Jahrgang 
1860
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und abwehrend.Geht Eurer Wege, Peter Wilken! Da mein Sohn nichts mehr mit Euch zu ſchaffen haben will, braucht Ihr Euch auch nicht in ſeines Vaters Hütte einzudrängen, denn Ihr hättet Euch wohl ſelber ſagen können, daß Ihr hier keinen freund⸗ lichen Willkommen finden würdet.

Eine dunkle Röthe ſchoß jäh in Peter's ſonſt bleiches Geſicht, in ſeinem Auge funkelte ein Strahl grimmiger Wuth, und ſeine Lippen zuckten. Doch kämpfte er mit einer kräftigen Anſtrengung ſeinen Zorn nieder, und wendete ſich vom Alten ab ſchein⸗ bar ruhig zu Doris.

Vater Peitmann befindet ſich heute in ſchlechter Laune, wie es ſcheint, ſagte er.»Laßt mich hoffen, bei Euch beſſeres Gehör zu finden, Jungfer. Ich bitte, ſagt mir offen und ehrlich, warum Ihr mich verachtet, und nun gar mir die Thüre zeigt? Was ſoll ich verbrochen haben, Jungfer Doris? Bei unſerer früheren Freundſchaft beſchwöre ich Euch, ſeiet offen gegen mich, und ich werde mich zu recht⸗ fertigen wiſſen.

Ich wundere mich wirklich, daß Ihr noch fra⸗ gen könnt, Peter Wilken, antwortete das junge Mädchen achſelzuckend mit einem leichten verächtlichen Aufwerfen ihrer friſchen roſigen Lippen.Ihr wißt doch ſehr gut, daß Jan ein guter, treuer, ehrlicher

Patriot iſt, wie es jeder rechte Hamburger ſein ſollte,

und ferner, daß er die fremden Unterdrücker, dieſe übermüthigen Franzoſen, von Grund ſeiner Seele haßt, und in keiner Weiſe mit ihnen in Berührung kommen will. Eben ſo gut, oder noch beſſer wißt Ihr, wie Ihr mit unſeren Feinden ſteht! Pfui,

Peter Wilken, Ihr ſolltet Euch ſchämen, daß Ihr, ein deutſcher Mann, Euch ſo weit erniedrigt und

wegwerft, vor dieſem brutalen Volke Euch zu demü⸗ thigen, den frechen Gewalthabern zu ſchmeicheln, vor

manchen guten und ſicheren Wink von mit erhalten, wenn er meine Freundſchaft nicht zurückwieſe. Im anderen Falle aber, wenn er in ſeiner Feindſeligkeit gegen mich beharrt, dürfte er's bereuen nüſſen. Er wäre nicht der erſte eingefangene Schmuggler, mit welchem ſchnellen Proceß gemacht wird. Da wird kurz und bündig Standrecht gehalten, der Verbrecher wird verurtheilt, erſchoſſen zu werden, ein Dutzend Musketen knallen, und aus dem kecken Paſcher iſt ein ſtiller Mann geworden, nach welchem kein Hahn mehr krähet.

Die Nürnberger hängen Keinen, ſie hätten ihn denn zuvor, erwiederte Doris halb ſpöttiſch, halb verächtlich.Verſucht es doch, Jan beim Schmug⸗ geln zu ertappen und einzufangen! Verzathet ihn, wenn Ihr könnt! Liefert ihn Euren guten Freunden, den Franzoſen, aus. Es wäre eine That, ganz Eurer würdig, Peter Wilken. Nun freilich, da mei⸗ nes Wiſſens Jan nicht ſchmuggelt, ſo möchte es Euch ſchwer fallen, ſie auszuführen.

Ihr glaubt, mich täuſchen zu können, verſetzte Peter,aber Ihr irrt Euch! Ich weiß ganz ge⸗ nau und aus ſicherer Quelle, daß Jan der verwe⸗ genſte Paſcher iſt.

Und wenn er's wäre, hätte er etwa nicht das Recht dazu? erwiederte Doris.

Das Recht? Habt Ihr denn das Geſetz ver⸗

geſſen, das bei Todesſtrafe das Einſchmuggeln frem⸗

der Waaren aus England verbietet?

Das Geſetz eines fremden Despoten! ſagte Doris mit einem wegwerfenden Achſelzucken.Wir erkennen den Franzoſen⸗Kaiſer nicht als unſeren

Herrn an, er iſt unſer Feind, und als Solchem thun

wir ihm Abbruch, ſo viel wir vermögen Geſetz! Wer hat ihm denn das Recht gegſhen, uns Geſetze

vorzuſchreiben? Die Gewalt! Nun denrn, wir ſetzen

ihnen im Staube zu kriechen, und Euch wohl gar von ihnen zum Werkzeuge ihrer Unverſchämtheiten

gebrauchen zu laſſen. Geht, geht! Mit den Krea⸗ turen franzöſiſchen Uebermuthes wollen wir nun und nimmermehr Etwas zu ſchaffen haben!

Peter Wilken biß ſich auf die Lippen, und ſeine Stirn verfinſterte ſich. Aber der Anblick des jungen Mädchens mit ihren blitzenden Augen, aus denen

das Feuer innerlicher Begeiſterung ſprühte, mit ihren

höher gerötheten Wangen, ihrer ſtolz erhobenen Stirn überwältigte ganz und gar das Gefühl der Entrüſtung,

Peter haſtig.

das bei ihren ſtrengen Worten ſein Herz faſt zum

Zerſpringen geſchwellt hatte..

»Ihr urtheilt ſehr hart und ſehr ungerecht über mich, Doris, erwiederte er nach kurzem Stillſchwei⸗ gen in einem Tone, der vor innerer Erregung zit⸗ terte.Es iſt wahr, ich verkehre dann und wann mit den Fremden, aber gewiß nicht, weil ich ihnen freundlich zugethan wäre, ſondern aus Rückſichten der Klugheit und Vorſicht. Sie ſind einmal hier

die Herren, und da muß man ſich unterwerfen, wenn

man ſeiner Freiheit und ſeines Lebens verſichert ſein will. Und noch mehr, Jungfer Doris. Glaubt Ihr, ich wiſſe nicht, daß Jan einer der verwegenſten Schmuggler iſt, die zwiſchen Helgoland und Ham⸗ burg ihr keckes und übermüthiges Weſen treiben, und den franzöſiſchen Douaniers Trotz bieten? Wie, wenn ich meine Bekanntſchaft mit einigen ſehr einflußreichen

Franzoſen zu Eurem Vortheile benutzte? Jan könnte

der Gewalt Liſt und Schlauheit entgegen, da wir ſie nicht mit Gewalt vertreiben können. Das iſt unſer Recht, und wir üben es aus.

Jungfer Doris, ſagte Peter mit einem hämi⸗

ſchen Lächeln,wenn ich dieſe Eurè⸗ Worte an geeigneter Stelle wiederholen wollte, ſo dürften ſie Euch theuer zu ſtehen kommen. So geht hin, und verrathet mich verſetzte Doris, ohne im Geringſten ſich einſchüchte n zu laſſen. Oh, nein, nein, ich ſcherzte ja nur, erwiedert Ihr wißt wohl, Doris, daß ich es

nimmermehr über's Herz bringen würde, Fuch Kum⸗

mer zu bereiten. Nein, Doris, laßt uns nicht län⸗ ger böſe Worte wechſeln. Ich bin gekom men, meine Hand zur Verſöhnung zu bieten. Doris, Ihr kennt meine Gefühle für Euch! Nehmt meine Händ an, für immer, und ich verſpreche Euch ein Lernn voll Ueberfluß an meiner Seite, Eurem al en Pflege⸗ vater eine ſorgenloſe Zukunft, Eurem zetter Jan

jeden möglichen Vorſchub bei der Betreiſlung ſeines gefährlichen Gewerbes. Sagt ja, Doris, und Ihr

habt den getreueſten Freund gewonnen.t , Ich bedarf weder Eurer Freundſe aaft, noch nehme ich Eure Hand an, erwiederte Doris ganz gelaſſen.

Laßt mich nicht noch einmal ſolche defit jen,

t 4 1⸗ zu machen.

Peter Wilken. ſchaft ſein.

Zwiſchen uns kann

Auch dann nicht, wann ich mich v 8

zoſen losſage? Wenn ich zu Eurer Pe⸗