Jahrgang 
1 (1855)
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Schilderungen aus Spanien.

eine weitere Stunde und die Häuſer von Valdepenas traten deutlich hervor, ebenſo wie zu unſerer Rechten die ſchönen Formen der Sierra Morena. Bald ſahen wir auch die Landſtraße links auf den Höhen und konnten ihren breiten Streifen verfolgen, bis er in den Gaſſen von Valdepenas verſchwand. Abermals eine Stunde, da hatten wir die erſten Häuſer des Ortes erreicht und unſer edler Filippo, ſtolz auf die glücklich vollbrachte Reiſe, ritt nun im Schritt, den rechten Arm in die Seite geſtemmt, der Hauptſtraße zu, die es war gerade ein Feſttag ziemlich belebt war.

Valdepenas hat zwei anſtändige Fonda's, in welchen die beiden Linien der von Madrid kommenden Diligencen anhalten, weßhalb wir ungewiß waren, wo wir unſere Freunde finden ſollten. Als wir durch die Straßen ritten, betrachteten wir aufmerkſam die Häuſer und hofften immer, das lachende Geſicht unſeres Baumeiſter Leins irgendwo zu entdecken, der ja verſprochen hatte, uns in der ſchönen Valdepenas⸗Laune zu empfangen. Vergebens. Wir erreichten die erſte Fonda, ritten in den Hof und forſch⸗ ten zugleich, ob nicht geſtern Abend oder heute Morgen einige Fremde an⸗ gekommen ſeien. Es war niemand da. Wir gingen in die andere Fonda, die gegenüber lag auch da niemand. Man wird begreiflich finden, daß uns das ziemlich verdrießlich machte, um ſo mehr, als man uns ſagte, die Eilwagen von Madrid paſſirten Valdepenas gegen ein, zwei oder drei Uhr in der Nacht. So waren denn die ſehnlichſt erwarteten Freunde nicht einge⸗ troffen und konnten im beſten Falle erſt morgen Früh ankommen. Wir kehrten in den erſten Gaſthof zurück, wo wir unſere Pferde gelaſſen, und da wir dieſelben nur bis hieher gemiethet hatten, wir auch auf alle Fälle warten mußten, ſo zahlten wir unſern Führer aus, beſchenkten ihn auf's beſte, worauf der edle Filippo einen herzlichen Abſchied von uns nahm, um ſogleich wieder nach Moral de Calatrava zurückzukehren.

Unſer Gaſthof an der großen Straße nach dem Süden gelegen und zugleich Stationsort der hier ſich kreuzenden Eilwagen hatte eine faſt groß⸗ ſtädtiſche Einrichtung. Ein Kellner in runder Jacke, die Serviette auf dem linken Arm, wir hatten einen ſolchen ſeit mehreren Tagen nicht mehr geſehen, führt uns in den Speiſeſaal, wo eine hübſche und gut gedeckte Tafel bereit ſtand. Man erwarte in einer Stunde, ſagte er uns, die Eil⸗ wagen von Cordova und Granada, doch könnten wir auch vorher ſpeiſen, wenn es uns beliebe. Die Eilwagen von Cordova und Granada, wie das entzückend klingt! Ja, wir waren dieſen herrlichen Orten ſchon um ein