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Nr. 15.)
Literariſche Beſprechungen.
Jahrbuch des Erz⸗ und Rieſengebirges. Her⸗ ausgegeben von Klemens Ritter v. Wegrother und Dr. Stanislaus Neumann.— Zweiter Jahrgang.— Prag. Druck von Friedrich Wohlicek im Fürſterzbiſchöfl. Seminar. 1858.
Libuſſa. Jahrbuch für 1858. Herausgegeben von Paul Aloys Klar, k. k. Kreisrathe, Ritter des päpſtl.
St. Gregoriusordens u. ſ. w.— Siebzehnter Jahrgang.
Mit 7 geſtochenen Kunſtblättern, 5 Lithographien.— Prag bei F. Ehrlich, Leipzig bei E. H. Mayer.
Wo ſind die Dutzende von Taſchenbüchern geblieben, die ihrer Zeit auf dem Toilettentiſche keiner eleganten Dame fehlen durften, die, mit Sehnſucht Jahr für Jahr erwartet, allein ſchon für das Schwinden der beſſern Jah⸗ reszeit der deutſchen Nation Erſatz bieten konnten und die, nebſt einem Dutzend belletriſtiſcher Journale, auf deren Titeln alle Tageszeiten von Morgen und Abend bis Mitter⸗ nacht beliebt waren, das ganze gebildete Publicum in einem traulichen Kreis literariſcher Genüſſe, Productionen, Be⸗ fehdungen und Klatſchereien zu vereinigen im Stande waren? Wie unendlich mannigfach, wie unendlich zerſplit⸗ tert haben ſich ſeit dieſen letzten anderthalb Decennien unſere öffentlichen Intereſſen geſtaltet! Niemand mehr ſchenkt heutzutage der Geliebten ein ſolches Taſchenbuch zu Weihnachten; von jenen journaliſtiſchen Concurrentinnen der Abendzeitung exiſtirt wohl nur noch das Cotta'ſche Morgenblatt; neue Blätter ſind, an die Stelle der„Ro⸗ ſen,“ der„Kometen,“ der„Freikugeln“ u. ſ. w. getreten, mit denen die buchhändleriſche Speculation ſo viel Zehn⸗ tauſende von Abonnenten zu erzielen weiß, als man früher Hunderte erreichte; die Zunahme dieſer Verbreitung aber itt vielmehr eine intenſive als eine extenſive, von keiner Zeitung kann man ſagen, daß ſie in alle gebildeten Kreiſe Deutſchlands dringt; jedes unſerer Vaterländer hat jetzt ſtine eigne Literatur, ſeine eignen Genies, ſeine eignen Journale. Die Poeten waren es, die am lebhafteſten für deutſche Einigkeit ſchwärmten, und heute ſind Poeſie und Journaliſtik faſt nur noch in provinzieller Exiſtenz nöglich. Da die Bevölkerung, die Bildung, der Wohl⸗ ſtind und das Unterhaltungsbedürfniß ſo zugenommen huben, iſt jede Stadt, jede Landſchaft ihre eignen Preſſen und Publiciſten zu unterhalten im Stande. Ob die Lite⸗ tatur im Ganzen und Großen dabei gewonnen, und ob
de Möglichkeit, mit engliſcher und franzöſiſcher Produc⸗
ton zu concurriren, ihr dadurch erleichtert wird, iſt frei⸗ lih ſehr die Frage; das aber iſt ſicher, daß der Gemüth⸗ ichkeit und Selbſtbefriedigtheit kleiner Kreiſe ein weites ungeſtörtes Feld eröffnet iſt, und daß das Glück, ſich ge⸗ fruckt, anerkannt und verſtanden zu ſehen, viel häufiger ils ſonſt äſthetiſchen Seelen zu Theil zu werden pflegt. Die oben genannten beiden Jahrbücher verdanken wir ſiſem Aufblühen der particulariſtiſchen Literatur. ſiſtere namentlich, das ſich ſelbſt de Erz⸗ und Rieſengebirges bezeichnet, trägt Namen zur Scau, von denen kaum einer oder der andere über die Gtenzen der böhmiſchen Dörfer literariſche Geltung haben
Dritte folge.
Pecht?— in Weimar) unſeres trefflichen Nov ſef Rank.
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dürfte. Wohl aber wird der Leſer mit Freuden aus ihnen erſehen, welch reger Eifer, welche zum Theil ſinnige Be⸗ gabung für Poeſie in der öſterreichiſchen Ariſtokratie von heutzutage heimiſch iſt. Zum Theil viel Verſprechendes bieten uns Freiherr von Päumann, Graf Chotet, Freiherr v. Schlechta⸗Wsehrd, Heinrich v. Littrow(der uns bereits mit trefflichen Marineliedern, Trieſt bei C. A. Schimpff, begegnet iſt), Gräfin Eliſe Schlik, Graf Heinrich Schlik, Ludwig Ritter v. Rittersberg, Graf zu Bentheim⸗Teklen⸗ burg; die übrigen Beiträge ſind von Friedrich Steinebach, Joh. Nep. Vogel, Kleroth, Hansgirg, Wenzig u. a. m. Daß Provinzialismen des Ausdruckes und der Anſchauung hier und da auftauchen, wird nicht verwundern. Wenn Oeſterreich erſt ſeine eigne Literatur haben wird, wer will dann am Ende entſcheiden, ob die Oeſterreicher oder die Deutſchen deutſch ſchreiben und ob man beſſer ſagt: darauf (— oder davon vergeſſen? Eine etwas kühne poetiſche Licenz des Styles wird es jedoch immer bleiben, wenn (S. 225 Herr Kleroth eine Erzählung beginnt:„In der böhmiſchen Landſtadt C... ſteht eine Viertel⸗ ſtunde davon entfernt ein zwei Stock hohes Haus...“ Die wichtigſte Gabe dieſes elegant ausgeſtatteten Jahr⸗ buches ſind des Anhanges„National⸗ökonomiſche Blätter.“ Herr Dr. Stanislaus Neumann bringt hier einen Aufſatz „Aſſociationsgeiſt und Landwirthſchaft, mit Rückſicht auf Oeſterreich,“ der von vieler Sachkenntniß des Verfaſſers ſowie von einer ſehr reichen Thätigkeit ſeiner Landsleute iin der betreffenden Richtung Zeugniß gibt. National⸗ Oekonomen und Verwaltungsbeamten wird die Kenntniß dieſes Beitrages unerläßlich ſein. Herr Theodor Pisling ſchließt das Buch mit„Studien aus dem böhmiſchen Erz⸗ gebirge.“ Beide Gaben ſcheinen der eigentliche Zweck der Unternehmung zu ſein. Der Ertrag dieſes Jahrbuches iſt zur Errichtung und Erhaltung von Induſtrieſchulen im böhmiſchen Erz⸗ und Rieſengebirge beſtimmt.— Die„Libuſſa“, die bereits im ſiebenten Jahrgange vorliegt, iſt ein unſern Leſern bekanntes Unternehmen. Den heurigen Jahrgang ziert das freundliche, ganz prächtig ähnliche Portrait(gezeichnet von F. P.— wohl Friedrich elliſten Jo— Die Prager Libuſſa hat eine ganz beſondere Pflicht und Veranlaſſung, ihren heimathlichen Dichtern fmerkſamkeit zu ſchenken, und ſo nimmt die Stelle, die
voriges Jahr Alfred Meißner gegönnt war, diesmal Joſef
ſium zu Klattau war es ihm, von ſeinen
Das dem Jugendleben Rank's werden uns nied als ein Jahrbuch ſpeciell dorfgeſchichtlichen L
Rank mit Verdienſt ein. Der Herausgeber, Herr Paul Aloys Klar, hat dem Portrait eine liebenswürdige Skizze des Dichters der Dorf⸗ und Culturgeſchichten„Aus dem Böhmerwalde“(Geſammtausgabe bei F. A. Brockhaus, 1851) beigegeben, die an ſich ſchon das Theilnahme er⸗ weckende Lebensbild eines Talentes iſt, das aus dem eng— ſten bürgerlichen Kreiſe zu öffentlicher Anerkennung ſich entwickelt hat. Wir erfahren daraus, daß Rank 1815 in
dem Böhmerwälder Dorfe Friedrichsthal, nicht weit von
der Grenze der bairiſchen Oberpfalz, geboren iſt. Aus liche Züge des Auf dem Gymna⸗ funfzehn Geſchwi⸗ ſtern, vergönnt die erſte weitere Bildung zu erlangen. Mit 12 Gulden Conv.⸗Münze kam er ſpäter zum Studium
ebens mitgetheilt.
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