—————
160—
D
auf der Bruſt. en nahm er und zog ihn an, ſetzte auch einen Hut auf, der dazu gehörte, und ging dann hinunter in den ſchönen Gar⸗ ten hinterm Schloſſe, bis es Nacht wurde. Darauf ging er wieder in das Schloß, ſuchte ſich eine ſchöne luftige Schlaffammer und ging zu Bette.
Am andern Morgen, ſobald es zu dämmern anfing, ſtand er auf, ging zu dem Brunnen im Hofe, badete und wuſch ſich darin, kleidete ſich wieder an und begab ſich zu dem ſchönen Kopfe, der auch ſchon wachend auf ſeinem Bette lag und ihm einen guten Morgen wünſchte. Als er aber den Kopf in ſeine Hände nehmen wollte, um ihn hinunter zu tragen, ſagte derſelbe:„Warte noch einen Augenblick, denn ich habe Dir noch was zu ſagen.“ Da trat er zurück und der Kopf fuhr fort:„Wenn Du mich nun hinunter und zu dem Brunnen trägſt, ſo wirſt Du allerlei Stimmen und böſe Reden hinter Dir hören, die Dich hindern wollen, das gute Werk an mir zu thun. Die kommen von böſen Geiſtern, welche durch Wirkung des Teufels, der mit dem verzauberten Wolf in Bündniß ſteht, deshalb geſendet werden. Was ſie aber auch reden mögen, hüte Dich, höre nicht dar⸗ auf, antworte ja nichts und ſieh Dich nicht um, denn ſonſt lüäſſeſt Du mich fallen und alles, was Du an mir thuſt oder gethan haſt, iſt vergeblich und hilft mir nichts.“ Da ſagte der gute Geſell, er wolle ſich gewiß nicht danach umſehen, nahm dann den ſchönen Kopf vorſichtig auf ſeine beiden Hände und trug ihn hinaus.
Wie er aber nun ſo mit dem Kopfe durch die prächtigen Zimmer und Säle ging, hörte er hinter ſich ein Rauſchen und Wispern von vielerlei Stimmen, die immer lauter wurden, je weiter er kam, und ihn neckten und verhöhnten und über den Kopf der Königstochter die ſchandbarſten Reden führten, ſo daß es ihm vor Zorn und Ingrimm darüber ganz heiß im Herzen und vor der Stirne wurde. Und als er die hohe breite Treppe herabſtieg, kamen ſie ſo dicht hinter ihn und ihre Läſterreden wurden ſo greulich, daß ihm vor den Augen die Tritte durch einander gingen und er wäre beinahe geſtrauchelt und hinunter gefallen. Doch nahm er ſich zuſammen, biß die Zähne auf einander und kam glücklich hinab. Im Hofe aber ſchrieen die Teu⸗ felsſtimmen ſo entſetzlich laut, ſo abſcheuliche Reden und Scheltworte und ſo dicht an ſeinen Ohren, daß es ihm die größte Ueberwindung koſtete, ſtillzuſchweigen und ſich nicht umzuſehen, und er hätte es doch nicht gekonnt, wenn er ſeine Augen nicht immer feſt auf den Kopf gerichtet und an das gedacht hätte, was er mit demſelben vornehmen ſollte. So aber gelang es ihm, ſtillſchweigend und ohne ſich umzuſehen, glücklich bis an den Rand des Taufbrunnens zu kommen, und ſobald er den Kopf hineintauchte, hörte er es hinter ſich wie das Flügelrau⸗ ſchen vieler wegfliegender Vögel und es ward ganz ſtille. Da ſam⸗ melte er ſich zu ſeinem Werke, badete und wuſch den ſchönen Kopf auf das lindeſte und ſäuberlichſte, trocknete ihn vorſichtig wieder ab, und als er ihn wieder in das Schloß trug, ging die Sonne auf.
Da er ihn nun wieder hinaufgebracht und in das Himmelbett gelegt hatte, ſagte der Kopf:„Das haſt Du wohl gemacht, mein lieber Geſell! So halte Dich ferner gut und es wird Dir reichlich gelohnt werden. Auch die Kleidung gefällt mir, die Du Dir ausgeſucht haſt. Darin gehe und hole Dir Dein täglich Brot, wie Du geſtern gethan. Dann aber ziehe Jägerkleidung an, nimm Jagdgeräth und geh in den Wald zur Jagd auf die böſen Wölfe und Raubthiere. Und wenn Du zurückkehrſt, ſo waſche und reinige Dich, kleide Dich um und komm wieder zu mir.“ = Das verſprach der junge Schmied und beabſchiedete ſich. Nun ging er in die Kapelle, betete ſein Vater Unſer und erhielt wiederum, wie geſtern, ſein täglich Brot. Darauf begab er ſich in die Kleider⸗ kammer und legte Jägerkleidung an, holte ſich Jägerwaffen aus der Waffenkammer, und ging vom Schloſſe über die grüne Wieſe in den dunkeln Wald. Er mußte aber zwiſchen Bäumen und Büſchen lange bergauf und bergab ſteigen, bis er in den Gründen zwiſchen den Fel⸗ ſen etliche Wölfe auffand; die flohen aber nicht vor ihm, ſondern ſie wandten ſich gegen ihn, ſtellten ſich auf und nahmen den Kampf an. Der junge Geſell fürchtete ſich nicht. Er ſtieß und hieb mit ſeinen Waffen wacker auf ſie ein, und der Streit währte lange. Als aber die Sonne ſchräg in den Wald ſchien und es gegen Abend kam, hatte er die Hälfte des Haufens erlegt und getödtet, die andere Hälfte war mit Geheul davon gelaufen. Da dachte er, daß es Zeit ſei, nach dem Schloſſe zurückzukehren, und das that er auch und eilte, damit er die Stunde nicht verſäumte. Auch kam er noch zur rechten Zeit an, kleidete ſich bald um, und begab ſich dann wieder hinein zu dem
D
ſchönen Kopfe. Dem mußte er nun zuerſt erzählen, was er auf ſei⸗ ner Jagd ausgerichtet habe, und dann erzählte ihm der Kopf allerlei Schönes und lehrte ihn viele gute und tapfere Dinge, bis es Zeit war, daß er zu Bette ging. Das that er denn auch; aber durch Kraft deſſen, was er am Morgen in der Kapelle gegeſſen und getrun⸗ ken, hatte ihn den ganzen Tag weder gehungert noch gedürſtet.
Wie er es nun an dieſem erſten Tage gemacht hatte, ſo that er es ehrlich und treu alle Tage. Jedesmal aber, wenn er den ſchönen Kopf badete und wuſch, wuchs zu demſelben ein klein Stück des Leibes hinzu, ſo daß die Königstochter ganz langſam und allmälich alle ihre Glieder wieder bekam. Dabei wurde auch das Höhnen und Läſtern der böſen Geiſter hinter ihm, wenn er ſie zum Brunnen hinabtrug, immer ohnmächtiger und ſchwächer. Je mehr er dann aber auf ſei⸗ nen Jagden im Walde von den wilden Wölfen und Raubthieren tödtete, deſto grimmiger und wüthender wurden die noch übrigen, ſo daß ſie oft in ganzen Scharen auf ihn loskamen und auf ihn biſſen und riſſen, und wenn auch kein Tag hinging, daß er nicht etliche von ihnen tödtete, ſo wich er doch ſelten aus dem Streit, ohne übel zer⸗ biſſen und verwundet zu ſein. Dann aber wuſch er ſich aus dem Brunnen im Schloßhofe, und ſogleich waren die Wunden wieder ge⸗ heilt und ſein ganzer Leib geſund. Königstochter zubrachte, hörte und lernte er ſo vieles Gute und Treff⸗ liche, daß er nach und nach ein ganz vollkommener feiner Ritter wurde.
Das währte drei Jahre lang und an den ſchönen Kopf der Königstochter war nun ſchon der allerſchönſte Leib angewachſen, und es fehlte ihm nur noch ein ganz klein wenig an der großen Zehe, da ſprach ſie zu ihm:„Sage mir, lieber Geſell, wie viel Wölfe ſind noch im Walde?“ Er antwortete:„Drei.“ Sie ſpracht„Sage mir weiter,
D
wie ſehen ſie aus?“— Da ſagte er:„Der eine iſt ganz groß mit
grimmigen Funkelaugen, der zweite iſt klein und greis aber klug, der
dritte iſt ſchlank und ſehr behende.“— Sie ſprach:„Das iſt der böſe Heidenkönig mit ſeinen beiden Feldherren. Dieſe Drei mußt Du heute noch erſchlagen, damit ſie nicht übrig bleiben, denn morgen wird mein letztes Bad ſein, da hab' ich Leib und Glieder ganz wieder erhalten und der Zauber iſt zu Ende.“— Da antwortete der gute Geſell, das wolle er thun und es wäre ihm lieb, daß er ſein Werk vollendet hätte, denn nun ſeien die drei Jahre ſeiner Wanderſchaft um, und als ein gehorſamer Sohn müſſe er nun wieder zu ſeinem Vater und ſeiner Mutter zurückkehren. Dann machte er ſich fertig zur Jagd und ging in den Wald hinaus.
Im Walde traf er auch alsbald die drei Wölfe, die gleich mit großer Kraft und Grimmigkeit über ihn herfielen. Weil er aber in der Haſt vergeſſen hatte, in der Kapelle erſt ſein täglich Brot zu er⸗ bitten und zu nehmen, ſo fehlte ihm bald die Kraft in dem Kampfe, und derſelbe währte ſehr lange. Zwar gelang es ihm, die Wölfe alle drei ſchwer zu verwunden, aber ſie zerfleiſchten ihm Arme und Beine, daß das Blut überall an ihm niederfloß und die Sonne ging bereits unter, ehe er ſie endlich mit ſeinem ſcharfen Fangmeſſer alle drei erlegt hatte. Ueber dem harten Streite hatten ſich alle andern Thiere des Waldes umher verſammelt und zugeſehen, und das war ein Glück, denn als die drei Wölfe todt dalagen, lag der junge Ge⸗ ſell ganz zerriſſen und ohnmächtig in ihrer Mitte und wäre gewiß geſtorben, wenn nicht gleich der alte Zottelbär hinzugekommen wäre, ihn auf ſeinen Rücken genommen hätte, wobei ein Paar Hirſche mit ihren Geweihen halfen, und ihn nach dem Schloſſe getragen hätte, wo er ihn am Thore niederlegte. Von dort kroch der Geſell unter großen Schmerzen auf Händen und Knien zu dem Brunnen, und fing an ſich zu waſchen. Da ſchloſſen ſich ſeine Wunden zu und die Schmerzen hörten auf, und er war wieder bald ganz heil und ge⸗ ſund, aber ſehr matt und ſchwach, hungrig und durſtig. Das ver⸗ ging auch nicht eher, als bis er noch in die Kapelle gegangen war und dort um ſein tägliches Brot gebeten, daſſelbe auch empfangen und genoſſen hatte. Weil es aber zu ſpät war dir. Königstochter zu gehen, ſo legte er ſich llta zu Wet neih z der Die Königstochter konnte die ganze Nacht nicht ſchlafen, weil ſie fürchtete, daß dem guten Geſellen im Walde etwas Schlimmes wider⸗ fahren ſei. Um ſo größer war ihre Freude, als er am andern Mor⸗ gen ins ſängenn ſchönen weißen Sammetkleide eintrat und ihr erzählte, die es ihm geſtern rrSangen jeie Dann ließ ſie ſich zum letzten Mal, in eine geſtickte ſeidene Decke eingeſchlagen, von ihm in den Hof an den Brunnen tragen, und kaum hatte er ſie in das Waſſer hineingetaucht, ſo wuchs auch das letzte kleine Stück an der großen
In den Stunden, die er bei der
———


