* — — 6 Koder Napolcon, uͤberſetzt und kommentirt von ordentl. Profeſſor an der hohen Schule der Rechte in Koblenz⸗ F Laſſanlf Erſter Theil, welcher den Tert des Koder enthaͤlt. Koben„ 18o7. Gedruckt und verlest bei Panli und Comp. —— Koder Napoleon, uberſetzt von n ordentl. Profeſſor an der hohen Schule der Rechte in Koblenz. 3 weite, dem Geſetz vom gten September 1807 gemaͤße, und mit allen kis zur Verkuͤndigung dieſes Geſetzes erſchienenen, ins CivilRecht einſchlägigen, Geſetzen und Perordnungen vermehrte Auflage. Mit einem Anhang und einem vollſtaͤndigen Sachreglſter. ——— Koblenz, 1807. Sebruckt und verlest bei Panti and Comp ₰ —— ——— Vorrede. Bei Erſcheinung der zweiten Auflage gegen⸗ waͤrtiger Uebeſetzung ſehe ich mich veranlaßt, mit wenigen Worten die Gruͤnde anzugeben, welche mich beſtimmt haben, den Text des Ge⸗ ſetzbuchs beſonders abdrucken zu laſſen. Eines⸗ theils wird dadurch der Ankauf deſſelben auch denjenigen erleichtert, fuͤr welche das ganze Werk zu theuer ſein moͤchte, und andern⸗ theils muß es ſelbſt denen, welche auch den Kommentar beſitzen wollen, bequemer ſein, den ganzen Teyt in einem Bande vereinigt zu ha⸗ ben. Der Vortheil, gleich unter jedem Arti⸗ kel die denſelben erlaͤuternde Bemerkungen uͤberſehen zu koͤnnen, koͤnnte ohnedem nur auf Unkoſten des Zuſammenhangs des Kommentars und dennoch nur unvollkommen erreicht werden, und wird durch den Nachtheil der Zerſtuͤckelung des Textes bei weitem uͤberwogen. Der Leſer wird ſich ſelbſt uͤberzeugen, daß viele Artikel der Ueberſetzung voͤllig umgearbei⸗ tet ſind. Einen groͤſſeren Vorzug aber hat dieſe Ausgabe vor der erſten durch die Sammlung der zur Verſtaͤndlichkeit des Textes unentbehrlichen Gutachten des Staatsraths über die Deutung mancher geſetzlichen Verfuͤ⸗ gungen, und aller ſeit dem Geſetzbuch er⸗ ſchienenen CibilGeſetze, welche gewiſſermaſſen einen Theil deſſelben ausmachen, und die ſich in keiner, weder franzoͤſiſchen noch deutſchen, Ausgabe deſſelben ſo vollſtaͤndig vereinigt finden. Ich beſchaͤftige mich gegenwaͤrtig mit dem erſten Theil eines zur volligen Verſtaͤndlichkeit des Geſetzbuchs an ſolchen Orten, wo man mit dem Geiſt der alten franzoͤſiſchen Geſetzgebung vorher ganz unbekannt war, wohl unentbehrli⸗ chen Kommentars, und der ueberſetzung des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß, ſo wie des neuen Handlungs Kodex. Dieſe lezte wird ſchon in wenigen Wochen die Preſſe ver⸗ laſſen. Im September 1807. Laſſauly⸗ Von dem fuͤr Geſetzkunde und RechtsGelehrſamkeit, Mit Genehmigung S. E. des GroßRichters Miniſters der Gerechtigkeits Pflege, herausgegeben von aa ordentl. Profeſſor an der hohen Schule der Rechte in Koblenz, und F Birnbaum,„ Fichter am Appellations Hof in Trier, welches der Verbreitung einer allgemeineren Kenntniß der franzoſiſchen Geſetzgebung gewidmet iſt, erſcheint monatlich ein Heft. Man findet darin Abhandlun⸗ gen uͤber die neue Geſeßgebung mit Hinſicht auf das gemeine Recht, den Text der wichtigeren, neu erſchei⸗ nenden, Verordnungen, Skizzen merkwuͤrdiger Civil⸗ und Kriminal Prozeſſe, Erörterungen ſtrittiger Rechts⸗ fragen, Miszellen c. Der Preiß des vorauszuzah⸗ lenden Abonnements iſt 13 Franken, fuͤr den Jahrgang, und 10 fur den halben Jahrgang. Sechs Hefte ma⸗ chen einen Band aus, zu welchem Titel und Regiſter nachgeliefert werden. IFnhalt der ſechs erſten Hefte des Jahrgangs 1807. Rede, gehalten von H. Le Plat, Direktor der hohen Schule der Rechte in Koblenz, bei der feierlichen Eröffnung der Kurſe dieſer Schule, am 1ten Novem⸗ ber 1806. Ueberſicht der franzöſiſchen Geſetzgebung waͤhrend den Jahren I3 und 14, 1806. Gegenwaͤrtige Organiſation und Kompetenz der Frie⸗ densgerichte in Frankreich. Ueberſicht der Jurisprudenz des Kaſſationshofes waͤh⸗ rend den Jahren 13 und 14. Ueber den Kodex Napoleon, ruͤckſichtlich auf deſſen Abweichungen vou dem gemeinen Recht und der vorigen franzoͤſiſchen Geſetzgebung. Merkwuͤrdige KriminalProzeduren. Merkwuͤrdige CiviProzeſſe. Einige Bemerkungen uͤber die Kurſe des Staatsrech⸗ tes und des CivilRechtes in ſeinen Verhältniſſen zu der oͤffentlichen Verwaltung auf den Rechtsſchulen. Miszellen. Rémarques sur les qualités. Lois et Décrets Impériaux, rélatiks à l'ordre ju⸗ diciaire. Pecisions notables de la Cour d'appel de Trẽves. Von den fruher erſchienenen 2 Jahrgaͤngen ſind eben⸗ falls noch Exemplare den Jahrgang zu Rihlr. 4— oder fl. 7. 12 kr. zu bekommen. Geſetz vom(30 Ventoſe 12) 21 Maͤrz 1604. (erkündigt am(10 Germinal 12.) 31 März 1804) welches die Vereinigung der CivilGeſetze in ein Geſetzbuch unter dem Titel; Civil Geſetzbuch der Franzoſen, verordnet. Art. 1. Folgende Geſetze ſollen unter dem Titel: Ci⸗ vilGeſetzbuchder Ftanzöſen, in ein Geſeß· buch vereinigt werden, nämlich: Geſetz vom 14 Ventoſe 11 Jahres, von der Ver⸗ kuͤndigung, den Wirkungen und der Anwendung der Geſetze in Allgemeinen. 2. Geſetz vom 17. Ventoſe 11., von dem Genuß und dem Verluſt der CiviRechte. 3. Geſetz vom 20 Ventoſe 11., von den Akten des Civilſtandes. 4. Geſetz vom 23 Ventoſe 11., von dem Wohnſitz. 5. Geſetz vom 24 Ventoſe 11., von den Abweſenden. 6. Geſetz vom 26 Ventoſe 11., von der Ehe. 7. Geſetz vom 30. Ventoſe 11., von der Eheſcheidung. 8. Geſetz vom 2 Germinal 11., von der Vatetſchaft und der Abſtammung. g. Geſetz vom 2 Germinal 11., von der Adoption und der wohlthaͤtigen Vormundſchäft. 10. Geſetz vom 3 Germinal 11., von der viterichen Gewalt. 11. Geſetz vom„ Germinal 11., von der Minderjäh⸗ rigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation. 12. Geſeß vom 8 Germinal 1I., von der Grosjaͤhrig⸗ keit, der Jitekdiktion und dem gebichtlichen Beiſtand. 13. Geſetz vom 4 Pluvjoſe 12., von der Unterſchei⸗ dung der Dinge. 14, Geſetz vom 6. Püwiſe 12., on dem Eigentbum. Civi Geſetzb. 1 15. Geſetz vom 9 Pluvioſe 12., von der Nutznießung, der Benuzzung und dem EinwohnungsRecht. 16. Geſetz vom 10 Pluvioſe 12, von den Servituden oder GrundDienſtbarkeiten.— 17. Geſetz vom 29 Germinal 11, von der Erbſolge. 18. Geſetz vom 13 Floreal 11, von den Schenkungen zwiſchen Lebenden und den Teſtamenten. 19. Geſetz vom 17 Pluvioſe 12, von den Kontrakten und konventionellen PVerbindlichkeiten im Allge⸗ meinen. 20. Geſetz vom 19 Pluvioſe 12, von den Verbindlich⸗ keiten, welche ohne Uebereinkunft eintreten. 21. Geſetz vom 20 Pluvioſe 12, von dem Ehevertrag. 22. Geſetz vom 15 Ventoſe 12, vom Verkauf. 23. Geſetz vom 16 Ventoſe 12, von dem Austauſch. 24. Geſetz vom 16 Ventoſe 13, von der Miethe. 25. Geſetz vom 17 Ventoſe 12, von dem Geſell⸗ ſchaftsvertrag. 26. Geſetz vom 18 Venkoſe 12, vom keihen. 27. Geſetz vom 23 Ventoſe 12, vom Depot und dem Sequeſter. 28. Geſetz vom 19 Ventoſe 12, von den aleatoriſchen Kontrakten. 29. Geſetz vom 19 Ventoſe 12, von dem Mandat. 30. Geſetz vom 24 Pluvioſe 12, von der Buͤrgſchaft. 31. Geſetz vom 29 Ventoſe 12, von den Vergleichen. 32. Geſeß vom 23 Pluvioſe 12, von der perſoͤnlichen Verhaftung in Civil Sachen. 33. Geſetz vom 25 Ventoſe 12, von dem Unterpfand. 34. Geſetz vom 28 Ventoſe 12, von den Privilegien und Hyyotheken. 35. Geſetz vom 28 Ventoſe 12, von dem gerichtlichen Verkauf und der Ordnung der Gläubiger 36. Geſetz vom 34 Ventoſe 12, von der Verjährung. — 2. Die ſechs Artikel, woraus das Geſetz vom 21 des gegenwaͤrtigen Monats, in Betreff der ehrfurchts⸗ vollen Anfragen, welche die Kinder, in den Fällen, worin ſie vorgeſchrieben ſind, bei ihren Aeltern und Gros Aeltern zu machen haben, ſollen in den Titel: von der Ehe, nach dem Artikel, welcher gegen⸗ waͤrtig der 15te iſt, eingeſchaltet werden. 3. In dem Titel: von der Unterſcheidung der Dinge, ſoll nach dem Artikel, welcher jetze der 5azte iſt, die in folgendem Artikel enchaltene Verfuͤ⸗ gung eingeſchaltet werden „Art..„ Jede Rente, welche als Kaufſchilling „eines Immoͤbels, oder als Bedingung der ohnent⸗ „geltlichen, oder auch der unter einem läſtigen Titel „geſchehenen, Abtretung eines Immoͤbels, auf ewig „geſtiftet worden, iſt, ihrem Weſen nach, loß⸗ „kaͤuflich.(est rachétable par sa nature.) „Es iſt jedoch dem Gläubiger erlaubt, die Klau⸗ „ſeln und Bedingungen der Abloͤſung zu reguliren. „Es iſt ihm auch erlaubt ſich auszubedingen, daß die „Rente ihm nicht eher, als nach einer gewiſſen Zeit⸗ „friſt zuruͤckbezahlt werden kann, welche jedoch nie „dreißig Jahre uͤberſteigen darf. Jede dem zuwieder⸗ „laufende Stipulation iſt nichtig.“ 4. Das CivilGeſetzbuch beſteht aus einem Präll⸗ minar Titel und drei Buͤchern. Das Geſetz vom 14 Ventoſe 11, von der Verkuͤndigung, den Wirkungen und der Anwendung der Ge⸗ ſetze im Allgemeinen, iſt der Präliminar Titel. Das erſte Buch ſoll unter dem Titel: von den Perſonen, die 11 folgende Geſetze begreifen. Das zweite Buch ſoll unter dem Titel: von den Dingen und den verſchiedenen Modifi⸗ kationen des Eigenthums, die vier folgende Geſetze begreifen. Das dritte Buch ſoll unter dem Titel: von den verſchiedenen ErwerbsArten des Eigen⸗ thums, die zwanzig lezte Geſetze begreifen. Jedes Buch ſoll in ſo viele Titel eingetheilt wer⸗ den, als es Geſete giebt, welche darinn einbegriffen werden ſollen. §. Für alle Artikel des Eivil Geſetbuchs giebt es nur eine durchlaufende Zifferfolge. 6. Die Verfuͤgung des Art. 1. verhindert nicht, daß jedes der darin angefuͤhrten Geſetze von dem Tage an ſeine Anwendung erhält, wo es ſie kraft ſeiner beſondern Verkuͤndigung hat erhalten muͤſſen. 7. Von dem Tage an, wo dieſe Geſetze exekuto⸗ riſch ſind, horen die roͤmiſche Geſetze, die Ordon⸗ nanzen, die allgemeine und Lokal Herkommen, die Statuten und Verordnungen auf, in denjenigen Ma⸗ terien, welche der Gegenſtand der beſagten Geſetze ſind, woraus das gegenwärtige Geſetzbuch beſteht, als allgemeine oder beſondere Geſetze Kraft zu haben. ——————— ———————— Präliminartitel und Erſtes Buch, die pe rſönliche Geſetze enthaltend. ——— PräliminarTitel. Won der Verkuͤndigung, den Wirkungen und der Anwendung der Geſetze im Allgemeinen. (Drktetiet am(14 Ventofe 11.) 5 Maͤrz 1803 verkündigt am c24) 15 beffelben MWonats.) Art. 1. D. Geſetze ſind im ganzen franzoſiſchen Ge⸗ biete kraft der Verkuͤndigung, die durch den erſten Conſul(Kaiſer) geſchieht, erekutoriſch. Sie muͤſſen in jedem Theile der Republik von dem Augenblicke an vollzogen werden, wo ihre Verkuͤndi⸗ gung daſelbſt bekannt ſeyn kann.(1) Die durch den erſten Conſul(Kaiſe r) geſchehene Verkuͤndigung wird in dem Departement, wo die Re⸗ gierung ihren Sitz hat, einen Tag nach jenem der Verkuͤndigung fuͤr bekannt erachtet; und in jedem der andern Departemente nach dem Ablauf derſelben Zeit⸗ friſt, mit ſo viel Tagen vermehrt, ais mal es zwan⸗ zig Stunden zwiſchen der Stadt, worin die Verkuͤn⸗ digung geſchehen iſt, und dem Hauptorte des De⸗ partements giebt. 2. Das Geſetz verfuͤgt nur fuͤr die Zukunſt; es hat keine zuruͤckwirkende Kroſt.(2) cw Siehe das Kaiſ. Dekret vom(25 Thermidor 12) 13 Augnſt 18o3, im Anhang Nro. F. 5 ) Gutachten des Staatsvaths(25 Prairial 13) 14 Junius 1805, uͤber die Frage, von welchem Tage an die Kaiſerl. Dekrete verbindliche Kraft haben? Der Staatsrath, in Erwaͤgung, daß die dſſentliche Vorlage und Diskuſſion der Geſetze ertaubt haben, durch den Artikel dei CivilGeſetzbuchs eine Zeitfriſt zu beſtimmen, nach weicher ſie in jedem Departemente verbindliche Kraft haben, weil ihre Promulgation daſelbſt für bekannt erachtet wird; daß die Kaiſerl. Dekrete mit weniger Publizitat vorbereitet und er⸗ laſſen werden, daß daher die nämliche Vermuthung der Publizität nicht auch bei ihnen eintritt, und daß ſie auch in der That in der Verfuͤgung des. Art. 1. des Geſetzbuchs nicht einbegriſſen worden ſind, daß daher, um damit ſie obligatoriſch werden ſollen, eine wirkliche Kenntniß derſelben erforderlich iſt, welche ſowohl durch ihre Verkun⸗ digung als durch jeden andern Akt von derſelben Wireung erlangt — —— 3. Die Polizey und Sicherheits Geſege verpflichten alle welche das Gronzoͤſiſche Gebiet bewohnen. Alle unbewegliche Guter, ſelbſt die, welche Fremden gehoͤren, werden von dem fr unzöſiſcheu Geſetz regiert. Die Geſetze in Berteff des Zuſtandes ünd der Fä⸗ higkeit der Perſonen regieren alle Franzoſen, ſelbſt die, welche ſich im Ausiande aufhaiten. 2 1 4. Der Richter, welcher unter dem Vorwande des Stichnegens der Dunkelheit oder der Unzulaͤng⸗ lichkeit des Geſetzes ſein Urtheil verweigern wuͤrde, kann, als der Verweigerung der JuſtizPflege ſchul⸗ dig, verfeigt werden. 5. Es iſt den Richtern verboren, mittelſt allgemei⸗ meiner und reglementariſcher Verfuͤgungen uͤber die Faͤlle, die ihnen vorgebracht werden, abzuſprechen. 6. Man kann durch keine beſondere Uebereinkunft den Geſetzen Abbruch thun, welche die oͤffentliche Ordnung und dir guten Sitten intereſſiren. werden kann; Iſt der Meinung, daß diejenige Kaiſerl. Debrete, welche ins Geſet Bulletin eingeräckt ſind, dem Art. 12 des Geſetzes vom 12 Vendemiaire IV gemäß in jedem Departement von dem Ta⸗ ge an verbindliche Kraft haten, an welchem das Bulketin in dem Hauptorte vertbellt worden iſt, und daß, was diejenige betrifft, welche nicht ins Bulletin eingeruͤckt werden; oder deren Titel ſich bloß in demſelben veranzeigt befinden, ſie von dem Täge an verbind⸗ liche Kraft haben; wo ſie den, ſie betreffenden Perſonen, durch Ver⸗ ruͤndigung, Anheſtung, Notifikation oder Zuſtellung, oder durch die, von den mit deren Vollzug beauſtrasten oͤffentlichen Beamten geſche⸗ hene oder anbefohlene, Uebeyſendung bekannt gemacht worden ſind⸗ N er ſt es B uch. Von den Perſonen. Erſter Titel. Von dem Genuß und der Verluſtigung der CiviſRechte. (Dekretirt am(17 Ventoſe 11) 3 März 1803, verkündigt am(27.) u 18 deſſelben Monats) e ib Von dem Genuß der CivilRechte.. 7. Die Aüsubung der CivilRechte iſt von det Ei⸗ genſchaft als Staats Bürger Citoyen) die nur dem Conſtitutibns Geſetz gemäß erworben und erhalten wird, unabhaͤngig.(1) 3. Jeder Franzoſe hat der CiviRechte zu genieſſen. 9. Jedes, in Frankreich, von einem Fremden ge⸗ bohrne Individuum, kann in Jahresfriſt nach erlang⸗ ter Majoritäͤt ſeine Eigenſchaft als Franzoſe reklami⸗ ren, wenn es nur, im Falle es ſich in Frankreich aufhält, erklärt, daß es die Abſicht habe, ſeinen Wohnſitz dort feſtzuſetzen; und, im Falle es ſich im Auslande aufhalten ſollte, ſich durch eine Er⸗ klärung verbindlich macht, ſeinen Wohnſitz in Frank⸗ reich feſtzuſetzen, und ſich auch wirklich in Jahresfriſt, von dem Soumiſſions Akt an zu rechnen, daſelbſt nie⸗ derläßt. 10. Jedes von einem Franzoſen im Auslande ge⸗ bohrne Kind iſt Franzoſe. ( Jeder in Frankreich gebohrne und wohnhafte Mann, der ein und zwanzig volle Jahre alt iſt, ſich auf das Bürgerresiſter ſeines Ge⸗ meinde Bezirkes hat einſchreiben laſſen und ſeit einem Jahr auf dem Gebiet der Republik gewohnt hat, iſt franzoſiſcher Staatsb uͤrger. (Art. 2 der Konſticktion vom Jahr 8) Ein Fremder wird franzbſiſcher Staatsbürger, wenn er, nach⸗ dem er das Alter von ax vollen Jahren exreicht und ſeine Abſicht, ſich in Fraukreich niederzulaſſen erßlärt hat„ ſich während zehn nachein⸗ anderfolgenden Jahren daſelbſt aufgehalten hat.(Art. 3 daſelbſt.) — 10— Jedes im Auslande von einem Franzoſen, der die Eigenſchaft eines Franzoſen verlohren hat, gebohrne Kind, kann dieſe Eigenſchaft wieder erlangen, wenn es die durch den Art. 9 vorgeſchriebene Formalitaͤten erfuͤllt. 11. Der Ausländer hat in Frankreich derſelben Ci⸗ viRechte zu genieſſen, die den Franzoſen durch die Vertrage der Nation, welcher der Fremde angehort, be⸗ willigt ſind oder werden. 12. Die Ausländerin, die einen Franzoſen heu⸗ rathen wird, folgt dem Stande ihres Mannes. 13. Der Ausländer, dem die Regierung erlaubt hat, ſeinen Wohnſitz in Frankreich feſtzuſetzen, hat daſelbſt aller CivilRochte zu genieſſen, ſo lange er fortfährt, ſich daſelbſt aufzuhalten(1) 14. Der Auslander kann, ſelbſt wenn er ſich nicht in Frankreich aufhält, wegen dem Vollzug der von ihm in Frankreich, gegen einen Franzoſen, eingegan⸗ genen Verbindlichkeiten vor die ſeanzoͤſiſchen Tribuna⸗ lien geladen werden. Er kann der Verbindlichkeiten halber, die er im Auslande gegen Franzoſen eingegangen iſt, vor die franzoͤſiſchen Tribunalien gezogen werden. 15. Ein Franzoſe kann wegen Verbindlichkeiten, die er im Auslande, ſelbſt gegen einen Ausländer, eingegan⸗ gen iſt, vor ein franzöſiſches Tribunal gezogen werden. 16. In allen andern als Handels Materien iſt der Ausländer, der als Kläger auftritt, verbunden, für (1) Gutachten des Staatsraths vom(18 Prairia12)7 Junius 13037 äber die Frage: ov der Fremde, der in Gefolge des Aktes der Reichs⸗ Konſtitutionen vom 33 Frimaire 8 franzöſiſcher Staatsbüͤrger werden will, der Verfügung des Art. 13 des Civi Geſetzbuchs unterworſen iſt, welcher dem Fremden den Genuß der CiviRechte in Frankreich, wenn er ſich ſortwährend daſelbſi aufhält, nur dann bewilligt, wenn die Regierung ihn ermächtigt hat, ſich daſelbſt niederzu⸗ la ſſe n, war derſelbe der Meinung, daß einFremder, der ſich in Frankreich niederlaſſen will, in allen Fäulen verbunden iſt, die Erlanbniß der Regierung zu dein Ende nachzuſuchen; und das, da dieſe Zulaſſungen nach den Umſtänden, Modifikationen, Peſchränkungen, oder ſelbſt dem Wiederruf unterworſen ſein eonnen, es nicht wohl thunlich iſt⸗ ſie durch allgeineine Regeln oder Formuln zn reguliren. — I11— die Zahlung der aus dem Prozeß entſtehenden Koͤſten und Schadloshaltungen, Buͤrgſchaft zu ſtellen, wenn er nicht in Frankreich unbewegliche Guͤter von hinreichen⸗ dem Werthe beſitzt, um dieſe Zahlung ſicher zu ſiellen. 8 weites Kapitell. Von der Verluſtigung der CivilRechte. Er ſt er A b ſech nitir. Von der Verluſtigung der Civil Rechte durch den Verluſt der Eigenſchaft eines Franzoſen. 17. Die Eigenſchaft eines Franzoſen geht verlohren: 1) durch die im Auslande erworbene Naturaliſation. 2) Durch die, von dem Kaiſer nicht ermächtigte, Annahme einer, von einer fremden Regierung ertheil⸗ ten, oͤffentlichen Stelle. 3) Endlich durch jede, im Auslande, ohne Abſicht der Ruͤkkehr, gemachte Nie⸗ derlaſſung. Handels Anlagen koͤnnen nie ſo angeſehen werden, als ſeyen ſie ohne Abſicht der Ruͤkkehr gemacht worden. 18. Der Franzoſe, der ſeine Eigenſchaft als Fran⸗ zoſe verlohren hat, kann ſie immer wieder erlangen, wenn er mit Ermaͤchtigung des Kaiſers nach Frank⸗ reich zuruͤckkehrt, und erklärt, daß er ſich daſelbſt feſtſetzen und auf jede dem franzoͤſiſchen Geſetze zuwie⸗ derlaufende Auszeichnung verzichten will. 19. Ein franzoͤſiſches Weib, das einen Auslaͤnder heurathet, folgt dem Stande ihres Mannes. Wenn ſie Wittwe wird, ſo erlangt ſie die Eigenſchaft einer Franzoͤſin zuruͤck, wenn ſie ſich nur in Frankreich aufhält, oder mit Ermaͤchtigung des Kaiſers dahin zuruͤckkehrt, und die Erkläͤrung abgiebt, daß ſie ſich daſelbſt niederlaſſen will. — 72— 20. Die Individuen, welche in den durch die Art. 10, 18 und 19 vorgeſehenen Faͤllen die Eigenſchoft als Franzoſen wiedererlangen, koͤnnen ſie erſt nach Er⸗ fullung der ihnen durch dieſe Artikel auferlegten Ver⸗ bindlichkeiten und nur fuͤr die Ausuͤbung der, ſeit dieſer Epoche, zu ihrem Vortheil eroͤfneten Rechte geltend machen. ar. Der Franzoſe der, ohne Ermaͤchtigung des Kaiſers, fremde Militaͤrdienſte nehmen oder in eine fremde militaͤriſche Koͤrperſchaft eintreten wuͤrde, verliert die Eigenſchaft als Franzoſe. Er darf nicht anderſt als mit Erlaubniß des Kai⸗ ſers nach Frankreich zuruͤckkehren und kann die Eigen⸗ ſchaft als Franzoſe nur durch Erfuͤllung derjenigen Bedingungen, die einem Fremden auferlegt ſind, um Staatsbuͤrger zu werden, wiedererhalten; alles den, durch das peinliche Geſetz gegen die Franzoſen, welche die Waffen gegen ihr Vaterland getragen haben, verhaͤngten Strafen ohnbeſchadet. Zweiter Abſchnitt. Von der Verluſtigung der CivilRechte zufolge gerichtli⸗ cher Verurtheilungen. a2. Die Verurtheilungen zu Strafen, welche die Wirkung haben, den Verurtheilten aller Theilnahme an den nachbeſtimmten CivilRechten zu berauben, ziehen den buͤrgerlichen Tod nach ſſich. 23. Die Verurtheilung zu dem natuͤrlichen Tode zicht den buͤrgerlichen Tod nach ſih. 24. Alle andere fortwaͤhrende peinliche Strafen zie⸗ hen den buͤrgerlichen Tod nur in ſo weit nach ſich, als das Geſetz dieſe Wirkuug damit verknuͤpft hat. 25. Durch den buͤrgerlichen Tod verliert der Ver⸗ urtheilte das Eigenthum alles Vermoͤgens, welches ——z————mz—————————— — 13— er beſaß. Seine Erbſchaft iſt zum Vortheil ſeiner Er⸗ ben eroͤfnet, welchen ſeine Guͤter auf dieſelbe Art zu⸗ gefallen ſind, als wenn er natuͤrlichen Todes und ohne Teſtament geſtorben wäre. Er kann fortan weder eine Erbſchaft beziéhen, noch das Vermoͤgen, das er in der Folge erwerben mag, auf dieſe Art uͤbertragen. Er kann uͤber ſein Vermlgen weder ganz noch zum Theil, weder durch Schenkungen zwiſchen Lebenden, noch durch Teſtament verfuͤgen, noch unter dieſem Titel irgend etwas, wenn es nicht zu ſeinem Lebens⸗ Unterhalt iſt, empfangen. Er kann weder zum Vormunde ernannt werden, noch zu den auf die Vormundſchaft Bezug habenden Operationen mitwirken. Er kann in keinem ſeierlichen oder authentiſchen Akt Zeuge ſeyn, noch vor Gericht zum Zeugniß geben zugelaſſen werden. n Er kann vor Gericht weder als Beklagter noch als Kläger anderſt als unter dem Namen eines Spezial⸗ Kurators und durch dieſen, der ihm von dem Tribu⸗ nal, vor welches die Klage gebracht wird, ernannt wird, auftreten. Er iſt unfähig eine Ehe zu ſchlieſſen, die irgend eine Civil Wirkung hervorbraͤchte. Die Ehe, die er vorher kontrahirt hatte, iſt in al⸗ len ihren Civil Wirkungen auſgeloßt. Seine Freunde und ſeine Erben konnen gegenſeitig die Rechte und Anſpruͤche geltend machen, welche durch ſeinen natuͤrlichen Tod eroͤfnet worden wären. 26. Die kontradiktoriſche Verurtheiungen ziehen den bürgerlichen Tod erſt von dem Tage der Epeku⸗ tion, es ſey nun der wirklichen oder der in eftigie, an, nach ſih. 3 5 27. Kontumazial⸗ Verurtheilungen zieben den burgerlichen Tod erſt nach den fuͤnf Jahren, die auf den Vollzug des Urtheils in effigie folgen und wäh⸗ rend welchen der Verurtheilte ſich ſtellen kann, nach ſich. 28. Die in contumaciam Verurtheilte ſollen waͤh⸗ rend den funf Jahren, oder bis dahin ſie ſich ſtellen, oder bis ſie in dieſer Zeittriſt verhaftet werden, der Ausuͤbung der CiviſRechte beraubt bleiben. Ihre Guͤter werden wie jene der Abweſenden ver⸗ waltet und ihre Rechte auf gleiche Weiſe geltend gemacht. ag. Wenn ein in coniumactam Verurtheilter ſich in den fuͤnf Jahren, von dem Tage der Exekution an zu rechnen, freiwillig ſtellt, oder wenn er in dieſer Zeitfriſt ergriffen und gefangen geſetzt worden iſt, ſo iſt das Urtheil von Rechtswegen vernichtet; der Angeklagte muß in den Beſitz ſeiner Guͤter wieder eingeſetzt und von neuem gerichtet werden; und wenn er, durch dieſes neue Urtheil, zu derſelben Strafe oder einer andern Strafe, die ebenfalls den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht, verurtheilt wird, ſo tritt dieſer bloß von dem Tage des Vollzugs des zwei⸗ ten Urtheils an zu rechnen ein. z0. Wenn ein in contumaciam Verurtheilter, der ſich nicht geſtellt hat, oder erſt nach den fuͤnf Jahren gefangen worden iſt, durch das zweite Urtheil freige⸗ ſprochen, oder bloß zu einer Straſe verurtheilt worden iſt, die den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich zieht, ſo tritt er fur die Zukunft, und von dem Tage an, wo er wieder vor Gericht erſchienen iſt, in den vollen Genuß ſeiner CivilRechte wieder ein, aber das erſte Urtheil behält fuͤr das Verfloſſene die Wir⸗ kungen, welche der burgerliche Tod in dem Zwi⸗ ſchenraum, ſeit der Epoche des Ablaufs der fünf Jab⸗ re bis zu dem Tage ſeiner Erſcheinung vor Gericht⸗ nach ſich gezogen hatte. — 15— 31. Wenn ein in contumaciam Perurtheilter in der GnadenFriſt von fuͤnf Jahren ſtirbt, ohne ſich ge⸗ ſtellt zu haben, oder ohne ergriffen oder verhaftet worden zu ſeyn, ſo wird er, als im voͤlligen Beſitz ſeiner Rechte verſtorben, angeſehen. Das Kon⸗ tumaziallrtheil iſt von Rechtswegen vernichtet, ohnbeſchadet jedoch der Civil Klage, die blos auf dem Civil Wege gegen die Erben des Verurtheilten ange⸗ ſtellt werden kann. 52. In keinem Falle kann die Verjährung der Strafe den Verurtheilten in ſeine CivilRechte für die Zukunft wieder einſetzen. 535. Das von dem Vernrtheilten, ſeitbem er dem buͤrgerlichen Tode verfallen iſt, erworbene Vermögen, und in deſſen Beſitz er ſich am Tage ſeines natuͤrlichen Todes befinden wird, gehört der Nacion, dem Heimfalls⸗ Rechte Jerbloſer Guͤter)(droit de deshéreuce) gemaͤß. Doch kann die Regierung zu Gunſten der Wittwe, der Kinder oder Verwandten des Verurtheilten jede Verfůgung daruͤber treffen, welche die Menſchlichkeie ihr eingeben wird. Zweiter Titel. Von den Akien des Civilſtandes. WDekretirt am(ao Ventoſe 11,) 11 März 1303 verküudigt am(30) 21 deſſelben Monats.) Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 34. Die Akte des Civilſtandes muſſen das Jahr, den Tag und die Stunde, in welchen ſie aufgenom⸗ men werden, die Vor ⸗ und Zunamen, das Alter, die Proſeſſion und den Wohnort aller deren, die da⸗ rin benannt werden, angeben. 55. Die Beamze des Civilſtandes durfen in di⸗ Akte, welche ſie aufnehmen, weder durch Noten, noch durch irgend eine Angabe(Cnonciation) etwas anderes als das einruͤcken, was von den erſcheinenden Theilen erklaͤrt werden muß⸗ 36. In den Fällen, wo die Betheiligten nicht gehalten ſind, perſoͤnlich zu erſcheinen, koͤnnen ſie ſich durch einen mit einer authentiſchen Spezia Voll⸗ macht verſehenen Bevollmaͤchtigten vertreten laſſen. 37. Die in den Akten des Civilſtandes angefuͤhrte Zeugen können nur vom mämnlichen Geſchlechte ſein; ſie muͤſſen wenigſtens ein und zwanzig Jahre alt, Verwandte oder andere Perſonen ſein, und werden von den Betheiligten gewählt⸗ zg. Der Beamte des Civilſtandes muß den er⸗ ſcheinenden Theilen, oder ihren Bevollmächtigten, und den Zeugen die Akte vorleſen. Es muß darin von der Erfuͤllung dieſer Formalität Meldung geſchehen· 39. Dieſe Akte muͤſſen von dem Beamten des Ci⸗ vilſtandes, von den Erſcheinenden und den Zeugen unterzeichnet oder die Urſachen muͤſſen darin angefuhrt werden, welche die Erſcheinende und die Zeugen verhindern, ſie zu unterzeichnen(1) () Gutachten des Staatsraths vomn( Thermidor 19) 31 Julius 1804. uber die Frage, ob die von dem Miniſter des Innern vorgelegte Modelle der Akte des Civilſiandes an die Stelle der früherhin in Ge⸗ mnäßheit des Art. 15 des Beſchluſſes vom 19 Flöreal 8 Jahrs den Cibil- Beamten ausgefertigten zur Vorſchrift verſendet werden ſollten. Der Staatsrath, in Erwägung, daß wenn es, vorzüglich in dieſer Materie. gefährlich ſein kann, buchſtäblich dieſe oder jene Abfaſſing vorzuſchreiben ſo daß der Gebrauch jeder andern unterſagt wäre und die Subſtanz des Aktes ſelbſt eompromittiren könnte, Cwelchem Nachtheil man da- zurch hat vorbengen wollen, daß mant)keine beſoydere Formeln in das Civil Seſeyvuch aufgeomien hak, es doch von groſſem Vottheil iſt einer zahlreichen Klaſſe von Benmten: welche nicht alle eine gleichen SGrad von Erfahrung haben, einen Leitfaden zu geben, allein daß dieſer Gegenſtand auſſer dem Wireunsssreiſe der Geſetze ſowohl als eines Kaiſ. Dekrets tiegt, weil, wenn man Formuln annehinen will, ſir bloß als Rathſchlaͤge und nicht als Vorſchrift gelten konnen als Beiſpiele und nicht als verbidliche Verfuͤgungen; iſtder Meinung, daß die vorgelegten Formuln weſentlich gut und iß obigem Goſſchtspunkte nühlich ſu. alein daß ſie nur in dem Wezi des miniſterielen Un- — 19— 40. Die Akte des Civilſtandes ſollen in jeder Ge⸗ meinde in ein oder mehrere Regiſter, welche doppelt gehalten werden muͤſſen, eingeſchrieben werden. 41. Dieſe Regiſter ſollen von dem Praͤſidenten des Tribunals erſter Inſtanz oder dem ihn vertretenden Rich⸗ ter auf dem erſten und letzten Blatt mit der Seiten⸗ zahl und auf jedem Blatte mit ſeinem Handzuge be⸗ zeichnet werden. 42. Die Akte muͤſſen nacheinander, ohne allen wei⸗ ſen Zwiſchen Raum, in die Regiſter eingeſchrieben wer⸗ den. Die Ausſtreichungen und Zuſätze(renvois), muͤſſen auf dieſelbe Art, wie der Akt ſelbſt, gutgeheiſſen und unterzeichnet werden. Nichts darin darf mit Abkuͤrz⸗ ungen, und kein Datum in Ziffern geſchrieben werden. 43. Die Regiſter werden am Ende jeden Jahrs durch den Beamten des Civilſtandes abgeſchloſſen; in MonatsFriſt muß eines der zweifachen Regiſter ins Archiv der Gemeinde, und das andere auf die Greffe des Tribunals erſter Inſtanz hinterlegt werden. 44. Die Vollmachten und andere Aktenſtuͤcke, welche den Akten des Civilſtandes beigefuͤgt bleiben muͤſſen, ſollen, nachdem ſie von der Perſon, wel⸗ che ſie vorgelegt hat, und dem Beamten des Civil⸗ ſtandes mit dem Handzuge bezeichnet worden ſind, mit dem einen der doppelten Regiſter, welches auf der Greffe des Tribunals hinterlegt werden muß, auf die⸗ ſer Greffe deponirt werden. 45. Jed ermann kann ſich von den Aufbewahrern der Regiſter des Civilſtandes Auszüge aus dieſen Regi⸗ terrichts, den Beſehlen gemäß, welche S. M. der Kaiſer zu ertbellen fuͤr zweckmäßig ſinden mag, verkündigt werden ednnen. Dies Gut⸗ achten ward vom Kaiſer genehmigt, und die Formuln in dieſem Sinne⸗ und mit einem, obigen Grundſätzen entſprechenden Unterr Präftkten überſandt. 6 Civil Geſetb. ſtern geben laſſen. Dieſe Akte, und die den Regi⸗ ſtern gleichförmig ausgefertigte und von dem Präſi⸗ denten des Tribunals erſter Inſtanz oder dem ſeine Stelle verſehenden Richter beglaubigte Auszuge haben gerichtlichen Glauben, ſo lange ſie durch keine gerichtlich abgegebene Inſeription der Verfälſchung beſchuldigt ſind Cjusqu'à linserption en faun). 46 Wenn keine Regiſter exiſtirt haben, oder wenn ſie verlohren gegangen ſind, ſo ſoll der Beweiß hier⸗ uber, ſowohl durch Aktenſtuͤcke als durch Zeugen, zuläſſig ſein; und in dieſen Fällen koͤnnen die Heu⸗ rathen, Geburten und Sterbfälle, ſowohl durch die von den verſtorbenen Aeltern herruͤhrende Regiſter und Papiere als durch Zeugen bewieſen werden. 47. Jeder, im Auslande gefertigte Akt des Ci⸗ vilſtandes von Franzoſen und von Fremden, hat gerichtlichen Glauben, wenn er in den, in dieſem Lande gebrauchlichen, Formen abgefaßt iſt. 48. Jeder Akt, der den Civilſtand von Franzoſen im Auslande betrift, iſt gůltig, wenn er den franzoͤſiſchen Geſetzen gemaͤß durch die diplomatiſche Agenten oder die Kommiſſarien der Handels Verbindungen der Repub⸗ lick aufgenommen worden iſt. 49. In allen Fällen, wo von einem den Civil⸗ ſt and betreffenden Akt am Rande eines andern, ſchon eingeſchriebenen, Aktes Meldung geſchehen muß, ſoll ſie, auf Anſuchen der Partheyen, von dem Civil⸗ beamten auf den laufenden, oder den in das Archiv der Gemeinde hinterlegten Regiſtern, und von dem Greffier des Tribunals erſter Inſtanz auf den, auf der Greffe hinterlegten, Regiſtern gemacht werden, zu wel⸗ chem Ende der Beamte des Civilſtandes den Regierungs Kommiſſair(Kaiſ. Prok.) bei dem beſagten Tribunal in Zeit von dreien Tagen davon zu benachrichtigen hat, wel⸗ —————— — 19— cher letztere daruͤber zu wachen hat, daß die Meldung auf beiden Regiſtern gleichfoͤrmiger Weiſe geſchehe. 50. Jede Zuwiderhandlung gegen die vochergehen⸗ de Artikel von Seiten der darin benannten Beam⸗ ten ſoll vor dem Tribunal erſter Inſtanz verfolgt und durch eine Geldbuße, die hundert Franken nicht uͤber⸗ ſteigen darf, beſtraft werden. 51. Jeder Aufbewahrer von Regiſtern ſſt fuͤr die Veraänderungen(alterations) welche ſie erleiden koͤnn⸗ ten, im Civilwege verantwortlich, mit Vorbehait ſeines Ruͤckgrifs, nach Beſchaffenheit der Umſtande, gegen die Urheber der beſagten Veraͤnderungen. 52. Jede Abänderung, jede Verfälſchung in den Akten des Civilſtandes, jede Einſchreibung dieſer Ak⸗ te auf ein fliegendes Blart, und anderſtwohin als auf die dazu beſtimmte S giſter giebt zur voͤlligen Schad⸗ loshaltung der Partheyen, den im peinlichen Geſetzbuch verhaͤngten Strafen ohn⸗ beſchadet, ſtatt. 53. Der Regierungs Kommiſſair(Kaiſ. Prokurator) bey dem Tribunal erſter Inſianz iſt gehalten, den Zuſtand der Regiſter bei ihrer Niederlage auf die Greffe zu verifizirenz er hat einen ſummariſchen Verbal Prozeß uͤber dieſe Unterſuchung aufzuſetzen, die durch die Beamten des Civilſtandes begangene Zuwiderhandlungen gegen das Geſetz oder Verbrechen zu veranzeigen und die Geldbußen gegen ſie einzufordern. 54. In allen Faͤllen, wo ein Tribunal erſter In⸗ ſtanz uͤber Akte, die den Civilſtand betreffen, erkennt, koͤunen die Betheiligte gegen das Urtheil einkommen (ve pourvoir contre). Zweites Kapitel. Von den Geburts Akten. 55. Alle Geburten muͤſſen in den drei erſten Tagen nach — 56— der Entbindung dem Civilbeamten des Orts veranzeigt werden. Das Kind muß ihm vorgezeigt werden. 56. Die Geburt des Kindes muß von dem Vater, oder in Ermangelung des Vaters von den Geſund⸗ heits Beamten, Doctoren der Arzneikunde oder der Wundarzneikunde, den Hebammen, oder andernPer⸗ ſonen, die bei der Entbindung zugegen waren, und im Falle, wo die Mutter auſſer ihrem Wohnort nie⸗ dergokommen waͤre, von derjenigen Perſon, bei wel⸗ cher ſie niedergekommen iſt, veranzeigt werden. 57. Der GeburtsAkt muß den Tag, die Stunde, und den Ort der Geburt, das Geſchlecht des Kindes und die Vornamen, die ihm gegeben werden, die Vor⸗ und ZuNamen, Profeſſion und Wohnort der Aeltern, ſo wie der Zeugen angeben. 58. Jede Perſon, welche ein neu gebohrnes Kind geſunden hat, iſt gehalten, es dem Beamten des Civilſtandes, ſo wie auch die bei dem Kinde ge⸗ fundenen Kleider und andere Effekten zu uͤbergeben, und die Zeit und den Ort, wo ſie es gefunden hat, umſtaͤndlich zu veranzeigen. Es muß ein umſtändlicher VerbalProzeß daruͤber auſgeſetzt werden, der auſſer dem anſcheinenden Alter des Kindes, ſein Geſchlecht, die Namen, die ihm gegeben werden, und die Civil Gewalt, welcher es uͤber⸗ geben wird, angeben muß. Dieſer Verbal Prozeß muß auf die Regiſter eingeſchrieben werden. 59. Wenn ein Kind während einer Seereiſe ge⸗ bohren wird, ſo muß der GeburtsAkt in den vier und zwanzig Stunden(nach der Entbindung) in Gegen⸗ wart des Vaters, wenn er zugegen iſt, und zweyer Zeugen, die unter den Offizieren des Fahrzeugs und in ihrer Ermangelung unter den Leuten der Equipage ge⸗ nommen werden, aufgeſetzt werden. Dieſer Akt muß — 2— auf den Schiffen des Staats durch den Verwaltungs Offizier der Marine und auf den, einem Kaper oder Handelsmann zugehorigen Fahrzeugen, von dem Ka⸗ pitain, Herrn oder Patron des Fahrzeugs aufgeſetzt werden. Der Geburts Akt muß zu Ende der Equi⸗ pageliſte eingeſchrieben werden. 60. Im erſten Hafen, wo das Fahrzeug anlanden wird, ſey es um auszuruhen, ſey es aus irgend einer andern Urſache, die ſeiner Abtacklung allein ausge⸗ nommen, ſind die Offiziere der Marine Verwaltung, der Kapitain, Herr oder Patron verbunden, zwei authentiſche Ausfertigungen der GeburtsAkte, welche ſie abgefaßt haben, niederzulegen; und zwar, wenn es ein franzoſiſcher Hafen iſt, auf dem Buͤreau des Vorgeſetzten der SeeEinſchreibung(de k'inscription maritime) und wenn es ein fremder Hafen iſt, in die Hände des Kommiſſurs der Handels Verbindungen. Eine dieſer Ausfertigungen muß auf dem Buͤreau der SeeEinſchreibung, oder in der Kanzley des Kom⸗ miſſariats deponirt bleiben; die andere muß dem Ma⸗ rine Miniſter uͤberſendet werden, der dem Beamten des Civilſtandes von dem Wohnorte des Vaters des Kindes oder der Mutter, wenn der Vaker unbekannt ſein ſollte, eine von ihm beglaubigte Abſchrift von je⸗ dem dieſer Akte uͤberſenden wird. Dieſe Abſchrift muß ſogleich auf die Regiſter eingetragen werden. 61. Bei der Ankunft des Fahrzeugs in dem Hafen wo es abgetackelt wird, muß die Equipageliſte auf dem Buͤreau des Vorgeſetzten der SeeEinſchreibung nie⸗ dergelegt werden, der dem Beamten des Civilſtandes von dem Wohnorte des Vaters des Kindes, oder der Mutter, wenn der Vater unbekannt iſt, eine von ihm unterzeichnete Ausfertigung des GeburtsAktes zu uͤber⸗ ſenden hat. Dieſe Ausfertigung muß ſogleich auf die Regiſter eingetragen werden. 62. Der Akt der Anerkennung eines Kindes muß nach ſeinem Datum auf die Regiſter eingeſchrieben werden, und es muß am Rande des GeburtsAktes, wenn einer vorhanden iſt, Meldung davon geſchehen.(1) Dries Von den Akten der Ehe. 63. Der Beamte des Ci vitſ andes muß vor dem Abſchluß einer Ehe zwei Verkuͤnbigungen, mit einem w benRaum von acht Tagen, an zwei Sonntagen, vor der Thüne des Gemeinde— Hauſes erlaſſen. Dieſe Verkuͤndigungen, und der Akt, welcher daruͤber auf⸗ geſetzt wird, muͤſſen die Vor⸗und Zunamen, Pro⸗ fiſſion und Wohnort der zukuͤnftigen Eheleute, ob ſie großjährig oder minderjahrig ſind, und die Vor⸗und Zunamen, Profeſſion und Wohnort ihrer Aeltern ent⸗ halten. Dieſer Akt muß auſſerdem die Tage, Orte und Stunden, an welchen die Verkuͤndigungen ge⸗ ſchehen ſind, angeben; er muß auf ein beſonderes, ein⸗ fach gehaltenes Regiſter eingeſchrieben werd⸗n, das, wie es im Art. 41 vorgeſchrieben iſt, mit der Seiteszahl und Handzug bezeichnet, und am Ende jeden Jahrs auf der Greffedes BezirksGerichtes hinterlegt werden muß. 64. Ein Auszug des Verkundigungs Aktes muß, wohrend den 8 Tagen des Zwiſchen Raums zwiſchen der erſten bis zu der zweiten Verkuͤndigung, an die Thire des Gemeindehauſes angeheftet werden und bleiben. Die Ehe kann nicht vor dem dritten Tag, von dem der zwelten Verkuͤndigung an, dieſen nicht einbegriffen, abgeſchloßſen werden. o5. Wenn die Ehe nicht in Jahresfrlſt, von dem Abtauf der Zeitfriſt der Verkundigungen an zu rechnen, abgeſchloſſen worden iſt, ſo kann ſie nicht eher abge⸗ — cw Siehe ſerner das Geſetz vom ut Germinal 11) 1 April 1803 im Anhang Nro. IE. — 23— ſchloſſen werden, als nachdem neue Verkuͤndigungen in der oben vorgeſchriebenen Form erlaſſen worden ſind. 66. Die Oppoſitions Akte gegen eine Ehe muͤſſen von den Opponenten oder ihren, mit einer authentiſchen Spezia Vollmacht verſehenen, Bevollmaͤchtigten auf dem Original und der Abſchrift unterzeichnet werden. Sie muͤſſen, mit der Abſchrift der Vollmacht, den Parthieen perſoͤnlich oder in ihrem Wohnork, ſo wie dem Beamten des Cwilſtandes, der ſein Viſa auf das Original zu ſetzen hat, zugeſtellt werden. 67. Der Beamte des Civilſtandes hat auf dem Regiſter der Verkuͤndigungen von den Oppoſitionen auf der Stelle ſummariſche Meldung zu thun. Er hat ebenfalls am Rande der Einſchreibung der beſagten Oppoſitionen von den Urtheiien oder ſonſtigen Akten Meldung zu thun, wodurch die Oppoſitionen freige⸗ geben worden ſind, und von welchen ihm eine Ausferti⸗ gung uͤbergeben worden iſt. 68. Im Falle der Oppoſition darf der Beamte des Civilſtandes die Ehe nicht abſchlieſſen, ehe man ihm die Aufhebung derſelben zugeſtellt hat, unter Strafe einer Geldbuße von dreihundert Franken und aller Schadloshaltungen. 69. Wenn keine Oppoſition vorliegt, ſo muß in dem Heuraths Akt Meldung davon geſchehn; und wenn die Verkuͤndigungen in mehreren Gemeinden geſche⸗ hen ſind, ſo haben die Partheien ein, von Jem Be⸗ amten des Civilſtandes einer jeden dieſer Gemeinden ausgeſtelltes Zeugniß, welches beweißt, daß keine Oppoſition beſteht, beizubringen. 70. Der Beamte des Civilſtandes muß ſich den Ge⸗ burtsſchein eines jeden der kuͤnftigen Ehegatten einrei⸗ chen laſſen; derjenige der Eheleute, der ſich in der Un⸗ moͤglichkeit befinden ſollte, ihn beizubringen, kann an deſ⸗ ſen Stelle einen Akt der Offenkundigkeit beibringen, — 24— der von dem Friedens Richter ſeines Geburts„oder dem ſeines WohnOrtes ertheilt ſein muß. 71. Der Akt der Offenkundigkeit muß die Angabe der Vor⸗ und Zunamen, der Profeſſion und des Wohnorts des zukuͤnftigen Ehegatten, und jener ſei⸗ ner Aeltern, wenn ſie bekannt ſind, den Ort und ſo⸗ viel als moͤglich, die Epoche ſeiner Geburt, und die Urſachen, welche ihn verhindern, den Akt daruͤber beizubringen, ſo wie ſie durch ſieben Zeugen, von ei⸗ nem oder dem andern Geſchlechte, ſie moͤgen nun dem kuͤnftigen Ehegatten verwandt ſein oder nicht, erklaͤrt worden, enthalten. Dieſe Zeugen muͤſſen den Akt der Ofſenkundigkeit mit dem FriedensRichter unter⸗ zeichnen, und wenn einige derſelben nicht ſchreiben koͤnnten oder daran verhindert waren, ſo ſoll Mel⸗ dung davon geſchehen. 72. Der Akt der Offenkundigkeit muß dem Tribu⸗ nal erſter Inſtanz des Ortes, wo die Ehe geſchloſſen werden ſoll, vorgelegt werden. Das Tribunal hat demſelben, nach Anhoͤrung des Regierungs Kommiſ⸗ ſars, ſeine Homologation zu ertheilen oder zu verwei⸗ gern, je nachdem es die Erklaͤrungen der Zeugen und die Urſachen, welche die Beibringung des Geburts⸗ Scheins verhindern, hinlaͤnglich oder unzureichend finden wird. 73 Der authentiſche Akt der Einwilligung der Aeltern oder GrosAeltern, oder in ihrer Ermangelung jener der Familien, muß die Vor⸗und Zunamen, Profeſſion und Wohnort des zukuͤnftigen Ehegatten und aller deren, die an dem Akt Theil genommen ha⸗ ben, ſo wie den Grad ihrer Verwandſchaft enthalten. 74. Die Ehe muß in der Gemeinde abgeſchloſſen werden, wo einer der beiden Ehegatten ſeinen Wohn⸗ ſitz hat. Dieſer Wohnſitz wird, in Betreff der Ehe, ——z—————————————————————— durch einen ſechsmonatlichen fortwährenden Aufenthalt der Gemeinde, begruͤndet. 75. An dem von den Parthien, nach Ablauf der Zeitfriſten der Verkuͤndigungen, bezeichneten Tage, ſoll der Beamte des Civilſtandes den Parthien in Gegenwart von vier Zeugen die oben bemeldete, ih⸗ ren Stand und die Formalitaͤten der Ehe betreffende Aktenſtuͤcke, und das 6te Kapitel des Titels: von der Ehe, welches von den gegenſeitigen Rech⸗ ten und Pflichten der Ehegatten handelt, vorleſen. Er nimmt ſodann jedem Theile, einem nach dem andern, die Erklaͤrung ab, daß ſie ſich zu Mann und Frau nehmen wollen; er erklärt im Namen des Geſetzes, hierauf daß ſie durch die Ehe verbun⸗ den ſind, und hat ſogleich einen Akt daruͤber aufzuſetzen. 76. In den HeurathsAkt muͤſſen eingefuͤhrt werden: 1. Die Vor⸗und Zunamen, die Profeſſion, das Al⸗ ter, der Geburts⸗und Wohnort der Eheleute, 2. ob ſie großjährig oder minderjaͤhrig ſind, 3. die Vor⸗und Zunamen, die Profeſſion und der Wohnort der Aeltern, 4. die Einwilligung der Aeltern, GrosAeltern und die der Familie, in den Fällen, wo ſie erforderlich iſt, 5. die ehrfurchtsvolle Anfragen wenn deren ſtatt gehabt haben, 6. die Verkuͤndigungen in den verſchiedenen Wohnorten, 7. die Oppoſitionen, wenn deren ſtatt gehabt haben, ihre Aufhebung, oder die Meldung, daß keine Op⸗ poſition eingelegt worden iſt, 8. die Erklärung der Kontrahenten, ſich zur Ehe zu nehmen und der Ausſpruch ihrer Verbindung durch den oͤffentlichen Beamten, 9. die Vor⸗und Zunamen, das Alter, die Profeſſion und der Wohnort der Zeugen, und ihre Erklärung, ob ſie den Partheien verwandt oder verſchwaͤgert ſind, von welcher Seite und in welchem Grade. Viertes Kapitel. Von den SterbAkten. 77. Keine Beſtattung darf ohne die Erlaubniß des Civilbeamten, die auf ungeſtempeltes Papier und ohne Koͤſten ausgeſtellt werden muß, ſtatt haben. Dieſer dorf ſie nicht eher ertheilen, als nachdem er ſich zu dem Verſtorbenen verfuͤgt, um ſich von deſſen Ableben zu verſichern, und die, durch die Polizei⸗ Verordnungen vorgeſehene Fälle ausgenommen, erſt 24 Stunden nach dem Sterbfalle.(1) 78. Der SterbAkt ſoll auf die Erklärung zweier Zeugen von dem Beamten des Civilſtandes aufgeſetzt werden. Dieſe Zeugen muͤſſen, wenn es moͤglich iſt, die zwei naͤchſte Verwandte oder Nachbarn, oder, wenn jemand auſſerhalb ſeinem Wohnorte verſtorben iſt, die Perſon, bei welcher er verſtorben iſt, und ein Verwandter oder ein anderer ſein. 79. Der SterbAkt muß die Vor⸗und Zunamen, Alter, Profeſſion und Wohnort der verſtorbenen Per⸗ ſon, den Vor⸗und Zunamen des andern Ehegatten, wenn die verſtorbene Perſon verheurathet oder verwitt⸗ wet war, die Vor⸗und Zunamen, das Alter, die Profeſſion und den Wohnort der Erklärenden, und, (1 Kaiſerl. Debret vom(a Thermidor 13) 30 Juli 1805.„Es iſt „allen Maires⸗ Adjunkten und Mitgliedern von Munizipa Verwal⸗ „tungen verboten, den Transport, die Präſentation, das Depot, die „Beſtattung von Leichen, und die Eroffnung der BegräbnißOrte zu „erlauben; allen Kirchen Verwaltungen und Konſiſtorien, fo wie allen „andern⸗ welche berechtigt ſind, die zu dem Begräbniſſe erforderliche „Lleferungen zu machen, beſaote Lieferungen zu thun; allen Pfar⸗ „reru und Deſſerventen, irgend eine Leiche abzunehmen, oder ſie „auſſer die Kirchen und Tempel zu begleiten, wenn nicht eine von „dem Veamten des Civilſtandes ertheilte Erlaubniß der Beſtattung „vorliegt, uuter Strafe, als Uebertreten des Geſetzes verfolgt zu „werden,“ ————————,᷑é—“⁰— wenn ſie Verwandte ſind, den Grad ihrer Verwand⸗ ſchaſt enthalten. Derſelbe Akt muß ſerner, in ſo ſern man ſie wiſſen kann, die Vor⸗und Znnamen, Profeſſion und Wohn⸗ ort der Aeltern des Verſtorbenen und ſeinen Geburts⸗ ort angeben. 8o. Bei Sterbfaͤllen in den Militaͤr⸗und Civil⸗ Hospicälern oder andern oͤffentlichen Haͤuſern ſind die Vorgeſetzten, Direktoren, Verwalter und Herrn die⸗ ſer Häuſer gehalten, den Beamten des Civilſtandes in den vier und zwanzig Stunden davon zu benachrich⸗ tigen, der ſich dahin zu begeben hat, um ſich des Sterbfalls zu verſichern, und ſodann gemaͤß der vorher⸗ gehenden Artikel nach den Erklaͤrungen, die ihm ge⸗ macht worden ſind, und den Erkundigungen, die er eingezogen haben wird, den Akt auſſetzt. Es ſollen auſſerdem in beſagten Hospitaͤlern und Haͤuſern, zur Einſchreibung dieſer Erklaͤrungen und Nachrichten beſtimmte, Regiſter gehalten werden. 81. Wenn Spuren oder Anzeichen eines gewaltſa⸗ men Todes oder andere Umſtaͤnde, welche einen ſol⸗ chen Verdacht verurſachen koͤnnten, vorliegen, darf man die Beerdigung nicht eher vornehmen, als bis ein PolizeiBeamter, mit Zuziehung eines Geſund⸗ heits Beamten uͤber den Zuſtand der Leiche, und die darauf Bezug habende Umſtände, ſo wie uͤber die Nachrichten, die er uͤber Vor⸗und Zunamen, Alter, Profeſſion, Geburts⸗und Wohnort der ver⸗ ſtorbenen Perſon hat einziehen koͤnnen, einen Verbal⸗ Prozeß aufgeſetzt hat. 82. Der Polizei Beamte iſt gehalten, dem Beam⸗ ten des Civilſtandes des Ortes. worin die Perſon ver⸗ ſtorben iſt, alle die in ſeinen VerbalProzeß eingefuhr⸗ te Rachrichten mitzutheilen, nach welchen der Sterb⸗ Akt abgefaßt werden muß. —8— Der Beamte des Civilſtandes muß demjenigen des Wohnortes der verſtorbenen Perſon, wenn dieſer be⸗ kannt iſt, eine Ausfertigung davon uͤberſenden. Dieſe Ausfertigung muß auf die Regiſter eingeſchrieben werden. 835. Die Krimina Greffiers ſind gehalten, in den vier und zwanzig Stunden der Exekution der Todes⸗ Urcheile alle die im 79ten Artikel angefuͤhrte Nach⸗ richten dem Beamten des Civilſtandes des Orts, worin der Verurtheilte hingerichtet worden iſt, zu uͤberſenden, nach welchen dieſer den SterbAkt abzu⸗ faſſen hat. 84. Im Falle eines Sterbfalls in den Gefängniſ⸗ ſen oder Zucht⸗ und VerhaftungsHäuſern muß der Aufſeher oder Wächter dem Beamten des Civilſtan⸗ des ſogleich Nachricht davon ertheilen, der ſich wie es im Art. 80 vorgeſchrieben iſt, dahin zu verfuͤgen und den SterbAkt abzufaſſen hat. 85. In allen Fällen eines gewaltſamen Todes oder eines Sterbfalls in den Gefaͤngniſſen und Verhafts⸗ Haͤuſern, oder einer Hinrichtung darf auf den Regi⸗ ſtern von dieſen Umſtänden keine Meldung geſchehen, und die Sterb Akte muͤſſen einfach in der durch den Aet. 79. vorgeſchriebenen Form abgefaßt werden 86. Im Falle eines Sterbfalles waͤhrend einer SeeReife, muß in Zeit von vier und zwanzig Sfun⸗ den, in Gegenwart von zweien, unter den Hffizieren des Fahrzeugs oder, in ihrer Ermangelung, unter den Leuten der Equipage genommenen Zeugen, ein Akt daruͤber aufgeſetzt werden. Dieſer Akt wird auf den Staats Fahrzeugen durch den VerwaltungsOffizier der Marine und auf den, einem Handelsmann oder Kaper gehoͤrigen, Fahrzeugen, durch den Kapitain, Herrn oder Patron des Schiffes aufgenommen. Der SterbAkt muß zu Ende der Equipagetiſte einge⸗ ſchrieben werden. ——————————̃,᷑,—— 87. Die VerwaltungsOfſiziere der Marine, der Kapitain, Herr, oder Patron, welche SterbAkte aufgeſetzt haben, ſind gehalten, in Gemaͤßheit des Artikels do. zwei Ausfertigungen davon in dem erſten Hafen niederzulegen, wo das Fahrzeug, ſey es um auszuruhen, ſey es aus irgend einer andern Urſache, die ſeiner Abtacklung ausgenommen, an⸗ landen wird. Bei der Ankunft des Fahrzeugs in dem zur Ab⸗ tacklung beſtimmten Hafen, muß die Equipageliſte auf dem Buͤreau des Vorgeſehten der SeeEinſchrei⸗ bung niedergelegt werden; dieſer hat dem Beamten des Civilſtandes von dem Wohnorte der verſtorbenen Perſon eine von ihm unterzeichnete Ausfertigung des SterbAktes zu uͤberſenden. Dieſe Ausfertigung muß ſogleich auf die Regiſter eingeſchrieben werden. Fuͤnftes Kapitel. Von den Akten des Civilſtandes, welche die MilitairPer⸗ ſonen auſſerhalb des Gebietes der Republik betreffen. 88. Die Akte des Civilſtandes, welche auſſer dem Gebiet der Republik, in Betreff von Militair⸗ und andren im Gefolge der Armeen angeſtellten, Perſonen, aufgenommen werden, muͤſſen, vorbehaltlich der in den folgenden Artikeln enchaltenen Ausnahmen, in den durch die vorhergehende Verfuͤgungen vorgeſchrie⸗ benen Formen abgefaßt werden. 89. Der Quartiermeiſter in jedem Korps von ei⸗ nem oder mehreren Bataillons oder Eskadrons, und bei den andern Korps der kommandirende Kapitain ha⸗ ben die Verrichtungen als Beamte des Civilſtandes zu verſehen; fuͤr die Offiziere ohne Truppen und die Angeſtellten der Armee werden dieſe nämliche Verrich⸗ — 30— tungen durch den bei der Armee oder dem Korps der Ar⸗ mee angeſtellten Revue Inſpektor verſehen.(1) 9o. Bei jedem Truppen Korps muß ein Regiſter fuͤr die Akte des Civilſtandes, welche Individuen die⸗ ſes Korps betreffen, und ein andres bei dem Gene⸗ ralſtaab der Armee oder eines Korps der Armee fuͤr die CivilAkte, welche die Offiziere ohne Truppen und die Angeſtellten betreffen, gehalten werden. Dieſe Re⸗ giſter ſollen auf dieſelbe Weiſe wie die uͤbrige Regiſter der Korps und Generalſtäbe aufbewahrt, und bei der Ruͤckkehr der Korps oder Armeen auf das Gebiet der Republik in das Kriegs Archiv hinterlegt werden. 91. Die Regiſter werden in jedem Korps durch den kommandirenden Offizier, und beim Generalſtaab von dem Chef des groſſen Generalſtaabs mit der Seiten⸗ zahl und ſeinem Handzuge bezeichnet. 92. Jede Geburt bei der Armee muß in den zehn, auf die Entbindung folgenden Tagen, veranzeigt werden. 93. Der mit Haltung des Regiſters des Civilſtan⸗ des beauftragte Offizier hat in den zehn Tagen, die auf die Einſchreibung des Geburts Aktes auf das be⸗ ſagte Regiſter folgen, dem Beamten des Civilſtandes von dem lezten Wohnort des Vaters des Kindes, oder der Mutter, wenn der Vater unbekannt iſt, einen Auszug davon zu uͤberſenden. 94. Die HeurathsVerkuͤndigungen der Militair⸗ Perſonen und Angeſtellten im Gefolge der Armeen muͤſſen in ihrem lezten Wohnorte geſchehen; ſie muͤſ⸗ ſen auſſerdem, fuͤnf und zwanzig Tage vor dem Ab⸗ ſchluß der Ehe, fuͤr die Individuen, die zu einem Korps gehoͤren, in den Tags Befehl des Korps, und für die Offiziere ohne Truppen und die dazu gehoͤri⸗ (1) Ein Kaiſerl. Dekret vom(1 Vendemiaire 12) 22 September 180 hat dieſe Verrichtungen den Majors uͤbertragen. ———————— ge Angeſtellte in jenen der Armee oder des Armee⸗ Korps geſetzt werden. 95. Unmittelbar nach der Einſchreibung des Ehe⸗ Verkuͤndigungs Aktes auf das Regiſter muß der mit der Haltung des Regiſters beauftragte Offizier dem Beamten des Civilſtandes des lezten Wohnorts der Eheleute eine Ausfertigung davon zuſchicken. 96. Die SterbAkte muͤſſen auf das Zeugniß dreier Zeugen bei jedem Korps durch den Quartiermeiſter und fuͤr die Offiziere ohne Truppen und die Angeſtell⸗ te durch den RevueInſpektor der Armee aufgeſetzt werden; und ein Auszug aus dieſem Regiſter muß dem Beamten des Civilſtandes des lezten Wohnortes des Verſtorbenen in den zehn Tagen zugeſendet wer⸗ den. 97. Im Falle von Sterbfällen in den wandernden oder bleibenden Militair Hospitaͤlern muß der Akt dar⸗ uͤber von dem Direktor der beſagten Hospitaler auf⸗ geſetzt, und dem Quartiermeiſter des Korps oder dem Revue Inſpektor der Armee oder des ArmeeKorps, von welchem der Verſtorbene einen Theil ausmachte, zugeſchickt werden. Dieſe Offiziere haben dem Be⸗ amten des Civilſtandes des lezten Wohnortes eine Ausfertigung davon zu uͤberſenden. 98. Der Beamte des Civilſtandes von dem Wohn⸗ orte der Partheien, dem die Ausſertigung eines Ak⸗ tes des Civilſtandes von der Armee zugeſchickt wor⸗ den iſt, iſt gehalten, ihn ſogieich auf die Regiſter einzuſchreiben.(1) (1) Sutachten des Staatsrarhs vom(17 Germinal 13) 7 Avrit 1303 über die Frage, ob man in Ermangelunz beſtimmter Veweiſe uͤver den Sterrfall von MilttairPerſonen an ihrer Stelle Vermuthungen annehmen konne„ welche ſich entweder aus mundlichen Zeugen Auſſagen, oder aus einer während mehreren Jah⸗ ven verlaͤngerten Apweſenheit ergeten kdnnen; der Staatsrath war ⸗ ———— — 32— Sechstes Kapitei. Von der Berichtigung der Akte des Civilſtandes.(1) 99. Wenn die Berichtigung eines Aktes des Ci⸗ vilſtandes begehrt werden wird, ſo ſoll, mit Vorbe⸗ halt der Appellation, durch das kompetente Tribunal und nach Anhoͤrung des Antrags des Regierungs⸗ Kommiſſairs(Kaiſ. Prokurators) daruͤber erkannt wer⸗ den. Die Betheiligte muͤſſen, nach Beſchaffenheit der Umſtände, beigeladen werden. roo. Das BerichtigungsUrtheil kann zu keiner Zeit denjenigen Betheiligten eingewendet werden, welche es nicht nachgeſucht haben oder nicht dazu be⸗ rufen worden ſind. 101. Die BerichtigungsUrtheile muͤſſen von dem Beamten des Civilſtandes, ſobald ſie ihm werden uͤbergeben worden ſind, auf die Regiſter eingeſchrieben werden, und es muß am Rande des abgeänderten Aktes davon Meldung geſchehen. der Meinung,„daß es zu gefährlich ſein wuͤrde, bloſſe Akte der Offeneundigkeit, welche oft auf erkauften, oder ſchwachen Perſonen abgelockten, Zeugniſſen beruhten, als Beweiſe eines Sterbfalls zuzu⸗ laſſen, daß dieſer Weg daher unzuläßig ſei; daß die Wirkungen der Abweſenheit von dem Civi Geſetzbuch, in ſoweit ſie das Vermoͤgen vetreffen, regulirt ſind; daß man aber nicht weiter gehen, und die Ehe des Abweſenden nach einer gewiſſen Anzahl von Jabren fuͤr auſgeldßt halten kann; daß ſich zwar mehrere Weiber von Militair⸗ Perſonen ju der That in dieſer Hinſicht in einer unangenehmen Lage vefinden können, daß aber dieſe Betrachtung bei der Diskuſſion des CivilSeſetzbuchs nicht mäͤchtig genug geſchienen hat, um ſie von der Verbindlichkeit freizuſprechen, einen geſetzlichen Beweiß bezubringen, ohne welchen man die Geſellſchaft traurigen Irrthuͤmern und groͤſſeren Nachtheilen ausſetzen wuͤrde, als die Privat Verlegenheiten, denen man abhelfen wollte; daß vei dieſer Lage der Dinge es der Fail nicht ſein kann, von dem vemetnen Recht abzug hn, und eine Ausnahme darin aufzunehmen, welche die Jurisprudenz nie zugelaſſen hat.“ () Gutachten des Staatsraths vom C12 Nivoſe 10) 3 Fänner 1802 über die Frage, ob in dem Falle, wenn die Regiſier eines ganzen Departements durch beſondere Umſtände in Unordnung dekommen ſind, eine allgemeine Berichtigung derſelben zuläßig ware. Der Staatsrath war der Meinung,„daß die Grundſätze, auf welchen der Civilſtand beruht, ſich jeder Verichtigung der Regiſier ———— Drirter Titel. Von dem Wohnſitz. (Dekretirt am 23 Ventoſe 11), 14 Maͤrz 1803 verkuͤndigt am(3 Germinal 11.) 24 Marz.) 102. Der Wohnſitz jedes Franzoſen fuͤr die Ausu⸗ widerſetzen, welche nicht das Reſultat eines von denfenigen Parthien anverlangten Urtheils wäre, welche ein Intereſſe haben die Berich- tigung nachzuſſchen oder zu beſtreiten; daß dieſe Grundſitze immer als die ſicherſte Gewährleiſtung der geſellſchaftlichen Ordnung verehrt worden ſind; daß di⸗ Ordonnan, von 16607 ſie fenrlich prorlamirt und das CiviGeſetzvuch ſie neuerdinas beſtätigt hat; daß man ihnen keinen Abbruch thun koͤnne, ohne die Familten zu beunruhigen und erwors benen Rechten Abpruch zu thun; das, wenn das Geſeß voma Floreal 3 Jahrs von Amtswegen die Berichtiguna der Regiſter in den weſtli⸗ chen Departementen verordnet hat, dieſe Maasregel durch die Folgen dee Vürgereriegs anpefohlen ſchien, daß ſie aber in ihrer Ausfübhrnng unuͤberſteiqbare Hinderniſſe gefunden hat; daß, wenn gtcich der ſchlechte Zuſtand der Regiſter in mehreren Departementen zu Schwiecrigkeiten und zahlreichen Prozeſſen ſtatt giest, es dennoch dem öffentlichen Intereſſe und dein Intereſſe der Individuen angemeſſener iſt, die Be⸗ richtigung der Akte des Civilſtandes nach den Unſtanden durch die Tribunaſien bewirken zu laſſen“ Durch ein am(12 Brumaire 11) 3 November 1802 vom Kaiſer genchmigtes Gutachten vom(Sten) 30 Oktober hat der StaatsRath entſchieden:„daß die Grundſätze des obigen Gutachtens noch in viet ſaͤrkerem Grade auf den Fall der Auslaſſung dieſer Akte aus den Re⸗ giſtern anwendbar ſind, weil die Brrichtianng keinen andern Gecen⸗ ſand hat, als die Wahrheit in einem ſchon beſtehenden Akte einem Irrthum zu ſubſtituiren, und weil, wenn man die Auslaſſung eines Aktes wieder gut zu machen verlangt, offenbar davon die Rede iſt einen Civilſtand zu ertheilen; daß, wenn es m CiviVeamten erlaubt wäre, ohne alle Formalität. verſpätete Ertärungen auſzunehmen, und ihncn Authentizität zu ertheilen, man Fremde in die Familien einbringen kdunte, und daß dieſe Befugniß die Quetle großer Unord⸗ nungen werden koͤnnte; daß ausgelaſſene Akte daher nicht anderſt als Kraft von Urtbeilen auf die Regiſter eingeſchrieven werden konnen, welchemit vollkommener Kenntniß der Urſache der Auslaſſung, kontradik⸗ toriſch mir den betheiligten Theilen, oder nach deren 4 erufung, und nach Anhörung des Antrags des öffentlichen Miniſterums erlaſſen werden müſſen; und daß ſelbſt dieſe Urtheile noch zu jeder Zeit von alen den Parthien, die nicht dazu berufen worden, angefochten wer⸗ den können. Endlich hat der Staatsrath durch ein„am(30 Frimaire 12 2 Dezember 1803 von dem Kaiſer genehmigtes, am 428) 20 deſſelben Monats erlaſſeues, Gutachten entſchieden, daß auch in dem Folle, wo der Beamte des Evilſtandes verſtorben wäre, ohne die auf den Reaiſtern eingeſchriebene Aete unterzeichnet zu haben,„die Luͤcken, Auslaſſungen uud Irrthümer auf dieſen Regiſtern nicht auderſt als Kraft eines Urtheits ausgefuͤut, erganzt oder verveſſer. werdei. eouuen⸗ Civil Geſetzb. 5 bung ſpiner Civil Rechte iſt an dem Orte, wo er ſeine Haup Niederlaſſung(etablissement) hat.(¹) 103. Die Veränderung des Wohnſitzes wird durch das Faktum der wirklichen Wohnung an einem andern Orte, mit der Abſicht, ſeine Haup Niederlaſſung da⸗ ſelbſt feſtzuſetzen, verbunden, bewerkſtelligt. 104. Der Beweiß dieſer Abſicht ergiebt ſich aus einer ausdruͤcklichen Erklärung, die ſowohl auf der Munizipalität des Ortes, den man verlaſſen will, als auf der des Ortes, wohin man ſeinen Wohnſitz ver⸗ legt hat, abgegeben wird. 105 In Ermangelung einer ausdrücklichen Erklaͤ⸗ runa hanat der Beweiß der Abſicht von denUmſtänden ab. 106. Der zu einer zeitlichen und wiederruflichen offentlichen Stelle berufene Buͤrger behäit ſeinen vo⸗ rigen Wohnſitz, wenn er keine entgegengeſetzte Abſicht geauſſert hat. 107. Die Annahme einer auf kebenslang ertheilten Stelle zieht unmittelbar die Verlegung des Wohnſi⸗ tzes des Beamten an den Ort, an welchem er ſeine AmtsVerrichtungen ausuͤben wird, nach ſich. og. Das verheurathete Weib hat keinen andern Wohnſitz als den ſeines Mannes. Der nicht eman⸗ zivirte Minderjährige hat ſeinen Wohnſitz bei ſeinen Aeltern oder Vormuͤndern. Der interdtzirte Grosjah⸗ rige hat den ſeinigen bei feinem Kurator. 109. Der Grosjaͤhrige, welcher bei andern dient oder beſtändig arbeitet, hat ſeinen Wohnſitz bei der Perſon, welcher er dient oder bei welcher er arbeitet, wenn er mit ihr in demſelben Hauſe wohnt. 110. Der Wohnſitz des Erblaſſers beſtimmt den Ort der Eroͤfnung ſeiner Erbſchaft. —— (1) Um die Buͤrgerrechte in einem GemeindeBezirke auszuuben, muß man in demſelben einen Wohnſitz durdh einen Aufenthalt von einem Jahre erworben⸗ und ihn uicht durch eine Abweſenheit von einem Ihhre vertoyren haben⸗(Art⸗ 6 der Kouſtitution vom Jahr 3)⸗ 111. Wenn die Partheien oder eine derſelben in einem Akte, fuͤr den Vollzug deſſelben Aktes, einen Wohnſitz an einem andern Orte als dem ihres wirkli⸗ chen Wohnſißes erwählt haben, ſo koͤnnen die auf die⸗ ſen Akt Bezug habende Zuſtellungen, Klaaen und Be⸗ treibungen an dem uͤbereingekommenen Wohnſitz und vor dem Richter dieſes Wohnſitzes gemacht werden. Von den Abweſenden. (Dekretirt am(24 Ventoſe 11, 15 May 1803, verkuͤndigt am (4 Germinal 11) 25 May.) Erſtes Kapitel. Von den vermuthlich Abweſenden. 112. Wenn es noͤthig iſt, fuͤr die Verwaltung des ganzen, oder eines Theils des Vermoͤgens zu ſorgen, welches von einer Perſon, deren Abweſenheit vermu⸗ thet wird(présumée) und die keinen Bevollmäͤch⸗ ten hat, zuruͤckgelaſſen worden iſt, ſo ſoll auf das Begehren der Betheiligten von dem Tribunal erſter Inſtanz daruͤber verfuͤgt werden.(1) 115 Das Tribunal hat, auf Anſuchen der fleiſ⸗ ſigſten Parthey, einen Notar zu kommittiren, um die Perſonen, deren Abweſenheit vermuthet wird, bei den Inventarien, Rechnungen, Theilungen und Liqui⸗ dationen, wobey ſie betheiligt ſind, zu vertreten. ( In dem, von dem Art. 112 des CivilGeſetzbuche vorgeſehenen Faile, hat man, um eine Entſcheidung zu erwirken, dem Praſidenten des Tribunals eine Bittſchrift zu übergeben. Auf die⸗ Bittſchrift, weicher die Aktenſtüͤcke und Doeumente veigefügt ſein müſſen hat der Praſident einen Richter zu kommittiren, um an einem beſtimmten Tage ſeinen Bericht zu erſiatten; das Urth⸗it ſou erſt nach An⸗ börung des Kaiſerl. Prokurators erlaſſen werden. Art 859 des Ge⸗ ſetzbuchs uͤber den EivitPro eß.) Eben ſo ſoll in dem Falle verfahren werden, wenn von der Einſe⸗ vung in den proviſoriſchen Beſitz, die durch den Art 120 des Czvil⸗ Geſetzvuchs ermächtigt iſt, die Rede iſt.(Art. 860 ebendaſelbſt.) 114. Das oͤffentliche Miniſterium iſt beſonders be⸗ auftragt, fuͤr das Intereſſe der fuͤr abweſend gehal⸗ tenen Perſonen zu wachen, und es muß uͤber alle die⸗ ſelbe betreffende Geſuche gehoͤrt werden. Zweites Kapitel. Von der Erklärung der Abweſenheit. 115. Wenn eine Perſon aufgehört hat, an dem Orte ihres Wohnſitzes zu erſcheinen, und man ſeit vier Jahren teine Rachricht von ihr erhalten hat, ſo können die Betheiligten vor dem Tribunal erſter In⸗ ſtanz eikommen, damit ſie fuͤr abweſend erklärt wer⸗ den moͤge. 116. Das Gericht ſoll, um ihre Abweſenheit zu konſtatiren, nach den vorgelegten Aktenſtuͤcken und Dokumenten verordnen, daß in dem Bezirke ihres Wohnſikes und jenem ihres Aufenthaltes, wenn ſie von einander verſchieden ſind, kontradiktoriſch mit dem Regierungs Kommiſſair ein Zeugen Verhoͤr abgehalten werden ſoll. 17. Das Tribunal hat, indem es uͤber das Be⸗ gehren verfugt, uͤbrigens auf die Beweggruͤnde der Abweſenheit ſo wie auf die Urſachen Ruͤckſicht zu neh⸗ men, welche die Erhaltung von Nachrichten von dem Individuum, deſſen Abweſenheit vermuthet wird, ver⸗ hindern konnten. 118. Der Regierungs Kommiſſair(Kaiſ. Prokura⸗ tor) hat die Urtheile, ſowohl Vorbeſcheide als End⸗ Urtheile, ſobald ſie erlaſſen worden ſind, an den Grps⸗ Richter, Miniſter der Gerechtigkeits Pflege einzuſenden, der ſie bekannt machen wird. 119. Das Urcheil, wodurch jemand fuͤr abweſend erklärt wird, darf nicht eher als ein Jahr nach dem Urtheil, welches das Zeugen Verhör verordnet bat, erlaſſen werden. ————— Drittes Kapitel. Von den Wirkungen der Abweſenheit. Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Betreff des Ver⸗ moͤgens, das der Abweſende am Tage ſeines Ver⸗ ſchwindens beſaß. 120. In allen Faltlen, wo der Abweſende keine Vollmacht füt die Verwaltung ſeines Vermoͤgens zu⸗ ruͤckgelaſſen hat, koͤnnen diejenige, welche am Tage ſeines Verſchwindens oder der letzten Nachrichten von ihm ſeine vermuthliche Erben waren, ſich kraft des EndUrtheils, welches die Abweſenheit erklärt hat, in den proriſoriſchen Beſitz der Guͤtter, die dem dem Abweſenden am Tage ſeiner Abreiſe odet der letz⸗ ten Nachrichten von ihm, zugehoͤrten, einſetzen laſ⸗ ſen, unter der Obliegenheit, fuͤr die Gewährleiſtung ihrer Verwaltung Kaution zu ſtellen 121. Hat der Abweſende eine Vollmacht zuruͤckge⸗ laſſen, ſo koͤnnen ſeine vermuthliche Erben die Erklaͤ⸗ rung ſeiner Abweſenheit und die Einſeßung in den pro⸗ viſoriſchen Beſitz nicht eher, als nach dem Ablauf von zehn Jahren ſeit ſeinem Verſchwinden oder ſeit den. letzten Nachrichten von ihm, nachſuchen. 122. Eben ſo ſoll es gehalten werden, wenn die Vollmacht erliſcht; und in dieſem Falle ſoll fuͤr die Verwaltung des Vermogens des Abweſenden nach der Vorſchrift des erſten Kapitels geſorgt werden. 123. Wenn die vermuthliche Erben die Einſetzung in den proviſoriſchen Beſitz erhalten haben, ſo ſoll das Teſtament, wenn eines vorhonden iſt, auf das Anſuchen der Betheiligten, oder des Regierungs Kommiſſairs Raiſ. Prokurators) bei dem Tribunal, eroͤfnet werden, und die, welche darin mit Legaten oder Schenkungen „ bedacht ſind, ſo wie alle die, welche auf die Güter des Abweſenden der Bedingung ſeines Todes unterge⸗ ordnete Rechte haben, koͤnnen ſie proviſoriſch und unter der Obliegenheit, Kaution zu ſtellen, geltend machen. 124. Der Eyhegatte, der in Gemeinſchaft der Guͤ⸗ ter lebt, kann, wenn er die Fortdauer der Gemein⸗ ſchaft wählt, die Einſetzung in den proviſoriſchen Be⸗ ſitz und die proviſoriſche Ausubung aller der Bedin⸗ gung des Todes des Abweſenden untergeordneten Rechte verhindern; er iſt vorzugsweiſe die Verwaltung der Güͤter des Abweſenden zu uͤbernehmen oder zu behal⸗ ten befugt. Wenn der Ehegatte die proviſoriſche Auf⸗ loͤſung der Gemeinſchaft verlangt, ſo kann er ſeine Rechte in Hinſicht auf die Zuruͤcknahme ſeines einge⸗ brachten Vermogens,(reprises, Wieder lage) und alle ſeine geſetzmaͤßige und konventionelle Rechte ausüben, unter der Obliegenheit, fuͤr die einer Ruͤck⸗ erſtattung empfaͤngliche Gegenſtände Kaution zu ſtellen. Das Weib behält, wenn ſie die Fortdauer der Ge⸗ meinſchaft wählt, das Recht, in der Folge darauf Verzicht zu leiſten. 125. Der provi oriſche Beſitz iſt nur ein Depot, welches denen, die ihn erkangen, die Verwaltung der Gaͤter des Abweſenden einräumt, und ſie, im Falle er wiedererſcheinen oder man Rachricht von ihm erhal⸗ ten ſollte, rechnungspflichtig gegen ihn macht. 126. Die, welche die proviſoriſche Einſetzung er⸗ halten haben, oder der Ehegatte, der die Fortdauer der Gemeinſchaft gewählt hat, muͤſſen in Gegenwart des Regierungs Kommiſſairs(Kaiſ Prokurators) beim Tribunal erſter Inſtanz oder eines von dieſem dazu aufgeforderten Frirden Richters zu der Inventariſi⸗ rung der Mobiliarſchaft und der Rechts Titel des Ab⸗ weſenden ſchreiten⸗ ———————̃Fé— — Das Tribunal hat, nach Befinden, den Verkauf der ganzen oder eines Theils der Mobiliarſchaft zu verordnen. Im Falle des Verkaufs muß der Ver⸗ kaufs Preiß ſo wie die verfallene Früchte(truits, fruc- tus) angelegt werden. Die, welche die proviſoriſche Einſetzung erhalten haben, können zu ihrer Sicherheit fordern, daß durch einen von dem Tribunal ernannten Epperten ei⸗ ne Beſichtigung der unbeweglichen Guͤter vorgenom⸗ men werde, um ihren Zuſtand zu konſtatiren. Sein Bericht ſoll in Gegenwart des Regierungs Kommiſſairs (Kaiſ. Prokurators) homologirt werden; die Koſten dazu werden von dem Vermoͤgen des Abweſenden ge⸗ nommen. 127. Die, welche in Gefolge der proviſoriſchen Einſetzung oder der geſetzmaͤſſigen Verwaltung die Guͤ⸗ ter des Abweſenden benutzt haben, ſollen blos verbun⸗ den ſein, ihm den funften Theil der Einkuͤnfte zuruͤck⸗ zuerſtatten, wenn ör vor dem Ablauf von fünfzehn Febren ſeit dem Tage ſeiner Verſchwindung, wie⸗ e r erſcheint, unb⸗ wenn er erſt nach den funfzebn-Jahreñ Fſcheint. Rach einer Abweſenheit von dreißig Jahren ſoll der ganze Ertrag der Einkuͤnfte ihnen zugehoren. 128. Alle die, welche blos kraſt der proviſoriſchen Einſetzung den Genuß der unbeweglichen Guͤter des Abweſenden haben, koͤnnen ſie weder veräuſſern noch hypotheziren. 129. Wenn die Abweſenheie dreiſſig Jahre lang ſeit der proviſoriſchen Einſetzung oder ſeit der Epoche, in wel⸗ cher der in Gemeinſchaft lebende Ehegatte die Ver⸗ waltung der Guͤter des Abweſenden uͤbernommen hat, fortwährend gedauert hat, oder wenn hundert volle Jahre ſeit der Geburt des Abweſenden verſtrichen ſind, ſo ſollen die Kautionen entladen werden; alle Berech⸗ — 40— tiate koͤnnen die Theilung der Guͤter des Abweſenden verlangen, und die endliche Einſetzung in den Beſitz derſelben durch das Tribunal erſter Inſtanz ausſpre⸗ chen laſſen. 130. Die Suczeſſion des Abweſenden ſoll von dem Tag ſeines erwieſenen Todes an zum Vortheil der zu dieſer Epoche nächſten Anverwandten eroͤfnet ſein; und die, welche die Guͤter des Abweſenden benutzt haben, ſind aehalten, ſie zuruͤckzuerſtatten, mit Vorbehalt der von ihnen kraft des Art. 127 erworbenen Fruͤchte (truntus). 3. Wenn der Abweſende wieder zum Vorſchein kommt, oder ſeine Epiſtenz waͤhrend der proviſoriſchen Einſetzung bewieſen wird, ſo hoͤren die Wirkungen des Urtheils, welches ihn fuͤr abweſend erklaͤrt, auf, den im erſten Kapitel, fuͤr die Verwaltung ſeiner Guͤter, vorgeſchriebenen Erhaltungs Maasregeln, wenn ſie ſtatt ohnbeſchadet. Wenn der Abweſende, ſelbſt nach der endli⸗ Einſ tzung wieder zum Vorſchein kommt, oder wenn ſeine Exiſtenz bewieſen wird, ſo erhält er ſeine Guͤter in dem Zuſtande, worin ſie ſich befinden, den Kaufſchilling von jenen, welche verauſſert worden, oder die Guͤter, die von der Verwendung des Kaufſchillings ſeiner verkauften Guͤter herruͤhren, zuruͤck. 133. Die Kinder und unmitkelbare Deszendenten des Abweſenden koͤnnen ebenfalls in den 30 Jahren, von der endlichen Einſetzung an gerechnet, die Zuruͤck⸗ rſtattung ſeiner Guͤter, in der Art wie es in dem 6 bonden Artikel verfuͤgt iſt, verlangen. 134 Nach dem urtheit, wodurch die Abweſenheit erktaͤrt wird, kann niemand, der Rechte gegen den Abweſenden auszuuͤben hat, ſie anderſt als gegen *3 — zzS——z——————————— — 45— diejenige verfolgen, die in den Beſit ſeiner Guͤter einge⸗ ſetzt worden ſind, oder ihre geſetzliche Verwaltung haben. 8 weiner 2 bſchnit. Von den Wirkungen der Abweſenheit, in Betreff der even⸗ tuellen Rechte, die dem Abweſenden zufallen können. 135. Wer irgend ein Recht in Anſpruch nimmt, das einem Individuum, deſſen Exiſtenz nicht anerkannt iſt, zugefallen iſt, muß beweiſen, daß beſagtes Individuum, in dem Zeitpunkte eyiſtirte, als das Recht eroͤfnet worden iſt; bis dahin er dieſen Beweiß geliefert hat, muß er in ſeinem Begehren unzulöſſig erklaͤrt werden. 136. Wenn eine Erbſchaft erofnet wird, zu wel⸗ cher ein Individuum, deſſen Epiſtenz nicht anerkannt iſt, berufen wäre, ſo ſoll ſie ausſchließlich jenen zu⸗ gefallen ſein, mit welchen es Ju konkurriren berechtigt geweſen wäre, oder jenen, die ſie in ſeiner Erman⸗ gelung bezogen haben wuͤrden. 137. Die Verfüͤgungen der vorhergehenden Arti⸗ kel ſollen den Klagen(actions en petition d'héré- dité) zu Verfolgung des Erb Rechts und anderen Rech⸗ te, die dem Abweſenden, oder ſeinen Stellvertretern und den Inhabern ſeiner Rechte ſayans cause) zuſte⸗ hen koͤnnen, und bloß durch die Verſtreichung der zur Verjäbrung feſtgeſetzten Zeitfriſt erlöſchen, ohnbe⸗ ſchadet beſtehen. 138. So lange der Abweſende ſich nicht einſtellt, oder ſo lange keine Klagen in ſeinem Namen(de sonchef) erhoben werden, gewinnen die, welche die Suczeſ⸗ ſion empfangen haben, die von ihnen in gutem Glau⸗ ben bezogene Einkuͤnfte(fruetus). Von den Wirkungen der Abweſenheit in Betreff der Ebe. 139. Der abweſende Eyegatte, deſſen MitGatte eine neue Verbindung kontrahirt hat, iſt allein zu⸗ läſſig, dieſe Ehe entweder ſelbſt oder durch ſeinen, mit dem Beweiß ſeiner Epiſtenz verſehenen, Bevoll⸗ machtigten anzufechten(¹) 140. Wenn der abweſende Ehegatte keine Ver⸗ wandte hinterlaſſen hat, die ihn zu erben geeigen⸗ ſchaftet(habiles) ſind, ſo kann der andere Ehegatte die Einſetzung in den proviſoriſchen Beſitz ſeiner Gü⸗ ter verlangen. Viertes Kapitell. Von der Aufſicht uͤber die minderjährige Kinder, deren Vater verſchwunden iſt. N 141. Wenn der Vater verſchwunden iſt, und min⸗ derjaͤhrige Kinder hinterlaſſen hat, die aus einer ge⸗ meinſchaftlichen Ehe entſprungen ſind, ſo ſteht der Mutter die Aufſicht uber dieſelbe zu, und ſie hat al⸗ le Rechte des Mannes, in Betreff ihrer Erziehung und der Verwaltung ihres Vermoͤgens, auszuuͤben. 142. Wenn die Mutter zur Zeit des Verſchwin⸗ dens des Vaters verſtorben war, oder wenn ſie ſtirbt ehe der Vater fuͤr abweſend erklärt worden iſt, ſo ſoll die Aufſicht uber die Kinder, ſechs Monate nach deſſen Verſchwinden, durch den Familien Rath dem naͤchſten Aszendenten, und, in deren Ermangelung, einem proviſoriſchen Vormunde uͤbertragen werden. 143. Eben ſo ſoll es in den Fällen gehalten wer⸗ den, wenn einer der Ehegatten verſchwunden iſt, und minderjahrige, aus einer vorhergehenden Ehe ent⸗ ſprungene, Kinder hinterlaſſen hat. (1) Siehe das Gutachten des StaatsRaths vom 7 April 1305 Seite 31. Fünfter Titel. Von der Ehe (Dekretirt am(a6 Ventoſe XI) 17 März 1803, verkuͤndigt am(6ten Germinal) 27 deſſelben Monats. Erſtes Kapitell. Von den zum Abſchluß der Ehe erforderlichen Eigen⸗ ſchaften und Bedingungen. 144. Der Mann kann vor dem Alter von achtzehn vollen Jahren, das Weib vor dem Alter von fuͤnfzehn ebenfalls vollen Jahren keine Ehe kontrahiren. 145. Die Regierung kann jedoch, aus wichtigen Beweggruͤnden, Dispenſen fur das Alter bewilligen.(1) 146. Es giebt keine Ehe ohne Einwilligung. 147. Man kann vor Auſtoͤſung der erſten keine zweite Ehe kontrahiren. 148. Der Sohn, der das Alter von fuͤnf und zwanzig vollen Jahren, die Tochter die das Alter von ein und zwanzig vollen Jahren noch nicht erreicht hat, koͤnnen ohne die Einwilligung ihrer Aeltern keine Ehe abſchlieſſen; ſind die Meinungen getheilr, ſo iſt die Einwilligung des Vaters hinlänglich. 149. Iſt eines von beiden(Aeltern) verſtorben oder in der Unmoͤglichkeit, ſeinen Willen zu äuſſern, ſo iſt die Einwilligung des andern hinlaͤnglich. 150. Sind Vater und Mutter geſtorben, oder beſinden ſie ſich in der Unmoͤglichkeit, ihren Willen zu aͤuſſern, ſo treten die GrosAeltern an ihre Stelle. Sind Gros Vater und Gros Mutter von derſelben Linie verſchiedener Meinungen, ſo iſt die Einwilligung des Gros Vaters hjnlaͤnglich. Sind die Meinungen zwiſchen beiden Linien ge⸗ (1) Siehe das Dekret vom(20 Praireal 11) 9 Junius 1803, im Anhang Nro. III. ————————— theilt, ſo ſoll dieſe Theilung fuͤr Einwilligung gelten (emportera consentement.)(1) cc) Gutachten des Staatsraths vom(4 Thermidor 13) 23 Julins 1308. Der Staatsrath, an welchen S. M. einen Bericht des Gros⸗ richters Juſtizminiſters über die Schwierigkeiten, welche viele Ehen wegen der Anwendung mehbrerer Artikel des CiviGeſetzvuchs erleiden, verwieſen hat, nach Anhbrung des Berichtes der Geſetzgebung⸗ Sek⸗ tion, in Erwägung daß dieſe Schwierigkeiten daraus entſteben, daß die Beamten des Civilſtandes die verſchiedene Faͤlle, welche das Geſetz reguliren wollte, von denfenigen nicht genug unterſcheiden, welche es unter der Herrſchaft der allgemeinen Grundſätze und des gemeinen Rechtes gelaſſen hat; daß ohngeachtet der GeburtsAkt der zukuͤnftigen Ehegatten noͤthig iſt, es dennoch erlaubt iſt, ihn durch die im Art. 71⸗ vorgeſchriebene Formaltaͤten zu erſetzen; aber daß dieſe Formalitaten, welche vorgeſchrieben ſind, um einen Akt zu erſetzen, worauf der Civilſtand der Perſonen beruht, nicht gefordert werden konnen, um andere weniger weſentliche Akte zu erſetzen; daß daher, um den Sterb⸗ Akt der Aeltern oder Asſendenten zu erſezen, kein von dem Tribunal homologirter, die Erelärung von ſieben Zeugen enthaltender⸗ Akt der Offenkundigkeit, erforderlich iſt; daß die Gegenwart der GrosAeltern und die Erklaͤrung, welche man ihnen abfordern kann, das naluͤliche Supplement des SterbAktes der Aeltern ſind; daß wenn man wegen der Unbekanntſchaft des Ortes, wo die Aeltern und Aszendenten ge- ſtorben ſind, ihren SterbAkt nicht vorlegen kann, und wenu man, wie das oft bei der aͤrmeren VolksKlaſſe der Fall iſt, wegen der Un⸗ vekanntſchaft ihres lezten Wohnortes, nicht zu dem durch den Art. 155 vorgeſchriebenen Akt der Offenkundigheit ſeine Zuflucht nehmen kann, welcher beſtimmt iſt, die Abweſenheit von einem bekannten Wohnort zu konſtatiren, es alsdann die Vernunft eingiebt, ſich mit der Erklaͤrung von Zeugen zu begnuͤgen; daß ſchon bei vielen ähnlichen elegenheiten die Beamte des Eivilſtandes zu Paris guf Akte der ffenkundigheit zur Ehe geſchritten ſind, welche auf die Auſſagen von Zeugen, die die Parthicen vorgeſtellt hatten, entweder von Nota rien oder von FriedensRichtern aufgenommen worden warenz daß pein Nachtheil und keine Klage daraus entſprungen iſt;daß aber im Gegentheil eine 9roͤſſere Strenge in ähnlichen Faͤllen zu groſſen Anlaß gegeben hat; daß man ſelbſt mehrmal ein noch ein- facheres und noch weniger koſtſpieliges Mittel, als die Akte der Of⸗ ſenkundigkeit, ergriffen hat, und welches verdient den Vorzug z erhalten und allgemein eingefuhrt zu werden, indem man ſich mit der Erslärung der vier bei dem HeurathsAét nothigen Zeugen begnügt hat, welche dieſe vor dem Beamten des Civilſtandes abgaben und von welcher in dem Aete Meldung geſchah; daß dieſe Ewlärung, welche eben ſo feierlich als die in einem Akt der Offenkundigkeit iſt in Hin: ſicht auf die Ehe von Grosjährigen ohne alle Gefahr iſt, weit dabei die Einwilligung oder der Rath der Aszendenten nicht bon einer ſo abſolu⸗ ten Nothwendigkeit iſt, daß deren Abgang die Ehe verhindern könntes daß in Hinſicht auf die Ehe von Minderfährigen nichts zu vefürchten iſt, weil kraft des Artirels 160 des Civi Geſetzbuchs die Sohne oder Töchter unter ar Jahren, ſo oft weder Aeltern noch GrosAeltern vorhanden ſind, oder dieſe ſich in der Unndglichkeit befinden, ihre Meinung zu auſſern, keine Ehe ohne die Einwilligung des Familien- Raths abſchlieſſen duͤrfen, iſt der Meinung„daß, ſo vſt die —— — 35— 151. Die Familien Kinder, welche das durch den Art. 148 beſtimmte Alter der Grosjährigkeit erreicht haben, ſind verbunden, vor dem Abſchluß der Ehe durch einen ehrfurchtsvollen und feierlichen Akt den Rath ihrer Aeltern, und, wenn Vater und Mutter verſtorben ſind, oder ſich in der Unmoͤglichkeit befin⸗ den, ihren Willen zu aͤuſſern, den ihrer GrosAeltern zu begehren. 152. Von der, durch den Artikel 148 be⸗ beſtimmten Grosjährigkeit an, muß, bis zum Al⸗ ter von dreißig vollen Jahren fuͤr die Soͤhne, und bis zum Alter von fuͤnf und zwanzig vollen Jah⸗ ren fuͤr die Toͤchter, der durch den Art. 151 vorge⸗ ſchriebene ehrfurchtsvolle Akt, wenn darauf die Ein⸗ willigung zur Ehe nicht ertheilt worden iſt, zu zweien andernmalen von Monat zu Monat erneuert werden; und nach Ablauf eines Monats nach dem dritten Akt kann zum Abſchluß der Ehe vorangeſchritten werden.(¹) 153. Nach dem Alter von dreiſſig Jahren kann, im Falle die Einwilligung auf einen ehrfurchtsvollen Akt verweigert wird, einen Monat nach demſelben zum Abſchluß der Ehe vorangeſchritten werden. Gros Väter oder GrosMuͤtter den Sterbfall der Aeltern der zukünf⸗ tigen Eheleute bezeugen, es unnoͤthig iſt, ihre SterbAbte beizubrin- gen, und daß es genug iſt, in dieſem Falle in dem Heurathskt von ihrem Zeuguiß Meidung zu thun.“ 2)„daß, wenn die Acltern und GrosAeltern, deren Einwilligung erforderlich iſt, geſtorben ſind, und man ſich deshalb, weil ihr lezter Wohnort unbekannt war, in der Unmoglichkeit befindet, ihren SterbAkt oder den Beweiß ihrer Abweſenheit beizubringen, auf die eidliche Erklärung der zukünftigen Ehegatten, daß der Ort, wo iyre Aszendenten verſtorben ſind, und der, wo ſie zulezt gewohnt haben, ihnen unbekannt iſt, wenn ſie grosjaͤhrig(a1 Jahre alt) ſind, zum Abſchluß der Ehe geſchritten werden kann; dieſe Erklärung muß auch von den vier Zeugen des HeurathsAktes eidlich betheuert werden, welche beſtättigen müſſen, daß, ohngeahtet ſie die zukuͤnftige Ehaatten kennen, ſie den StertOrt ihrer Aszendenten und deren lezten Wohn- Ort nicht kennen. Die Beamte des Civilſtandes muſſeu in dem HeurathsAkt von dieſer Erelärung Meldung thun.“ (1) Dieſe und die 3 folgende Artieel machen das Geſe; vom Gx Pentoſe 12.) 12 März 1304 aus 154. Der ehrfurchtsvolle Akt muß dem oder den im Art. 151 bezeichneten Aszendenten durch zwei No⸗ tarien oder einen Notar und zwei Zeugen notifizirt werden, und in dem Verbal Prozeß, welcher daruͤber errichtet werden muß, muß von der Antwort Meldung geſchehen.. 155. Im Falle der Abweſenheit des Aszendenten bei welchem die ehrfurchtsvolle Anfrage haätte geſche⸗ hen muͤſſen, kann auf Vorlage des Urtheils, welches erlaſſen worden iſt, um ihn fuͤr abweſend zu erklaä⸗ ren, oder in Ermangelung eines ſolchen Urtheils, auf die Vorlage deſſen, welches das Zeugen Verhor(uͤber die Abweſenheit) verordnet hat, und wenn noch(gar) kein Urtheil erlaſſen worden iſt, auf die Vorlage eines, von dem FriedensRichter des Ortes, wo der Aszendent ſeinen lezten bekannten Wohnſitz harte, er⸗ theilten Offenkundigkeits Akt, der die Erklärung von vier, von dem FriedensRichter von Amtswegen be⸗ rufenen Zeugen enthalten muß, zum Abſchluß der Ehe vorangeſchritten werden. 156. Der Beamte des Civilſtandes, welcher zum Abſchluß einer Ehe geſchritten waͤre, die von Soͤhnen, die das Alter von fuͤnf und zwanzig vollen Jahren noch nicht erreicht haben, oder von Toͤchtern, die das Alter von ein und zwanzig vollen Jahren nicht erreicht haben, kontrahirt worden, ohne daß die Einwilligung der Aeltern, GrosAeltern und die des Familien Rathes in den Fällen, wo ſie erforderlich ſind, in dem Heuraths Att angefuͤhrt wäre, ſoll auf Betreiben der Betheiligten und des Regierungs Kom⸗ miſſairs(Kaiſ· Prokurators) bei dem Gericht erſter In⸗ ſtanz des Ortes, wo die Ehe abgeſchloſſen worden iſt, zu der von dem Art. 192 verhängten Geldſtrafe, und noch auſſerdem, zu einer Gefaͤngniß Strafe deren Dauer nicht geringer als ſechs Monate ſein kann⸗ verurtheilt werden. 57. Wenn in den Faͤllen, wo ſie vorgeſchrieben ſind, keine ehrfurchtsvolle Akte ſtatt gehabt haben, ſo ſoll der Beamte des Civilſtandes, der die Ehe ab⸗ geſchloſſen haͤtte, zu derſelben Geldbuße und zu einer Gefaͤngniß Strafe, die nicht geringer als einen Monat ſein kann, verurtheilt werden. 58. Die in den Art. 147, 148, 149 enthaltene Verfuͤgungen und die Verfuͤgung des Art. 151 in Betreff der ehrfurchtsvollen Anfrage, die in den durch dieſen Artikel vorgeſehenen Fällen bei den Aeltern ge⸗ ſchepen muß, ſind auf geſetzmäßig anerkannte natuͤr⸗ liche Kinder anwendbar. 159 Das natuͤrliche Kind, welches nicht aner⸗ kannt worden iſt, oder dasjenige, das nach der Anerkennung ſeine Aeltern verlohren hat, oder deſſen Vater und Mutter ihren Willen nicht aͤuſſern koͤnnen, darf ſich vor dem Alter von ein und zwanzig vollen Jahren nicht eher verheurathen, als bis es die Ein⸗ willigung eines Vormundes, der ihm eigends hierzu ernannt werden ſoll, erhalten hat. 160 Wenn weder Vater noch Mutter, weder Gros Vater noch Gros Mutter vorhanden iſt, oder ſie ſich in der Unmoͤglichkeit befinden, ihren Willen zu aͤuſſern, ſo koͤnnen die minderjährige Soͤhne und Tochter, unter ein und zwanzig Jahren, keine Ehe ohne die Einwilligung des Familien Raths abſchlieſſen. 161. Die Ehe iſt in grader Linie zwiſchen allen ge⸗ ſetzmäßigen oder natuͤrlichen Aszendenten oder Des⸗ zendenten und den Verſchwägerten(alnés) in derſel⸗ ben linie verboten. 162. Die Ehe iſt in der Seitenkinie zwiſchen ge⸗ ſetzmäßigen oder natürlichen Geſchwiſtern und den Werſchwagerten in demſelben Grade verboten⸗ 163. Die Ehe iſt zwiſchen Onkel und Nichte, Tante und Neffe gleichfalls verboten. 164. Doch kann die Regierung, wichtiger Urſa⸗ chen halber, die im vorhergehenden Artikel enthalte⸗ ne Verbote erlaſſen.(1) Zweites Kapitel. Von den auf den Abſchluß der Ehe Bezug habenden Formalitäten. 165. Die Ehe muß oͤffentlich, vor dem Civil Be⸗ amten des Wohnſitzes einer der Partheien abgeſchloſ⸗ ſen werden.(2) 66. Die beide durch den Art. 63, des dritten Kapitels: von den Akten des Civilſtandes anbefohlene Verkuͤndigungen muͤſſen auf der Munizi⸗ palität jeden Ortes, wo einer der kontrahirenden Theile ſeinen Wohnſitz hat, geſchehen. (1) Siehe den Veſchluß vom 9 Junius 1803, im Anhang No. III⸗ ) Gulachten des Staatsraths vom(3 Ergänzungstag 13) 20ten September 1805, uͤber die Frage, ob Militair Perſonen nur vor dem Beamten des Civilſtandes des Wohn ſi- nes eines der Ehegatten ſich verehelichen duͤrfen⸗ und ob auch der Militair dieſen Wohnſitz durch sinen ſechsmonatlichen Aufenthalt an dem Orte, wo die Eve abgeſchloſſen werden ſoll, erwerben muß. Der Staatsrath, in Erwägung, daß der Art. 165 des Civil- Geſetzbuchs verordnet, daß die Ehe vor dem Beamten des Civilſtandes des Wohnſitzes einer der Parthien abgeſchloſſen werden ſoll, daß dieſer Wohnſitz dem Art. 74 gemäß, durch einen ſechsmonatlichen, ſort- wahrenden, Aufenthalt in derſelben Gemeinde erworben wird, daß die Artikel 04 und 95 bloß diejenige MilitarPerſonen betreffen, welche ſich auſſerhalb des Gebietes des Reichs befinden; daß ſie keine Aus⸗- nahme zu Gunſten der Militairperſonen enthalten, die ſich im In- nern in Dienſtthätigkeit befinden; iſt der Meinung, daß dic Mi⸗ litairperſonen, wenn ſie ſich auf dem Gevbiet des Reichs befinden, nur vor dem Beomten des Cvitſtandes der Gemeinden, in welchen Fie ſich während ſechs ununterbrochenen Monaten aufgehalten haben, pder vor dem Beawten des Civilſtandes der Gemeinde, in welcher zyre zueunftige Gattinnen den durch den Art. 74 des Civi Seſetzbuch heſtimmten Wohnſitz erworben haben, und nur nachdem ſie die von den Artikeln 166, 167 hnd 168 vorgeſchriebene Formalitaten heohach- tet haben, eine Ehe eontrahiren konnen⸗ * ——,—“⁰—,.————— 167. Auſſerdem muͤſſen die Verkuͤndigungen, wenn der dermalige Wohnſitz blos durch einen ſechsmonatli⸗ chen Aufenthalt erlangt worden iſt, auch auf der Mu⸗ nizipalitãt des lezten Wohnortes geſchehen. 68. Wenn die kontrahirenden Theile oder einer der⸗ ſelben, ſich, in Betreff der Ehe, unter der Gewalt von andern befinden, ſo muͤſſen die Verkuͤndigungen auch noch auf der Munizipalität des Wohnortes der⸗ jenigen geſchehen, unter deren Gewalt ſie ſich befinden. 169 Die Regierung, oder die, welche ſie zu dem Ende anſeten wird, kann, wichtiger Urſachen halber, von der zweiten Verkuͤndigung dispenſiren. 170. Eine im Auslande zwiſchen Franzoſen, oder zwiſchen Franzoſen und Fremden abgeſchloſſene Ehe, iſt gultig, wenn ſie nach den landesublichen Formen abgeſchloſſen worden iſt, vorausgeſetzt, daß die durch den Art. 63 des dritten Kapitels des Titels von den Akten des Civilſtandes vorgeſchriebenen Ver⸗ kuͤndigungen voraus ſtatt gehabt haben, und daß der Franzoſe den im vorhergehenden Kapitel enthaltenen Verfuͤgungen nicht zuwidergehandelt hat. 171. Der Akt des Abſchluſſes einer im Auslande kontrahirten Ehe, muß in den drei Monaten nach der Ruͤckkehr des Franzoſen auf das Gebiet der Republik in das oͤffentliche Regiſter der Ehen von dem Orte ſeines Wohnſitzes eingeſchrieben werden. Drittes Kapitel. Von den Oppoſitionen gegen die Ehe. 17a. Das Recht, gegen den Abſchluß einer Ehe Oppoſition einzulegen, gehort jeder Perſon„ die mit einem der Kontrahenten durch die Ehe verbunden iſt. 173. Der Vater, und in Ermangelung des Vaters Civil Geſetzb. 4 die Mutter, und in Ermangelung von Vater und Mutter, die Gros Aeltern, koͤnnen gegen die Ehe ihrer Kinder und Deszendenten Oppoſition einlegen, ſelbſt wenn dieſe funf und zwanzig volle Jahre zuruͤckgelegt haben. 174. In Etmangelung aller Deszendenten, kann der Bruder oder die Schweſter, der Onkel oder die Tante, und die Geſchwiſter Kinder, wenn ſie grosjährig ſind, blos in folgenden beiden Fällen Oppoſition einlegen: ²) Wenn die durch den Art. 154 erforderte Einwilligung des Familien Raths nicht erlangt worden iſt. 2) Wenn ſich die Qppoſition auf den Blodſinn des kuͤnf⸗ tigen Ehegatten gruͤndet; und dieſe Oppoſition, de⸗ ren bloße und einfache Aufhebung das Tribunal verordnen kann, darf niemals anderſt als unter der Obliegenheit fur den Opponenten, die Interdiktion zu betreiben, und in der Zeirfriſt, die durch das Urtheil beſtimmt werden ſoll, daruͤber abſprechen zu laſſen, angenommen werden. 175. In den beiden durch die vorhergehenden Ar⸗ tikel vorgeſehenen Faͤllen ſoll der Vormund oder Ku⸗ rator waͤhrend der Dauer der Vormundſchaft oder Kuratel nur dann Oppoſition einlegen koͤnnen, wenn er dazu durch einen Familien Rath, den er zuſammen⸗ zuberufen befugt iſt, ermächtigt worden ſein wird. 16. Jeder Oppoſitions Akt muß die Eigenſchaft, welche dem Opponenten das Recht ertheilt, ſie einzu⸗ legen, angeben; er muß die Wahl eines Wohnſitzes in dem Orte, wo die Ehe abgeſchloſſen werden ſoll, enthalten: er muß ferner, wenn er nicht auf Anſtehen eines Aszendenten gemacht wird, die Beweggruͤnde der Oppoſition enthalten; alles unter Strafe der Nul⸗ lität, und der Interdiktion des miniſteriellen Beam⸗ ten, der den die Oppoſition enchaltenden Akt unter⸗ zeichnet hätte. — 51— 177. Das Tribunal erſter Inſtanz ſoll in den zehn Tagen uͤber das Geſuch um Aufhebung(der Oppoſi⸗ tion) abſprechen. 178. Wird Appell eingelegt, ſo ſoll in den zehn Tagen von der Ladung an daruͤber abgeſprochen werden. 179. Wenn die Oppoſition verworfen wird, ſo koͤn⸗ nen die Opvonenten, die Aszendenten jedoch ausgenom⸗ men, zu Schadloshaltungen verurtheilt werden. Viertes Kapitel. Von den Klagen auf Rullität einer Ehe. 180. Die Ehe, die ohne die freie Einwilligung beider Ehegalten, oder eines derſelben abgeſchloſſen worden iſt, kann blos von den Ehegatten, oder dem⸗ jenigen der beiden Ehegatten angefochten werden, de⸗ ren oder deſſen Einwilligung nicht frei war. Wenn ein Irrthum in Hinſicht auf die Perſon ſtatt gehabt hat, ſo kann die Ehe nur von demjenigen der beiden Ehegatten, der in Irrchum gefuͤhrt worden iſt, angeſochten werden. 181. Im Falle des vorhergebenden Artikels iſt di?⸗W Mullitats Klage dann nicht mehr zuläſſig, wenn eine fortwaͤhrende Beiwohnung waͤhrend ſechs Monaten, nachdem der Ehegatte ſeine voͤllige Freiheit wieder er⸗ halten, oder der Jerthum von ihm erkannt worden iſt, ſtatt gehabt hat. 182. Eine, in den Fällen, wo dieſe Einwilligung noͤthig war, ohne Einwilligung der Aeltern, der As⸗ zendenten oder des Familien Raths, abgeſchloſſene Ehe, kann blos von jenen angegriffen werden, deren Einwilligung erforderlich war, oder von demjenigen der beiden Ehegatten, der dieſer Einwilligung bedurfte. 183. Die Nullitaͤts Klage kann ſowohl von den Ehe⸗ — 55— gatten als auch von den Verwandten, deren Einwilli⸗ gung erforderlich war, in allen den Faͤllen nicht mehr erhoben werden, wenn die Ehe ausdruͤcklich oder ſtill⸗ ſchweigend von denjenigen, deren Einwilligung nothig war, gut geheiſſen worden iſt, oder wenn, ſeitdem ſie von der Ehe Kenntniß erhalten haben, ein Jahr ohne Reklamation von ihrer Seite verfloſſen iſt. Sie kann durch den Ehegatten ebenfalls nicht mehr erho⸗ ben werden, wenn, ſeitdem er das gehörige Alter, um ſelbſt in die Ehe einzuwilligen, erreicht har, ein Jahr ohne Reklamation von ſeiner Seite verfloſſen iſt. 184. Jede in Zuwiderhandlung der, in den Arti⸗ keln 144, 147, 161, 162 und 263 enthaltenen, Verfuͤgungen abgeſchloſſene Ehe kann, ſowohl durch die Ehegatten ſelbſt, als durch alle die, welche ein Intereſſe dazu haben, als auch durch das oͤffentliche Miniſterium angefochten werden. 185. Nichtsdeſtoweniger kann die von ſolchen Ehe⸗ gatten abgeſchloſſene Ehe, die beide oder von welchen einer das erforderliche Alter noch nicht erreicht hatten, Snicht mehr angegriffen werden: 1) wenn 6 Monate verfloſſen ſind, ſeitdem dieſer Ehegarte oder beide Ehe⸗ gatten das gehorige Alter erreicht haben, 2) wenn das Weib, welches dies Alter noch nicht erreicht hatte, vor dem Ablauf der ſechs Monate empfangen hat. 186. Die Aeltern, die Aszendenten und die Fami⸗ tie, welche in eine, in dem Falle des vorhergehenden Artikels abgeſchloſſene, Ehe eingewilligt haben, ſind nicht zuläſſig, auf Nullitaͤt derſelben zu klagen. 187. In allen Fällen, wo dem Art. 184 gemaͤß die Nullitats Klage durch alle und jede erhoben werden kann, die ein Intereſſe dazu haben, kann ſie ¶dennoch) durch Kollateral Erben oder die aus einer andern Ehe entſprungenen Kinder nicht bei kebzeiten der beiden — 53— Ehegatten erhoben werden, ſondern blos(dann) wenn ſie ein wirklich eroͤfnetes,(intérét u6 et actuel) und gleich eintretendes Intereſſe haben. 88. Der Ehegatte, zu deſſen Nachtheil eine zwei⸗ te Ehe abgeſchloſſen worden iſt, kann die Nullitat der⸗ ſelben, ſelbſt bei Lebzeiten des Ehegatten, der mit ihm verbunden war, nachſuchen. 189. Wenn die neuen Ehegatten die Nullität der erſten Ehe opponiren, ſo muß uͤber die Guͤltigkeit oder die Mullitaͤt dieſer Ehe vorerſt abgeſprochen werden. 190. Der Regierungs Kommiſſair(Kaiſerl. Proku⸗ rator) kann und muß in allen Faͤllen, welche der Art. 184 des gegenwaͤrtigen Titels begreift, jedoch unter den im Art. 188 verfuͤgten Modifikationen, bei Lebzeiten der beiden Ehegatten die Rullität der Ehe nachſuchen, und ſie verurtheilen laſſen, ſich zu trennen. 191. Jede Ehe die nicht oͤffentlich kontrahirt, und jede, welche nicht vor dem kompetenten Civilbeamten abgeſchloſſen worden iſt, kann durch die Ehegatten ſelbſt, durch die Aeltern, durch die Aszendenten, und durch alle die, welche ein ſchon eroͤfnetes und gleich eintretendes Intereſſe dazu haben, ſo wie durch das oͤffentliche Miniſterium angefochten werden. 192. Wenn die zwei vorgeſchriebene Verkuͤndigun⸗ gen der Ehe nicht vorhergegangen ſind, oder wenn keine durch das Geſetz erlaubte Dispenſen ertheilt worden ſind, oder wenn die fuͤr die Verkuͤndigungen und den Abſchluß(der Ehe) vorgeſchriebenen Zwiſchen⸗ Friſien nicht beobachtet worden ſind, ſo ſoll der Regie⸗ rungs Kommiſſair gegen den oͤffentlichen Beamten eine Geldbuße, die dreihundert Franken nicht uͤber⸗ ſteigen darf, oder gegen die kontrahirenden Theile, und die, unter deren Gewalt ſie gehandelt haben, eine ihrem Vermoͤgen verhůltnißmaͤßige Geldbuße ausſprechen laſſen 193. Die in dem vorhergehenden Artikel bezeichne⸗ ten Perſonen ſollen fuͤr jede Zuwiderhandlung gegen die durch den Art. 165 vorgeſchriebenen Regeln in dieſelben, darinn beſtimmte Straſen verfallen ſein, ſelbſt wenn dieſe Zuwiderhandlungen nicht fuͤr hinlänglich erkannt werden, um die Nullität der Ehe auszuſprechen. 194. Niemand kann den Titel als Ehegatte, und die Civil Rechte der Ehe reklamiren, wenn er nicht einen auf das Regiſter des Civilſtandes eingeſchriebe⸗ nen HeurathsAkt vorlegt, mit Vorbehalt der im Art. 46 des Titels: von den Akten des Civil⸗ ſtandes vorgeſehenen Faͤllen. 195. Der Beſitzſtand(a possession d'état) kann die angeblichen Ehegatten, welche ſich gegenſeitig da⸗ rauf berufen werden, der Verbindlichkeit nicht enthe⸗ ben, den Akt des Abſchluſſes ihrer Ehe vor dem Be⸗ amten des Civilſtandes vorzulegen. 196. Wenn der Beſitzſtand vorhanden iſt, und ein Akt des Abſchluſſes der Ehe vor dem Beamten des gœiviſſtanbes vorliegt, ſo koͤnnen die Ehegatten gegen⸗ * itig nicht zugelaſſen werden, auf die Nullität dieſes Aktes anzutragen. 197. Wenn jedoch im Falle der Art. 194 und 195 von zwei Individuen, die offentlich wie Mann und Frau gelebt haben, und beide geſtorben ſind, abſtam⸗ mende Kinder eriſtiren, ſo kann die Rechtmaͤſſigkeit der Kinder unter dem einzigen Vorwande der Richt⸗ Vorlegung des HeurathsAktes(ihrer Aeltern) nicht be⸗ ſtritten werden, ſo oft dieſe Rechtmaͤſſigkeit durch ei⸗ nen Beſihſtand erwieſen iſt, welchem der GeburtsAkt nicht wider ſpricht. 193. Wenn der Beweis des geſetlichen Abſchluſſes einer Ehe durch das Reſultat einer peinlichen Proze⸗ dur erworben wird, ſo verſichert die Einſchreibung des — 55— Urtheils auf die Regiſter des Civilſtandes dieſer Ehe, von dem Tage ihres Abſchluſſes an, alle Civil Wir⸗ kungen, ſowohl in Hinſicht auf die Ehegatten, als in Hinſicht auf die aus dieſer Ehe entſprungenen Kinder. 199. Wenn die Ehegatten, oder einer derſelben, geſtorben ſind, ohne den Betrug entdeckt zu haben, ſo kann die peinliche Klage von allen denen, welche ein Intereſſe haben, die Ehe guͤltig erklaren zu ma⸗ chen, und durch den Regierungs Kommiſſair(Kaiſerl. Prokurator) angeſtellt werden. 200. Wenn der oͤffentliche Beamte zur Zeit der Entdeckung des Betrugs verſtorben iſt, ſo muß die Klage durch den RegierungsKommiſſair, in Gegen⸗ wart der Betheiligten, und auf ihre Denunziation, im Civilwege gegen ſeine Erben gerichtet werden. 201. Eine Ehe, welche nichtig erklärt worden iſt, bringt nichts deſtoweniger die Civil Wirkungen, ſowohl in Hinſicht auf die Ehegatten, als in Hinſicht auf die Kinder hervor, wenn ſie ohne Argliſt(de bonne foi, bona ſide) abgeſchloſſen worden iſt.—½ 202. Wenn nur einer der Ehegatten in gutem Glauben iſt, ſo bringt die Ehe die Civil Wirkungen blos zum Vortheil dieſes Ehegatten und der aus der Ehe entſprungenen Kinder hervor. Fuͤnftes Kapitel. Von den aus der Ehe entſpringenden Verbindlichkeiten. 203. Die Ehegatten gehen, durch das bloße Fak⸗ tum der Ehe, gemeinſchaftlich die Verbindlichkeit ein, ihre Kinder zu ernaͤhren, zu unterhalten und zu erziehen. 204. Dem Kind ſteht keine Klage gegen ſeine Ael⸗ tern wegen einer Riederlaſſung durch die Ehe oder auf andere Art, zu. 205. Die Kinder ſind ihren Aeltern und ander⸗ Aszendenten, welche ſich in beduͤrftigem Zuſtande be⸗ finden, Alimentation ſchuldig. 206. Die Schwieger Soͤhne und Toͤchter ſind ihren Schwieger Aeltern ebenfalls und unter denſelben Um⸗ ſtaͤnden, Alimentation ſchuldig; aber dieſe Verbind⸗ lichkeit hoͤrt auf: 1) wenn die Schwieger Mutter zur zw iten Ehe geſchritten iſt. 2) Wenn derjenige der Ehe⸗ gatten, der die Verwandſchaft hervorgebracht hat, und die Kinder aus ſeiner Ehe mit dem andern Ehegatten verſtorben ſind. 207. Die aus dieſen Verfuͤgungen herflieſſenden Verbindlichkeiten ſind gegenſeitig. 208. Die Alimente werden nur im Verhaͤltniß des Beduͤrfniſſes deſſen, der ſie anfordert und der Ver⸗ moͤgens Umſtaͤnde deſſen, der ſie ſchuldig iſt, bewilligt. 209. Wenn der, welcher die Alimente giebt, oder der, welcher ſie erhaͤlt, wieder in einen ſolchen Zu⸗ ſtand verſetzt wuͤrde, daß der eine ſie nicht mehr geben koͤnnte, oder daß der andere ihrer ganz oder theilwei⸗ e nicht mehr beduͤrftig wäre, ſo kann die Entladung dder Verminderung derſelben verlangt werden. 210. Wenn die Perſon, welche die Alimente zu geben hat, ausweißt, daß ſie keine alimentariſche Pen⸗ ſion bezahlen kann, ſo kann das Tribunal, mit Kennt⸗ niß der Sache, befehlen daß ſie den, welchem ſie die Alimente ſchuldig iſt, in ihre Wohnung anfnehmen und ihn daſelbſt naͤhren und unterhalten ſoll. 211. Das Tribunal hat ebenfalis daruber zu erken⸗ nen, ob der Vater oder die Mutter, welcher oder welche ſich erbieten, das Kind, welchem er oder ſie Alimente ſchuldig iſt, in ihrer Wohnung zu ernaͤhren und zu unterhalten, in dieſem Fall von der Verbind⸗ lichkeit, eine alimentariſche Penſion zu zahlen, befreit werden ſoll. —————————— Sechstes Kapitel. Von den gegenſeitigen Rechten und Pflichten der Ehegatten. 212. Die Gatten ſind ſich gegenſeitig Treue, Unter⸗ ſtuͤtung, Huͤlfe ſchuldig. 213. Der Mann iſt ſeinem Weibe Schuß, das Weib ſeinem Manne Gehorſam ſchuldig. 214. Das Weib iſt verbunden, bei ſeinem Manne zu wohnen, und ihm allenthalben hin zu folgen, wo er ſich aufzuhalten fuͤr dienlich findet: der Mann iſt verbunden, es aufzunehmen, und ihm nach ſeinem Vermoͤgen und ſeinem Stande alles zu verſchaffen, was zu den Beduͤrfniſſen des Lebens noͤthig iſt. 215. Die Frau kann ohne Ermachtigung des Man⸗ nes nicht vor Gericht auftreten, ſelbſt wenn ſie eine oͤffentliche Handlung hätte, oder nicht in Gemeinſchaft der Guͤter mit dieſem lebte, oder dieſe Gemeinſchaft aufgehoben waͤre. 216. Die Ermaͤchtigung des Mannes iſt dann nicht noͤthig, wenn das Weib wegen peinlichen oder PolizeyGegenſtaͤnden verfolgt wird. 217. Das Weib, ſelbſt wenn es in keiner Gemein⸗ ſchaft der Guͤter mit ſeinem Manne lebt, oder dieſe Gemeinſchaft aufgehoben ware, kann ohne die Mit⸗ wirkung des Mannes zu dem Akt, oder deſſen ſchrift⸗ liche Einwilligung, nichts ſchenken, veraͤuſſern, hypo⸗ theziren, oder irgend etwas, weder unentgeltlich, noch unter laͤſtigen Bedingungen erwerben. 218. Wenn der Mann ſeiner Frau die Ermaͤchti⸗ gung vor Gericht aufzutreten, verweigert, ſo kann der Richter dieſe Ermaͤchtigung ertheilen. 219. Wenn der Mann ſeiner Frau die Ermaͤchti⸗ gung verſagt, einen Akt einzugehen, ſo kann die Frau ihren Mann unmittelbar vor das Tribunal erſter In⸗ — 53— ſtanz des Bezirks ihres gemeinſchaftlichen Wohnſitzes vorladen laſſen, welches ſeine Ermaͤchtigung ertheilen oder verweigern kann, nach dem der Mann angehoͤrt, oder doch gehoͤriger Maaſen in das Berathſchlagungs⸗ Zimmer berufen worden iſt. 220. Die Frau kann, wenn ſie eine oͤffentliche Handlung fuͤhrt, ſich auch ohne Ermaͤchtigung ihres Mannes in Gegenſtaͤnden, die ihren Handel betref⸗ fen, verbindlich machen, und in dieſem Falle, macht ſie auch den Mann verbindlich, wenn eine Gemein⸗ ſchaft der Guͤter zwiſchen ihnen beſteht. Sie wird fur keine oͤffentliche HandelsFrau gehal⸗ ten, wenn ſie blos die von dem Handel ihres Man⸗ nes herruͤhrende Waaren im Kleinen verkauft, ſon⸗ dern nur dann, wenn ſie einen getrennten Handel fuͤhrt. 221. Wenn der Mann zu einer peinlichen oder entehrenden Strafe verurtheilt worden iſt, wenn ſie auch nur in Contumaciam ausgeſprochen worden iſt, ſo kann die Frau, ſelbſt wenn ſie grosjährig iſt, waͤh⸗ rend der Dauer der Straſe, weder vor Gericht auftre⸗ ten, noch kontrahiren, als nachdem ſie ſich von dem Gericht dazu hat ermaͤchtigen laſſen, das in dieſem Falle die Ermaͤchtigung ertheilen kann, ohne daß der Mann gehoͤrt oder berufen worden wäre. z22. Wenn der Mann interdizirt oder abweſend iſt, ſo kann der Richter, nach genommener Kenntniß der Sache, die Frau ermächtigen, ſey es vor Gericht aufzutreten, ſey es zu kontrahiren. 223. Jede allgemeine, ſelbſt im Ehe Kontrakte be⸗ dungene, Ermäͤchtigung iſt nur fuͤr die Verwaltung der Guͤter der Frau guͤltig. 224. Wenn der Mann minderjährig iſt, ſo be⸗ darf die Frau der Ermaͤchtigung des Richters, ſowohl um vor Gericht aufzutreten, als um zu kontrahiren. l aa5. Die NRullitaͤt, welche ſich auf den Mangel der Ermächtigung gruͤndet, kann blos von der Frau, von dem Manne, oder von ihren Erben eingewendet werden. 226. Die Frau kann ohne Ermaͤchtigung ihres Mannes teſtiren. Siebentes Kapitel. Aufloͤſung der Ehe. 227. Die Ehe wird aufgeloͤßt: 1) durch den Tod eines der Ehegatten, 2) durch die geſetzmäßig ausgeſprochene Eheſchei⸗ dung 3) durch die endlich gewordene Verurtheilung eines der Ehegatten(zu einer Strafe) welche den Civil Tod nach ſich zieht. Achtes Kapitel. Von den zweiten Ehen. za8. Das Weib kann nicht eher als nach dem Ab⸗ lauf von zehn vollen Monaten nach der Aufloͤſung der erſten Ehe eine neue kontrahiren. Sechster Titel. Von der Eheſcheidung. Dekretirt vom(30 Ventoſe 11) 21 März 1803, verkuͤndigt am 10 Germinal) 31 März. Erſtes Kapitel. Von den Urſachen der Eheſcheidung. 2a9. Der Mann kann die Eheſcheidung wegen des. Ehebruchs ſeiner Frau verlangen. 250. Die Frau kann die Eheſcheidung wegen des Ehebruchs ihres Mannes nur dann verlangen, wenn er Konkubine im gemeinſchaftlichen Hauſe gehalten at. a311 Die Ehegatten koͤnnen gegenſeitig wegen Er⸗ zeſſ n, Mishandlungen(Sèvices) oder ſchweren In⸗ jurien(injures graves) des einen gegen den andern die Eheſcheidung verlangen. 232. Die Verurtheilung des einen der Ehegatten zu einer infamirenden Strafe iſt fuͤr den andern Ehe⸗ gatten ein Grund der Eheſcheidung. 233. Die gegenſeitige und beharrliche(perséverant) Einwilligung der Ehegatten, wenn ſie auf die durch das Geſetz vorgeſchriebene Weiſe, unter den von dem⸗ ſelben beſtimmten Bedingungen und nach den darin vorgeſchriebenen Pruͤfungen ausgedruͤckt worden iſt, iſt ein hinlänglicher Beweiß, daß das Leben in Ge⸗ meinſchaft ihnen unerträglich iſt, und daß in ihrer Hinſicht ein peremptoriſcher Grund zur Eheſcheidung vorhanden iſt. Zweites Kapitel. Von der Eheſcheidung wegen beſtimmten urſachen. Erſter Abſchnitt. Von der Forin der Eheſcheidung wegen beſtimmten Urſachen⸗ 254. Von welcher Gattung die Thatſachen oder Delikte ſein moͤgen, welche zu einer Klage auf Eheſchei⸗ dung aus einer beſtimmten Urſache Gelegenheit geben, ſo kann dieſe Klage nur vor dem Tribunal des Be⸗ zirks, in welchem die Ehegatten ihren Wohnſitz ha⸗ ben, erhoben werden. 235. Wenn einige der durch den klagenden Ehe⸗ gatten angefuͤhrten Thatſachen zu einer peinlichen Ver⸗ folgung von Seiten des offentlichen Miniſteriums ſtatt geben, ſo dem Urtheil des Tribunals ſuspendirt bleiben; ſie ſoll nachher wieder aufgenommen(reprise) werden koͤn⸗ nen, ohne daß es erlaubt wäre, aus dem peinlichen ——————————— ſoll die Klage auf Eheſcheidung bis nach — Urtheil irgend einen Grund zur NichtZulaſſung der Klage(fin de non recevoir) oder ſonſt eine nach⸗ theilige Exzeption gegen den klagefuͤhrenden Ehegat⸗ ten herzuleiten. 236. Jede Klage auf Eheſcheidung muß die That⸗ ſachen unſtändlich angeben; ſie muß durch den klage⸗ fuͤhrenden Ehegatten dem Praͤſidenten des Gerichts, oder dem ſeine Amtsverrichtungen verſehenden Richter mit den Beweißſtuͤcken, wenn deren vorhanden ſind, perſoͤnlich uͤbergeben werden, wenn er nicht durch Krankheit daran verhindert iſt; in welchem Falle der Magiſtrat ſich auf ſein Anſuchen und das Zeugniß zweier Geſundheits Beamten in die Wohnung des Klaͤ⸗ gers begeben ſoll, um ſeine Klage zu empfangen. 237. Der Richter hat nach Anhoͤrung des Klä⸗ gers, und nachdem er ihm die Bemerkungen, die er fuͤr zweckmäßig halten wird, gemacht haben wird, die Klage und die Aktenſtuͤcke zu paraphiren, und uͤber die Uebergabe des ganzen in ſeine Hände einen Ver⸗ bal Prozeß aufzuſetzen. Dieſer Verbal Prozeß ſoll von dem Richter und dem Kläger unterzeichnet werden, ausgenommen, wenn der letztere nicht ſchreiben koͤnnte, oder daran verhindert wäre, in welchem Falle Mel⸗ dung davon geſchehen ſoll. 238. Der Richter befiehlt am Ende ſeines Ver⸗ baProzeſſes, daß die Partheien an dem Tag und zu der Stunde, die er beſtimmen wird, perſönlich vor ihm erſcheinen ſollen; und zu dem Ende hat er der Parthey, gegen welche die Eheſcheidung anverlangt wird, eine Abſchrift ſeiner Ordonnanz zuzuſtellen. 239. An dem beſtimmten Tage hat der Richter den beiden Ehegatten, wenn ſie erſcheinen, oder dem Klä⸗ ger, wenn er allein erſcheint, alle die Worſtellungen zu machen, die er fuͤr geeignet halten wird, eine Aus⸗ — 63— ſöhnung zu bewirken. Wenn er dieſe nicht erwirken kann, ſo ſetzt er einen VerbalProzeß daruͤber auf, und verordnet die Mittheilung der Klage und der Ak⸗ tenſtuͤcke an den Regierungs Kommiſſair(Kaiſ. Proku⸗ rator), und einen Bericht uͤber das Ganze an das Tribunal. 240. Das Tribunal hat in den dreien darauf fol⸗ genden Tagen auf den Bericht des Praͤſidenten oder des Richters, der deſſen Stelle verſehen hat, und nach Anhoͤrung des Antrags des Regierungs Kommiſſairs (Kaiſ. Prokurators) die Erlaubniß vorzuladen zu be⸗ willigen oder auszuſetzen. Dieſe Suspenſion darf die Zeitfriſt von zwanzig Tagen nicht uͤberſteigen. 241. Der Kläger muß den Beklagten kraft der Erlaubniß des Tribunals in der gewohnlichen Form vorladen laſſen, perſoͤnlich in der vom Geſetz vorge⸗ ſchriebenen ZeitFriſt in der Audienz zu erſcheinen, die bei geſchloſſenen Thuͤren gehalten wird. Er muß dem Beklagten eine Abſchrift der Klage auf Scheidung und der zum Beleg beigebrachten Beweißſtuͤcke vorne vor(en ite) der kadung mittheilen laſſen. 242. Nach dem Ablauf der ZeitFriſt ſoll der Klaͤ⸗ ger perſoͤnlich, wenn er es fur dienlich erachtet, von einem Rechtsbeiſtande begleitet, der Beklagte mag er⸗ ſcheinen oder nicht, die Beweggruͤnde ſeiner Klage, vortragen oder vortragen laſſen. Er ſoll die Akten⸗ ſtuͤcke, welche ſie unterſtuͤtzen, vorlegen und die Zeu⸗ gen, die er abhören zu laſſen die Abſicht hat, benennen⸗ 243. Wenn der Beklagte perſoͤnlich, oder durch einen Bevollmächtigten erſcheint, ſo kann er ſeine Be⸗ merkungen, ſowohl uͤber die Beweggruͤnde der Klage, als uͤber die durch den Beklagten vorgelegten Be⸗ weißſtucke, und die von ihm genannten Zeugen vor⸗ tragen oder vortragen laſſen. Der Beklagte ſoll, ſei⸗ nerſeits, die Zeugen benennen, die er abhoͤren zu laſ⸗ ſen die Abſicht hat, und uͤber welche der Klaͤger gegen⸗ ſeitig ſeine Bemerkungen machen kann. 244. Ueber dies Erſcheinen, die Auſſagen und Er⸗ klärungen der Partheyen, ſo wie uͤber die Eingeſtänd⸗ niſſe, die die eine oder die andere machen koͤnnte, wird ein VerbalProzeß aufgeſetzt. Dieſer Verbal Prozeß ſoll den beſagten Partheyen vorgeleſen werden; ſie ſol⸗ len aufgefordert werden, ihn zu unterzeichnen, und es ſoll von ihrer Unterſchrift oder ihrer Erklärung, daß ſie nicht unterſchreiben koͤnnen oder wollen, aus⸗ druͤcklich darin Meldung geſchehen. 245. Das Tribunal verweißt nunmehr die Par⸗ theyen in eine öffentliche Audienz, deren Tag und Stunde es zu beſtimmen hat; es verordnet die Mit⸗ theilung der Prozedur an den Regierungs Kommiſ⸗ ſair aiſ. Prokurator) und ernennt einen Bericht⸗ erſtatter. Im Falle, daß der Beklagte nicht er⸗ ſchienen waͤre, ſoll der Kläger gehalten ſein, ihm die Ordonnanz des Tribunals in der, durch dieſelbe be⸗ ſtimmten ZeitFriſt ſignifiziren zu laſſen. 246. An dem beſtimmten Tag und Stunde ſoll das Tribunal, auf den Bericht des dazu ernannten Rich⸗ ters, nach Anhörung des Regierungs Kommiſſairs (Kaiſ. Prokurators) zuerſt uͤber die Gruͤnde der Un⸗ zuläſſigkeit der Klage,(Hins de nons recevoir) wenn deren angefuͤhrt worden ſind, abſprechen. Inm Falle ſie gegruͤndet(coneluantes) befunden wuͤrden, ſoll die Klage auf Eheſcheidung abgewieſen werden; im ent⸗ gegengeſetzten Falle, oder wenn keine Gruͤnde der Un⸗ zulaͤſſigkeit angeſtellt worden wären, ſoll die Klage auf Eheſcheidung zugelaſſen werden. 247. Das Tribunal ſoll unmittelbar nach der Zu⸗ laſſung der Scheidungs Klage, auf den Bericht des — 6— dazu ernannten Richters, und nach Anhoͤrung des Regierungs Kommiſſairs(Kaiſ. Prokurators) uͤber die Hauptſache ſelbſt erkennen. Es ſpricht uͤber das Ge⸗ ſuch ab,(faire droit) wenn es ihm zu einem Endllr⸗ theile geeigenſchaftet ſcheint; wo nicht, ſo ſoll es den Klaͤger zu dem Beweiß der von ihm angefuͤhrten ein⸗ ſchlaͤglichen Thatſachen und den Beklagten zum Be⸗ weiß des Gegentheils zulaſſen. 248. Die Partheyen koͤnnen, bei jedem Akt des Prozeſſes, nach dem Bericht des Richters, und ehe der Regierungs Kommiſſair(Kaiſ. Prokurator) das Wort genommen hat, ihre gegenſeitige Rechts Mittel, zuerſt in Hinſicht auf die Gruͤnde der Unzuläſſigkeit, und nachher uͤber die Klage ſelbſt vortragen oder vortragen laſſen, aber in keinem Falle ſoll der Rechts⸗ beiſtand des Klaͤgers zugelaſſen werden, wenn der Klaͤger nicht in Perſon erſcheint. 249. Gleich nach dem Ausſpruch des Urtheils, welches ein Zeugen Verhoͤr verordnet, ſoll der Gref⸗ ſier des Tribunals(Gerichtsſchreiber) den Theil des Verbal Prozeſſes vorleſen, welcher die ſchon geſchehene Ernennung der Zeugen enthaͤlt, die die Partheyen ab⸗ hoͤren zu laſſen die Abſicht haben. 1 Dieſe ſollen durch den Praͤſidenten benachrichtiget werden, daß ſie noch andere(Zeugen) bezeichnen koͤn⸗ nen, aber daß dieſe nach dieſem Augenblick nicht mehr werden angenommen werden. 250. Die Partheien ſollen ſogleich gegen die Zeu⸗ gen, die ſie verwerfen wollen, ihre gegenſeitige Ein⸗ wendungen machen. Das Tribunal ſoll nach Anhoͤ⸗ rung des Regierungs Kommiſſairs, uͤber dieſe Einwen⸗ dungen abſprechen. a51. Die Verwandten der Partheyen, mit Aus⸗ nahme ihrer Kinder und Deszendenten, konnen wegen ————————————————————————— (du chet) dieſer Verwandſchaft nicht verworfen wer⸗ den, eben ſo wenig als die Dienſtleute der Ehegatten wegen dieſer Eigenſchaft: aber das Tribunal hat auf die Auſſagen der Verwandten und Dienſtleute ſo viel Ruͤckſicht zu nehmen als Rechtens. 25a. Jedes Urtheil, welches einen Zeugenbeweiß zuläßt, muß die Zeugen, welche abgehoͤrt werden ſollen, benennen, und Tag und Stunde beſtimmen, an wel⸗ chen die Partheyen erſcheinen muͤſſen. 253. Die Auſſagen der Zeugen werden von dem Tribunal, bei verſchloſſenen Thuͤren, in Gegenwart des Regierungs Kommiſſairs(Kaiſ. Prokurators), der Partheyen und ihrer Rechtsbeiſtaͤnde oder Freunde, bis zur Zahl von dreien auf jeder Seite, aufgenom⸗ men. 254. Die Partheyen koͤnnen ſelbſt, oder durch ihre Beiſtände, den Zeugen alle Bemerkungen und In⸗ terpellationen machen, die ſie fur ſachdienlich erachten, ohne ſie jedoch im Lauſe ihrer Auſſagen unterbrechen zu duͤrfen. 255. Jede Auſſage muß, ſo wie die Reden und Be⸗ merkungen, zu welchen ſie Gelegenheit gegeben, ſchrift⸗ lich aufgeſetzt werden. Der Verbal Prozeß des Ver⸗ boͤrs ſoll ſowohl den Zeugen, als den Partheyen vor⸗ geleſen werden; die einen und die andern ſollen auf⸗ gefordert werden, ihn zu unterzeichnen, und es ſoll von ihrer Unterſchrift, oder ihrer Erklärung, daß ſie nicht unterzeichnen koͤnnen oder wollen, Meldung geſchehen. 256. Nach dem Schluß der beiden Zeugen Ver⸗ hoͤre, oder des(Seugen Verhörs) des Klägers, wenn der Beklag keine Zeugen vorgebracht hat, verweißt das Tribunal die Partheyen in eine Audienz, deren Tag und Stunde es beſtimmt. Es hat zugleich die Civi Geſetzbuch. 5 — 66— Mittheilung der Prozedur an den Regierungs Kom⸗ miſſar(Kaiſ. Prokurator) zu verordnen, und einen Be⸗ richtſteller ʒu ernennen. Dieſe Ordonnanz muß dem Be⸗ klagten, auf Betreiben(à la requéte) des Klägers in der darin beſtimmten ZeitFriſt ſignifizirt werden. 257. An dem zu dem EndlUrtheil beſtimmten Tage wird durch den dazu angeſetzten Richter der Bericht erſtattet. Die Partheyen koͤnnen nachher, ſelbſt oder durch das Organ ihrer Rechtsbeiſtände, alle die Be⸗ merkungen machen, die ſie fur ſachdienlich erachten. Hierauf macht der Regierungs Kommiſſar(Kaiſ. Pro⸗ kurator) ſeinen Antrag. 258. Das Endlrtheil wird oͤffentlich ausgeſpro⸗ chen. Wenn es die Eheſcheidung zulaͤßt, ſo ermaͤch⸗ tigt es den Kläger,(à se retirer pardevant) ſich an den Beamten des Civilſtandes zu wenden, um ſie aus ſprechen zu laſſen. 259. Wenn die Klage der Eheſcheidung wegen Ex⸗ zeſſen, Mishandlungen oder ſchweren Injurien ange⸗ ſtellt worden iſt, ſo ſind die Richter, wenn ſie auch hinlaͤnglich(Stablie) ausgefuͤhrt iſt, dennoch befugt, die Eheſcheidung nicht unmittelbar zuzulaſſen: ſie koͤn⸗ nen alsdann, ehe ſie dem Geſuch willfahren, die Frau ermaͤchtigen, die Geſellſchaft ihres Mannes zu ver⸗ laſſen, ohne daß ſie gehalten waͤre, ihn aufzunehmen, wenn ſie es nicht fur dienlich erachtet, und den Mann verurtheilen, ihr eine, ſeinem Vermoͤgen verhaltniß⸗ maͤßige, alimentariſche Penſion zu bezahlen, wenn die Frau nicht ſelbſt hinlaͤngliche Einkuͤnfte beſitzt, um fuͤr ihre Beduͤrfniſſe zu ſorgen. abo. Wenn die Partheyen ſich nach Ablauf eines Pruͤfungs Jahrs nicht wieder vereinigt haben, ſo kann der Klagefüuhrende Ehegatte den andern vorladen laſ⸗ ſen, in den geſetzlichen ZeitFriſten vor dem Tribunal ————————— zu erſcheinen, um daſelbſt das Endlrtheil ausſpre⸗ chen zu hoͤren, welches alsdann die Eheſcheidung zu⸗ laſſen muß. 261. Wenn die Eheſcheidung wegen der Verur⸗ theilung eines der Ehegatten zu einer entehrenden Strafe anverlangt wird, ſo ſollen die einzigen, dabei zu beobachtende Formalitaͤten, in der Vorlegung einer Ausfertigung des VerdammungsUrtheils in gehoͤriger Form, und eines Zeugniſſes des peinlichen Gerichts, des Inhaltes, daß dieſes naͤmliche Urtheil auf keinem geſeblichen Weg mehr reformirt werden kann, beſtehen. 262. Im Fall der Appellation von einem, von dem Tribunal erſter Inſtanz in EheſcheidungsSachen er⸗ laſſenen, Zulaſſungs⸗oder EndUrtheil, ſoll die Sache von dem AppellationsGericht als dringend inſtruirt und abgeurtheilt werden. 263 Die Appellation iſt nur dann zuläſſig, wenn ſie in den drei Monaten, von dem Tage der Signifika⸗ tion des kontradiktoriſchen oder des ContumazialUr⸗ theils Jugement par défaut) an zu rechnen, eingelegt worden iſt. Die ZeitFriſt, um gegen ein in letzter Inſtanz ausgeſprochenes Urtheil Kaſſation nachzuſu⸗ chen, ſoll ebenfalls von dreien Monaten, von der Zu⸗ ſtellung an zu rechnen, ſein. Das KaſſationsGe⸗ ſuch hat ſuspenſive Kraft. 264. Jeder Ehegatte, welcher ein in letzter Inſtanz ausgeſprochenes oder in RechtsKraft uͤbergangenes Urtheil erwirkt hat, wodurch die Eheſcheidung zuge⸗ laſſen wird, iſt kraft deſſelben gehalten, ſich in Zeit von zweien Monaten, nachdem er die andere Parthey gehoͤrig dazu beſchieden hat, vor den Beamten des Civilſtandes zu ſtellen, um die Eheſcheidung ausſpre⸗ chen zu laſſen. 265. Dieſe zwei Monate fangen fur die Urtheile — 53— erſter Inſtanz nach dem Ablauf der zur Appellation geſtatteten ZeitFriſt, fuͤr die in Appellations Sachen gegen den nichterſcheinenden Theil(par defaut) er⸗ laſſene Urtheile nach dem Ablauf der zur Oppoſition bewilligten ZeitFriſt und fuͤr die in letzter Inſtanz kon⸗ tradiktoriſch erlaſſene Urtheile nach dem Ablauf der zum Kaſſations Geſuch bewjlligten ZeitFriſt, zu laufen an. 266. Der klagefuͤhrende Ehegatte, welcher die oben⸗ beſtimmte ZeitFriſt von zwei Monaten hat verſtrei⸗ chen laſſen, ohne den andern Ehegatten vor den Be⸗ amten des Civilſtandes zu berufen, iſt der Wohlthat des Urtheils, welches er erhalten hatte, verluſtig, und kann ſeine Klage auf Eheſcheidung nicht mehr auf⸗ nehmen(reprendre), ausgenommen wegen neuen Urſachen, in welchem Falle er jedoch auch die vorige wieder geltend machen kann. Zweiter Abſchnitt. Von den proviſoriſchen Maasregeln, zu welchen eine ScheidungsKlage aus beſtimmter Urſache ſtatt geben kann. 267. Die einſtweilige Pflege der Kinder ver⸗ bleibt dem auf Eheſcheidung klagenden oder beklag⸗ ten Manne, wenn das Tribunal nicht auf das Ver⸗ langen der Mutter, oder der Familie, oder des Re⸗ gierungs Kommiſſairs(Kaiſ. Prokurators), zum Be⸗ ſten der Kinder anderſt daruͤber verfuͤget. 268. Die auf Eheſcheidung klagende oder beklagte Frau kann waͤhrend der Prozedur die Wohnung des Mannes verlaſſen, und eine dem Vermoͤgen deſſelben angemeſſene alimentariſche Penſion fordern. Das Tribunal hat das Haus zu begeichnen, worin die Frau ſich aufzuhalten verbunden iſt, und nach Beſchaffenheit — der Umſtände die alimentariſche Proviſion zu beſtim⸗ men, die der Mann ihr zu bezahlen gehalten ſein ſoll. 269. Die Frau iſt, ſo oft ſie dazu aufgefordert wird, zu dem Beweiſe verbunden, daß ſie ſich wirklich in dem angewieſenen Hauſe aufhält. In Ermangelung die⸗ ſes Beweiſes kann der Mann die alimentariſche Pen⸗ ſion verweigern, und wenn die Frau auf Eheſcheidung klagt, ſie in der Fortſetzung ihrer Klage unzuläſſig (non regevable) erklären laſſen. 270. Die Frau, welche in Gemeinſchaft der Guͤ⸗ ter lebt, und auf Eheſcheidung klagt oder beklagt iſt, kann zu jeder Epoche(pu tout état) der Klage, von dem Datum der im Art. a38 bemeldeten Ordonnanz an, zur Bewahrung ihrer Rechte, die Auflegung der Siegel auf die Mobiliarſchaft der Gemeinſchaft ver⸗ langen. Dieſe Siegel ſollen nicht anderſt als unter Verfertigung eines Inventariums, das zugleich eine Ab⸗ ſchäzzung enthalten muß, und unter der Obliegenheit fuͤr den Mann, die inventariſirte Sachen immer dar⸗ zuſtellen, oder als gerichtlicher Waͤchter(gardieny fur ihren Werth zu ſtehen, abgenommen werden. 271. Jede von dem Mann, nach dem Datum der im Art. 23g bemeldeten Ordonnanz, zur Belaſtung der Gemeinſchaft eingegangene Verbindlichkeit, jede von ihm geſchehene Verauſſerung der davon abhangen⸗ den Immobilien, ſoll für nichtig erklärt werden, wenn es anderſt bewieſen iſt, daß ſie betruͤglich zur Schmaͤ⸗ lerung der Rechte der Frau(en fruude de ses droits) geſchehen oder kontrahirt worden iſt. Dritter Abſchnitt. Von den Gründen der Unzuläſſigkeit einer Klage auf Eheſcheidung aus beſtimmter Urſache. 272. Die Klage auf Eheſcheidung erliſcht durch — 70— die Ausſöhnung der Ehegatten, wenn ſie entweder nach den Thatſachen, welche dazu haͤrten ermãchtigen konnen/ oder auch auch ſeit der Klage auf Eheſcheidung erfolgt iſt. 273. In dem einen und dem andern Falle ſoll der Klaͤger in ſeiner Klage unzuläſſig erklaͤrt werden; doch ſoll er wegen einer neuen Urſache, die ſich ſeit der Ausſoͤhnung ereignet hat, eine neue anſtellen, und alsdann von den vorigen Urſachen Gebrauch machen koͤnnen, um ſeine neue Klage zu unterſtuͤßen. 274. Wenn der Kläger auf Eheſcheidung läugnet, daß eine Ausſohnung ſtatt gehabt habe, ſo ſoll der Beklagte, in der durch den erſten Abſchnitt des gegen⸗ waͤrtigen Kapitels vorgeſchriebenen Form, entweder ſchriftlichen oder Zeugen Beweiß daruͤber erbringen. Drittes Kapitel. Von der Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung. 275. Die gegenſeitige Einwilligung der Ehegatten iſt nicht zulaſſig, wenn der Mann juͤnger als fuͤnf und zwanzig Jahre, oder das Weib noch minderjäh⸗ rig unter ein und zwanzig Jahren iſt. 276. Die gegenſeitige Einwilligung iſt nicht eher, als wenn die Ehe zwei Jahre lang beſtanden hat, zulaͤſſig. 77. Sie iſt nicht mehr zuläſſig, wenn die Ehe zwanzig Jahre lang beſtanden hat, ſo wie auch nicht, wenn das Weib das Alter von fuͤnf und vierzig Jah⸗ ren erreicht hat. 27g. In keinem Falle iſt die gegenſeitige Einwil⸗ ligung der Ehegatten hinlaͤnglich, wenn ſie nicht dazu durch ihre Aeltern oder ihre andere noch lebende As⸗ zendenten, in Gemäßheit der durch den Art. 150, im I. Kapitel des Titels: von der Ehe vorgeſchriebe⸗ nen Formen ermaͤchtigt ſind. ——————————————— 279. Die Ehegatten, welche entſchloſſen ſind, die Eheſcheidung durch gegenſeitige Einwilligung zu be⸗ werkſtelligen, ſind verbunden, vorläufig ihr ganzes Mobiliar Vermoͤgen inventariſiren und abſchätzen zu laſſen, und ihre gegenſeitige Rechte zu reguliren, uͤber welche es ihnen jedoch frei ſteht, ſich zu vergleichen. 280. Sie ſind gleichfalls gehalten, ihre Ueberein⸗ kunft uͤber die drei folgende Punkte ſchriftlich zu kon⸗ ſtatiren: 1) Wem die aus ihrer Verbindung entſprungene Kinder ſowohl wahrend der PruͤfungsZeit als nach dem Ausſpruch der Eheſcheidung, anver⸗ traut werden ſollen. 2) In welches Haus das Weib ſich zuruͤckziehn und ſich wäͤhrend der PruͤfungsZeit aufhalten ſoll. 3) Welche Summe der Mann der Frau waͤhrend derſelben Zeit bezahlen ſoll, wenn ſie keine hin⸗ laͤngliche Einkuͤnfte beſitzt, um ihre Beduͤrfniſſe zu beſtreiten. 281. Die Ehegatten muͤſſen zuſammen und per⸗ ſoͤnlich vor dem Praͤſidenten des CivilGerichts ihres Bezirks, oder dem, ſeine AmtsVerrichtungen verſe⸗ henden, Richter erſcheinen, und ihm in Gegenwart zweier, von ihnen mitgebrachten Notarien, ihre Ab⸗ ſicht erklären. 282. Der Richter ſoll den beiden Ehegatten zu⸗ ſammen und jedem insbeſondere, in Gegenwart der beiden Notarien, alle die Vorſtellungen und Ermah⸗ nungen machen, die ihm ſachdienlich ſcheinen werden; er ſoll ihnen das IV. Kapitel des gegenwärtigen Ti⸗ tels vorleſen, welches die Wirkungen der Ehe⸗ ſcheidung regulirt und ihnen alle Folgen ihres Schrittes entwickeln. 283. Beſiehen die Ehegatten auf ihrem Entſchluß, ſo ſoll der Richter ihnen Akt daruber ertheilen, daß ſie die Eheſcheidung anverlangen und gegenſeitig dar⸗ ein einwilligen; und ſie ſind verbunden, auf der Stelle, auſſer den in den Artikeln 279 und a80 erwähnten Akten noch folgende aufzuweiſen, und in die Haͤnde der Notarien zu deponiren: 1) Ihre GeburtsAkte und den ihrer Ehe. 2) Die Geburts⸗und(allenfalſige) SterbAkte aller aus ihrer Ehe entſprungenen Kinder. 3) Die authentiſche Erklärung ihrer Aeltern oder andern noch lebenden Aszendenten, des Inhalts: daß ſie, wegen Ihnen bekannten Urſachen, dieſen oder jene, Sohn oder Tochter, Enkel oder Enkelin, welcher oder welche mit dieſem oder mit jener verheurathet iſt, ermächtigen, die Ehe⸗ ſcheidung nachzuſuchen und in dieſelbe einzuwil⸗ ligen. Die Aeltern und GrosAoltern der Ehe⸗ gatten werden ſo lange am Leben vermuthet, bis die Akte, welche ihr Abſterben erweiſen, aufge⸗ wieſen werden. 284. Die Notarien ſetzen uͤber alles, was zum Vollzug der vorhergehenden Artikel geſagt worden und geſchehen ſein wird, einen umſtändlichen Verbal Pro⸗ zeß auf. Die Urſchrift(deſſelben) ſo wie die vorge⸗ gebrachte Aktenſtücke, welche dem Verbal Prozeſſe an⸗ geheſiet bleiben muͤſſen, verbleibt dem älteſten der bei⸗ den Notarien; in dem VerbalProzeß muß von der Erinnerung Meldung geſchehn, die man der Frau zu machen hat, daß ſie ſich in den vier und zwanzig Stunden in das Haus, woruber ſie mit ihrem Manne ubereingekommen iſt, zuruͤckzuziehen, und ſich daſelbſt bis nach dem Ausſpruche der Eheſcheidung aufzuhal⸗ ten habe. 285. Die alſo geſchehene Erklärung muß in den — erſten vierzehn Tagen eines jeden der darauf folgenden vierten, ſiebenten und zehnten Monats unter Beobach⸗ tung derſelben Formalitäten erneuert werden. Die Partheyen ſind gehalten, jedesmal durch oͤffentliche Ak⸗ tenſtuͤcke den Beweiß beizubringen, daß ihre Aeltern oder andere noch lebende Aszendenten in ihrem Ent⸗ ſchluſſe beſtehen; aber ſie ſind zur wiederholten Auf⸗ weiſung keines andern Aktes verbunden 286. In den vierzehn Tagen von dem Tage an, an welchem von der erſten Erklaͤrung an ein Jahr ver⸗ floſſen ſein wird, ſollen die Ehegatten, jeder in Be⸗ gleitung zweier Freunde, welche notable Perſonen des Bezirks und wenigſtens fuͤnfzig Jahre alt ſein muͤſ⸗ ſen, zuſammen und perſoͤnlich vor dem Praͤſidenten des Tribunals oder dem ſeine AmtsVerrichtungen verſehenden Richter erſcheinen. Sie haben ihm Aus⸗ fertigungen in gehoͤriger Form von den vier Verbal⸗ Prozeſſen, welche ihre gegenſeitige Einwilligung ent⸗ halten, ſo wie von allen jenen Akten, die denſelben werden angeheftet worden ſein, zu uͤbergeben, und je⸗ der insbeſondere, doch einer in Gegenwart des andern und der vier Notabeln, die Zulaſſung der Eheſchei⸗ dung von dem Richter anzuverlangen. 287. Wenn die Ehegatten, nachdem der Richter und die Aſſiſtenten ihnen ihre Bemerkungen gemacht haben werden, auf ihrem Vorhaben beſtehen, ſo muß ihnen uͤber ihr Begehren und die Uebergabe der es unterſtuͤtzenden Aktenſtuͤcke Akt ertheilt werden. Der Greffier des Tribunals ſetzt einen VerbalProzeß auf, der ſowohl von den Partheyen,(wenn ſie anberſt nicht erklären, daß ſie nicht unterzeichnen koͤnnen oder daran verhindert ſind, in welchem Falle Meldung davon ge⸗ ſchehen ſoll,) als von den vier Aſſiſtenten, dem Richter und dem Greffier unterzeichnet werden ſoll. a88. Der Richter hat ſogleich unter den Verbal⸗ Prozeß ſeine Ordonnanz zu ſetzen, des Inhalts, daß er in dreien Togen, nach dem ſchriftlichen Antrag des Regierungs Kommiſſars(Kaiſ. Prokurators), dem der Greffier zu dem Ende die Akten mitzutheilen hat, dem Tribunal in ſeinem BerathſchlagungsZimmer uͤber das Ganze Bericht erſtatten werde. 289. Wenn der Regierungs Kommiſſar(Kaiſ. Prokurator) in den Akten den Beweiß findet, daß die beide Ehegatten, der Mann fuͤnf und zwanzig Jahre, das Weib ein und zwanzig Jahre, alt waren, als ſie ihre erſte Erklärung gemacht haben; daß ſie zu dieſer Epoche ſeit zweien Jahren verheurathet wa⸗ ren; daß die Ehe nicht vor mehr als zwanzig Jah⸗ ren abgeſchloſſen worden war; daß das Weib juͤnger als fuͤnf und vierzig Jahre alt war; daß die gegen⸗ ſeitige Einwilligung nach dem hier oben vorgeſchrie⸗ benen vorläufigen Verfahren und mit allen den, in Gemaͤßheit des gegenwaͤrtigen Kapitels erforderlichen Formalitaten, namentlich mit der Ermaͤchtigung der Aeltern der Ehegatten, und im Falle ihres fruͤhern Abſterbens mit der ihrer andern noch lebenden Aszen⸗ denten, viermal im Laufe des Jahres ausgedruͤckt worden iſt, ſo ſoll er ſeinen Antrag in folgenden Aus⸗ druͤcken machen: das Geſetz erlaubt; im ent⸗ gegenſetzten Falle ſoll ſein Antrag in folgend en Aus⸗ druͤcken abgefaßt ſein: das Geſetz verbietet. 290. Das Tribunal kann, nach Anhoͤrung des Be⸗ richtes, keine andere, als die im vorhergehenden Ar⸗ tikel angezeigte Verifikationen, machen. Ergiebt ſich hieraus, daß die Partheyen nach der Meinung des Tribunals den durch das Geſetz beſtimmten Be⸗ dingungen genug gethan, und die dadurch vorgeſchrie⸗ bene Formalitaͤten erfuͤllt haben, ſo ſoll es die Ehe⸗ —— — ſcheidung zulaſſen, und die Partheyen vor den Be⸗ amten des Civilſtandes verweiſen, um ſie ausſprechen zu laſſen; im entgegengeſetzten Falle ſoll das Tribunal erklären, daß die Zulaſſung der Eheſcheidung nicht ſtatt findet, und die Gruͤnde ſeiner Entſcheidung ent⸗ wickeln. 291. Die Appellation von dem Urtheile, welches erklärt haben wuͤrde, daß die Zulaſſung der Eheſchei⸗ dung nicht ſtatt findet, iſt nur dann annehmbar, wenu ſie von beiden Partheyen, jedoch durch beſondere Akte, fruͤheſtens in den zehn„und hoͤchſtens in den zwanzig Tagen, von dem Datum des Urtheils erſter Inſtanz an, eingelegt worden iſt. 292. Die Appellations Akte ſollen gegenſeitig ſo⸗ wohl dem andern Ehegatten als dem Regierungs Kom⸗ miſſar(Kaiſ. Prokurator) bei dem Tribunal erſter Inſtanz ſigniſizirt werden. 293. Der Regierungs Kommiſſar(Kaiſ. Prokura⸗ tor) bei dem Tribunal erſter Inſtanz hat die Ausferti⸗ gung des Urtheils und die Akten, worauf es geſpro⸗ chen worden iſt, dem Regierungs Kommiſſar(Kaiſ. Ge⸗ neral Prokurator) bei dem Appellations Gerichte in den zehn Tagen, von der Zuſtellung des zweiten Appella⸗ tions Aktes an zu rechnen, zu uͤberſenden. Der Kom⸗ miſſar bei dem AppellationsGericht hat in den zehn, auf den Empfang der Akten folgenden, Tagen ſeinen Antrag ſchriftlich zu machen; der Praͤſident, oder der ſeine Stelle vertretende Richter, hat dem Appellations⸗ Gerichte im BerachſchlagungsZimmer ſeinen Bericht zu erſtatten, und es ſoll in den zehn Tagen nach der Uebergabe des Antrags des Kommiſſars(Kaiſ. Gene⸗ ral Prokurators) ſchließlich abgeſprochen werden. 294. Die Partheyen muͤſſen ſich kraft des Urtheils, welches die Eheſcheidung zulaͤßt, und in den zwanzig — 76— Tagen von ſeinem Datum an, zuſammen und perſoͤn⸗ lich vor dem Beamten des Civilſtandes einfinden, um die Eheſcheidung ausſprechen zu laſſen. Nach Ablauf dieſer ZeitFriſt wird das Urtheil, als nicht ergangen, angeſehen. Viertes Kapitel. Von den Wirkungen der Eheſcheidung. 295. Ehegatten, die ſich aus irgend einer Urſache haben ſcheiden laſſen, koͤnnen ſich nicht wieder ver⸗ einigen. 296. Im Fall einer Eheſcheidung aus beſtimmter Urſache darf das geſchiedene Weib ſich nicht eher als zehn Monate nach dem Ausſpruch der Eheſcheidung wieder verheirathen. 297. Im Falle der Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung kann keiner der beiden Ehegatten eher, als drei Jahre nach ausgeſprochener Eheſcheidung, ei⸗ ne neue Ehe kontrahiren. 298. Im Falle der gerichtlich, wegen Ehebruch, zu⸗ gelaſſenen Eheſcheidung, kann der ſchuldige Ehegatte ſich nie mit ſeinem Mitſchuldigen verheirathen. Das ehebrecheriſche Weib ſoll durch daſſelbe Urtheil, und auf Begehren des offentlichen Miniſteriums zur Ein⸗ ſperrung in ein Zuchthaus während einer beſtimmten Zeit, die nicht kürzer, als drei Monate ſein, und zwei Jahre nicht uͤberſteigen darf, verurtheilt werden. 299. Aus was immer fur einer Urſache die Eheſchei⸗ dung ſtatt haben mag, den Fall der gegenſeitigen Ein⸗ willigung ausgenommen, ſo verliert der Ehegatte, ge⸗ gen welchen die Eheſcheidung zugelaſſen worden iſt, alle Vortheile, die der andere Ehegatte ihm, ſey es durch den Ehe Kontrakt, ſey es ſeit dem Abſchluß der Ehe bewilligt hatte. — 300. Der Ehegatte, welcher die Eheſcheidung er⸗ wirkt hat, behält die ihm von dem andern Ehegatten zugetheilten Vortheile, wenn ſie auch ſelbſt gegenſeitig ſtipulirt wären, und dieſe Gegenſeitigkeit nicht mehr ſtatt findet. 301. Wenn die Ehegatten ſich keine Vortheile be⸗ willigt haͤtten, oder wenn die ſtipulirte nicht hinrei⸗ chend ſcheinen ſollten, um den Unterhalt des Ehegatten, welcher die Eheſcheidung erwirkt hat, zu verſichern, ſo kann das Tribunal ihm eine alimentariſche Penſion aus dem Vermogen des andern Ehegatten bewilligen, welche das Drittel der Einkuͤnfte dieſes andern Ehe⸗ gatten nicht uͤberſteigen darf. Dieſe Penſion kann je⸗ doch, wenn ſie in der Folge nicht mehr nothwendig ſein ſollte, widerrufen werden. 302. Die Kinder ſollen dem Ehegatten, der die Ehbeſcheidung erhalten hat, anvertraut werden, wenn nicht das Tribunal, auf Begehren der Familie oder des Regierungs Kommiſſairs(Kaiſ. Prokurators,) zum Beſten der Kinder verordner, daß alle oder einige der Pflege, ſey es des andern Ehegatten, ſey es einer dritten Perſon, uͤbergeben werden ſollen. 303. Wer auch immer die Perſon ſein mag, wel⸗ cher die Kinder anvertraut werden, ſo behalten die Aeltern gegenſeitig das Recht, uͤber den Unterhalt und die Erziehung ihrer Kinder die Aufſicht zu fuͤhren, und ſind gehalten, nach Verhaltniß ihres Vermoͤgens dazu beizutragen. 304. Die Auflöſung der Ehe durch die gerichtlich zugelaſſene Eheſcheidung ſoll die, aus dieſer Ehe ent⸗ ſprungene Kinder keines der Vortheile berauben, welche ihnen durch die Geſetze oder die EhePakten ih⸗ rer Aeltern zugeſichert waren; dieſe Rechte der Kinder ſollen jedoch nur auf dieſelbe Weiſe und unter denſel⸗ ben Umſtanden wirklich eroͤfnet werden, unter welchen ſie ihnen zugefallen ſein wurden, wenn keine Eheſchei⸗ dung ſtatt gehabt haͤtte.(1) 305. Im Falle der Eheſcheidung durch gegenſeitige Einwilligung faͤllt den, aus der Ehe entſprungenen, Kindern das Eigenthum der Haͤlfte des Vermoͤgens eines jeden Ehegatten von Rechtswegen, und ohne wei⸗ teres, von dem Tage ihrer erſten Erklärung an, zu: die Aeltern behalten jedoch den Genuß dieſer Hälfte bis zur Grosjährigkeit ihrer Kinder, unter der Oblie⸗ genheit, fuͤr ihre Nahrung, Unterhalt und Erziehung, ihrem Vermoͤgen und ihrem Stande gemaͤß, zu ſorgen; () Alle vor der Verkuͤndigung des Titels des CivilGeſetzbuchs: von der Eheſcheidung, von Beamten des Civilſtandes ausgeſprochene, oder durch Urtheile ermächtigte Eheſcheidungen, ſolen ihre Wirkungen den Geſetzen gemaͤß, welche vor dieſer Verkundigung beſtanden, her- vorbringen. Was die Klagen betrift, welche vor derſelben Epoche angeſiellt wor- den ſind, ſo ſollen ſie fortan den Geſetzen gemäß, die zur Zeit(der Anſtellung) der Klage beſtanden, inſtruirt werden; die Eheſchei- dungen ſollen denſelben Geſetzen gemaͤß ausgeſprochen werden, und ihre Wirkungen hervorbringen,(Tranſitoriſches Geſetz vom(26 Ger⸗- minal 11) 16 April 1803 Gutachten des Staatsvath vom(18 Floreal 1a) 7 Ju⸗ nius 1804. Der Staatsrath, nach Anhoörung des Verichtes der Sek⸗ tion der Geſetzgebung über die Frage, ob die zuruͤckgekommene Emi- grauten oder Abweſende die während ihrer Abweſenheit errichtete EheſcheidungsAete anzuſechten befugt ſind; nach Einſicht der Verfuͤ- gungen der Geſetze vom 30 September 1792, und des Geſetzes vom (26 Germinal 11) 16 April 1303 in Betreff der vor der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 30 PVentoſe vorher, uͤber die Eheſcheidung, bewerk- ſielligten Eheſcheidungen oder erhobenen Klagen; nach Einſicht der Perfuͤgungen des Senatus Konſultums vom 6 Floreal Xz iſt der Mei⸗ nung, daß die Emigrauten oder Abweſende die waͤhrend ihrer Abweſen- heit errichtete Eheſcheidungs Akte nicht anfechten konnen. Die Klagen welche zu dem Ende erhoben wuͤrden, wuͤrden deim Text und dem Geiſt der angeführten Geſetze gleich zuwider ſein, und eine Gährung und Erinnerungen verewigen, die man im Gegentheil ſobald als inöalich verldſchen muß. Die zuruͤckgekehrte Emigrirte und Abweſende koͤn⸗ nen nichts als das Faktum unrerſuchen, ob ein mit ſeiner aͤuſſern und materiellen Form bekleideter Eheſcheidungs Akt vorhanden iſt, aber ſie konnen nie zugelaſſen werden, die Hauptſache nochmal zu dis- kutiren und die Urſachen der Eheſcheiduns zu eroͤrtern. Es iſt nicht zu vermuthen, daß die Tribunalien dieſe beſtimmte Abſicht unſerer Ge⸗ ſengebung verkennen werden; ſollten ſie es jedoch thun, ſo wird bas Kaſſations Gericht nicht zogern ſie darauf zuruͤckzufüͤhren. ——————————————— 6 alles ohne Abbruch der andern Vortheile, welche den beſagten Kindern durch die EheVerträge ihrer Aeltern zugeſichert worden ſein koͤnnten. Fuͤnftes Kapitel. Von der Trennung von Tiſch und Bett. 306. In allen Faͤllen, wo die Klage auf Eheſchei⸗ dung aus einer beſtimmten Urſache ſtatt findet, ſteht es den Ehegatten frei, auf die Trennung von Tiſch und Bett zu klagen. 307. Dieſe Klage ſoll eben ſo, wie jede andere Civil⸗ Klage, angeſtellt, inſtruirt und abgeurtheilt werden; ſie findet mit gegenſeitiger Einwilligung nicht ſtatt.(1) 6) Der Ehegatte, der die Trennung von Tiſch und Bett nachſuchen will, iſt verbunden, dem Präſidenten des Tribunals ſeines Bezirks eine Bittſchrift zu uͤbergeben, welche eine gedrängte Darſtellung der Thatſachen enthalten muß. Er legt derſelben die Beweißſtuͤcke, wenn deren vorhanden ſind, bei.(Art. 373 des Kodex des EivilProzeſſes.) Dieſe Bittſchrift wird durch eine Ordonnanz beantwortet, kraft wel⸗ cher die Partheyen an dem, in derſelben beſtimmten, Tage vor dem Präſtdenten zu erſcheinen haben.(Att. 876 ebendaſ.) Die Partheyen ſind verbunden, perſonlich und ohne den Beiſtand ihrer Avones oder Rathgeber zu erſcheinen.(Art. 377.) Der Praͤſident wird den beiden Ehegatten alle diejenige Vorſtellun- gen machen, welche er fuͤr geeigenſchaftet haͤlt, um eine Ausſohnung zu bewirken. Gelingt ihm dies nicht, ſo erläßt er in Gefolge der er- ſien Ordonnanz eine zweite, des Inhalts⸗ daß er die Parth⸗yen nicht habe vereinigen können, und ſie daher verweißt, ohne vorherige La⸗ dung vor das Vergleichs Bureau ihre Klage zu verfolgen; er ſoll durch dieſelbe Ordonnanz die Frau ermächtigen, wegen der Klage vor Ge⸗ richt zu thätigen, und ſich einſtweilen in ein Haus zuruͤckzuziehen, woruber die Partheyen üͤbereingekommen ſind, oder aber welches er von Amtswegen beſtimmt: er ſoll verordnen, daß die Cffekten, welche der Frau zum täglichen Gebrauche dienen, ihr ausgeliefert werden, Die Begehren einer Proviſton(eines einſtweiligen Vorſchuſſes) ſol⸗ len in die Audienz gebracht werden.(Art. 878 ebendaſ.) Der Prozeß ſoll in der für die übrige Rechtsſachen vorgeſchriebenen Form eingeleitet und auf den Antrag des offentlichen Miniſteriums abgeurtheilt werden.(379) Ein Auszug aus dem Urtheit, wodurch die Trennung ausgeſpro- chen worden iſt, muß, ſo wie es im Art 872 verfuͤgt iſt, in die, ſo- wohl in den Audienzſälen der Tribunalien, als in den Kammern der Avoues und Notarien oͤffentlich ausgeſetzte Tabellen eingeruͤckt wer⸗ den.(880) In Pinſicht auf die Eheſcheidung ſoll in der Art verfahren werden, wie es in dem CivilGeſetzbuch vorgeſchrieben iſt.(3815 — 80— 308. Das Weib, gegen welches die Trennung von Tiſch und Bett Ehebruchs halber ausgeſp rochen wird, ſoll durch daſſelbe Urtheil und auf Begebren des offent⸗ lichen Miniſteriums zur Einſperrung in ein Zuchthaus während einer beſtimmten Zeitfriſt, welche nicht ge⸗ ringer als drei Monate ſein, und zwei Jahre nicht uͤberſteigen darf, verurtheilt werden. 3o9. Dem Mann ſteht es frey, der Wirkung die⸗ ſer Verurtheilung ein Ende zu machen, indem er ein⸗ willigt, ſeine Frau wieder zu ſich zu nehmen. z1o. Wenn die Trennung von Tiſch und Bett we⸗ gen irgend einer andern Urſache, als des Ehebruchs des Weibes halber, ausgeſprochen worden iſt, und drei Jahre lang gedauert hat, ſo iſt der Ehegatte, welcher urſpruͤnglich Beklagter war, befugt, die Ehe⸗ ſcheidung von dem Tribunal anzuverlangen; dieſes ſoll ſie zulaſſen, wenn der urſpruͤngliche Klaͤger, wenn er gegenwaͤrtig oder nachdem er gehoͤrig berufen worden iſt, nicht unmittelbar einwilligt, die Trennung von Tiſch und Bett aufhoren zu laſſen. 311. Die Trennung von Tiſch und Bett zieht im⸗ mer die Trennung der Guͤter nach ſich. S i e Von der Vaterſchaft und der Abſtammung(Kind⸗ ſchaft, kiliation.) (Dekretirt am(2 Germinal 11) 23 Mah 1803, verkündigt am (12 Germinal) 2 April 1803. Erſtes Kapitel. Von der Abſtammung(Filiation) rechtmaßiger oder in der Ehe gezeugter Kinder. z12. Jedes, während der Ehe empfangene, Kind hat den Mann zum Vater. Doch iſt dieſer befugt das Kind nicht als das ſeinige ———————————————————— — anzuerkennen, wenn er beweißt, daß er ſich waͤhrend der ganzen Zeit von dem drelhundertſten bis zum hundertachtzigſten Tage vor der Geburt dieſes Kindes, der Entfernung halber oder durch die Wirkung eines Zufalls in der phyſiſchen Unmoͤglichkeit befand, ſeiner Gattin ehelich beizuwohnen. 313. Der Mann kann das Kind nicht dadurch ver⸗ läugnen, daß er ſein naturliches Unvermoͤgen vorſchuͤzt; er kann es ſelbſt des Ehebruchs(ſeines Weibes) pal⸗ ber nicht verläugnen, wenn nicht die Geburt ihm ver⸗ beimlicht worden iſt, in welchem Falle er zugelaſſen wet⸗ den ſoll, alle Thatſachen vorzutragen, die zu dem Be⸗ weiße, daß er nicht Vater deſſelben iſt, geeignet ſind. 3514. Ein vor dem hundertachtzigſten Tag der Ehe gebohrnes Kind kann in folgenden Fällen von dem Manne nicht verlaͤugnet werden: 1) wenn er vor der Ehe von der Schwangerſchaft Kenntniß hatte, 2) wenn er bei dem GeburtsAkt zugegen war, und dieſen Akt unterzeichnet hat, oder derſelbe ſeine Erklärung enthält, daß er nicht unterzeichnen kann; 3) wenn das Kind nicht fuͤr lebensfähig erklaͤrt worden iſt. 318. Die eheliche Geburt eines, drei hundert Tage nach der Auflöſung der Ehe gebohrnen, Kindes kann beſtritten werden. 316. In den verſchiedenen Fällen, wo der Mann befugt iſt, zu reklamiten, muß er es in MonatsFriſt chun, wenn er ſich an dem GeburtsOrte des Kindes befindet; In Zeit von zweien Monaten nach ſeiner Rück⸗ kehr, wenn er zur Zeit der Geburt abweſend war; In Zeit von zweien Monaten nach der Entdeckung des Betrugs, wenn man ihm die Geburt des Kindes verheimlicht hatte. Civil Geſetzb. 6 317. Wenn der Mann geſtorben iſt, ehe er ſeine Reklamation gemacht hatte, aber waͤhrend er ſich noch in der ZeitFriſt befand, die ihm geſtartet iſt, um ſie zu ma⸗ chen, ſo iſt ſeinen Erben, von dem Zeitpunkte an zu rech⸗ nen, wo das Kind ſich in den Beſitz der Guͤter des Mannes geſetzt baͤtte, oder von der an, wo die Er- ben in dieſem Beſitz durch das Kind geſtört wuͤrden, eine Zeitfriſt von zweien Monaten geſtattet, um die ehe⸗ liche Geburt des Kindes zu beſtreiten. 318. Jeder auſſergerichtliche Akt, welcher die Ver⸗ laugnung eines Kindes durch den Mann oder deſſen Er⸗ ben enthält, iſt als nicht geſchehen anzuſehen, wenn nicht in Zeit eines Monates eine gerichtliche Klage, die gegen einen dem Kind eigends hierzu zu beſtellen⸗ den Vormund, und in Gegenwart ſeiner Mutter, ge⸗ richtet werden muß, darauf gefolgt iſt. 8weites Kapitel. Von den Beweiſen der Abſtammung ehelicher Kinder. 319. Die Abſtammung ehelicher Kinder beweißt ſich durch die auf das Regiſter des Civilſtandes eingeſchrie⸗ bene GeburtsAkte. 320. In Ermangelung dieſes Titels iſt der beſtaͤn⸗ dige Beſitzſtand als eheliches Kind hinlaͤnglich. 321. Der Beſitzſtand begruͤndet ſich durch eine hin⸗ laͤngliche Vereinigung von Thatſachen, welche das Ver⸗ holtniß der Abſtammung und der Verwandſchaft(pa- reuté) zwiſchen einem Individuum, und der Familie, der es anzugehoren Anſpruch macht, andeuten. Die vorzüglichſten dieſer Thatſachen ſind: daß das Individuum immer den Namen des Vaters, dem es anzugehoren behauptet, gefuͤhrt hat; Doß der Vater es wie ſein Kind behandelt, und in dieſer Eigenſchaft für ſeine Erziehung, ſeinen Un⸗ terhalt und ſeine Riederlaſſung Sorge getragen hat; ————— Daß es in der Geſellſchaft beſtaͤndig dafur aner⸗ kannt worden iſt; Daß es von der Familie dafur anerkannt worden iſt. 322. Niemand kann einen Stand reklamiren, wel⸗ cher demjenigen zuwider wäre, den ihm ſein Geburts⸗ Akt und der dieſem Titel entſprechende Beſitz geben; Und umgekehrt kann niemand den Stand desjeni⸗ gen angreifen, der einen, ſeinem GeburtsAkte entſpre⸗ chenden, Beſitz fur ſich hat. 323. In Ermangelung eines Titels und eines be⸗ ſtändigen Beſitzſtandes, oder wenn das Kind entweder unter falſchen Namen, oder, als von unbekannten Ael⸗ tern gebohren, eingeſchrieben worden iſt, kann der Beweiß der Abſtammung durch Zeugen erbracht werden. Nichts deſtoweniger kann dieſer Beweiß nur dann zugelaſſen werden, wenn ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorliegt, oder wenn die aus wirklich aner⸗ kannten(aits dés-lors constans) Thatſachen her⸗ fleſſende Vermuthungen oder Anzeigen wichtig genug ſind, um(den Richter) zur Zulaſſung(des Zeugen Be⸗ weiſes) zu beſtimmen. 524. Der Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes geht aus FamilienUUrkunden, den hauslichen Regiſtern und Papieren der Aeltern, aus oͤffentlichen und ſelbſt Pri⸗ vatAkten, die von einer in dem Streit befangenen Parthey oder einer ſolchen, die, wenn ſie noch am Le⸗ ben wäre, dabei intereſſirt ſein wuͤrde, berruͤhren, hervor. 5a5. Der Bewelß des Gegentheils kann durch alle Mittel erbracht werden, welche geeignet ſind, um dar⸗ zuthun, daß der Reklamant kein Kind der Mutter iſt, die er in Anſpruch nimmt, oder ſelbſt, wenn ſeine Abſtammung von der Mukter erwieſen iſt, daß er kein Kind von dem Manne der Mutter iſt. 326. Die Civil Tribunalien ſind einzig kompetent, um uͤber die Reklamationen eines(Civil) Standes zu erkennen. 327. Die peinliche Klage wegen einem Verbre⸗ chen der Unterſchlagung des(Civil) Standes kann nicht eher als nach dem EndUrtheil uͤber die Rechtsfrage wegen des(Civil) Standes,(ur la question d'état, die Praͤjudiziallage) erhoben werden. 328. Die Klage, um ſeinen(Civil) Stand zu re⸗ klamiren, iſt in Hinſicht auf das Kind unverjährbar. 329. Dieſe Klage kann durch die Erben des Kin⸗ des, welches nicht reklamirt hat, nur dann angeſtellt werden, wenn daſſelbe als minderjaͤhrig oder in den fuͤnf Jahren nach erlangter Majoritat geſtorben iſt. 330. Die Erben koͤnnen dieſe Klage, wenn ſie von dem Kinde angefangen worden iſt, verfolgen, ausge⸗ nommen, wenn dieſes foͤrmlich davon abgeſtanden waͤre, oder drei Jahre, von dem letzten Akt der Pro⸗ zedur an, ohne weitere Betreibung haͤtte verſtreichen laſſen. Drittes Kapitel. Von den natuͤrlichen Kindern. Erſter Abſchnitt. Von der Legitimation natürlicher Kinder. 331. Alle auſſer der Ehe gebohrne Kinber, die ausgenommen, welche in einem blutſchaͤnderiſchen oder ehebrecheriſchen Umgange gezeugt worden ſind, kön⸗ nen durch die nachfolgende Ehe ihrer Aeltern legiti⸗ mirt werden, wenn dieſe ſie gleicherſeits vor ihrer Ehe ————————————F,ã—— anerkannt haben, oder in dem HeurathsAkt ſelbſt an⸗ erkennen werden. 332. Die Legitimation findet ſelbſt zu Gunſten ver⸗ ſtorbener Kinder ſtatt, welche Deszendenten hinter⸗ laſſen haben. In dieſem Falle genieſſen dieſe Des⸗ zendenten ihre Vortheile. 333. Durch die nachfolgende Ehe legitimirte Kin⸗ der haben dieſelbe Rechte, als wenn ſie aus dieſer Ehe entſprungen waͤren. Zweiter Abſchnitt. Von der Anerkenuung naluͤrlicher Kinder. 334. Die Anerkennung eines natuͤrlichen Kindes kann durch einen authentiſchen Akt geſchehen, wenn ſie nicht in ſeinem Geburts Akte geſchehen iſt. 335. Dieſe Anerkennung kann zum Vortheil ſol⸗ cher Kinder nicht ſtatt haben, die aus einem blutſchaͤnde⸗ riſchen oder ehebrecheriſchen Umgange entſprungen ſind. 336. Die Anerkennung des Vaters, ohne Angabe der Mutter, und ohne das Eingeſtaͤndniß derſelben bat blos in Hinſicht des Vaters ihre Wirkung. 337. Die während der Ehe von einem der Ehe⸗ gatten zum Vortheil eines natuͤrlichen Kindes geſche⸗ hene Anerkennung, das er vor ſeiner Ehe von einem andern als ſeinem Ehegatten gehabt hatte, kann weder dieſem noch den aus dieſer Ehe entſprungenen Kindern zum Nachtheil gereichen. Sie bringt nichts deſtoweniger nach der Auflöſung dieſer Ehe, wenn keine Kinder mehr vorhanden ſind, ihre Wirkungen hervor. 333. Kein anerkanntes naturliches Kind kann die Rechte eines ehelichen Kindes reklamiren. Die Rechte der narürlichen Kinder werden im Titel: von den Erbſchaften regulirt. — 86— 339. Jede Anerkennung von Seiten des Vaters oder der Mutter kann, eben ſo wie jede Reklamation von Seiten des Kindes, von allen denen, welche ein Intereſſe dazu haben werden, beſtritten werden. 340. Die Erforſchung(recherche) der Vater⸗ ſchaft(Paternität) iſt verboten. Im Falle einer Entfuͤhrung kann jedoch der Ent⸗ fuͤhrer, wenn der Zeitpunkt dieſer Entfuͤhrung mit dem der Empfängniß uͤbereinſtimmt, auf das Anſu⸗ chen der Betheiligten, zum Vater des Kindes erklaͤrt werden. 341. Die Erforſchung(recherche) der Mutter⸗ ſchaft(Maternität, wer die Mutter eines Kindes ſey), iſt erlaubt. Das Kind, welches jemand als ſeine Mutter rekla⸗ mirt, iſt zum Beweiſe gehalten, daß es identiſch daſ⸗ ſelbe Kind iſt, womit dieſelbe niedergekommen iſt. Es ſoll nur dann zugelaſſen werden, dieſen Beweiß durch Zeugen zu erbringen, wenn es ſchon den Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes fur ſich haben wird. 342. In den Faͤllen, wo zufolge des Art. 335 die Anerkennung nicht erlaubt iſt, kann ein Kind nie, weder zur Aufſuchung der Paternität noch der Mater⸗ nität zugelaſſen werden. Achter ite. Von der Adoption und der wohlthätigen Vormundſchaft. (tutelle otlicieuse.) Dekretirt am(2 Germinal 11) 23 März 1803 verkuͤndigt am(12 Germinal) 2 April 1803. Erſtes Kapitel. Von der Adoption. Erſter Abſchnitt. Von der Adoption und ihren Wirkungen. 343. Die Adoption iſt nur ſolchen Perſonen des einen oder des andern Geſchlechtes erlaubt, welche älter als fuͤnfzig Jahre ſind, zur Zeit der Adoption weder Kinder noch rechtmaͤßige Deszendenten haben, und wenigſtens fuͤnfzig Jahre aͤlter ſind, als die In⸗ dividuen, die ſie zu adoptiren die Abſicht haben. 344. Niemand kann von mehreren Perſonen, aus⸗ genonumnen von zwei Ehegatten, adoptirt werden. Auſſer dem Falle des hiernachfolgenden 366ten Arti⸗ kels kann kein Ehegatte anderſt, als mit der Einwil⸗ ligung des andern Ehegatten adoptiren. 345. Die Befugniß zu adoptiren kann nur gegen denjenigen ausgeübt werden, dem man in ſeiner Min⸗ derjährigkeit, und während wenigſtens ſechs Jahren, Unterſtuͤtzung, und eine ununterbrochene Pflege ge⸗ währt hat, oder zu Gunſten desjenigen, der dem Adop⸗ tanten, entweder in einem Gefechte, oder indem er ihn aus den Flammen oder den Fluthen herausgezo⸗ gen, das leben gerettet hat. In dieſem zweiten Falle iſt es hinlänglich, wenn der Adoptant großjährig, und älter, als der Adoptirte, iſt, keine rechtmäſſige Kinder noch Deszendenten hat, und, wenn er verehelicht iſt, ſein Mitgatte in die Adoption eingewilligt hat. 346. Die Adoption kann in keinem Folle vor der Majorität des Adoptirten ſtatt haben. Wenn der Adoptirte Aeltern oder nur eines von beiden noch hat, und ſein fuͤnf und zwanzigſtes Jahr nicht zuruͤckselegt hat, ſo iſt er verbunden, die von ſeinen Aeltern oder dem Ueberlebenden(derſelben) zu der Adoption ertheilte Einwilligung beizubringen, und, wenn er älter als fuͤnf und zwanzig Jahre iſt, ihren Rath nachzuſuchen. 347. Die Adoption giebt dem Adoptirten den Na⸗ men des Adoptanten, der dem eigenen Namen des er⸗ ſten beigefuͤgt wird. 34g. Der Adoptirte verbleibt in der Familie, der er von Natur angehoͤrt, und behält alle ſeine Rechte darin. Nichts deſtoweniger iſt die Ehe verboten: zwiſchen dem Adoptanten, dem Adoptirten und ſeinen Deszendenten; Zwiſchen den adoptiven Kindern deſſelben Indi⸗ viduums; Zwiſchen dem Adoptirten und dem Mitgatten des Adoptanten, und gegenſeitig zwiſchen dem Adoptanten und dem Mitgatten des Adoptirten. 349. Die natuͤrliche Verbindlichkeit, welche zwi⸗ ſchen dem Adoptirten und ſeinen Aeltern forthin beſte⸗ hen ſoll, ſich in den von dem Geſetz beſtimmten Fäl⸗ len Alimente zu liefern, tritt auch zwiſchen dem Adop⸗ tanten und dem Adoptirten, gegeneinander, ein. 350. Der Adoptirte erwirbt kein Recht der Erb⸗ folge auf die Guͤrer der Aeltern des Adoptanten; aber er hat dieſelbe Rechte auf die Suczeſſion des Adop⸗ tanten, welche ein in der Ehe gezeugtes Kind darauf gehabt haben wuͤrde, ſelbſt wenn andere, ſeit der Adop⸗ tion gebohrne, Kinder dieſer Art vorhanden waͤren. 351. Wenn der Adoptirte ohne rechtmaͤſſige Des⸗ zendenten ſtirbt, ſo fallen die,(ihm) von dem Adop⸗ tanten geſchenkte, oder aus deſſen Erbſchaft herflieſ⸗ ſende Gegenſtände, welche bei dem Tode des Adoptir⸗ ten noch in der Natur vorhanden ſein werden, an den Adoptanten oder ſeine Deszendenten zuruͤck, unter der Obliegenheit, zur Bezahlung der Schulden beizutra⸗ gen, und der Rechte jedes Dritten ohnbeſchadet. Der Ueberſchuß des Vermoͤgens des Adoprirten ge⸗ hoͤrt deſſen eigenen Verwandten an, und dieſe ſchlieſ⸗ ſen immer, ſelbſt für die im gegenwärtigen Artikel ſpezifizirte Gegenſtände, alle andere Erben des Adop⸗ tanten, ſeine Deszendenten ausgenommen, aus⸗ 35 a. Wenn bei Lebzeiten des Adoptanten und nach dem Tode des Adoptirten die von dieſem hinterlaſſene Kinder oder Deszendenten ſelbſt ohne Nachkommen⸗ ſchaft ſterben ſollten, ſo erbt der Adoptant, ſo wie es im vorhergehenden Artikel verfuͤgt iſt, das, was er ge⸗ ſchenkt hat; aber dieſes Recht haͤngt der Perſon des Adopranten an, und geht nicht auf ſeine Erben, ſelbſt nicht einmal in abſteigender Linie, uͤber. Zweiter Abſchnitt. Von den Formen der Adoption. 353. Derjenige, welcher die Abſicht hat zu adop⸗ tiren, und derjenige, welcher aboptirt zu werden wütſcht, müſſen vor dem Friedens Richter des Wohn⸗ ortes des Adoptanten erſcheinen, um daſelbſt einen Akt uͤber ihre gegenſeitige Einwilligung aufzuſeßen. 354. In den folgenden zehn Tagen muß von der fleiſſiaſten Parthey(la plus chligente) dem Regie⸗ rungs Kommiſſar(Kaiſ. Prokurator) bei dem Tribunal erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk der Wohnſitz des Adop⸗ tanten ſich befinden wird, eine Ausſertigung dieſes Ak⸗ tes uͤbergeben werben, um der Homologation des Ge⸗ richtes unterworfen zu werden. 355. Das Tribunal hat, im Berachſchlagungs⸗ Zimmer verſammelt, und nachdem es ſich die ſachdien⸗ lichen Erkundigungen verſchafft hat, zu unterſuchen: 1 ob alle Bedingungen des Geſetzes erfuͤllt ſind, 2) ob die Perſon, welche die Abſicht hat, zu adoptiren, in einem guten Rufe ſteht. 386. Das Tribunal ſoll alsdann, nach Anhörung des Regierungs Kommiſſars, und ohne weitere Form einer gerichtlichen Prozedur, ohne die Beweggrunde der Entſcheidung einzuführen, in folgenden Ar drucken daruber erkennen: die Adoption hat ſtatt, oder: ſie hat nicht ſtatt. 357. In dem Monate, der auf das Urtheil des Tribunals erſter Inſtanz folgen wird, muß dieſes Urtheil, auf Betreiben der ſleiſſigſten Parthey, dem Appellations Tribunal vorgelegt werden, welches in denſelben Formen, wie das erſte InſtanzGericht zu verfahren, und ohne Angabe der Beweggruͤnde zu er⸗ kennen hat: das Urtheil iſt beſtätigt, oder: das Urtheil iſt reformirt, und folglich hat die Adoption ſtatt, oder; ſie hat nicht ſtatt. 358. Jedes Urtheil eines Appellations Gerichtes, welches eine Adoption zulaſſen wird, muß in der Au⸗ dienz verkuͤndigt, und an denen Orten, und in ſol⸗ cher Anzahl von Exemplarien, als das Tribunal es fuͤr ſachdienlich erachten wird, angeheftet werden. 359. In den drei, auf dieſes Urtheil, folgenden Monaten muß die Adoption, auf Anſuchen der einen, oder der andern der Partheyen, auf das Regiſter des Civilſtandes von dem Orte, wo der Adoptant ſeinen Wohnſitz hat, eingeſchrieben werden⸗ Dieſe Einſchreibung geſchieht bloß auf Anſicht einer foͤrmlichen Ausfertigung des Urtheiis des Appellations⸗ Gerichtes, und die Adoption ſoll ohne Wirkung ver⸗ bleiben, wenn ſie nicht in dieſer ZeitFriſt eingeſchrie⸗ ben worden iſt. 360. Wenn der Adoptant ſterben ſollte, nachdem der Akt, welcher ſeine Abſicht, den Adoptions Kontrakt zu ſchlieſſen, erweißt, von dem Friedens Richter auf⸗ genommen, und vor die Tribunalien gebracht worden iſt, und ehe dieſe endlich daruͤber erkannt haͤtten, ſo ſoll die Inſtruktion fortgeſetzt, und die Adoption, wenn es ſtatt findet, zugelaſſen werden · n Die Erben des Adoptanten koͤnnen, wenn ſie die Adoption für unzuläſſig halten, dem Regierungs Kom⸗ miſſar(Kaiſ. Prokurator) alle Denkſchriften, und Be⸗ merkungen in Bezug auf dieſelbe uͤbergeben. Zweites Kapitel. Von der wohlthätigen Vormundſchaft(tutelle officieuse.) 361. Jedes Individuum, das aͤlter als fuͤnfzig Jahre iſt, und keine rechtmaͤßige Kinder noch Des⸗ zendenten hat, welches irgend ein Individuum waͤh⸗ rend ſeiner Minderjährigkeit durch einen geſetzlichen RechtsTitel an ſich binden will(qui voudra se l'ata- cher) kann deſſen freiwilliger Vormund werden, wenn es die Einwilligung der Aeltern des Kindes, oder des Ueberlebenden von ihnen, oder in deren Ermangelung, die eines Familien Raths, oder endlich, wenn das Kind keine bekannte Anverwandte hat, die der Ver⸗ walter des Hospitals, worin es aufgenommen worden ſein wird, oder der Munizipalität ſeines Aufenthalt⸗ Ortes, dazu erhaͤlt. 362. Ein Ehegatte kann nur mit der Einwilligung ſeines Mitgatten freiwilliger Vormund werden. 363. Der FriedensRichter des Ortes, wo das Kind ſeinen Wohnſitz hat, ſoll uͤber die auf die wohlthaͤtige Vormundſchaft Bezug habende Geſuche und Einwil⸗ ligungen einen Verbal Prozeß aufſetzen. 364. Dieſe Vormundſchaft kann blos zum Vortheil ſolcher Kinder ſtatt haben, die juͤnger als fuͤnfzehn Jahre ſind. Sie zieht, jeder beſondern Stipulation ohnbeſcha⸗ det, die Verbindlichkeit nach ſich, den Pupillen zu er⸗ nähren, zu erziehen, und in den Stand zu ſetzen, ſei⸗ nen Unterhalt zu erwerben. 365. Beſitzt dieſer Pupille einiges Vermoͤgen, — 93— oder ſtand derſelbe vorher unter einer Vormundſchaft, ſo geht die Verwaltung ſeiner Guͤter, ſo wie die ſeiner Perſon, auf den freiwilligen Vormund uͤber, der nichts deſtoweniger die Koſten ſeiner Erziehung nicht von den Einkuͤnften des Muͤndels aufnehmen kann⸗ 366. Wenn der freiwillige Vormund nach dem Ablauf von fuͤnf vollen Jahren der Vormunbſchaft, und weil er vorſieht, daß er leicht vor der Grosjährig⸗ keit des Pupillen ſterben kann, ihm durch einen teſta⸗ mentariſchen Akt die Adoption gewährt, ſo iſt dieſe Verfuͤgung guͤltig, vorausgeſetzt, daß der freiwillige PVormund keine rechtmäſſige Kinder zuruͤcklaßt. 367. Sollte der freiwillige Vormund, ſey es vor den fuͤnf Jehren, ſey es nachher, ſterben, ohne ſeinen Pupillen adoptirt zu haben, ſo muſſen dieſem, während ſeiner Minderjährigkeit, Unterhalts Mittel geliefert werden, deren Betrag und Gattung, wenn ſie nicht vorher durch eine foͤrmliche Uebereinkunft be⸗ ſtunmt worden ſind, entweder guͤtlich zwiſchen den reſpektiven Stellvertretern des Vormundes und des Pupillen, oder im Falle eines Streits gerichtlich re⸗ gulirt werden ſoll. 368. Wenn der freiwillige Vormund ſeinen Pupil⸗ len nach erlangter Groesjährigkeit adoptiren will, und der letzte dazu einwilligt, ſo ſoll nach den im vorher⸗ gehenden Kapitel vorgeſchriebenen Formen zur Adop⸗ rion geſchritten werben, deren Wirkungen alsdann in jeder Hinſicht dieſelbe ſind. 369. Wenn nach den drei erſten Monaten nach er⸗ reichter Grosjährigkeit des Pupillen, die von dieſem (Pupillen) ſeinem freiwilligen Vormund gemachte Geſuche, um adoptirt zu werden, ohne Wirkung geblie⸗ ben ſind, und der Pupille ſich nicht im Stande befin⸗ det, ſeinen Unterhalt zu gewinnen, ſo kann der frei⸗ — c— willige Vormund verurthellt werden, den Pupillen wegen der Unfähigkeit, fur ſeinen Unterhalt zu ſorgen, worin dieſer ſich befinden könnte, zu entſchaͤdigen. Dieſe Entſchädigung ſoll ſich in eine Unterſtuͤtzung aufloſen, die geeignet iſt, ihm ein Gewerb(metier) zu verſchaffen, alles den Stipulationen ohnbeſchadet, welche man für dieſen Fall zum voraus bedungen ha⸗ ben moͤchte. 370. Der freiwillige Vormund, welcher die Ver⸗ waltung einiges Pupillar Vermoͤgens gehabt hat, muß in allen Fällen Rechnung daruͤber ablegen. Neunter Titef. Von der väterlichen Gewalt. Dekretirt am(3 Germinal 11) az Marz 1803 verkündigt am(13 Serminal) 3 April 1803. 371. Das Kind iſt, in jedem Alter, ſeinen Aeltern Ehre und Ehrfurcht ſchuldig. 372. Es bleibt bis zu ſeiner Majorität, oder ſeiner Emanzipation unter ihrer Gewalt. 373. Der Vater uͤbt, während der Ehe, dieſe Ge⸗ walt allein aus. 374. Das Kind darf das väterliche Haus nicht ohne Erlaubniß ſeines Vaters verlaſſen, ausgenom⸗ men, wenn es achtzehn volle Jahre zurückgelegt hat, um freiwillige Kriegs Dienſte zu nehmen. 375. Dem Vater, welcher beſonders wichtige Ur⸗ ſachen hat, mit dem Betragen eines Kindes unzufrie⸗ den zu ſein, ſtehen folgende Zuͤchtigungs Mittel zu: 376. Wenn das Kind das ſechszehnte Jahr ſeines Alters noch nicht angetreten hat, ſo kann der Vater es während einer Zeitßriſt, die einen Monat nicht überſteigen darf, einſperren laſſen; und zu dem Ende ſoll der Praͤſident des Bezirks Gerichtes auf ſein Be⸗ gehren den Verhaftungs Befehl erlaſſen muͤſſen. 377. Wenn das Kind das ſechszehnte Jahr ange⸗ treten hat, ſo kann der Vater von nun an bis zu ſeiner Grosjaͤhrigkeit oder Emanzipation nur mehr auf die Verhaftung deſſelben waͤhrend ſechs Monaten antra⸗ gen: er hat ſich zu dem Ende an den Präſidenten des beſagten Tribunals zu wenden, der, nachdem er ſich mit dem Regierungs Kommiſſar(Kaiſ. Prokura⸗ tor) daruͤber benommen haben wird, den Verhaftungs⸗ Befehl ertheilen oder verweigern, und in dem erſten Falle die Dauer der von dem Vater anverlangten Ein⸗ ſperrung abkuͤrzen kann. 37. In keinem von beiden Fällen darf etwas ſchriftlich gemacht werden, und es findet keine gericht⸗ liche Formalität ſtatt, den Verhaftungs Beſehl ſelbſt ausgenommen, in welchem die Beweggruͤnde nicht angegeben werden durfen. Der Vater iſt blos verbunden, ſich ſchriftlich ver⸗ bindlich zu machen, alle Koſten zu bezablen, und dem Kinde eine angemeſſene Nahrung zu liefern. 379. Es ſteht dem Vater immer frei, die Dauer der von ihm angeordneten oder anverlangten Einſper⸗ rung abzukuͤrzen. Wenn das Kind nach ſeiner Frei⸗ laſſung, in eine neue Verirrungen verfällt, ſo kann die Einſperrung, nach der, in den vorhergehenden Artikeln vorgeſchriebenen Weiſe, auf's neue verordnet werden. 280. Lebt der Vater in einer zweiten Ehe, ſo iſt er, um ſein Kind erſter Ehe einſperren zu iaſſen, wenn es auch ſelbſt noch keine ſechszehn Jahre alt iſt, verbunden, ſich nach dem Artikel 377 zu be⸗ meſſen. 381. Die uberlebende und nicht wieder verehelichte N⸗ Mutter kann ein Kind blos mit Zuziehung der zwei naͤchſten vaͤterlichen Anverwandten und im Requiſi⸗ tions Wege, dem Art. 377 gemaͤß, einſperren laſſen. 382. Wenn das Kind ihm perſoͤnlich angehoͤriges Vermoͤgen oder einen Stand(exercer un 6tat, ein Gewerbe oder eine Anlage) beſitzt, ſo darf ſeine Verhaf⸗ tung, ſelbſt wenn es unter ſechszehn Jahren iſt, nicht anderſt als im Requiſitions Wege, in der durch den Art. 377 vorgeſchriebenen Form, ſtatt haben. Das verhaftete Kind iſt befugt dem Regierungs⸗ Kommiſſar(Kaiſ. General Prokurator) bei dem Ap⸗ pellations Gericht eine Vorſtellung zuzuſenden. Dieſer Kommiſſar ſoll ſich von dem bei dem erſten Inſtanz⸗ Gerichte Rechenſchaft geben laſſen, und dem Praͤſiden⸗ ten bei dem AppellationsGerichte(hierauf) ſeinen Be⸗ richt erſtatten, der, nachdem er den Vater davon be⸗ nachrichtiget und alle Erkundigungen eingezogen ha⸗ ben wird, den von dem Praͤſidenten des Tribunals erſter Inſtanz ertheilten Befehl widerrufen oder mo⸗ difiziren kann. 383. Die Art. 376, 377, 378 und 379 ſind auf Aeltern von natuͤrlichen, geſetzlich anerkannten, Kin⸗ dern, anwendbar. 384. Dem Vater waͤhrend der Ehe, und nach der Aufloͤſung derſelben dem Ueberlebenden von Vater und Murter, ſteht, bis ihre Kinder das Alter von acht⸗ jehn vollen Jabren erreicht haben, oder bis zu der Emanzipation, die vor dem Alter von achtzehn Jah⸗ ren ſtatt haben koͤnnte, der Genuß des Vermoͤgens derſelben zu. 385. Mit dieſem Genuß ſind folgende Laſten ver⸗ bunden: ¹) Diejenige, welche allen Nußnieſſern aufliegen. 2) Die ihrem Vermoͤgen gemaͤße Ernährung, Un⸗ terhaltung und Erziehung der Kinder. — 96— 3) Die Zahlung der Ruͤckſtaͤnde oder der Intereſ⸗ ſen der Kapitalien. 4) Die Begräbniß Koſten, und die der letzten Krankheit. 386. Dieſer Genuß findet zum Vortheile desjeni⸗ gen der Aeltern, gegen welches die Eheſcheidung aus⸗ geſprochen worden wäre, nicht ſtatt; er boͤrt im Falle einer zweiten Ehe von Seiten der Mutter fuͤr dieſe auf. 337. Er dehnt ſich weder auf dasjenige Vermoͤ⸗ gen aus, was die Kinder durch eine beſondere Ar⸗ beit oder Induſtrie erwerben koͤnnen, noch auf basje⸗ nige, was ihnen unter der ausdruͤcklichen Bedin⸗ gung, daß die Aeltern den Genuß deſſelben nicht haben ſollen, geſchenkt oder vermacht werden koͤnme. S bnter i el Von der Minderjährigkeit, der Vormundſchaft, und der Emanzipation. (Dekretirt am(5 Germinal 11) 26 März, verkndigt am(15 Ger⸗ minal) 5 April 1803. Erſtes Kapitel. Von der Minderjährigkeit. 388. Minderjährig iſt jedes Individuum, von einem oder dem andern Geſchlechte, welches das Al⸗ ter von ein und zwanzig vollen Jahren noch nicht er⸗ reicht hät. Zweites Kapitel⸗ Von der Vormundſchaft. Erſter Abſchnitt. 3 Von der Vormundſchaft der Aeltern. 389. Während der Ehe iſt der Vater Verwalter des perſoͤnlichen Vermoͤgens ſeiner minderjährigen Kinder. Er iſt fuͤr das Eigenchum und die Einkuͤnfte des⸗ jenigen Vermoͤgens, deſſen Nießbrauch ihm nicht zu⸗ ſteht, und in Hinſicht besjenigen, deſſen Nießbrauch das Geſetz ihm zuerkennt, blos fuͤr das Eigenthum rechnungspflichtig. 390. Nach der Aufloͤſung der Ehe durch den na⸗ tuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tod eines der Ehegatten gehoͤrt die Vormundſchaft uͤber die minderjaͤhrige und nicht emanzipirte Kinder, von Rechtswegen,(de plein droit) dem uͤberlebenden von den Aeltern. 391. Nichts deſtoweniger kann der Vater der uber⸗ lebenden Mutter und Vormuͤnderin einen beſondern Bejſtand ernennen, ohne deſſen Gutachten ſie keinen auf die Vormundſchaft Bezug habenden Akt vorneh⸗ men darf. Wenn der Vater die Akte ſpezifizirt. für welche der Beiſtand ernannt wird, ſo iſt die Vormuͤnderin be⸗ fugt, die uͤbrige ohne ſeine Zuziehung vorzunehmen. 392. Dieſe Ernennung eines Beiſtandes kann nur auf eine der folgenden Weiſen geſchehen: ¹) Durch eine letzte Willens Verordnung. 2) Durch eine vor dem FriedensRichter, in Bei⸗ ſein ſeines Greffiers Gerichtsſchreibers), oder vor Notarien abgegebene Erklärung. 393. Wenn die Frau bei dem Sterbfalle des Man⸗ nes ſchwanger iſt, ſo hat der Familien Rath einen Kurator der LeibesFrucht(curateur au ventre) zu ernennen. Mit der Geburt des Kindes wird die Mutter Vor⸗ munderin, und der Kurator iſt alsdann von Rechts⸗ wegen Gegen Vormund deſſelben. 394. Die Mutter iſt nicht verbunden, die Vormund⸗ ſchaft anzunehmen; ſie muß jedoch, im Falle ſie die⸗ Civi Geſetzb. 7 ſelbe ausſchlagt, die Pflichten derſolben ſo lange erful⸗ len, bis dahin ſie einen Vormund hat ernennen laſſen. 395. Wenn eine Mutter, welche Vormuͤnderin iſt, ſich wieder verheirathen will, ſo muß ſie, vor dem Hei⸗ raths Akt, den Familien Rath zuſammen berufen, wel⸗ cher zu entſcheiden hat, ob ſie die Vormundſchaft fer⸗ nerhin behalten ſoll. Unterbieibt dieſe Zuſammenberufung, ſo verliert ſie die Vormundſchaſt kraft des Geſetzes, und ihr neuer Ehegatte iſt für alle Folgen der von ihr ungebuͤhrli⸗ cher Weiſe beibehaltenen Vormundſchaft ſolidariſch verantwortlich. 306. Wenn der, gehoͤrig zuſammenberufene, Fa⸗ milien Rath der Mutter die Vormundſchaft fernerhin belaßt, ſo muß er ihr nothwendig den zweiten Ehe⸗ gatten als Mit Vormund zugeben, und dieſer wird fuͤr die Verwaltung ſeit dem Abſchluß der Ehe mit ſeiner Frau ſolidariſch verantwortlich. Zweiter Abſchnitt. Von der von den Aeltern uͤbertragenen Vormundſchaft. 307. Das individuelle Recht, einen Verwandten, oder auch ſelbſt einen Fremden zum Vormund zu waͤh⸗ len, gehoͤrt blos dem Ueberlebenden von beiden Aeltern. 393. Dies Recht kann nur in den durch den Art. 302 vorgeſchriebenen Formen, und unter folgenden Ausnahmen und Beſchränkungen ausgeuͤbt werden: 399. Die Mutter, welche zur zweiten Ehe geſchril⸗ ten, und in der Vormundſchaft uber ihre Kinder aus der erſten Ehe nicht beibehalten worden iſt, kann kei⸗ nen Vormund fuͤr ſie erwählen. 40o. Wenn die Mutter, die zur zweiten Ehe ge⸗ ſchritten, und in der Vormundſchaft beibehalten wor⸗ den iſt, einen Vormund fuͤr ihre Kinder aus der er⸗ 5 ⸗ i⸗ l⸗ A⸗ ſten Che erwoͤhlt hat, ſo iſt dieſe Wahl nur dann guͤltig, wenn ſie von dem Familien Rach beſtatigt wird. 401. Der von dem Vater oder der Mutter ge⸗ wählte Vormund iſt nicht verbunden die Vormund⸗ ſchaft anzunehmen, wenn er nicht ohnehin in die Klaſſe derjenigen Perſonen gehoͤrt, die der Familien⸗ Rath in Ermangelung dieſer beſondern Ernennung da⸗ mit haͤtte beauftragen koͤnnen. Dritter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Aszendenten. 402. Wenn das Ueberlebende der beiden Aeltern dem Minderjaͤhrigen keinen Vormund erwählt hat, ſo gehoͤrt die Vormundſchaft von Rechtswegen ſeinem väterlichen Gros Vater, in deſſen Ermangelung dem muͤt⸗ terlichen Gros Vaterz und ſofort in aufſte igender Linie, in der Art, daß der väterliche Aszendent immer dem muͤtterlichen von demſelben Grade vorgezogen wird. 403. Wenn in Ermangelung eines väterlichen und muͤtterlichen Gros Vaters des Minderjährigen zwiſchen zwei Aszendenten eines hoͤheren Grades, die beide der väterlichen Linie des Minderjährigen angehoͤren, eine Konkurrenz eintreten ſollte, ſo geht die Vormundſchaft kraft des Geſetzes auf denjenigen von beiben uͤber, wel⸗ cher der väterliche Gros Vater von dem Vater des Minderjaͤhrigen iſt. 404. Tritt die nämliche Konkurrenz zwiſchen zwei UrGroo Vätern von der muͤtterlichen Linie ein, ſo ge⸗ ſchieht die Ernennung durch den Familien Rath, der jedoch nur einen dieſer beiden Aszendenten waählen darf. Vierter Ab ſchnitt. Von der, durch den Familien Rath uͤbertragenen, Vormuudſchaft 405. Wenn ein minderjähriges und nicht emanzi⸗ 7 — 100— pirtes Kind weder Vater noch Mutter, noch einen durch eines ſeiner Aeltern erwählten Vormund, noch männliche Aszendenten mehr haben wird; ſo auch, wenn ber Vormund von irgend einer der oben ange⸗ fuͤhrten Eigenſchaften ſich entweder in einem Fall der nachbeſtimmten Ausſchlieſſungen befindet, oder ſih auf eine gultige Art entſchuldigt hat, ſo wird durch einen Familien Rath ein Vormund ernannt. 406. Dieſer Nath wird entweder auf Anſuchen und Betreiben der Verwandten des Minderjaͤhrigen, ſeiner Glaäubiger oder anderer Betheiligten, oder auch ſelbſt von Amtswegen, und auf Betreiben des Friedens⸗ Richters von dem Wohnorte des Minderjaͤhrigen zu⸗ ſammenberufen. Jedermann iſt berechtigt, dieſem Friedene Richter das Faktum zu veranzeigen, welches zur Ernennung eines Vormundes ſtatt geben kann. 407. Der Familien Rath muß, den Friedens Rich⸗ ter nicht mit einbegriffen, aus ſechs Verwandten oder Verſchwäͤgerten beſtehen, die ſowohl in der Gemeinde, wo die Vormundſchaft eroͤfnet iſt, als in der Entfer⸗ nung von zweien Myriametern davon, zur Haͤlfte von der väterlichen, zur Hälfte von der muͤtterlichen Seite, und nach der Ordnung der Proximitaͤt in jeder Linie genommen werden muͤſſen. Der Verwandte ſoll dem Verſchwägerten vom namlichen Grade, und unter den Verwandten von demſelben Grade der aͤlteſte dem juͤngern vorgezogen werden. 408. Die vollbuͤrtige Bruͤder des Minderjaͤhrigen und die Männer ſeiner vollburtigen Schweſtern(frè- res- germaius et soeurs- germaines) ſind allein von der im vorhergehenden Artikel verfugten Beſchraͤn⸗ kung der Anzahl(der Glieder der Verſammlung) aus⸗ genommen. — 101— Wenn ihrer ſechs und mehrere vorhanden ſind, ſo ſind ſie alle Glieder des Familien Raths, der(alsdann) blos aus ihnen und den auf eine gultige Art entſchul⸗ digten Aszendenten, wenn deren vorhanden ſind, beſteht. Wenn ihre Zahl geringer iſt, ſo ſollen die andere Verwandten blos zur Ergänzung des Rathes zu dem⸗ ſelben berufen werden. 409. Wenn die Verwanbte ober Verſchwägerte von einer oder der andern kinie ſich nicht in hinlänglicher Anzahl an dem Orte, oder in der durch den Art. 407 angegebenen Entfernung befinden, ſo hat der Frie⸗ densRichter entweder in groͤſſeren Entfernungen wohn⸗ haſte Verwandte oder Verſchwägerte, oder Buͤrger qus der Gemeinde ſelbſt, die dafuͤr bekannt ſind, daß ſie mit dem Vater oder der Mutter des Minberjähri⸗ gen in beſtändigen freundſchaftlichen Verhäͤltniſſen ge⸗ ſtanden haben, dazu zu berufen. 410. Der FriedensRichter kann, ſelbſt wenn eine hinlängliche Anzahl von Verwandten oder Verſchwaͤ⸗ gerten am Orte ſelbſt vorhanden wäre,(dennoch) er⸗ lauben, Verwandte oder Verſchwaͤgerte in näheren Graden, als die anweſende Verwandte oder Ver⸗ ſchwägerte, in welcher Entfernung ſie(die erſten) auch wohnhaft ſein mögen, dazu zu laden; doch ſo, daß es durch die Weglaſſung von einigen dieſer letztern, und ohne die durch die vorhergehende Artikol beſtimmte Zahl zu uͤberſchreiten, bewerkſtelligt werde. 411. Die zur Erſcheinung geſtattete ZeitFriſt ſoll durch den FriedensRichter auf einen beſtimmten Tag regulirt werden, aber dergeſtalten, daß immer zwi⸗ ſchen der Zuſtellung der Ladung und dem zur Verei⸗ nigung des Rathes angeſehten Tage, cin Zwiſchen⸗ raum von wenigſtens dreien Tagen ſtatt findet, wenn alle geladene Partheyen ſich in der G⸗meinde oder der Entfernung von zweien Myriametern aufhalten werden. So oft ſich unter den geladenen Partheyen ſolche befinden, die ihren Wohnſiß in einer groſſeren Entfer⸗ nung haben, ſo muß die ZeitFriſt fuͤr jede drei Myria⸗ merer um einen Tag verlaͤngert werden. 412. Die, ſo zuſammenberufene, Verwandte, Verſchwägerte, oder Freunde ſind verbunden, perſoͤn⸗ lich zu erſcheinen, oder ſich durch einen Spezial Be⸗ vollnaͤchtigten vertreten zu laſſen. Der Bevolmaͤchtigte kann nicht mehr als eine Per⸗ ſon vorſtellen. 413. Jeder dazu berufene Verwandte, Verſchwaͤ⸗ gerte oder Freund, der ohne geſetzliche Entſchuldigung nicht erſcheinen wuͤrde, verfällt in eine Geldſtrafe, die funfzig Franken nicht uͤberſteigen darf, und welche ohne Appellation von dem FriedensRichter(gegen ihn) ausgeſprochen werden ſoll. 414. Liegt eine hinreichende Entſchuldigung vor, und iſt es ſachdienlich, entweder das abweſende Glied abzuwarten, oder es zu erſetzen, ſo kann der Friedens⸗ Richter in dieſem ſo wie in jedem andern Falle, wo das Intereſſe(des Minderjaͤhrigen) es zu erfordern ſcheint, die Verſammlung auf einen andern Tag ver⸗ legen, oder ſie prorogiren. 415. Dieſe Verſammlung wird von Rechtswegen bei dem Friedens Richter gehalten, wenn er nicht ſelbſt ein anderes Lokal bezeichnet. Die Gegenwart von we⸗ nigſtens drei Viertheilen der daju berufenen Gliedern iſt zu ihrer Berathſchlagung erforderlich⸗ 416. Der FriedensRichter hat den Vorſitz bei dem Familien Rath. Er hat berathſchlagende und im Falle der Theilung entſcheidende Stimme darin.(1) c) So oft die Berathſchlagungen des Familien Rathes nicht einſtim⸗ 417. Wenn ein in Frankreich wohnhafter Minder⸗ jaͤhrige Güter in den Kolonien beſitt, oder umgekehrt, ſo ſoll die beſondere Verwaltung dieſer Guͤter einem ProTutor uͤbertragen werden. Der Vormund und der ProTutor ſind in dieſem Falle unabhaͤngig von einander, und einer dem andern für ihre reſpektive Verwaltung nicht verantwortlich. 413. Der Vormund muß von dem Tage ſeiner Ernnenung an, wenn ſie in ſeiner Gegenwart ſtatt ge⸗ habt hat, und wo nicht, von dem Tage an, wo ſie ihm bekannt gemacht worden ſein wird, in dieſer Eigen⸗ ſchaft thätigen und verwalten.(1) mig ausfallen, muß von der Meinung eiues jeden der Glieder, aus welchen er beſteht, in dem VerbalProzeß Meldung geſchehen. Der Vormund, Shen Vormund oder Küratöt, ſogar die Glieder der Verſammlung, ſind befugt, gegen die Verathſchlagung einzukom- men; ſie haben zu dem Ende ihren Autrag gegen diejenige Glieder der Ber ammlung zu richten, welche der Verathſchlagung beigeſtimmt haben, ohne daß es ndthig wäre, ſie vor das Vergleichs Bureau zu veruſen,(Art. 383 des Koder des CivilProzeſſes).* Es muß in der Sache ſummariſcher Weiſe erkannt werden(884 In allen Fällen, wo es ſich von einer ſolchen Berathſchlagung han- delt, die der Homologation unterworfen iſt, muß dem Praͤſidenten eine Ausſertigung der Berathſchlagung vorgelegt werden, der durch eine Ordonnanz, die er unten auf dieſelbe ſetzt, deren Mittheilung an das dffentliche Miniſterium zu verordnen, und einen Richter zu er⸗ neunen hat, um an einem beſtimmten Tage Bericht daruͤberezu erſtat- ten.(885) Der Kaiſ. Prokurator hat ſeinen Antrag unter dieſe Ordonnanz zu ſetzen, die Urſchrift des BeſtätigungsUrtheils wird in einer Folge unter dieſen Antrag geſetzt(886) Wenn der Vormund, oder wer ſonſt damit beanftragt iſt, die Ho- mologation zu betreiben, unterläßt, es in der durch die Berathſchla- gung beſtimmten ZeitFriſt, oder falls dieſe ZeitFriſt nicht beſtimmt wäre, in vierzehn Tagen zu thun, ſo kann jedes Glied der Verſammlung die Homologation gegen den Vormund, und auf deſſen Koſten, welche er nicht zuruͤckfordern kann, betreiben.(832) Diejenige Glieder der Verſammlung, welche ſich der Homologation widerſetzen zu muͤſſen glauben werden, haben es durch einen auſſerge⸗ richtlichen Abt demjenigen zu erkläͤren, der mit deren Betreibung be⸗ auftragt iſt. Sind ſie alsdann nicht zw dem Urtheil berufen worden, ſd ſnd ſie befugt, Oppoſition gegen daſſelbe einzulegen.(388) Alle uͤber Berathſchlagungen eines Familien Rathes erlaſſene Urtheile ſind der Appellation unterworſen.(3800 (1) Wenn die Erinnerung eines Vormundes nicht in deſſen Se- genwart geſchehen iſt, ſo muß ſie ihm uuf Betreiben leines der Glieder — 0 ½— 419. Die Vormundſchaft iſt eine perſonliche Laſt, die auf die Erben des Vormundes nicht uͤbergeht. Dieſe ſind blos fuͤr die Verwaltung ihrer Aeltern ver⸗ antwortlich, und, wenn ſie grosjährig ſind, verbun⸗ den, ſie bis zur Ernennung eines neuen Vormundes fortzufuhren. Fünfter Abſchnitt. Von dem Gegen Vormund(subrogé tuteur.) 20. Es ſoll bei jeder Vormundſchaft ein von dem Familien Rath ernannter Gegen Vormund(su- brogé iuteur) beſtehen. Seine AmtsVerrichtungen beſtehen darin, fuͤr das Intereſſe des Minderjährigen zu chaͤtigen, wenn es mit jenem des Vermundes im Widerſpruch ſtehen wird. 421. Wenn die AmtsVerrichtungen des Vormun⸗ des irgend einer Perſon, von einer der in den vorher⸗ gehenden 1, 2 und zten Abſchnitt beſtimmten Quali⸗ taten,(von Rechtswegen) zugefallen ſind, ſo muß die⸗ ſer Vormund, ehe er ſeine AmtsVerrichtungen antritt, einen Familien Rath zur Ernennung eines GegenVor⸗ mundes zuſammenberufen laſſen, der nach der Verfuͤ⸗ gung des 4ten Abſchnittes zuſammengeſetzt ſein muß. Wenn er ſich vor Erfuͤllung dieſer Formalitaͤt in die Verwaltung eingemiſcht hat, ſo kann der, ſey es auf das Anſuchen der Verwandten, Glaͤubiger oder an⸗ deren Betheiligten, ſey es von Amtswegen von dem Friedens Richter zuſammenberufene Familien Rath, des Rathes, welches dieſer zu bezeichnen hat, zugeſtellt werden. Dieſe Zuſtellung muß in dreien Tagen, von dem der Berathſchlagung an, geſchehen; für jede Eutfernung von drei Myriametern c6 Stunden) zwiſchen dem Orte, wo die Berſammlung gehalten worden, und dem Wohnorte des Vormundes, wird ein Tag zugeſetzt.(Art. 333 des Kodex des EivilProzeſſes.) wenn von Seiten des Vormundes ein Betrug(dol) ſtatt gehabt hat, ihm die Vormundſchaft abnehmen, den dem Minderjährigen ſchuldigen Schadloshaltungen ohnbeſchadet. 422. Bei den uͤbrigen Vormundſchaften muß die Er⸗ nennung des Gegen Vormundes unmittelbar nach jener des Vormundes geſchehen. 423. In keinem Falle darf der Vormund zur Er⸗ nennung des Gegen Vormundes mitſtimmen, der, den Fall von vollburtigen Bruͤdern ausgenommen, aus je⸗ net der beiden Linien genommen werden muß, welcher der Vormund nicht angehoͤrt. 424. Der Gegen Vormund erſetzt nicht von Rechts⸗ wegen den Vormund, wenn die Vormundſchaft erle⸗ digt oder durch Abweſenheit verlaſſen wird; aber er iſt in dieſem Falle verbunden, auf die Ernennung eines neuen Vormundes anzutragen, und zwar unter Strafe, den Minderjährigen fuͤr jeden Schaden und entbehrten Gewinn, der fuͤr ihn aus der Nichtbeſtellung eines ſolchen entſtehen koͤnnte, voͤllig ſchadlos zu halten. 425. Die Amts Verrichtungen des Gegen Vormun⸗ des hoͤren zu derſelben Zeit wie die Vormundſchaft auf. 426. Die in den folgenden 6 und Ften Abſchnitten enthaltene Verfuͤgungen ſind auch auf die Gegen Vor⸗ muͤnder anwendbar. Der Vormund kann jedoch weder auf die Abſetzung des Gegen Vormundes antragen, noch in den Fami⸗ lien Verſammlungen, die zu dem Ende zuſammenberu⸗ ſen werden, ſtimmen. Sech ſter Abſſchnitt. Von den Urſachen, die von Uebernahme einer Votmundſchaft freiſprechen. 427. Von der Vormundſchaft ſind freigeſprochen: Die Glieder der durch die Titel 111, V, VI, VIII, — 106— IX, X und Xl der Konſtitutions Akte vom 18 May 18o4 errichteten Gewalten; Die Richter des Kaſſations Hofes; Der General Prokurator bei demſelben Hofe und ſeiue Subſtituten. Die Kommiſſarien des National Rechnungs Weſens; Die Prefekten; Alle Buͤrger, welche in einem andern Departement als demjenigen, wo die Vormundſchaft errichtet wird, eine oͤffentliche Stelle bekleiden. 428 Sind gleichfalls von der Vormundſchaft frei⸗ geſprochen: Die Militaͤr Perſonen in DienſtThaͤtigkeit, und alle andere Buͤrger, welche auſſerhalb des Gebiets des Reichs eine Miſſton des Kaiſers bekleiden. 429. Wenn die Miſſion nicht authentiſch und be⸗ ſtritten iſt, ſo darf die Freilaſſung nicht eher ausge⸗ ſprochen werden, als bis derjenige, welcher ſie in Anſpruch nimmt, ein Zeugniß des Miniſters beige⸗ bracht haben wird, in deſſen Departement die zur Entſchuldiaung vorgeſchuͤtzte Miſſion einſchlaͤgt. 430. Die Buͤrger von der in den vorhergehenden Artikeln bezeichneten Eigenſchaft, welche eine Vormund⸗ ſchaft ſpäter als die AmtsVerrichtungen(fonetions) den Dienſt(Services) oder die Miſſion, welche davon freiſprechen, angenommen haben, ſind nicht mehr zu⸗ läſſig, ſich wegen dieſer Urſache davon entlaſten zu laſſen. 431. Diejenige, welchen im Gegentheil die beſagte AmtsVerrichtungen, den Dienſt oder die Miſſion, nach der Annahme einer Pormundſchaft ertheilt wor⸗ den, ſind, wenn ſie dieſe nicht beibehalten wollen, be⸗ fugt, in MonatsFriſt einen Familien Rath zuſammenzu⸗ berufen, damit er zu ihrer StellErſeßung ſchreiten moͤge. Wenn nach dem Ablauf dieſer Amts Verrichtungen, Dienſte oder Miſſionen der neue Vormund ſeine — 107— Entlaſſung in Anſpruch nimmt, oder wenn der alte die Vormundſchaft zuruͤckfordert, ſo kann ſie ihm von dem Familien Rath zuruckgegeben werden. 432. Kein Buͤrger, der dem Minderjaͤhrigen weder verwandt noch verſchwaͤgert iſt, kann gezwungen werden, die Vormundſchaft zu uͤbernehmen, den Fall ausge⸗ nommen, wenn in der Entfernung von vier Myriame⸗ tern(8 Stunden) keine Verwandte oder Verſchwaͤgerte vorhanden wären, die im Stande waͤren, die Vor⸗ mundſchaft zu fuͤhren. 433. Jedes, volle fuͤnf und ſechzig Jahre alte, In⸗ dividuum, kann ſich weigern, Vormund zu werden. Jeder, der vor dieſem Alter ernannt worden ſein wird, kann ſich mit ſiebenzig Jahren der Vormund⸗ ſchaft entladen laſſen. 434. Jedes, mit einer ſchweren und gehoͤrig be⸗ wieſenen Gebrechlichkeit(infirmité) behaftete Indivi⸗ duum iſt von der Vormundſchaft freigeſprochen. Es kann ſich ſogar derſelben entladen laſſen, wenn dieſe Gebrechlichkeit es ſeit ſeiner Ernennung befallen hat. 435. Zwei Vormundſchaften ſind fuͤr jedermann ein hinlänglicher EntſchuldigungsGrund(dispense), eine dritte nicht anzunehmen. 436. Wer fuͤnf rechtmaͤſſige Kinder hat, iſt von jeder andern Vormundſchaft, die der beſagten Kinder ausgenommen, freigeſprochen. In den Armeen der Republik in DienſtThätigkeit verſtorbene Kinder werden immer mitgezählt, um die Freiſprechung zu bewirken. Andere verſtorbene Kinder werden nur dann ge⸗ zählt, wenn ſie ſelbſt noch wirklich lebende Kinder hin⸗ terlaſſen haben. 437. Die Dazwiſchenkunft von Kindern während der Vormundſchaft ſoll nicht zur Abdankung derſelben ermaͤchtigen. 438. Wenn der ernannte Vormund bei der Be⸗ rathſchlagung, die ihm die Vormundſchaft uͤbertragt, gegenwaͤrtig iſt, ſo muß er ſeine Entſchuldigungen auf der Stelle, und unter Strafe, mit jeder fernern Reklamation unzulaͤſſig erklärt zu werden, vortragen Der Familien Rath hat uͤber dieſelbe zu berathſchlagen. 439. Hat ber ernannte Vormund der Berathſchla⸗ gung, welche ihm die Vormundſchaft uͤbertragen hat, nicht beigewohnt, ſo kann er den Familien Rath zu⸗ ſammenberufen laſſen, um uͤber ſeine Entſchuldigunge zu berathſchlagen. Die Betreibungen zu dieſem Ende muͤſſen in der ZeitFriſt von t eien Tagen, von der Zuſtellung an zu rechnen, die ihm von ſeiner Ernennung gemacht worden ſein wird, geſchehen, welche ZeitFriſt um einen Tag fuͤr jede drei Myriameter, die der Ort ſeines Wohn⸗ ſitzes von dem der Eroͤfnung der Vormundſchaft entfernt liegt, vermehrt werden ſoll; nach Ablauf dieſer Zeit⸗ Friſt ſoll er damit unzulaͤſſig ſein. 440. Wenn ſeine Entſchuldigungen verworfen wor⸗ den ſind, ſo kann er bei den Tribunalien einkommen, um ſie fur gegruͤndet erklaͤren zu laſſen; aber er iſt, waͤh⸗ rend des Rechtſtreites, verbunden, die einſtweilige Ver⸗ waltung zu fuͤhren. 441. Wenn er es durchſetzt, ſeine Befreiung von der Vormundſchaft zu erwirken, ſo koͤnnen die, welche ſeine Entſchuldigungen verworfen haben, in die Koſten des Prozeſſes(de l'instance) verurtheilt werden. Wenn er unterliegt, ſo muß er ſelbſt darein verur⸗ theilt werden. Siebenter Abſchnitt. Von der Unfaͤhigkeit, dem Ausſchluſſe, und den Abſetzungen von der Vormundſchaft. 442. Es koͤnnen weder Vormuͤnder noch Glieder der Familien Raͤthe ſein: 1) Minderjährige, der Vater oder die Mutter aus⸗ genommen. 2) Interdizirte. 3) Weiber, die Muͤtter und Aszendentinnen aus⸗ genommen. 4) Alle die, welche, oder deren Vater oder Mut⸗ ter, einen Prozeß mit dem Minderjaͤhrigen ha⸗ ben, durch welchen der(Civil) Stand(6tat) dieſes Minderjährigen, ſein Vermogen, oder ein nahmhafter(partie notable) Theil ſeiner Guͤter gefaͤhrdet(Compromis) ſind. 443. Die Verurtheilung zu einer peinlichen oder entehrenden Strafe zieht von Rechtswegen den Aus⸗ ſchluß von der Vormundſchaft nach ſich. Eben ſo zieht ſie im Falle, wo es ſich von einer vorher ertheilten Vormundſchaft handelt, die Abſetzung nach ſich. 444. Sind ebenfalls von der Vormundſchaft aus⸗ geſchloſſen, und ſelbſt abzuſetzen,(destituables) wenn ſie ſich in Ausubung derſelben befinden: ¹) Leute von notoriſch ſchlechtem Betragen(d'in⸗ conduite.) 2) Solche, deren Verwaltung ihre Unfäͤhigkeit oder Untreue bezeugen wuͤrde. 443. Jedes Individuum, welches von einer Vor⸗ mundſchaft ausgeſchloſſen oder abgeſetzt worden iſt, kann nicht Glied eines Familien Raths ſein. 446. So oft die Abſetzung eines Vormundes ſtatt findet, muß ſie durch den Familien Rath, der auf Be⸗ treiben des Gegen Vormundes oder von Amtswegen — 110— durch den Friedens Richter(zu demi Ende) berufen wird, ausgeſprochen werden. Dieſer(der FriedensRichter) kann ſich nicht wei⸗ gern, dieſe Zuſammenberufung zu machen, ſo oft ein, dem Minderjaͤhrigen im Grade von Geſchwiſter Kin⸗ dern oder in tnoch) naͤheren Graden Verwandter oder Verſchwaͤgerter ſie formlich anſuchen wird. 447. Jede Berathſchlagung des Familien Raths, welche die Ausſchlieſſung oder die Abſetzung eines Vor⸗ mundes ausſprechen wird, muß die Beweggruͤnde an⸗ geben, und kann nicht genommen werden, als nach⸗ dem der Vormund angehoͤrt oder berufen worden iſt. 448. Wenn der Vormund der Berachſchlagung bei⸗ pflichtet, ſo muß Meldung davon geſchehen, und der neue Vormund ſogleich die Amts Verrichtungen antreten. Geſchieht eine Reklamation, ſo hat der GegenVor⸗ mund die Homologatlon der Berathſchlagung vor dem Tribunal erſter Inſtanz zu betreiben, welches, vor⸗ behaltlich der Appellation, daruber erkennt. Der ausgeſchloſſene oder abgeſetzte Vormund kann in dieſem Falle ſelbſt den Gegen Vormund vorladen laſſen, um erklären zu ſehn, daß er in der Vormund⸗ ſchaft beibehalten werde. 449. Die Verwandte oder Verſchwägerte, welche die Zuſammenberufung begehrt haben, koͤnnen in der Sache, die als dringend inſtrurt und abgeurtheilt werden ſoll, als Intervenienten auftreten. Achter Abſchnitt. Von der Verwaltung des Vormundes 450. Der Vormund muß für die Perſon des Min⸗ derjährigen Sorge tragen, und ihn in allen CivilAkten vorſtellen. Er hat deſſen Guͤter als guter Familien Vater zu verwalten, und iſt fur alle Schadloshaltungen(dom- mages imtérẽts) verantwortlich, die aus einer ſchlech⸗ ten Verwaltung entſpringen koͤnnten. Er kann die Guͤter des Minderjahrigen weder kau⸗ fen noch in Pacht nehmen, ausgenommen wenn der Familien Rath den Gegen Vormund ermächtigt haͤtte, einen Pacht Kontrakt mit ihm abzuſchlieſſen, noch kann er die Ceſſion irgend eines Rechtes oder einer Schuld⸗ forderung gegen ſeinen Pupillen annehmen. 451. Der Vormund muß in den zehn Tagen nach jenem ſeiner, ihm gehoͤrig bekannt gewordenen, Er⸗ nennung, die Aufhebung der Siegel verlangen, wenn deren angelegt worden ſind, und unmittelbar darauf in Gegenwart des Gegen Vormundes zur Inventa⸗ riſirung des Vermoͤgens des Minderjaͤhrigen ſchreiten. Wenn der Minderjaͤhrige ihm etwas ſchuldig iſt, ſo muß er es, unter Strafe der Verluſtigung(de dechéance) im Inventarium erklaͤren, und zwar auf die Anfrage,(requisition) die der oͤffentliche Beamte an ihn zu machen gehalten iſt, und von welcher im Verbal Prozeß Meldung geſchehen ſoll. 452. In dem Monate nach dem Schluſſe des In⸗ ventariums ſoll der Vormund, in Gegenwart des Ge⸗ gen Vormundes, die ganze Mobiliarſchaft, diejenigen Mobilien ausgenommen, welche ihn der Familien Rath in Natur aufzubewahren ermaͤchtigt haͤtte, in einer durch einen oͤffentlichen Beamten gehaltenen Verſtei⸗ gerung, und nach vorherigen AnſchlagZetteln oder Be⸗ kanntmachungen, von welchen der Verkaufs Verbal⸗ Prozeß Meldung thun muß, verkaufen laſſen. 453. Die Aeltern ſind, ſo lange ſie den eigenen und geſetzlichen Genuß des Vermoͤgens des Minderjähri⸗ gen baben, won der Verbindlichkeit) befreit, die Mö⸗ — 112— bel zu verkaufen, wenn ſie es vorziehen, ſie aufzube⸗ wahren, um ſie in Natur zu uͤbergeben. Sie muͤſſen ſie, in dieſem Falle, von einem Kunſt⸗ verſtaͤndigen, den der Gegen Vormund zu ernennen hat, und der vor dem Friedens Richter vereidet werden muß, zu ihrem wahren Werth abſchaͤtzen laſſen; ſie muͤſſen den geſchaätzten Werth von jenen dieſer Moͤbel erſtatten die ſie nicht in Natur beibringen(repré- senter) koͤnnen. 454. Bei dem Antritt jeder Vormundſchaft, die der Aeltern ausgenommen, hat der Familien Rath im Ueberſchlag(par appergu), und nach dem groͤßeren oder geringeren Werth des verwalteten Vermoͤgens, die Summe zu reguliren, bis auf welche ſich die jährliche Ausgaben des Minderjaͤhrigen, ſo wie die Verwal⸗ tungs Koſten ſeines Vermoͤgens belaufen ſollen. Derſelbe Akt muß ſpeziſiziren, ob der Vormund ermaͤchtigt iſt, ſich in ſeiner Verwaltung von einem oder mehreren beſondern Verwaltern helfen zu laſſen, welche bezahlt werden, und unter ſeiner Verantwort⸗ lichkeit thaͤtigen. 455. Der Rath hat die Summe beſtimmt feſtzu⸗ ſetzen, mit welcher fuͤr den Vormund die Verbindlich⸗ keit anfangen ſoll, den Ueberſchuß der Einkuͤnfte uͤber die Ausgaben anzulegen(employer); dieſe Verwen⸗ dung muß in der ZeitFriſt von ſechs Monaten geſcher hen, nach deren Ablauf der Vormund, in Ermange⸗ lung derſelben, die Intereſſen ſchuldigen ſoll. 456. Wenn der Vormund die Summe, bei wel⸗ cher die(Verpflichtung zur) Verwendung anfangen ſoll, nicht von dem Familien Rath hat beſtimmen laſ⸗ ſen, ſo iſt er, nach der im vorhergehenden Artikel be⸗ ſtimmten ZeitFriſt, die Intereſſen von jeder nicht an⸗ gelegten Summe, ſo gering ihr Betrag auch ſein moͤge, ſchuldig. 457. Der Vormund,(ſelbſt den Vater oder die Mutter nicht ausgenommen), kann fuͤr den Minder⸗ jaͤbrigen kein Anlehen machen, noch ſeine liegende Gu⸗ ter veraͤuſſern oder hypotheziren, ohne durch den Fumilien Rath dazu ermaͤchtigt zu ſein. Dieſe Ermaͤchtigung darf nicht anderſt als wegen einer unumgänglichen Nothwendigkeit, oder eines offen⸗ ren Vortheils halber, ertheilt werden. Im erſten Falle ſoll der Familien Rath ſeine Er⸗ maͤchtigung nicht eher ertheilen, als nachdem es durch eine ſummariſche, von dem Vormund vorgelegte, Rech⸗ ning erwieſen ſein wird, daß die Gelder,(deniers) MobiliarEffekten und Einkuͤnfte des Minderjaͤhrigen unzureichend ſind. Der Familien Rath hat, in allen Faͤllen, die Im⸗ möbel, welche vorzugsweiſe verkauft werden ſollen, ſo wie alle Bedingungen, die er fuͤr nuͤtzlich erachten wird, anzugeben.(1) 458. Die auf dieſen Gegenſtand Bezug habende Berathſchlagung des Familien Rathes darf nicht eher vollzogen werden, als bis der Vormund ihre Homolo⸗ gation von dem CivilGericht erſter Inſtanz nachge⸗ ſucht und erhalten haben wird, welches im Berath⸗ ſchlagungsZimmer, und nach Anhoͤrung des Regie⸗ rungs Kommiſſars(Kaiſ. Prokurators) daruͤber zu ver⸗ fügen hat. 439. Der Verkauf muß oͤffentlich, in Gegenwart des Gegen Vormundes, an den Meiſtbietenden, vor einem Mitglied des Civil Gerichts, oder einem dazu bnniieMrae n ne Gefolge von drei Anſchlag⸗ Siehe die Artirer bis 965 des Geſetzbuchs uͤber das Verfah- ren im Eibirprezeß. 95 kis 905 Civil Geſetzb. 8 Zetteln, die drei nacheinander folgende Sonntage an den gewohnlichen Orten des Kantons gngeheftet wer⸗ den ſoſteñ, Jeſchehen. Jeder dieſer Anſchlaggettel muß ven dem Maire der Gemeinden, in welchen ſie angeheftet worden ſind, viſirt und beglaubiget werden. 460. Die nach den Artikeln 457 und 458 zur Veraͤuſſerung der Guͤter eines Minderjährigen erfor⸗ derliche Formalitäten ſind in dem Falle nicht anwend⸗ bar, wenn ein Urtheil deren Lizitation auf das Be⸗ gehren eines MitEigenthuͤmers par indivis verord⸗ net haͤtte. In dieſem Falle darf blos die Lizitation in keiner andern, als der im vorhergehenden Artikel vorgeſchrie⸗ benen Form geſchehen; Fremde muͤſſen nothwen⸗ diger Weiſe dazu zugelaſſen werden. 461. Der Vormund darf eine dem Minderjaͤhri⸗ gen zugefallene Erbſchaft ohne eine vorherige Ermaͤch⸗ tigung des Familien Raths weder annehmen noch aus⸗ ſchlagen(repudier); keine Annahme darf anderſt, als unter der Wohlthat eines Inventariums ſtatt haben. 462. Im Falle, wo die, im Namen des Minder⸗ jährigen, ausgeſchlagene Erbſchaft von keinem andern wäre angenommen worden, kann ſie, ſey es durch den Vormund, wenn er durch eine neue Berathſchlagung des Familien Raths dazu ermaͤchtigt iſt, ſey es durch den großjahrig gewordenen Minderjaͤhrigen wieder an ſich gezogen(reprise) werden; jedoch in dem Zuſtande, worin ſie ſich zu der Zeit der Wieder Annahme ſreprise) befinden wird, und ohne daß die Verkaͤufe oder andere Akte, welche waͤhrend ihrer Vakanz geſetlich ſtatt gehabt haben moͤgen, angefochten werden koͤnnten. 463. Eine, dem Minderjährigen gemachte Schen⸗ kung kann der Vormund nicht anderſt, als mit Er⸗ maͤchtigung des Familien Rathes annehmen. Sie bringt(alsdann) dieſelbe Wirkung in Hinſicht auf den Minderjhrigen, wie fuͤr den Grosjährigen hervor. 464. Kein Vormund darf ohne Ermächtigung des Familien Raths eine, Immobiliar Rechte des Minder⸗ jährigen betreffende, Klage vor Gericht einfuͤhren, noch einem Begehren, in Betreff ſoicher Rechte, nachgeben(acquiescer). 65. Dieſelbe Ermachtigung iſt fur den Vormund erforderlich, um eine Theilung nachzuſuchen; aber er iſt ohne dieſe Ermächtigung befugt, auf eine gegen den Minderjaͤhrigen gerichtete Theilungs Klage zu antworten. 66. Eine Theilung muß, um in Hinſicht auf den Minderjährigen ganz die Wirkung, die ſie zwiſchen Grosjährigen haben wuͤrde, hervorzubringen, gericht⸗ lich geſchehen ſein, und nach einer vorherigen Schaͤz⸗ zung durch Kunſtverſtaͤndige, welche das Civil Gericht des Ortes, wo die Erbſchaft eroͤfnet iſt, dazu ernennt. Dieſe Kunſtverſtaͤndige haben, nachdem ſie zuerſt vor dem Praͤſidenten deſſelben Gerichtes oder einem andern von dieſem ausgeſetzten Richter den Eid ab⸗ gelegt haben, ſich ihres Auftrags redlich und getreu zu entledigen, zu der Theilung der Hinterlaſſenſchaft, und der Bildung von Looſen zu ſchreiten, welche in Ge⸗ genwart, ſey es eines Gliedes des Tribunals, ſey es eines von ihm kommittirten Notars, der auch die Looſe ausliefert,(qui fera la delivrance des lots) gezo⸗ gen werden ſollen. Jede andere Theilung iſt als blos proviſoriſch (Proyisionel) anzuſehen. 467. Der Vormund kann keinen Vergleich im Na⸗ men des Minderjährigen abſchlieſſen, als nachdem er von dem Familien Rath dazu ermächtigt worden iſt, und mit Zuſtimmung(de lavis) von dreien, von dem 8 4.—. Ar— — 116— Regierungs Kommiſſar(Kaiſ. Prokurator) bei dem Civil Gericht bezeichneten, Rechts Gelehrten. Der Vergleich iſt erſt dann guͤltig, wenn er von dem CivilTribunal nach Anhoͤrung des Regierungs⸗ Kommiſſars(Kaiſ. Prokurators) homologirt worden iſt. 46s. Wenn ein Vormund wichtige Beweggruͤnde hat, mit der Auffuhrung des Minderjährigen unzu⸗ frieden zu ſein, ſo ſoll er ſeine Klage einem Familien⸗ Rathe vortragen; und, wenn dieſer Rath ihn dazu er⸗ maͤchtigt, kann er auf die Einſperrung des Minder⸗ jährigen, in Gemäßheit der in dieſer Hinſicht in dem Titel: von der väterlichen Gewalt, enthaltenen Verfuͤgungen, antragen. Neunter Abſchnitt. Von den vormundſchaſtlichen Rechnungen. 469. Jeder Vormund iſt zu Ende ſeiner Verwal⸗ rung rechnungspflichtig uber dieſelbe. 470. Jeder Vormund, Vater und Mutter ausge⸗ nommen, kann ſelbſt waͤhrend der Vormundſchaft an⸗ gehalten werden, dem Gegen Vormund zu den Epochen, die der Familien Rath feſtzuſetzen fur dienlich erachtet, eine Ueberſicht(6tats) der Lage ſeiner Verwal⸗ tung zu ubergeben, ohne daß jedoch der Vormund ge⸗ halten werden koͤnnte, mehr als eine jährlich zu liefern. Dieſe Ueberſicht des Zuſtandes der Verwaltung ſoll ohne Koſten, auf ungeſtempeltes Papier, und ohne irgend eine gerichtliche Formalitaͤt abgefaßt und über⸗ geben werden. 471. Die endliche Vormundſchafts Rechnung ſoll auf Koſten des Minderjährigen abgelegt werden, wenn dieſer ſeine Grosjährigkeit erreicht, oder ſeine Eman⸗ zipation erhalten haben wird; der Vormund hat die Koſten derſelben vorzulegen. — Man hat bem Vormund darin alle hinlaͤnglich be⸗ wieſene(justiliées) Ausgaben, und welche einen nuͤtz⸗ lichen Gegenſtand haben, gut zu heiſſen(on allouera). 472. Jeder Vertrag, der zwiſchen dem Vormund und dem grosjaͤhrig gewordenen Minderjaͤhrigen abge⸗ ſchloſſen werden koͤnnte, iſt nichtig, wenn nicht wenig⸗ ſtens zehn Tage vor dem Vertrag die allgemeine um⸗ ſtaͤndliche Rechnungs Ablage und die Uebergabe der Beweißſtucke vorhergegangen iſt, welches alles durch einen Empfangſchein des Rechnungs Abnehmers kon⸗ ſtatirt ſein muß. 473. Wenn die Rechnung zu Streitfragen Anlaß giebt, ſo ſollen ſie, wie alle andere Konteſtationen in Civil Materien, verfolgt, und abgeurtheilt werden. 474. Die Summe, auf welche ſich der von dem Vormunde geſchuldete Ruͤckſtand belaufen wird, traͤgt, 2 ohnbegehrt, von dem Abſchluß der Rechnung an Zinſen. Die Zinſen von dem Vorſchuſſe, welchen der Min⸗ derjährige an den Vormund ſchulden mag, laufen erſt von dem Tage der ZahlungsAufforderung an, welche nach dem Abſchluß der Rechnung erlaſſen wor⸗ den iſt. 475. Jede Klage des Minderjäͤhrigen gegen ſeinen Vormund wegen auf die Vormundſchaſt Bezug ha⸗ benden Thatſachen verjahrt ſich in zehn Jahren, von der Grosjaͤhrigkeit an zu rechnen.(1) 1 Die Kinder, welche unter irgend einem Titel und unter welchem VNamen es auch immer ſein mag, in Hoſpitien aufgenommen worden ſind, ſtehen unter der Vormundſchaſt der VerwaltungsKommiſſionen dieſer Häuſer. Dieſe haben eines ihrer Glieder zu bezeichnen, um in vorkommenden Faͤllen die AmtsVerrichtungen als Vormund zu ver⸗ ſehen, und die äbrige bilden den VormundſchaſtsRath. Art. 1 des Geſetzes vom(13 Pluvioſe 13) 4 Februar 1805. Wenn ein Kind das Poſpitium verläßt, um als Arbeiter, Dienſtbothe oder Lehrling an einem Orte, der von dem Hoſpitium⸗ worin es ſich anfangs befand, entlegen iſt, einzuſiehen, ſo kann die — 118— Drittes Kapitel. Von der Emanzipation. 476. Der Minderjaͤhrige wird durch die Ehe von Rechtswegen, und ohne weiteres emanzipirt. Kommiſſion des Hoſpitals durch einen bloſſen, von dem Praͤfekten oder UnterPräfekten viſirten VerwaltungsAkt, die Vormundſchaft der Verwaltungs Kommiſſion des Hoſpitiums des Ortes übertragen, welcher dem wirklichen AufenthaltsOrte des Kindes am nachſten ge⸗ legen iſt.(Art. a.) Die Vormundſchaft der in die Hoſpitlen aufgenommenen Kinder dauert bis zu ihrer Grosjaͤhrigkeit oder Emanzipation, durch Ehe oder auf andere Weiſe.(Art 3) Die Verwaltungs Kommiſſionen der Hoſpitien haben in Betreff der Emanzipation der Minderjahrigen, die ſich unter ihrer Vormundſchaft befinden, dieſelbe Rechte zu genieſſen, welche das CivilGeſetzbuch den Aeltern bewilligt hat. Die Emanzipation geſchieht, auf das Gutachten der Glieder der Ver- waltungs Kommiſſion, durch dasjenige von ihnen, das zum Vormund bezeichnet worden iſt, und dieſes allein iſt verbunden, zu dem Ende vor dem FriedensRichter zu erſcheinen. Der EmanzipationsAkt muß ohne andre Koſten, als die des Enre⸗ giſtrements und des Stempelpapiers, ausgefertigt werden.(Art. 4) Wenn die in den Hoſpitien zugelaſſene Kinder Vermögen beſitzen, ſo hat der Einnehmer des Hoſpitiums in dieſer Hinſicht dieſelbe Ver- richtungen wie fuͤr die Guͤter der Hoſpitien zu verſehen. Im Falle der Emanzipation verſieht er die eines Kurators.(Art. 5) Die Kapitalien, welche den in den Hoſpitien zugelaſſenen Kindern zugehoͤren oder zufallen, ſollen auf die offentliche Pfandhauſer(Monts de pieteh angelegt werden; in den Gemeinden, wo keine Pfandhäu- ſer befindlich ſind, muͤſſen dieſe Kapitalien auf die Tilgungs Kaſſe ange- legt werden, vorausgeſetzt jedoch, daß jede Summe nicht unter hundert und fünfzig Franken iſt, in welchem Falle die Verwaltungs Kommiſ- miſſion daruͤber vevfugen ſoll. Art. 6) Die Einkuͤnſte der Güter und Kapitalien, welche in den Hoſpitien befindlichen Kindern zugehdren, werden, bis zum Austritt aus den be- ſagten Hoſpitien, als Eutſchädigung fuͤr ihre Nahrung und ihren Un- terbalt, von dieſen bezogen.(Art. 2) Wenn ein Kind vor ſeinem Austritt aus dem Hoſpitium, ſeiner Emanzipation oder ſeiner Volljaͤhrigkeit verſtorben iſt, und kein Erbe erſcheint, ſo faͤllt ſein Vermoͤgen dem Hoſpitium eigenthuͤmlich zu, welches auf Betreiben des Einnehmers und auf den Antrag des öffentlichen Miniſteriums in den Beſitz eingeſetzt werden kann. Wenn nachher Erben erſcheinen, ſo konnen ſie die Fruͤchte erſt vom Tage der Klage an zuruͤckverlangen.(Art. 8) Die Erben, welche die Erbſchaft eines, vor ſeinem Austritt aus dem Hoſpitium, ſeiner Emanzipation oder Volljaͤhrigkeit verſtorbenen Kindes in Anſpruch nehmen, ſind verbunden, das Hoſpitium für die dem verſtorbenen Kinde gegebene Alimente und die fuͤr daſſelbe, wäh- rend der Zeit, wo es der Verwaltung zur Laſt geblieben iſt, gemachte Auslagen zu entſchaͤdigen, vorbehaltlich die von dem Hoſpitium be- zogenen Einkuͤnfte, bis zur gehdrigen Koukurrenz, in Aufrechnung zu bringen.(Art. 9) 477. Der Minderjaͤhrige kann, ſelbſt wenn er nicht verheirathet iſt, von ſeinem Vater, oder, in Erman⸗ gelung des Vaters, von ſeiner Mutter emanzipirt werden, wenn er das Alter von fuͤnfzehn vollen Jah⸗ Jahren erreicht haben wird. Dieſe Emanzipation geſchieht durch die bloſſe Er⸗ klaͤrung des Vaters oder der Mutter, die der Friedens⸗ Richter im Beiſein ſeines Greffiers anfzunehmen hat. 478. Der vater⸗ und mutterloſe Minderjaͤhrige, kann ebenfalls, aber erſt, wenn er achtzehn volle Jahre zuruͤckgelegt hat, emanzipirt werden, wenn der Fami⸗ lien Rath ihn dazu faͤhig erachtet. In dieſem Falle geſchieht die Emanzipation(re⸗ sultera) durch die Berathſchlagung, wodurch dieſelbe ermaͤchtigt wird, und die von dem FriedensRichter als Präſident des Familien Rathes in demſelben Akt ge⸗ ſchehene Erklaͤrung: daß der Minderjaͤhrige emanzipirt iſt. 479. Wenn der Vormund keinen Schritt zur Emanzipation eines Minderjaͤhrigen, der ſich im Falle des vorhergehenden Artikels befindet, gethan hat, und wenn ein oder mehrere, demſelben im Grade von Geſchwiſter Kindern oder in(noch) naͤheren Graden Verwandte oder Verſchwaͤgerte ihn der Emanzipation faͤbig halten, ſo koͤnnen dieſe den FriedensRichter auf⸗ fordern, den Familien Rath zuſammenzuberufen, um uͤber dieſen Gegenſtand zu berathſchlagen. Der Friedens Richter iſt gehalten, dieſer Requiſition nachzukommen(de delérer.) 480. Die Vormundſchafts Rechnung muß dem eman⸗ zipirten Minderjaͤhrigen unter Beiſtand eines Kura⸗ tors abgelegt werden, den der Familien Rath ihm zu ernennen hat. 481. Der emanzipirte Minderjaͤhrige hat die Pacht⸗ — Kontrakte abzuſchlieſſen, deren Dauer neun Jahre nicht uͤberſteigen darf; er kann ſeine Einkuͤnfte beziehen, Quittung daruͤber ausſtellen, und alle Akte vorneh⸗ men, die bloße VerwaltungsAkte ſind, ohne gegen dieſe Akte reſtituirt werden zu koͤnnen, es ſey denn in einem Falle, wo es ein Grosjaͤhriger ſelbſt koͤnnte. 482. Er kann aber ohne den Beiſtand ſeines Ku⸗ rators keine ImmobiliarKlage anſtellen, noch ſich ge⸗ gen eine ſolche vertheidigen, ſelbſt nicht einmal ein Mobiliar Kapital empfangen und Quittung darüber ausſtellen. Der Kurator hat in dieſem letztern Falle uͤber die Verwendung des Kapitals zu wachen(il sur- veillera l'emploi.) 433. Der emanzipirte Minderjaͤhrige kann, unter keinem Vorwande, ohne eine von dem CivilGericht nach Anhoͤrung des Regierungs Kommiſſars(Kaiſ. Prokurators) homologirte Berathſchlagung des Fami⸗ lien Raths, Anlehn machen. 484. Er kann ferner ſeine Immobilien weder ver⸗ kaufen noch veraͤuſſern, noch irgend einen andern Akt, als bloſſe VerwaltungsAkte vornehmen, ohne die dem nicht emanzipirten Minderjährigen vorgeſchriebene Formalitäten zu beobachten. Was die Verbindlichkeiten betrift, die er durch Ankaͤufe, oder auf andere Art kontrahiren mag, ſo koͤn⸗ nen dieſelbe, wenn ſie ubermäſſig ſind, reduzirt werden, (elles seront reductibles en cas d'excés.) Die Tribunalien haben in dieſer Hinſicht das Vermoͤgen des Minderjährigen, den guten oder boͤſen Glauben der Perſonen, die mit ihm kontrahirt haben werden, den Nutzen oder die Unnützlichkeit der Ausgaben in Erwaͤgung zu ziehen. 485. Jeder emanzipirte Minderjaͤhrige, deſſen Ver⸗ bindlichkeiten(engagements) kraft des vorhergehen⸗ den Artikels reduzirt worden ſind, kann der Wohlthat der Emanzipation verluſtigt werden, welche ihm un⸗ ter Befolgung derſelben Formalitaͤten, die ſtatt gehabt haben, um ſie ihm zu ertheilen, wieder abgenommen (retirée) werden kann. 486. Von dem Tage an, wo die Emanzipation widerrufen worden iſt, kehrt der Minderjaͤhrige unter die Vormundſchaft zuruͤck, und verbleibt bis zu ſeiner voͤlligen Grosjährigkeit unter derſelben. 487. Der emanzipirte Minderjaͤhrige, welcher einen Handel treibt, wird fuͤr die auf dieſen Handel Bezug habende Handlungen als grosjährig betrachtet. e Von der Grosjährigkeit, der Interdiktion, und dem gerichtlichen Beiſtande. Dekretirt am(3 Germinal 11) 29 März 1803, verkuͤndigt am(13 Germinal) 3 April 1803. 488. Die Grosjaͤhrigkeit iſt auf ein und zwanzig volle Jahre feſtgeſetzt. In dieſem Alter iſt man zu allen Akten des buͤrgerlichen Lebens, vorbehaltlich der im Ti⸗ tel von der Ehe eingefuͤhrten Einſchränkung, fähig. 3 weites Kapitel. Von der Interdiktion. 499. Der Grosjährige, welcher ſich in einem be⸗ ſtaͤndigen Zuſtande des Bloͤdſinns, des Wahnſinns oder der Wuth befindet, muß interdizirt werden, ſelbſt wenn dieſer Zuſtand vernuͤnftige Augenblicke(lucida intervalla) darbietet. 490. Jeder Verwandte iſt zulaͤſſig, auf die Interdik⸗ tion ſeines Verwandten anzutragen(de provo- quer); daſſelbe gilt von einem Ehegatten in Hinſicht auf den andern. — 122— 491. Im Falle der Wuth muß die Interdiktion, wenn ſie weder von dem Mitgatten, noch von den Verwandten anverlangt wird, von dem Regierungs⸗ Kommiſſar(Kaiſ. Prokurator) nachgeſucht werden, der ſie auch im Falle des Bloͤdſinns oder des Wahn⸗ witzes gegen ein Individuum, das weder Mann noch Frau noch bekannte Verwandte hat, nachſuchen kann. 402. Jedes Begehren der Interdiktion muß vor dem Tribunal erſter Inſtanz eingefuͤhrt werden.(10) 493. Die Thatſachen des Bloͤdſinns, des Wahn⸗ witzes, oder der Wuth muſſen ſchriftlich artikulirt wer⸗ den. Die, welche die Interdiktion nachſuchen, ha⸗ ben die Zeugen beizubringen(ils présenteront.) 494. Das Tribunal verordnet ſodann, daß ein auf die von der erſten Sektion des 2ten Kapitels des Titels: von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation, vorgeſchriebene Art gebildete, Familien Rath uͤber den (1) Bei jedem Interdietions Geſuch muſſen die Thatſachen des Blod- ſinnes, des Wahnſinnes oder der Wuth in der, dem Präſidenten des Tribunals zu uͤbergebenden Bittſchrift, angefuͤhrt ſein; die Beweißſtuͤcke muͤſſen derſelben beigelegt, und die Zeugen darin angegeben werden⸗ (Art. 890 des Kodex des EivilProteſſes.) Der Preſident des Tribunals verordnet die Mittheilung der Bitt- ſchrift an das öffentliche Miniſteriun, und ernennt einen Richter, um an einem beſtimmten Tage ſeinen Bericht zu erſtatten.(391) Nach Anhorung dieſes Berichtes und des Antrags des Kaiſ. Proku- rators verordnet das Tribunal, daß eine in der durch das CivilGeſetzbuch V. Abſchnitt des II. Kapitels des Titels; von der Minderjaͤhrig- geit und der Emanzipatio n) vorgeſchriebenen Art zuſammen⸗ geſetzte Familien Verſammlung uͤber den Zuſtand der Perſon, deren In⸗ terdietion anverlangt wird, ihr Gutachten ertheilen ſoll.(8920 Die Vittſchriſt und das Gutachten des Familien Raths müſſen dem Beklagten, ehe zu ſeinem Verhöre geſchritten wird, zugeſiellt werden⸗ Wenn das Verhör und die beigebrachte ſchriftliche Beweiſe unzu- reichend ſind, und die Thatſachen durch Zeugen erwieſen werden koͤn- nen, ſo kann das Tribunal, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, ein Zeugen Verhoͤr anordnen, welches in der gewohnlichen Form gehalten werden ſoll. Das Tribunal kann, wenn die Umſtände es erheiſchen, verordnen⸗ daß das Zeugenverhoͤr nicht in Gegenwart des Beklagten vorgenom- men werden ſoll, allein in dieſein Falle kann deſſen Anwald ihn ver- treten.(393) 1 — 123— Zuſtand der Perſon, deren Interdiktion anverlange wird, ſein Gutachten ertheilen ſoll. 495. Die, welche die Interdiktion anverlangt(qui auront provoquè) haben, koͤnnen dem Familien Rath nicht beiſitzen; nichts deſtoweniger kann der Ehegatte, oder die Ehegattinn, und die Kinder der Perſon, deren Interdiktion anverlangt worden ſein wird, zu dem⸗ ſelben zugelaſſen werde, ohne berathſchlagende Stimme darin zu haben. 496. Das Tribunal hat, nach eingezogenem Gut⸗ achten des Familien Rathes, den Beklagten im Be⸗ rachſchlagungsgimmer zu verhoͤren; wenn er ſich nicht dahin begeben kann, ſo ſoll er in ſeiner Wohnung durch einen dazu ernannten Richter, unter Beiſtand des Greffiers, verhoͤrt werden. In allen Fällen muß der Regierungs Kommiſſar(Kaiſ. Prokurator) bei dem Verhoͤr gegenwärtig ſein. 497. Das Tribunal hat, nach dem erſten Verhoͤr, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, einen einſtweiligen Verwalter zu ernennen, und fur die Perſon und das Vermoͤgen des Beklagten, Sorge zu tragen. 498. Das Urtheil uͤber ein Interdiktions Geſuch darf nicht anderſt als in oͤffentlicher Audienz, nachdem die Partheyen angehoͤrt oder dazu berufen ſein wer⸗ den, erlaſſen werden. 499. Das Tribunal kann, wenn es ein Interdik⸗ tions Geſuch abweißt, nichts deſtoweniger, wenn die Umſtande es erheiſchen, verordnen, daß der Beklagte, ohne den Beiſtand eines Rathes, der ihm durch daſ⸗ ſelbe Urtheil ernannt werden muß, hinfuͤhro weder Prozeß führen(Plaider), Vergleiche ſchlieſſen, An⸗ lehn machen, Mobiliar Kapitalien empfangen, Quit⸗ tung daruͤber ausſtellen, noch ſeine Guter veraͤuſſern, oder ſie mit Hypotheken belaſten durfen ſoll. 5oo. Im Falle der Appellation von dem in erſter Inſtanz erlaſſenen Urtheil kann das Appellations Ge⸗ richt, wenn daſſelbe es fuͤr nöthig erachtet, die Perſon, deren Interdiktion anverlangt wird, von neuem verhoͤ⸗ ren oder durch einen Kommiſſar verhoͤren laſſen.(1) So1. Jedes Urtheil, welches eine Interdiktion oder die Ernennung eines Beiſtandes verfuͤgt, muß, auf Betreiben der Klaͤger, ausgenommen, der Parthey zugeſtellt, und in den folgenden zehn Tagen auf die Tabellen eingeſchrieben werden, die zu dem Ende in dem Audienzſaal, und in den Schreibſtuben der No⸗ tarien angeheftet werden ſollen.(2) 5o2. Die Interdiktion, oder die Ernennung eines Beiſtandes bringt vom Tage des Urtheils an, ihre 1 Wirkung hervor. Alle Akte, die ſpaͤterhin von dem Interdizirten, oder ohne Zuziehung des Beiſtandes, abgeſchloſſen worden wären, ſind von Rechtswegen nichtig. §o3. Der Interdiktion vorherige Akte koͤnnen ver⸗ nichtet werden, wenn die urſache der Interdiktion zu der Zeit, wo dieſe Akte gemacht worden ſind, noto⸗ riſch ſchon vorhanden war. ¶N Die Appellation desjenigen, gegen welchen die Interdiktion aus- geſprochen worden, muß gegen denjenigen eingelegt worden, der ſie nachgeſucht hat. Die Appellation desjenigen, der die Interdiktion nachgeſucht hat, oder eines der Glieder des Familien Raths, muß gegen denjenigen ein- gelegt werden, deſſen Interdiktion anverlangt worden iſt. Im Falle der Ernennung eines Peiſtandes muß die Appellation desjenigen, welchem er beigeſetzt worden iſt, gegen denjenigen eingelegt werden, der die Ernennung nachgeſucht hat.(Art. 394 des Koder des EivilProzeſſes.) () Jedes Urtheil, welches ein Verbot, ohne Zuſtand eines Beiſtan⸗ des Prozeß zu führen, zu vergleichen;, Anlehn zu machen, Mobiliar- Kapitalien einzuziehen, Quittungen daruͤber auszuſtellen, zu verkau⸗ fen oder zu hypotheziren, ausſprechen wird, muß in der von dem Art. 501 des CiviGeſetzbuchs vorgeſchriebenen Form angeheſtet werden Art⸗ 897 des Kodex des Civil Prozeſſes.) 5o4. Nach dem Tode eines Individuums koͤnnen die von ihm errichtete Akte nur dann ſeines Wahn⸗ ſinns halber angefochten werden,(ne pourront étre attaqués) wenn ſeine Interdiktion vor ſeinem Sterb⸗ falle ausgeſprochen oder(doch) anverlangt worden war, wenn ſich nicht anderſt der Beweiß des Wahn⸗ ſinns aus dem angegriffenen Akte ſelbſt ergiebt. 5o5. Wird von dem in erſter Inſtanz erlaſſenen InterdiktionsUrtheile nicht appellirt, oder wird daſ⸗ ſelbe in der Appellations Inſtanz beſtaͤtigt; ſo hat man nach den, im Titel: von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation, vorgeſchriebenen Regeln, zur Ernennung eines Vor⸗ mundes, und eines Gegen Vormundes zu ſchreiten. Der proviſoriſche Verwalter muß ſeine AmtsVerrich⸗ tungen einſtellen, und dem Vormunde, wenn er es nicht ſelber iſt, Rechnung ablegen.(1) 5o6. Der Mann iſt von Rechtswegen Vormund ſeiner interdizirten Frau. 5o7. Die Frau kann zur Vormuͤnderin ihres Man⸗ nes ernannt werden; der Familien Rath hat in die⸗ ſem Falle die Form und die Bedingungen der Ver⸗ waltung zu reguliren, vorbehaltlich des Rekurſes an die Tribunalien von Seiten der Frau, wenn ſie ſich durch den Familien Beſchluß beeintraͤchtigt(lezée) glauben ſollte. F5o8. Niemand, mit Ausnahme der Ehegatten und der Aszendenten iſt verbunden, die Vormundſchaft eines Interdizirten laͤnger, als zehn Jahre zu behal⸗ ten. Nach Ablauf dieſer ZeitFriſt kann der Vor⸗ mund ſeine StellErſetzung anverlangen, und ſie darf ihm nicht verweigert werden. (1) Wird von dem Interdiẽtions Iheit nicht appelirt, oder wird daſſelbe nach eingelegter Appellation beſtätigt, ſo muß dem Interdizir- ten nach den im Titel: von dem Gutachten der Verwand- ten(Siehe Art. 382, 884) vorgeſchriebenen Regeln ein Vormund und ein Gegen Vormund ernannt werden. — 126— 5o9. Der Interdizirte iſt, was ſeine Perſon und ſein Vermoͤgen betrifft, dem Minderjährigen gleichge⸗ ſezt. Die Geſetze uͤber die Vormundſchaft ſind auch auf die Vormundſchaft der Interdizirten anwendbar. 510. Die Einkuͤnſte eines Interdizirten muͤſſen hauptſäͤchlich dazu verwendet werden, ſein Schickſal zu erleichtern, und ſeine Heilung zu beſchleunigen. Der Familien Rath kann, nach den Karakteren ſeiner Krankheit und der kage ſeiner Vermoͤgens Umſtände, beſchlieſſen, daß er in ſeiner Wohnung verpflegt, oder daß er in ein Kranken Haus, oder ſelbſt in ein Hoſpi⸗ tal gebracht werden ſoll. S11. Wenn von der Ehe des Kindes eines Inter⸗ dizirten die Rede iſt, ſo ſoll die Ausſteuer oder der Vorſchuß auf die Erbſchaft('avancement d'hoirie) ſo wie die uͤbrige EhPakten durch ein, von dem Tri⸗ bunal, auf den Antrag des Regierungs Kommiſſars (aiſ. Prokurators), homologirtes Gutachten des Fa⸗ milien Raths regulirt werden. 5iz. Die Interdiktion hoͤrt mit den Urſachen, welche ſie beſtimmt haben, auf; nichts deſtoweniger muß die Aufhebung derſelben unter Beobachtung der⸗ ſelben Formalitaͤten, welche, um zu der Interdiktion zu gelangen, vorgeſchrieben ſind, ausgeſprochen wer⸗ den, und der Interdizirte kann die Ausuͤbung ſeiner Rechte nicht eher als nach dem Urtheil der Aufhebung wieber an ſich ziehen.(1) Drittes Kapitell. Von dem gerichtlichen Beiſtande. 513. Es kann den Verſchwendern verboten werden, Die Verrichtungen des in Vollzug des Art. 497 des EivilGeſetzbuchs ernannten einſtweiligen Verwalters horen auf, und derſelbe legt dem Vormund, wenn er es nicht ſelber iſt, Rechnung ab.(895) c) Jedes Geſuch um Aufhebung der Interdiktion muß in derſeben Form wie die Interdiktion eingeleitet und abgeurtheilt werden⸗(Art. 396 des Kodex des Civil Prozeſſes.) — — 127— ohne Zuziehung eines Beiſtandes, der ihnen von dem Tribunal ernannt wird, Prozeß zu fuͤhren, Vergleiche zu ſchlieſſen, Anlehn zu machen, Mobiliar Kapitalien zu empfangen und Quittung(decharge) daruͤber aus⸗ zuſtellen, und ihre Guͤter zu verkaufen, oder ſie mit Hypotheken zu belaſten.(1) 514. Das Verbot, ohne Zuziehung eines Beiſtan⸗ des zu thaͤtigen, kann von denjenigen Perſonen anver⸗ langt(provoquè) werden, welche berechtigt ſind, auf die Interdiktion anzutragen; ihr Begehren muß auf dieſelbe Art eingeleitet, und abgeurtheilt werden. Dieſes Verbot kann nur unter Beobachtung derſel⸗ ben Formalitaten wiederaufgehoben werden.„ 515. Kein Urtheil in Interdiktions Materie, oder wegen Ernennung eines Beiſtandes, darf, weder in der erſten, noch in der Appellations Inſtanz, anderſt, als nach Anhoͤrung des Antrags des Regierungs Kom⸗ miſſars(Kaiſ. Prokurators) erlaſſen werden. ¶ Siehe den Art. 397 des Kodex des CivilProzeſſes. Ende des erſten Buches. Z weites Buch. Von den Guͤtern und den verſchiedenen Modiffkationen des Eigenthums. Civi Geſeßb. 9 S er. Von der Eintheilung der Güter(des biens.) (Dekretirt am(4 Pluvioſe 12) 25 Jänner 1304 verkündigt am(14 Pluvioſe) 4 Februar 1809. 516. Alle Guͤter ſind beweglich oder unbewegiich. Erſtes Kapitel. Von den Immöbeln. 517. Die Güter ſind unbeweglich entweder von Natur, oder zufolge ihrer Beſtimmung oder durch den Gegenſtand ihrer Anwendung. 518. Grundgüter und Gebäube ſind Immobel von Natur. 519. Wind⸗oder Waſſer Muͤhlen, welche auf Pfei⸗ lern befeſtigt ſind und einen Theil eines Gebaudes aus⸗ machen, ſind gleichfalls Immoͤbel von Natur. 520. Die Aerndte auf dem Halm„und noch nicht gepfluͤckte Baumfruͤchte ſind gleichfalls Immoͤbel. Sobald der Halm geſchnitten und die Fruͤchte ab⸗ gepfluͤckt ſind, ſind ſie, wenn ſie auch noch nicht weg⸗ gebracht ſind, bewegliche Guͤter. Wenn blos ein Theil der Aerndte geſchnitten iſt, ſo iſt dieſer Theil allein bewegliches Gut. 5ar. Die gewöhnliche Holzſchläge in hochſtämmi⸗ gen oder niederſtämmigen, in regelmaͤſſige Schlaͤge ein⸗ getheilten, Waldungen werden nicht eher, als ſo wie die Baume niebergehauen werden, bewegliches Gut. 522. Das Vieh, welches der Eigenthuͤmer des Bo⸗ dens dem Pächter oder Hofmann zum Landbau ein⸗ ſtellt, es mag nun geſchätzt worden ſein oder nicht, wird ſo lange als Immöbel betrachtet, als es kraft der Uebereinkunft bei dem Gut verbleibt(tant qu'ils demeurent attachs au fonch. S 7 — 132— Das Vieh, welches er andern Perſonen als dem Pächter oder Hofmann um die Haͤlfte(oder einen an⸗ dern Theil) der Nutzung verpachtet(donnés à chep- tel) iſt bewegliches Gut. 5a3. Die zur Waſſerleitung in ein Haus vder eine andere Grund Beſitzung dienende Roͤhre ſind Immoͤ⸗ bel und mächen einen Theil des Grund und Bodens aus, auf welchem ſie angebracht ſind 524. Die Gegenſtaͤnde, welche der Eigenthuͤmer eines Grundſtuͤckes zum Dienſt und zum Anbau die⸗ ſes Grundſtuckes darauf eingeſtellt hat, ſind Immoͤ⸗ bel kraft ihrer Beſtimmung. So ſind(folgende Dinge) Immoͤbel kraft ihrer Beſtimmung, wenn ſie von dem Eigenthuͤmer zum Dienſt oder zum Anbau des Grundſtuckes eingeſtelle worden ſind: Das zum Feldbau dienende Vieh; Die Acker Geraͤthſchaften; Die den Paͤchtern oder theilhabenden Anbauern gegebene Saatfruͤchte; Die Tauben der Taubenſchlaͤge; Die Kaninchen, in ihren dazu beſtimmten einge⸗ ſchloſſenen Gehaͤgen(garennes); Die Bienenſtoͤcke; Die Fiſche in den Teichen; Die Kelter, Keſſel, Brennkolben, Zuber und Tonnen; Die zur Betreibung der Huͤttenwerke, Papier Muͤh⸗ len und anderer Werker(usines) noͤthigen Ge⸗ raͤthſchaften; Stroh und Duͤnger. Immoöbel kraft ihrer Beſtimmung ſind ferner alle MobiliarEffekten, welche der Eigenthuͤmer, um fuͤr immer daſelbſt zu verbleiben, auf das Grunbſtück pingegeben hat(qu'il y a attachés). — 133.— 525. Es wird dafur gebolten, als habe der Eigen⸗ thuͤmer diejenige MobiliarEffekten, um fuͤr immer daſelbſt zu verbleiben, auf ein Grundgut hingege⸗ ben, welche mit Gips, Kalk oder Moͤrtel(Kitt) be⸗ feſtigt ſind, oder welche nicht, ohne gebrochen oder verletzt zu werden, oder ohne den Theil des Bodens, worauf ſie befeſtigt ſind, zu verbrechen oder zu ver⸗ letzen, weggenommen werden können. Die Spiegel eines Zimmers werden angeſehen, als ſeyen ſie beſtimmt, fur immer daſelbſt zu verbleiben, wenn der Rahmen(parquet) worauf ſie befeſtigt ſind, nur ein Stuck mit der Bekleidung des Zimmers ausmacht (orsqu'il fait corps avec la boiserie). Ein gleiches gilt von den Gemaͤhlden und andern Verzierungen. Was die Statuen betrift, ſo ſind ſie Immoͤbel, wenn ſie in einer beſonders zu ihrer Auf⸗ nahme angebrachten Niſche aufgeſtellt ſind, wenn ſie auch ſchon ohngebrochen oder ohnverletzt weggenom⸗ men werden koͤnnten. 526. Immoͤbel, des Gegenſtandes ihrer Beziehung halber, ſind: Die Nutznieſſung von ImmobiliarGegenſtaͤnden; Auf dem Grund und Boden haftende Dienſtbar⸗ keiten oder Leiſtungen; Die Klagen, die die Vindizirung eines Immoͤbels zum Gegenſtand haben. Zweites Kapitel. Von den Mobeln. 527. Die Dinge ſind Moͤbel, ihrer Natur nach oder kraft der Beſtimmung des Geſetzes. 5a8. Moͤbel von Natur ſind die Koͤrper, welche man von einem Orte zum andern hinbringen kann, ſie moͤgen ſich nun ſelbſt bewegen, wie die Thiere, oder ihre Stelle blos durch die Wirkung einer fremden Kraft veraͤndern koͤnnen, wie die lebloſen Dinge. 529. Moͤbel kraft der Beſtimmung des Geſetzes ſind die Obligationen und Klagen, welche geſchuldete Summen oder MobiliarEffekten zum Gegenſtand ha⸗ ben, die Aktien oder Antheile in Finanz⸗, Handels⸗ oder InduſtrieGeſellſchaften, wenn auch ſchon den Geſellſchaften von dieſen Unternehmungen abhaͤngige Immoͤbel angehoͤren. Dieſe Aktien oder Antheile werden(jedoch) blos in Hinſicht auf jeden MitGeſell⸗ ſchafter, und nur ſo lange die Geſellſchaft dauert, als Moͤbel betrachtet. Gleichfalls ſind Moͤbel kraft der Beſtimmung des Geſetzes die Renten, ſowohl ewige als LeibRenten, und zwar ſowohl auf die Republik als auf PrivatPer⸗ ſonen. 530. Jede ewige, den Kaufſchilling eines Immoͤ⸗ bels vorſtellende, oder unter der Bedingung der ohn⸗ entgeltlichen oder auch unter einem läſtigem Titel ge⸗ ſchehenen Abtretung eines Grundſtuͤcks, geſtiftete Rente, iſt immer loskaͤuflich. Dem Glaͤubiger ſteht es jedoch frei, die Klauſeln und Bedingungen des Loskaufs zu beſtimmen. Er kann ſich auch ausbedingen, daß die Rente ihm erſt nach einer gewiſſen Zeitfriſt losgekauft werden darf; dieſe Zeit darf jedoch nie dreißig Jahre uͤberſtei⸗ gen. Jede dem zuwiderlaufende Stipulation iſt null und nichtig.(1) 531. Die Schiffe, Fahren, Fahrzeuge, Schiffs⸗ Muhlen und Bader, und uberhaupt alle Werkſtätten, die nicht auf Pfeilern befeſtigt ſind und keinen Theil eines Gebaͤudes ausmachen, find Moͤbel. Die Pfaͤn⸗ c) Dieſer Artirel iß am 30 Ventoſe 12 dekretirt worden. Siehe S. 3⸗ dung(la saisie) einiger dieſer Gegenſtaͤnde kann je⸗ doch, ihrer Wichtigkeit halber, beſondern Formen un⸗ terworfen werden, ſo wie es im Geſetzbuch des Civil⸗ Prozeſſes auseinandergeſetzt werden wird.(1) 532. Die Materialien, welche von der Demolition eines Gebaͤudes herruͤhren, die, welche zur Erbauung eines neuen zuſammengebracht worden ſind, ſind Moͤ⸗ bel, bis dahin ſie von den Arbeitern zu einem Bau verwendet werden. 535. Das Wort Moͤbel, wenn es in den Ver⸗ ordnungen des Geſetzes oder der Menſchen allein, ohne andern Zuſaß oder Bezeichnung, gebraucht wird, begreift weder das baare Geld, noch die Edelſteine, noch die AktivSchulden, die Buͤcher, die Medaillen, wiſſenſchaftliche Inſtrumente, Kuͤnſtler⸗und Hand⸗ werks Geraͤthe, die Leinwand zum koͤrperlichen Gebrauch, die Pferde, Equipagen, Waffen, Getraͤnke, Weine, Heu noch irgend andre Lebens Mittel. Es begreift ferner alles das nicht, was den Gegenſtand eines Handels ausmacht. 554. Die Worte: zur Moͤblirung dienende Moͤbel (HausGeraͤthe, meubles meublans) begreifen blos diejenigen Moͤbel, welche zum Gebrauch und zur Ver⸗ zierung der Zimmer beſtimmt ſind, als da ſind Tape⸗ ten, Betten, Sitze, Spiegel, StandUhren, Tiſche, Porzellan und andere Gegenſtaͤnde dieſer Art. Die Gemaͤhlde und Bildſäulen, welche einen Theil der Moͤblirung eines Zimmers ausmachen, ſind eben⸗ falls darunter begriffen, allein die Gemählde Samm⸗ lungen nicht, welche ſich in beſondern Gallerien oder Gemaͤchern befinden koͤnnen. Ein gleiches gilt von dem Porzellan; blos dasjeni⸗ () Artikel 620 und ff. des Koder des CivilProzeſſes. ge, welches einen Theil der Verzierung eines Zim⸗ mers ausmacht, iſt unter der Benennung: zur Moͤ⸗ blirung dienende Moͤbel, einbegriffen. 535. Der Ausdruck: bewegliche Guͤter, je⸗ ner: Mobiliarſchaft, oder MobiliarEffek⸗ ten begreifen uͤberhaupt alles, was nach den oben aufgeſtellten Regeln fuͤr Moͤbel angeſehen wird. Der Verkauf oder das Geſchenk eines moͤblirten Hauſes begreift blos die zur Moͤblirung dienenden Moͤbel. 536. Der Verkauf oder das Geſchenk eines Hau⸗ ſes mit allem, was darin befindlich iſt, begreift we⸗ der das baare Geld, noch die AktivSchulden und an⸗ dere Rechte, deren RechtsTitel in dem Hauſe hinter⸗ legt ſein koͤnnten; alle andere MobiliarEffekten ſind da⸗ runter begriffen. Drittes Kapitel Von den Guͤtern, im Verhältniß zu ihren Beſitzern⸗ §37. PrivacPerſonen ſteht die freie Verfuͤgung uͤber die ihnen zugehoͤrigen Guͤter, unter den vom Ge⸗ ſetz beſtimmten Modifikationen, zu. Diejenige Guͤter, welche keinen Privatkeuten ange⸗ hoͤren, werden auf die Art und Weiſe und nach den Regeln, welche fuͤr ſie beſonders beſtimmt ſind, verwaltet, und koͤnnen blos nach denſelben veraͤuſſert werden. 538. Die Wege, Lanbſtraſſen und Straſſen, die der Nation zur Laſt fallen, die ſchiffbaren oder floͤß⸗ baren Fluͤſſe und Stroͤme, die Uſer, die Anſchwem⸗ mungen(lais et relais) des Meeres, die SeeHaͤfen, Rheden, ſo wie uͤberhaupt alle Theile des National⸗ Territoriums, welche keines PrivatEigenthums em⸗ pfaͤnglich ſind, werden als Dependenzien der Staats⸗ Domainen betrachtet. §39. Alle vakante und herrenloſe Guͤter, ſo wie die ſolcher Perſonen, die ohne Erben ſterben, oder deren Erbſchaften verlaſſen ſind. gehoͤren der Nation an. 540. Die Thoren, Mauren, Graͤben und Walle der Kriegs Plaͤtze und der Feſtungen machen ebenfalls einen Theil der Staats Domainen aus. 541. Daſſelbe gilt von dem Grund und Boden der Feſtungs Werke und Waͤlle derjenigen Plätze, wel⸗ che keine Kriegs Plaͤtze mehr ſind; ſie gehoͤren der Na⸗ tion an, wenn ſie nicht auf guͤltige Weiſe veraͤuſſert worden ſind, oder das Eigenthum derſelben nicht ge⸗ gen die Nation verjaͤhrt iſt. 542. GemeindeGuͤter ſind die, auf deren Eigen⸗ thum oder auf deren Ertrag die Einwohner einer oder mehrerer Gemeinheiten ein erworbenes Recht haben. 543. Man kann auf Guͤter ein EigenthumsRecht, oder ein bloſſes Nießbrauchs Recht haben; man kann GrundDienſtbarkeiten von denſelben zu fordern haben. Sw 6it er i ie l Von dem Eigenthum. Dekretirt am(6 Pluvioſe 12) a7 Jänner 1804 verkuͤndigt am(16 Pluvioſe) 6 Februar 1803. 544. Das Eigenthum iſt das Recht, die Dinge auf die unbebingteſte Art und Weiſe zu benutzen(d'en jouir) nnd eben ſo daruͤber zu verfuͤgen, vorausgeſetzt, daß man keinen durch Geſetze oder Verordnungen verbotenen Gebrauch davon macht. 545. Niemand kann gezwungen werden, ſein Ei⸗ genthum abzutreten, ausgenommen wegen bem allge⸗ meinen Nutzen(pour cause d'utilité publique) und mittelſt einer gerechten und vorlaufigen Entſchädigung. 546. Das Eigenthum eines Mobiliar oder Immo⸗ biliar Gegenſtandes giebt ein Recht auf alles was er hervorbringt, ſo wie auf alles, was ſich, es ſey natuͤr⸗ ücher oder kuͤnſtlicher Weiſe, acceſſoriſch damit ver⸗ einigt. Dieſes Recht heißt das ZuwachsRecht,(droit d'accession). Erſter Abſchnitt. Von dem Zuwachs auf das, was von dem Gegenſtande hervor⸗ gebracht wird. 547. Die naturliche oder durch Induſtrie erworbe⸗ nen Fruͤchte des Grund und Bodens, Die CivilFruchte, Die Zuzucht(die Vermehrung der Heerde durch Junge) des Viehes, gehoren kraft des Zuwachs Rechtes dem Eigenthuͤ⸗ mer an. 548. Die von einem Gegenſtande hervorgebrachten Frůͤchte gehoͤren dem Eigenthuͤmer nicht anderſt als unter der Obliegenheit an, die Koͤſten des von einem Dritten geſchehenen Anbaues, ſeiner Arbeit und jene der Saat zuruͤckzuerſtatten. 549. Der bloße Beſißer macht die Fruͤchte nur in dem Falle zu den ſeinigen, wenn er mit gutem Glau⸗ ben beſißt; im entgegengeſebten Falle iſt er gehalten, das erzeugte mit dem hervorbringenden Gegenſtande ſelbſt dem Eigenthuͤmer, der dieſen vindizirt, zuruck⸗ zuerſtatten. 550. Der Beſitzer iſt in gutem Glauben, wenn er kraft eines, das Eigenthum(auf ihn) uͤbertragenden Titels, deſſen Fehler ihm unbekannt ſind, als Eigen⸗ thuͤmer beſißzt. Er hoͤrt von dem Augenblicke an auf in gutem Glau⸗ ben zu ſein, wo ihm dieſe Fehler bekannt ſind. Zweiter Abſchnitt. Von dem ZuwachsRechte auf das, was ſich mit einem Gegen⸗ ſtande vereinigt und ihm einverleibt. 551. Alles, was ſich mit einem Gegenſiande ver⸗ einigt und ihm einverleibt, gehoͤrt nach den hierunten aufgeſtellten Regeln dem Eigenthuͤmer an. St. Von dem ZuwachsRecht in Hinſicht auf die Immoͤbel. 552. Das Eigenthum des Bodens zieht das Ei⸗ genthum deſſen, was auf oder unter demſelben iſt, nach ſich. Der Eigenthuͤmer kann auf demſelben alle ihm ge⸗ faͤllige Pflanzungen und Anlagen(constructions) machen, vorbehaltlich der im hier nachfolgenden Titel 1V. von den Servituten, beſtimmten Aus⸗ nahmen. Er kann unter demſelben bauen und nachgraben laſſen, wie es ihm anſteht, und aus den Gruben alle Erzeugniſſe beziehen, die ſie liefern koͤnnen, vorbe⸗ haltlich der Modifikationen, die aus den Geſetzen und Verordnungen herflieſſen koͤnnen. §53. Von allen Anlagen, Pflanzungen und Wer⸗ ken ober oder unter der Erde, wird ſo lange vermuthet, als habe der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens(wor⸗ auf oder in welchem ſie befindlich ſind) ſie auf ſeine Koͤ⸗ ſten angelegt, und als gehoͤrten ſie ihm an, als das Ge⸗ gentheil nicht erwieſen wird; dem EigenthumsRechte ohnbeſchadet, welches ein Dritter, ſowohl auf einen unterirrdiſchen Platz oder Gewoͤlbe(Souterrain) unter dem Gebaͤude eines andern, als auf jeden andern Theil des Gebaͤudes durch Verjährung erworben ha⸗ ben oder erwerben koͤnnte. 554. Der Eigenthuͤmer des Grund Bodens, wel⸗ — 140— cher mit Materialien, die ihm nicht zugehoͤrten, Ge⸗ baͤulichkeiten, Pflanzungen und ſonſtige Werke an⸗ gelegt haͤtte, muß den Preiß dieſer Materialien bezah⸗ len; er kann auch nach den Umſtaͤnden, zu Schavdios⸗ haltungen verurtheilt werden, aber der Eigenthuͤmer der Materialien hat nicht das Recht, ſie wieder hin⸗ wegzunehmen. 555. Wenn ein Dritter die Pflanzungen, Anlagen und Werke mit ſeinen Materialien gemacht hat, ſo hat der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens das Recht, ſie entweder zu behalten oder den, der ſie angelegt hat, zu zwingen, ſie hinwegzunehmen. Wenn der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens die Niederreiſſung der Pflanzungen und Anlagen for⸗ dert, ſo geſchieht ſie auf Koſten desjenigen, der ſie angelegt hat, ohne irgend eine Entſchaͤdigung fur ihn. Er kann ſelbſt nach Beſchaffenheit der Umſtände zur Schadloshaltung wegen dem Nachtheil, den der Ei⸗ genthuͤmer des Bodens dadurch erlitten haben mag, verurtheilt werden. Wenn der Eigenthuͤmer(aber) vorzieht, dieſe Pflanzungen und Anlagen(für ſich) zu behalten, ſo iſt er ſchuldig, den Preiß der Materialien und den Werth der HandArbeit zuruckzuerſtatten, ohne Ruͤck⸗ ſicht auf die groͤßere oder geringere Vermehrung des Werthes, die der Grund und Boden dadurch erhal⸗ ten haben kann. Wenn jedoch die Pflanzungen, Anlagen und Werke durch einen evinzirten Dricten angelegt worden ſind, welcher, in Ruckſicht auf ſeinen guten Glauben, nicht zur Ruͤckerſtattung der(bezogenen) Fruchte verurtheilt worden iſt, ſo kann der Eigenthuͤmer die Niederreiſ⸗ ſung der beſagten Pflanzungen, Anlagen und Werke nicht verlangen, ſondern er hat die Wahl, entweder —.—.— —— ——— — — den Werth der Materialien und den Preiß der Hand⸗ Arbeit zuruͤckzuerſtatten, oder eine Summe zu bezah⸗ len, die der gleich iſt, um welche der Werth des Gu⸗ tes(dadurch) vermehrt worden iſt. 556. Der Anwurf und der Zuwachs, welche ſich nach und nach und unmerkbar an den Grundſtuͤcken bilden, die am Ufer eines Stromes oder Fluſſes gele⸗ gen ſind, heißen Anſchwemmung(alluvion). Die Anſchwemmung gereicht dem Eigenthuͤmer des Ufers zum Vortheile, der Fluß oder Strom, an wel⸗ chem ſie ſtatt hat, mag nun ſchiffbar oder floͤßbar ſein oder nicht; unter der Obliegenheit jedoch, im erſten Falle, den Verordnungen gemaͤß einen Fußtritt oder Lrinpfad frei zu laſſen. 557. Ein gleiches gilt von dem Grund und Boden, den ein flieſſendes Waſſer zuruͤckläßt, indem es ſich unmerklich von einem ſeiner Ufer zuruͤckzieht und auf das andere hinwirft; der Eigenthuͤmer des(dadurch) trocken gewordenen Ufers zieht den Vortheil der An⸗ ſchwemmung, ohne daß der UferEigenthuͤmer von der andern Seite den von ihm verlohrnen Erdſtrich(auf der entgegengeſetzten Seite) zuruͤckfordern koͤnnte. Dieſes Recht findet in Hinſicht auf die Erdſtriche, welche das Meer zuruͤcklaͤßt, nicht ſtatt. 558. Die Anſchwemmung findet in Hinſicht auf Seen und Teiche nicht ſtatt; der Eigenthuͤmer der⸗ ſelben behält immer den Erdſtrich, den das Waſſer bedeckt, wenn es dem Abfluſſe des Teiches gleich ſteht, wenn auch ſchon die Maſſe des Waſſers ſich(nachher) vermindern ſollte. Im Gegenſaß erwirbt der Eigenthuͤmer des Teiches kein Recht auf die, am Uſer gelegenen, Landereien, welche ſein Waſſer bei auſſerordenclichem Anwuchs be⸗ decken koͤnnte. . 559. Wenn ein Strom oder ein ſchiffbarer oder unſchiffbarer Fluß durch eine ploͤtzliche Gewalt einen betraͤchtlichen und erkennbaren Theil eines am Ufer gelegenen Grundſtuͤckes hinwegreißt, und es zu einem tiefer unten gelegenen Grundſtuͤcke oder auf das ent⸗ gegengeſetzte Ufer hinfuͤhrt, ſo kann der Eigenthuͤmer des weggeſchwemmten Theils ſein Eigenthum zuruͤck⸗ fordern; allein er iſt gehalten ſein Begehren in Jah⸗ resFriſt anzuſtellen; nach dieſer ZeitFriſt ſoll er mit ſeiner Klage unzuläſſig ſein, den Fall ausgenommen, wenn der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens, mit welchem das weggeſchwemmte Stuck verbunden worden iſt, noch von dieſem nicht Beſitz genommen haͤtte. 560. Inſeln, Inſelchen und Erdanſchwemmungen, welche ſich in dem Bette von Stroͤmen oder ſchiffbaren oder floßbaren Fluſſen bilden, gehoͤren der Ration an, wenn kein gegentheiliger Titel oder Verjährung vorliegt. 561. Inſeln und Erdanſchwemmungen, die ſich in Fluͤſſen bilden, welche weder ſchiffbar noch floͤßbar ſind, gehoͤren den Eigenthuͤmern derjenigen Ufer Seite an, wo die Inſel ſich gebildet hat; wenn die Inſel ſich nicht auf einer Seite allein gebildet hat, ſo ge⸗ hoͤrt ſie den Eigenthuͤmern der beiderſeitigen Ufer an, liedem) von der Linie an, welche man in der Mitte des Fluſſes als gezogen unterſtellt.(1) (1) Gutachten des Staatsraths vom(30 Pluvioſe 13) 19 Februar 1805. Der Staatsrath nach Anhörung des Berichtes der Sektion des Innern, uͤber die Frage, ob das Recht der Fiſcherei in den nicht ſchiff⸗ varen Fluͤſſen den Ufer Beſitzern oder den Gemeinden gehore, in Er- waͤgung: 4) daß die Fiſcherei der nicht ſchiffbaren Fluͤſſe ehedem unter die FeudalRechte gehoͤrte, weil dieſelbe in Frankreich entweder dem Lehnherrn oder dem Herrn, der die Gerichtsbarkeit beſaß, vorbehalten war; 2) daß die FeudalRechte nicht zum Vortheil der Gemeinden, ſondern zum Vortheil der Vaſallen abgeſchafft worden ſind, welche in ihren Perſonen und ihren Beſitzungen frei geworden ſind; 3) daß die UſerBeſitzer allen Nachtheilen ausgeſetzt ſind, welche mit der Nachbar- ſchaft unſchiffbarer Fluͤſſe verbunden ſind,(deren ͤuſſerſtes Ufer die Geſetze uͤbrigens noch zu keinem dffentlichen Sebrauche vorbehalten ——— ſter dem ſen den, in die bat⸗ die lten 562. Wenn ein Strom oder ein Fluß, dadurch daß er ſich einen neuen Arm bildet, das Feld eines Ufer Beſitzers abſchneidet und umfaͤngt, und eine In⸗ ſel daraus bildet, ſo behaͤlt dieſer Eigenthuͤmer das Eigenthum ſeines Feldes, wenn auch ſchon die Inſel ſich in einem Strome oder in einem ſchiff⸗oder ſiöß⸗ baren Fluſſe gebildet hat. 63. Wenn ein Strom oder Fluß, er mag nun ſchiffbar oder floͤßbar ſein oder nicht, ſein altes Bett verläßt und einen neuen Lauf nimmt, ſo nehmen die Eigenthuͤmer des neuerdings dadurch eingenommenen Erdſtrichs das alte, verlaſſene, Bett als Entſchaͤdi⸗ gung hin, und zwar jeder im Verhaͤltniſſe des Erd⸗ reichs, welches ihm entriſſen worden. 564. Die Tauben, Kaninchen, Fiſche, welche in einen andern Taubenſchlag, in ein anderes Gehege oder in einen andern Teich uͤbergehen, gehoͤrem dem Eigenthuͤmer dieſer Bebälter, vorausgeſetzt(jedoch) daß ſie nicht durch betrugeriſche oder kuͤnſtliche Mittel dahin angelockt(attirés) worden ſind. §. 2. Von dem Zuwachs Recht in Hinſſcht auf die Möber. S63. Wenn das ZuwachsRecht zwei bewegliche haben,) daß die Geſetze und RegierungsBeſchluͤſſe ſie zur Einzäumung und Unterhaltung der Ufer verbinden, und daß nach den Grundſätzen der natürlicher Billigkeit derjenige, welcher die Laſien traͤgt, auch die Vor⸗ theile genieſſen muß; Zendlich, daß wenn man den Gemeinden das Recht der Fiſcherei auf den unſchiffbaren Fluſſen bewilligen wollte, dieß das Eigenthum des UferBeſitzers mit einer Servitute belegen hieſſe, welche dem CivilGeſetzbuch zufolge nicht beſteht; iſt der Meinung: daß das Recht der Fiſcherei in den unſchiffbaren Fluͤſſen in keinem Falle den Gemeinden zuſtehen kann; daß die Ufer Beſitzer es zu genießen haben, ohne jedoch dieſes Recht anderſt als in Gemaßheit der allgemei⸗ nen und LokalVerordnungen uͤber die Fiſcherei ausuͤben zu koͤnnen, und ohne es behalten zu koͤnnen, wenn in der Folge ein Fluß, der heutzutage für unſchiffpar gehalten wird, ſchiffbar werden ſollte, und das folglich alle Akte von Verwalrungs Behörden, welche Semeinden in den Beſitz dieſes Rechtes eingeſetzt hätten, null und nichtig erklärt wer⸗ den muͤſſen⸗ Dinge zum Gegenſtande hat, welche zweien verſchiede⸗ nen Herren angehoren, ſo iſt es ganz den Grundſaͤtzen der natuͤrlichen Billigkeit untergeordnet. Folgende Regeln ſollen dem Richter als Beiſpiele dienen, um ſich in den nicht vorgeſehenen Faͤllen nach den beſondern Umſtaͤnden zu beſtimmen. 566. Wenn zwei, verſchiedenen Herren angeborige, Dinge, welche dergeſtalten mit einander verbunden worden ſind, daß ſie ein Ganzes ausmachen, nichts deſto weniger getrennt werden koͤnnen, ſo, daß das eine ohne das andere beſtehen kann, ſo gehoͤrt das Ganze dem Herrn desjenigen Gegenſtandes, welcher das Hauptſtuͤck ausmacht, mit der Obliegenheit, dem andern den Werth des damit vereinigten Gegenſtan⸗ des zu bezahlen. 567. Als Hauptſtuͤck wird derjenige Theil erachtet, mit welchem der andere blos zum Gebrauch, zur Ver⸗ zierung oder Ergaͤnzung des erſten verbunden worden iſt. 563. Nichts deſtoweniger kann, wenn der verbun⸗ dene Gegenſtand viel koſtbarer als der Haupt Gegen⸗ ſtand iſt, und wenn er ohne Vorwiſſen des Eigenthuͤ⸗ mers verwendet worden iſt, dieſer verlangen, daß der vereinigte Gegenſtand(von dem Hauptſtuͤck) getrennt und ihm zuruͤckgegeben werde, ſelbſt wenn daraus eine Verletzung(degradation) derjenigen Sache entſtehen koͤnnte, mit welcher er verbunden worden iſt. 569. Wenn von zweien zu einem Ganzen vereinig⸗ ten Dingen, die eine Sache nicht als die Nebenſache der andern betrachtet werden kann, ſo wird diejenige für die Hauptſache erachtet, die den groͤßten Werth hat, oder wenn der Werth(von beiden) ungefaͤhr gleich iſt, die, welche das groͤßte Volumen hat. 570. Wenn ein Kuͤnſtler oder irgend jemand einen Stoff, der ihm nicht zugehorte, gebraucht hat, um ir 1, ſ. eine Sache anderer Art daraus zu bilden, ſo hat der Eigenthuͤmer des Stoffs, dieſer mag nun ſeine erſte Form wieder annehmen koͤnnen oder nicht, das Recht, den Gegenſtand, der daraus gebildet worden iſt, gegen Zahlung der HandArbeit anzuverlangen. 571. Wäre jedoch die HandArbeit ſo betraͤchtlich, daß ſie den Werch des verbrauchten Stoffs bei wei⸗ tem uͤberſtiege, ſo wurde alsdann die Induſtrie für die Hauptſache erachtet, und der Arbeiter wuͤrde das Recht haben, den bearbeiteten Gegenſtand, gegen Zah⸗ lung des Werthes des Stoffs an den Eigenchümer Oeſſelben) zuruͤckzubehalten. §72. Wenn jemand, um eine Sache von anderer Art zu bilden, zum Theil einen Stoff verwendet hat, welcher ihm angehorte, und zum Theil ſolchen, der ibm nicht angehoͤrte, ohne daß der eine Stoff oder der andere ganz vernichtet wäre, jedoch ſo, daß ſie nicht ohne Nachtheil getrennt werden koͤnnen, ſo iſt der Gegenſtand beiden Eigenthuͤmern gemeinſchaſtlich, und zwar dem einen im Verhältniß(à raison) des Stoffes, der ihm angehorte, und dem andern im Verhältniß des ihm angehoͤrigen Stoffes und ſeiner Hand Arbeit zuſammengenommen. 573. Wenn eine Sache durch die Vermiſchung meh⸗ rerer, verſchiedenen Eigenthuͤmern angehoͤrigen Ma⸗ terien, gebildet worden iſt, von welchen jedoch keine als Hauptſtoff angeſehen werden kann; ſo kann, wenn die Materien ſich trennen laſſen, der, ohne deſſen Vorwiſſen ſie vermiſcht worden ſind, ihre Trennung anverlangen. Wenn die Materien nicht mehr ohne Nachtheil ge⸗ ttennt werden koͤnnen, ſo erwerben ſee(die Eigenthü⸗ mer) gemeinſchaftlich das Eigenthum(der Sache) im Verhältniß der Quantität, der Qualitäͤt und des Wer⸗ thes der jedem zugehorigen Materie. Civil Geſetzb. 10 9 574. Wenn die, einem der Eigenthumer zugehoͤrige Materie durch ihre Quantitaͤt und ihren Werth weit vorzuglicher, als die andere wäre, ſo ſoll in dieſem Falle der Eigenthuͤmer der Materie von vorzugliche⸗ rem Werthe die durch die Miſchung hervorgebrachte Sache anverlangen koͤnnen, wenn er dem andern den Preiß ſeiner Materie bezahlt. 575. Wenn die Sache den Eigenthümern der Ma⸗ terien, woraus ſie gebildet worden, gemeinſchaftlich verbleibt, ſo muß ſie zum gemeinſchaftlichen Vortheil, verſteigert(licitée) werden. 576. In allen den Faͤllen, wo der Eigenthuͤmer, deſſen Stoff ohne ſein Vorwiſſen zur Verfertigung einer Sache von anderer Gattung verwendet worden iſt, das Eigenthum dieſer Sache anfordern kann, hat er die Wahl, die Zuruͤckgabe ſeines Stoffes, von derſelben Art, Betrag, Gewicht, Maaß und Guͤte, oder den Werth anzuverlangen. 577. Die, welche andern zugehoͤrige Materien, und ohne ihr(der Eigenthuͤmer) Vorwiſſen verwendet haben, koͤnnen auch, nach den Umſtänden, zu Schad⸗ ioshaltungen verurtheilt werden, den auſſerordentlichen Verfolgungen(poursuites) nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde ohnbeſchadet. S ti r Von der Nutznieſſung, dem Gebrauche und der Einwohnung. Dekretirt am(9 Pluvioſe 12) 30 Jaäͤnner 1304, verkuͤndigt am() d. M.) 9 Februar 1304. E r ſt Von der Nutznieſſung. 578. Die Nutznieſſung iſt das Recht, Gegenſtaͤnde, deren Eigenthum einem andern zuſteht, wie der Eigen⸗ thuͤmer ſelbſt zu benutzen,(d'en jouir), allein mit der Obliegenheit, die Subſtanz derſelben zu erhalten. 579. Die Nußnieſſung wird durch das Geſetz oder den menſchlichen Willen geſtiftet(Stabli). 580. Die Nutznieſſung kann entweder unbedingt (puremeni), oder auf beſtimmte Zeit oder bedingungs⸗ weiſe geſtiftet werden. 581. Sie kann auf alle Arten von Guͤtern, Moͤbel oder Immoͤbel, geſtiftet werden. §. 1. Von den Rechten des Nutznieſſers. 582. Der Nutznieſſer hat das Recht, alle Arten von Fruͤchten, die der Gegenſtand, deſſen Nießbrauch ihm zuſteht, hervorbringen kann, ſie moͤgen natuͤrliche oder induſtrielle oder CivilFruͤchte ſein, zu genieſſen⸗ 583. Natuͤrliche Fruͤchte ſind die, welche die Erde von ſelbſt erzeugt. Die Erzeugniſſe und der Zuwachs des Viehes ſind gleichfalls natuͤrliche Fruͤchte. Induſtrielle Frůͤchte eines Grundſtucks ſind diejenige, welche man durch den Anbau(deſſelben) erhaͤlt. 534. CivilFruͤchte ſind die Miethen der Haͤuſer, die Zinſen von exigiblen Summen, die Ruͤckſtaͤnde von Renten. Der Ertrag von Pachtungen wird ebenfalls in die Klaſſe der CivilFruͤchte gezaͤhlt. 585. Die natuͤrliche und durch Induſtrie erwirkte Fruͤchte, welche in dem Augenblicke, wo die Nutznieſ. ſung eroͤfnet wird, am Stocke oder auf dem Halme ſind, gehoͤren dem Nutznieſſer an. Die, welche ſich in dem Augenblicke, wo die Nutz⸗ nieſſung endigt, in demſelben Zuſtande befinden, ge⸗ boͤren dem Eigenthuͤmer an, ohne Ruͤckerſtattung der Arbeits⸗ und Saat Koſten von beiden Seiten, aber 5 auch ohnbeſchadet dem Antheile an dieſen Fruchten, der dem theilhabenden Anbauer, wenn deren einer beim Anfang oder zu Ende der Nutznieſſung vorhan⸗ den war, erworben ſein koͤnnte. 586. Von den CivilFruͤchten wird dafur gehalten, als wuͤrden ſie Tag fuͤr Tag erworben, und ſie ge⸗ hoͤren dem Nutznieſſer im Verhältniß der Dauer ſeiner Rutznieſſung an. Dieſe Regel iſt auf den Pachtertrag der Hoͤfe, wie auf den Miechſchilling der Häuſer und auf alle andere CivilFrůͤchte anwendbar. 537. Wenn die Nutznieſſung Dinge begreift, die man nicht gebrauchen kann, ohne ſie aufzuzehren, z. B. Geld, Getraide, fluͤſſige Gegenſtaͤnde, ſo hat der Nuznieſſer das Recht, ſich deren zu bedienen, allein unter der Obliegenheit am Ende der Nutznieſſung an⸗ dere von gleicher Quantität, Qualitat und Werth oder ihren Abſchaͤtzungs Preiß zuruͤckzuerſtatten. 588. Die Nutznieſſung einer Leib Rente giebt gleich⸗ falls dem Nutznieſſer, während der Dauer ſeines Nießbrauchs, das Recht, die verfallene Termine der⸗ ſelben zu beziehen, ohne zu irgend einer Zuruͤckerſtat⸗ tung gehalten zu ſein ⸗ 589. Wenn die Nutznieſſung Dinge begreift, die, ohne ſich gleich aufzuzehren, doch nach und nach durch den Gebrauch abgenutzt werden(se deteriorent), z. B. Leinwand, Hausrath(meubles meublane), ſo hat der Nutznieſſer das Recht, ſie zu dem Gebrauche zu welchem ſie beſtimmt ſind, zu benußen, und iſt nicht gehalten, ſie am Ende der Nutznieſſung in einem andern Zuſtande, als in dem, worin ſie ſich befinden werden, und der durch Betrug von ſeiner Seite oder ſeine Schuld nicht verſchlimmert worden ſein darf, zu⸗ ruckzuerſtatten. 590. Wenn die Nutnieſſung Holzſchläge begreift, *——— ſo iſt der Nußnieſſer gehalten, die Ordnung und den Betrag der Schläge, der wirthſchaftliche Behand⸗ lung und dem gewoͤhnlichen Brauch der Eigenthuͤmer gemäß, einzuhalten; und zwar ohne daß der Nutznieſ⸗ ſer, oder ſeine Erben, fuͤr die gewoͤhnlichen Schlaͤge, ſowohl von niederſtämmigem Holz als von Reißholz oder hochſtämmigem Hol;, die er wäͤhrend ſeines Nießbrauchs nicht haͤtte fällen laſſen, eine Entſchaͤdi⸗ gung angeſinnen koͤnnte. Die Baͤume, die man ohne Schaden, aus einer Baumſchule ziehen kann, machen gleichfalls blos un⸗ ter der Obliegenheit einen Theil der Nuznieſſung aus, ſich nach dem HrtsGebrauche in Hinſicht der Wie⸗ deranyflanzung zu bemeſſen.. 501. Der Nußnieſſer genießt gleichfalls, wobei er ſich immer nach den ZeitFriſten und dem Gebrauche der alten Eigenthuͤmer zu bemeſſen hat, diejenigen Di⸗ ſtrikte hochſtämmigen Holzes, welche in regelmäſſige Schlage eingetheilt worden ſind; dieſe Schläge moͤgen nun periodiſch in einem gewiſſen Diſtrikte des Waldes geſchehen, oder ſie moͤgen in einer groſſern, auf der ganzen Oberfläche des Gutes ohne Unterſchied, gefäll⸗ ten Anzahl Baͤumen beſitehen. 592. In allen andern Fällen darf der Nubßnieſſer die hochſtämmigen Baume nicht beruͤhren; er darf nur die durch Zufall ausgeriſſene oder gekraͤchte Bäume zu den Reparaturen, zu welchen er verbunden iſt, ver⸗ wenden; fuͤr dieſen Gegenſtand kann er ſelbſt deren, wenn es noͤthig iſt, fällen laſſen, allein unter der Ob⸗ liegenheit, dieſe Nothwendigkeit(gemeinſchaftlich) mit dem Eigenchuͤmer zu konſtatiren. 593. Er kann die nothigen Pfähle fuͤr die Wein⸗ berge aus den Waldungen beziehen; eben ſo kann er den jährlichen und periodiſchen Ertrag der Bäume be⸗ ziehen, alles nach dem Landes Brauch oder dem Her⸗ kommen der Eigenthuͤmer. 594. Die Obſtbäume, welche abgehn, ſelbſt die, welche durch Zufall ausgeriſſen oder ausgebrochen worden, gehoͤren dem Nußnieſſer unter der Obliegen⸗ heit, ſie durch andere zu erſetzen. 595. Der Rutznieſſer kann ſelbſt genieſſen, einem andern verpachten, oder ſelbſt ſein Recht verkaufen, oder ohnentgeitlich abtreten. Wenn er verpachtet, ſo muß er ſich in Hinſicht auf die Epochen, zu wel⸗ chen die Beſtände erneuert werden muͤſſen und auf ihre Dauer, nach den Regeln bemeſſen, die in dem Titel: von dem EheVertrag, fuͤr den Mann in Hinſicht auf die Guͤter ſeiner Frau aufgeſtellt ſind. 596. Der Rutznieſſer bezieht den Genuß der Ver⸗ mehrung, welche der Gegenſtand, deſſen Nießbrauch er hat, durch Anſchwemmung erhalten hat. 597. Er genießt die Rechte auf Dienſtbarkeiten, Durchgang, und uͤberhaupt alle Rechte, die der Ei⸗ genthuͤmer zu genießen hat; und er genießt ſie, wie der Eigenthuͤmer ſelbſt. 598. Eben ſo genießt er, und auf dieſelbe Art wie der Eigenthuͤmer, die Minen und Steinbruͤche, welche ſich bei Eroͤfnung der Nutznieſſung im Betrieb befin⸗ den; nichts deſtoweniger, wenn es ſich von einem Bergwerke handelt, das nicht ohne Conceſſion betrie⸗ ben werden darf, ſo darf der Nußnieſſer es nicht eher betreiben, als nachdem er die Erlaubniß der Regierung dazu erhalten hat. Er hat kein Recht auf die noch nicht eroͤfnete Mi⸗ nen und Steinbruͤche, noch auf die Torfgruben, de⸗ ren Ausfoͤrderung noch nicht angefangen hat, noch auf einen Schatz, der während der Dauer der Nutz⸗ niefſung entdeckt werden koͤnnte. 399. Der Eigenthuͤmer darf weder durch Stoͤrun⸗ gen von ſeiner Seite, noch auf irgend eine Art den Rechten des Nutznieſſers Abbruch thun. Der Nutnieſſer, ſeinerſeits, kann zu Ende der Nutznieſſung keine Entſchaͤdigung fuͤr die Verbeſſerun⸗ gen in Anſpruch nehmen, die er gemacht zu haben be⸗ haupten koͤnnte, ſelbſt wenn der Werth des Gegen⸗ ſtandes dadurch vermehrt worden waͤre. Er, oder ſeine Erben, koͤnnen jedoch die Spiegel, Gemaͤlde und andere Verzierungen wegnehmen, welche er hat außſtellen laſſen, allein unter der Obliegenheit, die Plaͤtze wieder in ihren vorigen Zuſtand zu verſetzen. §. 2. Von den Obliegenheiten des Nutznieſſers. 6oo. Der Nutznieſſer nimmt die Dinge in dem Zuſtande hin, worin ſie ſich befinden; allein er kann den Genuß nicht eher antreten, als nachdem er in Ge⸗ genwart des Eigenthuͤmers, oder nachdem dieſer ge⸗ boͤrig dazu berufen worden iſt, ein Inventarium der/ Moöbel und ein Verzeichniß der Immoͤbel, die dem Rießbrauch unterworfen ſind, hat errichten laſſen. 601. Wenn der Akt, wodurch die Nutznieſſung ge⸗ ſtiftet iſt, ihn nicht davon freigeſprochen hat, ſo hat er eine Buͤrgſchaft zu ſtellen, daß er als ein guter Hauß Vater genieſſen will; die Aeltern, welche die geſetzliche Nutznieſſung des Vermoͤgens ihrer Kinder“ haben, ſo wie der Verkaufer oder Schenker, die ſich die Nutznieſſung vorbehalten haben, ſind jedoch nicht gehalten, Caution zu ſtellen⸗ 6o2. Wenn der Nutznieſſer keine Caution findet, ſo werden die Immoͤbel verpachtet oder in Sequeſter gegeben; Die in der Nutznieſſung einbegriffene Summen werden ahgelegt; Die Waaren(denrées) werden verkauft, und die bavon herruͤhrende Gelder werden gleichfalls angelegt. Die Intereſſen dieſer Summen und der Pachter⸗ trag der Pachchofe gehoͤren in dieſem Falle dem Nutz⸗ nieſſer an. 6o3. In Ermangelung einer Buͤrgſchaft von Sei⸗ ten des Nyßnieſſers kann der Eigenthuͤmer fordern, daß die Mobiliarſchaft, welche durch den Gebrauch abgenußt wird(qui dépérissent par l'usage), ver⸗ kauft, und ihr Kaufſchilling ſo wie jener der Waaren angelegt werde; der Nußnieſſer hat alsdann waͤhrend ſeiner Nutznieſſung die Zinſen zu beziehen; niches deſto⸗ weniger kann, den Umſtänden nach, der Rutzniefſer anverlangen, und der Richter verordnen, daß ein Theil der zu jeinem Gebrauche noͤthigen Mobel ihm unter einer bloßen juratoriſchen Caution und unter der Ob⸗ liegenheit, ſie bei Erloͤſchung ſeines Nießbrauchs wieder beizubringen, gelaſſen werden ſoll. b04. Die Verzögerung der Buͤrgſchaſtſtellung be⸗ raubt den Nutznleſſer der Fruͤchte, wozu er berechtigt ſein kann, nicht; ſie gebuͤhren ihm von dem Augen⸗ blicke an, wo die Nutznieſſung eroͤfnet worden iſt. 605. Der Rutznieſſer iſt nur zu denjenigen Repa⸗ raturen verbunden, welche erforderlich ſind, um die Güter(in Bau und Fach) zu unterhalten. Die Haupkreparatüren bleiben dem Eigenthůmer zur Laſt, den Fall ausgenommen, wo ſie durch die Un⸗ terlaſſung(par le dekaut) der zur Unterhaltung noͤ⸗ chigen Reparaturen ſeit der Erofnung der Rußnieſſung verurſacht worden wären, in welchem Falle der Nutz⸗ nieſſer gleichfalls dazu gehalten iſt. 6o6. HauptReparaturen ſind die von ſchweren Mauern und Gewoͤlben, die Wiederherſtellung von Balken und ganzen Decken; Die von Daͤmmen und ſolchen Mauern, die zur Unterſtuͤtzung und Einſchlieſſung dienen, wenn ſie Cgleichfalls) im Ganzen geſchieht. Alle andere Reparaturen ſind bloße Unterhaltungs⸗ Reparaturen. 607. Weder der Eigenthuͤmer noch der Nußznieſſer ſind verbunden, das wieder aufzubauen, was aus Al⸗ terthum verfallen iſt, oder das, was durch bloßen Zu⸗ fall zerſtoͤrt worden iſt. 608. Der Nußnieſſer iſt, während der Dauer ſei⸗ nes Genuſſes, zu allen jährlichen Laſten des Gutes verbunden, ſo wie Steuern(contributions) und andre, welche gewohnlich als mit den Fruͤchten ver⸗ bundene Laſten angeſehen werden. 609. Was diejenige Laſten betrifft, welche waͤhrend der Dauer der Nutznieſſung dem Eigenthum auferlegt werden koͤnnen, ſo tragen der Nutznieſſer und der Ei⸗ genthůͤmer folgendermaſſen dazu bei: Der Eigenthuͤmer iſt verbunden, ſie zu bezahlen, und der Nutznieſſer muß ihm die Intereſſen verguͤten. Wenn der Nutznieſſer ſie vorgelegt hat, ſo hat er zu Ende des Rießbrauchs das Recht, das Kapital zu⸗ vuͤckzufordern. 610. Jedes Vermaͤchtniß von einer LeibRente oder alimentariſchen Penſion, welches ein Teſtator gemacht haben koͤnnte, muß der Univerſaltegatar der Nutznieſ⸗ ſung ganz(dans son integrité), und ber Legatar von der Nutznieſſung unter einem Univerſal Titel im Ver⸗ bältniße ſeines Genuſſes, abtragen, und zwar ohne ir⸗ gend eine Ruͤckforderung von ihrer Seite. 611. Der Nutznieſſer unter einem PartikularTitel iſt zur Sahlung der Schulden, wofür der Grund und Boden hypothezirt iſt, nicht verbunden: wenn er ge⸗ zwungen wird, ſie zu zahlen, ſo ſteht ihm gegen den Eigenthuͤmer der Ruͤckgriff zu, vorbehaltlich(jedoch) deſſen, was im Titel von den Schenkungen und Teſta⸗ menten, Art. 1020 verordnet iſt. 612. Der Univerſa Nußnieſſer, ſo wie jener unter einem UniverſalTitel hat folgendermaſſen mit dem Ei⸗ genthuͤmer zur Zahlung der Schulden beizutragen: Man ſchätzt den Werth des der Nutznieſſung unter⸗ worfenen Grund und Bodens; der Beitrag zu den Schulden wird hierauf nach Verhaͤltniß dieſes Wer⸗ thes beſtimmt. Wenn der Nußnieſſer die Summe vorſchieſſen will, welche das Grund Gut dazu beizutragen hat, ſo wird ihm, zu Ende der Nutznieſſung, das Kapital ohne alle Intereſſen zuruͤckgegeben. Wenn der Nußnieſſer dieſen Vorſchuß nicht machen will, ſo hat der Eigenthuͤmer die Wahl, entweder dieſe Summe zu zahlen, in welchem Falie der Nutz⸗ nieſſer ihm während der Dauer des Rießbrauchs die Zinſen verguten muß, oder einen Theil der, der Nutz⸗ nieſſung unterworfenen Guͤter, bis zur gehoͤrigen Kon⸗ kurrenz, verkaufen zu laſſen. 613. Der Rutznieſſer iſt blos zu jenen ProzeßKo⸗ ſten gehalten, welche den Genuß betreffen, und eben ſo zu den andern Verurtheilungen, wozu dieſe Prozeſſe Gelegenheit geben koͤnnten. 614. Wenn ein Dritter, wahrend der Dauer der Nutznieſſung, irgend eine ufurpation gegen den Grund und Boden vornimmt, oder auf irgend eine andere Art in die Rechte des Eigenthuͤmers eingreift, ſo iſt der Nutznieſſer verbunden, dieſem davon Nachricht zu ertheilen; im UnterlaſſungsFalle iſt er fuͤr allen Scha⸗ ven verantwortlich, der fuͤr den Eigenthuͤmer daraus ——„ e ne i n 6 — 155— entſtehen koͤnnte, und zwar ſo, wie er es fuͤr den von ihm ſelbſt angeſtellten Schaden ſein wuͤrde. 615. Wenn der Nießbrauch blos auf ein Stuͤck Vieh geſtiftet iſt, welches ohne die Schuld des Nutz⸗ nieſſers ſtirbt; ſo iſt dieſer weder gehalten, ein anderes zuruͤckzugeben, noch den SchaͤtzungsPreiß davon zu bezahlen. 616. Wenn die Heerde, worauf eine Nutznieſſung geſtiftet iſt, durch Zufall oder Krantheit, und ohne die Schuld des Nutznieſſers ganz zu Grunde geht, ſo iſt dieſer zu nichts weiter gegen den Eigenthuͤmer gehal⸗ ten, als ihm die Haͤute oder ihren Werth zu verrechnen. Wenn die Heerde nicht ganz zu Grunde geht, ſo iſt der Nutznieſſer verbunden, die abgegangenen Stuͤcke Vieh, bis zur Konkurrenz des Zuwachſes, zu erſetzen. §. 3. Wie ſich die Nutznieſſung endigt. 617. Die Nutznieſſung erliſcht durch den natuͤrli⸗ chen und den buͤrgerlichen Tod des Nutznieſſers; Durch den Ablauf der Zeit, fuͤr welche ſie bewil⸗ ligt war; Durch die Konſolidation, oder Vereinigung der bei⸗ den Eigenſchaften als Eigenthuͤmer und Nutznieſſer in derſelben Perſon; Durch den NichtGebrauch des Rechtes waͤhrend dreiſſig Jahren; Durch den gaͤnzlichen Verluſt des Gegenſtandes, worauf die Nußnieſſung geſtiftet iſt. 618. Die Nutznieſſung kann gleichfalls durch den Misbrauch aufhoͤren, den der Nutznieſſer von ſeinem Ge⸗ nuß, entweder durch Beſchaͤdigungen(degradations) des Gutes, oder dadurch, daß er es aus Mangel an Unterhaltung verfallen(dépérir) ließe, machen kännte. Die Glaͤubiger des Nutßnieſſers konnen in den (daruͤber entſtehenden) Strittigkeiten fuͤr die Erhal⸗ tung ihrer Rechte interveniren, ſie koͤnnen ſich zur Wiederherſtellung der begangenen Beſchädigungen, und zur Garantieleiſtung fur die Zukunft erbieten. Der Richter kann, nach der Wichtigkeit der Um⸗ ſtaͤnde, entweder die gänzliche Erloͤſchung der Nutz⸗ nieſſung ausſprechen, oder den Eigenthuͤmer in den Genuß des dan it belaſteten Gegenſtandes blos unter der Obliegenheic, dem Nutnieſſer oder ſeinen Stell⸗ vertretern(Ses ayam cause) bis zu dem Augenblicke, wo die Nutznieſſung haͤtte aufhoͤren muͤſſen, eine be⸗ ſtimmte Summe zu bezahlen, wieder einſetzen. 619. Eine Nutznieſſung, die keinem Privaten be⸗ willigt iſt, dauert nur dreiſſig Jahre. 6 20. Die Nutznieſſung, welche auf ſo lange bewil⸗ ligt iſt, bis ein Dritter ein beſtimmtes Alter erreicht paben wuͤrde, dauert bis zu dieſer Epoche, wenn auch der Dritte vor dem beſtimmten Alter abſterben ſollte. 621. Der Verkauf des der Nutnieſſung unterwor⸗ fenen Gegenſtandes macht keine Aenderung in den Rechten des Nutznieſſers; dieſer faͤhrt fort, ſeine Nutz⸗ nieſſung zu genieſſen, wenn er nicht foͤrmlich darauf Verzicht geleiſtet hat. 622. Die Glaͤubiger des Nutznieſſers koͤnnen die Verzichtleiſtung, die er zu ihrem Nachtheil gemacht haben könnte, annulliren laſſen. 623. Wenn blos ein Theil des der Nutznieſſung unterworfenen Gegenſtandes vernichtet iſt, ſo bleibt die Nutznieſſung auf dem uͤbriggebliebenen Theile haften. 624. Wenn die Nutznieſſung auf ein bloßes Ge⸗ baude geſtiftet iſt, und dieſes Gebäude durch Sturm oder einen andern Zufall zerſtort wird, oder aus Alter einſtuͤrzt, ſo hat der Nutznieſſer kein Recht auf den Genuß, weder des Bodens noch der Materialien. Wenn die Nutznieſſung auf ein Gut(domaine) geſtiftet war, von welchem das Gebaͤude einen Theil ausmachte, ſo hat der Nutznieſſer den Boden und die Materialien zu benutzen. Zweites Kapitel. Von dem Rechte des Gebrauchs(de l'usage) und der Wohnung. 625. Die Berechtigungen zum Gebrauch und zur Wohnung werden auf dieſelbe Art, wie die Nutznieſ⸗ ſung geſtiftet und verlohren. 6a6. Wie im Falle der Nutznieſſimg kann man ſie nicht genieſſen, ohne vorher Buͤrgſchaft zu ſtellen, und ohne(zuvor) Verzeichniſſe und Inventarien zu errichten. 627. Der(zum Gebrauch) berechtigte, und der, welcher ein Recht auf Wohnung hat, muͤſſen dieſe Rechte als gute Familien Vaͤter genieſſen. 628. Die Rechte ves Gebrauchs und der Wohnung werden von dem Titel regulirt, der ſie geſtiftet har, und erhalten, nach ſeinen Verfuͤgungen, mehr oder weniger Ausdehnung. 629. Wenn der Titel ſich uͤber die Ausdehnung dieſer Rechte nicht erklaͤrt, ſo werden ſie folgender⸗ maſſen regulirt. 630. Der, welcher die Benutzung der Fruͤchte eines Grund und Boden hat, kann deren nicht mehr for⸗ dern, als er fur ſeine Beduͤrfniſſe und die ſeiner Fa⸗ milie gebraucht. Er kann deren ſelbſt fuͤr die Beduͤrfniſſe derjenigen Kinder fordern, die ihm ſeit der Bewilligung des Ge⸗ brauchs nachgebohren worden ſind. 63 Wer zum Gebrauche berechtigt iſt,('usager) kann ſein Recht weder einem andern abtreten noch verlehnen. 632. Wer zur Wohnung in einem Hauſe berech⸗ tigt iſt, kann mit ſeiner Familie daſelbſt wohnen, ſelbſt wenn erlzu der Epoche, wo dieſes Recht ihm bewilligt worden iſt, nicht verheirathet war. 633. Das Recht einer Wohnung beſchraͤnkt ſich auf das, was zur Wohnung desjenigen, dem dieſes Recht bewilligt iſt, und ſeiner Familie nothig iſt. 634. Das Recht auf Wohnung kann weder abge⸗ treten noch vermiethet werden. 635. Wenn der Berechtigte alle Fruchte des Gutes aufzehrt, oder das ganze Haus einnimt, ſo fallen ihm wie dem Nutznieſſer, die Banukoſten, die Unterhal⸗ tungsUnkoſten, und die Zahlung der Steuern zur Laſt. Nimmt er blos einen Theil der Fruͤchte weg oder nimmt er blos einen Theil des Hauſes ein, ſo tragt er im Verhaͤltniſſe deſſen, was er benutzt, dazu bei. 636. Die Berechtigungen in Gehoͤlzen und Wal⸗ dungen werden durch beſondere Geſetze regulirt. Vierter Titel. Von den Servituten oder Dienſtbarkeiten des Grundes und Bodens. Dekretirt am(10 Pluvioſe 12) 31 Jänner 1304, verkundigt am(20 dieſes Monats) 10 Februar 1304. 637. Eine Dienſtbarkeit iſt eine Laſt, welche einem Grundſtuͤcke zum Gebrauche und Nutzen eines andern, einem andern Eigenthuͤmer zugehoͤrigen, Grundſtuͤcks auferlegt iſt. 638. Eine Dienſtbarkeit begruͤndet keinen Vorzug (préeminence) eines Grundſtuͤcks vor dem andern. 639. Jede Dienſtbarkeit fließt entweder aus der natuͤrlichen Lage der Orte(des lieux), oder aus von dem Geſeße auferlegten Verbindlichkeiten, oder aus Uebereinkuͤnften zwiſchen den Eigenthuͤmern her. Erſtes Kapitel. Von den Dienſtbarkeiten, die aus der natürlichen Lage der Orte entſpringen. 640. Niedriger gelegene Grundſtuͤcke ſind gegen die, welche hoͤher liegen, der Dienſtbarkeit unterwor⸗ fen, das Waſſer, welches von Natur, und ohne Zu⸗ thun von Menſchenhaͤnden, davon abfließt, aufzu⸗ nehmen. Der Eigenchoͤmer des niedriger gelegenen Grund⸗ ſtuͤcks darf keinen Damm auffuhren, der dieſen Ab⸗ lauf verhindern wuͤrde. Der Eigenthuͤmer des hoͤher gelegenen Grundſtuͤcks darf nichts thun, was die Dienſtbarkeit des untern Grundſtuͤcks vermehren koͤnnte. 641. Wer eine Quelle in ſeinem Grundſtuͤcke beſitzt, kann ſie nach Belieben benutzen, vorbehaltlich des Rechtes, welches der Eigenthuͤmer des niedriger gele⸗ genen Grundſtuͤckes durch Titel oder Verjaͤhrung er⸗ worben haben koͤnnte. 42. Die Verjährung kann in dieſem Falle nur durch einen ununterbrochenen Beſitz waͤhrend einer ZeitFriſt von dreiſſig Jahren, von dem Augenblicke an zu rechnen, erworben werden, wo der Eigenthuͤmer des untern Bodens ſichtbare(apparens) Werke ange⸗ legt und beendigt hat, deren Zweck es iſt, den Fall und den Lauf des Waſſers in ſein Eigenthum zu er⸗ leichtern. 643. Der Eigenthuͤmer einer Quelle darf ihren Lauf nicht ändern, wenn ſie den Einwohnern einer Gemeinde, eines Ortes oder Weilers(hameau) ihr noͤchiges Waſſer liefert; allein wenn die Einwohner die Benutzung ¶(derſelben) nicht erworben oder verjaͤhrt — 160— haben, ſo kann der Eigenthuͤmer eine Entſchädigung verlangen, die von Kunſtverſtändigen regulirt wird. 644. Der Eigenthoͤmer, deſſen Eigenthum ſich laͤngſt eines flieſſenden Waſſers, das jedoch keines von denjenigen ſein darf, die der Art. 538 fuͤr Dependenz des StaatsEigenthums erklaͤrt, hinzieht(dont la pro- priẽts borde une eau courante) kann ſich deſſen bei ſeinem Voruͤberfluß zur Wäſſerung ſeiner Beſüz⸗ zungen bedienen. Der, deſſen Beſitzung von einem ſolchen Waſſer durchſchnitten wird, kann daſſelbe ſogar waͤhrend der Strecke, die es darin durchläuft, unter der Obliegen⸗ heit benutzen, es, bei dem Austritt aus ſeinem Grund und Boden, ſeinem gewoͤhnlichen Lauf wiederzugeben. 645. Wenn ſich zwiſchen den Eigenthuͤmern, welche dieſe Gewaͤſſer benutzen können, Strittigkeiten erhe⸗ ben, ſo muͤſſen die Tribunalien bei ihren Erkenntniſ⸗ ſen das Intereſſe des Ackerbaus mit der, dem Eigen⸗ thum ſchulbigen, Achtung vereinigen, und in allen Fällen muͤſſen die beſondern und kokal Verordnungen, uͤber den Lauf und die Benutzung der Gewäſſer, beo⸗ bachtet werden. 646. Jeder Eigenthuͤmer kann ſeinen Nachbar zur Abſteinung ihrer anſtoſſenden Beſitzungen zwingene Die Abſteinung geſchieht auf gemeinſchaftliche Koͤſten. 647. Jeder Eigenthuͤmer kann ſeine Beſitzungen einſchlieſſen, vorbehaltlich der im nachfolgenden Art. 682 eingefuͤhrten Ausnahme. 648. Der Eigenthuͤmer, der ſein Eigenthum ein⸗ ſchlieſſen will, verliert ſein Recht auf Weidſtrich und öden Weidgang(parcours et vaine pature) im Ver⸗ bältniß des Erdſtrichs, welchen er demſelben entzieht. — 161— Zweites Kapitel. Von den, vom Geſetz begruͤndeten, Dienſtbarkeiten. 649. Die vom Geſetz begruͤndete Servituten ha⸗ ben entweder den Nutzen des Staates oder der Ge⸗ meinden, oder den Nutzen der Privaten zum Gegenſtand. 650. Diejenige, welche des oͤffentlichen Vortheils oder des Nutzens der Gemeinden halber geſtiftet find, baben den Fußpfad längſt den ſchiffbaren oder flößba⸗ ren Fluͤſſen, die Erbauung oder Wiederherſtellung von Wegen und andere offentliche und Gemeinde Anlagen zum Gegenſtand. Alles, was dieſe Gattung von Servituten betriſt, wird von beſondern Geſetzen oder Verordnungen regulirt. 651. Das Geſetz unterwirft die Eigenthuͤmer, den einen gegen den andern, abgeſehn von jeder Ueberein⸗ kunſt, verſchiedene, Verbindlichkeiten. 632. Ein Theil dieſer Verbindlichkeiten wird durch den Rural Kodex regulirt. Die andere haben auf die Zwiſchen Mauern und Graben, auf die Fälle, wo eine Gegen Mauer aufgefuͤhrt werden darf, auf die Auf⸗ ſicht auf das Eigenthum des Nachbarn, auf die Dach⸗ Traufe, und auf das DurchgangsRecht Bezug. Erſter Abſchnitt. Von der Zwiſchen Mauer und dem ZwiſchenGraben. 653. Jede Mauer, die in einer Stadt oder auf dem Lande, bis zu ihrer Hohe(jusqu'à héberge) zu einer Scheidewand zwiſchen Gebäuden, oder die zur Scheidung von Höſen und Gärten, oder ſelbſt von eingeſchloſſenen Platzen auf dem Felde, dient, wird fur gemeinſchaſtlich(mitoyen) gehalten, wenn kein Titel oder Zeichen des Gegencheils vorliegt. 654. Es iſt ein Zeichen, daß die Mauer nicht ge⸗ meinſchaftlich iſt, wenn die Spiße(la vommité) det Civil Geſetzb. 11 — 162— Mauer auf der einen Seite gerade und ſenkrecht mit der Auſſenſeite(de son parement) iſt, und auf der andern eine ſich abwaͤrts neigende Fläche hat. Ein gleiches gilt, wenn blos auf einer Seite eine Mauer Kappe(Regendach un chaperon) oder Stein⸗ Leiſten(filets) und hervorragende Kragſteine(cor- beaun) befindlich ſind, welche bei Erbauung der Mauer daſelbſt angebracht worden ſind. In dieſen Fällen wird dafuͤr gehalten, als gehoͤre die Mauer ausſchließlich dem Eigenthuͤmer, auf deſ⸗ ſen Seite ſich der Ablauf oder die Kragſteine und Steinkeiſten befinden. 655. Die Ausbeſſerung und Wiederaufbauung ei⸗ ner Citntſe Zuiſiniet fallt allen denen zur Laſt, welche daran. Antheil haben, und zwar im Verhaͤltniß der Rechte eines jeden. 656 Jeder MitEigenthuͤmer einer Zwiſchen Mauer kann ſich jedoch(von der Verbindlichkeit) befreien, zu den Ausbeſſerungen und der Wiederaufbauung beizu⸗ tragen, wenn er ſein Recht der Gemeinſchaft der Zwi⸗ ſchen Mauer fahren läßt, vorausgeſetzt, daß die Zwi⸗ ſchen Mauer kein ihm zugehoͤriges Gebaͤude unterſtuͤtzt. 657. Jeder MiEigenthuͤmer kann gegen die Zwi⸗ ſchen Mauer bauen, und in die ganze Dicke der Mauer, bis auf vier und fuͤnfzig Millimeter(zwey Zoll) von der Oberflaͤche Balken einſetzen laſſen; dem Rechte ohnbeſchadet, welches dem Nachbarn zuſteht, den Balken mit dem SchrotMeiſſel G l'ebauchoir) bis auf die Hälfte verkurzen zu laſſen, im Falle er ſelbſt an demſelben Orte Balken auflegen, oder einen Schornſtein anlehnen wollte. 658. Jeder MitEigenthumer kann die(gemein⸗ ſchaftliche) Zwiſchen Mauer erhoͤhen laſſen; allein er muß(alsdann) die Koͤſten der Erhohung, die Unter⸗ baltungs Koſten der Mauer in der Hoͤhe, ſo weit ſie nicht gemeinſchaftlich iſt, und noch auſſerdem die Entſchädigung fuͤr die Beſchwerung der Mauer, im Verhaͤltniß der Erhoͤhung und des Werthes(dieſer letzten), allein tragen. 659. Wenn die Zwiſchen Mauer nicht im Stande iſt, die Erhoͤhung zu tragen, ſo muß der, welcher ſie erboͤhen will, ſie ganz auf ſeine Köſten wieder auf⸗ bauen laſſen, und der Ueberſchuß an Dicke muß auf ſeiner Seite genommen werden. 660. Der Nachbar, der zur Erhohung nicht beige⸗ tragen hat, kann ein gemeinſchaftliches Eigenthums⸗ Recht darauf erwerben, wenn er die Hälfte der Aus⸗ lagen, die ſie gekoſtet hat, und den Werth der Hälfte des Grund und Bodens bezahlt, der fuͤr den Ueber⸗ ſchuß an Dicke, wenn einer vorhanden iſt, hingegeben worden iſt. 661. Jeder Eigenthuͤmer, der an eine Mauer an⸗ ſtoßt, hat gleichfalls die Befugniß, ſie ganz oder zum Theil zu einer gemeinſchaftlichen Zwiſchen Mauer zu machen, wenn er dem Herrn der Mauer die Haͤlfte ihres Werthes, oder die Haͤlhte des Werches des An⸗ theils, welchen er gemeinſchaftlich machen will„ und die Haͤlfte des Werthes des Grund und Bodens, worauf die Mauer ſteht, bezahlt. 662. Einer der Nachbarn darf in die Zwiſchen⸗ Mauer keine Vertiefungen machen, noch irgend ein Werk darin anbringen, oder dawider anlehnen, ohne die Einwilligung des andern dazu erhalten zu haben, wenn dieſer ſie verweigern ſollte, ſo muß er vorher durch Kunſtverſtandige die nothige Mittel beſtimmen laſ⸗ ſen, damit das neue Werk den Rechten des andern (MitEigenthůmers) nicht ſchaͤdlich werde. 663. Jeder kann, in den Staͤdten und Vorſtaͤdten, 2 ſeinen Nachbar zwingen, zu der Aufbauung und Aus⸗ beſſerung der Einſchlieſſung beizutragen, die ihre in den beſagten Staͤdten und Vorſtädten gelegene Häuſer, Hoͤfe und Gärten ſcheidet; die Hoͤhe der Einfaſſung muß alsdann nach den beſondern Verordnungen und dem beſtändigen und anerkannten Gebrauche beſtimmt werden; in Ermangelung von Gebrauchen und Ver⸗ ordnungen ſoll jede Scheidungs Mauer zwiſchen Nach⸗ barn, welche in Zukunft gebaut oder wieder hergeſtellt werden wird, in den Staͤdten von 50000 Seelen und mehr, mit Einbegriff der Mauer Kappe(chaperon) wenigſtens zwei und dreiſſig Dezimeter(zehn Schuh) und in den andern wenigſtens ſechs und zwanzig Cacht Schuh) hoch ſein. 664. Wenn die verſchiedene Stockwerke eines Hau⸗ ſes verſchiedenen Eigenthuͤmern angehoͤren, ſo müſſen die Reparaturen und Wiederaufbauungen, wenn die EigenthumsTitel die Art derſelben nicht regulirt ha⸗ ben, folgendermaſſen geſchehen: Die ſchweren Mauern und das Dach fallen allen Eigenthuͤmern, jedem im Verhältniß des Werthes des ihm zugehoͤrigen Stockwerkes, zur kaſt. Der Eigenthuͤmer jedes Stockwerkes hat den Fuß⸗ boden, worauf er geht, zu machen. Der Eigenthuͤmer des erſten Stockwerkes macht die Treppe, die dahin fuͤhrt, der Eigenthuͤmer des zwei⸗ ten Stockwerkes macht die Treppe, die von dem er⸗ ſten Stocke an zu ihm fuͤhrt, und ſo weiter fort. o65. Wenn eine Zwiſchen Mauer oder ein Haus wieder aufgebaut wird, ſo dauern die Aktiv und Paſ⸗ ſivServituten in Hinſicht auf die neue Mauer oder das neue Haus fort, ohne das ſie jedoch vermehrt werden konnten, und vorausgeſetzt, daß die Wieder⸗ aufbauung geſchieht, ehe die Verjährung erworben iſt⸗ 666. Alle Graͤben zwiſchen zweien Grundſtuͤcken werden fuͤr gemeinſchaftlich erachtet, wenn kein Titel oder Zeichen des Gegentheils vorliegt. 667. Das Zeichen des Gegentheils liegt vor, wenn der Erdwall oder der Auswurf ſich nur auf einer Seite des Grabens befindet. 668. Der Graben wird als das ausſchließliche Eigenthum deſſen angeſehen, auf deſſen Seite ſich der Auswurf befindet. 669. Ein(gemeinſchaftlicher) Zwiſchen Graben muß auf gemeinſchaftliche Koͤſten unterhalten werden. 670. Jede Hecke, welche Grundſtuͤcke ſcheidet, wird fuͤr gemeinſchaftlich erachtet, ausgenommen, wenn blos eines der Grundſtuͤcke umzaͤunt waͤre, oder wenn ein Rechts Titel oder ein hinlaͤnglicher Beſitz vom Gegentheile vorlaͤge. 671. Es iſt nicht erlaubt, zahme hochſtämmige Baͤume anderſt als in der Entfernung, welche von den gegenwärtig beſtehenden beſondern Verordnungen oder von dem beſtaͤndigen und anerkannten OrtsGebrauch vorgeſchrieben iſt, zu pflanzen; in Ermangelung von Verordnungen nnd OrtsGebraͤuchen iſt es nicht er⸗ laubt, hochſtämmige Baͤume in einer geringern Ent⸗ fernung als in der von zweien Metern von der Linie an zu pflanzen, welche beide Grundſtuͤcke trennt, und andere Baͤume und lebendige Hecken in einer ge⸗ ringeren Entfernung als der von einem halben Meter. 672. Der Nachbar kann fordern, daß die in ge⸗ ringerer Entfernung gepflanzte Baͤume und Hecken ausgeriſſen werden. Der, auf deſſen Eigenthum die Zweige der Baͤume des Nachbars vorſtehen, kann dieſen zwingen, die Zweige abzuhauen. Wenn es Wurzeln ſind, die auf ſein Grundſiuͤck vorlaufen, hat er das Recht, ſie ſelbſt abzuhauen. 673. Die Bäaume, welche ſich in der gemeinſchaft⸗ lichen Hecke befinden, ſind gemeinſchaftlich wie die Hecke, und jeder der beiden Eigenchuͤmer hat das Recht, zu fordern, daß ſie abgehauen werden. Zweiter Ab ſchnitt. Von der Diſtanz, die bei gewiſſen Anlagen beobachtet werden muß, und von den Zwiſchen Werken, die dabei angebracht werden muͤſſen. 674. Wer neben einer Mauer, ſie mag nun ge⸗ meinſchaftlich ſein oder nicht, einen Brunnen, oder eine Abtritts Grube graben läßt; Wer daſelbſt ein Kamin oder einen Schornſtein (cheminse) oder einen Feuerheerd, eine Schmiede, einen Back⸗ oder andern Ofen anlegen, einen Stall daran anbauen, oder ein Salz Magazin, oder einen Vorrath aͤtzen⸗ der Materialien(matiéres corrosives) gegen dieſe Mauer anlehnen will; iſt verbunden, die von beſondern Gebraͤuchen und Verordnungen uͤber dieſen Gegenſtand vorgeſchriebene Diſtanz zu beobachten, oder die von denſelben Verord⸗ nungen und Gebraͤuchen vorgeſchriebene Zwiſchen Werke zu machen, um jedem Schaden des Nachbars vorzu⸗ beugen. Dritter Abſchnitt. Von der Aufſicht auf das Eigenthum ſeines Nachbarn. 675. Kein Nachbar darf, ohne Einwilligung des andern, Fenſter oder Hefnungen, auf welche Art es immer ſein mag, nicht einmal ſolche, die man nicht öfnen kann(à verre dormant), in eine gemeinſchaft⸗ liche Zwiſchen Mauer anbringen. 676. Der Eigenthuͤmer einer nicht gemeinſchaft⸗ lichen Mauer, an welche unmittelbar ein fremdes Ei⸗ enthm antoßt, darf Oefnungen und Fenſter in die⸗ k Mauer anbringen, welche(jedoch) mit einem eiſer⸗ nen Gitter verſehen und ſo gemacht ſein muͤſſen, daß ſie ſich nicht oͤfnen laſſen⸗ Das eiſerne Gitter, womit dieſe Fenſter verſehen ſein muͤſſen, muß von der Art ſein, daß die Oefnung zwiſchen den Staͤben(les mailles aurant un deci- métre d'ouverture au plus) hoͤhſtens von einem De⸗ zimeter(ungefaͤhr drei Zoll acht Linien) ſein, und die Fenſter Rahme muß ſo gemacht ſein, daß ſie nicht ge⸗ oͤfnet werden kann(chassis à verre dormaut). 677. Dieſe Fenſter oder lichtOefnungen duͤrfen blos in der Hoͤhe von ſechs und zwanzig Dezimetern (acht Fuß) von dem Fußboden des Zimmers, welches daher ſein Licht erhalten ſoll, wenn dieſes auf gleicher Erde befindlich iſt, und von neunzehn Dezimetern (ſechs Fuß) von dem Boden, wenn es in einem hoͤ⸗ hern Stocke befindlich iſt, angebracht werden. 678. Man darf keine grade Ausſicht, noch Aus⸗ ſichtsFenſter, noch Balkons oder ſonſt einen andern aͤhnlichen Vorſprung(saillie) auf das Eigenthum ſei⸗ nes Nachbarn haben, es mag nun eingeſchloſſen ſein oder nicht, wenn nicht zwiſchen der Mauer, wo man ſie anbringen will, und dem beſagten Eigenthum eine Diſtanz von neunzehn Dezimetern(ſechs Fuß) be⸗ findlich iſt. 679. Man darf keine Seiten Ausſicht oder ſchiefe Ausſicht auf daſſelbe Eigenthum haben, wenn nicht eine Diſtanz von ſechs Dezimetern(zwei Fuß) vor⸗ handen iſt. 680. Die Entſernung, von welcher in den beiden vor⸗ hergehenden Artikeln die Rede iſt, wird von der Auſ⸗ ſenſeite der Mauer an. worin die Deſnung angebracht wird, und wenn es ſich von einem Balkon oder ähn⸗ lichen Vorſprung handelt, von ſeiner aͤuſſern Linie bis zu der Scheidungslinie zwiſchen den beiderſeitigen Beſitzungen, berechnet. Vierter Abſchnitt. Von der Dachtraufe. 68 1. Jeder Eigenthuͤmer muß die Daͤcher ſo bauen, daß das Regenwaſſer auf ſeinen Grund und Boden oder auf die oͤffentliche Straße ablaͤuft. Er darf es nicht auf den Grund und Boden ſeines Nachbars abſchieſ⸗ ſen laſſen. Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem DurchgangsRecht. 682. Der Eigenthuͤmer, deſſen Beſitzung rund um eingeſchloſſen iſt, und der keinen Ausgang auf den oͤffentlichen Weg hat, kann einen Durchgang uͤber den Grund und Boden ſeiner Nachbarn fordern, unter der Obliegenheit, eine dem Schaden, den er(dadurch) ver⸗ urſachen mag, angemeſſene Entſchaͤdigung zu zahlen. 683. Dieſer Durchgang muß in der Regel auf der Seite genommen werden, wo der Uebergang von dem eingeſchloſſenen Grundſtuck auf den oͤffentlichen Weg am kuͤrtzeſten iſt. 684. Er muß jedoch an dem Orte beſtimmt wer⸗ den, wo er dem, auf deſſen Grund und Boden er be⸗ willigt wird, am wenigſten ſchaͤdlich iſt. 685. Die Klage auf Entſchaͤdigung, welche im Falle des Art. 682 zuſteht, iſt verjaͤhrbar, und der Durchgang kann nicht verweigert werden, wenn gleich die Klage auf Entſchädigung nicht mehr zuläſſig iſt. Drittes Kapitell. Von den Servituten, welche durch menſchliche Hand⸗ lungen geſtiftet werden. Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Gattungen von Servituten, welche auf die Guter geſtiftet werden konnen. 686. Es iſt den Eigenthuͤmern erlaubt, ihrem Ei⸗ genthum, alle ihnen gefaͤllige Servituten aufzulegen, und ſolche fur ihr Eigenthum zu erwerben, vorausgeſetzt, jedoch, daß die auferlegte Dienſtbarkeiten weder der Perſon, noch zu Gunſten einer Perſon, ſondern blos einem Grundſtuͤck und wegen eines Grundſtuͤckes auf⸗ erlegt werden, und vorausgeſetzt, daß dieſe Dienſtlei⸗ ſtungen uͤbrigens der oͤffentlichen Ordnung in nichts zuwiderlaufen. Die Benutzung('usage) und der Umfang der ſo geſtifteten Servituten werden von dem Titel, der ſie begruͤndet, regulirt, und in Ermangelung eines Titels von folgenden Regeln: 687. Die Servituten ſind entweder zum Vortheil von Gebäuden, oder zum Vortheil von Grundſtuͤcken geſtiftet. Die der erſten Gattung heiſſen ſtädtiſche(urbaines), die Gebaͤude, welche dazu berechtigt ſind, moͤgen nun in der Stadt oder auf dem Lande gelegen ſein. Die der zweiten Gattung heiſſen Rural Servituten. 688. Die Servituten ſind entweder fortwaͤhrende (continues) oder unterbrochene(discontinues). Fortwaͤhrende Servituten ſind diejenige, de⸗ ren Benutzung, ohne daß das Zuthun von Menſchen⸗Händen in dem Augenblicke der Be⸗ nutzung(sons avoir besoin du fait actuel de l'homme) erforderlich wäre, immer fortwaͤhrend iſt oder ſein koͤnnte; von dieſer Gattung ſind die Waſſer⸗ teitungen, die Dachtraufen, die Ausſichten und andere dieſer Art. Unterbrochene Servituten ſind diejenige, welche das Zuthun von Menſchenhänden im Augenblicke der Ausuͤbung beduͤrfen, um ausgeuͤbt zu werden; von dieſer Art iſt das Durchgangs ⸗ das Weid Recht, das Recht(Waſſer) zu ſchoͤpfen, und andere dieſer Art. 689. Die Servituten ſind augenfaͤllig oder nicht augenfaͤllig. Augenfällige Servituten ſind diejenige, welche ſich durch àuſſere Werke, z. B. eine Thuͤre, ein Fenſter, eine Waſſerleitung unzeigen. Nicht augenfaͤllige Servituten ſind diejenige, welche keine äuſſere Zeichen ihres Daſeins haben, wie z. B. das Verbot auf ein Grundſtuͤck zu bauen, oder blos bis zu einer beſtimmten Hoͤhe zu bauen. Zweiter Abſchnitt. Wie die Servituten bezruͤndet werden. 690. Fortwaͤhrende und augenfällige Servituten werden durch Titel oder durch einen Beſitz von dreiſ⸗ ſig Jahren erworben. 69 1. Nicht augenfällige fortwaͤhrende Servituten, und unterbrochene Servituten, ſie moͤgen nun augen⸗ fallig ſein oder nicht, koͤnnen nur durch einen Rechts⸗ Titel begruͤndet werden. Selbſt ein undenklicher Genuß iſt nicht hinreichend, um ſie zu begruͤnden, ohne daß man jedoch heutzutage die Servituten dieſer Art anfechten konnte, welche in Ländern, wo man ſie bisher durch Beſitz erwerben konnte, auf dieſe Art bereits erworben ſind. 692. Die Beſtimmung des Familien Vaters gilt — 171— ſtatt eines Titels in Hinſicht auf fortwahrende und augenfällige Servituten. 693. Die Beſtimmung des Familien Vaters iſt nur dann vorhanden, wenn es bewieſen iſt, daß die beiden, itzt getheilte Beſitzungen, demſelben Eigenthuͤ⸗ mer zugehoͤrt haben, und daß er die Dinge in den Zuſtand verſetzt hat, woraus die Servitute herfließt. 694. Wenn der Eigénthuͤmer von zweien Beſiz⸗ zungen, zwiſchen welchen ein in die Augen fallendes äuſſeres Zeichen einer Servitute beſteht, uͤber eine die⸗ ſer Beſitzungen verfuͤgt, ohne daß der Kontrakt eine Uebereinkunft uͤber die Servitute enthielte, ſo faͤhrt ſie fort, ihre aktive oder paſſive Wirkung zu Gunſten oder zur Laſt des veräuſſerten Grundſtuͤcks zu haben. 695. Der BegruͤndungsTitel einer Servitute kann, in Hinſicht auf diejenige, die nicht durch Verjährung erworben werden koͤnnen, nur durch einen ſolchen Titel erſetzt werden, der von dem Eigenthuͤmer des(mit der Servitute) belaſteten Grundſtuͤcks herruͤhrt, und eine Anerkennung der Servitute enthält(par un titre récognitif de la Servitide). 696. Wenn man eine Servitute begruͤndet, ſo wird dafuͤr gehalten, daß man alles bewilligt habe, was erforderlich iſt, um ſie benutzen zu koͤnnen. So fuͤhrt die Servitute, an der Quelle eines an⸗ dern Waſſer zu ſchoͤpfen, nothwendiger Weiſe das Durchgangs Recht mit ſich. Dritter Abſchnitt. Von den Rechten des Eigenthuͤmers des Grundſtuͤcks, welches zu der Servitute berechtigt iſt. 697. Jeder, der zu einer Servitute berechtigt iſt, hat das Recht, alle zu ihrem Gebrauche und ihrer Erhaltung noͤthige Werke anzulegen. — 172— 698. Dieſe Werke muͤſſen auf ſeine Koſten und nicht auf die des Eigenthuͤmers des beſchwerten Grund⸗ ſtuͤcks angelegt werden, ausgenommen, wenn der Titel, wodurch die Servitute geſtiftet iſt, das Gegenctheil auſſagen ſollte. 699. Selbſt in dem Falle, wo der Eigenthumer des(mit der Servitute) beſchwerten Grundſtuͤcks kraft des Titels verbunden wäre, die zum Gebrauche oder zur Erhaltung der Servitute noͤthige Werke auf ſeine Koͤſten zu machen, kann er ſich immer von dieſer Obliegenheit dadurch befreien, daß er dem Eigen⸗ thůͤmer des Grundſtucks, das zu der Servitute berech⸗ tigt iſt, das damit beſchwerte Grundſtuͤck uͤberlaͤßt. 70o. Wenn das Grundſtuͤck, fur welches die Ser⸗ vitute geſtiftet worden iſt, nachher getheilt wird, ſo wird die Servitute forthin fuͤr jeden Theil geſchuldet, ohne daß jedoch dadurch die(läſtige) Bedingung des damit beſchwerten Grundſtucks erſchwert weden koͤnnte. So muͤſſen, wenn z. B. von Durchgange die Rede iſt, alle MitEigenthuͤmer dieſes Recht an derſelben Stelle ausuͤben. 701. Der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens, der mit der Servitute beſchwert iſt, darf nichts un⸗ ternehmen, was dahin abzwecken wurde, die Benuz⸗ zung derſelben zu ſchmälern oder unbequemer zu machen. So kann er weder den Zuſtand der(der Servitute gewidmeten) Stelle veraͤndern, noch die Ausuͤbung der Servitute an einen andern Orte verlegen als je⸗ nen, wohin ſie urſpruͤnglich angewieſen worden. Wenn jedoch dieſe urſpruͤngliche Anweiſung fuͤr den Eigenthuͤmer des beſchwerten Grundſtuͤcks läſtiger ge⸗ worden waͤre, oder wenn ſie ihn verhindern wuͤrde, vorcheilhafte Verbeſſerungen daſelbſt anzubringen, ſo koͤnnte er dem Eigenthumer des andern Grundſtuͤcks — 173— einen fuͤr die Ausuͤbung ſeiner Rechte gleich bequemen Ort anbieten, und dieſer koͤnnte ſich nicht weigern, in die Verlegung einzuwilligen. 70a. Der, welcher ein Recht auf eine Servitute hat, kann ſie ſeinerſeits blos nach ſeinem Titel benutzen, ohne weder in dem Grund und Boden, welcher mit der Servitute beſchwert iſt, noch in demjenigen, wel⸗ cher dazu berechtigt iſt, eine Neuerung vornehmen zu koͤnnen, welche die läſtige Bedingung des erſten(noch) erſchweren koͤnnte. Vierter Abſchnitt. Wie die Servituten erloͤſchen. 703. Die Servituten hoͤren auf, ſobald die Dinge ſich in einem ſolchen Zuſtande befinden, daß man ſie nicht mehr benutzen kann. 704. Sie leben wieder auf, ſobald die Dinge der⸗ geſtalten wiederhergeſtellt ſind, daß man ſie wieder be⸗ nutzen kann; wenn anderſt nicht ſchon eine ſo betraͤchtliche Zeiefriſt verloffen iſt, daß die Erloͤſchung der Servi⸗ tute vermuthet werden muß, ſo wie es im folgenden Artikel 707 beſagt wird. 7o5. Jede Servitute iſt erloſchen, ſobald der Grund und Boden, welcher dazu berechtigt iſt, und der, welcher damit beſchwert iſt, ſich in einer Hand vereinigt finden. 706. Jede Servitute erliſcht durch den NichtGe⸗ brauch waͤhrend dreiſſig Jahren. 707. Dieſe dreiſſig Jahre fangen, nach den ver⸗ ſchiedenen Gattungen von Servituten, entweder von dem Tage an zu laufen, wo man aufgehort hat, ſie zu benutzen, wenn von unterbrochenen Servituten die Rede iſt; oder von dem Tage, wo ein der Servitute zuwiderlaufender Akt vorgenommen worden iſt, wenn von einer fortwaͤhrenden Servitute die Rede iſt. 7o8. Die Art und Weiſe der Servitute kann ſich verjähren, wie die Servitute ſelbſt und auf dieſelbe Art. 7o9. Wenn das Grundſtuͤck, zn deſſen Gunſten die Servitute geſtiftet iſt, mehreren ungetheilt zugehoͤrt, ſo verhindert der Genuß von einem von ihnen die Verjaͤhrung in Hinſicht auf alle. 710. Wenn ſich einer unter den MitEigenthuͤmern befindet, gegen welchen die Verjahrung nicht hätte laufen koͤnnen, z. B. ein Minderjaͤhriger, ſo erhaͤlt er die Rechte aller andern. Drittes Buch. Von den verſchiedenen Arten das Eigenthum zu erwerben. —— PräliminarTitel. Dekretirt am(a9 Germinal 11) 19 Aprit 1803, verkuͤndigt am(9 Flo⸗ real 11) 29 deſſelben Mouats. 711. Das Eigenthum der Guͤter wird durch Erb⸗ ſchaften, durch Schenkungen zwiſchen lebenden, durch teſtamentariſche Schenkungen, oder durch die Wir⸗ kung perſoͤnlicher Verpflichtungen(par l'effet des obligations) erworben und uͤbertragen. 712. Das Eigenthum wird auch durch Acceſſion oder Inkorporation, und durch Verjahrung erworben. 713. Die Güter, welche keinen Herren haben, ge⸗ hoͤren der Nation an. 714. Es giebt Dinge, welche niemand angehoͤren, und deren Gebrauch allen gemeinſchaftlich iſt. Poli⸗ zeyGeſetze beſtimmen die Art ihres Genuſſes. 715. Die Befugniß zur Jagd und zur Fiſcherey wird gleichfalls durch beſondere Geſetze regulirt. 716. Das Eigenthum eines Schatzes gehoͤrt dem⸗ jenigen, der ihn in ſeinem eigenen Boden findet; wird der Schatz in fremdem Boden gefunden, ſo ge⸗ boͤrt er zur Hälfte dem, welcher ihn entdeckt hat, und zur andern Hälfte dem Eigenthuͤmer des Bodens. Schatz iſt jedes verborgene oder vergrabene Ding, auf welches niemand ſein Eigenthum beweiſen kann, und welches durch die bloſſe Wirkung des Zufalls entdeckt wird. 717. Die Rechtt auf die ins Meer geworfene Ef⸗ fekten, auf die Gegenſtände, welche das Meer aus⸗ wirft, von welcher Gattung ſie auch ſein moͤgen, auf die Pflanzen und Kraͤuterwelche an den Ufern des Civil Geſetzb. 13 — 178— Meeres wachſen, werden ebenfalls durch beſondere Geſetze regulirt. Das namliche gilt von den verlohrnen Dingen, de⸗ ren Eigenthuͤmer ſich nicht meldet.(ne se repré⸗- sente pas) Erſter Titel. Von den Erbſchaften. Dekretirt am(à9 Germinal 11) 19 Aprit 1803, verkuͤndigt am(3 Flo⸗ real) 29 deſfelben Monats. Erſtes Kapitel. PVon der Etofnung der Erbſchaften, und dem Antritt cde l⸗ snisine) der Erben. 718. Eine Erbſchaft wird durch den natuͤrlichen Tod und durch den buͤrgerlichen(Civil) Tod eroͤfnet. 719. Eine Erbſchaft iſt, in Gemäßheit der im I. Abſchnitt des II. Kapitels des Titels: uͤber die Beraubung der CivitRechte in Gefolge gerichtlicher Verurtheilungen, enthaltenen Verfuͤgungen durch den burgerlichen Tod von dem Augenblicke an eroͤfnet, woman dieſem Tod verfallen iſt. 720. Wenn mehrere Perſonen, welche gegenſeitig die einen zu der Erbfolge der andern berufen waren, in demſelben Ereigniß umkommen, ohne daß man er⸗ kennen koͤnne, welche zuerſt geſtorben iſt, ſo wird die Vermuthung, welche den andern uberlebt haben moͤ⸗ ge, durch die Umſtände des Faktums und in ihrer Ermangelung, durch die Kraft des Alters oder des Geſchlechtes beſtimmt. 721. Wenn die, welche zuſammen umgekommen ſind, noch nicht funfzehn Jahre alt waren, ſo wird vermuthet, daß der älteſte(die andern) uͤberlebt habe. Waren ſie alle älter als ſechszig Jahre, ſo wird vermuthet, daß der jungſte(die andern) uberlebt habe. Wenn die einen junger, als fuͤnfzehn, und die andern aͤlter als ſechszig Jahre waren, ſo wird ver⸗ muhet, daß die erſte(die andern) uͤberlebt haben. 7a2. Wenn die, welche zuſammen umgekommen ſind, fuͤnfzehn volle Jahre zuruͤckgelegt, und noch kei⸗ ne ſechszig erreicht hatten, ſo wird immer vermuthet, daß der(oder die) maͤnnlichen Geſchlechtes zulezt ge⸗ lebt habe, wenn das Alter gleich iſt oder der Unter⸗ ſchied in demſelben ein Jahr nicht uͤberſteigt. Wenn alle von maͤnnlichem Geſchlechte waren, ſo muß diejenige Vermuthung des Ueberlebens,(la pré- sumption de survie) welche nach der Ordnung der Natur die Erbſchaft eroͤfnet, zugelaſſen werden; es wird demnach vermuthet, daß der juͤngere den aͤltern uberlebt habe. 723. Das Geſetz regulirt die Ordnung der Erb⸗ folge unter den rechtmäſſigen Erben; in ihrer Erman⸗ gelung gehn die Guͤter auf die natuͤrliche Kinder, ſo⸗ dann auf den uͤberlebenden Gatten, und wenn keiner vorhanden iſt, auf die Republik uber. 724. Die rechtmäſſigen Erben treten(Sont saisis) von Rechtswegen und ohne weiteres, in das Vermoͤ⸗ gen, die Rechte und Klagen(actions) des Verſtor⸗ benen ein, unter der Verbindlichkeit(jedoch) alle La⸗ ſten der Erbſchaft abzutragen; die natuͤrliche Kinder, der uͤberlebende Ehegatte, und die Republik, muͤſſen ſich gerichtlich in den nachher zu beſtimmenden For⸗ men in den Beſitz einſetzen laſſen. Zweites Kapitel. Von den zur Erbfaͤhigkeit erforderlichen Eigenſchaften. 7a5. Um erben zu koͤnnen, muß man nothwenbig im Augenblick der Eroͤfnung der Erbſchaft exiſtiren. Demnach iſt unfahig zur Erbſchaft: — 180— ¹) Wer noch nicht empfangen iſt. 2) Das Kind, welches nicht lebensfähig(viable) gebohren iſt. 3) Derjenige, der burgerlich(civilement) tod iſt. 726. Ein Fremder wird nur in den Fällen und auf dieſelbe Art zur Erbfolge der Guͤter zugelaſſen, die ſein Verwandter, er mag nun ein Fremder oder ein Franzoſe ſein, auf dem Gebiet der Republik beſitzt, in welchen und auf welche ein Franzoſe ſeinen Ver⸗ wandten, der Guͤter in dem Lande dieſes Auslaͤnders beſitzen wuͤrde, erbt;(alles) in Gemaͤßheit der Ver⸗ fugungen des Artikels 11 im Titel: von dem Ge⸗ nuſſe der Civil Rechte. 27. Sind unwuͤrnig zu erben, und als ſolche von der Erbfolge ausgeſchloſſen: 1) Derjenige, welcher verurtheilt wuͤrde, weil er den Verſtorbenen getoͤdtet oder zu toͤdten verſucht haͤtte. 2) Derjenige, welcher eine verlaͤumderiſch befundene Kapital Klage gegen den Verſtorbenen erhoben haͤtte. 3) Der großjährige Erbe, der, von dem Mord des Verſtorbenen unterrichtet, ihn der Juſtiz nicht ver⸗ anzeigt(denoncé) haben wuͤrde. 728. Die Unterlaſſung der gerichtlichen Veranzei⸗ zung kann weder den Aszendenten und Deszendenten des Mörders, noch ſeinen Verſchwaͤgerten in denſel⸗ ben Graden, noch ſeinem Gatten oder ſeiner Gattin, noch ſeinen Bruͤdern oder Schweſtern, noch ſeinen Oheimen und Tanten, noch ſeinen Neffen und Nich⸗ ten eingewendet werden. 729. Der, von der Erbfolge, ſeiner Unwurdigkeit halber, ausgeſchloſſene Erbe, iſt gehalten, alle Fruͤchte und Einkuͤnfte zurüͤckzuerſtatteu, deren Genuß er ſeit der Eroͤfnung der Erbſchaft gehabt hat. 730. Die Kinder des Unwuͤrdigen ſind, wenn ſie — 181— ſelbſt(de leur chef) und ohne Huͤlfe der Repraͤſen⸗ tation, zur Erbfolge gelangen, durch die Schuld ih⸗ res Vaters nicht ausgeſchloſſen; aber dieſer kann, in keinem Falle, von dieſen Guͤtern die Nutnieſſung in Anſpruch nehmen, welche das Geſetz den Aeltern von dem Vermoͤgen ihrer Kinder bewilligt. De pitel. Von den verſchiedenen Ordnungen der Erbfolge. Eper Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 731. Die Erbſchaften gehen auf die Kinder und Deszendenten des Verſtorbenen, auf ſeine Aszenden⸗ ten und ſeine Kollateral Verwandte in der Ordnung und nach den Regeln, welche hiernach beſtimmt ſind, uͤber. 732. Das Geſetz erwägt weder die Gattung noch den Urſprung der Guͤter, um ihre Erbfolge zu reguliren. 733. Jede, Aszendenten oder KollateralErben zu⸗ gefallene Erbſchaft theilt ſich in zwei gleiche Theile; der eine fuͤr die Verwandten der väterlichen, der an⸗ dere fuͤr die Verwandten der muͤtterlichen Linie. Die halbbuͤrtige Verwandte von der Mutter oder vom Vater her werden durch die vollbuͤrtige nicht ausgeſchloſſen; aber ſie nehmen, vorbehaltlich deſſen, was im Art. 752 hierunten verfuͤgt werden wird, blos in ihrer Linie Theil. Die vollbuͤrtige nehmen in beiden Linien Theil. Es geſchieht keine Devolution von einer Linie auf die andere, als wenn ſich von einer der beiden Linien kein Aszendent, und kein Kollateralverwandter vorfindet. 734. Wenn dieſe erſte Abtheilung zwiſchen der väterlichen und muͤtterlichen Linie bewerkſtelligt iſt, ſo geſchieht keine Abtheilung mehr unter den verſchie⸗ denen Zweigen; ſondern die jeder linie zugefallene Hälſte — 182— 16, vorbehaltlich des Falles der Repraͤſentation, ſo wie es hierunten verfuͤgt werden wird, dem oder den, im naͤchſten Grade, verwandten Erben. 735. Die Nahe der Verwandſchaft beſtimmt ſich durch die Zahl der Generationen; jede Generation heißt ein Grad. 736. Die Folge der Grade bildet die Linie; Man nennt die Folge von Graden zwiſchen Perſonen, die eine von der andern abſtammen, grade Linie, (und) die Folge der Grade zwiſchen Perſonen, die nicht die einen von den andern abſtammen, aber die von einem gemeinſchaftlichen Stamm Vater abſtam⸗ men:(Kollateral) Seitentinie. Man unterſcheidet bey der graden Linie, die ab⸗ ſteigende und die auſſteigende grade Linie. Die erſte iſt die, welche das Haupt mit denen ver⸗ bindet, welche von ihm abſtammen; die zweite iſt die, welche eine Perſon mit denen verbindet, von welchen ſie abſtammt. 737. Man zaͤhlt in grader Linie ſo viele Grade, als es Generationen zwiſchen den Perſonen giebt; ſo be⸗ findet ſich der Sohn in Hinſicht auf den Vater im er⸗ ſten Grade, der Enkel im zweiten; und umgekehrt be⸗ finden ſich der Vater und Gros Vater Cin denſelben Graden) in Hinſicht auf die Söhne und die Enkel. 738. In der Seitentinie zählen ſich die Grade nach den Generationen von einem der Verwandten bis zu dem gemeinſchaftlichen StammValer, dieſen nicht einbegriffen, und von dieſem bis zu dem andern Ver⸗ wandten. So befinden ſich zwei Bruͤder im zweiten Grade; der Onkel und der Reffe im dritten Grade; die Ge⸗ ſchwiſterKinder im vierten und ſo fort. Zweiter Abſſchnitt. Bon der Repraͤſentation. 739. Die Repraͤſentation iſt eine Fietion des Ge⸗ ſetzes, welche die Wirkung hat, die Repräſentanten in die Stelle, in den Grad und in die Rechte des Re⸗ präſentirten eintreten zu laſſen. 740. Die Repräſentation findet in der graden abſtei⸗ genden linie ins unendliche ſtatt. Sie wird in allen Fällen zugelaſſen, die Kinder des Verſtorbenen moͤgen nun mit den Deszendenten eines vorhergeſtorbenen Kindes konkurriren, oder die Deszendenten der beſagten Kinder moͤgen ſich, wenn alle Kinder des Verſtorbenen vor ihm verſtorben ſind, untereinander in gleichen oder ungleichen Gra⸗ den befinden. 741. Die Repraͤſentation findet zu Gunſten der Aszendenten nicht ſtatt; der nächſte in jeder der bei⸗ den Linien ſchließt immer den entfernteren aus. 742. In der Seitenlinie tritt die Repraͤſentation zu Gunſten der Kinder und Deszendenten von Bruͤ⸗ dern oder Schweſtern des Verſtorbenen ein, ſie moͤ⸗ gen nun mit Oheimen oder Tanten fuͤr die Erbſchaft konkurriren, oder die Erbſchaft mag, wenn alle Bruͤ⸗ der und Schweſtern des Verſtorbenen vor ihm verſtor⸗ ben ſind, auf ihre Deszendenten in gleichen oder un⸗ gleichen Graden uͤbergegangen ſein. 743. In allen Fallen, worin die Repräſentation zugelaſſen iſt, wird die Theilung ſtammweiſe bewerk⸗ ſtelligt: hat ein Stamm mehrere Zweige erzeugt, ſo geſchieht die Unterabtheilung unter die Zweige ebenfalls ſtammweiſe, und die Glieder deſſelben Zweigs thei⸗ len untereinander, auf den Kopf. 744. Man repraͤſentirt keine lebende Perſonen, ſon⸗ dern nur ſolche, welche natuͤrlich oder buͤrgerlich todt ſind. Man kann den repräſentiren, auf deſſen Erbſchaft man verzichtet hat. Dritter Abſchnitt. PVon den, Deszendenten, zugefallenen Erbſchaften. 745. Die Kinder, oder ihre Deszendenten erben ihre Aeltern, GrosAeltern, oder andere Aszendenten, ohne Unterſchied des Geſchlechts, oder der ErſtGeburt, und gleichviel, ob ſie aus verſchiedenen Ehen her⸗ ſtammen. Sie erben in gleichen Theilen und auf die Koͤpfe, wenn ſie alle im erſten Grad und in ihrem eigenen Namen(de leur chef)(zur Erbſchaft) berufen ſind; ſie erben ſtammweiſe, wenn ſie alle, oder zum Theil, durch Repräſentation(zur Erbſchaft) gelangen. Vierter Abſchnitt. PVon deu, Aszendenten, zugefallenen Erbſchaften.* 7a6. Wenn der Verſtorbene weder Nachkommen⸗ ſchaft, noch Geſchwiſter, noch Deszendenten von ſol⸗ chen zuruͤckgelaſſen hat, ſo wird die Erbſchaft zur Haͤlfte unter die Aszendenten der väterlichen und(zur Hälfte) unter die Aszendenten der muͤtterlichen Linie vertheilt. Derjenige Aszendent, welcher ſich im nächſten Grade befindet, erhaͤlt die ſeiner Linie zugefallene Haͤlfte mit Ausſchluß aller andern. Die Aszendenten in demſelben Grade erben auf die Koͤpfe. 747. Die Aszendenten erben, mit Ausſchluß aller andern Perſonen, die Dinge, welche ſie ihren ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen Kindern oder Deszen⸗ denten geſchenkt haben, wenn die geſchenkte Dinge ſich in Natur in der Erbſchaft wiederfinden. Wenn dieſe Gegenſtaͤnde verauſſert worden ſind, ſo erhalten die Aszendenten den Kaufſchilling derſelben, wenn er noch(allenfalls) ausſteht. Sie erben auch die Klage auf die Ruͤckerſtattung dieſer Gegenſtände, in den Faͤllen, worin dem Schenknehmer eine ſolche zuſtehen mag. 748. Wenn die Aeltern einer ohne Nachkommen⸗ ſchaft verſtorbenen Perſon dieſe uͤberlebt haben, ſo wird die Erbſchaft, wenn ſie Geſchwiſter oder Deszen⸗ denten von Geſchwiſtern hinterlaſſen hat, in zwei gleiche Theile getheilt, von welchen nur die eine Hälfte dem Vater und der Mutter zufallt, welche ſie gleich⸗ falls unter ſich theilen. Die andere Haͤlfte gehoͤrt den Bruͤdern, Schwe⸗ ſtern oder ihren Deszendenten, ſo wie es in dem Ab⸗ ſchnitt dieſes Kapitels erklaͤrt werden wird. 749. Im Falle, wo die ohne Nachkommenſchaft verſtorbene Perſon Geſchwiſter oder Deszendenten von Geſchwiſtern hinterlaͤßt, und der Vater oder die Mutter vorher geſtorben iſt, ſo wird der Antheil, wel⸗ cher ihm, oder ihr kraft des vorhergehenden Artikels zugefallen ſein wuͤrde, mit der den Geſchwiſtern oder ihren Repraͤſentanten zugefallenen Haͤlfte vereinigt, ſo wie es hierunter erklaͤrt werden wird. Fuͤnfter Abſchnitt. Von den KollateralErbſchaften. 580. Wenn Vater und Mutter einer ohne Nach⸗ kommenſchaft verſtorbenen Perſon vor ihr geſtorben ſind, ſo ſind ihre Geſchwiſter oder deren D. zendenten, mit Ausſchluß der Aszendenten und aller uͤbrigen Kol⸗ lateral Verwandten(zur Erbſchaft) berußen. Sie erben, enweder in eigenem Namen, oder mit Huͤlfe der Repraͤſentation, ſo wie es im II. Abſchnitt dieſes Kapitels, regulirt worden iſt. 751. Wenn beide Aeltern einer ohne Nachkom⸗ menſchaft verſtorbenen Perſon dieſe uͤberlebt haben, ſo ſind ihre Geſchwiſter oder ihre Repraͤſentanten blos zur Halfte der Erbſchaft beruſen; hat nur der Vater oder (nur) die Mutter ſie uͤberlebt, ſo ſind ſie zu den drei Viertheilen der Erbſchaft berufen. 752. Die Theilung der Hälfte, oder der drei Vier⸗ theile, welche den Bruͤdern oder Schweſteen nach den Verfugungen des vorhergehenden Artikels zufallen, wird unter ihnen zu gleichen Theilen bewerkſtelligt, wenn ſie alle aus derſelben Ehe entſprungen ſind; wenn ſie aus verſchiedenen Ehen herſtammen, ſo wird die Erbſchaft zwiſchen die väterliche und die muͤtterliche Linie des Verſtorbenen zu gleichen Halften getheilt; die vollburtige nehmen in den beiden kinien Theil; und die blos von der Mutter und blos von dem Va⸗ ter her verwandte jeder nur in ſeiner linie; ſind nur von einer Seite Bruͤdern oder Schweſtern vorhanden, ſo erben ſie das Ganze mit Ausſchluß von allen andern Verwandten von der andern linie. 753. In Ermangelung von Brudern oder Schwe⸗ ſtern, oder Deszendenten von ihnen, und in Erman⸗ gelung von Aszendenten in einer oder der andern linie, iſt die Erbſchaft zur Hälfte den uͤberlebenden Aszen⸗ denten, und zur andern Hälfte den nächſten Verwand⸗ ten der andern Linie zugefallen. Wenn Kollateral Verwandte im naͤmlichen Grade konkurriren, ſo theilen ſie nach den Koͤpfen. 754. Im Falle des vorhergehenden Artikels hat der überlebende Vater, oder die uberlebende Mutter die Nutnieſſung von einem Drittheile der Guͤter, welche er oder ſie nicht eigenthůͤmlich erbt. — 177— 768. Die Verwandte, welche in weitern als dem zwoͤlften Grade verwandt ſind, erben nicht. In Ermangelung von Verwandten von einem erb⸗ fähigen Grade in einer linie erben die Verwandten der andern Linie das Ganze. Viertes Kapitel. Von den unregelmäßigen Erbſchaften. Erſter Abſchnitt. Pon den Rechten der natürlichen Kinber auf die Guͤter ihres Vaters oder ihrer Mutter, und von der Erbſchaft der ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen natutlichen Kinder. 756. Die natürliche Kinder ſind keine Erben; das Geſetz bewilligt ihnen nur dann Rechte auf die Guͤter ihres verſtorbenen Vaters, oder ihrer verſtorbenen Mutter, wenn ſie geſetzlich anerkannt worden ſind. Es ertheilt ihnen gar kein Recht auf die Guͤter der Verwandten ihres Vaters oder ihrer Mutter. 757. Die Rechte des natuͤrlichen Kindes auf das Vermoͤgen ſeines verſtorbenen Vaters oder ſeiner ver⸗ ſtorbenen Mutter werden folgendermaſſen regulirt: Wenn der Vater, oder die Mutter, rechtmaͤſſige Deszendenten hinterlaſſen hat, ſo iſt dieſes Recht von einem Drittel des Erbtheils, welches das natuͤrliche Kind erhalten haben wuͤrde, wenn es rechtmaͤſſig ge⸗ weſen wäre: es iſt von der Hälfte, wenn der Vater, oder die Mutter keine Deszendenten, aber wohl Aszen⸗ denten oder Geſchwiſter hinterlaſſen hat: es iſt von den drei Viertheilen, wenn der Vater, oder die Mut⸗ ter, weder Deszendenten noch Aszendenten, noch Bruͤ⸗ der noch Geſchwiſter hinterläßt. 758. Das natuͤrliche Kind hat ein Recht auf das ganze Vermogen, wenn ſein Vater, oder ſeine Mutter, keine Verwandten in erbfähigem Grade hinterlaſſen hat. 59. Iſt das naturliche Kind verſtorben, ſo koͤn⸗ nen ſeine Kinder oder Deszendenten die Rechte, welche in den vorhergehenden Artikeln beſtimmt ſind, in An⸗ ſpruch nehmen. 760. Das natuͤrliche Kind, oder ſeine Deszenden⸗ ten, ſind verbunden, alles das, was ſie von dem Va⸗ ter oder der Mutter, deren Erbſchaft eroͤfnet iſt, erhal⸗ ten haben, und was der Kollation, nach den im II. Abſchnitt des VI. Kapitels des gegenwärtigen Titels aufgeſtellten Regeln, unterworfen wäre, auf das auf⸗ zurechnen,(à imputer) was ſie zu verlangen berech⸗ tigt ſind. 761. Jede Reklamation iſt ihnen unterſagt, wenn ſie, bei Lebzeiten ihres Vaters oder ihrer Mutter, die Haͤlfte von dem, was ihnen durch die vorhergehenden Artikel zugewieſen iſt, von Seiten ihres Vaters oder ihrer Mutter, mit der ausdruͤcklichen Erklärung er⸗ halten haben, daß es ihre Abſicht iſt, das natuͤrliche Kind auf den Ancheil zu reduziren, welchen ſie ihm angewieſen haben. In dem Falle, wo dieſer Antheil geringer wäre als die Haͤlfte von dem, was dem natuͤrlichen Kinde zu⸗ kommen wuͤrde, kann es blos die Ergänzungs Summe (le supplément) anfordern, welche nothig wäre, um dieſe Haͤlfte voll zu machen. 762. Die Verfuͤgungen der Artikel 757 und 758 ſind auf ſolche Kinder, die aus einem ehebrecheriſchen oder blutſchänderiſchen Umgange entſprungen ſind, nicht anwendbar. Das Geſetz bewilligt ihnen nichts, als Alimente. 763. Dieſe Alimente werden mit Hinſicht auf die VermögensUmſtaͤnde des Vaters oder der Mutter, auf die Anzahl und die Qualität der rechtmäſfigen Er⸗ ben beſtimmt. 764. Wenn der Vater oder die Mutter eines in einem ehebrecheriſchen oder blutſchaͤnderiſchen Umgange gezeugten Kindes daſſelbe eine mechaniſche Kunſt ha⸗ ben erlernen laſſen, oder wenn eines der Aeltern ihm bei Lebzeiten Alimente verſichert hat, ſo kann dieſes Kind keine Anforderung an ihre Erbſchaft machen. 765. Die Erbſchaft des ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen natuͤrlichen Kindes faͤllt dem Vater oder der Mutter, welcher oder welche daſſelbe anerkannt hat, oder wenn es von dem einen und der andern aner⸗ kannt worden iſt, beiden zur Hälfte zu. 766. Wenn Vater und Mutter des natuͤrlichen Kindes vor demſelben geſtorben ſind, ſo gehen die Guͤter, welche es von denſelben erhalten hat, wenn ſie ſich in Natur in der Erbſchaft vorfinden, auf die recht⸗ maͤſſige Geſchwiſter uͤber: die Klage auf die Ruͤcker⸗ ſtattung('action en reprise), wenn eine ſolche ſtatt findet, oder der Kaufſchilling von den verkauften Guͤ⸗ tern dieſer Art, wenn er noch geſchuldet wird, fällt ebenfalls an die rechtmäſſige Geſchwiſter zuruͤck. Alle andere Guͤter gehn auf die natuͤrliche Geſchwiſter oder ihre Deszendenten uͤber.(¹) () Der Eivilſtand und die Rechte der natürlichen Kinder, deren Aeltern in der Zwiſchenzeit von der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 12 Brumnire II.(4 November 1793) bis zu der Verkündigung der Titel des CivilGeſetzbuchs: von der Vaterſchaft und der Ab⸗ ſtammung und von den Erbſchaften verſtorbenſiud, ſollen auf die von dieſen Titeln beſtimmte Art und Weiſe regulirt werden. Mrt. 1 des Geſetzes vom(14 Floreal 11 J.) 4 May 1503. Doch ſollen die Verordnungen zwiſchen Lebenden ſo wie die teſta⸗ mentariſche Verordnungen, welche vor der Pereuͤndigung derſelben Titel, die Rechte dieſer natuͤrlichen Kinder regulirt baben mogen, vollzogen werden, vorbehaltlich der Reduktion auf den, nach den Ver⸗- fuͤgungen des CivilGoſetzbuchs disponiblen Antheil, und gleichfalls vor⸗ behaltlich einer Ergänzung in dem Falle, wo der geſchenkte oder ver⸗ machte Antheil geringer als die Hälfte von demjenigen wäre, was demſelben Geſetze zufolge dem natuͤrlichen Kinde zukominen müßte, alles in Gemäßheit des Art. 761 des Geſetzes: von den Erbſchaf⸗ zen.(Art. 2 daſelvſih. Die Uebereinkunfte und in Rechts Kraft erwachſene Urtheile, wo- —— Zweiter Abſſchnitt. Von den Rechten des uͤberlebenden Ehegatten und der Republik. 767. Wenn der Verſtorbene weder Verwandte in erbfähigen Graden, noch natuͤrliche Kinder zuruͤcklaßt, ſo gehoͤrt ſeine Erbſchaft dem uͤberlebenden, nicht(von ihm) geſchiedenen Gatten. 768. In Ermangelung eines uͤberlebenden Gatten fällt die Erbſchaft der Republik anheim. 769. Der uͤberlebende Ehegatte und die Domai⸗ nen Regie, welche ein Recht auf die Erbfolge zu ha⸗ ben behaupten, ſind gehalten, die Siegel auflegen, und unter Beobachtung von den, fuͤr die Annahme einer Erbſchaft unter der Rechtswohlthat des Inven⸗ tariums, vorgeſchriebenen Formalitäten ein Inventa⸗ rium errichten zu laſſen. 770. Sie muͤſſen die BeſißEinſetzung von dem Tribunal erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Erb⸗ ſchaft eroͤfnet iſt, anverlangen; das Tribunal kann nicht eher als nach drei Verkuͤndigungen und Anſchlag⸗ Zetteln in den gebraͤuchlichen Formen und nach An⸗ hoͤrung des Regierungs Kommiſſars(Kaiſerl. Proku⸗ rators) daruͤber erkennen. 771. Der uͤberlebende Ehegatte iſt auſſerdem noch verbunden, das Mobiliar Vermögen anzulegen(de faire emploi du mobilier) oder eine hinreichende Kaution zu ſtellen, um deſſen Erſat in dem Falle zu verſichern, wenn in einer Zeitfriſt von drei Jahren Erben des Verſtorbenen erſcheinen wuͤrden; nach die⸗ ſer Zeitfriſt iſt die Kaution entladen. 77a. Der uberlebende Ehegatte, oder die Domai⸗ nen Verwaltung, welche die ihnen reſpective vorge⸗ vurch der Civilſtand und die Rechte der beſagten natuͤrlichen Kinder regulirt worden ſein mag, ſollen ihrem ganzen Inhalt nach vollzo⸗ gen werden(Art, 3 daſ,) ſchriebene Formalitaten nicht erfullen wuͤrden Fonnen, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, zu Schadloshal⸗ tungen verurtheilt werden. 773. Die Verfuͤgungen der Artikel 769, 770, 771 und 772 ſind den, in Ermangelung von Verwandten (zur Erbſchaft) berufenen naturlichen Kindern gemein⸗ ſchaſtlich. Fuͤnftes Kapitel. Von der Annahme und dem Ausſchlagen von Erbſchaften“ Erſter Abſchnitt. Von der Annahme. 74. Man kann eine Erbſchaft geradezu und unbe⸗ dingt,(purement et simplement) oder(auch) unter der Rechts Wohlthat des Inventariums annehmen. 775. Niemand iſt gehalten, eine ihm zugefallene Erbſchaft anzunehmen. 776. Verheirathete Weiber koͤnnen ohne die Er⸗ maͤchtigung ihres Mannes, oder der Gerichte, in Gemäßheit der Verfuͤgungen des Kapitels VI im Titel: von der Ehe, keine Erbſchaft auf gultige Weiſe nehmen. Minderjährige und Interdizirten zugefallene Erb⸗ ſchaften koͤnnen nur in Gemaͤßheit der Verfuͤgungen des Titels: von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation gultiger Weiſe angenommen werden. 777. Die Wirkung der Annahme geht bis auf den Tag der Eroͤffnung der Erbſchaft zuruͤck. 778. Die Annahme kann ausdrucklich oder ſtill⸗ ſchweigend geſchehen: ſie iſt ausdruͤcklich, wenn man in einem authentiſchen oder Privatdkt den Titel odet die Eigenſchaft als Erbe annimmt; ſie iſt ſtillſchwei⸗ — 192— gend, wenn der Erbe einen Akt vornimmt, der noth⸗ wendig ſeine Abſicht,(die Erbſchaft) anzunehmen, vorausſeßzt, und den er blos in ſeiner Eigenſchaft als Erbe zu machen berechtigt waͤre. 779. Blos konſervatoriſche Akte, Akte der provi⸗ ſoriſchen Aufſicht und Verwaltung ſind keine Akte des Antritts der Erbſchaft, wenn man dabei nicht den Ti⸗ tel oder die Eigenſchaft als Erbe angenommen hat. 7so. Die Schenkung, der Verkauf oder Ueber⸗ trag ſeiner Erbrechte, von Seiten eines der MitErben, es ſey nun an einen Fremden, oder an alle ſeine Mit⸗ Erben, oder an einige unter ihnen, fuͤhrt ſeinerſeits die Annahme der Erbſchaft mit ſich(emporte). Eben ſo verhaͤlt es ſich 1) mit der Verzichtleiſtung, ſelbſt der unenctgeltlichen, eines der Erben zum Vortheil eines oder mehrerer ſeiner MitErben; 2) mit der Verzichtleiſtung, die er, ſelbſt zum Vorctheil aller ſeiner Mit Erben ohne Unterſchied machen wuͤrde, wenn er fur dieſe Verzichtleiſtung eine Verguͤtung erhält(lorsqu'il en recoit le prix). 781. Wenn der, welchem eine Erbſchaft zugefallen iſt, geſtorben iſt, ohne ſie ausgeſchlagen(repudiée) zu haben, oder ohne ſie ausdrucklich oder ſtillſchwei⸗ gend angenommen zu haben, ſo koͤnnen ſeine Erben ſie ſeinem Namen(de son chef) annehmen oder aus⸗ ſchlagen 782. Wenn dieſe Erben nicht einig ſind, um die Erbſchaft anzunehmen oder auszuſchlagen, ſo muß ſie unter der Rechts Wohlthat eines Inventariums ange⸗ nommen werden. 783. Der Grosjährige kann die von ihm geſche⸗ hene ausdruͤckliche oder ſtillſchweigende Annahme einer Erbſchaft nicht(mehr) anſechten, den Fall ausgenom⸗ ———— men, wenn dieſe Annahme die Folge eines gegen ihn veruͤbten Betrugs geweſen waͤre; er kann nie unter dem Vorwande, daß er dadurch verletzt worden, rekla⸗ miren, den einzigen Fall ausgenommen, wo ſich die Erb⸗ ſchapt durch die Entdeckungeines im Augenblick ber An⸗ nahme unbekannten Teſtamgntes verſchlungen, oder um mehr als die Hälfte vemnir finden wuͤrde. Zweiter Abſchnitt. Von der Verzichtleiſtung auf Erbſchaften. 784. Die Verzichtleiſtung auf eine Erbſchaft wird nicht vermuthet. Sie kann nicht anderſt, als auf der Greffe Gerichtſchreiberei) des Tribunals erſter In⸗ ſtanz, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eroͤfnet iſt, auf einem beſondern, zu dieſem Zweck gehaltenen Regiſter geſchehen.(1) 785. Der verzichtleiſtende Erbe wird angeſehen, (st cens9) als wäre er nie Erbe geweſen. 786. Der Ancheil des Verzichtleiſtenden waͤchſt ſei⸗ nen MitErben zu; wenn er der einzige iſt, ſo iſt die Erbſchaft dem folgenden Grade zugefallen(devo- ue). 787. Man kann nicht durch Repraͤſentation eines Erben zu einer Erbſchaft gelangen, auf welche dieſer verzichtet hat. Wenn der Verzichtleiſtende der einzige Erbe ſeines Grades iſt, oder wenn alle ſeine MitEr⸗ ben Verzicht leiſten, ſo treten die Kinder in ihrem (1) Die Verzichtleiſtungen auf eine Gemeinſchaft zwiſchen Ehegak- ten, oder auf eine Erbſchaft, geſchehen auf der Greffe(Gerichtsſchrei⸗ berei) des Tribunals, in deſſen Vezirk die Auflöſung der Gemeinſchaft oder die Erdſnung der Erbſchaft ſtatt gefunden hat, auf dem durch den Art. 784 des CivilGeſetzbuchs vorgeſchriebenen Regiſter und in Gemäßheit des Art. 1457 deſſelben Geſehbuchs, ohne daß irgend ein⸗ andere Formalität dabei zu beobachten ndthig ware.(Art. 997 des Seſetbuchs über das Perfahren im CivlProzeß). Civil Geſeßb. 17 eigenen Namen(de leur chef) ein, und erben auf den Kopf. 88. Die Glaͤubiger deſſen, der ihren Rechten zum Nachtheil, Verzicht leiſtet, koͤnnen ſich gerichtlich er⸗ maͤchtigen laſſen, die Erbſchaft im Namen(de chet) ihres Schuldners und an deſſen Stelle anzunehmen. In dieſem Falle iſt die Verzichtleiſtung blos zu Gunſten der Gläubiger und nur bis zur Konkurrenz ihrer Forderungen vernichtet; ſie iſt es aber nicht zum Vortheil des Erben, welcher Verzicht geleiſtet hat. 789. Die Befugniß, eine Erbſchaft anzunehmen oder auszuſchlagen, verjährt ſich durch den Ablauf der Zeitfriſt, die zu der längſten Verjährung von Immo⸗ diliar Rechten erforderlich iſt. 790. So lange die Verjaͤhrung des Rechtes der Annahme nicht gegen den Erben, welcher verzichtet hat, erworben iſt, hat er die Befusniß, die Erbſchaft noch anzunehmen, wenn ſie nicht ſchon von andern Erben angenommen worden iſt: jedoch ohne Nachtheil der Rechte, welche Dritte, entweder durch Verjaͤbrung oder durch mit dem Kurator der vakanten Erbſchaft gul⸗ tiger Weiſe abgeſchloſſene Akte, auf die Guter der Erb⸗ ſchaft erworben haben koͤnnen. 791. Man kann nie, nicht einmal durch einen Ehe⸗ Kontrakt, auf die Erbſchaft eines Lebenden verzichten, noch die eventuellen Rechte veräuſſern, die man auf deſſen Erbſchaft haben kann. 792. Erben, welche Effekten einer Erbſchaft weg⸗ gebracht oder verhehlt haben, ſind der Befugniß, dar⸗ auf Verzicht zu leiſten, verluſtigt: ſie bleiben, ihrer Verzichtleiſtung ohngeachtet, geradezu und unbedingt Erben, ohne irgend einen Antheil an den weggebrach⸗ ten oder verhehlten Dingen in Anſpruch nehmen zu koͤnnen. — Dritter Abſchnitt. Von der Rechts Wohlthat des Inventariums, ihren Wirkungen, und den Verbindlichkeiten des Erben, welcher der Rechts Wohl⸗ that des Inventariums genießt. 793. Die Erklaͤrung eines Erben, daß er dieſe Ei⸗ genſchaft nur unter der Rechts Wohlthat eines Inven⸗ tariums anzunehmen die Abſicht hat, muß auf der Greffe(Gerichtsſchreiberei) des Tribunals erſter In⸗ ſtanz abgegeben werden, in deſſen Bezirk die Erb⸗ fchaft eroͤfnet worden iſt; ſie muß auf das Regiſter eingetragen werden, welches zur Aufnahme der Ver⸗ zichtleiſtungs Akte beſtimmt iſt. 794. Dieſe Erklärung hat nur dann Wirkung, wenn vorher oder nachher ein getreues und genaues Inventarium der Guͤter der Erbſchaft in den durch das Geſetzbuch der CiviProzedur beſtimmten Formen und in den Zeitfriſten, welche hiernach beſtimmt wer⸗ den, beigebracht wird.(4) ) Wer das Recht hat, die Aufhebung der Siegel anzuverlangen, iſt auch berechtigt, die Juventariſirung zu verlangen.(Art. 941 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im Civi Prozeß). Das Inventarium muß in Gegenwart von folgenden Perſonen errichtet werden? 1) des überlebenden Ehegatten, a) der vermuthlichen Erben, 3) des Teſtaments Vollſtreckers, weun das Teſtament bekannt iſt, 45 der UniverſalSchenknehmer und Legatarien, und der Schenknehmer und Legatarien unter einem UniverſalTitel, die Schenkung oder das Legat mag nun aus Eigenthum oder einer Nusnieſſung beſtehen, oder nach deren gehdriger Berufung, wenn ſie in einer Futfernung von ſünf Myriametern wohnen; wohnen ſie in groſſtker Entſer- nung, ſo muß fuͤr alle Abweſende ein einziger Notar heruſen werden, welchen der Präſident des Tribunals erſter Inſtanz zu ernennen hat, um die abweſende oder ausbleibende Parthien zu vertreten.(942) Auſſer den Formalitäten, welche für alle NotariatsAkte vorgeſchrie- ben ſind, muß das Inventarium enthalten: 1) die Namen, Profeſſio⸗ nen und Wohnorte derjenigen auf deren Erſuchen es errichtet wor- den, der Erſcheinenden, der Ausbleibenben und der Abweſenden, wenn ſie bekannt ſind, des Notars, der berufen worden iſt, um ſie zu ver- treten, der AbſchätzungsKommiſſarien und Werkverſtändigen, 3) die Angabe des Ortes, an welchein das Fnventarium errichtet ward. 3) die Beſchreibung und Abſchätzung der Effekten, welche zu ihrem wahren Werthe ohne allen Aufſchlag geſchehen muß, 4) die Angabe der Gattung, des Gewichtes und des Titels des Silberwerks; 5) dis Angabe der Sorten ds vorräthigen Seldes; 6) die Papier⸗ „ — 196— 795. Der Erbe hat vom Tage der Eroͤfnung an, drei Monate, um das Inventarium zu errichten. Er hat ſerner eine Zeitfriſt von vierzig Tagen, um zu berathſchlagen, ob er die Erbſchaft annehmen oder ausſchlagen will, welche von dem Tage des Ablaufs der zur Verfertigung des Inventariums beſtimmten Zeitfriſt an, oder von dem Tage des Abſchluſſes des Inventariums an, wenn dieſes vor Ablauf der drei Monate geſchloſſen worden iſt, zu laufen anfangen. 796. Beſinden ſich indeſſen Dinge in der Erbſchaft, welche verderben koͤnnten, oder deren Aufbewahrung koſtſpielig waͤre, ſo kann der Erbe, in ſeiner Eigen⸗ ſchaſt als Erbfaͤhiger, und ohne daß man eine An⸗ nahme von ſeiner Seite daraus folgern koͤnnte, ſich ge⸗ richtlich ermaͤchtigen laſſen, zum Verkauf dieſer Eſſek⸗ ten zu ſchreiten ⸗ Dieſer Verkauf muß durch einen oͤſſentlichen Be⸗ amten, nach vorherigen Anſchlag⸗Zetteln und müſſen vom erſten bis zum letzten mit der Seitenzahl vezeichnet wer⸗ den; einer der Notarien muß ſie mit ſeinem Handzeichen bezeichnenz ſind Handelsbuͤcher vorhanden, ſo muß ihr Suſtand konſtatirt werden die Blätter muͤſſen gleichfalls mit der Seitenzaht und dem Handzei- chen bezeichnet werden, wenn ſie es noch nicht ſind; iſt auf den ge⸗ ſchriebenen Seiten weißer Zwiſchenraum veſindlich, ſo muß er durch- reuzt werden; 7 die Angabe der Attiv- und PaſſivRechts Titel; 3) die Meldung des Eides, welchen beim Schtuſſe des Inventaviums die⸗ jenige zu leiſten haven, welche ſich vor dem Inventarium im Beſitz der Gegenſtände vefunden haben, oder welche das Haus bewohnt ha- ben, in welchem dieſe Gegenſtände befindlich ſind, daß ſie deren keine weggebracht, und keine weabringen geſehen haben, nud daß ſie auch eine Kenntniß haben, daß deren weggebracht worden ſind; 9) die Uebergabe der Effedten und Papieren,(wenn ſie ſtatt findet) in die Hande desjenigen, uͤber weichen man üvereingekominen iſt, oder der in Ermangelung eeiner Uebereinkunft von dem Präſidenten des Tri- bunals bezeichnet worden iſt.(Art. 743) Wenn ſich bei Gelegenheit des Inventariums Schwierigkeiten er⸗ geben, oder wenn in Betreff der Verwaltung der Gemeinſchaft oder der Erbſchaft, oder anderer Gegenſtaͤnde Begehren geſchehen, ſo üverlaſſen es die Notarien den Parthien, ſich an den Praſidenten des Tribunals erſter Inſtanz zu wenden; wenn ſie in dem Kanton wohnen, wo tas Tribunal ſeinen Sitz hat, ſo sdnnen ſie(die Notarieu) ſelbſt ihm darüber Bericht erſtatten; in dieſem Falle ſetzt der Prüſident ſeine Or- donnanz auf die Urſchrift des VerbalProzeſſes.(9440 — 197— Bekanntmachungen, ſo wie ſie im Geſetzbuch von dem Civi Prozeß regulirt ſind, geſchehen.(1) 797. Während der Dauer der Zeitfriſten,(welche dem Erben) zur Errichtung des Inventariums und als Bedenkzeit(geſtattet ſind), kann er nicht gezwun⸗ gen werden, eine Eigenſchaft anzunehmen, und es kann keine Verurtheilung gegen ihn erwirkt werden; wenn er, nachdem die Zeitfriſten verſtrichen ſind oder fruͤher, Verzicht leiſtet, ſo fallen die bis zu dieſem Zeitpunkte von ihm geſetzlich gemachte Koſten der Erbſchaft zur Laſt. 798. Der Erbe kann, nach dem Ablauf der obigen Zeitfriſten, wenn Betreibungen(poursuites) gegen ihn gerichtet werden, eine neue Friſt verlangen, welche das Gericht, bei welchem der Rechtsſtreit anhängig iſt, nach den Umſtaͤnden zu bewilligen oder abzuſchla⸗ gen hat. 799. Wenn der Erbe beweißt, entweder, daß er von dem Sterbfalle nicht unterrichtet war, oder daß die Zeitfriſten, entweder wegen der Lage der Guͤter, oder wegen vorgefallener Streitfragen unzureichend waren, ſo fallen die Koſten der Betreibungen, von welchen der vorhergehende Artikel handelt, der Erb⸗ ſchaft zur Laſt. Beweißt er dieſes nicht, ſo bleiben die Koſten ihm perſoͤnlich zur Kaſt. goo. Der Erbe behält nichts deſtoweniger, nach Ablauf der durch den Art. 795, ja ſeibſt nach Ab⸗ lauf der in Gemaͤßheit des Art. 798 von dem Rich⸗ ) Wenn der Erbe, ehe er die Eigenſchaft als Erbe annimmt, ſich, dem CiviSeſetzbuch zufolge, ermächtigen kaſſen will, zu dem Ver⸗ kauf von MobiliarEſſesten zu ſchreiten, die zu der Erbſchaft gehdren, ſo hat er zu dem Ende dem Präſidenten des Tribunals erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Erbſchaſt eröfnet iſt, eine Vittſchriſt zu ärergeben. Der Verkauf muß durch einen offenttichen Beamten nach den hier oben(Art. 945 u. ſſe) ſuͤr den Verkauf von MobiliarEffebten vorge⸗ ſchriebenen Anſchlaggetteln und Bekanntmachungen geſchehen,(Art. „36 des Geſetbuchs über das Verſabren im bürgerlichen Prozes tet bewilligten Zeitfriſten(noch immer) bie Befugniß, ein Inventarium zu errichten, und die Erbſchaft unter der Rechts Wohlthat des Inventariums anzutreten, wenn er anderſt keinen Akt als Erbe vorgenommen hat, oder wenn kein in Rechts Kraft erwachſenes Urtheil gegen ihn beſteht, welches ihn in der Eigenſchaft als unbedingter Erbe verurtheilt. So1. Der Erbe, der ſich einer Verhehlung ſchul⸗ dig gemacht, oder wiſſentlich und in boͤslicher Abſicht unterlaſſen hat,(einige) Effekten der Erbſchaft in dem Inventarium zu begreifen, iſt der Reches Wohlthat des Inventariums verluſtig. goz. Die Wirkungen der Rechts Wohlthat des Inventariums beſtehen darin, daß ſie dem Erben den Vortheil gewährt: ¹) daß er zur Zahlung der auf der Erbſchaft haf⸗ tenden Schulden nur bis zur Konkurrenz des Werthes der erhaltenen Guͤter verbunden iſt, und ſich der Zahlung dieſer Schulden entlaſten kann, indem er den Glaͤubigern und Legatarien alle Güter der Erbſchaft uͤberläßt. 2) Daß ſeine verſonliche Guͤter mit jenen, die von der Erbſchaſt herruͤhren, nicht vermiſcht werden, und daß er das Recht behaͤlt, gegen dieſe(die Erbſchaft) die Zahlung ſeiner Forde⸗ rungen zu verfolgen.(1) 863. Der BenefiziarErbe iſt mit der Verwaltung der Guͤter der Erbſchaft beauftragt, und muß den Gläubigern und Legatarien uͤber ſeine Verwaltung Rechnung ablegen. cih We ber Benefiziar Erbe gegen die Erbſchaft Klagen zu erhe⸗ ten hat, ſo muß er ſie gegen die übrige Erben richten; ſind deren Leine vorhandek, oder erheben alle die Klage, ſo muß ſie gegen einen für bie Rechts Wohlthat des Inventarinins zu beſtellenden Kurator ge- richtet werden, der in derſelben Forin, wie der Knrätor einer vaban- ten Erbſchaft, ernännt wird.(Art⸗ 996 des Geſetzes uͤber das Ver- ſöhten im bergeri. Pröz⸗ß⸗) ——— 2 en 3 t⸗ Er kann in ſeinem perſoͤnlichen Vermoͤgen nicht an⸗ gegriffen(il n') peut étre contraint) werden, als nachdem er mit der Vorlage ſeiner Rechnung in Ruͤck⸗ ſtand verſetzt worden wäre, und in Ermangelung, die⸗ ſer Verbindlichkeit Genuge geleiſtet zu haben. Nach dem Abſchluß der Rechnung kann man ſich nur bis zur Konkurrenz der Summen, mit welchen er ſich im Ruckſtand befindet, an ſeinem perſonlichen Vermo⸗ gen ergreifen.(1) 804. Er iſt nur fuͤr wichtige Fehler in der ihm aufgetragenen Verwaltung verantwortlich. so8. Er darf die Mobilien der Erbſchaft nur durch einen oͤffentlichen Beamten, in oͤffentlicher Verſteige⸗ rung und nach den gewohnlichen AnſchlagZetteln und Bekanntmachungen verauſſern. Wenn er ſie in Natur beibringt, ſo iſt er fur nichts als fuͤr die Verminderung ihres Werthes oder ihre Verſchlimmerung(detérioration) durch ſeine Nach⸗ läſſigkeit verantwortlich. go6. Er darf die Immobilien nur in den durch das Geſetzbuch uͤber den Civil Prozeß vorgeſchriebenen For⸗ men verkauſen; er iſt gehalten, den Kaufſchilling den HypothekarGläubigern, welche ſich bekannt gemacht haben werden, zu übertragen.() (1) Fuͤr die RechnungsAblage über eine unter der Rechts Wohlthat des Inventariums angetretene Erbſchaft muͤſſen die im Titel: von ben RechnungsAblagen vorgeſchriebene Formalitäten bevbach⸗ tet werden(Art. 995 deſſ. Geſetzb.) () Wenn der Verkauf von Imendbeln, die zu einer Erbſchaft gebb⸗ ren, ſtatt findet, ſo hat der Benefiziar Erbe dem Präſidenten erſter In- ſanz eine Bittſchrift zu uͤbergeben, worin dieſelbe angegeben ſein müſſen; dieſe Vittſchrift muß dem offentlichen Miniſterium mitgetheilt werden; auf deſſen Antrag und den Bericht eines zu dem Ende er⸗ nannten Richters muß ein Urtheil erlaſſen werden, weſches vorlauſig die Beſichtigung und Abſchätzung der Immobel durch einen von Amts- wegen ernannten Werkverſtändigen verordnet.(Art. 987 deſſ. Geſ.) Iſt deren Bexicht vorſchriftsmäſſig, ſo muß er durch daſſelbe Tribunal. auf eine Bittſchriſt(es BenefiziarErben) angenommen(entärins) wer⸗ — 265— so7. Wenn die Glaubiger, oder andere Bethei⸗ ligte es fordern, ſo iſt er gehalten, fuͤr den Werth der in dem Inventarium begriffenen Mobiliarſchaft, und fuͤr den Theil des Kaußſchillings der Immoͤbel, welcher nicht auf die HypothekarGläubiger ubertragen worden iſt, gute und loßbare Buͤrgſchaft zu leiſten. In Ermangelung ſeinerſeits, dieſe Buͤrgſchaft zu ſiellen, werden die Moͤbel verkauft, und ihr Kauf⸗ Preiß ſowohl, als der nicht uͤbertragene Theil des Kaufſchillings der Immobilien, hinterlegt, um zur Abtragung der auf der Erbſchaft haſtenden Laſten ver⸗ wendet zu werden.(1) den; und der Verkauf wird, auf den Antrag des offentlichen Miniſte⸗ riums, durch ein Urtheil verordnet. Bei dieſem Verbauf muß nach den im Titel: von den Theilnn⸗ gungen und Lizitationen vorgeſchriebenen Regeln verfah⸗ ven werden. Der Veneftziar Erbe muß als unbedingter Erbe angeſehen werden, wenn er Immdbel verkauft hat, ohne ſich nach den im gegenwärtigen Titel vorgeſchriebenen Regeln zu bemeſſen.(988) Soll die Mobiliarſchaft, und die Renten, welche zu der Erbſchaft ge⸗ hdren, verkauft werden, ſo muß der Verkauf in derjenigen Form geſche⸗ hen, welche fuͤr den Verkauf von Haabſchaft dieſer Art vorgeſchrieben iſt, unter der Straſe für den BenefiziarErben, als unvebingter Erbe angeſehen zu werden(989) Der Erlöß aus dem Verkauf der Mobiliarſchaft wird unter die op⸗ pontrende Gläubiger im Perhättniß ihrer Forderungen, und in der, im Pitel: von der Vertheilung im Verhäͤltniß der For⸗ derungen, vorgeſchriebenen Fori vertheilt. 6990) Der Ertrag des Verkauſes der Immoͤbel wird nach der Ordnung der Privitegien und Hypotheken vertheilt. 6901) (1) Wenn ein Glänbiger oder ein fonſtiger Betheiligter den Benefi⸗ zlarErben verbinden will, Bürgſchaft zu leiſten, ſo muß er ihn durch einen auſſergerichtlichen, ihm perſoͤnlich oder in ſeinem Wohnorte zu⸗ geſtellten, Aete dazu auffordern laſſen.(Art. 992) Der BeneftziarErbe iſi verbunden, in den dreien Tagen nach dieſer Aufforderung, welchen für jede Entfernung von dreien Myriametern zwiſchen dem Wohnort des Erben und der Gemeinde, wo das Tri⸗ hunal ſeinen Sitz hat, ein Tag zugeſetzt wird, ſeine Buͤrgſchaft in der füͤr die Stellung von Buͤrgſchaften vorgeſchriebenen Form(Art 577 u. ff.) auf der Groſfe(Gerichtsſchreibereih) des Tribunals, in deſſen Be⸗ zirt die Erbſchaft erdͤfnet iſt, zu ſiellen Art. 993) Wenn ſich uͤber die Nnahme der Buͤrgſchaft Schwierigkeiten erhe⸗ ben, ſo werden die provozirende Glaͤuviger durch den älteſten Avoue vertreten(994.) — 201— 8os. Wenn irgend Gläubiger Oppoſition einlegen, ſo kann der BenefiziarErbe nur in der, von dem Rich⸗ ter beſtimmten, Ordnung und vorgeſchriebenen Weiſe auszahlen. legen keine Gläubiger Oppoſition ein, ſo zahlt er die Gläubiger und Legatarien nach der Ordnung, wor⸗ in ſie ſich melden, aus. 809. Die Glaͤubiger, die keine Oppoſition einge⸗ legt haben, und erſt nach dem Abſchluß der Rechnung und der Zahlung des Ruͤckſtandes auftreten, haben keinen andern Ruͤckgriff als gegen die Legatarien. In dem einen und dem andern Falle verjährt der Ruͤckgriff ſich durch den Ablauf von dreien Jahren, von dem Tage des Abſchluſſes der Rechnung und der Zahlung des Ruͤckſtandes an. 810. Die Koſten der SiegelAuflage, wenn ſie ſtatt gehabt hat, des Inventariums und der Rechnung fallen der Erbſchaft zur Laſt. Vierter Abſchnitt. Von vakanten Erbſchaften. 811. Wenn nach Ablauf der, zur Errichtung des Inventariums und als Bedenkzeit, geſtatteten Zeit⸗ friſten Niemand auftritt, der eine Erbſchaft in An⸗ ſpruch nimmt, wenn kein bekannter Erbe vorhanden iſt, oder die bekannten Erben darauf verzichtet haben, ſo wird die Erbſchaft fuͤr vakant erachtet. 812. Das Tribunal erſter Inſtanz, in deſſen Be⸗ zirk ſie eroͤfnet iſt, ernennt auf Begehren der Bethei⸗ ligten oder auf den Antrag des Regierungs Kom⸗ miſſars(Kaiſ. Prokurators) einen Kurator. 813. Der Kurator einer vakanten Erbſchaft iſt ge⸗ halten, ihren Zuſtand vor allem durch ein Inven⸗ tarium konſtatiren zu laſſen. Er uͤbt ihre Rechte aus und verfolgt ſie; er vertheidigt die Erbſchaft wider die ge⸗ gen ſie erhobene Forderungen; er verwaltet ſie, unter der Obliegenheit, das in der Erbſchaft vorfindliche baare Geld, ſo wie die aus dem Verkauf der Moͤbel oder Immoöbel herflieſſende Gelder in die Kaſſe des Em⸗ pfängers der National Regie einzuſchieſſen, um die Rechte eines jeden zu bewahren, und unter der Ver⸗ bindlichkeit einem jedem, dem es zuſtehen wird, Rech⸗ nung(daruͤber) abzulegen.(1) 314. Die Verfuͤgungen des dritten Abſchnitts, uͤber die Formen des Inventariums, uͤber die Art der Ver⸗ waltung, und uͤber die von dem BenefiziarErben ab⸗ zulegenden Rechnung, ſind uͤbrigens den Kuratoren von vakanten Erbſchaften gemeinſchaftlich.(2) Sechstes Kapitel. Von der Theilung und der Kollation(des rapports.) Erſter Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form. 815. Niemand kann gezwungen werden, in Ge⸗ — (1) Wenn nach Ablauf der Zeitfriſten, welche zur Errichtung des Inventariums, und als Bedenkzeit geſtattet ſind, niemaud erſcheint⸗ um eine Erbſchaft in Anſpruch zu nehmen, wenn kein bekannter Erbe vorhanden iſt, oder die bekannte Erben darauf Verzicht geleiſtet habeh, ſo wird dieſe Erbſchaft füͤr vakant erachtet, und es wird, in Ge⸗ mäßheit des Art. 812 des Civil Geſetzbuchs ein Kurator uͤber dieſelbe geſetzt.(Art. 008 des Geſetzbuhsk über das Verfahren im bur- gerlichen Prozeß.) Im Falle einer Konkurrenz zwiſchen zweien vder mehreren Kura⸗ toren geht der zuerſt ernannte vor, ohne daß dazu ſein Urtheil vor⸗ nothen wäre.(909) Der Kurator iſt veröunden, vor allem den Zuſtand der Erbſchaft turch ein Inventarium konſtatiren zu laſſen, wenn noch keines errich- tit worden iſt, und die Mobel untek Beobachtung der in den Titeln: von dei IFuventarium, und: von dem Verkaufder Mo- biliarſchaft, vorgeſchriebenen Formalitäten verkaufen zu laſ⸗ ſen. 1000) Die Immobel und Renten dürfen nur in der Form verkauft wer⸗ den, welche in dem Titel: von der Rechts Wohlthait des In⸗ ventariums vorgeſchrieben iſi.(1001) Die Formalitäten, welche füt den Veneſiziar Erben vorgeſchrieben ſind, fnden auch bei der Verwaltung jund der RechnungsAblage des Kurators einer vakanten Erbſchaft ihre Anwendung(002) (2) Siehe im Anhang Nro. V. — 203— meinſchaft zu bleiben; und man kann immer, aller dem zuwiderlaufenden Verbote und Verträge ohnge⸗ achtet, die Theilung anverlangen. Man kann jedoch uͤbereinkommen, die Theilung waͤhrend einer beſtimmten Zeit auszuſetzen. Dieſe Ue⸗ bereinkunft darf nicht uͤber fuͤnf Jahre verbindlich ſein, aber ſie kann erneuert werden. 816. Die Theilung kann ſelbſt dann anverlangt werden, wenn einer der MitEerben den Genuß von einem Theil der Guͤter der Erbſchaft gehabt haͤtte, wenn kein Theilungs Akt, oder kein zum Erwerb der Ver⸗ jaͤhrung hinreichender Beſitzſtand vorliegt. s17. Die Klage auf Theilung kann, in ſo fern ſie minderjährige oder interdizirte MitErben betrifft, von ihrem, zu dem Ende von einem Familien Rath beſon⸗ ders ermaͤchtigten, Vormunde, ausgefuͤhrt werden. In ſo fern ſie abweſende MitErben betrifft, ſtebt die Klage den in den Beſitz eingeſetzten Verwand⸗ ten zu. s18. Der Mann kann, ohne Mitwirkung ſeiner Frau, die Theilung der ihr zugefallenen Mobilien und Immobilien, welche in die Gemeinſchaft fallen, anfordern; was die Gegenſtaͤnde betrift, welche nicht in die Gemeinſchaft fallen, ſo kann der Mann auf ihre Theilung nicht ohne Mitwirkung ſeiner Frau anſte⸗ hen; wenn er das Recht hat, ihre(der Frau) Guter zu benutzen, ſo iſt er blos befugt, eine proviſoriſche Thei⸗ lung zu verlangen. Die MitErben der Frau koͤnnen die endliche Thei⸗ lung nicht anderſt anverlangen, als indem ſie Mann und Frau zugleich vorladen laſſen. s19. Wenn alle Erben gegenwaͤrtig und grosjäh⸗ rig ſind, ſo iſt die Siegel Auflage auf die Effekten der Erbſchaft nicht noͤthig, und die Theilung kann in je⸗ — 204— der Form und durch jeden Akt, welche den Partheien beliebig ſind, geſchehen. Wenn nicht alle Erben gegenwärtig ſind,(oder) wenn ſich Minderjahrige oder Interdizirte unter ihnen be⸗ finden, ſo muſſen in der kurzeſten Zeitfriſt, ſey es nun auf Anſtehn der Erben, ſey's auf Betreiben des Regierungs⸗ Kommiſſars(Kaiſ. Prok.) bei dem Tribunals erſter Inſtanz, oder auch von Amtswegen von dem Friedens⸗ Richter, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eroͤffnet iſt, die Siegel aufgelegt werden.(1) () Wenn die Siege Auflage nach einem Sterbfall ſtatt ſindet, fo geſchieht ſie durch den FriedensRichter, in deſſen Ermangelung durch ſeinen Suppleanten.(Urt. 907 des Geſetzbuchs uber das Verfahren im Civil Prozeß.) Die FriedensRichter und ihre Suppleanten haben ſich zu dem Ende eines beſondern Siegels zu bedienen, welches in ihren Händen ver⸗ bleibt, und deſſen Abdruck auf der Gerichtſchreiberei des Tribunals erſter Inſtanz hinterlegt werden muß.(908) Die Siege Auflage ſind anzuverlangen befugt: 2) alle die, welche auf die Ersſchaft oder Gemeinſchaft ein Recht zu haben behaupten, 2 alle Gläubiger, welche einen exekutoriſchen RechtsTitel oder eine Erlaubniß des Präſidenten des Tribunals erſter Inſtanz oder des FriedensRichters des Kantons, in welchem die Siegel aufgelegt wer⸗ den ſollen, in Händen haben, 3) im Falle der Abweſenheit des Mit- gatten, oder der Erben, oder eines von ihnen, die Hausleute und Dienſtbothen des Erblaſſers.(909) Die, welche ſich(zur Eroſchaft oder Gemeinſchaſt) erechtigt glau⸗ ben, und die Gläubiger, welche zwar noch minderjaͤhrig aber emanzi⸗ virt ſind, konnen die Siege Auflage ohne den Beiſtand thres Kura⸗ tors verlangen. Sind ſie minderjährig und nicht emanzipirt, und haben keinen Vormund, oder dieſer iſt abweſend, ſo kann einer ihrer Verwandten ſie verlangen.(910) Die Siegel muͤſſen entweder auf Betreiben des öffentlichen Miniſte- rinms, oder auf die Erklärung des Maires oder Abfnneten der Se- meinde, oder ſelbſt von Amtswegen durch den FriedensRichter ange⸗ legt werden: 1) wenn der Minderfährige keinen Vormund hat, und kein Verwandter die Siege Auflage verlangt; 2) wenn der Mitgatte, die Erben, oder einer von ihnen, abweſend ſind: 3) wenn der Ver- ſtorbene ein öffentlicher Depoſitar war, in welchem Falle jedoch die Siegel nur wegen dieſem Depoſitum und auf die Gegenſtände, wor⸗ aus daſſelbe beſtand, aufgelegt werden dürfen. 911) Die Sicael können nur von dem FriedensRichter des Ortes oder ſeinem Suppleanten aufgelegt werden.(912) Wenn die Siegel nicht vor der Beſtattung aufgelegt worden ſind⸗ ſo hat der FriedensRichter, durch ſeinen VerbalProzeß, den Augen- blick zu konſtatiren, wo deren Auſlage begehrt worden iſt, ſo wie die Ur- ſachen, welche dieſes Anſuchen oder die wireliche Anlage verſpätet ha⸗ ben moͤgen.(913) he — 205— s20. Die Gläubiger können ebenfalls kraft eines Der VerbalProzeß der Siege Auflage muß enthalten: 1) das Da- tum des Jahrs und Monares, den Tag und die Stunde, 2) die Beweg⸗ gründe der StegelAuflage, 3) den Namen, Profeſſion und den Wohn- ort desjenigen, auf deſſen Anſuchen ſie geſchehen iſt, und die von ihm geſchehene Erwählung eines Wehnſitzes n der Gemeinde, wo die Siegel aufgetegt worden wenn er nicht in derſelven wohut 4) Iſt gein anſuchender Theit vorhanden, ſo muß der VerbalProzeß ang— ven, daß die Siegelanlage von Amtswegen oder auf das Anſuchen odit die Erklärung eines der un Art 971 benannten Beamten geſchehen iſi⸗ 5) Die Ordonnanz, welche die SiegeAuflage erlauvt, wenn deren eine erlaſſen worden iſt. 6 Die Erſcheinung und die Bemerkungen der Parthien. 7) Die Bezeichnung der Orte, Schreibtiſche, Koffer, Schränke, auf deren Oefnungen die Siegel angelegt worden ſind. 8) Eine ſummariſche Beſchreibung derjenigen Efſekten, welche nicht unter Siegel gelegt worden ſind. 9) Den bei dem Schluß des In⸗ ventariums von den Hausleuten abzulegenden Eid, daß ſie nichts verbracht, und weder geſehn haben, noch Kenntniß davon haben, daß etwas mittelbar oder unmtttelbar verbracht worden wäre 10) Die Peſteltung des vorgeſtellten Aufbewahrers, gardien) wenn er die er⸗ ſorderlichen Eigenſchaften beſitt; vorbehaltlich dem Friedens⸗ Richter, wenn er dieſe Eigenſchaften nicht hat, oder keiner vorgeſtellt wird, einen von Amtswegen zu beſtellen(914 Die Schluͤſſei der Schloͤſſer, auf welche die Siegel angelegt worden ſind, verbleiben, bis zu deren Abnahme, in den Haͤnden des Gericht⸗ ſchreibers des FriedensGerichtes, der auf dem VerbalProzeß davon Medung zu thun hat, daß ſie ihm eingehärdigt worden ſind. Pis zur Abnahme der Siegel därfen weder der FriedeneRichter noch der Gerichtsſchreiber, unter InterdiktionsStrafe, in das Haus ge⸗ hen, wo die Siegel aufgelegt worden ſind, es ſei denn, daß ſie dazu anſgeſordert worden wären, oder ver ihrem Transport eine die Be⸗ weggründe enthaltende Ordonnanz erlaſſen worden wäre.(915) Findet ſich bei der Siege Auflage ein Teſtament, oder andere ver⸗ Klegelte Papiere, vor, ſo hat der FriedensRichter deren aͤuſſere Form, das Siegel und die Auſſchriſt, wenn eine vorhanden iſt, zu konſta- tiren, den Umſchlag zugleich mit deu anweſenden Parthien, wenn dieſe ſchreiben kdnnen, und nicht daran vorbandert ſind, mit ſeinem und ihrem Handzeichen zu bezeichnen, und den Tag und die Stunde anzugeben, an welchem er das Paket dem Praͤſidenten des Trirunals erſier Inſtanz üͤbergeben wird; von dem allen hat er auf ſeinem Ver- balPrezeß Meldung zu thun, die von den Parthien unterzeichnes werden muß; wo nicht, ſo muß von ihrer Weigerung Meldung ge- ſchehen.(910) Der FriedensRichter iſt verbunden, auf das Anſuchen jedes Be⸗ theiligten, vor der Siege Auflage, nach einem Teſtament nachzuſuchen, wenn ihm deſſen Exiſtenz veranzeigtwird; und wenn er es findet, ſo hat er auf obige We ſe zu verfahren(917) An den angezeigten Tage und Stunde hat der Friedensrichter, ohne daß es dazu irgend einer Vorladung vedürfte, die verſiegelt gefundene Pakete dem Präſidenten des Tribunals erſter Inſtanz zu uͤbergeben, der dieſelbe zu erdfnen, ihren Zuſtand zu konſtatiren, und, wenn ihr Inhalt die Erſchaft vetrift, ihre Hinterlegung zu verordnen hat.(918) Soute es nach der Auſſchrift der verſiegelten Pakete, oder nach ir- — 206— exekutoriſchen RechtsTitels, oder einer Erlaubniß des Richters, die Siegel Auflage anverlangen. gend einem andern Beweiß ſcheinen, als ob dieſelbe dritten Perſenen gehörten, ſo hat der Präſident des Tribunals zu verordnen, daß dieſe Dritte in einer von ihm zu beſtimmenden Zeitfriſt berufen werden ſol⸗ len, um der Erdfnung beizuwohnen; er ſchreitet an dem ſeſigeſetzten Tage in ihrer Gegenwart, oder ihrer Abweſenheit, zu derſelben, und wenn die Pakete die Erbſchaft nicht angehen, ſo hat ex ſie ihnen zu bergeben, ohne ihren Iuhalt bekannt zu machen, oder ſie wieder zu verſiegeln, um ihnen auf ihr erſtes Anſuchen eingehändigt zu wer- den.(919) Wenn ein Teſtament offen gefunden wird, ſo hat der Friedens⸗ Richter deſſen Zuſtand zu konſtatiren, und das zu beobachten, was im Artikel 916 vorgeſchrieben iſt. 6920) Sind die Thuͤren verſchloſſen, widerſetzen ſich Hinderniſſe der An- rage der Siegel, erheben ſich vor oder waͤhrend der SiegelAnlage Schwierigkeiten, ſo hat der Praͤſident des Tribunals auf den ihm zu erſtattenden Bericht daruͤber zu erkennen. Der Friedens Richter muß zu dem Ende einhalten, und von auſſen, ſelbſt nach Beſchaffen heit der Umſtände im Innern, Wächter beſtellen, und auf der Stelle dem Präſidenten des Tribunals ſeinen Bericht erſtatten⸗ Doch kann der FriedensRichter, wenn Gefahr auf dem Verzug haftet, einſtweilige Verſuͤgungen treffen, vorvehaltlich dem Praͤſiden- ten des Tribunals nachher ſeinen Bericht daruͤber zu erſtatten.(921) In allen Fällen, wo der FriedensRichter dem Präſidenten des Tribu- nals Bericht erſtattet, es mag nun bei Siege Auflagen oder in andern Fällen ſein, muß auf dem von FriedensRichter errichteten VerbalPro- eß konſtatirt werden, was geſchehen und verordnet worden iſt; der Peuſent hat ſeine Ordonnanzen auf demſelben VerbalProzeß zu un⸗ terzeichnen.(922) Wenn das Inventarium vollendet iſt, konnen die Siegel nicht mehr angelegt werden, es ſei dann, daß das Inventarium angeſochten wuͤrde, und daß der Präſident des Tribunals es alſo verordnen wuͤrde. Wenn während der Errichtung des Inventariums auf die Siegel- Anlage angetragen wird, ſo ſollen die Siegel nur auf die noch nicht inventariſirte Effekten angelegt werden.(923) Wenn gar keine MobiliarEffekten vorhandev ſind, ſo hat der Frie- densRichter dies durch einen VerbalProzeß(procésverbal de ca- rencehzu konſtatiren. Sind MobiliarEffekten vorhanden, welche zum Gebrauche der Perſonen, die im Hauſe bleiben, nothig ſind, und auf welche die Stegel nicht angelegt werden koͤnnen, ſo hat der Friedens Richter einen Verbal Prozeß zu errichten, der die ſummariſche Beſchreibung dieſer Effekten enthaͤlt.(924) In den Gemeinden, deren Bevolkerung von zwanzig tauſend See- len und mehr iſt, muß auf der Gerichtsſchreiberei des Tribunals erſter Inſtanz ein Regiſter uͤber die Siege Auflagen gehalten werden, wel- ches, der Erklärung gemaß, welche die FriedensRichter des Bezirks gehalten ſind, in den vier und zwanzig Stunden nach der Anlage dahin einzuſenden, enthalten ſoll: 1) Namen und Wohnort der Per- ſonen auf deren Effebten die Siegel angelegt worden ſind, a) Namen und Wohnort kes FriedensRichters, der die Siegel angelegt hat, den Tag, wo die Siegel angelegt worden ſind.(925) hr e. ht he nd er he er . ge en en 821. Wenn die Siegel angelegt worden ſind, ſo können alle Glaͤubiger, ſelbſt wenn ſie weder einen exekutoriſchen Titel noch eine richterliche Erlaubniß baben, Oppoſition dabei einlegen. Das Geſetzbuch uͤber den CivilProzeß beſtimmt die, bei Aufhebung der Siegel und der Errichtung des Inventariums zu beobachtende Formalitäten.(1) s22. Die Klage auf Theilung, und die Streit⸗ fragen, welche ſich im Lauf der Operationen erheben, gehören vor das Tribunal des Ortes, wo die Erb⸗ ſchaft eroͤffnet iſt. Vor eben dieſem Tribunal wird zu den Verſteige⸗ rungen(der Immoͤbel) geſchritten, und vor daſſelbe werden die Klagen gebraͤcht, welche auf die Ge⸗ waͤhrleiſtung der Looſe von Seiten der Mittheilenden untereinander, und jene, die auf die Wiederaufhe⸗ bung der Theilung Bezug haben. 823. Wenn einer der MitErben ſich weigert, in die Theilung einzuwilligen, ober wenn ſich, entweder uͤber die VerfahrungsArt bei derſelben, ober uͤber die Art ſie zu beendigen, Streitfragen erheben, ſo er⸗ kennt dieſes Tribunal, wie in ſummariſchen Sachen, daruͤber, oder kommittirt, nach den Umſtänden, ei⸗ nen der Richter zu den Operationen der Theilung, auf deſſen Bericht es die Streitfragen entſcheidet.(2) ) Die Oppoſitionen konzen, bei der Siege Auflage, entweder turch eine Erelärung auf dem VerbalProzeß der Siege Auflage, oder anch durch eine dem Greffier des FriedensGerichtes zu machende Zu- ſtellung geſchehen.(Art. 926 deſſ. Geſ.) Jede Oppoſition gegen die Siegel Abnahme muß bei Strafe der Nullität, auſſer den fuͤr alle Zuſtellungen vorgeſchriebenen Formalitäten, enthalten; 1) die Erwählung eines Wohnſitzes in der Gemeinde oder dem FriedensGerichts Bezirk, in welchem die Siegel angelegt werden, wenn der Opponent nicht in denſelten wohnt; 2) die genaue Angabe der Urſache der Oppoſition(922) ( Wenn in den Fällen der Artirel 823 und 338 des Civil Geſetzbuchs die Theilung im gerichtlichen Wege geſchehen inuß, ſo ſteht es der keiſſigſeu Parthie frei, ſie einzuleiten.(Art. 960 deſſ. Seſ.) — 20 6— S24. Die Abſchaͤtzung der Immobilien geſchieht Betreibungen zu machen, der das Original ſeiner Ladung zuerſt von dem Gerichtsſchreiber des Tribunals hat viſiren laſſen. Das Datum dieſes Viſa muß Tag und Stunde angeben.(962) Der Spezial Vormund, der jedem Minderzaͤhrigen, welcher ein eut⸗ 1 gegengeſetztes Intereſſe hat, beigegeben werden muß, muß nach den im Titel: von dem Gutachten des Familien Raths, (Siehe S. 162) enthaltenen Regeln ernannt werden.(963) Daſſelbe Urtheil, welches uͤber die TheilungsKlage ertennen wird, muß auch, wenn es ſtatt findet, in Gemaͤßheit des Art. 823 des Civil- Tragen zweie zugleich darauf an, ſo kommt es demjenigen zu, die Geſetzbuchs einen Richter kommittiren und verorduen, daß die Immd- 3 vel, wenn deren vorhanden ſind, in der durch den Art. 34 deſſelben Geſetzbuchs vorgeſchriebenen Form von Werkverſtändigen abgeſchätzt werden ſollen.(669) Das Tribunal hat, indem es uͤber dieſe Klage erkennt, durch daſſelbe Urtheil die Theilung(der Guͤter), wenn ſie geſchehen kann, oder deren Verkauf im Lizitations Wege, der vor einem Glied des Tribunals oder vor einem Notar geſchehen muß, zu verordnen.(970) Die Ernennung, Vereidung und Berichterſtattung der Werkver- ſtändigen geſchieht in den Formen, welche im Titel: von den Be⸗ richten von Werkverſtändigen vorgeſchrieben ſind; ſind jedoch alle Parthien großjaͤhrig, ſo kann, wenn ſie einwilligen, auch nur ein Werkverſtaͤndiger ernannt werden. c970 Der betreibende Theil hat durch eine PVittſchrift, welche blos den Antrag zu enthalten brautht, und von Avone zu Avoue zugeſtellt wird, die Annahme des Berichtes zu verlangen. Was den Verkauf be— trift, ſo hat man ſich nach den im Titel? von dem Berkauf von Immdbeln vorgeſchriebenen Formalitsten zu bemeſſen⸗ Doch hat man in den Vedingungen zuzuſetzen: den Namen, Wohn- ort und Profeſſion des bezgeibenden Theils, die Namen und den Wohnort ſeines Avoue; dieß Namen und die Profeſſionen der Colt- zitanten. Eine Abſchrift der Bedingungen muß den Avoues der Co- liztanten in den acht Tagen nach der Niederlage derſelben auft der Gerichtsſchreiberei des Tribunals, oder bei dem Notar, durch eine einfache Zuſtellung mitgetheilt werden.(972) Wenn ſich Schwierigkeiten uͤber die Bedingungen erheben, ſo mäſ⸗ ſen ſie in der Audienz, wohin ſie ohne alle vorherige Bittſchriften, . und durch eine bloße Zuſtellung von Avoue zu Avoue gebracht wer- 5 den, eutſchieden werden 973) Wenn die Lage der Immoͤbel mehrere verſchiedene Expertiſen er- fordert hat, und jedes Immöbel für untheilbar erklaͤrt worden iſt, ſo findet doch keine Lizitatition ſtatt, wenn es aus der Vergleichung der Berichte erhellt, daß die Geſammtheit der Immobel bequem ge⸗ theilt werden kann.(979) Wenn die Klage auf Theilung blos die Theilung eines oder meh⸗ rerer Immobel zum Gegenſtande hat, und die Rechte der Betheilig- ten auf dieſe ſchon liquid ſind, ſo haben die Werkverſtaͤndige bei der Abſchätzung die Looſe in der Art zu bilden, wie es im Art. 466 des CivilGeſetzbuchs vorgeſchrieben iſt, und nachdem ihr Bericht an⸗ genommen worden ſein wird, werden die Looſe entweder vor dem zum Kommiſſar ernannten Richter, oder vor einem, von dem Tribunal kommittirten Notar, gezogen.(975) — 209— durch Werkverſtaͤndige, die von den betheiligten Par⸗ theyen gewählt, oder, im Fall ihrer Weigerung, von Amtswegen ernannt werden. Der VerbalProzeß der Werkverſtaͤndigen muß die Grundlagen ihrer Abſchaͤtzung angeben; er muß an⸗ zeigen, ob der abgeſchaͤtzte Gegenſtand ſich bequem theilen läßt; auf welche Art; endlich muß er, im Falle der Theilung, alle die Theile, die man daraus ma⸗ chen kann, jeden insbeſondere, und deren Werth, beſtimmen. 8a5. Die Abſchaͤtzung der Mobilien muß, wenn ſie nicht durch ein regelmaͤßiges Inventarium geſche⸗ hen iſt, von Sachverſtändigen, nach ihrem wahren Werthe und ohne Aufgeld(Sans erue(1) auf den Preis derſelben geſchehen. 826 Jeder der MitErben kann ſeinen Antheil an den Mobilien und Immobilien der Erbſchaft in Natur anverlangen; wenn jedoch Glaͤubiger vorhanden ſind, welche Arreſt oder Oppoſition eingelegt haben, oder wenn die Mehrzahl der Erben den Verkauf noͤthig erachtet, um die Schulden und Laſten der Erbſchafe abzutragen, ſo werden die Moͤbel oͤffentlich in der gewoͤhnlichen Form verkauft. 827. Wenn ſich die Immobilien ſich nicht bequem theilen laſſen, ſo muß zu deren Verkauf, mittelſt Ver⸗ ſteigerung vor dem Tribunal, geſchritten werden. Die Partheyen koͤnnen jedoch, wenn ſie alle groß⸗ jahrig ſind, einwilligen, daß die Verſteigerung vor einem Notar geſchehe, uͤber deſſen Wahl ſie ſich zu vereinigen haben. 8*8. Nachdem die Moͤbel und Immoͤbel geſchaͤtzt — (1) Crue hieß man ehemals den aten, 3ten, 6ten ꝛc. ꝛ6. Pfennig, der noch uͤber die Taxe bezahlt werden mußte. Civil Geſetzb. 14 —— und verkauft worden ſind, ſo verweißt der Richter, welcher Kommiſſar bei der Theilung iſt, die Par⸗ theyen vor einen Notar, uͤber deſſen Wahl ſie uͤber⸗ einkommen, oder der, wenn ſie ſich nicht daruͤber ver⸗ einigen koͤnnen, von Amtswegen ernannt wird. Vor dieſem Beamten wird zu den Berechnungen, welche die Mittheilenden zu machen haben moͤgen, zu der Bildung der allgemeinen Maſſe, zu der Zuſam⸗ menſetzung der Looſe, und zu der Beſtimmung der jedem Mittheilenden,(zur Gleichſtellung der Looſe) zukommenden Ergänzung(des fournssemens) ge⸗ ſchritten.(1) 329. Jeder MitErbe konferirt der Maſſe die Ge⸗ ſchenke, welche er erhalten hat, und die Summen, welche er ſchuldet, nach den Regeln, welche hierunten werden aufgeſtellt werden. (1) In allen andern Fällen muß der betreibende Theil die Mit⸗ theilenden laden laſſen, an dem angeſetzten Tage vor dem Richter, der Kommiſſar bei der Theilung iſt, zu erſcheinen, der die Par⸗ theyen alsdann vor einen Notar verweiſet, um zu den Berechnungen, Kollationen, zur Bildung der Maſſe, den Vorauserhebungen, zu der Bildung und Ergaͤnzung der Looſe zu ſchreiten, ſo wie es durch den Art. 828. des ECivilGeſetzbuchs verordnet iſt. Die Partheyen haben, wenn ſie ſich darüber vereinigen kdͤnnen und wollen, dieſen Notar zu beſtimmen; wo nicht, ſo ernennt das Tribunal ihn von Amtswegen. Eben ſo wird es nach der Lizitation gehalten, wenn der Steig⸗ ſchiling mit andern Gegenſtaͤnden zu einer gemeinſchaftlichen Thei- lungs Maſſe zuſammengeworfen werden muß, um die verſchiedene Looſe gleichzuſtellen(Art. 976. des Geſetzb. uͤber das Verfahren im vuͤrgerl Prozeß.) Der kommittirte Notar geht allein, ohne Zuziehung eines zweiten Notars oder von Zeugen zu Werke; wenn die Partheyen ſich bei ihm durch einen Beiſtand aſſiſtiren laſſen, ſo darf das Honorar dieſes Beiſtandes nicht mit den Koſten der Theilung berechnet werden, ſondern es fällt den Partheyen zur Laſi. Im Falle des Artikels 837. des CivilGeſetzbuchs muß der Notar über die Streitfragen und die Bemerkungen der Partheyen einen eigenen Verbal Prozeß aufſetzen, den er auf die Gerichtſchreiberei des Tribunals uͤbergiebt, und der daſelbſt verbleibt. Wenn der Richter, der Kommiſſar bei der Theilung iſt, die Partheyen in die Audienz verweiſet, ſo dient die Anſetzung des Tags, an welchem ſie zu erſcheinen haben, ihnen als Ladung. Es wirs weiter keine Aufforderung erlaſſen, weder um vor dem Richter noch um in der Andienz zu erſcheinen.(977.) n, eu on i6⸗ e in tes en das u9 tor en des die 36 ir —— 830. Geſchieht die Kollation nicht in Natur, ſo erheben die Mit Erben, welchen ſie geſchuldet wird, einen Kleichen Antheil aus der Erbſchafts Maſſe vorab. Dieſe Vorerhebungen geſchehen, ſo viel moͤglich, in Gegenſtänden von derſelben Gattung, Eigenſchaft und Guͤte wie die, welche nicht in Natur konferirt worden ſind. 831. Nach dieſen Vorauserhebungen ſchreitet man zur Bildung von ſo viel gleichen Looſen aus der Erbſchafts⸗ Maſſe, als es mittheilende Erben, oder mittheilende Staͤmme, giebt.(1) (1) Wenn der Notar in Gemaͤßheit der Artikel 829. 330 und 831⸗ des CivilGeſetzbuchs die Theilungs Maſſe, ſo wie die von jedem der Mit⸗ Theilenden zu machende Kollationen und Vorauserhebungen beſtimmt hat, ſo bildet einer der Mittel Erben die Looſe, wenn ſie alle großjaͤhrig ſind, ſich üͤber die Wahl vereinigen, und derjenige, den ſie gewählt haben, den Auftrag annimmt; im entgegengeſetzten Falle verweißt der Notar ohne alles weitere Verfahren die Partheyen vor den Richter-Kommiſſar, und dieſer ernennt einen Werkverſtändigen zu dem Ende.(Art. 978. des vorangefuͤhrten Geſetzbuches.) Der von den Partheyen gewählte MitErbe oder der von dem Richter ernannte Werkverſtändige muß die Bildung und Znſammen⸗ ſetzung der Looſe in einem Bericht auseinanderſetzen, den der Notar als Fortſetzung der vorherigen Operationen aufſetzt und abfaßt.(979.) Wenn die Looſe gebildet, und die Streitfragen über ihre Zuſam- menſetzung, wenn deren erhoben worden, entſchieden ſind, muß der betreibende Theil die Mittheilende auffordern laſſen, ſich an einem beſiimmten Tage in der Schreibſtube des Notars einzufinden, um dem Abſchluß ſeines VerbalProzeſſes beizuwohnen, deſſen Vorleſung anzuhdren, und ihn, wenn ſie koͤnnen und wollen, mit dem Notar zu unterzeichnen.(980.) Der Notar uͤbergiebt der fleißigſten Parthey eine Ausfertigung des Theilungs VerbalProzeſſes, um deſſen Homologation durch das Tribunal nachzuſuchen. Das Tribunal homologirt, nach Beſchaffenheit der Umſtände, die Theilung auf den Bericht des Richters, der Kommiſſar bei derſelben war, in Gegenwart der Partheyen, oder nach deren Berufung, wenn nicht alle bei dem Abſchluß des Verbal⸗ Prozeſſes erſchienen ſind, und nach Anhoörung des Antrags des kaiſerlichen Prokurators, wenn die Qualität der Partheyen ihn erfordert.(931.) Das HomologationsUrtheil nuß die Ziehung der Looſe entweder vor dem Richter-Kommiſſar oder vor dem Notar verordnen, der unmittelbar nach der Ziehung ſie ausliefrt(9820 Sowohl der Gerichtsſchreiber, als der Notar, iſt gehalten, den Partheyen, auf ihr Verlangen, Ausſfertigungen von dem ganzen oder idem Theils des VerbalProzeſſes der Theilung zu geben.(933.0 332. Man muß bei der Bildung und Zuſammen⸗ ſetzung der Looſe ſo viel als moͤglich verméiden, die Erbſchafts Guͤter zu zerſtuͤckeln, und die Anlagen(ex- ploitations) zu theilen; und man muß ſuchen(et il convient), wo moͤglich dieſelbe Quantitaͤt von Moͤ⸗ beln, von Immoͤbeln, von Rechten oder ausſtehenden Schuiden von derſelben Natur und gleichem Werthe in jedes Loos aufzunehmen. 833. Die Ungleichheit der Looſe in Natur wird durch eine Herausgabe in Renten oder in Geld gleich⸗ geſtellt. 834. Die Jooſe werden von einem der MitErben gemacht, wenn ſie ſich uͤber die Wahl untereinander vereinigen koͤnnen, und der, welchen ſie gewaͤhlt ha⸗ ben, den Auftrag annimmt; im entgegengeſetzten Falle werden die Looſe durch einen Sachverſtändigen gebildet, welchen der Richter, der Kommiſſar iſt, zu bezeichnen hat. Die Looſe werden hierauf gezogen. 835. Ehe man zur Ziehung der Looſe ſchreitet, ſteht es jedem Mittheilenden frei, ſeine Einwendun⸗ gen gegen ihre Zuſammenſetzung vorzubringen. 836. Die fuͤr die Theilung der zu theilenden Maſ⸗ ſen aufgeſtellte Regeln muͤſſen gleichfalls bei der unter den mittheilenden Stämmen zu machenden Unter⸗ abtheilung beobachtet werden. 857. Wenn ſich während den vor einen Notar verwieſenen Operationen Streitigkeiten erheben, ſo hat der Notar uͤber die ſtrittigen Punkte und die gegenſei⸗ tigen Ausſagen der Partheyen einen Verbal Prozeß aufzuſetzen, und ſie(die Partheyen) vor den zum Kom⸗ miſſar bei der Theilung ernannten Richter zuruͤckzuver⸗ weiſen; uͤbrigens muß nach den, im Geſetzbuch uͤber den Civil Prozeß vorgeſchriebenen, Formen vorangeſchritten werden. — 213— 838. Wenn nicht alle MitErben gegenwaͤrtig ſind, oder wenn es unter ihnen Interdizirte oder Minder⸗ jährige, ſelbſt wenn dieſe letzte emanzipirt wären, giebt, ſo muß die Theilung nach den Regeln, welche durch den Art. 3 19. und die folgende bis zu dem vorhergehenden ein⸗ ſchließ lich vorgeſchrieben ſind, vor Gericht vorgenommen werden. Wenn mehrere Minderjaͤhrige vorhanden ſind, welche ein entgegengeſetztes Intereſſe bei der Theilung haben, ſo muß jedem von ihnen ein beſonderer Spezial⸗ Vormund beigeordnet werden. 839. Wenn im Falle des vorhergehenden Artikels eine Verſteigerung(von Immoͤbeln) ſtatt findet, ſo kann ſie nicht anderſt, als vor Gericht, nach den For⸗ men, die fuͤr die Veräuſſerung der Guͤter von Min⸗ derjährigen vorgeſchrieben ſind, ſtatt finden. Die Fremden werden immer dazu zugelaſſen. 840. Alle, in Gemaͤßheit der hier oben vorgeſchrie⸗ benen Regeln, entweder von dem Vormunde mit der Ermaͤchtigung eines Familien Rathes, oder von emanzipirten Minderjährigen unter dem Beiſtand ihrer Kuratoren, oder im Namen von Abweſenden, oder ſolcher, die nicht gegenwärtig ſind,(1) geſchehene Theilungen, ſind definitivw. Sind die vorgeſchrie⸗ bene Regeln nicht beobachtet worden, ſo ſind ſie nur proviſoriſch. 841. Jede, nicht zur Erbſchaft berufene Perſon, wenn ſie ſelbſt dem Erblaſſer verwandt waͤre, welcher einer der MitErben ſeine Rechte auf die Erbſchaft ab⸗ getreten haͤtte, kann ſowohl von allen MitErben, als 61) Hier darf der Unterſchied nicht aus dem Ange gelaſſen werden, der in den Worten, Abweſenden oder ſolcher, die nicht ge- genwärtig ſind,(absens, ou non présens) liegt. Die erſte ſind ſolche, deren Abweſenheit in Gemäßheit der Verfügnngen des vierten Titels des erſten Buchs des Geſetzbuches gerichtlich anerkanrt iſt; die zweite ſolche, welche bei der Theilung aus irgend einer Urſache nicht gegenwirein wn. — 214— von einem einzigen unter ihnen von der Theilung da⸗ durch entſernt werden, daß man ihr den Preis der Abtretung zuruͤckbezahlt. ga2. Nach der Theilung muſſen jedem der Mitthei⸗ lenden die Rechts Titel eingehaͤndigt werden, welche auf die Gegenſtände, die ihm zugefallen ſind, beſon⸗ dern Bezug haben. Die Titel eines getheilten Eigenthums verbleiben demjenigen, der den groͤſten Antheil daran beſitzt, mit der Verbindlichkeit, denjenigen ſeiner MitErben, welche ein Intereſſe dazu haben werden, damit aus⸗ zuhelfen. Die der ganzen Erbſchaft gemeinſchaftliche Titel werden demjenigen, welchen alle Erben zu ihrem Aufbewahrer(dépositaire) gewählt haben, mit der Verbindlichkeit ubergeben, auf jedesmaliges Begeh⸗ ren den Betheiligten damit auszuhelfen. Ergeben ſich Schwierigkeiten uͤber dieſe Wahl, ſo wird ſie durch den Richter beſtimmt. Zweiter Abſchnitt. Vou der Kollation(des rapports.) g43. Jeder Erbe, ſelbſt der BenefiziarErbe, der zu einer Erbſchaft gelangt, muß ſeinen MitErben alles konferiren, was er von dem Verſtorbenen durch Schenkungen zwiſchen Lebenden, mittelbar oder un⸗ mittelbar erhalten hat. Er kann weder die ihm von dem Verſtorbenen gemachte Geſchenke zuruͤckhalten, noch die ihm veimachte Legate anfordern, wenn nicht die Geſchenke und Vermaͤchtniſſe ibm ausbruͤcklich zum Vorous und auſſer ſeinem Antheil, oder mit Freiſprechung von der Verbindlichkeit der Kollation gemacht worden ſind. et es n⸗ . ht ch nit 844. Selbſt in dem Falle, wo die Geſchenke und Vermachtniſſe zum Voraus oder mit Freiſprechung von der Verbindlichkeit der Kollation gemacht worden ſind, kann der zur Theilung gelangende Erbe ſie blos bis zur Konkurrenz des Betrags behalten, woruͤber der Verſtorbene verfuͤgen konnte. Der Ueberſchuß iſt der Kollation unterworfen. g45. Der Erbe, welcher auf die Erbſchaft Ver⸗ zicht leiſtet, kann nichts deſto weniger bis zur Kon⸗ kurrenz des Erbtheils, woruͤber der Verſtorbene ver⸗ fugen konnte, die Schenkungen zwiſchen Lebenden zuruͤck⸗ halten, oder das ihm gemachte Vermaͤchtniß anver⸗ langen. 846. Der Schenknehmer, welcher zur Zeit der Schenkung kein vermuthlicher Erbe war, aber ſich am Tage der Eroͤffnung der Erbſchaft zu der Erbſchaft berufen findet, iſt ebenfalls zur Kollation verbunden, wenn der Schenkgeber ihn nicht von dieſer Verbind⸗ lichkeit freigeſprochen hat. 847. Die Geſchenke und Vermaͤchtniſſe, welche dem Sohn desjenigen gemacht worden ſind, der zur Zeit der Eroͤffnung der Erbſchaft zu derſelben berufen iſt, werden immer betrachtet, als ſeyen ſie mit Frei⸗ ſprechung von der Verbindlichkeit der Kollation ge⸗ macht worden.. Wenn der Vater zur Erbſchaft des Schenkgebers gelangt, iſt er nicht verbunden, ſie zu konferiren. 848. Eben ſo iſt der Sohn, wenn er fuͤr ſich und in ſeinem Namen zur Erbſchaft des Schenkgebers ge⸗ langt, nicht gehalten, die ſeinem Vater gemachte Schenkungen zu konferiren, ſelbſt wenn er die Erb⸗ ſchaft dieſes(des Vaters) angenommen haͤtte; aber wenn der Sohn nur durch Repräſentation zur Erb⸗ ſchaft gelangt, ſo muß er das, was ſeinem Vater ge⸗ — 216— ſchenkt worden iſt, konferiren, ſelbſt dann, wenn er die Erbſchaſt ausgeſchlagen hätte. 849. Die, dem MitGatten eines zur Erbſchaft be⸗ rufenen Gatten, gemachte Schenkungen und Vermächt⸗ niſſe werden angeſehen, als ſeyen ſie mit Freiſprechung von der Verbindlichkeit der Kollation gemacht. Wenn die Schenkungen und Vermächtniſſe zweien Ehegatten, von denen nur einer zur Erbſchaft berufen iſt, gemeinſchaftlich gemacht worden ſind, ſo konferirt dieſer die Haͤlfte. Sind die Schenkungen dem zur Erbſchaft berufenen Gatten gemacht worden, ſo kon⸗ ſerirt er ſie ganz. 850. Man konferirt nur der Erbſchaft des Schenk⸗ gebers. s51. Was zur Niederlaſſung('établissement) eines der MitErben, oder zur Zahlung ſeiner Schul⸗ den verwendet worden iſt, muß konferirt werden. 852. Die Koſten der Nahrung, des Unterhalts, der Erziehung, das Lehrgeld, die gewoͤhnliche Koſten der Ausſtattung, der Hochzeit und der gebräuchlichen Geſchenke muͤſſen nicht konferirt werden. 853. Das naͤmliche gilt von dem Nutzen(profits), welchen der Erbe aus mit dem Verſtorbenen abgeſchloſ⸗ ſenen Vertraͤgen gezogen haben mag, wenn dieſe Uebereinkuͤnfte damals, als ſie abgeſchloſſen worden ſind, keine indirekte Bevorcheilung enthielten(ne pré- sentaient aucun avantage indirect). 854. Die Kollation findet gleichfalls wegen Geſell⸗ ſchafts Verbindungen nicht ſtatt, welche ohne Argliſt und Betrug zwiſchen dem Verſtorbenen und einem ſeiner Erben abgeſchloſſen worden ſind, wenn die Bedin⸗ gungen derſelben durch einen authentiſchen Akt regulirt waren. 855. Das Immöbel, welches durch Zufall und — 217— ohne Schuld des Schenknehmers zu Grunde gegangen iſt, iſt der Kollation nicht unterworfen. 856. Die Fruchte und Zinſen der Gegenſtände, wel⸗ che der Kollation unterworfenen ſind, werden blos vom Tage der Eroͤffnung der Erbſchaft an geſchuldet. 857. Die Kollation wird nur von dem MitErben zum Vortheil der MitErben geſchuldet. Man iſt ſie weder den Legatarien, noch den Glaäubigern der Erb⸗ ſchaft ſchuldig. 858. Die Kollation geſchieht in Natur, oder da⸗ durch, daß man weniger nimmt. 859. Sie kann bei Immobilien immer in Natur gefordert werden, wenn das gegebene Immoͤbel von dem Schenknehmer nicht veräuſſert worden iſt, und ſich keine(andere) Immoͤbel von gleicher Gattung, Werth und Guͤte in der Erbſchaft befinden, aus wel⸗ chen man ohngefähr gleiche Looſe fuͤr die uͤbrige Mit⸗ Erben bilden koͤnnte. 860. Die Kollation hat nur durch die verhältniß⸗ mäßige Verminderung des ErbAntheils des Konferi⸗ renden ſtatt, went der Schenknehmer das Immoöbel vor der Eroͤffnung der Erbſchaft veräuſſert hat; ſie wird alsdann nach dem Werth des Immobels zur Zeit der Eroͤffnung(der Erbſchaft) geſchuldet. 861. In allen Fällen muſſen dem Schenknehmer die Auslagen verguͤtet werden, wodurch die Sache verbeſſert worden iſt, und zwar nach dem Maasſtab des Betrages, um welchen ſich der Werth der Sache zur Zeit der Theilung erhoͤht befindet. 862. Eben ſo muͤſſen dem Schenknehmer die nothi⸗ ge Auslagen zu gut kommen, welche er zur Erhaltung der Sache gemacht hat, wenn auch die Sache ſelbſt dadurch nicht verbeſſert worden wäre. 863. Der Schenknehmer muß ſeiner Seits die — 218— Beſchaͤdigungen und Verſchlimmerungen(degradations et dẽtériorations) verguten, wodurch der Werth des Im⸗ moͤbels, durch ſeine Handlungen(de son fait) oder durch ſeine Schuld und Nachlaͤßigkeit, verringert worden iſt. 864. Im Falle, wo das Immobel von dem Schenk⸗ nehmer veraͤuſſert worden iſt, muͤſſen die, von dem Ankaͤufer herruhrende, Verbeſſerungen oder Verſchlim⸗ merungen in Gemaßheit der drei vorhergehenden Arti⸗ kel berechnet werden. s65. Wenn die Kollation in Natur geſchieht, ſo werden die Guͤter, frei von allen Laſten, womit der Schenknehmer ſie beſchwert hat, mit der Erbſchafts⸗ Maſſe vereinigt; aber die HypothekarGlaͤubiger koͤn⸗ nen bei der Theilung auftreten(intervenir), um ſich zu opponiren, daß die Kollation zum Nach⸗ theil ihrer Rechte geſchehe. s66. Wenn eine, einem zur Erbſchaft berufenen (MitErben), mit Freiſprechung von der Kollation, geſchehene Schenkung eines Immoͤbels den Antheil uͤberſteigt, woruͤber der Erblaſſer verfugen konnte, ſo geſchiebt die Kollation des Ueberſchuſſes in Natur, wenn dieſer Ueberſchuß ſich bequem(von dem Ganzen) abtrennen laͤßt. Im entgegengeſetzten Falle muß der Schenknehmer, wenn der Ueberſchuß die Hälfte des Werches des Immoͤbels uͤberſteigt, das ganze Immoͤbel konferiren, vorbehaltlich ſeines Rechtes, den Werth des Ancheils, woruͤber dem Erblaſſer die Verfuͤgung frei ſtand, aus der Maſſe vorab zu erheben; wenn aber dieſer Antheil die Hälfte des Werches uͤberſteigt, ſo kann der Schenk⸗ nehmer das Immoͤbel ganz behalten, unter der Be⸗ dingung(in feinem ErbAntheil) ſo viel weniger zu empfangen, und ſeine MitErben durch Geld oder auf andere Weiſe zu entſchaͤdigen ⸗ — 219— 367. Der MitErbe, welcher ein Immoͤbel in Na⸗ tur konferirt, kann den Beſitz deſſelben bis zur wirk⸗ lichen Auszahlung der Summen zuruͤckhalten, welche ihm fuͤr Koſten oder Verbeſſerungen zukommen. s63. Die Kollation von Mobilien geſchieht blos da⸗ durch, daß man weniger erhält. Sie geſchieht nach dem Werthe der Mobilien zur Zeit der Schenkung gemãß der dem Akt beigefugten Schatzungstiſte, und in Ermangelung einer ſolchen Schatzungsliſte gemaͤß einer Schaͤtzung von Sachverſtändigen zu billigen Preiſen und ohne Aufſchlag auf dieſelbe(Saus crue). 869. Die Kollation von gegebenem Gelde geſchieht dadurch, daß man von den Geldern der Erbſchaft ſo viel weniger erhält. Im Falle der Unzulaͤnglichkeit derſelben kann der Schenknehmer ſich von der Verbindlichkeit, das Geld zu konferiren, befreien, wenn er bis zur gehoͤrigen Konkurrenz Moͤbel, und in Ermangelung von Moͤ⸗ beln Immoͤbel der Erbſchaft zuruͤckläßt. Dritter Abſchnitt. Von der Bezahlung der Schulden. 87. Die MitErben tragen untereinander, jeder nach Verhältniß deſſen, was er aus der Erbſchaft erhält, zur Zahlung der Schulden und Laſten derſel⸗ ben bei. 871. Der Legatar unter einem Univerſaltitel tragt nach Verhältniß ſeines Vortheils mit den Erben dazu bei; aber der Partikularkegatar iſt zur Zahlung keiner Schulden verbunden, der Hypothekar Klage auf das vermachte Immoͤbel jedoch unbeſchadet. 872. Wenn Immoͤbel einer Erbſchaſt durch Spe⸗ zial Hypotheken mit Renten beſchwert ſind, ſo kann jeder — 2250— der MicErben fordern, daß die Renten getilgt, und die Immoͤbel davon befreit werden moͤgen, ehe zur Bildung der Looſe geſchritten wird. Wenn die Mit⸗ Erben die Erbſchaft in dem Zuſtande theilen, worinn ſie ſich befindet, ſo muß das(mit der Hypothek) be⸗ ſchwerte Grundſtuͤck nach demſelben Maasſtab wie die ubrige Immoͤbel abgeſchätzt werden; das Kapital der Rente wird von der Hauptſumme des Werthes abge⸗ zogen; der Erbe, in deſſen Loos dieſes Immobel fälle, bleibt allein mit der Leiſtung der Rente belaſtet, und iſt ſeinen MitErben deshalb Gewährleiſtung ſchuldig. 373. Die Erben haften fuͤr die Schulden und la⸗ ſten der Erbſchaft perſonlich, fuͤr ihren Antheil und ihre ViriPortionen, und hypothekariſch fuͤr das Ganze, vorbehaltlich ihres Ruͤckgriffs, es ſey nun gegen ihre MitErben, oder gegen die Univerſallegata⸗ rien fuͤr den Anctheil, fuͤr welchen dieſe zur Zahlung beitragen muͤſſen. 874. Der Partikularlegatar, welcher eine Schuld, womit das ihm vermachte Immoͤbel belaſtet war, ab⸗ getragen hat, tritt in die Rechte des Glaubigers gegen die Erben und Nachfolger unter einem Univerſal⸗ Titel ein, 875. Dem MitErben oder Nachfolger unter einem UniverſalTitel, der durch die Wirkung von Hypothe⸗ ken mehr als ſeinen Antheil an der gemeinſchaftlichen Schuld bezahlt hat, ſteht der Ruͤckgriff gegen die uͤbri⸗ ge MitErben oder Nachſolger unter einem Univerſal⸗ Titel nur fuͤr den Antheil zu, den jeder von ihnen per⸗ ſonlich davon zu tragen hat, ſelbſt in dem Falle, wo der MitErbe, der die Schuld bezahlt hat, ſich in die Rechte des Glaubigers hatte einſeßen laſſen, jedoch ohne Nachtheil der Rechte eines MitErben, der durch die Rechtswohlthat des Inventariums die Befugniß —— behalten hätte, die Zahlung ſeiner perſoͤnlichen For⸗ derungen, wie jeder andere Gläubiger, anzufordern. 876. Im Fall der Unzahlsfähigkeit eines der Mit⸗ Erben oder Nachfolger unter einem UniverſalTitel wird ſein Antheil an der Hypothekar Schuld auf alle andere nach dem Maasſtab ihrer Antheile vertheilt. 877. Gegen den Verſtorbenen erekutoriſche Rechts⸗ Titel ſind gleichfalls gegen den Erben perſoͤnlich exeku⸗ toriſch. Doch koͤnnen die Glaͤubiger die Eyekution der⸗ ſelben nicht eher als acht Tage nach der Zuſtellung dieſer Titel, welche dem Erben perſoͤnlich oder an ſei⸗ nem Wohnorte geſchehen muß, betreiben. 878. Sie koͤnnen in jedem Falle und gegen jeden Gläubiger(des Erben) die Abſonderung des Vermoͤ⸗ gens des Verſtorbenen von dem Vermoͤgen des Erben anverlangen. 879. Dieſes Recht kann jedoch nicht mehr ausgeuͤbt werden, wenn in der gegen den Verſtorbenen beſte⸗ benden Aktivſchuld dadurch eine Novation vorgegangen iſt, daß man den Erben zum Schuldner angenom⸗ men hat. s80. Es verjährt ſich, in Betreff der Mobilien, durch den Ablauf von drei Jahren. Wegen Immoͤbeln kann dieſe Klage ſo lange an⸗ geſtellt werden, als ſie ſich in der Hand des Erben befinden. 881. Die Glaäubiger eines Mittheilenden ſind nicht zuläſſig, die Abſonderung der verſchiedenen Vermoͤgens⸗ Maſſen gegen die Gläubiger der Erbſchaft anzu⸗ verlangen. 882. Die Glaäubiger eines Mittheilenden koͤnnen, um zu vermeiden, daß die Theilung nicht zum Nachtheil ibrer Rechte geſchehe, Oppoſition dagegen einlegen, daß auſſer ibrer Gegenwart dazu geſchritten werde; — 2— ſie haben das Recht auf ihre Koſten zu interveniren, aber ſie koͤnnen eine vollzoaene Theilung nicht angrei⸗ fen, den Fall jedoch ausgenommen, wo man ohne ſie, und einer von ihnen eingelegten Oppoſition zuwider, dazu geſchritten wäre. Vierter Abſchnitt. Pon den Wirkungen der Theilung und der Gen aͤhrleiſtung . der Looſe. 383. Jeder MitErbe wird ſo angeſehen, als habe er allein und unmittelbar alle die in ſeinem Looſe be⸗ griffene oder ihm bei der Lizitation zugefallene Effekten geerbt, und nie das Eigenthum der andern Effekten der Erbſchaft gehabt. gg4. Die MitErben ſind ſich gegenſeitig, die einen den andern, wegen ſolchen Storungen und Eviktionen, die aus einer der Theilung vorherigen Urſache herflieſſen, Gewaͤhrleiſtung ſchuldig. Dieſe Gewaͤhrleiſtung findet nicht ſtatt, wenn die Art der erlittenen Eviktion durch eine beſondere und ausdruͤckliche Klauſel des Theilungs Aktes ausgenom⸗ men worden iſt; ſie hoͤrt auf, wenn der MitErbe die Eviktion durch ſeine Schuld erleidet. s85. Jeder der MitErben iſt perſoͤnlich verbunden, ſeinen MitErben fuͤr den Verluſt, den ihm die Eviktion verurſacht hat, nach Verhältniß ſeines Erb⸗ theils zu entſchaͤdigen. Wenn Einer der MitErben unzahlsfähig iſt, ſo muß der Antheil, zu welchem er verbunden waͤre, unter die, welchen die Gewährleiſtung gebuͤhrt, und alle zahlungsfähige MitErben, gleich vertheilt werden. g86. Die Gewährleiſtung der Zahlungsfaͤhigkeit des Schuldners einer Rente kann nur in den fuͤnf auf die Theilung folgenden Jahren verfolgt werden. Die Ga⸗ — 233— rantie wegen der Unzahlsfähigkeit eines Schuldners ndet nicht ſart, wenn dieſe erſt ſeit vollzogener Thei⸗ lung eingetreten iſt. Fünfter Abſchnitt. Von der Reſciſion im TheilungsGeſchafte. 887. Die Theilungen können wegen ſtatt gefunde⸗ ner Gewalt oder Argliſt wieder aufgehoben(rescin- dés) werden. Die Wieder Aufhebung ſindet ebenſalls ſtatt, wenn einer der MitErben eine Vecletzung von mehr als einem Viertheil zu ſeinem Nachtheil erweißt. Die bloſſe Auslaſſung eines Gegenſtandes der Erbſchaft giebt nicht zu der Eroͤffnung einer Klage auf Reſciſion, ſondern nur zu einer Ergänzung des Theilungs Aktes ſtatt. 888. Die Klage auf Reſeiſion iſt gegen jeden Alt zuläſſig, der zum Gegenſtand bat, eine Gemeinſchaft zwiſchen MitErben aufzuheben, wenn er auch Ver⸗ kauf, TauſchKontrakt, Vertrag oder auf jede andere Art benannt wäre. Aber nach der Theilung oder nach dem Akt, welcher ihre Stelle vertritt, findet die Klage auf Reſciſion nicht mehr gegen einen Ver⸗ trag ſtatt, der uͤber wirkliche Schwierigkeiten, welche der erſte Akt darbot, abgeſchloſſen worden iſt, ſelbſt wenn auch noch kein Prozeß uͤber dieſen Gegenſtand angeſangen worden wäre. 889. Dieſe Klage findet gegen den Verkauf nicht ſtatt, wodurch die ubrige MitErben„oder einer von ihnen, Einem der MitErben ihre ErbRechte ohne Betrug, auf ſeine eigene Gefahr, verkauft hätten. S90. Um zu beurtheilen, ob eine Verletzung ſtatt gefunden hat, ſchätzt man die Gegenſtände nach ihrem Werthe zur Zeit der Theilung ab. 891. Der Beklagte bei der Klage auf Wieder⸗ Aufhebung der Theilung kann ihren Lauf hemmen und — 224— eine neue Theilung verhindern, wenn er dem Klaͤger die Erganzung ſeines Erbtheils, entweder in Geld oder in Natur, anbietet und leiſtet. 803. Der MitErbe, welcher ſein Loos ganz oder zum Theil veraͤuſſert hat, iſt mit der Klage auf Reſci⸗ ſion wegen Gewalt oder Argliſt nicht mehr zuläßig, wenn die von ihm geſchehene Veräuſſerung nach der Entdeckung des Betrugs, oder, nachdem die Gewalt aufgehoͤrt hat, ſtatt gehabt hat. Zweiter Titel. Von Schenkungen zwiſchen Lebenden und von Teſtamenten. Dekretirt am(13 Floreal 11.) 3 May 1803, verkuͤndigt am (a3 13 deſſelben Monats. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfügungen. 893. Man kann uͤber ſein Vermoͤgen ohnentgeldlich nicht anderſt als durch Schenkungen zwiſchen kebenden oder durch ein Teſtament, in den hiernach beſtimmten Formen, verſuͤgen. 894. Eine Schenkung zwiſchen lebenden iſt ein Akt, wodurch der Schenkgeber ſich auf der Stelle und un⸗ widerruflich der geſchenkten Sache zu Gunſten des Schenknehmers begiebt, welcher dieſelbe annimmt. 895. Ein Teſtament iſt ein Akt, wodurch der Te⸗ ſtator fuͤr die Zeit, wo er nicht mehr eriſtiren wird, über ſein ganzes Vermögen oder einen Theil deſſelben verfuͤgt, und welchen er widerrufen kaun. 896. Subſtitutionen ſind verboten. Jede Verfuͤgung, wodurch der Schenknebmer, der eingeſetzte Erbe oder kegatar verpflichtet wird, einem Dritten(das Geſchenk, die Erbſchaft oder das Legat) dzubewahren und zurückzuerſtatten, iſt, ſelbſt in — 225— Hinſicht auf den Schen nehmer, den eingeſetzten Erben, oder den Leaatar nichtig. Doch können diejenige freie Guͤter, welche die Dotation eines erblichen Titels ausmachen, den der Kaiſer zu Gunſten eines Prinzen oder Familienhauptes errichtet hätte, nach der Vorſchrift der Kaiſerlichen Akte vom 350 März 1806 und des Senatus Konſultums vom 1 Auguſt deſſelben Jahres, erblich uͤbertragen werden.(1) 897. Von beiden erſten Paragraphen des voeher⸗ gehenden Artikels find die Verfuͤgungen ausgenommen, C1) Durch die Kaiſerlichen Ate vom 30 März 1806 werden 21 vom franzbſiſchen Reiche zu Lehn ertheilte Herzogthumer in Jralien errich- tet, zu welchen ſeitdem das zu Gunſten des Marſ hals Leſevre errichtete Herzogthum von Danzig hinzugekommen iſt; das Senatus⸗ Konſultum vom 1 Auguſt 1806 enthätt auſſer veſondern Verfügungen in Betreff des Fuͤrſtenthums Guaſtalla folgende allgemeine, ſowohl auf dieſes Fürftenthum als auf alle andere im Reichslehn ferner anwendbare Vorſchriſten: Art. 5. Wenn S. M. es für dienſich erachten wird, entweder um große Dienſtleiſtungen zu belohnen, oder um eine nützliche Nacheife⸗ rung zu wecken, oder um den Glanz des Thrones zu verberrlichen, ſo kann ſie ein Famtienhaupt ermächtigen, ſeine freie Guͤter zu ſub⸗- ſtituiren, um die Dotation eines erblſchen Titels auszumachen, den S M. zu deſſen Vortheil errichten wird, und der auf den gegenwar- tigen oder künftigen erſtgebornen Sphn und ſeine Dezendenten in gerader Linie, von Sohn zu Sohn, nach der Ordnung der Erſtgeburt, uͤrergehen wird. Art. 6. Die, in Gemäßheit der vorhergehenden Artisel, alſo auf dem franzdſiſchen Geviet beſeſſene Güter ſollen, in Hinſicht auf die urige franzoſiſche Unterthanen S. M. und ihre Beſitzungen, kein Prvilegium haben noch gewähren. Art 7. Di⸗ Aete, wodurch S. M. ein Famllienhaupt ermöchtigen würde, ſeine freie Guͤter auf obige Art zu ſubſtittiren, oder wodurch ſie den Austauſch der Dotationen der vom Reich zu Lehn ertheilten Herzogthuͤmer oder ſonſtigen Titel, die S. M. noch in der Zukunft errichten mag, durch Gäter in Frankreich ermächtigen würde, ſollen dem Senat mitgetheilt, und auf deſſen Regiſter eingetragen werden. Art. g Es ſoll durch Verordnungen für den Pollzug des gegen- wärtigen Senatus Kon ſultums, vorzüglich für alles, was den Genuß und die Erhaltuna ſowohl der an die Krone heimſäuigen Feſizungen, als der in Gemäßheit des Art. 5 ſubſtituirten Güter betriſt, geſorgt werden. Civil Geſetzb. 15 —.— K—— — 226— welche den Aeltern und Geſchwiſtern durch das ſechſte Kapitel des gegenwaͤrtigen Titels erlaubt ſind. 898. Die Verfügung, wodurch ein Dritter berufen waͤre, das Geſchenk, die Erbſchaft oder das Legat in dem Falle zu empfangen, wo der Schenknehmer, der eingeſetzte Erbe oder der Legatar es nicht empfangen wuͤrde, wird nicht als eine Subſtitution angeſehen, und iſt guͤltig. 899. Ein gleiches gilt von der Schenkung zwiſchen Lebenden oder dem Teſtamente, wodurch dem einen die Nutznieſſung, und dem andern das nackte Eigenthum gegeben wird. ooo. Bei jeder Verordnung zwiſchen Lebenden oder durch ein Teſtament werden die unmoͤgliche Beding⸗ niſſe, die, welche den Geſetzen und guten Sitten zuwi⸗ derlaufen, ſo angeſehen, als ſtunden ſie nicht geſchrieben. 8 weites Kapitel. Von der Fihigkeit, durch Schenkungen zwiſchen Lebenden oder durch Teſtamente zu verfügen oder zu erhalten. 9o1⸗ Um eine Schenkung zwiſchen Lebenden, oder ein Teſtament zu machen, muß man bei geſunder Vernunft ſeyn. goz. Uebrigens kann jeder, die allein ausgenom⸗ men, welche das Geſetz dazu unfähig erklaͤrt, ſowohl durch Schenkungen zwiſchen Lebenden als durch Teſta⸗ mente verfuͤgen und erhalten. 9o3. Der Minder jährige, der noch nicht ſechszehn Jahre alt iſt, kann gar nicht verfuͤgen, vorbehaltlich ſedoch deſſen, was im neunten Kapitel des gegenwar⸗ tigen Titels beſtimmt i. 9o4. Der Minderjaͤhrige, welcher das Alter von ſechszehn Jahren erreicht hat, kann nicht anderſt als durch ein Teſtament verfuͤgen, und nur bis zur Kon⸗ kurrenz der Hälſte des Vermoͤgens, woruͤber das Geſetz dem Großjährigen zu verſuͤgen erlaubt. 9o5. Die verheurathete Frau kann keine Schen⸗ kung zwiſchen Lebenden ohne den Beiſtand oder die beſondere Einwilligung ihres Mannes, oder ohne dazu von Gerichtswegen, in Gemaͤßheit der Verfuͤgungen der Artikel a17 und 219. im Titel: von der Ehe ermaͤchtigt zu ſeyn, machen. Sie bedarf weder der Einwilligung des Mannes, noch der gerichtlichen Ermaͤchtigung, um durch ein Te⸗ ſtament zu verfuͤgen. 9o6. Um faͤhig zu ſeyn, durch einen Akt zwiſchen Lebenden(etwas) zu erhalten, genuͤgt es, im Augen⸗ blick der Schenkung empfangen zu ſeyn. Um faͤhig zu ſeyn, durch ein Teſtament(etwas) zu erhalten, genuͤgt es, zur Zeit des Sterbfalls des Te⸗ ſtators empfangen zu ſeyn. Die Schenkung und das Leſtament haben ihre Wirkung jedoch nur dann, wenn das Kind lebensfaͤhig zur Welt kommt. 9o7. Der Minderjaͤhrige kann, ſelbſt wenn er das Alter von ſechzehn Jahren erreicht hat, nicht einmal durch ein Teſtament zum Vortheil ſeines Vormundes verfuͤgen. Der großjaͤhrig gewordene Minderjaͤhrige kann zum Vortheil deſſen, der ſein Vormund war, weder durch Schenkung zwiſchen Lebenden, noch durch ein Teſta⸗ ment verfuͤgen, wenn nicht die endliche Vormundſchafts⸗ Rechnung vorher abgelegt und abgeſchloſſen war. In den beiden obigen Fällen ſind die Aszendenten der Minderjährigen ausgenommen, welche ihre Vor⸗ muͤnder ſind, oder geweſen ſind. — — 228— 9o. Natuͤrliche Kinder koͤnnen, weder durch Schen⸗ kung zwiſchen Lebenden noch durch ein Teſtament, nichts mehr als das empfangen, was ihnen im Titel: von den Erbſchaften, bewilligt iſt. 9o9. Die Doktoren der Arzneikunde oder Chirur⸗ gie, die Geſundheits Beamten und Apotheker, welche eine Perſon waͤhrend der Krankheit, woran ſie ſtirbt, behandelt haben, koͤnnen von den Schenkungen zwiſchen Lebenden oder den teſtamentariſchen Verfuͤgungen kei⸗ nen Vortheil ziehen koͤnnen, welche dieſe während dem Laufe dieſer Krankheit zu ihrem Vortheile ge⸗ macht haͤtte. Ausgenommen ſind: 1) Die Verfuͤgungen unter einem PartikularTitel, welche zur Vergeltung der geleiſteten Dienſte mit Hinſicht auf das Vermoͤgen des Verfuͤgenden und dieſe Dienſte gemacht worden ſind. 2 Die UniverſaVerfuͤgungen im Falle der Ver⸗ wandtſchaft bis zum vierten Grade einſchließlich, vorausgeſetzt jedoch, daß der Erblaſſer keine Er⸗ ben in gerader Linie habe, wenn nicht derjenige, zu deſſen Vortheil die Verfuͤgung gemacht worden iſt, ſelbſt unter die Zahl dieſer Erben gehoͤrt. Dieſelbe Regeln ſolen in Hinſicht auf die Diener des Kultus beobachtet werden. 910. Die Verfuͤgungen zwiſchen lebenden oder durch Teſtamente, zum Vortheil von Hoſpitien, der Armen einer Gemeinde oder von gemeinnuͤtzigen Anſtalten er⸗ hulten nur dann ihre Wirkung, wenn ſie durch einen Beſchluß der Regierung autoriſirt werden. o11. Jede Verfuͤgung zum Vortheil eines Unfaͤhi⸗ gen iſt nichtig, man mag ſie nun unter die Form eines läſtigen Kontraktes verbergen, oder unter dem Namen von unterſtellten Perſonen machen. Fuͤr unterſtellte Perſonen werden die Aeltern, die — 229— Kinder und Deszendenten und der Ehegatte der un⸗ faͤhigen Perſon gehalten. 912. Man kann blos in dem Falle zum Vortheil eines Fremden verfugen, wenn dieſer(auch) zum Vor⸗ theil eines Franzoſen verfugen koͤnnte. Zweites Kapitel. Von dem Antheile des Vermögens, uͤber welchen verfuͤgt werden darf, und von der Reduktion. Erſter Abſchnitt. Von dem Antheile des Vermögens, uͤber welchen man verfuͤgen darf. o13. Die Freigebigkeiten, ſie moͤgen nun durch Afte zwiſchen Lebenden, oder durch Teſtamente geſchehen, duͤrfen, wenn der Verfuͤgende bei ſeinem Sterbfall nur ein rechtmäßiges Kind zuruͤcklaßt, die Haͤlſte ſei⸗ nes Vermoͤgens nicht uberſteigen; nicht das Drittheil wenn er zwei Kinder hinrerläßt; nicht das Viertheil, wenn er drei oder eine groͤßere Anzahl zuruͤcklaͤßt. 914. In dem vorhergehenden Artikel ſind unter der Benennung; Kind, alle Deszendenten, in welchem Grade ſie ſich befinden moͤgen, begriffen: ſie werden nichtsdeſtoweniger nur fuͤr das Kind gezaͤhlt, welches ſie in der Erbſchaft des Verfuͤgenden repraͤſentiren. o15. Die Freigebigkeiten durch Akte zwiſchen Le⸗ benden oder durch Teſtamente durfen die Hälſte des Vermoͤgens nicht uͤberſteigen, wenn der Verſtorbene, in Ermangelung von Kindern, einen oder mehrere Aszendenten in jeder der beiden Linien, der vaͤterlichen und der muͤtterlichen, zuruͤckläßt; und nicht die drei Viertheile, wenn er nur in einer Linie Aezendenten zuruͤcklaßt. Die Aszendenten erhalten das, auf dieſe Art zu — 230— ihrem Vortheil vorbehallene, Vermogen, in derjeni⸗ gen Ordnung, in welcher das Geſet ſie zur Erbfolge beruft; ſind nur in einer der(beiden) Linien Aszen⸗ denten vorhanden, ſo haben ſie auf dieſen Vorbehalt in allen Fällen allein ein Recht, wo bei einer Theilung in Konkurrenz mit KollateralErben ihnen nicht der Ancheil des Vermoͤgens erſcheinen wurde, worauf derſelben feſtgeſetzt iſt. 916. In Ermangelung von Aszendenten oder Des⸗ zendenten koͤnnen die Freigebigkeiten durch Akte zwi⸗ ſchen Lebenden oder teſtamentariſche Verordnungen das ganze Vermoͤgen erſchoͤpfen. 917. Wenn durch einen Akt unter Lebenden, oder durch ein Teſtament, uͤber eine Nutznieſſung oder eine Leibrente verfuͤgt wird, deren Werth den Betrag uͤber⸗ ſteigt, woruber verfugt werden darf, ſo haben die Erben, zu deren Vortheil das Geſetz einen Vorbehalt macht, die Wahl, ob ſie dieſe Verfoͤgung vollziehen, oder den Betrag, woruͤber verfugt werden darf, dem, zu deſſen Gunſten die Verfugung getroffen iſt, eigen⸗ thuͤmlich uͤberlaſſen wollen. 9rs. Der Betrag derjenigen Guͤter, welche an einen der zur Erbſchaft berufenen(Erben) in gerader Linie, es ſey nun mit der Laſt eine Leibrente abzutra⸗ gen, oder ohne daß das Kapital abgelegt zu werden braucht(à fonds perdu) oder mit Vorbehalt der Nut⸗ nieſſung, veräuſſert worden ſind, muß nach dem vollen Werthe des Eigenthums dieſer Guͤter, auf den Antheil, ͤber welchen verfuͤgt werden darf, aufgerechnet, und der Ueberſchuß, wenn ſich einer ergiebt, der Maſſe konferirt werden. Dieſe Aufrechnung und dieſe Kol⸗ lation koͤnnen jedoch weder von jenen der uͤbrigen in gerader Linie zur Erbſchaft berufenen(Erben), welche in dieſe Veräuſſerungen eingewilligt haben koͤnn⸗ — 231— ten, noch, in keinem Falle, von den in der Kollateral⸗ linie zur Erbſchaft berufenen(Erben) gefordert werden. 219. Der Antheil des Vermoͤgens, uͤber welchen verfugt werden darf, kann den Kindern oder andern zur Erbſchaft berufenen Verwandten des Schenkgebers ganz oder zum Theil, ſowohl durch Akte zwiſchen Le⸗ benden, als durch Teſtamente gegeben werden, ohne der Kollation von Seiten des zur Erbſchaft gelangen⸗ den Schenknehmers oder Legatars unterworfen zu ſeyn, vorausgeſetzt, daß die Verordnung(das Geſchenk oder Legat) ausdruͤcklich zum Voraus und auſſer dem Erb⸗ theil geſchehen ſey. Die Erklaͤrung, daß das Geſchenk oder Legat zum Voraus und auſſer dem Erbtheil bewilligt iſt, kann ſowohl durch den Akt, der die Verfuͤgung enthaͤlt, als ſpäterhin in der Form der Verfuͤgungen zwiſchen Lebenden oder eines Teſtamentes gemacht werden. 3 weiter Abſchnitt: Von der Reduktion der Schenkungen und der Vermaͤchtniſſe. 9z0. Die Verordnungen, ſowohl unter Lebenden als des Todes halber, welche den Theil(des Vermoͤgens) woruͤber zu verfuͤgen erlaubt iſt, uͤberſteigen, koͤnnen bei Eroffnung der Erbſchaft auf den Betrag dieſes Antheils reduzirt werden. 921. Die Reduktion der Verfuͤgungen zwiſchen Le⸗ benden kann von Niemand als von denjenigen, zu deren Vortheil das Geſetz einen Vorbehalt macht, ihren Erben oder Stellvertretern(ayans cause.) die in ihre Rechte eingetreten ſind, anverlangt werden; die Schenk⸗ nehmer, die Legatarien und Glaͤubiger des Erblaſſers koͤnnen dieſe Reduktion weder verlangen, noch davon Vortheil ziehen. 922. Um die Reduktion zu beſtimmen bildet man — 232— eine Maſſe aus allen zur Zeit des Sterbfalls des Schenkgebers oder Teſtators vorhandenen Guͤternz man rechnet ſodann jene hinzu(on y réunit fictive- ment) worüber durch Schenkungen zwiſchen Lebenden verfuͤgt worden iſt, und zwar nach ihrem Zuſtand zur Epoche der Schenkungen und ihrem Werthe zur Zeit des Sterbfalls des Schenkgebers. Man berechnet (hierauf) nach dieſem geſammten Vermoͤgen, nach Ab⸗ zug der Schulden, welches, in Hinſicht auf die Qua⸗ lität der von ihm zuruͤckgelaſſenen Erben, der Antheil war, woruͤber er verfuͤgen konnte. 923. Eine Reduktion der Schenkungen zwiſchen Lebenden findet nie eher ſtatt, als nachdem der Werth aller in den teſtamentariſchen Verordnungen einbegrif⸗ fenen Güter erſchöpft iſt; wenn jedoch dieſe Reduktion eintritt, ſo geſchieht ſie dergeſtalten, daß man mit der letzten Schenkung anfangt, und ſo fort von den letztern bis zu den älteſten Schenkungen hinaufſteigt. 924. Wenn eine zu reduzirende Schenkung zwiſchen Lebenden einem der zu der Erbſchaft berufenen Erben gemacht worden iſt, ſo kann er den Betrag des An⸗ theils, der ihm als Erbe von jenem Theile des Ver⸗ mögens zukam, über welchen nicht verfuͤgt werden durfte, von den geſchenkten Guͤtern zuruͤckbehalten, wenn ſie anderſt von derſelben Gattung ſind. 925. Wenn der Werth der Schenkungen zwiſchen Lebenden dem Antheil des Vermoͤgens, uber welchen verfuͤgt werden durfte, gleichkommt, oder ihn uber⸗ ſteigt, ſo ſind alle teſtamentariſche Verfuͤgungen ka⸗ duzirt. Wenn teſtamentariſche Verfuͤgungen entwe⸗ der den Betrag, uͤber welchen verfuͤgt werden durfte, oder den Antheil dieſes Betrags, der nach Abzug des Werthes der Schenkungen zwiſchen Lebenden noch — 233— uͤbrig bleibt, uͤberſteigen, ſo geſchieht die Reduktion (au marc le tranc) nach Verhältniß der Summen, ohne allen Unterſchied zwiſchen den Univerſal⸗ und Partikular Vermãächtniſſen. 927. Nichtsdeſtoweniger muß in allen den Fällen, wo der Teſtator ausdruͤcklich erklärt hat, daß es ſein Wille ſey, daß dieſes oder jenes Vermächtniß vorzugs⸗ weiſe vor allen andern ausgezahlt werde, dieſer Vorzug ſtatt finden, und das Vermächtniß, welches der Gegen⸗ ſtand einer ſolchen Erklärung iſt, darf nur dann und in ſo weit reduzirt werden, als der Betrag der andern unzu⸗ reichend waͤre, den geſetzlichen Vorbehalt voll zu machen. 9ag. Der Schenknehmer muß die Fruchte(fructus) von demjenigen Betrag, welcher den einer Verfuͤgung unterworfenen Antheil uͤberſteigt, von dem Tage des Sterbfalls des Schenkgebers an zuruͤckerſtatten, wenn das Begehren der Reduktion in Jahresfriſt(dans annse) eingefuhrt worden iſt; wo nicht, von dem Tage des Begehrens an. 929. Die, durch die Reduktion,(zur Erbſchaft) zuruͤckzubringende Immoͤbel fallen ohne Belaſtung von irgend, von dem Schenkneßmer herruͤhrenden, Schul⸗ den oder Hypotheken, zuruͤck. 930. Die Klage auf Reduktion oder Vindikation kann von den Erben gegen jeden dritten Beſitzer der Immoͤbel angeſtellt werden, die einen Theil der Schen⸗ kungen ausmachen, und von den Schenknehmern ver⸗ äuſſert worden ſind; und zwar in derſelben Weiſe und der nämlichen Ordnung wie gegen die Schenknehmer ſelbſt, und nachdem zuvor das Vermoͤgen dieſer letz⸗ tern diskutirt worden iſt(et dicussion préalablement faite de leurs biens). Dieſe Klage muß nach der Ordnung des Datums der Veräuſſerungen, mit der juͤngſten anzufangen, angeſtellt werden. Drittes Kapitel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden. Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen zwiſchen Lebenden. 931. Alle Akte, welche eine Schenkung zwiſchen Lebenden enthalten, muͤſſen, in der gewoͤhnlichen Form der Kontrakte, vor Notarien aufgeſetzt werden, und es muß, unter Strafe der Nullität, eine Urſchrift davon zuruͤckbleiben. 932. Eine Schenkung zwiſchen Lebenden bindet den Schenkgeber nicht eher, als von dem Tage an, an welchem ſie in beſtimmten Ausdruͤcken angenommen worden iſt, und bringt eher keine Wirkung hervor. Die Annahme kann, bei Lebzeiten des Schenkgebers, durch einen ſpätern und authentiſchen Akt, von wel⸗ chem die Urſchrift zuruͤckbleiben muß, geſchehen; allein alsdann hat die Schenkung, in Hinſicht auf den Geber, nicht eher als von dem Tage an einige Wirkung, wo der Akt, der dieſe Annahme konſtatirt, ihm notifizirt worden iſt. 933. Wenn der Schenknehmer großjährig iſt, ſo muß die Annahme von ihm, oder in ſeinem Namen durch einen Bevollmaͤchtigten geſchehen, deſſen Voll⸗ macht die Befuaniß, die ihm geſchehene Schenkung an⸗ unehmen, oder die allgemeine Gewalt enthalten muß, alle Schenkungen anzunehmen, welche ihm gemacht worden wären oder gemacht werden koͤnnten. Dieſe Vollmacht muß vor einem Notar ausgefertigt eyn, und eine Ausfertigung davon muß der Urſchrift der Schenkung oder der Urſchrift des Aktes der An⸗ nahme, wenn dieſe durch einen beſondern Akt geſchieht, angeheftet werden 34. Eine verheirachete Frau kann in Gemäßheit der Vorſchrift der Artikel 2 17 und 219. des Titels: von der Ehe, keine Schenkung ohne die Eiwilli⸗ gung ihres Mannes, oder im Falle der Weigerung von deſſen Seite, ohne Ermächtigung des Richters, annehmen. 935. Die, zum Vortheil eines nicht emanzipirten Minderjaͤhrigen oder eines Interdizirten geſchehene, Schenkung muß gemaß dem Art. 463. des Titels: von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormund⸗ ſchaft und der Emanzipation, von ſeinem Vormund angenommen werden. Der emanzipirte Minderjährige kann ſie unter Bei⸗ ſtand ſeines Kurators annehmen. Nichtsdeſtoweniger koͤnnen die Aeltern eines emanzi⸗ pirten oder nicht emanzipirten Minderjaͤhrigen, oder ſeine andere Aszendenten, ſelbſt bei Lebzeiten ſeiner Aeltern, und wenn ſie auch ſchon weder Vormuͤnder noch Kuratoren deſſelben ſind, fuͤr ihn annehmen. 936. Der Taubſtumme, der ſchreiben kann, kann ſelbſt oder durch einen Bevollmächtigten annehmen. Wenn er nicht ſchreiben kann, ſo muß die Annahme durch einen, nach den im Titel: von der Min⸗ derjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation, enthaltenen Regeln, zu dem Ende beſtellten Kurator, geſchehen. 937. Die Schenkungen zum Vortheil von Hoſpi⸗ tien, der Armen einer Gemeinde, oder von gemein⸗ nuͤtzigen Anſtalten muͤſſen von den Verwaltern dieſer Gemeinden oder Anſtalten, nachdem ſie gehoͤrig dazu ermaͤchtigt worden, angenommen werden. 938. Jede gehoͤrig angenommene Schenkung iſt durch die bloſſe Einwilligung der Partheyen vollendet; und das Eigenthum der geſchenkten Gegenſtaͤnde geht — 236— auf den Schenknehmer uͤber, ohne daß eine andere Auslieferung vonnoͤthen waͤre. 939. Wenn die Schenkung Guͤter begreift, die einer Hypothek empfänglich ſind, ſo muß die Ueber⸗ ſchreibung(transcription) der Akte, welche die Schen⸗ kung und die Annahme enthalten, ſo wie die Zuſtel⸗ lung der Annahme, wenn dieſe durch einen beſondern Akt ſtatt gehabt hat, in denjenigen Hypotheken Bureaur geſchehen, in deren Bezirk die Guͤter gelegen ſind. 940. Dieſe Ueberſchreibung muß auf Betreiben des Mannes geſchehen, wenn die Guͤter ſeiner Frau ge⸗ ſchenkt worden ſind; und wenn der Mann dieſe For. malität nicht erfullt, ſo kann die Frau ohne Autoriſa⸗ tion dazu ſchreiten laſſen. Wenn die Schenkung(zum Vortheil von) Minder⸗ jährigen, Interdizirten oder oͤffentlichen Anſtalten ge⸗ ſchehen iſt, ſo muß die Ueberſchreibung auf Betreiben der Vormuͤnder, der Kuratoren oder Verwalter ge⸗ ſchehen. 941. Der Abgang(e defaut) der Ueberſchreibung kann von jedem opponirt werden, der ein Intereſſe dazu hat; die Perſonen, welche beauftragt ſind, die Ueberſchreibung zu bewerkſtelligen, die, welche in ihre Rechte eingetreten ſind, und der Schenkgeber jedoch ausgenommen. 942. Minderjährige, Interdizirte, und verhei⸗ rathete Weiber koͤnnen gegen den Abgang der An⸗ nahme oder der Ueberſchreibung der Schenkungen nicht reſtituirt werden; vorbehaltlich ihres Ruͤckgriffe gegen ihre Vormuͤnder oder Maͤnner, nach Beſchaf⸗ ſenheit der Umſtände, und ohne daß die Reſtitution ſelbſt in dem Falle ſtatt haben koͤnnte, wenn die beſagte Vormünder oder Männer ſich unzahlsfähig befinden ſollten. at v———— ⸗ — 943. Eine Schenkung zwiſchen Lebenden kann nur das gegenwaͤrtige Vermoͤgen des Schenknehmers be⸗ greifen; wenn ſie zukuͤnftige Guͤter begreift, ſo iſt ſie in dieſer Hinſicht nichtig. 944. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden, die unter Bedingungen geſcheben waͤre, deren Vollzug von dem bloſſen Willen des Schenkgebers abhaͤngt, iſt nichtig. 945. Sie iſt ebenfalls nichtig, wenn ſie unter der Bedingung geſchehen waͤre, andere Schulden oder Laſten abzutragen, als die, welche zur Zeit der Schen⸗ kung wirklich vorhanden waren, oder die entweder im SchenkungsAkte, oder in dem Verzeichniſſe, welches demſelben beigefuͤgt werden muß, ausdrucklich ange⸗ geben wären. o46. Im Falle der Schenkgeber ſich die Freiheit vorbehalten haͤtte, uͤber einen in der Schenkung begrif⸗ fenen Gegenſtand oder uͤber eine beſtimmte, von den geſchenkten Guͤtern zu erhebende, Summe zu verfuͤgen, ſo gehoͤrt, wenn er ſtirbt, ohne daruͤber verfuͤgt zu haben, der beſagte Gegenſtand oder die beſagte Sum⸗ me den Erben des Schenkgebers, aller dem zuwider⸗ laufenden Klauſeln und Stipulationen ohngeachtet. o47. Die vier vorhergehende Artikel ſind auf die Schenkungen nicht anwendbar, von welchen in den Kapiteln VIII. und IX. des gegenwaͤrtigen Titels die Rede ſeyn wird. s48. Jeder SchenkungsAkt von MobiliarEffekten iſt nur fuͤr die Effekten gältig, uͤber welche ein, von dem Schenkgeber und dem Schenknehmer, oder denen, welche fur ihn annehmen, unterzeichnetes Verzeichniß mit der Taxe derſelben der Urſchrift der Schenkung angeheftet worden iſt. 949. Es iſt dem Schenkgeber erlaubt, ſich zu ſei⸗ nem Vortheil den Gebrauch oder die Nutznieſſung der geſchenkten, beweglichen oder unbeweglichen Guͤter, vorzubehalten oder zum Vortheil eines andern daruͤber zu verfuͤgen. 950. Wenn eine Schenkung von MobiliarEffekten mit dem Vorbehalt des Nießbrauchs geſchehen iſt, ſo iſt der Schenknehmer bei Erloͤſchung des Nieß⸗ brauchs gehalten, die geſchenkte Effekten, welche ſich in Natur vorfinden, in dem Zuſtande anzuneh⸗ men, worin ſie ſich befinden werden; er hat gegen den Schenkgeber oder ſeine Erben nur wegen den nicht vorfindlichen Gegenſtaͤnden bis zur Konkurrenz des Werthes, zu welchem ſie in dein die Taxe enthaltenden Verzeichniß abgeſchätzt worden ſind, ein KlageRecht. 951. Der Schenkaeber kann ſich das Ruckfal Recht der geſchenkten Gegenſtände, ſowohl fuͤr den Fall des Vorabſterbens des Schenknehmers allein, als auch fur den Fall des Vorabſterbens des Schenknehmers und ſeiner Deszendenten ausbedingen. Dieſes Recht kann nur zum Vortheil des Schenk⸗ gebers allein ausbedungen werden. 952. Dieſes Ruckfal Recht hat die Wirkung, alle Veraͤuſſerungen der geſchenkten Guͤter aufzuheben, und ſie von allen Laſten und Hypotheken frei und entlaſiet an den Schenkgeber zuruͤckzubringen, vorbehaltlich je⸗ doch der Hypothek der Ausſteuer, und der EheVer⸗ trage, wenn die uͤbrige Guͤter des Schenknehmenden Ehegatten unzureichend ſind, und nur in dem einzi⸗ gen Falle, wenn die Schenkung ihm durch denſelben Ehe Kontrakt gemacht worden iſt, aus welchem dieſe Rechte und Hypotheken herflieſſen. Zweiter Abſchnitt. Von den Ausnahmen von der Regel der Unwiderruflichkeit der Schenkungen zwiſchen Lebenden. 953. Eine Schenkung zwiſchen Lebenden kann aus —.—— —.,— „ —— keinem andern Grunde widerrufen werden, als wegen der NichtErfullung der Bedingungen, unter welchen ſie geſchehen iſt, wegen Undankbarkeit und wegen ſpaͤ⸗ terhin gebohrner Kinder. 954. Im Falle des Widerrufs wegen NichErful⸗ lung der Bedingungen, fallen die Guͤter, ſrei von allen kaſten und Hypotheken, die von dem Schenk⸗ nehmer herruͤhren, an den Schenkgeber zuruͤck; und der Schenkgeber hat gegen jeden dritten Beſitzer der geſchenkten Immoͤbel alle Rechte, die ihm gegen den Schenknehmer ſelbſt zuſtehen. 955. Eine Schenkung zwiſchen Lebenden kann we⸗ gen Undankbarkeit nur in folgenden dreien Fällen wider⸗ rufen werden: 1) Wenn der Schenknehmer dem Leben des Schenk⸗ gebers nachgetrachtet hat. 2) Wenn er ſich Mißhandlungen, Vergehen oder grobe Beleidigungen(Sevices, délits ou mau- vais traitemens) gegen ihn hat zu Schulden kommen laſſen. 3) Wenn er ihm die Alimentation verweigert. 956. Der Widerruf wegen NichtErfuͤllung der Be⸗ dingungen oder wegen Undankbarkeit findet nie ohne weiteres, kraft des Geſetzes und ohne richterlichen Aus⸗ ſpruch(de plein droit, ipvo jure) ſtatt. 957. Die Klage auf Widerruf der Undankbarkeit halber muß in Jahresfriſt, von dem Tage des Verge⸗ bens an, welches der Schenkgeber dem Schenknehmer zur kaſt legt, oder von dem Tage an zu rechnen, we dieſes Vergehen dem Schenkgeber bekannt ſeyn konnte, angeſtellt werden. Dieſer Widerruf kann weder von dem Schenkgeber gegen die Erben des Schenknehmers, noch von den Erben des Schenkgebers gegen den Schenknehmer in Anſpruch genommen werden, wenn nicht in dieſem letzten Falle die Klage(bereits) von dem Schenk⸗ geber(ſelbſt) erhoben worden, oder dieſer im Laufe der JahresFriſt von dem Vergehen an verſtorben iſt. 958. Der Widerruf wegen Undankbarkeit thut we⸗ der den, von dem Schenknehmer gemachten, Veräuſ⸗ ſerungen, noch den Hypotheken und andern Reallaſten, womit er den Gegenſtand der Schenkung beſchwert ha⸗ ben mag, Abbruch, vorausgeſetzt, daß dieſe Verfü⸗ gungen ſtatt gehabt haben, ehe der Auszug der Klage auf Widerruf am Rande der durch den Artikel 939. vorgeſchriebenen Tranſecription eingeſchrieben worden iſt. Im Falle des Widerrufs muß der Schenknehmer ver⸗ urtheilt werden, den Werth der veräuſſerten Gegenſtaͤn⸗ de, mit Ruckſicht auf die Zeit, wo die Klage erhoben worden, und die Fruͤchte(frurtus) von dem Tage dieſer Klage an, zuruͤckzuerſtatten. 959. Die Schenkungen zu Gunſten einer Ehe koͤn⸗ nen Undanks halber nicht widerrufen werden. 96o. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden, welche von Perſonen geſchehen iſt, die zur Zeit der Schen⸗ kung keine wirklich lebende Kinder oder Deszendenten hatten, von welchem Werthe dieſe Schenkungen auch ſeyn, und unter welchem Titel ſie geſchehen ſeyn mö⸗ gen, wenn ſie auch ſogar gegenſeitig oder remunerato⸗ riſch(zur Vergeltung) geſchehen wären, ſelbſt die nicht ausgenommen, die von andern Perſonen, als von den Aszendenten zum Vortheil von Ehegatten, oder von einem Ehegatten zum Vortheil des an⸗ dern, zu Gunſten einer Ehe, gemacht worden waͤ⸗ ren, ſind und bleiben durch die Nachgeburt eines rechtmaͤßigen Kindes des Schenkgebers, ſelbſt ei⸗ nes ſolchen, das nach ſeinem Tode geboren wuͤrde, oder durch die Legitimation eines naturlichen Kindes M⸗ he 7 en ich ö⸗ o⸗ die als e, an⸗ wä⸗ nes li⸗ de, des — 241— durch die nachherige Ehe, jedoch nur, wenn dieſes(natur⸗ liche Kind) ſeit der Schenkung geboren worden iſt, ohne weiteres und von Rechtswegen widerrufen. 961. Dieſer Widerruf findet ſtatt, wenn gleich das Kind des Schenkgebers oder der Schenkgeberinn zur Zeit der Schenkung bereits empfangen war. 962. Die Schenkung bleibt ebenfalls ſelbſt dann widerrufen, wenn der Schenknehmer ſchon in den Beſitz der geſchenkten Guͤter eingetreten, und ſeit der Nachgeburt des Kindes von dem Schenkgeber darin belaſſen worden waͤre, ohne daß der Schenk⸗ nehmer jedoch verbunden wäre, die von ihm bezogene Fruͤchte, von welcher Gattung ſie auch ſeyn moͤgen, fruͤher als von dem Tage an zuruͤckzuerſtatten, an welchem ihm die Geburt des Kindes oder ſeine Legiti⸗ mation durch eine nachfolgende Ehe durch eine Zuſtel⸗ lung(exploit) oder einen Akt in gehoͤriger Form be⸗ kannt gemacht worden iſt, und zwar von dann an, ſelbſt wenn das Begehren, um in die geſchenkte Guͤter wieder einzutreten, erſt ſpäterhin nach dieſer Bekannt⸗ machung eingefuͤhrt worden ware. 963. Alle, in einer von Rechtswegen widerrufenen Schenkung einbegriffene, Guͤter fallen frei von allen, vom Schenknehmer herruͤhrenden, Laſten und Hypo⸗ theken zu dem Vermögen des Schenkgebers zuruͤck, ohne daß ſie, ſelbſt nur ſubſidiariſch, fur die Zurucker⸗ ſtattung der Ausſteuer der Frau des Schenknehmers, deſſen, was ſie(an der Gemeinſchaft) vorab zu for⸗ dern haben könnte,(de ses reprises) oder irgend an⸗ derer nach ibrem EhVertrage ihr gebuhrenden Vor⸗ theile verhaftet bleiben konnten(sans qu'ils puis- sent demeurer affectés), und zwar iſt dies ſelbſt dann der Fall, wenn die Schenkung ſogar zu Gun⸗ ſten der Ehe des Schenknehmers gemacht worden, Civil Geſeßb 16 — 242— und in den Ehekontrakt eingeruͤckt worden wäre, und wenn der Schenkgeber ſich in der Schenkung als Birge fur den Vollzug des EhePertrags ver⸗ pflichtet hätte. 954. Alſo widerrufene Schenkungen konnen nicht mehr aufleben, oder von neuem Wirkung haben, we⸗ der durch den Tod des Kindes des Schenkgebers noch durch irgend einen beſtaͤtigenden Akt; und wenn der Schenkgeber dieſelbe Guͤter demſelben Schenknehmer, entweder vor oder nach dem Tode des Kindes, durch deſſen Geburt die Schenkung widerrufen worden war, ſchenken will, ſo kann er es nicht anderſt, als durch eine neue Verfuͤgung thun. 965. Jede Klauſel oder Uebereinkunft, wodurch der Schenkgeber auf den Widerruf der Schenkung wegen der Nachgeburt eines Kindes verzichtet hätte, iſt als nichtig anzuſehen, und bringt keine Wirkung hervor⸗ 9566. Der Schenknehmer, ſeine Erben oder die, welche in ſeine Rechte eingetreten ſind, oder irgend andere Beſttzer der geſchenkten Gegenſtände koͤnnen nicht eher, als nach einem Beſißſtand von dreißig Jahren die Verjährung opponiren, um eine durch die Nachgeburt eines Kindes widerrufene Schen⸗ kung geltend zu machen; dieſe dreißig Jahre fangen erſt von dem GeburtsTage des letzten Kindes des Schenknehmers, waͤre es auch erſt nach ſeinem Tode zur Welt gekommen, zu laufen an, und dies ohnbe⸗ ſchadet den geſetzlichen Unterbrechungen der Verjaͤhrung. Pi er tes Von teſtamentariſchen Verordnungen. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Regeln über die Form der Teſtamente. 967. Jedermann darf durch ein Teſtament verfuͤgen, es ſey nun unter dem Titel einer ErbEinſetzung oder unter dem Titel eines Vermaͤchtniſſes, oder unter jeder andern Benennung, die dazu geeignet iſt, ſeinen Willen an Tag zu geben. 968. Kein Teſtament kann, weder zum Vortheil eines Dritten, noch unter dem Titel einer wechſelſeiti⸗ gen und gegenſeitigen Verfuͤgung, von zweien und mehreren Perſonen durch denſelben Akt errichtet werden. 969. Ein Teſtament kann ein eigenhaͤndiges(ologra⸗ phiſches) Teſtament ſeyn, oder es kann durch einen oͤffentlichen Akt oder in der myſtiſchen Form errichtet werden. 970. Ein eigenhaͤndiges Teſtament iſt unguͤltig, wenn es nicht durchaus von der Hand des Teſtators geſchrie⸗ ben, datirt und unterzeichnet iſt; es iſt keiner andern Formalitaͤt unterworfen. 971. Ein oͤffentliches Teſtament iſt dasjenige, wel⸗ ches von zweien Notarien in Gegenwart von zweien Zeugen, oder von einem Notar in Gegenwart von vier Zeugen aufgenommen worden iſt. 972. Wenn das Teſtament von zweien Notarien aufgenommen worden, ſo muß es ihnen von dem Te⸗ ſtator diktirt, und von einem der Notarien, ſo wie es diktirt wird, niedergeſchrieben werden. Iſt nur ein Notar zugegen, ſo muß es gleichfalls von dem Teſtator diktirt und von dieſem Notar nieder⸗ geſchrieben werden. In dem einen und dem andern Falle muß es dem Teſtator in Gegenwart der Zeugen vorgeleſen werden. Von dem allem muß ausdruͤckliche Meldung ge⸗ ſchehen.(1) 6) Gutachten des Staatsraths von 31. Jänner 1805. Der Staatsrath, der in Gemaßheit der von S. M. dem Kaiſer und Koͤnig gegebenen Weiſung den Wericht der Geſetzgebungs Sestion * — 244— 973. Dieſes Teſtament muß von dem Teſtator unterzeichnet werden; wenn er erklärt, daß er nicht unterzeichnen kann, oder dazu auſſer Stande iſt, ſo muß in dem Akte von dieſer Erklärung, ſo wie von von der Urſache, die ihn verhindert, zu unterzeichnen, ausdrucklich Meldung geſchehen. über die Beſchwerdeſchrift angehdrt hat, die von dem Herrn Du⸗ chatenet gegen Urtheile eingereicht worden iſt, welche das Teſta⸗ ment der Demviſelle Letellier nichtig erklaͤrt haben, iſt der Mei⸗ nung, daß aus folgenden Gruͤnden ſeine Reklamation nicht ange⸗ nommen werden kann. Der Antrag des Herrn Duchatenet muß zuerſt in Hinſicht auf ihn und den beſondern Fall, worin er ſich befindet, unterſucht werden; nachher wird man ihn aus einem allgemeineren Geſichts⸗ punkte und ohne Ruckſicht auf den einzelnen Fall erörtern. Das Teſtament der Denoiſelle Letellier iſt annullirt worden, weil der Notar, der es aufgenommen hat, keine ausdrückliche Meldung gethan h⸗tte, daß er dieſen Akt niederge⸗ ſchrieben habe. Die Gerichtsſtellen, welche dies Urtheil erlaſſen haben, ſttzen ſich auf den Artikel 972. des CiviGeſetzbnchs. Die Richter haben in den Ausdrucken diefes Artikels die beſtimmte Oblie⸗ genheit für den Notar gefunden, ausdrücklich anzuführen, daß er das Teſtament eigenhaͤndig niedergeſchrieben habe. Wir unter⸗ ſuchen ir dieſem Augenblick den Beweggrund dieſer Verfuͤgung nicht. Die Tribunalien haben geglaubt, daß die Ausdrucke des Geſetzes be⸗ ſimimt waren; ſie haben das Geſetz angewendet. Hr. Duchatenet, UniverſalLegatar der Demoiſelle Letellier, hat Caſſation nachge⸗ ſucht. Sein Geſuch iſt verworfen worden. In dieſer Lage der Dinae nimmt er die Autorität S. M. des Kaiſers und Koͤnigs in Anſpruch⸗ Die Konſtitutionen haben nur zwei Jurisdibtions Grade bewil- lict. Sie haben Appellbofe errichtet, um in letzter Inſtanz zu erken- neun, aber die Akte dieſer Gerichtshofe haben nur in ſo weit die Kraft ſouverainer Entſcheidungen, wenn ſie mit allen Formalitäten pebleidet ſind, die evfordert werden, um ein Urtheil zu konſtituiren. Sind dieſe Formen verletzt worden, ſo iſt im eigentlichen Sinne kein Urtheil vorhanden, und der Kaſſationshof vernichtet einen unregel⸗ mäßigen Akt. Sind im Gegentheile alle Formen beobachtet worden, ſo gilt ein Urtheil fuͤr die Wahrheit ſelbſt. Wichtige Erwägungen der allgem inen Wohlfahrt baben dieſen Grundſatz geboten. Es giebt ydhere Richter, um den Irrthum einer erſten Entſcheidung zu ver⸗ veſſern; waͤre es aber erlaubt, das nochmal in Zweifel zu ziehen, was die Appellhofe entſchieden habhen, wo ſollen denn dieſe weitere Unterſuchungen aufhören, und weiche ſtärkere Garantie kdnute man der Geſellſchaft gegen die Irrthuͤmer des dritten oder vierten Richters darbieten? Die Stabilität der von den Appellhofen erlaſſenen Urtheile beruht jedoch, wie nicht zu läͤngnen, nicht auf der erworbenen Gewißheit, daß ein Urtheilsſpruch gerecht ſey, ſondern auf einer Vermuthung ſei⸗ ner Gerechtigkeit, wenn er mit den Formen bekleidet iſt, die ihm — 245— 974. Das Teſtament muß von den Zeugen unter⸗ zeichnet werden; doch iſt es, auf dem Lande, hin⸗ länglich, daß einer der beiden Zeugen unterzei ne, wenn das Teſtament von zwei Notarien aufgenommen wird, und daß zwei der vier Zeugen unterzeichnen, wenn es von einem Notar aufgenommen wird. den Charakter eines Urtheils ertheilen. Es liegt aber in der Natur jeder Vermuthung, der entgegengeſetzten Wahrheit zu weichen, wenn ſie erwieſen iſt; wenn ſich daher ein Urtheilsſpruch in foͤrmlichem Widerſpruche mit einer ausdruͤcklichen Verfügung des Geſetzes befin- det, ſo fällt die Vermuthung ſeiner Gerechtigkeit hinweg, denn das Geſetz iſt die Gerechtigkeit der Tribunalien, und ſie können keine andere haben. Deshalb hat der Kaſſationshof das Pecht, auch in dieſem Falle, die Akte der Appellhoͤfe zu annulliren. Dies aber ſind die einzigen Fälle, worin die Konſtitutionen des Reichs gegen den Irrthum des Richters eine Garantie darbieten. Man koͤnnte ſich von dieſen konſervatoriſchen Prinzipien nicht ent⸗ ſernen, ohne in eine Willkuͤhr zu verfallen, die mit dem Eigenthums⸗ Recht und der buͤrgerlichen Freiheit gleich unvereinbarlich wäre. In dem gegenwärtigen Falle ſagt man nicht geradezu, daß der ange⸗ ſochtene Urtheilsſpruch ſich mit den Worten des Geſetzes im Wider- ſpruche befinde; man beklagt ſich vielmehr uͤber eine allzugewiſſen- hafte lnwendung des Textes des Geſetzes; allein ein Urtheilsſpruch des Kaſſationshofes, welcher ein Urtheil deshalb vernichten wuͤrde, weil es dem Texte der Geſetze zu buchſtäblich nachgekommen waͤre, wuͤrde eine Aergerniß ſeyn, von welchem wir hoffentlich nie Zeugen ſehn werden. Allein, wendet man ein, es wäre ungerecht, wenn ein Fehler in der Abfaſſung die Nullitaͤt eines Teſtamentes und den Ruin einer Familie nach ſich ziehen ſollte, wenn dieſer Fehler durch eine Verifi- kation gedeckt werden kann. Die Geſetze koͤnnen nicht alle beſondere Fälle vorſehen Es iſt möglich, daß in einem gegebenen Falle die Auslaſſung einer Formalitaͤt, welche das Geſetz einführen mußte, die Vernichtung eines untabelhaften, ja, wenn man will, ſelbſt in ſei⸗ nen Beweggruͤnden lobenswuͤrdigen Aktes, nach ſich zieht; aber dieſer Nachtheil, den man mit etwas Aufmerkſamkeit immer vermei⸗ den kann, iſt tauſendmal unbedeutender, als es diejenige ſeyn muͤß- ten, welche aus der Befugniß herflieſſen würden, durch Zeugen- Beweis dasjenige zu erſetzen, was man in einem Teſtamente hätte ſchriftlich anfuͤhren muͤſſen, und doch nicht niedergeſchrieben hat. Herr Duchatenet behauptet, die Tribunalien ſehen uͤber den Sinn des Geſetzes getheilt; die Jurisprudenz der Grrichtshofe ſcheint aber im Gegentheil einſtimmig über dieſen Punkét; wären ſie aber auch getheilter Meinung, ſo wuͤrde für den Herrn Duchatenet nichts daraus folgen. Der Kaſſationshof wurde diejenige Entſchei- dungen annulliren, welche dem Geſetze zuwiderlaufen wuͤrden; es bliebe immer wahr, daß dioſer Gerichtsbof ſein KaſſationsGeſuch verworfen hat. Es bleibt ihm daher kein Mittel ubrig, nochmal gegen dieſes Urtheil einzukommen, weil er alle Rechtsmittel erſchdpft hat, welche unſere Geſetze und Konſtitutionen ihm darboten. 978. Zu Zeugen eines Teſtamenles durch einen oͤffent⸗ lichen Akt können weder die Legatarien, unter welchem Titel ſie es ſeyn moͤgen, noch ihre Verwandte und Verſchwägerte, bis zum vierten Grade einſchließlich, noch die Schreiber(cleres) der Notarien, welche den Akt aufnehmen, genommen werden. 976. Wenn ber Teſtator ein myſtiſches oder gehei⸗ mes Teſtament machen will, ſo iſt er gehalten, ſeine Verordnungen, er mag ſie nun ſelbſt geſchrieben haben oder durch einen andern haben ſchreiben laſſen, zu unterzeichnen; das Papier, welches dieſe Verordnun⸗ gen enthält, oder das Papier, welches zum Umſchlage „ dienet, wenn es in einen eingeſchloſſen iſt, muß ver⸗ ſchloſſen und verſiegelt werden. Der Teſtator legt es ſo, geſchloſſen und verſiegelt, dem Notar und wenig⸗ ſtens ſechs Zeugen vor, oder er läßt es in ihrer Ge⸗ genwart verſchlieſſen und verſiegeln, und erklaͤrt ſo⸗ dann, daß das, was in dieſem Papier enthalten iſt, ſein, von ihm geſchriebenes und unterzeichnetes, oder ſein, von einem andern geſchriebenes und von ihm unterzeichnetes, Teſtament iſt. Der Notar ſetzt einen Aufſchrifts Akt daruͤber auf, der auf dieſes Papier, oder auf das Blatt, welches zum Umſchlage dienet, geſchrieben werden muß; dieſer Akt inuß ſowohl von dem Teſtator als von dem Notar, zugleich mit den Zeugen, unterſchrieben werden. Alles obige muß in einemfort, und ohne unterdeſſen andere Akte vorzuneh⸗ men, geſchehen, und in dem Falle, wo der Teſtator, wegen eines ihm ſeit der Unterzeichnung des Teſla⸗ mentes zügeſtoſſenen Hinderniſſes, den Aufſchrifts Akt nicht unterzeichnen koͤnnte, ſo muß von der von ihm daruber gemachten Erklärung Meldung geſchehen, ohne daß es in dieſem Falle nothig wäre, die Zahl der Zeugen zu vermehren. — 247— 977. Wenn der Teſtator im Schreiben unerfahren iſt, oder wenn er nicht unterzeichnen konnte, als er ſeine Verfuͤgungen niederſchreiben ließ, ſo muß auſſer der im vorhergehenden Artikel beſtimmten Zahl noch ein Zeuge mehr zum Aufſchrifts Akt berufen werden, welcher den Akt mit den andern Zeugen zu unterzeich⸗ nen hat, und es muß von der Urſache Meldung geſche⸗ ben, wegen welcher dieſer Zeuge berufen worden iſt. 978. Wer nicht leſen kann, oder dazu auſſer Stande iſt, kann keine Verfuͤgung in der Form eines myſtiſchen Teſtaments machen. 979. Sollte der Teſtator nicht ſprechen, aber doch ſchreiben koͤnnen, ſo kann er ein myſtiſches Teſtament errichten, unter der Bedingung, daß das Teſtament durchaus von ſeiner Hand geſchrieben, datirt und unter⸗ zeichnet ſey, daß er es dem Notar und den Zeugen uͤberreiche, und daß er in ihrer Gegenwart, oben uͤber den AufſchriftsAkt, niederſchreibe: daß das Papier, welches er uͤberreicht, ſein Teſtament iſt, worauf der Notar den Aufſchrifts Akt zu ſchreiben hat, worin Meldung geſchehen muß, daß der Teſtator dieſe Worte in Gegenwart des Notars und der Zeugen geſchrieben hat; uͤbrigens muß alles, was im Artikel 976. vor⸗ geſchrieben iſt, beobachtet werden. 980. Die Zeugen, welche berufen werden, um bei einem Teſtamente gegenwaͤrtig zu ſeyn, muͤſſen maͤnn⸗ lichen Geſchlechtes, großjaͤhrig, in der Republik wohn⸗ haft ſeyn, und der CivilRechte genieſſen. 3Z weiter Abſchuitt. Beſondere Regeln uͤber die Form gewiſſer Teſtamente. 981. Die Teſtamente von Militaͤr Perſonen und bei den Armeen angeſtellten Individuen koͤnnen, in in jedem Lande, von den Bataillons⸗ oder Eska⸗ dronsChef, oder von jedem andern Offizier von einem hoͤhern Grade, in Gegenwart von zweien Kriegs Kommiſſarien oder einem ſolchen Kommiſſar in Gegenwart zweier Zeugen aufgenommen werden. o82. Sie koͤnnen auch, wenn der Teſtator krank oder verwundet iſt, von dem OberGeſundheits Beam⸗ ten(officier de santé en chef) unter Beiſtand des mit der Polizey beauftragten MilitaͤrKommandanten des Hospitals aufgenommen werden. o33. Die Verfuͤgungen der obigen Artikel finden nur zu Gunſten derjenigen ſtatt, welche ſich auf einer Militaͤr Expedition oder auſſer dem Gebiet der Repub⸗ lik in Quartier oder in Garniſon, oder als Kriegs⸗ Gefangene bei dem Feinde befinden, ohne daß die, welche im Innern in Quartier oder Garniſon ſte⸗ hen, davon Vortheil ziehen koͤnnten, wenn ſie ſich nicht in einem belagerten Platz, oder in einer Cita⸗ delle oder an andern Orten befinden, deren Thore geſchloſſen, und mit welchen die Kommunikation des Krieges halber unterbrochen waͤre, 984. Ein in oben beſtimmter Form errichtetes Te⸗ ſtament iſt ſechs Monate, nachdem der Teſlator an einen Ort zuruͤckgekommen iſt, wo er die Freiheit hat, ſich der gewoͤhnlichen Formen zu bedienen, nichtig. 985. Die Teſtamente, welche in einem Orte auf⸗ genommen werden, mit welchem alle Kommunikation der Peſt oder einer andern anſteckenden Krankheit hal⸗ ber unterbrochen iſt, koͤnnen in Gegenwart von zweien Zeugen vor dem FriedensRichter oder vor einem der Munizipal Beamten der Gemeinde errichtet werden. 986. Dieſe Verfuͤgung findet ſowohl in Hinſicht auf die, welche von dieſen Krankheiten befallen ſind, als auch auf die, welche ſich an ſolchen Orten befinden, wenn ſie auch nicht wirklich krank ſeyn ſollten, ſtatt. — 249— 987. Die in den beiden vorhergehenden Artikeln bemeldete Teſtamente ſind ſechs Monate, nachdem die Kommunikation mit dem Orte, an welchem ſich der Teſtator befindet, wieder hergeſtellt worden ſeyn wird, oder ſechs Monate, nachdem dieſer in einen Ort uͤber⸗ gegangen ſeyn wird, wo ſie nicht unterbrochen iſt, unguͤltig. o88. Die Teſtament⸗, welche auf dem Meer im Laufe einer SeeReiſe gemacht werden, koͤnnen folgen⸗ dermaſſen aufgenommen werden: An Bord der SeeSchiffe und anderer Fahrzeuge des Staats von dem das Schiff kommandirenden Offi⸗ zier oder in deſſen Ermangelung von demjenigen, der nach der DienſtOrdnung ſeine Stelle verſieht; von dem einen oder dem andern mit Zuziehung(conjoin⸗ tement) des VerwaltungsOffiziers, oder desjenigen, der ſeine AmtsVerrichtungen verſieht; Und an Bord der KauffahrtheySchiffe von dem Schiffs Schreiber, oder dem, der ſeine Stelle verſieht, von dem einen oder dem andern unter Zuziehung des Kapitains, des Rheders oder Schiffs Patrons, oder in ihrer Ermangelung, derjenigen, die ihre Stelle verſehen. In allen Fällen muͤſſen dieſe Teſtamente in Gegen⸗ wart von zweien Zeugen aufgenommen werden. 989. Das Teſtament des Kapitains oder des Ver⸗ waltungsOffiziers, auf den StaatsFahrzeugen, und das des Kapitains, des Rheders oder des Patrons oder das des SchiffSchreibers auf den Kauffarthey⸗ Schiffen koͤnnen von denjenigen aufgenommen werden, welche in der DienſtOrdnung nach ihnen kommen; dieſe haben ſich im Uebrigen nach den Verfuͤgungen des vorhergehenden Artikels zu bemeſſen. 990. In allen Faͤllen muͤſſen von den, in den zwei — 250— vorhergehenden Artikeln bemeldeten Teſtamenten zwei Hriginalien gefertigt werden. 991. Wenn das Fahrzeug in einem fremden Hafen onlandet, worin ſich ein franzoͤſiſcher Kommiſſar der Handels Angelegenbeiten befindet, ſo ſind die, welche das Teſtament aufgenommen haben, gehalten, eines der Originalien, geſchloſſen und verſiegelt, in die Hände dieſes Kommiſſars zu uͤbergeben, welcher es dem MarineMiniſter zu uͤberſenden hat; dieſer läßt es auf der Greffe des Friedens Gerichtes von dem Wohn⸗ orte des Teſtators hinterlegen. 992. Bei der Ruͤcktehr des Fahrzeuges nach Frank⸗ reich, es ſey nun in den Hafen der Ausruͤſtung oder in jeden andern, muͤſſen die beiden Originalien des Teſtaments ebenfalls geſchloſſen und verſiegelt, oder das uͤbriggebliebene Original, wenn das andere in Gefolge des vorbergehenden Artikels im Laufe der Fahrt deponirt worden wäre, auf dem Bureau des Vorge⸗ ſetzten der SeeInſeription(du préposs à l'iuscrip- tion maritime) hinterlegt werden. Dieſer Vorge⸗ ſetzte hat ſie unverzuglich dem Marine Miniſter zu uͤber⸗ ſenden, der ihre Hinterlegung, ſo wie es im nämli⸗ chen Artikel beſagt iſt, verordnen wird. 993. Auf der Rolle des Fahrzeugs muß am Rande des Ramens des Teſtators von der geſchehenen Ueber⸗ gabe der Originalien des Teſtamentes, ſey es in die Haͤnde eines Kommiſſars der Handels Verbindungen, ſey es auf das Bureau eines Vorgeſetzten der See⸗ Inſcription, Meldung geſchehen. 994. Das Teſtament wird, wenn es auch ſchon wäh⸗ rend dem Laufe der SeeReiſe errichtet worden iſt, nicht angeſehen, als waͤre es auf der See errichtet wor⸗ den, wenn das Fahrzeug zur Zeit der Errichtung, an irgend einem Orte, er ſtehe nun unter fremder oder — 251— unter franzöſiſcher Herrſchaft, wo ſich ein franzoͤſiſcher oͤffentlicher Beamter befindet, angelandet war; in die⸗ ſem Falle iſt es nur dann guͤltig, wenn es nach den in Frankreich vorgeſchriebenen Formen oder nach jenen errichtet worden iſt, die in dem Lande, wo es errichtet worden, gebraͤuchlich ſind. 995. Obige Verfuͤgungen ſind den Teſtamenten gemeinſchaftlich, welche von bloſſen Reiſenden, die nicht zur Equipage gehoͤren, errichtet werden. 996. Ein in der vom Art. 988. vorgeſchriebenen Form auf dem Meer errichtetes Teſtament, iſt nur in dem Falle guͤltig, wenn der Teſtator auf dem Meere, oder in den dreien Monaten, nachdem er ans Land und an einen Ort gekommen, wo er es in den gewoͤhnli⸗ chen Formen hätte von neuem errichten koͤnnen, ge⸗ ſtorben iſt. 997. Ein auf dem Meere errichtetes Teſtament darf keine Verfuͤgung zu Gunſten der Offiziere des Schiffs enthalten, wenn ſie keine Verwandte des Te⸗ ſtators ſind. 998. Die in den obigen Artikeln des gegenwärtigen Abſchnittes begriffene Teſtamente muͤſſen von den Teſta⸗ toren und von denen, welche ſie aufnehmen, unter⸗ zeichnet werden. Wenn der Teſtator erklaͤrt, daß er nicht unterſchrei⸗ ben kann, oder daran verhindert iſt, ſo muß von ſei⸗ ner Erklaͤrung, ſo wie von der Urſache, die ihn am Unterzeichnen verhindert, Meldung geſchehen. Im Falle, wo die Gegenwart von zweien Zeugen erforderlich iſt, muß das Teſtament wenigſtens von einem von ihnen unterzeichnet werden, und es muß von der Urſache Meldung geſchehen, weshalb der an⸗ dere nicht unterzeichnet haben wird. 999. Ein Franzoſe, der ſich im Auslande befinden — 252— witd, kann ſeine teſtamentariſche Verordnungen durch einen Akt unter PrivatlUnterſchrift, ſo wie es im Arti⸗ kel 970. vorgeſchrieben iſt, oder durch einen authenti⸗ ſchen Akt, nach den an dem Orte, wo er errichtet wird, gebraͤuchlichen Formen, errichten. 1ooo. Im Auslande errichtete Teſtamente koͤnnen gegen das in Frankreich gelegene Vermoͤgen nicht eher in Vollzug geſetzt werden, als nachdem ſie auf dem Bureau des Wohnſitzes des Teſtators, wenn er einen behalten hat, und im entgegengeſetz'en Falle auf dem Bureau ſeines letzten bekannten Wohnſitzes in Frank⸗ reich einregiſtrirt worden ſind; und im Falle das Te⸗ ſtament Verordnungen uͤber in Frankreich gelegene Immoͤbel enthielte, muß es noch auſſerdem auf dem Bureau, in deſſen Bezirk dieſe Immoͤbel gelegen ſind, einregiſtrit werden, ohne daß deshalb doppelte Gebuͤh⸗ ren gefordert werden koͤnnten. 1oor. Die Formalitäten, welchen die verſchiedene Teſtamente, durch die Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen und des vorhergebenden Abſchnitts, unterworfen ſind, muͤſſen unter Strafe der Nullitat beobachtet werden. Dritter Abſchnitt. Pon ErbEinſetzungen und Vermächtniſſen im Allgemeinen. 1002. Teſtamentariſche Verordnungen ſind entwe⸗ der univerſal, oder ſolche, die unter einem Univerſal⸗ oder unter einem PartikularTitel geſchehen ſind. Jede dieſer Verordnungen, ſie mag nun unter der Benennung ErbEinſetzung, oder unter der Benennung eines Vermachtniſſes geſchehen ſeyn, hat ihre Wir⸗ kungen nach den hiernach fur die Univerſal Vermächt⸗ niſſe, fur die Vermächtniſſe unter einem Univerſal⸗ Titel und fur die unter einem PartikularTitel aufge⸗ ſtellten Regeln. Vierter Abſchnitt. Von Univerſal Vermäachtniſſen. 1oo3. Das Univerſal Vermaͤchtniß iſt diejenige teſta⸗ mentariſche Verordnung, wodurch der Teſtator einer oder mehreren Perſonen die Geſammtheit des Vermoͤ⸗ gens giebt, das er bei ſeinem Tode hinterlaſſen wird. 1004. Wenn beim Abſterben des Teſtators Erben vorhanden ſind, welchen das Geſetz einen Theil ſeiner Guͤter vorbehaͤlt, ſo treten dieſe Erben von Rechts⸗ wegen und ohne weiteres durch ſeinen Tod in das ganze, die Erbſchaft ausmachende, Vermoͤgen ein, (ils en sont saisis) und der Univerſallegatar iſt ge⸗ halten, die Auslieferung der in dem Teſtamente be⸗ griffenen Guͤter von ihnen zu verlangen. rooʒ. Doch hat der Univerſallegatar, in denſelben Föllen, den Genuß der in dem Teſtamente begriffenen Guͤter von dem Tage des Sterbfalls an, wenn das Be⸗ gehren der Auslieferung in JahresFriſt von dieſer Epoche an geſchehen iſt; wo nicht, ſo fangt dieſer Ge⸗ nuß erſt von dem Tage des gerichtlich eingefuͤhrten Be⸗ gehrens an, oder von dem Tage an, wo in die Aus⸗ lieferung freiwillig eingewilligt worden iſt. 1oc6. Wenn beim Sterbfalle des Teſtators keine Erben vorhanden ſind, welchen das Geſetz einen Theil ſeines Vermoͤgens vorbehaͤlt, ſo tritt der Univerſal⸗ Legatar durch den Tod, von Rechtswegen und kraft des Geſetzes, in den Beſitz, ohne gehalten zu ſeyn, die Auslieferung zu verlangen. 1007. Jedes olographiſche Teſtament muß, ehe es in Vollzug geſetzt wird, dem Preſidenten des erſten Inſtanz Gerichtes, in deſſen Bezirk die Erbſchaft er⸗ — 254— oͤffnet iſt, vorgelegt werden. Dieſes Teſtament muß eroͤffnet werden, wenn es verſiegelt iſt. Der Preſi⸗ dent hat uͤber die Vorlage, uͤber die Eroͤffnung und den Zuſtand des Teſtamentes einen Verbal Prozeß zu errichten, und deſſen Hinterlegung in die Hände eines von ihm dazu beſtellten Notars zu verordnen. Wenn das Teſtament in der myſtiſchen Form errich⸗ tet iſt, ſo muß ſeine Vorlage, ſeine Eroͤffnung, ſeine Beſchreibung und ſeine Hinterlegung auf dieſelbe Art geſchehen; allein die Eroͤffnung darf nicht anderſt als in Gegenwart oder nach gehoͤriger Berufung von jenen Notarien und Zeugen geſchehen, die den Aufſchrifts⸗ Akt unterzeichnet haben, und am Orte anweſend ſind. 10og. Wenn im Falle des Artikels 1006. das Te⸗ ſtament ein olographiſches oder myſtiſches iſt, ſo iſt der Univerſallegatar gehalten, ſich durch eine Ordon⸗ nanz des Preſidenten in den Beſitz einſetzen zu laſſen welche unten auf ſeine Bittſchrift geſetzt werden muß, die dem HinterlegungsAkt beigefuͤgt wird. 1009. Der Univerſallegatar, welcher mit einem Erben konkurrit, dem das Geſetz einen gewiſſen An⸗ cheil des Vermoͤgens vorbehält, haftet fur die Schul⸗ den und Laſten der Erbſchaft des Teſtators, fuͤr ſeinen Antheil perſoͤnlich und fuͤr das Ganze bypothekariſch. und iſt gehalten, alle Vermachtniſſe abzutragen, vor⸗ behaltlich den Fall der Reduktion, ſo wie es in den Artikeln 926 und 927. auseinandergeſetzt iſt. Fünfter Abſchnitt. PVon Vermächtniſſen unter einem Univerſal Titel. 1010. Ein Vermächtniß unter einem UniverſalLitel iſt dasjenige, wodurch der Teſtator einen Antheil ſeines Vermogens, wouber ihm das Geſeſetz zu verfuͤgen er⸗ laubt, z. B. die Hälfte, ein Drittel oder alle ſeine — 856— Immoͤbel oder alle ſein Mobiliarhabe, oder einen be⸗ ſtimmten Antheil von allen ſeinen Immoͤbeln oder von ſeiner ganzen MobiliarHabe vermacht. Jedes andere Vermächtniß iſt nur eine Verfuͤgung unter einem PartikularTitel. 1011. Die Legatarien unter einem Univerſal Titel ſind gehalten, die Auslieferung von den Erben, wel⸗ chen das Geſetz einen Theil des Vermoͤgens vorbehält, in ihrer Ermangelung, von den Univerſallegatarien, und in Ermangelung von ſolchen, von dem Erben, der der nach der im Titel: von den Erbſchaften, auf⸗ geſtellten Ordnung(zur Erbſchaft) berufen iſt, anzu⸗ verlangen. 1012. Der Legatar unter einem UniverſalTitel haf⸗ tet, wie der Univerſallegatar, fuͤr die Schulden und Laſten der Erbſchaft des Teſtators, perſoͤnlich fuͤr ſei⸗ nen Antheil und hypothekariſch fuͤr das Ganze. 1 1013. Wenn der Teſtator nur uͤber einen Theil desjenigen Betrages verfuͤgt hat, uͤber welchen er verfuͤgen durfte, und dies unter einem UniverſalTitel gethan hat, ſo iſt dieſer Legatar gehalten, verhaͤltniß⸗ mäßig mit den geſetzlichen Erben die Partikular Ver⸗ maͤchtniſſe abzutragen. Sechster Abſchnitt. Von Partikular Vermächtniſſen. 1014. Jedes einfache, unbedingte Vermaͤchtniß giebt dem Legatar von dem Tage des Sterbfalls des Teſtators an, ein Recht auf den vermachten Gegen⸗ ſtand; dieſes Recht geht auf ſeine Erben oder die, welche in ſeine Rechte eingetreten ſind, uͤber(il est transmissible). Richts deſto weniger darf der Partikularlegatar ſich eher weder in den Beſitz des vermachten Gegenſtandes — 256— einſetzen, noch die Fruͤchte oder Zinſen deſſelben anverlangen, als von dem Tage an, wo er das Be⸗ gehren der Auslieferung nach der vom Art. 1011. be⸗ ſtimmten Ordnung eingefuͤhrt hat, oder von dem Tage an, wo dieſe Auslieferung ihm gutwillig bewilligt worden iſt. ror. Die Zinſen oder Fruͤchte des vermachten Ge⸗ genſtandes laufen zum Vortheil des Legatars von dem Tage des Sterbfalls an, und ohne daß er ſein Begeh⸗ ren gerichtlich eingefuͤhrt haͤtte: 1) Wenn der Teſtator ſeinen Willen in dieſer Hin⸗ ſicht ausdruͤcklich in dem Teſtamente erklärt hat. 2) Wenn eine Leib Rente oder eine Penſion unter dem Titel von Alimenten vermacht worden iſt. 1016. Die Koſten des Auslieferungs Geſuchs fallen der Erbſchaft zur Laſt, ohne daß jedoch eine Reduktion des geſetzlichen Vorbehalts daraus entſpringen koͤnnte. Die Einregiſtrirungs Gebuͤhren iſt der Legatar zu zahlen ſchuldig. Alles, wenn es im Teſtamente nicht anderſt verord⸗ net iſt. Jedes Vermaͤchtniß kann insbeſondere einregiſtrirt werden, ohne daß dieſes Einregiſtrement einem andern, als dem Legatar oder denen, die in ſeine Rechte einge⸗ treten ſind, zum Vortheil gereichen konnte. 1o17. Die Erben des Teſtators oder die uͤbrige Schuldner eines Vermaͤchtniſſes ſind perſoͤnlich zu deſ⸗ ſen Abzahlung gehalten, jeder nach Verhältniß des Antheils, der ihm in der Erbſchaft zufaͤllt. Sie haften hypothekariſch fuͤr das Ganze bis zur Konkurrenz des Werthes der Immoͤbel der Erbſchaft, in deren Beſit ſie ſich befinden. rorg. Der vermachte Gegenſtand muß mit ſeinem nothwendigen Zugehoͤr, und in dem Beſtande, worin er ſich am Tage des Sterbfalls des Teſtators befindet, ausgeliefert werden. 1019. Wenn der, welcher das Eigenthum eines Immoͤbels vermacht hat, es nachher durch Acquiſitio⸗ nen vermehrt, ſo werden dieſe Acquiſitionen, wenn ſie auch(an das vermachte Immoͤbel) anſtoſſen, ohne eine neue Verordnung, nicht angeſehen, als ob ſie einen Theil des Vermaͤchtniſſes ausmachten. Anderſt verhaͤlt es ſich mit den Verſchoͤnerungen und den neuen Bauten(constructions), die auf dem ver⸗ machten Grund und Boden gemacht worden waͤren, oder mit einem eingeſchloſſnen Platze(enclos), deſſen Umfang (enceinte, Einfriedigung) der Teſtator erweitert haͤtte. 1o2o. Wenn der vermachte Gegenſtand vor oder nach dem Teſtamente, fuͤr eine Schuld der Erbſchaft oder ſelbſt fuͤr die Schuld eines Dritten hypothezirt worden, oder mit einer Nutznieſſung beſchwert wor⸗ den iſt, ſo iſt der, welcher das Vermaͤchtniß abtra⸗ gen muß, nicht gehalten, ihn davon zu befreien, es ſey denn, daß ihm durch eine ausdruͤckliche Verordnung des Teſtators auferlegt wäre, es zu thun⸗ 1021. Wenn der Teſtator das Eigenthum eines andern vermacht hat, ſo iſt das Vermaͤchtniß nichtig, der Teſtator mag nun gewußt haben oder nicht, daß der vermachte Gegenſtand ihm nicht angehoͤrte. 1022. Wenn das Vermaͤchtniß eine unbeſtimmte Sache begreift, ſo iſt der Erbe nicht verbunden, ſie von der beſten Qualitaͤt zu liefern, aber er darf auch die ſchlechteſte nicht anbieten. 1o23. Ein einem Glaͤubiger geſchehenes Vermaͤcht⸗ niß wird nicht angeſehen, als ſey es zur Kompenſation ſeiner Schuld gemacht worden, noch ein einem Bedien⸗ ten gemachtes Vermaͤchtniß als zur Kompenſation ſei⸗ nes Lohns. Civil Geſetzb. 17 1024. Der Legatar unter einem PartikularTitel haftet nicht fuͤr die Schulden der Erbſchaft, vorbe⸗ haltlich der Reduktion des Vermächtniſſes, ſo wie es oben auseinander geſetzt iſt, und der HypothekarKla⸗ ge der Glaͤubiger. Siebenter Abſchnitt. Von den TeſtamentsExekutoren.“ 1o. Jeder Teſtator kann einen oder mehrere Te⸗ ſtaments Exekutoren ernennen. 1026. Er kann ſie in den Beſitz ſeines ganzen Mo⸗ biliar Vermoͤgens oder eines Theils deſſelben eintreten laſſen(il pourra leur en donmer la saisine), aber dieſer Beſitz darf nicht uͤber Jahr und Tag von ſei⸗ nem Sterbfalle an dauern. Wenn er ihnen denſelben nicht bewilligt hat, ſo koͤnnen ſie ihn nicht fordern. 1o27. Der Erbe kann dieſem Beſiß ein Ende ma⸗ chen, wenn er ſich erbietet, den Teſtaments Vollzie⸗ hern eine zur Zahlung der Mobiliar Vermächtniſſe hin⸗ längliche Summe einzuhaͤndigen, oder die Auszahlung dieſer Vermaͤchtniſſe erweißt. 1028. Wer ſich nicht verbindlich machen kann, kann nicht TeſtamentsEyekutor ſeyn. 1029 Eine verehlichte Frau kann nur mit Bewil⸗ ligung ihres Mannes die Verrichtungen als Teſtaments⸗ Vollzieherin annehmen. Wenn ſie kraft des Ehe⸗ Vertrags, oder eines Urtheils, in Vermoͤgens Tren⸗ nung lebt, ſo kann ſie dieſelbe, mit der Einwilligung ihres Mannes, oder, im Falle ſeiner Weigerung, kraſt einer gerichtlichen Ermaͤchtigung, annehmen, ſo wie es durch die Artikel 217 und 219. des Titels: von der Ehe vorgeſchrieben iſt. rozo. Ein Minderjaͤhriger kann nie Teſtamenls⸗ Exekutor werden, ſelbſt nicht mit Ermaͤchtigung ſeines Vormundes oder Kurators. 1031. Die TeſtamentsExekutoren muͤſſen die Sie⸗ gel anlegen laſſen, wenn minderjaͤhrige, interdizirte oder abweſende Erben vorhanden ſind. Sie muͤſſen in Gegenwart des vermuthlichen Erben, oder nachdem ſie ihn gehoͤrig berufen haben, ein Inven⸗ tarium uͤber das Vermoͤgen der Erbſchaft errichten laſſen. Sie haben, wenn das baare Geld nicht hinlaͤnglich iſt, um die Vermaͤchtniſſe auszuzahlen, den Verkauf der Mobiliarſchaft zu betreiben(ils provoqueront la venie). Sie muͤſſen uͤber den Vollzug des Teſtamentes wa⸗ chen, und koͤnnen, im Falle uͤber deſſen Vollzug Strit⸗ tigkeiten entſtehen, interveniren, um ſeine Guͤltigkeit zu behaupten. Sie muͤſſen, nach Ablauf von JahresFriſt von dem Sterbfalle des Teſtators an, uͤber ihre Verwaltung Rechenſchaft ablegen. 1032. Die Vollmacht des Teſtaments Voliziehers geht nicht auf ſeine Erben uͤber. 1033. Wenn mehrere Teſtaments Exekutoren vor⸗ handen ſind, welche dieſe Verrichtungen angenommen haben, ſo kann einer in Ermangelung der andern han⸗ deln; ſie ſind alsdann ſolidariſch fuͤr die Rechenſchaft uͤber die ihnen anvertraute Mobiliarſchaft verantwort⸗ lich, es ſey denn, daß der Teſtator ihre Verrichtun⸗ gen getheilt, und jeder ſich auf diejenige beſchraͤnkt haͤtte, welche ihm zugewieſen waren. ro34. Von dem Teſtaments Exekutor fuͤr die Anle⸗ gung der Siegel, das Inventarium und die Rechnungs⸗ Ablage gemachte Auslagen, ſo wie alle andere auf ſei⸗ ne Verrichtungen Bezug habende Unkoſten fallen der Erbſchaft zur Laſt. — 260— Achter Abſchnitt. Von dem Widerrufe und der Kaduzität der Teſtamente. 1o35. Teſtamente koͤnnen, ganz oder zum Theil, nur durch ein ſpäteres Teſtament, oder durch einen vor Notarien errichteten Akt, der die Erklärung einer Willensäͤnderung enthalt, widerrufen werden. 1036. Spätere Teſtamente, welche die vorherige nicht ausdrucklich widerrufen, machen in denſelben nur jene darin enthaltene Verfuͤgungen nichtig, welche mit den neuern unvertraͤglich ſind, oder ihnen zuwiderlaufen. ro37. Der durch ein ſpaͤteres Teſtainent geſchehene Widerruf bringt ſeine ganze Wirkung hervor, wenn auch dieſer neue Akt, wegen der Unfähigkeit des einge⸗ ſetzten Erben oder des Legatars oder wegen verweigerter Annahme(von deſſen Seite) ohne Vollziehung bleibte 1038. Jede Veräuſſerung des Ganzen oder eines Theils des vermachten Gegenſtandes durch den Teſtator, ſelbſt die durch einen Verkauf unter dem Vorbehalte des Ruͤckkaufs oder durch einen Tauſch, fuͤhren den Widerruf des Vermächtniſſes fur alles, was veraͤuſſert worden iſt, mit ſich, ſelbſt wenn dieſe ſpaͤtere Ver⸗ äuſſerung nichtig, und der Gegenſtand in die Hand des Teſtators zuruͤckgekehrt waͤre. 1039. Jede teſtamentariſche Verordnung zerfaͤllt (iſt kaduzirt), wenn der, zu deſſen Gunſten ſie geſche⸗ hen iſt, den Teſtaror nicht uberlebt. 1040. Jede teſtamentariſche Verfuͤgung, welche unter einer, von einer ungewiſſen Begebenheit abhaͤn⸗ gigen Bedingung geſchehen iſt, und zwar ſo, daß nach der Abſicht des Teſtators dieſe Verfuͤgung nur ſo weit vollzogen werden ſoll, als dieſe Begebenheit ſich ereig⸗ nen oder nicht ereignen wird, zerfäͤllt, wenn der ein⸗ geſetzte Erbe oder der Legatar vor Erfullung der Be⸗ dingung ſtirbt. — 261— 1041. Eine Bedingung, welche nach der Abſicht des Teſtators den Vollzug der Verfuͤgung nur auf⸗ ſchiebt, hindert den eingeſetzten Erben oder den Legatar nicht, ein wirklich erworbenes, auf ſeine Erben uber⸗ tragbares Recht(auf den vermachten Gegenſtand) zu haben. 1042. Ein Vermaͤchtniß zerfaͤllt, wenn der ver⸗ machte Gegenſtand während dem Leben des Teſtators ganz zu Grunde gegangen iſt. Ein gleiches gilt, wenn er ſeit ſeinem Tode, ohne Zuthun und ohne die Schuld des Erben zu Grunde gegangen iſt, ſogar wenn dieſer mit ſeiner Auslieferung in Ruͤckſtand verſetzt worden waͤre, wenn er unter den Haͤnden des Legatars gleichfalls haͤtte zu Grunde ge⸗ ben muͤſſen. 1043. Jede teſtamentariſche Verfuͤgung zerfällt, wenn der eingeſetzte Erbe oder Legatar ſie ausſchlägt, oder zu ihrem Empfang unfaͤhig iſt. 1044. Im Falle ein Vermaͤchtniß mehreren zu⸗ ſammen gemacht worden iſt, findet, zum Vortheil der Legatarien, ein Zuwachs Recht ſtatt. Ein Vermaͤchtniß wird, als mehreren zuſammen gemacht, angeſehen, wenn es durch eine einzige und dieſelbe Verfuͤgung geſchehen iſt, und der Teſtator nicht jedem der Kolegatarien ſeinen Antheil an dem vermachten Gegenſtande beſtimmt hat. 1045. Es wird gleichfalls, als mehreren zu ſam⸗ men gemacht, angeſehen, wenn ein Gegenſtand, der ohne Deterioration nicht getheilt werden kann, darch denſelben Akt mehreren Perſonen, obgleich jeder ins⸗ beſondere(Separément), vermacht worden iſt. 1046. Dieſelbe Urſachen, welche nach dem Art. 954. und den beiden erſten Verfuͤgungen des Artikels 956. des gegenwärtigen Titels zu der Klage auf Widerru ſeiner — 262— Schenkung zwiſchen lebenden ſtatt geben, muſſen auch fur die Klage auf Widerruf von teſtamentariſchen Ver⸗ fuͤgungen angenommen werden. 1047. Wenn dieſe Klage ſich auf eine ſchwere Be⸗ leidigung(injure) gegen das Andenken des Teſtators gruͤndet, ſo muß ſie in JahresFriſt, von dem Tage des Vergehens an, erhoben werden. Fünftes Kapitel. Von den Verfügungen, welche zu Gunſten der Enkel des Schenkgebers oder Teſtators, oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter erlaubt ſind. ro48. Die Aeltern konnen das Vermoͤgen, woruͤber ſie zu verfuͤgen befugt ſind, ganz oder zum Theil ei⸗ nem oder mehreren ihrer Kinder, durch Akte zwiſchen Lebenden oder teſtamentariſche Akte, unter der Oblie⸗ genheit ſchenken, dies Vermoͤgen den ſchon gebohrnen und kuͤnftigen Kindern der beſagten Schenknehmer, doch nur im erſten Grade, zuruͤck zu liefern. 1049. Im Falle des Sterbfalls ohne Kinder iſt auch die Verfuͤgung gültig, welche der Erblaſſer uͤber die Geſammtheit oder einen Theil des Vermoͤgens, welcher nicht durch das Geſetz in der Erbſchaft vorbe⸗ halten iſt, durch einen Akt zwiſchen lebenden oder ei⸗ nen teſtamentariſchen Akt zum Vortheil eines oder mehrerer ſeiner Geſchwiſter uner der Obliegenheit ge⸗ troffen haͤtte, dieſes Vermoͤgen den ſchon gebohrnen und zukunftigen Kindern der beſagten ſchenknehmen⸗ den Geſchwiſter, jedoch nur im erſten Grade, zuruͤck zu liefern. ro5o. Die, durch die beide vorhergehende Artikel erlaubte, Verfuͤgungen ſind nur dann guͤltig, wenn die Obliegenheit der Reſtitution zum Vortheil aller ſchon gebohrnen und zukuͤnftigen Kinder des Beſchwerten, — 263— ohne Ausnahme noch Vorzug des Alters oder Geſchlech⸗ tes, auferlegt iſt. 1051. Wenn in obigem Falle derjenige, der zum Vortheil ſeiner Kinder mit der Obliegenheit der Re⸗ ſticution beſchwert iſt, ſtirbt, und Kinder im erſten Grade und Deszendenten von einem vorher verſtor⸗ benen Kinde zuruͤckläßt, ſo beziehen dieſe letztere, kraft der Repräſentation, den Antheil des vorherverſtorbe⸗ nen Kindes. 1o52. Wenn das Kind, der Bruder oder die Schweſter, welchen gewiſſe Guͤter durch Akte zwiſchen Lebenden ohne die Obliegenheit der Reſtitution geſchenkt worden ſind, eine neue Freigebigkeit annehmen, welche ihnen durch einen Akt zwiſchen Lebenden oder ein Te⸗ ſtament unter der Bedingung gemacht worden iſt, daß auch die vorhergeſchenkte Guͤter mit dieſer kaſt beſchwert bleiben ſollen, ſo iſt es ihnen nicht mehr erlaubt, die beide zu ihrem Vortheil geſchehene Verfuͤgungen zu trennen, und auf die zweite Verzicht zu leiſten, um ſich an der erſten zu halten, wenn ſie ſich auch ſelbſt erbie⸗ ten ſollten, die in der zweiten Verordnung begriffene Guͤter zuruͤck zu erſtatten. 1053. Die Rechte der Subſtituirten(des appellẽs) ſind von der Epoche an eroͤffnet, wo aus irgend einer Urſache die Nutznieſſung des Kindes, des Bruders oder der Schweſter, die mit der Obliegenheit der Re⸗ ſtitution beſchwert ſind, aufhoͤrt. Die antizipirte Ueber⸗ laſſung des Nießbrauchs kann jedoch den Glaubigern des mit der Obliegenheit der Reſtitution Beſchwerten, die ſchon vor der Ueberlaſſung zu fordern hatten, nicht zum Nachtheil gereichen. 1054. Die Weiber der Beſchwerten haben, im Falle der Unzulänglichkeit des freien Vermoͤgens, auf die zuruck zu liefernde Güter keinen andern ſubſidiari⸗ — 264— ſchen Regreß, als fuͤr das Kapital ihrer DotalGelder, und nur in dem Falle, wo der Teſtator es ausdruͤcklich verordnet haͤtte.. 1055. Wer ſolche durch die beide vorhergehende Ar⸗ tikel erlaubte Verordnungen macht, kann durch den⸗ ſelben Akt, oder durch einen ſpaͤtern Akt in authenti⸗ ſcher Form einen, mit dem Vollzug dieſer Verord⸗ nung, beauſtragten Vormund ernennen Dieſer Vor⸗ mund kann nur wegen einer der, in dem ſechſten Ab⸗ ſchnitt des 2ten Kapitels des Titels: von der Min⸗ derjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation, aufgezäͤhlten Urſachen freigeſpro⸗ chen werden koͤnnen. 1056. In Ermangelung der Ernennung eines ſol⸗ chen Vormundes muß auf Betreiben des Beſchwer⸗ ten oder ſeines Vormundes, wenn er noch minderjäh⸗ rig iſt, in MonatsFriſt, von dem Tage des Sterb⸗ falls des Schenknehmers oder Teſtators an, oder von dem Tage an, wo ſeit dieſem Sterbfall der, die Ver⸗ fugung enthaltende, Akt bekannt geworden iſt, ein Vor⸗ mund ernannt werden. 1057. Derjenige Beſchwerte, welcher dem vorher⸗ gehenden Artikel nicht genug thut, wird der Wohlthat der Verordnung verluſtig; in dieſem Falle koͤnnen die Rechte der Subſtituirten, auf ihr Betreiben, wenn ſie großjährig ſind, oder das ihrer Vormuͤnder oder Kuratoren, wenn ſie minderjaͤhrig oder interdizirt ſind, oder auf das Betreiben von jedem Verwandten der großjährigen, minderjährigen oder interdizirten, oder ſelbſt von Amtswegen auf Betreiben des Regierungs⸗ Kommiſſars(kaiſ. Prokurators) bei dem Tribunal er⸗ ſter Inſtanz des Ortes, wo die Erbſchaft eroffnet iſt, zum Vortheil dieſer Beguͤnſtigten eroffnet erklärt werden. rozs. Nach dem Sterbfall desjenigen, der unter der Obliegenheit der Reſtitution verſuͤgt hat, muß in der gewoͤhnlichen Form zur Inventariſirung aller Guͤter und Effekten, woraus die Erbſchaft beſteht, geſchritten werden, den Fall jedoch ausgenommen, wo es ſich nur von einem Partikular Vermächtniſſe handelte. Dies Inventarium muß die Abſchätzung der Moͤbel und MobiliarEffekten zu billigen Preiſen enthalten. 1059. Daſſelbe muß auf Anſtehen des mit der Ob⸗ liegenheit der Reſtitution Beſchwerten, und in der in dem Titel: von den Erbſchaften, beſtimmten ZeitFriſt, in Gegenwart des zur Vollziehung ernann⸗ ten Vormundes errichtet werden. Die Koſten werden von dem, in der Verfuͤgung begriffenen, Vermoͤgen erhoben. 1060. Wenn das Inventarium in obiger ZeitFriſt nicht auf Anſtehen des Beſchwerten errichtet worden iſt, ſo muß im folgenden Monat auf Betreiben des zur Vollziehung ernannten Vormundes, in Gegenwart des Beſchwerten, oder ſeines Vormundes, dazu ge⸗ ſchritten werden. 1061. Wenn den beiden vorhergehenden Artikeln kein Genuͤge geſchehen iſt, ſo ſoll auf Betreiben der im Art. 1057. bezeichneten Perſonen, mit Berufung des Beſchwerten, oder ſeines Vormundes, und des zur Vollziehung ernannten Vormundes, dazu geſchricten werden. 1o62. Wer mit der Obliegenheit der Reſtitution beſchwert iſt, iſt verbunden, zum Verkauf aller in der Verordnung begriffenen Möbel und Effekten, mit Ausnahme derjenigen jedoch, von welchen in den bei⸗ den folgenden Artikeln Meldung geſchieht, durch eine oͤffentliche Verſteigerung und nach vorhergegangener Verkuͤndigung durch AnſchlagZettel zu ſchreiten. 1063. Der Hausrath(les meubles meublans) — 266— und andere MobiliarGegenſtande, welche mit der aus⸗ drucklichen Bedingung, ſie in Natur zu behalten, in der Verfuͤaung begriffen worden ſind, muͤſſen in dem⸗ jenigen Zuſtand zurͤckgegeben werden, worin ſie ſich zur Zeit der Reſtitution befinden werden. ro54. Vieh und Geräthſchaften, die zum Feldbau dienen, werden angeſehen, als ſeyen ſie in der Schen⸗ kung zwiſchen Lebenden, oder der teſtamentariſchen Schenkung der Land Guͤter mit einbegriſſen; der Be⸗ ſchwerte iſt nur gehalten, ſie aufnehmen und abſchaͤtzen zu laſſen, um bei der Reſtitution den gleichen Werth derſelben zuruͤck zu erſtatten. 1065. Der Beſchwerte hat das baare Geld, die aus dem Verkaufe der Moͤbel und Effekten geloͤßte Gelder und diejenige, welche von AktivForderungen eingegangen ſeyn werden, in einer ſechsmonatlichen Friſt von dem Tage des Abſchluſſes des Inventariums au, anzulegen. Dieſe Zeitriſt kann nach Beſchaffenheit der Um⸗ ſtande verlängert werden. 1066. Eben ſo iſt der Beſchwerte verbunden, die⸗ jenige Gelder, welche von den eingehenden Aktiv Po⸗ ſten und von dem Loskaufe von Renten herruͤhren wer⸗ den, ſpaͤteſtens in dreien Monaten nach dem Empfang dieſer Gelder anzulegen. 1067. Dieſe Anlegung muß der Verordnung des Urhebers der Verordnung gemaͤß geſchehen, wenn er die Art der Eſfſekten bezeichnet hat, worein ſie geſche⸗ hen ſoll; hat er dies nicht gethan, ſo kann ſie nicht anderſt als in Immoͤbeln oder mit Privilegien auf Immoͤbel geſchehen konnen 1068. Die durch die vorhergehende Artikel ver⸗ ordnete Anlegung muß in Gegenwart und auf Betreiben des fuͤr den Vollzug ernannten Vormundes geſchehen⸗ — 267— 1o69. Die Verordnungen durch Akte zwiſchen Le⸗ benden oder Teſtamente mit der Obliegenheit der Re⸗ ſtitution muͤſſen auf Betreiben, entweder des Be⸗ ſchwerten oder des fuͤr den Vollzug ernannten Vor⸗ mundes, bekannt gemacht werden; naͤmlich fuͤr die Immoͤbel durch die Transcription der Akte auf die Re⸗ giſter des Hypotheken Bureaus des Ortes, wo die Guͤter gelegen ſind; und was die gegen Hypothek auf Immoͤbel ausgelehnte Gelder betrift durch die In⸗ ſcription auf die zur Hypothek geſtellten Guͤter. 1070. Der Abgang der Transcription eines Aktes, der eine ſolche Verfuͤgung enthält, kann von den Glaͤubi⸗ gern und jedem dritten Erwerber, ſelbſt den Minderjaͤh⸗ rigen oder Interdizirten opponirt werden, vorbehaltlich des Ruͤckgriffs gegen den Beſchwerten und gegen den fuͤr den Vollzug ernannten Vormund, und ohne daß die Minderjährige oder Interdizirte gegen dieſen Ab⸗ gang der Transcription, ſelbſt im Falle der Unzahls⸗ faͤhigkeit der Vormuͤnder, reſtituirt werden koͤnnten. 1071. Die Ermangelung der Transcription kann durch die Kenntniß, welche die Gläubiger oder jeder dritte Erwerber auf jedem andern Wege als dem der Transcription erhalten haben koͤnnten, weder erſetzt noch als gedeckt betrachtet werden. 1072. Weder der Schenknehmer, noch die Legata⸗ rien, ſelbſt nicht einmal die geſetzliche Erben desjeni⸗ gen, welcher die Verordnung gemacht hat, noch auch ihre Schenknehmer, Legatarien oder Erben koͤn⸗ nen, in irgend einem Falle, dem Beguͤnſtigten den Abgang der Transcription oder Inſcription opponiren. 1073. Der fuͤr den Vollzug ernannte Vormund iſt perſoͤnlich verantwortlich, wenn er die oben fuͤr die Aufnahme der Guͤter, fuͤr den Verkauf der Mobiliar⸗ ſchaft, fuͤr die Anlage der Gelder, fuͤr die Transcrip⸗ tion und Inſeription aufgeſtellten Regeln nicht voll⸗ kommen befolgt hat, und wenn er im Allgemeinen nicht alle noͤthige Betreibungen gemacht hat, damit die Obliegenheit der Reſtitution gut und getreulich be⸗ folgt werde. 1074. Wenn der Beſchwerte minderjährig iſt, ſo kann er, ſelbſt im Falle der Unzahlsfähigkeit ſeines Vormundes, nie wegen dem NichtVollzug der dieſem durch die Artikel des gegenwärtigen Kapitels vorge⸗ ſchriebenen Regeln reſtituirt werden. Sechs tes apitel Von den, von dem Vater, der Mutter oder andern Aszendenten unter ihre Deszendenten gemachte Theilungen. 1075. Die Aeltern und andere Aszendenten koͤnnen ihr Vermoͤgen unter ihre Kinder und Deszendenten vertheilen und eintheilen. 1076. Dieſe Theilungen können durch Akte zwiſchen Lebenden oder teſtamentariſche Akte, unter denſelben Formalitaͤten, Bedingungen und Regeln, die fuͤr die Schenkungen zwiſchen Lebenden und die Teſtamente vorgeſchrieben ſind, geſchehen. Die Theilungen, welche durch Akte zwiſchen Leben⸗ den geſchehen, koͤnnen nur das gegenwärtige Vermoͤ⸗ gen zum Gegenſtand haben. 1077. Wenn nicht das geſammte Vermoͤgen, wel⸗ ches der Aszendent am Tage ſeines Sterbfalls hinter⸗ laſſen wird, in der Theilung einbegriffen worden iſt, ſo werden diejenigen Gäter, welche darin nicht einbe⸗ griffen worden ſind, in Gemaßheit des Geſetzes getheilt. 1078. Wenn die Theilung nicht unter alle Kinder, die zur Zeit des Sterbfalls vorhanden ſeyn werden, und die Deszendenten der vorherverſtorbenen, geſche⸗ — 269— hen iſt, ſo iſt die Theilung nichtig. Sowohl die Kin⸗ der oder Deszendenten, welche darin keinen Antheil erhalten haben werden, als ſelbſt diejenige, unter wel⸗ chen die Theilung ſtatt gehabt hat, koͤnnen alsdann eine neue Theilung in der geſetzlichen Form anverlangen. 1079. Jede von einem Aszendenten geſchehene Thei⸗ lung kann wegen einer Verletzung von mehr als einem Viertheil angefochten werden; ſie kann auch in dem Falle angefochten werden, wo es ſich aus der Thei⸗ lung und den zum vorab und auſſer dem Erbtheil getroffenen Verordnungen zuſammengenommen ergäbe, daß einer der Mittheilenden einen groͤſſern Vortheil, als das Geſetz erlaubt, erhalten haͤtte. 1ogo. Dasjenige Kind, welches aus einem der im vorhergehenden Artifel angefuͤhrten Gruͤnde die von ſeinem Aszendenten geſchehene Theilung anfechten wuͤr⸗ de, muß die Koſten der Abſchätzung vorlegen; ſie fal⸗ len ihm, ſo wie die Koſten des RechtsStreites, zur Laſt, wenn die Beſchwerde ohne Grund befunden wird. Siebentes Kapitel. Von den Schenkungen durch EhePakten zum Vortheile der Ehegatten und der aus der Ehe zu erzielenden Kinder. 1o81. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden von ge⸗ genwaͤrtigen Guͤtern, wenn ſie auch ſchon durch einen EheVertrag zum Vortheil der Ehegatten oder eines derſelben geſchehen iſt, bleibt den allgemeinen Regeln unterworfen, welche fuͤr die unter dieſem Rechts Titel geſchehene Schenkungen vorgeſchrieben ſind. Eine ſolche kann zum Vortheil zukuͤnftiger Kinder nicht ſtatt haben, die im obigen Kapitel enthaltenen Fälle ausgenommen. 1082. Aeltern, die uͤbrige Aszendenten, Kollateral⸗ — 370— Verwandte der Ehegatten, und ſelbſt Fremde koͤnnen die Geſammtheit oder einen Theil des Vermoͤgens⸗ welches ſie am Tage ihres Sterbfalls hinterlaſſen wer⸗ den, durch einen EhVertrag ſowohl zum Vortheil der beſagten Ehegatten, als zum Vortheil der aus ihrer Ehe zu erzielenden Kinder fuͤr den Fall, wo der Schenkgeber den ſchenknehmenden Ehegatten uͤberleben wuͤrde, verſchenken. Eine ſolche Schenkung, wenn ſie auch nur zum Vortheil der Ehegatten oder eines derſelben geſchehen ware, wird immer in dem beſagten Falle des Ueber⸗ lebens des Schenkgebers ſo angeſehen, als wäre ſie zum Vortheil der aus der Ehe zu erzielenden Kinder und Deszendenten geſchehen. 1083. Eine Schenkung in der im vorhergebenden Artikel beſtimmten Form iſt nur in dem Sinne unwi⸗ derruflich, daß der Schenkgeber nicht mehr unentgelt⸗ lich uber die in der Schenkung begriffene Gegenſtaͤnde verfugen darf, ausgenommen uͤber mäßige Summen⸗ zur Belohnung oder unter einem andern Titel. 1094. Eine Schenkung durch einen Eh Vertrag kann zugleich das gegenwaͤrtige und zukuͤnftige Ver⸗ moͤgen ganz oder zum Theil begreifen, unter der Be⸗ dingung, daß dem Akt ein Abſchaͤtzungs Verzeichniß der Schulden und kaſten des Schenkgebers, welche am Tage der Schenkung beſtanden, beigefugt werde; in welchem Falle es dem Schenknehmer bei dem Sterb⸗ falle des Schenkgebers frei ſteht, ſich an dem gegen⸗ wärtigen Vermoͤgen zu halten, und auf das uͤbrige Vermoͤgen des Schenkgebers Verzicht zu leiſten. ros5. Wenn das Verzeichniß, von welchem im vorhergehenden Artikel die Rede iſt, dem Akte, wel⸗ cher die Schenkung des gegenwärtigen und zukuͤnftigen Vermoͤgens enthaͤlt, nicht beigefgt worden iſt, ſo iſt der Schenknehmer verbunden, dieſe Schenkung ganz anzunehmen oder ganz auszuſchlagen. Im Falle der Annahme kann er nur dasjenige Vermoͤgen in Anſpruch nehmen, welches am Tage des Sterbfalls des Schenk⸗ gebers vorhanden iſt, und iſt zur Zahlung aller Schul⸗ den und kaſten der Erbſchaft gehalten. 1o36. Jede Schenkung durch einen EheVertrag zu Gunſten der Ehegatten und der aus ihrer Ehe zu er⸗ zielenden Kinder, von welchen Perſonen ſie auch ge⸗ ſchehen mag, kann gleichfalls unter der Bedingung geſchehen, alle Schulden und Laſten der Erbſchaft des Schenkgebers ohne Umerſchied zu bezahlen, oder unter irgend andern Bedingungen, deren Erfuͤllung von ſei⸗ nem Willen(dem des Schenknehmers) abhaͤngt: der Schenknehmer iſt alsdann gehalten, dieſe Bedingun⸗ gen zu erfuͤllen, wenn er anderſt nicht lieber auf die Schenkung verzichten will; und im Falle, wo der Schenkgeber durch einen EheVertrag ſich die Befug⸗ niſi vorbehalten haͤtte, uͤber einen in der Schenkung ſeines gegenwärtigen Vermoͤgens einbegriffenen Gegen⸗ ſtand oder uͤber eine beſtimmte, aus dieſem Vermoͤgen zu erhebende Summe zu verfuͤgen, ſo wird dieſer Ge⸗ genſtand oder dieſe Summe, wenn er ſtirbt, ohne daruͤber verfuͤgt zu haben, als in der Schenkung ein⸗ begriffen angeſehen, nnd gehoͤrt dem Schenknehmer oder ſeinen Erben. 1o87. Schenkungen, die durch einen EheVertrag geſchehen ſind, koͤnnen unter dem Vorwande der Nicht⸗ Annahme weder angefochten, noch fuͤr nichtig erklaͤrt werden. o88. Jede zu Gunſten einer Ehe geſchehene Ver⸗ fugung iſt kaduzirt, wenn die Ehe nicht darauf erfolgt. 1089. Alle einem der Ehegatten in den Fällen der Artikel 1052, 1084 und 1085. hieroben geſchehene — 272— Schenkungen ſind kaduzirt, wenn der Schenkgeber den ſchenknehmenden Ehegatten und ſeine Nachkom⸗ menſchaft uberlebt. 1o90. Alle, Ehegatten durch ihren Eh Vertras geſchebene Schenkungen koͤnnen bei der Eroͤffnung der Erbſchaft des Schenkgebers auf den Betrag, woruͤber ihm das Geſetz zu verfugen erlaubte, reduzirt werden. Achtes Kapitel. Von den Verordnungen zwiſchen Ehegatten, ſowohl durch EhePakten als auch während der Ehe. ro91. Die Ehegatten koͤnnen ſich durch EheVer⸗ traͤge, gegenſeitig, oder einer von beiden dem andern, mit Vorbehalt folgender Modifikationen jede beliebige Schenkung mache. 1092 Keine Schenkung zwiſchen Lebenden von ge⸗ genwärtigem Vermoͤgen, die durch den Eh Vertrag zwiſchen Ehegatten geſchehen iſt, wird angeſehen, als ſey ſie unter der Bedingung des Ueberlebens des Schenknehmers gemacht worden, wenn dieſe Bedin⸗ gung nicht foͤrmlich ausgedruͤckt iſt; jede ſolche Schen⸗ kung iſt allen oben fuͤr dieſe Art von Schenkungen auf⸗ geſtellten Regeln und Formen unterworfen. 1083. Jede Schenkung von zukünftigem Vermoͤgen, oder von gegenwärtigem und zukuͤnftigem Vermoͤgen, die unter Eheaatten durch einen EheVertrag geſchehen iſt, ſie mag nun einſach oder gegenſeitig ſeyn, iſt den im vorhergehenden Kapitel fur ähnliche Schenkungen, welche ihnen(den Ehegatten) von einem Dritten ge⸗ macht werden, aufgeſtellten Regeln unterworfen; vor⸗ behaltlich, daß ſie nicht auf die, aus der Ehe abſtam⸗ menden Kinder uͤbergeht, wenn der ſchenknehmende Ehegatte vor dem ſchenkgebenden ſtirbt. 1094. Ein Ehegatte kann im Falle, wo er keine ⸗ ſe Kinder noch Deszendenten hinterlaͤßt, ſowohl durch einen EhVertrag als waͤhrend der Ehe, zu Gunſten des andern Ehegatten, uͤber den ganzen Vermoͤgens⸗ Antheil eigenthuͤmlich verfuͤgen, worüber er zu Gun⸗ ſten eines Fremden verfuͤgen koͤnnte, und ihm die Nutznieſſung des ganzen Antheils bewilligen, woruͤber das Geſetz zum Nachtheil der Erben zu verordnen ver⸗ bietet. Und im Falle, wo der ſchenkgebende Ehegatte Kin⸗ der oder Deszendenten hinterlaſſen wird, kann er dem andern Ehegatten entweder ein Viertheil als eigen⸗ thuͤmlich und ein anderes Viertheil zur Nutznieſſung, oder die Haͤlfte ſeines ganzen Vermoͤgens zur Nutz⸗ nieſſung allein geben. 1095. Ein minderjähriger Ehegatte kann dem an⸗ dern Ehegatten durch den Eh Vertrag, ſowohl durch einfache als durch gegenſeitige Schenkung, nichts als mit Einwilligung und unter Beiſtand derjenigen ge⸗ ben, deren Einwilligung fuͤr die Guͤltigkeit ſeiner Ehe erforderlich iſt; mit dieſer Einwilligung kann er alles geben, was das Geſetz dem großjahrigen Ehe⸗ gatten ſeinem Mitgatten zu geben erlaubt. 1096. Alle waͤhrend der Ehe zwiſchen Ehegatten geſchehene Schenkungen, wenn ſie auch ſchon Schen⸗ kungen zwiſchen Lebenden benannt ſind, ſind immer widerruflich. Die Frau kann ſie widerrufen, ohne dazu von ihrem Manne oder von den Gerichten ermaͤchtigt zu ſeyn. Dieſe Schenkungen werden durch die Nachgeburt von Kindern nicht widerrufen. 1097. Ehegatten konnen, waͤhrend der Ehe, ſich weder durch Akte zwiſchen Lebenden, noch durch ein Teſtament gegen⸗ und wechſelſeitige Schenkungen in einem und demſelben Akte machen. Civil Geſetzb. 18 — 274— 1098. Wenn ein Ehegatte, es mag ein Mann oder eine Frau ſeyn, der aus einer fruͤheren Ehe Kin⸗ der hat, nachher zur zweiten Ehe ſchreitet, ſo kann er dem neuen Ehegatten nicht mehr als einen Antheil eines ehelichen Kindes, und zwar eines ſolchen, das am wenigſten erhaͤlt, geben; und ohne daß, in irgend einem Falle, dieſe Schenkung das Viertheil des Ver⸗ moͤgens uͤberſteigen koͤnnten. ro99. Die Ehegatten koͤnnen ſich unmittelbar nichts mehr ſchenken, als ihnen durch obige Verfuͤgungen erlaubt iſt. Jede verſteckte Schenkung oder eine ſolche, die an unterſchobene Perſonen geſchehen waͤre, iſt nichtig. 110o. Als Schenkungen an unterſchobene Perſonen werden angeſehen die Schenkungen eines der Ehegatten zum Vortheil der Kinder oder eines der Kinder des andern Ehegatten aus einer fruͤhern Ehe deſſelben, und diejenige, die der Schenknehmer zu Gunſten derjeni⸗ gen Verwandten des andern Ehegatten machen wuͤrde, deren vermuthlicher Erbe der andere Ehegatte am Tage der Schenkung war, wenn auch dieſer letztere ſeine ſchenknehmende Verwandten nicht uberlebt hätte. D uninpt er Toite Von den Kontrakten oder konventionellen Verbindlichkeiten im Allgemeinen. Dekretirt am(17. Pluvioſe 12.) 7. Februar 1804. promulgirt am .(a7) 17. deſſelben Monats. Erſtes Kapitel. PräliminarVerfuͤgungen. 1ro1. Ein Kontrakt iſt eine Uebereinkunft, wodurch eine oder mehrere Perſonen ſich gegen eine oder meh⸗ rere Perſonen verbindlich machen, etwas zu geben, zu thun, oder nicht zu thun. 11o2. Ein Kontrakt iſt[ynallagmatiſch oder beiderſeitig, wenn die Kontrahenten ſich gegenſei⸗ tig, einer gegen den andern, verbindlich machen. 1103. Er iſt einſeitig, wenn eine oder meh⸗ rere Perſonen gegen eine oder mehrere Perſonen ver⸗ pflichtet ſind, ohne daß eine Verbindlichkeit von Sei⸗ ten der letztern beſtaͤnde. 1104. Er iſt ein TauſchKontrakt(commu- tatif), wenn jede der Partheyen ſich verpflichtet, et⸗ was zu geben oder zu thun, was als das Equivalent desjenigen betrachtet wird, was man ihr giebt, oder was man fuͤr ſie thut. Wenn das Equivalent fur jede der Partheyen in der Ausſicht auf Gewinn oder Verluſt, einer ungewiſſen Be⸗ gebenheit zufolge, beſteht, ſo iſt der Kontrakt ale⸗ atoriſch. r105. Ein Wohlthaͤtigkeits⸗Kontrakt iſt berjenige, wodurch eine der Partheyen der andern ei⸗ nen ganz unentgeltlichen Vortheil verſchaft. 1106. Ein Kontrakt unter laͤſtigen Bedin⸗ gungen(à titre onereus) iſt der, welcher jede Parthey(der Verbindlichkeit) unterwirft, etwas zu geben oder zu thun. 1107. Die Kontrakte, ſie moͤgen nun eine eigene Benennung haben oder nicht, ſind allgemeinen Regeln unterworfen, welche der Gegenſtand des gegenwaͤrti⸗ gen Titels ſind. Diejenige Regeln, welche gewiſſe Kontrakte beſon⸗ ders betreffen, ſind in dem, auf jeden derſelben Bezug habenden, Titel enthalten, und die Regeln, welche die Handels Verhältniſſe insbeſondere betreffen, ſind in der auf den Handei Bezug habenden Geſetzgebung beſtimmt. * 3 weites Kapitel. Von den Bedingungen, welche zur Guͤltigkeit einer Uebereinkunft weſentlich erfordert werden. 1108. Zur Guͤltigkeit einer Uebereinkunft ſind vier Bedingungen weſentlich erforderlich: Die Einwilligung desjenigen Theils, der ſich ver⸗ pflichtet; Seine Faͤhigkeit zu kontrahiren; Daß die Verbindlichkeit uͤber einen gewiſſen Gegen⸗ ſtand eingegangen worden. Eine erlaubte Urſache der Verbindlichkeit. Erſter Abſchnitnt. Von der Einwilligung. 1109. Es iſt keine guͤltige Einwilligung vorhanden, wenn die Einwilligung nur aus Irrthum gegeben, oder mit Gewalt erpreßt, oder durch Betrug erſchli⸗ chen worden iſt. 1110. Der Jrrthum iſt nur dann ein hinlaͤnglicher Grund, um eine Uebereinkunft zu vernichten, wenn er die Subſtanz der Sache ſelbſt, die der Gegenſtand derſelben iſt, betrift. Er iſt dann kein hinlaͤnglicher Grund der Nichtig⸗ keit, wenn er nur die Perſon, mit welcher man kon⸗ trahiren wollte, betrift, den Fall ausgenommen, wo die Ruͤckſicht gegen dieſe Perſon die Hauptlrſache der Uebereinkunft geweſen waͤre. 1111. Gewalt, wenn ſie gegen den, der die Ver⸗ bindlichkeit uͤbernommen hat, veruͤbt worden, iſt ein (hinlanglicher) Grund, ſie nichtig zu erklaͤren, wenn ſie auch ſchon von einem Dritten, von einem andern als dem, zu deſſen Vortheil die Uebereinkunft geſchloſſen worden iſt, veruͤbt worden waͤre. 1112. Es iſt Gewalt vorhanden, wenn ſie geeigen⸗ ſchaftet iſt, auf eine vernuͤnftige Perſon Eindruck zu machen, und ihr die Frucht einfloͤßen kann, ihre Per⸗ ſon oder ihr Vermoͤgen einem betraͤchtlichen und gleich eintretenden Schaden auszuſetzen. Man nimmt in dieſen Fallen Ruͤckſicht auf das Al⸗ ter, das Geſchlecht und den Stand der Perſonen. 1II3. Die Gewalt iſt nicht allein dann ein Grund der Nichtigkeit des Kontraktes, wenn ſie gegen den kontrahirenden Theil veruͤbt worden, ſondern auch dann, wenn ſie gegen ſeinen Gatten oder gegen ſeine Gattin, gegen ſeine Deszendenten oder Aszendenten veruͤbt worden. 1114. Die bloſſe ehrfurchtsvolle Furcht gegen den Vater, die Mutter oder einen andern Aszendenten iſt, wenn keine Gewalt ausgeuͤbt worden iſt, nicht hin⸗ laͤnglich, um einen Kontrakt zu vernichten. 1115. Ein Kontrakt kann dann wegen(angewen⸗ deter) Gewalt nicht mehr angefochten werden, wenn er, ſeitdem die Gewalt aufgehoͤrt hat, entweder aus⸗ druͤcklich oder ſtillſchweigend, oder dadurch, daß man bie vom Geſetz fuͤr die Reſtitution feſtgeſetzte ZeitFriſt hat verſtreichen laſſen, gutgeheiſſen worden iſt. 1116. Der Betrug iſt dann ein Grund der Nulli⸗ tät der Uebereinkunft, wenn das von einer der Par⸗ theyen angewendete argliſtige Verfahren von der Art war, daß es augenfällig iſt, daß die andere Parthey ohne dies argliſtige Verfahren nicht kontrahirt haben wuͤrde. Der Betrug wird nie vermuthet, und muß erwie⸗ ſen werden. 1117. Eine aus Irrthum, aus Zwang oder durch Betrug abgeſchloſſene Uebereinkunft iſt nicht von Rechts⸗ wegen nichtig; ſie giebt blos zu einer Klage auf Nul⸗ = litat oder Reſciſion ſtatt, und zwar in den Faͤllen und auf die Art und Weiſe, wie es im 7. Abſchnitt des Kapitel§. des gegenwaͤrtigen Titels geſagt iſt. 1118. Die Läſion macht nur bei gewiſſen Kontrak⸗ ten oder fuͤr gewiſſe Perſonen die Uebereinkunft fehler⸗ haft, ſo wie es in demſelben Abſchnitt erkläͤrt wer⸗ den wird. 1119. Im allgemeinen kann man in ſeinem eigenen Namen nur ſich ſelbſt verbindlich machen und nur fuͤr ſich ſtipuliren. 1120. Man kann ſich jedoch auch fuͤr einen Drir⸗ ten verbindlich machen(se porter fort pour un tiers), indem man in deſſen Namen verſpricht, vorbehaltlich der Entſchaͤdigungs Klage gegen den, der fuͤr einen Dritten kontrahirt, oder ſich anheiſchig gemacht hat die Ratifikation deſſelben beizubringen, wenn der Dritte ſich weigert, die Verbindlichkeit zu erfullen. r121. Man kann ebenfalls zum Vortheil eines Dritten ſtipuliren, wenn dies die Bedingung einer Stipulation, die man fuͤr ſich ſelbſt macht, oder einer Schenkung, die man einem andern macht, iſt. Der, welcher die Stipulation gemacht hat, kann ſie nicht mehr widerrufen, ſobald der Dritte erklärt hat, daß er den Vortheil davon ziehen will. 1122. Es wird immer dafur gehalten, als habe man fuͤr ſich und ſeine Erben und Stellvertreter(ayant cause) ſtipulirt, wenn nicht das Gegentheil ausdruͤck⸗ lich geſagt iſt, oder aus der Natur der Uebereinkunft erhellt. Zweiter Abſchnitt. Von der Fähigkeit der kontrahirenden Theile. 1123. Jedermann kann kontrahiren, wenn das Ge⸗ ſeß ihn nicht unfäͤhig(dazu) erklärt hat. 1124. Unfähig zu kontrahiren ſind: Minderjaͤhrige; Interdizirte; Verheurathete Weiber, in den vom Geſetz beſtimm⸗ ten Faͤllen; Und uͤberhaupt alle diejenige, welchen das Geſetz gewiſſe Kontrakte unterſagt hat. 1125. Minderjaͤhrige, Interdizirte, und verheu⸗ rathete Weiber koͤnnen die Verbindlichkeiten, welche ſie eingegangen ſind, nur in den vom Geſetz vorgeſe⸗ henen Fällen anfechten. Diejenige Perſonen, welche befugt ſind, zu kon⸗ trahiren, koͤnnen die Unfähigkeit des Minderjaͤhrigen, des Interdizirten oder des verheuratheten Weibes, mit mit welchem ſie kontrahirt haben, nicht einwenden. Dritter Abſchnitt. Von dem Gegenſtande und der Materie der Kontrakte. 1126. Jeder Kontrakt hat eine Sache zum Gegen⸗ ſtand, welche ein Theil zu geben, oder zu thun, oder zu unterlaſſen ſich verbindlich macht. 1127. Der bloſſe Gebrauch oder der bloſſe Beſitz einer Sache kann, wie die Sache ſelbſt, der Gegen⸗ ſtand eines Kontraktes ſeyn. rr2g. Nur ſolche Dinge, welche ſich im Han⸗ del befinden, koͤnnen der Gegenſtand von Ueberein⸗ kuͤnften ſeyn. 1129. Die Gattung der Sache, die eine Verbind⸗ lichkeit zum Gegenſtand hat(espsce), muß wenig⸗ ſtens beſtimmt ſeyn. Die Quotität der Sache kann ungewiß ſeyn, wenn ſie nur beſtimmt werden kann. 1130. Zukunftige Dinge koͤnnen(auch) der Gegen⸗ ſtand einer Verpflichtung ſeyn. Doch kann man auf eine, noch nicht eroͤffnete, Erbſchaft nicht verzichten, noch uͤber eine ſolche Erb⸗ ſchaft irgend eine Stipulation treffen, ſelbſt nicht ein⸗ mal mit der Einwilligung desjenigen, von deſſen Erb⸗ ſchaft es ſich handelt. Vierter Abſchnitt. Von der Urſache. 1131. Eine Verbindlichkeit ohne Urſache, oder die wegen einer falſchen Urſache oder aus einer unerlaub⸗ ten Urſache eingegangen worden iſt, kann keine Wir⸗ kung hervorbringen. 1132. Eine Uebereinkunft iſt nichts deſto weniger gultig, wenn auch ihre Urſache nicht ausdrücklich an⸗ gefuͤhrt iſt. 1133. Eine Urſache iſt unerlaubt, wenn ſie durch das Geſetz verboten iſt, wenn ſie den guten Sitten oder der oͤffentlichen Ordnung zuwider läuft. P Von der Wirkung der Verpflichtungen(des obligations.) Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 1134. Eine geſetzlich abgeſchloſſene Uebereinkunft gilt denen, welche ſie abgeſchloſſen haben, an Geſe⸗ tzes ſtatt. Sie kann nur mit ihrer gegenſeitigen Einwilligung oder aus den vom Geſetz erlaubten Urſachen, widerru⸗ fen werden. Sie muß getreu und ohne Argliſt(de bonne foi) vollzogen werden. 1135. Jede Uebereinkunft macht nicht allein zu demjenigen verbindlich, was ausdrucklich darin einge⸗ — 281— fuhrt iſt, ſondern auch zu allen den Folgen, welche die Billigkeit, der Gebrauch oder das Geſetz der Ver⸗ pflichtung ihrer Natur nach geben. 3 weiter Abſchnitt. Von der Verpflichtung etwas zu geben. 1136. Die Verpflichtung etwas zu geben, zieht die Verbindlichkeit nach ſich, den Gegenſtand zu liefern, und ihn bis zur Lieferung zu bewahren, unter Strafe voͤlliger Schadloshaltung des Glaͤubigers. 1137. Die Verpflichtung, fuͤr die Erhaltung einer Sache zu wachen, die Uebereinkunft mag nun blos den Nutzen einer der Partheyen oder ihren gemein⸗ ſchaftlichen Nutzen zum Gegenſtand haben, verpflichtet den, welcher damit beauftragt iſt, alle Sorgfalt eines guten Familien Vaters darauf zu verwenden. Dieſe Verbindlichkeit iſt in Betreff gewiſſer Kon⸗ trakte, deren Wirkungen in dieſer Hinſicht in den ſie betreffenden Titeln erklaͤrt ſind, mehr oder weniger ausgedehnt. 1138. Die Verpflichtung, die Sache zu liefern iſt durch die bloſſe Einwilligung der kontrahirenden Partheyen vollkommen(parfaite). Sie macht den Glaͤubiger von dem Augenblicke an, wo die Sache hat geliefert werden ſollen, zum Eigen⸗ thůmer, und von dieſem Augenblicke an ſteht dieſelbe auf ſeine Gefahr, wenn auch ſchon die Ueberlieferung Craditio) derſelben nicht geſchehen waͤre, es ſey denn, daß ſich der Schuldner in Ruͤckſtand befände, ſie zu liefern, in welchem Falle die Sache auf die Gefahr dieſes letztern verbleibt. 1139. Der Schuldner wird entweder durch eine Aufforderung oder einen andern aͤhnlichen Akt, oder durch die Uebereinkunft ſelbſt in Rüͤckſtand verſetzt, — 282— wenn naͤmlich dieſe verfuͤgt, daß der Schuldner durch den bloſſen Ablauf der beſtimmten Zeitfriſt, und ohne daß es eines Aktes beduͤrfe, in Ruͤckſtand verſetzt ſeyn ſoll. 1140. Die Wirkungen der Verpflichtung, ein Im⸗ moͤbel zu geben oder zu liefern, werden durch die Titel: von dem Verkaufe, und: von den Privile⸗ gien und Hypotheken regulirt. 1141. Wenn man ſich nacheinander gegen zwei Perſonen verpflichtet hat, ihnen einen bloſſen Mobi⸗ liar Gegenſtand zu geben oder zu liefern, ſo erhält die⸗ jenige der beiden Perſonen, welche in den wirklichen Beſitz derſelben geſetzt worden iſt, den Vorzug, und verbleibt Eigenthuͤmer derſelben, wenn ſchon ihr Titel von einem ſpaͤtern Datum iſt, vorausgeſetzt jedoch, daß ihr Beſitz von gutem Glauben ſey. Dritter Abſchnitt. Von der Verpflichtung, etwas zu thun oder nicht zu thun. 1142. Jede Verpflichtung, etwas zu thun, oder nicht zu thun, loͤſet ſich im Falle der NichtErfuͤllung von Seiten des Schuldners, in eine Schadloshal⸗ tung auf. 1143 Der Glaͤubiger hat nichtsdeſtoweniger das Recht, zu verlangen, daß das, was der Verpflich⸗ tung zuwider geſchehen oder errichtet worden iſt, zerſtort werde; und er kann ſich ermaͤchtigen laſſen, es auf Ko⸗ ſten des Schuldners zu zerſtoren, ſeiner Schadloshal⸗ tung, nach Beſchaſſenheit der Umſtände, ohnbeſchadet. 1144. Der Glaäubiger kann auch, im Falle der NichtErfullung ermaͤchtiget werden, die Verpflichtung ſelbſt, auf Koſten des Schuldners, erfullen zu laſſen. 1145. Wenn eine Verpflichtung beſteht, etwas nicht zu thun, ſo wird derjenige, welcher ihr zuwider⸗ handelt, durch die bloſſe Thatſache dieſer Zuwiderhand⸗ lung, ſchuldig, eine Schadloshaltung zu leiſten. Vierter Abſchnitt. Von der Schabloshaltung wegen NichtErfuͤllung einer Ver⸗ pflichtung. 1146. Der Schuldner iſt nur dann eine Schadlos⸗ haltung(dommages et interéts) ſchuldig, wenn er ſich in Ruͤckſtand befindet, ſeine Verpflichtung zu er⸗ fuͤllen, den Fall jedoch ausgenommen, wenn die Sa⸗ che, welche der Schuldner ſich zu geben oder zu thun verpflichtet hat, nur in einer gewiſſen Zeitfriſt gegeben oder gethan werden konnte, und er dieſe hat verſtrei⸗ chen laſſen 1147. Der Schuldner wird, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde,(s*l y a lieu) immer zur Zahlung der Schadloshaltung, ſowohl wegen dem NichtVollzug der Verbindlichkeit, als wegen der Verſpätung ihres Vollzugs verurtheilt, wenn er nicht beweiſen kann, daß der RichtVollzug von einer ihm fremden Urſache herruͤhrt, die ihm nicht zur Laſt gelegt werden kann, und noch auſſerdem, daß gar keine Argliſt(mauvaise foi) von ſeiner Seite vorhanden iſt. 1148. Wenn der Schuldner durch eine hoͤhere Ge⸗ walt oder einen Zufall verhindert worden iſt, das zu geben oder zu thun, wozu er verpflichtet war, oder das gethan hat, was ihm unterſagt war, ſo findet gar keine Schadlos haltung ſtatt. 1149. Die Schadloshaltung, welche dem Glaͤubi⸗ ger zukommt, iſt im allgemeinen von dem Betrag des von ihm erlittenen Verluſtes und des Gewinnſtes, der ihm entzogen worden iſt, vorbehaltlich folgender Aus⸗ nahmen und Modifikationen. 1150. Wenn die Verpflichtung nicht durch die Arg⸗ — 454— liſt par son dol) des Schuldners unerfullt geblieben iſt, ſo iſt er nur zur Zahlung der Schadloshaltung fuͤr dasjenige gehalten, was man zur Zeit des Kontraktes vorgeſehen hat, oder vorſehen konnte. 115r. Selbſt in dem Falle, wo der NichtVollzug der Uebereinkunft von der Argliſt des Schuldners her⸗ ruͤhrt, darf die Schadloshaltung in Hinſicht auf den von dem Gläubiger erlittenen Verluſt und den Gewinn, der ihm entzogen worden, nichts, als das begreifen, was eine direkte und unmittelbare Folge des Nicht⸗ Vollzugs der Uebereinkunft iſt. 1152. Wenn die Uebereinkunft enthaͤlt, daß der, welcher ſie nicht vollziehen wuͤrde, eine gewiſſe Sum⸗ me als Schadlos haltung bezahlen ſoll, ſo kann der an⸗ dern Parthie keine hoͤhere noch geringere Summe zu⸗ erkannt werden. 1153. Wenn die Verpflichtung nichts als die Zah⸗ lung einer gewiſſen Summe betrift, ſo kann die Schad⸗ leshaltung wegen Verzoͤgerung des Vollzugs(dieſer Verpflichtung) in nichts anderm, als der Verurthei⸗ lung zu den von dem Geſetze beſtimmten Zinſen beſte⸗ hen, vorbehaltlich der beſondern Regeln in Betreff des Handels und der Buͤrgſchaften. Dieſe Schadloshaltung wird geſchuldet, ohne daß der Gläubiger verbunden wäre, irgend einen Verluſt zu erweiſen. Sie wird nicht eher als von dem Tage an geſchuldet, wo ſie anverlangt worden iſt, die Falle ausgenommen, in welchen die Zinſen kraft des Geſetzes und von Rechtswegen laufen. 1154 Verfallene Zinſen von Kapitalien koͤnnen ſelbſt wieder Zinſen hervorbringen, und zwar entweder durch eine gerichtliche Klage oder durch eine beſondere Uebereinkunft, vorausgeſetzt jedoch, daß ſowohl bei der Klage als in der Uebereinkunft es ſich von den Zinſen von wenigſtens einem ganzen Jahre handelt. 1155. Doch bringen verfallene Einkuͤnfte, z. B. Pachte, Miethzinſe, Ruͤckſtaͤnde von ewigen oder Leib⸗ Renten, von dem Tage des Begehrens oder der Ueber⸗ einkunft an Zinſen hervor. Dieſelbe Regel iſt auf die Zuruͤckerſtattung von Ein⸗ kuͤnften(des fruits) und auf die, von einem Dritten, dem Glaͤubiger zur Entlaſtung des Schuldners(en acquit du debiteur) bezahlte Zinſen anwendbar. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Auslegung der Vertraͤge. 1156. Man hat in den Konventionen vielmehr zu ergruͤnden, welches die gemeinſchaftliche Abſicht der kontrahirenden Partheyen war, als ſich an dem buch⸗ ſtablichen Sinne der Worte zu halten. 1157. Wenn eine Klauſel einen doppelten Sinn hat, ſo muß man ſie vielmehr in demjenigen Sinne nehmen, in welchem ſie eine Wirkung haben kann, als in demjenigen, in welchem ſie keine hervorbringen koͤnnte. 1158. Diejenige Ausdruͤcke, welche einen doppel⸗ ten Sinn haben koͤnnen, muͤſſen in dem Sinne genom⸗ men werden, der mit der Materie des Kontraktes am meiſten uͤbereinſtimmt. 1159. Dasjenige, was zweideutig iſt, wird nach dem Landesgebrauche des Ortes, an welchem der Kon⸗ trakt abgeſchloſſen worden iſt, gedeutet. 1160. Die bei einem Kontrakte gewoͤhnliche Klau⸗ ſeln muͤſſen demſelben, wenn ſie auch ſchon nicht aus⸗ druͤcklich darin eingeſuͤhrt ſind, zugeſetzt werden. 1161. Alle Klauſeln der Konventionen werden, die einen durch die andern, ausgelegt, wobei man je⸗ — 2— der den Sinn beilegt, der aus dem ganzen Akte her⸗ vorgeht. 1162. In zweifelhaften Faͤllen wird die Konvention gegen den, welcher ſtipulirt hat, und zum Vortheil desjenigen, der die Verpflichtung kontrahirt hat, aus⸗ gelegt. 1163. Wie allgemein auch immer die Ausdrucke ſeyn mogen, worin eine Konvention abgefaßt iſt, ſo begreift ſie doch nur die Gegenſtände, woruͤber die Partheyen zu kontrahiren die Abſicht gehabt zu haben ſcheinen. 1164. Wenn man in einem Kontrakte einen Fall, zur Erklärung einer Verpflichtung, angefuͤhrt hat, ſo wird nicht dafur gehalten, als habe man dadurch die Ausdehnung, weſche die Verpflichtung von Rechts⸗ wegen in den nicht ausdrucklich bemerkten Fallen erhaͤlt, beſchraͤnken wollen. Sechster Abſchnitt. Von der Wirkung der Konventionen in Hinſicht auf jeden Dritten. 1165. Konventionen bringen nur zwiſchen den kon⸗ trahirenden Partheyen Wirkungen. hervor; ſie bringen keinem Dritten Nachtheil, und bringen ihm nur in dem vom Art. 1121. vorgeſehenen Falle Vortheil. 1166. Doch koͤnnen die Glaͤubiger alle Rechte und Klagen ihres Schuldners, mit Ausnahme jedoch der⸗ jenigen, welche ausſchließlich ſeiner Perſon ankleben, geltend machen. 1167. Sie koͤnnen auch, in ihrem perſoͤnlichen Na⸗ men, die von ihrem Schulder, um ſie um ihre Rechte zu bringen(en fraude de leurs droits), errichtete Akte angreifen. Sie muͤſſen ſich jedoch, in Betreff derjenigen von ibren Rechten, welche im Titel von den Erbſchaf⸗ ten, und in dem Titel: von dem EheVertrag und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten angefuͤhrt ſind, nach den daſelbſt vorgeſchriebenen Re⸗ geln bemeſſen. Viertes Kapitel. Von den verſchiedenen Gattungen von Verpflichtungen. Erſter ALbſchnitt. Von den bedingten Verpflichtungen. F 1. Pon der Bedingung im Allgemeinen und ihren verſchiedenen Gattungen. 1168. Eine Verpflichtung iſt bedingt, wenn man ſie von einem kuͤnftigen und ungewiſſen Ereigniſſe ab⸗ bängig macht, entweder indem man ſie, bis dahin eine Begebenheit ſich ereignen wird, ſuspendirt, oder ſie, je nachdem die Begebenheit ſich ereignen oder nicht ereignen wird, wieder aufhebt. 1r69. Eine kaſuelle Bedingung iſt diejenige, welche ganz vom Zufalle abhaͤngt, und keineswegs in der Macht, weder des Glaͤubigers noch des Schuld⸗ ners, ſteht. 1170. Eine poteſtative Bedingung iſt diejenige, welche den Vollzug der Uebereinkunft von einer Be⸗ gebenheit abhaͤngig macht, welche eine oder die an⸗ dere Parthey eintreten zu machen oder zu verhindern die Macht hat. 1171. Eine gemiſchte Bedingung iſt eine ſolche, welche zugleich von dem Willen der kontrahirenden Theile und von dem Willen eines Dritten abhaͤngig iſt. 1172. Jede Bedingung von etwas Unmoglichem, oder von etwas, was den guten Sitten zuwider läuft, oder durch das Geſetz verboten iſt, iſt nichtig, und macht die Uebereinkunſt, welche davon abhaͤngt, nichtig. 1173. Die Bedingung, etwas Unmoͤgliches nicht zu thun, macht die unter dieſer Bedingung abgeſchloſ⸗ ſene Uebereinkunft nicht nichtig. 1174. Jede Verpflichtung iſt nichtig, wenn ſie unter einer poteſtativen Bedingung von Seiten desjenigen Theils, welcher ſich verpflichtet, abgeſchloſſen worden iſt. 1175. Jede Bedingung muß auf diejenige Art und Weiſe erfuͤllt werden, auf welche die Partheyen wahr⸗ ſcheinlich gewollt und verſtanden haben, daß ſie es werden ſolle. 1176 Wenn eine Verpflichtung unter der Bedin⸗ gung abgeſchloſſen wird, daß eine Begebenheit ſich in einer beſtimmten Zeitfriſt ereigne, ſo wird dieſe Be⸗ dinaung fur erloſchen erachtet, wenn dieſe Zeitfriſt ab⸗ geloffen iſt, ohne daß die Begebenheit ſich ereignet haͤtte. Iſt keine Zeitfriſt beſtimmt, ſo kann die Be⸗ dingung immer erfullt werden; und ſie wird nicht eber fur erloſchen erachtet, als wenn es gewiß geworden iſt, daß die Begebenheit ſich nicht ereignen wird⸗ 1177. Wenn eine Verpflichtung uncer der Bedin⸗ gung kontrahirt wird, daß eine Begebenheit nicht in einer beſtimmten Zeitfriſt eintrete, ſo iſt die Be⸗ dingung erfuͤllt, wenn dieſe Zeitfriſt abgelaufen iſt, ohne daß die Begebenheit eingetreten wäre; ſie iſt es ebenfalls, wenn es vor dieſer Zeitfriſt gewiß wäre, daß die Begebenheit ſich nicht ereignen wird; iſt aber keine Zeitfriſt beſtimmt, ſo iſt ſie nicht eher erfuͤllt, als bis dahin es gewiß geworden iſt, daß die Begebenheit ſich nicht ereignen wird. 1178. Jede Bedingung wird fur erfuͤllt erachtet, wonn der, unter dieſer Bedingung verpflichtete, Schuld⸗ ner ihre Erfullung verhindert hat. 1179. Die erfullte Bedingung hat immer bis zu dem Tage, wo die Verpflichtung eingegangen worden iſt, ruͤckwirkende Kraft. Wenn der Glaͤubiger vor Erfuͤllung der Bedingung geſtorben iſt, ſo gehen ſeine Rechte auf ſeine Erben uͤber. 1180. Der Glaͤubiger darf, ehe die Bedingung erfuͤllt iſt, alle, die Sicherſtellung ſeiner Rechte be⸗ zweckende, konſervatoriſche Akte vornehmen. K 2. Von der ſuspenſiven Bedingung. 1181. Unter einer ſuspenſiven Bediugung iſt die⸗ jenige Verpflichtung abgeſchloſſen, welche entweder von einer zukuͤnftigen und ungewiſſen Begebenheit oder von einem ſchon eingetretenen, aber den Partheyen noch unbekannten Ereigniß abhaͤngig iſt. Im erſten Falle kann die Verbindlichkeit erſt nach jener Begebenheit erfuͤllt werden; im zweiten Falle hat die Verpflichtung von dem Tage an, wo ſie einge⸗ gangen worden iſt, ihre Wirkung. 1182. Wenn die Verpflichtung unter einer ſuspen⸗ ſiven Bedingung abgeſchloſſen worden iſt, ſo verbleibt die Sache, welche den Gegenſtand der Uebereinkunft ausmacht, auf Gefahr des Schuldners, welcher ſich nur fur den Fall, daß die bedungene Begebenheit ſich ereig⸗ nen wird, zur Lieferung derſelben verbindlich gemacht hat. Iſt die Sache, ohne Schuld des Schuldners, ganz zu Grunde gegangen, ſo iſt die Verpflichtung erloſchen. Befindet ſich die Sache, ohne Schuld des Schuldners, in einem verſchlimmerten Zuſtande, ſo hat der Glaͤu⸗ biger die Wahl, entweder die Verpflichtung aufzuheben, oder die Sache in dem Zuſtande, worin ſie ſich befin⸗ det, ohne Abzug von dem Kaufſchilling, anzuverlangen. Befindet ſie ſich durch die Schuld des Schuldners Civil Geſetzb. 19 in einem verſchlimmerten Zuſtande, ſo hat der Gläu⸗ biger das Recht, entweder die Verpflichtung aufzuhe⸗ ben, oder die Sache in dem Zuſtande, worin ſie ſich befindet, nebſt Schadloshaltung, anzuverlangen. §. 3. Von der reſolutoriſchen Bedingung. 1183. Reſolutoriſch iſt diejenige Bedingung, wel⸗ che, wenn ſie in Erfuͤllung geht, den Widerruf der Verpflichtung bewirkt, und die Sachen wieder in den⸗ ſelben Zuſtand verſetzt, als wenn die Verpflichtung nicht beſtanden haͤtte. Sie ſuspendirt den Vollzug der Verpflichtung nicht; ſie verpflichtet den Glaͤubiger nur in dem Falle, wo der durch die Bedingung vorgeſehene Fall ſich ereignen wuͤrde, das, was er erhalten hat, zuruͤckzuerſtatten. 1184. Bei ſynallagmatiſchen Kontrakten wird die reſolutoriſche Bedingung fuͤr den Fall, wo einer der beiden Theile ſeine Verpflichtung nicht erfullen wuͤrde, immer unterverſtanden. In dieſem Falle iſt der Kontrakt nicht von Rechts⸗ wegen aufgeloͤßt; der Theil, gegen welchen die Ver⸗ pflichtung nicht vollzogen worden iſt, hat die Wahl, den andern entweder zum Vollzug der Uebereinkunft, wenn dieſer moͤglich iſt, zu zwingen, oder deren Aufhe⸗ bung nebſt Schadloshaltung anzuverlangen. Die Aufhebung muß gerichtlich anverlangt werden, und nach den Umſtaͤnden kann dem Beklagten ein Aus⸗ ſtand bewilligt werden. Zweiter Abſchnitt. Von der Perpflichtung mit Terminen. 1185. Der Termin iſt darin von der Bedingung unterſchieden, daß er nicht die Verpflichtung(ſelbſt) ſuspendirt, ſondern nur ihren Vollzug werſchiebt. r186. Das, was man nur zu einem gewiſſen Ter⸗ min ſchuldig iſt, kann vor der Verfallzeit dieſer Zeit⸗ friſt nicht gefordert werden; allein das, was voraus bezahlt worden iſt, kann nicht zuruͤckgefordert werden. 1187. Es wird immer vermuthet, als ſey der Ter⸗ min zu Gunſten des Schuldners ſtipulirt, wenn nicht anderſt aus der Stipulation oder aus den Umſtaͤnden erhellt, daß er auch zu Gunſten des Glaäubigers be⸗ dungen worden iſt. 1188. Der Schuldner kann die Wohlthat des Ter⸗ mins nicht mehr in Anſpruch nehmen, wenn er Ban⸗ kerot gemacht hat, oder wenn er durch irgend von ihm herruͤhrende Handlungen oder Thatſachen die Sicher⸗ heit vermindert hat, die er ſeinem Glaͤubiger durch den Kontrakt bewilligt hatte. Dritter Abſchnitt. Von alternativen Verpflichtungen. 1189. Der Schulder einer alternativen Verpflich⸗ tung wird durch die Lieferung einer der beiden Sachen, welche in der Verpflichtung begriffen waren, von die⸗ ſer befreit. 1190. Wenn die Wahl nicht ausdruͤcklich dem Glaͤu⸗ biger bewilligt worden iſt, ſo ſteht ſie dem Schuldner zu. 1191. Der Schuldner kann ſich durch die Ablie⸗ ferung der einen oder der andern von den verſprochenen Sachen ſeiner Verbindlichkeit entledigen; allein er kann den Glaͤubiger nicht zwingen, einen Theil von der einen und einen Theil von der andern anzunehmen. 1192. Wenn eine der verſprochenen Sachen kein Gegenſtand einer Verpflichtung ſeyn konnte, ſo beſteht die Verpflichtung unbedingt, wenn ſie gleich auf eine alternative Weiſe kontrahirt worden war. 1193. Die alternative Verpflichtung wird unbe⸗ dingt, wenn die eine der verſprochenen Sachen, ſelbſt 5. durch die Schuld des Schuldners, zu Grunde geht, und nicht mehr geliefert werden kunn. Der Schuldner kann ihren Werth nicht an ihrer ſtatt anbieten. Wenn beide zu Grunde gegangen ſind, und der Schuldner ſich in Hinſicht auf eine derſelben fehl be⸗ findet, ſo muß er den Werth derjenigen bezahlen, welche zuletzt zu Grunde gegangen iſt. 1194. Wenn in den vom vorhergehenden Artikel vorhergeſehenen Fällen die Uebereinkunft den Gläubi⸗ ger die Wahl gelaſſen hat, ſo iſt entweder eine Sache allein zu Grunde ge⸗ gangen, und alsdann muß der Glaͤubiger, wenn es ohne Schuld des Schuldners geſchehen iſt, die uͤbrig⸗ gebliebene erhalten; wenn aber der Schuldner die Schuld davon hat, ſo kann der Gläubiger die uͤbrig⸗ gebliebene Sache oder den Werth derjenigen, welche zu Grunde gegangen iſt, anverlangen. Oder beide Sachen ſind zu Grunde gegangen; und alsdann kann der Gläubiger, wenn der Schuldner ſich in Hinſicht auf beide, oder auch nur in Hinſicht auf eine derſelben, fehl befindet, den Werch der einen oder der andern, nach ſeinem Belieben fordern. 1195. Wenn beide Sachen ohne Schuld des Schuldners zu Grunde gegangen ſind, und ehe er ſich in Ruͤckſicht befand, ſo iſt, dem Art. 1302. gemaͤß, die Verpflichtung erloſchen · 1196. Dieſelbe Grundſäte ſind auf die Faͤlle an⸗ wendbar, wo mehr als zwei Dinge in der alternativen Verpflichtung einbegriffen ſind. Vierter Abſchniet. Von ſolidariſchen Verpflichtungen. F. 1. Von der Solidarität zwiſchen den Gläubigern. 1107. Eine Verpflichtung iſt zwiſchen mehreren Glaͤubigern ſolidariſch, wenn der Titel jedem von ihnen ausdrucklich das Recht giebt, die Zahlung des ganzen Guthabens zu fordern, und verfuͤgt, daß die an einen von ihnen geſchehene Zahlung den Schuld⸗ ner entlaſtet, wenn gleich der Vortheil der Ver⸗ pflichtung unter die verſchiedene Gläubiger zu ver⸗ theilen iſt. 1198. Der Schuldner hat die Wahl, an einen oder den andern der ſolidariſchen Glaͤubiger zu zahlen, ſo lange ihm nicht einer von ihnen mit ſeinen Betrei⸗ bungen zuvorgekommen iſt. Der Nachlaß, welcher nur von einem der ſolidari⸗ ſchen Gläubiger bewilligt worden, entlaſtet jedoch den Schuldner nur fuͤr den Antheil dieſes Glaͤubigers. 1199. Jeder Akt, welcher die Verjährung in Hin⸗ ſicht auf einen der ſolidariſchen Gläubiger unterbricht, bringt allen andern Glaͤubigern Vortheil. F. 2. Von der Solidarität unter den Schuldnern⸗ 1200. Die Schuldner ſind ſolidariſch, wenn ſie ſich zu einer und der naͤmlichen Sache dergeſtalten ver⸗ pflichtet haben, daß jeder fuͤr die Geſammtſumme an⸗ gehalten werden kann, und daß die von einem einzigen geſchehene Zahlung die andern ihrer Verpflichtung ge⸗ gen den Glaͤubiger entledigt. 1z0r. Die Verpflichtung kann ſolidariſch ſeyn, wenn gleich einer der Schuldner zur Zahlung derſelben Sache auf eine andere Art und Weiſe wie der andere verpflichtet iſt, zum Beiſpiel, wenn der eine nur be⸗ dingter Weiſe verpflichtet iſt, während die Verpflich⸗ tung des andern unbedingt iſt, oder wenn der eine ſich einen Termin ausbedungen hat, der dem andern nicht bewilligt iſt. — 294— 1202. Die Solidarität wird nie vermuthet; ſie muß ausdrucklich ſtipulirt ſeyn. Dieſe Regel faͤllt nur in den Fällen weg, wo die Solidaritaͤt von Rechtswegen, kraft einer geſetzlichen Verfuͤgung, ſtatt findet. 1203. Der Gläubiger einer ſolidariſch eingegangenen Verpflichtung kann ſich an einen der Schuldner nach ſeinem Belieben wenden, ohne daß dieſer ihm die Rechts Wohlthat der Theilung(der Schuld) ein⸗ wenden koͤnnte. r204. Die Betreibungen, welche der Glaͤubiger gegen einen der Schuldner macht, verhindern ihn nicht, aͤhnliche Betreibungen gegen die andere zu er⸗ richten. 1205. Wenn die geſchuldete Sache durch die Schuld eines oder mehrerer der ſolioariſchen Gläubi⸗ ger, oder wahrenddem einer oder mehrere von ihnen ſich in Ruͤckſtand befanden, zu Grunde gegangen iſt, ſo ſind die uͤbrige Mitſchuldner der Verpflichtung, den Werth der Sache zu zahlen, nicht entledigt, allein ſie ſind nicht zu der Schadloshaltung(beizutragen) verbunden. Der Glaͤubiger kann die Schadloshaltung nur von denjenigen Schuldnern, durch deren Schuld die Sache zu Grunde gegangen iſt, und von denjenigen, welche ſich im Ruͤckſtand befanden, anverlangen. 1206. Die gegen einen der ſolidariſchen Schuldner gemachte Betreibungen unterbrechen die Verjährung in Hinſicht auf alle. 1207. Das gegen einen der ſolidariſchen Schuldner, gerichtete Begehren von Zinſen, hat die Wirkung, daß die Zinſen gegen alle laufen. raog. Jeder ſolidariſche Mitſchuldner kann, wenn er von dem Glaͤubiger verfolgt wird, alle Einreden machen, welche aus der Natur der Verpflichtung herflieſſen, alle die, welche ihm perſoͤnlich ſind, ſo wie auch die, welche allen Mitſchuldnern gemeinſchaft⸗ lich ſind. Er kann diejenige Einreden nicht machen, welche nur einigen der andern Mitſchuldner perſoͤnlich zuſtehen. 1209. Wenn einer der Schuldner einziger Erbe des Glaubigers wird, oder wenn der Glaͤubiger ein⸗ ziger Erbe eines der Schuldner wird, ſo erliſcht die Schuld kraft der Konfuſion(des Zuſammenfluſſes der Aktiv, und PaſſivRechte) nur fuͤr den Antheil des Schuldners oder des Gläubigers. 1210. Der Glaͤubiger, welcher in Hinſicht auf ei⸗ nen der Mitſchuldner in die Theilung der Schuld ein⸗ gewilligt hat, behäit ſeine ſolidariſche Klage gegen die andern, nach Abzug jedoch des Antheils desjenigen Schuldners, den er von der Solidarität freigegeben hat. r21r. Der Gläubiger, welcher den Antheil eines der Schuldner insbeſondere empfängt, ohne ſich in der Quittung die Solidarität oder ſeine Rechte im Allge⸗ meinen vorzubehalten, verzichtet nur in Hinſicht auf dieſen Schuldner auf die Solidaritat. Es wird nicht dafur gehalten, als habe der Glau⸗ biger dem Schuldner die Solidarität erlaſſen, wenn er von ihm eine Summe empfaͤngt, welche ſeinem An⸗ theil gleich kommt, wenn die Quittung nicht beſagt, daß er ſie fuͤr deſſen Antheil angenommen hat. Ein gleiches gilt von der unbebingten, gegen einen der Mitſchuldner, wegen ſeinem Antheit erho⸗ benen Klage, wenn dieſer ſich nicht der Klage gefuͤgt hat(n'a pas acquiescé), oder wenn kein kondemna⸗ toriſches Urtheil darauf erfolgt iſt. 1212. Wenn der Gläubiger den Antheil eines der Mitſchuldner an Ruckſtänden oder Zinſen von der — 296— Schuld, insbeſondere und ohne Vorbehalt, angenom⸗ men hat, ſo verliert er die Solidarität nur fuͤr die ver⸗ fallene Ruͤckſtände oder Zinſen, nicht aber fur die kuͤnf⸗ tighin fallige, noch fuͤr das Kapital ſelbſt; es ſey denn, daß die theilweiſe Zahlung waͤhrend zehn auf⸗ einanderfolgenden Jahren fortgeſetzt worden waͤkk. 133. Die ſolidariſch gegen den Gläubiger einge⸗ ganene Verpflichtung zerfällt von Rechtswegen zwi⸗ ſchen die Schuldner, die untereinander jeder nur fuͤr ſeinen Antheil dazu(beizutragen) verbunden ſind. 1214. Der Mitſchuldner einer ſolidariſchen Schuld, welcher ſie ganz bezahlt hat, kann von den uͤbrigen von jedem blos ſeinen Antheil zuruͤckfordern. Iſt einer derſelben unzahlsfaͤhig, ſo wird der Ver⸗ luſt, der aus ſeiner Unzahlsfaͤhigkeit entſteht, verhalt⸗ nißmaͤſſig unter alle andere zahlsfähige Mitſchuldner und den, welcher die Zahlung gemacht hat, vertheilt. 1215. Im Falle der Glaͤubiger gegen einen der Schuldner auf die ſolidariſche Klage verzichtet hat, ſo wird, wenn einer oder mehrere der uͤbrigen Mitſchuld⸗ ner unzahlsfaͤhig werden, der Ancheil der Unzahls⸗ faͤhigen beitragsweiſe unter alle Schuldner, ſelbſt unter die, welche der Glaäubiger vorher von der Solidaritaͤt freigegeben hätte, vertheilt. 1216. Wenn das Geſchaͤft, wegen welchem die Schuld ſolidariſch kontrahirt worden iſt, nur einen der ſolidariſch Verpflichteten betrafe, ſo bliebe dieſer in Hinſicht auf die uͤbrige Mitſchuldner allein fur die Schuld verhaftet, und dieſe wuͤrden in Hinſicht auf ihn nur als ſeine Buͤrgen angeſehen werden. Fünfter Abſchnitt. Von theilbaren und untheilbaren Verpflichtungen. 1217. Eine Verpflichtung iſt theilbar oder uncheil⸗ bar, je nachdem ſie eine Sache zum Gegenſtand hat, welche in ihrer Lieferung, oder eine Handlung, die in ihrem Vollzug einer, materiellen oder intellektuellen, Theilung faͤhig oder nicht fähig iſt. r21g. Eine Verpflichtung iſt untheilbar, wenn gleich die Sache oder die Handlung, welche den Ge⸗ genſtand derſelben ausmacht, ihrer Natur nach kheil⸗ bar iſt, wenn ſie in der Hinſicht, in welcher ſie in der Verpflichtung betrachtet wird, keines theilweiſen Voll⸗ zugs ſähig iſt.. 1219. Die Stipulation der Solidaritaͤt giebt einer Verpflichtung nicht den Karakter der Untheilbarkeit. §. 1. Von den Wirkungen der theilbaren Verpflichtung. 1220. Jede Verpflichtung, welche der Theilung empfaͤnglich iſt, muß zwiſchen dem Gläubiger und dem Schuldner, gerade als waͤre ſie untheilbar, vollzogen werden. Die Theilbarkeit findet nur in Hinſicht auf ihre Erben ihre Anwendung, welche die Schuld nur fuͤr den Theil anverlangen koͤnnen, oder ſie nur zu dem Theile zu bezahlen verbunden ſind, der ihnen als Stellvertreter des Glaͤubigers zugefallen iſt, oder fuͤr den ſie als Stellvertreter des Schuldners verhaftet ſind. 1221. Der im vorhergehenden Falle aufgeſtellte Grundſatz erhaͤlt in Hinſicht auf die Erben des Schuld⸗ ners eine Ausnahme: 1. In dem Falle, wenn die Schuld eine Hypothe⸗ karſchuld iſt. 2. Wenn ein beſtimmter Koͤrper geſchuldet wird. 3. Wenn es ſich von einer alternativen Schuld von Sachen, deren eine untheilbar iſt, handelt, und die Wahl dem Glaͤubiger uͤberlaſſen iſt. 4. Wenn einer der Erben, kraft des Titels, al⸗ ſn dem Vollzug der Verpflichtung bela⸗ et iſt. 5. Wenn es ſowohl entweder aus der Natur der Verpflichtung, oder aus dem Gegenſtande der⸗ ſelben, oder aus dem Zwecke, den man in dem Kontrakte beabſichtigt hat, erhellt, daß es die Abſicht der Kontrahenten war, daß die Schuld nicht theilweiſe ſollte abgetragen werden koͤnnen. In den drei erſten Fallen kann derjenige Erbe, wel⸗ cher die geſchuldete Sache oder das fuͤr die Schuld hypothezirte Immoͤbel beſitzt, fuͤr das Ganze, in der geſchuldeten Sache oder dem hypothezirten Grund und Boden, angegriffen werden, vorbehaltlich ſeines Ruͤck⸗ griffs gegen ſeine Miterben. In dem vierten Falle kann gleichfalls der allein mit der Schuld belaſtete Erbe, und in dem fuͤnften Falle jeder Erbe fuͤr das Ganze verfolgt werden, vorbehaltlich ſeines Ruͤckgriffs gegen ſeine Miterben.- F. 2. Von den Wirkungen der untheilbaren Verpflichtungen. 1222. Jede von mehreren Perſonen, welche zuſam⸗ men eine untheilbare Schuld kontrahirt haben, bleibt fur das Ganze verhaftet, wenn gleich die Verpflich⸗ tung nicht ſolidariſch kontrahirt worden wäre. 1223. Ein gleiches gilt von den Erben desjenigen, welcher eine ähnliche Verpflichtung kontrahirt hat. r224. Jeder Erbe des Glaͤubigers kann den Voll⸗ zug einer untheilbaren Verpflichtung ganz anverlangen · Er kann die Geſammtſumme der Schuld allein nicht nachlaſſen; eben ſo wenig kann er fuͤr ſich allein den Werth des Gegenſtandes an deſſen Stelle empfangen. Wenn einer der Erben allein die Schuld nachgelaſſen, oder den Werth der Sache empfangen hat, ſo kann ſein Miterbe den untheilbaren Gegenſtand nur unter der Bedingung anverlangen, den Antheil des Miter⸗ ben, der den Nachlaß gemacht oder den Werth em⸗ pfangen hat, in Aufrechnung zu bringen. 1225. Wenn ein Erbe des Schuldners fuͤr die ganze Verpflichtung vorgeladen wird, ſo kann er einen Ausſtand anverlangen, um ſeine Miterben zur Sache beizuladen, wenn nicht die Schuld von der Art iſt, daß ſie nur durch den vorgeladenen Erben abgetragen werden kann, in welchem Falle er allein verurtheilt werden kann, vorbehaltlich ſeines Ruͤckgriffs gegen ſeine Miterben wegen ſeiner Entſchaͤdigung. Sechster Abſchnitt. Von den Verpflichtungen unter einer Strafbedingung. 1226. Eine Strafbedingung iſt diejenige, wodurch Jemand ſich, um den Vollzug einer Uebereinkunft zu verſichern, im Falle des NichtVollzugs zu etwas ver⸗ bindlich macht. 1227. Die Nullitat der Hauptverpflichtung zieht die der Strafbedingung nach ſich. Die Nullitaͤt dieſer leztern zieht aber nicht die Nullität der Hauptverpflich⸗ tung nach ſich. 1228. Der Glaͤubiger hat das Recht, ſtatt die be⸗ dungene Strafe von dem in Ruͤckſtand befindlichen Schuldner anzuverlangen, ihn auf den Vollzug der Hauptverpflichtung zu verfolgen. 1229. Die Strafbedingung iſt die Kompenſation des erlittenen Schadens und entzogenen Gewinnſtes, welchen der Glaͤubiger durch den Nichtvollzug der Hauptverpflichtung erleidet. Er kann die Hauptſache und die Strafe nicht zu⸗ gleich verlangen, es ſey denn, daß die leztere fuͤr den Fall der bloſſen Verzoͤgerung ſtipulirt worden wäre. — 300— 1230. Die urſpruͤngliche Verpflichtung mag einen Termin enthalten, worin ſie erfullt werden muß, oder nicht, ſo iſt die Strafe doch nicht eher verfallen, als wenn ſich der, der ſich verpflichtet hat, etwas zu lie⸗ ſern, zu nehmen oder zu thun, in Ruͤckſtand befindet. r231. Der Richter kann die Strafe modifiziren, wenn die Hauptverpflichtung zum Theil erfuͤllt wor⸗ den iſt. 1232. Wenn die unter einer Strafbedingung kontra⸗ hirte urſpruͤngliche Verpflichtung eine untheilbare Sa⸗ che zum Gegenſtand hat, ſo iſt die Strafe durch die Zuwiderhandlung eines der Erben des Schuldners verfallen, und kann ſowohl ganz von dem, welcher die Zuwiderhandlung begangen hat, als von jedem der Miterben fuͤr ſeinen Antheil, und hyporhekariſch eben⸗ falls ganz anverlangt werden, vorbehaltlich des Ruͤck⸗ griffs dieſer leztern gegen den, durch deſſen Schuld die Strafe verfallen iſt. 1233. Wenn die unter einer Strafbedingung kon⸗ trahirte urſpruͤngliche Verpflichtung theilbar iſt, ſo iſt die Strafe nur von Seiten desjenigen der Erben des Schuldners verfallen, der der Verpflichtung zuwider⸗ handelt, und nur fuͤr den Ancheil, wofuͤr er in der Hauptverpflichtung verhaftet war, ohne KlagRecht (des Glaͤubigers) gegen die, welche die Verpflichtung erfuͤllt haben. Dieſe Regel erhaͤlt dann eine Ausnahme, wenn die Strafbedingung in der Abſicht hinzugeſetzt worden iſt, damit die Zahlung nicht cheilweiſe geſchehen koͤnne, und ein Miterbe lalſo) den Vollzug der ganzen Ver⸗ pflichtung verhindert hat. In dieſem Falle kann die ganze Strafe gegen ihn, und von den uͤbrigen Mit⸗ Erben von jedem nur ſein Antheil, vorbehaltlich ihres Ruckgriffs, angefodert werden. — 301— F uͤnftes Kapitel. Von der Tilgung der Verpflichtungen. 1234. Die Verpflichtungen(obligations) werden getilgt: Durch die Zahlung; Durch die Novation; Durch den freiwilligen Nachlaß; Durch die Kompenſation; Durch die Konfuſion; Wenn der Gegenſtand derſelben zu Grunde gehe, oder verloren wird; Durch die Nullitaͤt oder die Aufhebung derſelben; Durch die Wirkungen einer reſolutoriſchen Bedin⸗ gung, welche im vorhergehenden Kapitel ausein⸗ andergeſetzt worden ſind; Und durch die Verjährung, welche den Gegenſtand eines beſondern Titels ausmacht. Erſter Abſchnitt. Von der Zahlung. S. 1 Von der Zahlung im Allgemeinen. 1235. Jede Zahlung unterſtellt eine Schuld. Al⸗ les, was bezahlt worden iſt, ohne daß man es ſchul⸗ dig war, kann zuruͤckgefordert werden. Dieſe Zuruͤckforderung findet in Hinſicht auf natuͤr⸗ liche Verpflichtungen, welche freiwillig erfuͤllt worden ſind, nicht ſtatt. 1236. Jeder, der bei einer Verpflichtung bethei⸗ ligt iſt, z. B. ein Mitverpflichteter oder ein Buͤrge, kann die Verpflichtung abtragen. Jeder Dritte ſogar, der nicht dabei betheiligt iſt, kann eine Verpflichtung abtragen, wenn dieſer Dritte — 302— nur im Namen und zur Entlaſtung des Schuldners handelt, oder wenn er nur, wenn er in ſeinem eige⸗ nen Namen handelt, nicht in die Rechte des Glaͤubi⸗ gers ſubrogirt wird. 1237. Kein Dritter kann eine Verpflichtung, etwas zu thun, gegen den Willen des Glaͤubigers abtragen, wenn dieſer ein Intereſſe dabei hat, daß ſie durch den Schuldner ſelbſt erfuͤllt werde. 1238. Um guͤltiger Weiſe bezahlen zu koͤnnen, muß man Eigenthuͤmer der Sache ſeyn, die man zur Zah⸗ lung giebt, und befugt ſeyn, ſie zu veraͤuſſern. Die Zahlung einer Geldſumme, oder einer andern Sache, die durch den Gebrauch aufgezehrt wird, kann jedoch von dem Glaͤubiger, der ſie in gutem Glauben aufgezehrt hat, nicht zuruͤckgefordert werden, wenn ſie gleich von einem ſolchen zur Zahlung gegeben worden wäre, dem ſie nicht eigenthuͤmlich zugehoͤrte, ober der nicht befugt war, ſie zu veraͤuſſern. 1239. Die Zahlung muß an den Gläubiger, oder an einen Bevollmaͤchtigten von ihm, oder an einen ſolchen geſchehen, den die Gerichte oder das Geſetz ermaͤchtigt haͤtten, fuͤr ihn zu empfangen. Wenn die Zahlung an einen ſolchen geſchehen iſt, der von dem Glaͤubiger nicht bevollmaͤchtigt war, für ihn zu empfangen, ſo iſt ſie gultig, wenn dieſer ſie ratifizirt oder den Vortheil davon gezogen hat. 1240. Wenn eine Zahlung in gutem Glauben an denjenigen gemacht worden iſt, der ſich im Beſitz der Forderung befindet, ſo iſt dieſe Zahlung guͤltig, wenn gleich der Beſitzer in der Folge evinzirt werden ſollte. ra4r. Wenn der Glaͤubiger unfähig war zu em⸗ pfangen, ſo iſt die an ihn gemachte Zahlung nicht guͤltig, es ſey denn, daß der Schuldner erweiſe, daß die Zahlung dem Gläubiger zum Vortheil gereicht hat. — 303— 1242. Wenn ein Schuldner ſeinen Glaͤubiger, ei⸗ nes Arreſtes oder einer Oppoſition ohngeachtet bezahlt, ſo iſt dieſe Zahlung in Hinſicht auf die Gläubiger, welche den Arreſt oder die Oppoſition angelegt haben, nicht gultig; dieſe koͤnnen ihn, ihrem Rechte gemäß, zur nochmaligen Zahlung anhalten, vorbehaltlich, in dieſem einzigen Falle, ſeines Ruͤckgriffs gegen den Glaͤubiger. 1243. Der Glaͤubiger kann nicht gezwungen wer⸗ den, etwas anderes anzunehmen als was ihm geſchul⸗ det wird, ſelbſt wenn die angebotene Sache von glei⸗ chem oder ſelbſt groͤßerem Werthe waͤre. 1244. Der Schuldner kann den Gläubiger nicht zwingen, die Zahlung einer, ſelbſt theilbaren, Schuld, zum Theil anzunehmen. Die Richter koͤnnen jedoch, ruckſichtlich auf die Lage des Schuldners, gemaͤßigte Zahlungsfriſten, und fuͤr den Vollzug der Betreibungen einen Aufſchub bewil⸗ ligen, wobei alles im nämlichen Zuſtande(wie im Augenblicke dieſer Verfuͤgung) verbleiben muß. Sie duͤrfen von dieſer Befugniß nur mit groſſer Zuruͤckhal⸗ tung Gebrauch machen. 1245. Der Schuldner eines gewiſſen und beſtimm⸗ ten Koͤrpers iſt ſeiner Verpflichtung durch die Ueber⸗ lieferung der Sache, in dem Zuſtande, worin ſie ſich bei der Ablieferung befindet, entledigt, vorausgeſetzt, daß die Deteriorationen, die ſie erlitten hat, nicht von ihm herruͤhren, nicht durch ſeine Schuld oder die von Perſonen, fuͤr welche er verantwortlich iſt, verurſacht worden ſind, und daß er ſich vor dieſen Deteriora⸗ tionen nicht in Ruͤckſtand befand. 1246. Wenn die Schuld eine Sache zum Gegen⸗ ſtand hat, die nur durch ihre Gattung beſtimmt iſt, ſo iſt der Schuldner, um ſich von derſelben zu befreien nicht verbunden, ſie von der beſten Gattung zu liefern, er kann ſie auch nicht von der ſchlechteſten an⸗ bieten. 1247. Die Zahlung muß an dem Orte geſchehen, der durch die Uebereinkunft beſtimmt iſt. Wenn der Ort darin nicht beſtimmt iſt, ſo muß die Zahlung, wenn von einem gewiſſen und beſtimmten Koͤrper die Rede iſt, an dem Orte geſchehen, wo ſich die Sache, die den Gegenſtand der Verpflichtung ausmacht, zur „ Zeit des Abſchluſſes derſelben befand. Dieſe beide Fälle ausgenommen muß die Zahlung am Wohnorte des Schuldners geſchehen. 1248. Die Koſten der Zahlung fallen dem Schuld⸗ ner zur Laſt. §. 2. Von der Zahlung mit Subrogation. 1249. Die Subrogation einer dritten Perſon, wel⸗ che den Glaubiger bezahlt, in deſſen Rechte, iſt kon⸗ ventionell oder geſetzlich. 1250. Dieſe Subrogation iſt konventionell; 1. Wenn der Gläubiger, indem er ſeine Zahlung von einer dritten Perſon empfaͤngt, ſie in ſeine Rechte, Klagen, Privilegien oder Hypotheken gegen den Schuldner ſubrogirt; dieſe Subroga⸗ tion muß ausdrucklich und zu gleicher Zeit wie die Zahlung geſchehen. 2. Wenn der Schuldner eine Summe lehnt, um ſeine Schuld zu zahlen, und den Darleiher in die Rechte des Gläubigers zu ſubrogiren. Wenn dieſe Subrogation gultig ſeyn ſoll, ſo muß der Akt uͤber das Anlehn und die Quittung vor No⸗ tarien errichtet werden; es muß in dem Akte uͤber das Anlehn erklärt werden, daß die Summe gelehnt worden iſt, um dieſe Zahlung zu machen, und in der Quittung muß erklaͤrt werden, daß die Zahlung mit dem, zu dem Ende, von dem neuen Glaͤubiger gelieferten Gelde geſchehen iſt. Dieſe Subrogation wird ohne die Bei⸗ ſtimmung und Einwilligung des Glaͤubigers be⸗ werkſtelliget. 1251. Die Subrogation findet von Rechtswegen und kraft des Geſetzes ſtatt: 1. Zum Vortheil desjenigen, der, wenn er ſelbſt Glaͤubiger iſt, einen andern Glaͤubiger bezahlt, der ihm wegen ſeinen Privilegien oder Hypothe⸗ ken vorgeht. 2. Zum Vortheil des Ankaufers eines Immoͤbels, welcher den Kaufſchilling zur Zahlung der Glaͤu⸗ biger verwendet, welchen das gekaufte Grund⸗ ſtuͤck hypothezirt war. 3. Zum Vortheil desjenigen, der, weil er mit an⸗ dern oder fuͤr andere zur Zahlung einer Schuld verbunden war, ein Intereſſe hatte, ſie zu bezahlen. 4. Zum Vortheil des BenefiziarErben, der die Schulden der Erbſchaft aus ſeinem Vermoͤgen bezahlt hat. 1252. Die von den vorhergehenden Artikeln begruͤn⸗ dete Subrogation hat ſowohl gegen die Buͤrgen als gegen die Schuldner ſtatt; ſie kann dem Glaͤubiger nicht zum Nachtheil gereichen, wenn er nur zum Theil bezahlt worden iſt; in dieſem Falle kann er wegen dem, was ihm noch geſchuldet bleibt, ſeine Rechte geltend machen, und behaͤlt den Vorzug vor dem, von welchem er blos eine theilweiſe Zahlung erhalten hat. §. 3. Worauf die Zahlungen aufgerechnet werden. 1253. Der Schuldner mehrerer Schulden hat das Civi Geſetzb. 20 Recht, wenn er eine Zahlung macht, zu erkläͤren, welche Schuld er ablegen will. 1254. Der Schuldner einer Schuld, welche Zin⸗ ſen trägt oder Ruͤckſtäͤnde hervorbringt, kann, wenn er eine Zahlung macht, ſie ohne Einwilligung des Gläubigers nicht auf das Kapital vorzugsweiſe vor den Ruckſtanden oder Zinſen aufrechnen; wenn eine Zah⸗ lung auf Kapital und Zinſen geſchieht, welche nicht ganz austraͤgt, ſo wird ſie zuerſt auf die Zinſen auf⸗ gerechnet. 1255. Wenn ein Schuldner mehrerer Schul⸗ den eine Quittung angenommen har, wodurch der Glaͤubiger das, was er erhalten hat, auf eine dieſer Schulden insbeſondere aufgerechnet hat, ſo kann der Schuldner nicht mehr verlangen, daß die Zahlung auf eine andere Schuld aufgerechnet werde, wenn weder Betrug noch Ueberraſchung von Seiten des Glaͤubigers ſtatt geſunden hat. 1255. Wenn die Quittung gar keine Aufrechnung enthält, ſo muß die Zahlung auf diejenige von den zugleich fälligen Schulden aufgerechnet werden, welche der Schuldner damals am meiſten intereſſirt war abzutragen; iſt dies aber nicht der Fall, auf die ſallige Schuld, wenn ſie gleich weniger läſtig als die noch nicht fullige war. n Wenn die Schulden von gleicher Natur ſind, ſo wird die Zahlung auf die älteſte Schuld aufgerechnet; ſind ſie im allen Stuͤcken gleich, ſo wird ſie verhältniß⸗ maͤßig auf alle aufgerechnet. F. 4. Von dem Anerbieten der Zahlung und der Hinterlegung. 1257. Wenn der Gläubiger ſich weigert, ſeine Zah⸗ lung anzunehmen, ſo kann der Schuldner ihm ein reel⸗ — 307— les Anerbieten machen, und im Falle der Gläudiger ſich weigern wuͤrde, daſſelbe anzunehmen, die angebo⸗ tene Summe oder Sache hinterlegen. Ein reelles Anerbieten, auf welches die Hinterlegung gefolgt iſt, entledigt den Schüldner(ſeiner Verbindlich⸗ keit); es gilt in Hinſicht auf ihn an Zahlungsſtatt, wenn es auf guͤltige Weiſe gemacht worden iſt, und die alſo hinterlegte Sache verbleibt auf Gefahr des Glaͤubigers. 1a53. Wenn das reelle Anerbieten guͤltig ſeyn ſoll, ſo muß es 1, einem Glaͤubiger, der zum Empfang befugt iſt, oder einem von ihm dazu Bevollmächtigten ge⸗ macht werden. 2. Es muß von einer zur Zahlung befugten Perſon gemacht werden. Ferner muß es 3. Von dem ganzen Betrag der Summe, welche mit Recht gefordert werden kann(de la som- me exigible), der ſchuldigen Ruͤckſtände oder Zinſen, der liquidirten Koſten und einer Summe fuͤr die noch nicht liquidirte Koſten, mit dem Erbieten ſie(noͤthigenfalls) zu ergaͤnzen, ſeyn. 4. Der Termin muß, wenn er zu Gunſten des Glaͤubigers ausbedungen worden, verfallen ſeyn. 5. Die Bedingung, unter welcher die Schuld kon⸗ trahirt worden, muß eingetroffen ſeyn. 6. Das Anerbieten muß an dem Orte geſchehen, an welchem der Uebereinkunft gemaͤß die Zah⸗ lung geſchehen ſollte, und wenn keine beſondere Uebereinkunft uͤber den Ort der Zahlung beſteht, ſo muß es entweder dem Glaͤubiger in Perſon oder in ſeinem Wohnorte oder an dem fuͤr den Vollzug der Uebereinkunft erwaͤhlten Wohnorte gemacht worden ſeyn. 7. Das Anerbieten muß durch einen miniſteriellen 5 — 308— Beamten, deſſen Karakter ihn zu ſolchen Akten berechtigt, geſchehen.(1) 1259. Es iſt zur Guͤltigkeit der Hinterlegung(Kon⸗ ſignation) nicht erforderlich, daß die Getichte ſie erlaubt haͤtten; es iſt genug: 1. daß vorher dem Gläubiger eine Aufforderung zugeſtellt worden ſey, welche den Tag, die Stun⸗ de und den Ort angeben muß, wann und an welchem der angebotene Gegenſtand hinterkegt werden ſoll. 2. Daß der Schuldner ſich durch die Hinterlegung des angebotenen Gegenſtandes, mit den Zinſen bis zu dem Tage der Hinterlegung, in das von dem Geſetze zu dem Ende bezeichnete Depot, deſ⸗ ſelben wirklich begeben habe.(2) (v Jeder Verbal Prozeß von einem reellen Anerbieten muß den angebotenen Gegenſtand ſolchermaſſen bezeichnen, daß demſeiben bein anderer unterſchoben werden kann; beſtebt derſelbe in baarem Gelde, ſo muͤſſen die Sorten und die Gattung angefuͤhrt werden.(Art. 812. des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß.) Der VerbalProzeß muß von der Antwort, der Weigerung oder der Annahme des Gläubigers Meldung thun, und anfuͤhren, ob er un⸗ terzeichnet, ſich deſſen geweigert oder erblaͤrt hat, nicht ſchreiben zu konnen.(Art. 313. deſſ.N c) Von der PVerkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Geſetzes an zu rechnen hat die TilgungsKaſſe die Summen zu empfangen, welche in Gemäßheit von Urtheilsſpruͤchen oder von adminiſtrativen Entſchei- dungen hinterlegt werden muͤſſen. Sie hat zu dem Ende allenthalben, wo es nöthig ſeyn wird, Vorgeſetzte zu ernennen.(Art. 1. des Ge⸗ ſetzes vom 23. Nivoſe KlII. 18. Jänner 1805.. Die TilgungsKaſſe hat den berechtigten Theilen jede hinterlegte Sumine jährlich, zu drei vom hundert, zu verzinſen; dieſe Zinſen laufen vom 6oten Tag nach der Hinterlegung bis zu dem der Zuruͤck⸗ zahlung. Summen, welche geringere Zeit als ſechzig Tage hinterlegt bleiben, tragen keine Zinſen.(Art. 2. deſſ.) Die Hinterleger ſind zu dem Ruͤckgriff an die Tilgungs Kaſſe für die in die Hände ihrer Vorgeſetzten hinterlegte Summen berechtigt, unter der Bedingung, daß ſie die Quittungen der beſagten Vorge ſetzten in einer Zeitfriſt von ſüuf Tagen auf dem Einregiſtrirungs PBureau des Ortes, wo die Hinterlegung geſchehen iſt, einregiſtriren laſſen. Die Einregiſtrirungs Gebuͤhr für dieſe Quittungen iſt auf einen Franken beſtimmt.(Art. 3. deſſ.) — 309— 3. Daß der damit beauftragte miniſterielle Beamte uͤber die Art der angebotenen Geldſorten oder Dinge, die Weigerung des Glaäubigers ſie anzu⸗ nehmen, oder uͤber ſeine NichtErſcheinung, und endlich über die Hinterlegung einen Verbal Prozeß errichtet habe.(1) Die Rückzahlung der hinterlegten Summen muß an dem Orte, wo die Hinterlegung geſchehen iſt, zehn Tage, nachdem dem Vorge- ſetzten der Tilgungs Kaſſe der Ast, oder das Urtheil, wodurch die Ruͤck⸗ zahlung erlaubt worden iſt, notifizirt worden, geſchehen. Wenn die Dauer der Hinterlegung zu einer Zinſenzahlung ſtatt giebt, ſo müſſen dieſe bis zum Tage der Ruͤckzahlung berechnet werden.(Art g. deſſ.) Die Vorgeſetzten der Tilgungs Kaſſe, welche in der hier ozen peſtimmten Zeitfriſt die Zahlung nicht leiſten wuͤrden, koͤnnen durch korperlichen Zwang dazu angehalten werden,(dem Ruͤckgriff gegen die Tilgungs Kaſſe in Gemäßheit des Artikels 3. ohnbeſchadet den Fall ausgenommen, wo ſie in ihren Haͤnden angelegte Oppoſitionen aufweiſen koͤnnten, in welchem Falle ſie gehalten ſind⸗ dieſe Oppo- ſitionen denen, welche ihr Recht auf die Ruͤckzahlung erwieſen haben werden, auf der Stelle zu veranzeigen, damit dieſe letztere deren Aufhebung vor den Tribunalien verſolgen könhen.(Art. 5. deſſ.) Die Tilgungs Kaſſe und ihre Vorgeſetzte können keine Klage auf den Vollzug der Urtheile oder Entſcheidungen, welche eine Hinterle⸗ gung anbefohlen haben, anſtellen. Art. 6. deſſ.) Alle Sefahr und Koſten in Hinſicht auf die Aufbewahrung, die Erhaltung und den Umſchlag der hinterlegten Summen fallen der TilgungsKaſſe zur Laſt.(Art. 7. deſſ) () Verweigert der Glaͤubiger das Anerbieten, ſo kann der Schuld⸗ ner, um ſich ſeiner Verbindlichkeit zu en'ledigen, die angebotene Soache oder Summe unter Beobachtung der durch den Art. 1250. des Civil⸗ Geſetzbuchs vorgeſchriebenen Formalitäten hinterlegen.(Art. 814. des Geſetzbuchs uͤber das Verfohren im buͤrgl. Prozeß.) Wird eine Klage eingefuͤhrt, um das Anerbieten oder die Hinter⸗ legung, fuͤr gultig oder ungültig erklären zu machen, ſo muß ſie in derſelben Art, wie ale HauptKlagen, eingeleitet werden. Wird ſie nur beiläufig einer HanptKlage angeſtellt, ſo wird ſie mittelſt einer Bittſchrift eingefuͤhrt.(315. Wenn ein Urtheil ein Anerbieten guͤltig erblärt, ſo muß es in dem Falle, wo die Hinterlegung noch nicht geſchehen iſt, verordnen, daß die angebotene Sache oder Geldſumme, weil der Gläubiger ſie nicht angenommen hat, hinterlegt werden ſollz es muß zugleich ver⸗ ordnen, daß von dem Tage der Realiſirung des Anerbietens die Zin ſen zu laufen aufhdren ſollen.(516.) Jede freiwillige oder anbefohlene Hinterlegung iſt immer den Oppoſitonen unterworfen, welche eingelegt werden koͤnnen, und dieſe muͤſſen dem Glaubiger veranzeigt werden. 6817.) — 370— 4. Daß im Falle der NichtErſcheinung von Sei⸗ ten des Glaͤubigers der Verbal Prozeß uͤber die Hinterlegung ihm mit der Aufforderung, den binterlegten Gegenſtand hinwegzunehmen, zuge⸗ ſtellt worden iſt. 1260. Wenn das reelle Anerbieten und die Hinter⸗ legung guͤltig ſind, ſo fallen die Koſten derſelben dem Glaͤubiger zur Laſt. 1261. So lange der Glaͤubiger den hinterlegten Gegenſtand nicht angenommen hat, kann der Schuld⸗ ner ihn zuruͤcknehmen; und wenn er ihn zuruͤcknimmt, ſind ſeine Mitſchuldner oder ſeine Buͤrgen(ihrer Ver⸗ pflichtung) nicht entlaſtet. 1262. Wenn der Schuldner ſelbſt ein in Rechts⸗ kraft erwachſenes Urtheil erwirkt hat, wodurch ſein Anerbieten und ſeine Hinterlegung fur gultig erklärt worden ſind, ſo kann er den hinterlegten Gegenſtand, ſelbſt nicht einmal mit Einwilligung des Gläubigers, zum Nachtheil ſeiner Mitſchuldner oder Buͤrgen zuruck⸗ nehmen. 1263. Wenn der Glaͤubiger eingewilligt hat, daß der Schuldner den von ihm hinterlegten Gegenſtand, nach⸗ dem ſeine Hinterlegung durch ein in Rechtskraft erwach⸗ ſenes Urtheil guͤltig erklaͤrt worden iſt, zuruͤcknehme, ſo kann er die mit ſeiner Forderung verbundene Privi⸗ legien und Hypotheken, um deren Zahlung zu erhal⸗ ten, nicht mehr geltend machen. Er hat keine weitere Hypotheke, als von dem Tage an, an welchem der Akt, wodurch er in die Zuruͤcknahme des hinterlegten Gegenſtandes eingewilligt hat, mit denjenigen Formen bekleidet worden, welche ein HypothekarRecht gewähren · 1264. Wenn die geſchuldete Sache ein beſtimmter Koͤrper iſt, der an dem Orte, wo er befindlich iſt, geliefert werden muß, ſo muß der Schuldner den Glaͤubiger durch einen, ihm in Perſon, oder in ſei⸗ nem Wohnorte oder in dem fuͤr den Vollzug der Uober⸗ einkunft erwaͤhlten Wohnort, notifizirten Akt auffordern laſſen, ihn hinwegzunehmen. Wenn nach geſchehener Aufforderung der Glaubiger den Gegenſtand nicht hin⸗ wegnimmt, und der Schuldner den Platz, worauf er ſich befindet, nothig hat, ſo kann dieſer von dem Rich⸗ ter die Erlaubniß erwirken, ihn an einen andern Orte zu hinterlegen. §. 5. Von der VermogensAbtretung(cessio bonorumn). 1265. Die Vermoͤgens Abtretung beſteht darin, daß ein Schuldner, wenn er ſich auſſer Stande befindet, ſeine Schulden zu bezahlen, ſeinen Gläubigern ſein ganzes Vermoͤgen uͤberläßt. 1266. Die Vermoͤgens Abtretung kann freiwillig oder vor Gericht geſchehen. 1267. Freiwillig iſt ſie, wenn die Glaͤubiger ſie von freien Stuͤcken annehmen; ſie bringt alsdann keine andere Wirkung hervor, als die, welche aus den Sti⸗ pulationen des zwiſchen den Gläubigern und dem Schuldner abgeſchloſſenen Kontraktes ſelbſt herflieſſen. 1268. Die gerichtliche Vermoͤgens Abtretung iſt eine Rechtswohlthat, welche das Geſetz dem ungluͤcklichen und aufrichtigen(in bona fide) Schuldner bewilligt, der dadurch, um die Freiheit ſeiner Perſon zu erhalten, jeder dem entgegenſtehenden Stipulation ohngeachtet, gerichtlich ermächtigt wird, ſein ganzes Vermoͤgen ſei⸗ nen Glaͤubigern zu uberlaſſen. 1269. Die gerichtliche Abtretung uͤbertragt das Ei⸗ genthum nicht auf die Glaͤubiger; ſie giebt ihnen nur das Recht, alles Hab und Gut des Schuldners zu ihrem Vortheil verkaufen zu laſſen, und bis zu dieſem Verkaufe die Einkuͤnfte davon zu beziehen. — 312— 1270. Die Glaͤubiger koͤnnen ſich nicht weigern, die gerichtliche Abtretung anzunehmen, auſſer in den vom Geſetz ausgenommenen Fällen. Sie bewirkt die Entlaſtung der perſoͤnlichen Ver⸗ haftung. Sie entledigt aber uͤbrigens den Schuldner ſeiner Verpflichtungen nur bis zur Konkurrenz des uͤberlaſſe⸗ nen Vermoͤgens; und in dem Falle, wo dies nicht zureichend wäre, und er anderes erwirbt oder erhält, iſt er verpflichtet, es bis zur gaͤnzlichen Auszahlung hinzugeben.(1) Zweiter Abſchnitt. Von der Novation. 1271. Die Novation geſchieht auf dreierlei Art: 1. Wenn der Schulder eine neue Schuld gegen ſeinen Gläubiger kontrahirt, welche der alten, die dadurch getilgt wird, ſubſtituirt wird. z. Wenn dem alten Schuldner, den der Glaͤubi⸗ () Wenn ein Schuldner ſich in dem Falle befindet, die durch den Art. 1258 des CivilGeſetzuchs bewilligte gerichtliche Abtretung ſeines Verindgens in Anſpruch zu nehmen, ſo iſt er zu dem Ende verbunden, auf die Gerichtſchreiberei des Tribunals, vor welchem er ſein Begehren einbringen will, ſeine Bilanz, ſeine Buͤcher, wenn er deren hat, und ſeine AktivTitel zu hinterlegen. Art. 895. des Geſetzbuchs über das Verſahren im buͤrgerlichen Prozeß⸗) Der Schuldner muß bei dem Tribunal ſeines Wohnortes einkom- men.(899. daſ.) Sein Begehren muß dem voffentlichen Miniſteriun mitgetheilt werden; es thut den Wirkungen keiner Verfolgung Einhalt, doch iſt es dem Richter vorbehalten, nach Berufung der Partheyen, zu verorduen, daß einſtweilen damit eingehalten werden ſoll.(Art. 90o.) Wenn der Schuldner zu der Rechtswohlthat der Abtretung zuge laſſen wird, ſo muß er ſeine Abtretung perſonlich, nicht durch ſeinen Prokurator, nach Berufung ſeiner Gläubiger, in der Audienz des Handelsgerichtes ſeines Bezirks wiederholen; beſteht kein ſolches Gericht, auf dem Gemeindehauſe an eigem Sitzungs Tage; die Erklaͤ- rung des Schuldners muß in dieſem leßten Falle durch einen Verbal- Prozeß des Huiſſiers kouſtatirt werden. Dieſer VerbalProzeß muß von dem Maire unterzeichnet werden.(Art. 901.) Iſt der Schuldner verhaftet, ſo verordnet das Urtheil, welches ihn zur Rechtswohlthat der Abtretung zulaͤßt, zugleich ſeine Extrak- ger von ſeiner Verpflichtung freigiebt, ein neuer ſubſtituirt wird. 3. Wenn kraft einer neuen Uebereinkunft dem al⸗ ten Glaͤubiger, gegen welchen der Schuldner dadurch ſeiner Verbindlichkeit enchoben wird, ein neuer ſubſtituirt wird. 1272. Die Novation kann nur zwiſchen ſolchen Perſonen ſtatt finden, welche zu kontrahiren befugt ſind. 1273. Die Novation wird nicht vermuthet. Der Wille, ſie zu bewerkſtelligen, muß deutlich aus dem Akte hervorgehen. 1274. Die Novation durch die Subſtitution eines neuen Schuldners kann ohne die Zuziehung des erſten Schuldners bewerkſtelligt werden. 1275. Die Delegation, wodurch ein Schuldner dem Glaͤubiger einen andern Schuldner anweißt, der ſich gegen den Glaubiger verpflichtet, bringt keine No⸗ vation hervor, wenn der Glaͤubiger nicht ausdruͤcklich erklaͤrt hat, daß er ſeinen Schuldner, der die Dele⸗ tion aus dem Arreſthauſe, unter den in ſolchen Faͤllen noͤthigen und gebraͤuchlichen Vorſichtsmaasregeln, um in Gemaͤßyeit des vor⸗ hergehenden Artikels ſeine Erklaͤrung zu machen.(Art, q02. Namen, Vornamen, Profeſſion und Wohnort des Schuldners werden auf eine oͤffentliche, dazu beſtimmte Tabelle eingeſchrieben, die in dem Andienzſaale des Handelsgerichtes ſeines Wohnorts, oder des Tribunals erſter Inſtauz, wenn dieſes die Verrichtungen des Handelsgerichtes verſieht, und auf dem Gemeindehauſe angeheftet wird,(Art. 9o3.) Das Urtheil, welches zur Rechtswoylthat der Abtretung zuläßt, gilt den Glaͤubigern als Vollmacht, um die bewegliche und unbeweg- liche Habe ibres Schulduers verkaufen zu laſſen; zu dieſem Verkauf muß in derſelben Form, welche fuͤr die Erben unter der Rechts⸗ wohlthat des Inventariums vorgeſchrieben iſt, geſchritten wer⸗ den.(Art. 90g.) Zu der Rechtswohlthat der Abtretung können nicht zugelaſſen werden: Ausländer, Stellionarien, betruͤgliche Bankeronteurs, ſolche Leute, die wegen Diebſtahl oder Gaunerei verurtheilt worden ſind⸗ ſerner rechnungspflichtige Vormünder, Verwalter und Depoſita- rien.(Art. 905) Die Verfuͤgungen des gegenwärtigen Titels ſind auf den Handel nicht anwendbar, an deſſen Gebräuchen, bis jetzt, dadurch nichts veraͤndert wird.(Art. 906.)—2 — 314— gation gemacht hat, von ſeiner Verpflichtung losge⸗ ben wolle. 1276. Wenn der Glaͤubiger den Schuldner, welcher die Delegation gemacht hat, von ſeiner Verpflichtung frei gegeben hat, ſo hat er keinen Ruͤckgriff gegen die⸗ ſen Schuldner, wenn der delegirte Schuldner unzahls⸗ fahig wird, wenn nicht der Akt ihm dieſes Recht aus⸗ druͤcklich vorbehalten hat, oder wenn nicht der delegirte Schuldner ſchon im Augenblick der Delegation offenbar bankerott, oder im gänzlichen Ruͤckgang(en décon- Bture) war. 1277. Die bloſſe Angabe einer Perſon, die an des Schuldners Stelle bezahlen ſoll, durch den Schuldner ſelbſt, bewirkt keine Novation. Das naͤmliche gilt von der bloſſen Angabe einer Perſon, welche fuͤr den Gläubiger empfangen ſoll, durch ihn ſelbſt. 1278. Die Privilegien und Hypotheken von der alten Forderung geben nicht auf die ihr ſubſtituirte uͤber, wenn der Glaͤubiger ſich ſelbe nicht ausdruͤcklich vor⸗ behalten hat. 1279. Wenn die Rovation durch die Subſtitution eines neuen Schuldners geſchieht, ſo koͤnnen die ur⸗ ſpruͤngliche Privilegien und Hypotheken der alten For⸗ derung nicht auf das Vermoͤgen des neuen Schuldners uͤbergehen. rego. Wenn eine Novation zwiſchen dem Gläubi.⸗ ger und einem von ſolidariſchen Schuldnern ſtatt findet, ſo konnen die Privilegien und Hypotheken der alten Schuld nur gegen das Vermoͤgen desjenigen, der die neue Schuld kontrahirt, vorbehalten werden. 1281. Die zwiſchen dem Gläubiger und einem von ſolidariſchen Schuldnern bewerkſtelligte Novation ent⸗ iedigt die Mitſchuldner ihrer Verpflichtung. Die in Hinſicht auf den Hauptſchuldner bewerkſtel⸗ ligte Novation entlaſtet die Buͤrgſchaften. Nichts deſto weniger beſteht, wenn der Glaͤubiger im erſten Falle den Beitritt der Mitſchuldner, und im zweiten Falle den der Buͤrgen gefordert hat, die alte Schuld, wenn die Mitſchuldner oder Buͤrgen ſich wei⸗ gern, der neuen Uebereinkunft beizutreten. Dritter Abſchnitt. Von dem Nachlaß der Schuld. 1282. Die freiwillige Zuruͤckgabe des OriginalTi⸗ tels unter PrivatUnterſchrift durch den Glaͤubiger an den Schuldner iſt ein Beweis, daß der Schuldner von ſeiner Verpflichtung befreit iſt. 1283. Die freiwillige Zuruͤckgabe einer exekutori⸗ ſchen Ausfertigung des Titels läßt den Nachlaß der Schuld oder der Zahlung vermuthen, vorbehaltlich des Beweiſes vom Gegentheil. 1284. Die Zuruͤckgabe des Original Titels unter PrivatlUnterſchrift oder der exekutoriſchen Ausſertigung des Titels an einen der ſolidariſchen Mitſchuldner bringt zum Vortheile ſeiner Mitſchuldner dieſelbe Wirkung bervor. 1285. Der konventionelle Nachlaß oder die Entla⸗ ſtung zum Vortheil eines von ſolidariſchen Mitſchuldnern befreit alle andere von ihrer Verpflichtung, wenn nicht der Gläubiger ſich ſein Recht gegen dieſe letztere aus⸗ druͤcklich vorbehalten hat. In dieſem letzten Falle kann er die Schuld nur nach Abzug des Antheils desjenigen, welchem er dieſen nachgelaſſen, anverlangen. 1286. Die Zuruͤckgabe einer als Unterpfand hinge⸗ gebenen Sache genuͤgt nicht, um den Nachlaß der Schuld vermuthen zu iaſſen. — 316— 1a87. Der dem Hauptſchuldner bewilligte konven⸗ tionelle Nachlaß oder deſſen Entlaſtung entledigt die Buͤrgſchaften ihrer Verpflichtung. Die, welche dem Buͤrgen bewilligt wird, befreit den Hauptſchuldner nicht von der ſeinigen. Die, welche einem der Buͤrgen bewilligt wird, ent⸗ ledigt die andern nicht der ihrigen. 1288 Dasjenige, was der Glaͤubiger von einem Buͤrgen fuͤr die Entlaſtung ſeiner Buͤrgſchaft erhalten hat, muß auf die Schuld aufgerechnet werden, und dem HauptSchuldner und den uͤbrigen Buͤrgen abge⸗ ſchrieben werden. Vierter Abſchnitt. PVon der Kompenſation. ra89. Wenn von zwei Perſonen jede der andern Schuldner iſt, ſo tritt eine Kompenſation zwiſchen ihnen ein, welche auf folgende Art, und in den hier⸗ nach beſtimmten Fällen beide Schulden tilgt. 1290. Die Kompenſation tritt von Rechtswegen, und kraft der bloſſen Macht des Geſetzes, ſelbſt ohne Vorwiſſen der Schuldner ein; beide Schulden til⸗ gen ſich gegenſeitig bis zur Konkurrenz ihres reſpek⸗ tiven Betrags, in dem Augenblicke, wo ſie zu gleicher Zeit beſtehen. 1291. Die Kompenſation findet nur zwiſchen zwei Schulden ſtatt, welche beide eine Geldſumme oder eine gewiſſe Anzahl fungibiler Sachen von derſelben Gat⸗ tung zum Gegenſtand haben, und welche beide liquid und fällig(exigibles) ſind. Unbeſtrittene Lieferungen Getraide oder Waaren (denrées) deren Preis durch den Markttarif(par les mercuriales) regulirt iſt, koͤnnen mit liquiden und verfallenen Summen kompenſirt werden. 1292. Eine GnadenFriſt hindert die Kompenſa⸗ tion nicht. 1293. Die Kompenſation findet ſtatt, was auc immer der Urſprung der einen oder der andern Schuld ſeyn mag; jedoch unter Ausnahme von folgenden drei aͤllen: 5 1. Wenn eine Sache, deren der Eigenthuͤmer un⸗ gerechter Weiſe beraubt(depouillé) worden iſt, zuruͤckgefordert wird. 2. Wenn ein anvertrautes Pfand(dépot), oder eine zum Gebrauch dargeliehene Sache gefor⸗ dert wird. 3. Wenn die Schuld ſolche Alimente zum Gegen⸗ ſtand hat, welche mit keinem Arreſt beſtrickt wer⸗ den koͤnnen. 1294 Der Buͤrge kann die Kompenſation von dem⸗ jenigen einwenden, was der Glaͤubiger dem Haupt⸗ ſchuldner ſchuldig iſt. Allein der Hauptſchuldner kann nicht die Kompen⸗ ſation von demienigen einwenden, was der Glaͤubiger dem Buͤrgen ſchuldig iſt. Eben ſo wenig kann der ſolidariſche Schuldner die Kompenſation desjenigen einwenden, was der Glaͤu⸗ biger ſeinem Mitſchuldner ſchuldig iſt. 1295. Wenn ein Glaͤubiger ſeine Rechte einem Dricten abgetreten und der Schuldner unbedingt dar⸗ ein eingewilligt hat, ſo kann er dem Ceſſionar die Kompenſation nicht mehr einwenden, welche er vor ſeinem Beitritt dem Abtretenden hätte einwenden koͤnnen. Eine Ceſſion, welche der Schuldner nicht angenom⸗ men haͤtte, aber welche ihm ſignifizirt worden iſt, verhindert nur die Kompenſation ſolcher Forderungen, welche ſpater als dieſe Zuſtellung ſind. 1296. Wenn beide Schulden nicht am naͤmlichen Orte zahlbar ſind, ſo kann man die Kompenſation nur mit Aufrechnung der Koſten der Ueberſendung einwenden. 1297. Wenn dieſelbe Perſon mehrere der Kompen⸗ ſation empfaͤngliche Schulden ſchuldig iſt, ſo befolgt man fuͤr die Kompenſation die durch den Artikel 1256. fur die Aufrechnung der Zahlungen aufgeſtellte Regeln. 1. Die Kompenſation findet zum Nachtheil der einem Dritten erworbenen Rechte nicht ſtatt. So kann derjenige Schuldner, der ſeit dem von einem Dritten in ſeinen Haͤnden angelegten Arreſte Glaͤubiger gewor⸗ den iſt, die Kompenſation nicht zum Nachtheil desje⸗ nigen, der den Arreſt angelegt hat, einwenden. 1299. Wer eine Schuld bezahlt hat, welche durch die Kompenſation von Rechtswegen getilgt war, kann, wenn er die Forderung, deren Kompenſation er nicht opponirt hat, einfordert, die Privilegien und Hypo⸗ theken, welche damit verbunden waren, zum Nachtheil von dritten Perſonen nicht mehr geltend machen, wenn anderſt nicht eine gerechte Urſache ihn verhindert hat, die Forderung zu kennen, die ſeine Schuld hätte kompenſiren muſſen. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Koufuſion. 1300. Wenn die Eigenſchaften als Glaͤubiger und als Schuldner ſich in derſelben Perſon vereinigen, ſo entſteht daraus eine Konfuſion der Rechte, welche die beiderſeitige Verpflichtungen tilgt. 13o1. Die Konfuſion, welche in der Perſon des Hauptſchuldners eintritt, gereicht ſeinen Buͤrgen zum Vortheil. Die, welche in der Perſon des Buͤrgen bewerkſtel⸗ ligt wird, zieht die Tilgung der Hauptverpflichtuns nicht nach ſich. Die, welche in der Perſon des Glaͤubigers eintritt, gereicht ſeinen ſolidariſchen Mitſchuldnern nur fuͤr denjenigen Antheil, den er ſchuldig war, zum Vor⸗ theil. Sechster Abſchnitt. Von dem Falle, wo die geſchuldete Sache zu Grunde geht. 1302. Wenn ein beſtimmter und gewiſſer Koͤrper, welcher der Gegenſtand einer Verpflichtung war, zu Grunde geht, oder wenn er kein Gegenſtand des Han⸗ dels mehr ſeyn kann, oder wenn er auf eine ſolche Art verloren geht, daß deſſen Exiſtenz ganz unbekannt iſt, ſo iſt die Verpflichtung erloſchen, wenn dieſer Gegen⸗ ſtand ohne Schuld des Schuldners und ehe er ſich im Ruͤckſtande befand, zu Grunde gegangen oder verlo⸗ ren worden iſt. Wenn der Schuldner ſich auch ſogar im Ruͤckſtand beſindet, aber die Zufälle nicht uͤber ſich genommen hat, ſo iſt die Verpflichtung in dem Falle, wo die Sache auch bei dem Glaäubiger, wenn ſie ihm ausge⸗ liefert worden wäre, gleichfalls zu Grunde gegangen waäre, ebenwohl getilgt. Der Schuldner iſt gehalten, den Zufall, den er vorſchuͤtzt, zu beweiſen. Eine geſtohlene Sache mag auf irgend eine Art zu Grunde gegangen oder verloren worden ſeyn, ſo befreit ihr Abgang den, welcher ſie entwendet hat, nie von der Verbindlichkeit, ihren Werth zu bezahlen. 1303. Wenn eine Sache ohne Schuld des Schuld⸗ ners zu Grunde gegangen, auſſer Handel verſetzt wor⸗ den oder verloren gegangen iſt, ſo iſt der Schuldner verbunden, wenn ihm irgend ein KlagRecht oder An⸗ ſpruͤche von wegen dieſer Sache zuſtehen ſollten, dies oder jene ſeinem Glaͤubiger abzutreten⸗ — 320— Siebenter Abſchnitt. PVon der Klage auf Nullitaͤt oder WiederAufhebung(Kescision) von Konventionen. 1304. In allen Fällen, wo die Klage auf die Nul⸗ litat oder die Wieder Aufyebung einer Uebereinkunft nicht durch ein beſonderes Geſetz auf eine kuͤrzere Zeitfriſt beſchraͤnkt iſt, dauert dieſe Klage zehn Jahre. Dieſe Zeit läuct, in dem Falle eines gewaltſamen Zwangs, erſt von dem Tage an, wo dieſer aufgehoͤrt hat; im Falle eines Irrthums oder Betrugs, von dem Tage an, wo er entdeckt worden iſt, und fuͤr die von verheiratheten Weibern ohne Ermaͤchtigung abgeſchloſſene Akte von dem Tage der Aufloͤſung der Ehe an. In Hinſicht auf die von Interdizirten errichtete Akte jäuft dieſelbe Zeit erſt von dem Tage an, wo die Interdiktion aufgehoben worden iſt, und in Hinſicht auf ſolche, die von Minderjaͤhrigen errichtet worden ſind, von dem Tage ihrer Großjährigkeit an. 1305. Eine bloße Läſion giebt zu Gunſten des nicht emanzipirten Minderjaͤhrigen zur Wieder Aufhebung der Konventionen aller Art, und zu Gunſten des eman⸗ zivirten Minderjährigen zur Wieder Aufhebung aller ſolcher Konventionen ſtatt, welche die Schranken ſei⸗ ner Befugniß, ſo wie ſie in dem Titel: von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation beſtimmt iſt, uͤberſteigen. 1306. Der Minderjährige kann dann der Läſion halber nicht reſtituirt werden, wenn ſie blos das Re⸗ ſultat eines zufälligen und unvorhergeſehenen Ereig⸗ niſſes iſt. 1307. Die bloſſe Angabe von Seiten des Minder⸗ jährigen, als ob er großjährig wäre, ſteht ſeiner Reſtitution nicht im Wege.* — 321— 1308. Wenn ein Minderjaͤhriger Handelsmann, Banquier oder Kuͤnſtler iſt, ſo kann er gegen die Ver⸗ pflichtungen, die er in Hinſicht auf ſeinen Handel oder ſeine Kunſt eingegangen iſt, nicht reſtituirt werden. 1309. Der Minderjährige kann gegen die in ſeinem EheVertrag enthaltene Konventionen dann nicht reſti⸗ tuirt werden, wenn ſie mit Einwilligung und unter Beiſtand derjenigen Perſonen, deren Einwilligung zur Guͤltigkeit ſeiner Ehe erforderlich iſt, abgeſchioſſen worden ſind. 1310. Er kann gegen diejenige Verpflichtungen nicht reſtituirt werden, welche aus einem Vergehen(delie- tum) oder Quaſi Vergehen(quasi delictum) von ſei⸗ ner Seite herflieſſen. 1311. Er iſt nicht mehr zulaͤſſig, gegen eine von ihm in ſeiner Minderjährigkeit eingegangene Verpflichtung zuruͤckzukommen, wenn er ſie in ſei⸗ ner Großjaͤhrigkeit ratifizirt hat, dieſe Verpflichtung mag nun in ihrer Form nichtig oder nur der Reſtitu⸗ tion empfaͤnglich ſeyn. 1312. In den Fällen, worin Minderjährige, Interdizirte oder verheirathete Weiber, in die⸗ ſen Eigenſchaften, zulaͤſſig ſind, um ſich gegen ihre Verpflichtungen reſtituiren zu laſſen, kann die Zuruͤckzahlung desjenigen, was waͤhrend der Minder⸗ jaͤhrigkeit, der Interdiktion oder der Ehe, in Gefolge dieſer Verpflichtungen bezahlt worden waͤre, nicht von ihnen gefordert werden, es ſey denn, daß es erwieſen wuͤrde, daß die geſchehene Zahlung ihnen zum Vortheil gereicht hat. 1313. Der Großjahrige kann wegen Laͤſion nur in den Faͤllen und unter den Bedingungen reſtituirt wer⸗ den, welche in dem gegenwaͤrtigen Geſetzbuche aus⸗ drucklich angefuͤhrt ſind. Civil Geſetzb. 21 — 322— 34. Wenn die, in Hinſicht auf Minderjährige oder Interdizirte, ſowohl fuͤr Veraͤuſſerungen von Im⸗ moͤbeln als fuͤr Theilungen von Erbſchaften erforderli⸗ che Formalitaͤten beobachtet worden ſind, ſo werden ſie, in Hinſicht auf dieſe Akte, eben ſo angeſehen, als ob ſie dieſelbe in ihrer Großjährigkeit oder vor der Interdiktion vorgenommen hätten. Sechstes Kapitell. Von dem Beweis der Verpflichtungen und dem der Zahlung. 1315. Wer den Vollzug einer Verpflichtung anver⸗ langt, muß dieſe beweiſen.— Und gegenſeitig muß derjenige, welcher von derſelben befreit zu ſeyn behauptet, die Zahlung oder die That⸗ ſache, welche ſeine Verpflichtung getilgt hat, beweiſen. 1316. Die folgende Abſchnitte enthalten die Re⸗ geln in Betreff des ſchriftlichen Beweiſes, des Zeugen Beweiſes, des Geſtändniſſes der Parthie und des Eidſchwurs. Erſter Abſchnitt. Pon dem ſchriftlichen Beweiſe. F. 1. Von authentiſchen Titeln⸗ 1317. Ein authentiſcher Titel iſt derjenige, welcher von öffentlichen Beamten, die an dem Orte, wo der Akt abgefaßt worden iſt, zu inſtrumentiren berechtigt waren, mit den erforderlichen Sollennitäten aufgenom⸗ men worden iſt. 1318. Wenn ein Akt wegen der Inkompetenz oder der Unfähigkeit des Beamten, oder wegen einem Fehler in der Form nicht authentiſch iſt, ſo gilt er, wenn er von den Partheyen unterzeichnet iſt, als Akt unter PrivatUnterſchrift. 1319. Ein authentiſcher Akt macht, zwiſchen den kontrahirenden Theilen und ihren Erben oder den In⸗ habern ihrer Rechte(ayant cause) einen voͤlligen Be⸗ weis der darin enthaltenen Uebereinkunft. Doch wird, im Falle einer wegen Verfaͤlſchung des Aktes direkt erhobenen Klage(plainte en faux prin⸗ cipal) der Vollzug des der Verfaͤlſchung bezuͤchtig⸗ ten Aktes durch die Verſetzung(des Beſchuldigten) in den AnklageZuſtand ſuspendirt; und im Falle einer, im Laufe eines Prozeſſes beiläufig(incidemment) geſche⸗ henen Denunziation eines Aktes, als verfaͤlſcht, koͤn⸗ nen die Tribunalien den Vollzug des Aktes, nach Be⸗ ſchaffenheit der Umſtände, ſuspendiren. 1320. Sowohl ein authentiſcher Akt, als auch ein Akt unter PrivatUnterſchrift macht unter den Parthien einen voͤlligen und glaubhaften Beweis, ſelbſt uͤber das, was nur beilaͤufig(en termes énonciatifs) dar⸗ in eingefuͤhrt iſt, vorausgeſetzt jedoch, daß die beiläu⸗ ſige Anfuͤhrung auf die Verfuͤgung ſelbſt unmittelbar Bezug hat. Beilaͤufige Anfuͤhrungen, welche die Verfuͤgung ſelbſt nicht betreffen, koͤnnen nur als An⸗ fang eines Beweiſes dienen. 1321. Gegenbriefe koͤnnen nur unter den kontrahi⸗ renden Theilen Wirkung hervorbringen; ſie haben keine Wirkung gegen jeden Dritten. §F. 2. Von den Akten unter PrivatUnterſchrift. 1322. Ein Akt unter PrivatlUnterſchrift hat, wenn er von dem, welchem er eingewendet wird, anerkannt iſt, oder geſetzlicher Weiſe fuͤr anerkannt gehalten wird, zwiſchen denen, welche ihn unterzeichnet haben, und 2 — 324— ihren Erben und Stellvertretern denſelben Glauben, wie ein authentiſcher Akt. 1323. Derjenige, welchem man einen Akt unter PrivatUnterſchrift einwendet, iſt gehalten, ſeine Schrift oder Unterſchrift foͤrmlich anzuerkennen oder abzu⸗ läugnen. Seine Erben oder Stellvertreter koͤnnen ſich auf die Erklärung beſchraͤnken, daß ſie die Schrift oder Unter⸗ ſchrift desjenigen, in deſſen Stelle ſie eingetreten ſind (de leur ameur), nicht kennen. 1324. In dem Falle, wo eine Parthie ihre Schrift oder ihre Unterſchrift abläugnet und in dem Falle, wo ihre Erben oder Stellvertreter erklaͤren, daß ſie dieſelbe nicht kennen, iwird von Gerichtswegen ihre Veriſizi⸗ rung anbefohlen. 13e5. Soiche Akte unter PrivatlUnterſchvift, wel⸗ che ſynallagmatiſche Konventionen enthalten, ſind nur dann guͤltig, wenn ſie in ſo viel Urſchriften errichtet worden ſind, als es Partheyen giebt, welche ein ver⸗ ſchiedenes Intereſſe haben. Ein Original iſt fuͤr alle Perſonen, welche daſſelbe Intereſſe haben, hinlaͤnglich. Jedes Original muß von der Zahl der Originalien, welche davon errichtet worden ſind, Meldung thun. Die Einrede, daß keine Meldung davon geſchehen ſey, daß der Akt in doppelter, dreifacher ꝛc. Urſchrift ausgefertigt worden iſt, kann von demjenigen nicht opponirt werden, der ſeinerſeits die in dem Akte ent⸗ haltene Konvention vollzogen hat. 1325. Ein Billet oder ein Verſprechen unter Pri⸗ vatUnterſchrift, wodurch eine Parthie ſich einer an⸗ dern verbindlich macht, ihr eine Geldſumme oder eine Sache, deren Werth geſchaͤtzt werden kann,(une chose appréẽciable) zu zahlen, oder zu liefern, muß ganz von der Hand desjenigen, welcher es unterzeich⸗ net hat, geſchrieben ſeyn; oder wenigſtens muß er auſſer ſeiner Unterſchrift eigenhaͤndig ein: Gut fuͤr? oder ein, Gutgeheiſſen, welches die Summe oder den Betrag der Sache in Buchſtaben bemelden wuß, geſchrieben haben. Den Fall jedoch ausgenommen, wo der Akt von Handelsleuten, Handwerkern, Ackersleuten, Wein⸗ bauern, Tagloͤhnern und Dienſtleuten herruhrt. 1327. Wenn die in dem Laufe der Schriſt des Aktes ausgedruͤckte Summe von der in dem: Gut fuͤr, ausgedruͤckten Summe verſchieden iſt, ſo wird vermuthet, als ſey die Verpflichtung nur von der ge⸗ ringeren Summe, wenn ſogar der Akt ſo wie das Gut fuͤr ganz von der Hand desjenigen geſchrieben ſind, der ſich verpflichtet hat, wenn es anderſt nicht erwieſen wird, auf welcher Seite der Irrthum iſt. 1328. Die Akte unter Privaclinterſchrift haben ge⸗ gen jeden Dritten nur von dem Tage an, wo ſie ein⸗ regiſtrirt worden ſind, von dem Tage des Sterbfalls desjenigen oder eines von denjenigen, welche ihn unter⸗ zeichnet haben, oder von dem Tage an, wo deren Subſtanz durch einen von öffentlichen Beamten errich⸗ teten Akt z. B. VerbalProzeſſe von SiegelAuflagen oder Inventarien, konſtatirt worden iſt, ein Datum. 1329. Die Regiſter der Kaufleute machen gegen Perſonen, welche keine Kauſieute ſind, keinen Beweis der darin angefuhrten kieſerungen; vorbehaltlich des⸗ jenigen, was in Hinſſcht auf den Eidſchwur geſagt werden wird. 1330. Die Bucher der Handelsleute machen gegen ſie ſelbſt Beweis, aber der, welcher davon Vortheil zieben will, kann ſie in dem, was ſie gegen ſeine Be⸗ hauptungen enthalten, nicht theilen. 1331. Haͤusliche Regiſter und Papiere ſind kei⸗ ne Rechts Titel fuͤr den, welcher ſie geſchrieben hat. Sie haben Glauben gegen ihn 1) in allen Fällen, wo ſie formlich eine erhaltene Zahlung anzeigen. 2) Wenn ſie die ausdruckliche Meldung enthalten, daß eine Note gemacht worden iſt, um zu Gunſten desjenigen, zu deſſen Vortheil ſie eine Verpflichtung veranzeigt, den Abgang eines Titels zu erſetzen. 1332. Das, was der Gläubiger auf einen Titel, der immerfort in ſeinem Beſitz geblieben iſt, nach der Schrift, am Rande derſelben, oder hinten auf den Titel hingeſchrieben hat, hat Glauben, wenn es die Entlaſtung des Schuldners zu begruͤnden bezweckt, wenn es gleich weder von ihm unterzeichnet noch da⸗ tirt iſt. Ein gleiches gilt von dem, was ein Glaubiger, hin⸗ ten auf das zweite Exemplar eines Titels oder einer Quittung oder auf den Rand oder nach der Schrift deſſelben hingeſchrieben hat, wenn ſich dieſes zweite Eyemplar in den Händen des Schuldners befindet. §. 3. PVon den Kerbholzern⸗ 1333. Ihren Muſtern korreſpondirende Kerbhoͤlzer haben Glauben zwiſchen denjenigen Perſonen, welche gewohnt ſind, die Lieſerungen, welche ſie im Kleinen machen und erhalten, auf dieſe Art zu konſtatiren. Pon den Abſchriften der Titel⸗ 1334. Sobald der OriginalTitel exiſtirt, beweiſen die Abſchriften nichts, als das, was in dieſem Titel, deſſen Porlage immer verlangt werden kann, enthal⸗ ten iſt. 1335. Wenn der Original Titel nicht mehr exiſtirt, ſo machen die Abſchriften, mit folgenden Diſtinktionen Eeinen mehr oder minder vollkommenen) Beweis. 1) Die exekutoriſchen oder erſte Ausfertigungen ¶Grosses) haben denſelben Glauben wie das Original⸗ Daſſelbe gilt ſogar von den Abſchriften, die kraft eines Befehls der oͤffentlichen Gewalt, in Gegenwart oder nach Berufung der. Parthien genommen. worden ſind, ſo wie von denjenigen, welche in Gegenwart der Par⸗ chien und mit ihret gegenſeitigen Einwilligung genom⸗ men worden ſind. 2) Diejenige Abſchriſten, welche ohne Befehl der öffentlichen Gewalt, oder ohne Einwilligung der Par⸗ thien, und ſeit der Ablieferung der exekutoriſchen oder erſten Expeditionen, von dem Notar, welcher den Akt gufgenommen hat, oder von einem ſeiner Nachfolger, oder von öffentlichen Beamten, die in dieſer Eigen⸗ ſchaft Aufbewahrer der Urſchriften waren, nach der Urſchrift ausgefertigt worden ſind, koͤnnen, im Falle das Original verloren geht, wenn ſie alt ſind, einen Beweis erbringen. Sie werden als alt betrachtet, wenn ſie aͤlter als dreißig Jahre ſind. Wenn ſie noch nicht dreißig Jahre alt ſind, ſo koͤn⸗ nen ſie nur als Anfang eines ſchriſtlichen Beweiſes dienen. 3) Wenn die von der Minute eines Aktes genom⸗ mene Abſchriften nicht von dem Notar, welcher den Akt aufgenommen hat, oder ſeinem Nachfolger oder von öffentlichen Beamten, welche in dieſer Eigenſchaft Aufbewahrer der urſchriften ſind, genommen worden ſind, ſo können ſie, gleichviel welches ihr Alter iſt, nur als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen. 4) Abſchriften von Abſchriften können, nach Be⸗ ſchaffenheit der Umſtaͤnde, als bloſſe Nachrichten EGimples renseignemens) dienen. 1336. Die Transſcription eines Aktes auf die oͤffent⸗ liche Regiſter, kann nur als Anfang eines ſchriftli⸗ chen Beweiſes dienen, und ſelbſt hierzu iſt erforderlich 1) daß es erwieſen ſey, daß alle Urſchriften des Notars von demſelben Jahrgang, in welchem der Akt errichtet geworden zu ſeyn ſcheint, verloren gegangen ſind, oder daß man erweiſe, daß der Verluſt der Ur⸗ ſchrift dieſes Aktes durch einen beſohdern Zufall verur⸗ ſacht worden ſey. 2) Daß ein regelmaͤßiges Repertorium des Notars exiſtire, welches ſicher ſtelle, daß der Akt unter demſelben Datum errichtet worden iſt. Wenn mittelſt des Zuſammentreffens dieſer beiden Umſtaͤnde der Zeugen Beweis zugelaſſen wird, ſo muͤſ⸗ ſen nothwendig diejenige Perſonen, welche Zeugen bei dem Akte waren, wenn ſie anderſt noch exiſtiren, ab⸗ gehoͤrt werden. §. 5. Von Anerkennungs⸗und Beſtaͤttigunos Akten. 2337. AnerkennunasAkte befreien nicht von der Ver⸗ bindlichkeit, den urſpruͤnglichen Titel vorzulegen, wenn nicht deſſen Inhalt beſonders(Specialement) darin eingefuͤhrt iſt. Dasjenige, was ſie mehr als der urſpruͤngliche Titel enthalten, oder was ſich darin befindet, das von die⸗ ſem abweicht, bringt keine Wirkung hervor. Wenn jedoch mehrere ähnliche, von dem Beſitzſtand unterſtuͤtzte, AnerkennungsAkte vorhanden ſind, und das Datum eines von ihnen dreißig Jahre uͤberſteigt, ſo kann der Glaͤubiger von der Verbindlichkeit, den urſpruͤnglichen Titel vorzulegen, freigeſprochen werden. 1338. Ein Beſtaͤttigungs⸗ oder Ratifikations Akt einer Verpflichtung, gegen welche dem Geſetz gemaͤß eine Klage auf Nullität oder Wiederaufhebung zulaſſig war, iſt nur dann guͤltig, wenn man die Subſtanz dieſer Verpflichtung, die Bemeldung des Grundes zur Reſciſions Klage, und die Abſicht, den Fehler, worauf dieſe Klage ſich gruͤndet, zu verbeſſern, darin zuſammen findet. In Ermangelung eines Beſtaͤttigungs⸗oder Rati⸗ fikations Aktes iſt es hinlaͤnglich, wenn die Verpflich⸗ tung nach der Epoche, worin ſie guͤltigerweiſe beſtät⸗ tigt oder ratifizirt werden konnte, freiwillig vollzogen worden iſt. Die Beſtättigung, Ratifikation oder der freiwillige Vollzug in der vom Geſetz beſtimmten Zeit und in den von ihm vorgeſchriebenen Formen zieht, dem Rechte jedes Dritten jedoch ohnbeſchadet, die Verzichtleiſtung auf die Rechtsmittel und Einreden, die man dieſem Akte einwenden kann, nach ſich. 1339. Der Schenkgeber kann die Fehler einer Schenkung zwiſchen Lebenden durch keinen Beſtaͤtti⸗ gungsAkt verbeſſern; wenn eine ſolche der Form nach null iſt, ſo muß ſie in der geſetzlichen Form wieder von neuem gemacht werden. 1340. Die Beſtaͤttigung oder Ratifikation, oder der freiwillige Vollzug einer Schenkung von Seiten der Erben oder Stellvertreter des Schenkgebers nach deſſen Tode, zieht ihre Verzichtleiſtung auf das Recht, ſowohl die Fehler in der Form, als irgend eine andere Einrede einzuwenden, nach ſich. 3 weiter Abſchnitt. Von dem Zengen Veweis. 1341. Ueber alles, was die Summe oder den Werth von hundertfuͤnfzig Franken uͤberſteigt, ſelbſt — 330— uͤber freiwillige Hinterlegungen, muß ein Akt vor Ro⸗ tarien oder unter PrivatlUnterſchrift errichtet werden; und es iſt kein Zeugen Beweis gegen das, oder auſ⸗ ſerdem, was in den Akten enthalten iſt, noch uͤber das, was vor, bei oder ſeit dem Abſchluß der Akte geſagt worden zu ſeyn behauptet wird, zuläſſig, ſelbſt wenn es ſich um eine geringere Summe oder einen geringeren Werth als hundert und fuͤnfzig Fran⸗ ken handeln ſollte; Alles dem ohnbeſchadet, was in den auf den Han⸗ del Bezug habenden Geſetzen vorgeſchrieben iſt. 1342. Obige Regel iſt auch auf den Fall an⸗ wendbar, wo die Klage auſſer dem Begehren der Hauptſumme noch ein Begehren von Zinſen be⸗ greift, welche, mit der Kapitalſumme vereinigt, die Summe von hundertfuͤnfzig Franken uͤberſteigen. 1343. Wer mehr, als hundertfuͤnfzig Franken gefordert hat, kann nicht mehr zum Zeugen Beweis zugelaſſen werden, ſelbſt wenn er ſein urſprungliches Begehren einſchranken wollte. 1344. Der Zeugen Beweis kann ſelbſt fuͤr das Be⸗ gehren einer geringeren Summe als hundertfuͤnfzig Franken nicht zugelaſſen werden, wenn dieſe Summe als Ruͤckſtand oder Theil einer ſtäͤrkeren Forderung an⸗ gegeben wird, die nicht ſchriftlich bewieſen waͤre. 1345. Wenn eine Parthie in derſelben Rechtsſache mehrere Begehren macht, woruͤber kein ſchriftlicher Titel beſteht, und welche zuſammen genommen, die Summe von hundertfuͤnfzig Franken uͤberſteigen, ſo kann der Zeugen Beweis nicht zugelaſſen werden, wenn gleich die Parthie behauptet, daß dieſe Forderungen von verſchiedenen Urſachen herkommen, und daß ſie zu verſchiedenen Zeiten entſtanden ſind, den Fall aus⸗ genommen, wo dieſe Anſpruche durch Erbſchaft, Schen⸗ kung oder auf andere Weiſe von verſchiedenen Perſonen herruͤhren ſollten. 1346. Alle Klagen, unter welchem Titel es auch ſeyn mag, woruͤber kein vollkommner ſchriftlicher Be⸗ weis vorhanden iſt, muͤſſen durch eine einzige Ladung angeſtellt werden, nach welcher alle andere Klagen, uͤber welche kein ſchriftlicher Beweis vorhanden iſt, nicht mehr zulaͤſſig ſind. 1347. Obige Regeln erleiden Ausnahmen, wenn ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes verliegt. So heißt jeder ſchriftliche Akt, welcher von dem, gegen welchen die Klage angeſtellt wird, oder dem, welchen er repräſentirt, herruͤhrt, und die angegebene Thatſache wahrſcheinlich macht. 1348. Sie erleiden ferner in allen den Fällen Aus⸗ nahmen, wo es dem Glaͤubiger unmoͤglich war, ſich einen ſchriftlichen Beweis von der gegen ihn eingegan⸗ genen Verpflichtung zu verſchaffen. Dieſe zweite Ausnahme iſt anwendbar: 1) Auf die Verpflichtungen, welche aus QuaſiKon⸗ trakten oder QuaſiDelikten entſtehen. 2) Auf die nothwendige Hinterlegung von Gegen⸗ ſtaͤnden im Falle von Feuerbruͤnſten, Ruin, Tumult oder Schiffbruch, ſo wie auf die, welche Reiſende waͤhrend ihrem Aufenthalte in einem Gaſthaus gemacht haben, alles mit Hinſicht auf die Qualität der Perſo⸗ nen und die Umſtaͤnde des Vorgangs. 3) Auf ſolche Verpflichtungen, welche iin Falle unvorhergeſehener Zufaͤlle, wo man keine ſchriftliche Akte haͤtte errichten koͤnnen, kontrahirt worden ſind. 4) Auf den Fall, wo der Glaͤubiger den Titel, der ihm als ſchriftlicher Beweis gilt, zufolge eines zufaͤl⸗ ligen, unvorhergeſehenen und von einer hoͤhern Gewalt 6 — ——— (d'une force majeure) herruͤhrenden Umſtandes ver⸗ loren hätte. Dritter Abſchnitt. Von den Vermuthungen. 1349. Vermuthungen ſind die Folgerungen, welche das Geſetz oder der Richter von einer dekannten That⸗ ſache auf eine unbekannte Thatſache zieht. Von den geſetzlichen Vermuthungen. 1350. Eine geſetzliche Vermuthung iſt diejenige, welche ein beſonderes Geſetz mit gewiſſen Akten oder gewiſſen Thatſachen verknuͤpft; ſolche ſind: 1) Die Akte, welche das Geſetz nichtig erklaͤrt, weil es, ihrer bloſſen Eigenſchaft zufolge, vermuthet, als ſeyen ſie, um ſeine Verfuͤgungen zu umgehen, errichtet worden. 2) Die Fälle, in welchen das Geſetz erklaͤrt, daß das Eigenthum oder die Liberation aus gewiſſen be⸗ ſtimmten Umſtänden hervorgehen ſoll. 3) Das Anſehn, welches das Geſetz in Rechts Kraft erwachſenen Urtheilen(à la chose jugée) beilegt. 4) Die Kraſt, welche das Geſetz dem Geſtändniß der Parthie oder ihrem Eidſchwur beilegt. 1351. Das Anſehn der in Rechts Kraft erwachſenen Urtheile tritt nur in Hinſicht auf dasjenige ein, was der Gegenſtand des Urtheils iſt. Es iſt dazu erfor⸗ derlich, daß die verlangte Sache dieſelbe ſey, daß das Begehren ſich auf dieſelbe Urſache grunde, daß die Klage zwiſchen denſelben Partheyen und durch ſie und gegen ſie in derſelben Eigenſchaft angeſtellt werde. 1352. Eine geſetzliche Vermuthung ſpricht denjenigen, zu deſſen Vortheil ſie beſtehr, von jedem Beweis frei. Es wird kein Beweis gegen die Vermuthung des Geſetzes zugelaſſen, wenn es, auf dieſe Vermuthung gegruͤndet, gewiſſe Akte vernichtet, oder die gericht⸗ liche Klage verweigert, den Fall ausgenommen, wenn es den Beweis des Gegentheils vorbehalten hätte, und vorbehaltlich deſſen, was uͤber den Eidſchwur und das gerichtliche Geſtändniß geſagt werden wird. F. 2. Von den Vermuthungen, welche durch Lein Geſetz begruͤndet ſind. 1353. Alle Vermuthungen, welche durch kein Ge⸗ ſetz begruͤndet ſind, werden dem Scharfſinn und der Klugheit des Richters uͤberlaſſen, der nur wichtige, beſtimmte und uͤbereinſtimmende Vermuthungen, und nur in den Fällen, wo das Geſetz den Zeugenbeweis zuläßt, wenn nicht anderſt der Akt wegen Betrug oder Argliſt angefochten wird, zulaſſen darf. Bierter Abſchnitt. Von dem Geſtändniſſe der Parthie. 1354. Jedes Geſtaͤndniß, welches einer Parthie entgegengeſetzt wird, iſt auſſergerichtlich vder gerichtlich. 1355. Die Behauptung eines blos muͤndlichen, auſſergerichtlichen Geſtändniſſes iſt in allen den Fällen ohne Nutzen, wenn es ſich um ein Begehren handelt, woruͤber der Zeugen Beweis nicht zuläſſig wäre. 1356. Ein gerichtliches Geſtaändniß iſt eine Erklaͤ⸗ rung, welche die Parthie oder ihr Spezial Bevoll⸗ maͤchtigter vor Gericht macht. Es bat gegen den, welcher es gemacht hat, vollen Glauben. Es kann nicht gegen ihn getheilt werden. Es kann nicht mehr widerrufen werden, ausgenom⸗ men, wenn man beweiſen wuͤrde, daß es in Gefolge eines Irrthums uͤber die Thatſachen gemacht worden. — 334— Es kann unter dem Vorwande eines Jerthums uͤber die Rechts Gruͤnde nicht widerrufen werden. Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Eidſchwur. 1357. Der gerichtliche Eid iſt zweierlei: 1) Der deciſoriſche, welchen eine Parthei der andern deferirt, um die Entſcheidung der Sache da⸗ von abhangen zu laſſen. 2) Derjenige, welchen der Richter der einen oder der andern Parthey von Amtswegen auferlegt. §. T Von dem deciſoriſchen Eidſchwur. 1358. Der deciſoriſche Eid kann uber jeden Rechts⸗ ſtreit,(Sur quelque espéce que ce soit) deferirt werden.* 1359. Er kann nur in Hinſicht auf ſolche That⸗ ſachen auferlegt werden, die der Parthie, welcher er deferirt wird, perſoͤnlich ſind. 1360. Er kann immer deferirt werden, wie weit auch die Sache gediehen ſeyn mag, und ſogar dann, wenn gar kein Anfang eines Beweiſes des Begehrens oder der Einrede, uͤber welche er anverlangt wird, vorhanden iſt. 136r. Der, welchem der Eidſchwur deferirt wird, und ihn verweigert, oder nicht darein einwilligt, ihn auf ſeinen Gegner zuruͤck zu ſchieben, oder der Gegner, welchem er zuruͤckgeſchoben worden iſt, und welcher ihn verweigert, muß in ſeiner Klage oder ſei⸗ ner Einrede unterliegen. 1362. Der Eid kann nicht zuruͤckgeſchoben werden, wenn die Thatſache, welche der Gegenſtand deſſelben iſt, nicht beiden Parthien gemeinſchaftlich, ſondern nur berjenigen perſoͤnlich iſt, welcher der Eidſchwur zugeſchoben worden iſt. 1363. Wenn ein deferirter oder zuruͤckgeſchobener Eid abgelegt worden iſt, kann der Gegentheil nicht zu⸗ gelaſſen werden, deſſen Falſchheit zu beweiſen. 1364. Eine Parthie, welche den Eidſchwur deferirt oder zuruckgeſchoben hat, kann nicht mehr widerrufen, ſobald der Gegentheil ſich bereit erklaͤrt hat, den Eid abzulegen. 1365. Ein wirklich abgelegter Eid erbringt nur zum Vortheil desjenigen, welcher ihn deſerirt hat, oder gegen ihn, und zum Vortheil ſeiner Erben und der Inhaber ſeiner Rechte, oder gegen ſie, den Beweis. Nichtsdeſtoweniger entlaſtet der von einem von ſoli⸗ dariſchen Glaͤubigern dem Schuldner zugeſchobene Eid dieſen nur fuͤr den Antheil dieſes Glaubigers. Der dem Hauptſchuldner deferirte Eid entlaſtet auch die Buͤrgen. Der, welcher einem von ſolidariſchen Schudnern de⸗ ferirt worden iſt, gereicht auch den Mitſchuldnern zum Vortheil. Und der, welcher dem Buͤrgen deferirt worden iſt, gereicht dem Hauptſchuldner zum Vortheil. In dieſen beiden lezten Fallen gereicht der Eid des ſolidariſchen Mitſchuldners oder der Buͤrgen den an⸗ dern Mitſchuldnern oder dem Hauptſchuldner nur dann zum Portheil, wenn er uͤber die Schuld ſelbſt, und nicht uͤber die Tharſache der Solidaritat oder der Buͤrg⸗ ſchaft deferirt worden iſt. 3. Won dem Eibſchwur, der von Amtswegen auferlegt wird. 1366. Der Richter kann einer der Parthien einen. Eidſchwur auferlegen, entweder, um die Entſcheidung der Sache davon abhangen zu laſſen, oder nur um den Betrag der Verurtheilung zu beſtimmen. 1367. Der Richter kann nur unter den zwei fol⸗ genden Bedingungen einen Eid, entweder uͤber die Klage, oder uͤber die ihr entgegenſtehende Einrede, von Amtswegen auferlegen: 1) Muß die Klage oder die Einrede nicht ganz er⸗ wieſen ſeyn. 2) Darf ſie nicht ganz von allen Beweiſen ent⸗ bloͤßt ſeyn. Dieſe beide Fälle ausgenommen, muß der Richter das Begehren unbedingt zuſprechen oder verwerfen. 1368. Ein Eid, den der Richter einer der Par⸗ cheyen von Amtswegen auferlegt hat, kann nicht von ihr auf die andere zuruͤckgeſchoben werden. 1369. Der Richter kann dem Kläger den Eid uͤber den Werth des verlangten Gegenſtandes blos dann auferlegen, wenn es unmoͤglich iſt, dieſen Werth auf eine andere Art zu konſtatiren. Selbſt in dieſem Falle muß der Richter die Summe beſtimmen, bis zu deren Konkurrenz dem Beklagten auf ſeinen Eid geglaubt werden ſoll. VBierier Von den Verbindlichkeiten, welche ohne Uebereinkunft entſtehen. Dekretirt am(19. Pluvioſe 12.) 9. Februar 1804. promulgirt am (29) 19. deſſeiben Monats. 1370. Gewiſſe Verbindlichkeiten entſtehen, ohne Dazwiſchenkunft einer Uebereinkunft, weder von Sei⸗ ten desjenigen, der ſich verbindlich macht, noch von Seiten desjenigen, welchem er verpflichtet iſt. Einige flieſſen aus dem bloſſen Anſehn des Geſetzes her, andere entſtehen aus ſolchen Thatrſachen, welche demjenigen, der ſich verpflichtet finder, perſoͤnlich ſind. Die erſte ſind die Verpflichtungen, welche ſich un⸗ freiwilliger Weiſe bilden, z. B. die zwiſchen benach⸗ barten Eigenthuͤmern, oder die der Vormuͤnder und anderer Verwalter, welche die ihnen uͤbertragene Amtsverrichtungen nicht verweigern koͤnnen. Diejenige Verpflichtungen, welche aus Thatſachen entſtehen, die dem, der ſich verpflichtet befindet, per⸗ ſoͤnlich ſind, entſtehen entweder aus QuaſiKontrakten, oder aus Delikten oder QunſDelikten; ſie machen den Gegenſtand des gegenwaͤrtigen Titels aus. Eſes apitel. Von den QuaſiKontrakten. 1371. QuaſiKontrakte ſind ſolche blos freiwillige Handlungen, aus welchen irgend eine Verpflichtung gegen einen Dritten, und zuweilen eine gegenſeitige Verbindlichkeit zwiſchen beiden Partheyen entſteht. 1372. Wenn man freiwillig fremde Geſchaͤfte ver⸗ waltet, der Eigenthuͤmer mag nun von der Verwal⸗ tung Wiſſenſchaft haben oder nicht, ſo kontrahirt der Verwalter die ſtillſchweigende Verbindlichkeit, die von ihm angefangene Verwaltung fortzufuͤhren und zu vol⸗ lenden, bis dahin der Eigenthuͤmer im Stande iſt, ſelbſt dafuͤr Sorge zu tragen; er muß ſogar auch alles das, was von demſelben Geſchaͤft abhaͤngig iſt, gleich⸗ falls uͤber ſich nehmen. Er unterwirft ſich allen Verpflichtungen, welche aus einem ausdruͤcklichen, ihm vom Eigenthuͤmer ertheilten, Mandat entſtehen wuͤrden. 1373. Er iſt verpflichtet, ſeine Verwaltung fortzu⸗ fuͤhren, ſogar wenn der Herr vor Beendigung des Ge⸗ ſchaͤftes ſterben ſolite, bis dahin der Erbe die Leitung deſſelben hat uͤbernehmen koͤnnen. CivilGeſetzb. 22 1374. Er iſt verbunden, auf dieſe Verwaltung alle Sorgfalt eines guten Familien Vaters zu verwenden. Die Umſtände, welche ihn bewogen haben, das Geſchaͤft zu uͤbernehmen, koͤnnen jedoch den Richter ermaͤchtigen, die Schadloshaltungen, welche aus der Schuld oder der Nachlaͤſſigkeit des Geſchäftsfuͤhrers entſpringen koͤnnten, zu ermäſſtgen. r375. Der Herr, deſſen Geſchäft gut verwaltet worden iſt, muß die Verbindlichkeiten erfullen, welche der Geſchaͤſtsfuhrer in ſeinem Namen kontrahirt hat, ihn wegen aller von ihm perſoͤnlich uͤbernommenen Bre⸗ pflichtungen ſchadlos halten, und ihm alle von ihm ge⸗ machte nutzliche oder nöthige Auslagen zuruͤckerſtatten. 1376. Derjenige, welcher irrthuͤmlich oder wiſſent⸗ lich etwas empfaͤngt, was ihm nicht geſchuldet iſt, wird dadurch verpflichtet, es demjenigen, von welchem er es unrechtmaͤſſiger Weiſe erhalten hat, zuruͤckzuerſtatten. 1377. Wenn Jemand, der irrthuͤmlich Schuldner zu ſeyn glaubte, eine Schuld bezahlt hat, ſo hat er das Recht, ſie von dem Gläubiger zuruckzufordern. Dieſes Recht hoͤrt jedoch in dem Falle auf, wo der Glaͤubiger in Gefolge der Zahlung ſeinen Titel vernich⸗ tet hat, vorbehaltlich des Ruͤckgriffs desjenigen, der bezahlt hat, gegen den wahren Schuldner. 1578. Wenn derjenige, der empfangen hat, in boͤſem Glauben war, ſo iſt er verbunden, ſowohl das Kapital als die Zinſen oder Fruͤchte, vom Tage der Zahlung an, zuruͤckzuerſtatten. 1379. Wenn die ungebuͤhrlicher Weiſe empfangene Sache ein Immoͤbel, oder ein körperliches Moͤbel iſt, ſo iſt derjenige, welcher es erhalten hat, verpflichtet, es in Natur, wenn es noch vorhanden iſt, oder deſſen Werth, wenn es durch ſeine Schuld zu Grunde ge⸗ gangen oder deteriorirt worden iſt, zuruckzuerſtatten; wenn er es in boͤſem Glauben empfangen hat, ſo iſt er ſogar in dem Falle, wo es durch einen Zufall zu Grunde geht, Gewaͤhrleiſtung ſchuldig. 1380. Wenn derjenige, der in gutem Glauben eine Sache erhalten hat, ſie verkauft hat, ſo iſt er nyr den Kaufſchilling zuruckzuerſtatten ſchuldig. 1331. Derjenige, welchem die Sache zuruckerſtattet wird, muß dem Beſitzer, ſogar demjenigen, der in boͤſem Glauben war, alle nothwendige und nuͤtzliche Auslagen, die er fur die Erhaltung der Sache gemacht hat, verguͤten. Zweites Kapitel. Von Delikten und QuaſiDelikten. 1382. Jede menſchliche Handlung, welche einem andern Schaden verurſacht, verpflichtet den, durch deſſen Schuld der Schaden verurſacht worden iſt, ihn zu erſetzen. 1383. Jeder iſt nicht allein fuͤr den Schaden ver⸗ antwortlich, den er durch ſeine Thathandlungen verur⸗ ſacht hat, ſondern auch fuͤr den, der aus ſeiner Nach⸗ läſſigkeit oder ſeiner Unvorſichtigkeit entſtanben iſt. 1384. Man iſt nicht allein fuͤr den Schaden ver⸗ antwortlich, den man durch ſeine eigne Schuld verur⸗ ſacht, ſondern auch fuͤr denjenigen, der durch die Schuld von Perſonen, fuͤr welche man verantwortlich iſt, oder durch Dinge, die man unter ſeiner Aufſicht hat, verurſacht wird. Der Vater, und nach dem Sterbfalle ihres Man⸗ nes die Mutter, iſt fuͤr den Schaden verantwortlich, der durch ihre minderjaͤhrige, bei ihnen wohnhaſte,— Kinder verurſacht worden iſt. Die Herren und Kommittenten fuͤr den Schaden, der durch ihre Bediente und die von ihnen angeſtellte „ Perſonen in den Verrichtungen, wozu ſie dieſelbe ge⸗ braucht haben, verurſacht worden iſt. Die Lehrer und die Handwerker fuͤr den Schaden, der durch ihre Zoͤglinge und Lehrlinge während der Zeit, wo ſie ſich unter ihrer Aufſicht befanden, verur⸗ ſacht worden iſt. Obige Verantwortlichkeit findet(immer) ſtatt, wenn nicht die Aeltern, Lehrer und Handwerker erwei⸗ ſen, daß ſie die Thathandlung nicht verhindern konn⸗ ten, welche zu dieſer Verantwortlichkeit ſtatt giebt. 1385. Der Eigenthuͤmer eines Thieres iſt fur jeden Schaden verantwortlich, den das Thier verurſacht hat, das Thier mag ſich nun unter ſeiner Aufſicht befunden haben, oder ſich verirrt haben, oder ihm entlaufen ſeyn. Der, welcher ſich eines Thieres bedient, hat während der Zeit, waͤhrend welcher er daſſelbe zu ſeinem Ge⸗ brauche hat, dieſelbe Verantwortlichkeit auf ſich. 1386. Der Eigenthuͤmer eines Gebaͤudes iſt fuͤr den durch deſſen Ruin verurſachten Schaden verantwort⸗ lich, wenn dieſer eine Folge des Mangels an Unter⸗ haltung oder eines Fehlers in der Bauart war. Fünf Von dem EheKontrakt, und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten. Dekretirt am(20. Pluvioſe 12.) 1o. Februar 1804. promulgirt am 30.) 20, deſſelben Monats. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfüͤgungen. 1387. Das Geſeß regiert die eheliche Geſellſchaft, in Hinſicht auf das Vermoͤgen, nur in Ermangelung einer beſondern Uebereinkunft, welche die Ehegatten ganz nach ihrem Gutduͤnken trefſen koͤnnen, voraus⸗ geſett jedoch, daß ſie den guten Sitten nicht zuwider⸗ laufe, und noch aufſerdem unter folgenden Einſchraͤn⸗ kungen. 1388. Die Ehegatten koͤnnen weder denjenigen Rechten, welche aus der Gewalt des Mannes uͤber die Perſon ſeiner Frau und ſeiner Kinder herflieſſen, oder welche dem Manne als Familienhaupt zuſtehen, noch denjenigen Rechten, welche der Titel: von der vaterlichen Gewalt, und der Titel: von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation, dem Ueberlebenden der Ehegatten zuſpricht, nach den irgend ein Verbot enthal⸗ tenden Verfuͤgungen(dispositions prohibitives) des gegenwärtigen Geſetzbuchs Abbruch thun. 1389. Sie koͤnnen keine Uebereinkunft oder Ver⸗ zichtleiſtung eingehen, die zum Gegenſtand haͤtte, die geſetzliche Ordnung der Erbfolge, ſowohl in Hinſicht auf ſich ſelbſt bei der Erbfolge ihrer Kinder oder Deszen⸗ denten, als in Hinſicht auf ihre Kinder untereinander zu verändern, den Schenkungen zwiſchen Lebenden oder teſtamentariſchen Schenkungen ohnbeſchadet, wel⸗ che in den vom gegenwaͤrtigen Geſetzbuch beſtimmten Formen und Fällen ſtatt finden koͤnnen. 1390. Die Ehegatten konnen nicht mehr im Allge⸗ meinen ſtipuliren, daß ihre Verbindung durch eines der Herkommen, Geſetze oder LokalStatuten regulirt werden ſoll, welche ehedem die verſchiedenen Theile des franzoͤſiſchen Gebietes regierten, und welche durch das gegenwaͤrtige Geſetzbuch abgerufen ſind. 1391. Sie koͤnnen jedoch im Allgemeinen erklären, daß ſie ſich entweder unter der Verfaſſung(sous le regime) der Guͤter Gemeinſchaft, ober unter der Do⸗ tal Verfaſſung zu ehelichen geſonnen ſind. Im erſten Falle, unter der Verfaſſung der Güter⸗ — 3— Gemeinſchaft, werden die Rechte der Ehegatten und ihrer Erben durch die Verfuͤgungen des 2ten Kapitels des gegenwaͤrtigen Titels regulirt. Im zweiten Falle, unter der DotalVerfaſſung, werden ihre Rechte durch die Verfuͤgungen des zten Kapitels regulirt. 1392. Die bloſſe Stipulation, daß das Weib ſich (ein gewiſſes) Vermoͤgen als Mitgift konſtituirt, oder daß ihr ein ſolches als Mitgift konſtituirt wird, ge⸗ nugt nicht, um dieſes Vermoͤgen der Dota Verfaſſung zu unterwerfen, wenn nicht eine ausdruͤckliche Erklä⸗ rung in dieſer Hinſicht in dem EheVertrag enthalten iſt. Eben ſo fließt auch die Unterwerfung unter die Do⸗ ta Verfaſſung nicht aus der bloſſen Erklaͤrung der Ehe⸗ gatten, daß ſie ſich ohne Guͤter Gemeinſchaft ehelichen, oder daß ſie in Trennung der Guͤter leben wollen, her. 1393. In Ermangelung von beſondern Stipula⸗ tionen, welche der Verfaſſung der Guͤter Gemeinſchaft Abbruch thun, oder ſie modifiziren, enthalten die in dem erſten Theil des 2ten Kapitels aufgeſtellte Regeln das gemeine Recht von Frankreich. 1394. Alle Matrimonial Konventionen muͤſſen, vor der Ehe, in einem Notariats Akt abgefaßt werden. 1395. Sie koͤnnen nach dem Abſchluß der Ehe keine Veraͤnderung mehr erleiden. 1396. Die Abanderungen, welche man vor dieſem Abſchluß darin treffen koͤnnte, muſſen durch einen, in derſelben Form wie der EheVertrag, errichteten Akt konſtatirt werden⸗ Uebrigens iſt keine Abänderung oder Gegenſchein ohne die gleichzeitige Gimultané) Gegenwart und Ein⸗ willigung aller der Perſonen, welche in dem Eh Ver⸗ trag Partheyen geweſen ſind, guͤltig. 1397. Jede Abänderung und jeder Gegenſchein, 333— ſelbſt wenn er mit den durch den vorhergehenden Arti⸗ kel vorgeſchriebenen Formen bekleidet iſt, verbleiben ohne Wirkung in Hinſicht auf jeden Dritten, wenn ſie nicht in Verfolg der Urſchrift(5 la suite de la minute) des EheVertrags abgefaßt worden ſind; und der Notar darf, unter Strafe der voͤlligen Schadlos⸗ haltung der Parthien und nach den Umſtänden noch ſchwererer Strafen weder erſte exekutoriſche, noch an⸗ dere Ausfertigungen des EheVertrags abliefern, ohne die Abaͤnderungen oder den Gegenbrief in Gefolge(des EhVertrags) zu transſcribiren. 1398. Derjenige Minderjaͤhrige, welcher befugt iſt, eine Ehe zu kontrahiren, iſt auch befugt, zu allen Konventionen, deren dieſer Kontrakt empfaͤnglich iſt, ſeine Einwilligung zu geben, und die von ihm gemach⸗ te Konventionen und Schenkungen ſind guͤltig, wenn er nur in dem Kontrakte von denjenigen Perſonen aſſi⸗ ſtirt war, deren Einwilligung zur Guͤltigkeit der Ehe erforderlich iſt. Zweites Kapitel. PVon der Verfaſſung der Gemeinſchaft der Guͤter. 1399. Jede, ſowohl geſetzliche, als konventionelle Gemeinſchaft der Guͤter fangt von dem Tage an, an welchem die Ehe vor dem Beamten des Civilſtandes kontrahirt worden iſt; man kann nicht ſtipuliren, daß ſie von einer andern Epoche an anfangen ſoll. St ſter Theil. Von der geſetzlichen Gemeinſchaft der Guͤter. 1400. Diejenige Gemeinſchaſt, welche durch die bloſſe Erklärung, daß man ſich unter der Verſaſſung der Gemeinſchaft der Guͤter verheirathet, oder welche in Ermangelung eines EheVertrags(von dem Geſetz) — 344— begruͤndet wird, iſt den in den folgenden ſechs Ab⸗ ſchnitten auseinandergeſetzten Regeln unterworfen. Erſter Abſchnitt. Beſtimmung desjenigen, woraus die geweinſchaftliche Vermögens⸗ Maſſe aktive und paſſive beſteht. Von dem AktivBeſtand der Gemeinſchaſt. 1401. Die Gemeinſchaft beſteht aktiverweiſe: 1) Aus aller Mobiliarſchaft, welche die Ehegaiten am Tage des Abſchluſſes der Ehe beſaßen, ſo wie aus aller Mobiliarſchaft, welche ihnen während der Ehe durch Erbſchaft oder ſelbſt durch Schen⸗ kung, wenn anderſt nicht der Schenkgeber das Gegentheil ausdruͤcklich verfugt hat, zufällt. 2) Aus allen, während der Ehe verfallenen oder bezogenen Fruͤchten, Einkuͤnften, Zinſen und Ruͤckſtaͤnden, von welcher Art und Gattung ſie auch ſeyn moͤgen, welche von denjenigen Guͤtern herkommen, die den Ehegatten zur Zeit des Ab⸗ ſchluſſes der Ehe zugehoͤrten, ſo wie von denjeni⸗ gen, welche ihnen, unter welchem Titel es auch immer ſeyn mag, zugefallen ſind. 3) Aus allen Immoͤbeln, welche waͤhrend der Ehe erworben werden. 1402. Jedes Immoͤbel wird, als fuͤr die Gemein⸗ ſchaft und in derſelben erworben, erachtet, wenn es nicht erwieſen iſt, daß ſchon vor der Ehe deſſen Eigenthum oder rechtmaͤßiger Beſitz einem der Ehegatten zuſtand, oder daß es ihm ſeitdem durch Erbfolge oder Schen⸗ kung zugefallen iſt. 1403. Die Holzſchläͤge und die Ausbeute von Stein⸗ gruben und Bergwerken fallen fur alles das, was nach den in dem Titel: von der Nutznieſſung, dem Gebrauch und der Einwohnung entwickelten Regeln, als Nutznieſſung betrachtet wird, in die Ge⸗ meinſchaft. Wenn die Holzſchlage, welche dieſen Regeln zufolge, während der Dauer der Gemeinſchaft, gefallt werden konnten, nicht gefällt worden ſind, ſo gebuͤhrt demjenigen Ehegatten, der nicht Eigenthuͤmer des Grund und Bodens iſt, oder ſeinen Erben, ein Erſatz. Wenn die Steinbruͤche und Bergwerke während der Ehe eroͤffnet worden ſind, ſo fällt die Ausbeute derſel⸗ ben nur vorbehaltlich des Erſaßes oder der Entſchädi⸗ gung fuͤr denjenigen der Ehegatten, welchem ſie ge⸗ ſchuldet werden mag, in die Gemeinſchaft. 1404. Die Immoͤbel, welche die Ehegatten am Tage des Abſchluſſes der Ehe beſitzen, oder welche ih⸗ nen während deren Dauer durch Erbſchaft zufallen, kommen nicht in die Gemeinſchaft. Wenn nichtsdeſtoweniger einer der Ehegatten nach (Unterzeichnung) des Ehe Kontraktes, welcher die Sti⸗ pulation der Gemeinſchaft enthaͤlt, und vor dem Ab⸗ ſchluß der Ehe ein Immoͤbel acquirirt, ſo kommt das in dieſer Zwiſchenzeit acquirirte Immoͤbel in die Ge⸗ meinſchaft, es ſey denn, daß die Acquiſition deſſelben in Vollzug einer Klauſel des EheVertrags gemacht worden waäre, in welchem Falle ſie von der Konven⸗ tion regulirt wuͤrde. 1405. Die Schenkungen von Immoͤbeln, welche wahrend der Ehe nur einem der Ehegatten gemacht werden, kommen nicht in die Gemeinſchaft, und ge⸗ hoͤren dem Schenknehmer allein, wenn die Schenkung nicht ausdruͤcklich enthaͤlt, daß die geſchenkte Sache in die Gemeinſchaft kommen ſoll. 1406. Jedes von dem Vater, der Mutter, oder einem andern Aszendenten einem der beiden Ehegatten geſchenkte oder abgetretene Immoͤbel, es mag nun, um den Antheil, der ihm zukommt, voll zu machen, oder mit der Laſt, die Schulden des Schenkgebers an Fremde zu bezahlen, geſchehen ſeyn, kommt nicht in die Gemeinſchaft, vorbehaltlich eines Erſatzes oder ei⸗ ner Entſchaͤdigung. 1407. Ein waͤhrend der Ehe, durch Austauſch ge⸗ gen ein anderes, einem der beiden Ehegatten gehoͤriges, acquirirtes Immoͤbel kommt nicht in die Gemeinſchaft, und nimmt die Stelle desjenigen ein, welches veraͤuſſert worden iſt, vorbehaltlich des Erſatzes, wenn etwas herausgegeben worden iſt. 1408. Die waährend der Ehe, in einer oͤffentlichen Verſteigerung, oder auf andere Art gemachte Acquiſi⸗ tion von einem Antheil eines ſolchen Immoͤbels, wel⸗ ches einem der Ehegatten zum Theil zugehoͤrte, iſt keine Errungenſchaft, vorbehaltlich die Gemeinſchaft fur die Summe zu entſchaͤdigen, welche ſie fur dieſe Acquiſi⸗ tion hergegeben hat. Im Falle, wo der Mann allein und in ſeinem per⸗ ſonlichen Namen, Ankaͤufer oder Anſteigerer eines Theils oder von der Totalitaͤt eines Immoͤbels werden ſollte, welches der Frau zum Theil zugehoͤrte, ſo hat dieſe, bei der Aufloͤſung der Gemeinſchaft, die Wahl, entweder das Immoͤbel der Gemeinſchaft zu uͤberlaſſen, welche alsdann Schuldnerin der Frau fur den ihr von dem Kaufſchilling zukommenden Antheil wird, oder das Immoͤbel mittelſt Ruͤckzahlung des Kaufſchillings an die Gemeinſchaft an ſich zu ziehen. §. 2. Von dem PaſſivBeſtand der Gemeinſchaft und den Klagen, welche daraus gegen dieſelbe herflieſſen. 1409. Die Gemeinſchaft beſteht paſſiverweiſe: 1. Aus allen MobiliarSchulden, womit die Ehe⸗ — 30— gatten am Tage des Abſchluſſes der Ehe belaſtet waren, oder womit die Erbſchaften belaſtet ſind, welche ihnen waͤhrend der Ehe zufallen, vorbe⸗ baltlich des Erſatzes fur diejenige Schulden, welche die, einem oder dem andern Ehegatten eigenthuͤmlich zugehoͤrige, Immoͤbel betreffen. 2. Aus den Schulden, ſowohl an Hauptſummen als an Ruckſtänden oder Zinſen, welche waͤh⸗ rend der Gemeinſchaft der Mann oder die Frau mit Einwilligung des Mannes kontrahirt hat, vorbehaltlich des Erſatzes nach den Umſtaͤnden. 3. Blos aus den Ruckſtaͤnden und Zinſen von perſoͤnlichen Renten oder Paſſiv Schulden der bei⸗ den Ehegatten. 4. Aus den nutnießlichen Reparaturen der Immoͤ⸗ bel, welche nicht in die Gemeinſchaft gehoͤren. 5. Aus den Alimenten der Ehegatten, den Koſten der Erziehung und Unterhaltung der Kinder, und allen anderen Laſten der Ehe. 1410. Die Gemeinſchaft haftet fuͤr die, vor der Ehe, von der Frau kontrahirte Mobiliarſchulden nur dann, wenn ſelbe aus einem der Ehe vorheri⸗ gen authentiſchen Akt herflieſſen, oder wenn ſie zu derſelben Epoche, entweder durch das Einregiſtre⸗ ment, oder durch den Sterbfall eines oder mehrerer von denjenigen, die den Akt unterzeichnet haben, ein gewiſſes Datum erhalten hatten. Derjenige, welcher kraft eines Aktes, der kein ge⸗ wiſſes, der Ehe vorheriges, Datum hat, Glaͤubiger der Frau iſt, kann die Zahlung ſeines Guthabens gegen ſie blos auf das nackte Eigenthum der ihr perſonlich zuſtehenden Immobel verfolgen. Doch kann der Mann, der eine Schuld von dieſer Art füͤr ſeine Frau gezahit zu haben behaupten wurde, weder von der Frau noch von ihren Erben, einigen Erſatz dafur fordern. 1411. Die Schulden von Erbſchaften, die ganz aus Immoͤbeln beſtehen, und welche den Ehegatten waͤhrend der Ehe zufallen, fallen der Gemeinſchaft nicht zur Laſt, vorbehaltlich des Rechtes der Glaͤubiger, ihre Zahlung gegen die Immoͤbel der beſagten Erbſchaften zu verfolgen. Jedoch koͤnnen die Glaͤubiger der Ebſchaft, wenn dieſe dem Manne zugefallen iſt, ihre Zahlung ſowohl gegen alle dem Manne eigenthuͤmlich zuſtehende Guͤter, als ſelbſt gegen die der Gemeinſchaft verfolgen, vorbe⸗ haltlich in dieſem letzten Falle, des der Frau oder ih⸗ ren Erben zukommenden Erſatzes. 1413. Wenn eine ganz aus Immoͤbeln beſtehende Erbſchaft der Frau zugefallen iſt, und dieſe ſie mit Einwilligung ihres Mannes angenommen hat, ſo koͤn⸗ nen die Glaͤubiger der Erbſchaft ihre Zahlung gegen alles der Frau perſoͤnlich zuſtehende Vermoͤgen verfol⸗ gen; allein wenn die Frau die Erbſchaft nur mittelſt einer, wegen Weigerung des Mannes von Gerichts⸗ wegen ertheilten, Ermaͤchtigung angenommen hat, ſo können die Glaͤubiger, wenn die Immoͤbel der Erb⸗ ſchaft zu ihrer Zahlung unzureichend ſind, nur das nackte Eigenthum der uͤbrigen, der Frau perſoͤnlich zu⸗ gehoͤrigen, Guͤter angreifen. 1415. Wenn eine einem der Ehegatten zugefallene Erbſchaft zum Theil aus Möbeln und zum Theil aus Immoͤbeln beſteht, ſo fallen die Schulden, welche auf derſelben haften, der Gemeinſchaft nur bis zur Kon⸗ kurrenz des Beitrags zur kaſt, welchen die Mobiliar⸗ ſchaft im Verbaͤltniß ihres Werthes, verglichen mit dem der Immoͤbel, zur Zahlung der Schulden zu lei⸗ ſten hat. Dieſer Beitrag wird nach dem Inventarium regu⸗ ———— ————— — lirt, welches der Mann eutweder in ſeinem eignen Na⸗ men, wenn die Erbſchaft ihn perſoͤnlich betrifft, oder weil er die Handlungen ſeiner Frau leiten und ermaͤch⸗ tigen muß, wenn es ſich von einer Erbſchaft handelt, welche dieſer zugefallen iſt, errichten laſſen muß. 1415. In Ermangelung eines Inventariums, und in allen den Faͤllen, wo der Abgang deſſelben der Frau zum Nachtheil gereicht, kann ſie oder ihre Erben, bei der Aufloͤſung der Gemeinſchaft, die recht⸗ liche Entſchaͤdiqung verfolgen, und ſogar, ſowohl durch Titel und haͤusliche Papiere, als durch Zeugen, und im Nothfalle durch den oͤffentlichen Ruf, den Beweis uͤber den Beſtand und den Werth der nicht inventari⸗ ſirten Mobiliarſchaft erbringen. Der Mann kann nie zugelaſſen werden, dieſen Be⸗ weis zu erbringen. 1416. Die Verfuͤgungen des Artikels 1414. ver⸗ hindern die Gläubiger einer zum Theil aus Moͤbeln und zum Theil aus Immoͤbeln beſtehenden Erbſchaft nicht, ihre Zahlung gegen die Guͤter der Gemeinſchaft zu verfolgen, die Erbſchaft mag nun dem Manne oder der Frau zugefallen ſeyn, wenn dieſe ſie mit Ermaͤch⸗ tigung ihres Mannes angenommer hat, alles vorbe⸗ baltlich des gegenſeitigen Erſatzes. Ein gleiches gilt, wenn die Frau die Erbſchaft zwar nur kraft einer gerichtlichen Ermaͤchtigung angenommen hat, aber nichtsdeſtoweniger die Mobiliarſchaft derſel⸗ ben mit der Gemeinſchaft ohne vorheriges Inventa⸗ rium vermiſcht worden iſt. 1417. Wenn die Frau die Erbſchaft nur kraft einer, wegen Weigerung des Mannes, von Gerichtswegen ertheilten Ermaͤchtigung angenommen hat, und ein Inventarium errichtet worden iſt, ſo koͤnnen die Glaͤu⸗ biger ihre Zahlung nur gegen die Moͤbel oder Immoͤ⸗ bel der beſagten Erbſchaft, ohne Unterſchied, und im Falle, wo dieſe unzureichend waͤren, gegen das nackte Eigenthum der uͤbrigen, der Frau perſoͤnlich zugehoͤri⸗ gen Guͤter verfolgen. 1418. Die in dem Artikel 1411. und den ſolgen⸗ den aufgeſtellten Regeln regieren die von einer Schen⸗ kung abhängige Schulden, ſo wie die, welche aus einer Erbſchaft herflieſſen. 1419. Die Glaͤubiger koͤnnen die Zahlung derjeni⸗ gen Schulden, welche die Frau mit Einwilligung des Mannes kontrahirt hat, ſowohl gegen alle Guͤter der Gemeinſchaft, als gegen die des Mannes oder der Frau, vorbehaltlich des Erſatzes, welcher der Gemein⸗ ſchaft oder der Entſchaͤdigung, welche dem Manne demnach geſchuldet werden mag, verfolgen. 1420. Jede Schuld, welche die Frau nur kraft einer General⸗ oder Spezial Vollmacht des Mannes kontrahirt, faͤllt der Gemeinſchaft zur Laſt, und der Glaͤubiger kann deren Zahlung weder gegen die Frau, noch gegen die ihr perſoͤnlich gehoͤrige Guͤter verfolgen. Zweiter Abſchnitt. Von der Verwaltung der Gemeinſchaft, und von den Wirkun⸗ gen der Akte des einen oder des andern Ehegatten in Hin⸗ ſicht auf die eheliche Geſellſchaft. 1421. Der Mann verwaltet allein die Guͤter der Gemeinſchaft. Er kann ſie ohne Beiſtimmung der Frau verkaufen, veraͤuſſern und hypotheziren. 1422. Er kann weder uͤber die Immoöbel der Ge⸗ meinſchaft, noch uͤber die Geſammtheit oder einen be⸗ ſtimmten Betrag der Mobiliarſchaft unentgeltlich durch Schenkungen zwiſchen Lebenden verfuͤgen, ausgenom⸗ men wenn es zum Behuf der Niederlaſſung gemein⸗ ſchaftlicher Kinder geſchieht. Er kann jedoch zum Vortheil von Jedermann uͤber MobiliarEffekten unter einem PartikularTitel unent⸗ geltlich verfuͤgen, wenn er ſich nur den Nießbrauch davon nicht vorbehaͤlt. 1423. Eine von einem Manne gemachte teſtamen⸗ tariſche Schenkung kann ſeinen Antheil in der Gemein⸗ ſchaft nicht uͤberſteigen. Wenn er eine in die Gemeinſchaft gehoͤrige Sache in dieſer Form geſchenkt hat, ſo kann der Schenkneh⸗ mer ſie nur dann in Natur anverlangen, wenn die Sache, in Folge der Theilung, in das Loos der Erben des Mannes fällt; wenn die Sache nicht in das Loos dieſer Erben fallt, ſo hat der Legatar den Erſatz des voͤlligen Werthes der geſchenkten Sache, an dem An⸗ theil der Erben des Mannes in der Gemeinſchaft und an dem perſoͤnlichen Vermoͤgen dieſes letztern zu fordern. 1424. Die Zahlung derjenigen Geldſtrafen, wel⸗ chen der Mann fuͤr ſolche Verbrechen verfallen iſt, die den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich ziehen, kann gegen die Guͤter der Gemeinſchaft verfolgt werden, vorbe⸗ haltlich des der Frau ſchuldigen Erſatzes; die Zahlung derjenigen Geldbußen, welchen die Frau verfallen iſt, kann, ſo lange die Gemeinſchaft dauert, nur gegen das nackte Eigenthum ihrer perſoͤnlichen Guͤter, ver⸗ folgt werden. 1425. Diejenige Verurtheilungen, welche gegen ei⸗ nen der beden Ehegatten, wegen Verbrechen, die den buͤrgerlichen Tod nach ſich ziehen, ausgeſprochen wer⸗ den, betreffen nur ſeinen Antheil in der Gemeinſchaße und ſein perſoͤnliches Vermoͤgen. 1426. Akte, welche die Frau ohne Einwilligung des Mannes ſelbſt mit Ermaͤchtigung der Gerichte vor⸗ genommen hat, machen die Guͤter der Gemeinſchaft nicht verbindlich, ausgenommen, wenn ſie als oͤffent⸗ tiche Hanbelsfrau, und in Geſchäften ihres Handels kontrahirt. 1427. Die Frau kann, ſelbſt um ihren Mann aus dem Gefängniß zu retten, oder zum Behuf der Nie⸗ derlaſſung ihrer Kinder im Falle der Abweſenheit des Mannes, ſich weder verpflichten, noch die Guͤter der Gemeinſchaft verbindlich machen, wenn ſie nicht vor⸗ her von Gerichtswegen dazu ermaͤchtigt worden. 1428. Dem Manne ſteht die Verwaltung aller der Frau perſoͤnlich zugehorigen Güter zu. Er kann allein alle der Frau zuſtehende Mobiliar⸗ und poſſeſſoriſche Klagen anſtellen. Er kann die, ſeiner Frau perſoͤnlich zugehoͤrige, Im⸗ moͤbel nicht ohne ihre Einwilligung veräuſſern. Er iſt fuͤr jeden Verlurſt(dépérissement), den ſeine Frau in ihrem perſonlichen Vermoͤgen durch die Unterlaſſung von konſervatoriſchen Akten erlitten hat, verantwortlich. 1429. Die PachtKontrakte, welche der Mann fuͤr eine längere Zeit als neun Jahre uͤber die Güter ſeiner Frau abgeſchloſſen hat, ſind, im Falle der Aufloͤſung der Gemeinſchaft, fur die Frau oder ihre Erben, nur fur diejenige Zeit verbindlich, die noch von der erſten Periode von neun Jahren, wenn die Partheyen ſich noch darin befinden, oder von der zweiten Periode von neun Jahren, und ſo ferner, zu laufen hat, ſo daß der Paͤchter blos das Recht hat, den Genuß derjenigen neun⸗ jährigen Periode, worin er ſich befindet, zu vollenden. 1430. Die PachtKontrakte von neun oder weniger Jahren, welche der Mann mehr als drei Jahre vor dem Ablauf des laufenden PachtKontraktes, wenn es ſich von Feldgutern handelt, und mehr als zwei Jahre vor derſelben Epoche, wenn von Häuſern die Rede iſt, abgeſchloſſen oder erneuert hat, bringen keine Wirkung hervor, den Fall ausgenommen, wenn ihr Vollzug vor der Aufloͤſung der Gemeinſchaft angefangen hätte. 1431. Die Frau, welche ſich ſolidariſch mit ihrem Manne, in Geſchaͤften der Gemeinſchaft oder des Man⸗ nes, verpflichtet, wird angeſehen, als habe ſie ſich in Hinſicht auf dieſen nur als Buͤrgſchaft verpflichtet; ſie muß fuͤr die von ihr kontrahirte Verpflichtung ent⸗ ſchaͤdigt werden. 1432. Der Mann, welcher ſolidariſch oder auf an⸗ dere Weiſe den von ſeiner Frau vorgenommenen Ver⸗ kauf eines ihr perſoͤnlich zugehoͤrigen Immoͤbels garan⸗ tirt, hat, wenn er beunruhigt wird, gleichfalls ſeinen Ruͤckgriff gegen ſie, den er ſowohl gegen ihren Ancheil in der Gemeinſchaft, als gegen ihr perſoͤnliches Ver⸗ moͤgen nehmen kann. 1433. Wenn ein, einem der Ehegatten zugehoͤriges, Immoͤbel verkauft worden iſt, ſo wie auch, wenn GrundDienſtleiſtungen, die einem Grundſtuͤcke geſchul⸗ det werden, das einem der Ehegatten perſoͤnlich zu⸗ gehoͤrt, in Geld losgekauft worden ſind, und wenn der Kaufſchilling in die Gemeinſchaft eingeſchoſſen, und nicht wieder zu einem neuen Ankauf verwendet worden iſt(ans remploi), ſo wird dieſer Kaufſchilling zum Vortheil desjenigen Ehegatten, welchem das verkaufte Immoͤbel oder die losgekaufte Dienſtbarkeiten gehoͤr⸗ ten, voraus von der gemeinſchaftlichen Maſſe erhoben. 1434. In Hinſicht auf den Mann wird dafuͤr er⸗ achtet, als ſey der Kaufſchilling wieder zu einem neuen Ankauf verwendet worden, ſo oft er, bei einem An⸗ kauf, erklärt hat, daß er mittelſt der, von der Veraͤuſ⸗ ſerung dieſes oder jenes, ihm perſoͤnlich zugehoͤrigen Immoͤbels, herruͤhrenden Gelder, und zu deren Wie⸗ der Verwendung(remploi) geſchehen ſey. 1435. Die Erklärung des Mannes, daß ein An⸗ Civi Geſetzb. 23 — 3 kauf mit den, von dem Verkauf eines ſeiner Frau zu⸗ gehoͤrigen Immoͤbels, herruͤhrenden Geldern, und zu deren Wieder Anlegung geſchehen iſt, iſt nicht hinlaͤng⸗ lich, wenn die Frau dieſe Wieder Anlegung nicht foͤrm⸗ lich angenommen hat; wenn ſie dieſelbe nicht angenom⸗ men hat, ſo hat ſie bei Aufloͤſung der Gemeinſchaft nur ein Recht auf den Erſatz des Kaufſchillings ihres verkauften Immoͤbels. 1436. Der Erſatz des Kaufſchillings eines dem Manne zugehoͤrigen Immoͤbels kann nur gegen die gemeinſchaftliche Maſſe verfolgt werden; der Erſatz des Kaufſchillings eines der Frau zugehorigen Immoͤbels kann, im Falle der Unzulänglichkeit der gemeinſchaft⸗ lichen Maſſe, gegen das perſoͤnliche Vermoͤgen des Mannes verfolgt werden; in allen Fällen hat der Erſatz nur auf dem Fuß des Verkaufes ſtatt, was auch im⸗ mer uͤber den Werth des veraͤuſſerten Immoͤbels be⸗ hauptet werden mag. 1437. So oft eine Summe aus der Gemeinſchaft erhoben wird, entweder um perſoͤnliche Laſten oder Schulden eines der Ehegatten abzulegen, z. B. den Kaufſchilling oder einen Theil des Kauſſchillings eines ihm eigenthuͤmlichen Immoͤbels, oder den Loskauf⸗ Preis von Grund Dienſtbarkeiten, oder auch um ſein perſoͤnliches Vermoͤgen zu erlangen, zu erhalten oder zu verbeſſern, und uͤberhaupt ſo oft einer der Ehegatten aus der gemeinſchaftlichen Maſſe einen perſoͤnlichen Vortheil bezogen hat, iſt er den Erſatz deſſelben ſchuldig. 1438. Wenn der Vater und die Mutter ein ge⸗ meinſchaftliches Kind zuſammen ausgeſtattet haben, ohne zu erklären, für welchen Betrag jeder dazu bei⸗ zutragen die Abſicht hatte, ſo wird dafuͤr erachtet, als habe jeder die Hälfte der Ausſteuer gegeben, ſie mag nun in Effekten der Gemeinſchaft, oder in, einem der Ehegatten perſoͤnlich zugehoͤrigen, Guͤtern gegeben oder verſprochen worden ſeyn. In dieſem zweiten Falle hat derjenige Ehegatte, deſſen perſoͤnliches Immoͤbel oder deſſen Effekten als Ausſteuer konſtituirt worden ſind, eine Klage auf Ent⸗ ſchaͤdigung fuͤr die Haͤlfte dieſer beſagten Ausſteuer, ruckſichtlich auf den Werth, welchen der gegebene Ge⸗ genſtand zur Zeit der Ausſtattung hatte, gegen das Vermoͤgen des andern Ehegatten. 1439. Diejenige Ausſteuer, welche der Mann al⸗ lein dem gemeinſchaftlichen Kinde in Effekten der Gemeinſchaft konſtituirt hat, fallt der Gemeinſchaft zur laſt; und in dem Falle, wo die Gemeinſchaft von der Frau angenommen wird, muß dieſe die Haͤlfte der Ausſteuer tragen, wenn nicht der Mann ausdruͤcklich erklaͤrt hat, daß er dieſe ganz, oder fur einen ſtaͤrkern Antheil als die Haͤlfte, uͤber ſich nimmt. 1440. Die Gewaͤhrleiſtung der Ausſteuer wird von jedem, der ſie konſtituirt hat, geſchuldet; und ihre Zinſen laufen, wenn keine entgegengeſetzte Stipulation vorliegt, von dem Tage der Ehe an, ſelbſt wenn fuͤr die Zahlung ein Termin(beſtimmt) iſt. Dritter Abſchnitt. Von der Aufloͤſung der Gemeinſchaft, und einigen ihrer Folgen 1441. Die Gemeinſchaft wird aufgeloͤßt: r) durch den natuͤrlichen Tod, 2) durch den buͤrgerlichen Tod, 3) durch die Eheſcheidung, 4) durch die Trennung von Tiſch und Bett, 5) durch die Trennung der Guͤter. 1442. Der Abgang eines Inventariums nach dem natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tode eines der Ehegatten giebt keineswegs der Fortſetzung der Gemeinſchaft ſtatt, vorbehaltlich der von den Betheiligten zur Sicherſtel⸗ 5 — 356— lung der Konſiſtenz der geſellſchaftlichen Guͤter und Effek⸗ ten, welche ſowohl durch Titel als durch den oͤffentlichen Ruf erwieſen werden kann, zu treffenden Maasregeln. Wenn minderjaͤhrige Kinder vorhanden ſind, ſo macht die Unterlaſſung der Inventariſirung den uͤber⸗ lebenden Ehegatten zugleich des Genuſſes ihrer Ein⸗ kuͤnfte verluſtig; und der BeiVormund, welcher ihn nicht angehalten hat, ein Inventarium zu errichten, haftet ſolidariſch mit ihm fuͤr alle Verurtheilungen welche zum Vortheil der Minderjährigen ausgeſprochen werden koͤnnen. 1443. Blos die Frau, wenn ihr Eingebrachtes (dot) in Gefahr kommt, und wenn die Unordnung der Geſchaͤfte des Mannes befurchten läßt, daß ſein Ver⸗ moͤgen nicht hinlänglich ſeyn moͤchte, um die Frau fuͤr ihre Anſpruͤche und die Zuruͤcknahme(reprises) ihres eigenthumlichen Vermoͤgens zu decken, kann gerichtlich die Trennung der Guͤter verfolgen. Jede freiwillige Trennung iſt nichtig. 1444. Wenn die Trennung der Guͤter auch gericht⸗ lich ausgeſprochen worden iſt, ſo iſt ſie dennoch nichtig, wenn ſie nicht durch die wirkliche Zahlung der Forde⸗ rungen und Zurücknahmen der Frau, die durch einen authentiſchen Akt bis zur Konkurrenz des Vermoͤgens des Mannes geſchehen ſeyn muß, oder wenigſtens durch, in den erſten auf das Urtheil folgenden vier⸗ zehn Tagen angefangene und ſeitdem nicht unterbro⸗ chene Betreibungen, vollzogen worden iſt. 1445. Jede Trennung der Guͤter muß, vor ihrem Vollzug, und unter Strafe der Nullität des Vollzugs, durch Anheſtung auf einer hierzu beſtimmten, in dem Hauptſaal des Gerichtes erſter Inſtanz, befindlichen Tafel, und auſſerdem, wenn der Mann Kaufmann, Banquier oder Handelsmann iſt, durch eine weitere Anheftung in dem Saal des HandelsGerichtes ſeines Wohnortes bekannt gemacht werden⸗ Jedes Urtheil, welches eine Trennung von Gütern ausſpricht, greiſt in ſeinen Wirkungen bis zum Tage der Klage zuruͤck. 1446. Die perſoͤnliche Glaͤubiger der Frau konnen ohne ihre Einwilligung, die Trennung der Guͤter nicht anvertangen. Sie koͤnnen jedoch, im Falke des Bankerotts oder des gaͤnzlichen Ruͤckgangs,(deconfiture) des Man⸗ nes, die Rechte ihrer Schuldnerin bis zur Konkurrenz des Betrags ihrer Forderungen verfolgen. 1447. Die Glaͤubiger des Mannes koͤnnen gegen die ſchon ausgeſprochene und ſelbſt ſchon vollzogene Trennung der Guͤter einkommen,(peuvent se pour- voir) wenn dieſe, um ſie um ihre Forderungen zu be⸗ truͤgen(en fraude de leurs croits) ausgeſprochen und vollzogen worden iſt; ſie koͤnnen ſogar in dem Rechtsſtreit uͤber das Begehren auf Trennung inter⸗ veniren, um dieſes zu beſtreiten. 1448. Wenn eine Frau die Trennung der Guͤter erlangt hat, ſo muß ſie, im Verhaͤltniß ihrer Mittel und der des Mannes, fowohl zu den Koſten der Haus⸗ haltung als zu den der Erziehung der gemeinſchaftli⸗ chen Kinder beitragen. Sie muß dieſe Koſten allein tragen, wenn dem Manne nichts uͤbrig bleibt. 1449. Jede Frau, welche von Tiſch und Bett geſchieden, oder nur in ihrem Vermoͤgen getrennt worden iſt, uͤbernimmt wieder die freie Verwaltung deſſelben. Sie kann über ihre Mobiliorſchaft verfuͤgen und ſie veräuſſern. Sie kann ihre Immoͤbel nicht ohne Einwilligung — 33*— des Mannes, oder im Falle dieſer ſie verweigern ſollte, ohne Ermaͤchtigung der Gerichte veraͤuſſern. 1450. Der Mann iſt fuͤr die Unterlaſſung der An⸗ legung, oder der Wiederverwendung zu einem neuen Ankauf, des Kaufſchillings eines von ſeiner in dem Ver⸗ moͤgen getrennten Frau mit Ermächtigung der Gerichte veraͤuſſerten Immoͤbels, keine Gewährleiſtung ſchuldig, wenn er nicht zu dem Kontrakt mitgewirkt hat, oder wenn es anderſt nicht erwieſen iſt, daß er die Geider empfangen hat oder daß ſie zu ſeinem Vortheil ver⸗ wendet worden ſind. Er iſt fuͤr die Nicht Anlegung oder die Nicht Wieder⸗ verwendung des Kaufſchillings zu einem neuen Ankauf Gewaͤhrleiſtung ſchuldig, wenn der Verkauf in ſeiner Gegenwart und mit ſeiner Einwilligung geſchehen iſt. Er iſt keine fuͤr die Nuͤtzlichkeit dieſer Verwendung ſchuldig. 1451. Jede Gemeinſchaft, welche entweder duch die Trennung von Tiſch und Bett, oder durch die bloſſe Trennung der Guͤter aufgeloͤßt worden iſt, kann mit Einwilligung beider Partheyen wieder hergeſtellt werden. Sie kann nicht anderſt als durch einen Akt vor No⸗ tarien, der in Urſchrift zuruͤckbleiben, und deſſen Aus⸗ fertigung in der Form des Art. 1445. angeheftet werden muß, wieder hergeſtellt werden. In dieſem Falle greift die wiederhergeſtellte Gemein⸗ ſchaft in ihren Wirkungen bis zum Tage der Ehe zu⸗ ruͤck; die Dinge treten in denſelben Zuſtand zuruck, als wenn keine Trennung ſtatt gehabt hätte, dem Vollzug der Akte jedoch ohnbeſchadet, welche die Frau in der Zwiſchenzeit, dem Art. 1445. gemäß, vorge⸗ nommen haben kann. Jede Uebereinkunft, wodurch die Ehegatten ihre Gemeinſchaft unter andern Bedingungen als denjeni⸗ gen, welche ſie vorher regulirten, wiederherſtellen wur⸗ den, iſt nichtig. 1452. Die Aufloͤſung der Gemeinſchaft, welche durch die Eheſcheidung, oder durch die Trennung von Tiſch und Bett, oder durch die bloſſe Trennung der Guͤter bewerkſtelligt worden iſt, giebt zur Eroͤffnung der, der Frau im Falle des Ueberlebens zuſtehenden, Rechte nicht ſtatt; allein ſie behaͤlt die Befugniß, ſie zur Zeit des natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Todes ihres Mannes geltend zu machen. Vierter Abſchnitt. Pon der Annahme der Gemeinſchaft, und der Verzichtleiſtung anf dieſelbe, ſo wie von den darauf Bezug habenden Be⸗ dingungen. 1453. Nach der Aufloͤſung der Gemeinſchaft ſteht der Frau oder ihren Erben und den Inhabern ihrer Rechte die Befugniß zu, die Gemeinſchaft anzunehmen, oder darauf Verzicht zu leiſten. Jede dem zuwiderlaufende Uebereinkunft iſt nichtig. 1454. Wenn ſich die Frau in das Vermoͤgen der Gemeinſchaft eingemiſcht hat, ſo kann ſie nicht darauf Verzicht leiſten. Bloſſe Verwaltungs ⸗oder konſervatoriſche Akte fuͤh⸗ ren keine Einmiſchung mit ſich. 1455. Wenn eine großjaͤhrige Frau in einem Akte die Eigenſchaſt als gemeinſchaftlich in den Guͤtern angenommen hat, ſo kann ſie nicht mehr darauf ver⸗ zichten, noch ſich gegen dieſe Eigenſchaft reſtituiren laſſen, wenn ſie ſie gleich vor Errichtung eines Inven⸗ tariums angenommen haͤtte, den Fall jedoch ausge⸗ nommen, wenn ſie durch Argliſt von Seiten der Er⸗ ben des Mannes dazu gebracht worden waͤre. — 360— 1456. Die uͤberlebende Frau, welche die Befug⸗ niß, auf die Gemeinſchaft Verzicht zu leiſten, behal⸗ ren will, muß in den drei Monaten nach dem Sterb⸗ falle des Mannes, kontradiktoriſch mit den Erben deſ⸗ ſelben oder nach ihrer gehoͤrigen Berufung, ein getreu⸗ es und genaues Inventarium uͤber den ganzen Beſtand der gemeinſchaftlichen Maſſe errichten laſſen. Sie muß bei dem Schluſſe dieſes Inventariums vor dem oͤffentlichen Beamten, welcher daſſelbe aufgenom⸗ men hat, betheuern, daß es aufrichtig und der Wahr⸗ heit gemäß iſt. 1457. Sie muß in den drei Monaten und vierzig Tagen nach dem Sterbfall des Mannes ihre Verzicht⸗ leiſtung auf der Gerichtſchreiberei des Gerichtes erſter Inſtanz, in deſſen Bezirke der Mann ſeinen Wohnſitz hatte, erklaͤren; dieſer Akt muß auf das Regiſter ein⸗ geſchrieben werden, welches beſtimmt iſt, um die Ver⸗ zichtleiſtungen auf Erbſchaften darin aufzunehmen. 1458. Die Wittwe kann, nach Befinden der Um⸗ ſtände, von dem CivilGericht eine Verlängerung der durch den vorhergehenden Artikel fur ihre Verzichtlei⸗ ſtung bewilligten Zeitfriſt anverlangen; dieſe Ver⸗ längerung wird, nach Beſchaffenheit der Umſtände, kontradiktoriſch mit den Erben des Mannes oder nach ihrer gehoͤrigen Berufung ausgeſprochen. 1459. Die Wittwe, welche ihre Verzichtleiſtung nicht in der oben beſtimmten Zeitfriſt erklärt hat, iſt der Beſugniß, Verzicht zu leiſten, darum nicht verlu⸗ ſtig, wenn ſie ſich anderſt in das Vermoͤgen nicht ein⸗ gemiſcht hat, und ein Inventarium hat errichten laſſen; nur kann ſie als gemeinſchaftlich verfolgt werden, bis dahin ſie Verzicht geleiſtet hat, und muß die, bis zu ihrer Verzichtleiſtung, gegen ſie ergangene Koſten tragen. — 361— Sie kann gleichfalls nach Ablauf der vierzig Tage ſeit dem Abſchluß des Inventariums, wenn dieſes vor dem Ablauf der drei Monate geſchloſſen worden iſt, verfolgt werden. 1460. Diejenige Wittwe, welche einige Effekten der Gemeinſchaft weggebracht oder verhehlt hat, muß ihrer Verzichtleiſtung ohngeachtet fuͤr gemeinſchaftlich erklaͤrt werden; ein gleiches gilt von ihren Erben. 1461. Wenn die Wittwe vor dem Ablauf der drei Monate ſtirbt, ohne das Inventarium errichtet oder beendigt zu haben, ſo haben die Erben eine neue Zeit⸗ friſt von dreien Monaten, von dem Tage des Sterbfalls der Wictwe an zu rechnen, um das Inventarium zu errichten oder zu beendigen, und eine andere von vier⸗ zig Tagen, um, nach dem Schluſſe des Inventariums, (über die Annahme oder Verzichtleiſtung) zu berath⸗ ſchlagen. Wenn die Wittwe nach Beendigung des Inventa⸗ riums ſtirbt, ſo haben ihre Erben eine neue Berath⸗ ſchlagungsFriſt von vierzig Tagen, von ihrem Sterb⸗ falle an zu rechnen. Sie koͤnnen uͤbrigens in den oben vorgeſchriebenen Formen, auf die Gemeinſchaft Verzicht leiſten, und die Artikel 1458. und 1459. ſind auf ſie anwendbar. 1462. Die Verfuͤgungen der Artikel 1456. und der folgenden ſind auf die Weiber von buͤrgerlich verſtor⸗ benen Individuen, von dem Augenblicke an, wo der buͤrgerliche Tod eingetreten iſt, anwendbar. 1463. Die geſchiedenene oder von Tiſch und Bett getrennte Frau, welche die Gemeinſchaft nicht in den drei Monaten und vierzig Tagen nach dem endlichen Ausſpruch der Eheſcheidung oder der Trennung, ange⸗ nommen hat, wird dafuͤr angeſehen, als habe ſie dar⸗ auf Verzicht geleiſtet, wenn ſie anderſt nicht, wäh⸗ rend dieſe Zeitſriſt noch lief, eine Verlaͤngerung der⸗ ſelben kontradiktoriſch mit ihrem Manne oder nach deſſen gehoͤriger Berufung, von den Gerichten erlangt hat. 1464. Die Glaͤubiger der Frau koͤnnen die Ver⸗ zichtleiſtung, welche ſie, oder ihre Erben, um ſie um ihre Forderungen zu betruͤgen,(en fraude de leurs ersances) gemacht haben koͤnnte, anfechten, und die Gemeinſchaft in ihrem eignen Namen annehmen. 1465. Die Wittwe hat, ſie mag nun die Guͤter⸗ Gemeinſchaft annehmen oder darauf Verzicht leiſten, während den drei Monaten und vierzig Tagen, welche ihr zur Errichtung des Inventariums und als Berath⸗ ſchlagungsFriſt bewilligt ſind, das Recht, ihre Nah⸗ rung und die ihres HausGeſindes von dem vorhande⸗ nen Vorrath zu nehmen, und in deſſen Ermangelung mittelſt eines Anlehens auf die gemeinſchaftliche Maſſe aufzunehmen, unter der Bedingung, ſich dieſes Rech⸗ tes mit Maͤßigkeit zu bedienen. Wenn ſie waͤhrend dieſen Zeitfriſten in einem Hauſe gewohnt hat, welches in die Gemeinſchaft gehoͤrt oder den Erben des Mannes zugehoͤrt, ſo iſt ſie desfalls keinen Miethzins ſchuldig; und wenn die Ehegatten das Haus, welches ſie zur Zeit der Auflöſung der Ge⸗ meinſchaft bewohnten, gemiethet hatten, ſo hat die Frau während derſelben Zeitfriſt zu der Zahlung des Miethzinſes nichts beitragen, welcher aus der Maſſe genommen werden muß. 1466. In dem Falle der Aufloͤſung der Gemein⸗ ſchaft durch den Tod der Frau koͤnnen ihre Erben in denſelben Zeitfriſten und Formen, welche das Geſetz fur die uͤberlebende Frau vorgeſchrieben hat, auf die Gemeinſchaft Verzicht leiſten. —**— ——— — 363— Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Theilung der gemeinſchaftlichen Maſſe nach der Annahme. 1467. Nach erfolgter Annahme der Gemeinſchaft von Seiten der Frau oder ihrer Erben, wird auf fol⸗ gende Weiſe das AktivVermoͤgen getheilt, und die Schulden und Laſten uͤbernommen. 5. 1. Von der Theilung des AktlvVermdoͤgens. 1468. Die Ehegatten oder ihre Erben konferiren zu der Maſſe des wirklich vorhandenen Vermoͤgens alles, was ſie der Gemeinſchaft als Erſatz oder Entſchaͤdiaung ſchuldia ſind, nach den hier oben im zweiten Abſchnitte des erſten Theils des gegenwaͤrtigen Kapitels vorge⸗ ſchriebenen Regeln. 1469. Jeder Ehegatte oder ſein Erbe konferirt gleichfalls die Summen, welche aus der gemeinſchaft⸗ lichen Maſſe genommen worden ſind, oder den Werth der Guͤter, welche er daraus genommen hat, um ein Kind aus einer andren Ehe, oder um fuͤr ſich perſoͤn⸗ lich ein gemeinſchaftliches Kind auszuſtatten. 1470. Jeder Ehegatte oder ſein Erbe nimmt hier⸗ auf vorab aus der Maſſe des Vermoͤgens 1) ſeine perſoͤnliche Guͤter, welche nicht in die Ge⸗ meinſchaft gekommen iſt, wenn ſie in Natur vor⸗ handen ſind, oder die, welche aus deren Erloͤß und an deren Stelle wieder angekauft worden ſind. 2) Den Kaufſchilling derjenigen ihm gehoͤrigen Im⸗ moͤbel, welche waͤhrend der Gemeinſchaft veräuſ⸗ ſert worden ſind, der nicht wieder zu andern Ac⸗ quiſitionen an deren Stelle verwendet worden iſt. 3) Die Entſchädigungen, welche die Gemeinſchaft ihm ſchuldig iſt. —— 1 ℳ ⁰ —— — 364— 1471. Die Zuruͤcknahmen der Frau werden vor denen des Mannes bewerkſtelligt. Die Zuruͤcknahmen werden, in Hinſicht der Güter, welche nicht mehr in Natur vorhanden ſind, zuerſt mittelſt des baaren Geldes, ſofort mittelſt der Mobi⸗ tiarſchaft und ſubſidiariſch mittelſt der Immoͤbel der Erbſchaft bewerkſtelligt. In dieſem letztern Falle hat die Frau, und ihre Erben, die Wahl der Immoͤbel. 1472. Der Mann kann ſeine Zuruͤcknahmen blos aus dem, was zur gemeinſchaftlichen Maſſe gehoͤrt, nehmen · Die Frau und ihre Erben hingegen haben das Recht, ihre Zuruͤcknahmen im Falle der Unzulänglich⸗ keit der gemeinſchaftlichen Maſſe gegen das perſoͤnliche Vermoͤgen des Mannes zu verfolgen. 1473. Der Erſatz des Kauſſchillings verauſſerter perſoͤnlicher Guter und die ſonſtige Erſatzleiſtungen, welche die Gemeinſchaft den Ehegatten ſchuldig iſt, ſo wie die Erſatzleiſtungen und Entſchadigungen, wel⸗ che ſie der Gemeinſchaft ſchuldig ſind, tragen kraft des Geſetzes, von dem Tage der Aufloͤſung der Gemein⸗ ſchaft an, Zinſen. 1474. Sobald jeder der beiden Ehegatten alles, was ihm vorab gebuhrt, aus der Maſſe erhalten hat, wird der Ueberreſt zu gleichen Hälften zwiſchen den Ehegatten oder ihren Steltvertretern getheilt. 1475. Wenn die Erben der Frau in ihren Ent⸗ ſchluſſen getrennt ſind, ſo daß der eine die Gemein⸗ ſchaft angenommen hat, und der andere darauf verzich⸗ tet hat, ſo kann derjenige, welcher ſie angenonumen pat, von den Gutern, welche ins Loos der Frau fallen, nur ſeinen Viril⸗ErbAntheil nehmen. Der Ueberreſt verbleibt dem Manne, welcher gegen ———— —.————-—— e——— ———„—„—— — ⸗ den verzichtleiſtenden Erben mit der Verbindlichkeir belaſtet bleibt, in ihm diejenige Rechte anzuerkennen, welche die Frau im Falle der Verzichtleiſtung haͤtte geltend machen koͤnnen, allein gleichfalls nur bis zum Betrag der Civil⸗ErbPortion des Verzichtleiſtenden. 1476. Die Theilung der gemeinſchaftlichen Maſſe iſt uͤbrigens, in Hinſicht auf ihre Formen, die oͤffent⸗ liche Verſteigerung der Immoͤbel, wenn ſie ſtatt findet, die Wirkungen der Theilung, die daraus herflieſſende Gewährleiſtung, und die Herausgabe zur Gleichſtel⸗ lung der Looſe, allen den Regeln unterworfen, welche im Titel: von den Erbſchaften, fuͤr die Thei⸗ lungen unter MitErben vorgeſchrieben ſind. 1477. Derjenige der Ehegatten, welcher einige der Gemeinſchaft angehoͤrige Effekten weggeſchaft oder ver⸗ hehlt hätte, iſt ſeines Antheils an dieſen Effekten beraubt. 1478. Wenn nach vollbrachter Theilung, einer der beiden Ehegatten perſoͤnlicher Glaubiger des andern bleibt, weil z. B. der Kaufſchilling eines ihm gehöri⸗ gen Gutes zur Zahlung einer perſoͤnlichen Schuld des andern Ehegatten verwendet worden iſt, oder aus wel⸗ cher andern Urſache die Forderung auch herruͤhren mag, ſo kann er dieſe Forderung ſowohl gegen den, dieſem in der gemeinſchaftlichen Maſſe anerfallenen Antheil, als auch gegen deſſen perſoͤnliches Vermoͤgen geltend machen. 1479. Die perſoͤnliche Forderungen, welche ein Ehegatte an den andern zu machen hat, tragen nur von dem Tage der gerichtlichen Klage an Zinſen. 1480. Die Schenkungen, welche ein Ehegatte dem andern gemacht haben kann, werden nur aus dem An⸗ theil des Schenkgebers an der gemeinſchaftlichen Maſſe und aus ſeinem perſoͤnlichen Vermoͤgen vollzogen. 1481. Die Koſten der Trauer der Frau(le deuil) fallen den Erben des verſtorbenen Mannes zur Laſt. Der Betrag dieſer Koſten wird nach den Vermoͤ⸗ gens Umſtaͤnden des Mannes regulirt. Sie kommen der Frau ſogar auch dann zu, wenn ſie auf die Gemeinſchaft Verzicht leiſtet. F 2. Von dem PaſſivBeſtand der Gemeinſchaft und dem Beitrag zu den Schulden. 1482. Die Schulden der Gemeinſchaft fallen jedem der Ehegatten oder ihren Erben zur Hälfte zur Laſt. Die Koſten der Siegel Anlegung, des Inventariums, des Verkaufs der Mobiliarſchaft, der Liquidation, der öffentlichen Verſteigerung oder der Theilung gehoͤren unter dieſe Schulden. 1483. Die Frau iſt, ſowohl in Hinſicht auf den Mann, als in Hinſicht auf die Gläubiger zur Zablung der Schulden der Gemeinſchaft, nicht weiter als bis zur Konkurrenz ihres Gewinnſtes an derſelben verbun⸗ den; wenn anderſt ein getreues und aufrichtiges In⸗ ventarium vorhanden iſt, und ſie ſowohl uͤber das, was im Inventarium eingefuhrt iſt, als uͤber das, was ihr in der Theilung zugefallen iſt, Rechnung ablegt. 1484. Der Mann haftet fuͤr die Geſammtſumme der von ihm zur Laſt der Gemeinſchaft kontrahirten Schulden, vorbehaltlich ſeines Ruͤckgriffs gegen die Frau oder ihre Erben fur die Hälfte dieſer Schulden. 1485. Er haftet nur fur die Hälfte der perſonlichen Schulden der Frau, welche nachher der Gemeinſchaft zur Laſt gefallen ſind. 1486. Die Frau kann fuͤr die Geſammtſumme der Schulden verfolgt werden, welche von ihr allein her⸗ ruͤhren, und in die Gemeinſchaft gefallen waren, vor⸗ behalclich ihres Ruͤckgriffs gegen den Mann oder ſeine Erben fur die Hälfte dieſer Schulden. 1487. Die Frau kann, ſelbſt wenn ſie ſich perſon⸗ lich füͤr eine Schuld der Gemeinſchaſt verbindlich ge⸗ macht hätte, nur fuͤr die Haͤlfte dieſer Schuld verfolgt werden, wenn anderſt die Verpflichtung nicht ſolida⸗ riſch iſt. 1488. Wenn die Frau auf eine Schuld der Ge⸗ meinſchaft mehr, als ihre Haͤlfte bezahlt hat, ſo hat ſie kein Recht, das Ueberbezahlte von dem Glaͤubiger zuruͤckzufordern, wenn anderſt die Quittung nicht aus⸗ drücklich ſagt, daß dasjenige, was ſie bezahlt hat, fur ihre Hälfte war. 1489. Derjenige der beiden Ehegatten, der ſich durch die Wirkung eines, gegen ein ihm in der Thei⸗ lung zugefallenes Immoͤbel geltend gemachten, Hypo⸗ thekarRechtes fuͤr die Geſammtſumme einer Schuld, die auf der Gemeinſchaft haſtet, verfolgt ſieht, hat fuͤr die Halfte dieſer Schuld von Rechtswegen ſeinen Ruͤckgriff gegen den andern Ehegatten oder deſſen Erben. 1490. Die vorhergehende Verfuͤgungen hindern nicht, daß durch die Theilung dem einen oder dem an⸗ dern der Mittheilenden die Verpflichtung auferlege werde, einen andern aliquoten Theil der Schulden, als die Hälfte, zu zahlen, oder ſelbſt die, ſie ganz abzutragen. So oft einer der Mittheilenden auf die Schulden der Gemeinſchaft mehr als den Antheil, wozu er ver⸗ bunden war, bezahlt hat, findet der Ruckgriff desje⸗ nigen, der zuviel bezahlt hat, gegen den andern ſtatt. 1491. Alles, was hier oben in Hinſicht auf den Mann oder die Frau geſagt iſt, findet auch in Hin⸗ ſicht auf die Erben des einen oder der andern ſtatt; und dieſe Erben können dieſelbe Rechte geltend machen, und ſind denſelben Anſpruͤchen unterworfen, wie der Ehegatte, den ſie vorſtellen. Sechster Abſchnitt⸗ Pon der Verzichtleiſtung auf die Gemeinſchaſt, und von ihren Wirkungen. 1492. Die Frau, welche auf die Gemeinſchaft Ver⸗ zicht leiſtet, verliert alles und jedes Recht auf das zur Gemeinſchaft gehoͤrige Vermogen, und ſogar auf die Mobiliarſchaft, welche ſie in dieſelbe gebracht hat. Sie nimmt blos die Leinwand und die Kleidungs⸗ ſtuͤcke, die zu ihrem perſoͤnlichen Gebrauche dienen, daraus zuruͤck. 1493. Die Verzicht leiſtende Frau hat das Recht, folgendes zuruͤckzunehmen: 1) Die ihr zugehoͤrige Immoͤbel, wenn ſie in Na⸗ tur vorhanden ſind, oder das Immoͤbel, welches an deren Stelle mit deren Kaufſchilling angekauft worden iſt. 2) Den Kaufſchilling ihrer veräuſſerten Immobel, der nicht wieder zu neuen Acquiſitionen verwendet und deſſen Verwendung nicht auf oben vorge⸗ ſchriebene Art angenommen worden iſt. 3) Alle Entſchädigungen, welche die Gemeinſchaft ihr ſchuldig ſeyn mag. 1494. Die Frau, welche Verzicht geleiſtet hat, iſt von jedem Beitrag zu den Schulden der Gemeinſchaft, ſowohl in Hinſicht auf den Mann als in Hinſicht auf die Gläubiger befreit. Sie bleibt jedoch dieſen verhaf⸗ tet, wenn ſie ſich gemeinſchaftlich mit ihrem Manne verpflichtet hat, oder wenn die Schuld, ehe ſie eine Schuld der Gemeinſchaft geworden iſt, urſpruͤnglich von ihr herruͤhrte; alles vorbehaltlich ihres Ruͤckgriffs gegen den Mann oder ſeine Erben. 1495. Sie kann alle hier oben auseinandergeſetzte Klagen und Anſpruͤche auf Zuruͤcknahme ſowohl gegen die gemeinſchaftliche Maſſe als gegen das perſoͤnliche Vermoͤgen des Mannes verfolgen. Ihre Erben haben das nämliche Recht, mit Aus⸗ nahme deſſen, was die Vorabzuruͤcknahme der Lein⸗ wand und Kleidungsſtuͤcke, ſo wie die Wohnung und den Unterhalt wahrend der zur Errichtung des Inven⸗ tariums und der als BerathſchlagungsFriſt geſtatteten Zeit betrift, welche Rechte nur der uͤberlebenden Frau perſoͤnlich zuſtehen. Verfüͤgung, in Vetreff der geſetzlichen Gemeinſchaft, wenn einer der Ehegatten, oder beide, Kinder aus vorhergehen Ehen haben⸗ 1496. Alles, was hier oben verordnet iſt, muß auch ſelbſt dann beobachtet werden, wenn einer der Ehegatten oder alle beide Kinder aus vorhergehenden Ehen haben. Wenn jedoch die Vermiſchung der Mobiliarſchaft und der Schulden zu Gunſten eines der Ehegatten einen groͤſſern Vortheil hervorbringen ſollte, als der durch den Att. 1098. im Titel: von den Schen⸗ kungen zwiſchen Lebenden und den Teſta⸗ menten, ermaͤchtigt iſt, ſo ſteht den Kindern erſter Ehe des andern Ehegatten eine Klage auf Vermin⸗ derung dieſes Vortheils zu. 3 e Von der konventionellen Guter Gemeinſchaft, und von den Uebereinkuͤnften, wodurch die geſetzliche Gemeinſchaft modifizirt, oder ſelbſt ausgeſchloſſen werden kann. 1497. Es ſteht den Ehegatten frei, die geſetzliche Gemeinſchaft durch Vertraͤge jeder Art zu modifiziren, Civil Geſetzb. 24 — 5— wenn ſie nur den Artikeln 1387, 1288, 1339 und 1390. nicht zuwiderlaufen. Die haupeſachlichſte Modifikationen ſinb diejenige, welche durch eine oder die andere der folgenden Sti⸗ pulationen eintreten; wenn man namlich feſtſeßzt, 1) daß die Gemeinſchaft nur die Errungenſchaft begreifen ſoll. 2) Daß die gegenwaͤrtige oder zukuͤnftige Mobiliar⸗ ſchaft gar nicht oder nur zum Theil in die Ge⸗ meinſchaft kommen ſoll. 3) Daß die Gemeinſchaft alle oder einen Theil der gegenwartigen oder zukuͤnftigen Immoͤbel dadurch, daß man ſie den Moͤbeln gleichſtellt, begreifen ſoll. 4) Daß jeder der Ehegatten insbeſondere ſeine der Ehe vorherige Schulden bezahlen ſoll. 5) Daß die Frau, im Falle der Verzichtleiſtung, ihr Eingebrachtes frei und ohne Schulden zuruͤck⸗ nehmen ſoll. 5) Daß der Ueberlebende irgend einen Betrag zum voraus erhalten ſoll. die Ehegatten ungleiche Theile erhalten ollen⸗ 8) Daß eine Gemeinſchaft unter einem Univerſal⸗ titel zwiſchen ihnen beſtehen ſoll. Erſter Abſchnitt. Pon der GüterGemeinſchaft, welche auf die Errungenſchaft beſchraͤnkt iſt. 1498. Wenn die Ehegatten ſtipuliren, daß nur die Errungenſchaft gemeinſchaftlich ſeyn ſoll, ſo wird dafuͤr erachtet, als haͤtten ſie ſowohl die gegenwaͤrtige und zukuͤnftige Schulden eines jeden, als ihre gegenſeitige, gegenwaͤrtige und zukuͤnftige Mobiliarſchaft von der Gemeinſchaft ausgeſchloſſen. In dieſem Falle beſchrankt ſich die Theilung, nach⸗ dem vorerſt jeder der Ehegatten ſein, gehorig erwieſenes, eingebrachtes Vermoͤgen voraus erhoben hat, auf die von den Ehegatten während der Ehe, von jedem ins⸗ beſondere oder gemeinſchaftlich, gemachte Acquiſitionen/ welche entweder von ihrer gemeinſchaftlichen Induſtrie, oder von den Erſparniſſen herruͤhren, die aus den Fruͤchten und Einkuͤnften der Guͤter beider Ehegatten gemacht worden ſind. 1499. Wenn die zur Zeit der Ehe vorhandene oder ſeitdem anerfallene Mobiliarſchaft nicht durch ein In⸗ ventarium, oder ein Verzeichniß in gehoͤriger Form konſtatirt worden iſt, ſo wird ſie als Errungenſchaft betrachtet. Zweiter Abſchnitt. Von der Klauſel, wodurch die Mobiliarſchaft ganz oder zum Theil von der Gemeinſchaft ansgeſchloſſen wird. 1500. Die Ehegatten koͤnnen alle ihre gegenwaͤr⸗ tige und zukuͤnftige Mobiliarhabe von der Gemein⸗ ſchaft ausſchlieſſen. Wenn ſie ſtipuliren, daß ſie gegenſeitig dieſelbe bis zur Konkurrenz einer beſtimmten Summe oder eines beſtimmten Werthes in die Gemeinſchaft hingeben, ſo wird ſchon dadurch allein dafin gehalten, als haͤtten ſie ſich den Ueberſchuß vorbehalten. 1501. Eine ſolche Klauſel macht den Ehegatten zum Schuldner der Gemeinſchaft fur die Summe, die er hinein zu geben verſprochen hat, und er iſt verbunden zu beweiſen, daß er ſie wirklich eingebracht hat. 1502. Das Einbringen derſelben wird, was den Mann betrift, hinlaͤnglich durch eine im Ehekontrakt enthaltene Erklärung erwieſen, daß ſeine Mobiliar⸗ ſchaft dieſen Werth habe. * In Hinſicht auf die Frau wird daſſelbe hinlänglich durch eine, ihr oder denen, welche ſie ausgeſtattet ha⸗ beu, von ihrem Manne ertheilte Quittung erwieſen. r5o3. Jeder der Ehegatten hat das Recht, bel Aufloͤſung der Gemeinſchaft den Werth desjenigen Betrages zuruͤck zu nehmen und voraus zu erheben, um welchen die von ihm in die Ehe gebrachte oder ihm ſeitdem zugefallene Mobiliarſchaft den Einſchuß uͤber⸗ ſteigt, den er in die Gemeinſchaft zu machen hatte. 1504. Die Mobiliarſchaft, welche jedem der Ehe⸗ gatten während der Ehe zufaͤllt, muß durch ein In⸗ ventarium beurkundet werden. Der Mann kann, wenn kein Inventarium uͤber das ihm zugefallene Mobiliar Vermoͤgen, und auch kein ſonſtiger Titel vorhanden iſt, der dazu geeigenſchaftet wäre, um deſſen Konſiſtenz und Werth, nach Abzug der Schulden, zu erweiſen, daſſelbe nicht zuruͤcknehmen. Wenn aber uͤber ſolches Mobiliar Vermoͤgen, wel⸗ ches der Frau anerfallen iſt, kein Inventarium vor⸗ banden iſt, ſo muß dieſe, oder ihre Erben zugelaſſen werden, den Werth dieſer Mobiliarſchaft entweder durch Titel, oder durch Zeugen, oder auch ſelbſt durch den oͤffentlichen Ruf zu erweiſen. Dritter Abſchnitt. Von der Klauſel der Mobilariſtrung. 1505. Wenn beide oder einer der Ehegatten alle oder einen Theil ihrer gegenwaͤrtigen oder zukuͤnftigen Immoͤbel in die Gemeinſchaft geben, ſo heißt dieſe Klauſel Mobilariſirung. 1506. Die Mobilariſirung kann beſtimmt oder un⸗ beſtimmt ſeyn. Sie iſt beſtimmt, wenn der Ehegatte erklart, daß er dies oder jenes Immoͤbel, ganz oder bis zu einem — 33— gewiſſen Betrag, als Moͤbel angeſehen haben will, und in die Gemeinſchaft hingiebt. Sie iſt unbeſtimmt, wenn der Ehegatte blos erklärt hat, daß er ſeine Immoͤbel, bis zur Konkurrenz einer gewiſſen Summe, in die Gemeinſchaft einbringe. 1507. Die beſtimmte Mobilariſirung hat die Wir⸗ kung, daß ſie das Immoͤbel, oder die Immoöbel, wel⸗ che ſie betrifft, zu Guͤtern der Gemeinſchaft, wie die Moͤbel ſelbſt, macht. Wenn ein oder alle Immoͤbel der Frau ganz mobi⸗ lariſirt ſind, ſo kann der Mann daruͤber, wie uͤber alle andere Effekten der Gemeinſchaft verfuͤgen, und ſie ganz veräuſſern. Wenn ein Immoͤbel nur fuͤr eine gewiſſe Summe mwobilariſirt iſt, ſo kann der Mann es nicht anderſt als mit Einwilligung der Frau veräuſſern; allein er kann es, jedoch nur bis zur Konkurrenz des mobila⸗ riſirten Antheils, ohne ihre Einwilligung hypotheziren. 15o8. Die unbeſtimmte Mobilariſirung uͤbertragt der Gemeinſchaft das Eigenthum derjenigen Immoͤbel, welche ſie betrifft, nicht; ihre Wirkung beſchraͤnkt ſich darauf, daß ſie den Ehegatten, welcher ſie bewilligt hat, verpflichtet, bei Aufloͤſung der Gemeinſchaft, ei⸗ nige ſeiner Immoͤbel, bis zur Konkurrenz der von ihm verſprochenen Summe, in der gemeinſchaftlichen Maſſe begreifen zu laſſen. Der Mann kann die Immoͤbel, auf welchen eine unbeſtimmte Mobilariſirung haftet, wie im vorherge⸗ henden Artikel, weder ganz noch zum Theil ohne Ein⸗ willigung ſeiner Frau veraͤuſſern; aber er kann ſie bis zur Konkurrenz dieſer Mobilariſirung hypotheziren. 1509. Jedem Ehegatten, der ein Grundſtuck mo⸗ bilariſirt hat, ſteht bei der Theilung die Befugniß zu, es fuͤr ſich zu behalten, indem er es in dem Werth, den es alsdann hat, auf ſeinen Antheil voraus aufrech⸗ net; ſeine Erben haben daſſelbe Recht. Vierter Abſchnitt. Von der Klauſel der SchuldenAbtheilung. 1510. Die Klauſel, wodurch die Ehegatten ſtipu⸗ liren, daß jeder von ihnen ſeine perſoͤnliche Schulden insbeſondere bezahlen ſoll, verpflichtet ſie, ſich bei der Aufloͤſung der Gemeinſchaft gegenſeitig die Schulden zu verguͤten, welche erwieſener Maſſen von der Ge⸗ meinſchaft zur Entlaſtung desjenigen Ehegatten, wel⸗ cher ſie ſchuldig war, bezahlt worden ſind. Dieſe Verpflichtung bleibt dieſelbe, es mag nun ein Inven⸗ tarum errichtet worden ſeyn, oder nicht: allein wenn die von den Ehegatten beigebrachte Mobiliarſchaft nicht durch ein, der Ehe vorheriges, Inventarium oder authentiſches Verzeichniß konſtatirt worden iſt, ſo koͤnnen die Glaͤubiger des einen oder des andern Ehe⸗ gatten, ohne Ruͤckſicht auf irgend einen Unterſchied (distinetion) den man geltend machen koͤnnte, zu neh⸗ men, ihre Zahlung gegen die, nicht inventariſirte Mobiliarſchaft, wie gegen alles uͤbrige gemeinſchaft⸗ liche Vermoͤgen, verfolgen. Daſſelbe Recht haben die Glaͤubiger gegen die Mo⸗ biliarſchaft, welche den Ehegatten waͤhrend der Ge⸗ meinſchaft zugefallen ſeyn mag, wenn ihr Beſtand eben⸗ wohl nicht durch ein Inventarium oder authentiſches Verzeichniß beurkundet worden iſt. 1511. Wenn die Ehegatten eine gewiſſe Summe, oder ein beſtimmtes Stuͤck in die Gemeinſchaft einbrin⸗ gen, ſo fuͤhrt dieſes Einbringen die ſtillſchweigende Uebereinkunft mit ſich, daß daſſelbe mit keinen, der Ehe vorherigen, Schulden beſchwert iſt; und der Ehe⸗ gatte, der allenfalls darauf ſchuldig wäre, muß dem „——— — 37— andern alte die Schulden vergüten, wodurch das, was er einzubringen verſprochen hatte, vermindert werden koͤnnte. 1512. Die Klauſel der Schulden Abtheilung verhin⸗ vert nicht, daß die ſeit dem Abſchluß der Ehe laufende Zinſen und Ruͤckſtaͤnde der Gemeinſchaft zur Laſt fallen. 1513. Wenn die Gemeinſchaft fur Schulden eines der Ehegacten angegriffen wird, der im Ehekont rakte aller, der Ehe vorherigen, Schulden frei und kedig er⸗ kläͤrt worden iſt, ſo iſt ſein Mitgatte zu einer Entſchä⸗ digung berechtigt, welche entweder aus dem Ancheile, der dem ſchuldigen Ehegatten an der gemeinſchaſt⸗ lichen Maſſe zukommt, oder aus dem perſoͤnlichen Ver⸗ mögen des beſagten Ehegatten genommen wird; und im Falle der Unzulaͤnglichkeit kann dieſe Entſchädigung ſogar, mittelſt einer Klage auf Gewaͤhrteiſtung, gegen den Vater, die Mutter, den Aszendenten oder den Vormund verfolgt werden, welche den ſchuldigen Ehe⸗ gatten fur ſchuldenfrei erklärt haben. Der Mann kann dieſe Klage auf Gewährleiſtung ſogar während der Dauer der Gemeinſchaft anſtellen, wenn die Schuld von der Frau herruhrt; vorbehaltlich des Ruͤckerſatzes, welchen die Frau, oder ihre Erben, in dieſem Falle nach Aufloͤſung der Gemeinſchaft, den Gewaͤhrsleuten ſchuldig iſt. Fünfter Abſchnirt. Pon der der Frau bewilligten Vefugniß, ihr Eingebrachtes Schulden⸗und Laſtenfrei zuruͤckzunehmen. 514. Die Frau konn ſich ausbedingen, daß ſie im Falle der Verzichtleiſtung auf die Gemeinſchaft das, was ſie entweder zur Zeit der Ehe oder ſeitdem einge⸗ bracht hat, ganz oder zum Theit zuruͤckzunehmen be⸗ rechtigt ſeyn ſoll; allein dieſe Stipulation läßt ſich „ 5 weder auf Gegenſtaͤnde ausdehnen, welche nicht aus⸗ druͤcklich in derſelben angefuͤhrt ſind, noch zum Vor⸗ theile von andern, als den darin benannten, Perſonen geltend machen. So erſtreckt ſich die Befugniß, die Mobiliarſchaft zuruͤckzunehmen, welche die Frau zur Zeit des Ab⸗ ſchlaſſes der Ehe eingebracht hat, nicht auf die, wel⸗ che ihr waͤhrend der Ehe zugefallen ſeyn mag. So erſtreckt ſich die Befugniß, welche der Frau be⸗ willigt iſt, nicht auf die Kinder; und die, welche der Frau unb den Kindern zugeſtanden iſt, nicht auf ihre Erben in aufſteigender oder der Seiten⸗Linie. In keinem Falle kann das Eingebrachte anderſt, als nach Abzug der verſoͤnlichen Schulden der Frau, wel⸗ che die Gemeinſchaft allenfalls bezahlt haben koͤnnte, zuruͤckgenommen werden.* Sechster Abſchnitt. Von der Klauſet, welche einem der Ehegatten einen gewiſſen Betrag zum Voraus bewilligt. 1515. Die Klauſel, wodurch der uͤberlebende Ehe⸗ gatte berechtigt wird, vor jeder Theilung, eine gewiſſe Summe, oder eine gewiſſe Quantität von Mobiliar⸗ Effekten in Natur, vorab zu nehmen, giebt der uber⸗ lebenden Frau nur dann ein Recht zu dieſer Voraus⸗ nahme, wenn ſie die Gemeinſchaft annimmt, es ſey denn, daß der EheVertrag ihr dieſes Recht ſelbſt im Falle der Verzichtieiſtung vorbehalten haͤtte. Den Fall eines ſolchen Vorbehaltes ausgenommen, kann die Vorausnahme nur aus der zu theilenden Maſſe bewerkſtelligt werden, und kann nicht gegen das perſoͤnliche Vermoͤgen des vorher verſtorbenen Ehe⸗ gatten geltend gemacht werden. 1516. Dieſe Vorausnahme wird nicht als ein ſol⸗ cher Vortheil, der den Formalitäten einer Schenkung zwiſchen Lebenden unterworfen waͤre, ſondern als eine Klauſel des EheVertrags angeſehen. 1517. Der natuͤrliche oder buͤrgerliche Tod giebt zur wirklichen Vorausnahme(des bedungenen Antheils) ſtatt. 1518. Wenn die Aufloͤſung der Gemeinſchaft durch Eheſcheidung oder die Trennung von Tiſch und Bett ſtatt findet, ſo muß der zum Voraus bedungene An⸗ theil nicht gleich auf der Stelle ausgeliefert werden; allein derjenige Ehegatte, der entweder die Eheſchei⸗ dung oder die Trennung von Tiſch und Bett erwirkt hat, behält ſein Recht auf die Vorausnahme, fuͤr den Fall, daß er den andern uberleben ſollte. Hat die Frau die Scheidung oder Trennung erwirkt, ſo verbleibt jedoch die Summe, oder die Sache, welche zum Vor⸗ aus bedungen iſt, einſtweilen, und unter der Oblie⸗ genheit, Buͤrgſchaft dafuͤr zu ſtellen, dem Manne. 1519. Die Gläubiger der Gemeinſchaft haben im⸗ mer das Recht, die in dem zum Voraus bedungenen Antheil begriffene Effekten verkaufen zu laſſen, vor⸗ behaltlich des Ruͤckgriffs der Ehegatten, dem Arti⸗ kel 1515. gemaͤß. Siebenter Abſchnitt. Von den Klauſeln, wodurch beiden Ehegatten ungleiche Theile in der Gemeinſchaft angewieſen werben. 1520. Die Ehegatten koͤnnen der vom Geſetz be⸗ gruͤndeten gleichen Theilung dadurch derogiren, daß ſie entweder dem uͤberlebenden Ehegatten oder ſeinen Erben nur einen geringeren Theil, als die Hälfte, an der gemeinſchaftlichen Maſſe bewilligen, oder indem ſie ihm fuͤr alle ſeine Anſpruͤche an die Gemeinſchaft nur eine feſtbeſtimmte Summe auswerfen, oder auch — 66— durch die Stipulation, daß in gewiſſen Faͤllen die ganze gemeinſchaftliche Maſſe dem laͤngſtlebenden Ehegatten, oder einem von ihnen allein zugehoͤren ſoll. 1521. Wenn ſtipulirt worden iſt, daß ein Ehegatte, oder ſeine Erben, nur einen beſtimmten Theil an der Gemeinſchaft, z. B. das Drittel oder das Viertheil erhalten ſoll, ſo hat der auf dieſe Weiſe reduzirte Ehegatte, oder ſeine Erben, die Schulden der Erbſchaft nur im Verhaltniß des Antheils, den er oder ſie an dem Aktiv Beſtand der Maſſe erhalten, zu tragen. Die Uebereinkunft iſt nichtig, wenn ſie den alſo reduzirten Ehegatten oder ſeine Erben verpflichtet, einen ſtaͤrkern Antheil zu tragen, oder wenn ſie ihn oder ſie von der Verbindlichkeit, verhältnißmäſſig einen gleichen Antheil von den Schulden zu tragen, als den, welchen ſie an dem AktivVermoͤgen erhalten, freigiebt. 1522. Wenn bedungen worden iſt, daß einer von den Ehegatten oder ſeine Erben, fuͤr alle ſeine An⸗ ſprůche an die Gemeinſchaft nur eine beſtimmte Summe fordern können ſoll, ſo iſt dieſe Klauſel ein Vertrag auf Bauſch und Bogen, der den andern Ehegatten oder ſeine Erben verpflichtet, die uͤbereingekommene Summe in jedem Falle zu zahlen, die Gemeinſchaft mag nun gut oder ſchlecht ſtehen, und zur Zahlung der Summe hinlaͤnglich ſeyn oder nicht. 1523. Wenn die Klauſel einen ſolchen Vertrag auf Bauſch und Bogen nur fuͤr die Erben des Ehegatten begrundet, ſo iſt dieſer im Falle, wo er den andern Ehegatten uͤberlebt, zur geſetlichen Theilung zu glei⸗ chen Hälften berechtigt. 152 Der Mann oder ſeine Erben, welche kraft der im Art. 1520. angefuͤhrten Klauſel die ganze ge⸗ meinſchaftliche Maſſe behalten, ſind verbunden, alle Schulden derſelben abzutragen. Die Gläubiger haben in dieſem Falle kein Klagrecht gegen die Frau noch gegen ihre Erben. Wenn es die uͤberlebende Frau iſt, welche mittelſt einer uͤbereingekommenen Summe das Recht hat, die ganze gemeinſchaftliche Maſſe gegen die Erben des Mannes zuruͤckzubehalten, ſo hat ſie die Wahl, ob ſie ihnen dieſe Summe bezahlen will, in welchem Falle ſie fur alle Schulden verhaftet bleibt, oder ob ſie auf die Gemeinſchaft Verzicht leiſten, und den Aktiv⸗ und Paſſiv Beſtand derſelben den Erben des Mannes uͤber⸗ laſſen will. 1525. Es iſt den Ehegatten zu ſtipuliren erlaube, daß die ganze gemeinſchaftliche Maſſe dem laͤngſtleben⸗ den, oder einem von ihnen allein, zugehoͤren ſoll, vor⸗ behaltlich des Rechtes der Erben des andern Ehegat⸗ ten, das von Seiten ihres Erblaſſers in die Gemein⸗ ſchaft eingebrachte Vermoͤgen und die von ihm herruͤh⸗ rende, der Gemeinſchaft zugefallene, Kapitalien zu⸗ ruͤckzunehmen. Eine ſolche Stipulation wird nicht als eine Beguͤn⸗ ſtigung betrachtet, welche in Hinſicht auf ihren Gegen⸗ ſtand ſelbſt oder in Hinſicht auf die Frau den Regeln unterworfen ware, welche auf die Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden Bezug haben, ſondern blos als eine Klauſel des EheVertrags und eine Uebereinkunft zwi⸗ ſchen Geſellſchaftern. Achter Abſchnitt⸗ Von der Gemeinſchaft unter einem Univerſal Titel. 1526. Die Ehegatten konnen durch ihren EheVer⸗ trag, eine Univerſalgemeinſchaft alles ihres gegenwaͤr⸗ tigen und zukuͤnftigen Mobiliar⸗und ImmobiliarVer⸗ mogens, oder ihres gegenwaͤrtigen Vermoͤgens allein, oder ihres zukuͤnftigen Vermoͤgens allein begruͤnden. — 390— Verfuͤgungen, welche allen acht obigen Abſchnitten gemeinſchaftlich ſind. 1527. Was in obigen acht Abſchnitten geſagt iſt, ſchraͤnkt die Stipulationen, deren jede konventionelle Gemeinſchaft empfaͤnglich iſt, nicht auf die darin ent⸗ haltene Verfuͤgungen ein. Den Ehegatten ſteht es frei, ſo wie es im Art. 1387. gemeldet worden, und vorbehaltlich der in den Artikeln 1388, 1389 und 1390. enthaltenen Modifikationen jede andere Uebereinkunft zu treffen. Jedoch verbleibt in dem Falle, wo Kinder aus einer vorherigen Ehe vorhanden waͤren, jede Uebereinkunft, deren Wirkungen bezwecken wuͤrden, einem der Ehe⸗ gatten mehr als den, durch den Art. 1098. im Titel: von den Schenkungen zwiſchen Lebenden und den Teſtamenten, regulirten Antheil zuzu⸗ wenden, fuͤr alles das, was dieſen Antheil uberſteigt, ohne Wirkung; allein die bloſſe Vortheile, welche man dem gemeinſchaftlichen Fleiße und den, auf die beiderſeitige Einkuͤnfte gemachten Erſparniſſen, wenn dieſe auch ungleich ſind, verdankt, werden nicht als eine, zum Nachtheil der Kinder der erſten Ehe, ge⸗ machte Beguͤnſtigung betrachtet. 1528. Die konventionelle Gemeinſchaft bleibt in allen den Faͤllen, worin der Kontrakt es nicht ausdruͤck⸗ lich oder ſtillſchweigend anderſt verordnet, den Re⸗ geln der geſetzlichen Gemeinſchaft unterworfen. Neunter Abſchniet. Von den Vertraͤgen, wodurch die Gemeinſchaft ausgeſchloſſen wird. 1529. Wenn die Ehegatten, ohne ſich jedoch der Dotal Verfaſſung zu unterwerfen, erklären, daß ſie ſich ohne Gemeinſchaft der Guͤter verehlichen wollen, oder daß ſie in Trennung der Guͤter leben wollen, ſo werden die Wirkungen dieſer Stipulation folgender⸗ maſſen regulirt. Von der Klauſel, daß die Ehegatten ſich ohne Gemeinſchaft der Guͤter verehlichen. 1530. Die Klauſel, daß die Ehegatten ſich ohne Gemeinſchaft verehlichen, ertheilt der Frau weder das Recht, ihr Vermoͤgen zu verwalten, noch die Ein⸗ kuͤnfte(fructus) deſſelben zu beziehen; es wird dafuͤr erachtet, als habe ſie dieſe Einkuͤnfte dem Manne zu⸗ gebracht, um die Laſten der Ehe zu beſtreiten. 1531. Der Mann behaͤlt die Verwaltung des be⸗ weglichen und unbeweglichen Vermoͤgens der Frau und folglich das Recht, alles Mobiliar Vermoͤgen, welches ſie als Mitgift mitbringt, oder welches ihr waͤhrend der Ehe zufaͤllt, zu empfangen, vorbehaltlich der Wie⸗ dererſtattung deſſelben, welche er nach Aufloͤſung der Ehe, oder nach der allenfalls gerichtlich ausgeſproche⸗ nen Trennung der Guͤter ſchuldig iſt. 1532. Wenn ſich unter der von der Frau als Mit⸗ gift eingebrachten Mobiliarſchaft oder unter derjenigen, welche ihr waͤhrend der Ehe zufaͤllt, Dinge befinden, welche man nicht gebrauchen kann, ohne ſie aufzuzeh⸗ ren, ſo muß ein, die Abſchätzung derſelben enthalten⸗ des, Verzeichniß dem Ehe Kontrakte beigefugt werden, oder es muß bei dem Anfall derſelben ein Inventarium daruͤber errichtet werden, und der Mann iſt ſchuldig, den Werth derſelben, der Abſchaͤtzung gemaß, zuruͤck⸗ zuerſtatten. 1533. Der Mann iſt allen Laſten der Nutznieſſung unterworfen. 1534. Die Klauſel, von welcher im gegenwaͤrtigen Paragraph die Rede iſt, hindert die Ehegatten nicht, uͤbereinzukommen, daß die Frau jaͤhrlich, blos auf ihre . 3 . 3 „ 1 * 3 35 3 5 1 3 6 61 5 1 1 1 3 3 Quittungen, einen gewiſſen Antheil ihrer Einkuͤnfte fuͤr ihren Unterhalt und ihre perſoͤnliche Beduͤrfniſſe zu beziehen habe. 1535. Die im Falle des gegenwaärtigen Paragraphs als Mitgift konſtituirte Immoͤbel ſind nicht unver⸗ ͤuſſerlich. Sie koͤnnen jedoch nicht ohne Einwilligung des Man⸗ nes, und im Falle ſeiner Weigerung nicht ohne Er⸗ machtigung der Gerichte veraͤuſſert werden· §. 2. Pon der Klauſel der Trennung der Gäter. 1536. Wenn die Ehegatten in ihrem EhVertrag ſtipulirt haben, daß ſie in Trennung der Guͤter leben wollen, ſo behaͤlt die Frau die vollige Verwaltung ihres beweglichen und unbeweglichen Vermoͤgens und den freien Genuß ihrer Einkuͤnfte. 1537. Jeder der Ehegatten trägt nach den, in ih⸗ rem Kontrakte enthaltenen, uͤbereingekommenen Be⸗ ſtimmungen zu den Laſten der Ehe bei; wenn keine Uebereinkunft in dieſer Hinſicht beſteht, ſo traͤgt die Frau bis zur Konkurrenz des Drittels ihrer Einkuͤnfte zu dieſen Laſten bei. 1538. Die Frau kann in keinem Falle, und unter Beguͤnſtigung von keinerlei Stipulation, ihre Immoͤ⸗ bel ohne die beſondere Einwilligung ihres Mannes, und im Falle der Weigerung von ſeiner Seite, ohne Ermaͤchtigung der Gerichte, veraͤuſſern. Jede allgemeine der Frau ertheilte Ermaͤchtigung zur Veraͤuſſerung ihrer Immöbel, ſie mag nun im Eh Vertrag enthalten oder ſpäterhin ertheilt worden ſeyn, iſt nichtig.— 1539. Wie die in Trennung der Guͤter lebende Frau ihrem Manne den Genuß ihres Vermoͤgens uͤber⸗ laſſen hat, ſo iſt dieſer weder auf die Anforderungen, welche die Frau deshalb an ihn machen koͤnnte, noch bei der Aufloͤſung der Ehe, zu etwas weiterem als zur Auslieferung der wirklich vorhandenen Fruͤchte (fruetus) verbunden; er iſt aber uͤber die, welche bis dahin aufgezehrt worden ſind, keine Rechenſchaft ſchuldig. Drittes Kapitel. Von der DotalVerfaſſung. 1540. Mitgift(Ausſteuer, Heiratsgabe, Brauk⸗ ſchatz) iſt unter dieſer Verſaſſung, ſo wie unter der des aten Kapitels, dasjenige Vermoͤgen, welches die Frau dem Manne zubringt, um die Laſten der Ehe zu beſtreiten. 1541. Alles, was die Frau ſich ſelbſt konſtituirt, oder was ihr durch den EhcVertrag gegeben wird, wird als zur Mitgift gehoͤrig angeſehen, wenn keine dem entgegengeſeßte Stipulation vorliegt. Erſter Abſchnitt. Von der Konſtitnirung der Mitgift. 1542. Als Micgift kann konſtituirt werden alles ge⸗ genwärtige und zukuͤnftige Vermögen der Frau, oder auch blos alles ihr gegenwaͤrtiges Vermoͤgen, oder auch ein Theil ihres gegenwärtigen und zukuͤnftigen Vermoͤ⸗ gens, oder auch ſelbſt ein individueller Gegenſtand. Wird in allgemeinen Ausdruͤcken alles Vermoͤgen der Frau als Mitgift konſtituirt, ſo iſt das zukuͤnftige Vermoͤgen nicht darunter begriffen. 1543. Die Mitgift kann nicht erſt waͤhrend der Ehe konſtituirt, ja ſelbſt nicht einmal vermehrt werden. 1544. Wenn die Aeltern gemeinſchaftlich eine Aus⸗ ſtener konſiituiren, ohne den Antheil eines jeden zu — 384— unterſcheiden, ſo wird dafur erachtet, als haͤtten ſie dieſelbe zu gleichen Theilen ausgeſetzt. Hat der Vater allein fuͤr väterliche und muͤtterliche Rechte die Mitgift ausgeſetzt, ſo iſt die Mutter, wenn ſie gleich bei dem Kontrakte gegenwärtig war, nicht verpflichtet, und die Ausſteuer fäͤllt ganz dem Vater zur Laſt. 1545. Hat das Ueberlebende der Aeltern ohne Be⸗ ſtimmung der beiderſeitigen Antheile eine Ausſteuer fuͤr vaterliche und mutterliche Rechte konſtituirt, ſo muß die Ausſteuer zuerſt aus den Forderungen und Anſpruͤchen genommen werden, welche dem zukunftigen Ehegatten auf das Vermoͤgen des vorher verſtorbenen Ehegatten zuſtehen, und der Ueberreſt aus dem Vermoͤgen des⸗ jenigen, der die Ausſteuer konſtituirt hat. 1546. Wenn gleich eine von ihren Aeltern ausge⸗ ſteuerte Tochter eigenthuͤmliches Vermoͤgen hat, von welchem dieſe Aeltern den Genuß haben, ſo wird die Ausſteuer doch, wenn keine dem entgegengeſetzte Sti⸗ pulation vorliegt, aus dem Vermoͤgen derjenigen ge⸗ nommen, welche ſie konſtituirt haben. 1547. Wer eine Ausſteuer konſtituirt, iſt zur Ge⸗ waͤhrleiſtung der konſtituirten Gegenſtände verbunden. 1548. Die Zinſen der Ausſteuer laufen, von Rechtswegen und kraft des Geſetzes, vom Tage der Ehe an, gegen die, welche dieſelbe verſprochen haben, wenn auch gleich eine Friſt fuͤr die Zahlung beſtimmt worden wäre, wenn anderſt keine dem zuwiederlaufende Stipulation vorliegt. Zweiter Abſchnitt. Von den Rechten des Mannes auf die Dotal Güter und der Unveraͤuſſerlichkeit derſelben. 1549. Waͤhrend der Ehe ſteht dem Manne allein die Verwaltung der DotalGuͤter zu. Er allein hat das Recht, die Schuldner und In⸗ haber derſelben zu verfolgen, die Fruͤchte und Zin⸗ ſen derſelben zu beziehen, und die Kapitalien, wel⸗ che abgelegt werden, einzunehmen Man kann jedoch durch den EheKontrakt uͤberein⸗ kommen, daß die Frau jährlich, gegen ihre bleſſe Quittung, einen Theil ihrer Einkuͤnfte für ihren Unter⸗ halt und zur Beſtreitung ihrer perſoͤnlichen Beduͤrf⸗ niſſe beziehen ſoll. 1550. Der Mann iſt nicht gehalten, fuͤr den Em⸗ pfang der Mitgift Buͤrgſchaft zu ſtellen, wenn er nicht durch den EheKontrakt dazu verbindlich gemacht worden iſt. 1551. Wenn die Mitgift oder ein Theil derſelben in Mobiliar Gegenſtaͤnden beſteht, welche in dem Kon⸗ trakte zu einem gewiſſen Preis angeſchlagen ſind, ohne daß dabei erklaͤrt worden ware, daß dieſe Abſchaͤtzung nicht ſtatt Verkauf gelten ſoll, ſo wird der Mann Eigen⸗ thuͤmer davon, und wird blos Schuldner des Preiſes, zu welchem die Mobilien angeſchlagen ſind. 1552. Die Abſchaͤtzung eines zur Mitgift konſti⸗ tuirten Immoͤbels uͤbertragt das Eigenthum deſſelben nicht auf den Mann, wenn anderſt dies nicht ausdruͤck⸗ lich erklaͤrt wird. 1553. Ein aus den DotalGeldern erkauftes Im⸗ moͤbel iſt nicht dotal, wenn nicht in dem EheKontrakt bedungen worden iſt, daß dieſe Gelder zu einem An⸗ kauf verwendet werden ſollen⸗ Ein gleiches gilt in dem Falle, wenn ein Immoͤbel fuͤr eine in Geld ausgeſetzte Mitgift an Zahlungsſtatt hingegeben worden worden iſt. 1554. Weder der Mann, noch die Frau, noch beide zugleich, koͤnnen die zur Mitgift konſtituirte Im⸗ Civil Geſetzb. 25 moͤbel waͤhrend der Ehe veraͤuſſern oder hypotheziren, vorbehaltlich folgender Ausnahmen. 1555. Die Frau kann mit Ermaͤchtigung des Man⸗ nes, und wenn dieſer ſie verweigert, mit Erlaubniß der Gerichte, ihre DotalGuͤter zum Behuf der Nie⸗ derlaſſung ihrer Kinder aus einer vorherigen Ehe hin⸗ geben; allein wenn ſie nur von Gerichtswegen hierzu ermaͤchtigt iſt, ſo muß ſie dem Manne den Genuß der⸗ ſelben vorbehalten. 1556. Sie kann ihre Dotal Guͤter auch mit Ermaͤch⸗ tigung ihres Mannes zum Behuf der Niederlaſſung ihrer gemeinſchaftlichen Kinder hingeben. 1557. Ein zur Mitgift gehoͤriges Immoͤbel kann veraͤuſſert werden, wenn die Veraͤuſſerung deſſelben durch den Ehe Kontrakt erlaubt worden iſt. 1558. Ein zur Mitgift gehoͤriges Immoͤbel kann auch noch in folgenden Fällen, mit Ermaͤchtigung der Gerichte, in oͤffentlicher Verſteigerung, nach dreima⸗ ligem oͤffentlichem Anſchlag, veräuſſert werden; Um den Mann oder die Frau aus dem Gefängniſſe zu befreien. Um der Familie in den, von den Artikeln 203, 205 und 206.(im Titel: von der Ehe) vor⸗ geſehenen Faͤllen Alimente zu verſchaffen. Um die Schulden der Frau oder derjenigen, welche ihr die Mitgift ausgeſetzt haben, zu bezahlen, wenn dieſe Schulden ein gewiſſes Datum haben, welches fruͤher als das des EheKontraktes iſt. Um zur Erhaltung eines Dotal Immoͤbels unumgäng⸗ lich nothwendige HauptReparaturen zu machen. Endlich wenn man dieſes Immoͤbel gemeinſchaftlich mit andern Perſonen beſitzt, und es fuͤr untheil⸗ bar anerkannt iſt. In allen dieſen Fällen bleibt der Ueberſchuß des 5 8 5 3 . 5 ſ* 5 Kaufſchillings uͤber die anerkannte Beduͤrfniſſe dotal, und muß als ſolcher zum Vortheile der Frau wieder angelegt werden. 1559. Ein Dotal Immoͤbel kann, jedoch nur mit Einwilligung der Frau, gegen ein anderes Immoͤbel, das wenigſtens, bis auf ein Fuͤnftel auf oder ab, von gleichem Werthe ſeyn muß, vertauſcht werden, wenn der Nutzen des Austauſches erwieſen iſt, und die Ge⸗ richte, nach vorheriger Abſchaͤtzung durch Kunſtver⸗ ſtaͤndige, die das Tribunal von Amtswegen zu ernen⸗ nen hat, die Ermächtigung dazu ertheilt haben. In dieſem Falle wird das eingetauſchte Immoͤbel dotal; eben ſo bleibt es die Summe, welche allenfalls auf den Tauſch herausgegeben worden, und muß als ſolche zum Vortheile der Frau angelegt werden. 1560. Wenn auſſer den ſo eben angefuhrten Faͤllen die Frau oder der Mann, oder beide zugleich, ein DotalGrundſtuͤck veräuſſern, ſo kann die Frau, oder ihre Erben, nach der Aufloͤſung der Ehe die Veraͤuſ⸗ ſerung revoziren laſſen, ohne daß man ihnen irgend eine Verjaͤhrung, während der Dauer derſelben, op⸗ poniren koͤnnte; die Frau hat daſſelbe Recht nach der Trennung der Guͤter. Der Mann ſelbſt kann die Veraͤuſſerung waͤhrend der Ehe revoziren laſſen, wobei er jedoch zur Schad⸗ loshaltung gegen den Kaͤufer verbunden bleibt, wenn er in dem Kontrakte nicht erklaͤrt hat, daß das ver⸗ kaufte Gut dotal war. 1561. Diejenige DotalGuͤter, welche durch den Ehe Kontrakt nicht fur veräuſſerlich erklaͤrt word en ſind, ſind waͤhrend der Ehe keiner Verjaͤhrung unterworfen, wenn nicht die Verjaͤhrung vorher angefangen hat. Nach der Trennung der Guͤter werden ſie jedoch verjährbar, zu welcher Epoche auch immer die Verjaͤh⸗ rung angefangen haben mag. 1562. Der Mann iſt in Hinſicht auf die Dotal Guͤter allen Obliegenheiten eines Nutznieſſers unterworfen. Er iſt fur jede Verjaͤhrung, welche erworben werden koͤnnte, und jede durch ſeine Nachlaͤſſigkeit entſtandene Verſchlimmerung verantwortlich. 1563. Wenn die Mictgift ſich in Gefahr befindet, ſo kann die Frau nach der Vorſchrift des Art. 1443. und der folgenden die Trennung der Guͤter verfolgen. Dritter Abſchnitr. Von der Ruͤckerſtattung der Ausſteuér. 1564. Beſteht die Ausſteuer im Immoͤbeln; oder in Moͤbeln, welche in dem EheKontrakt nicht abgeſchaͤtzt ſind, oder deren Werth darin angegeben iſt, jedoch mit dem Zuſatze, daß ihre Abſchätzung der Frau das Eigenthum derfelben nicht benehmen ſoll, ſo kann der Mann oder ſeine Erben gezwungen werden, ſie nach Aufloͤſung der Ehe unverzuͤglich zu⸗ ruͤckzuerſtatten. 1565. Beſteht dieſelbe in einer Geldſumme, oder in Moͤbeln, welche in dem Kontrakte abge⸗ ſchatzt ſind, ohne daß erklaͤrt worden waͤre, daß ihre Abſchätzung den Mann nicht zum Eigenthuͤmer derſel⸗ ben machen ſoll, ſo kann die Ruͤckerſtattung derſelben nicht eher als ein Jahr nach Aufloͤſüng der Ehe gefordert werden. 1566. Sind die Moͤbel, deren Eigenthum der Frau verblieben iſt, durch den Gebrauch und ohne die Schuld des Mannes abgenutzt worden, ſo iſt dieſer zu nichts weiter verbunden, als die, welche noch uͤbrig ſind, und in dem Zuſtande, worin ſie ſich befinden werden, zuruͤckzuerſtatten. Jedoch kann die Frau in allen Fällen die Leinwand und Kleidungsſtuͤcke, die zu ihrem wirklichen Gebrau⸗ che dienen, zuruͤcknehmen, vorbehaltlich ihren Werth vorab aufzurechnen, wenn dieſe Leinwand und Klei⸗ dungsſtuͤcke urſpruͤnglich mit Abſchaͤtzung zur Mitgift ausgeſetzt worden ſind. 1567. Wenn die Ausſteuer Obligationen oder kon⸗ ſtituirte Renten begreift, welche ihren Werth verlo⸗ ren haben, oder Abzuͤge erlitten haben, ohne daß die Nachläſſigkeit des Mannes Schuld daran war, ſo hat er auch nicht dafuͤr zu haften, und iſt ſeiner Verpflich⸗ tung encledigt, ſobald er die Kontrakte zuruckerſtattet. 1568. Wenn eine Nutznieſſung zur Ausſteuer aus⸗ geſetzt worden iſt, ſo iſt der Mann oder ſeine Erben, nach Aufloſung der Ehe, nur dazu verbunden, das Recht der Nutznieſſung zuruͤckzuerſtatten, nicht aber die während der Ehe verfallene Fruchte. 1569. Wenn die Ehe ſeit dem Ablauf der zur Zah⸗ lung der Ausſteuer feſigeſetzten ZeitFriſten zehn Jahre beſtanden hat, ſo iſt die Frau oder ihre Erben berechtigt, ſie nach Aufloͤſung der Ehe von dem Manne zuruͤckzu⸗ fordern, ohne zu dem Beweiſe verbunden zu ſeyn, daß er ſie auch wirklich empfangen habe, wenn anderſt nicht der Mann beweißt, daß er vergebliche Betreibungen angeſtellt hat, um die Zahlung derſelben zu erwirken. 1570. Wenn die Ehe durch den Tod der Frau aufgeloͤßt wird, ſo laufen die Zinſen und Fruͤchte der zuruͤckzuerſtattenden Ausſteuer von Rechtswegen und kraft des Geſetzes vom Tage der Aufloſung, zum Vor⸗ theil ihrer Erben. Wird ſie durch den Tod des Mannes aufgeloͤßt, ſo bat die Frau die Wahl, ob ſie die Zinſen ihrer Ausſteuer waͤhrend dem Trauer Jahr fordern, oder ſich während derſelben Zeit auf Unkoſten der Erbſchaft des — Mannes ihren Unterhalt geben laſſen will; in beiden Fäl⸗ len muß ihr die Wohnung waͤhrend dieſem Jahr, und die Trauer Kleider aus der Erbſchaft verſchafft werden, und zwar ohne Aufrechnung auf die ihr ſchuldige Zinſen. 1571. Die Fruͤchte der Dotal Immoöbel werden bei Aufloͤſung der Ehe zwiſchen Mann und Frau, oder ihren Erben, nach Verhältuiß der Zeit, waͤhrend welcher die Ehe noch in dem letzten Jahre beſtanden hat, getheilt. Das Jahr faͤngt von dem Tage des Abſchluſſes der Ehe an. 1572. Die Frau und ihre Erben genieſſen bei der Ruͤckforderung der Ausſteuer kein Vorrecht vor den Gläubigern, die eine fruͤhere Hypotbek haben, als ſie. 1573. Wenn der Mann ſchon unzahlsfaͤhig war, und weder Kunſt noch Gewerbe beſaß, als der Vater ſeiner Tochter eine Ausſteuer konſtituirt hat, ſo iſt dieſe los verbunden, ihr Klagrecht auf Ruͤckerſtattung der⸗ ſelben gegen die Familie ihres Mannes in die väterliche Hinterlaſſenſchaft zu konſeriren⸗ Allein wenn der Mann erſt ſeit der Ehe unzahlsfä⸗ hia geworden iſt; Oder wenn er ein Gewerbe oder eine Profeſſion hatte, die bei ihm die Stelle des Vermoͤgens erſetzte, ſo faͤllt der Verluſt der Ausſteuer blos auf die Frau. Vierter Abſchnitt. Von den ParaphernalGuͤtern. 1574. Alles Vermogen der Frau, welches nicht zur Mithift ausgeſeßt worden iſt, iſt ParaphernalGut. 1575. Wenn alle Guͤter der Frau Paraphernalien ſind, und wenn in dem EheKontrakt keine Ueberein⸗ kunft enthalten iſt, der ihr einen beſtimmten Theil der Laſten der Ehe auflegt, ſo traͤgt die Frau bis zur Kon⸗ kurrenz eines Drittels ihrer Einkunfte dazu bei. 1576. Die Frau hat die Verwaltung und den Ge⸗ nuß ihrer Paraphernal Gůter. Allein ſie kann ohne Ermaͤchtigung des Mannes, oder wenn er ſie verweigert, ohne Erlaubniß der Ge⸗ richte, ſie weder veraͤuſſern, noch in Betreff derſelben vor Gericht auftreten. 1577. Wenn die Frau ihrem Manne eine Voll⸗ macht ertheilt, um ihr Paraphernal Vermoͤgen zu ver⸗ walten, mit der Obliegenheit, ihr uͤber die Fruͤchte deſſelben Rechnung abzulegen, ſo hat er dieſelbe Oblie⸗ genheiten gegen ſie, wie jeder andre Bevollmaͤchtigte. 1578. Hat der Mann ohne Mandat, jedoch ohne Widerſpruch von Seiten ſeiner Frau, den Genuß ih⸗ res Paraphernal Vermoͤgens gehabt, ſo iſt er, bei Auf⸗ loͤſung der Ehe, oder auf die erſte Anforderung von Seiten ſeiner Frau verbunden, die wirklich vorhande⸗ ne Fruͤchte auszuliefern; allein er iſt nicht rechnungs⸗ pflichtig fuͤr die, welche bis dahin aufgezehrt worden. 1579. Wenn der Mann, des erwieſenen Wieder⸗ ſpruchs ſeiner Frau ohngeachtet, den Genuß ihres Paraphernal Vermoͤgens bezogen hat, ſo iſt er uͤber alle, ſowohl vorhandene als aufgezehrte Fruͤchte(Ein⸗ kuͤnfte), rechnungspflichtig gegen ſie. 1580. Jeder Ehemann, der den Genuß von Pa⸗ raphernalien hat, iſt zu allen Obliegenheiten eines Nutznieſſers verbunden. Beſondere Verfuͤgungen. 1581. Die Ehegatten koͤnnen, indem ſie ſich der Dotal Verfaſſung unterwerfen, dennoch eine Geſell⸗ ſchaft fur die Errungenſchaft ſtipuliren; die Wirkungen dieſer Geſellſchaft werden nach Vorſchriſt der Artikel 1498 und 1499. regulirt. — 3— Seech ſter Zitel. Von dem Verkaufe. Dekretirt am(13. Ventoſe 12.) 6. Maͤrz 1804. promulgirt am (25.) 16, deſſelben Monats. Erſtes Kapitel. Von der Natur und Form des Verkaufes. 1582. Der Verkauf iſt eine Uebereinkunft, wodurch der eine ſich verbindlich macht, eine Sache zu liefern, und der andere, ſie zu bezahlen. Er kann ſowohl durch einen authentiſchen Akt als auch unter PrivatlUnterſchrift geſchehen.(1) 1583. Jeder Verkauf iſt vollendet(parfaite, per- fecta) unter den Partheyen und das Eigenthum iſt, in Hinſicht auf den Verkaͤufer, kraft des Geſetzes und von Rechtswegen dem Kaͤufer erworben, ſobald man uͤber die Sache und den Preis uͤbereingekommen iſt, wenn gleich die Sache noch nicht geliefert, und der Preis noch nicht gezahlt worden iſt. 1584. Ein Perkauf kann entweder unbedingt(pu- rement et simplement) oder unti einer ſuspenſiven oder reſolutoriſchen Bedingung abgeſchſoſſen werden. Er kann auch zwei oder mehrere Dinge alternativ zum Gegenſtand haben. In allen Faͤllen werden ſeine Wirkungen von den allgemeinen Grundſaͤtzen uͤber die Konventionen regulirt. 1585. Wenn Waaren nicht im Ganzen uͤberhaupt (en bloc) ſondern nach dem Gewicht, nach der Zahl oder nach einem beſtimmten Maas verkauft worden ſind, ſo iſt der Verkauf in ſo weit nicht vollendet, daß die verkaufte Sachen ſo lange auf Gefahr des Verkaͤuſers y Siehe das Gutachten des Staatsraths vom(12. Floreal 130 2. May 1805. im Titel: von den Privikegien und Hypo⸗ theken. verbleiben, bis dahin ſie abgewogen, gezaͤhlt oder aus⸗ gemeſſen worden ſind; allein der Kaͤufer iſt berechtigt, entweder ihre Auslieferung oder im Falle der Richt⸗ Erfuͤllung der Verpflichtung, nach Beſchaffenheit der Umſtände, voͤllige Schadloshaltung zu fordern. 1586. Sind im Gegentheile die Waaren im Gan⸗ zen und uͤberhaupt verkauft worden, ſo iſt der Ver⸗ kauf vollendet, wenn gleich die Waaren noch nicht gewogen, gezählt oder gemeſſen worden ſind. 1587. In Hinſicht auf Wein, Hel und andere Sa⸗ chen, die man vor dem Ankauf zu verſuchen gewohnt iſt, giebt es keinen Verkauf, ſo lange der Ankaͤufer ſie nicht gekoſtet, und angenommen(acgrées) hat. 1588. Jeder auf Probe abgeſchloſſene Verkauf wird immer dafuͤr angeſehen, als ſey er unter einer ſuspenſiven Bedingung geſchehen. 1589. Das Verſprechen eines Verkaufes gilt fuͤr einen wirklichen Verkauf, wenn die gegenſeitige Ein⸗ willigung beider Parthien uͤber die Sache und über den Preis vorhanden iſt. 1590. Wenn das Verſprechen mit Arrhen(Hand⸗ geld) geſchehen iſt, ſo ſteht es jedem der Kontrahen⸗ ten frei, davon abzugehen; Dem, der ſie gegeben hat, indem er ſie ſchwinden laßt, und dem, der ſie erhalten hat, wenn er das doppelte zuruͤckgiebt. 1591. Der Kaufſchilling muß von den Partheyen beſtimmt und angegeben werden. 1592. Er kann gleichwohl auch der ſchiedsrichterli⸗ chen Beſtimmung eines Dritten uͤberlaſſen werden; wenn aber alsdann der Dritte die Abſchaͤtzung nicht ma⸗ chen will oder kann, ſo iſt kein Verkauf vorhanden. 1593. Die Koͤſten des Aktes und andere Nebenko⸗ ſten des Verkaufs fallen dem Ankaufer zur Laſt. — 304— Zweites Kapitel. Wer kaufen und verkaufen kann. 1594. Jeder, dem das Geſetz es nicht unterſagt, kann kaufen oder verkaufen. 1595. Zwiſchen EheGatten kann nur in folgenden dreien Fällen ein Verkaufs Kontrakt abgeſchloſſen werden: 1) Wenn einer der Ehegatten dem andern, welcher gerichtlich von ihm getrennt iſt, Guͤter zur Zah⸗ lung ſeiner Anſpruͤche ahtritt. 2) Wenn die Ceſſion, welcher der Mann ſeiner, ſelbſt nicht von ihm getrennten, Frau macht, eine geſetzliche Urſache hat, z. B. die Wiederver⸗ wendung des Kaufſchillings von ihr zugehoͤrigen, veraͤuſſerten Immoͤbeln, oder von ſonſt ihr zuge⸗ hoͤrigen Summen, wenn dieſe Immoͤbel oder Summen nicht in die Gemeinſchaft gehoͤren. 3) Wenn die Frau ihrem Manne Guͤter zur Zah⸗ lung einer Summe abtritt, die ſie ihm als Aus⸗ ſteuer verſprochen hatte, und keine Gemeinſchaft beſteht(et lorsqu'il y a exclusion de commu- nauts.) Selbſt in dieſen dreien Fällen bleiben den Erben der kontrahirenden Theile, im Falle jeder indirekten Beguͤnſtigung, ihre Rechte vorbehalten. 1596. Es duͤrfen, unter Strafe der Nullitat, weder ſelbſt noch durch unterſtellte Perſonen, anſteigern: Vormuͤnder die Guͤter derjenigen, deren Vormund⸗ ſchaft ihnen uͤbertragen iſt; Bevollmaͤchtigte die Guͤter, mit deren Verkauf ſie beauftragt ſind; Verwalter die der Gemeinden oder oͤffentlichen An⸗ ſtalten, welche ihrer Sorgfalt anvertraut ſind; Oefſentliche Beamte die National Guͤter, deren Ver⸗ kauf durch ihre amtliche Huͤlſe(leur ministẽre) geſchieht. — 395— 1597. Die Richter, ihre Suppleanten, die Regie⸗ rungs Kommiſſarien, ihre Subſtituten, die Gericht⸗ ſchreiber(Greffiers) Gerichtsboten(Huiſſiers), Avoues, oͤffentliche Vertheidiger und Notarien duͤrfen ſich keine Prozeſſe, ſtrittige Anſpruͤche und Klagen abtreten laſ⸗ ſen, welche von der Kompetenz des Tribunals ſind, in deſſen Amtsbezirk ſie ihre Amtsverrichtungen ver⸗ ſehen, und zwar unter Strafe der Rullitaͤt, des Koſten⸗ Erſatzes und aller Schadloshaltungen. Drittes Kapitel. Von den Dingen, welche verkauft werden koͤnnen. 1598. Alles, was im Handel(Verkehr, Umſchlag) iſt, kann verkauft werden, wenn nicht beſondere Ge⸗ ſetze die Veraͤuſſerung davon verboten haben. 1599. Der Verkauf fremden Eigenthums iſi null; er kann zur Schadloshaltung ſtatt geben, wenn der Ankaͤufer nicht gewußt hat, daß die verkaufte Sache einem andern zugehoͤrte. 1600. Man kann die Erbſchaft einer lebenden Per⸗ ſon, nicht einmal mit ihrer Einwilligung, verkaufen. 1601. Wenn im Augenblicke des Verkaufs die verkaufte Sache ganz zu Grunde gegangen war, ſo iſt der Verkauf nichtig. 1602. War nur ein Theil derſelben zu Grunde gegangen, ſo hat der Kaͤufer die Wahl, von dem Verkaufe abzugehen, oder den erhaltenen Theil der Sache zu verlangen, in welchem Falle er den Preis derſelben durch eine gerichtliche Abſchätzung nach Maas⸗ ſtab des fuͤr das Ganze bedungenen KaufPreiſes be⸗ ſtimmen laſſen kann. Viertes Kapitel. Von den Obliegenheiten des Verkaͤufers. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 1602. Der Verkaͤufer iſt verbunden, das, wozu er ſich verpflichtet, deutlich zu erklären. Jeder dunkle oder zweideutige Vertrag wird gegen den Verkaͤufer ausgelegt. 1603. Er hat zwei HauptObliegenheiten, erſtens die Sache, welche er verkauft, zu liefern, und zwei⸗ tens, ſie zu garantiren. Zweiter Abſchnitt. Von der Ablieferung. 1604. Die Ablieferung iſt die Uebergabe der ver⸗ kauften Sache in die Gewalt und den Beſitz des Kaͤufers. 1605. Die Verpflichtung, ein Immoͤbel zu über⸗ liefern, iſt von Seiten des Verkaͤufers erfullt, wenn er die Schluͤſſel ubergeben hat, falls von einem Ge⸗ baͤude die Rede iſt, oder wenn er die Eigenthums⸗ Titel uͤbergeben hat. 1606. Die Auslieferung von MobiliarGegenſtänden wird bewerkſtelligt: Entweder durch deren wirkliche Uebergabe; Oder durch Einhaͤndigung der Schluͤſſel der Ge⸗ baͤulichkeiten, worin ſie enthalten ſind; Oder auch durch die bloſſe Einwilligung der Par⸗ theyen, wenn deren Uebergabe nicht im Augenblicke des Verkaufs geſchehen kann, oder wenn der Ankaͤufer ſie ſchon unter einem andern Titel in ſeiner Gewalt. hatte. 1607. Die Tradition von unkorperlichen Gerecht⸗ ſamen geſchieht entweder durch die Uebergabe der Titel, wodurch ſie begruͤndet werden, oder durch deren Aus⸗ üͤbung von Seiten des Ankäufers mit Bewilligung des Verkaͤufers. 1908. Die Koſten der Auslieferung fallen dem Ver⸗ kaͤufer, die der Hinwegbringung dem Ankaͤufer zur Laſt, wenn nicht das Gegencheil bedungen worden iſt. 1609. Die Auslieferung mußß, wenn keine andere Uebereinkunft vorliegt, an dem Orte geſchehen, wo ſich der Gegenſtand des Verkaufs zur Zeit dieſes letztern befand. 1610. Wenn der Verkaͤufer die Auslieferung nicht in der zwiſchen den Partheyen uͤbereingekominenen Zeit⸗ Friſt bewerkſtelligt, ſo hat der Ankaͤufer die Wahl, ent⸗ weder die Aufhebung des Verkaufes oder ſeine Beſitz⸗ Einſetzung zu verlangen, wenn anderſt der Verzug blos vom Schuldner herruhrt.. 1611. In allen Fällen muß der Verkaͤufer zur voͤlligen Schadloshaltung verurtheilt werden, wenn dem Ankaͤufer dadurch ein Schaden erwaͤchſt, daß die Aus⸗ lieferung nicht zur uͤbereingekommenen Zeit geſchehen iſt. 1612. Der Verkaͤufer iſt nicht verbunden, die Sache auszuliefern, wenn der Ankaͤufer den Kauf⸗ ſchilling nicht bezahlt, und der Verkaͤufer ihm keine Friſt zur Zahlung bewilligt hat. 1613. Er iſt auch nicht zur Auslieferung verbun⸗ den, wenn er gleich eine Friſt zur Zahlung bewilligt batte, wenn der Ankaͤufer ſeit dem Verkaufe fallirt hat, oder ganz in Ruͤckgang(en 6tat de déconfiture) gekommen iſt, ſo daß der Verkaufer ſich in augen⸗ ſcheinlicher(imminent) Gefahr befindet, den Kauf⸗ ſchilling zu verlieren, wenn anderſt der Ankaͤufer ihm fuͤr die Zahlung zu der beſtimmten Zeit keine Buͤrg⸗ ſchaft ſtellt. 1614. Die verkaufte Sache muß in dem Zuſtande, ——— ½ . 14 worin ſie ſich im Augenblicke des Verkauſs befindet, uͤberliefert werden. Von dieſem Tage an gehoͤren alle Fruͤchte dem An⸗ kaͤufer. 1615. Die Verpflichtung, eine Sache auszuliefern, begreift alles Zugehoͤr derſelben(les accessoires), und alles, was zu ihrem immerwährenden Gebrauche beſtimmt iſt. 1616. Der Verkaͤufer iſt gehalten, das Maas(la contenauce), welches im Kontrakte eingefuͤhrt iſt, zu liefern, jedoch unter folgenden Modifikationen. 1617. Wenn der Verkauf eines Immoͤbels mit Angabe des Flächen Inhalts, zu ſo viel eine beſtimmte Größe, geſchehen iſt, ſo iſt der Verkäufer verpflichtet, dem Ankäufer, wenn er es verlangt, die im Kontrakt angeaebene Quantität zu uͤberliefern. Wenn dies ihm unmoͤglich iſt, oder der Kaͤufer es nicht fordert, ſo iſt der Verkaͤufer verbunden, einen verhältnißmaͤſſigen Abzug an dem Kaufſchilling zu leiden. 1613. Wenn ſich im Gegentheil, im Falle des vor⸗ hergehenden Artikels, ein gröſſerer Flaͤcheninhalt als der, welcher im Kontrakte angeführt iſt, befindet, ſo hat der Ankaͤufer die Wahl, entweder einen verhältniß⸗ maͤſſigen Zuſchuß zu dem Kauſſchilling zu machen, oder von dem Kontrakte abzugehen, wenn der Ueber⸗ ſchuß ein Zwanzigſtel uͤber den angegebenen Flächén⸗ inhalt beträgt. 1619. In allen andern Fällen: Es mag nun ein beſtimmter und begränzter Körper verkauft worden ſeyn, oder der Verkauf mag verſchiedene, voneinander ge⸗ trennte, Grundſtuͤcke zum Gegenſtande haben; Der VerkaufKontrakt maa mit Angabe des Maa⸗ ſes, oder mit der Bezeichnung des verkauften Ge⸗ genſtandes anfangen, und nachher das Maas an⸗ fuͤhren; So giebt die Angabe dieſes Maaſes zu keinem Zu⸗ ſchuß zum Kaufſchilling zum Vortheil des Verkaufers, fuͤr den Ueberſchuß an Maas, Und zu keinem Abzug von dem Kauſfſchilling wegen geringerem Maas zum Vortheil des Ankäufers ſtatt, wenn nicht der Unterſchied des wirklich vorhandenen Maaſes von dem im Kontrakt ausgedruͤckten ein Zwan⸗ zigſtel mehr oder weniger betragt, und zwar mit Hin⸗ ſicht auf den Werth der Geſammtheit der verkauften Gegenſtände, und wenn auſſerdem keine andere Sti⸗ pulation vorliegt. 1620. In dem Falle, wo dem vorhergehenden Ar⸗ tikel zufolge eine Erhoͤhung des Preiſes fur Ueberſchuß an Maas ſtatt findet, hat der Ankaͤufer die Wahl, entweder von dem Kontrakte abzugehen, oder den Zu⸗ ſchuß zu dem Kaufſchilling zu zahlen, und zwar mit Zinſen, wenn er das Immoͤbel im Beſitz behalten hat. 1621. In allen Fällen, worin der Ankaͤufer das Recht hat, von dem Kontrakte abzugehen, iſt der Verkäufer verbunden, ihm auſſer dem Kaufſchilling, wenn er denſelben empfangen hat, auch die Koſten die⸗ ſes Kontraktes zuruͤckzuerſtatten. 1622. Jede Klage auf Zuſatz zu dem Kaufſchilling muß von Seiten des Verkäufers, ſo wie jede Klage auf Verminderung des Kaufſchillings oder auf Aufhe⸗ bung des Kontraktes von Seiten des Ankaͤufers, unter Strafe der Verluſtigung des KlageRechtes in Jahres⸗ Friſt von dem Tage des Kontraktes an angeſtellt werden. 1623. Wenn durch denſelben Kontrakt, fuͤr einen und denſelben Preis, zwei Grundſtucke verkauft wor⸗ den ſind, und das Maas von jedem derſelben ange⸗ fuͤhrt worden iſt, und das eine von einem geringeren — 1 ½ 61 4 * — und das andere von einem groͤſſeren Inhalt befunden wird, ſo kompenſirt man den Ueberſchuß und das Feh⸗ lende bis zum gehörigen Betrag, und die Klage auf Zuſatz oder Verminderung des KaufPreiſes findet nur nach den hier oben aufgeſtellten Regein ſtatt. 1624. Die Frage, wem, ob dem Verkaͤufer, oder dem Kaufer, der Verluſt oder die Deterioration der verkauften Sache vor ihrer Auslieſerung zur Laſt fallen muß, wird nach den im Titel: von den Kontrak⸗ ten oder konventionellen Verpflichtungen im Allgemeinen, vorgeſchriebenen Regeln be⸗ urtheilt. Dritter Abſchnitt. Von der Gewaͤhrleiſtung. 1625. Die Gewährleiſtung, welche der Verkaͤufer dem Ankaͤufer ſchuldig iſt, hat einen doppelten Ge⸗ genſtand; erſtens, den ruhigen Beſiß der verkauften Sache; zweitens, die verborgene Maͤngel oder die redhibitoriſche Fehler derſelben(ſolcher Fehler, wegen welcher die Sache zuruͤckgenommen werden muß) §. Le Von der Gewährleiſtung im Falle der Eviktion. 1626. Wenn gleich bei dem Verkauf keine Stipu⸗ zation uber die Gewährleiſtung eingegangen worden iſt, ſo iſt der Verkaͤufer dennoch von Rechtswegen und kraft des Geſetzes verbunden, dem Ankaͤufer fuͤr jede Evik⸗ tion, welche er in Hinſicht auf die verkaufte Sache ganz oder zum Theil, erleiden koͤnnte, ſo wie fuͤr die kaſten, welche an derſelben gefordert werden koͤnnten, und die bei dem Verkauſe nicht erklärt worden ſind, Gewährleiſtung ſchuldig. 1627. Die Parthien konnen durch beſondere Ueber⸗ . einkunft dieſe geſetzliche Verpflichtung vermehren, oder ihre Wirkungen mildern; ſie koͤnnen ſogar dahin uͤber⸗ einkommen, daß der Verkaͤufer keiner Gewaͤhrleiſtung unterworfen ſeyn ſoll. 16a3. Wenn gleich ausbedungen worden iſt, daß der Verkaͤufer keiner Gewährleiſtung unterworfen ſeyn ſoll, ſo bleibt er doch immer zu derjenigen verbunden, die aus einer ihm perſönlichen Thatſache her fließt. Jede dem entgegengeſetzte Uebereinkunft iſt nichtig. 1629. In dem naͤmlichen Falle, wo bedungen wor⸗ den iſt, daß der Verkäufer keine Gewährleiſtung ſchul⸗ dig ſeyn ſoll, iſt er dennoch im Falle der Eviktion zur Ruͤckerſtattung des Kaufſchillings verbunden; es ſey denn, daß der Ankaͤufer bei dem Kaufe die Gefahr der Eviktion gekannt, oder daß er auf ſeine Gefahr gekauft haͤtte. 1630. Wenn die Gewährleiſtung verſprochen, oder wenn nichts in dieſer Hinſicht ſtipulirt worden iſt, ſo iſt der Ankaufer im Falle der wirklichen Eviktion be⸗ rechtigt, von dem Verkaͤufer zu fordern: 1) Die Ruͤckerſtattung des Kaufſchillings; 2) Die der Fruͤchte, in dem Falle, wo auch er verbunden iſt, ſie den evinzirenden Eigenthuͤmer zuruͤckzuerſtatten; 3) Die durch die Klage auf Gewaͤhrleiſtung von Seiten des Ankaͤufers ausgelegte, und die von dem urſpruͤnglichen Klager verurſachte Koſten. 4) Endlich Schadloshaltung nebſt den Koſten und aufrichtigen Auslagen fuͤr den VerkaufKontrakt. 1631. Wenn ſich die verkaufte Sache zur Zeit der Eviktion in ihrem Werthe verringert oder ſehr dete⸗ riorirt befindet, die Schuld davon mag nun in der Nachläſſigkeit des Ankäufers oder an Zufällen, die von einer hoͤhern Gewalt herruͤhren, liegen, ſo iſt nichts Civil Geſetzb. 26 deſtoweniger der Verkaͤufer gehalten, den Kaufſchilling ganz zuruͤckzuerſtatten. 1632. Wenn aber der Ankaͤnfer aus den von ihm verurſachten Degradationen Vortheil gezogen hat, ſo⸗ hat der Verkaͤufer das Recht, eine dieſem Vortheil gleiche Summe von dem Kaufſchilling zuruͤckzubehalten. 1633. Wenn die verkaufte Sache, auch ohne Zu⸗ thun des Ankaͤufers, zur Zeit der Eviktion, einen hoͤhern Werth hatte, ſo iſt der Verkaͤufer verbunden, ihm das zu bezahlen, was ſie mehr als den Kauſpreis werth iſt. 1634. Der Verkaͤufer iſt verbunden, den Ankaͤufer alle Reparaturen und nuͤtzliche Verbeſſerungen, welche er auf den Grundſtuͤcken gemacht hat, zu erſeten, oder ihm deren Erſatz durch den, der ihn evinzirt hat, zu verſchaffen. 1635. Wenn der Verkaͤufer ein fremdes Grundſtück in boͤſem Glauben verkauft hat, ſo iſt er verbunden, dem Ankäufer alle auf das Grundſtuͤck verwendete Auslagen, ſelbſt die, welche blos zum Vergnuͤgen oder zur Zierrath dienen, zu erſetzen. 1636. Iſt der Ankaͤufer nur aus einem Theile der verkauften Sache evinzirt worden, und dieſer Theil iſt in Hinſicht auf das Ganze von ſolcher Wichtigkeit, daß der Ankäufer dieſes ohne den Theil, woraus er evinzirt worden, nicht gekauft haben wuͤrde, ſo kann er die Aufhebung des Verkaufs anverlangen. 1637. Wenn der Verkauf, im Falle der Eviktion eines Theils des verkauften Grundſtuͤcks nicht wieder aufgehoben worden iſt, ſo muß dem Ankaͤufer der Werth desjenigen Antheils, den er durch die Eviktion verloren hat, in dem Preiſe, zu welchem er zur Zeit der Eviktion geſchaͤtzt wird, und nicht im Verhältniß zu dem ganzen Kaufſchilling, gleichviel ob der verkaufte — 43— Gegenſtand an Werth zugenommen oder abgenommen hat, zuruͤckerſtattet werden. 1638. Wenn ein verkauftes Grundſtuͤck, ohne daß dies erklart worden iſt, mit nicht augenfälligen Ser⸗ vituten beſchwert iſt, und dieſe ſo wichtig ſind, daß ſich vermuthen laͤßt, als habe der Ankaͤufer nicht ge⸗ kauft, wenn er davon unterrichtet geweſen waͤre, ſo kann er die Aufhebung des Kontraktes verlangen, wenn er ſich nicht lieber mit einer Entſchãdigung begnuͤgen will. 1639. Alle uͤbrige Fragen, zu welchen die fuͤr den Ankaufer aus dem Nich Vollzug des Verkaufs herflieſ⸗ ſende Schadloshaltungen ſtatt geben koͤnnen, muͤſſen nach den allgemeinen, im Titel: von den Kon⸗ trakten und konventionellen Verpflich⸗ tungen im Allgemeinen, aufgeſtellten Regeln ent⸗ ſchieden werden. 1640. Die Gewährleiſtung wegen einer Eviktion fällt weg, wenn ſich der Ankäufer durch ein Urtheil in letzter Inſtanz, oder durch ein Urtheil, von wel⸗ chem keine Appellation mehr zulaͤſſig iſt, hat verur⸗ theilen laſſen, ohne ſeinen Verkäuſer beizuladen, in ſo fern dieſer beweißt, daß hinlaͤngliche Rechtsmittel vorhanden waren, um zu bewirken, daß die Klage abgewieſen worden waͤre. 5. 2. Pon der Gewährleiſtung fuͤr die Fehler der verkauften Sache. 1641. Der Verkaͤufer iſt fuͤr alle verborgene Maͤn⸗ gel der verkauften Sache, welche ſie zu dem Gebrauche, zu welchem man ſie beſtimmt hat, untauglich machen, oder dieſen Gebrauch ſo ſehr vermindern, daß der Ankaͤu⸗ fer ſie nicht gekauft haben würde, oder doch nur einen geringeren Preis dafuͤr gegeben haben würde, wenn er ſie gekannt hätte, Gewährleiſtung ſchuldig. 6 — 404— 1642. Der Verkaͤufer iſt fuͤr augenfallige Fehler (vices apparents), von welchen der Ankaͤufer ſich ſelbſt uͤberzeugen konnte, nicht verantwortlich. 1643. Er iſt fuͤr die verborgene Fehler ſelbſt dann verantwortlich, wenn er ſie gleich ſelbſt nicht gekannt hatte, es ſey denn, daß er in dieſem Falle ſtipulirt haͤtte, daß er zu keiner Gewährleiſtung verbunden ſeyn ſoll. 1644. Der Kaͤufer hat in dem Falle der Artikel 1641 und 1643. die Wahl, die Sache zuruͤckzugeben, und ſich den Kaufſchilling zuruͤckzahlen zu laſſen, oder die Sache zu behalten, und ſich einen Theil des Kauf⸗ ſchillings, ſo wie er durch Sachverſtaͤndige abgeſchaͤtzt wird, zuruͤckerſtatten zu laſſen⸗ 1645. Wenn die Fehler der Sache dem Verkaͤufer bekannt waren, ſo iſt er, auſſer der Ruͤckerſtattung des bezogenen Kaufſchillings, zur voͤlligen Schadlos⸗ haltung des Ankaͤufers, gegen dieſen verpflichtet. 1646. Wenn aber der Verkäufer den Fehler der Sache nicht gekannt hat, ſo iſt er zu nichts weiterem als zur Ruͤckerſtattung des Kaufſchillings und zur Er⸗ ſtattung der durch den Kauf verurſachten Koſten an den Ankaͤufer verbunden. 1647. Wenn eine, mit Fehlern behaftete Sache, durch eine Folge ihrer ſchlechten Beſchaffenheit zu Grunde gegangen iſt, ſo faͤllt der Verluſt auf den Verkaͤufer, welcher verbunden iſt, dem Ankäufer den Kaufſchilling zuruͤckzuerſtatten, und ihm, nach der Vorſchrift der beiden vorhergehenden Artikel, die uͤbri⸗ ge Entſchaͤdigungen zu leiſten. Geht aber die Sache durch einen Zufall zu Grunde, ſo iſt der Verluſt fuͤr den Ankaͤufer. 1648. Jede aus redhibitoriſchen Fehlern entſprin⸗ gende Klage muß in kurzer ZeitFriſt, nach der Be⸗ ſchaffenheit der redbibitoriſchen Maͤngel und nach dem Gebrauche des Ortes, wo der Verkauf geſchehen iſt, angeſtellt werden. 1649. Sie findet bei Verkaͤufen, die von Gerichts⸗ wegen geſchehen ſind, nicht ſtatt. 5 6 es F p rel. Von den Obliegenheiten des Ankaͤufers. 1650. Die Hauptverbindlichkeit des Kaͤufers iſt die, den Kaufſchilling an dem durch den VerkaufKontrakt beſtimmten Tage und Orte zu bezahlen. r651. Iſt nichts in dieſer Hinſicht bei dem Ver⸗ kaufe beſtimmt worden, ſo muß der Ankaͤufer an dem Orte und zu der Zeit, wo die Ablieferung geſchehen ſoll, bezahlen. 1652. In folgenden dreien Faͤllen iſt der Ankaͤufer bis zur Zahlung des Kapitals die Zinſen von dem Kaußſchilling ſchuldig: Wenn man bei dem Verkaufe dahin uͤbereigekom⸗ men iſt; Wenn die verkaufte und uͤberlieferts Sache Fruͤchte oder andere Einkuͤnfte hervorbringt; Wenn der Ankaͤufer zur Zahlung aufgefordert; wor⸗ den iſt. In dieſem letzten Falle laufen die Zinſen erſt von der Aufforderung an. 1653. Wenn der Ankaͤufer ſich durch eine Hypothe⸗ kar⸗oder Vindikations Klage in ſeinem Beſitze geſtoͤrt ſieht, oder gerechte Urſache hat, eine ſolche Stoͤrung zu befuͤrchten, ſo kann er die Zahlung des Kaufſchil⸗ lings ſo lange aufſchieben, bis der Verkaͤufer der Stoͤ⸗ rung ein Ende gemacht hat, wenn dieſer es nicht vor⸗ zieht, Buͤrgſchaft zu leiſten, oder wenn anderſt nicht 1— 406— ſtipulirt worden iſt, daß der Ankäufer, der Stärung ohngeachtet, bezahlen ſoll. 1654. Wenn der Ankaͤufer den Kaufſchilling nicht bezahlt, ſo kann der Verkaͤufer die Aufhebung des Verkaufes anverlangen. 1655. Die Aufhebung eines Verkaufs von Immoͤ⸗ beln wird auf der Stelle erkannt, wenn der Verkäu⸗ fer ſich in Gefahr befindet, die Sache und den Kauf⸗ ſchilling zu verliereg. Iſt dieſe Geſahr nicht vorhanden, ſo kann der Rich⸗ ter dem Ankaͤufer einen, nach den Umſtänden, mehr oder minder langen Ausſtand bewilligen. Iſt dieſe Zeitfriſt verloffen, ohne daß der Ankaͤufer bezahlt hätte, ſo muß die Aufhebung des Verkaufes ausgeſprochen werden. r656. Wenn bei dem Verkaufe von Immoͤbeln bedungen worden iſt, daß aus Mangel an Zahlung des Kaufſchillings in der uͤbereingekommenen Zeitfriſt der Verkauf ohne weiteres von Rechtswegen wieder aufge⸗ hoben ſeyn ſoll, ſo kann der Ankauſer dennoch noch nach dem Ablauf dieſer Zeitfriſt bezahlen, ſo lange er nicht durch eine Aufforderung in Ruͤckſtand verſetzt worden iſt; allein nach dieſer Aufforderung kann der Richter ihm keinen Ausſtand mehr geſtatten. 1657. Bei jedem Verkauf von Waaren(denrées) und MobiliarEfſekten, hat die Aufhebung des Ver⸗ kaufs zum Vortheil des Verkäufers von Rechtswegen und kraft des Geſetzes, ohne Aufforderung, ſtatt, ſo bald die Zeit verloffen iſt, zu welcher ſie, der Ueber⸗ einkunft zufolge, abgenommen werden ſollten⸗ Sechstes Kapitell. PVon der Rullität und der Aufhebung eines Verkaufes. 1658. Auſſer den in dieſem Titel bereits angefuhr⸗ * t⸗ — 407— ten Gruͤnden der Nullitat oder der Wiederaufhebung, und auſſer denen, welche allen Kontrakten gemein⸗ ſchaftlich ſind, kann ein VerkaufKontrakt auch noch durch Ausubung der Beſugniß zum Ruͤckkauf, und wegen Niedrigkeit des Preiſes, wieder aufgehoben werden. Erſter Abſchnitt. Von der Befugniß zum Ruͤckkauf. 1669. Das Recht des Ruͤckkaufs(rachat ou re- mérẽ) iſt ein Vertrag, wodurch der Verkäufer ſich die Befugniß vorbehält, die verkaufte Sache mittelſt der Ruͤckerſtattung des HauptKaufPreiſes und der im nachſtehenden Artikel 1673. angeführten Verguͤtung, wieder an ſich zu ziehen 1660. Das Recht des Ruͤckkaufs kann nicht auf laͤn⸗ gere Zeit als hoͤchſtens fuͤnf Jahre ſtipulirt werden. Wenn es auf längere Zeit vorbehalten worden iſt, ſo wird es auf dieſe Zeitfriſt reduzirt. 1661. Die beſtimmte Zeitfriſt muß ſtreng beobachtet werden; ſie kann von dem Richter nicht verlaͤngert werden. 1662. Wenn der Verkaͤufer von ſeinem Ruͤckkaufs⸗ Recht in der vorgeſchriebenen Zeitfriſt keinen Gebrauch gemacht hat, ſo verbleibt der Ankäufer unwiderruflich Eigenthuͤmer. 1663. Dieſe Friſt laͤuft gegen alle Perſonen, ſelbſt gegen Minderjaͤhrige, vorbehaltlich ihres Ruͤckgriffs, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, gegen wen Rech⸗ tens ſeyn mag. r664. Ein Verkaͤufer, unter Vorbehalt des Ruͤck⸗ kaufs, kann ſeine Klage gegen einen zweiten Ankaͤufer geltend machen, ſelbſt wenn von dem Rechte des Wie⸗ derkaufs in dem zweiten Kontrakte keine Meldung geſchehen waͤre. — ———=—— S k——— — ————— * 3 1665. Der Ankaͤufer, unter der Bedingung des Ruͤckkaufs, uͤbt alle Rechte ſeines Verkaufers aus; er kann ſowohl gegen den wahren Eigenthuͤmer, als gegen die, welche irgend Anſpruͤche oder Hypotheken auf die verkaufte Sache zu haben behaupten, verjaͤhren. 1666. Er kann den Glaͤubigern ſeines Verkäufers die Einrede der vorherigen Diskuſſion dieſes letztern entgegenſetzen. 1667. Wer unter Bedingung des Ruͤckkaufs einen unabgetheilten Theil eines Grundſtuͤcks gekauft hat, und nachher in einer gegen ihn(von dem Miteigen⸗ thuͤmer) verlangten Verſteigerung das Ganze an ſich geſteigert hat, kann den Verkäufer anbalten, wenn er von ſeinem Vorbehalt Gebrauch machen will, das Ganze an ſich zuruͤckzuziehen. 1668. Wenn mehrere gemeinſchaftlich, und durch denſelben Kontrakt ein, ihnen gemeinſchaftlich zugehö⸗ riges, Grundſtuck veraͤuſſert haben, ſo kann jeder von ihnen die Klage auf Wiederkauf nur fuͤr den Antheil, welchen er daran beſaß, anſtellen. 1669. Das nämliche gilt in dem Falle, wenn der⸗ jenige, der allein ein Grundſtuck verkauft hat, mehrere Erben hinterlaſſen hat. Jeder dieſer MitErben kann von der Befugniß zum Ruͤckkauf nur fur denjenigen Antheil, den er in der Erbſchaft erhaͤlt, Gebrauch machen. 1670. Allein der Ankaufer kann, im Falle der bei⸗ den vorhergehenden Artikel, verlangen, daß alle Mit⸗ Verkaufer oder alle Miterben zur Sache beigeladen werden, um ſich untereinander uͤber die Zuruͤcknahme des ganzen Grundſtuͤckes zu vereinigen, und wenn ſie ſich hieruͤber nicht vergleichen, ſo muß er von der Klage freigegeben werden. 1671. Iſt aber ein mehreren gemeinſchaftlich zuge⸗ hoͤriges Grundſtuͤck nicht gemeinſchaftlich und nicht das Ganze zuſammen verkauft worden, ſondern hat jeder (MitEigenthuͤmer) nur ſeinen Antheil daran verkauft, ſo kann jeder die Klage auf Ruͤckkauf insbeſondere, und fuͤr den Antheil, der ihm zugehoͤrte, anſtellen;! Und der Ankaufer kann denjenigen, der ſie in dieſer Art anſtellt, nicht zwingen, das Ganze einzuloͤſen. 1672. Hat der Ankäufer mehrere Erben hinterlaſſen, ſo kann in dem Falle, wo die verkaufte Sache noch ungetheilt iſt, oder wenn dieſelbe unter ſie vertheilt worden iſt, die Klage auf Ruͤckkauf gegen jeden der⸗ ſelben nur fuͤr ſeinen Antheil angeſtellt werden. Allein wenn die Erbſchaft getheilt worden iſt, und die verkaufte Sache in das Loos eines der Erben ge⸗ fallen iſt, ſo kann die Klage auf Ruͤckkauf gegen ihn fuͤr das Ganze angeſtellt werden. 1673. Der Verkaͤufer, der den Vorbehalt des Ruͤck⸗ kaufs geltend machen will, muß nicht allein den Haupt⸗ KaufPreis, ſondern auch die Koſten und aufrichtige Auslagen, die durch den Verkauf verurſacht worden, die noͤthige Reparaturen, ſo wie die, welche den Werth des Grundſtuͤcks vermehrt haben, bis zur Kon⸗ kurrenz dieſer Vermehrung des Werthes erſetzen. Er kann nicht eher in den Beſitz eintreten, als bis er allen dieſen Obliegenheiten Genuͤge gethan hat. Wenn der Verkaͤufer durch die Wirkung des Rech⸗ tes auf Ruͤckkauf wieder in ſein Grundſtuͤck eintritt, ſo nimmt er es frei von allen Laſten und Hypotheken, womit der Ankaͤufer es beſchwert haben koͤnnte, zuruͤck; er iſt verbunden, die ohne Argliſt von dem Ankaͤufer errichtete Pacht Beſtände zu vollziehen. Zweiter Abſchnitt. Von der Wiederaufhebung eines Verkaufes wegen PVerletzung. 1674. Wenn der Verkaͤufer bei dem KauPreis — 410— eines Immoͤbels um mehr als ſieben Zwolftheile verletzt worden iſt, ſo hat er das Recht, die WiederAufhe⸗ bung des Verkaufs zu verlangen, ſelbſt wenn er in dem Kontrakte ausdruͤcklich auf die Befugniß, dieſe Wieder Aufhebung zu verlangen, Verzicht geleiſtet, und dasjenige, was die Sache mehr werth iſt, ſchenken zu wollen erklärt hätte. 1675. Um zu wiſſen, ob eine Verletung von mehr als ſieben Zwolftheilen vorhanden iſt, muß das Im⸗ moͤbel nach ſeinem Zuſtande und ſeinem Werthe zur Zeit des Verkaufes geſchätzt werden. 1676. Nach Ablauf von zweien Jahren, vom Tage des Verkaufes an zu rechnen, iſt die Klage nicht mehr zuläſſig. Dieſe Zeitfriſt laͤuft gegen die verheurathete Frauen und gegen die Abwoſende, die Interdizirte und die Minderjährige, die in die Rechte eines Großjährigen, der verkauft hat, eingetreten ſind⸗ Dieſe Zeitfeiſt läuft gleichfalls waͤhrend der, zur Ausubung der Bedingung des Ruckkaufs, ſtipulirten Zeitfriſt, und wird durch dieſe nicht ſuspendirt. 1677. Der Beweis der Verletzung kann nicht an⸗ derſt als durch ein Urtheil, und nur in dem Falle zu⸗ gelaſſen werden, wo die artikulirte ThatlUmſtände wahrſcheinlich und wichtig genug ſind, um eine Ver⸗ letzung vermuthen zu laſſen. 1678. Dieſer Beweis kann nicht anderſt, als durch einen Bericht von dreien Werkverſtändigen erbracht wer⸗ den, welche verbunden ſind, nur einen gemeinſchaftli⸗ chen Verbal Prozeß zu errichten, und nur ein Gutach⸗ ten, nach Mehrheit der Stimmen, abzugeben. 1679. Wenn die Meinungen getheilt ſind, ſo muß der Verbal Prozeß deren Grunde anfuͤhren;ʒ es iſt aber — 411— nicht erlaubt, zu bemerken, von welcher jeder Werk⸗ verſtaͤndige geweſen iſt. 1680. Die drei Werkverſtaͤndige werden von Amts⸗ wegen ernannt, wenn anderſt die Partheyen ſich nicht vereinigt haben, um ſie alle drei gemeinſchaftlich zu ernennen. 1681. In allen den Faͤllen, wo die Klage auf Wieder Aufhebung des Verkaufes zuläſſig iſt, hat der Ankäufer die Wahl, entweder die Sache zuruͤckzuge⸗ ben, und den dafuͤr bezahlten Kauſfſchilling zuruͤckzu⸗ nehmen, oder mittelſt Ergaͤnzung des wahren Preiſes, mit Abzug des zehnten Theils von dem ganzen Wer⸗ the, das Grundſtuͤck zu behalten. Jeder dritte Beſitzer hat, vorbehaltlich ſeiner Klage auf Gewährleiſtung gegen ſeinen Verkaufer, daſſelbe Recht. 1682. Wenn es der Ankaͤufer vorzieht, den vom vorhergehenden Artikel beſtimmten Nachſchuß zu be⸗ zahlen, und die Sache zu behalten, ſo iſt er die Zin⸗ ſen dieſes Nachſchuſſes vom Tage der Klage auf Wieder⸗ Aufhebung an zu zahlen ſchuldig. Wenn er es vorzieht, die Sache gegen Ruͤckerſtat⸗ tung ſeines Kaufſchillings zuruͤckzugeben, ſo muß er die Fruͤchte, vom Tage der Klage an, zuruͤckerſtatten. Dagegen muͤſſen ihm, gleichfalls vom Tage dieſer Klage an, oder wenn er keine Fruͤchte bezogen hat, vom Tage der Zahlung an, die Zinſen des von ihm bezahlten Kaufſchillings verrechnet werden. 1683. Die Wieder Aufhebung eines Verkaufs we⸗ 5 Verletzung findet zu Gunſten des Ankaͤufers niche att. 1684. Sie findet bei keinem Verkauf ſtatt, der dem Geſetze gemäß nicht anderſt als von Gerichtswe⸗ gen geſchehen kann. — 472— 1685. Die im vorhergehenden Abſchnitte fur dieje⸗ nige Fälle beſtimmte Regeln, wo mehrere zuſammen oder insbeſondere verkauft haben, ſo wie fuͤr den, wo der Verkaͤufer, oder der Ankaufer, mehrere Erben hin⸗ terlaſſen hat, werden gleichfalls bei Ausuͤbung der Klage auf Wiederaufhebung beobachtet. Siebentes Kapitel. Von der Lizitation. 1686. Wenn eine Sache, die mehreren gemein⸗ ſchaftlich zugehoͤrt, nicht bequem und ohne Verluſt ge⸗ theilt werden kann; Oder wenn bei einer guͤltig bewerkſtelliaten Theilung gemeinſchaftlicher Guͤter ſich einige vorſinden, welche keiner der Mittheilenden annehmen will oder kann; So werden ſie verſteigert, und der Steigſchilling unter die MitEigenthuͤmer vertheilt. 1687. Jeder der Mitkigenthuͤmer hat das Recht, zu fordern, daß auch Fremde zur Verſteigerung berufen werden; ſie muͤſſen nothwendig dazu berufen werden, wenn einer der MitEigenthuͤmer minderjaͤhrig iſt. 1688. Die Art und Weiſe der Verſteigerung und die dabei zu beobachtende Formen, finden ſich im Ti⸗ tel: von den Erbſchaften und im Geſetz⸗ buch der CivilProzedu?(r) vorgeſchrieben. A ch kes 5 e. Von dem Uebertrag von Forderungen und andern unkoͤr⸗ perlichen Rechten. r689. Bei dem Uebertrage einer Forderung, eines Rechtes oder einer Klage gegen einen Dritten, wird die Ueberlieſerung zwiſchen dem Abtretenden und dem Ceſſionar durch die Uebergabe des Titels bewerkſtelligt. (1) Siehe die einſchlägige Artikel dieſes Geſetzbuchs Seite 307. uff. — 473— 1690. Der Ceſſionar wird in Hinſicht auf die dritte Perſon, erſt durch die dem Schuldner zu machende Signifikation des geſchehenen Uebertrags eingeſetzt. Doch kann der Ceſſionar auch durch die, von dem Schuldner in einem authentiſchen Akt geſchehene, An⸗ nahme des gemachten Uebertrags eingeſetzt werden. 1691. Wenn der Schuldner, ehe der Cedent oder der Ceſſionar ihm den Uebertrag ſignifizirt hat, an den Cedenten bezahlt hatte, ſo iſt er gultiger Weiſe entlaſtet. 1692. Der Verkauf oder Uebertrag einer Schuld⸗ forderung begreift die acceſſoriſche Rechte derſelben, z. B. die Buͤrgſchaft, die Privilegien und Hypotheken. 1693. Wer eine Schuldforderung oder ein anderes unkoͤrperliches Recht verkauft hat, iſt fuͤr deren oder deſſen Exiſtenz zur Zeit des Uebertrags Gewährleiſtung ſchuldig, wenn dieſer gleich ohne Verſprechen der Ge⸗ waͤhrleiſtung geſchehen iſt. 1694. Er hat fuͤr die Zahlsfͤhigkeit des Schuld⸗ ners nur dann zu ſtehen, wenn er ſich dazu anheiſchig gemacht hat, und nur bis zur Konkurrenz des Preiſes, den er fur ſeine Forderung bezogen hat. 1695. Wenn er fuͤr die Zahlungsfaͤhigkeit des Schuldners Gewährleiſtung verſprochen hat, ſo verſteht dieſes Verſprechen ſich nur von der gegenwaͤrtigen Zah⸗ lungsfähigkeit, und erſtreckt ſich nicht auf die Zukunft, wenn der Cedent es nicht ausdruͤcklich ſtipulirt hat. 1696. Wer eine Erbſchaft verkauft, ohne die Be⸗ ſtandtheile derſelben umſtändlich zu ſpezifiziten, iſt zu keiner weitern Gewährleiſtung als dafuͤr, daß er wirk⸗ lich Erbe iſt, verbunden. 1697. Wenn er ſchon die Fruchte von einem oder dem andern Grundſtuͤck genoſſen, oder den Betrag einer, zu dieſer Erbſchaft gehoͤrigen, Schuldforderung empfangen, oder einige Effekten der Erbſchaft verkauft — 47— hatte, ſo iſt er gehalten, ſie dem Ankaͤufer zu erſeßen, wenn er ſie ſich bei dem Verkaufe nicht ausdruͤcklich vorbehalten hat. 1693. Der Ankaufer hat ſeinerſeits dem Verkäufer das zu erſetzen, was dieſer bereits fuͤr Schulben und Laſten der Erbſchaft bezahlt hat, und muß ihm alles das, was er als Gläubiger zu fordern hatte, verrechnen, wenn keine dem entgegengeſetzte Stipulation vorliegt. 1699. Jeder, gegen welchen ein ſtrittiges Recht abgetreten worden iſt, kann alle Anſpruͤche des Ceſſio⸗ nars dadurch beſeitigen, daß er ihm den wahren Preis des Uebertrags, ſo wie die Koſten und die aufrichtige Auslagen, die dadurch verurſacht worden, mit Zinſen von dem Tage an, wo der Ceſſionar den Preis des an ihn geſchehenen Uebertrags bezahlt hat, zuruͤckerſtattet. 1700. Eine Sache wird fur ſtrirtig erachtet, ſobald ein Prozeß und Streit uͤber das Recht ſelbſt vorliegt. 1701. Die Verfuͤgung des Artikels 1699. fällt weg: 1) Wenn der Uebertrag an MitErben oder Mit⸗ Eigenthuͤmer des abgetretenen Rechtes geſche⸗ hen iſt; 2) Wenn er an einen Gläubiger an Zahlungsſtatt einer Schuld geſchehen iſt. 3) Wenn er an den Beſiter des Grundſtuͤcks ge⸗ ſchehen iſt, welches dem ſtrittigen Anſpruch un⸗ terworfen war. Siebenter Titell⸗ Von dem Tauſche. Hekretirt am(16. Ventoſe 12.) 7. Marz 1804. promulgirt am(26) 17. deſſelben Monats. 1702. Der Tauſch iſt ein Kontrakt, wodurch die Partheyen ſich wechſelſeitig eine Sache fur eine andere geben. 1703. Ein Tauſch geſchieht durch die bloſſe Einwil⸗ ligung, eben ſo wie der Verkauf. 2704. Wenn einer der Tauſchenben die ihm im Tauſch bewilligte Sache bereits wirklich erhalten hat, und nachher beweißt, daß ſie dem andern Kontrahen⸗ ten nicht eigenthuͤmlich zugehoͤrt, ſo kann er nicht ge⸗ zwungen werden, die Sache zu liefern, die er dagegen verſprochen hatte, ſondern nur die, welche er erhalten hat, zuruͤckzugeben. 1705. Derjenige Tauſchende, der einer im Tauſch erhaltenen Sache durch Eviktion beraubt wird, hat die Wahl, ob er voͤllige Schadloshaltung verlangen, oder ſeine dagegen gegebene Sache zuruͤckverlangen will. 706. Bei dem TauſchKontrakt findet keine Wie⸗ deraufhebung wegen Läſion ſtatt. 1707. Uebrigens ſind alle andere, fuͤr den Verkauf⸗ Kontrakt vorgeſchriebene Regeln auch auf den Tauſch anwendbar. Von dem MiethKontrakte. Dekretirt am(16. Ventoſe 12.) 7. März 1304. promulgirt am(ab.) 17. deſſelben Monats. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfügungen. 1708. Es giebt zweierlei Gattungen von Mieth⸗ Kontrakten: Ueber Sachen, und uͤber Arbeiten. 1709. Die Vermiethung von Sachen iſt ein Kon⸗ trakt, wodurch eine der Partheyen ſich verbindlich macht, der anderen waͤhrend einer beſtimmten Zeitfriſt, und mittelſt eines beſtimmten Preiſes, den dieſe ſich — 416— ihr zu zahlen verpflichtet, den Genuß einer Sache zu uͤberlaſſen. 71o. Die Vermiethung von Arbeiten iſt ein Kon⸗ trakt, wodurch eine der Partheyen ſich anheiſchig macht, mittelſt eines zwiſchen ihnen vereinbarten Prei⸗ ſes, etwas fuͤr die andere zu thun. r711. Dieſe beide Gattungen von Vermiethungen zerfallen noch in verſchiedene Unter Abtheilungen: Man nennt Miethe(bail à loyer) den Mieth⸗ Kontrakt uber Haͤuſer und den uͤber Mobilien; Pacht Kontrakt,(bail à ferme) den uͤber Landguͤter; DienſtKontrakt(loyer) den Mieth Kontrakt uͤber Arbeiten oder Dienſte; ViehPachtung(bail à cheptel) den uͤber Vieh, deſſen Rutzen zwiſchen dem Eigenthüͤmer, und dem, welchem dieſer das Vieh anvertraut, getheilt wird. Auch die Bauleberſchläge, Haͤndel und Preis Beſtimmungen(devis, marché ou prix kait, mittelſt welcher Jemand ein Werk fuͤr eine be⸗ ſtimmte Summe auszuführen unternimmt, ſind Mieth⸗ Kontrakte, wenn der, fur welchen die Arbeit geſchieht, den Stoff dazu liefert. Dieſe drei letzte Gattungen haben ihre beſondere Regeln. 1712. Die Pachtungen der National Guͤter, der Guͤter von Gemeinden und offentlichen Anſtalten ſind beſondern Verordnungen unterworfen. 3 weites Kapitel. Von der Vermiethung von Dingen. 1713. Man kann die Dinge aller Art, bewegliche ſowohl als unbewegliche, vermiethen „—— —.—.—— — 417— Erſter Abſchnitt. Regeln, welche auf die Miethe von Haͤuſern und die Verpach⸗ tung von Landgütern gleich anwendbar ſind. 1714. Man kann ſchriftlich oder muͤndlich ver⸗ miethen. 1715. Wenn eine Vermiethung, die nicht ſchrift⸗ lich aufgeſetzt worden iſt, und noch gar keinen Vollzug erhalten hat, von einer der Partheyen abgeläugnet wird, ſo darf der Beweis daruͤber nicht durch Zeugen erbracht werden, ſo gering auch immer der Mieth⸗ ſchilling ſeyn mag, und wenn gleich behauptet werden ſollte, daß Handgeld darauf gegeben worden: Blos kann demjenigen, der den Mieth Kontrakt làͤugnet, der Eid zugeſchoben werden. 1716. Wenn ſich uͤber den Miethſchilling einer muͤndlich abgeſchloſſenen Vermiethung, deren Vollzug bereits angefangen hat, ein Streit erhebt, und keine Quittung vorhanden iſt, ſo wird dem Eigenthuͤmer auf ſeinen Eidſchwur geglaubt; Wenn der Miether es anderſt nicht vorzieht, eine Schaͤtzung durch Werkverſtändige zu verlangen; in welchem Falle die Koſten der Abſchätzung ihm zur Laſt fallen, wenn die Abſchätzung den von ihm angegebenen Betrag uͤberſteigt. 17 17. Der Miether iſt zur Aftervermiethung be⸗ rechtigt; er hat ſogar das Recht, ſeine Miethe einem andern zu übertragen, wenn die Befugniß dazu ihm nicht unterſagt worden iſt. Sie kann ihm fuͤr das Garze oder auch nur fuͤr einen Theil unterſagt werden. Dieſe Klauſel iſt immer unerlaͤßlich. 1718. Die Artikel des Titels: vom EheVer⸗ trag und den gegenſeitigen Rechten der Ebegatten, in Betreff der Vermiethung der Civil Geſetzb. 27 Guͤter verheuratheter Weiber, find auf die Vermiethung, aller Guͤter anwendbar, die Minderjaͤhrigen zugehoͤren. 1719. Der Vermiether iſt, durch die Natur des Kontrakts, und ohne daß es dazu einer beſondern Stipulation beduͤrſte, verpflichtet: 1) Dem Miether die vermiethete Sache zu uͤber⸗ liefern; 2) Dieſe Sache in dem Stande zu erhalten, daß ſie zu dem Gebrauche, fuͤr welchen ſie gemiethet * worden iſt, dienlich bleibt; 3) Dem Miether den rubigen Beſitz derſelben waͤh⸗ rend der Dauer der Miethe zu verſchaffen. 1720. Der Vermiether iſt verbunden, die Sache in einem guten Zuſtande von Reparaturen aller Art zu uͤberliefern. Er muß, waͤhrend der Dauer der Miethe, alle Revaraturen, welche noͤthig werden koͤnnen, die dem Miether zur Laſt fallenden Unterhaltungs Reparaturen (réparations locatives) jedoch ausgenommen, ma⸗ chen laſſen. 1721. Der Miether iſt berechtigt, fuͤr alle Fehler oder Maͤngel der vermietheten Sache, welche den Ge⸗ brauch derſelben hindern, Gewaͤhrleiſtung zu fordern, ſelbſt wenn der Vermiether ſie zur Zeit der Vermie⸗ thung nicht gekannt haͤtte. Wenn aus dieſen Fehlern oder Maͤngeln ein Ver⸗ luſt fuͤr den Beſtänder entſteht, ſo iſt der Vermiether ihn zu entſchädigen verbunden. 1722. Wenn die vermiethete Sache waͤhrend der Dauer der Miethe durch einen Zufall ganz zerſtort wird, ſo hoͤrt der MiethKontrakt, kraft des Geſetzes, ohne weiteres auf; iſt ſie nur zum Theil zerſtort wor⸗ den, ſo kann der Miether nach Beſchaffenheit der Umſtande, entweder eine Verminderung des Mieth⸗ — 419— oder Pachtgeldes oder die Aufhebung des Mieth Kon⸗ traktes verlangen. In einem und dem anderen Falle findet keine Entſchädigung ſtatt. 1723. Der Vermiether darf, waͤhrend der Dauer des Beſtandes, die Form der vermietheten Sache nicht verändern. 1724. Wenn die vermiethete Sache, waͤhrend der Miethzeit, dringender Reparaturen bedarf, die ſich nicht bis zu Ende derſelben verſchieben laſſen, ſe muß der Miether ſie leiden, welche Unbequentlichkeit ſie ihm auch verurſachen moͤgen, und ohngeachtet er, waͤhrend ſie vorgenommen werden, eines Theils der vermietheten Sache beraubt ſeyn mag. Allein wenn dieſe Reparaturen laͤnger als vierzig Tage dauern, ſo muß der Pacht⸗oder Miethſchilling im Verhaͤltniß der Zeit und des Theiles der vermie⸗ theten Sache, den er waͤhrend der erſten entbehren mußte, vermindert werden. Wenn die Reparaturen von der Art ſind, daß ſie das, was dem Miether zu ſeiner und ſeiner Familie Wohnung noͤthig iſt, unbewohnbar machen, ſo kann dieſer die Aufhebung des MiethKontraktes verlangen. 1725. Der Vermiether iſt dem Miether fuͤr dieje⸗ nige Stoͤrung keine Gewaͤhrleiſtung ſchuldig, welche er von Seiten von dritten Perſonen, ohne daß dieſe irgend ein Recht auf die vermiethete Sache in Anſpruch nehmen, durch Thätlichkeiten erleiden koͤnnte; vorbe⸗ haltlich des Rechtes des Miethers, ſie in ſeinem per⸗ ſoͤnlichen Namen zu verfolgen. 1726. Wenn im Gegentheil der Miether oder Pacht⸗ Beſtänder in Gefolge einer Klage in Betreff des Ei⸗ genthums des Grund und Bodens in ſeinem Genuſſe geſtoͤrt worden iſt, ſo iſt er zu einer verhältnißmäſſigen Herabſetzung des Mieth⸗oder Pachtſchillings berech⸗ * tigt, vorausgeſetzt jedoch, daß die Störung und das Hinderniß dem Eigenthuͤmer veranzeigt worden ſind. 1727. Wenn die, welche die Thärlichkeiten veruͤbt haben, irgend ein Recht auf die vermiethete Sache in Anſpruch nehmen, oder wenn der Miether ſelbſt vorgeladen wird, um ſich zur Raͤumung des Ganzen oder eines Theiles derſelben, verurtheilen zu ſeben, oder um die Ausuͤbung irgend einer Dienſtbarkeit zu geſtatten, ſo muß er den Vermiether zur Gewaͤhrlei⸗ ſtung beiladen, und, wenn er es verlangt, auſſer den Prozeß verſetzt werden, ſobald er den Vermiether, in deſſen Namen er beſitzt, genannt hat. 728. Dem Miether liegen zwei HauptObliegen⸗ heiten ob: 1) Die gemiethete Sache als ein guter Famillen⸗ PVater und nach der Beſtimmung, die ihr im Mieth Kontrakte gegeben worden, oder, in Er⸗ mangelung einer Uebereinkunft, zu derjenigen, die nach den Umſtaͤnden vermuthet werden muß, zu gebrauchen. 2) Den Mieth⸗ oder Pachtſchilling zu den uͤberein⸗ gekommenen Friſten zu bezahlen. 1729. Wenn der Miether die gemiethete Sache zu einem andern Gebrauche als demjenigen, wozu ſie be⸗ ſtimmt worden iſt, oder zu einem ſolchen, woraus fuͤr den Vermiether ein Schaden entſtehen koͤnnte, verwen⸗ det, ſo kann dieſer, nach Beſchaffenheit der Umſtände, die Aufhebung des Mieth Kontraktes verlangen. 173b. Haben der Vermiether und der Miether eine Aufnahme der vermietheten Orte(un 6tat des lieux) errichten laſſen, ſo muß der Miether ſie in dem Zuſtande zuruͤckliefern, worin er ſie, dieſer Aufnahme zufolge„erhalten hat, mit Ausnahme desjenigen, was — 421— durch Alter oder hoͤhere Gewalt zu Grunde gegangen oder beſchaͤdigt(degradé) worden iſt. 1731. Iſt keine ſolche Aufnahme gemacht worden, ſo wird vermuthet, als habe der Miether alles in au⸗ tem Zuſtande, und gehoͤrig ausgebeſſert erhalten, und er muß alles in ſolchem Zuſtande zuruͤckliefern, vorbe⸗ haltlich des Beweiſes vom Gegentheile. 1732. Er iſt fuͤr alles, was waͤhrend ſeines Ge⸗ nuſſes beſchaͤdigt wird oder zu Grunde geht, verant⸗ wortlich, wenn er anderſt nicht beweißt, daß es ohne ſein Verſchulden geſchehen iſt. 1733. Er iſt fuͤr Brand verantwortlich, wenn er anderſt nicht beweißt: Daß die Feuersbrunſt durch Zufall oder hoͤhere Ge⸗ walt, oder durch einen Fehler in der Bauart, ent⸗ ſtanden iſt; Oder daß das Feuer aus einem benachbarten Hauſe mitgetheilt worden iſt. 1734. Wenn der Miether mehrere ſind, ſo ſind ſie alle ſolidariſch fuͤr Brand verantwortlich; Wenn ſie anderſt nicht beweiſen, daß das Feuer in der Wohnung eines von ihnen ausgekommen iſt, in welchem Falle dieſer allein dafuͤr verantwortlich iſt; Oder wenn anderſt einige nicht beweiſen, daß das Feuer bei ihnen nicht ausbrechen konnte, in welchem Falle dieſe nicht dafuͤr verantwortlich ſind. 1735. Der Miether haftet fuͤr das, was durch Per⸗ ſonen aus ſeinem Hauſe, oder durch ſeine Aftermiether beſchädigt wird, oder zu Grunde geht. 1736. Wenn der Mieth Kontrakt nicht niederge⸗ ſchrieben worden iſt, ſo kann ein Theil dem andern nicht anderſt, als mit Beobachtung der von dem Orts⸗ Gebrauch beſtimmten Zeitfriſten, aufkuͤndigen. 1737. Wenn der Mieth Kontrakt ſchriftlich aufge⸗ ſetzt worden iſt, ſo hoͤrt die Miethe kraft des Geſetzes mit dem Ablauf der darin beſtimmten Zeitfriſt auf, ohne daß eine Aufkuͤndigung noͤthig waͤre. 1738. Wenn bei Ablauf eines ſchriftlichen Mieth⸗ Kontraktes der Miether im Beſitz verbleibt, und darin gelaſſen wird, ſo entſteht dadurch ein neuer Mieth⸗ Kontrakt, deſſen Wirkungen durch den Artikel, in Betreff der nicht ſchriftlich abgefaßten Vermiethungen, regiert werden. 1739. Iſt aber dem Miether eine Aufkuͤndigung zugeſtellt worden, ſo kann er, wenn er gleich ſeinen Genuß fortgeſetzt hätte, keine ſtillſchweigende Erneu⸗ erung des Mieth Kontraktes in Anſpruch nehmen. 1740. In dem Falle der beiden vorhergehenden Ar⸗ tikel erſtreckt ſich die, zur Sicherheit der Miethe, ge⸗ ſtellte Buͤrgſchaft nicht auf die Obliegenheiten, die aus der Verlaͤngerung derſelben herflieſſen koͤnnen. 1741. Der Mieth Kontrakt iſt aufgeloͤßt, wenn die vermiethete Sache zu Grunde gegangen iſt, oder da⸗ durch, daß der Vermiether und Miether gegenſeitig die Verbindlichkeiten, wozu ſie ſich anheiſchig gemacht haben, nicht erfuͤllen. 1742. Der Mieth Kontrakt erliſcht weder durch den Tod des Vermiethers noch durch jenen des Miethers. 1743. Wenn der Vermiether die vermiethete Sache verkauft, ſo kann der Ankäufer den Paͤchter oder Mie⸗ ther, der einen authentiſchen Mieth Kontrakt hat, oder deſſen Mieth Kontrakt nur ein ſicheres Datum hat, nicht ausbiethen, es ſey denn, daß der Vermiether ſich im MiethKontrakt das Recht vorbehalten hatte. 1744. Wenn man bei Abſchluß des MiethKon⸗ traktes uͤhereingekommen iſt, daß im Falle eines Ver⸗ kaufes der Ankäufer den Paͤchter oder Miether ſolle c——— ausweiſen koͤnnen, und man hat uͤber die Entſchaͤdi⸗ gung nichts ausgemacht, ſo iſt der Vermiether ver⸗ bunden, den Pächter oder Miether auf folgende Weiſe zu entſchädigen: 1745. Wenn von einem Hauſe, Zimmer oder La⸗ den die Rede iſt, ſo zahlt der Vermiether dem ausge⸗ wieſenen Miether, als Entſchaͤdigung, eine Summe von dem Betrag der Miethe während derjenigen Zeit⸗ friſt, die nach dem Orts Gebrauch zwiſchen der Aufkuͤn⸗ digung und dem Ausziehen bewilligt iſt. 1746. Wenn von Feldguͤtern die Rede iſt, ſo iſt die Entſchaͤdigung, die der Vermiether dem Paͤchter zahlen muß, von dem dritten Theil des Pachtſchillings fur die ganze Zeit, die die Pachtung noch zu laufen hatte. 1747. Wenn von Manufakturen, Huͤttenwerken der andern Anlagen die Rede iſt, welche groſſen Vor⸗ ſchuß erfordern, ſo muß die Entſchaͤdigung von Werk⸗ verſtändigen beſtimmt werden⸗ 1748. Der Ankäufer, der von der, im Mieth⸗ Kontrakte vorbehaltenen Befugniß, den Pächter oder Miether im Falle eines Verkaufes auszuweiſen, Ge⸗ brauch machen will, iſt auſſerdem verbunden, dieſen Miether ſo lange zum Voraus davon zu benachrichti⸗ gen, als es an dem Orte fur Aufkuͤndigungen gebraͤuch⸗ lich iſt. Er muß den Pächter von Feldguͤtern gleichfalls, wenigſtens ein Jahr zum Voraus, davon benachrich⸗ tigen. 1749. Die Pächter und Miether koͤnnen nicht ver⸗ trieben werden, ehe der Vermiether, oder in deſſen Ermangelung, der neue Ankaͤufer, ihnen die hieroben beſtimmte Entſchaͤdigung bezahlt hat. 1750. Wenn der Mieth Kontrakt nicht in authenti⸗ — 424— ſcher Form iſt, oder kein gewiſſes Datum hat, ſo iſt der Ankaͤufer zu keiner Entſchaͤdigung verbunden. 1751. Der Ankaͤufer auf Wiederkauf kann von der Befugniß, den Miether auszuweiſen, eher nicht Ge⸗ brauch machen, als bis dahin er durch den Ablauf der zum Rückkauf feſtgeſetzten Zeitfriſt, unwiderruflich Eigenthuͤmer geworden iſt. 3 weiter Abſchnitt. Von den Regeln der MiethKontrakte insbeſondere. 1752. Wenn der Miether das gemiethete Haus nicht mit hinreichenden Moͤbeln beſetzt, ſo kann er ausgetrieben werden, wenn er anderſt nicht für den MiethZins befriedigende Sicherheit ſtellt. 1753. Der Aftermiether hat gegen den Eigenthu⸗ mer fuͤr nichts, als fuͤr denjenigen Betrag ſeiner After⸗ miethung zu ſtehen, den er im Augenblick eines ange⸗ legten Arreſtes noch ſchuldig ſeyn mag; er kann je⸗ doch dabei keine VorausZahlungen einwenden. Solche Zahlungen werden indeſſen nicht als Vor⸗ auszahlungen angeſehen, welche der Aftermiether, ent⸗ weder zufolge einer in ſeinem Mieth Kontrakt enthalte⸗ nen Bedingung, oder nach dem Orts Gebrauche, ge⸗ macht hat. 1754 Die kleine Ausbeſſerungen, oder die Un⸗ terhaltungskoſten, welche dem Miether zur Laſt fal⸗ ken,(wenn es nicht anderſt ausbedungen worden iſt) werden durch den OrtsGebrauch beſtimmt; unter an⸗ dern gehoͤren darunter: Die Reparaturen an den Feuerheerden, Ruͤckplatten (contre- coeurs) den Einfaſſungen und Geſimſen der Kamine; An dem Maoͤrtel, womit der untere Theil der Mauer in den Zimmern, und andern zur Wohnung dienenden Orten, uͤbertuͤncht iſt, bis zur Hoͤhe ei⸗ nes Meters; An den Platten und Flieſen(pavés et carreaux) der ZimmerBoͤden, wenn blos einige zerbrochen ſind; An den Fenſterſcheiben, wenn ſie anderſt nicht durch Hagelſchlag, oder andre auſſerordentliche, und von einer hoͤhern Gewalt herruͤhrende Zuſaͤlle, wofuͤr der Miether nicht angehalten werden kann, verbro⸗ chen worden ſind; An den Thuͤren, Fenſtern, Bretterwaͤnden, die zu Verſchlägen oder zur Verſchlieſſung der Kramlaͤden dienen, an den Thuͤrangeln, Riegeln und Schloͤſſern. 1755. Keine der Ausbeſſerungen, welche als La⸗ ſten der Miethe betrachtet werden, fällt dem Miether zur Laſt, wenn ſie nur durch Alter oder eine hoͤhere Gewalt noͤthig gemacht werden. 1756. Die Ausfegung von Brunnen und Abtritten faͤllt, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen worden iſt, dem Vermiether zur Laſt. 1757. Es wird dafuͤr erachtet, als ſey die Vermie⸗ thung von Moͤbeln, welche— werden, um ein ganzes Haus, ein ganzes Quartier, einen Kram⸗ laden, oder ſonſt irgend Zimmer damit zu beſetzen, fur dieſelbe Zeit geſchehen, auf welche man, dem Orts⸗ gebrauch gemaͤß, gewoͤhnlich Häuſer, HQuartiere, Kramlaͤden oder andere Zimmer zu vermiethen pflegt. 1758. Iſt ein moͤblirtes Zimmer vermiethet wor⸗ den, ſo wird dafuͤr erachtet, die Miethe ſey Jahr⸗ weiſe geſchehen, wenn ſie zu ſoviel jährlich abgeſchloſ⸗ ſen worden iſt; Monatweiſe, wenn ſie zu ſo viel den Monat, Tagweiſe, wenn ſie zu ſo viel den Tag abgeſchloſſen worden iſt. Wenn es aus nichts erhellt, ob die Miethe fuͤr ſo — 426— viel jaͤhrlich, monatlich oder taͤglich geſchehen ſey, ſo wird dafuͤr gehalten, als ſey die Miethe nach dem Orts Gebrauch abgeſchloſſen worden. 1759. Wenn der Miether eines Hauſes, oder eines Zimmers, ſeinen Genuß nach Ablauf des ſchriftlichen Mieth Kontraktes, und ohne Widerſetzlichkeit von Seiten des Vermiethers, fortſetzt, ſo wird dafuͤr ge⸗ halten, als habe er das Haus oder die Wohnung auf die durch den OrtsGebrauch beſtimmte Zeit zu denſel⸗ ben Bedingungen wie vorher, aufs neue gemiethet, und er kann dieſelbe, ohne vorherige Aufkuͤndigung, welche in der durch den OrtsGebrauch beſtimmten Zeit geſchehen muß, weder verlaſſen, noch daraus vertrie⸗ ben werden. 1760. Im Falle der Wiederaufhebung des Kon⸗ traktes durch die Schuld des Miethers, iſt dieſer, allen Schadloshaltungen ohnbeſchadet, zu welchen ſein Mißbrauch ſtatt geben kann, auch noch gehalten, die Miethe waͤhrend der zur Wiedervermiethung erforder⸗ lichen Zeit zu bezahlen. 1761. Der Vermiether kann, wenn er es ſich nicht ausbedungen hat, den Mieth Kontrakt nicht aufheben, wenn er gleich erklären wuͤrde, das vermiethete Haus ſelbſt beziehen zu wollen. 1762. Hat der Vermiether ſich im Mieth Kontrakt das Recht ausbedungen, das Haus ſelbſt beziehen zu koͤnnen, ſo iſt er doch gehalten, voraus, in der von dem OrtsGebrauch beſtimmten Zeit, eine Aufkuͤndi⸗ gung zu erlaſſen. Dritter Abſchnitt. Von den Regeln der Pacht Kontrakte insbeſondere. 1763. Wer unter der Bedingung einer Theilung der Fruͤchte mit dem Verpachter baut, kann weder un⸗ terverpachten, noch ſeine Pachtung einem anbern uͤber⸗ tragen, wenn nicht ſein Pacht Brief ihm dieſe Befug⸗ niß ausdruͤcklich ertheilt. 1764. Im Falle der Zuwiderhandlung iſt der Ei⸗ genthuͤmer berechtigt, in den Genuß wiedereinzutreten, und der Pächter wird zur völligen Schadloshaltung fuͤr den NichtVollzug des Pach⸗Kontraktes verurtheilt⸗ 765. Wenn in einem Pachtbriefe ein groͤſſerer oder geringerer Flächen Inhalt des verpachteten Grund⸗ ſtuͤcks angegeben wird, als daſſelbe wirklich hat, ſo findet nur in den Fällen und nach den Regeln, welche im Titel: von dem Verkaufe angefuͤhrt ſind, eine Erhoͤhung oder Verminderung des Pachtſchillings ſtatt. 1766. Wenn der Paͤchter eines Landgutes daſſelbe nicht mit dem zu ſeinem Anbaue erforderlichen Vieh⸗ ſtande und den noͤthigen Geräthſchaften verſieht, wenn er es ungebaut liegen laͤßt, wenn er daſſelbe nicht als ein guter Familien Vater baut, wenn er den gepachte⸗ ten Gegenſtand nicht nach ſeiner Beſtimmung, ſondern zu einem andern Zwecke braucht, oder im Allgemeinen, wenn er die Bedingungen des Pachtbriefes nicht er⸗ fullt, und daraus dem Verpaͤchter ein Schaden zu⸗ wäͤchſt, ſo kann dieſer, nach Beſchaffenheit der Um⸗ ſtände, die Pachtung wieder aufheben laſſen. Wenn die Aufhebung durch die Schuld des Paͤch⸗ ters geſchieht, ſo iſt dieſer, nach der Vorſchrift des Art. 1764., zur voͤlligen Schadloshaltung verbunden. 1767. Jeder Pächter eines Landgutes iſt verbunden, an den von dem Pachtbrief dazu beſtimmten Orten, und nicht anderſtwohin, einzuſcheuern. 1768. Der Pächter eines Landgutes iſt, unter Strafe aller Koſten und voͤlliger Schadloshaltung, verbunden, den Eigenthuͤmer von den Uſurpationen zu bemaͤchtigen, die gegen ſeine Grundſtuͤcke unternom⸗ men werden koͤnnten. Dieſe Benachrichtigung muß in derſelben Zeitfriſt ertheilt werden, welche im Falle einer gerichtlichen La⸗ dung, ruͤckſichtlich auf die Entfernung der Orte, vor⸗ geſchrieben iſt. 1769. Wenn der Pacht Kontrakt auf mehrere Jahre geſchloſſen iſt, und waͤhrend der Dauer der Pachtzeit eine Aerndte ganz oder doch wenigſtens zur Hälfte dem Paͤchter durch einen Zufall entgeht, ſo kann dieſer einen Nachlaß von ſeinem Pachtſchilling verlangen, den Fall ausgenommen, daß er durch die vorhergehen⸗ de Aerndte entſchaͤdigt waͤre. Iſt er nicht entſchaͤdigt, ſo kann die Schaͤtzung des Nachlaſſes erſt zu Ende der PachtgZeit geſchehen, wo⸗ bei eine Kompenſation des Genuſſes von allen Pacht⸗ Jahren eintritt. Der Richter kann jedoch den Pächter einſtweilen von der Zahlung eines Theiles des Pachtſchillings, nach Verhaͤltniß des erlittenen Verluſtes, freigeben. 1770. Iſt der Pacht nur auf ein Jahr geſchloſſen, und die Aerndte geht ganz oder doch wenigſtens zur Haͤlfte verloren, ſo muß dem Pächter ein verhältniß⸗ mäſſiger Theil des Pachtſchillings nachgelaſſen werden. Wenn der Verluſt unter der Hälfte iſt, ſo kann er gar keinen Nachlaß fordern. 1771. Der Pächter kann keinen Rachlaß erhalten, wenn der Verluſt der Fruͤchte erſt dann ſtatt findet, wenn ſie ſchon von der Erde getrennt ſind, wenn an⸗ derſt der Pacht Kontrakt nicht dem Eigenthuͤmer einen gewiſſen Theil der Aerndte in Natur bewilligt; in wel⸗ chem Falle der Eigenthuͤmer den Verluſt fuͤr ſeinen Antheil tragen helſen muß, vorausgeſetzt jedoch, daß der Paͤchter nicht im Ruͤckſtande war, ihm ſeinen An⸗ theil an der Aerndte zu liefern. Der Pächter kann auch dann keinen Nachlaß an⸗ verlangen, wenn die Urſache des Verluſtes ſchon zur Zeit des Abſchluſſes des Pacht Kontraktes beſtand und bekannt war. 1752. Die Zufaͤlle koͤnnen durch eine beſondere Stipulation dem Päͤchter zur Laſt gelegt werden. 1773. Eine ſolche Stipulation verſteht ſich jedoch nur von gewoͤhnlichen Zufallen, als da ſind: Hagel, Blitz, Froſt, und das Abfallen der Trauben Beeren. Sie verſteht ſich nicht von auſſerordentlichen Zufal⸗ len, als da ſind: die Verheerungen des Kriegs, Ue⸗ berſchwemmungen, welchen die Gegend gewoͤhnlich nicht unterworfen iſt, wenn anderſt der Pächter nicht alle, vorgeſehene oder unvorgeſehene, Zufaͤlle uͤber ſich genommen hat. 1774. Von einer muͤndlichen Verpachtung eines Feldgutes wird erachtet, als ſey ſie auf die Zeit abge⸗ ſchloſſen, deren der Pächter noͤthig hat, um alle Fruͤchte des gepachteten Gutes einzuerndten. Demnach wird, wenn von der Verpachtung einer Wieſe, oder jedes andern Grundſtuͤcks, deſſen Fruͤch⸗ te ganz im Laufe des Jahres eingeärndtet werden, die Rede iſt, erachtet, als ſey ſie auf ein Jahr abgeſchloſſen. Iſt aber von Ackerland die Rede, ſo wird, wenn dieſes in Flur⸗und Brachland(par soles ou saisons, in Schlaͤge oder Arten) eingetheilt iſt, dafuͤr erachtet, als ſey die Verpachtung auf ſo viele Jahre geſchehen, als es Schlaͤge giebt. 1775. Jede Verpachtung von Grundſtuͤcken hoͤrt, wenn ſie gleich muͤndlich abgeſchloſſen worden, doch von Rechtswegen und kraft des Geſetzes mit dem Ablaufe der Zeit, auf welche ſie in Gemäßheit des vorherge⸗ — 430— henden Artikels abgeſchloſſen worden zu ſeyn erachtet wird, auf. 1776. Wenn der Pächter bei dem Ablaufe von ſchriftlichen Pacht Kontrakten im Beſitze bleibt, und darin gelaſſen wird, ſo entſteht daraus eine neue Pach⸗ tung, deren Wirkungen durch den Artikel 1774. regu⸗ lirt werden. 1777. Der abgehende Paͤchter muß ſeinem Nach⸗ folger in dem Feldbaue eine angemeſſene Wohnung und andere Bequemlichkeiten fuͤr die Arbeiten des fol⸗ genden Jahrs uͤberlaſſen; und gegenſeitig muß der ein⸗ tretende Pächter dem abgehenden eine angemeſſene Wohnung und andere Bequemlichkeiten zum Ver⸗ brauch ſeines Futters und zur Einſammlung der Aernd⸗ ten, die er noch einzuthun hat, verſchaffen. In beiden Fällen hat man ſich nach dem Orts⸗ Gebrauch zu richten. 1778. Der abgehende Paͤchter muß das Stroh und die Miſtung, welche vom letzten Jahre herruhren, dann gleichſalls zuruͤcklaſſen, wenn er ſie bei ſeinem Eintritt in den Genuß erhalten hat; wenn er ſie aber auch damals nicht erhalten hatte, ſo iſt der Eigenthuͤ⸗ mer doch immer berechtigt, ſie im Abſchätzungs Preiſe zuruͤckzubehalten. Drittes Kapitel. Von dem MiethKontrakte uͤber Arbeiten und Induſtrie. 1779. Es giebt drei HauptGattungen des Mieth⸗ Kontraktes uͤber Arbeit und Induſtrie: 1) Die Verdingung von Arbeitsleuten, die in den Dienſt eines andern eintreten; 2) Der Kontrakt mit Fuhrleuten und Schiffern, die den Transport von Perſonen oder Waaren uͤbernehmen; . 3) Der mit Unternehmern, welche nach vorherigem Anſchlag oder durch einen Vertrag ein Werk dar⸗ zuſtellen uͤbernehmen. t. Von der Verdingung von Dienſtboten und Arbeitsleuten. 1780. Man kann ſeine Dienſte nur auf eine be⸗ ſtimmte Zeit oder fuͤr eine beſtimmte Unternehmung verdingen. 17781. Es wird dem Herrn uͤber den Betrag des Dienſtlohns; uͤber die Zahlung des Lohns des verfloſſenen Jahrs, und uͤber die abfchägliche Zahlungen auf den Lohn des laufenden Jahrs auf ſeinen Eidſchwur geglaubt. 3 weiter Abſchnitt. Von den Fuhrleuten und Schiffern. 1782. Die Fuhrleute und Schiffleute ſind, in Hin⸗ ſicht auf die Aufbewahrung und Erhaltung der Sachen, welche ihnen anvertraut werden, denſelben Obliegen⸗ heiten wie die Wirthe, unterworfen, von welchen im Titel: von dem Depot und der Sequeſtra⸗ tion die Rede iſt. 1783. Sie ſind nicht allein fuͤr dasjenige verant⸗ wortlich, was ſie ſchon in ihr Schiff oder auf ihre Fuhre aufgenommen haben, ſondern auch fuͤr das, was ihnen im Hafen, oder in ihrer Niederlage uͤber⸗ geben worden iſt, um in ihr Schiff oder auf ihre Fuhre geladen zu weppen. 17g4. Sie ſind fuͤr den Verluſt und die Beſchädi⸗ gungen(avarie, Haferei) der ihnen anvertrauten Gegenſtände verantwortlich, wenn ſie anderſt nicht beweiſen, daß ſie durch Zufall oder höhere Gewalt verloren oder beſchaͤdigt worden ſind. — 1785. Die Unternehmer von öffentlichen Wagen oder Marktſchiffen und die von öffentlichen Frachtwä⸗ gen, muſſen uͤber das Geld, die Effekten und Pakete, welche ſie uͤbernehmen, ein Regiſter halten⸗ 1786. Die Unternehmer und Direktoren von oͤffent⸗ lichen Wagen, die Eigenthuͤmer von Kähnen und Schiffen ſind auſſerdem beſondern Verordnungen un⸗ terworfen, die zwiſchen ihnen und den uͤbrigen Buͤr⸗ gern zur Richtſchnur dienen.(als Geſetz gelten.) Dritter Abſchnitt. Von VauAnſchlägen und Verträgen uͤber beſondere Unter⸗ nehmungen. 1787. Wenn man Jemanden eine Arbeit uͤberträgt, ſo kann man uͤbereinkommen, daß er blos ſeine Arbeit oder ſeine Induſtrie dazu hergeben ſoll, oder aber daß er auch den Stoff dazu zu liefern habe. 1788. Wenn in dem Falle, wo der Arbeiter den Stoff liefert, die Sache auf irgend eine Art vor ihrer Ablieferung zu Grunde geht, ſo fällt der Verluſt auf den Arbeiter, es ſey denn, daß der Herr ſich im Verzug befaͤnde, die Sache zu empfangen. 1789. Wenn dann, wenn der Arbeiter blos ſeine Arbeit oder ſeine Induſtrie hergiebt, die Sache zu Grunde geht, ſo iſt der Arbeiter fur nichts, als ſeine eigene Schuld verantwortlich. 1790. Wenn die Sache in dem Falle des vorher⸗ gehenden Artikels, ob gleich ohne alle Schuld von Seiten des Arbetters, zu Grunde geht, ehe die Ar⸗ beit angenommen worden war, und ohne daß der Ei⸗ genthuͤmer derſelben ſich in Verzug befände, ſie zu unterſuchen, ſo kann der Arbeiter keinen Arbeitslohn fordern, es ſey denn, daß die Sache durch einen Fehler des Stoffes zu Grunde gegangen waͤre. 1791. Wenn von einer Arbeit die Rede iſt, die aus mehreren Theilen beſteht, oder nach dem Maaſe gefertiget wird, ſo kann dieſelbe auch theilweiſe unter⸗ ſucht und verifizirt werden; wenn der Eigenthuͤmer den Arbeiter fur die ſchon verfertigte Arbeit verhältniß⸗ mäſſig bezahlt, ſo wird dafuͤr erachtet, als ſey alles das, was bereits bezahlt iſt, auch vorher unterſucht und angenommen worden. 1792. Wenn ein, fuͤr einen beſtimmten Preis, aufgeſtiftes Gebaͤude durch einen Fehler der Bauart, oder ſelbſt durch einen Fehler des Grund und Bodens, ganz oder zum Theil, zu Grunde geht, ſo iſt der Bau⸗ meiſter und Unternehmer während zehn Jahren ver⸗ antwortlich daſuͤr. 1793. Wenn ein Baumeiſter oder ein Unterneh⸗ mer die Auffuͤhrung eines Gebaͤudes nach einem mit dem Eigenthuͤmer uͤbereingekommenen und feſtgeſetzten Plan fuͤr einen im Bauſch und Bogen(à korkait) be⸗ ſtimmten Preis uͤbernommen hat, ſo kann er weder unter dem Vorwande, daß der Arbeitslohn oder der Preis der Materialien geſtiegen ſey, noch unter dem, daß an dem Plan Veraͤnderungen oder Zuſaͤtze gemacht worden wären, irgend eine Erhoͤhung des Preiſes fordern, wenn er anderſt zu dieſen Veraͤnderungen oder Zuſaͤtzen nicht ſchriftlich ermaͤchtigt worden, und uͤber den Preis derſelben mit dem Eigenthuͤmer uͤber⸗ eingekommen iſt. 1794. Der Beſteller kann, ganz nach ſeinem eige⸗ nen Belieben, einen ſolchen, auf Bauſch und Bo⸗ gen abgeſchloſſenen, Handel wieder aufheben, wenn gleich das Werk ſchon angefangen iſt, wenn er den Unternehmer nur fuͤr alle ſeine Auslagen, ſeine ganze Arbeit, und fuͤr alles, was er bei der Unternehmung haͤtte gewinnen koͤnnen, entſchaͤdigt. Civil Geſetzb. 28 — 434— 1795. Jeder Mieth Kontrakt, der eine Arbeit oder ein Unternehmen zum Gegenſtand hat, erliſcht durch den Tod des Arbeiters, des Baumeiſters oder Unternehmers. 1796. Allein der Beſteller iſt gehalten, den Erben den Werth der ſchon gefertigten Arbeit und den der bereits zubereiteten Materialien, verhältnißmäßig nach dem in der Uebereinkunft bedungenen Preiſe zu bezah⸗ len, jedoch nur dann, wenn dieſe Arbeiten oder dieſe Materialien ihm dienen koͤnnen. 1797. Jeder Unternehmer ſteht fur die Handlungen der Leute, die er anſtellt. 1798. Die Maurer, Zimmerleute und andere Ar⸗ beitsleute, welche bei Auffuͤhrung eines Gebaudes oder anderer, von Jemand unternommenen, Arbeiten, gebraucht worden ſind, haben gegen den, fuͤr welchen das Gebaͤude oder das Werk aufgefuhrt wird, kein weiteres Klagrecht, als bis zur Konkurrenz desjenigen, was er in dem Augenblicke, wo ihre Klage angeſtellt wird, dem Unternehmer ſchuldig iſt. 1799. Die Maurer, Zimmerleute, Schloſſer und andere Arbeitsleute, welche unmittelbar uͤber ihre Ar⸗ beit Kontrakte zu einem beſtimmten Preis abzuſchlieſ⸗ ſen pflegen, ſind den in gegenwärtigem Abſchnitt ent⸗ haltenen Regeln unterworfen; ſie ſind fuͤr denienigen Theil, woruber ſie kontrabiren, ſelbſt Unternehmer. Viertes Kapitel. Von dem Verpachten des Viehes, (du bail à cheptel.) Erſter Abſchnitt. Allgemeiue Verfügungen. 1800. Die Vieh Pachtung iſt ein Kontrakt, wo⸗ durch einer dem andern, unter den zwiſchen ihnen ver⸗ abredeten Bedingungen, Vieh zu halten, zu fuͤttern und zu beſorgen giebt. 1801. Es giebt mehrere Gattungen der Vieh⸗ Pachtung: Die einfache oder gewoͤhnliche Pachtung(cheptel simple ou ordinaire); Die Pachtung zur Hälfte(cheptel à moitié); Die Verpachtung an den Paͤchter oder den Land⸗ mann, der fuͤr einen Theil der Fruͤchte baut. Endlich giebt es noch einen vierten Kontrakt, der nur uneigentlich ViehPachtung genannt wird. 1802. Man kann jede Gattung von Vieh, das Zuwachs bringen oder im Feldbau oder Handel Vor⸗ theil bringen kann, verpachten. 1803. In Ermangelung einer beſondern Ueberein⸗ kunft wird dieſer Kontrakt nach folgenden Grundſatzen regulirt. Zweiter Abſchnitt. Von der einfachen ViehPachtung. 1804. Die gewoͤhnliche Vieh Pachtung iſt ein Kon⸗ trakt, wodurch einer dem andern unter der Bedingung Vieh zu halten, zu fuͤttern und zu beſorgen giebt, daß der Paͤchter die Haͤlfte des Zuwachſes an jungem Pieh fuͤr ſich behalten, und eben ſo die Hälfte des Verlu⸗ ſtes tragen ſoll. 1go5. Iſt im PachtKontrakte eine Abſchaͤtzung enthalten, ſo uͤbertraͤgt dieſe darum doch dem Paͤchter das Eigenthum nicht; ſie hat nur zum Zweck, den Verluſt oder den Vortheil zu beſtimmen, der ſich zu Ende der Pachtung ergeben kann⸗ 1806. Der Pächter muß, als ein guter Hausva⸗ ter, fuͤr die Erhaltung des ihm verpachteten Viehes Sorge tragen. —— 1807. Er haftet für Zufaͤlle nur dann, wenn ir⸗ gend ein Fehler von ſeiner Seite vorhergegangen iſt, ohne welchen der Verluſt nicht erfolgt ſeyn wuͤrde. 1808. Wenn ſich ein Streit darüber erhebt, ſo muß der Pächter den Zufall und der Verpaͤchter den Fehler, den er dem Pächter zur Laſt legt, erweiſen⸗ 1809. Wenn der Paͤchter wegen dem Zufall freige⸗ geben wird, ſo iſt er doch immer uͤber die Haͤute der Thiere Rechnung ſchuldig. 1g10. Wenn alles gepachtete Vieh, ohne Verſchul⸗ den des Paͤchters, zu Grunde geht, ſo fallt der Ver⸗ luſt ganz auf den Verpaͤchter. Geht es nur zum Theil zu Grunde, ſo muß der Verluſt, nach dem Preis der urſprunglichen Abſchaͤ⸗ tzung und dem der Abſchäͤtzung, die zu Ende der Pach⸗ tung geſchieht, gemeinſchaftlich getragen werden. I81r. Man kann nicht ſtipuliren, daß der Pächter den ganzen Verluſt tragen ſoll, wenn alles gepachtete Vieh, obgleich durch Zufall und ohne ſeine Schuld, zu Grunde geht; Oder daß er einen groſſern Antheil am Verluſte tragen ſoll, als er an dem Gewinne erhaͤlt; Oder daß der Verpaͤchter zu Ende der Pachtung etwas mehr, als das von ihm bingegebene Vieh zum voraus nehmen ſoll. Jede ſolche Uebereinkunft iſt nichtig. Der Pächter allein genießt den Vortheil von der Milch, dem Miſt und der Arbeit des gepachteten Viehes. Die Wolle und der Zuwachs von Jungen wird getheilt. 1812. Der Pächter kann uͤber kein Stuͤck aus der Heerde, weder von dem urſprunglichen Stamme, noch vom Zuwachs, anderſt als mit Einwilligung des Ver⸗ — 1— pichters verfuͤgen; dieſer letztere darf ſelbſt nicht ohne Einwilligung des Paͤchters daruͤber verfuͤgen. 1813. Wenn man dem Paͤchter eines andern Vieh in Pachtung giebt, ſo muß man dem Eigenthuͤmer, von welchem dieſer Pächter gepachtet hat, es veranzei⸗ gen; widrigenfalls dieſer das gepachtete Vieh fuͤr das, was ſein Pächter ihm ſchuldig ſeyn mag, pfaͤnden und verkaufen laſſen kann. 1814. Der Pächter darf nicht ſcheeren, ohne den Verpaͤchter davon zu benachrichtigen. 1815. Wenn die Uebereinkunft die Dauer der Pach⸗ tung nicht beſtimmt hat, ſo wird dafuͤr erachtet, als ſey ſie auf drei Jahre geſchloſſen. 1816. Der Verpaͤchter kann auch fruͤher ihre Auf⸗ hebung verlangen, wenn der Paͤchter ſeine Obliegen⸗ heiten nicht erfuͤllt. 1817. Zu Ende der Pachtung oder im Falle ihrer Wiederaufhebung wird das verpachtete Vieh nochmal abgeſchätzt. Der Verpaͤchter kann bis zur Konkurrenz der erſten Abſchaͤtzung, Vieh von jeder Gatthng vorabnehmen. Das uͤbrige wird getheilt. Reicht das vorhandene Vieh nicht an den Betrag der erſten Schatzung, ſo nimmt der Verpaͤchter hin, was ůͤbrig iſt, und die Partheyen berechnen ſich üͤber den Verluſt. Dritter Abſchnitt. Von der PiehPachtung zur Hälfte. 1818. Die ViehPachtung zur Hälfte iſt eine Ge⸗ ſellſchaft, in welche jeder der Kontrahenten die Hälfte des Viehs einſchießt, welcher alsdann fuͤr Gewinn und Verluſt gemeinſchaftlich bleibt. 1319. Der Pächter genießt, wie bei der einfachen — 4— Vieh Pachtung, gllein den Vortheil von der Milch, dem Duͤnger und der Arbeit des Viehs. Der Verpächter hat nur auf die Hälfte der Wolle und des Zuwachſes ein Recht. Jede dem zuwiderlaufende Uebereinkuuft iſt nichtig, wenn anderſt nicht der Verpächter Eigenthuͤmer des Hofes iſt, den der Pächter als Hofmann oder fuͤr einen Theil der Fruͤchte in Beſtand hat. 1820. Alle andere Regeln der einfachen ViehPach⸗ tung ſind auf die Vieb Pachtung zur Haͤlfte anwendbar. Vierter Abſchnitt. Von der Verpachtung von Vieh an ſeinen Pächter oder an den! der fuͤr einen Theil der Fruͤchte baut. Von der Verpachtung von Vieh an den Pächter. 1321. Eine ſolche Viehpachtung(die auch die ei⸗ ſerne ViehPachtung heißt) iſt die, wodurch der Eigenthuͤmer eines Hofes ihn unter der Bedingung in Beſtand giebt, daß der Pächter bei Ablauf des PachtK ontraktes Vieh von demſelben Werthe zuruͤck⸗ laſſen ſoll, auf welchen das, was er erhalten hat, geſchaͤtzt worden iſt. 1822. Die Abſchäͤtzung des dem Pächter in Pach⸗ tung gegebenen Viehs uͤberträgt zwar das Eigenthum deſſelben nicht auf ihn uͤber, aber die Gefahr des hin⸗ gegebenen Viehs geht dadurch auf ihn uber. 1823. Wenn keine andere Uebereinkunft vorliegt, ſo gehoͤrt aller Vortheil des Viehs während der Dauer der Pachtung dem Paͤchter. 1824. Bei der Verpachtung von Vieh an den Pächter gehoͤrt der Duͤnger nicht unter die perſoͤnliche Vortheile des Pächters, ſondern er gehort dem Land⸗ gute, und muß einzig und allein zu deſſen Anbaue verwendet werden. 1825. Wenn keine andere Uebereinkunſt vor⸗egt, ſo fällt der Verluſt, ſelbſt der von allem Vieh, und ſelbſt, wenn er von einem Zuſalle herruͤhrt, allein auf den Pächter. 1826. Zu Ende der Pachtung kann der Pächter das Vieh nicht gegen Zahlung des erſten Schaͤtzungs⸗ Preißes zuruͤckbehalten; ſondern er muß Vieb von gleichem Werthe, wie das, was er erhalten hat, zu⸗ ruͤcklaſſen. Wenn etwas abgeht, ſo muß er es durch Zahlung ausgleichen; nur der Ueberwerth gehoͤrt ihm zu. 5.. Pon der Verpachtung von Vieh an den, der fuͤr einen Theil der Fruͤchte baut 1827. Wenn das gepachtete Vieh ohne Schuld des Anbauers ganz zu Grunde geht, ſo fallt der Verluſt auf den Verpaächter. 1828. Man kann ſtipuliren, daß der Anbauer dem PVerpaͤchter ſeinen Antheil an der Schur um einen ge⸗ ringeren Preiß als den gewoͤhnlichen uͤberlaſſen ſolle; daß der Verpächter einen groͤſſeren Antheil am Nutzen haben ſoll; daß er die Haͤlfte der Milch erhalten ſoll; aber man kann nicht ſtipuliren, daß aller Verluſt auf den Anbauer fallen ſoll. 1829. Dieſe Pachtung endigt ſich mit der des Ho⸗ fes. 1830. Sie iſt uͤbrigens allen Regeln der Vieh⸗ Pachtung unterworfen. Fünfter Abſchnitt. Pon dem Kontrakte, der im nneigentlichen Sinne ViehPach tung genannt wird. 1831. Wenn man eine oder mehrere Kuͤhe einem andern giebt, um ſie zu halten und zu fuͤttern, ſo be⸗ haͤlt der Verpaͤchter das Eigenthum derſelben; er hat keinen andern Vortheil zu beziehen, als die von die⸗ ſen Kuͤhen geworfene Kälber. Neunter Titel. Von dem GeſellſchaftsVertrag. Dekretirt am(17. Ventoſe 12.) 3. Maͤrz 1804. verkündigt am G7 18. deſſelben Monats. Er ſe Allgemeine Verfuͤgungen. 1332. Jede Geſellſchaft iſt ein Vertrag, wodurch zwei oder mehrere Perſonen uͤbereinkommen, etwas in der Abſicht zuſammenzutragen, um den Vortheil, der daraus entſpringen kann, zu theilen. 1833. Jede Geſellſchaft muß einen erlaubten Ge⸗ genſtand haben und fur das gemeinſcha ftliche Intereſſe der Parthien kontrahirt worden ſeyn. Jeder Geſellſchafter muß entweder Geld, oder an⸗ dere Guͤter, oder ſeine Induſtrie zu der Geſellſchaft beitragen. 1834. Jeder Geſellſchafts Vertrag muß, wenn die Geſellſchaft einen Gegenſtand von mehr als hundert fuͤnfzig Franken an Werth hat, ſchriftlich abgefaßt werden. Der Zeugenbeweiß iſt ſowohl gegen den Inhalt des GeſellſchaftsVertrags und uͤber das, was nicht darin enthalten iſt, als auch uͤber alles, was vor, bei oder nach der Abfaſſung geſagt worden ſeyn ſoll, nicht zulaſſig, wenn es ſich gleich von einer Summe oder einem Werth von weniger als hundert und fuͤnfzig Franken handelt. Zweites Kapitel. Von den verſchiedenen Gattungen von Geſellſchaften. 1835. Es giebt allgemeine und beſondereGeſellſchaften. — 441— Erſter Abſchnitt⸗ Von allgemeinen Geſellſchaften. 1836. Man unterſcheidet zwei Gattungen von all⸗ gemeinen Geſellſchaften: die Geſellſchaft, welche alles gegenwärtige Vermoͤgen begreift, und die Univerſal⸗ geſellſchaft alles Gewinnſtes. 1837. Eine Geſellſchaft uͤber alles gegenwärtige Vermoͤgen iſt diejenige, wodurch die Parthie alle ihr bewegliches und unbewegliches Vermoͤgen, welches ſie wirklich beſitzen, und alle Vortheile, welche ſie daraus ziehen können, in die Gemeinſchaft hingeben. Sie koͤnnen auch den Gewinn von jeder andern Art darin begreifen; allein von benjenigen Guͤtern, welche ihnen durch Erbſchaft, Schenkungen oder Vermächt⸗ niſſe zufallen, kommt nur der Genuß in die Geſellſchaft! Jede Stipulation, die zum Zweck hätte, das Eigen⸗ thum dieſer Guͤter darein einzubringen, iſt verboten, ausgenommen zwiſchen Ehegatten, in Gemaͤßheit deſſen, was in ihrer Hinſicht regulirt worden iſt. 1838. Eine Univerſa Geſellſchaft fur allen Gewinn begreift alles, was die Parthieen durch ihre Induſtrie, unter welchem Titel es auch ſeyu mag, während der Dauer der Geſellſchaft, erwerben; die Mobiliarſchaft, welche jeder der Geſellſchafter zur Zeit des Kontraktes beſitzt, iſt ebenfalls darin einbegriſſen; allein von den ihnen perſoͤnlich zugehörigen Immoͤbeln fällt bloß der Genuß in die Geſellſchaft. 1839. Ein univerſeller GeſellſchaftsVertrag, der ſchlechthin und ohne weitere Erklärung abgeſchloſſen worden iſt, bewirkt bloß eine UniverſalGeſellſchaft des Gewinnſtes. 1840. Eine Univerſal Geſellſchaft kann nur zwiſchen ſolchen Perſonen ſtatt finden, welche gegenſeitig die Fähigkeit haben, ſich zu ſchenken, oder von einander — 441— zu erhalten, und welchen es nicht verboten iſt, ſich zum Rachtheil anderer Perſonen Vortheil zu verſchaffen. 3 weiter Abſchnitt. Von der PartikularGeſellſchaft. 1841. Eine PartikularGeſellſchaft iſt diejenige, die ſich nur auf gewiſſe beſtimmte Dinge, oder auf ihren Gebrauch, oder auf die davon herruͤhrende Fruͤchte, bezieht. 1542. Auch der Kontrakt, wodurch mehrere Per⸗ ſonen, entweder fuͤr eine beſtimmte Unternehmung, oder fuͤr die Ausuͤbung eines Handwerkes oder einer Profeſſion, in Geſellſchaft treten, iſt eine Partikular⸗ Geſellſchaft. Drittes Kapitel. Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchafter ſowohl untereinander, als in Hinſicht auf jeden Dritten. Srrſter Ab ſchnitt. Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchafter untereinander. 1843. Jede Geſellſchaft nimmt im Augenblick des Kontraktes ihren Anfang, wenn dieſer nicht eine an⸗ dere Epoche beſtimmt. 1844. Wenn uͤber die Dauer der Geſelſchaft kei⸗ ne Uebereinkunft vorhanden iſt, ſo wird, unter der im Artikel 1869 enthaltenen Modiſikation dafuͤr ge⸗ halten, als ſei ſie fuͤr die ganze Lebenszeit der Geſell⸗ ſchafter geſchloſſen worden; oder, wenn ſie ſich auf ein Geſchäft, deſſen Dauer beſchrankt iſt, bezieht, auf die ganze Zeit, welche dieſes Geſchäft dauern wird. 1845. Jeder Geſellſchafter iſt für alles das, was er in die Geſellſchaft zu bringen hat, Schuldner der Geſellſchaft. Wenn dieſes Einbringen in einem beſtimmten Ge⸗ — 443— genſtande beſteht, und die Geſellſchaſt dieſen durch Eviktion verliert, ſo iſt der Geſellſchafter der Geſell⸗ ſchaſt auf dieſelbe Art und Weiſe, wie der Verkäufer dem Kaͤufer, Gewaͤhrleiſtung ſchuldig. 1846. Wenn ein Geſellſchafter eine Summe in die Geſellſchaft einſchießen ſollte, und dies nicht gethan hat, ſo iſt er kraft des Geſetzes, und ohne Anforderung, von dem Tage, wo die Summe bezahlt werden ſollte, die Zinſen davon ſchuldig. Daſſelbe gilt von denjenigen Snmmen, die er aus der Kaſſe der Geſellſchaft bezogen hat, von dem Tage an, wo er ſie zu ſeinem perſoͤnlichen Vortheil aus ber⸗ ſelben erhoben hat; alles einer weitern Schadloshal· tung, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, ohnbeſchadet. 1847. Die Geſellſchafter, welche ſich verbindlich gemacht haben, ihre Induſtrie in die Geſellſchaft ein⸗ zubringen, ſind ihr auch uͤber jeden Gewinn, den ſie durch die Gattung von Induſtrie, welche der Gegen⸗ ſtand der Geſellſchaft iſt, gemacht haben, Rechnung ſchuldig. 1848. Wenn einer der Geſellſchafter, fuͤr ſeine Pri⸗ vat⸗Rechnung, fuͤr eine wirklich fallige Summe Glaͤu⸗ biger von jemand iſt, der zugleich auch der Geſellſchaft eine wirklich fällige Summe ſchuldig iſt, ſo muͤſſen die Zahlungen, die er von dieſer Perſon erhaͤlt, auf die Schuld der Geſellſchaft und die ſeinige, im Ver⸗ hältniß der beiden Forderungen, aufgerechnet werden, wenn er gleich in ſeiner Quittung die Zahlung ganz auf ſeine PrivatForderung aufgerechnet haͤtte; hat er aber in der Quittung ausdruͤcklich erklärt, daß die Zah⸗ lung ganz auf die Forderung der Geſellſchaft aufgerech⸗ net werden ſoll, ſo muß dieſe Stipulation vollzogen werden. 1849. Wenn einer der Geſelſſchafrer ſeinen ganzen — Antheil an einer gemeinſchaftlichen Forderung bezogen hat, und der Schuldner iſt ſeitdem inſolvent geworden, ſo iſt dieſer Geſellſchafter verbunden, das, was er er⸗ halten hat, zur gemeinſchaftlichen Maſſe zu konferiren, wenn er gleich die Quittung ausdruͤcklich nur fuͤr ſei⸗ nen Antheil insbeſondere ausgeſtellt haͤtte. 1350. Jeder Geſeliſchafter haftet der Geſellſchaft fuͤr den Schaden, den er ihr durch ſeine Schuld zu⸗ gefugt hat, ohne ſie mit den Vortheilen kompenſiren zu koͤnnen, die ſein Induſtrie ihr in andern Geſchaͤf⸗ ten verſchaft haben kann. 1851. Wenn die Dinge, deren Genuß allein in die Geſellſchaft gegeben worden iſt, gewiſſe und be⸗ ſtimmte Objecte ſind, welche ſich durch den Gebrauch nicht aufzehren, ſo bleiben ſie auf Gefahr des Geſell⸗ ſchafters, welcher Eigenthuͤmer davon iſt. Wenn dieſe Dinge ſich aber aufzebren, wenn ſie durch ihre Aufbewahrung von ihrem Werth verlieren Ci elle se deteriorent) oder wenn ſie nach vorheri⸗ ger Inventariſirung mit Abſchaͤtzung in die Geſellſchaft eingebracht worden ſind, ſo ſind ſie auf Gefahr der Geſellſchaft. Wenn ein Gegenſtand abgeſchaͤtzt worden iſt, ſo kann der Geſellſchafter nichts als den Preiß ſeiner Abſchaͤtzung zuruͤckfordern. 1852. Jeder Geſelſchafter hat nicht allein in Růck⸗ ſicht der Summen, die er fuͤr die Geſellſchaft ausge⸗ legt hat, ſondern auch in Hinſicht auf die Verpflichtun⸗ gen, die er in gutem Glauben in den Geſchäften der Geſellſchaft eingegangen iſt, und in Hinſicht der Ge⸗ fahren, die von ſeiner Geſchäftsfuͤhrung unzertrennlich ſind, ein Klagrecht gegen die Geſellſchaft. 1853. Wenn der GeſellſchaftsVertrag den Antheil eines jeden Geſellſchaſters an den Vortheilen und dem — 445— Verluſte nicht beſtimmt, ſo wird der Antheil eines jeden im Verhaͤltniß ſeines Beiſchuſſes zur Geſellſchaft beſtimmt. Was aber denjenigen betriſſt, der nur ſeine Indu⸗ ſtrie beigebracht hat, ſo wird ſein Antheil an Gewinn und Verluſt ſo regulirt, als wäre ſein Einſchuß dem Einſchuſſe desjenigen Geſellſchafters gleich geweſen, der am wenigſten beigeſchoſſen hat. 1854. Wenn die Geſellſchafter dahin uͤbereinge⸗ kommen ſind, daß ſie die Beſtimmung der Theile ei⸗ nem von ihnen, oder einem Dritten uͤberlaſſen wollen, ſo kann deſſen Beſtimmung nicht angefochten werden, es ſei denn, daß ſie der Billigkeit offenbar zuwider waͤre. Es iſt keine desfallſige Beſchwerde mehr zulaͤſſig, wenn ſeitdem, als derjenige Theil, der uͤber Verletzung klagt, Kenntniß von der Beſtimmung erhalten hat, mehr als drei Monate verſtrichen ſind, oder wenn er angefangen hat, dieſe Beſtimmung zu vollziehen. 1855. Jede Uebereinkunft, welche einem Geſell⸗ ſchafter den ganzen Vortheil zuſprechen wuͤrde, iſt null. Ein gleiches gilt von derjenigen Stipulation, wel⸗ che die von einem oder mehreren der Geſellſchafter bei⸗ geſchoſſenen Summen oder Effekten von jedem Bei⸗ trag zu den Schulden freigeben wuͤrde. 1856. Wenn einer der Geſellſchafter durch eine be⸗ ſondere Klauſel des Geſellſchafts Vertrags mit der Verwalcung beauftragt iſt, ſo kann er, ohne Ruͤck⸗ ſicht auf den Einſpruch der andern Geſellſchafter, alle von ſeiner Verwaltung abhängige Akte vornehmen, vorausgeſetzt, daß es nicht in betruͤgeriſchen Abſichten geſchieht. Eine ſolche Vollmacht kann, ſo lange die Geſell⸗ ſchaft dauert, nicht ohne rechtmaͤßige Urſache widerru⸗ fen werden; iſt ſie aber nur durch einen ſpaͤtern Akt als der Geſellſchafts Vertrag ertheilt worden, ſo iſt ſie, wie jede bloße Vollmacht, widerruflich. 1857. Wenn die Verwaltung mehreren Geſellſchaf⸗ tern uͤbertragen iſt, ohne daß die Verrichtungen eines jeden beſtimmt waͤren, oder ohne daß ausdruͤcklich er⸗ klärt wäre, daß einer nicht ohne den andern hand⸗ len koͤnnen ſoll, ſo kann jeder allein und ſuͤr ſich alle Akte dieſer Verwaltung vornehmen. 1858. Wenn ſtipulirt worden iſt, daß einer der Verwalter nicht ohne den andern handein koͤnnen ſoll, ſo kann einer, ohne eine neue Uebereinkunft, in Ab⸗ weſenheit des andern, nichts vornehmen, wenn ſich gleich dieſer in der wirklichen Unmoͤglichkeit befaͤnde, zu den VerwaltungsAkten mitzuwirken. 1859. In Ermangelung beſonderer Stipulationen uͤber die Art der Verwaltuug, befolgt man nachſtehen⸗ de Regeln: ¹) Man nimmt an, als haͤtten die Geſellſchafter ſich wechſelſeitig die Vollmacht ertheilt, um einer fuͤr den andern zu verwalten. Was jeder von ihnen vor⸗ nimmt, iſt guͤltig, und zwar ſelbſt fuͤr den Antheil ſeiner Geſellſchafter und ohne daß er vorher ihre Ein⸗ willigung eingehohlt haͤtte; vorbehaltlich des Rechtes welches dieſen letzteren, oder einem von ihnen, zuſteht, ſich vor dem Abſchluß der Unternehmung derſelben zu widerſetzen. 2) Jeder Geſellſchafter darf ſich der, der Geſell⸗ ſchaft gehoͤrigen, Sachen bedienen, vorausgeſetzt, daß er ſie zu dem Zwecke, der durch den Gebrauch beſtimmt iſt, anwendet, und daß er ſie nicht gegen das Intereſſe der Geſellſchaft, oder auf ſolche Art ge⸗ braucht, daß er dadurch ſeine Geſellſchafter verhindert, ſie gleichfalls nach ihrem Rechte zu gebrauchen. — 447— 3) Jeder Geſellſchafter hat das Recht, ſeine Ge⸗ ſellſchafter zu zwingen, gemeinſchaftlich mit ihm die Koͤſten zu beſtreiten, welche zur Erhaltung der, der Geſellſchaft gehoͤrigen, Sachen noͤthig ſind. 4) Keiner der Geſellſchaft darf, ohne die Eiuwilli⸗ gung der uͤbrigen Geſellſchafter, Neuerungen an den von der Geſellſchaft abhaͤngigen Immoͤbeln vornehmen, ſelbſt wenn er behaupten wuͤrde, daß ſie der Geſell⸗ ſchaft vortheilhaft wären. 1860. Wenn ein Geſellſchafter nicht Verwalter iſt, ſo kann er ſelbſt Mobilien, welche von der Geſellſchaft abhaͤngen, weder veraͤußern noch verpfaͤnden. 1861. Jeder Geſellſchafter kann, fuͤr ſeinen Antheil in der Geſellſchaft, ohne Einwilligung ſeiner Mitge⸗ ſellſchafter mit einem Dritten in Geſellſchaft treten; allein er kann ihn, ohne dieſe Einwilligung, nicht in die Geſellſchaft ſelbſt aufnehmen, ſelbſt wenn ihm die Verwaltung derſelben uͤbertragen waͤre. 8 weiter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten, welche den Geſellſchaftern in Hin⸗ ſicht auf andere Perſonen obliegen. 1862. In Geſellſchaften, die keine HandelsGeſell⸗ ſchaften ſind, haften die Geſellſchafter nicht ſolidariſch fuͤr die Schulden der Geſellſchaft, und einer der Ge⸗ ſellſchafter kann die uͤbrige nicht verbindlich machen, wenn dieſe ihm keine Vollmacht dazu ertheilt haben. 1863. Die Geſellſchafter haften dem Glaͤubiger, mit welchem ſie kontrahirt haben, jeder fuͤr eine glei⸗ che Summe und gleichen Theil, wenn gleich der eine einen geringeren Antheil in der Geſellſchaft hat, als der andere, wenn anderſt nicht der Akt die Verpflichtun⸗ gen des erſten auf den Fuß ſeines Antheils an der Geſellſchaſt beſchraͤnkt hat. 1864. Die Stipulation, daß eine Verpflichtung fur Rechnung der Geſellſchaft kontrahirt iſt, bindet bloß den kontrahirenden Geſellſchafter, die andern aber nicht, es ſei denn, daß ſie ihre Vollmacht dazu ertheilt haͤt⸗ ten, oder daß die Sache zum Vortheil der Geſellſchaft verwendet worden wäre. Viertes Kapitell. Von den verſchiedenen Arten der Beendigung der Geſell⸗ ſchaft. 1865. Die Geſellſchaft endigt: 1) durch den Ablauf der Zeit, auf welche ſie kon⸗ trahirt worden iſt; 2) durch den Unkergang des Gegenſtandes derſelben, oder die Vollbringung des Geſchäftes; 3) durch den natuͤrlichen Tod eines der Geſell⸗ ſchafter; 4) durch den buͤrgerlichen Tod, die Interdiktion oder den Ruin eines derſelben; 5) durch den von einem oder mehreren erklärten Willen, nicht mehr in Geſellſchaft zu verbleiben. 1866. Die Verlaͤngerung einer Geſellſchaft, die uuf beſtimmte Zeit abgeſchloſſen war, kann nicht an⸗ derſt als durch einen ſchriftlichen Akt in derſelben Form wie der Geſellſchafts Vertrag erwieſen werden. 1867. Wenn einer der Geſellſchafter verſprochen hat, das Eigenthum einer Sache in Geſellſchaft zu geben, ſo bewirkt der Untergang derſelben, wenn er vor dem Einſchuß in die Geſellſchaft erfolgt, die Auf⸗ löſung der Geſellſchaft in Hinſicht auf alle Geſellſchafter. Die Geſellſchaft iſt gleichfalls in allen Fällen durch den Untergang der Sache aufgeloͤßt, wenn nur der Genuß derſelben der Geſellſchaft angehoͤrte, und der Geſellſchafter das Eigenthum derſelben behalten hat. Aber die Geſellſchaft wird durch den Untergang der — 449— Sache, deren Eigenthum ſchon in die Geſellſchaſt ein⸗ gebracht worden war, nicht aufgeloͤßt. 1868. Wenn ſtipulirt worden iſt, daß im Falle des Abſterbens eines der Geſellſchafter die Geſellſchaft mit ſeinem Erben oder auch nur unter den uͤberle⸗ benden Geſellſchaftern fortdauern ſoll, ſo muͤſſen dieſe Verfuͤgungen befolgt werden; im zweiten Falle hat der Erbe des verſtorbenen kein weiteres Recht, als auf die Theilung der Geſellſchaft, hinſichtlich auf die Lage derſelben zur Zeit des Sterbfalls; er hat an den ſpäteren Rechten nur in ſo weit Theil, als ſie eine nothwendige Folge desjenigen ſind, was vor dem To⸗ de des Geſellſchafters, welchen er geerbt hat, vorge⸗ nommen worden iſt. 1869 Die Aufloͤſung der Geſellſchaft durch die WillensErklaͤrung einer der Parthien findet bloß bei ſolchen Geſellſchaften ihre Anwendung, deren Dauer unbeſchraͤnkt iſt; ſie wird durch eine, allen Geſellſchaf⸗ tern notifzirte Verzichtleiſtung bewerkſtelligt, voraus⸗ geſetzt, daß dieſe Verzichtleiſtung in gutem Glauben, und nicht zur Unzeit geſchieht. 1870. Eie Verzichtleiſtung geſchieht nicht in gu⸗ tem Glauben, wenn der Geſellſchafter Verzicht leiſtet, um ſich allein den Vortheil zuzuwenden, den die Geſell⸗ ſchafter gemeinſchaftlich zu gewinnen die Abſicht hatten. Sie geſchieht zur Unzelt, wenn die Sachen nicht mehr im vorigen Zuſtande ſind, und der Geſellſchaft daran gelegen iſt, daß ihre Aufloͤſung verſchoben werde. 1871. Die Aufloͤſung einer Geſellſchaft, die auf eine beſtimmte Zeit abgeſchloſſen worden, kann von einem der Geſellſchafter vor der uͤbereingekommenen Zeit nur dann perlangt werden, wenn er gerechte Be⸗ weggruͤnde dazu hat, als da ſind: wenn ein anderer Geſellſchafter ſeine Pflichten nicht erfuͤllt, oder wenn 29 eine beſtaͤndige Krankheit ihn zu den Geſchaͤften der Geſellſchaft untauglich macht, oder andere ähnliche Fälle, deren Rechtmaͤſſigkeit und Wichtigkeit dem Er⸗ meſſen des Richters uͤberlaſſen bleiben. 1872. Die Regeln über die Theilung von Erb⸗ ſchaften, die Form dieſer Theilung, und die Ver⸗ pflichtungen, welche fur die MitErben daraus ent⸗ ſpringen, ſind auch fuͤr die Theilungen zwiſchen Ge⸗ ſellſchaftern anwendhar. Verfuͤgung in Betreff der Handels Geſellſchaften. 1873. Die Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen Titels ſind auf Handels Geſellſchaften, nur in denjenigen Punkten anwendbar, welche nichts enthalten, was den Geſetzen oder Gebräuchen des Handels zuwiderlauft. Sehnter Titell⸗ Vom Leihen⸗ (Dekretirt am 18 Pentoſe XII, verkundigt am asten.) 1874. Es giebt zweierlei Gattungen von Leih Kon⸗ trakten: der von Dingen, welche man gebrauchen kann, ohne ſie zu zerſtören. und der uͤber Dinge, die durch den Gebrauch, den man davon macht, bufgezehrt werden ⸗ Die erſte Gattung heißt: Leihen zum Ge⸗ brauch oder(im eigentlichen Sinne) LeihKon⸗ trakt(prét à usage ou Commodat.) Die zweite: Leihen zur Verwendung oder kurzweg Darlehn(prét de Consommation ou prẽt.) Erſtes Kapitel Bon dem Leihen zum Gebrauch oder LeiheKontrakt. Srſter Abſchnitt. Von der Natur des Leihens zum Gebrauch. 1875. Das Leihen zum Gebrauch oder der Leih⸗ — 451— Kontrakt, wodurch eine der Parthien der andern eine Sache zu ihrem Gebrauche unter der Bedingung hin⸗ giebt, daß der Empfaͤnger ſie, nachdem er ſie ge⸗ braucht hat, zuruͤckgebe. 1876. Dieſes Leihen iſt ſeinem Weſen nach un⸗ entgeltlich. 1877. Der Leiher bleibt Eigenthuͤmer der geliehe⸗ nen Sache. 1878. Alles, was im Handel iſt, und ſich durch den Gebrauch nicht aufzehrt, kann der Gegenſtand dieſer Uebereinkunft ſein. 1879. Die Verpflichtungen, welche aus dem Leih⸗ Kontrakt entſtehen, gehen auf die Erben des Leihers, und die Erben deſſen, welcher lehnt, uͤber. Allein, wenn man nur aus Ruͤckſicht fuͤr den An⸗ leiher und ihm perſoͤnlich geliehen hat, ſo koͤnnen deſ⸗ ſen Erben den Genuß der geliehenen Sache nicht fort⸗ ſetzen. Zweiter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Anleihers: 1880. Der Leiher iſt verbunden, als ein guter Hausvater fuͤr die Bewahrung und Erhaltung der geliehenen Sache Sorge zu tragen. Er darf ſich ih⸗ rer zu keinem andern, als zu dem durch ihre Natur oder die Uebereinkunft beſtimmten Gebrauche bedie⸗ nen, alles unter Strafe voͤlliger Schadloshaltung nach Beſchaffenheit der Umſtände. 1881. Wenn der Anleiher die Sache zu einem andern Gebrauche oder fuͤr längere Zeit, als ee ſollte, anwendet, ſo haftet er dafür, wenn ſie, ſelbſt durch Zufall, zu Grunde geht. 1882. Wenn die geliehene Sache durch einen Zu⸗ fall zu Grunde geht, vor welchem der Anleiher ſie haͤtte bewahren koͤnnen, wenn er ſeine eigne gebraucht — 4— haͤtte; oder wenn er in dem Falle, wo er nur eine von beiden erhalten konnte, die ſeinige vorgezogen, ſo haftet er fuͤr den Verluſt der andern. v. 1883. Wenn die Sache beim Darleihen geſchaͤtzt worden iſt, ſo fällt ihr Verluſt, wenn er ſich ſelbſt durch Zufall ereignet, auf den Anleiher, wenn man nicht das Gegentheil ausgemacht hat. 1884. Wenn die Sache durch die bloſſe Wirkung des Gebrauches, zu welchem ſie geliehen worden, und ohne alle Schuld von Seiten des Anleihers, deterio⸗ rirt wird, ſo haftet dieſer nicht fuͤr die Deterioration. 1885. Der Anleiher darf die geliehene Sache nicht kraft einer Kompenſation mit demjenigen, was der Leiher ihm ſchuldig iſt, zuruͤckbehalten. 1886. Wenn der Anleiber einige Auslagen gemacht hat, um die Sache zu gebrauchen, ſo kann er dieſe nicht zuruͤckfordern. 1887. Wenn mehrere zuſammen die naͤmliche Sa⸗ che geliehen haben, ſo ſind ſie dem Leiher ſolidariſch dafur verantwortlich. Dritter Abſchnitt. Pon den Obliegenheiten beienſte„der etwas zum Gebrauche etht. Leiher kann die geliehene Sache nicht vor der uͤbereingekommenen Zeit, oder, in Ermange⸗ lung einer Uebereinkunft, ehe ſie zu dem Gebrauche, fuͤr welchen ſie geliehen worden, gedient hat, zuruͤck⸗ nehmen 1889 Wenn jedoch während dieſer Zeitfriſt, oder ehe das Bedurfniß des Anleihers aufgehort hat, bei dem Leiher ein unvorhergeſehenes und dringendes Be⸗ durfniß ſeiner Sache eintritt, ſo kann der Richter, nach den Umſtänden, den Anleiher zwingen, ihm die⸗ ſelbe zuruͤckzugeben. 1888. Der — 1890. Wenn der Anleiher waͤhrend der Dauer des Leih⸗Kontraktes zu einer auſſerordentlichen, nothwen⸗ digen und ſo dringenden Auslage fuͤr die Erhaltung der Sache gezwungen worden iſt, daß er den Leiher nicht vorher davon benachrichtigen konnte, ſo iſt die⸗ ſer gehalten, ihm dieſelbe zu erſetzen. 1891. Wenn die geliehene Sache ſolche Fehler hat, daß ſie dem, der ſie gebraucht, Schaden zufuͤgen kann, ſo iſt der Leiher, wenn er die Fehler kannte, und den Darleiher nicht davon bénachrichtiget hat, dafur ver⸗ antwortlich. Z weites Kapitel. Von dem Leihen zur Verwendung oder Darlehn. Erſter Abſchnitt. Von der Natur des Darlehns. 1892. Das Darlehn iſt ein Kontrakt, wodurch ei⸗ ne der Parthien der andern eine gewiſſe Quantität von Dingen, die ſich durch den Gebrauch aufzehren, un⸗ ter der Obliegenheiten dieſer leztern, ihr eine gleiche Quantität, von gleicher Gattung und Qualität, zu⸗ ruͤckzuerſtatten, uͤberliefert. 1893. Der Anleiher wird, durch die Wirkung die⸗ ſes Darlehns, Eigenthuͤmer der geliehenen Sache; wenn ſie zu Grunde geht, ſo fallt der Verluſt auf ihn, auf welche Art und Weiſe ſie auch zu Grunde gehen mag. 1894. Man kann unter dem Titel eines Darlehns ſolche Sachen nicht hingeben, die, ob ſie gleich von derſelben Gattung angehoͤren, doch in den einzelnen Stuͤcken,(Individuen) verſchieden ſind, z. B. Vieh; dieſes wuͤrde ein bloſſer Leih Kontrakt ſein. 1895. Die Verpflichtung, welche aus einem Dar⸗ lehn an Geld beſteht, beſchränkt ſich auf die, im Kon⸗ trakt ausgedruͤckte numeriſche Summe. — 6— Wenn vor dem Zeitpunkte der Zahlung der Werth der Geldſorten geſtiegen oder gefallen iſt, ſo muß der Schulbner die ihm geliehene numeriſche Summe zu⸗ ruͤckerſtatten, und er hat nichts, als dieſe Summe, in denjenigen Geldſorten, welche zur Zeit der Zahlung Kurs haben, zuruͤckzuerſtatten. 1896. Die im vorhergehenden Artikel aufgeſtellte Regel findet nicht ſtalt, wenn das Darlehn in(Gold oder Silber) Stangen geſchehen iſt. 1897. Wenn(Gold oder Silber) Stangen oder Waaren geliehen worden, ſo muß der Schuldner, wie ſehr auch immer der Preiß dieſer Dinge geſtiegen oder gefallen ſein mag, immer dieſelbe Quantität und Qualitãt zuruͤckgeben, und nichts weiter als dieſe. Zweiter Abſchnitt⸗ Von den Obliegenheiten des Darleihers. 1898. Bei jedem Darlehn haftet dieſelbe Verant⸗ wortlichkeit auf dem Darleiher, welche der Art. 1891 im Falle eines Leih Kontraktes begruͤndet hat. 1899. Der Darleiher kann, vor der bedungenen Zeitfriſt, die geliehenen Sachen nicht zuruͤckfordern. 1900. Wenn keine Zeitfriſt fuͤr die Ruͤckerſtattung veſtimmt worden iſt, ſo kann der Richter dem Lehner, nach Beſchaffenheit der Umſtände, einen Ausſtand be⸗ willigen. 19o1. Wenn man blos übereingekommen iſt, daß per Lehner zahlen ſollte, wenn er koͤnnte, oder wenn er die Mittel dazu haben wurde, ſo hat der Richter ihm, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, eine Zah⸗ lungsFriſt zu beſtimmen. Dritter Abſchnitt⸗ Von den Obliegenheiten des Lehners. 1902. Der Lehner iſt verbunden, die geliehenen Sa⸗ — 5 chen, in derſelben Quankität und Qualitaͤt, und zu der uͤbereingekommenen Zeit zuruͤckzuerſtatten. 1903. Wenn er ſich in der Unmoͤglichkeit befindet, dieſer Obliegenheit genug zu thun, ſo iſt er verbunden den Werth derſelben, ruckſichtlich auf die Zeit und den Ort, wo die Sache der Uebereinkunft zufolge zuruͤck⸗ gegeben werden ſollte, zu bezahlen. Iſt dieſe Zeit und dieſer Ort nicht beſtimmt, ſo geſchieht die Zahlung in dem Preiſe der Zeit und des Ortes, wo das Anlehn geſchehen iſt. 1904. Wenn der Lehner die geliehenen Sachen oder ihren Werth nicht zu der bedungenen Zeitfriſt zuruͤck⸗ erſtattet, ſo iſt er von dem Tage der gerichtlichen Klage Zinſen davon ſchuldig. Drittes Kapitel. Von dem Leihen auf Zinſen. 1905. Es iſt erlaubt, fuͤr das bloſſe Darlehn von Geld, Waaren oder andern Mobiliar Gegenſtanden Zinſen auszubedingen. 1906. Wenn ein Leiher Zinſen bezahlt hat, wel⸗ che nicht ſtipulirt waren, ſo kann er ſie weder zuruͤck⸗ fordern, noch auf das Kapital aufrechnen. 1907. Es giebt geſetzliche Zinſen, und durch Ue⸗ bereinkunft beſtimmte Zinſen. Die geſetzlichen wer⸗ den von dem Geſetz beſtimmt; die konventionellen koͤn⸗ nen immer die geſetzlichen uͤberſteigen, wenn das Ge⸗ ſeß es nicht verbietet. Der Betrag der konventionellen Zinſen muß ſchrift⸗ lich beſtimmt werden. 1908. Eine uͤber das Kapital, ohne Vorbehalt der Zinſen, ausgeſtellte Quittung laͤßt deren Zahlung ver⸗ muthen, und ſpricht von denſelben frei. 1909. Man kann mittels eines Kapitals, das der 5 zuruͤckzufordern ſich unterſagt, Zinſen ſtipu⸗ iren. In dieſem Falle heißt das Darlehn: RentKauf (constitution de rente.) 191o. Eine ſolche Rente kann auf zwei Arten ge⸗ ſtiftet werden, als ErbRente oder Leib Rente. 1911. Jede ewige Rente,(ErbRente) kann, ih⸗ rem Weſen zufolge, losgekauft werden. Die Parthien konnen bloß ausbedingen, daß der Ruͤckkauf nicht vor einer beſtimmten Zeitfriſt, welche zehn Jahre nicht uͤberſteigen darf, und nicht ohne vor⸗ laufige Benachrichtigung des Glaͤubigers in einer von ihnen beſtimmten Zeit, geſchehen ſoll. 1912. Der Schuldner einer, auf immer, konſti⸗ tuirten Rente(ErbRente) kann zum Ruͤckkauf gezwun⸗ gen werden; r) Wenn er waͤhrend zwei Jahren ſeine Obliegen⸗ heiten nicht erfullt; 2) Wenn er dem Darleiher die im Kontrakte ver⸗ ſprochene Sicherheit zu verſchaffen unterlaͤßt. 1913. Das Kapital einer ErbRente kann auch im Falle des Bankerotts oder gaͤnzlichen Ruͤckgangs des Schuldners zuruͤckgefordert werden. 1914. Die Regeln, welche die Leib Renten betreffen, finden ſich im Titel: von den aleato⸗ riſchen Kontrakten, aufgeſtellt. Eitfter Titel. Von dem Depot und der Sequeſtration. (Dekretirt am 23 PVentoſe, verkuͤndigt am 3ten Germinal 13 Jahrs) Erſtes Kapitel. Pon dem Depot im Allgemeinen und deſſen verſchiedenen Gattungen. 1915. Das Depot im Allgemeinen iſt ein Akt, wodurch jemand eine fremde Sache unter der Oblie⸗ genheit empfängt, ſie aufzubewahren, und in Natur zuruͤckzuerſtatten. 1916. Es giebt zweierlei Gattungen des Depots; das Depot im eigentlichen Sinne, und die Seque⸗ ſtration. Zwire s Kopinel. Von dem Depot im eigentlichen Sinne. Erſter Abſchnitt. Pon der Natur und dem Weſen des Hinterlegungs Kontraktes. 1917. Das Depot im eigentlichen Sinne iſt ein, ſeinem Weſen nach, unentgeltlicher Kontrakt. 1918. Er kann nur bewegliche Sachen zum Ge⸗ genſtande haben. 1919. Er wird erſt durch die wahre oder fingirte Ueberlieferung der hinterlegten Sache, vollbracht(par- fait). Eine fingirte Ueberlieferung iſt dann hinlaͤnglich, wenn der Depoſitar die Sache, welche man ihm als ein Depoſitum laſſen will, ſchon unter einem andern Titel in Beſitz hat. 1920. Ein Depot iſt freiwillig oder nothwendig. Zweiter Abſchnitt. Von dem freiwilligen Depot. 1921. Eine freiwillige Hinterlegung(Depot) wird durch die gegenſeitige Einwilligung desjenigen, der hinterlegt, und desjenigen, der die Sache annimmt, bewerkſtelligt. 1922. Eine freiwillige Hinterlegung kann der Re⸗ gel nach bloß durch den Eigenthuͤmer der hinterlegten Sache, oder mit ſeiner ausdruͤcklichen oder ſtillſchwei⸗ genden Einwilligung gechehen. 1923. Eine freiwillge Hinterlegung muß ſchriftlich — 6— erwieſen werden. Sobald der Werth hundert funſzig Franken uͤberſteigt, kann kein Zeugenbeweiß zugelaſſen werden. 124. Wenn das Depoſitum den Werth von hun⸗ dert fuͤnfzig Franken uͤberſteigt, und nicht ſchriftlich erwieſen wird, ſo wird demjstigen, der als Depoſitar angegriffen wird, auf ſeine Erklärung ſowohl uͤber die Thatſache der Hinterlegung ſelbſt, als uͤber die Sache, welche der Gegenſtand derſelben war, als auch uͤber die Thatſache ihrer Ruͤckerſtattung, geglaubt. 1925. Eine freiwillige Hinterlegung kann bloß zwi⸗ ſchen ſolchen Perſonen ſtatt finden, welche fähig ſind, zu kontrahiren. Wenn jedoch eine zum Kontrahiren befugte Perſon ein von einer unfaͤhigen Perſon gemachtes Depoſitum angenommen hat, ſo iſt ſie allen Obliegenheiten eines wahren Depoſilars unterworfen; ſie kann von dem Vormund oder Verwalter der Perſon, welche die Sa⸗ che hinterlegt hat, verfolgt werden. 1926. Wenn eine zum Kontrahiren befugte Perſon etwas bei einer ſolchen, die es nicht iſt, hinterlegt, ſo hat der Deponent kein weiteres Klagrecht, als eine Vindikations Klage auf die hinterlegte Sache, ſo lan⸗ ge ſie ſich in den Haͤnden des Depoſitars befindet, und eine Ruͤckerſtattungs Klage bis zur Konkurrenz deſſen, was dieſem zum Nutzen gereicht hat.(de ce qui a tourns au profit de ce dernipr.) Dritter Abſchnitt. Von den Obliegeweiten des Depoſitars. 1927. Der Depoſitar muß auf die Aufbewahrung der hinterlegten Sache dieſlbe Sorgfalt, wie auf die Aufbewahrung ſeiner eignen verwenden. 1923. Die Verfuͤgung des vorigen Artikels muß mit groſſerer Strenge angewndet werden, 1) wenn der Depoſitar ſich ſelbſt angeboten hat, das Depoſi⸗ tum zu uͤbernehmen, 2) wenn er einen Lohn fuͤr die Aupbewahrung deſſelben ſtipulirt hat. 3) Wenn die Hinterlegung einzig und allein fuͤr das Intereſſe des Depoſitars geſchehen iſt 4) wenn man ausdruͤcklich uͤbereingekommen iſt, daß der Depoſitar fuͤr jeden Feh⸗ ler verantwortlich ſein ſollte. 1929. Der Depoſitar haftet, in keinem Falle, fuͤr Zufaͤlle, die von hoͤherer Gewalt herruͤhren, es ſei denn, daß er in Ruͤckſtand verſetzt worden waͤre, die hinterlegte Sache zuruͤckzuerſtatten. 1930. Er darf die hinterlegte Sache ohne ausdruck⸗ liche oder muthmaßliche Einwilligung des Deponenten nicht gebrauchen. 1931. Er darf nicht zu erfahren ſuchen, was es fuͤr Sachen ſind, die bei ihm hinterlegt worden ſind, wenn ſie ihm in einem verſchloſſenen Kaſten oder un⸗ ter einem Umſchlag anvertraut worden ſind. 1932. Der Depoſitar muß identiſch dieſelbe Sache, die er erhalten hat, zuruͤckgeben. So muß ein Depoſitum in klingender Muͤnze in denſelben Muͤnzſorten, worinn es gemacht worden, zuruͤckerſtattet werden, dieſe moͤgen nun im Werthe geſtiegen oder gefallen ſein. 1933. Der Depoſitar iſt zu nichts weiter gehalten, als die hinterlegte Sache in dem Zuſtande, in wel⸗ chem ſie ſich im Augenblicke der Ruͤckerſtattung befindet, zuruͤckzugeben. Die Deterioriationen, die ſie nicht durch ihn erlitten hat, fallen dem Deponenten zur Laſt. 1934. Wenn dem Depoſitar die Sache durch eine hoͤhere Gewalt genonmen worden iſt, und er einen Preiß oder eine andere Sache an die Stelle erhalten hat, ſo muß er das zuruͤckgeben, was er erhal⸗ ten hat. 1935. Der Erbe eines Depoſitars, der in gutem Glauben die Sache verkauft hat, ohne zu wiſſen, daß es ein Depoſitum war, iſt zu nichts weiter gehalten, als den Kaufſchilling, den er dafuͤr erhalten hat, zuruͤckzuerſtatten, oder ſein Klagrecht gegen den Kaͤu⸗ ſer, wenn er den Kaufſchilling noch nicht bezogen hat, abzutretèn. 1936. Wenn die hinterlegte Sache Fruͤchte her⸗ vorgebracht hat, welche der Depoſitar bezogen haͤtte, ſo iſt derſelbe zu ihrer Ruͤckerſtattung gehalten; er iſt fuͤr hinterlegtes Geld keine Intereſſen ſchuldig, aus⸗ genommen von dem Tage an, wo er in Ruͤckſtand ver⸗ ſest worden iſt, daſſelbe zuruͤckzuerſtatten. 1937. Der Depoſitar darf die hinterlegte Sache keinem andern zuruͤckgeben, als demjenigen, der ſie ihm anvertraut hat, oder dem, in deſſen Namen die Hinterlegung geſchehen iſt, oder endlich dem, der an⸗ gewieſen worden iſt, um ſie in Empfang zu nehmen. 1938. Er kann von dem, der die Hinterlegung gemacht hat, den Beweiß ſeines Eigenthums Rechtes auf die hinterlegte Sache nicht fordern. Wenn er jedoch entdeckt, daß die Sache geſtohlen worden iſt, und wer der wahre Eigenthuͤmer derſel⸗ ben iſt, ſo muß er dieſem voranzeigen, daß dieſelbe bei ihm hinterlegt worden iſt, und ihn auffordern, ſie in einer beſtimmten und hinlaͤnglichen Zeitfriſt zuruͤck⸗ zufordern. Wenn derjenige, welchem dieſe Anzeige gemacht worden, vernachläſſgt, das Depoſitum ein⸗ zufordern, ſo iſt der Depoſitar durch die Auslieferung deſſelben, an denjenigen, von welchem er es erhalten hat, guͤltiger Weiſe ſeiner Vebindlichkeiten entlaſtet. 1939. Im Falle des natuͤrichen oder burgerlichen Todes des Deponenten kann die hinterlegte Sache nie⸗ mand als ſeinem Erben zuruͤckggeben werden. Sind mehrere Erben vorhanden, ſo muß jedem derſelben ſein Antheil daran zuruͤckgegeben werden. Iſt die hinterlegre Sache untheilbar, ſo muͤſſen die Erben ſich untereinander verſtaͤndigen, um ſie in Empfang zu nehmen. 1940. Wenn die Perſon, welche das Depoſitum gemacht hat, ihren Stand verändert, z. B. wenn eine Frau eine Sache hinterlegt hat, als ſie noch frei war, und ſich ſeitdem verehlicht hat, und ſich in der Gewalt ihres Mannes befindet; wenn ein großjaͤhri⸗ ger Deponent mit Interdiktion belegt wird; in allen dieſen Faͤllen, und allen andern gleicher Art darf das Depoſitum nur dem zuruͤckgegeben werden, der die Verwaltung der Rechte und des Vermoͤgens des De⸗ ponenten hat. 1941. Iſt die Hinterlegung durch einen Vormund, einen Ehemann, oder einen Verwalter, in einer von dieſen Eigenſchaften geſchehen, ſo darf das Depoſitum, wenn ihre GeſchaͤftsFuͤhrung oder Verwaltung geen⸗ digt iſt, nur derjenigen Perſon zuruͤckgegeben werden, die durch dieſen Vormund, Ehemann oder Verwalter repraͤſentirt ward. 1942. Wenn der Hinterlegungs Kontrakt den Ore beſtimmt, wo die Zuruͤckerſtattung geſchehen ſoll, ſo iſt der Depoſitar verbunden, die hinterlegte Sache dahin zu bringen. Verurſacht der Transport Koͤſten, ſo fallen ſie dem Deponenten zur Laſt⸗ 1943. Wenn der Kontrakt den Akt nicht beſtimmt, wo die Hinterlegung geſchehen ſoll, ſo muß ſie an dem Orte des Depots ſelbſt geſchehen. 1944. Das Depoſitum muß dem Deponenten zu⸗ ruͤckgegeben werden, ſobald er es verlangt, ſelbſt wenn der Kontrakt eine gewiſſe Zeitfriſt fuͤr die Zu⸗ ruckgabe beſtimmt hätte: wenn anderſt nicht in den Händen des Depoſitars ein Arreſt, oder eine Oppo⸗ ſition gegen die Zuruͤckgabe der hinterlegten Sache, und die Verbringung an einen andern Ort angelegt worden iſt. 1945. Ein ungetreuer Depoſitar kann nicht zu der Rechtswohlthat der Guͤter Abtretung zugelaſſen werden. 1946. Alle Verpflichtungen des Depoſitars hoͤren auf, wenn er entdeckt und beweißt, daß er ſelbſt Ei⸗ genthumer der hinterlegten Sache iſt. Vierter Abſchnitt. Von den Obliegenheiten des Deponenten. 1947. Der Deponent iſt verbunden, dem Depoſi⸗ tar die Auslagen, die er fuͤr die Erhaltung der hin⸗ terlegten Sache gemacht hat, zuruͤckzuerſtatten, und ihn fuͤr jeden Verluſt zu entſchädigen, welchen die Hinterlegung ihm verurſacht haben kann. 1948. Der Depoſitar kann das Depoſitum bis zur völligen Zahlung desjenigen, was er fur die Hinter⸗ legung zu fordern hat, zuruckbehalten. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der gezwungenen Hinterlegung. 1949. Ein gezwungenes Depot iſt dasjenige, wo⸗ zu man durch einen Zufall, wie z. B. durch eine Feursbrunſt, einen Einſturz, eine Pluͤnderung, einen Schiffbruch oder eine andere unvorhergeſehene Bege⸗ benheit gezwungen worden iſt. 1950. Ueber ein gezwungenes Depot iſt der Be⸗ weiß durch Zeugen zuläſſig, wenn es ſich ſelbſt von einem hoͤhern Werthe, als hundert fuͤnſzig Franken bandelt. 1951. Uebrigens wird ein gezwungenes Depot von allen hier oben aufgeſtellten Regeln regiert. — 1952. Die Wirthe oder Gaſthalter ſind wie De⸗ poſitarien fuͤr die Effekten verantwortlich, die ein Reiſender, der bei ihnen logirt, zu ihnen gebracht hat. Die Hinterlegung von Effekten dieſer Art muß wie ein nothwendiges Depot angeſehen werden. 1953. Sie ſind fuͤr Diebſtahl oder Beſchaͤdigung der Effekten des Reiſenden verantwortlich, ſowohl wenn die Dienſtleute und die, welche der Wirtbſchaft vorſtehen, als wenn Fremde, die in dem Gaſthaus aus und eingehen, den Diebſtahl begangen, oder den Schaden verurſacht haben. 1954. Sie ſind fuͤr ſolche Diebſtaͤhle nicht verant⸗ wortlich, welche mit bewafſneter Hand oder durch eine andere hoͤhere Gewalt veruͤbt worden ſind. Prie piel⸗ Von der Sequeſtration. Erſter Abſchnitt. Von verſchiedenen Gattungen der Sequeſtration. 1955. Eine Sequeſtration kann mittelſt Ueberein⸗ kunft oder durch ein richterliches Erkenntniß geſchehen. Zweiter Abſchnitt. Von der konventionellen Sequeſtration. 1956. Eine konventionelle Sequeſtration iſt ein Depot, welches eine oder mehrere Perſonen von einer ſtrittigen Sache in die Haͤnde eines Dritten machen, welcher ſich verpflichtet, ſie nach Beendigung des Rechtsſtreites derjenigen Perſon zuruͤckzugeben, wel⸗ cher ſie zuerkannt worden ſein wird. ſi 1957. Dieſe Sequeſtration muß nicht uenegenich ein. 1958. Wenn ſie unentgeltlich iſt, ſo iſt ſie vorbe⸗ haltlich folgender Abweichungen, den Regeln des De⸗ pots im eigentlichen Sinne unterworfen. 1959. Eine Sequeſtration kann nicht allein Mobi⸗ ſondern ſelbſt Immoͤbel zum Gegenſtande aben. 1960. Der mit dem Sequeſter beauftragte Depo⸗ ſitar kann vor Beendigung des Rechtsſtreites nicht anderſt, als durch die Einwilligung aller intereſſirten Theile oder aus einer fur rechtmaͤſſig anerkannten Ur⸗ ſache, ſeiner Verbindlichkeiten entledigt werden. Dritter Abſchnitt. Von der gerichtlichen Sequeſtration oder Hinterlegung. 1961. Der Richter kann die Sequeſtration verordnen „) von Mobeln, die einem Schuldner gepfaͤndet wor⸗ den; 2) von einem Immoͤbel oder einer beweglichen Sache, deren Eigenthum oder Beſitz zwiſchen zwei oder mehreren Perſonen ſtrittig iſt. 3) Von ſolchen Sachen, die ein Schulbner zu ſeiner Befreiung(von der Schuld) anbietet. 1962. Die Beſtellung eines gerichtlichen Aufbe⸗ wahrers bringt zwiſchen demjenigen, der den Arreſt angelegt hat, und dem Aufbewahrer, wechſelſeitige Verbindlichkeiten hervor. Der Aufbewahrer muß mit aller Sorgfalt eines guten Familienvaters uͤber die Erhaltung der gepfaͤndeten Effekten wachen. Er muß ſie, entweder zum Verkauf zur Entlaſtung desjenigen, der den Arreſt angelegt hat, oder demje⸗ nigen Theile, gegen welchen die Exekution geſchehen iſt, wenn der Arreſt freigegeben worden iſt, ausliefern. Die Verpflichtung desjenigen, der den Arreſt an⸗ gelegt hat, beſteht darin, dem Aufbewahrer den, von dem Geſetz beſtimmten Lohn zu zahlen⸗ 1963. Die gerichtliche Sequeſtration wird entwe⸗ der einer Perſon uͤbertragen, uͤber welche die intereſ⸗ ſirten Theile ſich untereinander verſtändigt haben, oder aber einer ſolchen, die der Richter von Amtswegen ernannt hat. In beiden Fällen iſt derjenige, welchem die ſeque⸗ ſtrirte Sache anvertraut worden iſt, allen Obliegen⸗ beiten, welche eine konventionelle Sequeſtration nach ſich zieht, unterworfen. ite Von aleatoriſchen Kontrakten. (Dekretirt am 19 PVentoſe, verkuͤndigt am 29 Ventoſe 12 Jahrs.) 1964. Ein aleatoriſcher Kontrakt iſt eine wechſelſei⸗ tige Uebereinkunft, derer Wirkungen, in ſo weit ſie den Vortheil oder den Schaden, entweder fuͤr alle Parthien oder fuͤr eine oder mehrere von ihnen betref⸗ fen, von einer ungewiſſen Begebenheit abhaͤngen; der⸗ gleichen ſind: Der Aſſekuranz Kontrakt; Das Darlehn auf Bodmerei; Das Spiel und die Wette; Der leib Renken Kontrakt. Die Seegeſetze reguliren die beiden erſten: Etſtes äßitel. Von dem Spiel und der Wette. 1965. Das Geſetz gewaͤhrt keine Klage fuͤr einé Spielſchuld, oder auf die Zahlung einer Wette. 1966. Die Spiele, welche zur Uebung in den Waffen geeigenſchaftet ſind, Wettrennen zu Pferde oder zu Fuß, Wettrennen mit Waͤgen, das Ballſpiel und andre Spiele gleicher Irt, wobei es auf Geſchick⸗ lichkeit und Leibesuͤbung ankommt, ſind von der vor⸗ bergehenden Verfuͤgung ausgenommen. Civil Geſetzb. 30 — 466— Das Tribunal kann jedoch die Klage verwerſen, wenn die Summe ihm uͤbermaͤſſig ſcheint. 1967. In keinem Falle kann der Verlierer das zuruͤckfordern, was er freiwillig bezahlt hat, es ſei denn daß von Seiten des Gewinners Betrug(dol) liſtige Raͤnke(Supercherie) oder Prellerei(escro- querie) ſtatt gefunden haͤtte. Zweites Kapitel. Von dem Leib Renten Kontrakt. Erſter Abſchnitt. Pon ben zur Guͤltigkeit des Kontraktes erforderlichen Bedingungen. 1968. Eine teib Rente kann unter einem läſtigen Titel, mittelſt eines Käpitals, oder fuͤr eine Mobi⸗ liarSache, deren Werth geſchatzt werden kann, oder fur ein Immoͤbel. geſtiftet werden. 1969. Sie kann auch unter einem ganz unentgelt⸗ lichen(wohlthätigen, gratuit) Titel, durch eine Schen⸗ kung zwiſchen Lebenden, oder ein Teſtament geſtiſtet werden. Der Kontrakt muß alsdann mit den vom Geſetz(fur dieſe Akte) vorgeſchriebenen Formalitäten bekleidet ſein. 1970. In dem Falle des vorhergehenden Artikels iſt die Leib Rente der Reduktion unterworfen, wenn ſie den Betrag, woruͤber zu verfügen erlaubt iſt, uͤber⸗ ſteigt; ſie iſt nichtig, wenn ſie zum Vortheil einer Perſon geſtiftet worden iſt, die unfaͤhig wäre zu em⸗ pfangen 1971. Eine Leib Rente kann ſowohl auf das Haupt desjenigen, der den Preiß dazu herſchaft, als auf das Haupt eines Dritten, der zu ihrem Genuſſe keines⸗ wegs berechtigt iſt, geſtiftet werden. 1972. Sie kann auf einen oder mehrere Koͤpfe ge⸗ ſtiſtet werden 1973. Sie kann zum Vortheil eines Dritten ge⸗ ſtiftet werden, wenn gleich ein anderer den Preiß da⸗ zu herſchießt. In dieſem letzten Falle iſt ſie, ob ſie gleich die Kennzeichen einer Freigebigkeit hat, doch denjenigen Formen nicht unterworfen, welche fuͤr die Schenkun⸗ gen vorgeſchrieben ſind; vorbehaltlich der Reduktion und der Nullität, von welchen der Art. 1970 hier oben ſpricht. 1974. Der Kontrakt einer LeibRente, die auf den Kopf einer Perſon geſtiſtet worden, die am Tage des Kontraktes verſtorben war, bringt keine Wirkung her⸗ vor. 1975. Ein gleiches gilt von dem Kontrakte, wo⸗ durch die Rente auf das Haupt einer Perſon geſtiftet worden, die von der Krankheit befallen war, an wel⸗ cher ſie in den zwanzig Tagen, vom Datum bes Kon⸗ traktes an, geſtorben iſt. 1976. Die Parthien beſtimmen nach Belieben das Verhältniß der Leib Rente zu ihrem Kapital. 3 weiter Abſch⸗nitti PVon den Wirkungen des Kontraktes zwiſchen den konttahirehben Theilen. 1977. Derjenige, zu deſſen Vorkheil die Leib Rente mittelſt eines Preißes geſtiftet worden iſt, kann die Wiederaufhebung des Kontraktes verlangen, wenn der Konſtituent ihm die fuͤr den Vollzug des Kontrak⸗ tes bedungenen Sicherheiten nicht verſchaft. 1978. Die RichtZahlung der verfallenen Termine der Rente allein, ermaͤchtigt den, zu deſſen Vortheil ſie geſtiftet iſt, nicht, die Ruͤckzahlung des Kapitals oder die Wiedereinſetzung in das von ihm veräuſſerte Grundſtuck zu verlangen; er hat bloß das Recht, die Guͤter ſeines Schuldners mit Arreſt zu belegen, und verkaufen zu laſſen, und, entweder mittelſt richterli⸗ cher Erkenntniß oder mittelſt Uebereinkunft zu bewirken, daß aus dem Ertrag des Verkaufs eine zur richtigen Leiſtung(Bedienung) der Rente hinlaͤngliche Summe zu dieſem Ende angelegt werde. 1979. Der Konſtituent kann ſich dadurch nicht von der Zahlung der Rente frei machen, daß er die Ruͤck⸗ zahlung des Kapitals anbietet und auf die Ruͤckzah⸗ lung der ſchon bezahlten Termine verzichtet; er iſt ge⸗ halten, die Rente während der ganzen lebenszeit der⸗ jenigen Perſon, oder der Perſonen, auf deren Koͤpfe die Rente geſtiftet worden iſt, zu bezahlen, wie lan⸗ ge auch immer dieſe Perſonen leben moͤgen, und wie läſtig ihm auch immer die Zahlung der Rente gewor⸗ den ſein mag. 1980. Der Eigenthuͤmer erwirbt die Leib Rente bloß im Verhältniß der Anzahl von Tagen, die er gelebt hat⸗ Wenn man jedoch übereingekommen iſt, daß ſie vorausbezahlt werden ſoll, ſo iſt ihm jeder Termin, der bezahlt werden ſollte, ſchon an dem Tage, wo deſſen Zahlung geſcheben ſollte, erworben. 1981. Man kann nicht ſtipuliren, daß eine Leib⸗ Rente keinem Arreſte unterworſen ſein ſoll, es ſeye dann, daß ſie unter einem ganz unentgeltlichen Titel geſtiftet worden iſt. 1982. Eine LeibRente erliſcht nicht durch den na⸗ tuͤrlichen Tod des Eigenthuͤmers; ihre Zahlung muß ſo lange ſein naturliches Leben dauert, fortgeſetzt werden. 1983. Der Eigenthuͤmer einer Leib Rente kann die verfallenen Termine nicht fordern, als indem er ſeine Exiſtenz oder die der Perſonen, auf deren Haupt ſie geſtiftet worden iſt, erweißt. ——— *— —— Dreizahnter Titel⸗ Von dem Mandat. (Deeretirt am 19 Ventoſe. verkuͤndigt am 29 Ventoſe 12.) Erſtes Kapitel. Von der Natur und Form des Mandats. 1984. Ein Mandat oder eine Vollmacht iſt ein Akt, wodurch jemand einem andern die Gewalt er⸗ theilt, etwas fuͤr ihn, den Vollmachtgeber, und in ſeinem Namen zu thun. Der Kontrakt wird erſt durch die Einwilligung des Bevollmaͤchtigten abgeſchloſſen. 985. Ein Mandat kann durch einen oͤffentlichen Akt oder durch einen Akt unter PrivatlUnterſchrift, oder auch ſelbſt durch einen Brief ertheilt werden. Es kann ſogar muͤndlich ertheilt werden, allein der Zeu⸗ genbeweiß daruͤber iſt bloß den im Titel: von den Kontrakten oder konventionellen Ver⸗ pflichtungen im Allgemeinen, enthaltenen R geln gemaͤß zuläſſig. Die Annahme des Mandats kann ſtillſchweigend geſchehen, und fließt alsdann aus dem Vollzug deſ⸗ ſelben durch den Bevollmaͤchtigten her. 1086. Das Mandat iſt, wenn nicht das Gegen⸗ theil ausgemacht worden, unentgeltlich. 1987. Jede Vollmacht iſt eine Spezial Voll⸗ macht, welche ſich auf ein oder einige beſtimmte Geſchaͤfte beſchränkt, oder eine GeneralVoll⸗ macht, fuͤr alle Geſchaͤfte des Vollmachtgebers. 988. Jede in allgemeinen Ausdruͤcken enthaltene Polſmacht begreift bloß die VerwaltungsAkte; Wenn von einem Verkaufe, oder einer Hypothekar⸗ Verpfaͤndung, oder irgend einem Akt uͤber das Ei⸗ genthum(acte de proprieté) die Rede iſt, ſo iſt eine ausdrucklich dahin ſprechende Vollmacht vonnoͤthen. 1989. Der Bevollmaͤchtigte darf nichts vornehmen, was ſeine Vollmacht uͤberſteigt: die Vollmacht, ſich zu vergleichen, enthält nicht die,(auf Schiedsrichter) zu kompromittiren.. 1990. Weiber und emancipirte Minderjaͤhrige koͤn⸗ nen zu Bevollmächtigten gewaͤhlt werden, allein der Vollmachtgeber hat bloß in Gemaͤßheit der allgemeinen Regeln in Bezug auf die Verpflichtungen der Min⸗ derjährigen ein Klagrecht gegen den Minderjaͤhrigen, und bloß in Gemaͤßheit der im Titel: von dem EheVertrag und den gegenſeitigen Ver⸗ pflichtungen der Ehegatten aufgeſtellten Re⸗ geln ein Klagrecht gegen die verheurathete Frau, wel⸗ che eine Vollmacht ohne Ermächtigung ihres Mannes angenommen hat. Zweites Kapitel. Von den Verpſlichtungen des Bevollmächtigten. 1991. Der Bevollmächtigte iſt verbunden, das Mandat ſo lange er damit beauftragt bleibt, zu voll⸗ ziehen, und iſt füͤr die Schadloshaltung, die aus deſſen NichtVollzug entſpringen koͤnnten, verantwort⸗ lich. Eben ſo iſt er verbunden, das, zur Zeit des Ab⸗ ſterbens des Vollmachtgebers bereits angefangene Ge⸗ ſchaft auszufuͤhren, wenn Gefahr auf dem Verzug haftet. 1992. Der Bevollmächtigte haftet nicht allein fuͤr Betrug und Argliſt, ſondern auch füͤr die Fehler, die er in ſeiner GeſchäftsFuͤhrung begeht. Doch wird die Veantwortlichkeit für Fehler weni⸗ ger ſtrenge auf den angewandt, deſſen Manbat unent⸗ geltlich iſt, als auf den, der einige Zahlung dafuͤr bezieht. 1993. Jeder Bevollmächtigte iſt verbunden, uͤber ſeine Geſchaͤſts Fuhrung Rechnung abzulegen, und dem Vollmachtgeber alles zu berechnen, was er kraft ſei⸗ ner Vollmacht empfangen hat, wenn ſelbſt das, was er empfangen hat, dem Vollmachtgeber nicht geſchul⸗ det geweſen wäre. 1994. Der Bevollmächtigte iſt fuͤr den, den er ſich in ſeiner GeſchaͤftsFuͤhrung ſubſtituirt hat, verant⸗ wortlich, 1) wenn er keine Vollmacht erhalten hat, ſich jemand zu ſubſtituiren 2) wenn er dieſe Voll⸗ macht ohne Bezeichnung einer Perſon erhalten hat, und der, welchen er gewählt hat, notoriſch unfähig oder unzahlsfähig war. In allen Faͤllen kann der Vollmachtgeber unmittel⸗ bar den angreiſen, welchen der Bevollmaͤchtigte ſich ſubſtituirt hat. 1995. Wenn mehrere Bevollmächtigte oder Man⸗ datarien durch denſelben Akt ernannt worden ſind, ſo beſteht keine Solidarität zwiſchen ihnen, als in ſo fern ſie ausdruͤcklich durch denſelben begruͤndet wird. 1996. Der Bevollmächtigte iſt von den Summen, die er zu ſeinem Gebrauch verwendet hat, von dem Tag dieſer Verwendung an, und von denjenigen, die er aus ſeiner Rechnung ruͤckſtändig bleibt, von dem Tage an, wo er in Ruckſtand verſetzt worden iſt, Zinſen ſchuldig. 1997. Wenn ein Bevollmächtigter der Parthie, mit welcher er in dieſer Eigenſchaft kontrahirt, von ſeiner Vollmacht eine hinlängliche Kenntniß gegeben hat, ſo iſt er zu keiner Gewaͤhrleiſtung fur das, wos — 4— uͤber die Gränzen berſelben vorgenommen worden iſt, ſchuldig, wenn er ſich anderſt nicht perſoͤnlich derſelben unterworfen hat. Drittes Kapitel. Von den Verpflichtungen des Vollmachtgebers. 1998. Der Vollmachtgeber iſt verbunden, die von dem Bevollmaͤchtigten in Gemaͤßheit der demſelben ertheilten Vollmacht eingegangenen Verpflichtungen, zu vollziehen. Er haftet fur das, was uͤber die Gränzen dieſer Vollmacht vorgenommen worden, nur in ſo weit, als er es ausdrucklich oder ſtillſchweigend rarifizirt hat. 1999. Der Vollmachtgeber muß dem Bevollmäch⸗ tigten die Vorlagen und Koſten zuruͤckerſtatten, wel⸗ che dieſer fuͤr den Vollzug des Mandats vorgelegt bat, und ihm ſeine Belohnung zahien, wenn er ihm deren eine verſprochen hat. Wenn dem Bevollmaͤchtigten kein Fehler zu Laſt gelegt werden kann, ſe kann der Vollmachtgeber die⸗ ſe Ruͤckerſtattung und Zahlung nicht verweigern, wenn auch gleich das Geſchaft nicht gelungen waͤre, noch den Betrag der Koſten und Vorlagen unter dem Vorwande herabſetzen laſſen, daß ſie hätten geringer ſein koͤnnen. 3 zooo. Der Vollmachegeber muß den Bevollmäch⸗ tigten auch fuͤr den Verluſt entſchaͤdigen, welchen die⸗ ſer bei Gelegenheit ſeiner GeſchaftsFuͤhrung, ohne daß ihm Unvorſichtigkeit zur Laſt gelegt werden konn⸗ te, erlitten hat. 20or. Der Vollmachtgeber iſt dem Bevollmächtig⸗ ten fuͤr die von ihm gemachten Vorlagen, von dem Tag der erwiefenen Vorlage an, Zinſen ſchuldig. 2002. Wenn mehrere Perſonen einen Bevollmaͤch⸗ 5— ——,————.—— —— tigten fuͤr ein gemeinſchaftliches Geſchaͤft ernannt ha⸗ ben, ſo haftet jede derſelben ihm ſolidariſch fuͤr alle Wirkungen des Mandats. e iel. Von den verſchiedenen Arten der Beendigung des Mandats. 20o. Eine Vollmacht erliſcht, durch den Wider⸗ ruf der Vollmacht durch die Verzichtleiſtung des Bevollmaͤchtigten auf die Vollmacht durch den natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tod, die Interdiktion oder den gaͤnzlichen Ruͤckgang des Voll⸗ machtgebers oder des Bevollmaͤchtigten. 2004. Der Vollmachtgeber kann ſeine Vollmacht, nach Gutduͤnken, widerrufen, und nach Beſchaffen⸗ heit der Umſtäͤnde den Bevollmaͤchtigten zwingen, ihm den Akt unter PrivatUnterſchrift, welcher ſie enthaͤlt, oder das Original der Vollmacht, wenn ſie auf einem fliegenden Blatte ausgeſtellt worden iſt, oder die Ex⸗ pedition derſelben, wenn die Urſchrift von dem Notar zuruͤckbehalten worden iſt, zuruͤckgeben. 2005. Iſt der Widerruf nur dem Bevollmächtig⸗ ten allein bekannt gemacht worden, ſo kann derſelbe dritten Perſonen, welche ohne etwas von dem Wider⸗ ruf zu wiſſen, kontrahirt haben, nicht opponirt wer⸗ den, vorbehaltlich des Ruͤckgriffs des Vollmachtgebers gegen den Bevollmaͤchtigten. z006. Die Konſtituirung eines neuen Bevollmaͤch⸗ tigten fur daſſelbe Geſchäft gilt von dem Tage an, wo ſie dem erſten Bevollmaͤchtigten zugeſtellt worden, als Widerruf ſeiner Vollmacht. 2007. Der Bevollmächtigte kann auf die Voll⸗ macht Verzicht leiſten, indem er dieſe Verzichtleiſtung dem Vollmachtgeber notifizirt. — Wenn jedoch dieſe Verzichtleiſtung dem Vollmacht⸗ geber zum Nachtheil gereicht, ſo muß er von dem Bevollmaͤchtigten dafuͤr entſchaͤdigt werden, es ſei denn, daß dieſer ſich in der Unmoͤglichkeit befaͤnde, das Mandat zu vollführen oder ſelbſt einen betraͤchtli⸗ chen Nachtheil dadurch zu erleiden. zoog. Wenn der Bevollmächtigte von dem Tode des Vollmachtgebers, oder von einer der andern Ur⸗ ſachen, durch welche die Vollmacht erliſcht, keine Kenntniß hat, ſo iſt das, was er in dieſer Unwiſ⸗ ſenheit gemacht hat, guͤltig. 2009. In den obigen Fällen muͤſſen die von dem Bevollmächtigten gegen dritte Perſonen, die in gutem Glauben waren, eingegangenen Verpflichtungen, voll⸗ zogen werden. 2010. Im Falle des Abſterbens des Bevolimaͤch⸗ tigten muͤſſen ſeine Erben den Vollmachtgeber davon benachrichtigen, und unterdeſſen fuͤr dasjenige ſorgen, was die Umſtände fur das Intereſſe dieſes leztern er⸗ beiſchen. Vierzehnter Titel⸗ Von Buͤrgſchaſten. Dekretirt am 24 Pluvioſe, verkuͤndigt am 4ten Ventoſe 11 Jahrs.) Erſtes Kapitel. Von der Natur und dem Umfange der Burgſchaft. zo11. Wer Buͤrge einer Verpflichtung wird, macht ſich gegen den Glaͤubiger anheiſchig, dieſe Verpflich⸗ tung zu erfuͤllen, wenn der Schuldner ſie nicht ſelbſt erfullt. o12. Es giebt keine Burgſchaſt, als nur fur gultige Verpflichtungen · Man kann jedoch fuͤr eine Verpflichtung Buͤrge werden, wenn gleich dieſe durch eine, dem Verpflich⸗ teten perſonliche, Einrede, z. B. im Falle der Min⸗ derjährigkeit, nichtig erklärt werden kann. zo13. Die Buͤrgſchaft kann das nicht uͤberſteigen, was der Schuldner ſchuldig iſt, und ſie kann nicht unter laͤſtigeren Bedingungen, als die Schuld ſelbſt, kontrahirt werden. Sie kann aber nur für einen Theil der Schuld und unter weniger läſtigen Bebingungen kontrahirt werden. Eine Buͤrgſchaft, welche die Schuld uͤberſteigt, oder unter laͤſtigeren Bedingungen kontrahirt worden iſt, iſt nicht nichtig; ſondern bloß der Redukion nach Maaßgabe der Hauptverpflichtung unterworfen. z014. Man kann ohne Auftrag desjenigen, fuͤr welchen man ſich verpflichtet, ja ſelbſt ohne ſein Vor⸗ wiſſen, Buͤrge werden. Man kann auch, nicht allein fuͤr den Hauptſchuld⸗ ner, ſondern auch fuͤr den, der ſich fuͤr dieſen ver⸗ buͤrgt hat, Buͤrge werben. z015. Eine Buͤrgſchaft wird nicht vermuthet. Sie muß ausdruͤcklich ſein, und darf nicht uͤber die Graͤnzen, in welchen ſie kontrahirt worden iſt, aus⸗ gedehnt werden. 2016. Die unbeſtimmte Buͤrgſchaft einer Heupt⸗ Verpflichtung erſtreckt ſich auf alle Acceſſionen der Schuld, ſelbſt auf die Koſten der Klage gegen den erſten Schuldner. und auf alle die, welche nach der, an den Buͤrgen erlaſſenen Benachrichtigung davon, aufgegangen ſind.(aus frais de la premiére de- mande, et à tous ceus posterieurs à la denon- ciation, qui en est faite à la Caution.) 20 17. Die Verpflichtungen der Buͤrgen gehen auf — ℳ6— ihre Erben uͤber, mit Ausnahme der koͤrperlichen Ver⸗ haftung, wenn die Verpflichtung von der Art war, daß der Buͤrge derſelben unterworfen war. zorg. Wenn ein Schuldner ſich verpflichtet hat, einen Buͤrgen zu ſtellen, ſo muß er einen ſolchen dar⸗ ſtellen, der befugt iſt, zu kontrahiren, der ein Gut (bien) beſitzt, welches hinreichend iſt, um fuͤr den Gegenſtand der Verpflicheung zu haften, und der ſei⸗ nen Wohnſitz in dem Bezirke desjenigen Appellations⸗ Gerichtes hat, in deſſen Amtskreiß die Buͤrgſchaft ge⸗ ſtellt werden muß. zor9. Die Zahlsfäbigkeit eines Buͤrgen wird nur in Hinſicht auf ſein GrundEigenthum geſchätzt, aus⸗ genommen in Handelsſachen und bei geringen Schul⸗ den; beſtrittene Immöbel oder ſolche, die man wegen der Entſernung ihrer Lage nicht ohne allzugroße Schwie⸗ rigkeiten angreifen koͤnnte, kommen dabei nicht in Anſchlag. 2ozo. Wenn ein, von einem Glaͤubiger freiwillig oder bei Gericht angenommener Bürge nachher un⸗ z hlsfäͤhig wird, ſo muß ein anderer geſtellt werden⸗ Dieſe Regel erleidet nur in dem einzigen Falle eine Ausnahme, wenn der Buͤrge nur kraft einer Ueber⸗ einkunft geſtellt worden iſ, wodurch der Glaubiger beſtimmt eben dieſe Perſon als Buͤrge verlangt hat. Zweites Kdpitel. Von der Wirkung einer Buͤrgſchaft. Erſter Abſchnitt- Von der Wirkung der Burgſchaft zwiſchen dem Glaͤnbiger und dem Bürgen. „021. Der Buͤrge iſt nur in Ermangelung des Schuldners gegen den Glaubiger zur Zahlung ver⸗ pflichtet; dieſer, der Schuldner, muß vorerſt in ſei⸗ nem Vermoͤgen ausgeklagt werden, es ſei denn daß der Buͤrge auf die Rechtswohlthat der Vorausklage Verzicht geleiſtet, oder ſich wenigſtens ſolidariſch mit dem Schuldner verpflichtet haͤtte; in welchem Falle ſeine Verpflichtung nach den Grundſätzen regulirt wird, die fuͤr ſolidariſche Schulden aufgeſtellt worden ſind. 2022. Der Glaͤubiger iſt nicht verbunden, den Hauptſchuldner vorerſt auszuklagen, als wenn der Buͤrge es auf die erſten, gegen ihn gerichteten, Be⸗ treibungen, anverlangt. 2023. Wenn der Buͤrge auf die Vorausklage an⸗ traͤgt, ſo muß er dem Glaͤubiger die Guͤter des Haupt⸗ ſchuldners veranzeigen, und die Summe vorſchieſſen, welche zu dieſer Vorausklage erforderlich iſt. Er darf ihm weder ſolche Güter des Hauptſchuld⸗ ners angeben, welche auſſer dem AmtsBezirke des Appellations Gerichtes des Ortes, wo die Zahlung ge⸗ ſchehen ſoll, gelegen ſind, noch beſtrittene Guͤter, noch ſolche, die zwar fuͤr die Schuld hypothezirt ſind, aber die der Schuldner nicht mehr im Beſitze hat. 2024. So oft der Buͤrge die Guͤter des Haupt⸗ ſchuldners nach der Vorſchrift des vorigen Artikels ver⸗ anzeigt und einen hinlaͤnglichen Vorſchuß fuͤr die Vor⸗ ausklage gemacht hat, iſt der Glaͤubiger dem Buͤrgen bis zur Konkurrenz der veranzeigten Guͤter fuͤr die Unzahlsfaͤhigkeit des Hauptſchuldners verantwortlich, in ſo fern dieſe durch die Unterlaſſung von gerichtlichen Verfolgungen entſtanden iſt. z025. Wenn mehrere Perſonen ſich fuͤr einen Schuldner und fuͤr eine Schuld verbuͤrgt haben, ſo baftet jede fuͤr die ganze Schuld. 2o26. Jede von ihnen kann jedoch, in ſo fern ſie nicht auf die Rechts Wohlthat der Theilung Verzicht geleiſtet hat, anverlangen, daß der Gläubiger vorerſt — 4 ſeine Klage theile und ſie auf den Antheil jedes Buͤr⸗ gen beſchraͤnke. Wenn zu der Zeit, worin einer der Buͤrgen ein urtheil erwirkt hat wodurch die Theilung der Klage anbefohlen wird, ein oder einige der Buͤrgen unzahls⸗ fahig waren, ſo haftet dieſer Buͤrge verhältnißmäſſig fur die Ancheile der Unzahlsfaͤhigen; allein er kann wegen einer Unzahlsfähigkeit, die nach der Theilung entſtanden waͤre, nicht mehr in Anſpruch genommen werden. 2027. Hat der Glaͤubiger ſelbſt und freiwillig ſeine Klage getheilt, ſo kann er von dieſer Theilung nicht mehr abgehn, wenn auch ſelbſt ſchon vor der Zeit, wo er auf dieſe Art in die Theilung eingewilligt hat⸗ der eine oder der andere der Buͤrgen unzahlsfähig geweſen wäre. Zweiter Abſchnitt. Von der Wirkung der Buͤrgſchaft zwiſchen dem Schuldner und dem Bürgen. 2og. Jeder Buͤrge, der gezahlt hat, hat ſeinen Ruͤckgriff gegen den Hauptſchuldner, die Buͤrgſchaft mag nun mit oder ohne Vorwiſſen des Schuldners geleiſtet worden ſein. Dieſer Ruͤckgriff hat ſowohl fuͤr das Kapital, als fuͤr Intereſſen und Zinſen ſtatt; doch hat der Buͤrge bloß fur jene Koͤſten einigen Ruckgriff, die er getra⸗ gen hat, ſeitdem er dem Hauptſchuldner die gegen ihn gerichteten Betreibungen veranzeigt hat. Nach Beſchaffenheit der Umſtände hat er auch ſei⸗ nen Ruͤckgriff fur ſeine völlige Schadloshaltung. 20a9. Der Bürge, der eine Schuld bezahlt hat, tritt in alle Rechte, die der Glaubiger gegen den Schuldner hatte, ein. d ——— 2030. Wenn mehrere Hauptſchuldner ſur eine Schuld ſolidariſch verpflichtet waren, ſo hat der Buͤrge, der ſich fuͤr ſie alle verbürgt hat, gegen jeden von ihnen ſeinen Ruͤckgriff fuͤr die Ruͤckforderung der ganzen von ihm geleiſteten Zahlung. zo31. Wenn ein Buͤrge bezahlt hat, und ber Hauptſchuldner hat nachher zum zweitenmal bezahlt, ſo hat der erſte keinen Ruͤckgriff gegen den lezten, wenn er ihn von der von ihm geſchehenen Zahlung nicht benachrichtiget hat, vorbehaltlich ſeiner Klage auf Ruͤcker ſtattung gegen den Glaubiger. Wenn der Buͤrge bezahlt hat, ohne daß er auf die Zahlung verklagt war, und ohne den Hauptſchuldner benachrichtiget zu haben, ſo hat er in dem Falle kei⸗ nen Ruͤckgriff gegen dieſen, wenn derſelbe im Augen⸗ blick der Zahlung Mittel gehabt hatte, um die Schuld fuͤr erloſchen erklaͤren zu laſſen; vorbehaltlich ſeiner Klage auf Zuruͤckerſtattung gegen den Gläubiger. 2032. Der Buͤrge kann, ſelbſt ehe er bezahlt hat, in folgenden Fällen gegen den Schuldner auſtreten, um von ihm ſchadlos gehalten zu werden⸗ 1) Wenn er auf die Zahlung vor Gericht verklagt 2) Wenn der Schuldner Bankerott gemacht hat oder gaͤnzlich im Ruͤckgang iſt. 3) Wenn ſich der Schuldner anheiſchig gemacht hat, ihm in einer beſtimmten Zeit die Entlaſtung von ſeiner Verpflichtung beizubringen. 4) Wenn die Schuld durch den Ablauf der Friſt, auf welche ſie kontrahirt worden war, fällig geworden 5) Nach Ablauf von zehn Jahren, wenn die Haupt⸗ Verpfüchtung keine beſtimmte VerfallFriſt enthält, den Fall ausgenommen, wenn die HaupVerpflich⸗ eung, z. B. eine Vormundſchaft, von der Art iſt, daß ſie nicht vor einer beſtimmten Zeit getilgt werden kann. Dritter Abſchnitt. Von der Wirkung der Burgſchaft unter den Mitbürgen. 2033. Wenn ſich mehrere Perſonen fuͤr einen Schuldner und fur eine Schuld verbuͤrgt haben, ſo hat der Buͤrge, der die Schuld abbezahlt hat, ſeinen Ruͤckgriff gegen die uͤbrigen Buͤrgen, und zwar ge⸗ gen jeden fuͤr ſeinen Antheil. Allein dieſer Ruͤckgriff findet nur dann ſtatt, wenn der Bürge in einem der im vorigen Artikel angefuhr⸗ ten Jaͤllen bezahlt hat. Drittes Kapitell. Von Erloſchung der Buͤrgſchaft. 2034. Die Verpflichtung, welche aus einer Bürg⸗ ſchaft entſpringt, erliſcht durch die nähmlichen Urſa⸗ chen, wie andere Verpflichtungen. oz. Durch die Konfuſion, welche ſich dann in der Perſon des Hauptſchuldners und ſeines Buͤrgen ereignet, wenn einer den andern erbt, erliſcht die Klage des Gläubigers gegen denjenigen, der ſich für den Buͤrgen verbuͤrgt hat, nicht. 2036. Ein Buͤrge kann dem Glaͤubiger alle Einre⸗ den opponiren, welche dem Hauptſchuldner zuſtehn, und der Schuld ankleben; Allein er kann ſolche Einreden nicht opponiren, wel⸗ che dem Schuldner perſoͤnlich ſind.. 2037. Der Baͤrge iſt entlaſtet, wenn durch eine Thachandlung des Glaͤubigers, ſeine Subrogation in die Rechte, Hypotheken und Privilegen dieſes Glaͤu⸗ bigers unmoͤglich geworden iſt. —————— —„—— — „——— „—„— en en en an kg⸗ ſ⸗ in e die ſü e n el — 481— 2038. Hat der Glaͤubiger ein Immoͤbel oder irgend eine Sache freiwillig an Zahlungsſtatt fuͤr die Haupt⸗ ſchuld angenommen, ſo iſt der Buͤrge ſeiner Verpflich⸗ tungen entledigt, wenn gleich der Gläubiger nachher daraus evinzirt werden ſollte. 2039. Die bloſſe Bewilligung einer Verlaͤngerung des Zahlungs Termins durch den Glaͤubiger zu Gun⸗ ſten des Hauptſchuldners entledigt aber den Buͤrgen ſeiner Verbindlichkeiten nicht, der jedoch in dieſem Falle den Schuldner verfolgen kann, um ihn zur Zah⸗ lung anzuhalten⸗ Von der geſetzlichen und gerichtlichen Burgſchaft⸗ 2040. So oft jemand, durch das Geſetz oder eine Verurtheilung verpflichtet iſt, eine Buͤrgſchaft zu ſtellen, ſo muß der angebotene Buͤrge den durch die Art. 2018 und z019 vorgeſchriebenen Bedingungen genug thun⸗ Wenn von einer gerichtlichen Verbuͤrgung die Rede iſt, ſo muß der Buͤrge noch auſſerdem der koͤrperlichen Verhaftung empfaͤnglich ſein. 2041. Wer keinen Buͤrgen finden kann, wird zu⸗ gelaſſen an deſſen Stelle ein Unterpfand zur Sichet⸗ heit zu geben. 2042. Ein gerichtlicher Buͤrge kann nicht auf die Voraus Klage gegen den Hauptſchuldner antragen. 2o43. Wer ſich unbedingt fuͤr einen gerichtlichen Buͤrgen verbuͤrgt hat, kann nicht auf die Vorausklage gegen den Hauptſchuldner, und auf die gegen den Buͤrgen antragen. Civiſ Geſetb. 31 — 482— 3 Fuͤnfzehnter Titel⸗ Von Vergleichen. Dekrettrt am 29 PVentoſe, verkuͤndigt am 9ten Germinat 12 Jahrs) 2044. Ein Vergleich iſt ein Kontrakt, wodurch die Parthien einen ſchon beſtehenden Rechtsſtreit beendi⸗ * gen, oder einem zukünftigen Rechtsſtreit vorbeugen. Dieſer Kontrakt muß ſchrifcch abgefaßt werden. 2045. Um ſich vergleichen zu koͤnnen, muß man die Faͤhigkeit beſitzen, uͤber die in dem Vergleiche be⸗ griffenen Gegenſtaͤnde zu verfügen. Ein Vormund kann ſich, fur einen Minderjährigen oder Interdizirten, nicht anderſt, als in Gemäßheit 6 des Art. 467 des Titels: von der Minderjaͤhrig⸗ keit, der Vormundſchaft und der Emanzipa⸗ tion vergleichen; er kann mit dem, großjährig gewor⸗ denen, Minderjährigen ſich uͤber die vormundſchaftli⸗ che Rechnung nicht anderſt, als in Gemaͤßheit des Art. 472 deſſelben Titels vergleichen. Gemeinden und oͤffentliche Anſtalten koͤnnen ſich nicht anderſt, als mit ausdruͤcklicher Ermaͤchtigung der Re⸗ gierung vergleichem⸗ 2046. Man kann ſich uͤber das Privat Intereſſe vergleichen, welches aus einem Verbrechen entſpringen kann, allein der Vergleich hindert die Verfolgungen des öffentlichen Miniſteriums nicht. 20 47. Man kann einem Vergleich die Stipulation einer Strafe gegen denjenigen, der ihn nicht erfuͤllen . werde, beiſetzen. 2048. Jeder Vergleich beſchränkt ſich auf ſeinen Gegenſtand; wenn man in demſelben auf alle Rechte, Klagen und Anſpruͤche Verzicht geleiſtet hat, ſo ver⸗ ſteht ſich dieſes nur von demjenigen, was ſich auf den Streit bezieht, der zu demſelben ſtatt gegeben hat. ſ 2049. Die Vergleiche regulieren bloß diejenigen Strittigkeiten, welche darin begriffen ſind, die Par⸗ thien moͤgen nun ihre Abſicht durch beſondere oder all⸗ gemeine Ausdrucke geauſſert haben, oder man mag nun dieſe Abſicht durch eine nothwendige Folge des⸗ jenigen, was im Vergleich ausdruͤcklich enthalten iſt, erkennen. 2050. Wenn jemand, der ſich uͤber ein, ihm per⸗ ſoͤnlich in ſeinem eignen Namen zuſtehendes Recht ver⸗ glichen hat, nachher ein aͤhnliches, von einer andern Perſon herruͤhrendes Recht erwirbt, ſo bindet ihn der fruͤhere Vergleich nicht in Hinſicht auf das néuerwor⸗ bene Recht. 2051. Ein, von Einei mehrerer Betheiligten ge⸗ machter Vergleich, bindet die andern Betheiligten nicht und kann eben ſo wenig von ihnen opponirt werden. 2052. Ein Vergleich hat zwiſchen den Parthien die Kraft eines in lezter Inſtanz erlaſſenen, in Rechts⸗ kraft erwachſenen, Urtheils. Er kann weder unter dem Vorwande eines Irtthums uber die rechtlichen Grundſätze, noch wegen Verletzung angegriffen werden. 2053. Ein Vergleich kann jedoch wieder aufgehoben werden, wenn ein Irrthum in der Perſon oder uͤber den Gegenſtand des Rechtsſtreites obgewaltet hat. Er kann in allen Fällen wieder aufgehoben werden, wenn Betrug oder Gewalt gebraucht worden iſt. 2054. Die Klage auf Wiederaufhebung eines Ver⸗ gleichs findet auch dann ſtatt, wenn er zum Vollzug eines nichtigen RechtsTitel geſchloſſen worden iſt, es ſei dann, daß die Parthien ausdrucklich uͤber die Nul⸗ litat kontrahirt hãtten. 2055. Ein Vergleich, der auf Papiere abgeſchloſ. ſen worden, die ſeitdem fur falſch erkannt worden ſind, iſt durchaus nichtig.„ — 494— 2056. Ein Vergleich uͤber einen Rechtsſtreit, der durch ein in Rechtskraft erwachſenes Urtheil beendigt war, von welchem die Parthien, oder eine von ihnen keine Kenntniß hatte, iſt nichtig. Wenn das, den Parthien unbekannte, Urtheil; der Appellation empfaͤnglich war, ſo iſt der Vergleich guͤltig. 2057. Wenn die Parthien ſich im Allgemeinen uber alle Geſchafte, die ſie mit einander haben mögen, ver⸗ glichen haben, ſo ſind Rechts Titel, welche ihnen da⸗ mals unbekannt waren, und die erſt ſpaͤterhin entdeckt worden ſein koͤnnen, kein Grund zur Wiederaufhebung⸗ es ſei denn, daß ſie durch das Faktum einer der Par⸗ thien zuruͤckbehalten worden waren; Allein der Vergleich wuͤrde nichtig ſein, wenn aus ſpäterhin entdeckten Papleren hervorgehn ſollte, daß eine der Parthien auf dasjenige, was der einzige Ge⸗ genſtand deſſelben war, gar kein Recht hatte. 2088. RechnungsFehler in einem Vergleich muͤſſen verbeſſert werden⸗ Sechzehnter Titei. Von dem körperlichen Zwang in Civil Sachen. Pekretirt am a Plubioſe, berkunbigt am Zten Ventoſe 12 Jahrs.) 2059. In Civilſachen findet perſoͤnlicher Zwang ſtatt wegen Stellionat. Stellionat iſt, wenn man ein Immoͤbel verkauft oder hypothezirt, ohngeachtet man weiß, daß man nicht Eigenthuͤmer davön iſt; wenn man hypothezirte Guͤter fuͤr frei ausgiebt, oder geringere Hypotheken angiebt, als die, womit dieſe Guͤter beſchwert ſind. ⁊obo. Auch findet korperlicher Zwang ſtatt e n 1) Wegen eines gezwungenen Depots, 2) Im Falle der Wiedereinſetzung, um die von der Juſtitz anbefohlene Räumung eines Grundſtuͤcks zu bewirken, deſſen der Eigenthuͤmer gewaltſamer Weiſe entſetzt worden iſt; fuͤr die Ruͤckerſtattung der waͤh⸗ rend dem unrechtmaͤſſigen Beſitze davon bezogenen Fruͤchte, und fuͤr die Zahlung der Schadloshaltun⸗ gen, welche dem Eigenthuͤmer zugeſprochen worden ſind. 3) Im Falle der Zuruckforderung von Geldern, welche in die Haͤnde von oͤffentlichen, eigends dazu ange⸗ ſtellten, Perſonen hinterlegt worden ſind. 4) Im Falle der Repraſentation von Dingen, die bei einem Sequeſter, einem Commiſſar oder einem Aufbewahrer deponirt worden ſind. 5) Gegen gerichtliche Buͤrgen, und gegen die Buͤr⸗ gen ſolcher Perſonen, welche dem koͤrperlichen Zwange unterworfen waren, wenn naͤmlich die Buͤrgen ſich dieſem Zwange unterworfen haben. 6) Gegen alle öffentliche Beamten, wegen Vorlage ihrer Urſchriften, wenn dieſe befohlen worden iſt. 7) Gegen die Notarien, die Avoues und die Huiſſiers fuͤr die Ruͤckerſtattung der ihnen, zufolge ihrer Amtsverrichtungen, anvertrauten Rechts Titel, und der von ihnen, zufolge derſelben, fuͤr ihre Clienten empfangenen Gelder. z061. Diejenigen, welche durch ein, im petitori⸗ ſchen Rechtsweg erlaſſenes, und in Rechtskraft erwach⸗ ſenes Urtheil verurtheilt worden ſind, ein Grundſtuck zu raͤumen und demſelben Folge zu leiſten verweigern, können, durch ein zweites Urtheil, fuͤnfzehn Tage nach dem das erſte Urtheil, entweder der Perſon ſelbſt oder in ihrem Wohnorte zugeſtellt worden, mittelſt koͤrper⸗ lichen Zwangs dazu gezwungen werden. Wenn das Grundſtuck oder Landgut mehr als fuͤnf Myriameter von dem Wohnorte der verurtheilten Par⸗ thie entlegen iſt, ſo muß der Zeitfriſt von fuͤnfzehn Tagen immer ein Tag fuͤr jede Entfernung von fuͤnf Myriametern zugeſetzt worden. z062. Gegen Paͤchter kann wegen der Zahlung des Pachtſchillings von Feldguͤtern der koͤrperliche Zwang nicht ausgeſprochen werden, wenn es nicht ausdruͤck⸗ lich in dem Pacht Kontrakt bedungen worden iſt. Doch koͤnnen die Paͤchter und die, welche fuͤr einen Theil der Fruͤchte bauen, durch koͤrperlichen Zwang zur Zab⸗ lung angehalten werden, wenn ſie zu Ende der Pacht⸗ Zeit, das in Pachtung gegebene Vieh, das Saat⸗ Korn, und die AckerGeraͤthſchaften, welche ihnen an⸗ vertraut worden ſind, nicht zuruͤckliefern; wenn ſie anderſt nicht erweiſen, daß der Abgang dieſer Gegen⸗ ſtaͤnde nicht von ihrem Faktum herruͤhrt. 2063. Auſſer den in den vorhergehenden Artikeln beſtimmten Faͤllen, oder denjenigen, die noch in Zu⸗ kunft durch ein foͤrmliches Geſetz beſtimmt werden koͤnn⸗ ten, iſt es allen Richtern verboten, den koͤrperlichen Zwang auszuſprechen, allen Notarien und Gericht⸗ ſchreibern, Akte aufzunehmen, worin er ſtipulirt waͤ⸗ re, und allen Franzoſen, in ſolche Akte, wenn ſie auch gleich im Auslande abgeſchloſſen worden waͤren, einzuwilligen; alles unter Strafe der Nullitaͤt, der Koͤſten und voͤlliger Schadloshaltung.(1) J (1) Der korperliche Swang(Perſona Arreſt) kann nur in den von dem Geſete, vorgeſehenen Faͤllen ausgeſprochen werden. Doch bleibt es der Weisbeit des Gerichtes uͤberlaſſen, ſie auszuſprechen 1. für Schadloshaltungen in Civi Materien, deren Betrag die Summe von dreihundert Livres uͤberſteigt; a. fuͤr Ruͤckſtände von abgehaltenen Rechnungen über Vormund⸗ ſchaften Kuratelen, Verwaltungen von Körperſi haften und Gemein⸗ heiten, dffentlichen Anſtalten und über jede von Gerichtswegen über⸗ tragene Verwaltung und fͤr alle zufolge der beſagten Rechnungen — 487— nf 2064. Selbſt in den hier oben angefuͤhrten Fällen . kann der koͤrperliche Zwang nicht gegen Minderjährige hn ausgeſprochen werden. zu machenden Ruͤckerſtattungen.(Art. 16. des Geſetzbuchs uͤber das es Perfahren im buͤrgerlichen Prozeß.) In den im vorhergehenden Artikel angefuͤhrten Faͤllen können die ng Richter verordnen, daß waͤhrend der Zeit, welche ſie beſtimmen wer⸗ c⸗ den, mit dem Vollzug des PerſonaArreſtes eingehalten werden ſoll; ⁰ nach deren Ablauf wird er aber oyne ein neues Urtheil vollſtrekt. och Dieſer Anfſchub kann nur durch dasjenige Urtheil bewilligt werden, i welches den Rechtsſtreit entſcheidet, und es muß die Beweggruͤnde des el Aufſchubs angeben.(Art. 127. deſſ.) ch⸗ Wenn nach dem Ablauf der(für die Mittheilungen der Aktenſtuͤcked 9 veſtimmten Zeitfriſt, der Aboue die Akzen nicht zuruͤckgebracht hat, ſo ht⸗ wird, auf eine bloſe Bittſchrift,(Kéquere) ja ſelbſt auf eine bloſe Denkſchrift(memoire) der Parthey, eine Ordonnanz erlaſſen, des at⸗ Inhalts, daß er ohnverzuglich, und ſelbſt mittelſt PerſonalArreſtes, n⸗ zu dieſer Herausgabe gezwungen werden ſoll; ja ſelbſt, der andern . Parthey fär jeden Tag, an welchem er ſie von dem der Zuſtellung ſte der beſagten Ordonnanz noch verzogern, wuͤrde, drei Franken als Entſchädigung zu zahlen, und zwar auſſer den Koſten der Bittſchrift e⸗ und der Ordonnauz, die er von demjenigen, der ihn konſtituirt hat⸗ nicht zuruͤckfordern kann.(Art. 151. deſſ. Im Fall der Oppoſition muß dieſer InzidentAkt ſummariſch be⸗ eln richtigt werden. Wenn der Avoue unterliegt, muß er perſönlich in 3u⸗ die Koſten der InzidentKlage, ja ſelbſt zu allen andern Schadloshal⸗ tungen und Strafen verurtheilt werden, welche, hach Veſchaffenheit nn⸗ der Umſtände, gebuͤhren moͤgen.(Art. 152. deſſ.) Wenn die,(zu einer gerichtlich angeordneten Parifikation der hen Handſchrift erfoderliche) zum PVergleich dienende Schriften(piéces cht de comparaison) ſich in den Haͤuden von offentlichen Depoſitaͤren oder . andern Perſonen befinden, ſo verordnet der Richter, welcher als wa⸗ Kommſſär ernannt iſt, daß die Inhaber der beſagten Schriſten ſelbe an dem von ihm beſtimmten Tag und Stunde an dem Orte hinbrin- ſe gen ſollen, wo die Parifikation vorgenommen werden ſoll; und zwar en unter Strafe, füͤr die ofſentlichen Depoſitionen, mittelſt Perſona Ar⸗ reſtes, und fuͤr andre Perſonen mittelſt der gewoͤhnlichen Zwangsmit⸗ der tel dazu angehalten zu werden; die Ausſprechung des PerſonalArre- ſtes bleibt ſogar, nach Beſchaffenheit der Umſtände, auch gegen Lez- tern unbenommen,(Art. 201. deſſe) Wenn es bewieſen wird, daß die Schrift von demjenigen, der ſie abgelaͤugnet har, geſchrieben oder unterſchrieben iſt, ſo wird er noch vo auſſer den Koſten und voölliger Schadloshaltung der Parthie, zu einer lett Geldſtrafe von hundertfünfzig Fränken zum Vortheil der Domainen verurtheilt, und kann für diejenige Verpflichtung ſelbſt unter Perſo⸗ E nalArreſt verurtheilt werden.(Art. a13. deſſ.) Wenn eine Urſchrift von einer Schrift vorhanden iſt, welche der un Verfälſchung vezüchtigt iſt, ſo kann der Richter, welcher als Kommiſ nein⸗ ſär ernannt iſt, nach Beſchaffenheit der Umſtände auf die Bittſchrift iben des Klägers, verordnen, daß der Beklagte gehalten ſehn ſoll, in der ugen Zeit, welche ihm angeſezt werden wird, die beſagte Urſchrift auf die — 488— 2065. Er kann nicht fuͤr Summen unter dreihun⸗ dert Franken ausgeſprochen werden. 2066. Gegen ſiebenzigjaͤhrige Perſonen, Weiber und Mädchen kann er nur im Falle des Stellionats ausgeſprochen werden. Es iſt genug, daß das ſiebenzigſte Jahr angefangen habe, um der den ſiebenzigjaͤhrigen Perſonen bewillig⸗ ten Beguͤnſtigung zu genieſſen. Der koͤrperliche Zwang findet, wegen Stellionat, waͤhrend der Ehe gegen verheirathete Weiber nur dann ſtatt, wenn ſie in Trennung der Guͤter leben, oder wenn ſie Guͤter beſitzen, deren freie Verwaltung ſie ſich vorbehalten haben, und nur fuͤr Verpflichtungen, welche dieſe Guͤter betreffen. Weiber, welche in Gemeinſchaft der Guͤter leben, und ſich gemeinſchaftlich oder ſolidariſch mit ihren Maͤn⸗ nern verpflichtet haben, koͤnnen wegen dieſen Kontrak⸗ ten nicht als eines Stellionats ſchuldig angeſehen wer⸗ den. 2067. Der koͤrperliche Zwang kann, ſelbſt in den Fällen, worin das Geſetz ihn ermächtigt, nur kraft eines Urtheils vollſtreckt werden. 2068. Die Appellation ſuspendirt die Vollſtreckung des perſoͤnlichen Zwangs nicht, wenn dieſer durch ein Greffe(Gerichtſchreiberei) bringen zu laſſen, und daß die Depoſitäre derſelben dazu angehalten werden ſollen, nemlich die offentlichen Be⸗ amten mittelſt korperlichen Zwangs, und diejenigen, welche keine dſſentliche Beamten ſind, mittelſi Pfändung, Geldbußen, und ſelbſt, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, mittelſt koͤrperlichen Zwangs. Art. 2a7. deſſ.) Der Gepfändete im Fall des Art. 821. derjenige, welcher die Pe⸗ ſchlagnehmung bewirkt hat, im Fall des Artikels 323, oder der Auf- bewahrer, wenn einer beſiellt worden iſt, muͤſſen unter Strafe kor⸗ perlichen Swangs zur Beibringung der Effekten verurtheilt werden. (Art. 324. deſſ.) Die einer Liquidation empfänglich ſind, die nicht eher vollſtrekt wer- den, als bis dahin der Gegenſtand auf eine Geldſumme liquidirt wor⸗ den ſeyhn wird. Art, 552. deſſ.) — Urtheil ausgeſprochen worden, welches gegen Leiſtung von Buͤrgſchaft proviſoriſch erekutoriſch iſt. 2069. Die Vollſtreckung des perſoͤnlichen Zwangs bindert und ſuspendirt die Betreibungen und Exeku⸗ tion gegen das Vermoͤgen keineswegs. 2070. Gegenwaͤrtiger Titel thut den beſondern Ge⸗ ſetzen keinen Abbruch, welche den koͤrperlichen Zwang in Handels Sachen ermächtigen, und eben ſo wenig den Geſetzen uͤber die ZuchtPolizei, und jenen uͤber die Verwaltung der oͤffentlichen Gelder.(1) () Der Schuldner muß in Freiheit geſezt werden, wenn er in die Hände des Aufſehers des Gefaͤngniſſes, den Vetrag, wegen wel- chem er gefangen ſitzt, und die Koſten der Gefangennehmung hinter⸗ legt.(Art. 758, deſſ.) Ein geſetzlicher Weiſe verhafteter Schuldner muß in Freiheit ge⸗ ſezt werden. 1. Wenn der Glaäͤubiger, welcher ihn hat verhaften laſſen', und die Rekommandauten, wenn deren vorhanden ſind, davein einwilligen. 2. Wenn er die Summen, welche er ſowohl dem Glaubiger, der ihn hat verhaften laſſen, als dem Rekommandanten ſchuldig iſt, die verfallene Zinſen, die liquidirte Koſten, die der Gefangennehmung und den Betrag der zu ſeinem Unterhalt hinterlegten Summe, bezahlt oder hinterlegt. 3. Kraft der Rechtswohlthat der GuͤterAbtretung. 4. Wenn die Glaͤubiger unterlaſſen, die Unterhalts Gelder zum Poraus zu hinterlegen. 5. Und endlich, wenn der Schuldner ſein ſiebenzigſtes Jahr ange⸗ treten hat, und in dieſem lezten Fall, wegen keines Stellionats ver⸗ haftet iſt.(Art 800. deſſ.) Die Einwilligung zu der Freilaſſung des Schuldners kann ſo⸗ wohl vor Notarien, als auf dem Regiſter der Verhaftnehmungen (registre d'écron) ertheilt werden.(Art. 801 deſſ.) Die Hinterlegung der Schu'd kann in die Haͤnde des Aufſehers des Gefängniſſes(Géolier) geſchehen, ohne daß dazu ein Befehl vonnd⸗ then wäre. Wenn der Aufſeher ſich weigert ſie anzunehmen, ſo kann er in kurzer Zeitfriſt kraft einer dazu erwirkten Erlaubniß vor das Tribunal des Ortes vorgeladen werden. Die Vorladung muß durch einen eigends dazu kommittirten Huiſſier geſchehen.(Art. 802. deſſ.) Die Freilaſſung, wegen Nichthinterlegung der Alimentation muß auf ein, von dem Aufſeher des Gefaͤngniſſes ausgeſtelltes Zeugniß, daß dieſelbe nicht hinterlegt worden ſei, welches Zeugniß einer dem Praͤſi- denten des Tribunals zu uͤberreichenden Bittſchrift beigefuͤgt werden muß, verordnet werden. Es iſt nicht nothig, vor Ueberreichung“ die- ſer Pittſchrift eine Aufforderung an den Gläubiger zu erlaſſen. Wenn aber der Gläubiger, der ſich mit der Hinterlegung der Alimen⸗ te in Ruͤckſtand befindet, dieſe Hinterlegung macht, ehe der Glaͤub— Siebenzehnter Titel. Vom Verpfänden(Verſetzen.) (Dekretirt am 25 Ventoſe, verkuͤndigt am 5 Germinal XII.) 2071. Das Verſetzen iſt ein Kontrakt, durch wel⸗ chen ein Schuldner ſeinem Glaͤubiger eine Sache zur Sicherheit der Schuld uͤbergiebt. 2072. Das Verſetzen einer beweglichen Sache heißt Pfand; das einer unbeweglichen Sache heißt: An⸗ tichreſis. Erſtes Kapitel⸗ Von Pfaͤndern. 2073. Ein Pfand giebt dem Glaubiger das Recht, ſich fur ſeine Zahlung an der verpfaͤndeten Sache vor⸗ zugsweiſe vor den andern Glaͤubigern, und kraft eines Privilegiums, zu ergreifen. 2074. Dieſes Privilegium findet nur in ſo weit ſtatt, als ein gehoͤrig einregiſtrirter, oͤffentlicher, oder unter PrivatlUnterſchrift gefertigter Akt vorhanden iſt, welcher die Angabe der ſchuldigen Summe, ſo wie die Art und Gattung der zum Unterpfande gegebenen Sa⸗ che enthaͤlt, oder welchem ein Verzeichniß uber ihre Eigenſchaften, Maas und Gewicht beigefugt iſt. Die ſchriftliche Abfaſſung des Aktes und das Enre⸗ giſtrement deſſelben ſind jedoch bloß fuͤr Gegenſtände von einem hoͤhern Werth als hundert fuͤnfzig Franken vorgeſchrieben. ger ſein Vegehren um Freilaſſuug eingefuͤhrt hat, ſo iſt dieſes Vegeh⸗ ren nicht mehr zuläſſig. Art. go3. deſſ⸗ Ueber die Formalitäten, die der Einkerkerung vorhergehn und ſie begleiten muͤſſen, die Rekbommandationen, und das Verſahren, um die Nullität einer Einkerkerung ausſprechen zu laſſen. Siehe den Titel XV. des V Buchs des I Theils des Geſetzbuchs uber das Ver- fahren im buͤrgerlichen Prozeß. Art. 780. u. ff. ßt h⸗ he, 0r⸗ des vit der ſt, die e hte nrl⸗ inde ken eeh un un den Pel⸗ * 2075. Das im vorhergehenden Artikel bemeldete Privilegium wird in Hinſicht auf unkoͤrperliche Mobi⸗ liar Gegenſtaͤnde, z. B. MobiliarForderungen, nicht anderſt, als durch einen, gleichfalls einregiſtrirten, oͤffentlichen oder unter PrivatlUnterſchrift gefertigten und dem Schulbner der zum Unterpfand gegebenen Forderung zugeſtellten, Akt begruͤndet. 2076. In allen Fällen beſteht das Privilegium nur in ſo fern auf dem Pfande, als daſſelbe dem Glaͤu⸗ biger oder einer dritten Perſon, welche die Parthien beſtimmt haben, in Beſitz uͤberliefert worden, und darin verblieben iſt. 2077. Es kann auch ein Dritter fur den Schuld⸗ ner ein Pfand geben. 2073. Der Glaͤubiger kann, in Ermangelung der Zahlung, nicht uͤber das Pfand verfuͤgen; allein er kann einen gerichtlichen Befehl erwirken, daß das Pfand ihm entweder, bis zur Konkurrenz ſeiner For⸗ derung und nach einer von Werkverſtändigen vorge⸗ nommenen Schaͤtzung, an Zahlungsſtatt verbleiben ſoll, oder daß daſſelbe offentlich verſteigert werden ſoll. Jede Klauſel, welche einen Gläubiger ermäͤchtigen wuͤrde, ſich ein Pfand zuzueignen, oder ohne die Be⸗ obachtung der obigen Formalitäten daruͤber zu verfugen, iſt nichtig. 2079. Der Schuldner bleibt, bis zur Eppropria⸗ tion, wenn dieſe ſtatt findet, Eigenchuͤmer des Pfan⸗ des, das in den Haͤnden des Glaͤubigers nichts, als ein Depoſitum iſt, welches dieſem ſein Privilegium ichert. 2080. Der Glaͤubiger iſt, nach den im Titel: von den Kontrakten oder den konventionellen Verpflichtungen im Allgemeinen aufge⸗ ſtellten Regeln fuͤr jeden Verluſt oder Deterioration des Pfandes, die durch ſeine Nächlaͤſſigkeit entſtanden ſein koͤnnten, verantwortlich. Der Schuldner muß, ſeinerſeits, dem Glaͤubiger die nuͤtzlichen und nothwendigen Auslagen verguͤten, dieſer fuͤr die Erhaltung des Pfandes gehabt at. zo81. Wenn von einer, zum Unterpfand gegebe⸗ nen Schuldforderung die Rede iſt, und dieſe Forde⸗ rung Intereſſen tragt, ſo rechnet der Glaͤubiger dieſe Intereſſen auf diejenigen auf, welche ihm gebuͤhren moͤgen. Tragt aber die Schuld, zu deren Sicherheit die Schuldforderung zum Unterpfand gegeben worden iſt, ſelbſt keine Zinſen, ſo muͤſſen die Zinſen dieſer lezten auf das Kapital der Schuld aufgerechnet werden. zo82. Der Schuldner kann, ſo lange der Inha⸗ ber des Pfandes daſſelbe nicht misbraucht, deſſen Ruͤckerſtattung nicht eher fordern, als bis er die Schuld, zu derer Sicherheit das Pfand gegeben wor⸗ den iſt, ſowohl das Kapital als die Zinſen und In⸗ tereſſen, ganz abbezahlt hat. Wenn derſelbe Schuldner gegen denſelben Glaͤnbi⸗ ger, ſeitdem er ihm das Pfand gegeben hat, eine andre Schuld kontrahirt hat, und dieſe vor der Zah⸗ lung der erſten Schuld fällig geworden iſt, ſo kann der Glaͤubiger nicht angehalten werden, das Pfand herauszugeben, ehe er fuͤr die eine und die andere Schuld ganz bezahlt iſt, wenn gleich keine Stipula⸗ tion das Pfand auch fuͤr die Zahlung der zweiten For⸗ derung zur Sicherheit gegeben hat. zo83. Ein Pfand iſt unctheilbar, wenn gleich die Schuld zwiſchen den Erben des Schuldners oder des Glaͤubigers theilbar iſt. Derjenige Erbe des Schuldners, der ſeinen Ancheil ——„—— ++— — an der Schuld bezahlt hat, kann die Ruͤckerſtattung ſeines Ancheils an dem Pfande nicht verlangen, ſo lange die Schuld nicht ganz abbezahlt iſt. Und gegenſeitig kann der Erbe des Glaͤubigers, der ſeinen Antheil an der Schuld erhalten hat, das Pfand nicht zum Nachtheil derjenigen ſeiner Miterben heraus⸗ geben, die noch nicht bezahlt ſind. 2084. Die obigen Verſuͤgungen ſind weder auf Handels Materien, noch auf die oͤffentlich autoriſirte Pfandhäuſer anwendbar, in Hinſicht auf welche die einſchlägigen Geſetze und Verordnungen vollzogen wer⸗ den muͤſſen. 8 weites Kapitell. Von dem antichretiſchen Vertrage. 2085. Ein antichretiſcher Vertrag kann nicht an⸗ derſt als ſchriftlich errichtet werden. Der Glaͤubiger erwirkt durch dieſen Kontrakt bloß die Befugniß, die Fruͤchte eines Immoͤbels unter der Bedingung zu beziehen, ſie jährlich auf die Zinſen, wenn ihm deren gebuͤhren, und nachher auf das Ka⸗ pital, aufzurechnen. z086. Der Glaͤubiger iſt, wenn man nicht anderſt uͤbereingekommen iſt, verbunden, die jährlichen Steu⸗ ern und Laſten des Immoͤbels zu bezahlen, welches er kraft eines antichretiſchen Vertrags inne hat. Er hat gleichfalls unter Straſe voͤlliger Schadlos⸗ haltung, fuͤr die Unterhaltung und die nuͤzlichen und nothwendigen Ausbeſſerungen des Immoͤbels Sorge zu tragen, vorbehaltlich, alle fur dieſe verſchiedene Ge⸗ genſtaͤnde bezahlte Auslagen vorab aus den Fruͤchten zu erheben. 2037. Der Schuldner kann, vor der gänzlichen — 494— Abzahlung der Schuld, den Genuß des von ihm in antichretiſchen Genuß gegebenen Immoͤbels nicht zu⸗ ruckfordern. Allein wenn ein Glaͤubiger ſich der im vorhergehen⸗ den Artikel angefuͤhrten Verbindlichkeiten entledigen will, ſo kann er immer, wenn er anderſt nicht auf dieſes Recht Verzicht geleiſtet hat, den Schuldner zwingen, den Genuß ſeines Immoͤbels zuruͤckzunehmen. zos8. Der Glaͤubiger wird dadurch allein, daß die Zahlung zu der durch Uebereinkunft beſtimmten Zeit⸗ friſt nicht erfolgt, nicht Eigenthuͤmer des Immoͤbels; jede dem zuwiderlaufende Klauſel iſt nichtig; er kann, in dieſem Falle, den gerichtlichen Verkauf des Gutes auf dem geſetzlichen Weg gegen ſeinen Schuldner ver⸗ folgen. 2o89. Wenn die Parthien ſtipulirt haben, daß die Fruͤchte ſich mit den Zinſen, entweder ganz oder bis zu einem gewiſſen Belauf kompenſiren ſollen, ſo wird dieſe Uebereinkunft, wie jede andere, die das Geſetz nicht verboten hat, vollzogen⸗ 2090. Die Verfuͤgungen des Artikels 2077 und 2o83 ſind auf jede Antechreſis, wie auf jede Verpfaͤn⸗ dung anwendbar. 2091. Alles, was in gegenwartigem Titel verord⸗ net iſt, thut den Rechten keinen Abbruch, welche dritte Perſonen auf den Grund und Boden eines, unter dem Titel eines antichretiſchen Vertrags uͤbergebenen, Im⸗ moͤbels haben koͤnnen. Wenn der Glaͤubiger, der dieſen Rechtstitel beſitzt, auch noch auſſerdem geſetlich begruͤndete und konſer⸗ virte Privilegien und HypothekarRechte auf den Grund und Boden hat, ſo ubt er ſie in ſeiner RangOrdnung und wie jeder andere Glaubiger aus. 0 — Achzehnter Titell. Von den Privilegien und Hypotheken. (Dekretirt am as Ventoſe, verkündigt am 8 Germinal 12.) Sſt apiel. Allgemeine Verfuͤgungen. 2092. Jeder, der ſich perſoͤnlich(zu etwas) ver⸗ pflichtet hat, haftet mit allem ſeinem, beweglichen und unbeweglichen, gegenwärtigen und zukuͤnftigen Ver⸗ moͤgen, fuͤr die Erfuͤllung ſeiner Verpflichtung. 2093. Das Vermoͤgen des Schuldners iſt das ge⸗ meinſchaftliche Unterpfand ſeiner Glaubiger; der Preiß deſſelben wird nach Verhältniß ihrer Forderungen un⸗ ter ſie vertheilt, wenn nicht rechtmaͤſſige Urſachen ei⸗ nes Vorzugs eintreten. 2094. Die rechtmaͤſſigen Urſachen eines Vorzugs find die Privilegien und Hypotheken. Zweites Kapitel. Von den Privilegien. 2095. Ein Privilegium iſt ein Recht, welches die Eigenſchaft einer Forderung einem Glaͤubiger gewaͤhrt, vorzugsweiſe vor allen andern, ſelbſt den bypotheka⸗ riſchen, Glaͤubigern bezahlt zu werden. 2096. Unter privilegirten Glaͤubigern wird der Vor⸗ rang durch die verſchiedenen Eigenſchaften der Privi⸗ legien beſtimmt. 2097. Privilegirte Gläubiger von gleichem Range werden im Verhaͤltniß ihrer Forderungen bezahlt. 2098. Das Privilegium, welches dem oͤffentlichen Schatz fur ſeine Rechte zuſteht, und die Rangord⸗ nung, worin daſſelbe ausgeuͤbt wird, werden durch die einſchlagigen Geſetze regulirt. — 4556— Der oͤffentliche Schatz kann jedoch kein Privilegium zum Nachtheil von fruher erworbenen Rechten anderer Perſonen erhalten. 2099. Die Privilegien koͤnnen auf den Mobilien oder auf den Immöbeln haften. Erſter Abſchnitt⸗ Von Privilegien auf den Möbeln. 2100. Es giebt allgemeine Privilegien, und be⸗ ſondere Privilegien auf gewiſſe Moͤbel. F. 1. Von den algemeinen Privilegien auf die Mobiliarſchaft. 21or. Folgendes ſind die Forderungen, welche auf das geſammte Mobiliar Vermoͤgen privilegirt ſind, und zwar in folgender Rangordnung: 1) die Gerichts Koſten 2) Die Begraͤbniß Koſten. 3) Alle Koſten der lezten Krankheit, und zwar kon⸗ kuriren alle die, welche ſie zu fordern haben, ver⸗ haͤltnißmäſſig. 4) Der Lohn der Dienſtbothen für das verfloſſene Jahr, und das, was ſie fuͤr das laufende Jahr zu fordern haben. 5) Die dem Schuldner und ſeiner Familie gemachten Lieferungen von Lebensmitteln, und zwar die, wel⸗ che in den ſechs lezten Monaten von Beckern, Metz⸗ gern, und andern, welche im Kleinen verkaufen, und die, welche während dem lezten Jahr von Koſt⸗ gebern und Handelskeuten im Groſſen gemacht wor⸗ den ſind. F. 2 Von den Privilegien auf gewiſſe Mobeln. 21o2. Folgende Forderungen haben ein Privilegium auf gewiſſe Moͤbel — en—————„—— ———— — 1) Die Miethe und der Pacht von Immoͤbeln auf die Fruͤchte der Aerndte des lezten Jahres, und auf den Werth von allem, womit das gemiethete Haus oder der Hof beſetzt iſt, und von allem, was zum Anbau des landgutes dient; naͤmlich, fuͤr alles, was verfallen iſt, und fuͤr alles, was noch fällig wird, wenn die Mieth⸗ und Pacht Kontrakte in authentiſcher Form ſind, oder wenn ſie zwar unter PrivatlUnterſchrift er⸗ richtet worden ſind, aber doch ein gewiſſes Datum haben; in dieſen beiden Fällen haben uͤbrigens die andern Gläubiger das Recht, das Haus oder den Hof fur die uͤbrige Pachtzeit wieder zu vermiethen, und die Miethe oder den Pachtſchilling zu ihrem Vortheile zu beziehen, jedoch unter der Bedingung, dem Ei⸗ genthůmet alles das, was er noch zu fordern haben mag, zu bezahlen.— Und in Ermangelung von authentiſchen Mieth⸗oder Pacht Kontrakten, oder wenn dieſe unter PrivatlUnter⸗ ſchrift errichtet worden find und kein gewiſſes Datum haben, fuͤr ein Jahr von dem Ablauf des laufenden Jahres an; Daſſelbe Privilegium findet fuͤr die dem Miether aufliegenden kleinen Reparaturen, und fuͤr alles, was den Vollzug des MiethKontraktes betrifft; att; Vorzugsweiſe vor dem Eigenthuͤmer werden jedoch in einem und dem andern Falle die Summen aus dem Ertrag der Aerndte bezahlt, welche fuͤr die Saat oder Aerndte Koſten noch geſchuldet werden, und die, welche noch fuͤr Geraͤthſchaften geſchuldet werden, aus dem Erloͤß aus dieſen Geräthſchaften. Der Eigenthuͤmer kann die Moͤbel, mit welchen ſein Haus oder ſein Hof beſetzt war, mit Arreſt be⸗ CivilGeſetzb. 3² — 496— ſtricken, wenn ſie ohne ſeine Einwilligung wegge⸗ ſchaft worden find, und er behält ſein Privilegium auf ſie, wenn er ſie nur in foigenden Zeitfriſten vin⸗ dizirt hat, nämlich in einem Zeitraum von vierzig Tagen, wenn von Mobiliarſchaft, die ſich auf ei⸗ nem Hofe befand, die Rede iſt, und in einem Zeit⸗ raum von fuͤnfzehn Tagen, wenn von Moͤbeln die Rebe iſt, womit ein Haus beſetzt war.(1) (0 Die Eigenthuͤmer und Hauptmiether von Häuſern und Land⸗ gütern kdnnen, es imag nun ein MiethKontrakt vorhanden ſein oder nicht, einen Tag nach einer Aufforderung zur Zahlung, und ohne Erlaubniß des Richters, zur Sicherheit der verfallenen Miethe oder der PachtTermine, die in beſagten Haͤuſern oder ländlichen Gebäuden und auf den Feldern befindliche Effekten, in Beſchlag nehmen laſſene Saisir gager. Sie koͤnnen bieſelbe ſogar auf der Stelle, kraft elner Erläubniß, die ſie durch eine Bittſchrift von dem Präſidenten des Tribunals erſter Inſtanz erwirkt hoben, in Beſchlag nehinen laſſen. Sie können auch die Möbel, womit das Haus oder der PachtHof beſetzt war, in Beſchlag nehmen laſſen wenn dieſelbe ohne ihre Ein⸗ willigung weggebracht worden ſind; und ſie behalten ihr Privilegium auf dieſelbe, wenn ſie nur dieſelbe dem Art. 2102 des Civil Geſetzbuchs gemäß vindizirt haben. Art. 819 des Geſetzb. uͤber das Verfahren im bürgerlichen Prozeß. Die Effekten der Unter Miether nud Unterpächter, womit die ihnen eiugegebenen Orte beſetzt ſind, und die Früchte der Grundſtuͤcke, wel- che ſie in Untermiethe haben, können gleichfalls zur Sicherheit des von dem Pächter oder Miether, von welchem ſie gemiethet haben, ge- ſchuldeten Pacht oder Miethſchillings in Beſchlag genommen werden; aber der Arreſt muß aufgehoben werden, wenn ſie beweiſen, daß ſie ohne Betrug(ihre Miethe) vezahlt haben, ohne daß ſie jedoch Vor⸗- auszahlungen einwenden könnten. Art. 820 ebend. Dieſe Art von Pfändung muß in derſelben Form wie eine Pfän- dung auf Exekution geſchehen; der Gepfaͤndete kann ſelbſt zum Auf⸗ bewahrer beſtellt werden; ſind Fruͤchte vorhanden, ſo muß die Be⸗ ſchlagnehmung derſelven in der Form geſchehen, welche durch den Titel IX des vorhergehenden Vuchs vorgeſchrieben iſt. Art. 821 ebend⸗ Jeder Gläubiger, ſelbſt wenn er keinen Titel bat, kann, ohne vor⸗ herigen Zahlungs Befehl, aber mit Erlanbniß des Präſidenten des Tribnnals erſter Inſtanz, oder ſelbſt der des Friedensrichters die Effebten in Beſchlag nehmen laſſen, weiche ſich in der Gemeinde„die er be⸗ wohnt hat, befinden, und ſeinem auswaͤrtigen(lorain) Schuldner angehdren. Art. 822 ebend. Derjenige, welcher die Effekten in Beſchlag nehmen laͤßt, hat ſdie⸗ ſelbe aufzubewahren, wenn ſie ſich in ſeinen Laͤndern befinden; wo nicht, ſo muß ein Anfbewahrer derſelben beſtellt werden. 823 ebend. Nach den Beſchlagnehmungen, von welchen in dieſem Titel die Rede iſt, kann nicht eher zum Verkaufe geſchritten werden, als nachdem ſie 2) Jede Forderung auf das Pfand, welches der Glaͤubiger zur Sicherheit fuͤr dieſelbe in Beſitz hat. 3) Die zur Erhaltung einer Sache gemachte Aus⸗ lagen auf dieſe Sache. 4) Der Kauſpreiß noch nicht bezahlter Mobiliar⸗ Eſfekten auf dieſelbe, wenn ſie fich noch im Beſitz des Schuldners befinden, er mag ſie nun mit oder ohne ZahlungsFriſt gekauft haben; Wenn der Verkauf ohne ZahlungsFriſt geſchehen iſt, ſo kann der Verkaͤufer ſelbſt dieſe Effekten, ſo lange ſie ſich noch im Beſitze des Kaͤufers befinden, vindiziren; und ihren WiederVerkauf verhindern, vorausgeſeßt(jedoch), daß die Vindikation in den acht Tagen nach der Ueberlieferung geſchehe, und daß die Effekten ſich in demſelben Zuſtande befinden, wokinn dieſe Ueberlieferung geſchehen iſt; Das Privilegium des Verkaͤufers ſteht jedoch jenem des Eigenthuͤmers des Hauſes oder des Hofes nach, wenn anderſt nicht erwieſen iſt, daß der Eigenthuͤmer davon unterrichtet war, daß die Moͤbel und andere Gegenſtaͤnde, mit welchen ſein Haus oder ſein Hof beſetzt war, dem Miether oder Paͤchter nicht zuge⸗ An den Handels Geſetzen und Gebraͤuchen in Be⸗ treff der Vindikation wird durch gegenwaͤrtiges nichts geaͤndert. 5) Die Lieferungen(Zeche) eines Gaſtwirthes auf die Effekten, die ein Reiſender in ſeinen Gaſthof gebracht hat; fär gurtig erkannt worden ſind; der Gepfandete, im Fall des Art. 321 derjenige, welcher die Pfändung gewirkt hat, in dem Fall des Artik. 323, oder der Aufbewahrer, wenn einer beſitellt worden iſt, muͤſſen unter Strafe kdrperlichen Zwangs zur Veibringung der Effekten ver örtheilt werden.(Art. 324.) —— — —————— — 500— 65) Die Fracht und andere Neben Koſten auf die Sache, welche transportirt worden iſt. 73) Die Forderungen, welche von, von oͤffentlichen Beamten in Ausuͤbung ihrer Amtsverrichtungen ver⸗ ſchuldeten, Misbräuchen und Praͤvarikationen herruͤh⸗ ren, auf das Kapital ihrer Buͤrgſchaft und die Zin⸗ ſen, welche davon ruͤckſtändig ſein koͤnnen. Zweiter Abſchnitt⸗ Von den Privilegien auf Immoͤbel. 2103. Auf Immoͤbel 1 ſolgende Glaubiger privi⸗ legirt: 1) Der Verkaͤufer für die Zahlung des Kauf⸗ Preißes auf das verkaufte Immoͤbel. Haben nacheinander mehrere Verkaͤufe ſtatt ge⸗ habt, deren KaufPreiß noch ganz oder zum Theil ruͤckſteht, ſo wird der erſte Verkaͤufer dem zweiten, der zweite dem dritten, und ſo fort vorgezogen. 2) Die, welche das Geld zum Ankauf eines Im⸗ moͤbels dargeſchoſſen haben, vorausgeſetzt, daß es durch den Akt des Darlehns authentiſch erwieſen ſey, daß die Summe zu dieſer Verwendung beſtimmt war, und daß es durch die Quittung des Verkaͤufers au⸗ thentiſch erwieſen ſey, daß die Zahlung wirklich aus dem gelehnten Gelde geſchehen iſt. 3) Die MitErben auf die Immoͤbel der Erbſchaft, zur Gewährleiſtung der zwiſchen ibnen vorgenommenen Theilungen, und desjenigen, was ein Looß dem an⸗ dern zur Gleichſtellung herausgeben muß. 4) Die Baumeiſter, Baullnternehmer, Maurer, und andre Arbeiter, welche bei dem Aufbau, dem Wieder Aufbau oder der Wiederherſtellung von Gebaͤu⸗ den, Kanaͤlen oder ſonſtigen Werken jeder Art ge⸗ braucht werden, vorausgeſetzt jedoch, daß vorher durch ———„———— —— — 501— einen, von Amtswegen von dem Tribunal erſter In⸗ ſtanz, in deſſen AmtsBezirke der Bau gelegen iſt, ernannten Werkverſtändigen ein VerbalProzeß errich⸗ tet worden iſt, um den wirklichen Zuſtand der Bau⸗ ſtelle in Bezug auf die Arbeiten, die der Eigenthuͤmer vornehmen zu wollen erklaͤren wird, zu konſtatiren, und daß die Arbeiten ſelbſt, hoͤchſtens in ſechs Mona⸗ ten von ihrer Vollendung an, von einem, gleichfalls von Amtswegen ernannten, Werkverſtaͤndigen aufge⸗ nommen worden ſind; Der Betrag des Privilegiums kann jedoch den durch den zweiten VerbalProzeß konſtatirten Werth nicht uͤberſteigen und reduzirt ſich auf diejenige Summe, um welche das Immoͤbel, zur Zeit der Veraͤuſſerung, durch die daran geſchehenen Arbeiten hoͤher im Wer⸗ the ſteht, als vor derſelben. 5) Diejenigen, welche das Geld zur Auszahlung oder Ruͤckzahlung der Arbeiter geſchoſſen haben, ge⸗ nieſſen daſſelbe Privilegium, vorausgeſetzt, daß dieſe Verwendung durch den Akt des Anlehns und die Quit⸗ tung der Arbeiter authentiſch erwieſen ſei, ſo wie es bieroben in Hinſicht auf diejenige, welche die Gelder zum Ankauf eines Immoͤbels hergeſchoſſen haben, vor⸗ geſchrieben jiſt. Dritter Abſchnitt⸗ PVon den Privilegien, welche ſich auf das vewegliche und un⸗ bewegliche Vermogen erſtrecken. 104. Die im Art. 2101 angeführten Forderungen baben ein Privilegium auf alles bewegliche und unbe⸗ wegliche Vermoͤgen. 2105. Wenn die in dem vorhergehenden Artikel bezeichneten privilegitten Glaͤubiger in Ermangelung von Mobiliar Vermoͤgen auttreten, um, in Konkur⸗ — 502— renz mit ſolchen Glaͤubigern, die ein Privilegium auf ein Immoͤbel haben, ihre Zahlung aus dem Verkauf⸗ Preiß deſſelben zu verlangen', ſo geſchehen die Zah⸗ lungen in folgender Ordnung: 1) die Gerichts⸗und andere Koſten, welche im Ar⸗ tikel 2002 angefuͤhrt ſind 2) die im Artikel 103 bezeichneten Forderungen. Vierter Abſchnitt. Wie die Privilegien erhalten werden. 2106. Die Privilegien haben unter den Glaubigern in Hinſicht auf die Immoͤbel, bloß in ſo fern ihre Wirkung, als ſie durch die Einſchreibung auf die Regiſter des Hypotheken Bewahrers bekannt gemacht worden ſind, und zwar von dem Tage dieſer In⸗ ſcription an, welche in der, vom Geſetz beſtimmten, Art und Weiſe genommen werden muß; alles unter folgenden alleinigen Ausnahmen. 2107. Die im Artikel a101 angefuͤhrten Forderun⸗ gen ſind von der Formalität der Inſcription ausge⸗ nommen. 21o8. Der privilegirte Verkaͤufer erhaͤlt ſein Vor⸗ recht durch die Transcription des Titels, der das Ei⸗ genthum auf den Ankaͤufer uͤbertragen hat, und kon⸗ ſtatirt, daß der Kaufſchilling ihm noch ganz oder zum Theil geſchuldet wird; zu welchem Ende die durch den Ankaͤufer bewirkte Transcription des Kontraktes ſtatt Inſcription fuͤr den Verkaͤufer und fuͤr den Darleiher, der ihm die bezahlten Summen geliehen hat, und der durch denſelben Kontrakt in die Rechte des Verkaͤu⸗ fers eintritt, gelten ſoll; der Hypotheken Bewahrer iſt jedoch, unter Strafe voͤlliger Schadloshaltung ge⸗ gen jeden Dritten, verbunden, von Amtswegen die Forderungen, die aus dem Akt, wodurch das Eigen⸗ thum uͤbertragen wird, ſowohl zum Vortheil des Ver⸗ kaͤufers als zum Vortheil der Darleiher herflieſſen, auf fein Regiſter einſcheeiben. Dieſe(der Verkaufer und die Darleiher) koͤnnen gleichfalls die Transcrip⸗ tion des VerkaufKontraktes, wenn ſie noch nicht ge⸗ ſchehen iſt, bewirken, um fuͤr dasjenige, was ſie noch von dem Kaufſchilling zu fordern haben, eine Inſcription zu erhalten.(1) 2rog. Der MitErbe oder Mittheilende erhält ſein Privilegium auf die Guͤter, die zu jedem Looß gehoͤ⸗ ren, oder auf das oͤffentlich verſteigerte Gut, fuͤr das, was ihm auf ſein Looß herauskommt, oder fuͤr den Steigerſchilling, durch eine in ſechzig Tagen, von dem TheilungsAkt oder dem Zuſchlag in der Verſtei⸗ gerung an, auf ſein Betreiben geſchehene Inſcription; während welcher Zeit keine Hypothek auf das Gut, auf welches etwas herausgegeben werden muß, oder welches in einer Verſteigerung zugeſchlagen worden iſt, zum Nachtheil des Glaͤubigers deſſen, was her⸗ ausbezahlt werden muß, oder des Glaͤubigers des Kaufſchillings, keine Hypothek ſtatt haben kann. 2110. Die Baumeiſter, Baullnternehmer, Mau⸗ rer und andre Arbeiter, welche gebraucht werden, um Gebaͤude, Kanaͤle oder andere Werke zu bauen, wie⸗ deraufzubauen, oder auszubeſſern, und die, welche, um ſie zu bezahlen, und zuruͤckzuzahlen, Gelder ge⸗ ſchoſſen haben, deren Verwendung konſtatirt worden iſt, erhalten ihr Privilegium von dem Datum der Inſcription des erſten VerbalProzeſſes an, durch die doppelte Inſcription 1) des VerbalProzeſſes, der den Zuſtand der Bauſtelle konſtatirt 2) des Verbal⸗ Prozeſſes der Aufnahme der Arbeiten. () Siehe die Rote zu dem Art⸗ ara3. — 504— artr. Die Glaͤubiger und Legatarien, welche dem Artikel 978 des Titels: von der Erbfolge, ge⸗ maß, die Abſonderung des Vermoͤgens des Verſtor⸗ benen anverlangen, erhalten ihr Privilegium auf die Immobel der Erbſchaft, gegen die Gläubiger der Er⸗ ben oder Repräſentanten des Erblaſſers, durch In⸗ ſcriptionen auf jedes dieſer Guͤter, in den ſechs Mo⸗ naten von der Eroͤfnung der Erbſchaft an. Vor dem Ablauf dieſer Zeitfriſt kann keine Hypo⸗ thek auf dieſe Guͤter, durch die Erben oder Repraͤ⸗ ſentanten, zum Nachtheil dieſer Glaͤubiger oder Le⸗ gatarien, mit Wirkung begruͤndet werden. 2112. Die Ceſſionarien dieſer verſchiedenen privi⸗ legirten Forderungen uͤben alle dieſelbe Rechte, an Stelle der Glaͤubiger und in ihrer Rangordnung, aus. a113. Alle, der Formalitaͤt der Inſcription unter⸗ worfenen privilegirten Forderungen, in derer Hinſicht die hier oben zur Erhaltung des Privilegiums vorge⸗ ſchriebenen Bedingungen nicht erfullt worden ſind, hoͤ⸗ ren deshalb nicht auf, hypothekariſche Forderungen zu ſein; allein ihre Hypothek datirt ſich, in Hinſicht auf dritte Perſonen, erſt von der Zeit der Inſcription an, welche auf die hier unten erklaͤrte Art und Weiſe da⸗ ruͤber genommen worden ſein wird. Zweites Kapitet. Von den Hypotheken. 2114. Die Hypothek iſt ein Real Recht auf Im⸗ moͤbel, welche fuͤr die Zahlung einer Verpflichtung zur Sicherheit geſetzt ſind. Sie iſt, ihrer Natur nach, untheilbar, und be⸗ ſteht ganz auf allen ausgeſetzten Immoͤbeln, auf je⸗ dem dieſer Immobel und auf jedem Theile eines der⸗ ſelben. Sie folgt ihnen nach, in welche Haͤnde ſie auch im⸗ mer uͤbergehen moͤgen. 2115. Eine Hypothek findet nur in den vom Ge⸗ ſetze beſtimmten Fällen, und nach den von ihm vor⸗ geſchriebenen Formen ſtatt. 2116. Sie iſt entweder geſetzlich, oder gerichtlich, oder konventionell. 2117. Eine geſetliche Hypothek iſt die, welche aus einem Geſetze herfließt. Eine gerichtliche Hypothek iſt diejenige, welche aus Urtheilen oder gerichtlichen Akten herfließt. Eine konventionelle Hypothek iſt diejenige, welche von einer Uebereinkunft, und von der aͤuſſern Form der Akte und der Kontrakte abhaͤngt. 2118. Folgende Gegenſtaͤnde allein ſind einer Hy⸗ pothek empfaͤnglich: 1) die unbeweglichen Guͤter, welche umgeſchlagen werden koͤnnen, und ihre Zugehoͤre, in ſo fern dieſe als Immoͤbel angeſehen werden. 2) Die Nutßnieſſung dieſer Guͤter und Zugehoͤre waͤhrend der Zeit ihrer Dauer. 2119. Moͤbel kann man nicht kraft eines hypothe⸗ kariſchen Rechtes verfolgen. 2120. Das gegenwaͤrtige Geſetzbuch bringt keine Aenderung in den Seegeſetzen in Betreff der Seeſchiffe und SeeFahrzeuge hervor. Erſter Abſchnitt. Von geſetzlichen Hypotheken 2121. Folgenden Rechten und Forderungen iſt eine geſetzliche Hypothek beigelegt: den der verheuratheten Frauen auf die Guͤter ihrer Männer; den der Minderjäͤhrigen und Interdizirten auf die Guͤter ihrer Vormuͤnder; „— 5 ——. 1 5 . den der Nation, der Gemeinden und der oͤffentlichen Anſtalten auf die Guͤter ihrer Einnehmer und rech⸗ nungspflichtigen Verwalter. 2122. Ein Glaͤubiger, der eine geſetzliche Hypo⸗ thek hat, kann ſein Recht gegen alle, ſeinem Schuld⸗ ner zugehoͤrige Immoͤbel, und gegen alle die, welche ihm in der Folge zugehoͤren koͤnnen, geltend machen, unter den Modiſikationen, welche hier unten werden angefuͤhrt werden. 3 weiter Abſchnitt. Von den gerichtlichen Hypotheken. 2123. Eine gerichtliche Hypothek fließt zu Gunſten desjenigen, der ſie erwirkt hat, aus Urtheilen, ſie moͤgen nun kontradictoriſch, oder in Contumaciam (par defaut) erlaſſen worden, definitiv oder proviſo⸗ riſch ſein, her. Sie fiießt auch aus, vor Gericht vor⸗ genommenen, Anerkennungen, oder Verifikationen von Unterſchriften, unter einem obligatoriſchen Akt unter PrivatlUnterſchtift, her. Sie kann gegen die wirkli⸗ chen Immoͤbel des Schuldners, und gegen die, wel⸗ che er erwerben mag, geltend gemacht werden, eben⸗ wohl vorbehaltlich der Modifikationen, welche hiernach werden angefuͤhrt werden. Schiedsrichterliche Entſcheidungen gewähren nur dann ein Hypothekar Recht, wenn ſie mit dem gericht⸗ lichen Vollziehungs Befehl bekleidet ſind. Aus im Auslande erlaſſenen Urtheilen kann gleich⸗ falls nur dann eine Hypothek herflieſſen, wenn ſie von einem franzöſiſchen Tribunal exekutoriſch erklärt worden ſind; den dieſem zuwiderlaufenden Verfuͤgun⸗ gen jedoch ohnbeſchadet, welche ſich in den politiſchen Geſetzen, oder in den Vertraͤgen befinden koͤnnen.(1) cM Die Släubig. r, welche in Semaͤßheit des Art. 2123, 2127 und —— —— n Dritter Abſchnitt. Von denl konventionellen Hypotheken. 2124. Konventionelle Hypotheken koͤnnen bloß von denjenigen bewilligt werden, welche die Fähigkeit ha⸗ ben, die Immoͤbel, welche ſie denſelben unterwerfen, ezzu veraͤuſſern. 2125. Diejenigen, welche auf ein Immoͤbel nur n ein, durch eine Bedingung ſuspendirtes oder in gewiſ⸗ ſen Faͤllen wiederaufloͤßliches oder der Reſciſion unter⸗ worfenes Recht haben, koͤnnen keine andere Hypothek bbewilligen, als eine ſolche, welche denſelben Bedin⸗ gungen oder derſelben Reſciſion unterworfen iſt. 2126. Die Guͤter von Minderjährigen, Interdi⸗ zirten und die vön Abweſenden, ſo lange ihr Beſitz nur proviſoriſch uͤbertragen worden iſt, koͤnnen nur aus den Urſachen und in den Formen, welche das Beſetz beſtimmt hat, oder aber kraft Urtheilen, hypo⸗ . thezirt werden. .. 2127. Eine konventionelle Hypothek kann nicht an⸗ d erſt, als durch einen, in authentiſcher Form vor zwei ſ⸗ ch 21as eine Hypotheke haben, und ihre Titel nicht vor den Veraͤuſſe⸗ rungen der hypothezirten Immoͤbel, welche in der Zukunft ſtatt ha- den koͤnnen, haben inſcribiren laſſen, ſind nur dann zuläſſig, in Se- mäßheit der Verfuͤgungen des Kapitels vIII, Titel XVIII des Ur LII Buchs des Civilgeſetzbuchs die Verſteigerung zu verlangen, wenn t⸗ ſie ſich ausweiſen, daß ſie ſeit dem Akt, wodurch das Eigenthum über- ſ⸗ tragen worden iſt, und ſpäteſtens in den fünfzehn Tagen nach der Transcription dieſes Aktes, eine Inſcription genommen haben. Ein gleiches, gilt ven den Gläusigern, welche ein Privilegium h⸗ auf Immoͤbel haben, den uͤbrigen Rechten ohnbeſchadet, welche aus ſe dem Art. 2103 und 3109 des Eivilaeſetzbuchs für den Ankäufer und die Erben herflieſſen. Art. g0. ebendeſſ. r In dem Falle der vorhergehenden Artikel iſt der neue Ankaͤufer nicht verbunden, den Glaͤubigern, deren Inſcription ſpäter als die ⸗ Transcription des Aktes ſind, die durch die Art. 2183 und 2134 des en Civilgeſetzbuchs vorgeſchriebenen Zuſtellungen zu machen; und in allen Fällen, wann die Gläubiger ermangeln, die Berſteigerung in den vor⸗ ¹) geſchriebenen Zeitfriſten und Formen zu verlangen, iſt der neue An- . käufer in Gemaͤßheit des Art. a186 des Civilgeſetzbuchs zu nichts weie 5 terem als zur Zahlung des Kaufſchilnas verbunden. Art. 835 deſſ. — 508— Notarien, oder einem Nolar und zwei Zeugen, errich⸗ teten Akt bewilligt werden. 2128. Im Auslande errichtete Akte koͤnnen auf in Frankreich gelegene Guͤter keine Hypothek begruͤnden, wenn nicht in den politiſchen Geſetzen oder in den Ver⸗ traͤgen Verfuͤgungen enthalten ſind, welche dieſem Grundſatze Abbruch thun. 2129. Keine konventionelle Hypothek iſt guͤltig, als diejenige, welche entweder in dem auchentiſchen Titel, wodurch die Forderung begruͤndet worden iſt, oder in einem ſpätern authentiſchen Akte, die Natur und Lage eines jeden ber Immoͤbel, welche dem Schuld⸗ ner wirklich zugehoͤren, und worauf er die Hypothek ſeiner Schuld bewilligt, insbeſondere angiebt und be⸗ zeichnet. Alle ſeine gegenwaͤrtige Guͤter koͤnnen, jedes namentlich und insbeſondere, zur Hypothek geſtellt werden. Zukuͤnftige Guͤter koͤnnen nicht hypothezirt werden. a130. Wenn jedoch die wirklichen und ſchuldenfreien Güter des Schuldner zur Sicherſtellung der Forderung nicht hinreichend ſind, ſo kann er, unter Anfuͤhrung dieſer Unzulaͤnglichkeit, einwilligen, daß jedes der Guͤter, die er in der Folge erwerben wird, ſo wie er vor und nach die Acquiſition davon machen wird, fuͤr ihre Zahlung haften ſoll. a131. Eben ſo kann, in dem Falle, wenn das, oder die, zur Hypothek geſtellten, wirklichen und gegen⸗ waͤrtigen Immoͤbel zu Grunde gegangen waͤren, oder Degradationen erlitten hätten, ſo daß ſie zur Sicher⸗ ſtellung des Glaͤubigers unzureichend geworden wären, dieſer entweder gleich auf der Stelle ſeine Bezahlung fordern, oder eine Ergaͤnzung ſeiner Hypochek ver⸗ langen. 2132. Jede konventionelle Hypothek iſt bloß in ſo ————— ——„——— — —————— fern guͤltig, als die Summe, fuͤr welche ſie bewillige wird, gewiß und in dem Akte beſtimmt iſt; wenn die aus der Verpflichtung herflieſſende Forderung ent⸗ weder in Hinſicht auf ihre Epiſtenz bedingt, oder ihr Werth unbeſtimmt iſt, ſo kann der Glaͤubiger die In⸗ ſcription, von welcher hier unten die Rede ſein wird, nur bis zur Konkurrenz eines beſtimmten Wetthes an⸗ verlangen, zu welchem er die Forderung anſchlaͤgt, den er ausdruͤcklich anfuͤhren muß, und welchen der Schuldner nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, herab⸗ ſetzen zu laſſen berechtigt iſt. 2133. Eine einmal erworbene Hypothek erſtreckt ſich auf alle Verbeſſerungen die das hypothezirte Im⸗ moͤbel erhalten hat. Vierter Abſchnitt. Von dem Range der Hypotheken untereinander. 2134. Jede Hypothek, ſie mag nun geſetzlich, ge⸗ richtlich oder konventionell ſein, nimmt unter den Gläubigern erſt von dem Tage an ihren Rang ein, da der Gläubiger in der von dem Geſetze vorgeſchrie⸗ benen Form und Weiſe, eine Inſeription derſelben auf das Regiſter des Hypothekenbewahrers bewirkt hat, vorbehaltlich der in folgendem Artikel begruͤndeten Aus⸗ nahmen. 2135. Die Hypothek beſteht, abgeſehn von jeder Inſcription 1) zum Vortheil der Minderjaͤhrigen und Inter⸗ dizirten, auf den ihren Vormuͤndern zugehoͤrigen Im⸗ moͤbeln, in Hinſicht auf ihre Geſchäftsführung, von dem Tage der Annahme der Vormundſchaft an. 2) Zum Vortheil der Weiber, in Hinſicht ihrer Ausſteuer und ihrer MatrimonialConventionen, auf den Immoͤbeln ihrer Maͤnner, von dem des Abſchluſ⸗ ſes der Ehe an⸗ — 510— Die Frau hat ſuͤr dieienigen Dotal Summen, welche von Erbſchaften herruͤhren, die ihr waͤhrend der Ehe zugefallen ſind, oder von Schenkungen, die ihr wäh⸗ rend derſelben gemacht worden ſind, erſt von dem Tage an, wo die Schenkungen ihre Wirkung erhalten ha⸗ ben, ein Hypothekarrecht. Sie hat in Hinſicht der Entſchaͤdigung fur die Schul⸗ den, die ſie mit ihrem Manne kontrahirt hat, und der Wiederverwendung der, von dem Verkauf ihr zu⸗ gehoriger Guter, herkommenden Summen erſt von dem Tage an, wo die Schuld kontrahirt worden, oder die Guͤter verkauft worden ſind, ein Hypothekarrecht. In keinem Falle koͤnnen die Verfuͤgungen dieſes Artikels den Rechten Abbruch thun, welche dritte Per⸗ ſonen vor der Verkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Titels erworben hatten⸗ 2136. Die Maͤnner und Vormuͤnder ſind jedoch verbunden, die Hypotheken, mit welchen ihre Guͤter beſchwert ſind, bekannt zu machen, und, zu dem En⸗ de, ſelbſt, ohne einigen Verzug, deren Inſcription, auf die ihnen zugehoͤrigen Immöbel, ſo wie auf die, welche ihnen in der Folge zugehoͤren werden, auf den dazu angeordneten Büreaux zu erwirken. Die Ehemaͤnner und Vormuͤnder, welche unter⸗ laſſen haͤtten, die durch gegenwartigen Artikel anbe⸗ fohlenen Inſcriptionen nachzuſuchen und machen zu laſſen, und Privilegien oder Hypotheken auf ihre Im⸗ mobel bewilligen wuͤrden, oder nehmen laſſen wuͤrden, ohne ausdrücklich zu erklären, daß dieſe Immobel mir den geſetzlichen Hypotheken der Weiber oder Minder⸗ jährigen deſchwert ſind, ſollen als des Stellionats ſchul⸗ dig angeſehen werden, und koͤnnen als ſolche mittelſt korperlichen Zwangs zur Zahlung angehalten werden · a137. Die BeiVormuͤnder ſind, unter ihrer per⸗ he h⸗ eg u⸗ und zl⸗ von der cht. er⸗ els och ter Fn⸗ on, ie, den ter⸗ be⸗ z m⸗ den, mit der⸗ hu teſt n. ſoͤnlichen Verantwortlichkeit, und unter Strafe vol⸗ liger Schadloshaltung verbunden, daruͤber zu wachen, daß die Inſcriptionen auf die Immoͤbel des Vormun⸗ des, in Hinſicht ſeiner Geſchäftsfuͤhrung, ohne den mindeſten Verzug genommen werden; ſie ſind ſogar gehalten, dieſe Inſcriptionen ſelbſt zu erwirken. 2138. Wenn die Ehemänner, Vormuͤnder und BeiWVormuͤnder unterlaſſen, die von den vorhergehen⸗ den Artikeln anbefohlenen Inſcriptionen zu nehmen, ſo hat der Regierungs Kommiſſair(Kaiſ. Prokurator) bei dem Civil Gerichte des Wohnortes der Ehemaͤnner und Vormuͤnder oder bei demjenigen CivilGericht, in deſſen Amts Bezirk die Guͤter gelegen ſind, die beſag⸗ te Inſcription nachzuſuchen. 2139. Auch die Verwandten, ſowohl des Mannes als der Frau, ſo wie auch die Verwandten des Min⸗ derjäͤhrigen, oder, in Ermangelung von Verwandten deren Freunde, ſind gleichfalls befugt, die beſagten Inſcriptionen nachzuſuchen; die Frau und die Min⸗ derjaͤhrigen koͤnnen dieſelbe auch ſogar ſelbſt nachſuchen. 2140. Wenn großjährige Parthien in dem Ehe Kon⸗ trakt uͤbereingekommen ſind, daß bloß auf ein oder auf einige Immoͤbel des Mannes Inſcriptionen genom⸗ men werden ſollen, ſo bleiben die Immoͤbel, welche zu dieſer Inſcription nicht ausgeſetzt worden ſind, von der Hypothek fuͤr das Eingebrachte der Frau fuͤr das, was ſie zuruͤkzunehmen hat, und was ſie kraft der Ehevertrage zu fordern haben kann, frei und ledig. Man kann aber die Uebereinkunft nicht treffen, daß gar keine Inſeription genommen werden ſoll. a141. Ein gleiches gilt von den Immoͤbeln des Vormundes, wenn die, im Familienrath verſammel⸗ ten Verwandte, ihr Gutachten dahin gegeben heoen werden, daß bloß auf gewiſſe Immoͤbel eine Juſerip⸗ tion genommen werden ſolle. — 513— 2142. In dem Falle der beiden vorhergehenden Artikel iſt der Ehemann, der Vormund und der Bei⸗ vormund nur verbunden, auf die dazu ausgeſetzten Immoͤbel die Inſeription zu bewirken. 2143. Wenn die Hypothek nicht durch den Akt der Ernennung des Vormundes beſchraͤnkt worden iſt, ſo kann dieſer, in dem Falle, wo die General Hypothek auf ſeine liegende Guͤter notoriſch die fuͤr die Sicher⸗ heit ſeiner Verwaltung hinreichende Sicherheit uber⸗ ſteigen wuͤrde, anverlangen, daß dieſe Hypothek auf ſo viele Immoͤbel beſchraͤnkt werde, als noͤthig ſind, um dem Minderjährigen eine voͤllige Gewaͤhrleiſtung zuzuſichern. Die Klage auf Reduktion muß gegen den BeiVor⸗ mund angeſtellt werden. Das Gutachten des Fami⸗ tien Raths muß vorher eingenommen werden. 2144. Eben ſo kann der Mann, mit Einwilligung ſeiner Frau, und nachdem er vorher das Gutachten der, in einem Familienrath verſammelten, vier näch⸗ ſten Anverwandten dieſer leztern, eingenommen hat, darauf antragen, daß die General Hypothek auf alle ſeine Immoͤbel zur Sicherheit des Eingebrachten, ſo wie deſſen was die Frau zuruͤckzunehmen und kraft des EhVertrags zu fordern haben mag, auf ſo viele Im⸗ moͤbel beſchraͤnkt werde, als zur voͤlligen Erhaltung der Rechte der Frau hinlaͤnglich ſind. 2145. Die Urtheile uͤber ſolche Reductions Geſuche von Ehemaͤnnern und Vormuͤndern důrfen nicht anderſt, als nach Anhorung des Regierungs Kommiſſairs(Kaiſ. Prokurators) und kontradietoriſch mit dieſem, erlaſſen werden. In dem Falle, wo das Tribunal die Reduction der Hypothek auf gewiſſe Immoͤbel ausſpricht, werden alle auf die uͤbrigen Immoͤbel genommene Inſcriptionen getilgt, und ausgeloͤſcht. Viertes Kapiter Von der Art der Inſeription der Privilegien und Hypotheken. 2146. Die Inſeriptionen geſchehen auf dem Bl⸗ reau der Hypotheken Bewahrung, in deſſen Bezirke die dem Privilegium oder der Hypothek unterworfenen Guͤ⸗ ter gelegen ſind. Sie bringen keine Wirkung hervor, wenn ſie in der Zeütfriſt genommen worden ſind, wäh⸗ rend welcher die vor dem Ausbruch eines Bankerotts errichteten Akte null und nichtig erklaͤrt worden ſind. Daſſelbe gilt unter den Gläubigern einer Erbſchaft, wenn einer derſelben erſt ſeit der Eroͤfnung der Erb⸗ ſchaft die Inſcription genommen hat, und in dem Falle, wo die Erbſchaft nur unter der Rechtswohlthat des Inventariums angenommen worden iſt. 2 147. Alle an einem Tage inſcribirte Gläubiger, haben zuſammen eine Hypothek von demſelben Datum, wo⸗ ran jeder im Verhaltniß ſeiner Forderung Theil hat, ohne Unterſchied zwiſchen einer am Morgen geſchehe⸗ nen Inſcription und einer, die am Abend geſchehen ſeyn mag, wenn gleich der Hypotheken Bewahrer die⸗ ſen Unterſchied bemerkt haͤtte. 2148. Um die Inſeription zu bewerkſtolligen, hat der Glaͤubiger ſelbſt oder durch einen Dritten, das Urtheil oder den Akt, aus welchem das Privil gium oder die Hypothek herfließt, in der Urſchrift, oder ei⸗ ne authentiſche Ausfertigung deſſelben, dem Hypothe⸗ ken Bewahrer vorzulegen. Er hat demſelben zwei auf Stempel Papier geſchrie⸗ bene Bordereau's beizulegen, von welchen das eine auf die Ausfertigung des Titels geſetzt werden kann; dieſe muͤſſen enthalten: 1) Den Namen, Vornamen und Wohnort des Gläubigers, ſein Gewerbe, wenn er eines hat, und Civil Geſetzb. 33 — 514— die Erwaͤhlung eines Wohnſitzes fuͤr ihn in irgend ei⸗ nem Orte, der im Bezirk des Buͤreau's gelegen iſt; 2) Den Namen, Vornamen und Wohnort des Schuldners, ſein Gewerbe, wenn er eines hat, oder eine ſolche individuelle und beſondere Bezeichnung der Perſon, daß der Hypotheken Bewahrer in allen Fällen das Individuum, auf welchem die Hypothek haftet, erkennen koͤnne. 3) Das Datum und die Natur des Titels. 4) Den Betrag des Kapitals der Forderungen, ſo wie er im Titel ausgedruckt iſt, oder den Betrag auf welchen, wenn von Renten und Lieferungen, oder von eventuellen, bedingten oder unbeſtimmten Rechten die Rede iſt, der Glaͤubiger in den Fällen, in welchen die⸗ ſe Abſchaͤtzung anbefohlen iſt, dieſelbe anſchlägt; ſo wie auch den Betrag der acceſſoriſchen Forderungen dieſer Kapitalien, und ihre Verfallszeit; 5) Die Angabe der Gattung und der Lage der Güͤ⸗ ter, worauf der Glaͤubiger ſein Privilegium oder eine Hypothek erhalten will. Dieſe lezte Angabe iſt im Falle, wo die Hypothek geſetzlich oder gerichtlich iſt, nicht noͤthig; in Erman⸗ gelung einer beſondern Uebereinkunft beſchwert eine einzige Inſcription ſolcher Hypotheken alle im Bezirk des Buͤreaus gelegene Guͤter. 2149. Inſcriptionen, welche gegen einen Verſtor⸗ benen genommen werden ſollen, koͤnnen auf die bloſſe Bezeichnung des Verſtorbenen, nach der Vorſchrift des No. 2 des vorigen Artikels, geſchehen. 2150. Der Hypotheken Bewahrer hat den Inhalt der Borderau's auf ſein Regiſter zu bemerken, und demjenigen, der die Inſcription verlangt, ſowohl den Titel oder die Ausfertigung des Titels, als eines der Bordereaus, auf welchem er beſcheinigt, daß er die Inſcription vorgenommen habe, zuruͤckzugeben. — ſ ſt 2151. Ein Glaͤubiger, der fuͤr ein Kapital inſeri⸗ birt iſt, welches Zinſen oder Renten hervorbringt, hat das Recht, fuͤr dieſe Zinſen oder Renten, jedoch auſ⸗ ſer den des laufenden Jahres nur fuͤr zweijährige Ruͤck⸗ ſtände, in denſelben Rang der Hypothek einzutreten, worinn ſich das Kapital befindet, den beſondern In⸗ ſeriptionen ohnbeſchadet, welche er fuͤr diejenige Ruͤck⸗ ſtände, welche kein Vorrecht mehr kraft der erſten Inſcription haben, nachher nehmen kann, und welche von ihrem Datum an eine Hypothek gewähren. 2152. Es ſteht jedem, der eine Inſcription nach⸗ geſucht hat, ſo wie ſeinen Erben oder ſeinen Ceſſio⸗ narien kraft eines authentiſchen Aktes, frei, den von ihm erwaͤhlten Wohnſitz auf dem Regiſter der Hypo⸗ theken zu verändern, unter der Bedingung jedoch, einen andern in demſelben Bezirke zu erwaͤhlen und anzuzeigen. x 2153. Die bloß geſetzlichen Hypothekarrechte der Nation, der Gemeinden und offentlichen Anſtalten auf die Guͤter ihrer RechnungsPflichtigen, die der Min⸗ derjaͤhrigen oder Interdizirten auf die Guͤter ihrer Vormuͤnder, die der verheuratheten Weiber auf die Guͤter ihrer Männer, ſollen auf die Vorlage zweier Bordereau's inſeribirt werden, welche nichts zu ent⸗ halten brauchen, als: 1) Die Namen, Vornamen, das Gewerbe und den wirklichen Wohnort des Glaͤubigers, ſo wie den Wohnort, den er, oder ein anderer fuͤr ihn, in dem Bezirke, erwaͤhlt. 2) Die Namen und Vornamen, das Gewerbe, den Wohnort, oder die genaue Bezeichnung des Schuldners. 3) Die Natur der zu bewahrenden Rechte, und den Betrag ihres Werthes, ſo viel die beſtimmte Ge⸗ genſtände betrift, ohne daß der Glaͤubiger verbunden waͤre, dieſen zu beſtimmen, wenn von bedingten, eventuellen oder unbeſtimmten Rechten die Rede iſt. 2r54. Die Inſeriptionen erhalten die Hypothek und das Privilegium zehn Jahre lang, von dem Tage ihres Datums an zu rechnen, in ihrer Kraft; wenn dieſe Inſeriptionen nicht vor dem Ablauf dieſer Zeit⸗ friſt erneuert worden ſind, ſo erliſcht ihre Wirkung. 2155. Die Koſten der Inſcriptionen fallen dem Schuldner zur Laſt, wenn nicht das Gegentheil aus⸗ bedungen worden iſt; derjenige, der die Inſcription begehrt, hat ſie vorzulegen, ausgenommen bei geſetz⸗ lichen Hypotheken, fuͤr deren Inſcription der Hypothe⸗ ken Bewahrer ſeinen Ruͤckgriff gegen den Schuldner zu nehmen hat. Die Koſten der Transcription, ſelbſt derjenigen, die der Verkäufer begehren kann, fallen dem Ankaͤufer zur Laſt. 2156. Die Klagen, zu welchen die Inſcriptionen gegen einen Gläubiger ſtatt geben koͤnnen, muͤſſen vor dem kompetenten Tribunal angeſtellt, und durch La⸗ dungen eingeleitet werden, die ihm entweder in Per⸗ ſon oder in dem lezten der von ihm auf dem Regiſter erwaͤhlten Wohnorte zugeſtellt werden muͤſſen; daſſelbe muß beobachtet werden, wenn gleich der Gläubiger oder die, bei welchen er ſeinen Wohnfiß erwählt hat⸗ te, verſtorben waren. Fuͤnfees Kapitel. Von der Ausſtreichung und Reduction der Inſeriptionen. z157. Die Inſcriptionen werden, entweder mit Einwilligung der betheiligten, und der mit der dazu noͤthigen Fähigkeit verſehene Theile, oder kraft eines, in iezter Inſtauz erlaſſenen oder in Rechts Kraft er⸗ wachſenen Urtheils, ausgeſtrichen. 1 6⸗ n k⸗ u 0 d⸗ er be er ⸗ ſ. ſit zu 6 2158. In beiden Fällen haben die, welche die Aus⸗ ſtreichung anverlangen, eine Ausfertigung des authen⸗ tiſchen Aktes, der die Einwilligung der Parthien ent⸗ haͤlt, oder die des Urtheils, auf dem Büreau zu hin⸗ terlegen. 2159. Wenn nicht alle Betheiligte in die Ausſtrei⸗ chung einwilligen, ſo muß ſie vor dem Tribunal, in deſſen Bezirk die Inſcription genommen worden iſt, anverlangt werden; es ſei denn, daß dieſe Inſcription zur Sicherſtellung einer eventuellen oder unbeſtimmten Verurtheilung genommen worden waͤre, uͤber deren Vollzug oder Liquidation der Schuldner und der an⸗ gebliche Glaͤubiger ſich vor einem andern Tribunal in Rechtsſtreit befangen befinden, oder ein Urtheil er⸗ warten; in welchem Falle die Klage auf Ausſtreichung vor dieſem angeſtellt oder an daſſelbe zuruͤckverwieſen werden ſoll. 2160. Die Tribunalien muͤſſen die Ausſtreichung verordnen, wenn die Inſcription genommen worden iſt, ohne ſich weder auf ein Geſetz noch auf einen Titel zu gruͤnden, oder wenn ſie kraft eines unregelmaͤſſigen oder erloſchenen, oder durch Zahlung getilgten Titels genommen worden iſt, oder wenn das Privilegium oder das Hypothekar Recht auf geſetzlichen Wegen ge⸗ tilgt worden ſind. 2161. So oft die Inſcriptionen, welche von einem Glaͤubiger bewirkt worden ſind, der dem Geſetz zufol⸗ ge, berechtigt war, deren auf die wirklichen, oder auf die zukuͤnftigen Guͤter eines Schuldners zu nehmen, ohne daß man uͤber eine Beſchraͤnkung uͤbereingekom⸗ men wäre, gegen verſchiedene Guͤter, und zwar auf mehrere, als zur Sicherbeit der Forderung erforder⸗ lich ſind, genommen worden ſind, ſteht dem Schuld⸗ uer das Recht zu, auf die Reduction der Inſcriptio⸗ — 518— nen, oder auf die Ausſtreichung eines Theils derſelben, in ſoweit ſie nämlich das billige Verhaͤltniß uberſteigen, zu klagen. Die im Art. 2159 aufgeſtellte Kompetenz Regeln ſinden dabei wieder ihre Anwendung. Die Verfuͤgung des gegenwaͤrtigen Artikels iſt auf konventionelle Hypotheken nicht anwendbar. 216 2. Als übermaſſig werden auf mehreren Guͤtern baftende Inſcriptionen angeſehen, wenn der Werth eines oder einiger von dieſen Guͤtern, an ſchuldenfrei⸗ em Grundeigenthum, den Betrag der Schuidforde⸗ rungen an Kapital und geſetzlichen Rebenforderungen um mehr als ein Drittel uͤberſteigt. 2163. Auch diejenigen Inſeriptionen konnen als uͤbermäſſig reduzirt werden, welche nach der von dem Glaͤubiger gemachten Schäzzung ſolcher Forderungen gemacht worden ſind, welche ihrer Natur nach bedingt, eventuell oder unbeſtimmt ſind, und in Hinſicht auf welche in Betreff der zu ihrer Sicherheit zu ſtellenden Hypothek durch die Uebereinkunft nichts regulirt iſt. 2164. Der Richter hat in dieſem Falle, nach den Umſtänden, nach der Wahrſcheinlichkeit, die fur den einen und den andern ſtreitet, und den Vermuthun⸗ gen, welche ſich aus den Thatſachen ergeben, zu er⸗ meſſen, ob und in wie fern ein Uebermaß vorhanden ſei; er muß dabei ſuchen, die wahrſcheinlichen Rechte des Glaͤubigers mit dem Intereſſe, den Kredit des Schuldners, ſo viel vernuͤnftiger Weiſe moͤglich, zu erhalten, zu vereinigen; alles dem Rechte(des Glaͤu⸗ bigers) ohnbeſchadet, neue Inſcriptionen mit Hypo⸗ thek vom Tage ihres Datums an, zu nehmen, wenn der Erfolg ſeine unbeſtimmte Forderung auf eine hoͤ⸗ here Summe gebracht hat. 2165. Der Werth der Immoͤbel, den man mit dem der Forderungen, und dem Drittel daruͤber zu — 519— vergleichen hat, wird, bei Guͤtern, welche keinem allmählichen Verfalle unterworfen ſind, nach dem fuͤnf⸗ zehnfachen Betrag ihres Einkommens beſtimmt, ſo wie dieſes auf der Mutterrolle der Grundſteuer ange⸗ geben iſt, oder ſo wie es ſich nach dem Verhaltniß, welches in der Gemeinde, worin die Guͤter gelegen ſind, zwiſchen diefer Mutter Rolle, oder dem jaͤhrli⸗ chen Steueranſchlag und dem Einkommen der liegen⸗ den Guͤter beſteht, aus dem SteuerAnſchlag ergiebt, und fuͤr Guͤter, welche dem Verfalle unterworfen ſind, nach dem zehnfachen Betrag dieſes Einkommens. Die Richter koͤnnen jedoch, noch auſſerdem die Aufklaͤrun⸗ gen zu Huͤlfe nehmen, welche ſie aus unverdächtigen Pacht Kontrakten, aus Abſchaͤtzungs Verbal Prozeſſen, welche vorher zu einer noch nicht lunge verfloſſenen Zeit allenfalls abgefaßt worden ſein moͤgen, und aus andern aͤhnlichen Akten ergeben koͤnnen, und das Einkommen zu der Mittel Summe, welche ſich aus den Reſultaten dieſer verſchiedenen Nachrichten ziehen läßt, anſchlagen. Sechſtes Kapitel. Von der Wirkung der Privilegien und Hypotheken in Hinſicht auf dritte Perſonen. 2166. Glaͤubiger, welche ein, auf ein Immoͤbel, inſeribirtes Privilegium oder Hypothekar Recht haben, koͤnnen daſſelbe, in welche Haͤnde es auch immer uͤber⸗ gehen mag, verfolgen, um in der Rangordnung ihrer Forderungen oder Inſoriptionen kollozirt und bezahlt zu werden. 2167. Wenn der dritte Beſitzer die hierunten, um ſein Eigenthum frei zu machen, vorgeſchriebenen For⸗ malitaͤten nicht erfuͤllt, ſo haftet er als Inhaber durch die bloſſe Wirkung der Inſcriptionen, fuͤr alle hypo⸗ thekariſche Schulden, und genießt dagegen die dem — 520— urſprunglichen Schuldner bewilligten Friſten und Ter⸗ mine. 2168. Der dritte Beſitzer iſt, in demſelben Falle, verbunden, entweder alle faͤllige Zinſen und Kapital⸗ Summen, wie hoch ſie ſich auch immer belaufen moͤ⸗ gen, zu bezahlen, oder das hypothezirte Immoͤbel, ohne einigen Vorbehalt, zu uͤberlaſſen. 2169. Wenn der dritte Beſitzer nicht eine dieſer Verpflichtungen ganz erfullt, ſo iſt jeder Hypothekar⸗ Glaͤubiger berechtigt, dreiſſig Tage nach einem dem urſpruͤnglichen Schuldner erlaſſenen Zahlungsbefehl, und einer an den dritten Beſitzer geſchehenen Aufforde⸗ rung, entweder die faͤllige Schuld zu bezahlen, oder das Grundſtuͤck zu uͤberlaſſen, das hypothezirte Im⸗ moͤbel, gegen den lezten, verkaufen zu laſſen. 2170. Derjenige dritte Beſitzer, welcher nicht per⸗ ſoulich zur Zahlung der Schuld verpflichtet iſt, kann ſich jedoch dem Verkaufe des ihm uͤbertragenen hypo⸗ thezirten Immoͤbels widerſetzen, wenn andre, fuͤr die⸗ ſelbe Schuld bypothezirte Immoͤbel, im Beſitz des oder der HauptVerpflichteten geblieben ſind; in die⸗ ſem Falle kann er in der, im Titel: von Buͤrg⸗ ſchaften, vorgeſchriebenen Form darauf antragen, daß dieſe voraus angegriffen und verkauft werden ſol⸗ len, und während des Verfahrens zu dieſem Verkauf muß der Verkauf des hypothezirten Grundſtuͤcks aus⸗ geſetzt bleiben. 2171. Die Einrede der vorherigen Diskuſſion an⸗ drer Immoͤbel kann demjenigen Glaͤubiger nicht entge⸗ gengeſetzt werden, der ein Privilegium oder eine Spe⸗ zalHypothek auf ein Immoͤbel hat. 2172. Die Ueberlaſſung des hypothezirten Gutes (m die Gläubiger) iſt jedem dritten Beſitzer erlaubt, der nicht perſoͤnlich fuͤr die Schuld verpflichtet iſt, — 521— und Faͤhigkeit hat, zu veraͤuſſern. 2173 Sie kann ſogar dann noch geſchehen, wenn der dritte Beſitzer, jedoch nur in dieſer Eigenſchaft, die Verpflichtung anerkannt hat oder zu ihrer Zah⸗ lung verurtheilt worden iſt; die wirklich geſchehene Ueberlaſſung benimmt dem dritten Beſitzer das Recht nicht, bis zum Zuſchlag das Immoͤbel gegen Zahlung der ganzen Schuld und der Köſten zuruͤckzunehmen. 2174. Die Ueberlaſſung eines hypothezirten Immö⸗ bels geſchieht auf der Gerichtſchreiberei(Greffe) des Tribunals, in deſſen Amts Bezirk die Guͤter gelegen ſind; dieſes Gericht ertheilt einen Akt uͤber die Ueber⸗ laſſung. Es wird auf Anſuchen des Fleiſſigſten unter den Betheiligten dem uͤberlaſſenen Immoͤbel ein Kurator geſetzt, gegen welchen der Verkauf des Immoͤbels in derſelben Form verfolat wird, welche fuͤr gerichtliche Verkaͤufe von Immoͤbeln vorgeſchrieben iſt. 2175. Die Deteriorationen, welche durch That⸗ handlungen oder die Nachläſſigkeit des dritten Be⸗ ſiters, zum Nachtheil der hypothekariſchen oder privi⸗ legirten Glaͤubiger, entſtanden ſind, geben zu einer Entſchaͤdigungs Klage gegen dieſen ſtatt, allein er kann ſeine Verwendungen und Verbeſſerungen bloß bis zum Belauf desjenigen zuruͤckfordern, was das Gut durch die Verbeſſerung an Werth zugenommen hat. 2176. Der dritte Beſitzer hat die Fruchte des hy⸗ pothezirten Immobels nur von dem Tage an zu erſe⸗ tzen, wo er aufgefordert worden iſt, zu zahlen oder das Gut zu uͤberlaſſen, und wenn von den angefange⸗ nen Betreibungen waͤhrend drei Jahren abgelaſſen wor⸗ den iſt, erſt von dem Tage an, wo er nochmal dazu aufgefordert wird. 2177. Servituden und Real Rechte, welche der —˙¹——————————— — 522— dritte Beſitzer vor ſeinem Beſitz an dem Immoͤbel hat⸗ te, leben nach der von ihm geſchehenen Ueberlaſſung oder nach der gegen ihn betriebenen Verſteigerung, wieder auf. Seine perſoͤnliche Glaͤubiger uͤben ihre Hypothek nach allen denen, welche gegen die vorigen Eigenthu⸗ mer inſcribirt waren, in ihrer Rangordnung gegen das uͤberlaſſene oder gerichtlich verkaufte Immoͤbel aus. 2178. Jedem dritten Beſitzer, der die Hypothekar⸗ Schulden bezahlt, oder das hypothezirte Immoͤbel uberlaſſen hat, oder die gerichtliche Verſteigerung deſ⸗ ſelben erlitten hat, ſteht der Ruͤckgriff auf Gewährlei⸗ ſtung, nach den allgemeinen RechtsGrundſäten, ge⸗ gen den Hauptſchuldner offen. 2179. Der dritte Beſitzer, der ſein Eigenthum durch Zahlung des Preiſes, von Hypotheken befreien will, hat die im Kapitel Vll des gegenwärtigen Titels vor⸗ geſchriebenen Fotmalitäten zu beobachten. Siebentes Kapitel. Von der Erlöſchung der Privilegien und Hypotheken. 2180. Die Privilegien und Hypotheken erloͤſchen 1) durch die Erloſchung der HauptVerpflichtung; 2) durch die Verzichtleiſtung des Gläubigers auf die Hypothek; 3) durch die Erfullung der Formalitaten und Bedin⸗ gungen, welche dritten Beſitern vorgeſchrieben ſind, um die an ſich gebrachten Guͤter davon zu befreien; 4) durch Verjaͤhrung. Der Schuldner erwirbt die Verjährung in Hinſicht auf diejenigen Guͤter, die er in Haͤnden hat, durch den Ablauf derjenigen Zeitfriſt, welche fuͤr die Ver⸗ jährung der Klagen beſtimmt iſt, die die Hypothek oder das Privilegium gewähren. — 523— In Hinſicht auf diejenige Guͤter, die ſich in den Haͤnden eines dritten Inhabers befinden, erwirbt er ſie durch den Ablauf der Zeitfriſt, die fuͤr die Verjaͤh⸗ rung des Eigenthums zu ſeinem Vortheile erfordert wird. In dem Falle, wo die Verjahrung einen Titel vorausſetzt, fangt ſie erſt von dem Tage zu laufen an, an welchem dieſer in die Regiſter des Hypotheken Be⸗ wahrers eingetragen worden iſt. Von dem Glaäubiger genommene Inſcriptionen un⸗ terbrechen den Lauf derjenigen Verjaͤhrung nicht, welche das Geſetz zu Gunſten des Schuldners oder dritten Beſitzers begruͤndet. Achtes Kapitell. Von der Art und Weiſe, ſein Eigenthum von Privilegien und Hypotheken zu befreien. 2181. Die Kontrakte, welche das Eigenthum von Immoͤbeln oder unbeweglichen RealRechten uͤbertragen, die ein dritter Beſitzer von Privilegien und Hypothe⸗ ken befreien will, muͤſſen von dem Hypotheken Bewah⸗ rer, in deſſen Bezirke die Guͤter gelegen ſind, ihrem ganzen Inhalte nach auf ein beſonderes, dazu eigends beſtimmtes Regiſter eingetragen werden. Der Hypotheken Bewahrer iſt verbunden, dem an⸗ ſuchenden Theile eine Beſcheinigung daruͤber zu ertheilen.(1) (1) Gutachten des Staatsraths vom(12 Floreal XITI) 2 May 1e5 uber die Tranſcription von VerkaufAkten unter Pri vatUnter- rift. Der Staatsrath, der, zufolge der Weiſung S. M. den Bericht der Sektionen der Finanzen und der Geſetzgebung uͤber den des Gros⸗ richters, Miniſters der GerechtigkeitsPflege, in Betreff der Frage, ob man die durch Akte unter Privatlnterſchrift geſchehene Verkaͤufe, welche zwar einregiſtrirt ſind, deren Unterſchriften aber weder vor Notarien noch durch ein Urtheil anerkannt ſind, guͤltiger Weiſe trans- ſcribiren kann, um ſie von Hypotheken zu befreien? angehoͤrt hat; Nach Einſicht des Geſetzes vom 11 Brümatre VII über die Hh- pothekarVerfaſſung, und den Titel des CivilGeſetzbuchs: von den Privilegien und Hypothekenz 1 21se. Die bloſſe Eintragung der Titel, wodurch das Eigenthum uͤbertragen wird, auf das Regiſter des Hypotheken Bewahrers befreit das Immoͤbel nicht von den darauf haftenden Hypotheken und Privilegien. Der Verkaͤufer uͤbertragt dem Ankaͤufer nur das Eigenthum und diejenige Rechte, welche er ſelbſt an der verkauften Sache hat; und er uͤbertraͤgt ſie ihm, mit denſelben Privilegien und Hypotheken belaſtet, womit ſie in ſeinen Haͤnden beſchwert waren. 2183. Wenn der neue Ankaͤufer ſich gegen die Wir⸗ kungen der im ſechſten Kapitel des gegenwaͤrtigen Titels erlaubten Betreibungen verwahren will, ſo iſt er verbunden, entweder vor allen Betreibungen, oder laͤngſtens in Monatsfriſt von der erſten, an ihn ge⸗ richteten, Aufforderung an zu rechnen, den Gläubi⸗ gern, jedem an demjenigen Wohnorte, den er zu ſei⸗ In Erwaͤgung, daß keine beſtimmte Verfuͤgung der Transcription eines VerkaufAktes unter PrivatUnterſchrift, wenn er mit der For⸗ znalität des Enregiſtrements bekleidet iſt, entgegenſteht; daß dieſe Transcription keine andere Wirkung hat, als den Betheiligten zu veranzeigen, daß das Eigenthum eines Imindbels aus einer Hand in die andere uͤbergegangen iſt, und daß kein Beweggrund vorhanden iſt um die Ankuͤndiqungen der PVeränderung, die durch einen Akt unter PrivatUnterſchrift bewerkſtelligt worden iſt, zu verbieten, da die Ver⸗ aͤuſſerung auf dieſelbe Art erlaubt iſt; Daß man keinen entgegengeſetzten Schluß daraus folgern kann, paß eine Inſcription, um eine Hypothek zu begruͤnden, uur auf An- ſicht einer authentiſchen Ausfertigung des Urtheils oder des Aktes, welcher die Hypothek konſtituirt, ſtatt haben kann, weil eine Hypo⸗ ther in der That nur durch einen anthentiſchen Akt begruͤndet werden kaun; Daß endlich bei der Diskuſſion des Titels des CivilGeſetzbuchs: von den Privilegien und Hypotheken, die Frage dem Staatsrath vorgelegt wörden iſt, und daß es ſo augenfällig ſchien, daß man einen gehdrig einregiſtrirten VerkaufAkt unter PrivatlUnterſchrift tranſcribiren koöͤnne, daß man es fur uͤberfluͤſſig hielt, es durch eine ausdruͤckliche Verfüͤgung zu erlauben, ſo wie man ſich durch die Ue⸗ verleſung des VerbalProzeſſes der Sitzung vom 1e Ventoſe XII uͤber⸗ zeugen kann; Iſt der Meknung, daß die VerkanfAkte unter PrivatUnter⸗ ſchrift, welche einregiſtrirt ſind, zur Transſeription vorgelegt werden können⸗ un, vo den 6: dein daß riſt ine Ue⸗ ber⸗ ter⸗ den ner Inſeription gewaͤhlt hat, folgende Stucke zuſtellen zu laſſen: 1) Einen Auszug aus ſeinem Rechtstitel der jedoch bloß das Datum und die Eigenſchaft des Aktes, den Namen und die genaue Bezeichnung des Verkaͤufers oder des Schenkgebers, die Natur und die Lage der verkauften oder geſchenkten Sache, und, wenn von einem, aus mehreren Stuͤcken beſtehenden Gute, die Rede iſt, bloß die allgemeine Benennung des Gutes und der Bezirke, worin es gelegen iſt, den Kauf⸗ Preiß, und die Laſten, die einen Dheil des Kauf⸗ Preißes ausmachen, oder die Abſchaͤtzung der Sache, wenn dieſe geſchenkt worden iſt, zu enthalten braucht; 2) Einen Auszug aus der Transeription des Ver⸗ kauf Aktes; 3) Eine Tabelle von drei Kolonnen, deren erſte das Datum der Hypotheken und das der Inſcriptio⸗ nen, die zweite die Namen der Glaͤubiger, die dritte den Betrag der inſcribirten Forderungen enthalten muß.(1) 2184. Der Kaͤufer oder Schenknehmer muß in demſelben Akte erklaͤren, daß er bereit iſt, auf der () Die von den Artikeln 2183 und 2185 des Civilgeſetzbuchs vor⸗ geſchriebenen Zuſtellungen müſſen durch einen Huiſſier geſchehen, den der Präſident des Tribunals erſter Inſtanz des Bezirks, in welchem ſie ſtatt haben, auf eine bloſſe Bittſchrift zu kommittiren hat; ſie muͤſſen die Beſtellung eines Avoues bei demjenigen Tribunal, vor welches das Uebergebot, und die Beſtimmung der Rangordnung, der Glaͤubiger, gebracht werden muͤſſen, enthalten. Der Akt wodurch auf die Verſteigerung langetragen wird, muß“ unter Strafe der Nullität des Uebergebots, das Anerbieten der Bürg⸗ ſchaft, und eine Vorladung enthalten, um in dreien Tagen vor dem⸗ ſelben Tribunal der Annahme der Buͤrgſchaft beizuwohnen, zu wel⸗ cher ſummariſcher Weiſe geſchritten wird.„ Art. 835 des Geſ, uͤber das Verfahren im buͤrg. Prozeß. Wird die Buͤrgſchaft verworfen, ſo muß das Uebergebot nichtig erklärt, und der Ankaͤufer in ſeinem Ankauf gehandhabet werden, es ſei dann, daß noch andere Gläubiger ein Uebergebot gemacht haͤtten⸗ Art. 833. ebendeſſ. — 526— Stelle die hypothekariſchen Schulden und Laſten, je⸗ doch nur bis zur Konkurrenz des KaufPreißes, und zwar ohne Unterſchied zwiſchen faͤlligen oder nicht fal⸗ ligen Schulden, zu bezahlen. 2195. Hat der neue Eigenthuͤmer dieſe Zuſtellung in der obenbeſtimmten Zeitfriſt machen laſſen, ſo hat jeder Glaͤubiger, deſſen Titel inſcribirt iſt, das Recht die oͤffentliche Verſteigerung des Immoͤbels an den Meiſtbietenden anzuverlangen, unter der Obliegenheit: 1) Dieſes Begehren ſpaͤteſtens in vierzig Tagen, von der Zuſtellung an zu rechnen, die auf Anſtehn des neuen Eigenthuͤmers gemacht worden iſt, dieſem zuſtellen zu laſſen; dieſer Zeitfriſt werden ſo vielmal zwei Tage zugeſetzt, als der erwaͤhlte Wohnort eines jeden requirirenden Glaͤubigers von ſeinem wirklichen Wohnorte um fuͤnf Myriameter entfernt iſt; 2) Daſſelbe muß von Seiten desjenigen, der auf die Verſteigerung antragt, das Anerbieten enthalten, entweder ein Zehntel uͤber den in dem Kontrakt ſtipu⸗ lirten oder von dem neuen Eigenthuͤmer erklaͤrten Preiß mehr zu bieten, oder zu bewirken, daß dieſes Zehntel von andern mehr geboten werde. 3) Dieſelbe Zuſtellung muß in derſelben Zeitfriſt, dem vorigen Eigenthuͤmer, als Hauptſchuldner, ge⸗ macht werden. 4) Das Original ſowohl als die Abſchriften dieſer Zuſtellungen muͤſſen von dem requirirenden Glaͤubiger oder von ſeinem Spezial Bevollmaͤchtigten, der in die⸗ ſem Falle verbunden iſt, eine Abſchrift ſeiner Voll⸗ macht mitzutheilen, unterzeichnet ſein. 5) Derſelbe muß ſich zugleich erbieten, bis zum Be⸗ lauf des KaufPreißes und der(vom Ankaͤufer uͤber⸗ nommenen) Laſten Buͤrgſchaft zu ſtellen. Alles unter Strafe der Rullitat. at uf n u iß te ſer ger ie⸗ M⸗ e el⸗ 2186. Wenn die Glaͤubiger unterlaſſen, in den vorgeſchriebenen Friſten und Formen auf die offentliche Verſteigerung anzutragen, ſo bleibt der Werth des Immoͤbels auf den in dem Kontrakte ſtipulirten oder von dem neuen Eigenthuͤmer erklaͤrten Preiße feſt be⸗ ſtimmt; der lezte wird mithin durch die Zahlung des beſagten Preißes an die Glaͤubiger, welche ihrer Rang⸗ ordnung nach zu deſſen Empfang berechtigt ſind, oder durch deſſen Hinterlegung von allen Privilegien und Hypotheken befreit. 2187. Im Falle des nochmaligen Verkaufs an den Meiſtbietenden muß dieſer in der Form geſchehen, welche fuͤr die gerichtlichen Verſteigerungen auf Be⸗ treiben der HypothekarGlaͤubiger vorgeſchrieben iſt, und zwar auf Betreiben des Glaͤubigers, der darauf an⸗ getragen hat, oder des neuen Eigenthuͤmers. Der betreibende Theil hat in den Anſchlagzetteln den Preiß anzugeben, der in dem Kontrakt ſtipulirt, oder erklaͤrt worden iſt, ſo wie die Summe uͤber die ſen Preiß, welche der Glaͤubiger ſich zu bieten oder bieten zu machen anheiſchig gemacht hat.(1) 2188. Der Anſteigerer iſt verbunden, dem, auſſer Beſitz geſetzten, Ankäufer oder Schenknehmer, auſſer dem Steigerſchilling, die Koſten und aufrichtigen Aus⸗ lagen fuͤr ſeinen Kontrakt, die der Tranſcriprion auf die Regiſter des Hypotheken Bewahrers, die der Zu⸗ () Um zu der durch den Art. a187 des CivilGeſetzbuchs vorgeſehe⸗ nen Wiederverſteigerung zu gelangen, hat der beſtreitende Theil durch Anſchlagzettel die erſte Verkuͤndigung zu veranzeigen, welche fuͤnfzehn Tage nach der Anheftung derſelben erfolgen muß.(Art. 336 ebend.) Der VerbalProzeß der Anheftung der Anſchlagzettel muß dem neuern Eigenthuͤmer zugeſtellt werden, wenn der Glaͤubiger der be⸗ treibende Theil iſt, und dem uͤberbietenden Glaͤubiger, wenn der Gläu⸗ biger die Petreibungen macht.(Art. 337 ibid.) Der VeräuſſerungsAkt gilt ſtatt der Urſchrift der Verſteigerung. Der in dieſem Aet enthaltene Preiß, und der Betrag des Ueberge⸗ bots werden als das erſte Angebot angeſehen.(Art, 338.) — ſtellung, und die, welche er gehabt hat, um die neue Verſteigerung zu bewirken, zu erſetzen. 2189. Wenn der Ankaͤufer oder Schenknehmer da⸗ durch, daß er Letztbiethender bleibt, das zur Verſtei⸗ gerung ausgeſetzte Immoͤbel behaͤlt, ſo iſt er nicht ver⸗ bunden, das SteigerungsUrtheil(auf die Regiſter des Hypotheken Buͤreaus) uͤberſchreiben zu laſſen. 2190. Die Verzichtleiſtung des Glaͤubigers, wel⸗ cher auf die oͤffentliche Verſteigerung angetragen hat, auf dieſen Antrag, kann die Verſteigerung nicht hin⸗ dern, ſelbſt wenn der Glaͤubiger die Summe zahlen ſollte, worauf er den VerkaufPreiß zu treiben ſich anheiſchig gemacht hatte, es ſei dann, daß alle andre Hypothekar Glaͤubiger darein einwilligen. 219r. Der Ankaͤufer hat, wenn er das Immoͤbel ſelbſt wieder an ſich geſteigert hat, ſeinen Ruͤckgriff, nach den allgemeinen rechtlichen Grundſätzen, gegen den Verkaͤufer wegen der Ruͤckerſtattung deſſen, was den in ſeinem Rechtstitel ſtipulirten VerkaufPreiße uͤber⸗ ſteigt, und fuͤr die Zinſen dieſes Ueberſchuſſes vom Tag jeder Zahlung an. 2192. In dem Falle, wo der Titel des neuen An⸗ kaͤufers Moͤbel und Immoͤbel begreifen ſollte, oder mehrere Immoͤbel, von welchen einige hypothezirt ſind, andre aber nicht, ſie moͤgen nun in einem oder ver⸗ ſchiedenen Bezirken von Hypotheken Buͤreaus gelegen ſein, ſie mogen fuͤr eine Summe zuſammen, oder je⸗ des insbeſondere fuͤr einen beſondern Preiß verkauft worden ſein, zuſammen oder jedes insbeſondere ange⸗ baut werden, ſo muß in der Zuſtellung des neuen An⸗ kaͤufers der KaufPreiß eines jeden, mit beſondern Inſcriptionen beſchwerten Immoͤbels, erklärt werden, und zwar, nach Beſchaffenheit der Umſtände, nach Maaßgabe des ganzen, im Titel angefuͤhrten, Preißes (aller Immoͤbel zuſammen.) Der Glaͤubiger, welcher ein Uebergeboth thun will, kann in keinem Falle gezwungen werden, ſein Gebet weder auf die Mobiliarſchaft, noch auf andere Immoͤ⸗ bel als die, welche fur ſeine Forderung hypothezirt und in demſelben Bezirk gelegen ſind, auszudehnen; vor⸗ behaltlich des Ruͤckgriffs des neuen Eigenthuͤmers ge⸗ gen ſeine Autoren wegen ſeiner Entſchädigung fuͤr den Schaden, den er durch die Theilung der in ſeiner Ac⸗ quiſition begriffenen Gegenſtände, oder durch die gan⸗ zer Hoͤfe oder Gewerke erleiden mag. W nntes gpiel Von der Art und Weiſe, die Guͤter der Maͤnner und Vormünder von den Hypotheken zu befreien, wenn keine Inſcription derſelben beſteht. 2193. Die Ankäufer von Immöbeln, welche Ehe⸗ maͤnnern oder Vormuͤndern zugehoͤren, koͤnnen, wenn auf den beſagten Immoͤbeln keine Inſcription wegen den, aus der Geſchaͤftsfuͤhrung des Vormundes, oder der Ausſteuer, den Ruͤckforderungen und EheVertraͤgen der Frau herflieſſenden, Forderungen beſteht, die von ihnen angekauften Guter auf folgende Art von den Hy⸗ potheken, welche allenfalls darauf haften koͤnnen, be⸗ freien.(1) c Gutachten des Staatsraths vom 9 May 1807 zutge⸗ heiſſen am 1 Junius 1807. uͤber die Mittel, den Schwierigkeiten über die geſetzlichen, unabhängig von der Inſcription beſtehenden Hypotheken vorzubengen. Der Staatsrath, der nach der von S. M. geſchehenen Zuruͤckver⸗ weiſung den Bericht der Finanz⸗ und der Geſetzgebungs Kommiſſion uͤber den des Miniſters vom offentlichen Schatz in Betreff der Mittel, den Schwierigkeiten über die geſetzlichen„unabhaͤngig von jeder In⸗ ſcription beſtehenden Hypotheken vorzubeugen, angehoͤrt hat; In Erwägung, daß der Art. 2103, 2r04 und 2195 des EivilSe⸗ ſebuchs das Verfahren vorgeſchrieben haben, mittelſt welchem man Immoͤbel von den geſetzlichen Hppotheken der Weiber, Minderjaͤhrigen — —— ———— — 530— 2194. Sie haben zu dem Ende eine, gehoͤrig be⸗ glaubigte, Abſchrift des Kontraktes, wodurch das Ei⸗ genthum uͤbertragen wird, auf der Gerichtſchreiberei des CivilGerichtes, in deſſen Amtskreiß die Guͤter gelegen ſind, zu hinterlegen, und durch einen Akt, der ſowohl der Frau oder dem BeiVormund, als und Interdizirten, die nnabhaͤngig von der Inſcription beſtehen, be⸗ Freien kann; daß der Artiket a194 erheiſcht, daß der Akt der Hinterlegung des Kontraktes, wodurch das Eigenthum uͤbertragen worden iſt, auf der Greffe(Gerichtſchreiberei) ſowohl der Frau und dem Gegen Pormund als auch dem Kaiſerl. Proknrator bei dem Tribunat, des Bezirks in welchem die Guͤter gelegen ſind, zugeſtellt werde; daß der Vollzug dieſer Verfuͤgung immer moͤglich iſt, wenn der f und die Frau, oder ihre Repräſentanten, bekannt ind; ⸗ daß ſie es aber oft nicht ſind, und daß die Ankäufer alsdann ge⸗ zwungen ſind, ſich auf die Zuſtellung an den Kaiſ. Prokurator allein zu beſchraͤnken; daß es bei dieſer Lage der Dinge, zweckmäſſig iſt, in der Zukunſt die Mittel zu ergreifen, welche das CivilGeſetzbuch und das Geſetzbuch über dgs Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß fuͤr den Fall vorgeſchrieben haben, wenn Partheyen von etwas benachrichtiget werden ſollen, wo⸗ bei ſie betheiligt ſein können: Iſt der Meinung Erſtens, daß wenn entweder die Fran, oder ihre Stellvertreter, oder der Gegen Vormund, dem Ankaͤufer unbekannt ſind, es nothig und hinreichend ſein ſoll, um die Zuſtellung zu erſetzen, welche ihnen nach dem beſagten Artikel 2194 geſchehen muß, daß erſtens der Ankäu⸗ zer in der dem Kaiſ. Prokurator zu machenden Zuſtellung dieſem er⸗ kläre, daß, da diejenige, zu deren Portheil wegen geſetzlicher, von der Inſeription unabhaͤngig beſtehenden Hhpotheken noch Inſeriptio⸗ nen genommen werden koͤnnten, ihm unbekannt ſind, er die beſagte Zuſtellung in der durch den Artikel 633 des Geſetzbuchs uͤber das Ver⸗ fahren im burgerlichen Prozeß vorgeſchriebenen Form mittelſt dffent⸗ liche Bekanntmnachung machen wird; und daß zweitens der beſagte An⸗ xaͤufer dieſe Zuſtellung auch wirklich in der durch den Artikel 683 des oben angefuͤhrten Geſetzbuchs vorgeſchriebenen Form bekannt mache„ oder, wenn in dem Departement keine Zeitung erſcheint, er ſich von dem Faiſerl. Prokurator ein Zengniß uͤber den Umſtand, daß keines vorhanden iſt, ertheilen laſſe; Zweitens, daß der Zei raum von zwei Monaten, der durch den Artikel 2194 des Civil Geſetzbuchs beſtunmtliſt, um zum⸗ Vortheil der Weiber, Minderjährigen und Interdizirten Inſcriptionen zu nehmen, erſt von dem Tage des in Gemäßheit des oben angefuͤhrten Artikels 683 des Geſetzbuchs über das Verfahren im bürgerlichen Prozeß ge⸗ ſchehenen Verkuͤndigung oder von dem Tage der Ausfertigung des Zengniſſes des Kaiſ. Prokurators, über den Umſtand, daß in dem Departement keine Zeitung erſcheint, zu laufen anfangen. Drittens, daß gegenwärtiges Gutachten in's Geſetzregiſter ein⸗ geruͤckt werden muß⸗ dem Regierungs Kommiſſair(Kaiſerl. Prokurator) bei dem Civi Gericht, zugeſtellt werden muß, dieſe von der geſchehenen Hinterlegung zu vergewiſſern. Ein Auszug aus dieſem Kontrakt, der deſſen Datum, die Namen, Vornahmen, das Gewerbe und den Wohn⸗ ort jedes der Kontrahenten, die Bezeichnung der Guͤ⸗ ter, nach ihrer Beſchaffenheit und Lage, den Kauf⸗ Preiß und die uͤbrigen Laſten des Verkaufs, enthal⸗ ten muß, muß in dem Audienzſaa! des Tribunals an⸗ geheftet werden, und während zwei Monaten ange⸗ beftet bleiben; während dieſet Zeit haben die Weiber, die Männer, die Vormuͤnder, die Bei Vormuͤnder, die Minderjährigen, die Interdizirten, die Verwandten und Freunde, und der Regierungs Kommiſſair(Kaiſ. Prokurator) das Recht, auf dem Buͤreau des Hypo⸗ cheken Bewahrers, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, Inſcriptionen auf das verauſſerte Immöbel nachzuſu⸗ chen und machen zu laſſen: dieſe Inſcriptionen bringen dieſelbe Wirkung hervor, als wenn ſie am Tag des Ehe Kontraktes oder an dem Tage, an welchem der Vormund ſeine Amtsverrichtungen angetreten hat, genommen worden wären: alles den Verfolgungen ohnbeſchadet, welche gegen die Maͤnner und Vormuͤn⸗ der, nach den weiter oben aufgeſtellten Regeln ſtatt finden koͤnnen, wenn ſie zum Vortheile von drittern Perſonen Hypotheken bewilligt haͤtten, ohne dieſen er⸗ klärt zu haben, daß die Immoöbel ſchon„kraft der Ehe oder der Vormundſchaft, mit Hypothek beſchwert waren. 2195. Wenn, im Laufe der zwei Monate, waͤh⸗ rend welchen der Kontrakt angeſchlagen bleibt, keine Inſcription fuͤr die Weiber, Minderjährigen oder In⸗ terdizirten auf die verkauften Immoͤbel genommen wor⸗ den iſt, ſo gehen ſie, ohne irgend eine Verhaftung fur — 532— die Ausſteuer, Ruͤckforderungen und EheVertraͤge der Frau, oder fur die Geſchäftsfuͤhrung des Vormundes, auf den Ankaͤufer uͤber, vorbehaltlich nach Beſchaffen⸗ heit der Umſtände, des Ruͤckgriffs gegen den Mann oder den Vormund. Sind hingegen fur die beſagten Weiber, Minder⸗ jaͤhrigen oder Interdizirten Inſeriptionen genommen wor⸗ den, aber es ſind frühere Gläubiger vorhanden, wel⸗ che den Kaufſchilling ganz oder zum Theil wegnehmen, ſo iſt der Ankäufer fuͤr den KaufPreiß oder dieſen Theil deſſelben vollig und gültiger Weiſe entlaſtet, wenn er ihn den Gläubigern in ihrer Rangordnung be⸗ zahlt; und die fuͤr die Weiber, Minderjaͤhrigen oder Interdizirten genommenen Inſeriptionen muͤſſen ganz oder bis zum Belauf desjenigen, was an fruͤhere Glau⸗ biger bezahlt worden, ausgeſtrichen werden. Sind aber die Inſeriptionen für die Weiber, Min⸗ derjehrigen oder Interdizirten die aͤlteſten, ſo darf der Ankaͤhfer keine Zahlung des KaufPreißes zum Rach⸗ theile der beſagten Inſcriptionen machen, welche immer ſo wie es hier oben geſagt worden, von dem Datum des EheVertrags oder dem, wo der Vormund in ſei⸗ ne AmtsVerrichtungen eingetreten iſt, ihre Wirkung hervorbringen, und in dieſem Falle muͤſſen die In⸗ ſcriptionen der uͤbrigen Glaͤubiger, welche nach ihrer Rangordnung nichts mehr zu erhalten baben, geſtri⸗ chen werden. Zehntes Kapitel. Von der Publizitat der Regiſter und der Verantwortlich⸗ keit der Hypotheken Bewahrer. 2196. Die Hypotheken Bewahrer find gehalten, jedem, der es verlangt, eine Abſchrift der auf ihre Re⸗ giſter uͤberſchribenen Akte, und der beſtehenden In⸗ — 535— ſeriptionen, oder aber ein Zeugniß, daß keine In⸗ ſcription beſteht, zu ertheilen. 4 2197. Sie ſind fuͤr jeden Nachtheil verantwortlich, der daraus entſpringen koͤnnte 1) wenn ſie Akte, wodurch eine Aenderung im Eigenthum vorgegangen, oder in ihren Buͤreaux ver⸗ langte Inſeriptionen auf ihre Regiſter zu uͤberſchreiben oder einzutragen unterlaſſen haͤtten; 2) Wenn ſie in ihren Zeugniſſen von einer oder mehreren wirklich beſtehenden Inſcriptionen Meldung zu thun unterlaſſen haͤtten, es ſei denn, daß in dieſem Falle der Irrthum durch eine unzulaͤngliche Angabe entſtanden waͤre, die ihnen nicht zur Laſt gelegt wer⸗ den koͤnnte. 2198. Ein Immoͤbel, in deſſen Hinſicht der Hy⸗ potheken Bewahrer in ſeinen Zeugniſſen eine oder meh⸗ rere der wirklich inſcribirten Laſten ausgelaſſen haͤtte, bleibt, vorbehaltlich der Verantwortlichkeit des Hypo⸗ theken Bewahrers, in den Haͤnden des neuen Beſitzers frei davon, vorausgeſetzt, daß dieſer das Zeugniß ſeit der Tranſcription ſeines Titels verlangt habe, jedoch alles dem Rechte der Glaͤubiger ohnbeſchadet, ſich in der ihnen zuſtehenden Rangordnung kolloziren zu laſſen, ſo lange der Ankäufer den Kaufſchilling noch nicht be⸗ zahlt hat, oder ſo lange die unter den Glaͤubigern be⸗ ſtimmte Rangordnung noch nicht homologirt worden iſt. 2199. In keinem Falle duͤrfen die Hypotheken Be⸗ wahrer die Tranfcription von Akten, die eine Aende⸗ rung in dem Eigenthum enthalten, die Inſcription von Hypothekarrechten, oder die Ertheilung der be⸗ gehrten Zeugniſſe, verweigern, oder verzoͤgern, unter Strafe voͤlliger Schadloshaltung der Parthien; zu welchem Ende uͤber jede Verweigerung oder Verzoͤge⸗ rung auf der Stelle auf Betreiben des nachzuſuchenden⸗ — 534— Theils ein Verbal Prozeß, entweder durch einen Frie⸗ densrichter, oder von einem Audienz huiſſier des Tri⸗ bunals, oder von einem andern Huiſſier oder einem Notar unter Beiſtand zweier Zeugen errichtet werden ſoll. 2200. Die Hypotheken Bewahrer ſind jedoch ver⸗ bunden, ein Regiſter zu fuͤhren, worauf ſie Taa fuͤr Tag und unter fortlaufenden Nummern, die Muta⸗ tions Akte, welche ihnen zur Tranſcription und die Bordereaus, welche ihnen zur Inſcription uͤbergeben worden ſind, eintragen muͤſſen; ſie haben dem, der die Tranſecription oder Inſecription verlangt, einen Empfangſchein auf Stempelpapier zu ertheilen, der die Nummer des Regiſters, worauf die Uebergabe bemerkt worden ſein wird, anfuͤhren muß, und ſie duͤrfen nicht anderſt, als unter dem Datum, und in der Ordnung, worin ſie ihnen uͤbergeben worden ſind, die Mutations⸗ Akte auf die dazu beſtimmte Regiſter uberſchreiben und die Bordereaux gleichfalls auf die dazu beſtimmte Re⸗ giſter eintragen. z201. Alle Regiſter der Hypotheken Bewahrer muͤſ⸗ ſen auf Stempelpapier gefuͤhrt werden; ſie muͤſſen auf jeder Seite, mit Bemerkung der erſten und der lezten, von einem Richter des Tribunals, in deſſen Amtsbe⸗ zirk das Buͤreau gelegen iſt, mit der Seitenzahl und ſeinem Handzug bezeichnet werden. Dieſe Regiſter muͤſſen, ſo wie jene, die uͤber das Enregiſtrement der Akte gefuͤhrt werden, käglich abgeſchloſſen werden. 2202. Die Hypotheken Bewahrer ſind verbunden, ſich in ihren AmtsVerrichtungen nach allen Verfuͤgun⸗ gen des gegenwärtigen Kapitels zu bemeſſen, unter Straſo einer Geldbuße von zwei hundert bis zu tau⸗ ſend Franken fuͤr die erſte Zuwiderhandlung und der pſetung bei der zweiten; alles der Schabloshakun⸗ gen der Betheiligten ohnbeſchadet, welche ſogar vor⸗ zugsweiſe vor der Geldbuße bezahlt werden muͤſſen. 2203. Die Anzeigen von der Uebergabe der Akte, die Inſcriptionen nund Transcriptionen muͤſſen auf den Regiſtern in einer ununterbrochenen Folge, ohne Zwi⸗ ſchen Raum und Einſchaltungen geſchehen, unter Stra⸗ fe einer Geldbuſſe von tauſend bis zu zweitauſend Franken gegen den Hypotheken Bewahrer, und voͤlli⸗ ger Schadloshaltung der Parthien, welche gleichfalls vorzugsweiſe vor der Geldbuße bezahlt werden muß. Neunzehnter Titel⸗ Von der gerichtlichen Verſteigerung von Immoͤbeln anf Betreiben ver Glaͤubiger, cde Fespropriation force] und der RangOrdnung unter dieſen. (Dekretirt am 23 PVentoſe, verkuͤndigt am 8ten Germingl 13 Jahrsh (2 April 1804.5 Erſtes Kapitel. Von der gerichtlichen Verſteigerung auf Betreiben der Gläubiger. 2204. Der Gläubiger kann die gerichtliche Verſtei⸗ gerung 1) der ſeinem Schuldner eigenthuͤmlich zuge⸗ boͤrigen Immoͤbel und ihrer Zugehöre, welche als Im⸗ moͤbel betrachtet werden,) der Nuznieſſung von Guͤ⸗ tern derſelben Art, welche ſeinem Schuldner zuſteht, verfolgen. 2205. Der ungetheilte Antheil eines MitErben an den Immobeln einer Erbſchaft, kann jedoch von ſei⸗ nen perfoͤnlichen Glaͤubigern nicht zum Verkaufe aus⸗ geſetzt werden, ehe ſie getheilt oder oͤffentlich verſtei⸗ gert worden ſind. Die Glaubiger koͤnnen, wenn ſie es fur dienlich erachten, die oder Verſteige⸗ rung bewirken, oder bei derſelben, dem Art. S82 des — 536— Titels: von den Erbſchaften gemaͤß, mit auf⸗ treten. 2206. Einem Minderjähtigen, wenn er auch gleich emancipirt waͤre, oder einem Interdizirten, zugehoͤ⸗ rige Immoͤbel koͤnnen nicht vor der Diskuſſion ſeines Mobiliar Vermoͤgens zum Verkaufe ausgeſetzt werden. 2207. Die Diskuſſion des Mobiliar Vermoͤgens iſt aber nicht erforderlich, um die Vergantung von Im⸗ moͤbeln zu bewirken, welche einem Großjaͤhrigen und einem Minderjaͤhrigen oder Interdizirten gemeinſchaft⸗ lich zugehoͤren, wenn die Schuld ſie gemeinſchaftlich angeht, oder wenn das Verfahren gegen einen Groß⸗ jahrigen oder vor der Interdiction ſchon angefangen hatte. 2208. Die gerichtliche Verſteigerung von Immoͤ⸗ beln, welche in die Gemeinſchaft gehoͤren, wird gegen den Mann, als Schuldner, allein betrieben, wenn gleich die Frau fuͤr die Schuld verpflichtet iſt. Die Verſteigerung ſolcher Immobel, welche der Frau zugehoͤren und nicht in die Gemeinſchaft gekom⸗ men ſind, muß gegen den Mann und die Frau zu⸗ gleich betrieben werden; dieſe leztere kann, wenn der Mann ſich weigert, den Prozeß gemeinſchaftlich zu fuͤhren, oder wenn er minderjaͤhrig iſt, von dem Rich⸗ ter dazu ermaͤchtigt werden. Wenn Mann und Frau beide minderjaͤhrig ſind, oder wenn die Frau allein minderjaͤhrig iſt, und der Mann ſich weigert, den Prozeß gemeinſchaftlich mit ihr zu fuͤhren, wird der Frau von dem Tribunal ein Vormund ernannt, gegen welchen ſodann die Betrei⸗ bungen gerichtet werden. 2209. Der Gläubiger kann den Verkauf ſolcher Immoͤbel, welche ihm nicht hypothezirt ſind, nur dann verfolgen, wenn diejenige, welche ihm hypothezirt ſind, zu ſeiner Befriedigung nicht hinreichen. 2210. Der gezwungene Verkauf von Guͤtern, wel⸗ che in mehreren Bezirken gelegen ſind, kann nur nach und nach provozirt werden, es ſei denn, daß ſie zu einem und demſelben Landgute gehoͤren. Er wird in dieſem Falle vor demjenigen Tribunal verfolgt, in deſſen Amtskreiß der Hauptſitz der Land⸗ wirthſchaft, oder wenn kein ſolcher Hauptſitz vorhan⸗ den iſt, derjenige Theil der Guͤter gelegen iſt, der nach der Mutter Rolle das groͤßte Einkommen abwirft. 221r. Wenn die dem Glaͤubiger hypothezirten, und die ihm nicht hypothezirten Guͤter, oder die in mehre⸗ ren Bezirken gelegenen Guͤter, zu einem Landgute gehoͤ⸗ ren, ſo werden die einen und die andern, wenn der Schuldner es verlangt, zugleich zum Verkaufe ausge⸗ ſetzt, und der Steigerſchilling, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, nach Maasgabe des Ganzen auf die Theile berechnet. 2212. Wenn der Schuldner durch auchentiſche Pacht Briefe erweißt, daß der reine und freie Ertrag ſeiner Immoͤbel waͤhrend einem Jahr zur Zahlung der Schuld, ſowohl an Kapital, als Zinſen und Ko⸗ ſten, hinreicht, und ſich erbietet, dieſen Ertrag auf ſeinen Glaͤubiger zu delegiren, ſo kann der Richter das Verfahren einſtellen, vorbehaltlich es wieder auf⸗ zugreifen, wenn eine Oppoſition gegen die Zahlung eingelegt wird, oder dieſe ſonſt ein Hinderniß erleidet. 2213. Der gezwungene Verkauf von Immoͤbeln kann nicht anderſt, als kraft eines authentiſchen und exekutoriſchen Titels und fuͤr eine gewiſſe und liquide Schuld, verfolgt werden. Wenn der Gegenſtand der Schuld gewiß, aber noch nicht liquid geſtellt iſt, ſo iſt das Verfahren guͤltig, aber die Verſteigerung kann nicht eher, als nach der liquidation geſchehen. 2214. Der Ceſſionar eines exekutoriſchen Titels „ —— 7 . . ** 5 65 „ 16 7 1 1 3 . — kann den gerichtlichen Verkauf nicht eher, als nach⸗ dem der Uebertrag dem Schuldner ſignifizirt worden iſt, verfolgen. 2215. Die Verfolgung deſſelben kann kraft eines proviſoriſchen oder definitiven Urcheils, das einſtwei⸗ len, der Appellation ohngeachtet, erekutoriſch erklaͤrt worden iſt, geſchehen; allein die Verſteigerung kann erſt nach einem, in lezter Inſtanz, erlaſſenen, oder einem in Rechts Kraft erwachſenen Endlrtheil geſchehen. Kraft eines Contumaziallrtheils(par defaut) kann, ſo lange die OppoſitionsFriſt läuft, keine Betreibung geſchehen. 2216. Dies Verfahren kann nicht unter dem Vor⸗ wande annullirt werden, daß der Glaͤubiger daſſelbe wegen einer hoͤhern Summe, als er wirklich zu fordern hat, angefangen habe. 2217. Vor jeder Betreibung eines gerichtlichen Verkaufs von Immoͤbeln muß ein ZahlungsBefehl vorhergehn, welcher auf Betreiben und Anſtehn des Glaͤubigers durch einen Huiſſier dem Schuldner ent⸗ weder in Perſon, oder in ſeinem Wohnorte zugeſtellt werden muß. Die Form dieſes Zahlungs Befehls und die der Be⸗ treibung des gerichtlichen Verkaufs, werden von den Geſetzen uͤber die Prozedur beſtimmt. Zweites Kapitel. Von der RangOrdnung der Gläubiger, und der Verthei⸗ lung des KaufPreißes unter ſie. 2218. Die RangOrdnung und die Vertheilung des Kauſſchillings von Immoͤbeln, und die Art dabei zu verfahren, werden von den Geſetzen uͤber die Prozedur regulirt. — Zwanzigſter Titel. Von der Verjährung. (Dekretirt am a4 Ventoſe, verkuͤndigt am 4 Germinal XII. (an Maͤrz v8cq.) Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 2219. Die Verjaͤhrung iſt ein Mittel, durch Ab⸗ lauf einer gewiſſen Zeitfriſt und unter den vom Ge⸗ ſetz beſtimmten Bedingungen etwas zu erwerben, oder ſich von einer Verpflichtung zu befreien. 2220. Man kann nicht, zum Voraus, auf die Verjährung Verzicht leiſten; man kann auf eine er⸗ Verzicht leiſten. i 2r. Die Verzichtleiſtung auf eine Verjährung iſt entweder ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend; die ſtill⸗ ſchweigende Verzichtleiſtung fließt aus ſolchen Thatſa⸗ chen ber, welche unterſtellten, daß man ſein erworbe⸗ nes Recht fahren laſſe. 22 22. Wer nicht veraͤuſſern kann, kann auch auf eine erworbene Verjährung nicht Verzicht leiſten. 22a3. Der Richter darf nicht von Amtswegen das Rechtsmittel, welches aus der Verjährung herfließt, erſeßen,(wenn es nicht von der Parthie in Anſpruch genommen wird.) 2224. Die Verjaͤhrung kann, immer, ein Prozeß mag ſo weit gediehen ſein als er will, ſogar noch vor dem Appellations Gericht eingewendet werden, ausge⸗ nommen wenn nach den Umſtänden vermuthet werden muß, als habe die Parthie, welche das Rechtsmittel der Verjaͤhrung noch nicht geltend gemacht hat, dar⸗ auf Verzicht geleiſtet. 2225. Die Glaͤubiger, oder jeder andere, der ein Intereſſe daran hat, daß die Verjaͤhrung erworben ſei, kann ſie einwenden, ſelbſt wenn der Schuldner oder der Eigenthuͤmer Verzicht darauf leiſtet. z226. Man kann das Eigenthum ſolcher Dinge, die ſich nicht im Verkehr,(Handel, Umſchlag) befin⸗ den, nicht verjähren. 2227. Die Nation, alle oͤffentliche Anſtalten und die Gemeinden ſind denſelben Verjährungen, wie Pri⸗ vatperſonen, unterworfen, und koͤnnen dieſelben gleich⸗ falls einwenden. Zweites Kapitel. Von dem Beſitze. 2228. Der Beſitz iſt die Inhabung oder der Ge⸗ nuß einer Sach“, oder eines Rechtes, die oder das wir entweder ſelbſt, oder durch einen andern, der die Sache in unſerm Namen inne hat, oder das Recht in unſerm Namen ausubt, inne haben oder ausuͤben. 2229. Um verjähren zu koͤnnen, iſt ein fortwäh⸗ render und nicht unterbrochener, ruhiger, oͤffentlicher, unzweideutiger Beſitz und zwar unter dem Titel als Sigenthuͤmer erforderlich. 2230. Es wird immer vermuthet, als beſitze man fur ſich und unter dem Titel als Eigenthuͤmer, ſo lange es nicht erwieſen iſt, daß man im Anfang fuͤr einen andern beſeſſen hat. 2231. Wenn man im Anfang fur einen andern be⸗ ſeſſen hat, ſo wird vermuthet, als habe man immer⸗ fort unter demſelben Titel beſeſſen, ſo lange das Ge⸗ gentheil nicht erwieſen wird. 2232. Ganz willkührliche Handlungen ſo wie bloſſe Verguͤnſtigungen können weder einen Beſitz noch eine Verjaͤhrung begruͤnden. 2233. Gewaltthaͤtigkeiten konnen eben ſo wenig ei⸗ nen Beſitz begruͤnden, der fähig wäre, eine Verjaͤh⸗ rung zu bewirken. — 541— Der, dazu nuͤßliche, Beſik faͤngt erſt von dem Zeitpunkte an, wo der Zwang aufgehoͤrt hat. 2234. Wer itzt beſitzet und beweiſet, vor Alters beſeſſen zu haben, hat die Vermuthung fuͤr ſich, als habe er auch in der Zwiſchenzeit beſeſſen, vorbehalt⸗ lich des Beweiſes vom Gegentheil. 2235. Man kann, um die Verjaͤhrung zu vollen⸗ den, zu ſeinem Beſitz den ſeines Autoren hinzurech⸗ nen, auf welche Art man auch immer ihm in ſeinem Rechte nachgefolgt ſein mag, unter einem Univerſal⸗ oder PartikularTitel, kraft eines unentgeltlichen(wohl⸗ thaͤtigen) oder eines laͤſtigen Titels. Drittes Kapitel. Von den Urſachen, welche die Verjahrung hindern. 2236. Wer fuͤr einen andern beſitzt, verjahrt nie, wie lang er auch immer beſitzen mag. So kann der Pächter, der Depoſitar, der Nußnieſ⸗ ſer, und jeder andre, der bloß aus Verguͤnſtigung eine einem andern zugehoͤrige Sache beſitzt, dieſe nicht verjaͤhren. 2237. Eben ſo wenig koͤnnen die Erben derjenigen, welche die Sache unter einem der im vorhergehenden Artikel angefuͤhrten Rechtstitel beſaſſen, ſie verjähren. 2azg. Die in den Artieeln 2236 unb 2237 an⸗ gefuhrten Perſonen koͤnnen jedoch dann verjähren, wenn durch eine, von einem Dritten herruͤhrende Urſache, oder durch ihre eigne Einwendungen gegen das Rechtdes Ei⸗ genthuͤmers der Titel ihres Beſitzes ſich verändert hat. 2239. Diejenigen, denen Pächter, Depoſita⸗ rien und andre, welche bloß aus Verguͤnſtigung Inhaber einer Sache ſind, dieſe(Sache) durch einen das Eigen⸗ thum uͤbertragenden Titel uͤbergeben haben, koͤnnen ſolche verjäͤhren. 2240. Man kann nicht gegen ſeinen Titel verjaͤh⸗ ten, in dem Sinne, daß man die Urſache und den urſprunglichen Grund ſeines Beſitzes ſich ſelbſt nicht aͤndern kann. 2241. Man kann aber gegen ſeinen Titel verjahren, in dem Sinne, daß man die Befreiung einer Ver⸗ pichuns„die man kontrahirt hat, durch Verjaͤhrung erwirbt. Von den Urſachen, welche den Lauf der Verjährung unterbrechen und ſuspendiren. Erſter Abſchnitt. Von den Urſachen, welche die Verjaͤhrung unterbrechen. 2242. Eine Verjaͤhrung kann natuͤrlicherweiſe oder im Civilwege unterbrochen werden.* 2243. Natuͤrlicher Weiſe wird eine Verjaͤhrung unterbrochen, wenn der Beſitzer des Genuſſes der Sa⸗ che waͤhrend mehr als einem Jahre, entweder von dem alten Eigenthuͤmer, oder ſelbſt von einem Dritten, entſetzt wird. 2244. Im Civil Wege wird die Verjährung durch Zuſtellung einer gerichtlichen Vorladung, eines Zah⸗ lungs Befehls oder eines Arreſtes an denjenigen, den man verhindern will, eine Verjaͤhrung zu vollenden, unterbrochen. 2245. Die ladung vor das FriedensGericht, um einen Vergleich zu verſuchen, unterbricht die Verjäh⸗ rung vom Tage ihres Datums an, wenn in den ge⸗ ſetzlichen Zeitfriſten eine Ladung vor Gericht auf die⸗ ſelbe folgt. 2246. Eine Vorladung vor Gericht unterbricht die Verjaͤhrung, ſelbſt wenn ſie vor einen inkompetenten Richter geſchehen waͤre. 2247. Wenn die Ladung wegen Verletzung der vor⸗ geſchriebenen Form nichtig iſt; wenn der Kläger von ſeiner Klage abſteht; wenn er die Inſtanz erloͤſchen laͤßt; oder wenn ſeine Klage verworfen wird; ſo wird die Unterbrechung ſo angeſehen, als waͤre ſie nicht geſchehen. 2248. Die Verjaͤhrung wird dadurch unterbrochen, wenn der Schuldner oder Beſitzer das Recht desjeni⸗ gen, gegen welchen er verjährte, anerkennt. 2249 Eine, in Gemaͤßheit der obigen Artikel, an einen von mehreren ſolidariſchen Schuldnern erlaſſene Aufforderung, oder die von einem derſelpen geſchehene Anerkennung unterbricht die Verjährung gegen alle uͤbrige, ſelbſt gegen ihre Erben. Aber eine, an einen der Erben eines ſolidariſchen Schuldners erlaſſene Aufforderung, oder die von einem dieſer Erben geſchehene Anerkennung, unterbricht die Klage in Hinſicht auf die uͤbrigen MitErben nicht, wenn gleich die Forderung ſogar eine hypothekariſche Forderung wäre, es ſei dann, daß die Verpflichtung untheilbar waͤre. Dieſe Aufforderung, oder dieſe Anerkennung unter⸗ bricht die Verjährung, in Hinſicht auf die uͤbrigen Mitſchuldner, nur fuͤr denjenigen Ancheil, fur welchen dieſer Erbe verpflichtet iſt. Um die Verjährung fuͤr die ganze Verpflichtung, in Hinſicht auf die uͤbrigen Mitſchuldner, zu unterbre⸗ chen, muß die Aufforderung an alle Erben des verſtor⸗ benen Schuldners erlaſſen, oder die Anerkennung von allen dieſen Erben geſchehen ſein. 2250. Eine an den Hauptſchuldner erlaſſene Auffor⸗ derung, oder deſſen Anerkennung, unterbricht die Ver⸗ jährung in Hinſicht auf den Buͤrgen. — Zweiter Abſchnitt⸗ Von den urſachen, welche den Lauf der Verjaͤhrung ſuspendiren. 2251. Die Verjaͤhrung laͤuft gegen jedermann, der ſich nicht in einer der vom Geſetz begruͤndeten Ausnah⸗ men befindet. 2252. Gegen Minderjaͤhrige und Interdizirte läuft die Verjährung nicht, vorbehaltlich deſſen, was im Artikel 2278 verfuͤgt werden wird, und mit Ausnah⸗ me der uͤbrigen, vom Geſetze beſtimmten Fälle. 2253. Die Verjährung läuft nicht unter Ehegatten. 2254. Die Verjaͤhrung laͤuft gegen die verheura⸗ thete Frau in Hinſicht auf die Guͤter, deren Verwal⸗ tung ihr Mann auf ſich hat, wenn ſie gleich, weder durch ihren EheKontrakt noch durch ein Urtheil, in TDrennung der Guter lebt, vorbehaltlich ihres Ruͤck⸗ griffs gegen ihren Mann. 2255. Sie läuft jedoch, in Gemäßheit des Artik. 1562, des Titels: von dem EheKontrakt und den gegenſeitigen Rechten der Ehegat⸗ ten, in Hinſicht auf ein, kraft der DotalVerfaſſung zur Ausſteuer geſtelltes und nachher veräuſſertes Grund⸗ ſtuͤck, ſo lange die Ehe dauert, nicht. a256. Eben ſo bleibt die Verjäͤhrung waͤhrend der Ehe ſuspendirt. 1) In allen Faͤllen, worin die Klage der Frau nicht eher, als nach ihrer Wahl zwiſchen der Annahme der Gemeinſchaft oder der Verzichtleiſtung auf dieſelbe, angeſtellt werden kann. 2) In dem Falle, wo der Mann ein ſeiner Frau zugehöriges Gut ohne ihre Einwilligung verkauft hat und daher fuͤr den Verkauſ Gewaͤhrleiſtung ſchuldig iſt, ſo wie in allen andern Faͤllen, wo die Klage der Frau auf den Mann zuruͤckwirken konnte. 2257. Die Verjaͤhrung läuft gleichfalls in Hinſicht. auf Forderungen, die einer Bedingung untergeordnet ſind, nicht eher, als bis die Bedingung eingetroffen iſt; In Hinſicht auf Klagen auf Gewährleiſtung nicht eher, als bis die Eviction ſtatt gehabt hat, In Hinſicht auf Forderungen, die an einem be⸗ ſtimmten Tage faͤllig ſind, nicht eher, als bis dieſer Tag erſchienen iſt. 2253. Die Verjährung laͤuft gegen den Benefiziar⸗ Erben in Hinſicht auf die Forderungen, bie er an die Erbmaſſe zu machen hat, nicht. Sie laͤuft gegen vakante Erbſchaften, ſelbſt wenn kein Kurator uͤber dieſelbe beſtellt iſt. 2259. Sie laͤuſt gleichfalls waͤhrend den dreien Mo⸗ naten, die zur Errichtung des Inventariums bewillige ſind, und waͤhrend der BerathſchlagungsFriſt von vierzig Tagen. Fuͤnftes Kapitel. Von der zur Verjährung erforderlichen ZeitFriſt. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 2260. Die Verjährung wird nach Tagen, nicht nach Stunden berechnet. 2261. Sie iſt erworben, wenn der lezte Tag der beſtimmten Zeitfriſt vollendet iſt. Zweiter Abſchnitt. Von der dreiſſigjaͤhrigen Verjährung. 2262. Alle, ſowohl Real⸗als Perſonal Klagen, verjähren durch den Ablauf von dreiſſig Jahren, ohne daß derjenige, der dieſe Verjaͤhrung vorſchuͤzt, verbunden wäre, einen Titel daruͤber beizubringen oder daß man ihm die Einrede, daß er in boͤſem Glauben beſeſſen, einwenden koͤnnte. — 546— 2263. Nach acht und zwanzig Jahren, von dem Datum des lezten Titels an, kann der Schuldner einer Rente gezwungen werden, ſeinem Glaubiger, oder dem Inhaber von deſſen Rechten, einen neuen Titel, auf ſeine(des Schuldners) Koſten, auszuſtellen. 2264. Die Regeln der Verjährung in Hinſicht auf ſolche Gegenſtande, deren im gegenwaͤrtigen Titel keine Erwaͤhnung geſchieht, werden in den, ſie betreſſenden, Titeln erklaͤrt. Dritter Abſchnitt. Von der zehn⸗und zwanzigjaͤhrigen Veriahrung. 2265. Wer in gutem Glauben und durch einen rechtmaͤſſigen Titel ein Immoͤbel erwirbt, verjaͤhrt das Eigenthum deſſelben durch den Ablauf von zehn Jahren, wenn der wahre Eigenthuͤmer in dem Amts⸗ Bezirke des Appellations Hoſes wohnt, in deſſen Um⸗ fang das Immoͤbel gelegen iſt, und durch den von zwan⸗ zig Jahren, wenn es auſſer dieſem Bezirke gelegen iſt. 2266. Wenn der wahre Eigenthuͤmer zu verſchie⸗ denen Zeiten ſeinen Wohnſitz in und auſſer dieſem Be⸗ zirke gehabt hat, ſo muß man, um die Verjaͤhrung zu vollenden, zu derjenigen Zahl von Jahren, während welcher er wirklich in befagtem Amts Bezirke gewohnt hat, doppelt ſo viel Jahre hinzufuͤgen, als daran feh⸗ len, um die Zahl von zehn Jahren wirklicher Woh⸗ nung in dieſem Bezirke voll zu machen. 2267. Ein Titel, der wegen einem Fehler in der Form nichtig iſt, kann einer zehn oder zwanzigjähri⸗ gen Verjaͤhrung nicht zur Grundlage dienen. za68. Der gute Glaube wird immer vermuthet; wer behauptet, daß der Beſitzer in boͤſem Glauben ge⸗ weſen, muß dieſen beweiſen. 2269. Es iſt genug, wenn der gute Glaube im Augenblicke der Erwerbung vorhanden war. — 5— 2270. Die Baumeiſter und Baulnternehmer ſind nach zehn Jahren der Gewaͤhrleiſtung fuͤr die Bauten und Werke, die ſie gemacht oder dirigirt haben, enk⸗ laſtet. Vierter Abſchnitt⸗ Von einigen beſondern Verjaͤhrungen. 2271. Die Klagen der Meiſter und Lehrer von Wiſſenſchaften und Kuͤnſten, fuͤr die Lektionen, die ſie Monatsweiſe ertheilen; Die der Gaſtwirthe und Speiſewirthe, fuͤr Quar⸗ tier und Koſt, die ſie geben; Die der Arbeitsleute und Tagloͤhner fuͤr die Zahlung ihres Taglohns, ihrer Lieſerungen und ihres Dienſt⸗ lohns, verjaͤhren in ſechs Monaten. 2272. Die Klagen der Aerzte, WundAerzte und Apotheker, wegen ihrer Beſuche, Operationen und gelieferten Arzneien; Die der Gerichtsboten(Huiſſiers) fuͤr die Gebuͤh⸗ ren der Akten, die ſie zuſtellen, und der Aufträge, welche ſie vollziehen; Der Kaufleute wegen der Waaren, die ſie an Pri⸗ vatPerſonen, welche keine Handelsleute ſind, verkaufen; Die der Vorſteher von Erziehungs Anſtalten, fuͤr die Zahlung der Penſion ihrer Zoͤglinge; die anderer Meiſter, wegen des Lehrgeldes; Die der Dienſtboten, welche ſich aufs Jahr ver⸗ dingen, wegen Zahlung ihres Dienſtlohns; verjaͤhren in einem Jahr. 2273. Die Klagen der Avoues, wegen Zahlung ibrer Auslagen und Gebuͤhren, verjaͤhren durch den Ab⸗ lauf von zweien Jahren, von dem Urtheile des Prozeſ⸗ ſes oder dem Vergleiche zwiſchen den Partheien an⸗ oder aber von dem Widerruf der beſagten Avoues an. Was unbeendigte Sachen betrift, ſo koͤnnen ſie keine Klagen fuͤr Koͤſten und Gebuͤhren anſtellen, die ſich von mehr als fuͤnf Jahren herſchreiben wuͤrden. 2274. Die Verjaͤhrung tritt in allen obigen Fällen ein, ſelbſt wenn die Lieferungen, Dienſtleiſtungen und Arbeiten fortgedauert haben. Sie hoͤrt nicht eher zu laufen auf, als wenn eine Rechnung abgeſchloſſen, eine Anerkennung oder Schuld⸗ verſchreibung ausgeſtellt, oder eine nicht wieder erloſchene (périmse) Vorladung vor Gericht zugeſtellt worden iſt. 2275. Diejenige, welchen man dieſe Verjährun⸗ gen einwendet, koͤnnen jedoch denjenigen, welche ſie geltend machen wollen, den Eid uͤber die Frage zu⸗ ſchieben, ob die Sache wirklich bezahlt worden iſt. Eben ſo kann den Wittwen und Erben, oder wenn dieſe minderjährig ſind, ihren Vormuͤndern der Eid zugeſchoben werden, damit ſie erklaͤren, ob ſie nicht wiſſen, daß die Sache nach geſchuldet wird. 2276. Die Richter und Avoues ſind füͤnf Jahre nach dem Urcheil der Prozeſſe der(ihnen uͤbergebenen) Papiere entlaſtet. Die Huiſſiers ſind zwei Jahre nach dem Vollzug der ihnen anvertrauten Aufträge, oder nach der Zu⸗ ſtellung der ihnen anvertrauten Akte gleichfalls ber⸗ ſelben entlaſtet. 2277. Die Ruͤckſtaͤnde von ewigen und LeibRentenz Die von alimentariſchen Penſionen; Die Miethen der Haͤuſer, und der Pacht von Land⸗ guͤtern; Die Zinſen von geliehenen Summen, und uͤber⸗ haupt alles, was von Jahr zu Jahr oder zu noch kuͤrzern periodiſchen Zeitfriſten zahlbar iſt; verjaͤhren durch den Ablauf von fuͤnf Jahren · 2278. Die Verjaͤhrungen, von welchen in den Ar⸗ tikeln des gegenwaͤrtigen Abſchnitts die Rede iſt, lau⸗ fen gegen Minderjaͤhrige und Interdizirte, vorbehalt⸗ lich ihres Ruͤckgriffs gegen ihre Vormuͤnder. 2279. In Hinſicht auf Moͤbel gilt der Beſitz an Titels ſtatt. Doch kann derjenige, der eine Sache verlohren hat, oder dem eine Sache geſtohlen worden iſt, ſie waͤhrend dreien Jahren, von dem Tage des Verluſtes oder des Diebſtahls an, in den Haͤndes eines jeden, bei welchem er ſie findet, vindiziren; dieſem bleibt ſein Ruͤckgriff gegen denjenigen, von welchem er ſie hat, offen. 2280. Wenn jedoch der wirkliche Beſitzer der ge⸗ ſtohlenen oder verlohrenen Sache ſie auf einer Meſſe oder einem Markte oder in einem oͤffentlichen Verkauf oder von einem Handelsmanne gekauft hat, der mit ſolchen Sachen handelt, ſo kann der urſpruͤngliche Ei⸗ genthuͤmer ſich dieſelbe nicht anderſt, als gegen Ruͤck⸗ zahlung des Preißes, welchen ſie den Beſitzer koſtet, von dieſem zuruͤckerſtatten laſſen. 2281. Die Verjaͤhrungen, welche zur Zeit der Verkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Titels angefangen ſind, werden nach der Vorſchrift der alten Geſetze regulirt. Doch werden diejenige Verjaͤhrungen, welche dann bereits angefangen haben, und zu deren Vollendung nach den alten Geſetzen von derſelben Zeit an noch mehr als dreiſſig Jahre erforderlich waͤren, durch den Ablauf von dreiſſig Jahren vollendet. Bemerkung. Als gegenwärtige Ausgabe bereits abgedruckt war, er⸗ ſchien folgendes Geſet vom zten September 1805. Art. 1. Die Geſetze, welche unter dem Titel: Eivil⸗ Geſetzbuch der Franzoſen in ein Geſetzbuch ver⸗ einigt worden ſind, ſollen von neuem unter dem Titel: Koder Napoleon, und mit den Veraͤnderungen, wel⸗ che an den Artikeln 1, 13, 12, 18, 19, 21, 33, 48, 49, 63, 59, 60, 86, 88, 90, 99, 116, 118, 123, rz6, 145, 156, 164, 169, 171, 190, 192, 199, 200, 235, 239, 240, 245, 246, 247, 248, 250, 253, 256, 257, 262, 263, 265, 267, 288, 299, 292, 203, 294, 302, 354, 356, 358, 360, 377, 382, 427, 429, 436, 458, 467, 483, 491, 496, 500, 501, 5I1 575, 541 560, 598, 713, 723, 724, 726, 768, 770, 812, 819, 896, 910, 980, 983, 988, 989, 001, 993, 1057 1597, 2045, 2727, 2138„ 2145, 2153, 2104, 2227, 2261 getroffen und welche Veränderungen gutgeheiſſen ſind, von neuem verkuͤndigt werden. Art. 2. Jedes der im Koder Napoleon enthaltenen Ge⸗ ſetze ſoll hinführo das Datum des Gregorianiſchen Kalenders fuͤhren, welches dem Tage, an welchem es dekretirt wor⸗ den, entſpricht. Art. 3. Doch fahren die beſagte Geſetze fort, ihren Vollzug von dem Tage an zu erhalten, von welchem an ſie, kraft ihrer beſondern Verkuͤndigung, vollzogen wer⸗ den mußten. Von den durch obiges Geſetz getroffenen Veraͤnde⸗ rungen enthalten nur die der Artikel 13, 427 und 396 Modifikationen der geſetzlichen Verfuͤgungen. Wir baben daher dieſe Artikel umdrucken laſſen, und die neue Abfaſſung derſelben mitgetheilt. Alle uͤbrige Abaͤnderungen haben nur zum Gegen⸗ ſtand, an die Stelle der noch aus den Zeiten der konſulariſchen Regierung herruͤhrenden Benennungen diejenige zu ſetzen, welche ſeitdem an deren Stelle ge⸗ kommen ſind. Die meiſten derſelben hatten wir be⸗ reits den im Terte enthaltenen zur Seite geſetzt. Wo dies nicht geſchehen iſt, hat man nur anſtatt zu leſen Erſter Vonſul, Regierung, Vaiſer, Reich, Staat, Republik, Nation, Regierungs Rommiſſar bei Vaiſerlicher Generalproku⸗ dem Appellations⸗Tribu⸗ rator bei dem Appellati⸗ nal, bei dem Tribunal onshofe, Vaiſ. Prokurator erſter Inſtanz, bei dem Tribunal erſter Inſtanz, Rommiſſar der Zandels⸗ Vonſul, Vonſulat, Verbindungen, Vommiſſariat der Zandels⸗ Verbindungen, Die Armeen der Republik, Die Armeen des Raiſers, die Schiffe und Fahrzeuge die Schiffe und Fahrzeuge des Staats, des Baiſers Der Artikel 2261 in der erſten Ausgabe, welcher die Fälle beſtimmte, in welchen die Ergänzungs Tage gezählt oder nicht gezählt wurden, um die Zeit der Verjährung zu ergänzen, iſt ganz unterdruͤckt worden, und dagegen hat man den Artikel 2260 in zweie zer⸗ fallen laſſen. Gegenwaͤrtige Ausgabe jſt daher durchaus nach dem Geſetz vom 3 September 1807 geordnet, wodurch das Publikum fuͤr den kleinen Verzug, der durch dieſe Abaͤnderungen verurſacht ward, hinlaͤnglich entſchaͤdigt wird. Der Anhang, welcher die ſeit dem Druck er⸗ ſchienene, ins CivilRecht einſchlaͤgige, Verordnungen enthaͤlt, wird deshalb mit dem ausfuͤhrlichen Sachre⸗ giſter nachgeliefert, weil wir um der Vollſtändigkeit willen auch noch diejenige Geſetze darinn aufnehmen werden, welche noch in dieſer Sitzung dem Geſetz⸗ gebenden Koͤrper zur Genehmigung vorgelegt werden. InhaltsRegiſter. Erſtes Buch. PräliminarTitel. Seite. Von der Verkuͤndigung, den Wirkungen und der Anwen⸗ duug der Geſetze im Allgemeinen, Art. 1- 6 7 S Von dem Genuß und der Beraubung der Civil Rechte. Erſtes Kapitel. Von dem Genuß der CivilRechte Art. 7-16 9 zweites Kapitel. Von der Beraubung der CivilſRechte. Erſter Abſchnitt. Von der Verluſtigung der Civil⸗ Rechte durch den Verluſt der Eigenſchaft eines Franzoſen, Art. 17 21 11 8weiter Abſchnitt. Von der Verluſtigung der Civil⸗ Rechte zufolge gerichtlicher Verurtheilungen, Art. 22 33 12 weite ite. Von den Akten des Civilſtandes. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfügungen, Art. 34-54 15 Zweites Kapite l. Von den GeburtsAkten, Art. 55.62 19 Drittes Kapitel. Von den Akten der Ehe, Art. 63 76 22 Viertes Kapitel. Von den SterbAkten, Art 77 37 26 Fünftes Kapitel. Von den Akten des Civilſtandes, welche die MilitairPerſonen auſſerhalb des Gebiets des Reichs betreffen, Art. 88—0 8 Sechstes Kapitel. Von der Berichtigung der ulkte des Civilſtandes, Art. 99 107 ritte ie. Von dem Wohnſitz, Art. 102— 111 Vierter Titel. Von den Abweſenden. Erſtes Kapitel. Von den vermuthlich Abweſenden, Art. 112114 29 35 33 85 Seite. sweites Kapitel. Von der Erklaͤrung der Abweſen⸗ heit, Art. 115 119 Drittes Kapitel. Von den Wirkungen der Abweſenheit Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſen⸗ heit in Betreff des Vermögens welches der Abweſende am Tage ſeines Verſchwindens beſaß, Art. 120 134 37 Zweiter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Ab⸗ weſenheit, in Betreff der eventuellen Rechte, die dem Ab⸗ weſenden zufallen können, Art. 135 138 41 Dritter Ab ſchnitt. Von den Wirkungen der Ab⸗ weſenheit in Betreff der Ehe, Art. 139— 140 41 4 Vierter Abſchnitt. Von der Aufſicht üͤber die min⸗ derſahrige Kinder des Vaters, welcher verſchwunden iſt, Art. 141„ 143 42 Füͤnfter Titel. Von der Ehe. Erſtes Kapitel. Ven den zum Abſchluß der Ehe er⸗ forderlichen Eigenſchaften und Bedingungen⸗ Art. 144 164 43 Zweites FKapitel. PVon den auf den Abſchluß der Ehe Bezug habenden Formalitäten, Art. 1657 171 5 Drittes Kapitel. Von den Oppoſitionen gegen die Ehe, Art. 172179 49 Viertes Kapitel. Von den Klagen auf Nullität der Ehe, Art. 180 202 51 Fuͤnftes Kapitel. Von den aus der Ehe entſprin⸗ genden Verbindlichkeiten, 203— 209 55 Sechſtes Kapitel. Von den gegenſeitigen Rechten und Pflichten der Ehegatten, 2101 226 57 Siebentes Kapitel. Aufloͤſung der Ehe, 227 59 Achtes Kapitel. Von den zweiten Ehen, 228 59 Sechſter Titel. Von der Eheſcheidung. Erſtes Kapitel. Von den Urſachen der Eheſcheidung, Art. 229 233 Zweites Kapitel. Von der Eheſcheidung wegen be⸗ ſtimmter Urſache. ² Erſter Ab ſch nitt. Von den Formen der Eheſcheidung wegen beſtimmter Urſache, Art. 234 266 60 Zweiter Abſchnitt. Von den proviſoriſchen Maas⸗ regeln, zu welchen eine ScheidungsKlage wegen beſtimmter Urſache ſtatt geben kaun⸗ 267271 2 68 Dritter Abſchuitt. Von den Gründen der Unzu⸗ läſſigkeit der Klage auf Eheſcheidung aus beſtimmter Urſache⸗ Art. 2727274 Drittes Kapitel. Von der Eheſcheidung mit ge⸗ genſeitiger Einwilligung, 275 294 7⁰ 59 69 —8 Seite. Viertes Kapitel. Von den Wirkungen der Eheſchei⸗ ding, Art. 295 305 Fuͤnftes Kapitel. Von der Trennung von Tiſch und Bett, Art. 306 311 Siebenter Titel. Von der Vaterſchaft und der Abſtammung. Erſtes Kapitel. Von der Abſtammung der recht⸗ mäſſigen oder in der Ehe erzengten Kinder, Art. 312 318 80 Zweites Kapitel. Von den Beweiſen der Abſtam⸗ muͤng der ehelicken Kinder, Art. 319 330 32 Drittes Kapitel. Von den naturlichen Kindern. Erſter Adſchnitt. Von der Legitimation der natür⸗ lichen Kinder, 331 333 34 Zweiter Abſchnitt. Von der Anerkennung der na⸗ tuͤrlichen Kinder⸗ 334 342 85 Achter Titel. Von der Adoption und der wohlthätigen Vormundſchaft⸗ Erſtes Kapitel. Von der Adoption. Erſter Abſchnitt. Von der Adoption und ihren Wirkungen, 3431 352 86 Zweiter Abſchnitt. Von den Formen der Adoption, 353—360 39 Zweites Kapitel. Von der wohlthätigen Vormund⸗ ſchaft, 361— 370 91 Neunter Titel. Von der vaͤterlichen Gewalt, 371 387 93 Zehnter Titel. Von der Minderjährigkeit, der Vormundſchaft und der Emanzipation Erſtes Kapitel. Von der Minderjährigkeit, 388 96 Zweites Kapitel. Von der Vormundſchaft. Erſter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Ael⸗ tern, 389—395 Zwetter Abſchnitt. Von der von den Aeltern uͤbertragenen Vormundſchaft⸗ 396— 407 Dritter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Aszendenten, 402— 404 Vierter Abſchnitt. Von der durch den Familien⸗ Rath uͤbertragenen Vormundſchaft, 405 419 99 Fuͤnfter Abſchn itt. Von dem Gegenvormund 419 426 104 Sechſter Abſchnitt. Von den Urſachen die von der Vormundſchaft freiſprechen, 427 441 Siebenter Abſchnitt. PVon der Unfaͤhigkeit, dem Ausſchluſſe und den Abſetzungen von der Vormundſchaft, 442 449 Achter Abſchnitt. Von der Verwaltuns des Vor⸗ mundes, 450— 468 T1o 155 109 Seite. Neunter Abſchnitt. Von den vormundſchaftlichen Rechnungen, Art. 469 475 116 Drittes Kapitel. Von der Emanzipation⸗ 476 487 118 Eilfter Titel. Von der Großfährigkeit, der Interdiction und dem gerichtlichen Beiſtand. Erſtes Kapitel. Von der Großlährigkeit, 488 Zweites Kapitel. Von der Interdiction, 489.512 Drittes Kapitel. Von dem gerichtlichen Beiſtand, 313— 315 3 weites Bucch. Von der Eintbeilung der Guͤter, Art 316 Erſtes Kapitel. Von den Immoͤbeln, 517 526 Zweites Kapitel. Von den Mobeln, 327 536 Drittes Kapitel. Von den Gütern, im Verhalt⸗ niß zu ihren Beſitzern, 537— 543 Zweiter Titel. Von dem Eigenthum, Art. 3544 546 Erſter Abſchnitt. Von dem ZuwachsRecht auf das, was von dem Gegenſtande hervorgebracht wird, 547— 550 Zweiter Abſchnitt Von dem Zuwachs Recht auf das, was ſich mit einem Gegenſtande vereinigt und ver⸗ korvpert 551 3 §. Von dem ZuwachsRecht in Hinſicht auf die Immö⸗ bel, 552— 564 §. 2. Von dem Znuwachs Recht in Hinſicht auf die Mo⸗ bel 565 377 Dritter Titel. Von der Nuznieſſung, der Benuzzung und der Einwohnung. Erſtes Kapitel. Von der Nuznieſſung, 578 581 F. 1. Von den Rechten des Nuznieſſers, 582 599 F. 2. Von den Obliegenheiten des Nuznieſſers, 600— 616 F. 3. Wie ſich die Nuznieſſung endigt, 617 1624 Zweites Kapitel. Von dem Rechte des Gebrauchs und der Wohnung, 625 636 Vierter Titel. Von den Servituden oder Dienſtbarkeiten des Grund und Bodens. Art. 637—639 Erſtes Kapitel. Von den Dienſtbarkeiten, die aus der natuͤrlichen Lage der Orte entſpringen, 640 648 Zweites Sapitel. Von den vom Geſetz begruͤn⸗ deten Dienſtbarkeiten, 649 652 §. 1. Von der Zwiſchen Mauer und dem Zwiſchen⸗ Graben 653673 121 121 126 131 137 133 136 137 138 139 143 143 146 147 151 155 157 159 161 161 ———— — Seite. S. 2. Von der Diſtanz, die bei gewiſſen Anlagen beo⸗ bachtet werden muß, und von den Zwiſchen Werken, die dabei angebracht werden muſſen, Art. 674 166 F. 3. Von der Auſſicht auf das ſeines Nach⸗ barn 675— 680 166 F. Von der Dachtraufe, 681 168 g. 5. Von dem DurchgangsRecht 682— 685 168 Drittes Kapitel. Von den Servituden, welche durch menſchliche Handlungen geſtiftet werden. Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Gattun“ gen von Servituden, die auf die Guͤter geſtiftet werden können 686—689 769 Zweiter Abſchnitt. Wie die Servituden begruͤn⸗ det werden, 690 696 170 Dritter Abſchnitt. Von den Rechten des Eigen⸗ thuͤmers des Grundſtuͤcks, welches zu der Servitude be⸗ rechtigt iſt, 697— 702 171 Vierter Abſchnitt. Wie die Servituden erlo⸗ ſchen 703 710 173 Drittes Bucch. PräliminarTitel. Von den verſchiedenen Arten, das Eigenthum zu er⸗ werben, 711717 177 Erſter Ditel. Von den Erbſchaften. Erſtes Kapitel. Von der Eroͤffnung der Erbſchaf⸗ ten und dem Antritt der Erben, 718 724 178 Zweites Kapitel. Von den zur Erbfolge erforder⸗ lichen Eigenſchaften, 725730 181 Drittes Kapitel. Ron den verſchiedenen Ordnun⸗ gen der Erbfolge. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen 731738 137 Zweiter Abſchnitt. Von der Repraͤſentation, Art. 739 744 183 Dritter Abſchnitt. Von den, den Deszendenten zugefallenen Erbſchaften, 745 184 Vierter Abſchnitt. Von den, den Aszendenten zugefallenen Erbſchaften, 746 49 184 Fünfter Abſchnitt. Von den KollateralErbſchaf⸗ ten⸗ 750—755 185 Viertes Kapitel. Von den unregelmaͤſſigen Erb⸗ ſchaften. Erſter Abſchnitt. Von den Rechten der naturli⸗ chen Kinder auf die Güter ihres Vaters oder ihrer Mut⸗ ter, und von der Erbſchaft der, ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen, natuͤrlichen Kinder, 756-766 187 Seite. Zweiter Abſchnitt. Von den Rechten des uͤber⸗ lebenden Ehegatten und der Republik, Art. 767—773 190 Fuͤnftes Kapitel. Von der Annahme und dem Ausſchlagen der Erbſchaften. Erſter Abſchnitt. Von der Annahme, 774—783 191 Zweiter Abſchnitt. Von der Verzichtleiſtung auf Erbſchaften, 784 792 193 Dritter Abſchnitt. Von der Rechts Wohlthat des Juventariums, ihren Wirkungen, und den Verbindlich⸗ keiten des Erben, welcher der Rechts Wohlthat des Inven⸗ tariums genießt, 793—810 195 Vierter Abſchnitt. Von vakanten Erbſchaften, 311 314 20I Sechſtes Kapite l. Von der Theilung und der Collation. Erſter Abſchuitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form, 315 842 Zweiter Abſchuitt. Von der Collation, 843 869 Dritter Abſchnitt. Von der Bezahlung der Schul⸗ den, 370— 832 Vierter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Thei⸗ lung und der Garautie der Looſe, 383 386 Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Reſciſion im Thei⸗ lungsGeſchäfte, 887— 892 Zweiter Titel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden und von den Teſtamenten. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen, 893 900 Zweites Kapitel. Von der Fähigkeit, durch Schen⸗ kungen zwiſchen Lebenden oder durch Teſtamente zu ver⸗ fuͤgen oder zu erhalten, 901— 912 Drittes Kapitel Von dem Autheile des Vermoͤ⸗ gens, uber welchen verfügt werden darf, und von der Reduktion. Erſter Abſchnitt. Von dem Antheile des Vermo⸗ gens, uͤber welchen man verfuͤgen darf, 913 919 Zweiter Abſchnitt. Von der Reduktion der Schen⸗ kungen und Vermachtniſſe, 920 930 Viertes Kapitel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden. Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen zwiſchen Lebenden, 931952 Zweiter Abſchnitt. Von den Ausnahmen von der Regel der Unwiderruflichkeit der Schenkungen zwiſchen Lebenden, 953 966 3 Fuͤnftes Kapitel. Von den teſtamentariſchen Ver⸗ fuͤgungen. Erſter Abſchnitt. Von den allgemeinen Regeln uͤber die Form der Teſtamente, 967—980 202 214 219 222 223 224 226 229 231 234 238 242² 2 Zweiter Abſchnitt. Von den beſondern Regeln üver die Form gewiſſer Teſtamente, Art 981 1001 Dritter Abſchnitt. Von den ErbEinſetzungen und den Vermächtniſſen im Allgemeinen, 1002 vierter Abſchnitt. von dem Univerſal vermächt⸗ niß, 1003— 1009 Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Vermächtniſſe un⸗ ter einem UniverſalTitel, 1010— 1013 Sechſter Abſchnitt. Von den Partikular vermächt⸗ niſſen, 10141 1024 Siebenter Abſchnitt. Von den TeſtamentsExe⸗ kutoren, 1025— 1034 Achter Abſſchnitt. von dem Widerruf und der Kaduzität der Teſtamente, 1035— 1047 Sechſtes Kapitel. Von den Verfuͤgungen, welche zu Gunſten der Enkel des Schenkgebers oder Teſtators, oder ſeiner Geſchwiſter Kinder erlanbt ſind, 10481074 Siebentes Kapitel. won den, von dem Vater, der Mutter oder andern Aszendenten unter ihren Deszenden⸗ ten vorgenommenen Theilungen, 1075 1080 Achtes Kapitel. Von den Schenkungen durch Ehewertraͤge zum Vortheil der Ehegatten, und der aus der Ehe zu erzielenden Kinder, 1081 7090 Neuntes Kapitel. Von den Verfuͤgungen zwiſchen Ehegatten, ſowohl durch Ehewertrage als auch während der Ehe, 10911100 Dritter Titel⸗ Von den Kontrakten oder konventionellen Verpflichtungen im Allgemeinen. Erſtes Kapitel. PraͤliminarVerfuͤgungen, Art. 1101— 1107 Zweites Kapitel. Von den Bedingungen, welche zut Guͤltigkeit einer Uebereinkunft weſentlich erfordert werden, 1108 Erſter Abſchnitt. Von der Einwilligung, Art. 11091122 Zweiter Abſchnitt. Von der Fähigkeit der kon⸗ trahirenden Theile, 11231125 Dritter Abſchnitt. von dem Gegenſtand und der Materie der Kontrakte, 1126 1130 Pierter Abſchnitt. Von der Urſache, 1737-1133 Drittes Kapitel. Von der Wirkung der Ver⸗ yflichtungen Erſter Abſſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen, Art. 11341135. Zweiter Abſchnitt. Von der Verpflichtung et⸗ was zu geben, 1136- 1147 Seite. 247 252 253 254 255 258 260 262 268 276 276 278 279 280 280 281 Dritter Ab ſchnitt. Von der Verpflichtung etwas zu thun oder nicht zu thun, Art. 1142 1145 vierter Abſchnitt. Von der Schadloshaltung wegen NichtErfüllung einer Verpflichtung, 1146— 1155 Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Auslegung der Kon⸗ ventionen, 11561164 Sechſter Abſchnitt. Von der Wirkung der Kon⸗ ventionen in Hinſicht auf jeden Dritten, 1165 1167 viertes Kapitel. Von den verſchiedenen Gat⸗ tungen von Verpflichtungen. Erſter Abſchnitt. Von den bedingten Verpflich⸗ tungen. g. 1. Von der Bedingung im Allgemeinen und ihren verſchiedenen Gattungen, 1169— 1180 F. 2. Von der ſuspenſiven Bedingung, 1181— 1182 J. 3. Von der reſolntoriſchen Bedingung/ 11831134 Zweiter Abſchnitt. Von der Verpflichtung mit Terminen, 1185— I188 Dritter Abſchnitt. Von den alternativen Ver⸗ pflichtungen, 1189 1196 vierter Abſchnitt. Von den ſolidariſchen Ver⸗ pflichtungen. F.1. Von der Solidaritaͤt zwiſchen den Gläubigern, 1197—1199 §. 2. PVon der Solidaritat unter den Schuldnern, 1200—1216 Fuͤnfter Abſchnitt. Von den theilbaren und un⸗ theilbaren Verpflichtungen, 12171 1219 g. 1. Vou der Wirkung der theilbaren Verpflichtun⸗ gen, 1220 12½ §. 2. Von der Wirkung der untheilbaren Verpflich⸗ tungen, 1222 1226 Sechſter Abſchnitt. Von den Verpfichtungen un⸗ ter einer Strafbedingung, 12267 1233 Fuͤnftes Kapitel. Von der Tilgung der Ver⸗ pflichtungen, 1234 Erſter Abſchnitt. Von der Zahlung. §. 1. PVon der Zahlung im Allgemeinen, 1235 1243 §. 2. Von der Zahlung mit Subrogation, 1249.1252 F. z. Worauf die Zahlungen aufgerechnet werden, Art. 1253 1256 F. 4. Von dem Anerbieten der Zahlung und der Hin⸗ terlegung, 1257 1264 §. 5. Von der VermogensAbtretung, 1265 1270 Zweiter Abſchnitt. PVon der Novation, Art. 1271- 1281 Dritter Abſchnitt. Von dem Nachlaß der Schuld, 1282 1233 Seite. 282 283 285 286 287 289 290 290 291 Seite. Vierter Abſchnitt. Pon der Kompenſation Art. 1289 1299. 316 Fünfter Abſchnitt. Von der Konfnſion, Art⸗ 1300— 1301 318 Sechſter Abſchnitt. PVon dem Falle, worin die geſchuldete Sache zu Grunde geht, 13 2 1303 819 Siebenter Abſchnitt. Von be Klage auf Nulli⸗ taͤt oder WiederAufhebung von Konventionen, 1304 1314 320 Sechſtes Kapitel. Von dem Beweiß der Verpflich⸗ tungen und dem der Zahlung, 1315 13 6 322 Erſter Abſchnitt. Pon dem ſchriftlichen Beweiß. J. 1. Von authentiſchen Titeln, 1317— 1321 322 §. 2. Von Akten unter PrivatUuterſchrift, 1322.1332 323 F. 3. Von Kerbhoͤizern, 1333 326 J. 4. Von Abſchriften von Titeln, 1334 1336 326 J. 5. Von Anerkennungs⸗ und Beſtaͤtigungs Akten, Art. 13371340 32⁸ Zweiter Abſchnitt. Von dem gengen Veweiß, 1341 1348 329 Dritter Abſchnitt. Von Vermutbungen, 7349 332 F. 1. Von geſetzlichen Vermuthungen 1355 1333 332 F. 2. Von ſolchen Vermuthungen, welche durch kein Ge⸗ ſetz begruͤndet ſind, 1353 333 vierter Abſchnitt. Von dem Geſtändniſſe der Parthie, 13541356 333 Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Einſchwur, 1337 334 . 1. Von dem deciſoriſchen Eidſchwur, 1333.1365 334 §. 2. Von dem Eidſchwur, der von Amtswegen aufer⸗ legt wird, 1366-1369 335 Vierter Titel. Von den Verbindlichkeiten, welche ohne Uebereinkunft eutſtehen, 1370 336 Erſtes Kapitel. Von den QuaſiKontrakten, Art. 13711 1332 337 Zweites Kapitel. Von deu Delikten und Qua⸗ ſiDelikten, 1382— 13586 339 Fünfter Titel. Von CheKontrakten und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfügnngen, Art. 13871 1398 340 Zweites Kapitel. Von der Verfaſſung der Ge⸗ meinſchaft der Guter, 1399 343 Erſter Theil. Von der geſetzlichen Gemeinſchaft der Gter, 1400 343 —————— 1 Seite. Erſter Abſchnitt. Beſtimmung deſſen, woraus die Vermogens Maſſe active und paſſive be⸗ eht. F. 1. Von dem Activ Beſtand der Gemeinſchaft, Art. 1401 1408 F. 2. Von dem Paſſiv Veſtand der Gemeinſchaft und den Klagen, welche daraus gegen dieſelbe herflieſſen, Art. 1409— 1420 Zweiter Abſchnitt. Pon der Verwaltung der Ge⸗ meinſchaft und von den Wirkungen der Akte des einen oder des andern Ehegatten in Hinſicht auf die eheliche Geſell⸗ ſchaft, 1421 1440 Dritter Abſchnitt. Von der Aufloͤſung der Ge⸗ meinſchaft und einigen ihrer Folgen, 1441— 1452 Vierter Abſchnitt. Von der Annahme der Gemein⸗ ſchaft und der Verzichtleiſtung auf dieſelbe, ſo wie von den darauf Bezug habenden Bedingungen, 1453— 1467 Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Theilung der gemein⸗ ſchaftlichen Maſſe nach der Annahme, 1467 g. 1. Von der Theilung des ArtivVermoͤgens, Art. 1468—1481 F. 2. Pon dem PaſſtrVeſtand der Gemeinſchaft und dem Beitrag zu den Schulden, 1482„ 1491 Sechſter Abſihnitt. Von der Verzichtleiſtung auf die Gemeinſchaft, und von ihren Wirkungen, 1492 1495 Verfügungen, in Betreff der geſetzlichen Gemeinſchaft wenn einer der Ehegatten, oder beide, Kinder aus vorhe⸗ rigen Ehen haben, 1496 Zweiter Theil. Von der konventionellen Güter⸗ Gemeinſchaft und von den Uebereinkünften, wodurch die geſetzliche Gemeinſchaft modifizirt oder ſelbſt ausgeſchloſ⸗ ſen werden kann, 1497 Erſter Abſchnitt. Von der Guͤter Gemeinſchaft, welche auf die Errungenſchaft beſchraͤnkt iſt, 1498—1499 Zweiter Abſchnitt. Von der Klauſel, wodurch die Mobiliarſchaft ganz oder zum Theil von der Gemein⸗ ſchaft ansgeſchloſſen wird, 1500— 1504 Dritter Abſchnitt. Von der Klauſel der Mobi⸗ lariſirung⸗ 1805— 1509 Vierter Abſchnitt. Von der Klauſel der Schul⸗ den Abtheilung, 1570—1513 Fünfter Abſchnitt. Von der der Frau bewillig⸗ ten Befugniß, ihr Eingebrachtes Schulden und Laſtenfrei zuruͤckzunehmen, 1514 Sechſter Abſchnitt. Von der Klauſel, welche einem der Ehegatten einen gewiſſen Bétrag zum Voraus Pewilligt, 1515— 1519 Siebenter Abſchnitt. Von der Klauſel, wodurch 344 346 350 355 339 363 363 366 368 369 369 370 371 372 374 ———— man beiden Ehegatten ungleiche Theile in der Gemein⸗ ſchaft anweißt, 1525 1525 Achter Abſchnitt. Von der Gemeinſchaft unter ei⸗ neim Univerſaltitel, 1526. Verfuͤgungen, welche allen acht obigen Abſchnitten ge⸗ meinſchaftlich ſind, 1527 1528 Neuuter Abſſchnitt. Vou den Vertraͤgen, wo⸗ durch die Gemeinſchaft ausgeſchloſſen wird, 1329 J. I. Von der Klauſel, daß die Ehegatten ſich ohne Ge⸗ meinſchaft der Guter verehelichen, 1530— 1536 J. 2. Von der Klauſel der Trennung der Guͤter, Art. 1536 1539 Drittes Kapitel. Von der DotalVerfaſſung, Art. 15401541 Erſter Abſchnitt. PVon der Konſtituirung der Mit⸗ gift⸗ 1542— 1543 Zweiter Abſchnitt. Von den Rechten des Man⸗ nes auf die Dotal Guter und die Unveraͤuſſerlichkeit derſel⸗ ben, 1549— 1563 Dritter Abſchuittt. Ven der Ruͤckerſtattung der Mitgift, 1564— 1573 Vierter Abſchnitt, Von den Paraphernal Guͤtern 1574 1580 Beſondere Verfuͤgungeu, 1581 Sech ſter Titel⸗ Von dem Verkanf⸗ Erſtes Kapitel⸗ Von der Natur und Form des Verkaufes 15821593 Zweites Kapitel. Wer kaufen und verkaufen kann, 1594 1597 Drittes Kapitel. Von den Dingen, welche ver⸗ kauft werden koͤnnen, 1598 1607 Viertes Kapitel. Von den Obliegenheiten des Kaͤufers. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen, Art. 1602— 1603 Srſ Abſchnitt. Von der Ablieferung, 1604— 1624 Dritter Abſchnitt. Von der Gewaͤhrleiſtung, 1525 S. 1. Von der Gewährleiſtung im Falle der Eviktion, 1626— 1640 S. 2 Von der Gewährleiſtung fuͤr die Fehler der verkauf⸗ ten Sache, 1641—1649 Fuͤnftes Kapitel. Von den Obliegenheiten des An⸗ kaͤufers, 1650— 1657 Sechſtes Kapitel. Von der Nullität und der Auf⸗ hebung eines verkaufes 1658 Seite. 377 379, 380 380 381 352 383 333 334 388 390 391 392 399 396 397 400 400 403 405 406 Erſter Abſchuitt. Von der Befugulß zum Ruͤckkauf Art. 1659 1673 Zweiter bſchnitt. Von der Wiederaufhebung des Verkaufs wegen Verletzung, 1674— 1685 Siebentes Kapitel. Von der Lizitation„ 1686 1688 Achtes Kapitel. Von dem Uebertrag von Forderun⸗ gen und andern unkoͤrperlichen Rechten, 1689 1701 Siebenter Titel. Vyn dem TauſchKontrakt, 1702— 1707 Achter Titel. Von dem MiethKontrakt. Erſtes Kapktel. Allgemeine Verfuͤgungen, Art 1708 1712 Zweires Kapitel. Von der Vermiethung von Dingen, 1713 Erſter Abſchnitt. Regeln, welche den Hans Mie⸗ then und den Verpachtungen von Landguͤtern gemeinſchaft⸗ lich ſind, 1714 12751 Zweiter Abſchnitt. PVon den Regeln der Mieth⸗ Kontrakte insbeſondere, 1752 62 Dritter Abſchnitt. Von den Regeln der Pacht⸗ Kon rakte insbeſondere, 1763—1778 Drittes Kapitel, Von deu Miethkontrakten über Arbeiten und I duſtrie, 1779 Erſter Abſchnitt. Von dem Verdingen von Dienſt⸗ bothen und ArbeitsLeuten, 1780— 1781 Zweiter Abſchnitt. Von Fuhrleuten nud Schif⸗ ſern, 1782 86 Dritter Abſchnitt. Von BauAnſchlägen und Ver⸗ traͤgen uͤber beſondere Unternehmungen, 1787— 1790 Viertes Kapitel. Von demYerpachten des Viehs. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfugungen, Art. 1800— 1803 Zweiter Abſchnitt. Von der einfachen ViehPach⸗ tuna 1804— 1317 Dritter Abſchnitt. Von der RiehPachtung zur Hälfte, 158 1820 Vzerter Abſchnitt. Von der Verpachtung von Pieh an einen Pächter oder den, der fuͤr einen Theil der Fruͤchte baut. 6 1. Von ber dem Pächter ertheilten ViehPachtung, 1821- 1826 F. 2. Von der Vieh Pachtung an denfenigen, der fuͤr ei⸗ nen Theil der Fruͤchte baut, 18271 1830 Fünfter Abſchnitt. Von dem Kontrakt, der im nneigentlichen Sinne ViehPachtung genannt wirb, 1331 Scite. 407 409 412 412 414 415 416 417 424 426 430 431 431 432 434 435 437 438 439 439 NReunter Titel. Von dem Geſellſchaftsvertrag. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfügungen, Art. 1832 34 Zweites Kapitel. Von den verſchiedenen Gattun⸗ gen von Geſellſchaften, 1835 Erſter Abſchnitt. Von UniverſalGeſellſchaften, 1836— 1840 Zweiter Abſchnitt. Von PartikularGeſellſchaften 18311342 D rittes Kapitel. Yon den YVerpflichtungen der Geſellſchafter untereinander und in Hinſſcht auf Britte. Erſter Abſchnitt. Von den Petpflichtungen der Geſellſchafter unrereinander, 1843 1861 Zweiter Abſchnitt. Von den Perbindlichkeiten, weſche den Geſellſchaftern in Hinſicht auf andere Perſonen obliegen, 1862„1864 Viertee Kapitel. Von den verſchiedenen Arten der Be ndigung der Geſellſchaft, 1865 1872 Verfuͤgungen in Betreff der Handels Geſellſchaften, 1873 Zehnter Titel. Vom Leihen, 1874 Erſtes Kapitel. Von dem Leihen zum Gebrauch. Erſter Abſchnitt. Von der Natur des Leihens zum Gebrauch, 1875— 1879 Zweiter Abſchnitt. Von den verbindlichkeiten des Anleihers, 1880—1887 Dritter Abſchnitt. Von den Obliegenheiten des⸗ jenigen der zum Gebrauch leiht, 1888—1891 Zweites Kapitel. Von dem Leihen zum Verwen⸗ den, oder vom Dartehn. Erſter Abſchnitt. Von der Natur des Darlehns, 1892 1897 Zweiter Abſchnitt. Von den Obliegenheiten des Darleihers, 1898— 1901 Dritter Abſchnitt. Von den Obliegeuheiten des Lehners, 1902— 1909 Drittes Kapitel. Von dem Leihen auf Ziuſen 19051914 Eilfter Titel. Von dem Depot und der Segneſtration Erſtes Kapitel. Von dem Depot im Allgemeinen und deſſen verſchiedenen Gattungen, 1915— 1916 3 weites Kapitel. Von dem Depot im eigentli chen Sinne Erſter Abſchnitt. Von der Natur und dem Weſen des HinterlegungsKontraktes, 1917 1920 Seite. 440 440 441 442 442 a47 443 450 450 450 451 452 453 454 454 455 456 we, Abſchnitt. Vom freiwilligen Depot, Art. 21192 Dritter Abſſchnitt. Von den Obliegenheiten des Depoſitars, 1927—1946 Vierter Abſchnitt. Von den Obliegenheiten des Deponenten, 194748 Fuͤnfter Abſchnitt. Von der gezwungenen Hin⸗ terſegnng, 1949— 1954 Drittes Kapitel. won der Sequeſtration. Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Gattun⸗ gen des Sequeſters, 1955 Zweiter Abſchnitt. Von der konventionellen Se⸗ queſtration, 1956 60 Dritter Abſchnitt. Von der gerichtlichen Seque⸗ ſtration, 1961 63 Zwölfter TDitel. Von gleatoriſchen Kontrakten, 1964 Erſtes Kapitel. Von dem Spiel und der Wette, 1965— 67 Sweites Kavitel. Von dem Leibrenten Kontrakt. Erſter Abſchnitt. Vou den zur Gultigkeit dieſes Kontraktes erforderlichen Bedingungen, 1968—76 Zweiter Abſchnitt. Von den Wirkungen des27⸗ traktes zwiſchen den kontrahirenden Theilen 19771 83 Dreizehnter Titel. Von dem Mandat. Erſtes Kapitel. PVon der Natur und der Form des Mandats, 1984— 00 Zweites Kapitel. Von den Verpflichtungen des Bevollmächtigten, 1991 97 Drittes Kapitel. Von den Obliegenheiten des Vollmachtgebers, 1098— 2002 Viertes Kapitel Von den verſchiedenen Arten der Beendigung des Mandats, 2003 10 Vierzehnter Titel. Von Vuraſchaften. Erſtes Kapitel. Von der Natur und dem Umfange der Buͤraſchaft, 2017— 20 Sweites Kapitel. Von der Wirkung der Bürgſchaft. Erſter Abſchnitt. Von der Wirkung der Bürg⸗ ſchaft zwiſchen dem Glaubiger und dem Burgen, 2021 27 Zweiter Abſchnitt. Von der Wirkung der Buͤrg⸗ ſchaft zwiſchen dem Schuldner und dem Buͤrgen, 202832 Dritter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Burg⸗ ſchaft zwiſchen Mitbuͤrgen, 2033 Drittes Kapitel. Von Erlöſchung der Butgſchaft⸗ 2034 39 viertes Kapitel. Von der geſetzlichen und gericht⸗ lichen Buͤrgſchaft, 2040 43 Seite. 457 453 462 462 463 463 464 465 465 466 467 469 47 472 473 474 476 478 480 480 481 ———— Fünfzehnter TDitel. Von Pergleichen, Art. 2044 2058 Sechzehnter Titel. Von dem körperlichen Zwang in Clvilſachen, 205970 Siebenzehnter Titel. Vom Verpfaͤnhen, 2071—72 Erſtes Kapitel. Vom Pfand, 2073. 84 Zweires Kapitel. Von dem antichretiſchen Ver⸗ trag, 2085—91 Achtzehnter Titel. Von den Privilegien und Hypotheken. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfügungen, 2092-94 Zweites Kapitel. Von den Privilegien„209599 Erſter Abſchnitt. Von den Privilegien auf Moͤ⸗ bel, 2100 S. 1. Von allgemeinen Privilegien auf die Mobiliar⸗ ſchaft 2101 L2. Von Privilegien auf gewiſſe Möbel, 2102 rAbſchnitt. Von Privilegien auf Immoͤ⸗ el, 2103 Dritter Abſchnitt. Bon den Privilegien, welche ſich anf das bewegliche und unbewegliche Vermoͤgen erſtre⸗ cken 2104 05 vierter Abſchnitt. Wie die Privilegien erhalten werden, 210613 Drittes Kapitel. Von den Hypotheken, 211420 3 Erſter Abſchnitt. Von den geſetzlichen Hypotheken, 12122 Zweiter Abſchnitt. Von gerichtlichen Hypothe⸗ ken, 2123 Dritter Abſchnitt. Von den konventionellen Hy⸗ potheken, 2124.33 vierter Abſchnitt. Von dem Range der Hypothe⸗ ken untereinander 213446 Viertes Kapitel. Von der Art der Inſcription der Privilegien und Hypotheken, 2146 36 Fuͤnftes Kapitel. Von der Ausſtreichung und Re⸗ duktion der Inſcriptionen, 2157—65 Sechſtes Kapitel. Von der Wirkung der Privile⸗ Aen und Hypotheken in Hinſicht auf dritte Perſonen, Art. 216679 Siebentes Kapitel. Von der Erlöſchung der Pri⸗ vilegien und Hypotheken, 2180 Achtes Kapitell. Von der Art und Weiſe ein Grund⸗ Eigenthum von Privilegien und Hypotheken zu befteien, 2181- 92 —.L.——— Seite. 482 434 490 490 493 495 495 496 496 496 500 50F 502 S04 505 506 507 509 513 516 579 522 52 Neuntes Kapitel. PVon der Art und Weiſe, die Guͤter der Maͤnner und Vormunder von den Hypotheken zu befreien, wenn keine Inſcription derſelben beſteht, 219395 Zehntes Kapitel. Von der Publizitͤt der Regi⸗ ſter und der Verantwortlichkeit der Hypotheken Bewahrer, 2196— 2203 Neunzehnter Titel. Von der gerichtlichen Verſteigerung von Immoöbeln auf Be⸗ treiben der Glaͤubiger und der Rangordnung unter dieſen. Erſtes Kapitel. Von dem gerichtlichen Verkauf, 2204 17 Zweites Kapitel. Von der Rangordnung unter den Glaͤubigeru und der Vertheilung der Kaufſchillings unter ſie 2218 Zwanzigſter Titel. Von der Verjährung. Erſtes Kapitel. Allgemeine Ve fugungen, 221927 weites Kapitel. Von dem Beſitz, 2228 35 Drittes Kapitel. Von den Urſachen, welche die Verjährung verhindern, 2236 41 Viertes Kapitel. Von den Urſachen, welche den Lauf der Verjaͤhrung unterbrechen oder ſuspendiren Erſter Abſchnitt. Von den Urſachen, welche die Verjaͤhrung unterbrechen, 2242 50 Zweiter Abſchnitt. Von den Urſachen, welche den Lauf der Verjährung ſuspendiren, 225159 Fuͤnftes Kapitel. Von der zur Verjährung er⸗ forderlichen Zeitfriſt. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfügungen, 2260 67 Zweiter Abſchnitt. Von der dreiſſigjährigen Ver⸗ jährung, 2262 64 Dritter Abſchnitt Von der zehn-und zwanzig⸗ jaͤhrigen Verjahrung, 2265 70 Vierter Abſchnitt. Von einigen beſondern Ver⸗ jaͤhrungen, 22711 81 Bemerkung Seite. 5²9 532 539 540 541 542 544 545 546 546 547 550 27) — ———— —— Weſentliche Druckfehler. Aus Verſehen hat man dem Datum der eilf lezten Titel das grego⸗ rianiſche Datum beizuſetzen vergeſſen. Man kann dieſe Aus⸗ laſſung nach nachfiehender Ueberſicht verbeſſern: Sehnter Titel. Dekretirt am(I8 Ventoſe XII) 9 März 1804 verkuͤndigt am(28) 19 deſſelben Monats. Eilfter Titel. Dekretirt am(23 Ventoſe XII) 14 März 1804 verkuͤndigt am(3 Germinal) 24 deſſelben Monats⸗ Swolfter Titel. Dekretirt am(19 Ventoſe XIT) 10 März 1804 verkuͤndigt am(29) 20 deſſelben Monats. Dreizehnter Titel. Dekretirt und verkuͤndigt am nämſichen Tage. Vierzehnter Titel. Dekretirt am(a4 Pluvioſe XII) 14 Fe⸗ bruar 1804 verkuͤndigt am(4 Ventoſe) 24 deſſ. Monats Fuͤnfzehnter Titel. Dekretirt am(29. Ventoſe XI1) 20 Maärz 184 verkündigt am(9 Germinal Zo deſſelb. Monats. Sechzehnter Titel. Dekretirt am(23 Pluvioſe XII) 13 Fe- bruar 1304 verkuͤndigt am(3 Ventoſe 23 deſſ. Mynats Siebenzehnter Titel. Dekretirt am(25 Ventoſe XIL) 16 März 1804 verkuͤndigt am(3 Germinal) 26 beſſ. Mon. Achtzehnter Titel. Dekretirt am(28 Ventoſe. XIl) 19 März 18 4 verkuͤndigt am(8 Germinal) 29 deſſ. Monats. Neunzehnter Titel. Deeretirt und verkuͤndigt am naͤmlichen Tage. Swanzigſter Titet. Dekretirt am(2 Ventoſe XII) 15 März 1304 verkuͤndigt am(4 Germinal) as deſſ. Monats. Auch iſt im II Titet des III Buchs die Uererſchrift: zweites Kapitel zweimal wiederhohlt worden, und man hat daher ſtatt des zweiten das dritte, ſtatt des dritten das vierte u. ſ⸗ w⸗ zu leſen. —————2— ————= CONORDANE 2.„ CALENDRIEHRS RFPUBLICAIN ET GREGORIEN DEPUIS LAN 2 VUSOUA 1LAN 14. „— ⸗„ 2* Tableau très-utile à tous les Notaires, Gens d'Affaires, Négocians, et Erefliers. 4 V E ND E M I A I R. F. B R UM A I R E⸗ .—————————— An 2.[An 3.An fAn 5An 5.[An 7 An 8. An 9[Au 1oſAu 11An 12An Iſf 1793. 1794. 1795. f 1796 ſ1797. 1798. 1799. ſ18o0. ſ1801. ſ1So2. ſ1803. ſ1804. f1805. An z. fAn 5. An 4. An 5. Au6. Anz. ſ An. Aug. An, io.An 11. An 12An 13An 14 1795. 1794. 1795. † 1796. f 1797. † 1708. 1799. ſ 1800. 1801. f 1802. 1805. 1804. 1805. 1 22 2 1 23 22 2 1 23 1 23 1 23 1 23 1 24 1 23 1 23 S 2223 2 23† 2 24 2 23 2 23 2 23 2 24 2 24 2 24 2 24 2 25 2 24 2 24 2 3 3524 3 24 3 26 3 24 3 24 3 241 3 25 3 25 3 26 3 25 3 3 25 1 22 122 125 122 122 122 125 125 123 1 231 12 123 1 33 3 44 26 4 26 S 2 Ha5 2 25 2 24 2 25 2 25 2 23 2 24 2 24 2 24 2 24 2 25 2 24 4 24 12. 8 726§ 26 5 27 5 26 5 26 5 26 5 2 27 27427 2 58 2 3 5 24 3 24 3 25 3 24 3 24 3 24 3 25 3 25 3 25 3 25 3 26 3 25 3 25 65 5 8 425 4 25 4 26 4 25 4 25 4 25 4 26 4 26 4 26 4 26 4 74 20 4 46 S 4 3 3 52 25 426 4 26 3 32 ₰ 5 27 5 2 5 27 3 27 . 5 26 53 5 5 2 30 2 22* 6 4 63 6 2 6 4 6 27] 6 27 6 25 623 6 2 6 35 6 29 6 25 6 23 8 29f 3 29 3 30f 6 29 3 29 8 2 8 3oſ 3 3o 8 30 8 30 8 13 30 3 30 25 7 26 7 29 7 25 7 26 7 25 7 29 7 29 7 29 7 29 73 20 7 2 2 3 30 8 29 8 29 3 30 8 20ſ 8 29 8 29f 3 30 8 50ſ 8 30f 8 50 8 313 5o 3 30 10 10 2 10 210 2 10 20 3 0 9 50 9 30 9 31 9 30 9 30ſ9 30 9 31 9 3 9 53r 9 5 9 19 31 9 31 f upc 2 15 31 10 31 0 1ſ1o 31o 31o 51o f iſo re r aſ 12 2 3112 3ſ12 4 12 3l1 3 3 ſ 4 4 11 1 ii z 2 3 e 3 63 3 3 12 2ſa eſz öſ aſiz aſ eſ ö ö ö 3 1415 514 514 614 614 514 6ſ14 6ſi½ 614 614 614 714 6 6 13 5 15 6 16 6 ½ 216 6i 616 616 71 31 142 414 4 514 44 4 44 5½ 54 5 4 514 bſ4 54 5 12. 6 2 2 3 7116 316 7116 716 7 16 916 8ſ16 816 816 916 8 16 8 4 5 5 8 3 16 5. 616 616 7116 616 616 616 216 716 7 16 2 116 16 r6 7 17 817 17 9f17 317 3ſ1 317 917 9ſ17 917 9 3 z ſ i ſ ö, 18 o1 9ſis roſis oſis oſis 9ſis 1oſis roſis 10ſ13 10ſ18 a113 1oſ15 10 15* 8i 8 18 9ſ18 6ſ13 8ſi8 8 s oſ1s 9ſ8 9 18 9ſrs oſis 9lis 9 19 10 19 k0ſ19 i19 1oſe ioſig koſi9 ſi9 1ſ19 11ſ19 19 19 2½ 19 9 19 9ſi9 10ſi9 9ſi9 9ſi9 9ſig 10ſig oſr9 roſ9 roſrg ſi oſro 10 20 1120 11 20 1220 1120 11ſab 1zo 1aſzo 12ſzo 12zo 12ſa 13 12 20 10 30 10 20 11 20 10 20 10 †20 10 0 iſao ſzo 1ſao rrao aſae ee rr 1 21 2 13121 18 21 12 2 121 13 21 13 2 13 1 13 21 1421 1321 13 21 1121 1121 1221 12 112111 1 3 1 13 1. 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An§. An g.[An 10 An ſAn 1aſAn 13An 14 4. An 5. An 6. An 8. An 9. An10 An 11 An 12 An 135 An 14 8o0. ſBor 1802. 18035 ſ1804 ſ1803. ſ18o6. 1794. 1795 1796. 1797. 1800.[1801. 1802. 1805. 1804. 1805. i806. [20 20 T 20 1 20 1 19 I 1 19 1 79 1 19 119 1 19 2 21 2 21 2 21 2 27 2 27 2 2 19 2 19 2 19 2 19 2 20 2 2 20 2 20 2 20 2 20 2 20 3 22 3 22 3 22 3 22 3 22 3 3 220 3 20 3 25 3 25 3 20 3 21 3 3 27 3 21 3 a7 3 21 321 4 22 4 23 4 23 4 23 4 23 4 23 3 4 2 4 21 4 21 4 21 4 21 4 22 4 4 22 4 22 4 22 4 22 4 22 5 23§ 24 3 24 6 24 5 24 5 24 3 5 22 22 22 5 23 5 5 23 5 23 5 23 5 23 5 23 6 24 5 26 5 25 6 25 6 25 5 25 6 23 6 23 6 23 6 23 5 23 6 24 6 6 24 6 24 6 24 6 24 6 24 725 7 26 7 26 7 26 7 2 725 2 24 7 24 7 24 7 24 7 24 7257 7 2) 7 25 7 25 7 25 7 25 8 26 8 27 8 27 8 27 8 27 8 27 8 28 8 25 8 25 3 2 8 25 8 26 8 8 26 8 26 8 26 8 26 8 25 9 27 9 25 9 25 9 28 09 28 0 28 9 26] 0 26 9 25 9 26 9 26 2 229 0 2 10 2910 2910 29 10 29116 29 10 2710 2710 2710 27 10 27 10 25 10 28,10 2810 2870 2910 2815 28 11 29 1I 30II 30LI 30LI 30 11 30 II 6„28 II 28II 281I 2811 28 11 29 11 11 29 I1 29 I1 29 11. 201129 12 30 12 3112 3112 3112 31 12 31 12 529 T3 2 12 29 12 12 29 30 12 12 30 12 30T2 30 12 St⸗ 30 r3 31 113 1 13 3 3013 3013 3013 30 13 31 13 31 13 3113 31 13 3113 31ſt3 37 14 1 1[14 2 14 2 1 2 14 214 2 14 8. 114 3114 3114 31 14 37 114 114 114 114 1I4 I4 1 16 3 3 416 416 416 4 16 4 16 4 16 216 2 16 2116 316 3 16 316 3 r6 316 316 3 7 411 4 ſ I17 5ſ 3r 3175 3 412 4 17 2 17 4 ½ 8 5 18 618 5ſtg 61¹8 6 18 6 18 418 418 418 4, 518 318 5¹8 518 518 318 5 19 519 5 19 7 19 7 19 710 219 7 191 319 310 3195 6 19 510 519 5 1 519 6 19 5 20 7 7 ½0 820 825 820 825 920 8 20 620 520 620. 220 5 L6 821 921 9 1 9ſt 9jſat 919 21 721 721 721 7 27 8 21 821 821 8 21 821 821 8 9 22 922 22 10122 1622 1022 1022 10 22 8 22 822 22 822 9 22 922 922 022 922 9 22 9 23 I123 1123 1123 1123 1I 23 923 9 23 9 23 923 9 23 10 23 1023 1023 10 23 1523 ro 23 10 224 12 24 12124 1224 12124 r224 12 2 1024 10 24 10 24 10 24 4 11 24 11 24 1124 I124 I124 11 24 11 25 1325 1326 r3 25 1326 13 25 11 25 1125 11 25 1125 1128 T228 12 ½25 12 ½% 12 25 12 25 12 25 12 26 14 26 14 26 14 26 26 14,26 14 26 12126 1226 12 26 226 1226 1326 1326 1326 1326 13 26 1326 13 27 1527 1527 1527 1527 15 27 1327 13 27 13 27 1327 1427 14 27 14 27 14 27 14 27 I427 14 28 16½285 16 25 16 ½5 1628 16 28 16 25 1428 14 28 14 28 14 28 1428 1 28 1528 1,23 1. 28 15 25 1528 15 29 1629 1629 1729 17 ½29 17 29 1729 1729 1720 17 29 1529 15 29 15 29 129 1529 1629 1629 16 29 1629 16 20 16 29 16 35 18 30 19130 18 30 18130 19 30 19130 15 301 16130 16 30 16 30 16 35 1630 17 30 12130 17 26 12 30 17 32 17 30 12 E— 2 — — L O co— c+ 0 1 —— JOURS COMpILEMENTAIREs. —————————— Ere Ere— républ. Grégr. 1 2 5 4 5 6 —————————— Anz. 1 1703. I17 178 10 20 27 3. 1795. 17 13 19 20 21 22 4. 1706. 8 17 18 10 20 21 5 707 7 6. 1708. S 17 ſ 13 19 ſ 20 21 2. 1700 3 17 18 15 0 21 22 8. 1 1800. 18 10 20 27 1 22 9. 1801. 18 10 0 2 22 10. 1802. 18 15 0 21 22 11. 1803. 18 12. ſ 1304. I18 0 13. 1805. 18 719 20 21 22 14. 1 1806. 18 10 20 271 122 1 22 5 Coblenz, chez LAsSAUI. X. N.“%02. — —— —— — ————,—— — 2 KRE 1 8 gLt szeqe