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zu Zeit belebte, während er etwa über den gebrech⸗ lichen Aufenthalt des menſchlichen Geiſtes ſeine Be⸗ trachtungen anſtellte— das Alles trug nicht wenig dazu bei, den Schreibenden, der ganz in Schwarz ge⸗ kleidet am Arbeitstiſche ſaß, zu einer von den Stu⸗ dien zu machen, die man vorzugsweiſe Rembrandt's be⸗ geiſtertem Pinſel zuzuſchreiben pflegt.
Wer hätte wohl in dieſem ſchönen Bilde geiſtigen Lebens und körperlicher Friſche die ſchwache gebrech⸗ liche Geſtalt wieder erkannt,
die wenige Wochen
früher in völliger Geiſtesabweſenheit, hülflos wie ein
Kind, auf dem Krankenlager ausgeſtreckt lag! Aber ſo iſt die Jugend, und es iſt Alles, was wir bisher von den Anſprüchen auf Unſterblichkeit entdeckt haben! Beide Geſtalten, wie wir ſie hier ſchildern, ſowohl die erſte, wie die letzte, gehören keinem Anderen an, als dem ehrenwerthen Baron Murrough O'Brien, dem Sohne des kürzlich verſtorbenen Lord Arranmore.
Während er in den letzten vier Tagen ſeiner raſchen Wiedergeneſung im belebenden Sonnenſchein die reine Bergluft einathmete, und ſeine Blicke über eine weite Landſchaft hinaus ſchweiften, die man
Novellen⸗Jeitung.
Ignatius Loyola, weder zu ſchwächen noch zu zer⸗ ſtören. Denn,“ ſetzte er hinzu,„ich bin feſt wie von meinem Leben überzeugt, daß Sie ſich in dieſem Au— genblick unter der Pflege dieſer Kriegsheiligen befinden, und daß die ſo freundlich zuvorkommende nobele Brü⸗ derſchaft, von der Sie in Ihrem Briefe reden, nichts
anderes iſt, als eine neue Auflage jener einſt ſouve⸗
rainen Herren über den Geiſt und den Willen des Menſchengeſchlechts, deren Aufgabe es war, die Schwa⸗ chen irre zu leiten und dann zu beherrſchen.“
O'Brien hatte bereits die Ueberzeugung erlangt von dem, was Lord Walter nur ſcherzhaft andeutete. Indeſſen ſchien ihm dieſe Gewißheit für den Augen⸗ blick eher angenehm zu ſein, als daß ſie ihn beun⸗ ruhigt hätte, und er war feſt entſchloſſen, den beſt⸗ möglichſten Nutzen aus ſeiner ſeltſamen Lage zu ziehen.
Von dem Augenblick an, als er auf eine ihm ſo räthſelhafte Weiſe von ſeinem um Freiheit und Leben des Sohnes beſorgten Vater aus Dublin war ent⸗
führt worden, ſchon aufgeregt unter dem Einfluß der
wegen ihres romantiſchen Wechſels zu einer der ſchön⸗ ſten der Welt zählen konnte— im wohlthuenden Ge⸗
fühl einer ſtillen Zurückgezogenheit, in der es ihm
jedoch ſo wenig an angenehmer Geſellſchaft als an auserwählter Lectürez fehlte, fühlte ſich O'Brien wie neu geboren. So kam es auch, daß ſich ſeine klaren Gedanken gleich in den erſten Tagen ſeiner Wieder⸗ geneſung mit dem ihm eigenen genialen Aufſchwunge einem Gegenſtande wieder zuwandten, der ſeinem
in ſeinem Innern ſich entwickelnden Krankheit, war ſein Geiſt von der Zeit an, als er bald in einem fieberhaften Schlafe, bald in bewußtloſem Wachen dem feuchten Nachtnebel ausgeſetzt geweſen, ſo ſchwach und verwirrt geblieben, daß es ihm ſchwer fiel, ſeine Gedanken während der eiligen Fahrt zu ordnen. So war es auch gekommen, daß er die ihn fortwährend ſo ſtachelnde Neugierde, etwas über ſeines Vaters
letzte unglückliche Lebensgeſchichte zu erfahren, nicht
hatte befriedigen können. Ein ſchönes Phantom jedoch ſchwebte ihm fortwährend vor, die ſeltſame Maske,
Herzen in den Tagen der Geſundheit ſtets am nächſten die ſowohl zuletzt in ſeinem vaterlichen alten Pa⸗
geblieben war.
laſte in Dublin, als während der Reiſe die unbe⸗
Schon vom Krankenbette hatte der Baronet, ſo⸗ greifliche Vollſtreckerin der Wünſche ſeines Vaters ge⸗ bald ſeine Hand im Stande war eine Feder zu führen, weſen war. Was er indeſſen in Betreff derſelben an einen ſeiner liebſten Freunde, an Lord Walter in V gefragt, welche Antwort ihm der Vater während der
Dublin, geſchrieben. Er hielt es für ſeine Pflicht,
fürchterlichen Nachtreiſe gegeben, ob er überhaupt
ſowohl über ſeine plöͤtzliche Entfernung aus der deshalb Fragen an Lord Arranmore gerichtet, und Hauptſtadt und wegen ſeines langen Schweigens ob er genügende Auskunft als Erwiderung erhalten,
Rechenſchaft zu geben, als ſein dem Bunde ⸗Wohlge⸗ ſinnter⸗ Patrioten gegebenes Wort zu erneuern, ſich der Miſſion zu unterziehen, mit der man ihn betraut hatte, ſobald ſein Geſundheitszuſtand es nur einiger⸗ maßen geſtattete. ebenſo wohlwollende als herzliche Antwort überraſcht, in der ſich, wie das Vertrauen auf ſeine Ehre, auch die Zuverſicht ausſprach, daß er in ſeinem Eifer für die gerechte Sache nicht erkalten werde.
„Dieſes Vertrauen,“ ſchrieb Lord Walter,„ver⸗
mochte ſelbſt Ihre Hegira oder räthſelhafte Flucht, deren Urſache Ihnen ja ſelbſt ein Geheimniß geblieben, wie ich vermuthe, unter dem ſchirmenden Flügel des
Er wurde umgehend durch eine
war er unfähig ſelbſt nach gänzlicher Wiederherſtellung
ſich in das Gedächtniß zurückzurufen. (Fortſetzung folgt.)
Abendfeier.
Von Margarethe Pilgram⸗Diehl.
Des Thaues Stunde ſenkt ſich nieder In milden Schauern auf die Flur, Die Sonne ſchließt die Augenlider, Entſchwebt im leuchtenden Azur.
lvater,
In tiefer Das düͤfte Die blaue Von Him
die Wil Beglänzt Die Wiy Im ſauf
Einſam
Und ſcha Ich fühle Albvater,
Und ſüß Schwebt Als war Ein jed
Literariſch
Von 181 leben der ju
Die journ atgieht ſich abe daß du Geiſt Breſtänn, pe Räßeren Werken auch in aer drückung dudae keſerkreis fand Vergleich heru ibelerklärun in einem Zeit und von ſei


