Geſetzbuch NRNap eo leyon s. Mit den Veraͤnderungen, die durch das Geſetz vom 3. September 1807 gemacht worden ſind. —— Aus dem franzöſiſchen officiellen Texte überſetzt Daniels, Subſtituten des kaiſerlichen General⸗Proeurgtors bey dem Caſſa⸗ tions⸗Hofe zu Parjs. —*— Cöln, bey der Keiliſchen Buchhandlung 1807. Praͤliminar⸗Titel un d er ſtes Buſch. — ea eep e eieeerrie Civil⸗ Geſehzbuches. —— Civil⸗Geſetzbuch der Franzoſen. Praͤliminar⸗Titel. Von der Verkuͤndigung, den Wirkungen und der Anwendung der Geſetze im Allgemeinen. (Geſetz vom 14. Ventos 11. J. promulgirt den 24. Ventos.) Art. 1. De Geſetze ſind executoriſch auf dem ganzen Um⸗ ſange des franzoͤſiſchen Gebiethes, kraft der Promulgation, die durch den erſten Conſul geſchieht. Sie ſollen in jedem Theile der Republik von dem Augen⸗ zlicke an vollzogen werden, da die Promulgatſon derſelben bekannt ſeyn kann. Die von dem erſten Conſul geſchehene Promulgation ſoll als bekannt angenommen werden: In dem Departemente, wo die Regierung ihren Sitz hat, einen Tag nach derſelben; In einem jeden der uͤbrigen Departemente nach Verlauf derſelben Zeit, verlaͤngert um einen Tag fuͤr jede zehn My— riameter(ungefaͤhr zwanzig Stunden, lieues), welche der Hauptort des Departements von der Stadt entfernt liegt, worin die Promulgation geſchehen iſt. 2. Das Geſetz verfuͤgt nur fuͤr die Zukunft; es hat keine zuruͤckwirkende Kraft. 3. Die Polizey⸗ und Sicherheits⸗Geſetze verpflichten einen jeden, der auf dem Gebiethe ſich aufhaͤlt. Praͤliminar⸗Titel. Von der Verkuͤndigung, den Wirkungen ꝛe. 5 Die Rechte in Betreff der Immobilien, auch jene nicht ausgenommen, welche Auslaͤnder beſitzen, richten ſich nach dem franzdſiſchen Geſetze. Die Geſetze, welche den Zuſtand und die Faͤhigkeit der Perſonen betreffen, erſtrecken ſich auf die Franzoſen, wenn ſie gleich in fremden Laͤndern reſidiren. 4. Der Richter, der unter dem Vorwande, daß das Ge⸗ ſetz den vorgetragenen Fall unberuͤhrt laſſe, daß es dunkel oder unzulaͤnglich ſey, ein Urtheil zu ſprechen ſich weigert, kann als der veſagſen Juſtitz pflichtig gerichtlich verfolgt werden. 5. Es iſt den Richtern verbothen, in der Form allgemein guͤltiger Vorſchriften und Verordnungen die ihnen vorgeleg⸗ ten Rechtshaͤndel zu entſcheiden. 6. Man kann durch keine Privat⸗Verträͤge von Geſetzen, welche die Handhabung der oͤffentlichen Ordnung und die Erhaltung der guten Sitten zum Zweck haben, eine Aus nahme machen. —— Erſtes Buch bon den Perſonen. —— Erſter Lit el. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der⸗ Civil⸗Rechte. (Geſetz vom 17. Ventos 11. J. promulgirt den 27. Ventos.) Erſtes Capitel. Von dem Genuſſe der Civil⸗Rechte. Art, 7. Die Ausuͤbung der Civil⸗Rechte iſt von der Ei⸗ genſchaft eines Staats⸗Buͤrgers unabhaͤngig. Letztere erwirbt und behaͤlt man nur nach dem Geſetze, das die Staats⸗Ver⸗ faſſung beſtimmt. 8. Jeder Franzoſe ſoll der Civil⸗Rechte genießen. 9. Wer in Frankreich von einem Fremden gebohren iſt, iſt berechtigt, in dem Jahre, welches auf den Zeitpunkt ſei⸗ ner Volljaͤhrigkeit folgt, die rechtliche Eigenſchaft eines Franzoſen in Anſpruch zu nehmen; nur muß er alsdann, wenn er in Frankreich reſidirt, erklaͤren, daß er daſelbſt ſein Domicil aufzuſchlagen gedenke, und wenn er in einem fremden Lande ſich aufhaͤlt, das Verſprechen von ſich geben, daß er ſeinen Wohnſitz in Frankreich aufſchlagen will, und in einem Jahre nach gemachtem Verſprechen ſich wirklich dort niederlaſſen, 10. Jedes Kind, das in einem fremden Lande von einem Franzoſen gebohren wird, iſt ein Franzoſe. Jedes Kind, das in einem fremden Lande von einem Franzoſen gebohren iſt, der die rechtliche Eigenſchaft eines 1. Buch. I. Tit. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der Civil⸗Rechte. 7 Franzoſen verloren hat, kann allezeit durch Erfuͤllung der im 9. Art, vorgeſchriebenen Bedingungen dieſe Eigenſchaſt wiedererlangen. 11. Der Fremde genießt in Frankreich eben der Civil⸗ Rechte, welche die Nation, zu welcher er gehoͤrt, den Fran⸗ zoſen durch Verträge eingeraͤumt hat, oder einraͤumen wird⸗ 12. Eine Fremde, die ſich mit einem Franzoſen verheira⸗ thet hat, ſolgt dem Zuſtande ihres Mannes. 13. Der Fremde, dem die Regierung erlaubt haben wird, ſeinen Wohnſitz in Frankreich aufzuſchlagen, ſoll, ſolange er daſelbſt zu wohnen fortfaͤhrt, aller Civil⸗Rechte genießen. 14. Der Fremde, der auch in Frankreich nicht reſidirt, kann vor die franzſiſchen Gerichte gefordert werden, um Verbindlichkeiten zu erfuͤllen, die er in Frankreich gegen einen Franzoſen uͤbernommen hat. Man kann ihn ebenfalls bey den franzͤſiſchen Gerichten wegen ſolcher Verbindlichkeiten be⸗ langen, die er in einem fremden Lande gegen einen Franzo⸗ ſen eingegangen hat. 15. Einen Franzoſen kann man vor einem Gerichte in Frankreich wegen Verbindlichkeiten belangen, welche er in einem fremden Lande, ſelbſt mit einem Fremden, eingegangen hat. 16. Ohne Unterſchied der Gegenſtaͤnde, nur Handlungs⸗ Sachen ausgenommen, iſt der Fremde, der als Klaͤger auf⸗ tritt, verbunden, fuͤr den Erſatz der durch den Prozeß ver⸗ urſachten Koſten, Schaͤden und entbehrten Vortheile Sicher⸗ heit zu ſtellen, es ſey denn, daß er Immobilien in Frank⸗ reich beſitze, die einen hinreichenden Werth haben, um dieſe Zahlungen ſicher zu ſtellen. 3 1. Buch. I. Tit. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der Civil⸗Rechte. Zweytes Capitel. Von dem Verluſte der Civil⸗Rechte. Erſter Abſchnitt. Von dem Verluſte der Civil⸗Rechte,[n ſo weit er aus dem Verluſte der rechtlichen Eigen⸗ ſchaft eines Franzoſen entſteht. 17. Man hoͤrt auf ein Franzoſe im rechtlichen Sinne zu ſeyn: 1) Durch die Naturallſirung, die man in einem frem⸗ den Lande erlangt hat; 2) durch eine von der Regierung nicht autoriſirte Annahme eines öffentlichen, von einer frem⸗ den Regierung verliehenen Amtes; 3) durch den Eintritt in eine jede fremde Corporation, die Geburts⸗Vorzuͤge erfordert; 4) endlich durch jedes in einem fremden Lande ohne Abſicht zuruͤckzukehren gemachte Etabliſſement. Die Anlegung eines Handelshauſes(les établissemens de commerce) ſoll niemahls ſo angeſehen werden, als ſey ſie ohne Abſicht einſt zuruͤckzukehren geſchehen. 18. Ein Franzoſe, der die rechtliche Eigenſchaft eines Franzoſen verloren hat, kann ſie jeder Zeit wieder erlangen, wenn er mit Erlaubniß der Regierung nach Frankreich zu⸗ ruͤckkehrt, und erklaͤrt, daß er ſich daſelbſt niederlaſſen wolle, und daß er auf jede mit den franzoͤſiſchen Geſetzen im Wi⸗ derſpruche ſtehende Auszeichnung Verzicht thue. 19. Eine Franzoͤſinn, die einen Fremden heirathet, folgt dem Zuſtande ihres Mannes. Wird ſie Wittwe, ſo erhaͤlt ſie die rechtliche Eigenſchaft einer Franzoͤſinn wieder, vorausgeſetzt, daß ſie entweder in Frankreich wohnt, oder mit Erlaubniß der Regierung dahin zuruͤckkehrt, und erklaͤrt, daß ſie ſich dort niederlaſſen wolle. 20. Wer in den Faͤllen, wie ſie im 10., 18. und 19. Artikel beſtimmt ſind, die rechtliche Eigenſchaft eines Fran⸗ zoſen wieder erhaͤlt, kann ſie nicht eher geltend machen, als bis er die Bedingungen erfuͤllt hat, die in dieſen Artikeln — I. Buch. I. Tit. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der Civil⸗Rechte.„ ihm auferlegt ſind, und nur um ſolche Rechte auszuuͤben, die ihm nach dieſem Zeitpuncte zu ſeinem Vortheile anfallen. 21. Ein Franzoſe, der, ohne Erlaubniß der Regierung, Kriegsdienſte im Auslande nimmt, oder einer fremden Mili⸗ tair⸗Corporation ſich einverleiben laͤßt, verliert die rechtliche Eigenſchaft eines Franzoſen. Er kann nur mit Erlaubniß der Regierung nach Frank⸗ reich zuruͤckkehren, und die rechtliche Eigenſchaft eines Fran⸗ zoſen nur dann wieder erhalten, wenn er die Bedingungen er— fuͤllt, die dem Fremden auferlegt ſind, um Staats-Buͤrger zu werden; alles mit Vorbehalt der Strafen, welche das Criminal⸗Geſetz wider die Franzoſen verhaͤngt, die wider ihr Vaterland die Waffen getragen haben, oder ſie in der Folge tragen werden. Sweyter Abſchnit t. Von dem Verluſte der Civil⸗Rechte, als Folge gerichtlicher Verurtheilungen. 22. Die Verurtheilungen zu ſolchen Strafen, deren Wir— kung darin beſteht, daß ſie den Verurtheilten von aller Theilnahme an den Civil⸗Rechten ausſchließen, welche hier unten benannt ſind, ziehen den buͤrgerlichen Tod nach ſich. 23. Die Verurtheilung zum natuͤrlichen Tode zieht den buͤrgerlichen nach ſich. 24. Die uͤbrigen lebenslaͤnglichen Leibesſtraſen ziehen den buͤrgerlichen Tod nur in ſo ferne nach ſich, als das Geſetz dieſe Wirkung damit verbindet. 25. Durch den buͤrgerlichen Tod verliert der Verurtheilte das Eigenthum an allen Guͤtern, die er beſaß. Die Suc⸗ ceſſion in ſeinem Vermoͤgen wird den Erben eroͤffnet, und ſeine Guͤter verſallen auf ſie eben ſo, als waͤre er natuͤrlich und ohne Teſtament geſtorben. Er kann fernerhin weder ſelbſt erben, noch das Vermd— gen, das er in der Folge erworben hat, durch Erbrecht auf andere bringen. 10 I. Buch. I. Tit. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der Civil⸗Rechte. Er kann uͤber ſeine Guͤter, ganz oder zum Theil nicht disponiren, es ſey durch Schenkungen unter den Lebenden, oder durch Teſtament, noch aus dieſem Grunde etwaͤs em⸗ pfangen, es ſey dann unter dem Titel von Alimenten. Er kann weder zum Vormund ernannt werden, weder zu den Verrichtungen mitwirken, die ſich auf die Vormundſchaft beziehen. Er kann nicht Zeuge in einem feyerlichen oder authen⸗ tiſchen Acte ſeyn, weder bey Gerichte als Zeuge angenom⸗ men werden. Er kann bey Gerichte weder als Beklagter noch als Klaͤ⸗ ger anderſt auftreten, als unter dem Nahmen und durch die Darzwiſchenkunft eines beſondern Eurators, den ihm das Gericht ernennt, bey welchem die Klage angebracht worden. Er iſt unfaͤhig eine Heirath zu ſchließen, die irgend eine buͤrgerliche Wirkung hervorbringe. Die Heirath, die er vorher geſchloſſen hatte, iſt in Be⸗ ziehung auf alle ihre buͤrgerlichen Wirkungen aufgeldſet. Sein Ehegatte und ſeine Erben koͤnnen, jeder fuͤr ſeinen Antheil, die Rechte ausuͤben, und die Klagen anſtellen, die bey ſeinem natuͤrlichen Tode eintreten wuͤrden; alles jedoch unter dem Vorbehalt der Sicherheits-Leiſtung, wovon unten die Rede ſeyn wird. 26. Die Verurtheilungen auf angehoͤrte Vertheidigung des Angeklagten(contradictoriſche Verurtheilungen) ziehen den buͤrgerlichen Tod nur von dem Tage an nach ſich, da ſie wirklich oder im Bildniß vollſtreckt worden ſind. 27. Die Contumacial⸗Verurtheilungen(wider Abweſende, die nicht erſchienen ſind) ziehen den buͤrgerl. Tod nicht nach ſich, als nach fuͤnf Jahren, die auf die Vollſtreckung des Urtheils im Bildniß folgen. In der Zwiſchenzeit kann der Verurtheilte ſich ſtellen. 28. Diejenigen, die in contumaciam verurtheilt ſind, bleiben waͤhrend der fuͤnf Jahre, oder bis ſie in dieſer Zwi⸗ I. Buch. I. Tit. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der Civil⸗Rechte. 12 ſchenzeit ſich ſtellen, oder in Verhaft genommen werden, von der Ausuͤbung der Civil⸗Rechte ausgeſchloſſen. Ihre Guͤter werden auf eben die Art verwaltet, und ihre Rechte ausgeuͤbt, wie dieß bey Abweſenden der Fall iſt. 29. Wenn derjenige, der in contumaciam verurtheilt worden, ſich in fuͤnf Jahren von dem Tage der Vollſtreckung des Urtheils zu rechnen freywillig ſtellt, oder in dieſer Zwiſchen— zeit ergriffen und in Verhaft genommen worden, ſo iſt das Urtheil hierdurch von Rechtswegen vernichtet; der Angeklagte wird in den Beſitz ſeiner Guͤter wieder eingeſetzt und aufs neue gerichtet, und wenn er durch dieſen neuen Gerichts— ſpruch zu derſelben, oder auch zu einer andern Strafe, die gleichfalls den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht, verurtheilt worden, ſo ſoll dieſer nur von dem Tage an Statt haben, an welchem das zweyte Urtheil vollſtreckt wurde. 30. Wird derjenige, der in contumaciam verurtheilt war, und ſich entweder nicht geſtellt hatte, oder erſt nach fuͤnf Jah⸗ ren in Verhaft genommen worden, durch das neue Urtheil los⸗ geſprochen, oder nur zu einer Strafe verurtheilt, die den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich zieht, ſo ſoll er fuͤr die Zu— kunft und von dem Tage an, da er wieder bey Gerichte er⸗ ſchienen iſt, in den vollen Genuß ſeiner Civil⸗Rechte wie⸗ der eintreten; aber das erſte Urtheil behaͤlt fuͤr das Ver— gangene die Wirkungen, welche in der Zwiſchenzeit, die nach Ablauf der fuͤnf Jahre, bis zum Tage ſeiner Erſchei⸗ nung vor Gerichte, verſtrichen iſt, der buͤrgerliche Tod nach ſich gezogen hat. 31. Stirbt derjenige, der in contumaciam verurtheilt war, in der Gnadenzeit von fuͤnf Jahren, ohne ſich geſtellt zu haben, oder ergriffen und in Verhaft genommen zu ſeyn; ſo wird er ſo angeſehen, als ſey er im unverletzten Zuſtande ſeiner Rechte geſtorben. Das Contumacial⸗Urtheil ſoll hier— durch kraft des Geſetzes vernichtet ſeyn. Der Klage des be— ſchaͤdigten Theils geſchieht gleichwohl dadurch kein Abbruch; ſie kann aber wider die Erben des Verurtheilten nur durch einen Civil⸗Prozeß angeſtellt werden. 212 I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 32. In keinem Falle ſetzt die Verjaͤhrung der Strafe den Verurtheilten fuͤr die Zukunft in ſeine Civil⸗Rechte wieder ein, 33. Die Guͤter, welche der Verurtheilte erworben hat, ſeitdem er den buͤrgerlichen Tod ſich zugezogen, und in deren Beſitze er am Tage ſeines natuͤrlichen Todes iſt, fallen der Nation kraft ihres Rechts auf erbloſe Guͤter anheim. Die Regierung kann deſſen ungeachtet, zum Vortheil der Wittwe, der Kinder oder der Verwandten des Verurtheilten hieruͤber ſolche Verfuͤgungen treffen, die ihr die Menſchlich⸗ keit einfloͤſen wird. Zweyter Titel. Von den Acten des Civil⸗Standes. (Geſetz vom 20. Ventos 11. J. promulgirt den z. Germinal.) Erſtes Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 34. Die Acte des Civil⸗Standes muͤſſen das Jahr, den Tag und die Stunde, wo ſie aufgenommen werden, die Vornahmen, die Geſchlechts⸗Nahmen, das Alter, das Ge⸗ werbe und den Wohnort aller derjenigen ausdruͤcken, die da⸗ rin genannt werden. 35. Die Beamten des Civil⸗Standes duͤrfen den Acten, die ſie aufnehmen, ſey es durch Anmerkungen oder auf ir⸗ gend eine andere Art des Ausdrucks nichts einruͤcken, als was von den Erſcheinenden erklaͤrt werden muß. 36. In den Faͤllen, worin die Betheiligten nicht verbun— den ſind, in Perſon zu erſcheinen, duͤrfen ſie ſich durch ei— nen andern, der mit einer Special-Vollmacht in authentiſcher Form verſehen iſt, vertreten laſſen. 37. Nur Mannsperſonen, die wenigſtens ein und zwan⸗ zig Jahre alt ſind, Verwandte oder nicht, duͤrſen bey den Acten des Civil-Standes als Zeugen vorgefuͤhrt werden; ſie werden von den Betheiligten ſelbſt gewaͤhlt. t. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 43 38. Der Beamte des Civil⸗Standes muß den erſcheinen⸗ den Theilen oder ihren Bevollmaͤchtigten und den Zeugen die Acte vorleſen. Es ſoll in denſelben Meldung von der Erfuͤllung dieſer Formalitaͤt geſchehen. 39. Dieſe Acte muͤſſen von dem Beamten des Cioil⸗ Standes, von den erſcheinenden Theilen und den Zeugen unter⸗ zeichnet werden, oder man muß die Urſache anfuͤhren, welche die Erſcheinenden und die Zeugen zu unterzeichnen verhinderte. 40. Die Acte des Cioil⸗Standes ſollen in jeder Gemein⸗ de in einen oder mehrere Regiſter, die doppelt gefuͤhrt wer⸗ den, eingetragen werden. 41. Die Regiſter ſollen vom Praͤſidenten des Gerichtes der erſten Inſtanz, oder von dem Richter, der deſſen Stelle vertritt, in ununterbrochen fortlaufender Reihe auf jedem Blatte mit Ziffern verſehen, mit dem Handzuge beglaubigt, und, welches das erſte und letzte Blatt ſey, noch beſonders bemerkt werden. 42. Die Acte ſollen in die Regiſter hintereinander, ohne einen freyen Zwiſchenraum zu laſſen, eingetragen werden⸗ Ausſtreichungen und ſonſt wo hingeſchriebene Zuſaͤtze muͤſſen, ſo wie der Hauptinhalt des Actes, genehmigt und unterzeich⸗ net werden. Im Schreiben darf man ſich keiner Abkuͤrzungen bedienen, noch irgend ein Datum mit Ziffern ausdruͤcken. 43. Am Ende eines jeden Jahres ſollen die Regiſter von dem Beamten des Ciovil⸗Standes foͤrmlich abgeſchloſſen, und den Monat darauf eins der Exemplare in die Archive der Gemeinde, das andere in die Gerichtsſchreiberey des Tribu⸗ nals der erſten Inſtanz niedergelegt werden. 44. Mit dem Duplicat der Regiſter, das bey der ge⸗ dachten Gerichtsſchreiberey hinterlegt werden muß, ſollen auch die Vollmachten und andere Urkunden, die den Acten des Civil⸗Standes beygefuͤgt werden muͤſſen, nachdem ſie vorher mit dem Handzuge des Producenten und jenem des Beamten des Civil⸗Standes verſehen ſind, auf der Gerichts⸗ ſchreiberey deponirt werden, —..———ᷣ—ÿ—ÿ—ꝛ:; 14 I. Buch. II. Tit. Von den Aeten des Civil⸗Standes. 45. Jedermann iſt berechtigt, von denjenigen, bey denen die Regiſter des Civil⸗Standes hinterlegt ſind, Auszuͤge aus dieſen Regiſtern ſich ausfolgen zu laſſen. Die Auszuͤge, die als gleichlautend mit den Regiſtern ausgsliefert, und von dem Praͤſidenten des Gerichtes der erſten Inſtanz, oder von dem Richter, der ſeine Stelle vertritt, beglaubt ſind, haben ſo lange volle Beweiskraft, bis ſie durch foͤrmliche Inſcrip⸗ tion als falſch angegriffen werden. 46. Sind keine Regiſter vorhanden geweſen, oder ſind ſie verloren, ſo ſoll der Beweis durch Urkunden ſowohl, als durch Zeugen zugelaſſen werden, und in dieſen Faͤllen koͤn⸗ nen die Heirathen, Geburten und Sterbfaͤlle eben ſo gut durch Regiſter und Papiere, die von den verſtorbenen Eltern herruͤhren, als durch Zeugen bewieſen werden⸗ 47. Jeder Act des Civil⸗Standes, er mag Franzoſen oder Auslaͤnder betreffen, der in einem fremden Lande gefertiget worden, ſoll volle Beweiskraft haben, wenn er nach der im beſagten Lande hergebrachten Form abgefaſſet iſt. 48. Alle im Auslande gefertigten Acte des Civil⸗Stan⸗ des der Franzoſen ſind guͤltig, wenn ſie von den diploma⸗ tiſchen Agenten, oder von den Commiſſarien der Handels⸗ Angelegenheiten der Republik den franzoͤſiſchen Geſetzen ge⸗ maͤß aufgenommen worden ſind. 49. So oft es ndthig ſeyn wird, am Rande eines ſchon eingetragenen Actes eines andern, der ſich auf den Civil⸗ Stand bezieht, zu erwaͤhnen, ſoll dieſes auf Anſuchen der Betheiligten, durch den Beamten des Civil⸗Standes auf den laufenden oder auf den im Archive der Gemeinde aufbe⸗ wahrten Regiſtern, und durch den Gerichtsſchreiber bey dem Tribunal der erſten Inſtanz auf den bey der Gerichtsſchrei⸗ berey hinterlegten Regiſtern geſchehen. Zu dem Ende ſoll der Beamte des Civil⸗Standes in den drey naͤchſten Tagen den Regierungs⸗Commiſſar bey dem beſagten Gerichte hievon benachrichtigen, und dieſer hat dafuͤr Sorge zu tragen, daß die Erwaͤhnung in beyden Regiſtern gleichlautend geſchehe. E Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 13 50. Jede Uebertretung der vorherigen Artikel, welche von den hierin benannten Beamten geſchieht, wird bey dem Ge⸗ richte der erſten Inſtanz eingeklagt, und mit einer Geldbuße beſtraft, die nicht uͤber hundert Francs betragen darf. 51. Jeder Bewahrer der Regiſter iſt fuͤr alle darin vor— kommenden Verfaͤlſchungen, ſo viel den Schaden⸗Erſatz betrifft, verantwortlich, jedoch mit Vorbehalt ſeines ihm etwa noch zuſtehenden Regreſſes gegen die Urheber beſagter Verfaͤlſchungen. 52. Jede Veraͤnderung, jedes Falſum in den Acten des Civil⸗Standes, jede Einſchreibung dieſer Acte, wenn ſie auf ein fliegendes Blatt, und anderſt als in den dazu beſtimm⸗ ten Regiſtern geſchehen iſt, gibt den Betheiligten ein Recht auf Schaden⸗Erſatz, mit Vorbehalt der im peinlichen Ge⸗ ſetzbuche beſtimmten Strafen. 53. Der Regierungs⸗Commiſſar bey dem Gerichte der erſten Inſtanz iſt verbunden, den Zuſtand der Regiſter zur Zeit, als ſie bey der Gerichtsſchreiberey deponirt werden, zu unterſuchen. Ueber dieſe Unterſuchung muß er einen ſum⸗ mariſchen Verbal⸗Prozeß aufſetzen, jede Uebertretung des Ge⸗ ſetzes und jedes Verbrechen, das von den Beamten des Ci⸗ vil⸗Standes begangen ſeyn mag, denunciren, und auf Ver⸗ urtheilung in die Geldbußen wider ſie antragen. 54. In allen Faͤllen, wo ein Gericht der erſten Inſtanz uͤber Acte urtheilt, die auf den Civil⸗Stand Bezug haben, koͤnnen die Betheiligten wider den Ausſpruch die uͤblichen Rechtsmittel ergreifen. Zweytes Capitel. Von den Geburts⸗Acten. 55. Jede Geburt ſoll in den erſten drey Tagen nach der Niederkunft dem Beamten des Civil⸗Standes des Ortes an⸗ gezeigt werden; das Kind muß ihm vorgezeigt werden. 56. Die Geburt des Kindes muß von dem Vater, oder in Ermangelung des Vaters von den Doctoren der Medicin 16 I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. oder Chirurgie, den Hebammen, Geſundheits-Beamten oder von andern Perſonen, die bey der Geburt zugegen geweſen ſind, und wenn die Mutter außer ihrem Wohnorte niederge⸗ kommen iſt, von der Perſon, bey welcher ſie gebohren hat, angezeigt werden. Der Geburts⸗Act ſoll ſogleich in Gegenwart zweyer Zeu⸗ gen gefertiget werden. 57. Der Geburts⸗Act muß den Tag, die Stunde und den Ort der Geburt, das Geſchlecht des Kindes, und die Vornahmen, die man ihm gegeben hat, die Vornahmen, Ge⸗ ſchlechts⸗Nahmen, das Gewerbe und den Wohnort der El⸗ tern, ſo wie der Zeugen enthalten. 38. Jeder, der ein neugebohrnes Kind findet, iſt verbun⸗ den, es dem Beamten des Civil⸗Standes, mit den Kleidun⸗ gen und andern bey dem Kinde vorgefundenen Effecten zu uͤberliefern, und alle Umſtaͤnde der Zeit und des Ortes, wo er es gefunden hat, anzugeben. Hieruͤber ſoll ein umſtaͤndlicher Verbal⸗Prozeß gefertiget werden, der uͤberdieß noch das anſcheinende Alter des Kindes, ſein Geſchlecht, die Nahmen, die man ihm geben, und die Civil⸗Autoritaͤt, welcher man es uͤbergeben wird, enthalten muß. Der Verbal⸗Prozeß ſoll den Regiſtern eingetragen werden. 59. Wird ein Kind waͤhrend einer Seereiſe gebohren, ſo muß in den erſten vier und zwanzig Stunden im Beyſeyn des Vaters, wenn er gegenwaͤrtig iſt, und zweyer Zeugen, die man aus den Schiffs⸗Offizieren, oder in Ermangelung derſelben aus den Schiffsleuten zu nehmen hat, der Geburts⸗ Act gefertiget werden. Dieſen Act ſoll auf Seeſchiffen, die dem Staate zugehoͤren, der Verwaltungsbeamte des Seewe⸗ ſens,(officier d'administration de la marine) und auf den Schiffen, die einem Caper oder einem Handelsmanne gehd⸗ ren, der Schiffs⸗Capitain, der Rehder, oder der Schiffspa⸗ tron aufſetzen. Der Geburts-Act muß der Rolle der Schiffs⸗ Mannſchaft als Fortſetzung eingetragen werden. I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 17 60. In dem erſten Hafen, wo das Schiff, ſey es um auszuruhen, oder wegen jeder andern Urſache, jene der Abtacklung ausgenommen, einlaufen wird, ſind die Verwal⸗ tungsbeamten des Seeweſens, der Schiffs⸗Capitain, der Sthiffsherr, oder Patron verbunden, zwey authentiſche Aus⸗ fertigungen der Geburts⸗Acte, die ſie verfaßt haben, nie⸗ derzulegen, naͤhmlich wenn es ein franzdſiſcher Hafen iſt, auf dem Buͤreau des préposé à T'inscription maritime, und wenn es ein fremder Hafen iſt, in die Haͤnde des Commiſ⸗ ſars der Handlungs⸗Angelegenheiten. Eine von dieſen Ausfertigungen bleibt auf dem Buͤreau de Pinscription maritime oder in der Commiſſariats⸗Kanzley aufbewahrt; die andere muß dem Miniſter des Seeweſens eingeſchickt werden, der eine von ihm beglaubigte Abſchrift eines jeden dieſer Acte dem Beamten des Civil⸗Standes an dem Wohnorte des Vaters des Kindes, oder wenn der Vater unbekannt iſt, an jenem der Mutter zuzuſtellen hat. Dieſe Abſchrift ſoll den Regiſtern ſogleich eingetragen werden. 61. Sobald das Schiff in den Hafen eingelaufen iſt, wo es abgetackelt wird, muß die Rolle der Schiffs⸗Mannſchaft auf dem Buͤreau des préposé à l'inscription maritime hinter⸗ legt werden. Dieſer hat eine von ihm unterzeichnete Ausfer⸗ tigung des Geburts⸗Actes dem Beamten des Civil⸗Standes, an dem Wohnorte des Vaters des Kindes, oder am Wohn⸗ orte ſeiner Mutter, wenn der Vater unbekannt iſt, zuzuſenden. Dieſe Ausfertigung ſoll den Regiſtern ſogleich eingeruͤckt werden. 62. Der Act uͤber die Anerkennung eines Kindes ſoll den Regiſtern auf den Tag, da ſie geſchehen iſt, eingetragen, und hievon am Rande des Geburts⸗Actes, wenn einer vor⸗ handen iſt, Meldung gethan werden. Drittes Capitel. Von den Heiraths⸗Acten. 63. Vor Schließung der Ehe ſoll der Beamte des Civil⸗ Standes zwey Aufgebothe mit einem Zwiſchenraum von acht 2 13 I. Buch. II. Tie. Von den Acten des Civil⸗Standes. Tagen, auf einen Sonntag, vor der Thuͤre des Gemeinde⸗ hauſes machen. In dieſen Aufgebothen, ſo wie in dem Acte, der hieruͤber gefertiget wird, muͤſſen ausgedruͤckt ſeyn die Vor⸗ nahmen, die Geſchlechts⸗Nahmen, das Gewerbe und die Wohn⸗ orte der kuͤnftigen Ehegatten, der Umſtand, ob ſie volljaͤh⸗ rig oder minderjaͤhrig ſeyen, endlich die Vornahmen, Ge⸗ ſchlechts⸗-Nahmen, das Gewerbe und die Wohnorte ihrer El⸗ tern. Dieſer Act muß nebſt dem die Tage, Orte und Stunden ausdruͤcken, wo die Aufgebothe geſchehen ſind. Er ſoll in ein eigenes Regiſter eingeſchrieben werden, welches von Blatt zu Blatt, wie im 41. Artikel beſtimmt iſt, nu⸗ merirt, und mit dem Handzuge verſehen ſeyn, und am Ende eines jeden Jahrs auf die Gerichtsſchreiberey des Arrondiſſe⸗ ments⸗Gerichtes deponirt werden muß. 64. Von einem Aufgebothe zum andern und waͤhrend der ganzen Zwiſchenzeit von acht Tagen ſoll ein Auszug des Verkuͤndigungs⸗Actes an der Thuͤre des Gemeindehauſes ange⸗ heftet bleiben. Vor dem dritten Tage nach dem zweyten Auſgebothe, den Tag dieſes Aufgebothes nicht miteinbegrif⸗ ſen, darf die Ehe nicht geſchloſſen werden. 65. Iſt die Ehe nicht in Jahresfriſt nach Umlauf der fuͤr die Aufgebothe beſtimmten Zeit geſchloſſen worden, ſo kann ſie nicht mehr eingegangen werden, als nach⸗ dem neue Aufgebothe nach der hieroben vorgeſchriebenen Form geſchehen ſind. 66. Die Einſpruͤche(Oppoſitions⸗Acte), die wider eine Heirath eingelegt werden, ſollen auf dem Original und der Abſchrift von den Opponenten oder ihren Bevollmaͤchtigten, die mit einer Special⸗Vollmacht in authentiſcher Form verſe⸗ hen ſind, unterzeichnet werden, ſie muͤſſen nebſt einer Abſchrift der Vollmacht den Betheiligten entweder in Perſon oder an ihrem Wohnorte, und dem Beamten des Civil⸗Standes, der ſein Viſa auf das Original zu ſetzen hat, inſinuirt werden. 67. Der Beamte des Civil⸗Standes muß ohne Zeitver⸗ luſt die Oppoſition auf dem Verkuͤndigungs⸗Regiſter in einer 1 Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 19 ſummariſchen Anzeige bemerken. Am Rande, wo dieſe Op⸗ poſitionen eingetragen ſind, muß er ebenfalls der Urtheile oder der Acte, wodurch ſie aufgehoben worden, wenn ihm eine Ausfertigung davon zugeſtellt worden iſt, erwaͤhnen. 68. Im Falle einer Oppoſition darf der Beamte des Ci⸗ vil⸗Standes, ehe ihm die Aufhebung derſelben eingehaͤndiget worden iſt, nicht zum Heiraths⸗Acte ſchreiten, bey Strafe von dreyhundert Franes, nebſt dem Erſatze aller hiedurch verurſachten Schaͤden und des entbehrten Gewinns(dom- mages-intéreèts.) 69. Sind keine Oppoſitionen eingelegt worden, ſo ſoll auch hievon in dem Heiraths⸗Acte Erwaͤhnung gethan wer⸗ den, und wenn die Aufgebothe der Ehe in mehrern Ge⸗ meinden geſchehen ſind, ſo ſollen die Betheiligten von dem Beamten des Civil⸗Standes einer jeden Gemeinde ein Zeug⸗ niß beybringen, wodurch ſie erweiſen, daß keine Oppoſition eingelegt worden iſt. 70. Der Beamte des Cioil⸗Standes ſoll ſich den Ge⸗ burtsſchein von jedem der kuͤnftigen Ehegatten vorzeigen laſ⸗ ſen. Der Ehegatte, dem es etwa unmoͤglich ſeyn moͤchte, ſich ihn zu verſchaffen, kann ihn dadurch erſetzen, daß er ei⸗ nen Notorietaͤts⸗Act(Act uͤber die Kundbarkeit, acte de no- toriété) von dem Friedensrichter ſeines Geburts⸗ oder ortes beybringt. 71. Der Notorietaͤts⸗Act muß eine von ſieben Zeugen, gleichviel ob ſie maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechts, ver⸗ wandt oder nicht verwandt ſind, geſchehene Erklaͤrung uͤber die Vornahmen, den Geſchlechts⸗Nahmen, das Gewerbe und den Wohnort des kuͤnftigen Ehegatten, und ſeiner Eltern, wenn ſie bekannt ſind, ſodann den Ort und ſo viel moͤglich, den Zeitpunet ſeiner Geburt, und die Urſachen enthalten, die es verhindern, den Act ſelbſt daruͤber beyzubringen. Die Zeugen muͤſſen den Att uͤber die Kundbarkeit mit dem Friedensrichter unterzeichnen, und gibt es welche unter ihnen, die nicht unterzeichnen koͤnnen oder im Schreiben unerfahren ſiud, ſo muß auch dieſes angemerkt werden. Wohn⸗ 20 I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 72. Der Notorietaͤts⸗Act muß dem Gerichte der erſten Inſtanz des Ortes, wo die Heirath vor ſich gehen ſoll, offen gelegt werden. Das Gericht gibt oder verſagt hierauf nach Anhoͤrung des Regierungs⸗Commiſſars ſeine Beſtaͤtigung, je nachdem es die Ausſagen der Zeugen und die Gruͤnde, we⸗ gen welcher man den Geburts-Act nicht beybringen kann, zureichend finden wird oder nicht. 73. Der authentiſche Act, welcher die Einwilligung der Eltern, oder Großeltern oder bey Abgang derſelben, die Einwilligung der Familie enthaͤlt, muß die Vornahmen, die Geſchlechts-Nahmen, das Gewerbe und den Wohnort des kuͤnftigen Ehegatten, und aller derjenigen, die zu dem Acte mitwirken, ſo wie den Grad ihrer Verwandtſchaft ausdruͤcken. 74. Die Ehe ſoll in einer Gemeinde geſchloſſen werden, wo einer von beyden Ehegatten ſein Domicil hat. In Be⸗ ziehung auf die Heirath hat man ſein Domicil in einer Ge⸗ meinde, wenn man ſechs Monate nach einander daſelbſt ge⸗ wohnt hat. 75. An dem Tage, den nach Verlauf der Verkuͤndigungs⸗ Friſten die Parteyen hiezu beſtimmt haben, ſoll der Beamte des Civil⸗Standes ihnen auf dem Gemeinde⸗Hauſe, in Bey⸗ ſeyn von vier Zeugen, wozu Verwandte und Nicht-Ver⸗ wandte gewaͤhlt werden koͤnnen, die oben angefuͤhrten Acte, die ſich auf ihren Stand und auf die Formalitaͤten der Hei⸗ rath beziehen, ſodann das ſechste Capitel des Ti⸗ tels von der Ehe, welches die wechſelſeitigen Rechte und Pflichten der Eheleute enthaͤlt, vorleſen. Er ſoll ſich von jedem Theile einzeln und nacheinan⸗ der die Erklaͤrung geben laſſen, daß ſie ſich zum Manne nd zur Frau nehmen wollen. Dieſemnach erklaͤrt er im Nahmen des Geſetzes, daß ſie durch das Band der Ehe verbunden ſind, und ſetzt auf der Stelle hieruͤber einen Act auf. 76. In dem Heirahts⸗Acte muͤſſen ausgedruͤckt werden: 1) Die Vornahmen, Geſchlechts⸗Nahmen, das Gewerbe, das Alter, die Geburts⸗Orte und die Wohnorte der Ehegatten; I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 21 2) Ob ſie volljaͤhrig oder minderjaͤhrig ſeyen; 3) Die Vornahmen, Geſchlechts⸗Nahmen, das Gewerbe und die Wohnorte der Eltern; 4) Die Einwilligung der Eltern, Groß⸗Eltern, und jene der Familie, in dem Falle, wo ſie erfordert wird; 5) Die Acte uͤber das ehrerbiethige Nachſuchen des elter⸗ lichen Raths, wenn deren gemacht worden; 6) Die in den verſchiedenen Wohnorten geſchehenen Auf⸗ gebothe; 7) Die Oppoſitionen, wenn deren gemacht wurden, ihre Aufhebung, oder die Bemerkung, daß keine Oppoſi⸗ tion geſchehen; 8) Die Erklaͤrung der Contrahenten, daß ſie ſich einander zu Ehegatten nehmen, und der von dem oͤffentlichen Beamten geſchehene Ausſpruch ihrer ehe⸗ lichen Verbindung; 9) Die Vornahmen, Geſchlechts⸗Nahmen, das Alter, das Gewerbe und die Wohnorte der Zeugen, und ihre Erklaͤrung, ob ſie mit den Parteyen verwandt oder verſchwaͤgert ſeyen, von welcher Seite her, und in welchem Grade. Viertes Capitel. Von den Sterbe⸗Acten. 77. Keine Beerdigung darf ohne Erlaubniß des Beamten des Civil⸗Standes geſchehen. Er ertheilt ſie auf nicht ge⸗ ſtempeltem Papier, und unentgeltlich; aber nicht eher, als nachdem er ſich zu dem Verſtorbenen verfuͤgt hat, um ſich feines wirklichen Hinſcheidens zu verſichern, und vier und zwanzig Stunden nach dem Hinſcheiden. Ausgenommen bleiben jedoch die in den Polizey⸗Verordnungen beſonders beſtimmten Faͤlle. 78. Der Sterbe⸗Act wird von dem Beamten des Civil⸗ Standes auf die Erklaͤrung zweyer Zeugen gefertiget; dieſe 22 I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. Zeugen ſollen, wo möͤglich, die zwey naͤchſten Verwandten oder Nachbarn ſeyn, oder, wenn jemand außer ſeinem Wohn⸗ orte geſtorben iſt, die Perſon, bey welcher er verſtorben, und ein Verwandter oder ein anderer. 79. Der Sterbe⸗Act muß die Vornahmen, den Geſchlechts⸗ Nahmen, das Alter, Gewerbe und den Wohnort des Verſtorbe⸗ nen enthalten, ferner die Vornahmen und den Geſchlechts⸗Nah⸗ men des andern Ehegatten, wenn die verſtorbene Perſon ver⸗ heirathet, oder im Wittweſtande war, endlich die Vornahmen, Geſchlechts-Nahmen, das Alter, das Gewerbe und die Wohn⸗ orte derzenigen, welche dieſe Erklaͤrungen als Zeugen abge⸗ geben haben, und ſind ſie Verwandte des Verſtorbenen, zu⸗ gleich den Grad ihrer Verwandtſchaft. Eben dieſer Act muß ferner, in ſo weit man davon Nach⸗ richt haben kann, die Vornahmen, Geſchlechts⸗Nahmen, das Gewerbe und den Wohnort der Eltern des Verſtorbenen, nebſt ſeinem Geburts⸗Orte enthalten. 80. Die Sterbfaͤlle in den Militair⸗ und buͤrgerlichen Spitaͤlern oder andern oͤffentlichen Haͤuſern ſind die Obern, Directoren, Verwalter und Hausherrn in den naͤchſten vier und zwanzig Stunden dem Beamten des Civil⸗Standes an⸗ zuzeigen verbunden. Dieſer muß, um ſich des Hinſcheidens zu verſichern, ſich dahin verfuͤgen, und nach Vorſchrift des vorhergehenden Artikels einen Act uͤber die ihm gemachten Anzeigen, und uͤber die von ihm eingezogenen Erkundigungen fertigen, Ueberdieß ſollen iu den beſagten Spitaͤlern und Haͤuſern eigene Regiſter gefuͤhrt werden, die beſtimmt ſind, um dieſe Erklaͤrungen und eingezogenen Nachrichten darin einzutragen. Der Beamte des Civil⸗Standes ſoll den Sterbe⸗Act dem. Beamten, der an dem letzten Wohnorte des Verſtorbenen dieſelbe Stelle verſieht, einſenden, und dieſer ihn gleichfalls ſeinen Regiſtern eintragen. 81. Aeußern ſich Zeichen oder Spuren eines gewaltſamen Todes, oder andere Umſtaͤnde, welche deßhalb einen Verdacht —„‚—— 1. Buch. II Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 23 erwecken; ſo darf die Beerdigung nicht eher geſchehen, als nachdem ein Polizey⸗Beamter unter dem Beyſtande eines Doctors der Medicin oder der Chirurgie uͤber den Zuſtand des Leichnams, und uͤber die Umſtaͤnde, welche hierauf Bezug haben, ſo wie uͤber die Erkundigungen, die er uͤber die Vor⸗ nahmen, den Geſchlechts⸗Nahmen, das Alter, Gewerbe, den Geburts⸗ und Wohnort des Verſtorbenen einziehen konnte, einen Verbal⸗Prozeß gefertiget haben wird. 82. Der Polizey⸗Beamte iſt gehalten, dem Beamten des Civil⸗Standes an dem Orte, wo die Perſon verſtorben iſt, ſogleich alle Nachrichten einzuſenden, die in ſeinem Verbal⸗ Prozeſſe enthalten ſind, und nach denſelben iſt der Sterbe⸗Act zu verfaſſen. Eine Ausfertigung davon ſoll der Beamte des Civil⸗ Standes demjenigen zuſenden, der am Wohnorte des Ver— ſtorbenen dieſe Stelle verſieht, ſo fern der Wohnort bekannt iſt; dieſe Ausfertigung wird den Regiſtern eingetragen. 83. Die Criminal⸗Gerichtsſchreiber ſind gehalten, in den erſten vier und zwanzig Stunden nach der Vollſtreckung der Todesurtheile dem Beamten des Civil⸗Standes des Ortes, wo der Verurtheilte hingerichtet worden, alle im 79. Artikel ausgedruͤckten Nachrichten zuzuſenden, nach welchen alsdann der Sterbe⸗Act zu verfaſſen iſt. 84. Stirbt jemand in einem Gefaͤngniſſe, Zwangs- oder Einſperrungs⸗Hauſe, ſo haben die Aufſeher pder Gefangen⸗ Huͤter den Beamten des Civil⸗Standes guf der Stelle hievon zu benachrichtigen; dieſer muß, wie im 30. Artikel beſtimmt iſt, ſich dahin verfuͤgen, und den Sterbe⸗Act fertigen. 85. In allen Faͤllen, wo jemand eines gewaltſamen Todes in einem Gefaͤngniſſe oder Zwangs⸗Hauſe verſtorben iſt, oder hin⸗ gerichtet worden, ſoll von dieſen Umſtaͤnden in den Regiſtern gar nichts erwaͤhnt, und jedesmahl der Sterbe-Act einzig nach der in dem 79. Artikel vorgeſchriebenen Form gefertiget werden.— 32 I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. 86. Ereignet ſich der Sterbfall auf einer Seereiſe, ſo ſoll daruͤber in den naͤchſten vier und zwanzig Stunden in Gegenwart zweyer Zeugen, die man aus den Schiffs⸗Offizie⸗ ren, oder bey deren Abgang aus der Schiffs⸗Mannſchaft zu nehmen hat, ein Act gefertiget werden. Dieſen Act hat auf Seeſchiffen, die dem Staate zugehoͤren, der Verwaltungs⸗ Beamte des Seeweſens, und auf den Schiffen, die einem Handelsmanne oder Kaper gehoͤren, der Schiffs⸗Capitain, der Rheder oder Schiffs⸗-Patron abzufaſſen. Der Sterbe-Act wird auf die Rolle der Schiffs⸗Mannſchaft als Anhang ein? geſchrieben. 87. In dem erſten Hafen, wo das Schiff, ſey es um einen Ruheplatz zu finden, oder wegen jeder andern Urſache, als um abzutakeln, einlaufen wird, ſollen die Verwaltungs⸗ Beamten des Seeweſens, der Schiffs⸗Capitain, der Schiffs⸗ Herr oder Patron, welche die Sterbe-Acte abgefaßt haben, zwey Ausfertigungen davon dem 60. Artitel gemaͤß deponiren. So bald das Schiff in den Hafen eingelaufen iſt, wo es abgetakelt wird, ſoll die Rolle der Schiffsmannſchaft auf dem Buͤreau des Préposé à Pinscription maritime hinterlegt werden. Er hat eine von ihm unterzeichnete Ausfertigung des Sterbe⸗Actes dem Beamten des Civil⸗Standes, wo der Verſtorbene ſeinen Wohnort hatte, zuzuſenden. Dieſe Aus⸗ fertigung muß den Regiſtern ſo gleich eingeruͤckt werden. Funftes Capitel. Von den Acten des Civil⸗Standes außer dem Ge⸗ biethe der Republik, welche Militairperſonen betreffen. 4 1 88. Die außer dem Gebiethe der Republik gefertigten Acte des Cioil-Standes, ſie betreffen Militair- oder andere bey den Armeen angeſtellte Perſonen, ſollen nach den durch die vorherigen Verfuͤgungen vorgeſchriebenen Formen abge⸗ faßt werden, mit Vorbehalt der in den folgenden Artikeln enthaltenen Ausnahmen. I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes⸗ 25 89. Der Quartier⸗Meiſter bey einem jeden Corps, das aus einem oder mehrern Bataillonen oder Schwadronen be⸗ ſteht, und der commandirende Hauptmann bey den andern Corps ſollen die Functionen des Beamten des Civil⸗Standes verrichten. In Betreff der Offiziere ohne Truppen, der Em- ployés bey der Armee hat der Muſterungs⸗Inſpector, der bey der Armee, oder dem Armee⸗Corps angeſtellt iſt,(in- specteur aux revues) dieſelbe Functionen zu verſehen. 90. Fuͤr die Acten des Cioil⸗Standes ſoll ein eigenes Regiſter bey jedem Truppen⸗Corps gefuͤhrt werden, das ſich auf die Individuen dieſes Corps bezieht, und ein anderes bey dem General⸗Stab der Armee oder eines Corps der Ar⸗ mee fuͤr die Civil⸗Acten, welche die Offiziere ohne Truppen und die Employes betreffen. Dieſe Regiſter ſollen auf eben die Weiſe, wie die andern Regiſter des Corps und eines jeden Stabes aufbewahrt, und bey dem Ruͤckzuge des Corps oder der Armeen auf das Gebieth der Republik in die Kriegs⸗ Archive hinterlegt werden. 91. Die Regiſter ſollen bey jedem Corps von dem Offi⸗ zier, der das Commando fuͤhrt, und bey dem General⸗Stab von dem Chef des General⸗Stabes fortlaufend numerirt und mit dem Handzuge verſehen werden. 92. Die Geburts⸗Anzeigen ſollen bey der Armee in den erſten zehn Tagen nach der Niederkunft geſchehen. 93. Der Offizier, welchem die Fuͤhrung des Regiſters uͤber den Civih⸗Stand aufgetragen iſt, ſoll in den erſten zehn Tagen nach der Eintragung des Geburts⸗Actes in das be⸗ ſagte Regiſter einen Auszug davon dem Beamten des Cioil⸗ Standes desjenigen Ortes zuſenden, wo der Vater des Kin— des, oder wenn der Vater unbekannt iſt, wo die Mutter des Kindes zuletzt wohnte. 94. Die Aufgebothe bey der Heirath der Militair- und bey der Armee angeſtellten Perſonen ſollen an dem Orte ihres letzten Wohnſitzes geſchehen; ſie ſollen uͤberdieß ſo viel die Individuen betrifft, die zu einem Corps gehoͤren, bey der Tagesordre(ordre du jour) des Corps und in Hinſicht der 26 I. Buch. II. Tit. Von den Acten des Civil⸗Standes. Offiziere ohne Truppen und der Employés, bey der Tages⸗ ordre der Armee oder des Corps der Armee, wovon ſie einen Theil ausmachen, fuͤnf und zwanzig Tage vor Schließung der Ehe kund gemacht werden. 95. Gleich nachdem der Heixaths⸗Act in das Regiſter ein⸗ getragen iſt, ſoll der Offizier, der das Regiſter zu fuͤhren hat, eine Ausfertigung davon dem Beamten des Civil⸗Stan⸗ des an dem letzten Wohnorte der Ehegatten zuſenden. 96. Die Sterbe⸗Acte ſollen bey jedem Corps von dem Quar⸗ tier⸗Meiſter, und was die Offiziere ohne Truppen und die Em⸗ ployés betrifft, von dem Muſterungs⸗Inſpector der Armee auf die Anzeige dreyer Zeugen gefertiget, und der Auszug aus dieſen Re⸗ giſtern in den naͤchſten zehn Tagen dem Beamten des Civil⸗Stan⸗ des an dem letzten Wohnorte des Verſtorbenen eingeſandt werden. 97. Iſt jemand in einem Feld⸗Lazarethe oder in einem ſtehenden(fuͤr einen Ort bleibend beſtimmten) Kriegs⸗Hospitale geſtorben, ſo ſoll der Sterbe⸗Act von dem Director der gedachten Spitaͤler gefertiget, und dem Quartier⸗Meiſter des Corps, pder dem Muſterungs⸗Inſpector bey der Armee oder dem Corps der Armee, wozu der Verſtorbene gehoͤrte, eingeſandt werden. Dieſen Offizieren liegt es ob, eine Ausfertigung des Sterbe⸗Actes an den Beamten des Civil⸗Standes am letzten Wohnorte des Verſtorbenen gelangen zu laſſen. 98. Der am Wohnorte der Parteyen angeſtellte Beamte des Civil⸗Standes, wenn ihm von der Armee die Ausferti⸗ gung eines Actes zugeſandt wird, der den Civil⸗Stand be⸗ trifft, iſt gehalten, ihn ſogleich den Regiſtern einzutragen. Sechstes Capitel. Von der Berichtigung der Acte des Civil⸗Standes. 99. Wird auf Berichtigung eines Actes des Civil⸗Stan⸗ des angetragen, ſo hat die competente Gerichts⸗Behoͤrde, nachdem der Regierungs⸗Commiſſar in ſeinem Antrage ver⸗ —,—— I. Buch. II. Tit. Von dem Domieil. 27 nommen worden, mit Vorbehalt der Appell hieruͤber zu er⸗ kennen. Je nachdem ſich die Sache verhaͤlt, ſollen die Be⸗ theiligten hiezu vorgefordert werden. 100. Den Betheiligten, die weder auf dieſe Berichtigung angetragen hatten, noch dazu vorgefordert worden, kann zu keiner Zeit das hieruͤber ergangene Urtheil(das Rectificati⸗ ons⸗ Urtheil) entgegengeſetzt werden. 101. Die Urtheile, wodurch auf Berichtigung eines ſol⸗ chen Actes erkannt worden, muͤſſen von dem Beamten des Civil⸗Standes, ſobald ſie ihm zugeſtellt worden, den Regi⸗ ſtern eingetragen werden. Ihrer ſoll am Rande des hiedurch verbeſſerten Actes Erwaͤhnung geſchehen. Dritter Titel. Von dem Domicil. (Geſetz vom 23. Ventos 11 J. promulgirt den z. Germinal.) 102. Das Domicil eines jeden Franzoſen in Beziehung auf die Ausuͤbung ſeiner Civil⸗Rechte iſt da, wo er ſein Haupt⸗Etabliſſement hat. 103. Die Veraͤnderung des Domicils wird dadurch be⸗ wirkt, daß jemand in der That nun anderswo wohnt, und zugleich die Abſicht hat, ſein Haupt-Etabliſſement daſelbſt zu firiren., 104. Der Beweis dieſer Abſicht ergibt ſich aus einer aus⸗ druͤcklichen bey der Municipalitaͤt des Ortes, den man ver⸗ laͤßt, ſowohl als bey jener des Ortes, wohin man ſeine Wohnung verlegt, gemachten Erklaͤrung. 105. Iſt keine ausdruͤckliche Erklaͤrung vorhanden, ſo haͤngt der Beweis der Abſicht von den Umſtaͤnden ab. 106. Der Staatsbuͤrger, der zu einem oͤffentlichen Amte beruſen worden, das auf Zeit beſchraͤnkt oder auf Widerruf verliehen iſt, behaͤlt das Domicil, das er vorher hatte, wenn er nicht eine andere Geſinnung an Tag gelegt hat. 28 I. Buch. IV. Tit. Von den Abwefenden. 107. Die Annahme eines Amtes, das auf Lebenszeit ver⸗ liehen iſt, zieht bey dem Beamten die Verlegung ſeines Do⸗ micils an den Ort, wo er ſein Amt ausuͤben muß, unmittel⸗ bar nach ſich. 108. Eine verheirathete Frau hat kein anderes Domicil als jenes ihres Mannes. Der Minderjaͤhrige, der nicht eman⸗ cipirt iſt, hat ſein Domicil bey ſeinen Eltern oder dem Vormunde; und der Volljaͤhrige, dem die eigene Verwal⸗ tung ſeines Vermoͤgens benommen iſt, das ſeinige bey ſeinem Curator... 109. Volljaͤhrige, welche bey andern in Dienſten ſind, oder gewoͤhnlicher Weiſe arbeiten, haben mit der⸗ Perſon, welcher ſie dienen, oder bey der ſie arbeiten, einerley Domi⸗ cil, wenn ſie in demſelben Hauſe mit ihr wohnen. 110. Der Ort, wo ſich die Succeſſion eroͤffnet, wird durch das Domicil beſtimmt. III. Wird von den Betheiligten oder auch von einem aus ihnen in einem Acte, zur Vollziehung desſelben, ein Domicil an einem Orte erwaͤhlt, wo ihr wirkliches Domicil nicht iſt, ſo ſollen die Inſinuationen, die Klagen und das weitere Verfahren, das ſich auf dieſen Act bezieht, an dem vereinbarten Wohnſitze und vor dem Richter dieſes Domicils Statt haben. . Vierter Titel. Von den Abweſenden. „(Geſetz vom 24. Ventos 11. J. promulgirt den 4. Germinal.) Erſtes Capitel. Von der Vermuthung der Abweſenheit. 112. Wenn die Nothwendigkeit eintritt, fuͤr die Verwal⸗ tung aller oder einiger Guͤter zu ſorgen, die jemand zuruͤck⸗ gelaſſen hat, von dem man vermuthet, daß er abweſend I. Buch. IV. Tit. Von den Abweſenden. 29 ſey, und der keinen bevollmaͤchtigten Geſchaͤftstraͤger hat, ſo ſoll das Gericht der erſten Inſtanz auf Begehren der Betheiligten hieruͤber verfuͤgen. 113. Auf das Geſuch derjenigen Partey, die ſich zuerſt deß⸗ wegen anmeldet, ertheilt das Gericht einem Notar den Auf⸗ trag, diejenigen, von denen man vermuthet, daß ſie abwe⸗ ſend ſeyen, bey den Inventarien, Rechnungs⸗Abnahmen, Theilungen und Liquidationen, woran ſie Theil haben, zu vertreten. 114. Der Regierungs⸗Commiſſar hat den beſondern Auf⸗ trag, fuͤr das Intereſſe der praͤſumtiv⸗abweſenden Perſonen zu wachen, und er ſoll bey allen Klagen, die ſie betreffen, gehoͤrt werden. Zweytes Capitel. Von der Abweſenheits⸗Erklaͤrung. 115. Wenn eine Perſon an dem Orte ihres Domicils oder gewoͤhnlichen Aufenthalts nicht mehr erſcheint, und ſeit vier Jahren keine Nachricht von ihr eingegangen iſt, ſo koͤn⸗ nen die Betheiligten ſich an das Gericht der erſten Inſtanz wenden, damit dort eine Abweſenheits⸗Erklaͤrung erfolge. 116. Um die Abwefenheit auſſer Zweifel zu ſetzen, ſoll das Gericht, nach aufgelegten ſchriftlichen Beweiſen, verordnen, daß, contradictoriſch mit dem Regierungs⸗Commiſſar, in dem Arrondiſſement des Domicils, und in jenem des gewoͤhnlichen Aufenthalts(residence), wenn beyde von einander verſchie⸗ den ſind, eine Unterſuchung angeſtellt werde. 117. Uebrigens ſoll das Gericht, indem es uͤber das Ge⸗ ſuch entſcheidet, auf die Beweggruͤnde der Abweſenheit und auf die Urſachen Ruͤckſicht nehmen, die es verhindert haben moͤgen, daß man von der praͤſumtiv⸗ abweſenden Perſon keine Nachricht erhielte. 118. Der Regierungs⸗Commiſſar ſoll die Vorbeſcheide ſo⸗ wohl, als die End⸗urtheile, ſobald ſie erlaſſen ſind, dem 30 I. Buch. IV. Tit. Von den Abweſenden. Großrichter⸗Juſtitzminiſter einſenden, der ſie kund zu machen hat. 119. Das Urtheil, wodurch jemand fuͤr abweſend erklaͤrt wird, ſoll nicht eher, als ein Jahr nach dem Urtheile, wo⸗ durch auf Unterſuchung erkannt wurde, ausgeſprochen werden. Drittes Capitel. Von den Wirkungen der Abweſenheit. Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Bezie hung auf die Guͤter, welche der Abweſende am Tage ſeines Nerſchwindens beſaß. 120. In den Faͤllen, wo der Abweſende keine Vollmacht zur Verwaltung ſeines Vermoͤgens zuruͤckgelaſſen hat, koͤnnen diejenigen, die am Tage ſeines Verſchwindens oder der zu⸗ letzt von ihm eingegangen Nachricht ſeine Praͤſumtiv⸗Erben geweſen ſind, kraft des End⸗Urtheils, das ihn fuͤr abweſend er⸗ klaͤrte, ſich in den proviſoriſchen Beſitz des Vermoͤgens ein⸗ ſetzen laſſen, welches dem Abweſenden am Tage ſeiner Ab⸗ reiſe oder der letzten Nachricht von ihm gehörte. Sie ſind aber verbunden, fuͤr die gute Fuͤhrung ihrer Adminiſtration Sicherheit zu leiſten. 121. Hat der Anweſende eine Vollmacht zuruͤckgelaſſen, ſo koͤnnen ſeine Praͤſumtiv⸗Erben auf die Abweſenheits⸗ Erklaͤrung und die Einweiſung in den proviſoriſchen Beſitz nicht eher antragen, als nach Umlauf von zehn Jahren ſeit ſeinem Verſchwinden, oder ſeit der letzten Nachricht von ihm. 122. Dasſelbe ſoll Statt finden, wenn die Vollmacht erloſchen iſt, und in dieſem Falle ſoll fuͤr die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden geſorgt werden, wie im erſten Capitel beſtimmt iſt, ———— I. Buch. IV. Tit. Von den Abweſenden. 32 123. Sobald die Praͤſumtio⸗Erben die Einweiſung in den proviſoriſchen Beſitz erlangt haben, ſoll auf Begehren der Betheiligten oder des Regierungs-Commiſſars bey dem Gerichte, das Teſtament, wenn eins vorhanden iſt, eroͤffnet werden, und die Legatarien, die Geſchenknehmer, ſo wie alle, die auf die Guͤter des Abweſenden irgend einen durch ſeinen Tod bedingten Anſpruch hatten, ſollen zur proviſoriſchen Ausuͤbung ihrer Rechte zugelaſſen werden, jedoch unter den Bedinge, daß ſie Sicherheit ſtellen. 124. Der Ehegatte, der mit dem Abweſenden in einer Guͤter-Gemeinſchaft lebte, wenn er dieſe Gemeinſchaft fortzuſetzen verlangt, iſt befugt, die proviſoriſche Einweiſung und die proviſoriſche Ausuͤbung aller durch den Tod des Abweſenden bedingten Rechte zu verhindern, und vorzugs⸗ weiſe die Adminiſtration der Guͤter des Abweſenden zu uͤber⸗ nehmen oder fortzuſetzen. Verlangt der Ehegatte die provi⸗ ſoriſche Aufhebung der Guͤter⸗Gemeinſchaft, ſo mag er ſeine Befugniſſe in Beziehung auf die Zuruͤcknahme ſeines eigen⸗ thuͤmlichen Vermoͤgens(ses reprises), und alle ſeine geſetz⸗ lichen und vertragmaͤßigen Rechte ausuͤben, unter der Be⸗ dingung, Sicherheit fuͤr diejenigen Sachen zu ſtellen, die zur Wiedererſtattung geeignet ſeyn koͤnnten. Erklaͤrt ſich die Ehegattinn fuͤr die Fortſetzung der Guͤ⸗ ter⸗Gemeinſchaft, ſo behaͤlt ſie das Recht, in der Folge hier⸗ auf Verzicht zu thun. 125. Der proviſoriſche Beſitz iſt nur Anvertrauung eines fremden Gutes, welche denjenigen, die den Beſitz erlangen, die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden einraͤumt, und fuͤr den Fall, da er wieder erſcheint, oder da man von ihm Nachricht erhaͤlt, ſie zur Rechnungs⸗Ablage verbindet. 126. Diejenigen, welche die proviſoriſche Einweiſung er⸗ langt haben, oder der Ehegatte, der ſich fuͤr die Fortſetzung der Guͤter⸗Gemeinſchaft erklaͤrt hat, muͤſſen in Gegenwart des Regierungs⸗Commiſſars bey dem Gerichte der erſten In⸗ 32 I. Buch: IV. Tit. Von den Abweſenden. ſtanz oder eines Friedensrichters, der von dem gedachten Regierungs⸗Commiſſar hiezu aufgefordert worden, zur Auf⸗ zeichnung des Mobilar-Vermoͤgens und der Erwerbungs⸗ Briefe(titres) des Abweſenden ſchreiten laſſen. Das Gericht befiehlt, dem Befinden nach, daß man das Mobilar⸗Vermoͤgen ganz oder zum Theil veraͤußere. Wird es verkauft, ſo foll der Betrag, ſo wie die faͤlligen Fruͤchte, wieder angelegt werden.— Diejenigen, welche die proviſoriſche Einweiſüung erlangt haben, koͤnnen zu ihrer Sicherheit darauf antragen, daß die liegenden Guͤter durch einen von dem Gerichte hiezu ernann⸗ ten Sachverſtaͤndigen in Augenſchein genommen werden, um ihren Zuſtand zu beweiſen. Sein Bericht ſoll in Gegen⸗ wart des Regierungs⸗Commiſſars gerichtlich beſtaͤtiget, der Koſten⸗Betrag aber aus dem Vermoͤgen des Abweſenden be⸗ ſtritren werden. 127. Diejenigen, die zufolge der proviſoriſchen Einwei⸗ ſung oder der geſetzlichen Adminiſtration den Genuß der Guͤter des Abweſenden gehabt haben, ſind ihm, wenn er wieder erſcheint, ehe von dem Tage ſeines Verſchwindens anzurechnen fuͤnfzehn Jahre verſtrichen ſind, nur ein Fuͤnftel; erſcheint er aber erſt nach fuͤnfzehn Jahren, nur ein Zehntel zu erſetzen verbunden⸗ Nach einer Abweſenheit von dreyßig Jahren ſollen die Einkuͤnfte ihnen ganz gehoͤren. 128. Alle diejenigen, die nur kraft einer proviſoriſchen Einweiſung den Genuß haben, koͤnnen die Immobilien des Abweſenden weder veraͤußern noch zur Hypothek ſtellen. 129. Die geſtellte Sicherheit ſoll freygegeben ſeyn,(auf⸗ hdren) ünd jeder Mitberechtigte darauf antragen duͤrfen, daß das Vermoͤgen getheilt, und die Einweiſung in den Beſitz durch das Gericht der erſten Inſtanz fuͤr definitiv erklaͤrt werde, wenn ſeit der proviſoriſchen Einweiſung oder von dem Zeitpuncte an, da die Adminiſtration der Guͤter des Abwe⸗ I. Buch. IV. Tit. Von den Abtveſenden. 33 ſenden von dem Ehegatten uͤbernommen worden, der in ehe⸗ licher Guͤter⸗Gemeinſchaſt mit ihm gelebt hatte, die Abwe⸗ ſenheit dreyßig Jahre gedauert hat, oder wenn hundert Jahre ſeit der Geburt des Abweſenden verfloſſen ſind. 130. Wird es erwieſen, an welchem Tage der Abweſende geſtorben ſey, ſo faͤllt ſeine Verlaſſenſchaft den Erben an, welche zu dieſer Zeit die naͤchſten ſind; und diejenigen, welche den Genuß des Vermoͤgens des Abweſenden gehabt haben, ſind gehalten, es wieder auszuliefern, jedoch mit Ausnahme der Einkuͤnfte, die ſie kraft des 127. Artikels erworben haben⸗ 131. Wenn der Abyeſende wieder erſcheint, oder wenn waͤhrend der proviſoriſchen Einweiſung dargethan wird, daß er noch lebt, ſo hoͤren die Wirkungen des Urtheils auf, das ihn als abweſend erklaͤrt hatte, jedoch ohne Nachtheil der im erſten Capitel fuͤr die Adminiſtration dieſer Guͤter vorge⸗ ſchriebenen, auf Erhaltung zielenden Maaßregeln, welche den Umſtaͤnden nach eintreten koͤnnen. 132. Wenn ſelbſt nach der Definitiv⸗Einweiſung der Ab⸗ weſende wieder erſcheint, oder wenn erwieſen iſt, daß er noch lebt, ſo ſoll er ſeine Guͤter in dem Stande, worin ſie ſich alsdann noch befinden werden, den Preis derjenigen, die veraͤußert ſeyn moͤgen, oder die Guͤter, die aus dem Verkaufspreiſe der ſeinigen wieder angeſchafft worden ſind, zuruͤckerhalten. 133. Die Kinder des Abweſenden, und die in gerader Linie von ihm abſtammen, ſind ebenfalls berechtiget, in dreyßig Jahren von der Defſinitiv⸗Einweiſung anzurechnen, die Zuruͤckgabe ſeiner Guͤter zu verlangen, wie in dem vor⸗ hergehenden Artikel beſtimmt iſt. 134. Nach erlaſſenem Urtheile, das die Abweſenheits⸗ Erklaͤrung enthaͤlt, ſoll jeder, der Rechte wider den Abwe⸗ ſenden auszuuͤben hat, ſie nicht anderſt als wider diejenigen geltend machen koͤnnen, die in den Beſitz ſeiner Guͤter ein⸗ gewieſen worden, oder die geſetzliche Adminiſtration derſel⸗ ben haben. 3 34 I. Buch. IV. Tit, Von den Abweſenden. Zweyter Abſchnittt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Beßie⸗ hung auf eventuelle Recte, die dem Abweſen⸗ den zuſtehen köͤnnen. 135. Wer immer ein Recht in Anſpruch nimmt, das jemanden angefallen ſeyn ſoll, deſſen Exiſtenz nicht aner⸗ kannt iſt, muß den Beweis fuͤhren, daß eben dieſe Perſon in dem Zeitpuncte noch lebte, als das Recht eroͤffnet wurde; bis er dieſen Beweis liefert, ſoll er mit ſeiner Klage abge⸗ wieſen(non-recevable erklaͤrt) werden. 136. Wird eine Erbſchaft erlediget, wozu jemand beru⸗ fen iſt, deſſen Exiſtenz beſtritten wird, ſo faͤllt der Nachlaß ausſchließlich auf diejenigen, mit welchen er ſonſt die Erb⸗ ſchaft zu theilen gehabt haͤtte, oder auf diejenigen, die in Ermanglung ſeiner zur Erbſchaft gelangt waͤren. *137. Die Verfuͤgungen der beyden vorherigen Artikel treten unbeſchadet der Erbſchafts⸗Klagen und anderer Rechte ein, die dem Abweſenden oder denjenigen, die ihn repraͤ⸗ ſentiren und in ſeine Rechte getreten ſind, zuſtehen moͤgen, und nur mit Umlauf der Zeit, welche zur Verjaͤhrung be⸗ ſtimmt iſt, erloͤſchen ſollen. 138. So lange der Abweſende ſich nicht einfindet, oder ſo lange keine Klagen in ſeinem Nahmen angeſtellt werden, ſollen diejenigen, welche die Erbſchaft in Empfang genom⸗ men haben, die in gutem Glauben genoſſenen Fruͤchte zu ihrem Vortheil behalten. 3 Dritter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Hinſicht auf die Ehe. 139. Hat der Ehegatte eines Abweſenden eine neue ehe⸗ liche Verbindung geſchloſſen, ſo ſoll es dem Abweſenden al⸗ lein geſtattet ſeyn, dieſe Ehe, ſey es in Perſon oder durch einen Bevollmaͤchtigten, der mit dem Beweiſe der Exiſtenz des Abweſenden verſehen iſt, anzufechten. I. Buch. IV. Tit. Von den Ahweſenden. 35 140. Hat der abweſende Ehegatte keine ſucceſſionsfaͤhi⸗ gen Erben zuruͤckgelaſſen, ſo kann der andere Ehegatte auf Einweiſung in den proviſoriſchen Beſitz ſeines Vermoͤgens antragen. Viertes Capitel. VDon der Aufſicht uͤber minderjaͤhrige Kinder, deren Vater verſchwunden iſt. 141. Die Mutter hat, wenn der Vater verſchwunden iſt, und minderjaͤhrige Kinder zuruͤckließ, die aus ihrer beyderſeitigen Ehe entſproſſen find, uͤber dieſe Kinder die Aufſicht. Sowohl was ihre Erziehung, als was die Verwaltung ihres Vermoͤgens betrifft, hat ſie die Rechte des Mannes auszuuͤben. 142. Sechs Monate nach dem Verſchwinden des Vaters, wenn die Mutter zur Zeit, als er verſchwunden, ſchon todt war, oder auch wenn ſie in der Folge ſtirbt, ehe der Va⸗ ter fuͤr abweſend erklaͤrt iſt, wird die Aufſicht uͤber die Kin⸗ der von dem Familienrathe den naͤchſten Blutsfreunden in aufſteigender Linie, oder in deren Ermangelung einem pro⸗ viſoriſch angeordneten Vormunde aufgetragen. 143. Eben ſo ſoll es in dem Falle gehalten werden, wenn einer der Ehegatten, welcher verſchwunden iſt, aus einer vorherigen Ehe minderjaͤhrige Kinder zuruͤcklaͤßt. Fuͤnfter Tirel. Von der Ehe. (Geſetz vom 26. Ventos 11. J. promulgirt den 6. Germinal.) Erſtes Capitel. Von den Eigenſchften und Bedingungen, welche erforderlich ſind, um eine Ehe ſchließen zu koͤnnen. 144. Mannsperſonen koͤnnen nicht heirathen, ehe ſie das achtzehnte Jahr; Frauenzimmer nicht, ehe ſie das fuͤnfzehnte Jahr zuruͤckgelegt haben. 2 35 I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. 145. Die Regierung kann gleichwohl aus wichtigen Be⸗ weggruͤnden in dem Alter dispenſiren. 146. Ohne Einwilligung gibt es keine Heirath. 147. Man kann keine zweyte Ehe ſchließen, bevor die erſte aufgeldſt iſt. 148. Ein Sohn, ehe er das fuͤnf und zwanzigſte Jahr ſeines Alters; und eine Tochter, ehe ſie das ein und zwan— zigſte Jahr ihres Alters zuruͤckgelegt hat, koͤnnen ohne Be⸗ willigung ihres Vaters und ihrer Mutter nicht heirathen⸗ Sind dieſe verſchiedener Meinung, ſo iſt die Einwilligung des Vaters hinreichend. 149. Iſt einer der beyden Eltern todt, oder iſt es ihm unmoͤglich, ſeinen Willen zu erklaͤren, ſo iſt die Einwilli— gung des andern hinreichend. 150. Wenn Vater und Mutter todt ſind, oder wenn es ihnen unmoͤglich iſt, ihren Willen zu erklaͤren, ſo treten di die Großvaͤter und die Großmuͤtter an ihre Stelle. Sind der Großvater und die Großmutter derſelben Linie nicht einer Meinung, ſo iſt die Einwilligung des Großvaters hin⸗ reichend. Wenn eine Linie mit der andern nicht einerley Meinung iſt, ſo ſoll dieſe Verſchiedenheit fuͤr Einwilligung gelten. 151. Eheliche Kinder, wenn ſie das im 148. Artikel be⸗ ſtimmte Alter der Volljaͤhrigkeit erreicht haben, ſind verbun⸗ den,, ehe ſie heirathen, den Rath ihres Vaters und ihrer Mutter, oder wenn Vater und Mutter todt oder nicht im Stande ſind, ihren Willen zu erklaͤren, den Rath ihrer Großvaͤter und Großmuͤtter durch einen ehrerbiethigen und foͤrmlichen Act ſich auszubitten. 152.**) Wird auf den im vorhergehenden Artikel vorge⸗ ſchriebenen ehrerbiethigen Act die Einwilligung in die Ehe *) Die ſechs folgenden Artikel machen das Geſetz vom 15. Ventos aus, welches am 25. deſſelben Monats promulgirt wurde, und muͤſſen hier zufolge des Geſetzes vom 30. Ventos eingeſchaltet werden. I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. 37 nicht ertheilt, ſo ſollen Soͤhne, wenn ſie zu der im 148. Artikel in Hinſicht der Heirath beſtimmten Volljaͤhrigkeit ge⸗ langt ſind, bis ſie ihr dreyßigſtes; und Toͤchter in eben die⸗ ſem Falle, bis ſie ihr fuͤnf und zwanzigſtes Jahr zuruͤckge⸗ legt haben, dieſen Act noch zwey Mahl, von einem Monate zum andern, erneuern, und einen Monat nach dem dritten Acte darf man zur Schließung der Ehe fortſchreiten. 153. Nach vollendetem dreyßigſten Jahre kann auf einen ehrerbiethigen Act, ſo fern die Einwilligung hierauf nicht er⸗ folgt iſt, einen Monat nachher die Ehe geſchloſſen werden. 154. Der ehrerbiethige Act ſoll dem oder den Ascenden⸗ ten, die im 151. Artikel bezeichnet ſind, durch zwey Notarien oder durch einen Notar und zwey Zeugen bekannt gemacht, und in dem Verbal⸗Prozeß, der hieruͤber geſertiget werden muß, ihre Antwort bemerkt werden. 155. Iſt der Ascendent abweſend, an den der ehrerbie⸗ thige Act haͤtte gerichtet werden muͤſſen, ſo kann ohne wei⸗ teres zur Schließung der Ehe geſchritten werden, in ſo fern entweder das Urtheil, das etwa den Ascendenten ſchon fuͤr abweſend erklaͤrt hat, oder, wenn noch kein ſolches Urtheil er⸗ laſſen worden, dasjenige, worin deßhalb eine Unterſuchung be⸗ fohlen wurde, oder, falls noch gar kein Urtheil ergangen iſt, ein Rotorietaͤts⸗Act(ein Act uͤber die oͤffentliche Kundbarkeit) beygebracht wird, der von dem Friedens⸗Richter des Ortes, wo der Ascendent ſein letztes bekanntes Domicil hatte, aus⸗ geſertiget iſt, und die Erklaͤrung von vier Zeugen enthaͤlt, die eben dieſer Friedens⸗Richter von Amtswegen vorgefordert hat.— 156. Die Beamten des Civil⸗Standes, welche uͤber eine von Soͤhnen, ehe ſie das fuͤnf und zwanzigſte; oder von Töoͤchtern, ehe ſie das ein und zwanzigſte Jahr ihres Alters zuruͤckgelegt haben, geſchloſſene Ehe den Act auſgenommen haben, ohne daß in dem Heiraths⸗Acte der Einwilligung der Vaͤter und Muͤtter, Groß⸗Väter und Groß⸗Muͤtter, oder der Einwilligung der Familie, in der Faͤllen, worin die eine oder die andere erforderlich iſt, ausdruͤckliche Erwaͤhnung ge⸗ 8% I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. ſchehen, ſollen auf Betreiben der Betheiligten oder des Re⸗ gierungs⸗Commiſſars bey dem Gerichte der erſten Inſtanz des Ortes, wo die Ehe geſchloſſen werden, in die Geldſtrafe, welche im 192. Artikel des Civil⸗Geſetzbuches feſtgeſtellt iſt, und uͤberdieß zu einer Gefaͤngniß⸗Strafe verurtheilt werden, die nicht unter ſechs Monaten ſeyn darf. 157. Wenn die ehrerbiethigen Acte in den Faͤllen, wo ſie vorgeſchrieben ſind, nicht gemacht worden, ſo ſoll der Beamte des Civil⸗Standes, der den Heiraths⸗Act aufgenom⸗ men hat, in dieſelbe Geld⸗Buße und zu einer Gefaͤngniß⸗ Strafe, die nicht unter einem Monat ſeyn darf, verurtheilt werden. 158. Die im 147, 148 und 149 Artikel enthaltenen Vor⸗ ſchriften, ſo wie die Verfuͤgung des 151. Artikels, welche ſich auf den ehrerbiethigen Act bezieht, der in dem hierin vorgeſehenen Falle an Vater und Mutter gerichtet werden ſoll, ſind auf natuͤrliche geſetzlich anerkannte Kinder ebenfalls anwendbar. 159. Ein natuͤrliches Kind, das nicht anerkannt worden, ſo wie dasjenige, das zwar anerkannt war, aber nach⸗ her ſeine beyden Eltern verloren hat, oder deſſen Vater und Mutter ihren Willen nicht aͤußern koͤnnen, kann, bevor es das ein und zwanzigſte Jahr zuruͤckgelegt hat, nicht heirathen, als nachdem es die Einwilligung eines Special⸗Vormundes er⸗ halten hat, der ihm hiezu beſonders ernannt wird. 160. Wenn keiner von den Eltern oder Groß⸗Eltern am Leben iſt, oder wenn ſie ſich alle in einem Zuſtande befin⸗ den, der es ihnen unmoͤglich macht, ihren Willen zu aͤußern, ſo koͤnnen Soͤhne oder Toͤchter, ſo fern ſie nicht ein und zwanzig Jahre alt ſind, ohne die Einwilligung des Fami⸗ lien⸗Raths nicht heirathen. 161. In gerader Linie iſt die Ehe unter allen Ascenden⸗ ten und ihren Abkoͤmmlingen, ſie ſeyen ehelich oder unehelich, ſo wie unter Verſchwaͤgerten derſelben Linie verbothen. 1. Buch. V. Tit. Von der Ehe. 39 162. In der Seiten⸗Linie iſt die Ehe unter Schweſter und Bruder, ohne Unterſchied der ehelichen und unehelichen Geburt, und unter Veſchwaͤgerten in demſelben Grade verbothen. 163. Die Ehe iſt ferner verbothen unter dem Oheim und der Nichte, der Muhme und dem Reffen. 164. Die Regierung kann nichts deſtoweniger die in dem vorhergehenden Artikel enthaltenen Eheverbothe aus wichtigen Urſachen erlaſſen. Zweytes Capitel. Von den Fyrmatiräten, die ſich auf die Schliehung der Ehe beziehen. 165. Die Ehe ſoll oͤffentlich vor dem Civil⸗Beamten des Ortes, wo einer von beyden Theilen ſein Domicil hat, ge⸗ ſchloſſen werden, 166. Die beyden Aufgebothe, welche im 63. Artikel 3. Capitel von den Acten des Civil⸗Standes vorgeſchrieben ſind, muͤſſen bey der Municipalitaͤt eines zeden Ortes geſchehen, wo einer und der andere der beyden Contra⸗ henten ſein Domicil hat. 167. Ueberdieß muͤſſen gleichwohl die Aufgebothe bey der Municipalitaͤt des letztern Domicils geſchehen, wenn einer von beyden ſein dermahliges Domicil nur erſt durch einen Auſenthalt von ſechs Monaten erlangt hat, 168. Sind die Contrahenten, oder einer von ihnen in Hinſicht auf die Befugniß eine Heirath zu ſchließen, unter der Gewalt eines andern, ſo ſollen die Aufgebothe nebſtdem noch bey der Municipalitaͤt des Wohnortes derjenigen ge⸗ ſchehen, unter deren Gewalt ſie ſich befinden. 169. Die Regierung, oder diejenigen, welche ſie deßhalb anſtellen wird, haben das Recht, aus wichtigen Gruͤnden das zweyte Aufgeboth zu erlaſſen.*) **) Die Regierungs⸗Commiſſare bey den Gerichten der erſten Inſtanz ſind autoriſirt worden, in dem zweyten Aufgeboth zu dispenfiren⸗ 42 1. Buch. V. Tit. Von der Ehe. 170. Ehen, welche im Auslande zwiſchen Franzoſen, oder zwiſchen Franzoſen und Fremden geſchloſſen worden, ſind guͤltig, wenn ſie nach der im Lande hergebrachten Form ein⸗ gegangen worden, vorausgeſetzt, daß die im 63. Artikel 3. Capitel des Titels von den Acten des Civil⸗Stan⸗ des vorgeſchriebenen Aufgebothe vorhergegangen ſind, und daß der Franzoſe den im vorhergehenden Capitel enthaltenen Verfuͤgungen nicht zuwidergehandelt hat. 171. In den erſten drey Monaten nach der Ruͤckkehr des Franzoſen auf das Gebieth der Republik, muß der Act uͤber die im Auslande geſchloſſene Ehe dem oͤffentlichen Heiraths⸗ Regiſter des Ortes, wo er ſeinen Wohnſitz hat, eingetragen werden, Drikties Capitel. Von den Oppoſitionen wider die Heirath. 172. Das Recht wider die Schließung der Ehe eine Op⸗ poſition einzulegen hat die Perſon, welche mit einem der beyden Contrahenten ſchon verheirathet iſt. 173. Der Vater und bey Abgang des Vaters die Mut⸗ ter, und bey Ab gang beyder Eltern die Groß⸗Eltern koͤnnen wider die Heirath ihrer Kinder und Abkoͤmmlinge Opppoſition einlegen, obgleich dieſe ſchon das Alter von fuͤnf und zwan⸗ zig vollen Jahren erreicht haben, 174. In Ermangelung aller Ascendenten kann der Bru⸗ der, oder die Schweſter, der Oheim oder die Muhme, oder ein Geſchwiſterkind, wenn dieſe uͤbrigens großi aͤhrig ſind, nur in folgenden zwey Faͤllen Oppoſition einlegen: 1. Wenn die Einwilligung des Familienraths, welche der 160, Artikel erfordert, nicht erwirkt worden. 2. Wenn die Oppoſition ſich auf den Wahnſinn des kuͤnftigen Ehegatten gruͤndet; und dieſe Oppoſition, deren unbedingte Aufhebung das Gericht⸗ verfuͤgen kann, darf nur unter der Bedingung angenommen I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. 41 werden, daß der Opponent auf die Interdiction antrage, und hieruͤber binnen der Zeitfriſt, die in dem Urtheil beſtimmt werden ſoll, entſcheiden laſſe. 175. In den beyden durch den vorherigen Artikel be⸗ ſtimmten Faͤllen kann der Vormund oder Curator waͤhrend der Vormundſchaft oder Curatel kerne Oppoſition einlegen, als in ſo fern er von einem Famikienrathe, den er zu die⸗ ſem Ende verſammlen laſſen darf, hiezu autoriſirt worden iſt. 176. Jeder Oppoſitions⸗Act muß die Eigenſchaft aus⸗ druͤcken, welche dem Opponenten das Recht gibt, ſie einzulegen; er muß die Wahl eines Domicils an dem Orte, wo die Heirath) geſchloſſen werden ſoll, enthalten; auf gleiche Weiſe muͤſſen Beweggruͤnde der Oppoſition, es ſey dann, daß ſie auf Anſuchen eines Ascendenten eingelegt worden, darin ausgedrckt ſeyn; alles bey Strafe der Nichtigkeit, und der Unterſagung der Amtsverrichtungen(interdiction) wider den⸗ zjenigen Beamfen(oſficier ministériel) der den Oppoſitions⸗ Act unterzeichnet hat.— 1 177. Das Gericht der erſten Inſtanz ſoll in den erſten zehn Tagen uͤber das Geſuch um Aufhebung erkennen. 178. Wird gegen das Urtheil Appel eingelegt, ſo ſoll hieruͤber in den erſten zehn Tagen nach der Vorladung erkannt werden. 179. Wird die Oppoſition verworfen, ſo koͤnnen die Op⸗ ponenten, ſo fern es keine Ascendenten ſind, zum Erſatz des Schadens und des entbehrten Vortheils verurtheilt werden, Viertes Capitel. Von Klagen auf Unguͤltigkeit der Ehe. 180. Eine Ehe, die ohne ſreye Einwilligung beyder Ehe⸗ gatten, oder eines von ihnen geſchloſſen worden, kann nur von den Ehegatten, oder von demjenigen unter ihnen ange⸗ griffen werden, deſſen Einwilligung nicht frey war. 42 I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. Iſt ein Irrthum in der Perſon untergelaufen, ſo ſoll nur derjenige aus den Ehegatten die Ehe angreiſen koͤnnen, der in Irrthum gefuͤhrt worden. 181. In dem Falle des vorhergehenden Artikels ſoll die Nichtigkeitsklage keineswegs mehr zulaͤßig ſeyn, wenn von dem Zeitpuncte an, wo der Ehegatte ſeine voͤllige Freyheit erlangt, oder den Irrthum entdeckt hat, eine ſechs Monate hindurch fortgeſetzte Beywohnung Statt hatte. 182. Die Heirath, die ohne Einwilligung der Eltern, Großeltern, oder des Familienrathes in den Faͤllen, wo dieſe Einwilligung erforderlich war, iſt geſchloſſen worden, kann nur von denjenigen, deren Einwilligung erfordert wurde, oder von dem Ehegatten, der dieſer Einwilligung bedurfte, angegriffen werden. 183. Weder die Ehegatten, noch die Verwandten, deren Einwilligung erforderlich war, koͤnnen die Nichtigkeitsklage mehr anſtellen, wenn von denjenigen, deren Einwilligung erfordert wurde, die Heirath ausdruͤcklich oder ſtillſchwei⸗ gend genehmiget worden, oder wenn, ſeitdem ſie Kenntniß von der Ehe hatten, ein Jahr, ohne Reclamation von ih⸗ rer Seite, verſtrichen iſt; eben wenig kann der Ehegatte dieſe Klage noch anſtellen, wenn von der Zeit, da er das gehoͤrige Alter erreicht hat, um fuͤr ſich ſelbſt in die Ehe einwilligen zu koͤnnen, ein Jahr, ohne Reclamation von ſeiner Seite, verſtrichen iſt. 18¼4. Jede den Verfügungen des 144, 147, 161, 162 und 163 Artikels zuwider eingegangene Ehe kann ſowohl von den Ehegatten ſelbſt, als von jedem, der ein Intereſſe dabey hat, und ſo auch von dem Regierungs⸗Commiſſar (ministére public) angegriffen werden, 185. Haͤtten indeß beyde Ehegatten, oder einer von ih⸗ nen das erforderliche Alter nicht erreicht, ſo kann aus die⸗ ſem Grunde ihre Ehe nicht mehr angegriffen werden, 1) wenn von dem Zeitpunkte, da dieſer Ehegatte, oder da beyde das geſetzliche Alter erreicht haben, ſechs Monate verſtrichen I. Buch. v. Tit. Ven der Ehe. 48 ſind; 2) wenn die Ehegattinn, welche dieſes Alter nicht er⸗ reicht hatte, vor Umlauf der ſechs Monate empfangen hat. 186. Der Vater, die Mutter, die Ascendenten und die Familie, welche in dem Falle, der im vorhergehenden Ar⸗ tikel ausgedruͤckt iſt, in die Ehe eingewilliget haben, koͤn⸗ nen mit der Klage auf die Nichtigkeit derſelben nicht gehoͤrt werden. 187. In allen Faͤllen, wo nach der Beſtimmung des 184 Artikels die Nichtigkeitsklage von jedem, der ein Intereſſe dabey hat, angeſtellt werden kann, bleiben gleichwohl Sei⸗ tenverwandte oder die Kinder, die aus einer andern Ehe ge⸗ zeugt ſind, bey Lebzeiten der beyden Ehegatten davon aus⸗. geſchloſſen. Sie koͤnnen ſolche dann erſt einfuͤhren, wenn ſie ein wirkliches, ſchon erworbenes Intereſſe dabey haben. 188. Der Ehegatte, zu deſſen Nachtheil eine zweyte Hei⸗ rath geſchloſſen worden, kann auf Erklaͤrung ihrer Nichtig⸗ keit antragen, wenn ſchon der Ehegatte noch lebt, der mit ihm verehelichet war. 189. Schuͤtzen die neuen Ehegatten die Nichtigkeit der⸗ erſten Heirath vor, ſo muß vorlaͤufig uͤber die Guͤltigkeit oder Nichtigkeit dieſer Heirath geurtheilt werden. 190. In allen Faͤllen, worauf ſich der 184. Artikel des gegenwaͤrtigen Titels anwenden laͤßt, kann und ſoll der Re⸗ gierungs⸗Commiſſar, jedoch unter den im 185. Artikel ent⸗ haltenen Modificationen, auf Nichtigkeits⸗Erklaͤrung der Ehe bey Lebzeiten beyder Ehegatten antragen, und ſie verurthei⸗ len laſſen ſich zu ſcheiden. 191. Jede Heirath die nicht oͤffentlich, und vor dem ge⸗ hoͤrigen oͤffentlichen Beamten geſchloſſen worden, kann von den Ehegatten ſelbſt, von ihren Eltern, ihren Ascendenten, und von allen, die ein anerfallenes wirkliches Intereſſe ha⸗ ben, ſo wie auch von dem Regierungs⸗Commiſſar(ministèere Public) angefochten werden. 192. Sind vor der Heirath nicht die zwey erſorderlichen Aufgebothe geſchehen, oder ſind deßhalb die im Geſetze er⸗ 44 I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. laubten Dispenſationen nicht erwirkt, oder die vorgeſchrie⸗ benen Friſten zwiſchen den Aufgebothen und der Ehe nicht beobachtet worden, ſo laͤßt der Regierungs⸗Commiſſar wider den oͤffentlichen Beamten auf eine Geldbuße, welche die Summe von dreyhundert Francs nicht uͤberſchreiten darf, oder wider die Contrahenten und diejenigen, unter derer Gewalt ſie ſtanden und gehandelt haben, auf eine ihrem Vermoͤgen an⸗ gemeſſene Geldſtrafe erkennen. 103. In eben die Strafen, welche in dem vorhergehen⸗ den Artikel verhaͤngt ſind, ſollen die daſelbſt erwaͤhnten Per— ſonen fuͤr jede Uebertretung der im 163. Artikel vorgeſchrie⸗ benen Regeln verfallen, ſelbſt wenn dieſe Uebertretungen nicht zureichend befunden wuͤrden, um die Ehe fuͤr unguͤltig erklaͤren zu laſſen. 194. Niemand kann den Nahmen eines Ehegatten, und die buͤrgerlichen Wirkungen der Ehe in Anſpruch nehmen, er producire denn einen Heiraths⸗Act, der den Regiſtern des Cioil⸗Standes eingetragen iſt; ausgenommen ſind jedoch die im 46. Artikel unter dem Titel von den Acten des Ci⸗ vil⸗Standes erwaͤhnten Faͤlle. 195. Der Beſitzſtand kann die angeblichen Eheleute, die ſich hierauf gegenſeitig beziehen moͤgen, von der Verbind⸗ lichkeit nicht befreyen, den Act uͤber die vor dem Beamten des Civil⸗Standes geſchloſſene Heirath offen zu legen. 196. Iſt der Beſitzſtand vorhanden, und der Act uͤber die vor dem Beamten des Civil⸗Standes geſchloſſene Ehe offen gelegt worden, ſo ſollen die Ehegatten mit der Klage auf Nichtigkeitserklaͤrung dieſes Actes gegeneinander abge⸗ wieſen werden. 197. Wenn inzwiſchen in den Faͤllen, welche im 194. und 195. Art. beſtimmt ſind, die beyden Perſonen, die oͤf⸗ fentlich als Mann und Frau gelebt haben, und nun beyde verſtorben ſind, einige von ihnen abſtammende Kinder zuruͤck⸗ laſſen, ſo kann die eheliche Geburt dieſer Kinder unter dem Vorwande allein nicht beſtritten werden, daß ſie den Hei⸗ ———— I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. 45 raths⸗Act ihrer Eltern nicht aufweiſen koͤnnen, ſo oſt nur uͤbrigens die Rechtmaͤßigkeit ihrer Geburt durch einen Be⸗ ſitzſtand erwieſen iſt, der mit dem Geburts-Acte nicht im Widerſpruche ſteht. 198. Hat man den Beweis einer geſetzlich eingegangenen Ehe durch das Reſultat eines Criminal⸗Verfahrens erlangt, ſo ſichert die Eintragung des Urtheils in die Regiſter des Civil⸗Standes der Ehe von dem Tage an, da ſie geſchloſ⸗ ſen worden, alle ihre buͤrgerlichen Wirkungen, ſowohl, was die Ehegatten ſelbſt, als die aus dieſer Ehe gezeugten Kin⸗ der betrifft. 199. Sind beyde Ehegatten, oder iſt einer aus ihnen verſtorben, ohne den Betrug entdeckt zu haben, ſo kann die Criminal⸗Klage von allen, die etwa Intereſſe dabey ha⸗ hen, daß die Ehe fuͤr guͤltig erklaͤrt werde, und von dem Regierungs⸗Commiſſar angeſtellt werden. 200. Iſt der oͤffentliche Beamte vor Entdeckung des Be⸗ trugs verſtorben, ſo hat der Regierungs⸗Commiſſar in Ge⸗ genwart der Betheiligten und auf ihre Angebung(dénoncia- tion) die Civil⸗Klage wider deſſen Erben zu richten. 201. Die Ehe, welche fuͤr unguͤltig erklaͤrt worden, hat nichts deſtoweniger die Civil⸗Wirkungen in Hinſicht der Ehe⸗ gatten ſowohl als der Kinder, wenn ſie in gutem Glauben geſchloſſen worden iſt. 202. War einer der beyden Ehegatten allein in gutem Glauben, ſo hat die Ehe ihre Civil-⸗Wirkungen nur zu Gun⸗ ſten dieſes Ehegatten, und der aus der Ehe abſtammenden Kinder. Funftes Capitel. Von den Verbindlichkeiten, die aus der Ehe entſpringen. 203. Die Ehegatten uͤbernehmen miteinander ſchon da⸗ durch allein, daß ſie heirathen, die Verbindlichkeit ihre Kin⸗ der zu ernaͤhren, zu unterhalten und zu erziehen. 46 I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. 204. Das Kind hat keine Klage wider ſeine Eltern auf Verſorgung(Etabliſſement) ſey es durch Heirath, oder auf eine andere Weiſe. 205. Die Kinder ſind ihren Eltern und andern Ascenden⸗ ten, die in Duͤrftigkeit ſind, Unterhalt ſchuldig. 206. Auf gleiche Weiſe und unter denſelben Umſtaͤnden ſind Schwieger⸗Sdhne und Schwieger⸗Toͤchter ihren Schwie⸗ ger⸗Eltern Unterhalt ſchuldig; dieſe Verbindlichkeit hoͤrt aber auf: 1) Wenn die Schwieger⸗Mutter zur zweyten Ehe ge⸗ ſchritten; 2) wenn jener von beyden Ehegatten, von dem die Schwaͤgerſchaft herruͤhrt, und die aus ſeiner ehelichen Ver⸗ bindung mit dem andern Ehegatten abſtammenden Kinder verſtorben ſind. 207. Die Verbindlichkeiten, welche aus dieſen Verfuͤgun⸗ gen entſtehen, ſind wechſelſeitig. 208. Die Alimente werden anderſt nicht zuerkannt, als nach Verhaͤltniß der Nothdurft deſſen, der auf ſie Anſpruch macht, und der Gluͤcks⸗Umſtaͤnde desjenigen, der ſie zu lei⸗ ſten hat. 209. Kommt derjenige, der die Alimente gibt, oder der, welcher ſie empfaͤngt, in einen ſolchen Zuſtand, daß jener ſie nicht mehr leiſten kann, oder dieſer, ſey es ganz, oder zum Theile, ihrer nicht mehr bedarf, ſo kann auf voͤllige Be⸗ freyung von denſelben oder auf ihre Verminderung angetra⸗ gen werden. 210. Beweiſt derjenige, der die Alimente zu leiſten hat, daß er ein Unterhalts⸗Geld(la pension alimentaire) zu zah⸗ len nicht im Stande iſt, ſo kann das Gericht nach vorherge— gangener Unterſuchung der Sache verordnen, daß er denje⸗ nigen, dem er die Alimente ſchuldig iſt, in ſein Haus auf— nehme, ihn dort ernaͤhre und unterhalte. 211. Das Gericht ſoll ebenfalls entſcheiden, ob der Vater oder die Mutter, welche das Kind, dem ſie die Alimente ſchuldig ſind, in ihr Haus aufzunehmen, zu ernaͤhren und zu unterhalten ſich anbiethen, in dieſem Falle von der Verbind⸗ lichkeit freyzuſprechen ſeyen, ein Unterhalts⸗Geld zu zahlen. I. Buch. V Tit. Von der Ehe. 47 Sechstes Capitel. Von den wechſelſeitigen Rechten und Pflchten der Ehegatten. 212. Die Ehegatten ſind ſich einander Treue, Huͤlfe und Beyſtand ſchuldig. 213. Der Mann iſt ſeiner Frau Schutz, und die Frau ihrem Manne Gehorſam ſchuldig. 214. Die Frau iſt verbunden, bey dem Manne zu woh⸗ nen, und ihm allenthalben zu folgen, wo er zu reſidiren (ſich niederzulaſſen) fuͤr gut findet; der Mann iſt ſchuldig ſie aufzunehmen, und ihr alles, was zum Lebens⸗Unterhalte er⸗ forderlich iſt, nach ſeinem Stande und Vermoͤgen zu reichen. 215. Die Frau kann ohne Autoriſation ihres Mannes nicht vor Gericht ſtehen, ſelbſt dann nicht, wenn ſie oͤffent⸗ lich in ihrem eigenen Nahmen Handels⸗Geſchaͤfte treibt (marchande publique), mit ihrem Manne in keiner Guͤter⸗ Gemeinſchaft lebt(non commune), oder ihr Vermoͤgen aus⸗ ſchließlich fuͤr ſich allein genießt(separée de biens). 216. Die Autoriſation des Mannes iſt nicht erforderlich, wenn die Frau wegen Criminal⸗ oder Polizey⸗Sachen ver⸗ klagt wird. 217. Die Frau, wenn ſie ſchon mit ihrem Manne in keiner Guͤter⸗Gemeinſchaft, oder in einer voͤlligen Guͤter⸗Se⸗ paration lebt, kann ohne daß ihr Ehegatte in dem Acte ſelbſt hiezu mitwirkt oder ſchriftlich darin einwilliget, nicht ſchenken, veraͤußern, verpfaͤnden, noch auf irgend eine Weiſe, unentgeltlich oder gegen Verguͤtung,(durch einen wohlthaͤti⸗ gen oder laͤſtigen Vertrag) erwerben. 218. Verweigert der Mann ſeiner Frau die Autoriſation, um vor Gerichte zu ſtehen, ſo kann der Richter ſie autori⸗ ſiren. 219. Weigert ſich der Mann ſeine Frau zur Schließung eines Actes zu autoriſiren, ſo kann die Frau ihren Mann unmittelbar vor das Gericht der erſten Inſtanz in bem Ar⸗ 48 I. Buch. V. Tit. Von der Ehe. rondiſſement ihres gemeinſchaftlichen Domicils vorladen laſ⸗ ſen; welches alsdann, nachdem der Mann in dem Berath— ſchlagungs⸗Zimmer vernommen, oder gehͤrig vorgefodert wor⸗ den, ſeine Autoriſation geben oder verſagen kann. 220. Treibt die Frau oͤffentlich Handels⸗Geſchaͤfte in ih⸗ rem eignen Nahmen, ſo kann ſie ohne Autoriſation ihres Mannes ſich in ihren Handlungs-Angelegenheiten verbinden; ſie verbindet in dieſem Falle auch ihren Mann, wenn unter ihnen eine Guͤter⸗Gemeinſchaft beſteht. Sie wird fuͤr keine Handels-Frau(marchande publique) angeſehen, wenn ſie nur im Kleinen die zur Handlung ihres Mannes gehoͤrigen Waaren verkauft, ſondern dann allein, wenn ſie einen abgeſonderten Handel treibt. 221. Iſt der Mann zu einer Leibs⸗ oder entehrenden Straſe verurtheilt, waͤre ſie auch nur durch ein Contuma— cial-Urtheil wider ihn verhaͤngt, ſo kann die Ehegattinn, ob⸗ gleich ſie großjaͤhrig iſt, ſo lange die Strafe dauert, weder vor Gericht ſtehen, noch Vertraͤge ſchließen, ſie habe ſich dann vorher von dem Richter dazu auteriſiren laſſen, der in dieſem Falle die Autoriſation geben kann, ohne daß der Mann vernommen oder vorgeladen worden. 222. Iſt dem Manne die freye Verwaltung ſeines Ver⸗ moͤgens unterſagt(interdit) oder iſt er abweſend, ſo kann der Richter, nach vorhergegangener Unterſuchung der Sache, die Frau antoriſiren, ſey es um vor Gericht zu ſtehen, oder um einen Vertrag zu ſchließen(zu contrahiren.) 223. Jede im Allgemeinen gegebene Autoriſation, waͤre ſie auch in dem Heiraths⸗Contracte ausbedungen worden, gilt nur in Beziehung auf die Adminiſtration der Guͤter, welche der Frau zugehoren. 224. Iſt der Mann noch minderjaͤhrig, ſo bedarf die Frau der Autoriſation des Richters, ſey es um vor Gericht zu ſtehen, oder um Vertraͤge zu ſchließen. 225. Auf die Unguͤltigkeit, die ſich auf den Abgang der Autoriſation gruͤndet, kann niemand als die Frau, der Mann und ihre Erben ſich beziehen. 1 f. Bach. V. Tit. Von der Ehe. 49 226. Die Frau kann ohne die Autoriſation ihres Mannes keſtiren, . 7 5. 3 Siebentes Capitel. Auflo ſung der Ehe. 227. Die Ehe wird aufgeloͤſt, 1) Durch den Tod eines der beyden Ehegatten; 2) Durch eine geſetzlich ausgeſprochene Eheſcheidung; 3) Durch Verurtheilung eines der Ehegatten, welche den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht, wenn ſie defi⸗ nitiv geworden. Achtes Capitel. Von der zwepten Heirath. 228. Die Frau kann erſt zehn Monate nach Aufloͤſung der vorherigen Ehe eine neue Ehe ſchließen⸗ Sechster⸗ Titel. Von der Eheſcheidung. (Geſetz vom 30. Ventos 11. J. promulgirt den 10. Germinal.) Erſtes Capitel. Von den Urſachen der Eheſcheidung. 229. Der Mann kann die Cheſcheidung wegen eines von ſeiner Frau begangenen Ehebruchs verlangen. 230. Die Frau iſt befugt auf Eheſcheidung anzutragen, wegen eines von dem Manne begangenen Ehebruchs, wenn er ſeine Beyſchlaͤferinn in dem gemeinſchaftlichen Hauſe ge⸗ halten hat. 4 50 I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 231. Beyxderſeits koͤnnen die Ehegatten die Eheſcheidung nachſuchen wegen Exceſſen, harter Mißhandlungen, oder grober Unbilden des einen von ihnen gegen den andern. 232. Die Verurtheilung eines der Ehegatten zu einer entehrenden Strafe ſoll von Seiten des andern die Eheſchei⸗ dungs⸗Klage begruͤnden. 233. Unter den Bedingungen, und nach angeſtellten Pro⸗ ben, welche das Geſetz beſtimmt, ſoll die beyderſeitige und beharrliche, auf geſetzliche Weiſe ausgedruͤckte Einwilligung der Ehegatten als ein hinlaͤnglicher Beweis angenommen werden, daß das Beyſammenleben ihnen unertraͤglich ſey, und daß in ihrer Hinſicht eine peremptoriſche Urſache zur Eheſcheidung Statt habe. Zweytes Capitel. Von der Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache. Erſter Abſchnitt. Von der Form des Verfahrens bey der Eheſchei⸗ dung wegen einer beſtimmten Urſache. 234. Von welcher Art auch immer die Thatſachen und Verbrechen ſeyn moͤgen, welche die Klage auf Eheſcheidung aus einer beſtimmten Urſache veranlaſſen, allemahl ſoll dieſe Klage nur bey dem Gerichte desjenigen Arrondiſſements, in welchem die Ehegatten ihr Domicil haben, angebracht wer⸗ den. 235. Veranlaſſen einige von dem klagenden Ehegatten angefuͤhrte Thatſachen ein Criminal⸗Verſahren von Sei⸗ ten des oͤffentlichen Beamten(ministèreé public), ſo ſoll die Eheſcheidungs⸗Klage bis nach der Entſcheidung des Criminal⸗ Gerichtes auf ſich beruhen; dann aber kann ſie wieder vor⸗ genommen werden, ohne daß es erlaubt ſeyn ſoll, aus dem Criminal⸗Urtheile wider den Klaͤger irgend eine Einrede, daß er mit ſeiner Klage nicht mehr gehoͤrt werden koͤnne(fin de non-recevoir) oder eine ihm nachtheilige Exception zu fol⸗ gern.— I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 51 236. Jede Klage auf Eheſcheidung ſoll die Thatſachen umſtaͤndlich entwickeln; ſie muß mit den etwa vorhandenen Beweisſtuͤcken dem Praͤſidenten des Gerichtes oder dem Rich⸗ ter, der ſeine Stelle vertritt, von dem klagenden Ehegarten in Perſon uͤberreicht werden, ſo fern er nicht durch Krank⸗ heit daran verhindert wird, in welchem Falle die Magiſtrats⸗ Perſon auf ſein Erſuchen und auf das Zeugniß zweyer Doctorn der Medicin oder der Chirurgie oder zweyer Ge⸗ ſundheits⸗Beamten ſich nach der Wohnung des Klaͤgers verfuͤgt, um dort ſeine Klage in Empfang zu nehmen. 237. Der Richter vernimmt den Klaͤger, macht ihm die Bemerkungen, die er fuͤr ſchicklich erachtet, paraphirt hierauf die Klage und die Beweisſtuͤcke, und fertiget uͤber die ihm geſchehene Einhaͤndigung des Ganzen einen Verbal⸗Prozeß. Dieſer Verbal⸗Prozeß ſoll von dem Richter und dem Klaͤger unterzeichnet werden, es ſey dann, daß der Letztere im Schreiben unerfahren ſey, oder nicht unterzeichnen koͤnne, in welchem Falle hievon Erwaͤhnung geſchehen muß. 238. Der Richter befiehlt am Schluſſe ſeines Verbal⸗Pro⸗ zeſſes, daß die Parteyen an dem Tage und zu der Stunde, die er beſtimmen wird, vor ihm in Perſon erſcheinen ſollen, mit dem Zuſatze, daß er zu dem Ende eine Abſchrift ſeines Befehls(ordonnance) an die Partey ſenden werde, wider welche die Eheſcheidung nachgeſucht worden⸗ 239. An dem beſtimmten Tage macht der Richter den beyden Ehegatten, wenn ſie ſich einfinden, oder dem Klaͤger wenn er allein erſcheint, die Vorſtellungen, die ihm geeignet zu ſeyn ſcheinen, um eine Wieder⸗Vereinigung zu bewirken. Bleibt dieſer Verſuch fruchtlos, ſo fertiget er hieruͤber einen Verbal⸗Prozeß, und befiehlt, daß die Klage mit den Be⸗ weisſtuͤcken dem Regierungs⸗Coimiſſar mitgetheilt, und dem Gerichte uͤber das Ganze Bericht erſtattet werden ſoll. 240. In den naͤchſtfolgenden drey Tagen wird von dem Gerichte auf den Bericht des Praͤſidenten, oder des Richters, der ſeine Stelle verſehen hatte, und auf den Auftrag des 92 I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. Regierungs⸗Commiſſars die Erlaubniß zu citiren entweder ertheilt oder noch ausgeſetzt. Die Aufſchiebung darf nicht uͤber zwanzig Tage dauern. 241. Kraft der vom Gerichte ertheilten Erlaubniß laͤßt der Klaͤger den Beklagten auf die gewoͤhnliche Weiſe vorla⸗ den, um, binnen der geſetzlichen Friſt, perſoͤnlich in der Au⸗ dienz bey geſchloſſenen Thuͤren zu erſcheinen. Eine Abſchrift der Eheſcheidungs⸗Klage und der hiebey aufgelegten Beweis⸗ ſtuͤcke, welche der Citation vorangeſetzt wird, laͤßt er dem Beklagten zuſtellen. 242. An dem Tage, da der Termin zu Ende geht, der Beklagte erſcheine oder nicht, ſoll der Klaͤger in eigener Per⸗ ſon, allenfalls, wenn er es fuͤr gut findet, von einem Rath⸗ geber begleitet, die Gruͤnde ſeiner Klage vortragen, oder ſie vortragen laſſen; er legt die Beweisſtuͤcke auf, welche ſie un⸗ terſtuͤtzen, und benennt die Zeugen, die er abhoͤren laſſen will. 243. Erſcheint der Beklagte in Perſon oder durch einen Bevollmaͤchtigten, ſo kann er ſeine Bemerkungen, die er wider die Klaggruͤnde ſowohl, als wider die vom Klaͤger auf⸗ aufgelegten Beweisſtuͤcke, und die von ihm vorgeſchlagenen Zeugen haben mag, ſelbſt vortragen oder vortragen laſſen. Der Beklagte benennt gleichfalls von ſeiner Seite die Zeu⸗ gen, die er abhoͤren laſſen will, und uͤber welche der Klaͤger nun gleichfalls ſeine Bemerkungen macht. 244. Ueber das Erſcheinen, die Ausſagen und Bemerkun⸗ gen der Parteyen, ſo wie uͤber die Geſtaͤndniſſe, welche der eine oder der andere Theil etwa macht, wird ein Verbal⸗ Prozeß verfaßt. Dieſer Verbal⸗Prozeß wird den beſagten Parteyen vorgeleſen; ſie werden aufgefordert, ihn zu unter⸗ zeichnen, und ihrer Unterſchrift oder ihrer Erklaͤrung, daß ſie nicht unterzeichnen koͤnnen oder nicht unterzeichnen wollen, muß ausdruͤckliche Erwaͤhnung geſchehen. 245. Das Gericht verweiſt hierauf die Parteyen zur bf⸗ fentlichen Audienz, auf einen von ihm zu beſtimmenden Tag und Stunde; es befiehlt, daß die Procedur dem Regierungs⸗ I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 23 Commiſſar mitgetheilt werde, und ernennt einen Referen⸗ ten. Sollte der Beklagte nicht erſchienen ſeyn, ſo iſt der Klaͤger verbunden, ihm die Verfuͤgung(Ordonnanz) des Ge⸗ richtes in dem Zeitraume inſinuiren zu laſſen, der hiedurch beſtimmt iſt. 246. An dem beſtimmten Tage und Stunde wird auf den Bericht des committirten Richters, und nachdem der Regierungs⸗Commiſſar vernommen worden, zuerſt uͤber die Einreden, daß man der Klage kein Gehoͤr geben koͤnne, (fins de non-recevoir) wenn deren etwelche vorgebracht ſind, entſchieden. Werden dieſe gegruͤndet gefunden, ſo wird die Klage auf Eheſcheidung verworfen; im entgegengeſetzten Falle, oder wenn keine ſolche Einreden gemacht worden, wird die Eheſcheidungs-Klage zugelaſſen. 247. Gleich nach angenommener Eheſcheidungs⸗Klage wird auf den Bericht des committirten Richters und nach Anhoͤ⸗ rung des Regierungs⸗Commiſſars von dem Gerichte in der Hauptſache erkannt. Es entſcheidet uͤber die Klage, wenn ſie ihm ſo weit gediehen zu ſeyn ſcheint, daß daruͤber abge— urtheilt werden koͤnne; im entgegengeſetzten Falle laͤßt es den Klaͤger zum Beweiſe der von ihm angefuͤhrten erheblichen Thatſachen, und den Beklagten zum Gegenbeweiſe zu. 248. Bey jedem Auftritte im Fortlaufe des Prozeſſes koͤnnen die Parteyen, nachdem der Richter ſeinen Vortrag erſtattet, und ehe der Regierungs-Commiſſar das Wort ge⸗ nommen hat, ihre gegenſeitigen Gruͤnde ſelbſt vortragen oder vortragen laſſen, zuerſt uͤber die ablehnenden Einreden(daß der andere Theil mit ſeinem Geſuche nicht gehoͤrt werden koͤnne, ſins de non recevoir) und hernach uͤber die Haupt⸗ ſache; aber in keinem Falle ſoll der rechtliche Beyſtand des Klaͤgers zugelaſſen werden, wenn nicht der Klaͤger ſelbſt in Perſon erſcheint. 249. Gleich nach ausgeſprochenem Urtheile, welches die Zeugen⸗Verhoͤre verordnet, lieſt der Gerichtsſchreiber denje⸗ nigen Theil des Verbal⸗Prozeſſes vor, der die wirlich geſche⸗ 54 I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. hene Benennung der Zeugen enthaͤlt, welche die Parteyen abhoͤren zu laſſen vorhaben. Der Praͤſident benachrichtiget ſie, daß es ihnen noch freyſtehe, andere Zeugen zu benen⸗ nen; aber daß ſie nach dieſem Augenblicke hiemit nicht mehr gehoͤrt werden, 250. Die Parteyen bringen gleich nachher ihre gegenſei⸗ tigen Einwendungen wider die Zeugen vor, die ſie etwa ver⸗ werfen wollen. Das Gericht erkennt uͤber dieſe Einwendun⸗ gen, nachdem es den Regierungs⸗Commiſſar gehoͤrt hat. 251. Die Verwandten der Parteyen, ihre Kinder und Abkoͤmmlinge ausgenommen, koͤnnen aus dem Grunde ihrer Verwandtſchaft nicht als Zeugen verworfen werden, und eben ſo wenig das Hausgeſinde(die Domeſtiken) der Ehe⸗ gatten wegen dieſer Eigenſchaft; aber das Gericht ſoll auf die Ausſagen der Verwandten und des Hausgeſindes ſo viel Ruͤckſicht nehmen als ihm billig ſcheint. 252. Jedes Urtheil, das einen Zeugenbeweis zulaͤßt, muß die Zeugen benennen, welche vernommen werden ſollen, und den Tag und die Stunde beſtimmen, wo die Parteyen ſie vorzufuͤhren haben, 253. Die Ausſagen der Zeugen werden in der Sitzung bey verſchloſſenen Thuͤren in Gegenwart des Regierungs⸗ Commiſſars, der Parteyen, und ihrer Beyſtaͤnde oder Freun⸗ de, hoͤchſtens drey an der Zahl guf jeder Seite, von dem Gerichte aufgenommen,— 254. Die Parteyen moͤgen entweder ſelbſt oder durch ihre Bey⸗ ſtaͤnde den Zeugen ſolche Bemerkungen und Inſtanzen um Erlaͤu⸗ terungen machen, als ſie fuͤr dienlich finden; ſie duͤrfen ſie jedoch in dem Laufe ihrer Ausſagen nicht unterbrechen. 255. Jede Ausſage wird ſchriftlich aufgezeichnet. Ein gleiches gilt von den Behauptungen und Anmerkungen, wel⸗ che ſie etwa veranlaßte. Der Verbal⸗Prozeß uͤber das Zeu⸗ gen⸗Verhoͤr wird den Zeugen ſowohl, als den Parteyen vor⸗ 1. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. g ½ geleſen, dieſe wie jene werden aufgefordert, ihn zu unter⸗ zeichnen, und man erwaͤhnt dieſer Unterſchrift oder ihrer Er⸗ klaͤrung, daß ſie nicht unterzeichnen koͤnnen, oder nicht un⸗ terzeichnen wollen. 256. Nachdem die beyderſeitigen Zeugen⸗Verhoͤre, oder ſo fern der Beklagte keine Zeugen in Vorſchlag gebracht hat, das Zeugen⸗Verhoͤr von Seiten des Klaͤgers geſchloſſen iſt, verweiſt das Gericht die Parteyen zur oͤffentlichen Audienz, wozu es den Tag und die Stunde beſtimmt. Es befiehlt, daß die Procedux dem Regierungs⸗Commiſſar mitgetheilt werde, und ernennt einen Reſerenten. Dieſer Befehl(Or⸗ donnanz) wird dem Beklagten auf Betreiben des Klaͤgers, in dem Zeitraume, der hiexin beſtimmt iſt, mitgetheilt. 257. An dem Tage, der zur Erlaſſung des Endurtheils feſtgeſetzt worden, erſtattet der committirte Richter ſeinen Vortrag. Die Parteyen köoͤnnen hierauf entweder ſelbſt, oder durch ihre rechtlichen Beyſtaͤnde, jede Bemerkungen vor⸗ bringen, die ſie zu ihrer Sache dienlich erachten; welchem nach der Regierungs⸗Commiſſar ſeinen Antrag macht. 258. Das Endurtheil wird öoͤffentlich ausgeſprochen. Wenn es die Eheſcheidung zulaͤßt, ſo iſt der Klaͤger autoriſirt, ſich zu dem Beamten des Civil⸗Standes zu verfuͤgen, um ſie dort ausſprechen zu laſſen. 259. Ward wegen Exceſſen, harter Mißhandlungen oder grober Unbilden die Eheſcheidung nachgeſucht, ſo bleibt es den Richtern, obgleich die Klage gehoͤrig erwieſen iſt, unbe⸗ nommen, die Eheſcheidung nicht ſogleich zuzulaſſen. Sie autoriſiren alsdann, ehe ſie entſcheiden, die Frau, ſich von der Geſellſchaft ihres Mannes zu trennen, ohne daß ſie ver⸗ bunden ſey, ihn aufzunehmen, wenn ſie dieß nicht fuͤr gut findet, und verurtheilen den Mann, ihr eine ſeinem Vermoͤ⸗ gen angemeſſene Penſion fuͤr Unterhalt zu zahlen, wenn die Frau ſelbſt keine hinreichende Einkuͤnfte hat, um ihre Lebens⸗Beduͤrfniſſe zu beſtreiten, 95 I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 260. Nach Umlauf eines Probejahres kann der klagende Ehegatte, wenn ſich inzwiſchen die Parteyen nicht ausge⸗ ſoͤhnt haben, den andern Ehegatten vorladen laſſen, um in den geſetzlichen Friſten vor Gericht zu erſcheinen, und zu hoͤren, daß dort das Definitiv⸗Urtheil ausgeſprochen werde, welches alsdann die Eheſcheidung zulaͤßt. 261. Wird die Eheſcheidung aus der Urſache nachgeſucht, weil einer der Ehegatten zu einer entehrenden Strafe verur⸗ theilt worden, ſo beſtehen die Formalitaͤten, die alsdann zu beobachten ſind, einzig darin, daß man bey dem Civil⸗Gerichte eine in gehoͤriger Form geſchehene Ausfertigung des Ver⸗ dammungs⸗Urtheils mit einem Zeugniſſe des Criminal⸗Ge⸗ richtes uͤbergibt, worin erklaͤrt wird, daß dieſes Urtheil auf keine geſetzliche Weiſe mehr reformirt werden koͤnne. 262. Wird von einem bey dem Gerichte der erſten In⸗ ſtanz in einer Eheſcheidungs-Sache ergangenen Urtheile ap— pellirt, das die Klage zuließ, oder definitiv entſchied, ſo wird der Prozeß von dem Appellations⸗Gerichte, als eine eilende Sache behandelt und entſchieden. 263. Die Appellation kann nicht angenommen werden, als in ſo fern ſie in drey Monaten eingelegt worden, welche von dem Tage der Inſinuation des Urtheils anzurechnen ſind, das nach Anhoͤrung der beyden Parteyen(contradicto⸗ riſch) oder auf Nichterſcheinen des einen Theils(par défaut) erfolgt iſt. Die Nothfriſt, binnen welcher man ſich wider ein in letzter Inſtanz ergangenes Urtheil an das Caſſations⸗ Gericht zu wenden hat, ſoll ebenfalls von drey Monaten ſeyn, von dem Tage der Inſinuation anzurechnen. Der Re⸗ curs an das Caſſations⸗Gericht hat ſuspenſive Wirkung. 264. Vermoͤge eines jeden Urtheils, das in der letzten Inſtanz ergangen oder rechtskraͤftig geworden iſt, und die Eheſcheidung erlaubt, ſoll der Ehegatte, der es erwirkt hat, verbunden ſeyn, ſich in Zeit von zwey Monaten vor dem Beamten des Cioil⸗Standes, nach vorhergegangener gehoͤri⸗ gen Vorladung des andern Theils, zu ſtellen, um die Ehe⸗ ſcheidung ausſprechen zu laſſen⸗ I. Buch. VIl. Tit. Von der Eheſcheidung. 57 265. Dieſe zwey Monate nehmen ihren Anfang bey Ur⸗ theilen der erſten Inſtanz nach Ablauf der Appellationsfriſt; bey Urtheilen par défaut, die in der Appellations⸗Inſtanz erfolgt ſind, nach Umlauf der Zeit, welche zur Einlegung der Oppoſition verſtattet iſt, und in Hinſicht der in der letzten Inſtanz erlaſſenen contradictoriſchen Urtheile, nach Umlauf der Friſt, binnen welcher die Caſſation nachgeſucht werden kann. 266. Der Ehegatte, der als Klaͤger aufgetreten, und die hieroben feſtgeſtellte Friſt von zwey Monaten ablauſen ließ, ohne den andern Ehegatten vor den Beamten des Civil⸗ Standes vorzufordern, ſoll der Vortheile des von ihm er— haltenen Urtheils verluſtig ſeyn, und ſeine Klage auf Ehe— ſcheidung nicht wieder anheben koͤnnen, es ſey denn aus einem neuen Grunde, in welchem Falle er gleichwohl die vorigen Urſachen wieder geltend machen kann. Zweyter Abſchnitt. Von den proviſoriſchen Maaßregeln, welche die Eheſcheidungs⸗Klage, wenn ſie auf einer be⸗ ſtimmtenurſache ſich gruͤndet, veranlaſſen kann. 267. Die einſtweilige Obſorge uͤber die Kinder bleibt dem Manne, er ſey Klaͤger oder Beklagter in der Eheſchei— dungs⸗Sache, wenn nicht ein anderes von dem Gerichte, ſey es auf Anſuchen der Mutter, der Familie oder des Re⸗ gierungs⸗Commiſſars, zum Beſten der Kinder verordnet wor⸗ den. 268, Die Frau, ſie ſey in der Eheſcheidungs⸗Sache Klaͤgerinn oder der beklagte Theil, darf waͤhrend des Pro⸗ zeſſes die Wohnung ihres Mannes verlaſſen, und eine dem Vermoͤgen ihres Mannes angemeſſene Penſion fuͤr ihren Un— terhalt nachſuchen. Das Gericht beſtimmt das Haus, wo⸗ rin ſich die Frau aufhalten ſoll, und ſetzt, im erforderlichen Falle, die Penſion für den Unterhalt feſt, welche der Mann jhr zu zahlen verbunden ſeyn ſoll. 38 I Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 269. Die Frau iſt verbunden, ſo oft ſie hiezu aufge⸗ fordert wird, den Beweis zu fuͤhren, daß ſie in dem ihr an⸗ gewieſenen Hauſe wirklich wohne. In Ermangelung dieſes Beweiſes kann ihr der Mann die Penſion fuͤr ihren Unter⸗ halt verſagen, und wenn es die Frau iſt, welche die Ehe⸗ ſcheidung nachſucht, ſie fuͤr unbefugt, den Prozeß weiter fortzuſetzen(non-recevable) erklaͤren laſſen. 270. Wenn eheliche Guͤter⸗Gemeinſchaft unter den Ehegatten beſteht, ſo kann die Frau, ſie ſey in dem Eheſcheidungs⸗ Prozeſſe Klaͤgerinn oder der beklagte Theil, von dem Tage der im 238. Artikel erwaͤhnten Ordonnanz anzurechnen, gleich⸗ viel wie weit uͤbrigens die Sache vorgeruͤckt ſey, zur Auf⸗ rechthaltung ihrer Rechte darauf antragen, daß die gemein⸗ ſchaftlichen Mobilar-Effecten unter Siegel gelegt werden. Nur gegen Errichtung eines Inventariums, verbunden mit einer Schaͤtzung, und gegen Verpflichtung des Mannes, die verzeichneten Gegenſtaͤnde entweder einſt beyzuſchaffen, oder als gerichtlicher Bewahrer fuͤr ihren Werth zu haften, ſollen die Siegeln wieder abgenommen werden. 271. Jede nach dem Datum der Ordonnanz, welcher im 238. Art. erwaͤhnt worden, von dem Manne fuͤr Rechnung der Guͤter-Gemeinſchaft uͤbernommene Vexbindlichkeit, jede nach dieſer Zeit von ihm geſchehene Veraͤußerung einiger dazu gehoͤrigen Immobilien ſoll fuͤr unguͤltig erklaͤrt werden, wenn uͤbrigens erwieſen wird, daß ſie zur Vereitelung der Rechte der Frau geſchehen oder uͤbernommen worden. Hiitter Abſchufkt. Von den Einreden, wodurch die Einlaſſung auf die Eheſcheidungs⸗Kſage aus beſtimmter Ur⸗ ſache abgelehnt wird(üns de non-receyoir) 272. Die Eheſcheidungs⸗Klage ſoll erloſchen ſeyn, wenn unter den Ehegatten eine Ausſoͤhnung erfolgt iſt, ſey es nach den Begebenheiten, die zu dieſer Klage haͤtten berechtigen koͤnnen, oder nachdem die Klage auf Eheſcheidung ſchon au⸗ geſtellt worden. —2ꝙ ——— I. B u'ch: VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 59 273. In einem wie im andern Falle ſoll der Klaͤger mit ſeiner Klage weiter nicht gehoͤrt(fuͤr non-recevable erklart) werden. Er kann gleichwohl aus einer neuen Urſache, die ſich ſeit der Wiederausſoͤhnung erſt ereignet hat, eine neue Klage anſtellen, und alsdann von den vorigen Urſachen Ge⸗ brauch machen, um ſein neues Geſuch zu unterſtuͤtzen. 274. Laͤugnet der Klaͤger, daß eine Ausſoͤhnung erfolgt ſey, ſo hat der Beklagte, ſey es ſchriftlich oder durch Zeu— gen, in der Form, wie ſie im erſten Abſchnitte des gegen— waͤrtigen Capitels beſtimmt iſt, den Beweis zu fuͤhren. Drittes Capitel. Von der Eheſcheidung auf wechſelſeitige Einwilligung. 275. Auf die wechſelſeitige Einwilligung der Ehegatten wird keine Ruͤckſicht genommen, wenn der Mann noch keine fuͤnf und zwanzig, oder die Frau noch keine ein und zwanzig Jahre alt iſt. 276. Die wechſelſeitige Einwilligung wird anderſt nicht zugelaſſen, als wenn die Ehe zwey Jahre beſtanden hat. 277. Sie wird nicht mehr zugelaſſen, wenn die Ehe ſchon zwanzig Jahre beſtanden hat, und eben ſo wenig, wenn die Frau fuͤnf und vierzig Jahre alt iſt,— 278. In keinem Falle ſoll die wechſelſeitige Einwilligung der Ehegatten hinreichen, wenn ſie nicht von ihren Eltern, oder von ihren andern noch lebenden Ascendenten genehmi⸗ get iſt, in Gemuaͤßheit der im 150. Artikel erſten Capitels des Titels von der Ehe vorgeſchriebenen Regeln. 279. Die Ehegatten, welche einmahl entſchloſſen ſind, die Eheſcheidung durch wechſelſeitige Einwilligung zu erwir⸗ ken, ſind gehalten, vor allem ihr ganzes Mobilar- und Im⸗ mobilar⸗Vermögen inventariſiren und abſchaͤtzen zu laſſen, und ihre wechſelſeitigen Rechte feſtzuſtellen, woruͤber es ihnen jedoch freyſteht, ſich zu vergleichen. 60 I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 280. Sie ſind gleichfalls verbunden, ihre Uebereinkunft aͤber folgende drey Punkte ſchriftlich zu bewaͤhren: 1. Wem die aus ihrer Ehe gezeugten Kinder auver⸗ ——. traut werden ſollen, ſowohl waͤhrend der Probe⸗Zeit, als nach ausgeſprochener Eheſcheidung. 2. In welches Haus ſich die Ehefrau begeben, und wo ſie ſich aufhalten ſoll, ſo lange die Probe⸗Zeit waͤhrt. 3. Welche Summe der Mann waͤhrend derſelben Zeit ſeiner Frau zahlen ſoll, wenn ſie nicht Einkuͤnfte genug hat, um ſich ihre Lebensbeduͤrfniſſe zu verſchaf— fen. 281. Die Ehegatten ſollen zuſammen und in eigener Perſon vor dem Praͤſidenten des Civil⸗Gerichtes ihres Arron⸗ rondiſſement, oder vor dem Richter, der ſeine Stelle ver⸗ ſieht, erſcheinen, und ihm in Gegenwart zweyer Notarien, die ſie mit ſich bringen, ihren Willen erklaͤren. 282. Der Richter ſoll in Gegenwart der zwey Notarien beyden Ehegatten zuſammen und jedem insbeſondere diejeni— gen Vorſtellungen machen, und Ermahnungen geben, die er fuͤr ſchicklich erachten wird; er ſoll ihnen das vierte Capitel des gegenwaͤrtigen Titels vorleſen, welches die Wirkun⸗ gen der Eheſcheidung beſtimmt, und ihnen alle Fol— gen ihres Unternehmens entwickeln. 283. Beſtehen die Ehegatten auf ihrer Entſchließung, ſo ſoll ihnen von dem Richter ein Act daruͤber ertheilt werden, daß ſie die Eheſcheidung nachſuchen, und darin wechſelweiſe einwilligen; und ſie ſind verbunden, außer den Acten, derer im 279 und 280 Artikel erwaͤhnt iſt, auf der Stelle noch offen zu legen, und in die Haͤnde der Notarien zu depoz niren; I. Ihre Geburts⸗Acte und den Heiraths⸗Act. I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 62 8. Die Geburts⸗ und Sterbe⸗Acte aller aus ihrer Ehe gezeugten Kinder. 3. Die authentiſche Erklaͤrung ihrer Eltern oder anderer noch lebenden Ascendenten, worin ſie ſagen, daß ſie aus Urſachen, die ihnen bekannt ſeyen, dieſen oder jene, Sohn oder Tochter, Enkel dder Enkelinn, welcher oder welche mit dieſem oder mit jener ver⸗ heirathet iſt, autoriſiren, um die Eheſcheidung nach⸗ zuſuchen, und in ſelbige einzuwilligen. Man vermu— thet ſo lange, daß die Eltern und Groß⸗Eltern der Ehegatten noch leben, bis die Acte aufgelegt werden, welche ihr Abſterben erweiſen. 284. Die Notarien fertigen uͤber alles, was zur Vollzie⸗ hung der vorhergehenden Artikel geſagt oder gethan wor⸗ den, einen umſtaͤndlichen Verbal⸗Prozeß; das Original bleibt bey dem aͤlteſten von den beyden Notarien, ſo wie die vorgebrachten Beweisſtuͤcke. Dieſe bleiben dem Verbal— Prozeß angefuͤgt, worin auch der Erinnerung gedacht werden muß, die man der Frau zu machen hat, daß ſie in Zeit von vier und zwanzig Stunden ſich in das Haus, woruͤber ſie mit ihrem Manne uͤbereingekommen, begeben, und bis nach ausgeſprochener Eheſcheidung daſelbſt ſich aufhalten ſoll, 285. Die alſo geſchehene Erklaͤrung ſoll in den erſten vierzehn Tagen des darauf folgenden vierten, ſiebenten und zehnten Monates unter Beobachtung der vorigen Formalitaͤ⸗ ten erneuert werden. Jedesmahl ſollen die Parteyen durch dffentliche Urkunden den Beweis beybringen, daß ihre El⸗ tern oder andere noch lebende Ascendenten auf ihrem erſten Entſchluſſe beharren; ſie brauchen dagegen die Auflegung ir⸗ gend eines andern Actes nicht zu wiederhohlen. 286. Nach Ablauf eines Jahres von dem Tage der er⸗ ſten Erklaͤrung anzurechnen, ſollen die Ehegatten in den naͤchſten vierzehn Tagen, jeder in Begleitung zweyer Freun⸗ de, die auf der Notabilitaͤts⸗Liſte des Arrondiſſements be⸗ griffen, und wenigſtens fuͤnfzig Jahre alt ſeyn muͤſſen, zu 62 I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. ſammen und in Perſon vor dem Praͤſidenten des Gerichtes oder dem Richter, der deſſen Stelle vertritt, erſcheinen; ſie ſollen ihm in beglaubigter Form die Ausfertigungen der vier Verbal⸗Prozeſſe, welche ihre wechſelſeitige Einwilligung ent⸗ halten, ſo wie aller Acte uͤberreichen, die den Verbal⸗ Prozeſſen beygefuͤgt worden; ſie ſollen endlich, jeder fuͤr ſich insbeſondere, gleichwohl der Eine in Gegenwart des Andern und der vier Notabeln, die Magiſtratsperſon erſuchen die Ehe⸗ ſcheidung zuzulaſſen. 287. Nachdem der Richter und die Aſſiſtenten den Ehe⸗ gatten ihre Bemerkungen gemacht haben, ſo wird ihnen, wenn ſie auf ihrem Vorhaben beharren, uͤber ihr Geſuch, und die von ihnen geſchehene Ueberlieferung der dazu gehoͤ⸗ gen Beweisſtuͤcke ein Act ausgefertiget. Der Gerichtsſchrei⸗ ber verfaßt hieruͤber einen Verbal-Prozeß, den die Parteyen ſowohl(ſie erklaͤren dann, daß ſie im Schreiben unerfahren ſeyen, oder nicht unterzeichnen koͤnnen, in welchem Falle hievon Erwaͤhnung geſchieht) als die vier Aſſiſtenten, der Richter und Gerichtsſchreiber unterzeichnen. 288. Gleich unter den Verbal⸗Prozeß ſetzt der Richter ſeine Ordonnanz, worin er erklaͤrt, daß er in drey Tagen auf den ſchriftlichen Antrag(die Concluſionen) des Regie⸗ rungs⸗Commiſſars, welchem zu dieſem Ende die Acten⸗Stuͤcke durch den Gerichtsſchreiber mitgetheilt werden ſollen, dem Gerichte in dem Berathſchlagungszimmer uͤber das Ganze Bericht erſtatten werde. 289. Findet der Regierungs⸗Commiſſar in den Actenſtuͤcken den Beweis, daß, als beyde Ehegatten ihre Erklaͤrung abgegeben, der Mann fuͤnf und zwanzig, und die Frau ein und zwanzig Jahre alt war; daß ſie in dieſem Zeitpuncte ſchon ſeit zwey Jahren verchelicht geweſen; daß ihre Ehe nicht uͤber zwanzig Jahre beſtanden; daß die Frau noch keine fuͤnf und vierzig Jahre alt war; daß nach vorlaͤufiger Erfuͤllung desjenigen, was hier oben beſtimmt iſt, und mit allen in dem gegenwaͤrtigen Capitel vorgeſchriebenen Formalitaͤten, beſonders unter der Autoriſa⸗ ————— I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung⸗ 6 tion der Eltern oder der uͤbrigen noch lebenden Ascendenten der Ehegatten, wenn die Eltern fruͤher geſtorben ſind, die wechſelſeitige Einwilligung viermahl im Laufe des Jahres erklärt worden; ſo macht er ſeinen Antrag mit den Worten: La loi permet(das Geſetz erlaubt); in dem entgegengeſetz⸗ ten Falle ſoll ſein Antrag in den Worten beſtehen: La loi empéche(das Geſetz verhindert). 290. Das Gericht kann nach erſolgter Berichtserſtattung ſeine Unterſuchung auf keine andern Gegenſtaͤnde erſtrecken, als die im vorhergehenden Artikel bezeichnet ſind. Ergibt ſich hieraus, daß die Parteyen nach der Meinung des Ge⸗ richtes den Bedingungen Genuͤge geleiſtet, und die Forma⸗ litaͤten beobachtet haben, die in dem Geſetze beſtimmt ſind, ſo laͤßt es die Eheſcheidung zu, und verweiſt die Payteyen vor den Beamten des Civil⸗Standes, um dieſelbe ausſpre⸗ chen zu laſſen. Im entgegengeſetzten Falle erklaͤrt das Ge— richt, daß die Eheſcheidung nicht Statt habe, und fuͤhrt die Gruͤnde ſeiner Entſcheidung aus. 291. Die Appellation von dem Urtheile, worin die Ehe⸗ ſcheidung fuͤr unſtatthaft erklaͤrt wird, ſoll anders nicht an⸗ genommen werden, als in ſo fern ſie von beyden Theilen, von jedem gleichwohl in einem beſondern Acte, auf's fruͤ⸗ heſte in zehn Tagen, und auf's ſpaͤteſte in zwanzig Tagen nach dem Datum des Urtheils eingelegt worden⸗ 202. Die Appellations⸗Acte ſollen wechſelſeitig dem an⸗ dern Ehegatten ſo wohl, als dem Regierungs⸗Commiſſar bey dem Gerichte der erſten Inſtanz inſinuirt werden⸗ 293. Der Regierungs⸗Commiſſar bey dem Gerichte der erſten Inſtanz ſoll in den erſten zehn Tagen, von der ihm geſchehener Inſinuation des zweyten Appellations⸗Actes an⸗ zurechnen, dem Regierungs⸗Commiſſar bey dem Appellations⸗ Gerichte eine Ausfertigung des Urtheils und die Actenſtuͤcke, worauf es erfolgt iſt, zuſchicken. Der Regierungs⸗Commiſ⸗ ſar bey dem Appellations⸗Gerichte macht in den naͤchſten zehn Tagen, nachdem er die Actenſtuͤcke erhalten hat, ſeinen Am⸗ 84 I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung⸗ trag ſchriftlich. Der Praͤſident oder der Richter, der ſeine Stelle vertritt, erſtattet ſeinen Bericht bey dem Appellations⸗ Gerichte im dem Berathſchlagungszimmer, und in zehn Ta⸗ gen, nachdem der Regierungs⸗Commiſſar ſeinen Antrag uͤber⸗ reicht hat, ſoll das Endurtheil erlaſſen werden. 294. Laͤßt das Urtheil die Eheſcheidung zu, ſo ſind kraft deſſen die Parteyen verbunden, ſich in den naͤchſten zwanzig Tagen, von dem Datum des Urtheils anzurechnen, zuſam⸗ men und in Perſon vor dem Beamten des Civil⸗Standes zu ſtellen, um die Eheſcheidung ausſprechen zu laſſen. Iſt einmahl dieſe Zeitfriſt verſtrichen, ſo wird das Urtheil ſo angeſehen, als waͤre es nicht ergangen. Viertes Capitel. Von den Wirkungen der Eheſcheidung. 295. Einmahl geſchiedene Ehegatten, gleichviel aus wel⸗ cher Urſache die Eheſcheidung erfolgt iſt, koͤnnen ſich nicht mehr miteinander verehelichen. 296. Im Falle einer aus beſtimmter Urſache ausgeſpro⸗ chenen Eheſcheidung kann die geſchiedene Frau ſich erſt zehn Monate nach ausgeſprochener Eheſcheidung wieder verhei⸗ rathen. 297. Iſt die Eheſcheidung auf wechſelſeitige Einwilli⸗ gung erfolgt, ſo kann keiner von beyden Ehegatten eine neue Ehe ſchließen, als drey Jahre nach ausgeſprochener Eheſcheidung. 298. Iſt die Eheſcheidung wegen eines begangenen Ehe⸗ bruchs bey Gerichte zugelaſſen worden, ſo kann der ſchuldi⸗ ge Ehegatte ſich niemahls mit ſeinem Mitſchuldigen verehe⸗ lichen. Die ehebrecheriſche Frau ſoll in demſelben Urtheil und auf Requiſition des Regierungs⸗Commiſſars(ministèére public) fuͤr eine beſtimmte Zeit, die jedoch nicht kuͤrzer als drey Monate, und nicht laͤnger als zwey Jahre ſeyn darf, zur Einſperrung in ein Zuchthaus verurtheilt werden⸗ I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. 6 299. Aus was fuͤr einer Urſache die Eheſcheidung auch Statt haben mag, den Fall einer wechſelſeitigen Einwilli⸗ gung allein ausgenommen, verliert der Ehegatte, wider wel⸗ chen die Scheidung zugelaſſen worden, alle Vortheile, die er von dem andern Ehegatten durch den Heiraths⸗Contract oder auch ſeit der geſchloſſenen Ehe erhalten hatte. 300. Der Ehegatte, welcher die Eheſcheidung erwirkt hat, behaͤlt die von dem andern Ehegatten ihm zugedachten Vortheile, obgleich es ausbedungen war, daß ſie wechſelſei⸗ tig ſeyn ſollten, dieſe Gegenſeitigkeit aber nicht Statt hat. 30r. Sollten die Ehegatten ſich keine Vortheile ſtipulirt haben, oder die ausbedungenen nicht hinreichend ſcheinen, um dem Ehegatten, welcher die Eheſcheidung erwirkt hat, ſeinen Unterhalt zu verſichern, ſo kann das Gericht aus den Guͤtern des andern Ehegatten eine Penſion fuͤr den Lebens⸗ Unterhalt ihm zuerkennen, die jedoch das Drittel der Ein⸗ kuͤnfte dieſes andern Ehegatten nicht uͤberſchreiten darf. Die ebenbeſagte Penſion kann in dem Falle, da ſie nicht mehr nothwendig iſt, wieder eingezogen werden⸗ 302. Die Kinder ſollen dem Ehegatten, der die Eheſchei⸗ dung erwirkt hat, anvertraut werden, wenn nicht das Ge⸗ richt auf Anſuchen der Familie oder des Regierungs⸗Com⸗ miſſars zum Beſten der Kinder verordnet, daß alle oder ei⸗ nige von ihnen der Obſorge des andern Ehegatten oder ei⸗ ner dritten Perſon uͤbergeben werden ſollen. 303. Wer es auch ſey, dem man die Kinder anvertraut, zmmer behalten Vater und Mutter wechſelſeitig das Recht, aͤber den Unterhalt und die Erziehung ihrer Kinder die Auf⸗ ſicht zu fuͤhren, und ſind nach Verhaͤltniß ihres Vermoͤgens hiezu beyzutragen verbunden. Zoa. Die Aufloͤſung der Ehe durch eine gerichtlich zuge⸗ laſſene Scheidung ſoll den aus dieſer Ehe gezeugten Kindern keinen der Vortheile entziehen, die ihnen entweder durch die Geſetze oder den Ehe⸗Contract ihrer Eltern zugeſichert wa⸗ ren. Der wirkliche Anfall dieſer Rechte der Kinder ſoll 5 65 I. Buch. VI. Tit. Von der Eheſcheidung. gleichwohl nur auf eben die Weiſe und unter eben den Um⸗ ſtaͤnden eintreten, worunter ſie ihnen zugeſallen ſeyn wuͤrden, wenn die Eheſcheidung nicht erſolgt waͤre. 30. Im Falle einer auf wechſelſeitige Einwilligung er— folgten Eheſcheidung ſoll das Eigenthum an einer Haͤlfte des Vermoͤgens eines jeden Ehegatten, an dem Tage ihrer erſten Erklaͤrung, kraft des Geſetzes und ohne weiteres den aus dieſer Ehe gezeugten Kindern anerfallen ſeyn. Der Va⸗ ter und die Mutter behalten gleichwohl den Genuß dieſer Haͤlfte bis zur Volljaͤhrigkeit ihrer Kinder, mit dem Bedinge fuͤr ihre Nahrung, Unterhalt und Erziehung uach ihrem Stande und Vermoͤgen zu ſorgen, alles ohne Abbruch der uͤbrigen Vortheile, welche den beſagten Kindern durch den Ehe⸗Contract ihrer Eltern zugeſichert ſeyn moͤgen. Funftes Capitel. Von der Abſonderung von Tiſch und Bette⸗ (perſoͤnlicher Trennung ohne Aufloͤſung der Ehe, séparation de corps.) 306. In den Faͤllen, wo die Klage auf Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache Statt findet, ſteht es den Ehegatten frey, die Trennung von Tiſch und Bette nachzu⸗ ſuchen. 307. Dieſes Geſuch wird eben ſo, wie jede andere Civil⸗ Klage eingefuͤhret, behandelt und entſchieden; bloß auf wechſelſeitige Einwilligung der Ehegatten ſoll dasſelbe gleich⸗ wohl nicht Statt haben koͤnnen. 308. Die Frau, wider welche auf Scheidung von Tiſch und Bette wegen eines begangenen Ehebruchs erkannt wird, ſoll in demſelben Urtheile auf den Antrag des Regierungs⸗ Commiſſars(ministère public) zur Einſperrung in ein Zucht⸗ haus auf beſtimmte Zeit, die nicht kuͤrzer, als drey Monate, und nicht laͤnger, als zwey Jahre ſeyn darf, verurtheilt werden. 1. Buch. VII. Tit. Von der Vaterſchaft ꝛc. 67 309. Dem Manne bleibt es unbenommen, dieſe Verur⸗ theilung unwirkſam zu machen, wenn er ſich entſchließt, ſeine Frau wieder zu ſich zu nehmen. 310. Hat die perſoͤnliche Trennung, ſo fern ſie aus einer andern Urſache, als wegen eines von der Frau begangenen Ehebruchs erkannt worden, drey Jahre gedauert, ſo kann der Ehegatte, der urſpruͤnglich der Beklagte war, bey Ge— richte auf Eheſcheldung antragen, welches ſie denn auch wirklich geſtattet, wenn der urſpruͤngliche Klaͤger, nach⸗ dem er erſchienen, oder doch gehoͤrig vorgeladen worden, nicht auf der Stelle einwilliget, daß die perſoͤnliche Trennung aufhoͤre. 311. Die perſoͤnliche Trennung zieht allemahl Separation der Guͤter nach ſich. Siebenrer Titel. Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. (Filiation.) (Geſetz vom 2. Germinal 11. J. promulgitt den 12. Germinal.) Erſtes Capitel. Von der Filiation ehelicher oder in der Ehe gebohrner Kinder. 312. Ein Kind, das waͤhrend der Ehe empfangen wor⸗ den, hat den Ehegatten zum Bater. Dieſem bleibt es jedoch unbenommen, das Kind fuͤr das ſeinige nicht anzuerkennen, wenn er beweiſt, daß er in der ganzen Zwiſchenzeit von dem drey hundertſten bis zum hun⸗ dert achtzigſten Tage vor der Geburt des Kindes, ſey es wegen ſeiner Entfernung oder durch die Folgen eines Zufal⸗ les, ſich in dem Zuſtande einer phyſiſchen Unmoͤglichkeit be⸗ funden hat, um ſeiner Gattinn ehelich beyzuwohnen. 313. Der Ehegatte iſt nicht berechtiget, unter Angabe ſeines natuͤrlichen Unvermögens, das Kind zu verlaͤugnen, 68 I. Buch. VII. Tit. Von der Vaterſchaft ꝛe. ſelbſt aus dem Grunde eines von ſeiner Ehegattinn began⸗ genen Ehebruches darf er es nicht verlaͤugnen, es ſey dann, daß ihm die Geburt verheimlichet worden, in welchem Falle er zum Vortrage aller Thatſachen zugelaſſen werden ſoll, die dazu geeignet ſind, um zu beweiſen, daß er der Vater des Kindes nicht ſey. 314. Ein Kind, das vor dem hundert achtzigſten Tag der beſtehenden Ehe gebohren iſt, ſoll in folgenden Faͤllen von dem Manne nicht verlaͤugnet werden duͤrfen 1) wenn ihm die Schwangerſchaft vor der Ehe bekannt war; 2) wenn er dem Geburts⸗Acte beygewohnt hat, und dieſer Act von ihm unterzeichnet iſt, oder ſeine Erklaͤrung enthaͤlt, daß er im Schreiben unerfahren ſey; 3) wenn das Kind nicht fuͤr lebensſaͤhig erklaͤrt worden. 315. Die eheliche Geburt eines Kindes, das drey hun— dert Tage nach aufgeloͤſter Ehe gebohren worden, darf man beſtreiten. 316. In den verſchiedenen Faͤllen, worin es dem Manne erlaubt iſt, das Kind fuͤr das ſeinige nicht anzuerkennen, muß dieß in Zeit eines Monates geſchehen, wenn er ſich an dem Orte befindet, wo das Kind gebohren worden; In zwey Monaten nach ſeiner Wiederkunft, wenn er in dem Zeitpuncte der Geburt abweſend war; In zwey Monaten nach entdecktem Betrug, wenn man ihm die Geburt des Kindes verheimlichet hatte. 317. Iſt der Mann geſtorben, ehe er ſeinen Wider⸗ ſpruch eingelegt hat, die Zeitfriſt, um es zu thun, war aber damahls noch nicht verſtrichen, ſo haben die Erben eine Friſt von zwey Monaten, um die eheliche Geburt des Kindes zu beſtreiten. Dieſe Friſt nimmt mit dem Zeitpuncte, da das Kind die Guͤter des Mannes in Beſitz genommen, oder da es die Erben in dieſem Beſitze geſtoͤrt hat, ihren Anfang. 318. Jeder außergerichtliche Act, der eine Verlaͤngnung des Kindes von Seiten des Mannes oder ſeiner Erben ent⸗ I. Buch. VII. Tit. Von der Vaterſchaft ꝛe. 69 haͤlt, iſt eben ſo anzuſehen, als waͤre er nicht geſchehen, wenn nicht hierauf in Zeit eines Monates eine Klage gefolgt iſt, die wider einen dem Kinde hiezu eigends ernannten Vor⸗ mund und in Gegenwart der Mutter ber Gerichte eingefuͤhrt worden. Zweytes Capitel. Von den Beweiſen einer ehelichen Abſtammung. (Des preuves de la filiation des enfans légitimes.) 319. Die eheliche Abſtammung laͤßt ſich erweiſen durch die Geburts⸗Acte, die dem Regiſter des Civil⸗Standes einge⸗ tragen ſind. 320. In Ermangelung dieſes Rechts⸗Titels iſt der be⸗ ſtaͤndige Beſitz des Zuſtandes eines ehelichen Kindes hinrei— chend. 321. Der Beſitz des Zuſtandes eines ehelichen Kindes be⸗ ſteht in einer hinreichenden Vereinigung von Thatſachen, welche die Verhaͤltniſſe der Filiation und der Verwandtſchaft unter einem Individuum und der Familie, welcher es anzu⸗ gehoͤren behauptet, anzeigen, Die vorzuͤglichſten von dieſen Thatſachen ſind, daß das Individuum immer den Nahmen des Vaters gefuͤhrt hat, dem es anzugehoͤren behauptet; Daß der Vater es als ſein Kind behandelt, und in die ſer Eigenſchaft fuͤr ſeine Erziehung, ſeinen Unterhalt und ſein Etabliſſement geſorgt hat; Daß es beſtaͤndig in der Geſellſchaft dafuͤr anerkannt worden; Daß die Familie es dafuͤr erkannt hat. 322. Niemand kann einen Zuſtand in Anſpruch nehmen, welcher demjenigen zuwider iſt, den ſein Geburts⸗Act und ein hiemit uͤbereinſtimmender Beſitz ihm geben. 70 I. Buch. VIlI. Tit. Von der Vaterſchaft ꝛc. Und umgekehrt kann niemand den Zuſtand deszjenigen beſtreiten, der einen mit ſeinem Geburts⸗Acte uͤbereinſtim⸗ menden Beſitz fuͤr ſich hat. 323. Gebricht es an einem Rechstitel und an einem be⸗ ſtaͤndigen Beſitze, oder iſt das Kind unter einem falſchen Nahmen, oder als ein von unbekannten Eltern gebohrnes Kind in den Regiſtern aufgezeichnet worden, ſo kann der Beweis der Filiation durch Zeugen gefuͤhrt werden. Dieſer Beweis darf gleichwohl nur dann zugelaſſen werden, wenn ein Anfang von ſchriftlichen Beweiſen vorhanden iſt, oder wenn die Vermuthungen oder Anzeigen, die ſich aus wirklich erwieſenen Thatſachen ergeben, wichtig genug ſind, um die Zulaͤßigkeit des Zeugenbeweiſes zu begruͤnden. 324. Der Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes ergibt ſich aus Familien⸗Urkunden, aus Haus⸗Regiſtern und Brief⸗ ſchaften des Vaters oder der Mutter, aus oͤffentlichen und ſelbſt aus Privat⸗Acten, die entweder von einer im Streite verwickelten Partey oder von jemanden herruͤhren, der, wenn er noch lebte, an der Sache betheiliget ſeyn(ein In⸗ tereſſe dabey haben) wuͤrde. in 325. Der Gegenbeweis kann durch jedes Mittel gefuͤhrt werden, das bazu geeignet iſt, um darzuthun, daß der Re⸗ clamant kein Kind von der Mutter ſey, die er zu haben vorgibt, oder, wenn auch ſeine Abſtammung von der Mut⸗ ter erwieſen jſt, daß er kein Kind von dem Manne dieſer Mutter ſey 326. Die Civil⸗Gerichte ſind allein die competente Be⸗ hoͤrde, um uͤber Klagen zu erkennen, wodurch ein Stand in Anſpruch genommen wird. 327. Die Criminal⸗Klage uͤber ein Verbrechen des ver⸗ heimlichten perſoͤnlichen Zuſtandes nimmt erſt, nachdem der Streit uͤber den Stand der Perſon(die Praͤjudicial⸗Klage, question d'etat) durch ein Definitiv⸗Urtheil entſchieden iſt, ſhren Anfagngg. I. Buch. VII. Tit. Von der Vaterſchaft ꝛc. 71 328. In Hinſicht auf das Kind iſt die Klage, wodurch ein Stand von ihm in Anſpruch genommen wird(action en réclamation d'état), unverjaͤhrbar. 329. Von den Erben eines Kindes, das nicht reclamirt hat, kann die Klage nicht angeſtellt werden, als in ſo fern es waͤhrend der Minderjaͤhrigkeit, oder in den erſten fuͤnf Jahren nach erreichter Volljaͤhrigkeit geſtorben iſt. 330. War die Klage von dem Kinde angehoben, ſo koͤn⸗ nen die Erben ſie fortſetzen, es ſey dann, daß das Kind foͤrmlich davon abgeſtanden, oder ſie in drey Jahren von dem letzten Acte der Procedur an zu rechnen, hat auf ſich beruhen laſſen. Drittes Capitel. Von den naturlichen Kindern. Erſter Abſchnitt. Von der Legitimation natuͤrlicher Kinder. 331. Außer der Ehe gebohrne Kinder, diejenigen jedoch ausgenommen, die aus einer Blutſchande oder einem Ehe⸗ bruche gezeugt ſind, koͤnnen durch eine nachherige Ehe ihrer Eltern legitimirt werden, wenn dieſe vor ihrer Heirath ſie beyderſeits anerkannt haben, oder in dem Heiraths⸗Acte ſelbſt anerkennen. 332. Selbſt zum Vortheile ſchon verſtorbener Kinder, welche Abkoͤmmlinge zuruͤckgelaſſen haben, kann die Legitima⸗ tion eintreten, und ſie nuͤtzt alsdann dieſen Abkoͤmmlingen. 333. Die Kinder, welche durch eine nachherige Ehe legi⸗ tjmirt worden, ſollen eben die Rechte haben, als waͤren ſie aus dieſer Ehe gebohren. Zweyter Abſchnitt. Von der Anerkennung der natuͤrlichen Kindef. 334. Die Anerkennung eines natuͤrlichen Kindes, wenn fie nicht in deſſen Geburts⸗Acte geſchehen iſt, ſoll durch einen authentiſchen Act vollzogen werden, 72 I. Buch. VII. Tit. Von der Vaterſchaft ꝛc. 335. Dieſe Anerkennung kann zum Vortheile ſolcher Kin⸗ der nicht Statt haben, die aus einer Blutſchande oder aus einem Ehebruche gezeugt ſind. 336. Die Anerkennung des Vaters, ohne Anzeige und Geſtaͤndniß der Mutter, hat keine Wirkung, als in Ruͤckſicht des Vaters. 337. Die Anerkennung, welche waͤhrend der Ehe von einem der Ehegatten zum Vortheil eines natuͤrlichen Kindes geſchieht, das er vor der Ehe von einem andern als ſeinem Ehegatten gehabt haͤtte, kann weder dieſem ſelbſt, weder den aus dieſer Ehe gezeugten Kindern zum Nachtheil ge⸗ reichen. z Sie ſoll gleichwohl nach aufgeloͤſter Ehe, wenn keine Kinder daraus mehr im Leben ſind, ihre Wirkung hervor— bringen. 0 338. Ein natuͤrliches, wenn ſchon anerkanntes, Kind kann die Rechte eines ehelich gebohrnen Kindes nicht in An⸗ ſpruch nehmen. Die Rechte der natuͤrlichen Kinder werden in dem Titel von der Erbfolge beſtimmt. 339. Jede Anerkennung von Seiten des Vaters oder der Mutter, ſo wie jede Reclamation von Seiten des Kindes kann von allen demenigen beſtritten werden, die ein Inte⸗ reſſe dabey haben. 340. Es iſt verbothen, eine Unterſuchung anzuſtellen, wer der Vater eines Kindes ſey. Im Fall einer Entfuͤhrung kann der Entfuͤhrer auf An- ſuchen der Betheiligten als Vater des Kindes erklaͤrt wer⸗ den, wenn der Zeitpunct der Entfuͤhrung mit jenem der Empfaͤngniß uͤbereinſtimmt, 341. Es iſt erlaubt, uͤber die Frage, wer Mutter eines Kindes ſey, eine Unterſuchung anzuſtellen. Das Kind, welches jemanden als ſeine Mutter in An⸗ ſpruch nimmt(reclamirt), muß den Beweis fuͤhren, daß es eben dasjenige ſey, womit dieſe niedergekommen⸗ I. Buch. VVIII. Tit. Ven der Adoption ꝛc. 73 Es ſoll nur dann zur Fuͤhrung dieſes Beweiſes durch Zeugen zugelaſſen werden, wenn ſchon der Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorhanden iſt. 342. In den Faͤllen, wo zu Folge des 335. Artikels die Anerkennung nicht geſtattet iſt, ſoll niemahls dem Kinde Gehoͤr gegeben werden, ſey es daß es jemanden als Vater oder als Mutter in Anſpruch nehme. Achter Titel. Von der Adoption(Annahme an Kindes⸗Statt) und der freywilligen Pflege eines minder⸗ jaͤhrigen Kindes aus wohlthatigen Abſich⸗ ten(tutelle offcieuse). (Geſetz vom 2. Germinal 11. J. promulgirt den 12. Germinal.) Erſtes Capitel. Von der Adoption. Erſter Abſchnitt. Von der Adoption und ihren Wirkungen. 343. Nur Perſonen des einen oder andern Geſchlechts, welche das fuͤnfzigſte Jahr zuruͤckgelegt, zur Zeit der Adop⸗ tion weder eheliche Kinder noch eheliche Abkoͤmmlinge haben, und wenigſtens fuͤnfzehn Jahre aͤlter ſind, als diejenigen die ſie an Kindes⸗Statt annehmen wollen, iſt die Adoption erlaubt. 344. Niemand kann von mehr als Einem an Kindes⸗ Statt angenommen werden, es ſey dann von zweyen Ehe⸗ gatten. Außer dem Falle, der hierunten im 366. Artikel be⸗ ſtimmt iſt, kann kein Ehegatte ohne Bewilligung des an⸗ dern adoptiren. 345. Die Befugniß zu adoptiren kann nur in Betreff desjenigen ausgeuͤbt werden, den man in ſeiner Minderjaͤh⸗ 24 I. Buch. VIII. Tit. Von der Adoption ꝛc. rigkeit und wenigſtens ſechs Jahre lang unterſtuͤtzt und un⸗ unterbrochen gepflegt hat, oder in Ruͤckſicht desjenigen, der dem Adoptanten das Leben gerettet hat, ſey es in einem Gefechte, oder dadurch, daß er ihn aus den Flammen oder den Fluthen gerettet. In dieſem zweyten Falle ſoll es genug ſeyn, wenn der Adoptant volljaͤhrig, wenn er aͤlter als der Adoptirte iſt, keine eheliche Kinder und Abkoͤmmlinge hat, und ſo fern er verheirathet iſt, ſein Ehegatte in die Adoption ein— williget. 346. Die Adoption hat in keinem Falle vor der Volljaͤh⸗ rigkeit des Adoptirten Statt. Sind deſſen beyde Eltern oder nur Einer von beyden noch im Leben, der Adoptirte hat aber ſein fuͤnf und zwanzigſtes Jahr noch nicht zuruͤckgelegt; ſo iſt er verbunden, die Einwilligung ſeiner Eltern oder des Ueberlebenden von ihnen in die Adoption beyzubringen. Hat er mehr als fuͤnf und zwanzig Jahre, ſo muß er um ihren Rath bitten. 347. Die Adoption gibt dem Adoptirten den Nahmen des Adoptanten, den er ſeinem eigenen Nahmen beyfuͤgt. 348. Der Adoptirte bleibt in der Familie, welcher er von Geburt angehoͤrt, und behaͤlt hierin alle ſeine Rechte. Die Ehe iſt gleichwohl verbothen, unter dem Adoptanten, dem Adoptirten und ſeinen Abkommlingen; Unter den Adoptiv⸗Kindern derſelben Perſon; Unter den Adoptirten und den Kindern, welche der Adop⸗ tant ſpaͤterhin bekommen moͤchte; Unter dem Adoptirten und dem Ehegatten des Adoptan⸗ ten, und ſo hinwiederum unter dem Adoptanten und dem Ehegatten des Adoptirten. 349. Die natuͤrliche Verbindlichkeit in den geſetzlich beſtimm⸗ ten Faͤllen ſich einander den Unterhalt zu verſchaffen, welche unter dem Adoptirten und ſeinen Eltern fortwaͤhrend beſtehen 1. Buch. VIII. Tit. Von der Adoption ꝛc. 75 ſoll, iſt unter dem Adoptanten und Adoptirten, in ſo ſern von ihren gegenſeitigen Pflichten die Rede iſt, als gemein⸗ ſchaftlich zu betrachten. 350. Der Adoptirte erwirbt keine Suecceſſionsrechte auſ das Vermoͤgen der Blutsfreunde des Adoptanten; aber auf den Nachlaß des Adoptanten ſelbſt hat er mit einem ehelich gezeugten Kinde durchaus g gleiche Rechte, wenn auch der Adoptant andere eheliche, nach der Adoption erſt gebohrne, Kinder zuruͤckließe. 351. Stirbt der Adoptirte ohne eheliche Abkoͤmmlinge,, ſo fallt alles, was er von dem Adoptanten geſchenkt, oder durch Erbrecht erhalten hatte, in ſo fern es beym Abſterben des Adoptirten noch in Natur vorhanden iſt, auf den Adoptanten oder ſeine Abkoͤmmlinge zuruͤck, jedoch mit dem Beding zur Tilgung der Schulden mit beyzutragen, und un⸗ beſchadet der Rechte eines Dritten. Das uͤbrige Vermoͤgen des Adoptirten faͤllt auf ſeine ei⸗ genen Verwandten, und dieſe ſchließen allemahl, ſelbſt in Hin⸗ ſicht der in dem gegenwaͤrtigen Artikel angefuͤhrten Gegen— ſtände, alle Erben des Adoptanten aus, wenn es ſeine Ab⸗ koͤmmlinge nicht ſind. 352. Sterben noch bey Lebzeiten des Adoptanten und nach dem Tode des Adoptirten auch die Kinder oder Ab⸗ kömmlinge des Letztern ſelbſt ohne Nachkommenſchaft, ſo erbt der Adoptant, was er geſchenkt hatte, wie in dem vor— berdehenden Artikel beſtimmt iſt; dieſes Recht ſoll gleichwohl Perſon des Adoptanten allein ankleben und auf ſeine 35 ſelbſt in abſteigender Linie, nicht uͤbergehen. Zweyter Abſchnitt. Von der Form der Adoption. 353. Beyde Theile, derjenige ſowohl, der adoptiren will, als der ſich adoptiren zu laſſen gedenkt, muͤſſen ſich vor dem Friedensrichter des Wohnortes des Adoptanten ſtellen, um uͤber ihre wechſelſeitige Einwilligung einen Act zu er⸗ richten. 76 I. Buch. VIII. Tit. Von der Adoption ꝛc. 354. In den naͤchſten zehn Tagen wird dem Regierungs⸗ Commiſſar bey dem Gerichte der erſten Inſtanz, unter deſſen Gerichts-Bezirk der Adoptant ſein Domicil hat, eine Aus⸗ fertigung dieſes Actes, um ihn der gerichtlichen Beſtaͤtigung zu unterwerfen, von demjenigen Theile uͤberreicht, der ſich zuerſt darum bewirbt. 355. Das Gericht verſammelt ſich hierauf in dem Be⸗ rathſchlagungs⸗Zimmer, und unterſucht, nach eingezogener zweckmaͤßigen Erkundigung; 1) ob alle geſetzliche Bedingun⸗ gen erfuͤllt ſind; 2) ob die Perſon, welche adoptiren will, einen guten Ruf hat. 356. Das Gericht erkennt hierauf, nachdem es den Re⸗ gierungs⸗Commiſſar gehoͤrt hat, und ohne irgend eine andere Form von gerichtlichem Verfahren, ohne Entſcheidungs⸗ Gruͤnde auszudruͤcken, in ſolgenden Worten: I1 a lieu, oder il niy a pas lies à Padoption. Die Adoption hat Statt, oder ſie hat nicht Statt. — 357. In dem Monate nach der Entſcheidung des Gerich⸗ tes der erſten Inſtanz wird dieſes Urtheil dem Appellations⸗ Gerichte, auf Betreiben derjenigen Partey, vorgelegt, welche es zuerſt verlangt. Dieſes hat bey ſeinem Verfahren eben die Form, wie das Gericht der erſten Inſtanz, zu beobach⸗ ten, und erkennt, ohne Entſcheidungs⸗Gruͤnde auszudruͤcken: Le jugement est confirme, oder le jugement est reformé, et en consequence il y a lieu, oder il my a pas lieu à Tadoption. Das Urtheil iſt beſtaͤtiget, oder das Urtheil iſt reformirt, und die Adoption hat folglich Statt, oder ſie hat nicht Statt. 358. Jedes Urtheil des Appellations⸗Gerichtes, wodurch eine Adoption angenommen wird, ſoll in der Audienz ver⸗ kuͤndiget und oͤffentlich angeſchlagen werden. Die Beſtim⸗ mung der Orte und die Anzahl der Exemplare bleibt dem Ermeſſen des Gerichtes uͤberlaſſen. 359. In den naͤchſten drey Monaten nach Verkuͤndigung des Urtheils ſoll auf Anſuchen des einen oder des andern 2 Theils die Adoption an dem Orte, wo der Adoptant ſein Domicil hat, den Regiſtern des Civil⸗Standes eingetragen werden. 1. Buch. VIII. Tit. Von der Adoption ꝛc. Ihre Einſchreibung in die Regiſter geſchieht nur auf Vor— zeigung einer foͤrmlichen Ausfertigung des von dem Appel⸗ lations⸗Gerichte erlaſſenen Urtheils, und die Adoption bleibt ohne Wirkung, wenn ſie nicht in dieſer Zeitfriſt den Re⸗ giſtern eingetragen worden. 360. Stirbt der Adoptant, nachdem der Act, woraus ſich ſein Wille ergibt, den Adoptions⸗Vertrag zu ſchließen, von dem Friedensrichter aufgenommen, und vor die Gerichte gebracht worden, aber bevor dieſe hieruͤber entſcheidend er⸗ kannt haben, ſo ſoll das Verfahren fortgeſetzt, und je nach⸗ dem ſich die Sache verhaͤlt, die Adoption zugelaſſen werden. Halten die Erben des Adoptanten die Adoption fuͤr unzu⸗ laͤßig, ſo bleibt es ihnen unbenommen dem Regierungs⸗Com⸗ miſſar jede Denkſchrift und Anmerkungen deßhalb einzuhaͤndigen. Zweytes Capitel. Von der freywilligen Pflege eines minderjaͤhri⸗ gen Kindes aus wohlthätigen Abſichten.(tutelle officieuse.) 361. Wer das fuͤnfzigſte Jahr zuruͤckgelegt hat, ohne eheliche Kinder und Abkoͤmmlinge iſt, und durch einen in dem Geſetze gebilligten Rechtstitel ſich einen Minderjaͤhrigen attachiren will, kann ſein Pfleger(tuteur officieux) werden, wenn er hiezu die Einwilligung der Eltern des Kindes, oder des Ueberlebenden von ihnen, oder in deren Ermangelung, den Conſens eines Familienraths, oder endlich, wenn das Kind keine bekannten Blutsfreunde hat, die Zuſtimmung der Ver⸗ walter des Waiſenhauſes, worin es aufgenommen worden, oder der Municipalitaͤt ſeines Wohnortes erhalten hat. 362. Ein Chegatte kann nur mit Bewilligung des andern der Pfleger eines Kindes werden. 28 I. Buch. VIII. Tit. Von der Adoption ꝛc. 363. Der Friedens⸗Richter des Ortes, wo das Kind ſein Domicil hat, fertiget einen Verbal⸗Prozeß uͤber das auf die Pflege ſich beziehende Geſuch und uͤber die gegebene Ein— willigung. 1 36 4. Nur zum Vortheile ſolcher Kinder, die noch keine fuͤnfzehn Jahre alt ſind, kann dieſe Pflege Statt haben. Sie fuͤhrt, jedoch mit Vorbehalt jeder beſondern Ueber⸗ einkunft, die Verbindlichkeit mit ſich, den Muͤndel zu ernaͤh— ren, zu erziehen, und in Stand zu ſetzen, daß er ſich einſt ſeinen Lebens⸗Unterhalt erwerben koͤnne. 363. Hat der Muͤndel einiges Vermoͤgen, und war er vorher unter Vormundſchaft, ſo geht die Verwaltung ſeines Vermoͤgens eben ſo, wie die Obſorge uͤber ſeine Perſon, auf den Pfleger uͤber, der jedoch die Erziehungs⸗Koſten von den Einkuͤnften des Muͤndels nicht abrechnen darf. 366. Wenn der Pfleger nach Umlauf von ſuͤnf Jahren ſeit der uͤbernommenen Pflege, und weil er voransſieht, daß er leicht ſterben koͤnnte, ehe der Muͤndel volljaͤhrig geworden, durch eine letzte Willens-Verordnung ihn an Kindes-Statt annimmt, ſo ſoll dieſe Verfuͤgung guͤltig ſeyn, vorausgeſetzt, daß der Pfleger keine eheliche Kinder zuruͤcklaͤßt. 267. Stirbt der Pfleger, ſey es vor dieſen fuͤnf Jahren, oder ſpaͤterhin, ohne ſeinen Muͤndel an Kindes⸗Statt angenom⸗ men zu haben, ſo ſoll dieſem, ſo lange er minderjaͤhrig iſt, der Lebens⸗Unterhalt verſchafft, deſſen Betrag aber ſowohl, als die Gattung deſſelben, ſo fern hieruͤber nicht vorher ſchon eine foͤrmliche Uebereinkunft getroffen worden, entweder freund⸗ ſchaftlich unter den gegenſeitigen Stellvertretern des Pflegers und des Muͤndels, oder, im Falle eines hieruͤber entſtande⸗ nen Streits, gerichtlich beſtimmt werden. 368. Will der Pfleger ſeinen Muͤndel, nachdem er voll— jaͤhrig geworden, an Kindes-Statt annehmen, und letzterer gibt hiezu ſeine Einwilligung; ſo wird nach den im vorher⸗ gehenden Capitel beſtimmten Formen zur Adoption geſchrit⸗ ten, und die Wirkungen ſind in jeder Hinſicht dieſelbigen. I. Buch. VIII. Tit. Von der Adoption ꝛe. 79 369. Sind in den erſten drey Monaten nach der Voll⸗ jaͤhrigkeit des Muͤndels die Vorſtellungen, die er ſeinem Pfle⸗ ger gemacht hat, um von ihm an Kindes-Statt angenom⸗ men zu werden, ohne Erfolg geblieben; und iſt der Muͤndel nicht im Stande, ſich ſeinen Lebens-Unterhalt zu erwerben, ſo kann der Pfleger verurtheilt werden, den Muͤndel wegen der Unfaͤhigkeit zu entſchaͤdigen, worin dieſer ſich finden mag, fuͤr ſeinen Unterhalt ſelbſt zu ſorgen. Dieſe Entſchaͤdigung loͤſt ſich in eine Unterſtuͤtzung auf, die dazu geeignet iſt, um dem Muͤndel zu einem Gewerbe zu verhelſen; alles jedoch ohne Nachtheil der Uebereinkunft, wodurch man dieſen Fall ſchon zum voraus beſtimmt haben moͤchte. 370. In jedem Falle iſt der Pfleger, wenn er einiges Vermoͤgen ſeines Muͤndels verwaltet hat, daruͤber Rechnung abzulegen verbunden. Neunter Titel. Von der vaͤterlichen Gewalt. (Geſetz vom 3. Germinal 11. J. promulgirt den 13. Germinal.) 371. Das Kind, zu welchem Alter es auch immer gelangt ſeyn mag, iſt ſeinen Eltern Ehre und Ehrfurcht ſchuldig. 372. Es bleibt unter ihrer Gewalt bis zu ſeiner Volljaͤh— rigkeit, oder bis es davon freygeſprochen worden(bis zu feiner Emancipation). 373. Waͤhrend der Ehe uͤbt der Vater allein dieſe Ge⸗ walt aus. 3 374. Das Kind darf das vaͤterliche Haus ohne Erlaub⸗ niß des Vaters nicht verlaſſen, es ſey dann, nachdem es das achtzehnte Jahr zuruͤckgelegt hat, um ſich freywillig an⸗ werben zu laſſen. 375. Der Vater, der beſonders wichtige Urſachen hat, uͤber das Betragen ſeines Kindes mißvergnuͤgt zu ſeyn, kann ſich folgender Zuchtmittel bedienen, 30 I. Buch. IX. Tit. Von der vaͤterlichen Gewalt. 376. Hat das Kind das ſechszehnte Jahr ſeines Alters noch nicht angetreten, ſo kann der Vater es auf einige Zeit, laͤnger aber nicht, als auf einen Monat, einſperren laſſen. Zu dieſem Ende muß auf ſein Verlangen der Praͤſident des Arrondiſſements⸗Gerichtes den Arreſtations-Befehl erlaſſen. 327. Nach dem Eintritt in's ſechszehnte Jahr des Alters bis zur Volljaͤhrigkeit oder Emancipation kann der Vater nur dahin antragen, daß ſein Kind hoͤchſtens ſechs Monate lang eingeſperrt werde; er wendet ſich deßhalb an den Praͤſdenten des beſagten Gerichtes, der nach genommener Nuͤckſprache mit dem Regierungs⸗Commiſſar den Befehl zur Arreſtation entweder ertheilt oder verweigert, und im erſten Falle die vom Vater verlangte Zeit der Einſperrung verkuͤr⸗ zen kann. 378. In einem wie im andern Falle hat weder ſchriftliches Verſahren noch eine gerichtliche Formalitaͤt Statt, den Ar⸗ reſtations⸗Befehl ſelbſt nur ausgenommen, worin die Be⸗ weggruͤnde nicht ausgedruͤckt werden. Der Vater iſt nur verbunden, das Verſprechen zu unter⸗ zeichnen, daß er alle Koſten zahlen, und gebuͤhrlichen Un⸗ terhalt verſchaffen werde. 379. Von dem Vater haͤngt es allemahl ab, die Dauer der von ihm verordneten oder verlangten Einſperrung zu verkuͤrzen. Verfaͤllt das Kind, nach ſeiner Loslaſſung, auf neue Ausſchweifungen, ſo kann, auf die in den vorhergehen⸗ den Artikeln beſtimmte Weiſe, die Einſperrung abermahl ver⸗ ordnet worden. 380. Iſt der Vater wieder verheirathet, ſo hat er, um ſein Kind aus erſter Ehe, ſelbſt wenn es noch unter ſechs⸗ zehn Jahren iſt, einſperren zu laſſen, ſich nach der Vorſchrift des 377. Artikels zu benehmen. 381. Die uͤberlebende und nicht wieder verheirathete Mut⸗ ter kann nur unter der Mitwirkung der zwey naͤchſten Ver⸗ wandten von der vaterlichen Seite, und in der Form einer Requiſition, nach der Vorſchrift des 377. Artikels ein Kind einſperren laſſen, . f. Buch. IX. Tit. Von der vaͤterlichen Gewalt. 84 382. Hat das Kind eigenes ihm fuͤr ſeine Perſon zuſte⸗ hendes Vermoͤgen(biens pérsonnels), oder treibt es ein Ge⸗ werbe, eine Handthierung, ſo kann ſeine Einſperrung, ſelbſt wenn es noch unter ſechszehn Jahren iſt, nur im Wege der Requiſition, nach der im 377. Artikel beſtimmten Form Statt haben. Dem eingeſperrten Kinde bleibt es unbenommen, an den Regierungs⸗Cominiſſar beym Appellations⸗Gerichte eine Denk⸗ ſchrift zu richten. Dieſer laͤßt ſich von dem Commiſſar bey dem Gerichte der erſten Inſtanz Rechenſchaſt geben, und er⸗ ſtattet ſeinen Bericht an den Praͤſidenten des Appellations⸗ Gerichtes, der, nachdem er den Vater hieruͤber benachrichti⸗ get, und alle Erkundigungen eingezogen hat, den von dem Praͤſidenten des Gerichtes der erſten Inſtanz ausgefertigten Befehl aufheben oder mauͤßigen kann. 383. Der 376, 377, 378 und 370 Artikel ſind auf die Eltern natuͤrlicher, geſetzlich anerkannter, Kinder ebenfalls anwendbar. 384. Waͤhrend der Ehe hat der Vater, und nach aufge⸗ loͤſter Ehe der Ueberlebende von beyden Eltern den Genuß an dem Vermoͤgen ihrer Kinder, bis ſie das achtzehnte Jahr ihres Alters zuruͤckgelegt haben, oder bis zur Emancipa⸗ tion, die etwa vor dem achtzehnten Jahre erfolgt ſeyn moͤchte.- 385. Die mit dieſem Genuſſe verbundenen Laſten ſind; 1. Diejenigen, wozu ein Nutznießer verbunden iſt; 2. Ernaͤhrung, Unterhalt und Erziehung der Kinder nach Maaßgabe ihres Vermoͤgens; 3. Zahlung der Ruͤckſtaͤnde oder der Zinſen der Capitalien; 4. Bezahlung der Begraͤbniß⸗Koſten und jener der letz⸗ ten Krankheit. 386. Derjenige von beyden Eltern, wider den die Ehe⸗ ſcheidung erkannt worden, bleibt von dieſem Genuſſe ausge⸗ ſchloſſen; er hoͤrt ebenfalls bey der Mutter auf, wenn ſie zu einer neuen Ehe ſchreitet, 60 32 I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛ8. 387. Er ſoll ſich auf dasjenige Vermoͤgen nicht erſtrecken, welches die Kinder durch beſondere Arbeit und Induſtrie er⸗ werben moͤgen, und ſo ebenfalls nicht auf das, was unter der ausdruͤcklichen Bedingung, daß die Eltern keinen Genuß daran haben ſollen, den Kindern geſchenkt oder vermacht worden iſt. Zehnter Titel. Von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation. (Geſetz vom 5. Germinal 11. J. promulgirt den 15. Germinal.) Von der Minderjaäaͤhrigkeit. 388. Minderjaͤhrig iſt jeder, ohne Unterſchied des Ge⸗ ſchlechtes, der das Alter von ein und zwanzig Jahren noch nicht zuruͤckgelegt hat. Zweytes Capitel. Von der Vormundſchaft. Erſter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Eltenn. 389. Der Vater iſt, waͤhrend der Ehe, Verwalter des Vermoͤgens, welches ſeinen minderjaͤhrigen Kindern perſoͤnlich zugehoͤrt. In Hinſicht des Vermoͤgens, wovon er den Genuß nicht hat, iſt er uͤber das Eigenthum und die Einkuͤnfte zugleich, und in Beziehung auf das Vermoͤgen, woran das Geſetz ihm ein Nießbrauchörecht gibt, uͤber das Eigenthum allein Rechnung abzulegen verbunden. 3 390. Wenn die Ehe durch den natuͤrlichen oder buͤrger⸗ lichen Tod eines der Ehegatten aufgeloͤſt iſt, ſo gebuͤhrt die I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛe. 82 Vormundſchaft uͤber die minderjaͤhrigen und nicht emancipir⸗ ten Kinder dem uͤberlebenden Ehegatten von Rechtswegen (Kraft des Geſetzes). 391. Der Vater kann gleichwohl der uͤberlebenden Mut⸗ ter und Vormuͤnderinn einen beſondern Rath beyordnen, ohne deſſen Gutachten ſie keinen auf die Vormundſchaft ſich be⸗ ziehenden Act vornehmen darf. Beſtimmt der Vater die Handlungen, fuͤr welche der Rath ernannt ſeyn ſoll, ſo iſt die Vormuͤnderinn befugt, die uͤbri⸗ gen ohne deſſen Beyſtand vorzunehmen. 392. Dieſe Ernennung eines Rathes kann nur auf eine von folgenden Weiſen geſchehen: 1. Durch eine letzte Willens⸗Verordnung; 2. Durch eine vor dem Friedens⸗Richter in Beyſtand ſeines Gerichtſchreibers, oder vor Notarien geſchehene Erklaͤrung. 393. Iſt die Frau bey dem Hinſcheiden ihres Mannes ſchwanger, ſo ſoll der Leibesfrucht von dem Familien⸗Rathe ein Curator ernannt werden. Mit der Geburt des Kindes wird die Mutter ſeine Vor⸗ muͤnderinn, und der Curator iſt alsdann von Rechtswegen ſein Neben⸗Vormund(subrogé tuteur). 394. Die Mutter iſt nicht ſchuldig, die Vormundſchaft anzunehmen; ſie hat gleichwohl in dem Falle, da ſie die Vormundſchaft ablehnt, die hiemit verbundenen Pflichten ſo lange zu erfuͤllen, bis ſie einen Vormund hat ernennen laſſen. 395. Will die Mutter, welche die Vormundſchaft fuͤhrt, ſich wieder verehelichen, ſo muß ſie, ehe noch der Heiraths⸗ Act zu Stande kommt, den Familien⸗Rath zuſammenberu⸗ fen, und dieſer entſcheidet, ob ihr die Vormundſchaft an⸗ vertraut bleiben ſoll. Unterlaͤßt ſie dieſe Zuſammenberufung, ſo verliert ſie Kraft des Geſetzes die Vormundſchaft, und ihr neuer Ehegatte iſt fuͤr alle Folgen der Vormundſchaft, welche ſie widerrecht⸗ lich beybehalten hat, in solidum verantwortlich⸗ 64 1. Buch. X. Tit. Von der Minderjäͤhrigkeit ꝛc. 396. Läßt der Familien⸗Rath, nachdem er gehoͤrig zu⸗ ſammenberufen worden, die Vormundſchaft der Mutter, ſo muß er ihr nothwendig den zweyten Ehegatten als Mit⸗ Vormund beyordnen. Dieſer wird mit ſeiner Ehegattinn fuͤr die Verwaltung, in ſo weit ſie nach der Heirath gefuͤhrt wor⸗ den, in solidum verantwortlich. 3 Zweyter Abſchnitt. Von der durch die Eltern aufgetragenen Vormundſchaft. 397. Das indioviduelle Recht einen Vormund zu waͤhlen, gleich viel ob er ein Verwandter oder ſelbſt ein Fremder ſey, gehoͤrt nur dem Laͤngſtlebenden von beyden Eltern. 398. Dieſes Recht kann nur nach den im 302. Artikel vorgeſchriebenen Formen, und unter den hier folgenden Aus⸗ nahmen und Einſchraͤnkungen ausgeuͤbt werden. 399. Eine Mutter, die ſich wieder verehelicht hat, und welcher die Vormundſchaft uͤber ihre Kinder aus der erſten Ehe nicht gelaſſen worden, kann ihnen keinen Vormund ernennen. 400. Hat die Mutter, die ſich zwar wieder verehelichet hatte, bey der Vormundſchaft gleichwohl erhalten wurde, chren Kindern aus erſter Ehe einen Vormund ernannt; ſo gilt dieſe Auswahl nur, in ſo fern ſie von dem Familien⸗ Rathe beſtaͤtiget worden⸗ 401. Der Vormund, welchen der Vater oder die Mutter ernannt hat, iſt nicht ſchuldig, die Vormundſchaft anzuneh⸗ men, wenn er nicht ſonſt ſchon in die Claſſe derjenigen Perſonen gehoͤrt, welchen, in Ermangelung einer ſolchen Ernennung, der Familien⸗Rath ſie haͤtte auftragen koͤnnen. Dritter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Ascendenten. 402. Hat der Laͤngſtlebende, Vater oder Mutter, dem Minderjaͤhrigen keinen Vormund ernannt, ſo gebuͤhrt die I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. 25 Vormundſchaft von Rechtswegen ſeinem vaͤterlichen Groß⸗ Vater, bey deſſen Abgang ſeinem muͤtterlichen Groß-Vater, und ſo weiter aufwaͤrts, dergeſtalt, daß der vaͤterliche As⸗ cendent dem muͤtterlichen Ascendenten deſſelben Grades im⸗ mer vorgezogen wird. 403. Treffen in Ermangelung des vaͤterlichen und muͤt⸗ terlichen Groß⸗Vaters des Minderjaͤhrigen zwey Ascendenten eines hoͤhern Grades zuſammen, die beyde zur vaͤterlichen Linie des Minderjaͤhrigen gehoͤxen, ſo ſoll die Vormundſchaft von Rechtswegen auf denjenigen von ihnen fallen, welchen der Vater des Minderjaͤhrigen zu ſeinem vaͤterlichen Groß⸗ Vater hat. 404. Wenn dieſelbe Concurrenz unter zwey Ur⸗Groß⸗Vaͤ⸗ tern der muͤtterlichen Linie eintritt, ſo geſchieht die Auswahl von dem Familien⸗Rathe, der gleichwohl einen aus dieſen beyden Ascendenten ernennen muß. Vierter Abſchnirt. Von der durch den Familien⸗Rath aufgetra⸗ genen Vormundſchaft. 405. Die Ernennung eines Vormundes geſchieht durch einen Familien⸗Rath, wenn ein minderjaͤhriges, nicht eman⸗ cipirtes Kind weder Vater noch Mutter, weder einen von ſeinem Vater oder ſeiner Mutter ernannten Vormund, noch maͤnnliche Ascendenten hat. Sie geſchieht ebenfalls durch den Familien⸗Rath, wenn der Vormund, der zu einer der eben⸗ erwaͤhnten Categorien gehoͤrt, ſich entweder in einem Falle der Ausſchließungen befindet, wovon unten die Rede ſeyn wird, oder rechtmaͤßig entſchuldiget iſt. 406. Dieſer Familien⸗Rath wird zuſammenberufen, ent⸗ weder auf Anſuchen und Betreiben der Verwandten des Minderjaͤhrigen, ſeiner Glaͤubiger oder anderer Betheiligten, vder auch von Amtswegen, und auf Betreiben des Frie⸗ 86 1. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛe. dens⸗Richters des Ortes, wo der Minderjaͤhrige ſein Domicil hat. Ein jeder iſt berechtiget, dieſem Friedens⸗Richter den Vorfall anzuzeigen, wodurch die Nothwendigkeit eintritt, ei⸗ nen Vormund zu ernennen. 407. Der Familien⸗Rath ſoll, ohne den Friedens⸗Richter miteinzurechnen, aus ſechs Verwandten oder Verſchwaͤgerten beſtehen. Dieſe werden ſowohl aus der Gemeinde, wo der Fall einen Vormund zu ernennen ſich ereignet hat, als in dem Umkreiſe von zwey Myriametern genommen, die eine Haͤlfte aus der vaͤterlichen, und die andere aus der muͤtterlichen Linie, und in jeder Linie richtet man ſich nach der Naͤhe der Grade. Unter Verwandten und Verſchwaͤgerten in gleichem Grade wird der Verwandte, und unter Verwandten deſſelben Gra⸗ des der aͤltere dem juͤngern vorgezogen. 408. Nur die vollbuͤrtigen Bruͤder des Minderjaͤhrigen, und die Ehegatten ſeiner vollbuͤrtigen Schweſtern machen eine Ausnahme von der im vorhergehenden Artikel enthalte⸗ nen Einſchrankung auf eine beſtimmte Anzahl. Sind ihrer ſechs oder mehrere, ſo ſind ſie alle Mitglieder des Familien⸗Rathes, den ſie alsdann allein mit den Witt⸗ wen der Ascendenten, und mit den etwa geſetzlich entſchul⸗ digten Ascendenten, wenn deren vorhanden ſind, zu bilden haben. Sind ihrer weniger als ſechs, ſo werden die uͤbrigen Ver⸗ wandten nur berufen, um den Rath vollzaͤhlig zu machen. 409. Finden ſich an dem Orte ſelbſt oder in der im 407. Artikel beſtimmten Entfernung keine Verwandten oder Verſchwaͤgerte von der einen oder der andern Linie in hin⸗ laͤnglicher Zahl, ſo beruft der Friedens⸗Richter entweder Ver⸗ wandte oder Verſchwaͤgerte, die in einer groͤßern Entfernung wohnen, oder auch Staatsbuͤrger aus derſelben Gemeinde, von denen man weiß, daß ſie mit dem Vater oder der Mut⸗ ter des Minderjaͤhrigen fortwaͤhrend in Freundſchafts⸗Ver⸗ bindungen geſtanden. 1 Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛe. 27 410. Auch dann, wenn an dem Orte ſelbſt eine hin⸗ laͤngliche Anzahl von Verwandten oder Verſchwaͤgerten vor⸗ handen iſt, kann der Friedens⸗Richter die Erlaubniß erthei⸗ len, daß man andere, gleichviel in welcher Entfernung wohnende, Verwandten oder Verſchwaͤgerte vorlade, die ent⸗ weder in einem nähern, oder doch in demſelben Grade ſind, als die anweſenden Verwandten oder Verſchwaͤgerte, jedoch ſo, daß man alsdann immer einige von dieſen letztern vor— beygehe, und die in den vorherigen Artikeln beſtimmte Zahl nicht uͤberſchreite. 411. Der Erſcheinungs⸗Termin ſoll vom Friedens⸗Richter auf einen beſtimmten Tag feſtgeſetzt werden, aber ſo, daß, in ſo fern die Vorgeladenen in der Gemeinde oder in dem Umfange von zwey Myriametern reſidiren, zwiſchen der In⸗ ſinuation der Vorladung, und dem Tage, der fuͤr die Zu⸗ ſammenkunft des Familien⸗Raths feſtgeſtellt iſt, ein Zwi⸗ ſchenraum von wenigſtens drey Tagen uͤbrig bleibt. So oft ſich hingegen unter den Vorgeladenen einige be⸗ finden, welche uͤber dieſen Umkreis hinaus ihren Wohnſitz haben, ſoll der Erſcheinungs⸗Friſt fuͤr jede drey Myriameter ein Tag zugeſetzt werden, 412. Die alſo berufenen Verwandten, Verſchwaͤgerte oder Freunde ſind ſchuldig, entweder in Perſon zu erſcheinen, oder durch einen Special⸗Bepollmaͤchtigten ſich vertreten zu laſſen. Mehr als eine Perſon kann der Bevollmaͤchtigte nicht vertreten. 413. Jeder berufene Verwandte, Verſchwaͤgerte oder Freund, der ohne eine geſetzliche Entſchuldigung zu haben, nicht erſcheint, verfaͤllt in eine Geldſtrafe, die nicht uͤber fuͤnfzig Francs betragen darf, und von dem Friedens⸗Rich⸗ ter angeſetzt wird, ohne daß eine Appellation dawider Statt habe. 414. Tritt eine hinreichende Enſchuldigungs⸗Urſache ein, und iſt es rathſamn, entweder das abweſende Mitglied noch ſetzen, bis ein neuer Vormund ernannt iſt⸗ 38 I. Buch. X. Tit. Von der Minderjäͤhrigkeit N. abzuwarten oder durch einen andern erſetzen zu laſſen, ie dieſem Falle, wie in jedem andern, wo das Intereſſe des Minderjaͤhrigen es zu erfordern ſcheint, kann der Friedens⸗ Richter die Zuſammenkunft ausſetzen, oder die Friſt ver⸗ laͤngern. 415. Die Verſammluyg wird von Rechtswegen bey dem Friedens⸗Richter gehalten, ſo fern er nicht ſelbſt einen andern Ort beſtimmt. Die Gegenwart von drey Viertel der berufe⸗ nen Mitglieder auf's wenigſte iſt erfordeylich, um etwas zu beſchließen. 416. Bey dem Familien⸗Rathe hat der Friedens⸗Richter den Vorſitz. Seine Stimme wird mitgezaͤhlt, und gibt den Ausſchlag, wenn die Meinungen auf beyden Seiten gleich ſind. 417. Beſitzt der Minderjaͤhrige, der in Frankreich wohnt, Guͤter in den Colonien, oder umgekehrt, ſo wird die beſon⸗ dere Verwaltung uͤber dieſe Guͤter einem Mit⸗Vormunde, (protuteur) anvertraut. In dieſem Falle ſind der Vormund und Mit⸗Vormund voneinander unabhaͤngig. Sie haben einander fur ihre ge⸗ genſeitige Verwaltung nicht zu haften. 418. Der Vormund handelt und verwaltet in dieſer Ei⸗ genſchaft, von dem Tage an, da er ernannt wurde, wenn die Ernennung in ſeiner Gegenwart geſchehen; iſt dieſes nicht, von dem Tage an, da ihm ſeine Ernennung bekannt gemacht worden. 419. Die Vormundſchaft iſt ein perſoönliches Amt, und geht auf die Erben des Vormundes nicht uͤber. Dieſe ſind nur fuͤr die Verwaltung ihres Erblaſſers verantwortlich, und wenn ſie großjuaͤhrig ſind, muͤſſen ſie die Verwaltung fort⸗ I. Buch. X. Tit, Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc⸗ 39 Fuͤnſter Abſchnitt. Von dem Neben⸗Vormunde(subrogé tuteur) 420. Bey jeder Vormundſchaft ſoll ein Neben⸗Vormund ſeyn, der von dem Familien⸗Rath ernannt wird. Seine Amts⸗Verrichtungen beſtehen darin, daß er fuͤr das Intereſſe der Minderjaͤhrigen auftritt, wenn es mit je— nem des Vormundes im Widerſpruche ſteht. 421. Wenn das vormundſchaftliche Amt einer Perſon aner⸗ fallen iſt, die eine von den Eigenſchaften hat, welche im I., II. und III. Abſchnitte des gegenwaͤrtigen Capitels ausgedruͤckt ſind, ſo ſoll dieſer Vormund, ehe er noch ſeine Verrichtungen antritt, zur Ernennung eines Neben⸗Vormundes einen nach Vorſchrift des IV. Abſchnittes gebildeten Familien-Rath zu⸗ ſammenberufen laſſen. Hat er, vor Erfuͤllung dieſer Formalitaͤt, in die Ver— waltung ſich eingemiſcht, ſo kann der Familien⸗Rath, nach⸗ dem er entweder auf Anſuchen der Verwandten, der Glaͤu⸗ biger oder anderer Betheiligten, oder Amtshalber von dem Friedens⸗Richter zuſammenberufen worden, wenn auf der Seite des Vormundes eine Argliſt untergelaufen, ihm die Vormundſchaft entziehen, mit Vorbehalt der dem Minder⸗ jaͤhrigen gebuͤhrenden Schadloshaltung. 422. Bey den uͤbrigen Vormundſchaften ſoll die Ernen⸗ nung des Neben⸗Vormundes unmittelbar nach der Ernennung des Vormundes geſchehen. 423. In keinem Falle ſoll der Vormund bey der Ernen⸗ nung des Neben⸗Vormundes mitſtimmen; dieſer ſoll außer dem Falle, wo vollbuͤrtige Bruͤder vorhanden ſind, aus der⸗ jenigen von beyden Linien genommen werden, wozu der Vormund nicht gehoͤrt. 424. Wird die Vormundſchaft erledigt oder durch Abwe⸗ ſenheit gaͤnzlich verlaſſen, ſo tritt der Neben⸗Vormund nicht von Rechtswegen in die Stelle des Vormundes, ſondern er muß in dieſem Falle auf Ernennung eines neuen Vormundes 9o, I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. antragen, bey Strafe, den Verluſt, der etwa dem Minder⸗ jaͤhrigen hieraus erwachſen koͤnnte, und den entbehren Ge⸗ winn zu erſetzen. 425. Die Amts⸗Verrichtungen des Neben⸗Vormundes en⸗ digen ſich zu gleicher Zeit mit der Vormundſchaft. 426. Die in dem VI. und VII. hier folgenden Abſchnitte enthaltenen Verfuͤgungen ſind auf die Neben⸗Vormuͤnder eben⸗ falls anwendbar. Der Vormund darf gleichwohl auf Abſetzung des Neben⸗ Vormundes nicht antragen, weder in den Familien⸗Verſamm⸗ lungen ſtimmen, welche zu dieſem Ende angeſtellt werden. Sechzter Abſchnitt. Von der Urſachen, welche von der Vormundſchaft befreyen. 427. Befreyt von der Vormundſchaft ſind Die Mitglieder der Autoritaͤten, welche durch den II., III. und IV. Titel des Grundgeſetzes(acte constitutionnel) angeordnet ſind.*) Die Richter bey dem Caſſations-Gerichte, die Commiſſare und Subſtituten bey demſelben Gerichte. Die Commiſſaire der National⸗Comptabllitaͤt. Die Praͤfecte. Alle Staatsbuͤrger, welche in einem andern Departement, als wo die Vormundſchaft angeordnet wird, ein oͤffentliches Amt verſehen. 428. Eben ſo ſind von der Vormundſchaft befreyt Die wirklich angeſtellten Militgir⸗Perſonen,(en activité de service) und alle andere Staatsbuͤrger, welche außer dem Gebiethe der Republik einen Auftrag von der Regierung voll— ziehen. *) Alſo die Conſuln, die Mitglieder des Senates, des gefetz⸗ gebenden Corps, des Tribunates, die Staatsraͤthe und Miniſter. I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. 91 429. Iſt die Sendung nicht authentiſch, und wird ſie be⸗ zweifelt, ſo ſoll die Befreyung nicht zuerkannt werden, als nachdem die Regierung durch den Miniſter, in deſſen De⸗ partement der als Befreyungs⸗Urſache angefuͤhrte Auftrag gehoͤrt, ſich hieruͤber geaͤußert hat. 430. Den Staatsbuͤrgern, welche zu einer in den vor⸗ hergehenden Artikeln ausgedruͤckten Categorie gehoͤren, aber die Vormundſchaft ſpaͤter uͤbernommen haben, als die Amts⸗ Verrichtungen, Dienſte oder Auftraͤge, welche davon be⸗ freyen, wird nicht mehr geſtattet, ſich aus dieſer Urſache von der Vormundſchaft wieder entledigen zu laſſen. 431. Diejenigen hingegen, welchen die beſagten Amts⸗ Verrichtungen, Dienſte oder Auftraͤge erſt nach der Ueber⸗ nehmung und Verwaltung der Vormundſchaft anvertrant worden ſind, koͤnnen, wenn ſie die Vormundſchaft nicht bey⸗ behalten wollen, binnen Monatsfriſt einen Familien⸗Rath zuſammenberufen laſſen, damit in demſelben ein anderer an ihre Stelle ernannt werde. Fordert, wenn dieſe Amts⸗Verrichtungen, Dienſte oder Sendungen aufhoͤren, der neue Vormund ſeine Entlaſſung, oder verlangt der vorige die Vormundſchaft zuruͤck, ſo kann ſie ihm von dem Familien⸗Rathe wieder aufgetragen werden. 432. Kein Staatsbuͤrger, der weder verwandt noch ver⸗ ſchwägert iſt, kann gezwungen werden, eine Vormundſchaft anzunehmen, den Fall allein ausgenommen, wenn in dem Umfange von vier Myriametern ſich keine Verwandten oder Verſchwaͤgerte befaͤnden, welche im Stande waͤren, die Vor⸗ mundſchaft zu fuͤhren. 433. Wer fuͤnf und ſechszig volle Jahre hat, kann ſich weigern, Vormund zu werden. Wer vor dieſem Alter er⸗ nannt iſt, kann, wenn er ſiebenzig Jahre alt geworden, ſich von der Vormundſchaft losſprechen laſſen. 1 434. Jeder, der mit einer ſchweren gehoͤrig erwieſenen Gebrechlichkeit behaftet iſt, bleibt von der Uebernehmung einer Vormundſchaft befreyt. 92 I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. Er kann ſich ſogar davon losſprechen laſſen, wenn ihm dieſe Gebrechlichkeit erſt nach ſeiner Ernennung zugeſtoßen iſt. 435. Zwey Vormundſchaften ſind fuͤr jeden ohne Unter⸗ ſchied eine gerechte Befreyungs⸗Urſache, um eine dritte nicht anzunehmen. Ein Ehegatte oder Vater, der ſchon mit einer Vormund⸗ ſchaft beauftragt iſt, kann nicht verbunden werden, eine zweyte zu uͤbernehmen, die Vormundſchaft uͤber ſeine Kinder jedoch ausgenommen. 436. Wer fuͤnf eheliche Kinder hat, iſt, außer der Vor⸗ mundſchaft uͤber ſeine Kinder, von jeder andern befreyt. Kinder, welche im wirklichen Dienſte(en activité de ser- vice) in den Armeen der Republik geſtorben ſind, werden allemahl mitgezaͤhlt, um dieſe Befreyung zu bewirken. Andere ſchon verſtorbene Kinder werden nicht miteinge⸗ rechnet, als in ſo fern ſie ſelbſt noch lebende Kinder zuruͤck⸗ gelaſſen haben, 437. Daß dem Vormunde erſt waͤhrend der Vormund⸗ ſchaft Kinder gebohren wurden, bexechtiget ihn nicht die Vor⸗ mundſchaft niederzulegen. 438. Iſt der ernannte Vormund bey der Berathſchlagung zugegen, die ihm die Vormundſchaft auftraͤgt, ſo muß er auſ der Stelle, und bey Strafe mit jeder weitern Reclamation nicht mehr gehoͤrt zu werden, ſeine Entſchuldigungs⸗Gruͤnde vorbringen, uͤber welche alsdann der Familien⸗Rath einen Schluß faſſet. 439. War der ernannte Vormund bey der Berathſchlagung, die ihm die Vormundſchaft aufgetragen hat, nicht zugegen, ſo kann er einen Familien⸗Rath zuſammenberufen laſſen, um uͤber ſeine Entſchuldigungs⸗Gruͤnde einen Schluß zu faffen. Die zu dieſem Ende noͤthigen Schritte muͤſſen in drey Tagen, nach der ihm geſchehenen Bekanntmachung ſeiner Ernennung, geſchehen. Fuͤr jede drey Myriameter, welche — QOQ‧:Q;:ů‧ꝑ y.xy— I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc⸗ 93 der Ort ſeines Domicils von jenem der erledigten Vormund⸗ ſchaft entfernt iſt, wird dieſe Friſt um einen Tag vermehrt⸗ Nach Umlauf derſelben ſoll er ferner nicht gehoͤrt werden. 440. Wenn man ſeine Entſchuldigungs⸗Gruͤnde verwirſt, ſo ſteht es ihm frey, ſich an die Gerichte zu wenden, damit ſie dort angenommen werden; er iſt aber gehalten, waͤhrend des Rechtsſtreits die Verwaltung proviſoriſch zu fuͤhren. 441. Gewinnt die Sache den Ausgang, daß er von der Vormundſchaft frevgeſprochen wird, ſo koͤnnen diejenigen, welche ſeine Entſchuldigungs⸗Gruͤnde verworfen haben, in die Koſten der Inſtanz verurtheilt werden⸗ Zieht er den Kuͤrzern, ſo wird er ſelbſt in dieſe Koſten verurtheilt. Siebenter Abſchnitt. Von der Unfaͤhigkeit zur Vormundſchaft, von der Ausſchließung und Abſetzung von derſelben. 2. Vormuͤnder koͤnnen nicht ſeyn, und eben ſo wenig 3 ht ſeyn, Mitglieder eines Familienraths. 1) Minderjaͤhrige, Vater und Mutter jedoch ausge⸗ nommen. 2) Jene, welche unfaͤhig erklaͤrt ſind, ihr eigenes Ver⸗ moͤgen ſelbſt zu verwalten(die Interdicirten). 3) Weibsperſonen, mit Ausnahme der Mutter und der Großmuͤtter.. 4) Alle diejenigen, die oder deren Vater oder Mutter mit dem Minderjaͤhrigen einen Prozeß haben, worin es ſich um den perſoͤnlichen Zuſtand dieſes Minder⸗ jaͤhrigen, um ſein Vermoͤgen, oder um einen anſehn⸗ lichen Theil desſelben handelt. 143. Die Verurtheilung zu einer Leibs⸗ oder entehrenden Strafe zieht von Rechtswegen die Ausſchließung von der Vormundſchaſt nach ſich. Sie bewirkt auf gleiche Weiſe die Abſetzung von einer fruͤher aufgetragenen Vormundſchaft⸗ 94 I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkrit ꝛc. 444. Ausgeſchloſſen von der Vormundſchaft ſind eben⸗ falls, und koͤnnen ſogar, wenn ſie ſchon angeſtellt ſind, abgeſetzt werden: 1) Leute von einer notoriſch uͤblen Auffuͤhrung. 2) Diejenigen, deren Unfaͤhigkeit oder Untreue aus ihrer Verwaltung hervorgeht. 445. Wer von einer Vormundſchaft ausgeſchloſſen oder abgeſetzt worden, kann kein Mitglied eines Familien⸗Rathes ſeyn. 446. So oft die Abſetzung eines Vormundes Statt hat, ſoll ſie von dem Familien⸗Rathe erkannt werden, der auf Anſuchen des Nebenvormundes, oder von Amtswegen von dem Friedensrichter zuſammen berufen wird. Der Friedensrichter kann dieſe Zuſammenberufung nicht ablehnen, wenn ſie von einem oder mehrern Verwandten oder Verſchwaͤgerten des Minderjaͤhrigen, die ſich mit ihm in dem Grade der Geſchwiſter-Kinder oder in naͤhern Graden be⸗ finden, foͤrmlich nachgeſucht wird. 447. Jeder Beſchluß des Familien⸗Rathes, in welchem die Ausſchließung oder Abſetzung des Vormundes erkannt wird, ſoll die Beweggruͤnde enthalten. Er darf nicht ge⸗ faßt werden, ohne vorher den Vormund gehoͤrt oder vor⸗ gefordert zu haben. 448. Iſt der Vormund mit dem Schluſſe einverſtanden, ſo ſoll hievon Erwaͤhnung geſchehen, und der neue Vor⸗ mund ſogleich ſein Amt antreten. Widerſpricht er hingegen, ſo hat der Nebenvormund auf Beſtaͤtigung des gefaßten Beſchluſſes bey dem Gerichte der erſten Inſtanz anzutragen, und dieſes erkennt hieruͤber mit Vorbehalt der Appellation. Der Vormund, der ausgeſchloſſen oder abgeſetzt worden, kann in dieſem Falle auch ſelbſt, um ſich durch einen ge⸗ richtlichen Ausſpruch bey der Vormundſchaft erhalten zu laſſen, den Nebenvormund vor Gericht fordern. . I. Buch. X. Tit. Von der Mindetjaͤhrigkeit ꝛc, 93. 449. Die Verwandten oder Verſchwaͤgerte, auf deren Anſuchen der Familienrath zuſammenberufen worden, koͤnnen in dem Prozeß, der als eine dringende Sache behandelt und entſchieden werden ſoll, als Intervenienten mitauftreten. Achter Abſchnitt. Von der Verwaltung des Vormundes. 450. Der Vormund muß fuͤr die Perſon des Minderjaͤh⸗ rigen Sorge tragen, und in allen Civil⸗Acten ihn vertreten. Er muß ſein Vermoͤgen als ein guter Haus-Vater ver⸗ walten, und fuͤr den Verluſt und entbehrten Gewinn haf⸗ ten, der aus einer uͤblen Verwaltung entſtehen koͤnnte. Er kann die Guͤker des Minderjaͤhrigen weder kauſen, noch in Pachtung neymen, ſo fern der Familien⸗Rath den Nebenvormund nicht autoriſirt hat, mit ihm den Pacht⸗ Contract zu ſchließen. Er kann ebenfalls den Uebertrag ir⸗ gend eines Rechtes oder einer Forderung wider ſeinen Muͤn⸗ del nicht annehmen. 451. Der Vormund ſoll in den naͤchſten zehn Tagen, nachdem er ernannt iſt, und ſeine Ernennung ihm gehdrig bekannt geworden, darauf antragen, daß die Siegel, wenn ſie angelegt waren, wieder abgenommen werden, und un⸗ mittelbar darauf, in Beyſeyn des Nebenvormundes, zum In⸗ ventarium des Vermoͤgens des Minderjaͤhrigen ſchreiten laſſen. Iſt ihm der Minderjaͤhrige etwas ſchuldig, ſo muß er dieſes bey Verluſt ſeines Rechtes in dem Inventarium erklaͤ⸗ ren. Der oͤffentliche Beamte iſt verbunden, zu dieſer Er⸗ klaͤrung ihn aufzufordern, und daß die Aufforderung geſche⸗ hen, ſoll in dem Verbal⸗Prozeß erwaͤhnt werden.. 452. In Monatsfriſt nach Abſchluß des Inventarium ſoll der Vormund in Beyſeyn des Nebenvormundes, nach vorhergegangenen oͤffentlichen Anſchlaͤgen oder Verkuͤndigun⸗ gen, wovon in dem Verbal⸗Prozeß uͤber den Verkauſ Er⸗ 96 I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ie. waͤhnung geſchehen muß, alle Mobilien, diejenigen ausge⸗ nommen, welche in Natur aufzubewahren, ihn der Fami⸗ lien⸗Rath autoriſirt haben wird, in einem vor einem oͤffent⸗ lichen Beamten gehaltenen Ausrufe an den Meiſtbiethenden verkaufen laſſen. 453. Die Eltern, ſo lange ſie den ihnen eigenen und geſetzlichen Nießbrauch an dem Vermoͤgen des Minderjaͤhri⸗ gen haben, ſind nicht gehalten, die Mobilien zu verkaufen, wenn ſie lieber ſie behalten wollen, um ſie in Natur zu⸗ ruͤckzugeben. Sie ſollen in dieſem Falle ſie von einem Sachverſtaͤndigen, der von dem Nebenvormunde ernannt wird, und vor dem Friedensrichter den Eid abzulegen hat, nach ihrem wahren Werthe auf ihre Koſten abſchaͤtzen laſſen, und in der Folge fuͤr jene Mobilien, welche ſie nicht in Natur zuruͤckliefern koͤnnen, dieſe Taxe erſetzen. 454. Bey dem Antritte einer jeden Vormundſchaft, jene der Eltern ausgenommen, ſoll der Familien⸗Rath nach ei⸗ nem ungefaͤhren Ueberſchlag, und mit Ruͤckſicht auf den Er⸗ trag der zu verwaltenden Guͤter beſtimmen, auf welche Summe die jaͤhrliche Ausgabe fuͤr den Minderjaͤhrigen ſowohl, als fuͤr die Verwaltung ſeiner Guͤter ſich erſtrecken duͤrfe. In eben dieſem Acte ſoll ausgedruͤckt werden, ob der Vormund autoriſirt iſt, in ſeiner Geſchaͤftsfuͤhrung ſich eines oder mehrerer beſonderen Verwalter zu bedienen, die hiefuͤr beſoldet werden, und unter ſeiner Verantwortlichkeit die Ge⸗ ſchaͤfte beſorgen. G 455. Beſagter Familien⸗Rath ſoll beſtimmt feſiſtellen, bey welcher Summe die Verbindlichkeit von Seiten des Vor⸗ mundes eintreten ſoll, dasjenige rentbar anzulegen, was nach Abzug der Ausgaben von den Einkuͤnften uͤbrig bleibt. Die Anlegung muß in ſechs Monaten wirklich geſchehen ſeyn⸗ Nach Umlauf dieſer Friſt hat in Ermangelung einer rent⸗ baren Anlegung der Vormund die Zinſen zu zahlen. I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. 97 456. Hat der Vormund von dem Familien⸗Rathe die SummeV nicht feſtſetzen laſſen, mit welcher die rentbare An⸗ legung ihren Anfang nehmen ſoll, ſo iſt er nach der im vor⸗ hergehenden Artikel beſtimmten Friſt von allem nicht ange⸗ legtem Gelde, ſo gering auch immer die Summe ſeyn mag, die Zinſen zu zahlen verbunden. 1 457. Der Vormund, ſelbſt der Vater oder die Mutter nicht ausgenommen, kann ohne Autoriſation eines Familien⸗ Rathes fuͤr den Minderjaͤhrigen weder ein Anlehn aufneh⸗ men, noch ſeine liegenden Guͤter veraͤußern oder zur Hy⸗ pothek ſtellen.. Die Autoriſation kann nur aus Gruͤnden einer unum⸗ gaͤnglichen Nothwendigkeit, oder um eines augenſcheinlichen Nutzens Willen ertheilt werden.. Im erſten Falle ſoll der Familien⸗Rath ſeine Autoriſation nicht eher ertheilen, als nachdem es ſich aus einer ſumma— riſchen von dem Vormunde eingereichten Rechnung ergeben hat, daß die Baarſchaft, die Mobiliar⸗Effecten, und Ein⸗ kuͤnfte des Minderjaͤhrigen nicht hinreichen. In jedem Falle hat der Familien⸗Rath die Guͤter, welche vor andern verkauft werden ſollen, ſo wie alle uͤbrigen Be⸗ dingungen anzugeben, die er fuͤr dienlich erachtet. 458. Die Beſchluͤſſe des Familien⸗Rathes in Hinſicht auf dieſen Gegenſtand ſollen nicht eher in Vollzug geſetzt wer⸗ den, bis der Vormund bey dem Civoil⸗Gerichte der erſten Inſtanz ihre Beſtaͤtigung nachgeſucht und erhalten hat. Das Gericht erkennt hieruͤber in dem Berathſchlagungs⸗ zimmer, nachdem es den Regierungs⸗Commiſſar(kaiſerli⸗ chen Procureur) vernommen hat. 459, Der Verkauf ſoll oͤffentlich, in Beyſeyn des Neben⸗ vormundes vor einem Nitgliede des Civil⸗Gerichtes, oder einem hiezu beauftragten Notar in einem Ausrufe an den Meiſtbiethenden geſchehen, nachdem er vorher durch drey Anſchlaͤge, an den in dem Canton gewoͤhnlichen Orten, drey Sonntage nacheinander bekaunt gemacht worden. 4 98 1. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. Jeder dieſer Anſchlaͤge ſoll von dem Maire der Gemein⸗ den, wo ſie geſchehen ſind, viſirt und beglaubiget werden. 460. Die zur Veraͤußerung der Guͤter eines Minderjaͤhri⸗ gen in den Artikeln 457 und 458 vorgeſchriebenen Formali⸗ taͤten ſind auf den Fall nicht anwendbar, wo auf Begehren eines in Gemeinſchaft ſtehenden Miteigenthuͤmers die Ver⸗ ſteigerung durch ein Urtheil befohlen worden. Nur kann auch in dieſem Falle die Verſteigerung ſelbſt nicht anderſt als nach der in dem vorhergehenden Artikel be⸗ ſtimmten Form geſchehen. Fremde muͤſſen nothwendig dabey zugelaſſen werden. 461. Eine dem Minderjaͤhrigen zugefallene Erbſchaft kann der Vormund ohne vorhergehende Autoriſation des Familien⸗ Rathes weder annehmen, noch ausſchlagen. Die Annehmung kann nur unter dem Vorbehalt der Rechts⸗Wohlthat geſche⸗ hen, daß er vorlaͤufig ein Inventarium errichte, und nicht uͤber deſſen Ertrag fuͤr die Schulden zu haften habe. 462. Eine Erbſchaft, welche im Nahmen des Minderjaͤhrigen einmahl ausgeſchlagen iſt, kann, ſo fern nicht ein anderer ſie angenommen hat, von dem Vormunde ſowohl, wenn er durch einen Schluß des Familien⸗Rathes hiezu autoriſirt worden, als von dem Minderjaͤhrigen nach erlangter Volljaͤhrigkeit wieder angetreten werden, wiewohl nur in dem Zuſtande, worin ſie zur Zeit der Wiederannehmung ſich befindet, und ohne daß er berechtiget ſey, die Verkaͤufe und andere waͤh⸗ rend der Erledigung geſetzlich vorgenommene Handlungen anzufechten. 463. Eine dem Minderjaͤhrigen gemachte Schenkung kann der Vormund nur unter der Autoriſation des Familien⸗Ra⸗ thes annehmen. Sie hat in Hinſicht des Minderjaͤhrigen eben die Wir⸗ kung, wie bey einem Volljaͤhrigen. I. Buch. NX. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. 99 464. Kein Vormund darf ohne Autoriſation des Fami⸗ lien⸗-Rathes bey Gerichte eine Klage einfuͤhren, die ſich auf Immobilar⸗Rechte des Minderjaͤhrigen bezieht, und eben ſo wenig einen Anſpruch, der ſolche Rechte zum Gegenſtande hat, fuͤr richtig annehmen. 465. Eben dieſer Autoriſation bedarf der Vormund, um auf eine Theilung anzutragen; ohne Autoriſation darf er gleichwohl eine wider den Minderjaͤhrigen gerichtete Klage auf Theilung beantworten. 466. Eine Theilung, wenn ſie in Hinſicht eines Minder⸗ jaͤhrigen alle Wirkungen haben ſoll, welche ſie unter Voll⸗ jaͤhrigen hervorbringen wuͤrde, muß gerichtlich vorgenommen werden. Ihr muß eine Abſchaͤtzung vorhergehen, wozu das Civil⸗Gericht des Ortes, wo die Erbſchaft erlediget worden, die dazu erforderlichen Sachverſtaͤndigen ernennt. Die Sachverſtaͤndigen legen vor dem Praͤſidenten desſel⸗ ben Gerichtes, oder vor einem andern von ihm committirten Richter den Eid ab, daß ſie ſich ihres Auftrages mit Red⸗ lichkeit und Treue entledigen wollen, ſie ſchreiten hierauf zur Theilung der Guͤter, und zur Verfertigung der Looſe, die in Gegenwart eines Mitgliedes des Gerichtes oder eines von ihm committirten Notars, der auch die Looſe ausliefert, ge⸗ zogen werden. Jede andere Theilung iſt nur als proviſoriſch zu betrach⸗ ten. 467. Der Vormund kann im Nahmen des Minderjaͤhri⸗ gen keinen Vergleich ſchließen, als auf vorhergegangene Autoriſation des Familien⸗Rathes, und auf ein Gutachten dreyer Rechts⸗Gelehrten, welche der Regierungs⸗Commiſſar (kaiſerliche Procureur) bey dem Civil⸗Gericht ernennt. Der Vergleich iſt nicht guͤltig, als in ſo fern er nach An⸗ hoͤrung des Regierungs⸗Commiſſars(kaiſerlichen Procureurs) von dem Civil⸗Gerichte beſtaͤtiget worden. 468. Hat der Vormund wichtige Urſachen mit der Auf⸗ fuͤhrung des Minderjaͤhrigen unzufrieden zu ſeyn, ſo kann er 100 I. Buch. X. Tit. Bon der Minderjaͤhrigkeit ſc. einem Familien⸗Rathe ſeine Klage vorbringen; und wenn er von dieſem Rathe dazu autoriſirt wird, auf Einſperrung ded Minderjaͤhrigen antragen, nach dem, was hieruͤber unter dem Titel von der vaͤterlichen Gewalt beſtimmt iſt. Neunter Abſchnitt. Von den Vormundſchafts⸗Rechnungen. 469. Jeder Vormund hat bey Endigung ſeiner Verwal⸗ tung hieruͤber Rechenſchaft abzulegen. 4270. Jeder Vormund, mit Ausnahme des Vaters und der Mutter, kann angehalten werden, auch waͤhrend der Vormundſchaft, zu gewiſſen Zeiten, welche der Familien⸗ Rath feſtzuſtellen ſuͤr gut findet, dem Nebenvormunde die Berechnungen uͤber den Zuſtand ſeiner Verwaltung vorzulegen, ohne daß gleichwohl der Vormund genoͤthi⸗ get werden koͤnne, ſie mehr als einmahl im Jahre offen⸗ zulegen. ohne Koſten, auf nicht geſtempeltes Papier gefertiget, und ohne alle Form eines gerichtlichen Verfahrens mitgetheilt werden. 471. Die Schlußrechnung uͤber die Vormundſchaft ſoll auf Koſten des Minderjaͤhrigen abgelegt werden, ſobald er die Vollzaͤhrigkeit erreicht, oder die Emancipation erlangt hat; der Vormund hat hiezu die Koſten vorzuſtrecken. Alle hinlaͤnglich erwieſene Ausgaben, die einen nuͤtzlichen Zweck hatten, laäßt man dem Vormunde hierin gelten. 472. Jeder Vertrag, der zwiſchen dem Vormunde und dem nun großjaͤhrig gewordenen Muͤndel zu Stande kommen mag, ſoll unguͤltig ſeyn, wenn nicht wenigſtens zehn Tage vor dem Vertrage eine umſtaͤndliche Rechnung abgelegt, die Beweisſtuͤcke ausgeliefert, und dieß alles durch einen Em⸗ pfangs⸗Schein des Rechnungs⸗Abnehmers erwieſen iſt. Dieſe Berechnungen uͤber die Lage der Verwaltung ſollen I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛe. 101 473. Gibt die Rechnung Anlaß zu Streitigkeiten, ſo ſol⸗ len dieſe, wie alle andere Streitigkeiten uͤber Civil⸗Gegen⸗ ſtaͤnde, behandelt und entſchieden werden. 474. Die Summe, welche dem Vormunde als Reſt zur Laſt bleibt, iſt von dem Zeitpuncte an, da die Rechnung geſchloſſen worden, zu verzinſen, wenn ſchon deßhalb keine Anforderung geſchehen. Was hingegen der Minderjaͤhrige etwa dem Vormunde ſchuldig ſeyn mag, davon laufen keine Zinſen, als von dem Tage, da nach geſchloſſener Rechnung eine Anmahnung zur Zahlung erfolgt iſt. 475. Jede Klage des Minderjaͤhrigen wider ſeinen Vor⸗ mund, welche ſich auf die gefuͤhrte Vormundſchaft bezieht, wird in zehn Jahren von der Großjaͤhrigkeit anzurechnen verjaͤhrt. QDrittes Tapitel. Von der Emancipation. 476. Der Minderjaͤhrige wird durch die Heirath von Rechtswegen emancipirt. 477. Der Minderjaͤhrige, wenn er ſchon nicht verheira⸗ thet iſt, aber das fuͤnfzehnte Jahr ſeines Alters zuruͤckge⸗ legt hat, kann von ſeinem Vater, oder, in Ermangelung des Vaters, von ſeiner Mutter emancipirt werden. Dieſe Emancipirung geſchieht durch die bloße Erklaͤrung des Vaters oder der Mutter, welche der Friedensrichter in Beyſeyn ſeines Gerichtsſchreibers aufnimmt. 478. Auch der vater⸗ und mutterloſe Minderjaͤhrige kann, wiewohl nur nach einem Alter von achtzehn vollen Jahren, wenn ihn der Familien⸗Rath dazu faͤhig erkennt, emancipirt werden. Die Emancipation entſteht in dieſem Falle aus dem Be⸗ ſchluſſe des Familien⸗Rathes, der ſie geſtattet, und aus der 10s I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. Erklaͤrung, welche der Friedensrichter als Praͤſident des Fa⸗ milien⸗Rathes in demſelben Acte ertheilt, daß der Min⸗ derjaͤhrige emancipirt ſey. 479. Hat der Vormund um die Emancipation des Min⸗ derjaͤhrigen, wovon im vorhergehenden Artikel Erwaͤhnung geſchieht, zu erwirken, keine Schritte gethan; von den Ver⸗ wandten oder Verſchwaͤgerten dieſes Minderjaͤhrigen, die ſich mit ihm in dem Grade der Geſchwiſter⸗Kinder, oder in naͤ⸗ hern Graden befinden, erachten gleichwohl einer oder meh⸗ rere ihn fuͤr faͤhig, um emancipirt zu werden; ſo koͤnnen ſie den Friedensrichter bitten, den Familien⸗Rath zuſammenzu⸗ berufen, damit er hieruͤber einen Schluß faſſe. Der Friedensrichter muß dieſem Geſuche willfahren. 480. Die Vormundſchafts⸗Rechnung wird dem emancipir⸗ ten Minderjaͤhrigen in Beyſeyn eines Curators abgelegt. Den Curator ernennt der Familien⸗Rath. 481. Der emancipirte Minderjaͤhrige ſchließt Pacht⸗Con⸗ tracte, deren Dauer gleichwohl nicht uͤber neun Jahre gehen darf; er erhebt ſeine Einkuͤnfte, ſtellt daruͤber Quittungen aus, und unternimmt alle Handlungen, die zur bloßen Verwaltung gehoͤren, ohne daß er wider dieſe Handlungen in jenen Faͤllen in vorigen Stand geſetzt werden koͤnnte, worin auch ein Großjaͤhriger hierauf keinen Anſpruch zu machen haͤtte. 482. Er kann weder eine Immobilar⸗Klage anſtellen, und eben ſo wenig ſich dawider vertheidigen, weder ſelbſt ein Mobilar⸗Capital erheben, und daruͤber quittiren, ohne Beyſtand ſeines Curators, der in dieſem letztern Falle uͤber die Verwendung des empfangenen Capitals zu wachen hat. 483. Unter keinem Vorwande kann der emancipirte Min⸗ derjaͤhrige ohne vorhergegangenen von dem Civil-Gerichte nach Anhoͤrung des Regierungs⸗Commiſſars(kaiſerl. Procureur) beſtaͤtigten Schluß des Familien⸗Raths ein Anlehn aufnehmen. I. Buch. X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit ꝛc. 403 484. Er kann eben ſo wenig ſein Immobilar⸗Vermoͤgen verkaufen oder veraͤußern, weder irgend einen andern Act, der nicht zur bloßen Verwaltung gehoͤrt, vornehmen, es ſey denn, er beobachte die einem nicht emancipirten Minderjaͤh⸗ gen vorgeſchriebenen Formen. Die Verbindlichkeiten, welche er durch Kauf oder auf eine andere Weiſe uͤbernommen, ſollen im Falle einer Ver⸗ letzung gemindert werden koͤnnen; zu dem Ende ſollen die Gerichte auf die Gluͤcksumſtaͤnde des Mindertaͤhrigen, auf den guten oder boͤſen Glauben derjenigen, die mit ihm con⸗ trahirt haben, auf die Nuͤtzlichkeit oder Unnuͤtzlichkeit der Ausgaben Ruͤckſicht nehmen. 485. Jeder emancipirte Minderjaͤhrige, deſſen uͤbernom⸗ mene Verbindlichkeiten zu Folge des vorhergehenden Artikels gemindert worden, kann der Wohlthat der Emancipation verluſtig erklaͤrt werden. Sie wird ihm unter Beobachtung eben der Formalitaͤten entzogen, worunter ſie ihm ertheilt worden. 486. Von dem Tage an, wo die Emancipation zuruͤck⸗ genommen worden, tritt der Minderjaͤhrige wieder unter Vor⸗ mundſchaft, und bleibt darunter bis zur erlangten Volljaͤh⸗ rigkeit. 487. Der emancipirte Minderjaͤhrige, der Handlung treibt, wird in Hinſicht auf die zu dieſer Handlung gehoͤrigen Ge⸗ ſchaͤfte fuͤr volljaͤhrig geachtet. 164 I. Buch. XI. Tit. Von der Volljaͤhrigkeit ee. rEilfter TDitel. Von der Volljaͤhrigkeit, der Interdiction und dem gerichtlich angeordneten Bey⸗ ſtande. 3 Decretitt den 8. Germinal 11. J. promulgirt den 18. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Er ſtes Cazitel. Von der Volljaͤhrigkeit. 488. Die Volljaͤhrigkeit iſt auf das Alter von ein und zwanzig vollen Jahren feſtgeſetzt. Mit dieſem Alter erlangt man die Faͤhigkeit zu allen Handlungen des buͤrgerlichen Le⸗ bens, jedoch mit Vorbehalt der unter dem Titel von der Ehe feſtgeſetzten Einſchraͤnkung. Zweytes Capitel. Von der Interdictionn. 489. Dem Volljaͤhrigen, der ſich gewoͤhnlich in einem Zuſtande von Gemuͤths⸗Schwaͤche, Wahnſinn oder Raſerey befindet, ſoll die eigene Verwaltung ſeines Vermoͤgens ent⸗ zogen werden, ſelbſt wenn er zu Zeiten ganz vernuͤnftig ſeyn ſollte. 490. Jeder Verwandte iſt qualificirt, auf Interdiction ſeines Verwandten anzutragen. Eben ſo kann ein Ehegatte wider den andern die Interdiction nachſuchen. 491. Wider Raſende iſt es Pflicht des Regierungs⸗Com⸗ miſſars(kaiſerl. Procureurs) auf die Interdietion anzutragen, wenn weder der Ehegatte, noch die Verwandten dieſes thun; er kann ſie ebenfalls wider Bloͤdſinnige oder Wahnſinnige nachſuchen, wenn dieſe weder einen Ehegatten, weder eine Ehegattinn, noch einen bekannten Blutsfreund haben. 402. Jede Klage auf Interdiction wird bey dem Gerichte der erften Inſtanz angebracht. I. Buch. NXl. Tit. Von der Volljaͤhrigkeit ꝛe. 105 493. Die Thatſachen, woraus man auf Gemuͤths⸗Schwäͤ⸗ che, Wahnſinn oder Raſerey ſchließt, ſollen ſchriftlich arti⸗ culirt werden. Diejenigen, welche die Interdiction nachſu⸗ chen, muͤſſen die Zeugen vorfuͤhren, und die ſchriftlichen Be⸗ weiſe offenlegen. 494. Das Gericht befiehlt hierauf, daß der Familien⸗ Rath, der auf die unter dem Titel uͤber die Minderjaͤh⸗ rigkeit, Vormundſchaft und Emancipation II. Cap. IV. Abſchnitte beſtimmte Weiſe gebildet wird, uͤber den Zuſtand desjenigen, auf deſſen Interdiction angetragen wird, ſeine Meinung eroͤffne. 495. Diejenigen, welche auf Interdiction angetragen ha⸗ ben, koͤnnen bey dem Familien⸗Rathe als Mitglieder des⸗ ſelben nicht auftreten. Der Ehegatte oder die Ehegattinn und die Kinder desjenigen, deſſen Interdiction nachgeſucht wird, duͤrfen gleichwohl zu demſelben zugelaſſen werden, ohne daß ihre Stimme dabey mitgezaͤhlt wird. 496. Das Gericht, nachdem es das Gutachten des Fa⸗ milien⸗Rathes erhalten hat, ſoll den Beklagten in dem Be⸗ rathſchlagungs⸗Zimmer auf die an ihn zu richtenden Fragen vernehmen; kann er ſich dort nicht einfinden, ſo laͤßt es ihn durch einen hiezu committirten Richter in Beyſeyn des Ge⸗ richtsſchreibers in ſeiner Wohnung vernehmen. In jedem Falle ſoll der Regierungs⸗Commiſſar(kaiſerliche Procureur) dem Verhoͤre beywohnen. 407. Nach dem erſten Verhoͤre ernennt das Gericht den Umſtaͤnden nach einen proviſoriſchen Verwalter, der fuͤr die Perſon und das Vermögen des Beklagten Sorge zu tragen hat. 408. Das Urtheil uͤber eine Klage auf Interdiction kann nur in der oͤffentlichen Audienz, nachdem die Parteyen ver⸗ nommen, oder doch vorgeladen worden, erlaſſen werden. 409. Wird gleich das Geſuch auf Interdiction verworfen, ſo kann deſſen ungeachtet, wenn es die Umſtaͤnde erfordern, das Gericht verordnen, daß der Beklagte ohne Darzwiſchen⸗ 106 I. Buch. XlI. Tit. Von der Volljaͤhrigkeit ꝛe. kunft eines Beyſtandes, der in demſelben Urtheile ihm anzu⸗ ordnen iſt, fuͤr die Zukunft nicht rechten, keinen Vergleich ſchließen, kein Anlehn aufnehmen, kein Mobilar⸗Capital erheben, noch hieruͤber quittiren, weder ſeine Guͤter veraͤußern oder mit Hypotheken beſchweren ſoll. 500. Wird von dem in der erſten Inſtanz ergangenen Urtheile appellirt, ſo kann das Appellations⸗Gericht, wenn es das fuͤr noͤthig erachtet, denjenigen, deſſen Interdiction nachgeſucht worden, von neuem uͤber Fragen vernehmen, oder durch einen Commiſſar vernehmen laſſen. 501. Jedes Urtheil, welches die Interdiction oder die Anordnung eines Beyſtandes erkennt, ſoll auf Betreiben des Klaͤgers ausgeloſet, der Partey ſelbſt inſinuirt, und in zehn Tagen, den Tabellen eingetragen werden, die in dem Au⸗ dienz⸗Saale, und in den Schreibſtuben der Notarien des Arrondiſſements angeſchlagen ſeyn ſollen. 502. Die Interdiction oder Ernennung eines Beyſtandes hat von dem Tage des erlaſſenen Urtheils ihre Wirkung; alle von dem Interdicirten ſpaͤterhin geſchloſſenen Acte, oder die ohne Darzwiſchenkunft des angeordneten Beyſtandes vor⸗ genommen worden, ſind von Rechtswegen unguͤltig. 503. Acte, welche vor der Interdiction geſchloſſen worden, koͤnnen wieder aufgehoben(annullirt) werden, wenn die Urſache der Interdietion zur Zeit, als die Acte vor ſich gegangen, ſchon notoriſch vorhanden war. 5043. Nach dem Tode einer Perſon koͤnnen die von ihr geſchloſſenen Actte aus dem Grunde, daß ſie wahnſinnig war, anders, nicht angegriffen werden, als wenn vor ihrem Hinſcheiden die Interdiction ſchon erkannt oder nachgeſucht worden, es ſey dann, daß der Beweis des Wahnſinnes ſich aus dem angefochtenen Acte ſelbſt ergebe. 505. Iſt wider das Urtheil der erſten Inſtanz, das die Interdiction erkannte, keine Appellation eingelegt, oder das Urtheil hierauf beſtaͤtiget worden, ſo ſoll nach eben den Re⸗ geln, wie ſie unter dem Titel von der Minder⸗ jaͤhrigkeit, Vormundſchaft und Emancipa⸗ I. Buch. XI. Tit. Von der Volljaͤhrigkeit ꝛc. 107 tion vorgeſchrieben ſind, dem Interdicirten ein Vormund und Neben⸗Vormund angeordnet werden. Der proviſoriſche Verwalter ſtellt hierauf ſeine Verrichtungen ein, und hat dem Vormunde, in ſo fern er es nicht ſelbſt geworden iſt, Rech⸗ nung abzulegen. 506. Der Mann iſt von Rechtswegen der Vormund ſei⸗ ner interdicirten Frau. 507. Die Frau kann zur Vormuͤnderinn ihres Mannes 70 ernannt werden. Der Familien⸗Rath ſetzt in dieſem Falle die Form und Bedingungen der Verwaltung feſt; der Frau bleibt gleichwohl der Recurs an die Gerichte unbenommen, wenn ſie durch den Schluß des Familien⸗Rathes ſich verletzt glauben ſollte. 508. Niemand, nur mit Ausnahme der Ehegatten, dex Ascendenten und der Abkoͤmmlinge, iſt ſchuldig, die Vor⸗ mundſchaft uͤber einen Interdicirten laͤnger als zehn Jahre zu fuͤhren. Nach Umlauf dieſer Zeit kann der Vormund ver⸗ langen, daß ein anderer an ſeine Stelle ernannt werde, und man darf ihm dieſes nicht verſagen. 509. Der Interdicirte wird in Hinſicht auf ſeine Perſon und ſein Vermoͤgen einem Minderjaͤhrigen gleichgeachtet: die Geſetze uͤber die Vormundſchaft der Minderjaͤhrigen ſind an⸗ wendbar auf die Vormundſchaft der Interdicirten. 510. Die Einkuͤnfte eines Interdicirten ſind weſentlich beſtimmt, um zur Erleichterung ſeines Schickſals und Be⸗ ſchleunigung ſeiner Wiedergeneſung verwendet zu werden. Je nachdem ſeine Krankheit beſchaffen iſt, und der Ertrag ſeines Vermoͤgens es leidet, kann der Familien⸗Rath verordnen, daß er entweder in ſeiner Wohnung gepflegt, oder in ein Geneſungs⸗Haus oder ſelbſt in ein Spital gebracht werde. 511. Wenn von der Vereheligung des Kindes eines In⸗ terdicirten die Rede iſt, ſo ſoll der Brautſchatz, oder was auf das kuͤnftige Erbtheil gegeben wird, nebſt den uͤbrigen Beſtimmungen des Ehe⸗Contractes durch ein nach Anhoͤrung des Regierungs⸗Commiſſars(kaiſerl. Procureurs) von dem Gerichte beſtaͤtigtes Gutachten des Familien⸗Rathes beſtimmt werden. 16 ½ I. Buch. XlI. Tit. Von der Volljahrigkeit ꝛc. 512. Die Interdiction hoͤrt auf, mit den Urſachen, wo⸗ durch ſie veranlaßt worden. Nur unter Beobachtung der Formalitaten, die vorgeſchrieben ſind, um die Interdiction zu bewirken, wird gleichwohl ihre Aufhebung erkannt, und der Interdicirte kann erſt nach erfolgtem Urtheil, das die Interdiction zuruͤcknimmt, die Ausuͤbung ſeiner Rechte wieder antreten. 1 Drittes Capitel. Von dem gerichtlich angeordneten Beyeſta ſehe. 513. Den Verſchwendern kann es verbothen werden, ohne Darzwiſchenkunft eines von dem Gerichte ihnen angeordneten Beyſtandes zu rechten, Vergleiche zu ſchließen, ein Anlehen aufzunehmen, ein Mobilar⸗Capital zu erheben, und daruͤber zu quittiren, ihre Guͤter zu veraͤußern, oder mit Hypotheken zu beſchweren. 514. Das Verboth ohne Darzwiſchenkunft eines Beyſtan⸗ des etwas zu unternehmen, kann von denjenigen nachgeſucht werden, welche das Recht haben, auf Interdiction anzutra⸗ gen; ihr Geſuch wird auf dieſelbe Weiſe verhandelt und ent⸗ ſchieden. Dieſes Verboth kann nur unter Beobachtung derſelben Formalitaͤten wieder aufgehoben werden. 515. In Faͤllen, wo es um Interdiction oder gerichtliche Anordnung eines Beyſtandes ſich handelt, kann weder in der erſten Inſtanz, noch auf eingelegte Appellation ein Urtheil geſprochen werden, ohne den Regierungs⸗Commiſſar(kaiſerli⸗ chen Procureur) in ſeinem Antrage zu vernehmen. 3 ——õ— Zweytes Buch Von den Guͤtern und den verſchiedenen Einſchraͤn⸗ kungen des Eigenthums. —:—— Erſter Titel. Von der Eintheilung der Guͤter. (Decretirt den 4. Pluͤvios 12. J. promulgirt den 14. des naͤhmlichen Monats.) 516. Aue Guͤter ſind entweder beweglich oder unbeweg⸗ lich. Erſtes Capitel. Von den unbeweglichen Guͤtern. 517. Die Guͤter ſind unbeweglich entweder ihrer Natur nach, oder zu Folge ihrer Beſtimmung, oder in Hinſicht des Gegenſtandes, worauf ſie ſich beziehen. 518. Grundſtuͤcke und Gebaͤude ſind ihrer Natur nach unbeweglich. 519. Muͤhlen, es ſeyen Wind⸗ oder Waſſer⸗Muͤhlen, die auf Pfeilern befeſtiget ſind, und einen Theil des Gebaͤudes ausmachen, ſind gleichfalls ihrer Natur nach unbeweglich. 520. Fruͤchte, die noch auf dem Halme ſtehen, und Baumfruͤchte ehe ſie abgebrochen ſind, ſind ebenfalls unbe⸗ weglich. Sobald die Feldfruͤchte abgemaͤht, und die Baumfruͤchte abgenommen ſind, gehoͤren ſie unter die beweglichen Guͤter, obgleich ſie noch nicht weggebracht worden. 110 II. Buch. I. Tit Vaen der Eintheilung der Guͤter. Iſt nur ein Theil der Aernte abgemaͤht, ſo gehoͤrt auch dieſer allein unter die beweglichen Guͤter. 521. Die gewoͤhnlichen Nutzungen des Schlagholzes ſo⸗ wohl, als der hohen Waͤlder, die in regelmaͤßige Schlaͤge eingetheilt ſind, werden nur zu dem beweglichen Vermoͤgen gerechnet, wie die Baͤume vor und nach abgefaͤllt worden. 522. Vieh, welches der Eigenthuͤmer eines Grundſtuͤckes dem Paͤchter oder Beſtaͤnder zu deſſen Bewirthſchaftung uͤber— liefert, es ſey eine Schaͤtzung vorhergegangen oder nicht, wird, ſo lange es zu Folge der Uebereinkunft bey dem Grund⸗ ſtuͤcke bleibt, fuͤr unbeweglich gehalten. Vieh, das er andern als dem Paͤchter oder Beſtaͤnder fuͤr einen Theil der Nutzung(à cheptel) gibt, iſt bewegli⸗ ches Gut. 523. Roͤhren, welche in einem Hauſe oder auf einem an⸗ dern Grundſtuͤcke zur Waſſerleitung dienen, ſind unbewegli⸗ ches Gut, und machen einen Theil des Grundſtuͤckes aus, auf welchem ſie angelegt ſind. 524. Sachen, welche der Eigenthuͤmer eines Grundſtuͤckes zum Dienſte und zur Benutzung dieſes Grundſtuͤckes auf das⸗ ſelbe gebracht hat, ſind ihrer Beſtimmung nach unbeweglich. Unbeweglich ſind alſo zu Folge ihrer Beſtimmung, wenn ſie von dem Eigenthuͤmer zum Dienſte und zur Benutzung des Grundſtuͤckes auf dasſelbe gebracht ſind: Das zum Ackerbau beſtimmte Vieh; Das Ackergeraͤth; Das Saatkorn, das dem Paͤchter oder Beſtaͤnder uͤber⸗ liefert worden; Tauben, die zu einem Taubenhauſe gehoͤren; Kaninchen, die in einem Gehaͤge eingeſchloſſen ſind; Bienenſtoͤcke; Fiſche in den Teichen; Kelter, Keſſel, Brennkolben, Bottiche und Faͤſſer; II. Buch. I. Tit. Von der Eintheilung der Guͤter. 111 Das zum Gebrauche der Huͤtten und Hammerwerke, Pa⸗ piermuͤhlen und anderer Anlagen(usines) erforderliche Geraͤth; Stroh und Duͤnger. Auch ſind zu Folge ihrer Beſtimmung unbeweglich alle Mobilar⸗Effecten, welche der Eigenthuͤmer mit einem Grund⸗ ſtuͤcke in Verbindung geſetzt hat, damit ſie bey demſelben fuͤr beſtaͤndig bleiben. 525. Man vermuthet von einem Eigenthuͤmer, daß er die Mobilar⸗Effecten mit ſeinem Grundſtuͤcke in Verbindung ge⸗ ſetzt hat, damit ſie bey demſelben fuͤr beſtaͤndig bleiben, wenn ſie mit Kalk, Gypskalk oder Cement daran befeſtiget ſind, oder nicht weggenommen werden koͤnnen, ohne daß man ent⸗ weder ſie ſelbſt oder den Theil des Grundſtuͤckes, woran ſie befeſtiget ſind, breche oder beſchaͤdige. Von Spiegeln in einem Zimmer nimmt man an, daß ſie angebracht ſeyen, um an ihrem Orte fuͤr beſtaͤndig zu blei⸗ ben, wenn die Bekleidung, worauf ſie befeſtiget ſind, mit dem Tafelwerk ein Ganzes ausmacht. Ein Gleiches gilt von Mahlereyen und andern Verzie⸗ rungen. Statuen werden dem unbeweglichen Vermoͤgen beyge⸗ zaͤhlt, wenn ſie in einer Bilderblende(Niſche) aufgeſtellt ſind, die eigends dafuͤr angebracht iſt, um ſie aufzunehmen, ob⸗ gleich ſie uͤbrigens ohne Verletzung oder Beſchaͤdiguns weg⸗ genommen werden koͤnnen. 526. In Hinſicht des Gegenſtandes, worauf ſie ſich be⸗ ziehen, ſind unbeweglich: Der Nießbrauch an unbeweglichen Sachen; Dienſtbarkeiten oder Grund⸗Gerechtigkeiten; Klagen, welche zum Zwecke haben, eine unbewegliche Sache zu vindiciren, 412 II. Buch. I. Tit. Von der Eintheilung der Guͤter. Zweytes Capitel. Voöon den Mobilien. 527. Die Guͤter ſind beweglich entweder ihrer Natur nach, oder zu Folge einer Beſtimmung des Geſetzes. 528. Ihrer Natur nach beweglich ſind die Koͤrper, die ſich von einem Orte zum andern bringen laſſen, ſey es, daß ſie durch eigene Kraft ſich bewegen, wie die Thiere, oder daß ſie ihre Stelle nur durch die Wirkung einer aͤußern Kraft veraͤndern koͤnnen, als lebloſe Dinge⸗ 529. Zu Folge der Beſtimmung des Geſetzes ſind beweg⸗ lich Obligationen und Klagen, deren Gegenſtand in Sum⸗ men, die man einfordern kann, oder in Mobilar⸗Effecten be⸗ ſteht, Actien oder Antheile an Finanz⸗Handlungs⸗ oder Induſtrie⸗Geſellſchaften, wenn ſchon unter dem Vermoͤgen der Geſellſchaften ſich unbewegliche Guͤter befinden, die zu dieſen Unternehmungen gehoͤren. Nur in Ruͤckſicht eines je⸗ den Aſſociirten, ſo lange die Geſellſchaft dauert, werden dieſe Actien oder Antheile unter die Mobilien gerechnet. Gleichfalls gehoͤren zu Folge der Beſtimmung des Ge⸗ ſetzes unter die beweglichen Guͤter Erb- oder Leibrenten, ſey es, daß die Republik oder daß Privatperſonen ſie zu zahlen haben. 530.**) Jede Erbrente iſt weſentlich loͤsbar, die als Kauf⸗ preis eines liegenden Gutes, oder bey dem Uebertrage eines Immobilar⸗Stuͤckes, der aus einem laͤſtigen oder wohlthaͤti⸗ gen Titel geſchehen, als deſſen Bedingung fuͤr immer zuge⸗ ſagt worden. Dem Glaͤubiger bleibt es gleichwohl unbenommen, die Clauſeln und Bedingungen der Wiederlöſe feſtzuſtellen. Es iſt ihm gleichfalls erlaubt, ſich auszubedingen, daß die Rente nicht eher geloͤſt werden ſoll, als nach einer *) Dieſer Art. wurde den 30. Ventos 12. J. decretirt, und den 10. des darauf folgenden Monates Germinal promulgirt. II. Buch. I. Tit. Von der Eintheilung der Guͤter. 213 gewiſſen Zeitfriſt, die jedoch niemahls uͤber dreyßig Jahre hinausgehen darf. Jeder dieſem zuwider laufende Vertrag iſt unguͤltig⸗ 531. Nachen, Kaͤhne oder Schiffe(kleine und große Fahr⸗ zeuge) Muͤhlen und Baͤder auf Schiffen, und uͤberhaupt alle Hammer und andere Werke(usines), die nicht durch Pfeiler befeſtiget ſind, und keinen Theil des Hauſes ausmachen, ſind bewegliche Guͤter: die Arreſtirung einiger dieſer Gegenſtaͤnde kann inzwiſchen, weil ſie von großem Belange ſind, an be⸗ ſondere Formen gebunden ſeyn, wie dieß in dem Geſetzbuche uͤber das gerichtliche Verfahren erklaͤrt werden ſoll— 532. Materialien, welche von einem abgetragenen Ge⸗ baͤude herruͤhren, ſo wie diejenigen, welche herbeygeſchaft ſind, um ein neues zu errichten, ſind bewegliche Guͤter, bis ſie von dem Arbeiter an einem Baue wirklich gebraucht worden⸗ 533. Das Wort: Meuble(Mobilien) wenn es allein, ohne weitern Zuſatz oder naͤhere Beſtimmung, in geſetzlichen Ver⸗ fuͤgungen, oder in der Verordnung eines Menſchen vorkommt, erſtreckt ſich nicht auf Baarſchaften, Edelſteine, Activforde⸗ rungen, Buͤcher, Medaillen, wiſſenſchaftliche, Kunſt⸗ oder Handwerksgeraͤthe, Leinwand, die zum Leibe gehoͤrt, Pferde, Equipage, Waffen, Getreide, Weine, Futterkraͤuter und an⸗ dere Nahrungsmittel. Was einen Handlungsgegenſtand aus⸗ macht, iſt gleichfalls unter dieſem Worte nicht begriffen. 534. Die Worte: Meubles-meublans, deuten nur dieje⸗ nigen Mobilien an, die zum Gebrauche in den Wohnzimmern oder zu ihrer Verzierung beſtimmt ſind, als Tapezereyen, Bettzeug, Stuͤhle, Spiegel, Wand⸗Uhren, Tiſche, porzellane und andere Gegenſtaͤnde dieſer Art. Gemaͤhlde und Statuen, welche einen Theil der Verzie⸗ rung eines Wohnzimmers ausmachen, ſind gleichfalls unter dieſem Ausdrucke begriffen, nicht aber Sammlungen von Gemaͤhlden, die ſich auf den Galerien oder in beſondern Zim⸗ mern vorſinden moͤgen. 8 114 H. Buch. I. Tit. Von det Eintheilung der Guͤter⸗ Gleiche Bewandtniß hat es mit den Porzellanen. Nur die ſind unter der Benennung: Meubles— meublans begriffen, welche einen Theil der Verzierung eines Wohnzimmers aus⸗ machen. 535. Die Ausdruͤcke: biens meubles, mobilier, oder effets mobiliers(bewegliche Guͤter, Mobilar⸗Vermd⸗ gen, oder Mobilar⸗Effecten, Mobilar⸗Habſe⸗ ligkeiten) begteifen uͤberhaupt alles, was nach den hier oben feſtgeſetzten Regeln fuͤr bewegliches Gut angeſehen wird⸗ Der Verkauf oder die Schenkung eines meublirten Hau⸗ ſes, eines Hauſes mit dem Hausgeraͤthe,(d'une maison meublée) erſtreckt ſich nur auf meubles-meublans. 536. Der Verkauf oder die Schenkung eines Hauſes mit allem, was ſich darin befindet, erſtreckt ſich nicht auf die Baarſchaften, die Activforderungen weder auf andere Ge⸗ rechtſame, wovon die Urkunden in dem Hauſe aufbewahrt ſeyn moͤgen; alle uͤbrigen Mobilar⸗Effecten ſind darunter be⸗ griffen. Drittes Capitel. Von den Guͤtern in Beziehung auf ihre Beſitzer⸗ 537. Privatperſonen haben das Recht uͤber die Guͤter, die ihnen zugehoͤren, frey zu verordnen, unter den Ein⸗ ſchraͤnkungen, welche durch die Geſetze feſtgeſtellt ſind. Guͤter, welche keiner Privatperſon zugehoͤren, werden nur nach den Formen, und unter Beobachtung der Regeln, die ihnen eigen ſind, verwaltet, und koͤnnen nur nach dieſen veraͤußert werden. 538. Als Zugehre des Staats⸗Eigenthums werden betrach⸗ tet die Wege, Land⸗ und andere Straßen, welche die Na— tion unterhaͤlt, Fluͤſſe und andere Waͤſſer, die ſchiffbar oder floͤßbar ſind, die Uſer und Seekuͤſten mit ihrem Anwuchſe, die Haͤfen, Buchten und Rehden, und uͤberhaupt alle Theile des National⸗Gebiethes, die in keinemn Privat⸗Eigenthum ſeyn koͤnnen. II. Buch. II. Tit. Von dem Eigenthum. 115 530. Alle ledige und herrenloſe Guͤter, Guͤter derjenigen, welche ohne Erben geſtorben ſind, oder deren Erbſchaften miemand angenommen hat, gehoͤren der Nation.. 540. Zu dem Staats⸗Eigenthum gehoren ferner die Thore, Mauern, Graͤben, Waͤlle der Waffenplaͤtze(der als places de guerre bezeichneten Orte) und der Feſtungen. 541. Dieſelbe Bewandniß hat es mit dem Grund und Boden der Feſtungswerke und Waͤlle an denjenigen Orten, die keine Waffenplaͤtze(places de guerre) mehr ſind. Sie ge⸗ hoͤren der Nation, wenn ſie nicht guͤltig veraͤußert worden ſind, odet das Eigenthum wider ſie nicht verjaͤhrt iſt. 542. Gemeindeguͤter ſind diejenigen, an deren Eigenthum oder Ertrag die Einwohner einer oder mehrerer Gemeinden ein erworbenes Recht haben. 543. An den Guͤtern kann mian entweder ein Eigenthums⸗ recht, oder ein bloßes Nutzungsrecht, oder bloße Grundge⸗ rechtigkeiten haben⸗ Zweyter Titel. Von dem Eigenthum. (Deeretirt den 6. Pluvios 12. J. Promulgirt den 16. des naͤhm⸗ lichen Monats.) 544. Eigenthum iſt das Recht, eine Sache auf die un⸗ umſchraͤnkteſte Weiſe zu benutzen, und daruͤber zu ſchalten, vorausgeſetzt daß man mar keinen durch Geſetze oder Ver⸗ ordnungen unterſagten Gebrauch davon mache. 545. Man kann niemanb zwingen, ſein Eigenthum ab⸗ zutreten, es ſey dann um des oͤffentlichen Nutzens willen und vermittelſt einer gerechten und vorlaͤufigen Entſchaͤdi⸗ gung. 546. Das Eigenthum an einer Sache, ſie ſey beweglich oder unbeweglich, gibt zugleich ein Recht auf alles, was ſie her⸗ vorbringt, und was ſich als Zuwachs durch Natur oder durch Kunſt mit ihr vereiniget. Dieſes Recht wird das Recht des Zuwachſes genannt⸗ n. Buch. II. Tit. Von dem Eigenthum. Erſtes Capite l. Von dem Zuwachsrechte auf das, was die Sache hervorbringt. 426 547. Fruͤchte der Erde, die ſie nach dem Lauf der Na⸗ tur, mit oder ohne hinzu gekommene Bearbeitung hervor⸗ bringt; Civil⸗Fruͤchte, Jede Vermehrung des Vieheſtandes durch Befruchtung, gehdren dem Eigenthuͤmer kraft des Zuwachsrechtes. 548. Fruͤchte, welche eine Sache hervorgebracht hat, ge⸗ hoͤren dem Eigenthuͤmer nicht anderſt, als unter der Ver⸗ bindlichkeit, die von einem Dritten hierauf verwendeten Ko⸗ ſten der Beſtellung, Arbeit und Ausſaat zu erſetzen. 549. Der bloße Beſitzer wird kein Eigenthuͤmer der Fruͤch⸗ te, als wenn er ein redlicher Beſitzer iſt, im entgegengeſetz⸗ ten Falle iſt er verbunden, die Fruͤchte mit der Sache dem Eigenthuͤmer, der ſie vindicirt, zuruͤckzugeben. 550. Ein redlicher Beſitzer iſt derjenige, der aus einem Titel, wodurch das Eigenthum uͤbergehen kann, und deſſen Maͤngel ihm unbekannt ſind, als Eigenthuͤmer beſitzt. Von dem Augenblicke an, da er dieſe Maͤngel kennt, hoͤrt er auf, ein redlicher Beſitzer zu ſeyn. Zweytes Capitel. Von dem Zuwachsrechte auf das, was mit der Sache vereinigt und ihr einverleibtwird. 551. Dem Eigenthuͤmer gehoͤrt alles, was ſich mit ſei— ner Sache vereinigt und ihr einverleibt wird, nach den Re⸗ geln, die hierunten aufgeſtellt werden. II. Buch. II. Tit. Von dem Eigenthum. 117 Erſter Abſchnitt. Von dem Zuwachsrechte in Beziehung auf unbe⸗ wegliche Sachen. 552. Das Eigenthum an Grund und Boden umfaßt zu⸗ gleich das Eigenthum an allem, was oben und unter der Oberflaͤche iſt. An und uͤber der Oberflaͤche kann der Eigenthuͤmer alle Pflanzungen und Gebaͤude anlegen, die er fuͤr gut findet, mit Vorbehalt der Ausnahmen, die unter dem Titel von den Dienſtbarkeiten oder Grundlaſten feſtgeſtellt ſind. Unter der Oberflaͤche kann er Gebaͤude und Gruben an⸗ legen, wie er es fuͤr gut findet, und aus dieſen Gruben al⸗ le Producte ziehen, die ſie ihm darbiethen moͤgen, vorbehalt— lich der Einſchraͤnkungen, die ſich aus den Geſetzen und Verordnungen uͤber die Bergwerke, und aus den Polizey⸗ Geſetzen und Verordnungen ergeben. 553. Bey allen Gebaͤuden, Pflanzungen und Werken, die ſich auf einem Boden oder unter demſelben befinden, tritt die Vermuthung ein, daß ſie der Eigenthuͤmer auf ſei— ne Koſten angelegt hat, und daß ſie ihm zugehoͤren, ſo fern nicht das Gegentheil erwieſen wird; ohne Abbruch des Ei- genthums, das ein Dritter an einem unterirdiſchen Baue unter dem Gebaͤude eines andern, oder an jedem anderm Theile des Gebaͤudes durch Verjaͤhrung erlangt haben oder noch erwerben mag. 554. Der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens, der Ge⸗ baͤude, Pflanzungen und Werke aus Materialien, die ihm nicht zugehoͤren, angelegt hat, muß den Werth davon zah⸗ len; den Umſtaͤnden nach kann er zugleich zum Erſatze des Schadens und des entbehrten Gewinns verurtheilt werden: aber der Eigenthuͤmer der Materialien hat kein Recht, ſie hinwegzunehmen. 555. Sind die Pflanzungen, Gebaͤude und Werke von einem Dritten und mit ſeinen Materialien angelegt wor⸗ 118 II. Buch. II. Tit. Von dem Eigenthum. den; ſo hat der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens das Recht, entweder ſie einzubehalten, oder denjenigen, der ſie gemacht hat, zu noͤthigen, daß er ſie wegnehme. Verlangt der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens, daß die Pflanzungen und Gebaͤude hinweggeſchafft werden, ſo ge⸗ ſchieht das Hinwegſchaffen auf Koſten desjenigen, der ſie ge⸗ macht hat, und dieſer erhaͤlt hiefuͤr keine Entſchaͤdigung; nachdem ſich die Sache verhaͤlt, kann er ſogar verurtheilt werden, den Schaden und entbehrten Gewinn fuͤr den Nach⸗ theil, den der Eigenthuͤmer des Bodens erlitten haben mag, zu erſetzen. Will der Eigenthuͤmer dieſe Pflanzungen und Gebaͤude lieber behalten, ſo iſt er den Werth der Materialien und den Arbeitslohn zu erſetzen verbunden, ohne Ruͤckſicht auf die mehr oder minder betraͤchtliche Erhoͤhung, welche der Bo⸗ den dadurch an ſeinem Werthe erlangt haben mag. Wenn indeß die Pflanzungen, Gebaͤude und Werke von einem dritten Be⸗ ſitzer angelegt worden ſind, dem zwar das Eigenthum durch Urtheil abgeſprochen iſt, der aber, als redlicher Beſitzer, zu keinem Fruͤchtenerſatz verurtheilt worden; ſo kann der Eigen⸗ thuͤmer die Wegraͤumung der gedachten Werke, Pflanzungen und Gebaͤude nicht fordern; er hat aber die Wahl, entweder den Werth der Materialien und des Arbeitslohnes, oder eine Summe zu erſetzen, welche derjenigen gleich kommt, um welche der Boden an ſeinem Werthe erhoͤht worden. 556. Anſchwemmungen und Zuwuͤchſe, die nach und nach und unmerklich an Grundſtuͤcken ſich bilden, welche an einen Fluß oder Strom angraͤnzen, heißen Alluvion. Die Alluvion nuͤtzt dem angraͤnzenden Eigenthuͤmer, der Fluß oder Strom, wovon die Rede iſt, ſey ſchiffbar, floͤß⸗ bar oder nicht, unter der Bedingung, daß im erſten Falle der zum Fußſteige und Leinpfade gehbrige Raum nach In⸗ halt der Verordnungen frey gelaſſen werde. 557. Eine gleiche Bewandniß hat es mit Plaͤtzen, welche das fließende Waſſer verlaͤßt, indem es ſich unmerklich von II. Buch. II. Tit. Von dem Eigenthum. 119 einem Ufer zuruͤckzieht, und auf das andere anwirft: der Eigenthuͤmer des verlaſſenen Ufers hat den Vortheil des An⸗ wuchſes, ohne daß der Uſerbewohner der entgegengeſetzten Seite dahin kommen koͤnne, um den Grund in Anſpruch zu nehmen, den er verloren hat, In Hinſicht auf die vom Meere verlaſſenen Plaͤtze hat dieſes Recht nicht Statt. 558. Die Alluvion hat bey Seen und Teichen nicht Statt. Ihr Eigenthuͤmer behaͤlt allemahl den Boden, der vom Waſſer bedeckt iſt, wenn es auf die Hoͤhe geſtiegen, wo man den Teich ablaſſen kann, obgleich die Maſſe des Waſſers ſich nachher vermindert hat. Umgekehrt erwirbt der Eigenthuͤmer des Teiches kein Recht auf die angraͤnzenden Grundſtuͤcke, welche das Teich— waſſer bey einer außerordentlichen Hohe bedeckt. 559. Wird von einem Fluſſe oder Strom, er ſey ſchiff— bar oder nicht, durch ploͤtzliche Gewalt ein betraͤchtlicher und kennbarer Theil eines angraͤnzenden Feldes abgeriſſen, und einem unterhalb oder am entgegen geſetzten Ufer gelegenen Felde zugefuͤhrt; ſo kann der Eigenthuͤmer des abgeriſſenen Stuͤckes ſein Eigenthum zuruͤckfordern. Er iſt aber gehalten in Jahres Friſt ſeine Klage einzulegen. Spaͤterhin wird er damit nicht gehoͤrt, es ſey denn, daß der Eigenthuͤmer des Feldes, womit das abgeriſſene Stuͤck vereinigt worden iſt, den Beſitz davon noch nicht ergriffen habe. 560. Große und kleine Inſeln und Anwuͤchſe, die in dem Waſſerbette eines Fluſſes oder ſchiffbaren oder floͤßbaren Stromes ſich bilden, gehoͤren der Nation, ſo lange ihr Recht durch einen andern Titel oder durch Verjaͤhrung nicht erlg⸗ ſchen iſt. 561. Inſeln und Anwuͤchſe, wenn ſie in Gewaͤſſern ſich bilden, die nicht ſchiffbar und nicht floͤßbar ſind, gehoͤ⸗ ren den Eigenthuͤmern, welche auf der Seite angraͤn⸗ zen, wo die Inſel entſtanden iſt. Hat ſich die Inſel 120 II. Buch. II. Tit. Von dem Eigenthum. nicht ganz auf einer Seite gebildet, ſo gehoͤrt ſie den angraͤn⸗ zenden Eigenthuͤmern zu beyden Seiten, und man geht da⸗ bey von einer angenommenen Linie aus, welche den Fluß, der Laͤnge nach, in zwey gleiche Theile ſchneidet. 562, Wenn ein Fluß oder Strom, indem er zum Theile ſich anderſtwohin ergießt, und einen neuen Arm bildet, das Feld eines angraͤnzenden Eigenthuͤmers von dem feſten Lande abſchneidet und ſo umgibt, daß es zur Inſel wird, ſo behaͤlt dieſer Eigenthuͤmer das Eigenthum ſeines Feldes, ſelbſt dann, wenn die Inſel ſich in einem Fluſſe oder in einem andern ſchiffbaren oder floͤßbaren Waſſer gebildet hat. 563. Wenn ein Fluß oder Strom, er ſey ſchiffbar, floͤß⸗ bar oder keins von beyden, ſeinen Lauf veraͤndert, und ſein altes Flußbett verlaͤßt, ſo nehmen die Eigenthuͤmer der neuerdings unter Waſſer geſetzten Grundſtuͤcke, zur Entſchaͤ⸗ digung, das alte verlaſſene Flußbett, jeder nach Verhaͤltniß des Grund und Bodens, der ihm weggenommen worden. 564. Tauben, Kaninchen, Fiſche, die in ein anderes Tau⸗ benhaus, Kaninchen⸗Gehaͤge oder in einen andern Fiſchteich uͤbergehen, gehoͤren dem Eigenthuͤmer dieſer Gegenſtaͤnde, ſo fern ſie nur nicht durch Betrug und Argliſt herbeygelockt worden⸗ Zweyter Abſchnitt. Von dem Zuwachsrechte in Beziehung auf bewegliche Sachen. 365. Das Zuwachsrecht, wenn es zwey bewegliche Sachen zum Gegenſtande hat, die zwey verſchiedenen Herrn zugehoͤ⸗ ren, ſteht ganz unter den Grundſaͤtzen der natuͤrlichen Bil⸗ ligkeit. Folgende Regeln werden dem Richter zum Muſter die⸗ nen, um in andern nicht entſchiedenen Faͤllen ſich nach Ver⸗ ſchiedenheit der Umſtaͤnde zu entſchließen. 566. Sind zwey Sachen, welche verſchiedenen Herrn zu⸗ gehoͤren, dergeſtalt miteinander vereinigt, daß ſie zwar ein ——— II. Buch. II. Tit. Von dem Eigenthum. 121 ganzes bilden, gleichwohl voneinander getrennt werden koͤn⸗ nen, ſo daß eine ohne die andere beſtehen kann, ſo gehdrt das Ganze dem Herrn der Sache, welche den Haupttheil davon ausmacht, unter der Verbindlichkeit, daß er dem an⸗ dern den Werth der Sache zahle, die hiemit vereiniget worden. 567. Als Haupttheil wird diejenige Sache angeſehen, wo⸗ mit die andere nur zum Gebrauche, zur Verſchoͤnerung oder zur Ergaͤnzung der erſten vereiniget wurde. 568. Iſt gleichwohl die vereinigte Sache von viel groͤ⸗ ßerm Werthe, als die Hauptſache, und iſt ſie ohne Vorwiſ⸗ ſen des Eigenthuͤmers hiezu gebraucht worden; ſo kann die⸗ ſer verlangen, daß die vereinigte Sache davon getrennt und ihm zuruͤckgegeben werde, ſelbſt dann, wenn dadurch die Sache, welcher ſie hinzugefuͤgt worden, um etwas verſchlim— mert werden koͤnnte. 569. Wenn von zweyen Sachen, die miteinander vereini⸗ get worden ſind, um ein Ganzes zu bilden, die eine nicht als Zubehoͤr der andern angeſehen werden kann; ſo wird die— jenige fuͤr die Hauptſache angeſehen, welche an Werth, oder wo dieſer auf beyden Seiten beynahe gleich iſt, an koͤrperli⸗ chem Umfange die betraͤchtlichſte iſt. 570. Hat ein Kuͤnſtler oder jeder andere einen Stoff, der ihm nicht zugehoͤrte, dazu gebraucht, um eine Sache anderer Gattung daraus zu bilden; ſo hat derjenige, dem der Stoff zugehoͤrte, das Recht, die hieraus gebildete Sache zu vindici— ren, vorausgeſetzt, daß er den Werth der hierauf verwende⸗ ten Arbeit verguͤtet, gleichviel ob uͤbrigens der Stoff ſeine vorige Form wieder annehmen kann oder nicht. 571. War inzwiſchen die Arbeit von ſo großem Belange, daß ſie den Werth des Stoffes bey weitem uͤberſtieg, ſo wuͤrde man die hieran verwendete Muͤhe als die Hauptſache anſehen muͤſſen, und der Arbeiter haͤtte das Recht, die ver⸗ arbeitete Sache zu behalten, indem er den Preis des Stoffes dem Eigenthuͤmer verguͤtete, 132 II. Buch. II. Tit. Von dem Eigenthum. 572. Hat jemand theils eigenen, theils fremden Stoff ge⸗ braucht, um eine Sache anderer Gattung zu bilden, und von beyden Stoffen iſt weder der eine, noch der andere ganz zer⸗ ſtoͤrt, jedoch ſo, daß ſie nicht fuͤglich getrennt werden koͤn— nen; ſo iſt die Sache unter beyden Eigenthuͤmern gemein⸗ ſchaftlich. Der Eine iſt nach Belauf des Stoffes, der ihm zugehoͤrte, der Andere nach Ertrag des ihm zugehoͤrig gewe⸗ ſenen Stoffes und des Werthes ſeiner Arbeit zugleich daran betheiliget. 573. Iſt durch Miſchung mehrerer Materien, die ver⸗ ſchiedenen Eigenthuͤmern zugehoͤrten, wovon jedoch keine als der Hauptſtoff angeſehen werden kann, eine Sache hervorge⸗ bracht worden, und die Materien laſſen ſich voneinander tren⸗ nen, ſo kann derjenige, ohne deſſen Vorwiſſen die Materien gemiſcht worden ſind, auf ihre Trennung antragen. Koͤnnen die Materien nicht mehr fuͤglich getrennt werden, ſo erwerben ſie hieran gemeinſchaftlich das Eigenthum, jeder nach Verhaͤltniß der Quantitaͤt, der Qualitaͤt und des Wer⸗ thes der ihm zugehoͤrigen Materie. 574. War die Materie, die einem der Eigenthuͤmer zu⸗ gehoͤrte, der Quantitaͤt und dem Werthe nach, bey weitem von groͤßerm Belange als die andere, ſo kann der Eigenthuͤ⸗ mer der Materie, die einen hoͤhern Werth hat, die aus der Miſchung entſtandene Sache vindiciren, ſo fern er dem An⸗ dern den Werth ſeiner Materie verguͤtet. 575. Bleibt die Sache unter den Eigenthuͤmern der Ma⸗ terien, woraus ſie entſtanden iſt, gemeinſchaftlich, ſo muß ſie fuͤr gemeinſchaftliche Rechnung verſteigert werden. 576. Der Eigenthuͤmer, deſſen Materie ohne ſein Vor⸗ wiſſen gebraucht worden iſt, um eine Sache anderer Gat⸗ tung hervorzubringen, hat in allen Faͤllen, worin er das Ei⸗ genthum dieſer Sache in Anſpruch nehmen kann, die Wahl, II Buch. III. Tit. Von dem Nießbrauche ꝛc⸗ 123 auf Wiedererſtattung ſeiner Materie in derſelben Gattung, Quantitaͤt, Gewicht, Maaß und Guͤte, oder auf Zahlung ihres Werthes anzutragen. 577. Wer Stoffe, die einem andern zugehoͤren, ohne deſ⸗ ſen Voywiſſen, gebraucht hat, kann ebenfalls den Umſtaͤn⸗ den nach zum Erſatze des Schadens und entbehrten Ge⸗ winns, verurtheilt werden, vorbehaltlich des auſſerordentli— chen Verfahrens, das hier allenfalls noch eintreten kann. Dritter Titel. Von dem Nießbrauche, dem Gebrauche und der Wohnung. (Decretirt den 9. Pluvios 12, J. promulgirt den 19. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Erſtes Capit el. Von dem Nießbrauche. 578. Der Nießbrauch iſt das Recht, die Sache, woran ein anderer das Eigenthum hat, wie der Eigenthuͤmer ſelbſt zu benutzen, unter der Bedingung gleichwohl, daß die Sub⸗ ſtanz der Sache hierunter nicht leide. 579. Man gelangt zum Nießbrauche, entweder durch eine Verfuͤgung des Geſetzes oder durch den Willen eines Menſchen. 580. Der Nießbrauch kann jemanden eingeraͤumt werden entweder unbedingt, oder bis zu einem gewiſſen Tag oder unter einer Bedingung. 581. Er kann an jeder Gattung von Guͤtern, ſie ſeyen beweglich oder unbeweglich, geſtattet werden. Erſter Abſchnilk. Von den Rechten des Nießbrauchers. 582. Der Nießbraucher hat das Recht, jede Gattung von Fruͤchten zu ziehen, welche der Gegenſtand hervorbrin⸗ gen kann, woran ihm der Nießbrauch zuſteht, es ſeyen na⸗ tuͤrliche, Induſtrial⸗ oder Civil⸗Fruͤchte, 124 IHI. Buch. III. Tit. Von dem Nießbrauche ꝛc. 583. Natuͤrliche Fruͤchte ſind diejenigen, welche die Erde aus eigener Kraft hervorbringt. Die Erzeugniſſe der Thiere und der Zuwachs an jungem Viehe durch Befruchtung ſind gleichfalls natuͤrliche Fruͤchte.. Induſtrial-Fruͤchte eines Grundſtuͤckes ſind diejenigen, wozu man durch Cultur gelangt. 584. Civil⸗Fruͤchte ſind die Miethe der Haͤuſer, die Zin⸗ ſen der Capitalien, die man aufkuͤndigen kann, und die Ruͤckſtaͤnde der Renten. Unter die Civil⸗Fruͤchte rechnet man auch den Pacht⸗Er⸗ trag der Landguͤter. 585. Natuͤrliche und Induſtrial⸗Fruͤchte, welche in dem Augenblicke, da der Nießbrauch eroͤffnet wird, am Baume oder Stocke haͤngen, oder auf dem Halme ſtehen, gehren dem Nießbraucher. Diejenigen, die in dem Augenblicke, da der Nießbrauch ſich endiget, ſich in demſelben Zuſtande befinden, gehoͤren dem Eigenthuͤmer. In jedem Falle hat ein Theil dem andern die Beſtellungs⸗ und Saat⸗Koſten nicht zu verguͤten; war aber beym Anfange oder bey Erloͤſchung des Nießbrauches ein Paͤchter auf dem Gute, dem ein aliquoter Theil der Fruͤchte gehoͤrte, ſo bleibt dieſem ſein Antheil daran vorbehalten. 336. Bey Civil⸗Fruͤchten nimmt man als Grundſatz an, daß man ſie Tag fuͤr Tag theilweiſe erwirbt. Sie gehdren dem Nießbraucher nach Verhaͤltniß der Dauer ſeines Nieß⸗ brauches. Dieſe Regel wird auf den Pacht-Ertrag der Land⸗ guͤter, wie auf die Miethe der Haͤuſer und andere Civil⸗ Fruͤchte angewandt. 587. Erſtreckt ſich der Nießbrauch auf Sachen, die man nicht gebrauchen kann, ohne ſie zu verzehren; als, beyſpiels⸗ weiſe, auf Geld, Getreide, Getraͤnke; ſo hat der Nießbrau— cher das Recht ſie zu benutzen, aber unter der gegenſeitigen Verbindung, daß er bey Erloͤſchung des Nießbrauches ſie in gleicher Quantitaͤt, Qualitaͤt und Preiswuͤrdigkeit oder den Schaͤtzungs⸗Werth daſuͤr erſetze. II. Buch. III. Tit. Von dem Nießbrauche ꝛe. 125 588. Der Nießbrauch einer Leibrente gibt ebenfalls dem Nießbraucher das Recht, waͤhrend ſeines Nießbrauches die Ruͤckſtaͤnde davon zu ziehen, ohne daß er zu einem Er⸗ ſatz verbunden ſey. 589. Erſtreckt ſich der Nießbrauch auf Sachen, die durch den Gebrauch zwar nicht gleich verzehrt, aber doch allgemach verringert werden, als Leinwand, Hausgeraͤthe, ſo hat der Nießbraucher das Recht, ſie zu dem Zwecke, wozu ſie be⸗ ſtimmt ſind, zu gebrauchen, und iſt, bey Endigung des Nießbranchs zu mehr nichts verbunden, als daß er ſie, nicht durch ſeine Argliſt und Gefaͤhrde oder durch ſein Verſehen verſchlimmert, in dem Stande zuruͤckgebe, worin ſie ſich dann befinden. 590. Erſtreckt ſich der Nießbrauch auf Schlagholz; ſo iſt der Nießbraucher verbunden, die Ordnung und den Umfang der jedesmahligen Schlaͤge, nach der von den Eigenthuͤmern gemachten Eintheilung oder ſtets von ihnen befolgten Be⸗ wirthſchaftung zu beobachten. In keinem Falle gebuͤhrt in- deß dem Nießbraucher oder ſeinen Erben Entſchaͤdigung fuͤr den gewoͤhnlichen Abtrieb des Schlagholzes, der Laſthoͤlzer oder der hochſtaͤmmigen Baͤume, den er wäͤhrend ſeiner Nu⸗ tzung nicht vorgenommen haben moͤchte. Bäume, die man aus einer Baumſchule ziehen kann, ohne ſie in Verfall und Abnahme gerathen zu laſſen, ma⸗ chen ebenfalls keinen Theil der Nutznießung aus, als unter der Bedingung, daß der Nießbraucher in Beziehung auf das Wiederanpflanzen nach den Ortsgebraͤnchen ſich richte. 591. Der Nießbraucher benutzt ferner die Wald⸗Diſtricte der hochſtämmigen Gehoͤlze, die in ordentliche Schlaͤge eingetheilt ſind, ſey es daß dieſe Schlaͤge periodiſch auf ek⸗ nem gewiſſen Umfange des Bodens vorgenommen werden, oder daß eine beſtimmte Zahl Baͤume ohne Unterſchied auf der ganzen Oberflaͤche des Gutes gefaͤllt wird, indeßen hat er ſich allemahl nach den Faͤllungs⸗Epochen und der Ge⸗ wohnheit der alten Eigenthuͤmer zu richten. 126 II. Buch. III. Tit. Von dem Nießbrauche dc. 59²2. In allen andern Faͤllen iſt es dem Nutznießer nicht erlaubt, der hochſtaͤmmigen Baͤume ſich anzumaßen. Nur die durch Zufall ausgeriſſenen oder zerbrochenen Baͤume(Wind⸗ bruͤche) darf er dazu verwenden, um die Reparaturen zu machen, wozu er verbunden iſt. Im Nothfalle iſt er ſogar berechtiget, Baäume zu dieſem Ende abfaͤllen zu laſſen, je⸗ doch unter der Bedingung, daß er vorher dieſe Nothwendig⸗ keit mit dem Eigenthuͤmer ausmitteln laſſe. 593. In den Holzungen darf er Pfaͤhle ſuͤr die Wein⸗ berge nehmen; er darf ebenfalls aus den Baͤumen jaͤhrlich oder periodiſch Nutzungen ziehen, alles nach dem Gebrauche des Landes und der Gewohnheit der Eigenthuͤmer. 594. Abgeſtandene Obſtbaͤume, ſelbſt diejenigen, die durch Zufall ausgeriſſen oder zerbrochen ſind, gehdren dem Nießbraucher, mit dem Beding, ſie durch andere zu erſetzen⸗ 395. Der Nießbraucher kann die Nutzungen entweder ſelbſt ziehen, oder ſein Recht einem andern verpachten oder es gar verkaufen oder unentgeldlich uͤbertragen. Gibt er es in Pachtung, ſo hat er, ſo viel die Epochen, wo Pachtcon⸗ tracte erneuert werden muͤſſen, und ihre Dauer betrifft, ſich nach den Regeln zu richten, welche unter dem Titel von dem Heiraths⸗Contracte und den gegen⸗ ſeitigen Rechten der Ehegatten fuͤr den Mann in Beziehung auf die Guͤter der Frau feſtgeſtellt ſind. 596. Der Nießbraucher zieht die Nutzungen der an der Sache, wovon er den Nießbrauch hat, durch Aluvion ent⸗ ſtandenen An- und Zuwaͤchſe. 397. Er hat den Genuß der Grund⸗Gerechtigkeiten, des Rechts ſeinen Weg uͤbrr eines Andern Grund zu nehmen, und uͤberhaupt aller Rechte, welche der Eigenthuͤmer ſich zu Nutz machen kann, und genießt ihrer, wie der Eigenthuͤmer ſelbſt. 598. Er genießt ferner auf eben die Weiſe, wie der Ei⸗ genthuͤmer, der Bergwerke und Steinbruͤche, die beym Anfalle des Nießbrauchs in wirklichem Betrieb ſind. In ſo fern indeß von einem Bergbane die Rede iſt, der ohne Con⸗ II. Buch. III. Tit. Von dem Nießbrauche ꝛe. 127 ceſſion nicht angelegt werden darf, ſoll der Nießbraucher ſich dieſer Nutzung nicht anmaßen, als nachdem er die Erlaub⸗ niß hiezu von der Regierung erhalten hat. Er hat kein Recht auf Bergwerke und Steinbruͤche, die noch nicht eingeſchlagen ſind, nicht auf Torfgruben, worin man noch keinen Torf zu graben angefangen hat, und eben ſo wenig auf einen Schatz, der waͤhrend des Nießbrauches entdeckt werden moͤchte. 599. Der Eigenthuͤmer darf durch eigenes Unternehmen, oder auf was Art es immer ſeyn moͤge, den Rechten des Nießbrauchers keinen Abbruch thun. Von ſeiner Seite hat der Nutznießer, wenn der Nießbrauch ſich endiget, fuͤr die Verbeſſerungen, die er gemacht zu haben behaupten moͤchte, keine Entſchaͤdigung zu fordern, obgleich der Werth der Sache dadurch erhoͤhet ſeyn ſollte. Er oder ſeine Erben koͤnnen inzwiſchen die Spiegel, Ge⸗ maͤhlde und andere Verzierungen, die er aufhaͤngen oder auf⸗ ſtellen ließ, zuruͤcknehmen, jedoch unter der Bedingung, daß ſie die Sache in ihren vorigen Stand wieder herſtellen. Z weyter Abſchnitt. Von den Obliegenheiten des Nießbrauchers. 600. Der Nießbraucher nimmt die Sachen in dem Stande, worin ſie ſich finden; aber er darf ſich in den wirklichen Ge⸗ nuß nicht einſetzen, als nachdem er in Gegenwart des Eigen⸗ thuͤmers oder auf deſſen vorherige Vorladung ein Verzeichniß der Mobilien errichtet, und den Zuſtand der Immobilien, die dem Nießbrauche unterworfen ſind, aufgenommen hat. 601. In ſo ſern er durch den Act, der ihm den Nieß⸗ brauch gewaͤhrt, hievon nicht befreyt iſt, ſtellt er Buͤrgſchaft dafuͤr, daß er die Sache wie ein guter Hausvater benutzen wolle: inzwiſchen ſind Vater und Mutter, welche an dem Vermoͤgen ihrer Kinder den geſetzlichen Nießbrauch haben, und wer unter dem Vorbehalt des Nießbrauches verkauft oder geſchenkt hat, nicht ſchuldig, Sicherheit zu ſtellen. 128 II. Buch. III. Tit. Bon dem Nießbrauche nc. 602. Findet der Nießbraucher keinen Buͤrgen, ſo werden die Immobilien entweder verpachtet, oder einem Dritten in Verwaltung gegeben(ſequeſtrirt). Baarſchaften, welche unter dem Nießbrauche begriffen ſind, werden rentbar angelegt. Nahrungsmittel werden verkauft, und der hieraus einge⸗ hende Preis wird ebenfalls angelegt.. Die Zinſen dieſer Baarſchaften und der Pachtertrag ge⸗ hoͤren in dieſem Falle dem Nießbraucher. 603. Hat der Nießbraucher keine Buͤrgſchaft geſtellt, ſo iſt der Eigenthuͤmer berechtiget zu fordern, daß die Mobilien, welche durch den Gebrauch an ihrem Werthe verlieren, ver⸗ kauft, und der Kaufſchilling, ſo wie jener der Nahrungsmit⸗ tel, rentbar angelegt werde, und der Nutznießer bezieht als⸗ dann waͤhrend ſeines Nießbrauches die Zinſen. Je nachdem die Umſtaͤnde beſchaffen ſind, kann inzwiſchen der Nutznießer verlangen, und das Gericht verordnen, daß ihm ein Theil der Mobilien, die er zu ſeinem Gebrauche noͤthig hat, unter bloß eidlicher Verſicherung gelaſſen werde, mit dem Beding, daß er ſie zuruͤckliefere, wenn der Nießbrauch erloſchen iſt. 604. Der Verzug in Stellung der Buͤrgſchaft macht den Nießbraucher der Fruͤchte, woran er ein Recht haben mag, nicht verluſtig. Sie gebuͤhren ihm von dem Augenblicke an, da der Nießbrauch ſeinen Anfang genommen. 605. Der Nießbraucher iſt zu keinen Reparaturen verbun⸗ den, als welche erforderlich ſind, um die Sache in Bau und Beſſerung zu erhalten.. Hauptreparaturen bleiben dem Eigenthumer zur Laſt, es ſey dann, daß ſie dadurch noͤthig geworden, weil ſeit dem Anfange des Nießbrauches die zum Unterhalt erforderlichen Ausbeſſerungen unterlaſſen worden, in welchem Falle der Nieß⸗ braucher auch hiezu verbunden iſt. 606. Hauptreparaturen ſind jene der Hauptmauern und Gewoͤlbe, Anſchaffung neuer Balken und Wiederaufrichtung ganzer Daͤcher. II. Buch. fII. Tit. Von den Rießbrauche ꝛc. 249 Herſtellung der Daͤmme, der Mauern, worauf ein Ge⸗ baͤude ruht, und der Ringmauern, in ſo fern dieß gleichfalls im Ganzen geſchieht. Alle uͤbrige Reparaturen ſind Ausbeſſerungen, welche zur Unterhaltung erſordert werden. 607. Weder der Eigenthuͤmer, noch der Nießbraucher ſind ſchuldig wieder aufzubauen, was vor Alter zuſammengefallen iſt, oder was durch Zufall zerſtoͤrt worden. 608. Der Rießbraucher hat waͤhrend ſeines Genuſſes alle auf das Grundſtuͤck fallende jaͤhrliche Laſten zu traͤgen, als Steuern und andere, die man als Laſten betrachtet, welche auf den Fruͤchten haften. 609. Zu den Laſten, die waͤhrend des Nießbrauches dem Eigenthum ſelbſt auferlegt werden moͤgen, traͤgt der Nieß⸗ braucher und der Eigenthuͤmer auf ſolgende Weiſe bey: Der Eigenthuͤmer iſt ſchuldig ſie zu berichtigen, und der Nießbraucher muß ihm die Zinſen davon vergüͤten. Hat der Nießbraucher den Vorſchuß gemacht, ſo hat er das Recht, nach geendigtem Nießbrauche das Capital zu⸗ kuͤckzuͤfordern. 610. Hat ein Teſtirer jemanden elne Leibrente oder eine Penſion zu ſeinem Unterhalt vermacht; ſo muß dieſes Ver⸗ maͤchtniß von dem Univerſal⸗Legatar des Nießbrauches nach ſeinem ganzen Umfange, und von demjenigen, dem der Nieß⸗ brauch unter einem Univerſal⸗Titel vermacht worden iſt, nach Verhaͤltniß ſeines Genuſſes gezahlt werden⸗ Der Eine ſowohl, als der Andere hat deßhalb keine Zuruͤckforderung. 611. Wer den Nießbrauch unter einem Particular⸗Titel erhalten hat, haftet nicht fuͤr die Schulden, wofuͤr das Grund⸗ ſtuͤck zur Hypothek geſtellt iſt. Wird er genoͤthiget, ſie zu zah⸗ len; ſo hat er ſeinen Regteß wider den Eigenthuͤmer, vorbe⸗ haltlich deſſen, was unter dem Titel von Schenkungen unter Lebenden und Teſtamenten Art, 1020 be⸗ ſtimmt worden. 9 1 36 II. Buch. III. Tit. Von dem Nießbrauche ꝛc. 612. Wer am ganzen Nachlaſſe aber auch nur unter ei⸗ nem Univerſal⸗Titel den Nießbrauch erhalten hat, iſt mit dem Eigenthuͤmer zur Tilgung der Schulden auf folgende Weiſe verbunden: Man ſchaͤtzt den Werth des Grundſtuͤckes, das dem Nieß⸗ brauche unterworfen iſt, und beſtimmt hierauf, nach Ver⸗ haltniß dieſes Werthes, den Beytrag zu den Schulden. Will der Nutznießer die Summe vorſchießen, welche das Grundſtück beytragen muß, ſo wird ihm nach geendigtem Nießbrauche das Capital ohne einige Zinſen erſetzt. Will der Nutznießer dieſen Vorſchuß nicht machen, ſo hat der Eigenthuͤmer die Wahl, entweder ſelbſt dieſe Summe zu zahlen, und in dem Falle verguͤtet ihm der Nutznießer, fo kange der Nießbrauch fortdauert, die Zinſen, oder einen Theil der Guͤter, welche dem Nießbrauche unterworfen ſind, ſo viel zur Tilgung des Beytrags erforderlich iſt, verkaufen zu laſſen. 613. Rur die Koſten derjenigen Prozeſſe, welche den Ge⸗ nuß betreffen, und die Folgen jener Verurtheilungen, welche dieſe Prozeſſe veranlaſſen moͤgen, hat der Nießbraucher zu tragen.. 614. So fern ein Dritter ſich waͤhrend des Nießbrauches einen Eingriff auf dem Grundſtuͤcke erlaubt, oder ſonſt wider die Gerechtſame des Eigenthuͤmers etwas unternimmt; iſt der Nutznießer verbunden, dieſem hievon die Anzeige zu ma⸗ chen. Unterlaͤßt er dieſes, ſo iſt er fuͤr allen Schaden ver⸗ antwortlich, der fuͤr den Eigenthuͤmer hieraus entſtehen kann, wie er resrfuͤr die von ihm ſelbſt gemachten Beſchaͤdigungen ſeyn wuͤrde.. 615. Iſt nur ein einziges Stuͤck Vieh zum Nießbrauche eingeraͤumt worden, und dieſes faͤllt ohne Verſchulden des Nießbrauchers, ſo iſt derſelbe weder ein anderes an ſeine Stelle zu geben, noch den Werth davon zu zahlen ver⸗ bunden. I. Buch. III. Tit. VYon dem Nießbrauche zꝛc. 134 616. Geht die Heerde, welche jemanden zum Nießbrauche eingeraͤumt iſt, durch Zufall oder Krankheit, und ohne Ver⸗ ſchulden des Nießbrauchers ganz zu Grunde, ſo hat dieſer gegen den Eigenthuͤmer keine andere Verbindlichkeit, als ihm von den Haͤuten oder deren Werth Rechenſchaft zu geben. Geht die Heerde nicht ganz zu Grunde, ſo iſt der Nieß⸗ braucher verbunden, durch junges Vieh, in ſo weit ſich die Heerde damit vermehrt hat, die gefallenen Stuͤcke zu er⸗ ſetzen. Dritter Abſchnitt. Wie der Nießbrauch ſich endiget. 617. Der Nießbrauch erliſcht Durch den natuͤrlichen Tod und durch den buͤrgerlichen Tod des Nießbrauchers; Durch Ablauf der Zeit, auf welche er verliehen war; Durch Conſolidation, oder dadurch, daß die beyden Eis genſchaften eines Nießbrauchers und eines Elgentzumern in derſelben Perſon vereiniget worden; Durch einen dreyßigjaͤhrigen Nichtgebrauch des Rechtes; Durch den gaͤnzlichen Untergang der Sache, worauf der Nießbrauch beſtellt iſt. 618. Die Nutznießung kann gleichfalls durch den Miß⸗ brauch erloͤſchen, den der Nutznießer von ſeinem Nutzungs⸗ rechte macht, ſey es, daß er durch eigene Handlungen die Subſtanz verſchlimmere, oder aus Mangel der erforderlichen Unterhaltung die Sache zu Grunde gehen laſſe. In den hieruͤber entſtandenen Streitigkeiten koͤnnen die Glaͤubiger des Nießbrauchers als Intervenienten auftreten; ſie konnen zur Wiederherſtellung der ſchon entſtandenen Ver⸗ ſchlimmerungen, und zur Gewaͤhrleiſtung fuͤr die Zukunft ſich anbiethen. Die Richter koͤnnen, je nachdem die Umſtaͤnde mehr oder minder wichtig ſind, entweder unbedingt auf Erloͤſchung des 132 II. Buch. III. Tſt. Von dem Nießbrauchen c. Nießbrauches erkennen, oder auch verordnen, daß der Eigen⸗ thuͤmer in den Genuß der Sache, welche dem Mießbrauche unterworfen iſt, nur unter der Bedingung wiedereintrete, daß er dem Nießbraucher oder ſeinen Ceſſionarien jaͤhrlich und bis zu dem Augenblicke, wo der Nießbrauch ohnehin ein Ende nehmen ſollte, eine beſtimmte Summe entrichte. 5619. Der Nießbrauch, der nicht einzelnen Perſonen einge⸗ raͤumt iſt, dauert nur dreyßig Jahre. 620. Der Nießbrauch, der jemanden verliehen worden, bis ein Dritter ein beſtimmtes Alter erreicht haben wird, dauert bis zu dieſem Zeitpuncte, obgleich der Dritte geſtorben iſt/ ehe er dieſes Alter erreicht hatte. 621. Der Verkauf der Sache, welche dem Nießbrauche unterworfen iſt, aͤndert nichts an dem Rechte des Nießbrau⸗ chers; er faͤhrt fort, den Vortheil von ſeinem Nießbrauche zu ziehen, in ſo fern er nicht foͤrmlich darauf Verzicht ge⸗ than hat. 622. Die Glaͤubiger des Nießbrauchers kongen die Ver⸗ zichtleiſtung, die etwa zu ihrem Nachtheile von ihm geſche⸗ hen ſeyn moͤchte, fuͤr nichtig erklaͤren laſſen. 623. Iſt nur ein Theil der Sache, welche dem Nieß⸗ brauche unterworfen iſt, untergegangen; ſo dauert er in Ruͤckſicht des Ueberreſtes fort. 624. Wenn jemanden nur ein Gebaͤude zum Nießbrauche eingeraͤumt worden iſt, und dieſes Gebaͤude durch eine Feuers⸗ brunſt oder durch einen andern Zuſall zerſtoͤrt worden iſt, oder auch von Alterthum einſtuͤrzt, ſo hat der Nießbrau⸗ cher kein Nutzungsrecht an dem Grund und Boden und eben ſo wenig an den Materialien. Wenn der Nießbrauch auf ein Gut beſtellt war, wovon das Gebaͤnde einen Theil ausmachte, ſo hat der Nutznießer den Nießbrauch von dem Boden und den Materialien⸗ II. Buch. III. Tit. Von dem Nießbrauche ꝛc. 133 Zweytes Capitel. Von dem Gebrauche und der Einwohnung. 625. Man erwirbt und verliert die Rechte des Gebrau⸗ ches und der Einwohnung auf eben die Weiſe, wie den Nießbrauch. 626. Man kann, wie dieſes bey dem Nießbrauch der Fall iſt, zu dem wirklichen Genuſſe nicht gelangen, ohne vorher Sicherheit zu leiſten, den Zuſtand der Sachen auf⸗ zunehmen, und Verzeichniſſe daruͤber zu errichten. 627. Wer den Gebrauch einer fremden Sache hat, oder zur Einwohnung berechtiget iſt, muß nach der Art eines gu⸗ ten Hauswirths die Sache benutzen. 628. Die Rechte des Gebrauches und der Einwohnung erhalten ihre Beſtimmung aus dem Rechtstitel, wodurch ſie dem Berechtigten eingeraͤumt wurden, und ſind, nach deſ⸗ ſen Verfuͤgungen von groͤßerm oder geringerm Umſange. 629. Enthaͤlt der Rechtstitel keine Beſtimmungen uͤber den Umfang dieſer Rechte, ſo dienen folgende Grundſaͤtze zur Richtſchnur. 630. Wer den Gebrauch der Fruͤchte eines Grundſtuͤckes hat, kann mehr hievon nicht fordern, als er fuͤr ſeine eige⸗ nen Beduͤrfniſſe und ſuͤr jene ſeiner Familie noͤthig hat. Er kann ſelbſt fuͤr die Beduͤrfniſſe der Kinder, die er nach erhaltenem Gebrauche erſt bekommen hat, einen Theil davon fordern. 631. Wer den Gebrauch einer fremden Sache hat, kann ſein Recht einem Andern weder uͤbertragen, noch ver⸗ pachten. 632. Wer das Recht der Einwohnung in einem Hauſe hat, kann mit ſeiner Familie darin wohnen, obgleich er in dem Zeitpuncte, da ihm dieſes Recht verliehen wurde, nicht verheirathet geweſen. 134 II. Buch. LV. Tit. Von Servituten ꝛe. 633. Das Recht in dem Hauſe eines Andern zu wohnen beſchraͤnkt ſich auf das, was zur Wohnung desjenigen, dem dieſes Recht verliehen worden, und ſeiner Familie erforder⸗ lich iſt. 634. Das Recht der Einwohnung kann weder uͤbertragen, noch verpachtet werden. 635. Nimmt derjenige, der den Gebrauch einer ſremden Sache hat, dadurch alle Fruͤchte des Grundſtuͤckes weg, oder nimmi er das ganze Haus ein; ſo hat er, gleich dem Nießbraucher, alle Cultur⸗Koſten, die zur Unterhaltung er⸗ forderlichen Reparaturen, und die Steuern zu zahlen. Bezieht er nur einen Theil der Fruͤchte, oder nimmt er nur einen Theil des Hauſes ein, ſo hat er nach Verhaͤltniß ſeines Genuſſes beyzutragen. 636. Das Nutzungs⸗Recht in Holzungen und Waldun⸗ gen wird durch beſondere Geſetze beſtimmt. Vierter Ditel. Von Servituten oder auf Grund und Boden haftenden Dienſtbarkeiten. (Decretirt den 10. Pluvios 12. J. promulgirt den 20, des naͤhm⸗ lichen Monats.) 637. Servitut iſt eine Laſt, die einem Grundſtüͤcke aufer⸗ legt iſt, zum Gebrauche und zum Nutzen eines Grundſtuͤcks, das einem andern Eigenthuͤmer zugehöͤrt. 638. Die Servitut begruͤndet keinen Vorzug des einen Grundſtuͤcks uͤber das andere. 639. Sie entſteht entweder aus der natuͤrlichen Lage der Orte, oder aus Verbindlichkeiten, welche von dem Geſetze auferlegt ſind, oder aus Vexrtraͤgen unter den Eigenthuͤmern. II. Buch. IV. Tit. Von Servituten ꝛc. 133 Erſtes Capitel. Von den Dienſtbarkeiten, welche aus der Lase der Orte entſtehen. 640. Grundſtuͤcke, welche niedriger gelegen ſind, muͤſſen von hoͤher gelegenen das Waſſer aufnehmen, das nach ſeinem natuͤrlichen Laufe davon abfließt, ohne daß menſchliche Haͤnde dazu was beygetragen haben. Der Eigenthuͤmer des unterhalb liegenden Grundſtuͤcks darf keinen Damm aufwerfen, der dieſen Abfluß verhin⸗ dere. Der Eigenthuͤmer des obern Grundſtuͤcks darf nichts unternehmen, was die Dienſtharkeit des unterhalb liegen⸗ den Grundes erſchwere. 641. Wer eine Quelle anf ſeinem Grund und Boden hat, kann ſich ihrer nach Willkuͤhr bedienen, vorbehaltlich des Rechts, das der Eigenthuͤmer des unterhalb liegenden Grundſtuͤcks durch Titel oder Verjaͤhrung etwa erworben haben mag. 642. Die Verjaͤhrung laͤßt ſich in dieſem Falle nicht an⸗ derſt vollenden, als durch einen dreyßig Jahre hindurch un⸗ unterbrochenen Genuß, von dem Zeitpunkte an zu rechnen, wo der Eigenthuͤmer des unterhalb liegenden Grundſtuͤcks die in's Auge fallenden Anlagen gemacht und beendiget hat, die dazu beſtimmt ſind, um den Fall und Lauf des Waſſers auf ſein Eigenthum zu erleichtern. 643. Der Eigenthuͤmer der Quelle darf ihren Lauf nicht veraͤndern, wenn ſie den Einwohnern einer Gemeinde, eines Dorfes oder Weilers das ihnen noͤthige Waſſer verſchafft. Haben indeß die Einwohner den Gebrauch davon nicht erworben oder verjaͤhrt, ſo iſt der Eigenthuͤmer berechtiget, eine Entſchaͤdigung zu fordern, welche durch Sachverſtaͤndige beſtimmt wird. 644. Derjenige, deſſen Eigenthum ſich laͤngſt einem flie⸗ ßenden Waſſer erſtreckt, jene Waͤſſer doch ausgenommen, die im 538. Art, untet dem Titel von der Eintheilung 136 II. Buch. IV. Tit, Von Servituten ze. der 6 uͤter, als Zugehdre des Staats⸗Eigenthums erklaͤrt ſind, kann ſich deſſen, wo es vorbeyfließt, zur Bewaͤſſerung ſeines Eigenthums bedienen, Derjenige, uͤber deſſen Grund dieſes Waſſer fließt, kann ſich deſſen ſo gar in dem Zwiſchenraume, den es daſelbſt durchlaͤuft, bedienen, mit dem Beding gleichwohl, daß er ihm da, wo es ſeinen Grund verlaͤßt, ſeinen gewoͤhnlichen Lauf wiedey verſchaffe. 643. Erhebt ſich ein Streit unter den Eigenthuͤmern, welchen dieſe Waͤſſer nuͤtzlich ſeyn koͤnnen, ſo iſt es Pflicht der Gerichte, das Intereſſe des Ackerbaues mit der Achtung, die man dem Eigenthum ſchuldig iſt, in Uebereinſtimmung zu bringen, und in allen Faͤllen ſind die beſondern und Local⸗ Verordnungen uͤber den Lauf und die Benutzung der Waͤſſer zu beobachten. 4 646. Jeder Eigenthuͤmer hat das Recht von ſeinem Graͤnz⸗ nachbarn zu fordern, daß ihre aneinander ſtoßenden Grund⸗ ſtuͤcke durch Graͤnzſteine getrennt werden. Das Steinſetzen geſchieht auf gemeinſchaftliche Koſten. 647. Jeder Eigenthuͤmer iſt berechtiget ſein Grundſtuͤck einzuſchließen vorbehaltlich der in 682 Art. feſtgeſetzten Aus⸗ nahme. 648. Der Eigenthuͤmer, der ſich eiuſchließen will, ver⸗ liert ſein Recht an der gemeinen Huͤtung auf ungebauten Feldern, nach Verhaͤltniß des Bodens, den er ihr dadurch entzieht. Zweytes Eapitel. Von den Dienſtbarkeiten, weſche durch das Geſetz eingefuͤhrt ſind. 649, Die Dienſtbarkeiten, welche durch das Geſetz einge⸗ fuͤhrt ſind, haben zum Zwecke das allgemeine Wohl, odey den Voytheil einer Gemeinde, oder den Nutzen der Priyat⸗ perſonen. II Buch, IV. Tit. Von Servituten ꝛc. 237 630. Dienſtbarkeiten, welche zum allgemeinen Beſten oder zum Vortheil einer Gemeinde eingefuͤhrt ſind, haben zum Gegenſtande den Leinpfad laͤngſt den ſchiffbaren oder fldß⸗ baren Stroͤmen, den Bau oder die Wiederherſtellung der Straſ⸗ ſen und anderer oͤffentlichen oder einer Gemeinde zugehoͤrigen Anlagen, Alles, was ſich auf dieſe Gattung von Dienſtbarkeit be⸗ zieht, wird durch eigene Geſetze oder beſondere Verordnun⸗ gen beſtimmt. 651. Das Geſetz legt den Eigenthuͤmern gegeneinander verſchiedene Verbindlichkeiten auf, die ſich auf keinem beſon⸗ dern Vertrag gruͤnden. 652. Ein Theil dieſer Verbindlichkeiten wird durch die Geſetze uͤber die Feld⸗Polizey beſtimmt; Die uͤbrigen beziehen ſich auf gemeinſchaftliche Mauern und Graͤben, auf den Fall, wo eine Gegenmauer aufgefuͤhrt werden muß, auf die Ausſicht auf den Grund des Nach⸗ barn, auf die Dachtraufe, auf das Recht uͤber eines andern Grundſtuͤck zu gehen und zu fahren. Erſter Abſchnitt. Von gemeinſchaftlichen Mauern und Graͤben. 653. Bey jeder Mauer, die unter Gebaͤuden, ſo weit ihre Hoͤhe geht, oder unter Hofraͤumen und Gaͤrten, und ſelbſt unter eingeſchloſſenen Plaͤtzen auf dem Felde zur Schei⸗ dewand dient, tritt die Vermuthung ein, daß ſie gemein⸗ ſchaftlich ſey, in ſo fern kein ſchriftlicher Beweis und kein Merkmahl des Gegentheils vorhanden iſt. 654. Ein Merkmahl, daß eine Mauer nicht gemeinſchaft⸗ lich ſey, iſt alsdann vorhanden, wenn die Spitze der Mauer auf einer Seite gerade und ſenkrecht mit ihrer Auſſenſeite iſt, und auf der andern eine abhaͤngige Flaͤche bildet. 138 IlI. Buch. IV. Tit. Von Serv ituten dc. Dann ebenfalls, wenn nur auf einer Seite entweder eine ſchraͤge Decke(eine Mauerkappe) oder ſchmale Leiſten und hervorragende Kragſteine vorhanden ſind, die bey Erbauung der Mauer dort angebracht worden. In dieſem Falle tritt die Vermuthung ein, daß die Mauer ausſchließlich dem Eigenthuͤmer zugehoͤre, auf deſſen Sei⸗ te ſich die Traufe, die Kragſteine oder die Leiſten von Stein befinden. 655. Die Reparatur und Wiederaufbauung einer gemein⸗ ſchaftlichen Mauer liegt allen ob, welche dazu berechtiget ſind, und einem jeden von ihnen nach Verhaͤltniß ſeines Rechts. 656. Indeß kann jeder Miteigenthuͤmer einer gemeinſchaft⸗ lichen Mauer vorausgeſetzt, daß kein ihm zugehoͤriges Ge⸗ baͤude ihr zur Stuͤtze dient, ſich von dem Beytrage zur Re— paratur und Wiederaufbauung befreyen, wenn er ſein Recht an der Gemeinſchaft aufgibt. 657. Jedem Miteigenthuͤmer bleibt es unbenommen, gegen eine gemeinſchaftliche Mauer anzubauen, und dort jeder Art Balken nach der ganzen Breite der Mauer bis auf vier und fuͤnfzig Millimeter(zwey Zoll) legen zu laſſen. Dabey be⸗ haͤlt gleichwohl der Nachbar ſein Recht, die Balken bis zur Haͤlfte der Mauer mit dem Meiſel verkuͤrzen zu laſſen, wenn er an eben dieſer Stelle anf ſeiner Seite gleichfalls Balken legen, oder einen Rauchfang anlehnen will. 658. Jedem Miteigenthuͤmer ſteht es frey, eine gemein⸗ ſchaftliche Mauer erhoͤhen zu laſſen; er hat indeß allein die Koſten der Erhoͤhung zu tragen, die Mauer uͤber der Stelle, wo ſie gemeinſchaftlich geſchloſſen war, in Bau und Beſſe⸗ rung zu unterhalten, und uͤberdieß fuͤr die Laſt, womit ſie beſchwert worden, nach Verhaͤltniß der Erhoͤhung und nach Belauf des Werthes Entſchaͤdigung zu leiſten. 659. Iſt die gemeinſchaftliche Mauer nicht ſtark genug, um die Erhoͤhung zu tragen; ſo muß derjenige, der ſie er⸗ II. Buch. IV. Tit. Von Servituten ꝛe. 139 „höhen will, ſie von Grund aus auf ſeine Koſten wiederauf⸗ bauen laſſen, und der Zuſatz zu ihrer vorigen Breite muß auf ſeiner Seite allein genommen werden. 660. Der Nachbar, der zur Erhoͤhung der Mauer nichts beygetragen hat, kann das Recht der Gemeinſchaft daran erlangen, wenn er die Haͤlfte des Aufwandes erſetzt, den die Erhoͤhung gekoſtet hat, und den Werth des Bodens, der etwa fuͤr den Zuſatz an der Breite der Mauer hergegeben worden, gleichfalls zur Haͤlfte. 661. Jeder Eigenthuͤmer, der an eine Mauer angraͤnzt, hat ebenmaͤßig das Recht, ſie ganz oder zum Theile gemein⸗ ſchaftlich zu machen, in ſo fern er dem Eigenthuͤmer der Mauer ihren Werth, oder den Werth desjenigen Theils, den er gemeinſchaftlich machen will, und den Werth des Bo⸗ dens, worauf die Mauer gebaut iſt, alles zur Haͤlfte, er⸗ ſetzt. 662. Ein Nachbar kann weder in eine gemeinſchaftliche Mauer einbrechen, noch irgend ein Werk daran anlehnen oder darauf ſtuͤtzen, es ſey dann, daß er die Einwilligung des andern erhalten, oder, ſo fern dieſer ſich weigerte, durch Sachverſtaͤndige die Mittel hat beſtimmen laſſen, die erſor⸗ derlich ſind, damit das neue Werk den Rechten des andern nicht ſchade. 663. In Staͤdten und Vorſtaͤdten kann jeder ſeinen Nach⸗ bar zwingen, daß er zur Erbauung und Reparatur der Scheidewand mitbeytrage, welche ihre in dieſen Staͤdten und Vorſtaͤdten gelegenen Haͤuſer, Hofraͤume und Gaͤrten von⸗ einander ſcheidet. Die Hoͤhe der Scheidewand wird nach den beſondern Verordnungen oder beſtaͤndigen und anerkannten Gebrauchen beſtimmt; und, wo es an ſolchen Gebraͤuchen und Verordnungen fehlt, ſoll jede Scheidewand unter Nach⸗ baren, die in Zukunft erbaut oder wiederhergeſtellt werden 140 II. Buch. IV. Tit. Von Servituten e. mag, in den Staͤdten, deren Beoolkerung ſich auf fuͤnfzig⸗ tauſend Seelen und daruͤber erſtxeckt, wenigſtens zwey und dreyßig Decimeter(zehn Fuß) mit Inbegriff der Mauerkappe, und in den uͤbrigen Staͤdten ſechs und zwanzig Decimeter (acht Fuß) hoch ſeyn. 664. Wenn die verſchiedenen Stockwerke eines Hauſes verſchiedenen Eigenthuͤmern zugehoͤren, und die Urkunden uͤber das Eigenthum nicht beſtimmen, wie es in Abſicht auf die Ausbeſſerungen und das Wiederaufbauen gehalten wer⸗ den ſoll; ſo ſind dabey folgende Grundſaͤtze zu beobachten: Die Hauptmauern und das Dach ſind allen Eigenthuͤ⸗ mern zur Laſt, jedem nach Verhaͤltniß des Werthes des Stockwerkes, das ihm zugehoͤrt. Der Eigenthuͤmer eines jeden Stockwerkes macht den Fuß⸗ boden, worauf er geht; Der Eigenthuͤmer des erſten Stocks, macht die Treppe, welche dahin fuͤhrt; der Eigenthuͤmey des zweyten Stocks macht, von dem erſten anzurechnen, die Treppe, die zu ihm fuͤhrt, und ſo weiter. 1 665. Wird eine gemeinſchaftliche Mauer oder ein Haus wieder aufgebauet, ſo dauern die Activ⸗ und Paſſiv⸗Dienſt⸗ barkeiten(Grundgerechtigkeiten und Grundlaſten) in Hinſicht der neuen Mauer oder des neuen Hauſes fort, vorausgeſetzt, daß die Wiederaufbauung vor vollendeter Verjaͤhrung geſchieht. Sie duͤrfen gleichwohl nicht erſchwert werden. 666. Alle Graͤben, die ſich zwiſchen zwey Grundſtuͤcken befinden, werden fuͤr gemeinſchaftlich geachtet, in ſo fern weder ſchriftliche Beweiſe, noch Anzeichen des Gegentheils vorhanden ſind. 667. Ein Anzeichen, daß der Graben nicht gemeinſchaft⸗ lich ſey, iſt alsdann vorhanden, wenn der Erdwall oder der Auswurf der Erde ſich nur auf einer Seite des Grabens be⸗ findet. 668. Man vermuthet, daß der Graben demjenigen aus⸗ ſchließlich zugehdͤre, auf deſſen Seite ſich der Auswurf befindet. 669. Ein gemeinſchaftlicher Graben muß auf gemeinſame Koſten unterhalten werden. II. Buch. IV. Tit. Von Servituten ꝛc. 141 670. Jede Hecke, welche Grundſtuͤcke ſcheidet, wird fuͤr gemeinſchaftlich angeſehen, es ſey dann, daß nur eins dieſer Grundſtuͤcke ſich in dem Falle befinde, abgeſchloſſen zu wer⸗ den, oder daß ſchriftliche Beweiſe, oder ein hinlaͤnglicher Be⸗ ſitzſtand vorhanden ſey, um das Gegentheil anzunehmen. 671. Es iſt nicht erlaubt, hochſtaͤmmige Baͤume zu pflan⸗ zen, als in der Entfernung, welche durch die beſondern wirk⸗ lich beſtehenden Verordnungen, oder durch beſtaͤndige und an⸗ erkannte Gebraͤuche feſtgeſtellt iſt, und, wo keine Verordnun⸗ gen und Gebraͤuche vorhanden ſind, ſollen von der Linie, welche die beyden Grundſtuͤcke ſcheidet, hochſtaͤmmige Baͤume zwey Meter, andere Baͤume und lebendige Hecken hingegen einen halben Meter entfernt ſeyn. 672. Der Nachbar hat das Recht zu fordern, daß die Baͤume und Hecken, welche in einer kleinern Entlerunng ge⸗ pflanzt ſind, ausgerottet werden. Derjenige, uͤber deſſen Eigenthum die Aeſte der ſeinem Nachbarn zugehorigen Baͤume hervorragen, kann Letztern zwingen, daß er dieſe Aeſte abſchneide. Sind es Wurzeln, die ſich auf ſeinen Boden erſtrecken, ſo hat er das Recht, ſie dort ſelbſt abzuſchneiden. 673. Baͤume, die ſich in einer gemeinſchaftlichen Hecke befinden, ſind gemeinſchaftlich, wie die Hecke ſelbſt, und ein jeder von beyden Eigenthuͤmern hat das Recht zu fordern, daß ſie gefaͤllt werden. Zweyter Abſchnitt. Von der Entfernung und den Zwiſchenmauern, welche iben gewiſſen Gebauden erfordetlich ſind. 674. Wer einen Brunnen oder eine Vertiefung fuͤr einen Abtritt, es ſey bey einer gemeinſchaftlichen oder nicht gemein⸗ ſchaftlichen Mauer graben; 142 II. Buch. IV. Tit. Bon Servituten w. Wer dort einen Rauchfang, einen Feuerherd, ein Hammer⸗ werk, einen Backofen oder Ofen errichtenz Einen Viehſtall daſelbſt anlehnen; Oder gegen dieſe Mauer ein Salzmagazin oder einen Haufen aͤtzender Materialien anlegen will, Iſt verbunden denjenigen Zwiſchenraum zu laſſen, der durch beſondere Verordnungen und Gebraͤuche uͤber dieſe Ge⸗ genſtaͤnde feſtgeſtellt iſt, oder diejenigen Werke zu machen, welche durch eben dieſe Verordnungen und Gebraͤuche vorge⸗ ſchrieben ſind, damit er dem Nachbarn nicht ſchade. Dritter Abſcchnitt. Von der Ausſicht auf das Eigenthum eine« 3 Nachbarn. 675. Ein Nachbar darf ohne Bewilligung des andern in einer gemeinſchaftlichen Mauer kein Fenſter, keine Oeffnung, auf was Art es auch immer ſey, waͤre es auch ein Fenſter, das ſich nicht aufmachen laͤßt, anbringen. 676. Der Eigenthuͤmer einer nicht gemeinſchaftlichen Mauer. die unmittelbar an das Grundſtuͤck eines andern graͤnzt, darf in dieſer Mauer, um ſich Licht zu verſchaffen, Fenſtern an⸗ bringen, die mit eiſernem Gitter, verſehen ſind und ſich nicht offnen laffen. Dieſe Fenſtern muͤſſen ein eiſernes Gitter haben, deſſen Staͤbe hoͤchſtens einen Decimeter(ungefaͤhr drey Zoll und acht Linien) von einander entfernt ſind, und mit einem Rah⸗ men befeſtiget ſeyn, der ſich nicht aufmachen laͤßt. 677. Eben dieſe Fenſtern oder Lichter duͤrfen nicht ange⸗ bracht werden, als ſechs und zwanzig Decimeter(acht Fuß) uͤber dem Fußboden des Zimmers, welchem man Licht ver⸗ ſchaffen will, wenn es auf ebener Erde iſt, und neunzehn Decimeter(ſechs Fuß) uͤber dem Fußboden fuͤr die hoͤhern Stockwerke. I. Buch. Iv. Tit. Von Servituten dc. 145 678. Man darf nach dem Grundſtuͤcke ſeines Nachbarn, es ſey geſchloſſen oder nicht, keiner Ausſicht in gerader Rich⸗ tung, keines Fenſters das zum Proſpect dient, keines Balcon oder anderer aͤhnlicher Erker ſich anmaßen, wenn die Mauer, wo man ſie anbringt, von dem beſagten Grundſtuͤcke nicht neunzehn Decimeter(ſechs Fuß) entfernt iſt. 679. Man darf auf dasſelbe Grundſtuͤck ſich keiner Aus⸗ ſicht von der Seite oder in ſchraͤger Richtung anmaßen, als in einer Entfernung von ſechs Decimeter(wey Fuß.) 680. Die Entfernung, welcher in den beyden vorhergehen⸗ den Artikeln erwaͤhnt wird, rechnet man von der aͤußern Seite der Mauer, worin die Oeffnung angebracht wird, und, wenn von einem Balcon oder andern aͤhnlichen Erkern die Rede iſt, von ihrer aͤußern Linie bis zur Graͤnzlinie, wo das beyderſei⸗ tige Eigenthum ſich ſcheidet. Vierter Abſchnitt. Von ver Dachtrauf e. 681. Jeder Eigenthuͤmer hat ſeine Daͤcher ſo einzurichten, daß das Regenwaſſer auf ſeinen eigenen Boden oder auf die öffentliche Strafe abfließt; er darf es auf den Boden ſeines Nachbarn nicht ableiten. Fuͤnſter Abſchnitt. VDon dem Rechte, ſeinen Weg uͤber eines andern Grund zu nehmen. 682. Der Eigenthuͤmer, deſſen Grundſtuͤcke uͤberall einge⸗ ſchloſſen ſind, und der, keinen Ausweg auf eine oͤffentliche Straße hat, darf zur Benutzung ſeines Grund und Bodens einen Weg uͤber die Grundſtuͤcke ſeiner Nachbaren fordern, mit dem Beding, daß er ihnen einen Erſatz leiſte, welcher dem Schaden angemeſſen iſt, den er dadurch veranlaſſen kann, 144 II. Buch. IV. Tit. Von Servituten ꝛe. 683. Der Weg muß der Regel nach auf der Seite ge⸗ nommen werden, wo er von dem eingeſchloſſenen Grundſtuͤcke am kuͤrzeſten zur oͤffentlichen Straße fuͤhrt. 684. Er muß gleichwohl an dem Orte angewieſen werden, wo er denjenigen, uͤber deſſen Grundſtuͤck er geſtattet wird, am unſchaͤdlichſten iſt. 685. Die Klage auf Entſchaͤdigung, welche fuͤr den int 682. Artikel angefuͤhrten Fall eintritt, iſt der Verjaͤhrung unterworfen, und der Weg darf nicht verſperrt werden, ob⸗ ſchon die Klage auf Entſchaͤdigung nicht mehr Statt hat. Orittes Capit l. Von den Dienſtbarkeiten, welche durch die Hand⸗ lung eines Menſchen erworben werden. Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Gattrungen der D dienfbat⸗ keiten, die auf liegenden Gruͤnden Statt ha⸗ ben koͤnnen. 686. Den Eigenthuͤmern iſt es erlaubt, ihr Eigenthum mit jeder Dienſtbarkeit zu belaſtan, odet zum Vortheile ih⸗ res Eigenthums jede Grundgerechtigkeit zu erwerben, die ſie fuͤr gut finden, vorausgeſetzt gleichwohl, daß die Dienſtbar⸗ keiten nicht der Perſon, ſondern nur einem Grundſtuͤcke auf⸗ erlegt, nicht einer Perſon ſondern einem Grundſtuͤcke zum Vortheile beſtellt werden, und daß uͤbrigens dieſe Servitu⸗ ten nichts enthalten, was der oͤffentlichen Ordnung zuwi⸗ der ſey. Der Gebrauch und der Umfang der alſo beſtellten Dienſt⸗ barkeiten richtet ſich nach dem Titel, wodurch ſie eingeraͤumt worden, und, ſo fern es an elnem Titel gebricht, nach ſol⸗ genden Grundſaͤtzen. 3 687. Dienſtbarkeiten werizen entweder zum Nutzen der Gebaͤude, oder zum Vortheile des Grund und Bodens ein⸗ geraͤumt⸗ II. Buch. IV. Tit. Von Servituten ꝛe. 145 Dienſtbarkeiten der erſten Art heiſſen servitudes urbaines, gleichviel ob die hiezu berechtigten Gebaͤude in einer Stadt oder auf dem Lande gelegen ſeyen. Jene der zweyten Art heiſſen servitudes rurales. 688. Die Dienſtbarkeiten ſind entweder ununterbrochen fortdauernd oder nicht(continues ou discontinues). Ununterbrochen fortdauernd ſind diejenigen Dienſtbarkei⸗ ten, deren Gebrauch entweder immerwaͤhrend iſt, oder doch immerwaͤhrend ſeyn kann, ohne daß es hiezu der wirklichen Handlung eines Menſchen beduͤrfe, dergleichen ſind, die Waſſerleitungen, die Dachtraufen, die Ausſichten und an⸗ dere dieſer Gattung. Nicht ununterbrochen fortdauernde Dienſtbarkeiten ſind diejenigen, die ohne wirkliche Handlung eines Menſchen nicht ausgeuͤbt werden koͤnnen, dergleichen ſind, die Rechte uͤber eines andern Grund ſeinen Weg zu nehmen, Waſſer zu ſchoͤpfen, die Huͤthungsgerechtigkeit und andere aͤhnliche. 689. Die Dienſtbarkeiten ſind entweder ſichtbar, oder nicht. Sichtbare Dienſtbarkeiten ſind diejenigen, die ſich durch auſſere Anlagen zum Beyſpiele durch eine Thuͤr, ein Fen⸗ ſter, eine Waſſerleitung ankuͤndigen. Nicht ſichtbare Dienſtbarkeiten ſind diejenigen, deren Ex⸗ iſtenz durch keine aͤußern Merkmahle in's Auge faͤllt, wie zum Beyſpiele, das Verboth auf einem Grunde kein Ge⸗ baͤude anzulegen, oder nicht uͤber eine beſtimmte Hoͤhe zu bauen. Zweyter Abſchnitt. Wie die Dienſtbarkeiten erworben werden. 690. Ununterbrochen fortdauernde und zugleich ſichtbare Dienſtbarkeiten erwirbt man durch Verguͤnſtigung oder durch einen dreyßigjaͤhrigen Beſitz. 10 146 fll. Buch. IV. Tit. Von Servituten ꝛc. 691. Ununterbrochen fortdauernde nicht ſichtbare Dienſt⸗ barkeiten, ſo wie Dienſtbarkeiten, deren Gebrauch nicht un— unterbrochen fortwaͤhrt, ſie ſeyen ſichtbar oder nicht, erwirbt man nicht anderſt als durch Verguͤnſtigung. Um ſie zu erwerben iſt ſelbſt ein undenklicher Beſitz nicht hinreichend, man kann gleichwohl die Dienſtbarkeiten dieſer Art in den Laͤndern, wo ſie auf ſolche Weiſe ſich erwerben ließen, dermahlen nicht mehr beſtreiten, wenn ſie ſchon durch den Beſitz erworben ſind. 692. In Hinſicht der Dienſtbarkeiten, die ununterbrochen, fortwaͤhrend und ſichtbar ſind, gilt die Beſtimmung des Ei⸗ genthuͤmers anſtatt des Titels. 693. Nur dann darf man annehmen, daß eine Beſtim⸗ mung des Eigenthuͤmers eintrete, wenn es erwieſen iſt, daß zwey dermahlen abgetheilte Grundſtuͤcke vormahls einem Eigenthuͤ⸗ mer zugehoͤrten, und durch ihn die Sachen in den Zuſtand verſetzt worden ſind, woraus ſich die Dienſtbarkeit ergibt. 694. Verauſſert der Eigenthuͤmer zweyer Grundſtuͤcke, wo⸗ rauf ſich ein ſichtbares Merkmahl einer Dienſtbarkeit befindet, eines von beyden, und der Contract enthaͤlt keine Vereinba⸗ rung, die ſich auf dieſe Dienſtbarkeit bezieht; ſo beſteht ſie gleichwohl fernerhin, als Recht zum Vortheile, oder als Schuldigkeit zum Nachtheile des veraͤuſſerten Grundſtuͤckes. 695. In Hinſicht der Dienſtbarkeiten(Grundgerechtigkei⸗ ten) die man nicht durch Verjaͤhrung erwerben kann, laͤßt ſich der urſpruͤngliche Titel, wodurch ſie erlangt werden, nicht anderſt erſetzen, als durch einen Titel, wodurch die Dienſtbarkeit anerkannt wird, und der von dem Eigenthuͤ⸗ mer des belaſteten Grundſtuͤckes herruͤhrt. 696. Wer jemanden eine Dienſtbarkeit einraͤumt, geſtat⸗ tet ihm eben dadurch alles, was erforderlich iſt, um ſie ausznuͤben. So hat die Dienſtbarkeit an einem fremden Brunnen Waſſer zu ſchoͤpfen das Recht ſich des Weges uͤber ſeinen Grund zu bedienen nothwendig zur Folge. II. Buch. IV. Tit. Ven Servituten ꝛe, 147 Dritter Abſchnir. Von den Rechten des Eigenthuͤmers eines Grund⸗ ſtuͤckes, das zur Dienſtbarkeit berechtigtt iſt. 697. Wer zu einer Dienſtbarkeit berechtiget iſt, hat zu⸗ gleich das Recht, alle Anlagen zu machen, die erforderlich ſind, um ſich ihrer bedienen, und ſie beyzubehalten. 698. Dieſe Anlagen geſchehen auf ſeine Koſten, nicht auf Koſten des Eigenthuͤmers des belaſteten Gꝛundſtuͤckes, in ſo fern der Titel, wodurch die Dienſtbarkeit eingeraͤumt worden, nicht ein Anderes beſtimmt. 699. Selbſt in dem Falle, wo dem Eigenthuͤmer des be⸗ laſteten Grundſtuͤckes durch dieſen Titel die Verbindlichkeit auferlegt iſt, die zum Gebrauche oder zur Erhaltung der Dienſtbarkeit erforderlichen Anlagen auf ſeine Koſten zu machen, kann er noch immer ſich dieſer Verbindlichkeit da⸗ durch entledigen, daß er das belaſtete Grundſtuͤck dem Ei⸗ genthuͤmer des zur Dienſtbarkeit Berechtigten abtritt. 700. Wird das zur Dienſtbarkeit berechtigte Grundſtuͤck getheilt; ſo folgt die ihr entſprechende Grundgerechtigkeit zwar noch immer jedem abgeſonderten Theile, und gebuͤhrt ihm, wie vorher; der Zuſtand des belaſteten Grundſtuͤckes darf indeß hiedurch nicht erſchwert werden. Wenn alſo, zum Beyſpiele, von dem Rechte die Rede iſt, ſeinen Weg uͤber eines andern Grund zu nehmen; ſo ſind alle Miteigenthuͤmer verbunden, bey der Ausuͤbung den⸗ ſelben Weg einzuhalten. 701. Der Eigenthuͤmer des mit der Dienſtbarkeit belaſte— ten Grundſtuͤckes darf nichts unternehmen, was dahin ziele, ihren Gebrauch zu ſchmaͤlern oder unbequemer zu machen. Er darf alſo den Zuſtand der Orte nicht veraͤndern, we⸗ der die Ausuͤbung der Dienſtbarkeit auf eine andere Stelle verlegen, als worauf ſie urſpruͤnglich angewieſen worden. Wenn inzwiſchen dieſe urſpruͤngliche Anweiſung dem Ei⸗ genthuͤmer des belaſteten Grundſtuͤckes beſchwerlicher gewor⸗ 448 II. Buch. IV. Tit. Von Servituten ꝛc. den ſeyn ſollte, oder ihn etwa verhinderte, dort nuͤtzliche Verbeſſerungen vorzunehmen, ſo waͤre er berechtiget, dem Eigenthuͤmer des andern Grundſtuͤckes einen zur Ausuͤbung ſeiner Rechte eben ſo bequemen Platz anzuweiſen und dieſer koͤnnte ihn nicht ausſchlagen. 702. Auf ſeiner Seite kann derjenige, der zu einer Dienſt⸗ barkeit berechtiget iſt, ſie nur nach Inhalt ſeines Titels in Ausuͤbung bringen, und er darf weder auf dem Grund⸗ ſtuͤcke, das mit der Dienſtbarkeit belaſtet iſt, noch auf dem Grundſtuͤcke, dem die Gerechtigkeit zuſteht, eine Veraͤnde⸗ rung vornehmen, welche den Zuſtand des erſtern erſchwere. Vierter Abſchnitt. Wie die Dienſtbarkeiten erloͤſchen. 703. Die Dienſtbarkeiten erloͤſchen, wenn die Sachen ſich in einem ſolchen Zuſtande befinden, daß man ſie weiter nicht ausuͤben kann. 704. Sie leben wieder auf, wenn die Sacheu in den Zuſtand zuruͤckgekommen ſind, daß man ſie ausuͤben kann, ſo fern nicht ein hinreichender Zeitraum verſtrichen iſt, um die Vermuthung zu begruͤnden, daß die Dienſtbarkeit erlo— ſchen ſey, ſo wie dieſes im 707. Artikel beſtimmt iſt. 705. Jede Dienſtbarkeit iſt erloſchen, ſo bald das hiezu berechtigte und das damit belaſtete Grundſtuͤck einem und demſelben Eigenthuͤmer zugehoͤren. 706. Eine Dienſtbarkeit erliſcht durch einen dreyßigjaͤh⸗ rigen Nicht⸗Gebrauch. 707. Nach den verſchiedenen Gattungen der Dienſtbarkei⸗ ten nehmen die dreyßig Jahre ihren Anfang entweder von dem Tage, wo man aufgehoͤrt hat, ſie zu benutzen, in ſo fern von nicht ununterbrochen fortwaͤhrenden Dienſtbarkeiten die Rede iſt; oder von dem Tage, wo eine mit der Dienſt⸗ barkeit im Widerſpruche ſtehende Handlung vorgenommen worden, wenn die Rede iſt von ununterbrochen fortwaͤhren⸗ den Dienſtbarkeiten. II. Buch. IV. Tit. Von Servituten ꝛe. 149 708. Bey der Art, wie eine Dienſtbarkeit ausgeuͤbt wird, kann, wie bey der Dienſtbarkeit ſelbſt und auf eben die Weiſe, eine Verjaͤhrung eintreten,„ 709. Gehoͤrt das zur Dienſtbarkeit berechtigte Grundſtuͤck mehrern in unzertheilter Gemeinſchaft, ſo verhindert die Ausuͤbung des einen die Verjaͤhrung in Hinſicht aller uͤbrigen. 710. Iſt einer unter den Miteigenthuͤmern, wider den die Verjaͤhrung nicht laufen konnte, zum Beyſpiel ein Minderjaͤhriger, ſo werden durch ihn die Rechte der uͤbrigen erhalten. 8ge Drittes Buch von den verſchiedenen Arten, das Eigenthum zu erwerben. — ⏑⸗——— Allgemeine Verfuͤgungen. (Decretirt den 29. Germinal 11. J. promulgirt den 9. Floreal.) 711. Engenthum laͤßt ſich erwerben, und kann auf andere uͤbergehen, durch Erbſolge, durch Schenkungen unter Le⸗ benden oder auf den Todesfall, und durch eine Folge per⸗ ſoͤnlicher Verbindlichkeiten. 712. Man erwirbt gleichfalls das Eigenthum durch Zu⸗ wachs oder Einverleibung und durch Verjaͤhrung. 713. Herrnloſe Sache gehoͤren der Nation. 714. Es gibt Sachen, die keinem zugehoͤren, deren Ge⸗ brauch gleichwohl allen gemein iſt. Polizey⸗Geſetze beſtimmen die Weiſe, ſie zu benutzen. 715. Das Recht zu jagen oder zu fiſchen wird gleichfalls durch beſondere Geſetze beſtimmt. 716. Das Eigenthum eines Schatzes gehoͤrt demjenigen, der ihn auf ſeinem eigenen Boden findet. Hat man den Schatz auf dem Boden eines Andern geſunden, ſo gehoͤrt er zuxeiner Haͤlfte demjenigen, der ihn entdeckt hat, und dem Eigenthuͤmer des Bodens zur andern Haͤlfte. III. Buch. I Tit. Von der Succeſſion. 152 Einen Schatz nennt man jede verborgene oder vergrabene Sache, woran niemand ſein Eigenthum darthun kann, und die durch bloßes Ungefaͤhr entdeckt worden. 717. Durch beſondere Geſetze ſind gleichfalls beſtimmt, die Rechte auf Effecten, die in's Meer geworfen worden, auf Sachen, die das Meer auswirft, von welcher Art ſie auch immer ſeyn moͤgen, die Rechte auf Pflanzen und Kraͤuter, die an den Ufern des Meeres wachſen. Mit verlornen Sachen, deren Eigenthuͤmer ſich nicht meldet, hat es dieſelbe Bewandtniß, Erſter Titel. Von der Succeſſion. (Decretirt den 29. Germinal 11. J. promulgirt den 9. Floreal.) Erſtes Capitel. Von der Eroͤffnung einer Erbſchaft und dem Uebergange des Beſitzes auf die Erben. 718. Erbſchaften werden durch den natuͤrlichen und durch den buͤrgerlichen Tod eroͤffnet. 719. Durch den buͤrgerlichen Tod wird eine Erbſchaft von dem Augenblicke an eroͤffnet, da nach den Verfuͤgungen des II. Abſchnittes II. Capitels des Titels von dem Genuſſe und Verluſte der Civil⸗Rechte dieſer Tod verwirkt worden. 720. Wenn mehrere Perſonen, von denen wechſelweiſe die eine zum Nachlaſſe der andern berufen iſt, durch dieſelbe Begebenheit umkommen, und man hiebey nicht unterſcheiden kann, welche zuerſt geſtorben, ſo ſind die Vermuthungs⸗ Gruͤnde fuͤr das Ueberleben der einen oder der andern aus den Umſtaͤnden der Begebenheit herzuleiten; in deren Er⸗ mangelung ſieht man auf die Staͤrke des Alters oder des Geſchlechtes. 1524 III. Buch. I. Tit. Von der Succceſſion. 721. Wenn diejenigen, welche zuſammen umgekommen ſind, noch nicht fuͤnfzehn Jahre alt waren, ſo tritt die Ver⸗ muthung fuͤr den aͤlteſten ein, daß er am laͤngſten gelebt habe. Waren ſie alle uͤber ſechszig Jahre alt, ſo wird vermu⸗ thet, daß der juͤngſte am laͤngſten gelebt habe. Waren einige keine fuͤnfzehn, die andern aber mehr als ſechszig Jahre alt, ſo iſt die Vermuthung des Ueberlebens fuͤr die erſtern. 722. Hatten diejenigen, die zuſammen umgekommen ſind, das fuͤnfzehnte Jahr zuruͤckgelegt, aber weniger als ſechszig Jahre, ſo wird bey gleichem Alter, oder, wo der Unter— ſchied kein Jahr uͤberſteigt, als Vermuthung angenommen, daß die Mannsperſon am laͤngſten gelebt habe. Sind ſie von einem Geſchlechte, ſo ſoll bey der Frage, wer der Ueberlebende geweſen, diejenige Vermuthung ange⸗ nommen werden, wodurch die Succeſſion nach dem gewoͤhnli⸗ chen Naturlaufe anfaͤllt, und alſo von dem juͤngern vermu⸗ thet werden, daß er den aͤltern uͤberlebt habe. 723. Das Geſetz beſtimmt die Succeſſions⸗Ordnung unter den rechtmaͤßigen Erben. Bey Ermangelung derſelben geht das Vermoͤgen auf die natuͤrlichen Kinder, dann auf den uͤberlebenden Ehegatten, und wenn keiner vorhanden iſt, auf die Republik uͤber. 724. Auf die rechtmaͤßigen Erben geht der Beſitz der Guͤter, Rechte und Forderungen des Verſtorbenen ſchon kraft des Geſetzes uͤber; ſie ſind dagegen verbunden, alle Laſten der Erbſchaft zu berichtigen. Die natuͤrlichen Kinder, der uͤberlebende Ehegatte und die Republik muͤſſen ſich von dem Richter nach den unten zu beſtimmenden Formen in den Be⸗ ſitz einweiſen laſſen. Zweytes Capitel. Von den zur Erbfaͤhigkeit erforderlichen Eigenſchaften. 725. Um zu erben muß man nothwendiger Weiſe in dem Augenblicke, da die Succeſſion eroͤffnet wird, exiſtiren. III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 153 Nicht erbfaͤhig ſind alſo 1) Derjenige, der noch nicht empfangen iſt; 2) Das Kind, das nicht lebensfaͤhig gebohren worden; 3) Derjenige, der buͤrgerlich todt iſt. 726. Ein Fremder wird zur Succeſſion in den Guͤtern, die ſein Verwandter, dieſer ſey ebenfalls ein Fremder oder ein Franzoſe, in dem Gebiethe der Republik beſitzt, anderſt nicht zugelaſſen, als nur in den Faͤllen, und auf die Weiſe, wie ein Franzoſe ſeinem Verwandten ſuccedirt, der in dem Lande dieſes Fremden Guͤter beſitzt, nach den Verfuͤgungen des 11. Artikels unter dem Titel von dem Genuſſe und Ver⸗ luſte der Civil⸗Rechte. 27. Der Succeſſion ſind unwuͤrdig und werden als ſol⸗ che von Erbſchaften ausgeſchloſſen:; 1) Derjenige, der aus dem Grunde verurtheilt worden, weil er den Verſtorbenen um's Leben gebracht, oder um's Leben zu bringen verſucht hat; 2) Derjenige, der wider den Verſtorbenen eine Capital— Anklage angebracht hat, die nachher fuͤr vexlaͤumderiſch er— klaͤrt worden; 3) Ein volljaͤhriger Erbe, der, obſchon ihm bekannt war, daß der Verſtorbene ermordet worden, dieſes gleichwohl bey Gerichte nicht angezeigt hat, 728. Die Unterlaſſung dieſer Anzeige kann man gleich⸗ wohl den Ascendenten und den Abkoͤmmlingen des Moͤrders nicht entgegenſetzen, und eben ſo wenig denjenigen, die in denſelben Graden mit ihm verſchwaͤgert ſind, weder ſeinem Ehegatten oder ſeiner Ehegattinn, ſeinen Bruͤdern oder Schwe⸗ ſtern, ſeinen Oheimen oder Muhmen, noch ſeinen Neffen und Nichten. 729. Wird der Erbe als unwuͤrdig von der Succeſſion ausgeſchloſſen, ſo muß er alle ſeit der Eroͤffnung der Suc⸗ ceſſion genoſſenen Fruͤchte und Einkuͤnfte zuruͤckgeben. 134 III. Buch. I. Tit. Von der Gucceſſion. 730. Kinder des Unwuͤrdigen, welche zu Folge eines eige⸗ nen Rechtes und ohne Beyhuͤlfe der Repraͤſentation zur Erb⸗ folge gelangen, ſind wegen des Verſchuldens ihres Vaters nicht ausgeſchloſſen, aber in keinem Falle kann dieſer an dem zur Erbſchaft gehoͤrigen Vermoͤgen den Nießbrauch in Anſpruch nehmen, den ſonſt das Geſetz den Eltern an dem Vermoͤgen ihrer Kinder geſtattet. Drittes Capitel. Von den verſchiedenen Claſſen der Succeſſion nach ihrer Rangordnung. Erſter Abſchnitt. Allgemeince Verfuͤgungen. 731. Die Erbfolge wird den Kindern und Abkoͤmmlingen des Verſtorbenen, ſeinen Ascendenten und ſeinen Seitenver⸗ wandten in der Ordnung und nach den Regeln deferirt, die hier unten beſtimmt ſind. 732. Das Geſetz ſieht weder auf die Natur der Guͤter, noch auf die Perſon, von der ſie herkommen, zuruͤck, um die Erbfolge in denſelben zu beſtimmen. 3 733. Jede Erbſchaft, welche den Ascendenten oder Sei⸗ tenverwandten zugefallen iſt, wird in zwey gleiche Theile getheilt; die eine Haͤlfte erhalten die Verwandten der vaͤterli— chen, die andere die Verwandten der muͤtterlichen Linie. Die Verwandten von einer Seite allein, es ſey von der muͤtterlichen oder von der vaͤterlichen Seite, werden durch die Verwandten von beyden Seiten nicht ausgeſchloſſen; ſie gehen gleichwohl nur in ihrer Linie zur Theilung; jedoch ohne Nachtheil der im 752. Art. vorkommenden Beſtimmung. Ver⸗ wandte von beyden Seiten gehen in beyden Linien zu Theil. Der Ruͤckfall von einer Linie auf die andere hat nur in ſo fern Statt, als ſich in einer von beyden Linien weder As⸗ cendenten noch Seiten⸗Verwandte befinden. III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 155 734. Iſt dieſe erſte Vertheilung unter der vaͤterlichen und muͤtterlichen Linie einmahl geſchehen, ſo hat keine weitere Abtheilung in die verſchiedenen Staͤmme Statt, ſondern die einer jeden Linie anerfallene Haͤlfte gebuͤhrt dem oder den Erben, welche die naͤchſten im Grade ſind, den Fall der Re⸗ praͤſentation ausgenommen, wie hierunter beſtimmt werden ſoll. 735. Die Naͤhe der Verwandtſchaft wird durch die Zahl der Generationen beſtimmt; jede Generation heißt ein Grad. 736. Eine Reihe mehrerer aufeinander folgenden Grade bildet die Linie. Eine gerade Linie nennt man die Folge der Grade unter Perſonen, deren eine von der andern ab⸗ ſtammt; Seiten⸗Linie heißt dagegen die Folge der Grade unter Perſonen, deren eine zwar von der andern nicht ab⸗ ſtammt, die gleichwohl von einem gemeinſamen Vorfahr ab⸗ ſtammen. Man uncerſcheidet in der geraden Linie die abſteigende und die aufſteigende gerade Linie. Erſtere iſt diejenige, welche den Stammvater mit ſeinen Abkoͤmmlingen verbindet; die zweyte iſt diejenige, welche den Abkömmling mit denjenigen verbindet, wovon er abſtammt. 737. In der geraden Linie zuͤhlt man ſo viele Grade, als es Generationen zwiſchen den Perſonen gibt; der Sohn iſt alſo in Hinſicht des Vaters im erſten, der Enkel im zweyten Grade, und ſo umgekehrt vom Vater und Großvater in Be⸗ ziehung auf Soͤhne und Enkel. 738. In der Seiten⸗Linie zaͤhlt man die Grade nach den Generationen von einem der Verwandten bis zum gemeinſa⸗ men Stammrvater ausſchließlich, und wiederum von dieſem bis zum andern Verwandten. Alſo ſind zwey Bruͤder im zweyten Grade, der Oheim und der Neffe ſind im dritten; Geſchwiſter⸗Kinder im vierten Grade und ſo weiter, 156 III. Buch⸗ I. Tit. Von der Succeſſion. Zweyter Abſchnitt. Von dem Repraͤſentations⸗Rechte. 739. Die Repraͤſentation iſt eine Erdichtung des Geſetzes, welche die Wirkung hat, daß man die Repraͤſentanten in die Stelle, den Grad und die Rechte des Repraͤſentirten ein⸗ treten laͤßt. 740. In gerader abſteigender Linie hat die Repraͤſentation in's unendliche Statt. Sie tritt in allen Faͤllen ein, gleichviel ob die Kinder des Verſtorbenen mit den Abkommlingen eines fruͤher verſtorbenen Kindes zuſammentreſſen, oder die Kinder des Erblaſſers insge⸗ ſammt vor ihm geſtorben ſind, und alſo die Abkoͤmmlinge dieſer Kinder ſich gegeneinander in gleichen oder ungleichen Graden befinden. 741. Zum Vortheile der Ascendenten hat kein Repraͤſen⸗ tations⸗Recht Statt; in jeder von beyden Linien ſchließt im⸗ mer der Naͤhere den entferntern aus. 742. In der Seiten⸗Linie wird das Repraͤſentations⸗Recht zum Vortheile der Kinder und Abkoͤmmlinge der Geſchwiſter des Verſtorbenen angenommen, ſey es, daß ſie zugleich mit Oheimen oder Muhmen zur Erbfolge gelangen, oder wo alle Bruͤder und Schweſtern des Erblaſſers ſchon fruͤher geſtorben ſind, die Erbſchaft ihren Abkoͤmmlingen in gleichen oder un⸗ gleichen Graden anfaͤllt. 743. So oft nur das Repraͤſentations⸗Recht eintritt, ge⸗ ſchieht die Theilung nach den Staͤmmen. Sind von einem Stamme mehrere Nebenlinien entſproſſen, ſo geſchieht unter allen Nebenlinien die Theilung gleichfalls nach den Staͤm⸗ men; die Glieder einer und derſelben Nebenlinie theilen da⸗ gegen unter ſich nach der Anzahl der Koͤpfe. 744. Noch lebende Perſonen kann man nicht repraͤſenti⸗ ren, ſondern nur diejenigen, die entweder natuͤrlich oder buͤr gerlich todt ſind. III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 157 Denjenigen kann man repraͤſentiren, auf deſſen Erbſchaft man Verzicht gethan hat. Dritter Abſchnigtt. Von der Succeſſion der Abkömmlinge (Descendenten). 745. Die Kinder oder ihre Abkoͤmmlinge ſuccediren ihren Eltern, Großaltern oder uͤbrigen Ascendenten, ohne Unter⸗ ſchied des Geſchlechtes oder der Erſtgeburt, ſelbſt dann, wenn ſie aus verſchiedenen Ehen herſtammen. Sie ſuccediren zu gleichen Theilen und nach Anzahl der Kopfe, wenn ſie ſich alle im erſten Grade befinden, und kraft ihres eigenen, von niemand entlehnten, Rechts erben; ſie ſuccediren nach den Staͤmmen, wenn ſie in'sgeſammt oder zum Theil kraft des Repraͤſentations⸗Rechtes zur Erb⸗ ſchaft gelangen. Vierter Abſchnitt. Von der Succeſſion der Aͤscendenten. 746. Wenn der Verſtorbene keine Nachkommen, keine Ge⸗ ſchwiſter, noch Abkoͤmmlinge von ihnen zuruͤckgelaſſen hat, ſo wird die Erbſchaft in zwey gleiche Theile unter die Ascen⸗ denten der vaterlichen, und die Ascendenten der muͤtterlichen Linie getheilt. Der Ascendent, der im naͤchſten Grade iſt, erhaͤlt die ſeiner Linie zugewieſene Haͤlfte mit Ausſchließung aller an⸗ dern. Mehrere Ascendenten, die ſich in gleichem Grade befin⸗ den, erben nach Anzahl der Koͤpfe. 747. Die Ascendenten haben ein ausſchließliches Erbrecht an den Sachen, die ſie ihren ohne Abkoͤmmlinge geſtorbenen Kindern oder Enkeln geſchenkt hatten, wenn die geſchenkten Gegenſtaͤnde noch in Natur in der Erbſchaft ſich vorfinden, 158 III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. Sind die Sachen veraͤußert, ſo erhalten die Ascendenten den etwa noch ruͤckſtaͤndigen Kaufpreis. Sie erben auf gleiche Weiſe die Anſpruͤche, welche dem Geſchenknehmer auf Wiedererſtattung der Sachen zuſtehen moͤgen(l'action en reprise). 748. Ueberlebten der Vater und die Mutter ihr ohne Nachkommenſchaft verſtorbenes Kind, dieſes hinterließ aber noch Geſchwiſter oder Abkoͤmmlinge von ihnen, ſo wird die Erbſchaft in zwey gleiche Theile getheilt, und nur eine Haͤlfte davon faͤllt auf den Vater und die Mutter, welche ſie unter ſich gleich theilen. Die andere Haͤlfte gebuͤhrt den Geſchwiſtern oder ihren Abkoͤmmlingen, wie in dem fuͤnften Abſchnitte dieſes Capi⸗ tels erklaͤrt werden wird. 749. Wenn in dem Falle, da der Erblaſſer zwar keine Nachkommen, doch aber Geſchwiſter oder Abkoͤmmlinge von ihnen zuruͤcklaͤßt, deſſen Vater oder Mutter ſchon todt iſt, ſo waͤchſt das Erbtheil, das dem Verſtorbenen aus ihnen zu Folge des vorherigen Artikels zugefallen waͤre, der Haͤlfte an, welche den Geſchwiſtern oder ihren Repraͤſentanten deferirt iſt, wie im fuͤnften Abſchnitte dieſes Capitels erklaͤrt werden ſoll. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Succeſſion der Seiten⸗Verwandten. 750. Wenn der Vater und die Mutter eines Erblaſſers verſtorben ſind, der keine Nachkommen zuruͤcklaͤßt, ſo ſind ſeine Geſchwiſter oder ihre Abkoͤmmlinge mit Ausſchließung der Ascendenten und der uͤbrigen Seiten⸗Verwandten zur Erb⸗ folge berufen. Sie erben entweder aus eigenem Rechte oder vermoͤge der Repraͤſentation, wie in dem zweyten Abſchnitte dieſes Capi⸗ zels feſtgeſtellt worden. 751. Wenn Vater und Mutter des ohne Nachkommen verſtorbenen Erblaſſers ihn uͤberlebt haben, ſo ſind ſeine Ge⸗ III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 159 ſchwiſter oder ihre Repraͤſentanten nur zu einer Haͤlſte des Nachlaſſes berufen. Ueberlebt den Erblaſſer nur der Vater oder die Mutter, ſo erhalten ſie drey Viertel. 752. Die Theilung der Haͤlſte oder der drey Viertel, welche den Beſtimmungen des vorhergehenden Artikels zu Folge den Geſchwiſtern zufallen, geſchieht unter ihnen, wenn ſie alle aus einer Ehe entſproſſen ſind, in gleiche Theile; ſind ſie aus verſchiedenen Ehen, ſo erhaͤlt eine jede von bey— den Linien des Verſtorbenen, die vaͤterliche und die muͤtter⸗ liche, eine Haͤlfte; die vollbuͤrtigen Geſchwiſter gehen in bey⸗ den Linien zu Theil, die halbbuͤrtigen Geſchwiſter von der Mutter allein, und von dem Vater allein kommen dagegen nur in einer Linie, jeder in der ſeinigen zur Theilung; ſind nur Geſchwiſter von einer Seite vorhanden, ſo gelangen ſie zur ganzen Erbſchaft mit Ausſchließung aller uͤbrigen Ver⸗ wandten der andern Linie. 753. Wenn keine Geſchwiſter oder Abkommlinge von ih⸗ nen, und in einer oder der andern Linie keine Ascendenten im Leben ſind, ſo faͤllt die Erbſchaft zur Haͤlfte auf die uͤber⸗ lebenden Ascendenten, und zur andern Haͤlfte auf die nach⸗ ſten Verwandten der andern Linie. Treffen mehrere Seiten-Verwandten, die in gleichem Grade ſind, zuſammen, ſo theilen dieſe nach der Anzahl der Koͤpfe. 754. In dem Falle des vorhergehenden Artikels hat der Ueberlebende von beyden Eltern den Nießbrauch an einem Drittel der Guͤter, die er dem Eigenthum nach nicht erbt. 755. Ueber den zwoͤlften Grad entfernte Verwandten erben nicht. Wenn es in einer von beyden Linien an Verwandten in einem erbfaͤhigen Grade gebricht, ſo erben die Verwandten der andern Linie das Ganze. 160 III. Buch. I. Tit. Von der Suceeſſion. Viertes Capitel. Von der. Irregular⸗Succeſſion. Erſter Abſchnitt. Von den Rechten natuͤrlicher Kinder auf das Ver⸗ moͤgen ihrer Eltern, und von der Erbfolge in dem Nachlaſſe natuͤrlicher Kinder, die ohne Ab⸗ koͤmmlinge verſtorben ſind. 756. Die natuͤrlichen Kinder erben nicht; das Geſetz gibt ihnen nur dann ein Recht auf den Nachlaß ihrer verſtorbe⸗ nen Eltern, wenn ſie geſetzlich anerkannt ſind. Auf gleiche Weiſe gibt es ihnen kein Recht auf den Nachlaß der Ver⸗ wandten ihres Vaters oder ihrer Mutter. 757. Das Recht eines natuͤrlichen Kindes auf den Nach⸗ laß ſeines verſtorbenen Vaters oder der verſtorbenen Mutter iſt auf folgende Weiſe feſtgeſetzt. Wenn der Vater oder die Mutter eheliche Abkoͤmmlinge zuruͤckgelaſſen hat, ſo beſteht dieſes Recht in einem Drittel der Erbportion, welche das natuͤrliche Kind erhalten haͤtte, wenn es ehelich geweſen waͤre; es beſteht in einer Haͤlfte, wenn der Vater oder die Mutter zwar keine Abkoͤmmlinge, wohl aber Ascendenten oder Geſchwiſter hinterlaͤßt; es be— ſteht in drey Viertel, wenn der Vater oder die Mutter we⸗ der Abkoͤmmlinge noch Ascendenten, noch Bruͤder oder Schweſtern zuruͤcklaͤßt. 758. Das natuͤrliche Kind hat ein Recht auf den ganzen Nachlaß, wenn ſein Pater oder ſeine Mutter keine Verwandten in einem zur Erbfolge berechtigten Grade zuruͤcklaͤßt. 759. Iſt das natuͤrliche Kind vor ſeinen Eltern geſtor— ben, ſo koͤnnen ſeine Kinder oder Abkoͤmmlinge die in den vorhergehenden Artikeln beſtimmten Rechte in Anſpruch nehmen⸗ 760. Das nettuͤrliche Kind oder ſeine Abkoͤmmlinge muͤſ⸗ ſen auf das, was ſie zu fordern berechtigt ſind, alles auſ⸗ rechnen laſſen, was ſie von dem Vater oder der Mutter, III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 161 deren Succeſſion erͤffnet iſt, empfangen haben, in ſo ſern es nach den Regeln, welche im 2. Abſchnitte des 6. Capi⸗ tels dieſes Titels aufgeſtellt ſind, der Collation unterwor⸗ fen iſt. 261. Jeder weitere Anſpruch iſt ihnen unterſagt, wenn ſie bey Lebzeiten ihres Vaters oder ihrer Mutter die Haͤlfte desjenigen, was in den vorhergehenden Artikeln ihnen zuer⸗ kannt iſt, unter der ausdruͤcklichen Erklaͤrung ihres Vaters oder ihrer Mutter erhalten haben, daß es ihre Abſicht ſey, das natuͤrliche Kind auf den Theil einzuſchraͤnken, den ſie ihm angewieſen haben. Sollte dieſer Theil der Haͤlfte desjenigen, was dem na⸗ tuͤrlichen Kinde anfallen muͤßte, nicht gleich kommen, ſo kann es nur ſo viel in Anſpruch nehmen, als noͤthig iſt, um dieſe Haͤlfte zu ergaͤnzen.. 762. Die Verfuͤgungen des 757. und 758. Artikels ſind auf Kinder, welche aus einem Ehebruch, oder einer Blut⸗ ſchande gezeugt ſind, nicht anwendbar. Das Geſetz gibt ihnen nur ein Recht auf die Alimente, 763. Dieſe Alimente werden nach dem Vermoͤgen des Vaters oder der Mutter, nach der Anzahl und der Eigen⸗ ſchaft der geſetzlichen Erben beſtimmt. 764. Hat der Vater oder die Mutter das aus einem Ehe⸗ bruch oder einer Blutſchande gezeugte Kind ein Hand werk erlernen laſſen, oder hat einer von ihnen bey Lebzeiten ihm den Unterhalt zugeſichert, ſo kann das Kind an ihrem Nach⸗ laſſe gar keinen Anſpruch mehr machen. 755. Die Erbſchaft eines natuͤrlichen ohne Abkoͤmmlinge verſtorbenen Kindes faͤllt auf denjenigen von ſeinen Eltern, der es anerkannt hat, oder wenn es von beyden anerkannt worden, auf alle beyde zur Haͤlfte. 766. Sind die Eltern des natuͤrlichen Kindes vor ihm geſtorben, ſo gehen die Guͤter, die es von ihnen erhalten hat, wenn ſie noch in Natur ſich in der Erbſchaft por⸗ hI t62 III. Buch. I Tit. Von der Succeſſion. finden, auf die ehelichen Geſchwiſter uͤber; auf dieſe ehe⸗ lichen Geſchwiſter fallen gleichfalls zuruͤck die Klagen auf Zuruͤckgabe des eingebrachten Vermoͤgens(actions en reprise) in ſo weit ſie Statt haben, oder der etwa noch ruͤckſtaͤndige Preis dieſer Guͤter, in ſo fern ſie veraͤußert worden. Alles uͤbrige Vermoͤgen faͤllt auf die natuͤrlichen Bruͤder und Schweſtern oder ihre Abkoͤmmlinge. Zweyter Abſchnitt. Von den Rechten des uͤberlebenden Ehegarten und der Republik. 767. Wenn der Verſtorbene keinen Verwandten in einem ſucceſſionsfaͤhigen Grade und keine natuͤrliche Kinder zuruͤck⸗ laͤßt, ſo gehoͤrt ſeine Hinterlaſſenſchaft dem uͤberlebenden, von ihm nicht geſchiedenen, Ehegatten. 768. Wenn kein Ehegatte des Verſtorbenen im Leben iſt, ſo gehoͤrt die Erbſchaft der Republik. 769. So wohl der uͤberlebende Ehegatte als die Domai⸗ nen⸗Verwaltung, welche den Nachlaß in Anſpruch nehmen, ſind verbunden, die Siegel anlegen, und ein Inventarium in der Form errichten zu laſſen, welche zur Antretung einer Erbſchaft unter der Rechtswohlthat des Inventariums vor⸗ geſchrieben iſt. 770. Sie muͤſſen bey dem Gerichte der erſten Inſtanz,“ in deſſen Gerichtsſprengel die Succeſſion eroͤffnet wurde, die Einweiſung in den Beſitz nachſuchen; das Gericht kann uͤber dieſes Geſuch nicht eher erkennen, als nachdem drey Aufge⸗ bothe und oͤffentliche Anſchlaͤge in der gewoͤhnlichen Form vorhergegangen ſind, und der Regierungs⸗Commiſſar(kaiſer⸗ licher Procureur) vernommen worden. 771. Ueberdieß iſt der uͤberlebende Ehegatte noch ver⸗ bunden, das Mobilar⸗Vermoͤgen rentbar anzulegen, oder fuͤr den Fall, da binnen drey Jahren ſich andere Erben des Verſtorbenen anmelden wuͤrden, hinlaͤngliche Sicherheit fuͤr deſſen Erſatz zu ſtellen. Nach Umlauf von drey Jahren iſt die geſtellte Caution entlaſtet. III. Buch. I. Tit. Von der Suceeſſion. 165 772. Der uͤberlebende Ehegatte, oder die Domainen⸗ Verwaltung, wenn ſie die Formalitaͤten nicht beobachtet haben, die ihnen beyderſeits vorgeſchrieben ſind, koͤnnen verurtheilt werden, den Erben, wenn deren ſich anmelden, allen Schaden und entbehrten Gewinn zu erſetzen. 773. Die Verfuͤgungen des 769, 770, 771, und 772 Artikels treffen ebenfalls die natuͤrlichen Kinder, in ſo fern ſie, wenn es an Verwandten fehlt, zur Succeſſion berufen ſind. Fünftes Capitel. Von der Annahme und der Ausſchlagung der Erbſchaften. Erſter Abſchnitt. Von der Annahme. 774. Eine Erbſchaft kann unbedingt und ſchlechthin, oder unter dem Vorbehalt der Rechtswohlthat des Inventariums angenommen werden⸗ 775. Niemand iſt verbunden, eine ihm angefallene Erb⸗ ſchaft anzunehmen. 776. Verheirathete Frauensperſonen koͤnnen ohne Auto⸗ riſation ihres Mannes oder des Gerichtes keine Erbſchaft guͤltig annehmen, zufolge der Verfuͤgungen des 6. Capitels unter dem Titel von der Ehe. Erbſchaften, welche Minderjaͤhrigen und Interdicirten angefallen ſind, koͤnnen nur unter Beobachtung der in dem Titel uͤber die Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft Wund Emancipation enthaltenen Verfuͤgungen guͤltig angenommen werden. 777. Die Annahme zußert ihre Wirkungen ruͤckwaͤrts bis zum Tage der eroͤffneten Succeſſion. 778. Die Annahme kann ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend geſchehen; ſie iſt ausdruͤcklich, wenn man in einem authen⸗ tiſchen oder Privat⸗Acte den Titel oder die Eigenſchaft eines Erben annimmt; ſie iſt ſtillſchweigend, wenn der Erbe ei⸗ 164 III. Buch. I. Tit. Von der Suceeſſion. nen Act unternimmt, der ſeine Abſicht, die Erbſchaft an⸗ zunehmen, nothwendig vorausſetzt, und welchen er nur in der Eigenſchaft eines Erben zu unternehmen das Recht haben konnte⸗ 779. Aete, die bloß auf Erhaltung zielen, die nur eine Aufſicht oder proviſoriſche Verwaltung zum Zwecke haben, keine Acte einer wirklichen Antretung der Erbſchaft, wenn man uͤbrigens dabey den Titel oder die Eigenſchaft eines Erben nicht angenommen hat. 780. Schenkung, Verkauf oder Uebertrag, wodurch einer der Miterben ſeine Erbrechte einem Fremden, oder auch al⸗ len oder einigen ſeiner Miterben uͤberlaͤßt, fuͤhrt von ſeiner Seite die Annahme der Erbſchaft mit ſich. Eben ſo verhaͤlt es ſich 1) mit der, wenn ſchon un⸗ entgeltlichen, Verzichtleiſtung des einen Erben zum Vor⸗ theile eines oder mehrerer ſeiner Miterben, 2) mit der Ent⸗ ſagung zum Vortheile aller ſeiner Miterben ohne Unterſchied, wenn er hiefuͤr eine Verguͤtung erhaͤlt. 781. Wenn derjenige, dem eine Erbſchaft angefallen war, ohne ſie ausgeſchlagen, oder ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend angenommen zu haben, verſtorben iſt, ſo bleibt es ſeinen Erben noöch unbenommen, ſtatt ſeiner ſie anzunehmen oder auszuſchlagen. 782. Sind dieſe Erben uͤber die Frage, ob ſie die Erb⸗ ſchaft annehmen oder ausſchlagen wollen, nicht einverſtan⸗ den, ſo muß ſie unter dem Vorbehalt eines zu errichtenden Inventariums angenommen werden. 783. Ein Volljaͤhriger kann die ausdruͤcklich oder ſtill⸗ ſchweigend von ihm geſchehene Annahme einer Erbſchaft nur in dem Falle anfechten, wenn dieſe Annahme die Folge ei⸗ nes gegen ihn ausgefuͤhrten Betrugs geweſen. Niemahls kann er unter dem Vorwande einer Verletzung dawider Ein⸗ ſpruch thun, den einzigen Fall ausgenommen, wo die Erb⸗ ſchaft durch ſpaͤtere Entdeckung eines zur Zeit der Annahme noch unbekannt geweſenen Teſtaments ſich erſchoͤpft, oder aͤber die Haͤlfte vermindert faͤnde. III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 1685 Zweyter Abſchnitt. Von der Entſagung der Erbſchaften. 784. Die Entſagung einer Erbſchaft wird nicht vermu⸗ thet: ſie kann nur auf der Gerichtsſchreiberey des Gerichtes der erſten Inſtanz in dem Arrondiſſement, worin die Suc⸗ ceſſion eroͤffnet worden, in einem eigends hieruͤber gefuͤhrten Regiſter geſchehen. 785. Der Erbe, welcher verzichtet, wird ſo angeſehen, als waͤre er nie Erbe geweſen. 786, Der Antheil des Verzichtenden waͤchſt ſeinen Mit⸗ erben an; iſt er allein, ſo faͤllt er auf den naͤchſtfolgenden Grad. 787. Nie tritt man zufolge des Repraͤſentations⸗Rechtes in die Stelle eines Erben, der Verzicht gethan hat: iſt der Verzichtende in ſeinem Grade der einzige Erbe, oder verzich⸗ ten ſeine Miterben insgeſammt, ſo gelangen die Kinder kraſt ihres eigenen Rechtes zur Erbfolge, und erben nach Anzahl der Koͤpfe. 3 788. Die Glaͤubiger desjenigen, der zum Nachtheil ihrer Rechte verzichtet, koͤnnen ſich bey Gerichte autoriſiren laſ⸗ ſen, die Erbſchaft im Nahmen ihres Schuldners und anſtatt ſeiner anzunehmen. Die Verzichtleiſtung wird in dieſem Falle nur zum Vor⸗ theile der Glaͤubiger und bloß nach Belauf ihrer Forde⸗ rungen aufgehoben; nicht zu Gunſten des Erben, der Ver⸗ zicht gethan hat. 789. Die Befugniß, eine Erbſchaft anzunehmen, oder auszuſchlagen, erliſcht durch Verjaͤhrung. Dazu wird ſo viel Zeit, als zur laͤngſten Verjaͤhrung von Immobilar⸗Rech⸗ ten, erfordert. 790. So lange das Recht, eine Erbſchaft anzunehmen, wider die Erben, welche Verzicht gethan haben, nicht ver⸗ jaͤhrt iſt, bleibt ihnen die Annahme der Succeſſion, in ſo fern ſie nicht von andern Erben ſchon angetreten iſt, noch 166 III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. freygeſtellt; derjenigen Rechte gleichwohl unbeſchadet, die ein Dritter, ſey es durch Verjaͤhrung oder durch einige mit dem Curator der erledigten Erbſchaft guͤltig vorgenommene Hand⸗ lungen an den Erbſchafts⸗Stuͤcken etwa erlangt hat. 791. Auf die Erbſchaft einer noch lebenden Perſon kann man, ſelbſt in einem Ehe⸗Contracte, nicht Verzicht thun, und eben ſo wenig die eventuellen Rechte veraͤußern, die man an dieſer Succeſſion haben mag. 792. Erben, welche Effecten aus einem Nachlaſſe bey Seite geſchafft oder verheimlichet haben, ſind des Rechtes, auf dieſe Erbſchaft Verzicht zu thun, verluſtig; ihrer Ent⸗ ſagung ungehindert bleiben ſie unbedingt und ohne Vorbe⸗ halt Erben, ohne daß ſie gleichwohl an den bey Seite ge⸗ ſchafften oder verheimlichten Gegenſtaͤnden einen Antheil for⸗ dern koͤnnen. 4 Drirteyr Abſchnitt. Von der Rechtswohlthat des Inventariums, ih⸗ ren Wirkungen und den Pflichten des Beneſi, ciar⸗Erben. 793. Die Erklaͤrung eines Erben, daß er dieſe Eigen⸗ ſchaft nur unter dem Vorbehalt eines Inventariums anneh⸗ men wolle, muß auf der Gerichtsſchreiberey des Civil⸗Gerich⸗ tes der erſten Inſtanz in dem Arrondiſſement, wo die Suc⸗ ceſſion eroͤffnet worden iſt, geſchehen: ſie ſoll in das Regi⸗ ſter, welches fuͤr die Aufnahme der Entſagungs⸗Acte be⸗ ſtimmt iſt, eingetragen werden. 794. Dieſe Erklaͤrung hat nur in ſo fern ihre Wirkung, als ein getreues und genaues Verzeichniß der Erbſchafts⸗ Stuͤcke, nach der durch die Geſetze uͤber das gerichtliche Verfahren vorgeſchriebenen Form und in den hier unten beſtimmten Friſten vorhergegangen oder darauf erfolgt iſt. 795. Der Erbe hat drey Monate um ein Inventarium zu exrichten. Sie werden von dem Tage der eroͤffneten Suc⸗ geſſion angexechnet. III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 167 Er hat uͤberdieß, um ſich uͤber die Annahme oder Aus⸗ ſchlagung der Erbſchaft zu entſchließen eine Zeitfriſt von vierzig Tagen. Sie nehmen ihren Anfang mit dem Tage, da die zur Inventur beſtimmten drey Monate verfloſſen ſind, oder mit dem Tage, da das Inventarium geſchloſſen wurde, wenn dieſes vor dem Ablaufe der drey Monate been⸗ diget worden. 796. Befinden ſich gleichwohl unter dem Nachlaſſe Sa⸗ chen, die dem Verderben unterworfen ſind, oder deren Er⸗ haltung viele Koſten erfordern wuͤrde, ſo kann der Erbe ſchon aus dem einzigen Grunde, weil er zur Succeſſion be⸗ rechtiget iſt, und ohne daß man von ſeiner Seite eine wirk— liche Annahme der Erbſchaft daraus folgern duͤrfe, ſich von dem Gerichte autoriſiren laſſen, zum Verkaufe dieſer Sachen zu ſchreiten. Dieſer Verkauf muß durch einen oͤffentlichen Beamten nach vorhergegangenen öffentlichen Anſchlaͤgen und Bekannt⸗ machungen geſchehen, wie ſie durch die Geſetze uͤber das ge— richtliche Verfahren vorgeſchrieben ſind. 797. So lange die Zeitfriſten fortwaͤhren, die zur Inven⸗ tur und um ſich uͤber die Annahme oder Ausſchlagung der Erbſchaft zu entſchließen, vorgeſchrieben ſind, kann der Erbe nicht gezwungen werden, dieſe oder jene Qualitaͤt anzuneh— men, und man kann wider ihn keine Verurtheilung erwirken. Entſagt er der Erbſchaft, nachdem die Friſten verſtrichen ſind, oder ſchon fruͤher, ſo bleiben die bis zu dieſem Zeit— puncte geſetzlich von ihm gemachten Koſten der Erbſchaft zur Laſt. 798. Nach Ablauf der oben beſtimmten Zeitfriſten kann der Erbe, wenn eine Klage wider ihn angeſtellt wird, um eine neue Friſt anſuchen, welche das Gericht, vor dem der Rechtsſtreit verhandelt wird, den Umſtaͤnden nach entweder geſtattet oder verſagt. 799. Im Falle des vorhergehenden Artikels werden die Koſten des Verfahrens aus der Erbſchaft beſtritten, wenn 16 G III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. der Erbe entweder beweiſt, daß er von dem Abſterben keine Wiſſenſchaft hatte, oder daß die Friſten, ſey es wegen der Lage der Guͤter, oder wegen vorgefallener Streitigkeiten zu kurz geweſen. Liefert er dieſen Beweis nicht, ſo bleiben die Koſten ihm perſoͤnlich zur Laſt. 800. Der Erbe behaͤlt gleichwohl nach Ablauf der im 795. Art. beſtimmten Friſten, und ſelbſt nach Umlauf der⸗ jenigen, die er in Gemaͤßheit des 798. Art. von dem Rich⸗ ter erhalten hat, noch immer das Recht, ein Inventarium zu errichten, und als Beneſiciar-⸗Erben ſich darzuſtellen, wenn er keine nur einem Erben zuſtehende Handlung unternom⸗ men hat, oder kein rechtskraͤftiges Urtheil wider ihn vorhan⸗ den iſt, das ihn in der Eigenſchaft eines unbedingten Erben verurtheilt. 801. Der Erbe, der ſich einer Verheimlichung ſchuldig gemacht oder wiſſentlich und in boͤſer Abſicht einige Erb⸗ ſchafts⸗Stuͤcke in das Inventarium aufzunehmen unterlaſſen hat, iſt der Vortheile des Inventariums verluſtig. 802. Die Wohlthat des Inventariums verſchafft dem Erben den Vortheil:. 1) Daß er die Erbſchafts⸗Schulden nur nach Ertrag des Werthes der erhaltenen Erbſchafts⸗Stuͤcke zu zahlen ver⸗ bunden iſt, und auch dieſer Zahlung ſich dadurch ent— laſten kann, daß er den Glaͤubigern und Legatarien al— le Erbſchafts-Stuͤcke uͤberlaͤßt. 2) Daß ſein eigenes Vermoͤgen, das ihm perſoͤnlich zugehoͤrt, mit den Erbſchafts⸗Stuͤcken nicht vermiſcht wird, und daß er wider die Erbſchaft das Recht behaͤlt, die Zah— lung ſeiner Forderungen nachzuſuchen. 803. Der Beneficiar⸗Erbe hat die Verbindlichkeit auf ſich, das zur Erbſchaft gehoͤrige Vermoͤgen zu verwalten, und den Glaͤubigern und Legatarien vrn ſeiner Verwaltung Rechenſchaft zu geben. 4 III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 169 In ſeinem eigenen Vermoͤgen kann er nur angegriffen werden, nachdem er in Hinſicht auf die Uebergabe ſeiner Rechnung in Verzug verſetzt worden, und aus dem Grunde weil er dieſer Verbindlichkeit kein Gen uͤge geleiſtet hat. Nach dem Abſchluſſe der Rechnung kann er in dem Ver— moͤgen, das ihm perſoͤnlich zugehoͤrt, anders nicht angegrif— fen werden, als nach Belauf der Summe, die er der Erb⸗ ſchaft ſchuldig bleibt. 804. Bey der ihm aufgetragenen Verwaltung iſt er nur fuͤr grobe Fehler verantwortlich. 305. Zur Erbſchaft gehoͤrige Mobilien kann er nur durch einen oͤffentlichen Beamten, nachdem die gewoͤhnlichen oͤffent⸗ lichen Anſchlaͤge und Bekanntmachungen vorangegangen ſind, in einem Ausrufe verkaufen. Liefert er ſie in Natur zuruͤck, ſo hat er fuͤr ihre Ver— ſchlimmerung und fuͤr das, was ſie an ihrem wahren Wer— the verloren haben, nur in ſo fern zu haften, als dieß von ſeiner Nachlaͤßigkeit herruͤhrt. 806. Die Immobilien kann er nur unter Beobachtung der durch die Geſetze uͤber das gerichtliche Verfahren vorge— ſchriebenen Formen verkaufen, den dafuͤr erhaltenen Preis iſt er verbunden den bekannt gewordenen hypothecariſchen Glaͤubigern anzuweiſen. 807. Er iſt verbunden, den Gläubigern und andern Be⸗ theiligten, wenn ſie es fordern, fuͤr den Werth des in dem Inventarium begriffenen Mobilar⸗Vermoͤgens, und fuͤr den Theil des Preiſes der Immobilien, welcher den hypotheca⸗ riſchen Glaͤubigern nicht ausgeliefert worden iſt, gute und hinlaͤngliche Sicherheit zu ſtellen. Stellt er dieſe Sicherheit nicht, ſo werden die Mobilien verkauft, und ihr Kauſpreis ſowahl, als was aus dem Preiſe der Immobilien nicht angewieſen iſt, wird hinterlegt, um zur Tilgung der Erbſchafts⸗Laſten verwendet zu werden. 170 III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 80⁰8. Gibt es Glaͤubiger, welche Oppoſition eingelegt haben, ſo kann der Beneficiar-Erbe nur nach der Ordnung und auf die Weiſe zahlen, wie es von dem Richter beſtimmt wird. Gibt es unter den Glaͤubigern keine Opponenten, ſo zahlt er die Glaͤnbiger und Legatarien nach der Ordnung, wie ſie ſich anmelden. 809. Glaͤubiger, die nicht unter die Zahl der Opponen⸗ ten gehoͤren, und erſt nach dem Abſchluſſe der Rechnung und der Auszahlung des Ueberſchuſſes ſich anmelden, haben kei⸗ nen Regreß, als wider die Legatarien. In einem wie im andern Falle iſt der Regreß nach Um⸗ lauf von drey Jahren, welche von dem Tage, da die Rech⸗ nung geſchloſſen und der Ueberſchuß gezahlt worden iſt, an⸗ zurechnen ſind, verjaͤhrt. 810. Die Koſten der etwa angelegten Verſieglung, des Inventariums und der Rechnungs-Ablage bleiben der Erb⸗ ſchaft zur Laſt. Vierter Abſchnitt⸗ Von vacanten Erbſchaften(zu welchen kein Erbee ſich anmeldet). 811. Wenn nach Umlauf der Friſten, die zur Errichtung eines Inventariums und als Bedenkzeit geſtattet ſind, nie⸗ mand erſcheint, der die Erbſchaft in Anſpruch nimmt, kein bekannter Erbe vorhanden iſt, oder die bekannten Erben auf die Succeſſion Verzicht gethan haben, ſo wird die Erbſchaft als vacant angeſehen. §812. Das Gericht der erſten Inſtanz, in deſſen Arron⸗ diſſement ſie eroͤffnet wurde, ernennt auf das Geſuch der Be⸗ theiligten, oder auf den Antrag des Regierungs⸗Commiſſars (kaiſerlichen Procureur) einen Curator. 813. Der Curator einer vacanten Erbſchaft muß vor allem ihren Zuſtand durch ein Inventarium ausmitteln laſſen. Er uͤbt ihre Rechte aus, und macht ſie geltend; die III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſton. 171 wider ſie gerichteten Klagen beantwortet er; er verwaltet, um die Rechte eines jeden, den es angehen mag, zu erhal⸗ ten, unter der Bedingung, das in der Erbſchaft befindliche baare Geld, ſo wie den Preis, der aus dem Verkaufe der Mobilien und Immobilien geloͤſt wurde, zur Caſſe des Empfaͤngers der National⸗Regie gelaygen zu laſſen, und unter der weitern Verbindlichkeit Rechnung abzulegen. 814. Uebrigens ſind die Verfuͤgungen des dritten Ab⸗ ſchnittes des gegenwaͤrtigen Capitels in Hinſicht auf die For— men des Inventariums, die Art der Verwaltung, und die von Seiten des Beneficiar⸗Erben abzulegenden Rechnungen den Curatoren einer vacanten Erbſchaft gemein. Sechstes Capitel. Von der Theilung und Collation. Erſter Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form. 815. Niemand kann gezwungen werden, in der Gemein⸗ ſchaft zu bleiben, und auf Theilung darf man jederzeit an⸗ tragen, aller Verbothe und dawider eingegangener Vertraͤge ungehindert. Man kann gleichwohl dahin uͤbereinkommen, daß die Theilung auf eine beſtimmte Zeit ausgeſetzt bleiben ſoll; dieſe Uebereinkunft kann nicht uͤber fuͤnf Jahre verhbindlich ſeyn, ſie kann aber erneuert werden. 816. Theilung kann nachgeſucht werden, ſelbſt dann, wenn einer der Miterben fuͤr ſich abgeſondert im Gennſſe eines Theils der Erbſchafts-Stuͤcke geweſen waͤre, ſo fern nur kein Theilungs⸗Act, ader ein zur Verjaͤhrung hinreichen— der Beſitzſtand vorhanden iſt. 817. Die Klage auf Theilung kann in Beziehung auf minderjaͤhrige oder interdicirte Miterben von ihren Vormuͤn⸗ dern, wenn ſie von einem Familien⸗Rathe hiezu beſonders antoriſirt ſind, angeſtellt werden. III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. In Hinſicht auf abweſende Miterben ſteht die Klage den Verwandten zu, welche in den Beſitz eingewieſen worden. 818. Der Ehegatte kann ohne Mitwirken ſeiner Frau auf Theilung der ihr angefallenen Mobilien und Immobilien, wenn ſie in die Guͤter⸗Gemeinſchaft gehoͤren, antragen. Die Abtheilung jener Sachen, die nicht in die Gemeinſchaft fallen, kann der Ehegatte ohne Beyſtimmung ſeiner Frau nicht for⸗ dern; nur kann er, wenn er das Recht hat, dieſe Guͤter zu benutzen, eine proviſoriſche Theilung verlangen. Die Miterben der Frau koͤnnen auf eine definitive Abthei⸗ lung anderſt nicht antragen, als wenn ſie den Mann und die Frau zugleich zur Sache abladen laſſen. 819. Sind alle Erben gegenwaͤrtig und großjaͤhrig, ſo iſt die Verſieglung der zur Erbſchaft gehoͤrigen Effecten nicht noͤthig, und die Theilung kann in jeder den Betheiligten be— liebigen Form, und in jedem Acte, den ſie fuͤr gut finden, vorgenommen werden. Sind nicht alle Erben anweſend, oder gibt es unter ih— nen Minderjaͤhrige oder Interdicirte, ſo muß die Verſieglung in der kuͤrzeſten Zeitfriſt, ſey es auf Anſuchen der Erben oder auf Betreiben des Regierungs-Commiſſars(kaiſerlichen Procureur) bey dem Gerichte der erſten Inſtanz, oder auch von dem Friedens-Richter des Arrondiſſements, wo die Erb⸗ ſchaft eroͤffnet wurde, Amtshalber geſchehen. 820. Kraft eines executoriſchen Titels, oder einer vom Richter ertheilten Erlaubniß koͤnnen die Glaͤubiger ebenfalls auf Verſieglung antragen. 821. Iſt die Verſieglung einmahl geſchehen, ſo koͤnnen alle Glaͤubiger dabey Oppoſition einlegen, wenn ſie ſchon weder einen erecutoriſchen Titel, noch die Erlaubniß des Richters aufzuweiſen haben. Die Formalitaͤten, welche bey der Entſieglung und der Errichtung des Inventariums zu beobachten ſind, werden durch die Geſetze uͤber das gerichtliche Verfahren beſtimmt. III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 173 822. Die Klage auf Theilung und die Streitigkeiten, welche im Fortlaufe dieſes Geſchaͤftes entſtehen, gehoͤren vor den Gerichtsſtand des Ortes, wo die Succeſſion eroͤffnet worden. Vor eben dieſem Gerichte wird zur Verſteigerung geſchrit⸗ ten, und dahin gehoͤren die Klagen auf Gewaͤhrleiſtung der Loſe unter den Miterben, ſo wie jene auf Wiederaufhebung (Rescision) der einmahl geſchehenen Theilung. 823. Wenn einer der Miterben ſich weigert, in die Theilung einzuwilligen, oder wenn ſie uͤber die Art, wie dabey zu verfahren, oder wie ſie zu beendigen ſey, in Streit gerathen, ſo entſcheidet eben dieſes Gericht, wie in ſummariſchen Sachen, oder committirt, wenn es die Um— ſtaͤnde erfordern, zur Berichtigung des Theilungs⸗Geſchaͤftes einen der Richter, auf deſſen Bericht es uͤber die Streitig— keiten erkennt. 824. Die Abſchaͤtzung der Immobilien geſchieht durch Sachverſtaͤndige, die von den Parteyen gewaͤhlt, oder wenn ſie deſſen ſich weigern, von Amtswegen ernannt werden. Der Verbal⸗Prozeß der Sachverſtaͤndigen muß die Grund⸗ lage der Abſchaͤtzung enthalten: er ſoll andeuten, ob und wie das abgeſchaͤtzte Stuͤck ſich fuͤglich theilen laſſe; er ſoll end⸗ lich noch, wo die Abtheilung geſchehen kann, jedes Loos, das ſich daraus machen laͤßt, und ſeinen Werth beſtimmen. 825. Die Abſchaͤtzung der Mobilien, wenn man nicht ſchon in einem foͤrmlichen Inventarium eine Taxe daruͤber gemacht hat, geſchieht nach ihrem wahren Werthe, und ohne weitere Erhoͤhung(sans crue.)(*) 826. Jeder Miterbe kann ſeinen Antheil an den Mobi⸗ lien und Immobilien der Hinterlaſſenſchaft in Natur verlan⸗ gen; ſind jedoch Glaͤubiger vorhanden, welche das Vermoͤ⸗ gen imit Arreſt belegt oder Oppoſition eingelegt haben, oder (†) Crue heißt in der franzoͤſiſchen Rechtsgelehrſamkeit der fuͤnfte Pfenning, der uͤber die Taxe gezahlt wird. 174 III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſiont. haͤlt der groͤſte Theil der Miterben den Verkauf fuͤr noͤthig, um die Schulden und Laſten der Erbſchaft zu berichtigen, ſo werden die Mobilien oͤffentlich und in der gewoͤhnlichen Form verſteigert. 827. Laſſen ſich die Immobilien fuͤglich nicht theilen, ſo ſoll vor dem Gerichte zur oͤffentlichen Verſteigerung ge⸗ ſchritten werden. Die Parteyen koͤnnen gleichwohl, wenn ſie alle großjaͤh⸗ rig ſind, darin einwilligen, daß die Verſteigerung vor einem Notar geſchehe, uͤber deſſen Wahl ſie ſich vereinigen. 828. Nachdem die Mobilien und Immobilien geſchaͤtzt und verkauft ſind; verweiſt der committirte Richter im noͤ⸗ thigen Falle die Parteyen vor einen Notar, der von ihnen gewaͤhlt, oder, wenn ſie uͤber die Wahl uneinig ſind, Amts⸗ halber ernannt wird. Vor dieſem Beamten ſchreitet man zur Rechnungs⸗Ablage, wozu die Miterben ſich einander verbunden ſeyn moͤgen, zur Beſtimmung der ganzen Maſſe, zur Fertigung der Loſe und Feſtſetzung desjenigen, was einem jeden der Miterben aus⸗ geliefert werden muß. 829. Jeder Miterbe gibt nach den unten aufzuſtellenden Regeln an die Maſſe zuruͤck die Geſchenke, die er erhalten hat, und die Summen, welche er ſchuldig iſt. 830. Geſchieht die Collation nicht in Natur, ſo nehmen die Miterben, welche zu dieſer Forderung berechtigt ſind, einen gleichen Theil aus der Erbſchafts⸗Maſſe vorab⸗ Das Vorabnehmen geſchieht, ſo viel moͤglich, an Gegen⸗ ſtaͤnden, die mit den in Natur nicht zuruͤckgegebenen Sachen von derſelben Beſchaffenheit und Guͤte ſind. 831. Nach dieſem Abzuge werden aus der noch uͤbrigen Maſſe ſo viel gleiche Loſe gemacht, als theilnehmende Er⸗ ben oder Staͤmme vorhanden ſind. 832. Bey Bildung und Feſtſtellung der Loſe ſoll man, ſo viel immer moͤglich iſt, die Zerſtuͤckelung der Grundſtuͤcke, III. Buch. I. Tit. Von der Succeeſſion. 175 und die Vertheilung der Benutzung einer Sache ver— meiden, und es iſt ſchicklich, daß man in jedes Los, wo moͤglich, eine gleiche Quantitaͤt von beweglichen und unbe⸗ weglichen Guͤtern, Gerechtſamen und Forderungen von der⸗ ſelben Natur und von gleichem Werthe aufnehme. 833. Die Ungleichheit der Loſe in Natur hebt man durch Herausgabe in Renten oder in Geld. 834. Die Loſe werden von einem der Miterben gemacht, wenn ſie ſich untereinander uͤber die Wahl vereinigen koͤn⸗ nen, und derjenige, den ſie gewaͤhlt haben, den Auftrag annimmt; widrigenfalls macht die Loſe ein Sachkuͤndiger, den der committirte Richter ernennt. Endlich werden die Loſe gezogen. 835. Ehe man zur Ziehung der Loſe ſchreitet, wird je⸗ der Theilnehmer mit ſeinen Einwendungen, wider die Art, wie ſie gefertiget ſind, zugelaſſen. 836. Die Regeln, welche zur Theilung der ganzen Erb⸗ ſchafts⸗Maſſen feſtgeſtellt ſind, werden bey der Unterabthei⸗ lung unter den mittheilenden Staͤmmen gleichfalls beobachtet. 837. Wenn ſich bey den Geſchaͤften, die an einen No⸗ tar verwieſen ſind, Streitigkeiten erheben, ſo fertigt der Notar einen Verbal⸗Prozeß uͤber die beſtrittenen Puncte und die gegenſeitigen Behauptungen der Parteyen, verweiſt ſie an den Commiſſar, der zur Berichtigung des Theilungs⸗Ge⸗ ſchaͤftes ernannt iſt, und im uͤbrigen wird nach der in den Geſetzen uͤber den Prozeß vorgeſchriebenen Form ver⸗ fahren. 838. Sind nicht alle Erben anweſend, oder gibt es un⸗ ter ihnen Interdicirte oder Minderjaͤhrige, gleichviel ob dieſe ſchon emancipirt ſind, ſo muß die Theilung nach den im 819. und den folgenden Artikeln bis zum vorhergehenden einſchließlich feſtgeſtellten Regeln gerichtlich vorgenommen werden. Sind mehrere Minderjaͤhrige vorhanden, die bey der Theilung ein entgegengeſetztes Intereſſe haben, ſo muß einem jeden aus ihnen ein Special und eigener Vormund gegeben werden. 176 III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 839. Muß im Falle des vorhergehenden Artikels zu einer dffentlichen Verſteigerung geſchritten werden, ſo kann ſie nur vor Gericht unter Beobachtung der Formen geſchehen, welche zur Veraͤußerung der Guͤter eines Minderjaͤhrigen vor⸗ geſchrieben ſind. Fremde werden dabey allemahl zugelaſſen. 840. Theilungen, welche den hier oben feſtgeſtellten Re⸗ geln gemaͤß, ſey es von Vormuͤndern unter der Autoriſation eines Familien⸗Rathes, oder von emancipirten Minderjaͤhrigen unter dem Beyſtande ihrer Curatoren, oder fuͤr abweſende, oder nicht gegenwaͤrtige vollzogen worden, ſind definitiv. Dagegen ſind ſie nur proviſoriſch, wenn die vorgeſchriebenen Regeln nicht beobachtet worden. 841. Ein jeder, waͤre er auch ein Verwandter des Ver⸗ ſtorbenen, der zur Erbſchaft desſelben nicht berechtiget, gleichwohl durch Uebertrag an die Stelle eines Miterben getreten iſt, kann von den Miterben insgeſammt, oder auch von einem aus ihnen von der Theilung ausgeſchloſſen wer⸗ den, wenn man ihm den Preis des Uebertrags zuruͤckzahlt. 842. Nach vollzogener Theilung muͤſſen jedem Theilneh⸗ mer die Urkunden ausgeliefert werden, die ſich auf die ihm angefallenen Gegenſtaͤnde beſonders beziehen. Urkunden, die ein getheiltes Eigenthum betreffen, blei⸗ ben demjenigen, der den groͤſten Theil davon erhaͤlt, unter der Bedingung, denjenigen ſeiner Miterben, die hieran bethei⸗ liget ſind, auf Verlangen damit an die Hand zu gehen. Urkunden, die auf die ganze Erbſchaft Bezug haben, werden demjenigen eingehaͤndiget, den alle Erben gewaͤhlt haben, um ſie aufzubewahren, unter der Bedingung, den Theilnehmern auf jedesmahliges Anſuchen damit behuͤlflich zu ſeyn. Iſt man uͤber die Wahl nicht einverſtanden, ſo verfuͤgt daruͤber der Richter. IlI. Buch. I. Tit. Von der Suceeſſioſt. 1 Zweyter Abſchnitt. Von der Collation. 843. Wer zu einer Succeſſion gelangt, auch der Bené⸗ ficiar⸗Erbe nicht ausgenommen, iſt verbunden, ſeinen Mit⸗ erben alles zuruͤckzubringen, was er von dem Verſtorbenen durch Schenkung uünter den Lebenden unmittelbar oder auf indirecte Weiſe erhalten hat. Er kann weder Geſchenke be⸗ halten, noch Vermaͤchtniſſe in Anſpruch nehmnen, die der Verſtorbene ihm zugedacht hat; es ſey dann, daß die Ge⸗ ſchenke und Vermaͤchtniſſe ihm ausdruͤcklich als ein Voraus neben ſeinem Erbtheile, oder mit Losſagung von der Colla⸗ tion hinterlaſſen worden⸗ 8444 Sogar in dem Falle, wo die Geſchenke und Ver⸗ maͤchtniſſe als ein Voraus, oder unter Befreyung von der Collation geſchehen ſind, kann der Erbe, da er zur Thei⸗ lung geht, ſie nur nach Belauf des Theils behalten, woruͤber der Verſtoͤrbene verfuͤgen konnte; der Ueberſchuß iſt der Collation unterworfen⸗ 345. Der Erbe, der auf die Erbfolge Verzicht thut, kann gleichwohl bis zum Ertrag des disponibeln Theils die Schenkung unter den Lebenden behalten, oder die ihm zugedachten Vermaͤchtniſſe in Anſpruch nehmen. 846. Der Geſchenknehnier, welcher im Augenblicke der Schenkung kein Praͤſumtiv⸗Erbe war, am Tage der eroͤffne⸗ ten Succeſſion gleichwohl zur Erbſolge berechtiget iſt, iſt gleichfalls zur Collation verbunden, ſo fern ihn der Ge⸗ ſchenkgeber davon nicht befreyt hat. 847. Was dem Sohne deszjenigen, der zur Zeit der er⸗ oͤffneten Succeſſion zur Erbfolge berechtiget iſt, geſchenkt oder vermacht worden, wird immer ſo angeſehen, als waͤre es unter der Losſagung von der Collation zugedacht. Der Vater, der zur Erbſchaft des Geſchenkgebers ge⸗ langt, iſt nicht verbunden, ſie zu conferiren, 15 128 nII. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 848. Auf gleiche Weiſe iſt der Sohn, wenn er zufolge eines ihm fuͤr ſeine Perſon zuſtehenden Rechts zur Succeſſion des Geſchenkgebers gelangt, nicht verbunden, die ſeinem Va⸗ ter gemachte Schenkung zu conferiren, ſollte er auch den Nachlaß ſeines Vaters angenommen haben; gelangt aber der Sohn nur zufolge des Repraͤſentations⸗Rechtes zur Erbſchaft, ſo muß er alles, was ſeinem Vater geſchenkt worden, ſelbſt dann einbringen, wenn er deſſen Erbſchaft ausgeſchlagen hat. 849. Was einem von beyden Ehegatten geſchenkt oder vermacht worden, waͤhrend der andere zur Erbfolge berechti⸗ get iſt, wird ſo angeſehen, als waͤre es unter Befreyung von der Collation ihm zugedacht. . Iſt beyden Ehegatten zuſammen etwas geſchenkt oder ver⸗ macht worden, aber nur einer zur Erbfolge berechtiget, ſo hat dieſer die Haͤlfte einzubringen. Sind die Geſchenke dem erbfaͤhigen Ehegatten gemacht worden, ſo bringt er ſie ganz ein 850. Das Einbringen geſchieht nur bey der Erbſchaft des Geſchenkgebers. 851. Was zum Etabliſſement eines der Miterben, oder zur Zahlung ſeiner Schulden verwendet worden, muß confe⸗ rirt werden. 852. Koſten der Ernaͤhrung, des Unterhalts, der Erzie⸗ hung, der Lehrzeit, die gewoͤhnlichen Koſten der Ausſtaffi⸗ rung, Hochzeit und der uͤblichen Geſchenke werden nicht con⸗ ferirt. 853. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit dem Gewinn, welchen der Erbe aus Vertraͤgen, die er mit dem Verſtorbenen ge⸗ ſchloſſen hatte, etwa gezogen haben mag, ſo fern dieſe Ver⸗ traͤge zur Zeit, als ſie zu Stande gekommen, auf keine in⸗ directe Beguͤnſtigung abzielten. 854. Gleichfalls hat keine Collation wegen der Societaͤts⸗ Contracte Statt, die unter dem Verſtorbenen, und einem III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 179 ſeiner Erben ohne Argliſt geſchloſſen worden, vorausgeſetzt, daß die Bedingungen der Societaͤt in einem authentiſcheu Acte feſtgeſtellt worden. 855. Eine unbewegliche Sache, welche durch bloßen Zu⸗ fall, und ohne Schuld des Geſchenknehmers zu Grunde ge⸗ gangen, iſt der Collation nicht mehr unterworſen. 856. Nur von dem Tage der eroͤffneten Succeſſion anzu⸗ rechnen, hat man Fruͤchte und Zinſen der Gegenſtaͤnde, die der Collation unterworfen ſind, zu verguͤten⸗ 837. Zur Collation iſt nur ein Miterbe dem andern ver⸗ bunden. Sie gebuͤhrt weder den Legatarien, noch den Glaͤu⸗ bigern der Erbſchaft. 858. Die Collation geſchieht entweder in Natur, oder dadurch, daß man bey der Theilung ſo viel weniger nimmt. 859. Daß die Collation in Natur geſchehe, kann bey Immobilien ſo oft verlangt werden, als das geſchenkte Im⸗ mobilar⸗Stuͤck von dem Geſchenknehmer nicht veraͤußert wor⸗ den, und ſich in der Erbſchaft keine andere Immobilien von gleicher Natur, Guͤte und Werth befinden, woraus man ungefaͤhr gleiche Loſe fuͤr die uͤbrigen Miterben machen koͤnnte. 860. Die Collation geſchieht einzig dadurch, daß man ſo viel weniger bekoͤmmt, wenn der Geſchenknehmer das Im⸗ mobilar⸗Stuͤck vor erdffneter Erbſolge veraͤußert hat. Man nimmt hiebey den Werth zum Grunde, den das Immobilar⸗ Stuͤck zur Zeit der eroͤffneten Succeſſion hatte. 861. In allen Fallen gebuͤhrt dem Geſchenknehmer Ver⸗ guͤtung fuͤr die Koſten, wodurch er die Sache verbeſſert hat, Man nimmt dabey Ruͤckſicht auf die Erhoͤhung des Werthes, in ſo weit ſie zur Zeit der Theilung ſich vorfindet. 862. Gleichfalls gebuͤhrt dem Geſchenknehmer Verguͤtung fuͤr die nothwendigen Koſten, die er zur Erhaltung der Sache verwendet hat, wenn ſchon die Sache ſelbſt dadurch nicht verbeſſert worden, 1 80 IHI. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 863. Der Geſchenknehmer hat ſich dagegen auf ſeiner Seite die Abnahme und Verſchlimmerung zur Laſt zu ſtellen, in ſo fern es ſein Factum oder die Folge ſeiner Schuld und Nachlaͤßigkeit iſt, daß der Werth des Immobilar-Stuͤckes vergeringert worden. 864. Im Falle das Immobilar⸗Stüͤck von dem Geſchenk⸗ nehmer veraͤußert worden, ſind die von dem Erwerber ge— ſchehenen Verbeſſerungen oder Verſchlimmerungen den drey vorhergehenden Artikeln gemaͤß, in Aufrechnung zu bringen. 865. Geſchieht die Collation in Natur, ſo werden die Guͤter, frey von allen Laſten, womit ſie der Geſchenknehmer beſchwert haben mag, mit der Erbſchafts⸗Maſſe vereiniget; die hypothecariſchen Glaͤubiger koͤnnen gleichwohl bey der Theilung mitauftreten, um eine Oppoſition einzulegen, da⸗ mit nicht die Collation zum Nachtheil ihrer Rechte geſchehe. 866. Iſt einem zur Erbfolge berechtigten ein Immobilar⸗ Stuͤck geſchenkt, und ihm hiebey die Collation erlaſſen wor⸗ den, die Schenkung uͤberſchreitet gleichwohl den disponiblen Theil, ſo wird der Ueberſchuß in Natur eingebracht, ſo fern dieſer Ueberſchuß ſich fuͤglich trennen laͤßt. Im entgegengeſetzten Falle, wenn der Ueberſchuß den halben Werth des Immobilar-Stuͤckes uͤberſteigt, muß der Geſchenknehmer es ganz conferiren, wobey er gleichwohl be⸗ rechtiget bleibt, den Werth des disponiblen Theils aus der Maſſe vorabzunehmen; wenn der disponible Theil den hal— ben Werth des Immobilar-Stuͤckes uͤberſteigt, ſo kann der Geſchenknehmer es ganz behalten; er bezieht aber dafuͤr ſo viel weniger bey der Theilung, und entſchaͤdigt ſeine Miter⸗ ben entweder in baarem Gelde oder auf eine andere Weiſe. 867. Der Miterbe, der ein liegendes Gut in Natur ein— zubringen hat, kann den Beſitz davon behalten, bis ihm wirklich die Summen verguͤtet ſind, die ihm fuͤr verwendete Koſten oder Verbeſſerungen zukommen. 868. Mobilien werden anderſt nicht conferirt, als indem man ſoviel weniger aus dem Nachlaſſe bezieht. Man nimmt III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 182 hiebey den Werth zum Grunde, den die Mobilien zur Zeit der Schenkung, nach dem ihr beygefuͤgten Abſchaͤtzungs⸗Etat, oder in deſſen Ermangelung nach der Taxe von Sachverſtaͤn⸗ digen gehabt haben. Der wahre Preis wird ohne weitere Erhoͤhung eingebracht. 869. Geſchenktes Geld wird dadurch conferirt, daß man ſo viel weniger aus dem erbſchaftlichen Gelde empfaͤngt. Iſt deſſen nicht genug vorhanden, ſo kann der Geſchenk⸗ nehmer von der Collation des Geldes in Natur ſich dadurch befreyen, daß er dafuͤr bis zu deſſen Ertrag Mobilien oder in deren Ermangelung Immobilien der Erbſchaft hergibt. Dritter Abſchnitt. Von der Zahlung der Schulden. 870. Die Miterben tragen gegenſeitig, jeder nach Ver⸗ haͤltniß deſſen, was er empfaͤngt, zur Zahlung der Schul⸗ den und Laſten der Erbſchaft bey. 871. Der Legatar, der unter einem Univerſal⸗Titel beru⸗ fen iſt, traͤgt mit den Erben nach Verhaͤltniß ſeiner Vortheile dazu bey; der Particular⸗Legatar haftet dagegen fuͤr keine Schulden und Laſten, jedoch ohne Abbruch der hypothecari⸗ ſchen Klage auf das vermachte Immobilar-Stuͤck. 872. Sind erbſchaftliche Immobilien durch eine Special⸗ Hypothek mit Renten beſchwert, ſo kann jeder Miterbe ver⸗ langen, daß, bevor zur Fertigung der Loſe geſchritten wird, die Renten getilget und die Immobilien frey gemacht wer— den. Theilen die Erben den Nachlaß in dem Zuſtande, wo⸗ rin er ſich befindet, ſo wird das belaſtete Grundſtuͤck nach eben dem Fuße wis die andern Immobilien geſchaͤtzt, man zieht das Capital der Rente von dem ganzen Werthe ab, der Erbe, in deſſen Los dieſes Grundſtuͤck faͤllt, bleibt allein mit der Leiſtung der Rente beſchwert, und muß ſeinen Miterben dafuͤr Gewaͤhrſchaft leiſten. 873. Fuͤr die Schulden und Laſten der Erbſchaft haften die Erben, perſoͤnlich nach Verhaͤltniß ihres Antheils und 132 III. Buch. I. Tit. Von der Suceeſſion. fuͤr ihre Viril⸗Portion, und hypothecariſch für den ganzen Ertrag, mit Vorbehalt ihres Regreſſes gegen ihre Miterben, oder gegen die Univerſal⸗Legatarien fuͤr den Antheil, wofuͤr ſie zur Zahlung mitbeytragen muͤſſen. 874. Der Particular⸗Legatar, welche die Schuld getilgt hat, womit ein ihm vermachtes Immobilar⸗Stuͤck beſchwert war, tritt eben dadurch in die Rechte ein, welche der Glaͤu⸗ biger wider die Erben und Univerſal⸗Legatarien hatte. 875.„Der Miterbe oder Nachfolger kraft eines Univerſal⸗ Titels, der zufolge einer Hypothek mehr als ſein Antheil an der gemeinſchaftlichen Schuld gezahlt hat, hat wider die andern Mit⸗ erben und Univerſal⸗Nachſolger nur in fo fern den Regreß, als jeder von ihnen dazu beyzutragen perſoͤnlich verbunden iſt, ſelbſt in dem Falle, wo der Miterbe, welcher die Schuld getilget hat, ſich die Rechte des Glaͤubigers haͤtte uͤbertra⸗ gen laſſen. Dieß ſoll gleichwohl den Rechten eines Miter⸗ ben nicht zum Abbruche gereichen, der durch die Rechtswohl⸗ that des Inventariums das Recht behalten hat, die Zah⸗ lung ſeiner perſonlichen Forderung wie jeder andere Glaͤubi⸗ ger zu verlangen. 876. Iſt einer der Miterben oder Nachfolger kraft eines Univerſal⸗Titels außer Zahlungsſtand, ſo wird ſein Antheil an der hypothecariſchen Schuld unter alle andere nach Ver⸗ haͤltniß ihrer Antheile vertheilt. 877. Die Titel, welche wider den Verſtorbenen execu⸗ toriſch ſind, ſind es ebenfalls perſoͤnlich wider den Erben; die Glaͤubiger koͤnnen gleichwohl erſt acht Tage, nachdem ſie dieſe Titel dem Erben in Perſon oder an ſeinem Wohnorte haben inſinuiren laſſen, ihre Vollſtreckung betreiben. 878. Sie koͤnnen in jedem Falle und wider jeden Glaͤn⸗ biger darauf antragen, daß das Vermoͤgen des Verſtorbenen von dem Vermͤgen des Erben getrennt werde. 879. Dieſes Recht kann gleichwohl nicht mehr ausgeuͤbt werden, wenn man den Erben als Schuldner angenommen hat, und dadurch mit der Forderung, die man an dem Ver⸗ ſtorbegen hatte, eine Novation vor ſich gegangen. III. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 183 880. Es wird in Hinſicht auf Mobilien durch Ablauf von drey Jahren verjaͤhrt. In Beziehung auf die Immobilien kann die Klage ſo lange angeſtellt werden, als ſie ſich in der Gewalt des Er— ben befinden. 881. Die Glaͤubiger des Erben haben kein Recht, die Abſonderung des einen Vermoͤgens von dem andern wider die Glaͤubiger der Verlaſſenſchaft zu verlangen. 882. Die Glaͤubiger eines Miterben koͤnnen um zu ver⸗ huͤten, daß die Theilung nicht zum Abbruche ihrer Rechte geſchehe, eine Oppoſition einlegen, damit nicht anderſt als in ihrer Gegenwart zur Theilung geſchritten werde; ſie haben das Recht auf ihre Koſten dabey zu erſcheinen, aber eine ſchon vollzogene Theilung koͤnnen ſie nicht anfechten, es ſey dann, daß man ohne ihr Vorwiſſen, und zum Nachtheile einer von ihnen eingelegten Oppoſition dazu vorgeſchritten waͤre, Vierter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Theilung und der Gewaͤhr der Loſe. 883. Jeder Miterbe wird eben ſo angeſehen, als habe er alles, was in ſeinem Loſe begriffen, oder bey der Ver⸗ ſteigerung ihm zugefallen iſt, allein und unmittelbar geerbt, und an den uͤbrigen Erbſchaftsſachen niemahls ein Eigen⸗ thum gehabt. 884. Nur wegen ſolcher Stoͤrungen und Evictionen, die aus einer der Theilung vorhergegangenen Urſache entſprin⸗ gen, ſind die Miterben ſich gegenſeitig zur Gewaͤhrleiſtung verbunden.. Die Gewaͤhrleiſtung hat nicht Statt, wenn die Gattung der erlittenen Eviction durch eine beſondere und ausdruͤck⸗ liche Clauſel des Theilungs-Actes ausgenommen iſt; ſie hoͤrt auf, wenn der Miterbe durch eigenes Verſchulden die Evic⸗ tion leidet. 134 II. Buch. I. Tit. Von der Succeſſion. 885. Jeder Miterbe iſt perſoͤnlich verbunden, nach Ver⸗ haͤltniß ſeines Erbtheils ſeinen Miterben fuͤr den Verluſt zu entſchaͤdigen, den er durch Eviction erlitten hat. Wenn einer der Miterben ſich außer Zahlungsſtand be⸗ findet; ſo muß der Antheil, wozu er verbunden iſt, unter demjenigen, dem die Gewaͤhrleiſtung gebuͤhrt, und allen Miterben, die im Stande ſind zu zahlen, gleich vertheilt werden. 886. Die Klage auf Gewaͤhrleiſtung, welche ſich darauf gruͤndet, daß es dem Schuldner einer Rente an Zahlungs⸗ Mitteln fehle, kann nur in den ſuͤnf Jahren, welche auf die Theilung folgen, angeſtellt werden. Iſt der Schuldner erſt nach vollbrachter Theilung in den Zuſtand gerathen, daß er nicht zahlen kann; ſo hat deßhalb die Klage auf Gewaͤhrleiſtung nicht Statt. Fuͤnſter Abſchnitt. Von der Reſciſion in Theilungsſachen. 887. Theilungen koͤnnen reſcindirt(wieder aufgehoben) werden, aus dem Grunde einer gebrauchten Gewalt oder be⸗ gangenen Argliſt. Reſeiſion kann dabey ebenfalls Statt haben, wenn einer der Miterhen beweiſt, daß eine Verletzung, die mehr als ein Viertel betraͤgt, zu ſeinem Nachtheil untergelaufen. Das bloße Auslaſſen eines zur Erbſchaft gehoͤrigen Gegenſtandes begruͤndet keine Klage auf Reſciſion, ſondern nur auf Er⸗ gaͤnzung des Theilungs⸗Actes. 888. Die Klage auf Reſeiſion wird wider jeden Act zu⸗ gelaſſen, deſſen Zweck es iſt, die Gemeinſchaft unter den Miterben aufzuheben, waͤre er auch fuͤr einen Verkauf, Tauſch und Vergleich ausgegeben, oder auf jede andere Weiſe bezeichnet worden. Aber nach einmahl vollzogener Theilung, oder nach dem Acte, der ihre Stelle vertritt, iſt keine Reſciſiong⸗Klage wider einen Vergleich mehr zulaͤſſig, der uͤber wirkliche Zweifel, wel⸗ che der erſte Act darboth, abgeſchloſſen worden, wenn man ſchon deßhalb noch keinen Prozeß angefangen haben ſollte. III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 185 889. Die Klage hat wider einen ohne Argliſt geſchloſſe⸗ nen Verkauf nicht Statt, wodurch ein Miterbe oder mehrere dem andern, auf deſſen eigene Gefahr, ihr Erbrecht abge⸗ treten haben, 890. Bey der Beurtheilung der Frage, ob eine Verletzung vorhanden ſey, ſchaͤtzt man die Sachen nach dem Werthe, den ſie zur Zeit der Theilung gehabt haben. 891. Wer bey der Reſciſions⸗Klage der Beklagte iſt, kann ſie in ihrem Laufe hemmen, und eine neue Theilung ableh⸗ nen, wenn er dem Klaͤger die Ergaͤnzung ſeines Erbtheils, ſey es in baarem Gelde oder in Natur anbiethet, und leiſtet. 892. Ein Miterbe, der ſein Los ganz oder zum Theile veraͤußert hat, kann mit der Reſciſions⸗Klage, die er aus dem Grunde einer untergelaufenen Argliſt oder erlittenen Gewalt anzuſtellen gedenkt, nicht mehr gehoͤrt werden, vor⸗ ausgeſetzt, daß dieſe Verzuͤßerung erſt nach entdecktem Be⸗ trug, oder als der Zwang ſchon aufhoͤrte, von ihm vorge⸗ nommen worden, Zweyter Titel. Von Schenkungen unter Lebenden und von Teſtamenten. (Decretirt den 13. Floreal 11. J. promulgirt den 23. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Erſtes Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 893. Man kann durch einen wohlthätigen Titel uͤber ſein Vermögen nicht anderſt als durch Schenkungen unter Leben— den oder durch Teſtament, nach den hier unten beſtimmten Formen verordnen. 894. Schenkung unter Lebenden iſt ein Act, wodurch der Geſchenkgeber ſich jetzt und unwiderruflich der geſchenk⸗ ten Sache zum Vortheile des Geſchenknehmers begibt, der ſie annimmt. 185 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 895. Ein Teſtament iſt ein Act, worin der Teſtirer fuͤr eine Zeit, da er ſelbſt nicht mehr ſeyn wird, uͤber ſein gan⸗ zes Vermoͤgen, oder uͤber einen Theil desſelben verordnet, und den er widerrufen kann. 896. Subſtitutionen ſind verbothen. Jede Verfuͤgung, wodurch dem Geſchenknehmer, dem ein⸗ geſetzten Erben, oder dem Legatar auferlegt wird, fuͤr einen Dritten etwas aufzubewahren und ihm zuruͤckzuliefern, iſt unguͤltig, ſelbſt in Hinſicht des Gelchentnehuers⸗ des einge⸗ ſetzten Erben oder des Legatars. 897. Ausgenommen von dem vorhergehenden Artikel ſind jene Verfuͤgungen, die im 6. Capitel des gegenwaͤrtigen Titels den Eltern und Geſchwiſtern geſtattet werden. 898. Die Verfuͤgung, wodurch man einen Dritten zu einem Geſchenke, einer Erbſchaft oder einem Vermaͤchtniß fuͤr den Fall beruft, da der Geſchenknehmer, der eingeſetzte Erbe oder der Legatar es nicht erhalten wuͤrde, wird fuͤr keine Subſtitution angeſehen, und iſt guͤltig. 899. Das naͤhmliche gilt von den Verfuͤgungen unter Le⸗ benden oder auf den Todesfall, wodurch einem der Nieß⸗ brauch, und dem Andern das bloße Eigenthum zugedacht worden. 900. Bey jeder Verfuͤgung unter Lebenden, oder durch Teſtament werden die unmoͤglichen Bedingungen, ſo wie diejenigen, welche den Geſetzen und den guten Sitten zuwi⸗ der ſind, als nicht geſchrieben betrachtet. Zweytes Capilel. Von der Faäͤhigkeit durch Schenkung unter Le⸗ benden oder durch Teſtament zu verfuͤgen oder beguͤnſtiget zu werden. 901. Um unter Lebenden zu ſchenken, oder ein Teſtament zu errichten, muß man bey geſundem Verſtande ſeyn. 902. Durch eine Schenkung unter Lebenden, oder durch Teſtament kann jeder verordnen oder beguͤnſtiget werden, den das Geſetz nicht fuͤr unſaͤhig erklaͤrt. III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 187 903. Ein Minderjaͤhriger, der noch nicht ſechszehn Jahre alt iſt, kann auf keine Weiſe verordnen, mit Ausnahme beſſen, was im 9. Capitel des gegenwaͤrtigen Titels be⸗ ſtimmt iſt. 904. Hat der Minderjaͤhrige das Alter von ſechszehn Jahren erreicht, ſo kann er nicht anders als durch Teſtament, und zwar nur bis zum Ertrag einer Haͤlfte des Vermoͤgens verordnen, woruͤber das Geſatz dem Volljaͤhrigen zu verfuͤ⸗ gen erlaubt. 905. Eine verheirathete Frau kann ohne Beyſtand oder beſondere Einwilligung ihres Mannes, oder ohne hiezu von dem Gerichte autoriſirt zu ſeyn, unter den Lebenden nicht ſchenken, in Gemaͤßheit desjenigen, was im 217. und 219. Artikel unter dem Titel von der Ehe beſtimmt iſt. Um durch ein Teſtament zu verfuͤgen, bedarf ſie weder der Einwilligung ihres Mannes, noch der Autoriſation des Gerichtes. 906. Um faͤhig zu ſeyn, daß man durch einen Act un⸗ ter den Lebenden etwas erhalte, iſt es genug, wenn man im Augenblicke der Schenkung empfangen iſt. Um faͤhig zu ſiyi⸗ daß man durch ein Teſtament be⸗ guͤnſtiget werde, iſt es genug, wenn man in dem Zeitpuncte empfangen iſt, da der Teſtirer verſtirbt. Die Schenkung oder das Teſtament ſollen gleichwohl nur in ſo fern ihre Wirkung haben, als das Kind lebensfaͤhig geboren worden. 907. Ein Minderjaͤhriger, obgleich er zu dem Alter von ſechszehn Jahren gelangt iſt, kann ſelbſt nicht durch Teſta⸗ ment zum Vortheile ſeines Vormundes verordnen. Ein Minderjaͤhriger, der volljaͤhrig geworden, kann we⸗ der durch eine Schenkung unter Lebenden, noch durch ein Teſtament zum Vortheile desjenigen verordnen, der ſein Vormund war, wenn nicht zuvor die Schlußrechnung uͤber die Vormundſchaft gelegt und abgeſchloſſen worden. 133 III. Buch, II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. Ausgenommen ſind in den beyden obigen Faͤllen die As⸗ cendenten der Minderjaͤhrigen, welche ihre Vormuͤnder ſind, oder geweſen ſind. 908. Natuͤrliche Kinder koͤnnen weder durch Schenkung unter Lebenden, noch durch Teſtament etwas mehr empfan⸗ gen, als ihnen unter dem Titel von der Succeſſion zugeſtanden iſt. 909. Die Doctoren der Arzney⸗ oder Wundarzneykunde, Geſundheits⸗Beamten und Apotheker, die eine Perſon waͤh— rend der Krankheit, woran ſie geſtorben iſt, behandelt ha⸗ ben, koͤnnen keinen Vortheil aus Vexordnungen unter Leben⸗ den oder auf den Todesfall ziehen, die ſie zu ihren Gunſten im Laufe dieſer Krankheit gemacht hatt.“ Ausgenommen ſind 1) Verfuͤgungen, welche unter einem Particular-Titel und Vergeltungsweiſe geſchehen ſind, mit Hinſicht auf das Vermoͤgen desjenigen, der verordnete, und auf die geleiſteten Dienſte; 2) Univerſal⸗Verfuͤgungen im Falle der Verwandtſchaft bis zum vierten Grade einſchließlich, vorausgeſetzt, daß der Verſtorbene keine Erben in gerader Linie hat, es ſey dann, daß derjenige, zu deſſen Vortheil die Verfuͤgung geſchehen iſt, ſelbſt unter die Zahl dieſer Erben gehoͤre. Dieſelben Regeln ſind bey dem Religionsdiener zu beob⸗ achten. 910. Verfuͤgungen unter Lebenden oder durch Teſtament zum Vortheile der Krankenhaͤuſer, der Armen einer Gemeins⸗ de oder einer gemeinnuͤtzlichen Anſtalt erhalten ihre Wixkung nur in ſo fern, als ſie durch einen Beſchluß der Regierung gebilliget worden. 911. Jede Verodnung zum Vortheil eines Unfaͤhigen iſt unguͤltig, ſey es, daß man ſie in die Form eines laͤſtigen Contractes einkleidet, oder unter dem Nahmen unterſtellter Perſonen verbirgt. Fuͤr unterſtellte Perſonen werden die Eltern, die Kinder und Abkoͤmmlinge und der Ehegatte des Unfaͤhigen angeſehen⸗ III. Buch. HI. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten⸗ 1235 912. Zum Vortheile eines Fremden kann man nur in dem Falle verfuͤgen, wenn dieſer Fremde zum Vortheile ei⸗ nes Franzoſen verordnen konnte. Drittes Capitel. Von dem Vermöoͤgens⸗Antheile, woruͤber man ver⸗ ordnen darf, und von der Reduction. Erſter Abſchnitt. Von dem Vermoöoͤgens⸗Antheile, woruͤber man verordnen darf. 913. Freygebigkeiten durch Acte unter Lebenden oder durch Teſtament duͤrfen nicht die Haͤlfte des Vermoͤgens des Disponenten uͤberſteigen, wenn er bey ſeinem Hinſcheiden nur ein eheliches Kind zuruͤcklaͤßt; nicht das Drittheil, wenn er zwey, nicht das Viertheil, wenn er drey oder mehrere ſolcher Kinder zuruͤcklaͤßt. 914. Unter dem Nahmen der Kinder ſind in dem vor⸗ hergehenden Artikel die Abkoͤmmlinge begriffen, in welchem Grade ſie uͤbrigens ſeyn moͤgen; man rechnet ſie gleichwohl nur fuͤr das Kind, das ſie bey der Succeſſion des Dispo⸗ nenten repraͤſentiren. 915. Freygebigkeiten durch Acte unter Lebenden, oder durch Teſtament duͤrfen nicht die Haͤlfte des Vermoͤgens uͤberſteigen, wenn der Verſtorbene keine Kinder, aber einen oder mehrere Ascendenten in beyden Linien der vaͤterlichen und der muͤtterlichen zuruͤcklaͤßt, und nicht drey Viertel, wenn er in einer Linie allein Ascendenten zuruͤck laͤßt. Das zum Vortheile der Ascendenten alſo vorbehaltene Vermoͤgen erhalten ſie in der Ordnung, worin das Geſetz ſie zur Erbfolge beruft. Sie haben allein ein Recht auf die⸗ ſen Vorbehalt, ſo oft ihnen, bey der Concurrenz mit den Seiten⸗Verwandten, die Theilung den aliquoten Theil des Vermoͤgens nicht verſchaffen wuͤrde, worauf der Vorbehalt feſtgeſtellt iſt. 190 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 916. Wenn weder Ascendenten noch Abkoͤmmlinge vor⸗ handen ſind, koͤnnen die Freygebigkeiten durch Acte unter Lebenden oder teſtamentariſche Verfuͤgungen das ganze Ver⸗ moͤgen erſchoͤpfen. 917. Wird durch eine Verordnung unter Lebenden oder in einem Teſtament uͤber einen Nießbrauch, oder eine Leib⸗ rente verfuͤgt, wovon der Werth die der Verfuͤgung unter⸗ worfene Quote uͤberſteigt, ſo haben die Erben, denen das Geſetz einen beſtimmten Theil vorbehaͤlt, die Wahl, ob ſie dieſe Verordnung vollziehen, oder das Eigenthum an der disponiblen Quote fahren laſſen wollen. 918. Iſt ein Theil des Vermoͤgens, ſey es fuͤr eine Leibrente, oder à fonds perdu, oder unter dem Vorbehalte des Nießbrauches an einen der geſetzlichen Erben in gerader Linie veraͤußert worden, ſo ſoll das, was die veraͤußerten Stuͤcke ihrem vollen Eigenthum nach werth ſind, auf den disponiblen Theil gerechnet, und der Ueberſchuß, wenn ſich einer ergibt, in die Maſſe eingebracht werden. Dieſes Aufrech⸗ nen und Einbringen kann weder von den uͤbrigen ſucceſſions⸗ fäahigen Erben in gerader Linie, welche in dieſe Veraͤußerun⸗ gen eingewilliget haben, noch in irgend einem Falle von den ſucceſſionsfaͤhigen Verwandten aus der Seiten⸗Linie gefor⸗ dert werden. 919. Der Theil des Vermoͤgens, welcher der willkuͤhr⸗ lichen Verordnung unterworfen iſt, kann ganz oder zum Theile, ſey es durch einen Act unter Lebenden oder durch Teſtament, den Kindern oder andern ſucceſſionsfaͤhigen Ver⸗ wandten des Geſchenkgebers zugedacht werden, ohne daß der Geſchenkgeber oder Legatar, der zu Erbfolge gelangt, deß⸗ halb zur Collation verbunden ſey, vorausgeſetzt, daß die Verfuͤgung ausdruͤcklich als ein Voraus oder als ein Zuſatz zu dem geſetzlichen Erbtheil geſchehen. Die Erklaͤrung, daß das Geſchenk oder Vermaͤchtniß ein Voraus oder Nebenvortheil ſey, kann in dem Acte, der die Verfuͤgung enthaͤlt, oder auch ſpaͤterhin, nach der Form der Ver⸗ fuͤgungen unter den Lebenden oder durch Teſtament, geſchehen⸗ III, Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 1921 Zweyter Abſchnitt. Von der Verminderung(Reduction) der Schen⸗ kungen und Vermaͤchtniſſe. 920. Verfuͤgungen unter Lebenden oder auf den Todes⸗ fall, welche den disponiblen Theil uͤberſteigen, koͤnnen bis auf dieſe Quote bey der Eroͤffnung der Succeſſion vermin⸗ dert werden. 921. Eine Verminderung der Verfuͤgungen unter Leben⸗ ben koͤnnen nur diejenigen, zu deren Vortheile das Geſetz den Vorbehalt macht, ihre Erben, oder die, welche in ihre Rechte getreten ſind, verlangen. Die Geſchenknehmer, Lega⸗ tarien und Glaͤubiger des Verſtorbenen koͤnnen weder dieſe Verminderung fordern, noch daraus Vortheil ziehen. 922. Die Verminderung wird dadurch beſtimmt, daß man das ganze Vermoͤgen des Gebers oder Teſtirers, wie es bey ſeinem Abſterben ſich vorfindet, in eine Maſſe zu— ſammenzieht. Man vereiniget hiemit in Gedanken(rechnet dazu) dasjenige, woruͤber durch Schenkungen unter Leben⸗ den verordnet worden, und ſieht hiebey auf den Zuſtand der geſchenkten Sachen zuruͤck, wie ſie zur Zeit der Schenkun⸗ gen geweſen, und auf ihren Werth, den ſie beym Hinſchei— den des Gebers gehabt haben. Nach dem Ertrag dieſes ganzen Vermoͤgens, die Schulden vorher davon abgezogen, berechnet man mit Hinſicht auf die Eigenſchaft der Erben, die er zuruͤcklaͤßt, welches der aliquote Theil ſeyn woruͤber er verordnen konnte. 923. Schenkungen unter Lebenden ſollen niemahls ver⸗ mindert werden, als nachdem man zuvor den Werth aller unter den teſtamentariſchen Verfuͤgungen begriffenen Guͤter erſchdpft hat, und wenn dieſemnach die Nothwendigkeit der Verminderung gleichwohl eintritt, ſo geſchieht ſie in dem Maaße, daß mit der letzten Schenkung der Anfang ge⸗ macht, und ſo ſtufenweiſe von den juͤngern zu den aͤltern geſchritten wird. 19à III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 924. Iſt eine der Verminderung unterworfene Schen⸗ kung an einen geſetzlichen Erben geſchehen, ſo ſoll es ihm unbenommen ſeyn, den Werth des Antheils, das ihm als Erben an den nicht⸗disponibeln Guͤtern gebuͤhrt, aus den geſchenkten Guͤtern einzubehalten, vorausgeſetzt, daß ſie von derſelben Natur ſind. 025. Wenn der Werth der Schenkungen unter Lebenden die disponible Quote uͤberſteigt, oder ihr gleich kommt, ſo ſind alle teſtamentariſche Verfuͤgungen kraftlos. 926. Ueberſteigen die teſtamentariſchen Verfuͤgungen ent⸗ weder die disponible Quote, oder den Theil dieſer Quote, der nach Abzug des Werthes der Schenkungen unter den Lebenden uͤbrig bleibt, ſo geſchieht die Verminderung nach Verhaͤltniß der Summen(nach gewiſſen Procenten) ohne einigen Unterſchied zwiſchen Univerſal- und Particular⸗Ver⸗ maͤchtniſſen. 627. So oſt gleichwohl der Teſtirer ausdruͤcklich erklaͤrt haben mag, daß es ſein Wille ſey, daß dieſes oder jenes Vermaͤchtniß vor andern ausgezahlt werde, ſoll dieſes Vor⸗ maͤchtniß anderſt keinen Abzug leiden, als in ſo fern der Ertrag der uͤbrigen zur Ergaͤnzung des geſetzlichen Vorbe⸗ halts nicht hinreichen wuͤrde. 928. Der Geſchenknehmer muß den Genuß desjenigen, was den disponiblen Theil uͤberſteigt, von dem Sterbtage des Gebers anzurechnen, erſetzen, wenn die Verminderung binnen einem Jahre gefordert worden, im entgegengeſetzten Falle von dem Tage, da dieſe Forderung geſchehen. 929. Immobilien, welche zufolge der Verminderung zur Erbſchafts⸗Maſſe eingefordert werden koͤnnen, fallen frey von Schulden und Hypotheken, womit ſie der Geſchenkneh⸗ mer beſchwert hat, zuruͤck. 930. Die Erben koͤnnen wider dritte Beſitzer der Im⸗ mobilien, die einen Theil der Schenkungen ausmachten und von den Geſchenknehmern veraͤußert ſind, die Klage III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 193 auf Verminderung oder die Vindications⸗Klage auf dieſelbe Weiſe und in eben der Ordnung, wie gegen die Geſchenk⸗ nehmer ſelbſt anſtellen, nachdem dieſe vorher in ihrem eige⸗ nen Vermoͤgen ausgeklagt worden. Dieſe Klage muß nach der Zeitſolge der Veraͤußerungen angeſtellt, und mit der juͤngſten der Aufang gemacht werden. Viertes Capitel. Von Schenkungen unter Lebenden⸗ Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen unter Lebenbden. 931. Jeder Act, der eine Schenkung unter Lebenden enthaͤlt, ſoll vor Notarien in der gewoͤhnlichen Form der Contracte gefertiget und eine Minute davon bey Strafe der der Nichtigkeit zuruͤckgelaſſen werden. 932. Eine Schenkung unter Lebenden verbindet weder den Geber noch bringt ſie einige Wirkung hervor, als von dem Tage an, da ſie mit ausdruͤcklichen Worten angenom⸗ men worden. Die Annehmung kann, ſo fern der Geſchenkgeber noch lebt, in einem ſpaͤtern und authentiſchen Acte geſchehen, wovon die Minute zuruͤckgelaſſen werden muß; die Schen⸗ kung erhaͤlt aber alsdann in Beziehung auf den Geber erſt an dem Tage ihre Wirkung, da ihm der Act bekannt ge⸗ macht worden, der dieſe Annehmung beurkundet. 933. Wenn der Geſchenknehmer volljaͤhrig iſt, ſo muß die Annehmung von ihm ſelbſt, oder in deſſen Nahmen von einem Bevollmaͤchtigen geſchehen, der von ihm den Auftrag hat, die ihm gemachte Schenkung anzunehmen, oder mit ei⸗ nem allgemeinen Auftrage verſehen iſt, die Schenkungen an⸗ zunehmen, die ihm gemacht worden ſind, oder gemacht werden koͤnnten. Dieſe Vollmacht muß vor Notarien errichtet, und eine Ausfertigung davon der Minute der Schenkung, oder, wenn dieſe in einem beſondern Acte angenommen worden iſt, der Minute der Aunahme beygefuͤgt werden. 13 494 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 934. Eine verheirathete Frau kann nur mit Bewilligung ihres Mannes, oder, wenn dieſer ſie verſagt, nur nach er⸗ haltener Autoriſation des Gerichtes eine Schenkung anneh⸗ men, in Gemaͤßheit deſſen, was hieruͤber in den Artikeln 217 und 219 unter dem Titel von der Ehe vorgeſchrie⸗ ben iſt. 935. Die einem Minderjaͤhrigen, der nicht emancipirt iſt, oder einem Interdicirten gemachte Schenkung kann nur von ſeinem Vormunde angenommen werden, zufolge des 463. Artikels unter dem Titel von der Minderjaͤh⸗ rigkeit, der Vormundſchaft und der Eman⸗ eipation. Der emancipirte Minderjaͤhrige kann ſie unter dem Bey⸗ ſtande ſeines Curators annehmen. 4 Fuͤr den Minderjaͤhrigen, er ſey emancipirt oder nicht, koͤnnen gleichwohl auch deſſen Eltern, oder auch ſelbſt bey Lebzeiten der Eltern die uͤbrigen Ascendenten, obſchon ſie weder Vormüͤnder noch Curatoren des Minderjaͤhrigen ſind, annehmen. 936. Ein Taubſtummer, der im Schreiben erfahren iſt, kann entweder in Perſon oder durch einen Bevollmaͤchtigten annehmen.. Iſt er nicht im Schreiben erfahren, ſo muß die Anneh⸗ mung von einem zu dem Ende ernannten Curator geſchehen, nach den unter dem Titel von der Minderjäaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation feſtgeſetzten Regeln. 937. Schenkungen, die zum Vortheile der Krankenhaͤuſer, der Armen einer Gemeinde, oder gemeinnuͤtzlicher Anſtalten geſchehen, ſollen von den Verwaltern dieſer Gemeinden oder Anſtalten angenommen werden, nachdem ſie gehoͤrig dazu autoriſirt worden. 938. Eine gehoͤrig angenommene Schenkung erhaͤlt durch die bloße Einwilligung der Parteyen ihre Vollkommenheit, III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 19 ½ und das Eigenthum an den geſchenkten Gegenſtaͤnden ſoll auf den Geſchenknehmer uͤbergehen, ohne daß es einer wei⸗ tern Ueberlieferung beduͤrfe. 939. Wenn Guͤter verſchenkt werden, worin ſich eine Hypothek ſtellen laͤßt, ſo muß die Transſcription der Acte, welche die Schenkung und Annahme enthalten, ſo wie die Bekanntmachung der Annehmung, die etwa in einem beſon⸗ dern Acte erfolgt iſt, in denjenigen Bureaux des hypothè- ques geſchehen, in deren Arrondiſſement die Guͤter gelegen ſind. 940. Dieſe Transſcription ſoll auf Betreiben des Man⸗ nes geſchehen, wenn ſeiner Frau die Guͤter geſchenkt wor⸗ den, und ſo fern der Mann dieſe Formalitaͤt unterlaͤßt, kann die Frau ohne Autoriſation ſie vornehmen laſſen. Iſt die Schenkung an Minderjaͤhrige, Interdieirte, oder an oͤffentliche Anſtalten gemacht worden, ſo geſchieht, die Transſeription auf Betreiben der Vormuͤnder, der Cu⸗ ratoren oder der Verwalter⸗ 941. Auf den Abgang der Transſcription kann ſich jeder berufen, der ein Interreſſe dabey hat, ausgenommen blei⸗ ben jedoch immer diejenigen, denen es zur Pflicht gemacht worden, die Transſcription zu beſorgen, oder die in deren Rechte getreten ſind, ſo wie der Geſchenkgeber.. 942. Minderjaͤhrige, Interdicirte und verheirathete Frauen ſollen wider die verſaͤumte Annehmung oder unterlaſſene Transſcription der Schenkungen niemahls in vorigen Stand geſetzt werden; ihnen bleibt es jedoch unbenommen, wider ihre Vormuͤnder oder Ehegatten den Regreß zu nehmen, der ihnen deßhalb etwa zuſtehen mag, ohne daß gleichwohl Wiedereinſetzung in vorigen Stand ſelbſt in dem Falle, da es den beſagten Vormuͤndern oder Ehegatten an Zahlungs⸗ mitteln fehlen ſollte, Statt haben koͤnne. 943. Eine Schenkung unter Lebenden kann ſich nur auf das wirkliche Vermoͤgen des Geſchenkgebers erſtrecken: begreift ſie zukuͤnftige Guͤter, ſo iſt ſie in dieſer Hinſicht unguͤltig, 196 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 944. Jede Schenkung unter Lebenden, wenn ſie unter Bedingungen geſchehen iſt, deren Erfuͤllung einzig von der Willkuͤhr des Geſchenkgebers abhaͤngt, iſt unguͤltig. 945. Sie iſt gleichfalls unguͤltig, wenn ſie unter der Bedingung geſchehen iſt, noch andere Schulden oder Laſten abzufuͤhren, als zur Zeit der Schenkung vorhanden geweſen, oder als in dem Schenkungs⸗Acte oder in dem ihm anzufuͤ⸗ genden Verzeichniſſe ausgedruckt worden. 946. Hat der Geſchenkgeber die Freyheit ſich vorbehalten uͤber eine in der Schenkung begriffene Sache, oder uͤber eine aus den geſchenkten Guͤtern zu zahlende gewiſſe Summe zu verordnen, und er ſtirbt ohne daruͤber verordnet zu haben, ſo gehoͤrt jene Sache oder Summe den Erben des Geſchenk⸗ gebers, ungehindert aller damit im Widerhoruche ſtehenden Clauſeln und Vertraͤge. 947. Die vier vorhergehenden Artikel laſſen ſcch keines⸗ wegs auf die Schenkungen anwenden, wovon in dem 8 und 9. Capitel des gegenwaͤrtigen Titels Erwaͤhnung geſchieht. 948. Jeder Schenkungs⸗Act uͤber Mobilar⸗Guͤter ſoll nicht guͤltig ſeyn, als in Beziehung auf diejenigen Effecten, woruͤber dem Originale der Schenkung ein Verzeichniß bey⸗ gefuͤgt worden, das ihre Taxe enthaͤlt, und von dem Ge⸗ ſchenkgeber und Geſchenknehmer, oder von denjenigen, die an ſeiner Statt annehmen, unterzeichnet iſt. 949. Dem Geſchenkgeber bleibt es unbenommen, ſich den Gebrauch oder die Nutznießung an den geſchenkten be⸗ weglichen oder unbeweglichen Guͤtern zu ſeinem eigenen Vor⸗ theile auszubedingen, oder daruͤber zum Vortheile eines an⸗ dern zu verfuͤgen. 950. Wenn Mobilien unter dem Vorbehalte des nieß⸗ brauches geſchenkt worden ſind, ſo muß der Geſchenknehmer nach erloſchenem Nießbrauche die geſchenkten Effecten, welche ſich in Natur noch vorfinden, in dem Zuſtande annehmen, worin ſie alsdann ſind, und in Hinſicht der abgaͤngigen Ge⸗ III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 197 zenſtaͤnde hat er eine Klage wider den Geſchenkgeber oder deſſen Erben bis zum Ertrag des Werthes, der in dem Schaͤtzungs⸗Etat ihnen beygelegt worden. 951. Der Geſchenkgeber kann ſich das Ruͤckfallsrecht an den geſchenkten Sachen ausbedingen, ſowohl fuͤr den Fall, wenn der Geſchenknehmer allein, als auch, wenn der Geſchenknehmer und ſeine Descendenten vor ihm ſterben wuͤrden. Dieſes Recht kann nur zum Boxtheile des Geſchenkgebers allein ausbedungen werden. 952. Das Ruͤckfallsrecht hat die Wirkung, daß jede Ver⸗ aͤußerung, der geſchenkten Guͤter aufgeloͤſt wird, und dieſe an den Geſchenkgeber ledig und frey von allen Laſten und Hypotheken zuruͤckkehren, jedoch mit Ausnahme der Hypo⸗ thek fuͤr den Brautſchatz und fuͤr andere in dem Ehe⸗ Contracte ausbedungene Vortheile, in ſo fern das uͤbrige Vermoͤgen des Ehegatten, dem die Schenkung gemacht wor⸗ den, nicht himreicht, und nur in dem einzigen Falle, wenn ihm die Schenkung in eben dem Ehe⸗Contracte geſchehen, woraus dieſe Rechte und Hopotheken entſtanden. Z weyter Abſchnitt. Von den Faͤllen, worin die Regel, daß Schenkun⸗ genunter Lebenden unwiderruflich ſind, eine Ausnahme leidet. 953. Eine Schenkung unter Lebenden laͤßt ſich nicht wi⸗ derrufen, als, weil die Bedingungen, worunter ſie geſche⸗ hen, nicht erfuͤllt worden, wegen Undanks und wegen nach⸗ gebohrner Kinder. 954. Im Falle des Widerrufs wegen nicht erfuͤllter Be⸗ dingungen fallen die Guͤter frey von allen Laſten und Hy⸗ potheken, welche von dem Geſchenknehmer herruͤhren, in die Haͤnde des Geſchenkgebers zuruͤck; ihm ſtehen wider jeden dritten Beſitzer geſchenkter Immobilien alle die Rechte zu, die er wider den Geſchenknehmer ſelbſt haben wuͤrde, 193 UI. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten⸗ 955. Eine Schenkung unter Lebenden kann wegen Un⸗ danks nur in folgenden Faͤllen widerruſen werden: F. 1) Wenn der Beſchentte dem 2aeber narh dem Leben ge⸗ trachtet hat. 2) Wenn eer ſich gegen ihn einiger Reishandlünigen Vere brechen oder grober Unbilden pflichtig gemacht dat⸗ 8* 3) Wenn er ihm die Alimente verſagt. 956. Der Widerruf wegen nicht erfuͤllter Bedingungen oder wegen Undanks ſoll niemahls kraft der bloßen Verfuͤ⸗ gung der Geſetze(ipso jure) eintreten. 957. Die Klage auf Widerruf wegen undanks muß in Jahresfriſt angebracht werden, vom Tage des Ver⸗ brechens anzurechnen, welches der Geſchenkgeber dem Be⸗ ſchenkten zur Laſt legt, oder von dem Tage, da das Per⸗ brechen dem Geber bekannt ſeyn konnte. Dieſer Widerruf kann weder von dem Geſchenk eber wider die Erben des Beſchenkten, noch von den öpe. des Ge⸗ bers wider den. Geſchenknehmer eingeklagt werden, es ſey dann, daß in dieſem letztern Falle der Geber die Klage ſchon angeſtellt hatte, oder in dem Jahre des begangenen Ver⸗ brechens geſtorben iſt. 958. Der Widerruf wegen Undanks ſoll weder den Ver⸗ außerungen, welche von dem Geſchenknehmer vorgenommen worden, noch den Hypotheken oder andern Reallaſten, wo⸗ mit er die geſchenkte Sache beſchwert haben mag, zum Ab⸗ bruch gereichen, vorausgeſetzt, daß dieſe Handlungen vorge⸗ gangen ſind ehe der Auszug der Klage auf Widerruf am Rande der im 939. Artikel vorgeſchriebenen Transſeription vorgemerkt worden. Wird die Schenkung widerrufen, ſo ſoll der Geſchenk⸗ nehmer verurtheilt werden, den Werth der veraͤußerten Sa⸗ chen, wie er zur Zeit der angebrachten Klage war, und die Fruͤchte von dem Tage dieſer Klage an zu erſetzen. 959. Schenkungen, die Gunſten einer Ehe geſchehen ſind, koͤnnen wegen Undanks nicht widerrufen werden: 4 m. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 190 960. Alle Schenkungen unter Lebenden, welchen Werth ſie auch haben, und unter welchem Titel ſie geſchehen ſeyn moͤgen, waͤren ſie auch gegenſeitig oder remuneratoriſch(aus Dankbarkeit geſchehen) ſelbſt diejenigen nicht ausgeſchloſſen, die zu Gunſten einer Ehe gemacht worden ſind(Schenkun⸗ gen der Ascendenten an die Ehegatten, oder der Verehlichten unter ſich, jedoch ausgenommen) wenn ſie von Perſonen ge⸗ ſchehen ſind, die zur Zeit der Schenkung keine wirklich le⸗ bende Kinder oder Abkoͤmmlinge hatten, bleiben dadurch, daß dem Geſchenkgeber ſpaͤterhin ein eheliches Kind, wenn ſchon erſt nach ſeinem Tode, geboren, oder daß ein natuͤr⸗ liches, erſt ſeit der Schenkung gebornes Kind durch nachhe⸗ rige Ehe legitimirt wurde, von Rechtswegen widerrufen. 961. Dieſer Widerruf hat auch Statt, wenn das Kind des Geſchenkgebers, oder der Geſchenkgeberinn zur Zeit der Schenkung ſchon empfangen war. 962. Die Schenkung bleibt ebenfalls widerrufen, obgleich der Geſchenknehmer zum Beſitze der geſchenkten Guͤter ſchon gelangt, und ſeit der Geburt des Kindes von dem Geſchenk⸗ geber hierin belaſſen ſeyn ſollte. Der Beſchenkte iſt jedoch nicht ſchuldig die genoſſenen Fruͤchte, von welcher Art ſie ſeyn moͤgen, anderſt als von dem Tage an zu erſetzen, da ihm die Geburt des Kindes oder deſſen durch eine nachherige ehe erfolgte Legitimation durch ein Exploit(den Aet eines Huiſſier) oder durch einen andern geſetzlichen Act bekannt ge⸗ macht worden. Dieſes tritt ebenfalls ein, wenn ſelbſt die Klage auf Zuruͤckerhaltung der geſchenkten Guͤter erſt nach dieſer Bekanntmachung angebracht worden. 963. Guͤter, die in einer Kraft des Geſetzes und ohne weiteres widerrufenen Schenkung begriffen ſind, gehen auf den Geſchenkgeber und ſein Vermoͤgen zuxuͤck, frey von al⸗ len Laſten und Hypotheken, womit der Beſchenkte ſie be⸗ ſchwert haben mag, ohne daß ſie, waͤre es auch nur ſubſi⸗ diariſch, fuͤr den Erſatz des Brautſchatzes, den die Ehegat⸗ tinn dieſes Beſchenkten zuruͤckzufordern hat, oder deſſen, was ihr aus der Gemeinſchaft voraus zu erſetzen iſt, oder ande⸗ 20% M. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. rer in dem Ehe⸗Contracte ihr zugeſagten Vortheile verſtrickt bleiben ſollten. Eben dieſe Beſtimmung tritt auch alsdann ein, wenn gleich die Schenkung um die Ehe des Beſchenk⸗ ten zu ſtiften, geſchehen, und dem Heiraths⸗Contracte ein⸗ geruͤckt waͤre, und der Geber durch die Schenkung als Buͤr⸗ ge fuͤr die Erfuͤllung des Heiraths⸗Contractes ſich dargeſtellt haͤtte. 964. Die alſo widerrufenen Schenkungen koͤnnen nicht wiederaufleben, oder von neuem, ſey es durch Abſterben des Kindes des Geſchenkgebers, oder durch irgend einen Beſtaͤtigungs⸗Act ihre Wirkung erhalten; und will der Ge⸗ ſchenkgeber, ſey es vor oder nach dem Tode des Kindes, durch deſſen Geburt die Schenkung zuruͤckgefallen war, die⸗ ſelben Guͤter demſelben Geſchenknehmer geben, ſo kann er dieß nur durch eine neue Dispoſition thun. 965. Jede Clauſel oder Vereinbarung, wodurch ein Ge⸗ ſchenkgeber auf den Widerruf der Schenkung wegen nachge⸗ borner Kinder Verzicht thun wuͤrde, ſoll fuͤr unguͤltig ange⸗ ſehen werden, und durchaus von keiner Kraft ſeyn. 966. Um eine wegen nachgebohrner Kinder widerrufene Schenkung aufrecht zu halten, ſoll der Geſchenknehmer, ſei⸗ ne Erben, oder die in ſeine Stelle getreten, oder andere Inhaber der geſchenkten Sache ſich auf keine Verjaͤhrung beziehen koͤnnen, als nach einem Beſitze von 30 Jahren, die aber erſt mit dem Tage, da das letzte Kind des Ge⸗ ſchenkgebers, waͤre es auch nach deſſen Tode, gebohren wor⸗ den, ihren Anfang nehmen, mit Vorbehalt deſſen, was ſonſt noch die Geſetze uͤber Unterbrechungen der Verjaͤhrung beſtimmen, Fuͤnftes Capitel. Von teſtamentariſchen Verordnungen. Erſter Abſchnitt. Von den allgemeinen Regeln uͤber die Form der Teſtamente, 967. Jedermann iſt es unbenommen, zu teſtiren, ſey es unter dem Titel einer Erb⸗Einſetzung, unter dem Ti⸗ M. Buch. I. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 201 tel eines Vermaͤchtniſſes, oder jeder andern Benennung, die dazu geeignet iſt, um ſeinen Willen an Tag zu legen. 968. Kein Teſtament kann von zwey oder mehreren Per⸗ ſonen, ſey es zum Vortheil eines Dritten, oder unter dem Titel einer wechſelſeitigen Verordnung in einem und demſel⸗ ben Acte errichtet werden. 969. Ein Teſtament kann ein eigenhaͤndiges ſeyn, oder in einem oͤffentlichen Acte oder in der Form eines geheimen und verſchloſſenen Aufſatzes errichtet werden. 970. Ein eigenhaͤndiges Teſtament ſoll anders nicht guͤl⸗ tig ſeyn, als wenn es von der Hand des Teſtirers durchaus geſchrieben, datirt und unterzeichnet iſt; es iſt keiner andern Form unterworfen. 971, Ein Teſtament in der Form eines dffentlichen Actes iſt jenes, das von zwey Notarien in Gegenwart zweyer Zeu⸗ gen, oder von einem Notar in Beyſeyn von vier Zeugen aufgenommen worden. 972. Wird das Teſtament von zwey Notarien aufgenom⸗ men, ſo wird es ihnen von dem Teſtirer vorgeſagt(dictirt), und es ſoll von einem dieſer Notarien, ſo wie es vorgeſagt wird, niedergeſchrieben werden. Wird nur ein Notar zugezogen, ſo ſoll es gleichfalls von dem Teſtirer dictirt, und von dieſem Notar niedergeſchrieben werden. Im einen wie im andern Falle muß es in Gegenwart der Zeugen dem Teſtirer vorgeleſen werden. Von allem dem geſchieht ausdruͤckliche Erwaͤhnung. 973. Eben dieſes Teſtament ſoll von dem Teſtirer unter⸗ zeichnet werden; erklaͤrt er, daß es ihm, um zu ſchreiben, an Faͤhigkeit oder an Kraͤften fehle, ſo muß in dem Acte ſei⸗ ner Erklaͤrung, ſo wie der Urſache, die ihn verhindert zu un— terzeichnen, ausdruͤcklich erwaͤhnt werden. 974. Das Teſtament muß von den Zeugen unterzeichnet werden; auf dem Lande iſt es gleichwohl, ſo fern das Te⸗ aoa III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. ſtament von zwey Notarien aufgenommen wird, ſchon hinrei⸗ chend, wenn einer von den beyden Zeugen unterſchreibt, und ſo fern es von einem Notar aufgenommen wird, wenn zwey von den vier Zeugen unterzeichnen. 975. Als Zeugen in einem Teſtament, das in der Form eines oͤffentlichen Actes errichtet wird, koͤnnen nicht zugezo— gen werden die Legatarien, gleichviel unter welchem Titel ſie es ſeven, eben ſo wenig ihre Verwandten oder Verſchwaͤ⸗ gerte bis zum vierten Grade einſchließlich, und ſo auch nicht die Schreiber der Notarien, von welchen die Acte aufgenom⸗ men werden. 976. Will der Teſtirer ein geheimes oder verſchloſſenes, (myſtiſches) Teſtament errichten, ſo ſoll er verbunden ſeyn, ſeine Verordnungen zu unterzeichnen, ſey es, daß er ſie ſelbſt geſchrieben, oder durch einen andern hat ſchreiben laſſen. Das Papier, welches dieſe Verfuͤgungen enthaͤlt, oder das Papier, das etwa zum Umſchlage dient, ſoll verſchloſſen oder verſiegelt werden. Der Teſtirer uͤbergibt es alſo ver⸗ ſchloſſen und verſiegelt dem Notar, und wenigſtens ſechs Zeugen, oder er laͤßt es in ihrer Gegenwart verſchließen und verſiegeln, und erklaͤrt, was in dieſem Papier enthal⸗ ten, ſey ſein Teſtament, das er geſchrieben und unterzeich⸗ net, oder das ein anderer geſchrieben und er unterzeichnet habe. Der Notar fertiget daruͤber einen Aufſchrifts⸗Act, der auf eben dieſes Papier, oder auf das Blatt, welches zum Umſchlage dient, geſchrieben wird. Sowohl der Teſti⸗ rer als der Notar unterzeichnet dieſen Act zugleich mit den uͤbrigen Zeugen. Alles obige ſoll in einer ununterbrochenen Handlung, und ohne zu andern Acten zu ſchreiten, geſche⸗ hen, und wuͤrde der Teſtirer wegen eines nach der Unter⸗ zeichnung des Teſtaments ihm uͤberkommenen Hinderniſſes den Aufſchrifts⸗Act nicht unterzeichnen koͤnnen, ſo ſoll ſei⸗ ner deßhalb gemachten Erklaͤrung erwaͤhnt werden, ohne daß es gleichwohl in dieſem Falle nöthig ſey, die Zahl der Zeugen zu vermehren. 111. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 208 977. Iſt der Teſtirer im Schreiben unerfahren, oder konnte er nicht unterzeichnen, als er ſeine Willens⸗Verord⸗ nung niederſchreiben ließ, ſo ſoll zu dem Auſſchrifts⸗Acte, außer der im vorhergehenden Artikel beſtimmten Zahl, ein Zeuge mehr zugezogen werden. Dieſer unterzeichnet mit den aͤbrigen Zeugen den Act, und darin muß der Urſache erwaͤhnt werden, warum dieſer Zeuge noch zugezogen worden. 978. Diejenigen, welche im Leſen unerſahren, oder ſonſt dazu nicht im Stande ſind, koͤnnen keine letzte Willens⸗Ver⸗ ordnung in der Form eines geheimen Teſtaments errichten. 9209. Kann der Teſtirer zwar nicht reden, wohl aber ſchreiben, ſo bleibt es ihm noch allemahl unbenommen, ein geheimes Teſtament zu errichten, unter der Bedingung, daß gehe z1 — es ganz von ſeiner Hand geſchrieben, datirt und unterzeich⸗ net ſey, daß er es dem Notar und den uͤbrigen Zeugen aͤberreiche, und in ihrer Gegenwart oben an auf dem Auf⸗ ſchrifts⸗Act hinſchreibe, daß das vorgezeigte Papier ſein Teſta⸗ ment ſey. Der Rotar ſchreibt demnach den Aufſchrifts⸗Aet, und erwaͤhnt hierin(daß der Teſtirer in Gegenwart des No⸗ tars und der Zeugen dieſe Worte niedergeſchrieben hat, und ſoll im uͤbrigen alles das beobachtet werdem, was im 976. Artikel vorgeſchrieben iſt. 1n, 980. Die Zeugen, welche berufen werden, um bey einem Teſtamente gegenwaͤrtig zu ſeyn, muͤſſen maͤnnlichen Ge⸗ ſchlechtes, volljaͤhrig, in der Republik wohnhaft, und im Genuſſe der Cioil⸗Rechte ſeyn. Zweyter Abſchnitt. Von den beſondern Regelnuͤber die Form gewiſſer u312 Deſtamente. 981. Die Teſtamente der Militair⸗Perſonen und anderer, die bey den Armeen angeſtellt ſind, koͤnnen in jedem Lande oowreinem Bataillons⸗ oder Escadrons⸗Chef, oder von jedem andern Offizier von einem hoͤhern Grade in Gegenwart zweyer Zengen, oder von zwey Kriegs⸗Commiſſarien, oder von einem dieſer Commiſſarien in Beyſeyn zweyer Zeugen aufgenommen werden. 204 III. Bu ch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 982. Sie koͤnnen auch, wenn der Teſtirer krank oder verwundet iſt, von dem officier de santé en chef(erſten Geſundheits⸗Beamten) in Beyſtand des Militair⸗Comman⸗ danten, welcher mit der Polizey des 8. Seſtalss betuftaaa iſt, aufgenommen werden. b b 983. Die Verfuͤgungen der obigen Artikel ſollen nur zum Vortheile derjenigen Statt haben, welche auf einer Militair⸗ V Expedition oder außer dem Gebiethe der Republik in Quartier 6 oder in Beſatzung, oder bey dem Feinde als Kriegsgefangene ſeyn werden, ohne daß die, welche im Junern in Quartier oder in Beſatzung liegen, ſie auf ſich anwenden koͤnnen, es ſey dann, daß ſie ſich in einem belagerten Platze, oder auf einer Citadelle oder an andern Orten befinden, worin wegen des Krieges die Thoren geſchloſſen, und die Communiection unterbrochen worden. 984. Ein nach der oben heſtimmen Foxm errichtetes Seſrament ſoll ſechs Monate, nachdem der Teſtirer an einen andern Ort gelangt iſt, wo er⸗ die gewöͤhnlichen zormen beobachten kann, unguͤltig ſeyn. 4oid Is ud 120 985. Teſtamente, welche an einem Orte Hezuachtn wer⸗ den, womit alle Gemeinſchaft wegen der Peſt, oder irgend einer andern anſteckenden Krankbeit unterbrochen iſt, koͤn⸗ nen vor dem Friedensrichter oder, vor einem Municipal⸗Be⸗ amten aus der Gemeinde in Gegenwart zweyer Zeugen er⸗ richtet werden. Atch⸗ 212 6 Wt20 986. Dieſe Verfuͤgung gilt nicht pllein fuͤr diejenigen, welche mit dieſer Krankheit befallen ſind, ſondern auch fuͤr jene, die ſich an den hievon angeſteckten Orten befinden, wenn ſie ſchon ſelbſt nicht jetzt krank ſeyn ſollten. 987. Die in den beyden vorhergehenden Artikeln erwaͤhn⸗ ten Teſtamente werden ſechs Monate, nachdem die Gemein⸗ ſchaft an dem Orte, wo der Teſtirer ſich befindet, wieder hergeſtellt iſt, oder ſechs Monate, nachdem er ſich an einen Ort verfuͤgt hat, wo ſie gar nicht unterbrochen worden, unguͤltig. III. Buch. U. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 205 988. Die auf dem Meere waͤhrend einer Seereiſe gemach⸗ ten Teſtamente koͤnnen aufgenommen werden; naͤhmlich: Am Bord der Seeſthiffe oder anderer Fahrzeuge des Staates von dem Offizier, der das Schiff commandirt, oder in deſſen Ermangelung von demjenigen, der nach der Rang⸗ ordnung im Dienſte ſeine Stelle vertritt, und in einem wie im andern Falle zugleich noch von dem Verwaltungs⸗ Beamten, oder demjenigen, der deſſen Verrichtungen verſieht. Und auf Kauffahrteyſchiffen von dem Schreiber des Schif⸗ fes oder demjenigen, der deſſen Stelle verſieht, und in ei⸗ nem wie im andern Falle zugleich von dem Schiffs⸗Capi⸗ tain, dem Rehder oder Schiffs⸗Patron, oder bey deren Er⸗ mangelung von denjenigen, die ihre Stelle vertreten. In allen Faͤllen muͤſſen die Teſtamente in Gegenwart zweyer Zeugen aufgenommen werden. 989. Auf den Schiffen, welche dem Staate gehoͤren, kann das Teſtament des Capitains oder des Verwaltungs⸗Beam⸗ ten ſelbſt, und auf den Kauffahrteyſchiffen das Teſtament des Schiffs⸗Capitains, des Rehders oder Schiffs⸗Patron oder des Schreibers von denjenigen aufgenommen werden, die in der Ordnung des Dienſtes den naͤchſten Rang nach ihnen einnehmen. Man richtet ſich im uͤbrigen nach den Beſtim⸗ mungen des vorhergehenden Artikels. 990. In allen Faͤllen ſollen die in den beyden vorherge⸗ henden Artikeln erwaͤhnten Teſtamente zweyfach im Original ausgefertiget werden. 90 1. Laͤuft das Schiff in einen fremden Hafen ein, wo⸗ rin ſich ein Commiſſar der franzͤſiſchen Handlungs⸗Angele⸗ genheiten befindet, ſo ſind diejenigen, welche das Teſtament aufgenommen haben, verbunden, eins dieſer Originale ver⸗ ſchloſſen oder verſiegelt in die Haͤnde dieſes Commiſſars zu hinterlegen, der es zum Miniſter des Seeweſens gelangen laͤßt, und dieſer ſoll veranſtalten, daß es am Orte, wo der Teſtirer ſein Domicil hat, bey der Gerichtsſchreiberey des Friedensgerichtes hinterlegt werde. 205 III. Buch. II Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 992. Bey der Ruͤckkehr des Schiffes nach Frankreich, ſey es in den Hafen, wo es ausgeruͤſtet worden, oder in jeden andern, ſollen die beyden Originale des Teſtaments oder das⸗ jenige Original, das uͤbrig bleibt, wenn das andere dem vorhergehenden Artikel gemaͤß waͤhrend der Seereiſe ſchon hinterlegt worden iſt, gleichfalls verſchloſſen und verſiegelt auf das Bureau des préposé de l'inscription maritime aus⸗ geliefert werden. Dieſer Préposé ſoll ſie ohne Zeitverluſt an den Miniſter des Seeweſens gelangen laſſen, welcher ihre Hinterlegung auf die in demſelben Artikel beſtimmte Weiſe zu verordnen hat. 5. 903. Auf der Schiffsrolle ſoll da, wo der Nahme des Teſtirers eingetragen iſt, die in die Haͤnde eines Commiſ⸗ ſars der Commercial⸗Verhaͤltniſſe, oder auf das Bureau eines préposé de l'inscription maritime geſchehene Ueberlie⸗ ferung der Originale des Teſtaments am Rande bemerkt werden.— 994. Das Teſtament wird nicht fuͤr ein auf der See er⸗ richtetes angeſehen, obgleich es waͤhrend einer Seereiſe zu Stande gekommen, wenn zur Zeit, da es errichtet worden, das Schiff irgendwo, ſey es auf fremdem oder franzdſiſchem Gebiethe, wo ſich ein franzoͤſiſcher oͤffentlicher Beamter be⸗ findet, angelandet war. In dieſem Falle ſoll es nur dann guͤltig ſeyn, wenn es entweder nach den in Frankreich vor— geſchriebenen, oder nach den in dem Lande, wo es gefertiget wurde, gebrauchlichen Formen errichtet worden. 905. Die obigen Verfuͤgungen ſind auf die Teſtamente bloß reiſender Perſonen, die nicht unter die Schiffs⸗Mann⸗ ſchaft gehoͤren, ebenfalls anwendbar.— 906. Ein Teſtament, das auf dem Meere nach der im 988. Artikel beſtimmten Form errichtet worden, gilt nur in ſo fern, als der Teſtirer auf dem Meere, oder in den naͤch⸗ ſten drey Monaten ſtirbt, nachdem er au's Land geſtiegen, und zu einem Orte gelangt iſt, wo er es nach den gewoͤhn⸗ lichen Formen haͤtte ernenern koͤnnen. Ln — III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 202 997. Ein auf dem Meere errichtetes Teſtament kann kei⸗ ne Verfuͤgung zum Vortheile der Schiffs⸗Offiziere enthalten, wenn ſie dem Teſtirer nicht verwandt ſind. 998. Die unter den obigen Artikeln des gegenwaͤrtigen Abſchnittes begriffenen Teſtamente ſollen von den Teſtirern und denjenigen, welche ſie aufnehmen, unterzeichnet werden. Erklaͤrt der Teſtirer, er ſey im Schreiben unerfahren, oder koͤnne nicht unterzeichnen, ſo ſoll ſeiner Erklaͤrung, ſo wie der Urſache, die ihn am Unterzeichnen verhindert, er⸗ waͤhnt werden. In den Faͤllen, wo die Gegenwart zweyer Zeugen erfor⸗ dert wird, ſoll das Teſtament wenigſtens von einem aus ihnen unterzeichnet und der Urſache erwaͤhnt werden, wegen welcher der andere nicht unterzeichnet hat. 909. Ein Franzoſe, der ſich in einem fremden Lande be⸗ findet, kann ſeinen letzten Willen entweder in einem Acte unter Privat⸗Unterſchrift, ſo wie im 970. Artikel beſtimmt iſt, oder in einem authentiſchen Acte unter den Formen erklaͤren, die an dem Orte, wo er gefertiget wird, ge⸗ braͤuchlich ſind. 1000. Teſtamente, die in einem fremden Lande errichtet worden, koͤnnen, ſo viel die in Frankreich gelegenen Guͤter betrifft, nicht in Vollzug geſetzt werden, als nachdem ſie vorher auf dem Buͤreau des Wohnortes des Teſtirers, wenn er ein Domicil in Frankreich beybehalten hat, im entgegen⸗ geſetzten Falle aber auf dem Buͤreau des Ortes, der als ſein letztes Domicil in Frankreich bekannt iſt, einregiſtirt worden, und im Falle das Teſtament Verfuͤgungen uͤber Immobilien enthielte, die dort gelegen ſind, ſoll es uͤberdieß auf dem Buͤreau der gelegenen Guͤter einregiſtirt werden, ohne daß man gleichwohl doppelte Gebuͤhren fordern duͤrfe. 1001. Die Formalitaͤten, welchen die verſchiedenen Teſta⸗ mente nach den Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen und des vorhergehenden Abſchnittes unterworfen ſind, muͤſſen bey Strafe der Nichtigkeit beobachtet werden⸗ 4 201 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. Dritter Abſchnitt. Von den Erb⸗Einſetzungen, und den Vermächt⸗ niſſen im allgemeinen. 1002. Teſtamentariſche Verordnungen ſind entweder uni⸗ verſal; oder ſie geſchehen unter einem Univerſal⸗ oder unter einem Particular⸗Titel. Jede dieſer Verordnungen, ſie ſey unter dem Nahmen einer Erb⸗Einſetzung, oder unter dem Nahmen eines Ver⸗ maͤchtniſſes geſchehen, hat ihre Wirkung nach den fuͤr die Univerſal⸗Vermaͤchtniſſe, fuͤr die Vermaͤchtniſſe unter einem Univerſal⸗Titel, und fuͤr die Particular⸗Vermaͤchtniſſe hier unten beſtimmten Regeln. Vierter Abſchnitt. Von Univerſal⸗Vermäaͤchtniſſen. 1003. Ein Univerſal⸗Vermaͤchtniß iſt diejenige teſtamen⸗ tariſche Verſuͤgung, wodurch der Teſtirer einer oder mehrern Perſonen das ganze Vermoͤgen gibt, das er bey ſeinem Hin⸗ ſcheiden zuruͤcklaſſen wird. 1004. Sind beym Abſterben des Teſtirers Erben vor⸗ handen, denen das Geſetz einen aliquoten Theil feines Ver⸗ moͤgens vorbehaͤlt; ſo geht durch ſeinen Tod auf dieſe Er⸗ ben der Beſitz des ganzen zur Erbſchaft gehoͤrigen Vermoͤ⸗ gens ohne weiteres und von Rechtswegen uͤber, und der Univerſal⸗Legatar iſt ſchuldig, die Auslieferung des in dem Teſtament begriffenen Vermoͤgens von ihnen zu ver⸗ langen⸗ 1005. In ben dieſen Faͤllen hat der Univerſal⸗Legatar gleichwohl den Genuß des in dem Teſtamente begriffenen Vermoͤgens von dem Sterbetag anzurechnen, wenn nach die⸗ ſem Zeitpuncte das Geſuch um Auslieferung in Jahresfriſt angebracht worden; im entgegengeſetzten Falle nimmt der Genuß erſt mit dem Tage des bey Gerichte angebrachten Geſuches, oder mit dem Tage, da man die Auslieferung freywillig zugeſagt hat, ſeinen Anfang. III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 209 1006. Sind bey dem Hinſcheiden des Teſtirers keine Erben vorhanden, denen das Geſetz einen aliquoten Theil ſeines Vermoͤgens vorbehalten hat, ſo geht durch den Tod des Erblaſſers der Beſitz auf den Univerſal-Legatar von Rechtswegen uͤber, ohne daß er verbunden ſey, die Auslie⸗ ſerung zu begehren. 7 1007. Jedes eigenhaͤndige Teſtament ſoll, ehe es voll⸗ ſtreckt wird, dem Praͤſidenten des Gerichtes der erſten In⸗ ſtanz in dem Arrondiſſement, wo die Succeſſion eroͤffnet iſt, vorgelegt werden. Iſt dieſes Teſtament verſiegelt, ſo ſoll es geoͤffnet werden. Der Praͤſident fertigt einen Verbal⸗ Prozeß uͤber die Praͤſentation, die Eroͤffnung und uͤber den Zuſtand des Teſtaments, und befiehlt deſſen Hinterlegung in die Haͤnde eines von ihm beſtellten Notars. Iſt es in der Form eines geheimen Teſtaments geferti⸗ get, ſo geſchieht die Praͤſentation, Eroͤffnung, Beſchreibung und Hinterlegung auf dieſelbe Weiſe; die Eroͤffnung ſoll dann aber nur in Beyſeyn derjenigen Notarien, und der Zeugen, welche den Aufſchrifts⸗Act unterzeichnet haben, und die ſich am Orte befinden, oder nach voorlaͤufiger Berufung derſelben, vorgenommen werden. 1008. In dem Falle des 10006. Artikels iſt der Univer⸗ ſal⸗Legatar, wenn das Teſtament ein eigenhaͤndiges oder ge⸗ heimes iſt, verbunden, durch eine Ordonnanz des Präſiden⸗ ten ſich in den Beſitz einweiſen zu laſſen. Er uͤbergibt deß⸗ halb eine Bittſchrift, dieſer wird der Hinterlegungs⸗Act bey⸗ gefuͤgt, und unter der Bittſchrift die Ordonnanz geſetzt. 1009. Der Univerſal⸗Legatar, welcher mit einem Erben concurrirt, dem das Geſetz einen aliquoten Theil des Ver⸗ moͤgens vorbehaͤlt, hat fuͤr die, Schulden und Laſten der Erbſchaft des Teſtirers, perſoͤnlich nach Verhaͤltniß ſeines Antheils und ſeiner Erbportion, und hypothecariſch fuͤr den ganzen Ertrag zu haften; er iſt gleichfalls verbunden, alle Vermaͤchtniſſe zu berichtigen; in ſo fern nicht der Fall einer Verminderung eintritt, wie im 926, und 927. Artikel be⸗ ſtimmt iſt. 14 2o. Buch. ul. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. Fuͤnfter Abſchnitt. Von den Vermaͤchtniſſen unter einem univerſal⸗ 1 Titel. 1010. Ein Vermaͤchtniß unter einem Univerſal⸗Titel iſt dasjenige, wodurch der Teſtirer einen aliquoten Theil ſeines Vermoͤgens, woruͤber ihm das Geſetz zu verordnen erlaubt, zum Beyſpiele, die Haͤlfte, ein Drittel, oder alle ſeine Im⸗ mobilien, oder ſein ganzes Mobilar⸗Vermoͤgen oder einen be⸗ ſtimmten aliquoten Theil aller ſeiner Immobilien, oder ſei⸗ nes ganzen Mobilar⸗Vermoͤgens vermacht. Jedes andere Vermaͤchtniß ſtellt nur eine Verordnung unter einem Particular⸗Titel dar. 1611. Legatarien mit einem Univerſal⸗Titel ſind gehalten, von den Erben, welchen durch das Geſetz ein aliquoter Theil des Vermoͤgens vorbehalten iſt, in Ermangelung ſol⸗ cher Erben von den Univerſal⸗Legatarien, und, wenn es auch hieran gebricht, von den geſetzlichen Erben, wie ſie unter dem Titel von der Succeſſion nach der Ordnung beru⸗ fen ſind, die Auslieferung zu verlangen. 1012. Ein Legatar mit einem Univerſal⸗Titel iſt eben ſo, wie ein Univerſal⸗Legatar, fuͤr die Schulden und Laſten der Erbſchaft des Teſtirers zu haften verbunden, perſoͤnlich nach Verhaͤltniß ſeines Antheils und ſeiner Erbportion, und hypo⸗ thecariſch fuͤr ihren ganzen Ertrag. 1013. Hat der Teſtirer nur uͤber einen aliquoten Theil der ſeiner Verfuͤgung unterworfenen Portion verordnet, und dieß unter einem Univerſal⸗Titel gethanz ſo iſt ein ſolcher Legatar verbunden, mit den geſetzlichen Erben, jeder nach Verhaͤltniß, die Particular⸗Vermaͤchtniſſe zu berichtigen. Sechster Abſchnitit. Von particulair⸗Vermaͤchtniſſen. 1014. Jedes unbedingte Vermachtniß gibt dem Legatar von dem Tage an, da der Teſtirer geſtorben iſt, ein Recht an der vermachten Sache, das ſich auf ſeine Erben, oder die ſonſt in ſeine Stelle getreten ſind, transmittiren(vererben und uͤbertragen) laͤßt. ———, III. Buch. II. Tit. Von Schenkun gen und Teſtamenten. 211 Der Particular⸗Legatar kann gleichwohl ſich weder in den Beſitz der vermachten Sache einſetzen, noch auf die Fruͤchte oder Zinſen davon Anſpruch machen, als nur von dem Tage an, wo er das Geſuch um Auslieferung nach der im 1011. Artikel feſtgeſtellten Ordnung angebracht hat, oder von dem Tage an, da ihm dieſe Auslieferung freywillig zugeſagt worden. 1015. Die Zinſen oder Fruͤchte der vermachten Sache ge⸗ buͤhren dem Legatar von dem Sterbe⸗Tag anzurechnen, und ohne daß er ſeine Klage bey Gerichte angebracht hat: 1) Wenn der Teſtirer deßhalb in dem Teſtamente ſeinen Willen ausdruͤcklich erklaͤrt hat; 2) Wenn jemanden eine Leibrente oder eine Penſion unter dem Titel von Alimenten vermacht worden. 1016. Die Koſten der Klage auf Auslieſerung fallen der Erbſchaft zur Laſt, ohne daß gleichwohl der geſetzliche Vor⸗ behalt dadurch einigen Abzug erleiden ſoll. Die Einregiſtrirungs⸗Gebuͤhren hat der Legatar zu zahlen, Dieß alles hat Statt, wenn nicht in dem Teſtamente anders beſtimmt worden iſt. Jedes Vermaͤchtniß kann fuͤr ſich beſonders einregiſtrirt werden, ohne daß dieſes Einregiſtriren andern als dem Lega— tar, oder denjenigen, die in ſeine Stelle getreten ſind, Vor— theil verſchaffen koͤnne, 1017. Die Erben des Teſtirers, oder andere, welche ein Vermaͤchtniß zu leiſten verbunden ſind, haben fuͤr deſſen Be— richtigung perſoͤnlich, und zwar jeder nach Ertrag des An⸗ theils und der Portion, welche er aus der Erbſchaft erhaͤlt, zu haften. Hypothecariſch haften ſie fuͤr den ganzen Ertrag, in ſo weit der Werth der zur Erbſchaft gehoͤrigen Immobilien, in deren Beſitze ſie ſich befinden, dazu hinreicht. 1018. Die vermachte Sache ſoll mit dem nothwendigen gehoͤre, und in dem Stande abgeliefert werden, worin ſie Zu ſich an dem Sterbetag des Geſchenkgebers befindet. 212 III. Buch. U. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 1019. Hat der Teſtirer, der jemanden das Eigenthum an einem Grundſtuͤcke vermacht hatte, es ſpaͤterhin durch Erwerbungen vergroͤßert, ſo werden dieſe Erwerbungen, ohne eine neue Verordnung, nicht als Theile des Vermaͤchtniſſes angeſehen, wenn ſie ſchon daran grenzen ſollten. Anderſt verhaͤlt es ſich mit Verzierungen oder mit neuen Gebaͤuden, die auf dem vermachten Grundſtuͤcke angebracht worden ſind, oder mit einem eingeſchloſſenen Platze, deſſen Einfriedigung der Teſtirer erweitert hat. 1020. Wenn vor oder nach dem Teſtament die vermachte Sache fuͤr eine auf der Erbſchaft haftende Schuld oder ſelbſt fuͤr die Schuld eines Dritten zur Hypothek geſtellt, oder mit einem Nießbrauche beſchwert worden iſt, ſo iſt der⸗ jenige, welcher das Vermachtniß zu leiſten hat, ſie hievon zu befreyen nicht verbunden, es ſey dann, daß ihm dieſes durch eine ausdruͤckliche Verordnung des Teſtirers auferlegt worden. 1021. Hat der Teſtirer eine fremde Sache vermacht, ſo iſt das Vermaͤchtniß unguͤltig, der Teſtirer mag es gewußt haben oder nicht, daß ſie ihm nicht zugehre. 1022. Iſt jemanden eine Sache von einer gewiſſen Gat— tung ohne weitere Beſtimmung vermacht worden, ſo iſt der Erbe nicht ſchuldig, ſie von der beſten Qualitaͤt zu geben; er darf aber auch die ſchlechteſte nicht anbiethen. 1023. Was einem Glaͤubiger vermacht iſt, ſoll ihm auf ſeine Forderung nicht abgerechnet, und das einem Domeſti⸗ ken zugedachte Vermaͤchtniß nicht als Zahlung auf ſeinen Lohn angeſehen werden. 1024. Der Legatar mit einem Particular-Titel hat fuͤr die Schulden der Erbſchaft nicht zu haften, der Verminde⸗ rung des Vermaͤchtniſſes, wie hier oben beſtimmt iſt, und der hypothecariſchen Klage der Glaͤubiger jedoch unbeſchadet⸗ * III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 213 Siebenter Abſchnitt. Voön Teſtaments⸗Erxefutoren. 1025. Der Teſtirer kann einen oder mehrere zu Executo⸗ ren ſeines Teſtaments ernennen. 1026. Er kann ihnen den Beſitz ſeines Mobilar⸗Vermö⸗ gens entweder ganz oder auch nur zum Theile einraͤumen, der aber nicht uͤber Jahr und Tag von ſeinem Hinſcheiden anzurechnen dauern darf. Hat er ihnen dieſen Beſitz nicht eingeraͤumt, ſo koͤnnen ſie ihn nicht ſordern. 1027. Der Erbe kann dem Beſitze ein Ende machen, wenn er den Teſtaments⸗Executoren eine hinlaͤngliche Summe zur Zahlung der Mobilar⸗ Vermaͤchtniſſe anbiethet, oder be⸗ weiſet, daß ſie gezahlt ſeyen. 1028. Wer keine Verpflichtungen uͤbernehmen kann, iſt unfaͤhig, ein Teſtaments⸗Executor zu werden. 1020. Eine verheirathete Frau kann nicht anderſt, als mit Bewilligung ihres Mannes, die Vollziehung eines Te⸗ ſtaments annehmen. Lebt ſie in voͤlliger Guͤter⸗Separation, ſey es zufolge des Ehe⸗Contractes, oder kraft eines Urtheils, ſo kann ſie es mit der Bewilligung ihres Mannes, oder im Fall dieſer ſie weigert, unter der Autoriſation des Gerichtes, in Gemaͤß⸗ heit deſſen, was im 217. und 219. Artikel unter dem Titel von der Ehe beſtimmt iſt. 1030. Ein Minderjaͤhriger kann ſelbſt unter der Autori— ſation ſeines Vormundes oder Curators kein Teſtament⸗Execu⸗ tor werden. 1031. Die Teſtaments⸗Executoren ſollen die Siegel an— legen laſſen, wenn es unter den Erben Minderjaͤhrige, In⸗ terdicirte oder Abweſende gibt. Sie ſollen in Gegenwart des Praͤſumtiv⸗Erben, oder nach dem er hiezu gebuͤhrend berufen worden, ein Inventar uͤber das Erbſchafts⸗Vermoͤgen errichten laſſen. . 114 III. Buch. Il. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. Iſt zur Zahlung der Vermaͤchtniſſe nicht baares Geld genug vorraͤthig, ſo veranlaſſen ſie den Verkauf der Mo⸗ bilien. Sie haben fuͤr die Vollſtreckung des Teſtaments Sorge zu tragen, und koͤnnen, wenn uͤber deſſen Vollziehung Streit entſteht, als Intervenienten auftreten, um deſſen Guͤltigkeit zu behaupten. Sie ſind verbunden, beym Ablaufe des Sterbejahres des Teſtirers uͤber ihre Verwaltung Rechnung abzulegen. 1032. Die Vollmacht des Teſtaments⸗Executors geht auf deſſen Erben nicht uͤber. 1033. Gibt es mehrere Teſtaments⸗Executoren, welche angenommen haben; ſo kann auch einer allein bey Abgang der uͤbrigen handeln, und ſie ſind ſammt und ſonders(einer fuͤr alle und alle fuͤr einen) verbunden, uͤber das ihnen an⸗ vertraute Mobilar⸗Vermoͤgen Rechenſchaft zu geben, es ſey dann, daß der Teſtirer ihre Verrichtungen getheilt, und ein jeder von ihnen ſich auf diejenigen beſchraͤnkt habe, die ihm angewieſen waren. 1034. Auslagen, welche der Teſtaments⸗Executor um die Siegel anzulegen, bey dem Inventarium und der Rechnung gehabt hat, und die uͤbrigen, die ſich auf ſeine Amts⸗Ver⸗ richtungen beziehen, fallen der Erbſchaft zur Laſt. Achter Abſchnitt. Von Widerrufung der Teſtamente und den ßaͤllen, worin ſie kraftlos werden. 1035. Teſtamente koͤnnen weder ganz noch zum Theil anders als durch ein nachheriges Teſtament, oder durch einen Notarial⸗Act, der die Erklaͤrung des Teſtirers enthaͤlt, daß er ſeinen Willen geaͤndert habe, widerrufen werden. 1036. Spaͤter errichtete Teſtamente, worin die vorigen nicht ausdruͤcklich widerrufen ſind, machen in dieſen von den darin enthaltenen Verfuͤgungen nur jene unkraͤftig, die ſich III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 215 mit den neuen nicht vereinigen laſſen, oder mit ihnen im Widerſpruche ſtehen. 1037. Der in einem juͤngern Teſtamente geſchehene Wi⸗ derruf behaͤlt ſeine voͤllige Wirkung, wenn ſchon dieſer neue Act wegen der Unfaͤhigkeit des ernannten Erben oder des Legatars, oder wegen ihrer verweigerten Annehmung nicht zum Vollzug kommt. 1038. Jede Veraͤußerung, welche der Teſtirer mit der ganzen Sache, die er vermacht hat, oder mit einem Theile davon vornimmt, ſelbſt diejenige nicht ausgeſchloſſen, die durch Verkauf unter dem Vorbehalt des Widerkaufs oder durch Tauſch geſchehen, zieht den Widerruf des Ver⸗ maͤchtniſſes fuͤr alles das nach ſich, was veraͤuſſert worden, wenn ſchon die nachherige Veraͤußerung unguͤltig, und die veraͤußerte Sache wieder in die Haͤnde des Teſtirers gelangt ſeyn ſollte. 1039. Jede teſtamentariſche Verordnung zerfaͤllt, wenn derjenige, zu deſſen Vortheil ſie geſchehen iſt, den Teſtirer nicht uͤberlebt hat. 1040. Jede teſtamentariſche Verordnung, welche unter einer Bedingung geſchehen iſt, die von einer ungewiſſen Be⸗ gebenheit abhaͤngt, ſo daß nach der Abſicht des Teſtirers die Verordnung nicht vollſtreckt werden ſoll, als in ſo fern die Begebenheit ſich ereignen, oder nicht ereignen wird, zerfaͤllt, wenn der eingeſetzte Erbe, oder der Legatar noch vor Erfuͤl⸗ lung der Bedingung ſtirbt. 1041. Eine Bedingung, welche nach der Abſicht des Teſtirers nur die wirkliche Vollſtreckung ſeiner Verordnung aufſchieben ſoll, ſteht dem eingeſetzten Erben oder Legatar nicht im Wege, um ein erworbenes Recht, das auf ſeine Erben uͤbergehen kann, an der vermachten Sache zu haben. 1042. Ein Vermaͤchtniß faͤllt hinweg, wenn die vermach⸗ te Sache bey Lebzeiten des Teſtirers gänzlich zu Grunde ge⸗ gangen iſt, 4 215 fII. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. Eben ſo verhaͤlt es ſich, wenn ſie nach ſeinem Tode ohne Zuthun und ohne Verſchulden des Erben zu Grunde ge⸗ gangen, waͤre dieſer auch wegen Nicht-⸗Auslieferung in Verzug geſetzt worden, wenn ſie nur in den Haͤnden des Le⸗ gatars ebenfalls haͤtte zu Grunde gehen muͤſſen. 1043. Eine teſtamentariſche Verordnung verliert ihre Kraft, wenn der eingeſetzte Erbe oder der Legatar ſie aus⸗ ſchlaͤgt, oder unfaͤhig iſt, ſie anzunehmen. 1044. Wenn ein Vermaͤchtniß mehrern zuſammen zu⸗ gedacht worden, ſoll zum Vortheile der Legatarien ein Zu⸗ wachs⸗Recht Statt haben. Man ſieht ein Vermaͤchtniß als mehrern zuſammen zugedacht an, wenn es in einer und derſelben Verordnung ihnen zugedacht worden, und der Teſtirer nicht einem jeden der Mitlegatarien ſeinen Theil an der vermachten Sache an⸗ gewieſen hat. 1045. Man ſieht es ferner als mehrern zuſammen hinterlaſſen an, wenn eine Sache, die ſich ohne Verſchlim⸗ merung derſelben nicht theilen laͤßt, in demſelben Acte meh⸗ rern Perſonen, wenn ſchon einer jeden beſonders, vermacht worden, 2 1046. Eben die Urſachen, welche nach dem 954. Artikel und den zwey erſten Beſtimmungen des 953. Artikels unter dem gegenwaͤrtigen Titel die Klage auf Widerruf einer Schen⸗ kung unter den Lebenden begruͤnden, werden auch bey der Klage guf Widerruf teſtamentariſcher Verordnungen zuge⸗ laſſen. 1047. Gruͤndet ſich dieſe Klage auf eine grobe Unbild, die das Andenken des Teſtirers in ein nachtheiliges Licht ſetze, ſo muß ſie in einem Jahre, von dem Tage des began⸗ genen Verbrechens anzurechnen, angeſtellt werden⸗ III, Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 217 Sechstes Capitel. Von den Verordnungen, die zum Vortheile der Enkel des Geſchenkgebers oder Teſtirers, oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter erlaubt ſind. 1048. Eltern koͤnnen das Vermoͤgen, woruͤber ſie zu ver— ordnen berechtiget ſind, ganz oder zum Theile durch Acte unter Lebenden oder durch Teſtament einem oder mehrern ihrer Kinder unter der Bedingung verſchenken, daß ſie die— ſes Vermoͤgen den ſchon gebohrnen und den kuͤnftigen Kin⸗ dern der beſagten Geſchenknehmer, jedoch nur im erſten Grade, zuruͤckliefern ſollen. 1049. Guͤltig iſt ebenſalls, wenn der Verſtorbene keine Kinder zuruͤckließ, die Verordnung, die er in einem Acte unter Lebenden oder in einem Teſtamente zum Vortheile ei— nes oder mehrerer ſeiner Bruͤder oder Schweſtern uͤber ſein ganzes Vermoͤgen, oder uͤber einen Theil desſelben, in ſo weit es bey ſeiner Succeſſion keinem geſetzlichen Vorbehalt unterworfen iſt, unter der Bedingung gemacht hat, daß die— ſes Vermoͤgen, den wirklich gebohrnen und zukuͤnftigen Kin⸗ dern der beſagten Geſchwiſter als Geſchenknehmer jedoch nur im erſten Grade ausgeliefert werden ſoll. 1050. Die Verordnungen, welche in den beyden vorher⸗ gehenden Artikeln erlaubt werden, ſind nur in ſo fern guͤl— tig, als dem Beſchwerten, zum Vortheile aller ſeiner wirk— lich gebohrnen und zukuͤnftigen Kinder ohne Ausnahme, und ohne Vorzug des Alters oder des Geſchlechtes, die Reſti⸗ tution auferlegt iſt. 1051, Stirbt in den obigen Faͤllen derjenige, der mit der Reſtitution zum Vortheile ſeiner Kinder beſchwert war, und hinterlaͤßt theils Kinder im erſten Grade, theils Ab⸗ koͤmmlinge von einem fruͤher verſtorbenen Kinde, ſo erhal— ten dieſe letztere vermoͤge des Repraͤſentations⸗Rechtes das Antheil des vorverſtorbenen Kindes. 218 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 1052. Wenn ein Kind, ein Bruder oder eine Schyeſter, welchen unbedingt, und ohne Vorbehalt einer Reſtitution durch einen Act unter Lebenden einiges Vermoͤgen geſchenkt war, eine neue Freygebigkeit annehmen, die ihnen durch einen Act unter Lebenden oder durch Teſtament unter der Bedingung zugedacht iſt, daß die fruͤher geſchenkten Guͤter mit dieſer Laſt beſchwert ſeyn ſollen, ſo iſt es ihnen nicht mehr geſtattet, die beyden zu ihrem Vortheile geſchehe⸗ nen Verfuͤgungen zu trennen, und auf die zweyte zu ver⸗ zichten, um ſich an der erſten zu halten, wenn ſie ſich auch anbiethen wollten, die unter der zweyten Verfuͤgung begrif⸗ fenen Guͤter zuruͤckzugeben. 1053. Den Beguͤnſtigten fallen ihre Rechte in dem Zeit⸗ puncte an, da der Genuß des Kindes, des Bruders oder der Schweſter, welchen die Reſtitution auferlegt iſt, aus welcher Urſache es immer ſey, aufhoͤrt. Eine zum Beſten der Beguͤnſtigten vor der Zeit geſchehene Abtretung des Ge⸗ nuſſes kann den Glaͤubigern des Beſchwerten, welche ſchon vor dieſer Abtretung zu ſordern hatten, nicht zum Nachtheil gereichen. 1054. Die Frau eines Beſchwerten hat fuͤr den Fall, daß deſſen freyes Vermoͤgen nicht hinreicht, anderſt keinen ſubſi— diariſchen Regreß an den Guͤtern, welche der Reſtitution un⸗ terworſen ſind, als fuͤr das Capital ihrer Dotal-Gelder, und auch dieſes nur dann, wenn der Teſtirer es ausdruͤcklich ver⸗ ordnet hat. 1055. Wer die in den vorhergehenden Artikeln geſtatte⸗ ten Verfuͤgungen trifft, kann in demſelben oder in einem ſpaͤtern authentiſchen Acte einen Vormund ernennen, der mit der Vollziehung dieſer Verordnungen beauftragt wird. Um den Vormund von der Vollziehung dieſes Auftrages zu be⸗ freyen, wird eine der Urſachen erfordert, welche unter dem Titel von der Minderjaͤhrigkeit und Vormund⸗ ſchaft in dem 6. Abſchnitte des 2. Capitels ausgedruckt ſind. III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 2109 1056. In Ermangelung eines ſolchen Vormundes ſoll auf Betreiben des Beſchwerten, oder in ſo fern dieſer min— derjaͤhrig iſt, auf Betreiben ſeines Vormundes, in Monats— friſt von dem Tage anzurechnen, da der Geſchenkgeber oder der Teſtirer geſtorben, oder da nach ihrem Hinſcheiden der Act, welcher die Verordnung enthaͤlt, bekannt geworden iſt, ein Vormund ernannt werden. . 1057. Der Beſchwerte, welcher dem vorhergehenden Ar⸗ tikel kein Genuͤge geleiſtet haben wird, ſoll des Vortheils verluſtig ſeyn, den ihm die Verordnung verſchafft hatte, und auf Betreiben der Beguͤnſtigten, wenn ſie volljaͤhrig ſind, oder ihres Vormundes oder Curators, wenn ſie minderjaͤhrig oder interdicirt ſind, oder auf Betreiben eines jeden Verwandten der Beguͤnſtigten, dieſe ſeyen volljaͤhrig, minderjaͤhrig, oder interdicirt, oder auch ſelbſt von Amtswegen, auf Betreiben des Regierungs⸗Commiſſars(kaiſerlichen Procureur) bey dem Gerichte der erſten Inſtanz des Ortes, wo die Succeſſion er— dffnet worden, kann in dieſem Falle erklaͤrt werden, daß das Recht den Beguͤnſtigten(Subſtituirten) anerfallen ſey. 1058. Nach dem Tode desjenigen, welcher unter der Be⸗ dingung der Reſtitution verordnet hat, ſoll in den gewoͤhn⸗ lichen Formen zur Inventur aller Guͤter und Effecten geſchritten werden, die zu ſeinem Nachlaſſe gehoͤren, den Fall jedoch ausgenommen, wo es ſich nur um ein Particu— lar⸗Vermaͤchtniß handelt. Das Inoentarium ſoll eine Ab— ſchaͤtzung der Mobilien und Mobilar-Effecten nach ihrem wahren Werthe enthalten. 1039. Es ſoll auf Anſuchen des mit der Reſtitution Be⸗ ſchwerten und binnen der Zeitfriſt, die unter dem Titel von der Succeſſion beſtimmt iſt, in Beyſeyn des zur Voll⸗ ziehung ernannten Vormundes errichtet werden. Die Koſten werden aus dem unter der Verordnung begriffenen Vermoͤgen genommen. 1060. Iſt das Inventarium nicht binnen der obigen Zeit⸗ friſt auf Anſuchen des Beſchwerten errichtet worden, ſo ſoll in 210 IIE Buch. II Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. dem hierauf folgenden Monate auf Betreiben des zur Voll⸗ ziehung ernannten Vormundes in Beyſeyn des Beſchwerten oder ſeines Vormundes hiezu geſchritten werden. 1061. Iſt den beyden vorhergehenden Artikeln kein Ge⸗ nuͤge geſchehen, ſo ſoll auf Betreiben der im 1057. Artikel benannten Perſonen eben dieſes Inventarium gefertiget, und der Beſchwerte oder ſein Vormund ſowohl, als der zur Voll⸗ ziehung ernannte Vormund dazu berufen werden. 4 1062. Wer mit einer Reſtitution beſchwert iſt, ſoll ver⸗ bunden ſeyn, alle Mobilien und Effecten, welche unter der Verordnung begriffen ſind, nach cinem oͤffentlichen Anſchlag im Ausrufe verkaufen zu laſſen. Ausgenommen bleiben je⸗ doch diejenigen, wovon in den beyden folgenden Artikeln Er⸗ waͤhnung geſchieht. 1063. Der Hausrath(les meubles meublans) und andere Mobilar⸗Sachen, welche mit der ausdruͤcklichen Bedingung, daß ſie in Natur aufbewahrt werden ſollen, unter der Ver⸗ ordnung begriffen ſind, werden in dem Stande zuruͤckgelie⸗ fert, worin ſie ſich zur Zeit der Reſtitution befinden. 1064. Vieh und Feldgeraͤth, welche zur Land⸗Cultur die⸗ nen, werden als Zugehoͤre betrachtet, die unter den Schen⸗ kungen unter Lebenden oder durch Teſtamente, welche dieſes Land zum Gegenſtande haben, mitbegriffen ſind, und der Beſchwerte iſt nur verbunden, ſie abſchaͤtzen zu laſſen, um bey der Reſtitution einen gleichen Werth zu erſtatten. 1065. In einer Friſt von ſechs Monaten von dem Tage anzurechnen, da das Inventarium geſchloſſen worden, muß der Beſchwerte die Baarſchaft, die aus den verkauften Meu⸗ blen und Effecten geloͤſten Gelder, und was aus den Activ⸗ Forderungen eingegangen ſeyn wird, rentbar anlegen. Den Unſtaͤnden nach kann dieſe Friſt verlaͤngert wer⸗ den. 3 1066. Auf gleiche Weiſe iſt der Beſchwerte verbunden, diejenigen Gelder anzulegen, die aus den beygetriebenen Ac⸗ III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. a21 tiv⸗Forderungen, und durch erfolgte Abloͤſung der Renten bey ihm eingegangen ſind, und dieß laͤngſtens in drey Mo⸗ naten, nachdem er dieſe Gelder empfangen haben wird. 1067. Die Anlegung geſchieht nach Vorſchrift des Ge⸗ ſchenkgebers oder Teſtirers, wenn er die Art der Effecten angezeigt hat, worin ſein Vermoͤgen verwandelt werden ſoll; im entgegengeſetzten Falle darf ſie nur darin beſtehen, daß Immobilien oder Hypotheken auf Immobilien damit erwor⸗ ben werden. 1068. Die in den vorhergehenden Artikeln vorgeſchriebene Anlegung ſoll in Gegenwart und auf Betreiben des zur Voll— ziehung ernannten Vormundes geſchehen. 1069. Verordnungen durch Acte unter Lebenden, oder durch Teſtament, worin dem Berufenen die Reſtitution auf⸗ erlegt iſt, ſollen auf Betreiben des Beſchwerten oder des zur Vollziehung ernannten Vormundes oͤffentlich bekannt gemacht werden; ſo viel naͤhmlich die Immobilien betrifft, durch die Einſchreibung der Acte in die Regiſter auf dem Bureau des hypothèques des Ortes, wo die Immobilien gelegen ſind, und ſo viel die Summen betrifft, die gegen Hypothek auf Immobilien angelegt ſind, durch Einſchreibung auf die Guͤter, welche zur Hypothek geſtellt worden. 1070. Der Abgang der Transſcription des Actes, welcher die Verordnung enthaͤlt, kann von den Glaͤnbigern und je⸗ dem dritten Erwerber ſelbſt Minderjaͤhrigen oder Interdicir⸗ ten mit Vorbehalt ihres Regreſſes wider den Beſchwerten und den zur Vollziehung ernannten Vormund entgegengeſetzt werden, ohne daß uͤbrigens den Minderjaͤhrigen und Inter⸗ dicirten wider die Unterlaſſung der Transſcription die Wie⸗ dereinſetzung in den vorigen Stand zu ſtatten komme, ſelbſt wenn es dem Beſchwerten und dem Vormuͤnder an Zah⸗ lungs⸗Mitteln gebrechen ſollte. 1071. Dadurch, daß ein Glaͤnbiger oder ein deitter Er⸗ 8 2* 11 ls er Trans⸗ 1 werber wirklich auf einem andern Wege als jenem 222 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. ſeription Wiſſenſchaft von der Verordnung erlangt hatte, kann der Abgang der Transſcription weder erſetzt noch als gedeckt(fuͤr gehoben) angeſehen werden. 1072. In keinem Falle koͤnnen die Geſchenknehmer, Le⸗ gatarien, noch ſelbſt die geſetzlichen Erben desjenigen, der alſo verordnet haben wird, und eben ſo nicht ihre Geſchenk⸗ nehmer, Legatarien oder Erben den Abgang der Transſcrip— tion oder Einſchreibung den Beguͤnſtigten entgegenſetzen. 1073. Der zur Vollziehung ernannte Vormund iſt per⸗ ſoͤnlich verantwortlich, wenn er ſich nicht uͤberall nach den Regeln gerichtet hat, die hier oben feſtgeſtellt ſind, um das Vermoͤgen zu beurkunden, die Mobilien zu verkaufen, die Gelder anzulegen, und die Transſcription und Einſchreibung zu veranſtalten, und uͤberhaupt, wenn er nicht allen erfor⸗ derlichen Fleiß angewendet hat, damit die auferlegte Reſti⸗ tution wohl und getreu vollzogen werde. 1074. Iſt der Beſchwerte minderjaͤhrig, ſo kann er auch in dem Falle, da es ſeinem Vormunde an Zahlungs⸗Mit⸗ teln gebricht, wider die Nichtbefolgung der Regeln, die in den Artikeln des gegenwaͤrtigen Capitels ihm vorgeſchrieben ſind, nicht in den vorigen Stand geſetzt werden. Siebentes Capitel. Von Theilungen, die von dem Vater, von der Mutter oder andern Ascendenten unter ihren Descendenten vorgenommen werden. 1075. Eltern und andere Ascendenten koͤnnen nnter ih⸗ ren Kindern und Abkoͤmmlingen ihr Vermoͤgen theilen und ihnen die Loſe anweiſen. 1076. Dieſe Theilungen koͤnnen durch Acte unter Leben⸗ den oder teſtamentariſche Verfuͤgungen unter Beobachtung eben der Formen, Bedingungen und Regeln geſchehen, die fuͤr Schenkungen unter Lebenden und Teſtamente vorgeſchrie⸗ ben ſind. III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 223 Theilungen, welche durch Acte unter Lebenden geſchehen, konnen nur das ſchon vorhandene Vermoͤgen zum Gegen⸗ ſtande haben. 1077. Wenn nicht das ganze Vermoͤgen, das ein As— cendent an ſeinem Sterbetage hinterlaͤßt, in der Theilung begriffen iſt, ſo wird derjenige Theil des Vermoͤgens, der hierunter nicht begriffen war, nach Vorſchrift der Geſetze getheilt. 1078. Iſt die Theilung nicht unter allen Kindern, die zur Zeit des Hinſcheidens im Leben ſind, und den Abkoͤmm⸗ lingen der Vorverſtorbenen geſchehen, ſo iſt die Theilung fuͤr's Ganze unguͤltig. Eine neue Theilung in geſetzlicher Form kann ſowohl von den Kindern oder Abkoͤmmlingen, die hierin vorbeygegangen waren, als auch ſelbſt von den⸗ jenigen, unter welchen die Theilung geſchehen iſt, verlangt werden. 1079. Die von einem Ascendenten gemachte Theilung kann aus dem Grunde einer Verletzung, welche ein Viertel uͤberſteigt, angefochten werden; ſie kann ebenfalls angegrif⸗ fen werden, wenn ſich aus der Theilung und aus den Ver⸗ fuͤgungen, welche ein Voraus enthalten, ergeben ſollte, daß einer der Mittheilnehmer einen groͤßern Vortheil erhaͤlt als das Geſetz erlaubt. 1080. Das Kind, welches aus einer von den Urſachen, die im vorhergehenden Artikel ausgedruckt ſind, die von dem Ascendenten gemachte Theilung angreift, muß die Koſten der Abſchaͤtzung vorſchießen, und dieſe, ſo wie die Koſten des Rechtsſtreites fallen ihm definitiv zur Laſt, wenn ſeine Klage keinen Grund hat. Achtes Capitel. Von den Schenkungen in einem Heiraths⸗Cjon⸗ tracte zum Vortheile der Ehegatten, oder der aus der Ehe zu hoffenden Kinder. 1081. Jede Schenkung unter Lebenden, welche gegen⸗ waͤrtige Guͤter des Geſchenkgebers zum Gegenſtande hat, ob⸗ 224 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. gleich ſie in einem Heiraths-Contracte zum Vortheile der Ehegatten oder eines von ihnen geſchehen iſt, iſt den allge⸗ meinen Regeln unterworfen, welche fuͤr andere Schenkungen unter Lebenden vorgeſchrieben ſind. Sie kann nicht zum Vortheile kuͤnftiger Kinder Statt haben, es ſey dann in den hieroben im 6. Capitel aufge⸗ zaͤhlten Faͤllen. 1082. Die Eltern, ſo wie die uͤbrigen Ascendenten und Seiten⸗Verwandten der Ehegatten, und ſelbſt Fremde koͤnnen das Vermoͤgen, das ſie an ihrem Sterbetag zuruͤcklaſſen werden, ganz oder zum Theile, ſowohl zum Beſten der be⸗ ſagten Ehegatten, als auch, da der Geber den Ehegatten, dem die Schenkung geſchieht, uͤberleben wuͤrde, zum Vor⸗ theile der aus ihrer Ehe zu hoffenden Kinder verſchenken. Von einer ſolchen Schenkung, obgleich ſie nur den Ehe⸗ gatten oder einem von ihnen zum Vortheile geſchehen iſt, wird in dem eben bemerkten Falle, wo der Geſchenkgeber der Laͤngſtlebende iſt, immer vermuthet, daß ſie den kuͤnftigen Kindern und Abkoͤmmlingen aus dieſer Ehe zum Beſten ge⸗ ſchehen ſey. 1083. Ein Schenkung, welche nach der unter dem vor⸗ hergehenden Artikel ausgedruckten Form geſchehen iſt, ſoll einzig in dem Sinne unwiderruflich ſeyn, daß der Geber uͤber die in der Schenkung begriffenen Gegenſtaͤnde nicht mehr unter einem wohlthaͤtigen Titel verordnen darf, es ſey dann uͤber geringe Summen, vergeltungsweiſe oder auf eine an⸗ dere Art. 1084. Eine Schenkung, die in einem Heiraths⸗Contracte geſchieht, kann zu gleicher Zeit das gegenwaͤrtige und zukuͤnf⸗ tige Vermoͤgen, ganz oder zum Theile in ſich begreifen, mit dem Bedinge, daß dem Acte ein Verzeichniß angefuͤgt werde, worin die Schulden und Laſten des Geſchenkgebers verzeich— net ſind, wie ſie am Tage der Schenkung ſich vorfinden, in welchem Falle es dem Geſchenknehmer unbenommen bleibt, nach dem Tode des Gebers ſich an dem gegenwaͤrtigen Ver⸗ moͤgen zu halten, und auf die uͤbrigen Guͤter des Geſchenk⸗ gebers Verzicht zu thun. III. Buch. 11. Tit. Von Scheukungen und Teſtamenten. 225 1085. Iſt das Verzeichniß, wovon in dem vorhergehen⸗ den Artikel Erwaͤhnung geſchieht, dem Acte, der eine Schen⸗ kung des gegenwaͤrtigen und zukuͤnftigen Vermoͤgens enthaͤlt, nicht beygefuͤgt worden, ſo iſt der Geſchenknehmer verbun⸗ den, die Schenkung entweder ganz anzunehmen, oder ganz auszuſchlagen. Nimmt er ſie an, ſo kann er nur das Ver⸗ moͤgen in Anſpruch nehmen, das am Sterbetag des Teſti⸗ rers ſich vorfand, und er iſt zur Zahlung aller Schulden und Laſten der Erbſchaft verbunden, 1086. Eine Schenkung, die in einem Heiraths⸗Contracte zum Beſten der Ehegatten und der aus der Ehe zu hoffen⸗ den Kinder geſchieht, darf ferner noch die Clauſel enthalten, daß der Geſchenknehmer alle Schulden und Laſten der Erb⸗ ſchaft des Gebers ohne Unterſchied zahlen ſoll, oder unter andern Bedingungen geſchehen, deren Erfuͤllung von ſeinem Willen abhaͤngt, gleichviel wer der Geſchenkgeber ſey. Der Beſchenkte iſt verbunden, dieſe Bedingungen zu vollziehen, wenn er nicht lieber auf die Schenkung Verzichtuthun will, und ſo fern derjenige, der in einer Eheſtiftung geſchenkt hat, die Freyheit ſich vorbehalten haben ſollte, uͤber einen in der Schenkung ſeines gegenwaͤrtigen Vermoͤgens begriffenen Ge⸗ genſtand, oder uͤber eine beſtimmte, aus eben dieſem Ver⸗ moͤgen zu nehmende, Summe zu verordnen, ſo wird der Ge⸗ genſtand oder die Summe, wenn er ſtirbt, ohne daruͤber verordnet zu haben, als in der Schenkung begriffen, angeſe⸗ hen, und gehoͤrt dem Geſchenknehmer oder ſeinen Erben zu. 1087. Schenkungen, welche in einem Heiraths⸗Contracte geſchehen ſind, koͤnnen unter dem Vorwande, daß ſie nicht angenommen worden ſeyen, nicht angegliffen oder fuͤr un⸗ guͤltig erklaͤrt werden. 1088. Jede in der Abſicht eine Ehe zu ſtiften gemachte Schenkung iſt kraftlos, wenn die Ehe nicht erſolgt. 1089. Schenkungen, die einem der Ehegatten zum Vor⸗ theil auf die in dem 1082, 1084 und 1086. Artikel hie⸗ 15 226 III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. oben bemerkte Weiſe geſchehen ſind, werden kraftlos, wenn der Geſchenkgeber den beſchenkten Ehegatten und ſeine Nach⸗ kommenſchaft uͤberlebt. 5 1000. Alle den Ehegatten in ihrem Heiraths⸗Contracte gemachten Schenkungen ſind bey der Eroͤffnung der Suc⸗ ceſſion des Gebers der Reduction bis auf den aliquoten Theil, woruͤber er nach den Geſetzen verordnen konnte, un⸗ terworfen. Neuntes Capikel. Bon Verordnungen unter Ehegatten in dem Hei⸗ raths⸗Contracte oder waͤhrend der Ehe. 1091. Ehegatten koͤnnen in dem Heiraths⸗Contracte ſich wechſelſeitig oder auch einer dem andern jede Schenkung machen, die ſie fuͤr gut finden, unter den hier unten ausge⸗ druckten Modificationen, 1092. Eine Schenkung unter Lebenden, die ſich bloß auf gegenwaͤrtiges Vermoͤgen bezieht, und in einem Heiraths⸗ Contracte unter Ehegatten zu Stande gekommen, hat nie⸗ mahls den Sinn, als waͤre ſie unter der Bedingung geſche⸗ hen, wenn der Beſchenkte der Laͤngſtlebende ſeyn wuͤrde, ſo fern nicht dieſe Bedingung foͤrmlich ausgedruckt worden. Sie iſt allen den Regeln und Formen unterworfen, welche hier oben fuͤr dieſe Gattung von Schenkungen vorgeſchrie⸗ ben ſind. 1093. Eine einſeitige oder wechſelſeitige Schenkung, die ſich auf kuͤnftiges Vermoͤgen, oder auf gegenwaͤrtiges und kuͤnftiges Vermoͤgen bezieht, und unter Ehegatten in einer Eheſtiftung geſchehen iſt, iſt eben den Regeln unterworfen, welche in Beziehung auf aͤhnliche, von einem Dritten an ſie gemachte, Schenkungen in dem vorhergehenden Capitel vor⸗ geſchrieben ſind, mit dem Vorbehalt gleichwohl, daß ſie auf die aus der Ehe abſtammenden Kinder nicht uͤbergeht, wenn der Ehegatte, dem die Schenkung zugedacht worden, vor dem andern,(dem Geber) ſtirbt. III. Buch. II. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 22„ 1094. Ein Ehegatte kann fuͤr den Fall, da er keine Kin⸗ der oder Abkoͤmmlinge zuruͤcklaſſen wuͤrde, zum Vortheile des andern Ehegatten, ſey es durch einen Heiraths⸗Contract oder auch waͤhrend der Ehe, dem Eigenthum nach uͤber al⸗ les das verordnen, woruͤber er auch zum Vortheile eines Fremden verordnen duͤrfte, und nebſt dem noch uͤber den Nießbrauch der ganzen Erbportion, woruͤber das Geſetz zum Nachtheile der Erben zu verordnen verbiethet. Der Ehegatte, welcher die Schenkung macht, kann da⸗ gegen fuͤr den Fall, da er Kinder oder Abkoͤmmlinge zuruͤck⸗ laſſen wuͤrde, dem andern Ehegatten entweder ein Viertel eigenthuͤmlich und ein anderes Viertel zum Nießbrauche, oder die Haͤlfte ſeines ganzen Vermoͤgens zum Nießbrauche allein, verſchenken. 1095. Ein Minderjaͤhriger kann durch einen Heiraths⸗ Contract dem andern Ehegatten, ſey es durch eine einſeitige oder wechſeltige Schenkung nur mit Bewilligung und unter dem Beyſtande derjenigen ſchenken, deren Einwilligung zur Guͤltigkeit ſeiner Ehe erforderlich iſt, und mit dieſer Bewil— ligung ſteht es ihm frey, alles dasjenige zu ſchenken, was das Geſetz einem volljaͤhrigen Ehegatten an den andern durch Schenkung zu geben erlaubt. 1096. Alle Schenkungen welche unter Ehegatten waͤhrend der Ehe zu Stande gekommen ſind, ſind dem Widerrufe un⸗ terworfen, wenn man ſie ſchon als Schenkungen unter Le⸗ benden bezeichnet hätte. Die Frau kann ſie widerrufen, ohne hiezu von ihrem Manne oder vom Gerichte autoriſirt zu ſeyn. Wegen nachgebohrner Kinder ſollen dieſe Schenkungen nicht ihre Kraft verlieren. 1097. Ehegatten koͤnnen waͤhrend der Ehe weder durch einen Act unter Lebenden noch durch Teſtament ſich einander und gegenſeitig eine Schenkung in einem und demſelben Acte machen. 228 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 1098. Wer Kinder aus einer vorherigen Ehe hat, und zur zweyten oder weitern Ehe ſchreitet, es ſey der Mann oder die Frau, kann ſeinem neuen Ehegatten nicht mehr geben, als der Antheil eines ehelichen Kindes betraͤgt, das unter den uͤbrigen am wenigſten beguͤnſtiget iſt. In keinem Falle duͤrfen gleichwohl dieſe Schenkungen ein Viertel des Vermoͤgens uͤberſteigen. 1099. Ehegatten duͤrfen ſich durch Umwege und auf eine verdeckte Art nicht mehr ſchenken, als ihnen nach den obi— gen Beſtimmungen erlaubt iſt. Jede verſteckte oder an eine Mittelsperſon gemachte „ Schenkung iſt unguͤltig. 1100. Fuͤr Schenkungen, die an eine Mittelsperſon ge⸗ geſchehen ſind, werden geachtet die Schenkungen des einen Ehegatten an die Kinder oder an eins von den Kindern des andern Ehegatten, die aus einer andern Ehe entſproſſen ſind, und eben ſo die Schenkungen des Gebers an Ver⸗ wandte, deren Praͤſumtiv⸗Erbe der andere Ehegatte an dem Tage der Schenkung iſt, obgleich dieſer letzte ſeinen Ver⸗ wandten, dem die Schenkung geſchah, nicht uͤberlebt haben ſollte. Dritter Tit el. Von Contracten oder von Rechten und Ver⸗ bindlichkeiten, die aus Verträaͤgen ent⸗ ſtehen, im Allgemeinen. (Decretirt den 17. Pluvios 12. J. Promulgirt den 27. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Erſtes Capit el. Präliminar⸗Verfuͤgungen. 1101. Ein Contract iſt die Uebereinkunft, wodurch eine oder mehrere Perſonen ſich gegen eine oder mehrere andere verbinden etwas zu geben, zu thun, oder nicht zu thun. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 229 1102. Der Contract iſt ſynallagmatiſch oder zwey feitig, wenn die Contrahenten ſich wechſelweiſe einer gegen den Andern verpflichten. 1103. Er iſt einſeitig, wenn eine oder mehrere Per⸗ ſonen, gegen eine oder mehrere andere verbunden ſind, ohne daß dieſe letztern ſich hinwiederum zu etwas verbunden haͤt⸗ ten. 1104. Er iſt ein Tauſchvertrag im allgemeinen Sinne des Wortes, wenn von den Parteyen eine jede ſich verbindet etwas zu geben oder zu thun, das als der Ge— genwerth deſſen, was man ihr gibt oder fuͤr ſie thut, ange⸗ ſehen werden kann. Beſteht der Gegenwerth in der fuͤr beyde Theile eintre— tenden Moͤglichkeit des Gewinns oder Verluſtes, je nachdem ſich ein ungewiſſer Thatumſtand ereignet oder nicht, ſo iſt der Contract ein Spielvertrag. 1105. Ein wohlthaͤtiger Contract iſt derjenige, wo⸗ rin ein Betheiligter„dem andern einen durchaus unentgeld⸗ lichen Vortheil verſchafft. „ 1106. Ein laͤſtiger Contract iſt derjenige, der jede Partey etwas zu geben oder zu thun verbindet. 1107. Die Contracte, gleichviel, ob ſie einen eigenen Nahmen haben oder nicht, ſind allgemeinen Regeln unter⸗ worſen, welche der Gegenſtand des gegenwaͤrtigen Titels ſind. Die Regeln, welche gewiſſen Contracten eigen ſind, wer⸗ den unter den Titeln ſeſtgeſtellt, die ſich auf einen jeden dieſer Contracte beziehen, und die dem Handlungsverkehr eigenen Regeln werden durch die Geſetze beſtimmt, welche ſich auf die Handlung beziehen. a30 III Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. Zweytes Capitel. Von den Erforderniſſen, welche zur Guͤltigkeit der Vertraͤge weſentlich gehoͤren. 1108. Soll ein Vertrag guͤltig ſeyn, ſo gehoͤren dazu vier weſentliche Bedingungen: Einwilligung desjenigen Theils, der ſich verbindet; Deſſen Faͤhigkeit zu contrahiren; Eine gewiſſe Sache, welche den Gegenſtand der Verbind⸗ A lichkeit ausmacht; Eine erlaubte, der Verbindlichkeit zum Grunde liegende, Bewegurſache. Erſter Abſchnitt. Von der Einwilligung. 1109. Iſt die Einwilligung nur durch Irrthum gegeben, oder durch Gewalt erzwungen, oder durch Betrug und Arg⸗ liſt erſchlichen worden; ſo iſt ſie nicht guͤltig. 1110. Der Irrthum begruͤndet nur dann die Nichtigkeit des Vertrags, wenn er die Subſtanz der Sache betrifft, welche den Gegenſtand davon ausmacht. Er iſt kein Grund der Nichtigkeit, wenn er ſich nur auf die Perſon bezieht, womit man zu contrahiren die Abſicht hat, es ſey dann, daß Ruͤckſicht auf dieſe Perſon die Haupt⸗ wurſache der Vereinbarung geweſen. 1111. Zwang, welcher wider denjenigen ausgeuͤbt worden, der die Verbindlichkeit uͤbernahm, iſt ein Grund der Nichtig⸗ 1 keit, haͤtte ihn auch ein Anderer, als der, zu deſſen Vortheile der Vertrag geſchloſſen worden, ein Dritter, angewandt. 1112. Zwang iſt alsdann vorhanden, wenn er von der Beſchaffenheit iſt, um auf eine geſetzte Perſon Eindruck zu machen, und wenn er bey ihr die Furcht erregen kann, daß ſie ſich ſelbſt oder ihr Vermoͤgen einem betraͤchtlichen und gleich bevorſtehenden Uebel ausſetzen wuͤrde. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 231 Man nimmt in dieſem Stuͤcke Ruͤckſicht auf das Alter, das Geſchlecht und die Beſchaffenheit der Perſonen. 1113. Der Zwang begruͤndet die Nichtigkeit des Contrac⸗ tes nicht allein, wenn er an dem Contrahenten ſelbſt, ſon⸗ dern auch, wenn er an deſſen Ehegatten, ſeiner Ehegattinn, ſeinen Abkoͤmmlingen oder feinen Ascendenten gebraucht wor⸗ den. 1552 i uns 1114. Bkoß ehrerbirthige Furcht gegen den Vater, die Mutter oder einen andern Ascendenten, wobey kein Zwang angewandt worden, iſt nicht hinreichend, um den Contract fuͤr unguͤltig zu erklaͤren. 1115. Ein Contract kann aus dem Grunde eines Zwan⸗ ges nicht mehr angegriffen werden, wenn eben dieſer Con⸗ tract, ſeitdem die Gewalt aufgehoͤrt hat, entweder ausdruͤck⸗ lich oder ſtillſchweigend, oder dadurch genehmiget worden iſt, daß man die zur Wiedereinſetzung in den vorigen Stand durch die Geſetze beſtimmte Zeit verſtreichen ließ. 1116. Der Betrug bewirkt die Nichtigkeit des Vertrags, wenn die von einem der Contrahenten gebrauchten Kunſt⸗ griffe von der Art ſind,, daß offenbar der andere Theil ohne dieſe Kunſtgriffe nicht contrahirt haben wuͤrde. Man vermuthet ihn nicht, und er muß bewieſen werden. 1117. Ein Vertrag, der aus Irrthum, der durch Zwang oder Betrug zu Stande gekommen, iſt nicht ſchon kraft des Geſetzes an und fuͤr ſich unguͤltig; er begruͤndet nur eine Klage auf Vernichtung oder Wiederaufhebung(Resciſſion) in den Faͤllen, die unter dem gegenwaͤrtigen Titel im 7. Abſchnitte des 5. Capitels erklaͤrt ſind, und auf die dort ausgedruckte Weiſe. 1118. Verletzung ſchadet der Guͤltigkeit der Vertraͤge nicht, als bey gewiſſen Contracten, oder in Hinſicht gewiſſer Perſonen, wie in demſelben Abſchnitte erklaͤrt werden ſoll. 1119. In ſeinem eigenen Nahmen kann man uͤberhaupt weder etwas verſprechen, noch ſich bedingen, als fuͤr ſich ſelbſt. 232 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 1120. Man kann ſich gleichwohl fuͤr einen Dritten dar⸗ ſtellen, und eine, Handlung verſprechen, die dieſer leiſten ſoll, in welchem Falle derjenige, der fuͤr den Dritten ſich dargeſtellt, oder deſſen Genehmigung zu erwirken verſprochen hat, zur Schadloshaltung verbunden iſt, wenn der Dritte ſich weigert das Verſprechen zu. halten. 112I. Auf gleiche Weiſe kann man zum Vortheile eine Dritten ſich etwas ausbehalten, wenn dieß die Bedingung einer Angelobung, iſt, die man ſich ſelbſt machen laͤßt, oder einer Schenkung, die man einem Andern macht. Wer dieſe Stipulation geſchloſſen hat, kann nicht mehr davon abgehen, ſo fern der Dritte erklärt hat. daß er ſie zu benutzen ge⸗ denke. 1 1 1122. Man hat die Vermuthung zur Seite, daß man nicht bloß fuͤr ſich, ſondern auch fuͤr ſeine Erben und Ceſſio⸗ narien ſich habe verſprechen laſſen, es ſey dann, daß das Gegentheil ausgedruckt worden, oder aus der Natur des Vertrags von ſelbſt folge. 4. Zweyter Abſchniſtt. Von der Faͤhigkeit der contrahirenden Theile⸗ 1123. Ein jeder kann contrahiren, in ſo fern er nicht von dem Geſetze dazu unfaͤhig erklaͤrt iſt. 1124. Unfaͤhig zum Contrahiren ſind: Die Minderjaͤhrigen; Die Interdicirten; Die verheiratheten Frauen in den Fallen, welche das Ge⸗ ſetz ausdruckt; Und uͤberhaupt alle diejenigen, denen das Geſetz gewiſſe Contracte unterſagt hat. 1125. Ein Minderjaͤhriger, Interdicirter und eine verhei⸗ rathete Frau koͤnnen aus dem Grunde einer Unfahigkeit ihr Verſprechen nicht anfechten, als in den durch das Geſetz be⸗ ſtimmten Faͤllen. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 233 Perſonen, die faͤhig ſind, eine Verbindl ichkeit zu uͤber— nehmen, koͤnnen ſich auf die Unfaͤhigkeit des Minderjaͤhrigen, des Interdicirten, oder der verheiratheten Frau, womit ſie contrahirt haben, nicht beziehen. Dritter Abſchnitt. Von dem Gegenſtande und der Materie der Contracte. 1126. Jeder Contract hat eine Sache zum Gegenſtande, die entweder ein Theil ſich verbindet zu geben, oder die ein Theil ſich verbindet zu thun oder nicht zu thun. 1127. Der bloße Gebrauch oder der bloße Beſitz einer Sache kann, ſo wie die Sache ſelbſt, der Gegenſtand eines Contracts ſeyn. 1128. Nur Sachen, die dem rechtlichen Verkehr nicht ent— zogen ſind, koͤnnen der Gegenſtand eines Vertrags ſeyn. 1129. Die Verpflichtung muß eine Sache zum Gegen⸗ ſtande haben, die wenigſtens ihrer Gattung nach beſtimmt iſt. Ihr Betrag kann ungewiß ſeyn, vorausgeſetzt, daß man zu deſſen Beſtimmung gelangen kann. 1130. Auch zukuͤnftige Sachen koͤnnen der Gegenſtand einer Verpflichtung ſeyn. Man kann indeß auf eine noch nicht angefallene Erb⸗ ſchaft nicht Verzicht thun, noch uͤber eine ſolche Erbſchaft irgend einen Vertrag ſchließen, ſelbſt nicht mit Bewilligung desjenigen, von deſſen Nachlaße die Rede riſt. Vierter Abſchnitt. Von dem Beweggrunde. 1131. Eine Verpflichtung, die gar keinen Beweggrund hat, oder auf einem falſchen oder auf einem unerlaubten Be⸗ weggrunde beruhet, kann keine rechtliche Wirkung hervor⸗ bringen. 234 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 1132. Aus der Urſache allein wird gleichwohl der Ver⸗ trag nicht unguͤltig, daß der Beweggrund deſſelben nicht ausgedruckt iſt. 1133. Der Beweggrund iſt unerlaubt, wenn er von dem Geſetze verbothen, wenn er den guten Sitten, oder der fuͤr's allgemeine Wohl eingefuͤhrten Ordnung zuwider iſt. Drittes Capitel. Von den Wirkungen der Verpflichtungen. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 1134. Rechtmaͤßig abgeſchloſſene Vertraͤge gelten als Ge⸗ ſetze unter denjenigen, die ſie geſchloſſen haben. Nur mit ihrer gegenſeitigen Einwilligung oder aus Urſa⸗ chen, welche das Geſetz billiget, laſſen ſie ſich widerrufen. Sie muͤſſen redlich, ohne Gefaͤhrde und Argliſt, vollzo⸗ gen werden. 1135. Vertraͤge verbinden nicht nur zu demjenigen, was hierin ausgedruckt iſt, ſondern auch noch zu allem, was die Billigkeit, der Gebrauch oder das Geſetz der Verbindlichkeit, ihrer Natur nach, als Folge beylegt. Zweyter Abſchnitt. Von der Verpflichtung etwas zu geben. 1136. Die Schuldigkeit etwas zu geben zieht die weitere Verbindlichkeit nach ſich, die Sache zu uͤberliefern, und bis zur Ueberlieferung ſie aufzubewahren, bey Straſe dem Glaͤu⸗ biger(dem Berechtigten) allen Schaden und entbehrten Ge⸗ winn zu erſetzen. 1137. Die Schuldigkeit fuͤr die Erhaltung der Sache zu wachen, verpflichtet denjenigen, dem ſie aufliegt, allen Fleiß eines guten Hauswirths darauf zu verwenden, gleichviel ob der Vertrag nur den Vortheil eines der Contrahenten, oder ihren gemeinſchaftlichen Nutzen zum Gegenſtande habe. 4 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 235 Mehr oder weniger ausgedehnt iſt dieſe Verbindlichkeit in Beziehung auf gewiſſe Contracte, deren Wirkungen in dieſer Hinſicht unter den ſie betreffenden Titeln entwickelt ſind. 1138. Die Verpflichtung eine Sache zu uͤberliefern er⸗ haͤlt ihre voͤllige Exiſtenz durch die bloße Einwilligung der contrahirenden Theile. Sie macht den Berechtigten zum Eigenthuͤmer und uͤber⸗ traͤgt auf ihn die Gefahr der Sache von dem Augenblicke an, wo ſie uͤberlieſert werden ſollte, obgleich die Uebergabe nicht erfolgt iſt, der Schuldner ſey dann im Verzug, die Sache zu liefern, in welchem Falle ſie auf Gefahr dieſes Letztern bleibt. 1130. Der Schuldner wird in Verzug verſetzt, ſo wohl durch eine Aufforderung oder durch einen andern gleichgel⸗ tenden Act, als durch die Folge des Vertrags, wenn hierin enthalten iſt, daß durch den bloßen Verfall des Termins und ohne daß es eines weitern Actes beduͤrſe, der Schuld⸗ ner in Verzug ſeyn ſoll, 1140. Die Wirkungen der Verpflichtung ein unbewegliches Gut zu geben oder zu uͤberliefern werden unter dem Titel vom Verkaufe und unter dem Titel von Vorzugs⸗ vechten und Hypotheken beſtimmt. 1141. Iſt die Sache, die man zu geben oder zu uͤberlie— fern ſich gegen zwey Perſonen vor und nach verbunden hat, eine bloß bewegliche Sache; ſo wird unter beyden diejenige vor⸗ gezogen, die in den wirklichen Beſitz der Sache geſetzt wor⸗ den, und ſie bleibt Eigenthuͤmer davon, wenn ſchon ihr Ti⸗ tel von einem juͤngern Datum ſich herſchreibt, vorausgeſetzt nur, daß es ein redlicher Beſitz ſey. 4 0 236 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. Dritter Abſchnitt. Von der Verpflichtung etwas zu thun oder nicht zu thun. 1142. Jede Verpflichtung etwas zu thun oder nicht zu thun, loͤſt ſich, in ſo fern ſie von Seiten des Schuldners nicht erfuͤllt wird, in die Verbindlichkeit auf, den Schaden und entbehrten Gewinn zu erſetzen. 1143. Der Glaͤubiger hat gleichwohl das Recht zu for⸗ dern, daß alles zerſtoͤrt werde, was etwa dem Verſprechen zuwider unternommen worden; er kann ſich ebenfalls ermaͤch⸗ tigen laſſen, es ſelbſt auf Koſten des Verpflichteten zu zer⸗ ſtoͤren. Sein Anſpruch auf Schadenserſatz und Leiſtung des Interreſſe, in ſo weit er ſonſt Statt hat, bleibt ihm hie— bey vorbehalten. 1144. Bleibt die Verpflichtung unerfuͤllt; ſo kann der Glaͤubiger gleichfalls ermaͤchtiget werden, ſie ſelbſt auf Ko⸗ ſten des Schuldners vollziehen zu laſſen. 1145. Bey einer Verpflichtung etwas nicht zu thun, iſt derjenige, der ihr zuwider handelt, ſchon dadurch allein ver⸗ bunden, den Schaden zu erſetzen und das Intereſſe zu leiſten. VBierter Abſchnitt. Von dem Schadenserſatze und von der Leiſtung des Intereſſe, als Folge der Nicht⸗Erfuͤllung einer Verpflichtung. 1146. Zum Schadenserſatze und zur Leiſtung des Inte⸗ reſſe iſt ein Schuldner nur dann verbunden, wenn er im Berzug iſt, ſeiner Verpflichtung Genuͤge zu thun. Ausge⸗ nommen bleibt gleichwohl der Fall, wo das, was der Schuld⸗ ner zu geben oder zu thun ſich anheiſchig gemacht hatte, nur in einer gewiſſen Zeit, die er verſtreichen ließ, gegeben oder gethan werden konnte. 1147. Der Schuldner, ſey es, daß er ſeiner Verpflich⸗ tung durchaus kein Genuͤge geleiſtet, oder die Erfuͤllung ver⸗ III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 237 zoͤgert hat, wird zum Schadenserſatze und zur Leiſtung des Intereſſe, in ſo fern uͤbrigens der Fall dazu geeignet iſt, ſo oft verurtheilt, als er nicht beweiſt, daß die Nicht⸗Erfuͤllung von einer fremden Urſache herruͤhrt, die ihm nicht beygemeſ— ſen werden kann, obgleich von ſeiner Seite gar keine boͤſe Abſicht untergelaufen. 1148. Die Klage auf Schadenserſatz und Leiſtung des Intereſſe hat durchaus nicht Statt, wenn der Schuldner durch die Folge einer hoͤhern Gewalt oder eines Zufalls ent— weder verhindert worden iſt, zu geben oder zu thun, wozu er verbunden war, oder gethan hat, was ihm verbothen ge— weſen. 1140. Schadenserſatz und Leiſtung des Intereſſe, die ein Glaubiger zu fordern hat, erſtrecken ſich durchgehends auf den Verluſt, den er erlitten hat, und auf den Gewinn, der ihm entzogen worden, mit Vorbehalt der hier folgenden Ausnah⸗ men und Einſchraͤnkungen. 1150. Iſt die Verpflichtung nicht durch Argliſt des Schuld⸗ ners unerfuͤllt geblieben, ſo hat er den Schaden und ent⸗ behrten Gewinn nur in ſo weit zu erſetzen, als ſie zur Zeit des Contracts vorhergeſehen worden ſind oder vorhergeſehen werden konnten. 1151. Selbſt in dem Falle, wo die Nicht⸗Erfuͤllung des Vertrags von einer Argliſt des Schuldners herruͤhrt, ſoll der Schadenserſatz und die Leiſtung des Interreſſe, in Beziehung auf den Verluſt, den der Glaͤubiger erlitten hat, und auf den Gewinn, der ihm entzogen worden, mehr nicht begreifen, als was eine unmittelbare und directe Folge der Nicht⸗Er⸗ fuͤllung des Vertrags iſt. 1152. Enthaͤlt der Vertrag die Zuſage, daß derjenige, der ihn nicht erfuͤllen wuͤrde, fuͤr Schadenserſatz und ent— behrten Gewinn eine beſtimmte Summe zahlen ſoll; ſo darf dem andern Theile weder mehr, noch weniger, als dieſe Summe, zuerkannt werden. 238 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeite 1153. Bey Verpflichtungen, die ſich auf Zahlung einer gewiſſen Summe beſchraͤnken, beſteht der Schadenserſatz und die Leiſtung des Interreſſe, in ſo weit ſie als Folge einer Verzoͤgerung in Erfuͤllung des Vertrags anzuſehen ſind, al⸗ lemahl nur darin, daß der Verpflichtete verurtheilt wird, die durch das Geſetz beſtimmten Zinſen zu zahlen, mit Vor⸗ behalt der auf Handlungsgeſchaͤfte und auf Verbuͤrgungen ſich beziehenden beſondern Regeln. Dieſer Schadenserſatz nebſt der Leiſtung des Interreſſe gebuͤhrt dem Glaͤubiger ohne daß er verbunden ſey, irgend einen Verluſt zu beweiſen. Sie gebuͤhren ihm nur vom Tage der Anforderung, den Fall jedoch ausgenommen, wo das Geſetz beſtimmt, daß der Zinſenlauf ohne weiteres von Rechtswegen anfangen ſoll. 1154. Zinſen, die von Capitalien faͤllig ſind, koͤnnen wiederum Zinſen bringen, ſey es durch eine gerichtliche Klage, oder durch eine beſondere Uebereinkunft, vorausgeſetzt daß bey der Klage ſo wohl, als bey der Uebereinkunft von Zin⸗ ſen die Rede ſey, die man wenigſtens fuͤr ein ganzes Jahr zu fordern hat. 1155. Faͤllige Einkuͤnfte, als Paͤchte, Miethgelder, ruͤck⸗ ſtaͤndige Erb⸗ oder Leibrenten bringen gleichwohl Zinſen von dem Tage der Anforderung oder der Uebereinkunft. Dieſelbe Regel gilt bey dem Fruͤchtenerſatz, und bey Zin⸗ ſen, die ein Dritter dem Glaͤubiger fuͤr Rechnung des Schuld— ners gezahlt hat. Fuͤnſter Abſchnitt. Von der Auslegung der Vertraͤge. 1156. Bey Vertraͤgen muß man eher nachforſchen, was die gemeinſchaftliche Abſicht der contrahirenden Theile war. als bey dem buchſtaͤblichen Sinne der Worte ſtehen bleiben. 1157. Eine doppelſinnige Clauſel muß man eher in dem Sinne nehmen, worin ſie einige Wirkung hervorbringen ul. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 239 kann, als in dem Sinne, worin ſie unwirkſam bleiben wuͤrde. 1158. Doppelſinnige Ausdruͤcke muͤſſen in dem Sinne ge⸗ nommen werden, der ſich zum Gegenſtande des Contractes am beſten reimt.. 1159. Was zweydeutig iſt, erhaͤlt ſeine Auslegung aus dem, was in dem Lande uͤblich iſt, wo der Contract ge⸗ ſchloſſen worden. 1160. In einem Contracte muß man die Clauſeln, die hierin uͤblich ſind, hinzudenken, obſchon ſie darin nicht aus— gedruckt worden. 1161. Von allen Clauſeln der Vertraͤge erhaͤlt eine ihre Auslegung durch die andere, indem man einer jeden den Sinn beylegt, der ſich aus dem ganzen Acte ergibt. 1162. Im Zweifel wird ein Vertrag wider denjenigen aus⸗ gelegt, der ſich was ausbedungen, und zum Vortheile deſ⸗ ſen, der die Verbindlichkeit uͤbernommen hat. 1163. So allgemein auch immer die Ausdruͤcke ſeyn moͤ⸗ gen, worin ein Vertrag abgefaßt iſt, ſo erſtreckt er ſich gleichwohl nur auf diejenigen Sachen, wovon es ſich zeigt, daß die Betheiligten daruͤber zu contrahiren Vorhabens ge⸗ weſen ſind. 1164. Hat man in einem Contracte zur Erlaͤuterung der Verbindlichkeit einen Fall ausgedruckt, ſo wird nicht ver⸗ muthet, daß man dadurch den Umfang habe beſchraͤnken wol⸗ len, den die Verpflichtung in andern nicht ausgedruckten Faͤllen erhaͤlt. Sechster Abſchnitt. Von der Wirkung der Vertraͤge in Abſicht auf dritte Perſonen. G 1163. Vertraͤge bringen nur unter den contrahirenden Theilen eine Wirkung hervor; einem Dritten gereichen ſie zu keinem Nachtheil; ſie nuͤtzen ihm ebenſalls nicht, als in dem Falle, der im 1121. Art, beſtimmt iſt⸗ „40 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 1166. Die Glaͤubiger koͤnnen gleichwohl alle Rechte und Klagen ihres Schuldners geltend machen, diejenigen ausge⸗ nommen, die ausſchließlich der Perſon ankleben. 1167. Sie koͤnnen gleichfalls in ihrem eigenen Nahmen die Handlungen anfechten, die ihr Schuldner zum Abbruche ihrer Rechte unternommen hat. Sie muͤſſen gleichwohl, ſo viel ihre Rechte betrifft, die unter dem Titel von der Succeſſion und unter dem Titel von dem Heiraths⸗Contracte und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten, ausge⸗ druckt ſind, nach den dort vorgeſchriebenen Regeln ſich richten⸗ Viertes Capitel. Von den verſchiedenen Gattungen der Ver⸗ bindlichkeiten. Erſter Abſchnitt. Von bedingten Verpflichtungen. K. I.. Von der Bedingung im allgemeinen und ihren verſchiedenen Gattungen. 1168. Eine Verbindlichkeit iſt bedingt, wenn man ſie von einer kuͤnftigen und ungewiſſen Begebenheit abhaͤngig gemacht hat, ſey es, daß man ſie aufſchob, bis die Begebenheit ſich ereignen wuͤrde, oder daß man davon abging, je nach⸗ dem die Begebenheit ſich ereignen wuͤrde oder nicht. 1169. Eine zu faͤllige Bedingung iſt diejenige, welche vom Zufall abhaͤngt, und die auf keine Weiſe in der Gewalt des Glaͤubigers oder Schuldners ſteht. 1170. Eine will kuͤrliche Bedingung iſt diejenige, wo⸗ durch die Vollziehung des Vertrags einer Begebenheit unter⸗ geordnet wird, welche herbeyzufuͤhren oder zu verhindern in der Gewalt des einen oder des andern der contrahirenden Theile ſteht.— III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 241 1171. Eine vermiſchte Bedingung iſt diejenige, die zu gleicher Zeit von dem Willen eines der contrahirenden Theile und von dem Willen eines Dritten abhaͤngt. 1172. Jede Bedingung iſt unguͤltig, die eine unmoͤgliche Sache zum Zwecke hat, oder den guten Sitten zuwider, oder durch das Geſetz verbothen iſt, und ſie macht den Ver⸗ trag, der davon abhaͤngt, unguͤltig. 1173. Die Bedingung etwas nicht zu thun, was ohnehin unmoͤglich iſt, macht die unter dieſer Bedingung eingegan— gene Verbindlichkeit nicht unguͤltig. 1174. Jedes Verſprechen iſt unguͤltig, wenn es unter ei⸗ ner Bedingung geſchehen iſt, die von der Willkuͤr desjenigen abhaͤngt, der ſich verbindet. 1175. Jede Bedingung muß auf die Weiſe erfuͤllt wer— den, wie die Betheiligten wahrſcheinlich gewollt und verſtan⸗ den haben, daß ſie erfuͤllt werden ſollte. 1176. Iſt es bey einer eingegangenen Verbindlichkeit zur Bedingung gemacht worden, daß eine Begebenheit in einer beſtimmten Zeit ſich zutragen ſoll; ſo nimmt man an, daß die Bedingung nicht zur Wirklichkeit gekommen ſey, ſo bald die Zeit verſtrichen iſt, ohne daß ſich die Begebenheit ereig— net haͤtte. Iſt keine Zeit beſtimmt; ſo kann die Bedingung zu jeder Zeit erfuͤllt werden, und nur alsdann nimmt man an, daß ſie nicht zur Wirklichkeit gekommen ſey, wenn es zur Gewißheit geworden iſt, daß die Begebenheit ſich nicht ereignen wird. 1177. Hat man es bey einer eingegangenen Verbindlichkeit zur Bedingung gemacht, daß eine Begebenheit in einer beſtimm⸗ ten Zeit ſich nicht ereignen ſoll; ſo iſt dieſe Bedingung erfuͤllt, ſo bald die Zeit verſtrichen iſt, ohne daß die Begebenheit ſich ereignet hat; ſie iſt gleichfalls erfuͤllt, wenn es vor Ablauf der Zeit ſchon zur Gewißheit geworden iſt, daß die Begebenheit ſich nicht ereignen wird. Iſt keine Zeit be⸗ ſtimmt, ſo iſt ſie nur dann erfuͤllt, wenn es ſicher iſt, daß die Begebenheit ſich nicht ereignen wird. 16 244 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 1178. Eine Bedingung wird als wirklich erfuͤllt angeſe⸗ hen, wenn es der Schuldner, der ſich unter dieſer Bedin— gung verbunden hatte, ſelbſt iſt, der ihre Erfuͤllung ver— hindert hat. 1179. Eine erfuͤllte Bedingung wirkt ruͤckwaͤrts bis auf den Tag, da die Verpflichtung uͤbernommen worden(wird auf den Anfang des Geſchaͤftes zuruͤckgezogen). Iſt der Be⸗ rechtigte vor Erfuͤllung der Bedingung geſtorben; ſo gehen ſeine Rechte auf ſeinen Erben uͤber. 1180. Ehe die Bedingung erfuͤllt iſt, kann der Berech⸗ tigte diejenigen Handlungen vornehmen, die auf Erhaltung ſeines Rechts zielen. §. II. Von der aufſchiebenden Bedingung. 1181. Eine Verpflichtung wird unter einer aufſchiebenden Bedingung uͤbernommen, wenn ſie entweder von einer zu⸗ kuͤnftigen und ungewiſſen Vegebenheit abhaͤngt, oder von einer Begebenheit, die ſich ſchon ereignet hat, den Bethei⸗ ligten aber noch unbekannt iſt. Im erſten Falle kann auf Vollziehung des Verſprechens nicht angetragen werden, als wenn die Begebenheit zur Wirklichkeit gekommen iſt. Im zweyten Falle hat das Verſprechen ſeine Wirkung von dem Tage an, da es geſchehen iſt. 1182. Ward etwas unter einer aufſchiebenden Bedingung verſprochen; ſo bleibt die Sache, welche den Gegenſtand des Vertrags ausmacht, auf Gefahr des Verpflichteten, der ſich zu ihrer Ueberlieferung nicht anderſt verbunden hat, als wenn die Bedingung erfuͤllt wuͤrde. Iſt die Sache ohne Verſchulden des Verpflichteten gaͤnz⸗ lich zu Grunde gegangen; ſo iſt die Verbindlichkeit erloſchen. Iſt der Werth der Sache ohne Verſchulden des Verpflichte⸗ ten verringert, ſo hat der Berechtigte die Wahl, entweder von m. Buch. 1II. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. a43 dem Vertrag abzuſtehen, oder ohne Verminderung des Preiſes die Sache in dem Stande, worin ſie ſich wirklich befindet, zu fordern. Liegt die Schuld, daß die Sache an ihrem Werthe ver⸗ ringert wurde, an dem Verpflichteten, ſo hat der Berechtig⸗ te die Wahl, entweder von dem Vertrage abzuſteben, oder, nebſt dem Schadenserſatze und der Leiſtung des Intereſſe, die Sache in dem Stande zu fordern, worin ſie ſich befindet. §. III. Von der aufloͤſenden Bedingung. 1183. Eine aufloͤſende Bedingung iſt diejenige, welche, wenn ſie erfuͤllt wird, die Aufhebung der Verbindlichkeit be⸗ wirkt, und die Sachen in den Stand zuruͤckſetzt, als waͤre keine Verbindlichkeit vorhanden geweſen. Die Vollziehung der Verbindlichkeit wird durch dieſe Be⸗ dingung nicht aufgeſchoben; ſie verpflichtet den Berechtigten nur, das Empfangene in dem Falle zu erſtatten, wo die in der Bedingung ausgedruckte Begebenheit ſich ereignen wuͤrde⸗ 1184. In zweyſeitigen Contracten wird fuͤr den Fall, da einer von beyden Theilen ſeinem Verſprechen kein Genuͤge leiſten wird, allemahl die Bedingung, daß der Contract alsdann aufgelͤſt ſeyn ſoll, ſtillſchweigend verſtanden. Der Contract iſt in dieſem Falle nicht ohne weiteres von Rechtswegen aufgeloͤſt. Der Contrahent, der ſich uͤber Nicht⸗Erfuͤllung des ihm geſchehenen Verſprechens beſchweren kann, hat die Wahl, entweder den andern zur Vollziehung des Vertrags, wenn dieſe noch moͤglich iſt, zu zwingen, oder die Aufhebung desſelben, nebſt dem Schadenserſatze und der Leiſtung des Intereſſe zu ſordern. Die Aufhebung iſt bey Gerichte nachzuſuchen, und dem Beklagten kann den Unſtaͤnden nach ein Aufſchub geſtatter werden. 244 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. Zweyter Abſchnitt. Von Berpflichtungen auf Zeitbeſtimmung (von betasten Schulden.) 1185. Die Zeitbeſtimmung unterſcheidet ſich von der Be⸗ dingung dadurch, daß ſie die Verpflichtung nicht aufſchiebt, ſondern nur ihre Vollziehung weiter hinausſetzt. 1186. Was erſt an einem Termin zahlbar iſt, kann vor dem Verfalltage nicht gefordert werden; was aber vor der Zeit gezahlt worden, laͤßt ſich nicht zuruͤckfordern. 1187. Bey einer Zahlungsfriſt tritt immer die Vermu⸗ thung ein, daß ſie zum Vortheile des Verpflichteten ausbe⸗ dungen worden, in ſo fern ſich nicht aus der Vereinbarung oder aus den Umſtaͤnden ergibt, daß ſie zugleich zum Vor⸗ theile des Berechtigten verabredet worden. 1188. Der Schuldner kann die ihm geſtattete Beguͤnſti⸗ gung der Zahlungsfriſt nicht mehr in Anſpruch nehmen, wenn er fallirt hat, oder wenn es durch ihn gekommen, daß die Sicherheit vermindert worden iſt, die er ſeinem Glaͤubiger in dem Contracte gegeben hatte. Dritter Abſchnitt. Von alternativen Verbindlichkeiten. 1189. Wer eine alternative Verbindlichkeit uͤbernommen hat, wird dadurch befreyt, daß er eine von beyden Sachen, die in der Zuſage begriffen waren, uͤberliefert. 1190. Die Wahl gebuͤhrt dem Verpflichteten, in ſo fern ſie nicht ausdruͤcklich dem Berechtigten eingeraͤumt worden. 1191. Der Schuldner kann ſich ſeiner Verbindlichkeit ent⸗ ledigen, wenn er von den beyden verſprochenen Sachen eine uͤberliefert; aber er kann den Glaͤubiger nicht zwingen, daß er einen Theil von einer, und einen Theil von der andern Sache annehme. I' III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 245 1192. Wenn von beyden verſprochenen Sachen eine kein Gegenſtand einer Verbindlichkeit ſeyn konnte; ſo gilt die Zu⸗ ſage fuͤr unbedingt und eiufach, obſchon ſie alternativ ge— ſchehen iſt. 1193. Eine alternative Verbindlichkeit wird unbedingt und einſach, wenn eine der verſprochenen Sachen zu Grunde gegangen iſt und nicht mehr geliefert werden kann, ſelbſt, wenn auf den Verpflichteten die Schuld fallt. Man kann an die Stelle der Sache ihren Werth nicht anbiethen. Sind beyde zu Grunde gegangen, und in Ruͤckſicht einer von ihnen faͤllt die Schuld auf den Verpflichteten, ſo muß er den Werth derjenigen zahlen, die zuletzt zu Grunde ge⸗ gangen. 1194. War in den Faͤllen, die in dem vorhergehenden Artikel ausgedruckt ſind, kraft des Vertrags die Wahl dem Berechtigten uͤberlaſſen: So iſt entweder nur eine von den Sachen zu Grunde gegangen, und alsdann gebuͤhrt dem Berechtigten, in ſo fern der Verpflichtete hieran keine Schuld traͤgt, diejenige, die uͤbrig geblieben iſt. Hat der Verpflichtete Schuld daran; ſo kann der Berechtigte die Sache, die uͤbrig geblieben iſt, oder den Werth derjenigen, die zu Grunde gegangen iſt, fordern. Oder beyde Sachen ſind zu Grunde gegangen, und als⸗ dann kann der Berechtigte, wenn auf den Verpflichteten in Ruͤckſicht auf beyde, oder ſelbſt nur in Ruͤckſicht auf eine von ihnen die Schuld faͤllt, den Werth der einen oder der andern nach ſeiner Willkuͤr fordern. 1195. Sind beyde Sachen ohne Verſchulden des Ver⸗ pflichteten und ehe er im Verzug war, zu Grunde gegan⸗ gen; ſo iſt in Gemaͤßheit des 1302. Artikels die Verbind⸗ lichkeit erloſchen. 1196. Dieſelben Grundſaͤtze ſind in den Faͤllen anwend⸗ bar, wo die alternative Verbindlichkeit ſich auf mehr als zwey Sachen erſtreckt. 346 IlI. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. Vierter Abſchnitt. Von Solidar⸗Rechten und Verbindlichkeiten. §. I. Von Solidar⸗Rechten unter den Glaͤubigedn. 1197. Die Activ⸗Obligation iſt ſolidar unter mehrern Glaͤubigern, wenn der Titel einem jeden von ihnen ausdruͤck⸗ lich das Recht gibt, den ganzen Ertrag der ausſtehenden Schuld zu fordern, und die einem von ihnen geleiſtete Zah⸗ lung den Schuldner befreyt, wenn ſchon der Vortheil der aus der Obligation entſteht, unter den verſchiedenen Glaͤu⸗ bigern ſich theilen ließe. 1198. Der Schuldner hat ſo lange die Wahl, an einen oder den andern der Solidar-Glaͤubiger zu zahlen, als nicht einer von ihnen durch ſeine Betreibung dieſer Wahl zuvor⸗ gekommen iſt. Hat gleichwohl einer der Solidar-Glaͤubiger allein die Forderung erlaſſen; ſo wird der Schuldner nur fuͤr den An— theil dieſes Glaͤubigers befreyt. 1199. Jeder Act, der in Ruͤckſicht eines der Solidar⸗ Glaͤubiger die Verjaͤhrung unterbricht, nuͤtzt den uͤbrigen Glaͤubigern. §. II. Von Solidar⸗Verbindlichkeiten in Ruͤckſicht der Schuldner. 1200. Auf der Seite der Schuldner iſt eine Solidar⸗Ver⸗ bindlichkeit vorhanden, wenn ſie zu einer und derſelben Sa⸗ che in dem Maße verpflichtet ſind, daß jeder fuͤr ſich ge— zwungen werden kann, das Ganze zu leiſten, und die Zah— lung, die von einem geſchieht, die uͤbrigen gegen den Glaͤu biger befreyt. 1201. Eine Solidar⸗Verbindlichkeit kann eintreten, wenn ſchon einer der Schuldner nicht auf eben die Weiſe, wie der III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 247 andere, zur Zahlung derſelben Sache verbunden iſt; zum Beyſpiele, wenn einer nur bedingungsweiſe verbunden iſt, waͤhrend das Verſprechen des andern unbedingt war, oder wenn einer ſich einen Termin ausbedungen hat, der dem an⸗ dern nicht zugeſtanden worden. 1202. Daß eine Verbindlichkeit ſolidar ſey, wird nicht vermuthet. Es iſt erforderlich, daß dieſes ausdruͤcklich be⸗ dungen werde. Nur in den Faͤllen, wo zu Folge einer Verfuͤgung des Geſetzes die Verbindlichkeit von Rechtswegen ſolidar iſt, lei⸗ det dieſe Regel eine Ausnahme. 1203. Bey einer paſſiven Solidar⸗Obligation kann der Glaͤubiger ſich an denjenigen von den Schuldnern wenden, den er auserſehen will, ohne daß dieſer ihm die Einrede der Theilung entgegenſetzen koͤnne. 204. Hat der Glaͤubiger ſchon wider einen der Schuld⸗ ner geklagt, ſo hindert ihn dieſes nicht, wider die uͤbrigen auf gleiche Weiſe zu verfahren. 1205. Iſt die Sache, welche den Gegenſtand der Ver⸗ bindlichkeit ausmachte, durch Verſchulden oder waͤhrend des Verzugs eines oder mehrerer Solidar-Verpflichteten zu Grunde gegangen; ſo ſind die uͤbrigen Mitverpflichteten von der Verbindlichkeit den Werth der Sache zu zahlen nicht befreyt, aber dieſe ſind zum Schadenserſatze und zur Leiſtung des Intereſſe nicht verbunden. Den Schadenserſatz und die Leiſtung des Intereſſe kann der Glaͤubiger nur von denjenigen Schuldnern fordern, durch deren Verſehen die Sache zu Grunde gegangen iſt, ſo wie von denjenigen, die im Verzug waren. 1206. Das wider einen der Solidar⸗Verpflichteten ange⸗ ſtellte gerichtliche Verfahren unterbricht die Verjaͤhrung in Ruͤckſicht aller. 1207. Wenn wider einen der Solidar⸗Verpflichteten auf Zahlung der Zinſen angetragen iſt; ſo laufen ſie wider alle. 4148 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 1208. Wird einer der Solidar⸗Schuldner von dem Glaͤu⸗ biger vor Gericht belangt; ſo kann er alle Einreden vorbrin⸗ gen, die aus der Natur der Verpflichtung fließen, alle, die die ihm perſoͤnlich zuſtehen, ſo wie jene, die ſaͤmmtlichen Mitverpflichteten gemein ſind. Er kann diejenigen Einreden nicht vorbringen, die nur einigen der uͤbrigen Mitverpflichteten fuͤr ihre Perſon zu⸗ kommen. 1209. Wird einer der Schuldner der einzige Erbe des Glaͤubigers, oder der Glaͤubiger der einzige Erbe von einem der Schuldner; ſo erliſcht die Solidar-Schuld nur fuͤr den Antheil dieſes Schuldners oder Glaͤubigers. 1210. Der Glaͤubiger, der bewilliget, daß die Schuld in Ruͤckſicht eines der Mitſchuldner getheilt wird, behaͤlt ſeine Solidar-Klage wider die uͤbrigen, jedoch nur nach Abzug des Antheils, der dem Schuldner den er von der Solidar⸗Ver⸗ bindlichkeit befreyt hat, zur Laſt fiel. 1211. Der Glaͤubiger, der von einem der Schuldner ſei⸗ nen Antheil beſonders annimmt, ohne in der Quittung ſeine Solidar-Rechte oder ſeine Rechte uͤberhaupt vorzubehalten, begibt ſich eben dadurch der Solidar-Rechte nur in Bezie— hung auf dieſen Schuldner. Es gilt fuͤr keine Verzichtleiſtung auf die Solidar⸗Rechte in Hinſicht eines Schuldners, wenn der Glaͤubiger von ihm eine Summe empfaͤngt, die dem Antheile, wozu er verbun⸗ den iſt, gleich kommt, in ſo fern in der Quittung nicht aus⸗ gedruckt wird, daß dieß fuͤr ſeinen Theil ſey. Gleiche Bewandtniß hat es mit dem Falle, wo einer der Mitſchuldner nur fuͤr ſeinen Theil vor Gerichte belangt worden, in ſo ſern dieſer die Richtigkeit der Klage nicht an— erkannt hat, oder keine Entſcheidung erfolgt iſt, die ihn verurtheilte. 1212. Der Glaͤubiger, der den Antheil eines der Mit⸗ ſchuldner ohne ruͤckſtaͤndige Renten oder Zinſen der Schuld, ——, III. Buch. III Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 249 abgeſondert und ohne Vorbehalt empfaͤngt, verliert die So⸗ lidar⸗Rechte nur in Ruͤckſicht der erfallenen Renten oder Zin— ſen, nicht in Hinſicht derjenigen, die kuͤnſtig erfallen wer⸗ den, und eben ſo wenig in Hinſicht des Capitals, in ſo fern nicht zehn nacheinander ſolgende Jahre die Zahlung im⸗ mer theilweiſe geſchehen iſt. 1213. Eine Verpflichtung, die in Ruͤckſicht des Glaͤubi⸗ gers von mehrern ſammt und ſonders uͤbernommen worden, iſt unter den Schuldnern ſelbſt von Rechtswegen getheilt. Unter ihnen und in Beziehung auf ihre gegenſeitigen Rechte iſt ein jeder nur fuͤr ſeinen Antheil verbunden. 1214. Wer eine Solidar⸗Schuld, als Mitſchuldner davon, ganz gezahlt hat, kann von einem jeden der uͤbrigen nur deſſen Antheil zuruͤckfordern. Iſt einer von ihnen auſſer Stande zu zahlen, ſo wird der Verluſt, der aus ſeinem Unvermoͤgen entſteht, unter die uͤbrigen Mitſchuldner, denen es nicht an Zahlungsmitteln fehlt, und jenen, der die Zahlung verfuͤgt hat, verhaͤlt— nißmaͤßig getheilt. 1215. Hat der Glaͤubiger auf die Solidar-Klage zum Vortheile eines der Schuldner Verzicht gethan, und einer oder mehrere der uͤbrigen Mitſchuldner gerathen in Unver⸗ moͤgen zu zahlen, ſo wird der Antheil derjenigen, die inſol⸗ vent geworden ſind, verhaͤltnißmaͤßig unter allen Schuldnern und ſelbſt unter denjenigen vertheilt, die der Glaͤubiger vor— her von der Solidar⸗Verbindlichkeit befreyt hatte. 1216. Ging das Geſchaͤft, wofuͤr mehrere ſammt und ſonders die Schuld uͤbernommen hatten, nur einen der So— lidar⸗Mitſchuldner an; ſo wuͤrde dieſer ſeinen Mitverpflichte⸗ ten, die in Beziehung auf ihn nur als ſeine Buͤrgen zu be⸗ trachten waͤren, fuͤr die ganze Schuld zu haften haben — — 250 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. Fuͤnfter Abſchnitt. Von theilbaren und untheilbaren Verbind⸗ lichkeiten. 1217. Eine Verbindlichkeit iſt theilbar oder untheilbar, je nachdem ſie entweder eine Sache, die in der Ueberliefe⸗ rung, oder eine Handlung, die in ihrer Vollziehung einer, es ſey materiellen oder intellectuellen, Theilung faͤhig oder nicht faͤhig iſt, zum Gegenſtande hat. 1218. Die Verbindlichkeit iſt untheilbar, wenn ſchon die Sache oder die Handlung, welche den Gegenſtand davon ausmacht, ihrer Natur nach theilbar iſt, ſo fern nur die Beziehung, worunter ſie in der Verbindlichkeit betrachtet wird, nicht zulaͤßt, daß man ſie theilweiſe vollziehe. 1219. Die Bedingung, daß eine Verbindlichkeit ſolidar ſeyn ſoll, gibt ihr den Character der Untheilbarkeit nicht. §. I. Von den Wirkungen einer theilbaren Verbind⸗ lichkeit. 1220. Eine Verbindlichkeit, die ſich theilen laͤßt, muß zwiſchen dem Glaͤubiger und Schuldner ſo vollzogen werden, als wenn ſie untheilbar waͤre. Nur in Beziehung auf ihre Erben koͤmmt die Theilbarkeit in Anwendung, und dieſe koͤn⸗ nen die Schuld nicht einfordern, oder ſind nicht verbunden, ſie zu zahlen, als fuͤr den Antheil, deſſen Beſitz auf ſie uͤbergegangen iſt, oder wofuͤr ſie zu haften haben, ſey es als Repraͤſentanten des Glaͤubigers oder des Schuldners. 1221. In Hinſicht der Erben eines Schuldners leidet der in dem vorhergehenden Artikel aufgeſtellte Grundſatz eine Ausnahme: 1) In dem Falle, wo fuͤr die Schuld eine Hypothek ge⸗ geſtellt iſt; 2) Wenn ihr zu Folge eine in jeder Hinſicht beſtimmte Sache(ein gewiſſes Corpus) uͤberliefert werden ſoll; m. Buch. UII. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 251 3) Wenn von einer alternativen Schuld die Rede iſt, und der Glaͤubiger unter mehrern Sachen die Wahl hat, wovon eine untheilbar iſt; 4) Wenn kraft des Titels einem der Erben allein die Erfuͤllung der Verbindlichkeit aufliegt; 5) Wenn es ſich aus der Natur des Verſprechens, oder der Sache, die den Gegenſtand davon ausmacht, oder aus dem Zwecke, den man bey dem Contracte ſich vorgeſetzt hatte, ergibt, daß es die Abſicht der Contrahenten war, daß die Schuld nicht theilweiſe berichtiget werden duͤrfte. In den drey erſten Faͤllen kann der Erbe, der die aus⸗ zuliefernde Sache, oder das zur Hypothek geſtellte Grund⸗ ſtuͤck beſitzt, in eben dieſer Sache oder in dem zur Hypo⸗ thek geſtellten Grundſtuͤcke vor Gerichte fuͤr das Ganze be⸗ langt werden, mit Vorbehalt ſeines Regreſſes wider ſeine Miterben. In dem vierten Falle kann gleichfalls der Erbe, dem für ſich allein die Zahlung der Schuld auferlegt wor⸗ den iſt, und im fuͤnften jeder Erbe fuͤr's Ganze belangt werden, vorbehaltlich ſeines Regreſſes wider ſeine Miterben. §. II. Von den Wirkungen einer untheilbaren Ver⸗ bindlichkeit. 1222. Von denjenigen, die zuſammen eine untheilbare Schuld uͤbernommen haben, iſt ein jeder fuͤr's Ganze ver⸗ bunden, wenn ſchon der Vertrag nicht unter der Clauſel, ſammt und ſonders, einer fuͤr alle, und alle fuͤr einen, ge⸗ ſchloſſen worden. 1223. Eine gleiche Bewandniß hat es mit den Erben desjenigen, der ſich einer ſolchen Verbindlichkeit unterwor⸗ ſen hat. 1224. Jeder Erbe des Glaͤubigers kann die Vollziehung einer untheilbaren Verbindlichkeit im Ganzen verlangen. Fuͤr ſich allein iſt er nicht berechtiget, die ganze Schuld zu erlaſſen, fuͤr ſich allein kann er nicht den Werth an ſtatt 452 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. der Sache ſelbſt annehmen. Hat einer der Erben fuͤr ſich allein die Schuld nachgelaſſen, oder den Werth der Sache angenommen; ſo kann ſein Miterbe die untheilbare Sache nicht fordern, es ſey dann daß er den Antheil des Miter⸗ ben, der den Nachlaß bewilliget, oder den Werth empfan⸗ gen hat, verguͤte. 1225. Der Erbe eines Schuldners, der fuͤr den ganzen Gegenſtand einer Verbindlichkeit vor Gerichte gefordert iſt, kann einen Aufſchub verlangen, um ſeine Miterben zur Sa⸗ che abladen zu laſſen, die Schuld ſey dann von der Art, daß ſie nicht anderſt als von dem beklagten Miterben be— richtiget werden kann. Dieſer kann alsdann allein verur⸗ theilt werden, vorbehaltlich ſeiner Regreß⸗Klage wider ſeine Miterben auf Entſchaͤdigung. Sechster Abſchnitt. Von Verbindlichkeiten unter Poͤnal⸗Clauſeln (bey Conventional⸗Strafe.) 1226. Eine Poͤnal⸗Clauſel iſt diejenige, wodurch jemand, um die Vollziehung eines Vertrags zu ſichern, ſich im Falle der Nicht-Erfuͤllung zu etwas verbindet. 1227. Die Unguͤltigkeit der Haupt⸗Verbindlichkeit hat die Unguͤltigkeit der Poͤnal⸗Clauſel zur Folge. Aus der Unguͤltigkeit der letztern ſolgt nicht die Unguͤl⸗ tigkeit der Haupt-Verbindlichkeit. 1228. Dem Glaͤubiger bleibt es unbenommen, wider den Schuldner, der im Verzug iſt, anſtatt der ausbedungenen Strafe die Vollziehung der Haupt⸗Verbindlichkeit einzuklagen. 1229. Die Poͤnal⸗Clauſel dient als Vergeltung des In— terreſſe und als Erſatz fuͤr den Schaden, den der Glaͤubiger durch die Nicht-Erfuͤllung der Haupt⸗Verbindlichkeit leidet. Den Haupt⸗Gegenſtand der Verbindlichkeit und die Stra⸗ fe zugleich kann er nicht fordern, es ſey dann daß ſie fuͤr den bloßen Verzug bedungen worden. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 233 1230. Bey der Haupt⸗Verbindlichkeit mag eine Friſt, binnen welcher ſie erfuͤllt werden ſoll, ausgedruckt ſeyn, oder nicht, die Strafe iſt nicht verwirkt, als wenn derjenige, der ſich verbunden hat, ſey es etwas zu uͤberliefern oder in Empfang zu nehmen, oder zu thun, im Verzug iſt. 1231. Der Richter kann die Strafe maͤßigen, wenn die Haupt⸗Verbindlichkeit zum Theile vollzogen worden iſt. 1232. Hat die urſpruͤngliche unter einer Poͤnal⸗Clauſel geſchehene Zuſage eine untheilbare Sache zum Gegenſtande, ſo iſt die Strafe ſchon dadurch verwirkt, daß einer der Er⸗ ben des Schuldners dem Verſprechen zuwider gehandelt hat, und man kann darauf klagen, entweder im ganzen wider denjenigen, der den Vertrag verletzt hat, oder wider einen jeden der Miterben nach Verhaͤltniß ſeines Antheils, und hypothekariſch fuͤr's Ganze, vorbehaltlich ihres Regreſſes wider denjenigen, der Schuld hat, daß die Strafe verwirkt wurde. 1233. Iſt die urſpruͤngliche, bey Strafe uͤbernommene Verbindlichkeit, theilbar; ſo wird die Strafe nur von demje⸗ nigen aus den Erben des Schuldners verwirkt, der dieſer Verbindlichkeit zuwider handelt, und nur fuͤr den Antheil, wofuͤr er bey der Haupt⸗Verbindlichkeit zu haften hatte, ohne daß eine Klage wider diejenigen Statt habe, die ſie erfuͤllt haben. Dieſe Regel leidet eine Ausnahme, wenn die Poͤnal⸗ Clauſel in der Abſicht hinzugefuͤgt worden iſt, damit die Zah⸗ lung nicht theilweiſe geſchehen koͤnnte, und nun einer der Miterben die Erfuͤllung der Verbindlichkeit fuͤr's Ganze ver⸗ hindert hat. Wider ihn kann in dieſem Falle die Strafe ganz, und wider die uͤbrigen Miterben nur fuͤr ihren An⸗ theil gefordert werden, vorbehaltlich ihres Regreſſes. 254 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. Fuünftes Capitel. Von der Erloͤſchung der Verbindlichkeiten. 1234. Verbindlichkeiten erloͤſchen Durch Zahlung, Durch Novation, Durch freywillige Erlaſſung, Durch Compenſation, Durch Conſuſion, Durch den Verluſt und Untergang der Sache, Durch Unguͤltigkeit oder gerichtliche Aufhebung, Durch die Folge einer aufloͤſenden Bedingung, welche unter dem vorhergehenden Capitel erklaͤrt worden, Und durch Verjaͤhrung, welche den Gegenſtand eines be⸗ ſondern Titels ausmachen wird. Erſter Abſchnitt. Von der Zahlung. §. 21. Von der Zahlung uͤberhaupt. 1235. Jede Zahlung ſetzt eine Schuld voraus: was man gezahlt hat, ohne es ſchuldig zu ſeyn, kann man zuruͤck⸗ fordern. Die Zuruͤckforderung hat in Hinſicht der natuͤrlichen Ver⸗ bindlichkeiten nicht Statt, die man freywillig erfuͤllt hat. 1236. Eine Verbindlichkeit kann durch jeden, der dabey betheiliget iſt, zum Beyſpiele, durch einen Mitſchuldner oder einen Buͤrgen erfuͤllt werden. Die Verbindlichkeit kann ſelbſt ein Dritter erfuͤllen, der dabey nicht betheiliget iſt, vorausgeſetzt, daß dieſer Dritte im Nahmen des Schuldners und fuͤr deſſen Rechnung han⸗ delt, oder, wenn er in ſeinem eigenen Nahmen handelt, daß er nicht in die Rechte des Glaͤubigers eingeſetzt ſey. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 235 1237. Eine Verbindlichkeit etwas zu thun kann nicht wi⸗ der den Willen des Glaͤubigers von einem Dritten erfuͤllt werden, ſo fern der Glaͤubiger ein Intereſſe dabey hat, daß ſie der Schuldner ſelbſt erfuͤlle. 1238. Um guͤltig zu zahlen muß man Eigenthuͤmer der in Zahlung gegebenen Sache ſeyn, und die Faͤhigkeit haben, ſie zu veraͤuſſern. Die Zahlung einer Summe in Geld oder einer andern Sache, die durch den Gebrauch verzehrt wird, kann gleich⸗ wohl wider den Glaͤubiger, der ſie in gutem Glauben ver⸗ zehrt hat, nicht zuruͤckgefordert werden, wenn ſchon dieſe Zahlung durch jemand geſchehen iſt, der kein Eigenthuͤmer der gezahlten Sache war, oder ſie nicht veraͤuſſern konnte. 1239. Die Zahlung muß an den Glaͤubiger geſchehen, oder an jemand, der entweder von ihm bevollmaͤchtiget, oder von dem Gerichte oder durch das Geſetz ermaͤchtiget iſt, fuͤr ihn zu empfangen. Guͤltig iſt gleichwohl die Zahlung, welche an jemand ge⸗ ſchehen iſt, der keinen Auftrag hat, fuͤr den Glaͤubiger zu empfangen, wenn dieſer ſie genehmiget, oder wenn ſie zu ſeinem Nutzen verwendet worden. 1240. Eine Zahlung, die in gutem Glauben an denjeni⸗ gen verfuͤgt wird, der ſich im Beſitze der Forderung befin— det, iſt guͤltig, obgleich die Forderung in der Folge dem Beſitzer abgeſprochen worden. 1241. Eine Zahlung, die an den Glaͤubiger verfuͤgt wur⸗ de, iſt unguͤltig, wenn er unfaͤhig war, ſie in Empfang zu nehmen, der Schuldner beweiſe dann, daß die gezahlte Sa⸗ che zum Nutzen des Glaͤubigers verwendet worden. 1142. Eine Zahlung, welche der Schuldner mit Hintan⸗ ſetzung eines Arreſtes oder einer Oppoſition an den Glaͤubi⸗ ger verfuͤgt, iſt in Ruͤckſicht der Glaͤubiger, welche den Ar⸗ reſt bewirkt oder die Oppoſition eingelegt haben, unguͤltig; 256 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. dieſe koͤnnen, ſo weit ihr Recht geht, ihn zwingen, auf's neue zu zahlen, vorbehaltlich ſeines Regreſſes wider den Glaͤubiger, der jedoch nur in dieſem Falle Statt hat. 1243. Den Glaͤubiger kann man nicht zwingen, eine an⸗ dere Sache, als er zu fordern hat, anzunehmen, wenn ſchon der Werth der angebothenen Sache ihr gleich kommt, oder ſelbſt groͤßer ſeyn ſollte. 1244. Der Schuldner kann dem Glaͤubiger keine theil⸗ weiſe Zahlung aufdringen, ſelbſt dann nicht, wenn die Schuld theilbar ſeyn ſollte. Die Richter koͤnnen gleichwohl, in Ruͤckſicht auf die Lage des Schuldners, maͤßige Zahlungsfriſten geſtatten, und waͤhrend ſie alles in dem bisherigen Stande erhalten, die Vollſtreckung des gerichtlichen Verfahrens anſtehen laſſen. Jedoch haben ſie dieſe Gewalt mit ſehr viel Behutſamkeit zu gebrauchen. 1245. Wer ein in aller Ruͤckſicht gewiſſes und beſtimm⸗ tes Object zu leiſten verbunden iſt, wird ſchon dadurch be⸗ freyt, daß er die Sache in dem Zuſtande uͤberliefert, worin ſie zur Zeit der Leiſtung ſich findet, vorausgeſetzt, daß der verſchlimmerte Zuſtand, worin ſie nach entſtandener Ver⸗ bindlichkeit gerathen iſt, von ihm, oder von denjenigen Per⸗ ſonen, wofuͤr er zu haften hat,(aus ihrer Handlung oder ihrem Verſchulden) nicht herruͤhrt, oder daß er vor dieſen Verſchlimmerungen nicht im Verzug geweſen. 1246. Hat die Verbindlichkeit eine Sache zum Gegen⸗ ſtande, die nur ihrer Gatrung nach beſtimmt iſt, ſo iſt der Verpflichtete, um ſich ſeiner Schuld zu entledigen, eben nicht verbunden, eine von der beſten Gattung zu geben; aber auch keine von der ſchlimmſten darf er anbiethen. 1247. Die Zahlung muß an dem Orte geſchehen, der im Vertrage beſtimmt iſt. Hat man hierin keinen Ort ausge— druckt: ſo muß die Zahlung, in ſo fern von einem in jeder III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 237 Ruͤckſicht gewiſſen und beſtimmten Object die Rede iſt, an dem Orte geſchehen, wo zur Zeit, da die Verbindlichkeit ent⸗ ſtanden, ſich die Sache befand, welche den Gegenſtand da⸗ von ausmacht. Auſſer dieſen beyden Faͤllen muß die Zahlung an dem Wohnorte des Schuldners geſchehen. 1248. Die mit der Zahlung verbundenen Koſten ſind fuͤr Rechnung des Schuldners. §. 11. Von der Zahlung, verbunden nit der Einſetzung in die Rechte des Glaͤubigers. 1249. Die Einſetzung in die Rechte des Glaͤubigers zum Vortheile einer dritten Perſon, welche die Zahlung verfuͤgt, beruht entweder auf einem Vertrag, oder auf einer Beſtim⸗ mung der Geſetze. 1250. Die Einſetzung beruht auf einem Vertrag 1) Wenn der Glaͤubiger, indem er ſeine Zahlung von ei⸗ ner dritten Perſon empfaͤngt, ſie in ſeine Rechte, Anſpruͤ⸗ che, Prioritaͤt oder Hypotheken wider den Schuldner ein⸗ ſetzt; dieſe Einſetzung muß ausdruͤcklich ſeyn, und zu gleicher Zeit mit der Zahlung geſchehen. 2) Wenn der Schuldner eine Summe entlehnt, um ſeine Schuld zu zahlen und den Darleiher in die Rechte des Glaͤu— bigers einzuſetzen. Soll dieſe Einſetzung guͤltig ſeyn; ſo muß der Act uͤber das Darlehn und die Quittung vor Notarien ausgefertiget; daß die Summe in der Abſicht entlehnt wor⸗ den iſt, um die Zahlung zu verfuͤgen, in dem Acte uͤber das Darlehn erklaͤrt, und in der Quittung ausgedruckt wer⸗ den, daß die Zahlung mit dem Gelde bewirkt worden, wel⸗ ches der neue Glaͤubiger in dieſer Abſicht verſchafft hat. Dieſe Einſetzung erfolgt, ohne daß es hiezu der Zuſtimmung des Gläubigers beduͤrfe. 1251. Die Einſetzung hat von Rechtswegen und ohne weiteres Statt. 17 288 III. Buch. III Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten⸗ 1) Zum Vortheile desjenigen, der, da er ſelbſt Glaͤubi⸗ ger iſt, einen andern Glaͤubiger befriediget, der in Ruͤckſicht ſeiner Privilegien oder Hypotheken vor ihm den Vorzug hat. 2) Zum Vortheile desjenigen, der ein liegendes Grund⸗ ſtuͤck erwirbt, und den Kaufpreis zur Befriedigung der Glaͤubiger verwendet, welche an dieſem Grundſtuͤcke eine Hypothek hatten. 3) Zum Vortheile desjenigen, der, indem er mit andern oder fuͤr andere die Schuld zu zahlen verbunden war, ein Intereſſe dabey hatte, daß er ſie tilgte. 4) Zum Vortheile des Beneficiar⸗Erben, der die auf dem Nachlaſſe haftenden Schulden mit ſeinem Gelde gezahlt hat. 1252. Die in den vorhergehenden Artikeln angenommene Einſetzung hat wider die Buͤrgen ſo wohl als wider die Schuldner Statt, ſie kann dem Glaͤubiger, wenn er nur zum Theile befriediget worden iſt, zu keinem Nachtheile ge⸗ reichen; es bleibt ihm in dieſem Falle unbenommen, vor demjenigen, wovon er nur einen Theil der ihm gebuͤhren⸗ den Zahlung erhalten hat, fuͤr den Ueberreſt ſeiner Forde⸗ rung ſein Recht vorzugsweiſe geltend zu machen. §. FrI. Von der Aufrechnung der Zahlung. 1253. Wer mehrere Poſten ſchuldig iſt, hat das Recht bey der Zahlung zu erklaͤren, welche Schuld er zu tilgen gedenke. 1254. Wer eine Schuld zu zahlen hat, die Zinſen oder Renten bringt, kann nicht ohne Bewilligung des Glaͤubigers die Zahlung, die er verfuͤgt, vor den Renten oder Zinſen auf das Capital abrechnen. Eine Zahlung, die auf Capital und Zinſen geſchieht, aber nicht vollſtaͤndig iſt, wird erſt auf die Zinſen abgerechnet. 1255. Hat derjenige, der mehrere Poſten ſchuldig war, eine Quittung angenommen, worin der Glaͤubiger das, was er empfangen hatte, auf eine dieſer Poſten beſonders abrech⸗ III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 555 nete, ſo hat der Schuldner weiter kein Recht zu fordern, daß ſie auf eine andere Schuld abgerechnet werde, es ſey dann ein Betrug oder eine Liſt von der Seite des Glaͤubi⸗ gers untergelaufen. 1256. Druckt ſich die Quittung uͤber die Abrechnung nicht aus, ſo muß unter mehrern gleich verfallenen Schulden die Zahlung auf diejenige abgerechnet werden, an deren Tilgung damahls dem Verpflichteten am meiſten gelegen geweſen. Waren nicht mehrere Poſten faͤllig; ſo geſchieht die Ab⸗ rechnung auf die wirklich verfallene, obgleich ſie dem Schuld⸗ ner weniger laͤſtig war, als die nicht verfallenen. Sind die Schulden von einerley Gattung, ſo macht man die Abrechnung auf die aͤltere; wenn alle Unmſtaͤnde gleich ſind, ſo geſchieht ſie verhaͤltnißmaͤßig. 5. 1 V. Von dem Anerbiethen der Zahlung und der Hinterlegung. 1257. Weigert ſich der Glaͤubiger, ſeine Zahlung anzu⸗ nehmen, ſo kann der Schuldner, was er zu leiſten hat, ihm bar oder wirklich anbiethen, und auf verweigerte Annahme des Glaͤubigers die angebothene Summe oder Sache hinter— legen. Das wirkliche Anbiethen, worauf die Hinterlegung er⸗ folgt iſt, befreyt den Schuldner. In Beziehung auf ihn vertritt es, in ſo fern es auf eine guͤltige Weiſe geſchehen iſt, die Stelle der Zahlung, und der Glaͤubiger traͤgt die Gefahr der alſo hinterlegten Sache. 1258. Damit das bare und wirkliche Anerbiethen guͤltig ſey, wird erfordert; 1) Daß es dem Glaͤubiger geſchehen ſey, der die Faͤhig— keit hat, die Leiſtung anzunehmen, oder demjenigen, der an ſeiner Statt annehinen kann; 2) Daß es dutch eine Perſon geſchehen ſey, welche faͤ— ) ſt, eine Zahlüng zu leiſten; hig iſ 260 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 3) Daß die ganze Summe, wovon der Verfalltag er⸗ ſchienen iſt, die Renten oder Zinſen, welche dem Glaͤubiger gebuͤhren, die liquidirten Koſten, und fuͤr diejenigen, die nicht liquidirt ſind, eine Summe angebothen werde, unter dem Vorbehalt, ſie vollzaͤhlig zu machen; 4) Daß der Zahlungs⸗Termin erſchienen ſey, in ſo fern er zum Vortheile des Glaͤubigers bedungen worden; 5) Daß die Bedingung erfuͤllt ſey, unter welcher die Verbindlichkeit eingegangen worden; 6) Daß das Anerbiethen an dem Orte, der fuͤr die Zah— lung beſtimmt war, und, in ſo fern uͤber den Zahlungsort nichts beſonderes abgeredet worden, dem Glaͤubiger in Per— ſon, oder an ſeiner Wohnung oder an der Wohnſtaͤtte ge⸗ ſchehe, die er fuͤr den Vollzug des Vertrags gewaͤhlt hat. 7) Daß das Anerbiethen durch eine oͤffentliche Perſon ge⸗ ſchehe,(officier ministériel]) welche zu dieſer Gattung von Acten autoriſirt iſt. 1259. Zur Guͤltigkeit der Hinterlegung iſt es nicht noͤ⸗ thig, daß man hiezu vom Richter ermaͤchtiget worden; es iſt genug: 1) Daß eine dem Glaͤubiger inſinuirte Aufforderung vor⸗ hergegangen, worin der Tag, die Stunde und der Ort be⸗ merkt iſt, wo die anerbothene Sache hinterlegt werden ſoll. 2) Daß der Schuldner den Beſitz der anerbothenen Sache aufgegeben, und ſie ſammt den Zinſen, in ſo weit ſie bis zum Tage der Hinterlegung verfallen geweſen, an den Ort abgeliefert habe, der durch das Geſetz beſtimmt iſt, um De— poſiten der Art anzunehmen. 3) Daß von dem ofſicier ministériel uͤber die Gattung der angebothenen Muͤnzſorten, uͤber die Weigerung des Glaͤu— bigers, ſie in Empfang zu nehmen, oder uͤber ſein Nicht⸗ Erſcheinen, und endlich uͤber die erfolgte Hinterlegung ein Verbal⸗Prozeß geſfertiget worden. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 261 4) Daß in dem Falle, wo der Glaͤubiger nicht erſchien, der Verbal⸗Prozeß uͤber die geſchehene Hinterlegung ihm in⸗ ſinuirt worden, mit der Aufforderung die hinterlegte Sache zu ſich zu nehmen. 1260. Die mit dem wirklichen Anerbiethen und der Hin⸗ terlegung, wenn ſie auf eine guͤltige Weiſe geſchehen ſind, verbundenen Koſten fallen dem Glaͤubiger zur Laſt. 1261. Der Schuldner kann die hinterlegte Sache, ſo lange ſie von dem Glaͤubiger nicht angenommen iſt, zuruͤck— nehmen, und wenn er ſie zuruͤcknimmt, ſo ſind ſeine Mit⸗ ſchuldner oder ſeine Buͤrgen ihrer Verbindlichkeit nicht ent— lediget. 1262. Hat der Schuldner ſelbſt ein Urtheil erwirkt, das rechtskraͤftig geworden iſt, und ſein Anerbiethen mit der Hinterlegung fuͤr geſetzlich und guͤltig erklaͤrt hat, ſo kann er, zum Nachtheil ſeiner Mitſchuldner oder Buͤrgen, ſelbſt mit Einwilligung des Glaͤubigers die hinterlegte Sache nicht mehr zuruͤcknehmen. 1263. Der Glaͤubiger, der bewilliget hat, daß der Schuldner die hinterlegte Sache zuruͤcknehmen moͤchte, nach— dem die Hinterlegung durch ein Urtheil, das Rechtskraft er⸗ langt hat, fuͤr guͤltig erklaͤrt worden, kann, um zur Zah— lung ſeiner Forderung zu gelangen, die Privilegien oder Hypotheken, die ihr anklebig geweſen, nicht mehr geltend machen. Er hat keine Hypothek mehr, als von dem Tage, da der Act, wodurch er die Zuruͤcknahme der hinterlegten Sache bewilligte, in die Form gebracht worden iſt, welche erfordert wird, um eine Hypothek zu bewirken. —, 1264. Iſt die Sache, welche dem Glaͤubiger gebuͤhrt, ein in jeder Hinſicht beſtimmtes Object, das an dem Orte uͤberlieſert werden ſoll, wo es ſich findet, ſo muß der Schuld⸗ ner durch einen Act, den er dem Glaͤubiger in Perſon oder an deſſen Wohnſtäͤtte, oder an der zur Vollziehung des Ver⸗ trags gewuaͤhlten Wohnung inſinuiren laͤßt, ihn auffordern, die Sache abzuhohlen. Iſt dieſe Aufforderung geſchehen, 252 III. Buch. I. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. und der Glaͤubiger hohlt die Sache nicht ab, der Schuldner bedarf aber des Ortes, wo ſie hingeſtellt iſt, ſo kann dieſer von dem Gerichte die Erlaubniß erwirken, ſie an einem an⸗ dern Orte zur Verwahrung niederzulegen. n 9. V. Von der Guͤterabtretung. 1265. Die Guͤterabtretung iſt der Act, wodurch ein Schuld⸗ ner, indem er ſich auſſer Stand befindet, ſeine Schulden zu zahlen, ſein ganzes Vermoͤgen ſeinen Glaͤubigern Preis gibt. 1266. Die Guͤterabtretung iſt entweder freywillig oder gerichtlich. 1267. Freywillig iſt die Guͤterabtretung, wenn die Glaͤu⸗ biger ſie freywillig annehmen. Sie hat keine andere Wir⸗ kung, als die aus den Bedingungen des Contracts entſpringt, der unter ihnen und dem Schuldner geſchloſſen worden. 1268. Die gerichtliche Guͤterabtretung iſt eine Wohlthat, die das Geſetz dem ungluͤcklichen und redlichen Schuldner geſtattet, indem es ihm, ungeachtet aller dawider geſchloſſe⸗ nen Vertraͤge, um ſeine perſoͤnliche Freyheit zu retten, er⸗ laubt, ſein ganzes Vermoͤgen ſeinen Glaͤubigern gerichtlich zu uͤberlaſſen. nn ar 1269. Die gerichtliche Guͤterabtretung perſchafft den Glaͤubigern kein Eigenthum an dem abgetretenen Vermoͤgen; ſie gibt ihnen nur das Recht, es zu ihrem Vortheile ver— kaufen zu laſſen, und bis zum Verkaufe die Einkuͤnfte da— von zu beziehen.. 1270. Die Glaͤubiger koͤnnen die gerichtliche Guͤterabtre⸗ tung nicht ablehnen, als in den durch das Geſetz ausge⸗ nommenen Fäͤllen. V Sie bewirkt die Befreyung von dem Perſongl⸗Arreſt. Uebrigens befreyt ſie den Schuldner nur nach Belauf des Werths der abgetretenen Guͤter. Waren dieſe nicht hin— 85* 1. ün: mi. IlI. Buch. IIl. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 263 reichend, und der Schuldner kommt in der Folge zu neuem Vermoͤgen; ſo iſt er verbunden, auch dieſes herzugeben, bis alles gezahlt iſt. Zweyter Abſchnitt. Von der Novation. 1271. Die Novation geſchieht auf dreyerley Weiſe. 1) Wenn die alte Verbindlichkeit aufgehoben wird, und der Schuldner gegen ſeinen Glaͤubiger eine neue uͤbernimmt, die an die Stelle der alten geſetzt wird. 2) Wenn der Glaͤubiger den alten Schuldner freyſpricht, und an deſſen Stelle ein neuer geſetzt wird. 3) Wenn durch die Folge einer neuen Uebereinkunft ein neuer Glaͤubiger an die Stelle des alten geſetzt wird, und in Beziehung auf dieſen der Schuldner befreyt iſt. 1272. Eine Novation kann nur unter Perſonen zu Stan⸗ de kommen, die faͤhig ſind zu contrahiren. 1273. Eine Novation wird nicht vermuthet; die Abſicht ſie zu bewirken muß klar aus dem Acte hervorgehen. 1274. Eine Novation, die darin beſteht, daß ein neuer Schuldner an die Stelle des alten geſetzt wird, laͤßt ſich ohne Zuſtimmung des erſten Schuldners bewirken. 1275. Die Delegation, wodurch ein Schuldner ſeinem Glaubiger einen andern Schuldner anweiſet, der ſich gegen den Glaͤubiger verpflichtet, bewirkt keine Novation, der Glaͤu⸗ biger habe dann ausdruͤcklich erklaͤrt, daß er die Abſicht habe, ſeinen Schuldner, der die Delegation gemacht hat, zu befreyen. 1276. Ein Glaͤubiger, der ſeinen Schuldner, von wel⸗ chem die Delegation geſchehen iſt, befreyt hat, hat kei— nen Regreß gegen ihn, wenn der delegirte Schuldner unver⸗ moͤgend wird, ſeine Schulden zu zahlen, es ſey dann, daß 264 III. Buch. IIl. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. dieſer Regreß in dem Acte ausdruͤcklich vorbehalten worden, oder daß in dem Augenblicke der geſchehenen Delegation der Delegirte ſchon offenbar ſallirt oder in Vermoͤgens⸗Verfall gerathen war. 1277. Hat der Schuldner nur eine Perſon angewieſen⸗ die an ſeiner Stelle zahlen ſoll; ſo bewirkt dieſes keine No⸗ vation. Dieſelbe Bewandniß hat es, wenn der Glaͤubiger bloß eine Perſon angewieſen hat, die fuͤr ihn empfangen ſoll. 1278. Die Privilegien(Prioritaͤts⸗Rechte) und Hypothe⸗ ken, welche der alten Forderung anklebten, gehen auf die neue nicht uͤber, die an ihre Stelle geſetzt worden, der Glaͤu— biger habe ſie dann ausdruͤcklich ſich vorbehalten. 1279. Wird die Novation dadurch bewirkt, daß ein neuer Schuldner an die Stelle des alten geſetzt wird; ſo koͤnnen die Prioritaͤts⸗Rechte und Hypotheken, welche der Forderung urſpruͤnglich anklebten, auf die Guͤter des neuen Schuld⸗ ners nicht uͤbergehen. 1280. Kommt die Novation unter dem Glaͤubiger und einem der Solidar⸗Schuldner zu Stande; ſo koͤnnen die Prioritaͤts⸗Rechte und Hypotheken der alten Forderung nur auf den Guͤtern desjenigen, der die neue Schuld uͤbernimmt, 1 vorbehalten werden. 1281. Dadurch, daß unter dem Glaͤubiger und einem der Solidar⸗Schuldner eine Novation zu Stande kommt, ſind die Mitſchuldner befreyt. Die Novation, die in Hinſicht des Hauptſchuldners ge⸗ ſchieht, befreyt die Buͤrgen. Hat inzwiſchen der Glaͤubiger im erſten Falle den Bey— tritt der Mitſchuldner, oder im zweyten Falle den Beytritt der Buͤrgen ſich vorbehalten, und die Mitſchuldner oder Buͤrgen weigern ſich der neuen Uebereinkunft beyzutreten; ſo bleibt die alte Forderung aufrecht. III. Buch. 11I. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 265 Dritter Abſchnitt. Von der Erlaſſung der Schuld. 1282. Die freywillige Zuruͤckgabe des Original⸗Titels, der unter Privat⸗Unterſchrift ausgefertiget war, wenn ſie von dem Glaͤubiger an den Schuldner geſchieht, gilt als Beweis, daß die Schuld erlaſſen worden. 1283. Die freywillige Zuruͤckgabe der Hauptausfertigung des Titels(de la grosse) begruͤndet die Vermuthung, daß die Schuld erlaſſen oder gezahlt worden, jedoch bleibt der Beweis des Gegentheils vorbehalten. 1284. Wird einem der Solidar⸗Schuldner der Original⸗ Titel, der unter Privat⸗Unterſchrift ausgefertiget war, oder die Haupt⸗Ausfertigung des Titels zuruͤckgegeben; ſo hat dieſes dieſelbe Wirkung zum Vortheile ſeiner Mitſchuldner. 1285. Wird einem der Solidar⸗Schuldner durch einen Vertrag die Schuld erlaſſen, oder wird er hieruͤber quittirt; ſo ſind alle uͤbrigen befreyt; der Glaͤubiger habe ſich dann wider dieſe ſeine Rechte ausdruͤcklich vorbehalten. In dieſem letztern Falle kann er die Schuld weiter nicht einfordern, als nach Abzug des Antheils, welchen derjenige dem er ſie erließ, zu zahlen hatte. 1286. Die Zuruͤckgabe der zum Unterpfand gegebenen Sache iſt nicht hinreichend, um die Vermuthung zu begruͤn⸗ den, daß die Schuld erlaſſen worden. 1287. Erlaſſung der Schuld oder Befreyung, die durch einen Vertrag dem Hauptſchuldner zugeſtanden wird, entle⸗ diget zugleich die Buͤrgen; Die Befreyung, welche dem Buͤrgen zugeſtanden wird, entlaſtet den Hauptſchuldner nicht; Die Befreyung, die einem der Buͤrgen zugeſtanden wor⸗ den iſt, entlediget nicht die uͤbrigen. 1288. Was der Glaͤubiger von einem Buͤrgen zur Be⸗ freyung von ſeiner Buͤrgſchaft empfangen hat, muß auf die Schuld abgerechnet werden, und dem Hauptſchuldner ſo wie den uͤbrigen Buͤrgen zu Gute kommen. 266 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten, Vierter Abſchnitt. Von der Compenſation. 1289. Befinden ſich zwey Perſonen in dem Verhaͤltniſſe, daß gegenſeitig eine der andern ſchuldig iſt; ſo tritt unter ih⸗ nen auf die Weiſe und in den Faͤllen, welche hier unten ausgedruckt ſind, eine Compenſation ein, wodurch ihre For⸗ derungen und Schulden erloͤſchen. 1200. Die Compenſation geſchieht ohne weiteres durch die bloße Kraft des Geſetzes, ſelbſt ohne Wiſſen der Schuld⸗ ner; in dem Augenblicke, wo die beyderſeitigen Schulden einander gegenuͤber ſtehen, erloͤſchen ſie gegenſeitig, in ſo weit ſie dem Betrag nach einander gleich kommen. 1291. Die Compenſation hat anderſt nicht Statt, als unter zwey Schulden, deren eine wie die andere eine Summe Geldes oder eine gewiſſe Quantitaͤt fungibiler Sachen von einer⸗ ley Gattung zum Gegenſtande hat, und eine in gleichem Grade wie die andere liquid iſt, und eingefordert werden kann. Nicht beſtrittene Leiſtungen, die Getreide und Lebensmit— tel zum Gegenſtande haben, deren Marktpreis oͤffentlich feſtgeſetzt iſt, koͤnnen mit liquiden und faͤlligen Geld-Sum— men compenſirt werden. 1292. Eine Friſt, welche dem Schuldner bloß aus Nach⸗ ſicht geſtattet worden, ſteht der Compenſation nicht im Wege⸗ 1293. Die Compenſation hat Statt, gleich viel auf wel⸗ chem Grunde die eine oder die andere von beyden Schulden beruhe, ausgenommen ſind hievon folgende Faͤlle: 1) Wenn auf Erſtattung einer Sache geklagt wird, welcher der Eigenthuͤmer auf eine ungerechte Weiſe beraubt worden; 2) Wenn auf Zuruͤckgabe einer in Verwahr gegebenen oder zu einem beſtimmten Gebrauche geliehenen Sache ge— klagt wird. 1 3) Wenn die Schuld Alimente zum Gegenſtande hat, von welchen es beſtimmt iſt, daß ſie mit keinem Arreſte belegt werden koͤnnen. —, III. Buch. III Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 267 1294. Was der Glaͤubiger dem Hauptſchuldner zu leiſten hat, kann der Buͤrge zur Compenſation bringen. Aber der Hauptſchuldner kann nicht zur Compenſation bringen, was der Glaͤubiger dem Buͤrgen zu leiſten hat. Der Solidar⸗Schuldner kann ſich gleichfalls in Ruͤckſicht deſſen, was der Glaͤubiger an ſeinen Mitſchuldner zu zah— len hat, auf keine Compenſation beziehen, 1295. Hat der Schuldner unbedingt und ohne einigen Vorbehalt den Uebertrag angenommen, wodurch ein Glaͤu⸗ biger ſeine Rechte einer dritten Perſon eingeraͤumt hat, ſo kann er dem Ceſſionar die Compenſation nicht mehr entge⸗ genſetzen, die er vor der Annahme dem Cedenten entgegen⸗ ſetzen konnte. Ein Uebertrag, der von dem Schuldner nicht angenom⸗ men, wohl aber ihm inſinuirt worden iſt, verhindert nur, daß die Forderungen, die erſt nach dieſer Bekanntmachung entſtanden ſind, nicht compenſirt werden koͤnnen. 1206. Sind die gegenſeitigen Schulden nicht an einem und demſelben Orte zahlbar; ſo kann man ſie nicht zur Compenſation bringen, als indem man die Koſten der Ue⸗ bermachung in Rechnung bringt. 1297. Hat eben dieſelbe Perſon mehrere Schuldpoſten zu zahlen, die alle compenſirt werden koͤnnen; ſo befolgt man in Hinſicht auf die Compenſation die Regeln, welche fuͤr die Aufrechnung der Zahlungen im 1256. Art. feſtgeſtellt ſind. 1208. Die Compenſation hat zum Abbruche der von einer dritten Perſon erworbenen Rechte nicht Statt. Auf dieſe Weiſe kann derjenige, der Schuldner war, und erſt Glaͤubi⸗ ger wurde, nachdem ein Dritter ſeine Schuld bey ihm mit Arreſt belegt hatte, nicht zum Nachtheil desjenigen, der den Arreſt angelegt hat, ſich auf die Compenſation beziehen. 12909. Wer eine von Rechtswegen durch Compenſation erloſchene Schuld gezahlt hat, und nun die Forderung gel— tend macht, wegen welcher er ſich auf die Compenſation nicht bezogen hatte, kann ſich die Prioritétsrechte und Hy⸗ 268 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. potheken, die ihr anklebig waren, zum Nachtheile dritter Perſonen nicht mehr zu Nutze machen, er habe dann eine gerechte Urſache gehabt, die Forderung zu ignoriren, die ſeine Schuld aufheben ſollte. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Confuſion. 1300. Wenn die Eigenſchaften eines Glaubigers und Schuldners in derſelben Perſon zuſammentreffen; ſo entſteht von Rechtswegen eine Confuſion, wodurch Forderung und Schuld erldſchen. 1301. Die Confuſion, die in der Perſon des Hauptſchuld⸗ ners ſich zutraͤgt, nuͤtzt ſeinen Buͤrgen. Diejenige, die in Perſon des Buͤrgen ſich zutraͤgt, zieht das Erloͤſchen der Hauptſchuld nicht nach ſich. Diejenige, die in Perſon des Glaͤubigers ſich ereignet, nüͤtzt den Solidar⸗Mitſchuldnern nicht, als nach Belauf des Antheils, wofuͤr der Glaͤubiger zugleich Mitſchuldner ge⸗ weſen war. Sechster Abſchnitt. Von dem Verluſte und Untergang der Sache, wel⸗ che den Gegenſtand der Verbindlichkeit aus⸗ machte. 1302. Wenn die in jeder Hinſicht beſtimmte Sache, wel⸗ che den Gegenſtand der Verbindlichkeit ausmachte, zu Grun⸗ de geht, auſſer rechtlichem Verkehr geſetzt iſt, oder ſich ſo verliert, daß man von ihrer Exiſtenz durchaus nichts weiß, ſo iſt die Verbindlichkeit erloſchen, in ſo fern die Sache ohne Verſchulden des Verpflichteten und ehe er in Verzug war, entweder zu Grunde gegangen oder verluſtig geworden. Selbſt dann, wenn der Schuldner in Verzug iſt, aber die Zufaͤlle nicht uͤbernommen hat, iſt die Verbindlichkeit er⸗ loſchen, in ſo fern die Sache bey dem Glaͤubiger, wenn ihm die Ueberlieferung geſchehen waͤre, gleichfalls zu Grunde ge⸗ gangen ſeyn wuͤrde. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 269 Der Schuldner muß den Zufall beweiſen, worauf er ſich bezieht. Auf welche Art auch immer eine geſtohlene Sache zu Grunde gegangen oder verluſtig geworden, ihr Verluſt' be⸗ freyt niemahls denjenigen, der ſie entwendet hat, von der Schuldigkeit den Werth zu erſetzen. 1303. Iſt die Sache zu Grunde gegangen, auſſer recht⸗ lichem Verkehr geſetzt, oder verluſtig geworden, ohne daß der Verpflichtete daran Schuld habe, ſo iſt er verbunden, ſeine Rechte und Klagen auf Entſchaͤdigung, die er in Be⸗ ziehung auf dieſe Sache haben mag, ſeinem Glaͤubiger ab⸗ zutreten. Siebenter Abſchnitt. Von der Klage auf Vernichtung oder gerichtliche Aufhebung der Vertraͤge. 1304. Die Klage auf Vernichtung oder gerichtliche Auf⸗ hebung eines Vertrags, dauert in allen Faͤllen, worin ſie nicht etwa durch ein beſonderes Geſetz auf eine kuͤrzere Zeit beſchraͤnkt iſt, zehn Jahre. Dieſe Zeit nimmt ihren Anſang, in dem Falle eines Zwanges erſt mit dem Tage, da er aufgehoͤrt hat, in dem Falle eines Irrthums oder Betrugs, mit dem Tage da dieſe entdeckt worden ſind, und fuͤr Acte, welche von verheiratheten, nicht autoriſirten Frauen geſchloſſen worden ſind, mit dem Tage, da die Ehe aufgeloͤſt wurde. In Hinſicht der Acte, die von Interdicirten geſchloſſen worden ſind, laͤuft die Zeit nur von dem Tage an, da das Verboth der eigenen Verwaltung aufhoͤrte, und in Hinſicht derjenigen, welche von Minderjaͤhrigen geſchloſſen worden, nur von dem Tage der erlangten Volljaͤhrigkeit. 1305. Zum Vortheile eines nicht emancipirten Mindere jaͤhrigen iſt die bloße Verletzung ein hinreichender Grund zur Reſtitution gegen alle Gattungen von Vertraͤgen, und zum Vortheile eines emancipirten Minderzaͤhrigen iſt ſie es gegen 270 III. Buch. IlI. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. alle Vertraͤge, die auſſer den Graͤnzen ſeiner Faͤhigkeit lie— gen, ſo wie dieſe unter dem Titel von der Minderjaͤh⸗ rigkeit, der Vormundſchaft und Emancipa⸗ tion beſtimmt iſt. 1306. Der Minderjaͤhrige kann aus dem Grunde einer Verletzung nicht in vorigen Stand geſetzt werden, wenn dieſe Verletzung nür aus einer zufaͤlligen und unerwarteten Bege⸗ benheit entſpringt. 1307. Der Umſtand allein, daß der Minderjaͤhrige er⸗ klaͤrt hat, er ſey volljaͤhrig, ſteht ſeiner Reſtitution nicht entgegen. 1308. Ein Minderjaͤhriger, der ein Handelsmann, Wechs⸗ ler oder Handwerker iſt, kann wider die Verbindlichkeit, die er in Beziehung auf ſeine Handlung oder ſeine Kunſt uͤber— nommen hat, nicht in vorigen Stand geſetzt werden. 1300. Ein Minderjaͤhriger kann wider die in ſeinem Hei⸗ kaths⸗Contracte enthaltenen Stipulationen nicht in vorigen Stand geſetzt werden, wenn ſie mit Bewilligung und unter dem Beyſtande derjenigen gemacht worden ſind, derer Ein⸗ willigung zur Guͤltigkeit ſeiner Ehe erforderlich iſt. 1310. Er kann wider Verbindlichkeiten, die aus ſeinem Verbrechen oder Quaſi⸗Delicte entſtehen, nicht reſtituirt werden. 1311. Er kann nicht gehoͤrt werden, wenn er wider ein Verſprechen angehen will, das er waͤhrend der Minderjaͤhrig— keit unterzeichnet, aber nach erlangter Volljaͤhrigkeit geneh⸗ miget hatte, ſey es, daß das Verſprechen ſeiner Foͤrm nach unguͤltig geweſen, oder daß nur Wiedereinſetzung in vorigen Stand dawider eintreten konnte. 1312. Werden Minderjaͤhrige, Interdicirte, oder verheira— thete Franen, als ſolche, zur Wiedereinſetzung in vorigen Stand wider ihre Verbindlichkeiten zugelaſſen; ſo kann man von ihnen die Wiedererſtattung desjenigen, was zu Fölge dieſer Verbindlichkeiten, waͤhrend der Minderjaͤhfigkeit, III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 271 der Interdiction oder der Ehe an ſie gezahlt worden iſt, nicht fordera, es ſey dann erwieſen, daß die geſchehenen Zahlungen zu ihrem Nutzen verwendet worden. 1313. Volljaͤhrige werden aus dem Grunde einer Ver⸗ letzung nicht reſtituirt, als in den Faͤllen und unter den Be⸗ dingungen, welche in dem gegenwaͤrtigen Geſetzbuche beſon⸗ ders ausgedruckt ſind. 1314. Sind die in Ruͤckſicht der Minderjaͤhrigen oder Interdicirten, bey der Veraͤuſſerung liegender Guͤter oder der Theilung einer Erbſchaft vorgeſchriebenen Formen beob— achtet worden; ſo werden ſie in Beziehung auf dieſe Acte ſo beurtheilt, als wenn ſie dieſelbe nach erlangter Volljaͤhrigkeit oder vor der Interdiction vorgenommen haͤtten. Sechstes Capitel. Von dem Beweiſe der Verpflichtungen und der geſchehenen Zahlung. 1315. Wer auf CErfuͤllung einer Verbindlichkeit klagt, muß ſie beweiſen. Umgekehrt muß derjenigeé, der von der Verbindlichkeit wieder befreyt zu ſeyn behauptet, entweder die Zahlung oder den Thatumſtand beweiſen, wodurch ſeine Verbindlichkeit er⸗ loſchen ſeyn ſoll. 1316. Die Regeln, die ſich auf den Beweis durch Ur⸗ kunden, den Beweis durch Zeugen, die Vermuthungen, das Geſtaͤndniß des andern Theils und den Eid beziehen, wer⸗ den in den folgenden Abſchnitten erklaͤrt. Erſter Abſchnurt. Von dem Beweiſe durch Urkunden. §. 1. Von authentiſchen Titeln. 1317. Ein authentiſcher Act iſt derjenige, der von oͤffent⸗ lichen Beamten, die an dem Orte, wo der Act gefertiget worden iſt, Inſtrumente zu machen berechtiget ſind, und mit den erforderlichen Feyerlichkeiten aufgenommen worden. 272 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 1318. Ein Act, der, weil es dem Beamten an Befug⸗ niß oder an Faͤhigkeit mangelte, oder aus Abgang der Form nicht authentiſch iſt, gilt als Privat⸗Scriptur, wenn er von den Betheiligten unterzeichnet worden. 1319. Ein authentiſcher Act beweiſt die Uebereinkunft, die in demſelben ausgedruckt iſt, unter den contrahirenden Theilen und ihren Erben, oder denjenigen, die an ihre Stelle getre⸗ ten ſind, vollſtaͤndig. Macht indeß jemand die Behauptung, daß der Act falſch ſey, zum Hauptgegenſtande ſeiner Klage; ſo hat die Zulaſ— fung der Anklage die Wirkung, daß die Vollziehung des als falſch angegriffenen Actes einſtweilen ausgeſetzt bleibt; und hat in einem andern Prozeß einer der ſtreitenden Theile nur beylaͤufig durch Inſcription ſich zum Beweiſe erbothen, daß die Urkunde falſch ſey, ſo koͤnnen die Gerichte, nach Be⸗ ſchaffenheit der Umſtaͤnde, mit Vollſtreckung des Actes pro⸗ viſoriſch anſtehen. 1320. Ein Act, er ſey authentiſch oder unter Privat⸗Un⸗ terſchrift, beweiſt, unter den Betheiligten, ſelbſt das, was in einem bloß erzaͤhlenden Tone darin angefuͤhrt iſt, vorausge⸗ ſetzt, daß die erzaͤhlenden Ausdruͤcke einen directen Bezug auf die in dem Acte enthaltene Verfuͤgung haben. Er⸗ zaͤhlende Ausdruͤcke, die mit der Verfuͤgung ſelbſt in keiner Verbindung ſtehen, koͤnnen nur als Anfang des Beweiſes dienen. 1321. Gegen⸗Reverſe koͤnnen nur unter den contrahirenden Theilen ihre Wirkung aͤuſſern: ſo bald von dem Nachtheile dritter Perſonen die Rede iſt, ſind ſie unwirkſam. §. 1* Von Acten unter Privat⸗Unterſchrift. 1322. Ein Act unter Privat⸗Unterſchrift, wenn er von demjenigen anerkannt iſt, dem er entgegengeſetzt wird, oder auf eine geſetzliche Weiſe als anerkannt erklaͤrt worden, hat unter denjenigen, welche ihn unterzeichnet haben, und unter ihren Erben, ſo wie unter denen, die an ihre Stelle getreten ſind, dieſelbe Beweiskraft, wie ein authentiſcher Aet⸗ III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. a7 3 1323. Derjenige, dem man einen Act unter Privat⸗Un⸗ terſchrift entgegenſetzt, iſt verbunden, die Handſchrift oder die Unterſchrift fuͤr die ſeinige foͤrmlich anzuerkennen oder abzuleugnen. 3 Seine Erben oder die ſonſt an ſeine Stelle getreten ſind, koͤnnen es bey der Erklaͤrung bewenden laſſen, daß ſie die Handſchrift oder die Unterſchrift ihres Autors nicht kennen. 1324. In dem Falle, wo der ſtreitende Theil die Hand⸗ ſchrift oder die Unterſchrift ableugnet, und in dem Falle, wo ſeine Erben oder die ſonſt in ſeine Rechte getreten ſind, er⸗ klaͤren, daß ſie dieſelbe nicht kennen, wird von Gerichtswe⸗ gen befohlen, daß man ihre Richtigkeit oder Unrichtigkeit unterſuche. 1325. Acte unter Privat⸗Unterſchrift, welche gegenſeitige Zuſagen enthalten, ſind nicht guͤltig, als in ſo fern ſo viele Originale davon ausgefertiget worden ſind, als es Bethei⸗ ligte gibt, die ein verſchiedenes Intereſſe dabey haben. Ein Original iſt hinreichend fuͤr alle Perſonen, die bey der Sache nur ein und daſſelbe Intereſſe haben. Jedes Original muß ausdrucken, wie viel Originale da⸗ von ausgefertiget worden ſind. Auf den Abgang einer ausdruͤcklichen Erwaͤhnung, daß die Originale zweyfach, dreyfach u. ſ. w. ausgefertiget wor⸗ den ſeyen, kann ſich gleichwohl derjenige nicht beziehen, der auf ſeiner Seite den im Acte enthaltenen Vertrag vollzo⸗ gen hat. 1326. Eine Verſchreibung oder ein Verſprechen unter Pri⸗ vat⸗Unterſchrift, wodurch einer der Betheiligten allein ſich ge— gen den andern verbindet, ihm eine Summe Geldes oder eine Sache, die ſich ſchaͤtzen laͤßt, zu leiſten, muß ganz von der Hand desjenigen geſchrieben ſeyn, der die Unter⸗ ſchrift verfuͤgt, oder er muß wenigſtens, auſſer ſeiner Unter⸗ ſchrift, mit eigener Hand ein bon oder ein approuue(gut, oder genehmiget) hinzugeſchrieben haben, worin die Summe oder die Quantitaͤt der Sache durchaus mit Buch⸗ ſtaben ausgedruckt worden. 18 274 Il. Buch. nl. Tit. Von Contraeten und Verxbindlichkeiten. Ausgenommen ſind die Faͤlle, wo der Act von Handels⸗ leuten, Handwerkern, Ackerleuten, Weinbauern, Tagloͤhnern und Dienſtbothen ausgefertiget. wird. 1322. Iſt die in dem Conterte(dem Hauptinhalt) des Actes ausgedruckte Summe von derjenigen verſchieden, die im dem bon ausgedruckt iſt; ſo wird vermuthet, daß die ge⸗ ringere Summe die richtige ſey, ſelbſt dann, wenn der Act ſo wie das bon durchaus von der Hand desjenigen geſchrie⸗ ben iſt, der ſich verpflichtet hat; man beweiſe dann, auf welcher Seite der Irrthum ſey. 1328. Arte unter Privat⸗Unterſchrift haben wider dritte Perſonen kein gewiſſes Datum, als von dem Tage, da ſie einregiſtrirt worden, von dem Tage, da der Unterzeichnete, oder einer von denen, die ihn unterzeichnet haben, geſtorben iſt, odernvon dem Tage, da ihr weſentlicher Inhalt in Ac⸗ ten bewaͤhrt iſt, welche durch dffentliche Beamten gefertiget wordem ſind, zum Beyſpiele durch Verbal⸗Proceſſe uͤber Ver⸗ ſieglung oder Indentur. 126s 1320. Buͤcher der Handelsleute beweiſen die Lieferungen, die hierin eingetragen ſind, nicht wider Perſonen, die keinen Handel treihen; vorbehaltlich deſſen, was in Hinſicht des Eides beſtimmt werden ſotk. 4 1330. Buͤcher der Handelsleute beweiſen wider ſie; wer aber Vortheil daraus ziehen will, darf dasjenige, was ſie ſeinen Behauptungen zuwider enthalten, von dem uͤbrigen nicht trennen. mes 34 9 33 1 Hanusregiſter und Annotationen machen keinen guͤl⸗ tigen Titel fuͤr denjenigen aus, der ſie geſchrieben hat. Sie beweiſen wider ihn I) in allen Faͤllen, wo ſie eine empfan⸗ gene Zahlung foͤrmlich ausdrucken, 2) wenn ausdruͤcklich darin erwaͤhnt iſt, daß die Annotation in der Abſicht ge⸗ ſchehen ſey, um den Abgang des Titels zum Vortheile des⸗ jenigen zu erſetzen, zu deſſen Gunſten eine Verbindlich⸗ keit darin ausgedruckt worden. — III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 273 1332. Was der Glaͤubiger am Schluſſe, auf dem Rande oder auf der Ruͤckſeite eines Titels, der immer in ſeiner Gewahrſam geblieben iſt, hingeſchrieben hat, beweiſt, ob⸗ ſchon es von ihm weder unterzeichnet noch datirt worden, in ſo fern es zum Zwecke hat, eine Befreyung des Schuld⸗ ners zu begruͤnden. Eine gleiche Bewandniß hat es mit dem, was der Glaͤu— biger auf der Ruͤckſeite, dem Rande, oder am Schluſſe des Duplicats eines Titels oder einer Quittung geſchrieben hat, vorausgeſetzt, daß dieſes Duplicat ſich in den Haͤnden des Schuldners befindet. 5. IIT Von Kerbſtöcken. 1333. Kerbſtoͤcke, wenn ſie auf ihre Muſter paſſen, ha⸗ ben Beweiskraft unter den Perſonen, die auf ſolche Weiſe die Lieferungen zu bewaͤhren gewohnt ſind, welche ſie im kleinen machen und empfangen. §. T V. Von Abſchriften der Urkunden. 1334. So lange der Originaltitel noch vorhanden iſt, bewei⸗ ſen Abſchriften weiter nicht, als in ſo fern ſie mit dem In⸗ halt des Titels ſelbſt uͤbereinſtimmen, deſſen Offeulegung man allemahl fordern kann. 1335. Exiſtirt der Original⸗Titel nicht mehr; ſo beweiſen die Abſchriften nach Verſchiedenheit der hier folgenden naͤ— hern Beſtimmungen. 1) Die Haupt- oder erſten Ausfertigungen haben dieſelbe Beweiskraft, wie das Original; gleiche Bewandniß hat es mit ſolchen Abſchriften, die in Gegenwart der Betheiligten oder nachdem ſie hiezu gehoͤrig vorgeladen worden, unter obrig⸗ keitlichem Anſehen, oder die in Beyſeyn der Betheiligten und mit ihrer allerſeitigen Zuſtimmung gefertiget worden. 2) Abſchriften, die ohne Dazwiſchenkunft der Obrigkeit, oder ohne Bewilligung der Betheiligten durch den Notar, 276 III. Buch. UI, Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. der den Act aufgenommen hat, oder durch einen ſeiner Nach⸗ folger im Amte, oder durch oͤffentliche Beamten, denen in dieſer Eigenſchaft die Bewahrung der Originale anvertraut iſt, nach der Urſchrift gefertiget worden ſind, ſeitdem die Haupt⸗ oder erſten Ausfertigungen ſchon abgegeben waren, koͤnnen in dem Falle, wo das Original verloren worden iſt, beweiſen, in ſo fern es alte Abſchriften ſind. Sie werden als alte Abſchriften betrachtet, wenn ſie mehr als dreyßig Jahre alt ſind. Haben ſie weniger als dreyßig Jahre, ſo koͤnnen ſie nur als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen. 3) Abſchriften, die nach dem Original eines Actes gefer⸗ tiget worden ſind, koͤnnen, ſo alt ſie auch immer ſeyn moͤ— gen, nur als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen, wenn ſie nicht durch den Notar, der den Act aufgenommen hat, oder durch einen ſeiner Nachſolger im Amte, oder durch offentliche Beamten gefertiget ſind, welche in dieſer Eigen— ſchaft die Originale zu bewahren haben. 4) Abſchriften von Abſchriften koͤnnen, nach Beſchaffen⸗ heit der Umſtaͤnde, als bloße Anzeigen betrachtet werden. 1336. Das Eintragen eines Actes in die oͤffentlichen Re⸗ giſter kann nur als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes die— nen, und ſelbſt hiezu wird noch immer erfordert; 1) Daß es erwieſen ſey, daß alle Originale des Notars aus dem Jahre, worin der Act dem Anſchein nach gefertigt ſeyn ſoll, verluſtig geworden, oder daß man beweiſe, daß das Original des Actes, wovon die Rede iſt, durch einen beſondern Zufall verkommen ſey. 2) Daß ein Verzeichniß von dem Notar, nach der Vor⸗ ſchrift gefertiget, vorhanden ſey, welches beweiſt, daß der Act unter demſelben Datum vor ſich gegangen. Wird in Ruͤckſicht, daß dieſe beyden Umſtaͤnde zuſam⸗ mentreffen, der Beweis durch Zeugen zugelaſſen, ſo muͤſſen nothwendig diejenigen, welche dem Acte als Zeugen beyge⸗ wohnt haben, wenn ſie noch am Leben ſind, vernommen werden. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 277 3. V. Von Acten, welche eine Anerkennung und Beſtä⸗ tigung enthalten. 1337. Acte, welche eine Anerkennung enthalten, befreyen nicht von der Offenlegung des urſpruͤnglichen Titels, deſſen Inhalt ſey dann hierin beſonders angefuͤhrt. Was ſie mehr, als der urſpruͤngliche Titel, enthalten, oder was ſich hierin verſchiedenes findet, bleibt ohne Wir— kung. Haͤtte man inzwiſchen mehrere gleichlautende Anerkennungen, die durch den Beſitzſtand unterſtuͤtzt ſind, und deren eine von dreyßig Jahren ſich herſchreibt, ſo koͤnnte dem Berechtigten die Offenlegung des urſprünglichen Titels erlaſſen werden. 1338. Ein Act, der die Beſtaͤtigung oder Genehmigung einer Verbindlichkeit enthaͤlt, wider welche das Geſetz eine Klage auf Vernichtung oder Aufhebung zulaͤßt, iſt nur dann guͤltig, wenn man die Subſtanz dieſer Verbindlichkeit, den Grund der Klage auf Reſciſion, und die Abſicht den Fehler zu verbeſſern, worauf dieſe Klage beruht, hierin ausgedruckt findet. In Ermangelung eines Actes, der die Beſtaͤtigung oder Genehmigung enthaͤlt, iſt es genug, daß die Verbindlichkeit nach dem Zeitpunete, wo ſie guͤltig beſtaͤtiget oder genehmi⸗ get werden konnte, freywillig erfuͤllt worden. Eine Beſtaͤtigung, Genehmigung oder freywillige Erfuͤl⸗ lung, wenn ſie in den Formen und in dem Zeitpuncte ge⸗ ſchehen iſt, welche das Geſetz beſtimmt, fuͤhrt die Verzicht⸗ leiſtung auf die Gruͤnde und Einreden mit ſich, die man dieſem Acte entgegenſetzen konnte, des Rechtes dritter Per⸗ ſonen gleichwohl unbeſchadet. 1339. Der Geſchenkgeber kann durch keinen beſtaͤtigenden Act die Fehler einer Schenkung unter Lebenden verbeſſern; war ſie einmahl des Form nach unguͤltig, ſo muß ſie in ge⸗ ſetzlicher Form auf's neue gemacht werden. a78 III Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 1340. Die Beſtaͤtigung oder Genehmigung oder freywil⸗ lige Erfuͤllung einer Schenkung, wenn ſie nach dem Tode des Geſchenkgebers von ſeinen Erben oder denjenigen ge— ſchieht, die in ſeine Rechte getreten ſind, fuͤhrt ihre Nerzicht⸗ leiſtung auf jede Einrede mit ſich, ſey es, daß dieſe auf ei— nem Mangel an der Forin oder auf andern Gruͤnden beruhe. Zweyter Abſchnit t. Bon doe m Beweiſe durch Zeugen. 1341. Ueber alle Gegenſtaͤnde, welche die Summe oder den Werth von hundert fuͤnfzig Francs uͤberſteigen, ſelbſt wenn von freywillig anvertrautem Gute die Rede iſt, muß ein Act vor Notarien oder unter Privat⸗Unterſchrift geferti⸗ get werden, und kein Beweis durch Zeugen wird zugelaſſen, ſey es um darzuthun, daß etwas gegen den Inhalt der Acte oder auſſer demſelben abgeredet worden, oder um Reden zu beweiſen, die vor, waͤhrend oder nach dem Acte vorgefallen ſeyn ſollen, ſelbſt wenn es um eine Summe oder um einen Werth unter hundert fuͤnfzig Francs ſich handelt. Alles vorbehaltlich desjenigen, was in den auf die Hand⸗ lung ſich beziehenden Geſetzen vorgeſchrieben iſt. 1342. Die oben ausgedruckte Regel iſt eben ſo auf den Fall anwendbar, wo die Klage auſſer der Forderung des Capitals eine Forderung an Zinſen enthält, die mit dem Capi⸗ tal zuſammen genommen die Summe von hundert fuͤnfzig Franes uͤberſteigen. 1343. Wer einmahl mehr als hundert fuͤnfzig Francs gefordert hat, kann zum Beweiſe durch Zeugen nicht zuge⸗ laſſen werden, ſelbſt wenn er ſeine urſpruͤngliche Forderung herabſetzen wollte. 1344. Iſt die Summe, welche geſordert wird, ſo gar geringer als hundert fuͤnfzig Franecs, ſo kann gleichwohl der Beweis durch Zeugen nicht zugelaſſen werden, wenn man erklaͤrt hat, daß dieſe Summe entweder der Reſt oder ein Theil einer groͤßern Forderung ſey, die nicht durch Urkun⸗ den bewieſen iſt. ml. Buch. Ull. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 279⁹ 1345. Macht ein ſtreitender Theil in derſelben Inſtanz mehrere Forderungen, woruͤber keine ſchriftliche Beweiſe vor⸗ handen ſind, und welche zuſammen genommen d die Summe von hundert fuͤnfzig Francs uͤberſteigen; ſo darf deßhalb kein Beweis durch Zeugen zugelaſſen werden, ſelbſt wenn der ſtreitende Theil behauptet, daß dieſe Forderungen aus verſchiedenen Urfkchen entſpringen, und zu verſchiedenen Zei⸗ ten entſtanden ſeyen, es waͤre dann daß dieſe Anſpruͤche durch Succeſſion, Schenkung oder auf eine andere Weiſe von verſchiedenen Perſonen herruͤhrten. 1346. Alle Klagen, auf welchem Grunde ſie immer be⸗ ruhen, wenn ſie nicht ganz durch Urkunden erweislich ſind, ſollen in einer und derſelben Vorladung angebracht werden. Nach dieſer ſind alle uͤbrige Forderungen, woruͤber keine ſchriftliche Beweiſe vorhanden ſind, ſerner nicht zuzulaſſen.“ 1347. Die oben ausgedruckten re n leiden eine Aus⸗ nahme, wenn der Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vor⸗ handen iſt. So nennt man jeden ſchriftlichen Act, der von demeni⸗ gen herruͤhrt, wider welchen die Forderung aufgeſtellt wird oder von demjenigen, den er repraͤſentirt, und der die an⸗ gefuͤhrte Thatſache wahrſcheinlich macht. 1348. Sie leiden noch weiter eine Ausnahme in allen Fällen, worin os dem Glaͤubiger unnioͤglich war, ſich uͤber die Verbindlichkeit, die jemand gegen ihn uͤbernommen hat, einen ſchriftlichen Beweis zu verſchaffen, Dieſe zweyte Ausnahme iſt anwendbar, 1) Auf Verbindlichkeiten, die aus Qua ſi⸗Contracten, aus Delicten oder Quafi⸗Delicten entſpringen. 2) Auf Sachen, die im Nothfalle bey einer Feuersbrunſt, einem Einſturz der Gebaͤude, Aufruhr oder Schiffbruche, oder von Reiſenden, indem ſie in einem Gaſthauſe ſich auf⸗ hielten, in Verwahr gegeben worden find⸗ alles nach Ver⸗ ſchiedenheit der Petſonen und der Thatumſtaͤnde. 3) Auf Verbindlichkeitem, die be unvorgeſehenen Zu⸗ faͤllen contrahirt' worden ſind, wo es nicht thunlich war ſchriftliche Acte zu fertigen. a80 III. Buch. II Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 4) Auf den Fall, wo der Berechtigte, durch die Folge eines unverſehenen, und von einer hoͤhern Gewalt herruͤh⸗ renden Zufalls den Titel verloren hat, der ihm zum ſchrift⸗ lichen Beweiſe diente. Dritter Abſchnitt. Von Vermuthungen. 1349. Vermuthungen ſind Schluͤſſe, welche das Geſetz oder die Obrigkeit von einer bekannten Thatſache auf eine unbekannte zieht. §56 I. Von Vermuthungen, welche durch Geſetze auf⸗ geſtellt ſind. 1350. Eine geſetzliche Vermuthung iſt diejenige, die durch das Geſetz mit gewiſſen Acten oder mit gewiſſen That⸗Um⸗ ſtaͤnden verbunden wird. Dergleichen ſind 1) Acte, welche das Geſetz fuͤr unguͤltig erklaͤrt, indem es, nach ihrer bloßen Beſchaffenheit zu urtheilen, von der Vermuthung ausgeht, daß ſie zum Nachtheil ſeiner Verfuͤ⸗ gungen geſchloſſen worden. 2) Die Faͤlle, worin das Geſetz erklaͤrt, daß ſich aus gewiſſen beſtimmten Umſtaͤnden das Eigenthum oder eine Befreyung ergebe. 3) Die Wirkung, welche das Geſetz einer rechtskraͤftigen Entſcheidung einraͤumt. 4) Die Kraft, welche das Geſetz dem Geſtaͤndniſſe des ſtreitenden Theils oder deſſen Eide beylegt. 1351. Die Wirkung einer rechtskraͤftigen Entſcheidung er⸗ ſtreckt ſich nur auf das, was den Gegenſtand des Urtheils ausmachte. Um ſich hierauf beziehen zu koͤnnen, iſt erſor⸗ derlich, daß der Gegenſtand der Klage uͤberall derſelbe ſey, daß die Klage auf demſelben Grunde beruhe, daß der Pro⸗ zeß unter denſelben Parteyen, fuͤr und wider ſie in derſelben Eigenſchaft Statt habe. III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 281 1352. Eine geſetzliche Vermuthung befreyt denjenigen, zu deſſen Vortheile ſie eintritt, von allem Beweiſe. Wider eine geſetzliche Vermuthung wird kein Beweis zu⸗ gelaſſen, wenn das Geſetz, wegen eben dieſer Vermuthung, gewiſſe Acte vernichtet, oder eine gerichtliche Klage verſagt, es ſey dann daß das Geſetz den Gegenbeweis vorbehalten habe, und vorbehaltlich deſſen, was uͤber den gerichtlichen Eid, und das gerichtliche Geſtaͤndniß beſtimmt werden ſoll. §. II. Von Vermuthungen, welche durch kein Geſetz aufgeſtellt ſind. 1353. Vermuthungen, welche durch kein Geſetz aufgeſtellt ſind, bleiben der Einſicht und der Klugheit der Obrigkeit uͤberlaſſen, die nur wichtige, beſtimmte und uͤbereinſtimmende Vermuthungen, und in den Faͤllen allein annehmen ſoll, wo das Geſetz einen Zeugenbeweis zulaͤßt, es ſey dann daß der Act wegen eines Betrugs oder einer Argliſt angegriffen werde. Vierter Abſchnit t. Von dem Geſtaͤndniſſe des Gegners. 1354. Das Geſtaͤndniß, das man einem ſtreitenden Theile entgegenſetzt, iſt entweder auſſergerichtlich oder gerichtlich. 1355. Man beruft ſich umſonſt auf ein auſſergerichtliches, bloß muͤndliches Geſtaͤndniß, ſo oft die Frage von einer Forderung iſt, zu deren Begruͤndung kein Zeugenbeweis zu⸗ gelaſſen wuͤrde. 1356. Ein gerichtliches Geſtaͤndniß iſt die Erklaͤrung, welche der Gegentheil oder ſein Speeial⸗Bevollmaͤchtigter vor Gerichte abgibt. Es beweiſt vollſtaͤndig wider denjenigen, der es abge— legt hat. Man kann nicht zu ſeinem Nachtheile einen Theil des Geſtaͤndniſſes von dem andern trennen⸗ 232 III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. Es laͤßt ſich nicht widerrufen, man beweiſe dann, daß es die Folge eines Irrthums in einem Thatumſtande war. Unter dem Vorwande eines Rechtsirrthums kann man es nicht zuruͤcknehmen. Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Eide. 1357. Es gibt zwey Gattungen des gerichtlichen Eides: 1) Der Eid, den einer der ſtreitenden Theile dem an⸗ dern antraͤgt, um die Entſcheidung der Sache davon abhaͤn⸗ gig zu machen; man nennt ihn den angetragenen Haupteid. 2) Der Eid, den der Richter dem einen oder dem an⸗ dern der ſtreitenden Theile Amtshalber auflegt. §. I. Von dem angetragenen Haupteide. 1358. Ueber jede Gattung von Streitigkeiten kann man ſeinem Gegner den Haupteid antragen. 1359. Nur uͤber eine dem ſtreitenden Theile, welchem er angetragen wird, eigene(perſoͤnliche) Handlung laͤßt er ſich antragen. 1360. Der Antrag dieſes Eides kann geſchehen, in wel⸗ cher Lage ſich auch immer die Streitſache befinden moͤge, ſelbſt wenn uͤber die Klage oder die Einrede, woruͤber er geleiſtet werden ſoll, nicht einmahl der Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorhanden iſt. 1361. Derjenige, dem der Eid angetragen worden, wenn er ſich weigert, ihn zu leiſten, und ihn eben ſo wenig ſeinem Gegner zuruͤckſchieben will, und ſo auch der ſtreitende Theik, dem der Haupteid zuruͤckgeſchoben worden iſt, wenn er ihn ver⸗ weigert, muß mit ſeiner Klage oder ſeiner Einrede unterliegen. 1362. Der Eid kann nicht zuruͤckgeſchoben werden, wenn die Handlung, welche den Gegenſtand davon ausmacht, III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. 283 nicht beyden Theilen gemeinſchaftlich, ſondern demjenigen, dem der Eid angetragen war, fuͤr ſeine Perſon allein ei— gen iſt. 1363. Iſt der angetragene oder zuruͤckgeſchobene Eid ein⸗ mahl geleiſtet, ſo wird der Gegentheil nicht mehr gehoͤrt, wenn er beweiſen will, daß er falſch abgeſchworen worden. 1364. Der ſtreitende Theil, der den Eid angetragen oder zuruͤckgeſchoben hat, kann ihn nicht mehr zuruͤcknehmen, ſo bald einmahl der Gegentheil erklaͤrt hat, daß er bereit ſey, dieſen Eid zu leiſten. 1365. Der geleiſtete Eid beweiſt nur zum Vortheile desjenigen, der ihn angetragen hat, oder wider ihn, und zum Vortheile ſeiner Erben oder derjenigen, die ſonſt in ſei⸗ ne Rechte getreten ſind, und wider dieſelbe. Hat indeß einer der Solidar⸗Glaͤnbiger dem Schuldner den Eid angetragen; ſo wird dieſer hiedurch nur fuͤr den Antheil dieſes Glaͤubigers befreyt; Der dem Hauptſchuldner angetragene Eid befreyt eben- maͤßig die Bauͤrgen; Der Eid, der einem der Solidar⸗Schuldner angetragen worden, nuͤtzt gleichfalls den Mitſchuldnern; Und der Eid, der dem Buͤrgen angetragen worden, nuͤtzt dem Hauptſchuldner; In den beyden letztern Faͤllen nuͤtzt der Eid des Soli⸗ dar⸗Mitſchuldners oder des Buͤrgen den uͤbrigen Mitver⸗ pflichteten oder dem Hauptſchuldner nur alsdann, wenn er uͤber die Schuld lbh⸗ nicht uͤber die Solidar-Eigenſchaft, oder uͤber den Thatbeſtand der Verbuͤrgung angetragen worden. §. II. Von dem Eide, der Umtshalber aufgetragen worden. 1366. Der Richter kann einem der ſtreitenden Theile den Eid auflegen, entweder um die Entſcheidung der Sache da⸗ „8a III. Buch. III. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten. von abhaͤngig zu machen, oder nur um hiernach die Summe zu beſtimmen, worauf ſich die Verurtheilung erſtrecken ſoll. 1367. Der Richter kann Amtshalber, ſey es uͤber die Klage, oder uͤber die Einrede, die ihr entgegengeſetzt wor⸗ den, den Eid nicht auflegen, als unter folgenden zwey Be⸗ dingungen: es wird erfordert; 1) Daß die Klage oder die Einrede nicht vollſtaͤndig er— wieſen ſey; 2) Daß ſie nicht von allem Beweiſe entbloͤſt ſey. Auſſer dieſen beyden Faͤllen muß der Richter unbedingt und ſchlechthin entweder dem Klaͤger ſeine Forderung zuer⸗ kennen, oder die Klage verwerfen. 1368. Der Eid, den der Richter einem der ſtreitenden Theile Amtshalber aufgelegt hat, kann von dieſem nicht auf den andern Theil zuruͤckgeſchoben werden. 1369. Der Richter kann dem Klaͤger den Eid uͤber den Werth der Sache, die er in Anſpruch genommen hat, nicht auflegen, als wenn es ſonſt unmdͤglich iſt, dieſen Werth auf eine andere Weiſe auszumitteln. Selbſt in dieſem Falle muß der Richter die Summe be⸗ ſtimmen, bis zu deren Belauf dem Klaͤger auf ſeinen Eid geglaubt werden ſoll. Wierter Titel. Von Verpflichtungen, die ohne Vertrag . entſtehen. (Decretirt den 19. Pluvios 12. J. promulgirt den 29. des näͤhm⸗ lichen Monats.) 1370. Gewiſſe Verpflichtungen entſtehen, ohne daß ein Vertrag, ſey es auf der Seite desjenigen, der ſich verpflich⸗ tet, oder von Seiten desjenigen, gegen den er ſich verbin⸗ det, dazwiſchen komme. — III. Buch. IV. Tit. Von Verpflichtungen ohne Vertrag. 285 Einige dieſer Verpflichtungen entſtehen bloß aus der Be⸗ ſtimmung der Geſetze; die andern entſtehen aus einer eige⸗ nen perſoͤnlichen Handlung des Verpflichteten. Zu den erſten gehoͤren die Verpflichtungen, die unwillkuͤrlich entſtehen, zum Beyſpiele die Verpflichtungen unter Eigen⸗ thuͤmern, die aneinander graͤnzen, oder die Verpflichtungen der Vormuͤnder und anderer Verwalter, die das ihnen auf⸗ getragene Amt nicht ablehnen koͤnnen. Die Verpflichtungen, die in einer dem Verpflichteten ei⸗ genen und perſoͤnlichen Handlung ihren Grund haben, ent⸗ ſpringen entweder aus Quaſi⸗Contracten, oder aus Delicten (Vergehungen) oder aus Quaſi⸗Delicten; ſie machen den Ge⸗ genſtand des gegenwaͤrtigen Titels aus. Erſtes Capitel. Von Qãuaſi⸗Contracten. 1371. Quaſi⸗Contracte ſind durchaus willkuͤrliche Hand⸗ lungen des Menſchen, woraus irgend eine Verbindlichkeit ge⸗ gen einen Dritten, und zuweilen eine gegenſeitige Verbind⸗ lichkeit beyder Theile entſpringt. 1372. Wer freywillig die Geſchaͤfte eines andern fuͤhrt, ſey es, daß der Eigenthuͤmer von der Geſchaͤftsfuͤhrung Wiſ⸗ ſenſchaft habe oder nicht, uͤbernimmt die ſtillſchweigende Verbindlichkeit, die Geſchaͤftsfuͤhrung, die er angefangen hat, fortzuſetzen, und zu vollenden, bis der Eigenthuͤmer im Stande iſt, ſelbſt dafuͤr Sorge zu tragen. Er muß ebenfalls alles, was zu derſelben Sache gehoͤrt, auf ſich nehmen. Er unterwirft ſich allen Verbindlichkeiten, welche aus einer ausdruͤcklichen, von dem Eigenthuͤmer ihm ertheilten Vollmacht, entſpringen wuͤrden. 1373. Selbſt alsdann, wenn der Eigenthuͤmer vor Be⸗ endigung des Geſchaͤftes ſterben ſollte, iſt er verbunden, ſeine Geſchaͤftsfuͤhrung ſo lange fortzuſetzen, bis es dem Erben moͤglich iſt, die Fuͤhrung davon zu uͤbernehmen. 286 III. Buch. IV. Tit. Von Verpflichtungen ohne Vertrag. 1374. Er iſt verbunden, alle Sorgfalt eines guten Haus⸗ wirths auf die Fuͤhrung des Geſchaͤfts zu verwenden. Die Unſtaͤnde, die ihn beſtimmt haben, ſich dem Ge⸗ ſchaͤfte zu unterziehen, koͤnnen gleichwohl den Richter zur Maͤßigung der Summe ermaͤchtigen, die als Folge einer Verſchuldung oder einer Nachlaͤſſigkeit des Geſchaͤftsfuͤhrers dem Eigenthuͤmer des Geſchaͤftes fuͤr Schadenserſatz und entbehrten Gewinn ſonſt gebuͤhren moͤchte. 1375. Der Eigenthuͤmer, deſſen Geſchaͤft gut gefuͤhrt worden iſt, muß die Verbindlichkeiten erfuͤllen, welche der Geſchaͤftsfuͤhrer in ſeinem Nahmen uͤbernommen hat, ihn fuͤr alle perſoͤnliche Verpflichtungen, denen er ſich unterworfen hat, entſchaͤdigen, und ihm alle nuͤtzliche oder nothwendige Auslagen, die er gemacht hat, erſetzen. 1376. Wer aus Irrthum odex wiſſentlich etwas empfaͤngt, was ihm nicht gebuͤhrt, verpflichtet ſich, es demjenigen zu erſetzen, von dem er es ungebuͤhrlich(die Nicht-Schuld als Schuld) empfangen hat. 1377. Hat jemand eine Schuld getilget, der aus Irr⸗ thum glaubte, er ſey der Schuldner; ſo iſt er berechtiget, das Gezahlte von dem Glaͤubiger zuruͤckzufordern. Hat indeß der Glaͤubiger auf die an ihn geſchehene Zah⸗ lung ſeinen Titel vernichtet; ſo hat dieſes Recht nicht mehr Statt, und demjenigen, der die Zahlung verfuͤgt hat, bleibt ſein Regreß wider den wahren Schuldner vorbehalten. 1378. War derjenige, der die Zahlung empfangen hat, in boͤſem Glauben, ſo iſt er verbunden, das Capital ſo wohl, als die Zinſen oder die Fruͤchte, von dem Tage der geſchehenen Zahlung an, zu erſetzen. 1379. Iſt die Sache, die jemand ungebuͤhrlich empfangeu hat, ein Immobilarſtuͤck, oder eine bewegliche, aber koͤrperliche, Sache, ſo iſt derjenige, der ſie empfangen hat, verbunden, ſie in Natur zu erſetzen, oder den Werth davon, wenn ſie durch ſein Berſchulden zu Grunde gegangen oder verſchlim⸗ mert worden iſt; er hat ſelbſt fuͤr ihren zufaͤlligen Verluſt zu haften, wenn er ſie in boͤſem Glauben empfangen hat. III. Buch. VV. Tit. Von Verpflichtungen ohne Vertrag. 287 1380. Iſt die Sache von demjenigen verkauft worden, der ſie in gutem Glauben empfangen hatte; ſo iſt dieſer nur verbunden, den Kaufpreis zu erſetzen. 1381. Derjenige, dem die Sache zuruͤckgegeben worden iſt, muß ſelbſt dem unredlichen Beſitzer alle nothwendige und nuͤtzliche Koſten erſetzen, die er auf Erhaltung der Sa⸗ che verwendet hat. Zweytes Capitel. Von Delicten(Vergehungen) und Quaſi⸗Delicten. 1382. Jede Handlung eines Menſchen ohne Unterſchied, die einem andern Schaden verurſacht, verbindet denjenigen zum Erſatz, durch deſſen Verſchulden der Schaden ſich ereignet hat. 1383. Jeder iſt fuͤr den Schaden verantwortlich, den er durch ſeine Handlung oder auch nur durch ſeine Nachlaͤſſig⸗ keit oder ſein Verſehen,(ſeine Unbeſonnenheit), verurſacht hat. 1484. Man iſt nicht allein fuͤr den Schaden verantwort⸗ lich, den man durch ſeine eigene Handlung verurſacht, ſon⸗ dern auch fuͤr denjenigen, der aus einer Handlung der Per⸗ ſonen, fuͤr welche man zu haften hat, oder von Sachen entſteht, die man in ſeinem Verwahr hat. Der Vater, und, nach dem Tode des Mannes, die Mutter ſind fuͤr den Schaden verantwortlich, den ihre min⸗ derjaͤhrigen bey ihnen wohnenden Kinder verurſacht haben. Hausherrn und Conmmittenten fuͤr den Schaden, den ihr Hausgeſinde, und die von ihnen angeordneten Geſchaͤſtsfuͤhrer in den ihnen anvertrauten Geſchaͤften verurſacht haben. Lehrer und Handwerker fuͤr den Schaden, den ihre Zoͤg⸗ linge und Lehrlinge waͤhrend der Zeit, daß ſie unter ihrer Aufſicht ſind, angerichtet haben. 288 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. Die oben bemerkte Verantwortlichkeit tritt ein, es ſey dann, daß Vater und Mutter, Lehrer und Handwerker den den Beweis fuͤhren, daß ſie die Handlung, wegen welcher man ihre Verantwortlichkeit in Anſpruch nimmt, nicht ver⸗ hindern konnten. 1385. Der Eigenthuͤmer eines Thiers oder derjenige, der ſich deſſen bedient, waͤhrend es zu ſeinem Gebrauche iſt, hat den Schaden zu verantworten, den das Thier verur⸗ ſacht hat, ſey es, daß das Thier in ſeiner Gewalt war, oder ſich verirrt habe, oder entlaufen ſey. 1386. Der Eigenthuͤmer eines Gebaͤudes iſt fuͤr den Schaden verantwortlich, der durch deſſen Einſturz verurſacht worden, in ſo fern dieſer entweder aus Abgang der Unter— haltung oder durch einen Fehler in der Bauart entſtanden iſt. Funfter Titel. Von dem Heiraths⸗Contracte und den gegen⸗ ſeitigen Rechten der Ehegatten. (Decretirt den 20. Pluvios 12. J. promulgirt den zo. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Erſtes Capit el. Allgemeine Verordnungen. 1387. Ueber die Wirkungen der ehelichen Geſellſchaft in Beziehung auf das Vermoͤgen ſtellt das Geſetz nichts feſt, als in Ermangelung beſonderer Vertraͤge, welche, vorausge⸗ ſetzt daß ſie den guten Sitten nicht zuwider ſind, die Ehe⸗ gatten nach Gutfinden, aber dieß jedoͤch nur unter folgenden Einſchraͤnkungen eingehen koͤnnen. 1388. Den Ehegatten ſteht es nicht frey, den Rechten zu derogiren, die aus der Gewalt des Mannes uͤber die Per⸗ ſon der Frau und der Kinder entſpringen, oder die dem Manne als Haupt der Familie zuſtehen. Sie koͤnnen dieß B 4 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 289 gleichfalls nicht in Hinſicht der Rechte, welche dem Ueberle⸗ benden von beyden Ehegatten unter dem Titel von der vaͤterlichen Gewalt, und unter dem Titel von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und Emancipation beygelegt ſind, und eben ſo wenig in Beziehung auf die verbiethenden Verordnungen des gegen⸗ waͤrtigen Geſetzbuches. 1389. Sie koͤnnen keinen Vertrag ſchließen, keine Ver⸗ zicht thun, welche eine Veraͤnderung in der geſetzlichen Ord⸗ nung der Erbſolge, ſey es in Beziehung auf ſie ſelbſt bey der Succeſſion ihrer Kinder oder Abkoͤmmlinge, oder in Bezie— hung auf ihre Kinder untereinander zum Gegenſtande haͤtte, vorbehaltlich der Schenkungen unter Lebenden oder Vermaͤcht⸗ niſſe, welche nach den in dem gegenwaͤrtigen Geſetzbuche be⸗ ſtimmten Formen, und in den hierin ausgedruckten Faͤllen Statt haben koͤnnen. 1300. Den Ehegatten iſt es nicht mehr erlaubt, in allge⸗ meinen Ausdruͤcken die Uebereinkunft zu treffen, daß ihre eheliche Geſellſchaft nach einer der Gewohnheiten, Geſetze, oder Local⸗Statuten beurtheilt werden ſoll, die vormahls in den verſchiedenen Theilen des franzoͤſiſchen Gebiethes uͤblich geweſen, und die durch daͤs gegenwaͤrtige Geſetzbuch abge⸗ ſchafft worden ſind. 1391. Ihnen bleibt es gleichwohl unbenommen, in all⸗ gemeinen Ausdruͤcken zu erklaͤren, daß es ihre Abſicht ſey, bey ihrer Heirath ſich den Geſetzen uͤber die eheliche Guͤter⸗ gemeinſchaft, oder den Dotal⸗Rechten zu unterwerfen. Im erſten Falle, und wo eheliche Guͤtergemeinſchaft herrſcht, ſollen die Rechte der Ehegatten und ihrer Erben durch die Verordnungen des zweyten Capitels des gegenwaͤr⸗ tigen Titels ihre Beſtimmung erhalten. Im zweyten Falle, und wo Dotal⸗Rechte Statt haben, ſind ihre Rechte nach den Verordnungen des dritten Capitels zu beurtheilen, 19 290 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 1392. Die in dem Vertrag ausgedruckte Bedingung, daß die Frau einige Guͤter als Heiraths⸗Gut einbringt, oder daß ihr einige Guͤter zur Mitgabe ausgeſetzt werden, iſt allein nicht hinreichend, um dieſe Guͤter den Dotal⸗Rechten zu un⸗ terwerfen, wenn in dem Ehecöontracte nicht eine ausdruͤckliche Erklaͤrung in dieſer Hinſicht enthalten iſt. Aus der bloßen Erklaͤrung der Ehegatten, daß ſie ſich unter Ausſchließung aller Guͤtergemeinſchaft verehelichen, oder daß eine voͤllige Abſoͤnderung der Guͤter untor ihnen Statt haben ſoll, folgt ebenfalls nicht, daß ſie den Dotal⸗ Rechten ſich unterworfen haben. 1393. In Ermangelung beſonderer Vertraͤge, welche den Geſetzen uͤber die Guͤtergemeinſchaft derogiren oder ſie modi⸗ ficiren, gelten die Grundſaͤtze, die im erſten Theile des zweyten Capitels feſtgeſtellt ſind, als gemeines franzoͤſiſches Recht. 1394. Alle Ehevertraͤge ſollen vor der Heirath durch ei⸗ nen Notarial⸗Act ſchriftlich verfaßt werden. 1395. Nach geſchloſſener Ehe koͤnnen ſie in keinem Stuͤcke mehr veraͤndert werden. 1396. Veraͤnderungen, die vor Schließung der Ehe da⸗ ran vorgenommen werden moͤchten, muͤſſen durch einen in eben der Form, wie der Heiraths⸗Contract ſelbſt, geſchloſſe⸗ nen Act beurkundet werden. Auſſerdem gilt keine Veraͤnderung, kein Gegenſchein, wenn nicht alle Perſonen, die als Mitcontrahenten an dem Ehevertrag Theil genommen haben, dabey erſchienen ſind, und alle zu gleicher Zeit eingewilliget haben. 1397. Alle Veraͤnderungen und Gegenſcheine, ſollten ſie auch in die Form gebracht ſeyn, welche im vorhergehenden Artikel vorgeſchrieben iſt, bleiben in Hinſicht dritter Perſonen ohne Wirkung, es ſey dann, daß ſie dem Original⸗Heiraths⸗ Contracte als Anhang beygefuͤgt worden ſeyen, und dem Notar iſt es bey Straſe, den Betheiligten fuͤr allen Scha— den und entbehrten Gewinn zu haften, und, den Umſtaͤnden nach, bey noch ſchwererer Strafe verbothen, eine Ausferti⸗ III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 291 gung des Helraths⸗Contractes, in welcher Form es auch ſey, (ni grosses ni expéditions) auszuliefern, ohne die Veraͤnde⸗ rung oder den Gegenſchein in Verfolg der Abſchrift mit ein⸗ zuruͤcken. 1308. Ein Minderjaͤhriger, der faͤhig iſt eine Heirath zu ſchließen, iſt ebenfalls faͤhig, alle Bedingungen zu bewilligen, die bey dieſem Contracte Statt haben koͤnnen, und die hierin eingegangenen Vertraͤge und gemachte Schenkungen ſind guͤl⸗ tig, vorausgeſetzt daß bey dem Contracte diejenigen Perſo⸗ nen ihm zur Seite geweſen ſind, deren Einwilligung zur Guͤl⸗ keit der Ehe erforderlich iſt. Zweytes Capitel. Von dem Inbegriffe der Grundſaͤtze, die bey der ehelichen Guͤtergemeinſchaft eintreten. 1309. Die eheliche Guͤtergemeinſchaft, ſie ſey einzig durch das Geſetz beſtimmt, oder durch Vertrag bedungen, nimmt von dem Tage an, da die Ehe vor dem Beamten des Ci⸗ vil⸗Standes geſchloſſen worden, ihren Anfang. Man kann ſich nicht ausbedingen, daß ſie mit einer andern Epoche an⸗ fangen ſoll. Er ſter Theenl. Vonder geſetzlichen Guͤtergemeinſchaft. 1400. Die Gemeinſchaft, welche aus der bloßen Erklä⸗ rung entſpringt, daß man ſich nach den Grundſaͤtzen einer ehelichen Guͤtergemeinſchaft verheirathe, oder auch dann, wenn gar kein Ehecontract geſchloſſen worden, richtet ſich nach den Regeln, die in den folgenden ſechs Abſchnitten er— klaͤrt ſind. Erſter ⸗Abſchnitt. Was an Vermoöͤgen und Schulden zur Gemein⸗ ſchaft gehoͤret. F.. I. Von dem Activ⸗Vermoöͤgen der Gemeinſchaft. 1401, Zu dem Activ⸗Vermoͤgen der Gemeinſchaft gehoͤrt 292 HI. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 1) Alles Mobilar⸗Vermoͤgen, das die Ehegatten an dem Tage beſaßen, da die Ehe unter ihnen geſchloſſen wur⸗ de, ſo wie alles Mobilar⸗Vermoͤgen, das ihnen waͤhrend der Ehe durch Erbrecht oder ſelbſt durch Schenkung aner⸗ faͤllt, wenn der Geber nicht das Gegentheil ausgedruckt hat; 1 2) Alle Fruͤchte, Einkuͤnſte, Zinſen und Ruͤckſtaͤnde, welcher Ratur ſie immer ſeyn moͤgen, die waͤhrend der Ehe anerfallen oder genoſſen worden ſind, und von den Guͤtern herruͤhren, die ihnen bey Schließung derſelben zugehoͤrten, oder von den Guͤtern, die ihnen waͤhrend der Ehe, aus was fuͤr einem Rechtsgrunde es immer ſey, zugefallen ſind; 3) Alle Immobilien, welche waͤhrend der Ehe erworben worden.. 1402. Jedes Immobilar-Stuͤck wird als gemeinſchaft⸗ licher Erwerb betrachtet, wenn nicht bewieſen wird, entwe⸗ der daß einer der Ehegatten ſchon vor der Ehe das Eigen⸗ thum oder den geſetzmaͤßigen Beſitz davon hatte, oder daß es waͤhrend der Ehe durch Erbrecht oder Schenkung ihm zugefallen. 4 1403. Die Holzſchlaͤge, ſo wie die Ausbeute der Stein⸗ bruͤche und Bergwerke fallen in die Gemeinſchaft, in ſo weit ſie unter die Nutzungen des Nießbrauchers gerechnet werden koͤnnen, nach den unter dem Titel vwon dem Nießbrau⸗ che, dem Gebrauche undeder Einwohnung er⸗ klaͤrten Regeln. 3 Blieben die Holzſchlaͤge unbenutzt, die nach Anleitung dieſer Regeln waͤhrend der Gemeinſchaft gemacht werden konnten, ſo hat der Ehegatte, welcher der Eigenthuͤmer des Bodens nicht iſt, oder ſeine Erben hiefuͤr Erſatz zu fordern. Wenn die Steinbruͤche und Bergwerke erſt waͤhrend der Ehe eingeſchlagen worden ſind; ſo faͤllt die Ausbeute davon nur mit Vorbehalt der Vergeltung oder Entſchaͤdigung fuͤr den Chegatten, dem ſie gebuͤhren mag, in die Gemein⸗ ſchaft⸗ III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 293 1404. Immobilien, welche die Ehegatten an dem Tage, da ſie die Ehe ſchließen, beſitzen, oder die ihnen waͤhrend der Ehe durch Erbrecht zufallen, gehoren nicht in die Gemeinſchaft. Haͤtte gleichwohl einer der Ehegatten nach dem Heiraths⸗ Contracte, worin die Guͤtergemeinſchaft bedungen war, und vor Schließung der Ehe ein Immobilar⸗Stuͤck erworben; ſo fallt das in dieſer Zwiſchenzeit erworbene Immobilar⸗Stuͤck in die Gemeinſchaft, die Erwerbung ſey dann zu Folge ei⸗ ner Clauſel des Heiraths⸗Contractes geſchehen, in welchem Falle ſie nach dem Inhalte des Vertrags beurtheilt werden ſoll. 14053. Immobilien, welche waͤhrend der Ehe nur einem von beyden Ehegatten geſchenkt worden ſind, fallen nicht in die Guͤtergemeinſchaft, und gehoͤren dem Geſchenknehmer allein, die Schenkung enthalte dann ausdruͤcklich, daß die geſchenkte Sache der Gemeinſchaft zugehdren ſoll. 1406. Immobilien, welche der Vater, die Mutter oder ein anderer Ascendent einem der Ehegatten uͤberlaſſen oder abgetreten hat, ſey es um ihn fuͤr das zu befriedigen, was er ihm ſchuldig war, oder mit dem Beding, die Schulden des Gebers bey Fremden zu berichtigen, fallen nicht in die Gemeinſchaft, vorbehaltlich der Verguͤtung oder Entſchaͤdigung. 1407. Ein unbewegliches Gut, das waͤhrend der Ehe durch Tauſch gegen, ein anderes, einem der beyden Ehe⸗ gatten zugehoͤriges unbewegliches Gut, erworben worden, faͤllt nicht in die Gemeinſchaft, und tritt an die Stelle des veraͤuſſerten, vorbehaltlich des Erſatzes, in ſo fern nebenher beym Tauſche etwas herausgegeben worden. 1408. War einer der Ehegatten in Hinſicht eines unbe⸗ weglichen Gutes in unzertheilter Gemeinſchaft mit andern, und er erwarb waͤhrend der Che einen Theſl dieſes Gutes bey einer Verſteigerung oder auf andere Weiſe; ſo gehoͤrt dieſer Theil nicht unter die eheliche Errungenſchaft, jedoch muß die Gemeiuſchaft fuͤr die Summe entſchaͤdiget werden, die ſie zu dieſer Erwerbung hergegeben hat. Harte der Ehegatte allein und in ſeinem eigenen Nah⸗ men ein unbewegliches Gut, das der Ehegattinn in einer 294 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. unzertheilten Gemeinſchaft mit andern zugehoͤrte, ganz oder zum Theil erworben oder bey einem oͤffentlichen Verkaufe erſtanden, ſo hat dieſe bey Aufloͤſung der ehelichen Guͤter⸗ gemeinſchaft die Wahl, entweder das Gut der Gemeinſchaft zu uͤberlaſſen, die alsdann der Ehegattinn den an dem Preiſe ihr zugehdrigen Antheil zu erſetzen verbunden iſt, oder das Gut an ſich zu ziehen, indem ſie der Gemeinſchaft den koſtenden Preis verguͤtet. §. II. Von den Laſten der ehelichen Guͤtergemeinſchaft, und von den Klagen, die hieraus wider die Ge⸗ meinſchaft entſtehen. 1409. Zu den Paſſiv⸗Schulden und Laſten der Gemein⸗ ſchaft gehoͤren, 1) Alle Mobilar⸗Schulden, welche die Ehegatten am Tage der geſchloſſenen Ehe zu zahlen hatten, oder womit die Erbſchaften belaſtet ſind, die ihnen waͤhrend der Ehe anfallen, mit Vorbehalt der Verguͤtung fuͤr diejenigen Schul⸗ den, die ſich auf Immobilien beziehen, welche dem einen oder dem andern Ehegatten ausſchließlich zugehoͤren. 2) Schulden, welche der Mann waͤhrend der Guͤterge⸗ meinſchaft, oder die Frau mit Bewilligung des Mannes ge— macht hat, ſie beſtehen in Capitalien, Ruͤckſtaͤnden oder Zinſen, vorbehaltlich der Verguͤtung, in den Faͤllen, wo ſie Statt hat. 3) Von den Renten oder Paſſiv⸗Schulden, die den bey⸗ den Ehegatten perſoͤnlich zur Laſt liegen, die Ruͤckſtaͤnde und Zinſen allein. 4) In Beziehung auf Immobilien, die nicht in die Ge— meinſchaft fallen, die Reparaturen, in ſo weit ſie der Nieß⸗ braucher zu beſtreiten verbunden iſt. 5) Die Alimente der Ehegatten, Erziehung und Unter⸗ halt der Kinder, und alle uͤbrigen Laſten der Ehe. III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 295 1410. Fuͤr die Mobilar⸗Schulden, welche vor der Ehe von der Frau gemacht worden ſind, hat die Gemeinſchaft nicht anderſt zu haften, als in ſo fern ſie ſich aus einem vor der Ehe zu Stande gekommenen, authentiſchen oder an⸗ dern Acte ergeben, der vor demſelben Zeitpuncte ein unge— zweifeltes Datum erhalten hat, ſey es durch die Einregiſtri⸗ rung oder durch den Tod einer oder mehrerer Perſonen, die dieſen Act unterzeichnet hatten. Wer zu Folge eines Actes, deſſen Datum nicht zu⸗ verlaͤßig der Ehe vorhergeht, als Glaͤubiger der Frau auftritt, kann nur aus der bloßen Proprietaͤt der ihr per⸗ ſonlich zugehdͤrigen Immobilien ſeine Befriedigung von ihr fordern. Der Mann, der eine Schuld dieſer Art fuͤr ſeine Frau gezahlt zu haben behauptet, kann weder von ihr ſelbſt noch von ihren Erben dafuͤr Verguͤtung fordern. 1411. Faͤllt dem einem oder dem andern Ehegatten waͤhrend der Ehe eine Erbſchaft an, die einzig aus beweglichen Guͤtern beſteht; ſo fallen die darauf haftenden Schulden ganz der Gemeinſchaft zur Laſt. 1412. Beſteht die Erbſchaft, welche einem von beyden Ehegatten waͤhrend der Ehe anfaͤllt, nur aus unbeweglichen Guͤtern; ſo fallen die Schulden nicht der Gemeinſchaft zur Laſt; die Glaͤubiger haben gleichwohl das Recht, aus den Immobilar⸗Stuͤcken dieſer Erbſchaft ihre Zahlung zu fordern. Iſt gleichwohl die Erbſchaft dem Manne angefallen, ſo bleibt es den Glaͤubigern, die an dem Nachlaſſe zu for— dern haben, unbenommen, aus den Guͤtern, die dem Manne eigen ſind, oder auch ſelbſt aus denjenigen, die zur Gemein⸗ ſchaft gehdren, ihre Zahlung zu fordern, vorbehaltlich, fuͤr dieſen zweyten Fall, der Verguͤtung, die alsdann der Ehe⸗ gattinn oder ihren Erben gebuͤhrt. 1413. Iſt eine nur aus Immobilien beſtehende Erbſchaft der Ehegattinn anerfallen, und dieſe hat ſie mit Einwilli⸗ gung ihres Mannes angenommen, ſo koͤnnen die Glaͤubiger, 296 III, Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛe. die an dem Nachlaſſe zu fordern haben, aus allen der Ehe⸗ gattinn perſoͤnlich zuſtehenden Guͤtern ihre Zahlung fordern; iſt aber die Erbſchaft von der Ehegatrinn nur zu Folge ei⸗ ner auf die Weigerung des Mannes von dem Gerichte er⸗ haltenen Autoriſation angenommen worden, ſo koͤnnen die Glaͤubiger, wenn die zur Erbſchaft gehoͤrigen Immobilien nicht hinreichen, ſich nur an der bloßen Proprietaͤt der uͤbri⸗ gen Guͤter, welche der Frau eigen ſind, erhohlen. 1414. Beſteht die Erbſchaft, welche einem der Ehegat⸗ ten angefallen iſt, theils aus Mobilien theils aus Immobi⸗ lien, ſo fallen die darauf haftenden Schulden der Gemein⸗ ſchaft nur nach dem Verhaͤltniſſe zur Laſt, in welchem das Mobilar⸗Vermoͤgen zu den Immobilien ſteht, und nach dem Ertrag, der bey dieſer verhaͤltnißmaͤßigen Vertheilung der Schulden auf die Mobilien faͤllt. Dieſer verhaͤltnißmaͤßige Beytrag richtet ſich nach dem Inventarium, das der Mann fertigen laſſen muß, ſey es in eigenem Nahmen, wenn die Succeſſion ihn perſoͤnlich an⸗ geht, oder als derjenige, der die Handlungen ſeiner Ehe⸗ gattinn leitet und autoriſirt, wenn von einer ihr angefalle⸗ nen Erbſchaft die Rede iſt. 1415. In Ermangelung eines Inventarium und in allen Faͤllen, wo deſſen Abgang der Ehegattinn einen Nachtheil verurſacht, bleibt es ihr oder ihren Erben unbenommen, nach aufgeloſter Guͤtergemeinſchaft, die ihr von Rechtswe⸗ gen gebuͤhrenden Verguͤtungen in Anſpruch zu nehmen, und ſelbſt ſo wohl durch Urkunden und Haus⸗Annotationen als durch Zeugen und im Nothſalle durch den gemeinen Ruf zu beweiſen, worin das nicht inventirte Mobilar⸗Vermoͤgen be⸗ ſtanden, und welchen Werth es gehabt habe. Der Mann wird niemahls zu dieſem Beweiſe zugekaſſen. 1416. Die Verfuͤgungen des 1414. Artikels verhindern die Glaͤubiger einer zum Theile aus Mobilien, zum Theile aus Immobllien beſtehenden Erbſchaft nicht, ihre Befriedigung aus den zur Gemeinſchaft gehoͤrigen Guͤtern zu fordern, die Erb⸗ ſchaft mag dem Manne oder der Frau augefallen ſeyn, III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ze. 197 vorausgeſetzt, daß dieſe mit Bewilligung des Mannes ſie angenommen hat, alles vorbehaltlich der gegenſeitigen Ver⸗ guͤtungen. Eine gleiche Bewandniß hat es, wenn die Erbſchaft ven der Ehegattinn nur zu Folge einer von dem Gerichte erhal⸗ tenen Antoriſation angenommen worden, das hiezu gehoͤ⸗ rige Mobilar⸗Vermoͤgen gleichwohl mit jenem der Gemein- ſchaft vermiſcht worden iſt, ohne vorher ein Inventarium zu errichten. 1417. Iſt die Erbſchaft auf erfolgte Weigerung des Mannes nur zu Folge einer gerichtlichen Autoriſation von der Frau angenommen, und ein Inventarium errichtet wor⸗ den, ſo koͤnnen die Glaͤubiger, um zu ihrer Befriedigung zu gelangen, nur die zur Erbſchaft gehoͤrigen Mobilar⸗ und Immobilar⸗Guͤter, und wenn dieſe nicht hinreichen, die bloße Proprietaͤt des uͤbrigen der Ehegattinn eigenen Vermoͤgens angreifen. 1418. Die Regeln, welche im 1411. Artikel und den folgenden feſtgeſtellt ſind, werden auf die einer Schenkung anklebenden Schulden eben ſo, wie auf erbſchaftliche Schul— den angewandt. 1419. Hat die Frau mit Bewilligung des Mannes Schul⸗ den gemacht, ſo koͤnnen die Glaͤubiger, um hiefuͤr ihre Be⸗ friedigung zu erhalten, ſo wohl alle Guͤter der Gemeinſchaft, als jene des Mannes oder der Frau angreifen, vorbehaltlich der Verguͤtung, welche der Gemeinſchaft gebuͤhrt, oder der Endſchaͤdigung, die dem Manne zukommt. 1420. Jede Schuld, welche die Frau nur zu Folge einer von dem Manne erhaltenen General⸗ oder Special⸗Voll⸗ macht gemacht hat, liegt der Gemeinſchaft zur Laſt, und und der Glaͤubiger kann hiefuͤr ſeine Zahlung weder von der Frau noch aus den ihr eigenen Guͤtern fordern. „ 298 III. Buch. V. Tit. Von dem Heitaths⸗Contracte ꝛc. Z weyter Abſchnitt. Von der Verwaltung der Gemeinſchaft und den Wirkungen der Acte des einen oder des an⸗ dern Ehegatten in Beziehung auf die eheliche Geſellſchaft. 1421. Der Mann verwaltet allein die zur Gemeinſchaft gehoͤrigen Guͤter.— Er kann ſie ohne Einwilligung der Frau verkaufen, veraͤuſſern und zur Hypothek ſtellen. 1422. Ihm ſteht es nicht frey durch eine Handlung un⸗ ter Lebenden uͤber Immobilien, die zur Gemeinſchaft gehoͤren, uͤber das geſamte Mobilar-⸗Vermoͤgen oder einen aliquoten Theil desſelben unter einem wohlthaͤtigen Titel zu verordnen, es ſey dann, um gemeinſchaftliche Kinder zu etabliren. Er kann inzwiſchen unter einem wohlthaͤtigen und Parti⸗ eular-Titel uͤber Mobilar-Effecten zum Vortheil jeder Perſo⸗ nen verordnen, vorausgeſetzt daß er ſich den Nießbrauch davon nicht vorbehalte. 1423. Schenkungen, welche der Mann durch eine letzte Willensverordnung macht, duͤrfen ſeinen Antheil an der Guͤ⸗ tergemeinſchaft nicht uͤberſteigen. Hat er in dieſer Form eine zur Gemeinſchaft gehoͤrige Sache geſchenkt; ſo kann der Geſchenknehmer ſie nicht in Natur fordern, als in ſo fern die geſchenkte Sache bey der Theilung in das Los der Erben des Mannes faͤllt. Faͤllt ſie nicht in das Los dieſer Erben, ſo gebuͤhrt dem Legatar aus dem Antheile der Erben des Mannes an der Guͤtergemeinſchaft, und aus dem eigenen Vermoͤgen des Letztern die Verguͤtung des ganzen Werths der geſchenkten Sache. 1424. Geldſtrafen, worin der Mann, durch ein Verbre⸗ chen verfallen iſt, idas den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich zieht, koͤnnen aus den Guͤtern der Gemeinſchaft beygetrieben werden, und der Frau bleibt die ihr gebuͤhrende Verguͤtung III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 299 vorbehalten. Strafen, welche die Frau verwirkt hat, koͤn— nen, ſo lange die Guͤtergemeinſchaft dauert, nur aus der bloßen Proprietaͤt der ihr eigenen Guͤter erzwungen werden. 1425. Verurtheilungen, welche wider einen der beyden Ehegatten wegen eines Verbrechens ergangen ſind, das den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht, treffen nur ſeinen Antheil an der Guͤtergemeinſchaft und ſein eigenes Vermoͤgen. 1426. Acte, welche die Frau ohne Bewilligung des Man⸗ nes ſelbſt unter gerichtlicher Autoriſation geſchloſſen hat, be⸗ gruͤnden keine Verbindlichkeit in Beziehung auf die Guͤter der Gemeinſchaft, den Fall ausgenommen, wo ſie als oͤffentliche Kauf⸗ und Handelsfrau und in Geſchaͤften ihrer Handlung contrahirt. 1427. Eine Frau kann ſich weder ſelbſt verpflichten, noch die Guͤter der Gemeinſchaft verpfaͤnden, waͤre es auch um ihren Mann aus dem Gefangniſſe zu befreyen, oder in Abweſenheit des Mannes um ihren Kindern eine Verſorgung zu verſchaffen, ſie ſey dann vorher von dem Gerichte hiezu ermaͤchtiget. 1428. Der Mann hat die Verwaltung uͤber das ganze eigene Vermoͤgen der Frau. Er kann alle Mobilar- und poſſeſſoriſche Klagen, welche der Frau zuſtehen, allein geltend machen. Er kann ohne Bewilligung ſeiner Frau die fuͤr ihre Perſon ihr zugehoͤrigen Immobilar⸗Guͤter nicht veraͤuſſern. Er iſt fuͤr jeden Verfall der Guͤter verantwortlich, die ſeiner Frau fuͤr ihre Perſon zugehoͤren, in ſo fern er ihn durch Unterlaſſung der zu ihrer Erhaltung erforderlichen Vor— kehrungen verurſacht hat. 1429. Verpachtungen, welche der Mann auf mehr als neun Jahre mit den Guͤtern ſeiner Frau vorgenommen hat, ſind, wenn inzwiſchen die Guͤtergemeinſchaft aufgeloͤſt wird, fuͤr die Frau und ihre Erben weiter nicht verbindlich, als fuͤr diejenige Zeit, die an der erſten Periode von neun Jah⸗ 300 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. ren noch uͤbrig iſt, in ſo fern die Betheiligten ſich noch in dieſem Zeitraume befinden, oder an der zweyten Periode, und ſo weiter, ſo daß der Paͤchter nur berechtiget iſt, fuͤr denjenigen Zeitraum von neun Jahren, worin er ſich wirk⸗ lich befindet, ſeinen Genuß zu vollenden. 1430. Verpachtungen von neun oder weniger als neun Jahren, welche der Mann mehr als drey Jahre vor dem Ende der laufenden Pachtung, in ſo fern von Landguͤtern die Rede iſt, oder mehr als zwey Jahre vor demſelben Zeit⸗ puncte, wenn von Haͤuſern die Rede iſt, uͤber die Guͤter ſeiner Frau geſchloſſen oder erneuert hat, ſind kraftlos, ihre Vollziehung habe dann vor Aufloͤſung der Guͤterge⸗ meinſchaft ihren Anſang genommen. 1431. Eine Frau, die in Augelegenheiten der Guͤterge⸗ meinſchaft oder ihres Mannes ſich als Solidar-Schuldnerinn mit ihrem Manne dargeſtellt, wird in Beziehung auf dieſen nur ſo betrachtet, als haͤtte ſie ſich einzig als Buͤrge ver⸗ pflichtet. Fuͤr die Verbindlichkeit, welche ſie uͤbernominen hat, gebuͤhrt ihr Entſchaͤdigung. 3 1432. Der Mann, der bey einem von ſeiner Frau geſche⸗ henen Verkaufe eines ihr perſoͤnlich zugehoͤrigen Immobilar— Stuͤckes, entweder unter Solidar-Verbindlichkeit oder auf andere Weiſe die Gewaͤhr uͤbernommen hat, iſt gleichfalls befugt, wenn er deßhalb in Anſpruch genommen wird, den Regreß wider ſie zu nehmen, und entweder an ihrem Au⸗ theile an der Guͤtergemeinſchaft, oder an dem Vermoͤgen, das ihr fuͤr ihre Perſon zugehoͤrt, ſich zu erhohlen. 1433. Iſt en Immobilarſtuͤck, das einem von beyden Ehegatten zugehoͤrte, verkauft, oder ſind Dienſtbarkeiten mit Geld losgekauft worden, wozu Grundſtuͤcke berechtiget wa⸗ ren, die einem von ihnen eigen geweſen, und die Gemein⸗ ſchaft hat den Preis bezogen, ohne daß er anderſtwo wie⸗ der angelegt worden, ſo bat der Ehegatte, dem enkweder das verkaufte Immobilarſtuͤck oder die abgeloͤſte Grundge⸗ gerechtigkeit zugehoͤrte, dieſen Preis aus der Gemeinſchaft vorab zu beziehen. III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 301 1434. In Hinſicht des Mannes nimmt man an, daß der Preis wiedeyangelegt worden ſey, wenn er bey einer neuen Erwerbung erklaͤrt hat, ſie ſey mit dem Gelde, das von der Veraͤuſſerung eines ihm fuͤr ſeine Perſon zugehdrig geweſenen Immobllarſtuͤckes herruͤhrt, und in der Abſicht geſchehen, um das Veraͤuſſerte zu erſetzen. 1435. Die Erklaͤrung des Mannes, daß die Erwerbung mit dem Gelde geſchehen ſey, welches von einem von der Frau verkanften Immobilarſtuͤcke herruͤhrt, und daß es die Abſicht ſey, das Geld auf dieſe Weiſe wiederanzulegen, iſt nicht hinreichend, dieſe Wiederanlegung ſey dann von der Ehegattinn foͤrmlich angenommen worden. Hat ſie dieſelbe nicht angenommen; ſo beſchraͤnkt ſich bey der Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft ihr Recht auf Verguͤtung des Preiſes ihres verkauften Immobillarſtuͤckes. 1436. Der Preis eines Immobilarſtuͤckes, das dem Manne zugehoͤrte, wird einzig aus der Maſſe des gemeinſchaftlichen Vermögens verguͤtet; der Preis eines Immobilarſtuͤckes, wel⸗ ches der Frau zugehoͤrte, muß in dem Falle, wo das ge⸗ meinſchaftliche Vermoͤgen nicht hinreicht, aus den eigenen Guͤtern des Mannes erſetzt werden. In allen Faͤllen wird nur der Preis verguͤtet, wofuͤr die Sache verkauft worden, was man auch immer uͤber den Werth des veraͤuſſerten Im⸗ mobilarſtuͤckes anfuͤhren moͤge. 1437. So oft aus dem gemeinſchaftlichen Vermoͤgen eine Summe herausgenommen wird, entweder um Schulden oder Laſten abzutragen, die einen von beyden Chegatten fuͤr ſeine Perſon allein angehen, zum Beyſpiele um den Preis eines ihm eigenthuͤmlichen Immobilarſtuͤckes, ganz oder zum Theile zu zahlen, oder Grundlaſten abzuloͤſen, oder um das ihm eigene Vermoͤgen wieder zu erl langen, zu erhalten oder zu verbeſſern, und uͤberhaupt ſo oft einer von beyden Ehe⸗ gatten einen perſoͤnlichen Vortheil aus den gemeinſchaftlichen Guͤtern gezogen hat, iſt er verbunden, dafuͤr Verguͤtung zu leiſten. ſchehen iſt, einen Anſpruch an dem Vermoͤgen des andern, 302 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 1438. Haben Vater und Mutter ein gemeinſchaftliches Kind zuſammen ausgeſtattet, ohne den Antheil auszudru⸗ cken, den ein jeder hiezu beytragen wollte, ſo tritt die Ver⸗ muthung ein, daß ein jeder von ihnen die Haͤlfte der Aus⸗ ſtattung hergegeben habe; ſey es, daß ſie in Effecten, wel⸗ che zur Gemeinſchaft gehoͤrten, oder in Guͤtern, die einem von beyden Ehegatten fuͤr ſich eigen waren, verſchafft oder verſprochen worden. In dem zweyten Falle hat der Ehegatte, aus deſſen ei⸗ genem Immobilar oder andern Vermoͤgen die Ausſtattung ge⸗ um fuͤr die Haͤlfte der Ausſteuer, nach Maßgabe des Wer⸗ thes, den die hiefuͤr hergegebene Sache zur Zeit der Schen⸗ kung gehabt hat, entſchaͤdiget zu werden. 1439. Die Ausſtattung, welche der Mann allein einem gemeinſamen Kinde aus gemeinſchaftlichem Vermoͤgen ver— ſchafft hat, faͤllt der Gemeinſchaft zur Laſt, und die Frau iſt in dem Falle, wo ſie die Gemeinſchaft annimmt, ver— bunden, eine Haͤlfte an der Ausſtattung zu tragen, der Mann habe dann ausdruͤcklich erklaͤrt, daß er ſie ganz, oder gar zu einem groͤßern Theile, als die Haͤlfte betraͤgt, auf ſich nehme. 1440. Wer immer etwas als Heirathsgut ausgeſetzt hat, iſt ſchuldig, hiefuͤr die Gewaͤhr zu leiſten. Die Zinſen da⸗ von nehmen mit dem Tage der geſchloſſenen Ehe ihren An⸗ fang, ſelbſt wenn eine Zahlungsfriſt geſtattet worden; man habe dann ein anderes ausbedungen. Dritter; Abſch nei t t. Von der Aufloͤdung der Guͤtergemeinſchaft und einigen ihrer Folgen. 1441. Die Guͤtergemeinſchaft wird aufgeloͤſt 1) durch den natuͤrlichen 2) durch den buͤrgerlichen Tod, 3) durch Ehe⸗ ſcheidung 4) durch perſoͤnliche Trennung ohne Aufloͤſung der Ehe 5) durch Separation der Guͤter. III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 303 1442. Die Unterlaſſung der Insentur nach dem natuͤr⸗ lichen oder buͤrgerlichen Tode eines von beyden Ehegatten hat die Wirkung nicht, daß die Guͤtergemeinſchaft fortgeſetzt wird; den Betheiligten bleibt es unbenommen, ihre Anſpruͤ⸗ che in Beziehung auf den Beſtand der gemeinſchaſilichen Guͤ⸗ ter und Effecten geltend zu machen, und der Beweis hier⸗ uͤber laͤßt ſich durch Urkunden ſo wohl als durch den gemei⸗ nen Ruf fuͤhren. Sind minderjaͤhrige Kinder vorhanden, ſo zieht uͤber dieß die Unterlaſſung der Inventur fuͤr den uͤberlebenden Ehegat⸗ ten die Folge nach ſich, daß er den Genuß ihrer Einkuͤnfte verliert, und der Nebenvormund, der ihn nicht angehalten hat, ein Inventarium zu errichten, hat mit ihm die Soli⸗ dar⸗Verbindlichkeit, fuͤr alles das zu haften, wozu der Ueber⸗ lebende zum Vortheile der Minderjäͤhrigen verurtheilet wer⸗ den moͤchte. 1443. Auf die Guͤter⸗Separation kann die Frau nur ge⸗ richtlich antragen, wenn ihr Brautſchatz in Gefahr iſt, und wenm die zerruͤttete Lage der Geſchaͤfte des Mannes befuͤrch⸗ en laͤßt, daß ſein Vermoͤgen nicht hinreichend ſey, um die Anſpruͤche der Frau zu befriedigen, und ihr eigenthuͤmliches Vermoͤgen zu ergaͤnzen. Jede freywillige Guͤter-Separation iſt nngättg. 1444. Die Guͤter⸗Separation, wenn ſchon gerichtlich da⸗ rauf erkannt worden, iſt unguͤltig, wenn ſie nicht in Voll⸗ zug geſetzt worden, ſey es durch wirkliche, in einem au⸗ thentiſchen Acte, ſo weit die Guͤter des Mannes hiezu hin⸗ reichten, erfolgte Befriedigung fuͤr ihre Anſpruͤche und den an eigenthuͤmlichem Vermoͤgen ihr gebuͤhrenden Erſatz, oder wenigſtens dadurch, daß in den erſten vierzehn Tagen, welche auf das Urtheil gefolgt ſind, mit dem Executiv-⸗Verfahren der Anfang gemacht, und dieſes ſeit dem nicht unterbrochen worden. 1445. Jede Guͤter⸗Separation muß, ehe ſie vollzogen wird, öffentlich bekannt gemacht, und zu dieſem Ende auf einer hiezu beſtimmten Tafel, in dem Hauptſale des Ge⸗ 304 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. richtes der erſten Inſtanz und uͤber dieß, wenn der Ehegatte ein Kaufmann, Wechsler oder Großhaͤndler iſt, an dem Orte ſeiner Wohnung, in dem Sale des Handels⸗Gerichtes angeſchlagen werden, und dieß bey Strafe, daß ſonſt die Vollſtreckung unguͤltig ſeyn ſoll. Ein Urtheil, das auf Guͤter⸗Separation erkennt, aͤuſſert ſeine Wirkungen ruͤckwaͤrts bis zum Tage, da ſie nachge⸗ ſucht worden. 1446. Glaͤubiger, welche an der Frau allein zu fordern haben, koͤnnen ohne ihre Einwilligung nicht auf Guͤter⸗Se⸗ paration antragen. Ihnen bleibt es gleichwohl unbenommen, wenn der Mann fallirt, oder ſein Vermoͤgen in Verfall geraͤth, nach Be⸗ lauf ihrer Forderungen die Rechte ihrer Schuldnerinn aus⸗ zuuͤben. 1447. Die Glaͤubiger des Mannes koͤnnen die Guͤter⸗Se⸗ paration, wenn ſie zum Nachtheil ihrer Rechte erkannt, und ſelbſt wenn ſie vollſtreckt iſt, gerichtlich aufechten, ihnen ſteht es ſogar frey, in der Inſtanz uͤber die Klage auf Se⸗ paration, als Intervenienten aufzutreten, um ſie zu be⸗ ſtreiten.. 1448. Eine Fran, welche die Guͤter-Separation erwirkt hat, muß nach dem Verhaͤltuiß, das zwiſchen ihrem und des Mannes Verxmoͤgen beſteht, zu den Koſten der Haushaltung ſowohl, als zu jenen der Erziehung ihrer gemeinſchaftlichen Kinder mitbeytragen. Sie muß dieſe Koſten allein tragen, wenn dem Manne nichts uͤbrig geblieben iſt. 1449. Ein Frau, die vom Tiſch und Bette geſchieden iſt, oder die Guͤter⸗Separation allein erwirkt hat, nimmt die freye Verwaltung ihres Vermoͤgens zuruͤck. Sie kann uͤber ihr Mobilar⸗Vermoͤgen verordnen und es veraͤußern. Sie kann ihre Immobilien nicht veraͤußern, ohne daß der Mann einwillige, oder daß ſie, auf deſſen Weigerung, von dem Gerichte dazu autoriſirt ſey. III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ze. 303 1450. Der Mann hat nicht dafuͤr zu haften, daß der Preis einer unbeweglichen Sache, welche die Frau nach er⸗ folgter Separation unter der Autoriſation des Gerichtes ver⸗ aͤußert hat, nicht angélegt oder wieder angelegt worden iſt, er habe dann zu dem Contracte mitgewirkt, oder es ſey er⸗ wieſen, daß das Geld von ihm in Empfang genommen oder zu ſeinem Nutzen verwendet worden. Er hat dafuͤr zu haften, daß das Geld nicht angelegt oder wiederangelegt worden iſt, wenn der Verkauf in ſeiner Gegenwart und mit ſeiner Einwilligung geſchehen iſt: er haftet aber nicht fuͤr die Nuͤtzlichkeit dieſer Anlegung. 1451. Die Guͤtergemeinſchaft, die einmahl durch Schei⸗ dung von Tiſch und Bette oder durch bloße Separation der Guͤter aufgeloͤſt worden iſt, kann mit Bewilligung beyder Theile wiederhergeſtellt werden. Sie kann es nicht anderſt, als durch einen vor Notarien geſchloſſenen Act, wovon das Original unter Verwahrung des Notars bleibt, und eine Ausfertigung unter der im 1445. Artikel beſtimmten Form angeſchlagen werden muß. In dieſem Falle erhaͤlt die wiederhergeſtellte Guͤter⸗Ge⸗ meinſchaft ihre vorigen Wirkungen von dem Tage der ge⸗ ſchloſſenen Ehe, und die Sache koͤmmt in den Stand, als waͤre niemahls eine Guͤter⸗Separation erſolgt, vorbehaltlich jedoch, daß diejenigen Acte, welche in dieſer Zwiſchenzeit etwa von der Frau, in Gemaͤßheit des 1440. Artikels vor⸗ genommen worden ſind, noch immer vollſtreckt werden. Unguͤltig iſt jeder Vertrag, wodurch die Ehegatten ihre Guͤtergemeinſchaft unter andern Bedingungen wiederherſtellen moͤchten, als die anfangs dabey beliebt worden waren. 1452. Die Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft, wenn ſie nur Folge einer Eheſcheidung, einer Scheidung von Tiſch und Bette, oder einer bloßen Guͤter⸗Separation iſt, hat die Wir⸗ kung nicht, daß der Frau nun auch die Rechte gleich anfal⸗ len, die ihr nur zugedacht worden, wenn ſie die Laͤngſtle⸗ bende ſeyn wuͤrde; ſie behaͤlt aber die Befugniß, beym na⸗ tuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tode des Mannes ſie auszuuüben. 20 b 305 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛe. Bierter Abſchuitt. Von der Annahme der Gutergemeinſchaft, und der Verzichtleiſtung, wodurch man ſich ihrer begeben kann, ſamt den Bedingungen, welche ſich hierauf beziehen. 5 1453. Nach aufgeloͤſter Guͤtergemeinſchaft bleibt es der Frau oder ihren Erben, und denen, die ſonſt in ihre Rechte getreten ſind, unbenommen, ſie anzunehmen oder darauf Verzicht zu thun: jede Uebereinkunft, welche dieſem zuwider laͤuft, iſt unguͤltig. 1454. Eine Frau, die ſich in die Guͤter der Gemeinſchaft eingemiſcht(als Theilhaberinn an der Gemeinſchaft benom⸗ men) hat, kann hicrauf nicht mehr Verzicht thun. Handlungen, die bloß zur Verwaltung gehoͤren, oder die Erhaltung der Sache zum Zwecke haben, gelten nicht fuͤr wirkliche Einmiſchung. 1455. Eine großjaͤhrige Frau, welche in einem Acte in der Eigenſchaft einer Genoſſinn an der Guͤtergemeinſchaft aufge⸗ treten iſt, kann hierauf nicht mehr Verzicht thun, weder auf Wiedereinſetzung in vorigen Stand wider dieſe Eigenſchaft antragen, ſelbſt dann nicht, wenn ſie vor Errichtung eines Inventariums ſie angenommen haben ſollte, es ſey dann von Seiten der Erben des Mannes ein Betrug untergelaufen. 1456. Eine Frau, wenn ſie die Laͤngſtlebende iſt, und das Recht auf die Guͤtergemeinſchaft Verzicht zu thun beybehal⸗ ten will, muß in drey Monaten von dem Sterbetag ihres Mannes anzurechnen, ein getreues und genaues Verzeichniß aller zur Gemeinſchaft gehdrigen Guͤter, contradictoriſch mit den Erben dieſes Mannes(in ihrem Beyſeyn) oder auf vor⸗ hergegangene gehoͤrige Abladung derſelben errichten laſſen. Bey dem Schluſſe des Inventariums muß ſie vor dem dffentlichen Beamten, der es aufgenommen hat, betheuern, daß es aufrichtig und der Wahtheit gemaͤß ſey. 1457. In drey Monaten und vierzig Tagen nach dem Tode des Mannes muß ſie bey der Gerichtſchreiberey des Gerichtes der erſten Inſtanz, in deſſen Bezirke der Mann ſein Domieil hatte, ihre Verzichtleiſtung thun; dieſer Act muß dem Regiſter, das zur III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 307 Aufnahme der Verzichtleiſtungen auf Succeſſionen beſtimmt iſt, eingetragen werden. 1458. Nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde bleibt es der Wittwe unbenommen, bey dem Civilgerichte eiue Verlaͤnge⸗ rung der Friſt nachzuſuchen, die in dem vorhergehenden Ar⸗ tikel ihr vorgeſchrieben iſt, um der Guͤtergemeinſchaft zu ent⸗ ſagen. Dieſe Friſtverlaͤngerung wird, nach Anhͤrung der Erben des Mannes oder nachdem ſie vorher gehoͤrig abgela⸗ den worden ſind, je nachdem ſich die Sache verhaͤlt, ge⸗ ſtattet. 1459. Das Recht, auf die Guͤtergemeinſchaft Verzicht zu thun, hat eine Wittwe dadurch, daß ſie ihr nicht in der oben beſtimmten Friſt entſagte, nicht verlohren, in ſo fern ſie nur uͤbrigens ſich in die Guͤter nicht eingemiſcht und ein Inven⸗ tarium errichtet hat; ſie kann nur ſo lange, bis ſie Verzicht gethan hat, als Genoſſinn vor Gerichte belangt werden, und fie iſt zum Erſatz der Koſten, die bis zu ihrer Entſagung wider ſie gemacht worden ſind, verbunden. Wurde das Inventarium vor Umlauf der drey Monate geſchloſſen, ſo kann ſie gleichfalls belangt werden, ſo bald ſeit dem Abſchluſſe desſelben die vierzig Tage dverſtrichen ſind. 1460. Eine Wittwe, welche einige zur Guͤtergemeinſchaft gehoͤrigen Gegenſtaͤnde unterſchlagen oder verheimlichet hat, wird ihrer Verzichtleiſtung ungehindert als Genoſſinn an der Guͤtergemeinſchaft erklaͤrt; eine gleiche Bewandniß hat es in Beziehung auf ihre Erben. 1461. Stirbt die Wittwe vor Umlauf der drey Monate, ohne ein Inventarium errichtet oder geſchloſſen zu haben, ſo wird ihren Erben eine neue Friſt von drey Monaten, von dem Sterbetag der Wittwe anzurechnen, um das Inventa⸗ rium zu errichten oder zu ſchließen; und von vierzig Tagen nach dem Abſchluſſe des Inventariums, als Bedenkzeit ver⸗ ſtattet. — 30 8% I. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. Stirbt die Wittwe, nachdem ſie das Inventarium geen⸗ diget hatte, ſo haben ihre Erben, um ſich zu entſchließen, eine nene Friſt von vierzig Tagen, welche von dem Tode der Wittwe an gerechnet wird. Sie koͤnnen uͤbrigens auf die Guͤtergemeinſchaft in den hier oben beſtimmten Formen Verzicht thun, und die Arti⸗ kel 1458 und 1459 ſind auf ſie anwendbar. 1462. Die Beſtimmungen des 1456. Artikels und der folgenden ſind auf die Frauen derjenigen Individuen anwend⸗ bar, die ſich den buͤrgerlichen Tod zugezogen haben, von dem Augenblicke an, da der buͤrgerliche Tod eingetreten iſt. 1463. Eine Frau, welche von ihrem Manne voͤllig ge⸗ ſchieden oder von Tiſch und Bette getrennt iſt, wenn ſie nicht in drey Monaten und vierzig Tagen, nachdem auf Ehe⸗ ſcheidung oder Trennung definitiv erkannt worden, die Guͤ⸗ tergemeinſchaft angenommen hat, wird ſo angeſehen, als haͤtte ſie hierauf Verzicht gethan, ſie habe dann, waͤhrend die Zeit noch lief, bey Gericht nach Anhdrung des Mannes oder auf deſſen gehoͤrige Abladung eine Friſtverlaͤngerung erhalten. 1664. Den Glaͤubigern der Frau bleibt es unbenommen, die Verzichtleiſtung, welche zum Nachtheile ihrer Forderun⸗ gen von ihr oder ihren Erben geſchehen iſt, anzufechten, und die Gemeinſchaft aus eigener Macht anzunehmen. 1465. Die Wittwe, ſie mag uͤbrigens die Guͤtergemein⸗ ſchaft aunehmen oder darauf Verzicht thun, iſt berechtiget, waͤhrend der drey Monate und vierzig Tage, die ihr zur Errichtung eines Inventariums und als Bedeukzeit geſtartet ſind, den Unterhalt fuͤr ſich und ihr Hausgeſinde aus dem wirklichen Vorrathe zu nehmen, und, wenn es hieran ge⸗ bricht, durch ein Anlehn fuͤr Rechnung der gemeinſchaftlichen Maſſe aufzuſprechen, mit dem Beding, daß ſie ſich deſſen mit Maͤßigung bediene. Hat ſie waͤhrend dieſer Friſten in einem Hauſe gewohnt, das entweder unter der Gemeinſchaft begriffen iſt, oder den III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 300 Erben des Mannes zugehoͤrt, ſo iſt ſie deßhalb zu keiner Miethe verbunden, und hatten die Ehegatten das Haus, das ſie in dem Zeitpuncte bewohnten, da die Guͤtergemein⸗ ſchaft aufgeldſt wurde, miethweiſe inne, ſo hat die Ehegat⸗ tinn waͤhrend derſelben Zeitfriſten zur Zahlung der Miethe nichts beyzutragen, ſondern dieſe wird aus der Maſſe be⸗ ſtritten. 1466. Wird die Guͤtergemeinſchaft durch den Tod der Frau aufgeloͤſt, ſo koͤnnen ihre Erben in eben den Zeitfriſten und Formen, welche das Geſetz der Ehegattinn, wenn ſie die Laͤngſtlebende iſt, vorſchreibt, der Gemeinſchaft entſagen. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Theilung des gemeinſchaftlichen Vermö⸗ gens nach erfolgter Annahme⸗ 1467. Wenn die Guͤtergemeinſchaft von der Frau oder ihren Erben angenommen iſt, ſo theilt man das Activ⸗Ver⸗ möͤgen und uͤbernimmt die Schulden auf die hier unten be⸗ ſtimmte Weiſe. 5. I. Von der Theilung des Activ⸗Vermogens. 1468. Die Ehegatten oder ihre Erben conferiren zur Maſſe des wirklich vorhandenen Vermoͤgens alles, was ſie der Gemeinſchaft als Verguͤtung oder Entſchaͤdigung ſchul— dig ſind, nach den hier oben im II. Abſchnitte des I. Theils des gegenwaͤrtigen Capitels vorgeſchriebenen Regeln. 1469. Jeder Ehegatte oder ſein Erbe conferirt ebenfalls die Summen, welche aus der Gemeinſchaft herausgezogen worden ſind, oder den Werth der Guͤter, welche der Ehe⸗ gatte daraus genommen hat, um ein Kind aus einer an⸗ dern Ehe auszuſtatten, oder um fuͤr ſich allein ein gemein⸗ ſchaftliches Kind auszuſteuern. 1470. Aus der Maſſe des Vermogens nimmt jeder Ehe⸗ gatte oder ſein Erbe voraus 310 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛe. 1) Sein eigenes Vermoͤgen, das nicht in die Guͤterge⸗ meinſchaft gekommen iſt, in ſo fern es in Natur ſich vor⸗ findet, oder was an die Stelle des veraͤuſſerten und zu deſ⸗ ſen Erſatz erworben worden. 2) Den Werth ſeiner Immobilien, welche waͤhrend der Guͤtergemeinſchaft veraͤuſſert und durch keine neue Emerhunhg erſetzt worden ſind. 3) Die von der Gemeinſchaft ihm gebuͤhrenden Entſchaͤ⸗ digungen. 1471. Bey den gegenſeitigen Zuruͤcknehmungen hat die Frau vor dem Manne den Vorzug. In Hinſicht der Guͤter, die' nicht mehr in Natur vor⸗ handen ſind, geſchieht der Erſatz zuerſt aus der Barſchaft, dann aus dem Mobilar⸗Vermoͤgen, und ſubſidiariſch aus den zur Gemeinſchaft gehoͤrigen Immobilien. In dieſem letztern Falle wird der Frau und ihren Erben unter den Im⸗ mobilien die Wahl geſtattet. — 1472. Was der Mann zum voraus zuruͤckzunehmen hat, gebuͤhrt ihm nur aus dem Vermoͤgen, das zur Gemeinſchaft gehoͤrt. — Die Frau und ihre Erben ſind dagegen, wenn das ge⸗ meinſchaftliche Vermoͤgen nicht hinreicht, befugt, ihr Recht— an dem eigenen Vermoͤgen des Mannes geltend zu machen. 1473. Was den Ehegatten zur Wiedererſtattung veraͤuſ⸗ ſerter Guͤter oder als Vergeltung aus der Gemeinſchaft zu zahlen iſt, und was dieſe hinwiederum der Gemeinſchaft als Verguͤtung und Entſchaͤdigung zu zahlen haben, iſt kraft des Geſetzes und ohne weiteres, von dem Tage an, da die Gemeinſchaft aufgeloͤſt wurde, zu verzinſen. 1474. So bald beyde Ehegatten fuͤr dasjenige, was ih⸗ nen zum voraus gebuͤhrt, aus der Maſſe befriediget ſind, wird der Ueberreſt unter ihnen oder denjenigen, welche ſie repraͤſentiren, in zwey gleiche Theile getheilt. 1475. Haben die Erben der Frau ſich in ihren Entſchlie⸗ gungen getrennt, ſo daß einer die Guͤtergemeinſchaft ange⸗ nII. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛe. 311 nommen hat, worauf der andere Verzicht that; ſo kann der⸗ jenige, der ſich zur Annahme entſchloſſen hat, aus den Guͤ⸗ tern, welche dem Loſe der Frau anfallen, nur ſein Erbtheil nehmen. Der Ueberreſt bleibt dem Manne, und dieſer hat in Ruͤckſicht des Erben, welcher Verzicht gethan hat, eben die Rechte anzuerkennen, welche die Frau im Falle einer Ent— ſagung haͤtte ausuͤben koͤnnen, jedoch nur nach Belauf des dem Verzichtleiſtenden fuͤr ſeine Perſon gebuͤhrenden Erb⸗ theils. 1476. Bey der Theilung des zur Gemeinſchaft gehoͤrigen Vermoͤgens gelten uͤbrigens, in Beziehung auf alles, was ihre Formen, die Verſteigerung der Immobilien, in ſo fern ſie Statt hat, die Wirkungen der Theilung, die hieraus ent⸗ ſtehende Berbindlichkeit zur Gewaͤhrleiſtung, und die Heraus⸗ gabe zur Gleichſtellung der Loſe betrifft, alle die Regeln, die unter dem Titel von der Succeſſion uͤber die Thei⸗ lungen unter Miterben feſtgeſtellt ſind.“ 1477. Wer von beyden Ehegatten einige zur Gemeinſchaft gehoͤrigen Gegenſtaͤnde unterſchlagen oder verheimlichet haben mag, verliert dadurch ſein Antheil an dieſen Gegenſtaͤnden. 1478. Hat einer von beyden Ehegatten eine perſoͤnliche Forderung am andern, weil z. B. der Preis ſeines Gutes dazu verwendet worden iſt, um eine perſoͤnliche Schuld des andern Ehegatten zu tilgen, oder auch aus jeder andern Ur⸗ ſache, ſo macht er ſein Recht an dem Antheile geltend, das dieſem aus der Guͤtergemeinſchaft angefallen iſt, oder an deſſen eigenen Guͤtern. 1479. Perſoͤnliche Forderungen, welche ein Ehegatte an dem andern zu machen hat, bringen keine Zinſen, als von dem Tage, da bey Gerichte geklagt worden. 1480. Schenkungen, welche ein Ehegatte etwa zum Vor⸗ theile des andern gemacht hat, erhalten ihre Vollſtreckung nur aus dem Antheile, der dem Geſchenkgeber an der Ge⸗ meinſchaft gebuͤhrt oder aus ſeinen eigenen Guͤtern. 312 III. Buch. Vv. Tit. Von dem Heiraths⸗Contraete w. 1481, Die Trauerkleidung der Frau faͤllt den Erben des vorverſtorbenen Mannes zur Laſt. Der Betrag dieſer Trauer richtet ſich nach dem Gluͤcks⸗ ſtande des Mannes. Eine gleiche Bewandniß hat es mit der Frau, welche auf die Guͤtergemeinſchaft Verzicht thut. §. 1 1. Von den Laſten der Guͤtergemeinſchaft und dem Beytrage zur Tilgung der Schulden. 1482. Die Schulden der Guͤtergemeinſchaft fallen auf einen jeden von beyden Ehegatten oder ihren Erben zur Haͤlfte: die Koſten der Verſiegelung, der Inventur, des Verkaufes der Mobilien, der Liquidation, Verſteigerung und Theilung machen einen Theil diefer Schulden aus. 1483. Die Frau iſt in Ruͤckſicht des Mannes ſo wenig als in Ruͤckſicht der Glaͤubiger zur Tilgung der auf der Ge— meinſchaft haftenden Schulden weiter verbunden, als nach Belauf ihres hieraus bezogenen Vortheils, vorausgeſetzt, daß ein richtiges und getreues Inventarium gefertiget worden, und daß ſie von allem, was dieſem Inventarium eingetra⸗ gen iſt, ſo wohl als von demjenigen, was ihr durch die Theilung angefallen, Rechnung ablege. 1484. Der Mann hat fuͤr den ganzen Ertrag der ge⸗ meinſchaftlichen Schulden, die er ſelbſt gemacht hat, zu haf⸗ ten, vorbehaltlich ſeines Regreſſes wider die Frau oder ihre Erben fuͤr die Haͤlfte der beſagten Schulden. 1485. Er haftet nur fuͤr die Haͤlfte der Schulden, welche die Frau fuͤr ihre Perſon zu zahlen hatte, und die nachher der Gemeinſchaft zur Laſt gefallen waren. 1486. Die Frau kaun fuͤr das Ganze der Schulden be⸗ langt werden, die urſpruͤnglich von ihr herruͤhren, und in die Guͤtergemeinſchaft gefallen waren, vorbehaltlich ihres Re⸗ greſſes fuͤr die Haͤlfte dieſer Schulden wider den Mann oder ſeinen Erben. III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte t. 313 1487. Eine Frau, obgleich ſie fuͤr eine auf der Gemein⸗ ſchaft haftende Schuld ſich perſoͤnlich verbunden hat, kann nur fuͤr die Haͤlſte dieſer Schuld belangt werden, ausgenom⸗ men, wenn die Verpflichtung ſolidar iſt. 1488. Eine Frau, welche eine auf der Gemeinſchaft haf⸗ tende Schuld uͤber ihre Haͤlfte gezahlt hat, kann den Ueber⸗ ſchuß von dem Glaͤubiger nicht zuruͤckſordern, es ſey dann in der Quittung ausgedruckt, daß dasjenige, was ſie gezahlt hat, fuͤr ihre Haͤlfte geweſen. 1489. Derjenige von beyden Ehegatten, der zu Folge einer Hypotheck, welche auf einem in der Theilung ihm an— gefallenen Immobilar⸗Stuͤcke haftet, ſich fuͤr das Ganze einer gemeinſchaftlichen Schuld belangt ſieht, hat fuͤr die Haͤlfte dieſer Schuld von Rechtswegen ſeinen Regreß wider den an⸗ dern Ehegatten oder deſſen Erben. 1400. Die vorhergehenden Beſtimmungen hindern nicht, daß bey der Theilung dem einen oder andern der Theilen⸗ den die Verbindlichkeit auferlegt werde, einen andern ali⸗ quoten Theil der Schulden, als eben die Haͤlfte, zu zahlen, oder ſelbſt ſie ganz zu berichtigen. So oft einer der Theilenden an den auf der Gemein⸗ ſchaft haftenden Schulden, uͤber den Antheil, wozu er ver— bunden war, gezahlt hat, tritt der Regreß desjenigen, der zu viel gezahlt hat, wider den andern ein. 1491. Alles, was hier oben in Hinſicht des Mannes oder der Frau beſtimmt iſt, hat in Beziehung auf die Er— ben des einen oder des andern Statt, und dieſe Erben ha— ben eben die Rechte, und ſind eben den Anſpruͤchen unter⸗ worfen, wie der Chegatte, welchen ſie repraͤſentiren. 314 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. Sechster Abſchnitt. Von der Verzichtleiſtung auf die Guͤtergemein⸗ ſchaft und ihren Wirkungen. 1492. Eine Frau, welche auf die Guͤtergemeinſchaft Ver⸗ zicht thut, verliert alle und jede Rechte auf die zur Ge⸗ meinſchaft gehoͤrigen Guͤter und ſelbſt auf das Mobilar-Ver— moͤgen, das von ihrer Seite in die Gemeinſchaft gefallen iſt. Sie nimmt nur die zu ihrem Gebrauche gehoͤrigen Lein— wand und Kleidungsſtuͤcke zuruͤck. 1493. Eine Frau, welche der Guͤtergemeinſchaft entſagt, hat das Recht folgende Gegenſtaͤnde zuruͤckzunehmen: 1) Die Immobilien, welche ihr zugehoͤren, ſo fern ſie in Natur vorhanden ſind, oder das Immobilar⸗Stuͤck, das an die Stelle eines andern veraͤußerten Immobilar-Stuͤ⸗ ckes erworben worden; 2) Den Preis der veraͤußerten Immobilar⸗Stuͤcke, in ſo weit deren Wiedererſtattung auf die hier oben beftimmte Weiſe nicht geſchehen und angenommen worden iſt; 3) Jede Entſchaͤdigung, wozu ihr die Gemeinſchaft ver⸗ bunden ſeyn mag. 1494. Eine Frau, welche der Gemeinſchaft entſagt, iſt von dem Beytrage zu den Schulden der Gemeinſchaft, in Hinſicht des Mannes ſowohl, als der Glaͤubiger, befreyt; dieſen letztern bleibt ſie gleichwohl verbunden, wenn ſie die Verpflichtung gemein— ſchaftlich mit ihrem Manne uͤbernommen hat, oder wenn die Schuld urſpruͤnglich von ihr herruͤhrte, und ſpaͤterhin eine Schuld der Gemeinſchaft geworden iſt; alles vorbehaltlich ihres Regreſſes wider den Mann oder deſſen Erben. 1495. Sie kann fuͤr alle hier oben entwickelte Klagen und Anſpruͤche auf Wiedererſtattungen das zur Gemeinſchaft ge⸗ hoͤrige Vermoͤgen ſowohl, als die eigenen Guͤter des Mannes angreifen. Ihre Erben ſind auf gleiche Weiſe hiezu berechtiget, aus⸗ ſchließlich jedoch deſſen, was ſich auf die Vorausnahme der Leinwand und der Kleidungsſtuͤcke, ſo wie auf die Woh⸗ Tal III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 315 nung und den Unterhalt waͤhrend der Friſt bezieht, welche zur Errichtung eines Inventariums und als Bedenkzeit ge⸗ ſtattet wird, als welche Rechte der Ehegattinn, ſo fern ſie die laͤngſtlebende iſt, nur fuͤr ihre Perſon zuſtehen. Beſtimmung in Beziehung auf die geſetzliche Gu⸗ tergemeinſchaft fuͤr den Fall, da einer der Ehe⸗ gatten oder beyde zugleich Kinder aus vor⸗ hergehenden Ehen haben. 1496. Alles, was hier oben beſtimmt iſt, ſoll ſelbſt als— dann beobachtet werden, wenn einer der Ehegatten oder beyde zugleich Kinder aus vorhergehenden Ehen haben. Sollte gleichwohl die Vermiſchung des Mobilar-Vermoͤ⸗ gens und der Schulden einem von beyden Ehegatten einen groͤßern Vortheil verſchaffen, als zu Folge des 1098. Arti⸗ kels unter dem Titel von Schenkungen unter Le⸗ benden und Teſtamenten erlaubt iſt, ſo haben des andern Ehegatten Kinder aus erſter Ehe eine Klage auf Ver— minderung. Zweyrer Theil. Von der bedungenen Guͤtergemeinſchaft und den Verträgen, welche die geſetzliche Ge⸗ meinſchaft anderſt beſtimmen oder ſelbſt aus⸗ ſchließen koͤnnen. 1497. Den Ehegatten bleibt es unbenommen, die geſetz⸗ liche Guͤtergemeinſchaft durch jede Gattung von Vertraͤgen, welche den Artikeln 1387, 1388, 1389 und 1300 nicht zu⸗ wider ſind, anderſt zu beſtimmen. Die vorzuͤglichſten Beſtimmungen ſind diejenigen, welche alsdann eintreten, wenn man eine oder andere der hier fol⸗ genden Bedingungen feſtſtellt: 1) Daß unter der Gemeinſchaft weiter nichts, als die Errungenſchaft begriffen ſeyn ſoll; 316 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 2) Daß das wirkliche oder kuͤnftige Mobilar⸗Vermoͤgen entweder durchaus nicht oder nur zum Theile in die Gemein⸗ ſchaft fallen ſoll; 3) Daß es die Abſicht ſey, die Gemeinſchaft auf die jetzigen oder kuͤnftigen Immobilien ganz oder zum Theile zu erſtrecken, indem man dieſelben als Mobilar-Vermoͤgen er⸗ klaͤrt; 4) Daß ein jeder der Ehegatten die Schulden, welche er vor der Ehe gemacht hat, fuͤr ſich beſonders zahlen ſoll; 5) Daß die Ehegattinn, im Falle ſie der Guͤtergemein⸗ ſchaft entſagt, ihr zugebrachtes Vermoͤgen frey von Schulden zuruͤcknehmen darf; 6) Daß der Laͤngſtlebende etwas zum voraus haben ſoll; 7) Daß die Ehegatten ungleiche Theile erhalten ſollen; 8) Daß unter ihnen eine Guͤtergemeinſchaft unter einem Univerſal⸗Titel Statt haben ſoll. Erſter Abſchnitt. Von der Guͤtergemeinſchaft, welche auf die Errungenſchaft beſchraͤnkt iſt. 1498. Wird unter den Ehegatten bedungen, daß ihre Guͤtergemeinſchaft ſich nur auf die Errungenſchaft erſtre⸗ cken ſoll, ſo tritt die Vermuthung ein, daß ſie hiedurch die wirklichen und kuͤnftigen Schulden eines jeden von ihnen, und ihr gegenſeitiges jetziges und zukuͤnftiges Mobilar-⸗Ver⸗ moͤgen von der Gemeinſchaft ausſchließen wollten. Die Theilung beſchraͤnkt ſich in dieſem Falle, nachdem ein jeder von beyden Ehegatten ſein zugebrachtes Vermoͤgen, ſo wie deſſen Ertrag von ihm geboͤrig erwieſen worden, zum voraus zuruͤckgenommen hat, auf dasjenige, was waͤhrend der Ehe von beyden Ehegatten zuſammen oder von einem be⸗ ſonders erworben worden, und entweder von ihrem gemein⸗ ſchaftlichen Gewerbfleiße oder von den Erſparniſſen her⸗ III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 317 ruͤhrt, die ſie aus den Fruͤchten und Einkuͤnften ihrer bey⸗ derſeitigen Guͤter zuruͤckgelegt haben. 1499. Hat man das Mobilar⸗Vermoͤgen, das bey Schlieſ⸗ ſung der Ehe vorhanden war, oder ſpaͤterhin angefallen iſt, nicht durch ein Inventarium oder Verzeichniß in gehoriger Form bewaͤhrt, ſo wird es als Errungenſchaft angeſehen. 3 weyter Abſchnitt. Von der Clauſel, welche das Mobilar⸗Vermöoͤgen ganz oder zum Theile von der Guͤtergemein⸗ ſchaft ausſchließt. 1500. Den Ehegatten ſteht es frey, ihr wirkliches und kuͤnftiges Mobilar⸗Vermoͤgen von der Guͤtergemeinſchaft aus⸗ zuſchließen. Wird unter ihnen bedungen, daß fie einiges Mobilar⸗ Vermoͤgen bis zum Ertrag einer beſtimmten Summe oder eines beſtimmten Werthes gegenſeitig in die Guͤtergemein⸗ ſchaft einbringen wollen, ſo nimmt man an, daß ſie hie⸗ durch allein ſchon ſich das Uebrige vorbehalten haben. 1501. Der Ehegatte wird durch dieſe Clauſel in ſeinem Verhaͤltniſſe zu der Gemeinſchaft ein Schuldner der Summe, die er darin einzubringen verſprochen hat, er iſt verbunden, das wirkliche Einbringen zu beweiſen.— 1502. Auf der Seite des Mannes iſt das Einbringen hinlaͤnglich erwieſen, wenn der Heiraths⸗Contract die Erklaͤ⸗ rung enthaͤlt, daß ſein Mobilax⸗Vermoͤgen dieſen Werth hat. In Hinſicht der Frau iſt es hinlaͤnglich erwieſen durch die Quittung, welche der Mann ihr oder denjenigen gibt, die ſie ausgeſtattet haben. 1503. Jeder Ehegatte hat das Recht, nach aufgeldſter Guͤtergemeinſchaft ſo viel zuruͤck und vorauszunehmen, als das bey Schließung der Ehe von ihm eingebrachte oder nach⸗ her ihm angefallene Mobilar-Vermoͤgen dasjenige, was er in die Guͤtergemeinſchaft zu legen verſprochen hatte, an Werth aͤberſteigt. 318 III. Buch. V. Tit. Von dem Heäraths⸗Contracte ꝛe. 1504. Das Mobilar⸗Vermögen, das einem von beyden Ehegatten waͤhrend der Che anfaͤllt, muß durch ein In⸗ ventarium bewieſen werden. Fehlt es an einem Inventarium uͤber das dem Manne angefallene Mobilar⸗Vermoͤgen oder an einem Titel, der dazu geeignet iſt, um deſſen Beſtand und Werth, nach Ab⸗ zug der Schulden, zu erweiſen, ſo iſt der Mann nicht be⸗ rechtiget, dasſelbe zuruͤckzunehmen. Iſt uͤber das Mobilar⸗Vermoͤgen, welches der Frau an⸗ gefallen war, kein Inventarium errichtet worden, ſo wird dieſe oder ihre Erben, um den Werth dieſes Mobilar⸗Ver⸗ moͤgens zu beſtimmen, zum Beweiſe durch Urkunden, oder durch Zeugen oder ſelbſt durch den gemeinen Ruf zugelaſſen⸗ Oritter Abſchnitt. Von der Clauſel, wodurch Immobilien den be⸗ weglichen Guͤtern gleich geſtellt werden. 1505. Erſtrecken beyde Ehegatten oder einer von ihnen, die Gemeinſchaft auf ihre wirklichen oder kuͤnftigen Immobi⸗ lar⸗Guͤter ganz oder zum Theile, ſo nennt man dieſe Clauſel ameublissement(Mobilariſirung). 1506. Die Mobilariſirung kann beſtimmt oder unbeſtimmt ſeyn. Sie iſt beſtimmt, wenn der Ehegatte erklaͤrt hat, daß er dieſes oder jenes Immobilar-Stuͤck ganz oder bis zum Be⸗ lauf einer gewiſſen Summe den Mobilien gleichſtelle, und zum Gegenſtand der Guͤtergemeinſchaft mache. Sie iſt unbeſtimmt, wenn der Ehegatte ſchlechthin er— klaͤrt hat, daß er ſeine Immobilien, bis zum Ertrag einer gewiſſen Summe, in die Guͤtergemeinſchaft einbringe. 1507. Die Wirkung der beſtimmten Mobilariſirung be⸗ ſteht darin, daß ſie das Immobilar-Stuͤck oder die Immobi— lien, worauf ſie ſich erſtreckt, zu Guͤtern der Gemeinſchaſt macht, wie die Mobilien ſelbſt. III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte zc. 319 Iſt ein Immobilar⸗Stuͤck, oder ſind die Immobilien der Frau im Ganzen genommen, den Mobilien gleichgeſtellt, ſo kann der Mann hieruͤber, wie uͤber andere Gegenſtaͤnde der Guͤtergemeinſchaft verordnen, und ſie ganz veraͤußern. Iſt das Immobilar-Stuͤck nur fuͤr eine gewiſſe Summe den Mobilien gleichgeſtellt, ſo kann der Ehegatte es zwar anderſt nicht, als mit Bewilligung der Frau veraͤußern; aber er kann es auch ohne ihre Bewilligung zur Hypotheck ſtellen, jedoch nur bis zum Ertrag des den Mobilien gleichgeſtellten Theiles. 1508. Die unbeſtimmte Mobilariſirung verſchafft der Ge⸗ meinſchaft kein Eigenthum an den Immobilien, worauf ſie ſich erſtreckt; ihre Wirkung beſchraͤnkt ſich darauf, daß ſie den Ehegatten, der ſie zugeſagt hat, verpflichtet, bey Auf⸗ loͤſung der Guͤtergemeinſchaft, einige ſeiner Immobilien, bis zum Ertrag der von ihm verſprochenen Summe, in die ge⸗ meinſchaftliche Maſſe mit aufzunehmen. Der Mann iſt, wie im vorhergehenden Artikel, auch hier nicht berechtiget, die Immobilien, worauf ſich die unbe⸗ ſtimmte Mobilariſirung erſtreckt, ganz oder zum Theile ohne Bewilligung der Frau zu veraͤußern; aber er kann ſie bis zum Belauf dieſer Mobilariſirung zur Hypotheck ſtellen. 1509. Der Ehegatte, der ein liegendes Grundſtuͤck den Mobilien gleichgeſtellt hat, iſt bey der Theilung berechtiget, es fuͤr ſich zu behalten, und fuͤr den Werth, den es als— dann haben mag, auf ſein Antheil anzurechnen. Gleiches Recht haben auch ſeine Erben. Vierter Abſchnitt. Von der Clauſel, wodurch die Schulden von der Gemeinſchaft ausgeſchloſſen werden. 1510. Die Clauſel, wodurch die Ehegatten ſich ausbe⸗ dingen, daß ein jeder von ihnen ſeine Schulden beſonders zahlen ſoll, verpflichtet ſie, bey der Aufloͤſung der Guͤterge⸗ 320 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. meinſchaft, ſich gegenſeitig uͤber die Schulden zu berechnen, wovon es erwieſen wird, daß ſie fuͤr Rechnung desjenigen von beyden Ehegatten, welcher der Schuldner war, von der Gemeinſchaft gezahlt worden, und ſich hiefuͤr Verguͤtung zu leiſten. Dieſe Verpflichtung iſt unveraͤndert dieſelbe, es ſey ein In⸗ dentarium errichtet worden oder nicht; iſt aber das Mobilar⸗ Vermoͤgen, welches die Ehegatten beygebracht haben, nicht vor der Ehe durch ein Inventarium oder authentiſches Ver⸗ zeichniß bewaͤhrt worden, ſo bleibt es den Glaͤubigern des einen und des andern Ehegatten unbenommen, ohne einige Ruͤckſicht auf den Unterſchied zu nehmen, worauf man ſich beziehen moͤchte, ihre Zahlung aus dem nicht verzeichneten Mobilar⸗Vermoͤgen, wie aus den uͤbrigen zur Gemeinſchaft gehoͤrigen Guͤtern zu fordern. Gleiches Recht haben die Glaͤubiger an dem Mobilar⸗ Vermoͤgen, welches den Ehegatten waͤhrend der Guͤtergemein⸗ ſchaft angefallen ſeyn mag, vorausgeſetzt, daß gleichfalls hieruͤber kein Inventarium oder authentiſches Verzeichniß er⸗ richtet worden. 1511. Wird von den Ehegatten eine gewiſſe Summe oder ein beſtimmtes Object in die Guͤtergemeinſchaft eingebracht, ſo fuͤhrt dieſes Einbringen die ſtillſchweigende Uebereinkunft mit ſich, daß das Eingebrachte mit keinen vor der Ehe ge⸗ machten Schulden beſchwert ſeyn ſoll, und der Ehegatte, der gleichwohl ſchuldig war, iſt verbunden, dem andern fuͤr die Schulden insgeſammt, welche das verſprochene Einbringen vermindern moͤchten, Verguͤtung zu leiſten. 1512. Die Clauſel, wodurch man die Schulden von der Gemeinſchaft ausſchließt, verhindert nicht, daß die Ge— meinſchaft nicht ſchuldig ſeyn ſollte, die Zinſen und Ruͤckſtaͤnde zu zahlen, welche ſeit der geſchloſſenen Ehe gelaufen ſind. 1513. Wird die Gemeinſchaft fuͤr die Schulden eines Ehe⸗ gatten belangt, von dem es im Heiraths Contracte erklaͤrt war, daß er von allen fruͤhern Schulden ledig und frey in III Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 322 die Ehe trete, ſo hat der andere Ehegatte ein Recht auf Entſchaͤdigung. Dieſe wird entweder aus dem Antheile be⸗ ſtritten, der dem Chegatten, welcher der Schuldner war, aus der Gemeinſchaft zufaͤllt, oder aus deſſen eigenen Guͤ⸗ tern, und wenn das alle nicht hinreicht, ſo kann dieſe Ent⸗ ſchaͤdigung in der Geſtalt einer Klage auf Gewaͤhrleiſtung wider den Vater, die Mutter, den Ascendenten oder den Vormund, die ihn etwa von Schulden loß und frey erklaͤrt haben, gefordert werden. So fern die Schuld von der Frau herruͤht, bleibt es dem Manne unbenommen, ſelbſt waͤhrend der Guͤtergemein⸗ ſchaft die Klage auf Gewaͤhrleiſtung anzuſtellen, vorbehaltlich des Erſatzes, wozu in dieſem Falle die Frau oder ihre Er⸗ ben, nach aufgeloͤſter Guͤtergemeinſchaft den Gewaͤhrsmaͤn⸗ nern verbunden ſind. Fünfter Acbſchnitt. Von der Befugniß, welche der Ehegattinn einge⸗ taͤumt worden, ihr eingebrachtes Bermöͤgen Schulden frey zuruͤckzunehmen. 1514. Die Frau kann ſich ausbedingen, daß es ihr, im Falle ſie auf die Guͤtergemeinſchaft Verzicht thun wuͤrde, unbenommen ſeyn ſoll, dasjenige, was ſie entweder bey Schließung der Ehe oder nachher eingebracht hat, ganz oder zum Theile zuruͤckzunehmen; dieſer Vertrag laͤßt ſich indeß weder auf andere Gegenſtaͤnde, als foͤrmlich ausgedruckt ſind, noch zum Vortheile anderer Perſonen, als hierin be⸗ nannt ſind, ausdehnen. So erſtreckt ſich die Beſugniß das Mobilar-Vermoͤgen zu⸗ ruͤckzunehmen, welches die Frau bey Schließung der Ehe eingebracht hat, nicht auf dasjenige Vermoͤgen, das ihr waͤhrend der Ehe angefallen ſeyn mag. So laͤßt ſich die Befugniß, welche der Ehegattinn zu⸗ geſtanden worden, auf ihre Kinder nicht ausdehnen, und eben ſo wenig das Recht, welches der Frau und den Kin⸗ 21 322 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. dern eingeraumt worden, auf ihre Erben in aufſteigender Linie oder auf die Seitenverwandten. In allen Faͤllen kann das eingebrachte Vermoͤgen nicht zuruͤckgenommen werden, als nach Abzug der eigenen Schul⸗ den der Frau, die etwa aus der Gemeinſchaft gezahlt worden. Sechster Abſchnitt. Von der bedungenen Vorausnahme. 1515. Die Clauſel, wodurch der Laͤngſtlebende von bey⸗ den Ehegatten ermaͤchtiget wird, vor aller Theilung eine ge⸗ wiſſe Summe oder eine beſtimmte Quantitaͤt von Mobilar⸗ Effecten in Natur vorabzunehmen, gibt der Ehegattinn, wenn ſie die Laͤngſtlebende iſt, nur dann ein Recht auf die⸗ ſes Voraus, wenn ſie die Guͤtergemeinſchaft annimmt; es ſey dann, daß ihr dieſes Recht ſelbſt fuͤr den Fall, da ſie auf die Gemeinſchaft Verzicht thun wuͤrde, im Heiraths⸗ Contracte vorbehalten worden. Auſſer dem Falle dieſes Vorbehalts laͤßt ſich das Voraus nur an der theilbaren Maſſe, nicht an den eigenen Guͤtern des vorverſtorbenen Ehegatten geltend machen. 1516. Das Voraus wird nicht als ein Vortheil angeſehen, wobey die Formen der Schenkungen beobachtet werden muͤſ⸗ ſen, ſondern als ein zum Heiraths-Vertrage gehoͤriger Ar— tikel. 1517. Der natuͤrliche oder der buͤrgerliche Tod begruͤndet den wirklichen Anfall der als ein Voraus verſprochenen Vor⸗ theile. 1518. Wird die eheliche Guͤtergemeinſchaft durch Eheſchei⸗ dung oder durch Trennung von Tiſch und Bette aufgeldſt; ſo tritt der Fall nicht ein, wo das Voraus ſogleich ausgelic⸗ fert werden muß; indeß behaͤlt der Ehegatte, der die Ehe⸗ ſcheidung oder die Trennung von Tiſch und Bette erwirkt hat, fuͤr den Fall daß er der Laͤngſtlebende iſt, ſeine Rechte auf das Voraus. Iſt es die Ehegattinn, ſo bleibt die Summe oder die Sache, worin das Voraus beſteht, allemahl proviſo⸗ III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 323 riſch bey dem Manne, mit dem Beding hiefuͤr Sicherheit zu ſtellen. 1519. Die Glaͤubiger, welche an der Gemeinſchaft zu fordern haben, ſind immer berechtiget, die unter dem Vor⸗ aus begriffenen Gegenſtaͤnde verkaufen zu laſſen, vorbehalt— lich des Regreſſes, welcher dem Ehegatten zuſteht, nach Inhalt des 1515. Artikels. Siebenter Abſchnitt. Von den Clauſeln, wodurch man den beyden Ehegatten ungleiche Theile in der Guͤterge⸗ meinſchaft anweiſet. 1520. Den Ehegatten ſteht es frey, die in dem Geſetze feſtgeſtellte Gleichheit der Theilung aufzuheben, ſey es in⸗ dem ſie dem laͤngſtlebenden Ehegatten oder ſeinen Erben in der Guͤtergemeinſchaft nur einen aliquoten Theil anweiſen, der geringer iſt, als die Haͤlfte, oder indem ſie ihm fuͤr ſein ganzes Recht an der Guͤtergemeinſchaft nur eine be⸗ ſtimmte Summe auswerfen, oder endlich indem ſie feſtſtel⸗ len, daß in gewiſſen Faͤllen alles, was zur Gemeinſchaft ge— hoͤrt, dem laͤngſtlebenden Ehegatten oder einem von ihnen allein zugehdren ſoll. 1521. Wenn ausbedungen worden iſt, daß der Ehegatte oder ſeine Erben nur einen beſtimmten Theil an der Ge⸗ meinſchaft haben ſollen, wie z. B. ein Drittel oder ein Vier⸗ ſo hat der auf ſolche Weiſe in ſeinen Anſpruͤchen be⸗ ſchraͤnkte Ehegatte oder ſeine Erben an den Schulden der Gemeinſchaft nur nach Verhaͤltniß des Antheils beyzutragen, den ſie aus dem Activ⸗Vermoͤgen erhalten. Der Vertrag iſt unguͤltig, wenn er den alſo beſchraͤnk⸗ ten Ehegatten oder ſeine Erben verbindet, einen groͤßern Theil der Schulden zu uͤbernehmen, oder ihn von der Ver—⸗ bindlichkeit freyſpricht, verhaͤltnißmaͤßig eben den Theil in den Schulden zu tragen, der ſeinem Antheile an dem Activ⸗Vermoͤgen gleich kommt. — —— ——— 344 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛe. 1522. Wenn ausbedungen worden iſt, daß einer der Ehegatten oder deſſen Erben fuͤr ihr ganzes Recht an der Guͤtergemeinſchaft nur eine gewiſſe Summe zu fordern be⸗ rechtiget ſeyn ſollen; ſo iſt dieſe Clauſel ein Vertrag auf Bauſch und Bogen, welcher den andern Ehegatten oder deſ⸗ ſen Erben zur Zahlung der vereinbarten Summe verbindet, gleichviel ob es mit der Guͤtergemeinſchaft wohl oder uͤbel ſtehe, ob ſie zur Zahlung der Summe hinreiche oder nicht. 1523. Geſchieht die Beſtimmung im Bauſch und Bogen durch dieſe Clauſel nur in Ruͤckſicht der Erben des Ehegat⸗ ten, ſo iſt dieſer fuͤr ſich, wenn er der Laͤngſtlebende iſt, zur geſetzlichen Theilung und alſo zur Haͤlfte berechtiget. 1524. Der Mann oder deſſen Erben, welche kraft der im 1520. Artikel ausgedruckten Clauſel die ganze gemein⸗ ſchaftliche Maſſe behalten, ſind verbunden, die darauf haf⸗ tenden Schulden ganz zu zahlen. Die Glaͤubiger haben in dieſem Falle keine Klage wider die Ehegattinn oder ihre Erben. Iſt es die uͤberlebende Frau, welche das Recht hat, ge⸗ gen eine vereinbarte Summe das ganze zur Gemeinſchaft ge⸗ hoͤrige Vermoͤgen einzubehalten, und die Erben des Mannes davon auszuſchließen, ſo hat ſie die Wahl, ihnen entweder dieſe Summe zu zahlen, und alsdann fuͤr alle Schulden zu haften, oder auf die Gemeinſchaft Verzicht zu thun, und das dazu gehoͤrige Vermoͤgen ſo wohl als die Laſten davon den Erben des Mannes zu uͤberlaſſen. 1525. Den Ehegatten iſt es erlaubt, ſich auszubedingen, daß die ganze gemeinſchaftliche Maſſe dem Laͤngſtlebenden, oder einem von ihnen allein zugehoͤren ſoll, vorbehaltlich daß die Erben des andern die von Seiten ihres Erblaſſers eingebrachten Guͤter und Capitalien, welche in die Gemein⸗ ſchaft gefallen ſind, zuruͤcknehmen moͤgen. Dieſer Vertrag wird nicht als eine, Beguͤnſtigung angeſe⸗ hen, welche den auf die Schenkungen ſich beziehenden Re⸗ III. Buch. Vv. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte c. 325 geln, ſey es in Hinſicht ihres Inhalts oder in Ruͤckſicht der Form unterworfen ſey, ſondern nur als ein Artikel des Heiraths⸗Contractes und als eine Uebereinkunft unter Aſſo⸗ ciirten. Achter Abſchnitt. Von der Gemeinſchaft unter einem Univerſaltitel. 1526. Den Ehegatten ſteht es frey, in ihrem Heiraths— Contracte eine allgemeine Guͤtergemeinſchaft feſtzuſtellen, die ſich auf ihre bewegliche und unbewegliche, gegenwaͤrtige und zukuͤnftige Guͤter, oder auf alle ihre gegenwaͤrtige Guͤter al⸗ lein, oder auf alle ihre zukuͤnftige Guͤter allein erſtrecke. Verfuͤgungen, welche den vorſtehendenacht Ab⸗ ſchnitten gemein ſind. 1527. Was in den obigen acht Abſchnitten enthalten iſt, hat den Sinn nicht, als ſeyen die Vertraͤge, welche bey der bedungenen Guͤtergemeinſchaft Statt haben können, beſtimmt auf dieſe Verfuͤgungen eingeſchraͤnkt. Die Ehegatten duͤrfen jeden andern Vertrag ſchließen, ſo wie im 1387. Artikel feſtgeſtellt iſt, vorbehaltlich der Einſchraͤnkungen, welche in den Artikeln 1388, 13890 und 1390 vorkommen. Wenn gleichwohl Kinder aus einer vorhergehenden Ehe vorhanden ſind, ſo iſt jeder Vertrag, welcher in ſeinen Wirkungen dahin zielt, um einem der Ehegatten uͤber den im 1008. Art. unter dem Titel von Schenkungen un⸗ ter Lebenden und Teſtamenten, beſtimmten Theil etwas zu ſchenken, füuͤr alles, was dieſen Theil uͤberſteigt, unguͤltig: aber die Zuſage des bloßen Gewinns, den man entweder dem gemeinſchaftlichen Fleiße oder der Erſparniß zu verdanken hat, der von den gegenſeitigen, wenn ſchon ungleichen Einkuͤnften der beyden EChegatten zuruͤckgelegt worden iſt, wird nicht als eine Beguͤnſtigung angeſehen, welche den Kindern der erſten Ehe zum Nachtheile geſchehen⸗ 326 IMII. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 1528. Die bedungene Guͤtergemeinſchaft bleibt den Re— geln der geſetzlichen Gemeinſchaft fuͤr alle die Faͤlle un⸗ terworfen, worin ihnen durch den Contract weder ſtillſchwei⸗ gend noch ausdruͤcklich derogirt iſt. ANeunter Abſchnitt. Von Vertraͤgen, welche die Gutergemeinſchaft ausſchließen. 1529. Wenn die Ehegatten, ohne ſich den Regeln uͤber die Dotal⸗Rechte zu unterwerſen, erklaͤren, daß ſie bey ihter Heirath die Guͤtergemeinſchaft ausſchließen, oder daß eine voͤllige Guͤterſeparation unter ihnen Statt haben ſoll, ſo richten ſich die Wirkungen dieſes Vertrags nach folgen⸗ den Beſtimmungen. H. I. 4 Von der Clauſel, welche beſtimmt, daß die Ehe⸗ gatten bey ihrer Heirath die Guͤtergemein⸗ ſchaft ausſchließen. 1530. Die Clauſel, nach welcher die Ehegatten bey ihrer Heirath die Guͤtergemeinſchaft ausſchließen, gibt der Frau kein Recht, ihre Guͤter zu verwalten, oder die Einkuͤnfte davon zu beziehen. Man nimmt an, daß ſie dieſe Ein⸗ kuͤnfte dem Manne beygebracht hat, um die Laſten der Ehe zu beſtreiten. 1531. Der Mann behaͤlt die Verwaltung der beweglichen und unbeweglichen Guͤter der Frau, und folglich das Recht, das ganze Mobilar⸗Vermoͤgen, das ſie als Heiraths⸗Gut einbringt, oder das ihr waͤhrend der Ehe anfaͤllt, in Empfang zu nehmen, vorbehaltlich der Wiedererſtattung desſelben, wozu er nach aufgeloͤſter Ehe, oder nach erfolgter Separa⸗ tion der Guͤter, worauf etwa gerichtlich erkannt werden moͤch⸗ te, verbunden iſt. 1532. Gibt es unter dem Mobilar⸗Vermoͤgen, das die Fran als Heiraths⸗Gut eingebracht hat, oder das ihr waͤh⸗ rend der Ehe angefallen iſt, einige Sachen, die man nicht III. Bnch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 327 gebrauchen kann, ohne ſie zu verzehren, ſo muß dem Hei⸗ raths⸗Contracte ein Verzeichniß davon nebſt der Schaͤtzung des Werthes angefuͤgt, oder bey dem wirklichen Anfalle die— ſer Sachen ein Inventarium daruͤber errichtet werden, und der Mann iſt verbunden den Werth davon nach der Schaͤ⸗ tzung zu erſtatten. 1533. Alle dem Nießbrauche anklebenden Laſten iſt der Mann zu tragen verbunden. 1534. Die unter dem gegenwaͤrligen Paragraph ausge⸗ druckte Clauſel ſchließt den weitern Vertrag nicht aus, wo— durch die Ehegattinn berechtiget wird, jaͤhrlich gegen Quit⸗ tung, die ſie allein ausſtellt, fuͤr ihren Unterhalt und ihre perſoͤnlichen Beduͤrfniſſe einen Leniſſen Theil ihrer Einkuͤnfte zu beziehen. 1535. Immobilien, welche im Falle des gegenwaͤrtigen Paragraphs als Heirathsgut ausgeſetzt worden, ſind nicht unveraͤußerlich. Sie koͤnnen gleichwohl nicht ohne Bewilligung des Man⸗ nes, und wenn dieſer ſich weigert, nicht ohne Autoriſation des Gerichtes veraͤußert werden. .II. Von der Clauſel, wodurch eine voͤllige Guͤterſepa⸗ ration deliebt wird. 1536. Wenn die Ehegatten in ihrem Heiraths⸗Contracte ausbedungen haben, daß ſie in ihrem gegenſeitigen Vermd⸗ gen durchaus getrennt bleiben wolien, ſo behaͤlt die Ehegat— tinn die voͤllige Verwaltung ihrer beweglichen und unbeweg⸗ lichen Guͤter, und den freyen Genuß ihrer Einkuͤnfte. 1337. Ein jeder von beyden Ehegatten traͤgt nach der in ihrem Contracte enthaltenen Uebereinkunft zu den Laſten der Ehe bey, und iſt deßhalb nichts abgeredet, ſo hat die Ehe⸗ gattinn zu dieſen Laſten bis zum Belauf eines Drittels ihrer Einkuͤnfte beyzutragen. 1538. Es gibt keinen Fall, keinen Vertrag, der die Ehe⸗ gattinn berechtige, ihre Immobilien ohne beſondere Einwilli⸗ 32 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. gung des Mannes, oder, wenn er ſich weigert, ohne gericht⸗ liche Autoriſation zu veraͤußern. Jede allgemeine Autoriſation, welche der Ehegattinn, ſey es in dem Heiraths-Contracte oder nachher ertheilt iſt, um ihre Immobilien zu veraͤußern, iſt unguͤltig. 1530. Hat eine Frau, welche die Guͤterſeparation ſich ausbedungen batte, ihrem Manne den Genuß ihrer Guͤter gelaſſen, ſo iſt dieſer, ſey es, daß die Frau bey ihm deßhalb eine Anforderung mache, oder daß die Ehe nun aufgeloͤſt iſt, zu weiter nichts verbunden, als daß er die wirklich vorhandenen Fruͤchte ausliefere; uͤber diejenigen, welche bis dahin ver⸗ zehrt ſind, hat er keine Rechnung abzulegen. Drittes Capitel. Von den Dotalrechten. 1540. Heirathsgut oder Brautſchatz iſt bey dem Vorbe⸗ halt der Dotalrechte, ſo wie in den Faͤllen, wo die Beſtim⸗ mungen des zweyten Capitels eintreten, dasjenige Vermoͤgen, welches die Frau dem Manne zubringt, um die Laſten der Ehe zu beſtreiten.— 1541. Alles, was die Frau entweder ſich ſelbſt in dem Heiraths⸗Contracte ausſetzt, oder ihr hierin ausgeſetzt wird, iſt dotal, in ſo fern nicht das Gegentheil ausbedungen worden. Er ſter Abſchnitt. Von der Beſtellung des Brautſchatzes. 1542. Die Beſtellung des Brautſchatzes kann ſich auf alle zetzige und zukuͤnftige Guͤter der Frau, oder alle ihre wirk⸗ lichen Guͤter allein, oder auf einen Theil ihrer gegenwaͤrtigen und zukuͤnftigen Guͤter erſtrecken, oder ſelbſt auf einen indi⸗ viduellen Gegenſtand beſchraͤnken. Eine in allgemeinen Ausdruͤcken geſchehene Beſtellung des Brautſchatzes in allen Guͤtern der Frau erſtreckt ſich nicht auf die kuͤnftigen Guͤter. 1543. Waͤhrend der Ehe kann der Brautſchatz nicht erſt beſtellt, und ſelbſt nicht vermehrt werden. III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 320 1544. Wenn Vater und Mutter zuſammen einen Braut⸗ ſchatz beſtellen und ausſetzen, ohne den Antheil eines jeden zu beſtimmen, ſo wird dieſes ſo angeſehen, als waͤre er von ihnen zu gleichen Theilen beſtellt worden. Wird der Brautſchatz von dem Vater allein fuͤr das vaͤ⸗ terliche und muͤtterliche Vermoͤgen beſtellt, ſo ſoll die Mutter, obſchon ſie bey dem Contracte zugegen iſt, zu nichts verbunden ſeyn, und der Brautſchatz dem Vater ganz zur Laſt bleiben. 1545. Wenn der Ueberlebende von beyden Eltern fuͤr das vaͤterliche und muͤtterliche Vermoͤgen einen Brautſchatz beſtellt, ohne die Antheile zu beſtimmen, ſo wird der Brautſchatz zu⸗ erſt auf die Rechte angewieſen, welche der kuͤnftige Ehegatte an den Guͤtern des vorverſtorbenen Vaters oder der Mutter hat, und der Ueberreſt wird aus den Guͤtern desjenigen beſtritten, der ihn beſtellt hat. 1546. Wenn ſchon die Tochter, welche von ihren Eltern ausgeſtattet wurde, eigene Guͤter hat, woran dieſe den Ge⸗ nuß haben, ſo ſoll der Brautſchatz gleichwohl aus den Guͤ— tern derjenigen, die ihn beſtellt haben, genommen werden, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen worden. 1547. Diejenigen, welche einen Brautſchatz beſtellen, ſind in Ruͤckſicht der Gegenſtaͤnde, welche dafuͤr ausgeſetzt wer— den, zur Gewaͤhrleiſtung verbunden. 1548. Diejenigen, welche den Brautſchatz verſprochen ha⸗ ben, ſind, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen wor⸗ den, von dem Tage der geſchloſſenen Ehe von Rechtswe⸗ gen und ohne weiteres zur Zahlung der Zinſen verbunden, ſelbſt dann, wann eine Zahlungsfriſt feſtgeſtellt worden. Z weyter Abſchnitr. Von den Rechten des Mannes an den Dotalguͤ⸗ tern, und der Unveraußerlichkeit eines Do⸗ tal⸗Grundſtuͤckes. 1549. Der Mann allein hat die Verwaltung der Dotal⸗ guͤter waͤhrend der Ehe. 330 III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. Er hat allein das Recht, die Schuldner und Beſitzer da⸗ von zu belangen, die Fruͤchte und Zinſen davon zu erheben, und die Capitalien, welche zuruͤckgegeben werden, in Empfang zu nehmen. In dem Heiraths⸗Contracte kann inzwiſchen die Verein— barung getroffen werden, daß die Frau jaͤhrlich gegen eine von ihr allein abgegebene Quittung, einen Theil ihrer Ein⸗ kuͤnfte fuͤr ihren Unterhalt und ihre perſoͤnlichen Beduͤrfniſſe beziehen ſoll. 1350. Der Mann iſt nicht ſchuldig, fuͤr den Brautſchatz Sicherheit zu ſtellen, er ſey dann hiezu in dem Heiraths— Contracte verpflichtet worden. 1531. Beſteht der Brautſchatz oder ein Theil des Braut⸗ ſchatzes in Mobilar⸗Gegenſtaͤnden, die in dem Contracte auf einen gewiſſen Preis geſetzt worden ſind, ohne die Erklaͤrung hin⸗ zuzufuͤgen, daß die Schaͤtzung fuͤr keinen Verkauf gelten ſoll, ſo wird der Mann Eigenthuͤmer davon, und hat nur fuͤr den Anſchlag der Mobilien zu haften. 1552. Die Schaͤtzung eines Immobilar⸗Stuͤckes, das als Brautſchatz angewieſen worden iſt, verſchafft dem Manne hieran kein Eigenthum, wenn dieſes nicht ausdruͤcklich erklaͤrt worden. 1553. Ein Immobilar-Stuͤck, das aus Dotalgeldern er⸗ worben worden, iſt nicht, dotal, es ſey dann in dem Hei⸗ raths⸗Contracte zur Bedingung gemacht, daß der Brautſchatz angelegt werden ſoll. Gleiche Bewandniß hat es mit einem Immobilar⸗Stuͤcke, das fuͤr einen in baarem Gelde beſtellten Brautſchatz an Zahlungsſtatt gegeben worden. 1554. Immobilien, welche zum Brautſchatze gegeben worden ſind, koͤmnen waͤhrend der Ehe weder von dem Manne weder von der Frau noch von beyden zuſammen verauſſert oder zur Hypotheck geſtellt werden, vorbehaltlich der hier folgenden Ausnahmen. 1555. Die Frau kann unter der Autoriſation ihres Man⸗ nes, oder, wenn dieſer ſich weigert, mit Erlaubniß des Ge⸗ III. Buch. V Tit. Von dem Heiraths⸗Contraete ꝛe. 331 richtes ihre Dotalguͤter hergeben, um ihren Kindern, die ſie etwa aus einer vorherigen Ehe hat, eine Verſorgung zu ver⸗ ſchaffen; wird ſie indeß nur von dem Gerichte hiezu autori⸗ ſirt, ſo muß ſie den Genuß ihrem Manne vorbehalten. 1556. Sie kann gleichfalls unter der Autoriſation ihres Mannes ihre Dotalguͤter zur Verſorgung ihrer gemeinſchaft⸗ lichen Kinder hergeben. 1557. Ein Immobilar-Stuͤck, das als Brautſchatz gege⸗ ben worden, kann veraͤuſſert werden, wenn deſſen Veraͤuſſe⸗ rung in dem Heiraths⸗Contracte erlaubt worden. 1558. Ein zum Brautſchatze angewieſenes Immobilar⸗ Stuͤck kann ferner mit Erlaubniß des Gerichtes und im Aus— rufe, nach einem dreymahligen oͤſſentlichen Auſchlage, au den Meiſtbiethenden verſteigert werden. Um den Mann oder die Frau aus dem Gefaͤngniſſe zu befreyen; 2 Um in den Faͤllen, welche unter dem Titel von der Ehe in den Artikeln 203, 205 und 206 ausgedruckt ſind, der Familie den Unterhalt zu verſchaffen; Um die Schulden der Frau oder derjenigen zu zahlen, welche den Brautſchatz beſtellt haben, in ſo fern dieſe Schul— den von einem gewiſſen, dem Heiraths⸗Contracte vorherge— henden Datum ſich herſchreiben; Um an dem Dotal⸗Grundſtuͤcke unumgaͤngliche Hauptre⸗ paraturen vorzunehmen; Endlich wenn dieſes Grundſtuͤck mit dritten Perſonen in ungetheilter Gemeinſchaft beſeſſen, und als untheilbar er— kannt wird. In allen dieſen Faͤllen bleibt der Ueberreſt des Kaufprei⸗ ſes, in ſo ſern er die anerkannten Beduͤrfniſſe uͤberſteigt, dotal, und muß als ſolcher zum Vortheile der Frau wieder angelegt werden. 1559. Ein Dotal⸗Grundſtuͤck kann, jedoch nur mit Be⸗ willigung der Frau, gegen ein anderes Grundſtuͤck, das we⸗ 332 III. Buch. V. Tit. Von dem Heirat hs⸗Contracte ꝛe. nigſtens bis zum Ertrag von vier Fuͤnfteln von gleichem Werthe iſt, vertauſcht werden, ſo fern die Nuͤtzlichkeit des Tauſchhandels erwieſen, und nach vorhergegangener Schaͤ⸗ tzung durch Sachverſtaͤndige, welche das Gericht Amtshalber ernennt, die Autoriſation des Gerichtes erwirkt wird. Das eingetauſchte Grundſtuͤck ſoll in dieſem Falle dotal ſeyn, eben ſo das baare Geld, was etwa noch zugelegt worden, und es iſt als ſolches zum Nutzen der Frau wieder⸗ anzulegen. 1560. Wenn auſſer den Faͤllen, die ſo eben als Aus⸗ nahme angefuͤhrt ſind, die Frau oder der Mann oder beyde zuſammen ein Dotal⸗Grundſtuͤck veraͤuſſern, ſo bleibt es der Frau oder ihren Erben unbenommen, nach aufgeloͤſter Ehe die Veraͤuſſerung als unguͤltig zu beſtreiten, ohne daß man ihnen fuͤr die Zeit, da die Ehe beſtanden hat, eine Verjaͤh⸗ rung entgegen ſetzen kann. Gleiches Recht hat die Frau, nachdem die Guͤterſeparation erfolgt iſt. Selbſt dem Manne ſteht es frey, die Veraͤuſſerung waͤhrend der Ehe als unguͤltig aufheben zu laſſen; dem Kaͤufer bleibt er indeß zum Erſatze des Schadens und In— tereſſe verbunden, wenn er nicht in dem Contracte erklaͤrt hat, daß das verkaufte Gut dotal ſey. 1561. Unbewegliche Dotal⸗Guͤter, wovon in dem Hei⸗ raths⸗Contracte nicht erklaͤrt iſt, daß ſie unveraͤuſſerlich ſeyn ſollen, ſind waͤhrend der Ehe keiner Verjaͤhrung unterworfen, die Verjaͤhrung habe dann fruͤher angefangen. Sie werden gleichwohl verjaͤhrbar nach erfolgter Guͤterſe⸗ paration, in welchem Zeitpuncte auch immer die Verjaͤhrung ihren Anfang genommen haben mag. 1562. Der Mann hat in Hinſicht der Dotal⸗Guͤter alle Pflichten eines Nutznießers zu erfuͤllen. Er iſt fuͤr jede Verjaͤhrung, die inzwiſchen vollendet wor⸗ dem, und fuͤr alle Verſchlimmerungen, die aus ſeiner Nach⸗ zaͤſſigkeit entſtanden ſind, verantwortlich. III. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 333 1563. Wenn der Brautſchatz in Gefahr iſt, bleibt es der Frau unbenommen auf Separation der Guͤter anzutragen, ſo wie es im 1443. Artikel und den folgenden beſtimmt iſt. Dritter Abſchnitt. Von der Wiedererſtattung des Brautſchatzes. 1564. Beſteht der Brautſchatz in Immobilien, Oder in Mobilien, die in dem Heiraths⸗Contracte nicht taxirt, oder hierin zwar auf einen gewiſſen Preis geſetzt ſind, aber mit der Erklaͤrung, daß die Schaͤtzung der Frau ihr Eigenthum daran nicht benehmen ſoll; So kann der Mann oder deſſen Erben gezwungen wer⸗ den, ihn ohne Aufſchub nach aufgeldſter Ehe zuruͤckzugeben. 1565. Beſteht er in einer Summe Geldes, Oder in Mobilien, die in dem Contracte auf einen gewiſſen Preis geſetzt ſind, ohne hinzugefuͤgte Erklaͤrung, daß die Schaͤtzung dem Manne kein Eigenthum daran verſchaffen ſoll; So kann deſſen Erſatz nur ein Jahr nach anfgeloͤſter Ehe gefordert werden. 1566. Haben ſich die Mobilien, die ein Eigenthum der Frau geblieben ſind, durch den Gebrauch und ohne Ver⸗ ſchulden des Mannes verſchlimmert, ſo iſt er nur verbun⸗ den, diejenigen, die noch uͤbrig ſind, und in dem Stande, worin ſie ſich befinden, zuruͤckzugeben. In allen Faͤllen kann inzwiſchen die Frau die Leinwand und Kleidungsſtuͤcke, die ſie zu ihrem wirklichen Gebrauche hat, zuruͤcknehmen, mit dem Beding, daß ſie ihren Werth in Abrechnung bringe, wenn dieſe Leinwand und Kleidungs⸗ ſtuͤcke urſpruͤnglich unter angefuͤgter Schaͤtzung zum Braut⸗ ſchatze beſtellt worden. 1567. Wenn der Brautſchatz Schuldforderungen oder Renten in ſich begreift, die entweder verloren gegangen 334 IE. Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. ſind, oder eine Verminderung erlitten haben, die man dem Manne als Folge ſeiner Nachlaſſigkeit nicht aufbuͤrden kann, ſo ſoll er dafuͤr nicht haften, und aller weitern Verbindlich⸗ keit entlediget ſeyn, wenn er die Contracte zuruͤckgibt. 1568. Iſt der Nießbrauch an einer Sache als Brauttſchatz ausgeſetzt worden, ſo iſt der Mann oder ſeine Erben bey Aufloͤſung der Ehe zu mehr nichts verbunden, als daß er das Recht des Nießbrauches, nicht aber auch die waͤhrend der Ehe erfallenen Fruͤchte zuruͤckgebe. 1569. Hat ſeit dem Verfall der zur Zahlung des Braut⸗ ſchatzes beſtimmten Friſten die Ehe zehn Jahre beſtanden, ſo kann die Frau oder ihre Erben nach aufgeloͤſter Ehe den Brautſchatz von dem Manne zuruͤckfordern, ohne daß ſie ver⸗ bunden ſeyen, den Beweis zu fuͤhren, daß er ihn wirklich em⸗ er beweiſe dann, daß er umſonſt ſich Muͤhe pfangen hat; um ſich die Zahlung davon zu verſchaffen. gegeben habe, 1570. Iſt die Ehe durch den Tod der Ehegattinn aufge⸗ loſt, ſo gebuͤhren ihren Erben die Zinſen und Fruͤchte des Brautſchatzes, der zuruͤckgegeben werden muß, von Rechts⸗ gen und ohne weiteres von dem Tage der Aufloͤſung. Erfolgte die Aufloͤſung der Ehe durch den Tod des Man⸗ nes, ſo hat die Ehegattinn die Wahl, entweder die Zinſen jhres Brautſchatzes waͤhrend des Trauerjahres zu fordern, oder auf Koſten der Erbſchaft des Mannes ſich waͤhrend dieſer Zeit die Alimente verſchaffen zu laſſen; aber in beyden Faͤllen muß ihr dieſes Jahr hindurch die Wohnung nebſt den Trauerklei⸗ dem Nachlaſſe verſchafft werden, ohne daß dieſe Ge— hr gebuͤhrenden Zinſen abgerechnet werden we dern aus genſtande von den duͤrfen. 1571. Bey erfolgter Aufloͤſung der Ehe werden die Fruͤchte der zum Brautſchatze gegebenen Immobilien nach Verhaͤltniß der Zeit, welche die Ehe im letzten Jahre beſtanden hat, un⸗ ter dem Manne und der Frau oder ihren Erben getheilt. Das Jahr nimmt mit dem Tage, da die Ehe geſchloſſen worden, ſeinen Aufang. III Buch. V. Tit. Von dem Heiraths⸗Contracte ꝛc. 335 1572. Die Frau und ihre Erben haben bey der Zuruͤck⸗ forderung des Brautſchatzes kein Vorrecht vor den Glaͤubigern, welche vor ihr eine aͤltere Hypothek haben. 1573. War der Mann ſchon unvermoͤgend, ſeine Schul⸗ den zu zahlen, hatte aber keine Kunſt erlernt, und war ohne Gewerbe, als der Vater ſeiner Tochter einen Brautſchatz be⸗ ſtellte, ſo iſt dieſe bey der vaͤterlichen Succeſſion nur ver⸗ bunden, die Forderung zu conferiren, die ſie an dem Nach⸗ laſſe des Mannes hat, um ſich den Brautſchatz erſetzen zu laſſen. Iſt aber der Mann erſt nach geſchloſſener Ehe inſolvent geworden;„ Oder hatte er ein Handwerk erlernt, oder betrieb ein Ge⸗ werbe, das bey ihm die Stelle des Vermoͤgens erſetzte; So faͤllt der Verluſt des Brautſchatzes einzig auf die Frau. Vierter Abſchnitt. Von den Parapdernal⸗Gütern. 1574. Alle Guͤter der Frau, die nicht zum Brautſchatze beſtimmt worden, ſind Paraphernalien. 1575. Gehoͤren alle Guͤter der Frau zu dem Parapher⸗ nal⸗Vermoͤgen, und iſt in dem Heiraths⸗Contracte kein Ver⸗ trag enthalten, der ſie verbindet, einen beſtimmten Antheil an den Laſten der Ehe zu tragen, ſo traͤgt die Frau dazu bey, bis zum Belauf eines Drittels ihrer Einkuͤnfte. 1576. Die Frau hat die Verwaltung und den Genuß ih— res Paraphernal⸗Vermoͤgens. Aber ſie kann es weder veraͤußern noch ohne Autoriſa— tion des Mannes, oder, wenn dieſer ſich weigert, ohne Ci— laubniß des Gerichtes in Ruͤckſicht dieſes Vermoͤgens vor Gericht ſtehen. 1577. Gibt die Frau dem Manne Vollmacht, ihre Para— phernal-Guͤter unter der Bedingung zu verwalten, daß er ihr 336 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. die Fruͤchte berechnen ſoll, ſo hat er gegen ſi ſie eben die Pflich⸗ ten, wie jeder andere Bevollmaͤchtigte. 1578. Hat der Mann das Paraphernal⸗Vermögen ſeiner Frau zwar ohne Vollmacht, aber auch ohne ihren Widerſpruch genoſſen, ſo iſt er bey Aufloͤſung der Ehe oder auf die erſte von ihr gemachte Anforderung zu mehr nichts verbunden, als die noch vorraͤthigen Fruͤchte auszuliefern, und er hat uͤber diejenigen, welche bis dahin verzehrt ſind, keine Rechnung abzulegen. 1579. Hat der Mann die Paraphernal⸗Guͤter, des von ſei⸗ ner Frau eingelegten und erwieſenen Widerſpruchs ungehin⸗ dert, genoſſen, ſo iſt er verbunden, ihr alle ſowohl noch vor⸗ raͤthigen, als verzehrten Fruͤchte zu berechnen. 1580. Ein Mann, der den Genuß des Paraphernal⸗Ver⸗ moͤgens hat, muß alle Pflichten eines Nutznießers erfuͤllen. Beſondee Verordnung. 1581. Den Ehegatten, indem ſie ſich den Dotal-Rechten unterwerfen, bleibt es gleichwohl unbenommen, eine Gemein— ſchaft der Errungenſchaft einzugehen, und die Wirkungen dieſer Societaͤt richten ſich nach den Beſtimmungen des 1408 und 1409 Artikels. Sechster Titel. VRon dem Verkaufe. (Decretirt den 15. Nentos 12. J. promulgirt den 2s5. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Erſtes Capitel. Von der Natur und der Form des Verkaufes. 1582. Der Verkauf iſt ein Contract, wodurch ein Theil ſich verbindet, eine Sache zu uͤberliefern, und der andere ſie zu zahlen. Er kann durch einen authentiſchen Act oder unter Privat⸗ Unterſchrift geſchloſſen werden. III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 3³⁷ 1583. Er iſt unter den Parteyen vollguͤltig, und in Hin⸗ ſicht des Verkaͤufers geht das Eigenthum gleich kraft des Geſetzes auf den Kaͤufer uͤber, ſo bald man uͤber die Sache und den Preis einig geworden iſt, obſchon noch zur Zeit weder die Sache uͤberliefert, noch der Preis gezahlt worden. 1584. Ein Verkauf kann entweder unbedingt und ſchlecht⸗ hin, oder unter einer Bedingung, dieſe ſey aufſchiebend oder aufloͤſend, geſchloſſen werden. Er kann gleichfalls zwey oder mehrere Sachen alternativ zum Gegenſtande haben. In allen dieſen Faͤllen richten ſich ſeine Wirkungen nach den bey Vertraͤgen uͤberhaupt geltenden Grundſaͤtzen. 1585. Sind Waaren nicht im Bauſch und Bogen, ſon⸗ dern nach einer kuͤnftigen Zumeſſung, nach Zahl oder Gewicht verkauft worden, ſo iſt der Verkauf in dem Sinne nicht vollguͤltig, daß der Verkaͤufer die Gefahr der verkauften Sachen traͤgt, bis ſie abgewogen, gezaͤhlt oder zugemeſſen worden ſind; der Kaͤufer kann gleichwohl, entweder auf ihre Ueberlieferung, oder, wenn das Verſprechen unerfuͤllt bleibt, bewandten Umſtaͤnden nach auf Schadenserſatz und Leiſtung des Intereſſe antragen. 1586. Sind dagegen die Waaren im Bauſch und Bogen verkauft worden, ſo iſt der Verkauf vollguͤltig, obſchon die Waaren noch nicht abgewogen, gezaͤhlt oder zugemeſſen worden. 1587. In Beziehung auf Wein, Oel und andere Sachen, die man zu verkoſten pflegt, ehe man ſie kauft, iſt kein guͤl⸗ tiger Kauf vorhanden, ſo lange der Kaͤufer ſie nicht verkoſtet und gebilliget hat. 1588. Ein auf Verſuch, auf Probe geſchloſſener Verkauſ wird immer ſo angeſehen, als waͤre er unter einer Suspen⸗ ſiv⸗Bedingung geſchehen. 1589. Das Verſprechen etwas zu verkaufen gilt ſuͤr ei⸗ nen wirklichen Verkauf, ſo bald die gegenſeitige Einwilli— gung beyder Theile uͤber die Sache und den Preis vorhau⸗ den iſt. 338 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 1590. Geſchah das Verſprechen etwas zu verkaufen unter Leiſtung eines Handgeldes, ſo iſt ein jeder der Contrahen⸗ ten befugt, davon abzugehen, Derjenige, der das Handgeld gegeben hat, indem er es verliert; Und derjenige, der es empfangen hat, indem er es dop⸗ pelt erſetzt. 1591. Der Kaufpreis muß von den Parteyen feſtgeſtellt und beſtimmt werden. 1592. Man darf dieſe Beſtimmung gleichwohl dem gut⸗ achtlichen Ermeſſen einer dritten Perſon uͤberlaſſen: will oder kann die dritte Perſon den Preis nicht beſtimmen, ſo iſt kein Verkauf zu Stande gekommen. 4 1593. Die Koſten der Acte und anderer zum Verkaufe gehoͤrigen Nebendinge fallen dem Kaͤufer zur Laſt. Zweytes Capitel. Wer kaufen oder verkaufen konne. 1594. Jeder, dem es in dem Geſetze nicht verbothen iſt, kann kaufen oder verkaufen. 3 1595. Unter Chegatten kann ein Kauf⸗ und Verkauf⸗ Contract nur in folgenden drey Fällen Statt haben. 1) Wenn einer von beyden Ehegatten dem andern, nach⸗ dem er von ihm gerichtlich ſeparirt iſt, fuͤr ſeine Anſpruͤche an Zahlungsſtatt Guͤter abtritt. 2) Wenn der Uebertrag, welchen der Mann ſeiner, wenn ſchon nicht ſeparirten, Frau macht, eine rechtmaͤßige Urſache zum Grunde hat, z. B. die Wiedererſetzung ihrer veraͤuſ— ſerten Immobilien, odek der ihr zugehdrenden Baarſchaft, ſo fern dieſe Immobilien oder baaren Gelder nicht zur Ge⸗ meinſchaft gehdren. 3) Wenn die Frau ihrem Manne Guͤter uͤbertraͤgt, um eine Summe zu zahlen, die ſie ihm als Brautſchatz verſpro⸗ chen hatte, und die Guͤtergemeinſchaft ausgeſchloſſen war. III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 339 Vorbehaltlich, in dieſen drey Faͤllen, der Rechte, welche den Erben der contrahirenden Theile zuſtehen, wenn eine indirecte Beguͤnſtigung untergelaufen iſt. 1596. Es duͤrfen, bey Strafe der Nichtigkeit, weder ſelbſt noch durch Mittelsperſonen an ſich bringen. Vormuͤnder die Guͤter derjenigen, woruͤber ſie die Vor⸗ mundſchaft fuͤhren; Bevollmaͤchtigte die Guͤter, deren Verkauf ihnen aufge⸗ tragen iſt; Verwalter die Guͤter der Gemeinden oder oͤffentlichen An⸗ ſtalten, die ihrer Obſorge anvertraut ſind; Oeffentliche Beamten die National⸗Guͤter, deren Verkauf durch ihre Dazwiſchenkunft geſchieht. 1507. Die Richter, ihre Stellvertreter,(suppléans) die Regierungs⸗Commiſſarien(kaiſerliche Procuratoren) ihre Sub⸗ ſtitute, die Gerichtsſchreiber, Huissiers, Avoués, Defenseurs officieux, und Notarien koͤnnen ſich keine Prozeſſe, keine ſtreitigen Rechte und Anſpruͤche uͤbertragen laſſen, die zur Erkenntniß des Gerichtes gehoͤren, in deſſen Bezirke ſie ihre Amtsverrichtungen ausuͤben, bey Strafe der Nichtigkeit, des Koſten-⸗ und Schadens⸗Erſatzes und Leiſtung des Intereſſe. Drittes Capitel. Von den Sachen, welche verkauft werden koͤnnen. 1598. Alles, was nicht dem Verkehr entzogen iſt, kann verkauft werden, in ſo ſern nicht beſondere Geſetze die Ver⸗ aͤuſſerung davon verbothen haben. 1599. Der Verkauf einer fremden Sache iſt unguͤltig; er kann gleichwohl eine Klage auf Schadenserſatz und Lei⸗ ſtung des Intereſſe begruͤnden, wenn der Kaͤufer nicht wuß⸗ te, daß die Sache einem andern zugehoͤrte. 1600. Man kann den kuͤnftigen Nachlaß einer noch le⸗ benden Perſon, ſelbſt mit ihrer Bewilligung, nicht verkaufen, III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 340 1601. War in dem Augenblicke des Verkaufes die ver⸗ kaufte Sache ganz zu Grunde gegangen, ſo iſt der Verkauf unguͤltig. War unr ein Theil der Sache zu Grunde gegangen, ſo hat der Kaufer die Wahl entweder auf den Contract Ver⸗ zicht zu thun, oͤder den uͤbrig gebliebenen Theil zu fordern, indem er ihn nach Maßgabe des fuͤr die ganze Sache ver⸗ einbarten Preiſes ſchaͤtzen laͤßt. i Wiertes Capitel. Von den Obliegenheiten des Verkaͤufers. Erſter Abſchnitt. Allgemeinee Verfuͤgungen. 1602. Der Verkaͤufer iſt ſchuldig, dasjenige, wozu er ſich verbindet, deutlich auszudrucken. 34 Jeder dunkele oder zweydeutige Vertrag wird wider den Verkaͤufer ausgelegt. 1603. Ihm liegen zwey Hauptverbindlichkeiten auf, die Sache, welche er verkauft, zu uͤberliefern, und die Verbind⸗ lichkeit ſie zu gewaͤhren. Zweyter Abſchmittt. Von, der Ueberlieferung. 1604. Die Ueberlieferung iſt die Uebergabe der verkauf⸗ ten Sache in die Gewalt und Gewahrſam(in den Beſitz) des Kaͤufers. 1605. Der Verkaͤufer hat die Verbindlichkeit, Immobi⸗ lien zu uͤberliefern erfuͤllt, wenn er die Schluͤſfel eingehaͤndi⸗ get hat, in ſo fern von einem Gebaͤude die Rede iſt, oder wenn er die Urkunden uͤbergeben hat, welche ſein Eigen⸗ thum beweiſen. 1606. Mobilar⸗Effecten werden aͤberliefert Entweder durch wirkliche Uebergabe; III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 341 Oder durch Ueberlieſerung der Schluͤſſel der Gebaͤnde, worin ſie aufbewahrt ſind; Oder ſelbſt durch die bloße Einwilligung der Parteyen, wenn in dem Augenblicke des Verkaufes die Uebergabe nicht vollzogen werden kann, oder wenn der Kaͤufer ſie ſchon aus einem andern Rechtsgrunde in ſeiner Gewalt hatte. 1607. Die Ueberlieferung unkoͤrperlicher Gerechtſamen ge⸗ ſchieht entweder durch Einhaͤndigung der Urkunden, oder durch den Gebranch, den der Erwerber mit Bewilligung des Verkaͤufers davon macht. 1608. Die Koſten der Ueberlieſerung hat der Verkaͤufer, und jene des Wegnehmens der Kaͤufer zu tragen, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen worden. 1609. Die Ueberlieferung muß an dem Orte geſchehen, wo zur Zeit des Verkaufes ſich die Sache befand, welche den Gegenſtand davon ausmacht, wenn man nicht anderſt uͤbereingekommen iſt. 1610. Bewirkt der Verkaͤufer die Ueberlieſerung nicht in der unter den Parteyen vereinbarten Zeit, ſo kann der Er⸗ werber nach ſeiner Willkuͤr entweder die Aufhebung des Kauf⸗ Contractes verlangen, oder auf Einſetzung in den Beſitz antragen, in ſo fern der Verzug nur von einem Factum des Verkaͤufers herruͤhrt. 1611. In allen Faͤllen muß der Verkaͤufer zum Scha⸗ denserſatze und zur Leiſtung des Intereſſe verurtheilt werden, wenn daraus, daß die Ueberlieferung nicht zur vereinbarten Zeit geſchehen iſt, ein Nachtheil ſuͤr den Kaͤufer erwaͤchſt. 1612. Der Verkaͤufer iſt nicht ſchuldig, die Sache zu uͤberliefern, wenn der Kaͤufer den Preis davon nicht zahlt, und der Verkaͤuſer ihm keine Zahlungsfriſt bewilliget hat. 1613. Er iſt gleichfalls, haͤtte er auch ſchon eine Zah⸗ lungsfriſt zugeſtanden, zur Ueberlieferung nicht verbunden, wenn ſeit dem Verkaufe der Kaͤufer entweder fallirt hat, oder ſein Vermoͤgen in Verfall gerathen iſt, ſo daß dem Verkan⸗ 341 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. fer die Gefahr bevorſteht, den Preis zu verlieren, der Kaͤu⸗ fer ſtelle ihm dann Sicherheit, daß er zur feſtgeſetzten Zeit zahlen wolle. 1614. Die Sache muß in dem Stande uͤberliefert wer⸗ den, worin ſie ſich in dem Augenblicke des Verkaufs be⸗ findet. Von dieſem Tage an gehoͤren alle Fruͤchten dem Er⸗ werber. 1615. Die Verbindlichkeit die Sache zu uͤberliefern er⸗ ſtreckt ſich auf ihre Zugehoͤre, und auf alles, was zu ihrem immerwaͤhrenden Gebrauche beſtimmt iſt. 1616. Der Verkaͤufer iſt verbunden, das Maaß, wie es in dem Contracte ausgedruckt iſt, zu liefern, jedoch unter folgenden Einſchraͤnkungen. 1617. Iſt ein Grundſtuͤck mit Bemerkung ſeines Flaͤchen⸗ inhalts, die beſtimmte Groͤße fuͤr ſo und ſo viel, verkauft worden; ſo iſt der Verkaͤufer verbunden, die in dem Con⸗ tracte ausgedruckte Quantitaͤt dem Erwerber, wenn er es verlangt, zu uͤberliefern; Und wenn dieſes ihm unmoͤglich iſt, oder wenn der Er⸗ werber hierauf nicht beſteht, ſo muß der Verkaͤufer ſich ei⸗ nen verhaͤltnißmaͤßigen Abzug am Preiſe gefallen laſſen. 1618. Findet ſich dagegen, in dem Falle des vorherge⸗ henden Artikels, ein groͤßeres Maaß, als in dem Contracte ausgedruckt iſt, ſo hat der Erwerber die Wahl, entweder den Preis verhaͤltnißmaßig zu vermehren, oder von dem Contracte abzuſtehen, wenn das Uebermaaß die angegebene Groͤße um einen zwanzigſten Theil uͤberſteigt. 1619. In allen uͤbrigen Faͤllen, Sey es, daß ein in jeder Hinſicht beſtimmtes und be⸗ ſchraͤnktes Object verkauft worden, Oder daß der Verkauf verſchiedene und abgeſonderte Grundſtuͤcke zum Gegenſtande hat, In dem Contracte mag zuerſt das Maaß, oder umge⸗ kehrt erſt die Sache, welche verkauft wurde, und nachher das Maaß ausgedruckt ſeyn, III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 343 Berechtiget der Umſtand, daß das Maaß ausgedruckt worden, weder den Verkaͤufer, einen Zuſatz zum Preiſe ſuͤr das Uebermaaß zu fordern, noch den Erwerber zu einer Verminderung des Preiſes fuͤr den Abgang an dem angege⸗ benen Maaße, es ſey dann, daß der Unterſchied unter dem wirklichen und im Contracte ausgedruckten Maaße ein Zwan⸗ zigtheil mehr oder weniger betrage, mit Hinſicht auf den Werth der verkauften Gegenſtaͤnde im Ganzen genommen, wenn nicht ein anderes ausbedungen worden. 1620. In dem Falle, wo zu Folge des vorhergehenden Artikels, Erhoͤhung des vereinbarten Preiſes fuͤr das Ueber⸗ maaß Statt hat, bleibt dem Erwerber die Wahl, entweder von dem Contracte abzuſtehen, oder den Zuſatz zu dem Preiſe zu zahlen, und dieſes mit den Zinſen, wenn er das Immobilar⸗Stuͤck im Beſitze gehalten hat. 1621. In allen Faͤllen, wo der Erwerber das Recht hat, von dem Contracte abzuſtehen, iſt der Verkaͤufer verbunden, ihm auſſer dem Preiſe, wenn er ihn empfangen hat, die Koſten dieſes Eontractes zu erſetzen. 1622. Die Klage auf Ergaͤnzung des Preiſes von Seiten des Verkaͤufers, und jene auf Verminderung des Preiſes oder Aufhebung des Contractes von Seiten des Erwerbers, muͤſ⸗ ſen in Jahresfriſt, von dem Tage des geſchloſſenen Contrac⸗ tes anzurechnen, bey Strafe des Verluſtes, angeſtellt werden. 1623. Sind zwey Grundſtuͤcke in eben demſelben Con⸗ tracte fuͤr einen und denſelben Preis verkauft worden, mit Beſtimmung des Maaßes, das ein jedes der Grundſtuͤcke enthalten ſoll, und bey einem derſelben findet ſich ein ge— ringeres, bey dem andern ein groͤßeres Maaß, ſo werden Uebermaaß und Abgang, in ſo weit ſie ſich gleich kommen, gegeneinander auſgehoben, und die Klage, ſey es auf Er— gaͤnzung oder auf Verminderung des Preiſes, hat anderſt nicht Statt, als nach den oben feſtgeſtellten Regeln. 1624. Die Frage, auf welchen von beyden Theilen, den Verkaufer oder den Erwerber, der Verluſt oder die Verſchlim⸗ 944 III. Buch. VI. LTit. Von dem Verkaufe. merung der verkauften Sache vor der Ueberlieferung falle, wird nach den Regeln entſchieden, die unter dem Titel von Contracten oder von Rechten und Verbind⸗ lichkeiten, die aus Vertraͤgen entſtehen, im allgemeinen, vorgeſchrieben ſind. Dritter Abſchnitt. Von der Gewahr. 1625. Die Gewaͤhrleiſtung, wozu der Verkaͤufer dem Er⸗ werber verbunden iſt, hat zwey Gegenſtaͤnde: der erſte beſteht in dem ruhigen Beſitze der verkauften Sache, der zweyte bezieht ſich auf die verborgenen Maͤngel dieſer Sache oder die Fehler, wegen welcher die Zuruͤckgebung Statt findet. 6. I. Von der Gewaͤhr im Falle einer Eviction. 1626. Iſt ſchon bey dem Verkaufe uͤber die Gewaͤhrleiſtung nichts ausbedungen worden, ſo iſt der Verkaͤufer gleichwohl von Rechtswegen verbunden, dem Erwerber fuͤr die Evic⸗ tion, wodurch ihm die verkaufte Sache ganz oder zum Theile entzogen wird, und fuͤr die Laſten zu haften, die man an dieſer Sache fordert, und die bey dem Verkaufe nicht ange⸗ geben worden ſind. 1627. Den Parteyen bleibt es unbenommen, durch be⸗ ſondere Vertraͤge die von Rechtswegen eintretende Verbind⸗ lichkeit zu vermehren, oder ihre Wirkung zu vermindern; ſie koͤnnen ſo gar ſich vereinigen, daß der Verkaͤufer zu ksiner Gewaͤhrleiſtung verbunden ſeyn ſoll. 1628. Hat man ſchon feſtgeſtellt, daß der Verkaͤnfer zu keiner Gewaͤhr verbunden ſeyn ſoll; ſo bleibt er gleichwohl ſchuldig, diejenige zu leiſten, die als Folge einer ihm perſoͤn— lichen Handlung zu betrachten iſt; jede damit im Wider— ſpruche ſtehende Vereinbarung iſt unguͤltig. 1629. In demſelben Falle, wo es ausbedungen war, daß der Verkaufer keine Gewaͤhr leiſten ſollte, iſt er bey eintre⸗ III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 345 tender Eviction ſchuldig, den Kaufpreis zu erſetzen, es ſey dann, daß der Erwerber bey Schließung des Kaufes die Gefahr der Eviction gekannt, oder auf ſeine Gefahr gekauft⸗ hat. 1630. Iſt entweder die Gewaͤhrleiſtung verſprochen, oder in dieſer Hinſicht nichts ausbedungen worden, wider den Er⸗ werber gleichwohl der Fall einer wirklichen Eviction einge⸗ treten, ſo hat er das Recht von dem Verkaͤufer zu fordern 1) Den Erſatz des Preiſes; 2) Den Erſatz der Fruͤchte, in ſo fern er verbunden iſt, ſie dem Eigenthuͤmer, der ihm die Sache abgeſtritten hat, herausgegeben.. 3) Die bey der Klage auf Gewaͤhrleiſtung von ihm, dem Kaͤufer, verwendeten Koſten, ſo wie diejenigen, welche der urſpruͤngliche Klaͤger gemacht hat; 4) Endlich Schadenserſatz und Leiſtung des Intereſſe nebſt den redlichen und geſetzlichen Koſten, die auf den Con⸗ tract verwendet worden. 1631. Findet ſich die verkaufte Sache zur Zeit der Evic⸗ tion in ihrem Werthe verringert, oder in einem betraͤchtlich verſchlimmerten Zuſtande; ſey es durch Nachlaͤſſigkeit des Kaͤufers oder durch Zufaͤlle, die von einer hoͤhern Gewalt herruͤhren; ſo iſt der Verkaͤufer gleichwohl verbunden, den ganzen Preis zu erſetzen. 1632. Hat aber der Erwerber aus den von ihm herruͤh⸗ renden Verſchlimmerungen Vortheil gezogen, ſo hat der Verkaͤufer das Recht, eine dieſem Vortheile gleich kommende Summe von dem Kaufpreiſe einzuhalten. 1633. Findet ſich, daß die verkaufte Sache zur Zeit der Eviction einen hoͤhern Werth hat, ſollte ſelbſt der Erwerber hiezu nichts beygetragen haben, ſo iſt der Verkaufer ſchul⸗ dig ihm auch das zu zahlen, was ſie uͤber den Kaufpreis werth iſt. 1634. Der Verkaͤnfer iſt ſchuldig, dem Erwerber alle Reparaturen und nuͤtzliche Verbeſſerungen, die er an dem 346 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. Grundſtuͤcke etwa vorgenommen hat, entweder ſelbſt zu er⸗ ſetzen, oder zu verſchaffen, daß ſie ihm von demjenigen er⸗ ſetzt werden, der ihm die verkaufte Sache abgeſtritten hat. 1635. Hatte der Verkaͤufer wiſſentlich ein fremdes Grund⸗ ſtuͤck verkauft, ſo iſt er verbunden, dem Erwerber alle auf das Grundſtuͤck von ihm verwendeten Koſten zu erſetzen, ſollten ſie auch bloß zum Zierrathe oder zum Vergnuͤgen die⸗ nen, und nur die Annehmlichkeit der Sache erhoͤhen. 1636. Hat der Erwerber durch Eviction nur einen Theil der Sache verloren, und dieſer iſt im Verhaͤltniß zum Gan⸗ zen von ſolcher Wichrigkeit, daß der Erwerber ohne den Theil, der ihm abgeſtritten worden iſt, durchaus nicht ge⸗ kauft haben wuͤrde, ſo kann er darauf antragen, daß der Verkauf gerichtlich aufgehoben werde. 1637. Wird in dem Falle, wo die Entwaͤhrung nur ei⸗ nen Theil des verkauften Grundſtuͤckes betraf, der Verkauf nicht aufgehoben, ſo wird dem Erwerber derjenige Theil, den er durch die Eviction verloren hat, nach dem Werthe, worauf er zur Zeit der Entwaͤhrung geſchaͤtzt worden, nicht im Verhaͤltniſſe zum ganzen Kaufpreiſe verguͤtet, gleichviel ob der Werth der verkauften Sache hoͤher oder geringer ge⸗ worden. 1638. Zeigt es ſich, daß das verkaufte Grundſtuͤck mit Dienſtbarkeiten, die nicht in's Auge fallen, belaſtet iſt, ohne daß dieſes erklart worden, und ſind dieſe Dienſtbarkeiten von ſolcher Wgichtigkeit, daß ſich vermuthen laͤßt, der Er⸗ werber wuͤrde nicht gekauft haben, wenn er davon unter⸗ richtet geweſen waͤre, ſo kann er darauf antragen, daß der Contract aufgehoben werde, wenn er nicht etwa ſich lieber mit einer Entſchaͤdigung begnuͤgen will. 1639. Die uͤbrigen Fragen uͤber den Schadenserſatz und die Leiſtung des Intereſſe, worauf der Erwerber wegen nicht erfolgter Vollziehung des Verkaufes Anſpruch zu machen hat, in ſo weit ſie noch ferner entſtehen koͤnnen, ſind nach den allgemeinen Regeln zu entſcheiden, welche unter dem III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 347 Titel von Contracten oder von Rechten und Verbindlichkeiten, welche aus Vertraͤgen ent⸗ ſtehen, im allgemeinen, feſtgeſtellt worden. 1640. Die Gewaͤhrleiſtung wegen erfolgter Eviction faͤllt alsdann weg, wenn der Erwerber durch ein Urtheil, das in der letzten Inſtanz ergangen iſt, oder wogegen keine Appel⸗ lation mehr Statt hat, die Sache ſich abſprechen ließ, ohne ſeinen Verkaͤufer zum Prozeß abzuladen, in ſo fern dieſer beweiſt, daß hinlaͤngliche Gruͤnde vorhanden waren, um zu erwirken, daß die Klage verworfen wurde. §. II. Von der Gewahrleiſtung fuͤr die Maͤngel der ver⸗ kauften Sache. 1641. Der Verkauſer iſt ſchuldig, die verborgenen Maͤn⸗ gel der verkauften Sache zu gewaͤhren, welche dieſelbe zu dem Gebrauche, wozu ſie beſtimmt iſt, entweder untauglich machen, oder ihre Brauchbarkeit ſo herabſetzen, daß der Kaͤu— fer ſie nicht erworben, oder doch nur einen geringern Preis dafuͤr gegeben haben wuͤrde, wenn er die Maͤngel gekannt haͤtte. 1642. Der Verkaͤufer iſt fuͤr keine Maͤngel, welche in's Auge fallen, und wovon der. Kaͤufer ſich ſelbſt uͤberzeugen konnte, verantwortlich. 1643. Fuͤr verborgene Maͤngel hat er zu haften, wenn ſie ihm auch ſelbſt unbekannt geweſen ſeyn ſollten, er habe dann in dieſem Falle ſich ausbedungen, daß er zu keiner Gewaͤhrleiſtung verbunden ſeyn wolle. 1644. In den Faͤllen, welche im 1641 und 1643. Arti⸗ kel ausgedruckt ſind, hat der Kaͤufer die Wahl, entweder die Sache zuruͤckzugeben, und ſich den Kaufpreis erſetzen zu laſſen, oder die Sache zu behalten, und ſich einen Theil des Kaufpreiſes, wie er durch Sachverſtaͤndige beſtimmt wird, zuruͤckgeben zu laſſen. 348 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 1645. Kannte der Verkaͤufer die Maͤngel der Sache, ſo iſt ex, auſſer der Wiedererſtattung des Kaufpreiſes, den er da⸗ fuͤr empfangen hat, dem Kaͤufer zu allem Schadenserſatze und zur Leiſtung des Intereſſe verbunden. 1646. Waren dem Verkaͤufer die Maͤngel der Sache un⸗ bekannt, ſo hat er nur den Kaufpreis zu erſtatten, und dem Erwerber die durch den Kauf verurſachten Koſten zu erſetzen. 1647. Iſt die Sache, welche mit Maͤngeln behaftet war, durch eine Folge ihrer ſchlechten Beſchaffenheit zu Grunde gegangen, ſo iſt der Verluſt fuͤr den Verkaͤufer, der dage⸗ gen dem Kaͤufer zur Wiedererſtattung des Kaufpreiſes und zu den uͤbrigen Entſchaͤdigungen verbunden iſt, die in den beyden vorhergehenden Artikeln erklaͤrt ſind. Dagegen iſt der Verluſt der Sache, der von einem Zu⸗ falle herruͤhrt, fuͤr Rechnung des Kaͤufers. 1648. Die aus Maͤngeln, welche die Zuruͤckgebung einer gekauften Sache begruͤnden, entſpringende Klage muß nach der Beſchaffenheit dieſer Maͤngel, und nach dem Gebrauche des Ortes, wo der Verkauf geſchehen iſt, in kurzer Friſt an⸗ geſtellt werden. 1649. Sie hat bey Verkaͤufen nicht Statt, die von Ge⸗ richtswegen geſchehen ſind. Fuͤnftes Capitel. Von den Pflichten des Kaͤufers. 1650. Die Hauptverbindlichkeit des Kaͤufers beſteht da— rin, daß er den Kaufpreis an dem durch den Contract be⸗ ſtimmten Tage und Ort zahle. 1651. Iſt bey dem Verkaufe deßhalb nichts beſtimmt worden, ſo iſt der Kaͤufer verbunden, an dem Orte und in der Zeit, wo die Ueberlieferung geſchehen ſoll, zu zahlen. 1652. In folgenden drey Faͤllen hat der Kaͤufer bis zur Zahlung des Capitals den Kaufpreis zu verzinſen. III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 3a5 Wenn man bey dem Verkaufe hieruͤber einig geworden; „Wenn die verkaufte und uͤberlieferte Sache Fruͤchte oder andere Einkuͤnfte abwirſt. 2 Wenn an den Kaͤufer eine Aufforderung ergangen iſt, um die Zahlung zu leiſten. In dieſem letztern Falle laufen die Zinſen nur von der Zeit der Aufforderung. 1653. Wird der Kaͤufer angegriffen, oder hat er gegruͤn— dete Urſache zu fuͤrchten, daß man ihn angreifen wird, ſey es durch eine Hypothecariſche oder durch eine Vindications⸗ Klage, ſo mag er mit der Zahlung des Kanfpreiſes einhalten, bis der Verkaufer erwirkt hat, daß die Stoͤrung aufhoͤrt, wenn dieſer etwa nicht lieber Sicherheit leiſten will, oder nicht etwa ausbedungen worden, daß, der Stoͤrung ungehindert, der Kaͤufer zahlen ſolle. 1654. Wenn der Kaͤufer den Preis nicht zahlt, ſo kann der Verkaufer auf die Aufhebung des Verkaufes antra⸗ gen.. 1655. Die Aufloͤſung eines Verkaufes, der Immobilien zum Gegenſtande hat, wird ſo gleich erkannt, wenn der Ver⸗ kaͤufer in Gefahr iſt, die Sache und den Preis zu verlieren. Tritt dieſe Gefahr nicht ein, ſo bleibt es dem Richter unbenommen, dem Erwerber, je nachdem die Umſtaͤnde be⸗ ſchaffen ſind, eine mehr oder weniger lange Friſt zu ge⸗ ſtatten.. Iſt dieſe Friſt vorbey, ohne daß der Erwerber inzwiſchen gezahlt haͤtte, ſo wird die Aufloͤſung des Verkaufes erkannt. 1656. Iſt bey einem Verkaufe von Immobilien bedun⸗ gen worden, daß, in ſo fern die Zahlung des Kaufpreiſes in der vereinbarten Zeit nicht erfolgen wuͤrde, der Verkauf von Rechtswegen und ohne weiteres aufgeloͤſt ſeyn ſoll, ſo kann der Erwerber gleichwohl nach Umlauf der Friſt zahlen, ſo lange er nicht durch eine Aufforderung in Verzug geſetzt iſt; nach dieſer Aufforderung kann aber der Richter ihm keine Friſt geſtatten⸗ 350 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 1657. Wenn Lebensmittel oder Mobilar⸗Effecten verkauft worden ſind, hat nach Umlauf der Zeit, die in dem Con⸗ tracte feſtgeſtellt war, um ſie abzunehmen, die Aufloͤſung des Verkaufes zum Vortheile des Verkaͤufers von Rechts⸗ wegen und ohne vorhergegangene Aufforderung Statt. Sechstes Capitel. Von der unguͤltigkeit und der Aufloͤſung des Verkaufes. 1658. Auſſer den unter dem gegenwaͤrtigen Titel ſchon erklaͤrten Urſachen, welche die Nichtigkeit oder Aufloͤſung be⸗ gruͤnden, und denjenigen, die allen Vertraͤgen gemein ſind, kann der Verkauf⸗Contract noch aufgeloͤſt werden durch Aus⸗ uͤbung des Rechtes auf Wiederkauf, und wegen unverhaͤlt⸗ nißmaͤßiger Niedrigkeit des Preiſes. Erſter Abſchnitt. Von dem Rechte auf Wiederkauf. 1659. Die Ausbedingung des Wiederkaufs iſt ein Ver⸗ trag, wodurch der Verkaufer ſich bedingt, gegen Wiederer⸗ ſtattung des Hauptpreiſes und gegen die im 1673. Artikel erwaͤhnte Verguͤtung die verkaufte Sache zuruͤckzunehmen. 1660. Man kann ſich das Recht auf Wiederkauf nicht fuͤr eine laͤngere Zeit als fuͤnf Jahre ausbedingen. Iſt es auf eine laͤngere Zeit vorbehalten worden, ſo wird es auf dieſe Friſt eingeſchraͤnkt. 12216. 1661. Der vorbeſtimmte Termin leidet keinen weitern Aufſchub, und kann von dem Richter nicht verlaͤngert werden. 1662. Hat der Verkaͤufer ſeine Klage auf Wiederkauf in der beſtimmten Friſt nicht geltend gemacht, ſo bleibt der Er werber unwiderruflicher Eigenthuͤmer. 1663. Die Friſt laͤuſt wider alle Perſonen, ſelbſt wider den Minderjaͤhrigen, vorbehaltlich des Regreſſes wider jeder⸗ mann, wider welchen er den Umſtaͤnden nach, rechtlich ein⸗ treten mag. III. Buch. VI. Tit. Von dem Venkaufe. 351 1664. Ein Verkaͤufer auf Wiederkauf kann ſeine Klage wider einen zweyten Erwerber geltend machen, wenn ſchon von dem Rechte die Sache wieder an ſich zu ziehen in dem zweyten Contracte keine Erwaͤhnung geſchehen. 1665. Wer eine Sache auf Wiederkauf erworben hat, uͤbt alle Rechte ſeines Verkaͤufers aus: er kann wider den wah— ren Eigenthuͤmer ſo wohl, als wider diejenigen verjaͤhren, die etwa behaupten, Rechte oder Hypothecken an der verkauf⸗ ten Sache zu haben. 1666. Er kann den Glaͤubigern ſeines Verkaͤufers die Einrede der Vorausklage entgegen ſetzen. 1667. Wer ein in unzertheilter Gemeinſchaft ſtehendes Grundſtuͤck fuͤr einen noch nicht abgeſonderten Theil unter der Bedingung des Wiederverkaufes erworben, und bey einer Verſteigerung, worauf wider ihn angetragen worden, das Ganze erſtanden hat, kann den Verkaͤufer, ſo fern dieſer von der Bedingung Gebrauch machen will, noͤthigen, daß er das Ganze an ſich nehme. 1668. Wenn mehrere in einem und demſelben Contracte zuſammen ein unter ihnen gemeinſchaftliches Grundſtuͤck ver⸗ kauft haben, ſo kann ein jeder von ihnen die Klage auf Wiederkauf weiter nicht ausuͤben, als fuͤr den Theil, den er daran hatte. 1669. Gleiche Bewandniß hat es, wenn derjenige, der fuͤr ſich allein ein Grundſtuͤck verkauft hat, mehrere Erben nachgelaſſen hat.— Ein jeder dieſer Miterben kann das Recht auf Wieder⸗ kauf nur fuͤr den Theil ausuͤben, den er an der Erbſchaft hat. 1670. In jedem Falle der beyden vorhergehenden Artikel kann indeß der Erwerber verlangen, daß alle Mitverkaͤufer oder alle Miterben zur Sache abgeladen werden, um ſich untereinander uͤber die Zuruͤcknehmung des ganzen Grund⸗ ſtuͤckes zu verſtehen, und, wenn ſie ſich hieruͤber nicht ver⸗ einigen, ſoll er von der Klage losgeſprochen werden, 352 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 1671. Iſt ein Grundſtuͤck, das mehreren zugehoͤrte, nicht zuſammen und zu gleicher Zeit als ein Grundſtuͤck, ſondern von jedem einzelnen nur der Theil verkauft worden, den er daran hatte, ſo bleibt es einem jeden unbenommen, fuͤr ſich allein und beſonders die Klage auf Wiederkauf fuͤr den Theil auzuſtellen, der ihm zugehoͤrte. Und der Erwerber kann denjenigen, der ſie auf dieſe Weiſe anſtellt, nicht zwingen, das Ganze an ſich zu ziehen. 1672. Hat der Erwerber mehrere Erben nachgelaſſen, ſo kann, in ſo fern die verkaufte Sache entweder noch unge⸗ theilt iſt, oder unter ihnen vertheilt worden, die Klage auf Wiederkauf wider einen jeden aus ihnen anderſt nicht, als ſuͤr ſeinen Theil angeſtellt werden. Iſt aber die Erbſchaft getheilt, und die verkaufte Sache dem Loſe eines der Erben angefallen, ſo hat wider ihn die Klage auf Wiederkauf fuͤr's Ganze Statt. 1673. Der Verkaͤufer, der die Ausbedingung des Wie⸗ derkaufes geltend macht, muß nicht allein den Hauptpreis zuruͤckgeben, ſondern auch die redlichen und geſetzlichen Ko⸗ ſten des Verkaufes, dann die nothwendigen Reparaturen, und diejenigen, welche den Werth des Grundſtuͤckes erhoͤhet haben, bis zum Belauf dieſes erhoͤheten Werths. Er kann nicht zum Beſitze gelangen, bevor er allen dieſen Obliegen⸗ heiten Genuͤge geleiſtet hat. Wenn ein Verkaͤufer kraft des ausbedungenen Wieder⸗ kaufs wieder zu ſeinem Grundſtuͤcke gelangt, ſo erhaͤlt er es frey von allen Laſten und Hypotheken zuruͤck, womit der Er— werber es beſchwert haben mag; er iſt indeß verbunden, die von dem Erwerber ohne Gefaͤhrde und Argliſt geſchloſſenen Pacht⸗Contracte zu vollziehen. Z weyter Abſchnitt. Von Aufhebung des Verkaufes wegen Verletzung. 1674. Iſt der Verkaͤufer um mehr als ſieben Zwoͤlftel bey dem Preiſe eines Immobilar⸗Stuͤckes verletzt worden, ſo III. Buch. VI. Tit. Von dem Werkaufe. 353 hat er das Recht, auf Resciſſion(Aufhebung) des Verkau⸗ fes anzutragen, haͤtte er ſelbſt in dem Contracte auf die Befugniß dieſe Resciſſion zu fordern Verzicht gethan, und erklaͤrt, daß er dasjenige, was die Sache mehr werth iſt, ſchenke. 1675. Um zu wiſſen, ob eine Verletzung uͤber ſieben Zwoͤlftel vorhanden ſey, muß man das Immobilar-Stuͤck nach dem Zuſtande, worin es zur Zeit des Verkaufes war, und nach ſeinem damahligen Werthe ſchaͤtzen. 1676., Nach Umlauf von zwey Jahren, von dem Tage des Verkaufes anzurechnen hat, dieſe Klage nicht mehr Statt. Dieſe Zeitfriſt laͤuft wider verheirathete Frauen, und wi— der Abweſende, wider Interdicirte und Minderjaͤhrige, wenn ſie in die Rechte eines Volljaͤhrigen, der verkauft hat, ge⸗ treten ſind. Dieſe Zeitfriſt laͤuft ebenfalls waͤhrend der Zeit, welche zur Ausuͤbung des bedungenen Wiederkaufes beſtimmt iſt, und bleibt inzwiſchen nicht ausgeſetzt. 1677. Der Beweis der Verletzung kann nicht anderſt als durch ein Urtheil zugelaſſen werden, und nur in dem Falle, wo die articulirten Thatumſtaͤnde wahrſcheinlich und erheb⸗ lich genug ſind, um eine Verletzung vermuthen zu laſſen. 1678. Dieſer Beweis ſoll nicht anderſt gefuͤhrt werden koͤnnen, als durch einen Bericht dreyer Sachverſtaͤndigen, welche verbunden ſind, nur einen gemeinſchaftlichen Verbal⸗ Proceß zu fertigen, und nach Mehrheit der Stimmen nur eine Meynung zu auſſern. 1679. Sind die Meynungen verſchieden, ſo ſoll der Ver— bal⸗Prozeß die Gruͤnde enthalten, worauf ſie beruhen, ohne daß es erlaubt ſey, an Tag zu geben, welcher Meynung jeder Sachverſtaͤndige geweſen. 1680. Die drey Sachverſtaͤndigen werden von Amtswegen ernannt, die Parteyen haͤtten ſich dann vereiniget, ſie alle drey gemeinſchaftlich zu ernennen, — 334 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 1681. Wird die Klage auf Reſciſſion zugelaſſen, ſo hat der Erwerber die Wahl, entweder die Sache zuruͤckzugeben, und den Preis, den er dafuͤr gezahlt hat, wieder im Em⸗ pfang zu nehmen, oder gegen Nachzahlung der Summe, die an dem wahren Preiſe fehlt, jedoch mit Abzug eines Zehn⸗ tels von dem vollen Werthe, das Grundſtuͤck zu behalten. Der dritte Beſitzer hat gleiches Recht, vorbehaltlich ſei⸗ ner Klage auf Gewaͤhrleiſtung wider ſeinen Verkaͤufer. 1682. Will der Erwerber lieber die Sache behalten, und dagegen die in dem vorhergehenden Artikel beſtimmte Nach⸗ zahlung verfuͤgen, ſo iſt er verbunden, die Zinſen der nach— zuzahlenden Summe von dem Tage an, da die Klage auf Reſciſſion angeſtellt worden, zu entrichten. Will er lieber die Sache zuruͤckgeben, und den Preis wiedernehmen, ſo erſetzt er die Fruͤchte von dem Tage der angeſtellten Klage.. Die Zinſen des Kaufpreiſes, den er gezahlt hatte, werden ihm gleichfalls verguͤtet, entweder von dem Tage der ange⸗ ſtellten Klage, oder wenn er gar keine Fruͤchte gezogen hat, von dem Tage der geſchehenen Zahlung an zu rechnen. 1683. Zum Vortheile des Kaͤufers hat keine Reſciſſion wegen Verletzung Statt. 1684. Sie hat gleichfalls bey allen Verkaͤufen nicht Statt, die nach den Geſetzen nur unter gerichtlicher Autoritaͤt ge⸗ ſchehen koͤnnen. 1685. Die Regeln, welche in dem vorhergehenden Abſchnitte fuͤr die Faͤlle aufgeſtellt worden ſind, wo mehrere zuſammen verkauft haben, oder jeder von ihnen fuͤr ſich beſonders, ſo wie hinwiederum fuͤr den Fall, wo der Verkaͤufer oder der Kaͤufer mehrere Erben nachgelaſſen hat, werden gleichfalls, wenn die Reſciſſions⸗Klage angeſtellt wird, beobachtet. Siebentes Capitel. Von der Verſteigerung. 1686. Wenn eine unter mehrern gemeinſchaftliche Sache ſich nicht fuͤglich und ohne Verluſt theilen laͤßt; III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaafe. 385 DOder wenn bey einer mit allerſeitiger Einwilligung vor⸗ genommener Theilung gemeinſchaftlicher Guͤter es einige gibt, die keiner der Theilenden an ſich nehmen kann oder will, So werden dieſe Sachen im Ausrufe an den Meiſtbie⸗ thenden verkauft, und der Kaufpreis wird unter den Mitei⸗ genthuͤmern getheilt. 1687. Einem jeden der Miteigenthuͤmer bleibt es unbe— nommen, zu fordern, daß Fremde zur Verſteigerung mit eingeladen werden; man muß ſie nothwendiger Weiſe mit einladen, wenn einer der Miteigenthuͤmer noch minderjaͤh— rig iſt. 1688. Die Art und die Formen, welche bey der Ver⸗ ſteigerung zu beobachten ſind, werden unter dem Titel von der Succeſſion, und in dem Geſetzbuche uͤber das ge⸗ richtliche Verfahren erklaͤrt. Achtes Capitel. Von der Uebertragung der Forderungen und an⸗ derer unköoͤrperlichen Rechte. 1689. Bey der Uebertragung einer Forderung, eines Rech— tes oder einer Klage wider eine dritte Perſon geſchieht die Ueberlieferung unter dem Cedenten und dem Ceſſionar(dem Abtretenden und dem Erwerber) durch Uebergabe des Titels. 1690. In Beziehung auf dritte Perſonen gelangt der Ceſ⸗ ſionar nicht eher zum Beſitze, als durch Bekanntmachung der geſchehenen Uebertragung an den Schuldner. Der Ceſſionar kann jedoch ebenfalls dadurch zum Beſitze gelangen, daß der Schuldner in einem authentiſchen Acte die Uebertragung annimmt. 1691. Hatte der Schuldner an den Cedenten gezahlt, ehe dieſer oder der Ceſſionar ihm die geſchehene Uebertragung bekannt machte, ſo iſt er auf eine rechtmaͤßige Weiſe be⸗ freyt. 356 III. Buch. VI. Tit. Von dem Verkaufe. 1692. Der Verkauf oder die Uebertragung einer Forde⸗ rung erſtreckt ſich auf die Zugehoͤre der Forderung, wie z. B. auf die Buͤrgſchaft, die Privilegien und Hypotheken. 1693. Wer eine Forderung oder ein anderes unkoͤrperli⸗ ches Recht verkauft, muß dafuͤr haften, daß er zur Zeit der Uebertragung die Forderung oder das Recht wirklich hatte, wenn ſchon die Uebertragung geſchehen iſt, ohne daß er hie⸗ fuͤr die Gewaͤhr verſprach. 1694. Er hat nicht dafuͤr zu haften, daß es dem Schuld⸗ ner nicht an Zahlungsmitteln fehle, als wenn er ſich hiezu verbunden hat, und nur nach Belauf des Preiſes, der ihm fuͤr die Forderung gezahlt worden. 1695. Hat er es auf ſich genommen, daß es dem Schuld⸗ ner nicht an Zahlungsmitteln fehlen wuͤrde, ſo wird dieſe Zuſage nur von den gegenwaͤrtigen Zahlungsmitteln des Schuldners verſtanden, ſie erſtreckt ſich nicht auf die kuͤnf— tige Zeit, der Cedent habe es dann ausdruͤcklich verſprochen. 1696. Wer eine Erbſchaft verkauft, ohne die Gegenſtaͤn⸗ de, worauf ſie ſich erſtreckt, ſtuͤckweiſe zu benennen, iſt nur ſchuldig dafuͤr zu haften, daß er der rechtmaͤßige Erbe ſey. M 1697. Hatte er ſchon die Fruͤchte eines oder andern Grund⸗ ſtuͤckes genoſſen, oder den Betrag einer Forderung, die zur Erbſchaft gehoͤrte, in Empfang genommen, oder einige un⸗ ter der Erbſchaft begriffene Effecten veraͤuſſert, ſo iſt er ver— bunden, ſie dem Erwerber zu erſetzen, wenn er ſie bey dem Verkaufe nicht ausdruͤcklich vorbehalten hat. 1698. Der Erwerber muß auf ſeiner Seite dem Verkaͤu⸗ fer, was dieſer an Schulden und Laſten, die auf der Erb⸗ ſchaft hafteten, gezahlt hat, wiedererſtatten, und ihm alles verguͤten, was er als Glaͤubiger zu fordern hatte, wenn nicht ein anderes ausbedungen worden. 1699. Derjenige, wider welchen ein ſtreitiges Recht uͤber⸗ tragen worden iſt, kann ſich ſeiner Verbindlichkeit gegen den Ceſſionar dadurch entledigen, daß er ihm den wirklichen Preis III. Buch. VII. Tit. Von dem Tauſche. 35⁷ der Uebertragung mit den uͤbrigen redlichen und geſetzlichen Koſten und den Zinſen von dem Tage an verguͤtet, da der Ceſſionar den Preis der ihm geſchehenen Uebertragung ge⸗ zahlt hat. 1700. Die Sache wird von dem Augenblicke an fuͤr ſtrei⸗ tig angeſehen, da uͤber das Recht ſelbſt ein Prozeß und Streit obwaltet. 1701. Die im 1699. Artikel enthaltene Verfuͤgung fällt weg, 1) In dem Falle, wo die Uebertragung an einen Miter⸗ ben oder an einen Miteigenthuͤmer des uͤbertragenen Rechtes geſchehen iſt. 2) Wenn ſie einem Glaͤubiger, um ihn fuͤr das, was er zu fordern hatte, zu befriedigen(an Zahlungsſtatt) geſche⸗ hen iſt. 3) Wenn ſie dem Beſitzer eines Grundſtuͤckes geſchah, woran das ſtreitige Recht ausgeuͤbt werden ſollte. Siebenter Litel. Von dem Tauſche. (Decretirt den 16. Ventos 12. J. promulgirt den 26. des naͤhm⸗ lichen Monats.) 1702. Der Tauſch iſt ein Contract, wodurch die Par⸗ teyen ſich gegenſeitig eine Sache fuͤr die andere geben. 1703. Der Tauſch geſchieht auf gleiche Weiſe, wie der Verkauf, durch bloße Einwilligung. 1704. Hat einer derjenigen, welche den Tauſch bewilliget hatten, die Sache wirklich empfangen, die ihm gegen die ſeinige verſprochen worden, und beweiſt nachher, daß der andere Contrahent kein Eigenthuͤmer dieſer Sache war, ſo kann er nicht gezwungen werden, diejenige zu uͤberlie⸗ fern, die er dagegen verſprochen hatte, ſondern nur daß er die Sache zuruͤckgebe, die er empfangen hat. 358 III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contraete. 1705. Der Contrahent, dem die Sache abgeſtritten wor⸗ den iſt, die er im Tauſche gegen die ſeinige erhalten hatte, behaͤlt die Wahl, entweder auf Schadenserſatz und Leiſtung des Intereſſe anzutragen, oder ſeine Sache zuruͤckzufordern. 1706. Bey dem Tauſch⸗Contracte hat keine Refciſſion wegen Verletzung Statt. 1707. Sonſt ſind alle uͤbrige Regeln, die fuͤr den Kauf⸗ Contract feſtgeſtellt ſind, auf den Tauſch ebenfalls an⸗ wendbar. Achter Tirel. Non dem Mieth⸗Contracte⸗ (Decretirt den 16. Ventos 12. J. Promulgirt den 26. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Et ſtes Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 1708. Es gibt zwey Gattungen des Mieth⸗Contractes: Der Mieth⸗Contract uͤber Sachen, Und uͤber Dienſte und Arbeit. 1709. Der Mieth⸗Contract uͤber Sachen iſt ein Contract, wodurch eine der Parteyen ſich anheiſchig macht, der andern eine beſtimmte Zeit hindurch und gegen einen beſtimmten Preis, den dieſe zu zahlen verſpricht, den Gebrauch und Genuß einer Sache zu verſchaffen. 1710. Der Mieth⸗Contract uͤber Dienſte und Arbeit iſt ein Contract, wodurch eine der Parteyen ſich verpflichtet, fuͤr die andere, gegen einen unter ihnen vereinbarten Preis, etwas zu thun. 1711. Dieſe beyden Gattungen des Mieth⸗Contractes werden noch ferner in verſchiedene Arten abgetheilt. Man nennt bail à loyer den Mieth⸗Contract uͤber Haͤu⸗ ſer und Mobilien: Bail à ferme den Pacht⸗Contract uͤber Landguͤter; III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contraete. 359 Loyer den Mieth⸗Contract uͤber Arbeit oder Dienſte; Bail à cheptel den Pacht⸗Contract uͤber Vieh, deſſen Nutzen unter dem Eigenthuͤmer, und dem er das Vieh an⸗ vertraut, getheilt wird. Unternehmungen eines auszufuͤhrenden Werkes fuͤr einen beſtimmten Preis, devis, marché oder priæ fait, ſind gleich⸗ falls Gattungen des Mieth⸗Contractes, in ſo fern der Stoff von demjenigen hergeſchafft wird, fuͤr den die Arbeit ge— ſchieht. Dieſe letztern drey Gattungen haben ihre beſondern Re⸗ geln. 1712. Fuͤr die Verpachtungen der National⸗Guͤter, der Guͤter, welche Gemeinden und oͤffentlichen Anſtalten gehoͤ⸗ ren, gibt es beſondere Verordnungen, Zweytes Capitel. Von dem Mieth⸗ und Pacht⸗Contract, weſcher Sachen zum Gegenſtande hat. 1713. Man kann jeder Art Sachen, bewegliche oder un⸗ bewegliche Guͤter, in Beſtand geben und nehmen. Erſter Abſchuitt. Von den Regeln, die ſich auf die Miethe der Haͤu⸗ ſer und der Landguͤter zugleich besiehen, und beyden gemeinſchaftlich ſind. 1714. Man kann ſchriftlich oder muͤndlich in Beſtand ge⸗ ben und nehmen. 1713. Iſt der Beſtand, der ohne ſchriftlichen Aufſatz ge⸗ ſchloſſen worden, noch auf keine Weiſe in Vollzug geſetzt, und wird er von einem der beyden Theile gelaͤugnet, ſo hat kein Beweis durch Zeugen Statt, ſo gering auch immer die Miethe oder der Pacht ſeyn moͤge, und obſchon man behaup⸗ tet, daß ein Handgeld darauf gegeben worden. 360 III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. Nur kann demjenigen, der den Beſtand laugnet, der Eid angetragen werden. 1716. Entſteht der Streit uͤber den Preis eines muͤndlich bedungenen Mieth⸗ oder Pacht⸗Contractes, und man hat ſchon angefangen, den Contract zu vollziehen, es exiſtirt aber keine Quittung, ſo wird dem Eigenthuͤmer auf ſeinen Eid ge glaubt; der Beſtaͤnder wolle dann lieber auf Schaͤtzung durch Sachverſtaͤndige antragen, in welchem Falle die Koſten der Schaͤtzung ihm zur Laſt bleiben, wenn der Anſchlag den von ihm angegebenen Preis uͤberſteigt. 1717. Der Beſtaͤnder hat das Recht durch Aftervermie⸗ thung einen andern an ſeine Stelle zu ſetzen, und ſelbſt ſei— nen Beſtand einem andern zu uͤbertragen, wenn ihm dieſes nicht unterſagt worden. Die Aftervermiethung kann ganz oder zum Theile unter— ſagt werden. Dieſe Clauſel iſt allemahl unerlaͤßlich. 718. Die unter dem Titel von dem Heiraths⸗ Contracte und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten, vorkommenden Artikel, welche ſich auf die Verpachtung der den verheiratheten Frauen zugehoͤrigen Guͤ— ter beziehen, ſind auf die Verpachtung der Guͤter, welche Minderjaͤhrigen gehoren, ebenfalls anwendbar. 1719. Der Vermiether iſt nach der Natur des Contrac⸗ tes, und ohne daß es deßhalb einer beſondern Uebereinkunft bedarf, verbunden. 1) Dem Beſtaͤnder die vermiethete Sache zu uͤberliefern; 2) Dieſe Sache in dem Stande zu hunterhalten, daß ſie zu dem Gebrauche dienlich bleibt, wofu uͤr ſie vermiethet wor⸗ den; 3) Waͤhrend der Dauer des Nieth⸗Contractes dem Be⸗ ſtaͤnder den ruhigen Genuß der Sache zu verſchaffen. 1720. Der Vermiether iſt ſchuldig, die Sache in einem guten Stande von Ausbeſſerungen aller Art zu uͤberliefern. III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 361 Waͤhrend des Mieth⸗Contractes muß er daran alle Aus⸗ beſſerungen machen, die etwa nothwendig geworden ſeyn md⸗ gen, die kleinen Ausbeſſerungen, welche den Miether ange⸗ hen, gleichwohl ausgenommen. 1721. Dem Miether gebuͤhrt die Gewaͤhrleiſtung fuͤr alle Fehler oder Maͤngel der ihm vermietheten Sache, welche den Gebrauch derſelben verhindern, wenn ſelbſt der Vermiether ſie zur Zeit des Mieth⸗Contractes nicht gekannt haben ſollte. Entſteht aus dieſen Fehlern oder Maͤngeln einiger Ver— luſt fuͤr den Beſtaͤnder, ſo iſt der Vermiether verbunden, ihn zu entſchaͤdigen. 1722. Iſt die vermiethete Sache durch einen Zufall waͤh⸗ rend der Miethzeit ganz zerſtoͤrt worden, ſo iſt der Mieth⸗ Contract von Rechtswegen und ohne weiteres erloſchen, wurde ſie zum Theile zerſtoͤrt, ſo kann der Miether, je nach⸗ dem die Umſtaͤnde beſchaffen ſind, entweder auf Verminde⸗ rung des Preiſes, oder ſelbſt auf gaͤnzliche Aufhebung des Mieth⸗Contractes antragen. In einem wie im andern Falle hat keine Entſchaͤdigung Statt. 1723. Der Vermiether darf waͤhrend der Miethzeit die Form der vermietheten Sache nicht veraͤndern. 1724. Wenn die vermiethete Sache waͤhrend der Mieth— zeit dringender Ausbeſſerungen bedarf, die ſich bis zu Ende derſelben nicht aufſchieben laſſen, ſo muß der Miether ſie zugeben, gleichviel welche Unbequemlichkeit ſie ihm machen moͤgen, und obgleich er die Zeit hindurch, daß ſie geſchehen, der gemietheten Sache zum Theile entbehren muß. Dauern aber dieſe Ausbeſſexungen mehr als vierzig Tage, ſo wird der Preis der Miethe nach Verhaͤltniß der Zeit und des Theiles der gemietheten Sache, deſſen er entbehren mußte, vermindert. Sind die Ausbeſſerungen von der Art, daß ſie dasjenige, deſſen der Miether fuͤr ſich und ſeine Familie zur Wohnung bedarf, unbewohnbar machen, ſo kann dieſer den Mieth⸗— Contract aufheben laſſen. 362 III Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contraete. 1725. Der Vermiether iſt nicht ſchuldig, dem Miether fuͤr jene Stoͤrungen Gewaͤhrſchaft zu leiſten, welche dritte Perſonen durch Thaͤtlichkeiten und ohne uͤbrigens an der ge⸗ mietheten Sache ein Recht zu behaupten, ſeinem Genuſſe in den Weg legen, dem Miether bleibt es jedoch vorbehalten, 1 in ſeinem eigenen Nahmen ſie gerichtlich zu belangen. 1726. War es dagegen die Folge einer das Eigenthum des Grundſtuͤckes betreffenden Klage, daß der Miether oder der Paͤchter in ihrem Genuſſe geſtoͤrt worden, ſo ſind ſie be— rechtiget, eine verhaͤltnißmaͤßige Verminderung der Miethe oder des Pachtes zu ſordern, vorausgeſetzt, daß die Stoͤ⸗ rung und das Hinderniß dem Eigenthuͤmer angekuͤndiget worden. 3 1727. Behaupten diejenigen, welche Thaͤtlichkeiten unter⸗ nommen haben, daß ſie einiges Recht an der vermietheten Sache haben, oder iſt der Miether ſelbſt vor Gerichte gefor⸗ dert, um zu ſehen, daß er verurtheilt werde, dieſe Sache ganz oder zum Theile zu raͤumen, oder die Ausuͤbung irgend einer Dienſtbarkeit zu geſtatten, ſo muß er den Vermiether zur Gewaͤhrleiſtung auffordern, und, wenn er es verlangt von der Inſtanz losgeſprochen werden, indem er den Ver⸗ miether nennt, fuͤr den und in deſſen Nahmen er beſitzt. 1728. Der Miether hat zwey Hauptverbindlichkeiten zu erfuͤllen, 1) Daß er die gemiethete Sache als ein guter Haus⸗ 5 wirth, und nach der Beſtimmung, die ſie im Mieth-Con— tracte erhalten hat, oder nach derjenigen, die ſich bey Ab⸗ gang einer Vereinbarung uͤber dieſen Punct, nach den Um— ſtaͤnden vermuthen laͤßt, gebrauche; 2) Daß er die Miethe oder den Pacht in den feſtgeſetz⸗ ten Friſten zahle. 1729. Bedient ſich der Beſtaͤnder der gemietheten Sache zu einem andern Zwecke, als wozu ſie beſtimmt worden iſt, und fuͤr den Vermiether koͤnnte hieraus ein Nachtheil ent— ſtehen, ſo mag dieſer, je nachdem die Umſtaͤnde beſchaffen III. Buch. VIll. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 363 ſind, darauf antragen, daß der Mieth⸗Contract aufgehoben werde. 1730. Iſt unter dem Vermiether und Miether eine Be⸗ ſchreibung der. Gebaͤude und anderer Gegenſtaͤnde aufgenom— men worden, ſo muß dieſer die Sache in dem Stande zu— ruͤckliefern, worin er ſie nach dem Inhalt dieſer Beſchreibung empfangen hat, ausgenommen was etwa vor Alter oder durch hoͤhere Gewalt zu Grunde gegangen oder verſchlim⸗ mert worden iſt. 1731. Iſt keine ſolche Beſchreibung aufgenommen wor⸗ den, ſo tritt die Vermuthung wider den Miether ein, daß er die Sache in einem guten brauchbaren Stande mit allen erforderlichen Ausbeſſerungen erhalten habe, und er muß ſie in einem ſolchen Stande zuruͤckgeben, vorbehaltlich des Ge⸗ genbeweiſes. 1732. Fuͤr alles, was waͤhrend ſeines Genuſſes verſchlim— mert wird oder zu Grunde geht, iſt er verantwortlich, er beweiſe dann, daß dieſes ohne ſein Verſchulden geſchehen. 1733. Er iſt fuͤr Feuersbrunſt verantwortlich, er be⸗ weiſe dann, Daß die Feuersbrunſt durch einen Zufall oder durch hoͤ⸗ here Gewalt oder durch einen Fehler an der Bauart ent⸗ ſtanden; Oder daß das Feuer in einem benachbarten Hauſe aus⸗ gekommen, und ſich fortgepflanzt hat. 1734. Sind der Miether mehrere, ſo haben alle ſolida⸗ riſch fuͤr Feuersbrunſt zu haften; Sie beweiſen dann, daß das Feuer bey einem von ihnen in deſſen Wohnung ausgekommen, in welchem Falle dieſer allein hiefuͤr verantwortlich bleibt; Oder es werde von einigen der Beweis gefuͤhrt, daß bey ihnen kein Feuer ausbrechen konnte, in welchem Falle dieſe nicht verbunden ſind. 1735. Der Miether hat fuͤr die Verſchlimmerungen und die ——õ— —— —-— 364 III. Buch. VIII. Tit. Von dem MiethEontmene Schaͤden zu haften, welche von dem Perſonen. ſeines Hauſes oder von den Aftermiethern herruͤhren. 1736. Iſt der Mieth⸗ oder Pacht⸗Contract nicht ſchrift⸗ lich abgefaßt worden, ſo kann ein Theil dem andern nicht auf kuͤndigen, als unter Beobachtung der durch die Ortsge— braͤuche beſtimmten Friſten. 1737. Iſt der Mieth⸗ oder Pacht⸗Contract ſchriftlich ver⸗ faßt worden, ſo erliſcht er von Rechtswegen und ohne wei⸗ teres mit Umlauf der hierin beſtimmten Zeit, ohne daß es einer Aufkuͤndigung beduͤrfe. 1738. Wenn nach Umlauf der Zeit, die in einem ſchrift— lichen Mieth- oder Pacht-Contracte beſtimmt iſt, der Mie— ther im Beſitze bleibt, und darin gelaſſen wird, ſo tritt eine neue Miethe ein, und ihre Wirkung richtet ſich nach dem Artikel, der ſich auf Vermiethungen bezieht, die nicht ſchrift— lich verfaßt worden. 1739. Iſt aufgekuͤndiget und dieſes bekannt gemacht wor⸗ den, ſo kann ſich der Beſtaͤnder, obſchon er im Genuſſe ge— blieben iſt, auf eine ſtillſchweigende Erneuerung des Con— tractes nicht beziehen. 1740. In dem Falle der beyden vorhergehenden Artikel erſtreckt ſich die Sicherheit, welche fuͤr die Miethe oder den Pacht geſtellt worden, nicht auf die Verbindlichkeiten, die aus der Verlaͤngerung des Contractes entſtehen. 1741. Der Mieth⸗Contract erliſcht durch den Verluſt und Untergang der gemietheten Sache, und dadurch, daß der Vermiether und Miether gegenſeitig ihr Verſprechen nicht erfuͤllen. 1742. Der Mieth⸗Contract wird durch den Tod des Ver⸗ miethers oder Miethers nicht aufgeloͤſt. 1743. Wenn der Vermiether die vermiethete Sache ver, kauft, ſo hat der Erwerber kein Recht, den Paͤchter oder Miether, deſſen Pacht⸗ oder Mieth⸗Contract in authentiſcher Form iſt, oder ein gewiſſes Datum hat, zu vertreiben, es ſey dann, daß dieſes Recht im Mieth⸗Contracte vorbehal⸗ ten worden. ,————4j— III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 365 1744. Iſt man zur Zeit des Mieth⸗Contractes darin uͤber⸗ eingekommen, daß es im Falle eines Verkaufes dem Erwer⸗ ber unbenommen ſeyn ſoll, den Paͤchter oder Miether zu ver⸗ treiben, man hat aber hiebey uͤber den Schadenserſatz und die Leiſtung des Intereſſe nichts ausbedungen, ſo iſt der Vermiether ſchuldig, den Paͤchter oder Miether auf folgende Weiſe zu entſchaͤdigen. 1745. Iſt von einem Hauſe, von Wohnzimmern oder ei⸗ nem Laden die Rede, ſo zahlt der Vermiether ſeinem Mie— ther, der zur Raͤumung angewieſen iſt, fuͤr Schadenserſatz und Leiſtung des Intereſſe ſo viel, als das Miethgeld fuͤr die Zeit betraͤgt, die man nach dem Ortsgebrauche zwiſchen der Aufkuͤndigung und der wirklichen Raͤumung geſtattet. 1746. Iſt von Landguͤtern die Rede, ſo beſteht die Ent— ſchaͤdigung, welche der Verpachter dem Paͤchter zu zahlen hat, in einem Drittel des Pachtes fuͤr die ganze noch uͤbrige Pachtzeit. 1747. Die Entſchaͤdigung wird von Sachverſtaͤndigen be⸗ ſtimmt, wenn von Manuufacturen, Huͤttenwerken oder an⸗ dern Anlagen die Rede iſt, die einen großen Vorſchuß er⸗ fordern. 1748. Der Erwerber, der ſich des im Mieth⸗Contracte ausbedungenen Rechtes bedienen will, den Paͤchter oder Mie⸗ ther im Falle eines Verkaufes zu vertreiben, iſt auſſer dem verbunden, den Miether oorlaͤufig und ſo fruͤhe zu benach⸗ richtigen, als es an dem Orte bey Aufkuͤndigungen gebraͤuch⸗ lich iſt. Auf gleiche Weiſe muß er, wenn von Landguͤtern die Rede iſt, dem Paͤchter wenigſtens ein Jahr zuvor aufſagen. 1740. Paͤchter oder Miether koͤnnen nicht vertrieben wer⸗ den, ſie ſeyen dann von dem Verpachter oder Vermiether, oder in deſſen Ermangelung, von dem neuen Erwerber, in dem hier oben erklaͤrten Maaße fuͤr Schaden und Intereſſe befriediget. 366 III. Buch. VIII Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 1750. Iſt der Mieth⸗Contract nicht in der Form eines authentiſchen Actes ausgefertiget, oder hat er kein gewiſſes Datum, ſo iſt der Erwerber zu keinem Schadenserſatze oder Leiſtung des Intereſſe verbunden. 1751. Wer unter der Ausbedingung des Wiederverkaufs erworben hat, kann ſich des Rechtes den Miether zu ver— treiben nicht eher bedienen, als bis er durch Umlauf der zum Wiederkaufe beſtimmten Zeit unwiderruflich Eigenthuͤ⸗ mer geworden. Zweyter Abſchnitt. Von den beſondern Regeln, welche dem Mieth⸗Con⸗ tracte uͤber Haͤuſer und Mobilien eigen ſind. 1752. Ein Miether, der das gemiethete Haus nicht mit hinreichenden Mobilien verſieht, kann vertrieben werden, er gebe dann beruhigende Sicherheit fuͤr die Miethe. 1753. Der Aftermiether hat keine Verbindlichkeiten gegen den Eigenthuͤmer, als nach Belauf der Aftermiethe, die er im Augenblicke des angelegten Arreſtes noch ſchuldig ſeyn mag, und er kann ſich dabey auf keine zum voraus geſche⸗ hene Zahlungen beziehen. Zahlungen, welche der Aftermiether, ſey es zu Folge ei⸗ ner in ſeinem Mieth⸗Contracte enthaltenen Bedingung, oder nach dem Ortsgebrauche verfuͤgt hat, werden nicht als zum voraus geſchehene Zahlungen betrachtet. 1754. Die Ausbeſſerungen, welche der Miether auf eige⸗ ne Koſten zu machen hat, in ſo fern nicht das Gegentheil ausbedungen worden, oder die kleinen Reparaturen ſind die— jenigen, welche als ſolche durch den Ortsgebrauch anerkannt ſind, und unter andern die Ausbeſſerungen, An den Feuerherden, an den Ruͤckenplatten, Einfaſſune gen und Geſtellen der Kamine. An dem Moͤrtel, womit der untere Theil der Mauerm in den Zimmern und an andern zur Wohnung beſtimmten Platzen uͤbertuͤucht iſt, bis zur Hoͤhe eines Meters; II Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 362 An den Pflaſterſteinen und Platten in den Zimmern, wenn nur einige davon zerbrochen ſind; An den Fenſterſcheiben, ſie ſeyen dann durch die Schlo⸗ ßen oder andere auſſerordentliche, und von hoͤherer Gewalt herruͤhrende Zufaͤlle, wofuͤr der Miether nicht haften kann, zerbrochen; An den Thuͤren, Fenſtern, bretternen Verſchlaͤgen, wo— durch die Kramlaͤden geſperrt und verſchloſſen werden, an den Thuͤrangeln, Riegeln und Schloͤſſern. 1755. Von den Ausbeſſerungen, welche als kleine Repa⸗ raturen anzuſehen ſind, faͤllt keine den Miethern zur Laſt, wenn nur Alter oder hoͤhere Gewalt ſie veranlaßt hat. 1756. Das Reinigen der Brunnen und Abtritte faͤllt dem Vermiether zur Laſt, wenn nicht das Gegentheil ausbedun⸗ gen worden. 1757. Werden jemanden Mobilien vermiethet, um ein ganzes Haus, ein ganzes Quartier, einen Laden oder jede andere Wohnzimmer damit zu verſehen, ſo tritt die Vermu— thung ein, daß dieſes fuͤr die gewoͤhnliche Zeit geſchehen ſey, auf welche man nach dem Ortsgebrauche, Haͤuſer, Quar⸗ tiere, Laͤden und andere Wohnzimmer zu vermiethen pflegt. 1758. Wurden jemanden einige mit Mobilien verſehene Wohnzimmer vermiethet, ſo tritt die Vermuthung ein, daß der Mieth⸗Contract auf ein Jahr geſchloſſen worden, wenn man dabey uͤbereingekommen iſt, daß ſo viel fuͤr's Jahr ge⸗ zahlt werden ſoll; Auf einen Monat, wenn ſo viel monatlich; Auf einen Tag, wenn ſo viel taͤglich ausbedungen wor⸗ den. Fehlt es an allem Beweiſe, daß die Vermiethung fuͤr ſo viel jaͤhrlich, monatlich oder taͤglich geſchehen, ſo tritt die Vermuthung ein, daß der Mieth⸗Contract nach dem Srtsge⸗ brauche geſchloſſen iſt. 1759. Bleibt der Miether eines Hauſes oder einiger Wohn⸗ 9 368 III. Buch. VIII. Tit, Von dem Mieth⸗Contracte. zimmer, nach Ablauf der Zeit, worauf der Contract ſchrift⸗ lich geſchloſſen war, in dem Genuſſe, ohne daß der Vermie⸗ ther einen Widerſpruch einlegt, ſo tritt die Vermuthung ein, daß er das Haus sder die Wohnzimmer unter den vorigen Bedingungen, fuͤr die durch den Ortsgebrauch beſtimmte Zeit, behalte, und er kann ſie weder verlaſſen, noch daraus ver⸗ trieben werden, als auf vorhergegangene zu der durch den Ortsgebrauch beſtimmten Zeit geſchehene Aufkuͤndigung. 1760. Wird der Contract aufgehoben, und die Schuld faͤllt auf den Miether, ſo iſt dieſer verbunden, waͤhrend der Zeit, die zur Wiedervermiethung erforderlich iſt, die Miethe zu zahlen, vorbehaltlich des Schadens, der etwa aus dem Mißbrauche der Sache noch entſtanden ſeyn mag. 1761. Dem Vermiether ſteht es nicht frey, von dem Contracte abzugehen, auch dann nicht wenn er ſchon erklaͤrt, daß er das vermiethete Haus ſelbſt beziehen will, das Ge— gentheil ſey dann ausbedungen.. 1762. Iſt in dem Mieth⸗Contracte ſeſtgeſtellt, daß es dem Vermiether unbenommen ſeyn ſoll, das Haus ſelbſt zu beziehen, ſo iſt er verbunden, vorher zu gehoͤriger, durch den Ortsgebrauch beſtimmten, Zeit aufzukuͤndigen und dieſes be— kannt zu machen. Oritter Abſchnitt. Von den beſondern Regeln, die ſich euf peoron tratcte beziehen. 1763. Wer unter der Bedingung bauet, daß die Fruͤchte mit dem Verpachter getheilt werden ſollen, kann weder das Gut einem andern verpachten, noch ſein Recht uͤbertragen, in ſo fern ihm dieſe Befugniß nicht ausdruͤcklich in dem Pacht⸗ Contracte eingeraͤumt worden. 1764. Im Uebertretungsfalle hat der Eigenthuͤmer das Recht, in den Genuß wieder einzutreten, und der Paͤchter wird verurtheilt, ihm den Schaden zu erſetzen, der aus der Nicht⸗Vollziehung des Pacht⸗Contractes fuͤr ihn entſtanden iſt. III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 369 1765. Iſt in einem Pacht⸗Contracte ein geringerer oder groͤßerer Flaͤchen⸗Inhalt der Grundſtuͤcke angegeben, als ſich in der That befindet, ſo tritt weder eine Erhoͤhung noch eine Verminderung des Pachtes ein, als in den unter dem Titel von dem Verkauſe ausgedruckten Faͤllen und nach den dort ſeſtgeſtellten Regeln. 1766. Wenn der Paͤchter eines Landgutes dasſelbe nicht mit Vieh und Geraͤthe verſieht, wie es zu deſſen Nutzung erforderlich iſt, wenn er den Bau verlaͤßt, wenn er nicht als ein guter Landwirth baut, wenn er von der gepachteten Sache einen andern Gebrauch macht, als wozu ſie beſtimmt war, oder uͤberhaupt, wenn er die Clauſeln des Pacht⸗Con⸗ tractes nicht erfuͤllt, und daraus fuͤr den Verpachter ein Schade erwaͤchſt, ſo kann dieſer, je nachdem die Umſtaͤnde beſchaffen ſind, den Pacht⸗Contract aufheben laſſen. Erfolgt die Aufhebung durch Schuld des Paͤchters, ſo iſt dieſer, wie im 1764. Artikel beſtimmt iſt, zum Schadens⸗ erſatze und zur Leiſtung des Intereſſe verbunden⸗ 1767. Jeder Paͤchter eines Landgutes iſt verbunden, an den zu Folge des Pacht⸗Contractes hiezu beſtimmten Orten ſeine Erzeugniſſe in die Scheune zu bringen. 1768. Jeder Paͤchter eines Landgutes iſt, bey Strafe alle Koſten., Schaͤden und Intereſſe zu erſetzen, ſchuldig, den Eigenthuͤmer uͤber die Eingriffe zu benachrichtigen, die man an ſeinen Grundſtuͤcken etwa unternehmen moͤchte. Dieſe Nachricht muß in eben der Zeitfriſt gegeben wer⸗ den, die im Falle einer gerichtlichen Vorladung mit Ruͤckſicht auf die Entfernung der Orte beſtimmt iſt. 1769. Iſt der Pacht⸗Contract auf mehrere Jahre geſchloſ⸗ ſen, und iſt waͤhrend dieſes Zeitraums eine Aernde ganz oder wenigſtens zur Haͤlfte durch Zufall zu Grunde gegangen, ſo iſt der Paͤchter berechtiget, auf einen Nachlaß an ſeinem Pachte anzutragen, er ſey dann durch die vorhergehenden Aerunden entſchaͤdiget. 24 870 III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. A& der, als am Ende der Pachtjahre beſtimmt werden, und um dieſe Zeit wird der in allen Jahren gehabte Genuß ge⸗ ſchaͤtzt und gegeneinander verglichen. Mittlerweile kann gleichwohl der Richter den Paͤchter nach Verhaͤltniß des erlittenen Verluſtes fuͤr einen Theil von Zahlung des Pachtes freyſprechen. 1770. Iſt der Pacht⸗Contract nur auf ein Jahr geſchloſ⸗ ſen, und der Verluſt erſtreckt ſich auf alle, oder doch we⸗ nigſtens auf, die Haͤlfte der Fruͤchte, ſo wird dem Paͤchter ein verhaͤltnißmaͤßiger Theil ſeines Pachtes erlaſſen. Er iſt nicht befugt einen Nachlaß zu fordern, wenn der Verluſt unter der Haͤlfte iſt. 1771. Dem Paͤchter gebuͤhrt kein Nachlaß, wenn ſich der Verluſt der Fruͤchte in einem Zeitpuncte ereignet, wo ſie ſchon von der Erde abgefondert waren, es ſey dann, daß dem Eigenthuͤmer in dem Pacht⸗Contracte ein aliquoter Theil der Aernde in Natur vorbehalten worden, in welchem Falle der Eigenthuͤmer ſeinen Theil am Verluſte zu tragen hat, vorausgeſetzt, daß der Paͤchter nicht in Verzug war, ihm ſeinen Theil an der Aernde abzuliefern. Der Päͤchter kann gleichfalls keinen Nachlaß fordern, wenn in dem Zeitpuncte, da der Pacht⸗Contract geſchloſſen wurde, die Urſache des Schadens ſchon erxiſtirte und bekannt war. 1772. Durch eine ausdruͤckliche Uebereinkunft koͤnnen die Zufaͤlle von dem Paͤchter uͤbernommen werden. 1773. Eine ſolche Uebereinkunft erſtreckt ſich nur auf ge⸗ woͤhnliche Zufaͤlle, als Hagel, Blitz, Froſt und das Abfal⸗ len der Traubenberen. Sie wird auf auſſerordentliche Zufaͤlle nicht ausgedehnt, als Kriegsverherungen oder eine Ueberſchwemmung, welcher das Land gewoͤhnlicher Weiſe nicht ausgeſetzt iſt, der Paͤch⸗ ter habe dann vorgeſehene und unvorgeſehene Zufaͤlle auf ſich genommen. 1 Iſt er nicht entſchaͤdiget, ſo kann der Nachlaß nicht ehen⸗ — III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 371 1774. Bey der muͤndlichen Verpachtung eines Landgutes, tritt die Vermuthung ein, daß ſie auf ſo lange Zeit geſchloſ⸗ ſen worden, als erforderlich iſt, damit der Paͤchter alle Fruͤchte des gepachteten Grundſtuͤckes genieße. So nimmt man an, daß die Verpachtung einer Wie⸗ ſe, eines Weinberges, und jedes andern Grundſtuͤckes, deſ⸗ ſen Fruͤchte in Jahreszeit ganz gewonnen werden, auf ein Jahr geſchehen ſey. Von der Verpachtung der Ackergruͤnde, wenn ſie in meh⸗ rere Schlaͤge oder Arten eingetheilt ſind, nimmt man an, daß ſie auf ſo viel Jahre geſchehen ſey, als dieſer Schlaͤge ſind. 1775. Die Verpachtung der Landguͤter, wenn ſie ſchon muͤndlich geſchloſſen worden, hoͤrt von Rechtswegen und ohne weiteres auf, wenn die Zeit verſtrichen iſt, worauf man, zu Folge des vorhergehenden Artikels vermuthet, daß ſie geſchloſſen worden. 1776. Bleibt der Paͤchter, eines Landgutes am Ende der ſchriftlich vereinbarten Pachtung im Beſitze, und wird er hierin gelaſſen, ſo entſteht hiedurch eine neue Pachtung, ihre Wirkungen richten ſich nach dem 1774. Artikel. 1777. Der abziehende Paͤchter muß demjenigen, der ihm in der Landwirthſchaft folgt, eine angemeſſene Wohnung und andere Bequemlichkeiten fuͤr die Arbeiten des folgenden Jah⸗ res uͤberlaſſen, hinwiedrum muß der antretende Paͤchter dem⸗ jenigen, der abzieht, eine angemeſſene Wohnung und andere Bequemlichkeiten verſchaffen, damit er das Futter fuͤr das Vieh verbrauchen, und die noch uͤbrige Aernde einbringen koͤnne. In einem wie im andern Falle hat man ſich nach dem Ortsgebrauche zu richten. 1778. Der abziehende Paͤchter muß ebenfalls Stroh und Duͤnger, vom letzten Jahre, wenn er bey ſeinem Eintritt in den Genuß ſie vorgefunden hat, zuruͤcklaſſen, auch ſelbſt als⸗ dann wenn er dieſe Gegenſtaͤnde nicht empfangen hatte, kann der Eigenthuͤmer gleichwohl fuͤr die Taxe ſie einbehalten. 372 III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. Drietes Capikel. Von dem Mieth⸗Contracte, in ſo weit er Arbeit, Dienſte, und Induſtrie zum Gegenſtande hat. 1779. Es gibt drey Hauptgattungen des Mieth⸗Contrac⸗ tes, der Arbeit, Dienſte und Induſtrie zum Gegenſtande hat: 1) Der Contract mit Dienſtbothen und Handarbei⸗ tern, die ſich verbinden, einem andern ihre Dienſte zu leiſten;— 2) Der Contract mit Landfuhrleuten und Schiffleuten, die ſich anheiſchig machen, Perſonen oder Waaren von ei⸗ nem Orte zum andern zu fuͤhren. 3) Der Contract mit Werkmeiſtern und Kuͤnſtlern, wel⸗ che ein Werk nach einem hieruͤber gemachten Anſchlag und darauf geſchloſſenen Vertrag unternehmen. Er ſter Abſchnit. Von Verdingung der Dienſtbothen und Hand⸗ arbeiter. 1780. Man kann ſeine Dienſte nur auf beſtimmte Zeit oder fuͤr eine beſtimmte Unternehmung verdingen. 1781. Demjenigen, der die Dienſte gedungen hat, wird auf ſeine eidliche Verſicherung geglaubt, wenn die Frage entſteht, 1) Wie viel Lohn ausbedungen worden; 2) Ob der Lohn des verfloſſenen Jahres gezahlt ſey; 3) Wie viel fuͤr das laufende Jahr auf Abſchlag gezahlt worden. Z weyter Abſchnitt. Von den Landfuhrleuten und Schiffleuten. 1782. Landfuhrleute und Schiffleute haben, was die Auſ⸗ bewahrung und Erhaltung der ihnen anvertrauten Sachen ——————Q—QOOQ— III. Buch. VVIIl. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 373 betrifft, einerley Verpflichtungen mit den Gaſtwirthen, wo⸗ von unter dem Titel von dem Hinterlegungs⸗Con⸗ tracte und der Sequeſtration gehandelt wird. 1783. Sie haften nicht nur fuͤr dasjenige, was ſie in ihr Schiff oder Fuhrwerk ſchon aufgenommen haben, ſondern auch fuͤr dasjenige, was ihnen im Hafen oder an dem zur Niederlage dienenden Orte uͤberliefert worden iſt, um in ihr Schiff oder Fuhrwerk verladen zu werden. 1784. Sie haften fuͤr den Verluſt und die Beſchaͤdigung (Haverey) der ihnen anvertrauten Sachen, ſie beweiſen dann, daß ſie durch Zufall oder durch hoͤhere Gewalt verlo⸗ ren oder beſchaͤdiget worden. 1785. Die Unternehmer oͤffentlicher Landkutſchen oder Marktſchiffe ſo wie die Unternehmer dffentlicher Frachtwaͤgen muͤſſen uͤber das Geld, die Effecten und Pakete, welche ſie uͤbernehmen, ein Regiſter fuͤhren. 1786. Die Unternehmer und Directoren oͤffentlicher Land⸗ kutſchen und Frachtwaͤgen ſo wie die Eigenthuͤmer der Kaͤhne und Schiffe ſind uͤber dieß an beſondere Verordnungen ge⸗ bunden, die unter ihnen und den uͤbrigen Staatsbuͤrgern zur Entſcheidungsnorm dienen. Dritter Abſchnitt. Von Bau⸗Anſchlaͤgen und verdungenen Werken. 1787. Wird jemand gedungen, ein Werk auszufuͤhren, ſo kann man den Vertrag entweder ſo ſchließen, daß er nur ſeine Arbeit oder ſeinen Kunſtfleiß dabey leiſten ſoll, oder ſo, daß er zugleich den Stoff liefere. 1788. Geht in dem Falle, wo der Arbeiter den Stoff liefert, das Werk, auf welche Art es immer ſey, vor der Uebergabe zu Grunde, ſo trifft der Verluſt den Arbeiter, der Beſteller ſey dann in Verzug, die Sache zu uͤbernehmen. 1789. Liefert der Arbeiter nur ſeine Arbeit oder ſeinen Kunſtfbeiß, und die Sache geht zu Grunde, ſo haftet der Arbeiter fuͤr weiter nichts, als fuͤr ſein Verſehen⸗ 374 III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 1790. Wenn in dem Falle, der im vorhergehenden Arti⸗ kel ausgedruckt iſt, die Sache, obgleich ohne einiges Verſe⸗ hen von Seiten des Arbeiters zu Grunde geht, ehe das Werk uͤbernommen worden, und ohne daß der Beſteller in Verzug ſey, es zu unterſuchen, ſo hat der Arbeiter keinen Anſpruch auf Arbeitslohn, die Sache ſey dann durch einen Fehler an dem Stoffe zu Grunde gegangen. 7791. Iſt von einem Werke die Rede, das aus mehrern Theilen beſteht, oder nach Verhaͤltniß des Maaßes gezahlt werden ſoll, ſo kann die Unterſuchung auch theilweiſe geſche— hen, und zahlt der Beſteller den Arbeiter nach Maaßgabe der ſchon gefertigten Arbeit, ſo tritt die Vermuthung ein, daß es fuͤr alle wirklich gezahlte Tbeile unterſucht und ge⸗ nehmiget worden. 1792. Baumeiſter und Bau⸗Unternehmer ſind zehn Jahre lang dafuͤr zu haften verbunden, wenn ein Gebaͤude, das fuͤr einen ausbedungenen Preis unternommen worden, ganz oder zum Theile durch einen Fehler in der Bauart oder ſelbſt durch einen Fehler, der nur Grund und Boden trifft, zu Grunde geht. 1793. Hat ein Baumeiſter oder ein Bau⸗Unternehmer die Auffuͤhrung eines Gebaͤudes im Bauſch und Bogen nach ei⸗ nem feſtgeſetzten, und mit dem Eigenthuͤmer des Bodens verabredeten Plan uͤbernommen, ſo kann er weder unter dem Vorwande, daß der Arbeitslohn oder der Preis der Materia⸗ lien geſtiegen iſt, noch aus dem Grunde, weil an dem erſten Plan Veraͤnderungen oder Zuſaͤtze gemacht worden ſind, auf Erhoͤhung des Preiſes antragen, wenn dieſe Veraͤnderungen oder Zuſaͤtze nicht ſchriftlich beliebt, und der Preis mit dem Eigenthuͤmer abgeredet worden, 1794. Der Beſteller kann durch eine einſeitige Willens⸗ erklaͤrung von einem im Bauſch oder Bogen geſchloſſenen Contracte wieder abgehen, obgleich das Werk ſchon ange⸗ fangen iſt, vorausgeſetzt daß er den Unternehmer fuͤr alle ſeine Koſten, fuͤr alle ſeine Arbeit, und fuͤr alles, was er bey dieſer Unternehmung haͤtte gewinnen koͤnnen, entſchaͤdige. 1795. Ein Mieth⸗Contract, der Arbeit zum Gegenſtande hat, erliſcht durch den Tod des Arbeiters, des Baumeiſters oder des Unternehmers. 1796. Der Beſteller iſt indeß verbunden, nach Verhaͤlt⸗ niß des in dem Contracte beſtimmten Preiſes, den Werth der ſchon fertigen Arbeit, und den Werth der wirklich zuberei⸗ teten Materialien, jedoch nur alsdann, wenn dieſe Arbeit oder dieſe Materialien ihm dienen koͤnnen, ihren Erben zu zahlen. 1797. Der Unternehmer haftet fuͤr die Handlungen der Perſonen, deren er ſich bedient. 1798. Die Maurer, Zimmerleute und andere Arbeiter, die bey der Errichtung eines Gebäudes oder anderer von je⸗ mand unternommener Werke gebraucht worden ſind, haben keine Klage wider denjenigen, fuͤr den das Werk aufgefuͤhrt worden, als nach Belauf deſſen, was dieſer in dem Au⸗ genblicke, wo ihre Klage angeſtellt wird, dem Unternehmer noch ſchuldig ſeyn mag. 1799. Die Maurer, Zimmerleute, Schloßmacher, und andere Werkmeiſter, welche unmittelbar ihre Arbeit und Lie⸗ ferungen zu einem beſtimmten Preiſe verdingen, ſind an die unter dem gegenwaͤrtigen Abſchnitte vorgeſchriebenen Regeln gebunden. Sie ſind Unternehmer fuͤr denjenigen Theil, wo⸗ wit ſie ſich abgeben, Viertes Capitel. Von dem Verpachten und Pachten des Viehes. Erſter Abſchnitl. Allgemeine Verfugungen. 1800. Die Verpachtung des Viehes iſt ein Contract, wo⸗ durch ein Theil dem andern eine gewiſſe Anzahl Viehes, um 326 III. Buch. VIII. Tlt. Von dem Mieth⸗Contracte⸗ es zu huͤten, zu fuͤttern, und zu pflegen, unter den von ih⸗ nen gegenſeitig beliebten Bedingungen uͤberlaͤßt. 1801. Es gibt mehrere Arten, wie wan das Vieh ver⸗ Pachtet. Die einfache oder gewoͤhnliche Art das Vieh zu verpach⸗ ten(cheptel simple ou ordinaire). Die Verpachtung des Viehes zur Haͤlfte(cheptel à moi- tié.) Die Verpachtung des Viehes zum Vortheile eines Paͤch⸗ ters, der entweder einen beſtimmten Pacht oder einen ali⸗ quoten Theil der Fruͤchte zu liefern hat. Es gibt endlich noch eine vierte Gattung dieſes Contrac⸗ tes, die man nur im uneigentlichen Sinne Verpachtung des Viehes nennt. 1802. Man kann jede Gattung von Viehe, das ſich ver⸗ mehren, oder fuͤr den Ackerbau oder den Handel Vortheil bringen kann, pachtweiſe in Nutzung geben. 1803. In Ermangelung beſonderer Vertraͤge richten ſich, dieſe Contracte nach folgenden Grundſaͤtzen. Zweyter Abſchnitt. Von der einfachen und gewoͤhnlichen Art, Vieh zu verpachten. 1804. Die einfache und gewöhnliche Verpachtung des Viehes iſt ein Contract, wodurch man einem andern einiges⸗ Vieh zu huͤten, zu naͤhren und zu pflegen unter der Bedin⸗ gung uͤberlaͤßt, daß der Pächter die Haͤlfte des Zuwachſes durch junges Vieh fuͤr ſich haben,*zugleich aber auch den Verluſt zur Haͤlſte tragen ſoll.. 1805. Der Paͤchter wird dadurch kein Eigenthuͤmer des Viehes, daß es in dem Pacht⸗Contracte auf einen gewiffen Werth angeſchlagen worden iſt. Die Abſchaͤtzung hat keinen andern Zweck, als den Verluſt oder den Nutzen beſtimmen zu koͤnnen, der am Ende der Pachtung ſich ergeben mag⸗ II. Buch. VIIl. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 377 1806. Der Paͤchter iſt ſchuldig, als ein guter Hauswirth⸗ fuͤr die Erhaltung des Viehes zu ſorgen. 1807. Fuͤr einen Zufall hat er nur dann zu haften, wenn von ſeiner Seite ein Verſehen vorherging, ohne welches der Verluſt nicht erfolgt ſeyn wuͤrde. 1808. Wenn hieruͤber Streit entſteht, ſo muß der Paͤch⸗ ter den Zufall beweiſen, und der Verpachter iſt ſchuldig das Verſehen zu beweiſen, deſſen er den Paͤchter beſchuldiget. 1809. Wird der Paͤchter freygeſprochen, weil der Verluſt nur zufaͤllig war, ſo muß er gleichwohl uͤber die Haͤute der Thiere Rechenſchaft geben. 1810. Geht alles Vieh ohne Verſchulden des Paͤchters zu Grunde, ſo hat der Verpachter den Verluſt zu tragen. Geht nur ein Theik davon zu Grunde, ſo wird der Ver⸗ luſt nach der urſpruͤnglichen Taxe und nach der Abſchaͤtzung, die bey Erloͤſchung des Contractes geſchieht, gemeinſchaft⸗ lich getragen. 1811. Man kann ſich bey dieſem Contracte nicht aus⸗ bedingen, Daß der Paͤchter den ganzen Verluſt des Viehes tragen ſoll, wenn er ſich ſchon durch bloßen Zufall und ohne ſein Verſehen ereignen wuͤrde, Oder daß ſein Antheil am Verluſte groͤßer ſeyn ſoll, als ſein Antheil am Gewinn; Oder daß der Verpachter am Ende des Pachtes etwas mehr, als das von ihm hergegebene Vieh vorabnehmen ſoll Jeder aͤhnliche Vertrag iſt unguͤltig. Paͤchter allein bezieht den Nutzen von der Milch,. dem Duͤnger und der Arbeit des Viehes, das ihm durch die⸗ ſen Contract zur Nutzung uͤberlaſſen worden. Wolle und Zuwachs an jungem Viehe durch Zeugung werden getheilt. 1812. Der Paͤchter hat uͤber kein Stuͤck Vieh aus der Heerde, es mag zum Hauptſtamme oder zum nachherigen Zuwachſe gehoͤren, ohne Bewilligung des Verpachters zu ſchalten; aber auch dieſer ſelbſt kann ohne Bewilligung des Paͤchters hieruͤber nicht verfuͤgen, — 4 G 4„ 5 1 378 III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 1813. Wird das Vieh einem fremden Paͤchter zur Nutzung uͤberlaſſen; ſo muß dieſes dem Eigenthuͤmer, wovon er das Gut gepachtet hat, angezeigt werden. Im entgegengeſetzten Falle kann dieſer das Vieh fuͤr ſeine Forderung am Paͤchter mit Arreſt belegen, und verkaufen laſſen. 1814. Der Paͤchter darf die Wolle nicht ſcheren, ohne vorher den Verpachter hieruͤber zu benachrichtigen. 1815. Iſt in dem Vertrag uͤber die Dauer der Nutzung des Viehes nichts beſtimmt, ſo nimmt man an, daß der Con⸗ tract auf drey Jahre geſchloſſen worden. 1816. Dem Verpachter bleibt es unbenommen, auch fruͤher auf deſſen Aufloͤſung anzutragen, wenn der Paͤchter ſeine Verpflichtungen nicht erfuͤllt. 1817. Am Ende des Pachtes oder wenn er ſonſt aufge⸗ loͤſt iſt, wird eine neue Schaͤtzung des Viehes vorgenommen. Der Verpachter kann ſo viel Vieh von jeder Gattung, als die erſte Schaͤtzung betraͤgt, vorabnehmen; das Uebrige wird getheilt. Iſt ſo viel Vieh nicht mehr uͤbrig, um den Ertrag der erſten Schaͤtzung zu erſetzen, ſo nimmt der Verpachter was uͤbrig geblieben iſt, und die Parteyen berechnen ſich uͤber den Verluſt. Dritter Abſchnitt. Von der Verpachtung des Viehes zur Haͤlfte. 1818. Die Verpachtung des Viehes zur Haͤlfte iſt eine Geſellſchaft, worin jeder der Contrahenten die Haͤlfte des Viehes herbeyſchafft, das alsdann in Hinſicht auf Gewinn und Verluſt gemeinſchaftlich bleibt. 1819. Der Paͤchter benutzt allein, wie bey der gewoͤhn⸗ lichen Verpachtung, die Milch, den Duͤnger und die Arbeit des Viehes. Der Verpachter hat nur ein Recht auf die Haͤlſte der Wolle und des Zuwachſes an jungem Viehe. III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 379 Jede dieſen Grundſaͤtzen zuwiderlauſende Uebereinkunft iſt unguͤltig, der Verpachter ſey dann zugleich Eigenthuͤmer des Meyerhofes, den der Paͤchter entweder fuͤr einen beſtimmten Preis oder fuͤr einen aliquoten Theil der Fruͤchte in Be⸗ ſtand hat. 1820. Alle uͤbrigen, bey der gewoͤhnlichen Verpachtung des Viehes eintretenden, Regeln ſind auf die Verpachtung zur Haͤlfte ebenfalls anwendbar. Vierter Abſchnitt. Von der Nutzung des Viehes, welche der Eigen⸗ thuͤmer ſeinem Paͤchter einraͤumt, der von ihm ein Gut entweder fuͤr einen beſtimmten Preis oder fuͤr einen aliquoten Theil der Fruͤchte in Beſtand genommen hat. H. I. Von der einem Paͤchter uͤberlaſſenen Nutzung des Viehes, wenn er fuͤr einen beſtimmten Preis gepachtet hat. 1821. Dieſe Verpachtung, die man auch eiſernen Vieh⸗Contract nennt, iſt diejenige, wodurch der Ei⸗ genthuͤmer eines Meyerhofes ihn unter der Bedingung in Pacht gibt, daß der Gaͤchter am Ende der Pachtjahre ſo viel Vieh zuruͤcklafſen ſoll, als der Taxe desjenigen, das er empfangen hat, an Werth gleich kommt. 1822. Die Schaͤtzung des Viehes, das dem Paͤchter uͤberlaſſen wird, macht ihn nicht zum Eigenthuͤmer, uͤber⸗ traͤgt aber auf ihn die Gefahr deſſelben. 1823. Dem Paͤchter gehoͤrt aller Nutzen, ſo lange ſein Pacht⸗Contract dauert, in ſo fern nicht das Gegentheil aus— bedungen worden. 1824. Bey dem eiſernen Vieh⸗Contracte gehoͤrt der Duͤn⸗ ger nicht unter die Vortheile, welche der Paͤchter als ein ihm fuͤr ſeine Perſon zuſtehendes Eigenthum betrachten kann, er gehoͤrt dem Meyerhofe, und muß ausſchließlich zu deſſen Nutzung verwendet werden. 380 III. Buch. VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte. 1825. Der Verluſt, wenn er ſich ſelbſt auf den ganzen Viehſtand erſtreckt, und nur von einem Zufalle herruͤhrt, iſt ohne Ausnahme fuͤr Rechnung des Paͤchters, wenn man nicht anderſt uͤbereingekommen iſt. 1826. Der Paͤchter iſt nicht berechtiget, am Ende der Pachtung das Vieh gegen Zahlung der urſpruͤnglichen Tare an ſich zu halten; er muß einen Viehſtand zuruͤcklaſſen, der demjenigen, den er empfangen hat, an Werthe gleich kommt. Was etwann abgeht, muß er zahlen, und nur der Zuwachs und Ueberſchuß gehoͤrt ihm. F. I. Von der einem Paͤchter uͤberlaſſenen Nutzung des Viehes, wenn er fuͤr einen aliquoten Theil der Fruͤchte gepachtet hat. 1827. Geht der Viehſtand ohne Verſchulden des Paͤch⸗ ters voͤllig zu Grunde, ſo trifft der Verluſt den Verpachter. 1828. Man kann ſich bey dieſem Contracte ausbedingen, daß der Paͤchter ſeinen Autheil an der Scherwolle dem Ver— pachter fuͤr einen Preis uͤberlaſſen ſoll, der unter dem ge⸗ woͤhnlichen und laufenden iſt. Daß der Verpachter ein groͤßeres Antheil am Nutzen. haben; Daß er die Haͤlfte der Milch erhalten ſoll; Es iſt aber nicht erlaubt, dabey feſtzuſtellen, daß der Paͤchter allen Verluſt zu tragen habe. 1829. Dieſe Verpachtung des Viehes endiget ſich mit dem Pachte des Meyerhofes. 1830. Sie iſt uͤbrigens allen Regeln unterworfen, welche bey der gewoͤhnlichen Verpachtung des Viehes eintreten. III. Buch. IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. 381 Fuͤnſter Abſchnitt. Von dem Contracte, der nur im uneigentlichen Sinne eine Verpachtung des Viehes genannt wird. 3 1831. Wenn jemand eine Kuhe oder mehrere einem an⸗ dern gibt, um ſie in ſeinen Viehſtall aufzunehmen, und zu fuͤttern, ſo behaͤlt derjenige, der ſie hergibt, das Eigenthum, und ſein ganzer Vortheil beſchraͤnkt ſich auf die hievon ge⸗ worfenen Kaͤlber. Neunter Titel. Von dem Societäaͤts⸗Contracte. (Decretirt den 17. Ventos 12. J. promulgirt den 27. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Erſtes Capitel. Allgemeine Verfugungen. 1832. Der Geſellſchaftsvertrag iſt ein Contract, worin zwey oder mehrere Perſonen ſich vereinigen, etwas zuſammen⸗ zutragen, in der Abſicht, den Vortheil, der daraus entſprin⸗ gen mag, unter ſich zu theilen. 1833. Jeder Geſellſchaftsvertrag muß einen erlaubten Zweck haben, und fuͤr das gemeinſchaftliche Intereſſe der Par⸗ teyen geſchloſſen ſeyn. Jeder Geſellſchafter muß entweder Geld oder andere Guͤ⸗ ter oder ſeine Muͤhe und Arbeit, ſeinen Kunſtfleiß dazu bey⸗ tragen⸗ 1834. Alle Geſellſchaftsvertraͤge muͤſſen ſchriftlich abge⸗ ſaßt werden, ſo fern ihr Gegenſtand den Werth von hun⸗ dert und fuͤnfzig Francs uͤberſteigt. Kein Beweis durch Zeugen wird zugelaſſen, ſey es um darzuthun, daß etwas gegen den Inhalt des ſchriftlichen Geſellſchaftsvertrages, oder nebenher und auſſer demſelben 382 III. Buch. IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. abgeredet worden, oder um Reden zu beweiſen, die vor, waͤhrend oder nach dieſem Acte vorgefallen ſeyn ſollen, ſelbſt wenn es um eine Summe oder um einen Werth unter hun⸗ dert und fuͤnfzig Francs ſich handelt. Rweyies Capiltel. Von den verſchiedenen Gattungen der Geſell⸗ ſchaften. 1835. Die Geſellſchaften ſind entweder univerſelle oder Particular⸗Geſellſchaften. Er ſt er Abſchnik t. Von univerſellen Geſellſchaften. 1836. Man unterſcheidet zwey Arten der univerſellen Ge⸗ ſellſchaften, die Geſellſchaft, welche auf alle wirkliche Guͤter gerichtet iſt, und die univerſelle Geſellſchaft in Hinſicht, des Gewinnes. 1837. Eine auf alle wirkliche Guͤter gerichtete Geſellſchaft iſt diejenige, wodurch die Parteyen alle bewegliche und un— bewegliche Guͤter, die ſie wirklich beſitzen, und den Nutzen, den ſie davon ziehen koͤnnen, zuſammen ſchießen. Sie moͤgen auch jede andere Gattung des Gewinnes hie— runter begreifen; aber die Guͤter, die ihnen durch Erbfolge, durch Schenkungen oder Vermaͤchtniſſe, in der Folge viel⸗ leicht anfallen koͤnnten, gehdren nur dem Genuſſe nach in dieſe Geſellſchaft; jede Uebereinkunft, welche dahin zielte, um auch das Eigenthum dieſer Guͤter darin einzubringen, iſt verbothen, unter Ehegatten jedoch erlaubt, in Gemaͤßheit desjenigen, was in Hinſicht auf ſie beſtimmt iſt. 1838. Eine univerſelle Geſellſchaft in Hinſicht des Ge⸗ winnes umfaßt alles, was die Parteyen, durch ihren Fleiß, unter welchem Titel es immer ſeyn moͤge, waͤhrend der Ge⸗ ſellſchaft erwerben werden. Die Mobilien, welche ein jeder der Geſellſchafter zur Zeit des geſchloſſenen Contractes be⸗ ſitzt, ſind gleichfalls hierunter begriffen, aber die Immobi⸗ IHI. Buch. IX. Tit. Von dem Sorietaͤts⸗Contracte. 383 lien, die einem oder dem andern fuͤr ſeine Perſon zuſtehen, gehoͤren nur dem Genuſſe nach in dieſelbe. 1839. Wird eine univerſelle Geſellſchaft ſchlechthin, und ohne ſich weiter hieruͤber zu erklaͤren, geſchloſſen; ſo bewirkt ieſer Vertrag nur eine univerſelle Geſellſchaft in Hinſicht hes Gewinnes. 1840. Eine univerſelle Geſellſchaft kann anderſt nicht Statt haben, als unter Perſonen, welche gegenſeitig die Faͤ⸗ higkeit haben, ſich einander zu ſchenken, oder voneinander Geſchenke zu empfangen, und denen es nicht verbothen iſt, ſich zum Nachtheile anderer Perſonen zu beguͤnſtigen. d d Zweyser Abſchnitt. * Von der Particular⸗Geſellſchaft. 1841. Eine Particukar⸗Geſellſchaft iſt diejenige, die ſich nur auf gewiſſe beſtimmte Sachen oder ihren Gebrauch, oder auf die Fruͤchte bezieht, die man hievon zu erwarten hat. 1842. Der Contraet, wodurch ſich mehrere Perſonen, ſey es fuͤr eine beſtimmte Unternehmung oder fuͤr die Aus— uͤbung eines Handwerks oder eines Gewerbes vereinigen, iſt gleichfalls eine Particular⸗Geſellſchaft. Drittes Capitel. Von den Verpflichtungen der Geſellſchafter unter⸗ einander und im Verhaͤltniß zu dritten Per⸗ ſonen. Erſter Abſchnitt. Von den Verpflichtungen der Geſellſchafter untereinander. 1843. Die Geſellſchaft nimmt in dem Augenblicke ſelbſt, da der Contract geſchloſſen wird, in ſo fern hierin kein an⸗ derer Zeitpunct beſtimmt iſt, ihren Anfang. 1844. Iſt die Dauer der Geſellſchaft in dem Vertrag nicht feſtgeſtellt, ſo nimmt man an, daß ſie fuͤr die 384 III. Buch. IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. ganze Lebenszeit der Geſellſchafter geſchloſſen worden, vor⸗ behaltlich jedoch der im 1869. Artikel enthaltenen Einſchraͤn⸗ kung, oder, wenn von einem Geſchaͤfte von beſchraͤnkter Dauer die Rede iſt, fuͤr die ganze Zeit, welche dieſes Ge⸗ ſchaͤft dauern wird. 1845. Jeder Geſellſchafter wird in Hinſicht alles deſſen, was er in die Geſellſchaft einzubringen verſprochen hat, als ihr Schuldner betrachtet. Beſteht dieſes Einbringen in einem gewiſſen beſtimmten Objecte, und dieſes iſt der Geſellſchaft abgeſtritten worden, ſo iſt der Geſellſchafter auf eben die Weiſe der Societaͤt, wie ein Verkauſer ſeinem Kaͤufer, zur Gewaͤhrleiſtung ver⸗ bunden.„ 1846. Ein Geſellſchafter, der ein Capital in die Geſell⸗ ſchaft einzubringen verpflichtet war, und dieſer Verbindlich⸗ keit kein Genuͤge geleiſtet hat, iſt von Rechtswegen und ohne vorherige Anmahnung ſchuldig, die Zinſen dieſes Capi⸗ tals von dem Tage an, da es gezahlt werden mußte, zu verguͤten. Eine gleiche Bewandniß hat es mit denjenigen Summen, die er aus der gemeinſchaftlichen Caſſe genommen hat, von dem Tage an zu rechnen, da er ſie zu ſeinem Privat⸗Vor⸗ theile daraus gehoben hat. Alles vorbehaltlich einer weitern Entſchaͤdigung, in ſo fern ſie den Umſtaͤnden nach Statt hat. 1847. Die Geſellſchafter, die ſich anheiſchig gemacht ha⸗ ben, ihren Kunſtfleiß, ihre Muͤhe und Arbeit in die Geſell— ſchaft einzubringen, ſind ſchuldig, ihr jeden Gewinn zu be⸗ rechnen, den ſie mit derjenigen Gattung von Induſtrie, welche der Gegenſtand dieſer Geſellſchaft iſt, gemacht haben. 1848. Hat einer der Geſellſchafter fuͤr ſeine beſondere Rechnung eine wirklich faͤllige Summe an jemand zu for⸗ dern, der zugleich an die Geſellſchaft eine ebenmaͤßig faͤllige Sumnie zu zahlen hat, ſo muß dasjenige, was er von die⸗ ſem Schuldner empfaͤngt, von der Forderung der Geſell⸗ III. Buch. IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. 385 ſchaft und der ſeinigen nach Verhaͤltniß der beyden Forde⸗ rungen abgerechnet werden, haͤtte er auch in ſeiner Quittung erklaͤrt, daß er das ganze auf ſeine eigene perſoͤnliche Forde⸗ rung annehme. Hat er dagegen in ſeiner Quittung aus⸗ gedruckt, daß die ganze Zahlung von der Forderung der Ge⸗ ſellſchaft abgerechnet werden ſoll, ſo ſoll dieſes Angeloͤbniß vollzogen werden. 1849. Hat einer der Geſellſchaſter ſeinen ganzen Antheil an einer gemeinſchaftlichen Forderung erhoben, und der Schuld⸗ uer iſt ſeitdem inſolvent geworden, ſo iſt dieſer Geſellſchafter verbunden, was er empfangen hat, zur gemeinſchaftlichen Maſſe herzugeben, haͤtte er auch die Quittung nahmentlich nur fuͤr ſeinen Theil ausgeſtellt. 1850. Jeder Geſellſchafter iſt verbunden, der Societaͤt allen Schaden zu erſetzen, den er durch ſein Verſchulden ihr verurſacht hat, ohne daß er berechtiget ſey, dieſen Schaden gegen die Vortheile aufzurechnen, den ſeine Induſtrie ihr in andern Faͤllen verſchafft hat. 1851. Beſtehen die Sachen, die nur dem Genuſſe nach in die Geſellſchaft eingebracht worden, in gewiſſen und in jeder Hinſicht beſtimmten Objecten, die durch den Gebrauch nicht verzehrt werden, ſo ſind ſie auf Gefahr des Geſell⸗ ſchafters, der Eigenthuͤmer davon iſt. Sind dieß verzehrbare Sachen, oder ſolche, die ſich mit der Zeit verſchlimmern, wenn man ſie aufbewahrt, ſind ſie nach einer vorhergegangenen Inventur und hiemit verbunde⸗ nen Schaͤtzung in die Societaͤt eingebracht worden, ſo ſind ſie auf Gefahr der Geſellſchaft. Iſt die Sache geſchaͤtzt worden, ſo kann der Geſellſchaf⸗ ter mehr nicht zuruͤckfordern, als den Ertrag ihrer Schaͤtzung. 1852. Ein Geſellſchafter hat eine Klage wider die Geſell⸗ ſchaft, nicht nur in Ruͤckſicht der Summen, welche er fuͤr ſie ausgelegt, ſondern auch in Ruͤckſicht der Verbindlichkei⸗ ten, welche er auf guten Glauben und auf eine redliche Weiſe in Angelegenheiten der Sorietaͤt uͤbernommen hat, 25 386 III. Buch. IX. Tit. Von dem SocietaͤtsContracts. und in Hinſicht der Gefaͤhren, die von ſeiner Geſchaͤftsfuͤh⸗ rung unzertrennlich ſind. 1853. Iſt der Antheil eines jeden Geſellſchafters am Ge⸗ winn und Verluſte in dem Societaͤts⸗Contracte nicht beſtimmt, ſo richtet er ſich fuͤr einen jeden nach Verhaͤltniß deſſen, was er zum Capital der Geſellſchaft beygebracht hat. Der Antheil am Gewinn und Verluſte, welcher demje— nigen gebuͤhrt, der nur ſeine Muͤhe und Arbeit eingebracht hat, wird ſo berechnet, als waͤre ſeine Einlage dem Capital desjenigen Geſellſchafters gleich, der am wenigſten einge— bracht hat. 1854. Sind die Geſellſchafter darin uͤbereingekommen, daß ſie einem von ihnen oder einer dritten Perſon die Be⸗ ſtimmung der Antheile uͤberlaſſen wollen, ſo kann dieſe Be⸗ ſtimmung anderſt nicht angefochten werden, als wenn ſie der Billigkeit offenbar zuwider iſt. Kein Einſpruch wird in dieſer Hinſicht mehr zugelaſſem, wenn von dem Zeitpuncte an, da der angeblich verletzte Theil die erfolgte Beſtimmung gekannt hat, mehr als drey Monate verſtrichen ſind, oder wenn er ſchon angefangen hat, dieſe Beſtimmung zu vollziehen. 1855. Ein Vertrag, wodurch einem der Geſellſchafter al⸗ lein aller Gewinn zuerkannt wuͤrde, iſt unguͤltig. Gleiche Bewandniß hat es mit derjenigen Uebereinkunft, wodurch die von einem oder von mehrern der Aſſociirten zum Geſellſchafts-Capital eingelegten Summen oder Effecten von allem Beytrage zum Verluſte freygeſprochen wuͤrden. 1856. Der Geſellſchafter, dem durch eine beſondere Clau— ſel des Societaͤts⸗Contractes die Verwaltung aufgetragen iſt, kann, des Einſpruches der aͤbrigen Aſſociirten ungehindert, alle Acte unternehmen, die zu ſeiner Verwaltung gehoͤren, vorausgeſetzt, daß dieſes ohne Gefaͤhrde und Argliſt geſchehe. So lange die Geſellſchaft beſteht, kann dieſer Auftrag ohne rechtmaͤßige Urſache nicht. zuruͤckgenommen werden. Iſt III. Buch. IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. 387 er aber in einem Acte ertheilt worden, der ſpaͤter iſt, als der Societaͤts⸗Contract ſelbſt, ſo kann er, wie jede bloße Vollmacht, widerrufen werden. 1857. Iſt die Verwaltung mehrern Geſellſchaftern auf⸗ getragen worden, ohne daß man ihre Verrichtungen beſtimmt, oder dabey ausgedruckt haͤtte, daß einer ohne den andern nicht handeln ſoll, ſo kann ein jeder von ihnen beſonders alle Acte dieſer Verwaltung unternehmen. 1858. Hat man dabey ausbedungen, daß ein Verwalter ohne den andern nichts unternehmen ſoll, ſo kann, ohne neuen Vertrag, einer von ihnen in Abweſenheit des andern nichts vornehmen, ſelbſt wenn es dieſem jetzt unmoͤglich ſeyn ſollte, bey den zur Verwaltung gehoͤrigen Handlungen mit⸗ zuwirken. 1859. Iſt uͤber die Art der Verwaltung in dem Vertrag nichts beſonderes feſtgeſtellt worden, ſo haͤlt man ſich an folgenden Regeln: 1) Man nimmt an, daß die Geſellſchafter ſich gegenſei⸗ tig die Gewalt eingeraͤumt haben, fuͤr einander zu verwal⸗ ten. Was ein jeder von ihnen unternimmt, iſt guͤltig, ſelbſt fuͤr den Antheil ſeiner Geſellſchafter, wenn er ſchon ihre Einwilligung nicht eingehohlt hat, vorbehaltlich des Rechtes, das dieſen letztern, oder auch einem von ihnen zuſteht, ſich dem Unternehmen zu widerſetzen, ehe es vollbracht iſt. 2) Jeder Geſellſchafter darf ſich der Sachen bedienen„ die der Societaͤt zugehoͤren, vorausgeſetzt, daß er ſie zu dem Zwecke verwendet, der durch den Gebrauch beſtimmt iſt, und daß er ſich ihrer nicht gegen das Intereſſe der Geſellſchaft, oder ſonſt auf eine Weiſe bedient, welche ſeine Geſellſchafter verhindert, ſich ihrer nach dem Umfange ihrer Rechte eben⸗ falls zu bedienen.. 3) Jeder Geſellſchafter hat das Recht, ſeine Geſellſchaf⸗ ter zu zwingen, daß ſie gemeinſchaftlich mit ihm die Koſten beſtreiten, die erforderlich ſind, um die der Geſellſchaft ge⸗ hdrigen Sachen in gutem Stande zu erhalten. 888 III. Buch. IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. 4) Kein Geſellſchafter hat fuͤr ſich allein das Recht, an den Immobilien, welche zur Geſellſchaft gehoͤren, Neuerun⸗ gen vorzunehmen, ſelbſt wenn er behaupten ſollte, daß ſie dieſer Geſellſchaft Vortheil bringen, in ſo fern die uͤbrigen Geſellſchafter hierin nicht einwilligen. 1860. Ein Geſellſchafter, dem die Verwaltung nicht auf⸗ getragen iſt, kann ſelbſt bewegliche Sachen, welche der Ge⸗ ſellſchaft gehoͤren, weder veraͤuſſern, noch verpfaͤnden. 1861. Jeder Geſellſchafter kann in Beziehung auf den Antheil, den er an der Geſellſchaft hat, auch ohne Bewil⸗ ligung ſeiner Geſellſchafter mit einer dritten Perſon in So⸗ cietaͤt treten; er kann ihn gleichwohl, ohne dieſen Conſens, in die Hauptgeſellſchaft nicht aufnehmen, ſelbſt wenn er die Verwaltung davon haben ſollte. Zweyter Abſchnitt. Von der Verpflichtung der Geſellſchafter in Bo⸗ ziehung auf dritte Perſonen. 1862. Bey Geſellſchaften, die keine Handlungs⸗Geſell⸗ ſchaften ſind, haben die Aſſociirten fuͤr die gemeinſchaftlichen Schulden nicht ſolidariſch zu haften, und ein Aſſociirter kann nie die uͤbrigen verbinden, in ſo fern dieſe ihm hiezu keinen Auftrag gegeben haben. 1863. Die Geſellſchafter haften dem Glaͤnbiger, womit ſie contrahirt haben, jeder fuͤr eine gleiche Summe und ei⸗ nen gleichen Theil, ſelbſt dann, wenn einer von ihnen an der Geſellſchaft fuͤr ein geringeres Capital betheiliget ſeyn ſollte, der Act habe dann beſonders die Verpflichtung dieſes Letztern nach Verhaͤltniß ſeines Antheils an der Geſellſchaft beſtimmt. 1864. Das Angeloͤbniß, daß eine Verpflichtung fuͤr Rech⸗ nung der Geſellſchaft uͤbernommen worden ſey, bindet nur denjenigen Geſellſchafter, der contrahirt hat, und nicht die zezene ‚es ſey dann, daß dieſe ihm Vollmacht gegeben ha⸗ daß das Empfangene der Societaͤt zu Nutze ge⸗ III. Buch. IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. 389 Viertes Capitel. [Von den verſchiedenen Arten, wie der Geſell⸗ ſchafts⸗Contract ſich endiget. 1865. Der Geſellſchafts⸗Contract endiget ſich 1) Durch Umlauf der Zeit, worauf er geſchloſſen wor⸗ den; 2) Durch den Untergang der Sache, oder durch die Vol⸗ lendung des Geſchaͤftes; 3) Durch den natuͤrlichen Tod eines der Geſellſchafter; 4) Durch den buͤrgerlichen Tod, durch die Interdiction oder den gaͤnzlichen Ruin eines aus ihnen; 5) Durch die Willenserklaͤrung, wodurch einer oder meh⸗ rere an Tag legen, daß ſie nicht mehr in Geſellſchaft ſeyn wollen.. 1866. Daß eine Geſellſchaft auf beſtimmte Zeit verlaͤn⸗ gert worden ſey, laͤßt ſich nicht anderſt erweiſen, als durch einen ſchriftlichen Act, der in derſelben Form, wie der So— cietaͤts⸗Contract ſelbſt, ausgefertiget iſt. 1867. Hat einer der Geſellſchafter verſprochen, das Ei⸗ genthum einer Sache in die Gemeinſchaft einzulegen, ſo er— liſcht der Geſellſchafts⸗Contract in Beziehung auf alle Geſell⸗ ſchafter, wenn die Sache zu Grunde geht, ehe ſie in die Gemeinſchaft eingelegt worden. Auf gleiche Weiſe erliſcht die Geſellſchaft durch den Ver⸗ luſt oder Untergang der Sache in allen Faͤllen, wo nur der Genuß in die Gemeinſchaft eingelegt worden iſt, und das Eigenthum davon in den Haͤnden des Geſellſchafters geblieben. Dann aber wird die Geſellſchaft durch den Verluſt der Sache nicht auſgeloͤſt, wenn das Eigenthum ſchon wirklich in die Societaͤt eingebracht war. .1868. Iſt ausbedungen worden, daß, wenn einer der Geſellſchafter ſtirbt, die Geſellſchaft mit ſeinem Erben oder unter den noch lebenden Geſellſchaftern allein ſortwaͤhren ſoll ꝛ 390 III. Buch. IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. ſo muß dieſe Uebereinkunft vollzogen werden. Im zweyten Falle hat der Erbe des Verſtorbenen weiter kein Recht auf Theilung der Societaͤt, als nach Beſchaffenheit der Lage, worin ſie zur Zeit des Abſterbens ſich befand, und er nimmt keinen Theil an den weitern Rechten, als in ſo fern ſie eine nothwendige Folge desjenigen ſind, was vor dem Tode des Aſſociirten, deſſen Erbe er iſt, geſchehen. 1869. Nur Geſellſchaften, deren Dauer nicht auf gewiſſe Zeit eingeſchraͤnkt iſt, koͤnnen durch bloße Willkuͤr eines der Contrahenten aufgeloͤſt werden. Die Aunfloͤſung geſchieht durch eine Verzichtleiſtung, welche allen Geſellſchaftern be⸗ kannt gemacht wird, vorausgeſetzt daß dieſe Verzichtleiſtung auf eine redliche Weiſe, ohne Gefaͤhrde und Argliſt und nicht zur Unzeit geſchehe.. 1870. Die Verzichtleiſtung geſchieht nicht auf eine red⸗ liche Weiſe, wenn der Aſſocüirte der Geſellſchaft entſagt, um ſich einen Gewinn allein zuzueignen, den die Geſellſchafter für gemeinſame Rechnung zu ziehen Willens waren. Sie geſchieht zur Unzeit, wenn die Sachen nicht mehr im vorigen Zuſtande ſind, und der Geſellſchaft daran gele⸗ gen iſt, daß ihre Aufloͤſung verſchoben werde. 1871. Geſellſchaften, welche auf Zeit geſchloſſen ſind, koͤn⸗ nen auf einſeitiges Verlangen eines der Aſſociirten vor der verein⸗ barten Zeit nicht aufgehoben werden, als in ſo fern gerechte Be⸗ wegurſachen eintreten, wie z. B. wenn ein anderer Geſellſchafter ſein Verſprechen nicht erfuͤllt, oder eine eingewurzelte oft wie⸗ derkehrende Krankheit ihn zu den Geſchaͤften der Geſellſchaft unfahig macht, oder in andern aͤhnlichen Faͤllen, deren Recht⸗ maͤßigkeit und Erheblichkeit zu beurtheilen dem Ermeſſen der Richter uͤberlaſſen bleibt. 1872. Die Regeln, die ſich auf Erbſchaftstheilungen, auf die Form dieſer Theilungen und die unter den Miterben hieraus entſpringenden Verbindlichkeiten beziehen, ſind auf die Thei⸗ lungen unter Aſſocürten ebenfalls anwendbar. III. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehns⸗Conttacte. 391 Verfuͤgung in Beziehung auf Handlungsgeſell⸗ ſchaften. 1873. Die Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen Titels ſind auf Handlungsgeſellſchaften in denjenigen Puncten nur an⸗ wendbar, die mit den Handelsgeſetzen und Gebraͤuchen in keinem Widerſpruche ſtehen. Zehnter Titel. Von dem Leih⸗ und Darlehns⸗Contracte. (Decretirt den 18. Ventos 12. J. promulgirt den 28. des naͤhm⸗ lichen Monats.) 1874. Es gibt zweyerley Gattungen des Contractes, wo⸗ durch man ſeine Sache einem andern lehnt. Der Leih⸗Contract uͤber Sachen, die man gebrauchen kann, ohne ſie zu zerſtoͤren; Und der Darlehns⸗Contract uͤber Sachen, die durch den Gebrauch, den man davon macht, verzehrt werden. Die erſte Gattung heißt prét à usage oder commodat, Leih⸗Contract; Die zweyte Gattung heißt prét de consommation oder ſchlechthin prét, Darlehn. Erſtes Capitel. Von dem Leih⸗Contracte. Erſter Abſchnitt⸗ Von der Natur des Leih⸗Contractes. 1875. Der Leih⸗Contract iſt ein Vertrag, wodurch einer der contrahirenden Theile dem andern eine Sache uͤberliefert, um ſie zu gebrauchen, unter der Bedingung, daß der Em⸗ pfaͤnger, nachdem er ſich ihrer bedient hat, ſie zuruͤckgeben ſoll. 1876. Zum Weſen dieſes Leih⸗Contractes gehoͤrt es, daß der Gebrauch der Sache unentgeldlich uͤberlaſſen wird. 392 III. Buch. TX. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehns⸗Contraete⸗ 1877. Der Leiher bleibt Eigenthuͤmer der geliehenen Sache. 1878. Alles, was nicht dem rechtlichen Verzehr entzogen iſt, und durch den Gebrauch nicht verzehrt wird, kann ein Gegenſtand dieſes Vertrags ſeyn. 1879. Die Verbindlichkeiten, welche aus dem Leih⸗Con⸗ tracte entſtehen, gehen beyderſeits auf die Erben des Leihers und des Anleihers uͤber.— Hat man indeß nur aus Ruͤckſicht fuͤr den Anleiher und ihm bloß fuͤr ſeine Perſon geliehen, ſo koͤnnen die Erben nicht ſortfahren, die geliehene Sache zu gebrauchen. Zweyter Abſchnitt. Von den Verpflichtungen des Anleihers. 1880. Der Anleiher iſt ſchuldig, als ein guter Hauswirth fuͤr die Aufbewahrung und Erhaltung der ihm geliehenen Sache zu ſorgen, er darf ſich ihrer nur zu dem Zwecke be⸗ dienen, wozu ſie entweder ihrer Natur nach oder durch die Uebereinkunft beſtimmt iſt; alles bey Strafe den etwanigen Schaden und entbehrten Gewinn zu erſetzen. 1881. Gebraucht der Anleiher die Sache zu einem an⸗ dern Zwecke, oder fuͤr eine laͤngere Zeit, als er es ſollte, ſo hat er fuͤr den Verluſt zu haften, waͤre er auch durch einen Zufall entſtanden. 1882. Geht die geliehene Sache durch einen Zufall zu Grunde, vor dem der Anleiher ſie haͤtte bewahren koͤnnen, wenn er ſeine eigene Sache gebraucht haͤtte, oder fand er ſich in dem Falle, wo er nur eine von beyden erhalten konnte, und er zog die ſeinige vor, ſo iſt er fuͤr den Verluſt der andern verantwortlich. 1883. Hat man die Sache, als ſie geliehen wurde, ge⸗ ſchaͤtzt, ſo hat der Anleiher jeden, ſelbſt durch Zufall ſich ereignenden, Verluſt zu tragen, in ſo fern nicht das Gegen⸗ theil ausbedungen worden. 1884. Verſchlimmert ſich die Sache bloß durch eine Folge des Gebrauches, wofuͤr ſie geliehen worden, und ohne eini⸗ III. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehns⸗Contracte. 393 ges Verſchulden des Anleihers, ſo hat er fuͤr die Verſchlim— merung nicht zu haften, 1885. Der Anleiher kann die Sache nicht einbehalten, um ſie gegen dasjenige aufzurechnen, was ihm der Leiher ſchuldig iſt. 1886. Hat der Anleiher, um die Sache gebrauchen zu koͤnnen, einige Koſten verwendet, ſo kann er dieſelben nicht zu⸗ ruͤckfordern. 1887. Haben mehrere zuſammen eine und dieſelbe Sache entlehnt, ſo ſind ſie dem Leiher ſammt und ſonders, einer fuͤr alle und alle fuͤr einen, verpflichtet. Dritter Abſchnitr. Von den Verpflichtungen des Leihers. 1888. Der Leiher kann die geliehene Sache nicht zuruͤck⸗ nehmen, als nach Umlauf der vereinbarten Zeit, oder, wenn hieruͤber nichts ausbedungen worden iſt, nicht eher, als nach— dem ſie zu dem Zwecke gedient hat, wofuͤr ſie entlehnt worden. 1889. Wenn jedoch waͤhrend dieſes Zeitraumes, oder be⸗ vor das Beduͤrfniß des Anleihers befriediget iſt, bey dem Leiher ein dringender und unvorgeſehener Fall ſich ereignet, wodurch er ſeiner Sache bedarf, ſo mag der Richter den Umſtaͤnden nach den Anleiher anhalten, daß er ſie ihm zu— ruͤckgebe. 1890. War der Anleiher waͤhrend der Dauer des Leih⸗ Contractes, um die Sache zu erhalten, zu einer außeror⸗ dentlichen und nothwendigen Ausgabe gezwungen, die ſo dringend war, daß er den Leiher nicht zuvor davon benach⸗ richtigen konnte, ſo iſt dieſer verbunden, ſie ihm zu erſetzen. 1891. Hat die geliehene Sache ſolche Maͤngel, daß ſie demjenigen, der ſich ihrer bedient, ſchaͤdlich werden kann, ſo iſt der Leiher verantwortlich, in ſo fern er die Maͤngel kann⸗ te, und den Anleiher hievon nicht benachrichtiget hat. 394 III. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehns⸗Contracte. Zweytes Capitel. 18. Von dem Darlehn. Erſter Abſchnitt. Von der Natur des Darlehns. 1892. Das Darlehn iſt ein Contract, wodurch einer der Contrahenten dem andern Sachen, die durch den Gebrauch verzehrt werden, in einer gewiſſen Quantitaͤt unter der Be⸗ dingung uͤberliefert, daß Letzterer ihm eben ſoviel in derſel— ben Art und Quantitaͤt einſt wiedergeben ſoll. 1893. Der Empfaͤnger wird durch dieſes Darlehn Eigen⸗ thuͤmer der gelehnten Sache; er allein traͤgt den Verluſt, wenn ſie zu Grunde geht, auf welche Art ſich auch immer dieſer Verluſt ereignen moͤge. 71804. Sachen, die in ihren einzelnen Weſen(in ihren Individuen) verſchieden ſind, obſchon ſie zu einer Art und Gattung gehoͤren, wie z. B. Thiere, koͤnnen nicht zum Ge⸗ genſtande des Darlehns werden. Unter ſolchen Umſtaͤnden iſt das Geſchaͤft ein Leih-Contract. 1895. Die Verpflichtung, die aus einem Darlehn von baarem Gelde entſteht, beſchraͤnkt ſich auf den Erſatz der im Contracte ausgedruckten nummeriſchen(in Zahlen berech— neten) Summe. Sind vor dem Zeitpuncte der Zahlung die Geldſorten er— hoͤht oder verringert worden, ſo muß der Schuldner die ihm gelehnte nummeriſche Summe, und nur dieſe Summe in den zur Zeit der Zahlung nicht verrufenen Muͤnzſorten er⸗ ſetzen.. 1896. Die in dem vorhergehenden Artikel ausgedruckte Regel tritt alsdann nicht ein, wenn das Darlehn in Bar— ren geſchehen iſt. 1897. War es Gold oder Silber in Barren, oder waren es Lebensmittel und Waaren, welche gelehnt wurden, ſo muß allemahl der Schnldner dieſelbe Quantitaͤt und Qua⸗ litaͤt, und nur dieſe zuruͤck geben, wie viel auch immer dieſe Sachen im Preiſe erhoͤht oder vermindert ſeyn moͤgen. UI. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehns⸗Contracte. 395 Z weyter Abſchnitt. Von den Pflichten des Darleihers. 1898. Bey dem Darlehn hat der Glaͤubiger(der Dar— leiher) eben die Verbindlichkeit, die im 1891. Artikel fuͤr den Leih⸗Contract feſtgeſtellt iſt. 1899. Der Darleiher kann die Sachen, die er gelehnt hat, nicht vor der bedungenen Zeit zuruͤckfordern. 1900. Iſt fuͤr die Wiedererſtattung des Darlehns keine Zeit beſtimmt worden, ſo kann der Richter, nach Beſchaf⸗ fenheit der Umſtaͤnde, dem Empfaͤnger eine Friſt zugeſtehen. 1901. Hat man nur ausbedungen, daß der Empfaͤnger zahlen ſollte, wann er es koͤnnte, oder wann er dazu die Mittel haben wuͤrde, ſo beſtimmt der Richter eine Zahlungs⸗ friſt nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde. Dritter Abſchnitt. Von den Pflichten des Lehners. 1902. Der Lehner muß die gelehnten Sachen in derſel⸗ ben Quantitaͤt und Qualitaͤt und zu der bedungenen Zeit wiedererſtatten. 1903. Befindet er ſich auſſer Stande, dieſer Verbindlich⸗ keit ein Genuͤge zu leiſten, ſo iſt er verbunden, den Werth der Sache, mit Nuͤckſicht auf die Zeit und den Ort, wo ſie nach dem Inhalt des Vertrags wiedergegeben werden ſollte, zu zahlen. Sind Zeit und Ort beſtimmt worden, ſo geſchieht die Zahlung in dem Preiſe, wie er zur Zeit und an dem Orte, da das Darlehn zu Stande gekommen iſt, uͤblich geweſen. 1904. Wenn der Empfaͤuger die ihm gelehnten Sachen oder ihren Werth zur bedungenen Zeit nicht wiedererſtattet, ſo muß er von dem Tage der gerichtlichen Klage die Zinſen davon verguͤten. 396 III. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehns⸗Contracte. Drittes Capitel. Von dem Darlehn gegen Zinſen. 1905. Es iſt erlaubt, bey dem Darlehn, es beſtehe in Geld, in Lebensmitteln oder in andern beweglichen Sachen, ſich Zinſen auszubedingen. 1906. Der Anlehner, der Zinſen gezahlt hat, ohne daß ſie ausbedungen geweſen, kann ſie wedet zuruͤckfordern, noch von dem Capital abrechnen. 1907. Die Zinſen ſind entweder geſetzlich oder in einem Vertrag bedungen. Die geſetzlichen Zinſen werden durch das Geſetz beſtimmt. Die vertragsmaͤßigen Zinſen koͤnnen in allen Faͤllen, wo das Geſetz es nicht verbiethet, den ge— ſetzlichen Zinsfuß uͤberſteigen. Der Betrag der bedungenen Zinſen muß in einem ſchrift⸗ lichen Acte ſeſtgeſtellt werden. 1908. Eine Quittung, welche uͤber das Capital ohne Vorbehalt der Zinſen ausgeſtellt iſt, begruͤndet die Vermu⸗ thung, daß auch dieſe gezahlt ſeyen, und bewirkt eine Be⸗ freyung von denſelben. 1909. Der Darleiher kann ſich Zinſen von einem Capi⸗ tal ausbedingen, auf deſſen Zuruͤckforderung er Verzicht thut. Das Darlehn hat in dieſem Falle den Nahmen eines Rentkaufes(constitution de rente). 1910. Dieſe Rente kann auf zweyerley Weiſe ſtipulirt werden, fuͤr immer oder auf Lebenszeit(als Erbrente oder als Leibrente). 1911. Die Erbrente iſt ihrer weſentlichen Eigenſchaft nach loͤßbar. Den Parteyen bleibt es nur unbenommen, die Ueberein⸗ kunft zu treffen, daß erſt nach Umlauf einer Friſt, die aber den Zeitraum von zehn Jahren nicht uͤberſchreiten darf, oder nachdem der Glaͤubiger eine unter ihnen beſtimmte Zeitlang vorher hievon benachrichtiget worden, die Abloͤſung nicht ge⸗ ſchehen ſoll. III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛc. 392 1912. Der Schuldner einer auf immer verſprochenen Rente kann zur Abloͤſung gezwungen werden 1) Wenn er in zwey Jahren ſeine Verpflichtungen nicht erfuͤllt; 2) Wenn er dem Darleiher die im Contracte verſprochene Sicherheit nicht verſchafft. 1913. Das Capital einer auf immer verſprochenen Rente kann gleichfalls zuruͤckgefordert werden, wenn der Schuldner fallirt oder in gaͤnzlichen Verfall ſeines Vermoͤgens gera⸗ then iſt. 1914. Die Regeln, welche die Leibrenten betreffen, ſind unter dem Titel von gewagten Geſchaͤften, Gluͤcks⸗ und Spiel⸗Vertraͤgen beſtimmt. Eilfter Titel. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte und der Sequeſtration. (Decretirt den 23. Ventos 12. J. promulgirt den 3. des folgenden Monats Germinal.) Erſtes Capirel. VBon dem Hinterlegungs⸗Contracte im allgemei⸗ nen, und deſſen verſchiedenen Gattungen. 1915. Der Hinterlegungs⸗Contract im allgemeinen iſt ein Geſchaͤft, wodurch jemand die Sache eines andern unter der Bedingung uͤbernimmt, daß er ſie bewahren und in Natur zuruͤckgeben ſoll. 1916. Es gibt zwey Gattungen des Hinterlegungs⸗Con⸗ tractes; der Hinterlegungs⸗Contract im eigentlichen Sinne des Wortes und die Segueſtration. 309s III. Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛe⸗ Zweytes Capit el. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte im eigent⸗ lichen Sinne des Wortes. E x ſt e r. Abſchnitt. Von der Natur und dem Weſen des Hinterle⸗ gungs⸗Contractes. 1917. Der Hinterlegungs⸗Contract im eigentlichen Sinne iſt ſeinem Weſen nach ein wohlthaͤtiges Geſchaͤft, das ohne bedungenen Lohn uͤbernommen wird. 1918. Er kann keine andere, als bewegliche Sachen, zum Gegenſtande haben. 1919. Er iſt nicht vollguͤltig als durch die wahre oder uneigentliche(fingirte) Uebergabe der hinterlegten Sache. Die uneigentliche Uebergabe iſt hinreichend, ſo oft der De⸗ pofitar ſchon aus einem andern Rechtsgrunde die Sache in ſeiner Gewahrſam hat, die man ihm als anvertrautes Gut belaſſen will. 1920. Die Hinterlegung iſt entweder freywillig, oder durch einen Nothfall abgedrungen. Zweyter Abſchnitt. Von der freywilligen Hinterlegung. 1921. Die freywillige Hinterlegung bildet ſich durch die gegenſeitige Einwilligung der Perſon, welche etwas in Ver⸗ wahr gibt, und derjenigen, die es empfaͤngt. 1922. Eine freywillige Hinterlegung kann der Regel nach nur durch den Eigenthuͤmer der anvertrauten Sache, oder mit ihrer ausdruͤcklichen oder ſtillſchweigenden Einwilligung geſchehen. 1923. Eine freywillige Hinterlegung kann nur durch Ur⸗ kunden erwieſen werden. Der Beweis durch Zeugen wird, in ſo fern von einem Werthe von mehr als hundert fuͤnfzig Francs die Rede iſt, nicht zugelaſſen. ———— III. Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛe. 399 1924. Wird ein Depoſitum, das mehr als hundert fuͤnf⸗ zig Francs enac, nicht durch Urkunden erwieſen, ſo glaubt man demjenigen, der als Depoſitar angegriffen wird, auf ſein Wort, es ſey uͤbrigens von dem Thatumſtande der ge⸗ ſchehenen Hinterlegung ſelbſt, oder von der Sache, welche der Gegenſtand davon war, oder endlich von dem Thatum⸗ ſtande der erfolgten Zuruͤckgabe die Frage. 1925. Eine freywillige Hinterlegung kann unter ſolchen Perſonen nur Statt haben, die faͤhig ſind, zu contrahiren. Rimmt gleichwohl eine Perſon, welche auf ihrer Seite die Faͤhigkeit hat, zu contrahiren, ein Depoſitum an, das ihr von einer unfaͤhigen Perſon anvertraut worden, 6 hat ſie alle Pflichten eines wahren Depoſitars zu erfuͤllen, ſie kann von dem Vormunde oder dem Verwalter der Perſon. welche ihr das Gut anvertraut hat, gerichtlich belangt wer⸗ den. 1926. Hat eine hiezu faͤhige Perſon bey einer anderm, die es nicht war, etwas hinterlegt, ſo hat der Deponent in Hinſicht des anvertrauten Gutes, nur ſo lange es ſich in den Haͤnden des Depoſitars befindet, die Vindicationsklage, oder er hat eine Klage auf Erſatz nach Belauf desjenigen, was zum Nutzen des Depoſitars gekehrt worden. DritterAbſchnitt. 3 Von den Pflichten des Depoſttars. 1927. Der Depoſitar muß die ihm anvertraute Sache mit eben der Sorgfalt bewahren, welche er auf die Bewah⸗ rung der ihm zugehoͤrigen Sachen verwendet. 1928. Die Verfuͤgung des vorhergehenden Artikels muß mit mehr Strenge angewandt werden, 1) wenn der Depo⸗ ſitar ſich ſelbſt angebothen hat, die Aufbewahrung der Sache auf ſich zu nehmen, 2) wenn er fuͤr die Bewahrung des ihm anvertrauten Gutes ſich einen Lohn bedungen hat, 3) wenn die Hinterlegung einzig zum Vortheile des Depoſitars geſchehen iſt, 4) wenn ausdruͤcklich bedungen worden, daß der Depoſitar fuͤr jede Art der Vernachlaͤſſigung haften ſoll. — — 3 6 1 2 400 III. Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛc⸗ 1929. In keinem Falle iſt der Depoſitar fuͤr Zufaͤlle ver⸗ antwortlich, die von einer hoͤhern Gewalt herruͤhren, er ſey dann in Verzug geſetzt worden, das auvertraute Gut zu⸗ ruͤckzugeben.. 1930. Er darf ſich des Gebrauches der hinterlegten Sache, ohne ausdruͤckliche oder muthmaßliche Einwilligung des De⸗ ponenten, nicht anmaßen. 1931. Er ſoll nicht unterſuchen, was es fuͤr Sachen ſeyen, die bey ihm hinterlegt worden ſind, wenn ſie ihm in einem verſchloſſenen Kaſten oder unter einem verſiegelten Umſchlage anvertraut worden. 1932. Der Depoſitar muß identiſch eben dieſelbe Sache zuruͤckgeben, die er empfangen hat. Auf dieſe Weiſe muß alſo ein Depoſitum, das in klin— gender Muͤnze beſtand, in eben den Sorten, worin es ge⸗ ſchehen iſt, zuruͤckgegeben werden, gleichviel ob ihr Werth erhoͤhet oder verringert worden. 1933. Ein Depoſitar hat bey die ihm hinterlegte Sache nur in dem Stande zu erſtatten, worin ſie ſich in dem Augen⸗ blicke der Zuruͤckgabe befindet. Verſchlimmerungen, die nicht von ihm herruͤhren, ſind fuͤr Rechnung des Deponenten. 1934. Ein Depoſitar, dem die Sache durch hoͤhere Ge⸗ walt weggenommen worden iſt, und der hiefuͤr den Werth oder ſonſt etwas empfangen hat, muß dasjenige, was er zum Erſatze erhalten hat, zuruͤckgeben. 1935. Der Erbe eines Depoſitars, der in gutem Glau⸗ ben die Sache verkauft hat, wovon er nicht wußte, daß ſie anvertrautes Gut ſey, iſt zu mehr nichts verbunden, als daß er den Preis erſetze, den er empfangen hat, oder ſeine Klage wider den Kaͤufer uͤbertrage, ſo fern ihm der Preis noch nicht gezahlt worden. 1936. Hat die in Verwahr gegebene Sache Fruͤchte her⸗ vorgebracht, welche der Depoſitar genoſſen hat, ſo iſt er verbunden, ſie zu erſetzen. Er hat von dem bey ihm hin⸗ terlegten Gelde keine Zinſen zu zahlen, als von dem Tage 0 III. Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛc. 401 an, da er in Hinſicht der Wiedererſtattung in Verzug ge⸗ ſetzt worden. 1937. Der Depoſitar muß die bey ihm hinterlegte Sache keinem andern zuruͤckgeben, als dem, der ſie ihm anvertraut hat, oder in deſſen Nahmen die Hinterlegung geſchehen iſt, oder der angewieſen worden iſt, um ſie zu empfangen. 1738. Von dem, der die Sache in Verwahr gegeben hat, kann er den Beweis ſeines Eigenthums nicht fordern. Entdeckt er gleichwohl, daß die Sache jemanden entwen⸗ det worden, und wer der wahre Eigenthuͤmer davon ſey, ſo iſt er verbunden, die bey ihm geſchehene Hinterlegung die⸗ ſem anzukuͤndigen, und ihn aufzufordern, daß er in einer beſtimmten und hinlaͤnglichen Friſt ſie in Anſpruch nehme. Verſaͤumt derjenige, dem die Ankuͤndigung geſchehen iſt, das Depoſitum in Anſpruch zu nehmen, ſo wird der Depoſitar ſeiner Verbindlichkeit auf eine guͤltige Weiſe dadurch entledi— get, daß er es demjenigen uͤbergibt, wovon er es empſan⸗ gen hat. 1939. Stirbt der Deponent oder zieht er den buͤrgerlichen Tod ſich zu, ſo kann das anvertraute Gut nur deſſen Erben wieder erſtattet werden. Hat er mehrere Erben, ſo muß einem jeden ſein Antheil daran zuruͤckgegeben werden. Iſt die hinterlegte Sache untheilbar, ſo muͤſſen die Er⸗ ben ſich uͤber den Empfang untereinander verſtehen. 1940. Hat der Deponent ſeinen perſoͤnlichen Zuſtand ver« aͤndert, war z. B. die Weibsperſon in dem Augenblicke, wo die Hinterlegung geſchah, ledigen Standes, hat ſich aber nachher verehelicht, und ſteht nunmehr unter der Gewalt des Mannes, war der Deponent zwar volljaͤhrig, ihm iſt aber nunmehr durch Interdiction die Verwaltung ſeines Vermoͤ⸗ geas benommen, in allen dieſen und andern gleichartigen Faͤllen kann das anvertraute Gut nur demijenigen zuruͤckge⸗ geben werden, der die Verwaltung der Rechte und Guͤter des Deponenten hat. 26 402 III. Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegunge⸗Contracte ꝛc. 1941. War die Hinterlegung von einem Vormunde, ei⸗ nem Ehegatten, oder Verwalter in einer von dieſen Eigen⸗ ſchaften geſchehen, ihre Geſchaͤftsfuͤhrung oder Verwaltung iſt aber geendiget, ſo kann das anvertraute Gut nur der Perſon zuruͤckgegeben werden, welche dieſer Vormund, dieſer Ehegatte oder Verwalter vorſtellte.— 1942. Iſt in dem Hinterlegungs⸗Contracte der Ort be⸗ ſtimmt, wo die Zuruͤckgabe geſchehen ſoll, ſo iſt der Depo⸗ ſitar gehalten, die bey ihm hinterlegte Sache dahin zu brin⸗ gen. Die etwan hiezu erforderlichen Koſten der Ueberbrin⸗ gung fallen dem Deponenten zur Laſt. 1943. Iſt in dem Contracte kein Ort fuͤr die Zuruͤckgabe beſtimmt, ſo muß ſie an eben dem Orte geſchehen, wo die Hinterlegung erfolgt war. 13944. Anvertrautes Gut muß dem Deponenten, ſo bald er es fordert, zuruͤckgegeben werden, ſelbſt dann, wenn in dem Contracte eine beſtimmte Friſt zur Wiederauslieferung feſtgeſtellt ſeyn ſollte, der Depoſitar habe dann einen Arreſt oder eine Oppoſition wider die Zuruͤckgabe oder die Verbrin⸗ gung der hinterlegten Sache an einen andern Ort, in Haͤnden. 1945. Ein ungetreuer Depoſitar wird zu der Rechtswohl⸗ that der Guͤterabtretung nicht zugelaſſen. 1946. Die Pflichten des Depoſitars hoͤren ohne Unter⸗ ſchied auf, wenn er entdeckt und beweiſt, daß die hinterlegte Sache ihm ſelbſt zugehoͤrt. VBierter Abſchnitt. Von den Pflichten des Deponenten. 1947. Der Deponent iſt ſchuldig, dem Depoſitar die auf Erhaltung der hinterlegten Sache von ihm verwendeten Ko⸗ ſten zu erſetzen, und ihn fuͤr allen Verluſt, den das Depo⸗ ſitum ihm verurſacht haben mag, zu entſchaͤdigen. 1948. Der Depoſitar iſt berechtiget, bis zu ſeiner voͤlli— gen Befriedigung fuͤr das, was ihm in Hinſicht des Ver⸗ wahrungs⸗Vertrags gebuͤhrt, das anvertraute Gut einzube⸗ halten. — III. Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contrgete ꝛc. 433 Fuͤnfter Abſchmitt. Von der abgenoͤthigten Hinterlegung, 1949. Eine abgendthigte Hinterlegung iſt diejenige, die durch einen Zufall, wie z. B. durch eine Feuersbrunſt, durch Einſturz und Zerſtoͤrung, durch Pluͤnderung, Schiffbruch oder eine andere unvorgeſehene Begebenheit veranlaßt worden. 1950. Um eine abgenoͤthigte Hinterlegung zu erweiſen koͤnnen auch Zeugen zugelaſſen werden, ſelbſt dann, wenn es um einen Werth von mehr als hundert fuͤnſzig Franes ſich handelt. 1951, Im uͤbrigen wird eine abgenoͤthigte Hinterlegung nach allen den Regeln beurtheilt, welche hier oben feſtge⸗ ſtellt ſind. 1952. Wirthe oder Gaſtgeber ſind als Depoſitare fuͤr die Effecten verantwortlich, welche ein Reiſender, den ſie be⸗ herbergen, bey ihnen eingebracht hat. Die Hinterlegung ſol⸗ cher Effecten iſt als ein abgenoͤthigtes Depoſitum anzuſehen. 1953. Sie haften fuͤr Dieberey oder Beſchaͤdigung an den Effecten des Reiſenden, ſey es, daß das Geſinde und diejenigen, welche der Wirthſchaft in dem Gaſthofe vorge⸗ ſetzt ſind, oder daß Fremde, die in dem Gaſthofe aus⸗ und eingehen, den Diebſtahl begangen oder den Schaden ver⸗ urſacht haben. 1954. Sie haften nicht fuͤr Diebſtaͤhle, die mit gewaff— neter Hand oder ſonſt durch hoͤhere Gewalt veruͤbt worden ſind. Drittes Capitel. Von der Sequeſtration, Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Gattungen der Seque⸗ ſtration. 1955. Die Segueſtration geſchieht entweder zufolge eines Vertrags, oder ſie wird vom Gerichte verordnet. 404 III. Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛc. Zweyter Abſchnitt. Von der Sequeſtration, welche zufolge eines Ver⸗ trags geſchieht. 1956. Die Segueſtration, welche zufolge eines Vertrags geſchieht, iſt die von einer Perſon oder von mehrern vorge⸗ nommene Hinterlegung einer ſtreitigen Sache in die Haͤnde veines Dritten, der ſich verpflichtet, nach geendigtem Streit ſie demjenigen wiederauszuliefern, dem ſie zuerkannt wird⸗ 1957. Die Sequeſtration kann gegen oder ohne Entgelt geſchehen. 1958. Geſchieht ſie ohne Entgelt, ſo ſteht ſie unter den Regeln des eigentlich ſo genannten Hinterlegungs⸗Contrac⸗ tes, mit Vorbehalt der hier unten ausgedruckten Abwei⸗ chungen. 1959. Die Segueſtration kann nicht nur bewegliche Sa⸗ chen, ſondern ſelbſt Immobilien zum Gegenſtande haben. 1960. Der Depoſitar, dem die Aufbewahrung einer ſe⸗ queſtrirten Sache anvertraut iſt, kann vor Ausgang des Streits von der uͤbernommenen Verbindlichkeit anders nicht befreyt werden, als mit Bewilligung aller Betheiligten oder aus einer fuͤr rechtmaͤßig anerkannten Urſache. Dritter Abſchnitt. Von der gerichtlich angeordneten Segqueſtration oder Hinterlegung. 1961. Das Gericht kann die Seaueſtration befehlen 1) Wenn von Mobilien eines Schuldners die Rede iſt, die wider ihn mit Arreſt belegt worden; 2) Wenn Frage von einer unbeweglichen oder beweglichen Sache iſt, deren Eigenthum oder Beſitz unter zweyen oder mehrern Perſonen ſtreitig iſt; 3) Wenn es um Sachen ſich handelt, die ein Schuldner anbiethet, um ſich von ſeiner Schuld zu befreyen. III. Buch. XII. Tit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛc. 405 1962. Die Anordnung eines gerichtlichen Verwahrers be⸗ gruͤndet unter demjenigen, der den Arreſt erwirkt hat, und dem Verwahrer gegenſeitige Pflichten; der Verwahrer muß fuͤr die Erhaltung der mit Arreſt belegten Effecten als ein guter Hauswirth Sorge tragen. Er muß ſie zuruͤckliefern, entweder zur Entlaſtung des⸗ jenigen, der den Arreſt angelegt hat, damit ſie verkauft werden, oder demjenigen Theile, wider den die Executjon geſchehen war, wenn der Arreſt wieder aufgehoben worden. Die Verpflichtung deſſen, der den Arreſt angelegt hat, beſteht darin, daß er dem Bewahrer den im Geſetze beſtimm⸗ ten Lohn auszahle. 1963. Die von Gerichtswegen ſequeſtrirte Sache wird ent⸗ weder einer Perſon anvertraut, woruͤber die Betheiligten ſich untereinander verſtanden haben, oder einer Perſon, welche der Richter von Amtswegen hiezu ernannt hat. In einem wie im andern Falle hat derjenige, dem die Sache anvertraut worden iſt, alle die Verpflichtungen zu er⸗ fuͤllen, welche die freywillig bedungene Segueſtration mit ſich fuͤhrt. Z woͤlfter T t2 l. Von gewagten Geſchaͤften, Gluͤcks⸗ und Spiel⸗Vertraͤgen. (Decretirt den 19. Ventos 12. J. promulgirt den 29. des naͤhm⸗ lichen Monats.) 1964. Ein gewagtes Geſchaͤft iſt ein gegenſeitiger Ver⸗ trag, deſſen Wirkungen, was Gewinn und Verluſt betrifft, entweder fuͤr alle Parteyen oder fuͤr eine oder mehrere aus ihnen von einer ungewiſſen Begebenheit abhaͤngt. Dergleichen ſind, Der Aſſecuranz⸗Contract, Das Darlehn auf Bodmerey, Das Spiel und die Wette, Der Leibrenten⸗Contract. Die beyden erſten ſtehen unter den Seegeſetzen. 406 III. Buch. XlIl. Tit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛc. Erſtes Capitel. Von dem Spiel und der Wette. 1965. Das Geſetz geſtattet keine gerichtliche Klage wegen einer Spielſchuld oder um Zahlung einer Wette. 1966. Spiele, die dazu geeignet ſind, um im Gebrauche der Waffen zu uͤben, Wettrennen zu Fuß oder zu Pferde, das Wettfahren, das Ballſpiel, und andere gleichartige Spiele, wobey es auf Gewandtheit und Leibes⸗Uebung an⸗ kommt, ſind von der vorhergehenden Verfuͤgung ausge⸗ nommen. Dem Gerichte bleibt es gleichwohl unbenommen, die Klage zu verwerfen, wenn ihm die Summe uͤbertrieben zu ſeyn ſcheint. 1967. In keinem Falle kann der verlierende Theil, was er freywillig gezahlt hat, zuruͤckfordern, es ſey dann von Seiten des Gewinnenden eine Argliſt, Betrug oder Gaunerey untergelaufen. Zweytes Capitel. Von dem Leibrenten⸗Contracte. Erſter Abſchnitt. Von den Bedingungen, welche zur Guͤltigkeit des Contractes erforderlich ſind. 1968. Eine Leibrente kann unter einem laͤſtigen Titel (gegen Entgelt) fuͤr eine Summe Geldes, oder fuͤr eine be⸗ wegliche Sache, die ſich zu einem Werthe anſchlagen laͤßt, oder fuͤr ein liegendes Gut verſprochen werden. 1969. Sie kann ebenfalls unter einem durchaus wohlthaͤ⸗ tigen Titel, durch eine Schenkung unter Lebenden oder durch Teſtament beſtellt werden. Die von dem Geſetze vorgeſchrie⸗ benen Formen ſind alsdann hiebey zu beobachten. 1970. In dem Falle des vorhergehenden Artikels iſt die Leibrente der Reduction unterworfen, wenn ſie den Theil des III. Buch. XII. Tit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛc. 4027 Vermoͤgens uͤberſteigt, woruͤber es erlaubt iſt, zu verord⸗ nen, ſie iſt unguͤltig, wenn ſie zum Vortheile einer Perſon beſtellt iſt, die unfaͤhig iſt ein Vermaͤchtniß oder eine Schen— kung zu empfangen. 1971. Die Leibrente kann auf die Lebenszeit desjenigen, der hiefuͤr den Preis verſchafft, oder auf die Lebenszeit einer dritten Perſon, die zu ihrem Genuſſe kein Recht hat, ver⸗ ſprochen werden. 1972. Sie kann auf die Lebenszeit einer Perſon oder mehrerer beſtellt werden. 1923. Sie kann zum Vortheil eines Dritten beſtellt wer— den, obſchon eine andere Perſon den Preis verſchafft hat. In dieſem letztern Falle iſt ſie, obſchon ſie die Merk— mahle einer Freygebigkeit hat, den Formen nicht unterwor⸗ fen, welche bey Schenkungen erfordert werden, vorbehaltlich der im 1970. Artikel ausgedruckten Faͤlle, wo eine Reduc⸗ tion oder Nichtigkeit eintritt. 1974. Jeder Leibrenten⸗Contract, der auf die Lebenszeit einer Perſon geſchloſſen worden, die am Tage des Contrac— tes ſchon todt war, iſt ohne alle Wirkung. 1975. Gleiche Bewandniß hat es mit dem Contracte, wo⸗ durch eine Leibrente auf die Lebenszeit einer Perſon verſprochen worden, die von eben der Krankheit befallen war, woran ſie in zwanzig Tagen nach Abſchließung des Contractes geſtorben iſt. 1976. Das Verhaͤltniß der Leibrente zu dem hiefuͤr zu zahlenden Capital kann ſo, wie es den contrahirenden Thei— len gefaͤllt, beſtimmt werden. Z weyter Abſchnitt. Von den Wirkungen des Contractes unter den contrahirenden Theilen. 1977. Derjenige, dem gegen Zahlung des vereinbarten Preiſes eine Leibrente verſprochen worden iſt, kann auf Auf⸗ loͤſung des Contractes antragen, wenn ihm der verpflichtete Theil diejenige Sicherheit fuͤr deſſen Vollziehung nicht ver⸗ ſchafft, die hiebey ausbedungen worden. aos III. Buch. Xll. Tit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛc. 1978. Der Umſtand allein, daß man die ſaͤlligen Ter⸗ mine der Rente nicht zahlt, gibt demjenigen, dem ſie verſprochen worden, kein Recht, auf Wiedererſtattung des Capitals anzutragen, oder in den Beſitz des von ihm ver⸗ aͤuſſerten Grundſtuͤckes wieder einzutreten. Er iſt nur berech⸗ tiget die Guͤter ſeines Schuldners mit Arreſt zu belegen und verkaufen zu laſſen, und dahin anzutragen, daß die Verwendung einer zur Zahlung der Ruͤckſtaͤnde hinreichenden Summe aus dem eingegangenen Kaufpreiſe entweder beſoh⸗ len oder verwilliget werde. 1979. Wer die Rente verſprochen hat, kann ſich von ih⸗ rer Zahlung dadurch nicht befreyen, daß er ſich anbiethet, das Capital zu erſtatten, und auf die Zuruͤckforderung der ſchon fällig gewordenen und bezahlten Termine Verzicht zu thun. Bis zum Abſterben der Perſon oder der Perſonen, auf deren Lebenszeit die Rente verſprochen war, iſt er verbun⸗ den, ſie fernerhin zu zahlen, gleichviel wie lange dieſe Perſo⸗ nen leben, und wie laͤſtig auch immer die Zahlung der Rente geworden ſeyn mag. 1980. Die Leibrente gebuͤhrt dem Eigenthuͤmer nur im Verhaͤltniß zu der Anzahl der Tage, die er erlebt hat. War man gleichwohl uͤbereingekommen, daß ſie zum vor⸗ aus gezahlt werden ſollte, ſo hat er ein Recht auf den Ter⸗ min, der gezahlt werden ſollte, von dem Tage an, da die Zahlung haͤtte erfolgen ſollen. 1981. Man kann ſich nicht ausbedingen, daß eine Leib⸗ rente keinem Arreſte unterworfen ſeyn ſoll, als wenn ſie unter einem wohlthaͤtigen Titel,(ohne Entgelt) verſprochen worden. 1982. Eine Leibrente erliſcht nicht durch den buͤrgerlichen Tod desjenigen, dem ſie gebuͤhrt; ſo lange er wirklich im Leben bleibt, muß mit der Zahlung fortgefahren werden. 1983. Derjenige, dem eine Leibrente gebuͤhrt, kann die falligen Termine nicht fordern, er beweiſe dann, daß er oder diejenige Perſon noch im Leben iſt, auf deren Lebens⸗ zeit die Rente verſprochen worden. II. Buch. XIII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. 409 Dreyzehnter Titel. Von dem Vollmachts⸗Contracte. (Decretirt den 19. Ventos 12. J. promulgirt den 29. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Erſtes Capitel. Von der Natur und der Form des Vollmachts⸗ Contractes. 1984. Der Auftrag oder die Vollmacht iſt ein Act, wo⸗ durch jemand eine andere Perſon ermaͤchtiget, etwas fuͤr ihn, den Machtgeber, und in ſeinem Nahmen zu thun. Der Contract wird nicht vollguͤltig, als durch die An— nahme des Bevollmaͤchtigten. 1985. Eine Vollmacht kann entweder durch einen dffentlichen Act, oder in einer Urkunde unter Privat⸗Unterſchrift, ſelbſt in einem Briefe ertheilt werden. Man kann ſie auch muͤnd⸗ lich geben, indeß wird ein Beweis durch Zeugen hier anderſt nicht zugelaſſen, als nach den Beſtimmungen des Titels, von Contracten oder von Rechten und Ver⸗ bindlichkeiten, die aus Vertraͤgen entſprin⸗ gen im allgemeinen. Die Annahme einer Vollmacht kann auch ſtillſchweigend geſchehen, und aus der von dem Bevollmaͤchtigten ihr gege⸗ benen Vollziehung entſpringen. 1986. Der Vollmachts⸗Contract gibt kein Recht auf Belohnung, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen wor⸗ den. 1987. Der Auftrag iſt entweder auf ein oder auf gewiſſe Geſchaͤfte allein beſchränkt(ein Special⸗Auftrag) oder allge⸗ mein und fuͤr alle Geſchaͤfte des Machtsgebers. 1988. Eine Vollmacht, die in allgemeinen Ausdruͤcken abgefaßt iſt, erſtreckt fich nur auf Handlungen, die zur Verwaltung gehoͤren. — — — —- — 410 III. Buch. XlIll. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. Iſt von Veraͤuſſern, von Verpfaͤnden oder von irgend einer andern Handlung, die nur aus dem Eigenthum fließt, die Rede, ſo muß die Vollmacht ausdruͤcklich dahin ſprechen. 1989. Der Bevollmaͤchtigte darf nichts unternehmen, was nicht in ſeiner Vollmacht enthalten iſt. Unter der Vollmacht ſich zu vergleichen, iſt der Auftrag ſich einem ſchiedsrichter⸗ lichen Spruche zu unterwerfen nicht begriffen. 1900. Weibsperſonen und emancipirte Minderjaͤhrige koͤn⸗ nen als Bevollmaͤchtigte auserſehen werden. Indeß hat der Machtgeber wider den bevollmaͤchtigten Minderjaͤhrigen keine Klage, als nach den allgemeinen Regeln, die ſich auf die Verpflichtungen der Minderjaͤhrigen beziehen, und wider eine verheirathe Frau, welche die Vollmacht ohne Autoriſation ihres Mannes angenommen hat, nicht anderſt als nach den Regeln, die unter dem Titel von dem Heiraths⸗Contracte und von den gegenſeitigen Rechten der Ehe⸗ gatten feſtgeſtellt ſind. Zweytes Capitel. Von den Pflichten des Bevollmaͤchtigten. 1991. Der Bevollmaͤchtigte iſt verpflichtet, das ihm an— vertraute Geſchaͤft, ſo lange er damit beauftragt iſt, zu voll⸗ ziehen, und er hat fuͤr allen Verluſt und entbehrten Gewinn, der aus deſſen Nicht-Vollziehung entſtehen moͤchte, zu haften. Er iſt auf gleiche Weiſe verbunden, das Geſchaͤft, das beym Abſterben des Machtgebers angefangen war, zu vol— lenden, in ſo fern Gefahr auf dem Verzug haftet. 1992. Er haftet nicht nur fuͤr Gefaͤhrde und Argliſt, ſondern auch fuͤr Verſehen und Fehler, die er bey ſeiner Geſchaͤftsfuͤhrung begeht. Von demjenigen, der ſeinen Auftrag ohne Entgelt voll⸗ zieht, fordert man indeß mit weniger Strenge Rechenſchaft uͤber bloßes Verſehen, als von dem, der eine Belohnung erhaͤlt. 1993. Jeder Bevollmaͤchtigte iſt ſchuldig, von ſeiner Ge⸗ ſchaͤftsfuͤhrung Rechenſchaft zu geben, und alles, was er III. Buch. XIII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. arr kraft ſeiner Vollmacht empfangen hat, dem Machtgeber in Rechnung zu bringen, ſollte auch das, was er empfieng, dem Machtgeber nicht gebuͤhrt haben. 1994. Der Bevollmaͤchtigte haftet fuͤr denjenigen, den er bey der Geſchaͤftsfuͤhrung an ſeine Stelle geſetzt hat, 1) wenn er die Vollmacht ſich einen andern zu ſubſtituiren nicht erhalten hat, 2) wenn ihm dieſe Vollmacht ohne Be⸗ ſtimmung einer Perſon ertheilt worden iſt, und diejenige, die er gewaͤhlt hat, offenbar unfaͤhig oder inſolvent war. In allen Faͤllen kann der Machtgeber gerade zu und un⸗ mittelbar wider die Perſon klagen, welche der Bevollmaͤch⸗ tigte ſich ſubſtituirt hat. 1905. Sind in demſelben Acte mehrere Gewalthaber oder Bevollmaͤchtigte ernannt worden, ſo hat unter ihnen keine Solidar⸗Verbindlichkeit Statt, als in ſo fern ſie ausgedruckt wurde. 1996. Der Bevollmaͤchtigte muß die Summen, die er zu ſeinem Gebrauche verwendet hat„„Lon dem Tage dieſer Verwendung, und diejenigen, die er aus ſeiner Rechnung ſchuldig bleibt, von dem Tage, da er in Verzug geſetzt wor⸗ den iſt, verzinſen. 1997. Der Bevollmaͤchtigte, welcher dem andern Theile, womit er in dieſer Eigenſchaft contrahirt, eine hinläͤngliche Kenntniß von ſeiner Vollmacht gegeben hat, iſt in Hinſicht desjenigen, was uͤber die Grenzen des Auftrags geſchehen iſt, zu keiner Gewaͤhrleiſtung verbunden, wenn er ſich ihr nicht perſoͤnlich unterworfen hat. Drittes Capitel. Von den Pflichten des Machtgebers. 1998. Der Machtgeber iſt ſchuldig, die Verpflichtungen zu erfuͤllen, welche der Bevollmaͤchtigte den Grenzen der ihm ertheilten Vollmacht gemaͤß contrahirt hat. Er haftet nicht fuͤr dasjenige, was uͤber dieſe Grenzen hinaus geſchehen ſeyn mag, als in ſo fern es von ihm aus⸗ druͤcklich oder ſtillſchweigend genehmiget worden. 412 III. Buch. XIII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. 1999. Der Machtgeber hat dem Bevollmaͤchtigten ſeine Auslagen und Koſten zu erſetzen, die er um ſeinen Auftrag zu vollziehen gemacht hat, und ihm ſeine Belohnung zu zahlen, wenn ihm eine verſprochen worden. Iſt kein Verſehen untergelaufen, das ſich dem Bevoll— maͤchtigten zurechnen laͤßt, ſo kann der Machtgeber dieſe Verguͤtung und Zahlung nicht von ſich ablehnen, ſelbſt wenn das Geſchaͤft den guten Erfolg nicht gehabt haben ſollte, den man erwartete; er darf eben ſo wenig unter dem Vor⸗ wande, daß die Koſten und Auslagen geringer ſeyn konnten, auf ihre Maͤßigung antragen. 3 2000. Der Machtgeber muß gleichfalls den Bevollmaͤch⸗ tigten fuͤr den Verluſt entſchaͤdigen, den er bey Gelegenheit ſeiner Geſchaͤftsfuͤhrung, ohne daß ihm eine Unvorſichtigkeit zur Laſt gelegt werden kann, erlitten hat. 2001. Auslagen, welche der Bevollmaͤchtigte gemacht hat, muß ihm der Machtgeber von dem Tage an verzinſen, da der Vorſchuß conſtatirt worden. 2002. Iſt der Bevollmaͤchtigte von mehrern Perſonen fuͤr eine gemeinſchaftliche Sache ernannt worden, ſo haben ſie ihm ſammt und ſonders, fuͤr alle rechtliche Wirkungen des Vollmachts⸗Contractes zu haften. Viertes Capitel. Von den verſchiedenen Arten, wie eine Voll⸗ macht erliſcht. 2003. Die Vollmacht erliſcht Durch Widerruf des Auftrags, Durch Aufkuͤndigung von Seiten des Bevollmaͤchtigten, Durch den natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tod, die Inter⸗ diction oder den gaͤnzlichen Verfall des Vermoͤgens, ſey es von Seiten des Machtgebers oder des Bevollmäͤchtigten. 2004. Der Machtgeber kann ſeine Vollmacht widerrufen, wann es ihm gutduͤnkt, und, nach Beſchaffenheit der Um⸗ III. Buch. XIII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contregte. 413 ſtaͤnde, den Bevollmaͤchtigten zwingen, ihm entweder die Ur⸗ kunde unter Privat⸗Unterſchriſt, welche den Auftrag ent⸗ haͤlt, oder die authentiſche Original⸗Vollmacht, wenn die Urſchrift davon an den Bevollmaͤchtigten abgegeben worden iſt, oder die Ausfertigung, wenn die Urſchrift(die Minute) zuruͤckbehalten worden iſt, zuruͤckzugeben. 2005. Den geſchehenen Widerruf, in ſo fern er dem Be⸗ vollmaͤchtigten allein bekannt gemacht worden, kann man dritten Perſonen nicht entgegen ſetzen, die ohne von dieſem Widerruſe benachrichtiget zu ſeyn, in einen Vertrag ſich ein⸗ gelaſſen haben. Dem Machtgeber bleibt hiebey ſein Regreß wider den Bevollmaͤchtigten vorbehalten. 2006. Ernennung eines neuen Bevollmaͤchtigten fuͤr das⸗ ſelbe Geſchaͤft gilt als Widerruf in Hinſicht des erſten von dem Tage an, da ſie dieſem bekannt gemacht worden. 2007. Der Bevollmaͤchtigte kann die Vollmacht aufkuͤn⸗ digen, indem er ſeine Verzichtleiſtung dem Machtgeber be⸗ kannt macht. Iſt dieſe Aufkuͤndigung gleichwohl dem Machtgeber nach— theilig, ſo hat der Bevollmaͤchtigte ihn deßhalb zu entſchaͤ⸗ digen; es ſey dann, daß dieſer ſich in einem Falle befinde, wo es ihm unmoͤglich iſt, mit Vollziehung des Auftrags fortzufahren, ohne ſelbſt einen betraͤchtlichen Nachtheil da⸗ von zu erleiden. 2008. Weiß der Bevollmaͤchtigte nicht, daß der Macht⸗ geber geſtörben, oder daß eine der uͤbrigen Urſachen einge⸗ treten ſey, wodurch der Auftrag erliſcht, ſo iſt alles das guͤltig, was er in dieſer Unwiſſenheit unternommen hat. 2009. In den oben erwaͤhnten Faͤllen erhalten die von dem Bevollmaͤchtigten unternommenen Verbindlichkeiten in Anſehung dritter Perſonen, die in gutem Glauben find, ihre Vollziehung. 2010. Wenn der Bevollmaͤchtigte ſtirbt, ſo ſind deſſen Erben verbunden, den Machtgeber hievon zu benachrichti⸗ gen, und inzwiſchen dasjenige zu beſorgen, was die Umſtäaͤn⸗ de füͤr das Intereſſe dieſes letztern erheiſchen. 12au III. Buch. XIV. Tit. Von der Büurgſchaft⸗ Vierzehnter Titel. Vonder Buͤrgſchaft. (Decretirt den 24. Pluvios 12. J. promulgirt den 4. des fol⸗ genden Monates Ventos.) Er ſte s Capikel. Von der Natur und dem Umfange der Buͤrgſchaft. 2011. Wer ſich als Buͤrge fuͤr eine Schuld darſtellt, ver⸗ pflichtet ſich dem Glaͤubiger, dieſe Schuld abzutragen, in ſo fern nicht der Schuldner ſelbſt ſie berichtiget. 2012. Die Buͤrgſchaft kann nicht beſtehen, als in Vor⸗ ausſetzung einer guͤltigen Schuld, worauf ſie ſich beziehe. Man kann ſich gleichwohl als Buͤrge fuͤr eine Verbind⸗ lichkeit darſtellen, wenn ſchon dieſe durch eine dem Verpflich⸗ teten bloß fuͤr ſeine Perſon zuſtehende Einrede wieder aufge⸗ hoben werden kann z. B. im Falle der Minderjaͤhrigkeit.)] 2013. Die Verbuͤrgung kann ſich auf mehr nichts er⸗ ſtrecken, als wozu der Schuldner ſelbſt verpflichtet iſt, ſie kann ebenfalls nicht unter laͤſtigern Bedingungen uͤbernom⸗ men werden. Man kann ſich dabey auf einen kleinern Theil der Schuld beſchraͤnken, oder weniger laͤſtige Bedingungen uͤbernehmen. Eine Verbuͤrgung, welche das Object der Hauptſchuld uͤberſchreitet, oder unter laͤſtigern Bedingungen geſchehen iſt, iſt nicht ganz unguͤltig; ſie iſt nur nach Maßgabe der Haupt⸗ ſchuld einer Reduction unterworfen. 2014. Man kann ſich verbuͤrgen, ohne von demjenigen, fuͤr den man ſich verpflichtet, einen Auftrag zu haben, und ſelbſt ohne ſein Vorwiſſen.“ Man kann ebenfalls nicht nur fuͤr den Hauptſchuldner Buͤrgſchaft leiſten, ſondern auch fuͤr denjenigen, der ſich fuͤr dieſen verbuͤrgt hat. —⏑⏑ÿʒ—— III. Buch. XIV. Tit. Von der Buͤrgſchaft: 415 2015. Eine Verbuͤrgung wird nicht vermuthet; ſie muß ausdruͤcklich geſchehen, und man darf ſie uͤber die Grenzen, worin ſie geleiſtet worden iſt, nicht erſtrecken. 2016. Eine Buͤrgſchaft, die man unbeſtimmt fuͤr eine Hauptſchuld uͤbernommen hat, erſtreckt ſich auf alle Acceſ⸗ ſionen der Schuld, ſelbſt auf die Koſten der erſten Klage, und auf alle diejenigen, welche auf die dem Buͤrgen geſche— hene Aufkuͤndigung erfolgt ſind. 2017. Die Verpflichtungen der Buͤrgen gehen auf ihre Erben uͤber, ausgenommen, daß widdeer ſie kein perſoͤnlicher Arreſt Statt hat, wenn die Verpflichtung von der Art war, daß der Buͤrge ihm unterworfen geweſen waͤre. 2018. Ein Schuldner, der verbunden iſt, einen Buͤrgen zu ſtellen, muß einen ſolchen in Vorſchlag bringen, der faͤ— hig iſt zu contrahiren, der ein hinlaͤngliches Vermoͤgen be— ſitzt, um fuͤr den Gegenſtand der Schuld haften zu koͤnnen, und der im Umſange der Gerichtsbarkeit des Appellations⸗ Gerichtshofes, in deſſen Bezirke die Buͤrgſchaft geleiſtet wer⸗ den ſoll, ſein Domicil hat. 2019. Die Zahlungsmittel eines Buͤrgen berechnet man nur nach Maaßgabe ſeines Grundeigenthums, ausgenommen wenn von Handelsſachen die Rede iſt, oder wenn die Schuld gering iſt. Man nimmt auf Immobilien, woruͤber ein Streit obwal⸗ tet, oder deren gerichtliche Verſteigerung, weil ſie weit ent— fernt liegen, mit zu vielen Beſchwerniſſen verbunden ſeyn wuͤrde, keine Ruͤckſicht. 2020. Iſt ein Buͤrge, welchen der Glaͤubiger, es ſey freywillig oder bey Gerichte, angenommen hat, unvermoͤgend geworden, ſeine Schulden zu zahlen, ſo muß ein anderer Buͤrge geſtellt werden. Dieſe Regel leidet in dem einzigen Falle eine Ausnahme, wo der Buͤrge nur zu Folge eines Vertrags geſtellt worden, in welchem der Glaͤubiger eben dieſe Perſon als Buͤrgen ver⸗ langt hatte. 416 IIHI. Buch. XIV. Tit. Von der Bürgſchaft. Zweytes Capitel. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft. Erſter Abſchnittt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter dem Glaͤubiger und dem Buͤrgen. 2021. Der Buͤrge iſt, ſo viel ſeine Verhaͤltniſſe zu dem Glaͤubiger betrifft, anderſt nicht verbunden, ihn zu zahlen, als in ſo fern es der Schuldner nicht thut. Dieſer muß vorlaͤufig in ſeinen Guͤtern angegriffen und ausgeklagt wer— den, es ſey dann daß der Buͤrge auf die Einrede der Vor⸗ ausklage Verzicht gethan, oder ſich mit dem Schuldner ſoli— dariſch verpflichtet habe, in welchem Falle die Wirkungen ſeiner Verpflichtung nach den Regeln ſich richten, welche fuͤr die Solidar⸗Schulden ſeſtgeſtellt worden. 2022. Der Glaͤubiger iſt nicht verbunden, den Haupt⸗ ſchuldner auszuklagen, als wenn der Buͤrge auf das erſte gegen ihn angeſtellte gerichtliche Verfahren darauf antraͤgt. 2023. Der Buͤrge, welcher dieſe vorlaͤufige Ausklage ver⸗ langt, muß dem Glaͤubiger die Guͤter des Hauptſchuldners anzeigen, und ihm hinlaͤngliche Gelder vorſtrecken, um die Ausklagung zu vollfuͤhren. Er muß ihm weder ſolche Guͤter des Hauptſchuldners an⸗ geben, welche dem Appellations⸗Gerichtshofe des Ortes, wo die Zahlung geſchehen ſoll, nicht unterworfen, ſondern auſſer dem Umfange ſeiner Gerichtsbarkeit gelegen ſind, weder ſtrei⸗ tige Guͤter, noch ſolche, die zwar fuͤr die Schuld zur Hy⸗ pothek geſtellt, aber nicht mehr im Beſitze des Schuldners ſind. 2024. So oſt ein Buͤrge uͤber die Guͤter des Hauptſchuld⸗ ners eine Auskunft, wie ſie in dem vorhergehenden Artikel gebilliget iſt, gegeben, und einen Vorſchuß gethan hat, der zur Ausklagung hinreicht, hat der Glaͤubiger, ſo viel ſeine Verhaͤlt⸗ niſſe zum Buͤrgen betrifft, bis zum Belaufe der ihm ange⸗ zeigten Guͤter dafuͤr zu haften, wenn etwa der Hauptſchuldner, III. Buch. XIV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. 4¹⁷ indem wider ihn nicht gerichtlich verfahren wurde, in Unver⸗ moͤgen zu zahlen gerathen ſollte. 2025. Haben mehrere Perſonen fuͤr eine und dieſelbe Schuld ſich als Buͤrgen desſelben Schuldners dargeſtellt, ſo iſt eine jede von ihnen fuͤr die ganze Schuld verpflichtet. 2026. Eine jede von ihnen kann gleichwohl vorausgeſetzt, daß ſie auf die Einrede der Theilung nicht Verzicht gethan haben, fordern, daß vorlaͤufig der Glaͤubiger ſeine Klage theile, und ſie auf den Antheil eines jeden Buͤrgen be⸗ ſchraͤnke. Wenn in dem Zeitpuncte, wo einer der Buͤrgen bewirkt hat, daß auf Theilung der Klage erkannt wurde, ſich etliche unter ihnen befanden, die unvermoͤgend waren zu zahlen, ſo bleibt dieſer Buͤrge nach Verhaͤltniß der auf ſolche Weiſe nicht beybringlichen Antheile verpflichtet; man kann ihn gleichwohl dafuͤr nicht mehr in Anſpruch nehmen, daß ſpaͤ⸗ terhin und nach dieſer Theilung noch mehrere in Unvermoͤ⸗ gen gerathen ſind. 2027. Hat der Glaͤnbiger ſelbſt und freywillig ſeine Klage getheilt, ſo kann er von dieſer Theilung nicht abgehen, wenn ſchon ſelbſt vor der Zeit, da er ſie auf ſolche Weiſe bewil⸗ liget hat, ein oder anderer Buͤrge unvermoͤgend geweſen ſeyn ſollte zu zahlen. Zweyter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter demn Schuldner und dem Buͤrgen. 2028. Ein Buͤrge, der Zahlung geleiſtet hat, hat ſeinen Regreß wider den Hauptſchuldner, ſey es daß die Buͤrgſchaft mit oder ohne Vorwiſſen des Schuldners uͤbernommen worden. Dieſer Regreß hat nicht allein fuͤr das Capital, ſondern auch fuͤr die Zinſen und Koſten Statt; in Hinſicht der Ko⸗ ſten hat der Buͤrge gleichwohl nur in ſo weit einen Regreß⸗ als ſie von ihm verwendet worden ſind, nachdem er die wi⸗ der ihn angeſtellte Klage dem Hanptſchuldner angekuͤndiget hatte, 27 418 III. Buch. XIV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. Er hat gleichfalls ſeinen Regreß fuͤr den erlittenen Scha⸗ den und entbehrten Gewinn, in ſo fern dieſer Fall eintritt. 2029. Der Buͤrge, welcher die Schuld gezahlt hat, tritt in alle Rechte ein, welche der Glaͤubiger wider den Schuld⸗ ner hatte. 2030. Waren es mehrere Hauptſchuldner, welche ſammt und ſonders fuͤr dieſelbe Schuld zu haften hatten, ſo iſt der Buͤrge, der ſich fuͤr ſie alle verbuͤrgt hat, berechtiget, wider einen jeden aus ihnen fuͤr das Ganze, was er gezahlt hat, den Regreß zu nehmen.— 2031. Der Buͤrge, der zuerſt die Schuld zahlte, hat keinen Regreß wider den Hauptſchuldner, der ſie abermahls gezahlt hat, wenn er ihn uͤber die von ihm geſchehene Zahlung nicht benachrichtiget hat, ihm bleibt gleichwohl die Klage auf Zuruͤckforderung wider den Glaͤubiger vorbehalten. Hat der Buͤrge Zahlung geleiſtet, ohne daß wider ihn geklagt war, und ohne daß er den Hauptſchuldner da⸗ von benachrichtigte, ſo hat er wider ihn keinen Regreß, wenn der Schuldner in dem Augenblicke der geleiſteten Zah⸗ lung Gruͤnde gehabt haben ſollte, wodurch er erwirken konn⸗ te, daß die Schuld fuͤr erloſchen erklaͤrt wurde, vorbehaltlich ſeiner Klage auf Zuruͤckforderung wider den Glaͤubiger. 2032. Der Buͤrge kann, ſelbſt ehe er Zahlung geleiſtet hat, wider den Schuldner klagen, um von ihm entſchaͤdiget zu werden. 1) Wenn er der Zahlung halber gerichtlich belangt wird; 2) Wenn der Schuldner fallit geworden, oder ſein Ver⸗ moͤgen gaͤnzlich in Verfall gerathen iſt; 3) Wenn ſich der Schuldner verpflichtet hat, in einer beſtimmten Friſt ihm die Entlaſtung von ſeiner Verbindlich⸗ keit beyzubringen. 4) Wenn die Schuld durch Ablauf des Termins, worauf ſie contrahirt war, faͤllig und klagbar geworden iſt; III. Buch. XIV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. 419 5) Nach Umlauf von zehn Jahren, wenn die Haupt⸗ ſchuld keinen beſtimmten Verfalltag hat; es ſey dann daß die Hauptſchuld von der Art und Beſchaffenheit nicht iſt, daß ſie vor einer beſtimmten Zeit ſich tilgen laͤßt, wie dieſes bey einer Vormundſchaft der Fall iſt. Dritter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter den Mitbuͤrgen. 2033. Wenn mehrere Perſonen in Beziehung auf eine und dieſelbe Schuld ſich fuͤr eben denſelben Schuldner ver⸗ buͤrgt haben, ſo hat der Buͤrge, der die Schuld gezahlt hat, ſeinen Regreß wider die uͤbrigen Buͤrgen und zwar wi— der einen jeden fuͤr ſeinen Antheil. Dieſer Regreß hat jedoch anderſt nicht Statt, als wenn der Buͤrge in einem der im vorhergehenden Artikel ausge⸗ druckten Faͤlle gezahlt hat. Drittes Capitel. Von Erloͤſchung der Buͤrgſchaft. 2034. Die aus einer Verbuͤrgung entſtehende Verbind⸗ lichkeit erliſcht aus eben den Urſachen, aus welchen die uͤbri⸗ gen Verbindlichkeiten aufhoͤren. 2035. Die Confuſion, die ſich in der Perſon des Haupt⸗ ſchuldners und ſeines Buͤrgen ereignet, indem einer von ih⸗ nen der Erbe des andern wird, hebt die Klage des Glaͤubi⸗ gers wider denjenigen nicht auf, der ſich fuͤr den Buͤrgen verbuͤrgt hat. 2036. Der Buͤrge iſt berechtiget, dem Glaͤubiger alle die Einreden entgegenzuſetzen, welche dem Hauptſchuldner zuſtehen, und welche der Schuld ankleben. Er kann ſich gleichwohl mit denjenigen Einreden nicht ſchuͤtzen, welche dem Schulduer bloß fuͤr ſeine Perſon zu⸗ ſtehen. 420 III. Buch. NXIv. Tit. Von der Buͤrgſchaft. 2037. Der Buͤrge iſt ſeiner Verbindlichkeit entlediget, wenn es durch ein Factum des Glaͤubigers nicht mehr moͤg— lich iſt, die Einſetzung des Buͤrgen in die Rechte, die Hy⸗ potheken und Privilegien dieſes Glaͤubigers zu bewirken. 2038. Hat der Glaͤubiger ein liegendes Gut oder jede andere Sache fuͤr die Hauptſchuld an Zahlungsſtatt freywil⸗ lig angenommen, ſo iſt der Buͤrge hiedurch befreyt, ſelbſt dann wenn dieſe Sache dem Glaͤubiger durch Urtheil und Recht wieder abgeſprochen wird. 2039. Eine bloße Verlaͤngerung der Zahlungsfriſt, wel⸗ che dem Hauptſchuldner von dem Glaͤubiger geſtattet wor⸗ den, befreyt den Buͤrgen nicht, der in dieſem Falle wider den Schuldner klagen kann, um ihn zur Zahlung zu zwin⸗ gen⸗ Viertes Capitel. Von der geſetzlichen und der gerichtlichen Buͤrgſchaft. 2040. So oft jemand durch eine Verordnung des Ge⸗ ſetzes oder zu Folge eines Urtheils verpflichtet iſt, Buͤrg⸗ ſchaft zu ſtellen, muͤſſen bey dem Buͤrgen, den er in Vor⸗ ſchlag bringt, die im 2018 und 2019. Artikel vorgeſchriebe⸗ nen Bedingungen eintreten. Iſt von einer gerichtlichen Buͤrgſchaft die Rede, ſo muß der Buͤrge noch auſſer dem unter die Zahl derjenigen gehd⸗ ren, wider welche, wegen ihrer Schulden, ein perſoͤnlicher Arreſt erkannt werden darf. 2041. Wer keinen Buͤrgen finden kann, dem wird es er⸗ laubt, an deſſen Stelle ein hinlaͤngliches Unterpfand aus⸗ zuliefern. 2042. Wer gerichtliche Buͤrgſchaft geleiſtet hat, kann nicht darauf antragen, daß der Hauptſchuldner vorher aus⸗ geklagt werde. 2043. Wer fuͤr einen gerichtlichen Buͤrgen ſich ſchlechthin verbuͤrgt hat, kann nicht ſordern, daß der Hauptſchuldner und der Buͤrge zuerſt ausgeklagt werde. III. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. 421 Fuͤnfzehnter Titel. Vondem Vergleiche. (Decretirt den 29. Ventos 12. J. promulgirt den 9. des folgen⸗ den Monates Germinal.) 2044. Der Vergleich iſt ein Contract, wodurch die Par⸗ teyen entweder einen ſchon entſtandenen Rechtsſtreit beyle⸗ gen, oder einem bevorſtehenden Rechtsſtreite zuvorkommen. Dieſer Contract muß ſchriftlich verfaßt werden. 2045. Um ſich zu vergleichen muß man die Faͤhigkeit ha⸗ ben, uͤber die im Vergleiche begriffenen Gegenſtaͤnde zu dis⸗ poniren. Ein Vormund kann ſich im Nahmen des Minderjaͤhrigen oder des Interdicirten nicht vergleichen, als nach Vorſchrift des 467. Artikels unter dem Titel von der Minderjaͤh⸗ rigkeit, der Vormundſchaft und der Emanci⸗ pation; mit dem Minderjaͤhrigen, der ſeine Volljaͤhrigkeit erreicht hat, kann er ſich ebenfalls uͤber die Vormundſchafts— rechnung nicht vergleichen, als nach den Beſtimmungen des des 472. Artikels unter demſelben Titel. Die Gemeinden und öffentlichen Inſtitute koͤnnen ſich nicht vergleichen, als mit ausdruͤcklicher Ermaͤchtigung der Regierung. 2046. Man kann ſich uͤber das aus einem Verbrechen entſtehende Privat⸗Intereſſe vergleichen. Das gerichtliche Verfahren von Seiten der oͤffentlichen Beamten wird durch den Vergleich nicht gehindert. 2047. Einem Vergleiche kann man die Clauſel hinzufuͤ⸗ gen, daß derjenige, der ihn nicht erfuͤllen wird, eine Conven⸗ tional⸗Strafe erlegen ſoll. 2048. Vergleiche bleiben auf ihren Gegenſtand einge⸗ ſchraͤnkt; hat man hierin auf alle Rechte, Klagen und For⸗ derungen Verzicht gethan, ſo verſteht ſich dieſes nur von denjenigen Auſpruͤchen, welche ſich auf den Streit beziehen der den Vergleich veranlaßte. 1422 III. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. 2049. Vergleiche ſchlichten nur diejenigen Streitigkeiten, welche darin begriffen ſind, ſey es daß die Parteyen durch ſpecielle oder allgemeine Ausdruͤcke ihre Geſinnung an Tag gelegt haben, oder daß man dieſe Geſinnung durch eine nothwendige Folge deſſen, was hierin ausgedruckt iſt, er⸗ kenne. 2050. Erwirbt derjenige, der ſich uͤber ein fuͤr ſeine Per⸗ ſon und in eigenem Nahmen ihm zuſtehendes Recht vergli⸗ chen hatte, in der Folge ein gleiches Recht, indem er in die Stelle einer andern Perſon eintritt, ſo iſt er, ſo viel das neu erworbene Recht betrifft, an den vorherigen Vergleich nicht gebunden. 2051. Ein Vergleich, der von einem der Betheiligten ge⸗ ſchloſſen worden, bindet die uͤbrigen Intereſſenten nicht; ſie koͤnnen ſich gleichfalls auf dieſen Vergleich nicht beziehen. 2052. Vergleiche haben unter den Parteyen die Kraft eines in letzter Inſtanz ergangenen rechtskraͤftigen Urtheils. Sie koͤnnen weder aus dem Grunde eines Rechtsirrthums, noch aus dem Grunde einer Verletzung angegriffen werden. 2053. Ein Vergleich kann gleichwohl wieder aufgehoben werden, wenn man uͤber die Perſon oder uͤber den Gegen⸗ ſtand des Streits geirrt hat. Er kann in allen Faͤllen wieder aufgehoben werden, wo Betrug oder Zwang untergelaufen iſt. 2054. Wider einen Vergleich hat ebenfaͤlls die Reſciſſions⸗ klage Statt, wenn ein unguͤltiger Rechtstitel dabey zum Grunde liegt, und der Vergleich zu Folge deſſen zu Stande gekommen, die Parteyen haͤtten dann ausdruͤcklich ſich uͤber die Nichtigkeit verglichen. 2055. Ein Vergleich, der auf Urkunden geſchloſſen wor⸗ den, die man nachher fuͤr falſch erkannt hat, iſt ganz un⸗ guͤltig. 10 2056. Der Vergleich iſt unguͤltig, wenn er uͤber einen Prozeß geſchloſſen worden, der ſchon durch ein rechtskraͤftiges Urtheil Jeenkſchieden war, von dem die Parteyen oder eine von ihnen keine Wiſſenſchaft hatte. III. B-uch. XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte, ꝛc. 423 Ließ ſich wider das Urtheil, welches den Parteyen unbe⸗ kannt war, eine Appellation einlegen, ſo ſoll der Vergleich guͤltig ſeyn. 2057. Haben die Parteyen ſich uͤber alle Angelegenheiten, die ſie miteinander haben mochten, im Allgemeinen vergli⸗ chen, ſo begruͤnden diejenigen Urkunden, die ihnen damahls unbekannt waren, und die ſpaͤterhin entdeckt worden, keine Reſciſſion, es ſey dann, daß dieſe Urkunden durch das Fae⸗ tum einer der Parteyen zuruͤckgehalten worden. Der Vergleich iſt aber unguͤltig, wenn er nur eine Sache betraf, auf welche eine der Parteyen nach Ausweis neu ent⸗ deckter Urkunden gar kein Recht hatte.— 2058. Ein Rechnungsfehler in einem Vergleich muß ver⸗ beſſert werden. Sechszehnter Titel. Von dem perſoͤnlichen Arreſte, als einem Executionsmittel in Civilſachen. Decretirt den 23. Pluvios 12. J. promulgirt den 3. des kalck den Monates Ventos.) 2059. In Civilſachen hat perſoͤnlicher Arreſt Stsne im Falle eines Stellionats; Der Fall eines Stellionats iſt alsbann vorhanden, n Wenn man eine unbewegliche Sache verkauft oder zur Hypotheck ſtellt, und weiß, daß man der Eigenthuͤmer du⸗ von nicht iſt; nn Wenn man Guͤter, die einem andern zur hypotheck ge⸗ ſtellt ſind, fuͤr frey ausgibt, oder weniger Hypothecken au⸗ gibt, als womit dieſe Guͤter wirklich beſchwert ſind. 2060. Perſoͤnlicher Arreſt hat ebenfalls Statt 1) Wegen einer im Nothfalle geſchehenen unwillkuͤrlichen Hinterlegung; 2) Im Falle einer Klage auf Wiedererlangung eines ver⸗ lornen Beſitzes, wenn auf die von dem Gerichte befohlene Raͤumung eines Grundſtuͤckes, deſſen der Eigenthuͤmer durch 424 III. Buch. XVI. Tit. Von dem peſönlichen Arreſte, de⸗ Thaͤtlichkeiten entſetzt worden, auf Erſtattung der Fruͤchte, welche der Beklagte während ſeines widerrechtlichen Beſitzes davon genoſſen hat, und auf Erſatz des Schadens und ent⸗ behrten Gewinns, welche dem Eigenthuͤmer zuerkannt wor⸗ den ſind, angetragen wird; 3) Wenn Gelder zuruͤckgefordert werden, welche in die Haͤnde oͤffentlicher, hiezu beſtellter Perfonen hinterlegt wor⸗ den ſind; 4) Wenn Sachen, die einem Sequeſter, einem Commiſ⸗ ſar oder einem andern Bewahrer anvertraut worden ſind, zu⸗ ruͤckgegeben werden ſollen; 5) Wider diejenigen, welche gerichtliche Buͤrgſchaft gelei⸗ ſtet haben, und wider die Buͤrgen derjenigen, gegen welche perſoͤnlicher Arreſt Statt hatte, in ſo fern die Buͤrgen ſich dieſem Arreſte unterworfen haben; 6) Wider alle oͤffentliche Beamten, um ihre Urſchriften offenzulegen, wenn dieſes befohlen worden; 7) Wider die Notarien, die Avoués und Huissiers um Wiederauslieferung der durch eine Folge ihrer Amtsverrich⸗ tungen ihnen anvertrauten Urkunden und der fuͤr ihre Clien⸗ ten auf gleiche Weiſe von ihnen bezogenen Gelder. 2061. Diejenigen, welche durch ein im petitoriſchen Pro⸗ zeß ergangenes und rechtskraͤftig gewordenes Urtheil angewie⸗ ſen worden ſind, ein Grundſtuͤck zu raͤumen, und ſich weigern, ihm ein Genuͤge zu leiſten, koͤnnen durch ein zweytes Urtheil fuͤnfzehn Tage, nachdem das erſte dem Beklagten in Perſon oder an ſeinem Wohnorte bekannt gemacht worden iſt, mit perſönlichem Arreſte gezwungen werden. Wenn das Grundſtuͤck oder liegende Gut mehr als fuͤnf Myriameter von dem Wohnorte des unterliegenden Theils entfernt iſt, ſo ſoll zu der Friſt von fuͤnfzehn Tagen, fuͤr jede fuͤnf Myriameter ein Tag zugeſetzt werden. 2062. Wider die Paͤchter kann um Zahlung der Pacht⸗ preiſe, die ſie von Landguͤtern ſchuldig ſind, kein perſoͤnlicher Arreſt verhaͤngt werden, in ſo fern dieſes in dem Pacht⸗ III. Buch. XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arteſte, ꝛc. 425 Contracte nicht foͤrmlich ausbedungen worden. Paͤchter, ſie moͤgen fuͤr einen beſtimmten Preis oder fuͤr einen aliquoten Theil der Fruͤchte gepachtet haben, koͤnnen gleichwohl durch perſoͤnlichen Arreſt zur Zahlung angehalten werden, wenn ſie am Ende des Pachtes das Vieh, das Saatkorn und Acker⸗ geraͤth, welches ihnen anvertraut geweſen, nicht zuruͤckliefern, ſie beweiſen dann, daß der Abgang an dieſen Gegenſtaͤnden nicht von ihnen herruͤhre. 2063. Auſſer den Faͤllen, die in den vorhergehenden Ar⸗ tikeln beſtimmt ſind, oder die in der Folge durch ein foͤrm— liches Geſetz noch ferner beſtimmt werden moͤgen, iſt es allen Richtern verbothen auf perſöonlichen Arreſt zu erkennen, al⸗ len Notarien und Gerichtsſchreibern Acte aufzunehmen, wo⸗ rin man das Recht auf perſoͤnlichen Arreſt zu verfahren ſich ausbedungen haͤtte, und allen Franzoſen in ſolche Acte, ſollten ſie auch im Auslande geſchloſſen worden ſeyn, einzu⸗ willigen, alles bey Strafe der Nichtigkeit und Verurtheilung in die Koſten, Schaͤden und entbehrten Gewinn. 2064. Selbſt in den oben ausgedruckten Faͤllen darf kein erſoͤnlicher Arreſt wider Minderjaͤhrige verhaͤngt werden. 1'— 2065. Man darf wegen einer Summe, die unter drey⸗ hundert Francs iſt, darauf nicht erkennen. 2066. Wider ſiebenzigjaͤhrige Perſonen, wider Frauen und unverheirathete Frauenzimmer darf hierauf nur in den Faͤllen eines begangenen Stellionats erkannt werden. Es iſt genug, daß man das ſiebenzigſte Jahr angetreten hat, um des Vortheiles zu genießen, der den ſiebenzigjaͤhri⸗ gen Perſonen zugeſtanden iſt. Perſoͤnlicher Arreſt wegen eines waͤhrend der Ehe began— genen Stellionats hat wider verheirathete Frauen nicht Statt, als wenn ihr Vermoͤgen von jenem des Mannes voͤllig ſepa— rirt iſt, oder wenn ſie Guͤter beſitzen, deren freye Verwal⸗ tung ſie ſich vorbehalten haben, und nur in Auͤckſicht der Verpflichtungen, welche dieſe Guͤter betreffen. 426 III. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. Verheirathete Frauen, welche, indem ſie in einer Guͤterge⸗ meinſchaft lebten, ſich gemeinſchaftlich oder ſammt und ſon⸗ ders mit ihrem Manne in ein verbindliches Geſchaͤft einlie⸗ ßen, ſollen in Hinſicht dieſer Contracte nie als ſchuldig eines Stellionats angeſehen werden. 2067. Der perſoͤnliche Arreſt kann ſelbſt in den Faͤllen, wo er von dem Geſetze autoriſirt iſt, anderſt nicht als zu Folge eines vorhergegangenen Urtheils vollſtreckt werden. 2068. Die Appellation iſt kein Suspenſiv⸗Mittel wider den perſoͤnkichen Arreſt, wenn er durch ein Urtheil verhaͤngt worden, das einſtweilen und proviſoriſch gegen Caution voll— ſtreckt werden darf. 2069. Durch Vollſtreckung des perſoͤnlichen Arreſtes wird das gerichtliche Verfahren auf die Guͤter und die Execution in denſelben weder verhindert noch eingeſtellt. 2070. Die beſondern Geſetze, welche den perſoͤnlichen Ar⸗ reſt in Handslungsſachen erlauben, die Geſetze der Beſfe⸗ rungs⸗Polizey, ſo wie diejenigen, welche die Verwaltung oͤf⸗ feutlicher Gelder zum Gegenſtande haben, leiden hiedurch keine Abaͤnderung. Siebenzehnter Titel. Von dem Pfand⸗Contracte. (Decretirt den 25. Ventos 12. J. promulgirt den 5. des folgenden Monats Germinal.) 2071. Der Pfand⸗Contract iſt ein Vertrag, wodurch ein Schuldner ſeinem Glaͤubiger zur Sicherheit der Schuld eine Sache uͤberliefert. 2072. Die Verpfaͤndung einer beweglichen Sache heißt gage(Fauſtpfand). Die Verpfaͤndung einer unbeweglichen Sache heißt antichrese(Verſatz unter einem anti⸗ chretiſchen Vertrag). III. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. a27 Err ſtes Capitel. Von dem Fauſtpfande. 2073. Das Fauſtpfand gibt dem Glaͤubiger ein Recht, aus der Sache, welche den Gegenſtand davon ausmacht, vorzugsweiſe und vor andern Glaͤubigern ſeine Zahlung zu fordern. 2074. Dieſes Vorrecht und Priovilegium hat anderſt nicht Statt, als in ſo fern ein öffentlicher oder unter Privat⸗Un⸗ terſchrift ausgefertigter, gehoͤrig einregiſtrirter Act vorhanden iſt, welcher uͤber den Betrag der Schuld, ſo wie uͤber die Gattung und die Natur der zum Unterpfande ausgelieferten Sachen eine genaue Beſtimmung enthaͤlt, oder dem ein Verzeichniß angefuͤgt iſt, das ihre Beſchaffenheit, ihr Ge⸗ wicht und Maaß ausdruckt. Nur bey Gegenſtaͤnden, welche den Werth von hundert fuͤnfzig Franes uͤberſteigen, wird indeß die ſchriftliche Ab⸗ faſſung des Actes und deſſen Einregiſtrirung erfordert. 2075. Das in dem vorhergehenden Artikel ausgedruckte Vorrecht wird in Beziehung auf unkorperliche Mobilar⸗Sa⸗ chen, als Mobilar⸗Forderungen, anderſt nicht begruͤndet, als durch einen oͤffentlichen, oder unter Privat⸗Unterſchrift ans⸗ geferrigten, gleichfalls einregiſtrirten Act, der uͤber dieß dem Schuldner der zum Unterpfande gegebenen Forderung inſi⸗ nuirt worden. 2076. In allen Faͤllen hat das Vorrecht an dem Fauſt⸗ pfande anderſt nicht Statt, als in ſo fern dieſes Fauſtpfand dem Glaͤubiger, oder einem Dritten, woruͤber die Parteyen ſich verſtanden haben, in ſeinen Beſitz und Gewahrſam uͤber⸗ lieſert worden, und darin geblieben iſt. 2077. Das Fauſtpfand kann ein Dritter fuͤr den Schuld⸗ ner geben. 2078. Dem Glaͤubiger ſteht es im Nichtzahlungsfalle nicht frey, uͤber das Fauſtpfand zu verordnen; ihm bleibt es je⸗ doch vorbehalten, bey Gerichte auf die Verfuͤgung anzutragen, 428 III. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. daß ihm, nach einer von Sachverſtaͤndigen vorgenommenen Schaͤtzung, dieſes Fauſtpfands, ſo weit deſſen Werth mit der Forderung ſich ausgleicht, an Zahlungsſtatt verbleiben, oder daß es in einem oͤffentlichen Ausrufe verſteigert werden ſoll. Jede Clauſel, welche den Glaͤubiger ermaͤchtigte, ſich das Unterpfand zuzueignen, oder ohne Beobachtung der obener⸗ waͤhnten Formen daruͤber zu verordnen, iſt unguͤltig. 2079. Der Schuldner bleibt bis zum gerichtlichen Zuſchlag, in ſo fern es dazu kommt, Eigenthuͤmer des Unterpfandes, das in den Haͤnden des Glaͤubigers nur als anvertrautes Gut zu betrachten iſt, welches ihm ſein Vorrecht verſichert. 2080. Der Glaͤubiger haftet nach den unter dem Titel von Contracten oder perſoönlichen Rechten und Verbindlichkeiten, die aus Vertraͤgen entſtehen, im Allgemeinen, feſtgeſtellten Regeln fuͤr den Verluſt oder die Verſchlimmerung des Unterpfandes, die eine Folge ſeiner Nachlaͤßigkeit iſt. Auf ſeiner Seite hat dagegen der Schuldner dem Glaͤubi⸗ ger die nuͤtzlichen und nothwendigen Koſten zu erſetzen, die von dieſem auf Erhaltung des Unterpfandes verwendet wor⸗ den.. 2081. Iſt von einer zum Unterpfande geſtellten Forde⸗ rung die Rede, und dieſe Forderung bringt Zinſen, ſo hat der Glaͤubiger dieſe Zinſen von denjenigen abzurechnen, die ihm gebuͤhren moͤgen. Bringt die Schuld, wofuͤr die Forderung zum Unterpfande gegeben worden, ſelbſt keine Zinſen, ſo werden ſie auf das Capital der Schuld abgerechnet. 2082. In ſo fern der Inhaber des Unterpfandes daſſelbe nicht mißbraucht, kann der Schuldner eher nicht fordern, daß es zuruͤckgegeben werde, als nachdem er die Schuld, zu deren Sicherheit das Unterpfand gegeben worden iſt, in Be⸗ ziehung auf Capital, Zinſen und Koſten ganz getilget hat. III. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. 4209 Iſt eben derſelbe Schuldner ſpaͤterhin und nachdem er das Unterpfand wirklich geſtellt hatte, demſelben Glaͤubiger etwas anders ſchuldig geworden, und dieſe Schuld war vor der Zahlung der erſten ſchon faͤllig, ſo kann man den Glaͤu⸗ biger nicht anhalten, daß er das Unterpfand fahren laſſe, ehe er fuͤr die eine ſowohl als die andere Forderung gaͤnzlich befriediget iſt, obgleich man nicht ausbedungen hat, daß das Unterpfand fuͤr die Zahlung der zweyten Forderung eben⸗ falls haften ſoll. 2083. Das Pfandrecht iſt untheilbar, obſchon die Schuld unter den Erben des Schuldners und die Forderung unter den Erben des Glaͤubigers eine Theilung zulaͤßt. Der Erbe des Schuldners, der ſeinen Antheil an der Schuld gezahlt hat, kann, ſo llange die Schuld nicht ganz getilget iſt, nicht fordern, daß ihm ſein! Antheil am Un⸗ terpfande zuruͤckgegeben werde. Gegenſeitig kann auch der Erbe des Glaͤubigers, der ſeinen Antheil an der Forderung erhalten hat, zum Nachtheile der⸗ jenigen aus ſeinen Miterben, die noch nicht befriediget ſind, das Unterpſand nicht ausliefern. 2084. Die vorſtehenden Verordnungen ſind weder auf Handlungsſachen, noch auf oͤffentlich verwilligte Leih- und Pfandhaͤuſer anwendbar. Man befolgt in Beziehung auf dieſelben die Geſetze und Verordnungen, die ſie betreffen. Zweytes Capiktel. Von dem Verſatz unter einem antichretiſchen Vertrag. 2085. Der antichretiſche Vertrag wird anderſt nicht, als ſchriftlich geſchloſſen. Der Glaͤubiger erhaͤlt durch dieſen Vertrag nur das Recht, die Fruͤchte eines liegenden Gutes zu genießen, mit dem Be⸗ ding, daß er ſie jaͤhrlich von den Zinſen, wenn er welche zu ſordern hat, und demnach von dem Capital abrechne. 430 III. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. 2086. Der Glaͤubiger iſt, in ſo fern nicht das Gegentheil ausbedungen worden, verbunden, die Contributionen und jaͤhrlichen Laſten des Grundſtuͤckes, das er in antichretiſchem Genuſſe hat, zu zahlen. Er muß ebenfalls bey Straſe, daß er ſonſt fuͤr Schaden und Intereſſe zu haften hat, fuͤr die Unterhaltung und die nuͤtzlichen und nothwendigen Reparaturen des Grundſtuͤckes ſorgen, ihm bleibt jedoch vorbehalten, alle auf dieſe ver⸗ ſchiedenen Gegenſtaͤnde ſich beziehenden Auslagen aus den Fruͤchten zum voraus abzuziehen. 2087. Der Schuldner kann, ehe er die Schuld voͤllig ab⸗ getragen hat, die Nutzung des liegenden Gutes, das er in antichretiſchen Genuß gegeben hat, nicht in Anſpruch nehmen. Dem Glaͤubiger, der ſich der im vorhergehenden Arti⸗ kel ausgedruckten Verpflichtungen entledigen will, bleibt es gleichwohl, in ſo fern er auf dieſes Recht nicht Verzicht ge⸗ than hat, jederzeit unbenommen, den Schuldner zu zwingen, daß er den Genuß ſeines liegenden Gutes zuruͤcknehme. 2088. Dadurch allein, daß die Zahlung zur vereinbarten Zeit nicht erfolgt, wird der Glaͤubiger kein Eigenthuͤmer des liegenden Gutes; jede damit im Widerſpruch ſtehende Clau— ſel iſt unguͤltig; er kann in dieſem Falle wider ſeinen Schuld⸗ ner in dem geſetzlichen Wege auf gerichtliche Verſteigerung antragen. 2089. Wenn unter den Parteyen ausbedungen worden iſt, daß die Fruͤchte gegen die Zinſen entweder ganz oder bis zu einem gewiſſen Ertrag aufgerechnet werden ſollen, ſo wird die— ſer Vertrag, wie jeder andere, der nicht in den Geſetzen ver— bothen iſt, vollzogen. 2090. Die Verfuͤgungen des 2077. und 2083. Artikels werden auf den Verſatz liegender Guͤter unter einem antichre⸗ tiſchen Vertrag eben ſo, wie auf das Fauſtpfand angewendet. 2091. Alles, was unter dem gegenwaͤrtigen Capitel feſt⸗ geſtellt iſt, thut den Rechten keinen Abbruch, welche dritte Perſonen an der Subſtanz des liegenden Gutes, das zum antichretiſchen Genuſſe eingeräumt worden iſt, haben mögen. III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 431 Hat der Glaͤubiger, der mit dieſem Rechtstitel verſehen iſt, anderſtwo her an dem Grundſtuͤcke entweder Vorrechte und Privilegien, oder Hypothecken, die auf eine geſetzliche Weiſe begruͤndet und conſervirt ſind, ſo hat er in ſeiner Rangordnung und wie jedere andere Glaͤubiger ſie auszuuͤben. Achtzehnter Titel. Von Priovilegien und Hypotheken. (Decretirt den 28. Ventos 12. J. promulgirt den 3. des folgen⸗ den Monates Germinal.) Erſtes Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 2092. Wer immer ſich perſoͤnlich zu etwas verpflichtet hat, hat fuͤr die Erfuͤllung ſeines Verſprechens mit allen ſeinen wirklichen und zukuͤnftigen, beweglichen und unbeweglichen Guͤtern, zu haften. 2003. Die Guͤter des Schuldners ſind das gemeinſchaft⸗ liche Unterpfand ſeiner Glaͤubiger, und der Preis, wo⸗ fuͤr ſie verkauft werden, wird unter ihnen verhaͤltnißmaͤßig vertheilt, wenn nicht unter den Glaͤubigern rechtmaͤßige Ur— ſachen eintreten, warum einer dem ondern vorgezogen werde. 200. Die rechtmaͤßigen Urſachen, die einen Vorzug be⸗ gruͤnden, ſind Privilegien und Hypotheken. Zweytes Capitel. Von den Privilegien(Prioritaͤtsrechten ohne Hypotheck.) 2005. Ein Privilegium iſt ein aus der Eigenſchaft der Forderung herruͤhrendes, dem Glaͤubiger verliehenes Recht, kraft deſſen er andern, ſelbſt hypothecariſchen Gläubigern vorgezogen wird. 432 III. Buch. XVIII. Tit. Von Priyvilegien und Hypothecken. 2096. Unter mehrern privilegirten Glaͤubigern richtet ſich der Vorzug nach den verſchiedenen Eigenſchaften ihrer Pri⸗ vilegien. 2097. Mehrere prioilegirte Glaͤubiger, die von gleichem Range ſind, werden nach Verhaͤltniß ihrer Forderungen ge⸗ zahlt. 2098. Das Privilegium, in ſo weit es dem oͤffentlichen Schatze als ein Recht beygelegt iſt, und die Rangordnung, worin es Statt hat, richten ſich nach den beſondern ſie be⸗ troffenden Geſetzen. Der oͤffentliche Schatz kann inzwiſchen zum Abbruch der Rechte, welche dritte Perſonen fruͤher erworben haben, kein Privilegium erlangen. 2099. Die Privilegien koͤnnen bey Mobilien und bey Im⸗ mobilien eintreten. Er ſter Abſchnitk, Von Privilegien, die auf Nobilien Statt haben. 2100. Die Privilegien ſind entweder allgemein, oder ſie beſchraͤnken ſich auf gewiſſe Mobilien. H. I. Von allgemeinen Privilegien auf die Mobilien, 2101. Privilegirte Forderungen, deren Prioritaͤtsrecht ſich auf das geſammte Mobilar⸗Vermoͤgen erſtreckt, ſind die hier ausgedruckten. Unter ihnen tritt folgende Rangordnung ein⸗ 1) Die Gerichtskoſten; 2) Die Leichenkoſten; 3) Alle und jede Koſten der letzten Krankheit. Diejeni⸗ gen, welche deßhalb zu fordern haben, ſtehen gegenſeitig in gleichem Range, und concurriren verhaͤltnißmaͤßig; 4) Der Lohn der Dienſtbothen fuͤr das verfloſſene Jahr, und was ihnen fuͤr das laufende Jahr gebuͤhrt;. 5) Was an Lebensbeduͤrfniſſen dem Schuldner und ſeiner Familie geliefert worden iſt, naͤhmlich in den letzten ſechs III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypthecken. 433 Monaten von denen, welche im Kleinen verkaufen, wie z⸗ B. von Baͤckern, Metzgern und andern, und das letzte Jahr hindurch von Koſtherrn und Großhaͤndlern, §. II. Von Privilegien auf gewiſſe Mobilien. 2102. Nur auf gewiſſe Mobilien haben ein Vorrecht fol⸗ gende privilegirte Forderungen. 1) Die Miethen und Paͤchte liegender Guͤter auf den Er⸗ trag der Aernte des letzten Jahres, und auf den Werth von allem, womit das gemiethete Haus oder das Pacht⸗ gut beſetzt iſt, ſo wie von allem, was zur Nutzung des Pachtgutes dient, naͤhmlich fuͤr alles, was ſchon faͤllig iſt, und noch faͤllig wird, wenn die Pacht- und Mieth⸗ Contracte in authentiſcher Form ſind, oder zwar unter Privat⸗Unterſchrift ausgefertiget worden, gleichwohl ein ge⸗ wiſſes Datum haben, und in dieſen beyden Faͤllen haben die uͤbrigen Glaͤubiger das Recht, das Haus oder Pachtgut fuͤr die uͤbrigen Jahre wieder in Beſtand zu geben, und den Vortheil aus dieſem Pacht- oder Mieth⸗Contracte ſich zuzueignen, mit dem Beding gleichwohl, daß ſie den Ei⸗ genthuͤmer fuͤr alles, was ihm noch gebuͤhren mag, befrie⸗ digen; Und, wenn die Pacht⸗Contracte weder in authentiſcher Form ſind, noch, da ſie unter Privat⸗Unterſchrift ausgeſer⸗ tiget worden, ein gewiſſes Datum haben, fuͤr ein Jahr von dem Zeitpuncte an zu rechnen, wo das laufende Jahr ſich endiget; Dasſelbe Vorrecht hat Statt fuͤr die dem Miether auflie⸗ genden Reparaturen und fuͤr alles, was zur Vollſtreckung des Pacht⸗Contractes gehoͤrt; Vor dem Eigenthuͤmer werden inzwiſchen in einem und dem andern Falle gezahlt die Summen, welche fuͤr die Aus⸗ ſaat, fuͤr die Aerntekoſten des laufenden Jahres oder fuͤr 28 434 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. angeſchafftes Geraͤth noch ruͤckſtaͤndig ſind, und ſollen die Saat und Aerntekoſten aus dem Ertrag der Aernte, das Geraͤth aber aus dem Preiſe, wofuͤr es verkauft wird, gezahlt wer⸗ den; Dem Eigenthuͤmer bleibt es unbenommen, die Mobilien womit ſein Haus oder ſein Pachthof beſetzt iſt, in ſo fern ſie ohne ſeine Bewilligung weggeſchafft worden ſind, mit Arreſt zu belegen, und er behaͤlt in Bezug auf dieſelben ſein Vorrecht, vorausgeſetzt daß er ſie vindicirt hat, naͤhmlich wenn von Mobilien die Rede iſt, womit ein Pachthof be— ſetzt war, in einer Friſt von vierzig Tagen, und wenn es um Mobilien ſich handelt, womit ein Haus beſetzt war, in Zeit von fuͤnfzehn Tagen; 2) Jede Forderung auf das dafuͤr geſtellte Unterpfand, welches der Glaͤubiger in ſeiner Gewahrſam hat; 3) Die auf Erhaltung der Sache verwendeten Koſten; 4) Der Kaufpreis noch unbezahlter Mobilar⸗Effecten; in ſo fern der Schuldner ſie noch beſitzt, ſey es daß er auf Zeitbeſtimmung oder ohne Zeitbeſtimmung gekauft hat; Iſt bey dem Verkaufe keine Zahlungsfriſt geſtattet wor⸗ den; ſo bleibt es dem Verkaͤufer ſo gar unbenommen, dieſe Effecten, ſo lange der Kaͤnfer ſie im Beſitze hat, zu vindici— ren und ihren weitern Verkauf zu verhindern, vorausgeſetzt daß die Vindieation in Zeit von acht Tagen nach erfolgter Ueberlieferung geſchieht, und daß die Efferten ſich in dem⸗ ſelben Zuſtande befinden, worin ſie uͤberliefert worden; Das Vorrecht des Verkaͤufers ſteht gleichwohl demjenigen nach, welches dem Eigenthuͤmer des Hauſes oder des Pacht⸗ hofes eingeraͤumt iſt, wenn anderſt nicht bewieſen wird, daß es dem Eigenthuͤmer bekannt war, daß die Mobilien und andere Gegenſtaͤnde, womit ſein Haus oder ſein Pachthof beſetzt war, dem Beſtaͤnder nicht zugehoͤrten; Sonſt hat es bey demjenigen ſein Bewenden, was die Handelsgeſetze und Gebraͤnche uͤber die Vindication beſtim⸗ men; III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 435 5) Die Lieferungen eines Gaſtwirthes auf die Effecten des Reiſenden, die in ſein Gaſthaus gebracht worden; 6) Der Fuhrlohn und die damit verbundenen Neben⸗ koſten, auf die Sache, welche von einem Orte zum andern gebracht worden; 7) Forderungen, welche daher entſtehen, daß oͤffentliche Beamte in ihren Amtsverrichtungen ihre Gewalt mißbraucht, und pflichtwidrig gehandelt haben, auf das Capital der von ihnen geſtellten Caution, und auf die Zinſen, die ihnen hie⸗ von gebuͤhren moͤgen. Zweyter Abſchnitt. Von Privilegien auf Immobilien. 2103. Auf Immobilien haben ein Vorrecht folgende pri⸗ vilegirte Glaͤubiger, 1) Der Verkaͤufer auf das Immobilar-Stuͤck, das er ver— kauft hat, wegen Zahlung des Preiſes; Sind vor und nach mehrere Verkaͤufe geſchehen, wovon der Preis im Ganzen oder zum Theile noch ruͤckſtaͤndig iſt; ſo wird der erſte Verkaͤufer dem zweyten, der zweyte dem dritten und ſo weiter vorgezogen.— 2) Diejenigen, welche das Geld hergeſchoſſen haben, um ein Immobilar⸗Stuͤck zu erwerben, vorausgeſetzt, daß es durch den uͤber das Darlehn errichteten Act authentiſch erwieſen ſey, daß die Summe zu dieſer Anlegung beſtimmt war, und durch die Quittung des Verkaͤufers, daß die Zahlung mit dem entlehnten Gelde geſchehen. 3) Die Miterben auf die zur Erbſchaft gehoͤrigen Immo⸗ bilien, zur Sicherheit der unter ihnen vollzogenen Theilun⸗ gen, der Gewaͤhr fuͤr dieſelben und desjenigen, was ein Miterbe dem andern auf ſein Los herausgeben muß; 4) Die Baumeiſter, Bau⸗Unternehmer, Maurer und an⸗ dere Arbeiter, welche um Gebaͤude, Canaͤle und andere Werke jeder Art aufzufuͤhren, wiederaufzubauen oder auszu⸗ 436 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. beſſern gebraucht worden ſind, vorausgeſetzt gleichwohl, daß ein von dem Gerichte der erſten Inſtanz, in deſſen Bezirke die Ge⸗ baͤude gelegen ſind, von Amtswegen ernannter Sachverſtaͤndiger vorher einen Verbal⸗Prozeß gefertiget hat, um in Beziehung auf die Arbeiten, welche der Eigenthuͤmer vornehmen zu wollen er⸗ klaͤren⸗wird, den wirklichen Zuſtand der Orte zu bewaͤhren, und daß die Arbeiten, laͤngſtens in ſechs Monaten nach ihrer Vollen⸗ dung, durch einen gleichfalls ernannten Sachverſtaͤndigen auf⸗ genommen worden; Das Prioritaͤtsrecht kann ſich indeß auf mehr nichts erſtre⸗ cken, als auf den Werth, der durch den zweyten Verbal⸗ Prozeß bewaͤhrt worden iſt, und beſchränkt ſich auf die Summe, um welche das Grundſtuͤck zur Zeit der Veraͤuſſerung durch die daran geſchehene Arbeit hoͤher im Werthe iſt, als vor der Arbeit; 5) Diejenigen, welche Geld geliehen haben, um die Ar⸗ beiter zu zahlen oder ihnen ihre Auslage zu erſtatten, haben dasſelbe Vorrecht, vorausgeſetzt daß dieſe Verwendung durch den uͤber das Darlehn errichteten Act und durch die Quit⸗ tung der Arbeiter authentiſch erwieſen iſt, ſo wie hier oben in Hinſicht derjenigen beſtimmt worden, welche Geld zur Er⸗ werbung eines Immobilar-⸗Stuͤckes geliehen haben. Dritter Abſchnitt. Von den Privilegien, die ſich auf die Mobilien und Immobilien zugleich erſtrecken. 2104. Die Privilegien, welche ſich auf die Mobilien und Immobilien zugleich erſtrecken, ſind jene, welche im 2101. Artikel angefuͤhrt worden⸗ 2105. Wenn bey Abgang des Mobilar⸗Vermoͤgens die in dem vorhergehenden Artikel erwaͤhnten prioilegirten Glaͤubi⸗ ger ſich anmelden, um aus dem Preiſe eines unbeweglichen Gutes mit den Glaͤubigern befriediget zu werden, welche auf das Immobilar⸗Stuͤck ein Privilegium haben; ſo geſche⸗ hen die Zahlungen in folgender Ordnung: III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken, 432 1) Die Gerichtskoſten und andere im 2101. Artikel an⸗ gefuͤhrte Forderungen; 2) Die Forderungen, welche im 2103. Artikel bezeichnet ſind. Vierter Abſchnitt. Wie die Privilegien in ihrer Kraft erhalten werden. 2106. Unter den Glaͤubigern haben die Privilegien in Bes ziehung auf Immobilien keine Wirkung, als in ſo fern ſie durch Eintragung in die Regiſter des Hypothecken⸗Bewahrers, auf die in dem Geſetze beſtimmte Weiſe, kund gemacht wor⸗ den ſind, und nur von dem Tage dieſer Eintragung anzu⸗ rechnen, unter den einzigen hier folgenden Ausnahmen. 2107. Von der Formalitaͤt der Eintragung ſind ausge⸗ nommen die im 2101. Artikel ausgedruckten Forderungen. 2108. Der Verkaͤufer, der ein Privilegium hat, behaͤlt ſein Vorrecht durch Einſchreibung des Titels, wodurch das Eigen⸗ thum auf den Erwerber uͤbergegangen iſt, und woraus ſich ergibt, daß er den Preis ganz oder zum Theile noch zu for— dern hat. Die von dem Erwerber veranſtaltete Einſchreibung des Contractes gilt zu dieſem Ende als Eintragung fuͤr den Verkaͤufer, ſo wie fuͤr den Darleiher, der ihm das ge⸗ zahlte Geld vorgeſchoſſen hat, und durch denſelben Contract in die Rechte des Verkaͤufers eingeſetzt worden. Der Hypo⸗ thecken⸗Bewahrer iſt gleichwohl bey Strafe, daß er ſonſt ge⸗ gen dritte Perſonen fuͤr allen Schaden zu haften und ihnen alles Intereſſe zu leiſten hat, verbunden, diejenigen Forderun⸗ gen, die aus dem Acte entſtehen, wodurch das Eigenthum uͤbertragen werden ſoll, zum Vortheile des Verkaͤufers ſowohl, als der Darleiher ſeinem Regiſter von Amtswegen einzutra⸗ gen, und dieſen bleibt es ebenfalls unbenommen, den Ver⸗ kauf⸗Contract, in ſo fern es nicht wirklich geſchehen iſt, ein— ſchreiben zu laſſen, um fuͤr dasjenige, was ihnen aus dem Kauſpreiſe zukommt, die Eintragung ihrer Vorrechte zu erwirken. 2109. Ein Miterbe oder Theilhaber erhaͤlt ſein Privile⸗ gium an den einem jeden Loſe angefallenen Guͤtern oder an 438 III. Buch. XVIll. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 1 dem verſteigerten Gute, fuͤr das, was einem Loſe zur Gleich⸗ machung mit andern herausgegeben werden muß, oder fuͤr den Verſteigerungspreis, wenn es in ſechszig Tagen, von dem Theilungsacte oder von dem bey der Verſteigerung geſchehenen“ Zuſchlage anzurechnen, auf ſein Betreiben eingetragen wird. Waͤhrend dieſer Zeit kann auf das Gut, worauf etwas her⸗ ausgegeben werden muß, oder das bey einer Verſteigerung zugeſchlagen worden, zum Nachtheile desjenigen, der den Erſatz oder den Kaufpreis zu fordern hat, keine Hypotheck Statt haben. 2110. Baumeiſter, Bau⸗Unternehmer, Maurer und andere Werkmeiſter, die gebraucht worden ſind, um Gebaͤude, Ca— naͤle oder andere Werke zu bauen, wiederaufzubauen oder auszubeſſern, und diejenigen, welche um ſie zu zahlen, oder ihre Auslagen wieder zu erſtatten, Geld geliehen haben, deſ⸗ ſen wirkliche Verwendung gehoͤrig bewaͤhrt worden iſt, erhal⸗ ten durch die doppelte Eintragung 1) des Verbal⸗Prozeſſes, wodurch die Beſchreibung der Orte aufgenommen wurde, und 2) des Verbal⸗Prozeſſes uͤber die Aufnehmung der gefertigten Arbeit, ihr Privilegium von dem Tage, da der erſte Verbal⸗ Prozeß eingetragen worden. 2111. Die Glaͤubiger und Legatare, welche in Gemaͤßheit des 878. Artikels unter dem Titel von der S ucceſſion auf Abſonderung des Vermoͤgens des Verſtorbenen antragen, erhalten wider die Glaͤubiger der Erben oder Repraͤſentanten des Verſtorbenen ihr Privilegium in Hinſicht der Immobilien der Erbſchaft durch Eintragungen auf ein jedes dieſer Guͤ⸗ ter, in ſo ſern ſie in den erſten ſechs Monaten, von dem Anfalle der Succeſſion anzurechnen, geſchehen ſind. Vor Umlauf dieſer Zeitfriſt koͤnnen die Erben oder Re⸗ praͤſentanten zum Nachtheile dieſer Glaͤubiger oder Legatare keine Hypotheck, die gleich zur Wirkſamkeit komme, auf dieſe Guͤter ertheilen. 2112. Diejenigen, welche durch Uebertragung zu dieſen verſchiedenen privilegirten Forderungen gelangt ſind, haben insgeſamt dieſelben Rechte, wie die Cedenten, an ihrer Stelle und nach ihrer Rangordnung auszuuͤben, III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 439 2113. Alle privilegirte und der Formalitaͤt der Eintra⸗ gung unterworfene Forderungen, in deren Hinſicht die hier oben vorgeſchriebenen Bedingungen zur Erhaltung des Pri⸗ vilegiums nicht beobachtet worden ſind, hoͤren gleichwohl da⸗ rum nicht auf, hypothecariſche Forderungen zu ſeyn, aber die Hypotheck datirt ſich im Verhaͤltniß zu dritten Perſonen nur von dem Tage an, da man ſie eingetragen haben wird, wie hierunten erklaͤrt werden ſoll. Drittes Capitel. Von den Hypothecken. 2114. Die Hypotheck iſt ein dingliches Recht an Immo⸗ bilien, welche dazu beſtimmt ſind, um fuͤr die Zahlung einer Schuld zu haften. Sie iſt ihrer Natur nach untheilbar, und erſtreckt ſich ganz auf alle Immobilien, welche hiemit behaftet ſind, ſo wie auf jedes einzeln genommen, und auf jeden Theil die⸗ ſer Immobilien. Sie folgt den Immobilien, in was fuͤr Haͤnde ſie immer uͤbergehen moͤgen. 2115. Die Hypotheck hat anderſt nicht Statt, als in den durch das Geſetz beſtimmten Faͤllen, und nach den hierin vorgeſchriebenen Formen. 2116. Sie iſt entweder geſetzlich, ober gerichtlich, oder vertragsmaͤßig. 2117. Geſetzlich nennt man diejenige Hypotheck, die aus dem Geſetze entſteht; 1 Eine gerichtliche Hypotheck iſt diejenige, welche aus Ur⸗ theilen oder gerichtlichen Acten entſpringt; Eine vertragsmaͤßige Hypotheck iſt diejenige, welche von Vertraͤgen und der aͤuſſern Form der Acte und Contracte herruͤhrt. 2118. Gegenſtaͤnde einer Hypotheck koͤnnen nur ſeyn 440 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 1) Unbewegliche Guͤter, die im rechtlichen Verkehr ſind, und ihre Zugehoͤre, die fuͤr unbeweglich geachtet werden; 2) Der Nießbrauch an eben dieſen Guͤtern und Zugehoͤren, ſo lange der Nießbrauch dauert. 2119. Bey Mobilien findet keine hypothecariſche Klage wider einen dritten Beſitzer Statt. 2120. Durch das gegenwaͤrtige Geſetzbuch wird an den Verfuͤgungen der Seegeſetze in Beziehung auf Seeſchiffe und Fahrzeuge nichts geaͤndert. Erſter Abſchnitt. Von den geſetzlichen Hypothecken. 2121. Die Rechte und Forderungen, welchen eine geſetz⸗ liche Hypotheck beygelegt iſt, ſind Jene der verheiratheten Frauen, an den Guͤtern ihres Mannes; Jene der Minderjaͤhrigen und Interdicirten, an den Guͤ⸗ tern ihres Vormundes; Jene der Nation, der Gemeinden und oͤffentlichen An⸗ ſtalten, an den Guͤtern der zur Rechnungs⸗Ablage verpflich⸗ teten Empfaͤnger und Verwalter. 2122. Ein Glaͤubiger, der eine geſetzliche Hypotheck hat, kann ſein Recht an allen Immobilien, die ſeinem Schuldner wirklich zugehoͤren, und an denjenigen, die in der Folge ihm zugehoͤren moͤgen, geltend machen, unter den Einſchraͤnkun⸗ gen, die hierunten ausgedruckt werden ſollen. Zweyter Abſchnitt⸗ Von den gerichtlichen Hypothecken. 2123. Die gerichtliche Hypotheck entſteht aus Urtheilen, zum Vortheil desjenigen, der ſie erwirkt hat, ſie ſeyen auf Anhͤrung des andern Theils oder wegen Nicht-Erſcheinens ergangen, definitiv entſcheidend oder proviſoriſch. Sie ent⸗ ſteht gleichfalls aus den bey Gerichte erfolgten Anerkennun⸗ IHII. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 441 gen oder Bewaͤhrungen der Unterſchriften, die ſich bey einem unter Privat⸗Unterſchrift ausgefertigten verbindlichen Acte befinden. Sie kann an den wirklichen Immobilien des Schuldners und an denjenigen, die er ſpaͤterhin erwerben mag, geltend gemacht werden, mit gleichmaͤßigem Vorbehalt der Einſchrän— kungen, welche hierunten ausgedruckt werden ſollen. Schiedsrichterliche Entſcheidungen bewirken keine Hypo⸗ theck, als in ſo fern ein gerichtlicher Befehl hinzugekommen iſt, wodurch erklaͤrt wird, daß ſie vollſtreckt werden ſollen. Urtheile, welche im Auslande ergangen ſind, koͤnnen gleichfalls keine Hypotheck begruͤnden, als in ſo fern ſie von einem franzoͤſiſchen Gerichte executoriſch erklaͤrt ſind, der hie- mit im Widerſpruche ſtehenden Verordnungen, die in den Staatsgeſetzen oder in den oͤffentlichen Vertraͤgen enthalten ſeyn moͤgen, unbeſchadet. Dritter Abſchmit t⸗ Von den vertragsmaͤßigen Hypothecken. 2124. Vertragsmaͤßige Hypothecken koͤnnen nur von den⸗ jenigen verwilliget werden, welche die Faͤhigkeit haben, die Immobilien zu veraͤuſſern, die ſie hiemit beſchweren wollen. 2125. Diejenigen, welche an der unbeweglichen Sache nur ein von einer aufſchiebenden Bedingung abhangendes, oder in gewiſſen Faͤllen wiederaufloͤsliches oder der Reſciſſion unterworfenes Recht haben, koͤnnen anderſt keine Hypotheck verwilligen, als die denſelben Bedingungen oder derſelben Reſciſſion unterworfen ſey. 2126. Die Guͤter der Minderjaͤhrigen, der Interdicirten und jene der Abweſenden, ſo lange der Beſitz davon nur proviſoriſch zuerkannt iſt, koͤnnen nicht anderſt zur Hypotheck geſtellt werden, als aus den im Geſetze gebilligten Urſachen, und in den hierin vorgeſchriebenen Formen oder Kraft ergan⸗ gener Urtheile. 4a2 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 2127. Eine vertragsmaͤßige Hypotheck kann nicht anderſt verwilliget werden, als durch einen vor zwey Notarien, oder vor einem Notar und zwey Zeugen in authentiſcher Form verfertigten Act. 2128. Contracte, welche im Auslande geſchloſſen worden ſind, koͤnnen auf Guͤter, die in Frankreich gelegen ſind, keine Hypotheck verſchaffen, in ſo fern die Staatsgeſetze oder oͤffentliche Vertraͤge keine Verfuͤgungen enthalten, die von die— ſem Grundſatze abweichen. 2129. Keine vertragsmaͤßige Hypotheck iſt guͤltig, als wenn entweder in der authentiſchen Urkunde, woraus die Forderung entſtanden iſt, oder in einem ſpaͤtern authentiſchen Acte die Eigenſchaft und die Lage eines jeden, dem Schuld⸗ ner wirklich zugehoͤrigen, unbeweglichen Gutes, worauf die Hypotheck zur Sicherheit der Forderung bewilliget wird, be⸗ ſonders ausgedruckt iſt. Von allen dem Schuldner wirklich zugehoͤrigen Guͤtern kann ein jedes nahmentlich zur Hypo⸗ theck geſtellt werden. Kuͤnftige Guͤter kann man nicht zur Hypotheck verſchreiben. 2130. Sind inzwiſchen die wirklichen und noch freyen Guͤter des Schuldners nicht hinreichend, um Sicherheit fuͤr die Forderung zu verſchaffen; ſo bleibt es ihm unbenommen, unter Anfuͤhrung dieſer Unzulaͤnglichkeit, darin zu willigen, daß ein jedes der Guͤter, die er in der Folge erwerben wird, wie er vor und nach dazu gelangt, fuͤr die Forderung haften ſoll. 4* 2131. Auf gleiche Weiſe, wenn das zur Hypotheck geſtellte wirkliche Immobilar-Vermoͤgen des Schuldners, das in ei— nem oder in mehrern Guͤtern beſteht, zu Grunde gegangen, oder in Verfall und Abnahme gerathen ſeyn ſollte, ſo daß es fuͤr die Sicherheit des Glaͤubigers unzureichend geworden; ſoll es dieſem unbenommen ſeyn, entweder ſogleich auf ſeine Befriedigung anzutragen, oder einen Zuſatz zu ſeiner Hypotheck zu verlangen. III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken: 443 2132 Ehhr vertragsmaͤßige Hypotheck iſt anderſt nicht guͤltig, als in ſo fern die Summe, wofuͤr ſie kenlähet worden, gußß und in dem Acte beſtimmt iſt. Iſt die For— derung, welche aus der Schuldverſchreibung entſpringt, ent⸗ weder in Hinſicht auf ihre Eriſtenz bedingt, oder dem Wer⸗ the nach unbeſtimmt; ſo kann der Glaͤubiger, die Eintra— gung, wovon unten die Rede ſeyn ſoll, weiter nicht nach⸗ ſuchen, als bis zum Ertrag eines beſtimmten Werthes, wo⸗ rauf ſich die Forderung anſchlagen laͤßt. Er hat dieſen Werth hiebey ausdruͤcklich anzugeben, und dem Schuldner ſoll es unbenommen ſeyn, ihn, je nachdem ſich die Sache verhaͤlt, herunterſetzen zu laſſen. 2133. Eine einmahl erworbene Hypotheck erſtreckt ſich auf alle an dem verſchriebenen Immobilar-Gute geſchehenen Verbeſſerungen. VBierter Abſchnitt. Von der gegenſeitigen Rangordnung der Hypothecken. 2134. Unter den Glaͤubigern hat eine Hypotheck, ſie ſey geſetzlich, gerichtlich oder vertragsmaͤßig, anderſt keinen Rang als von dem Tage an, da der Glaͤubiger ihre Eintragung in die Regiſter des Hypotheckenbewahrers nach der im Ge⸗ ſetze vorgeſchriebenen Form und Weiſe bewirkt hat, vorbe⸗ haltlich der in dem folgenden Artikel enthaltenen Ausnahmen. 2135. Unabhaͤngig von aller Eintragung tritt das Hypo⸗ theckenrecht ein, 1) Zum Vortheile der Minderjaͤhrigen und Interdicirten, auf die unbeweglichen Guͤter, welche dem Vormunde zuge⸗ hoͤren, in Hinſicht der aus ſeiner Verwaltung entſtehenden Forderungen, von dem Tage an, da er die Vormundſchaft angenommen hat. 2) Zum Vortheile der Frauen, in Hinſicht ihres Braut⸗ ſchatzes und alles deſſen, was ihnen aus der Eheſtiftung ge⸗ buͤhrt, auf das Immobilar⸗Vermoͤgen ihres Mannes, und von dem Tage der geſchloſſenen Ehe anzurechnen. 444 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. Die Frau hat in Hinſicht der Dotal-Gelder, welche von Erbſchaften oder Schenkungen herruͤhren, die ihr waͤhrend der Ehe angefallen oder gemacht worden ſind, anderſt kein Hy— pothekenrecht, als von dem Tage an zu rechnen, da die Erbſchaften ihr angefallen ſind, oder die Schenkungen ihre Wirkung erhalten haben. Sie hat kein Hypotheckenrecht in Hinſicht der Entſchaͤdi— gung, welche ihr fuͤr die Schulden zukommt, die ſie mit ih— rem Manne gemacht hat, noch in Hinſicht der ihr gebuͤh— renden Wiedererſtattung fuͤr ihr veraͤuſſertes Eigenthum, als von dem Tage an zu rechnen, da die Schuld entſtanden, oder der Verkauf geſchehen iſt, In keinem Falle ſoll die Verordnung des gegenwaͤrtigen Titels den Rechten zum Abbruche gereichen, welche dritte Perſonen vor der Verkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Titels er— worben haben moͤgen. 2136. Die Ehegatten und Vormuͤnder ſind gleichwohl verbunden, die Hypothecken, die auf ihren Guͤtern haften, oͤffentlich bekannt zu machen, und zu dieſem Ende, auf den Buͤreaux, die hiezu angeordnet ſind, auf die Immobilien, die ihnen wirklich zugehoͤren, und auf diejenigen, die in der Folge ihnen zugehoͤren moͤgen, die Eintragung ſelbſt nach⸗ zuſuchen, Ehegatten und Vormuͤnder, welche es verſaͤumt haben, die in dem gegenwaͤrtigen Artikel befohlenen Eintragungen nachzuſuchen und zu veranſtalten, und dann nachher Privi— legien oder Hypothecken auf ihre liegenden Guͤter entweder verwilligen oder von andern nehmen laſſen wuͤrden, ohne ausdruͤcklich zu erklaͤren, daß beſagte Immobilien der den Frauen und den Minderjaͤhrigen geſtatteten geſetzlichen Hy— potheck ſchon vorher unterworfen waren, ſollen des Stellio⸗ nats pflichtig geachtet, und als ſolche durch perſoͤnlichen Ar⸗ reſt zur Zahlung gezwungen werden koͤnnen. 2137. Die Nebenvormuͤnder ſind, unter perſoͤnlicher Verantwortung und bey Strafe allen Schaden und Intereſſe III. Buch. XVIll. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. a4s zu erſetzen, verbunden, dafuͤr wachen, daß die Eintra⸗ gungen auf die Guͤter des Vormundes, in Hinſicht deſſen, was er aus ſeiner Verwaltung ſchuldig werden mag, ohne Verzug geſchehen; ſie ſind ſelbſt verbunden, dieſe Eintragun⸗ gen zu veranſtalten. 2138. In ſo fern die Ehegatten, Vormuͤnder und Neben⸗ vormuͤnder die in den vorhergehenden Artikeln befohlenen Ein⸗ tragungen vollziehen zu laſſen verſaͤumen, ſollen ſie von dem Regierungs⸗Commiſſar(dem kaiſerlichen Procurator) beym Cioilgerichte des Ortes, wo die Maͤnner und Vormuͤnder ihr Domicil haben, oder des Ortes, wo die Guͤter gelegen ſind, nachgeſucht werden. 2139. Auch koͤnnen die Verwandten des Mannes oder der Frau, und die Verwandten des Minderjaͤhrigen, oder, in Ermangelung der Verwandten, ſeine Freunde die beſag— ten Eintragungen nachſuchen; ſie koͤnnen gleichfalls von der Frau und von den Minderjaͤhrigen verlangt werden. 2140. Iſt in einem Heiraths⸗Contracte unter den Par⸗ teyen, die uͤbrigens ihr volljaͤhriges Alter erreicht hatten, die Uebereinkunft getroffen worden, daß die Eintragung nur auf ein Gut oder auf gewiſſe liegende Guͤter des Mannes nachgeſucht werden ſoll, ſo bleiben die Immobilien, die fuͤr— dieſe Eintragung nicht angewieſen worden ſind, von aller Hypotheck fuͤr den Brautſchatz der Frau, fuͤr die ihr gebuͤhrende Wiedererſtattung ihres Vermoͤgens und die in dem Ehe-Con⸗ tracte ihr geſchehenen Zuſagen ledig und frey. Es laͤßt ſich durch keinen Vertrag ausbedingen, daß gar keine Eintragung geſchehen ſoll. 2141. Gleiche Bewandniß hat es mit dem Immobilar⸗ Vermoͤgen eines Vormundes, wenn die Verwandten in dem Familienrathe der Meinung geweſen ſind, daß die Eintra⸗ gung nur auf gewiſſe Immobilien geſchehen ſoll. 2142. In dem Falle, der in den beyden vorhergehenden Artikeln ausgedruckt iſt, bleibt der Mann, der Vormund und Nebenvormund nur verbunden, auf die angewieſenen Im⸗ mobilien die Eintragung nachzuſuchen. 446 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 2143. Ward in dem Acte, worin der Vormund ernannt wurde, die Hypotheck nicht eingeſchraͤnkt, ſo bleibt es die— ſem in dem Falle, wo eine allgemeine Hypotheck auf ſeine Immobilien offenbar mehr als hinreichende Sicherheit fuͤr ſeine Verwaltung darbiethen wuͤrde, unbenommen, darauf anzutragen, daß dieſe Hypotheck auf ſo viel Immobilien ein⸗ geſchraͤnkt werde, als hinreichend ſind, um dem Minderjaͤh— rigen eine vollkommene Sicherheit zu verſchaffen. Die Klage ſoll wider den Nebenvormund gerichtet wer⸗ den, und ein Gutachten des Familienrathes vorangehen. 2144. Auf gleiche Weiſe ſoll es dem Manne unbenom⸗ men ſeyn, mit Bewilligung ſeiner Frau, und nachdem er das Gutachten von oier ihrer naͤchſten Verwandten, dies ſich in einem Familienrathe verſammelt haben, eingehohlt hat, darauf anzutragen, daß die allgemeine Hypotheck, die zur Sicherheit des Brautſchatzes, der ihr gebuͤhrenden Wiederer⸗ ſtattungen ihrer Guͤter und der in dem Ehe⸗Contracte enthal⸗ tenen Zuſagen auf ſein ganzes Immobilar-Vermoͤgen genom⸗ men war, auf ſo viel Immobilien eingeſchraͤnkt werde, als hinlaͤnglich ſind, um die Rechte der Frau ganz ungekraͤnkt zu erhalten.. 2145. Die Urtheile, welche auf die Klagen der Ehegat⸗ ten und der Vormuͤnder erfolgen, ſollen nicht anderſt, als auf Anhoͤrung des Regierungs⸗Commiſſars(des kaiſerlichen Procurators) und auf contradictoriſches Verfahren zwiſchen ihm und dem Klaͤger erlaſſen werden. Erkennt das Gericht, daß die Hypotheck auf gewiſſe Im⸗ mobilien beſchraͤnkt werden ſoll, ſo ſind die auf alle uͤbrigen Guͤter geſchehenen Eintragungen zu loͤſchen. Viertes Capitel. Von der Art, wie Privilegien und Hypothecken eingetragen werden. 2146. Die Eintragungen geſchehen auf dem Bureau de conservation des hypothèques desjenigen Bezirkes, worun⸗ III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 447 ter die Guͤter gelegen ſind, auf welche das Privilegium oder die Hypotheck ſich erſtreckt. Sie bleiben ohne Wirkung, wenn ſie vor dem Ausbruche eines Bankerotts in dem Zeit⸗ raume geſchehen ſind, binnen welchem die Handlungen des Gemeinſchuldners fuͤr unguͤltig erklaͤrt werden. Auf gleiche Weiſe verhaͤlt es ſich unter mehrern Glaͤubi— gern einer Erbſchaft, wenn einer von ihnen erſt nach dem wirklichen Anfall der Succeſſion die Eintragung bewirkt hat, und die Erbſchaft nur unter dem Vorbehalte eines Inventa⸗ rium angenommen worden. 2147. Alle an demſelben Tage eingetragenen Glaͤubiger haben zuſammengenommen eine Hypotheck von einem Da⸗ tum, die ſie verhaͤltnißmaͤßig geltend machen, ohne Unter— ſchied unter der Eintragung, welche des Morgens, und jener, welche am Abend geſchehen iſt, wenn etwa der Hypothecken⸗ Bewahrer dieſe Verſchiedenheit der Zeit angemerkt haben ſollte. 2148. Um die Eintragung zu bewirken, uͤberreicht der Glaͤubiger entweder ſelbſt oder durch einen Dritten dem Hy— pothecken⸗Bewahrer die Urſchrift, oder eine authentiſche Aus⸗ fertigung des Urtheils oder des Actes, worauf ſich das Pri⸗ vilegium oder die Hypotheck gruͤndet. Er legt ihm zwey auf geſtempeltem Papier geſchriebenen Auszuͤge bey, wovon einer auf die Ausfertigung des Titels ſelbſt geſetzt werden darf; dieſe Auszuͤge enthalten 1) Den Nahmen, Vornahmen und Wohnort des Glaͤubi⸗ gers, ſein Gewerbe, wenn er eins treibt, und die Wahl ei— nes Domicils fuͤr ihn, an irgend einem Orte des Bezirkes, worauf ſich das Buͤreau der Hypothecken⸗Bewahrung er⸗ ſtreckt; 2) Den Nahmen, Vornahmen und Wohnort des Schuld⸗ ners, ſein Gewerbe, wenn er, ſo viel man weiß, eins treibt, oder eine individuelle und beſtimmte Anzeige der Perſon, die ſo beſchaffen iſt, daß der Hypothecken⸗Bewahrer das mit einer Hypotheck beſchwerte Individuum in allen Faͤllen erken⸗ nen und unterſcheiden kann. 448 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 3) Das Datum und die Beſchaffenheit des Titels; 4) Den Capital⸗Ertrag der Forderungen, die entweder in dem Titel ſelbſt ausgedruckt ſind, oder(in ſo fern von Renten und von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Leiſtungen, oder von kuͤnftigen noch ungewiſſen, bedingten oder unbe⸗ ſtimmten Rechten die Rede iſt), von demjenigen, der die Ein⸗ tragung verlangt, auf einen gewiſſen Werih angeſchlagen werden, in den Faͤllen, wo dieſe Beſtimmung des Werthes vorgeſchrieben iſt, ſo wie ebenfalls den Ertrag der mit die⸗ ſen Capitalſummen in Verbindung ſtehenden Nebenverbind⸗ lichkeiten, und die Verfallzeit; 5) Die Anzeige der Gattung und der Lage der Guͤter, worauf er ſein Privilegium oder ſeine Hypotheck zu erhalten bedacht iſt. Bey geſetzlichen oder gerichtlichen Hypothecken iſt dieſes Letztere nicht noͤthig. In Ermangelung eines beſondern Ver⸗ trags erſtreckt ſich bey dieſen Hypothecken eine einzige Ein— tragung auf alle Immobilien, welche in dem Bezirke des Buͤreau gelegen ſind. 2149. Eintragungen, welche auf die Guͤter einer verſtor⸗ benen Perſon geſchehen ſollen, koͤnnen unter der bloßen An⸗ zeige des Verſtorbenen, ſo wie unter der Ziffer 2 des vorher⸗ gehenden Artikels beſtimmt iſt, geſchehen. 2150. Der Hypothecken⸗Bewahrer bemerkt auf ſeinem Regiſter den Inhalt der Auszuͤge, gibt demjenigen, der die Eintragung verlangt hatte, nebſt dem Original-Titel oder der Ausfertigung des Titels einen der beyden Auszuͤge zuruͤck, und bezeugt am Schluſſe deſſelben, daß er die Ein— tragung vollzogen habe. 2151. Ein Glaͤubiger, der fuͤr ein Capital eingetragen iſt, das Zinſen oder Renten bringt, hat das Recht, mit ſei— ner Hypotheck in Hinſicht dieſer Zinſen oder Renten, jedoch nur fuͤr zwey Jahre nebſt dem laufenden, in eben die Rang— ordnung einzutreten, nelche dem Capital angewieſen iſt, III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hppothecken. 449 vorbehaltlich der beſondern Eintragungen, die er fuͤr die uͤbrigen, kraft der erſten Einſchreibung mit keinem Vorrechte verſehenen, Ruͤckſtaͤnde nebenher noch bewirken kann, und welche alsdann von dem Tage an, da ſie datirt ſind, eine Hypotheck verſchaffen. 2152. Von der Willkuͤr desjenigen, der eine Eintragung nachgeſucht hat, ſo wie ſeiner Repraͤſentanten, oder derjeni⸗ gen, die durch einen authentiſchen Act als Ceſſionare in ſeine Rechte getreten ſind, haͤngt es ab, das von ihnen gewaͤhlte Domicil auf dem Hypothecken⸗Regiſter zu aͤndern, mit dem Bedinge, daß ſie in demſelben Arrondiſſement ein anderes waͤhlen und anzeigen. 2153. Die Rechte einer bloß geſetzlichen Hypotheck, welche der Nation, den Gemeinden und den oͤffentlichen Anſtalten auf die Guͤter ihrer zur Rechnungs-Ablage verpflichteten Beamten verliehen ſind, die Rechte der Minderjaͤhrigen oder Interdicirten wider ihre Vormuͤnder, der verheiratheten Frauen wider ihre Ehegatten ſollen auf Ueberreichung zweyer Aus⸗ zuͤge eingetragen werden, welche mehr nicht enthalten, als 1) Den Nahmen, Vornahmen, das Gewerbe und den wirklichen Wohnort des Glaͤubigers, nebſt dem Domicil, das von ihm oder fuͤr ihn in dem Arrondiſſement gewaͤhlt wer⸗ den muß; 2) Den Nahmen, Vornahmen, das Gewerbe, den Wohn⸗ ort oder eine ganz genaue Beſtimmung des Schuldners; 3) Die Natur und Eigenſchaft der Rechte, welche durch die Eintragung erhalten werden ſollen, und, ſo viel die be— ſtimmten Gegenſtaͤnde betrifft, den Betrag ihres Werthes, ohne daß man verbunden ſey, in Hinſicht der bedingten, un⸗ gewiſſen, und von kuͤnftigen Begebenheiten abhangenden oder unbeſtimmten Rechte dieſen Betrag anzugeben. 2154. Die Eintragungen erhalten das Hypotheckenrecht und das Privilegium zehn Jahre lang, von dem Tage an⸗ zurechnen, da ſie datirt ſind; ihre Wirkung erloͤſcht, wenn die Eintragungen vor Ablauf dieſer Friſt nicht erneuert worden, 29 450 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 2155. Die Koſten der Eintragungen fallen auf den Schuld⸗ ner, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen worden; der Vorſchuß geſchieht von demjenigen, der die Eintragung nach⸗ ſucht; ausgenommen ſind gleichwohl die geſetzlichen Hypo⸗ thecken; wegen ihrer Eintragung haͤlt ſich der Hypothecken⸗ Bewahrer an dem Schuldner. Die Koſten der Einſchreibung (Tranſcription) welche ein Verkaͤufer etwa verlangt, fallen auf den Erwerber. 2136. Klagen, welche die Eintragungen wider die Glaͤu— biger etwa veranlaſſen moͤgen, ſollen bey der rechtmaͤßigen Behorde durch exploits(Vorladungs⸗Acte eines Huissier) an⸗ geſtellt werden, die ihnen in Perſon, oder an dem zuletzt auf dem Regiſter gewaͤhlten Wohnorte bekannt zu machen ſind, wenn ſchon die Glaͤubiger, oder diejenigen, bey welchen ſie ihr Domicil gewaͤhlt hatten, inzwiſchen verſtorben ſeyn ſollten. Fuͤnftes Capitel. Von der Loͤſchung und Reduction der eingetrage⸗ nen Privilegien und Hypothecken. 2157. Eingetragene Privilegien und Hypothecken werden geloͤſcht entweder mit Bewilligung der Parteyen, die dabey betheiliget und hiezu ſaͤhig ſind, oder kraft eines in letzter Inſtanz ergangenen oder rechtskraͤftigen Urtheils. 2158. In einem wie im andern Falle haben diejenigen, welche die Loͤſchung nachſuchen, auf dem Buͤreau des Hypo⸗ thecken⸗Bewahrers eine Ausfertigung des authentiſchen Actes, der die Einwilligung enthaͤlt, oder die Ausfertigung des Ur⸗ theils zu hinterlegen. 2159. Haben nicht alle Betheiligte die Loͤſchung verwilli⸗ get, ſo wird hierauf bey dem Gerichte geklagt, in deſſen Bezirke die Eintragung geſchehen iſt; ausgenommen bleibt hievon der Fall, da die Eintragung zur Sicherheit eines auf einen kuͤuftigen Fall gerichteten, oder unbeſtimmten condem⸗ natoriſchen Urtheils geſchehen iſt, uͤber deſſen Vollſtreckung III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 482 oder Liquidation der angebliche Schuldner und Glaͤubiger bey einem andern Gerichte entweder noch wirklich gegeneinander verfahren, oder das Urtheil erwarten. In einem ſolchen Falle muß die Klage auf Loͤſchung der Hypotheck entweder bey eben dieſem Gerichte angebracht, oder dorthin verwie⸗ ſen werden. Eine zwiſchen dem Glaͤubiger und Schuldner getroffene Uebereinkunft, worin ſie ſich anheiſchig machten, daß im Falle eines unter ihnen entſtandenen Streits die Klage bey einem andern, von ihnen beſtimmten Gerichte, angebracht werden ſoll, iſt gleichwohl unter ihnen in Vollzug zu ſetzen. 2160. Die Gerichte ſind ſchuldig, die Loͤſchung zu befeh— len, wenn die Eintragung, ohne auf einem Geſetze oder auf einem Titel gegruͤndet zu ſeyn, oder zu Folge eines unregel⸗ maͤßigen, erloſchenen oder durch Zahlung wiederaufgehobenen Titels geſchehen iſt, oder wenn ſonſt die aus dem Privile— gium oder der Hypotheck entſtandenen Prioritaͤtsrechte auf geſetzliche Weiſe vernichtet ſind. 2161. So oft ein Glaͤubiger, der nach dem Geſetze be⸗ rechtiget ſeyn wuͤrde, ſein Privilegium oder ſeine Hypotheck auf alle wirkliche, oder auch auf die kuͤnftigen Guͤter des Schuldners eintragen zu laſſen, und der in keinem Vertrag in die Einſchraͤnkung ſeiner Rechte gewilliget hat, auf ver⸗ ſchiedene Guͤter, und zwar auf mehr als zur Sicherheit ſei— ner Forderungen nothig war, die Eintragung erwirkt hat, kommt dem Schuldner eine Klage zu Statten, damit dieſe Eintragungen vermindert, oder zum Theile, in ſo weit das billige Verhaͤltniß dabey uͤberſchritten worden, geloͤſcht wer⸗ den. Man befolgt hierbey die in Beziehung auf die Gerichts⸗ Behoͤrde im 2159. Artikel feſtgeſtellten Regeln. Die Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen Artikels laſſen ſich auf vertragsmaͤßige Hypothecken nicht anwenden. 2162. Eintragungen, die ſich auf mehrere Guͤter erſtre⸗ cken, werden alsdann fuͤr uͤbermaͤßig angeſehen, wenn der Werth eines einzigen oder etlicher aus ihnen um mehr als 452 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. ein Drittel an freyen ſonſt unbeſchwerten Grundſtuͤcken den Ertrag der Forderungen an Capital und geſetzlichen Neben⸗ forderungen uͤberſteigt. 2163. Als das billige Maaß uͤberſchreitend, koͤnnen gleich⸗ falls diejenigen Eintragungen vermindert werden, die nach einer von dem Glaͤubiger gemachten Schaͤtzung geſchehen ſind, und ſich auf Forderungen gruͤnden, welche, ſo viel die zu ih— rer Sicherheit zu ſtellende Hypotheck betrifft, durch den Vertrag keine naͤhere Beſtimmung erhalten haben, und ihrer Natur nach bedingt, von einer ungewiſſen Begebenheit ab⸗ haͤngig oder unbeſtimmt ſind. 2164. Die Beſtimmung des Uebermaaßes wird in dieſem Falle dem billigen Ermeſſen der Richter uͤberlaſſen, welche dabey auf die Umſtaͤnde, auf das, was bey kuͤnftigen un⸗ gewiſſen Begebenheiten wahrſcheinlich iſt, und auf die aus den Thatſachen ſich ergebenden Vermuthungen dergeſtalt Ruͤckſicht zu nehmen haben, daß ſie die wahrſcheinlichen Rechte des Glaͤubigers mit dem dabey eintretenden Intereſſe, den Schuldner ſo viel billig bey Credit zu erhalten, in Ue⸗ bereinſtimmung bringen. Dem Glaͤubiger bleibt hiebey un⸗ benommen, wenn einſt der Erfolg ſeine bis dahin unbeſtimm⸗ ten Forderungen auf eine groͤßere Summe gebracht haben ſollte, neue Eintragungen nachzuſuchen, die ihm alsdann von dem Tage an, da ſie datirt ſind, eine weitere Hypo⸗ theck verſchaffen. 2165. Der Werth der Immobilien, den man mit dem Ertrag der Forderungen und einem Drittel daruͤber zu vergleichen hat, wird ſo beſtimmt, daß man bey liegenden Guͤtern, die ſich nicht allgemach verſchlimmern, fuͤnfzehn Mahl, und bey denjenigen, die mit der Zeit in Verfall und Abnahme gerathen, zehn Mahl den Ertrag der Einkuͤnfte berechnet, wie ſie entweder in der Hauptrolle uͤber die Grundſteuer erklaͤrt, oder durch den Contri⸗ butions⸗Anſchlag auf der Rolle, nach dem in den Gemeinden, worunter die Guͤter liegen, unter dieſer Hauptrolle, oder dieſem Contributions⸗Anſchlag und den Einkuͤnften beſtehenden Ver⸗ haͤltniſſe angedeutet ſind. Den Richtern bleibt es gleichwohl — III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 453 unbenommen, uͤber dieß diejenigen Aufklaͤrungen zu Huͤlfe zu nehmen, welche unverdaͤchtige Pacht- und Mieth⸗-Contracte, Verbal⸗Prozeſſe uͤber eine geſchehene Abſchaͤtzung, die etwa vorher, zu einer noch nicht lange verſtrichenen Zeit, verfaßt worden ſind, und andere aͤhnliche Acte an Hand geben koͤn⸗ nen, wo dann die Einkuͤnfte nach einem Anſchlag, der ſich aus den Reſultaten dieſer verſchiedenen Nachrichten im Durch⸗ ſchnitte als der Mittelertrag ergibt, geſchaͤtzt werden. Sechstes Capitel. Von der Wirkung der Privilegien und Hypothe⸗ ken wider dritte Beſitzer. 2166. Die Glaͤubiger, welche ein Privilegium oder eine Hypotheck haben, die auf ein liegendes Gut eingetragen iſt, halten ſich an dieſem Gute, in welche Haͤnde es uͤbergehen moͤge, um nach der Rangordnung ihrer Forderungen oder geſchehener Eintragungen claſſificirt und befriediget zu werden. 2167. Wenn der dritte Beſitzer diejenigen Formen nicht beobachtet, welche hierunten feſtgeſtellt werden ſollen, um ſein Eigenthum frey zu machen, ſo bleibt er, kraft der den Eintragungen beygelegten Wirkung allein, als Inhaber fuͤr alle hypothecariſche Schulden verpflichtet, und genießt der Zeitbeſtimmungen und Friſten, welche dem urſpruͤnglichen Schuldner geſtattet waren. 2168. In demſelben Falle iſt der dritte Beſitzer verbun⸗ den, entweder alle faͤllige Zinſen und Capitale zu zahlen, gleichviel auf welche Summe ſich dieſelben belaufen moͤgen, oder das zur Hypotheck geſtellte Gut, ohne einigen Vorbe⸗ halt, abzutreten. 2159. In ſo fern der dritte Beſitzer keine von dieſen Verpflichtungen ganz erfuͤllt, iſt ein jeder Glaͤubiger, wenn er dreyßig Tage vorher dem urſpruͤnglichen Schuldner das Geboth(commandement) und dem dritten Beſitzer die Aufforderung entweder die faͤllige Schuld zu zahlen, oder das Gut abzutreten, hat einhaͤndigen laſſen, das zur Hy— potheck geſtellte liegende Gut wider ihn verkaufen zu laſſen, berechtiget. a45a III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 2170. Dem dritten Beſitzer, der zur Zahlung der Schuld nicht perſoͤnlich verbunden iſt, bleibt es gleichwohl unbenom⸗ men, dem Verkaufe des zur Hypotheck geſtellten Gutes, welches auf ihn uͤbergegangen iſt, ſich zu widerſetzen, in ſo fern dem oder den Hauptverpflichteten noch andere fuͤr die⸗ ſelbe Schuld verſchriebene Immobilien uͤbrig geblieben ſind, die ſie beſitzen. Er kann nach der unter dem Titel von der Buͤrgſchaft beſtimmten Form darauf antragen, daß ſie vorlaͤufig angegriffen und zum Verkaufe ausgeſetzt wer⸗ den, und waͤhrend des Verfahrens uͤber dieſe Verſteigerung bleibt der Verkauf des verſchriebenen Gutes ausgeſetzt. 2171. Die Einrede der Vorausklage kann einem Glaͤu⸗ biger, der entweder privilegirt iſt, oder eine Special⸗Hypo⸗ theck an dem liegenden Gute hat, nicht entgegengeſetzt wer⸗ den. 2172. Die Abtretung der Hypotheck kann von jedem dritten Beſitzer geſchehen, der zur Zahlung der Schuld nicht perſoͤnlich verpflichtet iſt, und die Faͤhigkeit hat, zu ver— aͤuſſern. 2173. Sie kann ſelbſt alsdann noch geſchehen, wenn der dritte Beſitzer die Richtigkeit der Schuld wirklich anerkannt hat, oder in dieſer einzigen Eigenſchaft(als dritter Beſitzer allein) verurtheilt worden iſt; die geſchehene Abtretung ver— hindert den dritten Beſitzer nicht, bis zum wirklichen Zu— ſchlag das liegende Gut gegen Zahlung der ganzen Schuld und der Koſten zuruͤckzunehmen. 2174. Die Ueberlaſſung einer Hypotheck geſchieht bey der Gerichtsſchreiberey des Gerichtes, worunter die Guͤter gele— gen ſind, und eben dieſes Gericht gibt hieruͤber eine Urkunde. Auf Anſuchen desjenigen von den Betheiligten, der die Sache zuerſt betreibt, wird ein Pfleger(Curator) ernannt, dem die Obſorge uͤber das abgetretene liegende Gut anver— traut wird, und gegen den man auf gerichtlichen Verkauf des Grundſtuͤckes unter Beobachtung der Formen verfaͤhrt, welche fuͤr die oͤffentlichen Vergantungen vorgeſchrieben ſind. 1II. Buch. XVIll. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 455 2175. Verſchlimmerungen, welche aus einem Factum oder aus Verſaͤumniß des dritten Beſitzers herruͤhren, und den hypothecariſchen oder privilegirten Glaͤubigern zum Nach⸗ theil gereichen, begruͤnden wider ihn eine Klage auf Ent⸗ ſchaͤdigung; ſeine Verwendungen und Verbeſſerungen kann er indeß nur in ſo weit zuruͤckfordern, als eben dadurch das Gut mehr werth geworden iſt. 2176. Die Fruͤchte des zur Hypotheck geſtellten liegenden Gutes hat der dritte Beſitzer nur von dem Tage an zu er— ſetzen, da er aufgefordert worden iſt, entweder zu zahlen oder das Gut zu uͤberlaſſen, und, in ſo fern das einmahl angefangene gerichtliche Verfahren drey Jahre hindurch un⸗ terbrochen worden iſt, von dem Tage anzurechnen, da die neue Aufforderung geſchieht. 2177. Dienſtbarkeiten und dingliche Rechte, welche der dritte Inhaber an dem liegenden Gute vor ſeinem Beſitze gehabt hat, leben nach geſchehener Abtretung oder nach dem wider ihn erfolgten Zuſchlag wieder auf. Seine Glaͤubiger, welche an ihm fuͤr ſeine Perſon zu for— dern haben, moͤgen an dem uͤberlaſſenen oder gerichtlich zu— geſchlagenen Gute, ihrer Rangordnung nach, ihre Hypotheck geltend machen, jedoch erſt nach allen denjenigen, deren Forderungen wider die vormahligen Eigenthuͤmer eingetra⸗ gen waren. 2178. Der dritte Inhaber, der entweder die hypotheca⸗ riſche Schuld gezahlt, oder das zur Hypotheck verſchriebene liegende Gut dem Glaͤubiger abgetreten, oder die oͤffentliche Verſteigerung dieſes liegenden Gutes erlitten hat, hat wider den Hauptſchuldner ſeine Regreßklage auf Gewaͤhrleiſtung nach den in dieſer Hinſicht geltenden rechtlichen Grundſaͤtzen⸗ 2179. Ein dritter Beſitzer, der gegen Zahlung des Prei⸗ ſes ſein Eigenthum von den Hypothecken befreven will, hat die in dem 8. Capitel des gegenwaͤrtigen Titels vorgeſchrie⸗ benen Formen zu beobachten. 456 III. Buch. XVlll. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. Siebentes Capitel. Von der Erloͤſchung der Privilegien und Hypothecken. 2180. Die Privilegien und Hypothecken erloſchen 1) Durch Erloͤſchung der Hauptſchuld; 2) Durch Verzichtleiſtung des Glaͤubigers auf die Hy⸗ potheck; 3) Durch Beobachtung der Formen und Erfuͤllung der Bedingungen, welche dritten Beſitzern vorgeſchrieben ſind, um die von ihnen erworbenen Guͤter zu befreyen; 4) Durch Verjaͤhrung. Die Verjuaͤhrung wird zum Vortheile des Schuldners, ſo viel die Guͤter betrifft, die er in ſeiner Gewalt hat, in dem Zeitraume vollendet, der zur Verjaͤhrung der Klagen vorge⸗ ſchrieben iſt, welche ihm die Hypotheck oder das Privile⸗ gium verſchaffen. In Hinſicht der Guͤter, die ſich in den Händen eines dritten Beſitzers befinden, wird ſie in der Zeitfriſt vollendet, welche erforderlich iſt, damit er zu ſeinem Vortheile das Ei— genthum durch Verjaͤhrung erlange. Setzt die Verjaͤhrung einen Titel voraus, ſo laͤuft ſie nicht eher, als von dem Tage an, wo er in die Regiſter des Hypothecken⸗Bewahrers eingetragen worden. Die von dem Glaͤubiger geſchehenen Eintragungen unter— brechen den Lauf der Verjaͤhrung nicht, welche das Geſetz zum Vortheile des Schuldners oder eines dritten Beſitzers eingefuͤhrt hat. Achtes Capitel. Von der Art ſein Eigenthum von Privilegien und Hypothecken zubefreyen. 2181. Contracte, welche dazu geeignet ſind, um das Ei— genthum liegender Guͤter oder dinglicher den Immobilien gleich geachteter Rechte auf einen andern zu uͤbertragen, ſol⸗ III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 457 len von dem Hypothecken-Bewahrer, in deſſen Bezirke die Guͤter gelegen ſind, ihrem ganzen Inhalte nach eingeſchrieben werden, wenn es die Abſicht der dritten Beſitzer iſt, die Guͤ— ter von Privilegien und Hypothecken zu befreyen. Dieſe Einſchreibung ſoll auf einem hiezu beſtimmten Re— giſter geſchehen, und der Hypothecken⸗Bewahrer verbunden ſeyn, dem Theile, der ſie nachſucht, deßhalb eine Beſcheini— gung zu geben. 2182. Dadurch allein, daß die Contracte, wodurch das Eigenthum auf einen andern uͤbergehen kann, in das Re— giſter des Hypothecken-Bewahrers eingeſchrieben werden, wird das liegende Gut von den darauf haftenden Hypothecken und Privilegien nicht befreyt. Der Verkaͤufer uͤbertraͤgt dem Erwerber nur das Eigen— thum und die Rechte, welche er ſelbſt an der verkauften Sache hatte; er uͤbertraͤgt ſie ihm, mit denſelben Privile— gien und Hypothecken beſchwert, womit er belaſtet geweſen. 2183. Will der neue Eigenthuͤmer gegen die Wirkungen des im 6. Capitel des gegenwaͤrtigen Titels geſtatteten Ver— fahrens ſich in Sicherheit ſetzen; ſo iſt er verbunden, entwe⸗ der vor dem Verfahren, oder laͤngſtens in einem Monate von der erſten an ihn gerichteten Aufforderung anzurechnen, den Glaͤubigern, an der Wohnung, die ſie bey der Eintragung ihres Privilegium oder ihrer Hypotheck gewaͤhlt hatten, fol— gende Stuͤcke inſinuiren zu laſſen, 1) Einen Auszug ſeines Titels, der mehr nichts als das Datum und die Eigenſchaft des Actes, den Nahmen und eine genaue Beſtimmung des Verkaͤufers oder Geſchenkgebers, die Beſchaffenheit und die Lage der verkauften oder geſchenkten Sache, und, in ſo fern von einer aus mehrern Grundſtuͤcken beſtehenden Beſitzung die Rede iſt, nur die allgemeine Be— nennung des Gutes und der Diſtricte, worin es gelegen iſt, den Preis und die andern Laſten, welche einen Theil des Kauſpreiſes ausmachen, oder die Schaͤtzung der Sache, wenn ſie geſchenkt worden iſt, enthalte; 458 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 2) Einen Auszug uͤber die geſchehene abſchriftliche Ein⸗ ſchreibung des Verkauf⸗Actes; 3) Eine aus drey Colonnen beſtehende Tabelle, wovon die erſte das Datum der Hypothecken, mit Bemerkung der Zeit, da eine jede von ihnen eingetragen worden; die zweyte die Nahmen der Glaͤubiger, und die dritte den Betrag der eingetragenen Forderungen darſtelle. 2184. Der Erwerber oder der Geſchenknehmer erklaͤrt in demſelben Acte, daß er bereit ſey, die hypothecariſchen Schul⸗ den und Laſten auf der Stelle, jedoch nur nach Belauf des Preiſes und ohne Unterſchied unter faͤlligen und noch nicht faͤlligen Forderungen, abzutragen. 2185. Hat der neue Eigenthuͤmer in der vorgeſchriebenen Friſt dieſe Anzeige gemacht, ſo hat jeder Glaͤubiger, deſſen Forderung eingetragen iſt, das Recht, darauf anzutragen, daß das Gut dem Meiſtbiethenden oͤffentlich feil gebothen und zugeſchlagen werde; mit dem Bedinge, 1) Daß dieſer Antrag dem neuen Eigenthuͤmer laͤngſtens in vierzig Tagen, von der auf Anſtehen dieſes letztern ge⸗ machten Anzeige zu rechnen, inſinuirt werde. Zu der eben beſtimmten Zeitfriſt werden fuͤr jede fuͤnf Myriameter, welche das gewaͤhlte und das wirkliche Domicil eines jeden hierauf antragenden Glaͤubigers von einander entfernt ſind, noch zwey Tage hinzugeſetzt; 2) Daß er das Anbiethen des Requirenten(des auf Ver⸗ ſteigerung antragenden Glaͤnbigers) euthalte, wodurch er ſich anheiſchig macht, ein Zehntel des im Contracte aus⸗ bedungenen oder von dem nenen Eigenthuͤmer erklaͤrten Prei⸗ ſes mehr entweder ſelbſt zu biethen, oder zu verſchaffen, daß es von andern gebothen werde; 3) Daß eben dieſes in derſelben Zeitfriſt dem vorigen Eigenthuͤmer, als Haupt-Schuldner, bekannt gemacht werde; 4) Daß das Original und die Abſchriften dieſer Bekannt⸗ machungen(exploits) von dem hierauf antragenden Glaͤubi⸗ — III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 459 ger, oder von ſeinem, mit einem ausdruͤcklichen Auftrag deßhalb verſehenen Bevollmaͤchtigten, der in dieſem Falle verbunden iſt, von ſeiner Vollmacht eine Abſchrift mitzu— theilen, unterzeichnet ſeyen; 5) Daß er ſich erbiethe, fuͤr den Ertrag des Preiſes und der von dem Erwerber uͤbernommenen Laſten Buͤrgſchaft zu ſtellen. Alles bey Strafe der Nichtigkeit. 2186. Haben die Glaͤubiger, in der vorgeſchriebenen Friſt und Form auf oͤffentliche Feilbiethung und Verſteigerung nicht angetragen, ſo bleibt der Werth der unbeweglichen Sache auf den in dem Contracte bedungenen oder von dem neuen Eigenthuͤmer angegebenen Preis unwiderruflich beſtimmt. Dieſer wird mithin von allen Privilegien und Hypothecken befreyt, wenn er den eben beſagten Preis entweder den Glaͤubigern auszahlt, welche die Ordnung trifft, ihn in Em⸗ pfang zu nehmen, oder ihn hinterlegt. 2187. Kommt es zu einem neuen Verkaufe an den Meiſt⸗ biethenden, ſo ſoll dieſer, auf Betreiben des Glaͤubigers, der hierauf angetragen hatte, oder des neuen Eigenthuͤmers in den Formen geſchehen, welche fuͤr unfreywillige oͤffentliche Vergantungen feſtgeſetzt ſind. Derjenige, der auf die Verſteigerung dringt, ſoll in den Anſchlagszetteln den Preis ausdrucken, der in dem Con— tracte bedungen, oder der angegeben und erklaͤrt war, ſo wie die erhdͤhete Summe, welche der Glaͤubiger zu biethen oder von andern biethen zu laſſen ſich anheiſchig gemacht hat. — 2188. Wer die Sache erſtanden hat, iſt ſchuldig, auſſer dem Preiſe, wofuͤr ſie ihm zugeſchlagen worden, dem Erwer— ber oder Geſchenknehmer, der ſeines Beſitzes entſetzt worden, die Koſten und redlichen Auslagen fuͤr ſeinen Contract, die Koſten der geſchehenen Einſchreibung in die Regiſter des Hy⸗ pothecken⸗Bewahrers, die Koſten der von ihm gemachten An⸗ zeige, und jene, die er verwendet hat, um es zu einem neuen Verkaufe zu bringen, zu erſetzeit. 460 III. Buch. XVIIl. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 2189. Der Erwerber oder Geſchenknehmer, der das zur Verſteigerung ausgeſetzte liegende Gut dadurch behaͤlt, daß er der Meiſtbiethende blieb, iſt nicht verbunden, das Urtheil, wodurch es ihm zugeſchlagen wurde, einſchreiben zu laſſen. 2190. Die Verzichtleiſtung des Glaͤubigers, der auf Ver⸗ ſteigerung angetragen hatte, kann den oͤffentlichen Zuſchlag nicht verhindern, ſollte er auch die Summe erlegen, wozu er ſich anheiſchig gemacht hatte, es ſey dann, daß alle uͤbrigen hypothecariſchen Glaͤubiger ausdruͤcklich einwilligen. 2191. Der Erwerber, welcher das Gut aufs neue erſteht, hat, in ſo fern die uͤbrigen geſetzlichen Bedingungen eintreten, wider den Verkaͤufer ſeinen Regreß wegen Wiedererſtattung desjenigen, was den in ſeinem Kauf⸗Contracte bedungenen Preis uͤberſteigt, und wegen der Zinſen dieſer uͤberbezahlten Summe von dem Tage einer jeden Zahlung anzurechnen. 2192. Sollten in dem Kauſbrieſe des neuen Eigenthuͤ⸗ mers Immobilien und Mobilien zugleich, oder mehrere Im⸗ mobilien begriffen ſeyn, wovon einige hypothecirt ſind, die andern nicht, ſie ſeyen in einem und demſelben oder in ver— ſchiedenen, ſuͤr das Hypotheckenweſen angenommenen Be⸗ zirken begriffen, zuſammen fuͤr einen und denſelben Preis, oder abgeſondert fuͤr verſchiedene und beſondere Preiſe ver— aͤuſſert, einer und derſelben landwirthſchaftlichen Benutzung un⸗ terworſen oder nicht, ſo ſoll in der Anzeige des neuen Ei— genthuͤmers der Preis eines jeden Grundſtuͤckes, worauf be— ſondere Privilegien oder Hypothecken eingetragen ſind, allen— falls, und je nachdem die Umſtaͤnde beſchaffen ſind, nach Maßgabe des geſammten, in der Erwerbungs-Urkunde aus⸗ gedruckten Preiſes angegeben werden. Der Glaͤubiger, der ſich zu einem Uebergebothe entſchließt, ſoll in keinem Falle angehalten werden koͤnnen, ſein Anbiethen eines hohern Preiſes entweder auf die Mobilien oder auf an⸗ dere Immobilien, als welche ſeiner Forderung zur Hypotheck dienen und in demſelben Bezirke gelegen ſind, zu erſtrecken; dem neuen Eigenthuͤmer bleibt gleichwohl wegen der ihm ge⸗ III. Buch. XVIIl. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 467 buͤhrenden Erſtattung des Schadens, den er entweder durch die Trennung der Gegenſtaͤnde ſeiner Erwerbung, oder durch die Trennung der landwirthſchaftlichen Benutzungen erleiden mag, der Regreß wider ſeine Autoren vorbehalten. Neuntes Capitel. Von der Art, die Guͤter der Ehegatten und der Vormuͤnder von den darauf haftenden Hypo⸗ thecken zu befreyen, wenn dieſe gar nicht da⸗ rauf eingetragen ſind. 2193. Wer liegende Guͤter an ſich bringt, die Ehegatten oder Vormuͤndern zugehoͤren, kann gleichfalls die von ihm erworbenen Guͤter von den Hypothecken befreyen, die etwa darauf haften, wenn ſchon auf dieſe Immobilien, fuͤr die aus der vormundſchaftlichen Verwaltung entſtehenden Forde⸗ rungen, oder fuͤr den Brautſchatz, und was der Ehegattinn zum Erſatze ihres eigenthuͤmlichen Vermoͤgens oder ſonſt zu Folge der Eheſtiftung gebuͤhren mag, gar keine Eintragun— gen in die Regiſter der Hypothecken geſchehen ſind. 2194. Der Erwerber hinterlegt zu dieſem Ende bey der Ge⸗ richtsſchreiberey des Civil⸗Gerichtes des Ortes, wo die Guͤter gelegen ſind, eine in gehoͤriger Form beglaubte Abſchrift des Contractes, wodurch ihm das Eigenthum uͤbertragen werden ſollte, und beſcheiniget, durch einen ſowohl der Frau oder dem Nebenvormunde, als dem Civil⸗Commiſſar bey dem Gerichte(dem kaiſerlichen Procurator) inſinuirten Act, die von ihm geſchehene Hinterlegung. Ein Auszug dieſes Con⸗ tractes, worin deſſen Datum, die Nahmen, Vornahmen, das Gewerbe und die Wohnorte der Contrahenten, die Natur, Eigenſchaft und Lage der Guͤter, der Preis und die uͤbrigen Bedingungen und Laſten des Verkaufes ausgedruckt worden, ſoll in dem Audienzſale des Gerichtes angeſchlagen werden, und zwey Monate hindurch dovt angeheftet bleiben, und in dieſer Zwiſchenzeit ſoll es den Frauen, den Ehegatten, Vor⸗ muͤndern, Nebenvormuͤndern, Minderjaͤbrigen, Interdicirten, Verwandten oder Freunden und dem Regierungs⸗Commiſſar 462 III. Buch. XVIII Tit. Ven Privilegien und Hypothecken. (kaiſerlichen Procurator) geſtattet ſeyn, bewandten Umſtaͤnden nach die Eintragungen auf das veraͤuſſerte liegende Gut nach⸗ zuſuchen, und auf dem Buͤreau des Hypothecken⸗Bewahrers bewerkſtelligen zu laſſen, welchen alsdann dieſelbe Wirkung beygelegt wird, als wenn ſie an dem Tage der geſchloſſenen Ehe, oder am Tage der uͤbernommenen Vormundſchaft ge⸗ ſchehen waͤren, vorbehaltlich desjenigen Verfahrens, das, wie hier oben beſtimmt worden iſt, wider die Ehegatten und die Vormuͤnder Statt haben koͤnnte, weil ſie Hypothecken zum Vortheile dritter Perſonen verwilligten, ohne ihnen zu erklaͤ⸗ ren, daß durch eine Folge ihrer Heirath oder der uͤbernom⸗ menen Vormundſchaft die Immobilien ſchon mit Hypothecken beſchwert ſeyen. 2195. Iſt in dem Laufe der zweyen Monate, binnen welchen der Contract angeſchlagen geweſen, fuͤr die Frauen, Minderjaͤhrige oder Interdicirte auf die verkauften Immobi⸗ lien nichts eingetragen worden, ſo gehen ſie auf den Erwer⸗ ber uͤber, ohne daß ſie fuͤr den Brautſchatz der Frau, fuͤr den ihn gebuͤhrenden Erſatz ihres Vermoͤgens, und fuͤr das, was in der Eheſtiftung ihr zu geſagt iſt, oder fuͤr dasjenige, was der Vormund aus ſeiner Verwaltung ſchuldig ſeyn mag, fernerhin auf einige Weiſe beſchwert ſeyen, vorbehaltlich des Regreſſes wider den Ehegatten oder den Vormund, in ſo fern ſie aus dieſem Grunde wirklich etwas ſchuldig ſeyn ſollten. Sind die Hypothecken im Nahmen der beſagten Frauen, Minderjaͤhrigen oder Interdicirten wirklich eingetragen wor⸗ den, es gibt aber zugleich aͤltere Glaͤubiger, welche den Preis ganz oder zum Theile wegnehmen, ſo wird der Er— werber fuͤr den Preis oder denjenigen Theil des Preiſes, den er den Glaͤubigern zahlt, welche nach der unter ihnen ein⸗ tretenden Rangordnung hiezu berechtiget ſind, von aller weitern Verbindlichkeit befreyt, und die Eintragungen, wel⸗ che im Nahmen der Frauen, der Minderjaͤhrigen oder Inter⸗ dicirten geſchehen ſind, ſollen ganz oder verhaͤltnißmaͤßig(nach Belauf des an aͤltere Glaͤubiger gezahlten Preiſes) geloͤſcht werden. III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 463 Sind die Eintragungen, welche im Nahmen der Frauen, der Minderjaͤhrigen oder Interdicirten geſchehen ſind, die aͤl⸗ teſten, ſo darf der Erwerber zu ihrem Nachtheile durchaus keine Zahlung auf Abſchlag des Preiſes verfuͤgen. Das Datum dieſer Eintragungen wird allemahl, wie hier oben beſtimmt iſt, von dem Tage der geſchloſſenen Ehe oder der uͤbernommenen Verwaltung der Vormundſchaft an gerechnet, und die Eintragungen der uͤbrigen Glaͤubiger, auf welche der Preis nach der unter ihnen eintretenden Rangordnung nicht reichen kann, ſind in dieſem Falle zu loͤſchen. Zehntes Capitel. Von der Publicitaͤt der Regiſter und der Verant⸗ wortlichkeit der Hypothecken⸗Bewahrer. 2196. Die Hypothecken⸗Bewahrer ſind ſchuldig, allen denjenigen, die es verlangen, eine Abſchrift der in ihre Re⸗ giſter eingeſchriebenen Acte, ſo wie der noch beſtehenden Ein⸗ tragungen oder ein Zeugniß, daß keine vorhanden ſind, ab⸗ zuliefern. 2197. Sie haben fuͤr den Schaden zu haften, der daraus entſpringt 1) Daß Acte, wodurch eine Veraͤnderung mit dem Ei⸗ genthum vorgegangen, oder Eintragungen von Privilegien und Hypothecken, des auf ihrem Buͤreau geſchehenen Anſu⸗ chens ungehindert, auf ihren Regiſtern nicht eingeſchrieben und vorgemerkt werden. 2) Daß in ihren Zeugniſſen einer oder mehrerer wirklich beſtehender Eintragungen nicht gedacht worden, der Irrthum ruͤhre dann, ſo viel dieſen letztern Fall betrifft, nur von un⸗ zulaͤnglichen Angaben her, die ihnen nicht aufgebuͤrdet wer⸗ den koͤnnen. 2198. Das liegende Gut, in deſſen Ruͤckſicht der Hypo⸗ thecken⸗Bewahrer eine oder mehrere wirklich darauf einge⸗ tragene Laſten in ſeinen Zeugniſſen ausgelaſſen haben moͤch⸗ te, bleibt unter dem Vorbehalt der Verantwortlichkeit des ab4 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. Hypothecken⸗Bewahrers, in den Haͤnden des neuen Beſitzers davon befreyt, vorausgeſetzt, daß er das Zeugniß ſeit der Einſchreibung ſeines Titels nachgeſucht hat; vorbebaltlich gleichwohl des Rechtes, welches den Glaͤubigern noch alle— mahl zuſteht, ſo lange als der Preis von dem Erwerber nicht gezahlt, oder die unter den Creditoren entworfene Ord⸗ nung nicht homologirt worden iſt, ſich nach der ihnen gebuͤh⸗— renden Rangordnung claſſificiren zu laſſen. 2199. Die Hypothecken⸗Bewahrer duͤrfen in keinem Falle die Einſchreibung der Acte, wodurch eine Veraͤnderung mit dem Eigenthum vorgeht, die Eintragung der Hypothecken⸗ rechte oder die Ablieferung der von ihnen verlangten Zeug— niſſe weigern oder verzoͤgern, bey Strafe, daß ſie in wi— drigem Falle den Parteyen fuͤr Schaden und Intereſſe zu haften haben, zu welchem Ende auf Betreiben der Requi— renten gleich auf der Stelle Verbal⸗Prozeſſe uͤber die Weige⸗ rungen oder Verzögerungen entweder von einem Friedensrich⸗ ter, oder von einem Gerichtsdiener, der bey dem Gerichte in der Audienz die Parteyen aufruft(huissier audiencier) oder von einem andern Huissier oder von einem Notar in Beyſtand zweyer Zeugen gefertiget werden ſollen. 2200. Die Hypothecken⸗Bewahrer ſollen gleichwohl ver⸗ bunden ſeyn, ein Regiſter zu fuͤhren, worauf ſie Tag fuͤr Tag, und unter fortlaufenden Ziffern die zum Einſchreiben ihnen eingehaͤndigten Acte, wodurch eine Veraͤnderung mit dem Eigenthum vorgeht, und die Auszuͤge bemerken, die ihnen zugeſtellt worden ſind, um eingetragen zu werden. Sie ſollen dem Requirenten auf geſtempeltem Papier eine Beſcheinigung geben, worin die Nummer des Regiſters wie— derhohlt wird, in welchem die geſchehene Einhaͤndigung be⸗ merkt iſt; ſie ſollen endlich in den hiezu beſtimmten Regi— ſtern weder die Acte, wodurch eine Veraͤnderung mit dem Eigenthum vorgeht, anderſt einſchreiben, noch die Auszuͤge anderſt eintragen, als unter dem Datum und in der Ord⸗ nung, wie ſie ihnen eingehaͤndiget worden. III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothecken. 465 2201. Alle Regiſter der Hypothecken⸗Bewahrer werden auf geſtempeltem Papier gefuͤhrt, und von einem Richter des Gerichtes, unter deſſen Gerichtszwange das Buͤreau an⸗ geordnet iſt, auf jeder Seite, unter Bemerkung, welches die erſte und letzte ſey, mit fortlaufenden Ziffern verſehen und paraphirt. Die Regiſter ſind eben ſo, wie jene, welche uͤber das Einregiſtriren der Acte gefuͤhrt werden, mit jedem Tage abzuſchließen. 2202. Die Hypothecken⸗Bewahrer ſind ſchuldig, bey ih⸗ ren Amtsverrichtungen ſich nach allen Verordnungen des ge⸗ genwaͤrtigen Capitels zu richten, bey Strafe von zwey hundert bis tauſend Francs fuͤr die erſte, und der Entſetzung ihres Amtes fuͤr die zweyte Uebertretung, vorbehaltlich des Scha⸗ denserſatzes und der Leiſtung des Intereſſe an die Parteyen, welche vor der Geldbuße abgetragen werden ſollen. 2203. Die Anzeigen der vor und nach erſolgten Hinter⸗ legungen der Acte, die Eintragungen und Einſchreibungen geſchehen auf den Regiſtern in einer ununterbrochenen Reihe, ohne irgend einen leeren Raum uͤbrig zu laſſen, oder zwi⸗ ſchen den Zeilen etwas hineinzuſchreiben. Im Uebertretungs⸗ falle wird der Hypothecken⸗Bewahrer in eine Geldſtrafe von tauſend bis zwey tauſend Francs verurtheilt, und hat den Parteyen den Schaden zu erſetzen und das Intereſſe zu lei⸗ ſten. Letztere werden hiebey ebenfalls vor der Zahlung der Geldbuße befriediget. 30 466 III. Buch. XIX. Tit. Von der unfreyw. gerichtl. Verſteigerung ꝛc. NReunzehnter Titel. Von der unfreywilligen oͤffentlichen Ver⸗ gantung liegender Guͤter und der Rang⸗ ordnung unter den Glaͤubigern. (Decretirt den 28. Ventos 12. J. promulgirt den 3. des folgen⸗ den Monates Germinal.) Erſtes Capitel. Von der unfreywilligenöoͤffentlichen Vergantung liegender Guͤter. 2204. Der Glaͤubiger darf antragen auf oͤffentliche Vergan⸗ tung 1) der liegenden Guͤter, welche ſeinem Schuldner ei⸗ genthuͤmlich zuſtehen, und ihrer Zugehoͤre, welche den Im— mobilien beygezaͤhlt werden, 2) des dem Schuldner zuſtehen⸗ den Nießbrauches an Guͤtern derſelben Art. 2205. Der Antheil, den einer der Miterben an den Immobilien einer Erbſchaft in unzertheilter Gemeinſchaft be⸗ ſitzt, kann gleichwohl von ſeinen perſoͤnlichen Glaͤubigern nicht zum Verkaufe ausgeſtellt werden, ehe die Theilung oder Verſteigerung vorgenommen worden iſt, worauf ſie antragen moͤgen, wenn ſie es fuͤr dienlich erachten und wobey ſie in Gemaͤßheit des 882. Artikels unter dem Ti⸗ tel von der Succeſſion mit aufzutreten das Recht haben. 2206. Die Immobilien eines Minderjaͤhrigen, ſelbſt wenn er emancipirt iſt, oder eines Interdicirten koͤnnen vor der Verkaufung ſeines Mobilar-Vermoͤgens zur Verſteigerung nicht ausgeſetzt werden. 2207. Es iſt nicht erforderlich, daß man das Mobilar⸗ Vermoͤgen zuerſt angreift und verkauft, ehe man zur Vergan— tung der Immobilien ſchreitet, welche ein Volljaͤhriger und ein Minderjaͤhriger oder ein Interdicirter in unzertheilter Gemein⸗ ſchaft beſitzen, wenn die Schuld unter ihnen gemein iſt, und eben ſo wenig in dem Falle, wo das Verfahren wider einen Volljaͤhrigen oder vor der Interdiction ſchon angefan⸗ gen hatte. III. Buch. XIX. Tit. Von der unfreyw. gerichtl. Verſteigerung ꝛc. 467 2208. Auf Vergantung der Immobilien, welche zur ehe⸗ lichen Guͤtergemeinſchaft gehoͤren, wird gegen den Mann al⸗ lein als Schuldner verfahren, obgleich die Frau zur Zah⸗ lung der Schuld verbunden iſt. Auf Vergantung der Immobilien, welche der Frau zuge⸗ hoͤren, und nicht in die eheliche Guͤtergemeinſchaft gefallen ſind, wird wider den Mann und die Frau verfahren. Dieſe kann gerichtlich autorifirt werden, wenn der Mann entweder ſich weigert den Prozeß mit ihr gemeinſchaftlich zu fuͤhren, oder minderjaͤhrig iſt. Sind Mann und Frau zugleich noch minderjaͤhrig, oder iſt es die Frau allein; der Mann, der die Volljaͤhrigkeit erlangt hat, weigert ſich aber gemeinſchaftlich mit ihr den Prozeß zu fuͤhren, ſo wird der Frau ein Vormund von dem Ge— richte angeordnet, und gegen dieſen wird alsdann das Ver⸗ fahren gerichtet. 2209. Der Glaͤubiger kann auf die Verkaufung der Im⸗ mobilien, woran er kein Hypotheckenrecht hat, nur in dem Falle antragen, wenn die Guͤter, woran ihm eine Hypotheck zuſteht, nicht hinreichen. 2210. Guͤter, die unter verſchiedenen Bezirken gelegen ſind, koͤnnen nur vor und nach zur Vergantung gezogen werden, es ſey dann, daß ſie unter eine und dieſelbe land⸗ wirthſchaftliche Benutzung gehdren, und einen Theil davon ausmachen. Man verfaͤhrt auf dieſe Vergantung bey dem Gerichte, in deſſen Bezirke der Hauptſitz der Bewirthſchaftung, oder, in Ermangelung eines ſolchen Hauptſitzes, derjenige Theil der Guͤter gelegen iſt, der nach der Mutter⸗Rolle die mei— ſten Einkuͤnfte abwirft. 2211. Wenn Guͤter, woran der Glaͤubiger ein Hypothe⸗ ckenrecht hat, und Guͤter, woran ihm keine Hypotheck zu⸗ ſteht, oder Guͤter, die in verſchiedenen Bezirken gelegen ſind, zu einer und derſelben Bewirthſchaftung gehdren, ſo werden 468 III. Buch. XIX. Tit. Von der unfreyw. gerichtl. Verſteigerung ꝛc. die einen und die andern, in ſo fern der Schuldner darauf antraͤgt, zu gleicher Zeit in Vergantung geſtellt, und man berechnet, in ſo weit es noͤthig iſt, den Preis der einzelnen Theile nach Maßgabe des ganzen, wofuͤr der Zuſchlag ge⸗ ſchehen iſt. 2212. Beweiſt der Schuldner durch Pachtbriefe in au⸗ thentiſcher Form, daß der reine und freye Entrag ſeiner Im⸗ mobilien in einem Jahre, zur Zahlung der Schuld an Ca⸗ pital, Zinſen und Koſten hinreicht, und er erbiethet ſich auf dieſe Einkuͤnfte dem Glaͤubiger eine Anweiſung zu geben, ſo kann das Verfahren von den Richtern eingeſtellt werden, mit dem Vorbehalt es von neuem fortzuſetzen, wenn wider die Zahlung, ein Einſpruch geſchieht, oder ſonſt ein Hinderniß dawider eingelegt wird. 2213. Auf oͤffentliche Vergantung der Immobilien kann man nicht anderſt verfahren, als Kraft eines authentiſchen und executoriſchen Titels, wo die Schuld gewiß und liquid iſi. Hat die Schuld einen noch nicht liquid geſtellten Ge⸗ genſtand, ſo iſt das Verfahren zwar guͤltig, aber der Zu⸗ ſchlag kann nicht eher als nach der Liquidation erfolgen. 2214. Wer durch Uebertragung zu einem executoriſchen Titel gelangt iſt, kann auf Vergantung nicht eher verfahren, als nachdem die Uebertragung dem Schuldner inſinuirt worden. 2215. Das Verfahren kann Statt haben Kraft eines prodiſoriſchen, oder definitiv entſcheidenden Urtheils, das einſtweilen, der Appellation ungehindert, vollſtreckt werden darf; aber der Zuſchlag kann nur nach einem definitiv ent⸗ ſcheidenden Urtheile, das in der letzten Inſtanz ergangen, oder rechtskraͤftig geworden iſt, erfolgen. Urtheile, welche wegen Nicht⸗Erſcheinens erfolgt ſind,(par défaut) gruͤnden kein Verfahren auf Vergantung waͤhrend der Oppoſitionsfriſt. 2216. Das Verfahren kann unter dem Vorwande, daß der Glaͤubiger wegen einer groͤßern Summe, als ihm wirklich gebuͤhrt, es angefangen haben ſoll, nicht vernichtet werden⸗ —— III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 469 2217. Jedem Verfahren auf Vergantung unbeweglicher Guͤter muß ein Zahlungsgeboth(commandement de payer) vorhergehen, das dem Schuldner in Perſon oder an ſei⸗ ner Wohnung, durch Darzwiſchenkunft eine Huissier auf Betreiben und Anſuchen des Glaͤubigers bekannt gemacht wird. Die Formen des commandement und des Verfahrens auf dffentliche Vergantung werden in den Geſetzen uͤber den Pro⸗ zeß beſtimmt. Zweytes Capitel. Von der Rangordnung und der Vertheilung des Preiſes unter den Glaͤubigern. 2218. Die Ordnung und die Vertheilung des Preiſes der Immobilien, ſo wie die Art hiebey zu verfahren, wer⸗ en in den Geſetzen uͤber den Prozeß beſtimmt. Zwanzigſter Titel. Vonder Verjfäahrun g. (Decretirt den 24. Ventos 12. J. promulgirt den 4. des folgen⸗ den Monates Germinal.) Erſtes Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 2219. Die Verjaͤhrung iſt ein Mittel, durch Ablauf einer gewiſſen Zeitfriſt und unter den im Geſetze feſtgeſetzten Be⸗ dingungen, etwas zu erwerben oder ſich zu befreyen. 2220. Man kann nicht zum Voraus auf eine kuͤnftige Verjaͤhrung Verzicht thun; man kann ſich gleichwohl einer wirklich vollendeten Verjaͤhrung begeben. 2221. Die Verzichtleiſtung auf eine Verjaͤhrung iſt ent⸗ weder ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend; die ſtillſchweigende Verzichtleiſtung entſpringt aus einer Handlung, welche vor⸗ ausſetzt, daß man ſein erworbenes Recht fahren laſſe. 470 III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 2222. Wer nicht veraͤuſſern kann, kann gleichfalls auf eine vollendete Verjaͤhrung nicht Verzicht leiſten. 2223. Den Richtern iſt es nicht geſtattet, die Vertheidi⸗ gungsgruͤnde, welche die Verjaͤhrung einem ſtreitenden Theile darbiethet, von Amtswegen zu erſetzen. 2224. Die Verjaͤhrung kann man in jeder Lage des Pro⸗ zeſſes, ſelbſt vor dem Appellations⸗Gerichte, vorſchuͤtzen, es ſey dann, daß man, den Umſtaͤnden nach, vermuthen muͤſſe, daß der ſtreitende Theil, der ſich auf die Verjaͤhrung nicht bezogen hat, hierauf Verzicht gethan habe. 2225. Die Glaͤubiger oder jede andere Perſon, die ein Interreſſe dabey hat, daß die Verjaͤhrung vollendet ſey, koͤn⸗ nen ſich hierauf beziehen, wenn ſchon der Schuldner oder Eigenthuͤmer ſich ihrer begibt. 2226. Man kann das Eigenthum an Sachen, die dem rechtlichen Verkehr entzogen ſind, nicht verjäͤhren. 2227. Der Nation, den oͤffentlichen Inſtituten und den Gemeinden ſtehen gleich den Privatperſonen, dieſelben Ver⸗ jaͤhrungen entgegen, und ſie koͤnnen ſie gleichfalls vorſchuͤtzen. Zweytes Capitel. Von dem Beſitze. 2228. Der Beſitz iſt die koͤrperliche Inhabung oder der Genuß einer Sache oder eines Rechts, das wir in unſrer Gewalt haben oder ausuͤben, entweder ſelbſt und in Perſon oder durch einen andern, der es in unſerm Nahmen inne hat oder ausuͤbt. 22209. Um verjaͤhren zu koͤnnen, wird ein fortdauernder und ununterbrochener, ungeſtoͤrter, nicht zweydeutiger Beſitz unter dem Titel eines Eigenthuͤmers erfordert. 2230. Man hat allemahl die Vermuthung fuͤr ſich, daß man in eigenem Nahmen und unter dem Titel eines Eigen⸗ thuͤmers beſitze, in ſo fern nicht erwieſen wird, daß man Anfangs fuͤr einen andern beſeſſen habe. —— — III. Buch. XX. Tit. Von der Verjäͤhrung. 471 2231. Hat man angefangen fuͤr einen andern zu be⸗ ſitzen: ſo tritt allemahl die Vermuthung ein, daß man aus demſelben Rechtsgrunde beſitze, in ſo fern nicht das Gegen⸗ theil erwieſen wird. 2232. Handlungen, die man ganz nach Willkuͤr unter⸗ nimmt oder unterlaͤßt, ſo wie Handlungen einer bloßen Ver— guͤnſtigung koͤnnen weder einen Beſitz noch eine Verjaͤhrung begruͤnden. 2233. Gewaltſame Handlungen koͤnnen eben ſo wenig einen Beſitz begruͤnden, der faͤhig ſey, eine Verjaͤhrung zu bewirken. Der hiezu taugliche Beſitz nimmt nicht eher ſeinen An⸗ fang, als nachdem die Gewaltſamkeit aufgehoͤrt hat. 2234. Ein wirklicher Beſitzer, der den Beweis fuͤhrt, daß er vor Alters im Beſitze geweſen ſey, hat die Vermu⸗ thung fuͤr ſich, daß er gleichfalls in der Zwiſchenzeit beſeſ⸗ ſen habe, vorbehaltlich des Gegenbeweiſes. 2235. Um zu zeigen, daß die Verjaͤhrung vollendet iſt, kann man ſeinen eigenen Beſitz zu jenem ſeines Vorgaͤngers rechnen, gleichviel auf welche Art man in ſeine Stelle getre⸗ ten ſey, Kraft eines Univerſal- oder Particular-Titels, ge⸗ gen oder ohne Entgelt(zu Folge eines wohlthaͤtigen oder laͤſtigen Titels). Drittes Capitel. Von den Urſachen, welche die Verjaͤhrung ver⸗ hindern. 2236. Wer fuͤr einen andern beſitzt, verjaͤhrt niemahls, gleichviel wie lang er beſeſſen habe. So koͤnnen der Paͤchter, der Depoſitar, der Nießbraucher und alle uͤbrigen, die aus einer bloßen widerruflichen Ver⸗ guͤnſtigung(nur Zulaſſungsweiſe) die Sache des Eigenthuͤ⸗ mers inhaben, ſie nicht verjaͤhren. 472 III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 2237. Die Erben derjenigen, welche die Sache aus einem der im vorhergehenden Artikel beruͤhrten Rechtstitel beſeſſen hatten, koͤnnen gleichfalls nicht verjaͤhren. 2238. Die im 2236. und 2237. Artikel erwaͤhnten Per⸗ ſonen koͤnnen gleichwohl alsdann verjaͤhren, wenn ſich der Rechtstitel ihres Beſitzes veraͤndert hat, ſey es aus einer Urſache, die von einer dritten Perſon herruͤhrt, oder durch den Widerſpruch, den ſie dem Rechte des Eigenthuͤmers entge⸗ gengeſetzt haben. 2239. Diejenigen, welchen die Paͤchter, die Depoſitare und andere, die nur Zulaſſungsweiſe beſitzen, die Sache durch einen Titel uͤberlaſſen haben, der an und fuͤr ſich dazu ge⸗ eignet iſt, um das Eigenthum auf einen andern zu uͤbertragen, konnen ſie verjaͤhren. 2240. In dem Sinne kann man nicht wider ſeinen Ti⸗ tel verjaͤhren, daß man ſich ſelbſt die Urſache und den ur⸗ ſpruͤnglichen Grund ſeines Beſitzes nicht aͤndern kann. 2241. In dem Sinne kann man wider ſeinen Titel ver⸗ jaͤhren, daß man die Befreyung von einer uͤbernommenen Verbindlichkeit durch Verjaͤhrung erlangt. Viertes Capitel. Von den Urſachen, welche den Lauf der Verjaͤh⸗ rung unterbrechen oder in Stillſtand bringen. Erſter Abſchnitt. Von den Urſachen, welche die Verjaͤhrung . unterbrechen. 2242. Die Verjaͤhrung kann entweder im gemeinen und buchſtaͤblichen oder im buͤrgerrechtlichen Sinne des Wortes (naturellement ou civilement) unterbrochen werden. 2243. Eine Unterbrechung im gemeinen und buchſtaͤbli— chen Sinne des Wortes iſt alsdann vorhanden, wenn der Beſitzer, ſey es von dem alten Eigenthuͤmer, oder ſelbſt durch einen Dritten, des Genuſſes der Sache mehr als ein Jahr lang entſetzt iſt, III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 473 2244. Eine Vorladung vor Gericht, ein commandement oder Arreſt, welche demjenigen inſinuirt worden ſind, den man verhindern will, die Verjaͤhrung zu vollenden, be⸗ wirken eine Unterbrechung im buͤrgerlichen Sinne des Wor⸗ tes(eine Civil⸗Interruption). 2245. Eine Vorladung zum Verſuche eines Vergleichs vor das Friedens⸗Buͤreau unterbricht die Verjaͤhrung von dem Tage an, da ſie datirt iſt, in ſo fern eine Vorladung vor Gericht in den geſetzlichen Zeitfriſten darauf erfolgt. 2246. Eine Vorladung vor Gericht, ſollte ſie auch vor einen Richter geſchehen ſeyn, der keine Befugniß hat, uͤber die Sache zu erkennen, unterbricht die Verjaͤhrung. 2247. Iſt die Vorladung aus Abgang der Form un⸗ guͤltig; Laͤßt der Klaͤger von ſeiner Klage ab, Laͤßt er die Inſtanz erloͤſchen, Oder wird ſeine Klage verworfen, So wird die Unterbrechung ſo angeſehen, als wenn ſie niemahls erfolgt waͤre. 2248. Die Verjaͤhrung wird dadurch unterbrochen, daß der Schuldner oder Beſitzer das Recht desjenigen anerkennt, wider den er verjaͤhrte. 2249. Wird in Gemaͤßheit der vorhergehenden Artikel ei⸗ ner der Solidar⸗Schuldner zur Zahlung aufgefordert, oder die Richtigkeit der Schuld von ihm anerkannt, ſo wird die Verjaͤhrung auch wider die uͤbrigen und ſelbſt wider ihre Er— ben unterbrochen. Die Aufforderung, welche an einen der Erben des So⸗ lidar⸗Schuldners gerichtet worden, oder die von einem der Erben geſchehene Anerkennung unterbricht in Hinſicht der uͤbrigen Miterben die Verjaͤhrung nicht, wenn ſchon die For⸗ derung mit einem Hypothecken⸗Rechte verſehen ſeyn ſollte, die Verbindlichkeit ſey dann untheilbar. — 474 III. Buch. XX. Tit. Von der Verjähnung. Eben dieſe Aufforderung oder dieſe Anerkennung unter⸗ V bricht die Verjaͤhrung in Ruͤckſicht der uͤbrigen Mitſchuldner nur fuͤr die Antheile, wofuͤr dieſer Erbe verpflichtet iſt. Um in Hinſicht der uͤbrigen Mitſchuldner die Verjaͤhrung 1 fuͤr's Ganze zu unterbrechen, iſt es erforderlich, daß an alle Erben des verſtorbenen Schuldners eine Anmahnung ergehe, oder daß alle dieſe Erben die Schuld anerkennen. 2250. Eine an den Hauptſchuldner gerichtete Aufforde⸗ rung, oder die von ihm geſchehene Anerkennung unterbricht die Verjaͤhrung in Hinſicht der Buͤrgen. —9 Sꝙ—, Zweyter Abſchnitt. Von den Urſachen, wodurch der Lauf der Verjaͤh⸗ rung in Stillſtand geraͤth. 2251. Die Verjaͤhrung laͤuft wider alle Perſonen, ſie ſeyen dann in einer durch ein Geſetz feſtgeſtellten Ausnahme begriffen. 2252. Die Verjaͤhrung laͤuft nicht wider Minderjaͤhrige 3 und Interdicirte, vorbehaltlich deſſen, was im 2278. Artikel beſtimait iſt, und mit Ausnahme der uͤbrigen im Geſetze be⸗ ſtimmten Faͤlle. 2253. Sie laͤuft nicht unter Ehegatten. 2254. Die Verjaͤhrung laͤuft wider eine verheirathete, wenn ſchon in Beziehung auf ihr Vermoͤgen weder durch ei— G nen Heiraths-Contract, noch durch gerichtliches Erkenntniß von ihrem Manne ſeparirte Frau in Hinſicht derjenigen Guͤter, wovon ihr Mann die Verwaltung hat, vorbehaltlich ihres Regreſſes wider den Ehegatten. 2255. Sie laͤuft gleichwohl, in Gemaͤßheit des 1561. Artikels unter dem Titel von dem Heiraths⸗Con⸗ tracte und den gegenſeitigen Rechten der Ehe⸗ gatten, nicht waͤhrend der Ehe, in Hinſicht eines, nach Dotalrechten, zum Brautſchatze beſtellten und nachher ver⸗ aͤuſſerten Grundſtuͤckes. III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 475 2256. Waͤhrend der Ehe ſteht ebenfalls der Lauf der Verjaͤhrung ſtill. 1) In dem Falle, wo die Klage der Frau ſich eher nicht einfuͤhren ließ, als nach vorhergegangener Wahl unter der Annahme der Guͤtergemeinſchaft oder der Verzichtleiſtung auſ dieſelbe. 2) In dem Falle, wo der Ehegatte, der ein ſeiner Frau zugehoͤriges Gut ohne ihre Bewilligung veraͤuſſert hat, den Verkauf gewaͤhren muß, und in allen andern Faͤllen, wo die Klage der Frau in ihren Folgen auf den Mann zuruͤck⸗ wirken wuͤrde. 2257. Die Verjaͤhrung laͤuft nicht In Hinſicht einer Forderung, welche von einer Bedin⸗ gung abhangt, bis die Bedingung erfuͤllt iſt; In Hinſicht einer Klage auf Gewaͤhrleiſtung, bis die Eviction eingetreten iſt; In Hinſicht einer an einem beſtimmten Tage faͤlligen Forderung, bis dieſer Tag erſchienen iſt. 2258. Die Verjaͤhrung laͤuft nicht wider einen Beneficiar⸗ Erben in Hinſicht der Forderungen, welche er an der Erb⸗ ſchaft hat. Sie laͤuft wider eine vacante Erbſchaft, obſchon ihr noch kein Curator angeordnet iſt⸗ 2259. Sie laͤuft ebenfalls waͤhrend der drey Monate, die zur Errichtung eines Inventariums, und der vierzig Ta— ge, die um ſich zu entſchließen, verſtattet ſind. Fuͤnftes Capitel. Von der zur Verjaͤhrung erforderlichen Zeitfriſt. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 2260. Die Verjaͤhrung wird nach Tagen, nicht nach Stunden gerechnet. Sie iſt vollendet, wenn der letzte Tag der erforderlichen Zeitfriſt geendiget iſt. 47⁶ III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 2261. Bey Verjaͤhrungen, die in einer beſtimmten Zahl von Tagen ſich endigen, werden die Ergaͤnzungstage mitge⸗ rechnet. Bey denjenigen, die in einem oder in mehrern Monaten ſich endigen, werden die Ergaͤnzungstage in dem Monate Fructidor mit gerechnet. Zweyter Abſchnitt. Von der Verjaͤhrung in dreyßig Jahren. 2262. Alle ſowohl dingliche als perſönliche Klagen wer⸗ den in dreyßig Jahren verjaͤhrt, ohne daß derjenige, der ſich auf dieſe Verjaͤhrung bezieht, noͤthig habe, den Titel davon offen zu legen, oder daß man ihm die Einrede, daß er in boͤſem Glauben geweſen ſey,(die Einrede eines unredlichen Beſitzes) entgegenſetzen koͤnne. 2263. Nach Ablauf von acht und zwanzig Jahren, von dem Datum des letzten Titels anzurechnen, kann der Schuld⸗ ner einer Rente angehalten werden, ſeinem Glaͤubiger oder denjenigen, die in deſſen Rechte getreten ſind, einen neuen Titel,(ein neues Schuldbekenntniß) auf ſeine Koſten zu verſchaffen. 2264. Die Regeln der Verjaͤhrung in Beziehung auf an⸗ dere Gegenſtaͤnde, als unter dem gegenwaͤrtigen Titel er⸗ wähnt ſind, werden unter den Titeln erklaͤrt, die ihnen eigen ſind. Britter Abſchnit. Von der Verjaͤhrung in zehn und zwanzig Jahren. 2265. Wer in gutem Glauben und durch einen recht⸗ maͤßigen Titel ein liegendes Gut erwirbt, verjaͤhrt das Ei⸗ genthum daran in zehn Jahren, wenn der wahre Eigenthuͤ⸗ mer unter dem Gerichtszwange des Appellations⸗Gerichtes wohnt, in deſſen Bezirke das unbewegliche Gut gelegen iſt und in zwanzig Jahren, wenn er auſſer dieſem Bezirke wahn haft iſt. —— A—— III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 477 2266. Hat der wahre Eigenthuͤmer zu verſchiedenen Zei⸗ ten bald unter dieſem Gerichtszwange, bald auſſer demſelben ſeine Wohnung gehabt, ſo muß man, um die Verjaͤhrung zu vollenden, demjenigen, was an zehn Jahren der Gegen⸗ wart fehlt, doppelt ſo viel Jahre der Abweſenheit hinzufuͤ⸗ gen, als wirklich daran fehlen um die zehn Jahre der Ge⸗ genwart vollzaͤhlig zu machen.(Zwey Jahre der Abweſenheit werden fuͤr ein Jahr der Gegenwart gerechnet.) 2267. Ein Titel, der aus Abgang der Form unguͤltig iſt, kann die Verjaͤhrung von zehn und zwanzig Jahren nicht begruͤnden. 2268. Der gute Glaube wird allemahl vermuthet, und derjenige muß den Beweis fuͤhren, der ſich auf den boͤſen Glauben des andern bezieht. 2269. Es iſt hinreichend, daß im Augenblicke der Er⸗ werbung ein guter Glaube vorhanden geweſen. 2270. Nach zehn Jahren haben Baumeiſter und Bauun⸗ ternehmer fuͤr die Hauptbaͤue, die ſie gemacht oder dirigirt haben, weiter nicht zu haften. Vierter Abſchnitt. Von einigen beſondern Arten der Verjaͤhrung. 2271. Die Klage der Meiſter und Lehrer der Wiſſenſchaf⸗ ten und Kuͤnſte auf Zahlung fuͤr den Unterricht, den ſie Monatweiſe geben; Jene der Gaſtgeber und Speiſewirthe auf Zahlung des Quartiers und der Nahrung, die ſie liefern; Jene der Arbeiter und Tagloͤhner auf Zahlung ihres Ta⸗ gelohns, ihrer Lieferungen und Salarien, Werden in ſechs Monaten verjaͤhrt. 2272. Die Klage der Aerzte, der Wundaͤrzte und Apo⸗ theker wegen ihrer Beſuche, Operationen und verſchafften Arzneyen; 4278 III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. Jene der Huissiers auf die ihnen gebuͤhrende Belohnung fuͤr die Acte, welche ſie inſinuiren, und fuͤr die Auftraͤge, die ſie vollziehen; Jene der Kaufleute wegen der Waaren, die ſie an Privat⸗ perſonen, welche keine Handelsleute ſind, verkaufen; Die Klage derjenigen, welche einer Penſions⸗Anſtalt vor⸗ ſtehen, wegen der Penſion ihrer Zoͤglinge; und die Klage anderer Meiſter wegen des Lehrgeldes; Jene der Dienſtbothen, die ſich jahrweiſe verdingen, auf Zahlung ihres Lohnes; 1— Werden in Jahresfriſt verjaͤhrt. 2273. Die Klage der Axvoués auf Zahlung ihrer gehab⸗ ten Auslagen und Gebuͤhren wird, von dem Zeitpuncte an— zurechnen, da die Prozeſſe entſchieden, oder unter den Parteyen verglichen, oder die Vollmacht dieſer Avoués eingezogen wor⸗ den, in zwey Jahren verjaͤhrt. In Hinſicht der unbeendigt gebliebenen Sachen koͤnnen ſie wegen ihrer Auslagen und Gebuͤhren, die von mehr als fuͤnf Jahren ſich herſchreiben, keine Klage mehr anſtellen. 2274. Die Verjaͤhrung hat in den obenerwaͤhnten Faͤllen Statt, obſchon die Anſchaffungen, Lieferungen, Dienſte und Arbeiten fortwaͤhrend geſchehen ſind. Ihr Lauf nimmt nicht eher ein Eude, als wenn eine Rechnung abgeſchloſſen, eine Handſchrift oder ein Schuldbe⸗ kenntniß ausgefertiget, oder eine, nachher nicht wieder erlo⸗ ſchene Vorladung vor Gericht inſinuirt worden iſt. 2275. Jene, welchen dieſe Verjaͤhrungen entgegengeſetzt werden, behalten gleichwohl das Recht, denjenigen, die ſie vorſchuͤtzen, uͤber die Frage, ob in der That die Zahlung er⸗ folgt ſey, den Eid anzutragen. Der Eid kann den Wittwen und Erben, oder wenn dieſe noch minderjaͤhrig ſind, ihren Vormuͤndern angetragen werden, 1 III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 479 damit ſie erklaͤren, ob ſie nicht wiſſen, daß die Sache dem Klaͤger wirklich zuldmmt. 2276. Fuͤnf Jahre nach erfolgter Entſcheidung der Pro⸗ zeſſe ſind die Richter und Avoués fuͤr die ihnen anvertrauten Urkunden nicht mehr verantwortlich. Die Huissiers ſind nach zwey Jahren, von der Vollzie⸗ hung des ihnen ertheilten Auftrages, oder von der Inſinua⸗ tion der Acte, die ihnen anvertraut waren, anzurechnen, gleichfalls davon losgezaͤhlt. 2277. Ruͤckſtaͤnde faͤllig gewordener Erb⸗ und Leibrenten; Ruͤckſtaͤndige Koſtgelder; Die Miethpreiſe der Haͤuſer und der Pachtpreis von Landguͤtern; Zinſen von geliehenem Gelde, und uͤberhaupt alles, was von Jahr zu Jahr, oder in kuͤrzern periodiſch zuruͤckkehren⸗ den Friſten zahlbar iſt; Werden in fuͤnf Jahren verjaͤhrt. 2278. Die Verjaͤhrungen, wovon in den Artikeln des ge⸗ genwaͤrtigen Abſchnittes die Rede iſt, laufen wider Minder⸗ jaͤhrige und Interdicirte, vorbehaltlich ihres Regreſſes wider ihre Vormuͤnder. 2279. Bey Mobilien vertritt der Beſitz die Stelle eines Titels. Derjenige gleichwohl, der eine Sache verloren hat, oder dem ſie entwendet worden, kann ſie, drey Jahre hindurch, von dem Tage anzurechen, da er ſie verloren hat, oder da ſie geſtohlen worden, wider jeden, in deſſen Haͤnden er ſie findet, vindiciren, und dieſem bleibt der Regreß wider denjenigen, von dem er die Sache hat, vorbehalten. 2280. Hat der wirkliche Beſitzer der geſtohlenen oder ver— lornen Sache ſie auf einem Jahrmarkte, auf einem Mark⸗ te, oder in einem oͤffentlichen Ausrufe, oder von einem Handelsmanne gekauft, der mit aͤhnlichen Sachen handelt; 436 III. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. ſo hat der urſpruͤngliche Eigenthuͤmer kein Recht, ſie anderſt zuruͤckfordern, als wenn er dem Beſitzer den Preis erſtattet, den ſie ihm gekoſtet hat. 2281. Verjaͤhrungen, welche in dem Zeitpuncte der Ver⸗ kuͤndigung des gegenwaͤrtigen Titels ſchon ihren Anfang ge⸗ nommen haben, ſollen nach den alten Geſetzen beurtheilt werden. Die um dieſe Zeit angefangenen Verjaͤhrungen, wozu nach den alten Geſetzen, von demſelben Zeitpuncte anzurechnen, mehr als dreyßig Jahre erforderlich waͤren, werden gleich⸗ wohl durch dieſen Ablauf von dreyßig Jahren vollendet. Unterzeichnet: Bonaparte, erſter Conſul. Con⸗ traſignirt, der Staats⸗Secretair, Hugo B. Maret. Und beſiegelt mit dem Staats⸗Siegel. Durchgeſehen von dem Groß⸗Richter Juſtitz⸗Miniſter, unterzeichnet: Regnier. Beglaubt: Der Groß⸗Richter, Juſtitz⸗Miniſter, Regnier. G eſ et uͤber die Vereinigung der buͤrgerlichen Geſetze in eine einzige Sammlung unter dem Titel: Code civil des Français(Civil⸗Geſetzbuch der Fran⸗ zoſen.) (Decretirt den 30. Ventos 12. J. promulgirt den 10. des folgenden Monates Germinal.) Ark. 1. E⸗ ſollen in eine und dieſelbe Sammlung unter dem Ti⸗ tel: Code civil des Français(Civil⸗Geſeubuch der Franzoſen) ver⸗ einiget werden, folgende Geſetze, Naͤhmlich: 2) Das Geſetz vom 14. Ventos 11. Jahres. Ueber die Verkuͤndi⸗ gung, die Wirkungen und die Anwendung der Geſetze im Allge⸗ meinen. 2) Geſetz vom 17. Ventos 11. Jahres. Ueber den Genuß und Verluſt der Civil⸗Rechte. 3) Geſetz vom 20. Ventos 11. Jahres Ueber die Acte des Ci⸗ vil⸗Standes. 94 4) Geſetz vom 23. Ventos 11. Jahres. Ueber das Domieil. 5) Geſetz vom 24. Ventos 11. Jahres. Ueber die Abweſenden. 6) Geſetz vom 26. Ventos 11. Jahres. Ueber die Ehe. 7) Geſetz vom 30. Ventos 11. Jahres. Ueber die Eheſcheidung. 8) Geſetz vom 2. Germinal 11. Jahres. Ueber die Vaterſchaft und die Kindſchaft(Filiation). 9) Geſetz vom 2. Germinal 11. Jahres. Ueber die Adoption (Annahme an Kindes⸗Statt) und die freywillige Pflege eines minderjaͤhrigen Kindes aus voblipdigeſ Abſichten(tutelle off- ciesse). 41 31 4⁸ 10) Geſetz vom 3. Germinal 11. Jahres. Ueber die vaͤterliche Gewalt. 11) Geſetz vom 5. Germinal 11. Jahres. Ueber die Minder⸗ jaͤhrigkeit, Vormundſchaft und Emancipation, 12) Geſetz vom g. Germinal 11. Jahres. Ueber die Volljaͤh⸗ rigkeit, Interdiction und den gerichtlich angeordneten Beyſtand. 13) Geſetz vom 4. Pluͤvios 12. Jahres. Ueber die Eintheilung der Guͤter. 1 44427 94 14) Geſetz vom 6. Pluͤvios 12. Jahres. Ueber das Eigenthum. 15) Geſetz vom 9. Pluͤvios 12. Jahres. Ueber den Nießbrauch, den Gebrauch und die Wohnung. 16) Geſetz vom 10. Pluvios 12. Jahres. Ueber die Servituten, oder die auf Grund und Boden haftenden Dienſtbarkeiten. 17) Geſetz vom 29. Germinal 11. Jahres. Ueber die Succeſſion. 18) Geſetz tzom 13. Floreal 11. Jahres. Ueber die Schenkun⸗ gen unter Lebenden und Teſtamente. 19) Geſetz vom 17. Pluͤvios 12. Jahres. Ueber die Contracte oder die Rechte und Verbindlichkeiten, die aus Vertraͤgen ent⸗ ſtehen, im Allgemeinen.. 20) Geſetz vom 14. Pluͤvios 12. Jahres. Ueber die Verpflich⸗ rungen, die ohne Vertrag entſtehen. 21) Geſetz vom 20. Pluͤvios 12. Jahres. Ueber den Heiraths⸗ Contract und die gegenſeitigen Rechte der Ehegatten. 22) Geſetz vom 15. Ventos 12. Jahres. Ueber den Verkauf. 23) Geſetz vom 16. Ventos 12. Jahres. Ueber den Tauſch. 24) Geſetz vom 16. Ventos 12. Jahres. Ueber den Mieth⸗Con⸗ tract.. 25) Geſetz vom 17. Ventos 12. Jahres. Ueber den Societaͤts⸗ Contract.. 26) Geſetz vom 18. Ventos 12. Jahres. Ueber den Leih⸗ und Darlehns⸗ Contract. 27) Geſetz vom 23. Ventos 12. Jahres. Ueber den Hinterle⸗ gungs⸗Contract und die Sequeſtration. 28) Geſetz vom 19. Ventos 12. Jahres⸗ Ueber die gewagten Geſchaͤfte, Gluͤcks⸗ und Spiel⸗Vertraͤge. 483 29) Geſetz vom 19. Ventos ta. Jahres. Ueber den Vollmachts⸗ Contract. 30) Geſetz vom 24. Pluͤvios 12. Jahres. Ueber die Buͤrgſchaft. 31) Geſetz vom 29. Ventos 12. Jahres. Ueber die Vergleiche. 32) Geſetz vom 28. Pluͤvios 12. Jahres. Ueber den perſoͤnlichen Arreſt, als Executions⸗Mittel in Civil⸗Sachen. 33) Geſetz vom 25. Ventos 12. Jahres. Ueber den Pfand⸗Con⸗ tract. 34) Geſetz vom 28. Ventos 12. Jahres. Ueber die Privilegien und Hypothecken. 35) Geſetz vom 28. Ventos 12. Jahres. Ueber die oͤffentliche Vergantung liegender Guͤter, und die Rangordnung unter den Glaͤubigern. 36) Geſetz vom 24. Ventos 12. Jahres. Ueber die Verjaͤhrung. 2. Die ſechs Artikek, woraus das Geſetz vom 21. des laufen⸗ den Monates beſteht, und welche die ehrerbiethigen Acte zum Gegen⸗ ſtande haben, die von den Kindern bey ihren Eltern und Groß⸗Eltern in den Faͤllen, worin dieſes vorgeſchrieben iſt, einzulegen ſind, ſollen dem Titel von der Ehe nach dem Attikel, der ſich jetzt unter der Ziffer 151 befindet, eingeruͤckt werden. 3: Unter dem Titel“ Von der Eintheilung der Guͤ⸗ ter, ſoll nach dem Artikel, der jetzt die Ziffer 529 bey ſich fuͤhrt, die unter dem folgenden Artikel enthaltene Verordnung beygefuͤgt werden: Jede Erbrente iſt weſentlich loͤsbar, die als Kaufpreis eines liegenden Gutes, oder bey der Ueberträgung eines Immobilar⸗ Stuͤckes, die aus einem laͤſtigen oder wohlthaͤtigen Titel geſche⸗ hen iſt, als Bedingung davon fuͤr immer zugeſagt worden. Dem Glaͤubiger bleibt es gleichwohl unbenommen, die Clau⸗ ſeln und Bedingungen der Wiederloͤſe fuͤr immer feſtzuſtellen. Es iſt ihm gleichfalls erlaubt, ſich auszubedingen, daß die Rente nicht eher gelsſt werden ſoll, als nach einer gewiſſen Zeit, die jedoch niemahls uͤber dreyßig Jahre hinausgehen darf⸗ Jeder dieſem zuwider laufende Vertrag iſt ungäͤltig. 4. Das Civil⸗Geſetzbuch ſoll eingetheilt werden in einen Pralis minar⸗Titel und in drey Buͤcher. 484 Das Geſetz vom 14. Ventos 11. Jahres, uͤber die Ver⸗ kuͤndigung, die Wirkungen und die Anwendung der Geſetze im Allgemeinen, macht den Praͤliminar⸗Ti⸗ tel aus. 4. „Das erſte Buch ſoll aus den eilf ſolgenden Geſetzen beſtehen, unter der Aufſchrift: Von Perſonen. Das zweyte Buch ſoll aus den vier folgenden Geſetzen beſtehen, unter der Aufſchrift: Von den Guͤtern und den ver⸗ ſchiedenen Einſchraͤnkungen des Eigenthums. Das dritte Buch ſoll aus den zwanzig letzten Geſetzen, unter der Aufſchrift: Von den verſchiedenen Arten das Ei⸗ genthum zu erwerben, beſtehen. Jedes Buch wird in ſo viel Titel eingetheilt, als es Geſetze gibt, die hierunter begriffen ſeyn ſollen. 5. Fuͤr alle Artikel des Civil⸗Geſetzbuches ſoll nur eine ununter⸗ brochen fortlaufende Reihe von Ziffern Statt haben. 6. Der Verfuͤgung des erſten Artikels ungehindert, ſoll ein je⸗ des der Geſetze, die hierin angefuͤhrt ſind, von dem Tage an beob⸗ achtet werden, da es zu Folge ſeiner beſondern Promulgation ſeine Vollſtreckung erhalten mußte. 7. Von dem Tage anzurechnen, da dieſe Geſetze executoriſch ſind, haben die roͤmiſchen Geſetze, die Ordonnanzen, die allgemei⸗ nen und die beſondern Local⸗Gewohnheiten, die Statuten und Ver⸗ ordnungen in den Materien, welche der Gegenſtand der beſagten Geſetze ſind, woraus das gegenwaͤrtige Geſetzbuch beſteht, keine verbindliche Kraft mehr, als allgemeine oder als beſondere Geſetze. 48⁵ Rachtrag zu dem Civil⸗Geſetzbuche. Voruͤbergehendes Geſetz uͤber die Annahme an Kindes Statt. (Decretirt den 25. Germinal 11. J. promulgirt den 5. des folgen⸗ den Monates Floreal.) Art. 1. Aa Adoptionen, die ſeit dem 18. Januar 1792(alten Styls) bis zur Verkuͤndigung der im Civil⸗Geſetzbuche enthaltenen, auf die Adoption ſich beziehenden Verordnungen, durch authentiſche Acte geſchehen ſind, ſollen guͤltig ſeyn, obſchon es dabey an allen den Bedingungen fehlt, die ſpaͤterhin vorgeſchrieben worden ſind, um an Kindes Statt anzunehmen, oder angenommen zu werden. 2. Demjenigen, der waͤhrend ſeiner Minderjaͤhrigkeit an Kindes Statt angenommen wurde, und nunmehr volljaͤhrig iſt, ſoll es gleichwohl unbenommen ſeyn, in den naͤchſten drey Monaten nach Verkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Geſetzes auf die Adoption Verzicht zu thun. Dieſelbe Befugniß ſoll jeder andere Adoptirte, der jetzt noch minderjaͤhrig iſt, in den naͤchſten drey Monaten nach erlangter Voll⸗ jaͤhrigkeit ausuͤben koͤnnen. In einem wie im andern Falle geſchieht die Verzichtleiſtung vor dem Beamten des Civil⸗Standes, der an dem Wohnorte des Adop⸗ tirten in dieſer Eigenſchaft angeſtellt iſt, und wird dem Adoptanten in einer anderweiten Friſt von drey Monaten bekannt gemacht. 3. Die Adoptionen, worauf der Adoptirte nicht Verzicht gethan haben wird, ſollen folgende Wirkungen nach ſich ziehen. Sind ſeine Rechte durch einen authentiſchen Act oder Contract, durch eine Verordnung unter Lebenden oder auf den Todesfall, wo⸗ rin die Kinder in dem ihnen gebuhrenden geſetzlichen Antheile nicht 43⁶ verkuͤrzt ſind, durch einen Vergleich oder durch ein rechtskraͤftiges urtheil beſtimmt, ſo ſoll dieſem Acte oder Contracte, dieſer Ver, ordnung, dieſem Vergleiche oder Urtheil kein Abbruch geſchehen, ſondern ſie werden nach ihrem ganzen Inhalt vollzogen. 4. Fehlt es an jeder Gattung authentiſcher Acte, welche beſtim⸗ men, was der Adoptant dem Adoptirten hat geben wollen, oder ſind ſie verluſtig, ſo ſoll dieſer aller der Rechte genießen, welche den Adoptirten in dem Civil⸗Geſetzbuche eingeraͤumt ſind, in ſo fern nicht der Adoptant in den naͤchſten ſechs Monaten nach Verkuͤndi⸗ gung des gegenwaͤrtigen Geſetzes ſich vor den Friedensrichter ſeines Wohnortes ſtellt, um dort zu betheuern, daß es ſeine Abſicht nicht geweſen ſey, dem Adoptirten alle Succeſſionsrechte zu ertheilen, die einem ehelichen Kinde zuſtehen moͤchten, Die ebenerwaͤhnte Befugniß dieſe Betheurung uͤber ſeine Geſin⸗ nungen zu machen iſt ein Recht, das dem Adoptanten allein fuͤr ſeine Perſon zuſteht. Seinen Erben ſoll es nicht zu Statten kom⸗ men. 5. Wird der Adoptant die in dem vorhergehenden Artikel er⸗ waͤhnte Betheuerung binnen der durch eben dieſen Artikel vorgeſchrie⸗ benen Zeitfriſt vollziehen, ſo ſollen die Rechte des Adoptirten, ſo viel ſeine Anſpruͤche auf die Erbfolge betrifft, auf ein Drittel derje⸗ nigen Rechte beſchraͤnkt ſeyn, die ein eheliches Kind gehabt haben wuͤrde. 6. Sollte es ſich aus den Acten, welche zu Folge des z. Arti⸗ kels in ihrer Kraft erhalten ſind, ergeben, daß die Rechte des Adoptirten geringer ſeyn wuͤrden, als diejenigen, welche in dem Civil⸗Geſetzbuche ihm beygelegt ſind, ſo koͤnnen dieſe letztern ihrem ganzen umfange nach durch eine neue Adoption ihm eingeraͤumt werden. Die Behandlung dieſer Adoption ſoll alsdann nach den im Geſetzbuche enthaltenen Vorſchriften geſchehen, jedoch ohne wei⸗ tere Bedingungen von Seite des Adoptanten, als daß er keine ehe⸗ liche Kinder oder Abkoͤmmlinge habe, fuͤnfzehn Jahre aͤlter ſey, als der Adoptirte, und, wenn der Adoptant verheirathet iſt, die Ein⸗ willigung des andern Ehegatten erwirkt werde. 7. Uebrigens werden die Artikel 347, 348, 340, 351 und 352 des Civil⸗Geſetzbuches unter dem Titel von der Adoption, auf alle Individuen anwendbar erklaͤrt, welche ſeit dem Decret vom 18. Januar 17092, und ſeit andern ſich hierauf beziehenden Geſetzen adoptirt worden ſind. Voruübergehendes Geſetz uͤber die Wirkungen der Eheſcheidung. (Decretirt den 26. Germinal 11. J. promulgirt den 6. des fol⸗ genden Monates Floreal.) Art. 1. Alle Eheſcheidungen, welche vor Verkuͤndigung des im Civil⸗Geſetzbuche enthaltenen, auf die Eheſcheidung ſich beziehenden Titels von den Beamten des Civil-Standes ausgeſprochen, oder durch Urtheile gebilliget worden ſind, ſollen nach Inhalt der Ge⸗ ſetze, welche vor dieſer Verkuͤndigung beſtanden, ihre Wirkungen haben. Eheſcheidungs⸗Geſuche und Klagen, welche vor eben dieſem Zeit⸗ puncte eingelegt worden ſind, ſollen nach wie vor inſtruirt und behandelt werden. So, wie die Geſetze es vorſchreiben, wel— che zur Zeit der Klage oder des eingelegten Geſuches beſtanden, ſoll auf Eheſcheidung erkannt, und ihre rechtliche Wirkung ihr beyge⸗ legt werden. Vorubergehendes Geſetz uͤber die natuͤrlichen Kinder. (Decretirt den 14. Floreal 11. J. promulgirt den 24. desſelben Monates.) Art. 1. Der Zuſtand und die Rechte der auſſer der Ehe ge⸗ zeugten Kinder, deren Vater und Mutter ſeit der Verkuͤndigung des Geſetzes von 12. Bruͤmaire des 2. Jahres bis zur Verkuͤndi— gung der im Civik⸗Geſetzbuche enthaltenen Titel von der Vater⸗ ſchaft und der Kindſchaft, und von der Succeſſion verſtorben ſind, ſollen auf die in den ebenerwaͤhnten Titeln feſtge⸗ ſetzte Weiſe beſtimmt werden. . Verordnungen unter Lebenden oder Teſtamente, welche vor Verkuͤndigung derſelben Titel des Civil⸗Geſetzbuches errichtet worden ſind, und worin man die Rechte dieſer natuͤrlichen Kinder beſtimmt hat, ſollen gleichwohl vollsogen werden, vorbehaltlich ihrer Reduc⸗ tion auf den disponibeln Theil, nach Inhalt des Civil⸗Geſetzbuches, und unter gleichmaͤßigem Vorbehalt einer Ergaͤnzung fuͤr den Fall, 483 wo der geſchenkte oder vermachte Antheil die Haͤlfte desjenigeg nicht erreichen ſollte, was zu Folge desſelben Geſetzes dem natuͤr⸗ lichen Kinde gebuͤhren wuͤrde. z. Vertraͤge und rechtskraͤftige Urtheile, wodurch der Zuſtand und die Rechte der beſagten natuͤrlichen Kinder etwa beſtimmt wor⸗ den ſind, ſollen ihrem ganzen Inhalt nach vollzogen werden. Acte der Regierun g. Saint⸗Cloud den 25. Thermidor r. J. Die Regierung der Republik befiehlt auf den Bericht des Groß⸗ Richters, Juſtitz⸗Miniſters, nach genommener Einſicht des 1. Arti⸗ kels des Civil⸗Geſetzbuches, nnd nachdem ſie den Staatsrath ver⸗ nommen hat. Art. 1. Die hier angefuͤgte Tabelle uͤber die Entfernung eines jeden Hauportes in den Departementen von Paris, welche in Kylo⸗ metern, in Myriametern und alten Meilen berechnet iſt, ſoll dem Buͤlletin der Geſetze eingeruͤckt werden, um als Anzeiger des Tages zu dienen, an welchem zu Folge des erſten Titels des Civil⸗Geſetz⸗ buches, die geſchehene Promulgation eines jeden Geſetzes in jedem der Departemente der Republik als wirklich bekannt angenommen wird. 2. Der Groß⸗Richter, Juſtitz⸗Miniſter wird mit der Vollſtreckung der gegenwaͤrtigen Verordnung beauftragt, welche zugleich demn Buͤlletin der Geſetze eingeruͤckt werden ſoll. 4 ⁰ Tabellarische Darstellung der Entfernungen, von Paris bis zu jedem Hauptorte der Departemente, berechnet in ylometern, Myriametern und alten Meilen. N A HMEN DER ENTEERNUNGEN IN —————— 5 ½—. DEPARTEMENTE. HAuUPTORTE. 3 5 ——— A. Kil.— Ain.... Bourg... 432 43 2 86 1 Aisne....... Taon...... 127[12 7 25 Vs Allier.... SMoulins..... 239 28 957 5 [Alpes(Basses).. Digne...... 755 75 5 1151— Alpes(Haute).. Gap....... 665 66 5 155— Alpes-Maritimes.[Nice....... 960 96 192— Ardéeche...... Privas 600 60 6 121 Ardennes.....[NMCzières 234 23 4 46 ℳ⁄ SArriége... 1Oi....... 752 75 2 150 5 Aube.... Troyes..... 159 15 9 31 ½ SiAude....... Carcassonne... 765, 76 5 153— Aveyron......[Rhodès.... 692 69 2 158 ⅜ B. Bouches-du-Rhone Marseille 813 81 3 162% C. Calvados...... Caen.. 1 263 26 5 52 2 Cautal.8...[Aurillac.... 539 53 9 107„p Charemte.. Angouleme. 454 45 4 90„5 6 Charente-Inférieure Saintes...... 484 48 4 96 ⅞ ACher....... Bourges..... 235 25 5 4A6 ſ SCorrèze...... Tulle. 461[46 1 92 ⅜ NCote-d'oer. bijen J 505 130 5 562— 490 t NA HMEN DER ENTEERNUNGEN IN — 2 25 DrEPARTEMENT. HAuvPTORTE. 8 3 2 7 3 5 8: 2. 5 2 1. 5 4 Kil. Côtes-du-Nord.. Saint-Brieuc.. 446 44 6 89 5 Creuee Gueéret 428 42 8 85 D. Doire Iyrge 821 82 1 ſ164 Dordogne... Périgueux 472 47 2] 94%⅞ Doubsſ....... Besandon. 396 39 6 79 Drome....... Valenceh H560 56 0112— Dyle..... Bruxellee 305 30 5 61— E. Escaut....... Oand 3535 33 3 66 P—6 Eure........ Evreux 104 10 4 20 ⁄%½ Eure- et-Loir... Chartres„. 92 9 2 18 F. Pinistere...... OQuimper 623[62 3[124" Toréts....... Luxembourg. 367 36 7 73 ³ G. Gard....... Nimes j702[70 2 140 2 Garonne(Haute). Toulouse.. 669 66 9 133 ℳ GOrS....... Auch 745 74 5 143 J. Gironde...... Bordeaux 573 57 3 ſ1 14 2 Golo.... Bastia 873[87 3 174 Y H. FHerault...... Montpellier[752 75 2[150 2 NA HM EN DE HA ——-— DEPARTEMENTE. HAuPTORTE. 491 ENTEFERNUNGEN IN Ille-et-Vilaine.. Indre Indre-et-Loire.. .... Jura..... Landes....... Leman....... Loire...... Loire(Haute).. Loire Inférieure. Loiret....... L,Ot.... Lot-et-Garonne. (Lozore....... (Ly....... M. Maine- et-Loire. Manche...... Marenso...... Marne....... Marne(Haute).. Mayenne .„.. ⸗ —— Rennes. Chateauroux.. Tours.. Grenoble.... Mons.. Lons-le-Saulnier Mont-de-Marsan Geneve.. Ajaccio.. Slois...... Montbrison.. Le Puy.. Nantes. Orleans Canors... Agen.. DNende..... Pruges.. Angers.. Saint-Lo... Alexandrie.. Chalons... Chaumont.. Laval„.. —— 82 5 2 5 1 3 3 .) 346 34 6 68 ⅞ 259 25 9 51 5 242 24 2 48 5 568] 56 8 115 ⅜ 244 2434 48%9 411 41 1 82 p 702 70 2 140 75 514 51 4 102 S f 8753 87 3 24 71 181 18 1 36„,. 445. 44 3 88 3 505 50 5 101— 389 38 9 7 1 123 12 3 48 5 558 55 8 111% 714[71 4 ſ142 ⅜ 566 56 6 113 ⅓ 383 38 3 76 G 300 30 0 60— 326 32 6 65 G 852 85 2 170 5 164 16 4 32 ⁄ † 247 24 7 49 75 281 28 1 56„j/ 49²2 NAHMEN DEAA ENTFERNUNGEN IN ————ꝛ—— 1 8 DEPARTEMENTV. HAuETORTF. 5 5 2 3 2. EEr— 8 Kil. Meurthe...... Nancy 334 33 4 66 h% Meuse....... Par-sur-Ornain 251 25 1 50 P%⅞ Meuse Inférieure. Maestricht. 448 44 8 89% IPTont-Blanc....[Chambéry 565 56 5 115— Mont-Tonnerre..[Mayence. 5 48 54 8 109 5 DMTorbihan Vannes 500 50 0100— Moselle Meteta 308 30 8 61 5 N. Nethes(Deux).[Anvers 555 35 5 71— Nievre....... Nevers 236 23 16] 47% Nord.. Lile, 256 25 6 47[ O. Oise...... Beanvais.. 88] 8 8 17 lOrne........[dlengon. 191 19 1 38 7%⁄ Ourte. Liéegee 411[41 182 ͤ⁄ P. Pas-de-Calais. Arras 193 19 3 38 5 DO...... rurin 763[76 3 1 52 5 1 Puy-de-Dôome.. Clermont. 5384 38 4 76„„ Pyrénées(Basses), Pau. 781 78 1 1456„⁄3 Pyrénées(Hautes) Tarbes 815 81 5 /165— Pyrénées-Orientales Perpiguan... 888 88 8 1177 91 R. Rhin(Bas).... Strasbourg.. 464 46 4A 92 4ſ (Rhin(Haut). Colwar. 431 48 1 96 ͤ Rhin-et. Moselle. Coblentz.. 597 59 7 1 19 75 Rhene....[[yon J46b 46 6 93 vs [Roer Aixla Chapelle 457 45 7 91[S 493 8 5. 5 DEEARTEMENTE HAUPTORTE. 5 5= 1 E E 9 5— 8₰ 0 S. Kil Sambre-et-Meuse.[Namur... saone(Haute).[Vesoul... Sgone-et-Loire..[Mäcon... Sarre......(TPreves.. Sarthe.... Le Mans.. Geine....... L'l1S....——— Seine-Inférieure.[Rouen.. 137] 13 7 27 55 Seine-et-Man ne.. Melun... 46 4 6 9 7 Seine-et-Oise... Versailles. 21 23 4 ſ. [Sevres(Deux)... Niort..... 16 41 6 85 Sesia........ Veroeil. 836 83 6 167 G Somme..... Amiens... 128 12 8 25) 24 2 2₰ 7— 1 3/. stura......[Coni.... 843 84 3 168%% T. Tanaro.G. AsSti.. 816[81 6 r63 /¼ Tarn..... AIb... 57[65 7 131 2 V. 1 92* 6 Nar........ Draguignan. 890 89 0 178— Vauclüse..... Avignon.. 7d7[5O r41 5 Vendée.... HFontenay. 447 44 7[.89 2 Vienne......[L0111IS,.„ 343 34 5, 68 P . 5b E 0— 8 5 Vienne(Haute)..[Limoges.. 380 38 076— Vosges. Epinal... 381[38 1[76 168 16 00 ν —e VonnO..[Aunxerre„ ——— ——— Summariſcher Inhalt des Civil⸗Geſetzbuchs. Praliminar⸗Titel. Von der Verkuͤndi⸗ gung, den Wirkungen und der Anwen⸗ dung der Geſetze im Allgemeinen. Seite 4 Erſtes Buch. Won den Perſonen. I. Tit. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der Civil⸗Rechte— 8=.. 6 1. Capit. Von dem Genuſſe der Civil⸗Rechte.. daſ. II. Capit. Von dem Verluſte der Civil⸗Rechte. 2 1. Abſchnitt. Von dem Verluſte der Civil⸗Rechte, in ſo weit er aus dem Verluſte der fechlicen Ei⸗ genſchaft eines Franzoſen entſteht.. daſ. 11 Abſchn. Von dem Verluſte der Civil⸗ gechtt, als Folge gerichtlicher Verurtheilungen.. 4 9 II. Tit. Von den Aeten des Civil⸗Standes 12 1. Capit. Allgemeine Verfuͤgungen.. 4- daß II. Capit. Von den Geburts⸗Acten... 15 111. Capit. Von den Heiraths⸗Acten... 17 IV. Capit. Von den Sterbe⸗Acten... 21 V. Capit. Von den Acten des Civil⸗Standes auſſer dem Gebiethe der Republik, welche Militair⸗Perſonen be⸗ treffen... 8 3 5. 24 Summariſcher 495 vI. Capit. Von der Berichtigung der Acte des Civil⸗ Standes.... 3.„ Seite 26 III. Tit. Von dem Domicil.. 27 IV. Tit. Von den Abweſenden... 298 1I. Capit. Von der Vermuthung der Abweſenheit. daſ. n. Capit. Von der Abweſenheits⸗Erklaͤrung. 3 29 Ill. Capit. Von den Wirkungen der Abweſenheit 30 1. Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſen⸗ heit in Beziehung auf die Guͤter, welche der Ab⸗ weſende am Tage ſeines Verſchwindens beſaß daſ. lI. Abſchn. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Beziehung auf eventuelle Rechte, die dem Abwe⸗ ſenden zuſtehen köͤnnen.... 334 ullI. Abſchn. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Hinſicht auf die Ehe....„ daſ⸗ WV. Capit. Von der Aufſicht uͤber minderjaͤhrige Kin⸗ der, deren Vater verſchwunden iſt.... 35 V. Tit. Von der Ehe„. 1. daſ⸗ 7 V l. Capit. Von den Eigenſchaften und Bedingungen, welche erforderlich ſind, um eine Ehe ſchließen zu koͤnnen daſ. Capit. Von den Formalitaͤten, die ſich zu d Schlieſ⸗ ſung der Ehe beziehen.... 2 39 Ill. Capit. Von den Oppo ſitionen wider die Heiraih 4⁰ IV. Capit. Von Klagen auf Unguͤltigkeit der Ehe. 41 V. Capit. Von den Verbindlichkeiten, die aus der Ehe entſpringen...—.. 2 45 VI. Capit. Vaon den wechſelſeitigen Rechten und Pflich⸗ ton der Ehegatten... 3.. 42 VII. Capit. Von der Aufioͤſung der ehe. 20 VIII. Capit. Von der zweyten Heyrath... daſ. I. Tit. Von der Eheſcheidung„„ diaſ⸗ 1. Capit. Von den uUrſachen der Eheſcheidung„ daſ. lI. Capit. Von der Eheſcheidung wegen einer beſtimm⸗ ten Urſache......„ 5² ———— — 495 Sanhalt. 1. Abſchnitt. Von der Form des Verfahrens bey der Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache Seite ge II. Abſchn. Von den proviſoriſchen Maaßregeln, welche die Eheſcheidungs⸗Klage, wenn ſie auf ei⸗ ner beſtimmten Urſache ſich gruͤndet, veranlaſſen kann„. 3.. 4. 57 III. Abſchn. Von den Einreden, wodurch die Ein⸗ laſſung auf die Eheſcheidungs⸗Klage aus beſtimmter Urfache abgelehnt wird(fins de non- recevoir) 58 lI. Capit. Von der Eheſcheidung auf wechſelſeitige Ein⸗ willigung.. kan. 4.— V Capit. Von den Wirkungen der Eheſcheidung 64 V. Capit. Von der Abſonderung von Tiſch und Bette (perſoͤnlicher Trennung ohne Auffoͤſung det Ehe, sépa— ration de corps).. 4 G... 66 VII. Tit. Von d'eer Varerſchaft und der Kind ſchaft(Filiation).... 67 1. Capit. Von der Filiation ehelicher oder in der Ehe gebohrner Kinder ⸗. 1.. 1 Daf⸗ UI. Capit. Von den Beweiſen einer ehelichen Abſtam⸗ mung(des preuves de la filiation des enfans légitimes) 69 IH Capit. Von den natuͤrlichen Kindern 71 1. Abſchnitt. Von der Legitimation natuͤrlicher Kinder... 4 1.. daſ. II. Abſchn. Von der Ansesannas der natuͤrlichen Kinder 45 daſ. WIII. Tit. Von der Nünurion und der frey⸗ willigen Pflege eines minderjaͤhrigen Kindes aus dei bi iden Ab ſichten(tu- telle officieuse) 1.„* 1I7 73 1. Capit. Von der Adoption.. daſ. 1. Abſchnitt. Von der Adoption und foren Wir⸗ 1 kungen.. KV..... daſ. Il. Acb ſchn. Von der Form der Adoption. 75 JI. Capit. Von der freywilligen Pflege eines minderjaͤh⸗ rigen Kindes aus wohlthätigen Abſichten(tutelle offieieuae) 7/ genhalt. 9 IX. Tit. Von der vaterlichen Gewalt Seite 79 X. Tit. Von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation. 82 1. Capit. Von der Minderjaͤhrigkeit... daſ. II. Capit. Von der Vormundſchaft.. daſ⸗ 1. Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Eltern daſ. II. Abſchn. Von der durch die Eltern aufgetrage⸗ nen Vormundſchaft. 3— 84 n. Abſchn. Von der Dernundien der Ascenden⸗ ten.„ daß 1V. A bſch: n. Von der dur⸗ den zamilien, Rath auf⸗ getragenen Vormundſchaft.. 88 v. Abſchn. Von dem Neben⸗ Vormunde erae tuteur).. 89 VI. Abſchn. Von den Urſachen, welche von der Vormundſchaft befreyen.. 90 vI. Abſchn. Von der unfaͤhigkeit gur Vormund⸗ ſchaft, von der Ausſchlieäuns und Abſetzung von derſelben.... 93 VIII. Abſchn. Von der Verwateüg des Vormun⸗ des.. 95 IX. Abſchn. Von den vormandſdeftvgecnange 100 1ll. Capit. Von der Emaneipatidn 1 101 XI. Tit. Von der Volljaͤhrigkeit, der Inter⸗ diction und dem gerichtlich angeordne⸗ ten Beyſtande..... 23 104 1. Capit. Von der Polljaͤhrigkeité⸗— 4. daſ. Il. Capit. Von der Interdiction... daſ. lll. Capit. Von dem gerichtlich angeordneten Beyſtande 108 Zweytes Bu ch. Von den Guͤtern und den verſchiedenen Einſchraͤn⸗ kungen des Eigenthums. 1. Tit. Von der Eintheilung der Guͤter 109 Capit. Von den unbeweglichen Guͤtern. d9. 32 498 Summariſcher Il. Capft. Von den Mobilien. Seite 11 m. Capit. Von den Guͤtern in Beziehung auf ihre Be⸗ ſitzer...... 2.. 114 II. Tit. Von dem Eigenthum„. 1185 1. Capit. Von dem dechs Reche auf das, was die Sache hervorbringt. 4.. 116 n. Capit. Von dem Zuwachs⸗ Rechte auf das, was mit der Sache vereinigt und ihr einverleibt wird.. daſ. 1. Abſchnitt. Von dem Zuwachs⸗Rechte in Bezie⸗ hung auf unbewegliche Sachen.. 117 Il. Abſchn. Von dem Zuwachs⸗Rechte in Beziehung auf bewegliche Sachen.... 120 III. Tit. Von dem Nießbrauche, dem Ge⸗ brauche und der Wohnung. 123 1. Capit. Von dem Nießbrauche.... daſ. 1. Abſchnitt. Von den Rechten des Nießbrauchers. daſ. u Abſchn. Von den 8 Danletenhkien des Piesbitz chers.. 127 m Abſchn. Wie der Rießbrauc ſch endiget. 131 n. Capit. Von dem Gebrauche und der Einwohnung 133 IV. Tit. Von Servituten oder auf Grund und Boden haftenden Dienſtbarkeiten 134 I. Capit. Von den Dienſtbarkeiten, welche aus der Lage der Orte entſtehen...... 135 II. Capit. Von den Dienſtbarkeiten, velch durg das Geſetz eingefuͤhrt ſind.... 136 I. Abſchnitt. Von meiföeRute Mauern und Graͤben.... 137 II. Abſchn. Von der Enfernung und den Zwi⸗ ſchen⸗Mauern, welche bep gewiſſen Gebaͤuden er⸗ forderlich ſind...... 141 III. Abſchn. Von der Ausſicht auf das Eigenthum eines Rachbarn..... 142 IV. Abſchn. Von der Dachtraufe.. 143 Inhalt. 499 V. Abſchn. Von dem Rechte, ſeinen Weg uͤber eines andern Grund zu nehmen.. Seite 143 III. Capit. Von den Dienſtbarkeiten, welche durch die Handlung eines Menſchen erworben werden.. 144 I. Abſchnitt. Von den verſchiedenensGattungen der Dienſtbarkeiten, die auf liegenden Gruͤnden Statt haben köͤnnen.. daſ. II. Abſchn. Wie die Dienſtbarkeiten erworben wer⸗ den........ 145 III. Abſchn. Von den Rechten des Eigenthuͤmers eines Grundſtuͤckes, das zur Dienſtbarkeit berechti⸗ get iſt....... 142 IV. Abſchn. Wie die Dienſtbarkeiten erloͤſchen 148 Drittes Buch. Von den verſchiedenen Arten, das Eigenthum zu erwerben. Allgemeine Verfuͤgungenn.. 150 f. Tit. Von der Succeſſion.. 151 1. Capit. Von der Eroͤffnung einer Succeſſion und dem Uebergange des Beſitzes auf die Erben.. daſ. Il. Capit. Von den zur Eibiihigeei erfurderfichen Ei⸗ genſchaften...- 12352 IlI. Capit. Von den verſchiedenen claſſe der ra⸗ ſion nach ihrer Rangordnung,.... 154 l. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. daſ. II. Abſchn. Von dem Repraͤſentations⸗Rechte. 156 uI. Abſchn. Von der Succeſſion der Abkoͤmmlinge (Deseendenten).... 3. 157 1V. Abſchn. Von der Succeſſion der Ascendenten. daſ. V. Abſchn. Von der Succeſſion der Seiten⸗Ver⸗ wandten.„.„.„. 158 IV. Capit. Von der Irregular⸗Sueceſſon. 59 806 Summariſcher 1. Abſchnitt. Von den Rechten naͤtürlicher Kinder auf das Vermoͤgen ihrer Eltern, und von der Erb⸗ folge in dem Nachlaſſe naͤtuͤrlicher Kinder, die ohne Abkoͤmmlinge verſtorben ſind... 1. Seite 160 11. Abſchn. Von den Rechten des uͤberlebenden Ehegatten und der Republik. 1 8 162 V. Capit. Von der Annahme und der Ausſchlagung der Erbſchaften.... 3. 11. 163 1. Abſchnitt. Von der Annahme.. daſ. 1. Ab ſch n. Von der Entſagung der Erbſchaften 16 ½ m Abſchn. Von der Rechts⸗Wohlthat des Inven⸗ täriums, ihren Wirkungen und den Pflichten des nrreieianehen 1 A: n... 169 —. Abſchn. Von vacanten Erbſchaften(zu welchen nan Erbe ſich anmeldet).... 170 VI. Capit. Von der Theilung und Collation 3 151 1. Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form. 4.... 1 daſ. II. Abſchn. Von der Collation 177 unl. Abſchn. Von der Zahlung der Schulden. 181 1V. Abſchn. Von den Wirkungen der Theilung und der Gewaͤhr der Loſe 1 J. 183 V. Abſchn. Von der Heſohen in Theilungs⸗ Sachen. S.— 184 II. Tit. Von Schenkungen unter Lebenden und von Teſtamenten... 1 3.. 183 1. Capit. Allgemeine Verfuͤgungen 3. daß 1l. Capit. Von der Faͤhigkeit durch Sdenkn unter Le⸗ benden oder durch Teſtament zu verfuͤgen oder beguͤnſti⸗ get zu werden. n...... 186 Ull. Capit. Von dem Vermoͤgens⸗Antheife, woruͤber man verordnen darf, und von der Reduction 3. 189 1. Abſchnitt. Von dem Vermoͤgens⸗Antheile, wo⸗ ruͤber man verordnen dart. 1 daſß Iynhalt, Il. Acb ſchen, Von der Verminderung(Reduction) der Schenkungen und Vermaͤchtniſe Seite IV. Capit. Von Schenkungen unter Lebenden 1. Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen unter Lebenden.... nI. Abſchn. Von den Faͤllen, worin die Regel, daß Schenkungen unter Lebenden unwiderruflich ſind, eine Ausnahme leidet...... v. Capit. Von teſtamentariſchen Verordnungen 1. Abſchnitt. Von den allgemeinen Regeln uͤher die Form gewiſſer Teſtamente... 1. Ab ſchn. Von den beſondern Regeln üͤber die nien gewiſſer Teſtamente. t. Abſchn. Von den Erb ⸗Einſetzungen und den Bermaͤchtniſſen im Allgemeinen. „Abſchn. Von univerſal⸗Vermaͤchtniſſen V. Abſchn Von den Vermaͤchtniſſen unter einem Univerſal⸗Citel.. Vvl. Abſchn. Von den Partirular⸗Vermaͤchtniffen. vIl. Abſchn. Von Teſtaments⸗Executoren. Iu. Abſchn. Von Widerrufung der Teſtamente und den Faͤllen, worin ſie kraftlos werden Vvl. Capit. Von den Verordnungen, die zum Vortheile der Enkel des Geſchenkgebers oder Teſtirers, oder der Kinder feiner Geſchwiſter erlaubt ſind... VII. Cgpi.t. Von Theilungen⸗ die von dem Vater, von der Mutter oder andern Ascendenten unter ihren Des⸗ cendenten vorgenommen werden.. VII. Capit. Von den Schenkungen in einem Heiraths⸗ Contracte zum. Vortheile der Ehegatten, oder der aus der Che. zu hoffenden Kinder. X Cgpit. Von Verordaungen ugter Ehegatten in dem Heirgetzs⸗Contraete gder waͤhrend der Ehe 4 9 02¹ 191 193 daſ 197 200 daſ⸗ 203 208 daſ. 210 daſ. 213 214 217 223 336 302 Sumnariſcher III. Tit. Von Contracten oder von Rechten und Verbindlichkeiten, die aus Vertraͤ⸗ gen entſtehen, im Allgemeinen„ Seite 228 1. Capit. Praliminar⸗Verfuͤgungen.*. daſ. ll. Capit. Von den Erforderniſſen, welche zur Gültis⸗ keit der Vertraͤge weſentlich gehoͤren.. 7 zz0e 1. Abſchnitt. Von der Einwilligung daſ. Il. A bſchn. Von der Faͤhigkeit der contrahirenden Theile.. 1.... 232 Ill. Abſchn. Von dem Feaendond⸗ und der Ma⸗ terie der Contracte.. 233 IV. Abſchn. Von dem Peweggrunde.„ daf. ui. Capit. Von den Wirkungen der Verpflichtungen 234 1. Abſchn. Allgemeine Verfuͤgungen—. daſ. II. Abſchn. Von der Verpflichtung etwas zu geben daſ. Ill. Abſchn. Von der Derpgichhung etwas zu ſher oder nicht zu thun„. 236 W. Abſchn. Von dem Sohadene⸗Erfaze und von der Leiſtung des Intereſſe, als Folge der Nir er fuͤllung einer Verpflichtung.. daß V. Abſchn. Von der Auslegung der Berrrige 238 VI. Abſchn. Von der Wirkung der Vertraͤge in Ab⸗ ſicht auf dritte Perſonen.—. 239 lV. Capit. Von den verſchiedenen Gattungen der Ver⸗ vindlichkeiten... 3. 240 I. Abſchnitt. Von bedingten Derpfichtungen daſ. §. I. Von der Bedingung im Allgemeinen und ih⸗ ren verſchiedenen Gattungen 2.. daſ. §. HI. Von der aufſchiebenden Bedingung. 242 § UI. Von der aufloͤſenden Bedingung.. 243 I. Abſchn. Von Verpflichtungen auf Zeitbeſtim⸗ mung(von betagten Schulden).. 244 IIl. Abſchn. Von alternativen Verbindlichkeiten daſ. W. Abſchn. Von Solidar⸗Rechten und Verbind⸗ lichkeiten„...„„ 245 Inhalt. 503 §. 1 Von Solidar⸗Rechten unter den Glaͤubigern Seite 246 g. UI. Von Solidar⸗Verbindlichkeiten in Ruͤckſicht der Schuldner. 3.. daſ. v. Abſchn. Von theilbaren und uutheitbaren Ver⸗ bindlichkeitenl. 1.—. 4 250 g. 1. Von den Wirkungen einer theilburen Ver⸗ bindlichkeit....... daſ⸗ §. II. Von den Wirkungen einer untheilbaren Ver⸗ bindlichkeit...... 251 VI. Abſch n. Von Terbindlichteiten unter Poͤnal⸗ Clauſeln(bey Conventional⸗Strafe)—. 252 v. Capit. Von der Erloͤſchung der Verbindlichkeiten 254 I. Abſchnitt. Von der Zahlung... daſ⸗ §. 1. Von der Zahlung uͤberhaugt. daß⸗ F U. Von der Zahlung, verbunden mit der Ein⸗ ſetzung in die Rechte des Glaͤubigers.. 252 §. MII. Von der Aufrechnung der Zahlung. 258 §. WV. Von dem Anerbiethen der Zahlung und der Hinterlegung..... 259 §. V. Von der Guͤterabtretung... 262 u. Abſchn. Von der Novation.. 263 1II. Abſchn. Von der Erlaſſung der Schuld 1 265 WV. Abſchn. Von der Compenſation. 266 v. Abſchn. Von der Confuſion... 26 ½ Vl. Abſchn. Von dem Verluſte und Untergang der Sache, welche den Gegenkand der Verbindlichkeit ausmachte.... daſ⸗ VII. Abſchn. Von der Klage auf werniczung oder gerichtliche Aufhebung der Vertraͤea. 269 VI. Capit. Von dem Beweiſe der Werdhichrungen und de geſchehenen Zahlung... 271 „Abſchnitt. Von dem Beweiſe durch Ureunden daf. b9 1. Von authentiſchen Titeln... daſ. §. NI. Von Acten unter Priyat⸗Unterſchrift 2272 304 Summariſcher F. UlI. Von Kerbſtoͤcken.... Seite 275 5. Vl. Von Abſchriften der Urkunden.. daſ. F. V. Von Acten, welche eine Arerkendung und Beſtaͤtigung enthalten... 277 u. Abſchn Von dem Beweiſe durß Zeugen. 228 Il. Abſchn. Von Vermuthungen.. 280 . J Von Vermuthungen, walche durc heſeße aufgeſtellt ſind.... daſ. 9 11. Von Vermuthungen, welche durch kein Ge⸗ ſetz aufgeſtellt ſind.. 281 WV. Abſchn. Von dem Gekindniſt des Gegners daſ. v. Abſchn. Von dem Eide.. 3. 282 F. 1. Von dem angetragenen Haupteide. daf. g. nI. Von dem Eide, der Autzhalder Sipneager worden... 283 W. Tit. Von Berpſtichtangen, die ohne Vertrag entſtehen 4„„„.. 284 1. Capit. Von OQuaſt⸗Contracten. 283 II. Capit. Von Delicten(Vergehungen) und bſ De⸗ kieten„.„ 287 V. Tit. Von dem Heirat ba⸗Gontrarte un d den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten 288 I. Capit. Allgemeine Verordnungen.» daſ. 2 II. Capit. Von dem Inbegeiffe der Grundfaͤtze, die bey der ehelichen Guͤtergemeinſchaft eintreten... 291 1. Theil. Von der gefetzlichen Guͤtergemeinſchaft. daſ. 1. Abſchnitt Was an Vermoͤgen und Schulden zur Gemeinfchaft gehöret.. daſ. F. 1. Von dem Activ⸗Vermoͤgen der Gemeinſchaft daſ. §. u. Von den Laſten der ehelichen Guͤterge⸗ meinſchaft, und von den Klagen, die daraus entſtehen.... 294 n. Abſchn. Von der Verwaltung be Geneinſchaßt und den Wirkungen der Acte des einen oder des Inmnhalt. 40 andern Chegatten in Besiehung auf die eheliche Ge⸗ ſellſchaft.....„„Seite 298 1n. Abſchn. Von der Aufloͤſung der Guͤtergemein⸗ ſchaft und einigen ihrer Folgen... 302 1V. Abſchn. Von der Annahme der Guͤtergemein⸗ ſchaft, und der Verzichtleiſtung, wodurch man ſich jhrer begeben kann, ſamt den Bedingungen, welche ſich hierauf beziehen.. I 306 V. Abſchn. Von der Theilung des Ragemeinſchaße⸗ lichen Vermoͤgens nach erfolgter Annahme. 309 9. 1. Von der Cheilung des Activ⸗Vermoͤgens. daſ. §. H. Von den Laſten der Guͤtergemeinſchaft und dem Behtrage zur Tilgung der Schulden 312 VI. Abſch n. Von der Verzichtleiſtung auf die Guͤ⸗ tergemeinſchaft und ihren Wirkungen.. 314 Beſtimmung in Beziehung auf die geſetzliche Guͤter⸗ gemeinſchaft fuͤr den Fall, da einer der Ehegatten zie beyde zugleich Kinder aus vorhergehenden Ehen haben...... 31„ * I. Theil. Von der bedungenen Gutergemeinſchaft und den Vertraͤgen, welche die geſetliche Gemeinſchaft an⸗ derſt beſtimmen oder ſelbſt ausſchließen koͤnnen. daſ. 1. Abſchnitt. Von der Gutergemeinſchaft, welce„ auf die Errungenſchaft beſchraͤnkt iſt.. 316 N. Abſchn. Von der Clauſel, welche das Mobikar⸗ Vermoͤgen ganz oder zum Theile von der Guͤterge⸗ mneſhae ausſchließt.. 1.. 317 1. Abſchn. Von der Clauſel, wodurch Immobi⸗ 1, den beweglichen Guͤtern gleich geſtellt werden 318 W. Abſchn. Von der Clauſel, wodurch die Schul⸗ den von der Gemeinſchaft ausgeſchloſſen werden 319 v. Abſchn. Von der Befugniß, welche der Ehe⸗ gattinn eingeraͤumt worden, ihr eingebrachtes Ver⸗ moͤgen Schulden frey zuruͤckzunehmen.. 321 VI. Abſchn. Von der bedungenen Verausnahme 322 5056 Summariſcher VII. Abſchn. Von den Clauſeln, wodurch man den beyden Ehegatten ungleiche Theile in der Guͤterge⸗ meinſchaft anweiſet.... Seite 323 VIll. Abſchn. Von der Gemeinſchaft unter einem univerſaltitel...... 325 Verfuͤgungen, welche den dorſehenden ustnue ge⸗ mein ſind.... daſ. IX. Abſchn. Von Derträgen, welche die Giäterge⸗ meinſchaft ausſchließen.... 326 §. 1. Von der Clauſel, welche beſtinunt, daß die Ehegatten bey ihrer Heirath die Crgemein ſchaft ausſchließen... daſ. §. lI. Von der Clauſel, wodurch eine szuige Guter ſeparation beliebt wird... 327 . m. Capit. Von den Dotal⸗Rechten.. 32⁸ l. Abſchnitt. Von der Beſtellung des Srautſcades. daſ. II. Abſchn. Von den Rechten des Mannes an den Dotal⸗Guͤtern und der anreräuzerdihte eines Do⸗ tal⸗Grundſtuͤckes.... 329 m. Abſchn. Von der Wiedererſatuns des Braut⸗ ſchatzes..... 333 IV. Abſ chn. Von den Yeraphertal⸗Wütern. 235 Beſondere Verordnung..... 336 VvI. Tit. Von dem Verkaufe. daſ. 1. Ca„ it. Von der Natur und der Form des Verkaufes. daſ⸗ II. Capit. Wer kaufen oder verkaufen koͤnne.. 38 uI. Capit. Von den Sachen, welche verkauft werden koͤnnen.. o, 399 IV. Capit. Von den Obliegenheiten des Verkaͤufers 340 1. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen.. daſ. II. Abſchn. Von der Ueberlieferung.. daſ. ulI. Abſchn. Von der Gewaͤhr.. 344 g. 1. Von der Gewaͤhr im Falle einer Eviction daſ F. II. Von der Gewährleiſtuns fuͤr die Maͤngel der verkauften Sachhe... 347 Inhalt. 307 v. Capit. Von den Pflichten des Kaͤufers. Seite 348 VI. Capit. Von der Unguͤltigkeit und der Aufloͤſung des Verkaufes....... 380 1. Abſchnitt. Von dem Rechte auf Wiederkauf daſ. I1 Abſchn. Von Aufhebung des Verkaufes wegen Verletzung....... 33² VHl. Capit. Von der Verſteigerung. 334 VIII Capit. Von der Uebertragung der Forderungen und andexrer unkoͤrperlichen Rechte..—. 385 VII. Tit. Von dem Tauſche.. 357 VIII. Tit. Von dem Mieth⸗Contracte„358 1. Capit. Allgemeine Verfuͤgungen„ daſ. n. Capit. Von dem Mieth⸗ und daecenran, vis Sachen zum Gegenſtande hat. 2 3⁵9 1. Abſchnitt. Von den Regeln, die ſc auf die Miethe der Haͤuſer und der Landguter zugleich be⸗ ziehen, und beyden gemeinſchaftlich ſind..29 daſ. II. Abſchn. Von den beſondern Regeln, welche dem Mieth⸗Contracte uͤber Haͤuſer und Mobilien eigen ſind....... 366 Ill. Abſchn. Von den heſondern an, die ſch auf Pacht⸗ Contracte bezieben.. 368 III. Capit. Von dem Mieth⸗Contracte, in ſo weit er Ar⸗ beit, Dienſte und Induſtrie zum Gegenſtande hat. 3724 I. Abſchnitt. Von Verdingung der Diengborhen und Handarbeiter...,. daſ. I. Abſch n. Von den Tandtuhrleuie und eam leuten... daſ. 1lI. Abſchn. Von Bau Anſchligen 7 eea mane Werken. 3..—. 373 W. Capit. Von dem Verpachten und p Pun des Vie⸗ hes.....„ 7 a,. 375 I. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 2 daſ. II. Abſchn. Von der einfachen und gewoͤhnlichen Art, Bieh zu verpachten..... 326 303 Summariſchet J. Abſchn. Von der Deipachauna des Viehes zur⸗ Ae.... Seite 378 ebte 1. A bſchn. Von der Nutzung. des Viehes, welche Dder, Eigenthuͤmer ſeinem. Paͤchter einxaͤumt, der von ihm ein Gut entweder fuͤr einen beſtimmten Preis oder füͤt einen atiguoten Theil der⸗ Früchte in Be⸗ ſtand genommen hat.. 379 F⸗§. 1. Von deeien Füctii khtkſene Ruguns des Biehes, wenn er fuͤr einen beſtimmten Preis dae„gepachtet hat 0.. 4 4. daſ. 128’ 4 Il. Von der einem Pächtek überlafſenen Nutzung 8 des Viehes, wenn er fuͤrneinen aliquoten Theil 2 der Fruͤchte, gepachtet, hat.... 38⁰ 5 A 6 ſch 1. Von dem Tantwes⸗ der nur im un⸗ nannt wird....... 3381 IX. Tit. Nan dem Soiss Ai6,Contracte daſ. 1. Capit. Allgemeine Verfuͤgungen“ oa n.. daſ. C dile⸗ Von den verſchiedenen Gattungen der Geſell⸗ naa i dnu.. r. 382 8 1. RlFnlts.. Von af verfällen Geſellſchaften daſ⸗ II. Abſcchn. Von der Partieular⸗ Geſellſchaft 1. 38G zan. Capit. Von den Verpftichtungen der Geſellſchafter umtereinander und iin Verhaͤltniß zu dritten Perſonen daſ. ad5 1. Avſchilet. Von den Vetynigtunce der ge aſehen zuntereinander. daſ. 1 J. Abſchn. Von der Verpflichtung der rfaiſdafe Beziehung auf dritte Perſonen 1 I 383 w. Capit. Von den verſchiedenen Arten; wie der Ge⸗ i dfchafts⸗Conttact ſich endiger.... 380 Venisu in Besiehung auf Handlungs. Geſellſchaften 39* X. Tit, Von dem Leib⸗ und 2 Darlehns⸗ Con⸗ tracte.„rus h unbanf. 444 1 4 K1 daſ. 1. Capit.) Bon dem Leih⸗Con tracte.„ Ddaſß. 1* bſchnitt. Von der Natur des KAtchgtugne⸗ daſ. Inhalt. 509 u. Abſchn. Von den Verpflichtungen des Anleihers Seite 392 m. Abſchn. Von den Verpflichtungen des Leihers 303 u. Capit. Von dem Darlehn.... 394 1. Abſchnitt. Von der Natur des Darlehns. daſ. n. Abſchn. Von den Pflichten des Darleihers 395 I. Abſchn. Von den Pflichten des Lehners. daſ. 11I. Capit. Von dem Darlehn gegen Zinſen.. 396 XI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte und der Sequeſtration... 3 397 1. Capit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte im Allge⸗ meinen, und deſſen verſchiedenen Gattungen.. daſ. nI. Capit. Von dem Hinterlegungs⸗Contnacte im eigent⸗ lichen Sinne des Wortes.. 4.. 398 1. Abſchnitt. Von der Natur und dem Weſen des Hinterlegungs⸗Contractes..— daſ. n. Abſchn. Von der freywilligen Hinterlegung daſ. l. Abſchn. Von den Pflichten des Depoſitars. 399 1V. Abſchn. Von den Pflichten des Deponenten 402 V. Abſchn. Vpn der abgenoͤthigten Hinterlegung 403 Ill. Capit. Von der Secqueſtration... daſ. 1. Abſchnitt. Von den verſchiedenen Gattungen der Sequeſtration...—.. daſ. u. Abſchn. Von der Secgueſtration, welche zufolge eines Vertrags geſchieht. 4.. 404 Ill. Abſchn. Von der gerichtlich angeordneten Se⸗ queſtration oder Hinterlegung.... daſ. XII. Tit. Von gewagten Geſchaͤften, Gluͤcks⸗ und Spiel⸗Vertragen 405 1. Capit. Von dem Spiel und der Wette„. 406 n. Capit. Von dem Leibrenten⸗Contracte. daſ. 1. Abſchn. Von den Bedingungen, welche zur Guͤl⸗ tigkeit dee Contractes erforderlich ſind.. daſ. 510 Summariſcher 11. Abſchn. Von den Wirkungen des Contractes unter den contrahirenden Theilen. Seite a07 XIII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte 409 1. Capit. Von der Natur und der Form des Voll⸗ machts⸗Contractes.„.... daſ. II. Capit. Von den Pflichten des Bevolmachtigten. 410 IllIl. Capit. Von den Pflichten des Machtgebers. aur IV. Capit. Von den verſchiedenen Arten, wie eine Vollmacht erliſcht..... 4¹² XIV. Tit. Von der Baͤrgſchaft..„. Arz 1. Capit. Von der Natur und dem Umfange der Buͤrg⸗ ſchaft*. ·.** 6..«·* daſ. II. Capit. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft. 416 1. Abſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrg⸗ ſchaft unter dem Glaͤubiger und dem Buͤrgen. daſ. 1I. Abſchn. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter dem Schuldner und dem Buͤrgen.. 1417 ul. Abſchn. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter den Mitbuͤrgen.. 49 1. Capit. Von Erloͤſchung der Lürgſchaf.., daſ. WV. Capit. Von der geſetzlichen und der gerichtlichen Buͤrgſchaft....—.. 42⁰0 XV. Tit. Von dem Hergleiche.. 4221 XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte, als ein Executionsmittel in Civilſachen. 423 XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte 426 1. Capit. Von dem Fauſtpfanded 2a7 II. Capit. Von dem Verſatz unter einem antichretiſchen Vertrag 5-..... 4⁴⁸ XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypo⸗ ethecken.. 43 1. Capit. Allkgemeine Verfuͤgungen... daſ. II. Capit. Von den Privilegien(Prioritaͤtsrechten ohne Hypotheck)...*.*.. daſ⸗ Inhalt. 3¹1 1. Abſchnitt. Von Privilegien, die auf Mobilien Statt haben.... Seite 432 §. 1. Von allgemeinen Privilegien auf die Mo⸗ bilien.. 5.—. daſ. F. U. Von Privilegien auf gewiſſe Mobilien. 433 1l. Abſchn. Von Privilegien auf Immobilien. 435 I. Abſchn. Von den Privilegien, die ſich auf die Mobilien und Immobilien zugleich erſtrecken. 435 Iv. Abſchn. Wie die Privilegien in ihrer Kraft erhalten werden...... 437 llI. Capit. Von den Hpypothecken.... 499 1. Abſchnitt. Von den geſetzlichen Hypothecken. a40 Il. Abſchn. Von den gerichtlichen Hypothecken. daſ. IlI. Abſchn. Von den vertragsmaͤßigen Hypothecken. 441 WV. Abſchn. Von der gegenſeitigen Randordnung der Hypothecken. 2... 443 IV. Capit. Von der Art, wie Privilegien und we thecken eingetragen werden.... 446 V. Capit. Von der Loͤſchung und Reduction der einge⸗ tragenen Privilegien und Hypothecken.— 450 VI. Capit. Von der Wirkung der Privilegien und u pothecken wider dritte Beſitzer.... 453 VII. Capit. Von der Erloͤſchung der Prioilegien und Hypothecken...... 456 VIII. Capit. Von der Art ſein Eigenthum von Privile⸗ gien und Hypothecken zu befreyen.... daſ. M. Capit. Von der Art, die Guͤter der Ehegatten und der Vormuͤnder von den darauf haftenden Hypo⸗ thecken zu befreyen, wenn dieſe gar nicht darauf einge⸗ tragen ſind....... 461 X. Capit. Von der Publicitaͤt der Regiſter und der Verantwortlichkeit der Hypothecken⸗Bewahrer.. 463 XIX. Tit. Von der unfreywilligen oͤffent⸗ lichen Vergantung liegender Guͤter und] der Rangordnung unter den Glaͤubigern. 456 832 Summariſcher „1. Capit. Von der unfreywilligen oͤffentlichen Vergan⸗ tung liegender Guͤter.... Seite 466 UI. Capit. Von der Rangordnung und der Vertheilung des Preiſes unter den Glaͤubigenen... 469 XX. Tit. Von der Verjaͤhrung„ daſ. 1. Capit. Allgemeine Verfuͤgungen... daſ. II. Capit. Von dem Beſitze..... 470 m. Capit. Von den Urſachen, welche die Verjaͤhrung verhindern.... 8.. 47¹ WV. Capit. Von den Urſachen, welche dier Verjaͤhrung unterbrechen, oder in Stillſtand bringen.. 472 1. Abſchnitt. Von den Urſachen, welche die Ver⸗ jaͤhrung unterbrechen... 4. daf. II. Abſchn. Von den Urſachen, wodurch der Lauf der Verjaͤhrung in Stillſtand geraͤth.. 474 v. Capit. Von der zur Verjaͤhrung erforderlichen Zeit⸗ friſt..„ 2...„. 475 1. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen.. daſ. Il. Abſchn. Von der Verjaͤhrung in dreyßig Jahren. 476 1ll. Abſchn. Von der Verjaͤhrung in zehn und zwanzig Jahren.. 2... daſ⸗ 1v. Abſchn. Von einigen beſondern Arten der Berjährung...„. 4727 7 Geſetz uͤber die Vereinigung der buͤrger⸗ lichen Geſetze in eine einzige Sammlung unter dem Titel: Code Civil des Frangais (Civil⸗Geſetzbuch der Franzoſen) 481 Tranſitoriſche Geſetze⸗ Geſetz uͤber die Annahme an Kindes⸗Statt. 485 ——— Wirkungen der Eheſcheidung..487 ——= uatfrlichen Kinderyn„ daſ. Fegierungs⸗Beſchluß uͤber die Entfernung eines jeden Hauptorts in den Departementen von Paris.„„ 48 — 5 3 —.— Alphabetiſches Regiſter. A. Apeemmlinge. Siehe Descendenten. Abſchriften(der Urkunden). In wie ferne haben ſie Beweis⸗ kraft? S. 275— 276. Abſonderung(von Tiſch und Bett) Wann hat ſie Statt? S. 66. Wie wird die Klage hierauf eingeleitet und entſchieden? daſ. In welchem Falle kann der urſpruͤnglich Beklagte auf Eheſcheidung antragen? 67. Die Abſonderung von Tiſch und Bett zieht allemahl Separation der Guͤter nach ſich, daſ. Abſtammung(eheliche) S. Geburt. Abweſende. Wie fuͤr die Verwaltung der Guͤter der Praͤſumtiv⸗ Abweſenden geſorgt werde, S. 28— 29. Wann ihre Praͤſum⸗ tiv⸗Erben in den Beſitz ihrer Guͤter eingewieſen werden koͤnnen, 30. Eroͤffnung ihrer Teſtamente, 31. Rechte der zuruͤckgeblie⸗ benen Ehegattinn der Abweſ. daſ. Aufzeichnung des Mobi⸗ lar⸗Vermoͤgens, daſ. Verfahren in Higſicht der Immobilien, 32. In wie weit ihnen bey ihrer Zuruͤckkehr die Einkuͤnfte zu erſetzen, daſ. Definitive Einweiſung in den Beſitz ihrer Guͤ⸗ ter, 32— 33. Wann dieſe ihre Wirkung verliere, 33. Gegen wen die Rechte, welche man wider einen Abweſenden hat, gel— tend gemacht werden koͤnnen, daſ. Rechte der Abweſenden in Succeſſionsfaͤllen, 34. Rechte des Ehegatten, wenn der Abwe⸗ ſende keine Erben hinterlaͤßt, 35. Aufſicht uͤber die minder⸗ jaͤhrigen Kinder eines Abweſenden, da ſ. Die ehrerbiethigen Acte, die an abweſende Ascendenten haͤtten gerichtet derde muͤſſen, werden durch andere Formalitaͤten erſetzt, 37. Wem ſteht die Theilungsklage in Hinſicht auf abweſende Miterben zu? 172. Abweſenheit. Wann die Erklaͤrung derſelben nachgeſucht wer⸗ den koͤnne, S. 29. Wie die Abweſenheit conſtatirt werde, daſ. Wann das Urtheil hieruͤber auszuſprechen, 30. Wir⸗ kungen der Abweſenheit; Einweiſung in den proviſoriſchen Be⸗ ſitz der von einem Abweſenden hinterlaſſenen Guͤter ꝛc. ꝛc. daſ. Siehe Abweſende. Act. Muß uͤber alle Gegenſtaͤnde gefertiget werden, welche die Summe oder den Werth von 150 Francs uͤberſteigen, S. 278. Act(authentiſcher) Erklaͤrung deſſelben, S. 27. In wie feln er vollſtaͤndig beweiſe, 272. Wann kann das Eintragen des 33 314 Alphabetiſches ſelben in die oͤffentlichen Regiſter als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen? 276. Act(unter Privat⸗Unterſchrift) Wann er die Beweiskraft eines authentiſchen Actes habe, S. 272. Veriſication desſelben, wenn die Handſchrift oder Unterſchrift abgelaͤugnet wird, oder die Erben erklaͤren, daß ſie Handſchrift oder Unterſchrift ihres Autors nicht kennen, 273. Wie viel Originale davon ausge⸗ fertiget werden muͤſſen, daſ. Form desſelben, wenn einer der Betheiligten allein ſich verbindet, dem Andern eine Summe Geldes oder eine Sache, die ſich ſchaͤtzen laͤßt, zu leiſten, daſ. und 274. Wann ein Act unter Privat⸗Unterſchrift wider dritte Perſonen ein gewiſſes Datum erlange, 274. Act(welcher eine Anerkennung oder Beſtaͤtigung eines andern enthaͤlt) Wirkungen desſelben, S. 277— 228. Act(uͤber die Einwilligung der Eltern oder der Familie zur Hei⸗ rath) Was er enthalten muͤſſe, S. 20. Seiner muß im Hei⸗ raths⸗Act erwaͤhnt werden, 37. Act(ehrerbiethiger) Auf welche Weiſe muß er vor Schließung der Ehe von den ehelichen und natuͤrlichen geſetzlich anerkann⸗ ten Kindern bey den Eltern oder Großeltern eingelegt und wie⸗ derhohlt werden? S. 36— 38. Wird bey abweſenden As⸗ cendenten durch andere Formalitaͤten erſetzt, 38- Acte des Civil⸗Standes. Was ſie enthalten muͤſſen und nur enthalten duͤrfen, S. 12. Wann man ſich hiebey durch einen andern vertreten kaſſen koͤnne, daſ. Nur Mannsperſo⸗ nen koͤnnen bey denſelben Zeugen ſeyn, daſ. Sie muͤſſen vorge⸗ leſen und unterſchrieben werden, 13. Sie duͤrfen nicht auf fliegende Blaͤtter geſchrieben werden, 13. Regiſter uͤber dieſel⸗ ben, daſ. Im Auslande gefertigte Acte des Civil⸗Standes beweiſen in Frankreich, 14. Wie ſie in fremden Laͤndern den franzoſiſchen Geſetzen gemaͤß aufgenommen werden koͤnnen, daſ⸗ Auf welche Weiſe am Nande eines ſchon eingetragenen Actes eines andern erwaͤhnt werde, daſ. Strafe gegen die Ueber⸗ tretungen, 15. Von wem und wie die Acte des Civil⸗Standes außer Frankreich, welche Militair- oder andere bey der Armee angeſtellte Perſonen betreffen, gefertiget werden, 24— 26. Auf welche Weiſe und durch wen die Acte des Civil⸗Standes berichtiget werden koͤnnen, 2=6— 27. Siehe Geburts⸗ Heiraths⸗ und Sterbe⸗Act. Regiſter der Acte des Civil⸗Standes. Actien. An Finanz⸗ oder Handlungs⸗Geſellſchaften gehoͤren zu den Mobilien, S. 112. Adoption. Welchen Perſonen ſie erlaubt ſey, S. 73. Wir⸗ kungen derſelben in Betreff der Perſon des Adoptanten und Adoptirten und ihrer Guͤter, 74 u. f. Form des gerichtlichen Regiſter. 515 Verfahrens um die Annahme einer Adoption zu bewirken, 78 u. 77. Jedes Urtheil, wodurch die Adoption zugelaſſen wird, muß angeheftet und den Regiſtern des Civil⸗Standes eingetra⸗ gen werden, daſ. u. 77. Verfuͤgungen in Betreff der Adop⸗ tionen, welche ſeit dem 18. Januar 1794(a. St.) bis zur Verkuͤndigung der im Civil-Geſetzbuche enthaltenen auf die Adoption ſich beziehenden Verordnungen geſchehen ſind, 485 Adoptiren. Welche Perſonen koͤnnen adoptirt werden? S. 73. Was iſt Rechtens, wenn der Pfleger ſich weigert, ſeinen Muͤn— del zu adoptiren, und dieſer nicht im Stande iſt, ſich ſeinen Unterhalt zu verſchaffen? 79. Aftervermiethung. Iſt der Regel nach erlaubt, kann aber auch unterſagt werden, S. 360. Welche Verbindlichkeiten hat der Aftermiether gegen den Eigenthuͤmer? 366⸗ Agenten.(diplomatiſche) Koͤnnen Acte des Civil⸗Standes auf⸗ nehmen, S. 14. Sind von der Vormundſchaft befreyt, 90 51. Alimente. Siehe Unterhalt. Alluvion. Erklaͤrung derſelben, S. 118. Wann und unter welcher Bedingung nuͤtzt ſie dem angraͤnzenden Eigenthuͤmer? daſ. Sie hat bey Seen und Teichen nicht Statt, 119. Sie nuͤtzt dem Nießbraucher, 126. Anerkennung(die eines natuͤrlichen Kindes) wird am Rande des Geburts⸗Actes bemerkt, S. 17. Wie geſchieht ſie, und was hat ſie fuͤr Wirkungen, 71, 72, 160 u. f. Anleiher. Verpflichtung desſelben in Betreff der Aufbewahrung, Erhaltung und des Gebrauchs der ihm geliehenen Sache; wann er fuͤr den Verluſt und die Verſchlimmerung derſelben zu haften habe; er kann ſie gegen das nicht einbehalten, was der Leiher ihm ſchuldig iſt, S. 392— 393. Welche auf die Sache verwendete Koſten iſt er von dem Leiher zuruͤckzufordern berechtiget? 393. Annahme.(an Kindes⸗Statt) Siehe Adoption. Annahme.(einer Erbſchaft) Siehe Erbſchaft. Apothecker. Siehe Doctoren. Arreſt.(perſoͤnlicher) Wann hat er in Civil⸗Sachen Statt? S. 423— 426. Er kann nur zu Folge eines Urtheils vollſtreckt werden; die jergriffene Appellation iſt kein Suspenſiv⸗Mittel dagegen, 426 Ascendenten. Wann gebuͤhrt ihnen die Vormundſchaft? S. 34— 35. Wann und wie werden ſtie zur Erbfolge berufen; an welchen Erbſchafts⸗Sachen haben ſie ein ausſchließliches Recht? 157 u. 138. Sie koͤnnen ſelbſt bey Lebseiten der El— tern, fuͤr ihre minderjaͤhrigen Descendenten, wenn ſie auch 516 Alphabetiſches deren Vormuͤnder und Curatoren nicht ſind, Schenkungen an⸗ nehmen, 194. Aufgebothe. Wie viele und in welchem Zwiſchenraume ſolche der Schließung der Ehe vorhergehen muͤſſen, S. 17— 18. Wo ſie geſchehen muͤſſen, 39. Die Regierung kann vom zwey⸗ ten Aufgebothe dispenſiren, daſ. Ihre Form, daſ. Sie werden in ein beſonderes Regiſter eingetragen, daſ. Wann neue Aufgebothe erforderlich, daſ. Wenn die Aufgebothe in mehreren Gegenden geſchehen ſind, ſo muß erwieſen werden, daß keine Oppoſition eingelegt worden, 19. Wo ſie bey der Heirath der Militair⸗ und bey der Armee angeſtellten Perſonen geſchehen muͤſſen, 25. Strafen, wenn die Verfuͤgungen in Betreff der Aufgebothe nicht befolgt worden, 43 u. 44⸗ Auslegung⸗ Nach welchen Grundſaͤtzen die Auslegung der Ver⸗ traͤge geſchehen muͤſſe, S. 238 u⸗ 239. Ausſicht(auf das Eigenthum eines Nachbarn). Beſtimmungen in dieſer Hinſicht, S. 142. Autoriſation(des Mannes). In welchen Faͤllen die Frau derſel⸗ ben beduͤrfe, S. 47, 48/ 163, 187, 194, 213 u. 227. Wie, wenn ſie geweigert wuͤrde, 47. Kann nicht im allgemeinen ertheilt werden, 48. Wie, wenn der Mann minderjaͤhrig, interdi⸗ cirt oder abweſend iſt? daſ. Wer kann einen Act aus Man⸗ gel der Autoriſation anfechten? daſ⸗ Bau⸗Anſchlaͤge⸗ Siehe Werke(verdungene). Baumeiſter. Fuͤr welche Fehler und wie lange ſind ſie dafuͤr verantwortlich? S. 374 u. 477⸗ Wann ſind ſie eine Er⸗ hoͤhung des mit dem Eigenthuͤmer uͤbereingekommenen Preiſes zu fordern berechtiget? 374. Sie haben ein Privilegium auf das Werk, welches ſie aufgefuͤhrt oder ausgebeſſert haben, wenn ſie die vorgeſchriebenen Formalitaͤten beobachten, 435, 436 u. 438 Bauunternehmer. Siehe Baumeiſter. Baͤume. In welcher Entfernung die hochſtaͤmmigen von dem Gute des angraͤnzenden Nachbarn gepflanzt werden duͤrfen, S⸗ 141. Ragen die Aeſte der Baͤume uͤber des Nachbarn Eigen⸗ genthum hervor, ſo kann er verlangen, daß ſie abgeſchnitten werden; die Wurzeln, die ſich auf ſeinen Boden erſtrecken, kann er ſelbſt auf demſelben abſchneiden, daſ⸗— Beamte des Civil⸗Standes. Ihre Pflichten bey Verfer⸗ tigung der Acte des Civil⸗Standes, S. 12 u. 13. Sie para⸗ phiren die zu dieſen Acten gehoͤrigen Urkunden, 13. Duͤrfen Niemanden Auszuͤge aus ihren Regiſtern weigern, 14. Be⸗ nachrichtigen den kaiſerl. Procurator, wenn etwas am Rande eines aͤltern Actes anzumerken iſt, daſ. Strafen, wenn ſie Regiſter. 547 den Verfuͤgungen des Geſetzes in Betreff der Acte des Civil⸗ Standes zuwider handeln, 15, 37, 38 u. 44. Klage wider ihre Erben, 45. Sind gehalten die ihnen von der Armee, welche ſich im Auslande befindet, eingeſchickten Ausfertigungen der Acte des Civil⸗Standes in ihre Regiſter einzutragen, 26. Eben ſo die Urtheile, wodurch die Berichtigung eines Actes des Civil⸗Standes verordnet worden, 27. Muͤſſen in den Hei⸗ raths⸗Acten unter Geldſtrafe der Einwilligung derer, von denen ſie erfordert wird, und unter Geld⸗ und Gefaͤngnißſtrafe der ehrerbiethigen Acte, in den Faͤllen, wo ſie vorgeſchrieben ſind, erwaͤhnen, 37 u. 38, Strafen gegen ſie, wenn ſie die Vor⸗ ſchriften in Betreff der Aufgebothe nicht befolgen, 43 u. 44. Sie haben die Urtheile, wodurch eine Adoption angenommen wird, in ihre Regiſter einzutragen, 76— 77. Bedingung. Erklaͤrung der zufäͤlligen, willkuͤrlichen und vermiſchten Bedingung, unter der eine Verbindlichkeit einge⸗ gangen worden; welche Bedingung unguͤltig ſey, wie eine Be⸗ dingung erfuͤllt werden muͤſſe, wann ſie als erfuͤllt anzuſe⸗ hen; eine erfuͤllte Bedingung wirkt ruͤckwaͤrts, S. 240— 242. Erklaͤrung und Wirkung der aufſchiebenden Bedingung, 2a2 — 243. Erklaͤrung und Wirkung der aufloͤſenden Bedingung, 243⸗ Beerdigung. Wann und auf weſſen Erlaubniß ſie geſchehen duͤrfe, S. 21. Wie lange ſie verſchoben werden muͤſſe, wenn ſich Spuren eines gewaltſamen Todes ergeben, und was der Beamte des Civil⸗Standes in dieſem Falle zu thun habe, 22 und 23⸗ Beſitz. Erklaͤrung desſelben, S. 470. Vermuthungen, welche bey dem Beſitze eintreten, daſ. u 471. Handlungen, welche keinen Beſitz begruͤnden, 471. Bey den Mobilien vertritt der Beſitz die Stelle eines Titels, 479⸗ Beſitzer. Wann wird er Eigenthuͤmer der Fruͤchte einer fremden Sache? S. 116. Wer iſt ein redlicher Beſitzer? daſ. Betrug. In wie ferne er die Nichtigkeit eines Vertrages be⸗ wirke? S. 231. Bevollmaͤchtigte. Auch Weibsperſonen und emancipirte Min⸗ derjaͤhrige koͤnnen hiezu auserſehen werden, S. 4. Pflichten des Bevollmaͤchtigten, daſ. u. 411. In welchen Faͤllen haftet er fuͤr denjenigen, den er an ſeine Stelle geſetzt hat? a1i. Wann er, im Falle er ſeinen Auftrag uͤberſchritten, gegen dritte Perſonen zu keiner Gewaͤhrleiſtung verbunden ſey, daſ. Der Bevollmaͤchtigte kann die Vollmacht aufkuͤndigen, muß aber den Machtgeber entſchaͤdigen, wenn die Aufkundigung ihm ſchaͤdlich iſt, a13. Die Erben des Bevollmaͤchtigten ſind ver⸗ bunden, von ſeinem Tode den Machtgeber zu unterrichten, daſ⸗ 518 Alphabetiſches Beweis der eingegangenen Verpflichtungen, wie er durch Üürkun⸗ den(S. 272— 278), durch Zeugen(278— 280), durch das Geſtaͤndniß des Gegners(281— 28), durch den Eid (282— 28a) gefuͤhrt werden koͤnne. Biens meubles, mobilier, e;fets mobiliers.(Bewegliche Guͤter, Mo— bilar⸗Vermoͤgen, Mobilar⸗Habſeligkeiten) was hierunter verſtan⸗ den werde? S. 114. Bloͤdſinnige. Koͤnnen interdicirt werden, S. 104. Sie erhal⸗ ten waͤhrend des gegen ſie angeſtellten Verfahrens einen provi⸗ ſoriſchen Verwalter, und wenn die Interdiction angenommen wird, einen Vormund und Nebenvormund, 105 u. f. Im Falle die Interdiction verworfen wird, kann ihnen ein Beyſtand angeordnet werden, 105— 106. Siehe Interdiction. Brautſchatz. Der des Kindes eines Interdicirten wird vom Fami⸗ lienrathe beſtimmt, S. 107. Aus welchem Vermoͤgen muß der Brautſchatz genommen werden, wenn Vater und Mutter, oder der Vater allein ſolchen einem gemeinſchaftlichen Kinde verſprochen haben; wer hat fuͤr den Brautſchatz Gewaͤhr zu leiſten? 302 und 329. Der Mann hat allein die Verwaltung des Braut⸗ ſchatzes, z20; er iſt der Regel nach nicht verbunden, fuͤr den Brautſchatz Sicherheit zu leiſten, 330; in welchen Faͤllen er Ei— genthuͤmer desſelben werde, daſ.; in welchen zum Brautſchatze gegebene Immobilien waͤhrend der Ehe veraͤußert, zur Hypo⸗ theck geſtellt oder vertauſcht werden koͤnnen, daſ. u. 331— 332. Pflichten des Mannes in Betreff des Brautſchatzes, 332. Wann und wie die Wiedererſtattung desſelben nach aufgeloͤſter Ehe geſchehen muͤſſe, 333— 335. Von welcher Zeit an lau⸗ fen die Zinſen und Fruͤchte des Brautſchatzes, der wieder ge⸗ geben werden muß? 334. Buͤcher.(der Handelsleute) Was ſie beweiſen, S. 274. Buͤrge.(fuͤr die Schuld ein es andern) Was kann er zur Compen⸗ fation bringen? S. 267. Wirkungen des Eides, der dem Haupt⸗ ſchuldner oder Buͤrgen angetragen wird, 283. Zu was verpflichtet der Buͤrge ſich? 414. Man kann ohne Auftrag und ſelbſt ohne Vor⸗ wiſſen des Schuldners Buͤrge fuͤr jemand werden, daſ. Die Ver⸗ pflichtungen des Buͤrgen gehen auf ſeine Erben uͤber, 415. Was fuͤr Eigenſchaften muß ein Buͤrge haben, damit er ange⸗ nommen werden koͤnne? Wie, wenn der angenommene Buͤrge unfaͤhig wird zu zahlen? daf. u. 420. Wann kann der Buͤrge fordern, daß der Hauptſchuldner vorlaͤufig ausgeklagt werde, was hat er in dieſem Falle gegen den Glaͤubiger fuͤr Verbindlichkeiten zu erfuͤllen? 4¹6 u. 420 Mehrere Büurgen fuͤr dieſelbe Schuld koͤnnen auf Theilung der Klage antragen, 417. Der Buͤr⸗ ge, der Zahlung geleiſtet hat, hat der Regel nach ſeinen Re⸗ greß wider den Hauptſchuldner, daſ. Ausnahme hievon, 418. Er tritt in alle Rechte des Glaͤubigers⸗, daſ. In wel⸗ chen Faͤllen kann der Buͤrge, noch ehe er gezahlt hat, wider Regiſter. 519 den Schuldner auf Entſchaͤdigung klagen? daſ. u. 419. Welche Einreden iſt der Buͤrge befugt, dem Glaͤubiger entgegen zu ſetzen? 419. Wann wird er von ſeiner Verbindlichkeit entledi⸗ get? 420 u. 264. Wie, wenn jemand keinen Buͤrgen finden kann? 420. Gegen die gerichtlichen Buͤrgen hat perſoͤnlicher Arreſt Statt, 424.. Buͤrgſchaft zu leiſten ſind verbunden die Fremden, welche vor einem franzoͤſiſchen Gerichte als Klaͤger auftreten, S. 7; die⸗ jenigen, welche die Einweiſung in den proviſoriſchen Beſitz des Vermoͤgens eines Abweſenden verlangen, 30; der Nießbraucher, 127; der uͤberlebende Ehegatte, um in den Beſitz des Vermoͤgens des Vorverſtorbenen eingewieſen zu werden, 162. Buͤrgſchaft(die fuͤr die Schuld eines andern) ſetzt die Guͤltig— keit derſelben voraus; ſie erſtreckt ſich auf nichts mehr, als wozu der Schuldner verbunden iſt, S. 414. Was begreift jene in ſich, welche man unbeſtimmt fuͤr eine Hauptſchuld uͤber⸗ nommen hat? 415. Wann erloͤſcht die Buͤrgſchaft? 419— 420. Geſetzliche und gerichtliche Buͤrgſchaft, Verfuͤgungen in dieſer Hinſicht, 420⸗ C. Civil⸗Rechte. Wer ſie habe, S. 6. Wie ſie verloren werden, g u. f. Wie man ſie wieder erlange, da ſ. Collation. Wer zur Collation bey einer Erbſchaft verbunden, was derſelben unterworfen und nicht unterworfen ſey, zu weſſen Gunſten ſie eingefuͤhrt worden, wann und wie ſie in Natur oder dadurch geſchehe, daß man bey der Theilung ſo viel we⸗ niger nimmt, S. 177— 181, 190 u. 335. Compenſation. Unter welchen Perſonen, auf welche Weiſe und bey welchen Schulden ſie Statt finde, wer ſich hierauf berufen und nicht berufen koͤnne; ſie ſchadet den von einer dritten Pex— ſon erworbenen Rechten nicht, S. 266 u. 267. Confuſion. Wann ſie Statt habe, und welchen Perſonen ſie nuͤtze, S. 268. Contract. Erklaͤrung desſelben, S. 228. Was unter einem einſeitigen, zweyſeitigen, einem wohlthaͤtigen, laͤſtigen, und un⸗ ter einem Tauſch und Spiel⸗Contract verſtanden werde, S. 229. Erforderniſſe zur Guͤltigkeit der Contracte, 230. Im Allge⸗ meinen kann man durch Contracte nur fuͤr ſich etwas verſpre⸗ chen oder ſich bedingen; man kann ſich aber fuͤr einen Dritten darſtellen, und eine Handlung verſprechen, die dieſer leiſten ſoll, eben ſo kann man zum Vortheile eines Dritten ſich etwas ausbehalten, 231 u. 232. Perſonen, welche unfaͤhig ſind, Con⸗ tracte zu ſchließen, 232. Sachen, welche der Gegenſtand eines Contractes ſeyn koͤnnen, 233. Welcher Beweggrund zur Guͤl⸗ tigkeit desſelben erfordert werde, daſ. u. 234. Wirkungen der Contracte, 234 u. f. Grundſaͤtze, welche bey der Ausle⸗ 5 20 Alphabetiſches gung derſelben zu befolgen ſind, 238 u. 239. Wirkungen der Contracte in Ruͤckſicht auf dritte Perſonen, 239 u. 240. Grund⸗ ſaͤtze, nach denen die Contracte zu beurtheilen ſind, die unter einer Bedingung eingegangen worden, 240 u. f. Siehe Be⸗ dingung. Jeder zweyſeitiger Contract wird unter der ſtill⸗ ſchweigenden Bedingung geſchloſſen, daß er aufgeloͤſt ſeyn ſoll, wenn einer von beyden Seiten ſeinem Verſprechen nicht Genuͤge leiſtet, 243. Grundſaͤtze, nach denen die unter Poͤnal⸗Clauſeln eingegangenen Contracte zu beurtheilen ſind, 251 u. 252. Wie Contracte bewieſen werden koͤnnen, 271 u. f. Im Ausland geſchloſſene begruͤnden keine Hypotheck auf Guͤter, die in Frank⸗ reich liegen, 442. Siehe Verpflichtungen. Contumacial⸗Urtheil. Zieht den buͤrgerlichen Tod nach ſich, S. 10. Wie, wenn der Verurtheilte in der Gnadenzeit von fuͤnf Jahren ſich ſtellt oder ergriffen wird, 11. Wirkungen, wenn er durch das neue Urtheil losgeſprochen wird, oder waͤh⸗ rend der Gnadenzeit ſtirbt, daſ. Curator. Ein Curator wird demjenigen ernannt, der durch eine Verurtheilung ſich den buͤrgerlichen Tod zugezogen hat, um vor Gerichte aufzutreten, S. 10. Der Curator kann nur mit Ge⸗ nehmigung des Familien⸗Rathes Oppoſition gegen die Heirath ſeines Pupillen eingelegen, 41. Im Beyſeyn eines Curators wird dem emancipirten Minderjaͤhrigen die Vormundſchafts⸗ Rechnung abgelegt, 102. Ein im Schreiben unerfahrner Taub⸗ ſtummer kann nur durch einen Curator eine Erbſchaft anneh⸗ men, 194. Wann ein Curator der Leibesfrucht ernannt werde, 33- Pflichten des Curators einer vacanten Erbſchaft, 170—171. Curator eines liegenden Gutes, welches der dritte Beſitzer wegen der darauf haftenden Privilegien oder Hypothecken abtritt, 454. D. Dachtraufe. Verfuͤgung in Betreff derſelben, S. 143. Darlehn. Natur dieſes Contractes, S. 394. Wie muß die Zuruͤckzahlung eines Darlebens von baarem Gelde geſchehen? daſ. Es iſt erlaubt, bey einem Darlehn Zinſen zu ſtipu⸗ liren, 396. Darleiher. Pflichten desſelben; er kann die gelehnte Sache nicht vor der bedungenen Zeit zuruͤckfordern, S. 395. Er hat ein Privilegium auf das Immobilar⸗Stuͤck, zu deſſen An⸗ kaufe er Geld hergeſchoſſen hat; Bedingung, unter welcher er dieſes Recht ausuͤben kann, 435. Eben ſo, wenn er Geld geliehen hat, um die Arbeiter zu bezahlen, welche bey der Auffuͤh⸗ rung oder Ausbeſſerung eines Gebaͤudes gebraucht worden find, 436. Was muß er thun, um dieſe Privilegien zu conſerviren 2 438. Delegation. Bewirkt der Regel nach keine Novation, S. 263. Deponent. Pficchten desſelben gegen den Depoſitar, S. a02. Depoſitar. Pflichten desſelben, S. 399, 402 u. 402⸗ Wozu iſt der Erbe des Depoſitars verbunden, der im guten Glau —,— Regiſter. 521 ben eine deponirte Sache verkauft hat? 400. An wen, wo und wann muß der Depoſitar die bey ihm hinterlegte Sache zuruͤckgeben? 401— 402. In welchem Falle kann er das an⸗ vertraute Gut einbehalten? 402. Depoſitum. Siehe Hinterlegungs⸗Contract. Descendenten. Wann und wie ſie zur Succeſſion berufen wer⸗ den, S. 157. Dienſtbarkeiten. Erklaͤrung derſelben, S. 134. Sie ent⸗ ſtehen entweder aus der Lage der Orte, oder aus der Verfuͤ— gung des Geſetzes, oder werden durch die Handlung eines Menſchen erworben; Grundſaͤtze, welche bey jeder Art von Dienſtbarkeiten zu beobachten ſind, 135 u. f. Stadt⸗ Land⸗ Dienſtbarkeiren, ununterbrochen fortdaurende, nicht ununter⸗ brochen fortdaurende, ſichtbare, nicht ſichtbare, 144 u. 145. Wie ſie erworben werden, 145. Rechte des Eigenthuͤmers ei⸗ nes Grundſtuͤckes, das zur Dienſtbarkeit berechtiget iſt, 147. Wie die Dienſtbharkeiten erloͤſchen und wieder aufleben, 148. Dienſtbothen. Domicil der großjaͤhrigen Dienſtbothen, S. 28. Dienſtbothen koͤnnen wegen dieſer Eigenſchaft bey der Eheſchei— dungs⸗Klage nicht als Zeugen verworfen werden, 54. Die ihnen zugedachten Vermaͤchtniſſe werden nicht als Zahlung auf ihren Lohn angeſehen, 212. Regeln uͤber die Verdingung der Dienſtbothen, 372. Dienſtherr. Was wird ihm in Betreff des Lohnes ſeiner Dienſt⸗ bothen und Handarbeiter auf ſeine eidliche Verſicherung ge— glaubt? S. 372- Doctoren. Wann die der Arzney⸗ oder Wundarzneykunde, die Geſundheits⸗Beamten, Apothecker und Religionsdiener Vortheil aus Verordnungen unter Lebenden oder auf den Todesfall zie⸗ hen koͤnnen, S. 188. Dotal⸗Guͤter. 4 Dotal⸗Rechte.§ Domainen⸗Verwaltung. Was hat ſie zu thun, wenn ſie im Nahmen der Republik eine Erbſchaft in Anſpruch nimmt? S. 162 u. 163. Domicil. Wann hat man es in Beziehung auf die Heirath erlangt? S. 20. Welcher Ort fuͤr das Domicil anzunehmen, 27. Wie die Veraͤnderung desſelben bewirkt und erwieſen werde, daſ. Domicil der oͤffentl. Beamten, verheiratheten Frauen, Minder⸗ jaͤhrigen und Dienſtbothen, daſ. u. 28. Die Parteyen koͤnnen in einem Acte zur Vollziehung desſelben, nach Gefallen ein Domicil erwaͤhlen, 28. Siehe Brautſchatz. E. Ehe. Wo muß ſie geſchloſſen werden? S. 20 u. 39. Welche Formalitaͤten hat der Beamte des Civil⸗Standes hiebey zu er⸗ 522 Alphabetiſches fuͤllen? 20. Von dem Ehegatten eines Abweſenden geſchloſſen, wer ſie beſtreiten koͤnne, 34. Wer eine Ehe ſchließen koͤnne, 35— 36. In wie weit Kinder hiebey der Einwilligung ihrer Eltern, Großeltern oder des Familienraths beduͤrfen; 36 u. 38. Auf welche Weiſe Kinder ſich vor Schließung der Ehe den Rath ihrer Eltern oder Großeltern erbitten muͤſſen, 36 u. f. Unter welchen Perſonen ſie verbothen ſey, 38, 39 u. 74. Wann die von Franzoſen im Auslande geſchloſſenen Ehen guͤltig ſeyen, ao. Unguͤltigkeit der Ehe im allgemeinen, wer hierauf klagen koͤnne und in welchen Faͤllen, 41 u. f. Wer die buͤrgerlichen Wirkungen der Ehe reclamiren koͤnne, 44. Was iſt Rechtens, wenn die Erxiſtenz einer geſetzlichen Ehe durch das Reſultat eines Criminal⸗Verfahrens erwieſen wird, oder wenn die Ehe zwar unguͤltig aber in gutem Glauben ge⸗ ſchloſſen worden, 45. Verbindlichkeiten, die aus der Ehe ent⸗ ſpringen, 45 u. 46. Wodurch die Ehe aufgeloͤſet werde, 49- Ehebruch. In wie fern begruͤndet er die Klage auf Eheſchei⸗ dung? S 40. Ehefrau. Pflichten derſelben gegen ihren Mann, S. 47. Wann ſie ſei⸗ ner Autoriſation beduͤrfe, daſ. u f. Siehe Autoriſation. Sie kann ohne ſelbe teſtiren, 49 u. 187, und die Transſerip⸗ tion in Betreff der ihr geſchenkten Guͤter vornehmen laſſen, 195⸗ Wann kann ſie die Eheſcheidung wegen eines von ihrem Manne begangenen Ehebruchs nachſuchen? 49. Sie iſt befugt waͤh⸗ rend der Eheſcheidungsklage die Wohnung ihres Mannes zu verlaſſen, und auf eine Penſion anzutragen, 57. Wann ſic dieſe verliere, 58. Sie kann waͤhrend des Eheſcheidungs⸗ Prozeſſes zur Sicherſtellung ihrer aus der Guͤter⸗Gemein ſchaft entſpringenden Rechte die Mobilar-⸗Effecten ihres Mannes unter Siegel legen laſſen, daſ. Sie wird zur Zuchthausſtrafe ver⸗ urtheilt, wenn ſie wegen eines von ihr begangenen Ehebruchs von ihrem Manne geſchieden wird, 64. Sie kann zur Vor⸗ muͤnderinn ihres interdicirten Mannes ernannt werden, 107. Wann hat in Civoilſachen perſoͤnlicher Arreſt gegen ſie Statt? 425. Sie hat auch ohne Eintragung eine Hypotheck auf das Immobilar⸗Vermoͤgen ihres Mannes in Hinſicht des Brautſcha⸗ tzes und alles deſſen, was ihr aus der Eheſtiftung gebuͤhrt, 443- Wann ninmt dieſe Hypotheck in Hinſicht gewiſſer Dotal⸗Gel⸗ der, der Entſchaͤdigung, welche ihr fuͤr die mit ihrem Manne gemachten Schulden zukommt, und der ihr gebuͤhrenden Wie⸗ dererſtattung ihres veraͤuſſerten Eigenthums ihren Anfang? 4a4. Sie kann ſelbſt die Eintragung dieſer Hypotheck verlangen, 445. Wann und wie kann ſie nur auf gewiſſe Guͤter des Mannes beſchraͤnkt werden? da ſ. u. 446. Auf Bergantung der Immobilien, welche ihr gehoͤren und nicht in die Guͤterge⸗ meinſchaft gefallen ſind, wird wider ſie und ihren Mann ver⸗ fahren, 467. Siehe Guͤtergemeinſchaft, G uͤter⸗Se⸗ paration⸗ Regiſter. 5²³ Ehegatte. Wer kann den Nahmen eines Ehegatten in Anſpruch nehmen? S. 44. Wechſelſeitige Rechte und Pflichten der Ehe⸗ gatten, 47. In welcher Zeitfriſt muß der Ehegatte, der gegen den andern die Erlaubniß zur Eheſcheidung erwirkt hat, ſolche von dem Beamten des Civil⸗Standes ausſprechen laſſen? 56 u. 57. In welcher Zeitfriſt muß ſie ausgeſprochen werden, wenn ſie auf wechſelſeitige Einwilligung erfolgt iſt? 64. Geſchiedene Ehegatten koͤnnen ſich nicht wieder miteinander vereheligen, eben ſo duͤrfen wegen Ehebruch geſchiedene ihren Mitſchuldigen nicht heirathen, daſ. Der Ehegatte, wider den die Scheidung zu⸗ gelaſſen worden, verliert alle von dem andern Ehegatten erhal⸗ tenen Vortheile, 65. Er kann verurtheilt werden, dem an⸗ dern eine Penſion zu bezahlen, daſ. Ehegatten koͤnnen ohne beyderſeitige Einwilligung niemanden adoptiren, 73. Aus⸗ nahme von dieſer Regel, 78. Ein Ehegatte kann nur mit Bewilligung des andern Pfleger eines Kindes werden, 77 Der uͤberlebende Ehegatte muß ſich in den Beſitz der Erbſchaft des Vorverſtorbenen einweiſen laſſen, 152 u. 162. Wann wird er ſein Erbe, und was hat er als ſolcher zu thun? 162. Welche Schenkungen koͤnnen den Ehegatten in dem Heiraths-Contracte von einem Dritten gemacht werden, in welcher Form muͤſſen ſie ge⸗ ſchehen, nach welchen Grundſaͤtzen ſind ſie zu beurtheilen, und wann werden ſie kraftlos? 223— 226. Was koͤnnen Ehegatten ſich in dem Heiraths⸗Contracte oder waͤhrend der Ehe durch Teſta⸗ ment oder Acte unter Lebenden ſchenken? 226— 228. Form dieſer Schenkungen, und Grundſaͤtze, nach denen ſie beurtheilt werden, daſ. Wie werden die Rechte der Ehegatten beſtimmt, wenn ſie keinen Ehevertrag geſchloſſen haben, 29 u. f. Der uͤberlebende Ehegatte verliert den Genuß der Einkuͤnfte ſeiner minderjaͤhrigen Kinder, wenn er nach dem Abſterben des einen kein Inventarium hat errichten laſſen, 303. In welchen Faͤllen kann unter Ehegatten ein Kauf⸗ und Verkauf⸗Contract Statt haben? 338. Ehemann. Pflichten desſ. gegen ſeine Frau, S. 47⸗ Er iſt geſetzli⸗ cher Vormund ſeiner interdicirten Frau, 107. In welchem Falle er ohne Mitwirken ſeiner Frau auf die Theilung der ihr zugefallenen Mobilien und Immobilien antragen koͤnne, 172. Er hat fuͤr die Transſeription der Acte in Betreff der ſeiner Frau geſchenkten Guͤter zu ſorgen, 195. Er verwaltet allein die zur eheligen Gemeinſchaft gehoͤrigen Guͤter, ſeine Rechte in dieſer Hinſicht, 29 8. Er hat allein die Verwaltung der Do⸗ tal⸗Guͤter waͤhrend der Ehe, 329 u. f. Ohne ſeine Einwilligung kann die Frau nichts von ihren Paraphernal⸗Gutern veraͤußern, 335. Er iſt verbunden, die in Betreff der Rechte der Frau auf ſeine Immobilien haftenden Hypothecken eintragen zu laſ⸗ ſen; wann wird er wegen Verſaͤumung dieſer Verbindlichkeit des Stellionats pflichtig geachtet? 444. Wider ihn wird auf Vergantung der Immobilien, die zur Guͤtergemeinſchaft gehoͤ⸗ ren, verfahren, wenn gleich die Frau zur Zahlung verbunden iſt, 467⸗ Siehe Guͤtergemeinſchaft, Guͤterſeparation. 24 Alphabetiſches Eheſcheidung. Aus welchen Urſachen ſie Statt habe, S. 49 u. 50. Form des Verfahrens bey der Eheſcheidung wegen ei⸗ ner beſtimmten Urſache, 5o— 58. Wann hat die Eheſchei⸗ dung auf wechſelſeitige Einwilligung Statt? 59. Was haben die Ehegatten zu thun, bevor ſie vor dem Praͤſidenten des Be⸗ zirks⸗Gerichts erſcheinen? daſ⸗ u. 60. Weiteres Verfahren, daſ. u. f. Wirkungen der Eheſcheidung, 64 u. f. Wann kann der urſpruͤnglich Beklagte bey der Abſonderung von Tiſch und Bett auf Eheſcheidung antragen? 67. Siehe Ehegatte, Ehefrau, Ehemann, kaiſerl. Procurator, Kin⸗ der, Praͤſident. Eheſcheidungs⸗Klage. Wird erſt nach dem hiebey entſtan⸗ denen Criminal⸗Verfahren entſchieden, S. 5o. Wo ſie ange⸗ bracht werde, daſ. u. 51. Proviſoriſche Maaßregeln, welche ſie, wenn ſie ſich auf einer beſtimmten Urſache gruͤndet, veran⸗ laſſen kann, 57. Wann iſt ſie erloſchen, wenn ſie aus einer beſtimmten Urſache angeſtellt worden? 58— 59. Eid. Zwey Gattungen desſelben; in welchen Faͤllen er von den Parteyen angetragen und zuruͤckgeſchoben werden koͤnne; Wir⸗ kung des in einem ſolchen Falle geleiſteten Eides. Zu welchen Zwecke und unter welchen Bedingungen der Richter einem der ſtreitenden Theile den Eid auflegen koͤnne, S. 282— 284. Jene, welchen gewiſſe Verjaͤhrungen entgegengeſetzt werden, haben das Recht, denen, die ſie vorſchuͤtzen, uͤber die Frage den Eid aufzutragen, ob in der That die Zahlung erfolgt ſey, 478 3 ihren Wittwen und Erben uͤber die Frage, ob ſie nicht wiſſen, daß die Sache dem Klaͤger wirklich zukommt, daſ. Eigenthum. Erklaͤrung desſelben, S, 115. Unter welcher Be⸗ dingung man gezwungen werden koͤnne, es abzutreten, daſ⸗ Auf welche Art es erworben werden und auf andere uͤbergehen könne, 130⸗ Eigenthumsrecht. Worin es beſtehe, S. 115. Eigenthuͤmer. Rechte desſelben, S. 114 u. f. Welche Fruͤch⸗ te ihm gehoͤren; was Rechtens ſey, wenn ein anderer Koſten auf ſeine Sache verwendet hat, 116. In wie ferne er an, uͤber und unter der Oberflaͤche ſeines Grund und Bodens An⸗ lagen machen koͤnne, 117. Er hat die Vermuthung fuͤr ſich, daß alle auf oder unter ſeinem Boden gemachten Anlagen ihm zugehoͤren, daſ. Was iſt Rechtens, wenn er mit fremden Materialien, wenn ein Dritter mit ſeinen Materialien auf dem Boden des Eigenthuͤmers gebaut hat? 117— 118. In wel⸗ chen Faͤllen und unter welcher Bedingung nuͤtzt ihm die Allu⸗ vion? 119. In welcher Zeitfriſt muß er ſein Eigenthum re⸗ clamiren, wenn ihm ein kenntbarer und betraͤchtlicher Theil ſei⸗ nes Bodens durch einen Fluß oder Strom abgeriſſen worden? daſ. Was iſt Rechtens, wenn zwey Sachen, die verſchiede⸗ nen Eigenthuͤmern gehoͤren, miteinander vereinigt worden ſind? Regiſter. 525 120 u. f. Wenn jemand aus dem Etoffe des Eigenthuͤmers eine Sache anderer Gattung gebi det hat? 121 u. f. Welches fließenden Waſſers kann er ſich zur Bewaͤſſerung ſeiner Grund⸗ ſtuͤcke bedienen? 135 u 136. Jeder Eigenthuͤmer kann for⸗ dern, daß ſein Grundſtuͤck von dem ſeines Nachbarn durch Grenzſteine abgeſondert werde, 136. Er kann es einſchließen, daſ. u 143. Welches Recht verliert er in dieſem Falle? 136. Er kann ſein Eigenthum mit Servituten belegen, 144. Wer wird Eigenthuͤmer einer beweglichen Sache, die man zu geben oder zu liefern ſich gegen zwey Perſonen vor und nach verbun⸗ den hat? 235. Binnen welcher Zeit kann der Eigenthuͤmer, der eine Sache verloren hat, oder dem ſie geſtohlen worden, ſie wider jedermann vindiciren? 479. Eintragung.(der Privilegien und Hypothecken in die Regiſter der Hypothecken⸗Bewahrer) Wo ſie geſchehen muͤſſe; wann ſie ohne Wirkung bleibe, S. 446— 447. Die an einem Tage eingetragenen Glaͤubiger haben eine verhaͤltnißmaͤßige Hypotheck, 447. Was hat der Glaͤubiger zu thun, um die Eintragung zu bewirken, 447— 449. Wem fallen die Koſten der Ein⸗ tragung zur Laſt? 450. Einwilligung. Nothwendigkeit derſelben in Betreff der Ehe von Seiten der contrahirenden Theile und ihrer Eltern, wenn jene nicht großjaͤhrig ſind, S. 36. Die beyderſeitige und beharr⸗ liche Einwilligung der Ehegatten iſt eine peremptoriſche Urſache der Eheſcheidung, 50. Die bloße Einwilligung der Parteyen macht eine angenommene Schenkung vollguͤltig, 194. Jene, welche durch Irrthum gegeben, oder durch Gewalt erzwungen, oder durch Betrug und Argliſt erſchlichen worden, iſt uuguͤl— tig, 230 Einwohnung. Nach welchen Grundſaͤtzen werden die Rechte der Einwohnung beurtheilt, wenn in dem Rechtstitel nichts hieruͤber beſtimmt worden? S. 133 u. 143. Eltern. Siehe Vater, Mutter, Kinder. Was haben ſie zu thun, wenn ſie die ihren minderjaͤhrigen Kindern zugehoͤrigen Mobilien nicht verkaufen wollen? S. 96. Wann erben ſie ihre natuͤrlichen Kinder? 161. Sie koͤnnen im Nahmen ihrer Kinder Schenkungen annehmen, 104. Sie ſind befugt, einen Theil ihres Vermoͤgens, einem oder mehrern ihrer Kinder mit der Bedingung zu ſchenken, daß ſolcher den Kindern der Ge⸗ ſchenknehmer ausgeliefert werden ſoll, 217 u. f. Sie duͤrfen unter ihren Kindern und Abkoͤmmlingen ihr Vermoͤgen theilen; in welcher Form und nach welchen Grundſaͤtzen dieſes geſchehen muͤſſe, 222 u. 223. Sie ſind fuͤr den Schaden, den ihre minderjaͤhrigen bey ihnen wohnenden Kinder verurſacht zhaben, verantwortlich, 287. Ewancipation. In welchem Falle hat ſie von Geſetzes wegen Statt? S. 101. Wann und wie kann ſie von dem Vater, der 526 Alphabetiſches Mutter oder dem Familienrathe einem Minderjaͤhrigen ertheilt werden? daſ. u. 102. Welche Verwandte und Verſchwaͤgerte koͤnnen ſie fuͤr ihn nachſuchen, wenn der Vormund es zu thun unterlaͤßt? 102. Emancipirter. Ihm wird im Beyſeyn eines Curators die Vormundſchaftsrechnung abgelegt, S. 102. Welche Handlun⸗ gen kann er allein, welche muß er unter dem Beyſtande ſeines Curators oder unter der Autoriſation des Familienrathes unter⸗ nehmen? daſ., 103 u. 194. In welchen Faͤllen koͤnnen die von ihm uͤbernommenen Verbindlichkeiten gemindert werden? 103. Wann und wle kann er die Wohlthat der Emancipation verlieren? daſ. Der Emancipirte, welcher Handlung treibt, wird in Hinſicht dieſer fuͤr volljaͤhrig geachtet, daſ. Entfuͤhrer. Wann er als Vater eines Kindes erklaͤrt werden könne„S. 72. Erbe. Auf den rechtmaͤßigen geht der Beſitz einer Erbſchaft ſchon kraft des Geſetzes uͤber; wer Erbe ſeyn koͤnne, S. 152 u. f. Der Erbe kann unter der Rechtswohlthat des Inventariums die Erbſchaft antreten; zu was er in dieſem Falle verbunden ſey; bin⸗ nen welcher Zeit er ein Inventarium errichten, und ſich zur Annahme oder Ausſchlagung der Erbſchaft entſchließen muͤſſe; ſeine Pflich⸗ ten in Betreff der Verwaltung des zur Erbſchaft gehoͤrigen Vermoͤ⸗ gens; wann er in ſeinem eigenen Vermoͤgen angegriffen werden koͤnne; er iſt gehalten den Glaͤubigern der Erbſchaft oder an⸗ dern Betheiligten Caution zu leiſten; in welcher Ordnung er die erſtern bezahlen muͤſſe, 166— 170. In wie ferne er zur Collation und zur Tilgung der Erbſchaftsſchulden und Laſten verbunden ſey, 177 u. f. 181 u. f, 250—252. Worauf jeder Erbe antragen koͤnne, wenn erbſchaftliche Immobilien mit Ren— ten beſchwert ſind; welcher Erbe dieſe leiſten muͤſſe, im Falle der Nachlaß in dem Zuſtande, worin er ſich befindet, getheilt wird, 181. Was Rechtens ſey, wenn er Zufolge einer Hypotheck mehr als ſeinen Antheil an der gemeinſchaftlichen Schuld bezahlt hat, 182. Welche Formalitaͤt erfordert werde, damit ein ge— gen den Verſtorbenen executoriſcher Titel gegen den Erben voll⸗ ſtreckt werden koͤnne, daſ. Jeder Erbe kann verlangen, daß das Vermoͤgen des Verſtorbenen von dem ſeinigen getrennt werde; wann dieſes Recht aufhoͤre, daſ. u. 183. Welche Rechte dem Erben gegen den Geſchenknehmer oder gegen dritte Be⸗ ſitzer zuſtehen, wenn Immobilien zu Folge der Reduction zur Erbſchaftsmaſſe eingefordert werden, 19½ u. 103. Er haftet fuͤr die Vermaͤchtniſſe, 211. Er kann dem Beſitze des Mobi— lar⸗Vermoͤgens der Erbſchaft ein Ende machen, wenn ſich der Teſtaments⸗Executor in demſelben befindet, 213. Der Miterbe hat ein Privilegium auf die zur Erbſchaft gehoͤrigen Immobilien zur Sicherheit der Theilung und der Gewaͤhr der Loſe, 435- Was muß er thun, um dieſes Privilegium in ſeiner Kraft zu erhalten? 437— 438⸗ Siehe Erbſchaft, Suceeſſion⸗ „ ☛ Regiſter. 527 Erbfaͤhig. Wer es ſey, S. 152— 154. Erbfolge. Siehe Succeſſion. Erbrenten. Gehoͤren zu den Mobilien; ſind weſentlich loͤsbar, S. 112 u. 396. Wann der Schuldner zur Abloͤſung derſelben gezwungen werden koͤnne. 397. Erbſchaft. Die, welche Ascendenten oder Seitenverwandten zu⸗ gefallen iſt, wird in zwey gleiche Theile getheilt; Regeln hie⸗ bey, S. 154— 155. Eine Erbſchaft kann unbedingt, aus⸗ druͤcklich oder ſtillſchweigend angenommen werden, was fuͤr eine ausdruͤckliche oder ſtillſchweigende Annahme gehalten werde, 163 u. 164. Wann kann ein Volljaͤhriger die von ihm geſchehene Annahme einer Erbſchaft beſtreiten? 164. Wie geſchieht die Entſagung einer Erbſchaft, 165. Folgen derſelben, daſ⸗ Die Glaͤubiger desjenigen, der auf eine Erbſchaft verzichtet hat, koͤnnen ſolche in ſeinem Nahmen annehmen, daſ. Auf die Erbſchaft einer noch lebenden Perſon kann man nicht verzichten, noch ſeine eventuellen Rechte darauf veraͤuſſern, 166 u. 2333 wer aus einer Erbſchaft Effecten bey Seite geſchafft, verliert das Recht ihr zu entſagen, 166. Wann wird eine Erbſchaft als vacant angeſehen? 170. Wie geſchieht die Theilung einer Erbſchaft? Siehe Theilung. Familienrath. In welchen Faͤllen hat er das Recht, einen Vormund zu ernennen und abzuſetzen? S. 85 u. 9a. Seine Zuſammenſetzung, 36 u. f. Die Mitglieder desſelben ſind unter Geldſtrafe verbunden, vor dem Friedensrichter zu erſchei⸗ nen, 87. Wer nicht Mitglied eines Familienrathes ſeyn koͤn⸗ ne, 93— 94. Der Familienrath beſtimmt die Summe, welche jaͤhrlich fuͤr den Minderjaͤhrigen und zur Verwaltung ſeines Vermoͤgens verwendet werden ſoll; er ſetzt feſt, ob der Vormund ſich noch eines beſondern beſoldeten Verwalters be⸗ dienen duͤrfe, und welche Summe er von den Einkuͤnften des Minderjaͤhrigen rentbar anzulegen habe, 9— 9. Er au⸗ toriſirt dem Vormund ein Anlehen fuͤr den Minderjaͤhrigen auf— zunehmen, ſeine Immobilien zu verkaufen oder zur Hypotheck zu ſtellen, 97. Ohne ſeine Autoriſation kann der Vormund keine Erbſchaft oder Schenkung fuͤr den Minderjaͤhrigen anneh⸗ men oder ausſchlagen, keine Klage einfuͤhren oder fuͤr richtig annehmen, die ſich auf Immobilar⸗Rechte des Minderjaͤhrigen bezieht, auf keine Theilung antragen, keinen Vergleich ſchlie⸗ ßen, 98, 99 u. 163. Der Fauilienrath kann vorſchreiben, daß der Vormund waͤhrend der Vormundſchaft zu gewiſſen Zei⸗ ten die Berechnungen uͤber ſeine Verwaltung dem Nebenvor⸗ munde vorlege, 100. Er ernennt den Curator, in deſſen Bey⸗ ſeyn dem emancipirten Minderjaͤhrigen die Vormundſchaftsrech⸗ nung abgelegt wird, 102. Er eroͤffnet ſeine Meinung uͤber den Zuſtand desjenigen, auf deſſen Interdiction angetragen wird; 529 Alphabetiſches ernennt den Vormund und Nebenvormund eines Interdieirten, und gibt ſein Gutachten uͤber die Beſtimmungen des Ehe-Con⸗ tractes des Kindes eines Interdicirten, 105, 106 u. 107. Wird die Frau zur Vormuͤnderinn ihres Mannes ernannt, ſo ſetzt der Familienrath die Bedingungen der Verwaltung feſt, 107. Er autoriſirt den Vormuͤnder zur Theilungsklage gegen die Miterben des Minderjaͤhrigen oder Interdicirten, 171. Siehe Vormund, Vormundſchaft, Nebenvor⸗ mund. Fauſtpfand. Welches Recht gibt dieſes dem Glaͤubiger, unter welchen Bedingungen kann er ſein Recht ausuͤben? S. 427. Im Nichtzahlungsfalle kann er nicht willkuͤhrlich daruͤber verordnen; er iſt dem Schuldner fuͤr den Verluſt oder die Verſchlimmerung desſelben verantwortlich, 427— 428. Wann kann der Schuld⸗ ner es zuruͤckfordern, in welchem Falle kann es der Glaͤubiger fuͤr eine andere Schuld einbehalten? 428— 429. Feldfruͤchte. Werden bald zu den unbeweglichen, bald zu den beweglichen Guͤtern gerechnet, S. 109 u. 110. Fenſter. Wann und in welcher Entfernung iſt es erlaubt, ſie in einer Mauer anzubringen, wie muͤſſen ſie beſchaffen ſeyn? S. 142 u. 143. Feuersbrunſt. Der Miether iſt fuͤr ſelbe verantwortlich, S. 363⸗ Fiſche. In welchem Falle ſie, wenn ſie in einen andern Fiſch⸗ teich uͤbergehen, dem Eigenthuͤmer desſelben zugehoͤren? S. 120. Flußbett. Wem gehoͤrt das alte Flußbett, wenn ein Fluß oder Strom ſeinen Lauf veraͤndert? S. 120. Forderungen.(privilegirte) Siehe Privilegium. Franzoſen. Genießen der Civil⸗Rechte, S. 6. Rechte ihrer im Auslande gebohrnen Kinder, daſ. Koͤnnen in Frankreich we⸗ gen Verbindlichkeiten belangt werden, die ſie im Auslande ein— gegangen haben, 7. Wie ſie die Civil⸗Rechte verlieren, und die verlornen wieder erhalten koͤnnen, 8 u. f. Welche For⸗ malitaͤten ſie zu beobachten haben, wenn ſie im Auslande ein Teſtament machen wollen, 203. Franzoͤſinn. Die einen Fremden heirathet, folget dem Zuſtande ihres Mannes, S. 8. Wie erhaͤlt ſie die rechtliche Eigen⸗ ſchaft einer Franzoͤſinn wieder? daſ. Frau. Wann kann ſie nach dem Tode des Mannes oder nach ausgeſprochener Eheſcheidung zu einer neuen Ehe ſchreiten? S. 49 u. 64. Fremde. Wie ihre in Frankreich gebohrnen Kinder die Civil⸗ Rechte erhalten, S. 6. In wie weit ſie ſelbſt auf die Civil— Rechte Anſpruͤche haben, 7. In welchen Faͤllen ſie vor den franzoͤſ. Gerichten belangt werden koͤnnen, daſ. Wann ſie als Klaͤger Sicherheit leiſten muͤſſen, daſ. Wann und wie ſie 1 5r Regiſter. 529 in Frankreich erben koͤnnen, 153. In welchem Falle man durch Schenkung unter Lebenden oder durch Teſtament zu ihrem Vor⸗ theile verordnen duͤrfe, 180. Friedensrichter Ruft den Familienrath zuſammen, beſtimmt den Erſcheinungs⸗Termin, beſtraft die nicht erſchienenen Mit— glieder des Familienrathes, kann die Verſammlung ausſetzen, praͤſidirt ſie und hat eine entſcheidende Stimme, S. 85— 88. Er nimmt die Emancipations⸗Erklaͤrung auf, 101. Wann er die Verſiegelung der zu einer Erbſchaft gehoͤrigen Effecten von Amtswegen vornehmen muͤſſe, 172. Fruͤchte. Werden in natuͤrliche, Induſtrial⸗ und Civil⸗Fruͤchte eingetheilt; was man hierunter verſtehe, S. 124. Von wel⸗ cher Zeit an hat man die Fruͤchte der Gegenſtaͤnde, welche der Collation unterworfen ſind, zu verguͤten? 179 Von welchem Zeitpuncte hat der Particular⸗Legatar Anſpruch auf die Fruͤchte der ihm vermachten Sache? arr. G. Gaſtgeber. Siehe Gaſtwirthe. Gaſtwirthe. Haften fuͤr die Effeeten, welche ein Reiſender, den ſie beherbergen, bey ihnen eingebracht hat, S. 103. Sie haben ein Privilegium auf die Effecten des Reiſenden, 435- Ihre Klage auf Zahlung des Quartiers und der Nahrung, die ſie geliefert haben, wird in ſechs Monaten verjaͤhrt, 477. Gebaͤude. Werden zu den unbeweglichen Guͤtern gezaͤhlt, S. 109. Bey welchen muß ein Zwiſchenraum gelaſſen, oder eine Zwiſchenmauer angelegt werden? 141— 142. Gebrauch. Nach welchen Grundſaͤtzen richten ſich die Rechte des Gebrauchs, wenn in dem Rechtstitel nichts hieruͤber beſtimmt worden? S. 133 u. 134. Geburt.(eheliche) Kann deßwegen allein nicht angefochten wer⸗ den, weil die Kinder den Heiraths⸗Act ihrer Eltern nicht auf⸗ zuweiſen im Stande ſind, S. 44 u. 45. Wann und in wel⸗ cher Zeitfriſt kann ſie von dem Manne und ſeinen Erben beſtrit⸗ ten werden? 67— 69. Auf welche Art ſie erwieſen werde. 69 u. f. Geburten. In wie viel Zeit und von wem ſie anzuzeigen ſeyen, S. 15 u. f. Wann dieſe Anzeige in Betreff der Geburten bey der Armee geſchehen muͤſſe, 25. Geburts⸗Acte. Was ſie enthalten muͤſſen, S. 16. Wie ſie uͤber ausgeſetzte und waͤhrend einer Seereiſe gebohrne Kinder abzufaſſen, daſ. Die Geburts⸗Acte der waͤhrend einer Seereiſe oder bey der Armee in fremden Laͤndern gebohrnen Kinder muͤſ⸗ ſen auszugsweiſe den Regiſtern des Civil⸗Standes am letzten Wohnorte der Eltern eingetragen werden, daſ⸗ u. f. u. 25. 34 — — 530 Alphabetiſches Geburtsſchein. Die, welche ſich verehlichen wollen, muͤſſen ihn vorzeigen, S. 19. Wie kann er erſetzt werden, wenn es unmoͤglich iſt, ihn herbey zu ſchaffen? daſ. Gegen⸗Reverſe. Unter welchen Perſonen haben ſie eine Wir⸗ kung? S. 272. Jene, welche ſich auf einen Heiraths⸗Contract beziehen, koͤnnen dritten Perſonen nicht entgegen geſetzt, und ſie muͤſſen den Ausfertigungen desſelben eingeruͤckt werden, 290⸗ Gegenſcheine. Siehe Gegen⸗Reverſe. Gehoͤlz.(hochſtaͤmmiges) Rechte des Nießbrauchers in Betreff desſelben, S. 125 u. 126 G 3(geſchenktes) Wie es bey einer Erbſchaft conferirt werde, . 181. Geldſtrafen. Wegen Uebertretung der Verfuͤgungen in Betreff der Acte des Civil⸗Standes, S. 15 u. 19. Gegen die Hypo⸗ thecken⸗Bewahrer, 465. Ge 8 inde⸗Guͤter. Welche Guͤter hierunter begriffen werden, .1II5⸗. Geſchaͤftsfuͤhrer.( freywilliger) Welche Verbindlichkeiten er habe, und was fuͤr Rechte ihm gegen den Eigenthuͤmer zu⸗ ſtehen, S. 285— 286. Geſchenke. Wann ſie bey einer Erbſchaft conferirt werden muͤſ⸗ ſen, und wann ſie der Collation nicht unterworfen ſind, S. 177. Geſchenkgeber. Kann ſich das Ruͤckfallsrecht an der geſchenk⸗ ten Sache ausbedingen; Wirkung dieſes Rechtes, S. 197. In wie ferne er die Reſtitution derſelben an einem dritten verord⸗ nen koͤnne, 217 u. f. Er kann durch keinen beſtaͤtigenden Act die Fehler einer Schenkung unter Lebenden verbeſſern, 277. Geſchenknehmer. In welchen Faͤllen er zur Collation ver⸗ bunden, und in welchen er hiezu nicht verbunden ſey, S. 177 u. f. Von welchen Koſten er bey der Collation eines Immo⸗ bilar⸗Stuͤckes Verguͤtung fordern, und wie lange er im Beſitze desſelben bleiben koͤnne, 779 u. 180. Was Rechtens ſey, wenn einem zur Erbfolge berechtigten ein Immobilar⸗Stuͤck ge⸗ ſchenkt und ihm hiebey die Collation erlaſſen worden, die Schenkung aber den disponibeln Theil uͤberſchreitet, 180. Rechte des Geſchenknehmers, wenn ihm Mobilien unter dem Vorbe⸗ halte des Nießbrauchs geſchenkt werden, 196. Pflichten des Geſchenknehmers, wenn er mit der Reſtitution beſchwert wor⸗ den, 210 u. f Wie er geſchenkte Immobilien oder dingliche Immobilien gleich geachtete Rechte von Privilegien und Hypo⸗ thecken befreyen koͤnne, 456— a61. Regiſter. 531 Geſchwiſter.(eheliche) In welchem Falle koͤnnen ſie gewiſſe Guͤter von ihren natuͤrlichen Geſchwiſtern erben? S. 161 u. 162. Siehe Seiten⸗Verwandte. Geſchwiſterkinder. Unter ihnen iſt die Ehe nicht verbothen, S. 63. Sie ſind ſich im vierten Grade der Seitenlinie ver⸗ wandt, 155. Geſellſchaften ſind entweder univerſelle oder Particular⸗Geſell⸗ ſchaften; erſtere ſind von zweyerley Art, die Geſellſchaft, welche auf alle wirkliche Guͤter gerichtet iſt, und die univerſelle Geſellſchaft in Hinſicht des Gewinnes; Erklaͤrungen derſelben, S. 382— 383. Erklaͤrung der Particular⸗Geſellſchaft, 33. Wann nimmt die Geſellſchaft ihren Anfang, und wie lange dauert ſie, wenn uͤber die Dauer derſelden nichts beſtimmt wor⸗ den? 383— 384. Regeln in Betreff der Verwaltung der Geſellſchaften, 386— 388. Geſellſchafter. Verpflichtungen derſelben untereinander, S. 383 u. f. Verpflichtungen derſelben gegen dritte Perſonen, 388. Wann kann ein Geſellſchafter durch ſeine bloße Will⸗ kuͤr den Geſellſchafts⸗Contract aufheben? 390. Geſellſchafts⸗Vertrag. Erklaͤrung desſelben; allgemeine Regeln, welche bey dieſem Contracte eintreten, S. 381. Wie wird der Antheil am Gewinne beſtimmt, wenn im Geſellſchafts⸗ Vertrage nichts hieruͤber feſtgeſetzt worden? 386. Verſchiedene Arten, wie der Geſellſchafts⸗Contract ſich endiget, 389— 390. Geſetze. Wann ſind ſie executsriſch? S. 4. Wann wird ihre Promulgation als bekannt angenommen? da ſ. u. 483 u. f. Ver⸗ fuͤgen nur fuͤr die Zukunft, 43. Welche erſtrecken ſich auf die Franzoſen, ſelbſt wenn ſie im Auslande reſidiren? 5 Von welchen kann man durch Privat⸗Vertraͤge keine Ausnahme ma⸗ chen? daſ. Geſtaͤndniß. Iſt entweder außergerichtlich oder gerichtlich; wann das erſtere entgegen geſetzt, wann das zweyte widerrufen wer⸗ den koͤnne, S. 281 u. 282. Geſundheits⸗Beamte. Siehe Doctoren. Gewaͤhrleiſtung. Wann ſind die Miterben ſich gegenſeitig zur Gewaͤhrleiſtung verbunden? S. 183. Wirkungen derſelben, 184. Welche Gewaͤhr hat der Verkaͤufer dem Kaͤufer zu lei⸗ ſten? 344 u. f. Wirkungen derſelben im Falle der Eviction der verkauften Sache oder eines Theil derſelben, 34s— 346. Im Falle der Aufhebung des Verkauf⸗Contractes durch ein ge⸗ richtliches Urtheil, 346. Wann faͤllt die Gewaͤhrleiſtung we⸗ gen erfolgter Eviction hinweg? 447. Wirkungen der Gewaͤhr⸗ leiſtung für die Maͤngel der verkauften Sache, daſ. u. 348. Bey welchen Verkaͤufen hat keine Gewaͤhr wegen Maͤngel Statt? 348. 532 Alphabetiſches Gewalt.(vaͤterliche) Worin ſie beſtehe und wie lang ſie daure, S. 79 u. f. Glaͤubiger. Koͤnnen die Zuſammenberufung eines Familienraths nachſuchen, damit dem elternloſen und minderjaͤhrigen Kinde ein Vormund ernannt werde, S. 85. Sie koͤnnen ſich bey Gerichte autoriſiren laſſen, eine von ihrem Schuldner ausge⸗ ſchlagene Erbſchaft ſtatt ſeiner anzunehmen, 165. Sie koͤnnen alle Rechte und Klagen ihres Schuldners geltend machen und die Handlungen anfechten, die er zum Abbruche ihrer Rechte unternommen hat, 240. Sie verlieren ihre Privilegien oder Hypothecken, wenn ſie einwilligen, daß der Schuldner die hin⸗ terlegte Sache zuruͤcknehme, 2651. Welche Glaͤubiger ſind pri⸗ vilegirt? 432— 437. Siehe Buͤrge, Buͤrgſchaft, Pfand⸗Contract, Hypotheck, Privilegium, Vergantung. Gluͤcks⸗Vertraͤge. S. 405 u. f. Graͤben. Welche fuͤr gemeinſchaftlich zu halten ſeyen, S. 130. Grade.(der Verwandtſchaft) wie werden ſie berechnet? S. 155 Grenzſteine. Siehe Eigenthuͤmer. Grundſtuͤcke. Gehoͤren zu den unbeweglichen Guͤtern, S. 109. Guͤter. Bewegliche und unbewegliche, S. 109 u. f. Siehe Immobilien und Mobilien. Guͤter⸗Abtretung. Erklaͤrung derſelben, Wirkung der frey⸗ willigen und gerichtlichen, S. 262. Guͤtergemeinſchaft. Welche Befugniß ertheilt ſie einem Ehegatten in Betreff der Guͤter des andern wenn dieſer abwe⸗ ſend iſt, S. 30. Was für Maaßregeln kann die Frau waͤh⸗ rend des Eheſcheidungs⸗Prozeſſes in Ruͤckſicht der Mobilar⸗Ef⸗ fecten treffen, welche zur Guͤtergemeinſchaft gehoͤren, welche Handlungen ſind waͤhrend der naͤhmlichen Zeit dem Manne in Beziehung auf die Gutergemeinſchaft verbothen? 58. Guͤtergemeinſchaft.(geſetzliche) Was zu dem Activ⸗Ver⸗ moͤgen derſelben gerechnet werde, S. 291— 204. Was zu den Paſſiv⸗Schulden und Laſten, 292 u. f. In wie ferne hat die eheliche Guͤtergemeinſchaft fuͤr die Schulden zu haften, welche die Frau vor der Ehe gemacht hat? 295. Wann fallen die Schulden, die auf einer Erbſchaft haften, welche waͤhrend der Ehe dem Manne oder der Frau anfaͤllt, der Gemeinſchaft zur Laſt? 295— 297. Was iſt Rechtens in Betreff der Schulden, welche die Frau mit Bewilligung des Mannes gemacht hat? 297. Der Mann fuͤhrt allein die Verwaltung uͤber die zur Gemein⸗ ſchaft gehoͤrigen Guͤter; unter welcher Einſchraͤnkung? 298. Welche von dem Manne verwirkte Geldſtrafen aus der Gemein⸗ ſchaft beygetrieben werden koͤnnen, daſ. Welche Acte der Frau eine Verbindlichkeit in Beziehung auf die Guͤter der Ge⸗ Gu Regiſter. 533 meinſchaft begruͤnden, 299. Der Mann hat die Verwaltung des ganzen eigenen Vermoͤgens der Frau; ſeine Befugniſſe und und Pflichten in dieſer Hinſicht, 299— 300. Wer leiſtet die Verguͤtung, wenn die Gemeinſchaft den Preis eines verkauften Immobilar⸗Stuͤckes oder einer losgekauften Grundgerechtigkeit, die einem der beyden Ehegatten zugehoͤrten, bezogen hat, ohne daß er anderſtwo wieder angelegt worden? 300 u. 301. Der Ehegatte, welcher aus den gemeinſchaftlichen Guͤtern, einen derſoͤntichen Vortheil gezogen hat, iſt dafuͤr Verguͤtung zu leiſten verbunden, 301. Wie die Gutergemeinſchaft aufgeloͤſet werde, 302 u. f. Wann, unter welchen Formalitaͤten und mit welchen Wirkungen die einmahl aufgeloͤſte Guͤtergemeinſchaft wieder hergeſtellt werden koͤnne, 305. Wann die Frau nach aufgeloͤſter Guͤtergemeinſchaft hierauf nicht mehr Verzicht leiſten koͤnne, was ſie thun muͤſſe, um das Recht auf die Guͤterge⸗ meinſchaft zu verzichten, beyzubehalten, 306 und 307. Welche Rechte in dieſer Hinſicht ihren Erben und Glaͤubi⸗ gern zuſtehen, 308 u. 309. Wie lange die Wittwe aus der gemeinſchaftlichen Maſſe den Unterhalt fur ſich und ihr Hausgeſinde nehmen duͤrfe, und von Bezahlung der Hausmie⸗ the aus eigenem Vermoͤgen befreyt ſey, 300 u. 310. Nach welchen Regeln die Theilung des gemeinſchaftlichen Activ⸗Ver⸗ moͤgens nach erfolgter Annahme geſchehen muͤſſe, 310— 312. In welchem Falle die Ehegatten ihren Antheil an einigen zur Gemeinſchaft gehoͤrigen Gegenſtaͤnden verlieren, 311. Aus welchem Vermoͤgen perſoͤnliche Forderungen, welche ein Ehe⸗ gatte an dem andern hat, und Schenkungen, die einer zum Vor⸗ Peils des andern gemacht hat, genommen werden, daſ. Vem die Trauerkleidung der Frau zur Laſt falle, 312. In welchem Verhaͤltniſſe der uͤberlebende Mann und die uͤberlebende Frau zur Tilgung der Laſten und Schulden der Guͤtergemein⸗ ſchaft verbunden ſey, 312— 313. Folgen der Verzichtlei⸗ ſtung auf die Guͤtergemeinſchaft, 314. Beſtimmung in Bezie⸗ hung auf die geſetzliche Guͤtergemeinſchaft fuͤr den Fall, da ei⸗ ner der Ehegatten oder beyde zugleich Kinder aus vorhergehen⸗ den Ehen haben, 315⸗ tergemeinſchaft.(bedungene) In wie ferne koͤnnen Ehe⸗ leute durch Vertraͤge die geſetliche Guͤtergemeinſchaft anders beſtimmen? 315 u. 325. Regekn, welche eintreten, wenn die Guͤtergemeinſchaft auf die Errungenſchaft beſchraͤnkt iſt, 316; wenn ſtipulirt worden, daß das Mobilar⸗Vermoͤgen gans oder zum Theile von der Guͤtergemeinſchaft ausgeſchloſſen ſeyn ſoll, 317; wenn Immobilien den beweglichen Guͤtern gleich ge⸗ ſtellt, 318— 319; wenn die Schulden von der Gemein⸗ ſchaft ausgeſchloſſen worden, 319— 321; wenn die Ehegat⸗ tinn die Befugniß erhalten hat, ihr eingebrachtes Vermögen Schulden frey zuruͤckzunehmen, 321; wenn fuͤr den kaͤngſt⸗ lebenden eine Vorausnahme, 322;3 wenn fuͤr beyde Ehegatten ungleiche Theile in der Guͤtergemeinſchaft, 323— 325; wenn eine Gemeinſchaft unter einem Univerſal⸗Titel bedungen worden⸗ 2„ 534 Alphabetiſches 3253 wenn die Guͤtergemeinſchaft bey der Heirath ausgeſchloſ⸗ ſen, 326; wenn eine voͤllige Guͤter⸗Separation beliebt wird, 327 — 328. Guͤter⸗S epar ation. Wann darf die Frau hierauf antragen; wann wird die gerichtlich ausgeſprochene unguͤltig? S. 303 u. 333. Die Glaͤubiger der Frau koͤnnen nicht ohne ihre Einwil⸗ ligung auf Guͤter-⸗Separation antragen; jene des Mannes ſind befugt, ſolche anzufechten, 304. Folgen der Guͤter⸗Separation in Betreff der Haushaltungs⸗ und Erziehungskoſten der Kinder und der Verwaltung des Vermoͤgens der Frau, 304 u. 305. Folgen des Vertrags, wenn Eheleute bey der Heirath eine voͤl⸗ lige Guͤter⸗Separation ſich ausbedungen haben, 327— 328. Handelsfrau. Was man darunter verſtehe, S. a8. Als ſolche bedarf ſie der Autoriſation ihres Mannes nicht, daſ. Handgeld. Befugniſſe der Contrahenden, wenn das Verſpre⸗ chen etwas zu verkaufen, unter Leiſtung eines Handgeldes ge⸗ ſchehen iſt, S. 338. Handlungsgeſellſchaften. Verfuͤgungen in Betreff derſel⸗ ben, S. 391. Hauptreparaturen. Was hierunter verſtanden werde, S. 128 u. 129. Haus. Wenn die Stockwerke desſelben verſchiedenen Eigenthuͤmern gehoͤren, wer hat die Ausbeſſerungen und das Wiederaufpauen zu tragen, im Falle nichts hieruͤber beſtimmt iſt? S. 140. Haus⸗Annotationen. Was ſie beweiſen, S. 274. Hausregiſter Was ſie beweiſen, S. 274. Hecken. Welche fuͤr gemeinſchaftlich gehalten werden, S. 141. Baͤume in einer gemeinſchaftlichen Hecke ſind gemeinſchaftlich, daſ Heiraths⸗Acte. Was hierin ausgedruckt werden muͤſſe, S. 20, 21, 37 u. 38. Heiraths⸗Contracte. Welche Schenkungen in denſelben von einem Dritten zu Gunſten der Ehegatten, oder von dieſen ge⸗ genſeitig gemacht werden koͤnnen, S. 223— 228. Die Ehe⸗ gatten ſind befugt, durch einen Heiraths⸗Contract in Beziehung auf das Vermoͤgen nach Gutbefinden eine Uebereinkunft zu tref⸗ fen; welchen Rechten ſie gleichwohl nicht derogiren duͤrfen, 288 — 280. Die Heiraths⸗Contracte muͤſſen durch einen Notarial⸗ Act vor der Ehe geſchloſſen, und koͤnnen waͤhrend der Ehe nicht abgeaͤndert werden; in welcher Form eine vor der Ehe vorzunehmende Veraͤnderung geſchehen muͤſſe, 290. Siehe Guͤtergemeinſchaft, Gegen⸗Reverſe und Scheu⸗ kungen. Regiſter. 535 Hinterlegung.(einer angebothenen Summe oder Sache wegen verweigerter Annahme des Glaͤubigers) Was iſt zu ihrer Guͤl⸗ tigkeit erforderlich? S. 260— 261. Wann kann der Schuld⸗ ner die hinterlegte Sache zuruͤcknehmen? 261. Hinterlegungs⸗Contract, im allgemeinen, im eigentlichen Hy Sinne des Wortes, S. 397— 398. Wie bildet ſich die frey⸗ willige Hinterlegung, durch wen kann ſie geſchehen, und auf welche Art erwieſen werden? 398— 399. Was iſt Rechtens, wenn eine zu contrahiren unfaͤhige Perſon ein Depoſitum an— nimmt, oder eine Sache hinterlegt? 399. Was man unter einer abgenoͤthigten Hinterlegung verſtehe’, und wie ſie bewie— ſen werden koͤnne, 403. 4 potheck. Erklaͤrung derſelben, ihre Eintheilung in geſetzliche, gerichtliche und vertragsmaͤßige, S. 439. Welche Sachen koͤn⸗ nen Gegenſtaͤnde einer Hypotheck ſeyn? 440. Rechte und For⸗ derungen, denen eine geſetzliche Hypotheck beygelegt iſt, da ſ⸗ Wie entſteht eine gerichtliche Hypotheck? daſ. u. 441. Wer kann eine vertragsmaͤßige Hypotheck bewilligen? 441. Sie muß in einem authentiſchen Acte bewilliget werden; was unter Strafe der Nichtigkeit hierin ausgedruckt werden muͤſſe, 442— 443. In wie ferne kuͤnftige Guͤter zur Hypotheck geſtellt werden koͤn⸗ nen, 442. Was fuͤr Rechte hat der Glaͤubiger, wenn das zur Hypotheck geſtellte Immobilar-Vermoͤgen zu Grunde gegangen oder in Verfall gerathen iſt? daſ. Die Rangordnung der Hy⸗ pothecken haͤngt von dem Tage ihrer Eintragung in die Regi⸗ ſter des Hypotheckenbewahrers ab; jene der Minderjaͤhrigen, Inter⸗ vicirten und verheiratheten Frauen auf das Immobilar⸗Vermoͤgen des Vormundes und des Mannes beduͤrfen keiner Eintragung, 443. Art, wie die Eintragung der verſchiedenen Hypothecken geſchieht, 446— 449. Wie lange erhalten die Eintragungen die Hypotheck? 449. In welchen Faͤllen und unter welchen For⸗ men können eingetragene Hypothecken geloͤſcht werden? 450— 451. Wann hat eine Reduction derſelben Statt; nach welchen Grundſaͤtzen muß ſie geſchehen? 451— 453. Wirkungen der Hypothecken wider dritte Beſitzer, 453— 455. Auf welche Art Hypothecken erloͤſchen, 456. Wie man ſein Eigenthum hie— von befreyen koͤnne, 456— 463. Hypotheckenbewahrer. Seine Pflichten, S. 437, 448, 456 u. f. 463 u. f. In welchen Faͤllen er den Parteyen fuͤr Scha⸗ den zu haften habe, und zu Geldbußen verurtheilt werden koͤnne, 463 u. f. J. Immobilien. Die Rechte in Betreff derſelben richten ſich nach dem franz. Geſetze, S. 5 Nerwaltung und Benutzung derje⸗ nigen, welche Abweſenden gehoͤren, 32. In welchen Faͤllen und 536 Alphabetiſches unter welchen Formalitaͤten koͤnnen die, welche Minderjaͤhrigen und Interdicirten gehoͤren, veraͤußert oder zur Hypotheck geſtellt werden? 97, 107 u. 446. Welche Guͤter werden zu den Immobilien gerechnet? 109 u. f. Wann kann bey einer Erb⸗ ſchaft die Collation der Immobilien in Natur verlangt werden? 179. Wie muß ſie geſchehen? 180. Wie koͤnnen Immobilien von Privilegien und Hypothecken befreyt werden? 486— 461. Das Eigenthum an Immobilien wird in zehn Jahren verjaͤhrt, 476— 477. Irrthum. In wie ferne er die Nichtigkeit eines Vertrags be⸗ gruͤnde, S. 230. Inſel. Wem gehoͤren die Inſeln und Anwuͤchſe, die ſich in dem Waſſerbette eines Fluſſes oder Stromes bilden? S. 119 u. 120. Wem gehoͤrt die Inſel, die dadurch entſteht, daß ein Fluß oder Strom einen neuen Arm bildet? 120. Interdiction. Gegen wen, von wem und wo ſie nachgeſucht wweerden koͤnne, S. 104. Verfahren hiebey, 105. Wirkung derſelben, daſ. Wozu die Einkuͤnfte eines Interdicirten we⸗ ſentlich zu verwenden, 1FE. Wie der Brautſchatz des Kindes eines Interdicirten beſtimmt werde, daſ. Wann und wie die In⸗ terdiction aufhoͤre, 108. Intereſſe. In welchen Faͤllen kann man auf Leiſtung des In⸗ tereſſe klagen? S. 236 u. 237. Nach welchen Grundſaͤtzen iſt es zu beſtimmen? 237 u. 238. Inventarium. Welches der Vormund,(S. 05) der Kberle⸗ bende Ehegatte,(46) der Erbe,(166) der Curator einer va⸗ canten Erbſchaft,(170), der zu Gunſten der Enkel oder Kin⸗ der mit der Reſtitution Beſchwerte und der mit der Vollziehung einer ſolchen Verfuͤgung beauftragte Vormund(219 u. 220) er⸗ richten laſſen muß. Siehe Rechtswohlthat des Inven⸗ tariums. K. Kaninchen. In welchem Falle ſie, wenn ſie in ein anderes Ka— ninchengehaͤge uͤbergehen, dem Eigenthuͤmer desſelben zugehöͤ⸗ ren? S. 120. Kauf. Wer einen Kauf ſchließen koͤnne, S. 338. Welche Guͤter und Rechte gewiſſe Perſonen durch Kauf nicht an ſich brin— gen duͤrfen, 339. Kaͤufer. In welchen Faͤllen er berechtiget ſey, von dem Verkaͤn⸗ fer eine Verminderung des Preiſes zu fordern, S. za2 U. 343. Verbindlichkeiten des Kaͤufers gegen den Verkaͤufer; in welchen Faͤllen er bis zur Zahlung des Capitals den Kaufpreis zu ver⸗ zinſen habe, in welchen er mit der Zahlung des Kaufpreiſes Regiſter. 537 einhalten koͤnne, 348 u. 349. Was er zu thun habe, um ein gekauftes Immobilar⸗Stuͤck oder dingliche den Immobilien gleich geachtete Rechte von Privilegien und Hypothecken zu befreyen, 456— 461. Wie er die Guͤter der Ehegatten und der Vor⸗ muͤnder von den darauf haftenden Hypothecken befreyen koͤnnr, wenn dieſe gar nicht darauf eingetragen ſind, 461— 463. Kerbſtöcke. Unter welchen Perſonen und wann haben ſie Be⸗ weiskraft? S. 275. Kind.(neugebohrnes) Pflichten desjenigen, der ein neugebohrnes Kind findet, S. 16. Kinder. Haben keine Klage wider ihre Eltern auf Verſorgung, S. 46. Sie ſind ihren Eltern und Großeltern Unterhalt ſchul⸗ dig, daſ. Siehe Unterhalt. Bleiben der Regel nach, wenn auf Cheſcheidung geklagt wird, unter der Obſorge des Mannes, 57. Wem werden ſie nach erfolgter Eheſcheidung anvertraut? 65. Dieſe entzleht ihnen die durch Geſetze oder Ehecontracte zugeſicherten Vortheile nicht, daſ. Ihnen faͤllt die Haͤlfte des elterlichen Vermoͤgens an, wenn auf wechſelſei⸗ tige Einwilligung die Ehe geſchieden wird, 66. Welche fuͤr eheliche zu halten ſeyen, 67— 69. Wie ſie ihre eheliche Abſtammung beweiſen koͤnnen, 69 u. f. Ihre Klage iſt in dieſer Hinſicht unverjaͤhrbar, 21. Wann dieſe von ihren Erben angeſtellt werden koͤnne, daſ. Welche natuͤrliche Kinder koͤn⸗ nen durch eine nachherige Ehe legitimirt werden, und was ha⸗ ben ſie dann fuͤr Rechte? daſ. Wie geſchieht die Anerkennung natuͤrlicher Kinder, und was hat ſie fuͤr Wirkungen, daſ. u. 72, 160 u. f. Die Kinder ſind ihren Eltern Ehre und Ehr⸗ furcht ſchuldig, bleiben unter ihrer Gewalt bis zu ihrer Groß⸗ jaͤhrigkeit oder Emancipation, duͤrfen ohne Einwilligung des Vaters das vaͤterliche Haus nicht verlaſſen, koͤnnen wegen eines ſchlechten Betragens auf Verlangen des Vaters, und nach ſei⸗ nem Tode der Mutter oder des Familienrathes eingeſperrt wer⸗ den, 79, S0, 81, 99 u. 100. Die eingeſperrten Kin— der koͤnnen ſich an den General⸗Procurator beym Appellations⸗ Gerichtshof wenden, 31. Fuͤnf eheliche Kinder befreyen von der Vormundſchaft, 92. Wann werden die Kinder eines der Erbſchaft unwuͤrdigen Vaters von ſelber nicht ausgeſchloſſen? 154. Die natuͤrlichen Kinder erben der Regel nach ihre Eltern nicht, ſondern haben nur ein Recht auf den Nachlaß derſelben, wenn ſie geſetzlich anerkannt ſind; worin dieſes Recht beſtehe, und was ſie ſich anrechnen laſſen muͤſſen, 152, 160, 161 u⸗ 188. Was haben ſie zu thun, wenn ſie aus Manzel geſet— licher Erben zur Erbſchaft gelangen? 162. Die aus einem Ehebruche oder aus einer Blutſchande erzeugten haben nur ein Recht auf die Alimente, wie dieſe beſtimmt werden, 161. Klagen. Welche werden zu den Immobilien und welche zu den Mobilien gerechnet? S. 111 u. 113. Zeit, in welcher ſie ver— jaͤhrt werden, 476 538 Alphabetiſches Koſten. Der Nahrung, des unterhalts, der Erziehung, der Lehrzeit, die gewoͤhnlichen Koſten der Ausſtaffirung, Hochzeit und der uͤblichen Geſchenke werden nicht zur Erbſchaft confe⸗ rirt? S. 178. L. Landfuhrleute. Welche Verbindlichkeiten haben ſie in Betreff der Aufbewahrung und Erhaltung der ihnen anvertrauten Sa⸗ chen? S. 372, 373 u. 403. Sie haben ein Privilegium we⸗ gen des Fuhrlohns auf die Sachen, welche ſie von einem Orte zum andern gebracht haben, 438. Legatar. Welcher und in welchem Verhaͤltniſſe hat er zur Be⸗ zahlung der Erbſchaftsſchulden und Laſten beyzutragen? S. 181, 209, 210 u. 212. Wann tritt bey mehreren Legatarien ein Zuwachsrecht ein? 216. Legatar mit einem uUniverſal⸗Titel. Seine Rechte und Verbindlichkeiten, S. 210. Legitimation.(natuͤrlicher Kinder) Siehe Kinder. Lehner. Wie und wann muß er die gelehnte Sache zuruͤckerſtat⸗ ten? S. 395. Wann iſt er zur Zahlung von Zinſen verbun⸗ den? daſ. u. 396. Hat er Zinſen gezahlt, ohne daß ſie bi⸗ dungen waren, ſo kann er ſie nicht zuruͤckfordern, 396. Leibrenten. Werden zu dem Mobilar⸗Vermoͤgen gerechnet, S. 112. Der Nießbraucher einer Leibrente kann davon die, Ruͤck⸗ ſtaͤnde beziehen, 125. Die Leibrente gebuͤhrt dem Eigenthuͤmer nur im Verhaͤltniß der Tage, die er erlebt hat, 408. Sie erliſcht nicht durch ſeinen buͤrgerlichen Tod, daſ. Leibrenten⸗Contract. Uunter welchen Bedingungen er ge⸗ ſchloſſen werden koͤnne? S. 406— 407. Wann kann derje⸗ ge, dem eine Leibrente conſtituirt iſt, auf Aufloͤſung des Con— tractes antragen? 407— 408. Wirkungen des Leibrenten⸗ Contractes, 408. Leih⸗Contract. Natur dieſes Contractes, S. 391— 392. Leiher. Wann kann er die geliehene Sache zuruͤcknehmen? In welchem Falle iſt er dem Anleiher fuͤr die Maͤngel der geliehe— nen Sache verantwortlich? S. 393. Linie.(bey der Verwandtſchaft) Ihre Eintheilung in gerade und Seiten-Linie, abſteigende und aufſteigende, S. 155. Loſe. Welche Grundſaͤtze ſind bey der Bildung und Feſtſtellung der Erbſchaftsloſe zu befolgen, wer hat dieſe Loſe zu machen? S. 174— 175. Worauf kann vor Verfertigung der Loſe je⸗ der Eibe antragen, wenn erbſchaftliche Immobilien mit Renten beſchwert ſind? 181. A MA Regiſter. 539 M. Machtgeber.(mandant) Verbindlichkeiten desſelben, S. 411 — 421. Er kann nach ſeiner Willkuͤr die gegebene Vollmacht widerrufen, 412— 213. Mahlereyen. In welchem Falle ſie unbewegliches Gut wer⸗ den, S. 111. Materialien. Was iſt Rechtens, wenn der Eigenthuͤmer mit fremden Materialien, wenn ein Dritter mit ſeinen Materialien auf dem Boden des Eigenthuͤmers gebaut hat? S. 117— 118. Mauer. Bey welcher tritt die Vermuthung ein, daß ſie gemein⸗ ſchaftlich ſey? 137. Welches iſt das Merkmahl einer nicht ge⸗ meinſchaftlichen Maner? daſ. u. 138. Wem liegt die Repa⸗ ratur und Wiederaufbauung einer gemeinſchaftlichen Mauer ob, wie kann man ſich hievon befreyen? 138 Jeder Miteigenthuͤ⸗ mer kann gegen eine gemeinſchaftliche Mauer anbauen, ſie er⸗ hoͤhen laſſen; der Nachbar, der zur Erhoͤhung der Mauer nichts beygetragen hat, kann das Recht der Gemeinſchaft daran erlan⸗ gen; jeder Eigenthuͤmer, der an eine Mauer grenzt, hat das Recht, ſie gemeinſchaftlich zu machen; Verboth in eine gemein— ſchaftliche Mauer einzubrechen, daran ein Werk anzulehnen oder darauf zu ſtuͤtzen, 138 u. 139. Wann, und in welcher Ent⸗ fernung darf man in einer Mauer Fenſter anbringen, um ſich Licht zu verſchaffen; wie muͤſſen dieſe Fenſter beſchaffen ſeyn? 142 U. 143. Meuble. Siehe Mobilien. Meubles-meub lans. Was wird hierunter verſtanden? S. 113. Minderjährig. Wer es ſey, S. 82. Der Vormund eines Minderjahrigen kann die Guͤter desſelben weder kaufen noch in Pacht nehmen, 95. Ueber ſein Vermoͤgen muß der Vormund ein Inventarium verfertigen, und die Mobilien verkaufen laſ— ſen, daſ. u. 96. Unter welchen Formalitaͤten koͤnnen die Immobilien eines Minderjaͤhrigen verkauft oder zur Hypotheck geſtellt werden? 97. Wann kann er auf Antrag ſeines Vor⸗ mundes eingeſperrt werden? 99— 100. Von welcher Zeit an hat er die Summe zu verzinſen, die er nach abgeſchloſſener Rechnung ſeinem Vormunde ſchuldig bleibt? 101. Ihm wird ein Special- und eigener Vormund ernannt, wenn bey der Theilung einer Erbſchaft mehrere Minderjaͤhrige ein entgegenge⸗ ſetztes Intereſſe haben, 175. Ein Minderjaͤhriger unter ſechs⸗ zehn Jahren kann nicht teſtiren, noch unter Lebenden etwas ſchenken, ausgenommen durch einen Heiraths⸗Contract, 87 u. 227 Hat er ſechszehn Jahre erreicht, ſo kann er uͤber einen gewiſſen Theil ſeines Vermoͤgens durch Teſtament verordnen, nicht aber zum Vortheile ſeines Vormundes, dieſer gehoͤre dann zu ſeinen 540 M Mi Alphabetiſches Ascendenten, 187 u. 188. Er iſt unfaͤhig, Teſtaments⸗Execu⸗ tor zu werden, 213. Was und wie er ſeinem kuͤnftigen Ehe⸗ gatten in dem Heiraths⸗Contracte ſchenken, und unter welchen Bedingungen er uͤberhaupt einen Heiraths⸗Contract ſchließen könne, 227 u. 291. Er kann keine Contracte ſchließen, 232. Wegen welcher Vertraͤge er reſtituirt werden koͤnne, 269— 270. Gegen einen Minderjaͤhrigen hat in keinem Falle perſoͤnlicher Arreſt in Civilſachen Statt, 425. Er hat auch ohne Eintra⸗ gung eine Hypotheck) auf die Immobilien ſeines Vormundes, 443; er kann ſelbſt die Eintragung verlangen, 445. In wel⸗ chem Falle und unter welchen Formalitaͤten kann ſie nur auf gewiſſe Guͤter des Vormundes beſchraͤnkt werden? daſ. u. 446. Verfuͤgungen uͤber die Vormundſchaft und das Vermoͤ— gen eines in Spitaͤler aufgenommenen Minderiaͤhrigen.(Siehe am Ende des Regiſters das Geſetz vom 15. Pluvios 13. J.) Siehe Emancipation, Familienrath, Vormund, Nebenvormund, Vater und Mutter. eth⸗Contract. Gattungen und Arten desſelben, S. 358 — 359. Regeln, die ſich auf die Miethe der Haͤuſer und der Landguͤter zugleich beziehen, 359 u. f. Der Mieth⸗Contract kann ſchriftlich oder muͤndlich geſchloſſen werden; was iſt Rech⸗ tens, wenn er im letzten Falle gelaͤugnet wird, oder wenn Streit uͤber den bedungenen Preis entſteht? 359— 360. Wann erloͤſcht der Mieth⸗Contract kraft des Geſetzes; wann muß ein Theil dem andern aufkuͤndigen? 361 u. 364. Wann tritt nach Umlauf der in einem ſchriftlichen Mieth⸗Contract beſtimmten Zeit ohne Erneuerung desſelben eine neue Miethe ein? Wir⸗ kungen dieſer neuen Miethe, 364. Durch Verkauf wird der Regel nach der Mieth⸗Contract nicht gebrochen; wie wird die Entſchaͤdigung beſtimmt, die der Erwerber dem Miether zu lei⸗ ſten hat, wenn im Mieth⸗Contracte ſtipulirt worden, daß im Falle eines Verkaufes der Erwerber den Paͤchter oder Miet her vertreiben koͤnne; wozu iſt der Erwerber nebſt der Entſchaͤdi⸗ gung noch verbunden? 364— 366. Auf welche Zeit wird vermuthet, daß der Mieth⸗Contract geſchloſſen worden, wenn Mobilien vermiethet worden, um ein Haus, ein Quartier, einen Laden oder Wohnzimmer damit zu verſehen, wenn jemand einige mit Mobilien verſehene Wohnzimmer vermiethet hat? 367— 368. Gattungen des Mieth⸗Contraetes, in ſo weit er Arbeit, Dienſte und Induſtrie zum Gegenſtande hat, 372 u. f. Unter welcher Bedingung kann der Beſteller von einem im Bauſch und Bogen geſchloſſenen Bau⸗Contracte einſeitig wieder abgehen? 374 ether. In welchem Falle kann er Verminderung des Mieth⸗ Preiſes verlangen, weil er der gemietheten Sache, an wel⸗ cher der Vermiether Ausbeſſerungen vornahm, entbehren mußte; in welchem Falle kann er wegen Ausbeſſerungen, die gemacht werden ſollen, den Mieth⸗Contract aufheben laſſen? N Regiſter. ar S. 361. Verbindlichkeiten des Miethers, 362— 363. Wann kann der Miether vertrieben werden? 365— 366. Welche Ausbeſſerungen hat der Miether auf eigene Koſten zu machen? 366— 367- Mitbürgen. Koͤnnen die Theilung der Klage verlangen? S. 417. Jener von ihnen, welcher die Schuld besahlt hat, hat ſeinen Regreß wider die uͤbrigen Buͤrgen, 419. Mitvormund(cotuteur) wird der Mann, wenn der Frau die Vormundſchaft uͤber die Kinder aus der vorhergegangenen Ehe gelaſſen wird, S. 84.(Protuteur) Wann tritt die Ernen⸗ nung desſelben ein? 88. Er iſt von dem Vormunde unab haͤngig, daſ. Mobilar⸗Effecten. In welchem Falle werden ſie unbewegli⸗ ches Gut? S. 111. Vergleiche hiemit F. 509, S. 127. Mobilien.(meubles) Welche Guͤter werden hiezu ihrer Natur nach oder zu Folge des Geſetzes gerechnet? S. 112 u. f. Was wird hierunter verſtanden, wenn dieſe Worte ohne nähere Be⸗ ſtimmung im Geſetze oder in der Verordnuns eines Menſchen vorkommen? 113. Wie werden die Mobilien bey einer Erb⸗ ſchaft conferirt? 179 u. 180. Mutter. Wann iſt es einem Kinde erlaubt, jemand als ſeine Mutter zu reclamiren, und wann iſt es in dieſer Hinſicht zum Zeugen⸗ beweiſe zuzulaſſen? 72 u. 73. Was fuͤr Formalitaͤten hat eine Mutter zu beobachten, wenn ſie ein Kind, mit deſſen Be⸗ tragen ſie Urſache hat, unzufrieden zu ſeyn, einſperren laſſen will? 80. Wann hoͤrt der Genuß auf, den ſie an dem Ver⸗ moͤgen ihrer Kinder hat? 81. Sie iſt nicht ſchuldig, die Vormundſchaft ihrer Kinder anzunehmen, 83. Was hat ſie thun, wenn ſie ſolche angenommen hat, und zur zweyten Ehe ſchreiten will? daſ. Muͤhlen. Welche zu den unbeweglichen Guͤtern gerechnet werden, S. 109⸗. N. Neben⸗Vormund.(subrogé-tuteur) Seine Pflichten, S. ga⸗ Wer auf die Ernennung desſelben antragen muͤſſe, daſ. Er muß bey dem Inventarium des Vermoͤgens eines Minderjaͤhri⸗ gen, bey dem Verkaufe der Mobilien und Immobilien desſel⸗ ben zgegenwaͤrtig ſeyn, 95, 96 u. 97. Ihm werdsen die Rechnungen uͤber die Lage der Verwaltung des Vormundes waͤhrend der Vormundſchaft vorgelegt, wenn dieß der Fami⸗ lienrath beſtimmt hat, 100. Er iſt verbunden, die Eintragung der Hypotheck, welche der Minderjaͤhrige auf das Immobilar— Vermoͤgen ſeines Vormunds hat, eintragen zu laſſen, in ſo fern dieſer es verſaͤumt, 444. 542 Alphabetiſches Nießbrauch. Erklaͤrung dieſes Rechtes, S. 123. Er entſteht aus dem Geſetze, oder durch den Willen eines Menſchen, iſt entweder bedingt oder unbedingt, erſtreckt ſich auf bewegliche oder unbewegliche Guͤter, daſ. Wie er erloͤſche, 131. Der Verkauf einer Sache oder der Untergang eines Theils derſelben hebt den Nießbrauch nicht auf, 132. Wann die Eltern ihn an einer ihren Kindern angefallenen Erbſchaft nicht haben, 154. Nießbraucher. Seine Rechte. Ihm gebuͤhren die natuͤrlichen, Induſtrial⸗ und Civil⸗Fruͤchte; von welcher Zeit an? S. 123 — 124. Zu was iſt er verbunden, wenn er den Nießbrauch von Sachen hat, die man nicht gebrauchen kann, ohne ſie zu verzehren; oder von ſolchen, die zwar durch den Gebrauch nicht gleich verzehrt doch aber verringert werden 2 124— 125. Der Nießbrauch einer Leibrente gibt ihm das Recht, die Ruͤckſtaͤnde davon einzuziehen, 125. Rechte und Verbindlichkeiten desſel⸗ ben bey dem Nießbrauche des Schlagholzes, einer Baumſchule, des hochſtaͤmmigen Holzes, der Obſtbaͤume, 125— 126. Der Nießbraucher kann ſein Recht verpachten, verkaufen oder un⸗ entgeldlich uͤbertragen, was er im Falle der Verpachtung zu beobachten habe, 126 u. 299— 300. Die Alluvion nuͤtzt ihm, er hat den Genuß der Grundgerechtigkeiten, der Bergwerke und Steinbruͤche, die beym Anfalle des Nießbrauchs im wirk ichen Betrieb ſind, 126 u. 127. Er kann fuͤr die von ihm gemach⸗ ten Verbeſſerungen keine Entſchaͤdigung fordern; er darf ſeine Spiegel, Gemaͤhlde oder andere Verzierungen hinwegnehmen; er wird nicht Eigenthuͤmer des waͤhrend des Nießbrauches ge⸗ fundenen Schatzes, 127. Zu was iſt er verbunden, ehe er ſich in den wirklichen Genuß einſetzet? Wann hat er Caution zu leiſten? Wie, wenn er keinen Buͤrgen finden kann? Zu wel— chen Reparaturen iſt er verbunden? Welche Laſten hat er zu tragen? 127— 129. Wann hat er eine vermachte Leibrente oder Penſion zu bezahlen? Wann und in wie ferne muß er zur Tilgung der Schulden, die auf dem Grundſtuͤcke haften, beytragen? Worin beſteht ſeine Pflicht, wenn ein Dritter et⸗ was gegen die Gerechtſame des Eigenthuͤmers unternimmt? 129 — 130. Was iſt Rechtens, wenn das einzige zum Nießbrauche eingeraͤumte Stuͤck Vieh, wenn die ganze Heerde, wenn ein Theil derſelben ohne Verſchulden des Nießbrauchers zu Grunde geht? 130 u. 131. Die Glaͤubiger des Nießbrauchers koͤnnen als Intervenienten auftreten, wenn gegen ihn auf Verluß ſei⸗ nes Rechtes wegen Mißbrauch angetragen wird, 131. Wann hat er das Nutzungsrecht von dem Boden und den Materiglien eines durch Feuersbrunſt oder einen andern Zufall zerſtoͤrten oder von Alterthum eingeſtuͤrzten Hauſes? 132. Notorietaͤts⸗Act.(uͤber die Geburt) Wann kann er den Geburtsſchein erſetzen? S. 19. Seine Form, daſ⸗ Muß vom Bezirksgerichte beſtaͤttiget werden, 20. — 1 Regiſter. 543 Notorietaͤts⸗Act.(uͤber die Abweſenheit der El⸗ tern oder Großeltern) Vertritt in gewiſſen Faͤllen die Stelle des ehrerbiethigen Actes, wenn die Kinder eines Abwe⸗ ſenden ſich verehelichen wollen, S. 37. Novation. Auf wie vielerley Weiſe und unter welchen Perſo⸗ nen ſie geſchehen koͤnne; Wirkungen derſelben, 263— 264. O. Obligationen. Gehoͤren zu den Mobilien, S. 112. Obſtbaͤume. Wann und unter welcher Vedengung, koͤnnen ſie das Eigenthum des Nießbrauchers werden? S. Oppoſttions⸗Acte.(wider eine Heirath) Ihne Leen S. 13 u. 41. Pflichten des Beamten des Civil⸗Standes, wenn eine Oppoſition eingelegt wird, 18 u. 19. Wer das Recht ſie ein⸗ zulegen habe, a0 u. 41. Wer uͤber die Oppoſition erkenne, 41. Pacht⸗Contract. Siehe Mieth⸗Contract. Was iſt Rechtens, wenn in dem Pacht⸗Contracte ein geringerer oder groͤßerer Flaͤchen⸗Inhalt der Grundſtuͤcke angegeben wird, als ſich in der That befindet? S. 369, 341 u. 342. In welchen Faͤllen kann der Verpaͤchter eines Landgutes den Pacht⸗Contract aufheben laſſen? 369. Auf welche Zeit wird bey der muͤnd⸗ lichen Verpachtung eines Landgutes vermuthet, daß der Con⸗ tract geſchloſſen worden? 371. Wann tritt am Ende der ſchrift⸗ lich vereinbarten Pachtung ohne Erneuerung derſelben eine neue Verpachtung ein, und welches ſind die Wirkungen derſelben? daſ. Paͤchter. Welcher darf nicht unterverpachten? S. 368. Ber⸗ bindlichkeiten des Paͤchters, 369. In welchen Faͤllen iſt er be⸗ rechtiget, Nachlaß von dem Pachtpreiſe zu fordern? 369— 370. Wozu iſt der abziehende Paͤchter gegen ſeinen Nachfol⸗ ger in der Laudwirthſchaft und gegen den Eigenthuͤmer des Gutes verbunden? 371. Wann hat perſoͤnlicher Arreſt gegen den Paͤchter Statt? 424— 425.] Paraphernal⸗Guͤter. Erklaͤrung derſelben; die Frau ver⸗ waltet ſie, iſt jedoch hierin beſchraͤnkt; Pflichten des Mannes, wenn er den Genuß derſelben hat; in welchem Falle er die vorraͤthigen und verzehrten Fruͤchte zu berechnen habe, S. 335 u. 336. Particular⸗Legatar. Rechte desſelben, S. 210 u. f. Pfand⸗Contract. Erklaͤrung dieſes Vertrags, S. 426 u. f. Siehe Fauſtpfand und antichretiſcher Vertrag. Pfandrecht. Es iſt untheilbar. Wirkungen dieſer Untheilbar⸗ keit, S. 429. 54 4½ Alphabetiſches Pflege. Cfreywillige eines minderjaͤhrigen Kindes aus wohlthaͤti⸗ gen Abſichten) Von wem und in Ruͤckſicht welcher Kinder kann ſie uͤbernommen werden? S. 77 u. 78. Welche Verbindlichkeiten ent⸗ ſpringen hieraus? 78 u. 79. 1 Polizey⸗Geſehe. Verpflichten jeden, der auf dem franz⸗ Gebiethe ſich aufhaͤlt, S. 4. Poͤnal⸗Clauſel. Ihre Wirkung bey Vertraͤgen, S. 252—as3. Praͤſidenten der erſten Inſtanz⸗Gerichte. Numeriren und pa⸗ raphiren die Regiſter der Acte des Civil-Standes, S. 13. Beglaubigen die Auszuͤge aus den bey dieſen Gerichten depo⸗ nirten Regiſtern des Civil⸗Standes, 14. Ihnen werden die Klagen auf Eheſcheidung von der klagenden Partey in Perſon uͤberreicht, 51. Beſondere Functionen derſelben bey dieſer Klage, daſ. u. f. Sie ertheilen die Arreſtbefehle, wenn die Einſperrung uͤbel geſitteter Kinder nachgeſucht wird, 80. Ih⸗ nen werden die eigenhaͤndigen und geheimen Teſtamente praͤſentirt; was ſie in dieſer Hinſicht zu thun haben; wann ſie durch eine Ordonnanz den Univerſal⸗Legatar in den Beſitz der Erbſchaft einweiſen, 209. Privilegium. Erklaͤrung dieſes Rechtes, S. a31— a32. Privilegien koͤnnen bey Mobilien und Immobilien eintreten. Allgemeine Privilegien auf die Mobilien, a32. Privilegien auf gewiſſe Mobilien, 433— 435. Privilegien auf Immo⸗ bilien, 435— 436. Privilegien, die ſich auf Mobilien und Immobilien zugleich erſtrecken, 436. Wie werden Privilegien in ihrer Kraft erhalten? 437— 439. Art, wie ſie in die Regiſter des Hypothecken⸗Bewahrers eingetragen werden muͤſſen; Siehe Eintragung. Wie lange erhalten die Eintragun⸗ gen das Privilegium? 449. Wann und unter welchen Formalitaͤten roͤnnen eingetragene Privilegien geloͤſcht werden? 450—451. In welchen Faͤllen hat eine Reduction derſelben Statt; nach wel⸗ chen Regeln muß ſie vorgenommen werden? 451— 453. Wir⸗ kungen der Privilegien wider dritte Beſitzer, 453— 455. Wie Privilegien erloͤſchen, 456. Wie man ſein Eigenthum von denſelben befreyen koͤnne, 456— 463. Procurator.(kaiſerlicher) Hat dafuͤr zu ſorgen, daß, wenn am Nande eines ſchon eingetragenen Actes des Civil⸗Standes Erwaͤhnung eines andern geſchieht, ſolche in beyden Regiſtern gleichlautend vorgenommen werde, S. 14. Unterſucht die bep den Civil⸗Gerichten deponirten Regiſter des Civil-Standes, ſetzt daruͤber einen Verbal⸗Prozeß auf, und denuncirt die Ver⸗ brechen, die er in dieſer Hinſicht entdecken mag, 15. Wird uͤber die Notorietaͤts⸗Acte gehoͤrt, 20. So wie, wenn es ſich um Berichtigung der Acte des Civil⸗Standes handelt, 26. Er hat beſonders fuͤr das Intereſſe der praͤſumtiv⸗abweſenden Per⸗ ſonen zu wachen, und muß bey allen Klagen, die ſie betreffen, veknommen werden, 2⸗. Um die Abweſenheit einer Perſon Regiſter. 545 zu conſtatiren, wird contradictoriſch mit ihm eine Unterſuchung angeſtellt, daſ. Er uͤberſendet die Vorbeſcheide und Endur— theile, die ſie betreffen, an den Groß Richter, Juſtitz⸗Miniſter, 30. In ſeiner Gegenwart wird zur Aufzeichnung des Mobilar⸗ Vermoͤgens und der Erwerbungs⸗Titel der Abweſenden geſchrit⸗ ten, 31. Kann im zweyten Aufgebothe der Ehe dispenſiren, 39. Kann und ſoll in gewiſſen Faͤllen die Nichtigkeitsklage gegen die Ehe anſtellen, 42 u. 43. Er hat auf die im Geſetze beſtimmten Strafen anzutragen, wenn die in Betreff der Auf⸗ gebothe vorgeſchriebenen Verfuͤgungen nicht befolgt worden ſind, 43 u. 44. Wann hat er eine Criminal⸗, wann eine Civil⸗ Klage anzuſtellen, wenn ſich die Exiſtenz einer geſetzlich einge⸗ gangenen Ehe aus einem peinlichen Prozeſſe ergibt? as. Ihm werden die Klagen auf Eheſcheidung und die hierauf ſich bezie⸗ hende Procedur mitgetheilt; er muß vor Erlaſſung jedes Vor⸗ beſcheides und des Endurtheils gehoͤrt werden, 51 u. f. Was hat er bey der Eheſcheidung auf wechſelſeitige Einwilligung zu unterſuchen? 62. Die Appellations⸗Acte von dem Urtheile, worin die Eheſcheidung auf wechſelſeitige Einwilligung fuͤr un— ſtatthaft erklaͤrt wird, muͤſſen ihm inſinuirt werden, und er hat alle Prozeß⸗Acten an den kaiſerl. General⸗Procurator bey dem Appellations⸗Gerichtshofe zu ſenden, 63. Er truͤgt auf Ein⸗ ſperrung der Frau an, gegen die wegen eines von ihr began⸗ genen Ehebruchs die Eheſcheidung oder Abſonderung von Tiſch und Bett erwirkt worden, 64 u. 66. Ihm wird eine Ausfertigung des vor dem Friedensrichter gefertigten Adoptions⸗Actes zuge⸗ ſtellt, 76. Die Erben des Adoptanten koͤnnen ihm Denkſchriften einhaͤndigen, wenn derſelbe ſtirbt, bevor entſcheidend uͤber die Adoption erkannt worden, 77. Der Praͤſident haͤlt mit ihm Ruͤckſprache, wenn die Einſperrung eines uͤbel geſitteten Kindes verlangt wird, welches das ſechszehnte Jahr angetreten hat, 80. Er wird vernommen, wenn es ſich handelt, die Aufnahme eines Anlehens fuͤr einen Minderjaͤhrigen zu autoriſiren, die liegen⸗ den Guͤter desſelben zu veraͤußern oder zur Hypotheck zu ſtellen, 97. Er muß die Interdiction wider Raſende, er kann ſie in gewiſſen Faͤllen auch gegen Bloͤdſinnige und Wahnſinnige nach⸗ ſuchen, 1043. Er wohnt dem Verhoͤre desjenigen bey, auf deſ⸗ ſen Interdiction angetragen worden, 105. Er wird gehoͤrt, wenn es ſich um Beſtaͤtigung des Gutachteneé handelt, das der Familienrath wegen der Beſtimmuugen des Ehe⸗Contractes des Kindes eines Interdicirten gegeben hat, ſo wie vor Erlaſſung aller Urtheile, die ſich auf Interdietion oder gerichtliche Anordnung eines Beyſtandes beziehen, 107 u. 108; wenn wegen Man⸗ gel an rechtmaͤßigen Erben ein natuͤrliches Kind, oder wenn der uͤberlebende Ehegatte oder die Republik eine Erbſchaft in Anſpruch nimmt, 162 u. 163 Er kann auf Ernennung eines Curators varanter Erbſchaften antragen, 170. Er muß die Verſiegelung der Erbſchafts⸗Effecten requitriren, wenn nicht alle Erben anweſend ſind, oder es unter ihnen Minderjaͤhrige oder Interdieirte gibt, 172. Er hat bey dem Gerichte auf die Er⸗ 35 546 Alphabetiſches klaͤrung anzutragen, daß den beguͤnſtigten ihre Rechte auerfal⸗ len ſeyen, wenn der mit der Reſtitution einer Sache beauf⸗ tragte unterlaſſen hat, einen Vormund ernennen zu laſſen, 219. Ihm kommt es zu die Errichtung eines Inventariums uͤber die der Reſtitution unterworfenen Guͤter nachzuſuchen, wenn dieß von jenen Perſonen nicht geſchehen iſt, denen dieſe Pflicht ob⸗ liegt, 220. Er iſt verbunden, die Eintragung der Hypothecken nachzuſuchen, welche verheiratheten Frauen gegen ihre Maͤn⸗ ner und Minderjaͤhrigen gegen ihre Vormuͤnder zuſtehen, wenn jene, denen das Geſetz dieſe Verbindlichkeit aufer⸗ legt, es zu thun verſaͤumt haben, 445. Er muß vernom⸗ men werden, wenn der Ehegatte oder der Vormuͤnder darauf anſteht, daß die allgemeine Hypotheck nur auf gewiſſe Guͤter beſchraͤnkt werde, 446. Der Erwerber eines Ehegatten oder Vormuͤndern gehoͤrigen Gutes iſt gehalten, ihm die Hinterle⸗ gung einer Abſchrift ſeines Contractes bey der Gerichtsſchrei⸗ berey des Civil⸗Gerichtes inſinuiren zu laſſen, 461. Q. Quaſi⸗Contracte. Erklaͤrung und Wirkung derſelben, S. 285 — 287· Quaſi⸗Delicte. Verbinden zum Schadenserſatze, S. 287— 288. Quelle. Rechte des Eigenthuͤmers einer Quelle, S. 138. R. Raſende. Siehe Bloͤdſinnige, Interdiction und Pro⸗ curator.(kaiſerlicher) Rechnungsablage. Zu welcher der Vormund,(S. 10o u. 102) der Beneſiciar⸗Erbe,(168) der Curator einer vacanten Erbſchaft(171) verbunden iſt. Rechswohlthat.(der Guͤterabtretung) Wirkungen derſelben, S. 262. Rechtswohlthat des Inventariums. Welche Formali⸗ taͤten muͤſſen beobachtet werden, um ſie in Anſpruch nehmen zu koͤnnen; welche Vortheile gewaͤhrt ſie den Erben; wann werden ſie dieſes Rechtes verluſtig? 166— 170. Siehe Erbe. Regierung. Kann in dem zur Ehe erforderlichen Alter dispen⸗ ſiren, S. 363 ſo wie in gewiſſen Eheverbothen und in dem zweyten Aufgebothe, 309 Welche Schenkungen unter Lebenden oder durch Teſtamente erſt durch die Autoriſation der Regierung ihre Wirkung erhalten, 188. Nur mit ihrer Ermaͤchtigung koͤnnen Gemeinden und oͤffntliche Anſtalten ſich vergleichen, 421. Regiſter.. 547 Regierungs⸗Commiſſaire. Siehe kaiſerlicher Pro⸗ curator. Regiſter des Acte des Civil⸗Standes. Ihre Form, S. 13. Werden jaͤhrlich abgeſchloſſen und mit ihren Beylagen deponirt, daſ. Jedermann kann Auszuͤge aus denſelben begehren, 14. Durch welche Beweiſe ihr Abgang erſetzt werde, daſ. Dieſe Regiſter werden alle Jahre von dem kaiſerl. Procurator unter⸗ ſucht, 15. Wer wegen der in denſelben vorkommenden Ver⸗ faͤlſchungen verantwortlich ſey, daſ. Werden bey jedem Trup⸗ pen⸗Corps und bey dem General⸗Stab gefuͤhrt, 23. Die Be⸗ richtigungen der Acte des Civil⸗Standes werden hierin eingetra⸗ gen, 27; ſo ſwie, die von Franzoſen im Auslande geſchloſſe⸗ nen Ehen, a0. Religionsdiener. Siehe Doctoren. Repraͤſentations⸗Recht.(bey der Erbfolge) Erklaͤrung dieſes Rechtes, wann es eintrete und was es fuͤr Wirkungen hervorbringe, S. 156. Bey der Verzichtleiſtung auf eine Erb⸗ ſchaft hat es nicht Statt? 165. Republik. In welchem Falle hat ſie Anſpruͤche auf eine Erb⸗ ſchaft? S. 162. Sie muß ſich in den Beſitz derſelben einwei⸗ ſen laſſen, daſ. Reſciſſions⸗Klage(in Theilungsſachen). In welchen Faͤl⸗ len ſie Statt habe, und wie der Beklagte ſie in ihrem Laufe hemmen koͤnne, S. 184— 185. Wie lange die Reſciſſions⸗ Klage bey Contracten daure, 269. Wegen welcher Verletz ung und in welcher Zeitfriſt kann der Verkaͤufer die Reſciſſions⸗ Klage anſtellen; wie muß der Beweis der Verletzung gefuͤhrt werden? 352— 3z53. Wirkungen dieſer Klage, wenn ſie zu⸗ gelaſſen wird, in Betreff des Erwerbers und Verkaͤufers, z5a. Bey welchen Verkaͤufen ſie nicht Statt habe, daſ. In wel⸗ chen Faͤllen ſie bey einem Vergleiche eintreten koͤnne, 422— 423- Nichter. Duͤrfen wegen Dunkelheit oder Unzulaͤnglichkeit der Ge⸗ ſetze ſich nicht weigern, ein Urtheil zu ſprechen, S. 5. Sie ſollen nicht in der Form allgemein guͤltiger Vorſchriften ent⸗ ſcheiden, daſ. Nach welchen Grundſaͤtzen haben ſie den unter Eigenthuͤmern uͤber die Benutzung fließender Waͤſſer entſtandenen Streit zu entſcheiden? 136. Sie koͤnnen die wegen Nichter⸗ füllung einer Verbindlichkeit bedungene Strafe maͤßigen, 253. Zahlungsfeiſten geſtatten, 256, 349 u. 395; in gewiſſen Faͤl⸗ len einer der ſtreitenden Parteyen den Eid auftragen, 283— 284. Sie duͤrfen die Vertheidigungsgruͤnde, welche die Ver⸗ jaͤhtung einer Partey darbiethet, nicht erſetzen, 470. Roͤhren. Welche ſind unbewegliches Gut? S. 110, 548— Alphabetiſches Ruͤckfall.(von einer Linie auf die andere) Wann hat er bey Erbſchaften Statt? S. 154. Ruͤckſtaͤnde. Der Nießbraucher einer Leibrente kann die Ruͤck⸗ ſtaͤnde davon beziehen, S. 125. In welcher Zeit die Ruͤck⸗ ſtaͤnde faͤllig gewordener Erb⸗ und Leibrenten, der Koſtgelder, der Miethpreiſe der Haͤuſer, der Pachtpreiſe von Landguͤtern, und der Zinſen von geliehenem Gelde verjaͤhrt werden, 479. AA r 10212 * „Sarchen. Welche ſind ihrer Beſtimmung nach unbeweglich? S. 110— 111. Welche in Hinſicht des Gegenſtandes, worauf ſie ſich beziehen? 111. Schadenserſatz. Hiezu ſind verbunden jene Perſonen, die eine Veraͤnderung oder ein Falſum in den Regiſtern des Civil⸗Stan⸗ des gemacht haben; S. 158 Der Beamte des Civil⸗Standes, welcher zum Heiraths⸗Acte geſchritten, ohne daß die bey ihm eingelegte Oppoſition aufgehoben worden iſt, 193 jene, deren Oppoſition gegen eine Heirath verworfen worden iſt, 41. Der Nebenvormund, welcher vernachlaͤßiget hat, die Ernennung eines neuen Vormundes nachzuſuchen, 89— 90; der Vor⸗ mund wegen einer uͤbeln Verwaltung, 95. Der uͤberlebende Ehegatte und die Domainen⸗Verwaltung, wegen Vernachlaͤßi⸗ gung der Formalitaͤten, die in Betreff der ihnen angefallenen Erbſchaften vorgeſchrieben ſind, 163. In welchen Faͤllen hat die Klage auf Schadenserſatz gegen den Schuldner Statt? 236 u. 237. Nach welchen Grundſaͤtzen wird er beſtimmt? 237 u. 238. Jeder, der einem andern durch ſeine Handlungen oder auch durch ſeine Nachlaͤßigkeit oder ſein Verſehen, Schaden zu⸗ gefuͤgt hat, iſt zum Erſatze desſelben verbunden, 287. In wie fferne Eltern, Hausherrn, Committenten, Lehrer, Handwerker, Eigenthuͤmer und Beſitzer eines Thieres, Eigenthuͤmer eines Ge⸗ baͤudes zum Erſatze des Schadens verpflichtet ſind, welchen Kinder, das Geſinde, Geſchaͤftsfuͤhrer, Zoͤglinge, Lehrlinge, Thiere und das Einſtuͤrzen eines Gebaͤudes verurſacht haben, 287 288. Schatz. Wer wird Eigenthuͤmer eines gefundenen Schatzes? S. 127 U. 150. Scheidewand. In welchen Orten kann man ſeinen Nachbarn zwingen zur Erbauung und Reparatur einer Scheidewand bey⸗ zutragen? 139. Beſtimmung der Hoͤhe der Scheidewaͤnde, da ſ. u. 140. 4 Schenkung.(unter Lebenden) Erklaͤrung derſelben, S. 185. Welche Bedingungen hiebey fuͤr nicht geſchrieben geachtet wer⸗ den, 186. Wer durch eine Schenkung unter Lebenden verord⸗ nen oder beguͤnſtiget werden koͤnne, 186 u f. Ueber welchen Vermoͤgens⸗Antheil man disponiren duͤrfe, 189 u. 190. Welches Regiſter. 549 Recht die Erben haben, wenn uͤber einen Nießbrauch oder eine Leibrente verfuͤgt worden, wovon der Werth die der Verfuͤ⸗ gung unterworfene Quote uberſteigt, 190. Welche Schenkungen unter den Lebenden vermindert werden koͤnnen; wer das Recht habe, keine Verminderung zu verlangen; wie ſie beſtimmt werde, 19t u. 192. Form der Acte, welche eine Schenkung unter Lebenden enthalten; ſie bringt erſt von dem Tage der erfolgten Annehmung eine Wirkung hervor, wie dieſe geſchehen müſſe, 193. Ausnahme von dieſer Regel, 225. Wie das Eigenthum der geſchenkten Sachen uͤbergehe; was in Betreff derjenigen ge— ſchenkten Guͤter zu beobachten, worin ſich eine Hypotheck ſtellen laͤßt, 193. In welchen Faͤllen eine Schenkung unguͤltig ſey, 195 In welchen ſie widerrufen werden koͤnne, 197 u f und 227. In welcher Zeitfriſt und gegen wen die Klage auf Wi⸗ derruf wegen nicht erfuͤllter Bedingungen und wegen Undankes angeſtellt werden muͤſſe, Wirkungen eines ſolchen Widerrufs, 198. Durch die nachherige Geburt eines ehelichen oder die Le⸗ gitimation eines natuͤrlichen Kindes werden die Schenkungen von Rechtswegen widerrufen, Folgen dieſes Widerrufs, 199 u. 200. Ausnahme von dieſer Regel, 227. In wie ferne Eltern und Geſchwiſter durch Acte unter Lebenden einen Theil ihres Vermoͤgens ihren Kindern und Geſchwiſtern unter der Bedin⸗ gung ſchenken koͤnnen, daß ſie ſolchen den Kindern der Ge— ſchenknehmer zuruͤckliefern ſollen, 21 u. f Beſondere Verfuͤ⸗ gungen in Betreff der Schenkungen, welche von einem Dritten zu Gunſten der Ehegatten, oder von dieſen gegenſeitig in dem Heiraths-Contracte, oder waͤhrend der Ehe gemacht werden, 223— 228. In wie ferne der Mann durch Schenkung uͤber das zur Gemeinſchaft gehoͤrige Vermoͤgen disponiren koͤnne, 298. Schiffleute. Welche Verpflichtungen haben ſie in Betreff der Aufbewahrung und Erhaltung der ihnen anvertrauten Sachen? 372— 373 u. 403. Sie haben wegen des Fuhrlohns ein Prioilegium auf die Sachen, welche ſie transportirt haben, 435. Schlagholz. Wann die Nutzungen desſelben zu dem beweglichen Vermoͤgen gerechnet werden, S. 110. Was hat der Nieß⸗ braucher des Schlagholzes fuͤr Rechte? 125. Schulden. Wer die einer Erbſchaft zu tragen habe, S. 181 u. f. 209, 210, 295 u. f. Wann die Schulden im Allgemei⸗ nen als erlaſſen angeſehen werden, 265. Siehe Guͤterge⸗ meinſchaft, Zahlung und Zahlungsfriſt. Schuldner. Siehe Zahlung, Hinterlegung, Guͤter⸗ abtretung, Novation, Compenſation, Confu⸗ ſion, Buͤrge, Buͤrgſchaft und Pfand⸗Contract. Er wird in gewiſſen Faͤllen von ſeiner Verbindlichkeit durch den Verluſt oder Untergang der Sache, welche den Gegenſtand der⸗ ſelben ausmachte, befreyt, S. 268 u. 269. Was iſt Rechtens, 550 Alphabetiſches wenn jemand eine Schuld getilgt hat, der aus Irrthum glaubte, er ſey Schuldner, 286. Der Schuldner haftet mit ſeinem ganzen Vermoͤgen fuͤr die Erfuͤllung ſeiner perſoͤnlichen Ver⸗ bindlichkeiten, 431. Schwiegereltern, Schwiegerſöoͤhne, Schwieger⸗ toͤchter. Siehe Unterhalt. Seiten⸗Verwandte. Wann, und welchen Antheil erben ſie? S. 158. Sequeſtration. Geſchieht entweder zufolge eines Vertrags, oder ſie wird vom Gerichte verordnet; Regeln fuͤr beyde Faͤlle, S. 403— 405. Servituten. Siehe Dienſtbarkeiten. Societaͤts⸗Contract. Siehe Geſellſchaftsvertrag. Solidar⸗Glaͤubiger. Rechte derſelben, S. 246 u. f. Wirkung des Eides, den einer der Solidar⸗Glaͤubiger dem Schuldner angetragen, 283. Solidar⸗Schuldner. Verbindlichkeiten derſelben gegen den Glaͤubiger und gegen einander, S. 246— 249. Wann wird ihnen eine Schuld als erlaſſen angeſehen? 265. Wirkung des einem der Solidar⸗Schuldner angetragenen Eides, 283. Wie, wenn eine Frau in Angelegenheiten der Guͤtergemeinſchaft oder des Mannes ſich als Solidar⸗Schuldnerinn darſtellt? 300. Spielſchuld. Das Geſetz geſtattet keine Klage wegen einer Spielſchuld; Ausnahme von dieſer Regel? S. 406. Spiel⸗Verträge. S. 405 u. f.„ Staats⸗Guͤter. Welche Guͤter hiezu gerechnet werden, S. 114, 115, 119 H. 150. Statuen. Wann ſie zu den unbeweglichen Guͤtern gezaͤhlt wer⸗ den, S. 111. Stelllonat. Wann iſt der Fall eines Stellionats vorhanden? Strafe dagegen, S. a23. Sterbe⸗Act. Welche Perſonen als Zeugen bey demſelben ge⸗ braucht werden ſollen, S. 22. Was er enthalten muͤſſe, daſ. Seine Form bey Sterbfaͤllen in Spitaͤlern und andern oͤffentl. Haͤuſern, daſ.; nach erfolgter Vollſtreckung eines Todesur⸗ theils, 23; bey Sterbefaͤllen in Gefaͤngniſſen, daſ⸗; auf einer Seereiſe, 24; in Kriegs⸗Spitäͤlern, 26. Subſtitutionen ſind verbothen, S. 186. Ausnahmen von dieſer Regel, 217 u. f. Was fuͤr keine Subſtitution gehalten werde, 186. In wie ferne es erlaubt ſey, zum Vortheile ſeiner Enkel oder der Kinder ſeiner Geſchwißter durch Acte unter Leben⸗ den oder durch Teſtament die Reſtitution eines gewiſſen Theils Regiſter. 551 ſeines Vermoͤgens zu verordnen, 217. Wann den Beguͤnſtig⸗ ten ihre Rechte anfallen, 218. Ernennung eines Vormundes zur Vollziehung der zu Gunſten der Enkel oder Kinder getrof⸗ fenen Verfuͤgungen; Pflichten dieſes Vormundes und des mit der Reſtitution Beſchwerten, 219— 222. Succeſſion. Der Ort, wo ſie ſich eroͤffnet, wird durch das Domicil beſtimmt, S. 28. Wie ſie eroͤffnet werde, welche Regeln zu beobachten ſeyen, wenn man nicht unterſcheiden kann, wer zu⸗ erſt geſtorben, 151— 152. Wer der Succeſſion unwuͤrdig ſey, 153— 154. Succeſſion der Descendenten, Ascendenten und Seiten⸗Verwandten, 157 u. f. T. Tauben. In welchem Falle ſie, wenn ſie in ein anderes Tauben⸗ haus uͤbergehen, dem Eigenthuͤmer desſelben gehoͤren? S. 120. Taubſtumme. In welcher Form ſie Schenkungen annehmen koͤnnen, S. 194. Tauſch. Erklaͤrung dieſes Contractes; wodurch er vollguͤltig wer⸗ de; Verbindlichkeiten, die daraus entſtehen; bey dem Tauſche hat keine Reſciſſion wegen Verletzung Statt, S. 357— 358. Teſtament. Erklaͤrung dieſes Actes, S. 186. Welche Bedin⸗ gungen hiebey als nicht geſchrieben angeſehen werden, daſ. Wer ein Teſtament errichten oder durch dasſelbe beguͤnſtiget werden koͤnne, 186 u. f. Ueber welchen Vermoͤgens⸗Antheil man verordnen duͤrfe, 189 u. 1900. Was Rechtens ſey, wenn durch ein Teſtament uͤber einen Nießbrauch, oder eine Leibrente verfuͤgt worden, wovon der Werth die der Verfuͤgung unter⸗ worfene Quote uͤberſteigt, 190. Formalitaͤten, welche bey ei⸗ nem eigenhaͤndigen, oͤffentlichen und geheimen Teſtamente zu beobachten ſind, 200— 205. Beſondere Verfuͤgungen in Be⸗ „treff der Teſtamente der Militair⸗ und anderer bey der Armee angeſtellten Perſonen, welche auf einer Militair⸗Eppedition oder außer dem Gebiethe des Reichs ſich befinden, in Betreff jener, welche an einem Orte gemacht werden, mit welchem alle Ge⸗ meinſchaft wegen der Peſt oder einer andern anſteckenden Krank⸗ heit unterbrochen iſt, und ſolcher, die auf einer Seereiſe ge— macht werden, 205— 207. Wann ein von einem Franzoſen im Auslande gemachtes Teſtament in Betreff der in Frankreich gelegenen Guͤter vollzogen werden koͤnne, 207. Wie ein Teſta⸗ ment oder einzelne Verfuͤgungen desſelben vom Teſtirer wider⸗ rufen werden koͤnnen, 214 u. 215. Wann die teſtamentariſchen Verordnungen ihre Kraft verlieren, 215 u. 216. In welchen Faͤllen man auf ihren Widerruf klagen koͤnne, 216. In wie ferne durch ein Teſtament der Geſchenknehmer mit der Reſti⸗ tution der geſchenkten Sache beſchwert werden koͤnne, 217 u. f. Was Rechtens ſey, wenn der Mann durch ein Teſtament eine zur Gemeinſchaft gehoͤrige Sache geſchenkt habe, 298. 55² Alphabetiſches Teſtaments⸗Executor. Wer es nicht ſeyn koͤnne, S. 213. Ihm kann der Teſtirer den Beſitz ſeines Mobilar⸗Vermoͤgens auf gewiſſe Zeit einraͤumen, wie der Erbe dieſem Beſitze ein Ende machen koͤnne, daſ. Rechte und Pflichten desſelben, daſ. u. 214. Solidar⸗Verbindlichkeit, wenn es ihrer mehrere ſind, 214. Tod.(buͤrgerlicher) Welche Strafurtheile ihn nach ſich ziehen, S. 9. Deſſen rechtliche Folgen, daſ. u. f. Recht der Re⸗ gierung, ſolche zu mildern, 12. Von welchem Zeitpuncte er eintrete, und wie fern er als Folge eines Contumacial⸗Urtheils zu betrachten ſey, 10 u. f. Transſcription der Acte, in welchen jemand mit der Reſtitution einer Sache beſchwert wird, auf weſſen Betreiben und wo ſie geſchehen muͤſſe, S. 221 u. 222. Theilung. Wann iſt ſie in Hinſicht eines Minderjaͤhrigen definitiv? S. 99. Man darf immer auf Theilung antragen, S. 171. Wann kann der Vormuͤnder gegen die Miterben des Minderjaͤhrigen und der Ehegatte gegen jene ſeiner Frau die Theilung fordern? daſ. u. 172. Wie geſchieht die Theilung einer Erbſchaft, wenn alle Erben anweſend und großjaͤhrig ſind; und welcher Behoͤrde gebuͤhrt das Recht zu entſcheiden, wenn hieruͤber Streit entſteht? 172— 175. Nach welchen Regeln und wo muß die Theilung vorgenommen werden, wenn nicht alle Erben anweſend ſind, oder es unter ihnen Minderjaͤhrige oder Inter⸗ dicirte gibt? 175 u. 176. Welche Theilung iſt deſtnitiv, welche nur proviſoriſch? 176. Wie kann jemand, der zur Erbſchaft nicht berechtigt, ſondern nur durch Uebertrag an die Stelle ei— nes Miterben gekommen iſt, von der Theilung ausgeſchloſſen werden? daſ. Wer erhaͤlt nach volllzogener Theilung die Ur⸗ kunden? daſ. In welchen Faͤllen kann eine Theilung reſcin— dirt,(wieder aufgehoben) werden? 184— 187 Welche Glaͤubiger ſind befugt, bey einer Theilung Oppoſttion einzule⸗ gen? 180 u. 183. Wann koͤnnen ſie eine ſchon vollzogene be⸗ ſtreiten? 183. Wirkungen der Theilung und der Gewaͤhr der Loſe, daſ. u f. In welcher Form und nach welchen Grund⸗ ſaͤtzen die Theilung des Vermoͤgens von den Eltern unter ihre Kinder und Abkömmlinge geſchehen koͤnne; in welchem Falle die Kinder ſie zu beſtreiten befugt ſeyen, 222 u. 223. U. Uebertragung.(von Forderungen und andern unkoͤrperlichen Rechten) Wann wird ſie unter dem Cedenten und Ceſſionar voll⸗ guͤltig; wann in Betreff dritter Perſonen? S. 355 Wofür hat der Cedent zu haften? 356. Wie kann ſich der, wider welchen ein ſtreitiges Recht uͤbentragen worden, von ſeiner Ver⸗ bindlichkeit gegen den Ceſſionar befreyen? 356— 357. Regiſter. 553 univerſal⸗Legatar. Seine Rechte und Verbindlichkeiten, S. 208 U. 209. Univerſal⸗Vermaͤchtniß. Erklaͤrung desſelben; wann geht es durch den Tod des Erblaſſers von Rechtswegen auf den Univerſal⸗Legatar uͤber; wann hat dieſer die Auslieferung des⸗ ſelben von den Erben zu verlangen? S 208— 209. Unterhalt Pfiichten in dieſer Hinſicht der Eltern gegen ihre Kinder, der Kinder gegen ihre Eltern und andere Ascendenten, der Schwiegerſoͤhne und Schwiegertoͤchter, der Schwiegereltern, des Adoptanten, Adoptirten und Pflegers, S. 46, 74, 78 u 79. Wie er beſtimmt werde, und wann er aufhoͤre, 46. Verfuͤgungen in Betreff des Unterhalts, welchen die aus einem Ehebruche oder einer Blutſchande erzeugten Kinder zu fordern berechtiget ſind, 161. Unternehmer. Die von oͤffentlichen Landkutſchen, Marktſchiffen und Frachtwaͤgen muͤſſen Regiſter uͤber die von ihnen uͤbernom⸗ menen Sachen fuͤhren, S. 373 Unterpfand. Siehe Fauſtpfand, antichretiſcher Vertrag und Pfandrecht. Ur kunden. Wem muͤſſen ſie nach vollzogener Theilung einer Erb⸗ ſchaft eingehaͤndiget werden, S 176 urtheil. Crechtskraͤftiges) In wie ferne man ſich hierauf berufen koͤnne, S. 280 Urtheile im Auslande erlaſſen, begruͤnden keine Hypotheck, wenn ſie nicht von einem franzoͤſtſchen Gerichte executoriſch erklaͤrt ſind, 441. V. Vater. Wer füur den Vater eines Kindes gehalten werde, S. 67 u. f Den Fall der Entfuͤhrung ausgenommen iſt es ver⸗ bothen eine Unterſuchung anzuſtellen, wer der Vater eines Kindes ſey, 72. Waͤhrend der Ehe uͤbt der Vater allein die vaͤterliche Gewalt aus; das Kind darf ohne ſeine Einwilligung das vaͤterliche Haus nicht verlaſſen; er kann das Kind, mit deſ⸗ ſen Betragen er unzufrieden zu ſeyn Urſache hat, einſperren laf— ſen, 79 u. 82 An welchem Vermoͤgen der Kinder hat er den Genuß; welches ſind die damit verbundenen Laſten; wann hoͤrt er auf? 81, 82 u. 154 Er iſt waͤhrend der Ehe der Verwalter des ſeinen minderlaͤhrigen Kindern zugehoͤrigen Ver⸗ moͤgens; ſeine Verbindlichkeiten in dieſer Hinſicht, 82. Er kann der uͤberlebenden Mutter und Vormuͤnderinn einen beſon— dern Rath beyordnen, 83. Vaterſchaft. In welchen Faͤllen und in welcher Zeitfriſt kann ſie von dem Ehemanne und ſeinen Erben beſtritten werden? ½ S. 67— 69. 554 Alphabetiſches Verbindlichkeit. Siehe Verpflichtungen. Verdin gung. Der Dienſte kann nur auf eine beſtimmte Zeit oder fuͤr eine beſtimmte Unternehmung geſchehen, S. 372. Vergantung.(unfreywillige oͤffentliche liegender Guͤter) In Betreff welcher Guͤter der Glaͤubiger auf Vergantung antragen koͤnne, S. 466— 467. Bey welchem Gerichte auf Vergan⸗ tung verfahren werden muͤſſe, 467. Wann das Gerichte das Verfahren einſtellen koͤnne, 468. Kraft welches Titels auf oͤffentliche Vergantung verfahren werden koͤnne, daſ. Vergleich. Wann iſt der von einem Vormunde im Nahmen ſeines Minderjaͤhrigen geſchloſſene guͤltig? 99. Vergleich. Erklaͤrung dieſes Contractes. Welche Perſonen ſind befugt einen Vergleich zu ſchließen, uͤber welche Gegenſtaͤnde? S. 421, 59 u. 99. Grundſäͤtze, nach denen ſie ausgelegt werden muͤſſen, 421— 422. In welchen Faͤllen kann man auf Aufhebung eines geſchloſſenen Vergleichs klagen, in wel⸗ chen iſt er ganz unguͤltig? 422— 423. Verjaͤhrung. Wann tritt ſie gegen einen Minderjaͤhrigen wider ſeinen Vormund in Betreff der gefuͤhrten Vormundſchaft ein? S. 101. Wann wird ſie gegen den Eigenthuͤmer einer Quelle von dem Eigenthuͤmer des unterhalb liegenden Grundſtuͤckes vollendet? 135 Wann bey einer Dienſtbarkeit? 148. Welche Verjaͤhrung wird zur Erloͤſchung der Befugniß eine Erbſchaft anzunehmen oder auszuſchlagen erfordert? 165. In welcher Zeit tritt ſie zu Guuſten der Erben und Legatarien gegen die Glaͤubiger einer Erbſchaft ein? 170. In welcher wird die Klage auf Widerruf einer Schenkung unter Lebenden oder einer teſtamentariſchen Verfuͤgung wegen Undanks verjaͤhrt? tos u. 216. Welche Verjaͤhrung iſt zur Aufrechthaltung einer durch nachgebohrne Kinder widerrufenen Schenkung vorgeſchrieben? 200. Durch welche erloͤſchen Privilegien und Hypothecken? 456. Man kann nicht zum voraus auf eine kuͤnftige Verjaͤh⸗ rung verzichten, 469. Die Verjaͤhrung kann in jeder Lage des Prozeſſes entgegengeſetzt werden, 470 Welcher Beſitz zur Ver⸗ jaͤhrung erforderlich werde, daſ. Urſachen, welche ſie verhin⸗ dern, 471. Welche den Lauf derſelben unterbrechen, 472— 474. Wodurch er in Stillſtand geraͤth, 474— 428 Wie die Verjaͤhrung berechnet werde, 475 Verjaͤhrung von 30, 10 u. 20 Jahren, 476;3 von 6 Wochen, 477; von einem Jahre, 477— 478; von 2 und 5 Jahren, 478— 479. Wie die Verjaͤhrungen, welche zur Zeit der Verkuͤndigung des 20. Tit. des Civil⸗Geſetzbuches ſchon angefangen hatten, beurtheilt wer⸗ den, 480. Verkauf. Erklaͤrung dieſes Contractes, S. 336. Wann iſt der Verkauf der Regel nach vollguͤltig; wann, im Falle er nicht im Bauſch und Bogen, im Falle er auf Probe geſchloſſen wor⸗ Regiſter. 555 den? 337. Wann gilt das Verſprechen etwas zu verkaufen fuͤr einen wirklichen Verkauf? daſ. Wer kann einen Verkauf ſchließen? 338. Welche Sachen koͤnnen verkauft werden? 339. Wie, wenn im Augenblicke des Verkaufs die verkaufte Sache ganz oder zum Theile zu Grunde gegangen? 34b. Aufhebung des Verkaufes wegen nicht bezahlten Preiſes, 349; wegen nicht erfolgter Abnahme, 350;3 durch Ausuͤbung des Rechtes auf Wiederkauf, z50— 352; wegen unverhaͤltnißmaͤßiger Nie⸗ drigkeit des Preiſes Z32— 354 Grundſaͤtze, nach denen der Verkauf einer Erbſchaft beurtheilt werden muß, 356. Der Verkauf bricht der Regel nach die Miethe nicht, 364— 366. Verkaͤufer. Jeder dunkele oder zweydeutige Vertrag wird wi⸗ der ihn ausgelegt; er iſt verbunden, die verkaufte Sache zu uͤberliefern und zu gewaͤhren; wie Immobilien, Mobilar⸗Effec⸗ ten und unkoͤrperliche Gerechtſame uͤberliefert werden; wo und in welcher Zeit die Ueberlieferung geſchehen muͤſſe; in wel⸗ chen Faͤllen der Verkaͤufer nicht zur Ueberlieferung verbun⸗ den ſey, S. 340 u. 341. In welchem Zuſtande die Sache und ihr Zubehoͤr von dem Verkaͤufer uberliefert werden muͤſſe; in welchen Faͤllen der Verkaͤufer das Recht habe, einen Zuſatz zum Preiſe fuͤr das Uebermaaß zu fordern, in welchen der Ankaͤufer berechtiget ſey, von dem Verkaͤufer eine Vermin⸗ derung des Preiſes zu begehren, za2 u. 343. Welche Gewaͤhr der Verkaͤufer dem Ankaufer zu leiſten habe, und welche Wir⸗ kungen ſie hervorbringe. Siehe Gewaͤhrleiſtung. Was hat er fuͤr Rechte in Betreff der unbezahlten Mobilar⸗Ef⸗ fecten, wenn ſie ſich noch in den Haͤnden des Kaͤufers befin⸗ den? 434. Welches Privilegium auf das Immobilar⸗Stuͤck wegen Zahlung des Preiſes? 435. Was muß er thun, um es in ſeiner Kraft zu erhalten? 437. Verkuͤndigungs⸗Act.(der Ehe) Siehe Aufgebothe. Vermaͤchtniſſe. Wann muͤſſen ſie bey der Erbſchaft conferirt werden, wann nicht? S. 177. Wann ſind ſie alle kraftlos, wann koͤnnen ſie vermindert werden, wie geſchieht die Reduc⸗ tion? 192. Wer hat ſie auszuliefern? 181, 209 u. 210. Wie muß die vermachte Sache abgeliefert werden, 211. Was iſt Rechtens, wenn das vermachte Grundſtuͤck vergroͤßert, mit einer Hypotheck oder einem Nießbrauche beſchwert worden, wenn der Teſtirer eine fremde Sache, eine Sache von einer gewiſſen Gat— tung ohne weitere Beſtimmung, wenn er ſeinen Glaͤubigern und Domeſticken etwas vermacht hat 2 212. Wann fallen die Vermaͤchtniſſe hinweg? 215 u. 216. Vermaͤchtnißnehmer. Siehe Legatar. Vermaäͤchtniß unter einem Univerſal⸗Titel. Erklaͤ⸗ rung desſelben, S. 210. Von wem die Auslieferung desſelben zu verlangen ſey, daſ. 556 Alphabetiſches Vermiether. Verbindlichkeiten desſelben nach der Natur des Contractes, S. 360— 361. Für welche Stoͤrungen hat er keine Gewaͤhr zu leiſten? 362. Der Vermiether eines Hauſes kann unter dem Vorwande nicht von dem Contracte abgehen, das er es ſelbſt beziehen wolle, wenn nicht das Gegentheil ausbedun— gen worden, 368. Worin beſteht das Privilegium, welches er auf die Mobilien des Miethers hat? 433— 434. Vermuthungen. Erklaͤrung derſelben; ſolche, welche durch das Geſetz aufgeſtellt ſind, ihre Wirkung; ſolche, die der Ein— ſicht der Magiſtratsperſonen uͤberlaſſen werden, S. 280—281. Verpachtung Beſondere Verfuͤgungen in Betreff der Verpach⸗ tung von Guͤtern, welche verheiratheten Frauen und Minderjaͤh⸗ rigen gehoͤren, S. 299— 300 u. 360. Siehe Mieth⸗Con⸗ tract. Verpachtung des Viehes. Erklaͤrung dieſes Contractes; verſchiedene Arten desſelben, S. 375— 376. Regeln bey der einfachen und gewöhnlichen Art Vieh zu verpachten, 376— 3278; bey der Verpachtung des Viehes zur Haͤlfte, 378— 379; bey der Nutzung des Viehes, welche der Ei⸗ genthuͤmer ſeinem Paͤchter einraͤumt, der von ihm ein Gut entweder fuͤr einen beſtimmten Preis oder fuͤr einen aliquoten Theil der Fruͤchte in Beſtand genommen hat, 379— 380. Contract, der nur im uneigentlichen Sinne des Wortes Ver⸗ pachtung des Viehes genannt wird, 381. Verpaͤchter. Wirkungen des Privilegiums, welches er auf die Mobilien ꝛc. des Paͤchters ſeines Gutes hat, S. 433— 434. Verpflichtung. Allgemeine Verfuͤgungen hieruͤber, S. 234. Welche Verbindlichkeit zieht die Verpflichtung etwas zu geben nach ſich, wer traͤgt bey der Verpflichtung eine Sache zu uͤber⸗ liefern die Gefahr? daſ u 235 Welche Rechte hat der Glaͤubiger, wenn die Verpflichtung etwas zu thun oder nicht zu thun, von dem Schuldner nicht erfuͤllt wird? 236. Verfu⸗ gungen in Betreff der bedingten Verpflichtungen, 240 u. f. Siehe Bedingung. Verfuͤgungen in Betreff der Verpflich⸗ tungen auf Zeitbeſtimmung, 244. Wie man ſich von einer uͤbernommenen alternativen Verpflichtung befreyen koͤnne; was Rechtens ſey, wenn eine oder beyde von den verſprochenen Sachen zu Grunde gegangen, 244— 245. Erklaͤrung und Wirkungen der Solidar-⸗Verpflichtung, 246— 249. Erklaͤrung und Wirkungen der theilbaren und untheilbaren Verpflichtun⸗ gen, 250— 252. Grundſaͤtze, nach denen Verpflichtungen beurtheilt werden, die unter einer Ponal⸗Clauſel eingegangen worden, 252— 253. Wie Verpflichtungen erloͤſchen, 254. u. f Wie ſie erwieſen werden koͤnnen, 271 u. f. Verpflich⸗ tungen, die ohne Vertrag entſtehen, 284 u. f. Verſchwender. Ihnen kann ein gerichtlicher Beyſtand ange⸗ ordnet werden, S. 108. Folge hievon; wer kann hierauf an⸗ tragen? daſ. Regiſter. 557 Verſiegelung der zu einer Erbſchaft gehoͤrigen Effecten; wann ſie nothwendig und wann ſie es nicht ſey, S. 172. Wann die Glaͤubiger einer Erbſchaft auf Verſiegelung antragen koͤnnen, daſ⸗ Verſteigerung. Wann muß zur Verſteigerung einer unter mehrern gemeinſchaftlichen Sache geſchritten werden? S. 354 u. 355. Vertrag. Siehe Contract. Bertrag(antichretiſcher) Welche Rechte gibt er dem Glaͤubiger; was hat dieſer fuͤr Verbindlichkeiten in Betreff des Grundſtuͤckes, das er im antichretiſchen Genuſſe hat? S. 429— 430 Dieſer Vertrag kann den Rechten keinen Abbruch thun, welche dritte Perſonen an der Subſtanz des liegenden Gutes haben, 430.— 431. Verwahrer.(gCerichtlicher, gardien judiciaire) Seine Pflichten und Rechte, S 405. Verwandte. Die uͤber den zwoͤlften Grad entfernten erben nicht mehr, S. 159. Verwandtſchaft. Wie wird die Naͤhe derſelben beſtimmt? S. 155. 4 Vieh. Wird bald zum unbeweglichen bald zum beweglichen Ver⸗ moöͤgen gerechnet, S 110. Volljaͤhrig. Wann iſt man es, und welche Rechte erlangt man dadurch? S. 104. Wann kann ein Volljaͤhriger, die von ihm gemachte Annahme einer Erbſchaft anfechten? 164 Unter welcher Bedingung kann er zu Gunſten ſeines geweſenen Vor— munds verordnen? 187 u 188. Vollmacht. Kann durch einen oͤffentlichen oder Privat⸗Act und ſelbſt muͤndlich ertheilt werden; ſie iſt entweder ſpeciell oder all⸗ gemein, S. 409. Auf welche Handlungen ſie ausdruͤcklich ſpre⸗ chen muͤſſe, 410. Verſchiedene Arten, wie ſie erliſcht, 412— 413. In wie ferne kann der Widerruf einer Vollmacht dritten Perſonen entgegen geſetzt werden, 413. Vorladung.(vor Gericht) Unterbricht die Verjaͤhrung, S. 473. Vormund. Wer hat das Recht, einen Vormund zu waͤhlen; un⸗ ter welchen Formalitaͤten und Einſchraͤnkungen? S 82 u. 85 u. f. Wann iſt der von Vater und Mutter ernannte Vormund ſchuldig, die Vormundſchaft anzunehmen? daſ. Wann fangen die Functionen des Vormundes an? 88. Die Erben desſelben ſind fuͤr ſeine Verwaltung verantwortlich, daſ. Der geſetzliche oder teſtamentariſche Vormund muß vor dem Antritte ſeines Amtes einen Neben⸗Vormund ernennen laſſen, 89. Wer kann nicht gezwungen werden, wer kann ſich weigern Vormund zu werden? 9r— 9½. Wann muß der ernannte Vormund ſeine Entſchuldigungs⸗Gruͤnde vorbringen? 92— 93. Welche Per⸗ ſonen ſind unfaͤhig Vormuͤnder zu ſeyn? z. Wann und von wem kann der Vormund abgeſetzt werden? 943. Seine Pflich⸗ 558 Alphabetiſches ten in Betreff der Perſon und des Vermoͤgens des Minderjäͤhri⸗ gen, 95 u f. u. 195. Wann iſt er Rechnung zu legen ge⸗ halten, und welche Ausgaben laͤßt man ihm hierin gelten? 100. Von welcher Zeit an hat er die Summe zu verzinſen, die er dem Minderjaͤhrigen ſchuldig bleibt? 101. Wann iſt jeder zwiſchen dem Vormuͤnder und dem großjaͤhtig gewordenen Muͤndel ge⸗ ſchloſſene Vertrag unguͤltig? 100. Der Vormuͤnder iſt verbun⸗ den, die wegen ſeiner Verwaltung auf ſeine Immobilien haf⸗ tende Hypotheck eintragen zu laſſen; in welchem Falle wird er wegen Verſaͤumung dieſer Verbindlichkeit des Stellionats pflich⸗ tig geachtet? a44. Siehe Familienrath, Interdic⸗ tion, Kauf, Kinder, Minderjaͤhrig, Nebenvor⸗ mund, Mutter, Vater, Theilung, Vergleich, Hypotheck. Vormundſchaft. Wem gebuͤhrt ſie nach dem buͤrgerlichen oder natuͤrlichen Tod eines der Eltern? S. 32— g3. Wann fällt ſie auf die Ascendenten? 34— 85. Sie geht nicht auf die Er⸗ ben des Vormunds uͤber, 88. Welche Autoritaͤten, Beamten und Militair⸗Perſonen von der Vormundſchaft befreyt ſind, 90 u. 91. Unter weſſen Vormundſchaft minderjährige in Spitaͤ⸗ ler aufgenommene Kinder ſtehen.(Siehe das hieruͤber erlaſſene Geſetz am Ende des Regiſters). W. Wahnſinnige. Wann die vor ihrer Interdiction geſchloſſenen Acte annullirt werden koͤnnen, S. 106. In welchem Falle kann nach dem Tode einer Perſon ein von ihr geſchloſſener Act aus dem Grunde, daß ſie wahnſinnig war, angefochten werden? daſ. Siehe Bloͤdſinnige und Interdiction. Waſſerlauf.(natuͤrlicher) Rechte der Eigenthuͤmer der ober⸗ und unterhalb gelegenen Grundſtuͤcke, S. 135. Weg. Wer iſt berechtiget, einen Weg uͤber eines andern Grund und Boden zu fordern? S. 145. Wie muß er angewieſen werden? 146. Werke.(verdungene) In welchen Faͤllen hat der Arbeiter, in welchen der Beſteller den Verluſt zu tragen, wenn verdungene Werke zu Grunde gehen? S. 373— 374. Wette. Um Zahlung einer Wette gibt das Geſetz keine Klage; Ausnahme hievon, S. 406. Wiedereinſetzung in den vorigen Stand. Hat nicht zu Gunſten der Minderjaͤhrigen, Interdicirten und vecheirathe⸗ ten Frauen wegen verſaͤumter Annehmung oder unterlaſſener Transſcription der Schenkungen Statt, S. 195. Gleichfalls nicht zu Gunſten der erſten wegen Unterlaſſung der Transſcrip⸗ tion der Acte, in welchen jemand auferlegt wird, ihnen ge⸗ wiſſe Guͤter zu reſtituiren, oder wenn ſie ſelbſt mit der Reſti⸗ Regiſter. 559 tution beſchwert waren, und ihr Vormund die im Geſetze vor⸗ geſchriebenen Regeln nicht befolgt hat, 221 u. 222. Wegeu welcher Vertraͤge in Betreff der Minderjaͤhrigen und Interdi⸗ cirten die Wiedereinſetzung in den vorigen Stand Statt finde, und wegen welcher nicht? 269— 271. Wiederkauf. Erklaͤrung dieſes Contractes; fuͤr wie lange man ſich den Wiederkauf ausbedingen koͤnne; binnen welcher Friſt der Verkaͤufer ſeine Klage auf Wiederkauf geltend machen muͤſſe, S 350. Gegen wen und wie ſie ausgeuͤbt werden koͤnne, 351 — 352. Zu was der Verkaͤufer, wenn er ſie ausuͤbt, gegen den Kaͤufer verbunden ſey, 352. Z. Zahlung. Von wem, an wen, wie und wo ſie geſchehen muͤſſe und geſchehen koͤnne, S. 254— 257. Was Rechtens ſey, wenn der Glaͤubiger die Sache eines andern an Zahlungs⸗Statt erhalten, 255. Wenn eine Zahlung mit Hintanſetzung eines Arreſtes oder einer Oppoſition verfuͤgt worden, daſ. In wel⸗ chen Faͤllen eine dritte Perſon, die die Zahlung geleiſtet, in die Rechte des Glaͤubigers durch einen Vertrag, in welchen durch das Geſetz eintrete, 257 u. 58. Nach welchen Grundſaͤtzen geſchieht die Aufrechnung, wenn einer, der mehrere Poſten ſchuldig war, eine Zahlung verfuͤgt hat? 258 u. 259. Was wird erfordert, damit das wirkliche Anbiethen, worauf die Hin⸗ terlegung erfolgt, in Beziehung auf dem Schuldner die Stelle der Zahlung vertrette, 259— 261. Zahlungsfriſt. Der Glaͤubiger kann nichts fordern, bevor ſie nicht eingetreten; es wird immer vermuthet, daß ſie zum Vor⸗ theile des Schuldners ausbedungen worden; wann dieſer die Beguͤnſtigung der Zahlungsfriſt nicht in Anſpruch nehmen koͤnne, S. 244. Die Richter koͤnnen Zahlungsfriſten geſtatten, 256. Zeugen. Wer bey den Acten des Civil⸗Standes Zeuge ſeyn koͤnne, S. 12. Wer bey einem Teſtamente nicht Zeuge ſeyn könne, 202 u. 205.— Zeugenbeweis. In welchen Faͤllen er Statt und in welchen er nicht Statt habe, S. 278— 279, 359, 381— 382 u. 403 Zinſen. Von welcher Zeit an ſind die Zinſen von Gegenſtaͤnden, die der Collation unterworfen ſind, zu zahlen, S. 179. Von welchem Zeitpuncte an kann der Particular⸗Legatar ſie von der ihm vermachten Sache fordern? 211. Wann koͤnnen Zinſen wieder Zinſen bringen, wann bringen faͤllige Paͤchte, Miethgel⸗ ger, ruͤckſtaͤndige Erb⸗ oder Leibrenten Zinſen? 238. Von einem verſprochenen Heirathsgute nehmen die Zinſen vom Tage der geſchloſſenen Ehe ihren Anfang, 302 u. 329. Wann lau⸗ fen die Zinſen von Rechtswegen gegen einen Geſellſchafter? 384. Bey einem Darlehn koͤnnen Zinſen bedungen werden: 560 Alphabetiſches ihr Betrag iſt in einem ſchriftlichen Acte feſtzuſetzen; wann ver⸗ muthet werde, daß die Zinſen gezahlt ſeyen, 396. Von wel⸗ chen Summen und von welcher Zeit an muß der Bevollmaͤch⸗ tigte Zinſen bezahlen? 411. Fuͤr welche Zinſen bewirkt die Eintragung des Capitals auch Hypotheck? 448— 449. Zuwachsrecht. Erklärung desſelben, S. 115. Zuwachsrecht auf das, was die Sache hervorbringt, was mit ihr vereinigt oder ihr einverleibt wird, 116 u. f. Zwang. In wie ferne er die Nichtigkeit eines Vertrags begruͤn⸗ de, S. 230 U. 231. Zwiſchenmauer. Bey welchen Gebaͤuden muß dieſe angelegt werden? 141— 142. ———V———————— 36G Gef ek uͤber die Vormundſchaft der Kinder, welche in Spitaͤler aufgenommen worden. (Decretirt den 15. Pluvios 13. J. promulgirt den 25. des naͤhm⸗ lichen Monats.) Art. I. Die in Spitaͤler aufgenommenen Kinder, unter welchem Titel und unter welcher Benennung ihre Aufnahme auch geſchehen ſeyn moͤge, ſtehen unter der Vormundſchaft der Verwaltungs⸗Commiſſionen dieſer Haͤuſer; dieſe bezeich⸗ nen eines ihrer Mitglieder, um im eintretenden Falle die Functionen des Vormundes auszuuͤben; die uͤbrigen bilden den Vormundſchafts⸗Rath. 2. Wenn das Kind aus dem Spitale geht, um an ei⸗ nem von dem Spitale, wo es zuerſt aufgenommen wurde, entlegenen Orte als Arbeiter, Dienſtbothe oder Lehrling ein⸗ zutreten, ſo kann die Verwaltungs⸗Commiſſion durch einen vom Praͤfecten oder Unter⸗Praͤfecten viſirten einfachen Ver⸗ waltungs⸗Act die Vormundſchaft der Verwaltungs⸗Commiſ⸗ ſion des Spitals von jenem Orte uͤbertragen, welcher dem dermahligen Aufenthalte des Kindes am naͤchſten liegt. 3. Die Vormundſchaft der in Spitaͤler aufgenommenen Kinder dauert bis zu ihrer Volljaͤhrigkeit, oder Emancipation, welche durch Heirath oder auf eine andere Weiſe geſchieht. 4. Die Verwaltungs⸗Commiſſionen der Spitaͤler haben in Betreff der Emancipation der unter ihrer Vormundſchaft 36 962 Geſetz uͤber die Vormundſchaft der Kinder, dc. ſtehenden Minderjaͤhrigen die naͤhmlichen Rechte, welche das Civil⸗Geſetzbuch den Eltern einraͤumt. Die Emancipation geſchieht auf das Gutachten der Ver⸗ waltungs⸗Commiſſion von jenem, ihrer Mitglieder, der zum Vormund auserſehen worden, und der allein gehalten iſt, zu dieſem Zwecke vor dem Friedensrichter zu erſcheinen. Der Emancipations⸗Act ſoll ohne andere Koſten als jene der Einregiſtrirung und des Stempelpapiers ausgeliefert werden. 1. 42 5. Wenn die in Spitäaͤler aufgenommenen Kinder Guͤter beſitzen, ſo hat der Empfaͤnger des Spitals in Betreff der⸗ ſelben die naͤhmlichen Functionen wie fuͤr die Spitalsguͤter auszuuͤben; wird der Minderjaͤhrige emancipirt, ſo vertritt er jene des Curators. 6. Die Capitalien, welche in Spitaͤler ußeegohmnenen Kindern angehoͤren oder anfallen, ſollen in Verſatzhaͤuſern (monts- de- piété) angelegt werden; in den Gemeinden, wo es deren keine gibt, ſind dergleichen Capitalien bey der Amorkiſations⸗Caſſe anzulegen, wenn jede Summe nicht we⸗ niger als hundert und fuͤnfzig Francs betraͤgt; in dieſem Falle hat die Verwaltungs⸗Commiſſion die Verwendung der⸗ ſelben zu beſtimmen. 7. Die Einkuͤnfte von Guͤtern und Capitalien, welche in Spitaͤler aufgenommenen Kindern zugehoͤren, werden bis zu ihrem Austritte aus denſelben als Erſatz fuͤr Nahrungs⸗ und Unterhalts⸗Koſten bezogen. 8. Wenn das Kind vor ſeinem Austritte aus dem Spi⸗ tale, vor ſeiner Emancipation oder Volljaͤhrigkeit ſtirbt, und kein Erbe ſich anmeldet, ſo ſaͤllt das Eigenthum ſeines Vermoͤgens dem Spitale anheim, welches auf Betreiben des Empfaͤngers und auf den Antrag des oͤffentlichen Miniſte⸗ riums(kaiſerlichen Procurators) in den Beſitz desſelben ein⸗ gewieſen werden kann. -b Geſetz uͤber die Vormundſchaft der Kinder, ꝛc. 563 Melden ſich in der Folge Erben, ſo koͤnnen ſie nur die Fruͤchte von dem Tage ihres genachten Anſuchens anzurech⸗ nen zuruͤckfordern. 9. Die Erben, welche ſich melden, um die Hinterlaſ⸗ ſenſchaft eines vor ſeinem Austritte aus dem Spitale, vor ſeiner Emancipation oder Volljahrigkeit geſtorbenen Kindes in Empfang zu nehmen, ſind gehalten, das Spital fuͤr die Nahrungsmittel und Auslagen zu entſchuͤdigen; welche dein Kinde, waͤhrend der Zeit, als: es der Verwältung⸗ zur Laſt war, gegeben 1 und fuͤr dasſelbe gemacht worden ſind der Betrag der vom Spitale bezogenen Tinkinſeef kann jedoch in Aufrechnung gebracht werdein A 564 — 4—— Druckfehler. Geite 10, Art. 25, am Ende ſind die Worte auszulaſſen:„Alles jedoch unter dem Vorbehalt der Sicherheitsleiſtung, wovon un⸗ ten die Rede ſeyn wird. —— 38, Art. 118, ließ: Die im 148 und 149 Artikel enthal⸗ haltenen Vorſchriften, ſo wie die Verfuͤgungen des 151, 152, 153 ½ 154 und 155 Artikels, welche ſich auf den ehrerbiethigen Act beziehen, der ꝛc. ꝛc. —— 51 Art 2240, dritte Zeile, ſtatt Auftrag, ließ Antrag. —— 132, Art. 653, vierte Zeile, ließ: tritt in den Staͤdten und auf dem Lande die Vermuthung ein. —— 150, Art. 713, ſtatt Sache, ließ Sachen. — 163, Art. 803, dritte Zeile, ſtatt vrn, ließ von. —— 256, Art. 1246, zweyte Zeile, ſtatt Gatrung, ließ Gattung. —= 431, Art. 2091, letzte Zeile, ſtatt jedere, ließ jeder. Verlags⸗Artikel der Keiliſchen Buchhandlung. — Caoil⸗Geſetzbuch der Franzoſen, Ueberſetzung des Herrn Daniels, Subſtituten des kaiſerlichen General⸗Pro⸗ curators bey dem Caſſations⸗Gerichtshofe in Paris, 6 Fr.(2 Rthlr.) Daſſelbe in franzoͤſiſcher und deutſcher Sprache, 12 Fr. (4 Rthlr.) Geſetze uͤber die Erbfolge, Schenkungen und Teſtamente in Frankreich. Aus dem Civil⸗Geſetzbuche der Franzoſen uͤberſetzt von Herrn Daniels, in franz. und deutſcher Sprache, 1 Fr. 25 Cent.(25 Stuͤber.) Daſſelbe in deutſcher Sprache, 9⁰ Cent.(13 Stuͤber). Sammlung der Geſetze uͤber die Acten des Civil⸗Standes, die Ehe, Eheſcheidung, vaͤterliche Gewalt, Adoption, Vormundſchaft und Interdiction in Frankreich; aus dem Civil⸗Geſetzbuche vom Hrn. Daniels uͤberſetzt, in franz. und deutſcher Sprache, 1 Fr. 50 Cent.(30 Stbr.) Daſſelbe in deutſcher Sprache, 1 Fr.(20 Stbr.) Der 45. Artikel des Reichs⸗Deputationsſchluſſes vom 25 Hornung 1803, aus den Miniſterial⸗Noten und den Ver⸗ handlungen der außerordentlichen Reichs⸗Deputation er⸗ laͤutert, vom Hrn. Daniels, in 4. XIII. J.(1805.) 1 Fr. 80 Cent.(36 Stuͤber.) Daſchenbuch zur Bereiſung des Siebengebirges und der benachbarten zum Theil vulkaniſchen Gegenden von Ferdinand Wurzer, Profeſſor der Chemie zu Bonn ꝛc. ꝛc. 2 Francs(40 Stuͤber). Sammlung der Geſetze, Beſchluͤſſe und Inſtructionen, welche auf die Erhebung der vereinigten Gebuͤhren Beziehung haben, 75 Centimes(15 St.). Actenmaͤßige Geſchichte der Raͤuberbanden an den beyden Ufern des Rheins, 2 Th. in 3. Preis 7 Fr.(2 Rthlr 20 — Stuͤber) der erſte Theil enthaͤlt die Geſchichte der Moſel⸗ bande und der Bande von Schinderhannes: der zweyte die Geſchichte der Brabaͤntiſchen, Hollaͤndiſchen, Merſener, Crevelder, Neußer, Eſſendiſchen, Weſtphaͤli⸗ ſchen und Neuwieder Raͤuberbande; dem Werke ſind die Signalements der noch herumziehenden Raͤuber beygefuͤgt. Biographie des doppelten Meuchelmoͤrders Pet. Joſ. Schäffers, Pfarrers in Sennheim und Uffholz(im ehemahligen Elſaße) nachher in Coͤln; mit ſeinem Por⸗ trait, 3 Francs(1 Reichsthaler) ohne Portrait 2 Fr. (40 Stuͤber.) zweyte vermehrte Auflage. NB. Bey andern Handlungen koſtet dieſes Werk mehr, weil wegen der großen damit verbundenen Koſten der gewöhn⸗ liche Rabath nicht geſtattet werden kann. Vollſtaͤndige Vergleichungs⸗Tabellen der ehemahls im Ruhr⸗ Departemente und noch in den angränzenden Ländern gebräuchlichen Maaßen und Gewichte mit den neuen Me⸗ triſchen, und ſo umgekehrt, nebſt Berechnung der Preiſe der Waaren nach dem neuen Maaß und Gewicht; von Johann Jacçob Meyer, Friedensrichter des Can,⸗ tons Dormagen, 2 Thle. 5 Fr.(1 Rthlr. 40 St.) Ueber den Einfluß des gegenwaͤrtigen Seekrieges zwiſchen Frankreich u. England auf die politiſchen Verhaͤltniſſe von Europa; in gr. 8. 12. J.(1804) 1 Fr. 80 C.(36 St.) Briefe fuͤr Aerzte und Nichtaͤrzte üuber die Aftermedizin und deren Nothwendigkeit im Staate. Ein Beytrag zur mediziniſchen Polizey von J. G. Rademacher. in 8. XII. J.(1804.) 3 Fr.(1 Rthlr.). Der Schuͤtzling der Thiere, von Carl Aug. von Rade 1 Fr. 50 Cent.(30 St.) Franzoͤſiſche Sprachlehre von Jacques Boyon Doberten, ehe⸗ mahligen Prof. der ſchoͤnen Wiſſenſchaften in Frankreich und Lehrer der franz. Sprache bey der Univerſität zu Jena. 37 Bogen. gr. 8 J. XI. 4 Fr.(1 Rthlr. 20 St.) Der Praͤfect des Ruhr⸗Departements hat durch ein gedrucktes Circular⸗Schreiben vom 11. Nivos 12. J.(2. Januar 1804) die Einfuͤhrung dieſes Werkes als Handbuch in den öffentli⸗ chen Schulen ſeines Departements empfohlen, weil es correc⸗ ter, vollſtändiger und faßlicher iſt, als die uͤbrigen bis jetzt er⸗ ſchienenen franzoͤſiſchen Sprachlehren für deutſch ſprechende, und einen Mann zum Verfaſſer hat, welcher beyder Sprachen maͤch⸗ tig, ſein Syſtem mit Ordnung und Methode vortraͤgt.(Schon vor dieſem Cireulare hatten mehrere Unterrichts⸗Anſtalten dieſe Grammatik als Schulbuch angenommen.) Neue Organiſation des Religionsweſens in Frankreich; nebſt hiſtoriſch⸗politiſchen Bemerkungen von Ph. Chr. Rheinhard, dermahlen Profeſſor der Philoſophie an der Unzverſitaͤt zu Moskau, in 8. 4 Fr.(1 Rthlr. 20 Stuͤber.) Bemerkungen uͤber das von Frankreich mit dem Papſte geſchloſſene GConcordat, von einem katholiſchen Prieſter. 60 Ce. t.(12 St.) Sammlung der Geſetze in Betreff der Aerzte, Wundaͤrzte, Geſundheits⸗Beamten, Hebammen, Apotheker, Mate⸗ rialiſten, und Gewuͤrzhaͤndler in Frankreich, in 8o. ge⸗ heft. 1 Fr.(20 St.) Leben und Hinrichtung des Raͤuberanfuͤhrers Mathias Weber genannt Fetzer; zweyte Auflage, 2. 90 C. (18 Stuͤber.) Handbuch fuͤr Maire und Adjuncte, Municipalraͤthe, Con⸗ tributions-Empfaͤnger und Repartitoren ꝛc. verfaßt von A. Keil und Ph. Chr. Reinhard, 2 Baͤnde in 8. 12 Fr.(4 Rthlr.)(Die Praͤfecte des Ruhr- und Rhein⸗ und Moſel⸗Departements, ſo wie mehrere Unter⸗Praͤfecte haben durch Circulare dieſes Handhuch den Beamten, fuͤr welche es beſtimmt iſt, ſo wie jedem Buͤrger beſtens em⸗ pfohlen.) Geſchichte des 18. Bruͤmaires. 3 Fr.(1 Rthlr.) Bey derſelben Buchhandlung findet man ein betraͤchtliches Aſſortiment von Muſtkalien jeder Art, ſo wie die beſten Werke jeder Oſter- und Herbſt⸗Meſſe. —————— ———— 1———— —. — Ab aͤnderungen, welche im Geſetzbuche Napoleons durch das Geſetz vom 3. September 1807 gemacht worden ſind. Art. 1, Statt erſter Conſul, Regierung, lies Kaiſer; — 13, — 2, — 48. 29;. — 59, — 60, ſtatt Republik, lies Reich⸗ 17, 18, 19, 21, 33, 145, 164, 169, 420, 508, 2045; ſtatt Regierung lies Kaiſer⸗ Die dritte Nummer dieſes Artikels: „durch den Eintritt in eine jede Corporation, die Geburts⸗Vorzüge erfordert, hört man auf, ein Franzoſe im rechtlichen Sinne zu ſeyn,“ iſt ab⸗ geſchafft. 60, 991,; ſtatt Commiſſar der Handels⸗An⸗ 9 9935 2 gelegenheiten der Republik, lies Conſul. 53, 99, 116, 118, 123, 126, 156, 190, 192, 199, 200, 239, 240, 245, 246, 247, 248, 250, 253, 236, 257, 267, 288, 280, 202, 203, 302, 354, 356, 360, 377, 382; Statt Regierungs⸗ Commiſſar, lies kaiſerlicher Procurator⸗ 86, 988, 989; Statt Schiffe die dem Staate zu⸗ gehören, lies kaiſerliche Schiffe⸗ Statt Commiſſariats⸗Kanzley, lies Conſulats⸗ Kanzley⸗— s5s Art. 88, e, Hyr, 723, 234. 268, 980, 983; Statt „Republik, lies Reich⸗ 1235, Statt Crimninal⸗Gericht, lies Criminal⸗Juſtitzhof. 262 293, 358, 382. 500 3 Staat Appellations⸗Ge⸗ richt lies Appellations⸗Gerichtshof⸗ 263; Statt Caſſations⸗Gericht lies Caſſations⸗Hof. 265, 294, 358; Statt Urtheil, lies Ausſpruch. pellations⸗Gerichte, lies kaſſerlicher General⸗Pro⸗ curator bey dem Appellations⸗Gerichtshofe. 293, 3823 Statt Regierungs⸗Commiſſar bey dem Ap⸗ 427. Der erſte und zweyte Abſatz dieſes Artikels lauten nun ſor Befreyt von der Vormundſchaft ſind die Perſonen, welche in den Titeln III, V, VI, VIII, IX, X und XI der Conſtitutions⸗Acte vom 18. May 1804 verzeichnet ſind⸗ Die Richter bey dem Caſſations⸗Hofe, der kaiſerliche General⸗Procurator und dje Suhſtituten bey dem⸗ ſelben Juſtitz⸗Hofe⸗ 436; Statt Armeen der Repuhlik, lies Armeen des Kaiſers. 501; Statt jedes Urtheil, lies jedes Urtheil und jeder Ausſpruch(arrét). 541 560, 713, 2121, 2153, 2227 Statt Nation lies Stagt. 896. Nach der Verfügung;„Subſtitutionen ſind ver⸗ bothen“ muß hinzugeſetzt werden:„Wenn Seine Majeſtät es für dienlich erachtet, entweder um große Dienſte zu belohnen, oder um eine nültz⸗ liche Nacheiferung zu erwecken, oder um zu dem Glanze oes Thrones mit beyzutragen, kann ſie ein Familienhaupt ermächtigen, ſeine freyen Güter 6 zu ſubſtituiren, um die Dotation eines Erbtitels zu bilden, den Seine Majeſtät ihm zu Gunſten errichten würde, welche Dotation dann an ſeinen älteſten ſchon gebornen oder noch zu gebährenden Sohn und an ſeine Abkömmlinge männliches Ge⸗ ſchlechts nach der Erſtgeburts⸗Ordnung zurückfällt.“ (5. Art. des Senatus⸗Conſults vom 14. Auguſt 1806.)— Art. 910. Statt durch einen Beſchluß der Regierung, lies durch ein kaiſerliches Decret. — 2261. Dieſer Artikel hat keine Anwendung mehr für die Zukunft. — ——õ——O—C—C—C—⸗—⸗—L—LQOQB—BℳCęͦ⸗-——VB—V—V——BB 8 on 80 5 25. B 1„ — 2 4 25 3 7„ eis V M b e 0 S — 110 1 7 4 1 9 euuiue 41 80. —— 4 2 1 „ — — — — — — .—