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20 Novellen⸗Zeitung.[III. Jahrg.
mannigfachen gelehrt. Hier reine Natur in zerſchmolz in rungen und i hatten. Si⸗
herzen faſſen armen Leben geben war.
und doch we
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Das Geſpräch ging noch eine Weile fort; die Quadrille Haus der Schyeſter ſich offen halten mußte. Vittori war wurde getanzt; Ellena hütete ſich wohl rund zu tanzen, ein guter Beobachter; er ſah bald, daß es ſich von Iſidors ſie wußte ſich zu ernſt, zu majeſtätiſch für die hüpfenden Seite nicht um eine Liebelei, ſondern um echte, tiefe Nei⸗ Polkaſprünge. Nach dieſem Tanze brachen die Schweſtern gung handle. Daß ſeine hochmüthige, geldſtolze Schwie⸗
aauf, Iſidor gab der Vittori die voſa Atlaspeliſſe um und germutter nie einwilligen würde, dem unbemittelten erhielt eine Einladung zum nächſten Abend vom Gemahle. Deutſchen ihre Tochter zu geben, wußte er wohl, doch Ellena trat eben hinzu, man hatte ihren Mantel nicht ge⸗ kümmerte ihn dies wenig. Jetzt war ihm Iſidor höchſt funden, jetzt fand ihn Iſidor und legte ihr den weißen brauchbar, zuerſt als außerordentlich angenehmer Geſell⸗ Burnus, mit Purpurſeide geſtickt, um die Schultern. Er ſchafter, und vor allem als ungefährlicher Courmacher. Es ſagte nichts, aber ſie verſtand ſein Lächeln, als er ſie in verging kaum ein Abend, den Iſidor nicht am Theetiſche
das eben ſo koſtbare als originelle Kleidungsſtück hüllte, der ſchönen Frau verplauderte; zuweilen muſieirte man Sühneichele
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und ſie dankte heiter, mit einem Lächeln, wie es ſeit langen oder es wurde ein franzöſiſcher Roman vorgeleſen. Iſidor eckſund
Jahren ihr Geſicht nicht gezeigt hatte. beſaß nicht nur bei einer guten Bildung viele angenehme en lhm N n. Verehrung
geſellſchaftliche Talente; ſein ganzes Weſen war jetzt höhern
Seit jenem Abende veränderte ſich Vieles in Ellena's geſpannt, alle ſeine Fähigkeiten ſtanden gleichſam in der Leben, ja faſt konnte man ſagen, daß ſie ein neues begann. Blüthe, und während ihn Ellena's Nähe in einen Himmel Iſidor war bald der tägliche Gaſt im Hauſe ihrer Schwe⸗ voll ſeliger Freudigkeit verſetzte, theilte er, ohne es zu ſter. Da der Proceß ſich ſeiner Entſcheidung nahte, ſo wollen, den Andern ſeine Stimmung mit. Die beiden
damit ihr Liebe und ſeine Faail
Vater
war es natürlich, daß die bange Spannung, die man in Frauen fühlten dies trotz ihrer Charakterverſchiedenheit. 1wKa der Familie empfand, mehr aber noch die Neugierde, welche Nina war zu ſehr gefallſüchtig, als daß ſie nicht ſtets neben⸗ VͤnJ die Sache erregte, ſie trotz des Carnevals zu einem zurück⸗ bei eine oder die andre kleine Neigung hätte haben müſſen. undémmet
kleice, fie gin
gezogeneren Leben beſtimmte. Man beſuchte das Theater Iſidors große Liebenswürdigkeit, ſein feiner Takt, ſeine 9 L„ ff 2 2 ſalſt, die ſie
ſelten, öffentliche Geſellſchaften gar nicht, Familienbälle Heiterkeit machten ihn zum vollſtändigen Gegenbild ihrss
nur bei ganz beſonderen Veranlaſſungen und im Kreiſe der eitlen, gefallſüchtigen Mannes. Zum erſten Male lernte ſie nvoch met 41 Bek 0 oinen*—. inſſ Aß 1 e neue nächſten Belannten. 4 einen Mann kennen, der ihr Achtung einflößte und der ſie n die nelen Herr Ludwig Vittori war zu ſehr Gentleman, um ſich nie langweilte, ſelbſt als er ihr täglicher Gaſt wurde. Sie Kühren, ku durch Eiferſucht lächerlich zu machen, und ſeine Eitelkeit wurde ernſter, wenn auch nur auf Stunden, und eins. Ditri auf den Titel eines Weltmannes ging ſo weit, daß er ſei⸗ Ahnung deſſen, was unter anderen Verhältniſſen eine Ehe ſ NA nen heftigen Aerger lieber verbarg, als ſeiner Frau verbot ſein könnte, dämmerte in ihr auf. ſenen Enx einen Kreis von Anbetern zu haben. Jetzt zum erſten Am meiſten war Ellena verändert. Von Natur mit richtig zu! 3 ete er freier auf: ſeine Fr ff eſef fri Erf. Verſuc Male athmete er freier auf; ſeine Frau hatte offenbar einen mehr Verſtand begabt, durch frühe Erfahrungen und man⸗ Derſuch, ei kleinen Faible für den blonden Deutſchen; dieſer machte chen Schmerz ernſter gemacht, hatte ſie ein klares Bewußt⸗ anſſah, da ihr auch den Hof in beſter Form, galt für ihren erklärten ſein ihrer Lage, beſſer als alle Uebrigen. Die gewöhnliche Ateln; Ellen cavaliere servente, hatte alle möglichen Aufmerkſamkeiten für Natur der Mutter ſtieß ſie ab, der leichte Sinn der Schwe⸗ ſdaft, de ſe ... 9. 8 1 4.... 7 h 4 1 fie, aber nicht weil ſie la bella Nina, ſondern weil ſie El⸗ ſter verwies ſie mit ihren Sorgen auf ſich ſelbſt, und An gaug lena's Schweſter war, und weil er, um dieſe zu ſehen, das manche Erfahrung am Schwager ſowohl als an ihren Uütte erling von ein en⸗ . ngnu odt, V Teuilleton — d. 4 und 8 war wenn WM — Oe Rüiſchan Theatraliſche Genrebilder. dern Vater Tanne oder die exaltirte Theatermutter hinter den Cou 9. liſſen, die zu dieſer Kunſtreiſe die letzten, hundert Gulden zuſam⸗ umpunde Ein Rünſtlerleben. mengebracht haben; die aus Sparſamkeit am trockenen Brode Keäölchnente n nagen mochten, während ſie nun im Hôtel logiren und am Table dongen, 1 1 d' Hote ſpeiſen müſſen; die jeden Einzelnen umarmen und küſſen iite die . Wenn ich vom Zuſchauerraum aus irgend einer Debut⸗Vor⸗ möchten als den treueſten Freund auf Erden, der zu der Aſhen die Säug ſtellung beiwohne, einem erſten theatraliſchen Verſuch oder einer ſtellung eine wohlwollende Miene macht, und die— in Thränen luchten zu erſten Gaſtrolle auf Engagement irgend einer jungen ſchüchternen ausbrechen, als der erſte leiſe Beifall erſchallt. Hinterfän Schauſpielerin, Sängerin dder eines armen, eben ſeine Laufbahn Man hat ſo viel davon geſungen und geſchrieben, was Son⸗ einem a 4 beginnenden Wunderkindes, dann kann ich mich nie zu dem nur nenſchein und Frühlingsduft und erſter Liebe Blick u. ſ. w. auf ein Aber dar Anſprüche machenden, allein nach Gerechtigkeit richtenden, geſin⸗ Menſchenherz für eine Wirkung üben! Lieber Zuſchauer, der Du ſich Wen nungsvoll unerbittlichen Publicum rechnen, das heute, ohne es zu mit Deinen vielleicht ſehr derben Fäuſten im? Zarterre oder auf der dadetun L wiſſen, ein Urtheil über Sein oder Nichtſein vielleicht zu fällen Galerie ſtehſt, weißt Du, daß in dieſen derben Fäuſten, wenn du erte niffe hat;— auch ohne den Debutanten zu kennen, bin ich dann immer ſie recht gegen einander ſchlagen willſt, eine Poeſie wohnt, die Iühn lab in meinem Herzen ſein perſönlicher Freund; ich ſehe durch die Sonnenſchein und Frühlingsduft und erſter Liebe Blick um Un⸗Auden die Schminke hindurch ſeine von der Angſt gebleichten Wangen; ich endliches überflügelt? Solch ein erſter Beifall! Das iſt Man⸗ doben mit; —;.„ B 4 1. 5 2 1 ab weiß, daß das Auge, das ſcheinbar ruhig und dreiſt über das nah für die Nothleidenden, Regen in der Wüſte, Sonnenſchein ſme dabetd Publicum ſchweift, in fieberhafter Phantaſie nichts als eine wirre, nach Gewitternächten, Erhörung auf heiße inbrünſtige Gebete, Ne an S aalpartig beängſtigende Maſſe vor ſich ſieht; ich kenne die Stun⸗ ein vollgültiges Giro für die unbezahlte Gaſthausrechnung, ein Freud d den des Studiums, der Noth und der Deſperation vielleicht, die unerſchöpflicher Credit für alle Zukunft. 8 ſate in heute ihre Früchte ernten oder einbüßen ſollen; ich ſehe den bie⸗ Arme kleine Agneſe Schebeſt, Du haſt um ſolch einen Seo dr). Pan 9 der Ka 1—O—V————C—QOQ—OQCQ—CQ—CQOBQC—ęQ—/ñ—/—CQ———————————— 1 —


