Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
315
Einzelbild herunterladen

V. Jahrg.

ereits mehrere e Unruhe war Letter war naß verlaſſan

allen ihr zu⸗

nicht al

die ſorglit

n, ſelbſt nach en, dann aben hren. Sie l 1 Dorfe einen

deß mit ſein

Martiflet ſie noch len Ruhe erlaug

., toit il bwendigkeit

z Forſthaus d vn benachhalle Freun

an dle

zu ſchreiben. Schon mehrere Male während der letzten Aage hatte ſie die Feder angeſetzt, um Lina zurückzurufen, alein immer von Neuem war ſie davon abgeſtanden. Emils Verhalten, der ſie wiederholt aufſuchte, fing an ſie zu beunruhigen. Sie hatte ihm ſeit ihrem Beſuche bei Ana eingeſtanden, daß ſie um deren Verbleib und Aufent⸗ halt wiſſe und daß Jene, dafern er es wirklich wünſche und emſtlich kund gebe, gern zu ihm zurückkehren werde, da ſie jn doch nur der bange Zweifel über ſeine Geſinnungen fort⸗ gtrieben habe. Sei ſich indeſſen Emil unklar über ſeine Gefühle oder finde er ſich befriedigter in ſeinem Alleinſein, dann wolle Lina, ſo viel an ihr liege, ihm gern das drückende Band löſen helfen. Als Helene dieſe Mittheilung machte und zwar mit einer Zartheit, wie ſie nur einer edeln Frauennatur eigen üt, und als ſie dabei die Vorzüge Lina's ſo liebevoll her⸗ worhob, hatte Emil bereits mit Frank geſprochen und war dshalb auf eine derartige Eröffnung vorbereitet geweſen. der Einfluß des Freundes auf der einen, das Gefühl der ufahrenen Kränkung auf der andern Seite, vor Allem aber das Bewußtſein, daß Lina ja nicht für ihn verloren ſi und daß es nur eines Wortes bedürfe um ſie zurück zu zufen, machten ihn trotzig, ſo daß er die Mittheilungen helenens bei Weitem kühler und ruhiger aufnahm, als ſieſe erwartet hatte. Wie ſich nun aber dieſe, durch eine olche Wahrnehmung herausgefordert, nicht enthalten konnte wm plötzlich ſo veränderten Manne ernſte Vorſtellungen zu machen und recht eindringlich vor die Seele zu führen, nas er an Lina beſitze und an ihr verlieren könne: da derte in ihm der von Frank ſchon angeſchürte Groll wider die unberufene Sittenpredigerin in vollen Flammen zuf und er entſchloß ſich, ihr nichts von dem zu erſparen, nas der ſcharfſichtige Freund als Züchtigung vorgeſchlagen hatte. Helene hatte kaum die erſten Zeilen ihres Briefes voll⸗ lndet und ſann eben darüber nach, wieviel von ihren Beob⸗

Dritte folge.

315

achtungen ſie der Freundin wohl ohne Gefahr mittheilen, ob ſie dieſelbe überhaupt unter den jetzigen Umſtänden zur Rückkehr beſtimmen dürfe. Helene gehörte nicht zu den Frauen, deren Thränen raſch fließen. Heute aber, wie ſie ſich ſagen mußte, daß all' ihr Thun vielleicht vergeblich ge⸗ weſen und die Lage der armen Freundin eher verſchlim⸗ mert als verbeſſert habe, nachdem ſich Emil mit dem Ge⸗ danken der Trennung ſo bald befreundet, heute vergoß ſie Thränen des innigſten Mitleids, vielleicht auch der Scham, daß ſie ſelbſt dereinſt dieſen veränderlichen, undankbaren Mann geliebt hatte und auch jetzt noch nicht redlich zu haſſen vermochte. Da brachte ihr die Dienerin ein Billet von Emil, in welchem dieſer ſie erſuchte, ihr noch heute Abend ſeinen Beſuch machen und den Brief überbringen zu dürfen, den er an Lina geſchrieben habe und welcher nur durch ihre Uebermittelung an dieſe überſendet werden ſollte.

Bereitwillig ertheilte Helene die erbetene Erlaubniß und verſchob die Fortſetzung ihres Briefs bis morgen, in⸗ dem ſie hoffte, dann mit einem Male alle Zweifel löſen zu können. Vielleicht war Emil doch in ſich eingekehrt und ſie hatte der geliebten Freundin dann nur ein herzliches: Komm bald zurück! zu überſenden. Heute konnte ja doch einmal der Brief nicht mehr ſein Ziel erreichen.

Es war ſechs Uhr vorbei und dämmerte ſchon ſtark, als der erwartete Emil ſeiner Meldung ungeachtet noch nicht bei Helene eingetroffen war. Sie ließ Licht bringen und blickte dann, unfähig in ihrer Aufregung etwas Ernſt⸗ liches vorzunehmen, zum Fenſter hinaus. Die Straße war wenig belebt. Vom obern Ende derſelben kamen zwei Männer herab, von denen der Eine rechts abging und ſeinem Begleiter noch mit ſcharfer Betonung zurief:

Hörſt Du wohl, keine Schonung, keine Rückſicht! Sie hat es um Euch beide verdient, darum lache ſie aus, lache ſie tüchtig aus. Der Andere kam auf ihr Haus zu; es war offenbar Emil. Aber wer war ſein Begleiter ge⸗

Heute ſchon! zwar Winter ſtreute Seine Blumen eiſig, bleich, Iſt nicht unſer Friedhof heute Schon an Melodien reich?

Sandten nicht aus vielen Gauen Ihrer Lieder hell und klar Männer, Jünglinge und Frauen Eine große bunte Schaar? Alle Weiſen, hier erklungen, Gehen von Kind auf Kindeskind, Weil ſie nur für Euch geſungen, Weil ſie Euch geſpendet ſind; Weil gelehrte, hehre Geiſter Ernſt geſprochen, mild belehrt; Weil der Dichtkunſt edle Meiſter Uns durch Antheil hoch geehrt; Weil des Jüngers ſchüchtern Streben Sich geſellte, liebevoll; Alle haben gern gegeben, Allen ziemt des Dankes Zoll.

Ziemt auch Jenen, die nicht grollten, Daß die Gab' aus milder Hand, Die ſie freundlich reichen wollten, Nicht mehr Raum im Buche fand.

Steh'n ſie doch in meinem Herzen! Nur vergeſſen immerdar

Sei, was Sorgen mir und Schmerzen

Bei dem ſchweren Werk gebar. Fleißig, ja, das darf ich ſagen,

That ich, was ich konnte thun.

Ob die Saat ſoll Früchte tragen,

Liegt in Deutſchlands Händen nun.

Am 24. Januar 1857. Holtei.

An den Herausgeber.

Du biſt noch immer der alte Jung; Und auch der junge Alte, Dein Herz iſt immer auf dem Sprung, Dein Herz, das nimmer kalte.

Du haſt mit glücklicher Art und Kunſt Geſchrieben viel und geleſen,. Nicht ſelten der Armuth auch zu Gunſt,

Biſt ſelber nie reich geweſen.

Schriebſt wohl für die Armen im harten Jahr Gedichte, die ſchönſten und wärmſten, Jetzt ſammelſt Du für die Todten gar Die Todten ſind nicht die Aermſten!

Das Leben iſt ſchön, doch ſchön iſt's auch

Es überſtanden zu haben..

5 f Wir Lebende wollen nach löblichem Brauch

Die Todten helfen begraben.