Zeitschriftenband 
1848 Band 1
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Der Officier und ſein Untergebener wechſelten die Farbe, und der Feldwebel ſagte:Wenn's dem Herrn Hauptmann recht iſt, ſo will ich den Fuhrmann für die Geworbenen auf Mit⸗ ternacht beſtellen.

Ein leichtes Kopfnicken Poſſow's ertheilte die gewünſchte Einwilligung.

Nachmittags ſaßen in des Rauchfangkehrers Haus die Leutchen gar gemüthlich beiſammen. Naver hatte die alte Mutter mitgebracht. Unbekümmert um den bevorſtehenden Zweikampf mit dem Poſſow, ließ er ſich Wein und Veſper⸗ brod ſchmecken, und ſchäckerte ſorglos mit der Jugendgeſpielin. Nischen nahm ſeine Huldigungen mit unbefangener Freundlich⸗ keit auf. Er hielt ihr Plaudern und Lachen für ein günſtiges Zeichen, und ahnte nicht, daß hier das Erröthen und Ver⸗ ſtummen der Jungfrau ihm etwas Beſſrres hätte bedeuten konnen. Die alte Mutter war ebenfalls guter Dinge; der Gevatter hatte ihr Pauls Befreiung angekündigt. Doch ver⸗ ſtrich Viertelſtunde um Viertelſtunde, ohne daß der Erſehnte zum Vorſchein kam. Da wurde Frau Trine immer ſtiller, nachdenklicher und bektübter. Auch dem Rathsherrn kam nach und nach die Sache bedenklich vor. Wenn Poſſow ihn betrü⸗ gen wollte, ſo gab's kein Mittel dagegen. Mit Gewalt war gegen den Offizier des Herzogs nicht aufzukommen, weil kein Bürger keck genug geweſen wäre, den mächtigen Nachbar zu reizen; mit Liſt noch weniger. Die Angeworbenen ſaßen hinter Schloß und Riegel wohlberwahrt im Hinterhaus des Adlers, wo ein Wachtpoſten die eiſenbeſchlagene Thür und das ver⸗ gitterte Fenſter hütete.