— 2 Die Geſetzgebung Napoleons, dargeſtellt und kommentirt von F. Laſſaulx, ordentlicher Profeſſor des Coder Napoleon an der Fakultät der Rechte zu Koblenz. Erſte Abtheitung⸗ Privat Recht. Erſter Theil. xel— Koblenz, 1809. Gedruckt und verlegt bei Pauli und Comp⸗ Setr dargeſtellt und kommentirt von 3§. Laſſaul⸗ Proſeſſor des Codex Napoleon an der Fakultät der Rechte zu Koblenz⸗ — — Ko.blenz 180o9. Gedrust und verlegt vei Panli und Comp. „ de —— Seiner Eminenz, dem F uͤrſten Prima5 der rheiniſchen Konfoöderation, widmet dieſes Werk in tiefer Ehrerbietung der Verfaſſer. 760* Ge berſet nen anfan erſten ſes,* auf de iſt, u zu erſe ten mi ohngea tion gewinn Knu Dutſchl dien und Gegenwärtige Arbeit, groſſentheils eine Ue⸗ berſetzung der Befte, deren ich mich zu mei⸗ nen akademiſchen Vorleſungen bediene, war anfangs beſtimmt, erſt nach Vollendung des erſten, vielleicht des zweiten, dreijaͤhrigen Cur⸗ ſes, der den Profeſſoren des Codey Napoleon auf den franzoͤſiſchen Facultaͤten vorgezeichnet iſt, und zwar zuerſt in franzoͤſiſcher Sprache, zu erſcheinen. Mehrere Erwaͤgungen beſtimm⸗ ten mich, von meinem Vorſatze abzugehen, ohngeachtet ich ſelbſt fuͤhle, daß dieſe Eppoſi⸗ tion bei einer nochmaligen Reviſion hatte gewinnen muͤſſen. Kaum war der Kodex Napoleon nach Deutſchland, dem gelobten Lande der Compen⸗ dien und Commentarien, verpflanzt worden, N als alle Intelligenzblätter auch ſchon mit An⸗ kuͤndigungen von Werken über die fran⸗ zoͤſiſche Geſetzgebung gefuͤllt waren; ein großer Theil der neuen Legislation iſt je⸗ doch aus der aͤltern NationalGeſetzgebung entlehnt, in deren Geiſt einzudringen ei⸗ nem Auslaͤnder um ſo weniger leicht faͤllt, da ſie durch einen im Ausland unbekannten Ge⸗ richtsgebrauch interpretirt und ergaͤnzt wird. Wenn uͤberhaupt die Verpflanzung einer Ge⸗ ſetzgebung auf fremden Boden hauptſaͤchlich darum mit ſo vielen Schwierigkeiten verknuͤpft iſt, weil die Sitten und Gewohnheiten, welche ſie hier ausgebildet haben, ihr dort widerſtre⸗ ben, ſo muß es auch dem gruͤndlichſten Rechts⸗ Gelehrten ſchwer fallen, ſich vor einſeitigen An⸗ ſichten zu bewahren, und es iſt kein leichtes Un⸗ ternehmen, aus dem todten Buchſtaben des Ge⸗ ſetzes den Geiſt des Geſetzgebers zu verkuͤndigen. Pierzu kommt, daß alle Theile der franzöſiſchen Geſetzgebung innig ineinander⸗ greifen, und man daher, ohne das Ganze zu kennen, nicht leicht ein richtiges Urtheil faͤllen kann. Wie manche Luͤcken hat nicht dieſer und jener darin aufgefunden, die doch nur Luͤcken ſeines eigenen Wiſſens waren. Wahr⸗ * vi de tra fra den ebe zu ke den geka Au⸗ tat⸗ e ſt⸗ hlg it. id. he⸗ ſch pft che re⸗ ht⸗ An⸗ Un⸗ Ge⸗ gen. der der⸗ ſe zu füllen dieſer er Wahr⸗ 6 lich! die Urtheile, die bei dieſer Gelegenheit der geduldige Preßbengel fuͤr baares Geld aus⸗ muͤnzen mußte, wuͤrden, haͤtte nicht Unbekannt⸗ ſchaft mit der Sprache, worin ſie geſchrieben ſind, ſie den Augen des groͤſſern franzoͤſiſchen Publikums entzogen, dieſem eine ſchoͤne Gele⸗ genheit an die Hand geboten haben, den gruͤndlichen Deutſchen den Vorwurf der Pberflaͤchlichkeit, und diesmal mit Recht, u⸗ ruͤckzugeben. Unter dieſen Umſtänden glaubte ich kei⸗ nen Grund zu haben, meine Arbeit dem Drucke länger vorzuenthalten. Obgleich weniger voll⸗ kommen wird ſie in dieſem Augenblick ſicher von groͤſſerem Nutzen ſein, als nach mehre⸗ ren Jahren, wenn Erfahrung und Prapis die Ideen berichtigt haben. In einer Pro⸗ vinz deutſchen Urſprungs gebohren, mit dem deutſchen und franzoͤſiſchen Prozeßgange ver⸗ traut, nach einer ſechsjaͤhrigen Prayis vor franzoͤſiſchen Gerichten und zweijaͤhrigem aka⸗ demiſchem Vortrag, glaube ich doch wenigſtens eben ſo viel Rufzu haben, die neue Geſetzgebung zu kommentiren, als meine Konkurrenten, die den Koder Napoleon wohl ſchwerlich fruͤher gekannt und ſich eigen gemacht haben. 1v VBhne alle Anmaſſung uͤbergebe ich daher dem Publikum dieſes Werk, das ich zwar nicht fuͤr durchaus vollkommen, wohl aber fuͤr nuͤtzlich und zur Berichtigung vieler irrigen Ideen tauglich halte. Was ich mehr als alles, jedoch nut wuͤnſche und weder hoffe noch erwar⸗ te, waͤre eine beſcheidene und gruͤndliche Kritik aus dieſem Geſichts Punkt. Da dieſe Expoſition, wenn mir Kraft zur Arbeit und Geſundheit bleiben, alle Zweige der franzoͤſiſchen Geſetzge⸗ bung umfaſſen ſoll,(jedoch in beſondern Abthei⸗ lungen, deren jede, z. B. der Prozeß, das Staats Recht, das KriminalRecht, ein eigenes fuͤr ſich beſtehendes Ganze ausmachen wird) ſo wuͤrde ich Berichtigungen gern nachtra⸗ gen, und bei einer Arbeit von dieſem Umfang ſchier unvermeidliche Auslaſſungen willig ver⸗ beſſern. 3 Schließlich bemerke ich, daß dieſes Buch fuͤr RechtsGelehrte aller Klaſſen, alte und junge, beſtimmt iſt, denn wo eine neue Geſetzgebung eingefuͤhrt wird, kann auch eine fuͤnfzigjaͤhrige Praxis eines neuen Studiums nicht entheben. Da daſſelbe ohnehin Baͤn⸗ dereich genug wird,(doch witd das Pri⸗ vatRecht, mit Ausſchluß des Prozeſſes, — —— 2= in vier, von Meſſe zu Meſſe folgenden, Thei⸗ len beendigt) ſo habe ich es nicht durch un⸗ nöthige Citaten vertheuern wollen. Meine Ab⸗ ſicht war, uͤber die franzoͤſiſche Geſetzgebung, und weder uͤber das gemeine noch das deut⸗ ſche PrivatRecht zu ſchreiben; ich habe daher meiſtens franzoͤſi ſch ejuriſtiſche Schriften uͤber die neue und ältere Geſetzgebung angefuͤhrt, und zur Vergleichung mit dem roͤmiſchen Rechte Thibauts Syſtem des Pandekten⸗ Rechts, wo jeder die beſſern Schriftſteller uͤber die gemeine Rechte und das ſogenannte deutſche PrivatRecht zur Vergleichung verzeichnet findet. Es bedarf wohl keiner Bemerkung, daß Jeder, der von dieſer Werke Gebrauch ma⸗ chen will, das Priginal oder eine Ueberſetzung der drei neuen Geſetzuͤcher zur Hand haben muß, da ich, um den Raum zu ſparen, ſo viel moͤglich vermieden habe, die in denſelben enthaltene Verfuͤgungen nochmal abdrucken zu laſſen. Jede gute Ueberſetzung iſt zu dieſem Behufe brauchbar, nur empfehle ich in Hinſicht auf das Geſetzbuch: uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß, die meinige, wegen der darin enthaltenen Erklaͤrung der vI franzoſiſchen ermes du harreau, die ſich durch eine bloſſe Ueberſetzung nicht immer deutlich wiedergeben laſſen, und deren Bedeutung ich, um Wiederhohlungen zu vermeiden, hier als bekannt vorausſetze⸗ Der zweite Band, welcher das Ende des erſten Buchs des Codex, das zweite Buch, und die Einleitung in das dritte enthaͤlt, erſcheint ohnfehlbar noch vor kuͤnftiger Oſtermeſſe. Mit dem vierten Theile wird ein alphabeti⸗ ſches Sachregiſter, und zugleich ein vollſtaͤndi⸗ ges Verzeichniß der in dem Laufe des Werkes angefuͤhrten Schriftſteller, welches zugleich eine Ueberſicht der Litteratur des Codex Napoleon gewähren wird, geliefert. Koblenz am Iten November 1808. F. Laſſaulr. Einleitung. — — ein; Ve von Abt Die iſt Al I Erſter Titel. Von der Stelle, welche der Koder Napoleon in dem allgemeinen Syſiem der Geſeletuns ein⸗ nimmt. 5. 1. Des Recht, im Allgemeinen, iſt im objektiven Sinne der Inbegriff aller, geſchriebenen und nicht geſchriebenen, Geſetze. Geſetz nennen wir hier jede verbindliche Vorſchrift, ſie mag nun dieſe verbindliche Kraft von dem menſchlichen Gewiſſen,(for intérieur) oder von einer uſſern Gewalt(for extérieur) ableiten. Geſetze einer einzelnen Gattung(ſolche die auf oͤffentliche oder Privat⸗ Verhaltniſſe Bezug haben, oder die nur einzelne Klaſſen von Perſonen betreffen) ſind in dieſem objektiven Sinne Abtheilungen des Rechtes im Allgemeinen(Staats⸗ Recht, Privat Recht, HandlungsRecht. c.) Die RechtsGelehrſamkeit(Jurisprudenz) iſt die Kenntniß oder des Rechtes im Allgemeinen. Inst de just. et jure(1. 1.) Dig. eod. tit.(I. 1.) Discoure prliminaire sur le Code civil, pag. XX. Thibaut Syſtem des Pandekten Rechtes 1. u. ff. Hugo, jur. Encyklopädie§ r. Répertoire universel de jurisprudence, zème ödit, verbo: drvit. 3„ 4 1) Ich nehme das Wort: Geſetz, hier im engern Sinne. Im weitern iſt alles, was eine Nothwendigkeit mit ſich fuͤhrt, Geſetz; uͤber die Unterabtheilungen der Geſetze in phyſiſche, intellektuelle ꝛc. ꝛc. ſiehe Thibaut a. a. O. 2) Alles was man zur Rechtfertigung der Definition der Ju⸗ risprudenz in den Inſtitutionen angefuͤhrt hat, ſcheint es zwar deutlich zu machen, wie Ulpian dieſe Definition aufſtellen konnte, aber kann mir unmoͤglich die Ueberzeu⸗ gung benehmen, daß er fuͤr einen Theil das Ganze geſetzt hat: rerum divinarum et humanarum notitia iſt doch wohl eher die Wiſſenſchaft, als die Wiſſenſchaft des Rech⸗ tes. Der zweite Theil ſeiner Definition entſpricht der obi⸗ gen, indem nur das rechtlich iſt, was den Geſchriebenen und nicht geſchriebenen) Geſetzen nicht zuwiderläuft. 3) Das Wort Jurisprudenz(Jurisprudence) hat eine enge⸗ re Bedeutung, in welcher es die aus einer Reihe von po⸗ ſitiven Entſcheidungen abgeleitete Saͤtze bedeutet; in die⸗ ſem Sinne ſagt man: la jurisprudence des arréts, la jurisprudence de la Cour de cassation etc. ete. Die⸗ ſer Theil der Rechts Wiſſenſchaft im Allgemeinen iſt in dem franzöſiſchen Rechte vorzuglich wichtig, weil durch die in Frankreich von jeher uͤbliche Publizität der Urtheilsſpruͤche und die ſtrenge Hierarchie der Gerichts Behörden die Jurispru⸗ denz dieſer letztern viele Luͤcken in der Geſetzgebung aus⸗ fullt. §. 2. Der Gegenſtand des Rechtes im Allgemeinen ſind die ver⸗ ſchiedene menſchliche Verhältniſſe. Jede aus dieſen Verhält⸗ niſſen entſpringende Beſugniß heißt wieder: ein Recht, im tt — 5 ſubjektiven Sine des Wortes. unterchellungen des Rechtes in dieſer Hinſicht, find die Befugniſſe, welche us einzelnen Verhältniſſen entſpringen. Deshalb kann die Rechts Wiſſenſchaft auch die Kenntniß der Rech⸗ te und Verbindlichkeiten definirt werden. Ueber die mannichfaltige Bedeutungen⸗ welche man dem Worte Rechtbeilegt, ſiehe Heineccins, Eleinenta juris civilis, 6 18. Gluͤcks Commentar über die Pandekten 1. und uͤber deren Berichti⸗ gung Thibauts Verſuche uͤber einzelne Weie der Theoris des Rechtes I. 82 u. ff⸗ §. 3. Das NaturRecht,(Tus naturæ et gentium, droit naturel) begreift die Vorſchriften, nach welchen der Menſch im Zuſtande der Natur und unabhängig von jedem fremden und aͤuſſern Willen(poſitiver Geſetz⸗ gebun g) das was gerecht iſt, von dem, was unrecht⸗ lich iſt, unterſcheidet. Das Naturrecht iſt bei allen. Völkern daſſelbe, weil es aus dem menſchlichen Gewiſſen herfließt. Thiraut S. d. P. 8. 8. Inst. 1. 2. pr. Locrs, Esprit An Code Napoléon, introduct. chap. VII. et X. Coccejus, jus civile controversum, I. I. 5. Domat, Traité des loix, Ch. XI. ) Erſte Eintheilung der Geſetze, nach ihrem Urſprung. Natuͤrliche, innerliche, unveraͤnderliche und po⸗ ſitive, geſchaffene, willkuͤhrliche. 2) Giebt es ein Naturrecht oder nicht? Sobald wir Rechts⸗ wiſſenſchaft im Allgemeinen: die Kenntniß deſſen was gerecht und ungerecht iſt(der Rechte und Verbindlichkeiten), defi⸗ niren, ſo kann man auch wohl die Kenntniß deſſen, was im Naturguſtande gerecht iſt oder nicht, Naturrecht, 6 ſo wie die Kenntniß deſſen, was im geſellſchaftlichen Zuſtande gerecht und ungerecht iſt(der Rechte, welche ing lor exté- rieur geltend gemacht werden und die Verbindlichkeiten, zu deren Erfuͤllung man gezwungen werden kann), die Wiſ⸗ ſenſchaft des poſitiven Rechtes nennen. Die groͤßte. Schwierigkeit der neueren Bearbeitungen des Naturrechts liegt wohl darin, daß die Verfaſſer derſelben alle im ge⸗ ſellſchaftlichen Zuſtande gelebt haben und leben. 3) Auch darf man die Moral, die auch im einzelnen iſo⸗ lirten Menſchen beſteht Knicht mit dem Naturrecht ver⸗ wechſeln, das nothwendig mehrere Perſonen vorausſetzt, aus deren Verhältniſſen Rechte(Befugniſſe) und folglich Ob⸗ liegenheiten(Verpflichtungen) entſpringen. Der geſell⸗ ſchaftliche Zuſtand ſetzt eine dritte voraus, welche die Aus⸗ uͤbung dieſer Befugniſſe ſichert(eine Regierung, Gerichts⸗ pöfy. 4) Man hat die Römer uͤber ihre Definition des Naturrechts ſo heftig angefochten, daß ſelbſt viele ihrer wärmſten An⸗ hänger ſie als unhaltſam aufgegeben haben. Meiner Mei⸗ nung nach war doch ihre Eintheilung des Rechtes in: Ju⸗ nAros3(quod natura omnin animliæ docuit) Jos onnrin(quod naturælis ratio inter omnes Aomines constituit,) und Jos civmn(quòd quque sibi cirt- kas constituit,) weit richtiger als die, welche man heut⸗ zutage an deren Stelle geſetzt hat. Daß die Römer ubri⸗ gens über das, was wir Jus naturze nennen und ſie Jus Gentium nannten, dieſelbe Begriffe hatten wie wir, be⸗ weiſen nicht alein viele Stellen in dem Corpus Juris ſondern auch der Klaſſiker, unter andern die ſchoͤne Stelle Eiceros: est non scripta sed nata lex, quam non 7 didicimus, nccepimus legimus, verum ex naturs ipsn arripuimus, hausimus, ad quam non docti sed facti, non instituti sed imbuti sumus. Daß die Sclaverei unter die Inſtitute des Jus Gentium ge⸗ zahlt ward, iſt, wenn man nicht allenfalls der Meinung von Grotius(L.3. C. 7.§. 1. I.2. C.B.§. 27.) beitreten will, hoͤchſtens ein faktiſcher Irrthum, der daher entſprungen ſein mag, daß die Roͤmer als ein kriegeriſches Volk die Sclaverei bei allen Voölkern der Erde eingefuͤhrt glaubten. Ueber die ganz u unrichtige, und doch heftig ver⸗ theidigte Eintheilung des Jus Gentium in ein primcvum et Secundarium, zu welcher ein unrichtiger Ausdruck Tri⸗ bonians den Anlaß gegeben hat, ſiehe Coccejus a. a. O. Q. 7. §. 4. Foſitives Recht heißt daher die wiltůhriche Geſetz⸗ gebung eines Volkes, welche die gegenſeitige Befug⸗ niſſe ſeiner Glieder in allen Verhältniſſen ihres geſellſchaft⸗ lichen Zuſtandes regulirt. Alles poſitive Recht bindet nur die Glieder der Nation, fuͤr welche es konſtituirt iſt. HGugo Encyklopadie§. 3.) Es ſetzt daher nothwendig eine geſellſchaftliche Verbindung vor⸗ aus, nicht aber die Regierungsform dieſer Geſellſchaft⸗ weil alles poſitive Recht urſpruͤnglich das Reſultat einer Ue⸗ bereinkunft unter den Gliedern war, ohngeachtet es heut zu Tage nicht mehr den Karakter eines Kontraktes hat, indem es durchaus nicht erforderlich iſt, daß alle Glieder der Nation, fuͤr welche das poſitive Geſetz erlaſſen wird, ſelbſt oder durch ihre Repraͤſentanten um ihre Einwilligung befragt worden; gehen wir aber auf den Urſprung der Ge⸗ 8 ſellſchaft zuruͤck, ſo finden wir, daß die erſte poſitive Ge⸗ ſetzgebung ihre verbindliche Kraft nur durch einen Vertrag unter den Gliedern erhalten konnte, oder von einem Ober⸗ haupt erlaſſen ward, dem das Volk durch einen ausdruͤcklichen oder ſtillſchweigenden Vertrag die Gewalt der Geſetzgebung uͤbertragen hatte. Heut zu Tage, wo jedes Volk ſeine ge⸗ ſchriebene oder nicht geſchriebene Konſtitution hat, die einen Theil ſeines poſitiven Rechtes ausmacht, fließt das Recht der Geſetzgebung aus dieſer her. 2) In dem projet du Code civil findet ſich(Irt. 6 du li vre prélim.) eine Definition der lot, chez rous es heuples. welche aber weder die Graͤnzen, in welchen das einer weitern(als ſynonim von Recht,) und engern (als ſynonym mit der rechtsfoörmigen Erkluͤrung des Willens der geſetzge benden Gewalt im Staa te) Bedeutung fähige Wort: loi, hier gebraucht iſt, noch den Gegenſtand des Geſetzes mit Beſtimmtheit angiebt. Das RaturRecht iſt die Grundlage jeder poſitiven Ge⸗ ſetzgebung, weil ein Geſetz, das mit veſſen Prinzipien im Widerſpruch ſtehen wuͤrde, nothwendig ungerecht ſein müßte. Es iſt aber unzulänglich, denn da es den Menſchen nur im Naturſtande betrachtet, ſo enthaͤlt es keine Vorſchriften uber die Verbindlichkeiten„ wel⸗ che die geſellſchaftliche Verhältniſſe dem Menſchen im Staate auferlegen. Auch erleidet es groſſe Beſchränkun⸗ gen durch den geſellſchaftlichen Verein, deſſen Auflöſung unvermeidlich ſein wurde, wenn jedes Glied der Geſell⸗ ſchaft alle ihm im Naturſtand zuſtehende Befugniſſe ausuͤ⸗ ben, und ſich alles erlauben wollte, was, von jeder po⸗ ſt — 9 ſitiven Geſetzgebung abſtrahirt, a an fur ſi cb nicht un⸗ gerecht iſt. Thib aut a. a. O.§ 9. Donat, traité dos jcik chap. 11, Locré, introd. chap. 17 62 1) Das NaturRecht iſt die tiihe jeder poſitiven eiite gebung, aber man hat irrthämlich behauptet, daß es die Quelle derſelben ſei. Die Unzulänglichkeit des erſten hat die zweite nothwendig gemacht; dieſe regulirt hauptſachlich ſolche Fälle, die das erſte nicht vorſehen konnte, ſeine Sa⸗ kungen koͤnnen daher nicht aus denen des Naturrechts abge⸗ leitet ſein. In den Materien des Naturrechts(z. B. in Hin⸗ ſicht auf das Eigenthum) modifizirt und organiſirt das poſitive Recht die Vorſchriften des Naturrechts in ihrer Anwenbung auf den geſellſchaftlichen Zuſtand; in denen, welche dem lezten fremd ſind,(z. B. bei den Teſtamenten) dient die natrliche Billigkeit als Richtſchnur, wenn das poſitive Geſetz ſchweigt oder dunkel iſt. Da indeſſen faſt alle Inſtitutionen des po⸗ ſitiven Rechtes ſich auf das Eigenthhm beziehen, das aus dem Naturrecht herfließt, ſo iſt dieſes allerdings die Grund⸗ lage des erſten; es iſt das Fundament, auf welchem das Gebäude ruht, aber aus das Gebaͤnde nicht ent⸗ ſpringt. 2) Da das Naturrecht die Kenntniß oder vulncht das Gefuͤhl des Rechts und des Unrechts iſt, ſo kann kein poſitives Geſetz befehlen, was das Naturrecht verbietet, weil es keine Ungerechtigkeit gebieten kann; es kann aber verbieten, was das Naturrecht erlaubt, und gebieten, wo es ſchweigt, das heißt in Faͤllen, die es nicht verſehen konnte, weil P auſ⸗ ſer dem Naturſtande liegen. 3) Wenn man fragt, ob das Stubium des nh dem 10 der poſitiven Geſetgebung nothwendig vorhergehen muß, ſo antworte ich unbedenklich: Nein. Die praktiſche Grundſaͤtze des Naturrechts ſind meiſtens oder alle in das poſitive Recht aufgenommen worden, und werden mit den Vorſchriften dieſes lezten vorgetragen. Diejenige, welche wir nicht da⸗ rin wiederfinden, ſind weniger Vorſchriften als Gefuͤhle. Wer ein Gewiſſen hat, weiß die Tugend vom Verbrechen zu unterſcheiden. Was eingebohren iſt, braucht nicht gelehrt zu werden. Hoͤchſtens iſt es Sache der Logik, in Kolliſi⸗ onsFällen von Pflichten und Gefühlen den Ausſchlag zu geben. Wenn wir dieſe Grundſaͤtze auf die Gegenſtaͤnde der poſiti⸗ ven Geſetzgebung anwenden, ſo ergeben ſich folgende Reſul⸗ tate: Das poſitive Geſetz kann nicht gebieten, zu rauben, zu morden, weil es ſich ſonſt mit der Vorſchrift des Natur⸗ rechts in offenbarem Widerſpruch befinden wuͤrde: was du nicht willſt, daß man dir thun ſolle, daß thue andern auch nicht; es iſt der individuellen Freiheit und dem Eigenthum Achtung ſchuldig, weil dieſe Rechte aus dem Naturrecht herfließen; aber es kann die Ausubung derſelben durch jeden Einzelnen in ſoweit beſchraͤnken, als noͤthig iſt, um ſie allen Mitgliedern der Geſellſchaft zuzuſichern. Daher die Geſetze uber den der Regierung ſchuldigen Gehorſam, uͤber die Steuern, Abgaben, Militair Dienſte ꝛc. die uͤber die Einheit und Stabilität der Ehen, die Krimina Geſetze, kurz alle die„welche, wie wir gleich ſehen werden, ſtaats⸗ rechtliche Verordnungen genannt werden, ſo wie die, welche, obgleich im PrivatRecht befindlich, dennoch ebenſowohl mit Hinſicht auf den allgemeinen als den Pri⸗ 11 vaVortheil erlaſſen warden ſind: Geſetze der oͤffent⸗ lichen Ordnung.(Loix d'ordre public) Endlich ergänzt das poſitive Geſetz das Naturrecht, welches im ge⸗ ſellſchaftlichen Zuſtande unzulanglich ſein wuͤrde; daher die Verordnungen uͤber das Schickſal der Dinge, die nach dem Naturtecht mit dem Tode der Eigenthuͤmer in den herrenloſen Zuſtand zuräckfallen„ die Verlängerung des Eigenthums⸗ Rechtes über die Gränzen des Lebens hinaus, die aͤuſſere Form der Vertraͤge, um deren Vollziehung durch aͤuſſere Ge⸗ walt zu verſichern, daher die Geſetze, welche die aus dem Naturrecht herflieſſende Befugniſſe reguliren, geſellſchaftli⸗ che Laſten damit verknuͤpfen.(z. B. mit der väterlichen Be walt. ꝛc. c.) 56. Civil Recht im Allgemeinen nennt man den Inbegriff aller poſitiven Geſetze eines Volkes. Qus Civitatis.) Dieſe theilt man in ſo viel Gattungen ein, als es allge⸗ meine Verhaltniſſe unter den Menſchen giebt; nämlich Das VölkerRecht Gdroit des gens) oder die Ge⸗ ſetze, welche die Verhältniſſe zwiſchen den ver⸗ ſchiedenen Nationen und die daraus herſieſene Be⸗ fugniſſe reguliren. Das Staats Recht, eipi publie) die Ge⸗ ſetze, welche die Verhältniſſe zwiſchen dem Staats⸗ Oberhaupt und den Mitgliedern des Staats, ſo wie zwiſchen den verſchiedenen Staats Gewalten, und die daraus herflieſſende Befugniſſe, reguliren. 132 Das PrivatRecht,(droit privé, nach dem heuti⸗ gen Sprach Gebrauch: droit civil, Civil Recht) wel⸗ ches die beſondere Verhältniſſe zwiſchen den Men⸗ 12 ſchen im geſellſchaftlichen Zuſtande regulirt. Die Vorſchriften des franzöſiſchen PrivatRechts finden wir im Codex Nopoleon, im Geſetzbuch über das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß und im Handlungs Codex geſammeit. Sobald das poſitive Geſetz ſchweigt, muͤſſen die Vor⸗ ſchriften des Naturrechts befolgt werben; iſt es dun⸗ kel, ſo wird es nach der natüͤrlichen Billigkeit ge⸗ deutet. L. 1. 6 1. D. de just. et jur. C1 1.M 5 4. inst. h. t.(I. 2.) Thibaut a. a. O. S. 9, 6 326 u. fſ. Locrs a g. O. chap. VIII, TX. XIII. XV. ¹) Zweite Eintheilung der Geſete, in Hinſicht auf ihren Gegenſtand, Voͤlker Recht, StaatsRecht, Privat⸗ Recht. 2) Die Vorſchriften des Naturtechts, welche nicht ins poſitive Recht aufgenommen worhen ſind, behalten ihre Kraft in vallen Faͤllen, fur welche keine poſitive Vorſchtift beſteht, d. h. in welchen ſie durch keine poſitive WVorſchrift aufgehoben oder modifizirt worden ſind. 3) Wenn wir das Verhaͤltniß des Naturrechts und des poſiti⸗ ven Rechtes in jeder UnterAbtheilung unterſuchen, ſo finden wir, daß das Voölkerrecht durchaus natutrochtlich, das Stauts Recht durchaus poſitiv iſt. Zwar hat man behaup⸗ tet, die Staats Verträge, die Gefandſchaften. ſeien völker⸗ vechtliche Inſtitutionen des poſitiven Rechts; allein da die Polker ſelbſt unteteinander in keinem poſitiven Rechts Ver⸗ haͤltniß ſtehen, indem ſüt keinen Geſetzgeber und kein aͤuſſeres Forum anerkennen, ſo beruht die Kraft der Vertraͤge und die Sicherheit der Geſandtſchaften einzig auf dem öffentlichen Gläuben und dir Gaſtfreiheit, die dem Naturrecht ange⸗ Die nden ber e ot ge⸗ ².) II ren at ite t in „d. oten Mer die Prr⸗ ſu bie ihn ni⸗ 13 hoͤren. Es giebt alſo, ſtreng genommen, kein poſitives Völ⸗ kerrecht, denn wenn ein Staat einen Friedens⸗oder Allianz⸗ Vertrag verkuͤndigt, damit ſeine Unterthanen ihn als Geſetz reſpektiren ſollen, ſo iſt dies bloß eine ſtaatsrechtliche Verfoͤ⸗ gung, weil ſie nur die Unterthanen des Landes, in welchem die Verkundigung geſchieht, kraft ihrer Abhaͤngigkeit von dem Staats Oberhaupt bindet. 4) Alles Staats Recht ſetzt eine Regierung voraus; dir Naturguſtand iſt aber der Zuſtand von Menſchen die keine Regierung haben; die Geſetze, welche die Verhaͤltniſſe zur Regierung beſtimmen, ſind daher poſitiv. Anderſt iſt es §) im PrivatRecht; die Verhaͤltniſſe, welche der Gegen⸗ ſtand deſſelben ſind, ſind größtentheils auch im Naturſtande vorhanden, und werden nur durch den geſellſchaftlichen Zu⸗ ſtand modifizirt. 6) Wir nennen heut zu Tage das PrivatRecht ausſchließ⸗ lich Civil Necht. Sonderbar ſcheint es mir aber, daß man, um dieſen Sprachgebrauch zu rechtfertigen, die Römer veſchuldigt, ſie hätten nicht gewußt, was CivilRecht iſt, und zum Beweiß anfuͤhrt: nach ihrem Syſtem ſei die lex tribuniia auch ein CivilGeſetz(Iew ciwitatis) geweſen. (Loerè, I. 42.*) Wir werden bald finden, daß wir vielleicht beſſer gethan hätten, ihre Benennung beizubehalten. 3) Im Völkerrecht ſind die Verhältniſſe von beiden Seiten kol⸗ lektiv; im Staats Recht ſind ſie es wenigſtens von der einen⸗ im PrivatRecht ſind ſie individuell von beiden Seiten. 8) Die Geſetze, welche die Art beſtimmen, wie die Geſetze aller Art erlaſſen, promulgirt und verbindlich werden, ge⸗ hoͤren dem Staatsrecht an. *) Ich zitire von Loere immer die OctavAusgabe, weit ſie mehr als die QuartAusgabe gebraucht wird⸗ 14 9) Die Verfaſſer des Koder(prälim. Buch, Tit. 11, Art. 1.) nahmen auſſer obigen drei Klaſſen von Geſetzen eine vierte an, welche alle die begreifen ſollte, die in keine dieſer drei UnterAbtheilungen gehoͤren. Wir nehmen dieſe vierte Klaſſe nicht an: die Geſetze in Betreff der Hierarchie und Kompetenz der GerichtsBehoͤrden, die Krimina Geſetzzebung, die Polizey Geſetze, die Geſetze uͤber die MilitairVerfaſſung und das Finanz Syſtem ſind ſtaatsrechtliche Verfuͤgungen; die HandelsGeſetze gehoren dem Voͤlkerrecht an, wenn ſie die Handlungs Verhaltniſſe zwiſchen mehreren Nationen regu⸗ tiren, dem Staatsrecht, wenn ſie den Unordnungen und Verbrechen, zu welchen der Handel Anlaß geben kann, vor⸗ beugen oder ſie beſtrafen, oder wenn ſie beſondere Gerichts⸗ Behoͤrden fuͤr Handlungsſachen niederſetzen, oder die Induſtrie mit Auflagen belegen; dem CivilRecht, wenn ſie die Form und die Wirkungen der HandlungsGeſchaͤfte reguliren; eben ſo ſind die SeeGeſetze, die ausgenommen, welche vol⸗ kerrechtliche Verfuͤgungen enthalten, entweder Militair⸗oder Polizey oder Civi Geſetze; die RuralGeſetze gehoͤren, in ſo weit ſie PolizeVerfuͤgungen enthalten, ins KriminalRecht, in ſo weit ihre Verfuͤgungen die Verhältniſſe zum Eigenthum reguliren, ins PrivatRecht.(Locré a. a. O. Kap. XVI. 10) Noch bleibt uns die Eintheilung der Geſetze in Geiſtli⸗ 2 che und Weltliche zu unterſuchen uͤbrig; ReligionsDog⸗ men haben, ſo wie die Vorſchriften der Moral, nur in ſo weit eine verbindliche Kraft vor dem aͤuſſern Richter, als der Geſetzgeber ſie ihnen zugeſteht, und nur das oͤffentliche Wohl kann ihn hierzu bewegen. Jeder aͤuſſerliche Gottes⸗ dienſt iſt ein Gegenſtand der StaatsPolizey, weil die öffent⸗ liche Ordnung dabei intereſſirt iſt; dieſe allein beſtimmt da⸗ — 15 her den Geſetzgeber, dieſen zu verbieten, jenen zu dulden, einen dritten zu unterſtutzen und anzuerkennen. Alle poſt⸗ tive Geſetze über Religions Gegenſtaͤnde, gehoͤren daher dem Staats Recht an; was in dieſen nicht enthalten iſt, gehört vor das Forum des Gewiſſens, und es kann da⸗ von hier keine Rede ſein. §. 7. Das PrivatRecht hat die Perſonen und die Sa⸗ chen zum Gegenſtande, nämlich die Verhältniſſe der Perſonen untereinander, und die daraus entſpringende Befugniſſe, und die Verhältniſſe der Perſonen zu den Sa⸗ chen, die im Verkehr ſind, und die Befugniſſe, welche aus dieſen Verhältniſſen in Hinſicht auf die Sachen ent⸗ ſpringen. Perſönliche Geſetze, Real»oder dingliche Geſetze. fust. g 12 de J. N. G. et C.(I. 2) Thibants Verſuche(I. 15 Locré, introd. chap. XVIII. 1) Die Eintheilung in jus personarum und jus rerum hat zu groſſen Diskuſſionen Anlaß gegeben. Ich ſtelle ſie hier in dem Sinne auf, in welchem der Koder Napoleon ſie angenommen hat, und da in der That keine andere Verhältniſſe als die oben angefuͤhrte denkbar ſind, welche zugleich auch die negative Rechte begreifen, ſo finde ich keinen Grund, um ſie, wenigſtens in einem prak⸗ tiſchen Geſetzbuch, zu verwerfen.*) 2) Man nimmt gewohnlich, mit den Römern, drei Materien *) Man darf nur die loin personnel les et réelles in dieſem Sinne nicht mit dem Statut réel on personnel vermiſchen, wovon in der Folge die Rede ſein wird⸗ 16 des PrivatRechts an: das Perſonen Recht, das Sa⸗ chen Recht, das Recht der Forderungen. Nach der Eintheilung der neuern franzöſiſchen Rechts Gelehrten wer⸗ den die Gegenſtaͤnde des letzten,(mit Ausſchluß der Vorſchrif⸗ ten uͤber die Art eine Forderung geltend zu machen, des Prozeſſes, die in einem eignen Geſetzbuch: Code de pro- cédure civile, enthalten ſind,) unter obige zwei Abtheilun⸗ gen vertheilt. Einer der Erſten unter ihnen,(Loerc) will ſogar nur einen Gegenſtand des PrivatRechts anerkennen, nämlich das Eigenthum; da er aber die Eigenthums⸗ Rechte in ſolche, die auf Perſonen, und ſolche, die auf Sa⸗ chen Bezug haben, eintheilt, ſo kommt mit andern Worten ⸗ dieſelbe Eintheilung heraus. Mit eben ſo viel Grund läßt ſich behaupten, die Perſonen ſeien der einzige Gegenſtand des PripatRechts, weil jedes dingliche Recht doch eine Perſon, der es zuſteht, vorausſetzt. 3) Auſſer dem Verkehr ſind 1] die Sachen, welche ihrer Natur nach allen gemeinſchaftlich ſind, 2] die, welche ein poſitives Geſetz dem Verkehr entzogen hat. Da nur ein aus dem öffentlichen Wohl abgelei⸗ teter Beweggrund zu einer ſolchen Verfuͤgung beſtimmen kann, ſo gehoren die Geſetze, welche eine Sache dem Verkehr entziehen, und die Art ihrer beſondern Verwal⸗ tung beſtimmen, dem Staats Recht an. §. 8. Alles Recht iſt geſchriebenes oder ungeſchrie⸗ venes. Das geſchriebene fließt aus den rechtsförmigen Er⸗ klärungen der geſetzgebenden Gewalt im Staate her; das 17 6 ungeſchriebene beſteht aus den Vorſchriften des Ratur⸗ 6 rechts, den Gewohuheits Rechten und Herkommen, die 6. das geſchriebene ergänzen. if Projet du Code civil, Liv. prélim. Tit. I. Art.. Voet ad. P. L. T. es 1) Alles Naturrecht iſt ungeſchriebenes Recht. 2) Das Herkommen oder das GewohnheitsRecht iſt das Reſultat ril einer Reihe öffentlicher, gleichfoͤrmiger(wenn auch auſſerge⸗ 3, richtlicher) durch keine andere, damit im Widerſpruch ſtehen⸗ de, Handlungen unterbrochener Akte, welche durch dieſe Wiederhohlung die Kraft einer ſtillſchweigenden Uebereinkunft en erhalten. Dieſe, nothwendig vernunftgemäße, Refültate, iit können nur in den von dem geſchriebenen Geſetz nicht vorge⸗ and ſehenen Fällen angerufen werden, es ſei denn, daß jene öf⸗ ine fentliche Akte ſeit undenklicher Zeit gegen den beſtimmten Text eines geſchriebenen Geſetzes,(consuetudo abroga- toria) oder indem der Text des geſchriebenen Geſetzes ohne 5 Vollzug blieb(desuetudo), ſtatt gefunden hätten. 3) Jedes Herkommen muß von dem erwieſen werden, der es 3 vorſchuͤzt. 3 4) Nicht ganz richtig behauptet Hr. Prof. Dabelow in ſei⸗ 3 nem Archiv fuͤr den C. N.(I. 65.) in Ländern, wo der 5 C. N. gelte, könne von GewohnheitsRecht gar nicht 3 mehr die Rede ſein, ſondern nur von einem usage, wobei es lediglich auf das Faktiſche, und nicht auf das Rechtliche ankomme; der usage ſei das Herkommen, die consue⸗ tudo aber das wirkliche Gewohnheits Recht. Allerdings hat e⸗ das Geſetz vom Zoten Ventoſe 12 alle ſogenannte coutu- ⸗ mes,(geſchriebene Land Rechte oder Provin⸗ — 18 zialſtatuten) ihrer geſetzlichen Wirkung beraubt; daß aber das franzoͤſiſche Recht auch noch eine consuetudo kennt, wobei es auf das Rechtliche ankommt, beweiſen die Artikel 1641, 1648, 1754, 1759 ꝛc. Wenn der Geſetzge⸗ ber ſich dabei ſorgfaͤltig immer des Wortes usage bedient, ſo hat man den Grund darin zu ſuchen, daß ſeit der Ab⸗ faſſung der coutumes das Wort coutume im Sprach⸗ gebrauch von einem ſchriftlichen LandRechte, im Gegenſatz des roͤmiſchen Rechtes, und nicht von einem ungeſchriebenen Gewohnheits Rechte verſtanden wird. §. 9. Alle Geſetze gebieten oder verbieten. Sie verlie⸗ ven ihre verbindliche Kraſt 1) durch ein ſpäteres Geſetz 2) durch ein entgegengeſetztes Gewohnheits Recht. 1. 7 f de legib.(1. 30Loers, introd. chap. XV. Thibaut a. a. O. 1) Die Römer ſagten: Legis virtus hæc est: imperare, vetare, permirtere, punire; allein StrafGeſetze ſind fuͤr ſich allein nicht denkbar, indem ſie ſich immer auf ein anderes Geſetz beziehen, deſſen Vollzug ſie zu verſichern be⸗ ſtimmt ſind. Da ferner alles erlaubt iſt, was kein Geſetz verbietet, ſo bezieht ſich auch jedes Geſetz, welches eine Handlung erlaubt, nothwendig auf ein anderes, das ſie vorher verboten hatte. Es bleiben alſo nur gebietende und verbietende Geſetze uͤbrig. In einem andern Sin⸗ ne hatten ältere Rechts Gelehrten das Recht in præceptivum et permissivum eingetheilt. Coccejus, L. 1. T. 1. 2) Ein Geſetz kann ganz oder zum Theil abrogirt werden. Es können Zuſätze zu demſelben gemacht werden: derogare, deß tudo die etge⸗ ient, Al⸗ tuch⸗ enſaßz benen .O. are, ſind ein be⸗ eſetz eine ſie nde 10 subrogare, abrogare, obrogare. In zweifelhaften Fällen befolgt man das ſpätere Geſet in dem Sinne, wo⸗ rin es von dem fruͤheren am wenigſten abweicht. 2) Man hat behauptet, die abrogatio ſowohl als die dero⸗ gatio des Geſetzes durch entgegengeſetztes Gewohnheits Recht ſei nach franzoͤſiſchem Recht nie zuläſſig. Einen beſtimmten Beweiß des Gegentheils liefert ein Gutachten des Staats⸗ raths vom 13 November 1805,(Siehe mein Journal fuͤr Geſetzkunde und Rechts Gelehrſamkeit, 2ter Jahrgang 2ter Band, S. 439), worin es ausdruͤcklich heißt: attendu Pespece de désuétude, ou la prohibition dont il sagie eit tombée. Doch muß das Gewohnheits Recht, um einem geſchriebenen Geſetze opponirt zu werden, allge⸗ mein ſein; eine coutume locale kann nie einem Ge⸗ ſetz derogiren, weil nicht vermuthet werden kann, daß ſie zur Kenntniß des Geſetzgebers gelangt ſei, und daher keine ſtilſchweigende Einwilligung von ſeiner Seite unterſtellt werden kann. 4) Man theilt die Geſetze ferner in einheimiſche und re⸗ zipirte ein. In Frankreich hät man heut zu Tage kein rezipirtes Recht mehr. Man ſehe, was wir weiter unten uͤber die Kraft der roͤmiſchen Geſetze bemerken werden. §. 10. Die Gerechtigkeit iſt der unabänderliche und feſte Wil⸗ le, jedem die ihm gebuͤhrende Rechte zuzutheilen und zu handhaben. Voet, L.1. C. 1. 96 et7. Thlbant S.. P. 55 4) Nur beiläuſig erwaͤhnen wir der heut zu Tage ganz unprakti⸗ ſchen Eintheilungen der Gerechtigkeit x) in allgemeine und 20 — — beſondere, 2) abſolute(commutativa) und ver⸗ haͤltnißmaſſige(distributiva), 3) innere, Ettributrix) und aͤuſſere(expletrix), von welchen man die lezte, wie manche irrig thun, mit der zweiten nicht verwechſeln darf. 2) Die Gerichts Behoͤrden ſind das Organ dieſer Gerechtigkeit, mit der Gewalt bekleidet, den Vollzug ihrer Entſcheidungen durch äuſſeren Zwang zu verſichern. — Won den verſchiedenen Geſetzgebungen, welche bis zur Verkuͤndigung des Kodey Napoleon in 6 Frankreich beſtanden haben. 5 1. RechtsGeſchichte nennt man die Geſchichte des Ur⸗ ſprungs einer poſitiven Geſetzgebung, und der Veraͤnde⸗ rungen, welche ſie in der Folge der Zeit erlitten hat. Die Rechts Geſchichte erſtreckt ſich entweder auf die Rech⸗ te aller Nationen(historia J. universalis), oder ſie be⸗ ſchränkt ſich auf die Geſetzgebung eines einzigen Volkes, (H. J. particularis), und zwar begreift ſie alsdann alle Zweige der Geſetzgebung(generalis) oder nur einen Theil derſelben(specialis). Sie wird in die äuſſere einge⸗ theilt, welche uns die chronologiſche Folge der Geſetze mittheilt, und in die innere, welche uns zeigt, wie die RechtsInſtitutionen eine aus der andern entſtanden ſind, welche Veränderungen, und aus welchen urſachen, ſie nach und nach erlitten haben. 1) um eine franzöſiſche RechtsGeſchichte zu liefern, ——— 21 fehlte es mir an Zeit, an Raum, und zum Theil an Hälfs⸗ ver⸗ 6 Mitteln. Da ich aber in der Folge mich oft auf die ältere tit, franzöſiſche Geſetzgebung zu beziehen gezwungen bin, glaubte hſen ich wenigſtens in einigen Paragraphen die HauptRevoluzio⸗ nen, welche das franzöſiſche Recht erlitten hat, durchgehen zu ieit, muͤſſen. 5 ungen 2) Ueber die uͤberhaupt noch wenig bearbeitete franzoſiſche Rechts⸗ Geſchichte ziehe man folgende Werke zu Rathe: 3 Abrègé chronologique de lhistoire de France, par le prẽsident Nonault. Paris, Sdition de 1305, en 5 bis vol. in 8vo. nin Summa historis Gallo- Franciæ civilis et sacræ, edita à Jo. Mich. Lorenz. Argentorati⸗ PTreuttel, 1790— 1793 4 vol, 55. Ftat de la France, dans lequel on voit tout ce qui 1 regarde le gouvernement ete. ete extrait des mémoires K dressés par les intendants du royaume par ordre de di Louis XIV, avec des mémoires historiques sur „ l'ancien gouvernement, ſusqu'à Hugues Capet, par 6 le comte de Boulainviliers, Londres, Wood et e, Palmer, 1727„ 2 vol. in fol. Fome Z. ème * 5 — dos anciens parlements de France ou états gens- 6 raux du royaume, Londres Brindley 17371 6 Quel fut l'état des personnes en F rance sous la pre- miore et la Seconde race de nos rois, par l'abbé* de Goret, Paris, édition de 1739 in Bvo. Fssai sur la noblesse de Frauce, avec des notes his- chen toriques,(par Tabary) Amsterd.(Paris), 1732 1 vol. in 12. 22 Lettres sur l'origine de la noblesse en France par k l'abbs Mignot de Buss), Lyon, 1763, 1 vol. in 12. 3 De Pucibus et Comitibus provineilibus Galliæ, libri k tres. Accessit de origine et statu keudoruim, pro . 5.. moribus Galliæ, liber singularis, aut. Ant. YMadino Aleserra. Tolosce, 1643„ 1 vol. in ₰. Histoire de la pairie de France et du parlement de Paris, par M. D. B.„Londres, Nading, 1745. 2 vol. in 12. Les quatre äges de la pairie de France, par S. V. Zemganno(Goeamann), Maestrecht, 1775, 2 vol. in 8.. Traité de l'origine du gouvernement Frangais, par Garnier, Paris 1765, 1 vol. in 12. Variations de la monarchie Frangaise dans son gou- vernement politique, civil et militaire, par Gautier 1 de Fibert. Paris, 1765 4 vol. in to. Observations sur l'histoire de France, par l'abbé de Mach. Paris, édition de 1788, 6 vol. in 12. Des états genéraux et autres assemblées nationales, Haye Paris). Buiston, 1788, 1789, 18 vol. in Zvo. Forme générale et particulière de la convocation et de la tenue des états généraux de France„justiſiée par pisces authentiques, Paris, SHamoi, 1769,( 3 vol. in 3vo. Recueil de pisces originales et authentiques concer- nant la tenue des õtats gẽnsraux, ibid. 9 vol. in Bvo. 3 ibri pro dino tde 45. 0l. ar ler et e 9 23 Recueil des cahiers généraux des trois ordres aun états généraux d'Orléans 1560, Blois 1576. Blois 1588, Paris 1614. Paris ibid. 1789, 4 vol. in Bvo. Histoire abrégée du droit Frangais, par Feury. Elle est imprimée en téte de linstitution au droit Fran- gais, par Argou, Paris, Cdition de 1774„ 2 vol. in 12. Historiae Juris Gallicani epitome, autore J. Mart. Filberrudio., Argentorati Bauer 1765 in 8vd. Recherches pour servir à l'histoire du droit Frangais par Grosley, avocat à Troyes, 1752„ 1vol. in 12 Analyse historique des prineipes du droit trangais, (par Duchesne). Paris 1757 1 vol. in 12. De la Monarchie frangaise ou de ses lois, par P. Chabrit, Bouillon, 1783, 2 vol⸗ in Bvo. 1 Essais sur les révolutions du droit frangais, pour servir d'introduction à l'étude de ce droit, par Ber- nardi, Paris, Servière 1785„ 1 vol. in 8vo. Essai sur Thustoire des bourgeoisies du roi, des seig- neurs et des villes, ou exposition abrégée des chan- gements survenus dans l'administration de la jus- tice et de la police Sous le gouvernement munici- pol et sous le gouvernemen fCodal, par Droz. Besangon, Daclin, 1760 in 8vo. Origine des dignités et magistrats de France, par Claude Fnuchet, Paris⸗ 1600, 1601, in 8vo. Histoire du Conseil du Roi, depuis le commence- ment de la monarchie jusqu'à la fin du rögne de 24 PLouis-leGrand, par Guillard, Paris, 1715, in 4to. Memoires de P. de Minaumont, sur l'origine er in- stitution des cours souveraines et justices royales, Paris, 1612, in Bvo. Treize livres des parlemens de France, pay Bernard de la Noche- Vavin, Bordeaux, 1617, in fol, Genève. 1621, in to. Lettres historiques sur les parlemens, les P les Lois fondambntales du Royaume,(par le Paige) MAmsterd.(Paris), 1734. 2 part. en 1 vol. in 12. Code des Parlements, ou collection d'edits, dẽclara- tions, eto. donnẽs sur la réformation de la justice depuis decembre 1770 jusques et oompris dẽ bre 1771; Paris, 1772, 1vol. in gvo. Recueil des réclamations, remontrances, Cem- etc. des Parlements, contre l'édit de 1770, Londres, 1773. a vol. Bvo. Liber Legis Salicæ ſet] Glossarium seu interpretatio rerum et verborum obscuriorum qude in ea lege habentur: ex Bibliotheca Fr. Pithoei, jurisconsulti. Paris, Noze, 1602, in Bvo. Leges Salicæ illustratæ: illarum natale solum demon- stratum, cum Glossario salico vocum atualicarum, auctore Gottofredo Mendelino, Antuerp.„ More- tus, 1649, in fol. Capitularia regum Francorum: accedunt Marculfi et aliorum formulæ veteres, virorum, edente Steph. Baluæio. Parisiis, 1677, 2 airs et et notæ doctissimorum hi ) . 8 e5 3 n⸗ n, e⸗ t vol' in fol⸗— Rursus edita a P. de Cniae Peum quibusdam augmentis]. hais. äb. 2 vet. in ſot. 3 Histoire dẽs Caßitulaires des vis Frangais dé la bre- midre et de 1a heconde race, pübliés par de CMno. Paris, Benoit Morin, 75. Pable chronologique contenant un recueil en abrepe des Ordonnances, édits, déclarations et kettte pæ tentes des rois de France, qu concernent la jast ce, la police et les Knances; par Guillaunis Bnh- chard, avocat au parlement. Pes. S de S⸗ 1637, 1bl. in 4t0. 2 n Compilation chronologiqus des Ordomances des röis de France; par Guillaume St. Piz 7i 5 2 vol. in fol. Ordonnanees des rois de Franbe ds la troisièms ride, recueillies par ordre chronoloiqus. avec des ren- vois des unes aux autres, des sommaires, des“ ob⸗ servations sur le texte, et tables. Pätis⸗ im- primierie royals. 1 vol. Recueil d'édits et ordonnances royaux, de P. Nhn et Etienne Girærd, augmenté d'un très-grand nom- bre d'ordonnances, et de quantité de notes, con- kérences et commentaires, par de Lauriere et de Ferriere, Paris 1720, 2 vol. in fol. Code Louis XV, ou Recueil des principaux&dits, déclarations, etc. depuis le 29 septembre 1722, jusqu' au mois de novembre 1740, Paris, Girard 1758 et suiv. 12 vol. in 12. 26 Institutes coutumières, par Loltel, avee des notes par Calines, Paris 1646, in gro.— 1665„ in 3. — Revues par Cl. Johy, Paris, 1679, in 12. Les mẽmes avec un commentaire sur le premier livre, par Fr. de Launai, Paris, Ant. Warin, 1688% in gvo. Institutes coutumières de Loisel, avec les notes de Lauriere, Paris, 1710, 1768, 1774 2 vol. in 12. — Ibid. 1783, 2 vol. in 12. zel institution coutumiére qui eontient règles du droit coutumier fondses Sur les dispositions des Soutumes de France. et sur Fusage 6tabli par les arréts, par ci. de Ferriere, Paris 1692% 2 vol. in 12.— et 1702, 3yol. in 12. Les coutumes considérses comme lois de la nation. dans son origine et dans son état naturel, par P. G. M. Paris, Merigot, 1733 1 vol. in 8vo. Anciennes lois des Frangais, conservées dans les cou- tumes Anglaises, recueillies par Litileion, avec des observations historitques et eritiques, eto. par Houart, avocat à Dieppe. Rouen, Lallemand 8 1766, 2 vol. in ₰to. Traité sur les coutumes Anglo..„par Eouart, Paris 1776% 2 vol. in 3to. Assises de J érusalem, publices par la 2—— Bourges 1690, 2 vol. in kol. Le grand coutumier de France 2 publis par Carondas le Caron, Paris 1598, in to. Bibliothöéque des coutumes, contenant la prẽface d'un nouveau eoutumier général, une liste historique 27 des coutumiers généraux, une liste alphabétique 4des Textes et Commentaires de coutumes, usan- Nees etc. avec quelques obuei vntiòns historiques; le texte des anciennes coutumes de Bourbonnois, avet le procès-verbal, donné sur le manuscript, le texte des nouvelles coutumes de Bourbonnois, cor- rigé sur Poriginal, avec les apostilles de Mumou- lin, et son commentaire posthume, quatre consul- tations du mẽme auteur, par Berroyer et de Tau- viere, Paris 1699, in zto⸗ Tableau des commertateurs des coutumes; et des ar⸗ restographes, avec des remarques historiques er eurieuses, par Bruneau dans Son traité des crises, Paris 1686, in 12. Soutumier genẽral, Paris, 1517, 1519, 1840. 1548. in Fol. Coutumes gntrales et particulieres du royaume de France et des Gaules, Paris 1567— 1361, Dupuys. — 1604.— Cl. Sonnius, 1635— 2 vol. in fol. Coutumier général, par Vourdot de K ielebourg, Paris 1724* 8 tom. in fol. Souvent il est relié en ₰ vol. Conférence des coutumes de France, par P. Guenoys Paris, Chaudière, 1396, in fol. Man ſehe ferner die fuͤr die Rechts Geſchichte ſo wichtige Terte der einzelnen coutumes, deren verſchiedene Ausgaben man, ſo wie eine ausfuͤhrlichere Nachweiſung der Quellen der franzöſiſchen Rechtsgeſchichte in der: Bibliothoque chöisie des livres de droit, par Camus, Garde des 28 archives nationales[Zeme édit., Paris 1805, 2 vol. in 8vo] finden kann. 3) Man darf die RechtsGeſchichte im Allgemeinen und ſelbſt denjenigen Theil derſelben, der die Geſchichte der wiſſenſchaftlichen Bearbeitungen des Rech⸗ tes umfaßt, nicht mit der Geſchichte der Litteratur des Rechtes vermiſchen, die noch auſſerdem die Geſchichte der heruͤhmteſten Rechts Gelehrten und die juriſtiſche Biblio⸗ graphie begreift. 6 §. 2. Es laſſen ſich in der franzöſiſchen Rechtsgeſchiche fuglich ſolgende acht Perioden annehmen: Das urſprungliche Recht der Gallier. Die erſte Einfuhrung des römiſchen Rechtes in Gal⸗ lien. Die Einführung des Rechtes der Barbaren, insbeſon⸗ dere der Franken. Das franzoſiſche Recht unter den der er⸗ ſten Dynaſtieen. Die Wieder Einfuͤhrung des römiſchen Reches und die ſchriſtliche Abfaſſung der Gewohnheits Rechte. Die Geſetzgebung Ludwigs XIV. Die Revolutions Geſetz. Die Geſetzgebung Napbleons. Erſtes Fapyitel. Von dem urſprunglichen Rechte der Galter. S ueber das eb welches vor der ieüenbh Gaſiens durch die Römer daſelbſt gebraͤuchlich war, haben uns . nd ur hte ion 1 29 Cäſar und Tacitus nur unvollſtaͤndige Nachrichten hinterlaſſen. Von einer geſchribenen Getetzgebung iſt keine Spur uͤbrig, auch ſcheint es nicht, als ob jemals eine ſolche vorhanden geweſen ſei⸗ In Gallien theilten ſich unabhängige Völkerſchaften, die jedoch einerlei Sitten und Gehrauche hatten; auch war im Norden der Einfluß der benachbarten germaniſchen Völkerſtämme bemerkbar. Ohngeachtet der übrige Theil Galliens in der Kultur verhãltnißmãſſig groͤſſere Fortſchritte gemacht hatte, wa⸗ ren doch die vurgerliche Verhältniſſe noch höchſt ein⸗ ſach, und die Klagen meiſtens perſönlich. Ueber die Erbfolge wiſſen wir ſehr wemg; die roͤmiſche Teſtamente ſcheinen nicht bekannt geweſen zu ſein. Die eheliche und väterliche Gewalt war ſehr ausgedehnt, und zwiſchen den Ehegatten eine Gemeinſchaft der Güter üblich. Ritter und Druiden theilten ſich in die verſchiedenen Zweige der Regierung, Tafcus, de situ, moribus et populis Germanie, Julius Cæsar comment. de bello Gallico. Liv. VI. 1) Eigentlich unterſchied man in Gallien vier Klaſſen von Einwohnern: die Ritter, die Druiden, das Volk und die Sclaven; denn ohngeachtet Cäſar verſichert, das ganze Volk habe in der Bebrockung gelebt, ſo unterſcheidet er doch die Maſſe der Einwohner von denen, die ſich formlich der Scla edi hingegeben hatten. 2) Die Druiden ſtanden zugleich dem Gottesdienſt, der Civil⸗ und KriminalJuſtizPflege, und der oͤffentlichen Erziehung vor. Sie ſprachen gegen diejenige, welche ſich ihren Aus⸗ ſpruͤchen nicht unterwarfen oder entziehen wollten, eine In⸗ terdiktion aus, die einige Aehnlichkeit mit dem buͤrger⸗ 30 lichen Tode hatte. Das Anſehen derſelben war ſo groß, daß jedermann vor dem die Flucht nahm, der mit dieſer Interdiktion belegt war. Sie waren von Kriegs⸗ Dienſten befreit und zahlten keinen Tribut. 3) Die Ritter fuhrten die Kriege, welche unter ſo vielen un⸗ abhaͤngigen Völkerſchaften nie aufhoͤrten. Sie waren im⸗ mer von einem Gefolge von KriegsLeuten und Klienten umringt und hielten das Volk in der Unterwuͤrfigkeit. Krieg und Frieden, offentliche und Privatwiſtigkeiten wurden in öffentlichen Verſammlungen geſchlichtet. 3 weites Kapitel. Pon der erſten Einfuͤhrung des romiſchen Rechtes in Gallien. . 5. 14. Das Recht, welches die Römer vor und unter Caͤſar nach Gallien brachten, war offenbar nicht das Recht Juſtinians, deſſen Sammlungen erſt lange nach den Einfällen der Barbaren in Gallien erſchienen; allein es ſcheint, daß auch ſelbſt der Theodoſtaniſche Kodex daſelbſt wenig bekannt geworden iſt, weil ſchon im Jahr 4o6, alſo 32 Jahre vor deſſen Verkuͤndigung, die Einfälle der Barbaren ihren Anfang nahmen, und ſeitdem faſt oh⸗ ne Unterbrechung fortwährten. Schon ſeit 430 befand ſich ein Theil der nördlichen Provinzen in den Haͤnden der Fran⸗ ken, und ſeit dieſer Zeit nahm die Herrſchaft der Römer mit jedem Tage ab, bis 486 die Schlacht von Soiſſo ns der⸗ ſelben ganzlich ein Ende machte. Das Recht, welches waͤh⸗ tend dem Aufenthalt der Roͤmer in Gallien(10o0— ʒo Jahre vor Chriſti Geb. bis 436 nach Chr. Geb) von dieſen dahin verpflanzt ward, war daher kein anderes als das Praͤtoriſche und das Civil Recht, das ſich in den Buͤchern der Rechts⸗ b „† 31 Gelehrten befand, wozu ſpäterhin noch die Konſtiturionen hinzukamen, die in den Sammlungen Gregortans und Hermogenians enthalten ſind. Ueber die Einfälle der Varbaren in Gallien im fuͤnften Jahrhun⸗ dert, ſiehe Kochs: Tableau des revolutions de l'Europe de- puis le bouleversement de l'Fanpire romain en Oecident, jus- qu'a nos jours. Paris 1307, I.er vol, pag. 2 et suiv. 5. 15. Es iſt keinem Zweifel unterworfen, daß das römi⸗ ſche Recht das gemeine Recht des größten Thei⸗ les von Gallien ward, und das alte NationalRecht der Gallier durchaus verdraͤngte. Nur die nördlichen, an Germanien angränzende, Provinzen allein, deren Erobe⸗ rung erſt durch Cäſar vollendet ward, und welche größ⸗ tentheils von Voͤlkerſtämmen germaniſchen Urſprungs be⸗ wohnt waren, ſcheinen ihre Herkommen und ihr Gewohn⸗ heits Recht, jeboch mit den Modifikationen, die der Ver⸗ kehr mit den Römern, das Anſehen der römiſchen Geſetz⸗ gebung„ und die Fortſchritte in der Kultur bal beibehalten zu haben. Argou, Histoire du droit francais, pag. 5. 2) So wie die Roͤmer, waͤhrend ſie alle übrige ſelbſtſtän⸗ dige Völker als Barbaren verachteten, in den Griechen auch nach ihrer Unterwerfung ihre Lehrer in den Kuͤnſten und Wiſſenſchaften ehrten, ſo bewunderten auch die Einwohner der von den Roͤmern eroberten Provinzen die Sitten, die Gebrauche und Geſetze dieſer lezten. Wenn ſchon bei uͤbri⸗ gens gleichen Umſtänden, und wenn beide auf einer gleichen Stufe der Jultur ſtehen, der Beſiegte die Sprache und Geſetzgebung des Siegers anzunehmen pflegt, ſo mußte dies Reſaltat um ſo mehr in Gallien eintreten, wo die Ueberle⸗ 32 genheit des Siegers noch durch die politiſche Tendenz der Re⸗ gierung, die romiſche Verfaſſung und Geſetzgebung allen eroberten Provinzen aufzudringen, unterſtuͤzt ward. 2) Fuͤnf Jahrhunderte ſind mehr als hinlaͤnglich, um unter ſolchen Umſtänden die Sitten und Geſetzgebung eines Vol⸗ kes zu verändern. Eine Menge romiſcher Familien ließ ſich in Gallien nieder, und die Nachbarſchaft des Mutterlandes veranlaßte häufige Verbindungen zwiſchen den Romern und⸗ Galliern. Die Sitten der lezten verfeinerten ſich, die geſell⸗ ſchaftliche Verhaͤltniſſe wurden vervielfältigt, und da das alte Gewohnheits Recht nicht hinreichte, um ſie zu reguliren, ſo richtete man ſich natärlich nach dem, durch die Weisheit ſeiner Verfuͤgungen hochberkhmten, Rechte des Siegers. Die romiſche Kaiſer ſelbſt brachten, vorzuglich im 4ten Jahr⸗ hundert, bald kuͤrzere bald längere Zeit in Gallien zu(Max⸗ imilian, Conſtanz, Julian). Einen weitern Be⸗ weis für die Verbreitung der römiſchen Sitten liefern die lateiniſche Schriften galliſcher Schtiftſteller uſonius, Salvianus, Sidonius), die lateiniſche Namen der Gallier, vorzuglich der Biſchoͤffe, die der Flecken und Ortſchaften(Latiniacus ager, woher Lagny, Petricia- nus, woher Percy, Sabinianus woher S avigny) endlich die Menge lateiniſcher Worte, welche in die fran⸗ zöſiſche Sprache aufgenommen worden ſind. 3) Es fehlt auch nicht an poſitiven hiſtoriſchen Beweiſen, daß das roͤmiſche Recht faſt in ganz Gallien als gemeines Recht rezipirt war. Einer der vier Prätoren des Praͤtoriums hatte daſelbſt ſeine Reſidenz, und die Ueberſchriften mehrerer im Juſtinianeiſchen Koder enthaltener Geſetze be⸗ weiſen, daß ſie fuͤr die Gallier erlaſſen worden ſind. 33 Re 4) Weit eher wäre es daher zu bewundern, daß ſich im llen nördlichen Theile des Landes das alte National Recht wenig⸗ ſtens zum Theil erhalten haben ſoll, wenn die Geſchichte utr 3 uns nicht die Aufloͤſung dieſes Problems lieferte. Die ſud⸗ Pol liche Provinzen, welche ſich fruͤher den roͤmiſchen Waffen un⸗ zſch terwarfen und bereits vorhin in nachbarſchaftlichen Verhaͤlt⸗ ndez niſſen mit Italien geſtanden hatten, nahmen auch das römi⸗ ſche Recht mit den roͤmiſchen Sitten ohne Widerſpruch an. eſl⸗ Mehr Widerſtand fand Caͤſar bei Eroberung der noͤrdlichen, s an Deutſchland angraͤnzenden, Provinzen, und kaum war 6 er damit zu Stande gekommen, als er ſich genoͤthigt ſah, zit die Armee wegzuziehen, und nach Italien zu fuͤhren. Es 3 waͤre daher der Klugheit wenig angemeſſen geweſen, dieſen unkultivirten Volkerſtäͤmmen allſobald eine fremde Geſetzge⸗ . bung aufzudringen. Manche Beweggruͤnde vereinigten ſich e nachher, um dieſe Provinzen mit Schonung zu behandeln, um ſo mehr, da man immer befuͤrchten mußte, daß ſie im , Fall eines Aufſtandes ihre Nachbarn jenſeits des Rheins zu . Huͤlfe rufen möchten. Wenn daher auch das urſpruͤngliche 65 Recht dieſer Gegenden durch den Verkehr mit den roͤmiſchen 6ö Beamten und HandelsLeuten, durch die Anſiedlung römiſcher i Familien und die Einfuͤhrung der chriſtlichen Religion, de⸗ uy ren Prieſter ſich um die Verbreitung des von chriſtlichen Kai⸗ ſern erlaſſenen oder beſtätigten römiſchen Rechtes bemuͤhten, ſehr modifizirt worden iſt, ſo ſcheint es doch durch dieſes lezte da nicht, wie in dem ſuͤdlichen Theile Galliens, bis auf die ines lezte Spur vertilgt worden zu ſein. So ſcheint ſich z. B. die Guͤter Gemeinſchaft unter Ehegatten waͤhrend der Herrſchaft ſten der Roͤmer unter den Landes Einwohnern beſtäͤndig erhalten be⸗ zu haben. 3 34 „ 8) Dieſer Umſtand iſt von groſſem Einfluß auf die franzoſi⸗ i ſche RechtsGeſchichte. Den Barbaren war es, wie wir ʒgi ſehen werden, wenig darum zu thun, ihre Geſetze den Lan⸗ mdi des Einwohnern aufzudringen. Sowohl unter ihnen als ſpä⸗ an terhin, wo faſt jede Spur von geſchriebenen Geſetzen ver⸗ iſn lohren gieng, behielt daher jede Provinz zum Theil ihr eigen⸗ Syn thuͤmliches Gewohnheits Recht bei, und bei der WiederAuf⸗ vi lebung des roͤmiſchen Rechtes ward dieſes nur in denjenigen re⸗ gef zipirt, deren Gebräuche mit demſelben aus der Urſache über⸗ zu einſtimmend waren, weil ſie ſich aus den Zeiten der Herr⸗ ße ſchaft des alten roͤmiſchen Rechtes herſchrieben. Diejenige diů hingegen, welche dieſes nie oder nur Theilweiſe angenom⸗ un, men hatten, verweigerten ihm auch nachher die Aufnahme, p, oder nahmen es nur Theilweiſe und, in ſo weit es ihren v Gewohnheits Rechten nicht widerſtrebte, an; woher die Ein⸗ qu theilung in Provinzen des geſchriebenen Rech⸗ tes und Provinzen der GewohnheitsRechte (pays coutumiers) entſprungen iſt, die ſich bis zur Ein⸗ fuͤhrung des Coder Napoleon erhalten und auf die Abfaſſung dieſes lezten einen bedeutenden Einfluß gehabt t hat. 6 Drittes Kapitel. Von den Rechten der Barbaren im Allgemeinen, und der Franken insbeſondere. §. 16. Auch die Barbaren hatten im Augenblick ihrer Einfälle in Gallien noch keine geſchriebene Geſetzgebung, ſondern jeder Völkerſtamm ſeine eigene Gebraͤuche und Gewohn⸗ heits Rechte. Dieſe waren eiufach, roh, der LebensArt n und den einzigen Beſchäftigungen dieſer Horden, Jagd et füle dern ohn⸗ An a9 „— 52 und Fiſcherei, entſprechend. Nachdem ſie jedoch durch die gaͤnzliche Vertreibung der Roͤmer aus Gallien(386), und die Gründung der Königreiche der Franken, der Weſt⸗ gothen und der Burgunder, ihre Macht befeſtigt hatten, lieſſen ſie dieſe Gebraͤuche und Herkommen in lateiniſcher Sprache niederſchreiben. Die Sammlung derſelben, welche wir noch heut zu Tage beſitzen, enchaͤlt die Geſetze der Weſtgothen, ein Edikt Theodorichs, Königs von Italien, die Geſetze der Burgunder, das ſaliſche Geſetz oder das Geſetz der ſaliſchen Franken, die Geſetze der ripuariſchen Franken, die der Aleman⸗ nen, der Bayern, der Sachſen, der Frießlaͤn⸗ der, der Longobarden, endlich die Kapitularien Karls des Großen und die Konſtitutionen der Könige von Reapel und Sizilien. Frid. Lindenbrogi? Coden legum antiquarum. Francof. 1514 in fol. 1) Im Jahr 406 nahm unter den Vandalen die groſſe Vol⸗ kerwanderung ihren Anfang, welche den Sturz des römi⸗ ſchen KaiſerReiches beſchleunigte. Dieſes erſtemal kam Gallien mit einem verheerenden Durchzug davon, aber bald darauf fiengen die Weſtgothen an, ſich foͤrmlich daſelbſt niederzulaſſen. Das Reich, welches ſie unter Alarich ſtifteten,(412) begriff auſſer dem größten Theile von Spa⸗ nien alles Land zwiſchen der Loire, der Marne, der Duran⸗ ce, dem Mittelmeer und den Alpen. Toulouſe ward die Hauptſtadt deſſelben. Die Burgunder folgten alsbald dieſem Beiſpiel; ſchon 417 ſetzten ſie ſich in der Schweiz, und am OberRhein feſt, ohngeachtet ſie erſt gegen 456 „ ——.———————————————— 36 ſich im ſequaniſchen, naebonenſiſchen und vien⸗ nenſiſchen Gallien ausbreiteten, und in den Gegenden, welche nachher die Provinzen von Burgund, Lyon, Dau⸗ phins, die Provence jenſeits der Durance, Savoyen, das Waatland, Wallis und die Schweiz bildeten, das König⸗ reich Burgundien gruͤndeten. Auch die Allemannen und die Sueven brachen in den Theil von Gallien ein, den die Roͤmer noch Germania prima nannten, und be⸗ mächtigten ſich des nachherigen Elſaſſes und der RheinPfalz. Entſcheidender als alle dieſe Einfälle waren aber die der Fran⸗ ken gegen das Jahr 430. 2) Schon einigemal hatten die Römer fruͤhere Verſuche der Franken, die bisher zwiſchen dem Rhein, dem Main, der Weſer und der Elbe gehaußt hatten, vereitelt, bis es ihnen zu jener Zeit gelang, ſich dieſſeits des Rheins in dem beſten Theile des belgiſchen Galliens feſtzuſetzen, von wo aus ſie bald bis nach Tournay, Cambrai und Amiens vordrangen. Vergebens ſuchte der Roͤmer Aetius noch immer den Kern des Landes gegen die von allen Seiten an⸗ dringende Horden der Barbaren mit ausdauernder Tapfer⸗ keit zu behaupten; wenn gleich der Einbruch der Hunnen eine augenblickliche Waffenruhe und ſelbſt eine Verbindung der Roömer mit den Franken und Weſtgothen bewirkte, die auch in der That in der Ebene von Chalons an der Marne lnach andern von Mery an der Seine) jenem verheerenden Strome einem Damm ſetzte, (451) ſo brach doch alsbald nach Attilas Abzug der alte ader unter ber Regierung der Soͤhne Clodwichs von neuem aus, und die Schlacht von Soiſſons(486) unter deſſen Enkel, dem Sohn Childerichs, machte der roͤmiſchen 37 itw Herrſchaft auf immer ein Ende. Schon wenige Jahre nachher en, betraf die Allemannen daſſelbe Schickſal wie die Römer. du⸗ Die Schlacht von Zulpich(406) brachte ihre Beſitzungen unter die Obergewalt der Franken, welche aus den Provin⸗ in zen dieſſeits des Rheins(mit Ausſchluß des Elſaſſes) unter ind Clodwich, dem Juͤngern, eine eigne Provinz: der rhei ini⸗ den ſchen Franken, bildeten. d 3) Die Weſtgothen, die Beigune und die Fran⸗ it ken(von welchen leztern man die ſaliſche Franken von den ripuariſchen zu unterſcheiden hat, die ein eigenes Königreich, deſſen Hauptſtadt Kölln war, bildeten, bis dahin der 6lodwich, der Jüngere, alle die Völkerſchaften, die mit der der fränkiſchen Föderation uͤber den Rhein gezogen waren, nen wieder unter ſeine Herrſchaft vereinigte, indem er kurz vor ſen ſeinem Ende Gegen 511) die Königreiche von Koͤlln, Ter⸗ ſie ruane, Mans, Cambray ꝛc. zerſtoͤrte) blieben endlich allein ens Herren von Gallien; von allen im Coder enthaltenen barbari⸗ noch ſchen Geſetgebungen koͤnnen uns daher nur die Wb drei Voͤl⸗ an⸗ kerſchaften intereſſiren. fer⸗„ Nach Tacitus, den man über die Sitten und die Ge⸗ nen ſetzgebung der germaniſchen Völkerſchaften vor dem Zuge dung uͤber den Rhein zu Rathe ziehen muß, hatten ſie keine blei⸗ hen vende Wohnſtätte, und keinen andern Reichthum als ihre ons Heerden. Vom Volke gewaͤhlte Fährer ſtanden an der Spi⸗ tu tze der oͤffentlichen Angelegenheiten, aber das Volk ſelbſt ent⸗ , ſchied, in der Verſammlung aller Freien, in Fällen von glte Wichtigkeit. Perſoͤnliche Angriffe, die Theilung der Beute, und Räͤubereien waren der einzige Gegenſtand der Prozeſſe, woruͤber in offenen Verſammlungen, auf die Auſſagen der Zeugen, oder nach dem Ausſchlag der em ſen chen 35 Feuer⸗und WaſſerProbe erkannt ward. Die Gewalt des Mannes und Vaters war noch ausgedehnter wie in Gal⸗ lien; doch endigte die lezte, ſobald der Juͤngling die Laſt der Waffen zu tragen im Stande war: ante hoc domus pars videntur, mox reipublicae, ſagt Tacitus. §. 17. Es war der eigene Charakter dieſer Geſetze, turcht perſoͤnlich und an kein Land gebunden zu ſein, ſo daß die Völkerſchaften, welche von denſelben regiert wurden, allent⸗ halben unter ihrer Herrſchaft ſtanden, nicht aber ſo die ur⸗ ſprͤngliche Bewohner der Gegenden, die ſich ihren Waffen unterworfen hatten; allein ohngeachtet das fraͤnkiſche Ge⸗ ſetz nur für die Franken verbindliche Kraft hatte, ſo verlohr ſich doch der Gebrauch des roͤmiſchen Rechtes in dem Rei⸗ che der Franken durchaus, weil der Vortheile mancherlei damit verkmüpft waren, ſich ihrem Geſetze zu unterwer⸗ fen. Anderſt war es in dem Konigreiche der Weſtgothen; die Gleichheit, womit ihre Geſetzgebung die Sieger und die Beſiegten behandelte, und die laͤngere Herrſchaft des romiſchen Rechtes in dieſen Gegenden, bewahrten es nicht nur vor dem Untergange, ſondern verſchafſten ihm ſogar die Aufnahme in das nothwendig unvollkommene Gewohn⸗ heits Recht des Siegers, indem alle barbariſche Geſetze ſich beinahe auf die Beſtrafung der Verbrechen, hauptſaͤch⸗ lich ſolcher, die mit Gewalt verubt wurden, beſchraͤnkten. Die Strafen beſtanden in Geldbußen, Compoſitionen ge⸗ nannt, als das Vergleichs Quantum, welches demjenigen zuerkannt ward, der den gerichtlichen Weg der erlaubten Selbſ Rache vorzog. Die Geſetze der Weſtgothen und Bur⸗ gunder verhaͤngten auch körperliche Strafen; beinahe in allen aber war die Todesſtrafe fur Staats Verbrecher vorbehalten. d 6 1 lt d Montesquien„ Fsprit des Loix, Liv. KXVIII chap⸗ Gu 1et?. ſt der 1) Die Geſetze, welche in dem Codex legum antiquarum omus enthalten ſind, wurden erſt nach der Eroberung Galliens durch die Eroberer, und unter ihren chriſtlichen Konigen, ab⸗ gefaßt. Allein, obgleich durch den Geiſt des Evangeliums chaus und den Einfluß der römiſchen Kultur gemildert, ſind ſie doch die immer noch charakteriſtiſch genug, vorzůglich die der Franken. Un, a) Wahrſcheinlich iſt die Abfaſſung der Geſetze der ieu⸗ Weſtgothen die älteſte„ wenigſtens ward ihr ffen Reich am erſten begrändet. Eurich war der erſte Ge⸗ bekannte Autor, Leuvigild, und nach ihm oht Chindaſuind und Receſſuind die Reforma⸗ Rei toren derſelben. Da die Geſetze Eurichs nur mit fuͤr die Gothen beſtimmt waren, ließ Alarich wer⸗ durch · den Grafen Gojarich fur die Landes Bewoh⸗ hen; ner eine Kompilation der romiſchen Geſetze veranſtal⸗ und ten, die unter dem Namen ſeines Referendars Anian des. zu Aire in Gaskonien Sob) verkkndigt ward. Die Gloſ⸗ nicht ſen, womit Gojarich dieſe Sammlung begleitete⸗ ogar ſind unter dem Namen Sceintilla als ein eignes ohn⸗ Geſetzbuch bekannt. Als der längere Aufenthalt der ſich Weſtgothen ſie mit den Vorzugen der römiſchen Ge⸗ ſich⸗ ſetzgebung und der Unzulänglichkeit der ihrigen bekannt kten, gemacht hatte, verſchmolz Chindaſuind bei⸗ ge de zuſammen in eine Sammlung, die er in 12 ſgen Bächer nach der Form des Theodoſtaniſchen bten Coder(von dem ſie jedoch in der Ordnung der Ma⸗ But⸗ terien abwich) eintheilte, und fur alle Bewohner des len Reichs ohne Unterſchied der Abkunft verbindlich er⸗ ten. 40 klärte. Auf dem ſechzehnten Konzilium von Toled⸗ 693) ward unter Egica dieſes Geſetzbuch, welches unter denen der Barbaren bei weitem das vollſtän⸗ digſte iſt, nochmals revidirt und beſtätigt. b) Das Geſetz der Burgunder(lex gundebada, loi gombette) ward von ihrem König Gondebald re⸗ formirt und zu Ly on(por) verkundigt. Man hat einige Nachträge zu demſelben, die jedoch nur bis zum Jahr 320 gehen.(Schon 538 ward das Reich der Burgunder von dem anwachſenden fränkiſchen Reiche verſchlungen.) c) Die Geſetzgebung der Franken theilt ſich 1) in die ſaliſche oder das Geſetz der ſaliſchen Franken(deſſen uns bekannte Abfaſſung ſich aus den Zeiten Childeberts und Clotars herſchreibt,) und 2) in das Geſetz der Ripuariſchen Franken(ab⸗ gefaßt auf Befehl Theodorichs, Koͤnig von Auſtraſien), ein. Beide wichen wenig von einan⸗ der ab; von dem ſaliſchen Geſetz ſind zwei ver⸗ ſchiedene Abfaſſungen auf Uns gekommen, die jedoch gleichfalls im Sinne miteinander uͤberein⸗ ſtimmen. 2) Die Geſetze der Franken ſind origineller, rauher, bar⸗ bariſcher als die der Gothen, in welchen der Einfluß der roͤmiſchen Sitten unverkennbar iſt; der Styl der erſten iſt buͤndig, kurz, und durch die Einmiſchung barbariſcher Worte oft unverſtaͤndlich, der der letzten chetoriſch, weitſchweifig, und hochtrabend; das ſaliſche Geſetz erlaubt und beguͤnſtigt die SelbſtRache, das gothiſche ſucht ſie zu verhindern; das erſte behandelt die Landes Einwohner mit Haͤrte, und macht 47 en zwiſchen einem Franken und einem Römer einen für den ech letzten erniedrigenden Unterſchied, das zweite geſtattet dem fün Roͤmer mit dem Gothen gleiche Rechte; der Einfluß des Klerus leuchtet in jeder Verfuͤgung der gothiſchen Geſetz⸗ li gebung vor, in welcher man bereits das ganze Syſtem der dr ſpaniſchen Inquiſition findet. inip 3) Die barbariſche Geſetze waren ſo durchaus perſoͤnlich, daß t520 nicht allein ihre Herrſchaft ſich nicht auf die Beſiegten er⸗ ndn ſtreckte, ſondern daß ſogar bei den Siegern ſelbſt das Kind en) dem Geſetz des Vaters, der Freigelaſſene dem Geſetz ſeines Patrons, die Frau dem ihres Mannes folgte, waͤhrend die hen Wittwe zu dem ihres Volkes zuruͤckkehrte. Den Grund da⸗ ſch von hat man in dem Urſprung der fraͤnkiſchen Föderation rs zu ſuchen, die nichts als eine Vereinigung unabhängiger Völkerſchaften zur gemeinſchaftlichen Vertheidigung gegen die lb⸗ Roͤmer war, deren jede ihre eigene Gebräuche beibehielt. von Demohngeachtet mußte ſich das römiſche Recht bald gänzlich an⸗ verlieren, weil es mit allzugroſſem Nachtheile verknuͤpft war, vet⸗ unter ſeiner Herrſchaft zu ſtehen, und es jedem frei ſtand, di ſich unter die eine oder die andere Geſetzgebung zu begeben. Da in⸗ aber das ſaliſche Geſetz nur fuͤr die wenigſte geſellſchaftliche Verhaͤltniſſe Vorſchriften enthielt, ſo trat das, nie durchaus ar⸗ verdrängte, alte NationaRecht oder auch neues Gewohn⸗ det heits Recht wieder an die Stelle des roͤmiſchen, welches die ſſt Geiſtlichkeit allem, als von chriſtlichen Kaiſern herruͤhrend, orte beibehielt, weil fuͤr ſie, kraft der beſondern ihr bewilligten ſg, WPrivilegien, jener druͤckende Unterſchied zwiſchen Franken it und Roͤmern nicht gemacht ward. dis 4) Anderſt war es im Reiche der Gothen. Die Einwohner t hatten keinen Grund, ihr ſeit lange einheimiſch gewordenes rö⸗ . 42 miſches Recht zu verlaſſen; der Sieger ſelbſt erkannte die Vorzuge deſſelben an und nahm es in ſeine eigene Geſetzgebung auf. Daſſelbe fand in Burgundien ſtatt; denn ohngeachtet dieſes Koͤnigreich bald zu dem groſſen fraͤnkiſchen Reiche ge⸗ ſchlagen ward, ſo erhielt das ſaliſche Geſetz doch nie ver⸗ bindliche Kraft darinn, wie es aus einem Schreiben zu erſehen iſt, wodurch Ljobard von Ludwig dem Guten deſſen Einfuͤhrung erbittet; das romiſche Recht erhielt ſich daher neben dem burgundiſchen Geſetze„ bis dahin die Fin⸗ ſterniß der folgenden Jahrhunderte beide in Vergeſſenheit begrub. Viertes Kapitelk. Das franzoſiſche Recht unter den Königen der drei erſten Dynaſtieen bis zur WiederEinfuͤhrung des roͤmiſchen Rechtes. Erſter Abſchnitt. Franzdſiſches Recht unter den Konigen der beiden erſten Dynaſtieen. 5. 18. Nachdem die Franken ganz Gallien unter ihrer Herrſchaft vereinigt hatten, gewann ihre Regierung bald eine feſfe⸗ re Geſtalt, und ihre Könige konnten ſich dem Einfluß der römiſchen Sitten nicht ganz entziehen. So nahm Clod⸗ wich von Anaſtas römiſche Wuͤrden an, und die fraͤnkiſche Könige ertheilten deren ihren Begleitern.(duces, comi- tes.) Auch fuhlten ſie bald die Unzulänglichkeit der barbari⸗ ſchen Geſetzgebungen, und ſuchten ſie durch Kapitula⸗ rien, die in der Verſammlung der Franken auf dem Märzfelde erlaſſen wurden, zu ergaͤnzen. Die Verbrei⸗ tung des Chriſtenthums, der Uebergang aus der Sclaverei in die Feudal Verfaſſung, die Vergroͤſſerung und Vermehrung der Stadte, hatten einen bedeutenden Einfluß auf die Geſetz⸗ ſö M! bu ig hie bun chtet e ge⸗ deh nzu ten ſ ßin⸗ theit en en e ei⸗ tei ¹9 43 gebung, bis dahin die Jahrhunderte der Unwiſſenheit und der Barbarei, welche auf die Regierung Karls des Groſſen folgten, ſchier jede Spur geſchriebener Geſetze ver⸗ tilgten. Ohngeachtet keine Verordnung der StaatsGe⸗ walt das Anſehen des römiſchen Rechtes ſchmälerte, ſo ward es doch ſchier nur mehr von der Geiſtlichkeit gehand⸗ habt, und nahm daher die Form an, welche dieſe ihm zu geben fuͤr dienlich fand; und zu Anfang der dritten Dy⸗ naſtie hatte Frankreich, damals mehr wie ein groſſes Lehn als wie ein Königreich regiert, ſchier keine andere Ge⸗ ſetzgebung als einige Kapitularien und hochſt abweichende Gewohnheits Rechte. 1) Die Monarchie der Franken, welche durch die weingng der Allemannen(496), der Burgunder(634), der Oſtgothen 636) und der Weſtgothen(507) mit Ausſchluß von Langue⸗ doc, woraus Pipin der Kurze die Araber erſt in der Hälfte des achten Jahrhunderts verdraͤngte, ganz Gallien und den groͤßten Theil von Deutſchland(Auſtraſien und Neuſtrien) einnahm, kam unter den Nachfolgern des jun⸗ gern Clodwich durch Theilungen und Bürgerkriege bald wieder in Verfall, ſo daß nur die Gewandheit und Klugheit der Major Domus ſie vor dem gänzlichen Untergange rettete, (Pipin von al, S und ihre Macht auf's neve befeſtigte. 2) Bis zu Elotars 11 Lode 628) war die königliche Gewalt als das Erbtheil aller maͤnnlichen Deszendenten des Monar⸗ chen angeſehen und das Reich durch ſtäte Theilungen zer⸗ ſtuͤckelt worden. Allein von dieſer Zeit an bis zum Anfang der dritten Dynaſtie, wo das Recht der Erbfolge mit der Erſtgeburt verknuͤpft ward, bezeichnete das Volk den oder 44 die Nachfolger des jedesmaligen Regenten bei Lebzeiten deſ⸗ ſelben, eine Einrichtung, die zwar dem Uebel nicht gänzlich abhalf, aber doch, nebſt der Gewalt der Major Domus, der gänzlichen Zerſtuckelung des Reichs vorbeugte. 3) Die unter den germaniſchen Voͤlkerſchaften uͤbliche Volks⸗ Verſammlungen unter freiem Himmel, in welchen alle of⸗ fentliche und PrivatAngelegenheiten nach alter Sitte ge⸗ ſchlichtet wurden, und welchen jeder waffenfähige freie Mann beizuwohnen berechtigt war, wurden, bei dem anwachſenden Umfange des Reichs, bald ſeltener und fuͤr wichtigere Gegen⸗ ſtaͤnde aufbehalten. Seit Elodwich fanden ſie jährlich nur ein⸗ mal, erſt am 1 Maͤrz, und als der Gebrauch der Reuterei all⸗ gemein ward, am 1 Mai ſtatt, allein vergebens waren meh⸗ rere Verſuche zu ihrer gaͤnzlichen Abſchaffung. Natürlich, daß ſo wie das Lehnsſyſtem ſich mehr und mehr ausbildete, auch die Zahl der Freien, die Anfangs alle darauf Sitz und Stimme hatten, immer mehr beſchränkt ward, bis endlich einn ariſtokratiſche Cour des Pairs ihre Stelle ſo lange vertrat, bis die koͤnigliche Autorität mit Huͤlfe der Kommu⸗ nen den Sieg uͤber die Vaſallen davon getragen hatte, und dem dritten Stand ſeinen Sitz auf den 6tats genéraux zuruͤckerſtattete. 4) Die in den Verſammlungen auf dem Märzfeld erlaſſene oder verkuͤndigte Verordnungen, ſind unter den Namen Cayitulaires odet placitẽs(von chapitre, plaids) bekannt. Wir beſitzen deren eine groſſe Anzahl, von Childebert an bis zu den Zeiten Karls des Ein⸗ fältigen. Die wichtigſten darunter ſind die Karls des Groſſen,(805) deren Verfuͤgungen ſogar im Auslande rezipirt wurden, und Ludwigs des Guten. Viele 45 w derſelben, welche von geiſtlichen Gegenſtänden handeln, ſind, mi in einer rechtmäſſigen Verſammlung der Biſchoffe erlaſſen und vom Konig genehmigt, wahre Canons. Auch in den Verord nungen weltlichen Inhalts iſt der Einfluß des Cleriſei ſehr ſi ichtbar, und viele derſelben enthalten mehr moraliſche Sen⸗ le i⸗ tenzen als geſetzliche Verfuͤgungen. Die letzte ſind theils 6 Verordnungen von allgemeinem Intereſſe, theils Dekrete i in Nann einzelnen Faͤllen oder zu Gunſten einzeiner Perſonen etlaſfen. nden Auſſer den früheren Sammlungen von 827 und 845 hät man gen⸗ eine vollſtändige von Baluze. Paris 1667, ſiehe S. 2.) ein⸗§) Das ſaliſche Geſetz war zü den Zeiten Kärls des al⸗ Groſſen noch in Kraft, der ſohar eine neue Abfaſſung eh⸗— deſſelben veranſtaltete; ſpäterhin käm es nur mehr in ſoweit h, in Anſchlag) als es die Frauen don der ftanzöſiſchen Krone te, ausſchloß. Man hat beinſelben, in Verbindung mit dem und aufkeimenden Feldäl Syſtem, die Menhe von Fhden und dich innerlichen Kriehen zuzuſchreiben, welche die Jahrhunderte der ange Finſterniß herbeifkhrten, indem die SelbſtRache, die es er⸗ mu⸗ laubte, bald nicht mehr durch perſoͤnlichen Zweikampf, ſondern mit Hlfe der Lehnsträger, Vaſallen und Knechte, durch aut Befehdungen auf offenem Felde und Belagerungen in den Schlöſſern ausgehbt ward. In den Verfügungen, die auf ſene das PrivatRecht Bezug hatten, derogirten die Kapitularien, i als ſpaͤtere Geſetze, dem ſaliſchen Geſetz, bis dahin bie d6) Barbarei, welche nach dem Zeitalter Karls des Groſſen ein⸗ in trat, die eine und das andere in 4 brachte, und 3 ein bloſſes Gewohnheits Recht uͤbrig ließ. pes 6) Bis zu den Zeiten dieſes Monarchen, erhielten ſich noch ſihe Spuren römiſcher Kultur, ſo wie der Einfluß der römiſchen Ge⸗ bie* ſetgebung noch in den Formeln Marculphs erſichtlich iſt; 46 bas Chriſtenthum trug zur Milderung der urſprunglichen Sit⸗ ten der Barbaren bei; das Jeudal Syſtem war noch nicht ausgebildet, und ſo häufig auch öffentliche Kriege waren, ſo waren die PrivatFehden doch weniger allgemein als nachher; auch hatten die Einfaͤlle der Araber auf die Erhaltung der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften einen nicht zu verkennenden Einfluß und die Bemuͤhungen Karls des Groſſen ſetzten der gänzlichen WVertilgung derſelben einen Damm entgegen. Doch war ſchon damals das römiſche Recht beinahe nur mehr der Geiſt⸗ üchkeit bekannt, deren Einfluß natürlich in dem Maaße zunahm, in welchem ihre ausſchließliche Kenntniß der lateiniſchen Spra⸗ che und der geſchriebenen Geſetze, ſo wie der Kunſt zu ſchrei⸗ ben, ihre Huͤlfe nothwendig machte. Ohngeachtet es aus einem Artikel der Kapitularien Karls des Kahlenzu erſehen iſt, daß die Staats Gewalt dem Anſehen des römiſchen Rech⸗ tes keinen Abbruch that„aſo ſtand es doch bei den Geiſt⸗ lichen, clericis, die alle Richterſtuͤhle inne hasn⸗ ihm jede beliebige Form zu geben. 7) Seit den Zeiten von Clodwich fand die Cngein. Ländereien in ſaliſche Lünbeteyen und Wilitär Benefizien in eignes Allodial Gut;, allodia, und beneficia ſtatt, welche letztere der Koͤnig, die Biſchöffe oder Vorſteher der geiſtlichen Körperſchaften, oder auch die geiſtlichen oder weltlichen Eigenthuͤmer, gegen Leiſtung perſoͤnlicher Dienſte oder anderer Abgaben, durch Andere anbauen lieſſen. Dies iſt der erſte Urſprung des Feudalſyſtems, das, aus der Ab⸗ neigung der Freien vor dein Feldbau, als einer ſelaviſchen Arbeit, entſprungen, durch die Sucht der Heerfuͤhrer, auch in Zeiten des Friedehs ein gnzendes Gefolge zu haben, ge⸗ nahrt ward, ſich bald mehr ausbildete, und ſeinen Einfluß 47 Sit⸗ auf alle Recht Verhaͤltniſſe erſtreckte, ohngeachtet dieſe Bene⸗ nicht fizien erſt gegen das Ende der zweiten Dynaſtie erblich wen, und in ſogenannte MannsLehn verwandelt wurden. In hher; dieſen Zeiten, wo eigentlich kein anderes Gebot galt als das inſt⸗ des Stärkern, riß jeder ſo viel an ſich, als er konnte. unh Jeder ſuchte ſich einen Herrn, um gegen den Raub ſeiner chen Nachbarn geſchuͤzt zu ſein, der ſelbſt wieder von einem war Mächtigern gezwungen ward, ſi ch ihm zu unterwerfen, oder eiſt⸗ ſich ihm freiwillig unterwarf, um Schutz gegen Andere zu hn, erhalten. Die Duces oder Gouverneurs der Provinzen, die pre⸗ Comites oder Gouverneurs der Staͤdte, ſo wie jeder, der einige Gewalt in Haͤnden hatte, benutte die Schwaͤche des königl. Anſehens, um ſeine Stelle erblich zu machen, und ſich tei⸗ em ſt eine Art von Landeshoheit(Suzeraineté) und Gerichtsbarkeit ch⸗ anzumaßen. Dies war zugleich der Urſprung des Erba⸗ iſt⸗ dels in Frankreich,(denn noch zu den Zeiten Karls des ihn Groſſen war der Adel perſoͤnlich) und der Hierarchie des Lehnsweſens, wo der Vaſall dem Ritter, der Ritter dem de Grafen, der Graf dem Herzog, der Herzog oder der Kron⸗ ſin WVaſall dem Koͤnig huldigte. iut, 8) Ohngeachtet die Städte erſt in der folgenden Epoche eine be⸗ ſehe ſonders wichtige Rolle ſpielen, ſo fiengen doch ſchon in der ie gegenwärtigen dieſe Vereinigungen der HandelsLeute und inß Handwerker an einem gemeinſchaftüchen Wohnorte an, ei⸗ dis nen groſſen Einfluß auf die Ausbildung der Gewohnheits⸗ ⸗ Rechte zu haben, welche in dieſen zahlreicheren Vereinigungen ſn tiefere Wurzel ſchlugen, als auf dem flachen Lande, das gegen keinerlei Willkuhr Schutz bot. S 2 9) Je mehr das Feudal Syſtem eine feſtere Form ah n deſto mehr mußte das Anſehen der koͤniglichen Gewalt ſinken. Der Koͤnig, der nicht im Stande war, eine Armee zu 48 beſolden, ward von dem guten Willen der KronVaſallen durchaus abhaͤngig. Nur mit der Huͤlfe des einen konnte er ſich der Angriffe des andern erwehren. Noch zu Anfang der Regierung Ludwigs des Dicken(1108), beſtand das eigent⸗ liche Land des Koͤnigs nur aus dem Herzogthum von Frank⸗ reich, das auſſer der Stadt Paris ungefaͤhr dreiſſig Herrſchaf⸗ ten begriff. In den ganzen uͤbrigen Theil des Reiches theilten ſich die KronVaſallen, unter ihnen eine Menge von Lehns⸗ trägern, welche in ihren Pflichten ſtanden, und ihrem Lehns⸗ herren ſogar gegen den Koͤnig ins Feld zu folgen verbunden waren. Und zwar war die königliche Gewalt ſo tief geſun⸗ ken, daß dieſe Jurisprudenz ſogar in den Verordnungen Lud⸗ wigs des Heiligen vom Koͤnige anerkannt ward. 3 weiter Abſchnitt. PVon Hugo Capet c937) bis zu der WiederEinfuͤhrung des romiſchen Rechtes und der erſten Abſaſſung der GewohnheitsRechte. §. 19. Zu Anfang dieſer Periode finden wir Frankreich im Zu⸗ ſtand einer faſt gänzlichen Anarchie. Willkuͤhr und Un⸗ wiſſenheit hatten jede Geſetzgebung verdraängt, ſo wie die Einfälle der Normannen jede Spur von Wiſſenſchaft und Kultur vertilgt. Das erbliche Lehns ſyſtem erſtreckle ſeine Herrſchaft uͤber ganz Frankreich, und hatte die Einfuͤhrung der Gerichtshöfe der Pairs zu Folge: Pairs von Frankreich. Die königliche Gewalt war beinahe ganz vernichtet, und diente nur noch bei auswärtigen und allgemeinen Kriegen als Vereinigungs Punkt; im Innern war der Koͤnig ſelbſt, nicht allein mit Fuͤrſten, ſondern mit einzelnen Edelleuten, in beſtändige Kriege verwickelt. Wer nur ein Raubſchloß befeſtigen konnte, befehdete ſei⸗ nen Rachbar; ſelbſt Viſchöfſe und Mönche zogen zu i ſiln nntt n det eigent runk rſchf heilten Lehnt⸗ Lehn⸗ unden eſun⸗ Lud⸗ ſchen Zu⸗ dUn⸗ e die tund ſeine rung airs ihahe und nnern dern elt. ſü⸗ zu 40 Felde; die Staͤdte und das flache Landwurden auf jede Weiſe gebrandſchatzt. Urſprung der mannichfaltigen Feudal Ab⸗ gaben. Jeder Lehnsherr maßte ſich das Recht an, Geld zu muͤnzen, und ſelbſt oder durch, aus ſeinen Bedienten genommene, Beamten die Juſtiz zu verwalten. Die Cle⸗ riſei allein bewahrte noch einige Tradition des roͤmiſchen Rechtes, vorzuͤglich des kanoniſchen, und benutzte die all⸗ gemeine Verwirrung, welche durch die Theilung des Reichs unter die Soͤhne Karls des Groſſen und die dadurch entſtan⸗ dene Buͤrgerkriege veranlaßt worden war, um deſſen Herr⸗ ſchaft und ihre Jurisdiktion auf weltliche Gegenſtän⸗ de aller Art auszudehnen. Hénault, äbrege de l'histoire de France, I. p. 128, 140. Montes- quieu, esprit des Lois, L. 28. chap 26 et 27. 1) Die beſtaͤndigen Einfaͤlle der Normaͤnner zu Ende des neunten und zu Anfang des zehnten Jahrhunderts hatten die Anar⸗ chie im Reich aufs hoͤchſte gebracht; die Auslagen, welche dieſer hartnaͤckige Krieg verurſachte, vermehrten die Bedruͤ⸗ ckungen des Volkes und die Raͤubereien im Innern. Nichts blieb vor dem Raube verſchont, und die Kloſter ſelbſt muß⸗ ten zu ihrer Vertheidigung die Waffen ergreiffen. Die Städ⸗ te mußten die Oberherrſchaft eines Herrn anerkennen und theuer bezahlen, um ſich gegen die Anfaälle der uͤbrigen Schutz zu erkaufen. Karl der Kahle benahm der königlichen Gewalt ihre lezte Stätze, indem er auf dem Parlament von Chier ſi(877) den Grundſatz der Erblichkeit der Leh⸗ ne förmlich auf alle die ausdehnte, die nicht unmittelbar von der Krone ſondern von weltlichen und geiſtlichen Herren belehnt waren. Seitdem war die Souverainität des Königs 4 1 1 50 nur meht ein leerer Titel, und vielleicht hätte ſich Frank⸗ reich in einen FoͤderativStaat aufgeloͤßt, wenn nicht die Pairs des Reichs ſelbſt in dieſem Vereinigungs Punkt ihren eigenen Vortheil gefunden haͤtten. Wir werden im folgenden Pa⸗ ragraph ſehen, welchen Urſachen das Reich die Wiederher⸗ ſtellung der Ruhe und des koͤniglichen Anſehens zu verdan⸗ ken hatte. Um ſich eine Idee von dem Zuſtande deſſelben unter Hugo Capet zu machen, genuͤgt es zu wiſſen, daß ein Abt von Cluny auf die Einladung des Grafen von Pa⸗ ris Bouchard, einige Geiſtliche nach Maur des Foſ⸗ ſes zu bringen, ſich mit den Gefahren einer ſo langen Reiſe durch fremde und unbekannte Gegenden entſchuldigte. 2) Suger berichtet in der Lebensbeſchreibung Ludwigs 3) Der Urſprung der Pairie oder des Rechtes, von ſeines Glei⸗ des Dicken, daß dieſer Monarch zur Vertheidigung des Abtes von St. Denis gegen Bouchard von Montmorency zu Felde zog, daß er Gournay belagerte und mit Ge⸗ walt einnahm; daß er den Herrn von Puiſet in Beauce aus dem Felde ſchlug und endlich den Herrn von Mont⸗ Lhery, der ſeinen Vater Philipp 1 während ſeiner ganzen Regierung beunruhigt und ihm ſogar einmal die Kom⸗ munikation zwiſchen Paris und Orleans abgeſchnitten hatte, zur Unterwerfung zwang. In dieſelbe Zeit gehoͤren die al⸗ ten Fabeln von den irrenden Rittern, die ſich zur Vertheidi⸗ gung der Schwachen und zum Schutz der Damen an die Kreuzwege lagerten, und das Land durchzogen, um der Un⸗ terdruͤckung zu ſteuern. chen gerichtet zu werden, läͤßt ſich nicht wohl genau beſtim⸗ men, trifft aber wahrſcheinlich mit dem der Erblichkeit der 51 1 Fint Lehne und des Adels zuſammen, und ſie ward zugleich mit dem ePeit Lehnſyſtem ausgebildet. um einen Ritter zu richten, muß⸗ eigenen te der Graf, ſein Lehnsherr, ein Gericht von andern Rit⸗ en Pe tern, von gleichem Range, als derjenige, uͤber welchen das edecher Gericht gehalten ward, zuſammenberufen. Eben ſo war verhin⸗ der Graf der Gerichtsbarkeit ſeines Lehnsherrn(seigneur eſelten suzerain) unterworfen; und ſo wie die Buͤrger in den Städ⸗ tn, di ten bald ihre Pairs des bourgeois hatten, ſo bildeten die on Pe KronVaſallen den Gerichtshof der Pairs von Frank⸗ Foſ reich(cour des pairs), ein Titel, der nachher auf den langen Staatsrath des Koͤnigs, und von dieſem auf das Parlament bigte von Paris uͤbergieng, welches ihn bis zur Revoluzion beibehielt. Auf dem hochſten Gipfel des Anſehens ſtanden die Pairs von i Frankreich vor und unter Philipp Auguſt, ihre Macht 6¹6 gieng aber ſchon mit Karl VII auf die Neige. tency 4) Die Einfuͤhrung der Gerichtshoͤfe der Pairs konnte ubrigens 68 zur Vermeidung der Fehden und PrivatKriege nichts beitra⸗ 8bi gen, indem es jedem, der ſich ihren Ausſpruͤchen nicht un⸗ Ront terwerfen wollte frei ſtand, die Pairs dadurch zum Zwei⸗ kampf herauszufordern, daß man ihr Urtheil fur falſch(taux ſom et mauvais) erklaͤrte. Nur dem, der auf Tod und Leben hu angeklagt war, verſagte man dieſes Recht. Eben ſo konnte di man die Auſſagen der Zeugen zum Voraus fur falſch erklä⸗ ren, und dieſe durften nicht eher abgehoͤrt werden, als bis die an di Parthie, welche die Zeugen vorgebracht hatte, oder der et n Zeuge ſelbſt, dieſen Vorwurf im Kampfe von ſich abge⸗ waͤlzt hatte. Man findet bei Montesquieu(a. a. O.) die Glei ausführtiche Erpoſition dieſer ſonderbaren Jurisprudenz. in⸗ 8) In dieſelbe Zeit faͤllt der Urſprung der unzähligen Abga⸗ * it der 1 52 ben, welche unter den mannichfaltigſten Titeln an die Lehns⸗ herrn entrichtet werden mußten, der Leib⸗und Frohndienſte, der Banngerechtigkeiten, und der Berechtigungen aller Art, welche in jeder Herrſchaft verſchieden und, obgleich durch Sitte und ſpaͤtere Freiheitsbriefe( Siehe S. 63.) gemildert, dennoch auch in ſpäteren Zeiten deutliche Spuren ihres Urſprungs, der Sclaverei und Erniedrigung des dritten Standes, mit ſich fuͤhrten. Niemand befand ſich in einer übleren Lage als die Bewohner des flachen Landes; da kein Edler ſich mit ihnen zu raufen ſchuldig war, ſo mußten ſie ſich den willkuhrlichen Ausſpruchen ihrer Herrn unterwerfen. Dieſe uberlieſſen die JuſtitPflege ihren Bedienten(ſo ſind aus dem maitre drhötel der Senechal, aus den Intendanten unbEinnehmern die Amtleute und Vögte, aus den Knechten die Huiſſiers und sergeans entſprungen), welche die willkuͤhrlichſten und grau⸗ ſamſten Strafen verhaͤngten. Nichts war gewoͤhnlicher, als fuͤr geringfuͤgige Vergehungen die Augen ausſtechen, Hände und Fuͤße abſchneiden zu laſſen, oder ſonſtige Verſtumme⸗ lungen zu verordnen. 6) Während in perſönliche n Strittigkeiten vor den Gerichtehö⸗ fen der Pairs das Schwerdt entſchied, hatte die Cleriſei nach und nach die Entſcheidung ſolcher StreitFragen, die das Eigen⸗ thum betrafen, beinahe ausſchließlich an ſich zu reißen gewußt. Die geiſtlichen Gerichte waren die einzigen, wo noch einige Spur von Geſetzen zu finden war, und zu welchen allein man in verwickelten Fragen ſeine Zuflucht nehmen konnte. Die Geiſtlichkeit benutzte dieſe Umſtaͤnde, um ihre Gerichts⸗ batkeit auszudehnen; unter den Koͤnigen der zweiten Dy⸗ naſtie brachte ſie es dahin, daß die Vorſchrift des Theodo⸗ ſianiſchen Codex, nach welcher, ſobald eine der Partheyen die Sa⸗ — rxr— e Lehnt⸗ ienſte, er Ar, Sit dennoc n95, dr mit ſih als bie ihnen rlichen ſen bi⸗ naitre m die und grau⸗ t, als Hände mme htho⸗ inach gen wuft. einige allein nt ichts⸗ Oy odo⸗ Su che dem Ausſpruch des Biſchoffes zu unterwerfen anbot, die andere gezwungen war, dieſen Antrag einzugehen, wieder in Vollzug geſett ward; die Layen waren durch ihre Unwiſ⸗ ſenheit gezwungen, ſich der Clerici nicht allein zur Auseinan⸗ ſetzung ihrer Anſpruche ſondern auch zur Abfaſſung ihrer Vertrage, ja ſelbſt zur bloſſen Vorleſung ihrer Schriften, zu be⸗ dienen. Das Recht, nach welchem die geiſtlichen Gerichte erkannten, war das kanoniſche, nur wo dieſes ſchwieg zog man das CivilRecht zu Rathe; das eine ſowohl als das an⸗ dere in dem hoͤchſt unvollkommenen und korrumpirten Zu⸗ ſtande, worin es dieſen unwiſſenden Moͤnchen uͤberliefert worden war. §. 20. Gegen das Ende des zwölften Jahrhunderts trafen meh⸗ rere Umſtände zuſammen, um die koͤnigliche Gewalt aufs neue empor zu bringen und zu befeſtigen; und es war eine ihrer erſten Angelegenheiten, der Willkuͤhr der Ju⸗ ſtitz Pflege Schranken zu ſetzen und eine Reform in der Geſetzgebung vorzubereiten. Seitdem der Stamm der Kapetin ger zum Throne gelangt war, war das Recht zur Thronfolge mit der Erſtgeburt in der maͤnnlichen Linie unwiderruflich verbunden, und ſomit die Quelle ſo vieler Familien⸗ und BuͤrgerKriege verſtopft worden; die Könige hatten keine Gelegenheit verſäumt, die Domainen der Krone zu vermehren, und wurden bald in den Stand geſetzt, durch die Unterhaltung beſoldeter Kriegs Leute einen entſcheidenden Schritt zu ihrer Befreiung aus der Abhaängig⸗ teit von den Kron Vaſallen zu thun, ohngeachtet erſt mehrere Jahrhunderte nachher(im Jahr 1445 unter Karl VIIh eine ſtehende Militz(anfangs nur von 6000 Mann errich⸗ 54 tet ward; vorzuͤglich aber unterſtützte ſie in dieſem Be⸗ ſtreben die Entſtehung eines dritten Standes im Staat, der Communen, welche ſich, um ſich der Tyrannei des Adels zu entziehen, dem Könige in die Arme warfen. Von denſelben unterſtuͤtzt, fiel es dieſem leicht, die Ritter der unterſten Klaſſe, die nur von Raub und Beute lebten, zur Ruhe zu bringen. Bald waren ſie nicht mehr im Stande, beſoldete Kriegs Knechte und feſte Schlöſſer zu unterhalten; ſtatt daher ihren Lehnsherrn, wenn er ihnen die Gerechtigkeit verſagte, zu bekriegen, kam der Ge⸗ brauch empor, ihn vor ſeinem eignen Lehnsherrn we⸗ gen verweigerter Gerechtigkeit anzuklagen. Phi⸗ lipp Auguſt that einen groſſen Schritt weiter, in⸗ dem er koͤmgliche Amtleute anſetzte, um die Eingriffe der lehnsherrlichen Gerichte in die königlichen Jurisdiktion zu verhindern, und die Klagen anzuhören, welche gegen ſie vorgekracht wurden; dieſe zogen bald den wichtigſten Theil der JuſtitzPflege an ſich, und ſchon unter Ludwig dem Heiligen finden wir die königliche Gerichtsbarkeit wie⸗ der in allen Theilen des Reichs befeſtigt. 4) Um allen Strittigkeiten uͤber die Thronfolge vorzubeugen, fhrten die Könige der britten Dynaſtie den Gebrauch ein, ihren Erſtgebohrnen noch bei ihren Lebzeiten als Nachfolger kroͤnen zu laſſen. Dieſer Gebrauch erhielt ſich bis dahin, unter Philipp Auguſt, das königliche Anſehen wieder völlig befeſtigt war. 2) Die Vermehrung und Ausdehnung der Staͤdte war eine natuͤrliche Folge des Zuſtandes, worin jeder nur in der Vereinigung mit Andern Schuz gegen Raub und Plͤnde⸗ rung hoffen konnte; und eben ſo natuͤrlich mußte der wach⸗ un Be⸗ Sun, nei des . Vn ter de lebtn, ehr in ſer u ihnen Ge⸗ we⸗ hi „in⸗ e der n zu en ſie igſten udwiz it wi⸗ egen, h ein, chfolger dahin, nidet r eine in der Mnde⸗ wach⸗ 55 ſende Reichthum und Flor der Städte endlich der Willkuhr des getheilten Adels Schranken ſetzen. In dem Streit zwi⸗ ſchen dem Könige und den Edell euten ergriffen die Städte mit Eifer die Vertheidigung des Throns gegen die Anmaſſungen ihrer Bedrucker, und die Könige vernachläͤſſigten es nicht, dieſe mäͤchtige Stätze ihres Anſehens auf jede Weiſe zu befe⸗ ſtigen. Auch eroffnete ſich der Krone eine neue Huͤlfsquelle durch die Summen, womit die Communen den Schutz des Königs und ihre Privilegien bezahlten. Ludwig der Di⸗ che war der erſte, welcher die der in ſeinen Domainen gelege⸗ nen Communen förmlich beſtaͤtigte, und mehrere Kron⸗ Vaſallen folgten bald ſeinem Beiſpiel, um die ihrige zu ver⸗ hindern, ſich dem Konig in die Arme zu werfen. Aber ſchon Ludwig VIII erklärte die Communen unmit⸗ telbar von der Krone abhaͤngig, und behielt ſich allein das Recht bevor, die Bildung ähnlicher Gemeinheiten zu er⸗ lauben. Sein Nachfolger gieng bereits ſo weit, daß er (1254) die Communen, ſo wie den Adel und die Geiſt⸗ lichkeit iber allgemeine Angelegenheiten zu Rath zog. Auf den GeneralStaaten unter Philipp dem Schoͤnen(1303) finden wir ſchon den dritten Stand mit Sitz und Stim⸗ me, und die kraͤftige Sprache, welche er gleich zum erſten⸗ male zur Vertheidigung des Konigs gegen die Anmaſſungen des römiſchen Hofes fuͤhrte, beweißt, daß fein Einfluß nicht gering war. Siehe Henault, a. a. O. S, 271. und Koch 1I. 7. 3) Kaum ſah ſich Philip pAuguſt im Stande, den Anmaſſun⸗ gen des Adels Trotz zu bieten, als er einen entſcheidenden Schritt that, um das Uebel in der Wurzel auszurotten. Seit der Abſchaffung der Wuͤrde der Major Domus ſtand 56 der GrosSenechal an der Spitze der Juſtit Verwaltung. Die Verrichtungen dieſes Beamten waren waͤhrend dem zehn⸗ ten Jahrhundert von geringer Bedeutung, erhielten aber bald durch die Erweiterung der koͤniglichen Domainen eine groͤſſere Ausdehnung. Da der Senechal nicht überall zu⸗ gleich ſein konnte, ward zuerſt ein Theil ſeiner Verrichtun⸗ gen an königliche Beamten(baillife) uͤbertragen, bis dahin mit Thibaud 1, Grafen von Blois(1191) die Wuͤrde als Senechal ganz erloſch. Dieſe Beamten, deren Zahl und An⸗ ſehen in dem Grade, wie die königliche Gewalt ſelbſt, an⸗ wuchs, erhielten den Auftrag die Eingriffe der lehnsherrlichen Gerichts Behoörden in die knigliche Jurisdiktion zu verhin⸗ dern, und ſtellten bald den Grundſatz auf, daß ſobald eine der Partheien erklaͤrte, unter dem Schutze des Königs zu ſtehen, die Sache an die königl. Gerichte verwieſen wer⸗ den muͤſſe, und daß Jedermann„der vor dieſe letzte vor⸗ geladen würde, zu erſcheinen ſchuldig ſei, wäͤre er gleich ih⸗ rer gewohnlichen Gerichtsbarkeit nicht unterworfen. Bald beſtimmten ſie die Fälle, über welche die königliche Gerichte ausſchließlich zu erkennen befugt waren,(cas royaux) und endlich zogen ſie alle Appellationen von den lehnsherrlichen Gerichte vor dieſe. Ludwig der Heilige wieß bereits iedem dieſer Beamten ſeinen eigenen Gerichtsſprengel an, de⸗ ren Einfuͤhrung den Gerichtshofen der Pairs nothwendig groſſen Eintrag that, an deren Stelle nun die unter den Nah⸗ men: Scheffen, Aſſeſſoren, Räthe, prud hommes„hom⸗ mes jugeurs, bekannte untere Juſtit Beamten traten. 4) Der Adel der untern Klaſſe, der ſein Recht nicht mehr mit den Waffen in der Hand ſuchen konnte, war gezwungen, ſich mit ſeinen Beſchwerden an den Lehnsherrn, welchem der ſeinige 57 lun huldigte, zu wenden. Dieſes Verfahren hieß: appel en ihn deni de justice, und gab zu der ſogenannten: Jurispru⸗ 6 dence des assurements Anlaß, kraft welcher der Vorge⸗ i ladene ſich anheiſchig machen mußte, ſeinem Vaſallen, der i die Klage gegen ihn angebracht hatte, bis zur ausgemachten gun Sache keine Unbilde zuzufuͤgen. iehn 5) Die Mächtigſten unter den KronVaſallen waren die Herzo⸗ b ge von Burgund, von der Normandie, von Acquitanien, dAn die Grafen von Flandern, von Toulouſe, von Champagne, die Herzoge von Bretagne, die Grafen von Poitiers, von ichen Bar, von Blois, von Anjou und von Maine, von Alen⸗ hin⸗ gon, von Auvergne, von Angouleme, von Perigord, und eine von Carcaſſone. Die wichtigſten dieſer Provinzen verei⸗ zu nigte Philipp Auguſt mit der Krone, und verſicherte vet⸗ ihren Beſitz durch den glaͤnzenden Sieg von Bonvines(1214) vor⸗ Gegen die vereinigte Macht der Englaͤnder, des Kaiſers und ih⸗ der Grafen von Flandern und Boulogne.) Der Friede von Bah Paris unter Ludwig dem Heiligen befeſtigte die konig⸗ icht⸗ liche Macht. Doch lebten die Herzoge von Burgund im und Jahr 1363 wieder auf und ihre Macht nahm im 13ten Jahr⸗ ichen hundert ſo betrachtlich zu, daß ſie gegen die Haͤlfte deſſelben riitz mit den Koͤnigen von Frankreich rivaliſiren konnten. „de 6) Unter den Ereigniſſen, welche zu Ende jener Periode nicht allein ndi zur Befeſtigung des königlichen Anſehens, ſondern auch zur Rah⸗ Civiliſation von Europa beitrugen, verdienen die Kreuz⸗ ou⸗ zuͤge bemerkt zu werden, welche den Geſchmack zu den freien Kuͤnſten belebten, den Handel ausdehnten, viele un⸗ tden ruhige Vaſallen entfernt hielten, und dem Könige Gelegen⸗ vi heit gaben, die Domainen der Krone durch den Ankauf ih⸗ ne rer verlaſſenen Guͤter zu vermehren. 58 Fuͤnftes Kapitel. Bon der WiederEinfuͤhrung des römiſchen Rechtes an bis zur Regierung Ludwigs XIV. §. 21. Die Regierungen Philipps Auguſts und Lud⸗ wigs des Heiligen ſind auch als die Epoche der Wiedergeburt des franzöſiſchen Rechtes anzuſehen. Richt allein liegt in den Geſetzgebungen dieſer beiden Fuͤrſten, und in ihren Anordnungen in Hinſicht auf die Juſtitz⸗ Pflege, der Keim mehrerer nützlichen Einrichtungen und ſpaͤterer Rechts Inſtitute, ſondern ſchier zu gleicher Zeit kam das Juſtinianeiſche Recht in einem groſſen Theile des Reichs in Aufnahme, und man fieng in den übri⸗ gen Provinzen an, die Gewohnheits Rechte ſchriftlich ab⸗ zufaſſen; auf neuerrichteten Univerſitäten traten öffentliche Lehrer der Jurisprudenz auf, und in den, neuerdings mit praktiſchen Rechts Gelehrten beſetzten, Gerichtshöfen, deren Macht und Anſehen durch die Organiſation der Parla⸗ mente taͤglich zunahm, traten gerichtliche Formen an die Stelle der unzuverläſſigen Ausſpruͤche der Pairs und der noch ungewiſſeren Entſcheidungen durch das Schwerd. 1) Die Epoche der Wiedergeburt des römiſchen Rechtes, deſſen neuere Sammlungen zuerſt durch italiäniſche Doktoren in Frankreich verbreitet wurden, war auſſerordentlich vortheilhaft, ihm daſelbſt eine guͤnſtige Aufnahme zu verſchaffen. Eine Regierung, eine geſetzgebende Gewalt, königl. Gerichtshöfe waren bereits wieder vorhanden, aber noch fehlte es an ge⸗ ſetzlichen Vorſchriften. Ludwig der Heilige ließ nicht allein die Juſtinianeiſche Sammlungen in die Landesſpra⸗ che ubertragen(das Manuſcript dieſer Ueberſetzung befindet ſich noch in der kaiſeri. Bibliothek) ſondern er machte auch * 59 in ſeinen Etabliſſements, einer Art von tranſitoriſchen n Geſetzgebung, die zwar nur kurze Zeit beſtand aber auf das Recht der folgenden Jahrhunderte einen bedeutenden Einfluß hatte, den groͤßten Gebrauch davon. Faſt in die⸗ Lud, ſelbe Zeit fällt die Wiedergeburt oder vielmehr bie ſyſtema⸗ tiſche Abfaſſung des kanoniſchen Rechtes durch das Dekret Nh Gratians(1152) und die Dekretalen Gregors IX in,(238) und die ſyſtematiſche Ordnung des Feudalſyſtems „(nach der gemeinen Meinung) unter Friedrich 1. in 2) In Hinſicht auf dieſe Etabliſſements beſteht die irri⸗ 3 ge Meinung, als ob dieſelbe in ganz Frankreich verbindliche Kraft gehabt hätten, welche ſich auf eine Stelle in der Vor⸗ . rede desjenigen Werkes äber dieſe Geſetzſammlung grundet, ab. das auf uns gekommen iſt, und von vielen fuͤr den Tert 8e ſelbſt gehalten wird. Dieſe Stelle iſt jedoch nur von den⸗ jenigen Provinzen zu verſtehen, pays de l'obeis- sanee-le-roi genannt worden, nicht aber von den ſoge⸗ B genannten pays lors obeissance-le-roi, wie Ludwig n die ſelbſt ſie nennt, in welchen die KronVaſallen noch das Recht d der der Geſetzgebung behaupteten. Auch finden wir, daß, d waͤhrend die Etabliſſements den Gebrauch der gerichtlichen tſn Zweikämpfe in den königlichen Gerichten durchaus unterſag⸗ P ten, ſie ihn dennoch als in den lehnsherrlichen Gerichten lheie fortan üͤblich vorausſetzen; nach und nach verlohr er ſich 6. jedoch auch in dieſen, durch die Macht des Beiſpiels, und iſ die Einführung der Appellation vor die königliche Gerichts⸗ yfeß der Gebrauch, ein Urtheil fuͤr falſch zu erklären: de ſit fausser le jugement, erhielt ſich, allein die Obliegenheit, rn die Wahrheit dieſer Erklärung mit dem Schwerdte zu ver⸗ indt fechten, fiel weg⸗ auch 60 3) Die Etabliſſements(dieſe Benennung der königlichen Verordnungen, die zuvor Kapitularien genannt wur⸗ den, machte bald der von Ordonnanzen Platz) dehnen ſich auf ſchier alle burgerliche Verhaͤltniſſe aus; viele der da⸗ rin enthaltenen Anordnungen haben die Verwaltung der Ju⸗ ſtit Pflege zum Gegenſtand. Alle dieſe Geſetze ſind dunkel, weitlaͤuftig, undeutlich, ein Gemiſch von Gewohnheits Rech⸗ ten und aus dem roͤmiſchen Rechte entlehnter Verfuͤgungen. Allein ſie waren eine Wohlthat fuͤr das Bedurfniß ihres Jahrhunderts; ſie erhoben die RechtsGelehrſamkeit wieder zu dem Rang einer Wiſſenſchaft; ſobald die Kenntniß der Geſetze und der gerichtlichen Formen erforderlich war, um zu Gericht zu ſiten, verließen die Pairs die Gerichtshofe; Amtleute, in der Schule der RechtsGelehrten gebildet, tra⸗ ten an die Spitze der Juſtitzpflege, die ſie allein oder mit Zuziehung von Beiſitzern verwalteten. Es liegt jedoch in der Natur dieſer Geſetzgebung, daß ſie nur den Uebergang zu einer beſſern vorbereiten, und die Regierung ihrer Schop⸗ fer nicht lange uberleben konnte. 4) Das breviarium alaricianum hatte die Herrſchaft des roͤmiſchen Rechtes in einem groſſen Theile des Reichs ver⸗ längert, und als auch dieſes vergeſſen ward, behauptete doch noch ein groſſer Theil ſeiner Verfuͤgungen als Gewohn⸗ heits Recht ſeine Herrſchaft. Kaum ward das Juſtini⸗ aneiſche Recht bekannt, als ganze Provinzen,(das Languedoc, die Provence, Dauphiné und Lyonnois) deren Sitten und Herkommen dieſer Ge⸗ ſetzgebung entſprachen, es freiwillig rezipirten. Es bedurfte zu dem Ende keiner ausdruͤcklichen Verordnung der Staats⸗ Gewalt, denn nicht ſie, ſondern die Unwiſſenheit des Zeit⸗ 61 hn alters allein, hatte die roͤmiſchen Geſetze auſſer Uebung ge⸗ ſetzt; ſo wie dieſe wegfiel, erkannten die Gerichtshoͤfe ſein un Anſehen ohne Widerſpruch wieder an. Und am auffallend⸗ 3 ſten war es, daß der Clerus, der allein wäͤhrend der Anar⸗ r hie einige Spuren davon beibehalten hatte, ſich ſeiner all⸗ uk, gemeinen Einführung obwohl vergebens entgegenſette, weil R das Juſtinianeiſche Recht ſehr von demjenigen abwich, wel⸗ Wn ches bisher in den geiſtlichen Gerichtshoͤfen gehandhabt wor⸗ 3 den war, und nach welchem z. B. jedermann, der verſtor⸗ ieder ben war, ohne der Kirche einen Theil ſeines Vermogens b zu vermachen,(was man mourir deconfes) nannte, der um Kommunion und des Begräbniſſes beraubt ward; ſtarb aber ſe; jemand, ohne ein Teſtament zu hinterlaſſen, ſo mußten die te⸗ Verwandten von dem Biſchoff die Ernennung von Schieds⸗ mit Richtern erwirken, um denjenigen Antheil zu beſtimmen, in den er der Kirche vermacht haben wurde, wenn er ein Te⸗ ang ſtament errichtet häͤtte. Die Macht der Geiſtlichkeit war je⸗ höp⸗ doch in demſelben Maaße geſunken, als das königliche Anſehn geſtiegen war, wie es ſich vorzuglich in der Epoche Philipps des des Schoͤnen zeigte. Der Muth mit welchem er die Freiheit i⸗ der gallikaniſchen Kirche gegen Bonifaz VIII, behauptete, un Erfolg ſeiner Intriguen zur Erwaͤhlung eines franzoſiſchen ohr⸗ Pabſtes, und die Abhängigkeit, in welcher dieſer ſich durch ini⸗ ſeinen Aufenthalt, oder vielmehr ſeine Gefangenſchaft in ( Avignon befand, und von welcher der Prozeß des Tem⸗ und pelordens einen ſo auffallenden Beweiß liefert, mußten, eben ſo 6e wie die Verbreitung der Rechtswiſſenſchaft unter den Layen, n den Einfluß des Clerus ſehr verringern. nt⸗ 8) Dieſelbe Macht der Gewohnheit, welche dem romiſchen Recht in dem mittäglichen Frankreich eine freiwillige Aufnahme verſchaffte, verſagte ſie ihm in den noͤrdlichen Provinzen, de⸗ 62 ren Gewohnheiten und Gebraͤuche in vielen Stuͤcken, und namentlich in Hinſicht auf das DotalSyſtem und die vaͤter⸗ liche Gewalt, allzuſehr von demſelben abwichen. Es ward daher gar nicht, oder doch nur ſubſidiariſch rezipirt; allein, da dieſe Provinzen nicht hinter denen des geſchriebenen Rech⸗ tes zuruͤckbleiben wollten, ſo ſchritten unter der Regierung Ludwigs des Heiligen und ſeinen Nachfolgern mehrere, durch das Studium der roͤmiſchen Geſetze gebildete, Rechts⸗ Gelehrte, zu der ſchriftlichen Abfaſſung der Gewohnheitsrechte (Conseil de Pierre Desfontaines, Livre de la rei- ne Blanche, Beaumanocir, Bouteiller) Die Kron⸗ Vaſallen erlieſſen in den Provinzia Verſammlungen(as- sises) ihrer Herzogthuͤmer und Grafſchaften Provinzial⸗ ſtatuten, welche unter den Titeln: chartes, établisse- ments, assises ſchriftlich abgefaßt wurden, und deren ei⸗ nige ſelbſt aͤlter als die Regierung Ludwigs des Heiligen ſind. (Assises nannte man urſpruͤnglich die von den Lehnsherrn gehaltene Gerichtstäge, welche auch grandes assises, grands plaids genannt wurden, wenn der Lehnsherr ſelbſt den Vorſitz fuͤhrte, woher dieſe Benennung vielen lehnsherr⸗ lichen Gerichts Behoͤrden bis zu der Revoluzion geblieben iſt) Endlich beſtaͤtigten die Koͤnige in beſondern FreiBriefen, chartes, die Privilegien und Munizipa Berechtigungen der Staͤdte, um ſie feſter mit der Sache des Throns zu verbin⸗ den, und dieſe Urkunden gehoren mit zu den aͤlteſten Quellen des franzoſiſchen Rechtes.(Coutumes de Barcelone, von Raimund Berengar dem ältern, 1060, coutumes von Fort de Bearne, von dem Vikomte Gaſton IV, 1088, coutumes der AngloSachſen, von Wilhelm dem Baſtard, 1080, chartes der Commune u von Beauvois von Ludwig dem Jungen, 1144, livres vit des fiels des Lombards, 1150, charte der Commu⸗ uu ne von Abbeville, von Johann 11, 1184, von Bordeaux, din 1173, von Dijon, 1187, von Beaune, 1203, 6tablis- h sements von Rouen, 1205, charte von Rouen, 1207, ginn von Bar ſur Seine 1234, von Semur, 1276, assises ehrn, von Gottfried Graf von Bretagne, 1279, coutu- Rht⸗ wes der Normandie von Raoul, coutumes von Cham⸗ tnt pagne des Grafen Thibauld, coutumes von Anjou, E Geſetze Simons Grafen von Mo ntfortꝛe. c.) ſun 6) Wir haben geſehen, daß zu Anfang der dritten Dynaſtie G alle Bewohner des flachen Landes in der dräckendſten Knecht⸗ inzil ſchaft lebten. Das Emporkommen des dritten Standes ver⸗ isse- ſchaffte auch dem Landmann Erleichterung. Der Ruf der en ei⸗ Freiheit, der in den Städten erſchallte, hallte auf dem nſind. Lande wieder. Die Krone ertheilte zuerſt ihren Leibeigenen shertn die Freiheit, um die Zahl ihrer Anhaͤnger zu vermehren. ises, Der Adel ſah ſich gezwungen, um die Auswanderung der ſelbſt ſeinigen zu verhindern, dieſem Beiſpiel zu folgen. Ludwig öhert⸗ X dehnte durch eine Ordonnanz von 1315, die 1318 auch n iſh die Beſtätigung Philipps des Langen erhielt(ordon- efen, nances des rois de France, Tom. I. p. 533, 633) n der dieſe Befreiung auf alle Leibeigene der Krone ohne Unter⸗ etbi⸗ ſchied aus,„weil die Knechtſchaft der Natur zu⸗ lteſten wider ſei, deren Wunſch es iſt, daß alle Menſchen frei s de und gleich gebohren worden; und weil es gerecht ſei, daß in jlten, dem Koͤnigreiche der Freien(des kranes) die Sache dem ikomt Namen entſpreche.“ Zugleich lud er alle Lehnsherrn ein, „en dieſem Beiſpiel zu folgen, eine Aufforderung, die damals mun bereits von groſſem Gewicht war. Mit der Freiheit erhielt der bisherige Knecht ein Eigenthum angewieſen, das er ge⸗ gen eine ſichere Abgabe bauen mußte. Daher die ſogenann⸗ ten chartes d'affranchissement, welche die Bedingungen der Freilaſſung, die Erbfolge in die zu Lehn ertheilte Guͤ⸗ ter, die davon zu leiſtende Abgaben, ſo wie die vorbehal⸗ tene lehnsherrliche Gerechtſame enthalten, und gleichfalls eine wichtige Quelle der Rechts Geſchichte ſind. 7) Mit den Koͤnigen der zweiten Dynaſtie hoͤrten die Ver⸗ ſammlungen auf dem Maͤrzfelde auf, und die oͤffentlichen Angelegenheiten wurden im Rathe des Koͤnigs verhandelt, der in der Folge der Zeit den Namen Parlament(von par⸗ lementer) ausſchließlich erhielt, der anfangs allen Provinzial⸗ Verſammlungen, worin wichtige Gegenſtaͤnde gemeinſchaftlich verhandelt wurden, beigelegt worden war. Da daſſelbe fortfuhr, ſo wie vorher die Verſammlungen auf dem Mars⸗ felde, ein hoͤchſtes Reichs Gericht zu bilden, ſo fuͤhlte man bei der zunehmenden Ausbildung des Rechts, und den kom⸗ plizirt werdenden RechtsVerhaͤltniſſe n die Nothwendigkeit, dieſem Räthe, der bis dahin dem Hoflager des Königs gefolgt war, einen bleibenden Sitz anzuweiſen. Dies iſt der Ge⸗ genſtand einer Ordonnanz von Philipp dem Schoͤnen (302) die von vielen mit Unrecht fur die ErrichtungsAkte des Parlamentes gehalten wird. Seit dieſem Augenblick wur⸗ den deſſen Urtheilsſpruͤche aufgezeichnet, deren Sammlung von Johann Dumoulin unter dem Namen registres olim bekannt iſt. Bald fuͤhlte man die Unzuläͤnglichkeit eines einzigen Parlamentes, und ertheilte aͤhnliche Gewalt und Vorrechte andern ſchon beſtehenden königlichen Gerichten, von welchen das von Toulouſe nach dem von Paris das älteſte war. ze g⸗ hennn nungn lt Gi orbehal iicffülz e Vu⸗ ntlichen andelt, npar⸗ inzial aftlich ſſelte Rars⸗ man kom⸗ igkeit, gefolgt t Ge⸗ önen te des wur⸗ mlun istres ichtit lt und „ven 8 das 65 8) Gegen das Jahr 1200 fiengen, wie man glaubt, die Schu⸗ len von Paris an, den Titel Univerſität und die Ein⸗ theilung in Fakultäten anzunehmen, wenigſtens iſt es ſicher, daß dieſer Univerſität ſchon im Jahr 1209 Erwahnung ge⸗ ſchieht; ihre erſte Statuten ſind vom Jahr 1215. Ir⸗ nerius, der zwiſchen 1110 und 1140 zu Bologna über das roͤmiſche Recht dozirte, wird als der Stifter der akade⸗ tice Grade angeſehen. 5. 22. Unter den Rachfolgern 2 udwigs des Heiligen verbrei⸗ tete und befeſtigte das roͤmiſche Recht, welches ſogar in den Provinzen, die ihr eigenes Gewohnheits Recht beibe⸗ halten hatten, oͤffentlich gelehrt ward, ſeine Herrſchaſt. Rachdem, ſeit Karl V1 ganz Frankreich unter der Ober⸗ herrſchaft des Königs vereinigt war, ward auf Befehl dieſes Monarchen zu einer offiziellen, ſchriftlichen, Abfaſſung dieſer Gewohnheits Rechte„geſchritten. Die Geſetze, wel⸗ che unter dem Titel Orbonnanzen bekannt ſind, und durch ihren Eintrag auf die Regiſter der Parlamente in dem Gerichtsſprengel eines jeden exekutoriſch wurden, wer⸗ den, mit den Urtheilsſpruͤchen dieſer Gerichtshoͤfe, die wichtigſten Quellen des franzöſiſchen Rechtes.(Arrét⸗ de retzlement). Das immer anwachſende Anſehn der Par⸗ lamente ſetzt der geiſtlichen Jurisdiktion feſtere Schran⸗ ken. Häufige Verſammlungen der aus dreien Sranden beſtehenden General Staaten(6tats genéraux) des Reichs. Repertoire universel par Merlin, verbis: coutume, Code, nances, purlement, tats generaux. „) Philipp der Schöne befahl das Juſtinianeiſche Recht auch auf den Univerſitäten der pays coutumier zu leſen, * 5 ordon- 66 (Chartre en faveur de h'universite d Olans, herausgege⸗ ben von Du T'illet.) In allen Theilen des Reichs bildeten ſich oͤffentliche Schulen, welche bald nach dem Beiſpiel der von Paris den Namen Univerſitaͤt annahmen, und von der StaatsGewalt anerkannt und unterſtäzt wurden. Ihre Zahl hatte ſich bis zur Revoluzion bis auf zwanzig,(die von Avignon und Orange mit einbegriffen), vermehrt, nämlich Paris, Orleans, Toulouſe, Bordeaux, Bourges, Caen, Angers, Poitiers⸗Nantes, Reims, Valence, Air, Montpellier, Beſancon, Douay, Strasburg, Dijon und Nancy. Auf allen ward das roͤmiſche Recht als Geſetz oder raison 6crite vorgetragen, ſelbſt zu Paris, ohngeachtet Honorius 111(220) durch eine Dekretale zu Gunſten des kanoniſchen Rechtes den Vortrag des CivilRechtes unterſagt hatte, und dieſes Verbot auch durch den Art. 69 der Ordonnanz von Blois erneuert worden war. Doch ward erſt im Jahr 1667 ein ordentlicher Profeſſor des Civi Rechtes bei der Univerſität von Paris ernannt. 2) In den Provinzen des geſchriebenen Rechtes ward das Ju⸗ ſtinianeiſche Recht fortan allgemein beobachtet und von den Gerichts Behoͤrden gehandhabt. Es verdient bemerkt zu wer⸗ den, daß noch im Jahr 1724 Bretonnier in einer Denk⸗ ſchrift, die er fuͤr die Damen d'Epinay heraus gab, be⸗ hauptete, der Theodoſianiſche Koder allein habe in dieſen Provinzen verbindliche Kraft, weil die Sammlungen Juſtinians nie daſelbſt verkuͤndigt worden. Dieſe Be⸗ hauptung macht jedoch keinen Eindruck, weil dieſe lezte ſeit mehreren Jahrhunderten allein auf den Schulen gelehrt und in den Gerichtshoͤfen angewendet worden waren. Wichtiger 67 uig war die Frage, ob das roͤmiſche Recht in den Provinzen iun welche ihr eigenes GewohnheitsRecht hatten, ſubſidiariſch re⸗ il iu zipirt ſei, oder nur als Autorität, nicht aber als Geſetz gel⸗— nd won te? Im Allgemeinen ſcheinen die Gerichtshoͤfe, Fn iedoch nicht einſtimmig, dieſe lezte Meinung angenommen die un zu haben. meht, 3) Karl Vll verordnete zuerſt die ſchriftliche Ff aller us, deau coutumes, usages et styles des Königreichs, die aus man⸗ ntet, cherlei Urſachen nothwendig geworden war. Seit dem Wie⸗ nebn deraufleben des Rechtes fieng man an, alle Akte mit einer Auf Menge von Clauſeln, Bedingungen, Verzichtleiſtungen, cerite Proteſtationen und Cautelen aller Art zu uͤberladen; der 1220) Prozeß ſelbſt ward durch Formalitäten und Friſten erſchwert, echtes und da den Parlamenten unmoͤglich die unzählige Gewohn⸗ diſſez heits Rechte bekannt ſein konnten, ſo war es genug, um Bhi jeden Prozeß ins unendliche zu verlaͤngern, ſich auf ein ſolches 7 ein Herkommen zu berufen, das nicht anderſt als durch ein ſo⸗ verſtüt genanntes Zeugen Verhor par cuces erwieſen werden konnte. Selten führte dieſes weitläuftige und koſtſpielige Verfahren 6 Ih zu einem befriedigenden Reſultat. um dieſen Misbraͤuchen on den ein Ende zu machen, blieb nichts uͤbrig, als in allgemeinen wen Provinzia Verſammlungen zur Abfaſſung aller in der Pro⸗ Denk⸗ vinz beſtehenden GewohnheitsRechte zu ſchreiten. Da die ub, be Deputirten aller Amtmannſchaften und Herrſchaften zu dem abe i Ende zuſammentreten mußten, ſo benutzte man dieſe Verei⸗ lunn nigung, um die einzelne Herkommen ſo viel als möglich zu ſe B⸗ generaliſiren. So nahmen dieſe GewohnheitsRechte einen t ſit reifachen Charakter an, ſie wurden allgemeiner, durch die tt un ſchriftliche Abfaſſung beſtimmter und erhielten die Sanktion iht* 68 der königlichen Gewatt, denn es war einer der erſten Grund⸗ ſätze des franzöſiſchen Staatsrechtes, daß der König allein vefugt ſei, coutumes abfaſſen zu laſſen, oder zu modifizi⸗ ren. Auch waren ſie, wie die königliche Ordonnanzen, dem Enregiſtrernent durch die Parlamente unterworfen. Vor der Revoluzion zählte man in ganz Frankreich ungefahr 60 Pro⸗ vinzial⸗und 300 Lokalſtatuten, die lezten größtentheils in Auvergne und Flandern. 4) Die königliche Verordnungen nahmen in dieſer Epoche den Titel von Ordonnanzen an, der vorher bloß den Ver⸗ fuͤgungen in Betreff der königlichen Hofhaltung bei⸗ gelegt ward. Dieſe Ordonnanzen beſchränkten die Gewalt der Lehnsherren immer mehr, deren Gerichtsbarkeit der kö⸗ niglichen durchaus untergeordnet ward, und welchen das Recht der Geſetzgebung, ſo wie das, Gold und Silber zu muͤnzen, ganz entzogen ward. Da ihre Verkuͤndigung daher urſpruͤnglich großen Widerſpruͤchen von Seiten der lezten un⸗ terworfen war, ſo erhielten die Parlamente den Auftrag, ſie auf ihre Regiſter einzutragen, und von dem Augenblick dieſes Enregiſtrements an als StaatsGeſetz zu handhaben. Das Anſehen der Parlamente ward durch dieſe Theilnahme an der geſeßgebenden Gewalt ſehr vermehrt, und dieſe Ge⸗ richtshoͤfe erlaubten ſich bald, nicht allein vor dem Eintrag Vorſtellungen an den Koͤnig zu erlaſſen, ſondern oft das Enregiſtrement ganz zu verweigern oder nur mit gewiſſen Modifikationen zu bewerkſtelligen. Daher die Kis de jus- tice, und die Verweiſungen der Parlamente, deren Zahl nach und nach bis auf dreizehn anwuchs,(Paris, Toulouſe, Grenoble, Bordeaux, Dijon, Rouen, Air, Rennes, Pau, Met, Beſancon, Dou⸗ 69 bun ay und Nancy. Auſſerdem beſtanden zu Col mar,„ 8dlin Perpignan und Arras ſogenannte cours souveraines, miiſ welche dieſelbe Jurisdiktion aber ohne die legislative Attri⸗ wo den uutionen der Parlamente hatten, weil die Vereini⸗ Lube gung des Elfaſſes, von Artois ꝛc. ꝛc. in eine Zeit fiel, 6o n wo die Konige mehr die Oppoſition der Parlamente als die hils i des Adels zu fuͤrchten hatten. Es iſt eben ſo ſchwer, ge⸗ nau die Epoche des Urſprungs jedes Parlamentes, als die che der Univerſitäten zu beſtimmen, weil die eine und die an⸗ n Vn dere fruher als oͤffentliche Schulen oder als koͤnigliche Ge⸗ g bi richtshöfe beſtanden, ehe ſie jenen Titel erhielten. Auch die Gen Entſtehung der oours des aides fällt in das Ende des 14ten der ii Jahrhunderts; ſie wurden jedoch ſeitdem durch die Ordon⸗ n di zen von Orleans und Moulins wieder ſupprimirt und erſt iber i durch das Edikt Karls 1K von 1569 unter dem Titel: cours. dehn wieder hergeſtellt. ten n§) Die königliche Ordonnanzen waren⸗ ſobald ſie einregiſtrirt wor⸗ uftreg, den, in den Provinzen des geſchriebenen Rechtes ſo wie in denen genblic der Gewohnheits Rechte verbindlich, jedoch mit denjenigen Modi⸗ haben. ſikationen und Auslaſſungen einzelner Artikel und Verfuͤgungen⸗ nahme welche die Parlamente jedes Bezirkes oft durchſetzten, und die Ge⸗ man in den arréts d'enregistrement finden kann. Unter den intrag alten Ordonnanzen ſind fur die Geſchichte des Rechtes folgende ft das veſonders merkwärdig: die von 1356, des Koͤnigs Johann wiſſn uber die Regierung des Königreichs, die von Karl VII, e jur(1346) in Betreff der Parlamente, die deſſelben Monar⸗ heren chen von Montil les Tours von 1453 die von Blois von gtis, 1408 unter Ludwig XIl, welche mit der ſpätern Ordonnanz ouen, von Blois nicht zu verwechſeln iſt, das Edikt von Ere, Don mieu,(1539) die Ordonnanz von Villers Cotte⸗ 70 ret, von 1539 uͤber die Beſchleunigung der Prezeſſe, die von Orleans, von 1360(unter Karl 1„) die von Rouſſillon,(1363) die nur die Fortſetzung der von Or⸗ leans iſt, zwei der wichtigſten Verordnungen uͤber viele Gegen⸗ ſtände der CwilGeſetzgebung, die vonMoulins,(366) uͤber die Reformation der Juſtitzpflege, die von Blois(579) und endlich die von 1629, die auch unter dem Titel Ko⸗ der Michaut, von ihrem Verfaſſer Michel von Maril⸗ lac Siegelbewahrer von Frankreich, bekannt iſt. Der Ko⸗ der Heinrichs ll von Briſſon iſt Projekt geblieben und hat nie verbindliche Kraft gehabt. Die vollſtändigſte Sammlung dieſer Ordonnanzen iſt die der HH. Secouſſe und von Lauriere, feſtgeſetzt durch die HH. von Vil⸗ levault und von Bequigny.(Siehe Seite 25.) 6) In dieſe Epoche fällt auch die pragmatiſche Sanktion, wel⸗ che Farl VIl zu Bourges(438) abfaſſen ließ, und wo⸗ durch die Freiheiten der gallikan iſchen Kirche durch die Annahme mehrerer Dekrete des Conziliums von Baſel begrundet wurden. Franz der 1 ſetzte(576) das Fonkordat an die Stelle der pragmatiſchen Sanktion. Lud⸗ wig Xl war es hauptſächlich, der die letzte Spuren der FeudalOppoſition vertilgte, und alle KronVaſallen zum Gehorſam brachte, wozu die ſeitdem beträchtlich vermehrte ſtehende Militz das meiſte beitrug. Allein Laum war der Adel zur Unterwöͤrfigkeit gebracht, als ſich auch ſchon zwiſchen dem Hof und dem dritten Stande eine Oppoſition zeig⸗ te. Unter demſelben Monarchen ward es bereits als einStaats⸗ Verbrechen betrachtet, von der Zuſammenberufung der Ge⸗ neralſtände zu ſprechen. Die Erhebung der Dynaſtie der Bourbons auf den Thron, die ReligionsZwiſtigkeiten und , hi ih det ond. iche 6öhi ris iih l. on Pin Duſ et gln Setaß wn P 5) nktion, u eß, unt en i ziiuns u (zih) tin. Spurn z nſulln jn et kum w auch ſin ſtn einöut n in b⸗ punſit i tin w 71 nachher das Edikt von Nantes, der ernenerte Religions⸗ Krieg unter Richelien und die beſtäͤndigen Kriege mit Deutſchland und Spanien, zogen jedoch die allgemeine Auf⸗ merkſamkeit von jedem andern Intereſſe ab. 7) Wir haben der Wiederherſtellung der Verſammlungen der Na⸗ tion in den aus den Deputirten der dreien Stände beſtehen⸗ den Generalſtaaten bereits oben erwähnt. Der König berief ſie willkuhrlich bei wichtigen Gelegenheiten, und die merkwoͤr⸗ digſten Ordonnanzen, z. B. die von Blois, von Mou⸗ tins, von Orleans, wurden in dieſen Verſammlungen erlaſſen. Sie wurden jedoch mit den Buͤrgerkriegen ſeltener, und unterblieben ſeit dem Ende dieſer Epoche ganz. Sechtes Kapitel. Von den Zeiten Ludwigs XIN bis zur Revolnzion. Mit der Regierung Ludwigs XIV beginnt eine neue Cpoche in der Geſchichte des franzöſiſchen Rechtes. Die⸗ ſer Regent beſchäftigte ſich ernſthaft mit dem Gedanken einer allgemeinen National Geſetzgebung; ſeiner Regierung verdankt Frankreich nicht allein eine gaͤnzliche Reform der JuſtitzVerwaltung, ſondern auch die Grundlagen ſei⸗ ner heutigen Rechts Inſtitute. Auch unter ſeinem Nach⸗ folger geſchahen, hauptſächlich unter der Anleitung ſeines Kanzlers d'Agueſſeau, in der Ausbildung des Planes Ludwigs XIV groſſe Fortſchritte; die kritiſche Umſtaͤnde welche jedoch ſpäterhin eintraten, verhinderten die gaͤnz⸗ liche Ausfuͤhrung deſſelben. 1) Die Ordonnanzen Ludwigs XIV, ſind das Reſultat der Arbeiten und Conferenzen der beruͤhmteſten Rechts Gelehr⸗ ten und Magiſtrars Perſonen jener Zeit(Lamoignon, 4 . 72 Auzanet, Fourcroy, Puſſort, Savary, Cok bert, du Harlet). Der König ſolbſt führte bei den Sibungen des Staats Raths, in welchen ihre Vorſchlaͤge diskutirt wurden, den Vorſitz, und die Beſchluͤſſe des Staats⸗ Raths wurden nochmal den Kommiſſionen des Parlaments mitgetheilt, um ihre Bemerkungen darüber zu machen. Man nahm uͤber die HandlungsOrdonnanz das Gutachten des Handlungsſtandes und das der Cleriſey uͤber die Ordonnanz in Betreff der geiſtlichen Jurisdiktion ein. Die Verbal Prozeſſe, welche uͤber die Diskuſſion dieſer Or⸗ donnanzen gefuͤhrt worden ſind, wurden gedruckt, als den zuverläſſigſten Kommentar uͤber dieſelbe, und koͤnnen noch heut zu Tage in denjenigen Gegenden, wo die Geſetzge⸗ bung Napoleons neuerdings rezipirt worden, nicht ge⸗ nug empfohlen werden, weil viele Verfuͤgungen derſelben, die die Erfahrung bewaͤhrt und der Gerichts Gebrauch ergaͤnzt hatte, ohne alle Bemerkung und Widerſpruch in das neue Recht uͤbertragen worden ſind. 2) Unter den Ordonnanzen Ludwigs XIV ſind die merkwür⸗ bigſten 1. die von 1667 üͤber den bürgerlichen Prozeß. 2. Die von 1669 über die Evokationen und Committimus. 3. Die vom namlichen Jahre, über das Forſi Weſen(ordonnanee des eauk et koréts)⸗ 4. Die von 1670, über die„weinliche InſiitzPfrege. 5 Die Ordonnance de ville von 1672, üͤber die Jurisdirtion der Stadt Paris. 6 Die Ordomance de commerce von 1673. 7. Die Ordonnance des Gabelles von 1680. 8. Die MarineOrdonnanz von 1681. 9. Der Code noir von 1635, über die Polizey der Neger in den franzoſiſchen Inſeln von Afriea und Amerika, G 0 k ei hen ſchlie tunt ments achtn. z y ibe nein t Ot⸗ s dun ch ſehe ig lben, rauch ch in kwir⸗ aucs on ber n 73 20. Die von 1637, des einq grosses ferines. 11. Das Edikt von 16935, in Betreff der geiſtlichen Gerichtstar⸗ keit. Endlich darf man das famoͤſe Edikt von 16865 nicht ves⸗ geſſen, wodurch die Edikte von Nantes(1598) und von Nismes(1609) widerrufen und den Proteſtanten nicht al⸗ lein jede freie ReligionsUebung unterſagt, ſondern auch zum Theil die burgerliche Fähigkeit benommen ward. 3) Unter den Ordonnanzen ſeines Nachfolgers verdienen be⸗ ſonders angemerkt zu werden 1. Die von 131 uͤber die Schen kungen unter Lebenden. g. Die von 1735 uͤber die Teſtamente. 3. Die von 1735 uͤber die Fatſs, und die Periſstlen der Hand⸗ ſchriften. 4. Die von 1748 über die Subſtitutionen. 5. Das Edikt vom Junius 1771, in Betreff der Hypotheken. 4 Lothringen und Bar ausgenommen, welche unter dem. Namen Coder Le ep old(1707) ihre eigene Geſetzgebung hatten, wurden obige Ordonnanzen faſt im ganzen uͤbrigen Frankreich, mit wenigen Modifikationen, einregiſtrirt, und bildeten zur Zeit der Revoluzion, mit dem römiſchen Rechte in den Provinzen des geſchriebenen Rechtes, und den Ge⸗ wohnheits Rechten in den pays coutumiers, das franzoſi⸗ ſche Recht. 5) Unter der Regierung Ludwigs XVI verdienen nur bemerkt zu werden, 1) das Edikt vom Auguſt 1779, wodurch in den königlichen Domainen die Leibeigenſchaft aufgehoben ward, und die Dekrete vom 24 Auguſt 1787 wodurch die (mit der question prẽalable nicht zu verwechſelnde) prẽparatoire abgeſchaft ward. 7⁴ Siebentes Kapitel. Tranſitoriſche Geſetzgebung. §. 24. Von den unzaͤhligen Geſetzen, die im Laufe der Revo⸗ luzion durch die konſtituirende und legislative National⸗ Verſammlung, den Konvent, und den durch die Konſti⸗ tution vom Jahr l1l errichteten geſetzgebenden Körper er⸗ laſſen worden, war die groſſe Mehrzahl politiſchen In⸗ halts; das Staats Recht ward dadurch gänzlich umge⸗ formt, aber nur diejenige Theite des PrivatRechts, welche mittelbar oder unmittelbar mit der StaatsVerfaſſung in Beziehung ſtehen, traf ein gleiches Schickſal. Mehrere waährend der Revolution erlaſſene Geſetze, die nicht ab⸗ berufen worden ſind, ſind noch heut zu Tage verbindlich; ein groſſer Theil der in andern enthaltenen Verfugungen iſt in die Napoleoniſche Geſetzgebung übertragen worden, den wichtigſten Einfluß aber hatte dieſe tranſitoriſche Geſetz⸗ gebung auf die neueſte dadurch, daß ſie durch die Ab⸗ ſchaffung der Privilegien, Vorrechte und Praͤrogative ein⸗ zelner Provinzen, Stande, Städte und politiſcher Körper⸗ ſchaften ein ſchier unüberſteigliches Hinderniß einer allge⸗ meinen, unbedingten, in ganz Frankreich gleich verbind⸗ lichen National Geſetzgebung beſeitigte. Loix et Actes du Gouvernement antérie urs au bulletin des lois, Paris de Iꝰinprimerie hnpériale, 8 vol. in 3vo. Bulletin des loix, annes 2 3 4 3 6, 7„ 8 9„ 10. Loix Civiles intermé daires, rendues sur Fétat des personnes, et nrannone biens, depuis le aoüt 1759 jusqu'au 30 Ventose 12, paris, 180b, vol. in gvo. 1) Politiſche Verhandlungen, innere und aͤuſſere Kriege, und der beſtändige Kampf und Wechſel der Partheyen lieſſen die 75 wiederhohlten Vorſchläge zur gänzlichen Umformung des Pri⸗ vatRechtes immer auf gelegenere Zeit verſchieben, ein wah⸗ res Gluͤck fuͤr die Nation, weil ſich der Einfluß einer all⸗ Rern gemeinen, nothwendig temporaͤren, Geſetzgebung, auf alle vu Rechts Verhaltniſſe erſtreckt haben wuͤrde. Doch verdanken ouſ⸗ wir dieſen Vorſchlägen das Projekt eines CiwilGeſetz 1 buchs, welches der itzige ReichsErz Kanzler Cambaceres 6 im Jahr 1V heraus gab, und der nachherigen wirklichen unge Redaktion des Coder in vielen Theilen zum Grunde liegt. velcht 2) Der HauptCharakter dieſer tranſitoriſchen Geſetze iſt, daß ig i ſie allgemein und unbedingt, ohne Enregiſtrement, für alle hre Klaſſen von Buͤrgern, an allen Orten des Reichs verbind⸗ tab⸗ lich waren. Im PrivatRecht erſtreckt ſich ihr Einfluß übri⸗ j ein gens nur auf das PerſonenRecht und die Erbſchaf⸗ ſt in ten, welche beide Zweige der Geſetzgebung mit der politi⸗ den ſchen Umwaͤlzung in Einſtinmung geſetzt wurden. 6 5 Unter den tranſitoriſchen Geſeten bemerken wir hauptſaͤchlich: Die Konſtitutionen von 1791, 1793 und vom Jahr III. Die Geſetze vom 4 und 11 Auguſt 1789, 15 März 1790 und 25 Au⸗ per⸗ guſt 1792 über die Abſchaffung des Abets und des he⸗ Feudal Syſtems. ind⸗ Die Geſetze vom 21 Dezember 1780 und vom a6 Februar 1790, über die Eintheilung von Frankreich in Departemente und Diſtrikte und das VerwaltungsSyſtem. lois. Das Geſetz vom 12 Inlius 1790 uͤber die buͤrgerliche Ver⸗ in faſſung des Clerus. Das Geſetz vom 24 Auguſt 1700, über die neue Gerichts⸗ Verfaſſung und die DepartementsGerichte. . Die Geſetze vom 9 Februar, 30 Maͤrz, 27 Julius und 23 Okto⸗ ber 1792, 28 Marz und 25 Julius 1793, 4 Germinal 3, 4 und und 25 Brumaire, 25 Prairial, 1 Fruktidor 3 J. über die Emigranten⸗ 75 Die Geſetze vom a1 Dezember 1784„ 12 September 1790, 3 Meſ⸗ gdor 3, 4 Frimaire 4, 23 Ventoſe, 7 und 15 Germinal, 4 Prairial und 29 Meſſidor 4, 16 Pluvioſe und 5 Meſſidor 3, über die Aſſignaten und Mandaten⸗ Die Seſetze vom 1 Dezember 1790„ 25 Februar, 17 Maͤrz„ 20 Julius und 2 Oktober 1791, 3 September 1792, 15 Fri⸗ maire ð, 3 Frimaire und3 Fruktidor 7, uͤber die Srundſteuer das vom 23 Frimaire 7, und 27 Ventoſe o, uͤber das Enre⸗ giſtrement, vom 17 März 1791, 4 Thermidor 3„7 Brumaire 6, 1 Frimaire 7, 15 Fruktidor 3 und 13 Floreal 10 in Betreff der Patenten. Die Seſetze vom 19 Jänner 1791, 14 Thermidorz, und 3 Frimaire 7 uͤber die Mobiltar⸗und Lurusſteuer, vom 4 Fri⸗ maire 7 und 13 Floreal 10, in Betreff der Fenſterſteuer. Den Beſchluß vom 24 Floreal g, in Betreff der Reklamationen der Steuerpflichtigen⸗ Das Geſetz vom 11 Frimaire 7, uͤber die Regulirung der Muni⸗ zipal⸗und Departemental Ausgaben. Den Poͤnal Kodex vom 25 September 1791 und das Geſetz⸗ vuch der Perbrechen und Strafen vom 3 Brumaire ⸗ Das Geſetz vom 20 September 1792, uͤber den Civilſtand der Buͤrger, und das vom naͤmlichen Tage, wodurch die Eheſcheidung eingefuͤhrt ward. Das Geſetz vom 11 Brumaire, 17 Nivoſe und a Ventoſe a, üͤber die Erbfolge, das vom ₰ Germinal 8, uͤber denſelben Gegenſtand⸗ Den HypothekarKoder vom 9 Meſſidor 3, und das Geſetz vom 11 Brumaire?7, uͤber denſelben Gegenſtand. Die Geſetze vom 8 May 11790, 26 März 1791, 1 Auguſt 2793 18 Germinal 3, 1 Vendemlaire 4, uͤber die Einfuͤhrung des neuen Syſtems der metriſchen Maaſe⸗ Achtes Kapitel. Die Geſetzgebnng Napoleons. §. 25. Der Regierung Napoleons war es vorbehalten, Frankreich dieſe allgemeine Geſetzgebung zu ertheilen. Nach 3M minal, ſiorz, Nitz, 6 Frl ſtener Eur⸗ rumite Petf imaiten 4 hi teuet, nen b Nuni eſetz naite ſtand rch die oſe, ſelben Geſet 3793, 9 des lten, Nach 77 und nach erheben ſich die einzelnen Theile des großen Ge⸗ väudes, zu deſſen Vollendung nur wenige Luͤcken auszu⸗ ſullen ſind. Im Staats Re cht haben die Konſtitution vom Jahr Vli und die organiſchen Senatus Konſulte von neuem eine erbliche Monarchie begrundet, und vie politiſchen Rechte der Vuͤrger regulift; ein neuer Adel, dem nachgebildet, der einſt den Thron Karls des Groſſen umgab, iſt an die Stelle des alten Feudalſyſtems getre⸗ ten; ein neues Finanzſyſtei hat die Quelle der Unordnun⸗ gen und Verſchleuderungen verſtopft und den öffentlichen Schatz gefüllt; ein Konkordat hat die Verhaältniſſe zwi⸗ ſchen dem Oberhaupt des Kaiſerreichs und dem Oberhaupt der katholiſchen Kirche, und organiſche Geſetze die Ver⸗ hältniſſe zwiſchen den verſchiedenen Religions Genoſſen in Frankreich beſtimmt; die Grundlagen eines neuen Ver⸗ woltungs Syſtems und der Organiſation der Gerichts hoͤfe ſind gelegt; der öffentliche Unterricht in ganz Frankreich iſt einer kaiſerlichen Univerſität ubergeben; ein allgemeines PrivatRecht, in dem Coder Rapoleon, dem Geſetzbuch uͤber das Verfahren im buͤrger⸗ lichen Prozeß und dem HandlungsGeſetzbuch ent⸗ halten, hat der Eintheilung Frankreichs in zwei groſſe, von verſchiedenen Geſetzgebungen, regierte Staaten ein Ende gemacht; und der Ruhm ſeiner Waffen, hat die Grän⸗ zen des franzoͤſiſchen FöderativReichs ſo wie die Herrſchaft ſeiner Geſetze weit über die Territorial Graͤnzen des Kaiſerthums hinausgetragen. Bulletin des loix des annses VIII, IX, X, L, XIV. 1306, 1807, 1806. Projet de Code Civil présenté par la commission nommés par ia gonvernement, Paris„ de imprimerie de le Républiqus. Veutiose TX. 78 Proes⸗verbaux du conseil d'ctat, conteuant la discussion du Code Napoléon, rédigés par Locr, scerstaire-général de ce conseil, V vol. in to, de lyimprimerie impériale. Observations du PTribunat, du Tribunal de caszation et des Tri. bunanx d'Appel sur le Code civil. Collection officielle, de lꝰimprimerie de la REpublique, vol. in o. Fnposds des motils des loix, qui composent le Code riril, rapports et dicours faits par les orateurs du Tribunat, édition officielle, . 11 vol. in gvo. Code Napoléon, déerété par le corps iẽgislatif᷑ le ʒ Septembre 1807, de l'imprimerie impériale. Codex Napoleon, uͤberſetzt von Laſſautx, zweite dem Geſetz vom sten September 1807 gemäße, und mit allen bis zur Verkun⸗ digung dieſes Geſetzes erſchienenen, ins CiviRecht einſchlaͤgigen, Geſetzen und Verordnungen vermehrte Auflage. Koblenz, 1807*, gr. 3. Exposés des motifs, rapports et discours des orateurs du Tri- bunat, sur le code de procédure civle. 1806. code de procẽdure civile. Edition originale de lꝰiinprimerie impériale. Geſetzbuch über das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß, uͤberſetzt und mit erlaͤuternden Anmerkungen begleitet von Laſſaulx, Koblenz, 1803, 3. Fyposés des motifs, rapports et discours des orateurs du Tribu- nat, aur le code de commerce, édition officielle 1307. Code de commerce, 6dition originale, de l'imprimnerie impé- riale. Handlungs Geſetzbuch, üͤberſetzt von Laſſaur x, Koblenz 1807. 1) Schon in den erſten Jahren der Revoluzion beſchaͤftigten ſich die geſetzgebende Verſammlungen mit dem Plane einer neuen und einfoͤrmigen Civil Geſetzgebung. Kommiſſionen wurden zu dem Ende ernannt, deren Arbeiten jedoch bald durch die tumultuariſchen Auftritte des Kriegs und der Re⸗ volution unterbrochen wurden. Im Jahr 4(1706) gab — 79 in d der itzige Reichs Erzkanzler, Herzog v. Parma, ein Projekt zu i einem Civil Geſetzbuch heraus, welches bei der nachherigen Diskuſſion anfangs zu Grunde gelegt ward. Aber am 24 Thermidor 8 Jahrs ernannte ein Beſchluß der konſula⸗ riſchen Regierung eine neue Kommiſſion, welche aus den pprnu HH. Tronchet, Senator, Portalis, Miniſter der ietele, ulte, Bigot de Preameneu, Präͤſident der Geſetz⸗ gebungsſektion des Staats Rathes, und Maleville, Prä⸗ ſident des Kaſſations Gerichtshofes beſtand, um die, in den n verſchiedenen bisher bekannt gemachten Projekten eines Ci⸗ zertin, vilGeſetzbuchs, befolgte Ordnungen zu vergleichen, demnach zpioen, einen Plan zu entwerfen, und die HauptGrundlagen der 10 BGeſetzgebung zu diskutiren. Dieſe Kommiſſion vertheilte die verſchiedene Titel unter ihre Glieder, vereinigte ſich an be⸗ ſtimmten Tagen unter dem Vorſitz des Hrn. Tronchet i und uͤbergab ſchon nach 4 Monaten das Reſultat ihrer Ar⸗ beiten, das am 1 Pluvioſe 9 Jahrs im Druck erſchien. erſitzt Das damalige Projekt des CiviGeſetzbuches wich in ſehr vie⸗ u len Materien von dem heutigen weſentlich ab. Auch die Eintheilung war verſchieden; dem Ganzen hatte man ein Livre préliminaire vorausgeſchickt, vie Eintheilung der Ti⸗ tel ſelbſt in mehrere Buͤcher aber noch nicht gemacht. Dies Projekt ward an den Kaſſationshof und die Appella⸗ . tionshofe verſendet, mit der Aufforderung ihre Bemer⸗ igten kungen daräber einzuſenden, deren Sammlung nachher im einr Druck erſchienen iſt. Hierauf ward die Diskuſſion im enen Staats Rath eroffnet, welche, mit einigen Unterbrechungen, bald während 4 Jahren fortdauerte. Die Ordnung dieſer Dis⸗ Re⸗ kuſſion war folgende: die Geſetzgebungs Sektion unterſuchte gu zuerſt jeden Titel in Gegenwart der Glieder der Kommiſſion; 80 ward er gutgeheiſſen, oder waren die vorgeſchlagene Abände⸗ rungen durch die Mehrheit der Stimmen genehmigt worden, ſo ward er gedruckt und an alle Glieder des StaatsRaths vertheilt; hier ward er nun von den vereinigten Sektionen, unter dem Vorſitz des erſten Konſuls, oder in beſſen Ab⸗ weſenheit des zweiten, immer mit Zuziehung der Kommiſſa⸗ rien, nochmals debattirt. Die Mehrheit der Stimmen ent⸗ ſchied uͤber die Streitfragen. War auf dieſe Art der Titel im StaatsRath abgeſchloſſen, ſo ward er dem Tribunat mitgetheilt, das ihn nun gleich⸗ falls in ſeinen geheimen Sitzungen debattirte, und ſeine Bemerkungen daruͤber machte; die Sektion der Geſetzgebung des StaatsRaths unterſuchte dieſe, und erſtattete ſodann ihren Bericht an die vereinigte Sektionen des StaatsRa⸗ thes; dieſe ſtimmten wieder uͤber die vom Tribunat anver⸗ langte Abänderungen. Mun wurden drei Staats Räthe ernannt, um den Vorſchlag dem geſetzgebenden Koͤrper zu uͤberbringen. Sie entwickelten demſelben die Grunde, aus welchen derſelbe in der Diskuſſion den Vorzug erhalten hatte. Der geſetzgebende Körper ver⸗ wieß jeden Vorſchlag an das Tribunat, und dieſes ſetzt eine Kommiſſion aus, um ihren Bericht darüber zu erſtatten. Hatten Glieder des Tribunats ſich einſchreiben laſſen, um fuͤr oder gegen den. Vorſchlag zu ſprechen, ſo wurden dieſe nach dem Berichterſtatter gehört. Sodann ſtimmte das Tribunat uͤber den Vorſchlag ab, und es wurden Redner ernannt, um ſeinen Wunſch dem geſetzgebenden Koͤrper vor⸗ zutragen. Durch deſſen Genehmigung ward der Vorſchlag zum Geſetz erhoben. 81 kitn 2) Siehe die Akte der Konſtitutionen des Reichs vom ochn, Jahr 8, die organiſchen SenatusKonſulte vom 20 Floreal, 16 und 24 Thermidor 10, das vom 1 Nivoſe 11, über die Errich⸗ inn tung der Senatorerien, das vom 28 Frimaire 12, die vom 28 U. Floreal 12 und 15 Brumaite 3, über die Einfuͤhrung der iſ kaiſerlichen Monarchie, die Statuten der kaiſerlichen Familie en ut vom 30 Maͤrz 1806, das vom 19ten Auguſt 1807, uͤber die Suppreſſion des Tribunats, endlich das Senatus Konſultum bſn, vom 14 Auguſt 1806, und die Statuten vom 1 May und gi 27 Junius 1808, in Betteff der Einführung eines neuen ſin erblichen Adels und der Majorate. ehun Die Geſetze und Verordnungen vom 19 Fruktidor, 23 Floreal 10, und 8 Fruktidor 13, in Betreff der Militair⸗ Ra⸗ Conſeription. Das Senatus Konſult vom 2 2 Vendemiire 14, ter die Reorganiſation der NationatG arden. Das Geſetz vom 29 Floreal 10, die Beſchläſſe vom 22 Meſſidor 12, das Geſetz vom 17 Pluvioſe 13, in Ff ſch der EhrenLegion. kelten Die Geſetze und Verordnungen vom 11 Floreal 10, 19 uſfiun Vendemiuire, 19 Brumaire, 22 und 23 Ventoſe 12, 10 May ber⸗ 1806 und 17 März 1808, uͤber den öffentlichen Unterticht und eine die Errichtung der kaiferlichen Univerſität von iten. Frankreich. Das Geſetz vom 27 Ventoſe 8, üher die gerichtlicheun dieſe das vom 28 Pliwioſ⸗ deſſelben Jahrs, uber die Verwal⸗ e das tungsHrganiſation. kedner Geſetz vom 16 Nivoſe 9, uͤber die Otganiſation der Sh t vot⸗ Verwaltung, vom 30 Ventoſe 9, uber die Finunzen, das Geſetz ſchi vom 2 Ventoſe 12, uͤber denſelben Gtgenſtand, welches eine Verwaltung der vꝛteinigten Abgaben errichtet. 6 32 Das Konkordat mit dem römiſchen Hofe vom 26 Meſſi⸗ dor und das organiſche Geſetz vom 18 Germinal 10 Jahrs. Drit⸗te Site WVon den Geſetzen im Allgemeinen, und ihrer An⸗ wendung auf die CivilRechte. Erſtes Kapirel. Von den Geſetzen im Allgemeinen. Erſter Abſchnitt. Won der Promulgation und der verbindlichen Kraft der Geſebe⸗ §. 26.. Jedes Geſetz muß bekannt ſein können, ehe es ver⸗ bindlich werden kann; könnte jedoch die Behauptung, man habe ein Geſetz nicht gekannt, hinreichen, um daſſelbe ohne Vollzug, zu laſſen oder wenn nur der fur den ver⸗ ſagten Gehorſam beſtraſt werden könnte, der erwieſe⸗ nermaſſen das Geſetz gekannt hat, ſo wuͤrde es ſchlecht um die Beobachtung der Geſetze ſtehen. Da⸗ urt. des C. her beſtimmt der Codex eine Zeitfriſt, welche von der Nap. Promulgation der von dem geſetzgebenden Körper erlaſſenen Dekrete durch den Kaiſer an ge⸗ rechnet wird, mit welcher die geſetzliche Vermuthung ein⸗ tritt,(praesumptio juris et de jure) daß Jeder⸗ mann das Geſetz gekannt habe. Mit dem Ab⸗ lauf dieſer Zeitfriſt, welche ſich nach der Entfernung von dem Orte, wo das Geſetz erlaſſen wird, regulirt, und in der An beſtimmt iſt, daß das Geſetz auch wirk⸗ lich bekannt ſein kann, wird es allgemein verbind⸗ lich, und niemand kann, um ſeinen Ungehorſam zu ent⸗ 33 Mſ ſchuldigen, zu dem Beweis zugelaſſen werden, daß Ihhn. er keine Kenntniß von dem Geſetze gehabt habe. Locré, esprit du Code Napolson(I. S VerbalProzeße vom n 4 Thermidor 9, und 5 Ventoſe 11. Man eonferire das Ge⸗ ſetz vom 2 November 1790 und 14 Frimaire Jahr 2. Projet du Code Civii„ Livre préliminaire, tit. 3, Art. 1. Thi⸗ baut 5 ag. L. 65, C. de decnrion.(10, 31) Art. 37 der Konſti⸗ tution vom Jahr 8. Gutachten des Staats Raths vom 25 Prai⸗ rial 13, und 5 Pluvioſe 8. Beſchluß der Regierung vom 35 Thermidor 13. 1) Die Geſetze werden in Frankreich öffentlich verhandelt. Von dem Kaiſer unter ſeinen Staats Räthen ernannte Retner uͤberbringen die Vorſchlaͤge dem geſetzgebenden Koͤrper, und 3 ½ entwickeln in oͤffentlicher Sitzung die Beweggruͤnde des Ge⸗ ſalbe ſetzEntwurfes. Dieſer wird an eine Kommiſſion verwieſen, i welche oͤffentlich ihren Bericht erſtattet; uber die Annahme ieſ⸗ oder Verwerfung des Vorſchlags wird öffentlich geſtimmt. des Erſt am zehnten Tage nachher wird das Dekret durch den 2u Kaiſer promulgirt, das heißt, mit der erekutoriſchen For⸗ on du mel bekleidet. Erſt von dieſer Promulgation an wird die, im nde Beſchluß vom 25 Thermidor 12, beſtimmte Zeitfriſt berech n ge⸗ net. E 2) Man darf die Promulgation nicht mit der Publi⸗ eder⸗ kation oder Verkuͤndigung eines Geſetzes verwechſeln. n Die erſte iſt nichts als der Akt der Regierung, welche dem mun geſellſchaftlichen Körper die Exiſtenz eines in der konſtitutio⸗ ulirt, nellen Form erlaſſenen Geſetzes kund thut; durch dieſen Akt vith wird das Geſetz verbindlich, ohne daß es dazu einer Ver⸗ chind kuͤndigung deſſelben bedärfte. Eben ſo darf man aber n⸗ 5 84 auch die Publikation nicht mit der Publizität eines Geſetzes verwechſeln, denn offenbar koͤnnte die Promulgation ohne Publizitat dem Geſetz keine verbindliche Kraft ertheilen, weit niemand ein Geſetz befolgen kann, welches er nicht kennt. Für dieſe letzte wird durch die oͤffentliche Dis⸗ kuſſion, die Mittheilung derſelben durch oͤffentliche Blaͤtter, den Aufſchub der Promulgation waͤhrend zehn Tagen, end⸗ lich durch die Verſendung eines eigenen Bullscin des loiæ an alle öffentliche Beamte geſorgt. Die faktiſche Publizi⸗ tät, welche vor der Promulgation beſteht, wird durch dieſe letzte zu einer dechtkichen erhoben. Wuͤrde aber auch die Verſendung des Hullelin des lolæ verſpätet, oder gienge es ganz Herlohren, ſo wäre das Geſetz dennoch mit Ablauf der durch den Beſchluß vom 25 Thermidor 12 beſtimmten Zeit⸗ friſt verbindlich, a) weil die Publizität des Geſetzes von der ueberſendung des Pulleein des loiæ unabhaͤngig iſt, welche nur zur ſchnelleren Verbreitung der Kenntniß deſſelben ſtatt hat, ¹) weil ſogar der Tag der Promulgation, nach dem des Dekrets im voraus beſtimmt werden kann. 3) Das Syſtem des Koder iſt logiſch weit richtiger als das des Geſetzes vom 14 Frimaire 2 Jahres, nach welchem das Ge⸗ ſetz 24 Stunden nach der Ankunft des Falleein des biaæ in dem HauptOrt des Departements verbindlich war. Der erſte verfäumt keines der Mittel, dem Geſetz Publizität zu ertheilen, allein er legt doch nicht einem unter dieſen Mit⸗ teln die Kraft bei, das Geſetz erekutoriſch zu machen. Die verbindliche Kraft des Geſetzes ſetzt nothwendig voraus, daß es bekannt ſein konne; dieſe Vorausſetzung läßt ſich aber aus der Ankunft eines Bulletins im HauptOrt des Departements oben ſo wenig ableiten, als fie durch den Umſtand des Aus⸗ 85 7 tät is bleibens dieſes Bulletins entkräftet werden kann. Eben ſowenig mulin wuͤrde irgend eine Pub litation die Wirkung haben, das ich huf Geſetz allen Bürgernbekannt, noch weniger die, es allen mh t Bürgern verſtändlich zu machen; wie ſollte es daher durch tich De eine Publikation verbindlich werden können? Bit, 4) Der Vorſchlag, die verbindliche Kraft der Geſetze in ganz Frankreich an einem und demſelben Tage eintreten zu laſſen, gin, i S ward nach einigen Debatten verworfen, weil die Wermu⸗ e Püi thung, daß ein Geſetz bekannt ſei, ſich nothwendig nach uhhi der Entfernung des Ortes, an welchem es vollzogen werden t ah ſoll, von dem, wo es erlaſſen worden, richten muß, und gi es von keinem Nutzen, wohl aber oft mit Nachtheil ver⸗ buf n bunden ſchien, ſeine verbindliche Kraft in einigen Theilen des muni Staates ſpaͤter als in andern, von dem Augenblicke ſeiner s unt Publizität an, eintreten zu laſſen. i, wit 5) Die kaiſerliche Dekrete, Gutachten des Staatsraths, und hn ſt alle andere Akte der Staats Gewalt, welche in dem Geheim⸗ honn niß des Kabinets diskutirt und erlaſſen werden, ſind in der Verfügung des Codex Napoleon nicht begriffen. Gutachten ßhuh des Staatsraths vom 25 Prairial 13 Jahrs) Ihre ver⸗— h b verbindliche Kraft kann erſt mit dem Augenblicke ein⸗ — treten, wo ſie dem Einzelnen durch eine offizielle Mitthei⸗ c p theilung, dem Volk durch ihre Publikation bekannt gemacht it worden ſind. Da dieſe(vorbehaltlich des Rechtes der Prä⸗ n fekten, alle Verordnungen von allgemeinem Intereſſe in en i ihrem Departement durch beſondere Abdröcke bekannt zu ma⸗ chen) noch immer durch die Ueberſendung des Bulletin des oi geſchieht, ſo pflegt die Regierung wichtige Dekrete wohl i einige Wochen vorher in den Moniteur und die übrige Zei⸗ i tungen einruͤcken zu laſſen, ehe ſie durch dieſe offizielle Sen⸗ S. dung an die öffentliche Gewalten exekutoriſch werden. 86 6) Die Geſetze werden nicht nach dem Tage ihrer Promul⸗ gation ſondern von demjenigen an datirt, an welchem ſi⸗ durch den geſetzgebenden Körper dekretirt worden ſind. Durch dieſes Dekret iſt das Geſetz vollendet: die Promulgation ver⸗ 5 ordnet nur daß es vollzogen werde.(G. d. St. v. 5 Pluv. 8.) 5. 27. Da das Geſetz nicht binden kann, ſo lange es noch nicht bekannt ſein konnte, ſo kann es in der Zeit, worin es noch gar nicht vorhanden war, keine Wir⸗ Art. 2 des E kung heworbringen; die Vergangenheit iſt auſſer ſei⸗ Nap. ner Gewalt, und wer ſich nach dem damals beſte⸗ henden Geſetze gerichtet hat, deſſen Handlungen und Rech⸗ te koͤnnen durch ein zu jener Zeit noch nicht vorhandenes Geſetz nicht vernichtet werden. Doch erſtreckt ſich die Wirkung einer offiziellen Interpretation auf alle, auch vergangene Fälle, die noch nach dem interpretirten Ge⸗ ſetz zu reguliren ſind. Auch verfuͤgt der Geſetzgeber zuweilen ausdrucklich fuͤr die Vergangenheit, wo als⸗ dann ſeine Vorſchriſt den Charakter eines allgemeinen urtheils annimmt; in beiden Fallen durfen durch ſolche ruͤckwirkende Verfuͤgungen freiwillige Verträge, oder in Rechtskraft erwachſene Urtheile, die den Parthepen als Geſetz gelten, nicht gekraͤnkt werden. Locers, esprit du Code Napolconi(I. 185), projet, liv. préli- minaire, tit. 4, Art. 2 et 3. VerbalProzeſſe vom 4 Thermi⸗ dor 9 und 5 Ventoſe 11. Thibant, Syſt. der Pandekt.§ 23. L. 7. C. de LL.(1. 14) Nov. 19. in præf. L. 21 in f. 1. 23. 8 2. C. de SS. eccles. d. 2). L. un. 6 4. C. de contract. jud.(. 53.) L. ult.§ 3. C. de legit. hered.(b. 53.) L⸗ 8 C. de hid. instrum.(14. 21.) omth henſi Duh tien w uu 3) nge e Zeit, Vi r ſi beſte Rech⸗ denes ch die ulch en Ge⸗ tzgebe o al⸗ meinen ſoche oder en ali o pril⸗ Lherni t. 3 1. ontrack, 87* 1) Das Geſetz unterſcheidet ſich darin von dem Urtheile, daß es allgemeine Vorſchriften fur die Zukunft aufſtellt, waͤhrend das letzte auf vergangene Thatſachen die zur Zeit der Hand⸗ lung beſtehende Vorſchriften anwendet. 2) Ein doppelter Grund kann den Geſetgebet bewegen, aus⸗ druͤcklich zuruͤckwirkende Verfuͤgungen zu erlaſſen: Mis⸗ bräuche abzuſchaffen, oder durch eine allgemeine Entſchei⸗ dung Anſpruche zu reguliren, in Hinſicht auf welche die beſtehende Goſetzgebung keine Vorſchrift enthielt. In beiden Fällen nimmt das Geſetz den Karakter eines Urtheils an, und findet daher nur dann ſeine Anwendung, wenn noch kein Urtheil oder kein Vertrag die Rechte der Partheyen regulirt hat(ſo wie auch interpretirende Geſetze nur auf ſolche fruͤhere Fälle, die noch nicht definitiv entſchieden oder verglichen ſind, anwendbar ſind.) Ein Beiſpiel von rückwir⸗ Lenden Geſetzen der erſten Art, liefert uns das Geſet vom 17 Nivoſe 2 in Betreff der Erbfolge, von der zweiten das vom 25 Germinal 12, in Betreff der Adoptionen⸗ die vor dem Coder Napoleon ſtatt gefunden hatten; wenn das erſte dieſer Geſetze auch fruͤhere Urtheile und Vertraͤge vernichtet, ſo laͤßt ſich dieſe Abweichung von den Prinzipien⸗ deren Grund man in den politiſchen Umſtänden zu ſuchen hat, nicht rechtfertigen, und die Verfaſſer deſſelben haben dies ſelbſt ſowohl gefühlt, daß ſie ſie vergebens durch die Behauptung zu beſchönigen ſuchten, als ſei das Prinzip deſſen Organiſation jenes Geſetz enthaͤlt, ſchon zu der Zeit angenommen geweſen, bis zu welcher fie es zuräckwirken lieſſen. Sobald ein poſitives rückwirkendes Geſetz vorhanden iſt, kann der Richter ſich nicht weigern es anzuwenden, weil er 38 ſich unter keinem Vorwand zum Geſetzgeber aufwerfen kann. Cur de lege jucicas, Vui vuden. ut Secundum lege⸗ judi. ce5(Agenteau.) 4) Im Allgemeinen werben fruhere Handlungen, welche we⸗ gen Mangel an Förmlichkeit ungltig waren, durch ein an⸗ deres Geſetz, welches dieſe Formlichkeiten nicht mehr als Bedingung ihrer Gültigkeit erfordert, nicht gůltig, weil ſonſt das neue Geſetz zuruͤckwirken wuͤrde. Die gegentheilige Verfügung galt im Preuſſiſchen LandRecht, Einleitung 5 17) 8 weiter Abſchnitt. Von der Interpretation der Geſetze. §. 30. Es giebt eine zweifache Art der Interpretation der Ge⸗ ſetze: die offiziele oder legale von Seiten der Staats Gewalt, die doktrinelle. Die erſte entſcheidet die Zweifel durch allgemeine und ver⸗ bindliche Verfugungen. Die zweite beſtimmt den wah⸗ ren Sinn eines Geſetzes in ſeiner Anwendung auf einzelne Fälle. Die erſte geſchieht in Fraukreich entwe⸗ der durch den Geſetzgeber ſelbſt, oder durch, vom Kaiſer genehmigte, und fuͤr die Gerichts Behörden verbindliche Gutachten des Staats Raths; ein wichtiges Hülfsm ttel der zweiten ſind die Urtheilsſpruͤche der obern Gerichtshöfe des Reichs. Projet du Code civil, Lire brslininare Tit F. Art. xet 2. Thibaut S d. P. 9 41 u. ff. Deſſelben Verſuche II, 3 Abh. Art. 52 der Konſütution vom Jahr VIII. 1) Offenbar iſt dieienige Gewalt, welche durch die Konſtitution mit der Abfaſſung der Goſetze beauftragt iſt, auch am be⸗ mn ju he we ein am hrt i ſut theig e5 Ge⸗ de dver⸗ wih⸗ uuj ntwe⸗ aiſ iche, tiges e der et 1. Abh. ution b ¹ 89 ſten im Stande, uͤber den Sinn, in welchem die Abfaſſung einer dunklen Geſetzſtelle zu verſtehen iſt, Aufſchluß zu er⸗ theilen. Deshalb geſchieht die offizielle Auslegung der Ge⸗ ſetze durch Gutachten des StaatsRaths, welchen der Kai⸗ ſer durch ſeine Genehmigung verbindliche Kraft ertheilt. Die⸗ ſe Gutachten datiren ſich von dem Tage der kaiſerlichen Approbation, und nicht von dem der Berathſchlagung. Es iſt hier der umgekehrte Fall wie bei den Geſetzen, weil das Gutachten bis zu dem Augenblick der kaiſerl. Genehmigung bloſſer Vorſchlag bleibt. 2) Die Geſetze, die nur allgemeine Regeln ertheilen, be⸗ durfen einer doktrinellen Auslegung ſchier in allen einzelnen Faͤl⸗ len, die faſt immer mehr oder minder von dem abweichen, fuͤr welchen namentlich die Vorſchrift ertheilt wird. Die Eintheilung der doktrinellen Auslegung 1) in die grammatiſche, welche bloß auf die gebräuch⸗ liche Bedeutung des Wortes Räͤckſicht nimmt, und zwar in a) Interpretatio verbalis. 5) Interpretatio stricta. e) Interpretatio lata. a] in die logiſche, welche auch auf den allgemeinen Sinn des Geſetzes und die Abſicht des Geſetzgebers Ruͤckſicht nimmt, und die Unterabtheilungen dieſer let⸗ ten in a) Interpretatio declarativa. 6) Interpretatio extensiva. c) Interpretatio restrictiva. iſt auch im franzöſiſchen Rechte, als aus der Natur der Sache herflieſſend, angenommen. — 0 3) Die Regein des römiſchen Rechtes, nach welchen jebes Ge⸗ ſetz in demjenigen Sinne genommen werden muß, der der Menſchlichkeit(I. 18. ff de legibus, 1 5) und der Bil⸗ ligkeit(I. 67. de regulis juris, 50 17) am meiſten ent⸗ Fricht, und ſich am wenigſten von dem gewöhnlichen Ge⸗ brauch entfernt(1. 114 ff. de regulis juris 55, 17) nach welchen zur Auslegung neuerer Geſetze die ältere, und umge⸗ Lehrt, zu Huͤlfe genommen werden muſſen,(L. 26 und 2s ſt eod) ſind gleichfalls noch heut zu Tage anwendbar. Dritter Abſchnitt. Von der Kolliſion der Geſetze. §. 31. In Fällen eines Widerſpruchs zwiſchen mehreren Ge⸗ fetzen „ hebt das neuere Geſetz das ältere auf; 3) es ſei denn, daß das neuere nicht in der Abſiche erlaſſen worden wäre, dem ältern zu derogiren, und daß die Befolgung beider nebeneinander be⸗ ſtehen könnte, in welchem Falle man beide zu beſolgen hat; in beſondern Fällen erlaſſene Geſetze ſind nur als Ausnahmen von der Regel zu betrachten, und ſtehen daher wit derſelben nicht im Widerſpruch. Thibaut S. d. P. J 35 u. ſf. L. 80 de R. J.(30. 17.) 1) Ein Beiſpiel von dem zweiten der obigen Fälle bietet uns der Art. 10 41 des Geſetzbuchs uber das Verfahren im bürgerli⸗ chen Prozeß dar, der, ohngeachtet er alle frühere Geſetze, Verordnungen und Gebrauche, welche die ProzeßOrdnung zum Gegenſtande haben, fur abgeſchaft erklärt, dennoch den⸗ jenigen Geſetzen nicht derogirt, die für gewiſſe Prozeſſe Ci⸗ 91 B. bie, welch Streitfragen üͤber Einregiſtrements Gebuͤhren de B zum Gegenſtande haben), ein beſonderes Verfahren ange⸗ ſun u ordnet haben. chn 6. 2) Ein Beiſpiel der lezten Gattung liefert uns der Art. 1096 )n des C. R. welcher die während der Ehe von einem der Ehe⸗ bun gatten dem andern gemachte Schenkungen zwiſchen Lebenden urh 3 widerruflich erklärt, ohngeachtet im Allgemeinen die Un⸗ widerruflichkeit der weſentlichſte Charakter der Schenkun⸗ gen zwiſchen Lebenden iſt. 3) Da Frankreich kein rezipirtes Recht mehr hat, ſo ſinb die Kolliſions Fälle nothwendig ſeltener als unter der Herr⸗ n Ge⸗ ſchaft der romiſchen Rechte.(Siehe die Anmerkung Nro. 6 zum folgenden Paragraph.) Vierter Abſchnitt. ur. Abſicht Von der Entſcheidung der Faͤlle, die in den Geſetzen nicht vorgeſehen rogiren. det b Es iſt einer der Hauptharaktere geſetzlicher Verfu⸗ gungen allgemein zu ſein. Sie koͤnnen ſich daher m nicht auf alle beſondere Fälle ausdehnen; folgende drei n Regeln dienen dem Richter zur Richtſchnur, wenn der jnt Geſetzgeber ihn ohne Vorſchrift gelaſſen hat: 21) Er darf nie ſein Urtheil verweigern; Art.. 2) Doch muß er ſich auf die Entſcheidung des einzelnen Art. 3. uns h Falles beſchraͤnken, ohne dieſelbe als allgemeine Norm lh fuͤr die Entſcheidung aller ähnlichen Fälle aufſtel⸗ 60. len zu konnen; 3) Handelt es ſich von einem CwilProzeſſe, ſo ſpricht och er nach dem GewohnheitsRecht; iſt auch kein Ge⸗ eſtli wohnheits Recht vorhanden, nach der natůrlichen er Billigkeit. Das roͤmiſche Recht kann daher nur als Autoritoͤt, nicht aber als ſubſidiariſches Geſetz, in Anſchlag kommen. In peinlichen Fällen muß der Richter die Klage ab weiſen, ſobald ſie ſich auf keinen beſtimmten Bext gruͤndet. Locré, esprit du C. N. I, 204. Verbal Prozeße vom 4 und 14 Ther⸗ midor 9, und 5 Ventoſe 1I. L. 15 H. de leg.(1.3.) Zacha⸗ ri Handbuch des franz. CivilRechts, Einleitung, S. VIII. Dabelow Archiv fuͤr den Code Napoléon, 1 20, u.ff. Geſetz vom 16 September 1807. Art. 306, 507 und 508 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß. 2) Unter der alten Verfaſſung, wo ein Theil der geſetzgeben⸗ den Gewalt ſich in den Händen der Parlamente befand, erlaubten ſich dieſe, ihre Entſcheidungen in beſondern Faͤllen zu Verordnungen fuͤr alle aͤhnliche Fälle zu erheben; ſol⸗ che Urtheile wurden arréts de reglement genannt, und waren im ganzen Gerichtsſprengel des Parlaments verbind⸗ lich. Das Geſetz vom 24 Auguſt 1700, 11 Titel, Art. 12 machte dieſem Misbrauch zwar ein Ende, allein indem es den Gerichtshoͤfen befahl, ſich an den geſetzgebenden Koͤrper zu wenden, ſo oft ſie es fur noͤthig halten wuͤrden, ein Ge⸗ ſetz zu interpretiren oder ein neues zu erlaſſen, veranlaß⸗ te es einen nicht minder gefaͤhrlichen Misbrauch, indem vie⸗ le Tribunalien glaubten, daß es ihnen verboten ſei, in Erman⸗ gelung eines Geſetzes nach dem Gewohnheits Recht oder der naturlichen Billigkeit zu ſprechen. So oft daher das Geſetz ſchwieg, ſuspendirten ſie ihre Entſcheidung und referirten an die geſetzgebende Gewalt. Ohngeachtet der Faſſationshof dieſe Urtheile immer kaſſirte, wenn die Kaſſation derſelben nachgeſucht ward, ſo dauerte es doch ſehr lange, bis dahin jener Irrthum ganz verſchwand. 93 n i a) Der Richter hat einen doppelten Karakter; er iſt der Die⸗ ſchei ner des Geſetzes, ſo oft eines vorhanden iſt, und ein von der Staats Gewalt angeordneter Schiedsrichter, wenn das Geſetz ſchweigt. Dieſer zweite Karakter iſt durchaus nothwen⸗ inte. dig, wenn nicht der Lauf der Gerechtigkeit ohne Unterlaß be unterbrochen werden ſoll. Die Entſcheidung der Staats Ge⸗ walt zu uͤberlaſſen, wurde den doppelten Nachtheil haben, ſ. cin den in dieſen Fällen erlaſſenen Verordnungen eine ruͤckwir⸗ ſellut ende Kraft zu ertheilen, und die gefährliche Jurisprudenz der Reſcripte zu erneuern. gehn 3) Auch kann keine der Partheyen ſich durch dieſe Anotbnung befan, von öffentlichen Schiedsrichtern fuͤr alle von Filin dem Geſetz nicht vorgeſehene Fällen beſchwert halten, in⸗ ſoh dem es ihnen in allen dieſen Fällen erlaubt iſt, uͤber un die Wahl anderer, beliebiger Schiedsrichter ubereinzukommen, rbinde deren Entſcheidungen dieſelbe exekutoriſche Kraft haben, als Art wären ſie von dem geſetzlich angeordneten Richter erlaſſen dem es worden. Koͤnnen ſie ſich aber uͤber dieſe Wahl nicht verei⸗ Kin nigen, ſo ſteht ſie der Staats Gewalt zu, von welcher jede n Ge⸗ der Partheyen ſchon aus dem Grunde ein Mittel zu for⸗ unn⸗ dern berechtigt iſt, um dem Prozeß ein Ende zu machen, ii weil man ihr jede Selbſt Huͤlfe unterſagt. Eine Ausnahme ihn⸗ von der Regel des Art. 4, worin der Richter nicht ſprechen darf, ohne eine authentiſche Interpretation nachgſucht zu er der 6et haben, bietet uns das Geſetz vom L6ten September 1807, (ſiche meine Ueberſetung des: Geſetzbuchs uͤber das ten mn in Verfahren im burgerlichen Prozeß, Anhang, n S. 354) dar; allein dieſe Ausnahme grundet ſich darauf, z vaß in dieſem Falle kein Richter äbrig bleibt, der uͤber das u Kaſſations Geſuch erkennen koͤnnte. 94 4) Mit dem Art. 4 konferire man die Art. 506, 507 und 5o8 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß, welche beſtimmen, wann eine ſolche Weigerung vor⸗ handen iſt, und den Partheyen die Mittel angeben, um ſie zu beurkunden. ) Die Billigkeit, nach welcher der Richter in Ermangelung von geſchriebenen und ungeſchriebenen Geſetzen zu erkennen hat, iſt nichts als das Naturrecht in obigem Sinne und mit den Beſchraͤnkungen die es durch den geſellſchaftlichen Zuſtand erleidet. Man ſehe was wir oben 5 8 Nro. 4 in Hinſicht auſ das GewohnheitsRecht bemerkt haben. 6) In Deutſchland war lange und iſt zum Theil noch die durchaus irrige Idee verbreitet, als ob das romiſche Recht in Frankreich noch immer als ſubſidiariſches Recht verbindliche Kraft habez ja man hat ſogar in der Zeitſchrift: der rheiniſche Bund, als einen Grund gegen die Einfuͤhrung des Coder Napoleon in den rheiniſchen Bundesſtaaten die durchaus falſche Behauptung aufgeſtellt: in Frankreich ſei der Coder Napoleon das, was die Provinzialſtatuten in Preuſſen und das römiſche Recht das, was bort das preuſſiſche Geſetzbuch ſei. Hauptſaͤchlich gruͤndet man dieſe Behauptung darauf, daß man in der Diskuſſion des Co⸗ der ſich oͤfters des Ausdruckes bedient hat: que la loi romaine conserve l'autorité de la raison écrite. Wenn man jedoch bedenkt, daß es die HauptAbſicht der franzoͤſiſchen Geſetzgeber war, der Eintheilung der franzöſiſchen. Pro⸗ vinzen in pays du droit 6erit und pays coutumier fur immer ein Ende zu machen, und daß man deshalb die Vorſicht gehabt hat, ſogar in Fällen,(. B. bei EheKon⸗ trakten,) wo die Gewohnheit die Einwohner gewiſſer Provin⸗ . n 95 zen oft beſtimmen wird, dasjenige als konventionelle Sti⸗ mn pulation anzunehmen, was ehedem in S Bner uſ eſedliche Beſtimmung war, zu verbieten, ſich im Allgemeinen den Bedingungen dieſes oder jenes Land⸗ min rechtes zu unterwerfen,(ſo daß der Rotar, um den Zweck der Partheien zu erreichen, genöthigt iſt, alle die Verfuͤgungen deſſelben in den Akt einzuruͤcken,) ſo kann man ſiihn doch unmoͤglich annehmen, daß der Geſetzgeber bennoch dieſe ehemalige Geſetzgebungen habe beibehalten und ihnen ei⸗ ne ſubſidiariſche Kraft laſſen wollen, denn daſſelbe, was in h di den pays du droit Cerit von dem römiſchen Recht gelten geht ſoll, muß doch auch in den pnys coutumiers von ihren eht drei hundert GewohnheitsRechten gelten; uͤberdieß hat aber ziſt: der Geſetzgeber ſeine Arſicht mit duͤrren Worten erklaͤrt: nſi Von dem Tage an, heißt es im Art. 7 des Geſetzes vom iſhn„30 wo Geſetze( der Coder Napoleon) ſit„exekutoriſch ſind, hoͤren die römiſchen Geſetze, die zi„Ordonnanzen, die allgemeinen und Lokal Gewohnheitsrech⸗ e Stütti und Verordnungen auf, in denjeni⸗ „gen Materien(nicht in denjenigen Verfuͤgungen, ſon⸗ „dern in allen Materien des CivilRechts), welche der Ge⸗ „genſtand der beſagten Geſetze ſind, als allgemeine oder „beſondere Geſetze Kraft zu haben.“ 3 7) Allein, erwiedert man, wie iſt dieſe Behauptung mit jener ſin Erklärung vereinbarlich: que le droit romain conserve N 1'autorité de la raison écrite, und warum hat die mie Regierung beſondere Kurſe des römiſchen Rechtes ange⸗ l ii ordnet? Weil ein groſſer Theil der Verfuͤgungen der fran⸗ n zoſiſchen Geſetzgebung aus der roͤmiſchen entlehnt iſt, weil win die Beiſpiele dieſer lezten den Regeln der erſten als Erln⸗ ₰ 96 terung und als Commentar dienen, weil uͤberhaupt ohne das Studium der romiſchen Geſetze keine Rechtswiſſe ſchaft denk⸗ var iſt. Allein weder hieraus, noch aus jener Erklärung, läßt ſich fuͤr die römiſche Geſetzgebung eine verbindliche Kraft herleiten. Das roͤmiſche Recht iſt in Frankreich eine Autorität, und kein Geſetz, auch kein ſubſidiariſches. Hät⸗ te der Richter in einem, von dieſen Rechten in terminis vorgeſehenen Falle, von der in den franzöſiſchen Rechten enthaltenen und von dem romiſchen Beiſpiel abgeleiteten Re⸗ gel eine dieſem ganz entgegengeſetzte Anwendung gemacht, ſo könnte dieſes Urtheil wohl reformirtwerden, weil jene An⸗ wendung der Vernunft, und der vernunftmäßigen Anwendung in dem Beiſpiel, widerſpricht, nicht aber, weit der Richter ſich nicht an die Entſcheidung des römiſches Textes gebunden hat. Deshalb giebt auch die Verletzung der roͤmiſchen Geſetze nie und in keinem Falle zur Kaſſa⸗ tion eines Urtheils ſtatt, weil der Kaſſationshof ſich mit der Frage, vb gut oder uͤbel geſprochen worden, nicht be⸗ ſchäftigt, ſondern nur mit der, ob das Geſetz verletzt worden iſt oder nicht. Der Unterſchied, den Herr Schönmann in der Vorrede zu ſeiner: Vergleichung des roͤmiſchen CivilRechtes mit dem franzo⸗ ſiſchen zwiſchen dem franzöſiſchen und preuſſiſchen Geſet⸗ buche macht, iſt um ſo unrichtiger, weil das Geſetz vom 30 Ventoſe 12 woͤrtlich dieſelbe Verfuͤgung enthält, die er aus dem preußiſchen anfuͤhrt, und die von ihm angefuͤhrte Stellen einiger Redner durchaus nichts beweiſen, 1) weil ſie nicht das ſagen, was er behauptet, 2) weil die Ver⸗ handlungen und Vortraͤge der Redner krberhapt wohl als Commentar zu dem Coder ſelbſt ſchätzbar, durchaus aber keine offizielle Interpretation deſſelben ſind. chn Nift h⸗ künn, nolicht krich in 6. hit terminis Rehhn iteten e gemacht, jene In ßig en t, weil imiſches erlezung Kaſfe⸗ ſich mit nicht i⸗ verletzt en Hen ichung tanzi⸗ Geſth vom 3o die e ngeführe ) wil die Ver wehl nus cin 97 8) Noch iſt zu bemerken, daß die ſtrengere Abfaſſung des Art. 4: 8e rend coupable de deni de justice, in die mil⸗ dere: pourra etre poursuiwi comme coupable umge⸗ aͤndert orden iſt. 9) In KriminalFällen iſt dem Richter durchaus verboten, das Geſetz zu ergänzen, und zwar darf er nicht einmal eine au⸗ thentiſche Interpretation nachſuchen, ſondern muß unbedingt freiſprechen. Art. 2 u. 3 des Geſetzbuchs der Verbrechen und Strafen. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Anwendung der Geſetze. §. 33. Der Richter darf nicht unterſcheiden, wo das geſez nicht unterſcheidet. Er darf ſeine Vermuthungen nict an die Stelle der ge⸗ ſetzlichen ſetzen. Er darf keine Ausnahme nne, wo das Geſetz teine zuläßt. Er darf die fur einen Fall aufgeſtellte Regel auf einen andern nur dann anwenden, wenn durchaus derſelbe Grund zur Entſcheidung vorhanden iſt. IL.. 22 ff. de leg.(1. 63) L. 5. C. de leg.[1, 14) L. 12% 1. qui et aquib. man.(40, 9) 7) So macht das Geſetz in dem Falle des Artikels 316 kei⸗ nen Unterſchied zwiſchen dem Ehegatten, den eine Krankheit an das Bett feſſelt, und demjenigen, der ſeiner Geſundheit genießt, wohl aber zwiſchen demjenigen, der abweſend und demjenigen, der anweſend iſt. Der Richter wuͤrde daher nicht befugt ſein, eine Unterſcheidung zu machen, die das Geſetz nicht gemacht hat. 7 Art. 1101. Art. 6. 98 2) Der Art. q11 enthält eine geſetzliche Vermuthung. Der Richter darf ſeine, aus den beſondern Umſtänden des Falles geſchöpfte Vermuthung, daß die Schenkung nicht dem Va⸗ ter gemacht worden ſei, um ſie auf mittelbarem Wege dem Sohne zukommen zu laſſen, nicht an die Stelle der ge⸗ ſetzlichen ſetzen. 3) Der Richter wuͤrde eine Ausnahme machen, die das Geſetz nicht zulaͤßt, wenn er im Falle des Art. 314 dem Mann die Klage auf Verläugnung aus dem Grunde verſagen wollte, weil er, ohngeachtet er unmittelbar nach der Ehe die Schwan⸗ gerſchaft ſeiner Frau erfahren hatte, demohngeachtet fortge⸗ fahren habe, ehelich mit ihr zu leben. 4) Endlich darf man die im Art. 290 fuͤr den Fall einer Ehe⸗ ſcheidung aufgeſtellte Regel auf den Fall einer Tren⸗ nung von Tiſch und Bett nicht anwenden, weil nicht dieſelbe ratio legis vorhanden ſein wuͤrde. Sechster Ab ſchnitt. Von der gegenſeitigen Kraft der Geſetze und der Conventionen. §. 34. Eine Convention enſteht aus der gegenſeitigen Einwilli⸗ gung zweier oder mehrerer Perſonen, etwas zu geben, zu thun oder nicht zu thun. Die Geſetze enthalten theils Vorſchriften, theils Verbote. Da nur das allgemeine Wohl den Geſetzgeber zu irgend einem Verbote beſtimmen kann, ſo folgt daraus, daß man nicht uͤbereinkommen kann, etwas zu thun, was das Geſetz verboten hat. Der Beweggrund geſetzlicher Vorſchriften iſt ent⸗ weder aus dem allgemeinen Wohl abgeleitet, und alsdann kann man gleichfalls nicht übereinkommen, die Vorſchrift nicht zu beobachten. Beabſichtigt dieſe aber nur das 90 e Wohl der Partikularen, und iſt nur in Ermangelung ei⸗ 6 ner beſondern Uebereinkunft erlaſſen worden, ſo kann man 8 n b uf die daraus herflieſſende Gerechtſame verzichten, Pan und das Geſetz findet nur in ſo weit ſeine Anwendung, ledup⸗ als keine beſondere Uebereinkunft vorliegt. L25 in pr. leg. 38 fl. de pactis(2. 14) Leg. 1.„ 9. fl. de mag. ¹3 Giſ conv.(27, 8) L. 25 1. fl de R. J.(50, 170, Locrs, I aar, Mnn VerbalProzeße vom 14 Thermidor 9 und; Ventoſe 11. en nolt, 4) Es iſt hier nicht der Ort, die Frage zu eroͤrtern, in wie Schwen fern Uebereinkuͤnfte und Stipulationen uͤber Handlungen, t fortg⸗ die durch kein ausdruͤckliches Geſetz verboten ſind, dennoch unguͤltig erklaͤrt werden können, die wir bei Gelegenheit der rEhe Art. 1108, II37, 1133 des Coder zur Sprache bringen Lren⸗ werden, ſondern hier iſt lediglich davon die Rede, in wie , wil fern das Geſetz der Convention oder die Convention dem Geſetz derogirt. 2) Niemand kann den Rechten und den Befugniſſen eines An⸗ ſonen dern Abbruch thun, aber jeder kann auf ein Recht, das zu ſeinem alleinigen Vortheil begrundet iſt, Verzicht leiſten. Alle Figmili Geſetze, bei welchen die öffentliche Ordnung betheiligt iſt, gebin, ſind fuͤr das Wohl und zum Vortheit aller Individuen, en theil aus deren Vereinigung die Geſellſchaft beſteht, erlaſſen; es lgenin iſt daher augenfallig, daß kein einzelnes Glied der Geſell⸗ ſinnn ſchaft Geſetzen derogiren kann, bei deren Beobachtung Alle tomnn betheiligt ſind. t. 3) Demnach kann wohl der Schuldner mit ſeinem Gläubiger ſt ubereinkommen, dem letzten eine geſetzlich erworbene Ver⸗ göban jaͤhrung nicht einzuwenden, denn wenn gleich ein Beweg⸗ unchi grund der offentlichen Ordnung, die Stabilität des Eigen⸗ nut da thums, urſpruͤnglich die Verjaͤhrung begruͤndet hat, und in 5 100 ſoweit jedem Mitglied der Geſellſchaft daran gelegen ſein muß, daß es die Verjährung in dazu geeigneten Faͤllen zur Erhaltung ſeines Beſitzthums einwenden könne, ſo liegt doch der Geſellſchaft ganz und gar nichts daran, ob der Einzelne in einem beſondern Falle von dieſer Einrede Gebrauch macht. 4) Anderſt verhalt es ſich mit den Geſetzen, bei deren Anwendung auf jeden einzelnen Fall die ganze Geſellſchaft betheiligt iſt, z. B. den in Betreff der Ehe, der Eheſcheidung ꝛc. c. Nicht allein iſt die Geſammtheit der Buͤrger dabei intereſſirt, daß äberhaupt die Ehen nicht willkuhrlich aufgelößt werden können, ſondern die Geſellſchaft iſt auch in jedem einzelnen Falle gewiſſermaſſen Parthie. 5) Es giebt endlich Fälle, worin das Geſetz verbietet, auch denjenigen Geſetzen, die nur zum Vortheil der Partiku⸗ laren erlaſſen worden ſind, zu derogiren, z. B. wenn es dem Vormuͤnder unterſagt, ſelbſt zu groͤſſerem Vortheil der Minderjaͤhrigen ihre Guͤter auf eine andere als die geſetzlich vorgeſchriebene Art zu veräuſſern. Hier iſt jedoch der Be⸗ weggrund des Verbots wieder aus dem allgemeinen Wohl abgeleitet, indem das Geſetz diejenige Art vorgeſchrieben hat, welche es fuͤr die vortheilhafteſte haͤlt; da nun der Minderjährige wegen ſeiner Unfaͤhigkeit zu kontrahiren nicht auf die ihm zuſtehende Gerechtſame verzichten kann, ſo ſchien es allzu gefaͤhrlich einem Dritten die Befugniß zu geſtatten, es in ſeinem Namen zu thun, und wenn gleich nicht zu ver⸗ kennen iſt, daß in einzelnen Fällen die Vortheile, die durch eine ſolche Convention erreicht werden koͤnnten, verlohren gehen mögen, ſo hielt man es fur gerechter, dem Einzelnen einen Vortheil, auf den er nicht rechnen konnte, zu entzie⸗ hen, als durch die allgemeine Autoriſation von Ausnahmen TOI Nn ſin das Intereſſe Aller zu gefaährden. Die Geſetze, welche die len jn Form jener Verauſſerung beſtimmen, ſind daher gleichfalls egt oh Geſetze der offentlichen Ordnung, nicht in Hinſicht auf ihren Einn Gegenſtand, ſondern in Hinſicht auf die Perſonen, zu de⸗ hnnht. ren Vortheil ſie erlaſſen ſind. wenbu Zweites Kapitel. iigtſi PVon der Anwendung der Geſetze auf die CivilRechte. c. Ni§. 35. erſit, Der Gegenßand der im Coder Rapoleon enchaltenen worhen Geſetze ſind die CivilRechte, oder die Befugniſſe, wel⸗ nulnn che in Frankreich aus den Verhaltniſſen des PrivatRechts ſowohl zum Vortheil einer Perſon gegen die andere, als zum auch Vortheil der Perſonen in Hinſicht auf die Sachen, die im artikt⸗ Verkehr ſind, entſpringen. en Titel I des I Buchs des Codex. Loers, esprit du C. N. I 232 VerbalProzeße vom6, 14, 16, 34, 26 Thermidor und 4 Frukti⸗ i ie dor 9, 28 Brum. und 12 Frim. 10, 6 und a0. Prum. und 4 Frim. 11. gſhlih gachari 1 9 10, S. 22 und ff., Dabelow Archiv, 1 a53. er F⸗ 1) Keine der Materien des Coder iſt wohl abſtrakter als die, Wehl welche in dem erſten Titel des erſten Buchs abgehandelt wird, chrieben und es iſt nicht zu verkennen, daß die Schwierigkeit zum un det Theil daher entſprungen iſt, daß wir die romiſche Einthei⸗ nnicht lung des Rechtes verlaſſen haben; denn ohngeachtet wir un⸗ o ſchin ter dem CivilRecht nur das Privat Recht verſtehen, ſtattn, ſo können wir doch, wenn von dem Genuß und der Berau⸗ zu ber bung der ECivil Rechte die Rede iſt, von der Idee des Jus ie dunh ewitatis nicht ganz abſtrahiren, weil es durchaus nicht zu laͤug⸗ etohrn nen iſt, daß derjenige, der die Eigenſchaft eines Franzoſen inzelnen verlohren hat, dennoch der Befugniſſe des PrivatRechts entj nicht beraubt wird, ſondern nur eine Veraͤnde⸗ ahnn rung darin erleidet, deren allgemeine Regel im Art. 11 ent⸗ 102 halten iſt, und kraft welcher es ſogar möglich iſt, daß er durchaus keine Veraͤnderung in denſelben erleide. Zu behaupten, die Befugniſſe, welche er in dieſem Falle kraft des Art. 11 in Anſpruch nehmen kann, könne er nicht aus dem PrivatRecht, ſondern nur aus dem Staats Recht ablei⸗ ten, iſt eine bloſſe Subtilität, in dem auch derjenige, der ſich z. B. bei einer Nation naturaliſiren läßt, mit welcher Frankreich durchaus keine Verträge hat, dennoch jener Be⸗ fugniſſe nicht unbedingt beraubt iſt, indem er nicht allein mit einem Franzoſen forthin kontrahiren, ſich ihn verpflich⸗ ten, in Frankreich Eigenthum erwerben und alle daraus her⸗ flieſſende Rechte geltend machen kann,(wenn anderſt keine ſtaatsrechtliche Verfugung ihm diefe Befugniß ausdrück⸗ lich unterſagt, in welchem Falle das Staats Recht ihn wohl derſelben beraubt, ſie ihm nicht aber im entgegengeſetzten Falle ertheilt) ſondern auch ſogar ſeine Erbfaähigkeit in Frank⸗ reich nicht einmal unbedingt verliert, weil ſie in Ermange⸗ lung von Vertragen von den Geſetzen und Gewohnheits Rechten ſeines neuen Vaterlandes abhaͤngt. Das römiſ che Eigen⸗ thum, welches itzt ſo haͤufig angefochten wird, hatte die Schwierigkeit gluͤcklich vermieden, welche darin liegt, daß der Coder von einer Beraubung der CivilRechte(der aus dem PrivatRecht herflieſſenden Befugniſſe) durch den Ver⸗ luſt der Eigenſchaft eines Franzoſen ſpricht, waͤhrend man doch dem Individuum, welches ſich in dieſem Falle befindet, beinahe alle dieſe Befugniſſe auch forthin zugeſtehen muß. Um jedes Misverſtändniß über den eigentlichen Sinn der in dieſem Titel des Coder aufgeſtellten Grundſätze zu vermeiden, wußte ich keinen beſſern Ausweg, als alle die Fälle zu durchgehen, in welchen der Verluſt der Eigenſchaft eines Franzoſen oder 103 i u überhaupt die Eigenſchaft eines NichtFranzoſen von einigem zu Eeinfluß auf das PrivatRecht iſt; in welchen Fällen ubri⸗ inſt gens jene Eigenſchaft erworben oder verlohren wird, kann tn erſt im erſten Titel des Buchs: von den Perſonen, aus⸗ li⸗ andergeſetzt werden. „de 2) Weder Zachariä noch Dabelow ſcheinen mir die Fra⸗ elhr ge: was iſt unter droits civils im Sinne des Codex zu t Be verſtehen, deutlich und praͤzis beantwortet zu haben: allein der erſte, weil er die Civil Rechte unbedingt auf den Begriff pfſich von Jus civitatis zurückfuͤhrt, und daher die Frage; wel⸗ het⸗ che Rechte zu den buͤrgerlichen gehoͤren? als ſynonim keine mit der: welche Rechte ganz allein auf dem po⸗ růc⸗ ſitiven Geſetze beruhen? behandelt, ſtatt daß es ſich wohl aus den Verhandlungen im Staatsrathe und aus dem Wer⸗ ke Loers's unwiderſprechlich ergiebt, daß dieſe Frage viel⸗ rank⸗ mehr mit der: welche Rechte flieſſen aus dem(na⸗ ange⸗ türlichen und poſitiven) Priv atRecht her, chten ſynonim iſt: dann duͤrfte die Entſcheidung derſelben in ein⸗ iger⸗ zelnen Fällen auch wohl weniger ſchwierig ſein, als wenn te di ſie von den bei Zachariq aufgeſtellten Regeln abgeleitet wer⸗ „deß den muͤßte, nach welchen man, wo die Anglogie des Art. 25 nicht (dr aushilft, auf allgemeine Re chtsPrinzipien Ruͤck⸗ Ver⸗ ſicht nehmen ſot; denn wo ſoll man dieſe allgemeine min RechtsPrinzipien aufſuchen, wenn das Recht nothwendig ndet, ganz allein auf poſitiven Geſetzen beruhen Un muß, um ein CivilRecht zu ſein 2 Hr. Dabelow be⸗ iſn merkt dagegen zwar ganz richtig, daß uns hier die Analogie ute des Art. 25 durchaus nicht leiten kann, indem, was haupt⸗ hn, ſächlich Mißverſtandniße veranlaßt, die Beraubung der Ci⸗ cher vilRechte durch gerichtliche Verurtheilung, mort civile ge⸗ 5 6 104 nannt, und die von dem Koder gleichfalls ſogenannte Be⸗ raubung der CivilRechte durch den Verluſt der Eigenſchaft eines Franzoſen zwei himmelweit von einander verſchiedene RechtVerhaltniſſe ſind. Dagegen glaube ich, daß er mit groſſem Unrechte die zu gebende Regel ganz allein aus dem roͤmiſchen Rechte ableiten will, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil wir heut zu Tage jus civile nennen, was dieſes jus privatum nannte.(Siehe Seite 13, Nr. 6.) Die ro⸗ miſche jura civilia waren daher von den juribus naturali- bus durchaus getrennt, waͤhrend das franzöſiſche Civi Recht die Privatrechtliche Verfugungen des Naturrechts und der poſi⸗ tiven Geſetzgebung tegreift, ein Umſtand, der, wie' wir ſe⸗ hen werden, die Schwierigkeit gröſtentheils 1ößt. Hr. Dabe⸗ low ſchließt ʒwar mit dem Ausruf: was kümmern mich die Be⸗ hauptungen franzoͤſiſcher Juriſten? worunter er namentlich Locrs anfuͤhrt; allein die Diskuſſion dieſer Frage bei Loecré enthaͤlt ducchaus nicht deſſen eigene Meinung, ſondern nur das Reſultat der offiziellen Verhandlungen und die Verglei⸗ chung mit den VerbaProzeſſen beweißt, daß er dieſes getreu mitgetheilt hat. Die Meinung der Juriſten, welche den Kodexr abgefaßt, und die bei deſſen Abfaſſung gemachte Einwuͤrfe debattirt haben, ſind aber, wie mich duͤnkt, doch eine Autorität, um die ſich derjenige zu bekummern hat, der den wahren Sinn deſſelben erkennen und aus ſprechen will. *§. 36. Die Geſetze, welche die Verhältniſſe unter den Perſo⸗ nen, und die daraus herflieſſende Befugniſſe reguliren, ſind von einer doppelten Art: urt. z. 1) Es giebt Verhältniſſe, welche aus dem Rechte jedes Individuums auf perſönliche Freiheit und 105 eBe Sicherheit entſpringen. Da dieſe Gerechtſame hiſ in dem Raturrechte ihren Grund haben, ſo ſtehen ſie ſedene allen Individuen ohne Unterſchied der Nation zu, je⸗ e nit doch unter den Einſchränkungen, welche die poſitive in Geſetzgebung des Landes, worin ſie in Anſpruch ge⸗ fuhin nommen werden, verfuͤgt. Die Geſetze, welche die⸗ sdſt ſe Einſchränkungen enthalten, heiſſen Sicherheits⸗ Nie t und PolizeiGeſetze, weil die allgemeine Sicher⸗ heit ihr Zweck iſt. Sie ſind für alle Individuen cht die verbindlich, die ſich im Lande aufhalten, ohne Unter⸗ peſi ſchied der Nationalität.— it ſe⸗ 2) Alle bloß perſonliche Verhältniſſe des PrivatRechts abe⸗ nehmen in der Ehe, und der wirklichen oder nachge⸗ eBe⸗ ahmten Vaterſchaft, ihren Urſprung. Die Eigenſchaften ntich als Ehegatte, Wittwer, Vater, Sohn, Bruder, als ocré Mitglied dieſer oder jener Familie, ſind es, woraus der mr buͤrgerlicheZuſtand(Civilſtand, btat cinil,) ei⸗ nes Indivivuums beſteht. Die poſitive Geſetze, welche zetnr die aus dieſem Zuſtand entſpringende Befugniſſe reguli⸗ uelhe ren, ſind, als bloß perſönliche Geſetze, nur füͤr die Glieder ucht derjenigen Nation verbindlich, fuͤr welche ſie erlaſſen doh worden ſind, aber ihre Verbindlichkeit in Hinſicht auf ha, dieſe wahrt auch fort, ſelvſt wenn ſie ſich im Aus⸗ nü lande aufhalten ſollten, ſo lange ſie ſelbſt noch fort⸗ hin Glieder der Ration bleiben. Locré, I, 192. VerbalProzeſſe vom 4, 6 und 14 Thermidor 9 uſo 5 Ventoſe 11, projet du Code, Liv. pré limn. tit. 4. Art. 4. lien, Die in den Sicherheits⸗ und PolizeiGeſetzen enthaltene Modiſikationen der naturlichen Freiheit ſind als die Bedin⸗ jcde gungen anzuſehen, unter welchen die StaatsGewalt jedem ub Einzelnen Schutz und Sicherheit verſpricht. Wer auf dieſen 706 Anſpruch machen will, muß ſich auch jenen Bedingungen unterwerfen. Der Fremde iſt daher wegen Zuwiderhand⸗ lungen gegen die PolizeiGeſetze nicht allein der Gerichtsbar⸗ keit der franzoͤſiſchen Tribunalien, ſondern auch den durch die franzoſiſchen Geſetze gegen den Uebertreter verhaͤngten Strafen unterworfen. Ausgenommen von dieſer Regel ſind jedoch, nach voͤlker⸗oder ſtaatsrechtlichen Grundſätzen, die Geſandten, Miniſter und Agenten fremder Maͤch⸗ te, und ihr Gefolge. 2) Die Ehe und Vaterſchaft haben freilich auch in dem Na⸗ turrecht ihren Grund, aber die buͤrgerliche Ehe, die aus der Verwandtſchaft entſpringende Verhältniſſe, die Familien, die Verlaͤngerung der väterlichen Gewalt uͤber die Jahre hinaus, wo Beduͤrfniß und Schwäche die Unterwerfung des Kindes zur nothwendigen Folge haben, ſind doch durchaus poſitive Inſtitutionen, und die ſie betreffende poſitive Ge⸗ ſetze nur fuͤr die Mitglieder derjenigen Geſellſchaft verbind⸗ lich, fur welche ſie erlaſſen worden. Daß der Franzoſe, ſo lange er dieſe Eigenſchaft und die damit verbundene Vor⸗ theile behalten will, ſie auch im Auslande zu beohachten ver⸗ pflichtet iſt, iſt durchaus rechtlich; wenn dies bei den Ge⸗ ſetzen, welche die Verhältniſſe der Perſonen zu den Sachen reguliren, nicht unbedingt der Fall iſt, ſo hat man den Grund⸗ dazu hauptſachlich in dem Umſtande zu ſuchen, daß der Geſetzge⸗ ber den Vollzug ſeiner Geſetze in Betreff von Sachen, die ſich auſſerhalb ſeines Gebiethes befinden, zu ſichern kein Mittel hat. 3) Ein anderer Grund, warum die perſoͤnliche Verhaͤltniſſe jedes Individuums nur von den Geſetzen ſeines Vaterlan⸗ des regulirt werden koͤnnen, liegt in der Untheilbar⸗ 107 — keit des Eivilſtundes. So erkennt z. B. das Geſetz nur S denjenigen fur verheurathet an, der ſeine Ehe mit Beobach⸗ tuin tung der geſetzlichen Formalitäten abgeſchloſſen hat; dieſe For⸗ ui malitaten ſind beinahe in jeder Geſetzgebung verſchieden; es Snn waͤre aber abſurd, wenn jemand in einem Lande vetheu⸗ ſuh rathet, grosjährig, ehelicher Geburt, in dem andern aber bn minderjährig, Baſtard und unverheurathet ſein könnte. Es Wit⸗ wuͤrde alsdann pon dem Willen des Einzelnen abhängen, ſeinen Civilſtand zu verändern, welches ſchon aus dem Grunde n Nn nicht ſein darf, weil die Geſetze in Betreff des Civilſtandes 4 Geſetze der oͤffentlichen Ordnung ſind⸗ nilien,§. 37. Jhn Die Befugniſſe und Gerechtſame, welche den Perſonen 16 in Hinſicht auf Sachen zuſtehen können, ſind gleichfalls chaus zweifacher Art: 6⸗ Das Recht iſt perſönlich(Jus ad rem), wenn etkind⸗ es nur gegen eine oder mehrere beſtimmte Perſonen uſe, ge ltend gemacht werden kann.*) Vor 2) Es iſt dinglich(Jus in re) wenn es gegen en ver⸗ die Sache ſelbſt, in welchen Haͤnden ſie ſich auch n Ge⸗ vefinden mag, geltend gemacht werden kann. zuchen Alle Dinge, die der Gegenſtand ſolcher Rechte ſein Hrund koͤnnen, ſind entweder beweglich oder unb eweglich. eſe Alle bloß dingliche Rechte werden von dem Ge⸗* hen, ſetze des Ortes regiert, an welchem die Sache befind⸗ n ken lich iſt, jedoch mit folgenden Ausnahmen in Hinſicht auf den Ausländer: itniſe 1) Kann der Ausländer, dem Art. 11 zufolge, ſeine terlan⸗ Gerechtſame nur dann, und nur in ſo weit, geltend kban ¹) Nachſtehende Regeln ſind auch auf jedes gem iſchte Recht anwenda. var, je nachdem es mittelſt einer perſönlichen oder dinglichen Klage verfolgt wird. 108 machen, als der Franzoſe, den beſtehenden Vertraͤ⸗ gen gemaͤß, oder in Ermangelung von ſolchen, nach den Geſetzen oder Gewohnheits Rechten des Vaterlandes des Auslaͤnders, dieſelbe Rechte gegen dieſen hätte verfolgen können. V Werden in Frankreich gelegene, von einer im Aus⸗ land eroffneten Erbſchaft abhaͤngige, Immoͤbel immer von dem franzöſiſchen Geſetze regiert. In Hinſicht auf die Gerechtſame, die nur gegen be⸗ ſtimmte Perſonen verfolgt werden können, hat man zu unterſcheiden: a) Ein Franzoſe macht ſie gegen einen Franzoſen gel⸗ tend, alsdann gilt unbedingt das franzoͤſiſche Geſetz. ) Ein Ausländer verfolgt ſie gegen einen Franzoſen; dieſelbe Regel, jedoch wieder mit der Beſchraͤnkung des Art. 11. Art. 14. e) Ein Franzoſe will ſie gegen einen Ausländer geltend machen, und er kann dies vor den franzoſiſchen Ge⸗ richtshoͤfen, ohne Ruckſicht auf das Forum des Kon⸗ traktes. Dieſe haben uͤber die Form des Aktes nach dem Geſetz des Ortes, wo er errichtet worden, über das Recht ſelbſt nach der Uebereinkunft der Par⸗ theyen oder dem franzöſiſchen Geſetze zu erkennen. ) Einem Auslaͤnder ſteht das Recht gegen einen Aus⸗ länder zu; alsdann können die franzoſiſche Gerichts⸗ böſe nur dann mit der Erkenntniß befangen werden, 1) wenn es gegen in Frankreich liegende Immöbel geltend gemacht wird, und ſie erkennen ſodann nach den franzöſiſchen Geſetzen; 2) wenn ein Vertrag ihre Competenz begruͤndet hat.(Art. II.); 3) wenn die Auslaͤnder ſich freiwillig ihrer Competenz unterwerfen. Art. 3. 109 Umn In Frankreich gelegene Immoͤbel ſind endlich dem do- in, mi minium eminens des Landesherrn und den damit ver⸗ tenme bundenen Laſten unterworfen. hit Maleville, analyse raisonne de la discussion du Code, I. 28. Faquet, du droit d'aubaiue. Locré, I. 27a, 319 pro- in Au⸗ jet du Code eivil, Liv. prél, chap. 1etz. Thibauts Ver⸗ l inne ſuche, II. 1. Grenier, PTraité des donations et testamens I. 299 Repertoire universel, verbis 6tranger, aubaine. 1) Die Schwierigkeiten, welche dieſe Materie darbietet, liegen, wie oben bemerkt, darin, daß der Coder die GviRechte 6 weder definirt noch aufzählt, und alſo nicht beſtimmt erklaͤrt, n g. welche der Ausländer nicht zu genieſſen hat, und gei mit dem Verluſt der Eigenſchaft eines Franzoſen,(die man uſn von dem buͤrgerlichen Tode immer zu unterſcheiden hat) ver⸗ inuz lohren gehen. Definitionen ſollten uͤberhaupt von dem Pla⸗ ne des Geſetzbuchs ausgeſchloſſen bleiben, und eine Aufzäh⸗ lung der Civi Rechte war deshalb unmöglich, weil ſie alle ge Verhaͤltniſſe, die der Gegenſtand des PrivatRechtes ſind, hätte begreifen muͤſſen. Dieſe Schwierigkeiten verſchwinden jedoch, wenn man die verſchiedene Gattungen dieſer Ver⸗ . hãltniſſ durchgeht. Abſtrahiren wir vorab von allen bloß n⸗ perſönlichen Verhaͤltniſſen, woraus der Cvilſtand beſteht, S welche unbedingt nach den Geſetzen der Nation zu e M len ſind, zu welcher das Individuum, von welchem die Re⸗ de iſt, gehoͤrt. Der Art. hat keinen Bezug darauf. iti Der Auslaͤnder muß in Frankreich fuͤr verheurathet, ehe⸗ lich gebohren ꝛc. ꝛc. ꝛc. gehalten werden, wenn er es nach mitd den Geſetzen ſeines Vaterlandes iſt, wäͤre er gleich 1ut nach den franzöſiſchen nicht daftr zu halten; der Fran⸗ trt zoſe, der ſich im Auslande nach dortigen Geſetzen(es iſt hie nicht von der Form des Aktes die Rede, in Hinſicht auf efen. 110 welche der Art. 170 die Regel locus regit actum aus⸗ druͤcklich wiederhohlt) verehelicht haͤtte, wuͤrde dagegen in Frankreich als ledig betrachtet werden mäſſen, wenn er die nach franzöſiſchen Geſetzen zur Heurath erforderliche weſentliche Bedingungen unerfuͤllt gelaſſen haͤtte. Die Ausländerin, die einen Franzoſen heurathet, die Franzöſin, die einen Auslän⸗ der heurathet, haben ſich beide nach den Geſetzen ihrer Män⸗ ner zu bemeſſen, indem die erſte durch die Ehe Franzöſin wird, und die zweite dieſe Eigenſchaft verliert. 2) Es bleiben alſo nur noch die Verhältniſſe der Perſonen zu den Sachen uͤbrig, und da die konventionelle Verbindlichkei⸗ ten dem Naturrecht angehoͤren, ſo iſt die Regel des Art. 11 auch auf ſie nicht anwendbar, woher ſogar ſchon unter der vorigen Geſetzgebung in Hinſicht auf den Auslaͤnder die Re⸗ gel entſtand; liber vivit, servus moritur. Die Eigen⸗ ſchaſt als Ausländer oder Franzoſe iſt ohne allen Einfluß auf die Guͤltigkeit und die Stipulationen der Verträge;(es ſei denn, daß eine ſt aats r echtliche Verfuͤgung den fran⸗ zöſiſchen Unterthanen verboten haͤtte, mit den Unterthanen dieſer oder jener Macht zu kontrahiren.) Die Ausnahme, welche der Art. 14 von der Regel: actor sequitur forum rei macht, iſt uͤbrigens die nothwendige Folge des gleichfalls ſtaatsrechtlichen Grundſatzes, nach welchem von aus⸗ waͤrtigen Gerichts Behoͤrden erlaſſene Urtheile in Frankreich keine exekutoriſche Kraft haben. Hat der Ausländer, gegen welchen ein Franzoſe ein Recht geltend machen will, in Frankreich keine Beſitzungen, ſo wird der Franzoſe von der Verfugung dieſes Artikels ſchwerlich Gebrauch machen, ſondern ſich ohnehin an das Forum ſeines Schuldners wenden; hat et aber Beſitzungen in Frankreich, ſo wäre es durchaus TII run u zwecklos, den Franzoſen zu zwingen, vorerſt ein Urtheil im ni Auslande zu erwirken, welches er nachher gegen die in Frank⸗ h reich befindliche Beſitzungen ſeines Schuldners nicht in Voll⸗ vnit zug ſetzen könnte. Die Verfügung dieſes Artikels 14 iſt uͤb⸗ in ſ rigens auch auf alle Handlungs Sachen und ſelbſt bei Falli⸗ 3 luin menten anwendbar,(Siehe mein Journal, 3 Jahrgang, ri 2 Band, Seite 460) 1) weil die Handlungs Geſetzgebung keine Funſ Ausnahme enthält, 2) weil derſelbe Grund auch in Hinſicht auf ſie anwendbar iſt. Ich ſchweige ganz von der Ver⸗ erſnnz fuͤgung des Art. 16, die aus einem anderen Grundſatz herfließt, indlich und eigentlich in dem Geſetzbuch uber das Verf. im buͤrgerl. 5 Att n Prozeß ihre Stelle hätte erhalten ſollen.(S. ferner die Note 8.) nter der 5 Es bleiben daher nur die Erbſchaften, und Verordnun⸗ die Re⸗ gen unter einem unentgeltlichen Titel uͤbrig, ie Ein in Hinſicht auf welche der Art. 4 ſeine Anwendung findet; Einſ dies ergiebt ſich auch hinlaͤnglich aus der Diskuſſion uͤber ige(6 dieſen Artikel, deren Gegenſtand ausdrucklich auf folgende Fra⸗ den fin⸗ ge reduzirt ward ſoll das Dekret der konſtituiren⸗ tehun den Verſammlung vom 6 Auguſt 1790, welches das uhn, Heimfalls⸗und Abzugs Recht Groit d'aubaine et de détraction) unbedingt abgeſchafft hatte, beibehalten giftz werden?(Verba Prozeß vom 12 Vendemiaire 12.) ) In der erſten Redaktion des Artikels 14 befanden ſich nach . . den Worten: par les traités noch die: et loix, welche jedoch , gn nachher weggeſtrichen wurden. Dies hat mehrere Rechts⸗ oll, i Gelehrte zu der Behauptung veranlaßt, als ob derjenige 5. Auslaͤnder, zwiſchen deſſen Vaterlande und Frankreich kein nun Vertrag beſteht, durchaus unfaͤhig ſein wuͤrde, in Frankreich n b eine Erbſchaft zu beziehen, als ob in Hinſicht auf ihn das uhn droit d'aubains unbedingt wieber eingeführt worden. Die⸗ 112 ſe Meinung iſt jedoch durchaus unhaltbar; wenn der Geſetz⸗ 5 geber in dem Art. Tx nur von den Verträͤgen ſpricht, ſt ſo geſchah es, um dem Richter eine beſtimmte Norm zu ſc ertheilen; ſobald ein Vertrag vorhanden iſt, wuͤrde jede wei⸗ l tere Erörterung uͤberfluͤſſig ſein; ſelbſt wenn behauptet wuͤrde, des Vertrags ohngeachtet ertheile die auswärtige Geſetz⸗ gebung dem Franzoſen ein ausgedehnteres oder ein beſchränk⸗ te teres Recht, ſo darf ſich der Richter in dieſe Unterſuchung nicht einlaſſen; der Vertrag iſt Geſetz fur ihn. Beſteht aber kein Vertrag, dann bleibt freilich kein anderer Maas⸗ ſtab fuͤr die Rechte des Auslaͤnders uͤbrig, als der, welchen 6 die Geſetze oder das GewohnheitsRecht ſeiner Nation in Hinſicht auf den Franzoſen darbieten. Dies folgt, nach⸗ dem wir bewieſen haben, welches(vorbehaltlich deſſen, von ſ welchem S. 114 die Rede ſein wird) die einzige Fälle ſind, in ſ welchen der Art. 11 ſeine Anwendung finden kann, unwi⸗ derſprechlich aus den Verfuͤgungen der Art. 726 und o7r2, welche die allgemeine Regel auf dieſe einzelne Fälle anwenden und welche wir in der Folge zergliedern werden. 8) Unter dem dominium eminens, von welchem in obigem Paragraph die Rede iſt, verſtehe ich keineswegs ein Ei⸗ genthumsRecht des Landesherrn auf die im Umfange des Reiches gelegene Guͤter, ſondern das BeſteurungsRecht, und das Recht, gegen Entſchadigung, zum allgemeinen Be⸗ ſten daruͤber zu verfuͤgen. In dieſer doppelten Hinſicht kann es keinem Zweifel unterworfen ſein, daß, ohne den Grund⸗ ſatz der Untheilbarkeit der Souverainetät zu verletzen, man nicht behaupten kann, daß der auslaͤndiſche Eiginthlmer nicht derſelben Bedingung wie der franzoͤſiſche unterworfen ſein muͤſſe. Eben ſo ſicher iſt es aber, daß der Verfuͤgung des Art. 3 zufolge er auch in Hinſicht auf die Verfugungen, die * 113 6 er uͤber dieſe Guͤter ſn mag, ſich nach den franzoͤſiſchen Ge⸗ An ſetze bemeſſen„wouͤhrend ſich daſſelbe in Hinſicht auf ſeine j 5 fahrende Habe nicht behaupten laßt. Demnach kann ein Aus⸗ länder ſeine in Frankreich gelegene Guͤter ſelbſt nicht zum Vor⸗ tet wirhe, theil eines andern Ausländers ſubſtituiren; ſie werden, in 906 Ermangelung eines Teſtamentes, nach der im Coder Napoleon i beſtimmten Erbfolge vertheilt, ſelbſt wenn die Geſetze des Ortes, rihn an welchem die Erbſchaft eroffnet iſt, eine andere Erbfolge ver⸗ Si ordnen ſollte; ihr Verkauf, ihre Schenkung, der Nießbrauch 1Mn derſelben, iſt den franzöſiſchen Geſetzen unterworfen. 2c. Den S6 Grund dieſer Verfuͤgungen wuͤrde ich indeſſen nicht ebenwohl in ation dem dominium eminens desLandesherrn, wie es bei Locre, t, nach “ 1, 199 geſchieht, ſondern in denVerfuͤgungen des PrivatRechts ſelbſt ſuchen. Das Geſetz, welches die Feideicommiſſariſche Sub⸗ ſid, i ſtitutionen verbietet, iſt ein Geſetz der offentlichen Ordnung, n welches daher auch fuͤr den auswaͤrtigen Eigenthuͤmer um ſo und 9n, mehr verbindlich iſt, als einer der Haupt Beweggruͤnde deſ⸗ ne Fi ſelben, zu verhindern, daß nicht zu viele Guͤter dem Ver⸗ wehu. kehr entzogen werden, auch ihn betrifft; die Erbſchaft der in oin Immöbel, wird als ein rein dingliches Recht, nach den in b. Geſetzen des Ortes, an welchem ſie gelegen ſind, regulirt. fung Voet, comment. ad pand. Liv. 36,§ 34, Leyser seit, meditat. ad pand. specim. 321. Ein Gleiches gilt von dem inn B Nießbrauch. In Hinſicht auf Verträge unter laͤſtigem oder un⸗ ſicht im entgeltlichem Titel laſſen die franzöſiſche HypothekarVerfaſſung Gun und die Geſetze uͤber das Enregiſtrement keine Ausnahme n, mn fuͤr den Verkauf von Immoͤbeln zu, welche von auswärti⸗ mernit gen Eigenthuͤmern, auch im Auslande, veraͤuſſert werden. in niſt 5) Nach allem Obigen ſcheint mir die Frage, ob ein Auslaͤn⸗ E der dem Franzoſen die Verjährung einzuwenden befugt ſei, en, hü auch nicht dem mindeſten Zweifel unterworfen zu ſein. 114 7) Hr. Dabelow(1, 108.) ſtellt den Zweifel auf, ob der Art. 3 auf alle die Sachen auszudehnen ſei, welche nach dem Art. S17 u. ff. zu den Immoöbeln gezäͤhlt werden. Da dieſe Gegenſtande nur ſo langea Us Immoͤbel betrach⸗ et werden, als ſie mit einem in Frankreich gelegenen Im⸗ mobel acceſſoriſch verbunden ſind, ſo lößt ſich dieſer Zweifel wohl von ſelbſt. Richtig bemerkt er dagegen, daß er auf die im Art. 526 aufgezählte Rechte gleichviel wem ſie zuſtehen nur dann anwendbar iſt, wenn der Gegenſtand dieſer Rechte in Frankreich gelegen iſt. 8) Auslander köͤnnen ein franzöſiſches Tribunal mit der Erkenntniß uͤber ihre perſoͤnliche Klagen unter dem Vorwande nicht befangen, daß den Franzoſen daſſelbe Recht nach den Geſetzen oder dem GerichtsGebrauch ihres Vater⸗ landes zuſtunde. Die Competenz franz. Gerichte in dieſem Falle könnte nur durch den Art. 11 begruͤndet wer⸗ den, der nur von traités, mit Ausſchluß der Geſetze, ſpricht, und deſſen Beſtimmung nicht, wie in Succeſſions⸗ fullen, durch eine beſondere Verfuͤgung auf den Fall ausgebehnt worden iſt, wo das Recht des Franzoſen ihm nicht durch ei⸗ nen Vertrag ſondern durch die Geſete einer fremden Na⸗ tion bewilligt worden wäre.(Siehe das Urtheil des Kaſſa⸗ tions Hofes vom 22 Jänner 1806 in einer Sache zwiſchen zweien Amerikanern). Der einfache Grund davon iſt, daß die Souverainetät des Landesherrn, von welcher der Gerichts⸗ zwang ſeiner Tribunalien ein Ausfluß iſt, ſich auf den Aus⸗ länder nicht ausdehnt. Doch muß die Inkompetenz rekla⸗ mirt werden, weil im entgegengeſetzten Falle die Competenz des Tribunals durch einen ſtillſchweigenden Compromiß be⸗ grundet wird.(Auch findet eine Ausnahme fuͤr die Verbind, ichkeiten, die auf franzöſiſchen Meſſen Ausländer mit Aus⸗ lundern kontrahiren, ſtatt(Art. 631 des Handlungs Geſetbuchs) 4 115 b 9) In dieſem Falle erkennt der Richter naturlich nach ftan, uhin zöſiſchen Geſetzen, weil die durchaus freiwillige Un⸗ Duſiſ terwerfung unter den franzoͤſiſchen Gerichtszwang auch die lteth Unterwerfung unter die franzöſiſche Geſetzgebung nach ſich un In zieht. Dieſer in der Rechtspraxis ganz unbeſtrittene Grund⸗ t ʒil ſatz wird von Dabelow(I. 136.) angefochten, zugleich aber der uf offenbar irrige Grundſatz aufgeſtellt: im Koͤnigreich Weſt⸗ nh phalen wuͤrde ein Richter in ſolchen Sachen von Fremden ſer Reh untereinander, die nach dem Codex nicht an ihn als Richter gebracht werden duͤrfen, nur vermoge eines ausdruͤckli⸗ mit di chen auf ihn errichteten Compromiſſes entſchei⸗ zorwand den duͤrfen. Dieſe letzte Behauptung iſt deshalb durchaus uch den falſch, weil auch nach der Weſtphaliſchen Prozeß Ordnung 3 Pter⸗ der Richter die Inkompetenz ratione personarum nie von chte in Amtswegen erkennen darf. Gleichen Werth hat die Be⸗ det wn hauptung(S. 140), daß ein in Sachſen erlaſſenes Urtheil an Frſez ein weſtphaͤliſches Gericht zur Exekution geſandt werden koͤn⸗ ucteſſun ne. In Weſtphalen wie in Frankreich ſind nach ſtaats⸗ ugiht rechtlichen Grundſätzen nur diejenige Akte exekutoriſch, die duch i im Namen des Koͤnigs erlaſſen oder aufgenommen nden M worden ſind. Ein gleiches gilt ferner von der Behaup⸗ es Fiſn tung bei einigen franzoſiſchen Gerichten ſei die Reviſion im eziſh Ausland erlaſſener Urtheile als nothwendig angenommen, t, d i um ſie exekutoriſch zu erklaͤren, bei anderen hingegen Ge nicht, wenn es der Veruttheilte nicht verlange. den M Die Reviſion iſt allenthalben erforderlich, erſcheint der Be⸗ enz rln klagte aber nicht, ſo wird dem Klaͤger ſein Antrag auf Be⸗ omptn ſtätigung freilich ohne lange Unterſuchung zuerkannt, weil omiß l⸗ das Urtheil und das Ausbleiben oder Stillſchweigen des Vertin, Gegners eine zu einem KontumazialUrtheil hinlaͤngliche Ver⸗ nit Mu muthung liefern, Wenn derſelbe endlich S. 141 behauptet: der ſituht 116 Franzoſe, der im AuslandeRecht genommen habe, durfe nachher in Frankreich nicht von neuem klagen, ſo findet ſich auch dieſeBe⸗ hauptung durch die tagliche Rechts Praxis widerlegt. Hr. Dabe⸗ low bekummert ſich auch hier nicht ſtark um die franzoſiſche Ju⸗ riſten; die franzoͤſiſchen Gerichtshoͤfe kuͤmmern ſich dagegen in ihren Entſcheidungen noch weniger um die Behauptungen des Profeſſors Dabelow in Halle? So leitet derſelbe S. 142 aus den Worten cité u. traduit im Art. 14 einen Un⸗ terſchied ab, der ganz ins Lächerliche fällt. Cité, heißt nämlich geladen werden; ötre traduit hingegen, ſetzt er hinzu,„b e⸗ „deutet ſchon ein bischen mehr, und heißt: vor Ge⸗ „richt geſtellt oder gezwungen zu werden ſich vor „Gericht zu ſte Uenz daraus folgerter nun: im erſten Falle dieſes Artikels kann der Ausländer vor die franzöſiſche Gerichte geladen werden, im zweiten aber nur wenn er in Frankreich angetroffen wird, denn, ſetzt er ſehr ſcharfſinnig hin⸗ zu:„es konnte dem franzoͤſiſchen Geſetzgeber wohl— we⸗ „nigſtens der Zeit— nicht in den Sinn kommen, „daß die franzoſiſchen Gerichte den Auslaͤnder aus ſeiner „Heimath nach Frankreich hohlen laſſen ſollten.“ Das nun wohl nicht, aber wohl ein ContumazialUrtheil gegen ihn zu er⸗ laſſen, ſo wie in dem erſten Falle des Art. 14, wo von einem perſoͤnlichen Zwange wohl auch nicht die Rede iſt. Wahrlich! Man ſollte manchem, der uͤber den Coder ſchreibt, die Bekannt⸗ ſchaft des Hrn. Val. Meidinger anrathen! Allerdings liegt ein Unterſchied in den Worten cité und traduit; im erſten Falle wird der Fremde vor das forum contractus geladen, im zweiten vor ein Forum gezogen, welches nicht das forum contractus iſt. Die Urſache davon habe ich oben S. 110 angegeben. In einem wie in dem andern Falle aber wird, wenn er nicht erſcheint, im Kontumazial⸗ Wege gegen ihn verfahren. mnih . D aht * iſſteh⸗ ih dn auptunn et derſll einen ln tnimi zu,„b S or b* 5 ſich u Coder Napoleon. ſten Ful. 5 Erſtes Buch⸗ nkreit nnig hin Perſonen Recht. kommn, ts ſin Erſte Abeheilung.⸗ Des un ihn zun on einen Pahrich Bekmt llerin vit; in tractus welhes n habe andetn maji Sr ſte 6 Buſch⸗ Perſonen Recht. Präliminar Titel. Von dem natuͤrlichen und burgerlichen Zuſtande der Perſonen⸗ Erſter Ab ſchnitt. Von den Perſonen. §. 36. Uner der generiſchen Benennung? Perſon, verſteht man jedes menſchliche Veſen, und unter der: juriſtiſche Perſon, jedes menſchliche Weſen, in dieſem oder jenem Zuſtande und ruͤckſichtlich auf die Befugniſſe, die aus die⸗ zem Zuſtande entſpringen, betrachtet. Zuſtand, Stand nennen wir diejenige HauptEigenſchaft der Perſon, deren Verluſt oder Veränderung den Verluſt oder die Veraͤnde⸗ rung der Befugniſſe nach ſich ziehen würde, die ihr in dieſer Eigenſchaſt zuſtehen. Jedes empfangene Weſen wird, wenn von ſeinem Vortheil die Rede iſt, unter der Bedingung, daß es lebensfaͤhig zur Welt komme, fuͤr gebohren angeſehen. Die juriſtiſche Perſonen theilen ſich in phyſiſche und mora liſche(Gemeinheiten) ein. H. des statu hominnm(I, 5.) de ventre insp.(25. 4) P. 229 . de verborum signif.(50„ 16) L. 3 c. de posth. hered. inst. 6, 29) L. 35. 12 de suis er letit.(68„ 16) Thibaut, 5 207 u. f. Zacharis, Handbuch S. 32 120 ²) Da alle Gerechtſame ſich doch zuletzt auf die Perſonen be⸗ ziehen, ſo haben wir vor allem zu unterfuchen, wem dieſe Benennung zukommt.(Inst. L, I, tit. 2, in ſine.) Alle menſchliche Weſen ſind: empfangen oder gebohren; die gebohrne ſind leben sfähig oder nicht; maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechts. Misgeburten, welche keine menſchliche Geſtalt haben,(mon⸗ stra) ſind keine Perſonen. Die, welche die weſentliche Cha⸗ raktere der Menſchheit haben, ſollten ſie auch ungeſtaltet ſein, (portentum, ostentum) gehören demjenigen Geſchlechte an, welches in ihnen vorherrſchend iſt; der Hermaphroditen ge⸗ ſchieht im Codex keine Erwaͤhnung. 2) Das Geſetz hat ſich weder mit denienigen zu beſchäftigen, die noch nicht empfangen ſind, noch mit denjenigen, die nicht lebensfähig zur Welt kommen; es ſieht dieſe lezte an, als waͤren ſie nie empfangen worden. Lebensfaͤhig ſind die, welche in derjenigen Ausbildung zur Welt kom⸗ men, die zum Leben auſſer dem MutterLeibe erforder⸗ lich iſt. Die Zeit, während welcher das Kind gelebt hat, kommt dabei nicht in Anſchlag, ſondern die, welche es haͤtte leben koöͤnnen. So iſt es 3. B. keinem Zweifel unter⸗ worfen, daß das lebensfähige Kind„welches unmittelbar nach der Geburt durch einen Zufall das Leben verlieren wuͤr⸗ de, eine ihm anerfallene Erbſchaft erhalten und auf ſeine Erben uͤbertragen kann. Die Entſcheidung der Frage: ob ein Kind kebensfähig zur Welt gekommen, uͤberlaßt das Ge⸗ ſetz in jedem einzelnen Falle dem richterlichen Ermeſſen„oh⸗ ne allgemeine Regeln in dieſer Hinſicht aufzuſtellen, die dennoch in ihrer Anwendung immer den beſondern Umſtän⸗ den, und der Entſcheidung von Kunſtverſtändigen, hätten un⸗ iih men be m diſ e) Ul ts. (mon. he Gh et ſein, ſte an, en ge⸗ ftigen, , die ſe lite fihiz kom⸗ forden het, hitte ntet⸗ telbar wir⸗ ſeine ob s 6⸗ h⸗ bie u 121, tergeordnet werden muͤffen. Doch laͤßt ſich aus dem Artikel 312 die allgemeine Regel abſtrahiren, daß in dem Falle, wo die Epoche der Empfängniß(. B. durch eine fruͤhere Ge⸗ burt) ungefähr beſtimmt werden kann, ein Kind, welches vor dem hundertachtzigſten Tage von der Empfaͤng⸗ niß an zur Welt kommen wuͤrde, nicht fuͤr lebensfähig erkannt werden kann. 3) Die Gemeinheiten ſtehen in Verhältniſſen gegen den Staat und gegen PrivatPerſonen; es entſpringen aus denſelben Ver⸗ haͤltniſſe zwiſchen den Mitgliedern. Wir haben uns hier nur mit den Privatrechtlichen Verhaͤltniſſen der Gemein“ heiten gegen andere juriſtiſche Perſonen zu beſchäftigen, und in dieſer Hinſicht iſt es allgemeiner Grundſak, daß ſie allen Regeln des gemeinen Rechtes unterworfen ſind,(z. B. in Hinſicht auf Verjährung) in ſo fern der Coder keine be⸗ ſondere Ausnahme zu ihrem Vortheil enthaͤlt. 4) In Frankreich giebt es keine andere eigentliche Gemeinheiten als die Gemeinden; dieſen ſind jedoch im Privatrecht allenthalben gleichgeſetzt die oͤffentliche Anſtalten, z. B. die Vetwaltungen der Hospitien, der Wohlthaͤtigkeits Anſtalten, die Anſtalten des oͤffentlichen Unterrichts ꝛc.— 5) Wir werden im Staats⸗ und VerwaltungsRecht die Ver⸗ hältniſſe der Glieder der Gemeinheiten untereinander, ſo wie das Verhaͤltniß der Gemeinheiten zum Staat feſtſetzen. Zweiter Ab ſchnitt. Von dem natůrlichen Zuſtande der Perſonen. §. 37. In ihrem natuͤrlichen Zuſtande, und rickſichtlich auf das Recht, das Leben in der ganzen Ausdehnung der Nittel, die die Natur ihnen verliehen hat, zu genieſſen, 722 ſind alle Menſchen gleich; im Stande der Natur beſteht kein anderer Unterſchied. zwiſchen ihnen als der des Geſchlech⸗ tes, des Alters, und der phyſiſchen und intellektuellen Kraͤfte. Aus dem erſten entſpringt die Ehe und die vaͤ⸗ terliche Gewalt, und aus der Ungleichheit der phyſiſchen und Geiſteskräfte die Geſellſchaft und der buͤrgerliche Zu⸗ ſtand der Perſonen. L. 32 f. de Reg. Jur.(50 17) L. 2‧ fi. de just. et jur.(1, 1)* Inst. P 3 3. 1) Die Romer nahmen nach ihrer Eintheilung des Rechtes in Naturrecht, Voͤlker Recht und CivilRecht, folgende Grund⸗ ſätze an: a) eine voͤllige Greichheit im Naturrecht. 4) in dem Volkerrecht die Eintheilung der Menſchen in Freie und Sclaven. c) in dem Civilrecht die Eintheilung der Menſchen in Perſonen sui juris und alieni juris. 2) In Frankreich war auf dem KontinentalGebiet die Sclave⸗ rei ſchon lange vor der Revoluzion gänzlich abgeſchaft, und es war ſogar Grundſatz, daß jeder Sclave, ſobald er den franzoͤſiſchen Boden betrat, ſeine Freiheit erlang⸗ te.(Urtheil des Parlaments von Paris vom 15 Auguſt 1790) Seit der Revolution haben die Geſetze uber die Abſchaffung der lehnsherrlichen Rechte jede Spur einer perſoͤnlichen Un⸗ terwuͤrfigkeit vertilgt. Die Sclaverei, welche auch in den Kolonien unbedingt abgeſchaft war, iſt durch das Geſetz vom 30 Floreal 10 in den Kraft des Traktats von Amiens zu⸗ ruckerſtatteten und denüͤbrigen jenſeits des Caps der guten Hof⸗ nung gelegenen franzoſiſchen Kolonien wieder eingefuͤhrt wor⸗ den; doch darf nach den von der Regierung getroffenen Ver⸗ ſeht kin eſchleh⸗ ektelen die i⸗ yſiſchn iche . chtes in Grunh hen in chen in Schu⸗ ſt, und ald et etlan⸗ ſtin fung de en in den ſe won ſens jl⸗ tn hof⸗ tt wor⸗ in Ve⸗ 123. waltungsVerfuͤgungen kein Neger ohne beſondere Autoriſation nach Frankreich gebracht werden. 3) Auch die Eintheilung in Perſonen sui juris und alieni juris iſt in das franzoͤſiſche Recht in der Art, wie ſie im römiſchen Rechte beſtand, nicht aufgenommen worden, wie wir es in Folge entwickeln werden. Dritter Abſchnitt. Von dem buͤrgerlichen Zuſtand(Civilſtand) der Perfonen⸗ S. 38. Der bürgerliche Zuſtand einer Perſon beſteht aus zwei verſchiedenen Gattungen von Verhaltniſſen aus den ſtaatsbuͤrgerlichen; aus den Familien Verhältniſſen. Erſte Abtheitung. Von den ſtaatsbuͤrgerlichen Verhältniſſen⸗ §. 39. Alle Perſonen ſind entweder Franzoſen oder Aus⸗ laͤnder. §. 40. Die Eigenſchaft als Franzoſe wird erworben ) durch Geburt, a) von franzöſiſchen Aeltern, 3) auf franzoͤſiſchem Boden. 2 durch die Ehe mit einem Franzoſen, 3) durch Naturaliſation. Dieſe Eigenſchaft unterwirft der Herrſchaft der franzö⸗ ſiſchen poſitiven Geſetze, und berechtigt den daraus her⸗ flieſſenden Bortheilen. Locré, esprit du Code Napoléon(T⸗ 242) Maleville, Thl. I. S. ar und ſſ. VerbalProzeß vom 6 Thermidor 9. Art. 3 der Konſti⸗ zution vom Jahr 8 Lapeyrore, litt. A. n. 84. Art. 9 und 16 13 ¹3 3 124 ) Die Verfuͤgung des Art. 9 war bereits durch die Konſtitu⸗ tions Akte vom 22 Frimaire VIll entſchieden, welche dem in Frankreich gebohrenen Sohne eines Auslaͤnders unter ge⸗ wiſſen Bedingungen das Buͤrgerrecht zuſichert. Die Dis⸗ kuſſion beſchraͤnkte ſich daher auf die Frage, ob man nicht, anſtatt dem Individuum, welches ſich in dieſem Falle befindet, gewiſſe Bedingungen aufzulegen, es vielmehr un⸗ bedingt als Franzoſe anſehen und behandeln ſolle, ſo lange es nicht auf dieſe Eigenſchaft Verzicht geleiſtet hätte Die erſte Meinung behielt jedoch aus dem doppelten Grun⸗ de die Oberhand, 1) weil das Faktum der Geburt auf fran⸗ zöſiſchem Boden doch nichts weiter als die Föhigkeit, den Ge⸗ nuß der Rechte eines Franzoſen zu erlangen, ertheilen, der wirkliche Genuß aber nur demjenigen zugeſtehen kann, der dieſe Faͤhigkeit geltend zu machen die Abſicht hat; 2) weil fuͤr den Staat nur dann ein Nutzen daraus ent⸗ ſpringen kann, dem Kinde eines Ausländers die Rechte ei⸗ nes Franzoſen zu bewilligen, wenn er wirklich auch dadurch. ein Mitglied gewinnt, während im entgegengeſetzten Falle aus dieſer Bewilligung oft Nachtheile entſpringen könnten. 2) Die erſte Verfuͤgung des Art. 10 kann nur in Hinſicht auf auſſereheliche Kinder zu Schwierigkeiten Anlaß gebenz 1) das unehliche Kind einer Franzoſin kann ſie immer in Anſpruch nehmen, nach der Regel: vulgo quæsitus matrem sequitur.*) 2) das unehliche Kind eines Franzoſen nur dann, wenn der Vater es freiwillig und durch einen, nach den Geſetzen des Ortes, wo er errichtet wird, au⸗ thentiſchen, Akt anerkannt hat; eine gerichtliche *) Vorausgeſetzt, daß es durch einen authentiſchen Akt oder ein in Frankreich exekutoriſches Urtheil anerkannt ſei. onſ che en nter ge ie Di n niht, n zie ehr n le, ſo thit Grn f fran⸗ en Gr de kann, at; 2) 1s ent chte ei⸗ daduch Fil inten. icht uf geben mer in situs dam, nuch „al⸗ htliche — e ein 125 Anerkennung durch ein auswaͤrtiges Gericht mittelſt einet Klage auf Paternität, welche das franzöſiſche Ge⸗ ſetz unterſagt, wuͤrde ohne Wirkung ſein, a) well das Urtheil des auswaͤrtigen Gerichtes in Frankreich ohne Kraft waͤre, und 4) kein franzöſiſches Gericht es exekutoriſch erklären könnte, indem es mit den franzöſiſchen Geſe⸗ ten im Widerſpruch ſtehen wuͤrde. Iſt aber die freiwillige Anerkennung unehlicher Kin⸗ der nach den Geſetzen des Landes, wo das Kind zur Welt gekommen, nicht erlaubt, ſo kann der Va⸗ ter dieſe Anerkennung in Frankreich machen; alles dies gilt jedoch nur von Kindern, die in dem Umgange zwiſchen freien Perſonen erzeugt worden, indem die Aner⸗ kennung ſolcher, die Fruͤchte eines ehebrecheriſchen oder blutſchänderiſchen Umgangs ſind, in Frankreich nicht geſchehen darf, und wenn ſie im Ausland geſchehen wäre, in Frankreich ohne Kraft ſein wuͤrde. 3) Die zweite Verfuͤgung des Art. 10 gab zu lebhaften Do⸗ batten ſtatt, die jedoch hauptſäͤchlich dadurch veranlaßt wur⸗ den, daß ſie mit der damals noch beſtehenden Geſetgebunz uber die Emigranten nicht zu harmoniren ſchien, und welche daher ihr Intereſſe verlohren haben. Die dem Kinde des Franzoſen, der ſich in dem von dieſem Artikel vorgeſehenen Falle vefindet, bewilligte Gunſt, entſpricht den Grundſätzen der vorigen Geſetzgebung(Lapeyrère, a. a. O.) und wird durch den Art. 20 ſehr beſchrankt. „ Der Artꝰ 12 enthält nur die Anwendung des allgemeinen Grundſatzes; daß die Frau dem Stande des Mannes folgt, von welchem die franz. Geſetzgebung keine Ausnahme zulaͤßt. 126 5) Die Formen und Bedingungen der Naturaliſation ſind Gegenſtände ſtaatsrechtlicher Verfuͤgungen(Art. 3 der KonſtitutionsAkte vom 22 Frimaire V1II). Die Ver⸗ fuͤgung des Art. 13 geht von dem Grundſatze aus, daß man dem Fremden, der die Verpflichtung uͤbernommen hat, dieſe Bedingungen zu erfuͤllen, den voͤlligen Genuß der Civilrech⸗ te nicht verſagen kann, weil er von dieſem Augenblicke an ſeinem vorigen Vaterlande entſagen muß, und ſie vielleicht daſelbſt ſchon verlohren hat. Die reſolutoriſche Bedingung, unter welcher der vorangefuͤhrte Artikel ihm dieſen Genuß geſtattet, lag in der Natur der Sache, indem ſie eines Theils noͤthig war, um ihn zu verhindern, nicht, dem Art. 11 zuwider, eine Erbſchaft zu beziehen, zu welcher er ſonſt unfaͤhig ge⸗ X weſen waͤre und nachher mit derſelben in ſein Vaterland zuruͤckzukehren, und anderntheils um ſo weniger unbillig gefunden werden kann, da ein bleibender Aufenthalt eine der erſten Bedingungen der Naturaliſation iſt. Das Wort résider iſt in dieſem Artikel nicht, wie an andern Or⸗ ten des Codexr das Wort rAsidence, im Gegenſatz mit do⸗ micile, von einem bloß voruͤbergehenden Aufenthalt zu ver⸗ ſtehen, ſondern der Begriff eines wirklichen domicile da⸗ mit zu verbinden, welchen letzten Ausdruck der Geſetzgeber nicht gebrauchen konnte, weil der Fremde, ſo lange die Natura⸗ liſation nicht erworben und er alſo noch Fremder iſt, kein domicile im ſtrengſten Sinne in Frankreich haben kann. Es folgt daraus, daß voruͤbergehende Entfernungen, Reiſen, ſelbſt in ſein ehemaliges Vaterland, den Begriff dieſer resi- dence in Frankreich nicht ausſchlieſſen, vorausgeſetzt, daß er ſich dort niedergelaſſen und den Hauptſitz ſeiner Geſchaͤfte daſelbſt habe. iſatin (Anz Di V di mun hut, hi Gitu⸗ nblice n ilich un mn geſintt, is nith zuuide, fihiz g⸗ Wun t unilh fentholt ſ. Du ndend zmit ⸗ it ju v ber tit Mun iſ, ki en im „Reiſn ſer 1ei· it, dj iſtiſt 127 —§. 41. Die Eigenſchaft als Franzoſe geht verlohren a) durch die Expatriation ²) durch die Ehe, e) durch die Annahme von Dienſtanſtellungen einer fremden Macht ohne Erlaubniß des Kaiſers. Wer die Eigenſchaft als Franzoſe verlohren hat, wird ein Auslaͤnder, und der Ve des Art. 11 unterwor⸗ fen. Er kann die Eigenſchaſt als Franzoſe wiedererlangen, wenn er mit Erlaubniß des Kaiſers nach Frankreich zuruck⸗ kehrt und die geſetzliche Bedingungen erfuͤllt. Allein er kann die damit verbundene Vortheile erſt von dem Zeitpunkte an in Anſpruch nehmen, wo er wieder Franzoſe geworden iſt. Loers, a. a. O I. 328. profet gu Code mivil, Liv. 1 Art. 12 du tit. 4. VerbalProzeſſe vom 1 und 14 Thermidor und 14 Fruk⸗ tidor 9, 23 Brumaire und 12 Frimaire 1. 12 Ventoſe 11, Da⸗ velow u. ff. I. 215. 2) Das Projekt des Geſetzbuchs enthielt wörtlich obigen Grund⸗ ſatz uͤber die Anwendbarkeit des Art. 1 auf den Franzoſen, der dieſe Eigenſchaft verlohren hat. Er verliert die Civil⸗ Rechte in Frankreich, er erwirbt ſie aber bei derjenigen Na⸗ tion, der er hinfuͤhro angehört, und welche in keinem der obigen drei Fälle zweifelhaft ſein kann⸗ Unveraͤndert bleiben daher alle Befugniſſe, die dem Naturrechte Tus gentium) angehören, z. B. die, welche aus konventionellen Verpflich⸗ tungen entſpringen; in Hinſicht auf alle uͤbrige befolgt man die zu Ende der Einleitung entwickelte Grundſätze. 2) um die Eigenſchaft eines Frarzoſen zu verlieren, iſt es nicht hinlänglich, ihr freiwillig zu entſagen, oder darauf — — 17 13 19 21 125 Verzicht zu leiſten, denn da mit dieſer Eigenſchaft auch La⸗ ſten eben ſo wohl als Vortheile verbunden ſind, könnte ſonſt jeder ſich z. B. den ConſeriptionsGeſetzen entziehen, indem er im Augenblick, wo das Geſetz ihn zu den Weffen beruft, der Eigenſchaft als Franzoſe entſagen wuͤrde, wenn eine ſolche Entſagung durch einen iſolirten Akt, und ſelbſt ohne ein neues Vaterland zu erwählen, geſchehen könnte. Man hat ſogar ſorgfaͤltig das Wort abdication, deſſen ſich die Kom⸗ miſſion in dem Projekt bedient hatte, theils aus dieſen Grän⸗* den, theils auch ſchon deshalb vermieden, weil der Natio⸗ . nalſtolz es nicht erlaubt, daß der Geſetzgeber den Fall einer freiwilligen Entſagung vermuthe. 3) Ein anderes iſt es in dem Falle, wenn ein Franzoſe ſich einer fremden Macht foͤrmlich unterwirft; einestheils kann dies aus mancherlei Ruͤckſichten, und ſelbſt ohne die Abſicht ſeinem Vaterlande fuͤr immer zu entſagen, geſchehen, und andern⸗ theils war der Geſetgeber gezwungen, ſich mit dieſem Falle zu beſchaͤftigen, weil dieſe Unterwerfung mit der unter die— Geſetze ſeines Vaterlandes unvereinbarlich iſt. Erſt nach langen Debatten kam man über folgende Grundſätze uberein: *) Die im Auslande erworbene Naturaliſation iſt ein unbedingtes Kennzeichen der Expatriation.(Art. 17. N. 1.) Doch muß zu dem Ende der Kontrakt der Naturaliſation zwiſchen dem Franzoſen, der Mitglied eines fremden Staates werden will, und der Regierung dieſes Staates, wirklich abgeſchloſſen ſein. Ein bloſſes Naturaliſations⸗ Geſuch wurde eben ſo wenig hinreichen, um ihm die Ei⸗ genſchaft als Franzoſe zu benehmen, als er dieſe nach der Annahme deſſelben unter dem Vorwande wieder in Anſpruch nehmen konnte, er habe immerfort die Abſicht gehabt, 129 ch e in ſein Vaterland zuruͤckzukehren, und ſich z. B. nur na⸗ imuſin turaliſiren laſſen, um eine im Auslande zu ſeinem Vor⸗ en, inden theil eroffnete Erbſchaft beziehen und nach Frankreich brin⸗ fn knf gen zu können. In dieſem Falle kann er zwar nach dem wenn ein Art. 18 die Eigenſchaft als Franzoſe zuruͤckerlangen, aber ſtehn in das poſitive Faktum der Naturaliſation kann fuͤr das Ver⸗ Mun hi floſſene nie durch bloſſe Vermuthungen entkräftet werden⸗ die Kom⸗ ²) Dieſe Verfuͤgung iſt auch auf HandelsLeute an⸗ ſen Grit wendbar, denn wenn gleich derſelbe Artikel entſcheidet: r Mi⸗ daß von einer Handlung Niederlaſſung im Auslande nie all einn die geſetzliche Vermuthung abgeleitet werden kann, als habe der Handelsmann ſie in der Abſicht gemacht, auf ſch einet immer ſeinem Vaterlande zu entſagen, ſo beſchraͤnkt ſich je⸗ ſlui doch dieſe dem Handel bewilligte Beguͤnſtigung auf tſinen den Fall, wo er ſich nicht zugleich hat formlich natu⸗ ten raliſiren laſſen. n gül c) Die Wirkungen derjenigen Naturaliſation, welche im Laufe eines Krieges aus Zwang und durch die Macht der Umſtände rt n„ ſtatt haben koͤnnte, werden von den Geſetzen des Staats⸗ und VoͤlkerRechts regulirt. 6 4) Auſſer dem ſchrfuichen Beweiß der Expatriation, der „N) der Naturaliſation herfließt, giebt es keinen andern, als ulſuin denjenigen, der aus der Vereinigung folgender beiden Umſtaͤnde entſpringt: . 1]) der wirklichen Niederlaſſung im Auslande, 2) von der Abſicht begleitet, nie nach Frankreich zu⸗ rückzukehren. 56 In Hinſicht auf das erſte dieſer Kennzeichen darf man nicht aus dem Auge verlieren, daß der bloſſe Aufenthalt ehalt, 9 5 130 im Auslanbe, ſelbſt während der längſten Beit keineswegs 14 dafuͤr gelten kann; zu einer Riederlaſſung wird erfordert, hu daß der Franzoſe summam rerum àtque fortunarum 1 suarum dahin verlegt haben, und zwar in der Abſicht z ſeinem Vaterlande auf immer zu entſagen. d Der nothwendig aͤuſſerſt ſchwierige Beweiß dieſer Abſicht ſe liegt naturlich dem ob, welcher gegen einen Franzoſen 5 behauptet, daß er dieſe Eigenſchaft verlohren habe; und n es bleibt uns nur noch zu bemerken uͤbrig, daß dieſer Beweiß aus dem Umſtande allein, daß ein Franzoſe mit ſeiner Familie und aller ſeiner Habe ins Ausland gezo⸗ 1 gen iſt, nicht abgeleitet werden kann, weil das Geſetz, ſ um ihn der Eigenſchaft als Franzoſe zu berauben, hoch. auſſerdem verlangt, daß dieſes in der Abſicht, nie nach) Frankreich zuruͤckzukehren, geſchehen ſei. 6 *) Die Ausnahme, welche das Geſetz fuͤr die von Hand⸗ lungsLeuten im Auslande gemachte Anlagen macht, ward hauptſaͤchlich durch das Beiſpiel der franzöſiſchen Handels⸗ Leute in der Levante veranlaßt, welche ſeit undenklicher Zeit daſelbſt unter dem Schutz der franzoſiſchen diplomati⸗ ſchen Agenten leben, und als franzoſiſche Unterthanen an⸗ geſehen werden. Ohngeachtet man bei ihnen den Vorſatz, jemals perſoͤnlich nach Frankreich zuruͤckzukehren, nicht unterſtellen kann, ſo laͤßt ſich doch auch ihre Abſicht, fortan Franzoſen zu bleiben, nicht verkennen, und es war durchaus kein Grund vorhanden, ihnen dieſe Eigenſchaſt vorzuenthalten; vielmehr dieſe Ausnahme auf alle Faͤlle aus⸗ zudehnen, wo die Niederlaſſung im Auslande nur in 6 HandlungsGeſchaͤften, nicht aber in der Abſicht, ein an⸗ 5 deres Vaterland zu erwerben, ihren Grund hat. 131 kinnz 4) Keiner, der die Eigenſchaft als Franzoſe einmal verlohren defule hat, kann ſie wieder erlangen, ohne dieſelbe Bedingungen rtunun zu erfuͤllen, welche dem Fremden auferlegt ſind, um Fran⸗ der Aiſth zoſe zu werden; allein man darf den Unterſchied nicht aus dem Auge verlieren, den das Geſetz zwiſchen dem Franzo⸗ r Uftt ſen und dem franzoͤſiſchen StaatsBuͤrger macht. nſn Freilich hatte man bei der Diskuſſion des Art. 43 den ge⸗ habe; un woͤhnlichſten Fall im Auge, wo ein Ausländer die Abſicht daß biſt hat, auch dieſe lezte Eigenſchaft zu erwerben, ſich aber noch in mioſe ni der zehnjaͤhrigen Friſt befindet, die nach der Konſtitutions⸗ land gi Alkte dazu erforderlich iſt. Dieſer Artikel iſt jedoch, nach Geſch, ſeiner allgemeinen Abfaſſung, auf jeden Ausländer anwend⸗ ben, joch bar, der ſich in Frankreich niederlaſſen will, alſo auch auf nie nach Perſonen weiblichen Geſchlechts, die doch nie jene politiſche ſii. Eigenſchaft erwerben koͤnnen. Es iſt daher auſſer Zweifel, on Han⸗ daß, um Franzo ſe zu werden, nur zwei Bedingungen er⸗ cht, wuh forderlich ſind: Hant 1] die Erlaubniß des Kaiſers„ um ſich in S ndenkihn niederzulaſſen, pmn⸗ 2 der wirkliche Aufenthalt in Frankreich⸗ hnn w Unter denſelben Bedingungen kann auch der Franzoſe, der nPorſtt, dieſe Eigenſchaft verlohren hat, ſie wieder erlangen.(Art. en, nit 18.) ſogar fällt die erſte in dem Falle weg, wenn bie Aiſiht, Franzöſin, welche durch ihre Ehe mit einem Ausländer dieſe nd es un Eigenſchaft verlohren hatte, ſich zur Zeit der Auflößung der änſtt Ehe in Frankreich befindet,(Art. 20.weil dieſer Aufenthalt File⸗ einer Auslaͤnderin in Frankreich nur mit Erlaubniß der Staats Gewalt ſtatt finden kann. n n 5) Das Wort: veuve, in dem Art, 49 iſt auch auf die Fran⸗ 3* 132 zöſin anwendbar, deren Ehe mit einem Ausländer, nach den Geſetzen des Vaterlandes ihres Mannes, durch Scheidung aufgeloͤßt worden wäre, nicht aber auf die, welche nur von Tiſch und Bett geſchieden waͤre, weil dieſe Trennung das Band der Ehe beſtehen nach dem Grundſatz: ubi eadem ratio etc. 6) Dem Art. 20 gemäß hat die Wiedererlangung der Eigen⸗ ſchaft als Franzoſe keine ruͤckwirkende Kraft; wäre daher derjenige, der ſich in dieſem Falle befindet, waͤhrend der Zeit, wo er dieſe Eigenſchaft verlohren hatte, zu einer in Frankreich eröffneten Erbſchaft berufen geweſen, von wel⸗ cher ihn die Vertraͤge oder Geſetze ſeines intermiſtiſchen Va⸗ terlandes ausgeſchloſſen haͤtten, ſo konnte er ſie nachher nicht wieder in Anſpruch nehmen. Die Frage, ob die Strenge dieſes Grundſatzes auch auf ſeine Kinder auszudehnen ſei, gab zu einer langen Diskuſſion Anlaß, in welcher man die verſchiedene Fällen nicht ſorgfältig genug unterſchied;(Ver⸗ tatProzeß vom 14 Thermidor 9.) denn was die Kin⸗ der betrifft, welche er vor dem Verluſt dieſer Eigenſchaft in Frankreich oder im Auslande erzeugt hatte, ſo ſind ſie kraft des Geſetzes Franzoſen, welche Eigenſchaft ſie durch das Fak⸗ tum ihres Vaters in der Minderjaͤhrigkeit nicht verlieren können; nach erlangter Grosjährigkeit entſcheidet ihre eigene Wahl uͤber ihr Schickſal; den Kindern aber, welche erſt ſeit der Epoche, wo ihr Vater(oder ihre Mutter) di⸗ Eigenſchaft als Franzoſe verlohren hatte, im Auslande erzengt worden ſind, haͤtte man ohne alle Grundſätze zu verletzen die Erbfähigkeit ohne die im Art. 11 enthaltene Modifika⸗ tion nicht zugeſtehen koͤnnen. 7) Die Annahme einer Anſtellung im Dienſt einer fremden Pu Pi Pirl 6 —— er möhn E wech m ſ Lumn rundſih ui der Eyn vir kht vihrend h zu einr i „Won w ſtiſchen V uchher nich ie Stteng Nhnan ſi, et wan i hud; Ce as di ſi igenſchft ind ſi kuf uch ahi ht veriun ihre eim lche e ſi Eigenſh de erz zu berln Mtiſt⸗ t ftenin 133 Macht ohne Erlaubniß der Regierung, waͤre ſie ſelbſt in der Abſicht geſchehen, nach Frankreich zuruͤckzukehren, zieht den Verluſt der Eigenſchaft als Franzoſe nach ſich, weil ſie ihm die Möglichkeit benimmt, die Geſetze ſeines Vaterlandes zu befolgen. Tritt er gar in Militair Dienſte, ſo verfaͤhrt das Geſetz noch ſtrenger gegen ihn,(Art. 21) weil er ſich in den Fall ſetzt, die Waffen gegen ſein Vaterland tragen zu muͤſ⸗ ſen. Er kann alsdann die Eigenſchaft als Franzoſe nicht eher wiedererlangen, als nachdem er die Bedingungen erfullt hat, welchen ſich der Fremde unterwerfen muß, um Staats⸗ buͤrger zu werden; daß heißt, ſelbſt nachdem er mit der Erlaubniß der Regierung nach Frankreich zuruckgekehrt iſt, kann er noch während zehn Jahren auf dieſe Eigenſchaft kei⸗ nen Anſpruch machen, und die in dieſer Zwiſchenzeit zu ſeinem Vortheil eroöfnete Erbſchaften und ihm gemachte Liberalitäten bleiben dem Art. 11 unterworfen; erſt nach dieſer zehnjaͤhrigen Pruͤfungszeit und einem fortgeſetzten Aufenthalte in Frankreich wird er wieder Franzoſe. Hat er die Waffen wirklich gegen ſein Vaterland getragen, ſo beſtrafen ihn die Krimi⸗ nalGefetze mit dem Tode, und er kann alsdann nur kraft einer Amniſtie die Fähigkeit wiedererlangen, Frauzoſe zu werden. Richt ganz richtig bemerkt Dabelow in ſei⸗ nem Archiv den obigen Unterſchied, wenn er ſagt,„in den „obengedachten Fällen braucht er die Erlaubniß zur Ruͤckkehr nicht, ſondern nur die Autoriſ ation, die nicht „leicht abgeſchlagen wird“; ohne Autoriſation oder ohne Erlaubniß nicht nach Frankreich kommen zu duͤrfen, ſind wie die tagliche Erfahrung bewährt, durchaus gleichbedeutende Worte; der Unterſchied zwiſchen demjenigen, der ſich im Falle des Artikels 21 und dem, der ſich in einem der vor 134 dem Art. 17 vorgeſehenen Fälle befindet, liegt lediglich in der haͤrteren Bedingung, die der erſte zu erfuͤllen hat, um wieder Franzoſe zu werden. §5. 42. Die Franzoſen 10 genieſſen entweder der politiſchen Rechte als Staats⸗ buͤrger, und der Civil Rechte; 20 oder ſie genieſſen nur der CivilRechte, nicht aber der politiſchen Rechte; 35 oder ſie genieſſen weder der CivilRechte, noch der politiſchen Rechte,(bürgerlicher Todt, mort eivile) 1) Alles, was die politiſche Rechte des Staatsburgers betrifft, wird in einer andern Abtheilung dieſer Darſtellung eroͤrtert werden. Wir beſchräͤnken uns hier darauf, die Verſchie⸗ benheit zu bemerken, die in dieſer Hinſicht unter den Fran⸗ zoſen beſteht. Es verſteht ſich ubrigens von ſelbſt, daß nie⸗ mand ſich im Genuß der politiſchen Rechte befinden kann, ohne zugleich im vollen Genuß der Civi Rechte zu ſein, nicht aber umgekehrt. 2) Die zweite der obigen Klaſſen beſteht aus folgenden Indivi⸗ duen: aus allen Perſonen weiblichen den Minderjährigen, den Interdizirten, aus den Perſonen, welche ſich im perſoͤnlichen Dienſte einer andern befinden,(Hausgeſinde, Knechte ꝛc.) aus den Buͤrgern, deren politiſche Rechte(durch eine peinliche Anklage, ein Falliſſement ꝛc. ec.) ſuspendirt oder die derſelben beraubt worden ſind; Endlich aus denen, welche, obgleich zur Ausuͤbung der 135 izlich int. hu politiſchen Rechte befugt, dennoch die Bedingungen nicht erfuͤllt haben, welche durch das Staats Recht zu dem Ende vorgeſchrieben ſind. Man darf dabei nicht aus dem Auge verlieren, daß Min⸗ derjährige und Interdizirte zwar ihrer Unfaͤhigkeit halber Su der Ausäbung der EivilRechte, nicht aber dieſer Rechte ſelbſt, beraubt ſind, welche durch Andere in ihrem Namen ih ansgekbt werden. 3) Die der franzöſiſchen Geſetzgebung ganz eigene Inſtitution wch i des burgerlichen Todes iſt die vollige Beraubung aller aus t eivile] der poſitiven Geſetzgebung entſpringenden Rechte. Wer buͤr⸗ bift gerlich tobt iſt, iſt keine zurſſiſche Perſon, kein Gled eg tinn der Geſellſchaft wehr; er befindet ſich witten in der Ge⸗ Vrit ſelſchaft in den Naturzuſtand zurkckverſetzt, ohne jedoch dn im die Befugniſſe, die ihm in dieſem Zuſtande zuſtehen wuͤrden, „deß ni geltend machen zu können, wenn ſie durch das poſitive Ge⸗ dn im, ſetz aufgehoben oder modifizirt worden ſind, weil alle andere ſen, it Buͤrger dieſes Geſetz, das für ihn allein nicht beſteht, an⸗ zurufen befugt ſind⸗ Die Menſchlichkeit hat es jedoch nicht en Ini erlaubt, dieſe Fiktion unbedingt durchzufüͤhren, wie wir aus folgenber Entwickelung erſehen werden⸗ 4) Die Verfugungen uber den burgerlichen Tod hätten viel⸗ leicht, als die unmittelbare Folgen eines peinlichen Urtheils, ihre Stelle beſſer in der KriminalGeſetzgebung gefunden; doch n Diunſt ſind ſie auch der Civil Geſetzgebung nicht fremd, weil ſie die Einwirkung der peinlichen Verfuͤgungen auf das Privatrecht! 3 te 1) uch ine reguliren. uyinin§. 43 5 Der boͤrgerliche Tod kann nur kraft einer peinlichen Art. a ung bn Verurtheilung zum naturlichen Tode oder zu einer andern 136 Art. a3 a6 ewigen Leibesſtrafe eintreten. Wer dazu verurtheilt iſt, iti a iſt ſür die Geſellſchaft abgeſtorben; er verliert alle mit in 32 dem geſellſchaftlichen Zuſtande verknuͤpfte Vortheile und mn jede aus der poſitiven Geſetzgebung abgeleitete Fähigkeit und ni Beſugniß. Er behalt diejenige Befugniſſe, die aus dem in Raturrecht herflieſſen, nur in ſo weit, als ſie durch das poſitive Geſetz nicht modifizirt worden ſind. Locrs,(I. 309) Mateville a. a. O.(I. 33) VerbalProzeſſe w vom 6 und 26 Thermidor 9, 12 Frimaire 10, 23 Brumaire de und 12 Ventoſe 11. Projet du code, liv. I, tit. 1, Art. Zo. 6 Repertoire below I. 224 u. ff. Despeisses, titre da mariage, section 4, Nro. 3, Broceau sur Louet, ptre 1, Nro. 14 et 26. n 1) Da der bürgerliche Tod nur als Folge einer peinlichen 4 Verurtheilung eintreten kann, ſo kann auch nur der Krimi⸗ 1 . nalKoder die Strafen beſtimmen, welche ihn nach ſich zie⸗ hen ſollen. Der Art. 24 ſpricht nur den Grundſatz aus, daß dieſe Inſtitution auch hinfuͤhro beibehalten werden ſoll, ſollte es 1 auch nur im Falle der Verurtheilung zum natuͤrlichen Tode ſein. 3 Der Verluſt gewiſſe r Eivi Rechte kraft peinlicher Verurthei⸗ t lungen darf uͤbrigens mit dem buͤrgerlichen Tode nicht ver⸗ ſi wechſelt werden, welche in der franz. Jurisprudenz ſeit lan⸗ ge ubliche Benennung die gänzliche Ausſchlieſſung aus dem geſellſchaftlichen Verein bedeutet. Daß der Art. 23 auſſer dem Falle eines KontumazialUrtheils nur dann ſeine An⸗ wendung findet, wenn der Verurtheilte vor der Exekution ſterben ſollte, bedarf wohl keiner Bemerkung, da im entgegen⸗ geſetzten Falle der buͤrgerliche Tod zugleich mit dem phyſiſchen eintritt. ſ 2) Der Art. 24 verfuͤgt, daß nur ewige Strafen den buͤrger⸗ h liche Tod nach ſich ziehen können, weil derſelbe eine Nach⸗ b ahmung des wirklichen Todes iſt, und man nicht auf eine 137 . beſtimmte Zeit ſtirt. Unter der jetigen Fninaſeſeige⸗ nheie bung giebt es, quſf der L„nur zwei immerwaͤh⸗ tan rende Strafen: die Deyatja a Brand⸗ e u mahl. Da aber das zweite nur eine acceſſoriſche Strafe einer auf gewiſſe Jahre beſchraͤnkten Kettenſtrafe iſt, ſo kann durh es den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich ziehen, eben ſo we⸗ nig als noch zur Zeit die Deportation, oder die Strafen, F welche kraft ſpezieller Geſetze an deren Stelle verhaͤngt wer⸗ den, weil der Art. 8 des Titels 4 des 1 Theils des Poͤnal⸗ u1n Geſetzbuchs von 1791 ausdruͤcklich erklrt: daß die Wir⸗ M kungen der Deportation erſt durch beſondere Verord⸗ nungen regulirt werden ſollen. Im Staatsrath fand auch eine peinlihn unge Diskuſſion uͤber die CiviRechte ſtatt, welche dem in der rin Frankreich fuͤr buͤrgerlich todt geachteten Deportirten am h ſih jn Orte ſeiner Deportation zuſtehen ſollten, von welcher wir je⸗ 6 au, doch hier ganz abſtrahiren, da nichts entſchieden und das ſolbt Ganze bis zur Diskuſſion des KriminalKodex vertagt ward. Tonſit 3) Die im Art. 25 enthaltene Aufzählung der Wirkungen des Venrthi burgerlichen Todes iſt keineswegs beſchraͤnkend in der Art, nicht ben als ob er keine andere haben koͤnnte, ſo wie Dabelow ſit i⸗(I. 219.) es irrthuͤmlich behauptet.(VerbalProzeße vom as in 16 und 24 Thermidor 9.) Das Geſetz wollte nur 3 uſt fuͤr diejenige Falle, die ſich am haͤufigſten darbieten, ine I⸗ eine beſtimmte Entſcheidung ertheilen, um den Verſchieden⸗ kutin heiten der Jurisprudenz uͤber die Anwendung des allgemei⸗ nn nen Grundſatzes vorzubeugen. Dieſem zufolge iſt der buͤr⸗ iſtn gerlich Todte aller und jeder Vortheile der buͤrgerlichen Ge⸗ ſetgebung beraubt. Er kann a) fortan durch Arbeit und In⸗ tin duſtrie erwerben, weil dieſe ErwerbsArt des Eigenthums Nuch dem Naturrecht angehoͤrt, aber weder durch Erbſchaft, noch fei durch Schenkungen, noch durch Teſtamente(die Menſchlich⸗ 138* Leit nimmt jedoch zum bloſſen LebensUnterhalt gemachte Schenkungen und Vermächtniſſe aus) weil dieſe Inſtitutio⸗ nen dem CivilRecht angehören; denn wenn gleich die Schen⸗ kungen in dem Naturrecht ihren Urſprung nehmen, ſo ha⸗ ben ſie doch ihre Form von dem CivilRecht erhalten, das keinen anderen Beweiß derſelben als durch ſchriftliche Akte zuläßt. b) Deshalb iſt ſeine buͤrgerliche Ehe aufgelößt, und ſeine nach dem buͤrgerlichen Tode erzeugte Kinder haben keinen andern Platz in der Geſellſchaft, als den ſie ſich durch nachherige Verhältniſſe erwerben; denn wenn es gleich in Hinſicht auf die Frau, die das Schickſal ihres ungluͤcklichen Mannes frei⸗ willig theilen will, unendlich hart iſt, daß das Geſetz ſie wie eine Konkubine und ihre Kinder als Baſtarde behan⸗ delt,(eine Bemerkung, die der Kaiſer mit Wärme geltend gemacht hat, VerbalProzeß vom 6 Thermidor 9) ſo waͤre es doch offenbar ein Widerſpruch geweſen, eine Frau und recht⸗ mäſſige Kinder eines Individuums anzuerkennen, das in den Augen des Geſetzes nicht mehr vorhanden iſt. Das Geſetz läßt uͤbrigens die natkrliche und religiöſe Ehe beſtehenz es lößt nur den burgerlichen Kontrakt auf, ſo wie der Ge⸗ ſetzgeber es beſtimmt erklärt(S. die Note 7 hierunten) und zwar gegen die vorige Jurisprudenz, nach welcher der buͤrgerliche Tod die Ehe nicht aufloßte.(Despeiſſes, tit. du mariage, ꝓAbſch. Rro. 15, Louet und Brodeau titre 1 Nro. 140) Allein die von Maleville S. 48 angefuͤhrte Gruͤnde koͤnnen mich nicht uͤberzeugen, daß nicht der Grundſatz der Unauflößbar⸗ keit der Ehe als Sakrament dieſe Jurisprudenz beſtimmt habe; die von ihm geltend gemachte L. 1 Cod. de repud. ſcheint mir aus dem Grunde ohne allen Einfluß, weil die Fiktion des buͤrgerlichen Todes zu ihrer Zeit nicht ſo aus⸗ t gmt e Inſii h bieSi nen, ſe hn alten, b Mn uijt ſein uh ten anden nchherh inſicht uf nnes fri⸗ Geſeß ſi e behan⸗ e geltend wirt und recht „ das in ſt. Di iöſe 6 ie derh⸗ undzwn rlihe üi eAliſt 4) Al nen nih uflſtn hefint b nyui wil di ſo au 139 gebildet war, als ſie es durch die franzöſiſche Geſetzgebung und Jurisprudenz geworden iſt. Auch iſt in der vorigen Ge⸗ ſetzgebung ein groſſer Widerſpruch nicht zu verkennen. Sie erklaͤrte den buͤrgerlich Todten fuͤr die Zukunft zur Ehe ab⸗ 1 ſolut unfaͤhig(Art. 6 der Ordonnanz von 2639,) ließ jedoch die fruͤher kontrahirte beſtehen; ſie uͤbertrug ſeine Erbſchaft an ſeine natuͤrliche Erben zur Zeit des burgerlichen Todes, und ließ ſeine nach dieſer Zeit gebohrne Kinder ſein ſeitdem erworbenes Vermogen erben.(Lebrun, des successions Liv. 1, Chap. 2, Sect. Z, Nro. 22 et suiv.) ſie erklärte ſeine Erbſchaft eroffnet, waͤhrend ſie dem Ehegatten erſt nach dem natrlichen Tode ſeine gains de survie zuerkannte.(Louet und Brodeau titre I. Nro. 26.) Auch dieſe Verfuͤgung hatte die Kommiſſion in ihr Projekt aufgenommen und ſich auf die L. 1215 2 fi. de verbor. oblig. geſtuͤzt; ſie ward jedoch verworfen, weil ſie nur auf dem ſchwachen Grund beruhte, daß die Convention der Partheyen nur den natuͤrli⸗ chen Tod im Auge gehabt habe, während doch die Erben gleichfalls nur im Falle des natuͤrlichen Todes auf die Erb⸗ ſchaft hätten zählen konnen, und daher der Geſetzgeber in die⸗ ſem Falle, den die Contrahenten nicht vorſehen konnten, die Rechte aller Intereſſenten reguliren mußte. Auch iſt das Syſtem des Codex wohl hart, doch ſtrenge genommen nicht ungerecht, indem der Geſetzgeber nur aus Gnade dem Un⸗ gluͤcklichen, den er aus der Liſte der Glieder der Geſellſchaft als ein unwuͤrdiges Mitglied wegſtreicht, ſeine phyſiſche Epi⸗ ſtenz laͤßt. Derſelbe kann c) weder vorGericht noch in einem au⸗ thentiſchen Akt als Zeuge auftreten, weil die Geſellſchaft den keines Zutrauens wuͤrdig halten kann, den ſie fuͤr unwuͤrdig gehalten hat, in ihrem Schooße zu eyiſtiren(dem Kriminal⸗ 6 140 Codex bleibt es jedoch vorbehalten, die Frage zu entſcheiden, ob ſeingeugniß angenommen werden kann, wenn er ein nothwen⸗ diger Zeuge, z. B. eines im Gefaͤngniſſe begangenen Mordes wäre.(S. hierunten Nro. 6) Er kann a) in den Formen der CivilGeſetzgebung weder kontrahiren noch eineVerbindlichkeit ſti⸗ puliren, ohngeachtet ihm dieſe aus dem Naturrecht herflieſſende Handlungen an und fuͤr ſich erlaubt ſindz wenn daher d'Olivier in ſeinen observations sur le Code civil(1807) S. 110 unbedingt behauptet, daß er keinen Verkauf und keine Verpflichtung ſtipuliren koͤnne, ſo läßt ſich dieſe Behaup⸗ tung doch nur in Hinſicht auf diejenige Handlungen dieſer Art rechtfertigen, welche ohne die Form der poſitiven Geſetzge⸗ bung nicht zur Vollkommenheit gelangen können. 4) Sogar der Grundſatz, daß der buͤrgerlich Todte der Vor⸗ theile der poſitiven Geſetzgebung unbedingt beraubt iſt, er⸗ leidet zu ſeinen Gunſten drei verſchiedene Ausnahmen: 1) Fann er ſogar in der Form des CuvilRechtes erhalten, was zu ſeinem LebensUnterhalte nothwendig iſt, widri⸗ genfalls die Verurtheilung zum buͤrgerlichen Tode eine zum natuͤrlichen Tode werden wuͤrde. 2]) Kann er gegen perſonliche Beleidigungen den Schutz der Gerichte und die poſitiven Geſetze anrufen, denn da ihm dieſe das Recht der Selbſt huͤlfe, welches ihm im Naturſtande zugeſtanden haben wuͤrde, benommen haben, ſo mußte man ihm ein anderes Mittel zur Erhaltung ſei⸗ ner Exiſtenz darbieten. 3] Daſſelbe Recht hat er, um in ſeinem ſeit dem kuͤrger⸗ gerlichen Tode erworbenen Vermögen geſchuͤzt zu werden, aus demſelben Grunde. r41 In beiben Füllen kunn er ſelbſt jedoch richt vor Gericht nRu auftreten, weil er keine juriſtiſche Perſon iſt. Ein beſonde⸗ rer Kurator fuͤhrt ſeine Sachen. 8) Endlich kann er ſelbſt uber ſein, nach dem kurgerlichen Tode 3 erworbenes, Vermogen in der Form des EivilRechtes nicht tiſch verfugen; und nur aus Menſchlichkeit ertheilt das Geſetz diirin dem Kaiſer eine allgemeine, nach dem Staats Recht fur je⸗ ém de beſondere Veräuſſerung eines Staats Domains erforderli⸗ in in che, Autoriſation, zum Beſten der Seinigen daruͤber zu verfuͤ⸗ Behny gen. Ganz ohne Grund behauptet Hr. d'Olivier, unter iſn n deſſen Bemerkungen ſich uͤbrigens manche treffende befinden, Gtn am angefuhrten Orte, richtiger hätte man dieſe Guͤter fuͤr vakant und herrnlos erklaͤrt, da der Art. 713 alle herrnloſe Guͤtr gleichfalls dem Staate zuerkennt. 6) Die von Dabelo w(. 224) ertheilte Entſcheidung, nach welcher es dem Richter zwar freiſtehen ſoll, ihn abzuhoͤren, ohne jedoch auf ſein Zeugniß ein verdammendes Urtheil faͤllen zu koͤnnen, ſuln⸗ mag vielleicht unter der deutſchen Krimina Verfaſſung richtig ſein, ni nach der franzöſiſchen iſt ſie es ſicher nicht. Der Geſchwor⸗ wein ne hat von ſeiner Ueberzeugung keine Rechenſchaft zu geben. Die FriminalGeſetzggebung muß daher entſcheiden, ob in dem i i Falle, wo kein anderer Zeuge vorhanden iſt, der mh buͤrgerlich Todte abgehoͤrt werden kann. Erlaubt ſie es, und hnin die Geſchwornen ſchopfen aus ſeinem iſolirten Zeugniß huben, ihre innere Ueberzeugung, ſo kann kein Gericht in Frankreich 4 mſi ihr Urtheil reformiren. Verbietet ſie, ihn zu hoͤren, ſo darf er den Geſchwornen unter keinem Vorwande vorgeſtellt werden. . So iſt auch die von demſelben aufgeworfene Frage, in wie fern der Coder den buͤrgerlich Todten als InſtrumentsZeuge ausge⸗ 6 ſchloſſen wiſſen wolle?(ibid. 225) durchaus nicht zweifelhaft, wenn man die im Art. 1317 enthaltene Definition des acte 142 authentique und die Verfkgung, welche ihn unbedingt unfaͤhig erklärt, in gerichtlichen Verhandlungen Zeugniß abzulegen, in Erwaͤgung zieht. Meines Erachtens ſchlieſſen dieſe Beſtim⸗ il mungen alle und jede Akte ein, wobei ein Zeuge erforder⸗ lge tich ſein kann, denn wir wiſſen, daß die Unterſchrift eines 6 geugen duf einem Akt unter PrivatUnterſchrift nach der 3 franzoſiſchen Jurisprudenz in keinem Falle in Anſchlag kom⸗ let men kann, und als nicht geſchrieben angeſehen wird. n 7) Die Wirkungen, welche Hr. Prof. Dabelow(Seite 229) der kirchlichen Ceremonie beilegt und die Präſumption, welche hn er daraus herleitet, und kraft welcher die in einer kirchlichen 6 Ehe erzeugte Kinder einen Grad hoͤher als naturliche(unehe⸗ zi liche) Kinder ſtehen ſollen, ſind nirgends im Geſetz begruͤndet, u indem die prieſterliche Einſegnung durchaus in keinem Falle 6 von den Gerichten in Anſchlag gebracht werden kann. Auch 3h verrathen dieſe Bemerkungen eine Unbekanntſchaft mit der ſn ſtrenge und unbedingt gehandhabten Verfuͤgung des hn Geſetzes vom 18 Germinal 10, welche es dem buͤrgerlich ſch Todten durchaus unmoͤglich macht, die prieſterliche Einſegnung hft zu erhalten. Beide, von Hrn. Dabelow gezogene, Folge⸗ l rugen ſind daher gleich falſch; weder ſteht aus einer bloſſen Ge⸗ k wiſſens Ehe erzeugten Kindern die recherche de la paternits zu, weil das poſitive Recht dieſe unbedingt verbietet und zu ihrem Vortheil keine Ausnahme macht, noch gnuͤgt bei einer mit kirchlicher Ceremonie abgeſchloſſenen Ehe die Präſumption, a) weil erſtens die prieſterliche Einſegnung nicht denkbar iſt; b) weil, wenn ſie gegen die Vorſchrift des Geſetzes er⸗ theilt worden waͤre, ihr Beweis unzulaͤſſig ſein wuͤrdez e) weil, als erwieſen angenommen, die Gerichte keine Ruͤckſicht darauf nehmen durfen. izun chuhn iſ Bn uge ufthe ihiſt i iſt uhh lnſitſe ni vEitn pin, uih ſihihn tihe un ſt iyin liun fll im Uh hi nit h zfigun i m liit bninn üih⸗ n luſuß⸗ kyuunii tt mn int liin tiſmin wliniß Gets b ſni niht l * 143 5 3 Iſt der bürgeriche Tod durch ein kontradiktoriſches Ur⸗ theil ausgeſprochen worden, ſo treten ſeine Wirkungen im Augenblick der Exekution ein, ſelbſt wenn ſie in elgie ſtatt gehabt hätte; ſie ſind unwiderruflich und unverjährbar. Iſt das Urtheil in contumaciam erlaſſen worden, ſo bleiben dieſe Wirkungen waͤhrend der fuͤnfjährigen Gna⸗ denFriſt, welche die peinliche Geſetzgebung dem Verurtheilten von dem Tag der Exekution in eligie an geſtattet, ſus⸗ pendirt; ſtirbt er in dieſer Friſt, ſo ſtirbt er integri status. Stellt er ſich in dieſer Friſt freiwillig oder wird er er⸗ griffen, ſo wird dafür gehalten, S ſei das urcheil nie erlaſſen worden. Stellt er ſich oder wird er erſt nach Ablauf der fuͤnf Jahre, jedoch vor der Zeitfriſt mit deren Ablauf die Stra⸗ fen ſelbſt verjaͤhrt iſt, ergriffen, ſo bleiben die Wirkun⸗ gen des buͤrgerlichen Todes von dem erſten Tage des ſechſten Jahres bis zu dem ſeiner Erſcheinung oder Ver⸗ haftung an unwiderruflich, zieht aber das zweite Urtheil den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich, ſo nimmt er, fuͤr die Zukunft, wieder ſeine Stelle in der Geſellſchaft ein. Mit dem Augenblick, wo die Strafe verjaͤhrt iſt, wird der buͤrgerliche Tod auch fuͤr die Zukunft unwiderruflich. Locre, a. a. O.(I, 4o6 u ff.) Malevile, I 126. Perbal⸗ Prozeße vom 6 und 16 Thermidor 9. 6 Brumaire und 13 Vento ſe II. Dabelow I, 246 u. ff. 1) Aus der Verftgung des Art. 26 ergiebt ſich: 1] daß die Akte, welche der Angeklagte vor dem urtheil, und ſelbſt nach dem Urtheil, während dem Kaſſations⸗ Geſuch, machen könnte, nicht von Rechtswegen, und kraft des Geſetzes nichtig ſind, ohngeachtet ſie von den Gerich⸗ Art. ²5 32 27 ²⁸ 30 29 30 3² r44 ten nichtig erklärt werden können, wenn ſie in der Ab⸗ ub ſicht errichtet worden ſind, die Gläubiger um ihre Ford⸗ m rungen, oder den Staat um die ProzeßKoſten zu be⸗ Rbei truͤgen. Der Vorſchlag, ſie unbedingt und durch eine uſt allgemeine Verfuͤgung nichtig zu erklaͤren, ward ausdruͤck⸗ N lich verworfen.(VerbaProzeß vom 16 Thermidor 9.))P 2) Daß wenn der Verurtheilte vor der Exekution ſterben 6i ſollte, er integri status ſterben und ſein Teſtament guͤl⸗ ven tig ſein wuͤrde; weil er weder zur Zeit der Errichtung des Teſtaments noch zur Zeit ſeines Abſterbens mit der aus m dem buͤrgerlichen Tode herflieſſenden Unfaͤhigkeit behaftet i geweſen waͤre. Eine Ausnahme, die in Hinſicht auf n Selbſtmoͤrder in Vorſchlag gebracht wad⸗ ward aus⸗ mn druͤcklich verworfen. nn Beide obige Beſtimmungen bleiben freilich derFrage untergeordnet, ob nicht die Krimina Geſetzgebung in demjenigen, der ſich im 9 Zuſtande einer peinlichen Anklage befindet, die Ausuͤbung„ ſeiner CivilRechte unbedingt ſuspendiren oder beſchraͤnken wird. zu Ganz irrig iſt aber die Diſtinktion, welche Hr. Profeſſor ſo Dabelow(S. 236 und 237) aufſtellt, und wiederſtrebt h eben ſo ſehr dem Buchſtaben als dem Geiſt des Geſetzes. Wo ſteht i denn geſchrieben, daß durch das Urtheil die Betheiligten ein jus quæsitum auf das Vermoͤgen desVerurtheilten erhalten. welches ihnen durch keine Handlung des Verurtheilten mehr ent⸗ zogen werden koͤnnet Siehaben hoͤchſtens ein Recht, welches einer ſuspenſiven Bedingung untergeordnet iſt. Deshalb iſt das Teſtament des Verurtheilten guͤltig, wenn er vor der Exe⸗ kution, gleichviel auf welche Weiſe ſtirbt, ungultig, wenn die Exekution ſtatt findet; von ihm getroffene Veräuſſerun⸗ gen und andere Verträge können aber, gleichviel ob ſie nach oder N vor der Publikation der Verurtheilung atgſchioſſen worden, 1 nur dann angefochten werden, wenn eine berůgeriſch Abſicht n dabei untergeloffen iſt; und zwar kommt bei Beurtheilung dieſer Abſicht nur das Intereſſe ſeiner Glänbiger,— aber ninit das ſeiner Erben in Anſchlag. miu 2) Mit groͤſſeren Schwierigkeiten war es verbunden, bas iu Schickſal desjenigen zu reguliren, der in contumaciam inn 6 verurtheilt war. Zwar kam man dahin uͤberein, daß die enm beſondere Form des Verfahrens und die Moͤglichkeit einer S*5 rechtmaͤßigen Verhinderung des Abweſenden es nicht erlaubten, i it einem KontumazialUrtheil dieſelbe Kraft beizulegen als demje⸗ hiin nigen, welches nach Anhörung des Angeklagten erlaſſen nn worden, allein die Meinungen waren zwiſchen zwei Syſte⸗ men getheilt, von welchen erſt nach langen und wiederhol⸗ ntmhn ten Debatten das eine die Oberhand behielt. uſhi Mach dem erſten ſollte die Wirkung des buͤrgerlichen Todes, t luin wie im Falle eines kontrapiktotiſchen Urtheils, mit dem Au⸗ tiint genblick der Exekution in effigie eintreten, allein der re⸗ hr ſuſt ſolutoriſchen Bedingung der Verhaftung oder Wieder⸗ int erſcheinung des Verurtheilten unterworfen ſein: die tei. Vfth diger dieſer Syſtems beriefen ſich hiiun u a) aufe die beſtehende Geſetzgebung(Art. 29 des itets teneun 7 der Kriminal Ordonnanz von 1670 und die Art. 464 nnhr uff. des Titels 9 des——— der S und welhiin Strafen vom 3 Brumaire 4 J.) 4. halbit— Auf die Natur des burgerlichen 2 s. der als eine ac⸗ er h h⸗ ceſſoriſche Folge einer andern Strafe von dein Au⸗ ig, um genblick an eintreten müſſe. wo vollzo⸗ niuſtmn⸗ gen werde: nchehi bon a 1n n ſſoge 46 5 Auf die Natur des Aktes, woraus er herfließt, wel⸗ cher, als ein Urtheil, ſo lange ſeinen Vollzug erhalten mäſſe, als keine Oppoſition dagegen eingelegt worden c) Auf die Nothwendigkeit des Beiſpiels, welches ſruet⸗ ſein wurde, wenn die Strafe erſt lange Jahre nach dem Verbrechen eintreten ſollte. Allein die Anhänger des entgegengeſetzten Syſtems, des einer 6 legalen Interdiktion, ſetzten dieſen Gruͤnden folgende mit Erfolg entgegen: 1) ſei es durchaus egi die Grundſaͤtze in Betreff der reſolutoriſchen Bedingung auf den buͤrgerlichen Tod anzuwenden, oder einen konditionellen Tod auszuſpre⸗ chen. 2) Wuͤrde die Gunſt, die dem S eine fünfjh⸗ rige GnadenFriſt geſtattet, illuſoriſch ſein, wenn man das Urtheil grade in denjenigen Verfuͤgungen vollſtrecken wollte, welche ihn am harteſten betreffen wurden, indem der Vollzug der perſoͤnlichen Stafe ſeine Flucht unmöglich geworden wäre. 3) ſei es ſowohl der Mnnſchichteit a als ſenſ der Gerichtig keit zuwider, die Kinder des Kontumar der Kollateral⸗ Erbſchaften zu berauben, zu welchen ſie während der funfjäͤhrigen GnadenFriſt, gemeinſchaftlich mit andern Erben von gleichem Grade, berufen ſein mochten. ſei die Ungewißheit, die aus dem entgegengeſeßten Sp⸗ ſtem in Hinſicht auf den Stand der Kinder, die in der GnadenFriſt empfangen worden, auf das Schickſal der Frau, die ſich in derſelben Zeit wieder verehlicht hätte, auf die Erbſchaften, die während derſelben anerfallen wären, mit allzugroſſen Nachtheilen verknuͤpft; je nach⸗ in ſin den ſi hi ſe dr mi wnt hn ſujn mi Mn ßit E fn P im neh ſin 14 ſ w dem der Verurtheilte erſcheinen oder verhaftet wuͤrde, jig chu waͤren die erſten rechtmäßig oder Baſtarde, die zweite guhn guͤltig oder ungkutiger Weiſe verheurathet, die dieſen he ſut oder jenen Erben anerfallen. e e mn 3) Ueber die Frage: wie in Ermangelung des Vertärprtjeſſes, der uͤber jede Exekution in effigie errichtet werden muß⸗ nü dü in der Beweiß dieſer Exekution erbracht werden koͤnne, hat man den fin ein urtheil des Kaſſationshofs vom 26 Thermidor 12 in der beruͤhmten Sache von Desvernais, deſſen waͤh⸗ ein Puf rend dem buͤrgerlichen Tode ihres Vaters gebohrne Kinder wichn 1 ſeine Erbſchaft 60 Jahre nach dem Kontumazialurtheit aus h dem Grunde vindizirten, weil die Exekution nicht erwieſen ſei. Ihre Behauptung, daß der Verbal Prozeß dieſer Epe⸗ in füffit kution durch keinen andern Akt erſetzt werden könne, die winn mu ſie auf dem Titel 18 des PonalKoder und den Art. 55 der wlſuit Ordonnänz von Moulins ſtuzten, ward jedoch beſeitigt, den, inn weil dieſe Verfugungen nur auf noch lebende Individuen an⸗ ſine jü wendbar ſind, nicht aber auf laͤngſt Verſtorbene, und im beſondern Falle an der wirklichen Epekution durchaus nicht rGeri zu zweifeln war, weil das Urtheil nicht allein in allen ſei⸗ ollatn nen uͤbrigen Verfuͤgungen ſeinen Vollzug erhalten harte, ſon⸗ ihrund dern auch der VerbalProzeß der Exekution in effigie in nit auln ſpaͤteren authentiſchen Akten angefuͤhrt war. un 4) Den Verfuͤgungen des Geſetzbuchs der Verbrechen und Stra⸗ un6 fen zufolge werden die Gäter des Kontumar wäͤhrend des Verfahrens unter Sequeſter gelegt. Dieſe Maasregel, die ihn zum Zweck hat, ihn zur Erſcheinung zu bewegen, hoͤrt nun⸗ in h mehr, dem Art. 28 zufolge gleich nach dem uecheit auf, und inln ſeine Gäter werden, dieſem Artikel gemäͤß, von dieſem Augen⸗ 6 148 blick an, zu ſeinem oder ſeiner Erben Vortheil in der Art u verwaltet, welche fuͤr die Verwaltung der Guͤter jedes an⸗ ſ dern Individuums, deſſen Exiſtenz und ungewiß u ſind, vorgeſchrieben iſt. 8 8) Man hatte einen Artikel in Vorſchlag—3 welchen Nb zufolge die Erben und Glaäubiger des Kontumar waͤhrend der fuͤnfiährigen Gnadenfriſt nur gegen CautionsLeiſtung zur 6 Ausubung ihrer Gerechtſame zugelaſſen waren. Dieſe Ver⸗)* fuͤgung ward als allzu unbedingt verworfen. Was die Rechte der Erben betrifft, ſo verweißt ſie der Art. 28 auf die Be⸗ i ſtimmungen, die der Titel 3 des erſten Buchs in Hin⸗ ſicht auf die Erben eines Abweſenden enthaͤlt. In Hinſicht 9 auf jede andere CivilParthie bleibt es den Tribunalien über⸗ laſſen, nach Beſchaffenheit der umſtaͤnde jedes einzelnen n Falles eine Buͤrgſchaft zu fordern oder nicht. 6) Der Art. 29 iſt die Folge des im vorhergehenden aufgeſtel⸗ di ten Grundſatzes. Da der buͤrgerliche Tod noch nicht eingetreten hr iſt, und das Urtheil, kraft deſſen er nach Ablauf der fuͤnf Jahre Dn eintreten ſoll, durch die freiwillige oder gezwungene Erſchei⸗ ſb nung des Kontumax in Nichts zerfäͤllt, ſo tritt er in den⸗ in ſelben Zuſtand zuruͤck, als wenn er nie interdizirt geweſen ni wäre. Ganz anderſt verhaͤlt es ſich aber, wenn der bärger⸗ il üche Tod einmal verfallen war. Wenn auch das Geſets ln ihm fuͤr die Zukunft wieder eine Stelle in der Geſellſchaft ſn geſtattet, ſo bleibt es der Fiktion des natrlichen Todes doch 9d ein ſoweit getreu, daß es ihn unter keiner Bedingung fur die du BZeit wieder als lebend anerkennt, waͤhrend welcher es in ihn fuͤr todt erklärt hatte, denn grade hierin lag die Schwä⸗ 6r che des Syſtems des einer reſolutoriſchen Bedingung unter⸗ ſhle geordneten Todes. Es folgt daraus zon 149 il in e 1) daß ſein Vermögen, welches dem Art. 23 zufolge ausgelie⸗ kter jit b fert worden iſt, unwiderruflich verlohren bleibt, ohngeach⸗ ſthat uhu tet er in der Folge wieder in den Formen des erwerben kann; cht, welhe 2) daß die in der Zwiſchenzeit zu ſeinem Vyrthei eðffnete twihrnht Erbſchaften gleichfalls verlohren ſind, ohngeachtet er die skeiſn 1 Erbfuͤhigkeit für die Zukunft wieder erlangt; Dieſt 3) daß ſeine in der Zwiſchenzeit erzeugte Kinder unehelich, s i und guf h 4) ſeine Ehe aufgelößt iſt. Doch kann er eine neue chs in ho Ehe eingehen, und in derſelben rechtmaͤßige Kinder erzeu⸗ In Hinſt gen, ſogar verhindert ihn nichts, falls ſein voriger* nalien ütt Ehegatte ſich nicht wieder verehlicht hat, eine neue Ehe einſ mit demſelben zu kontrahiren und ſeine in der Zwiſchen⸗ zeit mit demſelben erzeugte Kinder zu legitimiren. en auff 3) Die letzte Verfuͤgung des Art. Zr iſt die mittelbare Folge t eingenn der geſetzlichen Verfuͤgung, nach welcher durch den Tod des fuͤnf Ih Verurtheilten in der GnadenFriſt das Urtheil, und folglich ene Eiſti die darin enthaltene Civi Verurtheilung, in Nichts zerfaͤllt, et in indem die peinliche Gerichtshoͤfe dem Geſetz vom 3 Bru⸗ zitt geut maire 4 J. zufolge uͤber die aus Verbrechen entſtehende Ci⸗ der bit⸗ vilKlagen nur beilaͤufig und durch daſſelbe Urtheil, welches ds bi uber die peinliche Anklage entſcheidet, zu erkennen befugt Grſelſt ſind. xrhs 8) Die Begnadigung des zu dem buͤrgerlichen Tod Verurtheilten un ſtt durch den Kaiſer kann ihn gleichfalls nur fuͤr die Zu⸗ welhe kunft wieder in den Genuß ſeiner CivilRechte einſetzen. ſi Ein Er kann eine neue Ehe, ſelbſt mit ſeiner vorigen Gattin ab⸗ un ſchlieſſen, allein ſeine erſte iſt und bleibt aufgeloßt. Zwar findet ſich in dem Geſet keine beſtimmte Verfuͤgung 150 fur dieſen Fall, allein es iſt unbeſtreitbar, daß kraft des Ur⸗ theils, jedoch nur von dem Augenblick an, wo es in Rechtskraft vrwachſen war, alle Betheiligte ein erworbenes Recht auf deſſen Wirkungen, z. B. die Erben auf die Erbſchaft des Verurtheilten, hatten, das ihnen durch einen ſpäteren Akt wt wieder benommen werden kann. 9) Die Verfuͤgung des Art. 32 ward aus dem Grunde ange⸗ fochten, weil es ſchien, als ob der buͤrgerliche Tod, als ac⸗ ceſſoriſche Strafe, denſelben Regeln wie die Hauptſtrafe unterworfen ſein muͤſſe; allein da die Verjährung in dieſem Falle eine bloſſe Begnadigung iſt, ſo verſchwand dieſe Er⸗ waͤgung vor dem Intereſſe der Geſellſchaft, die durch jede Veraͤnderung in dem Zuſtande des kbuͤrgerlich Todten beunru⸗ chigt wird. Dieſer Fall iſt von dem des Art. 30 durchaus verſchieden; in dem letzten kann der Verurtheilte fordern, daß man ihm den Prozeß mache, und nur, wenn das Ur⸗ theil guͤnſtig ausfällt, kann man ihm fuͤr die Zukunft ſeine Wiederaufnahme unter die Glieder der Geſellſchaft nicht ver⸗ ſagen. Im letzten kann er auf kein neues Urtheil antra⸗ gen, weil es widerſinnig wäre, dem den Prozeß zu machen, der nicht mehr verurtheilt werden kann. Man kann uͤbri⸗ gens uͤber die aͤltere franzöſiſche Jurisprudenz in Betreff des buͤrgerlichen Todes auſſer den bereits angefuͤhrten Schriften Richer, traité sur la mort civile, Lapeyrère, Serres. Rousseau de Lacombe und die Ordonanz von 1670 zu Rathe ziehen. Zweite Abtheilung. Pon den Familien Verhaͤltniſſen. 6 45. Alle Familien Verhältniſſe ſind von doppelter Art. — He ſilen in 12i us NI 17 Ul kuſt iuh nReht e Reit brſhei u eten lütti ztunde n od, d Haunt ng in diſn d dieſe durch jo ten beunn 0 durchau te fordern, enn das l ukunft ſin aft nicht u letheil aut zu meih n kun it nBetuf i⸗ ten Schi dre, Senu von 10/0 1 hu. 151 „ Die, welche aus der Ehe, und 2) die, welche aus der väterlicher Gewalt entſpringen. Die franzoͤſiſche Adoption erzeugt keine eigentliche Fa⸗ milien Verhältniſſe. Die Vormundſchaften ſind nichts als ein Supplement der fehlenden vaäterlichen Gewalt. 1) um mich ſo wenig als möglich von der Ordnung des Co⸗ der Napoleon zu entfernen, bin ich bei dieſer Eypoſition fol⸗ gender Ordnung gefolgt: Coder Napoleon. Erſtes Buch. Präliminartitel. 1Litel. Von dem Genuß und der Beraubung der Civilrechte. W Titel. Von dem Wohnſitz. 1 Titel. Von den Akten des Civilſtandes. 111 Titel. Von den Abweſenden. . Darſtellung der Geſetzge⸗ bung Napoleons. Einleitung⸗ Präͤliminartitel. NB. Ich werde im folgenden Abſchnitt die Gruͤnde angeben⸗ warum ich die Regeln uͤber den Wohnſitz in dieſen Titel auſge⸗ nommen habe. 1 Titel. Von den Akten des Civilſtandes. Die Regeln, welche dieſe Akte betreffen, bilden auch hier eine eigene Abtheilung, weil dieſe Akte ſich auf alle perſonliche Verhält⸗ niſſe beziehen. In dieſem Titel befinden ſich a) Verfuͤgungen uͤber die Erb⸗ ſchaft ſolcher Perſonen, deren Exiſtenz uubekaunt iſt, die ich fuͤr den Titel: von den Erb⸗ ſchaften, verſpart habe. b) Verfuͤgungen in Betreff der Ehe insbeſondere, die ich in 132 V Titel. Von der Ehe. V Titel. Von der Eheſcheidung. Vl Titel. Von der Paternität und Abſtammung. VI Titel. Von der Aboytion und der Vormundſchaft aus wohlthätigen Abſichten. den Titel: von der Ehe, aufgenommen habe. c) Verfuͤgungen in Vetreff der Kinder des Abweſenden, die man im Titel: von Vormund⸗ ſchaften und Kuratelen, zu ſuchen hat⸗ 11 Titel. Von der Ehe. Dieſe Abtheilung begreift nicht allein die Verfüͤgungen des V und VI Titels des Codex Napoleon, ſondern auch diejenige Verfüͤgun⸗ gen des folgenden, welche auſ die Filiation ehelicher Kinder und die Legitimation durch die Ehe Bezug haben. Die Perfuͤgungen in Vetreff der Anerkennung un⸗ ehelicher Kinder habe ich dagegen fuͤr den vierten verſpart, weit es die Haupt Wirkung dieſer Aner⸗ kennung auf die perſonliche Ver⸗ haltniſſe iſt, die vaͤterliche Sewalt und ein Recht auf die Erbſchaft des PVaters, von welchem im Ti⸗ tel: von den Erbſchaften, die Rede ſein wird, zu begruͤnden. l Titel. Von der Adoption. Da die franzoſiſche Adoption durchaus keine Fiktion der Pater⸗ nität iſt und ihr Hanptzweck ſich darauf beſchraͤnkt, dem Adoptirten Erbrechte zu ertheilen, ſo hät⸗ ten dieſe Verfügungen vielleicht fuͤglich fuͤr den Titel: von der Erbfolge, verſpart werden kon⸗ nen; allein da doch auch einige I* 17 i Il d ki len ſin het he ſti ber ez, Venß ken, benn borni * ketelez er Ge. egreiſt it es Ve Rayoin, Verfign ſche a n er Kinte ch kie Ehe rfügungen nung un⸗ h kagegen art, wei ieſer Aue uliche La che Gewet Ertſct en in U chafter begrün ldoptin Poytin ker Fun twet ii en, ſ hi 1vieli e erten kn n 153 perſonliche Verhaͤltniſſe daraus entſpringen, ſo habe ich ſie lieber hier abgehandelt, um mich we⸗ niger von der Ordnung des Tex⸗ tes zu entfernen. 1 Titel. Von der väterlichen 1V Titel. Von der vaͤterlichen Gewalt. Gewalt. X Titel. Von der Minderjäh⸗ V Titel. Von Vormundſchaf⸗ rigkeit, der Vormundſchaft ten und Kuratelen. und der Emanzipation. Xl Titel. Von der Majorität, er Interdiktion und dem gerichtlichen Beiſtand. Vierter Abſchnitt. 5 Von dem Wohnſitz. Titel IV des Codex Napoleon. Aeltere Geſetzgebung. Ordonnanz von 1667, Titel II von den Vorladungen. Romiſches Recht: Lib⸗ 50, tit. 1. D. Tit. 33 und 39 des 10 Buchs des Cod. §. 46. Der Wohnſitz eines Individuums kann in doppelter Hin⸗ ſicht betrachtet werden: 1) in Hinſicht auf die Rechte und Obliegenheiten des Staatsbürgers; 2) in Hinſicht auf die aus dem PrivatRecht herflieſſende Rechte und Obliegenheiten. Man kann ſeinen Wohnſitz für die Ausubung dieſer letz⸗ ten an einem andern Orte nehmen, als an dem, wo man ſeinen Wohnſitz fuͤr die Ausuͤbung ſeiner politiſchen Rechte hat. Jeder kann jedoch nur einen wahren und eigentli⸗ chen Wohnſitz fuͤr alle buͤrgerliche Geſchaͤfte ohne Unter⸗ ſchied haben, und zwar an dem Orte, wo derjenige, der Art. 102 154 vürgerlich fähig iſt, ſich zu verpflichten, den Haupt⸗ ſitz ſeiner Geſchäfte und ſeines Vermoögens hat.(arem atque rerum susrum summam, L. 7 C. de incol. 10, 39. domicile rée) Man kann aber mehrere Wohn⸗ ſitze für die Betreibung eines Geſchäftes, füͤr den Vollzug eines Kontraktes oder fuͤr die Akte eines gerichtlichen Ver⸗ ſahrens haben, an Orten, die man nach eigner Wahl oder durch eine Uebereinkunft beſtimmt hat. Wer ſich nicht verpflichten kann, hat ſeinen Wohnſitz an u pem derjenigen Perſonen, ohne deren Autoriſation er kei⸗ 108 ne Verbindlichkeit uͤbernehmen kann. Locré, esprit du Code Napoléou TI. p. 205. Maleville, ana- lyse raisonnse etc. T. 114. LL. 6, 22„ 26 ad. munic.(50 J) Projet du code, liv. 1, tit. 4, art. 3. Thibaut S. d. P. 5 1069. PVervalProzeße v. 16 Frukt. 9, 12 Brum. u. 12 Frim. 10, 4 Frim. u. 12 Vent. 11. Repertoire uuiversel, verbis: domicile, déclina- woire. Art. 2 und 6 der Konſiitution vom Jahr 8. Kaiſerliches Dekret vom 17 Jaͤnner 1806. 1) Das Wort domicile iſt im Deutſchen wegen dem Unter⸗ ſchied zwiſchen domicile réel, domicile conventionel, domicile d'clection und residence ſchwer zu uͤberſetzen. Ich habe uͤbrigens lieber Wohnſitz als Wohnung geſett, weil das letzte Wort dem franzöſiſchen habitation entſpricht, die man gleichwohl mit dem domicile nicht verwechſeln darf. 2) Die Fragen uͤber den Wohnſitz waren ehedem in Frankreich von der äuſſerſten Wichtigkeit, als noch jede Provinz ihre eigene Erbfolge, und ihre eigene Beſtimmungen uͤber das Alter der Grosjährigkeit, uͤber die Eintheilung der Guter in bewegliche und unbewegliche ꝛc. ꝛc. hatten. Heutzutage kön⸗ nen ſich dieſe Fragen nur mehr a) in Hinſicht auf den Ort, wo jemand ſeine politiſche Rechte auszuuͤben befugt iſt, 155 Hai ⁵) in Betreff gerichtlicher Klagen und in Hinſicht die (knen Competenʒ der Gerichte; nool o c) in Hinſicht auf den Ort, wo eine Ehe guͤltiger Weiſe WVehn abgeſchloſſen werden kann, und endlich Polh 4) in Hinſicht auf den Ort, wo eine Erbſchaft erofnet iſt, hen Ven echeben. Alles was den politiſchen Wohnſitz betrifft, et Wehl iſt durch das Staatsrecht regulirt. Auch der Wohnſitz in Hinſicht auf die Ehe iſt beſondern Regeln unterworfen. huſz m Von dem Orte, wo eing ErbMaſſe auseinandergeſetzt und er ki vertheilt werden muß, wird im Titel von der Erbfolge die Rede ſein. Wir haͤtten daher die Regeln dieſes Abſchnittes le, n fuͤglich in die Abtheilung unſrer Expoſition: vom Prozeſſe, 60B verſparen können. Da man ſie aber in den Coder Napo⸗ leon aus dem Grunde aufgenommen hat, weil ſie ſich auf die Ausuͤbung der Civi Rechte beziehen, und ins Buch: von iſlihe den Perſonen, weil das Recht, den Wohnſitz nach Be⸗ lieben zu veraͤndern ein dem Individuum zuſtehendes per⸗ Unten ſönliches Recht iſt, ſo wußte ich ihnen keinen beſſern Platz tionel, als in dem PraͤliminarTitel anzuweiſen. eſchen. 3) Man darf den Wohnſitz nicht mit dem bloſſen Aufenthait ge,(residence) an einem Orte verwechſeln. Dieſer letzte iſt ſo⸗ tpeiht gar ſo wenig erforderlich, um den Wohnſitz zu begruͤnden, eln darf daß man Urtheile hat, wodurch der Wohnſitz eines Indivi⸗ unkrit duums an einem Orte, den er in 40 Jahren nicht mehr be⸗ i in treten hatte, anerkannt worden iſt. Bei MilitairPerſonen, zber do HandelsLeuten, diplomatiſche Agenten, kann es haͤufig der Glter in Fall ſein, daß ſie ſich geringere Zeit in ihrem Wohnſitz als in g i⸗ der Entfernung von demſelben aufhalten. In allen dieſen Faͤllen läßt ſich nicht vermuthen, daß ſie ihren urſpruͤnglichen Wohn⸗ ſitz(Siehe§ 47 Nro. 1) mit einem andern zu verwechſeln wlitſce 156 die Abſicht gehabt. In dem répertoire universel finden ſich mehrere Urtheile, welche die Jurisprudenz in dieſer Hinſicht ganz auſſer Zweifel ſetzen. Es fragt ſich nur, wo jemand den CentralPunkt ſeiner Geſchaͤfte und ſeines Ver⸗ moͤgens habe; unde, wie das römiſche Geſetz ſich ausdruͤckt. cum profectus est, peregrinari videtur. 4) Es widerſtreitet der Natur der Sache keineswegs, daß je⸗ mand mehrere, und ſelbſt ſoviel konventionelle domiciles habe, als er verſchiedene Geſchaͤfte, in der Entfernung von ſeinem eigentlichen reellen Wohnſitz, kontrahirt, indem der Abſchluß der Geſchaͤfte nicht allein dadurch erleichtert wird, ſondern oft der Contrahent es zur Bedingung des Vertrags macht, daß man den Vollzug deſſelben vor dem Forum des Contraktes betreiben konne; allein es iſt ſchier unmoͤglich, daß daſſelbe Individuum an mehreren Orten zugleich den Hauptſitz ſeines Vermoͤgens und ſeiner Geſchäfte haben ſol⸗ le; ſelbſt in dem nothwendig äuſſerſt ſeltenen Falle, wo es durchaus nicht aus aͤuſſern Umſtänden zu erkennen iſt, welche von mehreren Niederlaſſungen eines Individuums ſei⸗ ne HauptNiederlaſſung iſt, iſt die Regel des franzoſiſchen Rechtes, kraft welcher es gezwungen werden kann, zu er⸗ klären, wo es ſeinen eigentlichen reellen Wohnſitz habe, der Regel des roͤmiſchen Jurisprudenz(L. 6 et 27, f. ad municip. 5o, 4.) vorzuziehen, a) weil dadurch allen Schwierigkeiten uͤber die Frage, wo die Erbſchaft eroͤfnet wird, vorgebeugt wird; b) weil, einmal angenommen, daß ein Individuum mehr als einen Wohnſitz haben kann, die Anwendung dieſes Grundſatzes ins unendliche fuͤhren könnte, wenn Jemand eine Menge Beſitzungen in verſchiedenen Ge⸗ genden hätte; 157 8 c) weil ſie endlich unühligen Streitfragen in Hinſicht die Zuſtellungen vorbeugt, die nach Geſetzen uber 6 den Prozeß im tz geſchehen muͤſſen. 5 Es läßt ſich jedoch nicht läugnen, daß die Anwendung des Art. 102 oft nicht geringen Schwierigkeiten unterworfen iſt; da ſie ſich aber nur bei Gelegenheit von Prozeſſen erheben 6 b koͤnnen, ſo verſparen wir unſere ausfuͤhrlichere Bemerkungen onieies in dieſer Hinſicht auf die Abtheilung: von dem Prozeß. m Wir bemerken jedoch vorläͤufig: uhn i 1) daß das Individuum, welches ſich ſelbſt in einem Akte als it nib, an dieſem oder jenem Orte wohnhaft angegeben hat, nach⸗ pmn her unzuläßig ſein würde, in Hinſicht auf denſelben Akt jun i die Competenz des Richters, welcher dieſe Erklaͤrung es un⸗ mnizih, terwirft, zu dekliniren. dih m 2) Daß wenn daſſelbe Individuum an zwei verſchiedenen Or⸗ hihn ſt ten zwei verſchiedene Niederlaſſungen hat, und bald an jile, u dem einen bald an dem andern wohnhaft zu ſein erklärt, mnſſ, ſo daß der eigentliche Wohnſitz durchaus zweifelhaft iſt, uns i der Richter die an dem einen und dem andern zugeſtellte ziſſhn Ladungen aufrecht zu halten befugt ſein wuͤrde; ſiehe in in e dieſer Hinſicht den weitläuftigen Vortrag des Hrn. abe, e GeneralProkurators Merlin im Répertoire, verbo: „Ha declinatoire 5 1. Wenn derſelbe uͤbrigens zu behaupten ſcheint: ein Individuum koͤnne zwei verſchiedene Wohn⸗ ge, ſize haben, ſo beſchräͤnkt er dieſe Behauptung doch ſelbſt dahin: daß ein Individuum an mehreren Or⸗ m miht ten guͤltig vorgeladen werden könne, und unh ſelbſt in einem ſolchen, äuſſerſt ſeltenen, Falle duͤrfte es um edech wohl am räthlichſten ſein, nach der Meinung Ma⸗ nnb⸗ zinets an demjenigen Orte vorzuladen, an welchem 3 158 daſſelbe zur Zeit der Ladung ſeinen Aufenthalt hat. In keinem Falle aber kann der Grundſatz uber die Einheit des Wohnſitzes in Hinſicht auf die Erbſchaft eines Indivi⸗ duums eine Ausnahme erleiden. Die Kommiſſion hatte, um wenigſtens in Hinſicht auf einen groſſen Theil von Individuen dieſen Schwierigkeiten vorzu⸗ beugen, eine Verfuͤgung in Vorſchlag gebracht(Art. 3 des Titels 4. des 1 Buchs des Projektes), nach welchem der Staatsbuͤrger keinen andern Wohnſitz haben konnte als den, an welchem er ſeine politiſche Rechte ausuͤbt; dieſe Regel ward jedoch verworfen, weil ſie nur auf ohngefähr 4 Millionen Menſchen anwendbar war, und in Hinſicht auf alle übrige nichts entſchied, und auſſerdem den groſſen Nachtheil gehabt haben wuͤrde, die Tribunalien zu Richtern uͤber die Streitfragen zu erheben, die ſich in Hinſicht auf den politiſchen Wohnſitz ergeben können. Man kam jedoch dahin uͤberein, daß vie Ausuͤbung der politiſchen Rechte an dieſem oder jenem Orte einer der Umſtände ſei, welche bei Erörterung der Frage: wo jemand ſeine HauptRiederlaſ⸗ ſung hat, vorzuͤglich in Anſchlag zu bringen ſind. 6 Jeder erwaͤhlte Wohnſitz läßt nothwendig den reellen Wohn⸗ ſitz fuͤr alle andere Geſchaͤfte, das allein ausgenommen, fuͤr welches der beſondere erwaͤhlt worden, beſtehen, ſogar behält der Inhaber des Aktes, fur deſſen Vollzug der letzte erwaͤhlt worden iſt, die Wahl, alle Zuſtellungen an dem ei⸗ nen oder dem andern zu machen, und vor das Forum des einen oder des andern vorzuladen. Hat er aber einmal eine Vorladung erlaſſen, ſo kann er ſie, ohne die Einwilligung des Vorgeladenen, nicht wieder zuruͤckziehen, um die Sache vor dem andern anhaͤngig zu machen. Der Artikel 111 — —„— 159 3 derogirt uͤbrigens der vorigen Jurisprudenz, nach welcher nhite wohl die Zuſtellungen an dem erwaͤhlten Wohnſitz gemacht Ju werden konnten, die Streitfragen aber, welche ſich aber das Geſchaͤft erheben konnten, vor das Forum des Beklagten ge⸗ uf in bracht werden mußten, wenn keine der Partheyen der Ju⸗ 3 w risdiktion des Richters des i unterworfen Anzk war lm h 7) Stirbt die Perſon, bei welcher für ein ußnben Geſchäft kmttz ein Wohnſitz erwaͤhlt worden iſt, oder veraͤndert ſie ſelbſt üt; hi ihren Wohnſitz, ſo fällt der erwäͤhlte Wohnſitz weg und die iriſt Zußte lungen muͤſſen wieder im wirklichen Wohnſitz geſchehen, nſcht uf(mit Ausnahme jedoch der in dem Bordereau einer Hypothekar⸗ n gwſn Inſcription geſchehenen Erwählung eines Wohnſitzes, die auch Rihun noch nach dem Tode deſſen, bei welchem der Wohnſitz ge⸗ ſicht uf waͤhlt worden, in Kraft verbleibt. Art. 2156¹) es ſei denn, Rn im daß die Erwählung eines Wohnſitzes an dieſem Orte eine der en ſich Bedingungen der Uebereinkunft geweſen waͤre, in wel⸗ „wlhe chem Falle der Contrahent, in ſeinem witklichen Wohnſitz Niiheri vorgoladen werden kann, um an demſelben Orte einen neuen Wohnſitz zu erwählen. Dies kann z. B. der Fall ſein/ wenn nPhn einer der Contrahenten, wegen Entfernung oder der Schwie⸗ ommn, rigkeit der Verſendung der Papiere ein beſonderes Intereſſe n, ſhn hat, die Competenz des Richters, in deſſen Sehhwh der lht der Wohnſitz erwählt war, zu begruͤnden. den i 8) Die Heurath eines grosjährigen Frauenzimmers et die un N von ihr geſchehene Erwaͤhlung eines Wohnſitzes nicht auf, mil in eben ſo wenig als der Tod, der Weh de b. 22 5 1. ilinn ad municip.(So. 1) zuwider. Ei 9) Der Art. 111 entſcheidet die Frage nicht, ob ſein⸗ Verft⸗ m gung auch in dem Falle ſeine Anwendung echalten ſoll, 103 104 105 106 107 105 160 wenn die Erwählung eines Wohnortes nicht freiwillig oder zufolge einer Uebereinkunft geſchehen iſt, ſondern(wie z. B. bei Arreſten, Verhaftungen ꝛc.) von dem Geſetz verordnet war. Man hat in dieſem letzten Falle das Geſetz, welches die Erwählung eines Wohnſitzes fuͤr den beſondern Akt vorſchreibt, zu Rathe zu ziehen; ſchweigt daſſelbe, ſo wurde ich nach der Allgemeinheit des Art. I11 glauben, daß dieſe Erwaͤhlung auch die Competenz des Richters des Or⸗ tes, an welchem der Wohnſitz gewählt worden, in Hinſicht auf die Streitfragen begrůndet„welche ſich uͤber den Akt oder das Geſchaͤft ergeben können, in welchem die Fwih⸗ lung ſtatt gefunden hat. ⁰ S. 47. Der wirkliche Wohnſitz iſt entweder der— che, durch die Geburt an dieſem oder jenem Orte be⸗ gruͤndete/ oder ein freiwillig erwählter. Dieſer letzte unterſcheidet ſich von dem bloſſen Aufenthalte an einem andern als dem GeburtsOrte durch die Abſicht, die Haupt Niederlaſſung dahin zu verlegen. Wird dieſe Abſicht nicht durch eine ausdrückliche Erklaͤrung an Tag gegeben, ſo haͤngt der Beweiß derſelben von den beſondern Umſtaͤnden ab. Zwei dieſer Umſtaͤnde erklärt das Ge⸗ ſetz entſcheidend, in der Art, daß ſie die Stelle einer aus⸗ druͤcklichen Erklaͤrung vertreten, und von S Beweiß freiſprechen: a) Die Annahme auf lehetshn—. Anſtellungen; b) den Umſtand der wirklichen Wohnung in der Re⸗ hauſung desjenigen, in deſſen Dienſten oder deſſen Arbeit Jemand ſteht. nirilgu. nwii ſeb wern ſcz, ulz ondern 1 e, ſo nih uben, ts des dy in Huſt r den e Crwi, üngli⸗ Nte be⸗ Dieſe thalte „Aſcht, itd diſ an Lih beſonden das G⸗ iner m⸗ anden Diuſ der B⸗ er deſn 167 Loere II. 239. Perbalprozeß vom 16 Fruktidor?, Rodier und Jouſſe üder den Titel 2 der Ordonnanz von 1667. Képertoire universol, verbo: domicile. Projet du Code civil, Lir, it. 3 5 5 106. 1) Wenn jemand ſich an dem Orte, an welchem er gebohren iſt, nach erlangter Grosjährigkeit forthin aufhält und nach kuͤrzern oder längern Abweſenheiten dahin zuräckkehrt, ſo kann uͤber ſeinen eigentlichen Wohnſitz wohl keine Frage ſein. Es bedarf daher keiner Regeln uͤber den urſpruͤnglichen Wohnſitz. Im Zweifel hat der Richter ſogar fuͤr denſelben zu entſcheiden; ſo hat der Kaſſationshof durch ſein Urtheil vom 15 Floreal 10 erklärt, daß der General Deſtaing, der nicht allein ſeinen GeburtsOrt Aurillge ſeit fuͤnfzehn Jahren nicht mehr bewohnt und ſich in den letzten Mona⸗ ten vor ſeinem Abſterben in Paris aufgehalten, ſondern auch die Abſicht geäuſſert hatte, dort ein Haus zu kaufen, den⸗ noch ſeinen Wohnſitz in Aurillac, das er nur verlaſſen hatte, um ſich zur Armee zu begeben, und nicht in Paris gehabt habe. 2) Was die Veränderung des Wohnſitzes oder die Wahl eines andern als den urſtrünglichen ietifft⸗ ſo haben wir folgende Regeln *) der Wohnſit verheuratheter Frauen, der von nicht eman⸗ zipirten Minderjährigen und Interdizirten hängt von dem ihrer Männer und Vormuͤnder ab; 6) zur Veränderung des Wohnſites von emanzipirten Min⸗ derjährigen, Grosjährigen,(Wittwen und grosjaͤhrige Maͤdchen nicht ausgenommen) werden zwei Bedingun⸗ gen erfordert: 1) ihren wirklichen Aufenthalt an einem andernOrte als dem ihres urſpruͤnglichen Wohn⸗ 11 „ 162 ſizes, 2) die Abſicht, ihre HauptMiederlaſſung dahin zu verlegen. Jeder dieſer Umſtaͤnde, von dem andern getrennt, iſt unzulaͤnglich um die Veraͤnderung des Wohnſitzes zu bewirken. 3) Das materielle Faktum des wirklichen Aufenthaltes an ei⸗ nem andern Orte, iſt immer leicht zu erweiſen, um ſo mehr da hier nicht von einem bloſſen voruͤbergehenden, ſondern von einem bleibenden Aufenthalte, von einer Niederlaſſung, von einer faktiſchen Verlegung der wirklichen Wohnung mit Frau und Kind, Hab und Gut die Rede iſt. Allein woraus läßt ſich die Abſicht erkennen, den urſpruͤnglichen Wohnort fuͤr immer zu verlaſſen, einen neuen bleibenden Wohnſitz zu er⸗ werben? Der einfachſte Beweiß iſt die ausdruͤckliche Erklä⸗ rung desjenigen, der dieſe Abſicht hat.(104) 3) Allein die Verlegung des Wohnſitzes kann eben ſowohl aus betrugeriſchen Abſichten, z. B. um den Verfolgungen der Gläubiger zu entgehen, als aus aufrichtigen Abſichten, ge⸗ ſchehen. Zwei Fälle ſind alsdann denkbar: a) ein Indivi⸗ duum verlaͤßt mit Hab und Gut ſeine Wohnung, ohne die Erklärung abzugeben, daß es dieſen Wohnſitz aufgeben und einen andern erwerben will; b) oder es giebt dieſe Er⸗ klaͤrung ab, ohne jedoch die wirkliche Verlegung zu bewerk⸗ ſtelligen. In beiden Jallen wuͤrde eine der geſetzlichen Be⸗ dingungen fehlen; auſſerdem bedurfte es fur dieſen Fall kei⸗ ner beſondern Regel, da das Geſetz alle aus betruͤgeri⸗ ſchen Abſichten vorgenommene Handlungen nichtig erklärt. Fann ſich daher der Richter aus den beſondern Umſtänden berzeugen, daß eine ſolche vorhanden iſt, ſo hindert ihn nichts, ſich, der eingewendeten Verlegung des Wohnſitzes ohngeachtet, fuͤr kompetent zu erklären. 163 3 ſi 5) Allein ſelbſt wenn die Veränderung aus aufrichtigen Ab⸗ dennhn ſichten geſchieht, können in Ermangelung einer ausprucklichen dun Erklärung ſich uͤber den wirklichen Wohnſitz Schwierigkeiten erheben. Die Unterlaſſung derſelben mit einer Strafe zu lts en i belegen, war wegen der Schwierigkeit, eine angemeſſene um ſnht Strafe zu beſtimmen, ganz unausfuͤhrbar. Die Sektion ndemn der Geſetzgebung im Staatsrath wollte den Beweiß der Ab⸗ ſung, m ſicht von dreien Umſtänden abhaͤngen laſſen; 1) von der Aus⸗ gnitn uͤbung der politiſchen Rechte an einem Orte, 2) von der votaus lij wirklichen Wohnung an dem GeburtsOrt, 3) von dem Orte hnort ſi wo Jemand ſeine PerſonalLaſten bezahlt. Allein die Verfu⸗ ſt zu er fuͤgung, welche den urſpruͤnglichen Wohnſitz betrifft, wuͤrde iche rlli ganz uͤberfluͤſſig geweſen ſein, da ſie aus der Natur der Sa⸗ che herfließt; die beide uͤbrigen Umſtände koͤnnen wohl in wehl aus Anſchlag gebracht aber nie entſcheidend werden, vor⸗⸗ ingn zuͤglich der letzte, indem es oft der Fall iſt, daß jemand, ſchtn, wenn er es vernachlaͤſſigt hat, ſich von den SteuerRollen aus⸗ in Ithi ſtreichen zu laſſen, die Perſonal Steuer in mehreren Ge⸗ ng, chn meinden zugleich zahlt.(Da dieſe Steuer unbeträchtlich iſt, an ſo haͤtte derjenige, der ſeinen Wohnſitz aus betruͤgeriſchen t tin 6 Abſichten hätte verlegen wollen, dieſe Verfuͤgung eher zu ſei⸗ u keut nem Vortheile benutzen können.) Man kam daher uber⸗ lihn g. ein, alles von den beſondern Umſtänden jedes einzel⸗ Fül k nen Falles abhäͤngen, und dem Richter die Beurtheilung der trigus Abſicht unbedingt zu uͤberlaſſen. niin 6) Doch verkannte man die Nothwendigkeit nicht, die Kraft Umſtindn derjenigen Vermuthung zu reguliren, die aus der Annahme ibert ih elner offentlichen DienſtAnſtellung an einem andern Orte, Buhnſts als dem wirklichen Wohnſitz nothwendig entſpringt. Der Unterſchied zwiſchen lebenslänglichen und widerruflichen An⸗ * 5 164 lit w ſtellungen fließt aus der Natur der Sache her. Im letzten Falle därfte ſogar die Unterlaſſung einer ausdruͤcklichen Er⸗ klärung eine ſtarke Vermuthung fur die Abſicht, den vorigen Wohnſitz beizubehalten, gewahren, ohngeachtet ſie den Be⸗ 7 js weiß beſonderer Umſtaͤnde nicht ausſchließt, woraus die Ab⸗ 5 ſicht, ihm zu entſagen, ſich ergeben wuͤrde. In Hin⸗ ſicht auf den Art. 107, deſſen Verfuͤgung eine Folge des Grundſatzes der Einheit des Domizils iſt, darf man nicht auſſer Auge laſſen, daß ſeine Verfuͤgung auf ſolche Beam⸗ ten, deren DienſtAnſtellungen erſt nach Ablauf einer gewiſ⸗ 9 ſen geit lebenslänglich(à vie, welche durch die Re⸗ 2 gierung nicht mehr widerruffen werden kann) werden, Staats Raͤthe, Richter, erſt nach Ablauf dieſer Pruͤfungs⸗. Zeit, waͤhrend welcher ihre Ernennung noch zurkckgezogen h werden kann, anwendbar iſt. 1 6) Es iſt ein allgemein angenommener bereis oben beruͤhrter Grund⸗ ſatz, daß derjenige, der ſich in einem Akt oder einer Zuſtellung an dieſem oder jenemOrte domiziliirt erklart, ſich dem Forum die⸗ ſes Domizils in Bezug auf denſelben Akt nicht durch den Beweiß entziehen kann, daß er ſeinen wirklichen Wohnſitz an einem 5 andern Orte habe. Eine ſolche Erklaͤrung hat dieſelbe Wir⸗ kungen als die Erwaͤhlung eines Wohnſitzes an dieſem Orte.— 7) Finden ſich beide Bedingungen, die wirkliche Wohnung und die Abſicht vereinigt, ſo tritt die Veraͤnderung des Wohnſitzes auf der Stelle ein. Man hatte darauf angetra⸗ gen, ihre Wirkungen während einer gewiſſen Zeitfriſt zu 4 ſuspendiren; dieſer Vorſchlag gruͤndete ſich hauptſächlich auf„ die Furcht vor fingirten und oͤfters wiederhohlten Veraͤnde⸗ rungen des Wohnſitzes; da aber durch die den Tribunalien zugeſtandene Gewalt dieſem Nachtheil vorgebeugt wird, ſo war In lhu ceſint den win ſt h als hi l eſihh f unith h Jun iiner zu ſh hi en, tifun⸗ uiihn huhmn⸗ n uſuln njnſ⸗ enBei ß m in iſihe i eſm Ot Vohtn derun b uf mn zifi j ichih uj Luin⸗ ttumin d, ſw 165 kein Grund vorhanden, dieſe Suspenſion zu genehmigen, welche eine Quelle von Prozeſſen und Nachtheilen gewor⸗ den wäre. So haͤtte z. B. derjenige, der von Paris nach Marſeille gezogen waͤre, noch wahrend JahresFriſt in Pa⸗ ris belangt werden muͤſſen, wo poch keine Erekutions Mittel mehr vorhanden geweſen wären, und dies ſogar von den Peſtnen, mit welchen er zu Marſeille kontrahirt hätte; odet man hätte gar nach Paris zuruͤckkehren muͤſſen, um ſeine in Marſeille befindliche Erbſchaft zu theilen. 8) In dem Falle des Art. 109 findet ſich— das ne mit der Abſicht vereinigt. 9) In Hinſcht auf die hrig⸗ Frahen, die ſich in Betreff des Wohnortes echeben können, verweiſen wir. kinſtweilen auf die Kommentatoren über den Fitel der Beetnan von un auf Ferzer Erſter Titel. Von den Akten des Civilſtandes. 0 ——— xiet IT des 1 Buchs des Koder Napoleon. xie 2 e suar⸗ Statuts von 30 Marz 1806, uͤber die Aete des Civitſandes der Kaiſerlichen Famitie. Aertere frant. Seſetbesung Gt⸗ donnanz von 1339, von Biois, Titer ao der Ordonnanz von 1657, Edikt von 1697. Deklarationen vom gten Aprin 1636 und 1786, und Arrét du Conseil vom 13 Julius 1756, enplich das Seſetz vom 20 September 1792. R dmiſch es Re cht: die Titel: de ide instrilnentorum in den waüdeeten und im Kotet. Erſes Kapitel. Auntin nn Man nennt Akte des Cwilſtandes die Akte, welche die verſchtedene FamilienVerhaͤltniſſe beurkunden, woraus 4 der Cwilſtand eines Individuums beßeß Dieſe Akte ſind 6 Die Geburts Akte, welche die cyoche der Geburt ei⸗ 4 nes Individuums und. ſeine Abſtammung von die⸗ ——— (2 Ich geſiehe gern, daß die Benennung: Akte des Eivilſtandes keinen deutlichen Begriff von der Sache gewaͤhrt; allein, welche andere an die Stelle ſetzen? Die, welche man in Vorſchlag ge⸗ bracht bat, Seugniſſe des Familienſtandes, Ureun⸗ den der FamilienVerhältniſſe, Seugniſſe des Ei⸗ vilſtandes ſind einestheils eben ſo wenig beſtimmt, und duͤrften anderntheils in dem SprachGebrauch nicht leicht Anfnahme fin⸗ den. Die unſrige iſt kuͤrzer, entſpricht der franzdſiſchen, und iſt in den franzoſiſchen Departementen deutſchen Urſprungs allge⸗ mein angenommen. 767 ſem oder jenem vieſer. ſ We, bewaͤhren. Die SterbAkte, welche die Epoche eſtumen, wo die Rechte eines Binnß i oder auf Andere uͤbergehen. 6 Die Akte der Ehe, veich eine neue Fumili ken⸗ ſritn un ſtituiren. nob. Die Akte der Eheſcheidung, wich die u un h lößung einer Ehe beurkundet wird. 1iʒ un Wi Akte der Adoption, welche zwiſchen dem u Adoptanten und dem Adoptirten eine Art i 1 ½ cher Verwandtſchaft begruͤnden. n Die Anerkennungs Akbe nathrlicher Kitider, wel⸗ . die der eſn Geburt Kinde 1) Vor Revoluzion wurden in Frankreich die Akte des ebe Wi(mit Ausnahme jedoch der damals unbekann⸗ wu ten Adoptions und EheſcheidungsAkte, ſo wie der Anerken⸗ —— nathrlicher Kinder, wenn die Anerkennung nicht i im GeburtsAkte geſchehen war) von den Pfartern aufgenommen. buni Die Orbonnanz von 1530(Art. 50 unb 51) enthielt die er⸗ on di ſten Verfuͤgungen in dieſer Hinſicht, die durch die von Blois (Art. Zr) beſtätigt und durch ſpaͤtere Vetotduunhen ausgebil⸗ wt det wurden Zwei Grunde bewogen die konſtituirende Verſamm⸗ thg g ung, ihre Aufnahme den Verwaltungs Vehoͤrden durch das Urkun Geſetz vom 20 Sept. 1702 zu übertragen 1) die katholiſche Religion hatte aufgehort die herrſchende zu ſein, und es enſchien daher unbillig, die Bekenner anderer Religionen zu zwingen, grabe bei den Gelegenheiten, die ſie am innigſten intereſſiren, ſich an einen katholiſchen Prieſter zu wenden, 2) 168 die Nothwendigkeit, den Grundſatz allgemein bekannt zu machen, daß der Civilſtand und die Religion nichts mitein⸗ ander gemein haben, und daß dieſelbe Unabhaͤngigkeit, wel⸗ teche die Rirche in ihren geiſtlichen Dogmen in Anſpruch nimmt, dem Staat in der Regulirung der buͤrgerlichen Ver⸗ häͤltniſſe zuſteht. Der Koder Napoleon geht von en Grundſatze aus. 2) Auf dieſen Akten beruht die Unterſcheidung der Familien, von deren Conſtitution allein der geſellſchaftliche Verein abhaͤngt. Indem das Geſet jedem Individuum gleich bei der Geburt die Stelle anweißt, welches es in ſeiner Familie einzuneh⸗ men hat, ſichert es ihm die Rechte, die mit dieſer Stelle verbunden ſind, und heſtimmt zugleich feine Stelle im Stante. Die Ehen intereſſiren die ganze Geſellſchaft, wel⸗ che verbunden iſt, die neue Familie anzuerkennen, die ſich in ihrem Schooße gebildet hat, um ſo mehr, da aus den Ehen Verhältniſſe, Rechte und Obliegenheiten, ſowohl für die Chegatten als fuͤr die aus ihrer Verbindung zu erzielende Finder entſpringen, und es daher wichtig iſt, die Epoche eſtzuſeten, wo dieſe Rechte ihren Urſprung nehmen; ein gleiches gilt von der Eheſcheidung, welche dieſe Rechte auf⸗ hebt, und zu einer neuen Ehe autoriſirt. Ein naturliches Kind gehört vor der Anerkennung nur der Geſellſchaft an, es hat nur in dieſer einen Matz; die Anerkennung knupft zwiſchen ihm und ſeinem Vater oder ſeiner Mutter das erſte FamilienVerhaͤltniß an, aus welchem wieder Rechte und Ob⸗ liegenheiten entſpringen. Ein gleiches gilt von der Adoption, welche ein neues Verhältniß zwiſchen dem Adoptanten und dem Adoptirten anknuͤpft. Endlich iſt es noͤthig, die Sterb⸗ fälle zu beurkunden, weil es von der Epoche des Sterbfalls 49 tiſ nit R e il. Cyi 6e ind in de hil 6 den vn lihe l ufin ht Bin iůn biit li kibe in ſe loen l, Unn ſo kun s miti kit, u Ann chenbr demſl ilien, abhin t Gen einzun ſet Sul zule in aſt, u die ſih aus den vohl füt tzielende Cyoch⸗ en; in hte auf⸗ trlches aſt en, kuihſt us erſ nd D⸗ deytin, en un Giutb⸗ rfuls 169 ab haͤngt, uuf welche Perſonen diejenige Recht bes Verſtor⸗ benen uͤbergehen, S nicht als durchaus perſoͤnliche Befug⸗ niſſe,(wie z. B. die, welche ihm als Ehegatte zuſtehen), mit ſeinem Abſterben erlöſchen. Auch hat noch keine eiviliſirte Nation die Nothwendigkeit beſonderer Akte, um dieſe verſchie⸗ den Verhaͤltniſſe zu beurkunden, verkannt, und nur in der Form derſelben weichen die gen Geſebgebungen von einander ab.§. 49. Da die pübtizuät der Familien Verhaͤltniſſe, woraus der — Civilſtand beſteht, in ihrer Ratur liegt, weil die ganze Geſellſchaft die Stelle kennen muß, die jedem Individuum in dem geſellſchaftlichſten Verein zuſteht, um daſſelbe in dem Beſitz derſelben und der damit verbundenen Vor⸗ theile ſchuͤtzen zu koͤnnen, ſo muͤſſen auch die Akte, wel⸗ che den Beweiß dieſer Verhältniſſe enthalten, allen Glie⸗ dern der Geſellſchaft gemeinſchaftlich ſein Sie muſſen von einem, durch das Geſttz dazu bezeichneten, öffen⸗ lichen Beamten aufgenommen werden, und zwar oh⸗ ne unniſchied der Religion der Individuen, die ſie be⸗ treffen. Dieſer Veamte iſt, nach der gegenwärtigen Verfaſſung des Verwaltung Syſtems„der Maire jeder Gemeinde. Dieſe Akte können durch keine Uebereinkunft ver⸗ nichtet oder modifizirt werden; über die ſie betreſſende Strittigkeiten findet kein verbindlicher Vergleich ſtatt, ſo wie keine freiwillige unterwerfung unter die Urtheile, welche daruͤber erkannt haben/ uulißt t dieſe urtheile im Rechtswege anzufechten. 3 Loers II, 35. VerbalPrözeſſe vom 6 Fruktidor9 und Fruktibor 10, Annalen der Geſetzgebung Napoleons I. 88. Répertoire unwersel, verbis: état, dnestion d'état. Geſetz vom a8 Plu⸗ vioſe 8, Art. 33 u. 100% desGeſetzb. uͤber d. Verf. im buͤrg. Prozeß. 4⁵ 170 1) Unter den obigen Akten iſt keiner, der nicht mehr oder minder die ganze Geſellſchaft intereſſirt, welche jedem In⸗ dividuum die Rechte garantirt, die mit der Stelle ver⸗ bunden ſind, welche dieſe Akte ihm in der geſellſchaftlichen Ordnung anweiſen. Es folgt daraus Fu „ daß dieſe Ordnung nicht willkuͤhrlich verändert werden darf; *) daß die Akte, welche ſie beſtimmen, zſntich ſein muͤſſen; e) daß ſie unter der Garantie öffentlicher Beamten af⸗ genommen werden müſſen. 2) Der Grundſatz, daß Akte des Civilſtandes eben ſo veniz ats die über den Civilſtund 6. B. die Gultigkeit einer Ehe, ei⸗ ner Eheſcheidung, den Stand als eheliches oder natärliches Kind, entſtehende Streitfragen) nie der Gegenſtand eines PrivatVergleichs, werden können, iſt unbedingt. Jede über ſol⸗ ache Fragen abgeſchloſſene Uebereinkunft iſt durchaus nichtig⸗ undzfür keine der Partheyen verbindlich. Alle Prozeſſe, die darkher entſtehen, ſind der Mittheilung an das öffent⸗ liche Miniſterium unterworfen, welches uͤber die Aufrecht⸗ haltung der Geſetz der oͤffentlichen Ordnung insbeſondere zu wachen hat Qrt. 83 des Geſetbuchs uber das Verfahren im bürgerlichen Prozeß.) ſie konnen keinem ſchiedsrichter⸗ lichen Ausſppuch unterworfen werden;(Art. 1004 ebendaſ.) kein Vergleich in einem ſolchen Prozeß, keine freiwillige Anerkennung eines in erſter Inſtanz erlaſſenen Urtheils, keine Verzichtleiſtung auf die Appellation, kann dem Ver⸗ zichtleiſtenden eingewendet werdeg, ſo wie es der Kaſſations⸗ chof noch am 18 Auguſt 1807 entſchieden hat. 3) Der Coder hat in Hinſicht auf die Aufnahme der Akte des Eivilſtandes das Syſtem des Geſetzes von 1792 beibehalten. nh t jen z Stlt lſhfin dert nin ſin miſt mten 1 ſownht et bh tntii ſtenh it Jheluſt aus niti riſt,i d ifn ie Uufn eſnhn Vnihn eitn thnj fnii hi den b hſſn tMn i 171 Der Grundſatz der ReligionsFreiheit litt nicht, ihre Abfaſ⸗ ſung den Pfarrern einer Religion zu uͤbertragen; die Pfarrer jebes Kultus mit der Aufnahme der ihre Pfarrkinder be⸗ treffenden Akte zu beauftragen, war aus zweien Gruͤnden nicht räͤthlich: 4) weil die Menge der Regiſter allzuleicht Unord⸗ mungen veranlaßt hätte; 2) weil oft in einer Gemeinde In⸗ dividuen ſind, die ſich zu einer Religion bekaͤnnen, von wel⸗ cher kein Pfarrer in der Nachbarſchaft befindlich iſt, oder die uͤberhaupt keine poſitive Religion annehmen, und die alſo dennoch gezwungen geweſen wären, ſich an den Pfarrer einer andern Religion zu wenden. Freilich haͤtte man in den Pfarrern die Eigenſchaft als Beamte des Civilſtandes von der als Religions Diener unterſcheiden können, allein dieſen Unterſchied wurde das Volk ſchwer begriffen, und die Geiſtlichkeit die Verwirrung der Begriffe zur Ausdehnung ihres Einfluſſes benutzt haben. Der ECodex bedient ſich trigens nur des Ausdruckes: Beamter des Civil⸗ ſtandes, damit die Veränderungen, die das Verwaltungs⸗ * Syſtem erleiden koͤnnte, ohne Einfluß auf ſeine Beſtim⸗ mungen bleiben mögen. Dem Geſetz vom 28 Pluvioſe 8 zufolge ſind itzt die Maires der Gemeinden mit der Fuh⸗ der Regiſter des Civilſtandes beauftragt, aus welchen Jedermann ſich alle belietige Auszüge ertheilen laſſen kann⸗ * ohne daß man von ihm die Angabe des Grundes, a58 el⸗ hem e er ſie verlangt, und des Gebrauchs, den er davon iu machen gedenkt, fordern könnte. §. 50. Die Fumſienerhilniſe können ntſn werden: a) durch den Beſitzſtand; i8 b) durch Zeugen; 265 294 359 172 e) durch Privatſchriften und haͤusliche Papiere; d) durch authentiſche Akte. Da dieſer letzte Beweiß der ſicherſte ſ, ſo e das Geſetz andere Beweißmittel nur in Ermangelung au⸗ themtiſcher Akte, nie aber gegen den Inhalt derſelben zu; ſogar kann der Abgang authentiſcher Akte nur in folgenden beiden Fällen durch andere Beweiſe erſetzt werden: a) Wenn keine Regiſter des. wor⸗ den, oder 9 314 v) wenn dieſe Regiſter verlohren 5. ſind⸗ Die Strenge dieſes Grundſatzes wird jedoch durch Aus⸗ nahmen, die in den Artikeln 197 und 320 zum Vortheil der Kinder, und in dem Artikel 198 zum Vortheil der Ehegatten enthalten ſind, gemildert; geſchärftiſi ie hinge⸗ gen in Hinſicht auf Eheſcheidungs⸗und Adopti⸗ ons Akte, deren Abgang nur in dem einzigen Falle durch andere Beweiſe erſetzt werden tann, wenn die Regiſter —— nicht wenn keine— Lece ir, Warevitte, 73· endebtes Kraühi- es, II, 553. Repertoire universel, Verbis possEon detae, mariage, Oeuvres de d'Aguessehu plaidoyer II, Gl. p. 263.) Rodier und ouſſe uͤber den Titel 20 der; Ordonngns von 1667. veriarprozeße vom 5 Fruetitor 9 und 2 Frimaire 10. In- titutes du droit civil frangais par Mr. Pee F. 4. 1) Der Artikel 46, welcher dem Artikel 1 des Titets 20 der Ordonnanz entſpricht„iſt einer der wichtigften vie⸗ ſes Titels, und giebt zu manchen delikaten Fragen Anlaß. Ehe wir in die Unterſuchung derſeiben eiſgehen, glauben wir einige vorlaͤufige Bemerkungen vorausſchichen zu inuͤſſen. Von den Akten des Civilſtandes ſind zwric deren Beweiß nur in dem einzigen Falle zulaͤßig iſt, wenn die Regiſter, liſt lung ſihen z ſiu ſnd. uchiu⸗ Vonhel hel da ſehige⸗ Adoyti ut Regiſe ten vn es ſnu on Uit p. 3 unn 10 I 1,6 t n n Anl u hüfu Beniß iin, 173 worauf ſie eingeſchrieben worden, verlohren gegangen ſind, nämlich die Eheſcheidungs⸗ und AdoptionsAkte; denn waͤren keine Regiſter gefuhrt worden, ſo haͤtte auch die Eheſcheidung oder die Adoption ſelbſt nie zur Vollendung gedeihen koͤnnen, da die Inſcription auf die Regiſter den Art. 266, 294 und 350 zufolge eine Bedingung derſelben iſt, durch deren Nicht⸗ beobachtung das ganze Verfahren in Nichts zerfallt. Sind aber Regiſter gehalten worden, ſo iſt der Beweiß der In⸗ ſcription um ſo leichter, da alsdann ein Anfang eines ſchrift⸗ lichen Beweiſes in dem Urtheil, welches die Eheſcheidung oder die Adoption zuläßig erklärt hat, vorhanden iſt. Es iſt beinahe nur in einem einzigen Falle möglich, daß kein Sterb⸗ Akt vorhanden ſei, wenn nämlich ein Individuum verſchwun⸗ den und man uͤber ſein Leben oder ſeinen Tod in Unge⸗ wißheit iſt, ein Fall der am häufigſten im Krieg bei Mili⸗ tairPerſonen eintritt.(Auch dann wird der Nachtheil, der aus der Auslaſſung eines SterbAktes fuͤr den uberlebenden Ehegatten in Hinſicht auf eine zweite Ehe entſpringen wůr⸗ de, ſobald wir den Tod als ſicher vorausſetzen, durch den Art. 139 gehoben.) In dieſem Falle hat man ſich nach den Verfuͤgungen des Titels: von den Abweſenden, zu bemeſſen. Schwierigkeiten können daher hauptſächlich nur in den Fällen eintreten, wo auf den Beweiß einer Ehe G) oder Geburt angetragen wird. In Hinſicht auf die Klagen dieſer Art (5 Ich kann der Meinung des Hrn. Locre, als ob der Art. 46 auf den Beweiß einer Ehe nie anwendbar waͤre,(II, 60) nicht unbedingt beipflichten. Ich ſehe vielmehr die ſpezielle Verfuͤgun⸗ gen des Titels: von der Ehe, als Ausnahmen an, welche den Art. 46 in Hinſicht auf die darin nicht vorgeſehene Fäͤlle in Kraft laſſen. Dieſe Meinung gruͤndet ſich auf den Art, 149 174 enthaͤlt das Geſetz ſpezielle Verfuͤgungen fuͤr die Faͤlle, die ſich am haͤufigſten ereignen, und nur wenn keine ſolche be⸗ ſondere Verfuͤgung vorliegt, findet die Regel des Art. 46 ihre Anwendung. 2) Die erſte Frage, zu welcher die Abfaſſung des Art. 46 ſtatt giebt, iſt die: ob der Richter nicht auch andere Papiere beruckſichtigen duͤrfe, als ſolche, die von den verſto rbenen Aeltern herruͤhren? dieſe Frage iſt nur dann ſchwierig, wenn keine Papiere dieſer letzten Art vorhanden ſind, und es knuͤpft ſich in dieſer Unterſtellung die zweite daran an: ob der Richter auch, wenn der Anfang des ſchriftlichen Beweiſes bloß aus Schriften hergeleitet wird, die von andern Per⸗ ſonen als den verſtorbenen Aeltern herruͤhren, oder ſelbſt, wenn gar keine ſchriftlichen Beweiſe vorhanden ſind, den Zeugen Beweiß zuzulaſſen befugt ſei? daß nur die von den verſtorbenen Aeltern herruͤhrende Papiere in Anſchlag gebracht werden können, ſcheint ſich freilich aus der Diskuſſion zu ergeben, weil der Vorſchlag des Tribu⸗ nats, alle authentiſche und Privatſchriften als welcher ausdruͤcklich ſagt: sauk les cas prévus par l'article 46. Wenn daher gleich dem Art. 195 zufolge der Beſitzſtand keinem der Ehegatten in Hinſicht auf den andern die Stelle eines Hei⸗ raths Aktes erſetzen und folglich der Beſitzſtand keinen Ehegat⸗ ten berechtigen kann, gegen den andern die Rechte und den Na⸗ men als Ehegatte in Anſpruch zu nehmen, ſo kann er doch im Falle des Art. 46 nach dem Tode eines der Ehegatten von dem an⸗ dern als Beweiß der Ehe angeruſen werden, um gegen die Familie des Verſtorbenen die Rechte als Wittwe zu behaupten, ſo wie der Appellhof von Metz es noch kurz in der Sache, die Ehe des Generals Faultrier betreffend, entſchieden hat.(Siehe meine Annalen der Geſetzgebung Napoleons, L, 65) Fil, e ſoh t At zſt te Min erſto tien ietig un d, m n: o Beiſt dern Ne der ſelbſ. vochande ß nn Mayier i freilch u des Ai iftene arück, keinem eines h en Ghet nd den ſu ner doh on den die eni ten, ſy ui de Ehe ziehe nin 175 Beweißmittel zuläßig zu erklären, nicht genehmigt, ſondern die reſtrictive Abfaſſung des Artikels abſichtlich beibehalten ward. Was die zweite betrift, ſo hat der Staatsrath Thi⸗ baudeau ſie in dem exposé des motifs unbedingt ver⸗ neinend beantwortet: la preuve testimouiale Seule n'est pas d'un poids ni d'un caractère, qui puissent supplẽer ces espèces de preuves, ni leur étre op- poses. Dieſer Autorität läßt ſich jedoch die des Tribunats entgegenſetzen, welches in ſeinen Bemerkungen ſagt: cette latitude(in Betreff der zu beruͤckſichtigenden Schriften) parait sans danger dans une matiere, Jur lahuelle on peut oßrir la Simple preuwe testimoniale. Auch benimmt die Abfaſſung des Artikels den Tribunalien die Befugniß nicht, den Zeugen Beweiß allein zuzulaſſen, und man hat Beiſpiele, daß unter der Ordonnanz von dieſer Befugniß oͤfters Gebrauch gemacht ward, vorzuglich wenn gar keine Regiſter gehalten worden waren. 3) Iſt der Beweiß zuläßig, daß ein Akt auf den gehaltenen Regiſtern ausgelaſſen worden? Ich wuͤrde dieſe Frage un⸗ bedenklich verneinen, wenn ſie ſich anderſt nicht in einem Falle darbietet, fur welchen(z. B. in Hinſicht auf Geburts⸗ Akte) das Geſetz eine ſpezielle Verfuͤgung enthaͤlt. Wie aber wenn im Regiſter ein Blatt ausgeriſſen worden; Hr. v. Maleville hält alsdann den Beweiß zuläßig, daß dieſe oder jene Akte darauf eingeſchrieben geweſen, den Fall je⸗ doch ausgenommen, wo man unterſtellen könnte, daß das Blatt ausgeriſſen worden, um den Zeugen Beweiß zuläßig zu machen,(allein wird nicht die Parthei, welche ein In⸗ tereſſe hat, den Akt zu beſtreiten, immer dieſe Einwendung machen?) und nur dann, wenn der Thäter unbekannt iſt, 176 denn die Auslaſſung oder die Ausreiſſung in boslicher Abſicht giebt immer zu einer KriminalKlage ſtatt, und das Urtheil, 1 welches uͤber dieſe erkennt, verordnet, wenn es die Klage gegruͤndet findet, zugleich die Wiederherſtellung des Aktes. (Im Falle des Art. 327 iſt zwar die peinliche Klage ſuspen⸗ 6 dirt, dagegen erklaͤrt in dieſem Falle das Geſetz auch durch eine ſpezielle Ausnahme von dem Art. 46 andere Beweiße auch auſſer den von dieſem Artikel vorgeſehenen Fällen zulaßig.) Bei der Vorſicht, mit welcher der Geſetzgeber fuͤr die dop⸗) pelte Abfaſſung und die Aufbewahrung der Regiſter des Ei⸗ vilſtandes geſorgt hat, duͤrften Fälle der Art in die Zukunft auſſerſt ſelten ſein; und man hat es abſichtlich vermieden, beſtimmte Regeln dafuͤr zu ertheilen. Ich glaube daher auch nicht, daß der Richter befugt ſein wurde, ſich von der Vorſchrift des Art. 46 in den Fällen zu entfernen, fuͤr welche das Ge⸗ ſetz keine beſondere Ausnahme macht, um ſo mehr, weil daſ⸗ ſelbe da, wo es ſie fur nöthig hielt, wirklich ſolche ſpezielle Ausnahmen gemacht hat. 4) Aus einem Gutachten des Staatsraths vom 12 Nivoſe 10 (Siehe hierunten 5 64 Nro. 3 und meine Ueberſetzung des Coder S. 31) koͤnnte man ſchlieſſen, als ob die Auslaſ⸗ ſung eines Aktes durch ein BerichtigungsUrtheil d wieder verbeſſert werden koͤnnte; allein aus dieſem Gut⸗ achten, welche vor dem Coder Napoleon verkuͤndigt worden iſt, laͤßt ſich durchaus keine Interpretation des Art. 46 ableiten, vielweniget eine Modifikation ſeiner Verfügungen. 6. 31. 3 Da es der einzige Zweck der Akte des Civilſtandes iſt,„. Thaiſachen zu beurkunden, ſo durfen ſie nichts enthalten t als die einfache Erklarung dieſer Thatſachen, durch die„ zs Betheiligten oder ihre Bevollmächtigte(wenn anderſt 44 6 chUi as Uthil, ie A di A ge ſthn auch uh eweiſeu nzuliſ rdie dy et des b⸗ e Zukun ermieden, aher au Vorſchrift das Ge „wil deſ che ſpejih Niueſe b ſehung i eArsliß Uttheil ſun 6t verini n des it figun. junbes j enthalu much di nantuf das Geſetz nicht die perſoͤnliche Gegenwart der erſten er⸗ heiſcht.) Dieſe Erklärung wird von dem Beamten des Ci⸗ vilſtandes des Ortes, wo die Thatſache ſich zugetragen hat, oder ſich zuträgt, unter genauer Anmerkung der Epo⸗ che des Faktums und der debet betheiligten Partheyen, aufgenommen. Maleville I. 66. Locre II. 12. PVerbalProzeß vom 12ten Ventoſe 11. 1) Den Beamten des Civilſtandes ſteht durchaus keine Juris⸗ diktion zu; ſie durfen die Erklärungen der Partheien weder modifiziren, noch die Wahrheit derſelben unterſuchen, noch Zuſaͤtze zu denſelben machen; ſie duͤrfen aber auch dieſe Er⸗ klärungen nur in ſo weit in die Akte einruͤcken, als ſie auf das Faktum ſelbſt Bezug haben, welches beurkundet werden ſoll. So durfen ſie in dem SterbAkt von der Art des To⸗ des keine Meldung thun,(88) um nicht das Andenken einer ſchimpflichen TodesArt zu verewigen, noch in den Geburts⸗ Akt eines unehlichen Kindes auf die bloſſe Erklärung der Mutter den Namen des Vaters einruͤcken; noch duͤrfen ſie ſich erlauben in dem GeburtsAkte eines Kindes, welches ihnen als ein eheliches Kind angegeben wird, Zweifel über die wirkliche Ehe der Aeltern auszudruͤcken;(z. B. gebohren von NN. und MM. vorgeblichen Ehegatten) kurz ſie durfen das, was nicht erklaͤrt werden muß, gar nicht, was aber erklaͤrt werden muß, nur nach den buchſtäblichen Auſſagen der Deklaranten aufzeichnen, ohne ſich die minde⸗ ſte Zuſätze oder Bemerkungen zu erlauben.(Art. 35.) 2) In allen Faͤllen iſt der Beamte des ECivilſtandes des Ortes, an welchem das Faktum ſich zugetragen hat, oder ſich zu⸗ trägt, allein kompetent, um den Akt aufzunehmen.(33, 62, 74, 78, 80, 83, 264, 294, 359.) 12 34 47 43 88 89, 96, 97 178 3) In der Regel kann die Erklärung immer durch einen Be⸗ vollmächtigten abgegeben werden, der aber mit einer authen⸗ tiſchen, das heißt einer vor Notarien errichteten(in⸗ dem die Beglaubigung der Unterſchrift auf einer Vollmacht unter PrivatUnterſchrift durch den Maire ihr keine Authen⸗ tizität ertheilen kann) SpezialVollmacht verſohen ſein muß. Ausnahmen finden fur die HeurathsAkte(75) und die EheſcheidungsAkte(64, 294.) ſtatt. 8 5. 52. Die allgemeine Regel: locus rogit actum, iſt auf die 170 von Franzoſen im Auslande errichtete Akte des Civilſtan⸗ des anwendbar. Doch können ſie dieſelbe auch in der durch die franzoͤſiſche Geſetze vorgeſchriebenen Form vor den diplomatiſchen Agenten oder Conſuln ihres Vaꝛerlan⸗ des erichten, welchen das Geſetz den Charakter als Be⸗ amte des Civilſtandes ertheilt, ohne daß man jedoch die, ſelbſt an dem Orte, wo ſolche Agenten befindlich ſind, von Franzyſen„ohne ihre Zuziehung, in der an dieſem Orte ge⸗ braͤuchlichen Form, errichtete Akte anfechten könnte. Nur fuͤr MilitairPerſonen findet, ſo lange ſie ſich unter den Fahnen befinden, eine Auðnahme ſtatt; die Akte des Civil ßandes, welche ſie betreffen, muͤſſen immer in der durch die ftanzöſiſchen Geſetze vorgeſchriebenen Form auf⸗ genommen werden, vorbehaltlich der Abweichungen von den allgemeinen Regeln, welche, wenn und ſo lange ſie ſich auſſerhalb des Gebietes befinden, nothig geworden ſind: ) in Hinſicht auf die Beamten, die mit Fuͤhrung der Regiſter beauftragt ſind; 9r b) in Betreff der Fuͤhrung dieſer Regiſter und der Or⸗ te, an welche ſie hinterlegt werden; 179 einn g. e) in Betreff der Zeitfriſten und Formalitäten, die in tauthn Hinſicht auf einzelne Akte zu beobachten ſind. hteten ſ Locré, a. a. Orte.(II, 63. 55). VerbalProzeße vom 9 und 14 VPolmt Fruktidor 9, und 12 Ventoſe 11. Deklarationen vom 2 Julius 1716 und 22 November 1728 Beſchluß vom 1 Vendemiaire 12. ne Authe Cirkularſchreiben des Kriegs Miniſters vom 24 Brumaire 13. iſchen ſu 1) Man darf nicht auſſer Acht laſſen, daß obige Verfugung— G)m nur die Form des Aktes, allein weder die Fähigkeit der Parthenen, noch die Bedingungen des Kontraktes betrifft. So iſt die Ehe guͤltig, welche der Franzoſe im Auslande vor au einem Pfarrer abgeſchloſſen hat; nicht aber die, welche ein ivilffan minderjaͤhriger Franzoſe daſelbſt ohne die Einwilligung ſeiner h in de Aeltern abgeſchloſſen haͤtte, noch die, welche z. B. der Onkel Fom ohne Dispenz mit ſeiner Nichte abgeſchloſſen hatte. Varel 2) Der den diplomatiſchen Agenten im Auslande ertheilte Cha⸗ al V rakter als Beamte des Civilſtandes fuͤr die Franzoſen im edoch Auslande ſoll eine Beguͤnſtigung fur dieſe ſein, aus welcher bſndn ihnen kein Nachtheil erwachſen darf. Dies wäͤre jedoch offen⸗ nOnp bar der Fall geweſen, wenn das Geſetz nur die vor denſel⸗“ ben errichtete Akte anerkannt haͤtte. Es iſt daher der freien ſich mu Wahl des Franzoſen uͤberlaſſen, 2 er vor ihnen, in der b franſiſchen Form, oder vor den oͤrtlichen Behoͤrden in der enb landesuͤblichen Form, die ihn betreffende Akte errichten laſſen ze will. Um uns an obige Beiſpiele zu halten, ſowuͤrde die ab Ehe des minderjährigen Franzoſen nichtig ſit wenn ſie gleich vor dem franzoſiſchen Konſul unter Beobachtung der lauze von dem Coder Napoleon vorgeſchriebenen Formen waͤre n ſi aufgenommen worden; die des Grosjährigen wäre guͤltig, ſelbſt wenn an dem Orte, wo der Pfarrer die Verrichtun⸗ hui gen als Beamter des Civilſtandes verſieht, ein franzöſiſcher Konſul reſidirte, mit deſſen Voruͤbergehung er ſeine Ehe tah vor dem Pfarrer abgeſchloſſen haͤtte.„ 180 3) Für den Soldaten iſt Frankreich ba, wo ſeine Fahne weht; (Der Kaiſer in der Sitzung vom 14 Fruktidor 9) er kann die vaterländiſchen Geſetze in Anſpruch nehmen, ſo lange er bei derſelben iſt. Im Innern hat er ſich an den Civil⸗ Beamten des Ortes, wo er in Garniſon liegt, zu wenden, und iſt durchaus den allgemeinen Geſetzen unterworfen. So⸗ gar iſt ſeine Ehe von der Bedingung eines vorherigen ſechs⸗ monatlichen Domizils nicht frei, wie ein Gutachten des Staatsraths vom 3 Erganzungstag 13 es ausdräcklich entſchie⸗ den hat; als KriegsGefangener kann er die Regel: locus regit actum, wieder in Anſpruch nehmen. 4) Die beſondere Verfuͤgungen des 5 Kap. des Tit. 2 des Co⸗ der Nap. kann man mit den Deklarationen vom 2 Jul. 1716 und 22 Nov. 1728 uber denſelben Gegenſtand vergleichen. Ein Beſchluß der Regierung vom 1 Vendem. 12 hat die Fuͤh⸗ rung der Regiſter des Civilſtandes, welche der Art. 80 des Co⸗ der den Quartier Meiſtern anvertraut hatte, den ſeitdem wie⸗ eingefuͤhrten Majors uͤbertragen, und der Kriegs Miniſter hat eine ausfuͤhrliche Inſtruktion an dieſe erlaſſen. 5. 53. DerGeſetzgeber beſchräͤnkt ſich nicht darauf, für die Authen⸗ tiʒitãt der Akte durch die Intervention der öffentlichen Verwal⸗ tung zu ſorgen; ſondern ſeine Sorgfalt äuſſert ſich noch auſ⸗ ſerdem in folgenden Vorſchriften fur die Abfaſſung dieſerAkte: 4) muß eine beſtimmte Anzahl glaubwuͤrdiger Zeugen beigezogen werden; 3) muß jeder Akt den Deklaranten und Zeugen vor der Unterſchrift laut vorgeleſen werden; c) muß er von den Deklaranten und Zeugen, wenn ſie ſchreiben können und nicht daran verhindert ſind, unterzeichnet werden; 187 wuh werden dieſe Akte ſorgfältig in authentiſche Re⸗ 40, ar, im k giſter eingetragen, welche doppelt gehalten wer⸗„ ing u den, und von welchen ein Exemplar in das Ar⸗ n Git chiv des Tribunals hinterlegt wird, wahrend das 43 wehn,„ andere zur Bequemlichkeit der im . 6 Lrchiv der Gemeinde verbleibt; gen ſch ³) weide alle Schriften und Beweißſtuͤcke, welche 44 chten de den Akten angeheftet werden muͤſſen, zugleich mit nſti ins Archiv des Tribunals zur Kſehen bin⸗ l: loen terlegt. Iſt aber auch ein Akt mit Beobachtung aller dieſer For⸗ 45 bes 6. malitaͤten aufgenommen und in die Regiſter eingetragen l r worden, ſo kann der Inhalt deſſelben durch keinen andern guichen. Beweiß entkraͤftet werden, es ſei denn, daß in der für ie Fih dieſe Klage eigends vorgeſchrièbenen Form erwieſen wuͤrde, d 6⸗ daß dieſer Akt, oder der Auszug deſſelben aus dem Regi⸗ den vi ſter, falſch oder verfälſcht ſei. Locre, a. a. O.(II. 25). Verbal Prozeſſe vom 6 und 24 Frudtidor 9, 2 Frimaire 10 und 12 Ventoſe 11. Maleville I. 70 u. ff. Gutachten des Staatsraths vom 25 Thermidor 12 und 2 Julius 1807, bandectes frangaises, II, 200. jniſtrht eluhn ¹) Die wichtigſte Frage, welche ſich in Hinſicht auf obige em Artikel darbieten kann, iſt wohl die, ob die Nicht Beobach⸗ nch u tung der daſelbſt vorgeſchriebenen Formalitäten die Mullität ieſrlle des Aktes nach ſich ziehen wurde? In der Diskuſſion kam E man dahin überein, daß es unmöglich ſei, in dieſer Hinſicht eine allgemeine Regel aufzuſtellen, und die Fälle, worin ein ugen bu Akt berichtigt werden kann, genau von denjenigen zu un⸗ terſcheiden, worin er nichtig, erklärt werden muß.(Verbal⸗ ven ſi Prozeß vom 6 Fruktidor?). Mir ſcheint die Schwierigkeit t ſi, yauptſaͤchlich darin zu liegen, daß man die Frage aus einem allzu 182 allgemeinen Geſichts Punkt entwickelt hat; obige Verfuͤgungen ſind nur auf Geburts⸗„ Ehe⸗ und SterbAkte an⸗ wendbar, von welchen allein in dem zweiten Titel des Co⸗ der die Rede iſt. Alle Unregelmäßigkeiten eines Geburts⸗ oder SterbAktes konnen aber der Gewißheit der Geburt und des Abſterbens, wenn der Akt durch die Exiſtenz oder die Nicht⸗ Exiſtenz des Individuums, welchen er betrifft, unterſtuͤzt iſt, keinen Abbruch thun; was wuͤrde es daher nuͤtzen, einen ſolchen Akt nichtig zu erkläͤren, weil z. B. keine Zeugen, oder unfähige Zeugen, dazu berufen worden, oder weil derſelbe dem Dekla⸗ ranten nicht vorgeleſen worden wäre; das Faktum der Geburt oder des Abſterbens wuͤrde darum nicht minder gewiß ſein, und man koͤnnte doch den anderweitigen Beweiß deſſelben nicht ausſchlieſſen; ein Irrthum im Datum oder in den Namen immer nur zu einer Berichtigung ſtatt geben kon⸗ ne, war ohnehin ohnbezweifelt. 2) Schwieriger war die Frage in Hinſicht auf HeirathsAkte, da die Nullitaͤt des Aktes die Nullität der Ehe nach ſich ziehen kann oder muß, und in Hinſicht auf denjenigen Theil des Geburts Aktes, der nicht die Geburt ſondern die Filiation zum Gegenſtande hat. Allein im Titel von der Ehe, fin⸗ den wir diejenige Formalitäten genau beſtimmt, deren Nicht⸗ Beobachtung die Nullität nach ſich ziehen muß oder kann, und der Titel: von der Paternität, enthalt uͤber den Beweiß der Abſtammung beſondere Verfugungen. Im Allgemeinen iſt daher anzunehmen, daß die NichtBeobachtung jener Forma⸗ litäten den Akt ſelbſt nicht nichtig macht, ſondern durch eine Rektifikation deſſelben verbeſſert werden kann, den be⸗ ſondern Verfuͤgungen des Titels: von der Ehe ohnbe⸗ ſchadet, 1 183 unn 3) Wenn dber zweite Titel des Coder in Hinſicht auf die Ehe⸗ ten ſcheidung ⸗Adoptions⸗ und Anerkennungs Akte natärlicher 6 Kinder keine Vorſchriften enthält, ſo iſt es, weil zur Zeit jint der Abfaſſung deſſelben uͤber die Inſtitute der Adoption undds und der Eheſcheidung ſo wie uͤber die Anerkennung der natuͤrli⸗ Nih chen Kinder ſelbſt noch nichts entſchieden war. Die Form itiſ, dieſer Akte iſt daher in den Titeln beſtimmt, die von dieſen ſichn Materien handeln, und ſie ſind keiner andern Formalität nfih unterworfen, als denjenigen, welche daſelbſt vorgeſchrieben ſind. Dell⸗ Man darf den Unterſchied nicht aus dem Auge laſſen, Hehurt welchen das Geſetz fuͤr die GeburtsAkte zwiſchen den Dekla⸗ ſein, ranten(die auch weiblichen Geſchlechts ſein koͤnnen,) und ſaben den Zeugen macht, während man in Hinſicht auf die Sterb⸗ Akte dieſen durch das Geſetz vom 20 September 1792 ein⸗ nden n⸗ gefuͤhrten Unterſchied nicht beibehalten hat, weil der Beam⸗ te ſich uͤber das Faktum des Todes durch die Beſichtigung M, der Leiche ſelbſt Gewißheit verſchaft. Der einzige Gegen⸗ ſ ſtand der Erklärung beſteht daher darin, die Individualität Bai des Verſtorbenen zu bezeugen. Anderſt iſt es im Falle e einer Geburt, wo die Geburt ſelbſt zwar gleichfalls durch ie die Vorzeigung des Kindes auſſer Zweifel geſetzt wird, die it Abſtammung von dieſen oder jenen Aeltern aber erklaͤrt werden muß; da dieſe Erklärung wichtige Folgen hat, und ijn jeder Zeuge ſich nicht, wie in Hinſicht auf die Identität ei⸗ nes Verſtorbenen, mit eignen Augen von der Wahrheit ſei⸗ 6 Auſſage kberzeugen kann, ſo hat das Geſetz die Perſo⸗ nen bezeichnet, die jene Erklärung abzugeben haben. u§) Das Geſetz erkl aͤrt ausdräcklich, daß die Zeugen unter den 1b⸗ Verwandten genommen werden können, und es beauf⸗ M tragt die Betheiligten mit ihrer Wahl⸗ Waͤren aber 134 keine Betheiligte vorhanden, wie z. B. bei dem Gehurtskt eines Findlings, ſo hat der Beamte des Civilſtandes die Zeugen zu berufen. 6) Der Codex enthält keine Modelle der Akte des Civilſtan⸗ des, ohngeachtet die Kommiſſion dem Projekt des CivilGe⸗ ſetbuchs welche beigefuͤgt hatte, und zwar weil man die Ent⸗ ſcheidung der Frage vermeiden wollte, in wie fern Ab⸗ weichungen von dieſen Modellen die Nullität der Akte nach ſich ziehen ſollten.(Siehe hier oben Nro. 1.) Der Mini⸗ ſter vom Innern hat deren jedoch ſeitdem unterm 25 Fruk⸗ tidor 12 den Maires uͤberſchickt, um Einfoͤrmigkeit in die Abfaſſung der Akte zu bringen, jedoch mit der ausdruck⸗ lichen: einem Gutachten des Staatsraths vom 25 Thermidor 12,(ſiehe meine Ueberſetzung des Co⸗ der Napoleon, zweite Auflage S. 12) entſprechenden In⸗ ſtruktion:„daß die Verwaltung die buchſtaͤbliche Ab⸗ „faſſung der Akte nach dieſen Modellen nicht in der Art „vorzuſchreiben die Abſicht habe, daß der Gebrauch jeder „andern unterſagt ſei, und die Subſtanz des Aktes ſelbſt „kompromittiren könne; um dieſen Nachtheil zu vermeiden, „hat man dem Geſetzbuch keine Formularien einverleibt. „Die gegenwaͤrtige haben hauptſäͤchlich den Zweck, der zahl⸗ „reichen Klaſſe von Beamten, die keinen gleich hohen „Grad von Erfahrung haben, als Leitfaden zu dienen; es „ſind Rathſchläge, und keine Vorſchriften, Beiſpiele und „keine ſtreng verbindliche Verordnungen.“ 7) Das Geſetz von 1792 hatte ſo viel verſchiedene Regiſter eingefuͤhrt, als es verſchiedene Gattungen von Akten giebt; allein ſtatt der Unordnung vorzubeugen, entſtand die aller⸗ größte dadurch, indem man, vorzůglich auf dem Lande, wenn 785 nl z. B. das Regiſter der GeburtsAkte vollgeſchrieben war, die us i GeburtsAkte in die Sterb⸗oder EheRegiſter, und unigekehrt, eintrug. Man iſt daher zu dem Syſtem der Deklaration iiin⸗ von 1736 zuruͤckgekehrt, hat jedoch der Regierung die Be⸗ fugniß gelaſſen, in volkreichen Städten, wo die Beamten ſi bi des Civilſtandes mehr Erfahrung und Einſicht haben, und mn die Akten zahlreicher ſishe die Trennung der Regiſter bei⸗ te u zubehalten. Mi⸗ 8) Daſſelbe Geſetz te die Perpatungs Sehöre mit der 5 zn⸗ Aufſicht uber die Fährung der Regiſter, mit ihrer Para⸗ keit i phirung und Aufbewahrung beauftragt. Allein da der Civil⸗ bräc⸗ ſtand, als das koſtlichſte Eigenthum der Buͤrger, wie jedes andere, unter dem Schutz der Gerichtshoͤfe ſteht, die ſchon es G⸗ ehedem allein kompetent waren, uͤber dieſe Akte betreffende n In⸗ Fragen zu erkennen, ſo hat man der Verwaltung dieſe At⸗ he U⸗ t.ributionen entzogen, um ſie den Gerichten zu ubertragen. det Att Alle Beweggruͤnde, welche man füͤr die Verwaltung daraus ijede herleitete, daß ſie oft in dem Falle ſei, Auszüge aus die⸗ ſiht ſen Regiſtern fur die BevölkerungsTabellen, ConſcriptionsLi⸗ neiten, ſten c. zu machen, werden dadurch beſeitigt, daß ſie ſich erlit dieſe Auszuge durch die Maires aus dem Exemplar, welches et juhl⸗ im Archiv der Gemeinde verbleibt, ausziehen laſſen kann. hehn„ Es folgt daraus, daß die Maires fuͤr alles, was ihre Amts⸗ unz t Verrichtungen, als Beamte des Civilſtandes, betrifft, nicht ku unter dem Präfekten ſondern unter den Tribunalien ſtehen, und daß folglich ihre Obliegenheiten in dieſer Hinſicht nicht kiſn in die Attributionen des Miniſters vom Innern ſondern des gütz Miniſters der Juſtitzpflege gehören. Glaubt eine Parthie, lir⸗ gegen einen Beamten des Civilſtandes in dieſer Eigenſchaft veun Beſchwerden zuj haben, weil er die Aufnahme eines Aktes 5 4 186 verweigert, oder aus ſonſt einem Grunde, ſo kann ſie den⸗ ſelben unmittelbar vor das Tribunal vorladen laſſen, ſelbſt ohne dazu einer Ermaͤchtigung der Regierung zu beduͤrfen, wie wir in der Folge ſehen werden. 10) Die Auszuge aus den Regiſtern des Civilſtandes muͤſſen von dem Beamten des Civilſtandes oder dem Gerichtſchrei⸗ ber des Tribunals als gleichlautend beſcheinigt werden; die Unterſchrift der einen wie der andern muß von dem Präſidenten des Tribunals beglaubigt werden,(ohngeachtet die Unterſchrift der Maites auf VerwaltungsAkten von dem Präfekten legaliſirt werden muß.) Die Ange⸗ ſtellten, welche ſich Sekretarien oder GeneralSe⸗ kretarien der Maire's qualifiziren, können durch ihre Beglaubigung keiner Ausfertigung die erforderliche Authen⸗ tizität ertheilen, weil das Geſetz ſie nicht als oͤffentliche Be⸗ amten anerkennt.(Gutachten des Staatsraths vom 2 Julius 1807.) Doch läßt daſſelbe Gutachten die vor ſeiner Verkkendigung erlaſſene Auszüge in Kraft. 11) Die Verfaſſer des pandectes fungaises behaupten(Thl. 1l. S. 290) die zu den Akten des Civilſtandes beizuziehen⸗ de Zeugen muͤßten Staatsbuͤrger ſein. Dieſe Behaup⸗ tung iſt offenbar falſch. Die Verfuͤgung des Geſetzes vom 25 Ventoſe Ix in Betreff der Zeugen von Notariats Akten iſt hier nicht anwendbar. Der Art. 37 des Coder erheiſcht dieſe Bedingung nicht, welche nicht einmal bei TeſtamentsZeugen er⸗ forderlich iſt. Auch bin ich nicht einmat der Meinung der⸗ ſelben Verfaſſer, daß ein Auslländer nicht als Zeuge zu einem Akt des Civilſtandes beigezogen werden koͤnne, da der Art. 37 weder die Eigenſchaft als Franzoſe noch die als regnicole erheiſcht, wie der Art. 780 für die letzten. In — 187 S ſ jedem Falle aber wurde der Ausländer, welchem in Frank⸗„ ſih reich ein Kind gebohren wurde, nicht allein fähig, ſondern düufn, ſogar verpflichtet ſein, die vom Geſetz vorgeſchriebene Erklaͤ⸗ rung abzugeben, und es iſt daher durchaus unrichtig, wenn am niſn angefuͤhrten Orte im Allgemeinen behnuptet wird: un étran- hiſni ger non nuralisé ne pourrait point étre admis, weche; mẽme pour l'acte de naissance d'un S qui undn serait présentẽ à l'officier civil. dut Zweiter Abſchnitt. tn Von den GeburtsAkten. 3 5 34. Die GeburtsAkte muͤſſen bewähren: hihn das Faktum der Geburt; ihen⸗ Tag, Stunde und Ort der Geburt;* Be⸗. das Geſchlecht des Kindes; taths die Vornamen, welche ihm beigelegt werden, und ſew welche unter denjenigen genommen werden muͤſ⸗ ſen, die in den verſchiedenen Kalendern gebraͤuch⸗ nCh. lich oder aus der alten Geſchichte bekannt ſind. ſm Sie muͤſſen anfuͤhren: ſehu die Perſon, welche die Erklaͤrung der Geburt gemacht 56 es un hat, eine Obliegenheit, welche das Geſetz dem tuni Vater, in deſſen Ermangelung denjenigen Per⸗ t diee ſonen auflegt, die von der Entbindung— un n dig unterrichtet ſein muͤſſen; ng de die Vornamen, Namen, das Gewerbe und den i Wohnort der Mutter, wenn ſie bekannt iſt; hd die des Vaters, wenn er gewiß iſt, entweder durch 319, 334 hi it die Ehe, oder durch ſeine eigene, S An⸗ 55 6 erkennung:. 183 die der beiden Zeugen, welche der Abfaſſung des Aktes beigewohnt haben. Derſelbe muß von dem Beamten des Civilſtandes des Ortes, an welchem das Kind gebohren worden, aufge⸗ nommen werden; daß Kind muß demſelben vorgezeigt werden. Locre, a. a. O. II. 30. VerbalProzeſſe vom 2 Frimaire, 10 und 12 Pentoſe 11. Ordonnanz von 1667, Titel 20, Art. 9. Geſetz vom 20 September 1292 Titel 3. Deklaration von 1555 und Geſetz vom 6 Fruktidor 2. Geſetz vom 11 Germinal 11„ Dekrete vom 4 Julius 1806 und 20 Julius 1803. Pandectes kranaises, II. 297, Projet du Code, Liv. 1. tit. 2. art. 23. 2) Wir haben ſchon oben den Unterſchied bemerkt, den das 2 Geſet bei den GeburtsAkten unter den Deklaranten und den Zeugen macht. Die erſte ſind die, welche ein Intereſſe haben, den Civilſtand des Kindes zu verſichern, in ihrer Ermangelung die Perſonen, die nothwendig von der Geburt unterrichtet ſein müſfen. In jedem Falle ſind ſie fuͤr die Wahrheit ihrer Deklaration verantwortlich, da dieſelbe zum Theil Anfuͤhrungen enthalten muß, deren Wahrheit der Be⸗ amte des Civilſtandes weder unterſuchen kann noch darf, und worauf in der Folge Anſpruche begruͤndet werden können. Die Zeugen hingegen werden nur berufen, um dem Akt ei⸗ nen hoͤheren Grad von Authentizität zu ertheilen, und es iſt durchaus nicht erforderlich, daß ſie von den in der De⸗ klaration enthaltenen ThatUmſtaͤnden die mindeſte Kenntniß haben. Der Beamte des Civilſtandes hat daher auch das Recht, und ſogar die Obliegenheit, ſich zu verſichern, ob die Deklaranten bekannte Perſonen ſind. Kennt er ſie nicht, ſo kann er fordern, daß ſie, ehe er auf ihre Erklaͤ⸗ rung den Akt aufſetzt, vorerſt ihre Qualität erweiſen.(Ver⸗ balProzeß vom 2 Frimaire 20.) 189 i 2) Die Mukter iſt beinahe immer gewiß; nur zwei Fälle ſind denkbar, wo ſie unbekannt iſt: der erſte, wenn ein Kind dei ie ausgeſetzt worden, fuͤr welchen der Coder beſondere Regeln u⸗ ertheiltz der zweite, wenn der Vater die Geburt erklaͤrt, Wiih ohne die Mutter anzugeben. In dieſem wohl aͤuſſerſt ſelte⸗ nen Falle hat der Beamte des Civilſtandes den Akt auf die n Erklärung des Vaters allein aufzunehmen. 3) Der Vater kann gewiß ſein: a) durch ſeine eigene freiwillige Erklärung, b) durch die Ehe. Im letzten Falle muß er im⸗ andecte mer in dem GeburtsAkt angefuͤhrt werden, wie es aus dem 2. Art. 319 erhellt, ſelbſt wenn er den Beſtimmungen des Art. en dis 312 u.ff. zufolge berechtigt wäre, das Kind zu verlaͤugnen, enund indem die Regel: pater estꝛc. ꝛe. erſt durch das Urtheil, welches ſtereſſe uͤber die Klage aufVerläugnung erkennt, entkraͤftet werden kann n ihrer und bis dahin ihre Wirkung hervorbringt. Da jedoch in dieſem Gebur Falle der Mann ſelbſt ſich ſchwerlich dazu verſtehen wird, für die Erklärung der Geburt zu machen, ſo kann dieſe Erkläͤ⸗ hbe jun rung durch eine derjenigen Perſonen geſchehen, welchen der der P⸗ Art. 56. in Ermangelung des Vaters, dieſe Ver⸗ arf bindlichkeit auflegt. tmn 4) Wenn die Perſon, bei welcher die Mutter niedergekommen iſt, erklart, daß ſie nicht weiß, ob dieſe verheurathet iſt oder nicht, ſo muß ſich der Beamte des Cuvilſtundes darauf be⸗ du D ſchraͤnken, Vor⸗und Zu Namen der Mutter anzufuͤhren, znnij ohne ſich eine Bemerkung uͤber ihren Stand zu erlauben, uch oder eine Erklärung uͤber denſelben zu fordern.(VerbalPro⸗ m, zeß vom 2 Frimaire 10.) nſ§) Der GeburtsAkt darf auſſer obigen Anfuͤhrungen durchaus Gili⸗ keine andere enthalten.(Art. 35.) Folglich darf die von der Cu unverheuratheten Mutter gemachte Angabe des Va⸗ ters nicht darein aufgenommen werden⸗ 190 6) Wird die Geburt des Kindes erſt nach dem Tode deſſelben veranzeigt, ſo darf der Beamte des Cvilſtandes keinen Ge⸗ burts Akt mehr aufſetzen, ſondern er hat nur in den Sterb⸗ Akt die Erklärung der Zeugen uͤber die Namen, Vornamen, Profeſſion und Wohnort der Aeltern, und die Angabe des Jahrs, des Tags und der Stunde, wo das Kind den Schooß der Mutter verlaſſen hat, einzuruͤcken. Aus dieſem Akt kann uͤber die Frage, ob das Kind gelebt habe oder nicht, deren Entſcheidung den Tribunalien nach den beſondern Um⸗ ſtaͤndes jedes einzelnen Falles uͤberlaſſen bleibt, durchaus kein Vorurtheil abgeleitet werden,(Dekret vom 4 Jul. 1806 in meiner Ueberſetzung des Coder Napoleon S. 56.) 7) Wenn das Kind nicht bequem auf das Gemeinde Haus ge⸗ bracht werden kann, ſo hat der Beamte des Euvilſtandes ſich an Ort und Stelle zu begeben, um ſich von deſſen Daſein zu uberzeugen.(Thibeaudeau, exposs des motiſe, Ver⸗ balProzeß vom 12 Ventoſe 11, II. 459.) 8) Durch das Projekt war der Beamte des Civilſtandes beauf⸗ tragt, das Geſchlecht des Kindes zu verifiziren. Dieſe Ver⸗ fuͤgung ward unterdruckt; er kann ſich daher mit der Erxklä⸗ rung der Deklaranten begnůgen„ und dieſe allein wuͤrden füͤr die Folgen verantwortlich ſein, die aus einer falſchen Erklarung entſpringen koͤnnen. 9) Seit dem Geſetz von 1792 war durch die willkuͤhrliche Wahl und Veraͤnderung ſowohl der Vornamen als der Fa, milien Namen die größte Unordnung entſtanden, welcher das Geſetz vom(11 Germinal 11) 3 April 1803: uͤber die Vor⸗ namen und NamensVeraͤnderungen, ein Ende gemacht hat. (Siehe daſſelbe in meiner Ueberſetzung des Coder Napoleon S. 558.) Daſſelbe beſtimmt 1) welche Namen in die Zu⸗ 1971 iln kunft allein in die Akte des Civilſtandes aufgenommen wer⸗ inbe den koͤnnen; 2) auf welche Art die Abaͤnderung derjenigen en St⸗ Vor Namen zu erwirken iſt, die ſeit 1792 ertheilt worden omn ſein moͤgen und nicht in der Bezeichnung des erſten Artikels ieh des beſagten Geſetzes enthalten ſind; 3) auf welche Art in ſi w die Zukunft Veränderungen ſowohl von Vors als Zu Namen in autoriſirt und bekannt gemacht werden ſollen. Durchaus du uitt unrichtig behaupten die Verfaſſer der Pandectes fanguises en ln daß die ganz fakultative Erlaubniß des Art. 2 des beſagten duchu Geſetzes als Vorſchrift anzuſehen ſei,„weil dem Art. u.160„1 zufolge die Beamten des Civilſtandes in ihren Akten „nur ſolche Namen anfuͤhren duͤrfen, die von dieſem Arti⸗ us g„kel ausſchließlich erlaubt ſind, und daher derjenige, der einen ſtandes„andern fuͤhre, nothwendig den ſeinigen veraͤndern muͤſſe, Doſin„wenn er irgend einem Akt beiwohnen wolle.“ da doch der ſ W Art. 1 ſich auf das Verbot peſchraͤnkt, in die kuͤnftig zu errichtende Geburts Akte andere Vorna⸗ es beuf men einzuruͤcken, nicht aber verbietet, in den kuͤnftig zu i errichtenden Akten desCivilſtandes die Partheyen mit denjenigen et bü Vornamen zu bezeichnen, welche ihnen vor der Verkuͤndigung irden ſi des angefuͤhrten Geſetzes in ihrem eigenen Geburts Akt beige⸗ Erkim legt worden ſind, und welche ſie abzuaͤndern nicht fuͤr gut befunden haben. lihrih 10) Was die NamensVeraͤnderungen betrift, welche , ſeit dem Geſetz von 1702 auſſerordentlich haͤufig, ſeit dem ulhn Geſetz vom 6 Fruktidor 2 aber durchaus verboten waren, ſo de V iſt man durch das Geſetz vom 11 Germinal 11 wieder zu nthe den Grundſatzen der alten Geſetzgebung(Ordonnanz von Am⸗ gmin boiſe vom 26 May 1555) zuruͤckgekehrt, wobei man fuͤr die z vorlaͤufige Bekanntmachung jedes Geſuches dieſer Art geſorgt *— 192 hat, um die Reklamationen zu vermeiden, welche daraus entſtehen könnten, wenn jemand ſeinen Namen verlaſſen, und den einer andern wirklich beſtehenden Familie annehmen wollte. Daſſelbe Geſetz erklärt endlich ausdruͤcklich, daß, ſobald jemand ſeinen Namen nicht aus perſönlichen Ruͤckſich⸗ ten, ſondern deshalb verändern will, weil er behauptet, wirklich ein Glied dieſer oder jener Familie zu ſein und nicht derjenigen, deren Namen er bisher gefuͤhrt hat, die Ent⸗ ſcheidung der desfallſigen Streitfragen nicht der Regierung ſondern den Gerichtshöfen zuſteht, weil alsdann nicht allein der Name ſelbſt als ein Eigenthum in Anſpruch genommen wird, ſondern zugleich alle demſelben anklebende Rechte und Familien Verhaͤltniſſe. 11) Einem Kaiſ. Dekret vom 20 Jul. 1808(in meinen Ann. der Geſetzg. Napol. I. 224) gemäß, mußten alle franz. Untertha⸗ nen juͤdiſcher Religion, prelche noch keine beſtaͤndige Vor⸗ oder Familien Namen hatten, ſolche wählen, die ſie nicht mehr verändern duͤrfen, und zwar duͤrfen die Familien⸗ Nahmen weder aus dem alten Teſtamente genommen noch die Namen von Städten ſein. Als Vornamen konnten nur die genommen werden, welche das Geſetz vom 11 Ger⸗ minal 11 erlaubt. Jeder Jude, der ſich kuͤnftig in Frankreich niederläßt, hat in einer dreimonatlichen Friſt dieſelbe Wahl zu treffen. Wer dieſen Verfugungen nicht Genüge leiſtet, ſoll des Landes verwieſen, und wer willkuhrlich ſeinen Na⸗ men verändert, ohne die geſetzliche Formalitäten zu erfuͤl⸗ len, beſtraft und nach Beſchaffenheit der umſtaͤnde als Fal⸗ ſarius verfolgt werden. Ausgenommen ſind die Juden, wel⸗ che bekannte Vor⸗ und ZuNamen haben, die ſie immer ge⸗ fuhrt haben. Sie können dieſelbe beibehalten, ſelbſt wenn ſ, lih hn echſſa, eannhun clich, z n Riſt, bhnt, n uhit t, die ht⸗ Rejmn nicht ilin genmin de Feit enmn. Unterth ip Po n, die ſi Fmilin nmen noch konnte n 11 G Frankrih elbe Vi ige liſt ſinen) ju u e ds i ſhen, w jnn g⸗ f nn ſie aus dem alten Teſtment genommen oder Namen von Städten wären. §. 65. Die Erklaͤrung der Geburt muß in gewöhnlichen Fällen in einer dreitagigen Friſt, von der Entbindung an, vor dem Beamten des Civilſtandes abgegeben werden. Findet die Geburt während einer SecReiſe ſtatt, ſo wird die Ertlä⸗ rung in einer Friſt von vier und zwanzig Stunden, und findet ſie bei der Armee ſtatt, in einer zehntaͤgigen Friſt, von den vom Geſetz eigends dazu beſtimmten Beamten aufgenommen. In beiden Fällen trift das Geſetz beſon⸗ dere Vorſichts Maabregeln, um den Eintrag des Geburts⸗ Aktes auf die Regiſter des Civilſtundes des Woßnorts des Vaters, oder der Mutter, falls der Vater ungewiß iſt, zu bewirken. Der Geburts Akt eines Findlings wird auf die Erklärung derjenigen Perſonen, welche ihn gefun⸗ den, aufgeſetzt, und muß alle Umſtaͤnde anfuͤhren, die ei⸗ nes Tags der Wiebererkennung des W können⸗ Locre, II. 96, 187. PerbalProzeſſe von den oben angeführten Tagen. Geſetz vom 20 September 1792. 1) Der Codex hat alle mögliche Fälle vorgeſehen, worin die Geburt ſtatt haben kann; das Kind kann nimich gebohren werden: l in Frankreich a) von bekannten Aeltern;(Art. 38, 56.) b) von einer bekannten Mutter und einem unbekann⸗ ten Vater, und umgekehrt; bid) ſiehe hiero⸗ ben§. 54. Nro. 2) *) von unbekannten Aeltern;(58) 13 55 59 60 61, 93 194 1l. im Auslande;(48, 40) 1I. auf der See;(59) NßB. Sollte die Geburt auf einem fremden Fahrzeug ſtatt finden, ſo hat man ſich nach dem Art. 47 zu bemeſſen. Iſt es daſelbſt gebräuchlich, die Errichtung des Geburts⸗ Aktes zu verſchieben, bis dahin das Schiff in einem Has fen eingelaufen iſt, ſo hat man, ſobald das Schiff gelan⸗ det hat, den GeburtsAkt nach Porſchriſt der Art. 43 oder 55 aufſetzen zu laſſen. IV. bei der Armee.(92) 2) Dem Geſetz von 1702 zufoige mußte in gewoͤhnlichen Faͤl⸗ len die Erklärung der Geburt in Zeit von vier und zwanzig Stunden abgegeben werden. Man hat dieſe Friſt auf drei Tage verlaͤngert, weil ſie allzu kurz ſchien. Der Beamte des Eivilſtundes darf ſich aber dennoch nicht weigern, den Ge⸗ burts Akt auf eine Erklärung aufzuſetzen, welche ihm auch nach Ablauf der geſetzichen Friſt gemacht wurde. Dies erhellt deutlich aus dem VerbalProzeß vom 6 Frukt. 9 und dem exposs des motifs,(II. 458) woraus auch erſichtlich iſt, daß die Strafe, womit das Geſet vom 20 Sept. 1702 die Verſpätung oder Unterlaſſung der Erklärung belegte, aus dem Grunde un⸗ terdruͤckt ward, weil man befuͤrchtete, die Erklaͤ rung mochte aus Furcht, in dieſe Strafe zu ver⸗ fallen, ganz unterbleiben. Die Unterlaſſung der Erklärung kann ubrigens, wenn nachtheilige Folgen daraus entſpringen, nicht allein zu einer CivilKlage auf Schadlos⸗ haltung, ſondern auch, wenn ſie abſichtlich geſchehen iſt, zu einer peinlichen Klage wegen der daraus entſtehenden Sup⸗ preſſion des Civilſtandes ſtatt geben. Der Eivil Beamte iſt endlich allerdings berechtigt, wun er von einer Geburt un⸗ terrichtet iſt, die ihm nicht veranzeigt worden, ſich an Ort und Stelle zu begeben, und dort den Akt aufzunehmen, 105 eine Sorgfalt, dis beſonders bei der erſten Einfuͤhrung der Geſetze uͤber den Civilſtand, auf dem Lande, wo die Er⸗ htzugſit in klärung oft aus Unerfahrenheit Partheyen vor großem Nachtheil bewahrt. öchif 3) Niemand iſt berechtigt, Unterſuchungen anzuſtellen, wer die S Aeltern eines Findlings ſein moͤgen, weil zu befurchten ſtuͤnde, daß ſolche Nachforſchungen den Kindermord beguͤnſtigen moͤch⸗ icheni⸗ ten. Aber man hat alle bei ihm gefundene Effekten und djun Kleidungsſtucke, alle Merkmahle und Zeichen an ſeinem Kör⸗ uf hi per genau zu beſchreiben, um die Erkennung deſſelben durch Beant ſeine Aeltern zu erleichtern. Der Staat adoptirt dieſe Kin⸗ den6 der, aber er iſt immer bereit ſie ihren Aeltern zuruckzuerſtat⸗ ch nach ten, wenn ſie dieſe in Anſpruch nehmen.(Der Kaiſer in der chelt Sitzung vom 6 Fruktidor 9.) Dem Beamten des Civilſtandes uh 3 ſteht die Befugniß zu, den Vornamen des Kindes zu be⸗ ſwu ſtimmen. erhiun 4) Es folgt aus dem Codex, daß daſſelbe nachher der offentli⸗ um chen Verwaltung uͤbergeben wird, doch beſtimmt er nicht wel⸗ zumn cher Behoͤrde, weil dieſe Beſtimmung auſſer ſeiner Attribution zu n lag. In der gegenwärtigen Organiſation hat der Beamte uſunb des Ciuvilſtandes daſſelbe an die Kommiſſion der Hospitien en das und in ihrer Ermangelung an das in jedem Kanton beſtehen⸗ ehun den Wohlthatigkeits Bureau zu uͤbergeben, und zugleich als niſ, Maire und Praͤſident dieſer Kommiſſion den Prefekten da⸗ hu Et⸗ von zu benachrichtigen. Mit dem Kinde hat er zugleich eine Abſchrift des Verbalprozeſſes zu uͤberſenden. n Dritter Abſchnitt. ſon. Von den HeurathsAkten. mhmen, S 8. 56. Jede Ehe eines Franzoſen, er mag ſie nun in Frank⸗ 196 63 64 reich oder im Auslande abſchlieſſen, muß den Vecheſig⸗ 266„ 170 7 ½ 163 167 169 94 63³ ten und dem Publikum vorher bekannt gemacht werden. Dieſe Bekanntmachung geſchieht durch eine wiederhohlte Publikation und Anheftung, ſowohl in dem Wohnſitz bei⸗ der zukünftigen Ehegatten als auch derienigen Perſonen, unter deren Gewalt ſie, ruͤckſichtlich auf die Ehe, ſtehen. Der Wohnſitz begrundet ſich, in Hinſicht auf die Ehe, durch einen ſechsmonatlichen fortwährenden Aufenthalt in derſelben Gemeinde. Wenn dieſe jedoch nicht zugleich die des reellen Wohnſitzes iſt, ſo müſſen auch in dieſem letz⸗ ten ähnliche Publikationen erlaſſen werden. Der Kaiſer⸗ liche Prokurator bei dem Tribunal erſter Inſtanz kann jedoch, im Namen des Kaiſers, und wegen wichtigen Gruͤnden, von der zweite nVerkundigung, nie aber vonder erſten, dispenſiren. Die Ehe von MilitairPerſonen muß, der Publikation an ihrem letzten Wohnort ohnbeſchadet, zugleich auch noch durch den Tags Befehl bekannt gemacht werden. Dieſe verſchiedene Verkundigungen werden durch eben ſo viel Akte beurkundet, welche auf ein Regiſter einge⸗ tragen werden, das jedoch nur einfach gehalten und auſ die Kanzlei des Tribunals binterlegt wird. Locre II, 107. Malevidle T, 137. VerbalProzeſſe von den angeſuͤhrten Tagen. Beſchluß vom 20 Prairiai 11„ Art. 3 und 4 Art. 55 des Geſetzes vom 13 Germinal 1o. ConſularVeſchluß vom 1 Prairial 13. Gutachten des Staatsraths vom 30 May 180g.(Annalen der Geſetzgebung Napoleons, I. 151.) ) Was die Franzöſin betrifft, ſo hat ſie die von dem fran⸗ zöſiſchen Geſetz vorgeſchriebene Formalitäten nur dann zu er⸗ fuͤllen, wenn ſie einen Franzoſen heurathet; wenn ſie einen Ausländer ehlicht, ſo hat ſie ſich nach den Geſeben und Ge⸗ 197 h zräuchen des Vaterlandes ihres Mannes zu bemeſſen.(Art⸗ venn. 3, 100 68 dehohl 2) Die beinahe von allen Nationen anerkannte Nothwendigkeit huſß ke der vorläufigen Bekanntmachung der Ehen fließt ſchon aus aſna, der Natur dieſes Konttaktes her, bei welchem die ganze Ge⸗ e ſihn ſellſchaft betheiligt iſt, und der daher Einſpruͤchen und Hinder⸗ de bh, niſſen unterworfen iſt, die dem Beamten des Civilſtandes nhati unbekannt ſein können. Der Art. 63 haͤlt zwiſchen der Or⸗ gich e donnanz von Blois, welche drei Verkuͤndigungen vorgeſchrie⸗ ſm ben hatte, die jedoch der Leichtigkeit der Dispenſation halber gſ nur fur die untere Klaſſe der Geſellſchaft mehr uͤblich waren, n in und dem Geſetz von 1792, welches nur eine erforderte, die ichtign Se F 3) ueber die Frage: in wie weit eine Ehe als nichtig angefoch⸗ m ten werden kann, der gar keine oder nur eine Publikation hne vorhergegangen⸗ verweiſen wir unſere Leſer auf den falgen⸗ gn den Titel. 4) Die Verkuͤndigungen muͤſſen an einem Sonntage geſchehen, nicht als ob ſie als ein religiöſer Akt zu betrachten wären, ſon⸗ uc* dern weil ſie ihren Zweck, der Ehe Publizität zu ertheilen, in 36. nur dann erreichen, wenn ſie an einem Tage geſchehen, wo die Bürger ſic häuſig vereinigen. Sie ſind von der kicht⸗ chen Verkuͤndigung oder dem ſogenannten Aufgeboth ganz 3 unabhängig, welches weder verbothen noch zur bürgerlichen urbiſu Ehe erforderlich iſt, in keinem Falle aber den Abgang der on 3 Publikation durch den Beamten des Civilſtandes erſetzen ¹) kann(Art. 55 des Geſetzes vom 16 Germ. 10.) Auch duͤr⸗ n hnfin fen die Pfarrer und Rabbiner, um dem Nachtheile vorzu⸗ dann jl i beugen, der aus dem Vorurtheil entſtehen koͤnnte, als ob nſt ein die Ehe durch die prieſterliche Einſegnung abgeſchloſſen wer⸗ un 6⸗ 196 den könnte, dieſe Einſegnung nur denjenigen Partheien erthei⸗ len, welche ſich ausweiſen, daß ſie ihre buͤrgerliche Ehe be⸗ reits abgeſchloſſen haben(Art. 54 ebendaſelbſt.) In demſelben Sinne hat ihnen die Regierung fuͤr die Aufgebothe von der Kanzel folgende Formel vorgeſchrieben:„Es wird bekannt „gemacht, daß der und die von Uns die prieſterliche Ein⸗ „ſegnung verlangen. Sollte jemand von einem kanoni⸗ „ſchen Hinderniſſe unterrichtet ſein, ſo iſt er eingeladen, „uns Nachricht davon zu ertheilen. Zugleich wird die Ge⸗ „meinde benachrichtigt, daß die Partheien ſich an den Be⸗ „amten des Civilſtandes gewendet haben, um die von dem „Geſetz vorgeſchriebene und zur Ghitigkeit ihrer Perbindung „erforderliche Formalitäten zu erfullen, und daß wir ihnen „das Sakrament nicht eher ertheilen werden, als nachdem „ſie dem Art. 354 des Geſetzes vom 48 Germinal 10 genug „gethan haben werden.“ 5) Der Art. 168 darf nicht in der Art verſtanden werden, als ob die Ehe eines Minderjährigen, der ſich im Falle des Art. 151 befindet, an dem Wohnort jeder der Perſonen verkuͤn⸗ digt werden muͤſſe, die Glieder des Familien Raths ſind. Dieſe Verkuͤndigung iſt nur an dem Orte erforderlich, wo der Familien Rath ſelbſt ſeinen Sitz hat, naͤmlich in dem Wohnſitz des FriedensRichters, bei welchem er zuſammen⸗ tritt. In der beruͤhmten Sache des Hr. von Themines (ſiehe mein Journal fuͤr Rechts Gelehrſamkeit, 111 Jahrgang 2 Band Seite 247) ward die Unterlaſſung der Verkuͤndigung an dem Wohnort der Glieder des Familien Raths als Kaſſa⸗ tions Mittel geltend gemacht und durch das Urtheil des Kaſ⸗ ſationshofes vom 22 Julius 1807 ausdruͤcklich verworfen. In Pinſicht auf die Ehe ſind uͤbrigens Sous a yuissunce . 199 nhi Pautrul, die Individuen, welche ſich ohne die Einwil⸗ Gb ligung Anderer nicht verehelichen durfen, nicht aber die, nſiin welchen eine ehrfurchtsvolle Anfrage vorgeſchrieben iſt. Dem⸗ un ſt nach läßt ſich auch die bei Ma leville(1. 182) in zu all⸗ uim gemeinen Ausdrücken vorgetragene Frage entſcheiden, ob bi in dem Falle des Art. 150 die Ehe in dem Wohnort der oni Gros Aeltern verkündigt werden muſſe? Allerdings, in dem ildn, von dieſem Artikel vorgeſehenen Falle, weil darin offenbar e 6e die Enkel in Hinſicht auf die Ehe Sous la puissance n B dnutnui ſind, nicht aber wenn ſie im Falle des folgenden n dem Art. 151 nur zu einer ehrfurchtsvollen Anfrage verbunden ndun ſind. ihnen 6) Der Kaiſerliche Prokurator hat uͤber die Wichtigkeit der hbem Grände zu erkennen, aus welchen eine Dispenz von der gug zweiten Verkuͤndigung nachgeſucht wird, und worunter eine dringende Abreiſe wohl die häufigſte iſt. Es iſt aber nicht erforderlich, daß dieſe Grkende in der Dispenz angefuͤhrt sn werden, und der Beamte des Eivilſtandes durfte ſich nicht tkin⸗ auf den Art. 169 berufen, um einer Dispens den Gehorſam s ſind. zu verweigern, worin die Grunde nicht bemeldet waͤren; h, w die Achtung fuͤr die Sittlichkeit erlaubt ſogar zuweilen deren den Anfuͤhrung nicht, z. B. in dem Falle, wo ſie wegen der mnn⸗ nahen Niederkunft der Braut nachgeſucht wuͤrde. In jedem ines Falle aber hat der Kaiſerliche Prokurator dem GrosRichter, hon Miniſter der Gerechtigkeits Pflege, über die Beweggruͤnde ſei⸗ iun ner Bewilligung Rechenſchaft abzulegen⸗(Beſchluß vom 20 Kſ Praitial 11. Art. 3) 7) Der Beamte des Eivilſtandes ſetzt die VerkuͤndigungsAkte, fin. nach den in einfachen, ihm von den Partheyen einzuhaͤndi⸗— ance genden, Noten enthaltenen Angaben auf, ohne berechtigt zu 200 ſein, vor der Aufſetzung des HeurathsAktes ſelbſt die Be⸗ ſcheinigung dieſer Angaben durch authentiſche Akte zu fordern und die Verkuͤndigung ſo lange aufzuſchieben.(Gutachten des Staatsraths vom 30 May 1808.) Doch hat er in dieſem Falle, wie in jedem andern, das Recht zu verlangen, daß die Partheyen, falls er ſie nicht kennt, ſelbſt bei ihm erſcheinen, oder, falls eine der Partheyen nicht in ſeiner Mairie domiziliirt iſt, daß ſie ihre Angaben unterzeichnet und legaliſirt einſende. „ Der Civil Beamte darf keine Verkundigung anderſt als auf Anſtehen beider Partheien erlaſſen, und er nuͤrde fuͤr die, auf ein einſeitiges Anſuchen, gemachte Verkuͤndigung gegen die andere Parthei im Civilwege verantwortlich ſein. Eben ſo darf er, ſobald eine der Parthehen ihm nach der erſten Verkuͤndigung erklärt, daß ſie zuruͤckzutreten geſonnen iſt, die zweite nicht mehr erlaſſen, weil eine Ehe, die nur mit Einwilligung beider Theile zu Stande kommen kann, nicht gegen den Willen eines deſſelben, der dieſe Ein⸗ willigung ferner nicht zu ertheilen geſonnen iſt, dem Publi⸗ kum bekannt gemacht werden kann. 8. 57. Wird irgend einem der Beamten des Civilſtandes, welche die Verkuͤndigungen erlaſſen haben, ein Einſpruch zugeſtellt, ſo muß, bis dahin er zurückgezogen oder un⸗ és gultig erklärt worden iſt, mit dem Abſchluß der Ehe ein⸗ 69 gehalten werden. Iſt, was durch Zeugniſſe jener Veam⸗ ten etwieſen werden muß, kein Einſpruch geſchehen, ſo 6* kann am dritten Tage nach dem der zweiten Verkündigung, dieſen letzten nicht einbegriffen, zum Abſchluß der Ehe ge⸗ ſchriten werdenj iſt aber während einem Jahre, von be⸗ e e zu fichen Gunn it i ering, i hn in ſin ihnen a uf fir bi, 9 gegen Eten r etſten n iſt, ut nit , ieſt bin n Pull⸗ ſtandei, inſpnc der U 6he in Beun⸗ hin, digurh bhe hu vonbe 207 ſagtem dritten Tage an zu rechnen, der Akt der Ehe nicht errichtet worden„ſo kann er eher nicht als nach neuen Verkuͤndigungen aufgenommen werden. Von jedem Einſpruch, der auf dem Original und der Abſchrift von dem Opponenten oder dem Inhaber ſeiner authentiſchen Spezial Vollmacht unterzeichnet ſein muß, muß auf dem Regiſter der Verkundigungen Meldung geſchehen; am Nande dieſer Anmerkung der Oppoſition muß der Akt oder das Urtheil angemerkt werden, wodurch dieſe aufgehoben oder freigegeben worden iſt. Locre, II. 116 u. ff. Maleville I. 132. VerbalProzeſſe von den angefuͤhrten Tagen. Titel IV des Geſetzes vom 20 Sep⸗ tember 1792. Gutachten des Staatsraths vom 4 Pluvioſe 12. Dé- cisious notables de la cour d'appel de Bruxelles, XIII*p. 43. 1) Der Beamte des Civilſtandes hat durchaus keine Jurisdik⸗ tion, er iſt das bloſſe Inſtrument der Partheyen; jeder Einſpruch, ſelbſt wenn er ſich auf keine der von dem Ge⸗ ſetz zuläßig erklärten Urſachen gruͤndet, oder wenn er ſogar von jemand geſchehen waͤre, dem das Geſetz dieſe Befugniß gradezu verweigert, bindet ihm die Haͤnde, indem er weder uͤber die Guͤltigkeit der Oppoſitions Gruͤnde noch uͤber die Qualität der Partheyen zu erkennen hat. Das neue Geſetz iſt darin weit konſequenter als die gegentheilige Verfuͤgung des Geſetzes von 1702. 2) In Hinſicht auf die Fragen, welche Gruͤnde zum Ein⸗ ſpruch berechtigen und welche Perſonen dazu berech⸗ tigt ſind, mäſſen wir unſere Leſer gleichfalls auf den Ti⸗ tel: von der Ehe, verweiſen. Hier kann nur von der Form der Oppoſition die Rede ſein. 3) Es giebt jedoch Fälle, wo, obgleich keine Oppoſition einge⸗ legt worden, der Beamte des Civilſtandes den Abſchluß 65 66 202 der Ehe dennoch verweigernkann undmuß, nämlich wenn die . Partheyen die durch die Art. 70, 77, 73 und 75 vorgeſchrie⸗ bene Akte nicht beigebracht haben oder ſich in einem der von den Art. 144, 147, 161 und 163 vorgeſehenen Fäl⸗ vlen beſinden. Unter den Hinderniſſen der Ehe ſind eini⸗ ge, uͤber welche der Beamte des Civilſtandes nicht wohl in Unwiſſenheit ſein kann, z. B. der Abgang des Alters, an⸗ dere, welche er oft nicht anderſt als zufaͤllig erfahren kann, 3 B. eine fruͤhere vor einem andern Civil Beamten abge⸗ 4 ſchloſſene Ehe. So oft er von einem ſolchen Hinderniſſe unterrichtet iſt(doch wurde ein bloſſes von Beweiſen entblöß⸗ tes Gerkcht ihn nicht zur Verweigerung ſeines Amtes berechti⸗ tigen) muß er die Aufſetzung des Heuraths Aktes verweigern. Im Falle einer ungegruͤndeten oder willkuͤhrlichen Weigerung von ſeiner Seite kann die Parthei ihn vor den Richter vor⸗ laden laſſen, um derſelben ein Ende zu machen. Es bedarf dazu keiner Ermächtigung des Kaiſers, weil er in ſeiner Ei⸗ genſchaft als Beamter des Civilſtandes und nicht als Maire gder Agent der Regierung vorgeladen wird,(Gut⸗ achten des Staatsrathes vom 4 Pluvioſe 12) und er kann allerdings ſogar zur völligen Entſchädigung der Partheyen verurtheilt werden, wenn ſeine Weigerung nur die Wirkung des Eigenſinns, einer perſönlichen Feindſchaft, oder gar einer ſträflichen Connivenz mit ſolchen Perſonen, die ein Intereſſe haben die Heurath ruckgängig zu machen, geweſen wäre. 8) Wie aber, wenn der Civi Beamte verurtheilt worden, eine Ehe zu verkundigen oder einen HeurathsAkt aufzuneh⸗ men, und dennoch auf ſeiner Weigerung beharrt, auch die Verurtheilung in Schadloshaltungen wegen ſeiner Inſolvenz ohne Wirkung iſt? Da die Tribunalien nicht mehr, ſo wie 203 ehodem die Gerichtshöfe den Pfarrern in ähnlichen Fällen ihin ihre temporelle Gebühren ſequeſtrirten, den Maires, wel⸗ 5 che unbeſoldet ſind, ihre Emolumente einziehen koͤnnen, eine * i ſolche Maasregel auch ein Eingriff in die Rechte der Ver⸗ nd tiſi⸗ peenehen waͤre, ſo haͤtte die Parthey das Urthei uchl dem Prefekten des Departements vorzulegen, welcher einen c, m andern Beamten des Civilſtandes zu kommittiren nicht er⸗ hm mangeln wurde, um demſelben Genüge zu leiſten.— ih 6) Die Publikationen verjähren in einem Jahr, damit man denſt nicht veraltete und vergeſſene Publikationen benutzen könne, utih⸗ um guf ſpaͤtere Thathmſtaͤnde gegruͤndete Sppoinnen zu ercht⸗ vermeiden. igern. 7) Die authentiſche Vollmacht, von welcher der Art. 66 ſpricht, erung muß vor Notarien und Zeugen errichtet ſein. Wird ſie im ⸗ Austande ertheilt, ſo muß die Unterſchrift des Notars von buf der LokalBehörde, die dieſer letzten von der Landes Regierung u b⸗ und die der Regierung von dem frantöſiſchen diplomatiſchen Rnitz Agenten legaliſiet ſein. Gn 8) Man findet in der Diskuſſion(VerbalProzeß vom 14 Fruk⸗ r inn tidor 9) die Eroͤrterung der Frage: ob die Oppoſitionen fer⸗ tchyin nerhin wie unter dem Geſetz von 1792 die Anfuͤhrung der zrkn Gruͤnde, wörauf der Einſpruch ſich ſtzt, enthalten muſſen. reint Sie ward verneinend betntwortet a) weil der Beamte ntuſt des Eivilſtändes uͤber die Guͤltigkeit dieſer Gruͤnde nicht mehr te zu erkennen hat, b) weil der Opponent dieſe Verfuͤgung orden, durch die Angabe falſcher Gruͤnde leicht umgehen könnte, c) 8 iun⸗ 8 weil oft eine Oppoſition nur in der Abſicht eingelegt wird, um 4 di Zeit zu gewinnen, und die Leidenſchaften abzukuͤhlen, ohne en ſich auf einen peremptoriſchen Grund zu ſtuͤtzen, dh) weil dpi endlich die Publizität dieſer Gruͤnde ihr Andenken verewigen 204 und durch die daraus entſtehende Erbitterung der Partheien die Ausſoͤhnung erſchweren wuͤrde. Ohngeachtet die Frage im Allgemeinen aufgeſtellt und erortert ward, ſo beſchraͤnkt der Art. 176 dieſe Entſcheidung doch ausdruͤcklich auf dieie⸗ nige Oppoſitionen, die von Aszendenten eingelegt werden. 9) Die Ehe kann demnach nicht eher als am Mittwoch nach der zweiten Verkuͤndigung abgeſchloſſen werden. Der Be⸗ ſtimmtheit, womit der Art. 64 abgefaßt iſt, ohngeachtet, haben dennoch einige franzoſiſche Rechts Gelehrte behauptet, erſt am Donnerſtag könne der HeurathsAkt aufgenom⸗ men werden; der GrosRichter JuſtitMiniſter ſah ſich da⸗ durch veranlaßt, an die Herausgeber der décisions nora- bles de la Cour d'appel de Bruelles, welche dieſe Meinung zu vertheidigen ſchienen(Xlll p. 43), ein Schreiben zu erlaſſen, um ſie einzuladen, dieſen Irrthum, der viele Familien beunruhigen könnte, zu berichtigen, indem die deutliche Verfuͤgung des Art. 64 gar keinem Zweifel Raum gebe, daß die Ehe am Mittwoch guͤltiger Weiſe ab⸗ geſchloſſen werden koönne. 10) Die Oppoſition kann ſowohl durch ein Urtheil freigegeben werden, welches alsdann dem Beamten des Civilſtandes durch einen Huiſſier zugeſtellt werden muß; oder ſie kann auch freiwillig zuruͤckgenommen werden, in welchem Falle der desfallſige Akt dem Beamten ohne offizielle Notifikation eingehaͤndigt werden kann. Soollte derſelbe jedoch ein Akt unter PrivatUnterſchrift ſein, ſo muß der Beamte des Ci⸗ vilſtandes, um Falſa zu verhindern, wenigſtens darauf be⸗ ſtehen, daß die Unterſchrift, wenn ſie nicht in ſeiner Gegen⸗ wart beigeſetzt worden, legaliſirt werde, indem er ihr ſonſt 205 keinen Glauben beimeſſen kann. Hat ein Urtheil die Oppo⸗ uhun ſition freigegeben, ſo darf er nicht cher zum Abſchluß der Ehe 7 ſchreiten, als nachdem das Urtheil entweder durch den Ab⸗ S Lauf der Oppoſitions⸗und AppellationsFriſten in Rechtskraft e erwachſen, oder in der Appellations Inſtanz beſtaͤtigt worden iſt, es ſei denn, daß der Sukkumbent ſich ihm freiwillig unterworfen hätte, in welchem Falle der Akt dieſer Unterwer⸗ 8. b⸗ fung(acte qacquiescement) der Zuſtellung des Urtheils anzuheften 8 6 uſnn Der Heuraths Akt ſelbſt wird ſit i 4 von dem CivilBeamten des Wohnſitzes einer der ℳ Partheien, auf dem Gemeinde hauſe⸗ che dieſ p) öffentlich, 165 6) auſgeſetzt, und muß bewähren: Itthn 2 das Alter der Ehegatten, und ihre Identität mit 0,, 97 3 denjenigen Perſonen, deren Ehe angekündigt wor⸗ m Zwet den iſt; r Piſit⸗ 2) ihre gegenſeitige Einwilligung; 3) die derjenigen Perſonen, unter deren Gewalt ſie, ſrnn rückſichtlich auf die Ehe, ſtehen; Griſn P die Verkundigungen, welche der Ehe vorherge⸗ n ſi* gangen ſind; hen ſ 5) die Gegenwart von vier Zeugen, die Aeltern oder Pitun Aszendenten der Ehegatten, deren Einwilligung oh in zur Ehe erforderlich iſt, welche ſie gewoͤhnlich im un d b⸗ Art ſelbſt ertheilen, nicht einbegriffen; ft 6) daß keine Oppoſition eingelegt werden, oder daß„, iun bi tie, welche eingelegt worden, wieder aufgehoben nin ſi oder freigegeben worden; 206 Die Erklärung des öffentlichen Veamten, daß die Ehegatten miteinander vereinigt ſind. Er muß anfuͤhren: a0 die Vornamen, Namen, den Wohnort und das 75 Gewerbe der Aeltern der Ehegatten, 36 b) die ehrfurchtsvolle Anfragen, wenn deren ſtatt gehabt haben, e) die Vornamen, das Alter, den Wohnort und das Gewerbe der Zeugen, und ihre Erklärung, ob ſie den Partheien verwandt oder verſchwägert ſiud, von welcher Seite und in welchem Grade. Der Akt einer von einem Franzoſen im Auslande ab⸗ geſchloſſenen Ehe muß, er mag nun in der dort üblichen Form oder in der franzöſiſchen Form von einem diploma⸗ tiſchen Agenten aufgenommen worden ſein, in einer drei⸗ monatlichen Friſt, von der Rückkehr des Franzoſen in ſein Vaterland an zu rechnen, auf das Regiſter des Civil⸗ ſtandes des Ortes, wo er ſeinen Wohnſitz hat oder nimmt, eingetragen werden. Loere, II. 131 u. ff. VerbalProzeſſe von den angeführ⸗ ten Tagen. Geſetz vom 20 September 1792. Gutachten des Staats Raths vom 4 Thermidor 13,(in meiner Ueberſetzung des Codex Rapoleon, S 44.) und vom 30 May 180g.(Annalen der Geſetzgebung Napoleons a. a. O.) 1) Die Verfuͤgung des Art. 74 entſpricht dem Edikt von 1697 und der Deklaration von 1639, welchen zufolge auch nur der eigene Pfarrer einer der Partheyen die Ehe einzuſegnen berechtigt war. Doch konnte dieſer einen andern entfernte⸗ ren delegiten„um an ſeiner Stelle die Trauung vorzuneh⸗ men, eine Befugniß, welche den Beamten des Civilſtandes nicht zuſteht. Dem Art. 75 zufolge muß der Akt auf dem btt Gemeinde Hauſe errichtet werden; im Staatsrath fand uber die Frage, ob nicht in dringenden Fällen der Beamte des Civilſtandes befugt ſein ſolle, entweder mit oder ohne u bu beſondere Erlaubniß der höhern Gewalt die Ehe an einem andern Orte abzuſchlieſſen,(VerbaProzeß vom 14 Fruktidor in ſin 9, 1. 164 u. ff.) eine lange Diskuſſion ſtatt, deren Reſul⸗ tat war, daß dieſe Entſcheidung bis zur Diskuſſion des Ti⸗ undbui tels: von der Ehe, ausgeſetzt ward. Dort iſt ſie implicité „ob ſi dahin entſchieden worden, daß der Beamte des Civilſtandes, t ſid, ohne daß es dazu einer Autoriſation bedarf, berechtigt iſt, ſich in allen Fällen, wo die zukuͤnftige Ehegatten ſich nicht de ab⸗ füglich auf das Gemeinde Haus begeben können, den Heu⸗ blichen raths Akt an jedem andern Orte aufzunehmen, ohne daß loma⸗ dadurch die Ehe ungultig wurde, vorausgeſetzt, daß ſie mit t drei⸗ der erforderlichen Publizitaͤt, welche nicht in dem Orte in ſi der Celebration, ſondern in den vorherigen Verkuͤndigungen, Cll⸗ der Gegenwart der Zeugen und dem Eintrag' auf die Regiſter des Civilſtandes beſteht, abgeſchloſſen werde. nmt 2) Es bedarf wohl der Wiederhohlung nicht, daß der bür⸗ ngefiht gerliche Kontrakt der Ehe von dem religidſen ganz unab⸗ en be hängig iſt, und die Civi Geſetgebung nur auf den erſten * Ruͤckſicht nimmt. Doch darf, wie bereits oben bemerkt, ſtaatsrechtlichen Verordnungen zufolge, kein Pfarrer und 1n kein Rabbiner einer Ehe die kirchliche Einſegnung er⸗ theilen, er habe ſich denn vorher den Beweiß von dem wirk⸗ in lichen Abſchluß der Ehe vor dem Beamten des Civilſtandes un vorlegen laſſen, eine PolizeiVerfuͤgung, welche vorzuglich in uneh⸗ Staaten, wo die franzöſiſche Geſetzgebung neuerdings einge⸗ fuhrt wird, um ſo nothwendiger iſt, weil ſonſt Gewohnheit und Abneigung vor Neuerungen die Partheyen verleiten 208 könnte, ſich mit der kirchlichen Einſegnung zu begnuͤgen, welche jedoch ihrer Vereinigung weder den Charakter einer guͤltigen Ehe, noch ihren Kindern den Stand als eheliche Kin⸗ der, ertheilen kann. 3) Die Partheyen haben, nach Ablauf der dreitägigen Friſt von der zweiten Publikation an, den Tag des Abſchluſſes der Ehe, der Beamte des Civilſtandes aber die Stunde zu beſtimmen. Die Geburtsſcheine der Ehegatten werden aus einem doppelten Grunde erfordert: a) als Beweiß ihrer Identität mit denjenigen Indivi⸗ duen, deren Ehe verkundigt worden iſtz b) um ſich ihres Alters zu verſichern, 1) um zu beurtheilen, ob ihnen uͤberhaupt die Ehe erlaubt iſt; 2) ob ſie ſich in Hinſicht auf die Ehe noch unter der Gewalt Anderer befinden. 4 um die Ehen zu beguͤnſtigen, begnügt ſich jedoch das Geſetz, in Ermangelung von Geburtsſcheinen mit einem Akt der Of⸗ fenkundigkeit, der von dem FriedensRichter des Geburts⸗ Ort es oder des Wohno rte 8, gleichviel von welchem, auf⸗ genommen wird; es iſt jedoch wohl zu bemerken, daß die⸗ ſe Ausnahme von der allgemeinen Regel des Art. 46 nicht auf jeden Fall ausgedehnt werden kann, wo die Beibrin⸗ gung des GeburtsAktes unmöglich oder mit groſſen Schwie⸗ rigkeiten verbunden ſein wuͤrde. Der Zweck, weshalb bei Ehen die Vorlage des GeburtsAktes erfordert wird, kann auch durch einen Akt der Offenkundigkeit erreicht werdon, und die Gunſt, welche die Ehen verdienen, bewog daher den Geſetzgeber, einen andern Beweiß zuzulaſſen, der jedoch in andern Fällen, z. B. in einem SucceſſionsFalle, nicht zu⸗ 209 iin laͤßig ſein wuͤrde. Zugleich hat es jedoch die Tribunalien tuktr in mit der noͤthigen Gewalt bekeidet, um jeden Misbrauch, den heihe u man von der durch den Art. 71 ertheilten Befugniß machen könnte, zu verhindern, und den Kaiſerl. Prokuratoren eine inſi beſondere Aufmerkſamkeit eingeſchärft(Art. 72). Die ur⸗ Aiſhuſ theile, welche die Tribunalien in ſolchen Fällen erlaſſen, ſind Sune n immer der Appellation unterworfen,(Art. 56) und jeder, der werden u ein Intereſſe dazu hat, kann in der Inſtanz interveniren, um ſeine Einwendungen gegen die Beſtaätigung des Notorie⸗ n ili taͤts Aktes vorzubringen. Findet keine Intervention ſtatt⸗ ſo iſt das oͤffentliche Miniſterium der geſetzliche Kontradiktor des Homologations Geſuchs; wird jedoch dieſes verworfen, ſo t die Ghe kann die Appellation nicht gegen den Kaiſerl. Prokurator bei dem Tribunal erſter Inſtanz eingelegt und er als Ap⸗ unt de pellat vor den Appellhof berufen werden, weil derſelbe nicht als Parthie ſondern nur im Namen des Geſetzes im Re⸗ ds Giſt quiſitionswege in ſolchen Inſtanzen auftritt, ſondern die Ap⸗ Utt a pellation wird durch eine einfache Vorſtellung an den Ap⸗ Geburts pellationshof eingefuͤhrt, wo wieder der Kaiſ. GeneralPro⸗ chen kurator der geſetzliche Kontradiktor des Appellanten iſt. Eben ,Mi ſo wenig hat der Kaiſ. Prokurator das Recht, zu appelliren, t 6 n falls der Akt, ſeinem Antrag zuwider, beſtätigt worden iſt. je Bit 5) Die Einwilligung der Aeltern muß durch einen authenti⸗ in Sihni⸗ ſchen Akt ertheilt werden;(Art. 73) wenn die Aeltern an⸗ nhut i weſend ſind, ſo wird dieſe Einwilligung, um die Koſten ei⸗ itd, in nes beſondern Notariats Aktes zu erſparen, gewoͤhnlich in ht wehn, dem HeurathsAkt ſelbſt ertheilt. In keinem Falle aber duͤr⸗ u n fen diejenige, deren Einwilligung zur Ehe erforderlich iſt, wrj da ſie ſelbſt bei dem Akte betheiligt als Zeugen in „nitp demſelben auftreten. Das Geſetz verlangt uͤbrigens die Ein⸗ * 14 — 210 willigung beider Aeltern, und ohngeachtet im Falle ſie ſich nicht vereinigen können, die des Vaters hinreicht, iſt es doch dem Geiſt und dem Buchſtaben des Geſetzes ange⸗ meſſen, beide in dem Akt erſcheinen zu laſſen, oder von dem Umſtand, daß die Mutter die ihrige verſagt hat, Mel⸗ dung zu thun. 6) Ueber den Vollzug obiger Verfuͤgungen hatten ſich mehrere Schwierigkeiten erhoben, «) weil oft die Ehegatten ſich in der Unmoglichkeit befanden, die SterbAkte ihrer Aeltern oder GrosAeltern beizu⸗ bringen, wenn dieſelbe in der Entfernung, oft an ihnen ganz unbekannten Orten(ein Fall, der bei SeeLeuten, Soldaten ꝛc. ꝛc. und uͤberhaupt unter den gemeinen Ständen nicht ſelten iſt) verſtorben waren. 3) wenn in den SterbAkten die Namen der Aeltern anderſt als in den Geburts Akten ihrerKinder geſchrieben waren, oder in den letzten den Aeltern mehr oder weniger Vor⸗ namen als in den erſten beigelegt wurden. Was den erſten Fall betrifft, ſo hatte man ſich entweder ſtreng an der Regel des Art. 46 zu halteh; oder aus Analogie des Art. 70 ſich mit einer nach der Vorſchrift dieſes und des folgenden Artikels aufge⸗ nommenen Notorietaͤts Akte, oder aber gar mit der bloſſen Erklaͤrung von Zeugen zu begnuͤgen. Bei Entſcheidung dieſer Frage iſt man von folgenden Grund⸗ ſaͤtzen ausgegangen: 2) Die SterbAkte der Aeltern Mcdin erfordert, um ſich zu verſichern, ob der zukuͤnftige Ehegatte ihre Einwilligung beibringen, oder eine ehrfurchtsvolle Anfrage an ſieerlaſſen muß; ſie ſind daher mehr oder minder weſentlich, je nach⸗ dem derſelbe grosjährig oder mindarjaͤhrig iſt, indem die de 2TT ßühſ Unterlaſſung der ehrfurchtsvollen Anfrage die Ehe nie, eiht, i(wohl aber der Abgang der älterlichen Einwilligung) un⸗ un gultig macht. cher un 2) Sind die Aeltern verſtorben, ſo iſt die Einwilligung der t, M GrosAeltern hinreichend. Ein Einverſtändniß der Enkel mit den GrosAeltern, um die väter liche Gewalt zu um⸗ mhrn gehen, ſteht einestheils weder zu befürchten und wuͤrde anderntheils in der Ausfuͤhrung unendlichen Schwierigkei⸗ ten unterworfen und dennoch von keiner Wirkung ſein, efanden indem die Ehe auf das erſte Anrufen der Aeltern unbe⸗ eſt n dingt nichtig erklärt werden muͤßte. bet i Demzufolge ward entſchieden; daß man ſich a) mit dem Zeugniſſe niche der GrosAeltern uͤber den Tod der Aelternz ⁵) mit der eidlichen 3 Erklärung der grosjährigen Ehegatten und der Zeugen des m HeurathsAktes uͤber den Tod der Gros Aelterh und die Unmoͤg⸗ h lichkeit, ihren SterbAktbeizubringen, zu begnugen habe. Gpe achten des Staatsr. v. 4 Therm. 13) Iſt in dem zweiten dieſer Fäͤlle der Ehegatte minderjährig, ſomuß freilich die Ehe bis nach erreichter Grosjährigkeit aufgeſchoben werden, wenn anderſt nicht der Beweiß des Abſterbens erbracht halt werden kann, oder ein jugement de declarution d'ab- ch dr ence vorgelegt wird, in welchem Falle die Einwilligung ul⸗ des Familien Raths hinreichend ſein wuͤrde.. nii 2 In dem Falle, von welchem hieroben ltt. 5 Meldung Gun geſchieht, glaubten viele Beamten des Civilſtandes, daß eine Berichtigung der von einander abweichenden Ak⸗ te auf dem Regiſter des Civilſtandes durchaus erforder⸗ ſüh ich ſei. Da dieſe aber nur kraft eines Urtheils geſchehen im kann, ſo war dieſe Maasregel mit Unkoſten fuͤr die Par⸗ uliſn theyen verknuͤpft; es ward daher entſchieden: daß man ſich, dem Recht jedes Dritten ohnbeſchadet, gleichfalls mit e 212 — dem Zeugniß der Aeltern oder GrosAeltern, des Familien⸗ raths, des Vormunds und der Zeugen des HeurathsAktes begnuͤgen könne. Gutachten des Staatsraths vom 30 May 1806.) 7) Die Vorſchrift des Art. 170 hat zum Zweck, den Franzo⸗ ſen, der nach den Geſetzen ſeines Vaterlandes zur Ehe unfä⸗ hig waͤre, zu verhindern ſich im Auslande zu verehlichen; der Art. 171 hingegen will, daß derjenige, der ſich im Aus⸗ lande verheurathet hat, dieſe Verbindung ſeinem Vaterlande, das ſie zu garantiren ſchuldig iſt, bekannt mache. Da dieſe Formalitaͤt nicht allein zum Beſten der Partheyen ſelbſt ge⸗ reicht und vorgeſchrieben iſt, ſondern auch von jedem Be⸗ theiligten(ihren Deszendenten, Erben ꝛc. ꝛ6.) erfullt werden kann, ſo därfte der Fall, wo ſie unerfuͤllt bliebe, wohl äuſ⸗ ſerſt ſelten ſein. Die Frage, ob, falls er ſich dennoch ereig⸗ nen ſollte.,die Ehe dadurch ungultig wuͤrde, wird im Ti⸗ tel: von der Ehe, erortert werden. 8) Die Att. 76 und 77 enthalten folgende Abweichungen von dem Art. 9, Titel 20 der Ordonnanz von 1667, dem Art. 7 der Deklaration von 1736 und dem Geſetz von 1792, mit deren Verfuͤgungen man ſie zu vergleichen hat: 4) iſt der Vorzug, welchen die fruhere Geſetzgebung den Zeugen, welche ſchreiben konnten, vor denen, die es nicht konnten, ertheilte, aus dem Grunde abgeſchaft worden, weil er in den untern Klaſſen der Geſellſchaft oft die nächſte Verwand⸗ ten von den Akten ausſchloß; ⁵) hat der Coder die Vorleſung der beigebrachten Beweißſtuͤcke, c) die des Kapitels 6 des Titels von der Ehe, 4) die Anfuͤhrung der Akte der Ein⸗ willigung der Aeltern und der ehrfurchtsvollen Anfrage vor⸗ geſchrieben, die durch die fruͤhere Geſetze nicht verordnet war. miin hellit von zo Finp he uf hlichn m Au terlude, M diß löſt g m Be wetden h iuß i im Ti⸗ geh bn en A , %ſ Zeuhn, konnn, il et n zerwin poriſin 6 6 6 et bin e ben netun 213 Vierter Abſchnitt. Von den SterbAkten. §. 59. Jeder Sterbfall muß durch zwei Zeugen, welche durch ihre Verhältniſſe mit dem Verſtorbenen von dem Todes⸗ fall unterrichtet ſein muſſen, dem Beamten des Civilſtan⸗ des veranzeigt werden, der, nachdem er ſich von dem Sterbfalle verſichert hat, den SterbAkt aufſetzt und die Erlaubniß zur Beerdigung ertheilt. Beſondere Vorſichts Maasregeln ſind in folgenden Faͤllen vorgeſchrieben, um das Faktum des Abſterbens zu bewäh⸗ ren, und die Kenntniß davon in den Wohnſitz des Ver⸗ ſtorbenen gelangen zu laſſen: nämlich: im Falle eines Sterbfalls in buͤrgerlichen und Mi⸗ litair Hospitälern, ſowohl ſolchen, die an demſel⸗ ven Orte bleiben, als ſolchen, die ambulirend ſind; in dem von Sterbfällen in Gefängniſſen und öffentli⸗ chen Anſtalten; eines gewaltſamen Todes; einer Hinrichtung; des Abſterhens waͤhrend einer SeeReiſe, von Sterbfällen bei der Armee und in ArmeeHospitälern. 2ocre, II. 136. VerbalProzeß vom 14 Frukt. 9. Dekret vom 4 Therm. 13. Tit. 30 der Oedonnanz von 1667, Deklaration von 1736 und Geſetz vom 20 September 1792. Art. 2 und 6 des Ti⸗ tels 3 des I Vuchs der MarineOrdonnanz vom 5 Sept. 1712, 4) Auſſer den Verfuͤgungen, welche auf die Art, die Todes⸗ Faͤlle zu bewähren, Bezug haben, enthaͤlt das einſchlägige Kapitel des Koder noch einige PolizeVerfͤgungen.(rt. 77 und 31) Der Vollzug der erſten iſt ſeitdem durch ein Kaiſerliches 73 77 80 84 31, 83 83 86, 39 96, 97 —.————————————————————— 214 Dekret vom(4 Thermidor 13) 20 Julius 1805,(ſiehe meine Ueberſetzung des Codex Napoleon S. 26) verſichert worden. Vergleicht man mit dem angefuͤhrten Artikel und dem beſagten Dekrete das Dekret vom(23 Prairial 12) 12 Junius 1802, ſo erhaͤlt man eine vollſtaͤndige Ueberſicht der franzöſiſchen PolizeiVerfugungen in Hinſicht auf die 8 e⸗ erdigungen. 2) Unter der allgemeinen Benennung: oͤffentliche Anſtal⸗ ten, ſind auch offentliche ErziehungsPenſionate, z. B. Lyzeen, die Prytaneen, zu verſtehen, ſo wie die Worte: gewaltſamer Tod auch den Selbſtmord begreifen. Die Form des in dieſen Fällen zu errichtenden VerbaProzeſ⸗ ſes, zu deſſen Abfaſſung in jedem Fall ein Geſundheits Be⸗ amter berufen werden muß, wird durch die peinliche Geſetz gebung regulirt. 3) Man hatte einen Artikel in Betreff der SterbAkte ſolcher Perſonen, welche in einer Feuersbrunſt, einem Schiffbruch, einem Erdbeben oder ſonſtigen Ereigniß dieſer Art das Leben verlohren haben wuͤrden, in Vorſchlag gebracht. Derſelbe ward beſeitigt, weil uͤber dieſe Fälle im Titel: von der Ab⸗ weſenheit verfügt iſt. Es iſt jedoch wohl zu bemerken, daß die Verfügungen dieſes Titels nur dann ihre Anwen⸗ dung finden, wenn keine Zeugen des Sterbfalls, keine Gewißheit des Todes, vochanden ſind. Wäre dies der Fall, ſo kann der SterbAkt um ſo ohngezweifelter auf ihre Erkläͤrung aufgenommen werden, weil der Art. 77 die Beſichtigung der Leiche(welche ohnehin beinahe nie ge⸗ ſchieht) nur vor der Ertheilung der Erlaubniß zur Beerdi⸗ gung, nicht aber vor der Abfaſſung des SterbAktes verord⸗ net. (i ſicht un 2) 12 cht e e 8 k nſtah 1.. ßort: eifen. wzeſ sBe⸗ eſeh⸗ ſocher ich, Lehn etſele Al⸗ erken, nnm fals, dis t uf di ge rdi⸗ toti⸗ 215 §. 60. Der Sterb Akt muß bewaͤhren: 1) das Faktum des Abſterbens, 2) Vor⸗und Zu Ramen, Alter, Gewerbe unb Wohn⸗ ort des Verſtorbenen, 3) die Epoche des Sterbfalles. Er muß anfuͤhren: a) die Vornamen und den Familien Namen ſeines Ehegatten, falls er verheurathet oder verwittwet war; 3) die Vor⸗und ZuNamen, das Alter, das Gewerbe und den Wohnſitz der Deklaranten(oder Zeugen) und, falls ſie dem Verſtorbenen verwandt oder verſchwägert ſind, den Grad der Verwandtſchaft; ſo viel man wiſſen kann, die Vor und Zu Namen, das Gewerbe und den Wohnort der Aeltern des Verſtorbenen, und den Ort ſeiner Geburt; d) Der SterbAkt eines Kindes, deſſen Geburt nicht eingetragen worden, die Erklärung der Zeu⸗ gen uͤber den Ort, den Tag und die Stunde, wo das Kind den Schboß der Mutter verlaſſen hat. Auſſerdem darf der SterbAkt uicap keine weitere Anfuͤhrungen enthalten. Faiſerliches Dekret vom 4 Julius 1806.(Meine Ueberſetzung des Codex Napoleon. S. 560.) Pfeiff er Nap. Geſetzbuch ꝛc. T. 39. 1) Der Beweggrund dieſes Verbotes iſt, um nicht durch die Verewigung des Andenkens eines infamirenden Todes das Vorurtheil, welches die Familie verfolgt, zu naͤhren. Die Verf⸗ der pandeetes Vanpaises(I. 390) hatten es raͤthlicher 79 216 gefunden dieſes Vorurtheil zu unterhalten, wegen den heil⸗ ſamen Wirkungen die es hervorgebracht haben ſoll! 2) Siehe die Anmerkung Nro. 6 zu dem 5 5. 3) Ohngeachtet der Art. 76 nicht befiehlt, den Tag des Todes anzufuͤhren, ſo muß dennoch nicht allein dieſer Tag ſondern ſogar die Stunde des Todes bemerkt werden, weil das Schickſal einer Erbſchaft davon abhaͤngen kann. Zwar wird von Pfeiffer(a. a. O.) behauptet, die Anmerkung des Tags und der Stunde des Sterbfalls lieſſen ſich nur als Cau⸗ tel anrathen, nicht aber zur Vorſchrift erheben, weil das Geſetz ſie nicht ausdruͤcklich vorſchreibe; allein da es der Hauptzweck des Aktes iſt, das Faktum und die Epoche des Abſterbens zu beſtimmen, ſo gehort die Anfuh⸗ rung des Tages wenigſtens doch wohlzum Weſen des Aktes. Die Abſicht des Geſetgebers läßt ſich uͤbrigens aus den Art. 34 und 57 deutlich erkennen, denn es iſt doch ſicher weſent⸗ licher die Stunde des Sterbfalls zu kennen, als die Stunde, in welcher er dem Beamten des Civilſtundes veranzeigt wor⸗ den. Nichtig wuͤrde freilich ein SterbAkt deshalb nicht ſein, weil die Stunde nicht darin angefuhrt wäre, eben ſo wenig alsdann, wenn der Tag nicht angemerkt wäre. Siehe Note 1 zu dem§ 33. 4) Eine verſpätete Erklärung des Sterbfalls iſt in gewohnlichen Fällen nach den im Kaiſerl. Dekret vom 4 Thermidor 13. enthaltenen Maasregeln nicht wohl denkbar. In auſſerge⸗ woͤhnlichen, z. B. im Falle der Art. 86, 96, koͤnnte der Beamte des Civilſtandes die Aufnahme der verſpäteten Er⸗ klärung eines Sterbfalls eben ſo wenig als die einer Geburt, verweigern. Siehe Note 2 zu dem 555. 217 Fuͤnfter Abſchnitt. Von EheſcheidungsAkten. Kein Beamter eines Civilſtandes darf einen Eheſchei⸗ g ſuhn dungs Akt anderſt als auf Anſicht des Urtheils, welches uil die Partheyen vor ihn verwieſen hat, um die Eheſchei⸗ uihn dung ausſprechen zu laſſen, aufnehmen. 6 1 Der Eheſcheidungs Akt muß bewähren: 1) die Namen, Vornamen, das Gewerbe und den 264 Wohnort der geſchiedenen Ehegatten; len u 2) den Tag der Abfaſſung des Aktes; 366 53 3) die Gegenwart und den Antrag desjenigen Ehe⸗ nit gatten„ der die Eheſcheidung erwirkt hat, wenn 1tn ſie wegen einer beſtimmten Urſache ausgeſprochen ml worden iſt, und die dem andern ertheilte Vorla⸗ dung; die Gegenwart und den Antrag beider tweſut 394 Ehegatten, wenn die Eheſcheidung xis gegenſeitiger — Einwilligung nachgeſucht worden iſt; den Ausſpruch der Eheſcheidung durch den Be⸗ itn amten des Civilſtandes. ſun Er muß anfuͤhren: peut 1) den HeurathsAkt der geſchiedenen Ehegatten; 2) das Urtheil, welches die Eheſcheidung zuläſſig er⸗ ihn klaͤrt hat. ider 1 1) Sollte der Beamte des Civilſtandes eine Eheſcheidung ohne uſin⸗ Uurtheil ausſprechen, ſo wuͤrde ein ſolcher Akt zwar radikal nt de und abſolut nichtig ſein; dennoch aber könnte er nur durch un einen Ausſpruch der Gerichte, und nicht durch eine Verfuͤ⸗ Gehls gung der Verwaltungs Behoͤrde beſeitigt werden. 5 218 2) Das Geſetz erheiſcht die Gegenwart von Zeugen bei einem EheſcheidungsAkt nicht, weil dieſer Akt nur in Gefolge ei⸗ nes Urtheils errichtet wird. Er muß den Tag des Ausſpruchs der Scheidung bewaͤhren, weil die Guͤltigkeit der Scheidung davon abhaͤngt. Sech ſter Abſchnitt. Von Adoptions Akten. §. 62. Kein Beamter des Civilſtandes darf einen Adoptions Akt anderſt als auf Anſicht des Urtheils, welches die 35 tion zuläſſig erklärt hat, aufnehmen. 353 Jeder Adoptions Akt muß bewähren: 1) den Vor⸗und Zunamen, den Wohnort und das Gewerbe des Adoptanten und des Adoptirten. 2) Den Akt, der ihre gegenſeitige Einwilligung ent⸗ hält; 3) den Tag, an welchem der Akt auf die Sher eingetragen worden. Er muß anfuͤhren: 1) das Urtheil, welches die Adoption zugelaſſen hat; 2) Die Parthie, auf deren Antrag der Akt errichter worden. 1) Der Beamte des Civilſtandes darf ſich nicht begnuͤgen, den ⁵ Akt, der die Einwilligung der Partheien enthaͤlt, auf die Regiſter einzutragen, weil dem Art. 350 zufolge der Tag dieſer Inſcription beurkundet, und das urtheil, welches die Adoption zuläßig erklärt, angefuͤhrt werden muß, welches nur in einem beſondern Akte geſchehen kann. Die Gegenwart von Zeugen iſt auch hier nicht erforderlich. 6 1 gi in bi iun Bſh lujnt Shehn ionli Moy⸗ d das en. 3 et Regiſe n hu nichut M rhell, werden kin. erlich 219 Siebenter Ab ſchnitt. Von dem Akt der Anerkennung eines natürlichen Kindes. §. 63. Auſſereheliche Kinder, deren Anerkennung durch das Geſetz nicht verboten iſt, können auf eine dreifache Weiſe von ihren Aeltern anerkannt werden:* 1) durch eine, in den Geburts Akt eingeruͤckte, Erklaͤ⸗ rung; 2) durch eine ſpätere Erklaͤrung vor dem Beamten des Civilſtandes; 3) durch jeden andern authentiſchen Akt. Der Akt, welcher die Anerkennung enthaͤlt, muß un⸗ ter ſeinem Datum auf die Regiſter des Civilſtandes ein⸗ getragen und am Rande des Geburts Aktes des aner⸗ kannten Kindes angemerkt werden. Dieſer Akt muß bewähren: 1 1) die Erklärung des Vaters, der Mutter)„ daß er(oder ſie) dieſen oder dieſe fur ſeinen(oder ihren) Sohn oder ſeine(oder ihre) Tochter aner⸗ kennt. 2) Die Identität des anerkannten Individuums, mit demjenigen, das in dem GeburtsAkt bezeichnet iſt, (wenn anderſt einer vorhanden iſt oder die Anerken⸗ nung nicht im Geburts Akt ſelbſt geſchieht) Er muß anfuͤhren: 1) die Vor⸗und ZuNamen, den Wohnort, das Ge⸗ werbe des Indiv iduums, welches die Anerken⸗ nung macht; 2) die der Mutter, wenn der Vater die Anerkennung 334 335 63 220 macht, und die Mutter bereits durch den Geburts⸗ 5 Akt bekannt iſt;. 3) die des Vaters, wenn die Mutter die Anerken⸗ nung macht, und der Vater bereits durch eine fruͤ⸗ n bere Anerkennung bekannt iſt. 1) Die Anerkennung kann durch jeden authentiſchen Akt ge⸗ ſchehen; alſo durch eine vor Notarien, vor dem Friedens⸗ Richter oder jedem andern dazu qualifizirten öffentlichen Be⸗ amten abgegebene Erklaͤrung. Da ſie aber nur in einem authentiſchen Akt abgegeben werden kann, ſo folgt daraus: ) daß die Hinterlegung eines AnerkennungsAktes unter Pri⸗ vatUnterſchrift bei einem Notar dieſem Akt die Eigen⸗ ſchaft eines authentiſchen nicht ertheilen könne, indem die von dem Notar ertheilte Ausfertigung wohl in der Art authen⸗ tiſch ſein wuͤrde, daß ſie fur dem Original gleichlautend gehalten werden muͤßte, ohne jedoch dem Original den erfor⸗ derlichen Charakter der Authentizität mittheilen zu koͤnnen. 2) Daß der Vater(oder die Mutter) die Anerkennung zwar durch einen Bevollmaͤchtigten machen laſſen kann,(weil das Geſetz ihm dieſe Befugniß nicht unterſagt,) daß aber die⸗ ſer mit einer authentiſchen SpeziaVolmacht ver⸗ ſehen ſein muͤßte. 2) Geſchieht die Anerkennung vor dem Beamten des Civil⸗ u ſtandes, ſo pflezt man, wie zu dem GeburtsAkte, zwei Zeu⸗ gen zuzuziehen, weik dieſer Akt in der That die Ergaͤnzung des GeburtsAktes oder der buͤrgerliche GeburtsAkt des Kin⸗ 4 des iſt. Es bedarf wohl der Bemerkung nicht, daß zur An⸗ erkennung in der GeburtsAkte die perſönliche Gegenwart 6 des Vaters oder eine authentiſchen Spezial Volmacht— erforderlich iſt.. i en Gihn ie Mn ſch infi ſhen li n ßin utlichen ur in in lgt durn s untn) die G dem dien ltt auth bichlautn den et kimn unung in ,(veil i. uß ale ſ⸗ maht W nde i t, jwi Cninn kt be in d zu Gnn Wolmi 227 3) ueber die Frage, welche Kinder anerkannt werden können, ſiehe den Titel: von der väterlichen Gewalt. Achter Ab ſchnitt. Von Irregularitaten und Falſis in Akten des Civilſtandes, von Abaͤnderungen und Berichtigungen ſolcher Akte. 1n2 he6. Ein Beamter des Civilſtandes kann: 1) es unterlaſſen einen Akt auf die Regiſter einzuna⸗ gen, ein Blatt aus einem Regiſter ausreiſſen, oder einem Blatte in dem Regiſter ein anderes ſubſtituren; 2) einen Akt, anſtatt auf das Regiſter, auf ein ſie⸗ gendes Blatt eintragen; 3) bei der Abfaſſung der Akte ſelbſt ſich Auslaſſun⸗ gen, unrichtige Anfuͤhrungen, zu Schulden kom⸗ men laſſen, oder die vorgeſchriebene Formalitä⸗ ten G. B. in Hinſicht auf die Zahl und Eigenſchaf⸗ ten der Zeugen) auſſer Acht laſſen; 4) den von den Partheyen gemachtenErklaͤrungen falſche ſubſtituiren, oder im Einverſtändniß mit den Par⸗ theyen falſche Angaben in die Akte aufnehmen. Endlich kann ein Akt, ſelbft nachdem er dem Geſetz ge⸗ maͤß aufgenommen worden, 2) durch den Beamten des Ciiiſtandes. ) durch einen Dritten, ausgeriſſen, verfälſcht oder abgeaͤndert werden⸗ Jn allen dieſen Fällen iſt der Beamte des Civilſtandes oder der Aufbewahrer der(verfaͤlſchten oder verletzten) Re⸗ giſter den Betheiligten für jeden Rachtheil, der für ſie aus dieſen Falſis, Verletzungen der Regifter oder Ir⸗ 5⁰ 51 52 53 222 regularitäten entſtehen mag, im Civilwege verantwort⸗ lich, vorbehaltlich ſeines Ruͤckgriffs gegen die Urheber die⸗ ſer Verfaͤlſchungen oder Verletzungen, und der peinlichen Klagen wegen Unterdruͤckung des Cwvilſtandes ohnbeſchadet. Alle mit der Fuͤhrung und Aufbewahrung der Regiſter und der Aufſicht uber dieſelbe beauftragte Perſonen ſind ferner in obigen Faͤllen Geldſtrafen unterworfen, die das mit der jährlichen Verifikation derſelben beauftragte offent⸗ liche Miniſterium beizutreiben hat. Loere, 11. 71. VerbalProzeß vom 6 Frustidor9, und 1 Ven⸗ toſe 11. Maleville I. 79. Gutachten des Staatsraths vom 4 Pluvioſe 12. 1) Die Verantwortlichkeit der mit der Fuͤhrung und Aufbe⸗ wahrung der Regiſter beauftragten Beamten erſtreckt ſich: 0 auf alle Zuwiderhandlungen, die nur die Folge der Nachläßigkeit oder des Irrthums ſind, welche ſich in drei Klaſſen eintheilen laſſen: *) die Auslaſſung eines Aktes aus bloſſer Nachläßig⸗ keit, welche jedoch, da er von den Deklaranten auf dem Regiſter felbſt unterzeichnet werden muß, kaum denkbar iſt; 5) der Eintrag eines Aktes auf ein fliegendes Blatt, und ſolche Irregularitaͤten, welche die Nullität des Aktes ſelbſt nach ſich ziehen können,(ſiehe unſere Bemerkungen uͤber den Art. 46 und die im Titel: von derEhe.) ) Irregularitäten, welche dieſe 451 nicht nach ſich ziehen können. B) auf Falſa und Suppreſſionen von Akten aus verbre⸗ cheriſcher Arſcht/ ſie ſie ſelbſt— oder nicht. 223 und Unregelmaͤßigkeiten ziehen eine ih Gelſtrafe nach ſich, S das Faktum der ltt ohue auf die Abſicht, verfallen iſt. ſi Sn litt. æ u. 5 verzeichnet ſind, berech⸗ eſun tigen zugleich die Partheien, welchen ein Nachtheil daraus er⸗ wachſen iſt, zu einer Klage auf voͤllige Schadloshaltung; in, il nicht aber die unter litt. c, weil die Partheyen deren Be⸗ iagt ifu richtigung erwirken können, und es allzuhart geweſen waͤ⸗ re, den nicht ſalarirten Beamten des Civilſtandes die Koſten der Berichtigung eines vielleicht durch die Partheyen oder Zeugen ſelbſt veranlaßten Irrthums aufzubuͤrden, welches un N der einzige Nachtheil iſt, der fuͤr die Betheiligten daraus er⸗ ut ſch: wachſen kann.(Art. 50, 51) Im Falle eines Falſums Fahe h oder einer Unterdruͤckung des Aktes iſt der Beamte oder uh ſi der Aufbewahrer zu volliger Schadloshaltung der Partheyen im Civilwege unbedingt verbunden, er mag nun Urheber oder Mit⸗ Nihlh ſchuldiger des Falſums ſein oder nM vorbehaltlich im letzten Zellunn Falle ſeines Ruͤckgriffs gegen den Verbrecher. Die peinliche ihen ui Flage(pour suppression d'état, wegen Vernichtung der Beweiße des Civilſtandes, welches Verbrechen die peinliche e Pn Geſetzgebung mit einer x2jährigen Kettenſtrafe belegt) findet t M natürlich nur gegen die Urheber oder Mitſchuldige des Fal⸗ n ſt ſums ſtatt. un 2) Auch der Kaiſ. Prokurator, welcher es ui wůr⸗ de, der Vorſchrift des Art. 49 genug zu thun, wuͤrde in tni die Geldbuße verfallen.(Verba Prozeß vom 12 Frukt. 10.) 3) So oft eine Zuwiderhandlung oder ein Verbrechen zu einer s un CivilKlage auf Schadloshaltung ſtatt giebt, kann dieſe ohne B vorlaͤufige Autoriſation des Kaiſers gegen den Beamten des . Clvilſtandes oder die Aufbewahrer der Regiſter eingeleitet 224 werden.(Gutachten des Staatsraths vom 4 Plu⸗ vioſe 12) 4) Die Geldbuße, von welcher in dem obigen Artikel die Re⸗ de iſt, wird von den Tribunalien erſter Inſtanz, als Civil Gerichte(nicht als ZuchtPolizeiGerichte) ausgeſprochen(ibid.) Ihre Urtheile ſind der Appellation un⸗ terworfen.(Art, 54) §. 65. Die Berichtigung eines Aktes des Civilſtandes kann von allen Betheiligten vor demjenigen Tribunal nachge⸗ ſucht werden, in deſſen Bezirke der Akt errichtet worden, die Unregelmaͤßigkeit des Aktes mag nun durch die Nach⸗ läſſigkeit des Beamten des Civilſtandes oder durch eine irrige Angabe der Zeugen oder Deklaranten veranlaßt worden ſein. Das Tribunal iſt befugt, nach Beſchaffen⸗ beit der Umſtände, zu verordnen, daß die, welche ein Intereſſe haben, ſich der Berichtigung zu widerſetzen, beigeladen werden; auch ſind die Intereſſenten jederzeit be⸗ fugt als Intervenienten aufzutreten. In keinem Fall kann das Urtheil, welches nur nach Anhorung des öffentlichen Miniſteriums erlaſſen werden darf, irgend Jemand einge⸗ wendet werden, der weder darauf angetragen hat, noch als Parthie im Prozeß aufgetreten iſt. Die Berichti⸗ gungsUrtheile muͤſſen am Rande der reformirten Akte ange⸗ merkt werden. Locre, II. 164. Geſetzbuch über das Verfahren im buͤrg. Prozeß. Art. 853 vis 358, Gutachten des Staatsraths vom 12 Nivoſe 10 12 Brumaire 11. 30 Frimaire 12, und 4 May 1808,(in meiner Ueberſ. des Cod. Nap. S 32, 33, und in den Ann. der Geſetzgeb. Nap. I. S. 133.) PerbaProzeſſe vom 14 Fruktidor 9, 12 Brum. 10 und 12 Ventoſe 11. Projekt des Civil Seſetzb. 1 Buchs Tit. Art. 67 bis 70. 225 X S on hu 1) Nur in den in der Anmerkung Nro. 1 zum vorigen Paragraph unter litt. e verzeichneten Fällen findet die Berichtigung ibih⸗ ſtatt, wenn z. B. die Namen der Ehegatten oder des Kindes⸗ ſinz, c oder der Zeugen, in einem Heuraths„oder GeburtsAkt unrich⸗ Guihl tig geſchrieben wären, ein Fall der mit dem nicht zu ver⸗ ulin n wechſeln iſt, von welchem in der Anmerkung No. 6 zu dem 558 die Rede iſt, Ueber den Weg den die Partheyen im Fal⸗ le der Unterdruͤckung eines Aktes des Civilſtandes einzuſchla⸗ ndes iun gen haben, ſiehe die Anmerkung 3 zu dem§ 50. Im nich Falle einer Verfalſchung wird die Berichtigung gleich⸗ t woe falls durch das Urtheil verordnet, welches uͤber das Falſum die Rah erkennt. Ueber die Irregularitaͤten, welche die Mul⸗ urch en lität eines EheAktes nach ſich ziehen können, ſiehe den Ti⸗ veranlo tel: von der Ehe. ziſchufn 2) Das urtheil, wodurch ein Tribunal. Beamten des Ci⸗ welche vilſtandes zur Geldbuße wegen Irregularitäten in Abfaſſung viderſt, eines Aktes des Civilſtandes verurtheilt, darf nicht auch zu⸗ ederb gleich die Berichtigung dieſes Aktes verordnen, die nur auf Falin Begehren der Betheiligten verfugt werden kann. Die Kom⸗ öſſenlih miſſion hatte eine ſolche Berichtigung von Amtswegen in and in Vorſchlag gebracht; ihrem Syſtem zufolge ſolten nicht gut⸗ bu, u geheiſſene Ausſtreichungen und Zuſätze den Akt ſelbſt nicht Beiht fehlerhaft machen; auf Abkuͤrzungen und in Ziffern geſchrie⸗ e bene Data ſollte nach den Umſtänden Ruͤckſicht genommen 2 werden; waͤren aber Nullitäten im Akt geweſen, ſo hätte iug, n der Kommiſſar die Partheyen requiriren muͤſſen, ſich vor den n Lit Civil Beamten zu ſtellen, um einen neuen Ae abzuſchlieſſen. „(in nin Allein dieſe Berichtigung der Regiſter von Amtswegen läßt ſich durchaus nicht rechtfertigem Sie ſind ein geheiligtes 9 un 226 Unterpfand, das die aufbewahrende Gewalt willkährlich zu veraͤndern und zu verbeſſern nicht berechtigt iſt. Die Verifi⸗ kation derſelben von Seiten des oͤffentlichen Miniſteriums hat bloß zum Zweck, die Uebertretungen des Geſetzes durch den Beamten des Civilſtandes zu beurkunden, und ihn durch Geldbußen zur ſtrengeren Beobachtung der geſetzlichen Vor⸗ ſchriften anzuhalten. Dieſe Polizei Maasregel hat aber auf die Guͤltigkeit der Akte keinen Einfluß; die Partheyen wer⸗ den dadurch von jenen Uebertretungen benachrichtigt und es ſteht immer bei ihnen, die Berichtigung derſelben nachzuſu⸗ chen. Die Irrthumer und Unregelmäßigkeiten koͤnnen einem Dritten Rechte ertheilt haben, und daher nur kontradiktoriſch mit den Betheiligten abgeändert werden. Endlich würde dieſe amtliche Berichtigung ohne alken Nutzen geweſen ſein, da man ſie doch nie den Partheyen haͤtte einwenden koöͤnnen, wel⸗ che nicht dazu berufen worden oder nicht darein eingewilligt haͤtten. 3) Aus denſelben Grundſätzen hat der Staatsrath durch ein Gutachten vom(23 Nivoſe 10) 3 Jänner 1802 entſchieden, daß ſelbſt in dem Falle, wo die Regiſter eines ganzen De⸗ partements durch beſondere Umſtaͤnde in Unordnung gera⸗ then ſind, eine Berichtigung von Amtswegen nicht ſtatt finden könne, und daß der groſſen Menge von Prozeſſen ohngeach⸗ tet, welche die partielle Berichtigung der Akte nothwendig veranlaſſen muß, es dem allgemeinen Intereſſe, ſo wie dem der Privaten, dennoch angemeſſener iſt, dieſe Berichti⸗ gung nur im gerichtlichen Wege und auf Anſuchen der Be⸗ cheiligten zu erlauben. Durch ein Gutachten vom(12 Bru⸗ manre 11) 3 November 1802 hat der Staatsrath entſchie⸗ den, daß dieſe Grundſätze noch viel mehr auf den Fall an⸗ 227 ütuhn wendbar ſind, wo ein Akt auf dem Regiſter aus gelaſ⸗ Di i ſen worden, weil die Berichtigung nur die Verbeſſerung von inſim Irrthuͤmern in einem vorhandenen Akte zum Gegenſtande et ſu hat, wͤhrend die Verbeſſerung einer Auslaſſung im Gegen⸗ dihu theil offenbar zum Zweck hat, einen Civilſtand zu er⸗ ichen L theilen; daß folglich ausgelaſſene Akte nicht anderſt als tclern kraft eines kontkadiktoriſch mit allen Betheiligten, auf den hehn m Antrag des offentlichen Miniſteriums, nach gruͤndlicher Un⸗ it ms terſuchung der Umſtaͤnde erlaſſenen Urtheils auf die Regiſter nchi eingetragen werden koͤnnen.(Aus dieſem Gutachten läßt ſich men einn jedoch keine Ausnahme von der in dem Art. 46 aufgeſtellten adikwriſj Regel ableiten, indem daſſelbe vor der Verkuͤndigung ürde i dieſes Artikels(18 May 1803) erlaſſen worden iſt.) Endlich ſein, d hat ein Gutachten des Staatsraths vom(30 Frimaire 12) nen, wi 22 Dezember 1803 entſchieden, daß dieſe Grundſätze ſelbſt ingilit in dem Falle anwendbar ſind, wenn ein Beamter des Civil⸗ ſtandes verſtorben iſt, ohne die auf die Regiſter eingetrage⸗ durh in ne Akte unterzeichnet zu haben. enſſcjin 4) Das Tribunal hat zu erkennen, ob die Betheiligten beigela⸗ P den werden ſollen oder nicht; oft wurde dieſe Beiladung nn w durchaus uͤberfluͤßig ſein, wenn die verlangte Berichtigung ſiut fün von der Art iſt, daß niemand ein Intereſſe haben kann, ſie zu ch beſtreiten, indem ſie nichts an einem wirklich erworbenen nuhun und notoriſchen Beſitzſtand aͤndert. Ein merkwuͤrdiges Bei⸗ ſo ſou ſpiel vom Gegentheil findet man in den pandectes frangaises ui II. 404. In dem Geburtsſchein eines Mädchens war nba, naͤmlich der Familien Name der Mutter,(oder der Frau des⸗ nhn iienigen, der in demſelben GeburtsAkt als Vater angegeben ai war) entſtellt. Nach dem Sh des Vaters, als nhül 6 228 die Tochter ſich vermählen will, trägt ſie auf bie Berichti⸗ gung ihres GeburtsAktes an; die Witewe willigt ein, und erkennt ſie fuͤr ihre Tochter; die InteſtatErben der Witt⸗ we beſtreiten hingegen das Geſuch auf Berichtigung und be⸗ haupten, daß ſie von einer ganz andern Mutter gebohren ſei. 8) Wer nicht beigeladen worden iſt, und dennoch ein Intereſ⸗ ſe hat, ſich der Berichtigung zu widerſeten, iſt zwar zur Intervention und auch zur Oppoſition,(tierce opposition) vefugt;(Art. 339 u. 474 des Geſetzb. uͤber das Verfahren im buͤrgerl. Prozeß.) es kann aber auch nicht der mindeſte Nachtheil fuͤr ihn daraus entſpringen, wenn er von keinem dieſer Rechtsmittel Gebrauch macht, indem das Urtheil in Hinſicht auf ihn, ſo lange er es nicht anerkannt hat, als nicht exiſtirend angeſehen wird, und er daher immer noch Zeit hat, es anzufechten, wenn gegen ihn davon Gebrauch gemacht wird. Doch ſind die, welche ihre Rechte von ſol⸗ chen Perſonen ableiten, welche entweder in der Sache auf⸗ getreten ſind, oder das Urtheil anerkannt haben, nicht zu⸗ läßig, es zu beſtreiten. 6) Die BerichtigungsUrtheile muͤſſen am Rande des reformir⸗ ten Aktes angemerkt, und die fernere Ausfertigungen des uetztern alſo berichtigt ertheilt werden, nicht aber in ſeinem urſpruͤnglichen Zuſtande mit der bloſſen Anmerkung, daß eine Berichtigung ſtatt gefunden habe, wodurch die Partheyen in die Nothwendigkeit verſetzt wuͤrden, eine Ausfertigung des BerichtigungsUrtheils auszunehmen.(Gutachten des Staats⸗ raths vom 4 May 1804) Doch muß auf der Ausfertigung bemerkt werden, daß ſie eine, kraft des Urtheils von dieſem oder jenem Tage, berichtigte Ausfertigung iſt. ——— ie Pih 1 t in, w n t 5 ut 3 weiter Titel. bchn ſi in Iun Bon der Ehe. ſt unn 3 Titel V und VI, Kap. 1 und 2, und 1 Abſchnitt des Kpten 3 des 6 Titels vII des 1 Buchs des Coder Napoleon. Ae ttere Ge⸗ Petn ſetzgebung: Ediet voin Februar 1356, Ordonnanz von Blvis, r minit Deklarationen vom 26 November 1639 und 16 Junins 1655, on kin SEtikte vom May und Junius 1697 und Geſetz vom 20 September 5. 1792. Rdmiſche G eſetzgebung: Tit. de nuptiis, Inst. Uethil i C1. 10.) de Riru nuptiarum ff.(23.3. Lit. 17 e1 24 Lib. hat, it V Cod. Nov. 117, 134 et 140. mer ni Erſtes Kapitel. Getnt Allgemeine Grundfaͤtze. ſte von ſt 5. 66. Such ui Die Ehe, unabhängig von jeder religioöſen Geſetzge⸗ itp bung betrachtet, iſt eine aus dem Raturrecht abgeleitete und durch die burgerliche Geſetzgebung regulirte, auf Lebens⸗ 6um zeit abgeſchloſſene, ausſchließliche Geſchlechts Verbindung mn zwiſchen Mann und Frau, um Kinder zu zeugen und ti ſin das Glück und ungluͤck ihres gemeinſchaftlichen Schick⸗ rn i ſals zu theilen, deren Wiederaufhevung jedoch das Geſetz e hrh in einigen, namentlich vorgeſehenen, Fällen erlaubt, wo rihm die Erreichung dieſer Zwecke unmöglich geworden iſt. es Gnt⸗ Inst. de patria potest. d. 9) L 1 f. de ritu auprrem 6232.0 usrihn Thibaut, F. 380 und die daſelbſt anoefuhrte Schriftſeer. wn lijn Bolacker, P. J. R. G. 346. Profert des E. G I Buch Fit. ſ. 5 Art. 3. Heineccius P. J. R. édition Berthelot, Paris 1805, I 4606. Delvincourt, J. 86. 230 2) Die Schwierigkeit einer bofriedigenden Definition der Ehe liegt wohl darin, daß die einen in der Ehe mehr den natuͤrlichen, andere mehr den buͤrgerlichen, noch andere mehr den geiſtlichen Kontrakt kerückſichtigen. Die erſten beſchraͤnken den Zweck der Ehe ganz auf die Erzeugung von Kindern, oder die Geſchlechts. Verbindung, die doch weder der alleinige Zweck noch das einzige aus der Ehe herflieſſende Recht iſt; die zweiten ſchlieſ⸗ ſen die Erzeugung der Kinder ganz von demſelben aus, weil eine bůrgerliche Ehe auch ohne dieſen Zweckbeſtehen kann(eine Meinung, der ich deshalb nicht beipflichten kann, weil ſolche Ehen doch immer nur Ausnahmen von der Regel find, und die Geſchlochts Verbindung und die Erzie⸗ lung von Kindern doch, in der Regel, zum Weſen der zwar mit buͤrgerlichen Formen bekleideten aber aus dem Naturrecht abgeleiteten Ehe gehören;) die dritte endlich machen die Un⸗ auflößbarkeit der Ehe zur weſentlichen Bedingung der⸗ ſelben, da ſie doch nur eine zufüllige Bedingung der Civil⸗ Ehe ſein kann. Die Definition, welche die Kommiſſion in obigem Artikel aufgeſtellt hätte, iſt ſo gut als keine; Thi⸗ baut hat die Schwierigkeit durch eine doppelte Definition der Ehe im Allgemeinen, und der Ehe im engern Sinne zu loͤſen verſucht; allein die in der letzten aufge⸗ zählte Wirkungen der Ehe ſind gleichfalls weder unab⸗ änderlich nöch machen ſie das Weſen des Kontraktes aus. Den brrifuchen Zweck der Ehe hat, meiner Meinung nach, Ley⸗ ſer(med. ad pand. spec. 297. med. 6) ſehr richtig an⸗ gegeben; wenn er aber hinzuſetzt ego legitimum matrimo- nium esse credo, etsi isti tres Knes vimul non obtineantur, ſo hätte er doch wohl hinzuſetzen muͤſſen, daß eine Ehe durchaus nicht in der Abſicht abgeſchloſſen werden 231 khli zann, das mutuum adjutorium auszuſchlieſſen, unb mürie eben ſo wenig, ſobald ZengungsFähigkeit vorhan⸗ gifin den iſt, in der Abſicht, keine Kinder zu zeugen. Der ugueh en Hommel in ſeiner bekannten Diſſertation matri- 6ehitt monium sine proposito liberos proereandi legitimum, wh ecdit. sec. Lips. 1766. vertheidigte Satz, iſt zwar in ſo weit eitn ſtit richtig, wenn er aber behauptet: lihidinis extinetio ma- us, ni trimonii legitima ac primaria causu, ſo darf hier beſthn causa mit Rnis nicht verwechſelt werden, wie er ſelbſt es htnim durch das letzte Argument einzugeſtehen ſcheint: qui Fe⸗ n bon undarium inem arripiat, neglecto principali, Sce⸗ de G u non committie. Davon iſt auch hier keineswegs die n der jun Rede, ſondern von dem weſentlichen Charakter der buͤr⸗ Nutun gerlichen Ehe⸗ hen dieln 2) Man hat in obiger Definition zu unterſcheiden: ingun 1) die Form Che g der Eii 2) den Zweck mmiſin i 3) den Grundſatz der Einheit der Ehe 5 eine; Li 4) den Grundfatz ihrer Dauer auf Lebenszeit als Reger⸗ Diſiitn§) den Grundſatz ihrer Auflößbarkeit als Ausnahme. nengen 8) Heineccius behauptet(a. a. O.) daß die Ehe kein Kon⸗ zun uß trakt ſei weil ein Kontrakt nur ſolche Sachen zum Gegen⸗ ehi Uli ſtande haben könne, die im Verkehr ſind; da aber das fran⸗ taht zöſiſche Recht den Unterſchied des roͤmiſchen zwiſchen Kon⸗ unh, trakten und Conventionen ganz aufhebt, ſo läßt ſich heutzu⸗ ibi u tage die Ehe eben ſowohl ein Kontrakt als eine Ueberein⸗ mo kunft nennen. „ Das Geſetz kennt keine andere Ehe als die, welche in der inu 100 von ihm vorgeſchriebenen Form abgeſchloſſen worden iſt. Es be⸗ . ſchäftigt ſich weder mit dem Sakrament, noch mit den geiſt⸗ in e32 lichen Formen und Bedingungen der Ehe. Es laßt daher den Partheyen die Befugniß, ihre Verbindung durch einen Prie⸗ ſter ihrer Religion einſegnen zu laſſen, ohne daß dieſe Einſeg⸗ nung zu der Guͤltigkeit der Ehe erforderlich wäre. um aber den Nachtheilen vorzubeugen, welcher fuͤr die Contrahenten aus dem Irrthum entſtehen könnte, als ob eine bloß nach kirchlichen Gebraͤuchen guͤttiger Weiſe abgeſchloſſene Ehe auch in den Augen des CivilGeſetzes gultig ſein könne, verbietet der Staat, wie bereits oben bemerkt, den Religions Dienern aller Kulte,(Art. 54 des Geſetzes vom 18 Germinal 10, Dekret vom 1 Prairial 70) den Partheyen die kirchliche Ein⸗ ſegnung zu ertheilen, ohne und bevor ſie ſich uͤber den Ah⸗ ſchluß der CivilEhe ausgewieſen haben. 4) Fernere Folge obigen Grundſatzes ſind: 1) daß der Grundſatz der Auflößbarkeit der Ehe auf alle Franzoſen anwendbar iſt, ſelbſt auf ſolche, nach de⸗ ren Religion die Ehe, als Sakrament, unaufloßlich iſt; 2) daß alle Prozeſſe uͤber die Guͤltigkeit oder Aufloßung einer Ehe ausſchließlich vor die weltlichen Gerichte gehoören; 3) daß ein Religions Diener nicht gezwungen werden kann, eine dem CivilGeſetz nach gultige Ehe einzuſegnen, wenn er ein religiöſes Hinderniß dabei vorfindet, vor⸗ behaltlich des Rekurſes an den Staatsrath, im Falle einer ungegrundeten Weigerung. Von den Fällen, worin uͤberhaupt dieſer Ruckgriff an den Staatsrath gegen Religions Diener, wegen religiöſen Handlun⸗ gen, erlaubt iſt, wird in der Abtheilung: vom Staats⸗ rechte, die Rede ſein. i h inni i bi lnch utnhun ne bon Ehut uiu nDinn minl chliche Eu den J auf al nunfliſit Afijn en Giiht etden im inzuſhn findet, w hin Fil en ſiln, Stutith hnn E 233 Ueberſicht der aͤltern franzoͤſiſchen Geſetzgebung in Betreff der Ehe. Wir beſchraͤnken uns bei dieſer Ueberſicht auf die Haupt⸗ Verfugungen der aͤltern Geſetzgebung, ohne uns in ihre Auwen⸗ dung auf einzelne Faͤlle einzulaſſen, welche durch beſondere Ver⸗ fuͤgungen des Coder vorgeſehen ſind, die uns zur Vergleichung mit der vorigen Jurisprudenz Gelegenheit darbieten werden. Auch iſt hier nur von dem Grundſatz der Unaufloßbarkeit der ehe im Allgemeinen/ und in Hinſicht auf die Nullitats Rlage, nicht aber in Hinſicht auf die Eheſcheidung, die Rede; indem wir in den Kapiteln: von der Eheſcheidung und der Legitima⸗ rion eine ähnliche Ueberſicht der iltern Geſeßgebung uͤber dieſe Materien liefern werden. S Wir veſchaͤftigen uns hier weder mit der„b mſcht noch mit der alten fränkiſchen Geſetzgebung in Hinſicht auf die Ehe;z nur bemerken wir, daß beide in dem Grundſatz der Einheit der Ehe übereinſtimmten. Der Grundſatz der Unaufld 65 arkeit der Ehe ward erſt ſpter aus dem kauoniſchen Rechte(der katholiſchen Kirche, in welcher ſelbſt er bis zum Konzilium von Trident(Seſſ. a4. Cap. 7) heftig beſtritten worden und ſelbſt in dieſem Konzilium nicht unbe⸗ dingt durchgegangen war) in das EivilRecht uͤbergetragen. Zwar hatte ihn bereits Kartder Groſſe in ſeinen Kapitularien aufge⸗ ſtellt ohne ihn jedoch ſelbſt zu beobachten. Erſt im Mittelalter, als die geiſtliche Gewalt ihr yoͤchſtes Anſehen erreicht hatte, gelang es ihr, ihn unbedingt durchzuſotzen„und als die Wiederherſtellung des Ldniglichen Anuſehens die Einſchraͤnkung der geiſtlichen Jurisdiktion und die Peſtimmung einer ſchaͤrfern GraͤnzLinie zwiſchen der geiſt⸗ lichen und weltlichen Geſetzgebung nach ſich zog, behielt zwar die letz⸗ te den Grundſatz der Unauftoßbavkeit der Ehe,(in welcher man in Frankreich den EivilKontrakt auch unter der vorigen Geſetzgebung wohl von dem Sakramente unterſchied) bei, jedoch nur in ſo weit, als die Ehe gultiger Weiſe, das heißt mit Beobach⸗ tung der geſetzlichen Formalitaͤten und Bedingun⸗ gen abgeſchloſſen worden war.(Auch konnte die nicht vollzo⸗ ₰ 234 gene Ehe durch feierliche ReligionsGeluͤbde aufgeldßt werden. Die Ketzerei eines der Ehegatten war aber kein Grund, um die Ehe aufzuldßen, ſo wie es durch ein Urtheil des Parlaments von Paris vom 3 Jänner 1743 in der Sache des getauften Juden Borach Levi von Hagenau entſchieden ward, der ſich vei Lebzeiten ſeiner zjuͤdiſchen Gattin Mendel Cerf mit einer Chriſtin wieder verheurathen wollte; uͤber die Jurisprudenz in Hinſicht auf die Eheſcheidung zwiſchen Juden ſiehe das Kapitel: von der Eheſchei⸗ dung.) Da aber die Verfuͤgungen des Konziliums von Tride ut in Frankreich nie als StaatsGeſetzrezipirt worden, ſo waren nicht al⸗ lein dieſe Formalitäͤten und Bedingungen durch die weltliche Geſetzge⸗ tung beſtimmt, ſondern die Klagen auf Nullität einer Ehe, appel du mariage comme d'abus, wurden auch vor die wertli chen Gerich⸗ te gebracht, ja die Parlamente erkannten ſogar über die Appellatio⸗ nen von Urtheilen des Tribunals der romiſchen Rota, wovon wir ein merkwurdiges Beiſpiel in dem Urtheil vom 5 Jänner 1700 in der Sache Heinrichs von Lothringen haben, deſſeni Ehe mit der Groͤfin von Boſſu eines Urtheils der Rote vhngeachtet, das ſie gultig erklaͤrt hatte, nichtig erklärt ward. Man hat die Klage auf Nullität einer Ehe, appel commne d'a- bus, wohl von derjenigen zu unterſcheiden, welche dahin abzweckte, eine Ehe ihrer Civil Wirkungen zu berauben. Ein Urtheir, weiches eine Ehe ihrer Civil Wirkungen beraubte, ließ das Sarra⸗ ment und das Band der Ehe beſtehen; keine der Partheyen konn⸗ te ſich anderweitig verheurathen, während das Urtheit, wodurch eine Ehe abuseve erklaͤrt ward, den Partheyen ihre Freiheit zuruͤckerſtat⸗ kete. Der Codex Napoleon hat nur die Nullitäts Klagebeibehal⸗ ten und beibeha ten koͤnnen, weil er von dem Sakramente und dem geiſtlichen Bande ganz abſtrahirt.. Um zu wiſſen, ob ehedem anf Nullität einer cte oder auf ih⸗ re Beraubung der Civil Wirkungen geklagt werden mußte, hatte man auf das Geſetz zuruͤckzugehen, wegen deſſen Uebertretung geklagt ward, und zu unterſuchen, welche Strafe es im Falle der Uebertretung verhaͤngte; das erſte Geſetz, welches die Formalitaͤten und Bedingun⸗ gen der Ehe beſtimmte, war das Edikt von 1556 und die Ordonnanz vetet, d. un iie e, en h en Porit eiten ſin tiſin wiin ſcht uf i iet Ejſti ridenth ren nithte⸗ che Geſt l en Gltit Ipyl⸗ wobon wit 7oo in hu he mit de it, dis ſt omme d mabzwech, bin Uiihil 6 Sett hehen iun vodurh in zurictſih gebethi te und be cbet ufi⸗ hatt m eblagt wu leberttetus Behingu⸗ Hrounzi 235 von Blois; beſtimmtere Verfügungen enthielt die Deklaration vom 20 November 1639, die durch die Edikte von 1697 ergänzt und geſchaͤrft wurden. Alle dieſe Verordnungen hatten im ganzen König⸗ reiche geſetzliche Kraft,(doch ward das Edikt von 1697 erſt kraft einer Deklaration vom 24 Jaͤnner 1749 in Flandern rezipirt, wo man vorher die Verordnungen Karts W und Philipps II(1340 u. 1623) befolgte.) Die wichtigſten der von dieſen Verordnungen zur Guͤltigkeit der Ehe vorgeſchriebenen Bedingungen waren: 1. die Ein willigung der Aeltern, in Zei auf welche man auf das Alter Ruͤckſicht zu nehmen hatte; eine Ehe von Sohn oder Tochter vor dem a5ten Jahr ohne Einwilligung ab⸗ geſchloſſen war nichtig und konnte mittelſt eines appel comme d'abus aufgelößt werden. Der Sohn der ſich vom abten bis zum Zoten Jahre verheurathete, Lonnte enterbt werden, ſelbſt wenn er die Einwilligung ſeiner Aeltern durch einen ehrfurchts⸗ vollen Aet nachgeſucht hatte, ohne daß jedoch ſeine Ehe nichtig erklaͤrt werden Lonnte.(Art.8 des Edikts von 1556) Der Sohn, der älter als 30, die Tochter die aͤlter als 25 Jahre war, konnten, ſich gegen die Strafe der Enterbung, die fuͤr den Fall der Ver⸗ ehelichung ohne älterliche Einwilligung ausgeſprochen war, durch ehrfurchtsvolle Anfragen ſchutzen. Wittwer und Wittwen waren denſelben Verfuͤgungen unterworfen.( Arrét de reglement vom 27 Auguſt 1692) Die Einwilligung des PVaters, oder in ſei⸗ ner Ermangelung der Mutter, konnte fuͤr die Ehe von Min⸗ derjährigen in keinem Falle durch die der Gerichte erſetzt werden, ſelbſt nicht, wenn die Kommunikation durch den See⸗ Krieg unterbrochen geweſen waͤre, und die Familie die ihrige ertheilt pätte. cUrtheit des Parlaments von Paris vom 36 May 1779. 2. Die Einwidigung des Konigs war erforderlich: a) fuͤr Prinzen von Gebluͤt unbedingt,(Urtheil vom September 1634, in Betreff der Ehe Gaſto ns, Herzogs von Orleans mit Margaretha von Lo thringen; zu bemerken iſt, daß als der Kdnig endlich ſeine Einwilligung zur Ehe er⸗ theilte, ſie in derſelben Form rehabilitirt ward, als hätte nie eine Ehe beſtanden.) £ 236 b) für alle fränzoſiſche Unterthanen, bie ſich im Auslande ver⸗ heurathen wollten.(Deklaration vom 16 Junius 1685) Auch in dieſem Falle zog die Uebertretung auſſer andern Strafen auch die Nullität der, Ehe nach ſich.(Urtheite vom 1700, 16 Julius 1712, und andere.) 3. Die prieſterliche Einſegnung. Bis zum 9ten Jahr⸗ hundert unterſchied man dieſe noch(nicht allein von dem Civil⸗ Kontrakt, ſondern ſogar) von dem Sakrament. Karl der Groſſe verordnete ſie zwar in ſeinen Capitularlen, doch ohne die Unterlaſſung mit der Nullität der Ehe zu beſtrafen; noch im 1aten Jahrhundert war ſie weit weniger gebräuchlich als die ſogenaun⸗ ten Ehen: par paroles de présene, und erſt uach dem Conzilium von Trident, ward ſie durch die Ordonnanz von Blois(Art. 44) zur Bedingung der Guͤltigkeit der Ehe erhoben. 4. Die Gegenwart oder Mitwirkung des kompetenten Pfarrers. Auch dte Ehen, welche vor einem inkompetenten Prieſter abgeſchloſſen waren, waren durchans null, und zwar war die Mitwirkung der Pfarrer beider Partheyen erforderlich, ſo wie es durch das veruhmte Arret vom I3 Julins 145 in der Sache Luchets de la Bidoyere und viele andere entſchieden iſt.*) 5. Die Gegenwart von vier Zeugen; doch ward die Anweſenheit ei⸗ ner geringern Zahl als eine bloſſe Irregularität betrachtet, und zos die Nullität der Ehe nicht nach ſich.(Urtheit vom 13 Jun. 1034.) e. Die Pubrizität des Abſchluſſes der Ehe: nuriages elandeseins nannte man ſolche, welche insgeheim, ohne vorheriges Aufgebot und Dispenz. ohne Berufung von Seugen, oder nur in Gegen⸗ wart von Vertrauten abgeſchloſſen werden; ſie waren durchaus nichtig und konnten durch appels coumune d'ahus angefochten werden. *) Der Art. 3 des Edikts von May 1697 verhängt gegen die Pfar⸗ rer, welche Perſonen, die nicht zu ihrer Pfarrei gehdren, oh⸗ ne die Erlanbniß ihres eignen Pfarrers die prieſterliche Ein⸗ ſegnung ertheilen wuͤrden, auſſer den Strafen, mit welchen die Kirche ſie belegt, anch noch verſchiedene weltliche Strafen. lutlunh 16 litz] ſuh dern Emi on zinn Ren An n den Eih K e och ohre och in nn e ſogeneun Conziln 3(Art. 4) rers. Auch bgeſchloſſen htwirkung dutch das uchetst veſenhet i achtet, u m 13 u elondetin es Außt in Gehun n urchu angeſchin — bie yf⸗ höuen, h rice bu wichen l nſin. 237 „. Man hat dieſe nicht mit den ſogenannten mariages secrets oher geheimen Ehen zu verwechſeln, welche zwar mit Beobachtung ex geſetzlichen Formalitaͤten abgeſchloſſen aber wöhrend der ganzen Lebenszeit der Ehegatten geheim gehalten worden waren⸗ Bei der Rückſicht, die die vorige Geſetzgebung auf das Sa⸗ Lrament nahm, konnte ſie dieſe Ehen nicht nichtig erklären, ſte beraubte ſie aber aller Civil Wirkungen. Edikt von 1697) Eln gleiches gilt 3. von den Ehen in extremis oder ſoichen, d die in der Krankheit, in welcher einer der Ehegatten verſtorben war, aufs laͤngſte zwan⸗ zig Tage vor ſeinem Tode abgeſchloſſen worden waren, welche daſ⸗ ſelbe Edikt als ein Beforderungs Mittel des Konkubinats gleich⸗ falls aller Civil Wirkungen beraubte. Wir ſchweigen hier von der Klage auf Nullitst einer Ehe wegen PVerwandtſchaft, weil die Grundſaͤtze der ältern Geſetzgeung bis auf wenige Abweichungen, von welchen hierunten die Rede ſein wird, de⸗ nen des Codex entſprechen. Ein gleiches gilt von den Perſonen, wel⸗ chen die Geſetzgebung und der Gerichts Gebrauch die Befugniß zuge⸗ ſtand, eine ſolche Klage zu erheben. ₰. 67. Da die Ehe eine Uebereinkunft iſt, ſo iſt auch die Ein⸗ willigung der Contrahenten ſo weſentlich erforderlich, daß ohne dieſe Einwilligung gar keine Uebereinkunft, folg⸗ lich keine Ehe beſteht. Es iſt aber dazu nicht hinlnglich, daß eine anſcheinende Einwilligung vorhanden ſei, ſondern die Einwilligung muß auch freiwillig erthent worden ſein, und darf folglich nicht das Reſultat des Zwangs, einer angewendeten Argliſt oder eines Irrthums ſein, und da jede Einwilligung Ueberlegung vorausſetzt, ſo muß ferner derjenige, der ſie ertheilt hat, den Gebrauch ſei⸗ ner Verſtandes Kräfte gehabt haben. Locre III. 45 u ff. VerbalProzeſſe vom 26 Fruktidor 9, 24 PVendemiaire und a4 Frimaire 10. Projekt des C. G. 1 Buch Tit. 5. Art. 5, 6 und 7. Cap. 13 15. 16, 33 X. de 5P 146 x109 180 502 238 (4. 1.) C. Ix. X. de sponsal. impub.(g. 2.) L. 16 fF de Ritu unpt.(a3, 2) L. 30 H. de R. I.(50, 17) Tyibant 8 405. Pothier du contrat de mariage, Nro. 315 et ir. Dis- eussion du Code civil dans le Conseil d'état, avec des notes, etc. ete, par Johnnneau et Solon,*) T. 245, 331. ²) Der Mangel an Einwilligung iſt kein Grund, den Kon⸗ trakt fuͤr nichtig zu erklären, ſondern ohne Einwilligung iſt durchaus kein Kontrakt denkbar. Sobald jedoch irgend ein HeurathsAkt vorhanden iſt, ſo iſt auch ein, wenn auch unguͤltiger, Beweiß einer wenigſtens ſcheinbaren Einwilligung vorhanden, der nur durch ein Urtheil beſeitigt werden kann. Erklärt dies aber, daß keine Einwilligung, oder, was auf daſſelbe hinauslauft;, keine freiwillige Einwilligung vor⸗ handen war, ſo wird, ſo viel moglich, dafuͤr gehalten, als habe nie eine Ehe beſtanden. 2) Die Anwendung obigen Grundſatzes iſt in Hinſicht auf den Blöd⸗oder Wahnſinnigen keinen Schwierigkeiten unter⸗ worfen. Seine Ehe mag nach dem Ausſpruch der Inter⸗ diktiun oder auch vor derſelben, aber zu einer Zeit, wo die urſache der Interdiktion notoriſch bereits beſtand, abgeſchloſ⸗ ſen worden ſein, ſo muß ſie den Verfuͤgungen der Art. 502 *) Unbegreiflich iſt es, daß Hr. Hofrath Seidenſticker, der dieſes Werk in ſeiner Einleitung in den Coder Na⸗ poleon dſters allegirt, den doch S. 84 abgedruckten Liter deſſelben nicht einmal geleſen zu haben ſcheint. Er würde ſonſt nicht S. 237 einen der Perfaſſer deſſelben: Jouanneau, zum Präſidenten einer Sektion des Staatsrathes und GroßProkurator bei dem Kaiſerl. OberGerichtshof machen; dieſe Wuͤrden beklei⸗ det nämlich der Reichs Graf Regnault de St. Jean d'An⸗ geli, welchein Jouanneau bloß den Plan ſeiner Zuſammenſtel⸗ lung vorgelegt hat, ein Umſtand, der vei einem dieſer Art durchaus nicht gleichgültig iſt. 239 1. und 5oz zufolge nichtig erklärt werden. Schwietiger iſt die . i Frage in Hinſicht auf Taubſtumme. Es iſt wohl kei⸗ eun nem Zweifel unterworfen, daß ein Individuum, das von . Geburt auf zugleich blind und taubſtumm geweſen waͤ⸗ „du ſ re, ſich weder von der buͤrgerlichen Ehe einen richtigen Be⸗ Gnnilzn griff machen, noch auch ſeine Einwilligung auf eine unzwei⸗ och ihn deutige Art ausdruͤcken koͤnnte; beides kann vielleicht wem u bei dem Taubſtummen von Geburt, ſicher bei demjenigen, innilhn der es erſt bei Jahren durch einen Zufall geworden edenim iſt, der Fall ſein. Der Coder enthält keine beſondere Regel „was in Betreff des Taubſtummen, und nach den im Staatsrath ligung v in dieſer Hinſicht ſtatt gefundenen Debatten iſt es keinem alten, a Zweifel unterworfen, daß ſeine Ehe gůltig ſein wuͤrde, ſo⸗ bald uͤber ſeine unzweideutige„mit hinlänglicher Einſicht er⸗ inſicht au theilte, Einwilligung kein Zweifel obwaltet. titen untn 3) Eine zwar ſcheinbare, aber mit Gewalt erpreßte Einwib der Inn lig ung wuͤrde nichtig ſein. Der Zwang kann aber eben it, no i ſowohl von Seiten des andern Ehegatten, als von Seiten „ahſ dritter Perſonen obgewal tet haben; in beiden Fällen iſt e M z die Verfuͤgung des Art. 146 anwendbar. Wir bemerken — uͤbrigens a) daß die Einwilligung wegen Mangel an Freiheit nur im Falle einer gewaltſamen Entfuͤhrung,(rapt 4* . violence) nicht aber wegen Verfuͤhrung Crapt iette de scduetion) angefochten werden kann; indem der prtunn rapt de Seduotion bei Grosjäͤhrigen nicht denk⸗ 3 imn bül bar iſt; bei Minderjährigen aber ſchließt die tun M en den Aeltern ertheilte Einwilligung jede Idee von Verfuͤhrung aus; ſollte aber dieſe Einwilligung fehlen, le hieſe 8 2 5 ſo iſt iht Mangel allein ein weit kaͤrzeres und unfehl⸗ 240 bareres Mittel, die Nullität der Ehe ausſprechen zu laſſen. b) Man hat behaupten wollen, eine von den Aeltern erpreßte Einwilligung koͤnne nie wegen Zwang ange⸗ fochten werden; dieſe Behauptung widerſpricht jedoch dem Geiſt und dem Tert des Geſetzes. Die Art. 180 und 181, welche mit dem Art. 146 zu konferiren ſind, laſſen die NullitätsKlage unbedingt wegen erpreß⸗ ter Einwilligung zu, ohne die Perſon, von welcher der Zwang herruhren ſoll, zu beſtimmen. Wir muͤſſen uns daher an die allgemeinen Grundſätze der Artikel 1111, I112 und 1113 halten; der erſte ſagt ausdruͤck⸗. lich: la violence est une cause de nulli- té, encore qu'elle ait 6té exercée par un tiers autre que celui au profit duquel la convention a 6té Faite, nur, ſetzt der Artikel II1 44 hinzu, la seule crainte révérentielle envers ans Jul y ait eu de violence eæercze, ne suffit point etc. etc. Wenn alſo wirklicher Zwang ausgeuͤbt worden iſt, ſo..* 4) Wird die Einwilligung, als aus Irrthum ertheilt, ange⸗ fochten, ſo hat man zu bemerken: a) kann es wohl nicht dem mindeſten Zweifel unterworfen ſein, daß keine Einwilligung vorhanden ſein wurde, wenn derjenigen phyſiſchen Perſon, mit welcher die Ehe abgeſchloſſen werden ſollte, eine andere unterſchoben worden wäre; dieſer Fall iſt uͤbrigens kaum denkbar, ohngeachtet er, wenn z. B. die Braut völlig verſchleiert war, doch wohl möglich wäre. 8* b) Eben ſo wenig kann es zweifelhaft ſein, daß die Ein⸗ 241 uan willigung dadurch nicht nichtig wird, wenn der Irrthum nur die Eigenſchaften, das Vermogen, die Sitten, den ntn Rang, ꝛc. ꝛc. ꝛc. der Perſon, mit welcher die Ehe ab⸗ zun ¹ geſchloſſen worden, zum Gegenſtande hätte, ſelbſt wenn 6 i er durch dieſe veranlaßt und unterhalten worden wäre; lh der Irrthum uͤber die Jungfrauſchaft wuͤrde daher zu P einer Nulitãtniage nicht berchtigen⸗(e. w C.2 d- 1.) eben ſo wenig als die Unwiſſenſchaft einet, nicht int mit dem burgerlichen Tode verknüpften, Infamie. Bir niſ c) Schwieriger iſt die Frage in folgenden Fällen: der Ani 2) im Falle heimlicher Maͤngel, die zur Zeugung unfähig n machen.(L 39, F. 1. de jure dot.(23, 3.) 0 le 1 3 4 6 de frigid.(4, 15.) un Ediet. Pii. V. de a. 1586 in Bull. magn. T. onenti II. N. 634) Die Diskuſſionen laſſen dieſe Frage ganz ſin, unberuͤhrt, und dies hat mehrere franzöſiſche Rechts Ge⸗ 4 lehrte zu der Behauptung veranlaßt, als ob der Geſetzge⸗ ne uft ber in dieſem Falle durchaus keine NullitätsKlage geſtatte; nguit ſie ſtuͤtzen dieſe Behauptung auf den Grundſatz des franz. Rechtes: daß natuͤrliches Unvermoͤgen heit, n„zur Trennung der Ehe nicht berechtige, und daß der Be⸗ weggrund, aus welchem derſelbe genehmigt worden, das untmu— Aergerniß der Prozeſſe dieſer Art, auch in obigem Falle vor⸗ ſin uin⸗ handen ſei. Ich muß geſtehen, daß mic dieſe Gruͤnde nicht he ſilh uͤberzeugen können: untrſun 2) Darf man dieſen Fall einer durch Verſtu mmelung, m hh, monſtroſe Beſchaffenheit der Geſchlechts Theile ꝛc. zc. ver⸗ verſhlin urſachten ZeugungsUnfaͤhigkeit nicht mit dem des natuͤr⸗ lichen Unvermoͤgens vermiſchen. Die Schwierigkeit oder vielmehr Unmoglichkeit, das lette zu erkennen, mehr 46 242 als das aus dem Prozeß entſpringende Aergerniß, (weil man ſonſt auch alle EheſcheidungsProzeſſe wegen Ehebruch hatte abſchneiden muͤſſen) hat die geſetzliche Ver⸗ fuͤgung beſtimmt, kraft welcher eine Ehe wegen naturli⸗ chem Unvermoͤgen nicht angefochten werden kann. Die⸗ ſe Unmoͤglichkeit des Beweißes iſt aber in obigem Falle nicht vorhanden. b) Das Stillſchweigen des Geſetzes uber dieſen Fall beweißt gleichfalls nichts; der Art. 146 ſagt nur im Allgemeinen: keine Einwilligung, keine Ehe, er beſtimmt aber keineswegs, welcher Irrthum eine ſcheinbare Ein⸗ willigung fehlerhaft macht; mir ſcheint aber ein Irrthum in Hinſicht auf die phyſiſche Perſon vorhanden zu ſein, wenn das Individuum, das einen Mann, eine Frau heurathen wollte, nachher einen Kaſtraten oder ein Monſtrum geheurathet hat. Dieſe Meinung iſt wenig⸗ ſtens die eines achtungswuͤrdigen Appellhofes, der in einer wirklich anhaͤngigen Rechtsſache bereits einen, der⸗ ſelben entſprechenden, Vorbeſcheid erlaſſen hat. Siehe denſelben in meinen Annal. der Geſetzgeb. Nap. 1. 316. Einen altern Fall findet man bei Boͤhmer. J. E. P. lib. IV. tit. 1. 5 2o. 2) Iſt eine Einwilligung guͤltig, welche im Irrthum uͤber die buͤrgerliche Perſon, mit welcher jemand ſich verehe, lichen will, ertheilt worden? z. B. Cajus heurathet die Ti⸗ tia, weil er ſie fuͤr die Tochter von Sempronius haͤlt, entdeckt aber nach der Ehe, daß ſie die natuͤrliche Tochter eines unbekannten Vaters iſt. Die Parlamente waren ehedem uͤber dieſe Frage getheilt, und derſelbe Fall duͤrfte ſich unter der neuen Geſetzgebung ereignen. Im Staatsrath kam es zu langen Debatten, in welchen drei ver⸗ 243 n ſchiedene Meinungen geauſſert wurden. Mach der erſten uhſt un ſollte die Einwilligung dann nichtig ſein, wenn die Kbihh⸗ Veränderung des Standes ſich erſt nach dem Abſchluß nehn nit der Ehe ereignet haͤtte; nach der zweiten nur dann, wenn kn, d Argliſt oder Betrug dabei im Spiele geweſen waͤre; der ctiyn ſů dritten zufolge ſollte die Einwilligung nur in dem einzigen Falle fehlerhaft ſein, wenn der Irrthum die Identitat der Fül im phyſiſchen Perſon betroffen häͤtte. Keine dieſer Meinungen Almin ſcheint jedoch einen entſcheidenden Sieg erhalten zu haben, denn et bfm obgleich Hr. Portalis in dem exposé des motifs der heinbar h letztern beigetreten zu ſein ſcheint, ſo behauptet hingegen der inIn Tribun Boutteville(Tome 1. des discours p. 3ob et den zu ſt 367. edit. offic.) mit eben ſo viel Beſtimmtheit: den eine Fu Tribunalien ſei die Entſcheidung nach den beſondern Um⸗ ten cdert ſtaͤnden jedes einzelnen Falles anheimgeſtellt worden, eine g iſ n Behauptung, die durch die allgemeine Abfaſſung des Ge⸗ ofes, ini ſetzes unterſtutzt zu werden ſcheint. Völlig unrichtig aber iſt s einen, w das Reſultat, welches Jouanneau und Solon(1, hit. 6i 245, 281) aus dieſer Diskuſſion gezogen haben, und My zi Pfeiffer(l. 94) nach ihnen mittheilt. JEP Zweites Kapitel. Von den Hinderniſſen der Ehe. thun i 3 5 68. d ſih u— Zur che iſt Jedermann berechtigt, ſobald in Hinſichz nathet bi auf ihn kein geſetzliches Hinderniß beſteht. emyrtni Die in der Ciil Geſetzgebung begrundete Hindetniſſe tü nin ſind abgeleitet: e Punn A. aus dem NaturGeſetz: lſt) Mangel der Mannbarkeit; Bevingung eines ge⸗ 144½ n 5 wiſſen Alters)* lhenhit 145 147 328 295 896, 297 148—160 161— 164 343 ²5 295 244 ²) Unfähigkeit, ſeine Einwilligung zu ertheilen;(Un⸗ fähigkeit des Blödſinnigen, Unfaͤhigkeit wegen Zwang, Irrthum oder Betrug.) B. Aus dem PrivatRecht: 4) das Hinderniß das aus einer fruͤheren, noch be⸗ ſtehenden Ehe emſpringt;(Verbot der Bigamie) 2) das, welches aus einer fruͤheren, aber durch die* Eheſcheidung oder den Tod aufgelößten Ehe ent⸗ ſpringt; e) die Unfähigkeit wegen n Mangel der Einwilligung der Aeltern und Verwandten; d) das Hinderniß, welches aus der natuͤrlichen und buͤrgerlichen Verwandtſchaft entſpringt. c. Aus ſtaatsrechtlichen Beweggruͤnden: a) die Unfähigkeit, die aus der peinlichen Verurtheilung zum buͤrgerlichen Tode entſpringt; 3) die Unfähigkeit zur Ehe mit dem Mitſchuldigen eines Ehebruchs, der der Grund zur der erſten Ehe geweſen iſt; c) eine durch geiſtliche Geſetze ausgeſprochene Unfaͤ⸗ higkeit zur Ehe, in ſo fern die Staats Gewalt aus politiſchen Gruͤnden ſie als Hinderniß der buͤrgerli⸗ chen Ehe gelten laßt, z. B. das Verbot der Ehe katholiſcher Prieſter; c das Verbot der Ehe zwiſchen Negern und Weiſſenz ) das Hinderniß, welches aus den Verordnungen perſließt, welche Perſonen von gewiſſen Ständen z. B. MilitairPerſonen, oder gewiſſen Beam⸗ ten, verbieten, ſich ohne Erlaubniß ihrer Vorgeſetz⸗ ten zu verehlichen. 245 helen n Anſſer den oben aufgezählten Hinderniſſen der Ehe er⸗ gt u kennt das Geſetz keine weitere an. Locre, III. a3. IV. q26. Pandectes Frangaises, III. 456, Ver⸗ baiProzeſſe vom 26 Fruktidor 9, 6 5 14 Vendemiaire, 6 Bru⸗ nnoch maire und 24 Frimaire 16 Nivoſe 10, 16 Brumaire 11, 21 und 24 Pluvioſe 11. Thibaut S. d. P. 5 386 bis 406. Delvincourt, derBzin I. 94 et suiv. Inst. in pr. de nuptiis(1. 10) L. H. de ritu nup- er duch tiarum(23, 2.) C g. 10, 11 X de sponsal. impub. 6. inst. . Chen de nuptis(1. 10.) E. 2 C. de ineestis et inutilibus nuptiis(V. 5.) L. 18 C. ad legem julian. de adulter. I- 2, 3. 18, 25, 34 fH. imilin de ritu naptiarun(. M. 2. 3, 5, 25. C. de nuptiis.(5. 4.) L. 39„ 54. fl. de rirn nuptiarum(23. 2.0 L, 19. C. de nupt. 5. 9 7 inst. de adopt. 6 ½) D. b, 7 23 eod. H.(1, 2.) L. 17½ rlichen u 22 26, 62 de R. N.(a3. a.) Mov. 134. C. 12. C. 1 3 6, X. J de eo qui dur. in matrim.(4. 7.N Cap. 1. X. de conwers. inhidel.(Z. 33.) L. 39 S1 de jur, dot.(23. 3.) Cap. 1, 2, 3, 4. ennhel 5, X. de Krigid.(g. 15.0) Geſetz vom 20 September 1792. Gut⸗ achten des Staatsraths vom(17 Germinal und 4 Thermidor 13,) 7 März und 23 Julius 1805. Art. 4 des Kaiſerl. Statuts vom itſchuli 50 Maͤrz 1806, Art. 49 des Kaiſerl. Statuts vom 1 März 1803. Schein Beſchluß der Regierung vom 20 Prairial 11. Cirkularſchreiben des GrosRichters vom 18 Nivoſe 11. Dekrete vom 16 Junins, 3 und 23 Auguſt 180g. Cirkularſchreiben des Kriegsminiſters vom. cherli 7 September 1808. Art. 10 des Dekrets vom 17 Maͤrz 1808. ewatu Annalen der Geſetzgeb. Napol.) et biu 1) Obige Hinderniſſe laſſen ſich in de, und ot dah fortwährende, verhindernde*)(impedientia) und vernichtende(dirimentia) eintheilen. nd Viſt *) Ich ziehe dieſen Ausdruck dem: auſſchiebende, vor, weil⸗ mum man ſie ſonſt mit den voruͤbergehenden verwechſeln koͤnn⸗ 1 Ginn te, waͤhrend die impedientia, ſo lange ſ ebeſtehe n, und zwar ſen Bean waͤhrend der ganzen Lebenszeit deſſen, in Hinſicht auf welchen ſie vohiſt vorhanden ſind, die Ehe verhindern, jedoch die ihrer ohngeachtet abgeſchloſſene Ehe nicht nichtig machen. 2 246 Vorübergehende Hinderniſſe ſind die) litt. A.„, 65; litt. B, 5,(mit Aushahme deſſen, welches aus dem Art. 295 herfließt) und c. litt. C. e und⸗, wenn im Falle litt. e. das weltliche Geſetz aufhoͤrt, das kanoniſche Hinderniß als ein Hin⸗ berniß der CivilChe gelten zu laſſen, oder wenn, ſo⸗ wohl im Falle von litt. c als von litt. e durch den Austritt aus dem Stande, in Hinſicht auf welchen das Verbot beſteht, das Hinderniß wegfaͤllt. Immerwährende Hinderniſſe ſind: à) die litt. B.« und d, das letztere jedoch nur in ſo fern, als in Graden, in welchen Dispenſen erlaubt ſind, keine erwirkt worden iſt. b) Die litt. C. a, 5, e, 4 unde, wenn durch den Austritt aus dem Stande, in Hinſicht auf welchen das Hinderniß beſteht, dieſes nicht wegfaͤllt, z. B. bei Prinzen und Prinzeſſinnen des Kaiſ. Hauſes, welche durch die Entſagung dieſer Eigenſchaft die Verfugung des Sta⸗ tuts vom 30 May 1806 nicht umgehen konnen. Von der Eintheilung der Hinderniſſe in verhindernde und vernichtende wird im nuchſten Kapitel die Rede ſein. 2) Einer der Hauptzwecke der Ehe, der hauptſächlichſte in Hin⸗ ſicht auf die Geſellſchaft, iſt die Zeugung der Kinder. Da⸗ her die Bedingung der phyſiſchen Tauglichkeit zur Ehe, der Mannbarkeit.(144, 145) Der Geſetzgeber mußte durch ei⸗ ne allgemeine Regel die Epoche beſtimmen, mit welcher die geſetzliche Vermuthung dieſer phyſiſchen Entwickelung eintreten ſoll, indem es ihm unmöglich war, ihre Fortſchritte in je⸗ du vlit i inh dr vn, e duch f mhn ur in ſojn t ſind, in n duch uf welt lt/ 3 2. „wilchu ung det mn. thinbem tel hie lichfe ih ſindr. zur b, i t iurh it wehri un eitn hit i; 247 —. dem Individuum zu verfoigen. Der Coder Napoleon hat dieſe Epoche ſpäter hinausgeſetzt als die roͤmiſche Geſatz⸗ gebung, das Geſetz von 1792 und(in. Hinſicht auf die Mädchen) der Kodex Friedrich; eine Neuerung, die man nicht anderſt als preißen kann, wenn man die Nachtheile der allzufruͤhzeitigen Ehen, ihren ſchdlichen Einfluß auf die phyſiſche Konſtitution und die Erziehung der Kinder, ihre Gefahr fuͤr die noch unausgebildete Mutter, die Entnervung der unbaͤrtigen Ehemaͤnner, und die Eheſcheidungen, womit ſie ſich häufig endigen, in Erwägung zieht. Um den Nach⸗ theilen vorzubeugen, welche in einzelnen(ſeltnen) Fällen aus obigen Verftgungen entſpringen konnen, läßt das Ge⸗ ſetz Ausnahmen mittelſt Dispenſen zu; dieſe Dispenſen werden einem Beſchluß vom 20 Prairial 11 gemäß,(ſiehe meine ueberſetzung des Coder Nap. S. 563) vom Kaiſer auf den Bericht des Gros Richters ertheilt, welcher vorher das Gutachten des Kaiſ. Prokurators bei dem Tribunal erſter Inſtanz⸗ in deſſen Bezirke die Impetranten ſich verehelichen wollen, ein⸗ zuziehen hat. Die Dispens muß auf der Gerichtſchreiberei deſſelben Tribunals auf ein Regiſter eingetragen, und eine Ausfertigung derſelben dem Heuraths Akte beigefugt werden. Ohngeachtet kbrigens ſolche Dispenſen nur wegen wichti⸗ ger Beweggruͤnde ertheilt werden ſollen, ſo iſt doch deshalb nicht erforderlich, dieſe Beweggruͤnde in dem Be⸗ ſchluſſe ſelbſt anzufuͤhren, um ſo mehr da ſie meiſtens darauf hin⸗ auslaufen werden, daß der Beweiß einer fruheren Entwicke⸗ tung der ZeugungsKraft die Vermuthung des Geſetzes ent⸗ kraͤftet habe. 3) Der Grundſatz der Einheit der Ehe iſt für alle Einwoh⸗ ner des Reichs verbindlich, ſelbſt wenn ſie ſich zu einer —— Religion bekennen, welche die Vielweiberei erlaubt, weil das Civil Geſetz die Ehe ohne Ruͤckſicht auf religiöſe Dogmen re⸗ gulirt. Auch kann die Abweſenheit eines der Ehegatten, wie lange ſie auch gedauert haben mag, ſeinen Mitgatten zur zweiten Ehe nicht berechtigen(130) ſo lange kein beſtimm⸗ ter Beweiß ſeines Todes vorliegt. Sogar fuͤr die Weiber von MilitairPerſonen findet keine Ausnahme ſtatt, und eine noch ſo lange Abweſenheit ohne die mindeſte Nachticht kann den SterbAkt ihrer Maͤnner nicht erſetzen.(Gutachten des Staatsraths vom(77 Germinal 13) 8 Maͤrz 1804. Wir werden jedoch in der Folge erſehen, daß in dieſem be⸗ ſondern Falle die Bigamie die Ehe nur mit einer relativen, nicht aber mit einer abſoluten, Nullitt behaftet, ja daß die fruͤhere Ehe ſogar in ſoweit nur ein verhinderndes und kein vernichtendes Ehe Hinderniß iſt, als, wenn der Abweſende ſelbſt nicht zu⸗ ruͤckkehrt, die Ehe auf das Anrufen anderer Betheilig⸗ ten nicht nichtig erkläͤrt werden kann, ſelbſt wenn ſie nach dem Abſchluß derſelben den ſeines Lebens beibringen wuͤrden.(139) 4) Da die Ehe ein Kontrakt ſo erfordert ſie von Seiten der Kontrahenten die Fähigkeit zu kontrahiren; daher die Bedingung der Majorität, oder der Einwilligung derjenigen, unter deren Gewalt der Minderjährige ſteht. Der Einfluß der Leidenſchaften auf dieſen Kontrakt, der uͤber das ganze kuͤnftige Lebensgluck entſcheidet, und die Leichtigkeit, ein un⸗ erfahrnes Herz zu tauſchen, haben ſogar den Geſetzgeber be⸗ wogen, Gedoch nur fuͤr den Fall, wo dem jungen Manne in ſeinen Aszendenten noch aufgeklärte und ihm mit Liebe ergebene Rathgeber zur Seite ſtehen) gegen die Verfuͤgung des Geſeses von 1792 die Majorität in Hinſicht auf die wilhz Mnnp chun, Nihmn nhifin⸗ die Wih „udin Nahitt Gutnhn itz 6 ieſem k. ven nih üherob ichtend nicht zu Betheii ſi mh eibtinn Sin haher hi etjerin Einft is hn ein m⸗ let k Nm it kil fiun uf he 249 Ehe bis zum 23ten Jahre hinauszuruͤcken. Dieſe Neuerung erſtreckt ſich weder auf die Toͤchter, deren fruͤhere phyſiſche Entwickelung es nicht wohl erlaubt, ſie bis zum 25ten Jahre in einer unbedingten Abhaͤngigkeit in Hinſicht auf die Ehe zu laſſen, noch auf die Juͤnglinge, welche ihrer Aszendenten beraubt ſind, 1) wegen des Intereſſe's, das die Kollateral Verwandten, aus welchen der Familien Rath beſteht, haben konnten, die Ehe zu verhindern; 2) weit, da jedermann mit 21 Jahren Mitglied eines Familien Raths ſein kann, der Bruder oft in Hinſicht auf die Ehe von einem jüngern Bruder oder von juͤngern Seiten Verwandten abhaͤngig ſein wuͤrde. Der Beweggrund, aus welchem das franz. Recht die Ein⸗ willigung der Aeltern zur Ehe ihrer Kinder erheiſcht, iſt von demjenigen, der der aͤhnlichen Verfuͤgung des roͤmiſchen Rech⸗ tes zum Grunde lag, äuſſerſt verſchieden. Nach dieſer letz⸗ ten war die Bedingung dieſer Einwilligung von dem Eigen⸗ thumsRechte abgeleitet, welches den Vaͤtern uͤber ihre Kinder zuſtand, woraus ſich die doppelte Folge ergab, a) daß die Einwilligung der Mutter nie erforderlich war, ¹) die des Vaters aber in jedem Alter des Sohnes; die Strenge dieſes letzten Grundſatzes ward ſpaͤterhin ſehr gemildert (L. 28. C. de nupt.(3, 4.) L. 19. f. de ritu nupt.( 23, 2.) und verlohr ſich immer mehr, ſo wie das kanoniſche Recht in der Materie der Ehe einen gröſſern Einfluß erhielt. Die Dekretalen erforderten die Einwilli⸗ gung der Aeltern nur mehr wegen der Ehrfurcht, welche die Kinder ihnen ſchuldig ſind, und ſahen in dem Mangel derſelben nur ein verhinderndes Ehehinderniß, wel⸗ 5 250 ches erſt durch die Ordonnanzen der weltlichen Gewalt oder vielmehr durch den Gerichts Gebrauch*) in einigen Fällen wieder zu einem vernichtenden erhoben ward. 6) Der Art. 148 erfordert die Einwilligung beider Ehegatten (ſiehe die Anmerkung 5 zu dem§. 58) Die Eheſcheidung der Aeltern befreit die Kinder von der Verbinblichkeit, dieſe Einwilligung beizubringen, keineswegs.(Art. 303) Die Worte: S'il est dans l'impossibilité de manifester sa volomé, ſind übrigens auf diejenige Aeltern anwend⸗ bar, welche interdizirt oder zu einer peinlichen Strafe ver⸗ urtheilt ſind, die die Beraubung oder Suspenſion der Eivi Rechte nach ſich zieht, ebenwohl auf diejenige, deren Abweſenheit gerichtlich anerkannt iſt, nicht aber auf den Fall eines voräbergehenden Hinderniſſes; der Kontumap ſcheint als abweſend betrachtet werden zu muͤſſen. Dieſe Worte ſind ferner auf ſolche Aeltern anwendbar, die ſich im Auslande haben naturaliſiren laſſen.(Siehe mein Journal I. 1. S. 34.) 7 Iſt die von dem Vater ſchriftlich, 3. B. in ſeinem Teſtamen⸗ te ertheilte Einwilligung, hintänglich, wenn die Mutter die ihrige verweigert, der Vater aber vor dem wirklichen Abſchiuß der Ehe verſtirbt? Ich wuͤrde dieſe Frage bejahend beant⸗ worten, vorausgeſetzt, daß die Einwilligung des Vaters vor Kurzem, und beſtimmt fuͤr die Ehe, von welcher die Rede iſt, ertheilt worden wäre, vorzüglich dann, wenn der Vater — *) Weder das Ebiet von 1556, noch die Ordonnanz von Plois, noch die Deklaration vom 26 November 1639 ſprachen die Nullität der Ehe ſondern nur die Strafe der Enterbung aus. Dennoch war der Gerichts Sebrauch in ganz Frankreich in dieſer Hiuſicht einſtimmig. 251 4.* ſie ausdruͤcklich ertheilt hätte, um den Widerſpruch der Mut⸗ n iln ter zu entkräften; anderſt waͤre es, wenn der Vater bloß im Allgemeinen den Wunſch geaͤuſſert häͤtte, ſein Sohn hn oder ſeine Tochter moͤge ſich mit dieſer oder jenem vereh⸗ h lichen. Doch iſt dieſe Frage aͤuſſerſt delikat; ſo viel ich weiß tinhitit, hat man noch kein Urtheil weder für die eine noch die an⸗ 3 2 dere Meinung. iſesur n 8) Der Art. 150, welcher die Einwilligung der Grpseltern und UrGrosAeltern in Etmangelung der Aeltern erheiſcht, Ztrift m hat in der Anwendung bereits groſſe Schwierigkeiten erlit⸗ nſon b ten, welche hauptſaͤchlich daher herrbhrten, daß die Deszen⸗ ge, du denten ſich oft in der Unmoͤglichkeit befanden, den SterbAkt aber ui ihrer GrosAeltern beizubringen. Ein Gutachten des Staats⸗ hontun raths vom(4 Thermidor 13) 23 Julius 1805,(Siehe mei⸗ n. Zi ne Ueberſetzung des Codex Napoleon S. 44) hat deshalb ent⸗ u, dſ ſchieden: 1) daß das Zeugniß der GrosAeltern den Sterb⸗ ziehe ni Akt der Aeltern erſetzen köͤnne; 2) daß, wenn Aeltern und GrosAeltern verſtorben ſind, man ſich in Ermangelung der nTiunn SterbAkte mit der eidlichen Erklärung der grosjährigen Ehe⸗ Muti gatten und der vier Zeugen des HeurathsAktes begnuͤgen enlſt knne. Zu bemerken iſt, daß die fur den g uͤnſtigen Fall hend lu der Ehe erlaſſene Verfuͤgungen dieſes Gutachtens auf den Lum n unguͤnſtigen Fall einer Eheſ Feibeng nicht anzuwenden hu ſind.(Art. 283) nkan 9) Die Art. 151— 137(die ſechs letzten wurden erſt am(e1 Ventoſe 12) 12 May 180 dekretirt, und in den Codex eingeſchaltet,) haben die durch das Geſetz von 1792 abge⸗ Puli ſchafte Bedingung der ehrfurchtsvollen Anfragen — um die Einwilligung der Aeltern zu der Ehe großjaͤhriger eir hu Stöhne und Töchter wieder eingefuͤhrt, ohne jedoch den Ab⸗ 252 gang dieſer Anfrage, der auch, wie wir in derFolge erſehen wer⸗ den, kein vernichtendes Ehe Hinderniß iſt, wie die De⸗ klaration von 26 November 1639 mit der Strafe der Ent⸗ erbung zu belegen. Ganz ohne Grund haben einige neuere franzoſiſche Schriftſteller behaupten wollen, als könne die Unterlaſſung dieſer Formalitaͤt noch heutzutage ein Grund zur Enterbung werden, da doch im Staatsrath beſtimmt entſchieden ward, daß keine Enterbung, in keinem Falle und aus keinem Grunde, mehr ſtatt finden ſolle, eine Entſcheidung, uber welche das Stillſchweigen des Codex mit dem Art. 7 des Geſetzes vom 30 Ventoſe 12 verglichen durch⸗ aus keinem Zweifel mehr ſtatt giebt. 10) Man hat die anfangs im Falle der Art. 152 und 183 in Vorſchlag gebrachte Zeitfriſten abgekürzt, weil die Verwei⸗ gerung der Einwilligung dennoch die Ehe nicht verhindern kann, eine längereVerzögerung aber wegen dem Aergerniß, das ſie haͤufig veranlaßt haben wuͤrde, von allzugroßem Nachtheil ge⸗ weſen wäre. Die durch dieſen Artikel beſtimmte Friſten ſchienen hinlaͤnglich, um den Hauptzweck des Geſetzgebers, die kunftige Ehegatten durch die Verzögerung ihrer Ehe zum Nachdenken uͤber dieſen Schritt zu zwingen und den Leidenſchaften Zeit zu laſſen ſich abzukühlen, zu erreichen, und zugleich den Uebelſtand zu vermeiden, welcher darin ge⸗ legen haͤtte, wenn es ihnen erlaubt geweſen waͤre, gleich am Tage nachher, nachdem die nachgeſuchte Einwilligung ver⸗ weigert worden, zur Ehe zu ſchreiten. 21) Iſt die Verfuͤgung des Artikels 153 auf die Tochter, wie auf die Soͤhne, erſt nach zuruͤckgelegtem 3oten Jahre anwendbar, oder ſchon, nachdem ſie das im vorhergehenden Art. beſtimmte Alter von 25 Jahren zuruͤckgelegt haben? Dieſe 7 ſhnn ie e De der Ent ig nun knn ſ in Gnn beſinn m Fol olle, tin oder ni n dur 153 in Perwei ethindem i d ſi htheil g. e Fiſn ſetpelet, her und u eeichn, darin g⸗ geih in un w Lich, nIih eſendin nDi 253 Frage iſt bereits einigemal vor den Gerichtshöfen zur Spta⸗ che gekommen, und immer dahin entſchieden worden, daß die Toͤchter, ſobald ſie das 25te Jahr zuruckgelegt haben, nur mehr zu einer einzigen ehrfurchtsvollen Anfrage verbun⸗ den ſind,(ſiehe eine weitlaͤuftige Erörterung derſelben nebſt einer Entſcheidung des Appellhofes von Bordeaur vom 22 May 1806, in der Collection d'arréts et de jugements, 1807. S. 334. u. ff. ein Urtheil des Appell⸗ hofes von Grenoble vom 10 Februar 1806, ein ähnli⸗ ches des Appellhofes von Beſangon in der Jur. du C. N. 1808 1. 478.) weil 1) der Art. 152 einen beſtimmten Un⸗ terſchied zwiſchen den Söhnen und den Töchtern in Hinſicht auf das Alter macht, den 2) der Art. 153 nicht aufhebt, weshalb man, nach der Regel, daß die Geſetze in Falle ei⸗ nes Zweifels eher in Uebereinſtimmung zu ſetzen als auf eine Art auszulegen ſind, wo das eine das andere paralyſiren wuͤrde, (welches hier um ſo weniger der Fall ſein kann, weil der Ar⸗ tikel 153 unmittelbar auf den Art. 152 folgt, und daher, wenn er der Verfuͤgung dieſes letztern derogiren ſollte, man dies ſicher erklärt haben wuͤrde) den Artikel 133 ſo zu verſtehen hat, als wäre er abgefaßt: après l'àge de trente ans pbur les fils et après dge de vingr-cinq ans pour les v11LLRs. etc. etc. 12) Das Edikt von 1697 hatte zwar die ehrfurchtsvo lle Anfragen vorgeſchrieben, die Form derſelben jedoch unbe⸗ ſtimmt gelaſſen, welche demnach durch ein arrét de régle- ments des Parlaments von Paris vom 27 Auguſt r602 be⸗ ſtimmt ward. Die Vorſchriften dieſes arrét, welchem die Verfugungen des Art. 154 entſprechen, hatten in den Ge⸗ richtsſprengeln mehrerer Parlamente(gegen den Tert des Edikts 254 von 1691, deſſen Art. 6. ausdrucklich eine ſchriftliche 3 Anfrage erlaubte) den Zuſatz erhalten, daß die ehrfurchts⸗ volle Anfrage durch die Soͤhne und Toͤchter in Perſon geſchehen mußte. Seit der Verkuͤndigung des Codex wur⸗ den ſchon oͤfters ehrfurchtsvolle Anfragen aus dem Grunde als nichtig angefochte, weil ſie in Abweſenheit der Partheyen durch die beauftragten Notarien geſchehen waren, wobei man ſich hauptſächlich auf den Zweck jener geſetzlichen Verfuͤgung, eine Annaͤherung zwiſchen den Aeltern und ihren Kindern zu bewirken und auf den vorigen Gerichts⸗ Gebrauch ſtutzte; auch fand dieſe Behauptung bei dem Ap⸗ pellhof von Amiens Eingang, der durch ein Urtheil vom 3 Prairial 13(Jurisprudence du Code Napoléon, an 13. II, 367) aus dieſem Grunde eine Anfrage nichtig erklärte; allein dieſes Urtheil iſt offenbar unhaltbar, weil die perſönliche Gegenwart der Partheyen durch keine geſetzli⸗ che Verfuͤgung, in keinem Fille aber unter Strafe der Nul⸗ lität vorgeſchrieben iſt; auch haben einſtimmige Urtheile der Appellhoͤfe von Rouen(vom 6 Maͤrz 1806, a. a. O. 1806. 1. 460) von Bordeaur(vom 22 May 1806, collec- tion d'arr. et de jug. 1807, 334,) von Bruͤſſel, von Lyon und von Grenoble die gegentheilige Meinung proklamirt, die durch ein Urtheil des Kaſſationshofes vom 4 November 1807.(J. du C. N. 1808. 1, 14) beſtätigt worden iſt. 13) Das Geſetz enthäͤlt weder eine Formul der ehefurchtzvolln Anfrage, noch ſchreibt es die Ausdruͤcke vor, in welchen ſie abgefaßt ſein muß. Der Gegenſtand des Aktes erheiſcht indeſſen nothwendig, daß ſie ehrfurchtsvoll und be⸗ ſcheiden ſein muͤſſen, und die Tribunalien haben ohne al⸗ 255 ifti len Zweifel das Recht, denjenigen, worin die den Aeltern ſchuldi⸗ qn ge Ehrerbietung bei Seite geſett wäre, zu annulliren. Je⸗ Yſn dch darf man hierin nicht zu weit gehen, und wegen einem oder andern unſchicklichen Ausdruck, der vielleicht aus der n bu Feder des Notars gefloſſen iſt, die Partheyen in die Noth⸗ Muhn wendigkeit verſetzen, die Anfragen nochmals zu wiederhohlen, n wenn es aus dem Ganzen erhellt, daß keine beleidigende ſthihn Abſicht dabei untergeloffen iſt. Sie ſind durch Urtheile des ltn m Appellhofs von Rouen(J. du C. N. 1806. II. 57) und Guiht⸗ Amiens(ibid. I. 194) und des Kaſſationshofes(ibid. 1808 dem 1. 14) Anfragen guͤltig erklärt worden, worin die Ausdruͤcke: rtheil en requis. sommé, et interpellé, vorkamen, und worin die apolson, Partheyen bet der letzten erklaͤrt hatten, daß ſie, falls die ug nicht, erbotene Einwilligung forthin verſagt werden ſollte, nach hu, Ablauf der geſetzlichen Zeitfriſten ihre Verbindung zu vollzie⸗ in gſit⸗ hen entſchloſſen wären. Von den Akten, wodurch die An⸗ frage geſchieht, muß uͤbrigens, wie von jeder Zuſtellung, rhile eine Abſchrift zuruͤckgelaſſen werden; doch hat der Appell⸗ d no hof von Beſancon durch ein Urtheil vom May 1808 einen 6, elk⸗ ſolchen Akt gegen die Behauptung gultig erklärt, als ob die ſel n die von demſelben zuruͤckgelaſſene Abſchrift nicht vollſtändig Pim waͤre, indem ſie bloß die Anfrage, nicht aber den von dem fs un Notar uͤber die Antwort errichteten Verba Prozeß enthielt. i 14) Kann die ehrfurchtsvolle Anfrage in dem Wohnſitz der Aszendenten zugeſtellt oder muß ſie dieſen in Perſon uͤberge⸗ ntnn ben werden? Der Art. 154 ſcheint die letzte Meinung zu nhuſ unterſtuͤtzen, weil, demſelben zufolge, von ihrer Antwort z ehiſt Meldung geſchehen muß. Da es aber nicht von den Ael⸗ 36„ tern abhaͤngen kann, die Zuſtellung der Anfrage und ſomit nhn die Ehe auf unbeſtimmte Zeit zu verhindern, indem ſie ſich 256 weigern wuͤrden, die mit der Zuſtellung beauftragte Nota⸗ rien vor ſich zu laſſen, ſo haben mehrere Appellhoͤfe Zuſtel⸗ lungen, die im Wohnſitz geſchehen waren, guͤltig erklärt. (Decisions notables de la Cour d'appel de Bruxel- les, an XKIII. I. 370 et suiv.) Im Algemeinen ſcheint jedoch die Zuſtellung an die Perſon mehr als die im Wohn⸗ ſitz dem Sinn der geſetzlichen Vorſchrift zu entſprechen, und da es den Aeltern ſchwer fallen duͤrfte, ſie auf die Länge zu vermeiden, ſo wuͤrde ich vorziehen, wenn es immer moͤglich iſt, lieber den guͤnſtigen Augenblick abzuwarten, oder wenig⸗ ſtens von der wiederhohlten Weigerung, den Notar vorzulaſſen, in dem Akt ſelbſt Meldung thun. 15) Die ehrfurchtsvolle Anfrage muß gleichfalls bei dem Va⸗ ter und der Mutter geſchehen;(154) die Verfuͤgung des Art. 155, iſt nicht auf jedes Individuum abwendbar, das von ſeinem gewoͤhnlichen Wohnorte entfernt iſt, ſondern nur auf das, welches ſich im Falle der vermuthlichen oder erklaͤrten Abweſenheit, in dem Sinne, in welchem dieſes Wort im Titel 1l. des Coder gebraucht wird, befindet. Die StrafVerfugungen der Art. 186 und 157 wärden vielleicht beſſer in den ZuchtPolizeiGeſetzen ihre Stelle gefunden ha⸗ ben; haͤtte man ſie aber bis zur Reform der peinlichen Ge⸗ ſetzgebung verſpart, ſo waͤre einſtweilen kein Mittel vorhan⸗ den geweſen, um den Vollzug der Vorſchriften des Art. 151 zu verſichern. Dieſe Strafen betreffen niemals die Par⸗ theyen; ſind dieſe minderjährig, ſo ſind ſie durch die Nullität ihter Ehe hinlaͤnglich beſtraft; ſind ſie grosjährig, ſo wuͤr⸗ de jede Strafe, da die Ehe beſteht, nur ein Hinderniß der Aus⸗ ſoͤhnung unter den FamilienGliedern werden; uͤbrigens iſt auch jede Uebertretung des Geſetzes von ihrer Seite ganz ——.———— hte M hit zn iti it Buu einen ſhit in Wh hen, ie Linſ ner niht oder mi vorzulſſſ, j dem W ugdes I das n en nru et etin ieſes Wt det. J en vitlit efundn inichn⸗ tel wehn⸗ es In hl die N die Mulit „ſon⸗ deru⸗ bin zit hi (. 257 unmöglich, ſobald der Beamte des Civilſtandes ſeine Pflicht erfuͤllt. Eben ſo wenig kann ſie die ReligionsDiener betreffenz der Vorſchlag, auch dieſe verantwortlich zu machen, ward verworfen, weil ſie keiner Ehe die prieſterliche Einſegnung ertheilen duͤrfen, bevor ſie nicht vor dem Beamten des Ci⸗ vilſtandes abgeſchloſſen worden iſt, man ihnen daher auch, oh⸗ ne ſie mit einer Reviſion der Civil Akten zu beauftragen ⸗ die Befugniß nicht geſtatten, noch viel weniger aber es zur Pflicht machen konnte, dieſe Einſegnung unter dem Vor⸗ wand zu verſagen, daß der Beamte des Civilſtandes die ge⸗ ſetliche Formalitäten nicht erfuͤllt habe. Dieſe Strafen gra⸗ duiren ſich uͤbrigens nach dem Alter der Contrahenten, welches in dieſen Faͤllen die Wichtigkeit der Uebertretung beſtimmt; man hat eine Gefängnißſtrafe mit der Geldſtrafe verbunden, weil die letzte allein gegen die Beſtechung reicher Partheyen ohne Wirkung geweſen wuͤrde. 16) Anerkannte naturliche Kinder bedurfen wohl der Ein⸗ willi gung ihrer Aeltern, nicht aber der ihrer GrosAel⸗ tern, weil die natuͤrliche Verwandſchaft, in der aufſteigen⸗ den Linie mit dem Vater endigt: die, welche nicht aner⸗ kannt ſind, gehoren dem Staate an, der die Sorge fuͤr die⸗ ſelbe durch einen Vormund ausubt, der in einer von dem Friedensrichter zu berufenden Familien Verſammlung zu er⸗ nennen iſt. Nach dem Alter von 21 Jahren ſind natuͤrliche Kinder, wenn ſie ihre Aeltern verlohren haben oder nicht aner⸗ kannt worden ſind, eben ſo wie rechtmäßige, deren Aszen⸗ denten verſtorben ſind, durchaus keiner Beſchraͤnkung unter⸗ worfen. 17) In Hinſicht auf die Bildung und Berufung des Fami⸗ 17 258 ken Raths, deſſen Einwilligung im Falle des Art. 160 erfor⸗ derlich iſt, hat man die Vorſchriften des zehnten Titels des 1 Buchs zu beobachten. Durch das, in der beruͤhmten Sa⸗ che des Hr. v. Themines am 10 Dezember 1806 von dem Appellhof von Agen erlaſſene und am 22 Julius 1807 von dem Caſſationshof beſtätigte Urtheil(ſiehe mein Jour⸗ nal fuͤr Geſetzkunde und RechtsGelehrſamkeit 111 Jahrgang IV Heft. S. 233,) iſt entſchieden worden: 1) daß weder die Verletzung des Art. 411, der die Fri⸗ ſten regulirt, welche bei der Berufung einer Fami⸗ lien Verſammlung zu beobachten ſind, noch ſelbſt 2) die Verletzung des Art. 407, welcher die Ordnung be⸗ ſtimmt, in welcher die Verwandte und Verſchwaͤgerte zu derſelben berufen werden ſollen, die Nullität der darin genommenen Berathſchlagungen und der von derſelben ertheilten Einwilligung nach ſich ziehen kann, weil dieſe Nullität nirgends von dem Geſetz vorgeſchrieben iſt. Allerdings aber berechtigt jedeVerletzung dieſer Vorſchriften nicht allein die Betheiligten, ſondern auch jedes Glied des Familien Raths, ſo wie die Verwandte und Verſchwäger⸗ te, welche unrechtmaͤßiger Weiſe davon ausgeſchloſſen wor⸗ den ſind, dieſe Berathſchlagung, ſo lange ſie noch nicht ihren Pollzug erhalten hat, vor den Tribunalien anzufech⸗ teu, und verordnen zu laſſen, daß von einer geſetzlicher Weiſe berufenen und zuſammengeſetzten Verſammlung eine neue genommen werde.(Art. 883 des Geſetzbuchs uͤber das Ver⸗ fahren im buͤrgerlichen Prozeß.) 18) Die Verfuͤgungen der Art. 161 und 162 ſind unbedingt; das Verbot des Art. 163 erleidet dagegen dem Artikel 164 zufolge Ausnahmen. Die EheVerbote wegen Verwandt⸗ t 1oijn n ihntn 6 805 wnin uits u mein n il ihtn der di ji einer jm h ſelhſ rdnun etſchwign gungen u jichen in otgeſchil Porſhin Glih Berſtnin hloſen be no it en annit r gſtite ung einu e di ln nbein Iuike 1ü Vn 259 ſchaft ſind zu gleicher Zeit milder als die des römiſchen Rech⸗ tes, welches die Ehe im vierten Grade verbot, ein Verbot, welches nachher durch die Art, wie die Grade im kanoniſchen Rechte gezäͤhlt werden, noch ausgedehnt ward, und ſtrenger als dieſes lettere, weil keine Dispenz von dem Verbot der Ehe zwiſchen Verſchwaäͤgerten im erſten Grade zulaͤßig iſt. Auch gieng dieſe Verfuͤgung, die auch von dem Geſetz vom 20 Sept. 1702 ab⸗ weicht, nicht ohne heftigen Widerſpruch durch. Das Intereſſe des Staates, die Vervielfältigung der Familien zu beguͤnſti⸗ gen, die Nothwendigkeit, der Corruption zwiſchen Perſonen, die unter demſelben Dache wohnen, Schranken zu ſetzen, und die Furcht, durch die Auſſicht auf die Ehe mit dem Gegen⸗ ſtande eines unerlaubten Umgangs Eheſcheidungen zu veran⸗ laſſen, waren die Beweggruͤnde, welche fuͤr das unbebingte Verbot die Oberhand erhielten. Vielleicht hat das Beiſpiel der Hauptſtadt zu einer Strenge bewogen, die in den Pro⸗ vinzen, vorzuglich auf dem Lande, in einzelnen Fällen von groſſen Nachtheilen iſt. Die Ehen dieſer Art waren da⸗ ſelbſt ſehr haͤufig, und nicht ſelten fanden die Kinder in der Schweſter ihrer Mutter die Mutter wieder; der aus dem vertrauten Umgang zwiſchen Perſonen verſchiedenen Geſchlech⸗ tes, die unter einem Dache zuſammenleben, entſpringenden Corruption duͤrfte durch jenes Verbot wohl ſchwerlich vorge⸗ beugt werden, allein das Mittel, das Aergerniß und die ſchädlichen Folgen dieſes Umgangs„der doch wohl dann am haͤufigſten ſtatt findet, wenn der erſte Ehegatte bereits verſtorben iſt, durch die Ehe zu heben, iſt benommen; und die groſſe Zahl von Bittſchriften um Dispenz, welche der Vorſchrift des Art. 162 ohngeachtet eingereicht worden ſind und noch tůg⸗ 3. 260 lich eingereicht werden, beweiſet nur allzuſehr, daß jene Ver⸗ fuͤzung mit den Sitten der Nation nicht im Einklang ſteht. Ein von den Ständen des Königreichs Weſtphalen erlaſſenes Ge⸗ ſetz hat dieſe Nachtheile gluͤcklich vermieden, und zugleich den HauptEinwurf der Vertheidiger des unbedingten Verbotes beſei⸗ tigt, indem es die Ehe unter Verſchwägerten mit Dispenz, die nur wegen wichtigen Urſachen ertheilt werden darf, zwar er⸗ laubt, jedoch nur unter der unnachlaͤßigen Bedingung, daß die erſte Ehe nicht durch Eheſcheidung aufgeloßt worden ſei. 9) Das Verbot des Art. 163 erſtreckt ſich nicht, wie das des orhergehenden Artikels, auf natürliche Oheime und Tanten, weil die natürliche Verwandtſchaft in der Sei⸗ tenLinie mit den Geſchwiſtern endigt. Im Napoleons Geſetzbuch von Pfeiffer(I. 74) wird dies in Zweifel gezogen; allein auſſerdem, daß es ein allgemein angenom⸗ mener Grundſatz des franzöſiſchen Rechtes iſt, finden wir auch lnicht in den Art. 765 und 766 ſondern) im Art. 756 die HauptWirkung deſſelben beſtimmt ausgeſprochen. 20) Ueber die Frage, ob man uͤberhaupt den Gebrauch der Dis⸗ penſen wieder einführen ſollte(unter dem Geſetz von 1792, das die Ehe nur in aufſteigender Linie und in der Seiten⸗ Linie nur unter Geſchwiſtern verboten hatte, konnte natürlich Feine Rede davon ſein) oder nicht, ward gleichfalls lange debattirt. Da aber hauptſachlich kein anderer Einwand da⸗ gegen gemacht ward, als daß dieſe Befugniß zu Misbräu⸗ chen ſtatt geben könnte, ſo ſuchte man dieſem dadurch vorzubeugen, daß die Ertheilung der Dispenſen dem Kaiſer vorbehalten und durch den Beſchluß vom 20 Prairial 12, (meine Ueberſetzung Anhang. S. 563) eine ſolche Unterſu⸗ chung vorgeſchrieben ward, welche nicht leicht einen Misbrauch 261 „ſihn leons 1. S. 256) gemäß, iſt der Art. 163 auch auf die Ehe in Auſ zwiſchen der Richte und dem GrosOheim dem fen und der GrosTante, anwendbar. djn befuͤrchten läßt. Somit kam auch die Befugniß, von Ehe⸗ Euin ſu Verboten zu dispenſiren, welche anfangs den Kaiſern zuſtand nuuſn(Tit. X. Cod. Theodos) und erſt im 14ten Jahrhun⸗ nd zihn dert von den Paͤbſten an ſich geriſſen ward, Ein Frankreich Pochett ward ſie erſt 1502 den Nationa Biſchöffen foͤrmlich delegirt) t ihn wieder an die weltliche Gewalt, zufolge des Grundſatzes, darf, zun daß die EheVerbote ſelbſt nur von dem weltlichen Geſetzge⸗ gung, i ber erlaſſen werden koͤnnen. Doch wurde man Unrecht ha⸗ voren ſi ben zu glauben, als wenn die Dispenz auch das Recht er⸗ „wie du theile, den Pfarrer zur kirchlichen Einſegnung zu zwingen, eimen wenn ein kanoniſches Hinderniß der Ehe vorliegt. Sie be⸗ in der b. rechtigt nur zum Abſchluß einer gultigen Se von wel⸗ Napolen cher das Sakrament ganz unabhaͤngig iſt. ⸗ zin e er Einer Entſcheidung des Kaiſers, iun zu Bayonne in un am 7 May 1808(Siehe Annalen der Geſetzgebung Napo⸗ rochen brunch ube 22) Durch ein am 16 May 1808 von dem Kaſſationshofe, F ſt mn nach mehreren Berathſchlagungen auf den Antrag des Kaiſ⸗ n beein GeneralProkurators Merlin erlaſſenes Urtheil iſt es ent⸗ ont mi ſchieden worden, daß jede von einem Emigranten, vor tichftls u ſeiner Amniſtirung, um Auslande kontrahirte Ehe, null und bimm nichtig iſt, weil durch das Geſes vom 28 May 17093 der zu Nü buͤrgerliche Tod gegen die Emigranten verhaͤngt worden, un un und ſie durch das Senats Konſult vom 6 Floreal 10 nur für ninti die Zukunft in die CivilRechte wieder eingeſetzt worden wuun ſind, auch ein Gutachten des Staatsraths vom 18 Frukti⸗ iin n dor 13 nur die ſeit jenem SenatsKonſult von den Emigranten kontrahirte Ehen fur gältig erklärt habe.(Ju- Mit 262 risprudence du Code Napoléon, annse 1g03. I. p. 447.) 23) Es beſteht zwar kein Geſetz, welches den katholiſchen Prie⸗ ſter zur Ehe unfaͤhig erklaͤrt; uber dieſe Unfaͤhigkeit, ſo lan⸗ ge er die Eigenſchaft als Prieſter beibehält, kann jedoch kein Zweifel obwalten, indem dieſe von dem Staat als Diener ei⸗ ner Kirche anerkannt und beſoldet ſind, welche die der Ma⸗ jorität der Staatsbuͤrger iſt, und welche, noch zur Zeit we⸗ nigſtens, die Prieſter Ehe mit ihrem Anathem belegt. Schwie⸗ riger iſt die Frage, ob der katholiſche Prieſter dadurch, daß er dieſem Stande entſagt, zur Ehe fähig wird? Das aus dem kanoniſchen Rechte abgeleitete Argument von dem unausloͤſchbaren Charakter der Prieſter Weihe kann hier nicht in Anſchlag kommen, indem das Geſetz je⸗ dem Staatsbuͤrger die vollige Freiheit läßt, die Religion, welche dieſen Lehrſatz aufſtellt, mit einer andern zu vertau⸗ ſchen. Wenden wir dieſen Grundſatz auf den katholiſchen Prieſter an, ſo muͤſſen wir geſtehen, daß keine Verfuͤgung des CivilRechtes ihn hindert, eine Ehe abzuſchlieſſen, ſobald et dieſer Eigenſchaft entſagt hat. Auch liefert die Erfahrung Belege genug zu dieſer Behauptung; po litiſche Grouͤnde können jedoch die Regierung veranlaſſen, eine ſolche Ehe wegen dem fuͤr die Gemeinde daraus entſpringenden Aergerniß zu verbieten. Noch zur Zeit iſt mir nur ein einziger Fall be⸗ kannt, wo die Regierung ein ſolches Verbot erlaſſen hat, (ſiehe mein Journal, 11 Jahrgang 2 B. S. 387) und wobei folgende Umſtände zuſammentrafen: 1) der Prieſter wollte die Ehe zu Bordeaur, an dem Or⸗ te ſelbſt, wo er ehedem ſeine AmtsVerrichtungen ver⸗ . oh,!, lſhuyn ſit, u njihechh i Diuni die he h jur züt egt. Shn aduch, Din t von i eihe in Geſcz; Rliin ju it kihtiſin Pin eſſen, u ie Erſhn he bin E Nunmn ze jül t rluſſn ht un benb nn 263 fehen hatte, abſchlieſſen, und der Etzbiſchoff hatte ei⸗ ne Oppoſition dagegen eingelegt; 2) der Vater hatte gleichfalls eine Oppoſition eingelegt, die ſich darauf grundete. daß der Prieſter ſeinen Ein⸗ fluß als Beichtvater ſeiner Tochter benutzt habe um dieſe zu verfuͤhren. Da die Tochter 26 Jahre alt war, ſo wuͤrden indeſſen die⸗ ſe Oppoſitionen ohne Wirkung geweſen ſein, wenn nicht der Kaiſer während dem Lauf des Prozeſſes dem Beamten des Civilſtandes zu Bordeaux haͤtten verbieten laſſen, den Heuraths Akt aufzunehmen. Eine einmal abgeſchloſſene Ehe wärde in aͤhnlichen Fällen nicht annullirt werden können, weil kein Geſetz ſie verbietet. 24) Durch ein Cirkularſchreiben des GrosRichters Miniſters der Gerechtigkeits Pflege vom 18 Niv. 1x iſt den Beamten desCivil⸗ ſtandes auf Befehl des Kaiſers verboten worden, HeurathsAkte zwiſchen Negern und Weiſſen aufzunehmen. Da aber keine geſetzliche Verfugung die dieſem Verbot zuwider abgeſchloſſe⸗ ne Ehen nichtig erklärt, ſo könnte die Nullität einer dieſem Verbot zuwider abgeſchloſſenen Ehe auch nicht von den Ge⸗ richten erkannt werden. 23) Es ſind mir vier Verfuͤgungen von der Art bekannt, von welchen unter litt. C. Nro. e des obigen Paragraphs die Rede iſt: «) Die Prinzen und Prinzeßinnen des Kaiſerlichen Hauſes dürfen ſich nicht ohne Erlaubniß des Kaiſers verehelichen. Eine ohne dieſe Erlaubniß abgeſchloſſene Ehe iſt kraft des Geſetzes und ohne Urtheil null und nichtig. Gaiſerliches Statut vom 30 Maͤrz 1806 Art. 4) 3) Die Wittwe des Titularen eines Majorats darf ſich 264 nicht ohne Erlaubniß des Kaiſers verheurathen. Doch zieht die Uebertretung dieſes Verbotes nicht die Nullität der Ehe ſondern nur den Verluſt ihres aus den Majorats Gůtern zu beziehenden Wittwen Gehaltes nach ſich.(Art. 40 des zweiten Statuts vom 1 März 1808, A. der G. N. 1. 18.) „ Land⸗und SeeOffiziere duͤrfen ſich nicht vhne die Erlaubniß des Kriegs Miniſters, Soldaten und UnterOffiziere nicht ohne die Erlaubniß des Verwaltungs Raths ihres Korps vereh⸗ lichen. Die Uebertretung dieſes Verbots zieht gleichfalls nicht die Nullität der Ehe, ſondern nur die Verluſtigung auf eine Penſion und allenfalls die Deſtitution nach ſich. Nur Militair Perſonen die ſich wirklich in Dienſtthätigkeit be⸗ finden, und ſolche, welche einen Reform Gehalt beziehen, ſind demſelben unterworfen; nicht aber die, welche ihre Re⸗ traite erhalten haben.(Kaiſerliche Dekrete vom 16 Junius, 3 und 28 Auguſt 1808, Cirkularſchreiben des KriegsMini⸗ ſters vom 7 September 1807.) c) Die Proviſoren und Cenſoren der Lyzeen, die Vorſteher und Regenten der Kollegien und die dabei angeſtellte Lehr⸗ meiſter ſind zum Cölibat verpflichtet.(Art. xor des De⸗ krets vom 17 May 1808) Dieſe Verpflichtung hört auf ſobald ſie einen hoͤhern Grad in der Kaiſerl. Univerſität er⸗ halten, und die Uebertretung zieht die Mullität der Ehe nicht nach ſich, ſondern nur die gegen die Glieder der Univerſität, welche die ihnen auferlegte Verbindlichkeiten nicht erfullen, durch das angefuhrte Dekret verhaͤngte Stra⸗ fen.(Siehe Annalen der Geſetgeb. Nap. 1. S. 313) 26) Noch bemerken wir folgende Ehe Hinderniſſe der ältern und gemeinen Rechte, welche in den Coder Napoleon nicht auf⸗ genommen wotden ſind, und daher die EivilEhe nicht hin⸗ dern können: 1) das Verloͤbniß oder die CheVerſprechung mit einer . andern Perſon.(C. 31. X. de sponsal.(4. 160) Man utin 5 ſehe in dieſer Hinſicht die Note 1zu dem§. pd. 2( lu gn 2) geiſtliche Geluͤbde der Keuſchheit.(C. 1. 2. l NX. qui cleric. vel voc, matrim.(4. 6.) Concil⸗ Trid. Sess. 24. de reform. matrim. C. 6. g. 0. 4. 6. 6 X. l. c. e. 20. D. 27. c. 1. C. 20. qu. 3. c22026. C. 7. q. 1. Man ſehe die Note 23 hieroben. 3) Das Verbot der Ehe durch die geiſtliche Ohrigkeit. 3 u( 1 3 de matrim. cantr. interdict.(Z. e 16.) c. 3. X. de elandest. desp.(4. 3 Sr tjie) Natuͤrliches Unvermögen.(Cap. 1. 203. X. inn de frigid.(4. 13.) in ſoweit, als eine darduf ge⸗ 6 i grundete Scheidungs Klage unzuläͤßig ſein wurde; uͤbri⸗ e gens Seite a41 hieroben. anic e 8) Das Verbot der Ehe zwiſchen dem Vormund 35 e Ponſt ſeinem Pupillen vor der RechnungsAblage.(L. eſluht de sponssl.(23. 1.) L. 39. 60 S 50. or 10 de R. N.(a3. 2.) 1 wine 5 Die Verſchiedenheit der ſzligienen 6. C. de Judaeis G. 90 C. 15 16. 1 7„ 6. 23 19. 1. cap. 14 de haert. in 6(5. 2.) ich b wliin 7) Standesungteicheit(L. 43„ 44. de R N. nen C23 2.) L. a3 29 C. de nupt.(5.4. 3 MNor. 89. c. 15. Nov. 1171c 6. Puͤtter, über Mis⸗ zumm Heurathen deutſcher Fürſten und Grafen, Gött. 1796. ſihtu Di Verwandtſchaft in entfernteren Gradin als ſit ſi die, in welchen der Coder bie Ehe verbietet. S„ 3 65 266 9. X. de vonsang. et aflin.(4. 14.) Concil. Trid. Sess. 24. de reform. mat. c. 4.) 9) Die aus einem Ehe Verloͤbniß entſpringende Quaſi⸗ Affinitat.(L. 12, F1.2. L. 14. F. ult in f. de R. N. Ez 2) eap. un de sponsal. in 6.(4. 1.) cap. 1. C. 27 q. 1. Coneil. Trid. loc. cit. cap.. 20) Die aus der Taufe und Confirmation entſprin⸗ gende geiſtliche Verwandtſchaft.(L. a6. C. de nup- tiis(§. 40 cap. 1. Ceso.. 3 4. 1. 6. 7.X. Spir.(4. 11¹) Das Verbot der Ehe zwiſchen dem Gouverneut der Provinz and einer Provinzialinn. C. 38, 67. pr. 63 66 de R. M.(23. 2.) Drittes Von Oppoſitionen gegen eine Ehe, und Klagen Nullität der E §. 69. tion cginſpruch gegen eine Ehe heißt der akt, wodurch dem Beamten des Civilſtandes, der eine EheVerkündigung erlaſſen hat, angekündigt wird, daß man ſich dem Abſchluß der Ehe ſo lange widerſetze, bis dahin der kompetente Richter über das EheHinderniß, welches der Opponent demſelben zu kari geſonnen erkannt haben wird.) Iſt keine Oppoſition cingeleg worden, ſo kann in den vom Geſetz beſtimmten Fällen auf Nullität der Ehe geklagt werden. Ein gleiches gilt, wenn in denſelben Faͤllen, einer beſtehen⸗ den Oppoſition ohngeachtet, zur Ehe geſchritten worden iſt, Der Beamte des Civilſtandes, der einer beſtehenden Oppoſition ohngeachtet zum Abſchluß der Ehe ſchreitet, 267 N iſt zur völligen Schadlobhaltung der Partheyen fuͤr jeden daraus erwachſenen Rachtheil verbunden, und auſ⸗ meuß ſerdem in eine Geldſtrafe verfallen, und zwar ſogar dann, iel wenn keine Klage auf Rullitaͤt der Ehe ſtatt findet. ) 4) Die Oppoſition kann jedem Beamten zugeſtellt werben⸗ der eine Publikation erlaſſen hat,(Art. 66 und 60„ 66) * daher die Vorſichts Maasregel des Art. 69. Es iſt daher en auch keinem Zweifel nterwbrfe daß derjenige Beamte, 6. 71 der einer ihm zugeſtellten Oppoſition ohngeachtet das nach dieſem Artikel erforderliche Zeugniß ausſtellen wuͤrde, in die—. eri von dem Art. 68 verhängte Strafen verfallen wärde, indem 69 de derAbſchluß der Ehe, der beſtehenden Oppoſitionen ohngench⸗ tet, in dieſem Falle nicht ſowohl das Werk des Beamten, der den HeurathsAkt aufnimmt als desjenigen iſt, der das Zeuge f Aul niß ertheilt, ohne Akt werden kann. 2) Der Cuter hat den Somtn des Sueh bie Juris⸗ heißt i diktion benommen, die das Geſetz von 1702 ihnen zugetheilt de it hatte; ſie haben weder zu unterſuchen, ob die Oppoſition duſun von ſolchen Perſonen eingelegt worden, die das Geſetz dazu Rhun berechtigt, noch ob ſie in den Friſten eingelegt worden, wo⸗ elhe rin ſie zuläͤßig iſt, noch ob ſie ſich auf einen vom Geſetz aner⸗ „ulm kannten Grund ſtuͤzt, noch ob ſie mit den geſetzlichen For⸗ malitäten bekleidet iſt. Sobald vor dem wirklichen Abſchluß dern der Ehe eine, auch noch ſo unförmliche, Oppoſition zugeſtellt ne wird, ſind ihnen die Haͤnde gebunden. Sie muͤſſen einhalten, heſthe bis dahin die Oppoſition durch den oinſ 1 ecklärt worden ſihn 268 Srſter Ab ſchnirt. WVon dem Einſprich Sppoſition) gegen eine Se enßiic gegen die Ehe darf nur in dem Falle eines wirklich beſtehenden EheHinderniſſes eingelegt werden, z dem Recht der Aszendenten unbenommen, auch auſſer dieſen Fällen, ſelbſt gegen die Ehe ihrer in Hinſicht auf die Ehe grosjährigen Deszendenten, Oppoſition einzulegen. Sie kann nur von denjenigen eingelegt werden, welche ein — Intereſſe haben, dieſes EheHinderniß geltend zu machen, 175 Grundet ſich dies Hinderniß auf ein Geſetz der öffentlichen Ordnung, ſo ſteht dieſe Befugniß auch dem öffentlichen 174 Nr. a Miniſterium zu), den einzigen Fall ausgenommen, wo ſich die Oppoſition auf den Blödſinn des zukunftigen Ehe⸗ gatten gruͤndet, in welchem Falle das Geſetz ſeinen näch⸗ ſten Verwandten unter der Bedingung, ſeine Interdiktion in einer beſtimmten Friſt zu betreiben, die eben Ein⸗ ſpruch zu thun, geſtattet. Hieraus folgt: 176 442) daß der OppoſitionsAkt die Qnalãt, neſche den Opponenten zum Einſpruch berechtigt, und den Grund, worauf dieſer ſich grundet, enthalten muß; 4) daß, wenn der Einſpruch unſtatthaft,(weil der 17) Opponent ohne Qualität oder das EheHinderniß ungegrundet war) befunden worden, der Op⸗ ponent zur võlligen Schadlos haltung der Partheyen fuͤr den aus ſeiner Oppoſition emſprungenen Nach⸗ theil verurtheilt werden kann; o) daß beide obige Verfuͤgungen die Sözendenten nicht betreffen, 269 *) weil ihre Qualitãt ſie zum Einſpruch, auch 6 dem Falle eines beſtehenden EheHinderniſſes, be⸗ rechtigt, deſſen Angabe daher nicht erfordert wer⸗ zalt u den kann, t wahn 8) aus welchem Grunde ſie auch zu teiner 8 chad⸗ ih u loshaltung verurtheilt werden können, wenn ſie chtafi von dieſem Rechte Gebrauch machen. inn Da endlich jeder, auch ungegrundete und nichtige, Ein⸗ welchei ſpruch, den Beamten des Civilſtandes verhindert, voran⸗ machn, zugehen, ſo muß in kurzerFriſt uͤber denſelben erkannt werden. fintlih Locre, a. a. O. III 244. VerbalProzeß vom 4 Vendemiaire 10, ſllihe 6 Brumaire und 19 Ventoſe 11, Maleville, I. 172. Tit. 6 Abſchn. 3 des Geſ. vom 30 September 1792. Répertoire nniver- nen, w sel, verbo: opp osition. Diseussions par Vokauneau et Solon, igen Ct I. 273. en nit 4) Um die Handlung eines andern zu verhindern muß: 1) ein nterdin Grund vorhanden ſein, 2) derjenige, der dieſen Grund gel⸗ guiß tu tend machen will, ein Intereſſe haben, ſie zu verhindern. Alle obige Artikel ſind Folgen dieſes Grundſatzes. So fließt der Art. 172 aus dem Artikel 147 her, und iſt mit dem elie Art. 189 zu konferiren. Um kraft deſſelben Oppoſition ein⸗ und j legen zu konnen, iſt es durchaus erforderlich, daß die erſte lienu Ehe foͤrmlich abgeſchloſſen worden ſei. Eine auf ein bloſſes (velu HeurathsVerſprechen gegruͤndete Oppoſition wurde hin. durchaus unſtatthaft ſein, da die Lehre von dem EheVerlobniß de dem franzoͤſiſchen Rechte ganz fremd iſt, ſelbſt wenn die Ehe anhen bereits verkuͤndigt worden und ſogar ein EhePakt errichtet unu worden waͤre. Zwar kann aus dieſem Akte eine, immer gehaͤßige Klaäge, auf Entſchädizung, nie aber das Recht, die anderweitige Ehe des zuruͤckgetretenen Verlobten zu ver⸗ zutun hindern oder aufzuhalten, herflieſſen. Auch hate⸗ vie franzoſi⸗ 270 ſche Jurisprudenz die PönalKlauſel, wodurch ſich eine der Partheyen im Falle der NichtErfuͤllung eines EheVerſpra⸗ chens zur Zahlung einer Entſchaͤdigung verbinblich macht, ſchon vor der Revoluzion verworfen,(Baghet, des droits de justice, chap. 21 No. 332, Loket, litt. m. No. 24„ Journal des Audiences p. 22. le Prestre, Cent. 1 chap. 68 ℳ) und erkannte höchſtens den Erſatz es wirklich erlittenen Schadens zu. 2) Wir haben bereits geſehen, daß die Aszendenten dieBeweggründe ihrer Oppoſition nicht anzufuͤhren verbunden ſind; dieſe Verfu⸗ gung, in Verbindung mit der des Art. 173, nach welcher ſie jederzeit, auch noch nach erlangter Grosjährigkeit der Deszen⸗ denten Oppoſition einzulegen befugt ſind, und dem Art. 179, der ſie von jeder EntſchädigungsKlage frei giebt, begruͤndet in Hinſicht auf ſie ein unbeſchraͤnktes und unbe⸗ dingtes Recht zur Oppoſition, welches ſich auf die Liebe zu ihren Kindern, auf ihr eignes Intereſſe, ſie verheurathet zu ſehen und ſich daher einer vernuͤnftigen Wahl nicht zu widerſetzen, und ihre Erfahrung gruͤndet. Aber man darf das Recht, Einſpruch zu thun, mit dem, durch die Wirkung dieſer Oppoſition die Ehe auf unbeſtimmte Zeit *) Siehe die L. 3, 3, 5. C, de Sponsal. et arrh. sp. die Nov. 13 des Kaiſ. Leon, bas Kap. 7. des ſaliſchen Geſetzes, de eo qu? liamn alienam quassierit et se retraxerit, welchemzufolge derjeni⸗ ge, der von einem Eheverſprechen abgegangen war, auch ſogar ohne Stipulation einen Abſtand von 2500 Deniers oder 62 und einen halben Sols zu zahlen verurtheilt werden ſolte; endlich das Kap. 134 des erſten Theils der 6tablissements de St. Louis welchem zufolge auch eine foͤrmlich bedungene nicht gefordert werden konnte. ich in Seuhn ſch ni, ies dui t. m. Pnn in bit ewegn ieſe Vt ſch welh etDeizn Art 17) begtüni nd un f die li etheuntt hl nit z mn f , hu innthit — e Wt de e qi ge dujui auch ſit er 61 un e; ulit 5t L01s uu ih 271 zu verhindern, nicht verwechſeln. Jeder Einſpruch von Sei⸗ ten der Aszendenten hindert den Abſchluß der Ehe durch den Beamten des Civilſtandes; allein der Opponent kann ſich, wenn er vor die kompetente Behoͤrde vorgeladen wird, nicht weigern, den Grund, worauf er ſeinen Einſpruch ſtüzt, anzufuͤhren, und das Tribunal darf die Aufhebung der Oppoſition nicht verweigern, wenn ſie ſich nicht auf ein geſetzliches EheHinderniß gruͤndet. Irrig behaupten einige franzöſiſche RechtsGelehrten, worunter ich den Kaiſ. Genera Prokurator bei einem Appellhof(Rouen) bemerk: das Stillſchweigen des Geſetzes uͤberlaſſe es der Macht des Richterſtuhls, die von dem Vater angeführte Grouͤnde abzuwaͤgen, zu verwerfen oder anzunehmen weil ſonſt das Geſetz nur die Oppoſition erlaubt, zugleich ſie aber jeder Wirkung beraubt haben wuͤrde. Allerdings bringt ſie eine Wirkung hervor, nämlich, die Ehe zu verzögern, nicht aber die, ſie zu verhindern, falls kein geſetzliches Hinderniß vorliegt. Der Geſetzgeber wollte den Aszendenten alle Mittel an die Hand geben, ihre Kinder zur Ueberlegung zu zwingen, nicht aber ſie zu eigenmäͤchtigen Herrn ihres Schickſals machen; be⸗ ſtimmt ſagt Hr. Portalis in dem exposé des motifs: à cette Spoque les enfants deviennent les arbitres de leur propre destinée, leur volontè Spt d leur mariage; ils n'ont besoin du concours d'aucune autre volontẽ; ſo hat Bigot Preamaneu im Staats⸗ rath erklaͤrt: le legislateur a voulu concilier ce qui est dů aux parents avec les droits de la nature: c'est dejà assez d'un délai de quatre mois apporté au mariage par les trois actes de respeot; ſo erklärt der GrosRich⸗ a7 ter eben daſelbſt: le but est de donner aux passions e temps de s'amortir soit qu'il s'agisse de faire revenir les parents de préventions mal fondées, soit qu'il faille ramener à la raison le fils qui se porte d un mariage mal asvorti. Hier iſt keine Spur von einem Rechte der Aszendenten, durch eine, auf kein ge⸗ ſetzliches EheHinderniß gegrundete, Oppoſition die Ehe ihrer Kinder ganz oder auf unbeſtimmte Zeit zu verhindern. Auch haben bereits die Appellhoͤfe von Amiens urtheil vom 15 Februar 1806. Jur. d. C. N. 1806 1. 194) Rouen (Urtheil vom 11 Junius 1806, ibid. II. 62) und Bor⸗ deaur(Urtheil vom 22 May 1806, collect. d'arr. et de W Jug. 1807. N. 342) entſchieden: daß weder Ungleichheit des Standes, des Vermögens, des Alters, der Farbe(in dem letzten Falle war der Bräutigam ein Mulatte) noch ſchwäͤchliche Geſundheit, noch ſelbſt einer vorgewendete Verfuͤhrung, hinlaͤngliche Gruͤnde ſind, um eine ſolche Oppoſition aufrecht zu erhalten. 3) Selbſt die Aszendenten koͤnnen nicht anderſt als in der Ordnung, in welcher das Geſetz ſie dazu autoriſirt, Einſpra⸗ che thun; ſo ſteht dieſes Recht der Mutter nicht zu, wenn der Vater keinen Gebrauch davon macht, noch dem Gros⸗ Vater, wenn die Mutter darauf Verzicht leiſtet. Die Wor⸗ te: à défaut, ſind jedoch hier wieder auch auf den Fall der Interdiktion, Abweſenheit, peinlichen Verurtheilung mit Be⸗ raubung oder Suspenſion der Eivil Rechte ꝛc. ꝛc. anwendbar. 4) Als unentſchieden werfen die HH. Jouanneau und So⸗ lon(. 273) Nro. 1 und? die Fragen auf: 2) muͤſſen in dem OppoſitionsAkt beſondere den Wahnſinn verrathende Handlungen angefuͤhrt werden? 273 ſuin 2) Kann, wenn die Mutter interdizirt und der Vater tobt„ 6 iu iſt, der Oheim Oppoſition einlegen? nie i Feine derſelben ſcheint mir dem mindeſten Zweifel unterwor⸗ lui hn fen zu ſein, und die erſte eben ſo beſtimmt verneinend eSun als die zweite bejahend entſchieden werden zu muͤſſen. uf kin Enoncer l⸗ motif de lopposition, heißt den Beweggrund in i h angeben, nicht aber beweiſen. Iſt dieſer Beweggrund vechihn der Wahnſinn, ſo muß erklaͤrt werden, daß die Oppoſition (Ucheln ſich auf den Wahnſinn des zukuͤnftigen Ehegatten grundet Ren und weiter nichts. Dies iſt um ſo unbeſtreitbarer, als das und Io Geſetz dem Opponenten die Verbindlichkeit auferlegt, in ei⸗ art. dt ner beſtimmten Friſt eine InterdiktionsKlage zu erheben, Ungleitt und der Art. 439 den Augenblick beſtimmt, wann in dieſer tert, Klage die Thatſachen des Wahnſinnes zc. c. artikulirt werden utign n muͤſſen. Was die zweite betrifft, ſo iſt dem Oheim das nch ſi Klagrecht bei Lebzeiten der Aszendenten nur darum verſagt, he Gin weil dieſe nicht allein die GeiſtesFähigkeiten ihrer Deszenden⸗ alten. ten beſſer zu beurtheilen im Stande ſind, ſondern auch ein di⸗ a ink rekteres Intereſſe haben, ſie vor einer ungluͤcklichen Heurath it, Gun zu bewahren; ihr Stillſchweigen gewährt daher dem Geſetz⸗ t ju, n geber die Vermuthung, daß kein Grund zur Interdiktion ben bui vorhanden ſei; welche Vermuthungen konnen aber aus dem . Di ſo Stillſchweigen desjenigen abgeleitet werden, der ſich in der den ßilh Unmöglichkeit befindet zu handeln?* n n 8) Die erſte Frage, welche die Tribunalien zu unterſuched ha⸗ nwentu ben, iſt, ob der Opponent die erforderliche Qualitaͤt beſitze, um um Einſprache zu thun, wo nicht, ſo wird er damit unzu⸗ laͤßig(non recevable) erkläͤrt, und zwar ohne unterſuchung Vihrin wWenegeime ſelbſt, vorbehaltlich des dem öffentlichen Miniſte⸗ 18 74 rium zuſtehenden Rechtes, im Falle eines notoriſchen Blod⸗ oder Wahnſinnes, in Ermangelung von dazu qualifizirten Perwandten, von der ihm durch den Art. 491 ertheilten Befugniß Gebrauch zu machen. Auſſer dem im Art. 174 vorgeſchriebenen Grade der Verwandtſchaft iſt ferner erfor⸗ derlich, a) daß kein Aszendent mehr vorhanden ſeiz 4) daß die opponirende KollateraVerwandte das Alter der Volljährigkeit erreicht haben. 6) Die Nothwendigkeit der Autoriſation des Vormundes wuch den Familien Rath iſt eine Abweichung von der vorigen Ju⸗ risprudenz,(Lapeyrère litt. M. No. 231) welche eine Folge des neuen Syſtems der Vormundſchaften iſt. 7) Mit dem Art. 176 hat man den Art. 66 zu konferiren. Je⸗ der miniſterielle Beamte muß ſein Miniſterium fuͤr die Zuſtellung einer Oppoſition ſo lange verweigern, bis die Parthie ihn in den Stand geſetzt hat, die geſetzliche Bedin⸗ gungen zu erfuͤllen. 8) DemArt. 49 des Geſ. uber das Verf. im burg. Prozeß zufolge iſt die Klage auf Aufhebung der Oppoſition von dem vor⸗ Uufigen Verſuche zum Vergleich freigeſprochen. 9) Die Oppoſition kann zu Schadloshaltungen ſtatt geben, nicht allein wenn ſie aus boshaften Abſichten, ſondern auch wenn ſie aus Irrthum oder Voreiligkeit eingelegt worden; die Wahl kann nicht zweifelhaft ſein zwiſchen dem, der ſich geirtt hat, und dem, der durch dieſen Irrthum einen Nachtheil erlitten Phat. Ausgenommen ſind: 3 1) die Aszendenten; 2) der Vormund, weil er nur den Auftrag des Fami⸗ lien Raths befolgt. Iſt die Bppoſition gegen einen —. 275 nichn Minderjährigen gerichtet, ſo rechtfertigt dieſes Faktum* n gulin allein den Einſpruch; iſt der zukhnftige Ehegatte l chin grosjahrig, ſo reicht ſein GeburtsAkt hin, ſie zu in un beſeitigen; hätte der Vormund ſie in dieſem Falle funn i ohne Autoriſation des Familien Raths eingelegt, ſo wuͤrde er allerdings fuͤr die Folgen verantwortlich ſein; ein Gleiches gilt von den Gliedern des Fami⸗ M des le lien Raths, die die Autoriſation ertheilt haͤtten; es iſt hier von keiner vormundſchaftlichen Verrichtung munh die Rede, denn die Vormundſchaft hat mit dem Ta⸗ twrin ge aufgehoͤrt, wo der Minderjährige grosjuͤhrig war, welht und dieſer Tag kann den Gliedern des Familienraths ſt. nicht unbekannt ſein, ſondern von einem Misbrauch einer ufin Qualitat, die ihnen nicht mehr ʒuſteht, um eine Handlung tin ſtr vorzunehmen, zu welcher dieſe Qualitãt erforderlich iſt. zmn, li!„ Die ZeitFriſten der Art. 177 und 178 ſind nicht peremp⸗ ſit toriſch. Ihre NichtBeobachtung zieht die Nullität des Ver⸗ fahrens keineswegs nach ſich, um ſo mehr, da ſie zu Gun⸗ Nwiſt ſten der Partheyen, und als Vorſchrift fur die Gerichte, be⸗— ü ſtimmt worden ſind, auch das Geſetz keine Peremption erkannt hat.(Urtheil des Kaſſationshofes vom 4 November . 4. C. N. 1306. 1. 14.) tgn, i mahn Z weiter Abſchnitt. wochn;t Von der Klage auf Nullität einer Ehe. be ſtht§. 71. Unter den EheHinderniſſen haben einige nur die Wirkung, eine Ehe zu verhindern,(impedientia) nicht aber die, ei⸗ ne des Hinderniſſes ohngeachtet abgeſchloſſene Ehe auf⸗ zulöͤßen. Andere vernichten auch die bereits abgeſchloſſe⸗ ne Ehe. Sritnenßis) gn i 276 Die vernichtende EheHinderniſſe ſind abſolut, wenn auf die NichtigkeitsErklärung der Ehe von Jedermann angetragen werden kann, der ein Intereſſe dazu hat, ſo wie auch von dem öffentlichen Miniſteriun; relativ, wenn dieſe Nullität nur von denjenigen Perſonen in An⸗ ſpruch genommen werden kann, zu deren Voörtheil das Geſetz das Hinderniß begruͤndet hat. Eine abſolute Rullität ziehen diejenige vernichtende Ehehinderniſſe nach ſich, welche aus Geſetzen der öffent⸗ 185 No. 1 lichen Ordnung ahgeleitet ſind; ſie können daher wohl ver⸗ ſchwinden, wenn eine Veränderung in den Umſtänden die urſache der Nullität aufhebt, aber ſie können durch keine Ratifikation geheilt werden. Relative EheHinderniſſe, die das Geſetz zum Vortheil gewiſſer Perſonen begruͤndet hat, koͤnnen durch die Ver⸗ zichtleiſtung oder Ratifikation dieſer Perſonen geheilt werden. Eine Ehe kann nichtig erklärt werden, ſelbſt wenn kein Ehe Hinderniß vorliegt, wenn die zu der Guͤltigkeit des Kontraktes erforderliche Solemnitäten nicht erfullt worden ſind⸗ Loere 1II 233 u. ff. ibid. 370. Thibaut I. 5. 384/ 335 u⸗ ff. Verva Prozeſſe vom 5 Vendemiaire 10 und 19 Ventoſe 11. 1) Die Entwickelung obiger Grundſätze iſt der Gegenſtand des 4 Kap. des Titels: von der Ehe, deſſen Verfuͤgungen im Ganzen der vorigen Jurisprudenz entſprechen. Ehedem pflegte man von einer Ehe, die man anfechten wollte, appel comme d'abus einzulegen; allein der Unterſchied zwiſchen dieſer Ap⸗ pellotion und der heutigen Klage auf Nullitäͤt liegt nur in den Worten. 277 lu u 2) Sobald ein HeurathsAkt vorhanden iſt, iſt ein Urcheil von⸗ Inn nöthen, um ihn zu beſeitigen, der Akt mag auch noch ſo un⸗ uſt, förmlich ſein, und mit welchen Nullitäten die Ehe auch be⸗ — haftet ſein mag. Ein ſolches wird ſogar imFalle des Art. 146 er⸗ ut fordert. Nur im Falle des buͤrgerlichen Todes bedarf es keines beſondern Urtheils, ſondern die Ehe iſt kraft des Urtheils ſelbſt, welches den buͤrgerlichen Tod erkennt, aufgeloßt. Vorhil i beni 3) Nur ein Beweggrund der oͤffentlichen Ordnung kann ein nderit Ehe Hinderniß zum abſoluten erheben, dadurch das Klagrecht wohl des öffentlichen Miniſteriums begruͤnden, und jede Rati⸗ ſtindn! fikation der Ehe, die eines ſolchen abſolut vernichtenden Hin⸗ duch i derniſſes ohngeachtet abgeſchloſſen worden wäre, ſo wie jeden — Vergleich uber ein ſolches Hinderniß, unzulaͤßig machen. Allein un Pu da die Aufrechthaltung der Ehe gleichfalls ein Grundſatz der ch die oͤffentlichen Ordnung iſt, und jede gerichtliche Auflößung der⸗ wen g ſelben immer mit groſſem Aergerniſſe verknupft iſt, ſo kön⸗ nen zuweilen gleichfalls aus der oͤffentlichen Ordnung abge⸗ ſt umt leitete Erwägungen das öffentliche Miniſterium beſtimmen, iligkü von dem ihm zuſtehenden Klagrecht keinen Gebrauch zu ma⸗ filt chen. Eine Ehe iſt z. B. abſolut null, wenn ſie einer frü⸗ heren, noch beſtehenden Ehe, ohngeachtet abgeſchloſſen wordenz . 3 nehmen wir aber an, die Ehegatten haͤtten ſich in einer ent⸗ ſtoſen. fernten Gegend niedergelaſſen, wo die fraͤhere— Ehe unbe⸗ uſn kannt iſt; keiner der Betheiligten klagt auf Nullität derſel⸗ nin bun ſelben; das offentliche Miniſterium erfuͤhre aber den Fehler hſn ihrer Ehe zu einer Zeit, wo der frihere Mitgatte ſich gleich⸗ el enn falls ſelbſt wieder verehlicht hätte; wuͤrde alsdann nicht nhih ein groſſeres Aergerniß aus einer von Amtswegen erhobenen in xi Flage auf Nullität der Ehe, und der Enthuͤllung ihres Feh⸗ lers, als aus dem Stillſchweigen und der Verhehlung deſ⸗ ſelben entſpringen? Die Anwendung dieſer Grundſaͤtze auf 278 jeden einzelnen Fall bleibt den Beamten, die mit der Hand⸗ habung der Geſetze der öffentlichen Ordnung beauftragt ſind, uͤberlaſſen. So oft eine CivilParthie auftritt, werden ſie als das Organ des Geſetzes ihren Antrag unterſtuͤtzen; ſo⸗ bald aber alle Intereſſenten ſchweigen, werden ſie im Namen des Staates die Trennung der Ehegatten nur dann verfol⸗ gen, wenn ihre Ehe der Geſellſchaft ein Aergerniß giebt, nie aber, wenn ihre Trennung ein groſſeres geben wuͤrde. 4) Ein abſolutes Hinderniß, welches mit der Urſache verſchwin⸗ det, iſt der Abgang des zur Ehe erforderlichen Alters, bei Mann und Frau. In Hinſicht auf die letzte kann der Ab⸗ gang des Alters auch ein bloß verhinderndes Hinderniß ſein, wie wir in der Folge erſehen werden. 5. 72. Blos verhindernde u nicht vernichtende EheHinder⸗ niſſe ſind: 135 Nro 2 296 223, 297 295 1) der Abgang des Alters, von Selien der Frau, wenn ſie empfangen hat; 2) das Hinderniß, welches aus einer fruͤheren, durch den Tod oder die Eheſcheidung aufgeloͤßten Ehe her⸗ fließt, mit Ausnahme des vernichtendes Ehe⸗ Hinderniſſes einer zweiten Ehe zwiſchen geſchiedenen Ehegatten; 3) das EheHinderniß, welches aus der Unterlaſſung der ehrfurchtsvollen Anftage entſpringt; die EheHinderniſſe, von welchen im F. 68, litt. C. Nro. e und e die Rede iſt, es ſei denn, daß das Geſetz, welches das EheHinderniß begruͤndet, die Strafe der Nullität ausdrucklich verhaͤngt haͤtte(wie z. B. bei dem Verbot der Ehe franz. Prinzen. Einwilligung des Kaiſers. 279 i ihu⸗ Locve III. 376. Projekt des C. G. 1B⸗ Tit. v. Art. 35. Per⸗ ftn ſuh, varptozeſf⸗ von den angefuͤhrten Tagen, Pfeiffer's Vergleichung⸗ en I. 95. pandectes fraugaises, III, 237. Delvincoure. inst. I. 290. rihn 1) Das Ehe Hinderniß, welches aus dem Abgang des erforder⸗ ingu lichen Alters von Seiten des Mannes entſpringt, iſt umm vernichtend, ſo tänge das Hinderniß beſteht; die zen t allzugroße Jugend der Frau hingegen iſt ein vernichtendes glenut Hinderniß, wenn ſie nicht empfangen hat, im entgegenge⸗ nt ſetzten Falle ein bloß verhinderndes. Dieſer Unterſchied gruͤn⸗ Uum, det ſich nicht ſowohl, wie die Verfaſſer der pandectes fran- un h gaises behaupten,(Il. 287) darauf, daß die Vermu⸗ hin chung der erwieſenen gegentheiligen Thatſache weichen muſſe, (weil das Alter, worin den Frauenzimmern die Che erlaubt iſt, nicht wegen der, durch die Erfahrung wiederlegten, Vermu⸗ ehbt⸗ thung, als ſeien ſie vor dem 15ten Jahre zum Empfangen unfaͤhig, ſondern aus den S. 247 entwickelten BewegGruͤn⸗ den weiter hinausgeſetzt ward) als auf die Gunſt, welche die hun Kinder verdienen. Die Abfaſſung des Coder weicht uͤbrigens von der des Projektes weſentlich ab; aus der Vergleichung. zwiſchen beiden erhellt:— 6hb a) daß es dem erſten zufolge nicht erforderlich iſt, daß die 1 5 Frau vor der Klage empfangen habe, ſondern daß eine iſie ſeit derſelben eingetretene Empfuͤngniß auch der Fortſe⸗ tung einer bereits erhobenen Klage Einhalt thut; nuiſi v) daß der aus der Empfaͤngniß der Frau abgeleitete Grund der Unzuläßigkeit der Klage dann nicht ſtatt findet, wenn iu die Klage ſich auf den Abgang des Alters von Seiten E des Mannes grändet, weil ſonſt, wie der Appellhof im, von Orleans richtig bemerkte, das Geſetz ein Mittel hit li parbieten wrde, um eine ſtrafliche Ehe durch ein Ver⸗ n brechen auſrecht zu halten. 280 2) Wird wegen dem Abgang des Alters von Seiten der Frau auf Nullität der Ehe geklagt, und man wendet ihre Schwan⸗ gerſchaft ein, ſo ſcheint es, als müſſe das Tribunal die einſt⸗ 6 weilige Trennung der Ehegatten verordnen, und der Frau einen AufenthaltsOrt anweiſen, wo ſie ſo lange zu ver⸗ bleiben habe, bis dahin die Zeit ihre Einrede beſtätigt oder entkräftet haben wuͤrde, weil es ſonſt der Frau leicht fallen wuͤrde, die Klage zu verewigen, und voͤllig fruchtloß zu machen. 3 Endlich iſt zu bemerken, daß wenn die Ehegatten auch nach dem Abſchluß der Ehe eine Dispenz erwirken ſollten, dieſe jeder Klage, wie weit ſie auch immer gediehen ſein mag, ein Ende machen wuͤrde; wäre aber die Ehe bereits nichtig erklärt worden, ſo könnte ſie nur zum Abſchluß einer neuen Ehe berechtigen. 4 Pfeiffer(. 95) ſucht es in Zweifel zu ziehen, daß der Mangel der ehrfurchtsvollen Anfrage ein bloß verhinderndes und nicht vernichtendes EheHinderniß ſei, welcher Zweifel ſich auf den in den Art. 132 und 153 gebrauchten Ausdruck: con- sentement, grundet; dieſe erſt nachher eingeſchaltete Artikel haben aber nur zum Gegenſtand, die Art, wie der Verfuͤ⸗ gung des Art. 157 genug gethan werden ſoll, vorzuſchrei⸗ ben; in dieſem Artikel ſteht aber nicht: consentement, ſon⸗ dern: congeil, die Ermangelung eines guten Raths kann aber doch die Nullität der Ehe nicht wohl nach ſich ziehen. Der Art. 182 iſt daher lediglich von dem Falle zu verſtehen, wo die Einwilligung der Aeltern nothwendig iſt. Dies iſt ſie aber zu der Ehe von Grosjährigen, laut der Vorſchrift derſelben Artikel 152 und 153, keineswegs. 5) Das Ehe Hinderniß, welches die Art. 228, 296 und 297 begruͤnden, iſt deshalb kein vernichtendes, weil keine geſetzli⸗ che Verfugung den Richter autoriſirt, die demſelben ohngeach⸗ nh uétnn nulti de fn e un eſüig e liht fin ſzunmh nahn lten, ji ſein n, itz rizi iner nu bi h chindent zwiſlſt druck:en tet Itiſ det Vß votzuſhn ment ſt imin en. ſhen, w Dis Vuſti unh 2 n geſth chngn 287 tet abgeſchloſſene Ehe nichtig zu erklaͤren; wohl aber können ſolche Ehen zu Prozeſſen uͤber die Abſtammung eines kurz nach dem Abſchluß derſelben gebohrnen Kindes ſtatt geben, welche der Geſetzgeber durch jenes Verbot vermeiden wollte. Anderer Meinung iſt Delvincourt„aus dem einzigen Grunde, weil die Verfuͤgungen dieſer Artikel prohibitiv ſind. Allein da das Geſetz Niemand ein Klagrecht bewilligt, um die Uebertretung dieſer Verbote zu rügen, ſo halte ich den Rich⸗ ter nicht berechtigt, eine ſolche Klage anzunehmen. Ich werde dieſe Frage an einem andern Orte weitlauftiger erortern. §. 73. Alle ibrige i im§. 68. aufgezahlte EbeHinderniſſe ſind vernichtend. Die daraus reee Nuliciſt abſplut: 7) Wenn ſie ſich auf den Abgang des erforderlichen Alters gruͤndet, den Fall ausgenommen, wo die Frau empfangen hätte; 2) Wenn ſie ſich auf eine zur Zeit des Avſchuuſes der Ehe noch beſtehende fruͤhere Ehe gruͤndet, den Fall ausgenommen, wo die Exiſtenz des fruͤheren Ehegatten ungewiß wäre, in welchem Falle dieſe Rullität relativ wird; 3 Wenn ſie aus einer natuͤrlichen oder bür gerlichen Verwandtſchaft in verbotenen Graden herfließt. In allen uͤbrigen Fällen iſt ſie relativ, und kann daher durch die ausdrückliche oder ſti lſchweigende Ratifikation der Betheiligten geheilt werden. Lpeve TT. 503, III. 399 u. ff. VerbalProzeſſe vom 4 Vendem. 6 Brumaire, 4 Frimaire 10, 12 und 19 Ventoſe 11. L. 2.5. C. de nnpt.(5. 4.) L. 4. fl. de R. N.(a3.2.) L. 10. H. de condit, et demonst,(5. 1¹) Pandectes 6 279 134„190 185 183 189 139 180, 197 182, 183 282 2) Die Mullität der Ehe wegen Mangel der erforderlichen Ein⸗ willigung von Seiten der Ehegatten, oder derjenigen Perſo⸗ nen, in deren Gewalt ſie ſich in Hinſicht auf die Ehe be⸗ fanden, iſt offenbar nur zum Vortheil derjenigen Perſonen begrundet, deren Einwilligung gar nicht, oder nur aus Irr⸗ thum oder Zwang, ertheilt worden iſt. Es folgt daraus: 2) daß im Falle des Art. 180 der minderjährige Ehegatte, deſſen Einwilligung erzwungen oder durch Irrthum abge⸗ lockt worden, die Klage auf Nullität gegen den Willen ſeines Vaters anzuſtellen befugt iſt, wenn er gleich noch unter deſſen Vormundſchaft ſtehen ſollte; 2) und daß dieſer letzte nicht befugt ſein wuͤrde, dieſelbe Kla⸗ ge gegen den Willen des minderjährigen Ehegatten anzuſtellenz 3) die Erben des Ehegatten, der ſich in dieſem Falle befin⸗ den wuͤrde, koͤnnen die Klage nie anſtellen, ſelbſt wenn er minderjahrig verſtorben wäre, weil der Verſtorbene allein es wiſſen konnte, ob er gezwungen worden war oder ſich im Irrthum befand. Sie konnen aber eine von ihm er⸗ hobene Klage zu Ende fuͤhren. 2) Der Art. 181 wendet den Grundſatz, daß Ratifikation den Mangel der Einwilligung erſetzt, auf den Fall des vorher⸗ gehenden Artikels an. Man hatte Anfangs in Vorſchlag gebracht, die Geburt von Kindern als einen Grund der Un⸗ zuläßigkeit gelten zu laſſen; dieſer Vorſchlag ward, ohnge⸗ achtet er der vorigen Jurisprudenz entſprach, verworfen, weil der Vollzug der Ehe ſelbſt das Reſultat des Zwanges ge⸗ weſen, oder die Empfaͤngniß vor der Entdeckung des Betrugs oder des Irrthums eingetreten ſein kann. Es kann uͤbrigens der Zweck des Art. I81 nicht ſein, ein ſechsmo⸗ natliches Konkubinat nach dieſer Entbeckung zu erlauben, ſondern dieſe Friſt ward deshalb bewilligt, weil es in dem 283 fraglichen nicht leichtſein durfte, die Epoche der Entde⸗ uh cung des Irrthums oder das Ende des Zwangs genau zu n pin ee 6 man dem Chegatten, der ſich in dem Falle befinden kann, eine ſolche Klage zu erheben, doch einige . Bedenkzeit geſtatten mußte. en 3) Die Aszendenten ſind in der Klage auf Nullität pint in derſelben Bbn zulaͤßig, in welcher ſie von dem . Giſet berufen waren, ihre Einwilligung zu ertheilen. Iſt die des Familien Raths nicht nachgeſucht worden, ſo kann geih u dieſer Rath allein auf die Nullität der Ehe antragen; einem einzelnen Gliede deſſelben ſteht dieſes Recht nie zu, ſelbſt wenn biel es dem Ehegatten in dem vom Art. 174 beſtimmten Grade E verwandt wäre, weil, wenn die Majorität des Raths die hile i Che ratifizirt, die Minorität ihre Berathſchlagung nicht um⸗ lſt umt ſtoſſen kann, wenn aber die Majorität ſie misbilligt, die tien u Klage des Raths die des einzelnen Gliedes üerflüſſig macht. ur ußt Ein ganz anderes iſt es, wenn von einer bloſſen Einſprache mint(174) die Rede iſt, welche keine andere Wirkung hat, als die Ehe ſo lange aufzuhalten, bis der Famiſten Rath ſeine ſin Einwilligung ertheilt hat, und einer Klage auf Nullität· Wird bs u im erſten Falle die Einwilligung ertheilt, ſo entſpringt nur ein Pu unbedeutender Aufſchub aus der Oppoſition; wird ſie verwei⸗ 1) del gert, ſo beugt ſie einer nichtigen und in dieſer Vorausſetzung ud, der Mullitäts Klage ausgeſetzten Ehe vor. rfen, wi 4) Aus der Vergleichung der Artikel 182 und 183, ſo wie aus vung der Diskuſſion über dieſelbe, ergiebt es ſich, daß, wenn die⸗ cu jenige Perſonen, deren Einwilligung zur Ehe erforderlich war, die ohne dieſe Einwilligung abgeſchloſſene Ehe weder ſchn⸗ ſtillſchweigend noch ausdruͤcklich gutgeheiſſen habe, die Rati⸗ untn, fikation derſelben durch den grosjährig gewordenen Ehegatten in du 1 284 eine Rullitäts Klage von ihrer Seite nicht unzuläßig machen wuͤrde; allein nichts wuͤrde in demſelben Falle die grosjaͤhrig gewordenen Ehegatten, deren Ehe aus dieſem Beweggrund annullirt worden wäre, verhindern, eine neue abzuſchlieſſen. 8) Der vörigen Jurisprudenz zufolge(d'Aguesseau, plai-⸗ doyer, 19, 30, 33) war der Minderjährige unzuläßig, ſelbſt auf die Nullitat einer, ohne die Einwilligung ſeiner Aeltern abgeſchloſſenen, Ehe anzutragen. Unter dem Coder ¶Art. 182 und 183) wuͤrde er es nur dann ſein, wenn ſeine Aszendenten oder der Familien Rath die Ehe ratifizirt hätten. 6) Der Artikel 139 kann mit dem Artikel 184 nicht anderſt in Uebereinſtimmung geſetzt werden, als wenn man an⸗ nimmt, daß er eine Ausnahme von der in dieſem letzten enthaltenen Regel begruͤndet. Dieſem zufolge kann im Falle der Bigamie jeder Betheiligte, und ſelbſt das öffentliche Miniſte⸗ rium auf Nullität der Ehe klagen, während im ſpeziellen Falle des Art. 139 es nur dem Ehegatten allein, deſſen Mitgatte eine zweite Ehe eingegangen hat, vorbehalten bleibt, dieſe an⸗ zufechten. Dieſe Ausnahme iſt eine Folge des in der Geſetzge⸗ bung in Betreff der Abweſenden dominirenden Prinzips: daß man den Abweſenden weder fuͤr todt noch fuͤr lebend halten kann. Die fur die Exiſtenz des Abweſenden ſtreitende Ver⸗ muthung erlaubt in keinemFalle, die Abweſenheit mag auch noch ſo lange gedauert haben, den Ehegatten deſſelben zu einer ander⸗ weitigen Ehe zu ermaͤchtigen;(man ſehe uͤbrigens im Kapi⸗ tel; von der Eheſcheidung, was wir von dem Falle halten, wenn die Abweſenheit durch beſondere Umſtände den Eha⸗ rakter einer böslichen Verlaſſung anntmmt) allein auf der andern Seite erlaubt auch die Ungewißheit ſeiner Exi⸗ ſtenz nicht, eine dem geſetlichen Verbote ohngeachtet dennoch — 285 ſ min abgeſchloſſene Ehe aufzulößen, ſo lange keine Gewißheit vorhanben igiſ iſt, daß zur Zeit des Abſchluſſes der zweiten Ehe die erſte Bum noch beſtand. Auch wuͤrde dem Kläger ſchon die einfache ihitin Regel entgegen ſtehen, daß derjenige, der ein die Exiſtenz au ſi. des Abweſenden vorausſetzendes Recht geltend machen will, , dieſe Exiſtenz vor allem beweiſen muß. iun ſin 2) Iſt der Abweſende, wenn er von der ihm durch den Art. den 6 2139 ertheilten Befugniß keinen Gebrauch machen wilk, eſi ſeiner Bande gleichfalls frei, und berechtigt ihn die Ehe ſei⸗ irt hit“ nes Mitgatten, gleichfalls zur zweiten Ehe zu ſchreiten? dieſe cht ube Frage muß, wie hart es auch ſcheinen mag, verneinend mnn beantwortet werden. Jede erſte, noch beſtehende, Ehe ſem lhn verhindert die zweite, und die ſeinige iſt nicht geſetzlicher n in u Weiſe aufgeloßt; ſie beſteht alſo noch in Hinſicht auf ihn⸗ iche Minſ Zwar hat ſein Mitgatte das geſetzliche Verbot uͤbertreten, zjielen u allein er hatte doch die Entſchuldigung fuͤr ſich, daß die Exi⸗ n Vizn ſtenz ſeines Mitgatten ungewiß war; auch kann ſeine Ue⸗ t, iſen bertretung des Geſetzes dieſe zweite um ſo weniger rechtfertigen, de Giſty als es in dem freien Willen des zuruckgekehrten Abweſenden ſteht, n Mi die zweite Ehe aufzulößen und ſo die erſte wieder anzuknuͤpfen⸗ fir in 8) Die franzoſiſche Geſetzgebung hat die Strafen, welche die tiunddn romiſche gegen die Blutſchande verhaͤngt hatte,(L. 68 uhn H. de R. N.(a3. 2.) nicht beibehalten; ſie ſieht darin nur iter nhe eine Urſache zur Nullität der Ehe, waͤhrend die letztere er⸗ s in by klärte, daß gar keine Ehe ſtatt gefunden habe. 6. 53 ibid.) lehlln, Die Bigamie zieht hingegen nach der franz. Kriminal⸗ tn Geſetzgebung eine peinliche und entehrende Strafe nach ſich. nt) n 9) Die aus dem Abgang des erforderlichen Alters entſpringen⸗ ſin hi de Nullität ward immer weniger ſtrenge gehandhabt, ſowohl un weil ſie ihrer Natur nach voruͤbergehend iſt, als auch, weil 286 ſie mittelſt einer Dispenz geheilt werden kann.(Aelteres Journal du Palais in fol. I. 718.) Die in dem Falle des Nr. 1 des Artikels 185 beſtimmte ſechsmonatliche Friſt, iſt ſogar eine Abweichung von der vorigen Jurisprudenz.(L. 4 H· de R. N. 23, 2.) Auch waͤre es der Moral wenig entſpre⸗ chend, wenn derjenige der Ehegatten, der von dieſer Bedenk⸗ zeit Gebrauch machen will, um ſeine Klage vorzubereiten, unterdeſſen fortfahren wollte, dis Rechte als Ehegatte aus⸗ zuuͤben, und ich glaube ſogar, daß er dadurch in Sſ6r ſeiner Klage unzulaͤßig wuͤrde. 10) Eine delikate Frage iſt die: ob dieſe ſechempnatiche giſ im Falle der Minderjährigkeit des Ehegatten von dem Au⸗ genblicke an zu rechnen iſt, wo er oder ſein Mitgatte das zur Ehe erforderliche Alter erreicht hat, oder von dem Zeit⸗ punkt an, wo er grosjuͤhrig geworden iſt? Die Abfaſſung des Artikels ſcheint mir die erſte Meinung zu unterſtutzen. Die Verfaſſer der pandectes frangaises, III. 279, geſtehen zwar gleichfalls, daß der Ausdruck age compétent von dem zur Ehe erforderlichen Alter zu verſtehen iſt, wollen aber nach den Worten: ne peut plus ötre attaqué, die: par epouæ maeur unterverſtanden haben, wobei ſie ſich auf die Unfaͤhigkeit des Minderjaͤhrigen, vor Gericht aufzu⸗ treten und den Grundſatz: contra non valentem agere non currit praescriptio, berufen; ich kann dieſer Mei⸗ nung nicht beipflichten: 1) weil man einen ſo wichtigen, den Sinn des Geſetzes voͤllig verändernden, Zuſatz ohne hinrei⸗ chenden Grund nicht einſchieben kann, 2) der von den ge⸗ dachten Rechtsgelehrten angefuͤhrte Grund ſich eben ſo gut gegen ſie umdrehen laͤßt; die Regel: contra non valen- tem etc. etc, gruͤndet ſich auf die Unfaͤhigkeit des Minder⸗ 287 * qu jährigen vor Gericht aufzutreten; wenn alſo das Geſeß ihm in dieſem beſondern Falle ein Klagrecht geſtattet, ſo kann er i auch die Wohlthat jener Regel nicht in Anſpruch nehmen. uml 2¹) Die Verfuͤgung des Art. 189 fließt aus der Natur der Sa⸗ mnw che her, indem eine Bigamie nur dann vorhanden iſt, wenn bikin zwei geſetzlich abgeſchloſſene Ehen mit einander kollidiren. Die wijutuin Annalen der franzoͤſiſchen Jurisprudenz waͤhrend der Revo⸗ hegut u luzionsgeit liefern zahlloſe Beiſpiele von Prozeſſen dieſer Art, n ini wo gewöhnlich die zweite Ehe deshalb aufrecht gehalten ward, weil die erſte in den erſten Jahren nach der Verkundigung utich ji des Geſetzes vom September 1792 nicht vor dem Beamten on im des Civilſtandes ſondern nur vor dem Pfarrer abgeſchloſſen Ritt h worden war. Es läßt ſich daher allen Regierungen, in de⸗ n n ren Staaten der Codex Napoleon neuerdings rezipirt wird, lifiſin nicht genug anempfehlen, gleich Anfangs ſtrenge auf die ſühn 5 Beobachtung ſeiner Verfuͤgungen in Betreff des Civilſtandes 79 pſie zu wachen, und kein Mittel zu vernachläßigen, um den ent n Widerſtand von Vorurtheilen und Gewohnheit zu uͤberwin⸗ wlm ch den, weil dis nachtheiligſten Folgen aus der Vernachlaͤſſigung , e der fuͤr den Abſchluß der Civil Ehe vorgeſchriebenen Formali⸗ cbi ſi ſt täten entſpringen, und ſie nicht allein das Verderben der it u Partheyen, ſondern auch Sittenverderbniß und ifeuch⸗ ten z Aergerniß zurß olge haben kann. iſt Ji 12) Eine aͤuſſerſt delikate Frage iſt folgende: iſt, wenn keine htin, i Anerkennung vorhanden iſt, der Beweiß zulaͤßig hn ſin daß zwiſchen zwei mit einander verehelichten Individuen eine n hn natuͤrliche Verwandtſchaft in ſo 96en Brahen ehen ſ h daß die Ehe dadurch nichtig wird, beſteht? oder iſt ſ n eine ſolche Verwandtſchaft gegruͤndete Oppoſition zulaͤßig* ein einestheils kann dieſer Beweiß nicht zugelaſſen werden, ohne die Aufſuchung der Vaterſchaft, oder oft den Beweiß eines 288 ehebrecheriſchen Urſprungs auf indirektem Wege zu autori⸗ 6 ſiren; anderntheils waͤre es ein Aergerniß fuͤr die Geſell⸗ ſchaft, wenn es kein Mittel geben ſollte, die Verbindung h von zweien Individuen zu trennen, die als Vater und zu Tochter, als Bruder und Schweſter bekannt(bbgleich nicht b geſetzlicher Weiſe anerkannt) wären, noch ſchrecklicher ni aber fuͤr die Individuen ſelbſt, die ſich in dieſem Falle be⸗ n finden koͤnnten, wenn es keine Moglichkeit geben ſollte, ihre n Verbindung aufzuloͤßen. Dieſer aͤuſſerſt ſeltene aber doch wohl n . moͤgliche Fall,(z. B. im Falle der Ausſetzung eines auſſer⸗ ehelichen Kindes, oder des früheren Abſterbens der Aeltern) ſi verdient eine grundlichere Eroͤrterung, als der Raum dieſes 4 Werkes geſtattet. §. 74. p Folgende Formalitãten ſind zur Guͤltigkeit der Ehe. 5 aus erforderlich: 194. 105 1) die Epiſtenz ines Zeuraths Aktes 4 63 2) die Publizitat der Ehe; 5 3) die Gegenwart des kompetenten Beamten des Civilſtandes. Die Richt Beobachtung der uͤbrigen Formalitäten, wel⸗ 3 che für den Abſchluß der Ehe vorgeſchrieben ſind, kann, nach Beſchaffenheit der Umſtände, gleichfalls die Rulli⸗ tät, oder doch, wenn der Richter ſie nicht fur hinlaͤnglich halt, um dieſe Wirkung hervorzubringen, Geldſtrafen ge⸗ gen den Beamten des Civilſtandes und die Partheyen nach ſich ziehen. 193 Auſſer dem von dem Art. 46 vorgeſehenen Falle kaun 190 der HeurathsAkt auch durch das Reſultat eines peinlichen Verfahrens gegen den Beamten des Civilſtandes oder je⸗ 5 iu ie Puiun 6 Pu eiih it ch ſinit een jult ben ſilt, i aber ht eins uſ der lin Juni Ehe bu eann lititn, ſid, in die M thinit bfufuß henh ßule u pulti U 29 des andere Individuum, welches dieſen Akt unterdruckt oder verfaͤlſcht haͤtte, oder durch das einer Civilklage gegen die Erben des Urhebers des Falſums oder der Unterſchla⸗ gung, wenn er vor der Entdeckung des Betrugs verſtor⸗ ben ſein ſollte, erſetzt werden. Da jede ſolche Civilklage we⸗ niger ein pekuniäres Intereſſe, als die Guͤltigkeit der Ehe, zum Gegenſtande hat, ſo wird ſie von dem öffentlichen Mi⸗ niſterium, in Gegenwart der Vetheiligten und auf ihre De⸗ nunziation, betrieben. So lange die Ehegatten am Leben ſind, kann der Be⸗ ſitzſtand fie nicht berechtigen, die Rechte als Ehegatten in Anſpruch zu nehmen, und ſie koͤnnen von der Verbindlichkeit, einen geſetzlichen Beweiß ihrer Ehe vorzulegen, nicht befreit werden; allein nach dem Tode der Aeltern, können die Kinder ſich auf ihren Beſitzſtand als eheliche Kinder beru⸗ fen, in ſofern ihr Geburts Akt dieſem Beſitzſtand nicht wi⸗ derſpricht, ohne daß ſie gezwungen werden könnten, den Heuraths Akt ihrer Aeltern vorzulegen. Locre III. 403 u. ff. Projekt des CivilGeſetzb uchs 1 B. Tit. v. Art. 48 u. 4). Verba Prozeſſe von den angefuͤhrten Tagen, haupt⸗ ſächlich vom 6 Brum. 10. L, 9, 13 C. de nuptiis.(5. 4.) L. 24 H. de rit. nnpt.(23, 2.) Cochin, I. Sdit, in 4to, Feher Zourgelas. Edikt vom May 1697. 2) Die Nullität der Ehe wegen NichtBeobachtung der geſetzli⸗ chen Formalitaͤten, und die darauf Bezug habende Grund⸗ ſätze ſind dem franzoſiſchen Rechte beinahe ausſchließlich ei⸗ gen. Das roͤmiſche Recht nahm den Beſitzſtand als hin? länglichen Beweiß an, und in Frankreich waren vor der Ordonnanz von Blois die Ehen par paroles de présent allgemein üblich. Ohngeachtet dieſe Ordonnanz die Errich⸗ tung eines HeurathsAktes durch den Pfarrer, und das Edikt 19 — 200 194 105 290 von 1639 ſeine Inſcription auf ein eigenes Regiſter verordnete, ſo ſchloß doch weder die eine noch das andere den Zeugen⸗ Beweiß aus, bis die Ordonnanz von 1667 ihn nur mehr in den Faͤllen geſtattete, worin auch der Art. 46 des Coder ihn als Beweißmittel zulaßt. Das Edikt von 1607 ſcharfte die Verfuͤgungen dieſer Ordonnanz noch mehr, ward jedoch durch den GerichtsGebrauch ſehr gemildert. Das Geſetz von 1792 ſetzte die Ehen in eine Reihe mit allen uͤbrigen Kontrakten, bis dahin der Coder wieder zu dem Syſteme des Ediktes von 1697 zuruͤckkehrte; er iſt ſogar in ſoweit noch ſtrenger als dieſes Edikt, weil er die actio popularis des öffentli⸗ chen Miniſteriums nicht, wie dieſes, auf ein Jahr beſchränkt. 2) Fur den Abſchluß der Ehe ſind uͤberhaupt folgende Solem⸗ nitäten vorgeſchrieben: „) mäſſen demſelben zwei Verkündigungen vorhergehen, [63, 66, 167, 168, 169, 170] 2) ſie muß in der Gemeinde abgeſchloſſen werden, wo einer der Ehegatten ſeinen Wohnſitz hat,[74] 3) auf dem Gemeinde Hauſe, 75] 4) öffentlich 11651 §) vor dem Beamten des Civilſtanbes des Ortes,[165] 6) in Gegenwart von vier Zeugen,[75] ) die Aktenſtucke und das Kapitel 6 des Titels von der Ehe muͤſſen vorgeleſen werden,[75] 8) die Partheyen müſſen erklären, daß ſie die Abſicht ha⸗ ben, ſich zur Ehe zu nehmen, 175] 9) der ðffentüche Beamte muß den Ausſpruch chun, daß ſie ehelich verbunden ſind,[75] 10) uber das Ganze muß ein Akt errichtet werden. 175] 3) Von obigen Formalitäten ſind die unter Nro. 7 durchaus unweſentlich. Ihre NichtBeobachtung kann wohl zu einer — 291 inmn Geldſtrafe Anlaß geben, nie aber die Nichtigkeit der Ehe ne dn ſ nach ſich ziehen. ihn mit 4 Die Unterlaſſung der Errichtung eines Aktes(Nro. 10) wůr⸗ t. 46 8 de die Nullität der Ehe nach ſich ziehen, indem der Beſitz⸗ roy ſti ſtand den Abgang eines HeurathsAktes nicht erſetzen kann, djuhh(ſo lange die Ehegatten am Leben ſind) ohngeachtet er entſchei⸗ Geſtmn dend iſt, um, unter den Ehegatten ſelbſt, einen mit noch ſo gen Fonth vielen Nullitäten behafteten Akt zu valibiren; daß heißt, wie lan⸗ me d hi ge auch immer zwei Individuen als Mann und Frau öffentlich it uh ſu zuſammen gelebt haben moͤgen, ſo kann jedes derſelben die⸗ is h i ſe Verbindung aufheben, ohne daß das andere aus dem Be⸗ Iihr lihi ſitzſtand die einem Ehegatten zuſtehende Gerechtſame ab⸗ ſolznbe ö leiten koͤnnte. Beſteht aber auſſer dem Beſitzſtande noch ein HeurathsAkt, ſo kann, wenn er gleich durchaus nichtig wä⸗ n wh re, doch keiner der Ehegatten dieſe Nichtigkeit gegen den Andern geltend machen, um ihre Verbindung aufzuheben, ben wi wäͤhrend, wenn dieſe von dritten Perſonen angefochten wird, die dem nachfolgenden Paragraph gemäß zu dieſer Klage berech⸗ tigt find, nicht allein irgend ein HeurathsAkt, ſondern auch ein guͤltiger, geſetzmäßiger, HeurathsAkt erforder⸗ duun li lich iſt. Es iſt leicht einzuſehen, daß dieſe Verfuͤgung hauptſäch⸗ lich zum Zweck hat, zu verhindern, daß nicht ein Verfuͤhrer die xu mi Unerfahrenheit eines Maͤdchens misbrauchen könne, um ſie mittelſt des Scheinbildes eines EheAktes zu einem Konkubi⸗ ſ Uub nat zu bewegen, dem er willkuͤhrlich ein Ende machen könn⸗ te; man konnte jedoch, hauptſächlich wegen der“ Korruption in den Städten, dieſe Beguͤnſtigung nicht auf den Fall aus⸗ i % dehnen, wo gar kein HeurathsAkt vorhanden iſt. 8) In dreien Fällen kann die Stelle eines HeurathsAktes durch ** einen andern Beweiß erſetzt werden: 3 n. noh ſ i 292 in dem von dem Art. 46 vorgeſehenen Falle. Ueber die 5 — Anwendung dieſer Regel auf die von einem franzöſiſchen Diviſions General in Egypten mit ſeiner Sclavin abge⸗ ſchloſſene Ehe ſiehe ein merkwuͤrdiges urtheil in meinen Annalen der Geſetzg. Nap. l. 65. in dem Falle, wo der Akt abſichtlich auf den Re⸗ giſtern ausgelaſſen, ausgeriſſen, verfaͤlſcht oder unterdruckt worden wäre.(198, 190, 200) Es iſt weder im Falle des Art. 198 und 199, noch in dem des Art. 200 er⸗ forderlich, daß die Klage gegen den Beamten des Civil⸗ ſtandes ſelbſt eingefuͤhrt werde, ſondern es iſt hinlaͤnglich, daß die Unterdruͤckung oder Verfaͤlſchung durch ein gegen die Urheber dieſes Verbrechens erlaſſenes Urtheil beurkun⸗ bet ſei. Die Kommiſſion wollte in dieſem Falle die Ehe rehabilitiren laſſen, ein Vorſchlag der jedoch verworfen ward, theils weil, wie wir bald ſehen werden, das Syſtem der Rehabilitation äberhaupt keinen Eingang fand, theils auch weil in dieſem beſondernFalle das Urtheil nicht einen neuen Titel ertheilt, ſondern nur den Beweiß der Exiſtenz eines fruͤheren Titels liefert. „ Zu Gunſten der Kinder durch den bloſſen Beſitzſtand, vorausgeſetzt, daß beide Aeltern verſtorben ſind. Man ſehe darkder, was in der Folge dieſes Titels in dieſer Hinſicht bemerkt wird; vorläufig machen wir nur darauf aufmerkſam, daß der Art. 320 noch weiter geht als der Art. 107, indem er die Kinder auch ſogar von der Vor⸗ lage ihres GeburtsAktes freiſpricht. Die Verfuͤgung des letzten entſpricht ubrigens der L. 9 C. de nupt.(5. 4 Ueber einen Fall, in welchem ſeine Verfuͤgung nicht anwendbar waͤre, ſiehe meine Annalen I. 175. hu 293 8 iab 6) Die Publizitaͤt geht aus der Erfuͤllung der hieroben unter 8 ſuſt Nro. 1, 3, 4, 6 und 7 vorgeſchriebenen Solemnitäten her⸗ Sin t vor. Allein es würde eine hoͤchſt irrige Meinung ſein, als jnin ob die Vernachlaͤßigung einer oder der anderen derſelben die Mullität der Ehe unbedingt nach ſich ziehen muͤſſe. Nur af in der Mangel an Publizitat zieht, dem Art. 191 zu⸗ tiermt folge, dieſe Nullität nach ſich, und der Art. 103 läßt beinen weder in ju Zweifel darüber, daß die Unterlaſſung oder Nullitäͤt der Ver⸗ es t yn kuͤndigungen, die NichtBeobachtung der dabei vorgeſchriebe⸗ mten iä i nen Friſten ꝛc. c. zuweilen nicht hinlaͤnglich ſein kann, um* iſ hnint dieſe Mullität zu erkennen;(wenn uͤbrigens aus allen Um⸗ durh in zu ſtaͤnden erhellt, daß die Ehe ö ffe ntlich abgeſchloſſen wor⸗ Unhil luin den) ſo iſt nirgends die Strafe der Nullität barauf geſetzt, mFil h wenn anſtatt 4 Zeugen eine geringere Anzahl dem Akte bei⸗ ſedch wnm gewohnt hat, oder wenn einer oder der andere der Zeugen n wan, die erforderliche Eigenſchaften nicht beſeſſen hätte. Endlich kinn bin iſt es ein durchaus gleichguͤltiger Umſtand, ob die Ehe auf Fulel dem Gemeinde Hauſe abgeſchloſſen worden iſt oder nicht; der nut din dui Geſetzgeber hat dieſes Mittel, den Ehen eine groͤſſere Publi⸗ zität zu ertheilen, nicht vernachlaͤßigen wollen, allein der ſin Biſu Beamte des Cwilſtandes kann, ohne den mindeſten Anſtund, rben ſid ſich Ausnahmen von dieſer Regel erlauben, wenn triftige xir u i Beweggruͤnde, z. B. Krankheit eines der Ehegatten, ni mn ihn verhindern ſollten, ſich auf das Gemeindehaus zu ght c verfuͤgen. Iſt die Ehe mit Publizitaͤt abgeſchlo ſ⸗ nnb ſen worden oder nicht? dies iſt die Frage, wo⸗ Putunn ruͤber der Richter nach den beſondern Umſtaͤnden jedes nut(5. einzelnen Falles zu erkennen hat. Nur diejenige Ehe, wel⸗ zen che den Augen des Publikums gefliſſentlich entzogen werden, 1. iſt von dem Geſetz proscribirt, keinesweges aber war es die 2 Abſicht des Geſetzgebers, das Schickſal eines ſo wichtigen Kontrat⸗ 136 — tes, deſſen Auflößung er nur hochſt ungern geſtattet, von der Vernachlaßigung einer unbedeutenden Solemnität abhangen zu laſſen. Dieſelbe Grundſätze hat der Kaſſationshof in der oͤfters angefuͤhrten Sache von Themines proklamirt. 7) Die Erfullung der 2ten und 5ten der obigen Solemnitäten iſt durchaus erforderlich, weil ein von einem inkompetenten Beamten des Civilſtandes errichteter HeurathsAkt grade ſo anzuſehen iſt, als waͤre keiner vorhanden, indem dieſer Be⸗ amte keine Qualität hatte, ihn in Siehe jedoch den§. 76. 8) Die Erklaͤrung der daß ſie ſich zu Mann und Frau nehmen wollen, und der Ausſpruch des Beamten des Civilſtandes konſtituiren die Ehe; allein man darf ſie nicht mit dem Beweiß dieſer Erklaͤrung und dieſes Ausſpruchs durch die im HeurathsAkt vorgeſchriebene Meldung ver⸗ wechſeln. Die Auslaſſung dieſer bloſſen Meldung wuͤrde die Mullität der Ehe keineswegs nach ſich ziehen, ſobald der Beſitzſtund durch einen Akt unterſtuͤtzt iſt, der den Be⸗ weiß der Erſcheinung der Partheyen vor dem Beamten des Civilſtandes, in der Abſicht, ihre Ehe abzuſchlieſſen, ent⸗ halten wuͤrde. §. 75. Auf die Nullitaͤt einer Ehe, die mit einer abſoluten Nul⸗ lität behaftet iſt, können antragen: 1) die Ehegatten ſelbſt, den Fall wo die Klage ſich auf die RichtVeobachtung der geſetz⸗ lichen Solemnitäten gruͤndet, der, als nichtig ange⸗ fochtene, Heuraths Akt aber durch den Beſitzſtand un⸗ terſtutzt iſt. 2) Die Aszendenten, es ſei denn, daß ſie ihre Einwilli⸗ 295 ſtt, unt gung zurcEhe ertheilt hatten/ und zwar, wenn ſie gleich mtüt chnn kein pekuniaires Intereſſe zu der Klage haben. 8 8 3) Der Ehegatte, zu deſſen Nachtheil eine zweite Ehe 6 abgeſchloſſen worden iſt. 139 Die Kollatera Verwandten, und die aus einer an⸗ dern Ehe entſprungene Kinder, jedoch nicht eher, 137 — als bis ſie durch den Tod der Ehegatten, oder eines 48 von ihnen, ein wirklich eröffnetes, gegenwärtiges, — Intereſſe haben, auf die Rullität anzutragen. 3) Das öffentliche Miniſterium, jedoch nur ſo lange die 135 u Vmn Ehegatten am Leben ſind. ts Bunn gocreII. 348 u. ff. Projebt des E. G. B. 1. Tit 5. Art. 40 u. ff. nduf ſec VerbaProzeſſe vom 4 Vendem. und6 Brum. 10. Havrae, trai- ſs lu t6 de l'abus. Annal. der Seſ. Nap I. 175. Décisions notables de la coun dꝰappel de Bruxelles, 1808. II. 290 Mahun n 6 2) Im erſten Augenblick mag es auffallend ſcheinen, daß das en un Geſetz den Ehegatten, welche ſeine Vorſchriften ubertreten haben, das Recht ertheilt, dieſe Uebertretung ſelbſt geltend 6 zu machen, um ihrem Leichtſinn oder ihrer Unbeſtaͤndigkeit nach⸗ zuhangen; allein es wollte dabei ihre Reue und die oͤffentli⸗ ſchiuſu, w che Ordnung begunſtigen, und, ohne in die Beweggrunde einzugehen, welche die Ehegatten dazu beſtimmen moͤgen, ihnen ein Mittel an die Hand geben, dem Aergerniß einer unge⸗ nBamn hſluni ſetzichen, ihnen ſelbſt unertraͤglich gewardenen, Verbindung ein Ende zu machen. wnmm,* 2) Die Aszendenten waren die einzige Perſonen, welche von ng de hi⸗ jeher, auch abgeſehen von allem pekuniärem Intereſſe, zuge⸗ nihih u laſſen wurden, auf die Nullität der Ehe ihrer Deszendenten eſiſmn zu klagen. Es laͤßt ſich jedoch erwarten, daß ſie unter der Herrſchaft des Coder Napoleon von dieſer Befugniß nur aͤuſſerſt hn kin ſelten Gebrauch machen werden, da das dem offentlichen 296 Miniſterium bewilligte Klagrecht ihnen ein weit anſtaͤndigeres Mittel zu Erreichung ihres Zwecks darbietet. 3) Wer iſt unter dem Ausdruck: les parties interressdes, zu verſtehen? Nur die Erben, und zwar die Kinder einer andern Ehe oder die Kollatera Verwandten; indem die Glaͤu⸗ bigerderEr ben nie zugelaſſen werden koͤnnen, dieſe Klage im Namen ihrer Schuldner zu erheben. Vor dem Tode der Ehegatten konnen ſie es nicht, weil alsdann das Klagrecht der Schuldner ſelbſt noch ſuspendirt iſt; es wuͤrde aber re⸗ voltirend ſein, daß ſie nach dem Tode derſelben eine Ehe zum Nachtheil der daraus entſprungenen Kinder anfechten könnten, wenn die Familie ſelbſt dieſe als rechtmaͤßig aner⸗ kennen wollte. 4 Die Familie ſelbſt, im Allgemeinen, iſt gleichf alls unter dieſem Ausdruck nicht begriffen, ſondern nur diejenige Glieder derſel⸗ ben, die ein Intereſſe haben die Nullitaͤt einer Ehe zu behaupten, wodurch ihnen eine Erbſchaft entzogen wird. Zwar wollte die Geſetzgebungs Sektion, jedoch in dem einzigen Falle, wo die Nullitaͤt aus der Verwandſchaft in verbotenen Graden her⸗ fließt, den Geſchwiſtern ein Klagrecht geſtatten; allein dieſe Verfuͤgung fiel bei der letzten Abfaſſung weg, und die Geſchwiſter haben daher dieſes Recht, wie jeder andere Sei⸗ tenVerwandte, nur dann, wenn ſie ein wirklich eroffnetes pekuniäres Intereſſe haben. Was von den Gliedern der Familie im einzelnen gilt, daſſelbe gilt auch von dem Fami⸗ lienrath, der nur wegen der relativen Nullität, die aus dem Abgang ſeiner Einwilligung, in den Fällen wo ſie erforderlich iſt, auf die Nullität zu klagen befugt iſt. 3) Auch die Klage der Kollatera Verwandten erſcheint immer in einem gehäßigen Lichte, da ſie meiſtens zum Zwecke hat, tnfu eneni ie ſinnin demdili. nen, iiſtlt tden Ah das u nürde in lben in det ufc chtmiſ ls untbi eGlihnh ezubehun Zwar welnt Fule, wi Grdn ſtetun; u weg, mb er anbenbi ih eifut Glhn i n hn n Rulitit, i Filen uii X hent im zu pi. 297 die Kinder der angefochtenen Ehe ihres Familien Standes und Vermögens zu entſetzen Auch nahmen ehedem viels Parlamente keinen Anſtand, die Kollatera Verwandten in ſolchen Klagen gegen die Deszendenten gradezu unzulaͤßig zu erklären, ohne dieſen Ausſpruch auf emen andern Grund der Unzulaͤßigkeit als ihre Qualität zu gruͤnden, und der Kaſſa⸗ tionshof trug ſogar darauf an, dieſe Jurisprudenz zur geſetzlichen Vorſchrift zu erheben. Es waͤre jedoch eine offen⸗ bare ungerechtigkeit geweſen, wenn man ihnen ſogar in dem Falle alles Klagrecht haͤtte verweigern wollen, wo ihnen kein anderes Mittel uͤbrig bleibt, um zu einer ihnen aner⸗ fallenen Erbſchaft zu gelangen. Da aber bis zu dem Augen⸗ blick der Erofnung dieſer Erbſchaft ihre Erbrechte noch un⸗ gewiß ſind, ſo tritt ihr Klagrecht erſt mit dem Augenblicke ein, wo ſie ein wirklich eroͤfnetes pekuniäres Intereſſe zu der Klage haben. Ueberhaupt beſteht dieſer große Un⸗ terſchied zwiſchen dem Flagrecht der KollateraVerwandten und dem des oͤffentlichen Miniſteriums, daß das erſte nur in ihrem PrivaVortheil, das andere aber ausſchließlich in der offentlichen Ordnung ſeinen Grund hat; das erſte da⸗ her nur nach dem Tode der Ehegatten ausge⸗ füͤhrt werden kann, waͤhrend das andere nur wäh⸗ rend ihren Lebzeiten ſtatt findet, indem das öffent⸗ tiche Aergerniß mit dem Tode aufhört. Aus obigen Grund⸗ ſätzen folgt: *) daß die Kollatera Verwandten in ihrer Klage unzuläßig werden, ſobald ſie durch ein rechtsformiges Teſtament von der Erbſchaft ausgeſchloſſen ſind; b) daß ſie nicht den Tod beider Ehegatten, ſondern nur den Tod desjenigen, durch deſſen Abſterben ihre An⸗ —— 293 ſpruͤche auf ſeine Erbſchaft eroffnet ſind, abzuwarten brauchen, um ihre Klage anzuſtellen. Sie ſind dem andern Ehegatten keine Schonung ſchuldig, und ihr Klagrecht bis zu deſſen Tode ſuspendiren, würde es oft illuſoriſch machen. 3) Sobald ihr Klagrecht wirklich eröffnet iſt, ſo können v Ehegatten ihnen den Befitzſtand nicht einwenden, um ſie unzuläßig zu erklären.(Meine Annalen 1. 175.) 6) Die Verfuͤgung des Artikel 187 kann den Kindern erſter Ehe allerdings in dem ſeltenen Falle zum Nachtheil gerei⸗ chen, wo ſie nach dem Tode eines ihrer Aeltern, kraft der EhePakten der erſten Ehe, an das Letztlebende derſelben noch bei ſeinen Lebzeiten Anſprüche zu machen hatten, die ſie nicht anderſt geltend machen koͤnnen, als indem ſie ſeine zweite Ehe anfechten. Allein dieſer Beweggrund ſchien nicht mächtig genug, um ihnen eine actio famosa gegen ihren Vater oder ihre Mutter zu erlauben, die in einigen Fällen(z. B. im Falle der Bigamie) ſogar eine peinliche Klage nach ſich ziehen koͤnnte. 2) Es hieſſe den Art. 194 und 195, in Verbindung mit dem Art. 197, eine ganz irrige Ausdehnung geben, wenn man daraus folgern wollte, als ob dem öffentlichen Miniſterium das Recht zuſtunde, zwei Perſonen, die als Mann und Frau miteinander leben, zur Vorlage ihres HeurathsAktes anzuhalten, und im Falle ſie keinen vorzulegen im Stande ſind, ſie zur Trennung verurtheilen zu laſſen. Dieſe Be⸗ fugniß ward ihm im Gegentheil ausdruͤcklich abgeſprochen, (VerbalProzeß vom 6 Brumaire 10) und nur dann, wenn dieſe Perſonen die Gerechtſame in Anſpruch nehmen, welche 299— mit Titel als Chegutten verbunden ſind, kann die Vor⸗ W, lage von verlangt werden. nihn 8) Der Coder 8 uͤbrigens keine Friſt, in welcher das offentliche Miniſterium ſeine Klage zu erheben verbunden ſein ſoll; ſie iſt daher zulaͤßig, ſo lange die Ehegatten noch ſlinnt peide am Leben befindlich ſind. Man kam jedoch in den wenht, u Verhandlungen uberein, daß der allgemeine Grundſatz, wel⸗ n 11 chen wir hieroben, 3te Anmerk. zu dem 571, in Hinſicht auf üinden e das Klagrecht des öffentlichen Miniſteriums aufgeſtellt haben, chtheil gu hauptſaͤchlich in dem Falle ſeine Anwendung finden muß, wenn hh die Klage ſich auf einen Fehler in der Form des Heuraths⸗ nde diit Aktes grundet, und daß das öffentliche Miniſterium nur itn, hiſ ⁰ dann davon Gebrauch zu machen habe, wenn ſolche Feh⸗ en ſi ſin ler notoriſch und noch nicht durch einen langen Beſitzſtand gund ſi bedeckt ſind.(VerbaProzeſſe vom 5 Vendemiaire 10 mn g und 19 Ventoſe 11. Exposé des motifs par Portalis.) Auch weicht die Abfaſſung des Art. 191 von der des Art. nu 190 weſentlich ab, ein Unterſchied, der um ſo richtiger iſi, . als in dem von dem Art. 101 vorgeſehenen Falle nichts die u nin Ehegatten verhindern wurde, ſich unmittelbar nach dem Ur⸗ nn theil, welches ihre Ehe nichtig erklaͤrt hätte, auf's nene mit⸗ Nunn einander zu verehelichen und die aus ihrer Verbindung entſyrungen⸗ Kinder zu legitimiren. Mun u 9) Die Kommiſſion(Projekt, Art. 40) wollte weder den unlt Ehegatten noch den dritten Betheiligten das Recht ertheilen, Fi eine Ehe wegen NichtBeobachtung der geſetzlichen Solemni⸗ iſ h⸗ täten anzufechten, ſondern ſie wollte den Partheyen unter hwin Strafe einer Geldbuße anbefehlen, ihre Ehe zu rehabilitiren, m, Mu und die Wirkungen dieſer Rehabilitation bis zu dem Tag der un, vih erſten Ehe hinaufgreifen laſſen. Das Syſtem der Reha⸗ 300 bilitation ward jedoch durchaus verworfen, theils als unver⸗ einbarlich mit der bereits angenommenen Verfuͤgung, daß der Mangel an Publizität ſo wie die Abweſenheit des kom⸗ petenten Beamten des Civilſtandes die Nullität der Ehe nach ſich ziehen ſolle, theils weil er in der Ausführung allzuvielen Schwierigkeiten unterworfen geweſen waͤre, indem man kein wirkſames Mittel gehabt haͤtte, die Partheyen zu der Re⸗ habilitation anzuhalten, wenn die Unterlaſſung dieſer For⸗ malität die Nullität der Ehe nie haͤtte nach ſich ziehen kön⸗ nen. 20) Dem Art. 100 zufolge ſoll das öffentliche Miniſterium die Ehegatten verurtheilen laſſen, ſich zu trennen. Ich muß jedoch geſtehen, daß ich in dem gegenwartigen Zuſtand der Geſetzgebung kein Mittel kenne, um ein ſolches Urtheil in WVollzug zu ſetzen, wenn die Ehegatten darauf beharren, in einer Verbindung zu leben, welche ihnen freilich nur zum großten Nachtheil gereichen kann, da ſie in Hinſicht auf ſie ſowohl als der darin zu erzeugenden Kinder aller buͤrgerli⸗ chen Wirkungen beraubt ſein wurde. Ueberhaupt möchte es auch ſehr ſchwer fallen, ein Exekutions Mittel auszufinden, welches fur Arme und Reiche gleich wirkſam wäre, und keine mit der individuellen Freiheit unverträgliche Inquiſition veran⸗ laſſen könnte. 11) Iſt der Kaiſ. GeneralProkurator bei dem Appellhofe be⸗ fugt, von einem Urtheil, welches eine Ehe nichtig erklärt hat, und welchem die Partheyen ſich unterworfen haben, unter dem Verwande zu appelliren, daß dieſes Urtheil zwi⸗ ſchen den Partheyen verabredet worden, um eine zweite von dem Geſetz verbotene Ehe einzugehen? Dieſe aͤuſſerſt deli⸗ kate Frage ward dem Appellhof von Bruͤſſel in folgendem ————— heils a mn jünn nheit b ⸗ tbrkn tung lzuiln udem mnit Nn zu derh ng diſt ja ſch juhn lu Ruiſtrunſ nen Ihn en Zuſn hes Urhi i behun, i tich un inſcht uf ſ ler lithtt michte u nden, und kin i iſtin in Melhif i ihiß eil fin hahn, ʒ Urtheil ju⸗ ne zwit uſſrſ h n ſihnm 307 Falle zur Entſcheidung vorgelegt, und von demſelben beja⸗ hend entſchieden. Im Jahr 1804 heurathet die minder⸗ jaͤhrige Tochter eines aus den Niederlanden abſtammenden öſterreichiſchen Offiziers; in Abweſenheit des bei ſeinem Re⸗ giment befindlichen Vaters ertheilt die Mutter die Einwilli⸗ gung. Zwei Jahre darauf ſtirbt die junge Frau, ohne Kin⸗ der zu hinterlaſſen. Im Jahr 1807 klagt der Wittwer auf Nullitaͤt dieſer Ehe, aus dem Grunde, weil ſie ohne Einwilligung des Vaters abgeſchloſſen worden. Ein Kontu⸗ mazialUrtheil erſter Inſtanz erklärt die Ehe nichtig; gleich darauf laͤßt der Wittwer ſeine Ehe mit der Schweſter ſeiner erſten Fraukraft einer von dem Vater ertheilten Einwilligung proklamiren. Der Genera Prokurator bei dem Appellhof in Bruͤſſel legt von dem Urtheil erſter Inſtanz aus dem Grun⸗ de Appellation ein, weil daſſelbe unter den Partheyen ver⸗ abredet geweſen, um das Verbot des Art. 162 zu umgehen. Dieſe Appellation ward als unzulaͤßig angefochten, allein von dem Appellhof(rſte Sektion mit Zuziehung der dritten) an⸗ genommen: weil das dem öffentlichen Miniſterium durch die Art. 184 und 190 geſtattete Klagrecht auf Nullität der Ehe zugleich die Vollmacht enthalte, dem Aergerniß einer Verletzung des Art. 162 vorzubeugen, welches nur auf dem Wege der Appellation von dem fraglichen Urtheil geſchehen köͤnne. Demzufolge ward dieſes reformirt, und dadurch die zweite Ehe unmoͤglich gemacht. Man ſehe dieſen intereſſan⸗ ten Fall in meinen Annalen der Geſetzgebung Napoleons⸗ Höͤchſt wahrſcheinlich duͤrfte derſelbe an den Kaſſationshof gelangen, deſſen Entſcheidung wir alsdann nachzutragen nicht ermangeln werden. 302 5 76. Auſſer den oben angeführten Fällen darf eine Ehe unter keinem Vorwande nichtig erklärt werden. Eine nichtig erklärte Ehe bringt nichtsdeſtoweniger für das Vergangene alle Wirkungen einer rechtmaͤſſigen hervor: ) in Hinſicht auf beide Ehegatten und die Kinder, wenn beide Ehegatten in gutem Glauben waren; 200 2) war aber nur einer der Ehegatten in gutem Glau⸗ ben, in Hinſicht auf ihn und die Kinder. gocre, III ar9. Rouſſeaud, Jurispr. civ. verbo enfants N. 2. Verbalprozeß vom 19 Ventoſe 11. Maleville I. a14. Thi⸗ baut I. 8. 409. Projekt I. Tit. V. Art. 27. Pochier. traité du contrat de mariage I. chap. 3 Art 4. Journal des au⸗ 201 diennes, arréts du 4 fevrier 1639 et du 24 janvier 1693. 1) Findet auſſer den oben angefuͤhrten Fällen noch eine Nullitäts⸗ Klage aus irgend einer Urſache ſtatt? ich glaube nicht, aus dem entſcheidenden Grunde, weil der Richter keine Nullität ausſprechen kann, ohne ſeine Entſcheidung auf ein beſtimm⸗ tes Geſetz zu begruͤnden. Man ſehe ubrigens das, was wir von dem Falle einer accidentellen(ſiehe Seite 241) und abſoluten Unfähigkeit zur Geſchlechts Verbindung geſagt haben(daſſelbe iſt auch in dem Falle anwendbar, wo dieſe Unfähigkeit von einem unregelmaͤßigen Baue der Geſchlechts⸗ theile herruͤhrt.) Wenn wir aber auch die NullitätsKlage in dieſem Falle für zuläßig halten, ſo glauben wir, daß dieſelbe in die Kategorie des Art. 146 gehore, indem ein wirklicher Irrthum in Hinſicht auf die phyſiſche Perſon vorausgeſetzt wird. Da uͤbrigens eine Ehe nur zwiſchen Mann und Frau ſtatt findet, ſo wuͤrde eine Ehe zwiſchen zwei Perſonen deſ⸗ ſelben Geſchlechts nicht null ſein, ſondern es kann gar keine ne hen owethe ſt ſihen hen die Knhn, ben wunn guten Glu enſenMn eL 1 1h 27. Polli, ſournal ie1 er 159. tine Rulil⸗ ube nicht u kin Nulit f ein befim⸗ das, wön Sit 2) undun zit at, w ii er Giſhhlit lititzqlmen „do diſch in nitkiht vrmnſt in und ſ Merſun mn hn kit 303 Ehe zwiſchen ihnen gedacht werden, und es beduͤrfte keines Ur⸗ theils, um eine ſolche, widernatuͤrliche, Verbindung aufzuloßen. 2) Das Geſetz verfugt nichts uber die Folgen, welche die Nicht⸗ Beobachtung der Vorſchrift des Art. 171 nach ſich ziehen ſoll. Zu einer Klage auf Nullität der Ehe kann ſie wohl nicht Anlaß geben, allein es fragt ſich, was in der Wir⸗ kung auf daſſelbe hinauslauft, ob dieſe Ehe in Frankreich geltend gemacht werden kann, ob ſie daſelbſt anerkannt wer⸗ den muß, wenn der HeurathsAkt nicht auf die Regiſter des ivilſtandes eingetragen worden iſt, oder ob diejenige, welchen ſie eingewendet wird, ſich nicht darauf beſchränken können, den aus dem nicht inſcribirten HeurathsAkt abge⸗ leiteten Beweiß der Ehe als unzuläßig zu beſtreiten? Ich glaube dies allerdings, und wuͤrde daher denjenigen Ehe⸗ gatten, welche die dreimonatliche Friſt haben verſtreichen laſ⸗ ſen, viel eher rathen, eine neue Ehe in Frankreich abzuſchlieſ⸗ ſen, und in dem HeirathsAkt ihre allenfalls gebohrne Kindes zu legitimiren, als ſich mit einer verſpäteten Transcription zu veruhigen. Gegen dieſe Meinung laͤßt ſich allerdings anfuͤh⸗ ren, daß der Geſetzge ber dieſe Friſt nichtausdruͤcklich fur peremp⸗ toriſch erklärt hat, und daß die Kommiſſion die Strafe der Mullität fuͤr allzuhart gefunden zu haben ſcheint und daher die NichtBeobachtung jener Vorſchrift mit einer Geldſtrafe zu belegen vorſchlug, ein Vorſchlag der jedoch auf die Vorſtel⸗ lung der Appellhoͤfe von Orleans, Bruͤſſel, Dijon und Pa⸗ ris verworfen ward, ohne daß man eine andere Strafe an die Stelle geſetzt hatte. Noch iſt in dieſer Hinſicht zu bemerken: 1) daß die aus dem Ausland mitzubringende Expebitio⸗ des Heuraths Aktes legaliſirt ſein muß, 6 6 5 3 304 2) daß die Transcriptivn auf Anſtehen aller Betheiligten goſchehen kann⸗ 3) Wir haben in der Einleitung mt daß dem Edikt von 1639 zufolge auch noch die Ehen in ertr emis und die ſoge⸗ nannte: mariages Secrers, aller Civil Wirkungen beraubt waren. Was die erſten betrifft, ſo iſt keine Frage, daß keine NullitätsKlage gegen dieſelbe mehr zulaßig iſt, weil der Koder ſie nicht allein nicht verboten hat, ſondern der deshalb von der Kommiſſion gemachte Vorſchlag(Art. 19) nach einer ſehr lebhaften Diskuſſion beſtimmt verworfen ward. Die Furcht, den Cölibat zu begunſtigen, wenn man dem Hageſtolzen die Ausſicht eröfnete, durch eine ScheinEhe auf dem Sterbebette das Unrecht ſeines ganzen Lebens wieder gut zu machen, ſo wie die Beſorgniß, daß Ueberredung und Liſt den Augenblick der Schwäche benutzen moͤgten, um die Einwilligung des Kranken zu erſchleichen, hatten hauptſachlich das Verbot der Ehen in etremis be⸗ ſtimmt; weit uͤberwiegende Gruͤnde ſtellten ſich dieſen ent⸗ gegen: wann war eine Ehe in extremis geſchloſſen wor⸗ den? die Ungewißheit der Arzneikunde vermehrte hier noch die Ungewißheit der Jurisprudenz; alles dem richterlichen Ermeſſen uͤberlaſſen, hieße den wichtigſten aller Kontrakte der Willkuͤhr Preiß geben; alles von einem Tage, einer Stunde abhaͤngen zu laſſen, wuͤrde rechtmaͤßige Ehen oft kompromittirt und die mißbraͤuchlichen ſelten erreicht habenz mogte auch zuweilen dieſe immer in der Ausfuͤhrung ſo vie⸗ len Schwierigkeiten unterworfene Verfuͤgung gerecht ſein, ſicher waͤre ſie eben ſo oft ungerecht geweſen; warum z. B. den ſterbenden Vater zur Verzweiflung verurtheilen, der von Gewiſſensbiſſen gequaͤlt das Schickſal einer treuen Gefährtin 2 8 i Bhihn und einer unſchuldickn Nachkommenſchaft gegen den Mangel ſichern, und lieber ſpaͤt als nie zur Tugend zuruͤckkehren will?. dn Gin Daß die Nulätät einer Ehe in extremis nicht aus dem izun ſſt Apt. 75 abgeleitet werden kann, haben wir bereits oben be⸗ thungen kn merkt. Man hat ſogar abſichtlich den Abſchluß der Ehe an n zun, einem anderen Orte als dem Gemeinde Hauſe nicht unter den uii ſ, Zuwiderhandlungen begriffen, welche dem Art. 192 zufolge at, ſunt zu einer Geldſtrafe ſtatt geben koͤnnen. ſi dun 4) Eine geheime Ehe, die zwar mit Beobachtung aller geſetz⸗ n em lichen Formalitäten abgeſchloſſen aber nachher verborgen gehal⸗ S u ten worden waͤre, iſt nicht wohl mehr denkbar, da die Publi⸗ ht zitaͤt zur Guͤltigkeit derEhe unnachlͤßig erfordert wird. Soll⸗ ſins g ten jedoch zwei Perſonen, nachdem ſie ſich an einem Ende Siſunj 1 von Frankreich guͤltiger Weiſe miteinander verehlicht haͤtten, chnich in nachher an dem andern Ende des Reichs ſich fuͤr unverheu⸗ zu nſihn rathet ausgeben, und ihre Verbindung bis zum Tode geheim n eren halten, ſo wuͤrde dieſe Ehe dennoch ihrer Wirkungen nicht ſch iſn beraubt werden koͤnnen. Der Kaſſationshof hat dies ſogar in der famoͤſen Sache der Prinzeſſin von Beaufre⸗ K mont entſchieden, ohngeachtet die Ehe derſelben mit dem den tihtin Ritter Sanſon Taris bereits am 4 Auguſt 1777 abge⸗ alet hun ſchloſſen worden war, und zwar gegen das Urtheil des Ap⸗ m ie, i pellhofes von Paris, aus dem einzigen Grunde, weil die iie ui Geſetze vom 22 September 1792, 12 Brumaire und 17 Nivoſe 2, die Deklaration von 1639 ſtillſchweigend abrogirt haͤtten. Die aus einer ſolchen Ehe entſprungene Kinder wuͤrden alſo rechtmäͤßig ſein und der EheKontrakt muͤßte utit hin fihnng bi g genit ſ nnn 3 vollzogen werden. hellen, 8) Eben ſo wenig könnte man eine Ehe unter Vorwande, t z daß die Ehegatten das Ehebett nicht beſtiegen haͤtten, ihrer 20 — 305 Wirkungen berauben, welches nach einigen Coutumes, der Verfuͤgung der I.. Zo. H. de regulis Juris zuwider, erfor⸗ derlich war. Sobald die Ehe vot dem Beamten des Civil⸗ ſtandes abgeſchloſſen worden, muͤſſen die EhePakten vollzo⸗ gen werden, wenn gleich einer der Ehegatten unmittelbar nach dieſem Abſchluß geſtorben wäre. Auch konnte ein in der ge⸗ ſetzlichen Friſt nach dieſer Ehe gebohrnes Kind nicht verläug⸗ net warden, die Fälle ausgenommen, wo die Verläugnung eines während der Ehe empfangenen Kindes zulaͤßig iſt. 6) Die Verfuͤgungen der Art. 201 und 202, in Betreff der putativen Ehe, entſprechen nicht allein dem gemeinen Rechte, ſondern auch der ältern franzöſiſchen Jurisprudenz(d' Agues- seau, plaidoyer 47 S. 274 und 274 Kouseaud, jurispr. civ. verbo: enfants, No. 12. Fachin, Liv. 3. Cap 35. le Prestre, Cent. 1 ch. 1. N.“ 13. Despeis- ses, II. 386 5. 9. Bretomier surHenrys 1. Lib. 6. quæest. 5.) durchaus entſprechend. Der gute Glaube kann jedoch nur aus der Unwiſſenheit faktiſcher umſtände, z. B. einer fruͤ⸗ heren Ehe des andern Chegatten, und nicht aus der Unbe⸗ Lanntſchaft mit den geſetzlichen Vorſchriften abgeleitet wer⸗ ven. Eine jedoch von beſonders gunſtigen Umſtaͤnden beglei⸗ tete Ausnahme finden wir in der L. 57 5 1. H. de ritu nupt.(3. 2.) Noch iſt zu bemerken, daß die Kinder, welche nach dem Urtheil, wodurch die Ehe nichtig erklaͤrt worden, empfangen worden, die Wohlthat dieſer Verfuͤgung nicht in Anſpruch nehmen konnen, weil der gute Glaube mit dieſem Urtheil nothwendig aufgehoͤrt hat. 2) Kann das Kind als rechtmaͤßig angeſehen werden„ wel⸗ ches in einer Ehe erzeugt worden iſt, die einer noch durch kein Urtheil beſeitigten aber mit einer abſoluten —— 307 . Nullität fruͤheren Ehe ohngeachtet abgeſchloſſen unt P ²5 fuͤr Rechemßiskeſ der Kinder findet man eini⸗ i ge Urtheilsſpruͤche vom 11 Jan. 1660 u. 29 Dez. 1781, und die Jurisprudenz der Gerichtshoͤfe war ihnen ſogar in dem 3 6, Falle guͤnſtig, wenn das Hinderniß der zweiten Ehe aus nichtigen geiſtlichen Gelhbden herfloß,(Deniſart verbo ma- Wn niage) und zwar gegen ein arrét de reglement vom 9 Jul. uiſ 1668, welches allen denjenigen, die gegen ihre Geluͤbde *b einkommen würden„unter Todesſtrafe die Ehe verbot, ſo lan⸗ ninn h ge das Reſoript, wodurch die Nullität der Gelubde ausgeſprochen uih worden, nicht gerichtlich beſtätigt und eingetragen ſein wurde. Nouneu Der Art. 180 macht dieſer Kontroverſe ein Ende. Die chin, li zweite Ehe wuͤrde nach dem Codex nicht ſowohl eine puta⸗ Dep tive als eine wirkliche Ehe ſein, und nichts daher der Legi⸗ id 5.m timität der darin erzeugten Kinder im Wege ſtehen. i i Viertes Kapitet. 3 2 Von den Wirkungen der Ehe. as li igtit n§. 77. finhn i Die Wirkungen der Ehe können betrachtet werden: ſ ei in Hinſicht auf die Ehegatten: ¹ ſinde, u in Hinſicht auf die Kinder. kit w Die Wirkungen der Ehe, in ſo fern ſie das Vermoͤgen iuns i der Ehegatten betreffen, werden durch einen ausdrucklichen S oder ſtillſchweigenden EheKontrakt regulirt. Die denſelben betreffende Vorſchriften finden ſich im Vuche: von den Kontrakten⸗ e einer ie r ſiſtun* 3 272 ibid⸗ r3 314 308 Erſter Ab ſchnitt. Von den Wirkungen der Ehe in Hinſicht auf die Ehegatten⸗ §. 78. Von den aus der Ehe in Hinſicht auf die Ehegatten ent⸗ ſpringenden Rechten und Verbindlichkeiten ſind einige bei⸗ den Ehegatten gemeinſchaftlich, andere ſtehen nur einem derſelben zu⸗ So entſpringt aus der innigen und ausſchließlichen Ver⸗ bindung der Ehegatten die gemeinſcha ftliche Pflicht der Treue. Da das mutuum adjutorium einer der erſten Zwecke dieſer Verbindung iſt, ſo folgt daraus die gegenſeitige Pflicht zur Hulfsleiſtung und Unterſtuͤtzung. Der Mann iſt das Haupt der ehelichen Geſellſchaft„ und der Verwalter, ſowohl des gemeinſchaftlichen Vermogens als des perſonlichen Vermögens ſeiner Frau; daher ſeine Pflicht: ſeine Frau zu beſchützen, ſie aufzunehmen, und ſtandesmäßig zu unterhalten; die Pflicht der Frau: ihm zu gehorchen, ihm an jeden Ort zu folgen, wo er ſich aufzubalten fur gut findet, ihre Unfähigkeit, ohne ſeine Einwilligung(ober die des Rich⸗ 8 ters) Verbindlichkeiten einzugehen, oder Prozeße zu fuͤhren, ſelbſt wenn der Gegenſtand derſelben ihr perſonliches Ver⸗ mögen betreffen ſollte. Locre, III, 473. Pothier, traité du contrat de mariage, part, 15. chap. 1. cap. 4 6 11. 9 qui cognov. consangu.(4.13*) g1. Inst. de patria potest.(I. 9.) L. a2. 7. H. solut. matr.(a4. 3. L. 29. C. de jur. dot(Z. 12. L. 2. C. rer amotar. 13. 21.) L. ult. c. de furt. õ. 2.) L. 8. C. de pact. convent. l5. 14) Art. 5 des Hand⸗ lungs Geſetzbuchs. Art. 861 u. ff. des Geſetzb. uͤber das PVerſabren un 309 t. türgerlichen Prozeß. Répentoire universel,*) verbo autorisation. die Shun. Benuen I. eap. 7. Rousseaud, verbo: autorisation. Pgerjon droit commun de la France, L. 3. chap, 3. art. 16 et 31. Montholon, chap. 133. Le Prétre, cent. 2. eap. 65. Journal des kicunn audieneos„T. 3. Liv. 7. chap. 4 notions élément. du ind ing droit eivil, I, 55. en m in 1) Wir haben uns vor der Hand mit den rechtlichen Folgen, welche die Verletzung der ehelichen Treue nach ſich ziehen lfichuh kann, und welche verſchieden ſind, je nachdem ſie von Mann tlitcht oder Frau begangen worden, nicht zu beſchaͤftigen. 2) So ſehr die Vorſchriften der Art. 212, 213 und 214 den Forderungen der Moral entſprechen, ſo ohnmaͤchtig iſt ge⸗ erſen zut e woͤhnlich der Richter, um ihre Beobachtung zu verſichern. Das Geſetz hat hier der Jurisprudenz vieles, ja alles uber⸗ ſiſtun laſſen. Wir wollen die wichtigſten Fragen telhreus wel⸗ panp che ſich in dieſer Hinſicht erheben koͤnnen: a) kann der Mann ſeine Frau zwingen ihm ins Ausnd 6 zu folgen? und wie? üker die Pflicht der Frau, ihm da⸗ — „) Dieſes fuͤr das Studium vorzuͤglich der aͤltern, franzdſiſchen Ju⸗ in nju risprudenz ganz unentbehrliche Werk iſt in Deutſchland noch wenig bekannt. Irrthuͤmlich giebt Schmid, in ſeiner briti⸗ fine, h ſchen Einleitung in das geſammte Recht des fran⸗ dide 6 zoſiſchen Reichs, 1. 55“ den Umfang der ältern Ausgabe auf zſenſitn vier und ſechzig QuartBände an da ſie deren doch nur niche v ſiebzehn hat. Die neuere, von dem. Staatsrath Merlin be⸗ arbeitete, Buflage ſoll deren nur 10 bis 12 haben, von welchen 6 be⸗ reits erſchienen ſind; ſie kann aber dennoch nicht als eine abgekuͤrz⸗ ungen ſu te Ausgabe wie eben daſelbſt angegeben wirdz angeſehen werden⸗ nen60) da nur äuſſerſt wenige Artikel der aͤltern weggelaſſen oder abge⸗ t,mm(i kuͤrzt, und weit mehrere vermehrt und neu hinzugekommen 620) ſind, ſondern die Verminderung der Vände kann nur der große⸗ Urt.3 Whu ren Oekonomie des Drucks zugeſchrieben werden. Anch iſt die 6Pnibrnn Bogenzahl der Baͤnde der neueren Ausgabe ſtaͤrker als die der ältern⸗ 310 hin zu folgen, kann wohl kein Zweifel obwalten, indem das Geſetz keine Ausnahme macht, und die in dem Pro⸗ jekt enthaltene ausdruͤcklich verworfen ward. Zwangs⸗ mittel hat der Mann jedoch keine andere als die, von wel⸗ chen ſogleich die Rede ſein wird, und ſogar wuͤrde ſeine Frau in dem einzigen Falle, wo ihr Mann, nach dem oben§ 41. Nro. 4 aufgeſtellten Grundſatze die Eigen⸗ ſchaft als Franzoſe verlohren haben ſollte, aus dem Art. 1x einen Grund der Unzuläßigkeit gegen die Klage ihres Mannes ableiten koͤnnen, falls der Franzoſe mit einer äͤhnlichen Klage in dem Lande, wo er die Na⸗ turaliſation erworben hat, unzuläßig ſein wuͤrde. b) Welche Mittel hat der Mann, den ſeine Frau verlaſſen 32* oder der ſeinen Wehnſitz von einem Punkte des Reichs an den andern verlegt hat, um ſie zu zwingen, zu ihm zu⸗ hckzukehren oder ihm zu folgen? Man entſage vor allem jeder Idee eines perſönlichen Zwangs, der durchaus mit den franzöſiſchen Sitten unvereinbarlich iſt, und nicht einmal heiPerſonen der unterſten Staͤnde Anwendung finden, viel weniger aber zur Norm erhoben werden kann. Es bleibt daher kein anderes Mittel uͤbrig, als die Frau der Einkuͤnfte ihres perſoͤnlichen(Paraphernal) Vermoͤgens zu entſetzen, und dieſe ſo lange dem Manne zuzuerkennen, bis dahin die Frau dem Geſetze Genuͤge geleiſtet hat. *₰) Findet aber von dieſer Verbindlichkeit der Frau nie eine Ausnahme ſtatt? Allerdings, jedoch nur in ſolchen Fällen, wo der Mann ſich in der unmoglichkeit befindet, den ihm ſeinerſeits auferlegtenVerbindlichkeiten Genüge zu leiſten, und ſeine Frau ſtandesmäßig aufzunehmen und zu unterhalten. So hat der Appellhof von Bruͤſſel die Frau von der 1 lten, ith in, Verbindlichkeit, ihrem Manne gahn ven ihm veranizen 5 3 Ort zu folgen, a dem Srin freigeſprochen, weil xe Wom wegen Eivi Verurtheilungen unter Perſenahreß fluͤchtig war. So hat ferner der Gerichtshof von Amiens eine Frau aus dem Grunde derſeiben Ver⸗ 5 uh bindlichkeit enthoben, weil die von dem Manne ſeiner ib Frau angewieſene Wohnung weder anſtaͤndig noch ſtan⸗ iaſ desmaͤßig ſei, während die(in Trennung der Guͤter le⸗ gkeit un bende) Frau ſich erboten hatte, ihre eigene Wohnung mit n ini ihm zu theilen, oder auch zu ihm in jede ihrem Vermo⸗ n h gen und Stande angemeſſene Wohnung zu ziehen, und üre das Kaſſations Geſuch des Mannes ward durch ein Ur⸗ juMh theil vom 26 Jänner 1808 verworfen. i 3 Uebrigens ſteht jene Verbindlichkeit der Frau, bei ihrem nin Manne zu wohnen, mit der des Mannes in enger Verbin⸗ ſh wi dung, ihr einen ſtandesmäͤßigen Unterhalt zu verſchaffen⸗ duhm Auch pflegen die Tribunalien daſſelbe Zwangs Mittel an⸗ ſ zuwenden, um den Mann zu Erfullung ſeiner Obliegenheiten enunſin ſo wie die Frau zu Erfüllung der ihrigen anzuhalten; ſo hat n im z. B. der Appellhof von Bruͤſſel am 30 Auguſt 1808 der die zub Dame Veſtraͤten, welche ſich an das ihr von ihrem Benin Manne zu Löwen angewieſene Domizit begeben hatte, allein ujuim daſelſt von dieſem ohne alle Unterſtutzung gelaſſen leiſtt ſu worden war, eine jährliche Penſion von 5000 Franken zuer⸗ jn mi kannt, welche der Mann ihr ſd lange bezahlen ſolle, bis ſolhnſi dahin er ſich in dem Domizil von Löwen oder jedem andern i, Mh bei ihr einfinden, und ſie ſtandesmaͤßig unterhalten würde, zuliſn und das KaſſationsGeſuch gegen dieſes Urtheil ward am 12 untn Jůnner 1808 verworfen. Courn. du Pal. 1808, 1. 401) u m 312 4) Ich kann nicht begreifen, wie die Hrn. Pfeiffer(I. 107.) behaupten können:„auch weiß das franzöſiſche Recht nichts „von der im G. R. begruͤndeten ſubſidiären Verbindlichkeit „der Frau, ihrem verarmten Ehemanne Alimente zu geben.“ e) Erſtens iſt dieſe Verbindlichkeit ſchon die nothwendige Fol⸗ ge der gemeinſchaftlichen Pflicht der Ehegatten, ſich zu unterſtuzen; Gecours, Art. 212) 5) enthält das franzöſiſche Recht beſtimmte Vorſchriften in dieſer Hinſicht, denn entweder leben die Ehegatten in Ge⸗ meinſchaft, und alsdann bezieht der Mann auch die Ein⸗ kunfte des perſönlichen Vermögens ſeiner Frau,(Art. 140 Nro. 2 und 1428) oder unter der DotaVerfaſſung, und alsdann bezieht der Mann nicht allein die Einkunfte der Mitgift, ſondern die Frau muß auch aus ihrem Para⸗ phernalVermogen zu den Koſten der Haushaltung beitra⸗ gen;(1575.) der von dieſem Artikel beſtimmte Beitrag wird kraft des Art. 212 von den Tribunalien unbedingt erhoͤht, wenn er durch die Verarmung des Mannes unzu⸗ länglich geworden iſt. Endlich dauert dieſe Obliegenheit auch ſogar nach der ausgeſprochenen Trennung der Güter fort, (1448) und in dieſem Falle kann der Unterhalt des Mannes und der Kinder der Frau ſogar aus⸗ ſchkieslich zur Laſt fallen. 3) Das Verbot des römiſchen Rechtes, welches den Ehegatten verbietet, famöſe Klagen gegen einander zu erheben, wird gleichfalls noch durch die heutige Jurisprudenz gehandhabt, die ſich gleichfalls dabei auf die generelle Verfuͤgung des Art. 212 ſtützt. 6) Der Artikel 2135 weicht hauptſächlich darin von dem G. lw Ret itz init eſ zin⸗ werkip j tu, ſy ſchiſin attnin uch e ir (Uun füſung, w inkuft ihren In iunz ſin mt Pin en mi nts u hegenhitut rGitn j ntechut iu ſchn u e ehn hiien, ti whht un bilt n inb 3¹5 R.*) ab, daß die Frau auch ſogar in Betreff ihrer Para⸗ phernal Guter, ohne Autoriſation, weder als Klaͤgerin noch als Beklagte Prozeß fuͤhren darf. Der Vollzug dieſes Artikels iſt uͤbrigens nicht den mindeſten Schwierigkeiten unterworfen, ſobald die Frau als Klägerin auftritt; das Geſ. uber das Verfahren im buͤrgerlichen Prozeß zeichnet ihr den Weg vor, deen ſie vor Ertheilung der Ladung einzuſchlagen hat, um die Autoriſation ihres Mannes oder des Richters zu erwir⸗ ken. Wie aber, wenn ſie Beklagte iſt? Nach dem all⸗ gemeinen Grundſatz, daß der Kläger ſich der Fähigkeit ſei⸗ nes Gegners, vor Gericht zu erſcheinen, zu verſichern habe, hat dieſer Sorge zu tragen, daß ſie vor dem Urtheil auto⸗ riſirt ſei, weil ſonſt jedes gegen ſie erwirkte Urtheil null und nichtig ſein wuͤrde. Er hat ein einfaches Mittel dazu, in⸗ dem er Mann und Frau zugleich vorladet. Der Richter kann alsdann die Autoriſation von Amtswegen ertheilen, wenn der Mann die ſeinige verweigert hat, oder ihn zur Schadloshaltung des Klägers wegen dem Vollzug verurthei⸗ len, wenn er vor der Audienz keine Erklärung abgegeben hat. Hat aber der Kläger dieſe Vorſicht nicht gebraucht, und die Frau allein vorgeladen, ſo hat er ſich den Verzug ſelbſt zuzuſchreiben, der fur ihn daraus entſtehen kann, wenn ſie ohne Autoriſation erſcheint, und der Richter da⸗ her zur Vorlage derſelben einen Termin anberaumen muß. *) Die Vorſchriften des Codex Napoleon uͤber die aucorisation „artcnle ſind uͤberhaupt ganz aus dem droit coutumter entlehnt, indem dieſelbe nach allen collmes erforderlich war. Die Mei⸗ nungen der RechtsGelehrten und der Gerichtshoͤfe uͤber die Noth⸗ wendigkeit der Autoriſation in den Provinzeu des geſchriebehen Rechtes waren ſeit der Ordonnanz von 1731 getheilt. 314 Ergiebt es ſich jedoch, daß der Mann ſich in der Unmoͤg⸗ lichkeit befindet, ſeine Autoriſation zu ertheilen,(weil er z. B. im Falle des Artikels 221 wäre) ſo kann der Richter die Autoriſation auch von Amtswegen ertheilen. Dieſe Grundſatze hat der Kaſſationshof durch ein Urtheil vom 20 May 1808(ſiehe meine Annalen der Geſehgeb. Rapol.) be⸗ ſtätigt. 7) Wenn man den Art. 215 mit dem Art. 220 vergleicht, ſo ergiebt es ſich, daß die HandelsFrau zwar keiner beſon⸗ dern Autoriſation bedarf, um ſich zu verpflichten, daß ſie aber von der Verbindlichkeit, dieſe Autoriſation in Prozeſſen bei⸗ zubringen, nicht freigeſprochen iſt. Im erſten Falle ſieht das Geſetß in der von dem Manne ertheilten Einwilligung, daß ſeine Frau eine oͤffentliche Handlung fuͤhre, eine allge⸗ meine Autoriſation zu allen Geſchäften dieſer Handlung; fuͤr jedes derſelben eine befondere erfordern, hieße dieſe Einwilligung durchaus unwirkſam machen; anderſt iſt es bei Prozeſſen; nicht, wie manche Schriftſteller behaupten, in der vermuthlichen Unfaͤhigkeit der Frau zu den Geſchaͤften des buͤrgerlichen Lebens hat man den Urſprung der Bedin⸗ gung der Autoriſation zu ſuchen,(ſonſt muͤßten Wittwen und großjaͤhrige Mädchen gleichfalls die des Richters nothig haben,) ſondern in ihrer Abhaͤngigkeit von ihrem Manne. Der Beweggrund, weshalb ſich das Geſetz in Handlungs⸗ Geſchaͤften mit einer allgemeinen Autoriſation begnuͤgt, fließt aus der Natur dieſer Geſchäfte, hauptſaͤchlich aus der Schnelligkeit, womit ſie gefoͤrdert werden muͤſſen, her; da Prozeſſe weniger dringend und weniger haͤufig ſind, ſo war kein Beweggrund vorhanden, dieſe Ausnahme auch auf ſie auszudehnen. Derſelben Meinung war ſchon Voet, Lib⸗ 3¹5 n in§ tit.1 Nr. 13) und Rodemburg,(de Jure con- n,(uie jugum, tit. 3 cap. 1. No. 18) ſo wie die meiſten cou- hh tumes. Noch iſt zu bemerken, daß die Verfuͤgung des Art. in 220, welcher die des Art. 5 des HandlungsGeſe zbuchs il unn entſpricht, nur die Frau betrift, welche eine beſond ere, Jlt von der ihres Mannes getrennte, Handlung fuhrt, wäh⸗ rend nach den meiſten deutſchen HandlungsGeſetzen auch die⸗ dehlitt, jenige Weiber als HandlungsFrauen zu kaufmaͤnniſchen Ge⸗ kiur iſn ſchäften tauglich ſind, welche an der Direktion der Hand⸗ „dſti lung ihres Mannes Antheil nehmen. Cauterbach, diss. Puhſnt de jur. in curia mercat. usit.) Filſiht 8) Iſt die Nullität, welche aus dem Abgange der Autoriſation iliun, i entſpringt, abſolut oder relativ? Der Art. 225 hat dieſe tin ehemals ſehr kontroverſe Frage entſchieden., Merkwuͤrdig iſt, n hnln daß die Meinung Coquille's uͤber die coutume von Ni⸗ hith i vernais,) Kap. 23, Art. 1, welche ſeiner Verfuͤgung ent⸗ meit ſpricht, faſt nirgends Eingang gefunden hatte, und es ehedem et khyt unter der vorigen Jurisprudenz faſt allgemein angenommen war, dn Geſhin daß die Frau ſelbſt den Vortheil der Akte, die ſie ohne Au⸗ g be di toriſation errichtet hatte, nicht in Anſpruch nehmen koͤnne; in Pin(Art. 9 der Ordonnanz von 1731. Ma illart uͤber den ſicun Art, 86 der coutume von Artois No. 80., arrét des un Im Parlaments von Paris vom 22 Auguſt 1735.) In fruͤhe⸗ hnn ren Zeiten hingegen war der Mann, und ſeine Erben, allein in bh zuläßig, die von ſeiner Frau ohne Autoriſation errichtete Ak⸗ ſitſih te anzufechten(e Prestre, cent. 2. chap. 65, Papon 1 B. Nro. 13 und 18.) Der Codex enthäͤlt keine beſtimm⸗ miſin, ii zſih in te Entſcheidung der ehedem gleichfalls kontroverſen Frage: u 1i ob der Buͤrge einer Frau, die ohne Ermaͤchtigung konträhirt gut lo hat, gultiger Weiſe verpflichtet ſei? Die Meinung von 316 Pothier, traité des obligations, Mo. 39, Voet, Lib. 46, tit.1 No. 10, le Brun, d'Hericourt, hatte in dem Bezirk des Parlaments von Paris die Oberhand erhalten; die coutume von Bretagne erklaͤrte dagegen(Art. 184) eine ſolche Buͤrgſchaft fur gultig. Dem Art. 223 des Coder zufolge läßt ſich zwar behaupten, daß der Buͤrge der Frau die Nullität der von dieſer ubernommenen Verbindlichkeit nicht einzuwenden befugt ſei; es läßt ſich aber dagegen er⸗ widern, daß dieſer Artikel nur zur Abſicht hat, denjenigen. Perſonen, die mit der nicht autoriſirten Frau kontrahirt ha⸗ ben, das Recht zu benehmen, dieſe Nullität einzuwenden, und daß daher die Buͤrgſchaft der Frau eben ſowohl als ihr Mann zuläßig ſein muß, dieſe Nullität einzuwenden, um ſo mehr, als dieſe Einrede nicht bloß der Frau perfon⸗ lich zuſteht, und daher die Art. 2012 und 2036 ſie dem Buͤrgen vorzubehalten ſchemen. 9) Die unbedingte Verfuͤgung des Artikel 224 macht meh⸗ reren Kontroverſen und Diſtinktionen der vorigen Jurispru⸗ denz ein Ende, welche in den meiſten Provinzen derſelben entgegen war.(Bourjon, droit commun de la France, PLiv. 3 chap. 3, art. 26. Monthelon, Kap. 13, le Prestre, cent. 2. chap. 6. Journal des audiences t. 3. Liv. 7. chap. 11, arrétés des Lamoignon, tit. 32 art. 75.) Man konferire denſelben mit dem Art. 2208. Beilaͤufig bemerken wir, daß der Koder ebenfalls die Ver⸗ fuͤgungen mehrerer coutumes abrogirt hat, nach welchen die Autoriſation von dem Augenblick des EheVerlöbniſſes an erforderlich war.(Artois, Art. 87, Bourbonnais, Art. 232, Auvergne Kap. 25 Art. 1.) bet li thmn dehiln Uun B de ſn cintitti dgen t denin nhjh nzwuln, vohl it it nzuwa, n petſit ſe in mijt ni nihn en bſin la Fnns Kn n, dienest on it z lt 20 z die Vr ch weihn ihniſs n , 377 10) Iſt die Autoriſation des Mannes zu den Akten erforder⸗ lich, welche Mann und Frau untereinander errichten? Auch dieſe, ehmals heftig beſtrittene, Frage iſt(der Meinung Ricard's, traité du don mutuel, chap. 3. No. 6, le Brun, de 1a communauté, Liv. 2. chap. 1 sect. 3. No 1. Bourjon, droit commun de la France, Liv. 2. chap. 1. sect. 3, Nro. 31, gemäß) durch den Art. 217 entſchieden worden. Iſt naͤmlich von einem Vertrag oder einer Schenkung die Rede, ſo kann der Akt nicht anderſt als durch die Einwilligung oder Annahme des Mannes zu ſeiner Vollkommenheit gedeihen. Zu einem Teſtament iſt ſeine Autoriſation nicht erforderlich. 11) In welcher Form muß die Autoriſation ertheilt werden Muß ſie aus druͤcklich ſein? Die Subtilität der vorigen Jurisprudenz gieng in dieſer Hinſicht in einigen Provinzen ſo weit, daß ſelbſt, wenn der Mann den Akt eigenhaͤndig geſchrieben und mit der Frau unterſchrieben hatte, er dennoch in Hinſicht auf dieſe nichtig war, ſobald er nicht die aus⸗ druͤckliche Erklaͤrung des Mannes enthielt: daß er ſeine Frau zu dieſer Handlung autoriſire.(Acte de notoriété du Chätelet de Paris vom 13 Junius 1684, arréts vom 3 Auguſt 1305, vom 23 Auguſt 1636, und vom 28 Auguſt 1699.) Die Jurisprudenz der Parlamente von Flandern und Dijon(Bouhier, Kap. 10 Nro. 57) kam mehr mit der des Koder uͤberein, nach welchem wir folgende Grundſaͤtze aufſtellen: „) ſobald von auſſergerichtlichen Akten und Handlungen die Rede iſt, iſt die Gegenwart und Mitwirkung des Man⸗ nes zu dem Akte ein hinreichender Beweiß ſeiner Autoriſa⸗ tion.(217) . 6 318 ³) bei Prozeſſen und gerichtlichen Handlungen iſt es gleich⸗ falls hinlaͤnglich, wenn Mann und Frau zugleich in ei⸗ nem Prozeß auftreten:(emme, qui plaide conjoin- tement avec son mari, est par cela méme au- torisée de lui. arrét de la Cour de Cassation du 26 frimaire 13.) vorausgeſetzt jedoch, daß der Mann nicht allein mit vorgeladen worden, ſondern auch' erſchienen ſei Bouhier, Kap. 10, Nro. 65.) Behauptet die Frau, kraft einer Vollmacht ihres Mannes vor Gericht zu erſcheinen, ſo muß ſie dieſe Vollmacht offen legen, widri⸗ genfalls das vorher gegen ſie vorgenommene Verfah⸗ ren nichtig iſt,(Urtheil des Kaſſationshofes vom 16 Ju⸗ lius 1806.) 12) Auch uͤber die Wirkungen eiher allgemeinen Autori⸗ ſation war die Jurisprudenz ſehr abweichend; vorzuglich un⸗ terſchied man dabei, ob ſie im EheKontrakt oder ſpäterhin ertheilt worden. Der erſten ſprachen die meiſten Rechtsgelehrten durchaus alle Wirkung ab, eine Meinung, welche der Verfu⸗ gung des Art. 223 der cbutume von Paris entſprach; in Hin⸗ ſicht auf ſpãtere allgemeine Autoriſationen waren die Meinun⸗ gen mehr getheilt, ohngeachtet auch dieſe mit der coutume von Paris unvereinbarlich waren.(d' Aguesseau, le Maitre, le Brun und vor allen ein acte de notoriété du chä- telet vom 22 Februar 1695.) Der Art. 223 des Koder macht einen andern Unterſchied zwiſchen der allgemeinen Au⸗ toriſation, in Hinſicht auf die Wirkungen derſelben, welcher allen dieſen Streitfragen ein Ende macht. Man darf jedoch nicht aus dem Auge verlieren, daß ſie nur zur Verwaltung nicht aber fuͤr, ſelbſt auf die Verwaltung Bezug habende, Prozeſſe hinlaͤnglich iſt, zwar nicht aus dem Grunde, 310 ſsi den Pigeau(a a. O.) aus dem Art. 217 ableitet, da ſie geih ini kraft des Art. 223 ſich in ihrerAdminiſtration zu verpflichten faͤ⸗ ie enjin hig iſt, ſondern weil der Art. 215 keine Ausnahme zulaßt. mime z. Siehe ferner was wir oben Nro. 7 von der allgemeinen aion dui Autoriſation der HandelsFrau geſagt haben. h In 13) Kann die Ratiſtkation des Mannes den Abgang der Au⸗ ch iin toriſation erſetzen? In der Art allerdings, daß er und ſei⸗ hen ne Eerben, ſo wie alle Inhaber ſeiner Rechte, dadurch unzu⸗ on Beit lͤßig werden, die Nullität zu ruͤgen; wenn aber die Frau tzn, in dem Ratifikations Akt nicht aufgetreten iſt, ſo ſcheint mir, en biſ dem Art. 225 zufolge, daß die von dem Mann ertheilte Ra⸗ 15 tifikation ſie in ihrer Klage auf Nullität keineswegs unzu⸗ läßig machen kann. n U 14) Welches ſind die Fälle, in welchen die Autriſutien nicht ni erforderlich iſt? n ſit*) In den von den Art. 221, 222, 223 und 224 vorge⸗ ſehenen Fällen erfordert man die richterliche Autoriſation, 6 dem Gerichts Gebrauch gemaͤß, nur fuͤr Verwaltungs⸗ o 6 Akte von einiger Bedeutung z. B. Mieth⸗ und Pacht⸗ ut Kontrakte, Verkaͤufe von einigem Werthe, nicht aber n fur die Geſchaͤfte der Haushaltung, z. B. kleine Repa⸗ raturen und Auslagen, und Swe des Ge⸗ PMin ſindes ꝛc. ꝛc. 6du 5) Wenn ſowohl die Frau als die Wſnn mit welchen ſie kontrahirt hat, hinreichenden Grund hatten, den minn l Manne für todt und folglich die Autoriſation fuͤr uͤber⸗ ten, hu flußig zu halten, ſo wuͤrde nach dem Grundſatz: error In if communis facit jus, das Geſchaͤft guͤltig ſein. Brm e) Eine andere Ausnahme von der Regel uͤber die Noth⸗ ghnb wendigkeit der Autoriſation findet in den von der Frau nu, 5 320 verwalteten Haushaltungs Geſchaften, und in Hinſicht auf die in denſelben kontrahirte Verbindlichkeiten ſtatt. Ohngeachtet keine geſetzliche Verfuͤgung in dieſer Hinſicht beſteht, ſo ward dieſe Ausnahme doch von jeher, und ſelbſt unter den ſtrengſten coutumes zugelaſſen, und zwar aus demGrunde, weil die Bedingung der Frau doch nicht ſchlim⸗ mer ſein kann, als die der Haushofmeiſter und Dekonomie⸗ Beamten in groſſen Häuſern(Mornal über die L. 7. C. quod cum eo qui in aliena etc. ete. Brillon, verbo: intendant, No. 6, arrétés de Lamoignon, titre de la communauté, Art. 69.) Sogar das Parla⸗ ment von Paris erkannte ſie in ſeinen Urtheilsſpru⸗ chen an,(Denisart, verbo Autorisution 5 2, No. 10,) doch pflegte es in der Hauptſtadt ſelbſt den Mann freizuſprechen, wenn er eidlich erhäͤrtete, daß er ſeiner Frau zur Beſtreitung der Haushaltung eine beſtimmte Summe gebe, und daß die von ihr beſtellte Lieferungen ohne ſeinen Befehl ſtatt gehabt haͤtten.(Arréts vom 26 Auguſt 1729 und 1727.) Alle übrige Parlamente ver⸗ urtheilten den Mann unbedingt zur Zahlung der Liefe⸗ rungen, die fuͤr Kleidung und in die Haushaltung ge⸗ macht worden waren, und Stockmans(§. 56.) verſichert, daß das Conseil souverain von Brabant dieſelbe Jurisprudenz befolgt habe. Doch findet in fol⸗ genden Fällen jene Ausnahme gar nicht oder nur beding⸗ ter Weiſe ſtatt: 1] Wenn die Rechnungen bis zu Summen aufgelof⸗ fen ſind, die mit dem Vermoͤgen der Ehegatten in keinem Verhaͤltniß ſtehen, und der Mann keine Kenntniß von den Lieferungen gehabt hat. hinſ hiin ſu iiſn iſt ſ, uit ud zuntz hnitſtin dnn tielyl lom wh. inn in x d ſu lchiiß ionſ h ſt n In dß u ſin in beſim t kifrnn mit un nu ng in ki ushalun (i pon Buin fnht uſ t nurbi n ui t bhenn Mum ki hu. 321 2] Wenn der Mann die Kaufleute gewarnt hat, ſei⸗ ner Frau nichts auf Kredit zu geben.(L. 11. H. de instit. act. 14. 3.) 3] Wenn die Lieferungen dem Stande der Ehegatten nicht entſprechen, vorbehaltich in dieſem letzten Falle des Ruͤckgriffs des Kaufmanns gegen bs perſonliche Vermoͤgen der Frau. 2) Eine der Frau ohne Autoriſation gemachte Zahlung, ein von ihr kontrahirtes Anlehen, iſt guͤltig in Hinſicht auf ſie, ſobald der Beweiß erbracht wird, daß die Gelder zu ihrem Nutzen verwendet worden ſind, und ſogar in Hinſicht auf den Mann, wenn er oder die Gemeinſchaft den Vortheil davon beʒogen hat.(Carondas uber den Art. 223 der cout. de Paris, le Brun, Duplessis ete. Art. 1312 des Coder Napoleon.) *) Ein Gleiches wurde von der Zahlung gelten, welche eine Frau ohne Autoriſation an die Glaubiger ihres Mannes gemacht haͤtte(Art. 1238,) gegen die vorige Jurisprudenz, Bouvot, sur la Coutume de Bourgogne, 1I. 641.) 7) Es iſt gleichfalls keine Autoriſation erforderlich, um eine Eheſcheidungs Klage zu erheben, wohl aber die des Rich⸗ ters zu einer Klage auf Trennung von Tiſch und Bett. e) Die Frau bedarf keiner Autoriſatinon, um ſich gegen eine peinliche oder Polizeilage zu vertheidigen,(216) weil dasRecht der perſoͤnlichen Vertheidigung aus dem Naturrecht herfließt, wohl aber um eine ſolche zu erhe⸗ ben, gegen die Verfuͤgung vieler coutumes,(Metz, Orleans, Berri, Cambreſis u. a.) Wie aber, wenn in dem peinlichen Prozeß eine CivilParthie auftritt, und auf Schadloshaltung klagt? Ich glaube, daß alsdann die Autoriſation ebenwohl wie in jedem andern CivilPro⸗ 21 322 zeſſe erforderlich iſt, um uͤber den CivilAntrag zu erken⸗ nen, dem Lauf der peinlichen Inſtruktion und Verhand⸗ lung ohnbeſchadet, 1) weil die Ausdräcke: lorscue la ſemn est your- Suiwie. azff dieſe mit der peinlichen Klage zufällig vereinigte CivilKlage nicht anwendbar ſind und 2]) der Beweggrund der Ausnahme wegfaͤllt, ſomit die⸗ ſelbe Grundſaͤtze ihre Anwendung finden muͤſſen, als wenn die CivilKlage, von der peinlichen getrennt, nach Beendigung derſelben anhangig gemacht worden wäre. Ueber die Wirkungen eines peinlichen oder Polizeillrtheils, wodurch eine Frau zu einer Geldſtrafe verurtheilt wird, ſiehe den Art. 1424. 5 Mehrere Schriftſteller behaupten, die Verfuͤgung des Art. 217 benehme der in Trennung der Guͤter lebenden Frau die Befugniß nicht, uber ihre Mobiliarſchaft zu verfuͤgen. Sie berufen ſich dabei auf den Bericht, welcher der Geſetzgebungs⸗ Sektion des Staatsrathes abgeſtattet ward und auf die Verfuͤgung des Art. 1538, welche dem Art. 217 derogiren ſoll. Allein ohngeachtet dieſe Meinung die Autorität des Hrn. v. Maleville(I. 229) vor ſich hat, kann ich ihr doch nicht beipflichten, denn c) dem deutlichen Tert des Geſetzes kann man die Meinung des Referenten nicht entgegenſetzen, und 3) eben ſo wenig dem Art. 217 die Verfuͤgung des Art. 1538, der von den Stipulationen eines EheKontraktes ſpricht(la faveur d'aucune stipulation) und daher mit dem Art. 223 konferirt werden muß, deſſen Beſtimmung er allerdings in ſoweit ausdehnt, daß die Fran kraft einer im EheKonttakt bedungenen a lgemeinen Autoriſation ihr hin eignes MobiliarVermögen nicht allein verwal⸗ ubbe ten ſondern auch daruͤber verfuͤgen kann. 14) In welchen Fällen iſt die Autoriſation des Richters er⸗ n etm forderlich? Klug ſiih 1) Wenn der Mann die ſeinige verweigert, weil die Pri⸗ ſudm vatJurisdiktion des Mannes immer der oͤffentlichen unter⸗ lt, ſnti geordnet ſein muß.(a18 und 279.) Die Art. 861 u. n niſſ ff. des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen getntu Prozeß ſchreiben das von der Frau zu beobachtende t wernn Verfahren vor, um dieſe Autoriſation zu erwirken. Uebri⸗ Poliilubt gens muß in den Fallen beider Art. der Mann gehoͤrt mithit u oder doch vorgeladen werden, wie es aus dem Art. 861 des G. u. d. V. imb. P. erhellt, ohngeachtet der Art. 218 iun lt dieſe Formalität nicht vorſchreibt. Ueber die Wirkungen ehen ſn dieſer Autoriſation konferire man äbrigens den Art. 1426. vefion Endlich kann im Falle des Art. 218 das Tribunal, vor Geſtir welchem der Prozeß anhaͤngig iſt, die Autoriſation nicht uhi ertheilen, wenn der Mann nicht in ſeinem Gerichtsſpren⸗ 7dnl 9el wohnhaft iſt, ſondern muß eine Friſt anſetzen, in it dchnt welcher die Autoriſation deſſelben oder des Tribunals er⸗ nih in ſter Inſtanz ſeines Bezirkes beigebracht werden muß. (Urtheil des Kaſſationshofes vom 21 Germinal 12.) ndi Nin 2) Wenn der Mann ſich in der Unmoͤglichkeit befindet, ſeine Autoriſation zu ertheilen, Art. 221, 222, 224, Note un täl 9.) Den Art. 222 hat man mit dem Art. 863 des Ge⸗ chun ſetzbuchs uͤber das Verf. im buͤrg. Prozeß zu vergleichenz ebin. ohngeachtet es aus dem letzten deutlich erhellt, daß imn das Wort æhn hier in dem Sinne zu verſtehen iſt, der ihm im Titel: von der Abweſenheit, beigelegt kuft inm unun wird, ſo pflegen in Wngenden Faͤllen, Gefahr auf „ dem Verzug haftet, und die Autoriſativn des Man⸗ nes nicht beigebracht werden kann, die Tribunalien dennoch die Autoriſation zu ertheilen, wenn gleich der Ort des Au⸗ fenthaltes des Mannes bekannt iſt. 3! Wenn die Frau eine Verpflichtung zum Vortheil ihres Mannes eingehen will, um ihn aus dem Gefaͤngniſſe zu befreien.(Art. 1427, gegen den Art. 12 des Titels 6 des 3 Buchs der MarineOrdonnanz, und die voutume von Normandie, Art. 321; ob aber, den von der MarineOr⸗ donnanz vorgeſehenen Fall ausgenommen, die Verfuͤgung dieſer coutume in ganz Frankreich als gemeines Recht gegolten haben, ſo wie Louet, litt. a. 5.9, Bouvot, 1I. 639 und 640, es behaupten, wird von dem Präſidenten Bouhier und andern Rechtsgelehrten ſtark beſtritten.) 15) Schließlich noch folgende Bemerkungen in der Au⸗ toriſation des Mannes a) das großjährige Mädchen vder die Wittwe, welche ſich während einem Prozeß verheurathen, muͤſſen die Au⸗ toriſation beibringen, um denſelben fortſeten zu können. (urtheil des Kaſſationshofes vom 20. Thermidor 12.) p) Die Verfugung des Art. 217 erſtreckt ſich auf die Acqui⸗ ſitionen, welche die Frau machen kann, weil ſie unter einem läſtigen Titel nicht acquiriren kann, ohne ſich zu verpflichten, und in Hinſicht auf Erwerbungen unter einem unentgeltlichen Titel turpis quaestus vitandi causa; ein neuer Beweiß, daß man den Urſprung dieſer Bedingung nicht in einer vermutheten Unfaͤhigkeit der Frau zu den Ge⸗ ſchäften ſondern in ihrer Abhaͤngigkeit von dem Manne zu ſuchen hat. c) Rut die Frau, welche in Gemeinſchaft der Gter lebt, 328 kann im Falle des Art. 220 ihren Mann verpflichtenz n de n (807 und 1570) auch kann der Mann nie mittelſt Per⸗ edulh ſonalArreſt zur Erfullung der von ſeiner Frau eingegange⸗ nen Handlung Verbindlichkeiten angehalten werden, wenn er Luhi i ſich demſelben nicht durch ſeine Unterſchrift unterworfen hat. 6fun„ Aus den von der Frau ohne Autoriſation eingegangenen 3 möh Verbindlichkeiten entſpringt immer eine nat ärliche Ver⸗ pflichtung; ſie kann daher das nicht zuruckfordern⸗ u ig was ſie freiwillig bezahlt hat, ſelbſt wenn ſie aus ſe Bet dekuin dern der Gemeinſchaft, oder ſelbſt den ihres Mannes 8 8 Zahlung geleiſtet hatte.(Art. 1238). Der Mann kann die Gegenſtäͤnde vindiziren, welche ſeine Frau veraͤußert hat, oh⸗ 59. ne zu dem negativen Beweiß verbunden zu ſeyn, daß ſie die⸗ S plbe ohne ſeine Autoriſation verkauft habe. In Hinſicht khin auf die Ruckerſtattung des Kaufſchillings befolgt man die Lunf ub Grundſätze des Art. 132. Siehe Nro. 3. litt. d. hieroben. e) Die Verfugung des Art. 226 ward nur deshalb nöthig , wit befunden, weil manche Coutumes eine entgegengeſetzte nifn* Verfüͤgung enthielten.(Bourgogne, Nivernois, Nor⸗ zn ju im mandie, Bourbonnais, Bretagne, Cambreſis, Douai.) mih n ₰) Die geſetzliche Verfuͤgung kber die Nothwendigkeit der⸗ uf il Autoriſation iſt ein PerſonalStatut, welches die Frau un⸗ weil ſi un faͤhig macht, ſelbſt in Hinſicht auf ihre im Ausland gele⸗ ehn ſü gene Güter zu verfügen, ſo lange ſie ſich in der Abhaͤn⸗ en nt in gigkeit von ihrem Manne befindet. itandi ens 2) Die von dem Manne zum Prozeß ertheilte Autoriſation ſer Beinl ſchließt die, vor der VergleichsKammer zu erſcheinen, als uuſu eine zum Prozeß erforderliche Formalitaͤt, in ſich; ſollte aber e Mun daſelbſt wirklich ein Vergleich abgeſchloſſen werden, ſo wuͤrde dafur eine ſpezielle Autoriſation, kraft des Art. 217, erfor⸗ nGin i derlich ſein.(Urtheil d. Kaſſationshofes v. 8. Mai 1808. 326 16) Endlich verdienen noch folgende Fragen unſere Aufmerk⸗ ſamkeit: iſt eine von der Frau ohne Autoriſation eingegangene Verbindlichkeit unbedingt nichtig, oder faͤllt dieſe Nichtigkeit weg, ſobald das Band der Ehe, aus welchem ſie herfließt, aufgeloͤßt iſt? Das erſte war ehedem unter der Coutume von Paris, das zweite unter der von Bayonne und andern der Fall. Der Coder hat das Syſtem der erſten adop⸗ tirt. Der Art. 223 läßt keinen Zweifel uͤhrig, daß die Frau auch noch nach Auflöſung der Ehe die aus dem Abgang der Autoriſation entſpringende Nullität einzuwenden befugt iſt. Wie aber, wenn ſie den Akt nach dieſer Epoche ratifizirt hat? Unter der vorigen Jurisprudenz behauptete Deniſart und andere, daß eine ſolche Ratifikation ihn nie validiren koͤnne; die gegentheilige Meinung war jedoch allgemein angenom⸗ men, um ſo mehr, da die erſte ſich einzig auf ein Urtheil vom 3. Julius 1703 ſtuͤtzte, durch welches eine Schenkung, der nach der Ehe ertheilten Ratifikation ohngeachtet, nichtig erklärt ward, weil ſie nicht mit den fuͤr Schenkungen unter Lebenden erforderlichen Formalitäten verſehen war,(eine Entſcheidung, welche dern Art. 1339 entſpricht.) Der Art. 1338 giebt kei⸗ nem Zweifel uͤber die Frage ſtatt, daß die Ratiftkation der Frau die aus dem Abgang der Autoriſation entſpringende Nullitaät heilen wuͤrde. Die Wirkungen dieſer Ratifikation greifen ſogar bis zu dem Tage des Aktes hinauf, wie es aus dem Art. 225 folgt; hätte jedoch die Frau, welche ihre Guͤter ohne Autoriſation hypothezirt hatte, ſie ſeitdem nochmal mit der Autoriſation ihres Mannes hypothezirt, ſo wuͤrde dieſer letzte HypothekarGläubiger den Vorzug erhalten, weil die Frau zu deſſen Nachtheil auf ihr Recht, die erſte Hypothek annulliren zu laſſen, nicht Verzicht leiſten kann, und er ſelbſt dieſes Recht in ihrem Namen geltend machen koͤnnte.(1166) 37 „ 5 lun 17) Außer den Wirkungen, welche die Ehe in Hinſicht auf nn das Vermoͤgen der Ehegatten unmittelbar kraft der Verfuͤ⸗ u Rith gungen des V. Titels des dritten Buchs hervorbringt, hat nſe hi ßie auch ferner kraft beſonderer Verfuͤgungen nach folgende n lun Wirkungen: wonnn 1) Alle Schenkungen unter Ehegatten ſind wiederruflich; tuin te(oqb) andere Verfuͤgungen in Hinſicht auf die Schen⸗ de hihn kungen unter Ehegatten enthalten die Art. 1004 und 1098. nAhmt 2) Wenn ein Ehegatte unfaͤhig iſt, ein Liberalität zu erhal⸗ n bi ten, ſo wird der andere in Hinſicht auf ihn als interpo⸗ ch ni nirte Perſon angeſehen 6099). Deniſm 3) KaufKontrakte unter Ehegatten ſind ſehr beſchraͤnkt(1505) lidin in 4) Ein Ehegatte kann nicht für oder gegen den andern als Zeuge auftreten, ſelbſt nicht nach ausgeſprochener Ehe⸗ lrhelun; ſcheidung.(260 des Geſ. uͤber d. Verf. im buͤrg. Prozeß.) un n 3) Prozeß Koſten können unter Ehegatten kompenſirt wer⸗ ichtz ri den.(131, ibid.. nn kinn Zweiter Ab ſchnitt. bntjhin Von den Wirkungen der Ehe in Hinſicht anf die Kinder⸗ 33 zitt Erſte Abtheilung. tin hh Welche Kindet gehören einer Ehe an? ende Ml Römiſches Recht, 1 Puch, Tit. 3 des K. 3 Vuch, Tit. 22. 6 c. 4. Nov. 89, cap. 2, 3 9 1 Nov. 12. cap. 4, Nov. 17, cap. ult. ts uk Nov. 117 Cap. 2. cap⸗ 6. K, qui Kl. sint. legit. 4. 17. Aelteres e ihr bin franzdſiſches Recht. Dieſelbe Ordonnanzen und Deklara⸗ nchmil n tionen, welche bereits oben Seite 229 angefuͤhrt ſind. Ueber die nitie i in dieſer Hinſicht beſonders wichtige alte Jurisprudenz ſiehe — Répertoire universel, verbis: legitémicé legicimation⸗ n, wii b in S2 6. Die Rechte ebelicher Kinder haben zu. genieſſen? *) die, welche in der Ehe gezeugt worden ſind; nt.(l6 — 323 3 die, welche durch die nachfolgende Ehe legitimit: worden ſind.“ Hiſtoriſche Ueberſicht des ältern franzöſiſchen Rechtes. Bei jeder Unterſuchung der in den nachfolgenden Paragraphen enthaltenen Artikel des Codex iſt die Kenntniß der ältern franzdſi⸗ ſchen Jurisprudenz, von welcher die neue wenig abweicht, von gro⸗ tem Vorthei. Wir wollen ſie daher aus den verſchiedenen Geſichts⸗ Punkten durchgehen, welche uns die neue Geſetzgebung darbietet. Dieſe Ueberſicht zerfällt demnach in folgende Abſchnitte: ) Wann ſind die in einer nichtigen Ehe erzeugte Kinder als eheliche anzuſehen 2 6) auf weiche Art kann der Beweiß der ehelichen Geburt erbracht werden? c) Ansnahmen von der, aus der Ehe herfließenden, geſetzlichen Prä⸗ ſumption in Hinſicht auf die Abſtammung der Kinder. .) Wer kann die eheliche Geburt eines Kindes beſtreiten oder ver⸗ theidigen, in welcher Zeit, vor welchem Richter2 e) Wann und zu Gunſten welcher Kindern findet die Legitimation ſtatt 2 1) wann ſind die in einer nichtigen che erzeugte Binder als eheliche anzuſehen? Den in dem Kapitel: ꝛeum inter, Decr. qui Kilii sint legitimi, aufgoſtell⸗ ten Grundſatz uͤber die putative Ehe finden wir ſchon fruͤher in dem ſranzdſiſchen Recht rezipirt, und auf die von Philipp Auguſt in ſeiner nichtigen Ehe mit Agnes erzengte Kinder angewendet. In dem⸗ ſelben Sinne erkannte Ludwig der Heilige durch ein ſchiedsrichter⸗ liches Urtheil von 1246 die Kinder rechtmäßig, welche die Graͤfin Mar⸗ garetha von Flandern in einer nichtigen Ehe„devren Hinderniß ihr jedoch unbekannt war, gezeugt hatte. Bei Lonet, Robert„Hen⸗ rysund in dei Journal des audiences findet man eine Menge gleich⸗ formigerlirtheils ſpruͤche,(von den Fahren 1380, 1502, 1597, 1610, 1637, 1656, 1744, 1752) welche keinem Zweifel ſtatt geben, daß die in ben Art zo1 und 202 des Koder Napoleon enthaltene Grundſätze von jeher die Norm der franzdſiſchen Gerichtshöfe in die ſer Hinſicht waren. Ale dieſe Urtheilsſpruche ſprechen den Kindern alle Rechte der Legi⸗ he lginn eht n lurn fin icht, on hu enen Geſlt bung kthtt, * hetals i eintt mint eſetzlichen r er. titen r n e Agitinain 9te Jinoe ini, auſpeſ rüber i n Agſh det. Inben ſchietrihe Griſn Mn zinderuiß it ert, Hen Nenge gleit⸗ 1610, 161 ſ üie jn du noſize bon ſicht eten e der ki 3²9 timität zu, ſelbſt wenn nur einer der Ehegatten in gutem Glauben war, weil die Untheilbarkeit des Civilſtandes ſich dem Syſtem der Gloſſatoren, welche die in einer ſolchen putativen Ehe erzeugte Kin⸗ der in Hinſicht auf den einen Ehegatten für eheliche, in Hinſicht auf den andern fuͤr Baſtarde hielten, widerſetzt. Dieſe putative Legitimi⸗ tät ertheilte den Kindern ſogar die Rechte ehelicher Kinder, nicht allein auf das Vermdgen ihrer Aeltern, ſondern auch auf das ihrer Verwandten und zwar ſowohl in der graden als in der Seitenlinie, den einzigen Fall ausgenommen, wo das EheHinderniß in dem geiſtlichen Stande eines der Ehegatten und der daraus entſpringenden buͤrgerlichen Unfaäͤhig⸗ keit ſeinen Grund hatte, weil in dieſem Falle das Kind als Repra⸗ ſentant eines Unfähigen ein Recht nicht in Anſpruch nehmen konn⸗ te, welches dieſem ſelbſt nicht mehr zuſtand(Urtheilsſpruch vom 10 Februar Tö32 bei Brodet, und in der beruͤhmten Sache von For⸗ tin vom Jahr 1772.) Zu einer putatiben Ehe ward uͤbrigens der wirkliche Abſchkuß derſelben erfordert, indem man mit Her⸗ tins(de mätrimonio putativo, Oq. Tom. I. P· 341. J. 6) eine putative Ehe im weitern Sinne annimmt, welche aber keine Eivil Wirkungen hervorbrachte;(und auch nach heutigen Rechten nicht hervorbrin⸗ gen wuͤrde) ein melkwürdiges Beiſpiel einer ſolchen lieſert die Verbindung des Prinzen von Terſelaers Tilly, mit der Dame Alexan⸗ drine von Bacq, und der zwiſchen ihrer Tochter Albertine und den Verwandten desPrinzen, nach deſſen Tode entſprungeneProzeß, wodurch dieſelbe als in einer putativen Ehe erzeugte Tochter die Erbſchaft des Prinzen in Anſpruch nahm, aber durch eine Eutſcheidung des Conseil sonverain von Brabant vom 6 Julius 1782 endlich mit ih⸗ ren Anſpruͤchen abgewieſen ward, welche nach nochmaliger Reviſion am 6 September 1734 beſtätigt ward. Der Unterſchied, den man ehedem zwiſchen der geiſtlichen und weltlichen Legitimität machte, welcher daraus herfloß, daß die Deklaration von 1639 und das Edikt von 1697 mehrere Ehen der Ci⸗ vil Wirkungen beraubt hatten, welche als Sakrament guͤltig waren, und darin beſtand, daß man die in ſolchen Ehen erzeugte Kinder zwar aller Erbrechte beraubte, ihnen aber die Eigenſchaft als ehe⸗ liche Kinder ließ(Arréts vom 11 May 1677, a4 Futius 1704, 14 Julius 1637) iſt in der neuen Geſetzgebung weggefallen. Es giebt * 5 330 in den Augen des Geſetzgebers nur eine Legitimität, und derjenige⸗ dem das Geſetz dieſe Qualität zugeſteht, iſt zu allen damit verbunde⸗ nen Vortheilen berechtigt. d Auf welche Art kann der Beweiß einer ehelichen Ge⸗ burt erbracht werden? Der Beweiß einer ehelichen Geburt beſteht aus zweien Stuͤcken 1 aus dem Beweiß der Abſtammung, a. aus dem Beweiß der Ehe derjenigen Perſonen, von welchen man abſtammt. e So lange vor dem Conzilium von Trident und der Ordonnanz von Blois die Eben durch idie bloſſe Einwilligung abgeſchloſſen wurden⸗ war es hinlaͤnglich den Veſitzſtand der Aeltern zu erweiſen, der den Beweiß der Ehe in ſich ſchloß. Noch im Jahr 1593 erkannte man demnach auf die bloſſe Erklärung des Vaters, daß er ſeiner Magd die Ehe verſprochen, und ſie als ſeine rechtmaͤßige Gattin behandelt nnterhalten habe, ſeine Tochter fuͤr ehelich. Brodet, B. 3 K⸗ 89, Buch 1. Kap. 70.) Erſt ſeit 1600 ward die Ordonnanz von Blois in den Gerichten ſirenge gehandhabt, und man hat ſchon Urtheils⸗ ſpruͤche von 1604 welche im entgegengeſetzten Sinne erkannt haben⸗ Der Deklaration von 1639 zufolge hätte der Beweiß der Legitimität nur durch die Vortage des Heuraths Aktes der Aettern erbracht werden kon⸗ nen; allein da man bald einſah, daß die ſirenge Beobachtung dieſer⸗ worſchrift viele Perſonen in die Unmoglicheit verſetzen würde„ihren Stand zu erweiſen, ſo erhielt ſie bald durch die Jurisprudenz der Parlamente und ſpätere Geſetze ſolgende Modifikationen? a) die Ordonnanz von 1667 ließ den Zengen Beweiß zu, wenn die Regiſter verlohren gegangen waren.(Art. 6 des Kod.) b) Der Beſitzſtand der Aeltern als Ehegatten, und des Kindes als, rechtmaͤßiges Kind, ward nach dem Tode der erſten als ein hinlänglicher Beweiß der ehelichen Geburt des Kindes angeſehen⸗(Art. 320) Zwar fͤhrt Deniſart ein Urtheit des Parlaments von Paris vom r Julius 1713 an, durch welches ein Sohn als Baſtard erkläͤrt worden ſein ſoll, weil er den HeurathsAkt ſeiner im Beſitzſtand verſtorbenen Aeltern nicht beigebracht hatte; allein das Faktum⸗ worauf dieſes Urtheil erlaſſen worden, ſcheint nicht ganz richtig exponirt zu ſein, weil es nicht allein der Meinung der be⸗ und keu, dnit nn chelichn c zweien Eitn Perſtun, de Onn ſchloſen uun rweiſen, ein nte mun hnnt rWao u n behnt odet, 31 nnanz lon i ſchen Uli e etkant ſü der Aezürt racht veni eobattu ſü en nin in uriyun 6 nen: eiß zu, vut 6Kob.) i zein hilinit⸗ At zn hon Poti b Puſun u t in bel in des ju ich gu it 331 ruͤhmteſten franzdſiſchen Rechtsgelehrten derſelben Zeit(Soefve, Elias von Beanumont und vor allem Cochin in ſeinem veruͤhmten Vortrage in der Sache Bourgelas) ſondern auch der einſtimmigen Jurisprudenz der hoͤchſten Gerichtshoͤfe des Kö⸗ nigreichs durchaus zuwiderlaufen wurde.(Siehe in dem R6per- toire universel arréts des Parlamentes von Dijon vom 11 Au⸗ guſt 1678, von Paris vom7 Jänner 1676 vom 15 JFunius 1713, und vom 16 Jun. 1772, von Rouen vom 1April 1633 von Vretagne vom 17 Jaͤnner 1692, und vor allem das in der berühmten Sa⸗ che Vourgelas. In allen dieſen Faͤllen ward der bloſſe Beſitz⸗ ſtand der Aeltern(nach ihrem Tode) als hinlaͤnglicher Beweiß der Legitimität angenommen, ohngeachtet Bourgelas ſelbſt in fruͤheren Akten die Eigenſchaft als natuͤrliches Kind ange⸗ nommen hatte, und zwar aus dem Grunde, weil niemand auf ſei⸗ nen Civilſtand Verzicht leiſten kann.) Unter den Beweißen die⸗ ſes Beſitzſtandes nahm damals wie itzt(310) der GeburtsAkt die erſte Stelle ein. Wir werden weiter unten mehrere Fragen er⸗ drtern, die ſich in Hinſicht auf denſelben auch unter der heutigen Geſetzgebung erheben koͤnnen. Beſondere Regeln hatte das alte franzoſiſche Rocht in ginſicht auf tie Ehen der Proteſtanten⸗ Der Widerruf des Edietes von Nantes hatte dieſelbe, ſtrenge genommen. in die Unmöglichkeit ver⸗ ſetzt, eine guͤltige Ehe abzuſchlieſſen, weil kein katholiſcher Pfarrer ihre Verbindung einſegnen durfte, und den Proteſtantiſchen unter Galee⸗ ren Strafe jede Reiigions Handlung verboten war. Auch hier fand die Jurisprudenz ein Mittel, die Grauſamkeit der Geſetzgebung zu mildevn. So oft eine zwiſchen Proteſtanten beſtehende Ehe als un⸗ guͤltig angefochten ward, erklärten die Gerichtshoͤfe einſtimmig den Klaͤger in ſeiner Klage unzulaͤßig, ſobald der bloſſe Peſitzſtand vorhanden war, und dies ſogar in dem Falle, wenn der Kläger zur Unterſtuͤtzung ſeiner Nullitäͤts Klage den EheAkt beibrachte, den der Richter, obne dem Buchſtaben des Geſetzes zuwider zu erkennen, nicht fuͤr guͤltig anerkennen konnte, aus dem Grunde,„weil die Ehe⸗ „gatten oder ihre Erben ihre Vertheidigung nur auf den BPeſitzſtand „gruͤndeten, und nicht gezwungen werden koͤnnten, ſich uͤber eine Ur⸗ „kunde zu erklaͤren, von welcher ſie als Veweißmittel keinen Vor⸗ 332 „weir ziehen zu wollen erklärt hätten.“ Die Aunalen des franzſi⸗ ſchen Rechtes enthalten unzahlige Beweiſe dieſer, zur Ehre der Par⸗ xamente, einſtimmigen Jurisprudenz, die nur noch in hiſtoviſcher Hinſicht merkwürdig iſt. Doch verdient es aufgezeichnet zu werden, vaß das Parlament von Provence den Muth hatte, durch ein Arröt vom 21 Dezeinber 1778 Calſo vor der Deklaration vom May 782) gegen den Antrag des dffentlichen Miniſteriums, zu verord⸗ nen, daß die Geburtsſcheine der von proteſtantiſchen Eheleuten gebor⸗ nen Kinder, welche die Pfarver als Baſtarde qualifizirt hatten, re⸗ ſormirt, und nach den Erklärungen ihrer Aeltern und Verwandten neuerdings abgefaßt werden ſollten. o) Ausnahmen von der aus der Ehe herſließenden geſenlichen wermuthung in vinſicht auf die Abſtammung der Kinder. Die Grundſätze des alten franzdſiſchen Rechtes in Hinſicht auß vieſe Ausnahmen weichen von denen des Coder ſehr wenig ab. Der wichtiaſte Unterſchied beſteht darin, daß das erſte das natürliche Un⸗ vermögen des Maunes, in ſettenen Fälten, als Grund, um ein Kind zu verlaͤngnen, zuließ, jedoch nur daun, wenn der Mann es weder anerkannt noch als ſein Kind behandeit hatte. QArrét vom 16 Julius 2605 auf den Antrag d»Agueſſeau“s) d) Wer kann die eheliche Seburt eines Vindes beſtreiten oder vertheidigen, zu welcher Zeit und vor welchem Rithter? In Hinſicht auf dieſe Fragen lieſert uns die ältere Jurisprudenz ſolgende Auſſchluͤſſe: 1, die Legitimitaät eines Individnums kann durch eine Klage von demjenigen angefochten werden, der eine Erbſchaft in Anſpruch nimmt, von welcher dieſes Individuum, als eheliches Kind, ihn⸗ ausſchlieſſen wuͤrde; im Exzeptions Wege kann jedermann, der ein wirklich erdffnetes Intereſſe dazu hat, dieſe Legitimitat be⸗ ſtreiten, z. B. die Wittwe einer zweiten Ehe, welcher das Kind erſter Ehe ihren Wittwengehalt ſtrittig macht.](Vortrag des Hr v. Corberre vom 12 May 1693.) L. Die Verwandte in nahen Graden, oder die geſammte Glieder ei⸗ ner adlichen Familie, welcher ein Individuum anzugehdren vor⸗ gab, wurden gleichfalls zugelaſſen, ſeine Legitimität zu beſtrei⸗ ten, doch war dazu erforderlich, daß jenes Individnum den Famis lien Namen und das Wappen führte; in Hinſicht auf Indivi⸗ nios ſunt Shr whu in hiſuſtn et za wen, tte, wuch i on wn n n Mn heleuten gi zirt hutn n ud Peun engeitin g der In n Hſit venigah 7 natürſilu d u ihi ker Pun Anöt u beſtreimo hen ihn e Zuinn ite Kun ſt i un ches Ki i jehanmn, kint „nelchet qi. Gmn n Glile zugehötun uit n nun ſe in uf i 333 zuen buͤrgerlicher Herkunft waren nur die Aszendenten ohne al⸗ les pekunläre Intereſſe in dieſer Klage zuläßig.. Z. Auch Fremde konnten in einer question d'état interveniren, um den Civilſtand des Beklagten zu vertheuien„wenn ſie nur ein wirklich erdfnetes Intereſſe, z. B. als Glaͤubiger, dazu hatten;(d»Agueſſeau's Vortrag in der famdſen Sache der Ja⸗ quette von Senlis.) z. Alle Streitfragen uͤber den Civirſtand ſind präͤjudiziek. S. Der emanzipirte Minderjaͤhrige, deiſen Civilſtand beſtritten war, mußte von einem Vormund aſſiſtirt ſein.(Arrét des Parla⸗ mentes von Paris vom 21 Februar 1692, welches ein Reſtitu⸗ tionsGeſuch angenommen hat, weil der Minderjaͤhrige nur von ſeinem Kurator aſſiſtirt war.) 6. Der Civilſtand eines Individnums konnte auch noch nach deſſen Tode beſtritten oder erwieſen werden.(Arrét in der Sache der Jaquette von Senlis, vom 17 May 1691, nach ihrem Tode auf den Antrag ihres Glaͤnbigers erlaſſen. Der Tod eines Indivia duums, deſſen Stand durch ein guͤnſtiges Urtheil anerkannt war, ließ jedoch dieſes Urtheit in Rechts Kraſt erwachſen.(Arrèt vom 3 Sept. 1631, zum Vortheil der Demoiſelle de la Chau ſſée, der 5. f. ne de statu defunct. post quinqu. gemaß, weiche mit der L 5 C. si pendente appellat. in einem nur ſcheinbaren Widerſpruch ſteht.) 7. Ueber die der romiſchen Geſetzgebung entſprechenden Grundſätze inHinſicht auf dieVerjährung, ſiehe He nry 8, Th. 2. B. 4. quest a8, Dunod, traité des prescriptious, 2 Th. Kap. 3. 3. Die Fragen über den Civilſtand und die Legitimität gehörten in Frankreich vor den weltlichen Richter. Die Diſtinktion der Kanoniſten, nach welchen die Klage dann vor die geiſtlichen Ge⸗ richte gehdren ſollte, wenn die Legitimitat ans dem Grunde beſtritten wird, weil die Aeltern nicht guͤltiger Weiſe verehelicht geweſen wären, und vor die weltliche, wenn die Klage ſich darauf gruͤndet, daß das Kind nicht von denjenigen erzeugt ſei, die es als ſeine Aeltern in Anſpruch nimmt, ward ſeit dem ſechſten Jahr⸗ hundert ganz proscribirt. Das letzte Urtheil, welches ſie noch anerkennt, und welches auf uns gekommen iſt, iſt vom 14 Jun. 2565,(Dumon lin über das cap. 5. Decret. qui Rlii sint legitim.) 334 ſeitdem ward im erſten Falle die Sache mittelſt eines appel eom- me dꝰabus von der Ehe vor die Parlamente gebracht, im zweiten ward die Klage vor dem Richter des Domizils des Klägers erbo⸗ ven; ergab ſich eine ſolche Frage beilaͤufig in einem andern Prozeß, ſo hatte der mit der HauptKlage befangene Richter mit einigen Ausnahmen daruͤber zu erkennen. 6) wann und zu Gunſten welcher Rinder findet die Legi⸗ timation ſtatt? Von den ſechs Arten der roͤmiſchen Legitimation: n. per oblationem curiæ,(L. 3, C. de naturahbus liberis,(3. 27) 6. durch Adoption, cL. 6, C, eod. tit, Nov. 74. C3) c. durch ein Teſtament,(Nov. 74, cap, 2) d. durch die Anerkennung des Vaters,(Nov. 177 Kap. 2) fanden nur die beiden letzte e. durch die nachfolgende Ehe,(L, 3, C. de naturalibus lib, wel⸗ ches ſich bereits auf eine fruͤhere Konſtitution von Con⸗ ſiantin bezieht, L, 10. eod, tit, Nov. 18, C. 17, Nov. 73, C, 3 et, Mov. 89, C, 8, cap. tant. Derr. qni Bilii sint legitimi, Coutume von Troyes 108. Bar, 35, Sens, 92, Auxerre 34. Melune 307.) N durch ein Reſeript des Furſten(Nov. 74, cap. 2. nov. 39, cap. 13 eap. 13, decr. qui filii sint leg. Bulle von Pius IV, vom 1Jän⸗ ner 1562, Lettres patentes vom Monat April 1399, Jänner 1603, Februar 1669 und viele andere) in Frankreich Eingang. Da der Codex nur die einzige Legitimation durch die nachfolgende Ehe beibehalten hat, ſo bemerken wir nur kurz in Hinſicht auf die ehemals uͤbliche legitimation par lettres du prince? 1. daß es ein angenommener Grundſatz war, daß die vom Pabſt ertheilte Legitimation keine Civil Wirkung hervorbringen Lonnte, ſondern nur faͤhig machte, geiſtliche Benefizien zu beſitzenz ſchon Innozenz der III erklaͤrte, daß das Recht, eine Legi⸗ timation ad teinporalia zu ertheilen, dem paͤbſtlichen Stuhle nicht zuſtunde, und Pius IV bekannte, daß ſolche Legitimationen mißbräuchlich ertheitt worden wären. Ein Arrét von Ton⸗ wouſe vom a5 May 1462 hatte bereits in demſelben Sinne entſchie⸗ ben⸗ tes appel tn. tt, in un e Kligetch derupn tet mit inn idet di ⸗ 6 lben, 6 7% 6) 7Kt. yſu aibus lb, be tion ben lu 1No i zut kz m non 3,c W. bnfi 119 iin E nwi un tres in pu⸗ tie vn yul⸗ herbot zien zubeſſe cht, ei ſtichen Eu Legitiniun mit vn lu Eine uit 333 daß nur der Souverain ſolche lettres de légitima tion zu erthei⸗ len befugt war,(Arrét du Conseil vom 31 May 1704.) 3) das ihre Wirkung auf die Staaten dieſes Souverains beſchränkt war, ) daß dieſe Legitimation der Vorſchrift des vömiſchen Rechtes zu⸗ wider auch zum Vortheil ſolcher Kinder ſtatt fand, die in ei⸗ nem ehebrecheriſchen Umgang gezeugt worden waren; 5) daß eben ſo die Vedingung des romiſchen Rechtes, nach welcher die⸗ ſe Legitimation nur dann ſiatt finden konnte, wenn der Va⸗ ter die Mutter ſeiner natuͤrlichen Kinder nicht mehr heurathen konnte, nicht beobachtet ward;. 6) daß dieſe lettres de legitimation auch nach dem Tode des Vaters erwirkt werden konnten; 2) daß das LegitimationsReſeript auf die Regiſter der Gerichtsho⸗ ſe eingetragen werden mußte. Durch dieſen Eintrag allein erhielt die Legitimation ihre Wirkung, und die Betheiligten waren zulaͤßig, Oppoſition dagegen einzulegen; 5 daß die Wirsungen dieſer Legitimation durch das Legitimations Re⸗ ſcript ſelbſi beſtimmt wurden; oft beſchraͤnkten ſie ſich darauf, den Baſtard zur Bekleidung offentlicher Stellen und zur An⸗ nahme von Schenkungen und Vermaͤchtniſſen faͤhig zu machen⸗ Erſte unterabtheilung. Von welchen Kindern wird vermuthet, daß ſie in der Ehe erzeugt worden ſind? §. So. Einer geſetzlichen Vermuthung zufolge iſt der Mann Vater der von ſeiner Frau während der Ehe empfangenen Kinder. Dieſe Vermuthung faͤllt weg, wenn Mann ſich vom ʒooten bis zum 180ten Tage vor der Geburt in der phyſi⸗ ſchen oder moraliſchen Unmöglichkeit befand, ſeiner Frau ehelich beizuwohnen. Als Beweis der phyſiſchen Unmoͤglichkeit laßt das Geſetz 3 ½ 336 mit Ausſchluß des natuͤrlichen Unvermogens, nur fol⸗ gende beide umſtaͤnde zu: die Entferning, zu faͤlliges Unvermoͤgen. Den Beweiß der moraliſchen Unmöglichkeit laͤßt es nur in der Vereinigung folgender Umſtaͤnde zu: a) wenn die Frau des Ehebruchs durch ein Urtheil uͤber⸗ fuhrt worden, b) zugleich ihre Gehurt verheimlicht hatte, c) und noch andere Thatſachen hinzukommen, welche zu dem Beweiße geeigenſchaftet ſind, vaß der Mann nicht Vater iſt. Das Geſetz vermuthet ⸗ 1) daß ein Kind, welches vor dem Zooten Tage nach der Aufloͤſung der Ehe zur Welt kommt, in der Ehe empfangen worden; 2) daß das Kind, welches vor dem 180ten Tage ſeit dem Abſchluß der Ehe gebohren worden, gleich⸗ 3¹4 falls, als von dem Vater gezeugt, der Ehe ange⸗ höre, wenn derſelbe 4) eutweder vor der Ehe von der Schwan⸗ gerſchaft unterrichtet war„oder 3) dem Geburts Akt des Kindes beigewohnt hat. In allen Faͤllen, wo die geſetzliche Vermuthung: pater est etc. nach obigen Regeln eine Ausnahme erleiden kann, bleibt die Entſcheidung uber den Stand des Kindes den Tri⸗ bunalien uͤberlaſſen, die nach den Umſtaͤnden zu entſcheiden haben. Jeder Prozeß uͤber den Stand deſſelben iſt jedoch unterſagt, wenn es nicht lebensfähig zur Welt kommt. Looré„V. 3 et suiv. VerbalProzeß vom 14 und 16 Brumaire, 12 Frimaire, 6 Nivoſe und ar Fruktidor 10, 21 Ventoſe 1I. Pro⸗ 313 337 jet du code civil, Liv. x. tit. 7, art I2 et suiv. Lebrurn des sucees-⸗ ens, uſt 5 sions, sect. 2, No, 3, 4, 6. Bretonner sur Henrys, 1. liv. 6, qu⸗ 33 De peisses, I, p. 243 No. 3. Brili, verbo impuissnne. J. des audiences. Malenile, 1. 308. Tibaue, J. 453 et suiv.§ 366. L. 5. fl. de in jus vocando.(a. 4.) L. 6. fl. de his qui sunt sui vel alie- lichtei ſ ni juris(1.6.) L. 12 ff. de statu hominnm.(1. 5.) L. 4. C. d posth. ezu: hered., instit(6.a9.) L. 2. F. 9, L. 17, 8 9. ff. ad leg. jul. de adulter. 6(48.5.) L. 29, 1. ff. de probat.(22.31.) L. I ff. de agn. et alend. Unhel ih lib.(23. 3.) 1.3. S. 12 ff. de suiset legitim. hæred. tit. H, de ventr. nom in posses. nissa(a, 5.) si inulier ventr. nom. in posses. (25. 6.) Nov. 30, cap. ult. men, ni„ Ehe wir uns mit der unterſuchung der Verhaͤltniſſe be⸗ aß de In ſchaͤftigen, welche aus der Ehe zwiſchen den Kindern und Aeltern entſpringen, muͤſſen wir vor allem feſtſetzen, welche Kinder als eheliche zu betrachten ſind. Wenn uͤbrigens der enhn Koder zwiſchen ehelichen(egitimes) Kindern und in der Ehe mnt, un gebohrnen Kindern(enkans nés dans le mariage) einen Unterſchied macht, ſo beruht dieſer nicht, wie Locré n Iin(V. 3) behauptet, darauf, daß die Ehe nur eine Vermu⸗ wa, i thung der Legitimität zu Gunſten der Kinder begruͤndet, er bhe und ſie daher, obgleich in der Ehe gebohren, illegitim werden, wenn ſie gultiger Weiſe verlaͤugnet worden ſind, weil dieſe de etn Verlaäugnung nur dann ſtatt findet, wenn ſich die Vermu⸗ thung, als ob das Kind in der Ehe erzeugt worden, durch nh ãberwiegende umſtande entktůftet findet, und weil, ſo oft im mt Allgemeinen in den Rechten von in der Ehe gebohrnen Kin⸗ dern(im Gegenſatz mit naturlichen) die Rede iſt, ſolche, reiben in, die geſetzlicher Weiſe verlaͤugnet worden ſind, nicht darunter 6 e verſtanden werden. Dieſer unterſchied betrift vielmehr die ſ aß legitimirten Kinder, von welchen man, obgleich ſie als u ſfit eheliche anzuſehen ſind, dennoch nicht ſagen kann, daß ſie in lnn der Ehe gebohren worden ſind 22 16 Lrn entoſ 1e 6 338 2) Da das Geheimniß der Zeugung keine Gewißheit in dieſer Materie zuläßt, ſo bieten ſich folgende Fragen dar: 1) In Hinſicht auf welche Kinder wird v ermuthet, daß ſie der Ehe angehören? 2) Nach welchen Regeln hat man den Stand derjenigen zu beſtimmen, in Hinſicht auf welche keine ſolche Vermu⸗ thung beſteht?. Was die erſte betrifft, ſo handhabt das franz. Recht die Re⸗ gel: pater est, eto. etc. weit ſtrenger als das römiſche⸗ weil, außerden namentich ausgenommenenFullen, eine præsump⸗ tio juris et de jure daraus herfließt. Herr Schön⸗ mann[das roͤmiſche CivilRecht nach dem Pandek⸗ ten Teyte mit dem preußiſchen und franzöſiſ. verglichen 1. 67) ſagt zwar: und eben ſo wenig wird der Mann mit dem Be⸗ weiſe, ſeiner Ehefrau während der geſetzlichen Zeit nur wirk⸗ lich nicht ehelich beigewohnt zu haben, gehoͤrt; dies letzte folgt aus dem Tefte noch nicht ſo gewiß, als aus dieſer Stelle des dazu gehörigen Vortrags Duveprier tc. c. Zum Gluck findet ſich aber dieſe Entſcheidung doch im Texte ſelbſt, weil auf die bloße Meinung des Tribuns Duveyrier wohl kein Tri⸗ vunal die Entſcheidung einer ſo wichtigen Frage ſtuͤtzen duͤrfte. Der Art. 312 ſagt nämlich: l'enfant congu pendant le mariaga 4 pour père le mari. Néanmoins celui-ci pourra desavouer l'enfant s'il prouve.... Deutlicher kann man doch wohl nicht ſagen, daß er es nicht verlaͤug⸗ nen kann, auſſer wenn er eine der von dem Geſetz aufge⸗ zähtten Thatſachen erweißt, unter welchen die, daß er ſeiner Frau nicht ehelich beigewohnt habe, nicht befindlich iſt. 3) Wie groß muß die Entfernung ſein, welche der Art. 312 erfordert? nothwendig ſo, daß jede Beiwohnung dadurch t inſin thet, deijnin he Pn echttuh iſche, wi premn n Sihin n n chn. ſit enb t nur wit dies i iſſr ei zunbl ſt, wilf lkiu zn üit endn s ceti Lulit wit ſt u n ſin hiſ Au n 339 phyſiſch unmoglich geworden war. Hier haͤngt alles von den beſondern Umſtaͤnden jedes einzelnen Falles ab. So kann die aus der Gefangenſchaft des Mannes in derſelben Stadt, wo die Frau ihren Wohnſitz hat, entſpringende Entfernung hinlaͤnglich ſein, waͤhrend die größereEntfernung des freien Ehegatten unzulänglich befunden werden könnte. Da⸗ mit die Abweſenheit des Mannes die geſetzliche Vermuthung entkraͤften könne, muß ſie folgende drei Charaktere vereini⸗ gen: ſie muß 1) gewiß ſein, 2) während der vom Geſetz beſtimmten Friſt, 3) ununterbrochen, fortgedauert haben. In dem Falle, wo die ununterbrochene Fortdauer der Abweſenheit nicht durch die Entlegenheit der Orte oder durch die Unterbrechung der Kommunikationen phyſiſch ge⸗ wiß iſt, läßt man den Beweiß des fortdauernden Aufenthal⸗ tes an einem Orte, von welchem der Mann in kurzer Zeit zu ſeiner Frau gelangen konnte, nur ſehr ſchwer zu. So erklärte ein Arrét vom 15 Junius 1603 den Sohn der Frau von Vinantes, ohngeachtet ihr Mann erwieſen hatte, daß er die ganze Zeit uͤber ſeinen Dienſt bei der Herzogin von Orleans verſehen hatte, aus dem Grunde fur rechtmä⸗ ßig, weil dieſer Dienſt ihn nicht verhindert habe, ſich auf einen Tag zu entfernen, und man alſo keine Gewißheit haben koͤnne, daß er in der ganzen Zeit ſeine auf einem zwanzig Lieues entfernt gelegenen Landgut wohnhafte Frau nie beſucht ha⸗ be. Durch ein Urtheil vom 29 Februar 1732 ward aus dem⸗ ſelben Grunde die Tochter Carls de la Pliſſonniere fur recht⸗ mäßig erklärt, ohngeachtet derſelbe in Flandern wohnte, ſeine Frau aber in Paris empfangen hatte und niedergekommen war. * 240 ₰) Kann der Mann das Kind verlaͤugnen, welchos ſeine von Tiſch und Bett getrennte Frau empfangen hat 2 Dieſe Frage war der Gegenſtand einer langen Diskuſſion, deren Reſultat war, daß der Vorſchlag der Sektion, nach welchem die Regel pater est⸗ ete. ete. im Falle der Trennung wegfallen ſollte, nicht in das Geſetz aufgenommen ward. In der That iſt in dieſem Falle keine phyſiſche Unmoͤglichkeit vorhan⸗ den, weil es nur von den Ehegatten abhängt, der Trennung jeden Augenblick ein Ende zu machen. Da auch das Vand — der Ehe noch beſteht, ſo ſcheint die allgemeine Verfuͤgung des Art. 312 auch auf dieſen Fall anwendbar. Dagegen lißt ſich einwenden, daß der Mann, der nicht mehr bei ſei⸗ ner Frau wohnt, ſich in der unmoͤglichkeit befindet, uͤber ihre Auffuͤhrung zu wachen; daß eine Annaͤherung der Ehe⸗ gatten wenigſtens nicht vermuthet werden kann, und daß ſie, ſobald die Frau ſie erweißen kann, gleich auf der Stelle, alſo lange vor der Niederkunft, der Trennung ein Ende mächt, und den Stand des Kindes verſichert. Die Kom⸗ miſſion wollte das Schickſal des Kindes von dem Umſtande abhungen laſſen, ob die Ehegatten forthin eine gemein⸗ ſchaftliche Wohnung gehabt häͤtten, der jedoch nicht entſchei⸗ dend genug ſchien; auch ſind die Worte: gemeinſchaftliche Wohnung, einer weitern und engern Deutung faͤhig. Hr. v. Maleville glaubt, jedoch nicht ohne einigen Zweifel(I. 312), daß das Geſetz dieſen Fall der Entſcheidung der Gerichte habe überlaſſen wollen, weil er von dem einer ruhig beſte⸗ henden Ehe allzu verſchieden waͤre, um nicht eine beſondere Entſcheidung zu verdienen, falls man der richterlichen Ge⸗ walt haͤtte Schranken ſetzen wollenʒ allein iſt dieſe Entſcheidung nicht vorhanden/ indem der Art. 312 keine Aasnahme zulͤßt? ſinm t? di n, hn wilhmi wefil Inh it uhn nn hs hu Prfihn Doyn mhr liſ det, in g de e „miz derEt in Di ju Unſn e gni ht nſin mhntt b zu Giiht tiß K⸗ bn ſihn b⸗ ſhun nſ 34¹ Einige Willkuhr behält indeſſen immer der Richter, da der Art. 312 die Entfernung nicht vorſchreibt, welche zur Verlaugnung berechtigt. Die Trennung von Tiſch und Bett bringt immer eine Entfernung hervor, welche ſogar ſtrenge ge⸗ nommen, nicht aufhoͤren kann, ohne daß das Trennungs⸗ Urtheil ſelbſt ſeine Wirkung verloͤhre; denn, ſobald die Frau den Mann freiwillig wieder in ihr Bett aufnimmt, oder der Mann ſeine Frau freiwillig wieder aufſucht, findet eine Auſſöhnung ſtatt, die das TrennungsUrtheil entkraͤf⸗ tet; von dieſem Grundſatz ausgehend erklärte man unter der vorigen Jurisprudenz die waͤhrend der Trennung empfangene Kinder fuͤr Baſtarde(arréts vom 9 May 1693, und 1 De⸗ zember 170r im Journal des audienees, V Thl. 1 B. Kap. 48) ausgenommen, wenn die Mutter erklärte, daß ihr Mann ſie wahrend der Trennung beſucht habe. Der Beweiß fiel der Frau zur Laſt, die ſchon darum die Vermuthung gegen ſich hat, weil ſie nicht gleich⸗ nach der zum Vortheil des Kindes nothwendig zu unterſtel⸗ lenden Auſſöhnung, auf Aufhebung der Trennung geklagt⸗ und dadurch den Stand des Kindes ſicher geſtellt hat. Auſ⸗ ſerdem daß der Mann ſich nicht unſichtbar machen konnte, um zu ihr zu gelangen, und daher damals ſich leichter Be⸗ weiße dieſer Auſſohnung beibringen lieſſen, iſt auch nicht zu vermuthen, daß er in demſelben Augenblick, wo er aus den Umarmungen ſeiner Gattin, zurackkehrte, ſich geweigert haben wuͤrde, die Trennung aufzuheben. Ich glaube daher, daß im Falle der Trennung der Richter dieſe von der Lage der Ehe⸗ gatten abgeleitete Erwägungen eben ſowohl bei der Beurthei⸗ lung der vom Art. 312 erforderten Entfernung in Anſchlag zu bringen befugt iſt, als der Geſetzgeber im Falle des Art⸗ 342 3r3, ſich mit einer bloß moraliſchen Vermuthung als Be⸗ weiß der Entfernung begnugt. 5) Kann das Kind verläugnet werden, welches während einem EheſcheidungsProzeß empfangen worden? Ich glaube, daß man zu unterſcheiden hat, ob(da die Verlaäug⸗ nung vor der Geburt nie zuläßig iſt, Art. 314) zur Zeit der Geburt das Urtheil über die Klage bereits ergangen iſt oder nicht. In dieſem letzten Falle ſcheint der Art. 272 in An⸗ ſchlag gebracht werden zu mäſſen, indem zwei Entſcheidun⸗ gen, von welchen die eine die Eheſcheidung zuläßig erklären, und die andere den Mann zum Vater des von ſeiner Frau wäh⸗ rend des Prozeßes empfangenen Kindes erklären wuͤrde, durch⸗ aus unvereinbarlich wären. Es iſt uͤbrigens nur faſt in dem von dem Art. 250 vorgeſehenen Falle denkbar, daß, wenn die Schwangerſchaft erſt waͤhrend des Prozeſſes eingetreten iſt, zur Zeit der Geburt noch kein Urtheil erfolgt ſein ſolle, ohngeachtet dies doch auch auſſerdem, mittelſt InzidentPunk⸗ ten und Appelkationen von dem Zulaſſungs und anderen in⸗ terlukoriſchen Urtheilen, möglich bleibt. Allein auch der Art. 268 muß in Anſchlag gebracht werden, und in dem Falle dieſes Artikels ſowohl als des Art. 925 ſcheint der Beweiß, daß der Mann die Frau beſucht habe, der letzten zur Laſt zu fallen, zugleich aber auch hinlaͤnglich zu ſein, um eine Auſſohnung zu vermuthen, und den Mann zum Vater des Kindes zu erklären, wenn er nicht ſeinerſeits den volli⸗ gen Beweiß erbringt, daß die beſonderen Umſtände ſeines Beſuchs jene Vermuthung einer WiederAuſſoͤhnung durch⸗ aus entkraͤften. Kommt das Kind nach ausgeſprochener Eheſcheidung zur Welt, die Zeit der Empfaͤngniß fallt aber in den Prozeß, 343 EE ſo wärde ich von benſelben Grundſätzen ausgehen, vorausge⸗ ſetzt, daß ſie nach der Epoche eingetreten iſt, wo die Frau. end inn die gemeinſchaftliche Wohnung verlaſſen hatte.(Es verſteht 3 ſich, daß die beſondere Umſtände jedes einzeinen Falles immer Pui reiflich in Erwogung gezogen werden muͤſſen. Fällt die Zeit ur zitht der Empfuͤngniß vor jene Epoche, ſo gehoͤrt das Kind der n iſ in Ehe an, es ſei denn, daß der Art. 313 angewendet werden 7 in könnte; hat die Frau aber gar erſt nach Auflößung der Ehe nſhiun empfangen, ſo kann kein Zweifel uber die uneheliche Geburt. eckin des Kindes obwalten. tFuuu, 6) Das natuͤrliche Unvermogen des Mannes berechtigte zwar e, ut, ehedem die Frau zur Klage auf Trennung von Tiſch und⸗ fiß inin Bett, nicht aber den Mann, außer dem Fall einer ſolchen Klage, ein von feiner Frau empfangenes Kind zu verläug⸗ daß, un — nen, weil niemand ſeine eigene Schande als Rechtsmittel ſin ſl, geltend machen kann, es ſei denn, daß die Empfaͤngniß nach de* der wegen ſeinem Unvermoͤgen ausgeſprochenen Trennung ein⸗ en getreten waͤre. Man findet in dieſer Hinſicht ein merkwuͤr⸗ chinl diges Urtheil vom 5ten Julius 1655 im Journal du⸗ bn ſ Palais, wo ſowoht der Mann ſein Unvermoͤgen geſtanden, Bn als die Frau erklärt hatte, das Kind von einem andern unn empfangen zu haben, nichtsdeſtoweniger aber das Find, ſü, n welches die Regel, poter est ete. etc. anrief, fuͤr ehe⸗ u Ln lich erklärt ward. Da heut zu Tage, wie wir ſehen. werden, das naturliche Unvermögen nicht einmal mehr als. vſi Mittel der Scheidung it⸗ ſo S auch nicht einge⸗ n k wendet werden, um ein Kind ſeines Civilſtandes zu berauben. 7) Begreifen die Warte: par egfet de quelque accident. u i das aus einer Krankheit. entſpringende zufuͤllige Unver⸗ moͤgen, oder nur dasjenige, welches die Folge einer körperli⸗ e.„„ ⸗ chen Verſtuͤmmelung ſein wuͤrde? Zwar ſcheint man in der —— 2 344 Diskuſſion alle Krankheiten ohne Unterſchied haben aus⸗ ſchlieſſen zu wollen.(Loeré, V. 35.) Der Tribun Du⸗ veyrier hat jedoch ſeitdem von der Tribune herab beſtimmt das Gegentheil behauptet(Discours 1. 628) und man muß geſtehen, daß die Allgemeinheit des Ausdrucks und die Deu⸗ tung, welcher die Worte: zufälliges Unvermögen, fähig find, dem Richter in dieſer Hinſicht freie Haͤnde laſſen. 8) Der Ehebruch der Frau kann die Paternität nur ungewiß machen. Das römiſche Geſetz entſchied daher zu Gunſten des Kindes, und die ehemalige franzöſiſche Jurisprudenz handhabte dieſe Entſcheidung mit einer ſolchen Strenge, daß das Parlament von Paris auf den Antrag d'Agueſſe au's ein Kind fur ehelich erkläͤrte, welches die Frau eilf Mona⸗ te, nachdem aller Umgang mit ihrem Manne unmoͤglich ge⸗ worden war, empfangen, und welches ſie ſelbſt fuͤr die Frucht eines ehebrecheriſchen Umgangs ausgegeben hatte. Sie ließ nur eine einzige Ausnahme in dem Falle zu, wo die Frau in einem notoriſchen Konkubinat ge⸗ lebt hatte. Der Staatsrath hielt jedoch die Vereini⸗ gung der in dem Art. 313 aufgezählten Umſtände fuͤr entſcheidend, und in der That, wenn eine Frau, welche des Ehebruchs bereits gerichtlich uͤberwieſen iſt, keine Gefahr ſcheut, um ihr eigenes Kind ſeines koſtlichſten Erbtheils, ſeiner Legitimität, zu berauben, ſo muß eine Vermuthung, die mehr in dem Geſetz als in der Wahrſcheinlichkeit begrundet iſt, wohl weichen. Das Geſetz erklärt jedoch das Kind auch in dieſem Falle nicht unbedingt fuͤr unehelich, ſondern es verwandelt die praesumptio juris et de jure in eine bloſſe praesumptio juris, gegen welche ſogar der Beweiß nur dann zuläͤßig iſt, wenn der Ehebruch bereits durch ein rechtskräftiges 345 6 6 Urtheil auſſer Zweifel geſetzt iſt, indem das bloſſe Faktum ünd. der Verheimlichung der Geburt nicht uͤberzeugend genug n ſchien,„weil eine furchtſame Frau auch um der ungegründeten .„Eiferſucht ihres Mannes wilen ihre Schwangerſchaft ver⸗ „heimlichen koͤnnte.“(Verbal Prozeß v. 16. Brumaire 10.) ſihhſ 9) Bei der Beſtimmung der Friſten der fruͤhzeitigen und verſpaͤteten Geburten hat man mehr auf den gewoͤhnlichen t mu Lauf der Natur als auf auſſerordentliche Phanomene Ruckſicht 1 Suit genommen,(Man ſehe in dieſer Hinſicht den weitlaͤuftigen nihnn Bericht des Staatsraths Fourcroy, auch bei Locre V. tenge, i 42) und konnte es ohne allen Nachtheil, weil auch dieſe Friſt ueſiuß nicht uͤber die Legitimitaͤt entſcheidet, ſondern nur den Gegenbe⸗ if Vhn weiß zulaßig macht. Die ältere franzoͤſ. Jurisprudenz war nht in Hinſicht auf fruͤhzeitige Geburten aͤuſſerſt kontrovers, eines⸗ ſtfi k theils wegen des Widerſpruchs der ſich zwiſchen der L. 11 inu de statu hominum und der L. 7§. 2 de suis et j egitim. hered.(die ſich doch beide auf die Autorität von Hyppocrates berufen) befindet, anderntheils weil in den pays coutumiers durchaus keine poſitive Vorſchrift vorlag. ſin jt Doch behielt im allgemeinen die der L. 7. fl. de suis. et leg. her. den Vorzug, und der Coder iſt nicht allein ihrer Ent⸗ biih ſcheidung gefolgt, ſondern hat die darin beſtimmte Friſt noch it ſin um zwei Tage verkuͤrzt. In Betreff der verſpäteten Gebur⸗ m,b ten war die Jurisprudenz den Kindern weit guͤnſtiger als int das Geſetz der zwölf Tafeln; Brodeau liefert ein Bei⸗ nd u ſpiel eines Urtheils vom ten May 1651, wodurch ein derm Kind, welches am T2ten Tag des ei ften Monats nach Aufloͤ⸗ nllſ ſung der Ehe zur Welt gekommen war, fur legitim erklärt urn ward. Boutillier fuͤhrt ein anderes vom Jahr 1475 an, i welches ein 11 volle Monate nach der Abreiſe des Vaters 346 zbers Meer gebohrnes Kind ehelich erklärt, und im Jour- nal des audiences ſindet ſich eine ähnliche Entſcheidung vom 6 September 1653 3war hat man auch einige dieſen widerſprechende Urtheile, bei welchen jedoch meiſtentheils der ausſchweifende Lebenswandel der Frau in Anſchtag gebracht wor⸗ den war. Es iſt keinem Zweifel unterworfen, daß auch noch heutzutage die Tribunalien befugt ſein wuͤrden, ein im 1Iten Monat gebohrnes Kind für ehelich zu erklären, weil das Geſotz, ſobald die allgemeine Vermuthung wegfällt, dieſe Entſcheidung unbedingt ihrem Ermeſſen anheim ſtellt. 10) Man hatte im Staatsrath den Vorſchlag gemacht, jedes während der Ehe gebohrne Kind, ohne Ruͤckſicht auf die Zeit der Empfaͤngniß, fuͤr ehelich zu erklären, weil in der Regel der Mann fuͤr den Urheber der Schwangerſchaft zu halten ſei. Allein dieſer Vorſchlag wuͤrde,(auſſerdem daß es dem NaturGeſetz zuwider geweſen ſein wuͤrde, den Zuſtand des Kindes von der Zeit der Geburt und nicht der Empfuͤngniß abhaͤngig zu machen) da man doch dem Manne nicht unbedingt und in allen Fällen jedes Klagrecht haͤtte verweigern können, ihm in dieſen Ansnahmen den negativen Beweiß aufgebuͤrdet haben, daß er vor der Ehe mit ſeiner Frau keinen Umgang gehabt hätte. Man zog es daher vor, in der Regel dem Manne ein Klagrecht zu bewilligen, die Frau aber zu dem Beweiß aller Thatſachen zuzulaſſen, wel⸗ che es wahrſcheinlich machen konnen, daß er Vater des Kin⸗ des ſei. 11) Unter dieſen Thatſachen iſt keine entſcheidender als die Kenntniß, welche der Mann vor der Ehe von der Schwan⸗ gerſchaft ſeiner Braut gehabt haben kann. Alles beſtimmt 7 alsdann zu der Vermuthung, als habe er durch die Ehe nur in ju. inſit iniz i ienthis h bntt ht a achu in in un „wil t filt, ii ſtelt. nacht, jts icſt n, wiu wugiſtt (uſtin wide, K nb niht den Um greit ſit n nn nit ſin dahe e ilign, ii ſen, u r cb di E hſinmt Gheut 347 ſeinen perſoͤnlichen Fehler gut machen wollen. Die Kom⸗ miſſion verlangte einen ſchriftlichen Beweiß dieſer Kenntniß, (Art. 6 des Projektes) eine Bedingung, die aber als allzu⸗ hart fuͤr die Frau verworfen ward. Der Zeugenbeweiß iſt alſo nicht allein zuläßig, ſondern der Art. 314 verlangt nicht einmal einen Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes. Es iſt uͤbrigens wohl zu bemerken, daß die Kenntniß, welche der Mann, obſchon unmittelbar, nach dem Abſchluß der Ehe von der Schwangerſchaft erhalten haben könnte, und ſein dem⸗ ohngeachtet beobachtetes Stillſchweigen ihm niemals eingewendet werden kann, weil der Art. 314 ihm bis zu der Geburt die Haͤnde bindet, und ſein Betragen gegen ſeine Frau bis zu dem Augenblick der Geburt ihm um ſo weniger zum Nachtheil gereichen kann, da ſelbſt der Beweiß, daß ſie das Kind von einem andern empfangen, ihn weder vor dieſer Zeit in ſeiner Klage auf Verlaugnung zulaͤßig machen, noch ſelbſt zur Scheidung berechtigen wuͤrde. Weniger ſtrenge war in dieſer Hinſicht das aͤltere Recht gegen den Mann; nach dem⸗ ſelben war es ſogar eines der zuverlaͤßigſten Mittel, den Er⸗ folg der Klage zu verſichern, gleich nach Entdeckung der Schwangerſchaft eine Information uͤber den Urheber derſel⸗ ben zu provoziren, und der Umſtand, daß die Frau im Hauſe und unter den Augen des Mannes niedergekommen, ward ſogar als ein Grund der Unzuläßigkeit der Klage angeſehen, ſo wie es aus mehreren arréts im Répertoire univer- sel, verbo: legitimité zu erſehen iſt. 12) Man hat zwiſchen den Artikeln 314, und den Art. 35, 55, und 3r6 einen Widerſpruch zu finden geglaubt, weil dem Art. 35 zufolge keine Proteſtation des Ehemannes in den GeburtsAkt aufgenommen werden darf, der Art. 55 dem — 34 Nanne die Verbindlichkeit auferlegt, die Geburt zu erklä⸗ ren, der Art. 314 ihn mit ſeiner Klage unzulaͤßig erklärt, wenn er dem GeburtsAkt beigewohnt hat, und der Art. 316 ihm eine Friſt zur Einkeitung ſeiner Klage geſtattet; Locre glaubt, der Mann könne ſich durch eine Proteſtation decken, welche er vor der bei dem Beamten desCivilſtandes zu machenden Anzeige der Geburt bei einem Notar hinterlegen koͤnne. Ich bin der Meinung, daß, da der Art. 35 nur von dem Vater nicht aber von dem Manne ſpricht, und die Klage des Mannes doch darauf atzweckt, ſeine NichtVaterſchaft aner⸗ kennen zu machen, er am räthlichſten thun wird, die An⸗ zeige der Geburt den uͤbrigen im Art. 55 bezeichneten Perſonen zu uͤberlaſſen, um ſo mehr, da auf die Unterlaſſung dieſer Erkläͤrung keine Strafe geſetzt iſt;, und von einer Suppreſſion des Civilſtandes hier keine Rede ſein kann, indem die Re⸗ gulirung dieſes Standes der Gegenſtand der zu erhebenden Klage iſt. 13) Wir kommen nunmehr zu der zweiten Frage(No. 2 hier⸗ oben) Nach welchen Regeln hat man den Stand derjenigen Kinder feſtzuſetzen, in Hinſicht auf welche keine geſetzli⸗ che Vermuthung beſteht? Der Stand dieſer Kinder iſt ungewiß; die Tribunalien ha⸗ ben ihn daher nach den beſondern Umſtänden des einzeinen Falles zu beſtimmen. Zwar bleibt die Sache des Kindes im⸗ mer guͤnſtig, allein es läßt ſich doch nicht in Abrede ſtellen, daß durch die Umſtände, welche die geſetzliche Vermuthung entkräftet haben, die des Vaters es gleichfalls wird. Sehr richtig bemerkt Hr. v. Maleville„es iſt beinahe unmoͤglich, „daß ein Ehemann ein Kind verläugne, wenn er nicht ganz 349 t z eit ze„ſicher iſt, daß es richt das ſeinige ſei; jeder iſt viel mehr wun„geneigt, ſelbſt diejenige anzuerkennen, in Hinſicht auf „„welche er im gerechten Zweifel ſteht, ob er Vater zu *„denſelben iſt.“ Allerdings faͤllt jedoch der Beweiß der atin dür Thatſachen, aus welchen es ſich ergeben ſoll, daß der Mann umichh nicht Vater ſei, dieſem als Klager(und vorbehaltlich des Gegenbe⸗ e. Ihi weißes aller Thatſachen, die dazu wime ſind, das Gegen⸗ nbun theil wahrſcheinlich zu machen) zur Laſt. 414) Der No. 3 des Art. 314 ſteht mit dem Syſtem der Che⸗ ſihift w ſcheidung in Verbindung. Da, dieſem zufolge, auch falls d, dl⸗ der Mann den Beweiß erbringen ſollte, daß das Kind nicht nhun von ihm iſt, dennoch keine Urſache zur Scheidung vorhanden ſin i wäre, ſo würde die Klage durchaus zwecklos ſein. Ueber Sihnſn die Frage, wann ein Kind fuͤr Lebensfähig zu halten iſt, en ſil⸗ ſehe man, was wir S. 120,§ 36 Nr. 2 bemerkt haben.— echen Der Vorſchlag, die Entſcheidung von dem Umſtande ab⸗ hängen zu laſſen, ob das Kind bis zum Toten Tage leben Nnjt wuͤrde, ward verworfen, 4) weil derſelbe wenig entſcheidend ſchien, und 2) den Kindermord haͤtte begunſtigen koͤnnen. in 15) Ich glaube ſogar noch weiter zu gehen, und unbedenklich ine h behaupten zu können, daß ſogar, wenn das Kind lebensfaͤ⸗ hig zur Welt gekommen, aber vor dem Urtheil verſtorben nin p iſt, der Mann in ſeiner Klage unzulaͤßig erklärt werden z inn muß, ſobald dieſe zwecklos geworden iſt. Zwar gihsi⸗ ßt ſich dieſe Entſcheidung aus dem Art. 314 nicht ableiten, ſiln allein die Verfugung deſſelben grundet ſich offenbar einzig muhn und allein darauf, weil in dem von ihm vorgeſehenen Falle i 6it kein Zweck bei der Klage des Mannes denkbar iſt. Man nni konnte ſeine Verfüh zung nicht genera ſiſiren„weil der Fall nin moglich iſt, daß das Schickſal einer Erbſchaft, einer Schen⸗ 316 377 318 350 ckung, von der Legitimität des verſtorbenen Kindes abhaͤngt, allein es iſt ein allgemeiner Grundſatz, daß jeder, der ei⸗ ne Klage anſtellen will, ein Intereſſe dazu haben muß, widrigenfalls er unzulaͤßig in derſelben erklärt werden ann. Wird daher in unſerm Falle erwieſen, daß die Klage ganz zwecklos iſt, ſo berechtigt dieſer allgemeine Grundſatz den Richter, einen ſcandalöſen Prozeß abzu⸗ ſchneiden, der nothwendig die groͤßte Erbitterung unter den Ehegatten hervorbringen muß. Dieſe Meinung findet ſich von der ältern Jurisprudenz unterſtuͤtzt, zu welcher man Belege in arréts vom 18 September 1634, 11 Julius 1658 und 3 September 1681 findet. Der Fall wird uͤbrigens ſehr ſelten ſein, daß nach dem Tode des Kindes die geſetzli⸗ che Friſten zur Klage, von welchen im folgenden Paragraph die Rede iſt, noch laufen werden. §. 81. In allen den Fällen, worin das Geſetz eine Ausnahme von der geſetzlichen Vermuthung, daß der Mann der Va⸗ ter der Kinder ſeiner Frau ſei, zulaßt, kann dieſe Ausnah⸗ me nicht anderſt als durch ein Urtheil, auf Betreiben des Mannes, oder ſeiner Erben(in den zwei einzigen Fällen, wenn das Kind nach dem Tode des Mannes gebohren worden iſt, oder wenn dieſer durch den Tod verhin⸗ dert worden iſt, ſelbſt die Klage zu erheben) erkannt wer⸗ den. Dieſe Klage muß, unter Straſe der Verluſtigung des Klagrechtes, in einer von dem Geſetz beſtimmten, und nach den Umſtaͤnden graduirten Friſt erhoben, und gegen einen dem Kinde zu ernennenden Spezial Vormund, zu⸗ gleich aber gegen deſſen Mutter, verfolgt und zu Ende gefuͤhrt werden. es dhhing, der, dri hn n, it mun di i t alwin ne i— mun un inun ſu welche n „1 it itin die zſ⸗ nnnn eWinzn an dalo ſe uin enen gen ſile gehn od vht kennt vo euſiun nten und zu nurd,i doh 351 Locrs, V qo· etsuiv. L.1, in pr. L 3. J. 3. f. de Carbon. ed. (37. 10.) L. 2. C. de assert⸗ tollend.(J. 17.) L. 3. Cene de statu defunct.(7 31.) L⸗I, 2 et 4. f. ne de atatu deſünct,(40⸗ 15) L. 13. C. de liberal. caus.(7. 16.) Rspertoire univerzel, verbo: gitimics. Projet du Code Civil. L. I. tit. 7, chap. 1 art. 6, 7, 8, et 9. Malewill⸗ I. 313. 2) Da die dem Manne zugefuͤgte Beleidigung durchaus per⸗ ſoͤnlich iſt, und folglich durch ſeine Verzeihung ausgeloſcht werden kann, ſo folgt: daß, ſobald er ſich im Stande befindet, von dem ihm tewiligten Klagrecht ſebſt Gebrauch zu machen, kein anderer den Stand des Kindes zu— berech⸗ tigt iſt; ²) daß dieſes Klagrecht ſogar auf ſeine Erben nur dann übergehen kann, wenn ſich aus den Umſtänden ver⸗ muthen laͤßt, daß der Tod allein ihn davon Gebrauch zu machen verhindert habe; 4) daß ſeine Erben ein perſonliches Recht nur dann in An⸗ ſpruch nehinen können, wenn die Geburt nach ſeinem Tode erfotzt iſt. Denn, ſobald in dieſem letten Falle die Tribunalien erkennen, daß das Kind nach Auflöſung der Ehe gezeugt worden, handelt es ſich nicht mehr von einer dem Manne zugefuͤgten Beleidigung, ſondern es komit nur darauf an, einen Baſtard abzuweiſen, der die Stelle eines rechtmaͤßigen Kindes in Anſpruch nimmt. 2) Weder die Verfügung des SCrum Plancianum,(. 1.. 10. L35 1F de agnoscend. et alend. lib.(29. 3* noch des pätorianiſchen Ediktes(L. 1 pr.§. 1— 10. de inspic. ventr(25. 4.) waren in Frankreich rezipirt; der Art. 303 autoriſirt jedoch die Ernennung eines ſogenann⸗ ten curateur au ventre, deſſen Auftrag ſich daräuf be⸗ 6 352 ſchränkt, die Unterſchiebung eines Kindes zu verhindern; und zwar kann dieſe Ernennung eben ſowohl auf die Erklärung und das Anſuchen der Wittwe, die ſich gegen die Erben zu verwahren ſucht, als auch auf Anſtehen der Verwandten und Erben, welche die Erkläͤrung der Wittwe in Zweifel ziehen, geſchehen. Sollte inzwiſchen die Geburt ſpäter als im zehn⸗ ten Monat eintreten, ſo hat es bei den allgemeinen oben aufgeſtellten Prinzipien ſein Bewenden. Die Wittwe, welche urſache hat, ſich ſeit kurzer Zeit ſchwanger zu halten, dürf⸗ te jedoch immer wohl thun, es der Familie zu erklären, und die Ernennung eines Kurators 3 0 der Vorſchrift des obigen Artikels zu verlangen. 3 Man hat die, durch den Art. 316 bewilligte, Friſten allzu⸗ kurz gefunden. Allein das Gefuͤhl, welches einen Mann beſtimmen kann, ein Kind zu verläugnen, iſt von jedem Nachdenken unabhaͤngig; die Verlängerung der Friſten konnte den doppelten Nachtheil haben, daß die Beweiße haͤtten ge⸗ ſchwaͤcht werden oder verlohren gehen koͤnnen, und das Kind durch den Tod der Mutter um ſeine beſte Vertheidigung zu bringen. Die Beſtimmung dieſer Friſten iſt ubrigens eine Abweichung nicht allein von dem gemeinen Recht, ſondern auch von der ältern franzöſiſchen Geſetzgebung. So finden wir in dem répertoire universel ein Urtheil des Parla⸗ mentes von Paris vom 12 Junius 1780, wodurch der Sohn eines gewiſſen Lheritier, den ſein Vater zwar gleich nach ſeiner, 4 oder 5 Monate nach der Ehe erfolgten, Geburt aus dem väterlichen Hauſe verſtoſſen, aber nie gerichtlich ver⸗ läugnet hatte, gegen die von dem Vater und deſſen übrigen Kindern beinahe dre iſſig Jahre nachher erhobene Klage zwar für legitim erklärt ward, ohne daß man jedoch die Klage ſelbſt, als verſpatet, unzulaͤßig erklärt hätte. nz 4) In dem Nrol2 des Art. 316 iſt von keiner legalen Abwe⸗ Cin ſenheit in dem Sinne des Titels: von den Abweſen⸗ eGinn den, ſondern von jeder Entfernung des Mannes von der andtn 4 Gegend,(des Uieuæ nicht du lieu) wo di⸗ Wideeſt ſut ii in gefunden hat, die Rede. 5 inh 8) Kann der Mann, wenn er durch Interdiktion, eine ſchwere ninn in Krankheit, oder durch eine andere Urſache in die Unmöglich⸗ twe, nih keit zu handeln verſetzt war, die dem Abweſenden bewil⸗ lin, i ligte Friſt, von dem Augenblick an, wo dieſe Unmöglich⸗ im u keit aufgehoͤrt hat, in Anſpruch nehmen. Hr. v. Maleville tdescin glaubt dieſe Frage bejahend beantworzen zu muͤſſen, und will die Verfuͤgung, welche im Falle des Betruges die Fri⸗ tiſn h⸗ ſſten von der Entdeckung an laufen laͤßt, in der Art an⸗ un m wenden, daß ſie in dieſem Falle nach der Wiederherſtellung von jun oder dem Tode des Mannes zu laufen anfangen ſollen. ſin im Ich kann dieſer Meinung nicht beipflichten; denn hitnp„ findet ſich im Geſetz ſelbſt kein Grund für dieſelbe, ſindu da man doch hier, wie an ſo vielen andern Orten, higung 1 nach dem Worte: absent, die: ou interdit hätte bei⸗ ins en fugen können;— ſhm 2) iſt dieſer Fall von dem des Sei und ſelbſt von So fin dem der Abweſenheit ſo verſchieden, daß ich nicht glau⸗ e Pu⸗ be, daß man aus bloſſer Analogie, und ohne durch uch irgend eine Geſetzſtelle dazu berechtigt zu ſein, die Ver⸗ n i fuͤgungen, welche fuͤr dieſe Fälle erlaſſen worden ſind, n, Gün in dem erſten anwenden könne. ctich c) Iſt zwiſchen dem Fall der Interdiktion des Mannes und n ilihn dem eines Betruges auch noch der beſondereUnterſchied, daß ie wenn gleich in beiden der Mann von der Geburt nicht unter⸗ ſil ſ., 23 . 354 ichtet ſein konnte, doch in dem erſten die Frau we⸗ nigſtens mit Fug einwenden kann, daß ſie ihm dieſel be nicht argliſtiger Weiſe verheimlicht habe. „ Der Art. 317, welcher den Tod des Mannes in der ihm bewilligten Friſt vorſieht, haͤtte nothwendig fuͤr den Fall, wo er zwar erſt nach dem Ablauf die⸗ ſer Friſt ſterben wuͤrde, während derſelben aber durch die Krankheit. derBeſinnung beraubt geweſen waͤre, eineVerfuͤ⸗ gung enthalten muͤſſen, wenn eine ſolche Ausnahme von den allgemeinen Grundſaͤtzen in der Abſicht des Geſetz⸗ gebers gelegen hätte. Ich glaube vielmehr, daß er dieſe Abſicht durchaus nicht hatte, indem der Fall, wo jemand waͤhrend einem ganzen Monat nicht ſo lan⸗ ge zur Beſinnung kommt, als erforderlich wäre, um eine Vollmacht auszuſtellen, äuſſerſt ſelten, und der Beweiß dieſes Zuſtandes ſchier unmoͤglich iſt. ²) Kann gleich in einzelnen FJällen fuͤr die Erben des Mannes ein Nachtheil daraus entſpringen, ſo mußte die immer guͤnſtige Sache des Kindes um ſo eher die Oberhand erhalten, als der Coder in ſeinen Verfuͤgungen in dieſer Materie hauptſächlich dahin abzweckt, daß die Ungewißheit uͤber den Stand des Kindes nie lan⸗ ge dauern könne. Ich glaube demnach folgende Grundſaͤtze aufſtellen zu können: a) daß, falls der Mann interdizirt iſt, der von dem Fa⸗ milien Rathe ermächtigte Vormund in ſeinem Namen, iedoch nur in der ihm bewilligten Friſt, die Klage auf Verläugnung anſtellen und verfolgen kann; 6) daß die Erben des Mannes nie unter dem Vorwande, als habe eine Krankheit ihn der Beſinnung beraubt, ium ihn ſiſl ne in e wati i et duhi „einhuft nehmm dez Gſt r, dit der Ijl. icht ſ n e, un in dt Bewij Giin B ſo mußt cher die fügungn nie lu vkömn den Ir Ramn, tie Km one, heuutt/ 6 lbluf it cät, e 355 klagbar auftreten koͤnnen, wenn er erſt nach dem Ab⸗ lauf dieſer Friſt verſtorben iſt. 6) In Hinſicht auf den Artikel 317 hatte man zwiſchen zwei ganz entgegengeſetzten Syſtemen zu waͤhlen. Die Kom⸗ miſſion hatte dasjenige in Vorſchlag gebracht, welches auch endlich die Oberhand erhalten hat; die Sektion hin⸗ gegen wollte den Erben unbedingt das Recht verweigern, nach dem Tode des Mannes den Stand des Kindes zu be⸗ ſtreiten, weil das Stillſchweigen deſſelben uber ſeine eigent⸗ liche Abſicht eine Ungewißheit laſſe, und man im Zwei⸗ fel ſich fuͤr die Sache des Kindes als die guͤnſtigſte entſchei⸗ den muͤſſe, und dies zwar um ſo mehr, als der Tod des Mannes die Frau und das Kind der Vertheidigungs Mittel beraube, die ſie aus deſſen Geſtändniſſen haͤtten ziehen kon⸗ nen. Man erwiderte dagegen mit Erfolg: aus dem Still⸗ ſchweigen des Mannes laſſe ſich durchaus keine Folgerung ziehen, ſobald er in der ihm bewilligten Friſt verſtorben ſeiz eine Erbſchaft ſei ein Eigenthum, von welchem man den Eigenthuͤmer nicht ohne alle Unterſuchung ausſchlieſſen koͤn⸗ ne, indem man ihm den einzigen Weg, um zu derſelben zu gelangen, verſperren wuͤrde; auch ſei nicht immer die Sa⸗ che des Kindes die guͤnſtigere, indem jene allgemeine Ver⸗ fuͤgung nicht allein die CollateralErben, ſondern auch die ubrige nachgelaſſene Kinder des verſtorbenen Mannes betref⸗ fen wuͤrde. 7) Man darf jedoch nicht aus dem Auge verlieren, daß ſobald beſondere Umſtände dem Stillſchweigen des Mannes den Charakter einer Verzichtleiſtung ertheilen,(wenn er z. B. das Kind als das ſeinige behandelt, es unter ſeinen Au⸗ * — gen hätte verpflegen laſſen, wenn er es geliebkoßt hätte. 20) die Erben in jeder Klage unzulßig ſein wuͤrden, weil das Klagrecht ihnen nur als Erben aber nicht perſonlich zuſteht. Mehrere Appellhoͤfe wollten ihnen ſogar dieſes Klag⸗ recht in dem Falle des Ehebruchs, der nur zu einer durchaus perſonlichen Klage berechtigt, ſo wie in dem einer allzu fräh⸗ zeitigen Geburt, weil ſie den negativen Beweiß, daß der Mann von der Schwangerſchaft nicht unterrichtet gewe⸗ ſen, nie erbringen koͤnnten, unbedingt verweigern. Allein der erſte dieſer Einwärfe faͤllt weg, weil das Geſetz die Verlaͤugnung wegen Ehebruch nur dann zulaͤßt,(313) wenn der Ehebruch bereits durch ein Urtheil bewaͤhrt iſt, wel⸗ ches Urtheil freilich nur durch den Mann allein er⸗ wirkt werden kann; was den zweiten betrift, ſo konn⸗ te die Schwierigkeit des Beweißes keine Abweichung von dem Prinzip motiviren. 8) In dem Falle, worin das Geſetz den Erhent des Mannes ein Klagrecht geſtattet, mußte es natuͤrlich ihnen auch eine neue Friſt bewilligen, indem es moͤglich iſt, daß ihr Autor am lezten Tage der ihm bewilligten abſterbe; dieſe Friſt mußte ſogar länger ſein als dieſe letztere, weil die Erben nicht ſo gut als der Mann unterrichtet ſein können. Sie konnte weder von der Geburt an, noch von dem Sterbfalle des Mannes an laufen, weil beide Ereigniſſe den Erben unbe⸗ kannt ſein koͤnnen; der Art. 317 hat ſie daher Begebenheiten untergeordnet, die ihnen nothwendig bekannt ſein muͤſſen. 9) Die Beſtimmung aller Friſten wurde aber den Zweck des Geſetzes nicht erreicht haben, wenn es bei dem Manne oder deſſen Erben geſtanden hatte, die Klage ſelbſt aufzuſchieben. Es iſt der offentlichen Ordnung allzuviel daran gelegen, daß 357 h e Giriſtand keines Mitgieds der Grſelſchuft weifer W haft bleibe, um nach dem Beiſpiel der römiſchen Geſetzge⸗ pernit bung dieſe Klage bis zu der Majorität des Kindes zu ver⸗ diſſshl ſchieben. Eine ſolche Verfügung wäre dem Intereſſe des ketz⸗ et dchtz ten ſelbſt wenig angemeſſen geweſen; nicht allein weil ſein 6 ſi Looß in der Zwiſchenzeit nothwendig hoͤchſt unglucklich gewe⸗ ſen wäre, ſondern auch weil es oft in ſeiner Mutter ſeine beſte Vertheidigung verlohren hätte. Daher die Verfugung . lu des Art. Z1s. Es iſt jedoch zu bemerken, daß durch den ſt Ablauf der darin beſtimmten monatlichen Friſt bloß der acte zuh)un de desaveu nichtig wird, nicht aber das Klagrecht ſelbſt ii, verlohten geht, weiches allerdings durch einen neuen Akt allein geltend gemacht werden kann, votausgeſett, daß der Fläger t,ſihm ſich noch in den nütlichen Friſten tefinde. znz m 1) Derſel lbe Artikel ſucht dem Kinde eine boppet⸗ Vercheibi⸗ 8 gung zuzuſichern durch die Mutter, weil die Thatſachen, wt worauf die Klage ſich gründet, ſie perſonich angehn, und dyrch einen beſondern Vormund, weil ſonſt zu tefürchten ſtünde, daß die Mutter durch die Aufopferung des Kindes ſt mß ie Verzeihung ihres Mannes erkaufen moͤchte. i 49) Wärde eine Klage, weiche zwar in der nätzlichen Friſt, aber nicht gegen den Spezia Vormund des Kindes erhoben fil is wärde, die Wirkung haben„den Akt de désaveu aufrecht in zu haltem Ich glaube keineswegs, weil gägen das auf eine 33 ſolche Klage erlaſſene Urtheil ſogar die Reſtitution nachge⸗ niſn ſucht werden könnte.(Art. 481 des Geſetzb. uͤber das Verf. zw b im buͤrgerlichen Prozeß.) Anderer Meinung ſind, jedoch oh⸗ . ne ſie zu rechtfertigen, die Verfaſſer der pandectes fran- jiſtieten. gaises a. a. D. n, d 3²⁸ 330 3³9 326 327 358 22) Der Richter hat waͤhrend des Prozeſſes im Falle der Kon⸗ teſtation ſowohl zu verordnen, wem das Kind anvertraut blei⸗ ben ſoll, als auch zu beſtimmen, von wem und welche Summe zu ſeinem Unterhalt bezahlt werden ſoll. Zweite Unterabtheilung. Auf welche Art hat ein eheliches Kind, deſſen Civilſtand angegriffen wird, oder ihm benommen worden iſi, ihn zu vertheidigen oder zu reklamiren? 5. 82. Wenn ein eheliches Kind ſeines Standes, oder der Be⸗ weiße deſſelben, durch irgend ein Ereigniß oder aus irgend einer Urſache beraubt worden iſt, ſo kann es zu jeder Zeit denſelben wieder in Anſpruch nehmen. Seine Erben kön⸗ nen zwar die von ihm erhobene Klage zu Ende fuͤhren, wenn es nicht darauf Verzicht geleiſtet hat, in ihrem eige⸗ nen Namen aber nur dann klagbar auftreten, wenn es als minderjaͤhrig in den fuͤnf Jahren nach erreichter Groß⸗ jährigkeit verſtorben iſt. Dieſe Klage iſt von der Kompe⸗ tenz der Civil Gerichte, und zwar ſelbſt dann, wenn da⸗ durch Jemand angeklagt wuͤrde, aus böslicher Abſicht die Beweiſe des Civilſtandes des Flaͤgers vernichtet zu ha⸗ ben. Sie kann nicht vor Schieds Richter gebracht wer⸗ den Niemand kann jedoch einen andern Stand in Anſpruch nehmen, wenn derjenige, in deſſen Beſitz er ſich befindet, ſeinem GeburtsAkt gemaß iſt, es ſei denn, daß er die *) Action en réclamation d'état, ſo heißt in dem franzdſiſchen Rechte die Klage, welche dahin abzweckt, als Glied dieſer oder jener Familie, als Kind dieſer oder jener Aeltern, anerkannt zu werden. le de un utrutit nd wih d angehi iigen uh e det n u iyn jihezt Gbenij de ſihn huun ip „wen chtbn det hon „wenn er Aſt he zupo uht ne nn befide ß en di —— tauzöſſh hiſt r vunt z 350 Fulſcheit ode umichtigkeit vi Ser vorher erwie⸗ ſen habe; Und gegenſeitig kann den Stnd dezjerigen anfechten, der einen ſeinem BsM Be⸗ ſitzſtund fuͤr ſich hat. LocreV. 135, 145, 148. PVerbalProzeſſe vom 16 Brumaire 10, und 21 Ventoſe 11. Th ibaut, J. 366 n. ff. 1. 32.. 6 et7. de receptis qui arbit.(4 8.) C. de ordin. eognition. C. 19) Pro ſekt, B. 1 Lit.. Fap.. Art. des uͤber das Bez⸗ im vuͤrgerl. Prozeß. 2) Die in dem folgenden vuph enthaltene Regeln in⸗ den ſowohl in den Fällen, ws das Kind als Kläger auf⸗ ttritt, als in denen, wo es Beklagter iſt, ihre Anwendung. Che wir uns jedoch in die Unterſuchung einlaſſen, wölche Beweiße in dem einen und dem andern Falle erforderlich und hinreichend ſird, müſſen wir zurerſt feſtſetzen, walche Grun⸗ de der Zuläßiskeit einer im 5 koͤnnen⸗. Wird der Stand bes an n, ſo tonn es darauf an: erſtens ob die Klage e nach den im§. 80 auf⸗ geſtellten Grundſätzen zulůßig iſi, 82 „ ob ſe in den im 6 8 temoldeten wor⸗ Nimmt zieen das Kind einen Ste in nnu ſu ann ihm nur ein einziger Grund der Unzulaßigkeit ſeiner unverjaͤhrba ren Klage eingewendet werden, von wel⸗ chem der Art! 322 handelt. Wird die Klage aber von ſeinen Erben erhoben, ſo kann ihnen noch auſſerdem die durch die Art. 320 und 330 verhäͤngte Veriährung als der Unzuläͤßigkeit eingewendet werden. 360 2) Die zum Vortheil des Kindes begrundete Unwerjährbarke it ſeines Klagrechtes iſt wieder eine Beguͤnſtigung dek Ehe⸗ die uͤbrigens mit um ſo weniger Nachtheil perknupft iſt„ als ſie ſich auf die Dauer des menſchlichen Lebens beſchraͤnkt und nur in aͤuſſerſt ſeltenen Fällen davon Gäbrauch gemacht werden kann. Das allgemeine Wohl, welches bei der Sta⸗ vilitãt des Eigenthums betheiligt iſt, verbot jeboch⸗ bieſ⸗ Gunſt auf die Deszendenten des Jinbes iusziehneu die Art. 329 und 330, welche ſie betreffen, gehen von folgendem Grundſatze aus: man geſtattet ihnen nur dann ein Klagtecht, Wenn der fruͤhzeitige Tod ihres Autors der Vermuthung ſtatt giebt, nals ſei er noch damit heſchéftigt geweſen, die Mittel ſeiner Klage vorzubereiten; er kenut den Grund ſeiner Anſprüche am beſten; hat er dieſen in einem langen Zeitraum richt verfolgt, ſo muß man dafür halten, daß er ſich ſelbſt das Urtheil geſprochen habe. Doch iſt zu bemerken, daß falls die Inſtanz durch den Ablauf der im Art. 330 beſtimnten dreijährigen Friſt erloſchen waͤde, die Erben ſich aber noch in der ihnen vom Art. 329 bewilligten Friſt befinden ſollten, ſie eine neue Klage in eignem Namen erheben konnen. Ein gleiches gilt in dem Falle, wenmihr Witar von derKlage abgeſtan⸗ den ware, ohne jedoch auf das Klagrecht Verzicht ju leiſten ¶Art. 4o3 des Geſetzbuchs uͤber das—— im Peoieß) n n n 0 3 Der Codex konnts ſich zwar mit; der diie ſ. lge nicht beſchaͤftigen, allein er hatte den Richter zu beſtimmen, vor welchen ſie gebracht werden muß« Die Frags konnte dann nicht zweifelhaft ſein, wenn das Kind behauptet, die Be⸗ weiße ſeines Civilſtandes durch einen Zufall verlohren zu haben. Wie aber, wenn es behauptet, daß dieſelbe in ver⸗ ihthni iyſt, s heſchti uchznn tuh e tihn enn m Gunit Recht, nſuzt Fir ſin ut hi eitnun ſit ih ſ n, di fü heſinn ſch citn udon ſin, finn h lehehyit tliſuſſi ltzrin u ni umn in 33 ſnn hm i h⸗ unlſnn ju hin 367 Ptecheriſcher Abſicht unterdruͤckt worden? Die vorige Juris⸗ prudenz ließ ihm in dieſem Falle die Wahl zwiſchen der peinlichen und der CivilKlage, Die Art. 326 und 327 hin⸗ gegen laſſen in keinem Falle die peinliche Klage eher zu, als nachdem ein im Civil Wege erlaſſenes Urtheil uͤber die Prajudi⸗ zialFrage erkannt hat. und die Verfuͤgung des Art. 326 ſchneidet nicht allein der Parthie den direkten Weg einer peinlichen Flage gönzlich ab, ſondern ſie erſtreckt ſich auch ſogar auf die von Amtswegen erhobene Klage des ſfentichen Miniſte⸗ riums, ſo wie der Kaſſationshof es, consultis classibus, und nach einer langen Berathſchlagung durch ein Ur⸗ theil vom 10 Meſſdor 12, gegen den Antrag des Kaiſerl. Generalprpkurgtors entſchieden hat. Dieſe Entſcheidung grundet ſich offenbar darguf, weil es ſonſt von dem guten — Willen eines Juſtiz Beamten und ſeiner Vorliebe für eine der Parthzyzn. abhangen pürde⸗ durch eine von Amtswegen er⸗ chobene Verfuͤgung das Verhot des Art. 327 iunſoriſch zu machen. Dieſes Verbot ſelbſt ward gegen den Vorſchlag der Kommiſſonz und den Antrag des Appellhofes von Paris aus dem Grunde durchgeſeht/ weil nach der vorigen Jurispru⸗ densd die Partheyen mittelſt einer peinlichen Flage einen im „Fpit Weg unzu läßigen Zeugen Beweiß fuͤhren konnten. Auch eht es mit den allgemeinen Rechts prinzipien nicht im Wie⸗ derſpruch, denn wie ſtraflich auch immer die Tharſache ſein mag, welche zu der Klage ſtatt giebt, ſo iſt der HauptGe⸗ genſtand dieſer letzten doch nicht die Beſtrafung des. Verbre⸗ herß ſondern dien Wiedererlangung des verohrnen Civil⸗ ſtandeße die von der Competens der Cilhericht iſ. 4) Der tt 327, kann, daher auf den Fall, w ein Ki aus⸗ geſetzt worden, nicht augedehnt wen. ier iſ keine 362 Präjubizialßtage zu entſcheiden, und die peinliche Klage des offentlichen Miniſteriums geht daher ihren Weg. 5) Die gewohnliche Verjährung der peinlichen Klage iſt waͤh⸗ rend dem Laufe der CivilKlage unterbrochen, nach dem tri⸗ vialen Grundſatz: contra non valentem agere non currit praeseriptio. 2 6) Wird die CvilKlage gegrändet befunden, ſo kann die peinliche Klage ſowohl von Amtswegen als auch auf Bettei⸗ ben der Parthie erhoben werden; doch kann aus dem Cibil⸗ urtheil kein Vorurtheil in Hinſicht auf ſie abgeleitet werden. Wird die Eivilſlage verwotfen, ſo findet gar keine peinli⸗ che Klage ſtatt, weil alsvunn das Faktum ſelbſt, ͤber deſ⸗ ſen Moralität der peinlicht Richter erkennen můßte, als er⸗ dichtet oder doch nnerwieſen auerkännt iſt. 3) Man muß annehmen, daß bie erſte der in dem Art. 322 enthaltenen Regeln durch den Art. 323 modifizitt wirb, weil ſonſt das Kind, welches unter einein falſchen Nanien auf die Geburts Regiſtet eingetragen, und on denſenigen Perſonen Kuferzogen worden wäre, is deren Kind es eingeſchrieben iſt, gar kein Nittet hätte“, ſeinen, wahren Skand zuruͤckzuerlangen. Eine ſolche ungerechtigkeit konnte jedoch der Geſetzgeber nicht begünſtigen„weil ein ſchwa⸗ ches Kinb weber gegen den Namen, der ihm beigelezt wird, proteſtiren, noch die Pflege, die es erhält, von der Hand weiſen kann. Man hat die Stärke dieſes Einwurfs wohl gefühlt, und Locré ſucht ihn dudurch zu beſeitigen, daß er die Verfuͤzung, welche der Art. 26 für den Fall, wo gar kein GetuttsAkt(à defaut de ce titrè) vbrhänden iſt, ben Su anwenden will, wo der Titel durch die An⸗ ſ tung friſcher Namen unrichtih Gnexaet) wäre; allein 363 Kt dieſe Auslegung hebt die Schwierigkeit keineswegs, denn wie ſol das Kind die Unrichtigkeit ſeines Geburts lét:s bewei⸗ ſ 2 ſen, wenn die Regel des Art. 322 ſtrenge und unbedingt * n 5 gehandhabt werden ſoll. Ganz fällt ſie aber weg, wenn ibere m wir mit Malle ville annehmen, daß der Art. 323 eine 6 Ausnahme von jener Regel enthaͤlt, eine Meinung, die ſo kun durch die Redaktion dieſes Artikels unterſtuͤzt wird, weil der⸗ ufBin ſelbe ausdruͤcklich von dem Falle Meldung thut, wo das Kind n Gi unter falſchen Namen eingeſchrieben worden, und zwar alter⸗ itt vihn native mit dem erſten von demſelben Artikel vorgeſehenen keine pell Falle: à defaut de titre ou 86 possession constante , uter ou si l'enfant a été etc. etc. ſte, as 8) In der Jurisprudence du Code Napoleon. 1808, II. 38, finden wir ein äuſſerſt merkwurdiges Beiſpiel der An⸗ n n z wendung des im Art. 322 enthaltenen Grundſatzes. Ein Urtheil nih des Parlaments von Paris vom 1 Auguſt 1780 erkennt we⸗ ſin uf gen Ehebruch und Ausſchweifungen die Trennung von Liſch benjenihn und Bett gegen Catharine Bouyer, auf Anſtehen ihres hin es WMannes Johann Brunet. Im Jahr 1702 läßt ſie dieſe nwihun Trennung in eine Eheſcheidung verwandeln, und heurathet Reit kont am 20 Frimaire 2, einen gewiſſen Brudieu, oormals in ſch Pfarrer zu Bran, mit welchem ſie ſchon vorher im Konku⸗ et ui, binat gelebt hatte. In ihrem EheKontrakt erkennen die Ehe⸗ det hu gatten ein am 18 Jun. 1791 als von unbekannten Aeltern ge⸗ urfs wehl bohren eingeſchriebenes Kind fuͤr das ihrige an, und erklären, daß u, deß ſie es legitimiren wollen. Am 3 Germinal 4 ſtirbt Bru⸗ wn net. Am 24 May 1806 erklärten Brudieu und ſeine u ſ Frau, daß jenes Kind, Joſfephine genannt, das eheliche li Kind von Brunet und ſeiner damals von Tiſch und Bett n Ulin gettennten Fran, Gatharine Bouyer, ſei. 8 rödien 319 3³0 6 531 3²³ 364 wird darauf zum Vormund deſſelben ernannt, und nimmt nun, in Joſephinens Namen, Brunets Verlaſſenſchaft in Anſpruch, deren Abſtammung von ihrer Mutter durch die Er⸗ klärung dieſer letzten, und die von ihrem Vater durch die Regel: pater est etc, begruͤndet ſei. Dieſe Anſpruͤche wur⸗ den jedoch verworfen, weil Joſephine, nach ihrem Geburts⸗ Akt von unbekannten Aeltern gebohren, keinen anderen Be⸗ ſitzſtand als den einer Tochter Brudieu's habe, weil jede Ausſohnung zwiſchen Brunet und der Bouyer zur geit der Empfaͤngniß dieſer letztern moraliſch unmoͤglich geweſen, und die iſolirteErklarung derſelben den Stand ihres Kindes nicht willkuͤhrlich veraͤndern koͤnne⸗ §. 83. Die Klage, wodurch der Stand als eheliches Kind in Anſpruch genommen wird, muß von einem folgen⸗ der Beweiße unterſtutzt ſein: 1) von dem Geburts Akt, der, als ſchriſtlicher Veweiß durch einen authentiſchen Akt, nur durch den Beweiß emnes Falſums entkräftet werden kann. In Ermangelung eines Geburts Aktes, und wenn peide Aeltern verſtorben ſind, durch den Beſitzſtand, der aus einer Vereinigung unzweideutiger Thatſachen beſteht, welche das Verhältniß der Abſtammung und der Verwandtſchaft zwiſchen dem Kläger und der Fa⸗ milie, welcher er anzugehören behauptet, veranzeigen, und von welchen die ben ⸗ nomen, fama tractatus. 3 In. Ermangelung eines GehunsAttes und des Be⸗ ſitzſtandes, oder wenn der Klaͤger als Kind unbe⸗ kannterAelterm oder unter falſchen Namen⸗ t 365 udim eingeſchrieben worden iſt, kann er zum Zeugenbeweiß ſſuſtt ſeiner Abſtammung zugelaſſen werden, vorausgeſetzt ucch eß 2) daß ſich aus den FamilienPapieren, den haͤus⸗ 3*4 rduch lichen Regiſtern und Schriften der Aeltern, aus rite u öffentlichen oder ſelbſt PrivatAkten, herruͤhrend n Gihun von einem der ſtreitenden Theile, oder von Je⸗ nun mand, der, wenn er noch am Leben wäre, bei dem Prozeß betheiligt ſeyn wuͤrde, der Anfang tii eines ſchriftlichen Beweiſes ergebe: gn, b) oder daß die Vermuthungen und Indizien, welche unt aus bereits bewährten Thatſachen herfließen, 343 wichtig genug ſind, um den Richter zur Zulaſſung des Zengen Beweißes zu beſtimmen. e ſ Der Gegen Beweiß ſteht den Beklagten immer, kraft nfn des Geſetzes, offen, ſogar uͤber das Faktum, daß der Klaͤ⸗ 325 ger nicht das Kind des Ehemannes der Mutter ſei, von rbnſ welcher er ſeine Avſtammung erwieſen hät. Locré, V. 123 et sniv. Maleville, I. 321. Kodier, quaest. 4. Beni sur l'art, 3 du titre 20 de l'Ordonnauee de 1667, L. 2. C. de testibus 1g. 20) L. 6. C. de ßide instrum.(4. 21) L. 9 et 43. nd wen C. de nupt. 15. 40 Ordonnance de 1067 tit. a0. Plaidoyer eſitſn, de Cochin dans Paffaire Bourgelas CI. de Pgditien in to.) S Art. 216 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Pro⸗ hulſchu zeß. Répertoire universel, verbo: legitimité, mein Journal, II. nung Jahrgang I. 266. 272. Journal du Palais, 1807, I, 105 II, d de ß 52, 231. Jurispr. du C. N. an 12, 13, 1807, 1808. unſeen 1) Man hat den Fall, von welchem in bieſer UnterAbtheilung die on Rede iſt, wohl von demjenigen zu unterſcheiden, den wir in der vorigen abgehandelt haben; in dem letzten war die Lage b he⸗ des Kindes offenbar guͤnſtiger als in dem itzigen; es wird nämlich vorausgeſett, daß ein Kind, deſſen Mutter zmen in einer notoriſchen und unbeſtrittenen Ehe lebt, von 366 dem Ehemann dieſer Mutter, oder deſſen Erben, verläugnet und aus der Familie verſtoſſen werde; in dem zweiten Falle hingegen handelt es ſich von der Klage, welche ein Indi⸗ viduum erhebt, um als Glied einer Familie die mit dieſer Eigenſchaft verbundene Vortheile in Anſpruch zu neh⸗ men. Dieſe Klage ſetzt nothwendig eine auſſerordentliche, und ſchon darum unwahrſcheinliche Begebenheit voraus, wel⸗ che den Kläger ſeines Standes beraubt haͤtte; und wenn es uberhaupt ſchwerer fallen muß, ein unter der Egide der Ehe gebohrnes Kind aus ſeiner Familie zu verſtoſſen, als ſich gegen Anſpruͤche zu vertheidigen, wodurch ſich jemand einer Familie, welche ihn verlaͤugnet, aufdringen will, ſo wird dieſe Erwägung noch durch die ſchier nothwendige Un⸗ wahrſcheinlichkeit der Thatſachen, worauf jede Klage dieſer Art beruht, verſtärkt, und endlich iſt die Lage desjenigen Indi⸗ viduums, welches aus Mangel an hinlänglichen Bewei⸗ ßen in derſelben unterliegt, bei weitem der eines hulflo⸗ ſen, von dem Vater verſtoſſenen, Kindes nicht zu ver⸗ gleichen. 2) Es ſcheint nach obigem, als ob die in unſerem Paragraph enthaltene Regeln nur in dem Falle anwendbar wären, wenn das Kind als Kläger auftritt, waͤhrend in der Ueberſchrift dieſe Unter Abtheilung ſich auch auf den Fall ausdehnt, wenn es gezwungen iſt, ſeinen Civilſtand zu vertheidigen. Um dieſen anſcheinenden Widerſpruch zu heben, bemerken wir nur, daß es zwar im Allgemeinen richtig iſt, daß zur An⸗ wendbarkeit der obigen Regeln erfordert wird, daß Jemand auf einen Stand Anſpruͤche mache, der beſtritten wird; keineswegs aber, daß er als Kläger auftrete, indem dieſe Anſpräche auf mancherlei Art geltend gemacht werden kon⸗ veriun eiten jl in I die ni urdentich, dems ide dehh „i ſ ih jenn il, endige Un edieſt It en Ji n Beni⸗ hülſ⸗ tzu ben atngtuh n, wenn eberſhtif ſt, wem n. Un tken ni jur In Imn nnit⸗ n iſ⸗ lin 367 nen. Es fuͤhrt z. B. Jemand den Namen einer Familie, die ihn nicht anerkennt, und giebt ſich oͤffentlich fuͤr ein Glied derſelben aus; es wird von Seiten der Familie eine Klage gegen ihn erhoben, welche dahin abzweckt, ihm ver⸗ bieten zu laſſen, dieſen Namen zu fuͤhren, und auf die da⸗ mit verbundene Vortheile Anſpräche zu machen; in dieſem Falle kann der Beklagte zur Vertheidigung ſeiner Anſpruͤche die von dem Geſetz zuläßig erklärte Beweiß Mittel geltend machen. 3) Man darf die Ordnung nicht aus dem Auge verlieren, in welcher das Geſetz dieſe Beweiße zulaͤßt. Es begnuͤgt ſich mit einem weniger zuverlaͤßigen immer nur in Ermangelung eines zuverläßigeren. 4) unter dieſen Beweißen behauptet der GeburtsAkt den erſten Rang, und erhaͤlt daher, wenn gleich der Beſitzſtand ihm widerſpricht, vor dieſem den Vorzug, ſo lange er nicht als falſch beſeitigt iſt. Doch iſt zu bemerken, daß ſo oft die Klage bei Lebzeiten der Aeltern erhoben wird, nichts den Kläger, oder dasjenige Individuum, welches einen Stand in Anſpruch nimmt, von der Verbindlichkeit befreien kann, auſſer dem GeburtsAkt auch noch den HeurathsAkt ſeiner Aeltern beizubringen.(Art. 104.) Mur die Vermuthung 5 daß das Kind durch den Tod derſelben in die Unmoglichkeit ver⸗ ſetzt worden ſein konne, ihn beizubringen, hat den Geſetz⸗ geber bewogen, es von der Vorlage dieſes Aktes freizu⸗ ſprechen, ohne welchen der Beweiß der ehelichen Abſtam⸗ mung immer unvollſtaͤndig bleibt. Dieſe Vermuthung fin⸗ det jedoch bei Lebzeiten der Aeltern durchaus nicht ſtatt, und den Art. 320 auch dann anwenden, hieſſe den Aeltern ein leichtes Mittel an die Hand geben, die Verfuͤgung des Art. 1 368 294 zu umgehen, weil es abſurd wäre, daß man bei Lebzeiten eines der Ehegatten nach entgegengeſetzten Grund⸗ ſätzen uͤberden Stand der Mutter oder des Vaters und den des Kindes erkennen koͤnnte. Der Appellhof von Paris hat dieſen Grundſatz neuerdings durch ein Urtheit vom 20 May 1808 ¶urisprudence du Code Napoléon, 1808 11. 2) gehandhabt, welches das Kind einer Demoiſelle Gebr⸗ gy nach dem Tode des Vaters, aber bei Lebzeiten der Mut⸗ ter, fuͤr unehelich erklärt, ohngeachtet der Vertheidiger vehauptete, von dem Stande der Mutter abſtrahiren und ſich kraft des Art. 320 lediglich auf den GeburtsAkt beziehen zu konnen, worin es als ehelich eingeſchrieben war. Auch die vorige Jurisprudenz machte in Hinſicht auf die Beweiße der Ehe denſelben Unterſchied wie der Coder, je nachdem es darauf ankam, uͤber den Stand der Ehegatten oder der Kindet zu erkennen; unter den Urtheilsſpuͤchen, die auf uns gekommen ſind, findet ſich nur ein einziger, der in ganz beſondern Umſtänden erlaſſen worden,(vom 16 Jän⸗ ner 1772, auf den Antrag d'Agueſſeau's in der Sache von Potier R. U. a. a. O.) wo die Legitimität der Kin⸗ der bei Lebzeiten ihres Vaters angefochten und anerkannt ward, ohne daß der Beweiß der Ehe offen gelegt worden wäre. Allein in dieſem Falle konnte uͤber den wirklichen Abſchluß der Ehe durchaus kein Zweifel obwalten, und das Parlament fand ſich daher beſtimmt, die Klägerin(die zweite Frau) in ihrem Antrag unzuläßig zn erklaͤren⸗ 3) Der Art. 370(man konferire die L. 2. C. de testibus, (4. 19) L. 25. f. de probationibus,(4. 20.) L 4- 7 C. eod.(22 31.) laͤßt uͤber die Nothwendigkeit, des Stillſchwei gens des Art. 57 ohngeachtet in dem GeburtsAkt ehelicher ſmi n Gut s udhe nPus ht n on on, 100 iſile Se n der W Perthi rhinn n At bit war. 16 die Beni nahns ten eet n, di i ger, i on 16 in ber Gtt itit u ſi d anuin lnt wn n wirtlhn in, m nſbie wi n e tesüb, 2)1 zilui ſ ih 369 Kinder von der Ehe ihrer Aeltern Meldung zu thun,(wel⸗ ches hinlaͤnglich dadurch geſchieht, wenn der Ausdruck ehe⸗ liches Kind von N. N. und N. N. gebraucht wird) weil ſie ſonſt nach ihrem Tode nothwendig den HeurathsAkt derſelben beizubringen gezwungen wären, um den Beweiß ihrer Legitimität zu ergänzen. Zwar war die Verfuͤgung der Nov. 17 auch in das ältere franzöſiſche Recht aufgenom⸗ men worden, und der GeburtsAkt oder TaufAkt ward als ein hinlaͤnglicher Beweiß der Legitimität angeſehen, wenn nur das Kind darin nicht als unehelich qualifizirt war, ſo wie zwei Urtheile des Parlaments von Toulouſe(vom 13 September 1753,) und von Paris in der Sache von Claude Perrin(R. U. a. a. O.) es erweiſen; allein in beiden Fällen war der GeburtsAkt von dem Beſitzſtund unterſtutzt, der ſogar ohne GeburtsAkt ein hinlaͤnglicher Beweiß der Le⸗ gitimität geweſen ſein wuͤrde; daß aber ein ſolcher Geburts⸗ Akt, ohne Beſitzſtand, allein nicht als ein hinlänglicher Be⸗ weiß der Legitimität angeſehen ward, erhellt aus dem Ur⸗ theil des Parlaments von Paris vom 8 Jänner 1777, in der berkchtigten Sache der Kinder von Hurot und Hele⸗ ne Flot. Auch wuͤrde es dem Geiſt des franzöſiſchen Rech⸗ ttes widerſtreben, die Verfuͤgung der Nov. 117 ſtreng und unbedingt zu handhaben, weil unter demſelben die burgerliche Ehe nicht mehr, wie unter der Herrſchaft dieſer Novelle, durch die bloſſe Ei nwilligung de Partheyen geſchloſſen wird⸗ 6) Begeht derjenige ein Falſum, der ſein uneheliches Kind als ehelich auf die Regiſter des Civilſtandes eintragen läßt? diejenige, welche es behaupten, und ſich auf die Mei⸗ nung des Staats Rathes Merlin ſtuͤtzen, berufen ſich hauptſüchlch dgrauf„daß dieſe Erklärung, ohngeachtet nicht 24 —. ee 370 ſtreng von dem Geſetz vorgeſchrieben, dennoch äuſſerſt wich⸗ tig iſt, weil fuͤr das Kind, daß den Beſikſtand fur ſich hat, der weſentliche Vortheil daraus entſpringt, es von der Vor⸗ lage des HeurathsAktes ſeiner Aeltern freizuſprechen; weshalb auch die Regierung bei Ueberſendung der Formularien der Akte des Eivilſtandes die Beamten eingeladen hat, ſie nicht zu vernachläßigen; dagegenward erwidert, daß eine Erklaͤrung die von keinem Geſetz vorgeſchrieben iſt, nur eine Luge ſei und durchaus kein Falſum des Aktes konſtituiren kann, worin ſie aufgenommen worden iſt, ohne zu der Subſtanz deſſel⸗ ben zu gehören. Dieſe lette Meinung fand auch vor dem Kaſſationshofe Eingang, und ein Urtheil von den vereinig⸗ ten Sektionen dieſes Gerichtshofes unter dem Vorſitz des GrosRichters Juſtit Miniſters erlaſſen(ſiche mein Journal a. a. O.) hat die Frage auſſer allen Zweifel geſetzt. Die Beamten des Civilſtandes haben ſich aber um ſo ſtrenger an die geſetzliche Verfuͤgung zu halten, nach welcher ſie, wenn anderſt nicht der HeurathsAkt der Aeltern vorliegt, den Namen des Vaters nur auf ſeine eigne Erklaͤrung in den GeburtsAkt einzuruͤcken befugt ſind. Auch hat ein neues urtheil des Kaſſations Hofes(fiehe meine Annalen der G. N.) vom 5 Februar 1808 entſchieden, daß dann, wenn der Va⸗ ter durch die Erklärung falſcher Vornamen die Paternität einem andern beilegt, ein wirkliches Falſum vorhanden ſei. 7) Was iſt dann zu entſcheiden, wenn einem regelmaͤßigen Ge⸗ urtsAkte andere Akte und die eigne ſpaͤtere Erklaͤrung der eltern entgegengeſetzt werden? Auch dann muß der Geburts⸗ Akt den Vorzug erhalten, vorzuglich wenn der Beſitzſtund ihn unterſtutzt, weil es von dem Vater nicht abhaͤngen kann, durch einen ſpäteren Wiederruf ſeiner fruher in einem oͤffent⸗ „ ſichht, de Pur luin ſie ni Gim lig ſi n, wu dſ E ri orſtb nunt . ſtuhnn ſi, un igt, in n ein mus t6) br etmit ubn ſi ihn6e ung M 6ehun ſiinb im, fen⸗ 3 lichen Akt abgegebenen Erklärung den Stand ſeines Kindes zu veraͤndern. Deshalb hat der Appellhof von Grenoble durch ein Uttheil vom 3 Februar 1807 Qournal du Pa- lais, 18 b07, 1l. 32) der Johanna Thieriot, als der ehe⸗ lichen Tochter von Franz Thieriot, gegen die Anſpruͤche der zweiten Frau dieſes letzten das väterliche Vermoͤgen zuerkannt, weil ſowohl in dem GeburtsAkt ſeiner Tochter als in dem SterbAkt ihrer Mutter Thieriot dieſe letzte ſeine Frau qualifizirt hatte, ohngeachtet der HeurathsAkt nicht beige⸗ bracht ward, und Thieriot in ſeinem Teſtamente Johan⸗ nen als ſeiner na tuͤr liche n Tochter einLegat vermacht hatte. 8) Wenn der GeburtsAkt(nicht allein in den von dem Art. 46 vorgeſehenen Fällen, ſondern) aus irgend einer urſache nicht beigebracht werden kann, ſo dient ſogar der Beſitzſtand als hinläͤnglicher Beweiß der Legitimität,(doch gleichfalls nur nach dem Tode beider Aeltern.) Man kann ſogar von dem Kinde den Beweiß des Grundes, aus welchem es ſich den Geburts Akt offen zu legen weigert, nicht fordern, ſondern daſſalbe kann ſich begnuͤgen, zu erklaͤren, daß es keinen Geburts⸗ Akt aufzuweiſen habe, und ſich daher auf ſeinen Beſitzſtand berufe; denn da die Regiſter des Civilſtandes oͤffentlich ſind, ſo iſt eine Verheimlichung deſſelben nicht denkbar, und falls er etwas enthalten ſollte, was den Anſpruͤchen des Kindes entgegen ſtuͤnde, ſo kann es um ſo weniger gezwungen wer⸗ den, Waffen gegen ſich ſelbſt zu liefern, als die Gegen⸗ Parthie ſelbſt von dem Geſet berechtigt iſt, ſich eine Aus⸗ fertigung deſſelben ertheilen zu laſſen. 9) Mit dem Art. 32r hat man das berähmte rn von Coch in in der Sache Bourgelas zu vergleichen, deſſen Grundſätze den Verfuͤgungen dieſes Artikels durchaus ent⸗ 372 prechen, und welches viel dazu beigetragen hat, die fran⸗ öoſiſche Jurisprudenz in dieſer Hinſicht zu fixiren. Die in unſerm Artikel angefuͤhrte Umſtände ſollen nur als Beiſpiele dienen, weil es unmoglich war, alle die Verhältniſſe aufzu⸗ zählen, aus welchen der Beſihſtand beſteht. Es iſt daher weder erforderlich, daß ſie alle zuſammentreffen, indem oft ein einziger von ihnen hinreicht, um keinen Zweifel uͤber den Beſitzſtand uͤbrig zu laſſen, G. B. wenn ein Kind im Hauſe des Vaters deſſen Namen öffentlich gefuhrt häͤ⸗te) noch ſchlieſ⸗ ſen ſie andere Thatſachen aus, welche dazu geeignet ſind, dieſen Beweiß zu liefern. Da nur auſſerordentliche Bege⸗ benheiten zu Klagen auf Anerkennung der Legitimität ſtatt geben können, ſo ſind die beſonderen Umſtände nothwendig in jedem einzelnen Falle verſchieden. Man findet in dem ré- Pertoire universel viele aus der äitern Jurisprudenz ge⸗ zogene Beiſpiele neuere liefern die Jurisprudence du Co- de Mapoléon, an 12, 1. 492 II. 225, an 13 L. 261, an 1807, I. 134. H. 167, 1808, I1 und das Journal du Palais, 1807, I. 106. 1I. 29, 231. 30) Man darf nicht aus dem Auge verlieren, daß das Geſetz nur zu Gunſten des Kindes, welches keinen Titel hat, den Beſitzſtand als Beweiß der Filintion und der Legitimität an⸗ nimmt; daß aber niemand demjenigen, der, auf ſeinen Ge⸗ burtsAkt geſtutzt, ſeine wahre Stelle in der Geſellſchaft in Anſpruch nimmt, einen dieſem widerſprechenden Beſitzſtand als Grund der Unzuläßigkeit der Klage einzuwenden befugt ſein wurde, weil, wie ſchon oben bemerkt, der Titel ein glaubhafterer Beweiß als der Befiſtand iſt. 41) Der Beſitzſtand als eheliches Kind beſteht wieder aus zwei verſchiedenen Theilen: 373 ſm 2) aus dem Beſitzſtande der Aeltern als Eheleute Diei 5) aus dem Beſitſtande als Kind diſer Aeltern; is iſi wenn daher auch die im Art. 321 angefuͤhrte Umſtände zu⸗ niſe ußt ſammentreffen, es wuͤrde aber dagegen bewieſen, daß die iſ in Perſonen, welche ein Individuum als ihr Kind behandelt inen haben, 6. B. wegen einer anderweitigen Verbindung) nicht fi zlu n mit einander verheurathet ſein konnten, ſo wuͤrde daſſelbe in hu dieſen Beſitzſtand ohne allen Erfolg anrufen, und der Be⸗ uhhſilt weiß deſſelben nicht einmal zulaͤßig ſein, weil er ſich in den eignt ſi, vom Geſetz verbotenen Beweiß der Filiation eines im Ehe⸗ tlche hi bruch erzeugten Baſtards auflöſen wuͤrde. initi ſu Kann der Beweiß des Beſitzſtandes durch Zeugen erbracht thonn werden? Die Entſcheidung dieſer Frage haben wir in dem in benn⸗ Art. 323 zu ſuchen, der von dem Falle handelt, wo der uhn Beſisſtand beſtritten iſt, oder wo das Find nicht allein ſeinen GeburtsAkt ſondern auch ſelbſt den Befitzſtund ver⸗ u1 lohren hat. Man iſt dabei von dem auch unter der vori⸗ Lmu gen Jurisprudenz angenommenen Grundſatze ausgegangen, iz daß ſobald der Anfang eines Beweiſes vorhanden iſt, man 36 denſelben durch den PgenBeweiß ne kann.(L⸗. hu, n 2. C. de testib.(4. 2b.) IL. 6. C. de fide instrum. inin Weniger ſtrenge war die L. 13. C. nupt. Arréts des ſin b⸗ Parlaments von Paris vom 7 May 1641. 27 May 1655, 42 Junius 1686, 29 May 1601, 11 May 1735 und 24 iti May 1765) Den Zeugen Beweiß. gam auszuſchlieſſen, haͤt⸗ te den Betrug allzuſehr beguͤnſtigt, weil derjenige, den Hab⸗ 7 3 ſucht oder Ehrgeiz der Beweiße ſeines Standes beraubt ha⸗ ben, ſich oft auſſer Stande befindet, ſchriftliche Beweiße bei⸗ 2 zubringen, und gewöhnlich die Unterdruͤckung derſelben der iu Gegenſtand ſeiner Klage iſt. 374 13) Dieſer Anfang eines Beweißes kann von einer doppelten Art ſein: a) er kann aus Schriften abgeleitet werden, welche auſſer den im Art. 324(welcher der Ordonnanz von 1667 entſpricht) angefuͤhrten Bedingungen, auch noch folgende vereinigen muͤſſen: muͤſſen ſie auf die Thatſachen, die der Gegenſtand des Prozeſſes ſind, Bezug haben, 2) der Abſicht und den Behauptungen des Reklamanten nicht widerſprechen, 3) muͤſſen ſie nicht der Vermuthung Raum geben, als ſeien ſie in der Abſicht fabrizirt worden, um als Anfang eines ſchriftlichen Beweißes zu dienen.(Ro⸗ dier q. 4 uͤber den Art. 3. des Titels 20 der Or⸗ donnanz von 1667.) Hr. v. Maleville findet dieſe letzte Bedingung inkonſequent, weil nicht zu vermuthen ſtnde, daß jemand einen Titel gegen ſich ſelbſt fa⸗ briziren wuͤrde? da aber die Schrift von dem Vater oderder Mutter oder andern Perſonen, die bei dem Prozeß echeiigt ſen ſein wuͤrden, her⸗ ruͤhren kann, ſo iſt der Fa Fall dennoch nicht unmog⸗ lich, daß der Reklamant im Einverſtändniß mit ei⸗ ner oder der andern dieſer Perſonen, ſolche Beweiße vorbereitet hätte. b) Der Anfang des Beweißes kann aber auch(der alten Jurisprudenz ſeit dAgueſſeau gemaͤß, denn vorher war die Frage kontrovers) aus Indizien und Thatſachen abgeleitet werden, in Hinſicht auf welche keine Schrif⸗ ten vorhanden ſind, vorausgeſett 4 daß dieſe Thatſachen vor dem Urtheil, welches den 375 dohen Zeugen Beweiß zulaͤßt, bewährt waren, deh. daß ſie entweder notoriſch, unbeſtritten oder von der Gegen⸗ lhe uſ Parthie eingeſtanden warenz ton 166 6] daß ſie von der Art ſind, die Behauptungen des c fihn Reklamanten zu unterſtuͤtzen und wahrſcheinlich zu machen. Einzelne Beiſpiele von ſolchen Thatſachen Fenſn finden wir in den oben erwaͤhnten Rechtsfaͤllen. 24) Der Art. 325 wuͤrde durch den Art. 256 des Geſ. uber⸗ eumn das Verfahren im buͤrgerl. Prozeß ganz uͤberfluͤßig geworden ſein, wenn er nicht die merkwuͤrdige Entſcheidung enthielte, gehen, daß in dieſem beſondern Falle der Beweiß aller Thatſachen „untz zulaͤßig iſt, welche geeigenſchaftet ſind, um die Regel: pa- uen. U ter est etc. etc. zu entkräften, z. Be die einer heimlichen 0 der D Niederkunft, ſelbſt wenn die Frau nicht vorher des Ehe⸗ fudeti bruchs gerichtlich uͤberfuͤhrt worden ware. Den Grund, warum um das Geſetz in dieſem Falle dem richterlichen Ermeſſen mehr ſelſt ſ anheimſtellt als in dem, von welchem in der erſten UnterAb⸗ den V theilung die Rede iſt, haben wir im Eingang der gegen⸗ onent wärtigen entwickelt. den, t 15) Noch bietet ſich in Hinſicht auf den Art. 323 eine äuſſerſt ht un wichtige Frage dar. Iſt die Inzident Klage auf das Falſum i nit 5(Inseription en faux) des Geburts Aktes immer zuläßig, bn ober bleibt ſie der algemeinen Regel dieſes Artikels unterworfen, und iſt demnach nut zulsßig, wenn ſchon ein Anfang eines Be⸗ (der chn weißes vorhanden iſt? Man darf dabei den Unterſchied zwi⸗ un veth ſchen dem kau principal oder der peinlichen Klage, wo⸗ uſihn durch Jemand als Urheber eines Falſums, wird, Eti und dem kaux ineident„wodurch eine Parthie ſich zu dem Beweiß erbietet, daß eine gegen ſie vorgebrachte Urkunde s hn faiſch oder verfülſcht ſei, ohne den Thäter zu nennen,(A⸗ 376 gueſſeau, VIII. Tit. 124) nicht aus dem Auge verlieren. Allein da auch die InzidentKlage auf das Falſum zur Ent⸗ deckung des Schuldigen und ſofort zu einem pejnlichen Pro⸗ zeſſe führen kann,(Art. 536 und 339 des Geſ. der Verbre⸗ chen und Strafen, Art. 238 und 230 des Geſetzbuchs uͤber das Verfahren im bärgerlichen Prozeß,) und da in dieſem Falle nicht allein der Zeügenbeweiß altein zuläßig wuͤrde, den jedoch der Coder proscribirt, wenn nicht dem Art. 323 gemäß der Anfig eines anderen Beweißes vorliegt, ſondern dem Art. 246 des Geſ. uͤber das Verfahren im buͤrgerlichen Pro⸗ zeß gemäß die CivilKlage ſogar dem Art. 327 zuwider bis nach Entſcheidung der KriminalKlags ausgeſetzt bleiben mußte, ſo muß man annehmen, daß auch eine Inſcription en faux anderſt uicht zuläßig iſt, als in denſelben Fallen, wo es deinArt. 323 zufolge auch der Zeugen Beweiß ſein wurde. In dieſemSin⸗ ne hat auch der Appellhof von Paris in der beruͤhmten Sache von Belir Faudvas am 29 Junius 1807 geſprochen. Dritte Unterabtheilung. Von der Shei auſſerehelicher Finder durch die Ehe⸗ L 23 Auſſereheliche Kinder werden durch die nachfolgende Ehe ihrer Aeltern legitimirt, d. h. ſie erhalten durch die nachfolgende Ehe ihrer Aeltern dieſelbe Rechte, als wären ſie in dieſer Ehe gezeugt worden, jedoch nur un⸗ ter folgenden beiden Bedingungen: 1) daß ſie in keinem blutſchänderiſchen oder ſchen Umgang erzeugt worden; 2) daß ſie vor oder bei der Ehe von——— au⸗ erkannt worden ſind. 333 332 4 Während der Ehe ſindet keine Legitimation zu Gunſten vor derſelben erzengter Kinder ſtatt. tuh Die Legitimation bringt ihre Wirkungen auch in Anſe⸗ Pin hung der Deszendenten vorher verſtorbener Kinder hervor. u in Loere, IW. 136 uff. Thibaut,§ 434 u. ff. Deſſen Verſuche in tiſn T. 107. Projet du C. C' Kv. 1 tit. 5 chap. 4. art. 40 et suiv. rde, art. 63. Chaboe, Commentaire sur les successions, I. 229* z a S. chap. 1. sect, 3. 2 et g⸗ Serres, instit. an droit rangais, p. 61 et 62. Fachin, controv. ſen in§5. Schdnmann, das römiſche CibilRechtzc. I. 77. Pfeiffer ſichen hu Napol. Sefetzb. I. 146. vov 9 cap. 15. Nov. 178. eap. ult. L. S. ut ün C. de nat. lib.(5 27) Zachariäs Handbuch II. L. 308. Ré- n niß, pertoire uuiversel, verbo: Jegicimation. Fhſe 2) Daß die Legitimation durch die nachfol Ehe ſich auf hlt ſ Fiktion gruͤnde, kraft welcher zur Zeit der Zeugung iſne⸗ eine Ehe gedacht wird, beſtreitet Thib aut(Verſuche l. 207) Eh aus triftigen Gruͤnden. Pothier hat bereits dieſe Fik- . tion, wo nicht ganz verworfen„ doch fur unnöthig erklärt.. 2) Die wreſentlichſte Bedingung der Legitimation durch die nachfalgende Ehe iſt eine wirkliche, geſetzmäßige, Ehe. e Bloße Sponſalien konnen dieſe Wirkung nicht hervorbringen⸗ ſelbſt wenn geſetzliche Verkuͤndigungen darauf gefolgt wä⸗ hh ren. Seit der Ordonnanz von 1639 ſprach man auch den n d Ehen in extremis die Wirkung der Legitimation ab, und ſh war gegen die frhereurispruden(S. die Note o hierunten.) unn 2) Können durch eine putative Ehe die Kinder legitimirt wer⸗ den, welche die Partheyen zu einer Zeit gezeugt haben, wo iche ſie ſich gultiger Weiſe mit kinander hätten verheurathen kön⸗ nen? Dieſe Frage war ehedem ſehr kontrovers; bejahend n ward ſie durch die meiſte italiniſche Doktoren, verneinend durch die franzoöſiſche und andere Covarruvias, Fur⸗ gote⸗ Pothier) beantwortet, und zwar aus der Urſa⸗ 378 che, weil der gute Glaube, der die Ausnahme zu Gunſten der in einer putativen Ehe erzeugten Kinder beſtimmt hat, von dem nicht in Anſpruch genommen werden kann, def ſich der Blutſchande oder des Ehebruchs ſchuldig gemacht hat. Dieſe Meinung wird auch durch ein Urtheil des Parlaments von Bordeaux vom 14 Februar 1617 unterſtutzt. Der Co⸗ der entſcheidet dieſe Frage nicht ausdruͤcklich; buchſtäblich genommen läßt ſich jedoch der Art. 202 fuͤr die letzte Mei⸗ nung geltend machen, weil die putative Ehe demſelben zufol⸗ ge die Civi Wirkungen in Hinſicht auf die enfans i585 du mariage hervorbringen ſoll, worunter Legitimirte ſtrenge genommen nicht gehören. Dieſer Fall iſt mit dem folgenden nicht zu verwechſeln: einer der Ehegatten hatte zur Zeit der Ehe keine Kenntniß von der Ehe des andern, oder der Verwandtſchaft mit demſelben. Es fragt ſich, ob alsdann eine nach der Aufhebung des Hinderniſſes abgeſchloſ⸗ ſene gultige Ehe die in jener nichtigen erzeugte Kinder legiti⸗ miren kann? Auch uͤber dieſe Frage waren die Meinungen getheilt; Baſil Ponce iſt unter den Vertheidigern der Legi⸗ timität derjenige, der die Sache der Kinder am beſten ge⸗ führt hat. Er ſtützt ſich hauptſächlich auf das Kapitel ex tenore, Decret. qui kilii sint legitimi, und die Gloſſe uber das Kapitel tanta. Die Grände der entge⸗ gengeſetzten Meinung findet man am beſten in dem 47 ten plaidoyer von dAgueſſeau entwickelt; in der Jurispru⸗ denz behielt die letztere die Oberhand,(arréts vom 4 Junius 1697 und 15 May 1674) 1) weil zur Zeit der Empfängniß die Fiktion der Ehe nicht ſtatt finden könnte, 2) und Ehe⸗ gatten, die im Konkubinat gelebt haben, weder die Ver⸗ muthung des guten Glaubens vor ſich haben, noch ſelbſt 379 u6uhn durch den wirklichen guten Glauben entſchuldigt werden koͤn⸗ mmtht, in, h 4) Ehedem war es Bedingung diefer Legitimation, daß zwiſchen maittt den Ehegatten zur Zeit der Zeugung kein vernichtendes utnnt Ehehinderniß beſtanden habe. L. 10, 11. C. de natur. Duc⸗ lib. Nov. 12. cap. 4, Nov 39, cap. 9. Arréts vom 20 ſiti Jänner 1362 bei Carondas, vom 5 Julius 1567 bei Pi⸗ lette M thou, vom 3 Februar 1667 im Journal des audiences. lu n Der Coder geht nicht ſo weit, indem er nur zweien ſolcher Ehe⸗ ans ut hinderniſſe die Wirkuns Se die Sn zu verhin⸗ Leitinit dern. mit n 8) um die Fähigkeit des Kindes zur Legitimation zu beſtimmen, hathzu hat man gleichfalls die Epoche der Empfaͤngniß, nicht aber s athn, die der Geburt zu beruckſichtigen. Ein Kind, von Aeltern tſch, gebohren, welche zur Zeit der erſten frei, zur Zeit der zwei⸗ algeſhi ten aber anderweitig verehlicht geweſen wären, wuͤrde zur er lei Legitimation nicht unfaͤhig ſein, ſobald das aus der zweiten immm Ehe entſpringende Ehehinderniß gehoben iſt. Ein glei⸗ ter bi⸗. ches gilt in dem Falle, wenn die Schwägerſchaft in verbo⸗ ſen ge tenen Graden erſt nach der Empfängniß eingetreten wäre. Kyil Aus einer beſondern Beguͤnſtigung hatten jedoch viele Dok⸗ i u toren, Fachinäus, Molina, Covarruvias, Carondas, Lebrun, unt Rouſſeaud de la Combe, auch ſolche Kinder deren Aeltern n zin wohl im Augenblick der Zeugung verehlicht, im Augenblic irihn⸗ der Geburt aber ledig waren, als bloſſe Baſtarde(batard Ins* simple) angeſehen, und ihre Legitimation fuͤr gultig er⸗ ſuyn klaͤrt. Anderer Meinung find Pothier, Ant. de Roſſellis, u h Silveſter Pierata, Furgole u. a. Die erſten ſtuͤtzen ſich auf i U⸗ die IL. 5 et 26 fl. de Statu hom. Die andere haben ſiſ mehrere Urtheile der Parlamente, unter andern eines des 380 von Paris vom 10 May 7773 fuͤr ſich. Unter der Herr⸗ ſchaft des Codex kam dieſe Frage noch nicht zur Entſcheidung. 6) In einem blutſchaͤnderiſchen Umgange ſind diejenige Kinder erzeugt, deren Aeltern zur Zeit der Zeugung in den durch die Art. 161, 162 und 263 verbotenen Graden verwandt waren, und zwar iſt es, den von dem Art. 202 vorgeſe⸗ henen Fall ausgenommen,(iehe jedoch die Note 2 hieroben,) durchaus gleichviel, ob ſie in einem freienUmgange oder in einer nichtigen Ehe erzeugt worden ſind.(Der Umgang zwiſchen Perſonen, welche in einem entfernteren Grade verwandt ſind, kann nicht als Blutſchande angeſehen werden.) Die in einem ſolchen Umgange erzeugte Kinder koͤnnen, der vo⸗ rigen Jurisprudenz zuwider, ſelbſt nicht durch eine nachher mit Dispenz abgeſchloſſene Ehe legitimirt werden, weil. die Verfuͤgung des Art. 331 unbedingt iſt. 2) Der Beweiß der Blutſchande ſowohl als des Ehebruchs kaun in den meiſten Fällen nicht wohl ſchwer zu erbringen ſein, da er aus den oͤffentlichen Regiſtern des Civilſtandes geſchöpft werden muß. Die Legitimation eines in einem ſolchen Um⸗ gange erzeugten Kindes kann auf doppelte Weiſe angefoch⸗ ten werden: 4) durch eine gegen die Ehe ſelbſt gerichtete Nullitäts Kla⸗ ge, wenn das Ehehinderniß noch beſteht; 3) durch eine Klage auf Nullität der Anerkennung, die der Ehe vorhergehen muß, wer keine Anerkennung blutſchaͤnderiſcher oder ehebrecheriſcher Baſtarde erlaubt iſt, und zwar gleichviel ob das Hinderniß zur Zeit der Ehe noch beſteht oder nicht. Von dem anſcheinenden Wi⸗ derſpruch den man zwiſchen den Art. 335 und 762 . zu finden geglaubt hat, wird im folgenden Titel die Re⸗ de ſein. 3 det h ſhim ig Rin nu tberunt wonſ hinten der in in zrichn et en) De , dr U⸗ ne mihe den, u tuchs im ingen ſit es giſtift chen ln augſ liitzil n 10 rkenun erut zit dr wen und 6 R⸗ 387 8) Da die tranſitoriſche Geſetzgebung, welche dem Coder Na⸗ poleon unmittelbar vorhergieng, die Anerkennung ſolcher Baſtarde nicht verboten hat, ſo wuͤrde eine unter dieſer Geſetzgebung geſchehene Anerkennung allerdings gultig ſein, weil der Coder, ohne zuruͤckzuwirken, die dem Kinde dadurch erworbene Rechte nicht wieder benehmen kann. Allein das Kind wuͤrde dadurch zur Legitimation durch eine unter dem Codex abgeſchloſſene Ehe keineswegs fahig, weil die Legiti⸗ mation erſt durch dieſe Ehe erworben wird, und der Art. 337 die beſagten Baſtarde von der Wohlthat Nertlten aus⸗ ſchließt. 9) Die Legitimation kann eine Ehe in extremis ge⸗ ſchehen, weil der gegentheilige Vorſchlag der Kommiſſion aus⸗ druͤcklich verworfen, und die Ehe in estremis äberhaupt vorzuͤglich zu Gunſten der r zu legitimirenden Kinder Erlaubt ward. 20) Die Legitimation i nach franzöſiſchem Recht nicht die nothwendige Folge der Ehe, indem das Verbot der recher⸗ che de la paternitẽ auſſer der Ehe auch die freiwillige Anerken⸗ nung der Aeltern nothig macht. Sobald aber dieſe Anerkennung vorliegt, und die Ehe hinzukommt, tritt die Legitimation von Rechtswegen und kraft des Geſetzes ein Dies ntſcheidet auch zugleich die von Schoͤnmann und Pfeif⸗ fer aufgeworfene Frage, ob die Einwilligung des Kindes zur Legitimation erforderlich ſei? Wir muͤſſen hier wieder von den Grundſätzen des römiſchen Rechtes ganz abſtrahiren, wo dieſe Einwilligung deshalb erforderlich war, weil durch die Legitimation der Legitimirte wieder unter die väterliche Ge⸗ walt kam, von welcher er vorher befreit war. In Frank⸗ reich geht die Legitimation aus zwei verſchiedenen Akten her⸗ 382 vor: 1) aus der, der Ehe vorherigen, Anerkennung, die nichts als die Erklärung einer Thatſache iſt, welche das Kind allerdings, falls ſie falſch iſt, zu beſtreiten befugt ſein wuͤrdez iſt aber durch die Anerkennung die Abſtammung einmal auſſer Zweifel geſeßt, iſt einmal ein rechtsformiger Beweiß vorhanden, daß R der Sohn von A und B iſt, ſo iſt die Legitimation von R die nothwendige Wirkung der nachfolgenden Ehe zwiſchen A und B, welche R weder ver⸗ hindern, noch, das Faktum der Filiation als anerkannt und beurkundet vorausgeſetzt, der Wirkung berauben kann, ihn zu legitimiren. 42) Hat aber die Anerkennung nicht vor oder bei der Ehe ſtatt gehabt, ſo kann eine ſpätere Anerkennung die Legiti⸗ mation nicht mehr hervorbringen. Nur eine falſche Schaam oder die Furcht vor ſtrengen Aeltern kann die Ehegatten ver⸗ hindern, im Augenblick der Ehe ſelbſt ihren Fehler zu beken⸗ nen und wieder gut zu machen; aber dieſe Erwagungen ſchienen nicht mächtig genug, um den Gatten die Möglich⸗ keit zu laſſen, ſich freiwillig Kinder zuzueignen, oder gar einem der Ehegatten ein Mittel an die Hand zu geben, ſei⸗ ne auſſereheliche Kinder in die Familie einzufuͤhren, um ſo mehr als der Art. 33 des Geſetzes vom 25 Ventoſe 11 den Ehegatten das Mittel einer geheimen und gleichwohl a u⸗ thentiſchen Anerkennung darbietet. 13) Die zut Legitimation erforderliche Anerkennung muß aus⸗ drucklich ſein, und kann z. B. nicht aus der bloſſen Che des Mannes mit der Mutter eines unehelichen Kindes gefolgert werden, welches man in ſeiner Abweſenheit als das ſeinige auf die Regiſter des Civüſtandes eingetragen hätte. Ein gleiches gilt in dem Falle, wenn der GeburtsAkt zwar den nung, e welhe d bt ſin ſunmn tſimin di, jitkun tu weher i rkintth un, in i ber 6 ie biit⸗ Schun aten ver jzu beken⸗ vihmgen Whnl⸗ der gar en, ſi⸗ um ſ emn den oohl at⸗ nuß au⸗ ſin 6he gfolhe ð ſii 6i u den 383 Vater aber nicht die Mutter anfuͤhren ſoute, denn obgleich die Aufſuchung der Mutterſcheft erlaubt iſt, ſo müßte doch die Maternitat vor der Ehe äuſſer Zweifel geſetzt worden ſein, weil eine ſpätere gerichtliche Anerkennung derſelben eben ſo wenig als eine freiwillige die Wirkung der haben koͤnnte. 14) Demnach iſt die von gachartä aufgeworfene Frage, ob die Legitimation auch zu Gunſten ſolcher Kinder ſtatt finde, die nur eine erzwungene Anerkennung fur ſich haben, leicht zu entſcheiden. Eine gezwungene Anerkennung von Seiten des Vaters iſt nur in dem einzigen von dem Art. 340 No. 2 vorgeſehenen Falle denkbar; gegen die Mutter iſt zwar die Klage auf Anerkennung der Maternität immer zuläßig; doch kann die gezwungene ober freiwillige Anerkennung nur dann die Legitimation nach ſich ziehen, wenn ſie, in beiden Faͤllen, der Ehe vorhergegangen iſt. 15) Erkennen wöhrend der Ehe beide Ehegatten ein vor der⸗ ſelben von ihnen gezeugtes Kind freiwillig oder gezwungener Weiſe an, ſo flieſſen aus dieſer Anerkennung demſelben kei⸗ ne weitere Rechte zu, als die, welche das Geſetz allen auſ⸗ ſerehelichen Kindern zuſichert. 16) Mit dem Art. 332(deſſen Grundſatz ehedem ſehr kontro⸗ vers war, Jachin, controv. 35,) vergleiche man den§. 2. Instit. de hered. qun ab intest. 17) Die Rechte legitimirter Kinder datiren ſich vom Tage der Ehe an. Sie ſind durchaus unzulaͤßig, die Handlungen und Akte anzufechten, welche vor der Ehe ſtutt gehabt haben; auch werden, der vorigen Jurisprudenz zuwiber,(urtheil des Kaſſationshofes vom 25 Germinal 11) durch die Legitimation von ihren Aeltern gemachte Schenkungen unter Lebenden nicht 1 384 widertufen.(Irt. 9o6b.) Von dem Augenblick der Ehe an, aber ſind ſie als eheliche Kinder anzuſehen und haben alle Rechte, ſolcher zu genieſſen. So wuͤrde z. B. eine in Ermange⸗ lung von ehelichen Erben getroffene Verfuͤgung durch ihre Legitimation nichtig. In dem Falle, wo das Recht der Erſtgeburt in Anſchlag kommt,(3. B. bei den Majo⸗ raten) hat das legitimirteKind als das älteſte vor denjenigen den Vorzug, die in derſelben Ehe, welche ſeine Legitimation her⸗ vorgebracht hat, erzeugt worden ſind, aber nicht vor denjeni⸗ gen, welche in einer ZwiſchenEhe,(Siehe Nro. 19) erzeugt worden wären, weil keine Retroaction zum Nachtheil eines Dritten ſtatt finden kann. 18) Schließlich iſt zu bemerken, daß iede Legitimation durch den Beweiß entkraͤftet werden kann, daß der Legitimirte nicht das Kind der Ehegatten iſt. Ueber die Fälle, worin dieſer Beweiß zuläßig iſt, und äber die Natur des erforderli⸗ chen Beweißes ſehe man die vorige UnterAbtheilung nach. 19) Eine Ehe, welche einer der Ehegatten in der Zwiſchenzeit der Empfängniß und der zweiten Ehe abgeſchloſſen haben koͤnnte, würde die Legitimation durch eine nach Aufloſung derſelben einge⸗ gangene eheliche Verbindung nicht hihen Die gegenthei⸗ lige Meinung, die jedoch durch ein Urtheil des Parlaments von Bretagne unterſtuͤtzt iſt, gruͤndet ſich bloß darauf, daß durch dieſe Ehe die Fiktion, kraft welcher die zweite Ehe bis zum Tage der Empfuͤngniß hinaufgreifen ſoll, unmöglich werde, allein dieſe Fiktion iſt, wie bereits Nro. 1 bemerkt, nicht erforderlich und der Koder giebt keinem Zweifel ſtatt, daß eine ſocheswiſchenEhe die Legitimation nicht hindern kann. 19) In England findet die Legitimation durch die Ehe nicht ſtatt(Cowels. Institutions au droit anglican Liv. 1 Chen, ilih rmange igngu dʒ hi en Mijt njenipnn inntien he vot derjn 19 uut chthel ins natin iuh inite ile, win etfuche lung nh Zwicheni ben köm ſelben ei⸗ gunt Pormt o iuf jit hh uniih 1hm, tiftl ſut, den knn 6h, it Li1 385 tit 10. 5 17.) Würde eine in England abgeſchloſſene Ehe dennoth die Wirkung haben, ein geſetzlich anerkanntes na⸗ tuͤrliches Kind in Frankreich erbfähig zu machen? Dieſe Frage iſt zu bejahen, wenn die Aeltern Franzoſen ſind,(Ur⸗ theil vom 21 Junius 1968) zu verneinen, wenn ſie Eng⸗ länder ſind.(Art. 3.) 2 20) In der offiziellen Ausgabe des Coder ließt man im Let. 3 331: galement reconnus, welcher Ausdruck ſich auf die Anerken⸗ nung von Seiten des Vaters und der Mutterzu beziehen ſcheint. Es iſt jedoch nur ein Druckfehler und muß heiſſen: ꝰgalement reconnus. Von der Form einer rechtsformigen Anerkennung wird im folgenden Litel die Rede ſein. 2¹) Die Legitimation wuͤrde guͤltig ſein, wenn gleich der au⸗ thentiſche Akt der Anerkennung nicht auf die Regiſter des Civilſtandes eingetragen worden wäre, weil der Art. 62 die Strafe der Nullität nicht verhaͤngt, und die Art. 337 und 334 dieſen Eintrag gleichfalls zur Guͤltigkeit des 6 tes der Anerkennung nicht erheiſchen. Zweite Abtheilung. Von den gegenſeitigen Rechten und Obliegenheiten der Aeltern und der Kinder. §. 85. Die Chegatten kontrahiren durch das bloße Faktum der Ehe die Verbindlichkeit, ihre Kinder zu ernaͤhren, zu un⸗ terhalten, und ihnen eine angemeſſene Erziehung zu erthei⸗ len. Das Geſetz ſichert ihnen dagegen gewiſſe Rechte zu: a) uͤber die Perſonen ihrer Kinder v) öber das Vermoͤgen derſelben. 303 386 Pocre III. 437, VerbalProzeſſe vom Zten Vendem. 10 u. 12 PVen⸗ toſe 11, Art. 1404, 1448. 1537, 1575 des Coder, ) Die Rechte der Aeltern uͤber die Perſon ihrer Kinder, oder die väterliche Gewalt ſind fur eheliche und anerkannte auſſer⸗ eheliche Kinder dieſelbe. Wir werden ſie daher in einem beſon⸗ dern Titel: von derväterlichen Gewalt, abhandeln. Eben daſelbſt werden wir dieFragen erörtern, die ſich in Hinſicht auf die Erziehung und Unterhaltung der Kinder erheben können. 2) Das franzöſiſche Recht geſtattet den Aeltern uͤber das Ver⸗ mogen ihrer Kinder nur ein bloſſes Verwaltungs⸗ Recht,(vorbehaltlich des Nießbrauchs, bis dahin die Kin⸗ der das 18te Jahr erreicht haben, mittelſt deſſen ſie verbun⸗ den ſind, die Koſten der Erziehung zu tragen, und von wel⸗ chem gleichfalls im Titel: von der väterlichen Ge⸗ walt, die Rede ſein wird.) Da die Aeltern in dieſer Hin⸗ ſicht jedem andern Vormunde voͤllig gleichgeſetzt ſind, wie wir es im Titel von Vormun dſchaften und Kura⸗ telen, beweiſen werden, ſo verſparen wir auf dieſen Titel die Entwickelung die Regeln dieſes VerwaltungsRechtes. 2 Die oben angefuͤhrte Artikel enthalten die Regeln uͤber den Beitrag, den jeder der Ehegatten zu den gemeinſchaftlichen Koſten des Unterhaltes und der Erziehung der Kinder zu machen hat. Da derſelbe ſich nach dem EheVertrag der Aeltern modifizirt, ſo verſparen wir die Unterſuchung der Fragen, die ſich in dieſer Hinſicht erheben können, den Titel: von dem EcheVertrag. 8. 86. Die Rechte ehelichet Kinder laſſen ſich in folgende Klaſ⸗ ſen abtheilen: 4) Lemens echte, voder das Recht den Namen den 337 des Vaters zu fuͤhren, und in der Geſellſchaft den Hee Stand als Mitglied ſeiner Familie zu behaupten. mu 5) Recht auf Unterhalt, nicht allein von Seiten a05 uen biſ der natürlichen Aeltern und GrosAeltern, ſondern in eln. 6 ihrer Ermangelung oder wenn ihre Armuth ſie daran S ichtuftt verhindert, auch von Seiten der SchwiegerAeltern, men und zwar nicht allein in der Miuderjährigkeit, ſon⸗ d Un dern auch in der Grosjaͤhrigkeit, wenn ſie ſich auſſer itunzt Stand befinden, ihr Brod zu verdienen. Gleiche nbi in Obliegenheiten liegen ihnen dagegen gegen die Aeltern 207 ſenit⸗(und Schwieger Aeltern jedoch nur ſo lange als das i Verhältniß der Affinitãt nichr aufgelößt worden) ob. en Br Die Tribunalien haben, im Verhaͤltniß der Bedürf⸗ ſiſt hi niſſe deſſen, der dieſe Alimentation in Anſpruch nimmt, und des Vermögens desjenigen, der ſie ſchuldig iſt, über 0 i den Betrag, Beſtand, die Vermehrung oder die 209 n Lil Verminderung der Alimente zu erkennen. Die Kin⸗ 6 n der haben kein Klagrecht auf Ausſtartung.. in en„) Recht auf eine zweckmäßige Erziehung ifh und Obliegenheit zur Unterwerfung unter die väter⸗ inder n che Gewalt, von welcher in einem beſondern Tnel die Rede ſein wird. 2) Erbrechte, welche anibfans in einem eignen zu i Titel abgehandelt werden. uf in Locre, III. 444 u. ff. Maleville T. 210 u. ff. Verbapro⸗ zeſſe von den angefuͤhrten Tagen. Projekt, 1 Buch, Tit. 5. Art. 51. Thibant S d. P. F. 347 u. ff. deſſen Verſuche F. 223 und die daſelbſt angef. Schriftſieller, Repertoire universel, verbo: limens. ff. tit. de agnosc. et alend. lib.(25. 3.) L4.— 4* alend. libi ae parent.;. e5. Nov: 115 Cap. 3. 5. 3 N. 117C. 7. 19 unden ds ritu nupt. L.3 C. de dot. pr.(5. II.) voœchlier, 6* 33⁸ traite du contrat de mariage, part. 8 chap. 1 Art. 2. N. 134. 3971 Despeisses, I. 276. Kousseaud, verbo alimens, La⸗ peyrére No. 332, Masuer, tit, de dot. 14. N. 39. Papon, liv.. tit. du eontrat du mariage. 1) Uneheliche Kinder fuͤhren zwar auch, wenn ſie anerkannt ſind, den Namen des Vaters, aber ſie haben keine Fami⸗ lie und keine Familien Rechte; die Verwandte ihres Vaters ſind nicht verbunden, ſie als Verwandte anzuerkennen. 2) Die Verfuͤgung des Art. 3o3 beſchränkt ſich nicht auf Min⸗ derjährige, indem das bürgerliche Verhaͤltniß der Verwandt⸗ ſchaft nicht mit der Winderjährigkeit endigt. Den Grund⸗ ſätzen des Naturrechts zufolge iſt der Vater ſeinem Kinde nicht länger Unterhalt ſchuſdig, als bis dieſes im Stande iſt, ihn ſelbſt zu erwerben; dann fällt aber auch zugleich die väterliche Gewalt und die Unterwürfigkeit des Kindes weg. Anderſt iſt es im geſellſchaftlichen Zuſtande; die Ael⸗ tern müſſen nicht allein das Kind in den Stand ſetzen, ſei⸗ nen phyſiſchen Unterhalt zu gewinnen, ſondern ihm auch dieienige geiſtige Ausbildung geben, welche erforderlich iſt, um ſeine Stelle in der Geſellſchaft auf eine den geſellſchaft⸗ ichen Verhältniſſen angemeſſene Art auszufullen. Haben ſie dies unterlaſſen, und das Kind findet ſich, durch ihre Schuld, auffer Stande, nicht allein den phyſiſchen ſondern auch einen ſtandesmůßigen Unterhalt zu gewinnen, ſo ver⸗ urtheilt das Geſetz ſie, ihm denſelben zu verſchaffen. So verurtheilte ein Urtheil vom 22 Julius 1779 einen Herrn Pichon, ſeinem Sohne eine jährliche Penſion von 1000 Fr. zu bezahlen, ohngeachtet er demſelben zwei Stellen gekauft hatte, die ihm wohl einen ehrenvollen Rang aber nur 45 Franken Einkünfte verſchaften. Allein indem das Geſetz 339 . 4* e„— 3 4 4 5 die väterliche Sorgfalt uͤber die Jahre der zarten Jugend, 6) b0 8. 2 ja auf die ganze Lebenszeit hinaus verlängert, ſichert es auch den huͤlfsbeduͤrftigen Aelkern, zu jeder Zeit, Unterſtä⸗ bung, Huͤlfe und Belohnung zu. Es iſt hier wieder eine von denjenigen Materien, worin der Geſetzgeber nur Grund⸗ 6hun ſätze aufſtellen kann; die Anwendung derſelben mußte dem richterlichen Ermeſſen unbedingt uͤberlaſſen bleiben. Leider ſind die Gerichtshoͤfe nur allzuoft in die Nothwendigkeit ver⸗ fh ſett, die Erfüllung einer ſo heiligen Pflicht durch aͤuſſern bwnt Zwang zu verſichern. n bun⸗ 3) Die Abfaſſung der Art. 203, 82 206 und 207 koͤnnte en ſi zu der Meinung Anlaß geben, als ob in Ermangelung der Ein Aeltern die Enkel die Alimente von den GrosAeltern zu. h ili verlangen nicht befugt wären; aber der Art. 205 unterſtellt— 3 Kins dieſe Obliegenheit„der vorigen Jurisprudenz gemaͤß, von ie Seiten aller Aszendenten, und ſie beſteht ſogar bei 3 n, ſi Lebzeiten der Aeltern, wenn dieſe durch Armuth verhindert auch ſind, ihre Kinder zu ernähren; dies folgt unwiderſprech ich ch it daraus, daß die GrosAeltern den Aeltern Alimente ſchul⸗ ellſchſt⸗ dig ſind, die nach dem Beduͤrfniß dieſer letzten zu beſtim⸗ hun mnen find.* h ihr 4) Die Verfuͤgung des Art— iſt auf die StiefA eltern ſnden(victries„märatres, paràtres) nicht anwendbar. 5) In Hinſicht auf die Art. 210 und 21½ bemerken wir, daß 6 es im Allgemeinen ehedem Grundſatz war, die Aszendenten hen zu veryflichten„ihre Deszendenten zu ſich zu nehmen, und wo denſelben in ihrer eignen Wohnung Unterhalt zu verabrei⸗ i chen, waͤhrend die Deszendenten meiſtens verurtheit wurden, m6 den Aszendenten eine alimentariſche Penſion zu zahlen. Der 1 6iſt woraliſche Grund dieſer Regel wird ihr auch unter der neuen 390 Geſebgebung Eingang verſchaffenʒ doch bleibt ſie nothwendig den Umſtanden untergeordnet. 6) Die Frage, ob der Sohn verbunden ſei, ſeine Guter zu verkaufen, um den Vater aus dem Gefaͤngniſſe zu be⸗ freien, war ehedem auſſerſt kontrovers.(L. F. 16. fl. de agn et al. lib. Mov. r15. Cap. 3.§. 8. Lapeyrère⸗ Chopin, Le Grand) Allein ohngeachtet Hr. v. Male⸗ ville G. 224) die Ftage auch noch heutzutage als unentſchie⸗ den aufſtellt, und ſie ſogar bejahenb zu beantworten ſcheint ſo ſcheint ſie mir doch durchaus nicht zweifelhaft. Bei Be⸗ ſtimmung der Alimente hat der Richter nicht allein auf das Bedürfniß deſſen, der ſie verlangt, ſondern auch auf das Vermögen deſſen, der ſie zu leiſten hat, Ruͤckſicht zu nehmen. Dies wird ihm den Maasſtab angeben, ob er die dem Vater zu bewilligende Summe in der Art beſtim⸗ wen kann, daß ſie zur Zahlung der Schuld, umideren wil⸗ ren er verhaftet iſt, hinreicht. Zur Zahlung des bewilligten Quantums kunn der Sohn allerdings durch alle Exekutions⸗ Mittel angehalten werden⸗ 7 Iſt die Verbindlichkeit, den Reltern Alimentation zu ver⸗ abreichen, ſolibariſch? Man hat Urtheile fuͤr und wider die Solidarität(von dem Appellhof von Paris vom 30 Frim. 14, dem Tribunal don Paris vom 30 Fruktibor 11„ und r Frimnire xx, dem Porlament von Paris vom 18 Fe⸗ pruar 1766, welches letzte zuerſt den Grundſatz der Solida⸗ rität aufgeſtellt hen) auch ſcheint mir die Frügs keiner allge⸗ meinen und unbedingten Entſcheibung fähig zu ſein. Wenn es einestheils unbezweifelt iſt, daß im Falle der Inſolvenz einiger Geſchwiſter die üͤbrige ausſchließlich fuͤr den Unter⸗ halt der Aettern zu ſorgen huben, ſo läßt ſich doch nicht be⸗ haupten, daß der Antheil der Inſolvemten auf die übri⸗ 397 othwet en zuruckfalle, weil dem Art. 208 zuſolge bei ber Beſtimmung auf das Vermoͤgen deſſen, der die Alimente zu leiſten hat, Gütrz Ruͤckſicht genommen werden muß, und daher mit der Ver⸗ ſe minderung der Kontribuenten auch eine Verminderung der ſhf Alimentation eintreten kann. Demſelben Art. 208 zufolge laßt peynn, ſich ſogar behaupten, daß der Richter die Geſchwiſter verur⸗ v. Mil theilen kann, zu dieſer gemeinſchaftlichen Laſt zu unglei⸗ mnſ chen Theilen beizutragen. Gehen wir von dieſem Grund⸗ tnſtin, ſatze aus, ſo glaube ich folgende Folgerungen ziehen zu kön⸗ Biß⸗ 6 lin a. 3) Sind einige der Geſchwiſter notoriſch inſolvent oder in ach u verhaͤltnißmaͤßig ſchlechteren VermögensUmſtaͤnden als die ſicihtn uͤbrigen, ſo kann der Richter dieſe erſten verurtheilen, n, n 3 die Alimente ausſchließlich oder zum großten Theile zu lei⸗ i iſi⸗ tten, ohne daß der Kläger gezwungen werden könnte, ſei⸗ irii ne Klage zu theilen, und gegen jedes Kind auf ſeinen An⸗ nlun theil zu klagen. ₰ Sind alle Kinder wohlhabend, ſo kann der Richter die Theilung der Klage zwar verordnen, vorbehaltlich dasjeni⸗ ——— uw ge Find, welches darauf antragt, zur Vorlage der Pro⸗ und wie. zeß Koſten mittelſt einer Veruttheilung par provision an⸗ 130 Fin zuhalten. i„ Iſt eines aber find mehtere u. Geſchwiſter verſtorben, ſo m ⸗ haftet die Verbindüchkeit zur Alimentation ganz oder zum So Theil nur dann auf den Enkeln, wenn ſie fur die ubrig⸗ iner ul bleibende Kinder allzudruͤckend ſein wuͤrde. Wenigſtens U iſt dies Jurisprudenz, welcher das Geſet nicht widerſpricht. qn 9) Sind die Geſchwiſter ſich untereinander Alimente ſchuldig 2 u Der Coder ſchweigt üͤber dieſe Frage, welche unter der vori⸗ ſiht b. en Geſebgebung und auch nach der vorigen Jurispru⸗ die ibri⸗ 392 denz bejahend entſchieden ward. Den Tribunalien bleibt es zwar unbenommen, in beſondern 5 ällen auch heutzu⸗ Tage, ſolche Alimente zu bewilligen,(mit den Fragen, wi und von wem nach der Eheſcheidung oder der Tren⸗ nung von Tiſch und Bett fuͤr den Unterhalt der Kin⸗ der geſorgt werden muß, werden wir uns in dem folgenden Kapitel beſchftigen.) doch bedarf es wohl keiner Be⸗ merkung, daß dieſe Geſuche bei weitem weniger zu begůn⸗ ſtigen ſind, als die von welchen eben die Rede war; und daß man beſondere Ruckſicht darauf zu nehmen hat, ob der Hulfsbedürftige ſich durch ſeine Schuld in dieſe Lage verſetzt befin det. 10) Es iſt durchaus angenommen, daß die Alimente erhoht oder vermindert werden können, ſo wie die VermoͤgensUm⸗ ſtande deſſen, der ſie zu leiſten hat, oder deſſen der ſie erhalt, eine Veraͤnderung erleiden. 11) Die Verfugung des Art. 204, welche dem alten Grund⸗ ſatz der pays coutumiers: ne dote qui ne veut, ent⸗ ſpricht, gieng erſt nach heftigen Debatten(gegen die Rekla⸗ mation der Appellhoͤfe von Bruͤſſel, Grenoble und Montpellier) durch. Der HauptGrund, den man da⸗ für anfüͤhrte, war, daß man den Vätern in den Provin⸗ zen des geſchriebenen Rechtes einen Erſatz fuͤr die Vermin⸗ derung, die ihre Gewalt durch den Coder erlitten, ſchuldig ſei, und daß es gefaͤhrlich ſei, in den Provinzen der Land⸗ Rechte eine Klage einzufuͤhren, die daſelbſt von jeher un⸗ bekannt geweſen ſei. Man berief ſich ferner darauf, daß ſelbſt in den Provinzen des römiſchen Rechtes von dieſem Klag⸗ recht uſſerſt ſelten Gebrauch gemacht worden, und deſſen Abſchaffung daher mit geringem Nachtheil verknuͤpft ſei. „ 393 ien lli Allein wie viele Väter mag nicht die Gewißheit, in einem uch hu Prozeſſe zu unterliegen, beſtimmt haben, eine Obliegenheit zu Inhn, erfuͤllen, der ſie ſich nicht entziehen konnten. der Tnn 12) Nach der L.. 27 F. de inoff. test. und IL. 27 5. 1 uu⸗ f de negot. gest. ſcheint es nicht, als ob der Onkel oder em fohn noch entferntere KollateraVerwandten gezwungen werden kin könnten, ihren hülfsbeduͤrftigen Verwandten Alimente zu et zu kn reichen. Die vorige Jurisprudenz ſprach ſie gleichfalls von war; ubtt dieſer Verbindlichkeit frei, doch mit Ausnahme des Bezirks het, u h des Parlaments von Bretagne, welches den Art. 532 g in der coutume, nach welchem ſie derſelben unterworfen waren, ſtreng handhabte; daher der Ausdruck mettre les enfans imente eii 4 bni au rabais, von welchen Verſteigerungen ein arrẽt umignil de reglement dieſes Parlaments jedoch alle Fremde aus⸗ te ſi eht ſchloß. Ich glaube, daß eine Klage auf Alimentation gegen Kollatera Verwandte unter der heutigen Geſetzggebung ent⸗ ſen Grnn weder gar nicht, oder nur in ganz auſſerordentlichen Um⸗ eut, en ſtaͤnden zugelaſſen werden konnte. ie Fell 13) Wenn ein Kind eignes Vermogen beſitzt, ſo kann es keine ütle m Alimente von ſeinen Aeltern fordern, ausgenommen, daß n min t dieſe, ſo lange ſie den Nießbrauch ſeines Vermoͤgens haben, den Pli die Koſten ſeiner Unterhaltung aus demſelben zu Ktn ti Vumt ſchuldig ſind. Doch pflegen die Tribunalien in Fällen n, ſhlhh nicht allein auf den Betrag eignen Vermoͤgens emn n ber lu⸗ auch auf die Vortheile Ruͤckſicht zu nehmen⸗ welche die Sh⸗ njihn w* gatten ſich untereinander zum Nachtheil der Finder zugeſi⸗ v chert haben koͤnnen. 13) Kann ein Kind, welches ſich gegen den Willen ſeiner Ael⸗ 4„ tern verheurathet hat, von dieſen Alimente fordern? Dieſe — Frage ward ſchon unter der vorigen Geſebgebung durch das 1 5 394 beruhmte Urtheil vom 2 April 1770 in der Sache zwiſchen dem GeneralPäͤchter Alliot und ſeinem Sohn bejahend entſchieden;(doch hat man fruͤhere Urtheile fuͤr die gegen⸗ theilige Meinung) unter der Herrſchaft des Codex kann ſie gar nicht mehr zweifelhaft ſein. ſche iſte bejahm t die gegn t iun 3ufitt xhol 1. 5. 43. Nro. 2. S.. Die Strafen, welche den puͤrgerlichen Tod nach ſich ziehen. ſind nuumehr durch bas peinliche Geſetzbuch beſtimmt; 1 namlich: 1) die Verurtheilung zum natuͤrlichen Tode; 2) die zu angeſtrengter Leibes Arbeit auf Lebenslang; 3) die zur Deportation.* Doch kann die Regierung, in dieſem lehten Falle, dem De⸗ vortirten an dem Orte ſeiner Deportation„die Ausubung aller oder einiger CivilhRechte geſtatten,(art. 18 des peinlichen Ge⸗ ſetzbuchs) Ferner ſollen zum b* rgerliche n Tode verurtheilt wer⸗ den die Franzoſen, welche im Auslande Aemter bekleiden oder politiſche, Verwaltungs⸗oder gerichtliche Amtsverrichtungen ver⸗ ſehen, und nach gehoͤriger Einberufung nicht nach Frankreich zuruͤckkehren werden. Zngleich ſoll die Confiskation ihres Vermo⸗ ens gegen ſie ausgeſprochen werden. tsaif Dekret vom öten April Voh. Kil⸗ der Geſ Nap. II. S. 20 25 Theil 1.§. 43. S. 136. Aus dem Syſtem des neuen peinlichen Geſetzbuchs ergiebt ſich nunmehr in Hinſicht auf die ganzliche oder theilweiſe Berau⸗ bung der Livilechte folgende Abſtufung: s. Buͤrgerlicher Tod, oder gaͤnzliche Beraubung der CivilRechte, als Folge der Verurtheilung zum natůrlichen Tode, zu der Strafe angeſtrenster Arbeiten auf Lebenslans oder der Deppftatian. b 1 z. geſetzliche Interdikrion oder gänzliche Sus⸗ penſion aller CivilRechte während der Dauer der Strafe als Folge jeder Verurtheilung zu einer entehrenden und peinlichen Strafe. c. Theilweiſe Susvenſion der CivilRechte, waͤhrend fuͤnf Jah⸗ ren wenigſtens und 10 Jahren hoͤchſtens, in folgenden Fal⸗ len, als Folge von ZuchtPolizeilrtheilen erlaſſen: 1. gegen Diebe, welche aber, weil der Diebſtahl von er⸗ ſchwerenden Umſtänden entblößt war, nnr im 3nwtwolizei Wege verfolgt worden ſind;(Art. 401.) 2. gegen Ganner und Betruͤger;[Art. 405.) 3. gegen die Unternehmer von Spielhänſern und die haber an ſolchen.[Art. 410. Dieſe theilweiſe Interdiktion zieht die uſibitet wahrend ihrer Dauer, zu folgenden Handlungen des huͤrgerlichen und ſautsvürgerlicen Lebens nach ſich: 1. zu Sitz und Stimme in Kantonal und vnnnunn. lungen; 2. gewaͤhlt zu werden; 3. zu den Imtsverrichtungen als Geſhworuer, oder zu 2 ſtigen öffentlichen Amtsverrichtungen, zu irgend einer An⸗ ſtellung in der Verwaltung oder zu irgend einem Amte, berufen zu werden; 3 3 Waffen zu ttagen; In einem FamilienRathe Sis und Stimme zu haben; 6. zu Vormunbſchaften und Curatelen, ausgenommen uͤber eigne Kinder und ſelbſt für dieſe nur in ſo fern die Fa⸗ milie iöre Zuſtimmung dazu ertheilt; 7. als Werköetſtändiger oder Zeuge bei einem ffentlichen uit gebraucht zu werden; 3. Zeugniß vor Seticht als zur vfen auslunft — atzugeben N et de Sn entehrn nd juf fuhmuf ſen: bfehl vn E nd bie khll lelt, vihren gerlichen un Bchterſnn⸗ her ju ſu nb einet Un⸗ inem Inte, zhin; wnnen i ſen bie je ſulihen t in luiin Th. 1. 5. 44. Ro. 4. S. 147. Man ſehe uͤber die Verwaltung des Vermogens eines in con- ehmaciam zum bürgerlichen Tode Verurtheilten das Gutachten des Staatsraths, genehmigt am 20 September 1309„ S (Annalen der Goſ. Napoleons, III. S. 118. Theil 1.§. 44. S. ra3. Die Nro. 1 aufgeſtellten Grundſätze ſind, vie wir es vorge⸗ ſehen hatten, durch die peiuliche Geſetzgebung modifizirt wor⸗ den, welcher zufolge ſogar jede Verurtheilung zur Strafe der angeſtrengten Arbeiten die geſetzliche Interdiktion des Verurg theilten, vom Tage des Urtheils an, nach. ſich zieht. Hier ſind ferner folgende Perfüͤgungen der peiulichen Geſetzgebung einzu⸗ ſchalten: Art. 471. Wird der ungeklaste verurtheilt,„ werden(ie Guͤter von dem Augenblice an zu rechnen, wo das Urtheil voll⸗ ſreckt wird, als Guͤter eives Abweſenden betrachtet und ver⸗ waltet; und wird endlich die Verurtheilung durch Ablauf der Friſt, welche dem Angeklagten geſtattet iſt, um noch Gehorſam zu leiſten,(ſich von dem Ungehorſame zu reinigen) unwiderruf⸗ lich, ſo wird die Rechnung über das ſequeſtrirte Vermoͤgen dem⸗ ienigen abgelegt, der hiezu berechtiget iſt⸗ Art. 475. Während des Seaueſters köunen der eteftun den Kindern, dem Vater dder der Mutter des ungeklagten, wenn ſie deren vedärftig ſind, Unterſtützungen vewllligt werden. Der Betrag dieſer Unterſtutzung wird⸗ von der Verwaltungs⸗ Behoͤrde beſtimmt. Att. 476. Stelt ſich der angeklagte als Gefangener, oder wird er, ehe noch die Strafe durch Veriahrung erloſchen iſt, in Verbaft genommen, ſo verliert das vorher ergangene Con⸗ tumazialurtheil, und das ganze. Verfahren! welches ſeit der Ot⸗ donnanz⸗ wodurch er zum Criminal Gefängniſſe verwieſen wur⸗ de, oder ſeit dem Befehle, ſich einzuſtellen, wider ihn vorge⸗ nommen worden iſt ohne weiteres und von Mechtswegen ale ( 394 Wlrkung, und es wird in der i Form gegen ihn verfahren. Iſt gleichwohl die Ungehorſamshalber erfolgte Verurtheilung von der Art, daß ſie den buͤrgetlichen Tod nach ſich zteht, und waren von der Pollſtreckung des ContumazialUrtheils an zu rech⸗ nen, berelts fuͤnf Jahre verfloſſen, als der Angeklagte in Verhaft genommen wurde, oder ſich ſtellte, ſo behaͤlt dieſes Urtheil, nach PVorſchrift des Art. 3o. des Coder Napoleon für das Ber⸗ gangene alle die Wirkungen, welche der buͤrgerliche Tod nach Ablauf der fünf Jahre bis zu dem Tag, an welchem der Angeklagte vor Gericht erſchien, und in dieſer ganzen 3wiſchenzeit⸗ nach ſich dezogen baben würde. 38. Die allgemeine Konfiscation bleibt mit allen rechtmäſſigen Schulden bis zum Belauf des Werthes des konfiscirten Vermö⸗ gens belaſtet, ſo wie auch mit der Perbindlichkeit, den Kindern oder anderen Deszendenten die Hälfte des Vermoͤgens anszulie⸗ feru, deſſen der Vater ſie nicht hätte berauben könneu. Ferner liegt auf der allgemeinen Konſiscation die Laſt, denen, welchen dem Geſehe zufolge Alimente zukommen„ dieſelbe zu reichen. 39. Der Kaiſer ſoll uͤber ba6 lunfüzirte Bermögen, es ſeye nun zu Gunſten des Vaters, der Mutter oder anderer Aszen⸗ denten, oder zum Peſten der Wittwe, der Kinder, oder ande⸗ rer ehelichen, natuͤrlichen oder adoptirten Deszendenten, oder auch anderer Verwandten des Vernrtheilten, verfuͤgen konnen. Theil 1.§. 44. Nro. 5. S. 143. Ein Gutachten des Staatsraths vom 20 September 1809 fAnnal. derſGeſ. Nap. III. S. 118.] hat entſchieden, daß mau ſich, gemaͤß dem Art. 2 des PräliminarTitels des Coder Napo⸗ leon, welchem zufolge das Geſetz uur fuͤr die gukunſt verfuͤgt und keine ruͤckgreifende Wirkung hat, nach der Verfuͤgung desjenigen Geſetzes zu bemeſſen babe, unter deſſen Herrſchaft die Verurtheilung erlaſſen worden it; iuin ih daß man daher in Hinſicht auf ſolche Contumazialverurthei⸗ lungen, welche vor der Verkuͤndigung des Coder Napoldon erlaſſen utilmn worden ſind, die Verfüͤgungen des Geſetzes vom 16 September iet, m or ober des peinlichen geletns vom 3 Bramatre 4 zu nhut befolgen hat; n was aber ſolche Anklagen und Verurtheilungen betrift, wel⸗ tel,u che den bürgerlichen Tod nach ſich ziehen, und die ſeit der Ver⸗ b zu kuͤndigung des Coder Napoleon ſtatt gefunden haben, ſo ver⸗ iu fuͤgt der Art. 28, daß das Bermoͤgen auf dieſelbe Art und Angelu Weiſe wie das eines Abweſenden verwaltet werden ſoll, und, ni dem Art. 120 zufolge, haben die vermuthlichen Erben eines Abweſenden das Recht, die Einſetzung in den einſtweiligen Be⸗ ftniſi ſitz gegen Buͤrgſchaftsleiſtung in Anſpruch zu nehmen, woraus en Peni ſolat, daß die Domainenverwaltung verbunden iſt, alle nöthi⸗ nſihn ge Vorſcheitte zu thun, um das Vermögen und die Gerechtſa⸗ n me des Contumar uuter Sequeſter zu legen, und daß ſie daſ⸗ ſelbe bis zu erfolgter Beſitzeinſetzung der Erben zum Portheil t, denn, des Staates zu verwalten hat; eſilbe i daß enblich, ſowohl nach der dem Coder Napoleon vorheri⸗ gen Ordnung als ſeit demſelben, die rechtmäſſige Gläubiger ih⸗ ſ re Rechte auszuuͤben befngt ſind, nachdem dieſelbe von den⸗ en Tribunalien anerkaunt worden ſind, und daß die Berwaltung er ande⸗ den Frauen, den Kindern, und den Zeltern des Contumar„ n, falls ſie deren vedurftig— unterſitungen zu n befust iſt. he 53. Nro. r2. S. 86. 0, Einer Inſtructin des GrosRichters Miniſters der Gerechtig⸗ uj un keits Pflege vom 3 Junius 1307 zufolge ſind die Beamten des n Civilſtandes verbunden, wenn Jemand Mitglied der Ehrenle⸗ iif gion iſt/ dies in ſeinen Heuraths⸗und Sterbukten, ſo wie in irluu⸗ den Geburtslten ſeiner Kinder, zu bemocken. nn Th. I, 5. 34. S. 187. n pier ſ ſind folgende des veinlichen Geſetzbuchs nachzutragen: Art. zus. Diejenige, welche ſich des Raubes⸗ der Verheelung oder Unterdruͤckung eines Kindes, oder der Unterſchiebung eines Kindes fuͤr das andere, oder des Vorgebens, daß eine Frau ein Kind habe die nicht niedergekommen war, ſchuldig gemacht haben, ſollen mit der Einſperrung beſtraft werden. Die nemliche Strafe ſoll gegen diejenigen Statt finden, wel⸗ cen die Sorgfalt uͤber ein Kind anvertraut iſt, und die es den Perſonen nicht vorzeigen⸗ welche das Recht ben⸗ dieſe Vor⸗ geigung zu verlangen. Art. 346. Wer bei der Niederkunft einer Frau gegenwattig war, und die ihm durch den Art. 56. des Coder Napoleon auferlegte Auzeige, nicht in dem durch den Art 55. des nem⸗ lichen Geſetzbuchs beſtimmten Zeitraum gemacht haben wird, koll mit einer Gefaͤngnißſtrafe von ſechs Tagen bis ſechs Mona⸗ ten, und mit einer Geldbuſſe von ſechszehn bis deeibunden Franken belegt werden. Art. 347. Wer ein neugebornes Kind gefunden, und es ait dem Beamten des Civilſtandes zugeſtellt haben wird, wie es der 58. Art. des Coder Napoleon vorſchreibt, ſoll mit den im vor⸗ ſtehenden Artikel enthaltenen Strafen belegt werden⸗ Die gegenwartige Verfügung iſt auf denienigen nicht anwend⸗ var, welcher eingewilligt haben wuͤrde für das Kind zu ſorgen⸗ und ſeine desfallſige Erklärung vor der Munizipalitat 5 hitte, wo das Kind gefunden worden. Art. 343. Diejenigen, welche ein Kind unter ſeben Jahren, das ihrer Sorgfalt uͤbergeben oder ihnen aus ſonſt ei⸗ ner Urſache anvertraut geweſen, in ein Verpflegungshaus ge⸗ pracht hätten, ſollen mit einer Einkerkeruns von ſechs Wochen⸗ bis ſechs Monate und mit einer Geldbuſſe von ſechszehn bis fünfzig Franken beſtraft werden. Es ſoll jedoch keine Strafe ausgeſprochen werden, wenn Nie⸗ mand für die Nahrung und den Unterhalt des Kindes geſorgt hatte, und ſie nicht unentgeldlich dafur zu ſorgen ſchuldig unren oder ſich dazu verbunden hatten⸗ hel ſut hun hehn, eu, heh e eſehn nwitiz polen e pith Monn un es nict wie im vor egen, emaqt polen ſt ih 1s ge⸗ ochen bis 1M u 6 397) Art. 349. Diejenigen, welche ein Kind nuter ſieben vollen an einem einſamen Orte ausgeſetzt und verlaſſen, und diejenigen, w welche den Vefehl ertheilt haben werden, es alſo aus⸗ zuſetzen, ſollen, wenn dieſer Befehl vollzogen worden, bloß da⸗ fuͤr mit einer Einkerkerung von ſechs Monaten bis zwei Jahren, und mit einer Geldbüſſe von ſechszehn bis weihundert Snte beſtraft werden. Art. 350. Die in vorſtebendem Artikel ausgedrhat⸗ Strafe, ſoll gegen die Vormuͤnder oder Vormuͤnderinnen, Lehrer oder Leh⸗ rerinnen des durch ſie, oder auf ihren Befehl, ausgeſetzten und verlaſſenen Kindes, in einer Einkerkerung von zwei bis fuͤnf Jahren, und in einer Seni von fuͤnfzig bis vierhundert Franken beſtehen. Art 351. Sollte als Folge der in den Art. 349 und 350 vorgeſehenen Ausſetzung und Verlaſſuug das Kind verſtuͤmmelt oder kruͤppelich bleiben, ſo ſoll dieſe That ſo angeſehen werden als wenn die Perſon, die es ausgeſetzt und verlaſſen hat, es frei⸗ willig verwundet hätte; und wenn der Tod erfolgt, ſo ſoll die That als ein Mord betrachtet werden. Im erſten Falle ſollen gegen die Schuldigen die auf freiwillige Verwundungen geſetz⸗ te Strafe, und im zweiten Falle die des Mords erkannt werden. Art. 352. Diejenigen, welche ein Kind unter dem uuer von vollen ſieben Jahren, an einem nicht einſamen Hrte ausgeſetzt und verlaſſen haben, ſollen mit einer Einkerkerung von drei Mo⸗ naten bis zu einem Jahr, und mit einer Geldbuſſe von ſechs⸗ zehn bis hundert Franken beſtraft werden. 353. Das in vorſtehendem Artikel vorgeſehene Vergehen ſoll mit einer Einkerkerung von ſechs Monaten bis zwei Jahren, und mit einer Geldbnſ⸗ von funf nnd zwanzig bis zweihundert Franken beſtraft werden, wenn es durch die Vormünder oder Vormuͤnderinnen des Kindes, deſſen ener oder Lehrerinnen begangen worden. SRAr (398) Th. I.§. 64. S. 227. Man hat zur Ergänzung der daſelbſt aufgeſtellten Grunz⸗ ſaͤtze folgende Verfuͤgungen des peiulichen Geſetzbuchs nachzu⸗ tragen: Art. 192. Dle Beamten des Civilſtandes/ welche ihre Akte auf fliegende Blätter etugetragen haben, ſollen mit einer Ge⸗ fungnißſtrafe von einem Monat wenigſtens und koöchſtens drei Monaten, und einer Geldbuſſe von 16 bis 200 Franken belegt werden. Art 193. So oft, dem Geſeße zufolge, die Einwilligung der Aeltern oder ſonſtigen Perſonen zur Gültigkeit einer Ehe erfor derlich iſt, und der Beamte des Civilſtandes ſich uͤber die Eri ſtenz dieſer Vewilligung nicht verſichert hat, ſoll derſelbe mit einer Geldſtrafe von 16 bis 300 Franken, und einer Gefängnißſtrafe von wenigſtens 6 Monaten und höchſtens einem Jahr belegt werden. Art. 194. Eben ſo ſoll der Beamte des Civilſtandes mit einer Geldbuſſe von 16 bis 300 Frarken belegt werden, wenn er vor Ablauf der durch den Art. 223 des Coder Navoleon vorgeſchrie⸗ benen Friſt den HeurathsArt einer Frau, welche fruher bereits war, aufgenommen hat. Art. 193 Die durch die vorhergehenden Artikel gegen die Beam⸗ ten des civilſtandes verhaͤngten Strajen ſollen auch dann gegen ſie erkaunt werden, wenn gleich nicht auf Nullität der von ihnen aufgenommenen Akte geklast worden wäre, ſelbſt wenn dieſe Rulität gedeckt ſein ſolltez alles den ſchärfern Strafen ohnbeſcha⸗ det, welche fuͤr den Fall einer Colliſion verhangt ſind, ſo wie auch deu im Litel W des erſten Buchs des Coder Napoleon anthal⸗ tenen PonalPerfügungen ohubeſchadet. Th. 1.§. 68. S. 245. Wer in den Banden der Ehe befangen iſt, und vor Auflößung dieſer Ehe eine zweite eingeht, ſoll mit der Strafe angeſtteng⸗ Ler Arbeit auf eine Zeitlang belegt werden. Der Beamte des Civilſtandes welcher, von der Eriſtenz der eſten Ehe untetrichtet, ſein Amt kür den Abſchluß der zwelten iila n iiu uh elte iuh nuit inz⸗ tju uln i lizu et khe in über bie ij ilbe nitin zuißſtuſtn lezt nerhu. es mit ein wenn er wotyeſchti⸗ iher bereit bie demn⸗ n gegen ſ. von ihne wenn dieſ uhuleſt ſo vie u u Mt Mijn du muhn 399) dergeliehen hat, ſoll zu derſelben Strafe verurtheilt werden. (Art. 340 des peinlichen Geſebbuchs ·) Th. 1.§. 65. No. 5. S. 249. Nachſtehende Verfugungen des peinlichen Geſetzbuchs ſind als Mittel, um den PVollzug der Beſimmungen des Soder Napoleon üͤber die Nothwendiakeit der ilterlichen Einwiligung zur Eh und die Ausubung der vaterlichen Gewalt, zu ſi ſi ven⸗ hier einzu⸗ ſchalten: Art 354. Wer mit zis oder gewalt Minderiiprige vird ge⸗ raubt haben, oder haben rauben laſſen, oder ſte von den Orten⸗ wohin ſie von denjenigen gebracht worden, deren Gewalt oder Leitung ſie unterworfen oder anvertraut waren, wird wegge⸗ lockt, beſeitigt oder an einen andern Ort gebracht baben, oder haben weglocken, beſeitigen oder wegbringen laſſen, ſoll mit der Strafe det Einſperrung beleat werden. 6 art. 335. Iſt es ein Mäbchen, das noch nicht volle ſechszebn Jahre alt iſt, welches auf dieſe Art entführt oder weggebracht worden iſt, ſo beſteht die Sraß⸗ in auf eine beſtimmte Zeit. Art. 356. diu⸗ das Midcen, n noch niit volle ſechszehn Jahre alt war, in ſeine Entführung eingewihlat, oder wire es dem Entfuͤhrer freiwillig nachgefolat, ſoll ſoll dieſer doch, wenn er ein und zwanzig Jahre vder darüber alt war, zu Zwangs⸗ Arbeiten auf eine beſtimmte geit verurtheilt werden. War der Eutführer noch nicht ein⸗und zwanzig Jahre alt,„ ſo ſoll er mit einem Gefänoniſſe von zwei bis fünf Jabren be⸗ ſtraft werden. Art. 357. Im Falle der entfühter das entfuͤhrte Maͤdchen geheitathet hat, kaun gegen ihn nur auf die Klage derjenigen verfahren werden, die, dem Coder Napoleon zufolge berech⸗ tist ſind, auf die Nichtigkeit der Ehe anzutragen; auch darf er nicht eher verurtheilt werden, als wenn die Ehe 8 n⸗ tis erklaͤrt worden 8 8 2 — 40) Th. 1.§. 78. S. 322. No.. Wir finden uns beſtimmt, von der daſelbſt geäuſſerten Mei⸗ nung, als ob die in Trennung der Guͤter lebende Frau die Ve⸗ fugniß nicht habe, ohne Autoriſation ihres Mannes uͤber ihr Mobiliar Vermogen zu berfuͤgen, abzugehen. Die Verfuͤgung des Art. 1449 beſtimmt uns dazu, denn, ohngeachtet dieſer Ar⸗ rilel bloß von der Frau ſpricht, welche gerichtlich die Trennung der Güter erwirkt bat, ſo glauben wir doch nicht, daß man, ohneAntinvmie, zwiſchen den Wirkungen der bedungenen Trennung der Guͤter und der getichtlich ausgeſprochenen einen Unterſchied machen könne. Th. 1l.. 87. No 6. S 10. Das vvn Delvincourt zur Unterſtuͤtzung ſeiner am ange⸗ fuͤhrten Orte wlederlegten Meinung geltend gemachte und aus der Ermangelung einer Strafverfuͤgung abgeleitete Argu⸗ ment, iſt nunmehr durch die Verfuͤgung des Art. 194 des pein⸗ lichen Geſetzbuchs entkraͤftet. Th. Il. 5. 92. No. 9. S. So. Ben gegentheiligen Grundſatz hat ein urtheil des Appellhofs von varis vom 21 Julius 1809 aus dem Grunde aufgeſtellt, weil das ganze Verfahren durch den Coder tegulirt ſep, und zuſſer den daſelbſt vorgeſchriebenen gerichtlichen Handlungen kei⸗ ne andere Fitn könnten. Joinal du Palais, 1 1309, II. 5 69, 3 2b 1. J. ʒ. Rd. 3. litt. a S. 84. Auch müſſen ſelbſt in dieſem Falle zwei beſondere Urtheile er⸗ loſſen werden, don welchen das erſte die Klage zuläſſig erklaͤrt, und das zweite uber die Pertinenz und den Beweiß der artitu⸗ tirten Thatſachen erennt.(urtheil des Appellbofs von Angers vom 6 Maͤrz 1503, Sibeon carroer ee de jugemens 1309 p. 143. Th n.§. 97. No. 6, 7, 8, 9, 10. S. Iro. Die an dieſem Orte aufgeſtellte und entwickelte Grundſatze ſe e füzn ſ l ennu n tun ſti 1h h 6n hu lt und n leh eih irt, ſilu⸗ gei c i „ erleiden durch folgende Verfugungen des peiniichen Geſetzbuchs⸗ einige weſentliche Modifikationen: Art. 336. Der Ehebruch der Fran kann nur durch den Mann denunzirt werden; dieſe Befugniß fallt ſelbſt weg, wenn er ſich in dem von dem urt 339 vorgeſehenen Falle befindet. urt. 337. Wird die Frau des Ehebruchs uͤberfuͤhrt, ſo ſoll ſie mit einer Gefängnißſtrafe während wenigſtens drei Monaten und laͤngſtens zwei Jahren velegt werden. Der Mann behält immer die Befugniß, die Wirkung dieſer Perurtheilung zu hemmen, wenn er t ſeine Frau wie⸗ der zu ſich zu nehmen. Art. 333. Der Mitſchuldige der eteregetin ſoll mit etner Gefaͤngnißſtrafe von derſelben Dauer, und auſſerdem mit einer Geldbuße von hundert vis zwei tanſend Franken, belegt werdenz gegen denjenigen, welcher der Mitſchuld des Ehebruchs bezuͤch⸗ tigt iſt, iſt, die Faͤlle ausgenommen, wo er auf der That er⸗ griffen worden, kein anderer Beweiß zulaſſig als derjenige,„der ſich aus ſeinen Briefen oder e von ihm b„ Schriften ergeben mag. 13 Art. 339. Der Ehemann⸗ welcher in dem ehelichen Hauſe ei⸗ ue Konkubine unterhalten bat, und auf die Klage der Frau deſ⸗ ſen uͤberführt worden, ſoll mit einer Geldbuße von hundert Fran⸗ ken bis zweitauſend Franken belegt werden. Aus dieſen Perfützungen laſſen 2 e Folgen ab⸗ leiten: ) findet die Klage auf ctetru auch auſſer dem Falle der Eheſcheidung ſtatt In dieſem Falle wird ſie vor dem Zucht⸗ Polizey Gericht, in der durch das Geſetzbuch uͤber das Ver⸗ fahren im peinlichen Prozeß vorgeſchriebenen Form, ange⸗ bracht. Doch kann dieſe, durchaus verſonlich Klage, nie von Amtswegen erhoben werden; 2) Die zweite Verfuͤgung des Art. 337 findet in dem Falle ihre Anwendung nicht mehr, woun die Scheidung erkannk (402 N worden iſt, indem geſchiedene Ehegatten ſich nicht wieder vereinigen duͤrfen, wohl aber im Falle der Trennung von Tiſch und Vett, ſo wir in dem Falle, wo der Mann, ohne auf Scheidung oder ſelbſt auf die Trennung von Tiſch und Bett zu klagen, bloß auf Beſtrafuns des Ehebruchs geklagt haͤtte; 3) Den Fall ausgenvmmen, wo der Mitſchuldige des Ehebruchs der Fran auf eine durch den Art. 338 zulaͤſſig erklaͤrte Wei⸗ ſe der Mitſchuld uberfuͤhrt iſt, darf das ScheidungsUrtheil der Ehebrecherin die Ehe mit einer beſtimmten Perſon⸗ welche der Richter fuͤr den Mitſchuldigen ihres Ehebruchs zu halten geneigt waͤre, nicht verbieten, indem die aus dieſem Verbot herflieſſende Unfaͤhigkeit zur Ehe eine Ponalitat iſt welche die gerichtlich erwieſene Mitſchuld vorausſetzt. Th. n. 5. 10o. S. 130. Ein hoͤchſt merkwuͤrdiges Urtheil des Kaſſationshofs,(in mei⸗ nen Annalen der G. N. IW. B.) welches von der CivilSection am 3 Detober 1810 erlaſſen, und wodurch auf den von Amts⸗ wegen erlaſſenen Antrag des General Prokurators Merlin eine gegentheilige Eutſcheldung des Appellhofs von Lüttich zum Portheil des Geſetzes kaſſirt ward, hat entſchieden: 1) Daß, wenn in Hinſicht auf die Eheſcheidung mit gegenthei⸗ liger Einwilligung Vater und Mutter in ihren Meinungen ge⸗ thellt ſind, die Eheſcheidung nicht ſtatt finden kann, ſelbſt wenn der PVater ſeine Einwilligung dazu ertheilen ſollte; 2 daß die folgenden Erkldrungen, um dieſe Eheſcheidung zu verlangen, unter Strafe der Nullität, weder vor, noch nach Ablauf der erſten vierzehn Tage des vierten, füͤnften und zehnten Monats, von der erſten Erklärung an, abgegeben werden duͤrfen; 3) Daß die Ebegatten, welche i⸗ Eheſcheidung auf dieſem Wege erwirken wollen, ſich weder durch die freiwilige Ab⸗ theilung des in die Gemeinſchaft gehoͤrigen Mobiliar Per⸗ ——— wiede ug vo ſt m 1 kli ei te Wi⸗ zunil pelſn, ucht z dieſen titiſ, nei⸗ ecti Unt neine uhe⸗ en ge⸗ ſilſ te; u E ud eehn ijn ⸗ Per⸗ —— (403 0 mögens, noch durch den Umſtand, daß ſie die Immobel der⸗ felben ungetheilt mit Dritten beſitzen, der Verbindlichkeit entheben können, elu Inventarium und eine Abſchätzung ih⸗ res geſammten Vermoͤgens errichten zu laſſen. Th. U.§. 110. S. 201. Dem Art. 4 des Dekrets vom 28 Februar 1810,(Annalen der G. N. III. S. 251) zufolge, darf kein Geiſtlicher, welcher dlter als zwei und zwauzig Jahre aber juͤnger als 25 Jahre iſt, zur Prieſter Weihe zugelaſſen werden, bevor er ſich nicht üͤber die Einwilligung ſeiner Aeltern, nach Vorſchrift der Civil⸗ geſetze in Betreff der Ehe ſolcher Familienſohne, welche noch nicht fuͤnf und zwanzig volle Jahr alt ſind, ausgewieſeu hat. Th. II.. 111. S. 216. Die viterliche Gewalt, ſo wie die derſelben auklebende ee⸗ nußrechte, verliert ferner dasjenige der Aeltern, welches zu ei⸗ ner Zuchtpolizeyſtrafe verurtheilt worden iſt, als überführt, die Proſtitution oder die Corruption ſeiner Kinder beguͤnſtigt oder erleichtert zu haben. Art. 335 der peinlichen Geſetzbuchs. Th. ll. 5. 119. S. 277. Ein weiterer Fall der Interdietion iſt in Hinſicht auf dasjeni⸗ ge Individuum vorhanden, welches zu der Strafe angeſtrengter Arbeiren verurtheilt worden iſt; dieſe Interdietion tritt durch das urtheil, kraft des Geſetzes, ein, und wahrt ſo lange als die Strafe. Dem Interdizirten wird in derſelben Form, welche fuͤr die Ernennung der Vormuͤnder bet der gewoöhnlichen Interdiction vorgeſchrieben iſt, ein Curator ernannt, welchem die Verwaltung ſeiner Guͤter uͤbertragen iſt.(Art. 29 des peinlichen Geſetzbuchs.) Nachdem der Verurtheilte ſeine Strafe ausgeſtanden, wird ſein Vermoͤgen ihm ausgeliefert, und der Curator hat ihm Rech⸗ nung abzulegen.(Art. 30) Allein wahrend der Dauer der Stra⸗ fe darf ihm keine Summe Geldes, keine Proviſſon, kein Theil ſeiner Einkuͤnfte ausgehaͤndigt werden,(Art. 34. Dieſe Individuen ſind ferner, fuͤr immer, unfähig, Geſchwor⸗ (44 N ne, Erperten, Zeugen in offenrlichen Akten, zu werden, und vor Gericht Zeugniß abzugeben. Doch dürfen ihre Auſſagen, zur vloſſen Auskunft, augehört weden. Die Unfähigkeit, Geſchwor⸗ ner zu ſein, zieht die zu jeder öffentlichen Dienſtanſtellung nach ſich.(Art. 392 des Geſ uͤber das Verf. im peinlichen Prozeß.) Sie ſind unfähig zu jeder Vormundſchaft und Curatel, die ihrer eigenen Kinder ausgenommen, welche ſie nur kraft der Au⸗ toriſation des Familienraths verſehen konnen. Sie ſind des Rechtes verluſtig, Waffen zu tragen, und in den Armeen des Reichs zu dienen.(Art. 28 ebendaſ.) Tb. 1l. 5 140. S. 36. Der Art. 443 des Coder Napoleon iſt durch den Art. 28 des peinl ichen Geſetzbuchs näher beſtimmt und dahin modifizirt worden daß folgende Strafen die Unfahigkeit zur Vormundſchaft und Curatel nach ſich ziehen, nemlich die Verurtheilung zu an⸗ geſttengten Arbeiten auf eine Zeitlang(die auf Lebenslang ziebt den buͤrgerlichen Tod nac ſich) die Verbannung die Strafe der Einſperrung(reclusion und die des Prangers; Doch können zu dieſer Strafe Verurtheilte die Vormund⸗ ſchaft ihrer eigenen Kinder mit Einwilligung des Familien⸗ raths verſehen ⸗ Eben ſo muͤſſen von jeder Vormundſchaft und Curatel, ſo wie von jeder Theilnahme an einemamillenrath⸗ ausgeſchloſſen werden, waͤhrend zwei Jahren wenigſtens, oder fuͤnfen hochſtens: Jedes Individuum welches wegen Vergehen gegen die Sitten, und namentlich wegen Begünſtignng und Erleichterung der Ausſchweifungen und der Corruption zwiſchen jungen Leuten von einem oder dem andern Geſchlechte, unter ein und zwanzig Jahren, zu eiuer ZuchtPolizepſtrafe verurtheilt worden iſtz und während zehn Jahren wenigſtens und zwanzig Jahren hoͤchſtens: Die Aeltern, Pormünder, oder andere mit der Aufſicht uͤber Minderiihriae beauftragte Perſonen, welche ſolbſt die Aus⸗ —— —— ud w , M ſchwo⸗ nz n he el, det lu 23 be 8 difiit ſt und z uin nger; munb⸗ ilien⸗ ſo vi elden, itten, n de umn uni ni . le lus 6 405 5 ſchweifungen oder Corruption derſelben begunſtigt zu haben überführt ſind Art 334 und 335 des peinlichen Geſetzbuchs. Th. 1l. S. 143. 5. 134. No. 2. Doch ergiebt ſich ſowohl aus dem Umſtand, daß die Klage auf Eheſcheidung und die Klage auf Trennung von Tiſch und Bett parallelle Klagen ſind, unter welchen der Klaͤger die Wahl hat, als aus der Veſtimmung des Art. 210, daß die Ehegatten nach dem wirklichen Ausſpruch der Trennung von Tiſch und Bett nicht mehr zulaſſig ſein wuͤrden, eine ScheidungsKlage zu erheben⸗ ſelbſt nicht einmal wegen neuen Urſachen, ſo wie es in einem Urtheil des Appellhofs von Air vom 19 Junius 1810, 6Annal. der Geſ. Nap. 1v. Band ſehr triftig entwickelt wird. Th. ll.§. r47. S. 456. Ro. 7. Durch ein Urtheil vom 6 Junius 1810(CtvilSection) hat derCaſſationshof nach einer Verathſchlagung im Berathſchlagungs⸗ Zimmer entſchieden, daß eine ehedem gerichtlich ausgeſprochene Interdiction eines Verſchwenders durch die Berkundigung des Coder Napoleon nicht uubediugt aufaehoben, ſondern in ein Verbot, ohne Peiziehung des Beiſtandes kein Anlehn und keine Veraͤuſſerung zu machen, verwandelt worden ſei, welche Reduc⸗ tion ipso jure eingetreten ſei,„weil die Geſetze, welche den „Stand der Perſonen reguliren, das Individuum im Augenblick „ihrer Verkuͤndigung ergreifen, und ſeine Fähigkeit ſich, von „dieſem Augenblick an, nach ihren Beſtimmungen bemißt.“ CJournal du Barreau, seconde partie, 1311, I. p. a4. Th. 11.§. 151. No. 9. S. 413. Kann der Vormund den Minderjaͤhrigen in einer andern Re⸗ ligion als der ſeiner Aeltern erziehen laſſen? Wir glauben es nicht, eben ſo wenig, als er befugt ſein wuͤrde, ſich der von dem Pupillen bei reiferem Alter ſelbſt getroffenen Wahl eines Glau⸗ pens zu wiederſetzen. Th. 1l.§. 155, No. 14. S. 440. Wer ſich in dem, von dem Art. 464 vorgeſehenen Faſle, mit dem nicht autoriſirten Vormund eingelaſſen hat, iſt nachher unzuläſ⸗ ſia, die in dem Rechtsſtreit ergangenen urtheile wegen dem Ab⸗ gang dieſer Uutoriſation anzfechten. Uttheil des Eaſſations⸗ pofs 6 Section der Bittſchriften) vom 11 Dezember 1310. CJournal du palais, 1311 f. 216) Tb. U. S. 166. Ro.. S. 473. dpieſet Sat iſt in der att zu modifiten/ daß auch die Eman⸗ eipation des minderihrigen Handelsmanns wiederrufen wer⸗ den kann falls ſeine/ auſſer ſeinen Hundelsgeſciſten cauſwelde en ſo die veſinmuns des Ant. ut beſhuittt,) etedene⸗ ne Peryfüchrungen als ibermſig reduzirt worden ſein ſolten. Th. U.§. 167. S. 474. VNo. 5. Doch kann, da der Wiederruf der Emancipation kein Cyehinderniß begruͤndet, eine zweite Emancipatton vor erreich⸗ ter Poliährigteit wohl als acceſſotiſche Wirtuns einet ehelichen Perbindung eintteten. 3 6h. U. 8. 165. S. 475⸗ No. g. Hat jemand gegen einen emaucipirten Minderiaͤhri⸗ gen, oder einen gerichtlich erklärter BVerſchwender„ein Urtheil er⸗ wirkt, ſo muß er um die Appellationsſriſten laufen zu machen⸗ daſſelbe nicht allein dem Suktumbenten ſondern auch dem Curator ober gerichtlichen Beiſtande zuſtellen laſſen. Eine/dieſem lezten a l⸗ lein, geſchehene Signifikation wuͤrde dieſe Wirkung nicht haben⸗ weil der emancipirte Minderjährige oder der Verſchwender ſelbſt handelnd im Prozeß auftritt, eben ſo wenig als eine dem Suk⸗ tumbenten allein geſchebene Zuſtellung, denn da derſelbe ſich oh⸗ ne den Beiſtand ſeines Rathes dem Urtheil weber ausdrüc⸗ lich noch ſtillſcweisend nnterwerfen kann, ſo kann das urtheil durch ſein Stilſchweigen allein nie in Rechtskraft er⸗ wachſen.(Siehe meine Annalen der Geſetzs ⸗ Nap. II. 94. Eben daſelbſt findet man die intereſſante Frase erortert, ob die Civileintertetuns geten den Berſchwendet wegen ſolchen Pan⸗ nnu Laſuin de 1ih die eun tufen uu (auj nit itzezunt⸗ in ſeltn patin ji vor mu 2M ubeibt rihril e⸗ machen, Cutate ulten 4 ihthhn nder ſilbſ den Sub he ſchih⸗ zuidri⸗ lun bi⸗ uft L „ℳ w 6 47) delsſchulben ſtatt fide, welche er kontrahirt hatte, ehe ihm uoch ein gerichtlicher Beiſtand zur Seite geſetzt worden war?) Th. II.§. 169. p. 47. Als Anwendungs Beiſpiel der in dieſem Paragraph aufgeſtell⸗ ten Grundſätze fuͤhren wir ein Urtheil des Kaſſationshofs vom 3 October 180s an, welches entſchieden hat, daß der mit dem nicht insbeſonders autoriſirten Curator eines Abweſenden abge⸗ ſchloſſene CompromißAkt nichtig ſei. CJournal du Palais, 1309. T, p. 456‧0 Th. II. S. 470. 5. r49. No.. Man hat den daſelbſt aufgeſtellten Grundſatz nach einem Urtheil des Kaſſationshofs(Civil Section,) vom 16 Julins 1310, da⸗ hin zu modifiziren, daß die aus einem Juterdictions Urtheil hercieſſende Unfaͤhig⸗ keit dem Dritten, welcher mit dem Interdizirten kontrahirt hat, nur dann eingewendet werden kann, wenn das In⸗ terdictionsUrtheil in der von dem Geſetz vorgeſchriebenen Form verkuͤndigt und augeheftet worden iſt.(Jonrnal du Palais, 1811 I. p. 134) Pb..§. 197 S. 7. Seit dem Abdruck dieſes Vogens hat ein in der abtheilung, von dem VerwaltungsRecht, nachzutragendes Kaiſ. Dekret vom 15ten April 1311, Bull. 364. No. 6678, die Formalitäten be⸗ ſtimmt, welche PrivatPerſonen zu erfullen habeu, bevor ſie Holz⸗ fällungen in ihren eigenen Waldungen vornehmen duͤrfen, und die Unterlaſſung dieſer Formslitaͤten mit Geldbuſſen belegt⸗ 3 u ſa ter 5. 37. No. 6. Seite 112. Beiläufig glauben wir hier bemerken zu muͤſſen, daß der Auslaͤnder auch zur Rechtswohlthat den Guͤter Abtre⸗ tung nicht zugelaſſen werden kann, es ſei denn, daß ein beſonderer Vertrag ihm dieſe Wohlthat geſtatte.(Art. 705 des Geſ. uͤber das Verfahren im buͤrgerl. Prozeß.) Sodann iſt zu bemerken, daß die Schweizer,(Allianz⸗ Vertrag vom 4. Vendemaire 12) und Italiäner(De⸗ kret vom r5ten Februar 1906) durch beſondere geſetzliche Verfuͤgungen den Franzoſen in Hinſicht auf die Civi Rechte völlig gleichgeſetzt ſind. S. 40. S. 123, letzte Zeile. Nach dem Art. 3 der Konſtitution vom Jahr S, ſchalte man ein: Senatus Conſulte vom 26ten Vendemaire 11, und Iten Februar 1908(Annalen der Geſetzgebung Napoleons 1. 156) 5. 47. No. 4. Seite 137. Delvincourt, in ſeinen instituts de droit civil frangais, I. 14. hat den Unterſchied außer Augen gelaſſen, den man zwiſchen den Bedingungen, um Franzoſe, und um franzöſiſcher Staatsbuͤrger zu werden, zu machen hat, indem er ſagt: man wird Franzoſe, wenn man die For⸗ malitäten erfuͤllt hat, die erforderlich ſind, um dieſe Ei⸗ genſchaft zu erwerben. Dieſe ſind durch den Art. 3 der Konſtitutions Akte beſtimmt. Als Ausnahme von dieſer Regel fuͤhrt er die Verfügungen der Senatus⸗ — d— Conſulte vom 26. Vendemaite I1, und 13. Februar 1808 an. Franzoſe iſt der Ausländer, der ſich in dem an⸗ gefuͤhrten Falle befindet, ſobald er ſich mit Erlaubniß der Regierung in Frankreich niedergelaſſen hat; Staats⸗ buͤrger konnte er der Conſtitution vom Jahr 8 zufolge erſt nach 10 Jahren werden; aus beſonderer Veguͤnſtigung bewilligen ihm aber obige Senatus Conſulte jene Eigen⸗ ſchaft bereits nach einem Jahr. Dieſer Unterſchied iſt jedoch zur richtigen Verſtaͤndlichkeit des Art. 31 ſechr * 6 8 wichtig. §. 46. Art. 108 des Coder. Das Geſetz bedient ſich hier des Wortes curateur und nicht des Ausdrucks tuteur(Art. 5o5]) weil zur Zeit, als der Titel des Wohnſitzes dekreꝛirt ward, der von der Interdiktion noch nicht abgeſchloſſen war. . 55. Art. 59, 60 des Coder. Capitaine heißt der Kommandant eines betraͤchtli cheren SeeFahrzeuges; die Kommandanten kleinerer Fahrzeuge heißen maitres auf dem Ozean, patrons u dem Mit⸗ telmeer. Die Equipage Rolle iſt das geneichniß aller auf dem Schiffe befindlichen Perſonen, welches vor der Ab⸗ fahrt abgeſchloſſen wird⸗ Authentiſch ſind die von dem Art. 60 erforderte Ausfertigungen, wenn ſie von einem dazu qualifizirten Be⸗ amten,(demjenigen, der den Akt aufgenummen hat,) be⸗ glaubigt ſind. 5. 56. Uro. 9. Die Verfügung des Art. 170 iſt auf denjenigen Fran⸗ zoſen nicht anwendbar, der ſeinen wirklichen Wohnſitz im Auslande vhat und dennoch Franzoſe geblieben iſt.(. 41. No. Z. Litt. e) denn nach dem Art. 166 ſollen die Publi“ 190 a aubuf gatt⸗ ufole ſiun Eien icd ſ h uiit ti tion heten jelge Ni⸗ auf A⸗ derte Be⸗ be n U. d kationen im Wohnſit geſchehen; derjenige aber, der gar kei⸗ nen Wohnſitz in Frankreich hat kann auch daſelbſt keine Verkuͤndigung erlaſſen. 5. 58. Mo. 7. Seite 212. Bernardi, in ſeinem Commentaire sur la loi du 26 ventose 14,(titre du mariage) S. 35 findet zwiſchen dem Artikel 170 und qs einen Widerſpruch, und behaup⸗ tet, der erſte ſei nur an ſolchen Orten anwendbar, wo kein franzöſiſcher diplomatiſcher Agent befindlich iſt. Dieſe Behauptung iſt durchaus falſch. Siche 5 5. it 2* Seire 179). §. 68. No. 15. Seite 256. Durch ein Urtheil vom 6. März 1808 hat der Appell⸗ hof von Bruͤſſel die ehrfurchtsvolle Anfragen der Urſula Fruyt aus dem Grunde nichtig erklärt, weil der Notar, der bei der Zuſtellung des erſten Aktes nur die Mutter zu Hauſe traf, die Anfrage nur an dieſe, und die beide fol⸗ gende nur an den Vater gerichtet hatte.(Decisions notables de la Cour d'appel de Bruxelles, 1608 II. §. 74. No. 6. Seite 293. Pigeau, in ſeinen: e élémentaires du nouveau droit civil, I. 62. zählt den Abgang der EheVerkuͤndi⸗ gungen unter diejenige Irregularitäten, welche die Rulli⸗ tat der Ehe nie nach ſich ziehen können: la loi ne pro⸗ nonce pas la nullité, mais Jehlement une amende. Dieſe Behauptung ſtützt er auf den Art. 192. Wenn je⸗ doch der Art. 191 die Ehe, qui n'a point été contracté publiquement nichtig erklaͤrt, ſo iſt dies doch gewiß von derjenigen zu verſtehen, bei welcher die Verkuͤndigungen abſichtlich unterlaſſen worden ſind; der Art. 193 läßydaruͤber keinen Zweifel übrig, indem er ſagt: lors méme que ces — 0— rontranentions(die, von welchen im vorhergehenden Artikel die Rede iſt,) ne vergient pas juges Suplantes pour faire prononcer la nullit⸗ du mariage. Es giebt alſo Fälle, worin ſie hinlaͤnglich befunden werden können. . 78. No. 2, litt, b Seite 310. Doch hat der Appellhof von Paris burch ein urtheil vom 29ten May 1808 ein Urtheil des Tribunals erſter Inſtanz des SeineDepartements beſtätigt, welches den Mann ermächtigt hatte, ſeine Frau ſelbſt mittelſt körperlichen Zwanges zur Ruͤckkehr in ſeine Woh⸗ nung zu zwingen. Dieſes Urtheil iſt das einzige, welches ſo viel ich weiß, dieſen Grundſatz aufgeſtellt hat. Dage⸗ gen hat der Aphellhof von Agen in der öfters angeführ⸗ ten Sache Themines die Verfüͤgung des Urtheils erſter Inſtanz reformirt, wodurch das Tribunal der Vorſteherin des Penſionats, welches der Frau von Themines zum Aufenthalte während dem Prozeße angewieſen worden war, aufgegeben hatte, dieſe ihrem Manne auszuliefern:„An⸗ „geſehen, daß der Art. 274 das Tribunal von Marmond „nicht berechtigte, zu verordnen, daß die Vorſteherin der „Penſion die beſagte Philippeaurin die Häͤnde des be⸗ „ſagten Themines abzuliefern habe, wozu ſie durch „alle geſetzliche Zwangsmittel angehalten werden ſolle; „daß es ſich begnügen mußte, der beſagten Phi⸗ „lippeaux zu befehlen, zu beſagtem Themines „zuruck zu kehren ꝛc. 1c. Cineit Pon d . Lon t V Erſtes Zweites ſi Ditt⸗ 9 Veert d t Ein Zweite d Füuft ſ Schl Siten Ahti Ven de di Erſtes/ Erſtt lich Zweiter Dritzer Vierer in Finfte Secht u Zweites Gy uuht pon ſin l, i Uht un iſ wehe h ſ ninf ſin ie e hu. N s eih nhili un Poſchu rines ju vorden wu en„NM Farnond ſehein der de des b⸗ ſie dnh ten ſl gten hi henint Inhalts Regiſter. Seite Einleitung—————— 1 eſ Von der Stelle, welche der Coder Napoleon in dem allge⸗ meinen Syſtem der Geſetzgebung einnimmt 3 Zweiter Titel. Von den verſchiedenen Geſetzgebungen, welche bis zur Verkuͤndigung des Koder Napoleon in Frankreich be⸗ ſtanden haben———— 26 Erſtes Kapitel. Von demurſpruͤnglichen Rechte der Gallier 28 Zweites Kapitel. Von der erſten Einfuͤhrung des römi⸗ ſchen Rechtes in Gallien——— 30 Drittes Kapitel. Von den Rechten der Barbaren im All⸗ gemeinen, und der Franken insbeſondere Viertes Kapitel. Das franz. Recht unter den Koͤnigen der drei erſten Dynaſtieen bis zur WiederEinfuͤhrung des römiſchen Rechte———— 42 Erſter Abſchnitt. Franzöſiſches Recht unter den Königen der beiden erſten Dynaſtien—— Zweiter Abſchnitt. Von Hugo Capet(987) bis zur Wie⸗ derEinfuͤhrung des römiſchen Rechtes und der erſten Abfaſſung der GewohnheitsRechte—— 48 Fuͤnftes Kapitel. Von der WiederEinführung des römi⸗ ſchen Rechtes an bis zur Regierung Ludwigs XIV 58 Sechtes Kapitel. Von den Zeiten Ludwigs XIV bis zur Revol. 71 Siebentes Kapitel. Tranſitoriſche Geſetzgebung— 5 Achtes Kapitel. Die Geſetzgebung Napoleons— 76 Dritter Titel. Von den Geſetzen im Allgemeinen und ihrer Anwendung auf die CivilRechte— 42 82 Erſtes Kapitel. Von den Geſetzen im Allgemeinen ibid. Erſter Abſchnitt. Von der Promulgation und der verbind⸗ lichen Kraft der Geſetze—— ibid. Zweiter Abſchnitt. Von der Interpretation der Geſetze 88 Dritter Abſchnitt. Von der Folliſion der Geſetze 90 Vierter Abſchnitt. Von der Entſcheidung ſolcher Faͤlle, die in den Geſetzen nicht vorgeſehen ſind— Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Anwendung der Geſetze. Spechster Abſchnitt. Von der gegenſeitigen Kraft der Geſetze und der Conventionen———— Zweites Kapitel. Von der Anwendung der Geſetze auf die Civi Rechte—— 107 Koder Napoleon⸗ Erſtes Buch⸗ Perſonen Recht. Präliminartitel. Seite. Von dem natkrlichen und bärgerl. Zuſtande der Perſonen 179 Erſter Abſchnitt. Von den Perſonen— ibid. Zweiter Abſchnitt. Von dem naturl. Zuſtande der Perſonen 127 Dritter Abſchnitt. Von dem buͤrg. Zuſt.(Civilſt.) der Perſ. ibid⸗ Erſte Abtheilung. Von den ſtaatsblrgerlichen Verhaͤltniſſen 123 Zweite Abtheilung. Von den Familien Verhältniſſen 150 Vierter Abſchnitt. Von dem Wohnſis— 153 Erſter Titel. Von den Akten des Civilſtandes— 166 Erſter Abſchnitt. Allgemeine Grundſatze— ibid. Zweiter Abſchnitt. Von den GeburtsAkten— 187 Dritter Abſchnitt. Von den Heuraths Akten— 195 Vierter Abſchnitt. Von den SterbAkten— 213 Fuͤnfter Abſchnitt. Von Eheſcheidungs Akten— 217 Sechster Abſchnitt. Von AdoptionsAkten— 218 Siebenter Abſchnitt. Von dem Akt der Anerk. eines nat. K. 219 Achter Abſchnitt. Von Irregularitäten und Falſis in Akten des Civilſt., von Abaͤnd. und Berichtig. ſolcher Akte 2a1 Zweiter Titel. Von der Ehe——— 229 Erſtes Kapitel. Allgemeine Grundſätze— ibid. Ueberſicht der ältern franz. Geſetzgeb. in Betreff der Ehe 233 Zweites Kapitel. Von den Hinderniſſen der Ehe 243 Drittes Kapitel. Von Oppoſitionen gegen eine Ehe, und 6 Flagen auf Nullitaͤt der Ehe— Erſter Abſchnitt. Von dem Einſpruch(Opp.) gegen eine Ehe 268 Zweiter Abſchnitt. Von der Klage auf Nullität einer Ehe 275 Viertes Kapitel. Von den Wirkungen der Che 307 Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Ehe in Hinſicht auf die Ehegatten— 308 Zweiter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Ehe in Hinſicht auf die Kinder——— 327 Erſte Abtheilung. Welche Kinder gehören einer Che an? ibid. Erſte Unterabtheilung. Von welchen Kindern wird vermuthet daß ſie in der Ehe erzeugt worden ſind? 335 Zweite Unterabtheilung. Auf welche Art hat ein eheliches Kind, deſſen Civilſtand angegriffen wird, oder ihm be⸗ nommen worden iſt, ihn zu vertheid. oder zu reklamiren? 358 Dritte Unterabtheilung. Von der Legitimation auſſerehlicher Kinder durch die Ehe—— 37 Zweite Abtheilung. Von den gegenſeitigen Rechten und Ob⸗ liegenheiten der Aeltern und der Kindes 385 Zuſaͤtze. bit. Mſun 1 id Puſnm er urſ i hälniſnn 1 1 165 it. 1 4 ¹3 s m2) in lin n 3 6 e, und 26 ine Che 263 6h 27 30 hinſt 308 nſit n it⸗ mutht 335 helches in k⸗ min nhlih 6 n0h 36 . P —— 3 ————— —— ₰ .— ₰ 6 ſiſhſihtitſthuiihuihinßiuiiſ Oem 1 2 3 4 5 9 11 12 13 v— Blue Cvan Green vellow Red Magenta White Grey 1* Srey 2 SGrey 3 Srey 4 Bck —————