Jahrgang 
4 (1855)
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Der Thalhof.

hatte wir nehmen faſt Anſtand, es unſern Leſerinnen von Stande zu geſtehen! ſelbſt einen Kirſchbaum, der die Lieblingsfrucht ihres Vaters trug, beſtiegen, um ihm ein Körbchen voll ſüßer Kirſchen zu pflücken; Forel⸗ len waren gefangen worden und ſollten der geronnenen Milch mit ſüßer Sahne, Zucker und Schwarzbrod, welche dem Hausherrn das Willkommenſte und faſt ſein alleiniges Abendeſſen war, als beſonderer Leckerbiſſen folgen. Und noch immer blieb er aus!

Wie können Sie ſich nur ſo beunruhigen, liebe Mathilde? ſagte Clemens, als er die ſteigende Beſorgniß ſeiner Schwägerin ſah.Der Abend iſt noch lang, und wenn Cajetan auch nicht heut kommt, ſo müſſen Sie be⸗ denken, daß auf einer Reiſe mancherlei Verzögerung und Aufenthalt ein⸗ treten kann, welche weder vorauszuſehen, noch zu beſeitigen ſind.Aber eine Nachricht! Ein Brief oder ein Bote! Es iſt ſo gar nicht Cajetans Art, uns in Ungewißheit zu laſſen!Er wird Sie freudig überraſchen wollen, meinte Clemens.Gewiß, er hat eine angenehme Attrape vor, bringt Ihnen irgend eine glückliche Nachricht und will dieſe dadurch erhöhen, daß Sie erſt ein wenig Unruhe empfinden.O, Sie kennen den Vater nicht! rief Alma, als ihre Mutter nur abweiſend den Kopf ſchüttelte. Eine ſo raffinirte Weiſe iſt ihm fremd.

Clemens hätte das wiſſen können, denn ſie war ſeinem Bruder ſchon in ſeinen jüngern Jahren ſo fremd geweſen, daß er ſich ſchwerlich in dieſer Sinnesart verändert haben mochte, aber er hielt die Idee, welche er einmal gefaßt hatte, beharrlich feſt und erging ſich in allerlei Möglichkeiten eines recht überraſchenden Glückes, das Cajetan heimbringen werde; Möglich⸗ keiten, welche nur immer ein Ziel vor Augen hatten, das den Wünſchen der beiden Frauen ganz fern lag, nämlich die glänzende Rückkehr in die Kreiſe der großen Welt, die ſte mit einer Selbſtverläugnung, welche Graf Clemens völlig unbegreiflich war, verlaſſen hatten. Als er das äußerte, lächelte die Mutter nur, aber Alma erwiderte:Haben Sie dieſe Selbſtverläugnung nicht auch beſeſſen?

O mit mir, ſagte er etwas betreten,mit mir war es etwas Anderes. Meine Rolle mag ich ſie geſpielt haben, tant bien que mal war ausgeſpielt, ich hatte nichts mehr zu erwarten oder zu hoffen. Aber Ihre Mama im Vollbeſitz der fürſtlichen Gnade, gefeiert, beneidet. Sie übertreiben, Clemens, unterbrach ihn die erröthende Frau.Laſſen wir dieſe alte Zeit, die längſt hinter mir liegt und nach der ich mich nicht