Materialien L. b zur 5 Geſchichte, Literatur, Beurtheilung, Erklaͤrung und Anwendung 8 des CoODE NaFrOL EON, dauptſächlich b zum Gebrauch der praktiſchen Rechtsgelehrten in Deutſchland. 41 Vom profeſſos Dabelow in Halle. Zweites Stuͤck. Halle bei Hemmerde und Schwetſchle. 1808. 1 — — Inhalt.— V. Zur Literatur des Code Napoléon Seite 95 4A. Legale Schriften des Code Napolon 5 a. Ausgaben: 1) Ausgaben der Projeete eines Code ciricad 85 .2) Ausgaben des Code Napoléon 100 .. Andere legale Schriften 10 . Doctrinelle Schriften: a. Franzoͤſiſche 102 5. Deutſche 4 3 105 VI. Zur Erklaͤrung des Code Napoléon. 1) Fortſetzung der Seite 38 abgebrochenen Bemerkan. gen uͤber den titre préliminaire des Code Napoléon 104 2²) Bemerkungen uͤber das erſte Kapitel des erten Ti⸗. tels des erſten Buchs des Code 118 Nachtrag zu dem Seite 133 erklaͤrten Artikel 14 148 Vn. Zur Anwendung des OCode Napoléon. 1) In wie fern laͤßt ſich eine verbindliche Kraft derje⸗„ nigen franzoͤſiſchen Geſetze, die außer dem Code Napoléon liegen, aber auf denſelben Bezug hahen, außer Frankreich in den Laͤndern, in welchen der Code Napoléon eingefuͤhrt iſt, annehmen? 150 4 1 Inhalt. 2) Von der Anwendung der einzelnen geſegliche Veiin mungen des Code Napoléon in außerfranzoͤſiſchen Laͤn⸗ dern uͤberhaupt 1 Seite VIII Zur Geſchichte des gode Napolton 1) Nachtraͤge zu I, r. 1 27 Nachtraͤge zu II. 5. IX. Zur Beurtheilung des Code Napoléon. 1) Nachtraͤge zu III, a. Rachſchrft 1 * 2) Widerſpricht ſich der Code epoben. Rotizen 8 153 256 159 3. . ——— (odé 29g ſim⸗ Lin⸗ deite 1 5 491 Zur Literatur des Code Napoléon. 4. De Literatur des Code Napoléon begreift theils die verſchiedenen Ausgaben der Projecte eines Code civil und des Code Napoléon ſelbſt, theils die Schriften in ſich, welche auf die Geſchichte, Be⸗ urtheilung, Anwendung und Erklaͤrung des Code Napoléon Beziehung haben. Wir werden bei dieſer Rubrik des Archivs die herkoͤmmliche Eintheilung in le⸗ gale und doctrinale Schriften beibehalten, in der An⸗ gabe der Literatur aber uͤbrigens eben ſo zwanglos wie bei den andern Rubriken verfahren, und in der Folge das mangelhafte zu ergaͤnzen ſuchen. 8. A.— ₰. Legale Schrifran des Code Napoléon. a. Ausgaben. 1) Ausgaben der Projeete eines Code ciril. I. Eine im Jahr 1725 Fäſchienene Geſaßſamumlung fuͤhrt den Titel: Heft II. 3 8 8 95 —— 3 Code frangçois, ou collection par ordre des matières des lois de la eᷣpublique Fgaprès le travail de la commiſſion de la claſſiſication des lois, et des discuſ= ſions des deuæ aonfeils, accompagneé der tables chronologiques et alphabe- tiques, ſous la ſurveillance des Repréè- fentans du peuple Cambacères et Oudot. 3 Wir haben die Ausgabe: Paris(Garnery) 1797. 8. vor uns, und koͤnnen noch nicht be⸗ ſtimmen, ob mehrere Ausgaben davon erſchienen ſind. Es iſt zwar eigentlich kein Project zu ei⸗ nem Code, als vielmehr eine Art von Code ſelbſt, findet jedoch hier am richtigſten ſeinen Platz. II. Der oben Seite 8 gedachte Entwurf, welcher nach dem 18ten Brumaire durch eine von dem damaligen erſten Conſul, jetzigem Kaiſer und Koͤnige, ernannte Commiſſion von vier Rechts⸗ gelehrten zu Stande kam, und am Iſten Plu⸗ vioſe des Jahres IX im Druck erſchien, erfuhr mehrere Ausgaben ſchnell hinter einander. Er fuhrt den Titeel 8 Profet de Code civil preſenté par la commaiſſton nommde par le Gouverne- ment, le 24. Thermidor an 8, fuivie d'une table alphabetique des matières. Wir haben die Ausgabe: Paris, Bordou- in, imprimeur du Corps législatifet du Tri- punat rue de Grenelle fauxbourg Germain Nr. 113, Garnery, libraire rue de Sei- ne, hotel Mirabeau. Germinal an IX. 3. voor uns, und behalten uns vor, von andern Ausgaben in der Folge Nachricht zu ertheilen. ordre lique on de liscuſ pagns hhabe- Repré- eg et ner) icht be⸗ chienen zu er⸗ Code ſeinen gelcher dem und echts⸗ Plu⸗ erfuhr Er ar l0 erne- ſuirie eres dou- u Tri- rmain e Hei- X. 9. andern ſen. 97. — 8 Voran geht der ſchon mehrmals gedachte Dis. cours préliminaire der Geſeßzrommiſſion, wor⸗ in ſie erklaͤrt, daß ein Arrété der Conſuln vom letztern 24ſten Thermidor die Miniſter der Ju⸗ 1 ſtiz beauftragt habe, ſie bei ſich zu verſammeln, „pour comparer Pordre Iuivi dans la re- daction des projets de Code civil publiés jusqu'à ce jour, déterminer le plan qu'il nous paroitroit le plus convenabſe d'adop- ter et discuter enfuite les principes baſes de C législation en matiére civile.“ Es iſt hier der rechte Ort, aus dieſem Dis- cours, ſo weit er naͤmlich das Verfahren der Geſetzeommiſſion im allgemeinen betrifft, einen kurzen zweckmaͤßi gen Auszug zu geben, um das⸗ jenige wuͤrdigen zu koͤnnen, was unter der Ru⸗ brik: Zur Beurtheilung des Code Na- poléon, in dieſem Archiv theils ſchon vorge⸗ kommen iſt, theil 8 noch vorkommen wird. „Bei der Eroͤffnung ihrer Conferenzen“(faͤh rt die Geſetzcommiſſion nach einer kurzen zweck⸗ maͤßigen Einleitung fort)„ſei ſie ſogleich von „der Meinung, die man auch jetzt allgemein fuͤr „ die richtige halte, ergriffen worden, daß bei „der Redaction eines buͤrgerlichen Geſe zbuchs „einige beſtimmte Verfuͤgungen uͤber jede Mate⸗ „ rie binreichten, und daß die groͤßte Kunſt darin „beſtehe, alles zu vereinfachen, indem man al⸗ 1 9.„ les vorausſehe. Alles zu vereinfachen, dies „ ſei eine Arbeit, uͤber die man ſich noch erſt naͤ⸗ „her verſtaͤndigen muͤſſe; alles vorauszuſehen, „dies ſei ein Ziel, das ſich unmoͤglich erreichen „laſſe.— Es beduͤrfe keiner uͤberfluͤſſigen Ge⸗ „ſetze, ſie wuͤrden nur die nothwendigen entkraͤf⸗ „ten und die Gewißheit und M gjeſtͤt der Ge⸗ 8. X 1 8 98 —.— „ſetzgebung eompromittiren. Aber ein ſo großer „Staat wie Frankreich, der zugleich ein acker⸗ „bautreibender und handelnder Staat ſei, und „ſo viele verſchiedene Gewerbe in ſich faſſe, koͤn⸗ „ ne auch nicht bei ſo einfachen Geſetzen als ein „armer und eingeſchraͤnkter Staat beſtehen. Das „ Zwoͤlftafelngeſetz der Roͤmer habe immer zum „Vorbild gedient, aber Rom habe auch bei ſtei⸗ „gender Cultur das Unzulaͤngliche ſeiner Geſetze „anerkennen, und ein neues Recht auf das an⸗ „dere zur Ergaͤnzung folgen laſſen muͤſſen; und „doch ſei die Geſchichte der roͤmiſchen Geſetzge⸗ „bung beinahe die Geſchichte der Geſetzgebung „aller Nationen.— In ganz despotiſchen „Staaten gebe es mehr Richter und Henker als „Geſetze.— Aber in Staaten, wo der Unter⸗ „than etwas zu erhalten und zu vertheidigen ha⸗ „be, wo er politiſche und buͤrgerliche Rechte ha⸗ „be, da werden erfordert: un certain nom- „bre des lois pour faire face à tout. Die „verſchiedenen Gattungen der Guͤter, die ver⸗ „ſchiedenen Arten der Induſtrie, und die ver⸗ „ſchiedenen Lagen des menſchlichen Lebens erfor⸗ „derten verſchiedene Regeln.— Aber der Geſetz⸗ „geber muͤſſe doch nicht, wie in den Geſetzbuͤ⸗ „chern der jetzigen civiliſirten Voͤlker geſchehen, „die Dinge ohne Noth vervielfaͤltigen, alles ge⸗ „nau beſtimmen, und endlich gar eine Logik des „Rechts machen wollen.— Sie(die Geſetz⸗ „commiſſion) habe keinesweges die Geſetze ſo „vereinfacht, das ſie die Buͤrger ohne Regel und „Garantie uͤber ihr wichtigſtes Intereſſe gelaſſen; „ſie habe ſich aber auch dagegen wohl vor dem „ gefaͤhrlichen Ehrgeitz in Acht genommen, alles „beſtimmen und vorausſehen zu wollen.— proßer acker⸗ und koͤn⸗ is ein Das :zum eiſte⸗ Häſee as an⸗ ; und ſetge⸗ ebung iichen er als Unter⸗ n ha⸗ ha⸗ om- Die ver⸗ ver⸗ erfor⸗ jeſeh⸗ ſehbuͤ⸗ hehen les ge⸗ ik des Heſet⸗ ehe ſo el und laſſen; r dem alle 1. 99 —.,— „ Moͤge man machen was man mn wolle, nie wuͤr⸗ „den die poſitiven Geſetze ganz den Gebrauch der „ geſunden Vernunft in den Begebenheiten des „Lebens erſetzen. Die Beduͤrfniſſe der Geſell⸗ „ſchaft waͤren ſo verſchieden, die Mittheilung „unter den Menſchen ſo thaͤtig, ihr Intereſſe ſo „vielfach, und ihre Beziehungen ſo ausgedehnt, „daß es dem Geſetzgeber unmoͤglich ſei, alles „durch geſetzliche Beſtimmungen zu umfaſſen. „ Selbſt in den Materien, die vorzugsweiſe ſei⸗ „ne Aufmerkſamkeit fixirten, ſei eine Menge „von Details, die ihm entweder entgingen„oder „ zu ſtreitig und zu veraͤnderlich waͤren, um den „Dext eines Geſetzes abgeben zu koͤnnen.—— „— BVei einem noch ſo vollſtaͤndigen Geſetzbuch „koͤnne es gar nicht fehlen„ daß bald tauſend „und abermals tauſend Faͤlle dem Richter vor⸗ „kaͤmen, an welche der Geſetzgeber gar nicht ge⸗ „ dacht, auch nicht denken koͤnne.— Eine Men⸗ „ge von Sachen muͤſſe daher dem Herkommen, „der Beurtheilung unterrichteter Maͤnner, und „ dem Arbitrium des Richters uͤberlaſſen bleiben. »Das Amt des Geſetzgebers ſei, von „einem hoͤhern Standpunkt aus die „generellen Maximen des Rechts zu „fixiren, und an Folgerungen reiche „Principien aufzuſtellen, nicht aber „ſich in das Detail von Fragen ein⸗ „zulaſſen, welche in jeder Rechtsma⸗ „terie etwa entſtepen koͤnnten. Dem „Richter und dem Rechtsgelehrten muͤſſe es uͤber⸗ „laſſen bleihen, in den Geiſt der Geſetze einzu⸗ „dringen, und die Anwendung in vorkommen⸗ „ den Faͤllen zu leiten, u. ſ. w.“ Man ſieht hieraus, daß ſchon von dem Pre⸗ —— „ 100 — 4— 1. jeck des Code aus die Idee reifte, wo möglich wieder eine Jurisprudenz, im Geiſte jener alten roͤmiſchen, zu wecken, und Rechtsgelehrte und Richter zu bilden, wie ſie ſich bei der roͤmiſchen Geſetzgebung gebildet haben. Von dem uͤbrigen Inhalt des Discours préliminaire wird in der Rubrik: Zur Erkloͤrung des Code Na- Poléon, die Rede ſeyn, wo man auch fort⸗ dauernd das Project mit dem Code verglichen finden wird.— Wir bemerken nur hier bei⸗ laͤufig uͤber die Ordnung des Projects noch fol⸗ deee Das Project hat i im allgemeinen dieſelbe Ein⸗ richtung wie der Code, nur daß in dem letztern aus dem mehrgedachten Livre prélimi- naire du droit et des lois ein titre pré- liminaire de la publication, des effets et de l'application des lois en général ge⸗ macht worden iſt. Naͤchſtdem fehlt in dem Project auch die Anzeige der Geſete,, aus wel⸗ chen die Materien genommen ſind. In der ſpe⸗ ciellen Einrichtung des Code iſt man auch her⸗ nach von der des Projects an mehrern Orten ab⸗ gegangen. Am beſten uͤberſieht man das, wenn man das Project mit dem Code durchgehends genau vergleicht. 2) Ausgaben des Code Napoléon. Man muß jetzt vor allen Dingen die aͤltern Aus⸗ gaben des Code von denen ſeit September des vorigen Jahres 1807, wo der Code, wie wir oben Seite 19 gezeigt haben, revidirt und hier und da abgeaͤndert worden iſt, unterſcheiden.— Im allgemeinen kann man die Ausgaben beider Codes, ſpoßl des aͤltern 8 öalich alten : und iſchen brigen in der Na. fort⸗ lichen er bei⸗ h fol 1 Ein⸗ etztern imi- prô. effets al ge⸗ n dem z wel⸗ erſpe⸗ h her⸗ en ab⸗ wenn ehendd Aus⸗ origen ite 19 indert kann ltern, und erſtern als des revidirten Code, 1) nach ihrem Urſprung in officielle und nicht-⸗offi⸗ cielle eintheilen, je nachdem ſie von der Regie⸗ rung ſelbſt oder von Privatleuten(Buch⸗ haͤndlern u. ſ. w.) beſorgt wurden; 2) nach ihrem Gehalte in ſolche, welche den bloßen Text lie⸗ fern, mit oder ohne Ueberſetzung in andern Sprachen, ſolche, welche von den Actenſtuͤcken, in welchen die Regierung den Geiſt des Code niedergelegt hat, begleitet ſind, und endlich ſolche, zu welchen die Herausgeber Nachweiſungen der Parallelſtellen, in Vergleichung des Code mit dem roͤmi⸗ ſchen und aͤltern franzoͤſiſchen Rechte, die Ergaͤnzungen durch kaiſerliche Decrete, auch eigene Bemerkungen hinzugefuͤgt haben Zu bemerken iſt I. daß die Ausgaben des revidirten Code alle na dem Geſetz vom zoſten Ventoſe des Jahres XII eeingerichtet ſind. Unter den Ausgaben des aͤl⸗ tern Code hingegen giebt es einige, bei welchen wegen ihrer fruͤhern Erſcheinung von dieſer Ein⸗ richtung noch kein Gebrauch gemacht werden konnte. II. Daß fuͤr den Praktiker jetzt blos die Ausgaben des revidirten Code, welche nach dem 7ten September 1807 erſchienen ſind, in ſo fern in Betrachtung kommen, als von Anwendung der in dem Code enthaltenen Beſtimmungen die Re⸗ de iſt. Die Ausgaben des aͤltern Code koͤnnen ihm nur in ſo fern wichtig ſeyn, als in ihnen der Code mit den Umgebungen der authentiſchen Accenſtuͤcke, der Discuſſionen u. ſ. w., imglei⸗ 5 102 —— chen in Vergleichungen mit dem äͤltern franzöſi⸗ en Rechte geliefert worden iſt. ſch te g(Die Fortſetzung im naͤchſſen Stuͤck.) db. Andere legale Schriften.. Iaication des changements faits au Code ærvil dans la nouvelle redaction decròtée par le corps législatif le 3. Septembre 1807 précd- dée du discours prononcé au corps législatif par Mr. Chabot et redigée par M. C. D. I. T.— Die vor uns liegende Ausgabe iſt ſchon die dritte bei Fréd. Buiffon, Paris 1808.— Die Schrift characteriſirt ſich ſchon durch ihren Titel, und kann von denen voͤllig entbehrt werden, die eine Aus⸗ gabe des aͤltern Code mit einer des revidirten zu ver⸗ gleichen ſich die Muͤhe geben wollen.— Weiter un⸗ ken in der Rubrik: Zur Geſchichte des Code Napoléon, ſollen zum Behuf des Praktikers die Veraͤnderungen genau angegeben werden, welche in dem revidirten Code Napoléon ſtatt gefunden haben. (Die Fortſetzung gleichfalls in den folgenden Stuͤcken.) B. Doctrinelle Schriften. * 4 d. 1 Franzoͤſiſche. 4 r) Obſervations ſur le Code Napoldon par Mr. Oli vien etc. à Carpentras, chez Ouenin, et à Paris, chez Garnery 18⁰7 8.— Code ze pr préco. ielatjf D.I. on di De und Aus⸗ Kver: er un⸗ Dode es die ſche in haben. ſden.) 103 — B— 2) L'ſprit des Inſtitutes de IEmpereur Ju- ſanue, conféns aveo des principes du Co- de Napoléon, enrichi des notes explica- tives et raiſonnées puiſées dans les loiıs du Digeſte, du Code et dans les Nauvel- les; par Mr. Desquinon, Jurisconlulte, Membre de IAcadémie de législation et des pluſieurs ſociétés Iitérajras. Paris, chez Renaudière 1807. Tom. I. 382 Seiten. Tom. II. 365 Seiten. 4. Nr. 1 enthaͤlt ſehr magere allgemeine Bemerkun⸗ gen uͤber den Code Napoléon. Nr. 2 iſt eine nicht ganz uͤbel gerathene Bedgleichung des Code mit dem roͤmiſchen Recht, die aber unter den legalen Schriften des Code um deswillen nicht aufgefuͤhrt werden darf, weil ſie in der Art des Schoͤmann ſchen Hand⸗ buchs geſchrieben iſt. b. Deutſche. Von den vielen in Deutſchland angekundigten Commentarien, Hand⸗ und Lehrbuͤchern uͤber den Code Napoléon, iſt uns zur Zeit erſt in Haͤnden: Erlaͤuterung der Civilgeſetzgebung Na⸗ poleons und Juſtinians, aus ſaͤmmtli⸗ chen Quellen und nach ihrem Subſidia⸗ ritaͤtsverhaͤltniſſe in Vergleichung mit dem preußiſchen Landrechte, vom Dr. Franz Schoͤmann. Erſtes Heft. Gießen und Wetkzlar bei Taſché und Muͤller 1808. 8. worauf wir bereits oben aufmerkſam gennacjt ba⸗ ben. Eine Recenſion davon ſteht in der halliſc en allgemeinen Literaturzeitung von dieſem Jahr Nr. 30, worrin ſehr richtig geruͤgt wird, daß der Verfaſſer bei 104 5 1 disſem Werke die Pandettenordnung gewaͤhlt hat, wo⸗ durch er ſ ch ſeine Arbeit ſehr erſchweren muf. (Die Fortſetzung in den folgenden Stücken.) 1 1 VI. Zur Erklaͤrung des Code Napoléon. I. — Fortſetzung der Seite 38 abgebrochenen Bemerkune gen uͤber den Titre préliminaire des Code Napoléon. Ma der Beſtimmung des Art. 2 des titre a prlimi- naire, daß Geſetze keine ruͤckwirkende Kraft haben ſollen, iſt es ſo ſtrenge zu nehmen, daß ſelbſt wirkliche Mißbraͤuche„die bisher ſtatt gefun⸗ den haben, wenn ſie nur als ein Gewohnbeitsrecht aͤußerlich angeſehen werden koͤnnen, in Ruͤckſicht der fruͤher darauf begruͤndeten Rechtshandlungen un⸗ angetaſtet bleiben muͤſſen. Portalis ſagt: que de- viendroit donc la liberté civile, ſi le citoyen pouvoit craindre, qu'après coup il ſeroit expo- 4 1é au danger d'etre recherché dans ſes actions ou troublé dans ſes droits acquis par une loi poſterieure? Lhomme, dui woccupe qu'un Point dans le tems comme dans l'eſpace, ſeroit un étre bien malheureux, Pil ne pouvoit pas ſe croireſen fureté, même pourI ſa vie paſſée; pour cette portion de ſon exiltence n'a t-il pas déjà, porté tout le poids de ſa deltin6e? Dans por. — SK auroit roacti lüss, r Na- ee alice, N. Wpole Mdch mnen. nach ſenei fhe Wift treuß füher t, wo⸗ keg.) I. rkute 6 limi. ende men, efun⸗ srecht cſicht u un⸗ e de- oyen xpo- tlons ne loi luun ſeroit as ſe pour déjà lor- 105 4—+— dre de la nature il r'y a d'incertain que l'ave- nir, et encore l'incertitude elſt alors adoncie par l'eſpérance, cette compagne fidèle de no- Par 1 8 tre foibleſſe. Ce ſeroit émpirer la triſte condi- tion de humanité que de vouloir changer par le ſyſtème de la législation le ſyſtéème de la na- ture, et de chercher pour un tems qui m'elſt plus à faire revivre nos craintes un tems, ſans pouvoir nous rendre nos eſpérances? Pour- quoi dirast on, laiflfer impunis des abus, qui exiſtoient avant la loi que l'on promulgue pour le reprimer? parce qu'il ne faũt pas que le remòde ſoit pire que le mal. Toute loi wait d'un abus. Il n'y auroit donc point de loi, qui ne dut ôtre re- troactif. Loin de nous l'idée de ces lois à deucx faces, qui ayant un oeil ſur le paflé, et lautre ſur l'avenir, desfécheroit la fource de la con. fiance et deviendroit un principe éternel d'in- juſtice, de bouleverſement et de désordre. Wenn man auf der einen Seite nach dem Code Napoléon keine ruͤckwirkende Kraft der Geſetze zum Nachtheil der nach aͤltern Geſetzen guͤltig unternom⸗ menen Handlungen annehmen kann, ſo hat man ſich auch wieder dagegen auf der andern Seite zu huͤten, eine ſolche ruͤckwirkende Kraft, zum Vortheil der nach fruͤhern Geſetzen unguͤltigen, zu behaupten. Eine Verfuͤgung, wie die im allgemeinen Landrecht fuͤr die preußiſchen Staaten, Einleitung§. 17, daß naͤmlich fruͤhere Handlungen, welche wegen Mangels der Foͤrmlichkeit nach den alten Geſetzen unguͤltig ſind, guͤltig ſeyn ſollen, wenn ſie nur die nach den neuern Geſetzen erforderlichen Foͤrmlichkeiten zur Zeit des dar⸗ uͤber entſtandenen Streites haben, iſt dem Geiſte des Code Napoléort durchaus zuwider, der hier mit 1969 Ausnahme der oben augegebenen Modiſicationen allein aus dem roͤmiſchen Rechte erklaͤrt werden muß. 7. Der dritte Artikel des titre préliminaire ent- haͤlt die hier ganz umgeſchaffenen Artikel 4 und 5 des livre préliminaire des Projects, und liefert Be⸗ ſtimmungen wegen der Anwendung und der Verbind⸗ lichkeit der Geſetze auf und fuͤr Fremde ſowohl als Ein⸗ heimiſche. Nach dem Proſect ſollten die Geſetze ohne Unterſchied(indiſtinctement) alle, welche das fran⸗ zoͤſiſche Territorium bewohnen, verbinden; der Frem⸗ de ſollte ſo gut wie der Einheimiſche wegen des Ver⸗ moͤgens ſowohl, das er darin beſitzt, als wegen ſeiner Perſon denſelben waͤhrend ſeines Aufenthalts unter⸗ worfen ſeyn. In dem Discours préliminaire des Projects finden ſich daruͤber folgende Aeußerungen: Nous avons déterminé les divers effets de la loi. Elle permet ou elle défend, elle ordonne, elle établit, elle corrige, elle punit ou elle ré- compenſe. Elle oblige indiftinctement tous ceux qui vivent ſous Ion empi- re; les étrangers mèême, pendant leur réfidence, ſont les fujets caluels des lois de l'Etat. Habiter le territoire, c'eft fe floumettre aà la ſouveraine- té.— Bei den Discuſſionen wurde aber dies abge⸗ andert, und erhielt der dritte Artikel die Faſſung, in welcher wir ihn jetzt im Code erblicken. Er enthaͤlt eigentlich eine dreifache Beſtimmung. 1) Die Geſetze der Polizei und der Sicherheit verbinden alle, welche das Territorium bewohnen. Das habiter le territoire erflaͤrt die oben 1 107 4— — 1,—. allei aus dem Discours préliminaire angezogene Stelle. Die Geſetzgeber ſind hier von dem Prin⸗ cip ausgegangen, welches man auch in Deutſch⸗ land von jeher angenommen hat, daß der, wel⸗ re e. cher ein Staatsterritorium betritt, dadurch ſchon 5au. temporaͤrer Unterthan des Staats werde.— Be Das Geſetz will daher nichts weiter ſagen, als rbind⸗ daß der Fremde eben ſo gut als der Einheimiſche 5Ei den Poltzei⸗ und Sicherheitsgeſetzen unterwor⸗ ohne fen ſei. fran⸗ 2) Die unbeweglichen Guͤter, ſelbſt Fem die, welche Fremden gehdren, wer⸗ Vr⸗ den von dem franzöoͤſiſchen Geſetz ſeiner regiert. unter So lautet die Beſtimmung des Ge eſetzes, wenn e des man mit Laſſaulx woͤrtlich uͤber ſetzt. Spiel⸗ mgen: mann uͤberſetzt nicht woͤrtlich, ſo: Ueber unbe⸗ de n wegliche Guͤter, ſogar uͤber die, welche Auslaͤn⸗ nne dern gehoͤren, wird nach dem franzoͤſiſchen Ge⸗ ert. ſſetz geſprochen.— Daß dieſe Ueberſetzung einen ganz andern Sinn giebt, als die woͤrtliche, wird nen! wohl Niemand in Abrede ſtellen.— Wir ha⸗ In ben uns zuvoͤrderſt aus den Discuſſionen zu erin⸗ der nern, daß hier ſowohl als bei der folgenden Be⸗ des ſtimmung lediglich von Civilgeſetzen die Rede iſt. dle, Bei Auflage⸗, Beſteuerungs⸗Geſetzen u. ſ. w. er⸗ dine. gliebt ſich älles von ſelbſt.— Richtig verſtanden, Sbh perordnet der Code, daß das unbewegliche Verr 9, m mdgen eines Fremden, ruͤckſichtlich der Eivilver⸗ enthält aͤltniſſe, als der Erbfolge, der Befugniß dar⸗ uͤber zu verfuͤgen, u. ſ. w., nach franzoͤſiſchen Ge⸗ der ſetzen gleich dem der Einheimif ſchen beurtheilt wer⸗ elche dden ſoll, verſteht ſich von ſelbſt das unbewegliche Vermoͤgen, das die Fremden unter franzoͤſiſcher obobech Herrſchaft beſitzen. Da das Geſetz ſich des Aus⸗ 108 — 8 drucks: immeubles, ganz allgemein bedient,„ſö. muß auch dieſe Verordnung von allen Sachen verſtanden werden, die nach Art. 517 folg. zu den immeubles gezaͤhlt werden.*) Auf das bewegliche Vermoͤgen des Fremden, wie im Project vorgeſchlagen war, darf dieſe Verfuͤgung nicht extendirt werden. Bei dieſer Beſtimmung des Code kann es ſich nun treffen, daß einem Fremden auf verſchie⸗ dene Weiſe ſuccedirt wird: in Anſehung der un⸗ beweglichen Guͤter, welche in Frankreich oder in Laͤndern liegen, in welchen der Code Napo- 16on eingefuͤhrt worden iſt, nach den darin ent⸗ haltenen Beſtimmungen, und in Anſehung ſei⸗ nes uͤbrigen Vermoͤgens nach den Geſetzen ſeines . Wohnorts. Die Folge davon i t daß, wenn ein Fremder, der in Frankreich oder in einem Staate, worin der Code Napoléon eingefuͤhrt worden iſt, un⸗ bewegliches Bermdaen beſitzt, ſtirbt, ſeine Er⸗ „ ben, welche dies Vermoͤgen verlangen, ſich erſt legitimiren muͤſſen, und daß es ihm zu nichts hil ft wenn ſie ſich auch als ach den Geſetzen ) Augnahmen duͤrften jedoch ſtatt finden in Abſccht der Ar⸗ tikel 326 zu den immeubles gezaͤhlten Rechte, in ſo fern naͤm lich dieſe Rechte nicht an Gegenſtaͤnden ſtatt finden, die im franzoͤſiſchen Gebiete oder in einem Staa⸗ e gelegen ſind, worin der Code Napoléon eingefuͤhrt wor⸗ den iſt.— Ueberall iſt von Art 517 526 die Theorie von Bupbeweglichen, beweglichen, Haupt; und Nebenſachen zuſam⸗ mengeworfen, und es doͤrfte noch immer die Frage bleiben: ob unter immeubles im Art. 3 alle die Sachen zu begrei⸗ fen ſind, welche nach Art. 517 folg, zu den immenbles ge⸗ kechnet werden. Da indez weder die Discuſſionen noch die Geſetze felbſt daruͤber eine Auskunft geben, ſo halte ich da⸗ faͤr, daß man die allgemeinen geſetzlichen Veshunminden über immeubles auch hier anwenden muͤſſe. als nach dem Code Napoléon zulaͤſſige Erben „ 199 1—.— ee, des Wohnorts zulaͤſſige Erben legitimiren woll⸗ d. ten, wenn die dortigen Geſetze den Beſtimmun⸗ 11 gen des Code widerſprechen ſollten.— Da⸗ untden gegen muͤſſen auch wieder diejenigen zugelaſſen f diſ werden, die nach dem Code ſucceſſionsfähig ſind, wenn ſie gleich nach den Geſe ſetzen des Wohnorts 3 nicht faͤhig ſeyn ſollten. onn e Es gruͤndet ſich dieſe Beſtimmung des code vrſchi⸗ auf das in der alten franzoͤſiſchen Inrisprudenz der in⸗ gaͤng und gebe Princip: mobilia oſlibus per- derin ſonae inhaerent, wogegen die Immobilien Napo durchweg auch in Abſicht der Erbfolge nach den in en⸗ Geſetzen des Orts, wo ſie belegen ſind, beur⸗ ng ſx theilt werden. Man kann daher das SSes nicht ſens. mit der Eiſchränkung verſtehen, a ls rede es blos von den Rechten des Fremden, temdet, uͤber ſein unbewegliches Eigenthum worin zu verfuͤgen, es zu verpachten, zu verkaufen, ſt, n. zu verſchenken, daruͤber Anordnungen unter den ine Er⸗ Lebendigen und des Todes wegen zu treffen, den ſich eit in Frankreich wurde von jeher der Ausdruck: la eErtan loi régit, in dem Sinne genommen, in wel⸗ u richt chem wir ihn bei der Erkloͤrung des Geſetzes ge⸗ Geſezen nommen haben. Die Faſſung der dritten jetzt — gleich folgenden Beſtimmung, wo wieder das der Ä Wort régit im Originaltexte vorkommt, beſtäͤ⸗ ſt fern tigt auch unſere Erklaͤrung noch ſo zum leb berguß, AEh. diaß ſchwerlich etwas dawider eingewendet wer⸗ yrt wor⸗ den koͤnnte. 1 3) Die Geſetze, welche den Zuſtand und lleiben: n die Faͤhigkeit der Perſonen betref⸗ teeen ffen, regieren die Franzoſen, ſelbſt noch die woenn ſie ſich auch in fremden Laͤn⸗ Lich dar dern aufhalten. nnungen So nach der woͤrtlichen Ueberſetzung. Nach 110 einer freiern, z. B. mit Spielmann u. a., erſtrecken ſich die Geſetze in Betreff des Stan⸗ des und der Rechtsverhaͤltniſſe der Perſonen auch auf diejenig en Franzoſen, die ſich im Aus⸗ lande aufhalten.— Daß die freiern Ueberſet⸗ zungen nicht immer die richtigſten ſind, zeigt die⸗ ſe.— Das Proſect wollte auch die Fremden waͤhrend ihres Aufenthalts in Frankreich an die franzoͤſiſchen Geſetze, weſche uͤber den Zuſtand und die Faͤhigkeit der Perſonen verfuͤgen, gebun⸗ den und ſie darnach beurtheilt wiſſen. Aber bei den Discuſſionen wurde man einig, daß ein Fremder oder Auslaͤnder den Civilgeſetzen uͤber den Zuſtand der Perſonen durchaus nicht unter⸗ worfen werden koͤnne, ſondern der Einheimiſche ihnen ausſchließend unterworfen ſei, dagegen aber auch ſelbſt fuͤr einen im Auslande ſich auf: haltenden Franzoſen dieſe Unterwuͤrfigkeit fort: dauernd angenommen werden muͤſſe.— Der eigentliche Sinn des Geſetzes im Zuſammenhan⸗ ge mit den vorhergehenden Beſtimmungen iſt alſo der: den Geſetzen, welche uͤber den Zuſtand und die Faͤhigkeit der Perſonen verfuͤgen, ſind die Fremden nicht, ſondern nur die Einheimiſchen oder wirklichen Franzoſen unterworfen, und blei⸗ ben ihnen unterworfen ſelbſt auch dann, wenn ſie im Auslande ſich niedergelaſſen haben ſoll⸗ ten.— Das méme rélidant en pays étran- ger iſt hier ſehr bedeutend. Es iſt nicht blos voon Franzoſen die Rede, die ſich auswaͤrts aufhalten, ſondetn auch von ſolchen, die ſich auswaͤrts niedergelaſſen und angeſiedelt haben, ohne daß ſie aufgehoͤrt haͤtten, Franzoſen zu ſeyn. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß dieſe Beſtim⸗ ſi i d deutc u dn uuttn. der ha w Ne, nes ds ſch dn fomn Vien dree d bee por ler, p Vin. u. a, Stan⸗ ſonen Aus⸗ berſet⸗ gt die⸗ emden an die uſtand gebun⸗ zer bei ß ein uͤber unter⸗ miſche agegen auf⸗ fort⸗ Der nhan⸗ ſ alſo d und nd die niſchen ad blei⸗ wenn n ſol tran⸗ ht blos wärts e ſch haben, nioſen eſtims 8 8 8 1 5 4 111 —— 1 mung des Code Napoléon das Ausland, wo ſich der Franzoſe aufhielt, nicht verbinden kann, ſondern blos fuͤr Frankreich, in ſo fern dort der 3 Zuſtand und die Faͤhigkeit der Perſonen bei ei⸗ nem im Auslande ſich befindenden Feanzf en in Betrachtung kommt, verbindl lich iſt, ſo daß z. B. 64 der franzoͤſiſche Richter nur die egle 3 Willens⸗ voerordnung u. ſ. w. eines ſolchen fuͤr guͤltig anneh⸗ men kann, wenn er nach dem Code Napoléon faͤhig zu teſtiren war. Die Abſicht des franzoͤſiſchen Gouvernements bei dieſen Geſetzen ſowohl, als die Anwendung des Geſetzes in Laͤndern, worin der Code Na- Pan aate eingefuͤhrt worden iſt, fnder ſh leicht von ſelbſt. 8 Die Artikel 4 5 5 des titre préliminaire ſind ein paar ſehr wichtige Artikel, und verdienen um ſo mehr die Aufmerkſamkeit des Auslaͤnders, beſonders des deutſchen, als ihm aͤhnl iche Dispoſitionen in ſei⸗ ner Geſetzgebung noch wohl nicht vorgekommen ſeyn der Der vierte Artikel verordnet, wie ſchon oben beilaͤufig bemerkt worden iſt, daß der Richter, wel⸗ cher unter dem Wordvande des gaͤnz lichen Schwei⸗ gens, oder der Dunkelheit oder Unzul aͤnglichkeit eines Geſetzes, die Entſcheidung verweigern wuͤrde, als ſchuldig der denegirten Juſtiz ſoll verfolgt wer⸗ den koͤnnen. Es war dieſer Artikel der zwoͤlfte des fuͤnften Titels des lvre préliminaire im Project, 6 lautete da aber ganz anders, indem ſtatt: pourra étre pourfuivi comme coupable de déni de ju- ſtice, wie jetzt im Terte ſieht/ die Worte: ſe rend Heſt1 IH. 9 112 —— eoupable d'abus de pouvoir ou de deni de ju- ftice ſtanden. In der Sitzung vom 4ten Thermidor war auch dieſer Artikel, ſo wie der folgende, in der Art, wie beide im Project ſtanden, ohne Widerſpruch an⸗ genommen worden, und hatte Portalis dabei blos bemerkt, daß der Artikel keinen andern Zweck habe, als die Richter abzuhalten, ihre Entſcheidungen entweder ganz zu ſuspendiren, oder doch willkuͤhrlich aufzuſchie⸗ ben, dadurch, daß ſie an den Geſetzgeber referirten. Eben dieſer Portalis bemerkte bei den in einer an⸗ dern Sitzung folgenden Debatten uͤber den Artikel, daß man zwiſchen Civil⸗ und Criminalfaͤllen, mit Hinſicht auf richterliche Entſcheidungen, diſtinguiren muͤſſe. In Criminalfaͤllen koͤnne der Richter ſo nicht anders entſcheiden, als wenn das Geſetz eine Handlung, die als Verbrechen angeklagt worden, ausdruͤcklich zum Ver⸗ brechen gemacht, und daran eine Strafe geknuͤpft haͤt⸗ 1 te. In Civilfaͤllen ſei das anders: hier muͤſſe der Richter durchaus uͤber alle Faͤlle, die vor ihn gebracht wuͤrden, entſcheiden, und finde er in den Geſetzen kei⸗ ne Regeln fuͤr ſeine Entſcheidung, ſo muͤſſe er auf die natuͤrliche Billigkeit zuruͤckgehen. Roͤderer mein⸗ te, es werde doch dem Nithter zu viel eingeraͤumt, wenn man ihm erlauben wollte, uͤber einen Fall zu ent⸗ ſcheiden, uͤber welchen das Geſetz gaͤnzlich ſchwei⸗ ge; nur die doctrinelle Erklaͤrung der Geſetze, und die Entſcheidung in Gemaͤßheit dieſer Erklaͤrung, koͤnne man ihm geſtatten. Es gaͤbe Faͤlle von der aͤußerſten Wichtigkeit, und die ſelbſt in die politiſchen Ver⸗ haͤltniſſe eingriffen, woruͤber der Code ein gaͤnzliches Stillſchweigen beobachte, z. B. die Succeſſion eines Auslaͤnders.— Der Richter werde hier offenbar die Luͤcken ausfuͤllen muͤſſen, welche die Geſetzgebung ge⸗ laſſen haͤtte, wenn er doch in dergleichen Faͤllen erken⸗ nen ſollte, was ihm offenbar nicht gebuͤhre.— Die⸗ — ge ju. rmidor er Art, ich an⸗ ei blos be, als tweder uſchie⸗ erirten. der an- daß nſicht muͤſſe. anders mg, di m Ver⸗ yft haͤt⸗ ſſe der ebracht en kei⸗ auf die mein⸗ raͤum, zu ent⸗ ſchwei⸗ und die koͤnne A ußerſtn en Ver⸗ nzliches i eines nbar die ung ge⸗ erken⸗ Die⸗ *²) Siehe die— 1 c. 113 —..— A ſer ſehr wichtigen Erinnerung Roͤderers ungeachtet ging der Artikel durch, und meinte man, der Richter muͤſſe auch ſelbſt in dergleichen Faͤllen zu erkennen befugt ſyn„ und habe er das droit éerit und die allgemeinen Grundſaͤtze des Rechts fuͤr ſich, die ihn niemals ohne Auskunft laſſen wuͤrden.— Nur wurde auf den Vorſchlag von Cambacères ſtatt: ſe rend cou- pable etc.— Todtha c etre Pouplulrd as etc. ge⸗ ſett. Aus den Dieeuſſonen uͤber den Aritel ebele nun ſo viel, daß 1) den Richtern die doetrinelle Erklaͤrung der Ge⸗ ſetze durchaus frei gegeben iſt, und daß ſie dieſe allein bei ihren Erkenntniſſen zum Grunde legen muͤſſen, und zu keiner authentiſchen ihre Zußzucht nehmen duͤrfen; 2) daß kein Richter i in Civil fällen die Entſcheidung unter dem Vorwande, daß die Geſetze dunkel, oder unzureichend ſind, oder gaͤnzlich uͤber den Fall ſchweigen, verweigern darf, durchaus ent⸗ ſcheiden muß, und nicht erſt eine Beſtimmung voon der geſetzgebenden Behoͤrde einholen und ab⸗ warten darf. Bigot Preaméneu bemerk⸗ te bei den Debatten: qu'il eſt dangereux de bermettre aux tribunaux d'attendre une qu'ils men ont pas beſoin, parceque 88— rils trouvent toujours leur régle ou dans la loi écrite, ou dans les principes de T'équité naturelle; que par cette conſidé- ration le tribunal; de cafſation annulle pour cauſe de déni de juſtice et d'excès de Douvoika tous les jngemens⸗ de rs fere.— 114 Es ſoll alſo gar ein dieſem zuwider laufendes Ver⸗ fahren des Richters zur Caſſation berechtigen. 3) In Criminalfaͤllen hingegen iſt zwar auch dem Richter das Recht der doctrinellen Erklaͤrung zu⸗ ſtaͤndig, er darf aber nicht wie in Civilfaͤllen das Geſetz ergaͤnzen. In dem Art. 13 des Projects heißt es: Dans les matières criminelles, le juge ne peut en aucun cas ſuppléer a la loi. Zwar iſt nun dieſer Artikel nicht in den Code aufgenommen worden, aber man ſieht doch aus mit der vierte Artikel angenommen worden iſt. Denn auf die Erinnerung von Cambacé- res, daß die in Vorſchlag gebrachte Redaction dieſes Arrikels ſehr leicht zur Uſurpation der Tri⸗ bunaͤle uͤber die geſetzgebende Gewalt Veranlaſ⸗ ſung geben koͤnne, bemerkt Portalis unter an⸗ dern, daß in Criminalfaͤllen ſchon eine Ausnah⸗ me ſtatt finde.— Man kann annehmen, daß 1)) wenn durch das Geſetz eine Handlung nicht zum Verbrechen gemacht, oder doch die Strafe nicht beſtimmt worden, der Richter nach dem Geiſte des Code Napoléon nicht berechtigt ſei, vermoͤge der Analogie oder einer andern Quelle eigenmaͤchtig zu ergaͤnzen.— Und eben ſo we⸗ nig 2) wenn das Geſetz uͤber Gegenſtaͤnde des peinlichen Verfahrens ſchweigt, ſondern daß er in beiden Faͤllen zu der geſetzgebenden Behoͤrde ſeine Zuflucht nehmen und um Inſtruction bit⸗ ten muͤſſe.— 5 Ueberall duͤrften auch nicht blos in Anſehung der Ergaͤnzung, ſondern ſelbſt der gemeinen In⸗ terpretation der Geſetze, die Criminalfaͤlle nicht unter der Vorſchrift dieſes Artikels ſo ſtrenge als die Civilfaͤlle ſehen. Denn es fallen hier mehre⸗ — — den Discuſſionen, daß im Geiſte dieſes ArtikKels Wenen ſm gfſ 1 buct drenn et DJWaut drrinel Nionah Muten nes h aus tikels en iſt. acô⸗ daction er dri⸗ ranlaſ er au⸗ tsnah⸗ daß nicht ötrafe h dem ſgt ſei Quele ſo we de des daß ehorde on bir ſehung en In⸗ enicht ge als nehre⸗ d 115 —.— re Gründe weg, welche die Geſetzgeber beſtimmt haben, den Richter anzuhalten„in Civilfaͤllen durchaus vermöͤge der Interpeetalion zu ent⸗ ſcheiden. Der fuͤnfte Artikel enthäͤlt t eine Verfaͤgung uͤber einen in Deutſchland ganz unbekannten Gegenſtand. Es wird hier den Richtern verboten, vermittelſt allge⸗ meiner und reglementariſcher Verfuͤgungen uͤber die Faͤlle, die an ſie gebracht werden, zu entſcheiden. Um dies zu verſtehen„ muß man folgendes merken. Es gehoͤrte mit zu den vielen uſurpirten Rechten der alten franzoͤſiſchen Obergerichtshoͤfe, den Sinn der Geſetze durch abſtrakte oder generelle Interpretation zu fixiren, und ſelbige durch ſogenannte Arréèts de ré- glement zu ergaͤnzen. Sie uͤbten dadurch eine Art von geſetzgebender Gewalt aus, die um ſo gefaͤhrlicher fuͤr das gemeine Beſte wurde, als ſie dazu gemiß⸗ braucht wurde, das Recht zu beugen. Die National⸗ verſammlung unterſagte den Richtern d interpréter les lois et de réglementer. Man mißverſtand dies, und glaubte eine Zeit lang, dem Richter ſei das Recht der doetrinellen Geſetzerklaͤrung ganz genommen, da doch die Nationalverſammlung bei dem Verbote blos die oben ge⸗ dachten Arten der Geſetzerklaͤrung und der Fixirung des Sinnes der Geſetze im Auge gehabt hatte. Hier bei der Abfaſſung des Code wurde den Richtern nun ge⸗ ſetzlich und foͤrmlich das Recht der eigentlichen doetri⸗ nellen Geſetzerklaͤrung fuͤr einzelne ihnen vorkommen⸗ de Faͤlle zugeſtanden; die Ausuͤbung der alten Ge⸗ ſetzerklaͤrung u. ſ. w. hingegen eben ſo geſetzlich und foͤrmlich unterſagt, weil ſie zu Mißbraͤuchen fuͤhre und einen Eingriff in die geſetzgebende Gewalt entha al⸗ te. Der fuͤnfte Artikel will alſo ſo viel ſagen: der Nichhkter kann fuͤr 4 gegebene Faͤlle ſich des Rechts der doctrinell en Erkl arung und der Geſetz zerganöung be⸗ —————— ——————— 4 — ͦ—— 116 —— dienen, er darf aber nicht den Sinn eines Geſetzes ein⸗ mahl fuͤr allemahl fixiren oder Geſetze gar durch Arréts de réglement ergaͤnzen, und darnach fuͤr die Folge erkennen wollen.— Was ſich ehedem nur die Ober⸗ gerichtshoͤfe herausnahmen, das iſt bier nicht nur ih⸗ nen, ſondern auch allen Richtern unterſagt worden.— Allgemein paßt freilich die Verordnung nicht, denn nur die Obergerichtshöfe erlaubten ſich, wie Herr Spielmann richtig bemerkt hat, ſolche interpretati⸗ ve und reglementariſche Verordnungen zu erlaſſen, die in ihren Diſtricten befolgt werden mußten.— Fuͤr deutſche Staaten, in welchen der Code Napoléon eingefuͤhrt worden iſt, oder noch eingefuͤhrt werden wird, iſt der Artikel gar nicht brauchbar, weil ſein Gegenſtand darin ein unerhortes Ding iſt. Der ſechste Artikel des titre préliminaire ent-⸗ haͤlt eine unter den Juriſten ſehr bekannte und allge⸗ mein verſtandene Beſtimmung. Der Vorſchlag zu dem Geſetz war theils eingeſchraͤnkter, theils ausge⸗ dehnter, je nachdem man auf das Project zum Code, oder auf den Vorſchlag bei der Verhandlung ſelbſt Ruͤckſicht nimmt, gab auch einen ganz andern Sinn, und man kann alſo mit Recht, wie auch oben Seite 80 bemerkt worden iſt, ſagen, daß er, ſo wie er da ſteht, erſt neu hinzugekommen ſei. 1 à* In dem titre préliminaire des Code iſt uͤber fol⸗ gende Materien, die doch eigentlich hierher gehoren wuͤrden, nichts verfuͤgt worden. 1) Ueber Privilegien. Dies iſt ſehr natuͤrlich, da = 8Dÿ — — — 117 —— alle Privilegien der franzoͤſiſchen Verfaſſung zu⸗ ſwidder ſind. — 2) Ueber Gewohnheitsrecht, weil, wie oben aus⸗ gefuͤhrt worden, der Code allen aͤltern Rechten und auch den Gewohnheitsrechten die verbinden⸗ de Kraft entzogen ht. Es fragt ſich aber: kann denn neben dem Code nicht ein Gewohnheitsrecht von neuem entſtehen, da der Code nicht, wie das allgemeine Landrecht fuͤr die preußiſchen Staaten, verordnet, daß hin⸗ fuͤhro nicht auf Gewohnheitsrechte Ruͤckſicht ge⸗ noommen werden ſolle? Ich glaube unbedenklich. Fur die coutumes, welche ſich in der Folge et⸗ wa in Frankreich noch bilden ſollten, fehlt es nun zwar an geſetzlichen Beſtimmungen im Code Napoléon; indes thut das nichts zur Sache, da das roͤmiſche Recht hier ſo treffliche Entſchei⸗ dungsnormen an die Hand giebt. Es wuͤrde auch ſonderbar ausſehen, wenn ein Geſetzbuchh ſchon Normen fuͤr erſt kuͤnftig entſtehende Rechts⸗ inſtitute vorſchreiben wollte. 3) Ueber Abrogation der Geſetze.— Von einem eignen Ditel, welcher im livre préliminaire von dieſer Materie handelte, iſt in den Code auch nichts uͤbergegangen. Man nahm wohl an, daß ſich entweder alles ſchon von ſelbſt verſtehe, oder alles zur jurisprudence gehoͤre, die von dem Code ausgeſchloſſen blieb. In dem Project fin⸗ det ſich eine abrogation expreſſe und tacite. Die erſte iſt, quand elle(naͤmlich die Abroga⸗ tion) elt litteralement prononcée par la loi nouvelle. Die letztere, ſi la nouvelle loi renferme des dispoſirions contraires à cel- les des lois antérieures. Bemerkungen uͤber das erſte Kapitel des erſten Ti⸗ tels des erſten Buchs des Code. Es iſt in dieſem Kapitel von dem Genuß der Civil⸗ rechte die Rede. Der ſiebente Artikel, welcher hier an der Spize ſteht, iſt der vierte des Projects, und unabgeaͤndert beibehalten worden.— Die alte fran⸗ zoͤſiſche Geſetzgebung confundirte droits civils und droits politiques, und knuͤpfte die Ausuͤbung der ei⸗ nen ſowohl als der andern an die naͤmlichen Bedingun⸗ gen. Das ſollte aber durch die neue Geſetzgebung ver⸗ huͤtet werden, und dieſen Zweck hat nach Tronchet's Bemerkung der gegenwaͤrtige Artikel. Die Ausuͤbung der Civilrechte ſoll nach demſelben von der Eigenſchaft als Staatsbuͤrger(citoyen), die nur der Conſtitution gemaͤß erworben und erhalten werden kann, unabhaͤngig ſeyn. Der Auslaͤnder hat ſich daher in Frankreich eben ſo gut wie der Einheimi⸗ ſche der Civilrechte zu erfreuen, wie auch die folgenden Artikel noch deutlich beſagen. Nur die droits poli- riques koͤnnen ihm nicht zuſtehen, ſondern dieſe ſind privative Vorzuͤge des Staatsbuͤrgers.— Nach Art. 2 der Conſtitution vom Jahre g iſt je⸗ der in Frankreich geborne und wohnhafte Mann, der 21 volle Jahre alt iſt, ſich auf das Buͤrgerregiſter ſei⸗ nes Gemeindebezirks hat einſchreiben laſſen, und ſeit einem Jahre auf dem Gebiet der Republik gewohnt hat, franzoͤſiſcher Staatsbuͤrger. Ein Fremder wird franzoͤſiſcher Staatsbuͤrger, wenn er, nachdem er das Alter von 21 vollen Jahren erreicht, und ſeine Abſicht, ſich in Frankreich niederzulaſſen, erklaͤrt hat, ſich waͤh⸗ rend zehn nach einander folgender Jahre daſelbſt aufge⸗ halten hat(nach Art. 3 der gedachten Conſtitution). Der folgende achte Artikel: Jeder Franzo⸗ — , it Dlar wi ia ann ma ſteüt lnes tca ſe Iaag ſaa ur hender heircce grage diſ kukver tl1d e dan K droi nins daules la ſ a, d did werde umi Dwhran hmn der DWrinde. ia a en Ki, 3 Cioil: er hier und frau⸗ 6 und der ei⸗ gun⸗ J ver⸗ het's ſelben ), de halten er hat eimi⸗ enden 5z. poli⸗ ſeſd it je n, der ter ſei⸗ nd ſeit wohnt er wird er das bſich, waͤh⸗— aufge⸗ en). nzo⸗ 119 —— 1 ſe hat der Civitrechte ſich zu erfreuen, ſcheint wirklich uͤberfluͤſſig 6 ſeyn, und ſich von ſelbſt zu verſtehen. Indes verliert ſich dieſes Scheinbare, wenn man folgendes beherzigt. Es werden uͤberall in dem Kapitel: von dem Ge⸗ nuß der Civilrechte, wirkliche franzoͤſiſche Staatsbuͤr⸗ ger, Franzoſen und Auslaͤnder unterſchieden. Die er⸗ ſtern haben ſchon von ſelbſt die Civilrechte, obgleich ſolche uͤbrigens nicht von der Eigenſchaft eines Staats⸗ buͤrgers abhaͤngig gemacht worden ſind. Die letztern haben ſie nur, wie ſich hernach zeigen wird, unter Bedingungen. Aber von beiden ſind noch die Franzo⸗ ſen zu unterſcheiden, fuͤr die daher auch noch eine be⸗ ſondere Verfuͤgung in Abſicht des Genuſſes der Ci⸗ viſrechte gemacht werden mußte Nun entſteht die Frage: Wer iſt Franzoſe? Dieſe Frage wird in dieſem Artikel nicht ſowohl 3 beantwortet, als vielmehr vorausgeſetzt.— Der Ar⸗ tikel 1 des Projects lautete ſo: Toute perſonne née d. an frangçais et en France, jouit de tous les droits rélultans de la loi civile frangaiſe, à moins qu'il men ait perdu l'exercice par les cauſes d'après expliquées.— Bei den Verhand⸗ lungen uͤber dieſen Artikel ſchlug der damalige erſte Con⸗ ſul, jetziger Kaiſer r, vor, ganz allgemein zu verord⸗ nen, daß jedes in Frankreich geborne In⸗ dividuum auch als Franzoſe betrachtet werden ſolle, und dies Princip bei der Verord⸗ nung uͤber den Genuß der Civilrechte eines Franzoſen voranzuſtellen. Er empfahl ſolches beſonders von Sei⸗ ten der großen Nutzbarkeit, die es fuͤr Frankreich haben wuͤrde.„Wenn die(ſagte er) von einem Auslaͤnder in Frankreich erzeugten Individuen, deren es eine gro⸗ ße Menge giebt, die ſich in Frantreich niedergelaſſe n haben, nicht des vollen Genuſſes des franzoͤſiſchen Ei⸗ 7 120*— —2— vilrechts fobig ſeyn ſollen, ſo wird man ſie nicht der Conſeription und andern Staatslaſten unterwerfen koͤnnen. Bei der Abſtimmung, welche der erſte Con⸗ ſul daruͤber veranlaßte, wurde auch das von ihm in Vorſchlag gebrachte Princip genehmigt, und als Baſis des achten Artikels betrachtet. Wir muͤſſen alſo dieſen achten Artikel, mit Hin⸗ ſicht auf die daruͤber verhandelten Discuſſionen, eigent⸗ lich ſo leſen: Jeder Franzoſe hat ſich der Civilrechte zu erfreuen. Franzoſe iſt je⸗ des in Frankreich geborne Individuum (mag es von einem einheimiſchen oder fremden Vater ſeyn); denn das vom erſten Conſul vorgeſchl agene Princip iſt als Baſis des Artikels angenommen wor⸗ den. Es fragt ſich nur noch: wie ging es zu, daß man den Artikel ſo kurz und gewiſſermaßen unvollſtaͤn dig abfaßte? Die Verhandlungen ſiefern uns daruͤber das fol⸗ gende. Als das von dem jetzigen Kaüſen; in Vorſchlag gebrachte Princip genehmigt, und als Baſis des abzu⸗ faſſenden Artikels war anerkannt worden, ſchlug Bo v. lay vor, ſo zu redigiren: Toute perſonne née en France jouit des droits réfultant de la loi ci- vile frangaiſe, à moins qu'il men ait perdu lexercice par une des cauſes déterminées ci-après. Regnier hielt dafuͤr, daß es hinlaͤnglich ſei, wenn man ſetze: Taut individu nèé en France eſt frangois, das uͤbrige finde ſich von ſelbſt. Noch einen andern zugleich auf die folgenden Artikel mit ge⸗ henden Redactionsvorſchlag machte Regnaud de Saint-Jean d'Angely. Dieſe Verſchiedenheit der Meinungen beſtimmte den Kaiſer, die Redaction der Section der Geſetzgebung zu uͤberl aſſen ,„ welche den Artikel ſo faßte: Tout français jouira des droits civils rélultant de la loi kranqaiſe. Die letztern — —— — ihru han8 Nwte ſoh Kn miung fndys/ eweͤe ain de nan A In A auni mun D ſtru h ſeinem Kin Hüolten dad Jw t in dder Nn n wde dinneru Mitun immſe! UNanwi ſwign and unge nräͤſanne nente! cht dr werfen e Con⸗ ihm in BBaſis t Hin⸗ eigent⸗ ) der t je⸗ uum Vater lagene Boy⸗ de née loi ci- perdu ninées ſänglich francè Noch mit ge⸗ d de denheit daction he den Jroits ſetztern 121 —ſ— Worte wurden hernach bei der Conferenz mit dem Tri⸗ bunate ſupprimirt. So erhiel t der Artikel die Faſſung, welche er jetzt im Code hat, mit ſtillſchweigender Un⸗ terlegung des vom Kaiſer in Vorſchlag gebrachten Princips, das hier um ſo wichtiger iſt, als ohne daſ⸗ ſelbe weder wuͤrde beſtimmt werden koͤnnen, wer im Sinn des Code Napoléon Franzoſe iſt, noch die fol⸗ genden Artikel wuͤrden gehoͤrig verſtanden werden koͤn⸗ nen. Aber nicht allein durch dies Princip wird der Begriff eines Franzoſen vollſtaͤndig begruͤndet, ſondern es muß noch ein zweites hinzukommen. Dies enthaͤlt der zehnte Artikel, in deſſen er⸗ ſterer Parthie beſtimmt worden iſt, daß jedes von einem Franzoſen im Auslande erzeugte Kind(gleichfalls) fuͤr einen Franzoſen ge⸗ halten werden ſoll. Bei der Abfaſſung deſſel lben wurde darüber debat⸗ tirt ,ob die Beſtimmung des Artikels blos von eheli⸗ chen oder auch unehelichen Kindern zu verſtehen ſei. 8 Man nahm an, auch von unehelichen, vorausgeſetzt, daß die Paternitaͤt gehoͤrig conſtire. Tronchet 8 Erinnerung, daß denn doch auf jeden Fall die Vater⸗ ſchaft und Kindſchaft auf eine den franziſchen Oeibzen gemaͤße Art dargethan ſeyn muͤſſe, wenn das Kind als Franzoſe betrachtet werden ſollte, wurde Vaber ſtill⸗ ſchweigend adoptirt, woraus denn folgt, daß ein im dede gegen einen Franzoſen gefuͤhrter Schwäͤnge⸗ t rungsprozeß, wobei er auf gewoͤhnliche Anzeige fuͤr den praͤſumtiven Vater des Kindes zum Behuf der Ali⸗ mente und Abfindung erklaͤrt wird, das Kind noch nicht zu einem Franzoſen macht. In Grundlage dieſer beiden in dem achten Artikel ſtillſchweigend angenommenen, und in der erſten Parthie des zehnten ausdruͤcklich erklaͤrten Prin⸗ cipien ſind nun Franzoſen: 1) Alle in Frank⸗ 8 X 122 —— reich geborne Individuen, ſie mogen Franzoſen oder Auslaͤnder zu Vaͤtern ha⸗ ben. 2) Alle im Auslande geborne In⸗ dividuen, die Franzoſen zu Vaͤtern ha⸗ ben. Nichtig bemerkt Bertier, qu'on ne tient la qualité de français, que de deux circonſtances, ou de la nailſance fat le ſol de la république; ou de la naiflance d'un père frangais.— Auf die Mutter kommt folglich gar nichts an. Der neunte Artikel und die zweite Parthie des zehnten enthalten Beſtimmungen uͤber die Re⸗ clamationen, womit es die Bewandtniß hat: 1. Wenn nach der Vorſchrift des Geſetzes ſchon je⸗ des in Frankreich geborne Individunm von ſelbſt als Franzoſe betrachtet werden ſoll, ſo ſcheint es ein Widerſpruch zu ſeyn, wenn in dem neunten Artikel davon die Rede iſt, daß ein ſolches Indi⸗ viduum in Jahresfriſt nach erlangter Majorenni⸗ taͤt ſeine Eigenſchaft als Franzoſe ſoll reelami⸗ ren koͤnnen. Nach dem Geſetz iſt es ja ſchon Franzoſe; wozu alſo die Retlamation? Wir wuͤrden uns ohne die Discuſſionen gar nicht in dieſen Artikel finden koͤnnen. In dem oben ge⸗ dachten Vorſchlage des damaligen erſten Conſuls, jetzigen Kaiſers, zum Art. 8, war von einer Re⸗ clamation auch gar nicht die Rede, und konnte darin auch um ſo weniger ſeyn, als der Kaiſer allein das Intereſſe des franzoͤſiſchen Staats ins Auge gefaßt hatte, welchem die Nachlaſſung ei⸗ ner⸗ Reclamation offenbar nachtheilig werden mußte, indem es dabei von dem in Frankreich gebornen Individuum abhing, ob es der Eigen⸗ ſchaft eines Seuunoſen theilhaftig werden wollte oder nicht. Allein man erinnerte: die Eigen⸗ ſchaft eines Franzoſen ſei doch eine Woh Athat, — 12½ 4— Pgen die man niemanden aufdringen duͤrfe. Man koͤune baa ſee ihm nur geſetzlich darbieten, und muͤſſe es von In dem Individuum abhangen, ob es von den dar⸗ 1 hb.. gebotenen Rechten Gebrauch machen wolle oder lent la nicht. Es komme daher alles auf die Acce⸗ ances, ptation an. Von dem Minderjaͤhrigen koͤnne ligbee; man ſie nicht verlangen, weil der noch gar keinen Auf Willen habe; aber wenn das in Frankreich ge⸗ 1 boorne von einem Fremden erzeugte Individuum Parthie zur Großjaͤhrigkeit gelangt ſei, muͤſſe es zur Ac⸗ i Re ceptation geſetzlich aufgefordert werden. Dieſe 1 Erinnerung wurde ſtillſchweigend acceptirt, und hon je⸗ bei Abfaſſung des neunten Artikels zum Grunde ſelbſt„ gelegt..) eint ts Der neunte Artikel geht alſo blos die in eunten Frankreich gebornen Individuen an, welche Indi⸗ von Auslaͤndern erzeugt ſind. Dieſen renni⸗ bietet das Geſetz nur die Eigenſchaft eines Fran⸗ eelami⸗ zoſen und die davon abhaͤngigen Rechte dar, ob⸗ a ſcen trudirt ſie ihnen aber nicht, ſondern uͤberlaͤßt es Wir ihnen, ob ſie ſolche nach erlangter Großjaͤtrigkeit icht in in Anſpruch nehmen Creelamiren) wollen oder ben g nicht. Die Folge davon iſt, daß ſie bis zu onſul geeſchehener Reclamation nur proviſoriſch als ner Re⸗ Franzoſen behandelt werden koͤnnen.— Auf konnte Individuen, welche in Frankreich geboren ſind, Keiſe und Franzoſen zu Vaͤtern haben, iſt der ganze nats it Artikel nicht anwendbar, ſondern dieſe ſind 1plo ſungie iure Franzoſen und bleiben e. werden Bei den in Frankreich gebornen Individuen, mnireic deren Vaͤter Auslaͤnder ſind, genuͤgt die vor⸗ Ehen...— 1 wollte*) Es ſcheint, als wenn dieſe Erinnerung erſt ſpaͤterhin be⸗ acküchtigt worden. Denn der Art. 9 wurde erſt nach der mit Eigen⸗— dem Tribunate gehaltenen Conferenz hinzugefuͤgt. Discuſ- hithat, ſions du Code givis, NTom. I. pag. 35. di! 8 124 1—— ſchriftemäfige Reclamation noch nicht, um die ihnen durch das Geſetz dargebotene oder vielmehr proviſoriſch ertheilte Eigenſchaft eines Franzoſen zu uͤberkommen oder vielmehr beizubehalten, ſon⸗ dern ſie muͤſſen ſich dabei zugleich verbindlich ma⸗ chen, ſich in Frankreich niederzulaſſen. Dieſe Be⸗ ſtimmung wurde dem Artikel, beſonders auf Tron⸗ chet s Vorſchlag, einverleibt, welcher dafuͤr hiielt, daß ohne eine ſolche Garantie der Staat offenbar Schaden leiden wuͤrde, indem das in Frankreich geborne Kind eines Fremden ſich ſonſt der ihm anheim gefallenen Erbſchaften bemaͤchti⸗ gen, und ſich damit ins Ausland begeben koͤnnte. Warum uͤbrigens die beiden Faͤlle in dem Arti⸗ kel, wo es ſich naͤmlich ſchon in Frankreich auf⸗ haͤlt, und wo es ſich noch nicht dort aufhaͤlt, un⸗ terſchieden, und uͤber beide beſonders beſtimmt worden; das erfaͤhrt man aus den Verhandlun⸗ gen uͤber den Artikel nicht weiter; die gemachte Unterſcheidung liegt aber auch gewiſſermaßen ſchon in der Natur der Sache. II. Die zweite Parthie des zehnten Artikels ſetzt voraus, daß der im Auslande ſich befindende Franzoſe die Eigenſchaft eines Franzoſen verlo⸗ ren hatte. Wie dies geſchehen kann, davon bei Art. 17. Hier ſoll das als Franzoſe in Grund⸗ lage der in der erſten Parthie dieſes Artikels ent⸗ haltenen Dispoſition geborne Kind die Eigen⸗ ſchaft eines Franzoſen wieder erlangen koͤnnen, wenn es ſolche auf die im Art. 9 vorgeſchriebene Weiſe reclamirt. Dieſe Vorſchrift gruͤndet ſich auf das Prin⸗ eip, daß das Kind an dem Zuſtande ſeines Va⸗ ters Theil nimmt, und wenn dieſer davon etwas einbußt, die Einbuße zugleich mit das Kind trifft. 1 125 1 ——— um de EEs wird aber, um von der Erlaubuiß, wel⸗ dielmehr che das Geſetz dem Kinde ertheilt, Gebrauch ma⸗ ranzoſen chen zu konnen, erfordert, daß zur Zeit, wo es n, ſou.. geboren wurde, der Vater noch nicht die Eigen⸗ lich m⸗ ſchaft eines Franzoſen verloren hatte, ſondern deſebe. ſſich dieſer Verluſt erſt hinterher ereignete. Denn Tron⸗ ſonſt wuͤrde das Kind uͤberall die Eigenſchaft ei⸗ defür nes Franzoſen nicht uͤberkommen, folglich auch Staat keine Reclamation derſelben ſtatt finden koͤnnen, das in indem die Reclamation eines Zuſtandes immer c ſonſt vorausſetzt, daß man dieſen Zuſtand gehabt hat. nite Ob das Kind ein eheliches oder uneheliches n Ar⸗ war, darauf kann hier eben ſo wenig wie im vo⸗ ic uß rigen Fall etwas ankommen. Nur muß auch hier t, ur die Paternitaͤt ſo conſtiren, als es die franzöͤſi⸗ fſinm ſche Geſetzgebung erfordert.) andlun⸗ Zu welcher Zeit und in welchem Alter das machte Kiind die Reclamation vornehmen koͤnne? iſt zwar maßen 3 im Geſetz nicht deutlich beſtimmt. Da indeß . auf die Formalitaͤt des gten Artikels verwieſen lrtikes wird, ſo glaube ich, daß das Geſetz in Abſicht le des Alters und der Zeit hier daſſelbe angewendet verlo⸗—— 8 bon bei*) Locne EFſprit du Code oivil, Tom. I. pag. 255, meint, Grund⸗ es ſei dem Vater durchaus unmoͤglich, in fremden Landen els ent die bei der Anerkennung der Kinder durch den Art. 334 und Art. 62 vorgeſchriebenen Formalitaͤten zu erfuͤllen, und da⸗ Eigen⸗ her bleibe ihm nichts uͤbrig, als in Frankreich ſelbſt das zu konnen thun, was ſich auswäͤrts nicht bewerkſtelligen laſſen. um Mk⸗ ſem uneyheliches Kind zum Franzoſen zu machen, wuͤrde alſo hriebene der Fragzoſe eine Reiſe nach Frankreich unternehmen muͤſ⸗ ſen. Ich ſehe die Nothwendigkeit davon nicht ein, denn ein . KFheil der vorgeſchriebenen Foͤrmlichkeiten laͤßt ſich auch im Prin⸗ Auslande bemeefſteuizen, und ein anderer Theil laͤßt ſich es Va⸗ uͤberall nicht mehr nachholen, folglich bleibt nichts uͤbrig, als das von mir geſagte, oder man muß annehmen, daß etwas die unehelichen Kinder in dieſem Fall uͤberall nicht Franzo⸗ trifft ſen werden koͤnnen. d 7* 8 —— wiſſen will, was der Art. 9 fuͤr den erſten Fall vorſchreibt.. 8 4 Wir machen unſere Leſer darauf aufmerkſam, daß die Artikel, uͤber welche wir bisher geſprochen haben, ganz etwas neues enthalten, was man noch in keiner Geſetzgebung irgend eines aͤltern oder neuern Volks fin⸗ det. Diefe Politik liegt dabei zum Grunde. Ganz etwas neues iſt fuͤrs erſte der Unterſchied zwiſchen wirklichen franzoͤſiſchen Buͤrgern und blo⸗ ßen Franzoſen. Man muß Franzoſe ſeyn— fentweder ein geborner oder naturaliſirter— das ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt, wenn man franzoͤſiſcher Buͤrger ſeyn will. Aber man kann Franzoſe ſeyn, ohne fran⸗ zoͤſiſcher Buͤrger zu ſeyn. Um an den droits politi- ques Antheil nehmen zu koͤnnen, iſt das franzoͤſiſche Buͤrgerrecht erforderlich, die droits civils hingegen kommen ſchon jedem bloßen Franzoſen zu. Wenn die droits civils ſchon jedem Franzoſen zuſtehen, ſo muͤſſen ihm auch um ſo mehr die droits naturels zuſtaͤndig ſeyn, welche die Baſis der droits civils ausmachen, verſteht ſich, in ſo fern ſie mit den droits civils cohaͤriren, denn ein Theil davon cohaͤrirt auch mit den droits politiques.— Ueber dieſe droits er⸗ klaͤrt ſich der Tribun Gary ſehr gut: Trois eſpèces de droits(ſagt er) régiſſent les hommes réunis en fociété; le droit naturel ou genéral qui ſe trouve chez toutes les nations: c-'eſt ce- lui qui établit la füreté des perſonnes et des on ſe maintenir. Le droit civil, qui elt le droit propre à chaque nation, et qui la diltin- lütg, DNüir ut ſ ur tſ 8 entät Lat . huber propriétés, et qui eſt la lource de tous les con- trats entre vifs fans lesquels il eſt impoſſible de concevoir qu'une affociation puiſſe ſe former, ſets ns, enn3 nire p ilus t on 1 8 ſps mn ſat n ot, JE pr tond) loi cin Che de ſuur. zü ſcr (n en ſin mae unnd Un de tan den Gir Vüre lrth mener delen u 127 —¹˙(— en Fal gue des autres, G'eft celui qui règle les ſucceſ- ſiaons, les mariages, les tutelles, la puiffance— paternelle, et généralement tous les rapports entre perfonnes.— Eniin le droit poli- , deh tique qui meſt pas moins propre à une nation ürben que ſon droit civil, mais qui ſoccupe d'intéréts beine plus relevés, détermine la manière dont les ci- lts ſu. toyens conconrent plus ou moins immédiate- Genz ment à Pexercice de la puiffance publique. II richen Stoit neceflaire de ſéparer les règles de ce blo⸗ droit, de celles du droit civil; de rappeler que on— les premièéres appartiennent à lacte conſticu- as de. tionel, tandis que les autres font l'objet de la Drga loi civile; afin que ce qui eft établi pour un or- i fti⸗ dre de choſes, ne půt jamais Pappliquer à polit⸗ Tautre.“ zöſſſce Faͤrs zweite iſt auch das ganz etwas neues, ngeen daß ſchon der franzoͤſiſche Grund und Bo⸗ Wen den einen, der darauf geboren wird, zum Fran⸗ ſtehen, zoſen macht, der Vater mag ein Einheimiſcher oder ein turels Auslaͤnder ſeyn. Noch wichtiger wuͤrde dieſe Verord⸗ ivils nung des Code fuͤr Frankreich geworden ſeyn, wenn drotis man dem Scharfblick des franzoͤſiſchen Kaiſers dabei tt auch gefolgt, und nicht noch erſt die foͤrmliche Reclamation iits er⸗ füͤr noͤthig erachtet haͤtte. Indeß hat auch dieſe, wie pèces ſich aus den oben angefuͤhrten Discuſſionen ergiebt, roonis viel fuͤr ſich. Der Artikel 9, der dieſe Verfuͤgungen néral enthaͤlt, iſt nicht zur vollſtaͤndigen Discuſſion im 'olt ce⸗ Staatsrath gediehen, wie ſich aus dem, was oben et des daruͤber aus den Discuſſionen beigebracht worden, es con. zeigt. Die Discuſſionen wurden vom 26. Vende- ble de miaire des Jahres X bis zum 22. Fructidor unter⸗ ormer,„ brochen. Es waren in der Zwiſchenzeit Conferenzen elt le mit einer Commiſſion des Tribunars bei dem damaligen dültin- zweiten Conſul Cambacères; und es ſcheint, als Heft I. 10 128 wenn in dieſen Conferenzen die Meinung des damali⸗ gen erſten Conſuls, jetzigen Kaiſers, mit der Abſtim⸗ mung von Tronchet ausgeglichen worden ſind, und das Reſultat dieſer Ausgleichung dem Artikel 9 3 läe Entſtehung gegeben habe. 8 4 3 f In Frankreich hat man ſchon uehrere. die Biehee erörterten Artikel betreffende Fragen, aufgeworfen und beantwortet. Wir wollen die vorzuͤglichſten hier mittheilen. 1) Steht das im Art.) und in der zweiten Parthie— des Art. 10 nachgelaſſene Reclamationsrecht dem dazu Berechtigten auch noch vor ſeiner erlang⸗ ten Großjaͤhrigkeit z zu?— Die Herausgeber der Pandectes huncasſes 4) gl lauben: Al⸗ lerdings, und zwar aus dreierlei Gruͤnden: 1) weil man alles beguͤnſtigen muͤſſe, was die Eigenſchaften eines Franzoſen verleihen koͤnnte; 2) weil deutlich erhelle, daß dies gerade die Abſicht der Verfaſſer des Code civil geweſen; 3.) weil blos die Eltern des Kindes das Recht zätten, ſich der Reclamation, wenn ſolche noch in der Minderjaͤhrigkeit geſchaͤhe„ zu widerſet⸗ zen, und dieſe es nicht koͤnnten, weil das Kind in Anſehung ihrer zum Behuf der Reclamation fuͤr großjaͤhrig geachtet werden muͤſſe; endlich 4) man von Seiten der Franzoſen intereſſirt ſei, alle Hinderniſſe hinweg zu raͤumen, welche der Reclamation entgegen ſtuͤnden. um ſogleich zu finden, daß ſie gar keine ſind. 2) Tem. II. pag. 130 w fag.. 3 4 —— —— Man braucht dieſe Argumente nur anzuſehen, ———— —— —— 4 +———— —2—. 129 3 8—.— damali Das dritte Argument iſt doch wirklich hoͤchſt lu⸗ löſinu. ſtig. Einen vernuͤnftigen Sinn wuͤrde es haben, d, und wenn es etwa ſo gefaßt waͤre: die Eltern koͤnnen ſeine ein Intereſſe dabei haben, daß die Reclamation nicht geſchieht, und wenn ſie ſchweigen, ſo muß man annehmen, die Reclamation geſchehe mit ihrem Willen. Dabei wuͤrde man denn freilich vorausſetzen muͤſſen, daß blos um das Intereſſe ebishe der Eltern willen die Reclamation auf die zu⸗ eworfe ruͤckgelegte Großjaͤhrigkeit fixirt worden.— Al⸗ ſteniukj lein die Geſetzgeber hatten nicht blos das Intereſſe dder Eltern, ſondern auch das des Kindes vor Au⸗ Patte gen, und wollten das letztere ſelbſt daruͤber ur⸗ echt de heilen laſſen, ob es von einem ihm proviſoriſch raga, ertheilten Rechte, wie die Eigenſchaft eines Fran⸗ 4 usgcx zoſen iſt, Gebrauch machen, und ſich daſſelbe den: ÄA. durch die Reclamation vollſtaͤndig zueignen wolle, Hruͤnden. der nicht. Darum erforderten ſie die Großjaͤh⸗ wasö rigkeit zur Abgabe dieſer Erklaͤrung. Haͤtten ſie mge dieſe Abſicht nicht gehabt, ſo wuͤrden ſie eine von erdec dden Eltern oder Vormuͤndern im Namen des geweſe unmuͤndigen abgegebene Erklaͤrung ſchon fuͤr ge⸗ 3s NMWct nnugend geachtet haben. Es kommt noch hinzu, lchenh daß ja mit der Reclamation noch die Uebernahme widerſtt von Verbindlichkeiten verknuͤpft iſt, die doch ei⸗ das Kin geentlich nur Großjaͤhrige eingehen koͤnnen.— laanaiat Eine andere, mit dieſer in Verbindung ſtehen⸗ edch de Frage: Ob die zur Reclamation nachgelaſſene nteriſſt Jahresfriſt ein peremtoriſcher Termin ſei? beant⸗ , welhe moortet Locré“*) ſehr richtig, und in ſeiner Be⸗ 4 aantwortung liegt auch die gaͤnzliche Abfertigung zuſehen, deer vorhin beruͤhrten Frage.„La France(ſagt ge ſind er) ne doit pas reſter éternellement in- ————— 5* 8. k Peg. 26 0.. X 8 —”ſ+—— certaine Tur la détermination de Pétranger rin né dans ſon ſein. Ce motifa obligé de ren- rii fermer dans un délai Paccomplifſement des 1 conditions fous lesquelles il peut devenir an frangais. Le délai ne Pouvoit cou- Gr rir contre le mineur qu'a la majori- Nrl té, parce qu'il n'a pas de volonté, et qu il G ſi weſt pas le maitre de ſes actions; mais il Ra devolk courir auffitt après la ma- jorité. Die Friſt iſt allerdings eine peremto⸗ 6 ſche, und muß von dem Ablauf der Minder⸗ hrigkeit an, ſtrenge und natuͤrlich berechnet werden. Reſtitutionen können dagegen nur uͤber all in ſo fern ſtatt finden, als ſie lach franzdſi⸗ ſlin ni ſchem Recht zugelaſſen ſind. u diſt . 8. miſi 1 2) Wo muß die Recl amation von Seiten eines in 1) Frankreich gebornen geſchehen,, wenn ihn ſeiie(un Eltern, die Auslaͤnder waren, mit ſich genomm)N. men haben? Daß ſie an dem Orte ſeiner Geburt ccie am beſten und leichteſten geſchehen koͤnne„ indem trri hier ſogleich durch die Civilacten beglaubigt wer⸗ d den kann, daß er als Franzoſe geboren ſei, ver⸗ düſfte ſteht ſich von ſelbſt. Die Frage betrifft giſo blbos 4 b den Fall, wo die Reclamation anderwaͤrts ger- miſe ſchieht. Ich glaube, ſie kann geſchehen: 1) vor unt jedem franzoͤſiſchen Gerichte, und 2) wenn ſie 1p im Auslande geſchehen ſoll, muß ſie vor dem ſanan franzöſiſchen Geſandten, oder chargé d'affai- In ind res, welcher bei dem Staate, in welchem der Aun Reclamant ſich aufhaͤlt, angeſtellt iſt, ange⸗. ſim bracht werden. Denn da der Reclamant Fran⸗ ſmir zoſe iſt, und dieſe Eigenſchaft beibehalten ud— perpetuiren will, ſo iſt der franzoͤſiſche Geſandte uf die einzige Maiſtateperſen, deren Autoritaͤt uu ſi 1 anger e ren⸗ nt des evenir cou- najori- tquil nais il ma. eremto⸗ Ninder⸗ rrechnet t uͤber ranzſ⸗ ines n n ſeime genom⸗ Geburt indem gt wer⸗ i, ver⸗ ſſo bos rts ge 1) vor venn ſi or dem Gaffai- zeem der ange⸗ Fran⸗ en und gſandte toritat 131 —— in Anſpruch nehmen, und der auch ſeine Recla⸗ mation allein annehmen und atteſtiren kann. Daß, wenn das von einem Fremden in Frankreich erzeugte Kind dort zuruͤckbleibt, zur Großjaͤhrigkeit gelangt und reclamiren will, dieſe Reclamation vor der Municipalitaͤt des Orts, wo es ſeinen Aufenthalt hat, und ſein Name in die KReggiſter eingetragen iſt, bewerkſtelligen muͤſſe, verſteht ſich uͤbrigens von ſelbſt. Die Artikel 11, 13, 14, 15 und 16 haben es allein mit den Auslaͤndern zu thun. Man kann alles, was dieſe Artikel enthalten, auf folgende zwei Fragen zuruͤckfuͤhren: 1) In wie fern haben ſich Auslaͤnder der Civilrech⸗ ee in Frankreich zu erfreuen? 2) Was iſt Rechtens in Anſehung der Verbind⸗ lichkeiten, welche zwiſchen ihnen und Franzoſen entſtanden ſind. 3 Die erſte Frage wird durch den eilften, zwoͤlften und dreizehnten Artikel beantwortet. Wir muͤſſen aber hier noch mit wenigem zuvor ins aͤl⸗ tere Recht zuruͤckgehen. In Frankreich galt ehedem das ſogenannte droit d'aubaine.*) Die Aubains oder Auslaͤnder konn⸗ ten in Frankreich weder vererben noch erben. Dem Staate fielen vielmehr alle ihre Guͤter anheim, wel⸗ ches man das droit d'aubaine nannte, wenn nicht erwa die Auslaͤnder zu einer Nation gehoͤrten, mit *) Die franzzſiſchen Juriſten leiten dieſes Wort von alibi na. reich geborner, d. i. Auslaͤnder. Pn 8₰ welcher man in den neuern Zeiten Vertraͤge abgeſchloſ⸗ ſen hatte, durch welche dieſes Recht war aufgehoben worden. Man bediente ſich im Auslande des Retor⸗ ſionsrechts gegen Frankreich Das droit d'aubaine hatte darin ſeinen Haupt⸗ grund, daß man dem Auslaͤnder in Frankreich keine eigentlichen Civilrechte zugeſtand, wenigſtens keine ſol⸗ chen, die uͤber das Commerz hinausgingen. Die Nationalverſammlung hob das droit d'aubai- ne als ein Ueberbleihſel der Barbarei auf, und ertheilte den Auslaͤndern gleichen Genuß der Civilrechte mit den Franzoſen. Im Auslande beobachtete man aber nicht die Reciprocitaͤt, ſondern ließ es bei den alten Ver⸗ haltniſſen. Darum lenkte man bei der Abfaſſung des Code wieder ein, und legte bei Ertheilung der Civilrechte an Auslaͤnder das Princip der Rerciprocitaͤt zum Grunde. Der Code unterſcheidet zweierlei Arten von Auslaͤndern, naturaliſirte und nicht⸗naturaliſirte. Von den erſtern ſpricht Artikel 13, von den letztern reden die Artikel 11 und 12. Die naturaliſirten Auslaͤnder, d. h. ſolche, welche durch die Autoriſation des Kaiſers befugt geworden ſind, ſich foͤrmlich in Frankreich nie⸗ derzulaſſen, haben alle Civilrechte ohne Unterſchied wie die Franzoſen, ſo lange ſie in Frankreich ihre Nieder⸗ / 1 laſſung beibehalten, ſie moͤgen uͤbrigens her ſeyn woher ſie wollen, und mag in dem Auslande, woher ſie ſind, in Abſicht der Auslaͤnder gelten was da will.*) 9 4 Die nicht⸗naturaliſirten Auslaͤnder hingegen genießen 4) Naturaliſirte Auslaͤnder find daher noch keine Franzoſen, oder vielmehr, Auslaͤuder erhalten durch die Niederlaſſung in Frankreich noch nicht den Stand der Franzoſen, denn ſonſt wuͤrden ſie auch den vollen Genuß der Ciyilrechte behalten, wenn ſie Frankreich verließen und ſich im Auslande an ßedelten. aitzua ſeu R Pum * e ausf i dr greße gfſ ſu Kadſctr ſchlſ. ehoben Retor⸗ Haupt⸗ 1 kine eineſt aubai. ertheiſe nit den er nicht a Vr, Code ilreche àt zun ten von e. VW rn reden slaätder Kajfers eich ie hiddne Maͤder⸗ her ſen wohr wil.) genießen — 3 ranzoſen, aſung in ean ſonſt behalten, unde ab 135 —.,— 8 8 1* nur in Frankreich diejenigen Civilrechte, die man auch in dem Lande, woher ſie ſind, den Franzoſen ge⸗ ſtattet. Der zwoͤlfte Artikel, der ſo ganz iſolirt da zu ſtehen ſcheint, ſollte eigentlich erſt hinter dem dreizehnten folgen. Er enthaͤlt die Beſtimmung, daß eine Auslaͤn⸗ derin, welche einen Franzoſen heirathet, nach dem ſolche Auslaͤnderin wird ſchon durch die Heirath natu⸗ raliſirt, und bedarf daher keiner beſondern Naturali⸗ ſation, um zum vollen Genuß der Civilrechte zu ge⸗ langen. Noch mehr, ſie wird dadurch Franzöſin und bleibt es, wenn ſie auch von ihrem Manne getrennt wird, und ins Ausland zuruͤckkehrt, ſo lange mit ihr nichts vorgeht, wodurch die Eigenſchaften eines Fran⸗ zoſen aufgehoben werden. 8 Zuſtande ihres Mannes beurtheilt werden ſoll. Eine Die zweite oben aufgeworfene Frage findet in den Artikeln 14, 15 und 16 ihre Abfertigung. Es ſind dieſe Artikel zu wichtig, als daß wir ihnen nicht eine ausfuͤhrliche Eroͤrterung widmen ſollten. Der Artikel 14 duͤrfte ſogar manchen in der Vorausſehung der großen Ereigniſſe, welche der Abfaſſung des Code Man kann mit Looré*) hier zwei Faͤlle un⸗ terſcheiden.„Der Auslaͤnder hat entweder einen Pro⸗ zeß mit einem andern Auslaͤnder oder mit einem Fran⸗ zoſen. Der erſte Fall geht eigentlich die franzoͤſiſche Geſetzgebung gar nicht an, und daher beobachtet ſie auch daruͤber ein gaͤnzliches Stillſchweigen. Die fran⸗ zoͤſiſchen Gerichte koͤnnen uͤberall nur nach franzoſiſchen Geſetzen urtheilen, und ſolche gegen Perſonen anwen⸗ — *) Wprit du Code Napoldom: Ià c. pag. 519 fgg. gefolgt ſind, und der Gewißheit des Eintretens derſel⸗ ben geſchrieben ſcheinen, und doch iſt alles ſehr einfach und ſehr natuͤrlich. 154 den, die unter dieſen Geſetzen ſtehen. Die Folge da⸗ von iſt, daß 1) zwar Auslaͤnder vor die criminellen und correctionellen Gerichtshoͤfe gezogen werden koͤn⸗ nen, weil ſie den Polizei⸗ und Sicherheitsgeſetzen un⸗ terworfen ſind; auch 2) vor die Civilgerichtshoͤfe, in ſo fern von dinglichen Klagen die Rede iſt, welche ſie anſtellen, oder welche gegen ſie angebracht werden, in Betreff der unbeweglichen Guͤter, welche in Frankreich liegen, weil ſie gleichfalls den Civilgeſetzen, welche uber das unbewegliche Vermoͤgen verfuͤgen, unterwor⸗ fen ſind. Allein da die Auslaͤnder nicht nach franzoſi⸗ ſchen Geſetzen beurtheilt werden duͤrfen, in allem, was den buͤrgerlichen Zuſtand betrifft, und in Klageſachen, welche perſoͤnliche Klagen und Klagen wegen des Mo⸗ biliarvermoͤgens betreffen; ſo muß der Klaͤger ſeine Klage bei dem Richter des Beklagten anbringen. Aus⸗ laͤnder, welche in Frankreich mit einander Prozeß fuͤh⸗ ren wollen, duͤrfen, außer den Faͤllen der Vergehen und der dinglichen Rechte,*) ſolche nicht bei den franzoͤſiſchen Gerichtshoͤfen anhaͤngig machen. Auslaͤnder koͤnnen bei Prozeſſen unter ſich jedoch einem franzoͤſiſchen Gerichte ſchiedsrichterliche Gewalt uͤbertragen. Das muß aber in der Regel immer aus⸗ druͤcklich und foͤrmlich geſchehen; und nur in zwei Faͤllen bildet ſich ein ſtillſchweigendes Compromiß. 1) Wenn ein Auslaͤnder den andern vor einem fran⸗ zoͤſiſchen Gericht, wo ſolches nicht competent war, verklagt, und dieſer ſich eingelaſſen hat, da er es nicht noͤthig hatte. 2) Fuͤr Verbindlichkeiten, die auf den franzoͤſiſchen Meſſen Auslaͤnder mit Auslaͤndern con⸗ trahiten.“ 1 *) Bei Locré heißt es: pour toute autre cauſe Pparation d'un délit commis en France, ou pour réels. es droits — 5———, 38 la réa- 13 uuſt nngen ſriah Jnutrii unme Kraus iuimnd Rrralh drik- à gr ſem eie lihe C. ſorxei riln, Putender i M al Ni udd ä w lge da⸗ inellen n koͤn⸗ zen un⸗ fe, in elche ſe den, in ankreic welche terwor⸗ ranäſ⸗ n, was ſachen, 8 Me⸗ t ſeie Aus⸗ s für⸗ rgehen i den jsdoch Hewalt er aus⸗ 1 zwei romiß. 1 fran⸗ wor, richt uf den con⸗ 135 —— So weit Locré uͤber den erſten Fall. Wir wollen dabei noch etwas verweilen. Es fragt ſich zuerſt: da ein Auslaͤnder den andern wegen Verge⸗ hungen vor die franzoͤſiſchen Gerichte ziehen kann, (verſteht ſich von ſelbſt, wegen Vergehungen, die in Frankreich ſelbſt vorgefallen ſind, denn auswaͤrts be⸗ gangene Verbrechen gehen den franzoͤſiſchen Richter durchaus nichts an,) gilt das nur, in ſo fern von Be⸗ ſtrafung der Vergehungen, oder auch, in ſo fern von der Privatſatisfaction, als Schadenserſatz u. ſ. w., die Re⸗ de iſt?— Die obligatio ex delicto, in ſo fern ſie die Privatſatisfaction betrifft, begruͤndet bekanntlich eine eigene, von der accuſatio verſchiedene und perſon⸗ liche Civilklage, und in Grundlage deſſen ſcheint die Frage verneint werden zu muͤſſen, und ſchon um des⸗ willen, weil wegen perſoͤnlicher Verbindlichkeiten der Auslaͤnder den franzoͤſiſchen Geſetzen nicht unterworfen iſt. Allein es iſt zu bedenken, daß die Verbindlichkeit zur Privatſatisfaction hier aus dem Delict entſtanden iſt, und daher auch als eine acceſſoriſche Verbindlich⸗ keit von der Hauptverbindlichkeit, der obligatio ad ſatisfactionem publicam praeſtandam, nach glei⸗ chen Grundſaͤtzen mit dieſer letztern beurtheilt werden muß. Der franzoͤſiſche Richter muß daher daruͤber eben ſo gut, als uͤber die Zuͤchtigung und Beſtrafung des Auslaͤnders zu erkennen berechtigt ſeyn, vorausge⸗ ſetzt, daß die Klage auf Privatſatisfaction nur zu⸗ gleich mit der acculatio, oder wenigſtens ehe das Ver⸗ fahren daruͤber beendigt iſt, angebracht wird. Hiernaͤchſt habe ich noch uͤber die beiden von Locré angenommenen Faͤlle des ſtillſchweigenden Compromiſſes zu bemerken, daß, ſo viel den zweiten Fall anbetrifft, zwar alles klar iſt, da ſich derſelbe auf die fuͤr das Commerz in Frankreich neuerdings gemachten Geſetze gruͤndet. Was aber den erſten Fall betrifft, 136 ——— 3 ſo zeigen ſich dabei große Schwierigkeiten. Dagegen iſt nichts zu erinnern, daß man annehmen kann, der Auslaͤnder, welcher ſich auf die von einem Auslaͤnder vor einem franzoͤſiſchen Gericht erhobene Klage ein⸗ laͤßt, unterwerfe ſich demſeiben ſtillſchweigend. Aber nach welchen Geſetzen muß denn nun der franzoͤſiſche Richter erkennen?— Daß er in dem zweiten vorhin gedachten Fall nach franzoͤſiſchen Geſetzen erkennen muß, iſt geſetzlich beſtimmt, weil der Auslaͤnder, der auf franzoͤſiſchen Meſſen mit einem Auslaͤnder contra⸗ hirt, ſich dadurch den franzoͤſiſchen Handelsgeſetzen un⸗ terwirft. Aber fuͤr dieſen erſten Fall, wo das anzu⸗ nehmende ſtillſchweigende Compromiß uͤberall keinen ge⸗ ſetzlichen Grund hat, ſondern nur in den Koͤpfen der franzoͤſiſchen Juriſten exiſtirt, iſt auch naruͤrlich nicht beſtimmt, nach welchen Geſetzen der Richter erkennen muͤſſe. Die franzoͤſiſchen Juriſten behaupten zwar einſtimmig: nach franzoͤſiſchen Rechten, weil der Auslaͤnder, der durch die Einlaſſung bei einem franzo⸗ ſiſſchen Richter ſtillſchweigend auf ihn als Schiedsrich⸗ teer compromittire, zugleich ſtillſchweigend conſentire, daß die Rechtsſprechung nach franzoͤſiſchen Geſetzen ge⸗ ſchehe, weil der franzoͤſiſche Richter nicht nach fremdben GBeſetzen ſprechen duͤrfe. Allein der franzoͤſiſche Rich⸗ ter kommt ja hier uͤberall nicht als Richter, ſondern blos als Schiedsrichter in Betracht. Denn als Rich⸗ ter duͤrfte er ja uͤberall auch nicht einmal nach franzd⸗ ſiſchen Geſetzen hier erkennen, weil Faͤlle vorausgeſetzt werden, in welchen ſeine Gerichtsbarkeit in Betreff der caula, die an ihn gebracht wird, incompetent iſt. Sieht man nun aber den franzoͤſiſchen Richter blos als Schiedsrichter an, ſo wird es wieder ſehr bedenklich, anzunehmen, daß der Auslaͤnder, welcher ſich einge⸗ laſſen hat, ſtillſchweigend in die Anwendung der fran⸗ zoͤſiſchen Geſetze gewilligt habe, da dieſe ſtillſchweigen⸗ = — — — Vvon agegen der lander ge ein⸗ Aber diſhe vothin kennen —, der vontra⸗ een un⸗ anzu⸗ nen ge⸗ fen der huicht kennen zwar il der ranzö⸗ derich⸗ entire, zen ge⸗ remden Rih⸗ ſondern Rich⸗ ggeſeß Betref tent iſ. ſos als nliich, einge⸗ fra veigen⸗ franzb — 13) de Einwilligung aus der Einlaſſung ſelbſt noch nicht folgt, nach der bekannten Regel, daß der ſtillſchwei⸗ gende Conſens, der durch Handlungen begruͤndet wird, nicht uͤber die Handlungen hinaus ausgedehnt wer: den darf. 3 Man wird ohne meine Erinnerung ſehr leicht ein⸗ ſehen, daß die franzoͤſiſchen Juriſten hier den bekann⸗ ten Satz: daß man einen in Abſicht der Jurisdietion incompetenten Richter durch die unbedingte Einlaſſung zum competenten machen koͤnne, zu dem Ende, um nur die Auslaͤnder auch da den Ausſpruͤchen der fran⸗ zoͤſiſchen Richter und den franzoͤſiſchen Geſetzen zu un- terwerfen, wo dieſe Unterwerfung nach dem Code Napoléon eigentlich nicht ſtatt findet, analogiſch— aber nach einer ſehr fehlerhaften Analogie— ange⸗ wendet haben.— Ich habe mich darum ſo ausfuͤhrlich uͤber die Sa⸗ che erklaͤrt, um die Frage beantworten zu koͤnnen: ob man auch dieſe Faͤllle des ſtillſchweigenden Compromiſ⸗ ſes in den auswaͤrtigen Staaten annehmen koͤnne, in welchen der Code Napoléon neuerdings eingefuͤhrt worden iſt, z. B. im Koͤnigreich Weſtphalen. Ich glaube nicht. Der zweite Fall des ſtillſchweigenden Compromiſſes ſetzt unſtreitig die Einfuͤhrung des Code de commerce voraus, welche noch nicht geſchehen iſt.— Und der erſte Fall hat blos in den Meinun⸗ gen der franzoͤſiſchen Juriſten ſeinen Grund, die uns eben ſo wenig als juriſtiſche Meinungen uͤberhaupt an⸗ gehen. Sollte auch wirklich, was uns zur Zeit unbe⸗ kannt iſt, in der franzoͤſiſchen Rechtspraxis darauf Ruͤckſicht genommen werden, ſo kann uns das doch in Deutſchland nichts angehen. Es wird noch nothig ſeyn, zu zeigen, wie dieſe Theorie vom ſtillſchweigenden Compromiß fuͤr den Fall,. wovon die Rede iſt, entſtanden ſei. Bei den Discuß⸗ 138 3— ,.,—. ſionen uͤber Art. 14 ſchlug Cambacères vor, zu bunni dieſem Artikel noch Beſtimmungen fuͤr die Auslaͤnder ih hiinnzuzufuͤgen, welche Streitigkeiten mit einander haͤt⸗ da ten, und ſie vor einem franzoͤſiſchen Gericht auszuma⸗ ündal chen wuͤnſchten. Defermon erwiederte darauf, das als finde ſich von ſelbſt, indem, wenn die Auslaͤnder dar⸗ una in uͤberein kaͤmen, Rechtsſachen, in welchen die fran⸗ alel zoͤſiſchen Gerichte ſonſt nicht competent waͤren, vor ſpil denſelben auszumachen, daraus ein Compromiß ent⸗ u ſtuͤnde, das allerdings Kraft haben muͤſſe. ſſut, Auf dieſe Aeußerungen haben Locré und ande- ute re die Theorie vom ſtillſchweigenden Compromiß be⸗ dlauch gruͤndet, da doch eigentlich Defermon ein aus⸗ Aten druͤckliches Compromiß vorausſetzt. Sen Im Koͤnigreich Weſtphalen wuͤrde daher ein Rich⸗ ſiunſ ter in ſolchen Sachen der Fremden unter einander, die im wi naach dem Code nicht an ihn als Richter gebracht wer⸗ umd den duͤrfen, nur vermöͤge eines ausdruͤcklichen auf ihn bd eerrichteten Compromiſſes entſcheiden duͤrfen. Gegen ein iun ſolches ausdruͤckliches Compromiß, das auch ſchon rd⸗ uan miſchen Rechtens iſt, kann aber niemand etwas haben. dihun Ich komme jetzt mit Looré zu dem zweiten Fall, une wo zwiſchen Auslaͤndern und Franzoſen Prozeſſe entſte⸗ Pn i hen, welcher eigen fuͤr die Geſetzgebung des Code gehoͤrt, unlo und auf welchen ſich die oben gedachten Artikel beziehen. N Der Artikel 14 ſpricht von dem Fall, wo der Auslaͤ⸗-⸗ dG der der Beklagte iſt; die Artikel 15 und 16 hingegen m ſetzen den Fall voraus, wo der Auslaͤnder als Klaͤger ühn erſcheint. V ſisn Erſter Fall: Wenn der Auslaͤnder als Beklagter(défendeur) erſcheint. Locré w ſagt: der Artikel 14, indem er verordnet, daß der halei Auslaͤnder vor die franzoſiſchen Gerichte gefordert wer⸗ ier den kann, zur Erfuͤllung der Verbindlichkeiten, die er mür gegen einen Franzoſen uͤberndmmen hat, ſei ſolches in rin d, zu Naͤnder er haͤt, Szuma⸗ ff, das er dar⸗ eftan⸗ , vot Fent⸗ ande⸗ 6 be⸗ aus⸗ Rc ·, de wer⸗ f ihn en ein u roͤ⸗ ben. Fal, entſte⸗ ehort, lehen. slaͤn⸗ gegen üügr 139 —,— Frankreich el bſt oder im Auslande geſchehen. derogitt den Satz: daß der Klaͤger ſeine Klage bei dem Richter des Berlagten anbringen muß. Aber die Nothwendig⸗ keit der Umſtaͤnde gebot dieſe Modification, denn die von auswaͤrtigen Gerichten ausgeſprochenen Urtheile wurden in Frankreich keine Ereaton wirfen, par- ceque l'autorité de laquelle ils emanent m'y-a- Pas de jurisdiction, man wuͤrde alſo den Franzoſen die Juſttz denegiren, wenn man Khdan nicht geſtatten wollte, de traduire leur débiréur étranger de- vant des tribunaus⸗ frangals.— Es koͤnne uͤber⸗ all auch dieſe Verfuͤgung des E ges nur von reellem Nizen fuͤr die Franzoſen ſenn„ wenn der Auslaͤnder in Frankreich Gä; er Bf we die i Absſbrlche der 1 ranzoſen Eogeragre— 8 es in Seuenneh pder im ben lande, er ſich der ftanadſ iſchen Gerichtsbarkeit zu⸗ gleich unterwerfe, er alſo mit ſeinem Willen und Wiſ⸗ ſen unter franzoͤſ iſche Jurisdiction komme, da es bei ihm geſtanden, ob er ſich mit dem Franzoſen einlaſſen lipolls oder nicht. Wir laſſen die von Tocre zur Rechtfertigung des Geſeßes gebrauchten Argumente auf ſich beruhen. Uns genuͤgt es, daß das Geſetz da iſt. Ueber das uͤbrige von ihm geſagte aber, und das Geſetz ſelbſt, ſei es uns noch erlaubt etwas zu bemerken. Es mußi in Deutſchland auffallen, wenn man hoͤrt, daß die von auswaͤrtigen Gerichten geſprochenen Ur⸗ theile in Frankreich keine Execution leiſten, und doch iſt es wirklich ſo. Daß die Franzoſen glauben, die von ihren Gerichten an geßp cheden Urtheile goͤben auswaͤrts gleichfals keine Exeeution, iſt ſehr natuͤr⸗ 3 A — 2. — — —½ — — — 13 ◻ 35 I&r — . Gv ◻ — — 3 Q / X X 1 ne Rechtsſache vor den franzoͤfiſchen Gerichten verhan⸗ deln wollte, ſo maßten ſich doch die franzoͤſiſchen Ge⸗ richte, in Grundlage einer gewillkuͤhrten Auslegung der Ordonnanz, eine Reviſion aller gegen Franzoſen im Auslande geſprochenen Urtheile und des Prozeſſes, worauf ſich ſolche gruͤndeten, an, und blieben auch waͤh⸗ rend der Revolution und bis jetzt in dem Beſitze dieſes Neviſionsrechts. Nach der jetzigen franzoͤſiſchen Pra⸗ xis ſcheint es 1) ausgemacht, daß alle in Han⸗ delsſachen gegen einen Franzoſen auswaͤrts geſprov-⸗ chene Urtheile gar keine Wirkung in Frankreich haben und folglich auch keine Execution geben koͤnnen. Der Caſſationshof hat wenigſtens dies unterm I1ten Plu- vioſe des Jahres XII angenommen. 2) Bei andern Rechtsſachen ſcheint es zweifelhaft. Bei einigen franzoͤſiſchen Gerichten wird die Reviſion als nothwen⸗ dig augenommen, bei andern hingegen nicht, wenn es der Verurtheilte nicht verlangt. Der Caſſationshof hat unterm 18ten Thermidor des Jahres XII erklaͤrt, daß hier das: laͤndlich ſittlich, entſcheiden ſoll. Beilaͤufig geſagt: Im Koͤnigreich Weſtphalen b wuͤrde man von dieſem Satze keinen Gebrauch machen duͤrfen, wenn ein gegen einen Weſtphaͤlinger z. B. in Sachſen oder anderswo geſprochenes Urtheil an ein 7 I4r b r 1626 weſtphaͤliſches Gericht zur Execution eingeſandt wuͤrde, in Aus ſondern es wuͤrde bei den bisher in Deutſchland ange⸗ euem i⸗ nommenen Grundſaͤtzen ſein Bewenden behalten muͤſ⸗ iu ve⸗ ſen. Denn der Satz, daß auswaͤrts gegen einen d Eik. Franzoſen geſprochene Urtheile erſt der Reviſion des progene Prezeſſes beduͤrfen, ehe ſie in Frankreich executirt hinde werden koͤnnen, liegt außer dem Code Napoléon, igen A und iſt darin weder ausdruͤcklich noch ſtillſchweigend emfin. ſanctionirt worden. Vielmehr zeigt die Ausnahme, uswättz welche in§. Z des Artikels 2123 des Code Napoléon uem ſi bei Hypotheken vorkommt, daß der Satz in ſeiner All⸗ verhat⸗ gemeinheit verworfen wordeniſiſftft. hhen Ge Locré ſcheint uns uͤberall den Sinn des Artikels uslegung 14 nicht ſo ganz richtig aufgefaßt zu haben. Die Ge⸗ rangyſt ſetzgeber ſi˙a˙adad 1 vrazeſ, 1) von dem Princip ausgegangen, daß es dem uch vit Franzoſen auch erlaubt ſei, im Auslande Recht zu ze dieſ nehmen. Hat er es da genommen, ſo hat er auf en Per ddie Beguͤnſtigung Verzicht geleiſtet, die das Ge⸗ Han: ſetz den Franzoſen in ihren Prozeſſen mit Aus⸗ .gepty. aandern ertheilt. Es wuͤrde noch die Frage ſeyn, ch haben cb er von neuem in Frankreich gegen den Aus⸗ n. aander klagen duͤrfte? Ich wenigſtens glaube: ten Plu. Niein, weil der Art. 14 fuͤr die Franzoſen ein ej anden bdenelicium enthaͤlt, worauf ſie ausdruͤcklich ſo⸗ i einige woohl als ſtillſchweigend Verzicht leiſten koͤnnen, nothwer und der Satz: ad iura renunciata non datur wenn regrellſus, auch in der Jurisprudenz des Code aiicnccr Napoléon enthalten iſt. Eine andere Frage iſt Natith, es, ob ein gegen den Franzoſen im Auslande ge⸗ eſoll. ſprochenes Urtheil, wodurch er in die Koſten ge⸗ iiplale nommen wird, in Frankreich ohne Reviſion Exe⸗ nachen ution leiſte, wenn an dem Wohnorte des Klaͤ⸗ 15 3 geers eine ſolche Reviſion herkoͤmmlich iſt? aan“ 2) In dem Artikel 14 ſind zwei Faͤlle unterſchies 1 142 den, was man nur aus dem Originaltert ſelbſt — nicht aus den faſt durchgaͤngig mißrathenen Ueberſetzungen— erſehen kann. 1) Der Fall, wo der Auslaͤnder nur gefordert werden kann 4 cité) vor die franzoͤſiſchen Gerichte. 2) Der Fall, wo er vor die franzoͤſiſchen Gerichte ge⸗ ſtellt werden kann(étre traduit). Beide Faͤlle ſi ſind in Abſicht der rechtlichen Folgen gar ath ſebr von einander verſchieden. Der erſte Fall ſetzt voraus, daß die Verbind⸗ lichkeiti in Frankreich contrahirt worden. Es iſt ggleich viel, ob der Auslaͤnder ſich in Frankreich niedergelaſſen hat oder nicht; das Geſetz ſagt viel⸗ mehr ausdruͤcklich und vorzugsweiſe: Pétranger méme non réſidant en France. Bei dem zweiten Fall wird vorausgeſetzt, daß die Verbinolichkeit im Auslande contrahirt worden. Wenn man bedenkt, daß der Code im Stile de barreau(franzoͤſiſche Rechtsgeſchaͤftsſpra⸗ che) geſchrieben iſt, ſo haben die Woͤrter: cité und traduit, hier mehr zu bedeuten, als die Ue⸗ berſetzer darin finden. Gar nicht zu entſchuldi⸗ gen iſt es, wenn Herr Spielmann als fran⸗ zoͤſiſcher Juriſt beides fuͤr ſynonym din, und durch: vor die franzöoͤſi ſchen Gerich⸗ te gezogen werden, uͤberſett. Ktre cité heißt im Stile de barreau, auf die gewoͤhnliche Art zur Beantwortung der ange⸗ brachten Klage vorgeladen werden. Etre tra- duit bedeutet ſchon ein bischen mehr, und heißt, voor Gericht geſtellt, oder gezwungen werde en, ſich vor Gericht zu ſtellen. Geht man mit dieſen Wartbedeutungen an die Erklaͤrung des Art. 14, ſo Endet man, daß 1 — 143 rt ebt derſelbe auf ſehr einfachen Grundſaͤtzen beruht, tathenen und hat nicht noͤthig, mit Locré die Gruͤnde Rr Fal, zu ſeiner Rechtfertigung ſo weit herzuholen. den kam Wenn ein Auslaͤnder gegen einen Franzoſen in 2) da Frankreich Verbindlichkeiten contrahirt,(und es hte he⸗ kann doch hier nur von ſolchen Verbindlichkeiten Bede ddie Rede ſeyn, die entweder per deliotum oder ſgengr mn per conventionem*) contrahirt werden,) ſo teeten ſchon nach allgemein angenommenen Verbind Reaeechtsprincipien hier das ius loci contractus Eb ſſt eet delicti commilli ein, und damit zugleich eantreich das forum contractus und delicti commilſi.* agt dil en Den Auslaͤnder kann es alſo gar nicht befrem-⸗ tranger den, wenn Klagen, die aus dieſen Verbindlich⸗ keeiten entſpringen, vor den franzöoͤſiſchen Gerich⸗ sgeſch, ren, und zwar vor denen, die hier competent ſind, nteuat angebracht werden, und er zur Beantwortung und Einlaſſung darauf vorgeladen wird. Iſt er in Se in Frankreich gerade gegenwaͤrtig, ſo geht der ifrire Prrezeß ſeinen ordentlichen Gang. Iſt er abwe⸗ efend, ſo muß ihm natuͤrlich die Ladung vermoͤge d a Reguiſitorialien behaͤndigt, und ihm eine Friſt iſtuni geeſetzt werden, in welcher er ſeine Nothdurft ts inr wmahrnehmen kann. Leiſtet er der Ladung keine , 1 Solge, ſo tritt gegen ihn ein Contumacialverfah⸗ Herig⸗ ren ein, das freilich zu Zeiten nur, wie Lo⸗ aneré bemerkt, reellen Nutzen haben kann, wenn au, aff 224 der Auslaͤnder in Frankreich Vermoͤgen hat. un Ddie auswaͤrtigen Gerichte duͤrften ſchwerlich ei⸗ Fen ne auf ein ſolches Contumacialverfahren ſich hiff gruͤndende Sentenz zur Execution bringen, wenn ,ſc ſie ihnen zu dieſem Behuf zugeſendet wuͤrde. Ich begreife darunter hier zugleich das Quaſideltet und den gen an Aüaleon nan„ weil der Cocke vieſe roͤmiſche Theorie ſich n) daß ſo gan anseeignet hat.““ . Heft 11.— 112 144 —,— Die Beſtimmung, daß, wenn ein Ausloͤnder im Auslande gegen einen Franzoſen Verbinolich⸗ keiten contrahirt, er wegen der Erfuͤllung dieſer Verbindlichkeiten vor franzoͤſi ſche Gerichte ge⸗ ſtellt werden koͤnne, ſetzt voraus, daß der Aus⸗ laͤnder in Frankreich angetroffen wird, und ent⸗ haͤlt in ſo fern auch nichts unerhoͤrtes, indem ſie ſſicch auf die Lehre vom Arreſt gruͤndet.— Denn es konnte den franzoͤſiſchen Geſetzgebern wohl— wenigſtens derzeit— nicht in den Sinn kom⸗ men, daß die franzoͤſiſchen Gerichte den Auslaͤn⸗ der aus ſeiner Heimath nach Frankreich holen laſſen koͤnnten. Das Neue iſt freilich in dem Satze nicht ſowohl, als uͤberall in dem Geiſte der franzoͤfiſchen Geſetzgebung enthalten, daß der Auslander hier leiden muß, daß er nach franzoͤ⸗ ſiſchen Geſetzen gerichtet werde, und nicht dar⸗ aauf provociren kann, daß das ius loci, wo er contrahirt und delinquirt hat, gegen ihn zur An⸗ wendung komme. Denn der franzöſiſche Rich⸗ ter darf eines Theils nur nach franzoͤſiſchen Ge⸗ ſetzen Recht ſorechen; andern Dheils wird ange⸗ nommen, daß der Fremde, welcher ſich mit ei⸗ nem Franzoſen eingelaſſen hat, zuͤgleich mit Hin⸗— ſicht auf die franzoͤſiſchen Civilrechte rontrahirt, a und ſich denſelben habe unterwerfen wollen. Es folgt hieraus von ſelbſt, daß, wenn der et. Auslaͤnder nicht nach Frankreich kommt, der Franzoſe den ordentlichen Weg der Rechtsver⸗ colgung, einſchlagen, und ihn bei ſeinen, des zu Verklagenden, Gerichten belangen muß. Denn das Geſetz ſagt nicht, daß der Auslaͤnder auch hier, ſo wie in dem vorigen Fall, in Heanthach und von franzoͤſiſchen Gerichten ſoll vorgeladen weden Köyneih Das etre An6 geht ausſchu⸗ — leläͤrder bindlih, no dieſe ichte g, der Aus⸗ und ent⸗ ndem ſe Dem wohl- nn kom⸗ Auslän⸗ th olen in den n Gaſe daß dr franzi icht dar , 1 wo e zur Ao he Rii⸗ chen Ge erd ange⸗ h mit u⸗ mit Hir tr ahi len. venn der nt, der hechtsver⸗ , des ill Denn er auch antkreich ggeladen usſchli⸗ 145 3 —B—— ßend auf den vorigen Fall, und das étre tra⸗ duit faͤllt von ſelbſt weg, wenn nichts in Frank⸗ eich iſt, was traduit werden kanu. Zweiter Fall: Wenn der Auslaͤnder Kläaͤger(demandeur) iſt. Von dieſem Fall ſpre⸗ chen die Arrikel 15 und 16.— Ihr Gegenſtand iſt, wie Locré ſagt, d'ouvrir la porte des tribu- naux français à l'étranger demandeur, et de T'empécher d'abufer de cette faculté contre les Français. Der Artikel 15 verordnet, daß ein Franzoſe we⸗ gen der im Auslande ſelbſt gegen einen Auslaͤnder con⸗ trahirten Verbindlichkeiten vor ein franzoͤſiſches Gericht ſoll geſtellt werden koͤnnen. Es kommt hier wieder das Wort traduit vor, worauf ich beſonders aufmerkſam machen muß. Locré meint,„das im vorigen Artikel verwor⸗ fene Princip, naͤmlich, daß der Klaͤger ſeine Klage bei dem Richter des Beklagten anbringen muͤſſe, ſei hier gerade zur Baſis des Artikels gemacht worden. (Wir haben oben gezeigt, daß es auch beim vorigen Artikkel nicht iſt anterdruͤckt worden.) Nichts hindere hier die Anwendung deſſelben. Das buͤrgerliche Ge⸗ ſetz protegire zwar auf der einen Seite die Franzoſen in erlaubten Dingen, aber es wuͤrde unwuͤrdig ſeyn, an ihren unerlaubten Handlungen Theil zu nehmen. Daher muͤſſe auch der Auslaͤnder berechtigt ſeyn, die im Auslande von Franzoſen gegen ihn contrahirten Verbindlichkeiten in Frankreich zu verfolgen.. Wir bemerken zum Verſtaͤndniß dieſes Artikels: 1) daß der Franzoſe ſeine Eigenſchaft als Franzoſe und ſeine Civilrechte allenthalben auch im Auslande mit ſich herumtraͤgt, ſo lange er die Eigenſchaft eines Franzoſen nicht verloren hat. In dieſer Ruͤckſicht konnte alſo Locxé ſehr gut annehmen, daß er ſeinen . 11 3 148 1 Gerichtsſtand in Frankreich habe— ein ſogengntes forum originis, obgleich er da, wo er ſich jetzt auf⸗ haͤſt, allerdings ſeinen Gerichtsſtand im ſtrengern Sinne hat. 2) Vermoͤge dieſes fori originis,(wir wollen es ſo nennen, weil wir keinen paſſendern Na⸗ men wiſſen,) kann er denn auch auf die von Ausloͤn⸗ dern gegen ihn in Frankreich erhobene Klage nicht blos eité, ſondern ſelbſt traduit werden, das heißt, wenn er in Frankreich iſt, unmirtelbar, ſonſt aber, wenn er ſich im Auslande aufhaͤlt, mittelbar(durch Requiſi⸗ torialien) gezwungen werden, ſich vor den franzoͤſi⸗ ſchen Gerichten zu ſtellen, welches letztere bei dem Aus⸗ laͤnder, wenn dieſer der Beklagte iſt, wie wir oben geſe⸗ hen haben, nicht ſtatt fand, und aus ſehr natuͤrlichen Gruͤnden auch nicht ſtatt finden konnte. Nach Looré iſt die Verfuͤgung des Artikels nur von dem droit d'actionner, nicht von dem mérite des actes qui forment la baſe de l'action zu ver⸗ ſtehen, und dies ſtimmt auch vollkommen mit den Dis- cufſions uͤberein. Um dies zu verſtehen, bemerke man: der Artikel war ſo vorgeſchlagen worden: un Français peut èêtre traduit devant un Tribunal de France pour! Texécution d'actes confentis en pays étranger. Auf die Bemerkungen von De⸗ fermon, Emmery und Tronchet wurde aber fe actes, obligations geſetzt, und uͤberall der Arti⸗ el ſo gefaßt, als wir ihn jetzt im Code beſitzen. Man meinte naͤmlich, die projectirte Faſſung koͤnnte von Franzoſen dazu benutzt werden, auswaͤrts Rechts⸗ acte zu errichten, um dem droit d'enregiſtrement zu entgehen. Bei der gegenwaͤrtigen Faſſung des Ar⸗ tikels kann daher nur der Auslaͤnder ſein gegen einen Franzoſen im Auslande erworbenes Recht vor einem franzoͤſiſchen Gericht verfolgen, dieſes aber unterſucht, ob der Act, aus welchem das Recht entſpringt, wenn üce 15/ ith 8 ttsd nenn d tion wer w hn da tim lu Kntat nanntes eht auf trengern 3,)(wit aen Na Nuelhn⸗ ht bles t, wenn wenn et Reauiſe ranziſe m Aus, en geſe üͤrlichen els nur méͤrite zu ver⸗ m Dis. emerke 1 un bunal ntis en De⸗ de aber er Arti beſihen. koͤnnte Rechts⸗ ement klagt, in ſo fern ſich dort nur ein Obj tion finder. Der Artikel 16 beſtimmt, daß der auslaͤndiſche 147 er daraus als aus einem authentiſchen klagt, auch im Sinne des franzoͤſiſchen Rechts ein ſolcher iſt, und nimmt ſie widrigenfalls als einen Privatact(acte ſous feing privè) an, und verfaͤhrt nach dieſem Ge⸗ ſichtspunkt.— Der Auslaͤnder wird daher immer am beſten thun, wenn er den Franzoſen im Auslande ver⸗ ject der Execu⸗ Klaͤger Caution leiſten ſoll, wenn er nicht mit hinlaͤng⸗ lichen Immobilien im Lande angeſeſſen iſt. Dies iſt nichts beſonderes, wohl aber die Ausnahme, daß, wenn die Rechtsſache eine Handelsſache iſt, dieſe Cau⸗ tion wegfallen ſoll, welche Ausnahme blos zu Gunſten des Handels und Wandels gemacht worden iſt. 1 Das Praject des Code enthäͤlt noch einen ſo abge⸗ faßten Artikel:— A Les étrangers revètus d'un caractère reprè- ſentatif de leur nation, en qualitéè d'ambalſa- deurs, de miniſtres, d'envoyés, ou ſous quelqu autre dénomination que ce foit, ne ſeront point traduits, ni en matière civile, ni en matièére criminelle, devant les tribu- naux de Erancegg. lI en ſera de méme des étrangers qui compoſeront leur famille, ou qui ſeront de leur ſuite. Allein er wurde nach einer kurzen Discuſſion, als zum Voͤlkerrecht gehoͤrig, dahin und aus dem Civilrecht ver⸗ wieſen.(Siehe die Discuſſions du Code civil pan Jouanneau et Solon. Tom. I. pag. 50.) 148 4—'— A. Na ch ter ag zu dem oben Seite 133 fgg. erkläͤrten Art. 14. Unterm roten September 1807 erſchien in Frank⸗ reich ein Geſetz gegen die nicht in Frankreich domicili⸗ irten Auslaͤnder, welches mit Beziehung auf den Ar⸗ tikel 14 Perſonalarreſt gegen ſie zur Sicherheit des kla⸗ genden Franzoſen verfuͤgt. Es iſt auch in der Juris- prudence de la Cour de caſjation, Journal gé- néral des lois et des arrèts par J. B. Sirey. An 1808. I. Cahier. Suppl. pag. g abgedruckt, und beſteht aus drei Artikeln. Art. x. Tout jugement de condamnation qui interviendra au proſit d'un Français contre un étranger non domicilié en France, emporte- ra la contrainte par corps. Art. 2. Avant le jugement de condamna- tion, mais après léchéance ou l'exigibilité de la dette, le prelident du tribunal de première inſtance, dans Parrondiffement duquel ſe trou- vera létranger non domicilié, pourra, Pil ya de fuffifans motifs, ordonner ſon arreſtation Provifoire, fur la requète du crèéancier fkrançais. Art. 3. L'arreltation proviſoire n aura pas lieu, ou cefſera, li l'étranger juſtiße, qu'il poſ- ſède ſur le territoire français un étabſiffement de commerce ou des immeubles, le tout d'une valeur ſuffilante pour alfurer le payement de la dette, ou Pil fournit pour caution une perſon- ne domiciliée en France et reconnue ſolvable. Nach dieſem Geſetze zieht jedes gegen einen in Frank⸗ reich nicht domiciltirten Auslaͤnder zu Gunſten eines Franzoſen ausgeſprochene verdammende Urtheil Perſo⸗ nalarreſt des Verurtheilten nach ſich. Auch noch vor dem Urtheil kann der Perſonalarreſt, wenn es das Gericht auf Kaeden, ſwdese Prcſei nic dem göit ſtud e wen hata mn Ve id, d A dennat tſſe maf de ſtud ue mn lu m. 39 m vint 1 Age tt. 1 keit, Frank⸗ omiclii den A des kla⸗ Juris. al ge. irey. druckt, nation contre porte. amna. ité de mièrs trou⸗ My ſtation agais. raà pas ril po. ſement d'ume nt dela perlor⸗ zable. IFrunt en eints (Perſo⸗ vor dem Gerich 149 —'—— 4 zur Sicherung der Rechte des Franzoſen fuͤr nothig fin⸗ det und proviſoriſch, jedoch nur fuͤr den Fall verfuͤgt wer⸗ den, wenn die Schuld voͤllig liquid und fäͤllig iſt, doch muß Aufhebung dieſes proviſoriſchen Arreſtes verfuͤgt werden, ſobald der Auslaͤnder beſcheinigt, daß er ein Handelsetabliſſement auf franzoͤſiſchem Grund und Bo⸗ den hat, oder unbewegliche Guͤter darauf beſitze, durch deren Werth den Forderungen des Glaͤubigers genuͤgt wird; desgſeichen wenn er einen tuͤchtigen in Frank⸗ 3» 6. 7-,. 9 3 e 1 reich domiciliirten Buͤrgen ſtellt. Aus den motiks dieſes Geſetzes erhellt, daß die Arreſtation des Schuldners nach ausgeſprochener con⸗ demnatoriſcher Sentenz zwar ex officio, die proviſo⸗ riſche Arreſtation aber nicht anders geſchehen darf, als auf den Antrag des Glaͤubigers, und wenn zuvor der Schuldner uͤber die Schuld gerichtlich vernommen wor⸗ 7 den. Zur Beſchoͤnizung des Geſetzes wird in den mpotiks angefuͤhrt, daß gleiche Grundſaͤtze auch in an⸗ dern Landen in Anſehung der Auslaͤnder angenom⸗ men waͤren. 85 Okbgleich das Geſetz in Frankreich gewiſſermaßen einen integrirenden Theil des Code ausmacht, ſo kann es doch in den außerfranzoͤſiſchen Läͤndern, wor⸗ in der Code Napoléon eingefuͤhrt worden, nicht zur Anwendung gebracht werden, aus den Gruͤnden, die gleich in der Rubrik: Zur Anwendung des Co⸗ de Napoléon, angefuͤhrt werden ſollen. 150 X 21 93 1 Zur Anwendung des Code Napoléon. 2 „ 1 In wie fern laͤßt ſich eine verbindliche Kraft der⸗ jenigen franzoͤſiſchen Geſetze, die außer dem Gode Napoléon liegen, aber auf denſelben Bezug ha⸗ ben, außer Frankreich in den Laͤndern, in welchen der Gode Napolson eingefuͤhr worden iſ, 4 2 2 2 4 an nehmen?** 5 Es iſt oben Seite 19 der kaiſerlichen Decrete gedacht worden, welche explications des Code und moyens d'exécution der Verfuͤgungen deſſelben enthalten. Zu ihnen kommen nun noch die wirklichen lois hinzu, die aͤhnlichen Inhalts ſind, und vielleicht in der Folge gar den Code derogirende und abrogirende Geſetze werden duͤrften, ſo wie auch die Gutachten des Staatsraths und andere von der geſetzgebenden Behoͤr⸗ de erlaſſene Verfuͤgungen, die wir nach und nach in dieſem Archive liefern werden. Ueber ihre verbinden⸗ de Kraft in Frankreich und fuͤr den franzoͤſiſchen Rich⸗ ter kann keine Frage ſeyn. Aber es fragt ſich: in wie fern laͤßt ſich eine verbindende Kraft ſolcher franzoͤſi⸗ ſchen Geſetze, die außer dem Code Napoléon liegen, aber auf denſelben Bezug haben, außer Frankreich in den Laͤndern, in welchen der Code Napoléon einge⸗ fuͤhrt worden iſt, behaupten? Nimmt man an, daß dieſe Geſetze einen integri⸗ renden Theil des Code ausmachen, wie ſie es wirklich thun, ſo ſcheint es faſt nicht zweifelhaft, daß ſie eben ſo gut als der Code in den außerfranzoͤſi⸗ 13 151 —.— 8, ſchen Laͤndern, wo dieſer eingefuͤhrt worden iſt, gel⸗ ten muͤſſen. naane dn. Deſſen ungeachtet glauben wir behaupten zurkoͤnnen, 1n daß alle dieſe geſetzlichen Verfuͤgungen, wenn ſie auch mit dem Code in einem noch ſo genauen Zuſammen⸗ hang ſtehen, als außer dem Code liegende Parthien der Geſetzgebung in ſolchen Laͤndern nicht anders ver⸗ tde binde Kraft haben, als wenn ſie ihnen noch nament⸗ cole lcch beſonders ertheilt worden iſt. 8 ſa nr. Denn. elchen 1) iſt der Code, nach der ausdruͤcklichen Erklaͤ⸗ 1), n rung d franzoͤſiſchen geſetzgebenden Behoͤrde, Se bei der im vorigen Jahr 1707 geſchehenen Revi⸗ ſion, ein fuͤr ſich beſtehendes und geſchloſſenes edach Ganzes; woraus yens 2) folgt, daß, wenn der Code— und nur die⸗ galten. ſer— in einem Lande außer Frankreich als Ge⸗ hinzu, ſetzbuch eingefuͤhrt worden iſt, ſich die Einfuͤh⸗ Folge eung nur von ihm allein und nicht zugleich von Geſete deen auf ihn ſich beziehenden, aber doch außer ihm in de liegenden kaiſerlichen Decreten, lois etc., ver⸗ Behir ſteht.— Dazu kommtmt ach i 3) daß mehrere dieſer extravaganten Geſetze aus⸗ indea druͤcklich von der geſetzgebenden Gewalt in Frank⸗ Rich⸗ reich fuͤr Verordnungen erklaͤrt worden ſind, die in wie nur auf den individuellen Zuſtand des franzöͤſi⸗ ngöſ ſchen Staats und ſeiner Buͤrger paſſen, und bei liegen, weelchen daher auch der univerſelle Geſichtspunkt, ichnn der bei der Abfaſſung des Code genommen wor: einge⸗ den, nicht gefaßt werden boönnen. Mit dieſer Behauptung ſcheinen auch die franzoͤſie ntegti⸗ ſchen Geſetzgeber voͤllig einverſtanden zu ſeyn, weil ſie iitüch ſonſt bei der Reviſion des Code gewiß ſaͤmmtliche ex⸗ aß ſie ravagante geſetzliche Beſtimmungen in den revidirten azèe Code aufgenommen haben wuͤrden. 152 —.,.—. Es laͤßt ſich uͤbrigens damit ſehr leicht die Meinung vereinigen, daß der Richter in den außerfranzoͤſiſchen Laͤndern, in welchen der Code eingefuͤhrt worden iſt, befugt ſei, von dieſen extravaganten geſetzlichen Be⸗ ſtimmungen, wenn er will, Gebrauch zu machen. Denn da ihm der Code, wie oben Seite 23 folg. ge⸗ zeigt worden, in allen Faͤlleen, uͤber welche er ſelbſt keine Auskunft giebt, erlaubt, aus der Maſſe der vor⸗ handenen Geſetze das nach ſeiner individuellen Einſicht Beſte auszugreifen und anzuwenden, ſo laͤßt er ihm auch natuͤrlich nach, von dieſen extravaganten geſetzli⸗ chen Beſtimmungen Gebrauch zu machen; und paſſen ſie fuͤr die Verfaſſung des Landes, ſo werden ſie in o fern immer die beſten ſeyn als ſie daher kommen, wo⸗ her der Code ſelbſt originirtt. Ich ſchreibe dieſe Bemerkungen vorzugsweiſe fuͤr den weſtphaͤliſchen Richter nieder. Durch die Conſti⸗ tution des Koͤnigreichs Weſtphalen iſt bekanntlich der Code, aber er nur allein ohne ſeine Anhaͤnge einge⸗ fuͤhrt und d num Gsſegbug 1 worden. 3 — 2. Von der Anwendung der einzelnen geſetlichen Be⸗ kimmungen des Code Napoléon in außerfran⸗ 4 zöſiſchen Länderh üͤberhaupt. 7 Wir glauben hier eine Sache zur Sprache bringen zur muͤſſen, die fuͤr die Richter und Rechtsgelehrten i in den außerfranzoͤſiſchen Laͤndern, worin der Code Nanoléoneingefüͤhrt, worden iſt, von außerſter Wich⸗ tigkeit iſt. Es iſt eine bekannte, und durch den Verkehr mit dem roͤmiſchen Rechte erprobte Wahrheit, daß fremde Geſeßbcher nie recht paſſen, wenn auch die Verfaſſer — — — ai ſm. 1 unn b Muun, düs t Vn K ven n G nn de tüchte wet tänich drͤden ir i von ei ai derc lch nirdi rmni leinung dſiſchen den iſ en Be⸗ machen. folg. ge⸗ er ſellſ der vor⸗ Einſtzt er ihm geſeßl d paſſen ſie in ſ en 7 wo⸗ eiſe ir E onſii ich der einge. en Be⸗ fran⸗ bringn zrten in Code Wic⸗ hr mit fremde efaſſer 3. 153 —B— derſelben von den uniberſelleſten Geſichtspnnkten bei ih⸗ rer Abfaſſung ausgegangen ſeyn ſollten. Denn es kommen doch ſo viele Gegenſtaͤnde vor, bei welchen von der Univerſalitaͤt nothwendig abgewichen, und die Particularitat, d. h. die Sitten und Gebraͤuche der Nation, fuͤr welche die Geſetze eigen gegeben werden, ins Auge gefaßt werden muß. Es iſt wahr, die frau⸗ zoͤſiſchen Geſetzgeber haben vor allen die Univerſalitaͤt des Rechts ſo lange im Auge behalten, als es irgend moͤglich war, aber ſie haben ſich doch auch nicht nur in einzelnen Verfuͤgungen, ſondern ſogar in ganzen Ka⸗ piteln und Titeln zur Particularitaͤt herabſtimmen muͤſ⸗ ſen. Man kann daher höchſtens annehmen, der Co⸗ de Napoléon ſchicke ſich zu einem Civilrechtsgeſetzbu⸗ che fuͤr Laͤnder außer Frankreich mehr als irgend ein anderer Code, aber keinesweges, er ſei voͤllig dazu geeignet, denn alsdann wuͤrde man etwas vernunftwi⸗ driges behaupten. r Wenn von der einen Seite die Particularitaͤt, oder wenn man lieber will, Indivibualitaͤt, die in je⸗ dem Geſetzbuche ſteckt und nothwendig ſtecken muß, ſchon die Anwendung deſſelben in Laͤndern, fuͤr welche es nicht eigends gegeben worden iſt, erſchwert, ſo er⸗ ſchwert ſie von der andern Seite noch mehr die eigen⸗ thuͤmliche Jurisprudenz, in deren Geiſte das Geſetz⸗ buch geſchrieben wird.— Daß man mich recht ver⸗ ſtehe!— Jedes Land hat ſeine figenthuͤmliche Juris⸗ prudenz, die von der eines andern ganz verſchieden, ja ihr oft ganz entgegengeſetzt iſt; ganz eigene Begriffe von einzelnen Rechtsgeſchaͤften und Rechtsinſtituten, ganz eigene Grundſätze, die bei der Rechtsſprechung in Betrachtung kommen. Ich habe hier die allgemeinen Rechtsgrundſaͤtze und Rechtsregeln im Sinne, welche mehr die Zeit als das Geſetz bildet, und welche gewiſe ſermaßen als Tradition die Baſis der Jurisprudenz und 154 3—,— der Rechtsſprechung zugleich werden. Die Concipien⸗ ten der Geſetze ſind ja faſt immer Juriſten, und koͤnnen auch nicht fuͤglich andere als Juriſten ſeyn. Sie den⸗ ken daher, reden und ſchreiben im Geiſte der Landes⸗ jurisprudenz. So wird dieſe Landesjurisprudenz zu⸗ ſammt ihrer Baſis, die Baſis der Geſetze, welche von ihnen ausgehen, und die ausgegangenen Geſetze muͤſ⸗ ſen und koͤnnen nicht anders als im Geiſte dieſer Lan⸗ desjurisprudenz verſtanden und angewendet werden.— Soll alſo ein von ihnen abgefaßtes Geſetzbuch in einem fremden Lande eingefuͤhrt werden, ſo muß entweder die Jurisprudenz dieſes Landes zuerſt nach ihrer Juris⸗ prudenz umgeſchaffen werden, oder es muͤſſen Modi⸗ ficationen eintreten, unter welchen und mit welchen nur die von ihnen gemachten Verfuͤgungen zur Anwen⸗ dung kommen koͤnnen.— Wahr iſt es freilich, die Zeit gleicht auch hier alles aus, und die Einfuͤh⸗ rung und Anwendung des roͤmiſchen Rechts in den neuern europuͤiſchen Staaten liefert davon den Be⸗ weis. Aber eben dies Ereigniß beweiſet auch, wie vie⸗ le Schwierigkeiten zu Anfang zu uͤberſtehen ſind, und wie theuer die Nation die Wohlthat erkaufen muß, Es giebt noch eine dritte Seite, von welcher her— nicht ſowohl! unmittelbar als mittelbar— die Anwen⸗ dung oder vielmehr der Gebrauch fremder Geſetzbuͤcher mit Schwierigkeiten verbunden iſt. Dies iſt die Spra⸗ che und der Stil, in welchen die Geſetze und Geſetz⸗ buͤcher geſchrieben werden. Von der Sprache wollen wir einſtweilen ganz abſehen, ſo bedeutend auch der Umſtand fuͤr den Auslaͤnder iſt. Wichtiger aber iſt der Stil, 2 worunter wir die luriſiſch uhieche beſon⸗ —„ 4) Man vergleiche mit dem hier geſagten Winkops Jour⸗ nal: der rheiniſche Bund, Heft 9. Seite 474. utt ni ſriben i imn Daß Prach a W cu bie mrell 1d nach fremden Geſetzbuͤchern gerichtet zu werden.*) eneibien konnen Sie den⸗ Landes⸗ denz zu⸗ elche don be miſ iſer Lan⸗ rden.— in einem atweder r Juris⸗ n Mo welchen Anwen⸗ lich, di Einfü⸗ in den den Be⸗ wie vie⸗ Anwen⸗ zoüͤcher Spra⸗ Geſez⸗ wollen uch der iſt der beſon⸗ — Jeut⸗ * her— 35 ders die Sprache der Praktiker, ſowohl in den Worten ſelbſt als in der Wortfuͤgung verſtehen. In welche Schwierigkeiten hat dieſer Stil nicht den Interpreten des roͤmiſchen Rechts, in welchem er eigentlich zu Hau⸗ ſe gehort, von jeher verwickelt! Kein Geſetz und kein Geſetzbuch iſt von dieſem Stil ganz frei, nur in dem einen trifft man ihn mehr, in dem andern weniger an. Im Code Napoléon herrſcht er in einem ſehr ho⸗ hen Grade, in dem ſogenannten Stile de Barreau, und wir haben bereits oben davon eine Probe gege⸗ ben.— Der Auslaͤnder muß, wenn er das ihm dar⸗ geborene Geſeßbuch gehdrig faſſen und anwenden wil, nicht nur mit der Sprache, worin das Geſetzbuch ge⸗ ſchrieben iſt, ſondern auch mit dem darin herrſchenden Stil innigſt vertraut ſeyn.* — Dieſe dritte Seite iſt es indeß nicht, die hier in Betrachtung kommt, ſondern ſie gehoͤrt in die Rubrik: Zur Ertlärung des Code Napo léon. Wir haben es hier blos mit den beiden andern zu thun, 4 und woͤllen in dem Code betrachten:— I. die Parthien, in welchen die Geſetzgeber ganz von Univerſalität geleitet worden ſind. II. Die Parthien, wo ſie die Partieularitoͤt oder Individualitaͤt geleitet htt. II. Die Parthien, welche ganz oder zum Theil im Geiſte der franzoͤſiſchen Jurisprudenz geſchrieben ſind, und es daher dem Auslaͤnder ſchwer fallen *) Wir köoͤnnen bei dieſer Gelegenheit nicht umpin, die deut⸗ ſchen Richter und Sachwalter darauf aufmerkſam Ju machen, ſich mit der franzoͤſiſchen, beſonders der franzöſiſchen juriſti⸗ 2———— ſchen, Sprache bekannt zu machen. Die Ueberſetzungen des Code Napoléon leiſten durchaus keine Genuͤge, es vaͤre denn, daß in dem Lande, worin der Code eingefuͤhrt wsr⸗ den, eine offieielle Uebesſeanng, bekannt gemacht wuͤrde, wie ſolche fuͤr das Koͤnigreich Wenphalen erſcheinen ſoll. — 156 —',— 4— mnmuß, den richtigen Sinn, und noch mehr die n richtige Anwendung derſelben zu finden, und die Regeln fuͤr die Anwendung der zu II gehorigen Beſtimmungen in Laͤndern außer Frankreich, worin der Code Napoléon eingefuͤhrt worden iſt, aufſtellen. 4 (Die Fortſetzung folgt.) VIII. Zar Geſchichte des Code Napoléon. .1 Nachträͤge zu I, 1. Seite 1 folg. Es gab nach Locré*) in dem alten Frankreich mehr als 180 coútumes, welche das droit coùtu- mier, mit Hinſicht auf die Eintheilung der pays in pays du droit coùtumier und du droit écrit aus⸗ machten.**)— Von andern franzoͤſiſchen Juriſten wird die Zahl dieſer coutumes noch viel hoͤher angege⸗ ben.— Sie wurden durch die coütumes locales, 2*) Eſprit du Code Napoltow. Tom. I.. **) Die franzoͤſiſchen Juriſten nennen dieſe coütumes, wenn ſie ſelbige den cotumes locales entgegen ſetzen, auch du. ſig coſtumes générales und die localen ſpéciales. Do geſchieht das nur abuſive, indem, wie oben Seite 2 be⸗ mnmerkt worden, die coũtumes générales die allgemein durch ganz Frankreich geltenden, und zum droit commun gehoͤri⸗ gen coëtumes in ſich begriffen. Am richtigſten iſt wohl die von Mallebay de la Motte aufgeſtellte Theorie, wel⸗ icche coutumes univerlelles, genérales und localss oder ſpé- eiales unterſcheidet.. * vum vani Naudet! elle ſu ins dtgegen eiſe = — — b der modificirt. Alle dieſe coütumes waren ſo von gehbtgen einander verſchieden, daß der beruͤhmte Kanzler d'A- woeinda gueſleau den Vorſchlag von Bourjon, ſie e. ſaͤmmtlich in ein einſtimmiges droit commun zu ver⸗ 8 0hb) einigen, durchaus fuͤr unausfuͤhrbar erklaͤrte. Das groit coùtumier, wenn man darunter ge⸗ ſammte in den pays dieſes Rechts geltende coútumes begreift, war alſo ein an ſich ganz verſchiedenes, aus den heterogenſten coütumes zuſammengeſetztes, und nur unter einem gemeinen Namen dem droit écrit Gon. entgegengeſettes Recht. Auch das droit écrit war gewiſſermaßen eben ſo verſchieden, wenn man erwaͤgt, wie viel an dem römiſchen Rechte durch die Jurispru⸗ denz der Parlemente war abgeaͤndert worden, und wie ſehr es durch die Ortsobſervanzen(coutumes loca- es), die auch in den pays du droit écrit beſtanden, 8 I.. 157 6. mehe d die in großer Menge gleichfalls vorhanden waren, wie⸗ modificirt wurre.— Krankric Allgemein galt das roͤmiſche Recht in gewiſſen Ma⸗ t cotle- terien, z. B. in der Lehre von Contracten, als ein ge⸗ pijs in ſchriebenes Vernunftrecht. Durchgehends konnte es bcrit aus nicht ſo gelten, z. B. in den Materien von der Erb⸗ Juiſen folge, denn hier ſtanden nicht blos die coütumes, ſon⸗ er angege⸗ dern auch die auf ſelbige und die Verfaſſung gebaueten locdes landesherrlichen allgemeinen Verordnungen im We⸗ — ge.— Das roͤmiſche Recht machte mit den lois du prince, den ordonnances, édits und déclara- na, A tions, die natuͤrlich den Vorzug hatten, das droit auch diu⸗ commun ans. Aber die édits du prince enthielten e0 8 mehrentheils nur unzuſammenhängende, auf keine all⸗ mein durch gemeinen Prineipien gebauete, ſondern an die coùtu- 33 84 mes ſich anſchließende Verfuͤgungen uͤber eine Menge hne von Rechtsgegenſtaͤnden. Bei dieſer Unvollſtaͤndigkeit ther ſe. des droit commun ſowohl als particulier und bei 1 1 1 53838 1 —— der allgemeinen Zweifelhaftigkeit des Rechts maßten ſich die Parlemente an, durch dispoſitions généra: les et reglémentaires, jedes fuͤr ſeinen Bezirk die Rechtsvrineivien zu fundiren.(Siehe oben S. 115. 5 Man. hatte in der paͤltern Zeit mehrmalse in Frank⸗ reich daran gedacht, dieſem Staate, der es ſo ſehr be⸗ durfte„ ein einfoͤrmiges Civilrecht zu deben. Carl VII ſoll zuerſt auf dieſe Idee gekommen ſeyn. Ihm hat als Vorbereitung zu der zu beginnenden großen Arbeit Frankreich die Redaction der coutumes zu danken. Eine Ordonnanz dieſes Regenten vom Jahr 1453 ge⸗ bot, daß alle coutumes, die bisher auf bloßer Tradi⸗ tion beruheten, geſammelt, niedergeſchrieben, von den praktiſchen Juriſten eines jeden pays verglichen, und demnoͤchſt von dem Grand Conſeil und dem Parla⸗ ment unterſucht und autoriſirt werden ſollten. Da⸗ durch wurde wenigſtens das Schwankende und Unbe⸗ ſtimmte in den coutumes gehoben.— Louis XI ſoll gleichfalls eine neue Civilgeſetzgebung projectirt ha⸗ ben.— Unter Heinrich III nahm der Praͤſident Briffon die Sache von neuem vor, und wollte alle coùtumes zu einer großen umfaſſenden Geſetzgebung vereinigen. Allein es blieb hier, wie in den vorigen Zeiten, bei dem bloßen Project. Es ſtanden auch ei⸗ ner neuen einföͤrmigen Civilgeſetzgebung zu viele Hinder⸗ niſſſe im Wege, als: die bechie der Geiſtlichkeit und des Adels und die vielen Privelegien, in deren Beſitz nicht blos Individuen und Corporationen, ſondern ganze Proviaten ſich befanden. Nur durch die Revolution, welche dieſe Hinderniſſe durch Vernichtung aller einer ſolchen Civilgeſetzgebung im Wege tretender Gerechts⸗ ſame aufhob, konnte ſie erſt erbejgefihe und begruͤn⸗ der werden.. 1 9 1 de flär 1 weut ande d 1f ſütheb ſnite — drhene tn slos Aand , n firr, u i off 28 whent, ienſeſ giheG umige (hlam rinen Vatn. di uic arnſi N nta Cunmſi s Uüien K maßten genbra ejirk ddè f115.) 1Fran ſehr be Cau⸗ um a Arbei danken 483 g rTrade von da 1Patte d 1 teeien ſo ſehr getheilt, vergaß dennoch nicht das buͤr⸗ d Unbe uis N. ttirt he⸗ räſiden allte alt ggebung borigen uch ei⸗ Hinder und des tiit ganje blution, er einer erechte egruͤn⸗ 2. —— 1 1 2. Nachtrage zu HI, 3. Seite?7 fols. Die conſtituirende Nationalverſammlung war auf⸗ geklaͤrt genug, um das Beduͤrfniß einer allgemeinen und einfoͤrmigen Civilgeſetzgebung zu fuͤhlen, aber ſie wurde durch die beſondern revolutionaͤren Ereigniſſe aufgehoben, ehe ſie Hand ans Werk legen konnte. Indeß verband ſie ihre Nachfolger dazu gewiſſermaßen durch eine in die Conſtitution von 1791 Art. 1 einge⸗ ruͤckte Stelle, des Inhalts: Il ſera fait un Code des lois civiles communes à tout le royaume— Allein die geſetzgebende Verſammlung, welche ihr folg⸗ te, wurde zu ſehr durch die buͤrgerlichen Unruhen ge⸗ ſtort, und konnte daher ſich nur wenig mit dem Fache der Geſetzgebung beſchaͤftigen.— Der National⸗ convent, obgleich durch die darin entſtehenden Par⸗ gerliche Geſetzbuch. Der damalige Volksrepraͤſentant, nachmaliger zweiter Conſul und jetziger Reichs⸗Erzkanz⸗ ler Cambacères, wurde beauftragt, ein Project zu einem Civilgeſetzbuche zu entwerfen. Er uͤbergab es den 9ten Auguſt 1798. Allein da einige exaltirte Koͤ⸗ pfe, welche alles neu geſchaffen wiſſen wollten, darin Grundſaͤtze aufgeſtellt fanden, welche die Erfahrung der Zeiten geheiligt hatte, und verlangten, daß eine Commiſſion von lauter Philoſophen ernannt werden ſollte, um ein Civilgeſetzbuch anzufertigen, ſo gerieth die Sache in Stocken, und bald war von ihr gar nicht mehr die Rede. Nach einiger Zeit wurde indeß die Civilgeſetgebung von neuem wieder vorgenommen. Cambacères uͤbergab den 2ten Fructidor des Jahres II ein neues ſtattliches Profect, worin ſich die verlangten philoſo⸗ phiſchen Grundſatze in ziemlicher Menge fanden. Der Heft II. 13 160 —— Convent decretirte davon auch einige Artikel, die aber nicht promulgirt wurden, und alſo auch keine Geſetzes⸗ kraft erhalten haben. Ehe aber die neue Geſetzge⸗ bung zur Reife gelangen konnte, endigte der Convent ſeine Sitzungen unter den fuͤrchterlichſten buͤrgerlichen Unruhen, und die Anfertigung eines Civilgeſetzbuches gerierh dadurch von neuem in Stocken. Die Conſtitution vom Jahre 1 III ſtellte die Ruhe eine Zeit lang wieder her.— Der Rath der Fuͤnf⸗ hundert benutzte die Zeit, um die? Arbeit uͤber den Co⸗ Hde civil wieder vorzunehmen. Cam bacères uͤbergab zu dieſem Behuf ein drittes Preſert am 24ſten Prairial des Jahres IV. Diesmal war Ca mba ce bres ſeinen Einſichten mehr ͤberlaſſen geweſen, als die beiden vorigen Male, obgleich er doch nicht hatte umhin koͤnnen, den einnal gefaßten Vorurtheilen zu huldigen. So hitzig man aber auch anfangs bei der Arbeit zu Werke ging, ſo langſam ging ſolche hinterher von ſtatten. Drei ganze Jahre verſtrichen. ohne daß man betraͤchtlich fortge⸗ ſchritten waͤre. Zuletzt wurde nur die Sache als Luͤ⸗ ckenbuͤßer, und wenn es an audern Arbeiten fehl te, be⸗ trieben. So kam der 18te Brumaire heran, mit welchem ſich die Directorial regierung endigte, und fer⸗ nerhin auch von idren Arbeiten im Fache der Geſetzge⸗ bung nicht weiter die Rede war. Locré theilt die Arbeiten, denen man ſich bei der Verferngung des Gode Nopoléon unterzog, in 4 Claſſen ein. J. Worbereitende Arbeiten. Dahin gehö⸗ ren die oben Seite 10 angefuͤhrten Ueberſetzungen fremder Geſetzbuͤcher in die franzöſiſche Spra⸗ 8 wie abet eſehes. eſezge ondent eriichen zbuches Rahe Fuͤnf. en Co. dres 8 nſichtm Mal, einm ig man ing, ſt ei ganz fortge als Li⸗ te, be⸗ ,, mit nd fer⸗ iſeßge⸗ 24ſten . 161 6——— che,*) die Pruͤfungen der vorhandenen Pro⸗ jecte zu einem Code civil, die Anfertigung ei⸗ nes neuen Projects und die Einholung der Gut⸗ * e 8— achten der obern Gerichtshoͤfe, inſonderheit der Cour de caffation.— Wir bemerken nur noch, daß dieſe Gerichtshoöfe Commiſſionen er⸗ nannten, von welchen das neue Proſect gepruͤft wurde, und demnaͤchſt ihre Bemerkungen dar⸗ uͤber ſowohl im Ganzen als uͤber einzelne Par⸗ 11. thien und Arrikel mitcheilten. Redaction im Staatsrath.— Die Geſetzvorſchlaͤge, welche im Staatsrath discutirt werden, werden in Frankreich allemal in einer ſeiner Sectionen vorbereitet. Die Section der Geſetzgebung beſchaͤftigte ſich mit den Vorſchlaͤ⸗ gen zu den Geſetzen des Code Napoléon. Sie unterſuchte das von der Geſetzcommiſſion entwor⸗ fene Project mit den Redacteurs deſſelben, ver⸗ glich damit die Bemerkungen, welche von den Gerichtshoͤfen eingegangen waren, und nachdem ſie ſolches entweder ohne oder mit Modiſicatio⸗ nen angenommen hatte, nahm ſie daraus die Vorſchlaͤge zu den einzelnen Titeln, welche ſie nach und nach zur Discuſſion im Staatsrath brachte.*) So diente die Vorarbeit der Ge⸗ — “) Vergleiche oben Seite 8. Ich muß bei dieſer Gelegen⸗ heit einen a. a. O. begangenen Irrthum berichtigen. Huͤ⸗ lot's Ueberſetzung der Pandecten iſt nicht zum Behuf der neuen franzoͤnſchen Geſetzgebung geſchehen, ſondern war ſchon lauge von ihm veranſtalnet, und nur der Addruck durch be⸗ ſondere Umſtaͤnde zuruͤckgehalten worden. **) Hiernach laͤßt es üch leicht erklaͤren, warum der Vor⸗ ſchlag zu einem Artikel in den Sitzungen oft ganz anders ausſah, als wie er im urſprünglichen Projeet des Code ci- vil ſieht. Am beſten uͤberſieht man das, wenn man die bei den Discuffions von Joanneau und Solon mit be⸗ findlichen Geſetzvorſchlaͤge mit dem urſpruͤnglichen Projeck vergleicht. 12.* . 2 162 —“(— ſebeommiſſion zur Baſis der Discuſſion in der tf Section der Geſetzgebung, und die Entwuͤrfe der ricj Section der Geſetzgebung dienten wieder zur da) Baſis der Diseuſſion im Plenum des Staats ann raths. a Nicht die erſtere, ſondern dieſe letztere Discuſ⸗ on ſion iſt es, welche protocollirt und oͤffentlich be⸗ n kannt gemacht worden iſt. Man hat nichts da⸗ m — bei verloren, daß die erſte Discuſſion ungedruckt an geblieben iſt, weil die Section der Geſetzgebung ſtz genoͤthigt war, im Plenum des Staatsraths de d mmotiks zu dem Geſetzvorſchlag vorzubringen, mm und auf die Einwuͤrfe zu antworten, folglich de i letztere Discuſſion, welche gedruckt wurde, allete m weſentliche enthalten mußte, was die erſtere nur fn irgend haͤtte enthalten koͤnnen. JBa 1 Anfangs war man daruͤber zweifelhaft, oob u die Discuſſionen in die Haͤnde des Publicums ge-. geben werden ſollten. Aber die Erwaͤgung, von 11 welchem Nutzen ſolches eines Theils fuͤr die In⸗ Nl terpretation ſeyn wuͤrde, andern Theils, welche Belehrung die Urtheile und Einwuͤrfe ſo vieer a trefflichen Rechtsgelehrten gewaͤhren duͤrfften, u entſchied endlich fuͤr die Bekanntmachung der Discuſſionen Dnuh den Druck. 4 m III. Pruͤfung im Tribunat. Oben Seite 10 er iſt dieſer Pruͤfung in geheimen Sitzungen gedacht worden.— Wie das Tribunat angeordnet wur⸗-⸗ de, hatte es die Einrichtung nicht, die es jettt f hat. Wenn es uͤber die Annahme oder Verwer⸗ Rin fung eines Geſetzvorſchlags abſtimmen ſollte, o d ernannte es eine Commiſſion, welche ihm davon. an Bericht erſtatten mußte. Man ſah aber bald l ein, daß weder dieſe Berichtserſtattung noch de 1 darauf fol gende öffentliche Beratzſchlagang den m in der ife de der zur Staat Diseuf lich be⸗ hts da⸗ edruckt gebung ths die tingen, lich di alls ere nar ft, ch ms ge 1/ von le In⸗ welche vieler uͤrften, ing der Feite 1 gedach et wur⸗ es ſißt gerwer⸗ lte, ſo davon. t bald ich die g den 163 3 ——. gehofften Zweck erreichte. Die Commiſſion, welche den Bericht erſtattete, war entweder mit den moriks des Geſetzvorſchlags nicht geuau be⸗ kannt, oder man erwog auch die Sache nicht ge⸗ hoͤrig, wie das bei oͤffentlichen Berathſchlagun⸗ gen ſo oft der Fall iſt. Man gab daher ſpaͤter⸗ hin dem Tribunat die Einrichtung, die der Staatsrath hat, naͤmlich die Abtheilung in Se⸗ ctionen, und wurden nun die Vorſchlaͤge zu Ge⸗ ſetzen immer derjenigen Section durch den Se⸗ kretaͤr des Staatsraths mitgetheilt, welche ſie ei⸗ gen angingen. Fand die Section des Tribunats bei dem Geſetzvorſchlage Schwierigkeiten, oder gglaubte, daß der Vorſchlag anders und beſſer ge⸗ faßt werden muͤſſe, ſo traten Conferenzen zwi⸗ ſchen ihr und der Section des Staatsraths ein, welche den Vorſchlag zu dem Geſetze gemacht hatte. Auf dieſe Weiſe wurde auch uͤber den Code eivil im Tribunat debattirt.“ Die Bemerkungen des Tribunats haben viel dazu beigetragen, dem Code diejenige Vollkom⸗ menheit zu geben, in welcher wir ihn erblicken. Die Discuſſionen, welche in den Conferen⸗ zen zwiſchen der Section des Tribunats und der Section des Staatsraths uͤber den Code ſtatt gefunden haben, ſind zwhar nicht gedruckt wor⸗ den. Allein da ſie im Staatsrathe ſo oft, als ſie einen weſentlichen Einfluß auf einen Artikel im Code haben, und ſo oft ſie zu einer neuen Discuſſion im Staatsrathe die Veranlaſſungen waren, wieder ſind vorgebracht, und den Proto⸗ collen, welche uͤber die Discuſſionen im Staats⸗ rath aufgenommen wurden, ſind einverleibt wor⸗ den, ſo hat man nichts dabei verloren. Looré X 164 hat uͤberdies in ſeinem Fprit du Code die hand⸗ ſchriftlichen Protocolle benutzt, und alles ausge⸗ ogen, was irgend von Einfluß auf die Erklaͤ⸗ rung des Code ſeyn kann. IV. Sanction des geſetzgebenden Koͤr⸗ pers.— Von dem Verfahren dabei iſt oben Seite 10 und 11 im allgemeinen geſprochen wor⸗ den.— Im Staatsrath wurde daruͤber debat⸗ tirt, ob das neue buͤrgerliche Geſetzbuch dem ge⸗ ſetzgebenden Koͤrper mit einem Male und ganz, oder allmaͤhlig und ſtuͤckweiſe zur Sanction vor⸗ gelegt werden ſolle. Fuͤr das erſtere ließ ſich ſehr viel ſagen, weil ſo der geſetzgebende Koͤrper zu⸗ gleich die Ueberſicht uͤber das Ganze erhielt Auch das zweite hatte wichtige Gruͤnde fuͤr ſich, weil ſo alles beſſer gepruͤft werden konnte. Der Staatsrath entſchied in der Sitzung vom 28ſten Mellidor des Jahres IX dafuͤr, daß der Code in ſo viele beſondere Geſetzvorſchlaͤge getheilt wer⸗ den ſollte, als die Materien es leiden wuͤrden, und jeder Titel Ctitre)*) beſonders dem ge⸗ ſetzgebenden Koͤrper vorgelegt, und von ihm dar⸗ uͤber abgeſtimmt werden ſollte. G Die Redner der Regierung entwickelten dem geſetzgebenden Koͤrper die motiks zu dem Geſetz⸗ voorſchlag. Die Redner des Tribunats trugen demſelben gleichfalls die Wuͤnſche des Tribunats voor, und nach Anhorung dieſer Reden beſtimmte ſich erſt der geſetzgehende Koͤrper uͤber den an ihn gebrachten Geſetzvorſclag. 1 1 2n *) So nannte man das Geſammte eines Geſetzvorſchlags. 1 de wuach i d nnden. Go daung gienen 17 Au ndhen Rttele tigen ſe adae e d n ict A wöman tro ſloen uſt des 00 jebülig Mwuung. End te teus lade Nucioh Reer ie hend s ausge⸗ Kiͤt⸗ iſt obe en wor⸗ r debar⸗ dem ge id ganz, lon vor⸗ ſich ſehr Nper zu⸗ t Ach h, vil Da n 28ſin er Code eilt we⸗ wäͤrden dem ge⸗ ihm der 6 Erklä⸗ 165: —— e— 4. Die verſchiedenen Titel des Code wurden nach und nach promulgirt, ſo wie ſie durch die Dazwiſchen⸗ kunft des geſetzgebenden Koͤrpers zu Geſetzen erhoben wurden. So wurden ſie auch in das Geſetzbuͤlletin nach der Ordnung eingeruͤckt, in welcher ſie als Geſetze er: ſchienen. Man fing nun an, daruͤber zu berathſchlagen, ob⸗ man die neuen Civilgeſetze ſo iſolirt da ſtehen laſſen, oder nicht lieber zu einem Ganzen und in einen Code ver⸗ einigen ſollte. Der geſetzgebende Koͤrper hatte ſchon in der Sitzung vom 6ten I hermidor des Jahres IX erklaͤrt, daß, wenn die Civilgeſetzgebung beendigt waͤre, daß Ganze in einen Code zuſammengefaßt werden ollte. 1 Indeß hatte man dieſe Erklaͤrung eine Zeit hin⸗ durch uͤber andern Geſchaͤften vergeſſen. In der Sit⸗ zung vom 28ſten Brumaire des Jahres X nahm man an, daß man nicht mehr das Geſammte eines Geſetz⸗ vorſchlags Titel nennen duͤrfe, ſondern vielmehr jeder als ein Ganzes in Ditel einzutheilen ſei. In dieſer Hinſicht ſagte Portalis am 3ten Frimaire des Jahres X in ſeinem Expolé général du Code civil, daß man den Code in Geſetzvorſchlaͤge, und jeden Ge⸗ ſetzvorſchlag in Titel eintheilen werde.— Man be⸗ folgte das aus bei den drei im Jahr X praͤſentirten Ge⸗ ſetzvorſchlaͤgen. Allein als im Jahr XI die Discuſſion des Code wieder vorgenommen wurde, erſchienen die gebilligten Geſetzvorſchlaͤge wieder unter der Benen⸗ nung: Titel. Endlich wurde mit Ernſt daran gedacht, ſaͤmmtli⸗ che neue Civilgeſetze zu einem Ganzen und in einen Code zu vereinigen. In der Sitzung vom 2 iſten pluviofe des Jahres NXlI erklaͤrte ſich ſcon Cam- bacéères dafuͤr, als fuͤr eine unerloͤßliche Sache. 166 3 5 In der Sißung vom 15ten Ventoſèe des Jahres XII erhielt die Section der Geſetzgebung den foͤrmlichen Auftrag, den Vorſchlag zu einem ſolchen Vereini⸗ gungsgeſetze zu machen, und legte ihn auch ſchon in der Sitzung vom 19ten deſſelben Monats vor. Aus die ſem Vorſchlag ging das merkwuͤrdige Geſetz vom zoſten Ventoſe des Jahres XII hervor, deſſen oben ſo oft gedacht worden iſt. In Gemaͤßheit dieſes Geſetzes wurde nun in der von dieſem Geſetze vorgeſchriebenen Ordnung,(wie ſie 1 naͤmlich der Code Napoléon hat,) eine neue offi⸗ cielle Ausgabe der vorher ins Geſetzbuͤlletin eingeruͤckten nach und nach erſchienenen Civilgeſetze unter dem Na⸗ men: Code civil, veranſtaltet, zugleich aber beſtimmt, daß die Publication dieſes Civil⸗Codex nicht der Guͤltigkeit der einzelnen fruͤher publicirten Geſetze vom Tage ihrer Publication an Abbruch thun ſolle. So muß alſo in Frankreich die verbindende Kraft der Ge⸗ ſetze, welche den Code Napoléon ausmachen, nicht von der Zeit an, wo der Code oder die Sammlung derſelben erſchienen iſt, ſondern von den Zeiten an be⸗ rechnet werden, wo ſelbige, naͤmlich dieſe Geſetze, nach und nach promulgirt worden ſind. V 1.— 4 4 3— 1 7.** 1 4 DO kbgleich die franzoͤſiſche Legislation ſich in fort⸗ dauernder Activitaͤt befindet, und der Code als ein menſchliches Werk Verbeſſerungen bedarf und beduͤrfen muß, ſo gebot es doch die Politik, fuͤrs erſte nichts⸗ daran abzuaͤndern. Die Meinung der Verfaſſer deſ⸗ ſelben ging dahin, vor dem Ablauf von zehn Jahren ihn keiner Reviſion zu unterwerfen. Man wollteierſt aus der Anwendung in den Gerichten lernen, und aus dem Verſabreg des Eſgeinssieet wo erwande Ser — 4 167 —— des ll ler und Omiſſionen ſtecken moͤchten.— Nur décla- rülicha 3 rations und dispolitions interprétarives ſollten Verin ſtiatt finden koͤnnen. Man iſt auch dieſen Grundſaͤtzen nund treu geblieben, wie ſich aus der im vorigen Jahr Aosdie(1707) veranſtalteten neuen Ausgabe(vergl. Seite 11 oſin folg.) zeigt. Doch(ſagt Locré) geht dieſe Meinung mbch nur auf changemens des dispoſitions decretées, 15 nicht auf dispoſitions ſupplètives. Ergaͤnzungen in de koͤnnen und werden fortdauernd bei neuen officiellen (wieſt Ausgaben hinzukommen. So fuͤgte man dem Ditel e oft. voon der Ehe bald nach ſeiner Promulgation die Artikel äkkn 132, 153, 154, 155, 156 und 157 hinzu. Was em N man im vorigen Jahr der neuen Ausgabe des Code ſimmn, hinzugefuͤgt hat, davon ſoll in der Folge Nachricht ge⸗ ct dr geben werden. b 3 ze bom“ So er Ge⸗ 3. 1 nicht 318— t 1. umlang. N. 2 1 Zur Beurtheilung des Code Napoléon. 4 3 4„ Nachtraͤge zu III, 2. Seite 45 folg. Sn dn Dort ſind die authentiſchen Actenſtuͤcke„ welche ſich bedirfn auf die neue Geſetzgebung beziehen, als vorzuͤgliches e ncoa Huͤlfsmittel zur Ausmittelung der Grundſ ätze und des ſer di Geiſtes der einzelnen im Code Napoléon enthaltenen Jahren Verfuͤgungen genannt worden. Hier ſoll die Frage eltegeſt beantwortet werden: wie der Rechtsgelehrte ſolche ei und au gentlich gebrauchen muͤſſe. Wir thun dies durch ſol⸗ ge di gende Regeln: I. Der Rechtsgelehrte, welcher in den Geiſt des Code Napoléon eindrin⸗ gen will, darf ſich nicht auf das ei⸗ ne oder das andere dieſer authenti⸗ ſchen Huͤlfsmittel beſchraͤnten, ſon⸗ dern er muß ſie alle und zuſammen gebrauchen. Locré*) ſagt: L. e:nde de la qise Mon ne peut bas òôtre divifée: elle doit en embraffer 3. toutes les parties.— Celui qui ſe borneroit à la discuſſion qui a eu lieu dans le conſeil d'é- tat, Perdroit les immenſes avantages, qu'on eut tirer des expolòs de motifs et de la discuſ- lion folennelle. Ils fixent les idées et difſipent ainſi ce que les procès verbaux peuvent jail⸗ ſer de vague et incertain; ils les préſentent avec un ordre et une fuite qa elles ne peuvent pas avoir dans une conférence; ils reſument les débats, quelque fois ils les complètent, en ajoutant de nouveaux developpemens, et en éclairciffant ce qui navoit pas été aſſez expli- qué dans la discuflion Dremieére.— Celui qui ſe borneroit aux expolés de motiks et à la dis- cufſion ſolennelle, mapprofondiroit pas afſez la matiére. Les expolés de motite ſont des re- ſumés gênéraux très précieux; 1. ils ſont gé- néraux, et des lors iis ſont infuffilans pour les perſormes qui ne connoifſſent pas à fond la dis- cufſion quils reſument.„II eſt impoſſible“, difoit le conſull Cambacères dans la féance du 24. brumaire an X,„que les Orateurs du „Gouvernement ne laiſſent rien à déſirer; et „méme la crainte de rop Tétendre doit leur 8 . r“ 4. *) e. 1 hag. 14. 4 dälfim ilen Aen deei kkcolrs Ilb conl wid ns u dent 3 Hons(e paler neco Ni nd an tm af ufan, un, ananen bäenen rung ndr den ve eine dies d je 1 polle Ner aen! dhar in den ndrin⸗ das ei thenti⸗ / ſon⸗ ammen lionne braller rneroit ſeil de. v'on dhan llipent ent lai- ſentent euyent lument antt, en et en expli. Alui qui lds. allr des re- ont ge. our. les Ilä dis fible“, ſance urs du er; et t leur 8—.— 9 1 „faire fupprimer les détails dans un fujet qui, „au contraire, exigeroit encore plus de déve- „loppemens.“ Cette reflexion Papplique éga- lement aux discours prononcés dans le tribu- nat et devant le corps législatif. Si le projet de loi m'a pas éprouvé de contradiction, ces discours ne font que des expoſés des motits. Ils confervent ce caractère, même lorsque la loi à Cté combattue, car ils demeurert toujours dans une certaine généralité; ils ne Pexpli- quent avec quelque détail que ſur les dispoſi- tions conteſtées; encore les développemens ne peuvent-ils pas étre portés aufſi loin que dans une confèérence familière.“ Wir machen die praktiſchen Juriſten in Deutſch⸗ land auf dieſe Aeußerungen von Locré, welche die oben aufgeſtellte Regel beſtaͤtigen, um ſo mehr auf⸗ merkſam, als es bei uns faſt zur Gewohnheit gewor⸗ den war, ſich nur des einen oder des andern der vor⸗ handenen Huͤlfsmittel bei der Erklaͤrung der Geſetze zu bedienen, und bei dem Reſultat, wenn es auch noch ſo mangelhaft ausfiel, zu acquieſciren. Es liegt ſchon in der Natur der Sache, daß bei den gewoͤhnlichen Huͤlfsmitteln zur Geſetzerklaͤrung, dieſe fehlerhaft aus⸗ fallen muß, wenn man nur das eine oder das andere Huͤlfsmittel anwendet. Aber ganz fehlſchlagen muß die Erklaͤrung des Code Napoléon, wenn man von den vorhandenen authentiſchen Huͤlfsmitteln nur das eine oder das andere gebrauchen wollte. Beſonders iſt dies der Fall, wenn man blos die motikfs, uͤber wel⸗ che Locréè ſo ſcharfſinnig raͤſonnirt, anwenden wollte, ohne ſich um die Diseuſſionen zu kuͤmmern. Ueberhaupt alle Discours, alle Reden, die bei der neuen Civilgeſetzgebung Frankreichs vorgekommen ſind, haben nur den Zweck, entweder das Geſetz zu empfeh⸗ 2 17o0 —, ,— len, und heben daher die Veranlaſſung zu demſelben, und die wohlthaͤtigen Folgen, die es haben muß, her⸗ vor, oder es ſollen die Einwuͤrfe dadurch gehoben wer⸗ den, die man gegen das Geſetz vorbrachte, oder end; lich, es ſollen die Urtheile, welche im Publicum um⸗ her gingen, dadurch berichtigt werden. Es iſt durch⸗ aus unmoͤglich, bei dergleichen Vortraͤgen ins Detail zu gehen, wenn man nicht ermuͤden will, um den Geiſt der einzelnen Ver tordnungen au fzufaſſen und zu entwickeln. Wer alſo blos mit Hinſicht auf dieſe Vor⸗ traͤge die einzelnen Artikel des Code Napoléon er⸗ klaͤrt, ohne die Verhandlungen uͤber ſie ſel ſt zu Ra⸗ the zu ziehen, der laͤuft Gefahr, die groͤßten Irrthuͤ⸗ mer zu begehen, und faſt allenthal ben die Geſ ſetze ex⸗ tenſiver zu erklaͤren, als ſie nach der Abſicht der Ge⸗ ſetzgeber perſtanden werden ſollen. Die oben Seite 89 befindliche Nachſchrift, welche Einwuͤrfe gegen die von mir gegebene Erklaͤrung der Art. 340 und 762 des Code enthaͤlt, giebt davon den ſprechendſten Be⸗ weis. So eine einſeitige Geſetzerklaͤrung buͤßt auch denjenigen Theil der logiſchen Geſeße arun ganz ein, der dem Code Napoléon unter allen Geſetzbuͤchern, die je exiſtirt haben, allein eigen iſt; ich meine den, daß mit Zuziehung der Discuſſionen ein Artikel bi amei len ganz entgegengeſetzt verſtanden werden muß,„ als es der Wortverſtand mit ſich bringt, oder doch mit Mo⸗ dificationen, welche nicht in dem Wortverſtande lie⸗ gen. Ihr muͤſſen auch die Principien ganz entgehen, die in der Napol eoniſchen Geſetzgebung bei einzelnen Parthien, ja ſelbſt bei einzelnen Artikeln ſtillſchweigend zum Grunde gelegt worden ſind.— Dies i iſt der Nachtheil von der einen Seite, wenn man blos die motiks, die discours etc. bei der Erklaͤrung des Co- de gebrauchen will. Von der andern Seite, und wenn man ſich lediglich auf die disculſions, und was — dalen tzit, J em VWw eſe iiht.. Wu be it u kor cang fendas A. uhd . faͤxeei ſl nd cer nene nſete, ſ, her ben wer der end⸗ rum ur⸗ ſ durc 3 Detal um dan und u eſeer⸗ Lon a⸗ T Na⸗ Jerhhi⸗ ſehe a⸗ der G⸗ Seir gen de d 762 en Be t auch az ein, üchern, ne den, biswe⸗ als e it Mo⸗ nde lie tgehen, nzelnen veigen iſ der os die Co- „und, dwas 8„ 171 —1—— damit in Derbindung ſteht, einſchraͤnken wollte, wür⸗ de der Nachtheil meſtehen, daß man die allgemeinen Grundſatze, von welchen die Geſetzgeber ausgingen, und die Bewegungsgruͤnde, welche ſie zu dem Geſetze beſtimmten, daruͤber vernachlaͤſſigen, und folglich dee Geiſt der Napol leoniſchen Geſetzgebung in den einzelnen Parthien zu eingeſchraͤnkt auffaſſen wuͤrde.— Ver⸗ bindet man aber ſaͤmmtliche authentiſche Huͤlfsmittel mit einander, ſo kann es nicht fehlen, daß man den Geiſt der Napol eoniſchen Geſetzgebung, ſowohl im Ganzen als im Einzelnen, uuhi auffaßt, und zur Erklaͤrung der Geſetze mitbringt. II. Die authentiſchen Hulfsmirtel müf. ſen in der gehoͤrigen Ordnung und mit der gehoͤrigen Subordination ge⸗ braucht werden. Wenn die erſte Regel fuͤr den vraktiſchen Juriſten von großer Wichtigkeit war, ſo iſt es dieſe zweite nicht minder.— Es iſt beſſer, die authentiſchen Huͤlfs⸗ mittel bei der Erk lrung des Code Napoléon gar nicht zu gebrauchen, als ohne Ruͤckſicht auf die ange⸗ gebene Nage davon Gebrauch zu machen. Aber welches iſt denn die gehdrige Ordnung und die gehoͤrige Subordination? Wir wollen von jeder be⸗ ſonders ſprechen. Die Ordnung der authentiſchen Huͤl fsmittel wird durch die Zeitfolge begruͤndet, in welcher ſ ſie einander ſuccediren. Oben an ſteht das Projet 4 Code ci- vil und der treffliche discours an der Spitze deſſelben, welcher großes Licht uͤber den Geiſt des Code im all⸗ gemeinen verbreitet, und aus welchem wir bereits oben Stellen angefuͤhrt haben, und noch ferner, wo es noͤ⸗ thig iſt, anfuͤhren werden. Daran ſchließen ſich die Bemerkungen der Tribunaͤle Kber dieſen ühnen mitge⸗ - 122 —— theilten Entwurf, welche hernach bei den Geeſeßvor⸗ ſchlaͤgen von der Geſetzgebungsſection, welcher dieſe Arbeit uͤbertragen war, benutzt wurden, und wornach das Project entweder modificirt, ganz verworfen, oder beibehalten wurde. Hierauf folgen die Discuſ⸗ ſionen in der Geſetzgebungsſection ſelbſt, welche uͤber die Beibehaltung oder Modification des Proſects, und uͤber die Gruͤnde dazu Aufſchluß geben, und die Dis⸗ cuſſionen im Plenum des Staatsraths, die Discuſ⸗ ſionen im Tribunat, die Abſtimmungen im Staatsrath uͤber die Bemerkungen des Tribunats, die expoſés des motiks und zuletzt die Abſtimmungen im Tribunat und im geſetzgebenden Koͤrper.— Es iſt oben Seite 162 bemerkt worden, daß wir zwar nicht alle Discuſ⸗ ſionen und Abſtimmungen uͤber die einzelnen Geſetzvor⸗ ſchlaͤge gedruckt beſitzen, daß aber die gedruckten Dis⸗ euſſionen doch alles enthalten, was uns aus den nicht gedruckten zu wiſſen noͤthig iſt. Und was uns hier noch abgeht, hat Locré, der alles zu benutzen Ge⸗ legenheit hatte, uns in ſeinem Eſprit du Code Na- poléon ge liefert. Wir haben bereits oben von dieſem fuͤr die Erklaͤrung des Code Napoléon faſt claſſiſchen Werke Gebrauch gemacht, und werden auch noch in der Folge davon Gebrauch machen. Die hier nieder⸗ geſchriebenen und nech niederzuſchreibenden Regeln ſol: len blos dem Praktiker ſun Selbſtſtudium und dazu dienen, uns bei der Erklaͤrung des Code folgen, und Irrthuͤmer, die wir ſelbſt begehen ſollten, bemerken zu konnen. Die Subordination der authentiſchen Huͤlfsmittel des Code Napoléon wird zwar auch eines Theils durch die Zeitfolge dieſer Huͤlfsmittel mit, andern Theils aber und vorzugsweiſe vurch den dieſen authen⸗ riſchen Huͤlfsmitteln eigenen Zuſammenhang begruͤn⸗ det. Untergeordnet ſind naͤm lich die expolés des md en Aatzan ade de aalio dm Hiihe 1 ſa dn d nülged te u m h! ſa bſi unni NLAai MFuaut vem 2 Nagl duf d ode da Rrarh Nurani⸗ Uwnichn lnift un hern. MVhants donrt, ks acl rauncr Ahraiut DNvele h. Nſeßzut ee diſe wornach rwotfen, Dätuſ⸗ che uüber 8, und die Di⸗ Diselſ natsrath Xpoſés tribunat n Sätt Diti eſeheer teen Di⸗ een nich uns die hen he de MW. ndieſen aſchm noch in nieder⸗ Theil andern nnthen⸗ egrun⸗ s des X 173 motifs den discuſſians, in ſo fern noͤmlich von dem Verſtehen und der Erklaͤrung der einzelnen Artikel des Code die Rede iſt. Untergeordnet ſind wieder die discuffions den expolés des motifs, in ſo fern von dem Geiſte und der Tendenz einzelner Titel oder Geſetze die Frage entſteht, oder es irgend zweifelhaft aus den disculſions bleibt, in welchem Sinne ein Artikel genommen und verſtanden werden ſoll. Dieſer letzte Punkt kommt beſonders alsdann in Betracht, wenn aus den discufſions nicht erhellt, in wel⸗ chem beſtimmten Sinne der Artikel ange⸗ nommen worden iſt, wo natuͤrlich, wenn der Wortverſtand deſſelben mit Hinſicht auf die Discuſſid⸗ nen nicht ſowohl als der mit den Worten zu verbinden⸗ de Sinn zweifelhaft bleibt, zur Ausmittelung dieſes die expofés des motifs zugezogen werden muͤſſen. III. Bei den discullions hat man ſehr auf ſeiner Hut zu ſeyn, um ſich nicht in die unreifen und abſchweifenden Ideen zu verlieren. Die Art und Weiſe, wie die franzoͤſiſche Geſetzge⸗ bung verhandelt wird, hat es gewiſſermaßen ſchon zur nochwendigen Folge, daß bei den Debatten uͤber ein vorgeſchlagenes Geſetz oder eine Parthie des Geſetzes unreife und abſchweifende Ideen mit zum Vorſchein kommen. Chaque opinant, ſagt Locré,*) uſuant de la liberté que ce mode de discuter lui donne, produit à l'inſtant même, et avant de les avoir muris ſes reflexions, les doutes, ſes reminiſcences, les propoſitions. On eſt louvent entrainé par l'idée prélente hors de la ligne na- turelle de la discufſion: on pafſe rapidement 5 7 .) 1.. pag. 18. 84 —y— dun objet à un antre, de P'objet principal à Pob- re une autre, à laquelle on dandlu d'abord; quelque fois on ne revient plus à la première, quelque fois on m'y revient que par de longs circuits etc. Es kommt, um die Discuſſionen als Huͤlfsmittel zur Erklaͤrung des Code mit dem gehdri⸗ gen Nutzen zu gebrauchen, allein darauf an, das, was uͤber bie Sache pro und contra mit eigentlicher und ſtrenger Beruͤckſichtigung derſelben geſprochen wor⸗ den, auszuheben und von dem uͤbrigen zu ſondern, in 2 gleichen das hervorzuziehen, was weſentlichen Einfluß auf die Faſſung eines Artikels gehabt hat. Ich will indeß damit nicht alle Beruͤckſichtigung der abſchweifen⸗ den Ideen ausgeſchloſſen wiſſen. Was bei der Erklaͤ⸗ rung eines Artikels vielleicht gar nicht in Betrachtung kommt, iſt oft bei der Erklaͤrung eines andern von gro⸗ ßer Wichtigkeit, und wir werden in der Folge Gele⸗ genheit haben, ſolches in mehrern Beiſpielen zu zeigen. 7 1 Nachſchrift. Die folgende vom Herrn Profeſſor Woltaͤr eingeſandte Abhandlung wird gewiß den Leſern die⸗ ſes Archivs um ſo erfreulicher kommen, als ſie rich⸗ tige Beitraͤge zur Aufklaͤrung jetzt gerade recht ſtreitiger Stellen des Code Napoléon enthaͤlt. Ich behalte mir vor, in den folgenden Stuͤcken noch das eine oder das andere daruͤber zu bemerken. 174 1 jet accefloire, de la matière en déliberation Aà une matière connexe: une penſée en fait éclo- ſa — ſn MHNea lrbs ſoan DS Uune ſrrchen Umanm , 16 — der R Th lonn E i u ku IAhop. ation à it éclo. Tabord, enüere, 3 longs onen aeh 1 gehde 1 das, entliche en wor⸗ ern, in⸗ Einfinß Ich wll weifen. „Ertl⸗ achtung on gro⸗ Gele⸗ geigen. Voltt ern die ſie ri fireiiyg hbehalt eine der 2. Widerſpricht ſich der Code Napoléon? 8 Uneerſucht man dieſe Frage nach den vor mir liegen⸗ genden Discuffions, in Anſehung der Stellen des Oade Napoléon, gegen welche aus dieſer Ruͤckſicht Einwendungen gemacht worden ſind, ſo ſcheint ihre Verneinung keinen Zweifel zu leiden. Nicht ſeiten iſt das, was in dieſen Discuſſions wider den Einwurf des Widerſpruchs einiger Stellen geſagt wird, ſo ſchwach, daß dadurch ſogar der Einwand an Stäͤrke zu gewinnen ſcheint. Dennoch hege ich die Meinung, daß dieſes Geſetzbuch von Widerſpruͤchen mit ſich ſelbſt frei iſt. Indem ich dieſe Aeußerung oͤffentlich vorzu⸗ tragen wage, habe ich zu der Billigkeit der Leſer dieſer Zeitſchrift das Vertrauen, daß ſie mir nicht zumuthen werden, daß ich hier uͤber alle Stellen dieſes Geſetzbu⸗ ches mich verbreiten ſoll, welche ſich ſcheinbar wider⸗ ſprechen. Ich werde mich blos damit begnuͤgen, die Gruͤnde vorzulegen, wegen deren ich keinen Wider⸗ ſpruch unter ſolchen Stellen antreffe, in Anſehung de⸗ ren dieſer Vorwurf dem Code Napoléon in dieſer Zeitſchrift gemacht wird. Naach meiner Ueverzeugung darf man zwei oder mehrere Stellen dieſes Geſetzbuchs nur dann erſt fuͤr ſich widerſprechend erklaͤren, wenn ſie einzeln erklaͤrt ſind, die Richtigkeit der gegebenen Erklaͤrung der ein⸗ zelnen Stellen bewieſen, jeder dawider moͤgliche Zwei⸗ fel beſeitigt, und die gleichzeitige Unvertraͤglichkeit der Anwendung dieſer richtig erklaͤrten Stellen dargethan iſt. Uebereilt man ſich bei der Erklaͤrung der einzelnen Heſt II.. 13 4 176 — Stellen, oder haͤlt man eine Erklaͤrung füͤr iichtig, die es doch nicht iſt; trägt man in die Geſetzſtelle einen Sinn hinein, der in der Stelle nicht iſt, indem man darin bald mehr, bald weniger findet, als in dem Ge⸗ ſetze liegt, oder man verwechſelt das Subject bald, bald das Object, oder die geſetzliche Befudhrung⸗ ſo iſt es leicht, die feinen Nuͤancen des Ideenganges des Geſetzgebers zu uͤberſehen, eine anſcheinende Identitaͤt fuͤr eine wahre zu halten, und das Geſetzbuch eines Widerſpruchs zu zeihen. Wir Weſtphaͤlinger muͤſſen vorzuͤglich hierbei ſehr behutſam zu Werke gehen. Ei⸗ nes Theils hat die Sprache dieſes Geſetzbuchs und ihre Eigenthuͤmlichkeiten, als eine juriſtiſche Kunſt⸗ und Gerichtsſ prache, fuͤr uns an die Converſationsſprache 5 Gewoͤhnten, oft keine geringen Schwierigkeiten, die ſich andern Theils auch noch wohl dadurch vermehren, daß das ernſte Studium dieſes Ge ſetzbuchs bei uns noch viel zu jung iſt, als daß ein ſonſi geſchickter Juriſt ſchon voͤllig darin Imenaſe ſeyn ſollte. Dieſe Be⸗ trachtungen reichen nach meiner Meinung aber auch hin, ſowohl denjenigen zu entſchuldigen, welcher einen Widerſpruch unter mehrern Stellen des Code Napo- 1éon findet, als auch den, der in der Aufloͤſung ſol⸗ cher Widerſpruͤche das Ziel verfehlt. Dieſer Entſchuldigung bediene auch ich mich, wenn ich irren ſollte, der ich in den Sanctionen der Artikel 335, 340, 757, 758 und 762 des Code Napo- léon, keinen Widerſpruch zwiſchen den Artikeln 335 und 340 auf einer, und den Artikeln 757, 258 und 762 auf der andern Seite find. Ich ſehe keinen Grund, warum man die, in An⸗ ſehung der Erkl arungekunſt der juſtinianeiſchen Geſetz⸗ buͤcher, ſo nuͤtzliche Erklaͤrungsregel, bei der Deutung einer Stelle des Textes(nigrum) die Ueberſchrift des Abſchnittes(rubrum) nicht zu überſehen⸗ aus bum be lhrrab ſon der wlle apenſ dr 66 E w hr nn C üich fedſen Lin Fnnder ien dr in Vw m düi heig, de lle einen dem man den Ge⸗ ect bod, dung; ſi nges das dentitit ch eins muͤſſun en. E und iht nſt⸗ und nöſptace ſiten, d ermehtw, 3 bei un ter Juſt Diſe de aber auc cher innn le Napp. dfangſe ſich,wen er Ariit e Napo- keln 335 758 und pin An. 1 heeſeh⸗ Dautung heſchtft en, als . 177 3—.— der Reihe der Erklaͤrungsregeln fuͤr den Code N apo- 16on verbannen ſollte. Juſtinian ließ ſeine Geſetzbu⸗ cher in Titel abtheilen, und jeden mit einer Ueberſchrift verſehen, die im Allgemeinen den Gegenſtand anzeigt, mit dem ſich ſeine Geſetzgebung in dem Texte beſchaͤf⸗ tigt. Der Code Napoléon erſcheint als ein Inbe⸗ griff von mehrern Kapiteln, deren jedes mit ſeiner eige: nen Ueberſchrift verſehen iſt. Juſtinian uͤberlaͤßt es ſeinem Leſer, alle Titel ſeiner Geſetzbuͤcher nach ihren Unterabſchnitten wieder abzutheilen, und den Ideen⸗ gang der Geſetzgebung bei der Bearbeitung ihres in der Ueberſchrift des Ditels im Allgemeinen angezeigten Gegenſtandes aufzuſpuͤren, den ſpeciellern Gegenſtand der Geſetzgebung feſtzuſetzen, und ſich dadurch den Weg ſelbſt zu bahnen, um zur richtigen Entdeckung des wahren Objects zu gelangen, von dem in der ein⸗ zelnen Stelle des Dextes gehandelt wird. In dieſer Hinſicht iſt bei der Abfaſſung des Code Napoléon fuͤr deſſen Studium beſſer geſorgt worden. Wie der Augenſchein zeigt, ſind mehrere K witel in Unterab⸗ ſchnitte abgetheilt, und jeder wieder mit ſeiner beſon⸗ dern Ueberſchrift verſehen worden. Warum ſoll denn der Interpret ſich nicht dieſes ihm von dem Geſetzge⸗ ber ſelbſt beigegebenen Fuͤhrers bedienen, um ſich auf dem Wege nicht zu verirren, der zum richtigen Ver⸗ ſtehen eines einzelnen Artikels fuͤhrt? An der Hand dieſes treuen Wegweiſers nimmt man ſogleich wahr, daß in dem Abſchnitte, zu dem die Artikel 335 und 340 gehdren, von den unehelichen Kindern in einer ganz verſchiedenen Ruͤckſicht von der⸗ jenigen disponirt wird, in welcher von unehelichen Kin⸗ dern in dem Abſchnitte des Code Napoléon gehan⸗- delt wird, wozu die Artikel 757, 758 und 762 gehd⸗ ren. Die ſichtbare Verſchiedenheit dieſer Ruͤckſichten hat die Ueberzeugung von der Verſchie⸗ 1 13 178 denheit des Gegenſtandes, mit dem ſich die Geeſetzge⸗ bung in dieſen beiden Abſchnitten des Code Napollon beſchaͤftigr, in ihrem nothwendigen Gefolge, und der hier anzuwendende Grundſatz des Widerſpruchs ver⸗ ſcheucht alle Moͤglichkeit, daß zwiſchen dieſen fuͤnf Arrikeln ein wirklicher Widerſpruch ſtatt finden koͤnnte. Denn nach der lleberſchrift des 7ten Ditels des er⸗ ſten Buches wird einzig und allein von der Paternitäͤt und Filiation der Kinder, und zwar dergeſtalt gehan⸗ delt, daß im erſten und 2ten Kapitel in dieſer Hinſicht in Anſehung der ehelichen, dagegen aber blos in dieſer Hinſicht in Anſehung der unehelichen Kinder im zten Kapitel, wohin die Artikel 335 und 340 gehoren, gehandelt wird. Das Rechtsverhaͤltniß, das aus einer unehelichen Erzeugung, in Anſehung der Paternitaͤt, Maternitaͤt und Filiation zwiſchen den Erzeugenden und Erzeugten eintreten kann, iſt der einzige unyerkennbare Gegenſtand, mit dem ſich die Geſetzgebung in dieſem dritten Kapitel des ſiebenten Ditels des erſten Buchs beſchaͤf⸗ tigt. Alle einzelne Artikel dieſes dritten Kapitels koͤnnen daher in Beziehung auf die Unehelicherzeugten keine andere Tendenz haben, als die Berechtigung der Unehelicherzeugten in Anſehung der Filiation gegen ihre Unehelicherzeuger feſtzuſetzen. Dagegen handelt der ganze erſte Ditel des drit⸗ ten Buchs von der Inteſtaterbfolge, und zwar in der erſten Section des vierten Kapitels von dem wechſelſeitigen Inteſtaterbfolgerecht zwiſchen den Un⸗ ehelicherzeugenden und den Unehelicherzeugten; und vonn dieſer erſten Section machen die Artikel 757, 758 und 762 integrirende Theile aus. Die Ueber⸗ ſchrift dieſer Section kuͤndigt dem Interpreten ſchon im Allgemeinen an, daß die einzelnen Artikel dieſes Ab⸗ ſchnitts keine andere Tendenz in Ruͤckſicht der außer — h⸗ Fundern 1 ui⸗A Gehe ſm ä (u Cad drei d dhrdd 6 6 gitzni Tt, it yrüt Uhſem u hu arnim ſu ir mwüt lazac ſah in JEaige Rnal daſe dah frein tilüch w iin o Rw Unge 8 wd Heſehze⸗ poléon und der che der⸗ n füͤnf konnte. des er ternitt gehan⸗ Hinſiht os in lichen 35 und hältniß nſehung lation intreten d, mt Kapitel deſchäf⸗ Rapitels tzeugten zung der gtion 3 deit⸗ ar in der don dem den li⸗ n; und 8l 757 leber⸗ chon in ſs ⸗ t außer 179 —— 2 der Ehe Gebornen haben ſollen, als die Berechtigung der unehelichen Kinder, ihre unehelichen Eltern ab im teſtato zu beerben, feſtzuſetzen. Kann man aber, ohne ſich einer Interpretations⸗ iniquitaͤt ſchuldig zu machen, die Geſetzgebung eines Widerſpruchs darum beſchuldigen, weil ſie unehelichen Kindern gegen ihre Eltern Filiationsberechtigung zu⸗ geſteht, ihnen aber dennoch zugleich Inteſtat⸗Succeſ⸗ ſions⸗Berechtigung gegen ihre Eltern verſagt? Gehen wir ſodann zu dem dritten Kapitel des Iten Titels im 1ſten Buche zuruͤck, ſo finden wir, daß der Code Napoléon von allen Unehelicherzeugten drei Claſſen bildet. Zu der erſten und unterſten ge⸗ hoͤren diejenigen, welche keinen Vater haben, der ſie geſetzmaͤßig anerkannt hat. Dieſe ſind ganz in der La⸗ ge, in der ſich, nach der roͤmiſchen Geſetzgebung, die Spurii befinden. Die zweite ſchon beſſer geſetzte Claſſe machen diejenigen aus, die von ihrem uneheli⸗ chen Vater, mit Beobachtung der geſetzlichen Form, anerkannt worden ſind. So wie dieſe Anerkennung mit puͤnktlicher Beobachtung der vorgeſchriebenen Joͤrmlichkeit bewirkt werden muß, wenn dadurch ein Unehelichgeborner in dieſe Claſſe kommen ſoll; ſo muß auch in der Regel dieſe Anerkennung eine ganz freiwillige Handlung des Anerkennenden ſeyn. Dieſe gegel leidet blos bei Entfuͤhrungsfaͤllen eine, und noch dazu ſehr eingeſchraͤnkte, Ausnahme. Da das Geſetz die Anerkennung eines unehelichen Kindes ſo ganz der freien Willkuͤhr des Anerkennenden uͤberlaͤßt, ſo iſt na⸗ tuͤrlich jede Conteſtation uͤber die phyſiſche Vaterſchaft des Anerkennenden undenkbar, und der Richter hat eben ſo wenig ein Recht, noch eine Veranlaſſung, uͤber die phyſiſche Baterſchaft des Anerkennenden Unteriu⸗ chungen anzuſtellen, und durch ſeinen Rechtsſpruch noch die phyſiſche Vaterſchaft außer Zweifel zu ſetzen. Nur dann hat hierzu der Richter Befugniß und Ver⸗ anlaſſung, wenn in Entfuͤhrungsfaͤllen der Entfuͤhrer nachweiſen will, daß er, der im Artikel 340 bemerk⸗ ten Vermuthung ungeachtet, nicht fuͤr den phyſiſchen Vater des Kindes zu achten ſei, das die von ihm Entfuͤhrte außer der Ehe geboren hat. Die dritte unnd beſtgeſetzte Claſſe der Unehelichgebornen bilden end⸗ lich die Legitimirten. Zahlreich kann verhaͤltniß⸗ maͤßig dieſe dritte Claſſe darum nicht werden, weil der Code Napoléon blos den modum legitimandi per ſubſequens matrimonium allein anerkennt.„. Die unbeſchraͤnkte Freiheit, welche das Geſetz, wie geſagt, dem unehelichen Vater in der Regel giebt, das von ihm außer der Ehe erzeugte Kind nach Will⸗ kuͤhr entweder fuͤr ſein Kind anzuerkennen, oder zu verkennen; der Umſtand, daß die Anerkennung eines unehelichen Kindes fuͤr das ſeinige mit beſtimmten Feierlichkeiten geſchehen muß; die Da fachrunh„ daß, nach dem Artikel 340, der Richter dieſe Anerkennung auch in Entfuͤhrungsfaͤllen dann nicht ergaͤnzen darf, wenn der Entfuͤhrer beweiſen kann, daß er nicht als der phyſiſche Vater des Kindes zu achten iſt, deſſen die eſt interdite, außer den Enrfuͤhrungsfaͤllen„(denn von ihm Entfuͤhrte außer der Ehe geneſen iſt; die Er⸗ waͤgung, daß nur blos in Entfuͤhrungsfaͤllen die Aner⸗ kennung von dem Richter ergaͤnzt werden kann„ wenn eines Theils die Zeit der Entfuͤhrung mit der der Schwaͤngerung zuſammentrifft, und andern Theils der Entfuͤhrer den unternommenen Beweis der Un⸗ wahrſcheinlichkeit ſeiner phyſiſchen Vaterſchaft nicht hat vollfuͤhren koͤnnen, ſowohl als daß in allen uͤbrigen Faͤllen der Richter nach der Freiheit der Anerkennungs⸗ bandlung keine Veranlaſſung, und wegen der Allge⸗ meinheit der Regel: la recherche de la paternité exceptio in calibus non exceptis firmat regu- Cept. reg Kdet Aatien Ahramr md 3 m g t ſin ad di dnten g r daten nd Ver⸗ utfäͤhre bemett dyſichan don ihm dritte den end⸗ haͤleni weil der di per Gſſ ( gieb, HWil der zu 19 eines limnten 9, daß 6 kennung en derf nicht aſ eſſende die Ea e Aner⸗ „wenn der der Theiß der Un⸗ ſicht hat üͤbrigen nungs⸗ Alge⸗ ernito (denn regu- auu lam,) keine Befugniß haben kann, ſich um den phy⸗ ſiſchen Vater eines außer der Ehe erzeugten Kindes zu bekuͤmmern: muß die Ueberzeugung gewaͤhren, daß aalle von ihrem phyſiſchen Vater nicht anerkannten, au⸗ ßer der Ehe erzeugten Kinder durch den Code Na- poléon eines Theils durchgehends in die Kategorie der Noͤmiſchen Spuriorum geſetzt worden ſind; an⸗ dern Theils, daß der Richter nie einen Beweis der Paternitaͤt zulaſſen, ſondern nur in Entfuͤhrungsfaͤl⸗ len den Entfuͤhrer mit dem von ihm anerbotenen Be⸗ weiſe der Unwahrſcheinlichkeit der phyſiſchen Paterni⸗ taͤt hoͤren muß; und daß endlich dritrens je⸗ des außer der Ehe erzeugte Kind von dem Vater fuͤr ſein Kind, wenn er will, anerkannt werden kann, ſollte auch das Kind ſein Daſeyn einem mit ſeiner Mutter vollbrachten ehebrecheriſchen oder blutſchaͤnde⸗ riſchen Beiſchlafe zu danken haben.. 3 Dieſe letzte Behauptung wird hoffentlich ihr Auf⸗ fallendes verlieren, wenn wir die Lage und die Be⸗ rechtigungen der anerkannten unehelichen Kinder naͤher unterſucht haben werden. Nach dieſer Unterſuchung wird es ſich ergeben, daß der Artikel 335 meiner Be⸗ hauptung nicht nur nicht entgegen iſt, ſondern ſie ſo⸗ gar ſelbſt beſtaͤtigt. Die in geſetzlicher Form anerkannten unehelichen Kinder bilden, in Anſehung ihrer, durch die erfolgte Anerkennung erlangten Berechtigung, eine doppelte Unterart. Zu der einen gehoren die aus Ehebruch und Blutſchande Erzeugten; alle Uebrigen aber geho⸗ ren zu der zweiten Art. Die von dieſer zweiten Art ſind mehr berechtigt, als die von der erſten; und dieſer groͤßere Umfang der Berechtigung der aner⸗ kannten unehelichen Kinder der zweiten Art iſt eben der Vortheil, welchen, nach dem Artikel 333, die Anerfennung der aus Ehebruch und Blurſchande Er⸗ 182 */ 8 1 zeugten, unehelichen Kindern der erſten Art nicht verſchaffen ſoll. 3 4 Anerkannte uneheliche Kinder der zweiten Art oder diejenigen, welche nicht ex damnato concubi- tu, in dem Sinne des Code Napoléon, erzeugt worden ſind, erlangen durch ihre Anerkennung ein, im Arrikel 757 u. fgg. beſtimmtes, außerordentliches Inteſtat⸗Erbfolgerecht in das Vermoͤgen ihres Vaters, an welches Erbfolgerecht die unehelichen nicht anerkann⸗ ten ex damnato concubitu erzeugten Kinder ſchlech⸗ terdings, nach dem Artikel 756, keinen Anſpruch haben. Anerkannte uneheliche Kinder, die aus keinem damnato concubitu erzeugt worden ſind, erlangen durch ihre Anerkennung die Faͤhigkeit per ſubſequens matrimonium legitimirt, und durch dieſe Legitima⸗ tion ganz in die Claſſe der Ehelichgebornen verfetzt zu werden, welcher Rechtswohlthat die Nichtanerkannten abermals keinesweges theilhaftig werden, wenn gleich ihre phyſiſchen Eltern eine geſetzmaͤßige Ehe unter ſich nach Zulaſſung des Artikels 164 eingehen. Die Arti⸗ kel 331 und 333 laſſen hiergegen keinen Zweifel uͤbrig. Die unehelichen anerkannten Kinder erlangen ohne Ausnahme gegen ihren unehelichen Vater durch die An⸗ erkennung ein vollkommenes Recht auf Unterhalt, und wenn ſie nicht ex dammato concubitu erzeugt wor⸗ den ſind, ſogar auf Erziehung. Denn, wenn ſie ſich auf ihr Inteſtat⸗Erbantheil nach Artikel 760 alles das muͤſſen anrechnen laſſen, was der Collation unter den Erben unterworfen iſt, und in dieſer Hinſicht wider ſie das Collationsrecht in ſeinem ganzen Umfange eintritt, aber nach dem Artikel 852 die Koſten des Unterhalts, der Erziehung ꝛc. collationsfrei ſind; ſo finde: zwiſchen dem anerkennenden unehelichen Vater und dem aner⸗ kannten unehelichen Kinde nach Änleitung des Ar⸗ tikels 203, 205 und 207 das wechſelſeitige aualo⸗ . 1 — .s Aim oude tütbe baden Bäten 8 üwers runs des ait et a ireel walo im, w ſmhw ax 6 — leur 1 (9gal iia ſ ſ fin, ſ tt nich ten Att ncubi- erzeugt ng ein, ntiches Vatert, erkann⸗ chlech⸗ jaben. keinem dangen quens gitima⸗ feßt u annten gleich er ſch Arti⸗ brig. mohne die An⸗ t, und zt wor⸗ ie ſch les das ter den ider ſie intritt halt’, wiſchen aner⸗ 6 Ar⸗ aualo⸗ 183 ——— giſche Alimentationsrecht ſtatt. Die nicht anerkann⸗ ten Kinder koͤnnen hierauf aber ſo wenig, als ihr un⸗ ehelicher phyſiſcher Vater, aus dem ſich von ſelbſt er⸗ gebenden Grunde, keinen Anſpruch machen, weil der⸗ gleichen Kinder im Rechtsſinne, wie die Spurii des Roͤmers, keinen Vater haben, und, wegen der Ver⸗ ordnung des Artikels 340, la recherche de la pa- ternité eſt interdite, keinen Vater, im Sinne des Rechts ſich wider den Willen ihres phyſiſchen Vaters verſchaffen koͤnnen. Wirft man nun die Frage auf, was gewinnen denn nun die ex damnato concubitu erzeugten Kin⸗ der durch ihre in geſetzlicher Form bewirkte Anerken⸗ nung? ſo giebt der Code Napoléon folgenden Auf⸗ ſchluß: Nichts, als das Recht, von ihrem ſie aner⸗ kannthabenden Vater bei deſſen Lebzeiten von ihm ſelbſt, und, nach deſſen Tode, von ſeinen Erben, Ali⸗ mente, nach der Beſchaffenheit der ſchuldenfreien Erb⸗ nachlaſſenſchaft, zu fordern. Der Artikel 762, wel⸗ cher ſie von allen Erbfolgevortheilen, welche die Arti⸗ kel 757 und 758 den anerkannten unehelichen Kindern der zweiten Unterart beilegen, ausſchließt, ſagt ganz beſtimmt: la loi ne leur(aux enfans adulterins ou inceſtueux) accorde que des alimens. Und dieſe Alimente wuͤrden ſie nicht einmahl fordern koͤn⸗ nen, wenn ſie nicht anerkannt worden waͤren. Denn, nach den Worten des Artikels 768: la loi waccorde aux enfans naturels de droit ſur les biens de leur père décédé, que lorsqu'ils ont été lIégalement réconnus. Dieſe hierzu weſent⸗ lich erforderliche Anerkennung iſt bei ihnen in Anſehung ihres phyſiſchen Vaters dergeſtalt deſſen freier Will⸗ kuͤhr freigeſtellt, daß er auch ſogar in Entfuͤhrungs⸗ fallen, um der Anerkennung zu entgehen, nicht ein⸗ mahl ſeine phyſlſche Nichtvaterſchaft, nach dem deut⸗ 184 ———0— 3 lichen Artikel 342, beweiſen darf. Dagegen verſchafft unth ihnen ihre Anerkennung keine Faͤhigkeit, durch eine Lee⸗ zlunn gitimation die Rechte ehelicher Kinder zu erlangen. bu Hiervon werden ſie durch die Worte des Arrikels 331: n, d les enfans nés hors mariage, autres ceu« lunn nés d'un dommerce inceftueux ou VRranin adulterin, pourrons étre légitimes, deutlich küi, genug ausgeſchloſſen. Ni) 1 Habe ich nun, wie ich glaube, dargethan, daß imin die Anerkennung der ex concubitu dammato nato- attühe rum dieſen immer noch, obgleich nicht in dem Gra⸗ he I de, vortheilhaft iſt, in welchem ſie den uͤbrigen Unehe⸗ Aunan w lichen nuͤtzt; ſo kommt man dadurch zur Ueberzeugung, umüt daß der Code Napoléon die Anerkennung der ecx ann concubitu damnato procreatorum in den Artikel tin in 335 und 342 nicht verboten hat. Wenn es in dem uii Artikel 335 heißt: cette réconnoiſſance ne lliſe pourra avoir lien au profit des en- Drlutdi fans nés d'un commerce inceſtueux ou adul. i terin; ſo wird dadurch das Geradegegentheil ſanctioo- w ttie nirt, und die Anerkennung dieſer Art der Unehelichge⸗ nid bornen fuͤr zulaͤſſig erklaͤrt. Die Worte: cette re- Jichred connoiffance, weiſen auf die zu beobachtende, in bin dem unmittelbar vorhergehenden Artikel vorgeſchriebenre ia Foͤrmlichkeit der Anerkennung zuruͤck; und die Worte: nui ne pourra avoir lieu au profit, machen auf die dht Verſchiedenheit der rechtlichen Wirkſamkeit dieſer An- Wbn erkennung aufmerkſam. Sollten die procreati ex Nac damnato concubitu nicht anerkannt werden koͤnnen, um, i ſo wuͤrde eines Theils dieſes Geſetz anders gefaßt, und Jücich vielleicht geſagt ſeyn: les enfans nés dun commer- m ce inceſtueux ou adulterin ne pourront être re- n g connus. Wozu die Beſtimmung der Foͤrmlichkeit der Rhtti Anerkennung und ihrer Wirkſamkeit, wenn ſie ganz d im unzulaͤſſig ſeyn ſollte? Wenn andern Theils durch a. 185 berſhaſt den Artikel 335 die Anerkennung der procreatorum dned ex damnato concubitu gaͤnzlich verboten ſeyn ſollte, eelangen. ſo iſt kein Grund vorhanden, warum in Entfuͤhrungs⸗ 103i fäͤllen, die eine ehebrecheriſche oder blutſchaͤnderiſche ceur Erzeugung herbeigefuͤhrt haben, die im Artikel 340 ax ou ſanectjonirte Ausnahme von der Regel wegfallen ſoll. deuich Es liegt, meines Beduͤnkens, deutlich vor, daß ein (Geſetz, welches dem Richter die Ergaͤnzung der Aner⸗ an, diß kennung eines Kindes in den Faͤllen verbietet, das der to nato. uneheliche Vater, wenn er auch ſeines unehelichen em Gra⸗ Kindes Anerkennung wuͤnſcht und ſolches aner⸗ lche kennen will, nicht anerkennen darf, in die Katego⸗ rzeugung, gorie der uͤberfluͤſſigen und unnuͤtzen gehoͤrt. Soll die g der ex Anerkennung der procreatorum ex damnato con. en Artidl cubitu in dem Artikel 335 verboten ſeyn, ſo muß es in dn man drittens zugeben, daß der Code Napoléon nce ne dieſe Claſſe der Unehelichen theils mehr, als die uͤbri⸗ es en. gen Unehelichen, habe beguͤnſtigen wollen, theils mit l du. ſich ſelbſt daruͤber im Widerſpruch ſtehe. Denn nach itſncii⸗ dem Artikel 756 haben die nichtanerkannten uneheli⸗ dhlücge chen Kinder an das Vermoͤgen ihrer unehelichen Eltern cette ro. ſchlechterdings keine Anſpruͤche; und nach dem Artikel ade, u 762 haben die procreati es damnato concubitu chriben ſogar gegen Inteſtaterben ihrer unehelichen Eltern ein Wettt. Alimentationsrecch. auf di Ich bin daher der Meinung, daß der Code Na- teſer An poléon es erlaubt, ſeine aus einem Ehebruch und einer eati ex Blutſchande erzeugten unehelichen Kinder anzuerken⸗ liner nen, und durch dieſe Anerkennung die Lage dieſer Un⸗ te, und gluͤcklichen zu verbeſſern. Ich finde bei den hier in onmer- Frage ſtehenden Artikeln keinen Widerſpruch, und ge re. mein Rechtsſyſtem in Anſehung dieſes Gegenſtandes fät der beſteht in folgenden Saͤtzen: 1) Alle uneheliche Kin⸗ e ganz der koͤnnen von ihrem unehelichen Vater anerkannt duuch werden. 2) Die Anerkennung der ex damnato 488 eoncubitn procreatorum iſt in Anſehung des Va⸗ ters eine ſo freie Handlung, daß ſie in keinem Fal⸗ le von dem Richter ergaͤnzt werden kann. 3) Die Anerkennung der uͤbrigen unehelichen Kinder ſteht in der Regel in der freien Willkuͤhr des Vaters, und dieſe kann nur unter den im Geſetze beſtimmten eintre⸗ tenden Nebenumſtoͤnden, in Entfuͤhrungsfaͤllen von dem Richter ergaͤnzt werden, wenn der Entfuͤhrer die Unwahrſcheinlichkeit ſeiner phyſiſchen Vaterſchaft nicht erweiſen kann. 4) Die Gewißheit der phyſi⸗ ſchen unehelichen Vaterſchaft gewaͤhrt, wenn keine An⸗ erkennung in geſetzlicher Form ſtatt gehabt hat, dem unehelichen Kinde keine Rechtsanſpruͤche an den phyſi⸗ ſchen Vater oder deſſen Erben.) Ein foͤrmlich an- erkanntes, ex damnato concubitu erzeugtes Kind hat nur gegen ſeinen Vater durch die Anerkennung ein Recht auf die Aumentation, und keine weitern Rechts⸗ anſpruͤche; dagegen 6) ein anderes uneheliches Kind durch ſeine Anerkennung uͤberdies noch, wenn es guch nicht legitimirt worden iſt, ein Recht auf ſeine Erzie⸗ hung und ein gewiſſes Inteſtaterbrecht erlaggt. Wweil nach meinen Vorſtellungen lediglich und al⸗ lein die in geſetzlicher Form bewirkte Anerkennung eines unehelichen Kindes, nie aber die phyſiſche Vaterſchaft, nach dem Code Napoléon, die Verbindlichkeit des Vaters, ſein uneheliches Kind zu alimentiren, be⸗ gruͤndet, und der Richter nur in einem einzigen die verweigerte Anerkennung eines unehelichen Kindes ergaͤnzen kann; ſo kann ich mich auch natuͤrlich da⸗ von nicht uͤberzeugen, daß, nach dem Code Napo- léon, der Richter zu dieſer Ergaͤnzung in den Faͤllen auch berechtigt ſei, 1) wenn der die Anerkennung Verweigernde mit der Mutter eines unehelich gebor⸗ nen Kindes, als einer eigentlichen Concubium oder iüli zuuen d ain I ſich de lkomm Nanae uin i ang Mn d Nudhen t aldd in r rhr uie übe ün ſnni aißze i un de unnn, jnedigen Vm h marten BFötn iu. iwa an lan ſehr genau beſtimmten Falle, blos ausnahmeweiſe, ſakan ¹basme de De n Fal 3) A ſteht in ts, und n einte⸗ len von entfütre zterſceſt er phhſi teine Ae ſat, den en diſ nüih ar tes Kin nungin Recits hes Knd ns auc ge Erzie und ab ig eines rſchft, keit des 1 1 be⸗ zigen neweiſe Kindtsz lich da⸗ Napo⸗ Fällen nnung gebor⸗ oder 187 ———S— Beiſchlaͤferin, notoriſch gelebt hat; oder 2) wo durch Zeugen die Handlung des Beiſchlafs dargethan iſt, oder ihn der Verklagte bereits zugeſtanden hat, wenn gleich die Zeit des Beiſchlafs mit der der Conception de angegeben, weshalb ich nicht glauben kann, daß die im Artikel 340 ſanctionirte Ausnahme uͤberhaupt eine ausgedehnte Anwendung zulaſſe. Koͤnnte aber dennoch dieſe Ausnahme von der allgemeinen Regel: Ja recherche de la paternité elt interdi- te, ausdehnend verſtanden, ihr auffallender Unter⸗ voollkommen uͤbereinſtimmt. Ich habe oben die Gruͤn⸗ — ſchied von der gleichfalls allgemeinen Regel im Artikel 341: la recherche de la mater nité eſt ad- miſe uͤberſehen, und angenommen werden, daß die Geſetzgebung, Behufs der Entſcheidung der Filig⸗ 5 Q* tionsſtreitigkeiten, das naͤmliche Princip, naͤmlich die Gewißheit ſowohl der phyſiſchen Mutterſchaft, als der phyſiſchen Vaterſchaft, zur Grundlage der Berech⸗ tigung des Richters, die verweigerte Anerkennung zu ergaͤnzen, gemacht habe; ſo ſehe, ich wenigſtens, keinen befriedigenden Grund, die ausgedehnte Anwendbarkeit der im Artikel 340 ſanctionirten Ausnahme bloß auf die bemerkten beiden Faͤlle zu beſchraͤnken. Um die Geſetzgebung von dem Vorwurfe frei zu ſprechen, daß ſie, bei Abfaſſung der beiden Artikel 340 und 341 in ihren Grundprincipien geſchwankt habe, und dar⸗ . uͤber noch nicht voͤllig ins Reine geweſen ſei, bliebe nur allein noch das Mittel uͤbrig, anzunehmen, daß das, was man im Artikel 340 als Ausnahme lieſet, fuͤr die Regel, und was deſſen Buchſtabe als Regel darſtellt, fuͤr die Ausnahme gelten zu laſſen ſei. Dieſes wuͤrde aber ein zu gewaltſames Verfahren ſeyn, als daß irgend ein Interpret es wagen duͤrfte. Koͤnnte aber auch die Ausnahme des Artikels 340 eine ausge⸗ dehnte Anwendung leiden, ſo wuͤrde ſie doch auf jene Heft lI. 14 — 188 ——,'— beiden Faͤlle nicht ausgedehnt werden können. Dieſe beiden Faͤlle nomlich ſind von dem Falle zu auffallend unterſchieden, den das Geſetz in der ſanetionirten Aus⸗ nahme unterſtellt. Nach dem in dieſer Zeitſchrift*) gelieferten Vortrage des Herrn Duͤveyrier muß man glauben, daß es zur Anwendbarkeit der im Arti⸗ kel 340 ſanctionirten Ausnahme ſchlechterdings erfor⸗ derlich ſei, daß die Entfuͤhrte ein unbeſchol⸗ tenes Frauenzimmer geweſen ſeyn muͤſſe, daher ich auch ſehr zweifle, daß dieſes Geſetz auch ſolche Entfuͤhrungsarten ergreife, in welche das Frauenzim⸗ mer gewilligt hat, und die allein nur in Anſehung de⸗ rer die Geſtalt der Entfuͤhrung angenommen haben, deren Einwilligung in die Verheirathung der Entlau⸗ fenen, nach dem Geſetze, erforderlich iſt. Ich bin daher gleichfalls zwar der Ueberzeugung, daß die Ent⸗ fuͤhrung allein, und als bloße Thatſache betrachtet, die Ausnahme des Artikels 340 nicht motivire; aber ich vermiſſe den Grund zur Folgerung, daß noch eine Thatſache concurriren muͤſſe, die es wahrſchein⸗ lich mache, daß der Entfuͤhrer Vater des Kindes ſei, das die Entfüͤhrte geboren hat. Noch weniger getraue ich mir, den Folgerungsſ ſatz zu be⸗ weiſen, die Ausnahme des Arrirehs 3 40 kommt in jedem Falle zur Anwendung, wenn zu der unſtreitigen oder erwieſenen Thatſache eines unehelichen Beiſchlafs noch eine unſtreitige oder erwieſene That⸗ ſache concurrirt, die es wahrſcheinlich macht, daß der die Anerkennung Verwei⸗ gernde der phyſiſche Vater eines uneheli⸗ chen Kindes ſei. Den Grund, der den Geſetz⸗ geber beſtimmte, die befragke Ausnahete zuzulaſſen, 1 » Heft 1. G. 8=.. t. e S2. 3 1 S — Adh m Pll hwen ſa git vil diß fffulad ten Aas⸗ hrift*) er m Win An⸗ zs efr eſchol⸗ e, daher h ſch auenzim⸗ fung d. thab Entlau⸗ Ich bn dee Ent⸗ tet, die aber ih ch ein ſch ein⸗ er des Noch zu be⸗ 340 dung, eſenen ſchlaft That⸗ einlich erwei⸗ ſeheli⸗ Geeſeh⸗ laaſſen, 8 14 1 7 0 189 —— glaube ich darin zu finden, daß man bei einer wider ih⸗ ren Willen entfuͤhrten unbeſchol tenen Frauensperſon annehmen muß, daß ſie den Beiſchlaf nicht mit voͤlliger Willensfreih eit zugegeben habe. Einem ſolchen Falle iſt 9 der Fall eines je⸗ den in Anſehung eines Weibes unwillkuͤhrlichen Bei⸗ ſchlafes(oncubitus non voluntarii) ganz home⸗ gen. Auf dieſe wuͤrde ich daher die Ausdehnung der befragten Ausnahme nur allein zulaſſen, und ſolche Ausdehnung beſonders auch darum vertheidigen, weil dann der Artikel 342 mit dem Artikel 340 in Einkkag kommt, da nicht wohl glaublich iſt„ daß die Entfuͤh⸗ rung einer Blutsverwandtin oder einer Ehefrau und der Beiſchlaf wirklich wider den ernſtlichen Willen der Entfuͤhrten vollbracht worden ſei.. Wenn dieſer Gruͤnde wegen meiner Meinung nach, außer den unter der Ausnahme des Artikels 340 begriffenen Faͤllen, die Gewißheit, noch weniger die bloße Wahrſcheinlichkeit, daß der die Anerkennung ei⸗ nes unehelichen Kindes Verweigernde, der phyſiſche Vater des Kindes ſei. den Richter nicht berechtigt, die Anerkennung zu ergaͤnzen; wenn die Anerkennung eines unehelichen Kindes vor ſeiner Geburt in geſetz⸗ licher Form(Art. 334) noch nicht bewirkt werden kann, und wenn endlich der Code Napoléon keine, ruͤckwirkende Geſetzkraft hat(Art. 2); ſo finde ich we⸗ gen deſſen Anwendung auf die ſogenannten Hurenpro⸗ zeſſe keine Schwierigkeiten, die ſich den Richtern des Ruigreicha Weſtphalen entgegenſtellen koͤnnten. Die Hurenprozeſſe, welche ſchon vor dem 1ſten Januar 1808 rechtshaͤngig geworden waren, koͤnnen nach dem Hode Napoléon nicht entſchieden werden. Die vormaligen Landesgeſetze der einzelnen Provinzen, aus denen die Departements, Diſtricte, Cantone, und 2en. einzelne Municipalitaͤten des AInigre chs 14* 190 —'j—. Wieſtphalen gebildet ſind, geben fuͤr dieſe Prozeſſe den eeinzigen richtigen Entſcheidungsggrund. In Anſehung der Hurenprozeſſe, welche vor dem iſten Januar 1808 noch nicht rechtshangig gemacht waren, ſie moͤgen nun vor oder nach der Organiſa⸗ tion der jetzigen Tribunaͤle erhoben worden ſeyn, muͤß⸗ ten wohl die Faͤlle unterſchieden werden: ob das un⸗ eheliche Kind vor oder nach dem erſten Januar 1808 geboren iiſee 8 Iſt das uneheliche Kind vor dem 1Iſten Januar 1808 geboren, ſo muß der Rechtsſtreit nach eben den Grundſſäͤtzen entſchieden werden, welche ihre Anwen⸗ dung wuͤrden gefunden haben, wenn die Filiationskla⸗ ge ſchon vor dem 1ſten Januar 1808 erhoben worden waͤre. Erwarb der Unehelichgeborne durch ſeine Ge⸗ burt nach den zur Zeit ſeiner Geburt, an ſeinem Ge⸗ burtsorte, wenn dieſer der ordentliche Wohnort ſeiner Mutter iſt, geltenden Landesgeſetzen ein Filiations⸗ klagerecht; ſo kann es ihm darum nicht wieder entzogen werden, daß es nicht vor dem erſten Januar 1808 iſt geuͤbt worden. Denn die Filiationsklagen ſind keiner Verjaͤhrung zum Nachtheil des Kindes(Artikel 328) unterworfen. Iſt aber der Unehelichgeborne erſt nach dem Iſten Januar 1808 zur Welt gekommen, ſo ſteht ihm in der Regel(Art. 340) keine Filiationsklage gegen ſei⸗ nen phyſiſchen unehelichen Vater zu, dieſe Vaterſchaft mag ſo gewiß ſeyn als ſie wolle. Und wenn auch ein Weſtphaͤlinger im Auslande eine Auslaͤnderin vor oder nach dem rſten Januar 1898 geſchwoͤngert hätte, und die Geſchwaͤngerte im Auslande nach dem ꝛſten Ja⸗ nuar 1808 niedergekommen waͤre, ſo kann doch wider einen Weſtphaͤlinger keine Filiationsklage erhoben wer⸗ den; denn les lois concernant P'état, regiſfent les Weltphaliens, mème reſidant en pays êtran- 191 —— 1 tſedn ger(Art. 3), et tout enfant né d'un Wel tphalien en pays étranger eſt Weſtphalien(Art. 10). Die or dem Zeit des unehelichen Beiſchlafs kann hierbei ſo wenig genacht erwas wirken, als eine prasparatio cauſſae prae- V tzaniſe jadicialis dadurch bewirkt ſeyn kann, wenn die vor miſe dem 1ſten Januar 1808 geſchwaͤngerte, aber erſt nach das ln⸗ dem erſten Jannar 1808 uniedergekommene Weibs⸗ Januar perſon vor⸗dem iſten Januar 1808 dem Richter, mit Benennung ihres Schwaͤngerers, ihre Schwanger⸗ Jaun ſchaft angezeigt, oder der Schwängerer ſich als Varer ben den der unehelichen ungebornen Leibesfru cht bekannt haͤtte. Anwen⸗ 83 nit ee e. d nprn 13 3 R tonsklo⸗——— worden 1911 80 Wan it lat enhedenhe it, is s N Dz e n. ſem Ge— 1— t ſeint Durch die Conſtitution des Koͤnigreichs Weſtpha⸗ iations⸗ len iſt der Anfang zur Einfuͤhrung des Code Napo- ntzeen l6on in Deutſchland gemacht worden. Es war zu 808 ſ erwarten, daß andere deutſche Staaten dieſem Bei⸗ Phin ſpiele folgen wuͤrden. Durch eine, Berga den 1328) 2 Sſten Januar 1808, datirte Verordnung iſt auch der Code Napoléon in den Herzoglich Arembergi⸗ iſien ſchen Staaten eingefuͤhrt worden, ſo daß die Geſetzes⸗ ihm in kraft deſſelben mit dem 1ſten Jul d. J. anfangen ſoll. gen ſe Die Verordnung iſt in dem Journal: Der rheini⸗ eiſchf ſche Bund, von P. A. Winkopp, 16tes Heft, uch en April 1808. Seite 93 folg. abgedruckt. Nicht in ſei⸗ or oder nem ganzen Umfange, ſo wie im Königreich Weſtpha⸗ e, un len, iſt hier der Code Napoléon recipirt, ſondern m Je mit verſchiedenen Einſchroͤnkungen, worunter die wich⸗ der tigſte die iſt, daß alle tin dem Code Napo- uwect⸗ léon n icht entſchiedene Faͤlle nach ge⸗ iſent meinen Rechten beurtheilt werden ſollen. beran⸗ Wernn dieſe Verotdnung auf der einen Seite ſchonum — 192* „—e— deßwillen von Mehrern geſchaͤtzt werden duͤrfte, weil durch die angefuͤhrte Beſtimmung derſelben die richter⸗⸗ liche Willkuͤhr, in die ſich der an beſtimmte Vorſchrif⸗ ten gewoͤhute deutſche Richter am wenigſten findet, ausgeſchloſſen wird, ſo kann es doch auf der andern Seite wohl nicht gefallen, daß neben dem Originaltexte des C0de auch der bei Keil in Coͤln erſchienenen deut⸗ ſchen Ueberſetzung gewiſſermaßen Geſetzeskraft ertheilt worden iſt. Der Grund, daß die Deutſchen der fran⸗ zoͤſiſchen Sprache nicht gelaͤufig genug waͤren, kommt wahrlich doch nicht in Betracht. Soll der Code Na- poléon in einem deutſchen Staate Geſetzeskraft erhal⸗ ten, ſo iſt nicht abzuſehen, warum der Juriſt nicht eben ſo gut angehalten werden ſoll, ſich mit der fran⸗ zoͤſiſchen Sprache hekannt zu machen, als er die latei⸗ niſche Sprache ſich bisher bei dem roͤmiſchen Recht an⸗ eignen mußte.— Nie wird man ohne Kenntniß der franzoͤſiſchen Sprache in den Geiſt des Code Napo- léom eindringen, eben ſo wenig, als man ohne Kennt⸗ niß der lateiniſchen in den Geiſt des roͤmiſchen Rechts einzudringen vermag. au 1gril lle lan 1 1 e 3 Fe 44 4½ 8 8. 4 7* 4 1 6 1 , anUl: 35 1 Von den Schriften, welche die Frage eroͤrtern: Ob die Einfuͤhrung des Code Napoléon iſtden Staaten des Rheinbundes zutraͤg⸗ lich ſei? iſt ohne allen Zweifel die wichtigſte, welche in dem Fournalt Der rheini ſ e Bund, von P. A. Weinkonn, neuntes Heft, Seite 49 abge⸗ druckt ſteht.— Dawider iſt in eben dieſem Ihurnal, ſechszehites Heft, Seiten i folg. eine ſogenannte Quaſipruͤfung erſchienen, welcha es wohl Verdient, von denjenigen geleſen und beherzigt, zu werden, iwel⸗ che in der Einfuͤhrung des Code Napoléon den Un⸗ 1 äit eun VWteurnne Nlhn T auhen Fan i shru unmede tenitet nich veil richter⸗. richrif ffindet andern dalterte en deut⸗ ertheit 8 e fran⸗ kommt le Na. erhal⸗ t nicht t fran⸗ e latei⸗ ht an⸗ iß der Napo-. Rennt⸗ Rehhe tetn: léon tr ag⸗ welche von J. abge⸗ urna, nounte d'ent, wel⸗ Um⸗ 193 tergang aller ſoliden Jurisprudenz, d. h. des abſcheu⸗ lichen Miſchmaſches von Jurisprudenz erblicken, in welchem die deutſchen Juriſten herumwuͤhlten.— Kann irgend etwas zur Wieder herſtellung einer ſoliden Jurisprudenz in Deutſchland fuͤhren, ſo iſt es die Auf⸗ nahme des Code Napoléon, vorausgeſetzt, daß ſol⸗ che mit eben den Beſtimmungen geſchieht, welche das Geſeß vom Zoſten Ventoſe efär Frankreich bheſchribr. Druckfehler. Seite 174 Zeile 4 und 5 von unten, ließ fuͤr richtise— nichtig⸗, —