433 431 353 jedoch, daß dieſe Friſt erſt von dem Tage an zu laufen anfangen kann, wo ihm der Todesfall oder das Teſtament, das ihn zur Vormundſchaft beruft, förmlich notifizirt wor⸗ den iſt; indem die auſſergerichtliche Kenntniß, welche er da⸗ von erhalten mag, doch keine groſſere Wirkung haben kann, als die auſſergerichtliche Kenntniß, die der Vormund im Falle des Art. 439 von ſeiner Ernennung erhalten kann. Sicher iſt es aber, daß jeder geſetzliche oder teſtamentariſche Vormund durch die erſte wirkliche Einmſchung in die Vormundſchaft, ohne ausdruͤcklichen Vorbehalt, auf das Recht, ſie abzulehnen, Verzicht leiſtet. 3) Die Abfaſſung des Art. 431 kann zur Erörterung einiger Fragen Anlaß geben. Da der Vormund, der ſich in dieſem Falle befindet, nicht ad imerim ſondern definitiv durch einen andern erſetzt wird, ſo iſt offenbar der Fami⸗ lien Rath keineswegs berechtigt, nach Beendigung der DienſtAnſtellung oder Sendung, die Vormundſchaft von Amtswegen dem erſten Vormund wieder zu uͤbertra⸗ gen, wenn der zweite ſeine Entlaſſung nicht in Anſpruch nimmt. Das Wort pourra könnte aber zu dem Zweifel ſtatt geben, ob in dem Falle, wo der letzte ſeine Entlaſtung ſordert, der erſte Vormund gezwungen werden kann, ſie wie⸗ der zu ubernehmen? Ich glaube allerdings. Zwar läßt ſich aus der roͤmiſchen Geſetzgebung kein Grund ableiten, weil in derſel⸗ ben der Kurator ausdruͤcklich nur fur die Zeit der Verhinderung des Vormundes ernannt war; aber die Abfaſſung des Art. 431 ſcheint mir auch keineswegs unbeſtimmt. Das Wort: pourra, zeigt bloß die Vollmacht des Familien Raths anz und da das Geſetz den neuen Vormund berechtigt, ſeine Ent⸗ laſſung nachzuſuchen, und der erſte keinen Entſchulbigungs⸗ 359 Grund mehr fur ſich hat, die Uebertragung der Vormund⸗ ſchaft an einen Dritten aber einestheils dem Intereſſe des Minderjaͤhrigen nachtheilig ware, und anderntheils nirgends erlaubt iſt, ſo muß man daraus folgern, daß der Famllien⸗ Rath berechtigt iſt, in dieſem Falle den erſten Vormund zu zwingen, die Vormundſchaft wieder zu ubernehmen⸗ 4) Ich glaube inzwiſchen aus dieſem Ausdruck: pourra⸗ die Behauptung ableiten zu koͤnnen, daß es dem Ermeſſen des Familien Rathes uͤberlaſſen bleibt, ob er von dieſem Rechte Gebrauch machen will, und eben ſo, ob er, wenn der alte Vormund die Vormundſchaft zuruͤckfordert, dieſem Antrag willfahren will, oder nicht. Oft kann die Erfahrung bewieſen haben, daß der neue Vormund dem Intereſſe des Pupillen beſſer vorzuſtehen weiß, als der erſte; oft kann es umgekehrt der Fall ſein; hat die Vormundſchaft nur noch kurze Zeit zu dauern, ſo kann ein neuer Wechſel derſelben mit Nachtheilen verknuͤpft ſein. Hätte der Geſetzgeber aber den Familien Rath verpflichten wollen, dem Antrag des neuen Vormundes um Entlaſſung oder dem des alten um Wiedev⸗ einſetzung in die Vormundſchaft unbedingt und ohne Unter⸗ ſuchung zu willfahren, ſo wurde er ſich des Ausdrucks: elle loi sera rendue, anſtatt des fakultativen Ausdrucks: elle pourra lui dre rendue, bedient haben. 5) Da die Entſchuldigung, die aus der Fürſorge fuͤr eine eig⸗ ne zahlreiche Familie abgeleitet iſt, zum Vortheil des Min⸗ derjährigen begrundet worden, ſo durfte ſie dieſem nicht zum Nachtheil gereichen. Dies wäre jedich der Fall geweſen, wenn ſie nicht allein a tutöja suscipienda, ſondern auch a iutéln suscepta hätte befreien können. Nichts iſt dem Intereſſe des Minderjährigen nachtheiliger, als jeder Wech⸗ ſel in der Perſon des Vormundes. 360 6) Aus demſelben Grundſatze hat man in Hinſicht auf den, aus einem hohen Alter abgeleiteten, EntſchuldigungsGrund eine ganz entgegengeſetzte Folgerung gezogen. Wer ehedem eine Vormundſchaft uͤbernommen hatte, konnte ſie wegen dem ſeitdem erreichten Alter von 70 Jahren nicht mehr ab⸗ geben(F. I3. Instit. de excusat) und dieſer Grundſatz ward ſo ſtrenge gehandhabt(Cuſos, in hb. 5. resp. Pap. ad L. 28 H de excusat.) daß man nicht einmal die Entſchuldi⸗ gung desjenigen annahm, der ſein 70tes Jahr erſt in den 50. Tagen, die zum Vortrag der Entſchuldigungen geſtattet waren, erreicht hatte. Die neue Geſetzgebung ſieht die aus dem Alter abgeleitete Entſchuldigung aus einem weit gunſtigern Geſichts Punkt an; man fuͤrchtete ſchlecht fuͤr das Intereſſe des Minderjährigen zu ſorgen, wenn man einen Greiß, der ſich ſelbſt zur Fuͤhrung der Vormundſchaft allzuſchwach fuͤhlt,(denn das Alter allein kann nie ein Grund des Aus⸗ ſch luſſes von einer Vormundſchaft werden) zwingen woll⸗ te, ſie fortzuführen. Aus dieſem Grunde glaube ich auch: a) daß das, ſeit der Berathſchlagung des Familienrathes aber vor der Zuſtellung derſelben eingetretene Alter von 65 Jahren eine guͤltige Entſchuldigung darbietet. b) Daß nach der Regel: in favorabihhus annus incep- tus pro compleio habetur, der Vormund ſeine Be⸗ freiung in Anſpruch nehmen kann, ſobald er das 7ote Jahr angetreten hat. Wenigſtens duͤrfte das Intereſſe des Pupillen wenig dabei gewinnen, wenn man ihn zwingen wollte, die Vormundſchaft noch die wenige Monate bis zu Ende des Jahres fortzu⸗ fuhren. 361 Nro. 2. Von den Gruͤnden, welche zur Uebernahme einer Vormundſchaft unfähig machen, und von derſelben ausſchlieſſen. §. 139. Die Eigenſchaften, welche von der Vormundſchäft unbe⸗ dingt ausſchlieſſen, ſind von einer doppelten Art: 1) Gruͤnde der Unfähigkeit, welche nichts entehrendes haben; 2) Gruͤnde der Unwuͤrdigkeit, welche aus einem in der öffentlichen Meinung herabwuͤrdigenden Fak⸗ tum hervorgehen. Beide haben die gemeinſchaftliche Wirkung, daß ſie jeden Vormund, ſowohl den geſetzlichen(ſelbſt Vater und Mutter nicht ausgenommen) als den teſtamentariſchen, von der Vormundſchaft ausſchlieſſen; daß die dative Vormund⸗ ſchaft demjenigen, in Hinſicht auf welchen ſie beſtehen, nicht uͤbertragen werden kann, und, falls ſie dennoch uͤbertragen worden iſt, der unfähige Vormund abberufen, der unwuͤrdige abgeſetzt werden muß. Locre, VI. 208 et suiv. v. Almendinge„ 243. 1) Man findet die allgemeine Prinzipien der, im 7ten Abſchnitt des zweiten Kapitels des Litels X des Codex enthaltenen, Verfuͤgungen bei Locré und in der oben angefuͤhrten Ab⸗ handlung mit vieler Deutlichkeit und Präziſion entwickelt. Doch konnte die Unbeſtimmtheit einiger Ausdruͤcke bei Lo⸗ cre zu unrichtigen Anſichten uͤber einige Punkte fuͤhren, die ich deshalb hier beruͤhren zu muͤſſen geglaubt habe. 2) Höchſt rechtlich und human iſt die Eintheilung der Urſachen des Ausſchluſſes von der Vormundſchaft in Gruͤnde der Unfaͤhigkeit und Unwuͤrdigkeit. Es wäre da⸗ 362 her ſehr zu wuͤnſchen geweſen, daß man den 7ten Abſchnitt in zwei UnterAbtheilungen eingetheilt, und die Gruͤnde je⸗ der Gattung insbeſondere abgehandelt hätte. Es läͤßt ſich daher auch, mit Locrs, den Familien Räthen nicht genug anempfehlen, ſich bei der Abfaſſung ihrer Berathſchlagungen ſtrenge nach dem Geiſt des Coder zu bemeſſen, und den Un⸗ terſchied zwiſchen révocation und desutunon nicht aus den Augen zu verlieren. 3) Es iſt die gemeinſchaftliche Wirkung dieſer Urſachen, daß ſie die Nichtigkeit der, bei einer ſchon vorhandenen Unfähigkeit oder Unwuͤrdigkeit, ubertragenen und übernommenen Vor⸗ mundſchaft zur Folge haben. Hr. v. Almendingen fin⸗ det, daß es nach einer ſtrengen Rechtsmetaphyſik mit dieſer Entſcheidung nicht keicht in Harmonie zu bringen ſei, daß demohngeachtet die mit dem Dritten bona ie abgeſchloſ⸗ ſene Geſchäͤfte guͤltig bleiben ſollen. Cocre VI. 229.) Man braucht jedoch nur die verſchiedene Urſachen der Unfähig⸗ keit und Unwuͤrdigkeit durchzugehen, um ſich zu uͤberzeu⸗ gen, daß dieſer von Locre im Allgemeinen aufheſtellte Grund⸗ ſatz auf einen beſondern Fall zu beſchraͤnken iſt, in welchem je⸗ ner Widerſpruch ganz wegfallt, weil ſich grade in dieſem Falle nicht behaupten läͤßt, daß die Vocation oder Ernen⸗ nung in ihrem Prinzip nichtig geweſen ſein, naͤmlich auf den Fall des Art. 444, welchem wir hiernach noch eine be⸗ ſondere Bemerkung widmen werden. Im Falle des Art. 443 tritt der Ausſchluß oder die Deſtitution von Rechtswe⸗ wegen, ipso Jure, ein; alle ſeitdem mit dem Vormund ver⸗ handelte Geſchäfte ſind daher null und nichtig. Ein glei⸗ ches wuͤrde der Fall mit allen Geſchaͤften ſein, die ein Dritter mit einem Vormund verhandelt hätte, der mit ei⸗ 363 ner der drei erſten im Art. 442 aufgezäͤhlten Unfaͤhigkeiten behaftet geweſen wäre; denn da dieſe Unfaͤhigkeiten nicht aus faktiſchen ThatUmſtaͤnden ſondern aus einer geſetzlichen Be⸗ ſtimmung herflieſſen, deren Unwiſſenheit nicht entſchuldigt, ſo koͤnnte der Dritte nie behaupten, in bona Rde gewefen zu ſein. Die vierte, in demſelben Artikel begruͤndete, Unfähig⸗ keit beruht allerdings auf einem faktiſchen Umſtand, der dem Dritten unbekannt ſein kann; allein ich glaube, daß eben deshalb, weil es der Beurtheilung des Familienraths und der Gerichte uͤberlaſſen bleibt, ob der Prozeß, den der Vormund, oder ſeine Aeltern, mit dem Pupillen haben mag, wichtig genug ſei, um dieſe Unfaͤhigkeit zu begruͤnden, ſich auch hier nicht behaupten läßt, daß die Vormundſchaft in ih⸗ rem Prinzip nichtig geweſen ſei; indem der geſetzliche oder teſtamentariſche Vormund mit keiner legalen Unfaͤhigkeit be⸗ haftet iſt, und, wenn die Familie bei Gelegenheit der Er⸗ nennung des Gegen Vormundes ihn in der Vormundſchaft anerkennt, mit Recht behaupten kann, daß ſie keinen hin⸗ reichenden faktiſchen Grund zur Unfaͤhigkeit in ihm befun⸗ den habe. Offenbar waͤre dies noch mehr der Fall, wenn ſie ihm, des beſtehenden Prozeſſes ohngeachtet, die dative gormundſchaft deferirt haͤtte. 4) Wenn demnach Locre folgenden Unterſchied zwiſchen den Gruͤnden der Unfaͤhigkeit und der Unwuͤrdigkeit aufſtellt: daß wegen eines hintenher eintretenden Unfähigkeits Grundes die Vormundſchaft revozirt werden muͤſſe, wegen der Un⸗ wärdigkeit, deren Beurtheilung ſchwierig und ſubjectiv ſei, der Vormund aber abgeſetzt werden könne, ohne daß ein ge⸗ ſetzlicher Imperativ fuͤr den Familien Rath beſtehe, ſo erfor⸗ dert dies auch einige Erläuterung. Der Ausdruck: destituable, 364 (descituendus) ſchließt allerdings den geſetzlichen Imperativ fuͤr den Familien Rath in ſich, denjenigen Vormund abzu⸗ ſetzen, deſſen ungetreue Verwaltung oder notoriſch ſchechter Lebenswandel bewährt und anerkannt iſt. Die Beurtheilung der ſubjektiven Schuld des Vormundes mußte allerdings dem Ermeſſen der Glieder des Raths, die in dieſer Hinſicht verſchiedener Meinung ſein können, uͤberlaſſen bleiben; ſobald aber der Rath anerkannt hat, daß eine ſolche Urſache der Unwuͤrdigkeit vorhanden ſei, ſteht es nicht mehr in ſeiner Befugniß, den Vormund abzuſetzen ober nicht. Es beſteht daher in dieſer Hinſicht kein Unterſchied zwiſchen den Gruͤnden der Unfähigkeit oder Unwuͤr⸗ digkeit. Daß die Beurtheilung der erſten in den meiſten Fällen weniger ſchwierig iſt, als die der letztern, iſt zufällig; auch bietet uns der No. 4 des Art. 442 das Bei⸗ ſpiel eines Falles dar, wo auch die erſte der Beurtheilung des Familien Raths unterworfen ſind. 5) Wenn Hr. v. Almendingen, S. 249 bemerkt: beide entfernen von der Theilnahme an der OberVormundſchaft, oder von dem Eintritt in den Familien Rath, ſo hat man dies unter der F. 131, No. 1. S. 329 entwickelten Beſchrän⸗ kung zu verſtehen. 6) Wir haben bereits mehrmal bemerkt, daß keine Entſchuldi⸗ gung einen Vater berechtigt, die Vormundſchaft ſeiner eignen Kinder abzulehnen; Grunde der Unwürdigkeit oder Unfähig⸗ keit ſchließen aber den Vater, wie jeden andern(nicht von der Ausuͤbung der väterlichen Gewalt, ſondern) von der Verwaltung des Vermoͤgens ſeiner Kinder aus. Auſſerdem daß es widerſinnig wäre, zu behaupten, ein Unfaͤhiger oder Unwuͤrdiger könne von ſeiner Eigenſchaft als Vater Vor⸗ 365 theil ziehen, um das Vermoͤgen ſeiner Kinder zu verſchleu⸗ dern, geht es auch aus dem Art. 442 hervor, daß, wo eine Ausnahme zu Gunſten der Aeltern zuläſſig war, der Geſetz⸗ geber ſie auch gemacht hat. Die Beſtimmungen, in Hinſicht auf welche keine ſolche Ausnahme ſtatt findet, ſind alſo auf ſie anwendbar. 7) So oft eines der Aeltern der Vormundſchaft entſetzt wor⸗ den iſt, wird die Vormundſchaft dativ.(Art. 408.) 8) Verliert der als Vormund abgeſetzte Vater den Nießbrauch des Vermoͤgens ſeiner Kinder? Man hat dieſe Frage vernei⸗ nend zu beantworten, weil dieſer Nießbrauch ihm nicht als Vor⸗ mund, ſondern als Vater, kraft der väterlichen Gewalt zuſteht. §. 140. A) Die unfähigkeitsUrſachen gruͤnden ſich: a) auf eine Eigenſchaft der Perſon, nämlich: 1) die Minorität,(welche jedoch die Aeltern nicht ausſchließt); 2) die Interdiktion; 3) das Geſchlecht,(mit Ausnahme der Mutter, welche zur geſetzlichen Vormundſchaft berufen iſt, und der weiblichen Aszendenten, die zur dativen Vor⸗ mundſchaft berufen werden können.) b) Auf ein beſonderes Verhältniß zwiſchen dem Vor⸗ mund und dem Minderjahrigen, nämlich einen wichti⸗ gen, den Stand oder einen groſſen Theil ſeines Ver⸗ mögens betreffenden, Rechtsſtreit zwiſchen ihm und den Vormund, oder deſſen Aeltern. B) Unwuͤrdigkeits Urſachen ſind: a) die Verurtheilung zu einer peinlichen oder entehren⸗ den Sttafe; 44 366 b) eine notoriſch ſchlechte Auffuͤhrung; c) ungetreue Verwaltung; d) Unfähigkeit. Locre, VI, 209 et suiv. Projet du C. C. liv. 1. tit. 9. art. 35, Sb. Blu clel, g. 43, 47. Thibaut, S. 501. L. 5. C. de legit. tut.(3. 30.) L. 135. F. 1. L. 17. fl. de tut.(26. I.) L2. f. de R. J.(50. 17) LL. 1, 2 et 3. C. quando mulier. tut. oft. (5 35 L. h.§. 18. L. 10. 5. 8. LL. 11, 20, 21 et 4o. fl. de eycusat. tut.(37. I.) L. 26. in pr. L. 27.§. 1. f. de test. tut.(26. 2.) L. 3. 9. 5, 12 et 17. ff. de suspec. tut. (a6. 10.) L. 4. S. 4. eod. tit. L. 6. H. ubi pup. educ,(27. 3.) Nov. 72, cap. 2 et 5. Nov. 94. cap. a. Nov. 118 cnp. 5. Allg Bibl. I. 245. 1) v. Almendingen macht die Bemerkung, daß die Aus⸗ nahme des Geſetzes in Hinſicht auf die Vormundſchaft des minderjährigen Vaters*) nur ſcheinbar ſei, indem derſelbe durch die Heirath emanzipirt werde und die väterliche Gewalt uber ſeine Kinder erlange. Daraus wuͤrde, ohne eine beſondere geſetzliche Verfuͤgung, aber doch nicht folgen, daß die Verwaltung des eignen Vermo⸗ gens, welches ſeine Kinder erwerben mögen, ihm während ihrer Minderjährigkeit ſogar auch dann zuſtehn ſoll, wenn der Schenkgeber oder Erblaſſer dem Vater die Nutznieſſung deſſelben verſagt hat. Auch iſt es nicht ganz richtig, daß der Emanzipirte, die Veraäuſſerung unbeweglicher Gäter ausgenommen, alle Handlungen des Volljährigen vorneh⸗ men duͤrfe. 2) Der gerichtlich anerkannte Verſchwender gehoͤrt heut⸗ —— *) Bei dieſer Gelegenheit belehren uns die Verfaſſer der Pandecten Hraugaises,(IV. 556.) daß der minderjährige GroßPa⸗ ter nicht Vormund ſein konue⸗ 367 zutage nicht mehr unter die Zahl der Interdizirten. Er kann jedoch immer durch die Anwendung des Art. 442 von der Vormundſchaft ausgeſchloſſen oder abgeſetzt werden, da es wohl keinen ſtärkern Beweiß der Unfaͤhigkeit zur Verwaltung fremden Gutes geben kann, als eine Prodigalitäts Erklaͤrung. 3) Die Verfuͤgung des No. 4. des Art. 443 iſt weit gelinder, als die ihr entſprechende Verfuͤgungen des roͤmiſchen Rechtes. (Inst. de excus.§ 4, 11et 12.) Zugleich iſt es aber auch konſequenter, daß in dem daſelbſt ausdrucklich vorgeſehenen Falle nicht ſowohl ein EntſchuldigungsGrund, als ein Unfähigkeits Grund zur Vormundſchaft entſteht. Die Beſchraän⸗ kung des neuen Rechts iſt ubrigens mit um ſo weniger Nach⸗ theil verbunden, als der Familien Rath die perſönliche Ver⸗ hältniſſe des Vormundes zu dem Pupillen und ſeiner Fa⸗ milie beruͤckſichtigen kann. So wird er z. B. wohl ſchwerlich denjenigen zum Vormund ernennen, deſſen Frau, Geſchwiſter oder Kinder mit dem Minderjährigen einen wichtigen Prozeß fuͤhren. Sollte aber ein ſolcher Prozeß nach dem Antritt der Vormundſchaft entſtehen, ſo muß man nach dem Art. 442 entſcheiden, daß er zur Abſetzung des Vormundes nicht berechtigen kann. 4) Wir haben bereits oben bemerkt, daß die Beurtheilung der Frage, ob der Prozeß, den der Vormund(oder ſeine Aeltern) mit dem Minderjaͤhrigen wirklich haben mag,(denn ein beendig⸗ ter Rechtsſtreit iſt gleichfalls kein Grund der Unfähigkeit) in die Klaſſe derjenigen gehoͤrt, welche dem Art. 442 zufolge die Unfaͤhigkeit hervorbringen, dem Ermeſſen des Familienraths, vorbehaltlich des Rekurſes an die Gerichte, uberlaſſen bleibt. 5) In Hinſicht auf den Art. 443 iſt zu bemerken, daß jede entehrende oder peinliche Strafe die Abſetzung von der Vor⸗ 368 mundſchaft nach ſich zieht, waͤhrend nur eine entehren⸗ de Strafe ein Grund zur Eheſcheidung iſt. Wir haben bereits damals bemerkt, daß in dem jetzigen Zuſtand der peinlichen Geſetzgebung jede peinliche Strafe zugleich entehrend iſt. 6) Nach dem römiſchen Rechte war jede Abſetzung von ei⸗ ner Vormundſchaft infamirend. Der Coder ſucht dieſe Anſicht in unſere Sitten zu uͤbertragen, indem er das ſchlechte Betragen des Vormundes den Unwuͤrdigkeits⸗ Gruͤnden beizählt. Aus der Vergleichung des Tertes mit dem Projekt(Art. 53) ergiebt es ſich, daß, damit das ſchlechte Betragen des Vormundes zur Abſetzung ſtatt gebe, nicht nothwendig erfordert wird, daß daſſelbe von nachtheiligem Einfluß auf die Sitten des Minderjäͤhrigen ſei; zugleich beweißt aber die Bedingung der Offenkundigkeit dieſes Betragens hinlänglich, daß das Geſetz keine ge⸗ häſſige und diffamatoriſche Inquiſition erlauben wollte. Aller⸗ dings behält hier die Willkuͤhr des Familienraths einen groſſen Spielraum, weil es ſchwer iſt, den Begriff der Offenkundigkeit an beſtimmte Thatſachen zu knuͤpfen. Nur in Fällen, wo ſie aus öffentlichen und authentiſchen Akten hervorgeht, z. B. aus einer Verurtheilung wegen Vergehen gegen die guten Sitten, fallen alle Schwierigkeiten weg. 2) Daſſelbe gilt von der unfähigkeit, welche, der zweiten Be⸗ ſtimmung des Art. 444 zufolge, gleichfalls ein Grund der Unwuͤrdigkeit iſt.(Dieſelbe Schwierigkeit iſt in Hinſicht auf die Veruntreuung, die gleichfalls die Abſetzung von der Vormundſchaft nach ſich zieht, nicht vorhanden, indem dem Vormund eine ſolche nicht zur Laſt gelegt werden kann, ohne beſtimmte Thatſachen zu artikuliren) Doch 369 giebt es gleichfalls einige Fälle, in welchen der Beweiß dieſer Unfähigkeit ſich aus authentiſchen Akten ergeben kann: a) ſo iſt unbezweifelt derjenige, deſſen Unfaͤhigkeit zur Ver⸗ waltung ſeiner eignen Geſchaͤfte durch eine gerichtliche ProdigalitaͤtsErklärung bewaͤhrt iſt, zur Verwaltung fremder Angelegenheiten untauglich. b) Daſſelbe gilt von dem Falle eines Falliments oder einfa⸗ chen Bankerotts,(der betruͤgeriſche Bankerott ſchließt auſſer dem Beweiß der Unfuͤhigkeit auch den eines ſchlechten Be⸗ tragens in ſich.) So hat ein Urtheil des Appellhofes von Dijon vom 17 Juni 1804 den Vater, der fallirt hatte, von der Vormundſchaft ausgeſchloſſen. Zwar kann ein Falliment auch die Folge eines unverſchuldeten Ungluͤcks geweſen ſein, aber das Intereſſe des Pupillen wäre den⸗ noch allzuſehr gefäͤhrdet, wenn die Verwaltung ſeines Vermoͤgens in den Haͤnden des Falliten bleiben ſollte. Eine Ausnahme will Bloͤchel(§. 46.) in dem Falle geſtatten, wenn der Vater, der fallirt hat, fuͤr das Mo⸗ bilarVermoͤgen der Kinder hinreichende Buͤrgſchaft ſtellt. 8) Zwei andere, von demſelben(S5. 44 und 43) aufgeworfene Fragen, ob die vor der Verurtheilung zum buͤrgerlichen Tode gemachte Ernennung eines Vormundes durch dieſe Verurtheilung nichtig werde, und ob derjenige, der eine Vor⸗ mundſchaft durch betrugliche Mittel erſchlichen hat, davon abgeſetzt werden könne,(L. 21. F. ult. ff. de tut. et cur.) ſcheinen eben keine groſſe Schwierigkeit darzubieten. Die Er⸗ nennung eines Vormundes iſt bloß der Form nach von den uͤbrigen letzten Willens Meinungen verſchieden, und muß da⸗ her im Falle des buͤrgerlichen Todes das Schickſal dieſer 1I. Th. 24 44⁵ 447 445 370 letzten theilen; in dem zweiten Falle findet man in dem Spielraum, welchen der Art. 444 der Willkuͤhr des Fami⸗ lien Rathes laͤßt, das Mittel, den Betruͤger von der Vormund⸗ ſchaft zu entfernen. Sechſte UnterAbtheilung. Pon der Abſetzung der Vormuͤnder und Gegen Vormuͤnder. §. 141. Iſt ein Unfähiger oder Unwürdiger zur geſetzlichen oder teſtamentariſchen Vormundſchaft berufen, oder tritt ruͤckſichtlich auf einen ſolchen oder einen vom Familien Rath ernannten Vormund nach der Uebernahme der Vormundſchaft ein Grund der Unwuͤrdigkeit oder Un⸗ fähigkeit ein, ſo hat der Familien Rath uber ſeine Abſetzung zu berathſchlagen. Derſelbe kann zu dem Ende berufen werden: a) von dem FriedensRichter, von Amtswegen, wozu er aus dem öffentlichen Ruf oder der Anzeige jedes Dritten die Veranlaſſung nehmen kann; b) von dem GegenVormund; e) auf Anſuchen eines oder mehrerer Verwandten oder Verſchwaͤgerten des Minderjäbrigen, im Grade von GeſchwiſterKindern oder noch näherem Grade. Der FamilienRath muß vor Allem den Vormund be⸗ rufen, und, wenn er erſcheint, uͤber die gegen ihn vorge⸗ brachte Beſchwerden anbören. Wird die Abſetzung ge⸗ nehmigt, ſo muß die diesfallſige Berathſchlagung die Grün⸗ de enthalten. Unterwirft der Vormund ſich derſelben ſo geſchiebt von ſeiner Erklärung Meldung, und der zu ſeinem Nachfolger ernannte Vormund trit ſogleich ſeine Amtsverrichtungen an. 371 Findet der Vormund ſich aber durch die Abſetzung de⸗ ſchwert, ſo hat der Gegen Vormund die Beſtaätigung der Berathſchlagung des Rathes bei dem Tribunal erſter In⸗ ſtanz nachzuſuchen, welches nur vorbehaltlich der Appella⸗ tion, jedoch in den Friſten, die fuͤr die Entſcheidung dringender Rechtsſachen vorgeſchrieben ſind, daruͤber zu erkennen hat. Der abgeſetzte oder ausgeſchloſſene Vormund kann ſeiner⸗ ſeits den Gegen Vormund vorladen laſſen, um erkennen zu ſehen, daß er in der Vormundſchaft beibehalten werde. Die Verwandte oder Verſchwaͤgerte, welche die Zuſam⸗ menberufung des Rathes provozirt haben, können in dem Rechtsſtreit als Intervenienten auftreten. Eben ſo ſteht es, falls die Majorität des Raths den Vor⸗ mund in der Vormundſchaft beibehalten hat, dem Gegen⸗ Vormund, ſo wie den uͤberſtimmten Gliedern frei, die Re⸗ formation dieſes Beſchluſſes und die Abſetzung des Vor⸗ mundes vor den Gerichten zu betreiben. Locre, VI, 257 et suiv. Procès-verbal du 25 vendémiaire 11. Projet du C. C. liv. 1. tit. 9. art. 53% 61. L. 7. Cod. de usp. tut, I5. 43.) Inst. 5. 7. eod.(1 26) Thibaut, S. 547. litt. C. D. E. Art. 383 834 und 889 des Geſetzbuchs über das Verfahren im vuͤrgerl. Prozeß. v. Almendingen, Alls⸗ Bibl. 254, 257. Annalen der Geſetzg. Nap. I. 96. Blcchel. . 50, 53. 1) Bei der dativen Tutel iſt der Fall, daß ein unfähiger oder unwuͤrdiger Vormund zur Vormundſchaft gelange, nur dann möglich, wenn der Grund der Unfaͤhigkeit oder Unwuͤrdigkeit dem Familien Rath unbekannt war. Sobald alsdann dieſer Grund zur Kenntniß des Gegen Vormundes, des FriedensRich⸗ ters oder der Verwandten gelangt, muß der Rath zuſam⸗ ℳ 14⁴9 37² mentreten, um uͤber den Wieberruf der Ernennung oder die Abſetzung zu berathſchlagen. Ben der geſetzlichen und te⸗ ſtamentariſchen Tutel wird die Berufung des Rathes, noch vor dem wirklichen Antritt der Vormundſchaft, durch den Art. 421, zur Ernennung eines Gegen Vormundes verſichert, bei welcher Gelegenheit er ſich auch mit der Unterſuchung zu beſchaͤftigen hat, ob in Hinſicht auf den Vormund kein Grund der Unfaͤhigkeit oder Unwuͤrdigkeit vorhanden iſt. Tritt der Grund der Unfaͤhigkeit oder Unwuͤrdigkeit erſt nach der wirklichen Uebernahme der Vormundſchaft ein, ſo wird diejenige der von dem Art. 446 berufenen Petſonen, die zu⸗ erſt Kenntniß davon erhaͤlt, die Verſammlung zu provoziren nicht ermangeln. Die beſondere Pflicht dazu hat der Ge⸗ gen Vormund auf ſich,(Art. 420.) weshalb auch der Rath auf ſein Betreiben(à sa diligence) berufen werden muß, wenn er dem FriedensRichter von der Exiſtenz eines ſolchen Grundes die Anzeige macht, waͤhrend die Berufung, wenn dieſe Anzeige durch einen Verwandten geſchieht, durch den FriedensRichter geſchehen muß, weil, wenn man den Ver⸗ wandten die Obliegenheit aufsebuͤrdet haͤtte, fuͤr die Zuſtel⸗ lungl der Ladungen Sorge zu tragen, zu befuͤrchten ſtand, daß ſie die Anzeige unterlaſſen moͤchten. 2) Um dieſe Berufung zu provoziren, iſt nur der von dem Art. 446 beſtimmte Grad der Verwandtſchaft vonnoͤthen; es iſt dazu keineswegs erforderlich, daß der provozirende Verwandte auch Mitglied des Familienrathes ſeiz und umgekehrt ertheilt die Eigenſchaft als Mitglied des Familienrathes dieſes Recht nicht, wenn ſie nicht von der Verwandtſchaft beglei⸗ tet iſt. Dieſe Beſchränkung hat um ſo weniger Nachtheil, weil auch die von einem Dritten gemachte Anzeige den ₰ 4 373 Friedensrichter zur Berufung des Rathes von Amtswegen berechtigt. Der Art. 447 verpflichtet den Familienrath nur dann, den Vormund anzuhoͤren, wenn er der Meinung iſt, daß die Abſetzung ſtatt finden ſolle. Findet der Rath die gegen den Vormund vorgebrachte Beſchuldigungen offenbar falſch oder ungerecht, ſo braucht er ſie demſelben gar nicht mitzutheilen, ſondern kann ſie auf ſich beruhen laſſen. Auch muß die Berathſchlagung nur dann die Beweggruͤnde enthaiten, wenn das Reſultat derſelben die Abſetzung oder der Aus⸗ ſchluß iſt, nicht aber im entgegengeſetzten Falle; dieſe Maasregel hat den doppelten Zweck, falls eine Unwuͤrdig⸗ keitsurſache zur Abſetzung ſtatt gegeben hat, den Unwuͤrdi⸗ gen deröffentlichen Meinung zu bezeichnen, und falls eine Un⸗ fähigkeit den Ausſchluß veranlaßt hat, die Ehre des Unfaͤhigen zu retten. Dem Ermeſſen des FriedensRichters bleibt es uberlaſſen, die Zeit zu beſtimmen, in welcher der Vormund zu erſcheinen hat. Es wird ſchicklich ſein, in der ihm zu ertheilenden Ladung ihm die gegen ihn vorgebrachte Beſchuldigungen mitzutheilen, um ihn in den Stand zu ſetzen, ſeine Vertheidigung vorzubereiten. Hr. v. Almendingen bemerkt, der Art. 447 verordne dem Geiſt, nicht den Worten nach, daß der Familien Rath den wegen Unfaͤhigkeit zu entfernenden(d. h. nicht zu ernennenden) Vormund weder zu rufen noch zu hoͤren brau⸗ che. Man hat folgende zwei Fälle wohl zu unterſcheiden: da dem Art. 432 zufolge der naͤhere Grad der Verwandt⸗ ſchaft kein Recht zur Vormundſchaft ertheilt, und der Fami⸗ kien Rath alſo nicht gezwungen iſt, dieſen oder jenen zu ernen⸗ nen, ſo kann er allerdings bei Beſtellung der dativen 374 Vormundſchaft den unfähigen Verwandten ſtillſchweigend uͤbergehen, ohne ihn zu hoͤren, indem derſelbe, da er kein Recht auf die Vormundſchaft hatte, ſich uͤber dieſe Nicht⸗ Ernennung nicht beſchweren kann. Tritt aber die Urſache der Unfaͤhigkeit ſpäterhin ein, oder war ſie zur Zeit der Er⸗ nennung dem Rathe unbekannt, ſo kann der einmal ernannte Vormund auch nicht wegen Unfaͤhigkeit entfernt werden, ohne vorher gehoͤrt worden zu ſein. §) In Hinſicht auf den Art. 448 iſt zu bemerken, daß der Re⸗ kurs an die Gerichte den Verwandten oder Verſchwaͤgerten, welche die Berufung des Rathes provozirt haben, nur dann offen ſteht, wenn ſie auch Mitglieder dieſes Rathes waren. Weder der Art. 448 noch der Art. 883 des Geſetzb. uͤber das Verf. im buͤrg. Prozeß ertheilt ihnen im entgegengeſetzten Falle dieſes Recht; doch behaͤlt ihnen der Art. 449 bevor, wenn die Sache ohnehin anhaͤngig gemacht wird, als In⸗ „ tervenienten aufzutreten. 6) Haben die Beamten des oͤffentlichen Miniſteriums das Recht, gegen die Berathſchlagung eines Familien Raths, wodurch der Antrag auf Abſetzung eines Vormundes verworfen wor⸗ den, von Amtswegen einzukommen, wenn keine der Partheien von ihrem Klagrecht Gebrauch macht? Locre macht fol⸗ genden Unterſchied: wenn der Grund, aus welchem auf die Abſetzung des Vormundes angetragen worden, ein faktiſcher ſei, * deſſen Beurtheilung dem Familien Rath als einem Geſchwornen Gerichte uͤberlaſſen bleibe, ſo finde jenes Klagrecht des oͤffent⸗ lichen Miniſteriums nicht ſtatt; wohl aber dann, wenn der Familien Rath einen rechtlichen und durch authentiſche Akte erwieſenen Entfernungs Grund nicht angewendet habe. Dieſe ganze Anſicht iſt meines Erachtens hoͤchſt irrig. Der Fami⸗ — 375 ken Rath kann burchaus keinem Geſchwornen Gericht verglichen werden, deſſen weſentlicher Charakter darin beſteht, daß ſeine, nach innerer Ueberzeugung erlaſſene, Entſcheidungen von keinem höheren Richter umgeſtoſſen werden koͤnnen⸗ nicht aber darin, daß es; faktiſche ThatUmſtände zu beurtheilen hat, was bei jedem andern Gerichte gleichfalls der Fall iſt. Dem Staatsrecht gemäß beſchränkt ſich aber die Gewalt der Beamten des oͤffentlichen Miniſteriums darauf, in anhängigen Rechtsſachen das Intereſſe des Geſetzes im Requiſitions Wege zu vertheidigen.(Art. 88 des Geſetzes vom 27 Ventoſe 8, Art. 2 des Titels 8 des Geſetzes vom 24 Auguſt 1700.) Die Fälle, worin ſie ſelbſt klagbar aufzutreten befugt ſind, ſind Ausnahmen von der Regel, und ausdräcklich im Geſetz beſtimmt.*) Da nun aber das oͤffentliche Miniſterium unter den Perſonen, wel⸗ che gegen eine Berathſchlagung des Familien Raths einzu⸗ kommen berechtigt ſind, nicht angefuͤhrt iſt, ſo glaube ich auch nicht, daß dieſes Recht ihm zugeſtanden werden kann⸗ Von denſelben Grundſätzen iſt der Caſſationshof in ſeinem urtheil vom 26 Auguſt 1807(in meinen Annal. a. a. O.) ausgegangen. Wem verbleibt die Verwaltung waͤhrend dem Rechtsſtreit, der dem Art. 889 des Geſ. uͤber den b. P. zufolge zwei Inſtanzen hat? In der Regel dem Vormund, weil die Berathſchlagung des Familien Rathes nur dann exekutoriſch iſt, wenn er ſich der⸗ *) Wenn wir dem offentlichen Miniſterium das Recht, gegen die Ehe Oppoſition einzulegen, geſtatten, ſo iſt es nur in den Faͤllen, wo ihm das Geſetz ein Klagrecht auf Nullität der Ehe ausdruͤcklich bewulligt, weil dieſes Klagrecht das Recht der Oppoſition in ſich zu ſchlieſſen ſcheint. 49¹ 376 ſelben unterwirft. Die letze Verfuͤgung des Art. 440 hat zum Zweck, zu verhindern, daß dem Minderjaͤhrigen kein Nach⸗ theil daraus entſtehen könne. Sollte jedoch ein ſolcher zu befahren ſein, ſo ertheilt der Art. 135 des Geſ über das Verf. im buͤrg. Prozeß, No. 6, dem Tribunal erſter Inſtanz das Recht, den proviſoriſchen Vollzug ſeines Urtheils zu verord⸗ nen, und fur die einſtweilige Geſchäftsführung zweckmaäſſige Magsregeln zu treffen. 7) Kann der wegen ſeinem ſchlechten Betragen oder wegen ei⸗ nem Prozeß mit dem Minderjährigen ausgeſchloſſene Vor⸗ mund die Vormundſchaft unter dem Vorwande zuruͤckfordern, daß er z. B. in dem Falle eines Falliments rehabilitirt worden, oder daß der Prozeß beendigt ſei? Keineswegs, da die durch ſeine Abſetzung oder ſeinen Ausſchluß erledigte Vormund⸗ ſchaft nicht ad interim ſondern fuͤr immer beſetzt worden iſt. Sein Recht iſt daher unwiderruflich erloſchen, und ſollte die Vormundſchaft nachher zufällig erledigt werden, ſo bleibt ſie nichts deſtoweniger dativ; ſollte jedoch die Urſache der Unfaͤ⸗ higkeit weggefallen ſein, ſo waͤre der Familien Rath aller⸗ dings befugt, ſie dem erſten Vormund wieder zu uͤber⸗ tragen. Zweite Abtheilung. Pon der Peſtellung der Vormundſchaften uͤber Interdizirte. 5. 142. Auf die Interdiktion anzutragen iſt befugt: a) jeder Verwandte b) der Ehegatte; e) die Beamte des öffentlichen Miniſteriums(Kaiſerl. Prokuratoren) N im Falle der Wuth. In dieſem Falle ſind ſie 377 ſogar verpfiichtet dazu, falls die Interdiktion we⸗ der durch den Ehegatten noch durch die Ver⸗ wandte des Raſenden nachgeſucht wird; 2) im Fälle des Blödſinns oder Wahnſinns, wenn der Wahnſinnige weder verehelicht iſt, noch be⸗ kannte Verwandte hat. Locré, VI, 435 et„uiv. Procès-verbal du 3 germinal II. Ju- risprud, du C. Nap. 1608, II, 3b0. Pandectes krangaises, IV. 6%%. Thibaut, 6. 478, 509.§. 4. Iust, de Curat.(1. 23) LL. 6. et 15. H. de Curat, Hur.(27. 10.) L. 5. C. de Curat. fur.(5. 70.) 2) Man hat in dem Falle des Bloͤdſinns oder Wahnſinns das Recht, die Interdiktion nachzuſuchen, weder, dem Vor⸗ ſchlag des Appellhofes von Toulouſe zufolge, auf die naͤchſte Verwandten einſchränken wollen, weil die Familien⸗ Ehre gewiſſermaßen das gemeinſchaftliche Eigenthum aller FamilienGlieder iſt, noch hielt man es für raͤthlich, daſſelbe Recht dem Kaiſerl. Prokurator ſelbſt in dem Falle zu er⸗ theilen, wo der Blöd⸗ oder Wahnſinnige im Schooße ſeiner Familie lebt, weil gewöhnlich die Familien dergleichen Ge⸗ brechlichkeiten mit der größten Sorgfalt geheim zu halten und den Augen des Publikums zu entziehen bemuͤht ſind. 2) Das Intereſſe des Huͤlfsbeduͤrftigen mußte jedoch den Ge⸗ ſetzgeber beſtimmen, die Huͤlfe des Staats dann eintreten zu laſſen, wenn er weder einen Gatten noch Familie hat; und das Intereſſe des Staats macht dieſe Intervention der StaatsGewalt ihren Beamten zur Obliegenheit, ſobald die öffentliche Sicherheit durch die Handlungen eines Ra⸗ ſenden gefaͤhrdet wird. 3) Es mag jedoch nicht immer leicht ſein, den Blödſinn von dem Wahnſinn, den Wahnſinn von der Wuth zu unter⸗ 375 ſcheiden.(Siehe§5. 119, No. 6. S. 280.) Allgemeine Regeln laſſen ſich hier, wo alles aufs Faktiſche ankommt, nicht wohl aufſtellen; der Richter darf aber nie aus dem Auge verlieren, daß die Sorgfalt des Staates nur ſubſi⸗ diariſch ſein ſoll, und daher nur eintreten darf, wenn der verlaſſene Zuſtand des Bloͤd⸗ oder Wahnſinnigen oder die oͤffentliche Sicherheit es erfordert. Dieſen Grundſatz hat der Appellhof von Nismes in folgendem merkwuͤrdigen Falle gehandhabt: Ein gewiſſer Baumes, Offiüzier in dem 28 Regiment der Linien Infanterie, verliert plötzlich den Verſtand, und wird deshalb in ſeinen GeburtsOrt Vigon zuruͤckge⸗ ſchickt. Seine Narrheit beſtand darin, daß er ſich fuͤr den erſten Souverain, General, Advokaten, Gelehrten und Koch in ganz Europa hielt, und daher alle Anordnungen der Re⸗ gierung ſo wie der höchſten Staatsgewalten in ſeinen Reden verhohnte und tadelte. Der Prefekt des Gard Departement ließ ihn anfangs in das große Hospital zu Nismes brin⸗ gen; da er aber daſelbſt durch ſeine Deklamationen das ganze Haus in Unordnung und Verwirrung brachte, denun⸗ zirte er ihn durch einen Beſchluß vom 11 März 1807 dem Kaiſerl, Prokurator bei dem Tribunal zu Vigon als wahn⸗ ſinnig und raſend, der ſofort ſeine Interdiktion nachſuchte. Der Familien Rath gab ſein Gutachten dahin ab, daß kein hinreichender Grund zur Interdiktion vorhanden ſei, indem Baumes weder wahnſinnig noch raſend ſei, und, jene fixe Idee ausgenommen, den vollkommenen Gebrauch ſeiner Verſtandes Kräfte habe. Das Tribunal uͤberzeugte ſich auch von der Wahrheit dieſer Angabe, ſowohl durch das münd⸗ liche Verhor des Beklagten, als auch durch ſeine Vertheidi⸗ gung in der Audienz, worin er nach heftigen Ausfällen auf 379 die Regierung förmlich behauptete: alle! Mächte Europens haͤtten ihm nach dem Tode Ludwigs XVI. die franzoſiſche Krone zuerkannt; dieſes Tribunal ſprach durch ein Urtheil vom 2 Julius 1800 die Interdiktion aus, hauptſächlich aus dem Beweggrund, weil Baumes ſich, wo nicht im Zuſtand der Wuth, doch im Zuſtande des Wahnſinns befinde; „und weil dieſer Wahnſinn der Wuth gleichgeſetzt werden muͤſ⸗ „ſe, indem er durch ſeine beleidigende Ausfälle und Drohun⸗ „gen gegen die Regierung die öffentliche Ruhe ſtoͤren koͤnne; „daß daher das oͤffentliche Miniſterium befugt ſei, ſeine „Interdiktion zu verfolgen, weil ſeine Verwandte ſich ge⸗ „weigert haͤtten, dieſe Maasregel zu nehmen“ Allein die⸗ ſes Urtheil ward durch den Appellhof von Nismes am 27 Juni 1808 reformirt:„Angeſehen, daß wie ehrwuͤrdig und wichtig auch die Gegenſtände ſein mögen, an welchen ſich der Wahnſinn des Hrn. Baumes ausläßt, ſie doch die Gattung ſeines Zuſtandes nicht veraͤndern; daß man Ungluͤck⸗ liche geſehen hat, welche ſich fuͤr den Meſſias und Gott ſelbſt hielten, ohne deshalb gefaͤhrlich zu ſein; daß dieſer Zuſtand nicht als Raſerei betrachtet werden kann, und nichts mit ihr gemein hat; daß alſo das Tribunal erſter Inſtanz augen⸗ faͤllig ſeine Gewait uͤberſchritten hat, indem es angenom⸗ men hat, daß der bloſſe Wahnſinn, wenn er ſeine Richtung auf Regierungs Angelegenheiten nimmt, ſo wie die Wuth das Klagrecht des oͤffentlichen Miniſteriums begruͤnden koͤnne. ꝛc.“ 8) Mit Unrecht behaupten daher auch die Verfaſſer der Pan- dectes frangaises, im Falle der Weigerung von Seiten der Verwandten ſeien ſie als nicht vorhanden anzuſehn, und das Klagrecht des oͤffentlichen Miniſteriums begruͤndet. Es iſt auch kein vernuͤnftiger Grund dazu vorhanden. Hat der 494 495 496 497 498 380 Wahnſinnige eignes Vermoͤgen, ſo werden die, welche bei deſſen Echaltung betheiligt ſind, die zweckmäſſigen Maasre⸗ geln zu dem Ende zu ergreifen nicht verſäumen; beſitzt er keines, ſo iſt die Interdiktion ohne Zweck, da ſie nicht von⸗ noͤthen iſt, um ihn der Wohlthaten und der Vorſorge der Regierung theilhaft zu machen, §. 143 Um die Interdiktion einzuleiten uͤbergiebt der Kläger eine Bittſchrift, worin die Thatſachen des Bloͤdſinns, des Wahnſinns oder der Wuth umſtaͤndlich angefuͤhrt ſein muͤſſen. Die Beweißſtuͤcke muͤſſen derſelben heigefugt und die Zeugen darin nahmhaft gemacht werden. Das Tribunal hat, bevor es die Interdiktion erkennt, das Gutacheen des FamilienRathes, von welchem die klagende Verwandte jedoch ausgeſchloſſen ſind, einzuziehen, den Beklagten perſoͤnlich zu verhören, und den Antrag des Kaiſerl. Prokurators zu vernehmen. Nach dem Ver⸗ hör kann es einen einſtweiligen Verwalter der Perſon und des Vermoͤgens des Beklagten ernennen. Legt der Beklagte gegen die provozirende Verwandte, oder legen dieſe oder ein Glied des Familien Rathes gegen den auf Interdiktion Beklagten, von dem Urtheil erſter In⸗ ſtanz die Berufung ein, ſo kann der Appellhof, falls er es fuͤr nöthig erachtet, den Beklagten nochmal verhören. Locr“, VI, 441 et sniv. Procès-verbaux des lrim. et 3 germ. 11. Projet du Cocte Civil, liv.. tit. 0. art. 10. Art. 890. u. ff. des Geſetbuchs über das Verfahren im buͤrgerlichen Pro⸗ zeß. Journal du Palais, I809, I. 20. Bourjon, droit com- wun de la France, liv. J. chap. 4. 2²) Nur den Tribunalien konnte die Erkenntniß uber Inter⸗ 381 diktionsKlagen beigelegt werden, da der Staat bei allen Fragen uͤber die buͤrgerliche Fähigkeit eines Mitgliedes der Geſellſchaft betheiligt iſt. Das Intereſſe des Interdizirten waͤre allzuſehr gefährdet geweſen, wenn man aus Ruͤck⸗ ſicht fuͤr die Familien dem Familien Rath in dieſen Materien eine Jurisdiktion zugeſtanden haͤtte, indem alle Glieder der Familie ein naͤheres oder entfernteres Intereſſe bei der Klage haben. 2) Kein VergleichsVerſuch geht der Klage vorher, nicht allein, weil ein wahrhaft blöd⸗ oder wahnſinniger ſich nicht verglei⸗ chen kann, und derjenige, der den Gebrauch ſeiner Ver⸗ ſtandeskraͤfte hat, ſich nicht vergleichen wird, ſondern auch, weil ein jeder Vergleich eine freiwillige Interdiktion in ſich ſchließen wuͤrde, welche aus obigen Grunde verboten iſt. So hat der Kaſſationshof durch ein Urtheil vom 7ten Sep⸗ tember 1808,„Angeſehen, daß man den Geſetzen der oͤffent⸗ „lichen Ordnung, weiche die Faͤhigkeit der Perſonen reguli⸗ „ren, nicht durch PrivatVertraͤge derogiren kann,“ ein Ur⸗ theil kaſſirt, welches die von einem gewiſſen Benedikt Galli vor einem Notar abgegebene Erklärung,„daß er ſeine Perſon und ſein Vermoͤgen ſeiner eignen Verſtandesſchwäche halber unter die Vormundſchaft ſeiner Frau begebe,“ dem An⸗ trag des Kaiſerl. Prokurators gemaß genehmigt und deren Vollzug verordnet hatte.(Journ. du Palais, a. a. H.) 3) Gleich nach Uebergabe der Klagſchrift verordnet der Präſi⸗ dent ihre Mittheilung an den Kaiſerl. Prokurator, und er⸗ nennt einen Richter, um an einem beſtimmten Tage ſeinen Bericht zu erſtatten. Nach Anhörung dieſes Berichts ver⸗ ordnet das Tribunal, daß der Familien Rath ſein Gutachten 382 abzugeben habe.(Art. 891 und 892 des Geſetzbuchs über das Verfahren im buͤrgerl. Prozeß.) 4) Die Kläger ſind von dem Familien Rath ausgeſchloſſen, ſelbſt wenn ſie nach der Vorſchrift des vorhergehenden Abſchnitts, deſſen Verfuͤgungen bei Bildung des Rathes uͤbrigens beobach⸗ tet werden muſſen, Mitglieder deſſelben ſein ſollten. Die Kommiſſion wollte ihnen den Zutrit zu demſelben geſtatten, jedoch ohne berathſchlagende Stimme zu haben; Locrs(S. 449.) iſt der Meinung, daß ohngeachtet bieſer Vorſchlag nicht in das Geſetz uͤbergegangen ſei, der Familien Rath doch, ohne Zweifel, berechtigt ſei, den Klaͤger, wenn er es nöthig finde, zu horen, weil es ihm erlaubt ſei, alle Mittel einzuſchlagen, die ihm zur noͤthigen Aufklärung der Thatſachen zweckmäſſig ſcheinen könnten. Ich kann dieſer Meinung nicht⸗ beitreten. Der Art. 405 erlaubt, als eine Ausnahme von der allgemeinen Regel, die dem Kläger den Zutritt zu dem Familien Rath verſagt, den Ehegatten und die Kinder des Beklagten, jedoch ohne berathſchlagende Stimme, dabei zu⸗ zulaſſen. Hieraus ſcheint nach dem Grundſatz inclusio unius ꝛc. zu folgen, daß auſſer dem Ehegatten und den Kindern kein anderer Kläger, ſelbſt nicht ohne berathſchlagende Stimme, zu der Verſammlung zugelaſſen werden darf. Ich ſehe auch die Nothwendigkeit der Berufung des Klaͤgers nicht, da die lagſchrift, welche die umſtaͤndliche Anfuͤhrung der Thatſa⸗ chen enthalten muß, dem Rathe mitgetheilt wird. 5) Wohl aber glaube ich, daß der Familien Rath den Beklag⸗ ten hoͤren darf. Keine geſetzliche Verfuͤgung verſagt dieſem den Zutritt zu dem Rath, und ſeine Gegenwart kann mehr als Alles die Glieder deſſelben in den Stand ſetzen, ſich uber ſeinen Zuſtand eine richtige Meinung zu bilden. 0) Die Klagſchrift und das Gutachten des Familien Rathes muͤſſen dem Beklagten zugeſtellt werden, ehe das Tribunal zu ſeinem Verhoͤr,(welches eine unnachläſſige Formalität iſt,) ſchreiten kann,(Art. 893 des Geſ. uͤber das Verfahr. im buͤrgerl. Prozeß.) Das Verhoͤr ſoll, wo moͤglich, in dem Berathſchlagungsgimmer, vor dem verſammelten Tribunal, ſtatt finden, weil die Haltung, der Ton und die Gebaͤhrden des Beklagten oft beſſer als ſeine Antworten, ſeinen Zuſtand an Tag geben. Es giebt jedoch Fälle, z. B. den der Wuth, wo dies nicht wohl moͤglich iſt. Dann kann das Verhor auch in der Wohnung des Beklagten, vor einem kommittirten Richter, wozu wohl am ſchicklichſten der Referent genommen wird, unter Beiſtand des Gerichtſchreibers, und in Ge⸗ genwart des Kaiſerlichen Prokurators, vorgenommen werden. (Art. 406.) Das Verhoͤr findet aus Schonung fuͤr den guten Ruf des Beklagten auf den Fall, wo die Klage ver⸗ worfen werden ſollte, bei verſchloſſenen Thuͤren ſtatt. 7) Kann das Tribunal aus den Verhoͤren und den vorgeleg⸗ ten Beweißſtuͤcken keine hinlängliche Ueberzeugung uͤber den Zuſtand des Beklagten ſchoͤpfen, und ſind die ThatUmſtaän⸗ de von der Art, daß ſie durch Zeugen erwieſen werden kön⸗ nen, ſo kann es ein ZeugenVerhoͤr verordnen, welches in der gewoͤhnlichen Form abgehalten wird. Nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde kann jedoch verordnet werden, daß die Zeugen in Abweſenheit des Beklagten abgehoͤrt werden ſollen, in wel⸗ chem Falle jedoch ſein Anwald zu dem Verhoͤre zugelaſſen werden muß.(Art. 803 des Geſ. uͤber das Verf. im buͤrg. Prozeß.) Es koͤnnen nur diejenige Zeugen abgehoͤrt wer⸗ den, welche in der Klagſchrift nahmhaft gemacht worden ſind. (Art. 890 ebendaſe) 384 8) Da das Verfahren bei der InterdiktionsKlage eine nicht un⸗ betraͤchtliche Zeitfriſt erfordert und der Appellation unterwor⸗ fen iſt, ſo beugt der Art. 407 dem Nachtheil vor, welcher daraus entſtehen koͤnnte, wenn der Beklagte bis dahin das InterdiktionsUrtheil in Rechtskraft erwachſen iſt, die freie Verwaltung ſeines Vermoͤgens behalten ſollte. Hat aber auch das Tribunal von der ihm durch dieſen Artikel ertheilten Be⸗ fugniß keinen Gebrauch gemacht, ſo ſind im Falle, wo die Interdiktion nachher ausgeſprochen wird, die ſeit dieſem Au⸗ genblick vorgenommene Handlungen des Interdizirten den⸗ noch unguͤltig, weil die Urſache der Interdiktion in dieſem Falle zur Zeit des Verhörs offenbar bereits beſtand.(Art. 503.) 9) Das Tribunal iſt ebenfalls befugt, die Beſichtigung des Beklagten durch Aerzte zu verordnen, welche zwar ſicht vor⸗ geſchrieben, aber auch nicht verboten iſt. v0) Das Uurtheil erſter Inſtanz darf nur in oͤffentlicher Au⸗ dienz und nach vorheriger Anhörung oder Berufung der Par⸗ theien erlaſſen werden; dieſe oͤffentliche Verhandlung ward verordnet, damit es nicht der Habſucht oder der Intrigue gelingen möchte, im Stillen eine ungerechte Interdiktion zu erſchleichen⸗ 11) Das Urtheil erſter Inſtanz: verwirft das Interdiktions Geſuch; oder ſetzt den Beklagten unter Tutel; oder ſetzt ihn unter Kuratel.(400.) Wir haben uns vor der Hand nur mit den beiben erſten Jällen zu beſchaͤftigen. 12) Der Weg der Berufung ſteht offen im erſten Falle dem Klaͤger, ſo wie jedem Mitglied des Familien Raths(Art. 494 des Geſetzb. uͤber das 385 Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß), ſie wird alsdann gegen den Beklagten eingelegt. im zweiten Falle, dem Beklagten allein, der ſie nur gegen den Klaͤger einlegen und verfolgen kann. Der Vorſchlag, die gewoͤhnliche AppellationsFriſt(Art. 443 des Geſ. uͤber das Verf. im buͤrgerl. Prozeß) abzu⸗ kuͤrzen, ward verworfen. Die Wirkungen der Ap⸗ pellation ſind ſuspenſiv, vorbehaltlich der Verfuͤgungen der Art. 407 und 8og. 13) Das Verfahren in der Appellations Inſtanz weicht von dem gewoͤhnlichen nur darin ab, daß der Appellhof ein neues Verhör des Beklagten anordnen kann. Da es möglich iſt, daß dieſer nicht ohne groſſe Beſchwerniſſe in die Stadt, wo der Appellhof ſeinen Sitz hat, gebracht werden könne, ſo kann dieſes Verhör vor einem Commiſſar abgehalten wer⸗ den, deſſen Wahl man dem Appellhof uͤberlaſſen zu muͤſſen geglaubt hat. Es verſteht ſich jedoch von ſelbſt, daß derſelbe nur unter den Juſtit Beamten des Bezirkes genommen wer⸗ den kann. 14) Die Interdiktion der Glieder der Kaiſerl. Familie kann nur durch einen Familien Rath ausgeſprochen werden, der dem Titel§ des Statuts vom 30 Marz 1806 gemaͤß zuſammen⸗ geſetzt iſt; das Urtheil bringt erſt durch die Genehmigung des Kaiſers ſeine Wirkungen hervor.(Art. 13 deſſ. Statuts.) 15) Die Kommiſſion wollte keine Appellation von dem Urtheil, welches ein Interdiktions Geſuch verworfen hätte, geſtatten. Dieſer Vorſchlag ward verworfen, weil er oft zum Nach⸗ theil deſſen, zu deſſen Vortheil er gemacht war, hätte aus⸗ ſchlagen koͤnnen. 11. Th. 25 505 0 380 16) Iſt der Vormund befugt, in dieſer Eigenſchaft, die In⸗ terdiktion eines Verwandten ſeines Pupillen nachzuſuchen? Bejahend entſchieden durch ein Urtheil des Appellhofes von Bruͤſſel vom 3 Auguſt 1808, weil dem Art. 450 ge⸗ maͤß der Vormund den Pupillen in allen Akten des buͤrger⸗ lichen Lebens vertritt. Gournal du barreau 1809, 26me partie. I. 192.) Zu bemerken iſt, daß in dem fraglichen Falle die vermuthliche Erben des auf Interdiktion Beklagten, unter deren Zahl der Pupille nicht gehörte, ſich geweigert hatten, die Interdiktion nachzuſuchen. §. 144. Sobald das Interdiktions Urtheil in Rechtskraft erwach⸗ ſen iſt, tritt eine geſe tzliche oder dative Tutel ein, welche der proviſoriſchen Verwaltung, falls eine beſtan⸗ den hat, ein Ende macht. Der Mann iſt geſetzlicher Vormund ſeiner interdi⸗ zos zirten Frau. 507 808 Bei Beſtellung der dariven Tutel hat man die im vorhergehenden Abſchnitt aufgeſtellte Regeln mit folgenden Modifikationen zu beobachten: a) Die Frau kann zur Vormuͤnderin ihres Mannes, mit mehr oder minder ausgedehnter Vollmacht, die der Familienrath, vorbehaltlich des Rekurſes an die Tri⸗ bunalien, zu reguliren hat, ernannt werden. b) Mit Ausnahme der Ehegatten, Aszendenten und Deszendenten, kann Niemand gezwungen werden, die Vormundſchaft läͤnger als zehn Jahre zu behalten. Locré, VI. 482. Projet du C. C. Liv I tit. 10. Art. 29. Jur. du c. N an 13. I. 374. II. 139. L. 2. C. qui dare etc.(5. 34.) LL. 1et4, fl. de curat.(37. 10. Nov. 22. Zacharitä, Handbuch, 1. 1. 40. Annal. der Geſetzg. Nap. II. 27te Entſch. 387 1) Das Urtheil iſt in Rechtskraft erwachſen, wenn die Ap⸗ pellationsFriſten abgeloffen ſind, oder wenn es in zweiter Inſtanz beſtäͤtigt worden. Da das KaſſationsGeſuch keine ſuspenſive Kraft hat, ſo hemmt daſſelbe die Beſtellung der Vormundſchaft nicht, wohl aber hat der Kaſſationshof durch ein Urtheil vom 13 Oktober 1807.(Annal. a. a. O.) con- sullis classibus, entſchieden, daß eine nach dem Urtheil er⸗ ſter Inſtanz, und vor der Zuſtellung deſſelben, geſchehene Be⸗ ſtellung der Vormundſchaft durchaus nichtig ſei, daß aber die Verwandten, welche dazu konkurrirt haben, nichtsdeſto⸗ weniger befugt ſind, an der Beſtellung der definitiven Vor⸗ mundſchaft Antheil zu nehmen. 2) Mit dem Eintritt der Vormundſchaft hört die proviſoriſche Verwaltung auf, und der Berwalter hat dem Vormund Rechnung abzulegen, es ſei denn, daß er ſelbſt zum Vor⸗ mund ernannt wuͤrde. 3) Die Regeln uͤber die EntſchuldigungsGruͤnde, die Unfaͤhig⸗ keiten und die Gruͤnde zum Ausſchluß von der Vormundſchaft ſind dieſelbe, wie bei der Vormundſchaft der Minderjähri⸗ gen. 4) Die Regel des Art. 5o6 läuft der L. 2. C qui dare ete. ſchnurſtracks entgegen, welcher zufolge der Mann, wegen der Schwierigkeit ihn zur RechnungsAblage zu zwingen, nicht Kurator ſeiner Frau ſein konnte. Da aber, ſo lange die Ehe beſteht, die Sorge fuͤr die Perſon der Frau einem Dritten nicht wohl fuͤglich anvertraut werden konnte, und die Verwaltung ihres Vermoͤgens ſich in den meiſten Fällen ohnehin doch großtentheils in den Haͤnden des Man⸗ nes befindet, und ihm durch die Interdiktion nicht wohl 388 entzogen werden kann, ſo waͤre es ſchwer geweſen, die Au⸗ torität eines andern Vormundes mit dieſer Verwaltung in Uebereinſtimmung zu ſetzen. 5) Der Art. 507 erklärt die Frau faͤhig, die Vormundſchaft uͤber ihren Mann zu fuͤhren. Dieſe Ausnahme von der Regel des Art. 442 gruͤndet ſich auf die Vermuthung, daß der traurige Zuſtand ihres Mannes ihre Anhaͤnglichkeit und Sorgfalt nur vermehren werde, und auf die Unmoͤg⸗ lichkeit, in dieſem Falle ihre Pflege durch eine zweckmäſſigere zu erſetz. Da jedoch nicht alle Frauen ſolche Geſinnungen hegen, und manche zur Fuͤhrung der Vormundſchaft ganz unfaͤhig ſein duͤrften, ſo hat man die Vormundſchaft der Frau nicht zur geſetzlichen erhoben, ſondern es dem Er⸗ meſſen des Familienraths uͤberlaſſen, ob er ſie dazu beru⸗ fen will oder nicht. Selbſt in dieſem erſten Falle kann ihre Vormundſchaft beſondern Einſchraͤnkungen unterworfen wer⸗ den, weil ſie ſich in einer ganz beſondern Lage befindet. Das Vermoͤgen eines gewoͤhnlichen Vormundes bleibt von dem ſeines Pupillen getrennt. Das ihrige hingegen iſt mit dem ihres Mannes immer mehr oder weniger vermiſcht; und ſie übt auſſerdem in dieſem beſondern Falle auch uber ihr eig⸗ nes Vermögen jene Rechte aus, die das Geſetz nicht ihr, ſondern ihrem Manne, anvertrauen wollte⸗ Der Familien⸗ Rath hat demzufolge die Bedingungen zu beſtimmen, welchen ihre Vormundſchaft unterworfen ſein ſoll. 6) Er hat dabei hauptſächlich folgende Punkte zu reguliren: a) welche Rechte die Frau, in dieſem beſondern Falle, aus den Eh Pakten erhalten ſoll, und welche dem Manne vorbehalten bleiben ſollen. 389 b) In welcher Ausdehnung die dem Manne zuſtehende Gerechtſame durch die Frau ausgeuͤbt werden ſollen. c) Ob nicht die beſondere Lage des Vermoͤgens,(wenn es z. B. in Manufakturen, Handlungs Anlagen ꝛc. ꝛc. beſteht) eine beſondere Verwaltung erforderlich machen. Ueberhaupt aber dehnt ſich der Auftrag des Rathes auf alle die Schwierigkeiten und Streitfragen aus, wozu die Inter⸗ diktion des Mannes und die der Frau uͤbertragene Vor⸗ mundſchaft Anlaß geben koͤnnen⸗ 7) Der Vorſchlag der Kommiſſion, das Tribunal erſter In⸗ ſtanz uͤber die Beſchwerden der Frau gegen die Berath⸗ ſchlagung des Familien Rathes in letzter Inſtanz ſprechen zu laſſen, ward nach dem Grundſatz, daß der Familien Rach keine Gerichtsbarkeit hat, beſeitigt. 3) Aus dem Art. 308 folgt, daß der Sohn zum Vormund uͤber ſeinen Vater ernannt werden kann. 9) Derſelbe Artikel begruͤndet einen aus der Dauer der Vor⸗ mundſchaft abgeleiteten EntſchuldigungsGrund, der in Hin⸗ ſicht auf die Vormundſchaft von Minderjährigen nicht be⸗ ſteht. Die Urſache dieſes Unterſchiedes liegt darin, daß die letzte ein beſtimmtes Ziel hat, waͤhrend die andere bloß mit dem LebensEnde oder der gleich unſichern Heilung des Pfleg⸗ befohlnen endigt. Aszendenten und Deszendenten können von dieſer Entſchuldigung keinen Gebrauch machen, weil die Sorgfalt fuͤr einen nahen Verwandten ihnen durch die Bande der Natur zur Pflicht gemacht wird, der das Geſetz keine engere Gränzen als die Natur ſelbſt ſetzen durfte. 10) Man hat behauptet, den Fall der geſetzlichen Tutel des Mannes ausgenommen, ſei die Vormundſchaft eines Interdizirten immer dativ. Ich kann dieſer Meinung 390 nicht beipflichten, ſondern glaube, daß der Mann nur vor jedem andern geſetzlichen Vormund, der in ſeiner Ermange⸗ lung zur Vormundſchaft berufen waͤre, den Vorzug erhalten muß, dagegen aber ſich auch unter keinem Vorwande die⸗ ſer Vormundſchaft entledigen kann, welche der ehelichen, ſo wie die des Vaters der väterlichen, Gewalt anklebt. Die⸗ ſen Fall ausgenommen, glaube ich aber, daß alle Verfuͤgun⸗ gen in Betreff der geſetzlichen und ſogar der teſtamentariſchen Vormundſchaft uͤber Minderjaͤhrige auch auf die Vormund⸗ ſchaft von Interdizirten anwendbar ſind. Denn a) verweißt der Art. 505 auf den Titel: von den Vor⸗ mundſchaften, ſchließt alſo die Verfuͤgungen des erſten, zweiten und dritten Abſchnitts des zweiten Ka⸗ pitels dieſes Titels nicht aus. Waͤre auch dies die Abſicht des Geſetzgebers geweſen, ſo wuͤrde er ſicher auf den vierten Abſchnitt deſſelben Titels ausſchließ⸗ lich verwieſen haben. v) Wuͤrde es mit dem ganzen Syſtem der Geſetzgebung im Widerſpruch ſtehen, wenn die Vormundſchaft uͤber einen Interdizirten bei Lebzeiten ſeines Vaters dativ werden ſollte. Die Kinder treten nur deshalb nach erlangter Grosjährigkeit aus der väterlichen Gewalt hinaus, weil der Grund und der Zweck derſelben, ihre eigne Unfaͤhigkeit, welche die väterliche Obſorge erſe⸗ tzen ſoll, aufhoͤrt. Sobald aber jener Grund wieder eintritt, muß auch die vaͤterliche Gewalt wieder ſtatt finden, welche die Vormundſchaft nach ſich zieht. c) Der Art. 508 ſcheint dies auch vorauszuſetzen; wenig⸗ ſtens glaube ich, demſelben zufolge, nicht, daß die Vormundſchaft eines Interdizirten einem Ftemden 397 aufheburdet werden könne, ſo lange noch ein Aszen⸗ dent vorhanden iſt, welches uns auf die geſetzliche Vormundſchaft der Aszendenten zuruͤckfuͤhrt. So hat auch der Appellhof von Bordeaux durch ein Urtheil vom 15 Germinal 13,(J d. C. N. 15, M. 189.) entſchieden, daß die Wittwe geſetzliche Vor⸗ muͤnderin ihres interdizirten Sohnes ſei, und deshalb ein Urtheil des Tribunals von Angouleme refor⸗ mirt, welches einen andern Vormund ernannt hatte. „1) Der Kläger auf Interdiktion iſt, dieſer Urſache halber, nicht unfähig, die dative Vormundſchaft zu erhalten. Urtheil des Appellhofes von Metz vom 24 Brumaire 13.(J. du C. N. an 13. 1. 374.) 3 Weer Ab ſchn it Von Ernennung der Curatoren. Erſte Abtheilung. Von der Ernennung des Curators eines vermuthlich Abweſenden⸗ §. 145. Wenn Jemand aus ſeinem Wohnſitz verſchwunden(ver⸗ ſchollen) iſt, ohne daß man von ſeiner Exiſtenz oder ſeinem Aufenthalt Nachricht hätte, dieſe Abweſenheit aber noch nicht lange genug gedauert hat, um ſie gerichtlich aner⸗ kennen zu laſſen, ſo kann das Tribunal erſter Inſtanz, auf den Antrag der Betheiligten und nach Anhörung des Kaiſ. Prokurators, die nöthige Maasregeln zur Verwal⸗ tung ſeines Vermögens treffen, und ſelbſt einen Curator deſſelben beſtellen. ²) Von dem Eurator einer va kanten Erbſchaft wird im Titel: von den Erbſchaften, die Rede ſein. Wir beſchraͤnken uns hier auf die Curatelen, zu welchen der Zuſtand einer Perſon die Veranlaſſung geben kann. 117 114 392 Eben ſo hat daſſelbe, auf Anſtehen der fleiſſigſten Parthei, einen Notar zu ernennen, um den vermuthlich Abweſenden bei den Inventarien, RechnungsAblagen, Theilungen und Liquidationen, bei welchen er betheiligt ſein mag, zu vertreten. Locre, II, 297. Procés-verbaux de 16 et 24 fructidor 9, et 24 ventose 11, Geſetz vom 11 Februar 1791. 4) Das Geſetz uͤberläßt es unbedingt der Beurtheilung des Tri⸗ bunals: a) ob das Individuum, fuͤr deſſen Vermoͤgen geſorgt werden ſoll, ſich wirklich im Falle der vermuthlichen Abwe⸗ ſenheit, im legalen Sinne dieſes Wortes, befindet, d. h⸗ ob es wirklich verſchwunden, und ſeine Exiſtenz ungewiß iſt. Waͤre daſſelbe auf Reiſen, der Ort ſeines Aufent⸗ haltes aber bekannt, ſo hat das Tribunal, wie dringend der Fall auch ſein mag, ſich in die Verwaltung ſeines Vermoͤgens nicht einzumiſchen. b) Ob es wirklich dringend iſt, Maasregeln fuͤr dieſe Ver⸗ waltung zu ergreifen, ob nicht der Abweſende ſelbſt(z. B. durch Ertheilung einer Vollmacht) dafur geſorgt hat, oder ob die von ihm getroffene Sorgfalt vielleicht(z. B. durch den Tod des Bevollmaͤchtigten) vereitelt worden iſt. Das Geſetz konnte in dieſer Hinſicht keine Regeln aufſtellen, weii die Fälle allzu verſchieden ſind, aber es hat die Einwirkung des Tribunals nur dann erlaubt, wenn ohne groſſen Nachtheil fuͤr den Abweſenden oder drit⸗ te Perſonen ſeine Geſchaͤfte nicht dem Zufall uͤberlaſſen werden können,(z. B. wenn ſeine Ländereien ungebaut liegen, ſeine Schuldner unzahlsfaͤhig werden, eine Ver⸗ jährung zu Ende läuft ꝛc. 2c.) . 393 c) Welche Maasregeln es fuͤr nothig und zweckmaͤſſig er⸗ achtet. Auch in dieſer Hinſicht konnte man den Tribuna⸗ lien keine beſtimmte, auf alle Fälle paſſende, Regeln erthei⸗ len. Der Vorſchlag, die Anordnung von Kuratoren zu verbieten, weil ſie mit allzu groſſen Koſten verbunden ſei, und zu Errichtung eines Inventariums Anlaß gebe, wodurch der Zuſtand des Vermögens des Abweſenden aufgedeckt wurde, hauptſächlich aber, weil gegen den Curator erlaſſene und in Rechtskraft erwachſene Urtheile den Abweſenden ſeines Vermögens berauben könnten, ward befeitigt, weil 1) das Tribunal einen Curator nur dann ernennen wird, wenn dieſe Ernennung durchaus nothwendig iſtz 2) die Ernennung des Curators die Errichtung eines In⸗ ventarium nicht immer nothwendig nach ſich zieht; 3) die Publizitaͤt der Geſchaͤftsfuͤhrung des Abweſenden nicht im⸗ mer zu vermeiden, und nicht immer nachtheilig iſt; 4) der Abweſende bei vorkommenden Prozeſſen immer beſſer durch den Curator als durch Niemand vertreten wird, und§5) das Tribunal durch die groͤßte Vorſicht bei der Wahl deſſelben die Beſorniß einer ſträflichen Connivenz zwiſchen dem Curätor und dem Glaͤubiger beſeitigen wird. 2) Dieſe Maasregeln koͤnnen auf Anſtehen der Betheiligten getroffen werden. Zu dem Ende wird jedoch erfordert, daß ſie ein geſetzliches Intereſſe, welches ein Klagrecht begruͤnden kann, haben. Weder die bloſſe Zuneigung, noch ein be⸗ dingtes, eventuelles, Intereſſe berechtigt zu einem ſolchen An⸗ trag. 3) Muß derſelbe vor dem Tribunal, in deſſen Gerichtsſprenget der Abweſende wohnhaft iſt oder vor dem, in deſſen Be⸗ zirk die Guͤter gelegen ſind, angebracht werden? Das Ge⸗ 394 ſetz entſcheidet die Frage nicht. Sie iſt jedoch im Staats⸗ rath weitläuftig eroͤrtert, und dahin entſchieden worden: daß das Tribunal des Wohnſitzes allein zur Erklärung, daß in Pinſicht auf ein Individuum die Vermuthung ſeiner Abweſenheit beſtehe, berechtigt ſei; auf Anſicht dieſes Ur⸗ theils iſt jedes Tribunal befugt, fuͤr die Verwaltung der in ſeinem Bezirke gelegenen Guͤter Sorge zu tragen.(Ver⸗ balProzeß vom 4 Frimaire 10.) Locrs, S. 303, belehrt uns, wie es gekommen iſt, daß dieſe Entſcheidung nicht in den Text eingeruͤckt ward. 4) Alle Entſcheidungen eines Tribunals in Betreff der Erklaͤ⸗ rung der Abweſenheit eines Individuums, und der Verwal⸗ tung ſeiner Guͤter, ſind der Appellation unterworfen. 5) Die Verfuͤgung des Art. 413 iſt auf den Fall zu beſchraͤn⸗ ken, wo die Erbſchaft, deren Liquidation oder Theilung vorge⸗ nommen werden ſoll, und bei welcher der Abweſende bethei⸗ ligt iſt, vor der Epoche ſeines Verſchwindens eröfnet war. Iſt die Erbſchaft erſt nach dieſer Epoche eroͤffnet worden, ſo finden die Art. 135 und 136 ihre Anwendung. 6) Der Art. 115 geſtattet den Beamten des oͤffentlichen Mi⸗ niſteriums keineswegs das Recht, den Abweſenden zu re⸗ präſentiren, und die ihm zuſtehende Gerechtſame auszu⸗ uͤben; ſondern nur das, die Maasregeln zu requiriren, wel⸗ che zurErhaltung ſeines Vermoͤgens nothig ſein mogen, und ſein Intereſſe in ohnehin anhaͤngigen Rechtsſachen zu vertheidigen. Zweite Abtheilung. Von der Ernennung des Curators eines emanzipirten Minberjahrigen. 5. 146. Die Emanzipation iſt die Befreiung von der väterlichen Gewalt oder von der Vormundſchaft vor der, fuͤr ihre ge⸗ 395 wöhnliche Dauer beſtimmten, Zeitſriſt. Durch die Eman⸗ zipation tritt der Minderjährige unter die Curatel desje⸗ nigen ſeiner Aeltern, welches ihn der väterlichen Gewalt 476 entlaſſen hat, oder eines von dem Familien Rath zu er⸗ nennenden Curators, falls dieſer ihn von der Vormund⸗ ſchaft befreit hat. Dieſe Befreiung geſchieht entweder ſtillſchweigend, durch die Ehe, oder ausdruͤcklich durch eine Erklärung, welche: a) der Vater, oder die Mutter, vor dem Friedens Richter, in Beiſein ſeines Gerichtſchreibers, abgeben kann, ſo⸗ bald das unter ſeiner Gewalt ſtehende Kind das funfzehnte Jahr erreicht hat; b) durch einen, von dem Friedens Richter, kraft einer von dem Familien Rath genommenen Berathſchlagung, er⸗ 6 laſſenen Ausſpruch. Dieſer Rach kann zu dem En⸗ de ſowohl von dem Vonmund, als von jedem Verwandten oder Verſchwägerten des Minderjäh⸗ rigen, im Grade von GeſchwiſterKindern oder noch 3 näherem Grade, zuſammenberufen werden, ſobald der Minderjaͤhrige ſein achtzehntes Jahr erreicht hat. Locre, VI. 350 u. ff. Proces-verbaur des 6 brumaire et 26 ven- tose 11. Projet du C, C. tit. 9 Art. 1o6. Thibaut, 9 495 u. ff. LL. 5 et ult. C. de emaneip.(8. 49.* L. 18. C. de collat.(6. 20.) L. 11. C. de legit. hered.(5. 53.) L. 239, pr. de V. S.(50. 16.)§ 3. Inst. de a dopt.(T. 11.) L 132. de V. O. (45. 1.) L. ult H si a parent. quis man.(37. 12.) L. 92. de cond. et dem.(35. I.) LL. 32, 33. de adopt.(I. 7.) Allgem. Bib. S. 303. Jour. du Pal. 1809. I. 256. 4) Den Unterſchied zwiſchen der roͤmiſchen und franzöſiſchen Emanzipation hat v. Almendingen in ſeiner allgem. Bibl. ſehr richtig dargeſtellt:„das romiſche Recht verbindet mit 396 der Emanzipation den Begriff der Beendigung einer dem Vater nutzlichen, dem Emanzipirten läſtigen Gewalt; die venia aetatis dagegen enthält umgekehrt eine Erklaͤrung des Staats, daß derjenige, dem er bis zu den Jahren der geſetzlichen Volljhrigkeit, durch vormundſchaftliche Anſtalten, den Gebrauch ſeiner Willkuͤhr entzogen hatte, des Schutzes gegen ſich ſelbſt nicht mehr bedurfe, und daß er ſeiner eig⸗ nen Willkuͤhr uͤberlaſſen bleibe. „Faßt man den Unterſchied zwiſchen Emanzipation und venia astatis ſcharf ins Auge, ſo iſt jene ein Inſtitut des PrivatRechts, dieſe des offentlichen Rechts; durch jene hoͤrt die vaͤterliche Gewalt, als ein dem Vater nuͤtzliches Pri⸗ vatRecht, durch dieſe der vormundſchaftliche Schutz, als ei⸗ ne oͤffentliche Anſtalt, auf. Durch die Folgen der Eman⸗ zipation wird der Vater gewiſſer Rechte und Vottheile be⸗ raubt; durch die Folgen der venia aetatis wird der Staat gewiſſer Verantwortlichkeiten entledigt. Jene iſt zum Vor⸗ theil des nun ſelbſt zum pater familias erhobenen Sohnes eingefuͤhrt, dieſe zum Vortheil der ganzen Geſellſchaft. Es wird ihr durch die venia aetatis ein freier und ſelbſtſtändi⸗ ger Buͤrger geſchenkt. Jeder dritte kann mit dieſem Buͤrger nun ſelbſtſtaͤndig kontrahiren. Wird freilich zunaͤchſt nur der Geſellſchaft eine Wohlthat erzeigt, ſo genießt das Sub⸗ jekt der venia, durch eine nothwendige Reaktion, jene Wohlthat zugleich⸗ „Die franzoͤſiſche Legislation kennt die Emanzipation, im Sinn des roͤmiſiſchen Rechts, nicht— kann ſie nicht ken⸗ nen, da ihr die vaͤterliche Gewalt, im Sinn des roͤmiſchen Rechts, fremd iſt, und da ſie darin kein GenußRecht, ſon⸗ dern ein bloſſes SchutzRecht wahrnimmt, Was dagegen 397 der Code Napoléon eine Emanzipation nennt, iſt nichts, als eine eingeſchraͤnkte vema aetatis. Die franzoͤſiſche Emanzipation unterſcheidet ſich indeſſen von der venia aetatis des gemeinen Rechts in folgender doppelten Hinſicht: 4) Nicht der Souverain ertheilt ſie im Wege der Gnade, ſondern der Vater, die Mutter und der Familien Rath im Wege des Rechts und der Privat Willkuͤhr. 2) Sie hebt die Folgen der Minderjährigkeit durch Antizi⸗ pation nicht ganz, ſondern nur zum Theil auf. Unge⸗ achtet der Emanzipation bleibt daher die Vormundſchaft und eine durch den Familien Rath ſowohl als durch die Gerichte ausgeuͤbte OberVormundſchaft ſtehen.“ 2) Die Kommiſſion wollte dem Minderjährigen mit dem Alter von 18 Jahren die Emanzipation unbedingt zugeſtehen; die⸗ ſer Vorſchlag, nach welchem ſie nichts als eine unvollſtaͤn⸗ dige, antizipirte, Majorität geweſen waͤre, ward, dem An⸗ trag mehrerer Appellhoͤfe gemaͤß, beſeitigt. 3) Die indirekte Emanzipation durch die Ehe fand von jeher in Frankreich ſtatt. Da die Ehe nicht ohne Einwilligung der Aeltern oder des Familien Raths abgeſchloſſen werden kann, ſo ſchließt die Einwilligung zur Ehe die zur Emanzipa⸗ tion in ſich. Eine ſeparirte Oekonomie hat die Wirkung nicht, ſtillſchweigend zu emanzipiren. 4) Das Emanzipations Recht iſt ein Ausfluß der väterlichen Gewalt; deswegen uͤbt der Vater, der zugleich Vormund iſt, es ohne Mitwirkung des Familien Raths aus, und es ſteht dieſem letzten nur dann zu, wenn in Ermangelung der Aeltern die Gewalt des Vormundes und OberVormun⸗ des an die Stelle der vaͤterlichen Gewalt getreten iſt. Des⸗ halb: 308 a) geht es durch den natuͤrlichen und buͤrgerlichen Tod des Vaters auf die Mutter uͤber; b) welche es behaͤlt, ſelbſt wenn ſie bei Gelegenheit ihrer zweiten Ehe die Vormundſchaft verlohren haben ſollte, Urtheii des Appellhofes vom Luͤttich vom 6 März 1808. Q d. Pal. 1809. I. 256.) Daſſelbe gilt von dem Falle, wenn der Vater der Vormundſchaft entſetzt worden ſeinſollte; c) ſteht es den natuͤrlichen wie den ehelichen Ael⸗ tern zu; d) ſchwieriger ſcheint die Frage, wem dieſes Recht nach aus⸗ geſprochener Eheſchei dung zuſtehen ſoll? Locré glaubt, dem Vater, ſelbſt wenn er der Vormundſchaft be⸗ raubt worden ſein ſollte. Man ſehe, was wir Seite 213 uͤber die Ausubung der väterlichen Gewalt, welche der Art. 373 dem Vater während der Ehe zugeſteht, nach ausge⸗ ſprochener Eheſcheidung bemerkt haben; e) der Vater(ſo wie die Mutter) kann nicht zur Emanzipation gezwungen, dieſe kann nicht gegen ihn provozirt werdenz ſollten im Falle eines Misbrauch ſeiner Gewalt durch per⸗ ſönliche Mishandlung der Kinder die Wirkungen derſelben beſchraͤnkt oder ihm entzogen worden ſein, ſo folgt aus dieſer Beſchraͤnkung eine Emanzipation, deren Wirkungen das Urtheil alsdann ſelbſt beſtimmt. Hätte der Vater, (oder die Mutter) ein, ihm unter der Bedingung, ſein Kind zu emanzipiren, gemachtes Legat oder Geſchenk an⸗ genommen, ſo glaube ich, daß wohl der Schenkgeber oder der Erbe des Erblaſſers, nicht aber das Kind auf Erxful⸗ lung dieſer Bedingung dringen könnte. §) Man hat die Emanzipation durch die Aeltern bereits mit fuͤnfzehn Jahren erlaubt, weil man einestheils in der älter⸗ 309 lichen Zuneigung die Garantie zu finden hoffte, daß nur zum Beſten des Minderjährigen von dieſem Recht Ge⸗ brauch gemacht werden wuͤrde, und weil anderntheils die Ehe oder Niederlaſſung eines Minderjährigen von ſeiner Emanzipation abhängig ſein kann. 6) Dieſe Emanzipation unterſcheidet ſich auch von der des Fa⸗ milienraths durch ihre ausgedehntere Wirkungen, indem ſie nicht allein bis auf einige Beſchraͤnkungen die Vormundſchaft, ſondern auch die mit der väterlichen Gewalt verknuͤpfte Ge⸗ nußRechte, aufhebt. Endlich unterſcheidet ſie ſich von derſelben durch die Form, indem ſie durch eine bloſſe vor dem FriedensRichter abge⸗ gebene Erklärung geſchieht. Der VerbaProzeß, den die⸗ ſer durch ſeinen Gerichtſchreiber daruͤber errichten laͤßt, iſt die EmanzipationsUrkunde. Der Vater kann ohne allen Anſtand dieſe Erklaͤrung durch einen Spezial Bevollmächtig⸗ 3 ten machen laſſen. 8) Der Minderjährige, der nicht mehr unter vaͤterlicher Ge⸗ walt ſteht, kann nicht vor dem 18ten Jahr emanzipirt wer⸗ den, damit nicht der Vormund und die Glieder des Fami⸗ lien Raths, um ſich von Arbeit und Verantwortlichkeit zu befreien, ihm eine Urtheilskraft beilegen moögen, welche er nicht beſitzt. 9) Der Vormund iſt befugt, aber nicht verbunden, den Antrag zur Emanzipation zu machen; da man den Fall vorgeſehen hat, wo er aus eigennuͤtzigen Abſichten damit zuruͤckhalten koͤnnte, um ſeine Verwaltung zu verlaͤngern, ſo ſteht daſſelbe Recht jedem Verwandten bis zum Grade von Geſchwiſter Kindern zu. Der FriedensRichter darf die Berufung des Raths, wenn ſie zu dieſem Ende verlangt wird, nicht verweigern. 400 10) Sterben die Aeltern eines Minderjährigen nach dem acht⸗ zehnten Jahre, ſo iſt bei der erſten Zuſammenkunft des Fa⸗ milien Raths zu Beſtellung der Vormundſchaft oder Ernen⸗ nung des Gegen Vormundes die Frage zu unterſuchen, ob der Minderjährige zur Emanzipation faͤhig ſei? 11) Der in Gemäfheit der bejahenden Antwort des Familien⸗ Raths von dem FriedensRichter in derſelben Berathſchla⸗ gung zu machende Ausſpruch bewirkt die Emanzipation. Dieſe Berathſchlagung iſt der Genehmigung des Tribunals nicht unterworfen, kann aber durch die diſſentirende Glieder vor demſelben angefochten werden. 12) Ich kann nicht begreifen, wie die Verfaſſer der Pandectes frangaises(IV. 611.) behaupten moͤgen, der Vater Coder die Mutter) ſei nicht geſetzlicher Curator ſeines emanzipirten Sohnes, ſondern koͤnne nur durch den Familien Rath dazu ernannt werden. Durch die Emanzipation befreit der Vater freiwillig ſein Kind mit einigen Beſchraͤnkungen von der va⸗ terlichen Gewalt und der derſelben anklebenden Vormund⸗ ſchaft. Wo ſteht denn aber geſchrieben, daß dieſe Gewalt, und dieſe Vormundſchaft, in ſoweit die Emanzipation ſie beſtehen laßt, von nun an nicht mehr dem Vater zugehoͤren ſollen? Aus dem Art. 480 läßt ſich dieſe Behauptung nicht ableiten, weil dem Art. 389 zufolge, der Vater, in der Re⸗ gel, keine Rechnung abzulegen hat. 13) Kann der Vater ſeine Kinder durch ein Teſtament eman⸗ zipiren? In keinem Falle; die von denſelben Rechtsgelehrten S. 61 gemachte Diſtinction fällt vor dem klaren Buchſta⸗ ben des Geſetzes zuſammen. Wie ſoll denn der Verſtorbene vor dem FriedensRichter erſcheinen, um ſeine Erklaͤrung abzuge⸗ ben? Oder kann der Friedensrichter ein Teſtament aufnehmen? 401 13) Eben ſo behaupten ſie mit Unrecht, die Emanzipation koͤn⸗ ne nicht gegen den Aszendenten, der geſetzlicher Vormund ſei, provozirt werden.(S. 616.) Der Art. 475 bezieht ſich auf den Art. 479, der ausdrucklich nur erfordert: daß der Minderjaͤhrige weder Vater noch Mutter, nicht aber daß er keine ſonſtige Aszendenten mehr habe. Dieſe Be⸗ hauptung iſt nicht allein dem Text des Geſetzes ſondern auch ſeinem Geiſte zuwider, weil ſie den Aszendenten ein Vor⸗ recht der vaͤterlichen Gewalt beilegt, die ihnen nur in Hinſicht auf die Ehe zuſteht. Dritte Abtheilung. Von der Ernennung des Beiſtandes(Curators eines Verſchwenders oder Schwachſinnigen. 5. 147. Hat ſich das Tribunal im Laufe des Verfahrens auf Interdiktion uͤberzeugt, daß der Beklagte zwar nicht grade vlödſinnig, aber doch zur Geſchäftsfüͤhrung in wich⸗ tigen Angelegenheiten unfähig iſt, ſo kann es demſelben, indem es das Interdiktions Geſuch verwirft, durch daſſel⸗ be Urtheil einen gerichtlichen Beiſtand zur Seite ſetzen. Eben ſo kann es dem Verſchwender einen ſolchen Bei⸗ ſtand zur Seite ſetzen. Jeder Verwandte und Ehegatte hat das Recht, ſeinen Verwandten oder Mitgatten vorla⸗ den zu laſſen, um ihn zum Verſchwender erklaͤren zu laſſen. Bei der Einladung und Inſtruktion dieſer Klage haben die Partheien und die Gerichte daſſelbe Verfahren zu beobachten, welches fuͤr InterdiktonsKlagen vorge⸗ ſchrieben iſt. II. Th. 26 499 513 514 402 Locré, VI, 456. 515. proces- verbaux des 13 brumzire et 3 germinal I1. Thibaut, Fe 532. 509 Nro. 5. L. 10. pr. ff. de cur. fur.(27. 10.) L. 6. de V. O.(45 · 1.) F. 4. Inst. de cur.(i.a3.) L. T2, pr. ff. de tut ot cur. dat.(26. 5.) 2) In beiden obigen Fällen iſt eine gemilderte Interdiktion vorhanden, die jedoch auf wichtige Angelegenheiten beſchraͤnkt iſt. Wir haben bereits bemerkt, daß man ſich des Wortes Curators abſichtlich nicht bedient hat, um keine Mis⸗ verſtändniſſe zu veranlaſſen, weil ehedem ſowohl Wahnſinnige als Verſchwender unter Curatel ſtanden. 2) Die Kommiſſion hatte ſich, der damals beſtehenden Geſetz gebung gemaͤß, mit dem Verſchwender gar nicht beſchäftigt. Die Appellhoͤfe von Air, Caen, Colmar, Montpellier, Nancy, Paris, Poitiers und Toulouſe verlangten einſtim⸗ mig, daß das Geſetz zweckmäſſige Maasregeln in dieſet Hinſicht treffen möchte. Dieſer Antrag gab zu einer lebhaf⸗ ten Diskuſſion im Staatsrathe Anlaß, in welcher einerſeits behauptet ward: die Schwierigkeit, den wahren Charakter der Prodigalitat zu beſtimmen, wuͤrde jede Maasregel dieſer Art will⸗ kuͤhrlich machen;. jede Einſchränkung des EigenthumsRechts ſei unrechtlich, indem das Recht des Eigenthums ſogar das des Mis⸗ brauchs in ſich ſchlieſſe; ſie ſei ge fährlich, indem ſie dem Verſchwender die Mit⸗ tel benehme, die Zerruttung ſeiner VermögensUmſtaͤnde wieder zu verbeſſern; ohne Nutzen, weil man ſie nicht ehet treffen könne, als nachdem die Ver ſchwendung ohnbezweifelt, alſo das Vermoͤgen größtentheils verſchleudert ſeis . 403 dem wahren Intereſſe des Staates nicht entſprechend, indem die Verſchwendung in Cirkulation ſetze, was der Geitz ihr entziehe; alle Perſonen, welche auf die ProdigalitätsErklärung an⸗ tragen könnten, muͤßten nothwendig in einem gehäſſigen Lichte erſcheinen: a) die in Gemeinſchaft der Guͤter lebende Frau habe das einfachere Mittel, die Trennung nachzuſuchen; die in Trennung der Gäter lebende Frau habe kein Recht auf das Vermögen ihres Mannes; b) es ſei unſchicklich, den Kindern das Recht zu ertheilen, die Fehler ihres Vaters den Gerichten zu enthuͤllen, und c) die Collateral Verwandten ſeien durchaus ohne Qualität, ſich uͤber die Verſchleuderung eines Vermoͤgens zu be⸗ ſchweren, auf welches ſie kein Recht haͤtten; endlich ſei die dem Tribunal durch den Art. 499 ertheilte Befugniß hinreichend. Dieſen Gruͤnden wurden folgende mit Erfolg entgegengeſetzt: der Art. 409. ſei nur auf denjenigen anwendbar, deſſen In⸗ terdiktion wegen Blödſinn oder Wahnſinn verlangt wor⸗ den ſei und biete daher nur in einem beſondern Falle ein Huͤlfsmittel dar, deſſen Beduͤrfniß anerkannt ſei, und das man daher generaliſiren muͤſſe; die Schwierigkeit, durch eine allgemeine Regel zu beſtim⸗ men, wann der Vorwurf der Verſchwendung fur begruͤndet zu halten ſei, koͤnne kein Beweggrund werden, der an⸗ erkannten Verſchwendung keine Schranken zu ſetzen, ſondern nur, um die Beurtheilung des Vorwurfes der 4 Prodigalität den Tribunalien zu uberlaſſen, die in jedem einzelnen Falle die artikulirte Thatſachen, ruͤckſichtlich auf das Vermoͤgen des Beklagten, auf die Nothwen⸗ digkeit und die Beweggruͤnde ſeiner Ausgaben, beurtheilen werden; der Spielraum, der dadurch der Willkuͤhr des Richters ge⸗ laſſen wurde, könne kein Beweggrund werden, um gar keine geſetzliche Beſtimmung zu erlaſſen; wenn es un⸗ moͤglich ſei, uͤber die Anwendung des Prinzips be⸗ ſtimmte Regeln aufzuſtellen, ſo muͤſſe der Geſetzgeber doch wenigſtens das Prinzip feſtſezen, deſſen Anwendung ſo⸗ dann in dieſem, wie in ſo manchen andern Jaͤllen, dem Richtern uberlaſſen bleibe; dieſe Maasregel könne keine inquiſitoriſche Unterſuchun⸗ gen über den Vermoͤgensguſtand des Beklagten veran⸗ laſſen, indem der Richter nur auf notoriſche That⸗ ſachen Ruͤckſicht nehmen duͤrfe, und mehr auf die Natur und die Beweggruͤnde als auf die Groͤße der Ausgaben zu ſehen haben; ſo ſei der ein Verſchwender, der ſein halbes Vermögen in einem Abend verſpiele; der aber nicht, der ſein ganzes Vermoͤgen durch gewagte Spekulation ein⸗ gebuͤßt habe; die Klage der Frau, und ſelbſt die der Collatera Verwandten, ſei dann aus einem günſtigen Geſichts Punkt anzuſe⸗ hen, wenn ſie den Kindern des Verſchwenders zum Vor⸗ theil gereiche; ſelbſt dann aber, wenn eignes Intereſſe den Kläger dazu beſtimme, ſei ſie doch deshalb guͤnſtig, weil der erſte Vortheil davon dem Verſchwender ſelbſt zu⸗ flieſſe; 405 ss ſei die Pflicht des Staats, ſeine Mitglieder ſogar gegen ſich ſelbſt zu ſchutzen; es handle ſich hier von keiner Fi⸗ nanzOperation, ſondern von einer Maasregel, bei wel⸗ cher ſelbſt die guten Sitten betheiligt wäͤren, und welche oft den Vortheil haben wuͤrde, koſthare Truͤmmer des Vermoͤgens des Verſchwenders zu retten, noch oͤfter aber die heilſame Wirkung, ihm und ſeinen Kindern ſpäter anerfallene Erbſchaften zu verſichern. 2) Aus dieſen Gruͤnden ward die gemilderte Interdiktion des Verſchwenders genehmigt, deren Milderung zugleich die Un⸗ ſchicklichkeit einer von ſeinen Kindern oder ſeinem Gatten er⸗ hobenen Klage vermindert. Da das Recht, eine ſolche Fla⸗ ge anzuſtellen, jedem Verwandten zuſteht, ſo werden die Kinder es ohnehin in den meiſten Fällen vermeiden koͤnnen, in eignem Namen klagbar aufzutreten. 3) Das franzoſiſche Recht ſchweigt von der Curatel ſolcher Perſonen, welche wegen Taubheit, Stummheit, oder einer immerwaͤhrenden Krankheit ihrem Vermögen vorzu⸗ ſtehen auſſer Stande ſind. Es iſt jedoch in der Juris⸗ prudenz angenommen, dieſe Perſonen, je nachdem ihre Unfähigkeit mehr oder minder abſolut iſt, durch Interdik⸗ tion unter Vormundſchaft zu ſetzen, oder mittelſt analo⸗ giſcher Anwendung des Art. 400 mit einem Kurator zu ver⸗ ſehen, ſo oft die Nothwendigkeit dieſer Maasregel durch eine Klage der Verwandten zur Kenntniß der Gerichte gebracht wird. 4) Da der Art. 514 daſſelbe Verfahren, wie im In⸗ terdiktions Prozeß vorſchreibt, ſo iſt die Behauptung der Ver⸗ faſſer der Pandectes frangaises,(V. 667) daß das Verhor des Beklagten nicht unumgänglich nothwendig ſei, offenbar falſch. 4¹9 418 406 5) Ein Gleiches gilt von der Behauptung derſelben Rechtsge⸗ lehrten,(662) daß noch beutzutage Jemand ſich freiwillig ei⸗ nen gerichtlichen Beiſtand erbitten könne, deſſen Vollmacht durch das Urtheil zu beſtimmen ſei? Wir haben oben geſehen, daß jede freiwillige Interdiktion nichtig iſt.(S. 381. Nr. 2.) Daſſelbe gilt von der Curatel, welcher ſich ein Verſchwen⸗ der freiwillig unterworfen hätte. Demjenigen, der zur Erkenntniß ſeiner Unfaͤhigkeit zur Verwaltung ſeiner Geſchaͤfte gekommen iſt, bieten die Geſetze ſonſtige Mittel genug dar, um ſich und die Seinigen gegen die Folgen derſelben zu ſichern, Drittes pe Von den Verrichtungen der Vormuͤnder und Curatoren. Erſter Wbſchnitt. ulgemeine Verfügungen, §. 748. Jede Vormundſchaft oder Curatel iſt eine perſönliche Laſt, welche auf die Erben des Vormundes oder Curators nicht üͤbergeht. Doch ſind dieſe fuͤr ſeine Geſchafts Suͤh⸗ rung verantwortlich, und, falls ſie großjährig ſind, ſie ſo lange fortzuführen verbunden, bis dahin ein Anderer an die Stelle des Abgeſtorbenen ernannt worden. Die Pflichten des Vormundes oder Curators nehmen im Augenblick der Ernennung ihren Anfang, falls er derſel⸗ ben beigewohnt hat; im entgegengeſetzten Falle von dem Angenblick an, wo die Ernennung ibm zugeſtellt worden iſt. Locre, VI. 130. 2) Die den Erben auferlegte Verantwortlichkeit fur die Geſchaͤfts⸗ Fuͤhrung ihres Autors iſt eine Laſt der Erbſchaft, gleich allen andern Folgen der von demſelben eingegangenen Verbind⸗ lichkeiten. Die ihnen auferlegte Pflicht, die Tutel bis zur 407 Beſtellung eines neuen Vormundes fortzuführen, iſt um ſo weniger beſchwerlich für ſie, als der Art. 406 ihnen ein einfaches Mittel gewaährt, die Ernennung dieſes neuen Vor⸗ mundes zu beſchleunigen. 2) Die Verfuͤgung des Art. 408 iſt auf den geſetzlichen unb teſtamentariſchen Vormund in der Art anzuwenden, daß ſeine Obliegenheiten von dem Augenblick anfangen, wo er von dem Sterbfalle oder der Verfuͤgung des Teſtamentes, welches ihn zur Vormundſchaft beruft, durch ſeine Anwe⸗ ſenheit an dem SterbOrte oder bei der Eröfnung des Te⸗ ſtamentes, oder durch die Zuſtellung des Sterbfalls oder des Teſtamentes Kenntniß erhaͤlt. 3) Wir haben bereits bemerkt, daß der Vormund, der eine dative Vormundſchaft abgelehnt hat, deſſen Entſcheidungs⸗ Gruͤnde aber von dem Familien Rath verworfen worden ſind, wahrend dem Rechtsſtreit, und bis zu deſſen Beendi⸗ gung in letzter Inſtanz, die Vormundſchaft fortzufuͤhren ver⸗ bunden iſt. Daſſelbe gilt von dem geſetlichen und teſta⸗ mentariſchen Vormund. Sollte derſelbe jedoch ſelbſt drin⸗ gende vormundſchaftliche Verrichtungen vornehmen, ehe er den Familien Rath berufen hätte, um uͤber ſeine Entſchuldi⸗ gungen zu berathſchlagen, ſo muß er ſich das Recht, dieſe vorzutragen, ausdruͤcklich vorbehalten, damit ihm nicht der unbedingte Antritt der Vormundſchaft als Grund der Unzu⸗ läſſigkeit ſeiner Entſchuldigungen eingewendet werden koͤnne. S. 149. Jedes Urtheil, welches eine Interdiktion ausſpricht, oder 501 einen gerichtlichen Beiſtand anordnet, muß durch den Eintrag auf, an den durch das Geſetz beſtimmten Orten öffentlich ausgeſtellte, Tabellen bekaunt gemacht werden. 102 503 804 408 Die Interdiktion oder die Ernennung eines Beiſtandes bringt von dem Tage des Urtheils erſt Inſtanz an ihre Wir⸗ kungen hervor. All rechtliche Handlungen, welche der In⸗ terdinirte ſeitdem ſelbſt vorgenommen hätte, ſo wie alle die, fuͤr welche der gerichtliche Beiſtand zur Seite geſetzt wor⸗ den iſt, und die ohne deſſen Zuziehung vorgenommen worden wären, ſind nichtig. Selbſt fruͤhere Handlungen des Interdizirten können nichtig erklärt werden, wenn der Grund der Interdiktion ſchon damals erweißlich ſtatt fand. Derſelbe Grundſatz findet in Hinſicht auf die Handlungen desjenigen, dem ein Beiſtand zur Seite geſetzt worden, nicht ſtatt. Die rechtliche Handlunsen eines Individuums, deſſen Interdiktion bei ſeinen Lebzeiten weder erwirkt noch nach⸗ geſucht worden iſt, können unter dem Vorwand ſeines Wahn⸗ ſinnes oder Bloͤbſinnes nicht nichtig erklärt werden, es ſei denn, daß ſich der Beweiß des Wahnſinnes aus dem angefochtenen Akt ſelbſt ergäbe. Locre, vI, 46 et suiv. Projet du C. C. Lic. 1. tit. 10. art: 20„ 22. Procés verbaux des 20 brumaire et 3 germinal 11. Bohr- jon, droit commun de la France, liv. 1. chap. g. L. 6. C. de cur, fur. i5. 0.) g 1. Inst, quib. non permiss. fac. test.(2. 12.) Gloss. ad. leg. 1. fH de curat. tur.(27. 70.) 1) Die Kommiſſion wollte, daß die Wirkungen des Interdik⸗ tionsUrtheils bis zum Tag der Klage hinaufgreifen ſollten. Da man jedoch alsdann, um die Rechte der Dritten zu ſichern, alle Klagen dieſer Art durch Anheftung hätte be⸗ kannt machen muͤſſen, ſo wuͤrde es von einem Individuum abgehangen haben, ein anderes durch eine einſeitige Klage in den Zuſtand einer proviſoriſchen Interdiktion zu verſetzen. Der Art. 503 beugt demj Nachtheil, den die Kommiſſion —— 409 durch ihren Vorſchlag vermeiden wollte, auf eine weit wirk⸗ ſamere und anſtaͤndigere Weiſe vor. 2) Das Urtheil, von welchem der Art. 502 ſpricht, iſt jedoch das Urtheil erſter Inſtanz; alle ſeit demſelben von dem Interdizirten vorgenommene rechtliche Handlungen ſind, ipso jure nichtig, ſobald daſſelbe in zweiter Inſtanz beſtä⸗ tigt worden iſt; ſie ſind guͤltig, falls es reformirt werden ſollte. Nicht allein kam man in der Diskuſſion uber die⸗ ſen Grundſatz ausdrucklich uͤberein, ſondern das Wort juge- men iſt uͤberhaupt nur auf ein Urtheil erſter Inſtanz an⸗ wendbar, da die Entſcheidungen der Appellhoͤfe: arréts, ge⸗ nannt werden. 3) Die Formalität der Anheftung des Urtheils iſt zum Vor⸗ theil der Dritten, die ſonſt nach dem Urtheil mit dem In⸗ terdizirten bona ſide kontrahiren moͤchten, verordnet. Des⸗ halb dehnt ſie der Art. 501 nicht allein auf das arrét, ſondern auch auf das Urtheil erſter Inſtanz aus, weil die Wirkungen des erſten bis zu dem Tage des letzten hin⸗ aufgreifen. So hart es auch ſein mag, vor der unwi⸗ derruflichen Entſcheidung dem Kredit des Interdizirten einen ſo heftigen Stoß zu verſetzen, ſo war dieſer Nachtheil doch nicht wohl zu vermeiden. Haͤtte das InterdiktionsUrtheil erſt von dem Tage an, wo es in Rechtskraft uͤbergegangen iſt, ſeine Wirkungen herorbringen ſollen, ſo hätte der Interdi⸗ zirte waͤhrend des Prozeſſes ſein ganzes Vermögen mittelſt zinzelner Vertraͤge veräuſſern können, deren jeder ſodann der Gegenſtand eines beſondern Prozeſſes geworden waͤre; hätte man aber ſeine Handlungen im Allgemeinen unguͤltig er⸗ klaͤrt, ohne das Publikum von ſeiner Unfaͤhigkeit zu benach⸗ richtigen, ſo wäre derjenige, der in gutem Glauben mit 410 ihm kontrahirt haͤtte, das Opfer geworden. Es iſt uͤbri⸗ gens keinem Zweifel unterworfen, daß, falls das Interdik⸗ tionsGeſuch durch den Appellhof verworfen wird, derſelbe den Flaͤger zur Schadloshaltung des Beklagten verurtheilen kann, bei deren Beſtimmung man den von demſelben in ſeinem Kredit erlittenen Schaden zu beruckſichtigen hat. 4) Waͤre aber dennoch die im Intereſſe der Dritten vorgeſchriebe⸗ ne Anheftung des Urtheils unterblieben, ſo wuͤrden die von dem Interdizirten mit Dritten abgeſchloſſene Geſchaͤfte nichtsdeſtoweniger nichtig ſein;(502) indem dieſe Nichtigkeit ipso jure eintritt, und daher derjenige, dem ein ſolcher Akt eingewendet wird, nichts als das Factum der Inter⸗ diktion zu erweiſen hat. Ohne allen Zweifel, wuͤrde aber der Dritte, der in bona lide war, und dieſe beweiſen kann, zu einer EntſchädigungsKlage gegen den Kläger auf Inter⸗ diktion berechtigt ſein, welcher die ihm obliegende Formalitat der Anheftung des Urtheits vernachläſſigt haͤtte. 5) Die von dem Interdizirten nach der Interdiktion vorgenom⸗ mene Handlungen ſind zwar in ſo weit ipso jure nichtig, daß der Richter ſie ohne Unterſuchung nichtig erklären muß; aber nicht in der Art, daß dieſe Nichtigkeit ohne Urtheil ſtatt fände, in⸗ dem es ſich aus dem Art. 1125 ergiebt, daß das Recht auf dieſe Nullität zu klagen, oder ſie einzuwenden, auf den Interdizirten, ſeine Erben, und die Inhaber ſeiner Rechte, beſchraͤnkt iſt. 6) Um dieſe Anheftung zu erwirken, hat der Kläͤger eine Aus⸗ fertigung des Urtheils oder einen Auszug aus demſelben dem Sekretair der Kammer der Notarien des Bezirkes, in welchem der Interdizirte wohnhaft iſt, zu uͤbergeben, der einen Em⸗ pfangſchein daruͤber auszuſtellen, und ihn ſeinen Kollegen mit⸗ zutheilen verbunden iſt, die ihrerſeits, unter Strafe, allen 417 aus der Unterlaſſung entſpringenden Schaden zu erſetzen, zur Anheftung deſſelben auf ihren Schreibſtuben verbun⸗ den ſind.(Tarif der GerichtsKoſten vom 16 Februar 1807, 2 Buch, Tit. 2. Kap. 2.§. 8. Geſetz uͤber das Notariat, vom 25 Ventoſe IT, Art. 18.) 7) Der Interdizirte hat, von Beſtellung der Vormundſchaft an, ſeinen Wohnſitz bei ſeinem Vormund. Solkte dieſer in einem andern Bezirke, als dem, wo der Interdizirte vor⸗ her ſeinen Wohnſitz hatte, wohnen, ſo glaube ich, daß die Anheftung in beiden Bezirken geſchehen muß. Doch glaube ich, daß dieſe Behauptung nicht auf den Fall aller folgenden Veraͤnderungen des Wohnſitzes des Vormundes des Inter⸗ dizirten ausgedehnt werden kann. Das Geſetz hat die An⸗ heftung verordnet, um die Unfaͤhigkeit des Interdizirten zur Kenntniß des Publikums zu bringen; iſt dies einmal geſchehen, ſo liegt es dem, der nachher mit ihm kontrahiren will, ob, ſich ſeiner Faͤhigkeit zu verſichern. Auch iſt dieſe Bemerkung auf den nicht anwendbar, dem ein Beiſtand angeordnet worden, weil ſein Wohnſitz von dem dieſes Beiſtandes unabhängig iſt. 8) Das Geſetz hat den weſentlichen Unterſchied des roͤmiſchen Rechtes zwiſchen dem Interdizirten und dem Verſchwender oder Schwachſinnigen beibehalten: furiosus statim post luro- rem, prodigus statim post interdictiouem Die Inter⸗ diktion iſt die Erklaͤrung einer beſtehenden Unfähigkeit, de⸗ ren Wirkungen bis zum Urſprung dieſer Unfähigkeit hinauf⸗ greifen muͤſſen; die Ernennung eines Beiſtandes iſt eine Beſchränkung des EigenthumsRechtes in einigen Gelegen⸗ heiten, die um ſo weniger eine ruͤckgreifende Wirkung haben kann, als derjenige, dem ein ſolcher Beiſtand ernannt worden, auch fernerhin die Verwaltung ſeines Vermögens behält. 412 9) Zur Anwendung des Art. 503 wird nicht'allein erfordert, daß zur Zeit der angefochtenen Handlung die Urſache der Interdiktion bereits beſtand, ſondern daß ſie auch ſchon da⸗ mals notoriſch war. Das Geſetz ſchreibt uͤber die Art des Beweiſes dieſer Notorietaͤt nichts vor. Oft kann er in dem InterdiktionsUrtheil, oft in dem Akt ſelbſt liegen. 10) Es wäre allzugefahrlich geweſen, das Andenken eines In⸗ dividuums, das ſich nicht mehr vertheidigen kann, und das Schickſal der von ihm uͤbernommenen Verbindlichkeiten der Habſucht ſeiner Erben Preiß zu geben.(304.) Ihr Still⸗ ſchweigen während ſeinem Leben läßt vermuthen, daß ſie ſich keine Hoffnung machten, mit einem InterdiktionsGeſuch durch⸗ zudringen, wenn der Beklagte ihnen perſonlich gegenuͤber geſtanden hätte. Dieſer Grundſatz, welcher der ältern Ju⸗ risprudenz derogirt,(Arrét vom 2 April 1808, bei Augard tom. 5. ch. 8. vom 21 Julius 1779 und vom 24 Jänner 1808. Journ. du Pal 1808, II. 222. Nerleidet jedoch Ausnahmen: a) wenn das InterdiktionsGeſuch vor dem Sterbfall einge⸗ leitet war. In dieſem Falle bleibt es dem Ermeſſen des Richters uberlaſſen, die Umſtände abzuwaͤgen, und zu entſcheiden, ob die bereits artikulirte oder notori⸗ ſche Thatſachen Zweifel in Hinſicht auf den Zuſtand des Beklagten uͤbrig laſſen oder nicht. b) Wenn der Akt ſelbſt den Beweiß des Wahnſinnes in ſich ſchließt. 5. 150. Die vormundſchaftliche Verrichtungen haben einen dop⸗ pelten Gegenſtand: 413 die Perſon des Pflegbefohlnen; ſein Vermögen. Erſte Abtheilung. Von vormundſchafttichen Verrichtungen. Erſte unterAbtheilung⸗ Von den vormundſchaftlichen Verrichtungen in Betreff der Perſon des Pflegbefohlnen. 5. 15I. Der Vormund iſt verbunden, fuͤr den Unterhalt, die Nahlung und die Erziehung ſeines Pflegbefohlnen, mit⸗ telſt der Summe, welche der Familien Rath ihm aus dem Vermogen deſſelben für deſſen jaͤhrliche Ausgaben an⸗ zuweiſen har, Sorge zu tragen. Im Falle einer ſchlechten Auffuhrung des Minderjährigen, hat er ſeine Beſchwerden dem Familien Rath vorzutragen und, falls dieſer ihm dazu die Autoriſation ertheilt, kann er deſſen Einſperrung im Reguiſitions Wege, auf die Art und Weiſe, die im Titel: von der väterlichen Gewalt, auseinander geſetzt worden iſt, nachſuchen. Der Vormund eines Interdizirten hat die Einkuͤnfte deſſelben hauptſächlich dazu anzuwenden, ſein Schickſal zu erleichtern, und ſeine Heilung zu beſchleumgen. Doch hat er gleichfalls von dem Familien Nath, als Ober Vormund, beſtimmen zu laſſen, auf welche Art und an welchem Orte der Interdizirte, nach dem Charakter ſeiner Krankheit und dem Zuſtand ſeines Vermögens, behandelt werden ſoll. Locr⸗, VI, 236. 495. Thibaut, J. 520. Tit. C. ubi pup. ed. deb.(5. 49) ff. h. t.(27. 2,) Jurisprud. du C. N, 1806. I. a13. 2) Tutor personae non rei datur; dieſem Grundſatz zufolge muß ſelbſt dann ein Vormund ernannt werden, wenn der 450 468 510 474 Minderjährige gar kein Vermoͤgen beſitzt. Da der Vormund aber nie angehalten werden kann, ſeinen Pupillen aus ſei⸗ nen eionen Mitteln zu ernahren, ſo beſchräͤnken ſich in die⸗ ſem Falle ſeine Verrichtungen darauf: 2) fuͤr deſſen Unterbringung in ein oͤffentliches Hospitium Sorge zu tragen, ſo wie die Verwendung der Unterſto⸗ tzungen, die der Staat hulfsbeduͤrftigen Waiſen zuflieſſen läßt, zu beſtimmen; b) die Aufſicht uͤber die Handlungen des Minderjaͤhrigen zu fuͤhren; das ZuͤchtigungsRecht nach Vorſchrift des Art. 468 bei vorkommenden Fällen auszuuben; c) den Stand des Minderjährigen, falls er angefochten werden ſollte, zu vertheidigen. 2) Dieſer Zweig der vormundſchaftlichen Verrichtungen iſt ohne Zweifel der wichtigſte, allein geſetzlicher Vorſchriften am wenigſten empfaͤnglich. Der Coder beſchränkt ſich auf die einzige:„daß der Vormund fuͤr die Perſon des Minderjaͤh⸗ „rigen Sorge zu tragen habe.“ Es verläßt ſich dabei ſowohl auf die Zuneigung des Vormundes zu ſeinem Pupillen, als auf die Aufſicht des, aus deſſen nächſten Verwandten beſtehenden, Familien Rathes. Man hat dabei die Aszendenten, die zugleich Vormuͤn⸗ der ſind, von dem entfernteren Verwandten oder dem Fremden, der zu einer Vormundſchaft berufen iſt, zu un⸗ terſcheiden. Die Natur macht fur die erſte jede geſetzli⸗ che Vorſchrift uberfluͤſſig; fuͤr die andere läßt ſich wohl keine beſſere auffinden, als die allgemeine, welche ſich aus dem Gegenſtand ihres Berufs ſelbſt ergiebt: bei dem Pu illen Vaterſtelle zu vertreten; das Intereſſe, welches die püufloſe Lage der Waiſen einflößen muß, ſo wie die Sorg⸗ 415 falt, weſche der Familien Rath zu tragen hat, nur ſolche Perſonen zur Vormundſchaft zu berufen, von welchen ſich die groͤßte Anhaͤnglichkeit und Zuneigung zu dem Minder⸗ jährigen vermuthen läßt, find die Gewäͤhrleiſtung, daß je⸗ der Vormund, deſſen Aufſicht an die Stelle der väterlichen Gewalt getreten iſt, ſich auch alle VaterPflichten zu erfuͤl⸗ len, beſtreben wird. 1 3) Das roͤmiſche Recht enthielt mehrere Vorſchriften fuͤr den Fall, wenn der Pflegbefohlne nicht in der eignen Wohnung des Vormundes erzogen werden kann, und uͤber die Perſo⸗ nen, welchen er alsdann anvertraut werden muß.(T ff. ubi pupill educ. debet. TL. ult Cod sod.) Eben ſo war der Vormund, demſelben zufolge, ausdrucklich verbunden, ſeinen Pupillen in einer Kunſt oder einem Gewerbe zu er⸗ ziehen.(L. 2 et 4 ff eod) Alle dieſe Gegenſtände, ſo wie uͤberhaupt alles, was die Erziehung, den Unterhalt ꝛc. betrift, hat das neue Geſetz der Beſtimmung des Vormun⸗ des uͤberlaſſen, welcher dabei natuͤrlich den Stand, das Vermögen, die beſondere Hoffnungen und Auſſichten des Minderjährigen in Erwaͤgung zu ziehen und auch hierbei ſich es vorzuglich zur Richtſchnur zu nehmen hat, ſo viel als moͤglich, eben ſo und in derſelben Art fuͤr den Minderjährigen zu ſorgen, wie ſeine Aeltern ſelbſt es gethan haben wurden. Zu bemerken iſt, deß der Vor⸗ ſchlag des Appellhofes von Caen, dem Familien⸗ Rath die Beſtimmung des Ortes, an welchem der Pupille erzogen werden ſoll, ſo wie die Wahl des Erziehers zu uberlaſ⸗ ſen, verworfen worden iſt. Sie hängt daher von dem Vor⸗ 1 mund ab, dem Recht des Familien Rathes ohnbeſchadet, ge⸗ gen die von demſelben getroffene Verfuͤgungen bei dem Tri⸗ 416 vunal Beſchwerden zu führen, falls der Vormund ſich wei⸗ gern ſollte, ſie in Gefolge einer bloſſen Berathſchlagung des Rathes abzuändern. 4) Eben ſo ſteht dem Vormund der Rekurs an die Gerichte offen, falls der Familien Rath ihm die Autoriſation zur Ausubung des ZuͤchtigungsRechtes verſagen ſollte. §) Da der Vormund das Recht der Aufſicht uͤher die Hand⸗ lungen des Minderjährigen hat, ſo ſind die Artikel 371 und 373 auf ihn anwendbar; ſein Pupille darf daher den Ort, wo er ſich auf Verfuͤgung des Vormundes befindet, ohne deſſen Erlaubniß nicht verlaſſen. 6) In dem Art. 510 hat man zwei Verfuͤgungen zu unter⸗ ſcheiden; die erſte hat zum Zweck, das Intereſſe des Interdizir⸗ ten fur den Fall zu ſichern, wenn der aus habſuͤchtigen Verwand⸗ ten beſtehende Familienrath den Vormund in ſeinen Ausgaben für den Kranken allzuſehr beſchraͤnken wollte. Die Einkuͤnf⸗ te eines Interdizirten ſollen nicht ſowohl geſpart, als zur Erleichterung ſeines Schickſals und ſeiner Heilung, verwen⸗ det werden. Es folgt aber daraus keineswegs, wie die Ver⸗ faſſer der Pandectes frangaise(V. 656.) glauben, daß der Vormund die Erſparniſſe in keinem Falle anzulegen ha⸗ ben; im Gegentheil hat derſelbe, da der Interdizirte dem Minderjährigen völlig gleichgeſetzt iſt, die Vorſchrift des Art. 452 zu erfüllen, und bleibt der durch den Art. 455 be⸗ gruͤndeten Verantwortlichkeit unterworfen; allein die erſte Verfugung des Art. 510 ſoll bei jener Beſtimmung dem Fa⸗ milien Rath ſowohl, als bei der Entſcheidung der Beſchwerden, welche der Vormund gegen eine allzugeringe Beſtimmung einführen moͤchte, den Tribunalien zur Richtſchnur dienen⸗ 417 2) Die zweite Verfuͤgung des Art. 510 hat zum Zweck, den Kranken gegen habſuͤchtige oder unbarmherzige Vormuͤn⸗ der zu ſichern, indem er verbietet, ihn in ein öffentliches Krankenhaus bringen zu laſſen, bevor nicht dieſe Maasre⸗ gel vorher dutch die Familie in Erwäͤgung gezogen und als nöthig anerkannt worden iſt. 8) Der Vormund kann nicht gezwungen werden, ſeinen Pfleg⸗ befohlnen in ſeinem eignen Hauſe zu ernähren, und zu erziehen.(Urtheil des Appellhofes von Amiens vom 13 Frimaire 13 welches dieſen Grundſatz ſogar auf die Kinder ei⸗ ner fruͤheren Ehe angewendet hat, deren Mit Vormund der Mann durch ſeine Ehe mit der Wittwe geworden war, und welche er, gegen den Willen ſeiner Frau, auſſer dem Hauſe erziehen ließ.) Zweite UnterAbtheilung. Por den vormundſchaſtlichen Verrichtungen in Vetreff des Vermb⸗ gens des Pflegbefohlnen. Nro. 1. Pon den Pflichten des Vormundes bei dem Antritt ſeiner Verwaſtung. §. 152. In den zehn, auf den Antritt der Vormundſchaft folgen⸗ den, Tagen hat der Vormund, falls die Siegel angelegt worden ſind, deren Abnahme nach Vorſchrift des Art. 928 und ff. des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im vurgerl. Prozeß zu bewerkſtelligen, und ſodann ſogleich, in der durch daſſelbe Geſetzbuch(Art. 941 u. ff. beſtimmten Form, kontradictoriſch mit dem GegenVormund, zu der Inventariſirung des Vermögens des Minderjährigen zu ſchreiten, bei welcher er, unter Strafe der Verluſtigung, 451 418 alle Forderungen, die er an dieſen zu machen hat, er⸗ klären muß. Nach dem Abſchluß des Inventariums hat er daſſelbe dem Familien Rath vorzulegen, damit dieſer beſtimme, ob und welche bewegliche Guͤter unverkauft bleiben ſollen. Diejenige, welche der Familien Rath ihn nicht in Ratur zu behalten autoriſirt, muß der Vormund in Monats⸗ friſt von dem Abſchluß des Inventariums an, auf die durch die Art. 945 u ff. des Geſetzbuchs uͤber das Ver⸗ fahren im buͤrgerlichen Prozeß vorgeſchriebene Art und Weiſe, verkauſen laſſen. Vater und Mutter ſind, jedoch nur ſo lange und in ſo weit als ſie den geſetzlichen Rießbrauch des Verinögens ihrer Kinder haben, von dieſer Verbindlichkeit freigeſpro⸗ chen, unter der Obliegenheit, das MobiliarVermogen, auf ihre Koſten, durch einen von dem Gegen Vormund er⸗ nannten und von dem Friedens Richter vereideten Werk⸗ verſtändigen abſchatzen zu laſſen. Sie ſind demnach nur zur Ruͤckerſtattung des Abſchätzungs Werthes derjenigen be⸗ weglichen Guter verbunden, die ſie zu Ende ihres Nieß⸗ brauchs nicht in Ratur datſtellen können. Der Vormund hat unmittelbar nach dem Amritt ſeiner Vormundſchaft, die geſetzliche Hypothek, mit welcher ſie ſei⸗ ne Guͤter beſchwert, durch eine Inſcription bekannt zu machen. Unterläßt er es, ſo iſt der Gegen Vormund, un⸗ ter ſeiner eignen perſoͤnlichen Verantwortlichkeit und unter Strafe völliger Schadloshaltung, verbunden, dieſe In⸗ ſcription zu requiriren. Locré, VI. 266 et sniv. Art. 2135 u ff. des Codex. Art. 907 n⸗ ff. 928 u. ff. 941 u ff. 617 u. ff des Geſetzbuchs über das Perf⸗ im buͤrg. Proz. Art. 1 des Geſetzes vom 24 May 1306. Thi⸗ 419 baut, 5. 515. L. ult. C. arbit. tnt.(5. 51.) L. 9. ff. de adm. et peric. tut.(26. 7.) Despeisses, I. 509. Henris, tom. „ 1. liv. quest. 112. 1) Muß der Vormund noch heutzutage vor dem Antritt ſeiner Verrichtungen vereidet werden? Ohngeachtet dieſe For⸗ malität nirgends vorgeſchrieben iſt, hat ſie ſich doch im Ge⸗ brauch erhalten; ich glaube aber nicht, daß ihre Unterlaſſung dem Vormund zum Nachtheil gereichen, noch daß der An⸗ tritt der Vormundſchaft von dem Tage der Vereidung an gerechnet werden kann. Siehe uͤber die Epoche deſſel⸗ ben den§. 148. S. 406. 2) Der Vater iſt von der Verbindlichkeit der Errichtung eines Inventariums nicht freigeſprochen. Gewohnlich wird dieſe jedoch erſt mit dem Tode der Mutter eintreten, weil vorher die Kinder ſelten eignes Vermoͤgen beſitzen. 3) Das erſte, was demnach der Vormund bei dem Antritt ſeiner Verwaltung zu thun hat, iſt, den Beſtand und die Lage des Vermoͤgens ſeines Pflegbefohlnen durch ein geſetzli⸗ ches Inventarium zu bewaͤhren. Sind die Siegel angelegt worden, ſo beſchraͤnkt ſich die Obliegenheit des Vormundes in dieſer Hinſicht darauf, bei dem FriedensRichter die Ab⸗ nahme der Siegel nachzuſuchen, und den Notar zu beru⸗ fen; ſind noch keine Siegel angelegt worden, ſo bleibt es ihm unbenommen, falls der Notar nicht auf der Stelle zum Inventarium ſchreiten will oder kann, die Anlage noch zu verlangen, um erweißen zu koͤnnen, daß ihm keine andere Effekten uͤbergeben worden ſind, als die, welche im Inven⸗ tarium verzeichnet ſind. Dieſe Formalität iſt vorzuglich dann anzurathen, wenn der Vormund ſelbſt Forderungen an die Erbſchaft aufſtellt, um den Vorwurf zu vermeiden, als ha⸗ be er ihm nachtheilige Schriften bei Seite geſchafft. 420 4 4) Sollte der Gegen Vormund ſich weigern, dem Imwentarium beizuwohnen, ſo durfte es am räthlichſten ſein, den Fami⸗ milien Rath von dieſer Schwierigkeit zu benachrichtigen, ohn⸗ geachtet ich nicht glaube, daß dem Vormund einige Verant⸗ wortlichkeit aufgebuͤrdet werden kann, wenn er ſich begnugt, den authentiſchen Akt der Berufung des Gegen Vormun⸗ des dem Inventarium beifuͤgen und in demſelben von ſeinem Ausbleiben Meldung thun zu laſſen. Sollte der Gegen Vormund abweſend oder geſetzlich verhindert ſein, dem Inventarium beizuwohnen, und dieſe Verhinderung dem Vormund bekannt machen, ſo muͤßte derſelbe allerdings den Familien Rath von dieſem Anſtand benachrichtigen. 5) Der Art. 451 macht der alten KontroversFrage ein En⸗ de, ob der Vormund von der Verbindlichkeit, ein Inventa⸗ rium zu errichten, befreit ſei, wenn der Vater ihm dieſelbe nachge⸗ laſſen, oder ſohar die Errichtung des Inventariums verboten haͤt⸗ te? Kein Vormund kann ſich derſelben, unter keinem Vor⸗ wande, entziehen. 6) Die zweite Verfuͤgung des Art. 451 iſt auf den ge⸗ ſetzlichen, wie auf den vom Familien Rath ernannten, Vor⸗ mund anwendbar. Verliert der Vormund ſein Forderung auch dann, wenn der Notar ihn nicht aufgefordert hat, ſie in dem Inventarium zu erklaͤren? Ich glaube nicht, denn ohngeachtet im Allgemeinen die Unwiſſenheit des Geſetzes nicht entſchuldigt, ſo ſcheint doch aus den BindungsWorten; er ce, hervorzugehen, daß dem Vormund jene Erklärung nur in ſo weit zur Pflicht gemacht iſt, als er dazu aufgefordert wird. 7) Wollen die Aeltern auch noch nach der Zeit, wo der lega⸗ le Nießbrauch des eignen Vermogens ihrer Kinder aufgehort hat, deren bewegliches Vermoͤgen in Natur behalten, ſo 421 haben ſie ſich nach der Vorſchrift des Art. 452 dazu autori⸗ ſiren zu laſſen. Die ihnen durch den Art. 453 geſtattete Be⸗ gunſtigung iſt eine Folge des Art. 589 des Titels: von dem Nießbrauch. 8) Das Wort: meubles, im Art. 452 erſtreckt ſich weder auf perſoͤnliche Forderungen, noch auf diejenige Gegenſtände, wel⸗ che im Art. 533 aufgezählt ſind, und iſt daher hauptſächlich auf eigentlichen Hausrath zu beſchränken. Zwar glaubt Lo⸗ cré, da der Geſetzgeber ſelbſt nur eine einzige Ausnahme von der Regel des Verkaufs— naͤmlich die Autoriſation des Fa⸗ milien Raths— zulaſſe, ſo könne man keine andere anneh⸗ men; dieſes Argument iſt aber ſo gut als keines, indem dieſe Autoriſation auch in dem Falle, wenn der Art. 453 nur von dem Hausrath zu verſtehen iſt, nothwendig bleibt. Es iſt unbeſtryitbar, daß der Familien Rath befugt iſt, auch die Eintreibung der perſoͤnlichen Forderungen, und den Verkauf aller der Gegenſtände, die nach dem Art⸗ 533 nicht unter den Worten Moͤbel verſtanden werden, zu verordnen, wenn er es dem Intereſſe des Minderjähri⸗ gen zutraͤglich findet; allein ich glaube, daß der Vormund nicht dazu verb unden iſt, und daß man ihm z. B. we⸗ gen dem Art. 452 den Verluſt eines Kapitals nicht zur Laſt legen koͤnnte, wenn ein zahlsfahiger Schuldner nachher durch einen unvorhergeſehenen Zufall fallirt haben ſollte. 9) Dem Geſetz vom 24 May 1806 zufolge iſt der Verkauf der konſolidirten Renten unter 50 Franken keiner andern Bedingung unterworfen, als daß ſie im Kurs geſchehe; Ich glaube uͤberhaupt, immer auf den Art. 533 geſtuͤzt, daß der Familien Rath, falls er die AktivForderungen des Min⸗ derjährigen realiſiren will, den Vormund nur zu autoriſiren 422 braucht, ſie aufzukuͤndigen und einzutreiben, und daß ſie nicht im Wege einer offentlichen Verſteigerung verkauft werden muſ⸗ ſen, wie es nach Locre(S. 274.) erforderlich ſein wuͤrde. 10) Der Verkauf muß durch einen oͤffentlichen Notar, in Gegenwart des GegenVormundes, nach vorherigen Verkuͤndi⸗ gungen und Anſchlagetteln, geſchehen. Ich glaube, daß es zweckmaͤſſig, aber nicht unumgaͤnglich nothwendig, iſt, die Verfuͤgungen der Art. 617, 618 und 619 des Geſetzb. uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß, dabei zu beobachten. 11) Der Vormund, der dieſen Verkauf unterläßt, haftet fuͤr allen daraus entſpringenden Schaden. Der ehedem in einigen Provinzen uͤblichen Gebrauch, ihn zur Zahlung des in dem Inventarium enthaltenen Abſchätzungs Werthes der Moͤbel, und der Haͤlfte oder des Viertheils uͤber die Tape, anzuhalten, kann dabei wohl beruͤckſichtigt, aber nicht als Regel ange⸗ nommen werden. 12) Sollte ſich vor Errichtung des Inventariums ein Fall er⸗ eignen, wobei die Intervention des Vormundes nothwendig waͤre, ſo muß man mit der K 7 H. de adm et peric. Tut entſcheiden, daß dieſer ſeine Huͤlfe zu leiſten ge⸗ zwungen iſt, ohne ſich mit der NichtErrichtung des Inven⸗ tariums entſchuldigen zu konnen. 13) Ueber die Form und Wirkung der Inſcription, wodurch die geſetliche Hypothek, welche die Vormundſchaft auß die Guͤter des Vormundes begruͤndet, bekannt gemacht wird, ſo wie uͤber die Folgen, welche aus der Unterlaſſung dieſer Formalität entſtehen koͤnnen, ſehe man die Art. 2135, 2136, 2137, 2138, 2139 nach, und die Art. 2141 und 2142 uͤber die Faͤlle, wo dieſe Hypothek auf gewiſſe Immoͤbel beſchränkt werden kann. Wir werden im Titel: von den 423 Privilegien und Hypotheken, alles, was die⸗ ſelbe betrift, weitlaͤuftiger ausfuͤhren, glaubten jedoch die Obliegenheit des Vormundes, die Inſcription derſelben zu requiriren, hier nicht mit Stillſchweigen uͤbergehen zu duͤrfen⸗ §. 153 Unmittelbar nach dem Abſchluß des Inventariums hat der Vormund gleichfalls durch den Familien Rath beſtim⸗ men zu laſſen: 2) die ungefähre Summe, welche er für die jährliche Ausgaben des Pflegbefohlnen zu verwenden berechtigt ſein ſoll; p) die ungefähre Summen, bis auf welche ſich die Verwaltungs Koſten ſeines Vermoͤgens belaufen koͤnnen. Zugleich hat der Familien Rath zu beſtimmen, ob der Vormund, zur Erleichterung ſeiner Geſchäftsfuͤh⸗ rung, befugt ſein ſoll, einen Theil derſelben einem oder mehreren beſondern Verwaltern zu uͤbertragen, die jedoch in jedem Falle unter ſeiner Verantwort⸗ lichkeit handeln; e) die Summe, mit welcher fuͤr den Vormund die Verbindlichkeit anheben ſoll, den Ueberſchuß der Einkuͤnfte uber die Ausgaben, in einer ſechsmonatli⸗ chen Friſt, anzulegen. Hätte der Vormund es un⸗ terlaſſen, dieſe Beſtimmung treſſen zu laſſen, ſo iſt er die Zinſen jeder nicht angelegten Summe, wie gering ſie auch ſein mag, zu verguͤten ſchuldig. Dasjenige der Aeltern, welches die Vormundſchaft kraft der väterlichen Gewalt führt, iſt dieſen Verfuͤgun⸗ gen nicht unterworfen. Locrés, VI. 26 et suiv. Projet du C. C. liv 1. tit. g, art. 37, 72. 91. Maleville, I. 456. Thibaut, S. 518, litt. C. F. 520. No.r. 454 455 466 424 L. 2. 99. 1. 2, 3. Hi. ubi pup.(27 2.) L. 7§. I1. L. 15. f. de „dm. tut.(26 3.) L. 24. C. eod.(5. 37) L. 5. C. de usur. pup. G. 55.) Nov. 72. cap 6. Nousseaud, verbo: luteur. Serres, Iust p. 78. et 79. Traité des tutelles, chap 8. Argou, Inst. liv. 1. chap. 3. Lapeyrere, verbo: fuceur, p. 511. 2) Wenn man den Text der oben angefuͤhrten Artikel mit dem Projekte vergleicht, ſo bemerkt man folgende Abwei⸗ chungen: 2) die Ausnahme, welche der erſte zu Gunſten der Aeltern macht. Da ſie bis zum 18ten Jahre den Nießbrauch des Vermögens ihrer Kinder haben, ſo ward die Anlegung des Ueberſchuſſes der Einkuͤnfte uͤber die Ausgaben in den drei letzten Jahren, in welchen die letzten ohnehin am beträchtlichſten ſind, nicht mehr wichtig genug befunden, um den Aeltern eine ſtrenge Ver⸗ antwortlichkeit dafuͤr aufzubuͤrden. Da dieſe Ausnah⸗ me nur zu Gunſten von Vater und Mutter beſteht, ſo dehnt ſie ſich auf die übrige geſetzliche Vor⸗ muͤnder nicht aus. Auch glaube ich, daß ſie in Hin⸗ ſicht auf die wiederheirathende Mntter wegfällt, theils weil ſie den Nießbrauch des Vermogens ihrer Kinder verliert, theils weil ihr zweiter Mann Mit Vormund wird. b) Nach dem Projekt ſollten die Ausgaben jährlich durch den Familien Rath regulirt werden. Dieſe Ver⸗ fuͤgung wurde durch die öftere Berufangen des Ra⸗ thes allzu koſtſpielig und fuͤr die Glieder deſſelben allzu läſtig geworden ſein. Sie wäre uͤberdem ohne Nutzen geweſen; eine Verminderung der gewoͤhnlichen Aus⸗ gaben iſt bei anwachſendem Alter des Pupillen nicht wohl denkbar; tritt aber die Nothwendigkeit einer Er⸗ hohung der dem Vormund bewilligten Summen ein, 425 ſo bleibt es bemſelben unbenommen, den Familien Rath zu berufen, um uͤber ſeinen diesfallſigen Antrag zu berathſchlagen. c) Die Commiſſion wollte auch fuͤr die Verwaltung der in entfernten Departementen gelegenen Guͤter die Er⸗ nennung von dem Vormund unabhaͤngiger Protutoren erlauben. Da aber derſelbe Beweggrund, der in Hin⸗ ſicht auf in den Colonien gelegene Guͤter beſteht,— die Schwierigkeit der Kommunikationen und die daraus entſpringende Unmoͤglichkeit der Aufſicht— hier nicht vor⸗ handen iſt, ſo ward entſchieden, daß die beſondere Verwal⸗ ter entfernter Guͤter, deren Anſtellung der Familien⸗ Rath fuͤr noͤthig erachten moͤgte, nur unter der Ver⸗ antwortlichkeit des Vormundes geriren können. d) Die Commiſſion wollte die Obliegenheit des Vor⸗ mundes, die Kapitalien anzulegen, auf den bei der jaͤhrlichen Rechnungs Ablage regulirten Ueberſchuß, und, falls keine Rechnung abgelegt worden wäre, auf die Summe von 1000 Franken beſchraͤnken. Beide Be⸗ ſtimmungen wurden verworfen, die erſte, weil uͤber⸗ haupt keine jährliche RechnungsAblage ſtatt findet, die zweite, weil ſie im Verhaͤltniß zu dem Vermoͤgen des Minderjaͤhrigen allzuhoch und allzugering ſein kann. Der FamilienRath beſtimmt daher einmal fuͤr allemal, ruckſichtlich auf das Vermoͤgen des Pupillen und ſeine jährlichen Ausgaben, die Summe, mit welcher fuͤr den Vormund die Verbindlichkeit anhebt, ſie anzulegen, ſo⸗ bald er ſie in Kaſſa vorraͤthig hat. 2) Sollte der Vormund, anſtatt dieſe Verbindlichkeit zu erfül⸗ len, das Geld des Pupillen auf eine vortheilhaftere Weiſe, zu 426 ſeinem perfönlichen Vortheil anlegen, ſo könnte er nicht allein zur Verguͤtung angehalten, ſondern auch wegen dieſer Ver⸗ untreuung abgeſetzt werden. 3) Die Verfuͤgung des Art. 455 iſt ubrigens nicht allein auf den jährlichen Ueberſchuß der Einn ahme uͤber die Ausgabe, ſondern auch auf die Anlegung der aus dem Verkauf der Mobilien zu erlößenden Gelder anwendbar. Da dem Fami⸗ lien Rath das Inventarium ſofort nach deſſen Abſchluß vor⸗ gelegt werden muß(Art. 452 u. ff.) ſo uͤberſieht er daraus den ganzen VermoͤgensZuſtand, und kann demnach beurthei⸗ len, welche Summe, nach Befriedigung der allenfallſigen Gläu⸗ biger, noch uͤbrig bleibt, und gleichfalls angelegt werden kann. 4) Hat der Vormund es unterlaſſen, jene Beſtimmung von dem Famlien Rath treffen zu laſſen, ſo iſt er, dem Art. 456 zufolge, die Zinſen von jedem, auch dem kleinſten, nicht angelegten Ueberſchuß der Einkänfte uͤber die Ausgabe ſchuldig. Daſſelbe iſt natürlich auf die Kapitalien auszu⸗ dehnen, welche ihm abgelegt werden moͤgen; und da die Zinſen dieſer Kapitalien, ſo wie des Ueberſchuſſes, jährlich wieder in Rechnung geſetzt werden muͤſſen, und alſo zur Vermehrung des Ueberſchuſſes des folgenden Jahres beitra⸗ gen, ſo zahlt er, dieſem Artikel zufolge, gegen die aͤltere mil⸗ dere Jurisprudenz, nach welcher dieſe Zinſen in eine ſogenann⸗ te colonne morte getragen wurden, Zinſen von den Zin⸗ ſen. Hr. v. Maleville findet dies allzuhart; da jedoch die neue Geſetzgebung dem Vormund ein ſo einfaches Mittel dar⸗ bietet, ſich vor jenem Schaden zu bewahren, ſo hat er kaum eine Entſchuldigung, wenn er in denſelben geräth. §) Da der Familien Rath die Ausgaben des Pupillen nur bei⸗ laͤu fig uͤberſchlagen kann, ſo iſt der Vormund fuͤr die 427 Ueberſchreitung dieſes Ueberſchlags nur in ſo weit verant⸗ wortlich, als er das Beduͤrfniß nicht gehörig erweißen kann. 6) Die Art der Anlegung der Gelder hat das Geſetz dem Vor⸗ mund uͤberlaſſen; wollte man, mit Locrs, annehmen, daß das Wort„eubles im Art. 452 auch auf AktivForderungen auszudehnen ſei, ſo wuͤrde daraus folgen, daß der Vormund ſie, ohne Autoriſation des Familien Rathes, ſelbſt nicht mit hypo⸗ thekariſcher Sicherbeit, auslehnen duͤrfte, indem ſolche Ka⸗ pitalForderungen gleichfalls unter das bewegliche Ver⸗ mögen gehoͤren, welches der Vormnnd, dieſer Deutung zu⸗ folge, nur in ſo weit behalten darf, als der Familien Rath ihn dazu autoriſirt. Da ich aber glaube, daß das Wort meubles im Art. 452 in der Bedeutung des Art. 533 zu verſtehen iſt, ſo glaube ich, daß der Vormund allein befugt iſt, die Gelder ſeines Pupillen gegen liegende Unterpfaͤnder auszulehnen. 7) Derſelbe kann ſie ferner zum Ankauf von liegenden Gruͤn⸗ den oder von Renten auf den Staat verwenden. Dagegen glaube ich, daß er fuͤr die Unzahlsfähigkeit des Schuldners unbedingt haftet, wenn er ſie ohne hypothekariſche Sicher⸗ heit, z. B. einem Handelsmanne, hingegeben hätte, und zwar aus dem Grunde, weil, falls er in der ihm geſtatteten Friſt keine Gelegenheit finden ſollte, die Gelder gegen Hypothek auszulehnen, oder zum Ankauf von Immöbeln zu verwenden, auch von dem Mittel, ſie auf den Staat anzu⸗ legen, keinen Gebrauch machen will, es ihm unbenommen bleibt, den Familien Rath von dieſer Schwierigkeit zu benach⸗ richtigen, und deſſen Autoriſation zu einer anderweitigen Anle⸗ gung nachzuſuchen. Verſäumt er dies einfache Mittel, ſeine Ver⸗ 42³ antwortlichkeit zu decken, ſo handelt er auf ſeine eigne Ge⸗ fahr. 8) Bei der Beſtimmung, die dem Familien Rath durch den Art. 454 ubertragen iſt, ſind nur drei Fälle moͤglich: entweder der vermuthliche Betrag der jährlichen Einnahme uberſteigt den der jährlichen Ausgabe, oder er iſt ihr gleich, oder er iſt geringer als der der Ausgabe. Ueberſteigt die Einnahme die Ausgabe, ſo findet die Verfuͤ⸗ gung des Art. 455 ihre Anwendung. Sind beide gleich, ſo hat der Vormund: a) in ſeiner Verwaltung hauptſůchlich alle Ruͤckſtaͤnde der Einnahme zu vermeiden, weil die laufenden Einkuͤnfte kein Mittel darbieten wuͤrden, ein Defizit zu decken; b) im Falle einer Verminderung der Einnahme oder Ver⸗ mehrung der Ausgaben in auſſerordentlichen Faͤllen auf der Stelle den Familien Rath zu berufen, und dem⸗ ſelben die zur Deckung des Defizits zu treffende Mass⸗ regeln zur Genehmigung vorzutragen. 9) ueberſteigt die Ausgabe die Einnahme, ſo hat: *2) der Vormund ein beſonderes Intereſſe, ſich genau nach der Vorſchrift des Art. 454 zu bemeſſen; denn hätte er es unterlaſſen, den Betrag der jährlichen Ausgaben des Minderjährigen durch den Familien Rath beſtimmen zu laſſen, ſo wurde der Ueberſchuß der Ausgabe uͤber die Einnahme ihm perſoͤnlich zur Laſt fallen.(L. 2.§. 1. K ubi pup. educ) Der Vormund darf ſogar nicht einmal, um dem Minderjaͤhrigen Koſt und Unterhalt zu verſchaffen, die Kapitalien angreifen, ohne vorher die Er⸗ maͤchtigung des Familien Rathes eingenpmmen zu haben. 420 Die Jurisprudenz war immer aͤuſſerſt ſtrenge uͤber dieſen Punkt, und man hat ſogar Urtheilsſpruͤche, wodurch alle Verkäufe von MibiliarEffekten, welche eine Mutter fuͤr den Unterhalt ihrer Kinder gemacht hatte, ihr an ihrer Ausſteuer abgezogen worden ſind. b) Der Familien Rath hat ſodann, nach Beſchaffenheit der umſtände, den Vormund zu ermächtigen, die Kapitalien anzugreifen, oder aber ihn anzuweißen, den Minderjahrigen in die Lehre oder in Dienſt zu geben, um ſich ſelbſt ſei⸗ nen Unterhalt zu erwerben, der in keinem Falle dem Vormund zur Laſt fallen kann. Der Familien Rath hat auch hierbei auf den Stand oder das Talent des Minderjaͤhrigen, und auf ſeine beſon⸗ dere Lage Ruͤckſicht zu nehmen. Es laſſen ſich in dieſer Hinſicht durchaus keine allgemeine und auf alle Faͤlle anwendbare Regeln ertheilen. So wird es z. B. dem Intereſſe eines talentvollen jungen Mannes, der ſeine Studien groͤßtentheils vollendet, oder die Kaufmann⸗ ſchaft beinahe erlernt hat, weit angemeſſener ſein, wenn man ihn durch die Verwendung des letzten Reſtes ſeines Vermoͤgens in den Stand ſetzt, die einmal betre⸗ tene Laufbahn fortzuſetzen, um darauf ſeine kuͤnftige Exi⸗ ſtenz ſelbſt erwerben zu konnen, als wenn man ihn plotzlich aus derſelben wegreiſſen und, um ihm einige unbedeutende Kapitalien zu ſparen, zur Erlernung eines Handwerkes an⸗ halten wollte. Auf der andern Seite wird man das wahre Gluͤck von talentloſen Waiſen, auch angeſehener Aeltern, weit eher befoͤrdern, wenn man ihnen im Falle der Unzuläng⸗ lichkeit ihres Vermögens durch Erlernung eines buͤrger⸗ lichen Gewerbes die Mittel verſchaft, ihr Brod zu verdi⸗ 430 nen, und ſich mittelſt ihres kleinen Kapitals nachher eine Niederlaſſung zu verſchaffen, als wenn man den Reſt ih⸗ res Vermoͤgens aufwenden wollte, um ihnen eine Erzie⸗ hung zu geben, welche ihnen nur die Entbehrung der Bequemlichkeiten des Lebens bei reifern Jahren noch fuͤhlbarer machen, und ſie ohne Mittel laſſen wuͤrde, ih⸗ ren Unterhalt ſelbſt zu erwerben. Da der Familien Rath aus den nächſten Verwandten des Minderjährigen beſteht, ſo werden ſeine Glieder es nie aus den Augen verlieren, daß ſie Vaterſtelle bei ihm vertreten, und daher immer denjenigen Plan zu ſeiner Erziehung genehmigen, der ſei⸗ nen Mitteln, ſeinen Aufſichten, ſeinen Hofnungen auf anderwäͤrtige Unterſtutzung, und vor allen ſeinen Fähig⸗ keiten, am meiſten angemeſſen ſcheint. No. 2. Von den Fflichten des Pormundes im Laufe ſeiner Verwaltung. §. 154. Der Vormund ſtellt die Perſon ſeines Pflegebefohlnen 45o in allen Handlungen des buͤrgerlichen Lebens vor, ohne daß jedoch diejenige, welche mit einem Minderjährigen us oder Interdizirten kontrahirt haben, die Unfaͤhigkeit deſſel⸗ ben einzuwenden befugt wären. Er hat deſſen Vermoͤgen als ein guter Hausvater zu verwalten, und kann alle Handlungen, welche die Schran⸗ ken einer bloſſen Verwaltung nicht überſteigen, ohne Au⸗ toriſation von Seiten des Familien Raths vornehmen. Locré, VI 260. 4) Wir können keine beſſere Erklärung dieſes Artikels geben, als durch eine vollſtäͤndige Ueberſicht aller vormundſchaftlichen Verrichtungen. Aus der Vergleichung derſelben mit den 431 beiden folgenden Paragraphen ergiebt es ſich zugleich, welches die Verrichtungen ſind, zu welchen der Vormund keiner Au⸗ toriſation bedarf. Alle vormundſchaftliche Verrichtungen gehoren in eine der folgen⸗ den Klaſſen: A. Sie haben die Erhaltung des Vermoͤgens zum Ge⸗ genſtande. In dieſe Klaſſe gehoͤren die konſervatoriſche Akte aller Art, die Ausfuͤhrung aller dem Minderjährigen zu⸗ ſtehenden Gerechtſame, die Vertheidigung derſelben vor Gericht, die Vergleiche uber beſtehende Rechtsſtrittig⸗ keiten; die Unterhaltung und Ausbeſſerung koͤrperlicher Sachen; die Eintreibung und der Empfang von Aktiv⸗ Forderungen. B. Sie haben die Vermehrung und Verbeſſerung der Guͤter zum Gegenſtande. In dieſe Klaſſe gehören die Veräuſſerungen uneinträg⸗ licher oder läſtiger Immoͤbel, die Verſilberung unnutzer Mobilien, die Anlegung der auf die jährliche Einnahme zu machenden Erſparniſſe; die Annahme von Erbſchaf⸗ ten, Schenkungen und Vermächtniſſen. C. Sie haben die Benutzung des vorhandenen Vermogens zum Gegenſtande. Zu dem Ende muß der Vormund die liegende Guͤ⸗ ter verpachten oder bauen laſſen, die vorräthige Gelder anlegen, die Mieth⸗ und PachtGelder, Renten und Zinſen einziehn. D. Endlich hat der Vormund fuͤr die Deckung folgendes Ausgaben Sorge zu tragen: fuͤr die Zahlung der Schulden; die perſoͤnliche Unter⸗ 43 haltung und Erziehung des Minderjährigen; die nothi⸗ gen Reparaturen, die Koſten der ihn betreffenden Pro⸗ zeſſe und der Verwaltung ſeines Vermogens. Reicht die gewohnliche Einnahme zu dieſem Behufe nicht hin, ſo tritt die Nothwendigkeit von Veräuſſe⸗ rungen oder Anlehen ein. 2) In Hinſicht auf alle dieſe Verrichtungen ertheilt der Coder eine allge meine Regel, nämlich die, das Geſchäft ſeines Pflegbefohlnen ſo zu verwalten, wie ein fleißiger und ſpar⸗ ſamer Hausvater dem ſeinigen vorſteht. Der Vormund haftet daher in den Geſchäften, die ihm allein anvertraut ſind, nicht allein fur Betrug, ſondern auch fur allen aus großer Nachläſſig⸗ keit entſpringenden Schaden. Die Vorſchriften der L 7. C. admin. tut und der L. 10. ff. de admin. ei peric. tut. ſo wie manche andere des roͤmiſchen Rechtes kommen auch noch heutzutage, wenn gleich nicht als Geſetz, doch als ver⸗ nunftgemäße Interpretation des im Art. 450 aufgeſtellten allgemeinen Grundſatzes in Betrachtung. 3) Der Art. 450 begruͤndet eine weſentliche Abweichung des franzoͤſiſchen Rechtes von dem roͤmiſchen, nach welchem der Pupille unter der Autorität des Vormundes ſelbſt handeln konnte. Nach dem franzoſiſchen tritt der Pupille nie handelnd auf, ſondern der Vormund in ſeinem Na⸗ men. Dieſer fuͤhrt die Prozeſſe, worin der Minderjährige Kläger iſt, die, worin der Minderjaͤhrige Beklagter iſt, werden gegen ihn erhoben; er unterzeichnet allein die Theilungen, Inventarien, Vergleiche, Mieth⸗Pacht⸗ Kauf⸗ und VerkaufKontrakte; kurz, da das Geſetz den nicht emancipirten Minderjährigen als völlig unfaͤhig zu kontrahiten betrachtet, ſo hat der Vormund den Auf⸗ 433 trag, denſelben in allen den Akten vorzuſtellen, welche in den Augen des Geſetzes gelten ſollen; wobei man jedoch nicht aus dem Auge verlieren darf, daß die Mullität derje⸗ nigen, welche der Minderjäͤhrige ſelbſt kontrahirt hat, nun⸗ relativ iſt.(Art. 1125.) 4 Das Geſetz ertheilt nunmehr fuͤr mehrere vormundſchaftliche Verrichtungen ſpezielle Vorſchriften, nach welchen ſich der Vormund zu bemeſſen hat, und welche wir in den folgen⸗ den Paragraphen durchgehen werden. 5) In dreien Fällen tritt der minderjaͤhrige Pflegebefohlne ſelbſt handelnd auf: a) wenn er berufen wird, ein Zeugniß abzu⸗ legen; b) wenn er teſtirt;(Art. 903 und 904) c) in ſei⸗ nem EheKontrakt.(Art. 1096) Siehe in Hinſicht auf den letzten den§. 156. 6) Der Vormund darf die Guͤter des Minderjährigen nie auf längere Zeit als 9 Jahre verpachten. Sollte eine längere Verpachtung dem Intereſſe deſſelben entſprechend ſcheinen, ſo wäre zu dem Ende, ba ſie nach franzöſiſchem Rechte als eine Art von Veräuſſerung angeſehen wird, eine Homolo⸗ gation des Familien Raths vonnöthen. 7) Der Vorſchlag, ihm die Verpachtung der Guͤter des Pu⸗ pillen nur im Wege einer oͤffentlichen Verſteigerung zu er⸗ lauben, ward der damit verbundenen Koſten wegen verwor⸗ fen. Es bleibt dem Ermeſſen des Vormundes uberlaſſen, ob er ſie fuͤr eigne Rechnung des Minderjahrigen bauen laſſen, oder auf welche Art er ſie verpachten will. 5. 155. Der Vormund bedarf der Autoriſation des Familjen⸗ Raths: 1I. Th. 28 434 a) um eine ſeinem Megbefohlnen anerfallne Erbſchaft anzunehmen oder auszuſchlagen; dem Pupillen bleibt es unbenommen, nach erlangter Großjährig⸗ keit(oder nach Aufhebung der Interdiktion) eine kraft einer ſolchen Berachſchlagung repudiirte Erb⸗ ſchaft in dem Zuſtande, worin ſie ſich befinden mag, noch anzutreten, wenn kein anderer ſie bis dahin angenommen hat; autoriſirt der Familien Rath den Vormund zur Annahme, ſo darf dieſe nicht an⸗ derſt als unter der Rechtswohlthat des Inventa⸗ riums geſchehen; v) um eine ſeinem Pflegbefohlnen gemachte Schenkung anzunehmen; e) um einen Prozeß, in Betreff eines dem Pflegbe⸗ fohlnen zuſtehenden dinglichen Rechtes, einzufuͤh⸗ ren, oder einer gegen den Pupillen gerichteten Klage, in Betreff eines ſolchen Rechtes, nachzuge⸗ ben; 4) um die Theilung einer Erbſchaft zu provoziren, welche dem Pupillen gemeinſchaftlich mit andern MitErben zugefallen iſt. Soll dieſe Theilung die⸗ ſelbe Wirkung haben, als waͤre ſie unter großjäh⸗ rigen Erben bewerkſtelligt worden, ſo muß ſie ge⸗ richtlich, undin der durch die Art. 966 u. ff. des Geſetzb. uͤber das Verf. im buͤrgerl. Prozeß vor⸗ geſchriebenen, Form geſchehen. Locré, vi, 3o1 et suiv. Projet du C. C tit. 9 art. 74 et 75. Proces verbal du 25 vendémiaire 11. Thibaut, 66. 522, 530. No. 2. 730, No. I. L. S. fl. de bonor. poss. 437. 1.) 1. fl de success. edict(38. 9.N L. 3. 5. 3, L. 20. f. d⸗ aut, et cons. tut 4 36. 3. N Argum. ex leg. 3. F. 6. C. e 451 463, 935 464 465 435 bonis quae lib.(6. 61.) L. 25. C. de donat.(3.54.) L. 6. C. de admin tut.(5. 37. L. 17. C. de praed. et alien. reb. mim (5 71. L. 7. fl. de reb. eor. qui sub tut.(27 9.) Art. 7. der Ordonnanz von 1731. Pochier, traité des obligat. 1. 69. Allgem. Bibl. S. 281 u. ff. 1) Der Art. 464 macht einer groſſen ControversFrage des aͤl⸗ teren Rechtes ein Ende, ob nämlich der Minderjährige ohne die Autoriſation ſeines Vormundes eine Schenkung oder Erbſchaft anzunehmen befugt ſei? Dieſes Recht ſteht fortan nur dem Vormund in ſeinem Namen zu. Der Vorſchlag der Geſetzgebungs Sektion, jede Repudiation einer einem Min⸗ derjährigen anerfallenen Erbſchaft zu unterſagen, ward verwor⸗ fen, weil die Liquidation der Erbſchaft, ſelbſt wenn ſie unter der Rechtswohlthat des Inventariums angenommen wird, dem Pupillen immer Koſten verurſachen kann. e) Konnen von dem Familien Rath, der uber die Annahme der Erbſchaft zu berathſchlagen hat, diejenige Verwandte,(in Hinſicht auf Fremde kann wohl kein Zweifel beſtehn, da ihre Wahl dem FriedensRichter unbedingt uberlaſſen iſt) ausgeſchloſſen werden, welche zwar durch ihren Grad der Verwandſchaft zum Familien Rath berufen, aber ſelbſt bei der Annahme oder Ausſchlagung betheiligt ſind 2 Locré glaubt die bejahende Entſcheidung dieſer Frage aus dem Art. 442 ableiten zu können. Ich bin dieſer Meinung nicht, welcher auch der Verfaſſer der Allgem. Bibl.(S. 280) nicht beizupflichten ſcheint. Das Intereſſe dieſer Glieder kann nicht wohl ein Rechtsſtreit genannt wer⸗ den, und man hat um ſo weniger zu befuͤrchten, daß das Intereſſe des Minderjährigen durch ihren Einfluß gefaͤhrdet * werde, als der Fall kaum denkbar iſt, wo dieſes Intereſſe bei allen Gliedern des Rathes, in beiden Linien, vorhanden ſein ſollte, und jedes derſelben, ſo wie der Vormund ſelbſt, das Recht hat, eine zu ſeinem Nachtheil genommene Be⸗ rathſchlagung anzufechten.(rt. 883 des Geſebb. über das Verf. im buͤrg. Prozeß.) 3) Nimmt der Vormund kraft einer ſpätern Autoriſation, oder nimmt der Pupille ſelbſt nach erlangter Vollährigkeit, die weder von dem zunachſtfolgenden Erben noch von den Gläu⸗ bigern des Erblaſſers Uho) angenommene Erbſchaft an, (462) ſo kann er die, in der Zwiſchenzeit von dem Cura⸗ tor der vakanten Erbſchaft auf geſetzliche Weiſe bewerk⸗ ſtellige, Veraͤuſſerungen und Verwendungen nicht mehr an⸗ fechten. Das Intereſſe des Minderjaͤhrigen muß vor dem öffentlichen Wohl zuruͤckſtehn, welches vor Allem die Stabilität der mit Autoriſation der Gerichte vorgenommenen Hand⸗ lungen erheiſcht. 4) Der Minderjährige hat daher keine Klage auf Wiederein⸗ ſetzung in den vorigen Stand, ſondern nur die Befugniß, ſich ſelbſt zu reſtituiren, wenn die Erbſchaft noch nicht auf einen andern uͤbergegangen iſt. Eben ſo wenig hat er, den Fall eines Betruges ausgenommen, eine Entſchaͤdigungs⸗ Klage. Er kann ſie gegen den Vormund nicht haben, der nur die Berathſchlagung des Familien Raths vollzogen hats und die Glieder des Familien Raths ſind, wie wir in der Folge erſehen werden, für alle bons Ride genommene Be⸗ rathſchlagungen durchaus nicht verantwortlich. 5) Hätte der Vormund ſich, ohne Autoriſation des Familien, Rathes, als unbedingter Erbe gerirt, ſo wuͤrden alle Akte, die der Vormund in dieſer Eigenſchaft vorgenommen haͤtte. 437 null und nichtig ſein, vorbehaltlich einer Entſchädigungs⸗ Klage von Seiten der Betheiligten gegen denſelben. Sollte jedoch der großjährig gewordene Pupille fortfahren, in der von dem Vormund angenommenen Eigenſchaft zu han⸗ deln, ſo wuͤrde er durch dieſe Ratifikation ſich allen Oblie⸗ genheiten eines unbedingten Erben unterwerfen. 6) Aus dem Art. 461 koͤnnte man folgern, als ob zwei Be⸗ rathſchlagungen des FamilienRaths vonnöthen wären, die erſte, um den Vormund zu ermaͤchtigen, die von dem Art. 703 vorgeſchriebene Erklärung abzugeben, die zweite, um während der BerathſchlagungsFriſt und nach Einſicht des Inventariums die von dem Art. 755, No. 2, vorgeſchriebene Erklärung zu machen. Da jedoch die Errichtung eines In⸗ ventariums ein bloß konſervatoriſcher Akt iſt, deſſen Koſten der Erbſchaft zur Laſt fallen, ſo kann der Vormund zur Erſparung der Koſten, auch ohne vorherige Autoriſation durch den FamilienRath, das Inventarium errichten laſſen, damit dieſer ſich in einer Berathſchlagung, nach Anſicht des Inventariums, uͤber die definitive Annahme unter der Rechts⸗ wohlthat des Inventariums, oder die Repudiation, beſtim⸗ men koͤnne. Sollten in Bezug auf die Erbſchaft aber ſolche Handlungen dringend ſein, die die Schranken ei⸗ nes bloß konſervatoriſchen Maasregel uberſchreiten, ſo thut aller⸗ dings der Vormund zur Deckung ſeiner eignen Verantwort⸗ lichkeit beſſer, ſich durch eine erſte Berathſchlagung zu der durch den Art. 793 vorgeſchriebenen Erklärung autoriſiren zu laſſen. 7) Aus der Vergleichung des Art. 463 mit dem Art. 935 er⸗ giebt es ſich: a) daß der Bevormundete fuͤr ſich allein keine Schen⸗ 438 kung annehmen kann.(Art. 450) Doch wuͤrde die von dem Minderjährigen oder Interdizirten ohne Beiſtand ſeines Vormundes geſchehene Annahme fur de Schenk⸗ geber oder deſſen Erben verbindlich ſein.(Art. 1125) b) der Vormund darf eine ſolche nicht ohne Aur riſation des Familien Raths annehmen; e) der Vater, die Mütter und die Aszendenten beduͤrfen dieſer Autoriſation nicht; es folgt daraus, daß auch die geſetzliche Vormuͤnder dieſer Bedingung nicht unter⸗ worfen ſind, weil ihre Eigenſchaft als Aszendenten ſie zur Annahme ohne Autoriſation berechtigt. ) Die erſte und zweite dieſer Verfuͤgungen wurde von den Appellhoͤfen von Paris(S. 88) und Caen(S. 10) als dem Intereſſe des Minderjährigen nachtheilig angefochten. Dies hätte vielleicht dann der Fall ſein können, wenn, wie dieſe Appellhöfe es vorausſetzten, der Minderjährige gegen eine ihm nachtheilige Annahme die Wiedereinſetzung iu den vorigen Stand haͤtte nachſuchen, und durch die Ueberlaſſung des geſchenkten Gegenſtandes ſich von Erfuͤllung der mit der Schenkung verbundenen Bedingungen hätte befreien können. Da es aber der vorherrſchende Grundſatz der ganzen neuen Ge⸗ ſetzgebung in Betreff der Vormuudſchaften iſt, daß alle von dem Vormund im Namen des Minderjährigen und mit Erfuͤllung der geſetzlichen Solennitäten vorgenommene Handlungen durch⸗ aus dieſelbe Kraft haben, als waͤren ſie unter Grosjaͤhrigen vor⸗ genommen worden, ſo konnte auch keine Wiedereinſetzung gegen eine in der vom Geſetz vorgeſchriebenen Form geſchehene An⸗ nahme einer Schenkung unter Lobenden ſtatt finden; durch eine ſolche Annahme wird das Geſchenk unwidertuflich, und der Schenknehmer muß alle damit verknuͤpfte Bedingungen er⸗ 439 fuͤllen. Die Autoriſation des Familien Rathes ſchien des⸗ halb keineswegs uͤberfluͤſſig; ſollte der Pupille durch dieſe Bedingung in einem kaum denkbaren Falle einer vortheil⸗ haften Schenkung beraubt werden, ſo iſt dieſer Nachtheil weit geringer, als wenn es von ihm ſelbſt oder ſeinem Vor⸗ mund abgehangen haͤtte, ſich mit groſſen, unter dem Schein einer Liberalität verborgenen, Verbindlichkeiten zu belaſten. Es verſteht ſich, daß die Aszendenten, um von der ihnen durch den Art. 035 ertheilten Befugniß Gebrauch zu machen, ſelbſt im Beſis der Fähigkeit zu kontrahiren ſein muͤſſen; ſo könnte die Mutter oder Groß Mutter bei Lebzeiten ihres Man⸗ nes, keine Schenkung ohne deſſen Autoriſation annehmen. 10) Quid, wenn der Vater, oder der Vormund ſelbſt, eine Schenkung zum Vortheil des Minderjaͤhrigen macht? Da der Schenkgeber ſie nicht ſelbſt zugleich im Namen des Schenknehmers annehmen kann(LL. 1et 3 ff de aut. et cons tut) ſo glaube ich, daß die Annahme alsdann durch den GegenVormund, oder einen andern Aszendenten ge⸗ ſchehen muͤſſe. Wäre weder ein ſolcher Aszendent noch ein Gegen Vormund vorhanden, ſo muͤßte der Familien Rath⸗ einen Kurator ad hoc ernennen. 14) Wird die Schenkung einem anerkannten natuͤrlichen Kin⸗ de gemacht, ſo kann kein Zweifel obwalten, daß der Vater, oder die Mutter, ſie in deſſen Namen anzunehmen befugt iſt. Macht aber der Vater ſeinem natärlichen. Kinde eine Schenkung, ſo konnen die GrosAeltern ſie nicht in deſſen Namen annehmen, weil die natrliche Vormundſchaft mit dem Vater endigt. Da der Vater zugleich geſetzlicher Vormund iſt, ſo muͤßte der Familien Rath einen Kurator zur Annahme derſelben ernennen. 440 12) Da dem Art. 906 zufolge empfangene obgleich noch nicht gebohrne Kinder durch Schenkungen erhalten können, ſo muß man annehmen, daß der dritte Abſatz des Art. 935 auch auf ſie anwendbar iſt. 13) Da alle perſonliche Klagen zum Mobiliar Vermoͤgen geho⸗ ren, ſo iſt der Art. 464 nur auf bloß dingliche Klagen, die ein unbewegliches Eigenthum betreffen, anwendbar. Die Bedin⸗ gung der Autoriſation des Familien Raths iſt nur eine Folge des Grundſatzes, daß der Vormund, ohne die Einwilligung deſſelben, uͤber das ImmobiliarVermoͤgen nicht disponiren, und daſſelbe weder durch eine unzeitig erhobene Klage in Ge⸗ fahr ſetzen, noch durch ſeine Nachgiebigkeit gegen Immobiliar⸗ Forderungen, welche an ſeinen Pupillen gemacht wer⸗ den konnten, auf einen Theil deſſelben Verzicht leiſten kann. Nur faͤllt die zu Veräuſſerungen gleichfalls erforderliche Bedingung der richterlichen Beſtätigung weg, weil der Richter dieſe nicht hätte ertheilen koͤnnen, ohne in eine vorlaͤu⸗ ſige Unterſuchung der Klage einzugehn, uͤber welche er in der Folge ſelbſt zu erkennen hat. 14) Der Vormund bedarf der Autoriſation des Familien Raths weder, um eine beim Antritt der Vormundſchaft bereits an⸗ haͤngige Klage fortzufuͤhren, noch um die Rechte ſeines Pupillen gegen eine dingliche Klage zu vertheidigen.(Das Gegentheil behauptet Maleville gegen den Buchſtaben des Geſetzes, auf die L⸗ 78 5F 2. f de leg und die aͤltere Jurispru⸗ denz geſtuͤtzt.) Da es ihm ſogar verboten iſt, einer ſolchen nach⸗ zugeben, ſo koͤnnen die Koſten derſelben ihm, welches auch der Ausgang der Sache ſein mag, nie zur Laſt gelegt wer⸗ den. Findet er jedoch, daß die Sache des Pupillen durch⸗ aus nicht aewonnen werden kann, ſo handelt er dem wah⸗ 441 ren Intereſſe deſſelben gemaͤß, wenn er die Lage des Rechts⸗ ſtreits dem Familien Rath vorträgt, um zu einem Vergleich oder zur Anerkennung der Forderung autorifirt zu werden, und auf dieſe Art dem Pupillen die Koſten des Prozeſſes zu er⸗ ſparen. 15) Alle dem Minderjäͤhrigen zuſtehende MobiliarKlagen kann der Vormund, ohne Autoriſation, nach eignem Ermeſſen, er⸗ heben. Die Bemerkung der Verfaſſer der Pandectes Hran- gaises, daß der Vormund nie ohne Autoriſation des Fami⸗ lien Raths handeln könne, weil jede gegen den Minderjähri⸗ gen erlaſſene Verurtheilung durch die aus derſelben entſpringende Pypothek die Immobel deſſelben angehe, hat gar keinen Grund, da der Vormund zu einer ihm durch eine dingliche Klage abgedrungenen Vertheidigung nicht einmal der Autori⸗ ſation bedarf. Eben ſo wenig glaube ich, daß der Vormund in die Koſten einer im Namen des Pupillen erhobenen un⸗ gegruͤndeten MobiliarKlage verurtheilt werden kann, wie es eben daſelbſt, der K! 9§ 6 f de adm. et peric tut. L. 6. C eod. gemaͤß, behauptet wird, die Klage muͤßte denn, ſo auffallend ſeicht ſein, daß die Abſicht des Vormundes, dem Minderjährigen unnoͤthige Koſten zu verurſachen, nicht zu verkennen ware. Sobald ſie aber einer, auch üͤbertriebe⸗ nen, Sorgfalt fuͤr das Intereſſe deſſelben zugeſchrieben wer⸗ den kann, waͤre es hoͤchſt ungerecht, den Vormund fuͤr den Erfolg buͤſſen zu laſſen. 26) Der Appellhof von Rouen hat durch ein Urtheil vom 13 April 1806 entſchieden, daß eine dem Vormund ertheilte Autoriſation, die Guter des Pupillen gerichtlich zu veräuſſern, die Autoriſation nicht in ſich ſchließe, von dem urtheil zu appelliren, welches den Widerruf eines Gebots gältig erklärt 4⁴7 ſondern daß ex dazu einer neuen Autoriſation bedarf. Col- lect d'arréis ei de Jugemens, 1805 S. 190.) 17) Der Appellhof von Bruſſel hat durch ein Urtheil vom 12 November 1894 entſchieden, daß der Vormund berechtist iſt, ohne Autoriſation des Familien Raths einen GantProzeß gegen den Hypothekarſchuldner des Pupillen zu erheben⸗ weil dieſer Prozeß nur die Eintreibung einer perſonlichen Forderung zum Gegenſtand habe. Dagegen hat derſelbe Apell⸗ hof durch ein Urtheil vom 23ten November 1806 erkannt⸗ daß der Vormund in einer gegen den Minderjährigen ge⸗ richteten dinglichen Klage von einer in deſſen Namen einge⸗ legten Appellation ohne Autoriſation nicht abzuſtehn vefugt iſt, weil die Verzichtleiſtung auf die Appellation eine Anerkennung der Klage nach ſich zieht. Corispr. du Code Nap 1808, U. 485) 18) Das Geſetz macht einen Unterſchied zwiſchen den Thei⸗ lungen, bei welchen der Minderjährige betheiligt ſein mag,(Art. 465) und den Klagen auf Lizitation, welche ge⸗ gen ihn erhoben werden mogen,(Art. 460) von welchen hier⸗ nach die Rede ſein wird; in der That iſt eine Theilung eher. eine Beſtimmung des dem Minderjährigen gehörigen Antheils als eine Veräuſſerung; das Geſetz erfordert jedoch die Auto⸗ riſation des Familien Raths(ohne gerichtliche Beſtätigung, weil die Form der Theilung dem Pupillen eine hinlängliche Gewährleiſtung darbietet), weil der Minderjährige die Wie⸗ dereinſetzung in den vorigen Stand gegen eine geſchehene Theilung nur in denſelben Fällen nachſuchen kann, wo ſie auch einem Grosjährigen nicht verweigert werden koͤnnte, Qrt. 887 des Codex.) und die Fortdauer der Gemeinſchaft dem Intereſſe des Minderjährigen vortheilhafter ſein kann. Da 443 jedoch Niemand gezwungen werden kann, in der Gemeinſchaft zu bleiben, ſo fällt die Bedingung dieſer Autoriſation weg, ſobald die Theilung gegen den Minderjaͤhrigen nachgeſucht wird. 29) Der Art. 466 enthaͤlt eine gläckliche Abweichung von der ältern Jurisprudenz, nach welcher mit einem Bevormunde⸗ ten nur eine proviſoriſche Abtheilung getroffen werden konnte. (Lebrun, des success liv. 4. chap. 1.) Um jtedoch einer Theilung dieſelbe Wirkungen beilegen zu koͤnnen, als wäre ſie unter Großjährigen geſchehen,(ſo daß ſie nur wegen Zwang, Betrug oder Verletzung uͤber ein Viertheil angefochten wer⸗ den kann,) iſt ein gerichtliches Verfahren nothig geworden, welches der Art. 466 des Coder und die Art. 966 u. ff. des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß vorgezeichnet haben.(Da daſſelbe in mehreren andern Fällen ſtatt finden muß, ſo werden wir es im Titel: von den Erbſchaften, weitläuftiger entwickeln.) Die Geſetzge⸗ bungsSektion hatte deshalb darauf angetragen, die Koſten dieſes Verfahrens dem Kläger aufzubuͤrden, falls die Thei⸗ lung gegen den Minderjährigen betrieben werden ſollte. Dieſer Vorſchlag ward beſeitigt, weil, ſobald die Theilung als nothwendig anerkannt iſt, die Koſten der gemeinſchaft⸗ lichen Maſſe zur Laſt fallen muͤſſen. 20) Der Art. 465 macht zwiſchen beweglichen und unbeweg⸗ lichen Guͤtern keinen Unterſchied. Der Vormund bedarf daher der Autoriſation in dem einen wie in dem andern Falle, um ſo mehr, als Handlungs Anlagen, Obligationen, Waa⸗ renlager ꝛc. gleichfalls in die Klaſſe der Mobilien gehören. 21) Haben mehrere Pupillen deſſelben Vormundes bei einer Theilung ein entgegengeſetztes Intereſſe, ſo muß jedem der⸗ 457 455 459 460 469 44⁴ ſelben durch den Familien Rath ein beſonderer Vormund fur dieſe Handlung ernannt werden.(Art. 838.) 22) Jede auſſergerichtliche oder proviſionelle Theilung kann, auch ohne den Beweiß der Laͤſion, immer von dem Minder⸗ jaͤhrigen umgeſtoßen werden, ſobald er ſich erbietet, eine neue vorzunehmen. §. 156. Der Vormund bedarf einer, von den Gerichten, in der durch das Geſetzbuch über das Verfahren im buͤrger⸗ lichen Prozeß vorgeſchriebenen Form, beſtätigten(homo⸗ logirten Autoriſation des Familien Raths: a, um ein Anlehn im Namen des Fflegbefohlnen zu machen; b) um deſſen liegende Güter zu veräuſſern oder zu hy⸗ potheziren; In beiden Faͤllen darf dieſe Autoriſation nur im Fall einer unumganglichen Nothwendigkeit oder ei⸗ nes augenfälligen Vortheils ertheilt werden, und die Veräuſſerung kann nur in der von dem Geſetz vor⸗ geſchriebenen beſondern Form geſchehen; zwar fällt in dem Falle, worin ein Urtheil die Lizitation eines gemeinſchaftlichen Immobels auf das Anſuchen des MitEeigenthumers verordnet hätte, die Bedingung der Autoriſation des Familien Raths weg; das fur die Verauſſerung ſelbſt vorgeſchriebene Ver⸗ fahren muß aber nichtsdeſtoweniger beobachtet wer⸗ den; e) um ſich uͤber einen Rechtsſtreit zu vergleichen. In dieſem Falle muß vor Ertheilung der Autoriſation das Gutachten dreier, von dem Kaiſerl. Prokurator bei 445 dem Tribunal erſter Inſtanz zu bezeichnenden, Rechts⸗ gelehrten eingenommen werden; d) um die EhePakten des Kindes eines Interdizirten zu reguliren. Locré, VI, 284 et suiv. 316. 405. Procès verbal du eg vends- miaire 11. Art. 335, 953 u. ff⸗ des Geſetzbuchs uͤber das Ver⸗ fahren im buͤrgerlichen Prozeß. Art. 3 des Geſetzes vom aten Maärz 1806. Meine Annalen, I. 96. Allgem. Bibl I. 270 n. ff. Thibant§. 521 u. ff. L. 34. ſ. 1. fl. de minor. (4. 4.) L. 1. F. 2. L. 5. 99. 5, 9, 12, 14 L. 3.§. 1. LL. 10, 71. 13. de reb. eor.(27, 9.) L. 27. pr. de tutor et cur.(2. 5.) L. 22. C. de admin. tut.(5. 37.) L. nlt. C. quando decret. op. non sit.(5. 72.) LL. 42, 13, 15, C. de præd. et al. reb. minor, G. 71.) L. 61. F. 1. de jure dot. Ia3. 3.) 4) Es iſt hier nur von Veraͤuſſerungen unter einem läſtigen Titel die Rede. Schenkungen unter Lebenden ſind dem Min⸗ derjährigen, auſſer im EheKontrakte, von welchem hiernach die Rede ſein wird, verboten; von ſeiner Befugniß zu teſti⸗ ren wird an einem andern Orte die Rede ſein. 2) Der Grundſatz der Unveraͤuſſerlichkeit der liegenden Guͤter der Minderjährigen(welchen das Geſetz vom 24ten Maͤrz 1806 auch die Renten auf den Staat von hoͤherem Betrag als 50 Franken gleichſtellt) iſt aus dem roͤmiſchen Rechte, welches ſogar die Veräuſſerung des Nutzens wegen nicht geſtattete,(A. M. iſt Voet L 27. T. 9 8. 8.) in das ältere franzöſiſche Recht und aus dieſem in das neue uͤbergangen. Das letzte geſtattet ſie in dreien Fällen: a) Wenn die Koſten der Verpflegung und Erziehung des Pupillen ohne die Veräuſſerung ſeiner Guͤter nicht herbeigeſchaft oder die Schulden nicht bezahlt werden können; 511 446 b) wenn ſich aus der Veräuſſerung ein augenfaͤlliger Nutzen ergiebt,(weil z. B. die Guͤter allzu entlegen, die Vorwal⸗ tung zu koſtſpielig, der Pacht zu gering, und die Gelegen⸗ heit vorhanden iſt, den Kaufpreiß durch den Ankauf von in der Nähe gelegenen Guͤtern oder durch den An⸗ kauf von Renten vortheilh ft anzulegen.) Die Beurtheilung dieſer Nochwendigkeit und dieſes Nutzens bleibt dem Familien Rath äberlaſſen. Die dies⸗ fallſige Berathſchlagung muß dem Lribunal, in deſſen Gerichtsſprengel die Vormundſchaft be⸗ ſteht, zur Beſtätigung vorgelegt werden. Gegen dieſes Beſtätigungsurtheil können die Gtieder des Familien⸗ Raths, welche gegen den Verkauf geſtimmt haben, falls ſie nicht dazu berufen worden, Oppoſition einlegen, und, wird die Beſtätigung demohngeachtet ertheilt, ſo ſteht ihnen die Appellation von dem BeſtaͤtigungsUr⸗ theil offen.(Art. 883, 889 und 883 des Geſetzbuchs über das Verf. im buͤrgerl. Prozeß.) c) Der MitkEigenthumer trägt, weil die Theilung eines gemeinſchaftlichen Immoͤbels nicht wohl thunlich iſt, auf die Lizitation deſſelben an.(460,§. 1.) Da der Mitkigenthuͤmer nicht gezwungen werden kann, in Ge⸗ meinſchaft zu bleiben, ſo wäre die Autoriſation des Fami⸗ lien Raths und die Homologation des Tribunals eine zweckloſe Formalität, ſobald die Licitation durch ein urtheil verordnet iſt. 3) Der Art. 4b7 muß mit den Art. 827 und 1686 konferitt werden. Da der erſte nur von dem Falle ſpricht, wo die Lizitation bereits durch ein Urtheil verordnet worden iſt, ſo folgt keineswegs daraus, als ob der MitEigenthuͤmer in jedem Falle die Lizitation des gemeinſchaftlichen Immöbols Klagt derſelbe darauf, ſo hat der Vor⸗ um entſcheiden zu verlangen koͤnne. mund den Familien Rath zu berufen, laſſen, ob er der Klage auf Lizitation nicht eine Klage auf Theilung entgegenſetzen ſoll, falls dieſe möglich, und dem In⸗ tereſſe des Minderjährigen entſprechend, befunden werden ſollte⸗ 44) In allen obigen Fällen iſt das Verfahren bei dem Verkauf ſelbſt das nämliche, doch faͤllt im letzten die vom Familien⸗ Rath zu treffende Beſtimmung der vorzuͤglich zu verkau⸗ fenden Immoͤbel, natuͤrlich weg. durch die Art. 983 u.ff. des Geſetzbuchs uͤber das Verfah⸗ ren im bärgerlichen Prozeß, welche zur Erlaͤuterung des Art. 459 dienen, mit vieler Ausfuͤhrlichkeit vorgezeichnet. Auch iſt im Falle, wo die Lizitation auf Anſuchen des MitEigenthuͤ⸗ mers verordnet worden, die durch den Art. 955 des Geſetzb. uͤber das Verf. im buͤrgerlichen Prozeß vorgeſchriebene vor⸗ 447 ſo wie die Regulirung der Bedingungen, Die Form des Verfahrens findt ſich herige Abſchaͤtzung nicht erforderlich: a) weil dieſe Formalitat im Staatsrathe ausdrucklich in dieſem Falle als uͤberfluſſig anerkannt ward; b) der Art. 459 des Coder, auf welchen der Art. 460 verweißt, ſie nicht vorgeſchrieben hat, und c) der Art. 955 des Geſetzb. uͤber das Verfahren im buͤrg. Prozeß nicht angerufen werden kann, weil der Art. 953 fuͤr den Fall, wo die Veräuſſerung im Wege der Lizitation geſchieht, auf den Titel: von Theilungen und Lizitationen, verweißt, in welchem gleichfalls keine Abſchätzung vorgeſchrieben iſt. Dieſelbe wäre auch ei⸗ nestheils unnothig, da in dieſem Falle das Immo⸗ bel doch, ſelbſt unter dem Schatzungs Werthe, zugeſchla⸗ 448 gen werden muͤßte, und anderntheils uͤberfluͤſſig, da der von den Epperten im Gefolge des Art. 971 zu errich⸗ tende VerbaProzeß gewoͤhnlich ſchon eine Abſchatzung enthält. §) In einem vierten Falle koͤnnen die Rechte eines Dritten die gezwungene Veräuſſerung der Immoͤbel eines Minder⸗ jährigen herbeifuͤhren, nämlich durch die HypothekarKlage eines Glaͤubigers. Zwar findet der Art. 460 auf dieſen Fall keine Anwendung, weil ſonſt die Vergantung auch in der durch den Art. 450 vorgeſchriebenen Form ſtatt finden muͤßte. Allein die Meinung des Hrn. v. Almendingen, als ob die hypothekariſche Glaͤubiger ſich gefallen laſſen muͤß⸗ ten, aus dem MobiliarVermoͤgen des Bevormundeten oder aus andern nicht verhypothezirten Grundſtuͤcken befriedigt zu werden, iſt doch nur in Hinſicht auf die erſte dieſer Be⸗ hauptungen gegruͤndet. Derſelbe ſetzt hinzu:„ob aber das MobiliarVermoͤgen hinreichen moͤchte, oder ob nicht eher andere unbewegliche Guͤter zu verkaufen ſind als die ver⸗ hypothezirten, dies iſt neben der Beurtheilung der causa necessitatis ebenfalls der Gegenſtand der Berathſchla⸗ gungen des Familien Raths und der Homologation der Ge⸗ richte.“ Daß dieſe Beſtimmungen des Familien Raths dem Rechte des HypothekarGläubigers, ſeine Forderung mittelſt der Vergantung der ihm hypothezirten Grundſtuͤcke zu verfol⸗ gen, keinen Abbruch thun koͤnnen, iſt nicht allein durch die ein⸗ ſtimmige und tgliche Praxis in ganz Frankreich erwießen, ſon⸗ dern folgt auch aus dem Art. 2206, der dem Glaͤubiger den Verkauf der ihm hypothezirten, ſeinem minderjährigen oder in⸗ terdizirten Schuldner gehoͤrigen, Immoͤbel nur dann erlaubt nenn er ſeine Befriedigung aus dem MobiliarVermo 449 gen nicht erhalten kann. Die von dem Familien Rath kraft des Art. 461 zu treffende Beſtimmungen können das Recht der HypothekarGlaͤubiger weder paralyſiren, noch von einem Immöbel auf das andere uͤbertragen; wohl aber kann der Familien Rath, falls der Glaͤubiger einwilligt, oder auch ſo lange derſelbe noch keinen Expropriations Prozeß erhoben hat, in dem Verkauf der nicht hypothezirten Immoͤbel die Mittel zu ſeiner Befriedigung, und zur Rettung der mit der Hypothek belaſteten Grundſtuͤcks, ſuchen. Den Hypothe⸗ karGläubigern, deren HypothekarRecht von der Verände⸗ rung in dem Zuſtande des Schuldners ganz unabhaͤngig iſt, bleibt es dagegen unbenommen, wenn das vorher zu diskutirende MobiliarVermoͤgen des Pupillen zu ihrer Befriedigung nicht hinreicht, den GantProzeß zu erheben, und den Verkauf ihres Unterpfandes, nicht in der Form des Art. 450, ſondern in der durch die Art. 673 u. ff. des Ge⸗ ſetb. uͤber das Verfahren im buͤrgerl. Prozeß vorgeſchriebenen Form zu betreiben. 6) Welches auch immer die Form des Aktes ſein mag, der eine Veräuſſerung von Immobilien eines Minderjährigen enthält, (TauſchKontrakt, TheilungsAkt, ꝛc. ꝛc.) ſo darf derſelbe nicht homologirt werden, indem die Veraͤuſſerung ſolcher Guͤter durch⸗ aus nur in der durch den Art. 450 vorgeſchriebenen Form erlaubt iſt, ſelbſt wenn der augenfallige Vortheil des Minderjährigen für eine andere Art von Veräuſſerung ſprechen ſollte.(Urtheil des Caſſationshofes vom 26 Aug. 1807 in meinen Annalen a. a. D.) Man iſt dabei von dem Grundſatz ausgegangen, daß es beſſer ſei, einem Minderährigen einen Vortheil, worauf er nicht zählen konnte, zu entziehen, als das Intereſſe von Allen, 11. Thb. 29 450 durch die Zulaſſung von Ausnahmen von den zur Sicherung ihrer Rechte getroffenen Vorſchriften zu gefaͤhrden. 7) Daſſelbe Urtheil hat den Grundſatz aufgeſtellt, daß in allen Fällen, wo die Homologation der Berathſchlagungen des Fa⸗ milien Raths durch die Gerichte erforderlich iſt, die Kaiſerl. Prokuratoren nur im Requiſitions Wege aufzutreten befugt ſind, alſo weder ſelbſt klagbar auftreten, noch von den, gegen ihre Anträge erlaſſenen Urtheilen Appellation einlegen koͤnnen. 8) Jedes Anlehn iſt der Anfang einer Veraͤuſſerung; denn entweder wird zur Sicherheit deſſelben eine Spezial Hypothek konſtituirt, welche die Vergantung nach ſich zieht, oder der Gläubiger kann ein Urtheil erwirken, welches auf dem Wege einer GeneralHypothek zu demſelben Reſultat fuͤhrt. Ich glau⸗ be daher mit v. Almendingen und gegen Lotré(S. 30c) daß es auch zu einem Anlehn der Homologation der Gerichte vedarf, und daß, falls der Vormund ohne dieſelbe ein ſolches kontrahirt hätte, der Schuldner ſich nur an ihn zu halten befugt ſein wuͤrde, und ſein Urtheil nicht gegen die Guͤter des Minderjährigen in Vollzug ſeten könnte, vorbe⸗ haltlich des Rechtes des Vormundes, falls er das Anlehn zu nützlichen Ausgaben verwendet hat, dieſe in Rechnung zu bringen, und, wenn er dadurch zu Ende ſeiner Geſchaftsfuͤhrung im Vorſchuß bleibt, mittelſt eines Urtheils eine Hypothek auf die Guter ſeines Pupillen zu erwerben. Ich ſtuͤtze dieſe Behaup⸗ tung auf eine faſt allgemeine Praxis, welcher der Art. 458 zu entſprechen ſcheint. Die reſtriktive Auslegung, nach welcher die Worte: relatives à cet obſet ſich nur auf einen der im Art. vorgeſehenen Fälle beziehen ſollen, kann man doch unmoglich 457 daß dieſe allgemeinere Ausdruͤcke an die Stelle der daraus folgern, 451 von der Kommiſſion gebrauchten:(Art. 83) les delibérations relatives à lhalénation des immeubles du mineur etc. geſetzt hat. Auch wuͤrde dieſe Beſchraͤnkung die Homologa⸗ tion der Veraͤuſſerungen ganz illuſoriſch machen, denn, falls das Tribunal ſie verweigern ſollte, brauchte der Familien⸗ Rath nur den Vormund zu autoriſiren, eine Spezial Hypo⸗ thek auf das Immöbel zu konſentiren, welche die Veraͤuſſerung mit gröſſeren Koſten fuͤr den Pflegbefohlnen nach ſich ziehen wuͤrde. 0) Die neue Geſetzgebung, immer ihrem vorherrſchenden Grund⸗ ſatze getreu, geſtattet dem Minderjährigen keine Reſtitution gegen einen in einem Rechtsſtreit getroffenen Vergleich.(LL. 56 F. 4 ff. de furt. 157 f de reg.) aber ſie trifft Vorſichts Maaßregeln, um den Abſchluß jedes, ſeinem Intereſſe nachtheiligen, Vergleichs zu verhindern. Dieſe Neuerung hat, wie die tägliche Erfahrung beweißt, die wohlthaͤtigſte Wirkungen, indem ehedem aus Beſorgniß, den Prozeß nach langen Jahren wieder aufleben zu ſehen, jeder, der in ei⸗ nen Rechtsſtreit mit einem Minderjährigen verpflochten war, es vorzog, ſein ſtrenges Recht auf dem Wege der richterlichen Entſcheidung zu verfolgen. Es war ſchon ehedem in Frank⸗ reich gebräuchlich, ſich uͤber alle Vergleiche, bei welchen Min⸗ derjaͤhrige betheiligt waren, ein Gutachten von Rechtsgelehr⸗ ten ertheilen zu laſſen; der Coder hat dieſen Gebrauch, der die Reſtitution des Minderzährigen nicht ausſchloß, zum Geſetz erhoben und die Ernennung der Rechtsgelehrten dem Kaiſerl. Prokurator übertragen, der auch vor der Homologa⸗ tion gehoͤrt werden muß. Die Verfuͤgungen der L 46. ult. f. de adm. et peric. L. 28. ff de pactis. verdienen 4 — 45² auch noch heutzutage in ſolchen Fällen beruͤckſichtigt zu wer⸗ den. 10) Schließt die Befugniß, ſich zu vergloichen, die auf Schieds⸗ richter zu kompromittiren, in ſich? Dieſe Frage muß ver⸗ neinend entſchieden werden. Nicht allein ward ſchon ehedem die L. 34.§ 1. f de minor. ſtrenge gehandhabt, ſondern jeder Compromiß in Sachen, bei welchen Mindetjährige oder Interdizirte betheiligt ſind, iſt auch durch die Art. 1004 u. 83 des Geſetzbuchs uber das Verfahren im burgerlichen Prpzeß ausdruͤcklich verboten. 11) Das Verfahren, um die Homologation zu erwirken, findet ſich in den Art. 885 u. ff. deſſelben Geſetzbuchs vorgezeichnet. Wir heben folgende Verfugungen, welche zut Ergaͤnzung der oben angefuͤhrten Artikel des Codex dienen, aus: a) der Familien Rath kann auch ein anderes Glied, als den Vormund, beauftragen, die Homologation nachzuſuchen. Qrt. 887.) Man hat dabei vorzuglich den Fall im Auge gehabt, wo die Berathſchlagung dem Antrag oder der Meinung des Vormundes nicht entſpricht; b) verſäumt der Vormund, oder das beauftragte Glied des Familien Raths, die Nachſuchung länger als 14 Tage, oder verſchiebt er ſie uͤber die vom Familien Rath feſtgeſetzte Zeit hinaus, ſo kann jedes Glied dieſes Rathes ſie nach⸗ ſuchen, und zwar, in dieſem Falle, auf Koſten des Vor⸗ mundes oder beauftragten Mitglieds. Sollte der erſte in der Zwiſchenzeit durch eine Veränderung der Umſtände un⸗ erwartete Huͤlfsmittel gefunden haben, ſo bleibt es ihm un⸗ benommen, den Familien Rath nochmal zu verſammeln, und auf eine Abänderung der Berathſchlagung anzutragen; c) die Homologation wird durch eine dem Präſidenten zu 453 uberreichende Bittſchrift(requéte) nachgeſucht. Dieſer verweißt ſie an den Kaiſerl. Prokurator, der ſeinen An⸗ trag unter die Ordonnanz des Praͤſidenten ſetzt, durch welche zugleich ein Referent ernannt wird, auf deſſen Be⸗ richt die Homologation im BerathſchlagungsZimmer ertheilt oder verweigert wird. Haͤtten einige Glieder des Fami⸗ len Raths gegen die Homologation durch einen Akt, welchen ſie demjenigen, der die Homologation nachzuſu⸗ chen beauftragt iſt, zuſtellen können, Einſpruch gethan, ſo muͤſſen ſie entweder vor dem urtheil gehoͤrt werden, oder ſie ſind befugt, gegen das HomologationsUrtheil, wel⸗ ches in jedem Falle der Appellation unterworfen iſt, Ein⸗ ſpruch zu thun; d) war der Familien Rath nicht in der gehoͤrigen Form zu⸗ ſammengeſetzt,(ſiehe S. 131. S. 322.) oder ſind die vor⸗ läufigen Formalitäten, welche der Berathſchlagung vorher⸗ gehen muͤſſen, nicht erfuͤllt worden,(wenn z. B. die Unzu⸗ änglichkeit des MobiliarVermögens nicht erwieſen war, als die Veräuſſerung der Immobilien beliebt ward) ſo kann das Tribunal die Berathſchlagung kaſſiren, und verordnen, daß von einem regelmaͤſſig zuſammengeſetzten Rathe zu einer neuen geſchritten werde; e) findet das Tribunal die geſetzliche Beweggruͤnde nicht hinreichend, ſo verſagt es die Homologation;“ 1) iſt keines von beiden der Fall, ſo ertheilt es die Beſta⸗ tigung, mit oder ohne Modifikation. So kann die Ver⸗ uſſerung ſelbſt noͤthig oder erſprießlich ſein, aber die Bedingungen derſelben nicht vortheilhaft genug ſcheinen, weil z. B. die ZahlungsTermine allzu kurz geſetzt waͤ⸗ ren. Das Recht des Tribunals, die Berathſchlagungen 454 zu modifiziren, folgt daraus, daß es ausſchließlich mit der Jurisbiktion bekleidet iſt, und wird in ganz Frankreich oh⸗ ne allen Anſtand ausgeuͤbt. Die erſte Abfaſſung, welche von dieſem Rechte ausdrucklich Meldung that, ward nicht verworfen, ſondern nur, da jene Meldung uͤber⸗ fluͤſſig ſchien, abgeaͤndert. Zwar kann das Tribunal die individuelle Kenntniſſe nicht beſitzen, welche man bei den Gliedern des Familien Raths unterſtellen muß, dieſe können aber z. B. untereinander uber die Nothwendigkeit der Veräuſſerung einverſtanden, äber die Bedingungen der⸗ ſelben aber uneinig ſein. Wäre aber das Tribunal gezwun⸗ gen, die von der Majorität genommene Berathſchlagung ganz zu genehmigen oder zu verwerfen, ſo wäͤre ja jeder Re⸗ kurs gegen einzelne Verfuͤgungen derſelben illuſoriſch. Auch konnte fuͤr den Minderjährigen der groͤßte Nachtheil daraus entſpringen; denn wenn ſowohl die Majorität des Familien Raths als das Tribunal, jedes auf ſeiner Meinung, beharren ſollte, ſo wuͤrde man zu gar keinem Reſultat gelangen; 8) mit Unrecht behauptet Locrs, auch der Kaiſ. Proku⸗ rator habe das Recht, die Berathſchlagungen der Fami⸗ lien Raͤthe dem Tribunal von Amtswegen zu denunziren. (VI. 323.) Siehe meine Annalen I. 6. 12) Welches ſind die Folgen der Handlungen, welche der Vormund in dem Falle, wo er der Autoriſation des Fami⸗ lienr aths mit oder ohne Homologation bedarf, ohne dieſe Autoriſation vorgenommen hat? Man ſehe oben, was wir uͤber den Fall einer Theilung oder eines kontrahirten An⸗ lehens bemerkt haben. Ein Vergleich, der ohne Beo⸗ bachtung der geſetzlichen Vorſchriften abgeſchloſſen worden, wuͤrde ohne allen Zweifel nichtig ſein, und die Wieder Aufnahme der 455 Klage durch den großjährig gewordenen Pupillen nicht hindern⸗ Auch eine von dem Vormund getroffene Veräuſſerung waͤre nich⸗ tig, und der Pflegbefohlne berechtigt, den veräuſſerten Gegen⸗ ſtand in den Händen jedes Dritten zu vindiziren, unter der Ovliegenheit, den Kaufſchilling, in ſo weit er zu ſeine! Vortheil verwendet worden, zuruͤckzuerſtatten. Es liegt dem ob, der mit einem Vormund kontrahirt, ſich uber deſſen Vollmacht ſicher zu ſtellen. 13) Der Art. 511 kann natärlich in dem Falle, wo die Mut⸗ ter interdizirt iſt, nur in ſo weit ſeine Anwendung finden, als der Vater einen Theil der Ausſteuer aus ihrem Vermoͤ⸗ gen beſtreiten wollte. In dieſem, ſo wie in jedem andern Falle, wo die Homologation der Gerichte erforderlich iſt, haben ſie hauptſaͤchlich zu unterſichen, ob das Intereſſe des Interdizirten nicht einem entgegengeſetzten Intereſſe, welches im Schooß der Familie ſelbſt beſtehen kann, aufgeopfert worden iſt. 14) Dem Art. 1005 gemäß kann der Minderjaͤhrige im Ehe⸗ Kontrakt ſeinem Mitgatten alle Schenkungen machen, die auch ein Grosjähriger zu machen berechtigt ſein wuͤrde, je⸗ doch nur unter dem Beiſtand und unter der Einwilligung derjenigen Perſonen, deren Einwilligung zu ſeiner Ehe er⸗ forderlich iſt. Die Intervention des Familienraths iſt da⸗ her nur in Ermangelung aller Aszendenten noth⸗ wendig, und ſeine desfallſige Berathſchlagung keiner Ho⸗ mologation unterworfen. §. 157. Jedem Vormund, Vater und Mutter ausgenommen, kann von dem FamilienRath aufgegeben werden, wäb 470 rend der Vormundſchaft, von Zeit zu Zeit, dem Gegen⸗ 456 Vormund eine Ueberſicht über die Lage ſeiner Verwaltung, auf ungeſtempeltem Papier, und ohne alle Koſten und ge⸗ richtliche Formalitäten, zu uͤbergeben. Doch kann der Vormund nicht gezwungen werden, mehr als eine ſolche Tabelle jährlich zu ubergeben. Locre, VI. 333. Projet du C C. liv. 1. üt 9. art. go. Thi⸗ baut I. 5 318, zu Ende R. A. von 1348 Tit. 31. 3. 3. Or⸗ donnanz von 1677, Tit. 29. Art. 1. L. 1. g. 5. H. de ut. et rat distrah.(27, 3.) Nov. 72. cap. ult. 2) Die Kommiſſion hatte dem Vormund die Verbindlichkeit auferlegt, jährlich zweien Gliedern des Familien Rathes, und alle drei Jahre dem ganzen Rathe, Rechnung über ſeine Ge⸗ ſchaͤftsfüͤhrung abzulegen. Zu Ende der Vormundſchaft ſollte die allgemeine Rechnung aus dieſen partiellen zuſammenge⸗ tragen werden. Dieſer Vorſchlag ward verworfen, weil dieſe öftere RechnungsAblagen mit groſſen Koſten verbunden geweſen wären, und das Intereſſe des Minderjährigen eher gefährdet als geſichert haben wuͤrden. Der proviſoriſche Charakter dieſer Rechnungen haͤtte eine allzugroſſe Nachſicht in ihrer Unter⸗ ſuchung veranlaſſen können, und doch wären ſie nachher die Baſis der endlichen Rechnung geworden. 2) Die Tabellen, welche dem Art. 470 gemäß uͤbergeben werden muͤſſen, ſind weder koſtſpielig, noch konnen ſie, da ſie nicht als die Elemente der endlichen Rechnung anzuſehen ſind, das Intereſſe des Minderjährigen kompromittiren, wohl aber zur Kontrolle der letzten dienen. Ihr Hauptzweck iſt, den Vor⸗ mund in den Stand zu ſetzen, die Geſchaͤftsfuͤhrung des Vormundes zu kontrolliren, ſeine Redlichkeit und Fähigkeit zu pruͤfen, die Antraͤge zu beurtheilen, die er auf Ver⸗ mehrung der fur die jährliche Ausgaben bewilligten Summen 457 machen könnte, und die Daten zu ſammlen, um noͤthigem falls auf deſſen Abſetzung antragen zu können. Nro 3 Von den Obliegenheiten des Vormundes zu Ende der Vormundſchaſt. §. 153. Die Vormundſchaft endigt: 1) durch den naturlichen oder buͤrgerlichen Tod des Pupillen: 2) durch ſeine Emanzipation; 3) durch ſeine Volljährigkeit; 4) durch den natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tod des Vormundes; 5 durch die Entlaſſung oder Entſchuldigung des Vor⸗ mundes; 6) durch ſeine Abſetzung; 2) dnrch die zweite Ehe der Mutter, welcher der Fa⸗ milien Rath die Vormundſchaft zu laſſen nicht fuͤr räthlich findet; 8) durch die Aufhebung der Interdiktion. In allen dieſen Fällen hat der Vormund, oder ſein Erbe, dem Pflegbefohlnen, oder deſſen Erden oder Stellvertre⸗ tern, uͤber ſeine Geſchäftsfuhrung Rechnung abzulegen. Locré, VI, 327 et snir. Deiniacoue, Inst. I, 255. Art. 22. des Titels 29 der Ordonnanz von 1667. Allg. Bibl. S. 301. Art. 5 7 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im burgerl. Prozeß. Bloͤchel, I. 64. 4) In dem erſten der obigen Faͤlle muß die Rechnung den Erben des Pupillen, in dem zweiten dem emanzipir⸗ ten Minderjaͤhrigen unter Beiſtand ſeines Curators, in dem dritten und achten dem Pupillen allein abge⸗ legt werden. 512 430 4⁵9 ——— — 458 2) Wem muß aber die Rechnung abgelegt werden, durch die Erben des Vormundes, der vor der Grosjährigkeit oder Emancipation verſtorben iſt? durch die Mutter, welche die Vormundſchaft bis zur Ernen⸗ nung eines Vormundes gefuͤhrt hat? durch die wiederheirathende Mutter, welche die Vormund⸗ ſchaft verliert? durch den Vormund, der wegen einer, erſt ſeit der Ueber⸗ nahme der Vormundſchaft eingetretenen, Entſchuldigung dieſe abgegeben hat? durch denjenigen, der waͤhrend dem Rechtsſtreit uͤber ſeine Entſchuldigung verwaltet hat? durch den wiederrufenen oder abgeſetzten Vormund? durch die Erben des Vormundes, welche die Geſchaͤftsfuͤhrung nach deſſen Tode fortgefuͤhrt haben? Locré glaubt, daß es der Jurisprudenz, dem Art. 4 ge⸗ maͤß, uͤberlaſſen bleibe, dieſe Luͤcke auszufuͤllen. Ich bin übrigens eher ſeiner Meinung, daß die Rechnung dem Ge⸗ gen Vormund abgelegt werden muſſe, als der Meinung von Delvincourt, daß ſie dem neuen Vormunde abzulegen ſei. Offenbar iſt hier das Intereſſe des Minder⸗ jährigen mit dem des abgetretenen Vormundes, oder ſeiner Erben, im Widerſpruch, und der GegenVormund alſo durch den Art. 420 ausdruͤcklich berufen, ihn zu vertreten. Del⸗ vincourt ſtützt ſeine Meinung auf den Art. 305, der aber von einem ganz verſchiedenen Falle handelt. Da der neue Vormund die Perſon des alten fortſetzt, ſo kann er mit dem Abſchluß der Rechnung ſchon darum nicht beauftragt ſein, wie v. Almen dingen richtig bemerkt, weil das Intereſſe des Abhörenden dem Intereſſe des Abzuhörenden widerſpricht. — 459 Doch wird es zweckmäſſig ſein, den neuen Vormund zu der Abhörung zu berufen, weil ſie zugleich die Natur einer Ab⸗ und Zulieferung annimmt. 3) Der Ordonnanz von 1667 gemaͤß konnte eine ſolche Rechnung nur vor Gericht guͤltig abgelegt werden. Locrs glaubt, daß dieſe Form in obigen Fällen nicht mehr zu beobachten ſei, weil der Art. 473 nicht die ganze Rechnung, ſondern nur die Streitfragen, die ſich in Hinſicht auf dieſelbe erheben mögen, vor die Gerichte verweißt; allein dieſer Artikel hat ja nur den Fall im Auge, wo die Rechnung dem eman⸗ zipirten oder großjährigen Pupillen abgelegt wird, auf welchen alſo auch die Verfuͤgung der Ordonnanz nicht anwendbar war. Ich muß geſtehen, daß ich nicht einſehe, wie der Pu⸗ pille durch einen von dem Gegen Vormund gemachten Rech⸗ nungsAbſchluß unwiderruflich gsbunden werden kann, und ich glaube, daß auch noch heutzutage, um demſelben dieſe Wir⸗ kung beizulegen, kein andrer Weg uͤbrig bleibt, als die Rech⸗ nung vor Gericht, nach Vorſchrift des Titels IV. des V. Buchs des erſten Theils des Gefetzbuchs uͤber das Verf. im buͤrgerl. Prozeß, ablegen zu laſſen. 4) Mit Unrecht behauptet Blochet, auf den Art. 2063 des Codex geſtutzt, der Vormund könne nicht mittelſt Perſonal⸗ Arreſtes zu Stellung ſeiner Rechnung angehalten werden. Der Art. 334 des Geſ. uͤber den Prozeß, der dem vorherge⸗ henden Art. 527 gemaͤß auf Vormuͤnder anwendbar iſt, ſagt das Gegentheil. Die Art. 527 u. ff. dieſes Geſetzb. zeichnen uͤbri⸗ gens den Weg vor, den der Pupille, oder ſeine Erben, einzu⸗ ſchlagen haben, um den Vormund, oder deſſen Erben, im Falle einer Saäumung zur Ablegung der Rechnung anzuhal⸗ ten. 471 472 473 a74 460 §) um eine Interdiktion aufzuheben, muß daſſelbe Verfahren beobachtet werden, welches ſtatt gefunden hatte, um ſie zu erwirken: Gutachten des Familien Rathes, Verhoͤr des In⸗ terdizirten c. Dieſe Vorſicht ward nothis befunden, damit der Interdizirte nicht einige Zwiſchenräume von Vernunft benutzen moge, um der Verfuͤgunz des Art. 480 zuwider die Aufhebuns der Interdiktion zu erwirken. 6) Jede Freiſprechuns des teſtamentariſchen Vormundes von der Verbindlichkeit der RechnunssAblage durch den Vater des Pupillen wuͤrde ohne alle Wirkung ſein. §. 159. Die Koſten der Rechnung fallen dem Pflegbefohlnen zur Laſt. Der Vormund hat ſie aber vorzulegen. Man hat dem Vormund alle Ausgaben gut zu heißen, welche hinlaͤnglich erwießen ſind und einen nützlichen Ge⸗ genſtand hatten. Können ſich der Vormund und ſein ehemaliger Pupille über einge Punkte der Rechnung nicht gůtlich vereinigen, oder glaubt der letzte ſein Intereſſe durch die Ge⸗ ſchafis fuhrung des Vormundes verletzt, ſo iſt dies der Gegenſtand eines Rechtsſtreits, der auf dieſelbe Art und Weiſe, wie jeder andere Civil Prozeß, eingeleitet und ent⸗ ſchieden werden muß. Der PaſſivReceß des Vormundes, der ſich aus dem endlichen RechnungsAbſchluß ergiebt, trägt auch ohne ge⸗ richtliche Klage von dem Tage des Rechnungs Abſchluſſes an Zinſen. Bleibt hingegen durch den RechnungsAbſchluß der Pu⸗ pille dem Vormund ſchuldig, ſo tragt dieſe Schuld erſt von dem Tage an Zinſen, an welchem der Vormund, uach 464 dem endlichen Rechnungs Abſchluß, von dem Pupillen durch eine gerichtliche Aufforderung ſeine Zahlung eingefordert hat. Jede Klage des Pflegbefohlnen oder ſeiner Erben gegen einen Vormund, in Betreff von vormundſchaftlichen Hand⸗ lungen, verjährt in zehn Jahren, von dem Tage an zu rechnen, an welchem der Minderjahrige großjährig ge⸗ worden, und der Interdizirte auſſer Interdiktion geſetzt oder verſtorben iſt. Jeder Vertrag oder Vergleich zwiſchen dem Vormund und dem großjährig gewordenen Minderjäbrigen uber die Rechnung des Vormundes iſt null und nichtig, wenn nicht vorher wirklich eine umſtaͤndliche Rechnung geſtellt und mit den Beweißſtuͤcken uͤbergeben worden iſt. Dieſe Ue⸗ vergabe muß durch einen Empfangſchein desjenigen, dem die Rechnung abgelegt werden muß, bewießen, und dieſer Empfanaſchein wenigſtens 10 Tage vor dem Tage des Vergleichs ausgeſtellt worden ſein. Locrè, 3 ½0 et suiv. Proces-verbal dn 25 vendémiaire 11. Projet du C C., liv. 1. tit. 9. Art. 93. Thibaut, I S. 336· 2) Sobald die RechnungsAbhoͤrung zwiſchen dem Vormund, oder deſſen Erben, und dem emanzipirten oder großjährig gewordenen Minderjährigen ſtatt findet, iſt ſie nur ein Pri⸗ vatGeſchäft, welches nur dann, wenn ſich Streitigkeiten dabei erheben, zur Kenntniß der Gerichte gelangen kann. Aus dieſem Grunde ward der Vorſchlag der Kommiſſion und der Sektion, welche die Intervention des FriedensRich⸗ ters und des Familien Raths erforderten, verworfen. Zwi⸗ ſchen dem emanzipirten Minderjährigen und dem Großjährigen veſteht jedoch der Unterſchied, daß der letzte wegen Auseinan⸗ derſetzung dieſer Streitigkeiten auf Schiedsrichter kompro⸗ 475 47² 462 mittiren kann, welche Befugniß dem erſten durch den Art. Ioo des Geſetzb. uͤber den Prozeß benommen iſt. 2) Eben ſo kann auch der Großjährige ſich, mit der einzigen Beſchraͤnkung des Art. 472, uͤber dieſe Streitigkeiten in je⸗ der beliebigen Form vergleichen; der Emanzipirte kann es aber nur in der Form, die durch den 467 vorgezeichnet iſt. In Hinſicht auf die Verfuͤgung des Art. 472 iſt zu bemer⸗ ken, daß der Pupille ehedem einen ſolchen in kolle, non visis neque dispunctis ratombus abgeſchloſſenen Vere gleich waͤhrend 30 Jahren anzufechten befugt war, waͤhrend ſein Klagrecht heutzutage durch den Art. 475 auf 10 Jahre nach erreichter Großjährigkeit beſchraͤnkt iſt. 3) Aus dem hieroben, No. 1, angefuͤhrten Beweggrunde konnte das Geſetz uͤber die Form der Rechnung, die Art der Ueber⸗ gabeꝛc. keine allgemeine Verfuͤsungen aufſtellen. Die von dem Art. 527 u. ff. des Geſeßb. uͤber das Verfahren im bärzerl⸗ Prozeß vorgeſchriebene Form muß nur dann beobachtet wer⸗ den, wenn die Partheien ſich uͤber keine andere vereinigen koͤnnen, oder die Säͤumniß des Vormundes den Pupillen in die Nothwendinkeit verſetzt, ihn vor Gericht zur Rechnung anzuhalten. Sind die Partheien aber nur uͤber einige Punkte uneinis, ſo können ſie ſich darauf beſchränken, dieſe dem Tribunal öffentlich vorzutrasen.(473) 4) Das Geſetz ſchreibt uͤber die Art des Beweißes der Ausgaben nichts vor. Es werden ſich in jeder vormundſchaftlichen Rechnun) viele Poſten befinden, welche man gewöhnlich nicht mit ſchriftlichen Beweißen zu belesen pfle t, und in deren Hinſicht man ſich mit der Wahrſchemlichkeit und Bil⸗ ligkeit der Ausla en, und hochſtens mit der eidlichen Be⸗ theuerung des Vormundes zu begnügen pflegt. Der Artikel 463 47 1 ſact daher auch nicht: woruͤber ſchriftliche Bewei⸗ ſe vorhanden ſind, ſondern: welche hinlänglich bewieſen ſind. 5) Das Geſetz konnte natuͤrlich die Ausgaben, welche als nuͤtzlich angeſehen werden muͤſſen, nicht aufzählen. Wenn der Vormund inzwiſchen die Summe nicht uͤberſtiegen hat, welche der Familien Rath fur die jährliche Beduͤrfniſſe des Min⸗ derjaͤhrigen ausgeſetzt hat, ſo verbietet ſchon die natuͤrliche Billigkeit jede uͤbertriebene Strenge in dieſer Hinſicht. 6) Zur Zahlung des PaſſivRezeſſes kann der Vormund(nicht aber ſeine Erben) mittelſt PerſonalArreſtes angehalten werden.(Art. 126 des Geſetzb. uͤber das Verf. im buͤrgerl. Prozeß.) 7) Der Art. 475 beſchränkt die Dauer der actio tutelæ di- vecea(nicht auch der der indirekten) auf 10 Jahre von der Volljährigkeit des Pupillen an. Es ſcheint ſich, wie Hr. v. Almendingen richtig bemerkt, von ſelbſt zu verſte⸗ hen, daß im Falle des fruheren Ablebens des Bevormun⸗ deten ſein Todestag den Anfang dieſer Verjaͤhrung beſtim⸗ men muͤſſe. Nro. 4. Spezielle Verfügungen. §. T60. Der Vormund kann weder die Guͤter ſeines Pupillen Laͤuſtich an ſich bringen, noch die Ceſſion irgend einer Forderung an denſelben annehmen. Er kann die Guͤter des Pupillen nur mit Autoriſation des Familien Rathes in Pacht nehmen. 450 1390 Er iſt unfäͤhig, ein ihm durch ſeinen minderjaͤhrigen 907 464 Pupillen gemachtes Legat zu empfangen, falls er nicht ſelbſt ein Aszendent deſſelben iſt. Er iſt gleichfalls unfähig, ſelbſt nach erlangter Gros⸗ jahrigkeit deſſelben, ein Legat oder eine Schenkung unter Lebenden von demſelben zu erhalten, falls nicht die wirk⸗ liche Rechnungs Ablage vorhergegangen war⸗ 5. 161. Der Gegen Vormund haftet nur fuͤr ſeine voffenbare Rachläſſigkeit und fuͤr Betrug. Die Glieder des Familienrathes ſind nur für Berug verantwortlich. Locré, VI. 345. Procés-verbal du 29 ventose Boechel. analyse§. 25. 4) Die Verantwortlichkeit des Gegen Vormundes fuͤr ſeine Nachlaͤſſigkeit in Ausubung der ihm uͤbertragenen Kon⸗ trolle der Geſchaͤftsfuhrung des Vormundes fließt aus dem Art. 420 her. Allein offenbar geht Bloͤchel zu weit, wenn er behauptet, daß ſeine Goͤter ſogar kraft des Artikels 2121 des Coder mit einer ſtillſchweigenden Hypothek zum Vortheil des Pupillen beſchwert ſeien. Keine geſetzliche Hypothek kann ohne eine ausdruckliche geſetliche Beſtimmung beſtehen, und eine ſolche iſt in dem Art. 2121 in Hinſicht auf den Gegen Vormund nicht enthalten. 2) Der Vorſchlag der Commiſſion und der Sektion, die Glie⸗ ber des Familien Rathes fuͤr die Zahlsfaͤhigkeit des Vormun⸗ des verantwortlich zu erklaͤren, ward ausdrucklich verworfen: es ſei allzuſchwer, die VermogensUmſtände eines Dritten zu kennen; der Minderjährige fände eine hinlängliche Ge⸗ waͤhrleiſtung in dem Intereſſe der Familien Glieder, fuͤr die Verwaltung eines Vermögens Sorge zu tragen, wel⸗ e h 465 ches vielleicht auf ſie uͤbergehen koͤnnte; man duͤrfe nicht das Vermoͤgen mehrerer Perſonen belaſten, um einer eine uͤberfluͤſſige Garantie zu gewähren; endlich ſei die Verantwort⸗ lichkeit, welche durch die coutume von Bretagne gegen diejenige, die zur Wahl eines Vormundes mitgewirkt hatten, begruͤndet war, nie in Anſpruch genommen werden. 3) Sollten mehrere Vormuͤnder beſtellt worden ſein, ſo muͤſſen der Auftrag eines Jeden, ſo wie dieGraͤnzen ſeiner Verantwort⸗ lichkeit, in dem Teſtament oder dem ErnennungsAkt beſtimmt werden. Iſt ihnen die Geſchäftsfuͤhrung gemeinſchaftlich ubertragen, ſo haften ſie ſolidariſch dafur. 3 weiter Abſchnitt. Von den Verrichtungen der Curatoren, Erſte Abtheilung. won dem Curator eines emanzipirten Minderjährigen. 5. 162. Von dem Augenblick der Emanzipation an handelt der Emanzipirte ſelbſi. Auch die Handlungen, zu deren Guͤltigkeit der Beiſtand ſeines Curators erforderlich iſt, werden im Namen des Emanzipirten, und nicht fuͤr ihn durch ſeinen Curator, vorgenommen In Hinſicht auf den Emanzipirten, der zugleich Han⸗ delsmann iſt, enthaͤlt das Geſetz beſondere Beſtimmun⸗ gen. 5. 163. Der emanzipirte Minderjährige bedarf des Beiſtandes ſeines Kurators nicht: a) um ſein Vermoögen zu verwalten. Doch kann er 31 1, Th. 30 434 No. 3. 456 füͤr ſich allein keinen MiethKontrakt auf längere Zeit als neun Jahre abſchlieſſen; b) um uͤber ſeine Einkuͤnfte zu verfuͤgen; c) um fuͤr den Unterhalt ſeiner Perſon und ſeiner Haus⸗ haltung zu ſorgen. Doch ſind die von ihm zu dem Ende kontrahirte Schulden, wenn ſie uͤbertrieben ſind, einer gerichtlichen Reduktion unterworſen. Locre. VI. 367. Thibaut, hg. 495, 496. Nro⸗ I. 4. L 9. fl. de SC. maced.(14. 6.) L ult. HF. ult. C. de inoff. test.(3. 23.) L. 92. fl. de cond. et dem(53. 1.) 4) Loers macht folgende Bemerkung zu dieſem Artikel, die wir mit den Worten der Allgem. Bibl.(1. 318) mittheilen: „der Inbegriff des Vermoͤgens umfaßt eine doppelte Klaſſe von Guͤtern: die eine kann man als die Grundbeſtand⸗ theile des Vermoͤgens betrachten. Ihr erſatzloſer Verluſt hat die Verminderung, oft den Ruin des Vermoͤgens zur Folge. Eine ſcientifiſche Definition dieſer Klaſſe von Guͤ⸗ tern iſt ſchwer. Die geſande Vernunft, die tägliche Erfah⸗ rung unterſcheiden ſie leicht. Alle unbeweglichen Guͤter, Renten, AktivForderungen, abgelegte und nicht wieder ange⸗ legte Kapitalien, ein ganzes Ameublement, ein landwirth⸗ ſchaftliches Inventarium, eine Gemähldeſamilung, eine Bi⸗ bliothek, ein Naturalienkabinet— wer wird nicht in allen dieſen und ähnlichen Gegenſtänden von Werth, die Grund⸗ beſtandtheile einer ganzen Vermogensmaſſe erkennen? Die zweite Klaſſe von Guͤtern kann als das periodiſche Erzeug⸗ niß, oder als die werthloſe, dem täglichen Gebrauch und Ver⸗ brauch gewidmete Zugabe zum Hauptvermoͤgen, betrachtet werden. Aus dem Verluſt deſſelben entſteht noch keine Ver⸗ minderung des Hauptvermögens. Erzeugniſſe des Ackerbaus, 467 Zinſen ven Kapitalien, täglich gebrauchte Kleider und Meu⸗ bel(nicht etwa der ganze Vorrath) gehoͤren zu Guͤtern die⸗ ſer Art. In Hinſicht der erſten Klaſſe von Guͤtern hat der Emanzipirte eine konſervatoriſche Adminiſtration. Er kann ſie gegen phyſiſchen und juriſtiſchen Untergang ſchuͤtzen. Zum Unterhalt oder zur Wiederherſtellung von Gebuäuden, koſtba⸗ ren Meubeln ꝛc. kann er die noͤthigen Kontrakte abſchließen. Er kann ſeine Rechte gegen den Ablauf der Präſeriptions⸗ friſt, oder gegen einen der Inſolvenz nahenden Glaͤubiger, durch Erhebung einer MobiliarKlage, ſchuͤtzen. Bei Immo⸗ biliar Klagen iſt die naͤmliche Befugniß beſchränkt. Er kann alle Gattungen von konſervatoriſchen auſſergerichtlichen Hand⸗ lungen vornehmen, z. B. eine Hypothekar Inſcription erwir⸗ ken, Oppoſition gegen die von einem Dritten erwirkte Hypothe⸗ karInſcription einlegen„. Bei der Anlegung ſeiner Kapi⸗ talien iſt er an die Einwilligung ſeines Kurators gebunden⸗ In Anſehung der zweiten Klaſſe von Guͤtern hat der Eman⸗ zipirte: a) freie Verfuͤgung äber ſein dem täglichen Gebrauche ge⸗ widmetes Hausgeräthe. Er ſorgt fuͤr den Unterhalt ſei⸗ ner Perſon und fuͤr ſeine Haushaltung, er ſchließt Ver⸗ träge ab, welche ſich darauf beziehen. Er kontrahirt ſo⸗ gar, ſeines Unterhalts wegen, Schulden; doch ſind letztere, wenn ſie zu uͤbertrieben ſind, einer gerichtlichen Vermin⸗ derung und Einſchraͤnkung unterworfen.(480.) b) Er hat Adminiſtration und Dispoſition uͤber ſeine Ein⸗ kunfte. Man unterſcheide unterdeſſen 1) Vorſorge für die Verbeſſerung derſelben und fur die Benutzungsart ſeiner Guter. In dieſer Hinſicht iſt es 8 158 keiner andern, als der Einſchränkung unterworfen, daß er keinen PachtKontrakt uͤber ſeine Immobilien auf laͤn⸗ gere Zeit, als neun Jahre abſchließen darf. Kann er, aus den Erſparungen von ſeiner Einnahme, Geld zu Kapital machen und auf Zinſen anlesen, ſo iſt er bei dieſer An⸗ lage an die Einwilligung ſeines Kurators nicht gebun⸗ den. 2) Vorſorge fuͤr die Eintreibung ſeiner ausſtehenden Forbe⸗ rungen, Zinſen und Pachtgelder. Er kann ſie gericht⸗ lich und auſſergerichtlich eintreiben und quittiren. Er kann deshalb alle Arten von Klagen anſtellen. c) Dispoſition uͤber ſeine Einnahme. Er iſt, in Anſehung ſeiner Einnahme, gar keiner Einſchränkung unterworfen.“ 2) Loers glaubt ferner, daß die Verfuͤgungen der Art. 903 und 9o4 auf das ererbte aͤlterliche Vermoͤgen einzuſchränken ſeien. Er geſteht aber ſelbſt, daß eine Interpretation des Staatsraths vonnoͤthen ſei, um, da dieſer Artikel keine Aus⸗ nahme enthaͤlt, eine ſolche Einſchränkung zu begruͤnden. Da inzwiſchen die Verfuͤgungen in Betreff der Form der Schen⸗ kungen unter Lebenden, auf Schenkungen von Hand zu Hand(dons manuels) nicht anwendbar ſind, ſo duͤrfte der Fall ſich wohl ſehr ſelten ereignen, wo von dieſer Interpretation Gebrauch gemacht werden wuͤrde. Vor der Hand, und ſo lange keine ſolche vorhanden iſt, muſſen die Tribunalien die Art. 9o3 und 9o4 unbedingt auf alle Schenkungen anwenden, die ein emantipirter Minderjähriger in der Form einer Schenkung unter Lebenden gemacht hat. 3) Die in Deutſchland an mehreren Orten gegen das gemeine Rocht übliche Emanzipation fut einzelne Geſchäfte, iſt in 469 Frankreich weder gebraͤuchlich, noch ſcheint ſie mit dem Syſtem des Codex vereinbarlich. 4) Auch erfordert derſelbe die Einwilligung des Pflegbefohlnen zur Emanzipation nicht. 5. 164. Der emanzipirte Minderjaͤhrige bedarf des Beiſtandes ſeines Kurators: 2) bei der Abhörung der Vormundſchafts Rechnung; b) bei der Anſtellung von ImmobiliarKlagen ſo wie bei der Vertheidigung gegen ſolche Klagen; eh bei der Ablegung eines Mobiliar Kapitals; a) bei der Wieder Anlegung deſſelben. Locré, VI, 376. Projet du C. C. lix. 1. tit. 9. art. 10 3. Paudectes frangaises, VI. 618. L. 5. F. 1. de aut, et cons⸗ (26. 8. L. 31, H. ad. leg. falcid,(35 2.) L. 1. C. si advers. traus.(a. 32.) Hofacken, princ, jur. civ. T. 246. 1) Die Anweſenheit des Curators bei der Ablegung eines Mo⸗ biliarKapitals iſt nur darum erforderlich, weil derſelbe ſonſt der Obliegenheit, für deſſen Wieder Anlegung Sorge zu tra⸗ gen, nicht wohl haͤtte Genuͤge leiſten koͤnnen. Es folgt aus dieſem Artikel, daß, falls der Beiſtand des Curators bei der Ablage durch die Quittung nicht gehoͤrig erwießen wäre, der Schuldner nur in ſo weit entlaſtet iſt, als er beweiſen kann, daß das Kapital zum Nutzen des Minderjaͤhrigen verwendet worden iſt.(13712) 2) Kann ſich der emanzipitte Minderjährige mit ſeinem Curator nicht vereinigen, ſo hat er ſich an das Tribunal zu wenden, welches zwiſchen beiden zu entſcheiden hat. Da der Fami⸗ lien Rath noch bis zur Grosjaͤhrigkeit in Wirkſamkeit bleibt, ſo glaube ich jedoch, daß falls z. B. der Streit die Aufkun⸗ digung eines Kapitals oder die WiederAnlegung deſſelben zum 48 482 40 Gegenſtande haben ſollte, das Tribunal deſſen Gutachten vorher einzuziehen hat. 8) Die Verfaſſer der Pandectes Hrangaises behaupten, der Ausdruck: capital mobilier, im Art. 482 ſei auf Wechſel⸗ ſchulden oder ſolche, die auf bloße Handſchriften oder Billets dargeliehen worden, nicht anwendbar. Wo ſteht aber ge⸗ ſchrieben, daß dieſer Ausdruck nur eine ſolche Forderung be⸗ zeichne, die durch einen Notariats Akt begruͤndet iſt? Mit mehrerem Grund behauptet Locré, daß die Verfuͤgung die⸗ ſes Artikels auf ſolche Darleihen nicht anwendbar ſei, die der Pupille ſelbſt aus dem Produkt ſeiner eignen Erſparniß gemacht hat. 4 Selbſt in dem Falle wo die Verpflichtungen des Minder⸗ jährigen als ubermäſſig reduzirt worden, muß er doch immer dasjenige erſetzen oder bezahlen, was zu ſeinem Vortheil ge⸗ reicht hat,(Art. 1312) S 165. Der Emanzipirte bedarf einer von dem Familien Rath ertheilten und von dem Tribunal, nach Anhörung des Kaiſ. Prokurators genehmigten, Autoriſation: a) um ein Anlehn zu kontrahiren; a h) ſeine liegende Gůter zu veraͤuſſern oder zu hypotheziren; e) fur alle Handlungen, welche die Schranken einer bloſſen Adminiſtration uͤberſchreiten, und nicht im vorigen Paragraph namentlich angefüͤhrt ſind. Loeré, VI. 380 Allgem, Bib. 323, ) Unter den Handlungen, welche die Grenzen einer bloßen Adminiſtration überſchreiten, ſind alle die zu begreifen, zu welchen der Vormund der Autoriſation des Familien Rathes hedarf. 471 2) Es iſt nicht unbedingt richtig, wennſHr. v. Almeadin⸗ gen, in Hinſicht auf die Bedingung der Einwilligung des Familien Rathes zur Veräuſſerung der Immobilien bemerkt: „nach dem franzöſiſchen Hypothekenſyſtem koͤnne dieſe Bedin⸗ gung nicht auf eine Verpfaͤndung ausgedehnt werden. Denn jede perſoͤnliche Schuld wird durch den einſeitigen Willen des Gläubigers, in eine hypothekariſche Schuld verwandelt. Dazu bedarf es weiter nichts, als der Erwirkung eines Ur⸗ theils, durch welches immer eine gerichtliche Hypothek ent⸗ ſteht, und eine auf dieſes Urtheil gegruͤndete Inſcription, durch welche bekanntlich die gerichtliche Hypothek wirkſam wird. Sowohl die Erwirkung eines Urtheils als einer In⸗ ſcription aber, iſt bloße einſeitige Handlung des Glaͤu⸗ bigers.“ Nimmt die Forderung des Glaͤubigers in einer: von dem Minderjaͤhrigen im Laufe ſeiner Verwaltung einge⸗ gangenen Verbindlichkeit ihren Urſprung, ſo kann die Hypothek allerdings durch die einſeitige Handlung des Glaͤubigers begruͤn⸗ det werden, vorbehaltlich jedoch der durch den Art. 484, No 2, autoriſirten Reduktion. Um aber eine SpezialHypothek zu konſtituiren, welche immer als der Anfang einer Veraͤuſſerung angeſehen wird, oder auch um, ſelbſt ohne eine hypothekariſche Sicherheit zu geben, ein bedeutendes Anlehn zu kontra⸗ hiren, iſt die Autoriſation des FamilienRaths allerdings er⸗ forderlich. Dies folgt unter andern auch unwiderſprechlich aus dem Art. 6 des HandlungsGeſetzbuchs. 3) Dies fuͤhrt uns zu der Frage, welches die Wirkungen der⸗ jenigen Handlungen des emanzipirten Minderjährigen ſind, die er ohne Beobachtung der vorgeſchriebenen Formalitä⸗ ten kontrahirt hat(denn hat er dieſe beobachtet, ſo werden ſeine Handlungen wie die eines Volljährigen betrachtet, und 437 47 tie Reſtitution kommt ihm nur aus denſelben Gründen zu, aus welchen auch der Volljaͤhrige reſtituirt werden muͤßte. Art. 1312) Der Art. 1305 verfuͤgt, daß dieſe Handlungen zwar nicht abſolut nichtig ſind, aber daß wegen jeder Laͤſion die Reſtitution ſtatt finden ſoll: non restituitur tanquam minor sed tanquam laesus Für denjenigen, der mit ihm kontrahirt hat, iſt die Handlung unbedingt verbindlich. (Art. 1125.) 4) Auf die Reduction der von dem Emanzipirten, in dem von dem Art. 484, No 2. vorgeſehenen Falle, kontrahirten Ver⸗ bindlichkeiten kann ſowohl ſein Curator, als auch, wenn er nicht unter der Curatel ſeiner Aeltern ſteht, jedes Mitglied des Familien Raths antragen⸗ F. 166. Der nicht emanzipirte Minderjährige kann keine öffentli⸗ che, von der ſeiner Aeltern abgeſonderte, Handlung fuͤhren. Der Emanzipirte kann es nur, wenn er das 18te Jahr erreicht hat, und dazu autoriſirt worden iſt. Er wird ſodann, in Anſehung aller auf die Handlung ſich beziehenden Verbindlichkeiten, als volljährig betrach⸗ tet, und kann zum Behuf ſeines Handelts ſogar ſeine lie⸗ gende Güter verpfänden und hypotheziren. Veraͤuſſern darf er ſie jedoch nur in der Form, die fuͤr die Veräuſſe⸗ rung der Guͤter von Minderjährigen vorgeſchrieben iſt. Lors VI 330. Esprit du Code de Commerce, I. 41. Art. 2 und 6 des HandlungsGeſetzbuchs. 1) Das Zutrauen, welches in Handlungs Geſchaͤften unentbehr⸗ lich iſt, waͤre weggefallen, wenn auch der Handlung trei⸗ bende Emanzipirte der Verfuͤgung des Art. 484, No. 2. un⸗ terworfen geweſen wäre. Sie mußte alſo in Hinſicht auf 473 ihn eine Ausnahme erleiden. Dieſe Verfuͤgung kann um ſo we⸗ niger Nachtheil haben, da die Emanzipation des Minderjähri⸗ gen allein ihn nicht zur Fuͤhrung einer offentlichen Handlung berechtigt, ſondern er dazu der formlichen Autoriſation ſeines Vaters, oder ſeiner Mutter, oder einer durch die Ge⸗ richte homologirten Autoriſation des Familien Rathes bedarf. 2) Es folgt aus dem Art. 6 des HandlungsGeſetzbuches, daß er ſeine Guͤter nur zum Jehuf ſeines Handels verpfaͤnden oder hypotheziren darf. Der Glaͤubiger muß ſich daher, ent⸗ weder durch den Akt ſelbſt, oder auf andere Weiſe, den Beweiß verſchaffen, daß die dargeliehene Gelder in die Hand⸗ lung verwendet worden ſind, widrigenfalls auf das ohne Autoriſation gemachte Darlehn die oben entwickelte Grund⸗ ſätze ihre Anwendung finden muͤſſen⸗ 3) um ſeine Immöbel, ſelbſt zum Behuf der Handlung, zu veraͤuſſern, iſt es nicht allein erforderlich, daß die Veraͤuſſe⸗ rung in der vom Art. 459 vorgeſchriebenen Form ge⸗ ſchehe, ſondern der Art. 6 des HandlungsGeſetzbuches erfor⸗ dert noch ausdrucklich eine homologirte Autoriſation des Fa⸗ milien Rathes. 4) Daß ein nicht emanzipirter Minderjaͤhriger keine Handlung fuͤhren koͤnne, folgt nicht ſowohl aus dem Art. 487, als aus dem Art. 2 des HandlungsGeſetzbuches. Derſelbe Artikel ſetzt der Bedingung der Emanzipation die des Alters von 18 Jahren, und die einer ausdrucklichen Autoriſation, hinzu. 5) Da der Widerruf der Emanzipation nur dann ſtatt findet, wenn die Reduktion der Verbindlichkeiten des Emanzipirten dazu Anlaß gegeben hat, dieſe Reduktion aber bei den Verbindlichkeiten des Handlungfuͤhrenden Emanzipirten 435 436 474 nicht ſtatt findet, ſo folgt daraus, daß deſſen Emanzi⸗ pation nicht widerrufen werden kann. 6) Der Art. 1308 dehnt die Verfuͤgung des Art. 387 auf alle Verbindlichkeiten aus, die ein minderjähriger Kuͤnſtler oder Handwerker in Bezug auf ſeine Kunſt oder ſein Hand⸗ werk eingegangen iſt. 5 167. Ergiebt ſich aus der Reduktion der von dem emanzipir⸗ ten Minderjährigen eingegangenen Verbindlichkeiten der Beweiß, daß der Emanzipirte noch nicht im Stande ſei, ſich ſelbſt vorzuſteben, ſo kann die Emanzipation in der⸗ ſelben Form, in welcher ſie ertheilt worden, widerrufen werden. Der wieder unter Vormundſchaft geſetzte Emanzipirte kann nicht zum zweitenmale emanzipirt werden. Locré, VI. 393. Proces-verbal du 6 brumaire 1. 1) Alſo wer durch eine vaterliche Erklarung emanzipirt worden, tritt durch eine ähnliche Erklärung, und wer durch eine Berath⸗ ſchlagung des Familien Raths emanzipirt worden, durch eine ähnliche Berathſchlagung wieder unter die Vormundſchaft zu⸗ ruͤck. Aus dem Art. 485 ergiebt es ſich, daß, wer durch die Ehe ipso jure emanzipirt worden iſt, nicht mehr unter Vormundſchaft geſetzt werden kann. 2) Dieſer Wiederruf kann nur ſtatt finden, wenn eine ge⸗ richtliche Reduktion der von dem Minderjährigen eingegange⸗ nen Verbindlichkeiten vorhergegangen iſt. 3) Der Widerruf iſt ſelbſt in dieſem Falle nur fakultativ. 4) Die Homologation der Gerichte iſt nicht erforderlich. Findet ſich aber der Emanzipirte beſchwert, ſo kann er gegen den Wiherruf bei den Gerichten einkommen. 475 5) Beſtand vor dem Wiederruf eine geſetzliche Vormund⸗ ſchaft, ſo tritt der Minderjährige wieder unter dieſelbe zuruͤck; war die Vormundſchaft dativ, ſo muß ſie von neuem verge⸗ ben werden, weil der erſte Vormund durch die Rechnungs⸗ Ablage von der Vormundſchaft befreit war, Zweite Abtheilung. Von den Perrichtungen des gerichtlichen Beiſtandes(Curators) des Verſchwenders, und demjenigen, der im Falle des Art, 499 er⸗ nannt worden. §. 168. Derjemge, der gerichtlich zum Berſchwender erklaͤrt worden, ſo wie der Beklagte auf Interdikton, dem das Tribunal im Falle des Art. 499 einen gerichtlichen Bei⸗ ſtand zur Seite geſetzt hat, bedarf der Beiſtimmung die⸗ ſes Beiſtandes zu allen rechtlichen Handlungen, die der emanzipirte Minderjährige nicht ohne Beiſtand ſeines Cu⸗ rators oder ohne Autoriſation des Familienraths vor⸗ nehmen darf. Alle ohne Intervention dieſes Beiſtandes eingangene Verbindlichkeiten ſind in der Art nichtig, daß der Ver⸗ ſchwender(oder Schwachſinnige), unter der Bedingung, dasjenige zu reſtituiren, was zu ſeinem Vortheil gereicht hat, ihre Erfuͤllung verweigern kann, ohne daß jedoch die, welche mit ihm kontrahirt haben, aus dieſer Unfaͤhigkeit ein Mittel ableiten könnten, um ihrerſeits die Erfuͤllung der Uebereinkunft zu verweigern. Die Verrichtungen des Beiſtandes nehmen ein Ende: a) durch den Tod desjenigen, dem der Beiſtand beige⸗ ordnet iſt; b) durch ein Urtheil, welches die Ernennung des Bei⸗ 5¹3 499 514 No. a 476 ſtandes wiederruft, und welches nur in derſelben Form erlaſſen werden kann, worin die Ernennung ge⸗ ſchehen iſt. Locre, a56 et suv. Proces-verbal du 3 germinal 11. 2) Sollte der Curator ſeine Beiſtimmung mit Unrecht verwei⸗ gern, ſo kann der Minderjährige das Tribunal um die ſei⸗ nige bitten, welches ſie nach Anhoͤrung der Gruͤnde des Curators ertheilen kann. Dieſer Fall kann ſich hier haͤufi⸗ ger ereignen, als bei dem emanzipirten Minderjährigen, theils wegen der längeren Dauer, theils wegen der gröſſeren Ausdehnung, der Verrichtungen des Curators. 2) Buchſtäblich genommen bedarf der Verſchwender des Beiſtan⸗ des ſeines Curators in jedem Prozeſſe, bei MobiliarKlagen wie bei dinglichen, er mag nun Kläger oder Beklagter ſein. 3) Er kann, ohne dieſen Beiſtand, teſtiren, kontrahiren,(wenn nur durch den Kontrakt keine Hypothek konſtituirt, kein An⸗ lehn und keine Veraͤuſſerung kontrahirt wird,) und ſich vereheli⸗ chen. Delvincourt(1. 261) bezweifelt dies letzte, wegen der ſtillſchweigenden Hypothek der Frau auf die Guͤter des Man⸗ nes, welche die Ehe nach ſich zieht. Da die Wirkung und Ausdehnung dieſer Hypothek jedoch immer durch den Ehe⸗ Kontrakt beſtimmt wird, ſo könnte dies hoͤchſtens ein Grund fein, um die Beiſtimmung des Curators zu dem Ehe Kontrakt zu verlangen, welche auch allerdings erforderlich ſcheint. Dritte Abtheilung.⸗ Pon dem Verwalter, der uͤber das Verindgen des Abweſenden, oder während einer Interdiktions Klage beſtellt wird. §. 169. Findet das Tribnnal es im Falle des Art. 112 nöthig, einen Verwalter des Vermögens des Abweſenden, und im 77 Falle des Art. 407 einen proviſoriſchen Verwalter des Vermogens des auf Interdiktion Beklagten zu ernennen, ſo iſt in beiden Jällen ihre Vollmacht auf bloſſe Ver⸗ waltungsAkte beſchraͤnkt. Sollte es dringend ſein, einen Akt vorzunehmen, der die Schranken einer bloſſen Adminiſtration uͤberſteigt, ſo haben ſie ſich an das Tribunal zu wenden, um eine ſpe⸗ zielle Autoriſation nachzuſuchen. Sie ſind rechnungspflichtig: nemlich der Verwalter des Vermögens eines Verſchol⸗ lenen, dem Abweſenden falls er wieder erſcheint, wo nicht, ſeinen Verwandten, welche die Einſetzung in den proviſoriſchen Beſitz erwirkt haben; der des Beklagten auf Interdiktion dem Beklagten, falls die Klage verworfen wird; ſeinem Vormund, 305 fals die Interdiktion erkannt wird. ————————— Inhalts Regiſter. Erſtes Buch. Zweite Abtheilung Zweiter Titel. Von der Ehe. Fünftes Kapitel. Von der Auflößung der Ehe— Erſter Abſchnitt. Allgemeine Grundſätze in Betreff der Eheſcheidung——— 12 Hiſtoriſche Ueberſicht der aͤltern Geſetzg. und Jurisprudenz ibid⸗ Zweiter Abſchnitt. Von der Eheſcheidung auf tie Klage eines der Ehegatten—— 45 Erſte Abtheilung. Von den Thatſachen, welche eine ſolche Klage begruͤnden—— ibid. Zweite Abtyeilung. Von der Form der Klage 63 Dritte Abtheilung. Von den proviſoriſchen Maasregeln zu welchen die ScheidungsKlage berechtigen kann 96 Vierte Abtheilung. Von den beſondern Wirkungen der auf die einſeitige Klage eines der Ehegatten ausgeſprochenen Selte Scheidung——— 105 Dritter Abſchnitt. Von der Eheſcheidung auf das gemein⸗ ſchaftliche Anſuchen beider Ehegatten— 120 Erſte Abtheilung. Von der Form des Verfahrens ibid. Zweite Abtheilung. Von den beſondern Wirkungen der Ehrſcheidung mit gegenſeiticer Einwilligung 135 Vierter Abſchnitt. Von den Klagen auf Mullitaͤt der Eheſ. 140 Funfter Abſchnitt. Von der Trennung von Tiſch und Bett 143 Dritter Titel. Von der väterlichen Gewalt. Hiſtoriſche Ueberſicht der vorigen Geſetzgebung und Juris⸗ prudenz in Hinſicht auf die väterliche Gewalt 156 Seite Erſtes Kapitel. Von dem Urſprung der väterl. Gewwalt 268 Zweites Kapitel. Wem die vaterliche Gewalt zuſteht 192 Drittes Kapitel. Von der Ausdehnung und den Schran⸗ ken der väterlichen Gewalt— 194 Vierter Titel. Von der Adoption. Hiſtoriſche Vorbemerkung——— 219 Erſtes Kapitel. Von der Adoption— 221 Erſter Abſchnitt. Von der Natur, den Bedingungen und den Wirkungen der Adoption— 226 Zweiter Abſchnitt. Von der Form der Adoption 256 Zweites Kapitel. Von der wohlthätigen Vormundſchaft 26 Fuͤnfter Titel. Von Vormundſchaften und Kuratelen. Hiſtoriſche Vorbemerkung— 275 Erſtes Kapitel. Allgemeine Grundſätze— 277 Zweites Kapitel. Von Ernennung der Vormuͤnder u. Kurat. 292 Erſter Abſchnitt. Von Ernennung der Vormuͤnder ibid. Erſte Abtheilung. Von der Beſtellung der Vormundſchaf⸗ ten uͤber Minderjährige— Erſte Unterabtheilung. Von der der aͤlterlichen Gewalt anklebenden Vormundſchaft des Vaters und der Mutter 293 Zweite Unterabtheilung. Von der teſtament. Vormundſchaft 308 Dritte Unterabtheilung. Von der geſetzlichen Vormund⸗ ibid⸗ ſchaft der Aszendenten—— 315 Vierte Unterabtheilung. Von der durch den Familien⸗ Rath ubertragenen Vormundſchaft— 317 Nro. 1. Von der Berufung des Familien Raths ibid. Nro. 2. Von der Zuſammenſetzung des Familien Naths 322 Nro. z. Von der Verſammlung des Rathes— 330 Nro. 4. Von den Berathſchlagungen des Familien Rathes 334 Fuͤnfte Unterabtheilung. Von den Grknden, welche von Uebernahme einer Vormundſchaft freiſprechen oder von derſelben ausſchlieſſen—— 345 Nro. 1. Von den Gruͤnden, welche von der Uebernahme einer Vormundſchaft freiſprechen— 346 Nro. 2. Von den Gruͤnden, welche zur Uebernahme einer Vormundſchaft unfaͤhig machen, und von derſelben ausſchlieſſen—— Sechſte Unterabtheilung. Von der Abſetzung der Vormuͤn⸗ der und Gegen Vormuͤnder— 37 0 36 ½ Seite Zweite Abtheilung. Von der Beſtellung der Vormund⸗ ſchaften uͤber Interdizirte— 376 Zweiter Abſchnitt. Von Ernennung der Curatoren 391 Erſte Abtheilung. Von der Ernennung des Curators ei⸗ nes vermuthlich Abweſenden— ibid. Zweite Abtheilung. Von der Ernennung des Curators ei⸗ nes emanzipirten Minderjährigen— 394 Dritte Abtheilung. Von der Ernennung des Beiſtandes (Gurators) eines Verſchwenders oder Schwachſtnnigen Jor Drittes Kapitei. Von den Verrichtungen der Vormünder und Curatoren—— 406 Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen— ibid. Zweiter Abſchnitt. Von vormundſchaftl. Verrichtungen 413 Erſte Abtheilung. Von den vormundſchaftlichen Ver⸗ richtungen in Betreff der Perſon des Pflegbefohlnen ibid. Zweite Abtheilung. Von den vormundſchaftlichen Ver⸗ richtungen in Betreff des Vermögens des Pflegbefohlnen 417 Nro. I. Von den Pflichten des Vormundes bei dem An⸗ tritt ſeiner Verwaltung—— ibid. Rro. 2. Von den Pflichten des Vormundes im Laufe ſeiner Verwaltung— 430 Nro. 3. Von den Obliegenheiten des Vormundes zu Ende der Vormundſchaft— 457 Nro. 4. Spezielle Verfuͤgungen— 463 Dritter Abſchnitt. Von den Verrichtungen der Kuratoren 465 Erſte Abtheilung. Von dem Kurator des emanzipirten Minderjährigen—— ibid. Zweite Abtheilung. Von den Verrichtungen des gericht⸗ lichen Beiſtandes Gurators) des Verſchwenders, und demjenigen, der im Falle des Art. 400 ernannt worden—— 475 Dritte Abtheilung. Von dem Verwalter, der uͤber das Vermögen eines Abweſenden, oder während einer In⸗ terdiktions Klage beſtellt wird— 476 Zuſaͤtze. n Theil 1. S. 37. Nro. 2. Seite 110. Der Franzoſe kann, ſelbſt weun er im Auslande geklagt hat, nachher in Frankreich von neuem klagen; ſollte er mit ſeiner Klage abgewieſen worden ſein, ſo kann dieſes Urtheil eben ſo wenig einige Wirkung in Frankreich hervorbtinge als das Ur⸗ theil, welches ſeinen Schuldner verurtheilt hat, daſelbſt erelu⸗ toriſch ſein wuͤrde. Wenn aber ein in Rechtskraft erwachſenes urtheil eines auslaͤndiſchen Trihunals einer nenen Klage nicht im Wege ſteht, kann die Litispendenz es noch viel weniger. Dieſe Grundſätze finden ſogar dann ihre Anwendung, wenn der Flaͤger die Eigenſchaft als Franzoſe erſt nach dem Abſchluß der Uebereinkunft erworben hat, woraus die Verbindlichkeit des Beklagten herfließt, weil die bloſſe Jurisdiktion und die Ver⸗ fahrungs Art von den Wirkungen des Kontraktes unabhaͤngig ſind, und der Art. 14 alſo ohne unterſchied auf alle Klagen, welche unter dem Kodex erhoben werden, angewendet werden muß. Urtheil des Appellhofes von Trier vom 18 Maͤrz 1807. (Jurisp. d. C. N. 1807, 11, 114.0 Der kompetente franzöſiſche Richter, um uͤber eine ſolche Kla⸗ ge zu erkennen iſt der, in deſſen Gerichtsſprengel der Rlaͤger wohnhaft iſt, es ſei denn, daß die Kompetenz eines andern Tribunals ratione materiae begründet wäre, Theil I. J. 41. Nro. 7. Seite 132. Einem Kaiſerl. Dekret vom 7 Jänner 1308(Annalen 1. S. 155) gemäß, darf dem Art. 17 des Coder Napoleon zufolge, kein franzöſiſcher Geiſtlicher die Collation eines Bisthums in U partibus durch den Pabſt nachſuchen oder annehmen, wenn der Kaiſer ihn nicht vorher auf den Bericht des Miniſters der Kul⸗ te dazu autoriſirt hat, und keiner, der eine ſolche Collation er⸗ halten hat, darf die Conſecration eher empfangen, als nachdem ſeine Bulle im Staatsrath unterſucht, und ihre Verkundigung erlaubt worden iſt. Theil I. S. 57. Seite 200. Dem Art. 66 zufolge muß jeder OppoſitionsAkt gegen eine Ehe von dem Opponenten oder ſeinem Bevollmachtigten unter⸗ zeichnet ſein. Es folgt daraus, daß, falls der Opponent nicht ſchreiben kann, er vor einem Notar eine Vollmacht auf Jemand ausſtellen muß, um den Akt in ſeinem Namen zu unterzeich⸗ nen. Theil I. 5. 51. Wro. 2. S. 218. F. 62. Nro. J. ibid. Ohngeachtet das Geſetz die Gegenwart von Zeugen bei Ehe⸗ ſcheidungs⸗oder AdoptionsAkten nirgends erfordert, ſo werden deren doch allgemein zugezogen, weil in den von der Regierung uͤberſchickten Modellen ihre Gegenwart voravogeſetzt wird. Theil I. F. 68. Nro. 24. S. 263. Seit der Unterbdrückung der geiſtlichen Otden in Frankreich hatten geiſtliche Geluͤbde durchaus auſgehoͤrt, ein Hinderniß der LivilEhe zu ſein. Seitdem ſind die Congregationen oder maisons höspitaliéres wieder hergeſtellt worden, die ſich ausſchließ⸗ lich mit der Pflege der Kranken und Unterſtutzung der HausArmen peſchuͤftigen; allein aus den darin abgelegten Geluͤbden ent⸗ ſpringt nur ein tranſitoriſches Chehinderniß, indem die Novizen dieſelbe bis zu dem Alter von a1 Jahren nur mit Einwilligung der Perſonen, die nach den Art. 148, 149, 150, 159 und 160 ihre Einwilligung zur Ehe zu ertheilen haben, und nur auf ein Jahr, ablegen dürfen. Nach dem Alter von 21 Jahren dürfen die Geluͤbde nur auf fuͤnf Jahre abgelegt werden, nach deren Ablauf ſie wieder auf fuͤnf Jahre, und ſofort, erneuert werden koͤnnen. Der Biſchof, oder ein von ihm delegirter Geiſtlicher, und der Beamte des Civilſtaudes, haben dieſelbe aufzunehmen⸗ 1 und auf ein Regiſter einzutragen, welches doppelt gefuͤhrt wird, und von welchem ein Exemplar in die Haͤnde der Vorſteherin des Hauſes und das andere auf die Munizipallitaͤt hinterlegt wird.(Annal, der Geſetzg. Nap. H. 190.) Theil I. 5. 69. Nro. 1. S. 267. Man hat behauptet, ſogar vor dem erſten Aufgebot könne Oppoſttion gegen die Ehe eingelegt werden; dies iſt jedoch uur in ſoweit wahr, als eine ſolche Oppoſition, ſo lange ihre Auf⸗ hebung nicht verordnet worden, immer dem Beamten des Cie vilſtandes, welchem ſie zugeſtellt worden, die Haͤnde binden wuͤrde. Allein dieſe Aufhebung koͤnnte wegen der Voreiligkeit des Aktes in keinem Falle verweigert werden, und ich glaube ſogar, daß eine ſolche voreilige Oppoſition zu Schadloshal⸗ tungen ſtatt geben muͤßte. Welches Verhaͤltniß auch immer un⸗ ter den Perſonen, gesen welche ſie gerichtet iſt, beſtehen mag, ſo iſt es der Cenſur des Richters nicht unterworfen, und Nie⸗ mand iſt berechtigt, daſſelbe zu deuten, ſo lange kein äͤuſſerer und materieller Akt von ihrer Seite die Abſicht, eine eheliche Verbindung einzugehen, verrathen hat. Thl. I. J. 73. N 4. S. 233. Bei dieſer Gelegenheit laͤßt ſich folgende intereſſante Frage⸗ aufwerfen: kann, wenn eine Ehe ohne Einwilligung des verwitt⸗ weten Vaters abgeſchloſſen worden iſt, und der Vater, nach⸗ dem Abſchluß der Ehe, aber noch in der geſetzlichen Friſt, um die Rullitaͤts Klage einzuführen, verſtirbt, der Gros Vater dieſe Klage erheben? Dieſe Frage muß verneinend beant⸗ wortet werden, weil zur Zeit des Abſchluſſes der Ehe die Ein⸗ willigung des Gros Paters nicht erforderlich war, und die dem Vater allein zugefuͤgte Veleidigung durch den Tod erloſchen iſt. Ein anderes wäre es, wenn bei Abſterben des Vaters die Mutter am Leben waͤre. Dem Art. 148 zufolge iſt ſowohl ihre Einwilligung, als die des Vaters erforderlich, und ſie kann da⸗ her nach dem Tode des Vaters ihr Klagrecht, welches bei deſſen Lebzeiten dem ſeinigen untergeordnet iſt, geltend machen. Theil 1. 5. 76. S. 302. he als ſimulirt angefochten werden? Der Ver⸗ 3. H. de ritu nupt.(23 2.) simulat nuptie nul- ohngeachtet war ſchon in der ältern franz. Juris⸗ mulation gegen eine Ehe nie zuge⸗ laſſig wuͤrde er unter dem Coder gends autoriſirt. Auch iſt der Beweggrund jener roͤmiſchen geſetzlichen Verfuͤgung unſern Sitten fremd. urtheil des Kaſſationshofes vom 30 Auguſt 1803. (Annalen der Geſ. Nap. Theil II. S. 72.) ch. I.§. 35⸗ S. 385 ueber die Anwendung der Art. 205, 207 und z08 des Coder glauben wir folgendes KaſſationsUrtheil vom 7 Dezemb. 1808 CJonrnal du Palais, 1809/ I. 84) nachtragen zu müſſen⸗ welches das Kaſſations Geſuch gegen ein Urtheil des Appellhofes von Gre⸗ noble vom 19 Februar 1808 verworfen hat⸗ das ſich dar⸗ auf gruͤndete, 1) daß der Flaͤger zur Zahlung einer alimentari⸗ ſchen Penſion verurtheilt worden war⸗ ohngeachtet ſeine Tochter ſich gegen ſeinen Willen verheirathet hatte; 2) daß das angeſoch⸗ tene Urtheil den Art. 209 des Coder verletzt habe, weil es ihn verurtheilt habe, dieſe Penſion bis zu ſeinem Abſterben zu zahlen. Angeſehen, daß die Artikel 205 „Der Gerichtshof⸗ 207 und 208 des Coder Napoleon⸗ weiche den Aeltern die Ver⸗ vindlichkeit auferlegen⸗ ihren huͤlfsbeduͤrftigen Kindern und an⸗ dern Deszendenten Alimente zu geben⸗ teinen Unterſchied in Hinſicht anf das Vedürfniß machen und dieſer Verbindlichkeit keine andere Schranken ſetzen, als die, welche ſich aus dem Ver⸗ haͤltniß des PBeduͤrfniſſes von Seiten derienigen, welche ſie ver⸗ langen, und des Vermoͤgens deslenigen, der ſie ſchuldig iſt⸗ ergeben; daß folglich das angefochtene Urtheil keinen dieſer Artikel verletzt hat, indem es der Dame Gros Alimente im Verhaltniß ihrer anerkannten Bedürfniſſe und des Vermoͤgens ibres Vaters zuerkannt hat⸗ ohngeachtet ſie verhenrathet iſt und dieſe Ehe in Gefolge ehrfurchts voller Anfragen abgeſchloſſen hat; Kann eine E fuͤgung der L⸗ 5 lius Sunt momenti, prudenz der Veweiß der Si laſſen werden. Eben ſo unzu ſein, weil derſelbe eine ſolche Klage nir V „Angeſehen, daß bas fragliche Urtheil eben ſo wenig den Art. 209 des Coder verletzt, indem es den Vater verurtheilt hat⸗ die alimentariſche Penſion jährlich bis zur Eroffnung ſeiner Erb⸗ ſchaft zu bezahlen; daß allerdings daraus eine foͤrmliche Erklaͤ⸗ rung der Obliegenheit des Vaters folgt, dieſe Penſion ſein gau⸗ zes Leben lang zu bezahlen, wenn die Lage der Partheyen die⸗ ſelbe bleibt; aber daß keinesweges daraus folgt, daß, falls dieſe Lage eine Veraͤnderung erleiden ſollte, der Vater nicht in dem⸗ von den vorhergehenden Artikeln vorgeſehenen, Falle, eine Vermin⸗ derung oder die ganzliche Entlaſtung von der Penſion zu fordern vefugt ſein ſollte; daß es im Gegentheil augenfällig iſt daß die⸗ ſer Vorbehalt wegen der Natur der Penſion, welche durch das urtheil auedruͤcklich als eine alimentariſche qualifizirt iſt kraft des Geſetzes ſtatt findet, ſo, daß ein gusdruͤckliches Verbot, welch⸗s das urtheil nicht enthaͤlt, erforderlich waͤre, um ihn guszuſchlieſſen, verwirft das Geſuch. Theil II. F. 88. Wro. 9. S. 42. Uebt einer der Ehegatten ein kaufmänniſches Gewerbe aus, ſo hat das Handlungs Geſetzbuch, Art. 66, für die Sicherheit der Dritten⸗ die mit ihm kontrahiren könnten, geſorgt, indem es verord⸗ net, daß in Hinſicht auf das Scheidungsurtheil die Formalita⸗ ten die der Art. 372 des Geſetzb. uͤber das Verfahren im prgerlichen Prozeß fuͤr die urtheile auf Trennung von Tiſch und Bett vorgeſchrieben hat, vollzogen werden ſollen. Weſentliche Druckfehler. T. I. S. Zeile von oben ſtatt: ließ: 32 15—— Mapimilian, Mapimian. — 4 von unten Praͤtoren Praͤfecten 98 13 von oben Art. 299, 302 86 4 von unten L a1in f. L. 22 ink. — 3——§. 2. C. 6 W — 1——(c4. 21.)(4. 21.) 100 7 von oben Thibauts Verſ. 11.. ließ: 11, 2, — 6—— Liv prél ließ: Liv. prem. it. 1. 124 0 von unten 15 Aug. 1700 ließ: 15 Aug. 1690. 219 7 von oben§5. 36. ließ: 5. 36. bis. 1214 von unten§. 35.§. 37. bis⸗ 234 14 von oben No. 4. No. 5. 138 7 von unten Louet und Brodeau ließ: Louet sur Brodeau: 136 16—— Art. 2 4. ließ: art. a2. ibid. 5—— ſterben entweichen. 156 8—— 50. 4. 50. I. 148 12 von oben nach den Worten: Abweſenden ertheilt, iſt einzuſchalten: in Betreff der conſervatoriſchen Maasregeln, die die Erhaltung des Vermögens des Con⸗ tumap erheiſchen mag. Da die Wirkungen des buͤrgerlichen Todes unwiderruflich ſind, ſo uben ſie ihr Erbrecht am erſten Tage des ſechsten Jahres von der Exekution an, ohne alle Buͤrgſchaftsleiſtung, aus. S. 293 3. 3 von unten ſtatt: werden ließ: worden, 300 5 von oben er es. 3o6 17—— nach5 ſind die Worte durchaus entſpre⸗ chend, wegzuſtreichen. 244 13—— ſtatt: Inst. de adop.(1. 5.) ließ Inst. de adopt.(1. 11.) Seite Zeile won oben ſtatt ließ 365 14—— Scheidungs Klage, ließ Nullitäts⸗ Klage. 274 10—— ſind nach dem Worte Vormund, die Worte ausgelaſſen: oder des Curators des Emanzipirten. 263 11—— ſtatt: Vormundſchaft, ließ: Curatel. 344 15—— ſtatt: empfangen, ließ: gebohren. 348 3 von unten ſtatt: Vaters, ließ: Mannes. Theil Il. Seite 12 Zeile 11 von oben ſtatt judiciis ließ; juceio. 264 anſtatt: Drittes Kapitel ließ: Zweites Kapitel⸗ Seite 286 letzte Zeile von unten ſtatt: einer ehrfurchtsvollen Anfrage, ließ: nach ehrfurchtsvollen Anfragen⸗ S. 330 anſtatt: von der Berufung des Rathes, ließ: von der Ver⸗ ſammlung des Rathes. Seite 345. iſt die Ueberſchrift: Fünfte Abtheilung. Von den Gruͤnden, welche von Uebernahme einer Vormundſchaft freiſprechen oder von derſelben ausſchlieſſen, vor dem F. 136 einzuſchalten. 368— 2 von unten, ſtatt:(22. 31.) ließ:(4. 19.) —— 3— 370— 2 von oben, ſtatt: den Beſitzſtand, ließ: keinen Beſitzſtand. — 378— 3 von unten— Ehegatten, ließ: Perſonen. ——— 17——— Ehe, ließ: Zeugung. Seite 380 Zeile 6 von oben ſtatt: Art. 202, ließ: Art. 207 u. 202 S. 413 anſtatt: Erſte Abtheilung ließ: Zweiter Abſchnitt. —— Erſte Unterabtheilung ließ: Erſte Abtheilung. S. 417— Zweite Unterabtheilung Zweite Abtheilung. — 435 Zeile 2 von oben ſtatt: alien. ließ; aliis. ———————— —.—„————————————————————————„—————— 1. . 3 A . ——— 5 e18 vence