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weſen und wen ſollte Emil verlachen? Flüchtig brachte ſie Auge von Helene verwandte, mit eigenthümlicher Betonung
dieſe ſchneidenden Worte mit der Erſcheinung eines langen ſchmächtigen Mannes mit klugem, höhnenden Geſichte in
Verbindung, den ſie ſchon öfters hier und dort in ihrer
Nähe erblickt hatte. Doch es war nur ein raſch vorüber⸗ gehender Gedanke, den ſie zu verfolgen kaum Muße hatte. Denn eben trat Emil in das Zimmer.
Helene befand ſich ſelber in einer faſt fieberhaften Un⸗ ruhe. Denn von dem Geſpräche, welchem ſie jetzt entge⸗ genging, war das nächſte Loos einer geliebten Freundin, war der Ausgang eines Planes abhängig, der, von ihr ent⸗ worfen, auch der Verantwortung nach ihr zur Laſt fiel. Deſſenungeachtet beobachtete ſie Emil, als er jetzt auf ſie zutrat und ihr ehrfurchtsvoll die Hand küſſen wollte, was ſie indeſſen nicht duldete, mit größter Aufmerkſamkeit, um wo möglich ſchon in ſeinen Geſichtszügen das Schickſal dieſer Stunde voraus zu leſen.
Sein Ausſehen flößte ihr kein Vertrauen ein. Es war nicht das eines ruhigen, beſonnenen Mannes, es war das eines leidenſchaftlichen, ſtürmiſchen Jünglings. Das dunkelgelockte Haar fiel tief auf die hohe, edle Stirn hexab, ſo daß ſie halb davon bedeckt war; ſeine ſonſt blaſſen Wangen waren hoch geröthet, die ſchwarzen Augen hatten einen ſtechenden, unheimlichen Ausdruck. Seine Haltung, ſonſt ſo ungezwungen und edel, war ſchlaffer als gewöhn⸗ lich und doch, wie es ſchien, erkünſtelt. Der ganze Menſch erſchien Helenen verändert und fremdartig; ſie wußte nicht, wie ſie ſich dieſen Eindruck erklären ſollte.
„Haben Sie an Lina geſchrieben?“ fragte ſie endlich, um das Schweigen, während deſſen ſie Emil mit großen Augen muſterte, zu unterbrechen;„ich bin bereit, den Breef, wie ich Ihnen ſchon verſprach, zu befördern. Das arme liebe Kind hat viel gelitten; wie wird ſie glücklich ſein, wenn Alles ausgeglichen iſt und auch Sie das We⸗ nige vergeſſen, was Sie ihr gegenüber zu verzeihen haben!“
„Das Wenige?“— antwortete Emil, indem er kein
Noveſlen⸗Zeitung.
—„das Wenige? Ja, ja, Sie haben Recht, gnädigſ Frau, es iſt wenig genug, was ich ihr zu verzeihen habet Andern Leuten vielleicht— doch auch dies nicht. Ich muß
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Ihnen aber geſtehen, gnädige Frau, ich habe nicht an mein ſers Selbſe
Frau geſchrieben und werde es auch nicht thun, denn ich habe mich eines Beſſern beſonnen.“
„Nicht geſchrieben? So muthen Sie Lina zu, ohne ein verſöhnendes Wort von Ihrer Seite zurückzukehren?“ fiſ
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ſane, aber i ſſen als ich!
So mußt
Helene ein, ohne ihren Schreck genügend verbergen ziſegandere w
können. „Verſöhnung?“— erwiderte Emil,— nicht zu verſöhnen mit einer Frau, die mit Unrecht von mit
einen annähernden Schritt von ihrer Seite. Thöricht ge⸗ nug, daß ich einen Augenblick anderer Meinung ſein konnte Mag es Lina halten wie ſie will. Bedarf ſie meiner nicht ich kann auch ohne ſie leben, das hat mir die jüngſte Ver⸗ gangenheit deutlicher gezeigt, als ich es wünſchte. Wir verſtehen uns nicht, das wußte ich längſt. Lina's Treu⸗ nung von mir iſt nur ein neuer Beweis dafür. Wie Eina doch oft das Herz irre führt, das mitleidige Theilnahme mit Liebe verwechſelt! Die Liebe, ja die rechte freudige Liebe iſt mir nur einmal im Leben nahe getreten, und dar mals war ich ein blinder Narr, der die himmliſche nicht zu faſſen verſtand und ſtatt ihrer armſelige Armuth wählte Und nun“— fügte Emil mit einem glühenden Blicke auiſ Helene hinzu, die ängſtlich zurückwich,—„nun, da ich Größe deſſen erkenne, was ich damals von mir ließ, fühſt ich eben ſo ſehr die Kleinheit meines letzten Verluſtes. Und darum, gnädige Frau, werde icht nicht an Lim ſchreiben.“
Helene erbebte über dieſe unverhoffte, ihr doppelt furcht⸗ bare Wendung. Aber bevor ſie Alles verloren gab, bli Etwas noch immer übrig.
„Ich kann Sie nicht begreifen“— ſagte ſie mit möͤg⸗
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Wer trüge nicht gern ſein Scherflein bei⸗ Wenn Dus's begehrteſt, mein Alter? D'rum bring' ich Dir flugs mein Verslein frei, Dir, dem Todtenacker⸗Verwalter. Und Deinen beiden Bedingungen gern Will ich mich fügen und richten: Böſes Blut zu machen, es ſei mir fern, Will fromm und beſcheiden dichten.
Was aber nur? Es gilt mir gleich! Dir auch, nach meiner Meinung; Und weil wir ſchon ſtreifen ins Todtenreich, So dicht' ich Dir eine Erſcheinung.
Mir ſind erſchienen unlängſt im Traum Fünf Muͤller und ihre Kinder, In ihrem Gefolge— man glaubt es kaum— Fünf Dramaturgen nicht minder. Die Müller, die Kinder, ſie waren todt, Längſt ſchon im Grabe verweſen— Die Dramaturgen hatten Noth, Sie wieder heraus zu leſen. Sie galvaniſirten die Leichname flugs Und thäten ſie recken und ſtrecken, Bald wurden ſie Herr des vermoderten Spuks, Es gelang ein Scheinleben zu wecken.
Die Dramaturgen, fünf an der Zahl, Ließen gaukeln die grauſigen Müller,
Und drauf begruben ſie noch ein Mal Den todten Goethe und Schiller.
Die Deutſchen klagen immer, Du weißt, Daß kein Theater ſie haben; Doch kriegten ſie Eins, ſie würden dreiſt Lebendig es wieder begraben.
Das Zweite, was Du von uns begehrt, Von uns, Deinen Friedhofs⸗Poeten, Iſt: daß unſer Beitrag dem Grab gehört, Er ſonſt nirgend ans Licht ſoll treten. Auch das! Es ſei. Ich will dies Gedicht Den Todten dediciren;. Nur laſſ'es auch von Lebendigen nicht, Von Todten nur recenſiren.
Man möcht' in der kritiſchen Gegenwart Faſt aufs Verſemachen verzichten.— Doch die Todten ſind mild,— nur die Lebenden har In den Literatur⸗Geſchichten.
Nun wünſche ich Dir zum Schluß recht viel e
Beiträge, große und kleine,. Und paſſender für Dein edles Ziel⸗ Und beſſere als der meine,
So nimm, was Dein, den Todten⸗Vers! Wenn And're Dir etwas ſpenden..—
Helene re
„ich habe micſſit einem Au
däte, hätte n gegangen iſt. Ich bin der beleidigte Theil und erwart
„Laſſen an Sie den i meine F erzlichem W lück ich ſ ſen ſie, E ſAaute herzl will ich es Rränken worhin ge moch im oden der wird es wwer N
In dieſer ft tiefſter ſollte
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froh. Riſpiel
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