Jahrgang 
4 (1863)
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446 Die drei Kupferſchmiede von Mecheln.

Eh wir ſcheiden, müßt Ihr für den Dienſt, den Ihr uns geleiſtet, mit uns einen Imbiß einnehmen, ſagten die Handwerker zu dem Schwar⸗ zen.Ihr habt in unſerer Geſellſchaft nichts zu fürchten. Sie nahmen ihn mit in eine Schenke, welche dem mitVerdächtigen gefüllten Ge⸗ fängniß gegenüber lag. Während der Tiſch gedeckt wurde undzdie Schmiede ſich mit Auspacken ihrer Waaren zum Zweck des Verkaufs beſchäftigten, bemerkten ſie, daß der Schwarze ſich auf einige Minuten entfernte. Dann kam er mit triumphirender Miene zurück und ſetzte ſich mit ihnen zu Tiſch.

Sie hatten etwa eine Viertelſtunde fröhlich mit einander gegeſſen und getrunken, als ſie plötzlich den Platz vor dem Haus ſich mit Zu⸗ ſchauern füllen ſahen. Die Handwerker traten an's Fenſter und bemerkten, daß der Henker mit ſeinen Gehülfen drei Galgen aufrichtete.Oh, oh! rief einer von den Schmieden.Kann denn kein Tag vergehen, ohne daß man uns ſolche Schauſtücke zu genießen gibt.Wird doch nicht der niederträchtige Spelleken nach Vilvorde gekommen ſein! bemerkte der zweite.Da ſind wir gerade im rechten Augenblick eingetroffen, be⸗ merkte der dritte.Gerade im rechten Augenblick, ſagte der Schwarze. Es hätte ſich nicht geſchickter fügen können.

In Paris gab es unter der Schreckensregierung eine Beſtie, Dumas geheißen, die den Vorſitz führte über eine ſogenannte Jury, obſchon dieſe weiter nichts war als eine Bande auf Taggeld gedungener Elender, welche um die blutdürſtige Hyäne herſaßen und nie ein Wort zu Gunſten eines Opfers zu ſprechen wagten, wenn dieſe ſagte:Bürger, ihr ſeht den An⸗ geklagten einenscélérat verurtheilt ihn. Alba fand dergleichen heuchleriſche Umſtändlichkeiten unnöthig, denn ſeine Richter nahmen ihm die Mühe ab, indem ſie unter eigener Verantwortung verurtheilten.

Unter den Werkzeugen, durch die er dem Henker in die Hände ar⸗ beiten ließ, war das berüchtigtſte ein gewiſſer Jan Spelleken, der jeden Tag in Brüſſel und deſſen Umgebung, mit dem rothen Amtsſtab bewaff⸗ net die Hinrichtungen leitete. Er wohnte in der Rue des epingles, in einem Haus, das 1633 von den Prieſtern des Oratoriums erworben wurde. Die Straße hieß lange die Spellekenſtraße, was mit der Zeit in Rue des epingles corrumpirt wurde.

Nun war es gerade dieſer Spelleken geweſen, mit welchem die Kupfer⸗ ſchmiede unterwegs ihren gnädigen Spaß getrieben hatten. Er wollte ſie jetzt dafür hängen laſſen und war eben im Begeiff, in ſein Nottzenbuch