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Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.
Wöchentlichsl“ ½— 2 Bogen.
Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets
für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Durch Nacht zum icht.
Eine Erzählung von Guſtav Nieritz.
(Fortſetzung.)
Brummend ſtieg der Oberpoſtrath die Treppe hinauf. Pech dagegen ſprach ſeufzend zu ſich ſelbſt:„Das iſt der Armuth Fluch, daß ſie wehrlos den Unbilden und Krän⸗ kungen der Reichen preisgegeben iſt. Wenn ich den Ober poſtrath behandelt hätte, wie er mich!“—
„Was fehlt Dir, Julius?“ fragte deſſen Tante, als der junge Mann mit umwölkter Stirn zu ihr kam. Auf ſeine Erzählung von dem Vorgefallenen verſetzte die gottesfürchtige Frau tröſtend:„Laß es gut ſein, lieber Julius! Der Gerechte muß viel leiden, und wen der Herr lieb hat, den züchtigt er. Es iſt aber nichts ſo klar ge ſponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen. Ehrlich währt am längſten, und nach dem Regen ſcheint die Sonne.“
Wirklich ſchien dieſe dem gekränkten Petſchirer, als er am andern Morgen an ſeine Arbeit ging. Golden glänzten und brachen ſich der winterlichen Morgenſonne Strahlen in den Scheiben eines niedlichen Glaskaſtens, welcher in Form einer Sänfte die Stelle in der Hausflur einnahm, an welcher Julius ſeinen Tiſch und Stuhl aufzuſtellen ge⸗ wohnt war. Der Letztere ſtand richtig in dem Glaskaſten, während eine zweckmäßig angebrachte, raumerſparende Vorrichtung den Erſteren entbehrlich machte. Noch ſtaunte Julius das niedliche Arbeitscabinet an, als der Hausmann herzutrat und ihm unter einem freundlichen Schmunzeln ein verſiegeltes, an Julius Pech überſchriebenes Couvert
einhändigte, in welchem der Schlüſſel zum Glaskaſten lag.
„Das iſt ein Geſchenk meiner guten Tante!“ ſprach der erfreute Künſtler und bejahend nickte der Hausmann dazu. Ach, wie ruhig und huſchelig ſich's in dem Glaskaſten ſaß, der gleichwol nach allen Seiten freie Ausſicht dar bot! Auch Marianne theilte des Petſchirers Entzücken und feierte das werthvolle Angebinde der guten Tante durch ein Töpfchen voll kräftiger Fleiſchbrühe und eine Franz⸗ ſemmel, welches Beides ſie dem Inſaſſen der Glasſänfte hineinreichte. Deren Fuß ruhte auf vier kleinen Rädern, da mit man das Ganze ohne Anſtrengung fortbewegen konnte. In dieſem Augenblick hatte Julius die ärgerliche Pelzge ſchichte ſammt dem grämlichen Oberpoſtrath vergeſſen.
„Ich wollte,“ ſprach die liebe Tante, da der Neffe ihr ſeinen feurigen Dank darbrachte,„Dich anfänglich mit meinem gläſernen Geſchenke erſt zum Chriſtfeſt an binden; allein die Beſorgniß, daß Du krank werden könnteſt, bewog mich, meinen Vorſatz aufzugeben. Ich betrachte Dich ja als meinen Sohn und darum mache kein großes Aufhebens, wenn ich meinen Mutterpflichten nachkomme.“
W.
Am Weihnachtsheiligabend beſchenkte Julius die theil⸗ nehmende Marianne mit dem für ſie gefertigten Petſchaft, welchem er noch einen Lebkuchen beigefügt hatte.


