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läßt ſie meiner Bewerbung um Paula freien Lauf, ſo iſt das ja ihr eigener Vortheil. Sie bringt mich nicht in die unangenehme Lage, meine Niederlage an ihr zu rächen, und ſetzt mich, wenn ſie mir hülfreich beiſteht, in den Stand, Verpflichtungen nachzukommen, die in ihren Augen heilig ſind. Von welchem der Erben und künftigen Herren von Schlettendorf könnte Marie größere Vortheile erwar⸗ ten, als von mir?“
Seine Betrachtungen wurden durch Schlettendorf unter⸗ brochen, der gekommen war, ihn aufzuſuchen.
„Da ſind Sie ja,“ rief er ihm entgegen,„ich bitte Sie, mich wegen meiner Verſäumniß zu entſchuldigen, aber der Schrecken und die Verwirrung war ſo groß, daß ich alle Geſellſchaftspflichten über denen des Herzens vergaß.“
„Ich freue mich, daßSie mir das ſagen,“ erwiederte Kielsky,„es iſt mir der ſicherſte Beweis, daß die Frau Gräfin ſich erholt hat, denn Sie haben mir ſtets mit einer zu großen Verehrung von derſelben geſprochen, als daß Sie einer Höflichkeitsformel gedenken ſollten, bebor nicht die Sorge beſchwichtigt iſt.“
Schlettendorf führte ſeinen Gaſt in's Haus, damit er ein Viertelſtündchen ſich erquicken möge in dem ſtillen, kühlen Zimmer, ehe man zu Tiſche ging. Unter dem freundlichen Gemach lag das Zimmer Maria's. Auch hier ſpielte heller Sonnenſchein an den Wänden und beleuchtete in wundervoller Schönheit die milden, reinen Züge eines herrlichen Madonnenbildes, das freundlich und wie vet⸗ zeihend auf die Büßerin blickte, die in Thränen und das Haupt gebeugt auf ihren Knieen lag.„O mein Herr und mein Gott, vergieb, vergieb,“ flüſterte das arme Weib, „nimm mein blutendes Herz zum Opfer an, das ich Dir


