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Igeſtört, wenn die eine o
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kaum verhaltenen 8 ſchaftliches: fru
Novellen-Zeitung.
bleibe bei ihm, verlaß ihn nicht, mache ihn glücklich, ſo, wie er es verdient. Mir aber verzeihe. Ich gab Dich auf, opferte Deine Liebe, weil ich die Feſſeln ſcheute, weil mir die Welt zu ſchön und herrlich dünkte, um ihr abzuſchwören für Dich Eine, zweifelte und die einſtige Leere fürchtete, troſtloſe Leere. Seit dieſer Nacht aber beneide ich Werner, ſo wenig er glücklich zu preiſen iſt, weil Du ihm nahe und doch fern biſt; ſeit dieſer Nacht fühle ich mich arm und elend, der ich nichts gewagt und nichts gewonnen habe. Entſage jedem fremden Gedanken, Helene; noch iſt es Zeit, noch kannſt Du Alles zum Beſten kehren, und ich— ich— will Dir, ſo lange Du es willſt, nie wieder in den Weg treten. Helene, lade auf mich nicht doppelten Fluch; er ſchwebt ſchon drohend über meinem Haupte. Sei glücklich mit Werner, verſuche es zu ſein, und es wird Daselingen, auch ihn glücklich zu machen!“
weil ich an dem Reichthum Deines Herzens die ſchreckliche
Sie gab ihm keine Antwort, aber aus oem Beben der
arten Hand, die er in der ſeinigen hielr, und aus ihrem Schluchzen klang es ehm wie ein leiden⸗
„Nie, nie!“ entgegen. Da heftete Albrecht ſeinen Blick, den er bis jetzt— er kar vor ihr halb auf die Kniee geſunken— nicht empor⸗
„zuheben gewagt hatte, feſt auf ihr Antlitz, und als er in
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demſelben den rührenden nungsloſigkeit eines doch ſo heiß verlangenden, ſchwärme⸗ d als das reizende Weib, noch Entſagung, ſeinen Blick wenn auch nur flüchtig erwiderte und Aug' in Auge ruhen ließ: da flammte die alte Leidenſchaft in ſeinem Herzen wieder auf und widerſtandslos ließ er ſich von dem längſt ent— wöhnten Gefühle fortreißen. ihn Helenens unerwartete Erſcheinung mächtig ergriffen; ſelbſt unbeobachtet hatte er dann die Ohnmächtige dicht neben ſich vorübergeleiten ſehen und ſeinen Blick an ihrer holden Geſtalt geweidet.
riſchen Herzens gewahrte, un ſchöner in ſeiner traueräden
Ausdruck vollkommenſter Hoff⸗
Schon in dieſer Nacht hatte
Da war bereits die heißeſte
Sehnſucht nach erwacht, einzig und allein in Schranken gehalten durch die
Achtung vor Werner und den edelmüthigen Wunſch, ihn noch glücklich zu ſehen. Aber die Prüfung, welcher er jetzt
unterlag, war allzu ſchwer; wie hatte er jemals dieſes Weib verlaſſen können, das jetzt um ſo viel ſchöner, feſter, in ſich
reicher geworden war!
meine Pflicht gethan und habe für Werner geſprochen. Aber Du weißt es ja beſſer, als ich Eindringling, vas für Euch Beide gut und heilſam iſt. ihm ausharren, Du biſt ernſtlich entſchloſſen nung. darfſt frei über Dich verfügen, wenn in Kurzem das Band gelöſt ſein wird, welches Dich jetzt noch feſſelt. Nun aber, Helene, nehm' ich mein altes Recht wieder in Anſpma. Mein warſt Du, ehe Dich Werner kannte, mein ſollſt und mußt Du wieder werden. himmliſch, Helene. thört und verblendet einſt von reuevoll und bereit, Dir Alles zu vergelten, zurückgekehtt üüſt bin. Ich weiß es ja, Du haſt treu an mir gehangen und ingeſte mein Bild gepflegt, auch als ich Deiner unwürdig genot⸗ ſn un den; ſo ſtoße mich jetzt nicht von Dir, da ich Deiner nür⸗ hlußi dig werden möchte.
(III.
Jahr fr. dag die herz, Rückte, denen Geſtalt Haupt Es war Ab dund en Armen. Du willſt nicht bei garnt, zu einer Tun⸗ derteſ an und lücken dereinf hatte, werther ent ſ
O, verzeihen iſt ſo ſchön, ſo tmſten Verzeihe darum auch mir, der ich be⸗ ſeſtrebt Dir gegangen und umn a's v
dem einſt ſchnöde geopferten Beſitze in ihn.
„Helene,“ rief er laut und flehend,„ſo hab' ich denn
Gut, ſo gehörſt Du Dir ſelbſt wieder
Nicht umſonſt hat mich die Vorſehung es L
4 erſcheint, möchte man ihr denno
Dingen bilden die Charaktere des Marine⸗Lieutenants Stanislaus,
ſeiner Braut Olga und des Invaliden Joſeph. Das Ganze ſchließt höchſt befriedigend ab— auch ein Vorzug, den man nicht allen Romanen der Neuzeit zuſprechen kann. Beſonders rühmens⸗ werth iſt der Standpunkt, von dem aus Rußlands ſtaatliche und geſellſchaftliche Verbältniſſe beſprochen werden, wie auch die Ge⸗ rechtigkeit, welche deutſchen Leſewelt ſei der Roman, den gewiß Niemand unbefrie⸗
digt aus der Hand legen wird, beſtens empfohlen. † †
Miseellen.
Fonderbare Neigungen berühmter Perſonen.
Ein engliſcher Arzt ſtellte vordeiniger Zeit die ziemlich barocke
f en des Menſchen beſtehe aus zwei ſcharf älften, und nur bei vollkommen geſun⸗
dem Zuſtande beider Hälften ſei der Menſch im ungeſtörten Beſitz
5 dieſe aber würden augenblicklich
der die andere Hälfte erkrankte, und aus dem
geſunden oder der kranken Hälfte ent⸗ geringere Verſchrobenheit, die durch
äche oder Zerrüttung bis zum
eide Hälften von ſchwerer Krank⸗
Behauptung auf, das Gehi von einander geſonderten H
aller ſeiner geiſtigen Fähigkeiten,
Uberwiegenden Einfluſſe der ſtehe dann eine größere oder alle Abſtufungen geiſtiger Schw tobenden Wahnſinn führe, wenn b heit ergriffen wären.
So unhaltbar auch
ſich in dem Urtheil über den Charakter und die hohen Herrſchertugenden des Kaiſers Nikolaus ausſpricht.— Der
dieſe Behauptung auf den erſten Blick ch beiſtimmen, wenn man ſieht, wie rechnen,
zum entſcheidenden Augenblicke in das Vaterland, in Deine ewee Nähe zurückgeführt; ſie will, daß die frühere Schuld ge⸗ ſerd fühnt, daß die verlorene Zeit, ſo weit immer möglich, ſc⸗ and ſetzt werde. Helene, ich ſchwör' es Dir zu Gott, del ſch zin nur ſelten anzurufen wage: hat Dein Bild auch Jalre und lang in meiner Seele im Todesſchlummer gelegen und nur vai dann und wann auf Augenblicke mich, ohne Vorwurf, an⸗ mi gelächelt, ein anderes iſt doch nie an ſeine Stelle getutn& und ſo herrſcheſt Du noch immer in Deinem Heiligthume. 188 Helene, nun mußt Du ja die Meine werden!“ die
Raſch erhob er ſich aus ſeiner knieenden Stellung und Abe ſelbſt die begabteſten Geiſter in einzelnen Richtungen oder Augin⸗ len
ſ
blicken Schwächen offenbaren, die in der That geeignet ſind, den ſ, Glauben zu erwecken, ſie befänden ſich nicht im vollen Beſitze ihrer niht geiſtigen Kräfte. In ſolchen Augenblicken treten Neigungen, die zu verberzen ein vernünftiger Menſch alle Urſache hätte, ſo offen zu Tage, daß hiit Perſonen, die uns ſonſt in dem glänzendſten Lichte erſchenen, lächerlich, ja oft beinahe verächtlich werden, und daß ihre wirklich bis ausgezeichneten Eigenſchaften durch ihre Verkehrtheiten oder üler⸗ ſber
triebenen Schwächen in den Schatten geſtellt werden. ga Die Geſchichte bietet dafür den Beleg durch das Leben man⸗ ſuf cher ausgezeichneten Menſchen, an denen dergleichen Flecken un ſo ſ
greller hervortreten, je heller ihre übrigen Eigenſchaften glänſen. Se
Uebertriebene Eitelkeit ſcheint eines von den charakteriſtiſhen Zeichen krankhafter Affectionen der einen oder andern Gehitn⸗ Hälfte zu ſein. So wich zum Beiſpiel die Königin Eliſabeth von England, der man noch überdies ſelbſt in ihrer Jugend käne außerordentliche Schönheit nachrühmte, während der letzten Jahre ihres Lebens ſorgfältig, ja ſogar ängſtlich der Möglichkeit aus,ihr. Geſicht in einem Spiegel zu erblicken, ſo ſehr fürchtete ſie, in ihren Zügen die Spuren von den Verwüſtungen des Alters zu erkmen.
Napoleon I., der ſo viele Eigenſchaften des Geiſtes beſaß, auf die er mit dem vollſten Rechte ſtolz ſein durfte, zeigte ſich glaͤch- hu wohl in hohem Grade eitel auf ſeinen außerordentlich kleinen Fuß!
Als ob nicht die Größe und ſelbſt die Entſtellung dieſer köwer⸗ fi
lichen Extremität bei einem Manne von ſeiner Größe eine gar
nicht zu beachtende Nebenſache geweſen wäre. bi Kotzebue, den wir zwar uicht- au- dan aritan Bovübamlhäten ſe
der aber doch immerb hneter
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