Jahrgang 
01-26 (1857)
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Der polniſche Bettler.

In Breslau vor dem Dome ſtand einſt ein Bettelmann In grauem, leinenem Kittel, mit vielen Lappen d'ran. Die Rechte hielt ein Säckchen, die Linke den Knotenſtab, Das weiße Haar hing zottig ihm über die Stirn hinab, Und traurig ſah'n die Augen ins Gotteshaus hinein.

Er legte Stock und Ranzen bedenklich auf einen Stein Und wiſchte mit ſchmuzigem Aermel ſich ab der Thränen Thau; O heilige Mutter Gottes, du braune von Czenſtochau! Hier ſteh' ich in fremden Landen, ein elender armer Wicht, Und wenn ich polniſch bitte, verſtehn mich die Leute nicht, Und wenn ich polniſch bete, hier hören die Heiligen nicht, Du braune Mutter von Polen, hilf deinem armen Sohn, Du liebe heilige Mutter, ich zittre vor Hunger ſchon!

Da kommt ein Fremder! Gebt mir, o gebt mir, Gottes Lohn! Der gibt nichts, heilige Mutter. Einſt hatt ich ein ſchönes Kleid Von Tuch mit grünen Schnüren, das war bequem und weit; Ein Haus von Balken gezimmert, mit neuem Stroh gedeckt,

Ein Rößlein in dem Stalle faſt unter der Streu verſteckt,

Sechs Hähne auf dem Hofe, die haben mich früh geweckt,

Und in der Kammer ein Bette, dort ſchlief ich ruhig ein;

Jetzt ſchlaf'ich auf den Steinen, jetzt weckt mich der Wächter Schrei'n. Es war an kaltem Morgen, da jagten Koſacken vor's Haus; Heraus du Landesverräther, du polniſcher Hund heraus!

Sie riſſen mich zu Boden und ſpieen mir in den Bart,

Und hieben mich mit Säbeln nach ihrer groben Art,

Bewarfen das Haus mit Flammen, als wär' es eine Hex,

Und brieten mir die Hähne beim Feuer alle ſechs,

Und warfen mich mit den Knöchlein und riſſen mich am Ohr. Ich lag auf kaltem Eiſe voll Blut und Wunden und fror.

Sie nahmen dem weißen Zaare mein warmes Bette mit,

Und meinen Rock mit Schnüren, das Roß, worauf ich ritt.

Ach Mutter, der große Kaiſer muß viele Röcke tragen,

Denn ſeine Koſacken haben ſo viele Leute geſchlagen.

Am Abend war die Hütte zu Boden gebrannt und gebrochen,

Da zogen die Herren von dannen, da bin ich herzu gekrochen, Und hab' mit ſchlotternden Beinen mich in den Schutt gedrückt, Und habe, du braune Mutter, vor dir mich zur Erde gebückt, 8 Und hab' dir Alles verziehen, die Schläge, das Rauben, den Brand, Und hab' nur eins gebeten, nur Rettung dem Vaterland.

'S kommt wieder Einer. Gebt mir, o gebt mir, habt Erbarmen! Die allerkleinſte Gabe, ach helft dem polniſchen Armen!

Er hat mir nichts gegeben. Einſt hatt ich ein treues Weib, Die iſt im Elend geſtorben; ihr kranker ſchwacher Leib

Liegt unter grünem Raſen, ihr treues Herz dabei,

Das iſt vor Gram gebrochen. Sie lag der Tage drei,

Als grade die Schlehen blühten, ſtill unter einem Strauch. Zwei Tage hat ſie geweinet und ich, ich weinte auch,

Am dritten Morgen aber, da klagt' und weinte ſie nicht,

Sie faßte mich bei den Haaren und zog mich ans Geſicht, Und ſah mich lange grauſig und ſehr bekümmert an

Und ſtarb, ich ſaß verlaſſen, ein alter Bettelmann.

Du braune Mutter der Polen, hilf deinem armen Sohn,

Du heilige Mutter Gottes, ich zittre vor Hunger ſchon.

Da kommt ja Einer. Gebt mir, o gebt mir, helft dem Armen! Auch dieſer gibt nicht, Mutter, ſie haben ja kein Erbarmen, Du liebe heilige Mutter! Einſt hatt' ich einen Knaben, Gekräuſelt warſein Schnurrbart und ſchwarz wie Federn der Raben,

In Breslau. Gedichte von Guſtav Freitag.

Wie

Nouvellen Zeilung. 1I 1. Ia hrg. ALBIIM. e

Guſtav Freitag.

Und wenn ihm die Augen glänzten, da war's wie Sonnenlicht, Roſen und Schnee zuſammen, ſo war ſein Angeſicht. Der trat am frühen Morgen an meines Bettes Breite,

Die Senſe auf der Schulter, den Kober an der Seite;

Er küßte mir das Hemde und ſagte:Leg' die Hand

Auf meinen Kopf, ich gehe zu mähen in das Land!

Es wuchert auf unſerm Boden Unkraut ſo dick und lang, Heut fliegen die Raben; heute beginnt der Schnittergang. Ich hielt ihn feſt umſchloſſen, unheimlich war mir und bang'. Er ſprang mit ſchnellen Schritten zum hohen Thor hinaus, Die Senſ' auf ſeinem Rücken, als zög' er zum Ernteſchmaus. Ich ſtieg im Hemd' auf die Leiter, ſah über's Thor ihm nach Und ſtreckte meine Arme zum Segen aus und ſprach:

Du liebe, heilige Mutter, o nimm ihn in deine Hut!

Und ſieh', das haſt du vergeſſen, das war nicht ehrlich und gut, Er liegt von Pferden zertreten, zertreten in polniſchem Sand, Sein Vater ſteht und zittert vor Hunger in fremdem Land.

Sieh', wieder ein Fremder. Gebt mir, o gebt mir, helft dem Armen! Ach. Alle ſchreiten vorüber und Keiner hat Erbarmen.

So geht's nicht, heilige Mutter, du willſt mich nicht verſtehn,

Ich ſoll dich ſtärker bitten, ich will dir näher gehn.

Er fuhr ſich über die Augen und ſchlich zur Kirche binein.

Da prangten die heiligen Bilder gar ſtolz im Kerzenſchein;

Der Bettler drehte die Mütze in ſeiner zitternden Hand

Und ſchlich von Pfeiler zu Pfeiler und ſchaute von Wand zu Wand, Sah mancher Mutter Gottes verwundert ins Geſicht,

Die braune Mutter der Polen, die ſah er nirgend nicht.

Da ſetzt er ſich zur Erde und weinte bitterlich:

Mit Knöchlein von meinen Hähnen, da hat man geworfen mich, Mein Weib iſt mir geſtorben, mein Haus iſt abgebrannt,

Mein Knabe liegt zertreten, zertreten das Vaterland,

Auch kann die heilige Mutter mir nicht erbetteln das Brod,

Die braune Mutter der Polen iſt auch geſtorben und todt.

Der Abend kam; da küßte der letzten Thränen Thau

Aus ſeinen geſchloſſenen Augen die Mutter von Czenſtochau.

Der glaube des Armen.

Leben, du großes Wunder, du heiliges, tiefes Myſter, as Jeder formt und einhegt durch Regel, Bilder und Lehr! prühende Fackelflamme,

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warſt dem freien Griechen die ſ r Tod ein müder Knabe, der am Cypreſſenſtamme

Den zuckenden Glanz verlöſchend die Fackel niederdrückt;

Dem Glauben des Armen, Verfolgten, der leidend und gebückt Als Kind des Kreuzes die Augen zur reinen Höhe ſchlägt,

Und was ihm die Erde weigert, in ſeinen Himmel legt,

Dem biſt du ein ſchweres Träumen in langer Winternacht,

Ein Traum in der Kinderwiege, und Gott der Vater wacht,

Er ſitzt auf goldenem Seſſel und tritt der Wiege Wellen,

Und wenn dem Schläfer die Perlen aus Stirn und Augen quellen, Er zählt und ſammelt jede; und Tod iſt der hagere Narr,

Der im phantaſtiſchen Kleide das Kind aus der Wiege Geknarr Mit rauhem Griff und Grinſen zum hohen Vater trägt,

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Und in den Schooß des Herren das Auferweckte legt.

O gönnt dem Armen ein Leben; ſtatt Weinen gönnt ihm Lachen,

So wird das Kind des Himmels ſchon hier als Mann erwachen.

Breslau, Verlag von Joh. Urban Kern. 1845. g

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