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Tagesordnung der Anführer nicht. Daß die Sache nun verpfuſcht iſt oder daß man auf dem beſten Wege dahin wandert, fangt man an, allerorts einzuſehen, wenigſtens zu ahnen; daher wollen die Beiträge hier nicht mehr fließen, wie vor drei Wochen. Es wäre auch etwas ſtark, wenn man den Anhängern unſres Bürger⸗Vereins ſelig zu⸗ muthen wollte, fort und fort beizutragen, da ſich keiner ihrer Wünſche erfüllte! Wie ſich die Con⸗ ſtitutionellen freuten, als ihr Freund Gagern ins Feld ſegelte,— als wenn das Fechten mit der Zunge und dem Schwerte identiſch wäre! Das Volk hier begriff es gleich, daß Gagern durch ſeinen Eintritt in das Heer der guten Sache wenig nütze, daß er es mit einem Bataillon höchſtens zu einigen tragiſchen Verſuchen bringen werde. Hier hat man ſich wenigſtens luſtig ge⸗ macht, als jener große Schritt wie ein Lauffeuer durch die Journale die Runde machte. Am ſelben Tage noch ließ ein ſich nicht bewährtes Gerücht einen rentneriſchen Bürger, eine ehemalige conſer⸗ vative Erſte⸗Kammerruine, an dem das Bemerkens⸗ wertheſte am Ende ſeine enorme Leibesperipherie iſt, ſo begeiſtert werden, daß er ſich aufraffte und ſchnurſtracks des Weges nach Schleswig hampelte. Belehrte uns nur das deutſche Heer recht bald durch ein kräftiges Einſchreiten, das verlorene Terrain wieder zu gewinnen, das wir uns täu⸗ ſchen!— Während in jedem deutſchen Herzen die Loſung„Krieg“ heißt, damit deutſche Brüder nicht däniſirt werden, rufen droben zu Frankfurt die ausländiſchen und einige inländiſche Friedens⸗ apoſtel den Frieden aus, was ſtark nach Hohn riecht. Wie kann man von Frieden ſprechen, wo die Deſpotie von außen uns ſo gefahrdrohend das Schwert entgegen hält?!— Ferner ſah der Main noch eine andere auswärtige Verſammlung, die der Legitimiſten, um den Grafen von Chambord geſchaart, Frankreich wieder einen König zu ge⸗ ben, der Republik, die dem Inhalte nach bereits wieder dem Königthum angehört. Faſt jeden Tag ſahen wir Anhänger des Grafen durch unſere Stadt reiſen, einige Mal mehrere hundert und unter ihnen auch Larochejaclin, der es ſich im Waggon verbat, zu rauchen, worauf ihm ein Ci⸗ garren bewaffneter Deutſcher ruhig entgegnete, er möge ſich nicht weiter blamiren, nachdem er in der National⸗Verſammlung in dieſem Fache ſo unendlich viel geleiſtet,— worauf das Rauchen erſt recht begann.
Freiligrath weilt nicht mehr bet uns; er wohnt jetzt in dem bei Düſſeldorf gelegenen Dorfe Bilk. Der Künſtler⸗Verein Malkaſten in eben⸗ genannter Stadt hat den Dichter als Ehrenmit⸗ glied aufgenommen und iſt trotz der Drohung des Directoriums, es werde zurücktreten, wenn man den Radikalen nicht wieder ausſtoße, bei dem Beſchluß ſtehen geblieben.— Freiligrath darf in den nächſten Tagen eines heftigen Angriffes, der den Londoner Flüchtlingen und der Partei der Weſtd. Ztg. gilt, gewärtig ſein; denn Müller⸗ Tellering läßt wieder eine Broſchüre los, derſelbe, der früher ein College jener Männer war, und ſpäter in der Kölner Zeitung ſich anbot, dem Eröffnungen über ſeine früheren Bekannten zu machen, der ſolche verlange.— In unſerm Waiſen⸗ hauſe hat ſich eine ſcandalöſe Geſchichte zugetragen.
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Der Vorſteher war ein Geiſtlicher und heißt Stein. Unter ſeinen Zöglingen befanden ſich erwachſene Mädchen u. ſ. w. Der Geiſtliche wurde, wie man ſagt, von der Behörde verhaftet, entfloh aber in der erſten Nacht und war ſo flink, daß ihn der Steckbrief noch nicht überholte. Wahrſchein⸗ lich wird die männliche Aufſicht entfernt werden, vor einigen Tagen bezogen die erſten Nonnen die Anſtalt.
Bei uns wurde ein Candidat für den päbſt⸗ lichen Stuhl verhaftet und zu einigen Jahren Gefängniß verurtheilt. Das kam ſo: Ein Kölner Paſtor hatte ſchon längere Zeit vernommen, daß der Leinenweber Jakobus Küpper den Leuten für erkleckliche Summen einen Schatz von einigen hunderttauſend Thalern anweiſe,— daß er für 30—50 Thaler den Bewohnern eines Hauſes, das von einem böſen Geiſte beſeſſen, wieder Ruhe ſchaffe,— daß er die Seelen der Verſtorbenen citiren und erlöſen könne für 8 oder mehr Thlr., die er durch den Geiſt auf einem unterirdiſchen Wege nach Rom ſchicke, damit Meſſen geleſen würden,— daß er von der fixen Idee beſeelt ſei, dereinſt Pabſt zu werden u. dgl. m. Der Geiſt⸗ liche machte ſich deßhalb auf und wanderte in die Kapelle dieſes Adepten und erſuchte denſelben, von ſeinem Treiben abzulaſſen und einen neuen Men⸗ ſchen anzuziehen. Da ſich Jakobus, der künftige dazu nicht bequemen wollte, ward dem
ericht von ſeiner Exiſtenz Anzeige gemacht. Die Sitzung, in der der Spruch auf 2 Jahre und 50 Thaler zur Reife gedieh, war höchſt in⸗ tereſſant. Unter Anderem kamen einige Quit⸗ tungen zum Vorſcheine, in denen ein Geiſt es
eigenhändig niederſchrieb, daß er mehrere Ma]
30 Thaler bekam, welche er nach Rom trage,— alsdann werde er das von ihm beunruhigte Haus verlaſſen. Was das hübſcheſte hei der Sache iſt, viele Leute ſehen den Mann für einen Märtyrer an.
Literatur.
In Folge des neuen franzöſiſchen Preßgeſetzes ſind bis jetzt ſchon 37 rothe Provinz⸗Journale eingegangen. In Paris hat die rothe Preſſe auch nicht weniger verloren. Der„Peuple“ iſt von 50,000 auf 4500 Exemplare herabgeſunken und kann nur dreimal wöchentlich erſcheinen. Die „Republique“ hat von 42,000 blos 12,000 Abon⸗ nenten behalten. Das„Evenement“ erhält ſich nur, weil es von der„Preſſe“ in's Schlepptau genommen wird. Den„National“ hält nur ſeine Partei; Armand Marraſt's„Credit“ iſt einge⸗ gangen.
Perichtigung. Wir müſſen die von uns mit⸗ getheilte Notiz, daß Meißner, Hartmann, Kauf⸗ mann und Schleſinger in London eine lithogra⸗ phirte Corresſpondenz herausgeben wollen, als unrichtig bezeichnen. Alfred Meißner iſt bereits am 12. Auguſt von London abgereiſ't. Er be⸗ giebt ſich nach Paris und wird dann Süddeutſch⸗ land bereiſen und von da nach Prag zurückkehren. Hartmann befindet ſich ſeit einiger Zeit wieder in Paris. Rieger wurde in Liverpool um ſeine ganze Baarſchaft beſtohlen.
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