LLeihbibliothet dentſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 6dnard Ottmann in Gieſten, 9 Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. geih und Ceſebedingungen. 1. Ofensoin pfangnahm und 7 Uhr 2. Lesepreis. jedem Tag 5 Pf. en angenomme 3. C51 ion. 1 . ſ bis Abends 8 Uhr offen. hekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme Bihliothek. Die Bibliorhet ſteht zur Em⸗ Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von Lezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ eines Buches, eine dem hinterlegen, welche bei B. wird. 1 Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: 2 für wöchentlich ABücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: F 1 M. 50 Pf. 2 W. Pf. „ 8 3 5 zuswäriige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung Werthe deſſelben entſprechende Summe veſſen Zurückgäbe von mir zurückerſtattet der Bücher auf ihre eigenen 6. 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Die Scene iſt ein Landhaus⸗ — — — Erſte Scene. „ Ida cam Feuſter.) De Stunde iſt nicht fern, noch ſaͤumt der faule Wite Ach, blieb' er doch nur aus! — Fürwahr es iſt recht bitter, Wenn man der Maͤnner Treu' auf Proben ſtel⸗ len m uß! Doch ſpart mir dieſer Schritt viel großeren Verdruß Die Männer und das Gold ſiud, leider! heut zu Tage Sehr rar, und federleicht, legt man ſie auf die Wo iſe die goldne Zeit, — die, ach! zu ſchn ell entſchwand — Wo noch der Treue Schwur den Mann von Ehre band? Sonſt blieb dem Gold der Rand, es hielt der Mann auf Sitten, Doch nun betrügt der Mann, das Goldſtück wird beſchnitten. Zweiter Auftritt. Frauz. Ida. Franz. Hier bin ich zu Befehl, und alles iſt bereit. Doch werd' ich „ gnäd'ge Frau, baraus noch nicht g geſcheut. Wozu das Rendez -vons in dieſer öden Klauſe? Se ſprechen den Gemahl viel leichter ja zu Hanſe. Vernimm, was ich Dir, mit Bedacht, verſchwieg. Krieg, nie fehlen. Will ſolch ein Haustyrann ſein armes Weib⸗ chen qualen? Es wird mein Gemahl von Eiferſucht ge⸗ plagt, Die, wie ein böſer Wurm, an meiner Ruhe nagt, Und, was am ſchlimmten ſt⸗ man hat mich unterrichtet, Daß er ſich ſerbſt erlaubt, was er mir ange⸗ dichtet; Daß er die Treue bricht, und gern verbotne 5 Frucht, Ich führ' als klnge Frau mit meinem Manne Und zwar nach Weiberart, mit Waffen, die — ½ Verſtohlen und geheim, in fremden Gärten ſucht. Hier gilt es Bit fuͤr Liſt. Solch graßliches Verbrechen 631 Muß eine brave Frau mit aller Strenge rächen. Franz⸗ Der arme Herr Major, es wird ihm ſchlecht ergehn! Ich ſeh' ihn ſchon verdutzt vor ſeinem Richter ſtehn. Idg. Er iſt hieher gereiſ't, zu ſeiner kranken Tante. Nun ſchreibt, ganz unverhofft, mir meine Gou⸗ vernante, Die hier ſeit Jahren wohnt, daß hier mein Herr Gemahl Ein lockres Leben führt, und kurz, daß Herr von Thal Nach jeder Schurze läuft, indeß in ſeinem Schreiben Er ſtets von Dreue ſchwatzt, und wie ſein lan⸗ ges Bleiben In dieſer kleinen Stadt ihm unertraͤglich iſt, Wie er nach mir ſich ſehnt, und nimmer mich vergißt. 6 Franz⸗ Was weollen Sie denn wehr? Er hat in nur geſchrieben, Daß er Sie nicht vergißt, und ihnen treu ge⸗ blieben⸗ 12 —————— Ich kenne manchen Mann, der ſeine Frau be⸗ trügt, 5 Und wenn's zur Sprache kommt, viel unver⸗ pr 0 0 ſchämter luͤgt. Ida. Ja leider iſt das Weib zum Spiel des Manns erkohren; Das Lügen ward den Herrn ſchon gleichſam angeboren. Doch duld' ich nimmermehr, daß man mich Vermſte plagt, 5 Indeß man ohne Scheu nach jeder Dirue jagt. Drum hab' ich auch ſogleich zur Reiſe mich entſchloſſen, 3 Und Dich mir ausgewählt 4 treuen Kampf⸗ genoſſen. Zum guten Glücke fand ich dieſes Gartenhaus; Hier ſind wir ungeſtört. Gewiß bleibt er nicht aus. Zu einem Péte — à — téte hab' ich ihn her⸗ beſchieden. Gelingt mir meine Liſt, ſo wird mir fünftig Frieden. Die Masken ſind gewahlt, geordnet iſt der Plan; Sobald der Ritter kommt, geht meine Rolle 3 an. * Dn ſollſt als Secundant mich trenlich unterſtüt⸗ zen, 13 8 Erreich' ich dieſes Ziel, ſo wird auch Dir es nützen. 3 In meinem Teſtament verſchreib' ich Dir zum Lohn, Wenn Du Dich klug benimmſt, ſtracks eine Pen⸗ ſion. Franz. * Ich bin ein alter Knab' und kann nicht lange leben, Drum dächt' ich, gnäd'ge Frau, viel beſſer wär's, Sie gäben, Was Sie mir zugedacht, mir noch bei Lebens⸗ zeit, So ſind Sie doch gewiß, daß mich Ihr Tod nicht freut. Ida. Es mag drum ſeyn. Du kannſt auf meine Großmuth bauen, Wenn Du mir treulich dienſt. Zwar ſollt' ich Dir nicht trauen, Da ich ſehr gut es Du ein Gauner biſt, Der nur von Raͤnken lebt, zu allem fähig iſt — Franz. Wozu die Schmeicheley! — Sie haben mich zeſr Ich gab mein Ehrenwort, das ich noch nie gebrochen; —— ——— 14 Auf graden Wegen nur glitſch' ich zuweilen aus; Doch ſind ſie krumm, wie hier, da bin ich wie . zu Haus. Es iſt für's liebe Geld mir alles feil hienieden; Doch hat man mich bezahlt, ſo kaß ich auf mir ſchmieden. Ida. Es ſoll Dich nicht gereu'n. Nun iſt's die höch⸗ ſte Zeit. Ich geh' in's Kabinet, und halte mich bereit. Sobald der Sünder kommt, wird Nachricht mir gegeben, Auf daß er vor Gericht, mit Zittern und mit Beben, Den Lohn der That empfangt, die laut um Rache brullt, Und ſeiner Sünden Maas zum Ueberlaufen füllt, (ab.) Franz. Ich fürchte, gnäd'ge Frau, Sie wollen Mohren waſchen. — Es ſchmeckt uns gar zu ſüß, verbotne Frucht zu uaſchen. Zwar iſt es nicht ganz recht, doch iſt es ein⸗ mal ſo, 15 Im Wechſel nur allein wird man des Lebens froh. Doch in ein böſes Spiel hab' ich mich einge⸗ taſſen. Mit Herrn vom Militär iſt pft nicht gut zu ſpaßen. Ich ſoll dem Herrn Major, mit Gunſt, ein Naäschen drehn; Zwar will die gnäd'ge Frau mir gut für alles Doch hat erſt Arm und Bein er, ohne viel zu fragen, Im Augenblick der Wuth mir braun und blau geſchlagen, Was hilft mir dann der Schutz, der mir ver⸗ ſprochen iſt? Dem Schuld'gen wird verziehn, beſeitigt jeder * Zwiſt; Sch armer Teufel muß die Zech' allein bezah⸗ len, und darf am Ende gar mit meiner That nicht prahlen. Das iſt der Lauf der Welt. — Geprügelt ward ich zwar Mauch liebes Mal umſonſt; hier gilts ein Honorar! Orum will ich frohen Muths es dießmal auch noch wagen, was mir Gott beſcheert, als frommer Chriſt ertragen. Doch ſtill. Ein Pferd? (am Fenſter) Er iſi's!; Nun muthig, lieber Fhn Es zicht der Feind heran, dir blüht der Sie⸗ geskranz! ——————— und kriegſt du Schlage auch, das hat nicht viel zu ſagen, Genug, wenn's dir gelingt, ihn aus dem Feld zu ſchlagen. Vierter Auftritt. zu Major. Franz. Major (hinter der Stene.) He! Holla! Niemand da? N Franz. O weh mir armen Tropfl Es ſchent der gnaͤd'ge Herr ein wahrer Brn, ſekopf. Major (wie vorher.) ſa Verdammt, was iſt denn das? Kein Men ſie laßt ſich erblicken. i Franz⸗ Das Fluchen geht ſchon an. Gott gnade m nem Rücken. 5 Major (eintretend.) Ich bin doch kein Geſpenſt, vor dem ein jeder weicht! 5 (Franz erbrickend.) Da ſteht ja ſo ein Ding, das einem Menſchen d gleicht. Heda, mein guter Fieund! Gebörſ, Du hier in's Haus? Franz. zu dienen, gnäd'ger Herr. (vei Seite) Der ſieht 8 8 ( recht grimmig aus. Major. zch bin Major von Thal. Franz. Sie ſind uns ſehr willkommen. 1 Major. has habe beim Empfang ich gar nicht wahr⸗ genommen. 5 läßt den werthen Gaſt nicht vor der ſt. Thüre ſtehn; 5 5 bei mir der Brauch, entgegen ihm zu gehn. n Franz. ſerzeihung, Herr Major, das war ſehr wohl erwogen. 1* B . — 18 Der Diener ganze Schaar iſt nach der St⸗ gezogen, ogen, Die gnäd'ge Frau 3 Geigt auf ſich Franz Wo man jetzt Meſſe hält. Verblieben ganz allein. Die Fran von Bluͤtenkranz 4 Franz. Iſt meine gnad'ge Frau. Sie ſtirbt faſt WVerlangen, Den lang erſehnten Gaſt nach Würden zu 6 pfangen. Ich weiß, wie mir es geht, wie mich Sehnſucht trieb. Es iſt mein braver Gaul mir über alles lielt Doch ließ die Ungeduld mich heute nicht k ſchonen. 2 — Franz⸗ Es wird die gnäd'ge Frau das Opfer Ih Major. Gewiß, mein Freund? S Gewiß. O ſie verſteht ſich di 19 St⸗ Major. Warum erſcheint ſie nicht. Geh', mich zu mel⸗ n den. Lauf! Franz. Ich bitte um Geduld. Sie iſt im Kabinette, — Und ſitzt ſeit einer Stund⸗ an ihrer Toilette. Bei ſolchem Hauptgeſchaft iſt man nicht gern geſtoͤrt. t Major⸗ 1Du ſiehſt, wie mich beinah die Ungeduld L zehrt, Und zögerſt noch, mein Freund? er 8 * Franz. lich Das geht mir ſehr zu Herzen; eDoch kann ich anders nicht. Man darf mit ihr nicht ſchetzen, Sie iſt nach Weiberart von heftiger Natur. * 6 Major. Jn Zehn ward ich beſtellt, ſieh doch nach Dei⸗ ner Uhr, „ iſt ſchon längſt vorbei. Franz. und hätt' es Zwölf geſchlagen, dier Putz geht allem vor. Major (für ſich.) O weh mein armer Magen! (laut.) Man hat zum Frühſtuͤck mich auf heute invidirt, Nnn hab' ich längſt etwas von Appetit verſpürt. Drum ſey ſo gut, mein Freund, und melde mich bei Zeiten, Ich bin i nicht gewohnt, ſo nüchtern auszu⸗ Franz. 6i „ ei! das klingt nicht fein. Mör Ich bin nun einmal ſo, Und ohne Speiß und Brant des Lebens nim⸗ mer froh. Franz. Sie müſſen ſich nun wohl ſchon heute drein ergeben, Ein ächter Seladon muß von der Liebe leben. Verſchwunden iſt gewiß ihr guter Appetit, Sob die guad' ge Frau aus ihrem Zimmer tritt. Major. Iſt ſie denn gar ſo ſchön? Franz. Sie hat nicht ihres Gleichen. 21 Major. Dann wird der Appetit der Zärtlichkeit wohl weichen. Franz. Doch kommt es viel drauf an, daß ſie auch gut gelaunt, Sonſt kann ſie häßlich ſeyn, daß man mit Recht erſtaunt. Major. Ihr Alter? Franz. Zwanzig Jahr, und auch wohl etwas druͤber. Major. Das hor' ich gern, mein Freund, je jünger ge ger, deſto lieber. Franz. In dieſem Punkte ſind die Damen ſelten wahr, Sie bleiben ewig jung, färbt grau ſich gleich ihr Haagr. Major. Und ihr Gemahl? Das iſt wohl eine gute D Der, wenn die Frau befiehlt, zu muchſen kaum ſich traut. Franz. Das kann man wohl von ihm mit gutem Recht nicht ſagen, Denn über Flatterſinn hoͤr' ich nicht ſelten kla⸗ en. Im Punkt der Treue iſt, man behaupten will, Er unbeſtaͤndiger als irgend ein April. (Man hoͤrt klingeln.) Doch horch! Es wird geſchellt. Nun iſt der Putz vollendet. Ein wahres Wunderwerk, daß ſie ſo bald geen⸗ det. Nun muthig, gnaͤd'ger Herr, ich melde Sie ſWri Bald öffnet ſich füͤr Sie der L Liebe' Fuͤnfter Auftritt⸗ — Major (allein.) Das Ding wird intreſſant! die Frau ein holdes Kind, Kaum zwanzig Jahte alt; der Mann ein Sau⸗ ld⸗ Der gottlos ſie betruͤgt. Da kann es gar nicht fehlen, Ich darf zf ſüßen Lohn mit Zuverſicht hier zählen. Gluͤck zu, mein Herr Major! Fortuna 52 — ſt dir hold. Du erbſt, wenn Tantchen ſtirbt, ein hubſches Haͤufchen Gold; Da winkt ein ſchoͤnes Weib, das herzlich dir gewogen, Die ihren Mann betrügt, weil er ſie auch be⸗ trogen. Doch wie, mein guter Freund, wenn deine bra⸗ ve Frau Den Handel hier erfahrt? Sie nimmt es ſehr genau, Das iſt dir wohl bekannt. — Wer wird ſo⸗ gleich verzagen! Wenn man gewinnen will, muß man auch etwas wagen. Laß doch noch einmal ſeh'n. Wo iſt der liebe Brief, Der mich zum Rendez-vons — zuln ſchonſten Weibe rief? — (zieht ein Villet hervor W* „Herr Major! Der Ruf Ihrer Vorzüge iſt bis in meine Einſamkeit gedrungen, und erweckte bei mir den lebhaſten Wunſch⸗ Ihre Bekanntſchaſt zu machen. Mein Mann reiſtt heute nach der Hauptſtadt. Wollen Sie mir die Ehre geben, morgen mit mir zu fruͤhſtücken, ſo treffen Sie mich um 10 Uhr allein auf meinem Landhauſe, das wan der Steihauer Straße liegt. Die Er⸗ füllung meiner Bitte giebt Ihnen volles Recht auf meine Erkenntlichkeit. Kommen Sie ja, lieber Major, denn Sie werden mit Sehnſucht erwartet von Ihrer ergebenen Roſa v. Blütenkranz.“ Welch allerliebſter Styl, ſo deutlich, ſo correct. Man merkt es ohne Müh', was man damit bezweckt. Zu einem Anſternſchmaus hatt' ich mich zwar verſprochen, Doch hab' um ſolchen Preis ich gern mein Wort gebrochen. Wo weilt das ſüße Es muß ein Engel eyn, In friſcher Jugend-Pracht, nicht groß und auch nicht klein. Ein ſchlanker Korperbau, mit Liebreiz übergoſſen, Die uͤppige Geſtalt von Götterglanz umfloſſen⸗ In dichten Locken fällt das blonde Seidenhaar, Und viel verſprechend ſtrahlt der Augen Ster⸗ nenpaar. Ich halt's nicht länger aus, ich brenne vor Verlangen, In ſel'ger Trunkenheit die Huldin zu umfangen. (Wil in's Kabinet.) „ Sechſter Auftritt. Major. Ida und Franz (aus dem Kabinet.) Ida in einem altmodiſchen Caricatur „Putz, friſirt, die Haare in's Geſicht gezogen, welches ſehr mit Schminkpfläſterchen uͤberklebt iſt, eine Brille auf der Naſe. Major Guatraten) Was Teufel iſt denn das? Ida. Willkommen, Her Maiot. Franz (zum Major.) Das iſt die gnäd'ge Frau. Major cfr ſich.7 Kaum trau' ich meinem Ohr! (laut) Wie Sie — Sie ſind — 2 — Id a. Ich bin's. Die Liebe hat bezwungen Mein armes ſchwaches Herz, das lang um⸗ ſonſt gerungen, Und endlich unterlag der heißen Leidenſchaft, Die meine Bruſt durchglüht, mit unnennbarer Kraft. M ajor (bei Seite.) Vermaledeiter Streich! O znerhorte Sache! Statt eines ſchönen Kinds erſcheint ein alter Drache. Ida. Warum ſo ſtill, mein S Sind Sie nicht auch erfreut, Da ſuͤßen Minneſold die Liebe lohnend beut? Major (gezwungen.) O ja, ich bin entzuckt! Idg. Doch iſt in Ihrem Weſen Auch nicht die kleinſte Spur von Zärtlichkeit zu lefen. Major (verlegen.) Es hat das ſiln Glück — Faſſung mir ge⸗ ranbt. Nicht wahr, mein ſüßer Freund, Sie hätten's nie gezlaubt, Daß eine Frau ich, in ihren beſten Jahren, Die, was die Liebe gilt, ſchon manches Mal erfahren — Major (fär ſich.) Das glanb' ich ihr auf's Wort. 4— * „ 3 Ida⸗ Es iſt nur zu bekannt, Daß ancher 2 Mann vor mir ſich ſchon im Staube wand. Major ffuͤr ſich.) Das 6 wohl lange her? Ida. Ich bin denn nicht von Eiſen, ume einem ſchönen Mann die Thüre gleich zu weiſen. So hat, Parole donneur, zu meinen Füßen ſchon Gewinſelt und geſeufzt die ganze Garniſon. Man iſt von Fleiſch und Blut, man hat denn auch Gefühke und wird nur gar zu leicht der Lei idenſchaft zum Spiele. Doch liebt' ich meiſtentheils nur Herrn vom Militär, Denn einer Uniſprm zu widerſtehn iſt ſchwer. Franz (teiſe zum Major.) Erkennen Sie Ihr Glück? Major Ceiſe.) Halt's Wir⸗ verdammter Binzet. noch immer Fn, mein lieber ſ iß er Engel? (ergreift ſeine Haud.) Major (tei Seite.) D weh „nun ruͤckt ſie an! (aut) Die Frende — und — das Glück — c„ 4 8 Ida. Richt wahr, mein kieber Schatz, Sie preiſen Ihr Geſchc2 Major (tei Seite.) 8 Wie Sie die Hand mir druckt. Laut) Ich kann nicht Worte finden — Ida. Die Lippe ſchweigt, doch was die Blicke mir verkunden, Bezenget das Gefuͤhl der tiefbewegten Bruſt Und fuüllt mein bebend Herz mit namenloſer Luſt! Major (leiſe zu Franz.) Iſt das die i Fran, die Du mir angekuͤn⸗ det? Fränz deben ſo.) Die üble Laun' iſt Schuld, in der ſie ſich be⸗ . Doch nun „mein treuer Franz, bring' uns das Frühſtuͤck her. — „ Major (fär ſich.) Das war das klügſte Wort, das ſie noch ſprach bisher. Franz. Sogleich! (ab.) Ida. Mein Herr Major, ich mag es zwar wohl leiden, Wenn ſich ein ſchöner Mann verlegen und be⸗ ſcheiden Der Auserwählten naht; doch muß die Blö⸗ digkeit, Soll ſie von Wirkung ſeyn, verſchwinden mit der Zeit. „Gleich machen Sie es gut, und küſſe en Sie behende, Wie ſich's bei Damen ziemt, mir meine bei⸗ . den Hände. Major (fär ſich.) Verdammter Einfall das! Wie komm' ich hier S los Nun wird es bald, mein Herr? Major. Ich bin — ich wollte blos — 50 J3 Vom Wollen iſt hier nicht, Handeln nur die Red Pi donc! ein Ofſßier, und ſo erbärmlich blode. Noch haben Sie die Hand mir immer nicht ge⸗ küßt. Vernehmen Sie, mein Herr, daß mich das ſehr verdrießt. Ein ächter Elegant thut ſolches ungeheißen. Ma j r (Efur ſich.) Ein ſaurer Apfel iſt's, in den ich da muß ßen. Id 5 Nun? * Majr or (rüßt ihr mit Ueterwinduns die Haut. ) Ida. So. (hort die andere Hand hin) Run, diſe auch. Major. O weh! (thut es.) Ida. Nun mag's drum ſeyn. Major (für ſch.) Verwünſchte Zärtlichkeit! Das ſchmeckt wie ſau⸗ rer Wein. Franz Cbrlngt einen bteinen Tiſch, auf welchem eine Von⸗ teite Waſſer, zwei Gläſer und ein Teller mit Zuckerbrod ſtehen.) Ida. Da kommt das Frͤhſtück ſchon. Sie müſſen ſich beguemen, * D MVit einer magern Koſt bei mir vorlieb zu neh⸗ men. Mein Magen iſt ſo ſchwach, daß er kein Fleiſch vertraͤgt, Drum hat der Doktor mir das Faſten aufer⸗ legt. Ich darf blos Zuckerbrod in klares Waſſer tau⸗ chen, Und muß gleich hinterdrein mein Elirir gebrau⸗ chen Erblick' ich Aermſte nur ein anderes Gericht, So werd ich todeskrank und kriege meine Gicht.⸗ Chat ſich geſe .) O nehmien Re doch Platz, und thun Sie wie Viel lieber ſitz' ich hier, gls bei dem fettſten Schmauſe. Major (fär ſich.) Erſt quaͤlt das Ungethum mit Zärtlichkeit mich obt, Und regalirt zuletzt mich gar mit Zuckerbrod. 2 Doch muß zum boͤſen Spiel ich gute Miene achen, Sonſt komm' ich nimmer los Lon dem verlieb⸗ ten Drachen. (ſetzt ſich.) Ida Ghm Zuckertrod vorlegend.) Ich lege Ihnen ſeibſt mit eignen Haͤnden vor. Franz. um ſo viel beſſer ſchmeckt's. Nicht wahr, mein Herr Major? Major (für ſich.) Nun hat der Galgenſtrick mich obendrein zum Beſten. Sdan Schon mancher aß bei mir, doch unter allen Gäſten War keiner mir ſo werth. — Major. Die gnäd'ge Frau verzeih'n, Zum trocknen Zuckerbrod gehört ein Glaschen Wein. Es bellt mein Magen laut, ich bin noch völlig nuͤchtern. Sie haben ſelbſt bemerkt, ich waͤr' auch gar ſchuͤchtern; 7 Drum ſieh' ich jetzt nicht an, und ſag' es frank und frey, 4½ * Daß mir ein Glaͤschen Wein ganz unentbehr⸗ lich ſey. Ida. Was thun Sie, Herr Major? Franz Ceiſe.) Ich bitte Sie, mit Thränen, Daß Sie mit keinem Laut des Weines mehr erwähnen. Denn bei dem bloßen Wort ergreift die gnäd'⸗ ge Frau Ein böſer Magenkrampf, und färbt ihr Antlitz lau. Major Ceiſe.) Ich kann zum Teufel doch nicht pures Waſſer trinken? Franz ceren ſo.) Sie wird, wenn Sie's nicht thun, ſogleich vom Stuhle ſinken, Maojor (fär ſich.) Das iſt, beim Element, doch gar zu viel be⸗ gehrt! Ida. Von meinem Zuſtand hat Sie Frauz nun wohl belehrt. Es muß ein Cavalier der Weiber Schwächen ſchonen; 3 Die größte Zärtlichkeit wird Sie dafür beloh⸗ nen. Major cfür ſch.) Verdammte Zärtlichkeit! Verwünſchtes Rendez- vous! Ida (ſchenkt ihm Waſſer ein.) Doch nun, mein Seelenfreund, nun langen Sie auch zu. Major (fur ſich.) e O wär' ich in der Stadt beim Auſternſchmaus geblieben. 3½ Welch böſer Dämon hat mich Aermſten herge⸗ trieben In dieß erwünſchte Haus, wo man blos Waſ⸗ ſer trinkt, Mit Zuckerbrod ſich nährt, kein Wein im Glaſe blinkt, Und um den Aufenthalt recht angenehm zu ma⸗ en, Man noch belagert wird von einem alten Dra⸗ (taucht Zuckerbrod in Wäſſer und ißt mit ſichtbarer Wuthr) Ida. An Ihrer Seite ſchmeckt das Frühſtuͤck doppelt gut. Da kann man deutlich ſehn, was doch die Liebe thut! * Es iſt, beim vollſten Tiſch, kein Schlemmer und kein Praſſer Nur halb ſo froh als ich, bei Zuckerbrod und Waſſer. Franz (bei Seite.) Wie er ſo grimmig kaut „voll Aerger und Ver⸗ druß. Ida. Nicht wahr, mein Herzensfreund, im Arm der Liebe muß Man auch bei trocknem Brod ſich froh und ſe⸗ lig fühlen. Im Waſſer ſteckt viel Kraft — Majo r Grgerlich.) O ja, es treibt die Muͤhlen. O Ida. Nicht ſo. Ich meinte nur, wenn Amor es kredenzt; Und Liebe iſt's allein, was mir im Auge glaͤnzt. Doch ohne Zeugen nur iah ſich das Herz er⸗ klären. Drum ſorge, lieber Franz, daß ſie uns hier nicht ſtören, Und wenn ſich jemand naht, verſchließe ſtracks das Thor. Franz Cleiſe zum Mafor.) Schäſerſtunde ſchlägt, Gluͤck zu, mein Herr Major! (4b.) 36 Siebenter Auftritt. Major. Ida. Major (für ſich.) Was will der Taugenichts mit ſeiner Schäfer⸗ ſtunde? Iſt alles wider mich denn heute hier im Bunde? Hat mich das Satanskind noch nicht genug gequält! Ida. Auf Beiſtand und auf Troſt von Ihnen, Theu⸗ rer, zahlt Ein hintergang'nes Weib, und ſucht an Ihrem Herzen Den wohlverdienten Lohn fur unverdiente Schmer⸗ zen. Major. Ich zweifle, gnad'ge Fra „daß ich im Stande in — Ida. Sie ſind es auf mein Wort. Sie ſind nach meinem Sinn. (mit einem Seufzer) Ich habe einen Mann, der iſt, mit einem Worte, ihre Sorte? Ein Mann, wie's viele giebt, man kennt ja Die Herrn der Schöpfung, die, für eigne Feh⸗ ler bünd, Doch fert'ge Richter ſtets fuͤr fremnde Maͤngel ſürd. Indem er mich betrügt, thut er noch i⸗ tig — Major. Was? Eiferſuͤchtig? Er? — Dann iſt es hier nicht richtig. 1 (dentet auf die Stirne.) Idä. Das kann wohl moͤglich ſeyn, oft kommt's mir ſelbſt ſo vor. Ich habe meine Noth mit ihm, mein Herr Major! Trotz ſeiner Schlechtigkeit bleibt er mir dennoch 6 theuer. Verdient ſo treue Lieb' ein ſolches Ungeheuer? Major. Mein Hierſeyn iſt davon doch wahrlich kein Beweis. O ja, mein Herr Major, denn liebt' ich nicht ſo heiß, So hätr ich nimmermehr Sie zu mir . laſſen. Major. Es ſcheint, die guäd'ge Frau beliebt mit mir zu ſpaßen. Id dä. Mit nichtin ſuͤßer Freund. Ich handle conſe⸗ quent, Obgleich im Herzen mir der tiefſte Kummer brennt. Gedulden Sie ſich nur, bald wird der Zwei⸗ fel ſchwinden, Und billig werden Sie, was ich beginne, finden. Major. Gleicht Ihnen der Gemahl an Alter und Geſtalt? — Ida. Es iſt ein ſchmucker Mann, kaum 30 Som⸗ mer alt. Nun ward dem Flattergeiſt die ſchonſte Frau im Lande — Major (ironiſch.) Das muß der Reid geſtehn! da. Doch macht er mir die Schande, Und betet neben mir auch andre Weiber an. Major (vei Seite.) Das haͤtt', an ſeiner Statt, ich wahrlich auch gethan. 59 Ida. Ein junges fades Ding führt ihn am Gaͤn⸗ gelbande, Zum groͤßten Gluͤcke iſt das Dämchen doch von Stande; In unſrer Reſidenz lebt ſie mit ihrem Mann, Von dem man leider auch nichts Gutes ſagen 3 kann. Der iſt verreiſſt. Kaum hat's mein Schmet⸗ terling vernommen, Als er auch ſeinen Weg zur Stadt ſogleich ge⸗ nommen. Major. Und läßt die ſchhnſe Frau im Lande hier al⸗ lein. . Ida. Ich brin g' es, auf mein Wort, dem Ungetreuen iit Sie ſollen mich, mein Freund, an dem Bar⸗ baren raͤchen. Major. Von S8* harten Pflicht bitt' ich mich frey zu ſprechen. Ida. * Ich rale das Portrait der Dame, die er lebt, um derentwillen er ſein gutes Weib betrübt. Sie ſollen, Holder, ſelbſt mit eignen Augen ſehen, Ob ſie es wohl verdient, im Wege mir zu ſte⸗ hen, Mir, die ihm ſtets ſo tren und ſo ergeben war, Und die er ſo betrübt, der ſchändliche Barbari Major. 30 1 Sehr leicht ward's Ihnen wohl, der Treue Schwur zu halten. Sie ſchirmt ein maͤcht'ger Schild (ei Seite) von Runzeln und von Falten. Ida. Wenn man ſo ſchaͤndlich ſich vom Mann be⸗ trogen ſieht, Was Wunder, wenn uns dann das Herz zu Andern zieht. Ich bin kein kleines Kind „hab' manches ſchon erfahren — Major. Das zeigt der erſte Blick. Ida. 5 Und muß in meinen Jahren Mich aufgevpfert ſehn! Und wem? Ich bitte Sie, Verkohnt ein ſolch Geſicht wohl nur der klein⸗ ksiebt ihm das Portrait.) 41 ——— Majoe Wie Was Was iſt denn das? Ich ſeb' e recht? beim Teufel, Das Bildniß meiner Frau! Sie iſt's, es bleibt kein Zweifel! Ida. Ve fehtt es, lieber Freund, was macht Sie „3 denn ſo w Ma. auf welche Weiſe kam in Shr Han dieß Bild2 da. In meines Mannes Schrank ſand ich es die⸗ ſen Morgen. Ich wußte lange ſchon, daß er es dort ver⸗ borgen. Mnior. Wer Teufel aber hat es Ihnen denn geagt⸗ Daß dieſe Frau es iſt, die er zu lieben wagt? Ida. Sein eeet ſteht ſchon Längſt in mei⸗ nem Solde, Er hat ſein ganz Vertraun, und iſt ein Freund vom Golde. Sie nennt ſi Sro von Thal, Jie Sie, mein Herr Major, 42 Ihr Mann iſt Offtier⸗ und dient bei Suen Chor. Er iſt ein Sau ſihinb ein Lügner, ein Ver⸗ räͤther — Major (erzuͤrnt.) Genug von ihm⸗ Wnag⸗ denn'kurz und gut, hier ſteht er. „ Ida. Wie? Was? er wären's ſelbſt? O unver⸗ hofftes Glück! trau⸗ ich meinem Ohr, kaum glaub' ich meinem Blick! Njor, gemeinſchaftliche Sache, 2 Wir baben einen zweck „er heißt: gechr Rache Ja, rächen will ich mich, ich ſchwöres bei al⸗ en Teufeln! Hier hab' ich den Beweis und kann nicht län⸗ ger zweifeln. Es ʒittre meine Frau ſo gut wie Ihr Gemahl, Denn ſolchen S ertrug noch nie ein Herr von hät Ida. 1 * 15 er finden, Ich firchte, Pw, negn Sie den Freb⸗ 43 So wird nur allzuſchnell der Rache Luſt ver⸗ . ſchwinden. Major. Verſchwinden? Nimmermehr! † Ida. Vergeſſen Sie, guch mir, Die ungetreue Frau. Erſatz beut Ihnen hier Ein liebevolles Hetz. Major. Ich dauke fuͤr die Ehre. Sie bieten einen Tauſch, der gar zu wäre. Sie weiſen mich zuruͤck? Bedenken Sie, mein Schatz, Daß Sie mein Schuldner ſind Ich heiſche kuͤhn Erſatz. Es wurde mir mein Mann von Ihrer Frau ent⸗ wendet, Von Ihren Reizen ward mein armes Herz ver⸗ blendet, Drum muͤſſen Sie nun auch, es koſte was es will, vi lieben, ſüßer Freund! Major. 2 O ſchweigen Sie ſit. Mit dieſem faden Scherz! Sie wollen ſich erkühnen, NRich Vermſte zu verſchmähn? — Gleich kom⸗ men Sie und ſühnen Die Schmach mit einem Kuß. Major. Drauf thun Sie nur Verzicht, Denn alte Weiber kuͤßt man hier zu Lande nicht. Ida. Ich hoffe nimmermehr, daß mit dem alten Weibe Sie mich gemeint? Geſchwind. (wik ihn mit Gewalt kuͤſſen.) Major. Bleib, Satan, mir vom Leibe! (ab.) Achter Auftritt. Ida (alein.) (ihm nach.) Geliebteſter Major! — Er hört mich nicht, und rennt In voller Haſt davon, als ob der Kopf ihm brennt. Das nehme der Patron fur's erſte ſich zur — —— ————,————— — 45 Damit er fremdes Gut in Zukunft nicht begehre.— Doch hab' ich meinen Plan zur Haͤlfte nur erreicht, Für ſolchen Frevel iſt die Strafe viel zu leicht. Beſchämt muß er vor mir als armer Sünber ſtehen. Will ich vor gleichem ₰e mich künftig ſicher ehen. Die Furcht nur iſis allein, die ihn in Schran⸗ ken haͤlt, Damit er lüſtern nicht in jede Schlinge fällt. Wohl bleibt's vergebne Müh', die Männer zu bekehren, Sie würden beſſern ſich, wenn ſie nicht Man⸗ ner waren. Man trag' es mit Geduld, weil man's nicht ändern kann; Die Treue iſt ein Weib, 66 Wankelmuth ein Manmn. Neunter Auftritt. Ida. Franz. Ida. Was macht er? Iſt er fort? Franz. Er wär's, wenn ich nicht wäre. ſchloß ich zu, das kam ihm in die Quere. Das Hofthor Jetzt macht er ſeiner Wuth Je Redensgrten Luft Nennt mich bald: lieber Freund, und bald: verdammter Schuft! Doch taub für ſeinen Zorn, ließ ich ihn ſchim⸗ pfen, fluchen, Und eilte ſchnell herauf, um Sie hier aufzu⸗ ſuchen. Da bring' ich, gnäd'ge Frau, den Schluͤſſel von dem Thor, Nun i in Ihrer Hand der flücht'ge Herr Major. Id a. Das war ein kluger Streich, ich werd' ihn Dir vergelten, Verlache ſeinen Grimm, und laß ihn immer ſchelten. Franz. Das Schelten ſteht ihm frey, nur ſchlagen muß er nicht. Ich habe Peldenmnint „wenn man nicht ſchläs t und ſticht. Das Fuchteln iſt ein Ding, das ich von zen haſſe, Und ſtäch' er mich gar todt, was hätt ich von dem Spaße? Es wäre gar zu arg, wenn er in ſeiner Wuth Mich armen Teufel iuice um ein paar Unzen lut. Wer wird ſo grimmig ſeyn, mein Herr Ma⸗ Ida. Damit hat's keine Noth „ und ſetzt es ein'ge Hiebe, So tragſt Du, guter Frauz 3 ſie muthig, mir zu Liebe. Doch ſtill, ich glaub' er kommt? Nun gilt's den Meiſterſtreich. ₰ Zehnter Auftritt. Vorige. Major. Major chinter der Scene.) He, Franz! Verdammter Schuft! Willſt Du wohl kommen. Franz (aͤnsſtlich.) Gleich! Ctauft in's Kabinet.) Major (tritt ein aus der Mitte.) Nun hab ich's ſatt, Madam. Was ſollen dieſe Poſſen? Es werde mir ſogleich die Thuͤre aufgeſchloſſen, Ich breche ſonſt, bei Gott, das Höllenthor entzwei! Ida. jor? Ei, ei! Iſt das die Lebensart, die man den Dauen ſchuldet? Major. So lang', als ich gekonnt, hab' ich die Qual erduldet. Jetzt iſt's damit vorbei; ich halt' es nicht mehr aus, Drum oͤffne man das Thor und laſſe mich b Ida Mit un, ſuͤßer Freund, Sie ſind Erſatz mir ſchuldig, Sie bleiben jetzt bei mir, und kuͤſſen mich ge⸗ duldig. Das Thor vom Hofe iſt ganz neu und feſt und gut, Man bricht es nicht ſo leicht, es trotzet Ihrer Wuth. Major. Was ſoll ich aber hier? Ida. Mich kuſſen. Major. Nicht im Stande. Id Sie waͤren's nicht S Vund Ei pfui! welch eine Schande! Ein braver Offizier iſt ſtets beteit zum Kuß, Und Schuͤchternheit geziemt nur einem Haſen⸗ fuß. Major. Von Schüchternheit iſt nicht, von Abſchen blos die Rede. Bei ſchönen Frauen bin ich keinesweges blöde. Doch wenn man ſo, wie Sie, nicht weit vom Grabe ſteht, Der Brille ſich bedient, auf ſchwachen Fuͤßen 8 Da, dächt' ich, koönnte wohl die Luſt zum Kuſſen ſchwinden. Wie kann am Eiſe ſich die Liebesglut entzün⸗ den? Was ſchwatzen Sie von Grab, von Eis und Liebesgluth? Ich bin für Sie, mein Herr, noch immer viel zu gut. Und kurz, wenn Sie nicht gleich zum Küſſen ſich bequemen, So wird man mit Gewalt Sie hier gefangen nehmen. Major. Welch feindliches Geſchick hat mich hieher ge⸗ . bracht, D 50 Viel lieber ſtund' ich ja im Feuer einer Schlacht. Erſt hab' ich Zuckerbrod in Waſſer tauchen müſſen, Nun ſoll ich obendrein den alten Satan küſſen. Idg. Der Schlüſſel iſt verwahrt, er bleibt in meiner Hand Bis ſich der Herr Major in ſein Geſchicke fand, Bis er ſich willig fügt; und kurz, mit einem Worte, Ein langer ſüßer Kuß nur oͤffnet ihm die Pforte. Major. Verwünſchte Liebeswuth! Vermaledeite Wahl! Wie rett' ich Aermſter mich aus dieſem Jam⸗ merthal? Am Ende werd' ich doch mich noch entſchließen muͤſſen, So ſchwer es mir auch fällt, das Ungethum zu küſſen. Ida. Geſchwind, eh' es mich reut! Ich zähle, Eins, Zwei, Drei. Major. Ein Kuß macht alſo mich — Ida. n Im Angenblicke frey 51 4 Major. Die Fodrung aber iſt — Ida. Gerecht und unerläßlich. Major (mit einem Seußzer.) Nun denn, es ſey. (will ſie kuſſen, plötzlich kehrt er ſich mit Abſchen von ihr.) Ach Gott! Sie iſt doch gar zu häßlich. di Wie wird's? Ich ſage: Eins! Major. Im Augenblicke. Ida. Zwei! — Hab' ich erſt drei geſagt, ſo iſt die Friſt vor⸗ bei. Major. 5 So laſſen Sie doch nur mich zur Beſinnung kommen. (für ſich) Ich hätte Medizin mit größrer Luſt genommen. Die Augen zugedrückt, und friſch drauf los ge⸗ 6 kußt, Dann hab' ich doch genug für meine Schuld gebuͤßt. (kußt ſie mit zugemachten Augen. 52 Ida. Aus dieſem Kuſſe that es deutlich mir echellen, Daß man mich zärtlich liebt. Wer wird ſich ſo verſiellen? Sie kleiner loſer Schalk. Major. So liebt ſich Hund und Katz. Ida. Zur Wiederholung bin ich gern bereit, mein . Schatz. Maior. Das hatte noch gefehlt! Den Schluſſel ſoll man holen. Auf Nadeln *½ ich hier, es brennen mir die Sohlen. Ida. Des iſt blos Ziererei, ein Schall, ein leeres Wort, Ich wette meinen Kopf, Sie gehen doch nicht ort. Ich weiß es nur zu gut, worauf Sie, Beſter, zielen. Puh! welch ein Flammenblick! Wer wird ſo nach mir ſchielen. Das peßt ein armes Herz mit Uebermacht be⸗ ſtuͤrmt, — — 5—— „ — ——— — — Vor ſolcher die Flucht allein nur ſchirmt.“ Den Schluſſel, ſuͤßer Freund, den hol' ich auf der Stelle, Doch ſtrahlt aus deinem Blick der Sebe Stern mir helle. In deinen Armen werd' ich heute gluͤcklich ſeyn, Denn was der Mund verneint, geſteht das Au⸗ ge ein. (sb.) Elfter Auftritt. Maior lallein.) Die hat auf ſeinem Neſt Herr Lucifer vergeſ⸗ ſen! Ein alt und haͤßlich Weib, von Liebeswuth befeſſen, Iſt ſchimmer noch als Peſt, als Fieber und als Gicht, Von dieſem hilft der Arzt jener hifft er nicht; Sie klammert ſich an uns viel feſter ch als Ketten, Und von der Zärtlichkeit kann ſchueil⸗ Flucht nur retten. Doch hat man ſeine Noth mit Alten nicht al⸗ lein, Mit jungen Weibern iſt großer oft die ein. 54 Bei Alten kann zur Noth man noch auf Treue bauen, Doch einer Jungen darf man nimmermehr ver⸗ trauen. Es kommt, gilt's ihre Luſt, der Erſte Beſte 5 recht, Denn leicht, ſo wie ihr Putz, iſt auch ihr ganz Geſchlecht. Ja Weibertreue iſt fuͤrwahr ein weißer Rabe, Am Hochzeittage ſchon träͤgt manche ſie zu Grabe. 5 Und iſt durch Zufall auch dem Manne Eine tren, So bald der Rechte kommt, iſt's doch damit vorbei! — Nicht weiter in dem Tert, man predigt doch nur Tauben. Hier ſteh' ich armer Wicht, und laß die Zeit mir ranben, Indeß zu meiner Fran der Cicisbeo eilt. Wo nur das Rabenkind mit ihrem Schlöſſel weilt? Dem ufel wollt' ich ja viel lieber mich ver⸗ ſchreiben, Als zwei Minuten noch in S Neſe hlei⸗ en! — — — — — Zwoͤlfter Auftritt. Ma j or. Fr anz aus dem Kavinet.) Franz Eriechend.) t in Demuth ſich Ihr unterthaͤn'ger Es nah Kuecht. Major. Biſt Du es, Galgenſtrick? Du kommſt mir eben recht. Nicht haſt Du Schuft umſonſt ſolch Spiel mit mir getrieben. Franz (fär ſich.) Jammer an. O wär' ich weg⸗ geblieben. Major. Ich gebe Dir ſogleich den Lohn, der Dir ge⸗ bührt. Nun geht der Franz. O ſparen Sie die Müh', ich bin nicht intre Major. uldner kann ich doch in keinem Falle bleiben. ſſirt. Dein Sch Franz⸗ Ich will, was ich verdient, indeß a Conto ſchreiben. Major. Ich fürcht', am Ende wird die Rechnung gar zu groß, Und Schulden dieſer Art bin ich am liebſten los. Franz. Wer ſeine Schulden zahlt, lebt gar nicht nach der Mode, Ein Mann von gutem Ton Pezahlt mit ſeinem Tode. Dann iſt er doch gewiß, daß man von ihm auch ſpricht; Vergißt ihn gleich die Welt, thut's doch ſein Gläub'ger nicht. Major. Der Nachruhm iſt ein Ding, um das in un⸗ ſern Tagen Die Menſchen oft noch mehr als Gut und Le⸗ ben wagen; Doch iſt und bleibt es ſtets ein ſehr gefährlich Spiel, Und ſtarke Geiſter nur erreichen dieſes Ziel. Da ich vom ſtarken Geiſt gar nichts in mir verſpuͤre, Ein Leben ſchlecht und recht nach meiner Weiſe führe, Von Moden gar nichts weiß, auch nicht vom guten Ton, So geb' ich, wie's geziemt, Dir den verdien⸗ ten Lohn. (zieht den Säbel und will ihn fuchteln.) Franz⸗ Ach Gnade, gnaͤd' ger Herr. Ich habe nichts verbrochen; Was man mir vorgeſagt „ das hab' ich nach⸗ geſprochen. Ich bin doch ſonſ ſo brav. Das weiß der lie⸗ be Gott! Majp Es traf durch Deine Lchu mich heute bitt⸗ rer Spott. Belogen haſt Du mich — Franz. Da muß ich depreciren, Die Wahrheit nur allein thu' ich im Munde führen. Maj ajor. Als von der gnäd'gen Frau Du mir ein reizend Bild — Fr nz⸗ Da ſprach ich Wahtheit blos. Sie iſt ſo hold, ſo mild, Als wie ein Frühlingstag — Major. Ein zelhüngetag im Winter? Franz. 8 Ei merken Sie's denn nicht? Es ſteckt etwa dahinter. Major. Ein Schelmenſtreich von Dir. Franz. Nein, von der gnäd'gen Frau. Wie eine Goͤttin ſchön, und wie ein Satan ſchlan — Major. Die Göttin längn' ich ab, vom Satan hab' ich Proben. * Frnz Doch werden Sie gewiß o ihre Schoͤnheit loben, 3 Wenn ſie erſt unverſtellt ſich Ihren Blicken zeigt. Major. Was heißt das: unverſtellt? Franz. Ein treuer Diener ſchweigt. i Soll ich die Zunge Dir mit meinem Säbel lö⸗ ſen? —— ——— eet ——— 59 Sprichſt Du im Guten nicht, ſo mußt Du es im Böſen. . (ſchwingt den Säbel.) Franz⸗ Sie greifen, gnaͤd'ger Herr, mit ſcharfen Waf⸗ fen an, Und führen einen Ton, dem man nicht trotzen kanu. Erfahren Sie es denn, daß man ſich nur ver⸗ ſtellte, Und Euer Gnaden blos auf eine Probe ſtellte. Es iſt die gnäd'ge Frau, Sie werden ſelbſt es ſehn, Kaum zwanzig Sommer alt, und wie ein En⸗ gel ſchön. Konnt' es Ihr Adlerblick denn nicht ſogleich entdecken, Daß hinter dieſer Tracht die größten Reize ſtecken? Es barg das graue Haar der ſeidnen Locken Pracht, Die Brille deckt' ein Aug', aus dem der Him⸗ mel lacht, Das laͤngſt verjährte Kleid verhüllt in ſeinen Falten Der Glieder üpp'ge Form, die ſchönſte der Ge⸗ ſtalten. Major. Wars möglich? Sprichſt Du wahr? Sie hät⸗ te mich vexirt? Franz. Man hat Sie nur, mit Gunſt, am Narren⸗ ſeil gefuͤhrt. Die Kühnheit geht zu weit. Soll ich den Hals Dir brechen? Franz. Die Wahrheit muß ich ja nach Ihrem Willen ſprechen. Daß ſie ſo bitter ſchmeckt, das iſt nicht meine 8 Schuld, Wer nackte Wahrheit liebt, der hört ſie mit Geduld. Den Schlüſſel bringt ſie gleich. Major. Damit hat's keine Eile. Es wird wohl beſſer ſeyn, wenn ich noch hier verweile. Doch meines Weibes Bild — wie kam's in Ihre Hand? Franz. Iſ denn der Name Stein von Ihnen nicht ge⸗ kannt? Major. Sie wäte Frau von Stein? die ſchoͤnſte Ihrer Schweſtern, — —————— — ——— 61 Die jede Dame lobt, und keine wagt zu lä⸗ ſtern? Franz. Sie iſt's. Major. Von der mein Weib ſtets mit Be⸗ geiſtrung ſpricht? Sie wär's, die mich hieher — Franz.⸗ Beſchied. Major. Ich glaub' es nicht. Franz. Ein Caſar kommt und ſiegt im Feld und in der Liebe. Die Damen, wie bekannt, gehorchen nur dem Triebe, Der ſie im Augenblick und willenlos beſchleicht, Sobald ein ſchmucker Mann dem Idegle gleicht, Das ſie ſeit langer Zeit in ihrer Bruſt getra⸗ gen. Man liebt die Kürze ſehr in unſern kurzen Ta⸗ gen. Die Feſtung und das Herz ergeben ſich ge⸗ ſchwind, Weil beide heut zu Tag nicht unbeſiegbar ſind. Doch ſtill, da kommt ſie ſelbſt. Run wird es ſich erweiſen, Ob ſie von Fleiſch und Blut, ob ſie von Stahl und Eiſen. * Dreizehnter Auftritt. Vorige. Ida (in einem geſchmackvollen modernen Anzug verſchleiert.) Major. Iſt's eine Göttin, die vom Himmel nieder⸗ ſchwebt, Bei deren Anblick ſich die Bruſt voll Wonne 2 hebt? So ſteigt in neuer Pracht und jugendlicher Fülle Der bunte Schmetterling aus der verhaßten Hülle! Ida (noch immer mit verſiellter Stimme.) Den Schlüſſel bring' ich hier, und loͤſe ſo mein Wort. Nichts hält Sie länger mehr an dem verhaß⸗ ten Ort, Sie können ungeſtört, wohin Sie wollen, ge⸗ hen. Major. Das wuͤrd' ich, gnäd'ge Frau, hätt' ich Sie nicht geſehen. —————— — ————— —— — Wo lebt der Sterbliche, e einmal Sie nur ieht Und nicht vom Zauberſtrahl der waͤrmſten Lieb' erglüht. Es iſt das hoͤchſte Gluͤck, die groͤßte aller Women, In Ihrer Reize Glanz anbetend ſich zu ſonnen. Franz (bei Seite.) Ich wette meinen Kopf, ſo zartlich ſpraͤch' er nicht, Wär's ihm bewußt, daß er zu ſeiner Gattin ſpricht. Ida. Ste ſcheinen, Herr Major, 6 gaͤnzlich zu ver⸗ geſſen, Daß Sie bereits vnht Ich find' es ſehr vermeſſen, Daß Sie in dieſem T Ton zu ſprechen ſich er⸗ laubt, Und mich durch Schmeichelei zu hintergehn — Najor. . Der Liebe Zauberſ trahl trifft untei zuͤndet, Wenn er ein fühlend Herz auf ſeinem W findet. Die hergebrachte 5 Form, der Sitte läſt' ges Ban. Zerreißt der blinde Gott, mit ſtarker Rieſen⸗ hand. Es bleibet keine Wahl, wir fühlen uns be⸗ zwungen, Wenn wir auch noch ſo ſehr gekäͤmpfet und gerungen; Entfeſſelt iſt der Mund und von den Lippen quillt, Was uns, mit Luſt und Schmerz, den Bu⸗ ſen mächtig füllt. Der ſüßen Worte Kram führt nicht bei mir zum Ziele; Es traut kein kluges Weih dem leichten Zun⸗ genſpiele. Major. Ich ſchwoͤre, daß mein Herz — Ida. Ein Männerherz nur iſt, Das leicht iu Glut entbrennt, und leichter noch * vergißt. Ward Ihre Gattin nicht von Ihnen auch be⸗ S trogen? Major⸗ Vergebens kämpft im Sturm der Schiffer mit den Wogen. 3 * * ————— ———— —— Wer mißt des Sternes Schein, wenn ihm der en Sonne Pracht Im unbewölkten Glanz vom Himmel niederlacht? Zwar kann von meiner Fran ich nichts als Gu⸗ a tes ſagen, Doch darf mit Ihrem Reiz zu meſſen ſie ſich wagen Im hohen Graſe birgt Veilchen ſich ge⸗ ugt, Sobald die Roſe ſich in ihrer chönheit zeigt. Das Veilchen geb' ich hin, die Roſe zu errin⸗ Wird meiner treuen Lieb' am Ende doch gelin⸗ gen. Ein Veilchen iſt oft mehr als hundert Roſen werth. Hätt' Ihre Gattin doch „was Sie geſagt, ge⸗ hört. Major (bei Seite.) W Das würde mir bei ihr fuͤrwahr nicht Roſen tragen. . (ſaut) Ich will's ihr in's Geſicht, wenn Sie befeh⸗ 3 Men ſagen. . 6 03 2 Sdz. Das wollen Sie, im Ernſt? Ich bin dazu bereit. Cbei Seite) Zum größten Süc iſt von hier ſie ziemlich weit. Ich nehme ſie beim Major. Ich brenne vor Verlangen. Ida (ſchlägt den Schleyer zuruͤck.) Wohln. Major Czurüchprallend.) Element! Franz. % 1 Nun iſt der Fuchs gefangen. Warum ſo plötzlich ſtill? e hin tieiigemn N Wie lüg' ich e 3 8 5 haben am der i geſo⸗ ———— —— — * ————— 5 Major (vertegen.) O nein, ich — habe nur — Der Treue Schwur gebrochen. Major. Ich war — ich bin — % 8 Ida. Ein Mann, das heißt genng geſagt. * „ Denn alle Maͤnner ſind, dem Himmel ſey's geklagt! Die Falſchheit in Perſon, zur Heuchelei gebo⸗ Wer ſie zu beſſern gie, ſeine Muͤh ver⸗ 3 Das Dulden iſt ann Weiber hartes Gern traͤgt man ſeine ui 3 5 auch noch Drum will ich Gnade 6 Recht ergehen . Den ungetreuen Mann nicht, wie ich ſollte, haſ⸗ ſen, Wenn er ſich reuig naht, mir Beſſ rung ange⸗ Und des Entſchluſſes Ernſt durch Thaten auch erprobt. Major. Ja, ich gelobe ſie mit freudigem Gemüthe. * 653 Wer könnte widerſteh'n ſo vieler Huld und 5 Guͤte! Wenn jemals fremder Reiz mich wieder intreſ⸗ ſirt, 3 So werde mir ſogleich ein Veilchen präſentirt, Und ſollte jemals gar mich Wankelmuth be⸗ ſchleichen, Dann mag zur Warnung man mir eine Roſe reichen. Franz. Fuͤhrt jedes Ehepaar dieß Warnungszeichen ein, So werden Roſen bald nicht mehr zu finden ſeyn. † ———————— e d— Sr Profeſſor Hackler, o der nimmt alles uͤbel. Luſtſpiel in einem Art. Perſonen. ———— Hackler, Proſeſſor in einer Provinzialſtadt. Auguſte, ſeine Tochter. Doktor Schmitt. . Kaufmann Bieder. 3 Ferdinand, ſein Sohn⸗ Herr Duͤnkelmann. Madam Duͤnkelmann. Kaſper, Vedienter des Doktors. — —————— 7 Erſier Luftritt. Hackler. Schmitt. N „ſage ich Dir, ich gehe nicht mit. Schmitt. Aber warum nicht? Iſt Wahr nicht Dein Freund ſo gut, als der meinige? Er wird ſich freuen, Dich nach ſo langer Zeit wieder zu ſe⸗ hen, und Dich an ſM Bſch herzlich will⸗ kommen heißen. Hm! en etwa e daß ich bin? Sitn 5 ſagte ihm vor einigen Tngen, duß ic, Dich auf geſtern erwartete. —2 2 Hockler. Und gleichwohl hat er mich nicht gebeten. — Nein, ich gehe nicht hin. Wäre ihm darun zu thun geweſen, mich bei ſich zu ſehen, ſt hätte ich geſtern nach meiner Ankunft eine Ein ladungskarte von ihm erhalten. Er iſt, ſeit wir uns nicht geſehen „ein bedeutender Mann, iſt fürſtlicher Rath geworden, lebt mit großen Herren in Verkeht; ich bin nur ein armer Pro⸗ feſſor aus einem unbedeutenden Landſtädtchen, und tauge nicht in die Geſellſchaft vornehmer Hauptſtaͤdter. Er iſt der Freund des Miniſters, ich bedarf ſeiner Verwendung bei meinem Ge⸗ fuche; wollte ich mich nun ohne alle Umſtaͤnde mit Dir, dem Geladenen, an ſeinen Tiſch drängen, ſo könnte er es wohl gar übel neh⸗ men. Nein, nein, ich bleibe zu Hauſe. Mor⸗ gen will ich dem Günſtlinge des Mihniſters in aller Form die Viſite machen. Finde ich einen alten Freund in ihm, ſo ſoll's mich herzlich freuen; hat ihn ſein Glück ſtolz gemacht, ſpielt er den Protector, ſo ziehe ich mich beſcheiden zuruͤck, ohne mir vorwerfen zu durfen, zudring⸗ lich geweſen zu ſeyn. — Du wirſt Dich überzeugen, daß er noch der⸗ ſelbe iſt, der er auf der Univerſitaäͤt war, der Keh ſeiner Freunde. Wir hahen jeder unſern Weg gemacht, er als Geſchäftsmann, Da . 5 as Gelehrtet, ich als Medieiner. Wahr wid fir mit Freuden dienen, wo er es vermag. Hackler. Das wird ſich zeigen. Aber ſo lieb es mir auch iſt, daß Wahr ſeinen Charakter nicht verändert hat, ſo ſehr betrübt es mich, zu ſehen, daß Du den Deini⸗ gen leider noch immer nicht verbeſſert haſt. n Hackler. WVerbeſſert? (vereidigt) Was haſt Du denn an meinem Charakter auszuſetzen, wenn ich fra⸗ gen darf? Bin ich etwa ein ſchlechter Menſch, ein Undankbarer, ein — 2 Schmitt. Nun da haben wir's, das hat er ſchon wie⸗ der übel genommen. Nicht doch, Du biſt ein herzensguter Kerl, wenn Du nur nicht gar ſo argwöhniſch, ſo empfindlich wäreſt. Hackler. Das iſt Deine alte Leyer. Empfindlich? Argwoͤhniſch? Ich? Iſt's etwa nicht wahr? Weißt Du noch vor 10 Jahren, als Deine brave Frau noch lebte? — Thateſt Du mir nicht ſogar die Ehre an, eifer⸗ —— 74 ſüchtig auf mich zu werden, weil die Selge lieber mit mir, als mit andern plauderte? Hackler. Das war blos Beſorgniß fuͤr ihren gu'n Ruf. Ich habe mein braves Weib immer ho⸗ geſchätzt, wie ſie es verdiente, und betraureh⸗ ren Verlůſt aufrichtig. 63 Das glaube ich Dir gern, denn ich kenne Dein Herz, und weiß, daß Dein Verdacht eben ſo ſchnell verſchwindet, als er aufſteigt; aber es vleibt doch immer ein arger Fehler Biſt Du nicht ſchon gegen den guten Wahr einge⸗ nommen, ehe Du ihn geſprochen haſt? Hackler. Du wirſt doch nicht glauben, daß ich ſo ſchwach ſeyn könnte, auf ihn zu zürnen, weil er mich nicht zu Tiſche geladen? Soll mich Gott bewahren. Ich will ihm blos nicht laſtig fallen. Er har ohnehin zahlreiche Geſellſchaft, es konnte an Platz fehlen, das wuͤrde ihn in Verlegenheit ſetzen, und — Doch genug davon. — Laß uns lieber von dein Zweck meiner Reiſe ſprechen. Am hieſigen Lycäum iſt wie Du weißt, eine Profeſſur väcant. Ich glaube mir durch Fleiß und Thätigkeit das Recht erworben zu haben, auf dieſe einträgliche Stelle Anſpruch machen zu dürfen. Erhalte ich ſie, gut, wo . nicht, ſo werde ich mich zu tr'ſten wiſſen. J habe der Ungerechtigkeiten ſchon ſo viele erdul⸗ den muͤſſen, und bin es gewohnt, Unwuͤrdige mir vorgezogen zu ſehen. Schmitt. Sen och ruhig, Du wirſt die Stelle eyhot ten. — Wenn Du Dich nur entſchließen woll⸗ teſt, bei Wahr zu ſpeiſen, ſo koͤnnte man gleich — Hackter (ihn untertrichend. j Der zweite Zweck, den ich durch mein Hier⸗ ſeyn zu erreichen wünſche, iſt die Vermählung meiner Tochter. Der Sohn des Kaufmanns Bieder iſt auf unſrer Schule erzogen worden. Er und meine Tochter wuchſen, ſo zu ſagen, mit einander auf, und haben ſich lieb gewon⸗ nen. Ich geſtehe, daß mir die Verbindung der jungen Leutchen ſehr angenehm wäre; aber da ſteht der Reichthum des Vaters ſehr im Wege, und bekuͤmmert mich ſehr. Ferdinand ſchrieb zwar meiner Tochter, ſein Vater, den ich nie geſehen, billige feine Wahl, ich ſuchte daher einen Vor— vand, um dieſe Sache zwi⸗ ſchen uns zur Sprache zu bringen, und frägte den Vater ſchriftlich in einem kleinen Handels⸗ geſchäfte, bei welchem ich intereſſirt zu ſeyn vorgab, um Rath, in der Hoffnung, er würde die Gelegenheit ergreifen, und von der Liebe ſeines Sohnes zu meiner Tochter ſprechen; aber er erwähnte ihrer mit keiner Sylbe, ſondern antwortete blos im gewöhnlichen Kaufmanns⸗ ſtyle. Das ſetzt mich nun in große Verlegen⸗ heit, meine Tochter guält mich, ihr Glück zu beſchleunigen; ich ſuchte ihr zu beweiſen, daß man in dieſer Sache nicht delikat genug zu Werke gehen könne. Vergebens, ſie beſteht darauf. — Da iſt ſie ſelbſt. Zweiter Auftritt. Vorige. Auguſte. Hackler. Kommſt Du etwa ſchon wieder, mich mit Deinen Bitten zu martern? So eben habe ich mit meinem Freunde da über die Sache geſpro— chen. Er ſoll zwiſchen uns entſcheiden. Auguſte. Seinem Ausſpruche unterwerfe ich mich gern. Schmitt. Die Partheien mögen ſprechen, der Richter ſſt bereit, zu hoͤren. Hockler. Mein leichtſinuiges Tochterchen, von der Lie⸗ be Ungeduld angeſpornt, verlangt, daß ich, ich ſelbſt, Herrn Bieder unſere Ankunft zu wiſ⸗ ſen thun ſoll. Schmitt. Welchen Grund haſt Du, es nicht thun zu wollen? Hackler. Schickt es ſich wohl für mich, den Vater des Liebhabers meiner Tochter von meiner An⸗ weſenheit zu benachrichtigen? Schmitt. Fuͤr wen ſchickt es ſich dann? Willſt Du et⸗ wa lieber, daß es Deine Tochter ſelbſt thue. Hackler. Nimm mir's nicht übel, aber Dein Schet iſt hier ſehr am unrechten Orte Schmitt. Nun, nun, werde nur nicht böſe. Haſt Du mir nicht ſetſt geſagt, daß die Verbindung Deiner Tochter der Zweck Deiner Reiſe iſt? Hackler. Allerdings, aber das darf ich mir um alles in der Welt nicht merken laſſen. Glaubſt Du wohl, ich wäre hieher geköͤmmen, wenn mir die Bewerbung um die Profeſſors⸗Stelle nicht einen Vorwand geboten hätte? Auguſte. Lieber Vater, Sie Kn ja aber bereits mit Herrn Vieden — Briefwechſel. Hackler. Dieſer Briefwechſel war ja auch nur ein Vorwand. Schmitt. Weil Du denn durchaus einen Vorwand ha⸗ ben mußt, ſo ſchreibe an den jungen Bieder. Hackler. An den Liebhaber ſelbſt? das ſchickt ſich noch weniger. Auguſte. Das fuͤhle ich ſelbſt. 6 Schmitt. So ſchreib an den Vater, ewiger Krittler, melde ihm, blos mit einigen Worten, Deine und Deiner Tochter Ankunft. Hackler. Wo denkſt Du hin, lieber Freund? das geht nicht. Meiner Tochter darf ich durchaus nicht erwähnen. So laß die Tochter weg. Aber nun ſetze Dich hin und ſchreib, ſonſt ſchreibe ich in Dei⸗ nem Namen, und zwar nach meinem Kopfe. Nein, da will ich mich doch lieber überwin⸗ den, es ſelbſt zu thun. Cſetzt ſich zum Schreiben.) —— —, Sch mitt (leiſe zu Auguſten.) Gott ſey Dank, daß wir ihn ſo weit haben. Hackler. Aber das ſage ich Euch zum voraus, es wird ein bloßes Hoflichkeits⸗Billet. Schmitt. 1 Mache es, wie Du willſt, ſchreibe nur. Criſe zu Auguſten) Wenn der Sohn nur erſt weiß, daß Sie hier ſind, ſo wird er hoffentlich nicht ſäumen, ſich perſönlich einzufinden. Auguſte (teiſe.) Das hoffe ich auch, damit ſind wir aber noch nicht am Ziele, es liegt noch ein maͤchti⸗ ger Stein des Anſtoßes im Wege. Schmitt. Der waͤre? Anguſte. Der Vater meines Ferdinands. Ich kenne ihn zwar nicht, aber nach der Schilderung, die mir ſein Sohn von ihm machte, ſoll er bei dem beſten Herzen viele Eigenheiten beſitzen. pin ne Schmitt. Worin beſtehen dieſe Eigenheiten? Auguſte. Er ſoll ein äußerſt lebhafter, auffahrender Mann ſeyn, der, wie man im Sprichwort ſagt, mit der Thuͤre ins Haus faͤllt, und gewohnt iſt, die Wahtheit ohne frei heraus zu ſa⸗ en Schmitt. Und mit dem ſᷣ Ihr Väter mitehandeln? O weh! A Sh Habe ich nicht urſache, beſorgt zu ſehn. Schmitt. Nur den Muth nicht verloren; 2 eht es beſſer, als wir glauben. Hackler laufnertſam.) Was habt ihr beide da ſo heimlich mit ein⸗ ander zu fluͤſtern? Schmitt. Wir — wir t leiſe, um 3 nicht zu ſtören. Hackler. Die Rede war vermuthlich von m Schmitt. Ach, warum nicht gar. Was Du Dir nicht alles einbildeſt! Hockler Cbeleidigt.) Freilich, es lohnt ſich ja nicht der Mühe, 3¹ von einem ſo unbedeutenden Gegenſtande, wie ich — Schmitt. 3 Da iſt er ſchon wieder! — Wie ſteht's mit Deinem Billet, iſt es fertig? Hackler. Ja, höre! (neſt.) „Mein Herr! Berufsgeſchäf⸗ te haben mich in die Hauptſtadt geführt, nun wünſchte ich die Gelegenheit, die ſich mir dar⸗ bietet, zu benutzen, um Ihre werthe perſoͤnliche Bekanntſchaft zu machen. Wollten Sie wohl die Gewogenheit haben, mir die Stunde zu beſtimmen, wo ich die Ehre haben kann, Ih⸗ nen meine Aufwartung zu machen. Der ich hochachtungsvoll bin ꝛc. —“ Ich glaube, ich bin nicht zu weit gegangen. — Nein, wahrhaftig nicht, man kann nicht la⸗ koniſcher ſeyn. 3 Hackler. Durft' ich mehr ſagen? Auguſte. Es iſt vollkommen genug. (nimmt den Brief und ſiegelt.) 1 Schmitt. WMein Bedienter ſoll den Zettel ſogleich an DOrt und Stelle bringen. Kaſper! 5 Hackler. Richt doch, lieber Freund, Du könnteſt Dei⸗ nen Vediemen ſelbſt brauchen. Ich will ſchon jemand finden, der für Geld und gute Worte — Schmitt. Warum nicht gar! Kaſper! Dritter Auftritt. Vorige. Kaſper (ſchielend.) Kaſper (angſam.) Herr Doktor! Schmitt. Geſchwind, bringe dieſes Billet zu dem Kauf⸗ mann Bieder⸗ Kaſper. Wo wohnt der? Auguſte. In der breiten Straße. Kaſper. So? Iun der breiten Straße? Vergeſſe er nicht, ſich Antwort geben zu laſ⸗ — * Kaſper. Antwort? So? Antwort? Schriftlich oder muͤndlich? 2 Hackker. Schriftlich, vermuthlich. Kaſper. Schriftlich? So! Schriftlich? Hackler (bei Seite.) Was will der Kerl mit ſeinen Fragen, und ſeinem So? Es iſt ihm wohl nicht recht, daß er mich bedienen muß. (iaut) Warum geht er denn nicht? Kaſper. Ich wollte nur dem Herr Doktor noch melden, daß draußen im Vorzimmer ein Herr und eine Madam ſtehen, welche den Herrn Doktor ſpre⸗ chen wollen. Schmitt. Wer iſt es? Kaſper. Herr Duͤnkelmann und ſeine liebe Fran, wie er ſie nennt. Welcher Teufel fuͤhrt mir die uͤber den Hals? Kaſper. Die liebe Frau ſagt, ſie wäre mit dem Herrn Dokror verwandt. Schmitt. Leider! Laß ſie herein kommen. (Kaſper ab.) Vierter Auftritt. Vorige ohne Kaſper. Hackler. Wer iſt denn dieſer Herr Dünkelmann? Schmitt. Cin Narr iſt er; ſeine Frau, die größte Plau⸗ derſchweſter, iſt unglücklicherweiſe eine weitlauf⸗ tige Verwandte von mir; nun glaubt der Herr Vetter, ich wäre nur ſeinetwegen da. Mit je⸗ dem Poſitage erhalte ich neue Auſträge von ihm. Zum größten Unglück iſt der Menſch auch Schrift⸗ ſteller. Alle Augenblicke erhalte ich neue Gei⸗ ſtesprodukte, eines immer abgeſchmackter, als das andere, die ſoll ich leſen, ihm meine Mei⸗ nung ſagen, das heißt, ſie loben „ihm wohl gar einen Verleger fuͤr die elende Schmiererei Fuͤnfter Auftritt. Vorige. Herr und Madam Dünkelmann. Mad. Dünkelmann (zu Schmitt.) Laſſen Sie ſich umarmen, theurer Herr Vet⸗ ter! Nicht wahr, das heißt uͤberraſcht? So bald glaubten Sie nicht, mich bei ſich zu ſehen? Mein lieber Mann wollte Sie durchaus von unſerer Ankunft vorher benachrichtigen, aber ich gab es nicht zu. Nein, ſagte ich, lieber Mann, wir wollen den guten Vetter uͤberraſchen, die Freude wird dann um ſo groͤßer ſeyn. Dar⸗ auf antwortete mein lieber Mann, wie du willſt, liebe Frau; denn ich muß es meinem lie⸗ ben Manne zum Ruhme nachſagen, er iſt im⸗ mer meiner Meinung. Geſagt, gethan. Wir packten in der Eile das Nöthigſte ein, ſetzten uns auf den Poſtwagen, und — da ſind wir. Nun, wie ſteht's, wie geht's, lieber Herr Vet⸗ ter? Apropos, wiſſen Sie auch, daß meiner kleinen Lilli die Kuhpocken gluͤcklich eingeimpft ſind? Ich wollte Anfangs nicht recht daran, als mir aber mein lieber Mann Ihre vortreffliche Abhandlung uͤber die Kuhpocken vorlas, da entſchloß ich mich. — Aber ein großes Unglück iſt mir begegnet. Stellen Sie ſich vor. Mei⸗ nen kleinen Mops, das artige Thier, derſelbe, der Sie einmal in die Waden biß, den ließ meine dumme Magd vom Arm fallen, und 86 denken Sie ſich den Jammer, der arme Schelm brach ein Bein! Ich gab der ungeſchickten Magd auch ſogleich den Abſchied. Den Mops habe ich mitgebracht, mein lieber Mann hat ihn die ganze Reiſe über auf dem Schvos ge⸗ tragen. Sie ſollen dem guten Thierchen helfen, lieber Vetter, zu Ihnen habe ich Vertrauen, Sie werden ihn gewiß bald herſtellen. Hr. Duͤnkelmann. Wir ließen ihn und unſer Gepaͤck auf dem Poſthauſe zurück, und eilten hierher, um den theuren Herrn Vetter zu ſehen. Unſere Unge⸗ duld war ſo groß, daß wir uns nicht einmal die Zeit nahmen, uns nach einer Wohnung um⸗ zuſehen. Schmitt (gezwungen.) Sie ſind in der That ſehr gütig. Mad. Dünkelmann. Bloße Schuldigkeit, bloße Schuldigkeit! Wer⸗ ther Herr Vetter, wir rechnen dießmal ſtark auf Ihre Freundſchaft, wir werden Sie brau⸗ chen, Sie können uns nützlich ſeyn, denn ich weiß, Sie haben bedentende Freunde, mächtige Gönner, bei denen Sie alles vermögen. Aber das iſt auch ganz naturlich, wer ſollte einen Mann von ſolchen Vorzügen nicht hochſchätzen, nicht lieben? Gieb Acht, Samuel, ſagte ich zu meinem lieben Manne, der Vetter kann uns — 3/ zu Erreichung unſter Abſicht am beſten behuͤlſ⸗ lich ſeyn, und er wird es mit Frenden thun; o dafuͤr kenne ich ihn! Hackler czu Schmitt.7 Du haſt Geſchaͤfte, wie es ſcheint, ich will Dich nicht ſtoren, lieber Freund. Mad. Dünkelmann. Iſt dieſer Herr Ihr Freund, lieber Vetter? (zu Hackler) Mein Herr, ich habe nicht die Ehre Sie zu kennen, aber Sie ſind der Freund unſers lieben Vetters, folglich ſind Sie auch der unſrige. Sie können auf uns zählen — bei jeder Gelegenheit. Nicht wahr, lieber Mann? 5 Hr. Dünkelmann. Ich bin ganz der Meinung meiner lieben Fr Frau. Hackler (verbengt ſich und will gehen.) Schmitt (ihm nach.) Wie iſt's, willſt Du Dich durchaus nicht entſchließen, bei unſerem Freunde zu ſpeiſen? Hackler. Verſchone mich damit, und laſſe ihm ja nichts von meinem Vorhaben merken, er koͤnn⸗ te es fuͤr eine verabredete Karte halten. Wenn Du ſo gut ſeyn willſt, es zu erlauben, ſo —— n 36 will ich mit meiner Tochter hier ganz ruhig eſſen. Schmitt. 3 Wenn ich es erlauben will? Was das für Umſtände ſind. Kennen wir uns etwa erſt ſeit heute? — Sind wir nicht dreißigjährige Freunde? Thue, als ob Du zu Hauſe wärſt; ich würde ein gleiches thun, wenn ich bei Dir waͤre. Sind Dir Deine Zimmer nicht anſtaͤndig, wähle Dir andere, mein ganzes Haus ſteht Dir zu Dien⸗ ſten. 2 Hackler cherzlich.) Deine Güte, Deine Freundſchaft ruͤhrt mich in der That herzlich. Wenn ich auch zuweilen argwöhniſch, übertrieben empfindlich bin; un⸗ dankbar bin ich nicht. (Druͤckt ihm die Hand und geht mit Auguſte ab.) Schmitt. Guter Mann, ſchade, daß Deine unſelige Gemüthsart — Sechſter Auftritt. Schmitt. Hr. und Mad. Dünkelmann. Mad. Dünkelmann. Ein Paar wahre Freunde zu ſehen, welch ein rührendes Bild! „ Hr. Dünkelmann. Aecht elegiſch, in der That. Mad. Dünkelmann. Ein Mann, deſſen Herz ſo empfänglich für Has heilige Geſuhl der Freundſchaft iſt, kann der wohl ſeinen eigenen Verwandten etwas ab⸗ ſchlagen? Darf man da wohl fürchten, läſtig zu fallen? eatt an Schmitt. Ich danke ſehr fuͤr das gütige Zutraten, und rechne auf Ihre Entſchuldigung, daß ich die Ehre Ihrer Gegenwart für dießmal nicht länger genießen kann. Sie wiſſen die Zeit eines Arz⸗ tes iſt koſtbar, meine Patienten — Mad. Dünkelmant. Freilich, freilich, die gehen Allem vor. Machen Sie Ihre Viſiten, laſſen Sie ſich durch⸗ aus nicht abhalten. Schmitt. Ich werde mir das Vergnügen Ihres Be⸗ ſuchs auf ein andermal ausbitten. Laſſen Sie mich gefälligſt wiſſen, wo Sie wohnen, damit ich meiner Schuldigkeit gemäß ſelbſt — Mad. Dünkelmann. Das war es eben, worüber ich noch mit Ih⸗ nen ſprechen wollte. — Lieber Vetter, Sie ken⸗ nen meine Offenherzigkeit! Warum ſollte ich Be⸗ denken tragen? Sind wir nicht Verwandte? Hr. Dünkelmann. Und Freunde? Mad. Duͤnkelmann. 1 Sie ließen da vorhin ein Wörtchen fallen, daß Sie der Zimmer außer jenen, welche der fremde Herr bewohnt „noch mehrere haben — Schmitt. Nun? Hr. Dünkelmann. Wir glauben alſo ohne Indiscretion Sie bit⸗ ten zu dürfen, uns in Ihrem Hauſe eine Woh⸗ nung einzuraumen. Mad. Dünkelmann. Blos auf einige Wochen. Schmitt (verregen.) Das iſt allerdings eine große Ehre, welche Sie mir da erweiſen wollen, aber — Hr. Dünkelmann. Ehre? Ich bitte Sie um Gottes willen, ſpre⸗ chen Sie nicht von Ehre. Sagen Sie vielmehr Vergnügen, ja Vergnügen, das iſt das rechte ort. Schmitt. Wenn Sie mich vorher davon benachrichtigt hatten — 91 Hr. Dünkelmann. Das wollte ich ja, aber meine liebe Frau — Mad. Dünkelmann. Ich wollte es nicht zugeben, wie geſagt, ich wollte Ihnen die Freude der angenehmen Ueber⸗ raſchung nicht entziehen. Schmitt. Sie überraſchen mich in der That. Mad. Dünkelmann. Nicht wahr? Siehſt Du, Samuel! O das wußte ich wohl. Auf Ueberraſchungen verſtehe ich mich. Mehr als einmal habe ich meinen lieben Mann überraſcht. Hr. Dünkelmann. Ja, und auf die ſonderbarſte Art. Schmitt. . Ich weiß nicht, ob die Wohnung, welche 2 ich Ihnen einräumen könnte, auch anſtändig ge⸗ nug — Mad. Dünkelmann. O wir wiſſen uns zu behelfen; ein Stübchen und ein Kämmerchen, mehr bedürfen wir nicht. 1 Hr. Duͤnkeimann. Wir wollen ſchon Platz finden. Mad. Dunkelmann. Gehen Sie, mein lieber Doktor, beſuchen Sie Ihre Kranken, wir holen indeſſen unſer Gepä⸗ cke und den Mops. Schmitt. Erlauben Sie mir nur zu bemerken — Mad. Dünkelmann. Wozu braucht's der Umſtände unter Freunden und Verwandten? — Sie ſind dieſen Mittag zu Gaſie gebeten — Was thut das? Wir ſpei⸗ ſen hier ganz ruhig mit Ihrem alten dreißigjäh⸗ rigen Freunde und ſeiner liebenswuͤrdigen Toch⸗ ter. Hr. Duͤnkelmann. Es muß ein ganz vortrefflicher Mann ſeyn, Ihr Freund. 1 Si Schmitt (nit Beziehung.) Das iſt er. Beſonders lobenswerth iſt ſein Zartgefühl. Er würde um keinen Preis der Welt ſeinem Freunde zur Laſt fallen. Hr. Dünkelmann. Das muß man auch nicht, da hat er ganz unſern Grundſatz. Mad. Dünkelmann. Ja wohl, ganz unſern Grundſatz. Nun le⸗ ben Sie wohl, guter Vetter. Wenn wir wieder⸗ 95 kommen, ſollen Sie auch wiſſen, was uns zu der Reiſe hieher bewog. Hr. Dünkelmann. Es iſt Zeit, daß ich mich der unwuͤrdigen Unthätigkeit entreiße, und meine Talente dem Nutzen des Staats weihe. — Mad. Dünkelmann. Im Vertrauen, ich bin hier, um für meinen lieben Mann eine Stelle zu ſuchen. Hr. Dünkelmann. Das heißt, eine Stelle, die meinen Kenntniſ⸗ fen angemeſſen iſt, und meinem Geſchmacke entſpricht. Mad. Duͤnkelmann. Sie, theurer Herr Vetter, werden uns dabei von großem Nutzen ſeyn können. Ich weiß, daß bei Dienſigeſuchen in der Hauptſtadt eine artige Frau das meiſte vermag. Sie ſollen mir ſagen, an welche Thuͤre ich klopfen, welchen Leuten ich meine Aufwartung machen muß. Sie werden mich begleiten, mich vorſtellen — Doch ich vergeſſe uͤber das Geplauder, daß Sie aus⸗ gehen müſſen. Adieu, lieber Vetter! In weni⸗ gen Minuten ſind wir mit Sack und Pack hier. Keine Begleitung, bleiben Sie, ich bitte, blei⸗ ben Sie. Wir gehören ja zum Hauſe. (Herr und Madam Duͤnkelmann ab.) Siebenter Auftritt. Schmitt, dann Hackler. Schmitt. Sehr angenehm, das muß ich geſtehen! Die Menſchen quartieren ſich bei mir ein, ich mag wollen oder nicht. Hat man jemals unverſchäm⸗ teres Volk geſehen? Sie ließen mich nicht ein⸗ mal zu Worte kommen, um ihnen zu ſagen, wie fatal mir ihre Zudringlichkeit iſt. . Hackler (vommt mit Hut und Stock.) Schmitt. Du willſt ausgehen? 3 Hackler. . eider ſehe ich mich gezwungen, einige Em⸗ pfehlungs ſchreiben abzugeben, beſonders habe ich da einen Brief an die Schweſter des Miniſters. Du kannſt nicht glauben, wie unangenehm es mir iſt, Leute zu beſuchen, die ich nicht kenne. Aber es muß nun einmal ſeyn. — Doch, was fehlt Dir? Du ſcheinſt aufgebracht? Wer es auch nicht wäre! Am Ende kann man in ſeinem eigenen Hauſe nicht mehr Her 1 * 8 1 . 9⁵ Hackler (geſpannt.) Wie meinſt Du das? Schmitt. Wenn ich alle Leute bei mir logiren ſollte, die ich kenne — Hackler. Was willſt Du damit ſagen? Schmitt. Auf dem Lande, wo einem für einige 100 Fl. ein ganzes Haus zu Gebote ſteht, mag das wohl angehen; aber hier in der Reſidenz, wo die Miethen ſo theuer ſind — Hackler. Das ſoll wohl auf mich gehen? Schmitt. Auf Dich? Wie ſo? Hackler. Auf wen ſonſt? Schmitt. Nicht doch, ich meine den werthen Vetter mit ſeiner lieben Frau. Hackler. Was haben ſie Dir zu Leid gethan? Schmitt. Logiren ſich da bei mir ein, ohne mich nur einmal zu fragen, ob es mir recht ſei oder nich — Hackler (gezogen.) So. Schmitt. Weil ſie Verwandte von mir ſind, und ſich meine Freunde nennen, glauben ſie mit meinem Hauſe nach Gefallen ſchalten und walten zu konnen. Hackler. Ich begreife wohl, daß Dir das nicht ange⸗ nehm ſeyn kann, indeſſen dächte ich doch, daß es nicht artig von Dir iſt, Deinen Unmuth in meinem Beiſeyn laut werden zu laſſen. Schmitt. Warum nicht? 3 Hackler. Hätteſt Du vorher geſagt, daß es Dir laſtig iſt, Fremde in Deinem Hauſe aufzunehmen — Schmitt. Wie meinſt Du das? Hackler. Ich muß Dich bitten, Dich zu erinnern, daß Du es ſelbſt warſt, der mir eine Wohnung au⸗ geboten. Schmitt. Dir wohl, aber nicht dem Herrn Dünkel⸗ mann mit ſeiner geſprächigen Ehehälfte. Hackler. Es iſt meine Sache nicht, jemanden beſchwer⸗ lich zu ſeyn, am wenigſten einem Freunde. Ei⸗ ne Wohnnng für mich iſt bald gefunden, ich will daher meine Sachen den Nachmittag nach dem Gaſthofe bringen laſſen. Schmitt. Biſt Du nicht klug? Hacklex. Man kann wohl einem Freunde auf einige Tage ein Zimmer einräumen, aber zweien auf einmal, dem einen mit ſeiner Tochter, dem andern mit ſeiner Frau, das iſt zu viel, und da es billig iſt, daß der Freund dem Ver⸗ wandten nachſteht, ſo will ich meine Wohnung dem Herrn Dünkelmann abtreten. Schmitt (unwillig.) Mach mich nicht noch verdrußlicher „ als ich ſchon bin. Am Ende werde ich mich nicht ein⸗ mal über Jemand ärgern durfen „ ohne daß Du es auf Dich beziehſt. Habe ich denn von 6 Dir geſprochen? Habe ich Dir auch nur mit inem Worte zu⸗ verſtehen gegeben, daß Du mir laͤſtig biſt? Hackler. Mein Gott, werde nur nicht ſo heftig. Du lagſt iminer über meine Empfindlichkeit, und nimmſt ſelbſt gleich jedes Wort übel. Schmitt. Das fehlte noch, daß Du mir einen ſolchen Vorwurf machſt. Gleich verſprich mir zu blei⸗ ben oder ich werde im Eriſte böſe. Hackter⸗ Sey nur ruhig, ich will ja bleiben. Schmitt. Das wollte ich Dir auch gerathen haben. Run gieb Deine Brieſe ab, ich will indeß mei⸗ ne Patienten beſuchen. Gehab Dich wohl, und ſey künftig nicht mehr ſo argwöhniſch, Du Profeſſor Wunderlich Du. n cab.) Hackler. Wunderlich hin, wunderlich her. Ganz ohne Beziehung hat er es doch nicht geſagt. — 90 Achter Auftritt. Hackler. Kaſper. Hackler⸗ Iſt er endlich da, mein Freund? aſper⸗ Ja, ich bin da, Herr Profeſſor. Hackler. Wie iſts? Hat er Herrn Bieder zu Hauſe getroffen? ⁵ Kaſper⸗ Ja, ich habe ihn zu Hauſe getroffen⸗ Hackler. Und die Antwort? Kaſper Gieht ein Villet aus der Taſche.) Hier iſt ſie. Hackler (ninmt es.) Geſchwind, gebe er her. Cter Seite) Ich weiß nicht, was ich von dem Kerl denken ſoll, ich glaube, er macht ſich luſtig über mich⸗ Sollte er etwa meine Abſicht erräthen. (nachdem er das Villet ertrochen raut) Das iſt ja nicht die Hand des Herrn Bieder. Kaſ per. Ganz natuͤrlich, er hat's auch nicht ſelbſt ge⸗ ſchrieben, ſondern ſein Commis. Hackler (betroſſen.) Sein Commis2 So? Hm! (ieg.) Neunter Auftritt. Vorige. Auguſie. Auguſte. Sie ſind noch nicht fort, mein Vater? Huckter. Nein, und werde dieſen Morgen auch nicht ausgehen. Ich erhielt ſo eben Antwort von Herrn Bieder. Auguſte (freudig.) Von Herrn Bieder? Hockler. Sein Commis benachrichtigt mich auf ſeinen Befehl, daß er noch dieſen Vormittag ſelbſt hie⸗ her kommen will, mich zu ſprechen. Angnuſte. Was wollen Sie mehr? Die Eile des guten alten Mannes muß Ihnen ſchmeichelhaft ſeyn. 102 Hackler (froßig.) O ja, ſehr ſchmeichelhaft. (zu Kaſper) Sucht er hier noch etwas, mein Freund? Kaſper. Nein, ich ſuche nichté. — Ich wollte Ihnen nur ſagen, daß im Comptoir noch ein junger Menſch war — Auguſte. Vermuthlich der Sohn des Herrn Bieber? Kaſper. Ja, ganz recht. Der wollte vor Freuden naͤrriſch werden, als er hörte, daß. Sie hier ſind. Der alte Herr Bieder wollte mir an⸗ fangs nur eine mündliche Antwort geben, ſein Sohn meinte aber, das ſey unſchicklich. Hackler. Er fand es alſo nicht einmal für noͤthig, mir ſchriftlich zu antworten? Hm, hm! Augnſte. Was haben Sie, mein Vater? Hackler. O ich habe nichts — Ceiſe zu Augnſten) Aber ſage mir uur, was dieſer Menſch eigentlich von mir will? Auguſte. Wie ſo, mein Vater? 102 „ . Hackler. Ich weiß nicht, ſein ganzes Betragen kommt mir ſo ſonderbar vor. Sieh nur, welche ver⸗ ächtliche Seitenblicke er nach mir herwirft. Auguſte. Mein Gott, ſehen Sie denn nicht, daß der Menſch ſchielt? Hackler Ceſchämt.) Er ſchielt? Das iſt etwas anders. — cgiebt ihm Geld) Da mein Freund, trink er ein Glas Wein auf meine Geſundheit. Kaſper. Ih, das lohnt ſich ja nicht einmal der Mühe. Hackler (bereibigt.) Wie? Er halt es nicht einmal der Mühe werth auf meine Geſundheit ein Glas Wein zu trinken? Fa Mein Gott, werden Sie nur nicht böſe, ich will es ja annehmen, und bedanke mich ſchoͤn⸗ ſtens. . (ab.) Zehnter Auftritt. Hackler. Auguſte, dann Ferdinand. Hackler. Beinahe hätt' ich dem Menſchen Unrecht ge⸗ than. Mein Argwohn war in der That grundlos. 105 Auguſte. Wenn Sie nur einſehen wollten, lieber Vater, daß das meiſtens der Fall iſt. Ferdinand (eilt, ohne Hackter zu bemerken, auf Avguſten zu.) Verzeihen Sie der Ungeduld, der Liebe, die mich antrieb, meinem Vater vorauszueilen. O theure Auguſte, wie freut mich Ihre Ankunſt! Sie iſt mir von glücklicher Vorbedeutung. Auguſte. Lieber Ferdinand, ſehen Sie denn meinen Va⸗ ter nicht? 5 — Hackler (pieirt.) Es iſt ſehr natürlich, daß der Liebhaber nur fuͤr den geliebten Gegenſtand Augen hat und den Vater uͤberſieht. Ferdinand. Ich bitte tauſendmal um Verzeihung, lieber Herr Profeſſor. Hackler. Nicht uUrſache. Seyn Sie mir willkommen, lieber Zoͤgling. Ferdinand. Ich hoſfte nicht, Sie ſo bald hier zu ſehen, 102 Hackler. Mein Hierſeyn hat eine wichtige Urſache. Ich bin gekommen, mich um die ledige Stelle bei dem hieſigen Lycäum zu bewerben. Ferdinand. Und hat Ihre Reiſe ſonſt keinen Zweck? Hackler (verlegen.) Was meinen Sie? Ich verſtehe Sie nicht. Welchen andern Zweck ſollte ſie haben? Ferdinand. Ich ſchmeichelte mir mit der ſüßen Hoffnung, daß Sie meinetwegen — Hackler Emit Ueterwindung.) Ja ſo, Sie meinen Ihre Verbindung mit meiner Tochter? — Ferdinand. Sie wird das Glück meines Lebens grůnden. Hackler. Ich längne es nicht, daß dieſe Verbindung auch mein Wunſch iſt. Ich kenne und ſchätze Sie. Wenn nur Ihr Vater Ferdinand. Können Sie an ſeiner Zuſtimmung zweifeln? 105 Hackler. Sie haben zwar Auguſten geſchrieben, daß er ſelbe gegeben — allein in ſeinen Brieſen an mich ſteht kein Wörtchen davon. Ferdinand. Jene Briefe waren Geſchäftsbriefe, mein Va⸗ ter iſt Kaufmann mit Leib und Seele; vermuth⸗ lich hielt er es für unſchicklich, wenn von Ge⸗ ſchäften die Rede iſt — Hackler. Ihr Herr Vater ſcheint wirklich ſehr mit Ge⸗ ſchäften überhäuft zu ſeyn, er fand nicht ein⸗ mal ſo viel Zeit mein Billet ſelbſt zu beantwor⸗ ten; und wuͤrde mich blos mit einem mündli⸗ chen Veſcheid abgefertigt haben, wenn Sie nicht die Unſchicklichkeit eingeſehen — Auguſte (tscheind.) War es das, was Sie vorhin übel genom⸗ men? Hackker. Uebel genommen? Dummer Schnack! Ich muß bekennen, daß mir ein paar eigenhaͤndige Zeilen von Herrn Bieder ſehr angenehm gewe⸗ ſen wären; aber übel genommen habe ich es deßhalb nicht. — Uebrigens ich es ſehr unartig von Dir, Auguſte, die Benßeru ngen Deines Vaters zu belächeln. 106 Augnuſte. Verzeihen Sie, lieber Vater; wenn ich lä⸗ chelte, geſchah s ſehr unwillkührlich. Hackler. „Als ob ich der Mann waͤre, der gleich alles ͤbel nimmt. Ferdinand ch Chat indeſſen Auguſten verſchiedene Zeichen gemacht.) S ackler (der es vemerkt.) Was ſoll dieſe Pantomime hinter meinem Ruͤcken? Macht ſich der junge Herr etwa auch luſtig uͤber mich? Ferdinand. Wie können Sie das von mir glauben, Herr Profeſſor? Ich wollte blos Mamſell Auguſten zu verſtehen geben, daß es noͤthig ſeyn dürfte, Sie auf meinen Vater vorzubereiten. — Er iſt der herzlichſte Menſch, der beſte Vater, aber ſein ungenirtes Weſen, ſeine rauhe Wahrheits⸗ liebe duͤrfte dem, der ihn nicht kennt, auffallen. Hackler. Bin ich denn ein Menſch, bei dem es der Um⸗ ſtände, der Foörmlichkeiten bedarf? Ein gerader offenherziger Biedermann, der das Herz auf der Zunge trägt, iſt mir lieber als ein abge⸗ 107 ſchliffener Complimentenmacher, der anders denkt, als er ſpricht. Ferdinand⸗ Hier kommt mein PVater. Eilfter Auftritt. Vorige. Bieder. Bieder. Na, da bin ich. Ohne Zweifel ſind Sie der Herr Profeſſor Hackler? Wie kann ich noch fragen, da iſt ja mein Haſenfuß von Sohn. Die Sehnſucht nach der Geliebten hat dem Galan Flügel gegeben. Das iſt alſo der Ge⸗ genſtaud Deiner berliebten Seufzer? Hm, recht hübſch, recht artig, haſt wahrhaftig keinen üblen Geſchmack- Nun, lieber Profeſſor, geben Sie mir Ihre Hand. Hackler (thut es mit einiger Verlegenheit.) Mein Herr — Bieder. Erlauben Sie, ich bin müde. (ſetzt ſich) Ihr andern könnt es halten, wie ihr wollt, denn ich liebe die libertas, libertatis. Sie ſehen Herr Profeſſor, ich bin auch einmal durch die Schule gelaufen. 106 —— Hackler. Mein Herr — Bieder. Machen Sie keine Umſtände, ich mache auch keine, wie Sie ſehen. Das iſt ſo meine Art und Weiſe. Aber wiſſen Sie auch, Profeſſor, daß ich große Luſt haͤtte, Sie auszuzanken. Hackler. Mich? Woruber? Ferdinand. Aber, lieber Vater — Bieder. Aber, lieber Sohn, laß Deinen Vater aus⸗ reden. — Ja, auszuzanken, und zwar recht tüchtig. — Wer Teufel hieß Sie, ſich da bei dem Doktor einquartieren, zu mir hätten Sie kommen ſollen. Hackler. Dieſer Vorwurf iſt mir zwar ſehr ſchmeichel⸗ haft, allein die Verhältniſſe, in welchen wir ſte⸗ hen — Bieder. Ja, die Verhälmiſſe — deswegen bin ich eben da, um die ins Reine zu bringen. — Die beiden jungen Leutchen lieben ſich, und möch⸗ 109 ten gerne ein Paar werden. Nun bin ich zwar reicher als Sie — Hackler (tetswigt.) Wie, Herr Bieder, Sie werfen mir meine Armuth vor? — Bieder. Soll mich Gott bewahren! Laſſen Sie mich nur erſt ausreden. Hackler. Sprechen Sie. Bieder. Ich wollte ſagen: Daß Sie nicht ſo reich ſind wie ich, das iſt nicht Svre Schuld; aber daß ich nicht ſo gelehrt bin wie Sie, das iſt meine Schuld. Mein Sohn und Ihre Tochter haben ſich ihre Liebe erklärt, mein Sohn hat mich davon unterrichtet, ſo wie Sie Ihre Tochter; nun fehlt weiter nichts, als daß ſich auch die Väter daruͤber verſtaͤndigen. Daß das noch nicht geſchehen, iſt blos Ihre Schuld. Schrei⸗ ben mir da ein gedrehtes, auf Schrauben ge⸗ ſtelltes Brieflein in Handelsangelegenheiten, wo⸗ von Sie, beiher geſagt, nicht das mindeſte ver⸗ ſtehen. Ich mache mir das boshafte Vergnügen, in demſelben Ton zu antworten, ohne mir mer⸗ ken zu laſſen, daß ich ſehr wohl einſah, daß das vorgeſchützte Geſchäft bios Rebenſache, die Verbindung unſrer Kinder aber Hauptuͤrſache Ihrer Correſpondenz war. Hackler⸗ Sie werden doch nicht glauben, daß ich die Abſicht hatte, meine Tochter Ihrem Herrn Sohn anzutragen? Bie der: Das nun wohl eben nicht. Sie wollten mir nur auf eine feine Weiſe den erſten Schritt ab⸗ nöthigen, wollten haben, daß ich Ihre Toch⸗ ter fuͤr meinen Sohn begehre. Hab ich's exra⸗ then? He? Nun, warum werden Sie denn über und über roth, wie ein gekochter Krebs? Hackter (ſehr verlegen.) Ich muß geſtehen, daß die Wahl Ihrer Ausdruͤcke — Ihr ſeltſamer Ton — . Bieder⸗ Ja, um die Wahl meiner Ausdrücke bekuͤm⸗ mere ich mich freilich nicht viel, ich ſpreche, wie mir der Schnabel gewachſen iſt, meine es deßhalb aber doch gut. Da wir uns alſo in unſern Briefen nichts geſagt haben, ſo wollen wir es jetzt mundlich thun, und zwar frei von der Leber weg. — Wollen Sie Ihre Tochter meinem Sohn zur Fran geben? Png 4 Hackler. Mein Herr — 111 Auguſte (reiſe zu Hackter.) Sie ſehen, daß er den erſten Schritt thut. Ihr Wunſch iſt alſo erfüllt. Hacklex (gezogen.) O ja — Ferdinand (reiſe zu Bieder.) Ich bat Sie doch, lieber Vater, in Ihrem Geſpraͤche etwas behutſamer zu ſeyn. Bieder (maut,) Ich glaube gar, der junge Herr will mich lehren, wie ich ſprechen ſoll. (zu Hackter) Die umſchweife und zierlichen Redensarten ſind mir in den Tod zuwider. Zum Beiſpiel: Darf ich mir mit der Hoffnung ſchmeicheln? Wollen Sie mir die Ehre erzeigen? Und wie der leere Schnick⸗ ſchnack alle heißen mag. Wer es ehrlich meint, geht gerade zu. Ich begehre Ihre Tochter fuͤr meinen Sohn, Sie ſagen ja, wie billig, und die Sache iſt abgethan. — Nun aber zur Haupt⸗ ſäche. Wie ſteht's mit der Ausſteuer? Ich ma⸗ che meinen Sohn zu meinem Associé und gebe ihm 10,000 Thaler zur Einrichtung. Was ge⸗ ben Sie Ihrer Tochter?, Ich weiß wohl, daß Ihre Umſtände Ihnen nicht erlauben, ein Glei⸗ ches zu thun, das verlange ich auch nicht. Thun Sie, was ſie können, es ſey ſo wenig, als es will, ich bin mit allem zufrieden. 1T2 Hackler. Ich bewundere die Art, mit welcher Sie Ih⸗ ren Reichthum geltend zu machen wiſſen, und bin nicht wenig erſtaunt, daß Sie das Glück unſrer Kinder wie einen Haudel abſchließen wollen. Bieder. Kommen Sie mir ſchon wieder mit Ihrer verwuͤnſchten Art? Handel bleibt Handel. Man muß ſich doch verſtändigen. — Alſo was kön⸗ nen Sie Ihrer Tochter mitgeben? Hackler. Auf eine ſolche Frage kann ich nichts erwie⸗ ern. Bieder. Wie, Sie können mir auf meinen hetzlich ge⸗ wünſchten Antrag nichts erwiedern? — Aha, ich merke ſchon! Ich hab's nicht recht gemacht, habe Sie beleidigt. Ja, ja, mein Sohn hat mir's wohl vorhergeſagt, daß Sie ein empfind⸗ licher Patron ſind, der jedes Wort übel nimmt. Hackler. Wirklich? Hat Ihr Herr Sohn ſich die Mü⸗ he gegeben, Ihnen mein Portrait zu mahlen. Ich bin ihm fur dieſe Gefaͤlligkeit ſehr verbun⸗ den. ˙ 2 115 Ferdinand. Sie machen mich ungluͤcklich, mein Vater. Bieder. Wie ſo unglücch? Warum ſoll ich's dem wunderlichen Heiligen nicht ſagen, daß ich ſeine Fehler kenne? Auguſte. Erlanben Sie mir, zu bemerken, daß man eben nicht empfindlich zu ſeyn braucht, um Ihre Veußerungen ſonderbar zu finden. Bieder. In, liebes Kind, das gebe ich gerne zu, ich habe auch meine Portion Fehler; wer hat deren nicht? Ich bin geradezu, auffahrend, mitunter auch ein Bischen grob, das weiß ich wohl. Warum haben Sie es nicht gemacht, wie mein Sohn, und Ihren Vater auf meine Narrheit vorbereitet? Anguſte. 3 Das würde ich mir nie erlaubt haben. 3 Bieder. Haͤtten's thun ſollen. Ich ſchäme mich mei⸗ ner Fehler nicht, denn ſie hindern mich nicht, ein ehrlicher Mann zu ſeyn. Ihr Bater mag mit meiner Derbheit, meiner Offenherzigkeit und meinem graden Weſen Nachſicht haben, ich H will ihm dagegen ſeinen Argwohn, ſeine Em⸗ pfindlichkeit, ſein Uebelnehmen paſſiren laſſen. — Da ſehen Sie nur, wie er daſteht — und das Maul hängt. 8 Hackler. Wie, mein Herr? ich — Bieder. Ja, ja, ſo iſt es. Sie ſollten bedenken, daß man, um mit einander zu leben, gegenſeitige Schwächen mit Geduld ertragen muß. Ich däch⸗ te, als Gelehrter ſollten Sie das wiſſen. Angnſte. Lieber Vater, wie oft haben Sie mir daſſelbe geſagt. Hackler. . † Ich weiß ſehr wohl, daß Nachſicht fuͤr menſch⸗ liche Schwäche die erſte Bedingung des geſelli⸗ gen Lebens iſt; auch iſt es keineswegs das Be⸗ nehmen des Herrn Bieder, was mich belei⸗ digt, ſondern der Werth, den er auf ſein Geld legt. Bieder. Wann haͤtte ich das gethan? — Es giebt Vater, die an meiner Stelle ganz anders ſpre⸗ chen würden. Mein lieber Herr Profeſſor, wür⸗ de ſech ein Vater ſagen, Sie ſind zwar ein grunogelehrter, verdienſtvoller Mann, gber was ——— ahe 15 nützt die Gelehrſamkeit des Vaters dem Schwie⸗ gerſohn, der ein Kaufmann iſt? Sie bewerben ſich um einen einträglichen Poſten? Gut, wir wollen erſt abwarten, ob Sie dieſen Poſten auch wirklich erhalten — Hackler. Aha, das iſt es alſo, was Sie wollen? Bieder (aufſtehend.) Nun habe ich's ſatt. Ei, mein Sohn, wel⸗ chen närriſchen Kauz haſt Du mir da über den Hals gebracht? Ich erſchöpfe mich in Artigkei⸗ ten, um ihm begreiflich zu machen, daß ich, ungeachtet meines Vermoͤgens, mich glücklich ſchätze, der Schwiegervater ſeiner liebenswürdi⸗ gen Tochter zu werden. Was iſt der Lohn mei⸗ ner Mühe? Schiefe Geſichter, und ſtachlichte Redensarten. Hackler (aufgebracht.) O mein Herr, Ihr Vermoͤgen ſoll auch Ihr Vermoͤgen bleiben. Wenn Sie ſich einbilden, mir durch Ihren Antrag eine Gnuade zu erzeigen, ſo irren Sie ſehr. Ich hoffe, daß meine Toch⸗ ter durch Ihre beleidigende Aeußerungen eben ſo ſehr indignirt ſeyn wird, gls ich. 6n Auguſte. Beſter Vater! Lieber Herr Bieder! 1 6 Bieder⸗ FJa wahrhaftig, wenn Sie nicht wären, lie⸗ bes Kind, der Teufel ſollte mich holen, wenn ich nicht alle Unterhandlungen mit dem empfind⸗ lichen Papa abbraͤche. Sehen Sie zu, was Sie uber ihn vermögen. Und Du, mein Sohn, er hat Dir ja ſo manche gute Lehre gegeben, ſag ihm nun auch, daß es ſehr unrecht ſey, den gutgemeinten Antrag eines ehrlichen Mannes mit ſchnödem Hohn von ſich zu weiſen, daß ich den erſten Schritt gethan, und daß es nun an ihm iſt, den zweiten zu thun. — Beim Himmel, wenn es durchaus nothwendig iſt, daß Jeder ſein Päckchen Fehler hat, ſo ziehe ich doch die meinigen den ſeinigen vor; iſt aber ſeine wun⸗ * derliche Gemüthsart eine Folge der Gelehrſam⸗ keit, ſo dank' ich meinem Schoͤpfer, daß er mich nicht gelehrt werden ließ. Adieu, alter Herr, nehmen Sie Vernunft an, ſonſt ſehn Sie mich wahrhaftig nicht wieder. (6ob.) Zwolfter Auftritt. Vorige ohne Vieder. Das iſt ja ein fürchterlicher Mannk Ferdinand. Ich erſtehe Ihre Verzeihung für ihn und für mich. « Kehren Sie ſich nicht au ſeine wauhe 117 Außenſeite, ſie birgt ein vortreffliches Herz. Ich eile ihm nach, um ihn beſauftigt zurück zu bringen. Dreizehnter Auftritt. Hackler. Auguſte. Hoackler. Nun, liebe Tochter, was ſagſt Du dazu? Auguſte. Ich vereinige meitte Bitte mit der meines Ge⸗ liebten. Seyn Sie nachſichtig, mein Vater, und ich bin glcklich in Ferdinands Armen. Hackler. Wie kannſt Du noch daran denken, nach den Hinderniſſen, welche der Alte abſichtlich Eurer Verbindung in den Weg legt. Auguſte. Hinderniſſe? Kann ich nun, nach ſeiner Aeußerung, wohl noch ein Wort davon fallen laſſen, bevor ich die einträgliche Stelle erhalten habe? Puguſte. Lieber Vater, er ſprach ja nicht von ſich, ſondern von andern Vätern, die ſo denken. 118 Hackler. Ja, ja, von Andern ſprach er, und ſich meinte er. Lehre mich die Menſchen kenn en! O ich verſtehe jedes und wenn man's auch nicht ſpricht, ſo errathe ich's. (Zieht das Empfehlungsſchreiben aus der Taſche.) Da will ich ſchleunigſt noch ein unangenehmes Geſchäft ab⸗ thun, und dieſes Empfehlungsſchreiben an die Schweſter des Miniſters abgeben. (es vetrachtend) Hm — es iſt doch ſonderbar, daß man es ſo ſorgfältig verſiegelt hat; bei einem Empfeh⸗ lungsſchreiben, dächte ich, wäre das eben nicht nöthig. Auguſte. — Sie werden doch nicht glauben, daß — Hackler. Man kann nicht wiſſen! Wenn man es ehr⸗ lich mit der Empfehlung meinte, warum hat man ſie mir nicht offen esegeben Vierzehnter Auftritt. Vorige. Herr Dünkelmann. . Hr. Dünkelmann chinter der Seene.) Setzt das Gepäcke nur hieher, bis meine liebe Frau kommt, und habt wohl Acht, dat dem guten Möpschen nichts zu Leide geſchieht. — 1¹9 (tritt ein) Ihr Diener, mein Herr. Der liebe Doktor iſt ausgegangen, wie ich höre. Das iſt mir ſehr unangenehm. Meine liebe Frau, die vorher noch etwas zu beſorgen hat, wünſcht, daß er ſie zu einem ſeiner guten Freunde beglei⸗ ten ſoll, der die Stelle zu vergeben hat, welche zu erhalten ich hier bin. S Hackler (vei Seite.) Eine Stelle? (raut) Dürfte ich wohl, ohne unbeſcheiden zu ſeyn, fragen, was für eine Stelle es iſt, die Sie hier ſuchen. Hr. Dünkelmann. Vor Ihnen, als dem alten Freunde meines theuren Herrn Vetters, brauche ich kein Ge⸗ heimniß daraus zu machen. Es iſt die vakante Profeſſur am hieſigen Lycäum. Hackler. Hoͤre ich recht? — Sie wollen — Hr. Dünkelmann. Profeſſor am Lycaum werden. Und es kann mir gar nicht fehlen, denn meine liebe Frau hat mir verſprochen, es durchzuſetzen, und meine hiebe Frau ſetzt alles durch. Hackler. Aber beſitzen der Herr Dünkelmann auch 2 e die nöthigen Fähigkeiten? 220 —— Hr. Duͤnkelmann. Noch nicht, aber das wird ſich finden. Sie kennen ja das Sprichwort: Wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch Verſtand. Zudem habe ich den Muſe ſen von jeher gehuldigt; ich bin Schtiftſte ler, müſſen Sie wiſſen, ich habe zwei Suſetntſhihlen geſchrieben und eine fran⸗ zöſiſche Tragoͤdie in deutſcher Proſa uͤberſetzt. Hackler Cſpottiſch.) Vicht moͤglich. Hr. Dänkelmann. Sie ſehen alſo, daß ich nicht ohne Verdienſt bin; aber das Verdienſt allein reicht nicht hin, Protection iſt die Pauptfache, und da ich der Verwendung des lieben Doktors gewiß bin — . S Hackler (erſtaunt.) Wie, er hat Ihnen ſeine Verwenduͤng zuge⸗ ſagt? Hr. Dünkelmann. O der gute Doktor iſt die Dienſtfertigkeit ſelbſt. Und bin ich nicht ſein Vetter? Hackler Cleiſe.) Nun, Auguſte, habe ich noch Umecht, miß Ftrauiſch zu ſeyn? 121 Hr. Dünkelmanh. Ich fand zwar noch keine Gelegenheit, ihm zu ſagen, in welcher Angelegenheit ich ſeiner Huͤlfe bedarf; aber, kenne ich ſeine Bereitwil⸗ ligkeit nicht? . Anguſte. 6 r Freund weiß ja die Da hören Sie es, Ihr d Dünkelmann noch nicht Abſicht des Herru einmal. g . Hr. Dünkelmann. Aber, wo finde ich den braven Mann? Ich ſoll auch ausgehen, um ſelbſt einige Schritte in der Sache zu thun. Ah, da kommt er ja. Funfzehnter Auftritt. Vorige. Schmitt. Hr. Dünkelmann tihm entgegen.) Sie kommen wie gerufen, lieber Herr Vet⸗ ter. Apropos! Ich fand vorhin nicht Gelegen⸗ heit, Sie genauer mit meiner Abſicht bekannt zu machen. Wiſſen Sie auch, um welche Stelle ich mich zu bewerben hier bin? Es iſt die le⸗ dige Profeſſur am hieſigen Lycäum. Schmitt. ie, Sie wollen Profeſſor werden? 122 Hr. Dünkelmann. Ich kann keinen ſchicklichern Platz fuͤr mich finden. Man ſagte mir, daß der Rath Wahr, der die Stelle zu vergeben hat, Ihr intimer Freund iſt. Schmitt. Da hat man Ihnen die Wahrheit geſagt. Ich komme ſo eben von ihm. Hr. Dünkelmann. Verdammt, warum habe ich mich nicht fruͤ⸗ her erklärt. Sie haͤtten die Sache bereits ein⸗ leiten, und den Herrn Rath auf mein Geſuch vorbereiten koͤnnen. Schmitt. Beruhigen Sie ſich, ich traf ihn nicht zu Hauſe. Hr. Dünkelmann. Nicht? Um ſo beſſer. Meine Frau wird gleich hier ſeyn. Sie ſollen ſie zu Ihrem Freunde begleiten, mein Geſuch unterſtützen. Wir haben keine Zeit zu verlieren, denn ich hoörte, daß ich einen Nebenbuhler habe. Schmitt. Den haben Sie, und zwar einen Mann von Verdienſt. * Hr. kelmann. O was hilft das Verdienſt.! Emnpfehlungen thun das meiſte. Und dann, habe ich nicht auch Verdienſte? Schmitt (ironiſch.) Dieſe ſind mir bis Dato nicht bekannt. Hr. Dünkelmann. Haben Sie meine Geiſtesprodukte vergeſſen? Schmitt. Ihre Produkte kenne ich wohl; den t habe ich aber nicht gefunden. Hr. Dünkelmann. O Sie loſer Schalk, was Sie ſo artig zu ſcherzen wiſſen. Doch, nun muß ich gchen⸗ Meine Frau wird gleich hier ſeyn, und ſich Ih⸗ ren Arm ausbitten. Adieu, Herzens⸗Vetter! Es kann mir nicht fehlen. Ihre Verwendung und die Zunge meiner lieben Frau — Es iſt ſo gut, als haͤtte ich die S le ſchon. (a.) S Auftritt. Vorige ohne Dünkelmann. Schmitt (lachend.) Haſt Du wohl in Deinem Leben einen einge⸗ bildeteren Narren geſehen? Hackler. Ich muß geſtehen, daß mich die Art, mit welcher Du ihn behandelt haſt, etwas befremdet. Schmitt. Ich behandle ihn, wie er es verdient. Hackler. Aber wäre es nicht Pflicht eines rechtſchaffe⸗ von ihm denkſt? Schmitt. Hab' ich das nicht gethan? Hackler. Ja, aber auf eine ſo zweideutige Art, daß er doch immer noch glanben kann, was er will. Und ging er nicht ganz zufrieden hinweg? Schmitt. Wohl ihm, wenn er einen ſo guten Magen Wäckler. Laß uns aufrichtig ſprechn. Glaubſt Du, daß Herr Dünkelmann mit größerem Rechte Anſpruch auf die Stelle machen kann „als ich, ſo will ich Dir nicht im Wege ſtehen, denn ich habe keine Geiſtergeſchichten geſchrieben, und keine Tragödien üͤberſetzt. nen Manmes, ihm geradezu zu ſagen, was Du 125 Schmitt. to — — Das 6 i Auguſte. Lieber Vnter, Sie beleidigen Herrn Schmitt durch Ihren nhgegründ deten Ve erdacht. Hackler. Beleidigen? Das wollte ich nicht. — Nun ja, ich ſehe ein, daß ich ein Querkopf bin. Nimm's nicht übel, lieber Freund! Vergiß, was ich ſagte; ich vertraue Dir gänzlich. Nun will ich zur Schweſter des Miniſters gehen, und den Brief abgeben. — Moch ſey nicht böſe, und halte mir dann und wann ein Woͤrtchen zu Gute. cas.) Siebzehnter Auftritt, Vorige ohne Hackler. Schmitt. 3 Wenn er immer ſo waͤre, dann moͤchte es noch angehen. Au guſte. 8 Sie wiſſen nicht⸗ was indeſſen alles vor⸗ gefallen iſt. Herr Bieder war hier. Schmitt. Und Ihr. Vater hat ſich mit ihm ſen? Das konnte ich denfen. 7 126 Auguſte. Er glanbt, Herr Bieder halte mich nicht fuͤr reich genug. Stellen Sie ſich die Verlegen⸗ heit vor, in welcher ich und mein Geliebter uns befanden. Achtzehnter Auftritt. Vorige. Ferdinand. Auguſte. Hier iſt mein Ferdinand. (auf Schmitt zei⸗ gend) Herr Doktor Schmitt. Schmitt. Doktor? Ja, das bin ich, und habe ſchon manchen Kranken geheilt; aber den bedenklich⸗ ſten Patienten, meinen alten Freund, habe ich eben in der Kur, und was ſeinen Zuſtand noch bedenklicher macht, iſt, daß er nicht einmal 1 krank ſeyn will. Aber wie weit ſind Sie mit Ihrem Herrn Vater, junger Herr? —————— . Ferdinand. Der hat das Vorgefallene ſchon lange w der vergeſſen. Leute von ſeiner Gemüth 1 werden eben ſo geſchwind wieder gut, als ſchnell auflodern. Ich bin gewiß, er wird wieder hier ſeyn, um ſeinen Fehler gut zu chen. 3₰ 1 en Schmitt. Nun wohlan. Ich gehe jetzt zu Wahr, um mich füͤr den alten Herrn wegen der Profeſſur zu verwenden. Verwenden Sie ſich beide bei Ihren Vaͤtern. Sie, Mamſell, mögen durch Ihre Sanftmuth die üble Laune des Papa's verſcheuchen, und Sie, junger Herr, bearbeiten Ihren Vater, damit er ſich einige Augenblicke Zwang anthue, nur ſo lange bis der Contract unterſchrieben iſt. . Ferdinand. Ich verſichre, daß mein Vater den beſten Willen von der Welt hat; aber leider vergißt er nur gar zu leicht, was er ſich vorgenommen, † fällt aus der Rolle, ehe man ſich's ver⸗ ſieht. Auguſte. Wir wollen ihnen nicht von der Seite ge⸗ hen, und es wo möglich zu verhuͤten ſuchen. — Ferdinand. Ich will meinen Vater holen. Spricht er, ſo wie ich's ihm vorſagte, dann bin ich über⸗ zeugt, daß er Herrn Hackler nicht mißfallen wird. (at.) 123 Neunzehnter Auftritt. Schmitt. Anguſte, gleich darauf Madam Dünkelmann. Schmitt. Und ich will mich jetzt auch auf den Weg nachen, ehe mir die theure Frau Muhme uber den Hals kommt. (witt ſort.) Da hat ſie der Teufel ſchon. Mad. Dünkelmann. Ich bitte tauſendmal um Verzeihung, lieber Herr Vetter, daß ich auf mich warten ließ. Laſſen Sie uns keine Zeit verlieren. Mein Wa⸗ gen ſieht vor der Thuͤre. Der Herr Rath Wahr erwartet uns. Ich ließ ihn in Ihrem Namen erſuchen, zu Hauſe zu bleiben. Nicht wahr, das habe ich recht gemacht. Schmitt. Ich muß Ihnen nur aufrichtig ſagen Mad. Dünkelmann. Nicht jetzt, Herzens⸗Vetter, denn unſe Zei iſt gemeſſen. Im Wagen moͤgen Sie mir er⸗ zählen, was Sie mir zu ſagen haben. Ich will Ihnen dagegen erzählen, was ich bereits für Schritte gethan. Ich habe indeß zehn Vi⸗ ſiten gemacht, in zehn Häuſern Karten abgege⸗ ben. Auch habe ich nicht ermangelt, das Pro⸗ 129 feſſorchen aus dem Landſtädtchen, der ſich ein⸗ fallen läßt, unſer Rebenbuhler zu ſeyn, ins ge⸗ hörige Licht, oder vielmehr in den gehoͤrigen Schatten zu ſiellen. Schmitt. Deſſenungeachtet glaube ich — Mad. Dünkelmann. Ja, in ſolchen Fällen muß man niemand ſcho⸗ nen, da iſt man ſich ſelbſt der Nächſte. — Der Baronin Soller, der liebenswurdigen Schweſter des Herrn Miniſters, habe ich gleich⸗ falls meine Aufwartung gemacht. Eben, als ich ſie verließ, kam der Vater der lieben Mam⸗ ſell da. Ich ſprach ihn im Vorzimmer, und at ihn, ſich bei der Frau Baronin fuͤr meinen ann zu verwenden. Man kann nie genug Fürſprecher haben. — Schmitt. Wollen Sie nun aber wohl ſo gütig ſeyn, und mich auch einmal zu Worte kommen laſ⸗ ſen⸗ Mad. Dünkelmann. Nicht hier, liebſtes beſtes Vetterchen, be dem Rath Wahr, da mögen ſie ſprechen, da ſollen ſie das Wort ganz allein führen, und glauben Sie nicht etwa meine Beſcheidenheit J — zu verletzen, wenn Sie etwa zu viel Gutes von meinem Manne in meiner Gegenwart ſprechen. Geniren Sie ſich meinetwegen gar nicht. Man kann in ſolchen Fällen nicht genug thun. Nun, wenn Sie's denn durchaus haben wol⸗ len, meinetwegen. (bei Seite) Du ſollſt an mich denken. . . Mad. Dünkelmann (zu Auguſten.) Leben Sie wohl, liebes Kind. Nehmen Sie es nicht ubel, daß ich Sie ſchon wieder verlaſſe, aber Sie wiſſen wohl, Geſchäfte gehen allem vor. Wir wollen nicht ſäumen, ſo bald als möglich zurück zu kommen. Sollte Ihr Herr ater vor uns wieder hier ſeyn, ſo ſeyn Sie doch ſo gütig, ihn zu fragen, was er für mei⸗ nen lieben Mann gethan hat, und empfehlen Sie uns ihm nochmals; ſagen Sie ihm, da er ſeit 50 Jahren der Freund des lieben Doktors iſt, ſo hoffen wir gleichfalls ein Recht zu haben, auf ſeine Freundſchaft Anſpruch machen zu dür⸗ fen. — Adien! Adien! Ihren Arm, Hetzens⸗ Doktor! . 3 (Mit Schmitt ab., S Zwanzigſter Auftritt. Auguſte, dann Hackler. Auguſte. „ Wahrlich, Hert und Madan Dünkelmann ſcheinen für einander geſchaffen, ſie ſind beide gleich eingebildet, gleich zudringlich, und gleich abgeſchmackt. Hockler e (tritt finſter ein.) 3 Auguſte. echn zurück, lieber Vater? . Hackler. e Wie Du ſiehſt. Auguſte. Sind Sie etwa nicht vorgelaſſen worden? Hackler. Auguſte. Oder hat die Baronin Sie nicht ſo aufgenon⸗ men, wie Sie erwarteten. Hackl er. Im Gegentheil. Sie war uͤber alle Erwar⸗ tung herablaſſend und gnädig. Ich bin Ihrer Fürſprache gewiß. Auguſte. Was iſt alſo die Urſache Ihrer uͤblen Laune? Hackler. Ich werde mich wohl huten, Dir etwas zu ſagen, denn weiß ich nicht, wie gut der Dok⸗ tor bei Dir angeſchrieben iſt. Auguſte. Er iſt alſo die Urſache dieſes finſtern Geſichts? Packler Ja, er. Oder ſollte ich mich etwa daruͤber freuen, daß er, der ſich meinen Freund neunt, ſo eben mit der abgeſchmackten Madam Duͤn⸗ telmann ausfährt? Daß er, ungeachtet ich ganz nah an den Wagen trat, ſich ſtellte, ſähe er mich nicht, den Kopf blitzſchnell auf die andere Seite drehte, und angelegentlich mit der theuren Muhme ſprach. (ſpöktiſch) Aber freilich, das war bloßer Zufall, ſie ſprachen von ganz andern Dingen, als von mir. Ma⸗ dam Dünkelmann lachte zwar laut auf, aber nicht über mich, Gott behuͤte, wie wäre das möglich! Wer wird ſo argwoͤhniſch ſeyn. — Wo ſie nur hingefahren ſeyn mogen? Spazieren, ohne Zweifel. Auguſte. Nein. Sie fuhren zu dent Herrn Rath Wahr⸗ ₰* * — 4 — B— R — Hackler. Zu Wahr? Zu dem Rath Wahr? Auguſte. Madam Dünkelmann kam und zwang den Doktor, ohne daß Sie ihn zu Wort kommen ließ, ſie zu dem Herrn Rath zu begleiten, um ſich bei ihm fuͤr Ihren lieben Mann zu verwen⸗ en. Hackler. Nun da haben wir's. Habe ich noch Un⸗ recht, wenn ich Niemanden traue. Augnuſte. Mein Vater, erlauben Sie mir, Ihnen zu ſa⸗ gen, daß Sie Ihren Freund durch dieſen Arg⸗ wohn auf das empfindlichſte beleidigen. Wie können Sie glauben, daß er, der mit ſolcher Warme an Ihnen hängt, wider Sie handeln könnte? Ich war Zeuge von der Zudringlichkeit der Madam Duͤnkelmann; der Doktor konnte, ohne unhoͤflich zu werden, es gar nicht vermei⸗ den, ſie zu begleiten; aber ich bin feſt über⸗ zengt, daß er nur zu Ihrem Beſten ſprechen wird. . S Hackler (nachgebend.) Nun, nun, beruhige Dich nur, ich will's ja glauben, ich kann mich irren, ja — aber — 154 Aug uſte. Wenn Sie es nur kinſehen wollten, wie Un⸗ recht Sie den Menſchen manchmal thun, wie ſehr Sie ſie mißverſtehen. Heockler. Nun ſ „das kann wohl manchmal der Fall ſeyn, aber nicht immer. Da iſt zum Beiſpiet Herr Bieder; habe ich den etwa auch mißver⸗ ſtanden? Anguſte. . Allerdings. Er wird hoffentlich gleich ſelbſt hier ſeyn, um Sie davon zu uberzeugen. Hackler. Was, er ſollte felbſt wieder kommen, der heftige, eigenſinnige Mann? Das geſchieht nun und nimmermehr. Auguſte. Da iſt er ſchon. Hackler. t möglicht — Ja, wahrhaftig. Ein und zwanzigſter Auftritt. Vorige. Bieder. Ferdinand. Bieder (im Eintreten zu Ferdinande) Laß mich nur machen, ich will mit ihm um⸗ † gchen, wie mit einem rohen Ei. (taut) Nun e — ——— Herr Profeſſor, da bin ich wieder, um Ihnen zu zeigen, daß ich ein verſöhnlicher Mann bin, und daß mir an Ihrer Freundſchaft gelegen iſt. (teiſe zu Ferdinand) War's ſo recht? 11 Ferdinand (Eeiſe.) Ganz vortrefflich. „ Hackler (vertegen.) 4 O mein Herr Bieder — in der That, Sie beſchämen mich. (reiſe zu Anguſten) Der Mann iſt doch ſo übel nicht. 2 Auguſte. Nicht wahr? Bieder. Ich war ein Narr, daß ich mich vorhin über Sie argerte, lachen hätte ich ſollen. Ferdinand Ceiſe.) Lieber Vater! Bieder (eintenkend.) E Ich bitte um Verzeihung. Nicht lachen, nein, ſoll mich Gott bewahren, man muß nie über andere Leute lachen, ſintemalen Jeder ſein Päck⸗ chen Fehler hat, wie ich ſchon die Ehre hätte Ihnen zu ſagen, ſintemalen kein Menſch voll⸗ kommen iſt, da die Vollkommenheit des Men⸗ ſchen eine Sache iſt, die der Artigkeit, die — X 5 kreiſe zu Ferdinand) Jetzt ſprich Du, denn ich bleibe in der Artigkeit ſtecken. Ferdinand. Herr Profeſſor, mein Vater kommt blos IJh⸗ nen zu ſagen, daß eine nähere Verbindung mit Ihrem Hauſe ſein liebſter Wunſch iſt, und daß es ihm nie einfallen konnte, ſeinen Reichthum gegen Sie geltend zu machen. Bieder. Riemals, das kann ich beſchwören. Ferdinand. Sie mögen die geſuchte Stelle erhalten oder nicht, ſo wird er dennoch mit Freuden Augu⸗ ſten ſeine Tochter nennen. Bieder. Gewiß. Ich ſehe auch gar nicht ein, warum nicht. Bin ich etwa mehr als Sie, weil ich Geld habe? Sind Sie nicht dagegen ein Ge⸗ lehrter, haben Sie nicht meinen Sohn zu einem braven Mann gebildet? Das, was ich für Ihre Tochter thun kann, iſt nur eine Kleinigkeit ge⸗ gen das, was Sie an meinem Sohn gethan haben. Sie mögen Ihrer Tochter eine Aus⸗ ſtener geben oder nicht, gleichviel; die jungen Leute muſſen einander bekommen, denn die Liebe hat ihnen nun einmal den Kopf verdreht — Hackler. Meine Tochter hat mir zwar vertraut, daß ihr Herz für Ihren Herln Sohn nicht gleich⸗ gultig iſt; aber, daß die Liebe ihr den Kopf ver⸗ dreht hat — Auguſte. Ich erröthe nicht, ein Gefuͤht zu bekennen, das Ihre Genehmigung hat; mein Vater, das wollte Herr Bieder vermuthlich ſagen. Bieder. Ja, ganz recht, das wollte ich ſagen. Sto⸗ ßen Sie ſich nicht an dem Ausbruck. Hackler. Wie ſollte ich das, da jedes Ihrer Worte mir die Güte Ihres Herzens zeigt. Was die Ausſteuer anbetrifft, ſo erwarte ich von Ihrer Großmuth, daß Sie mir kein Verbrechen dar⸗ aus machen werden, wenn meine Armuth — Bieder (heftis.) Ei zum Henker! Seit wann iſt es denn ein Verbrechen, nicht reich zu ſeyn? Ferdinand. ₰ Beſter Vater! Bieder (eiſe.) Was willſt Du denn? Ich ſagte ihm ja eine Artigkeit. ſind empfindlich, übelnehmend — Auguſte. Mein Vater wollte nur ſagen, daß, wenn er anch nicht im Stande iſt, mir eine eben ſo reiche Ausſtener zu geben, als Sie Ihrem Sohne beſtimmen, ſeine Umſtaͤnde ihm dennöch erlau⸗ ben, mir ein Sümmchen mitzugeben, welches nicht zu verſchmähen er Sie bittet. . Bieder. Ei bei Leibe! — Aber hören Sie, alter Herr, ir wollen uns uͤber eine Sache vereinigen. Sie Ferdinand (ſidßt ihn.) Bieder Ceintentend.) Nein, nein, nicht empfindlich, nur ein we⸗ nig zu delikat, wollte ich ſagen. Ich bin dage⸗ gen heftig, mitunter grob, das paßt nicht. Wie waäre es, wenn wir unſere Geſchäfte durch un⸗ ſere Kinder ausmachen ließen? Mein Sohn ſoll Ihnen erpliciren, was ich ſagen wollte, damit Sie nicht beleidigt werden, und Ihre Tochter ſoll mir ſagen, was Ihnen nicht recht iſt, da⸗ mit ich den Stein des Anſtoßes aus dem Wege räume. Sind Sie das zufrieden? Hackler. Von Herzen gern. — ———— — 130 Zwei und zwanzigſter Auftritt. Vorige. Herr Dünkelmann⸗ Hr. Duͤnkelmann. Wuͤnſchen Sie mir Glück, meine Herren. Die Profeſſur iſt mein. Hackler. „ Hr. Dunkelmann. S Es iſt ſo gut, als hätte ich das Anſtellungs⸗ dekret ſchon in der Taſche. Ich komme ſo eben von Sr. Erzellenz, unſerm göttlichen Miniſter. Gott, was ſind der Herr gnaädig! Sie wollten mich anfangs nicht vorlaſſen, aber ich ließ mich nicht abweiſen, und trgt mit dem Kammerdie⸗ ner zugleich in Dero Kabinett. Dieſelben wa⸗ ren eben in einer wichtigen Arbeit begriffen, und ſchienen anfangs etwas ungehalten über mich, als ich aber ſagte, daß ich ſo glücklich ſei, mich der Protection ſeiner gnädigen Frau Schwe⸗ ſter und des Raths Wahr zu erfrenen, da er⸗ heiterte ſich die hehre Stirne, und dem edlen Munde enrſtrömten die ſüßen Worte: Sie ſol⸗ len die Stelle haben, Herr Profeſſor. Rath Wahr hat deßhalb ſchon meine Befehle. Bieder (leiſe zu Auguſten.) Was iſt denn das für ein naͤrriſcher Patron, Augt ſte. Es iſt Herr Dünkelmann, der ſich um die⸗ ſelbe Stelle bewarb, welche meinem Vater zu⸗ geſgt war. Bieder. und ein ſolcher Haſenfuß wird einem Manne, wie Ihr Vater iſt, vorgezogen? (aut zu Hac⸗ rer) Nun, liebe. Freund, das ſul nichts an⸗ dern, wenn Ihnen der Herr da die Stelle auch wegſchnappt, ſo bleibt es doch beim Alten. Hr. Dünkelmann. Was hore ich? Der Herr iſt mein eeiiß⸗ ler? Drei und zwanzigſter Auftritt. Vorige. Mad. Dünkelmann. Schmitt. Mad. Dünkelmann. Abſchenliche Verrätherei. Schmitt. Sie wollten es ja nicht beſſer haben. Mad. Dünkelmann. Nein, es iſt nnerhoͤrt. Aller Welt will ich es erzählen! O hoͤren Sie doch, meine Herren, wie der Herr Doktor mit ſeinen eigenen Bluts⸗ verwandten umgeht. Ich führe ihn zu dem Rath Wahr, in der Erwartung, daß er ſich dort verwende, damit mein Mann die Stelle —— bekomme; was thut er, in meiner Gegenwart ſpricht er zu Gunſten eines Andern, und erhält die Profeſſur für ihn. Hr. Duͤnkelmann. Was hore ich? Mad. Dünkelmann. Und da ich ihn daruͤber zur Rede ſtellte, hat er die Dreiſtigkeit, mir zu antworten: Ihre Schuld, Madam, hätten Sie mich zu Worte kommen laſſen, ſo wuͤrde ich Ihnen geſagt ha⸗ ben, daß ein Andrer guͤltigere Anſprüche auf die Anſtellung habe. Und wer meinen Sie wohl, meine Herren, wer der Protégé des Herrn Doktors iſt. Niemand anders als das Land⸗ ſchulmeiſterlein, von dem ich Ihnen heute ſagte — Hackler. Landſchulmeiſterlein?! Hr. Duͤnkelmant. Stille, liebe Frau. Das iſt unſer Neben⸗ buhler⸗ . Mad. Duͤnkelmann. Nicht moͤglich! 5 Hackler (zu Schmitt.) Wie ſoll ich Dir danken, lieber Freund? . Schmitt. 6 Nicht mir, dem Rath Wahr biſt Du Dauk ſchuldig. Er hat unſere alte Freundſchaft nicht 8 142 vergeſſen. Dein Name allein reichte ſchon hin, Dir den Platz zu verſchaffen, er war Dir ſchon beſtimmt, ehe ich fuͤr Dich ſprach. Ich hoffe, nun wirſt Du Dich doch nicht weigern, bei ihm zu eſſen. Hackler. Wie könnte ich — Schmitt. Um auch die letzte Bedenklichkeit zu verban⸗ uen, ſendet er Dir hier die förmliche Einla⸗ dungskarte. Sie, Herr Bieder, ſind gleich⸗ falls gebeten. Bieder. Soll mich frenen, den wackern Mann naͤher kennen zu lernen. Nun, dem Himmel ſei Dank, ſo wären wir denn glücklich am Ziele. Weiß Gott, ich habe Angſt genug ausgeſtanden. (zu Hackter) Nun, alter Herr, Ihre Hand her. Friede und Freundſchaft von nun an, auf ewige Zeiten; legen Sie meine Worte nicht auf die Wage, und werden Sie nicht gleich böſe, wenn ich manchmal über Ihre Wunderlichkeit lachen muß. 2 Hackler. 8 Lachen Sie in Gottes Namen, wenn es nicht anders ſeyn kann; aber thun Sie mir nur den Gefallen und lachen Sie ganz leiſe. S——— Die Verwandten des Groß⸗Veziers. Poſſe in einem Aufzuge Perſonen. Harun al Raſchid, Kalif von Vagdad. Giaffar, Groß⸗Vezier. Kaled, ein armer Schuſter. Ruſtaf, ein alter Schuſter⸗ Ageli, deſſen Tochter. Osmin⸗Kaled. Haſſan⸗Kaled. Nadir⸗Kaled. Agar⸗Kaled⸗ Mehrere Verwandte. Sklaven. 3 „ Das Theater ſtellt einen Saal im Pallaſte des Kaliſen vor. Erſter Auftritt. Giaffar. Der Iman ruft bereits zum Morgengebet und der Kalif iſt noch nicht zuruͤck! Sein langes Ausbleiben beunruhigt mich. Dieſe nächtlichen Wanderungen können leicht einmal ubel ablau⸗ fen. Welchen Unannehmlichkeiten, welchen Ge⸗ fahren ſetzt ihn ſeine Neugierde aus. Doch ſtill, ich höre Gerauſch — er iſt's. Zweiter Auftritt. Der Kalif, (in der Kleidung eines Reiſenden.) Giaffar. Giaffar. Allah ſei gelobt, der den Beherrſcher der Gläubigen ſchirmend umgiebt. Schon furchtete ich, daß Unannehmlichkeiten Deine Wanderung — Kalif. Ganz recht, der Anfang meines nächtlichen Spa⸗ zierganges war allerdings unangenehm. Schon K faͤrbte ein Purpurſaum den Horizont, und noch war mir kein Abentheuer aufgeſtoßen. Verdrüß⸗ lich ſchlug ich den Weg nach dem Pallaſte ein, da ſtieß ich auf einen armen Teufel, der ſich mit Thränen und Seußzern die Zeit vertrieb. Giaffar. Das iſt eben nicht der angenehmſte Zeitver⸗ treib. Kalif. So dachte ich auch, indeß ward doch meine Neugierde dadurch rege; weil aber der Tag be⸗ reits anbrach, ſo wollte ich ihn auf der Straße, die ſchon hie und da belebt ward, nicht befra⸗ gen. Ich habe einen meiner Sklaven ausge⸗ ſchickt, ihn zu holen. Da iſi er ſchon. Dritter Auftritt. Vorige. Kaled (von einem Stlaven hereingeführt, der ſich gleich wieder entfernt⸗) Kaled. Was ſoll ich aber hier? Tritt näher. Fürchte nichts. Kaled. Wer nichts zu verlieren hat wie ich, der hat guch nichts zu fürchten. 147 Kalif. Biſt Du unglücklich? Kaled. Das ſiehſt Du ja wohl. Kalif. Willſt Du mir die Urſache Deines Kummers nicht anvertrauen? Kaled (verdrußlich.) um meinen Kummer haſt Du Dich nicht zu bekümmern. Kalif. Warum nicht? Kaled. Weil Du mir nicht helfen kannſt. Kalif. Wer weiß. Ich bin mächtiger als Du viel⸗ leicht denkſt. Kaleß. Und wenn Du der Kalif ſelbſt waͤrſt, ſo kannſt Du mir doch das nicht geben, was mir fehlt, um glucklich zu werden. Es kommt auf einen Verſuch an. Wie, wenn ich ein guter Genius waͤre, den der Pro⸗ phet Dir zu Huͤlfe ſendet. K aled (freundlich.) Ja wenn Du das wäreſt, dann wäre mir freilich geholfen. Aber alsdann mußt Du auch wiſſen, was mir fehlt, ohne daß ich nöthig habe, es Dir zu ſagen. — Dann mußt Du wiſſen, daß ich verliebt bin, raſend verliebt in die ſchöne wunderliebliche Ageli, die Tochter eines eben ſo armen Schuſters, als ich ſelbſt einer bin. Du mußt wiſſen, daß man mir das liebe Taͤubchen verweigert, weil ſie einen Vater hat, Bräder, Oheime und Muh⸗ men, und ich keine, gar keine Verwandte be⸗ ſitze. Da ſpricht nun der Vater, ich ſey ein Menſch ohne Anverwandte, ein Fremdling, dem er ſeine Tochter nicht geben könne, und da hat er ganz recht, denn ich weiß von meiner Perkunft nichts weiter, als daß mein Vater Kaled hieß, daß meine Mutter nach meiner Geburt ſtarb, daß ein armer Schuſter ſich mei⸗ ner erbarmte, mich erzog, mich ſein Handwerk lehrte, und mir, da er ſtarb, ſeine kleine Bude vermachte. Das mußt Du ja alles wiſſen? Kalif (rächernd.) Ganz recht, ich weiß es. 2 Kaled. So weißt Du alſo auch, daß ich ſeit mei⸗ ner Kindheit meinen Vater vergebens ſuche, und 149 daß ich doch einen haben muß, weil Jedermann einen hat. KJalif. Sehr richtig. Und ſo viel ich mich erinnern kann, giebt es in Bagdad eine Menge Leute, die den Namen Kaled fuͤhren; da iſt: Ka⸗ led Haſſan, Kaled Osmin, Kaled Na⸗ dir. . Kaled. Ganz recht. Ich bin auch bei allen der Reihe nach geweſen, und habe mich erkundigt, ob ſie nicht mit mir verwandt waͤren; da ſie aber hoͤr⸗ ten, daß ich ein armer Schuſter bin, wieſen mir alle zornig die Thuͤre. Giaffar. Eben fällt mir ein, daß vor ungefähr drei⸗ ßig Jahren ein Kaled ſich mit ſeiner Familie verfeindete, weil er eine ſchöne, aber arme Cir⸗ caſſerin zum Weibe nahm. Kaled. Arm? Ja, das war meine Mutter. Kalif. Kaled! Kaled. Herr! N Es iſt mir unmoͤglich, Dir einen Vater zu verſchaffen. Kaled (traurig.) 4 Hab' es ja gleich gedacht. Kalif. Es würde vielleicht auch ſchwer halten, Dir Bruͤder und Schweſtern aufzufinden. Kaled. Ich ſagte es ja vorher. 4 Kalif. er für Vettern, ſo viel Du nu⸗ ſtehe ich Dir gut. Kaled (erſtent.) Wahrhaftig? Giaffar Ceiſe zum Kalifen.) Was willſt Du beginnen, Herr? Kalif (taut.) Mir einen frohen Tag bereiten, und dieſem armen Schelm zu Verwandten verhelfen. Kaled. Wie willſt Du ſie finden? 677 i Se ſollen ſich ungerufen und ſi 3 . 15 zu der Ehre drängen, mit Dir verwandt zu ſeyn. Kaled⸗ Ich ſehe wohl, Du willſt mich zum Narren halten. Ich bin eben nicht in der Laune, mich foppen zu laſſen. Gehabt Euch wohl. Ich gehe in meine Bude, da kann ich mich doch ungeſtört betrüͤben. Kalif. Du ſollſt bleiben. Kaled. Wenn ich aber nicht will? Kalif. Du mußt. Kaled. Wer wird mich zwingen? 7 Kalif. Wiſſe, Du biſt im Pallaſt des Kalifen⸗ Kaled. Wie? Kalif. Harun a! Raſchid ſteht vor Dir. Käled. Großer Prophet! „ . Kalif. Du wirſt dieſen Pallaſt nicht eher verlaſſen, als bis ich es Dir erlaube. Kaled cfär ſich.) Das fehlte noch! Kalif (zu Giaffar.) Lieber Giaffar, ich bedarf der Groß⸗Ve⸗ zier⸗Stelle. Erlaube, daß ich auf einige Stun⸗ den Dich abſetze — Giaffar. Herr! Dein Sklave weiß zu gehor⸗ Kalif Crchernd.) Wohlan, Du biſt in Ungnade gefallen. Tröſte Dich, ſie ſoll nicht lange währen. ctaut zu Ka⸗ 1ed) Warum ſo niedergeſchlagen bei dem Glucke, das Dir bevorſteht? Wiſſe, daß ich Theil an Deinem Schickſal nehme. Kaled (ironiſch.) Du Theil an meinem Schickſal? Kalif. Natuͤrlich. Bin ich nicht Vater aller ieiner Unterthanen? 3 Kaled. — Ach, Herr, Du haſt der Kinder ſo viele, daß ich glaube, es wird Dir keine Zeit übrig blei⸗ ben, Dich um mich zu bekuͤmmern. 153 ⸗ Kalif. 2 Der Erfolg wird's lehren. Gieb den ſchoͤn⸗ ſten Hoffnungen Raum, denn noch heute iſt die Geliebte Dein. (Mit Giaffar abe) Vierter Auftritt. Kaled (allein.) Man merkt es doch gleich, daß er ein vorneh⸗ mer Herr iſt, denn er verſpricht mehr, als er halten kann. Wäre ich nur wieder in meiner Bude, denn hier wird mir doch nicht geholfen, und zum Narren dünke ich mich zu gut. — Wenn ich wuͤßte — (ſich umſehend.) Es iſt niemand da. Wenn ich ungeſehen entwiſchen könnte — (will ſich fortſchleichene) Fuͤnfter Auftritt. Kaled. Zwei Stumme (mit reichen Kleidern im Arm, treten ihm an der Thuͤr mit tiefen Reverenzen eutgegen.) Kaled (nachdem er ihre Complimente eine Zeit lang erwiedert hate) 8 Laßt's gut ſeyn. Mein Rücken iſt das viele Buͤcken noch nicht gewoͤhnt. (Wil fort. Die Stum⸗ men vertreten ihm den Weg.) Na, was ſoll's? (Die Stummen geben ihm durch Zeichen zu verſtehen, daß er ſich enteleiden ſol.) Was? Entkleiden ſoll ich mich? (Sie Stummen nicken, und zeigen ihm die roſtbaren Kteider, weiche ſie brachten.) Wem gehoͤren dieſe ſchönen Kleider? (Die Stummen deuten auf ihn.) Mir? Ihr ſeyd wohl nicht recht klug. (Die Stummen geben ihm heſtig zu verſtehen, daß er ſeine Kleider ausziehen, und die andern anziehen muſſe.) Ach nun verſteh ich, Ihr wollt mit mir tau⸗ ſchen. Nehmt Euch in Acht, bei dem Tauſche kommt Ihr zu kurz. (Die Stummen haben ihn entkleidet und ziehen ihm den mitgebrachten Kaftan, Turban ꝛc. an. Dann wollen ſie ſeine Kleider forttra⸗ gen.) Was wollt ihr denn mit dieſen Lumpen anfangen? (Die Stummen machen Zeichen und geben einzelne unartikulirte Lante von ſich.) Sprecht deut⸗ lich, wenn ich euch verſiehen ſoll. (Die Stum⸗ men geben ihm durch Zeichen zu verſtehen, daß ſie ſumm ſind.) Ah ſo! Ihr ſeyd ſtumm? Warum ſagt Ihr denn das nicht gleich? (Die Stummen entfernen ſich. Sechſter Auftritt. Kaled. Ein Sklase (wirft ſich ihm zu Fuͤßen und ͤberreicht ihm ein in ein ſeidenes Tuch gewickeltes Papier.) Kaled (nimmt es und vetrachtet es neugierig.) Was iſt denn das? — — Sklave. Ein Firman des Kalifen, Herr! Kaled. So? Was enthaͤlt er? Sklave. Gebieter, iſt es Dir gefällig zu leſen? Kaled. Nein, das iſt mir nicht gefällig, denn Du mußt wiſſen, guter Freund, daß ich mich mit dem Leſen nie viel abgegeben habe. Weißt Du was, lies Du mir vor, ich will ſo gnaͤdig ſeyn, Dir zuzuhoren. Sklave. Du haſt zu gebieten, Herr! (neſt) „Wir Ha⸗ „run al Raſchid, des Propheten Schwerdt und „ſeiner Geſetze Vollſtrecker, thun hierdurch kund, „daß es uns gefallen habe, den bisherigen Groß⸗ „Vezier Giaffar ſeiner Würde zu entſetzen, „und unſern getreuen Kaled zum Zeichen unſe⸗ „rer beſondern Liebe und Gunſt zum Groß⸗Ve⸗ „zier zu ernennen.“ — Kaled Kaled? Waos iſt das für ein Kaled? Sklave. Haſt Du Deinen Namen vergeſſen, Herr? 3 . Kaled. Was? Ich wär's? Mich haͤtte der Kalife — Sklave. Zum Groß⸗Vezier ernannt. Kaled. Höre Du, das verbitte ich mir. Foppen laſſe ich mich nur von vornehmen Leuten. Sklave. Du zweifelſt an meinen Worten, Gebieter? Ueberzeuge Dich durch den Augenſchein. Kaled. Was überzengen! (bei Suc) Wenn ich nur leſen koͤnnte. (Man hoͤrt hinter der Couliſſe die Stimme eines Ausrufers obenſtehenden Firman ableſen, nach deſſen Endigung hoͤrt man Volksſtimmen ſchreien? Es lebe unſer neuer Groß⸗Vezier! lebe Kaled!) 5 Kaled. ⁰ Was iſt das nun wieder? Sklave. Das Volk wird durch den oͤffentlichen Aus⸗ rufer von Deiner Standes⸗Erhoͤhung tet und jauchzt Dir Beifall. Kaled. Es wäre alſo wirklich wahr? Man hat mich nicht zum Narren? 157 Sklave. Wie kannſt Du zweifeln, Herr? Kaled. Du haſt recht. Es iſt eine üble Angewohn⸗ heit das Zweifeln. Geh nur jetzt. Ich will allein ſeyn, um mich in die gehoͤrige Poſitur zu ſetzen. . (Sklave ab.) Siebenter Auftritt. Kaled (arein.) Wer hatte ſich wohl jemals etwas ſo Tolles träumen laſſen? Geſtern Abend war ich noch ein armer Teufel von Schuſter, heute bin ich Groß⸗Vezier! Wahrlich das Gluͤck iſt mir ſo recht eigentlich im Traum gekommen. Am Ende iſt aber der ganze Spaß nur ein Traum. Wache — ich denn wirklich? (eneipt ſich in die Ohren, ſchreit) Au! Nein, ich wache wahrhaftig. Dieſe Klei⸗ der, dieſer Saal — Es iſt hol mich der Hen⸗ ker wahr; ich bin Groß-Vezier. Ha ha ha! Run ich will meiner Stelle Ehre machen, denn es heißt ja im Sprichwort: Wem Allah ein Amt giebt, dem giebt er auch Verſtand. Ich bin zwar ein ſchlechter Schuſter geweſen, das iſt aber auch ein dummes Handwerk. Am Ende iſt's minder ſchwieria, ein guter Groß⸗Vezier zu ſeyn. O weh! Da kommt der abgeſetzte Groß⸗Vezier. che erit Giaffar. Kaled. 8 Kaled (ihm eutgegen.) Ach Herr, nimms nicht ubel. Ich kann nichts dafür. Giaffar. Wofür? Kaled. 3 Daß Du abgeſetzt wurdeſt. Ich habe Dir wahrlich nicht auf den Dienſt gelauert, denn es war nie meine Sache, einem andern die Kund⸗ ſchaft wegzuſchnappen. Giaffar. Beruhige Dich, ich habe Dir gern Platz ge⸗ macht. Uebrigens hoffe ich, wird's mit Dei⸗ ner Standes⸗Erhöhung nicht lange währen. Heute mir, morgen Dir, das iſt ſo Sitte am Hofe. Diejenigen, die Dir heute ſchmeicheln und zujauchzen, werden vielleicht morgen Dei⸗ nen Namen mit Verachtung ausſprechen. Kaled. Das ſind ſchlechte Ausſichten. Wie lange kann's wohl mit meiner Herrlichkeit dauern. Giaffar. 6 So lange bis Du Verwandte gefunden haſt. Dann kommt die Reihe wieder an mich. 6 Wenn das iſt, Herr, ſo bedaure ich Dich. Dann werd' ich wohl als Groß⸗Vezier ſter⸗ ben. Giaffar. Ich glaube kaum. Kaled. Nun ſey aber doch einmal ſo gut, und ſage mir, was ich als Groß-Vezier eigentlich thun muß. Giaffar. Wenig und viel. Wie man's nimmt. Kaled. Laß hören. Giaffar. Du mußt frohlich ſeyn, wenn der Kalif frohlich iſt, und traurig, wenn er traurig iſt. Du mußt Ja oder Nein ſagen, je nach dem er es haben will, Du mußt jedes Wort, das ſeinen Lippen entſchläpft, wäre es auch noch ſo abgeſchmackt, wie einen Götterſpruch bewun⸗ dern, und Dich ganz nach ſeinen Launen rich⸗ ten. Weiter nichts. Das iſt ja nicht einmal ſo ſchwer als Pantoffeln machen. Neunter Auftritt. Vorige. Ein Selave. Sklave. Herr! Kaled (mit einer Verbeugung.) Was ſieht zu Befehl? Giaffar (teiſe zu ihm.) Du vergißt Dich. Bedenke, daß Du Groß⸗ Vezier biſt, und mit Deinem Sklaven ſprichſt. Kaled (teiſe.) Ja ſo. Nimms nicht übel, ich kann mich an das Vornehmthun noch nicht recht gewoͤh⸗ nen. Mit der Zeit wird's ſchon werden. (ſch eruͤſtend, laut) Was willſt Du, Sklave? Sklave. Gebieter, ein reicher Kaufmann, der vorgiebt, Dein Vetter zu ſeyn — Kaled (erſtaunt.) Was, mein Vetter? Giaffar (tei Seite.) Da haben wir ſchon einen Verwandten. Sklave. Bittet um die Gnade, vorgelaſſen zu werden. — Kaled. Ich habe alſo einen Vetter? Giaffar. Du ſiehſt, der Kalif hat Wort gehalten. Kaled. Ja, ja, ich ſehe, daß man nur Groß⸗Ve⸗ zier zu werden braucht, um ſeine Verwandten zu finden, ohne ſie zu ſuchen. czum Sktaven) Man fuͤhre meinen Vetter herein. (Sktave ab.) 8 Giaffar. Kaled, ich laſſe Dich mit Deinen Verwand⸗ ten allein. Nimm Dich zuſammen, vergiß Dei⸗ ner Würde nicht, der Kalif iſt in der Nähe und beobachtet Dich. Vor Allem bedenke, daß der Kluge den guͤnſtigen Augenblick nicht unge⸗ nutzt vorbeiſtreichen laͤßt. (ab.) Zehnter Auftritt. Kaled. Dann Osmin-Kaled. Kaled (ihm nachrufend.) Was das anbelangt, da ſtelle ich meinen Mann! — Nun gilt's, Kaled. Geſchwind lege dein Geſicht in die gehörigen Falten, damit man dich auch fuͤr etwas Rechtes haͤlt. 5 Osmin⸗Kaled (wirft ſich im Hintergrunde auf die Erde.) Gebieter! KHaked (gravitätiſch.) Man komme näher! Osmin⸗Kaled. Herr, Dein Sklave wagt es nicht. Kaled cbei Seite.) Richtig, das iſt der reiche Gauner, der mir mit Schlägen drohte, da ich ihn als meinen Verwandten anſprach. (taut) Näher! Osmin „Kaled (ommt kriechend näher.) Gebieter, verzeihe der Kühnheit Deines treu⸗ ergebenſten Sklaven. Kaled. Du biſt alſo mein Sklave? Osmin⸗ Kaled. Mit Leib und Leben, mit Gut und Blut, und preiſe wich glücktich, es zu ſeyn, um ſo mehr, du der Prophet mich der hoͤchſten Gnade wuͤrdigte, mit Dir, Gebieter, verwandt zu ſeyn. Kaled. Du wärſt mein Verwandter? Osmin⸗Kaled. Ja, dieſes unſchätzbare Glück ließ mir Al⸗ tah zu Theil werden, und ich werde mich die⸗ 165 ſes Gluͤcks durch meine Anhaͤnglichkeit an Deine thenre Perſon werth zu machen wiſſen. Kaled cbei Seite.) Wennzich einen Verwandten nicht ſo noth⸗ wendig brauchte, ich wollte Dir's einbringen! (mut) Du nennſt Dich meinen Verwandten? Wie kommt es, daß ich das heute zum erſten⸗ mal höre? Osmin⸗Kaled Cverlegen.) Weil — weil — ich — da es — da die Welt — die Stadt — der Hof — Kaled. Und ſo weiter. Verſtehe ſchon. Wir ſind alſo Verwandte, Du ſagſt es, und ich will's glauben. . Osmin⸗Kaled. Das darfſt Du auch, Gebieter, denn ich bin Dein naher Vetter. Kaled. So? Mein Vetter? (vei Seite) Richtig, Vet⸗ tern hat mir der Kalif verſprochen. Osmin⸗Kaled. Ich nenne mich zwar Osmin, aber mein Urgroßvater war ein Kaled, ein Mann von roßem Verſtande und erhabenen Tugenden. 164 Kaled. Er war reich, nicht wahr? Osmin⸗Kaled. Allerdings, Gebieter, er beſaß Gold im Ue⸗ berfluſſe. Darin beſtand eben ſein großer Ver⸗ ſtand und ſeine erhabenen Tugenden. Kaled. Wie viel Kinder hat er denn hinterlaſſen, der allerliebſte Mann? Osmin⸗Kaled. Nur zwei Toͤchter. Kaled. Waren ſie verheirathet? Osmin-Kaled. Ja, Herr, jede von ihnen hatte ein Kind, welche gleichfalls verheirathet waren, und wie⸗ der Kinder hatten, unter denen ohne Zweifel Dein erhabner Vater war. Kaled. Ohne allen Zweifel. Ich ſehe ſchon, Du kennſt unſern Stammbaum vortrefflich. Nur eine kleine Kleinigkeit habe ich in Erinnerung zu bringen. Es iſt billig, daß ich von dem vielen Golde des reichen Urgroßvaters auch mei⸗ nen Theil bekomme; denn die juͤngere Linie, von der ich abſtamme, wurde von der älteren 165 Linie, von welcher Du abſtammſt, um das rechtmäßige Erbtheil betrogen, folglich biſt Du mir ganz natuͤrlich Entſchaͤdigung ſchuldig, mein ſüßer Vetter. Hsmin⸗Kaled. Wie? Herr — Kaled. Ich will das Vermögen meines Urgroßvaters auf tauſend Beutel anſchlagen, davon fodre ich nun die Haͤlfte. Osmin⸗Kaled. Aber, Herr — Kaled. Unter dieſer Bedingung will ich Dir auch die Ehre erzeigen, Dich als meinen Vetter an⸗ zuerkennen — Hsmin⸗Kaled. Aber fünf hundert Beutel — das iſt ja fuͤr einen ſo vornehmen mächtigen Herrn ein wah⸗ rer Bettel. Kaled. Ganz recht, ein wahrer Bettel. Es iſt mir auch gar nicht um das elende Geld zu aber die Ehre meiner Familie liegt mir zu ſehr am Herzen, als daß ich es dulden könnte, daß der Verdacht des ihren guten Ruf be⸗ 16 flecke. Deßhalb muß das Unrecht gut gemacht werden, damit der Gerechtigkeit Genuge ge⸗ ſchehe. Osmin⸗Kaled. Aber — Kaled. Was aber! — Kurz — Du bezahlſt funf⸗ hundert Beutel oder ich erkenne Dich nicht als meinen Vetter. Wähle! Eilßter Aunftritt⸗ Vorige. Ein Sklave. Sklave (zu Kaled.) Herr, der Beherrſcher der Glaubigen benach— richtigt Dich durch mich von dem Tode des Statthalters von Khoraſſan, er verlangt, Du ſollſt ihm einen tuchtigen Mann fur dieſen Po⸗ ſten vorſchlagen, und wünſcht, daß Du bei der Wahl auf Deine Verwandten Rückſicht nimmſt. (ab.) Kaled (bei Seite.) Ich verſtehe. Osmin⸗Kaled (tei Seite.) Die Statthalterſchaft von Khoraſſan, beim Bart des Propheten, der Poſten verdient ſchon ein kleines Opfer. —— * * Kaled (mut fuͤr ſich uberlegend.) Ja, welchen unter meinen Verwandten wähle ich nun? Welcher iſt mir der nachſte und wür⸗ digſte? 4 Hömin⸗Kaled (ſchnel.) Ich, ich bins, Herr! Du haſt keinen nä⸗ hern Anverwandten als mich, und keinen, der es beſſer mit Dir und unſerer Familie meint. Kaled. Deine Weigerung, die elenden fuͤnfhundert Beutel zu bezahlen, ſind ein ſchoͤner Beweis davon. Osmin⸗Kaled. Weigerung? Wann hätte ich mich gewei⸗ gert? Im Gegentheil, es wird mir das größte Vergnügen machen, Herr, Dir die fuͤnfhun⸗ dert Beutel zu erſtatten, um welche meine Großmutter die deinige betrogen hat. „ Kaled. Jetzt mag ich ſie nicht mehr. Osmin⸗Kaled. Gebieter, willſt Du Deinen Sklaben zur Ver⸗ zweiflung bringen? Das Geld iſt Dein von Rechtswegen. Wenn Du es nicht gutwillig nimmſt, ſo verklage ich Dich beim Cadi, und laſſe Dich durch die Gerichte zwingen, es an⸗ zunehmen. Kaled. So große Opfer verlange ich nicht. Osmin⸗Kaled. Welches Opfer wäre zu groß, um damit die Freundſchaft eines Verwandten zu erkaufen, der auf einer ſo hohen Stufe ſteht, der ſo viel ver⸗ mag, der ſolche Wuͤrden zu vergeben, ſolche Stellen zu beſetzen hat? Da wir eben von Würden ſprechen, theuerſter Vetter und Gebie⸗ ter — ich kann nicht läugnen, daß ein gewiſ⸗ ſer edler Ehrgeiz, der in unſter Familie erblich zu ſeyn ſcheint, mein Inneres erfuͤllt — daß ich ſehnlich einen Poſten zu erhalten wünſche, der viele — Kaled. Arbeit hat? — Osmin⸗Kaled. Nicht doch — Einkuͤnfte meinte ich. Was die Arbeit anbelangt, dafirläßt man ſeine Leute ſorgen. Statthalter von Khoraſſan zum Bei⸗ * ſpiel möchte ich wohl ſeyn. Kaled. 5 O ja, das iſt ein guter Platz, ein Platz, der anſehnliche Summen einbringt. Osmin⸗Kaled. Anſehnliche Summen! Ja, ja, das ware 169 ſo recht nach meinem Geſchmack. Aber vor allen Dingen will ich Anſtalt machen, daß die be⸗ wußten füͤnfhundert Beutel an Ort kommen. Kaled. O das hat keine Eile. Osmin-Kaled. O ja, es hat Eile, denn ich muß meinem erhabenſten Vetter Proben meiner edelen Den⸗ kungsart geben, damit ich mir ein Recht auf ſeine Erkenutlichkeit erwerbe. Kaled. Dieſes Recht haſt Du Dir ſchon durch Deine Bereitwilligkeit erworben. Kann ich Dir worin dienen, ſo ſprich. Osmin⸗Kaled. O Herr, Du biſt die Güte ſelbſt. — Wie geſagt, die Statthalterſchaft von Khoraſ⸗ ſan — Kaled. Sollſt Du haben. Osmin⸗Kaled. Herr, mein Dank — Kaled. Was Dank! Ich gebe Dir mein Wort, Du 170 wirſt Statthalter von Khoraſſan, oder ich verliere meine Stelle. Osmin⸗Kaled. Lies in dieſen Freudenthränen das Gefühl meines Herzens. Ach was thut es einem zärt⸗ lichen Gemüthe doch wohl, wenn man einen Groß⸗Vezir zum Verwandten hat. (as.) Zwölfter Auftritt. Kaled (alein.) Das geht ja herrlich. Da hab' ich nun einen Vetter und fünfhundert Beutel. Allah beſchere mir nur ein Dutzend ſolcher Verwandten, dann bin ich der reichſte Schuſter in Bagdad, und heirathe morgen meine Ageli. — Ich möchte doch wohl wiſſen, was meine Standeserhoöhung für einen Eindruck auf ſie machen wird. — Ich will ihren Vater rufen laſſen, er ſoll dem neuen Groß⸗Vezir Pantoffeln anmeſſen. Was wird ſich der alte Gauch wundern und brüſten, daß er auf einmal zu der Ehre kommt, Leibſchuſter des Groß⸗Vezirs zu ſeyn. (ruft:) Sklave! He da, Sklave! — 171 Dreizehnter Auftritt, Kaled. Sklave. Kaled. Laufe geſchwind zu dem Schuſter Ruſtaf, der ſeine Bude an der großen Moſchee hat; ſag ihm, ich ließe ihn bitten — nicht doch — der Groß⸗Vezir ließe ihm befehlen, zu ihm zu kommen, und Pa ſtoffeln mitzubringen. Sklave. Ich eile, Gebieter. — Im Vorgemach iſt abermals ein Vetter von Dir, der ſich Haſ⸗ ſan nennt. Kaled⸗ Noch ein Vetter? Laß ihn herein? (Serave ab.) Vierzehnter Auftritt. Haſſan⸗Kaled und Kaled. Haſſan⸗ Kaled. Erlaube, Herr, daß Dein nächſter Verwand⸗ ter ſeine Glůͤckwünſche zu Deiner glorreichen Standeserhöhung pflichtſchuldigſt zu Deinen er⸗ habenen Füßen niederlege. Kaled. Wir ſind alſo Verwandte? Janitſcharen, mein Groß⸗Onkel war Mufti, ches Gedachtniß. kich, zur rechten Zeit fällt mir alles ein. — 172 Haſſan-Kaled. Vettern! leibliche Vettern! Alle meine Ver⸗ wandten ſind Leute vom Stande. Mein Bru⸗ der iſt Reis⸗Effendi, mein Schwager Aga der und mein Neffe iſt Cadi. Alle hohen Stellen in Bagdad ſind von meinen Blutsverwandten be⸗ ſetzt. Es fehlte mir nur noch ein — Kaled. Ein Groß⸗Vezir. Haſſan⸗Kaled. Ganz recht. Allah hat mein bruͤnſtiges Ge⸗ bet erhoͤrt, jetzt ſtehe ich am Ziele meiner kuͤhn⸗ ſten Wünſche. — Ich hatte es beinahe ganz ver⸗ geſſen, daß meine Vorfahren neben dem Namen Haſſan auch den Namen Kaled fuͤhrten; aber heute Morgen, als Deine Beförderung zum Groß⸗Vezir ausgerufen ward, da fiel es mir plötzlich wieder ein. * Kaled. Es iſt doch eine ſchöne Sache um ein glückl⸗ Haſſan⸗Kaled. O was das anbetrifft, da bin ich ſehr glück⸗ Kaled. Wenn das iſt, ſo wird wohl jetzt die rechte ₰ Zeit ſeyn, daß Dir der Prozeß einfällt, den mein Großvater mit dem Deinigen führte. Haſſan⸗Kaled. Ganz recht. Er iſt mir bekannt. Kaled. So wirſt Du Dich anch noch erinnern, daß Dein Großvater Unrecht hatte. Haſſan⸗Kaled. Das — das iſt mir nicht bewußt. Kaled. Aber mir iſt es bewußt. Dein Großvater be⸗ hielt bei dem Cadi Recht, weil er reicher war, als der meinige. Haſſan⸗Kaled. Lauf der Gerechtigkeit. Kaled. Ich bin doch begierig zu ſehen, wie die Ge⸗ rechtigkeit jetzt läuft. Ich fange den Prozeß von Neuem an. Haſſan-Kaled. Wie, Herr, Du wollteſt wegen einer ſolchen Kleinigkeit — Kaled. t Du ſollſt mir mein Eigenthum herausgeben. Haſſan⸗Kaled. Dein Eigenthum? Ich verſtehe Dich nicht. Kaled. Du verſtehſt mich ſehr wohl. Haſſan⸗Kaled. Ich ſchwör' es Dir — Kaled. Ei, ei, hat Dich Dein glückliches niß mit einmal verlaſſen? Haſſan⸗Kaled. Ich bin bemüht, mich zu beſinnen. Kaled. Beſinne Dich ein wenig geſchwind, wenn ich bitten darf. Haſſan⸗Kaled. Es iſt mir wie ein Traum, daß die Urſache des Streits ein kleines Häuschen war. Kaled. En kleines Häuschen? Ich bitte um Verzei⸗ hung, es war ein großes ſtattliches Haus. Es iſt daſſelbe das Du noch bewohnſt. Haſſan⸗Kaled. Nicht möglich! 175 „ „ Kaled. Verlaffe Dich d darauf. — Und wie viel, meinſt Du wohl, iſt das Haus werth. Haſſan-Kaled. Vier⸗ bis fünfhundert Zechinen hoͤchſtens. Kaled. Du ſcherzeſt, es iſt tauſend Zechinen unter g2 Brüdern werth. Haſſan⸗Kaled. Nicht moͤglich! Kaled. Ganz gewiß. Aber ſei ruhig, Du ſollſt es behalten. Haſſan⸗Kaled (freundlich.) ch, mein theuerſter Vetter — Kaled. WMir aber tauſend Zechinen dafür bezahlen. Haſſan-Kaled (erſchrocken.) Wie? Kaled. 6 Gehe ſchnell nach Haufe, ſie zu holen, denn Du ſollſt mit mir eſſen. Haſſan⸗Kaled (halbfreundlich.) WMit Dir eſſen? 3 * Ja, Du und alle Großen des Reichs. Haſſan⸗Kaled (ganz freundlich.) Alle Großen des Reichs? Kaled. Drum eile, die tauſend Zechinen herbei zu ſchaffen. Haſſan⸗Kaled (traurig.) Tauſend Zechinen? Kaled. Ich werde Dich auch dem Falifen vorſteli Haſſan-Kaled (freundlich.) Dem Falifen? Kaled. Auf meine Bitte wird er Dir ein anſehnliches Hofamt verleihen. Haſſan-Kaled Cglückſeli.) Ein anſchliches Hofamt? Ach, theuerſh Vetter, wie ſoll ich Dir vergelten? Kaled. Damit, daß Du ſ die tauſend 8 holſt. Haſſan⸗Kaled. Nun denn, es ſei. Ich eile. eim Abgehen — — —— — Es iſt doch eine theure Sache um eine vorneh⸗ me Verwandtſchaft. Meine Familie wird mich noch zum Bettler machen! (ar.) 3 Funfzehnter Auftritt. Kaled. Dann Ruſtaf. Kaled. Tauſend Zechinen, fuͤnfhundert Beutel und zwei Vettern! Was fehlt mir nun noch zu mei⸗ nem Gluͤcke? — Ruſtaf (tritt ein und wirft ſich an der Thuͤre nieder.) Großmaͤchtigſter Gebieter! Kaled. Das iſt Ruſtaf. Sapperment, der hat ſich herausgeputzt. Run muß ich meinen ganzen Vorrath von Anſehen zuſammennehmen. Llaut) Wer iſt da? Ruſtaf (knieend, die Hände uͤber die Bruſt geſchlagen, die Augen zur Erde geſenkt.) Dein geringſter Sklave, Herr, der nicht wur⸗ dig iſt, den Staub von Deinen Sohlen zu küſ⸗ ſen. Mein Name iſt Ruſtaf, ich erſcheine auf Deinen Befehl. ängſtlich nach der Thure? Welcher Gegenſtand So hoͤflich hat er in ſeinem ganzen Leben nicht mit mir geſprochen. (taut) Steh auf. Tritt näher! Ruſtaf cthut es, indem er immer nach der Thuͤre blickt.) Kaled. Man hat mir von Deiner Geſchicklichkeit er⸗ zählt, und ich — Weßhalb ſiehſt Du denn ſo feſſelt Deine Blicke. Ruſtaf. Meine Tochter, Großmächtigſter — Kaled. Wie? Deine Tochter? Ruſtaf. Ich habe ihr befohlen, mit mir zu gehen, weil ich befürchtete, daß gewiſſe fatale Men⸗ ſchen etwa meine Abweſenheit benutzen koͤnnten, und — — * Kaled. Das iſt eine lobenswerthe Vorſicht. — Aber wie ſieht es mit Deiner Arbeit aus? Ruſtaf. 8 Meine Tochter hat meinen ganzen Vorrath . 179 ———— offeln bei ſich „und wenn Du ter, daß ſie eintreten darf — Kaled. O ja, allerdings — das erlaub' ich. Ruſtaf (geht an die Thure und winkt.) der beſten Pan erlaubſt, Gebie Sechzehnter Auftritt. Vorige. Ageli (mit Pantoffeln.) Ruſtaf. Komm, meine Tochter, unſer gnädigſter Groß⸗PVezir erlaubt Dir, einzutreten. Ra mache Deine Verbeugung. Ageli (verbeugt ſich mit niedergeſchlagenen Augen.) Ruſtaf. So ſprich doch. Wer wird ſich denn ſo lin⸗ kiſch benehmen. Ageli (ſhäͤchtern.) Herr, hier ſiehſt Du die — beſte Arbeit mei⸗ nes Vaters. Kaled. — Alle Wetter, Ruſtaf, Du haſt eine huͤbſche Tochter. Ruſtaf (ſich verräugnend.) Ja, ja, es geht an. Sie iſt das ganze Ebenbild ihrer ſeligen Mutter. Kaled. Dir gleicht ſie nicht, das ſieht man auf den erſten Blick. Ageli efur ſich.) Welche Stimme — iſt mir doch, als ob ich Kaled hörte. Ruſtaf Cfar ſich.) Ich weiß nicht, der Herr Groß⸗Vezir hat einen Ton, der mir ſehr bekannt vorkommt. Wenn mir der Reſpekt nur erlaubte, ihm ins Geſicht zu ſehen. Kaled (fuͤr ſich.) Nun gilt's! Craut, indem er ſich ſetzt) Ru⸗ ſtaf, laß Deine Arbeit ſehen, ob ich ſie wohl brauchen kann. Ageri. O gewiß, Herr, mein PVater macht gute Arbeit. Kaled (rächernd.) So ſcheint's. — Wie ſteht es, Kleine, haſt Du noch nicht an's Heirathen gedacht? Ageli (verſchämt.) Ach, Herr — — — Ruſtaf. Leider denkt ſie nur zu viel daran. cindem er ihm die Pantoffeln auszieht) Das iſt jämmerliche Pfuſcherei. (probirt ihm andere an.) Kaled. Hat ſie etwa ſchon gewählt? Ruſtaf. Leider einen armen Schlucker, einen Tauge⸗ nichts, der — (Feht zufslig auf, erſchrocken) Al⸗ tah, ſei mir gnädig! Was iſt das? Ageli. Was fehlt Dir, Vater? Ruſtaf. Der Teufel ſoll mich holen, wenn der groß⸗ maͤchtigſte Herr Groß-Vezir nicht gerade ſo ausſieht, wie der Taugenichts, der Kaled! Ageli. Was ſagſt Du? (vrict ſchüchtern nach Kaled, frendig) Er iſt's, Vater! Er iſt's! Kaled (gleichgurtig.) Wer, mein Kind? Ageli (erſchrocken.) Ach, Herr, vergieb, ich — Ruſtaf. Es hat ſich da ein ſonderbarer Umſtand er⸗ eignet, großmachtigſter Herr. Der Zufall, der ſeine Gaben manchmal wunderlich vertheilt, hat ſich unterſtanden „Deinem erhabenen Antlitz die Züge eines miſerablen Schuſters zu verleihen. Du ſiehſt dem Liebhaber meiner Tochter auf's Haar aͤhnlich. . Kaled. enem armen Schlucker? Jenem nichts? Wie heißt er doch gleich? Ruſtaf. Tauge⸗ Kaled. Kaled. Kaled; er iſt mir als ein geſchickter Schu⸗ ſter empfohlen worden, und ich ſtand lange in Zweifel, ob ich ihn nicht zu meinem Leibſchuſter ernennen ſollte. Ruſtaf. Da waͤrſt Du ſchlecht bedient worden, Ge⸗ bieter. Er verſteht von der edlen Schuſterkunſt nicht mehr als Du. Kaled. Das heißt Dich Brodneid ſprechen. Ageli (für ſich.) Ich möchte hundert gegen eins wetten, daß ² der Groß⸗Bezir niemand anders iſt, als mein 183 Kaled. Wenmn ich nur wuͤßte, wie es moglich wäre. Ruſtaf. Und wenn er auch der geſchickteſte Schuſter in ganz Bagdad wäre, mein Eidam wird er nicht; denn er iſt ein armer Teufel, ein Land⸗ ſtreicher, der niemanden angehoͤrt. — Siebzehnter Auftritt. Vorige. Sklave. Sklave. Gebieter, Deine Verwandten — Kaled⸗ Sollen kommen! Sklave (oͤffnet die Thuͤre.) Achtzehnter Auftritt. Vorige. Osmin⸗Kaled. Sklaven; (welche Geldſäcke bringen.) Osmin⸗Kaled. Hier, mein theuerſter Vetter, bring' ich die bewußten fünfhundert Beutel; aber die Statt⸗ halterſchaft in Khoraſſan — 184 Kaled Sollſt Du unter der bewußten Bedingung er⸗ halten. (Auf ſeinen Wink tragen die Sklaven das Geld in ein Seitengemach.) Neunzehnter Auftritt. Vorige. Haſſan-Kaled und zwei Sklaven mit Geldbeuteln. Haſſan⸗Kaled. Hier, mein koſtbarſter Vetter, ſind die be⸗ wußten tauſend Zechinen, aber das bewußte Hofamt — Kaled. Soll Dir der Kalif heute noch verleihen, oder ich bleibe nicht mehr Groß-Vezir. (Auf einen Wink wird das Geld auch ins Seitengemach gebracht.) Zwanzigſter Auftritt. Vorige. Nadir⸗Kaled. Agar⸗Kaled und ſechs bis ſieben andere Verwandte, denen Sklaven mit Geſchenken folgen. Alle Verwandte (untereinander.) Großmächtigſter Herr — Erhabner Gebie⸗ tert — Thenerſter Vetter — Schätzbarſter Herr Vetter! Kaled. Geduld, Geduld! damit ich Eure ſchätzbare Bekanntſchaft in der Ordnung mache. Ihr ſeid alſo alle meine Verwandte? Alle. Ja, theuerſter Vetter. Kaled. Und kommt — Alle. Dir dieſe Geſchenke zu bringen. Kaled. Daran erkenne ich meine geliebten Vettetn. (Giebt einen Wink. Die Geſchenke werden ins Kabi⸗ net gebracht.) Nun wollen wir uns näher kennen lernen. (3u Nadir) Wie iſt Dein Name? Ruſtaf (bei Seite.) Der weiß nicht einmal, wie ſein Verwandter heißt! Nadir⸗Kaled. Herr, ich bin Dein Vetter Nadir⸗Kaled. Ruſtaf und Ageli (bei S Kaled!? Nadir⸗ Kaled. Ich bin ein beruͤhmter Arzt. 186 „—— Kaled. Das iſt das erſtemal, daß ich davon hoͤre. Nadir⸗Kaled. Ich habe den Cadi in ſeiner letzten Krankheit behandelt. Kaled. Unſern Cadi? Nein, ſeinen Vorgänger, der geſtorben iſt. Kaled. 2h ſol Nadir⸗Kaled. S den Aga der Janitſcharen⸗ Kaled. Melſur? Nadir⸗Kaled. Nein, ſeinen Vater, der vor einem Monat — Auch geſtorben iſt? Nadir⸗Kaled. Ganz recht. Ferndr den Mufti. Kaled. Den neuen Mufti? Nadir⸗Kaled. Nein, den, der geſtern begraben ward. Kaled. Höre einmal, für Deine Behandlungsart be⸗ danke ich mich. Auch befinde ich mich Gott ſei Dank nichts weniger als krank. Nadir⸗Kaled. Dafür laß mich ſorgen, Herr, Du wirſt ſe⸗ en — Kaled. Nein, nein, an meinem theuren Leichnam ſollſt Du Deine beruͤhmte Kunſt nicht beweiſen. Aber wenn ich einmal in den Krieg ziehen muß, dann will ich Dich mitnehmen. Nadir⸗Kaled Eſich verbengend.) Ach, Gebieter — Kaled. Dann ſchicke ich Dich in's feindliche Lager, dort kannſt Du mir mit Deiner Kunſt mehr Nutzen bringen, als eine halbe Armee. czu Agar) Und Du, wer biſt Du? Agar⸗Kaled. Dein Vetter Agar⸗Kaled. Ruſtaf (fär ſich.) Schon wieder Kaled. in die Einſamkeit zuruͤckgezogen, um fern vom Getümmel der Stadt und den Raͤnken des Ho⸗ fes das Leben des Weiſen zu fuͤhren. keit mit dem Geraͤuſche des ränkevoll en Hofle⸗ bens zu vertanſchen? bigen geruht habe, meinen theuren Vetter zum Groß⸗Vezir zu erheben, ſo machte ich mich auf den Weg, um Dir mit meinem weiſen Ra⸗ the beizuſtehen. kunſt, in der Beſteurung des Volkes. 16 Ageli (för ſih.) Er iſt's! ſo wahr ich lebe! Agar⸗Kaled. Ich bin ein großer Philoſoph und habe mich Kaled. und was kounte Dich bewegen Deine Einſam⸗ Agar⸗Kaled. Da ich erfuhr, daß der Beherrſcher der Glau⸗ Kaled. Worinn willſt Du mir rathen? Agar⸗ Kaled. In Handelsangelegenheiten, in der Kriegs⸗ Kaled. Du ſcheinſt mir in vielen Faͤchern bewandert? Agar⸗Kaled. In allen, ohne Ruhm zu melden, in allen. 189 Kaled. Kannſt Du auch Pantoffeln machen? — Agar⸗Kaled (verbuufft.) Nein — die Kunſt verſteh' ich nicht. Ruſtaf (für ſich.) Hab' es gleich gedacht. Kaled. Nun, weil Du ſo viel weißt, ſo wirſt Du auch dazu geſchickt ſeyn, Andere zu belehren. Ich ernenne Dich daher zum Hofmeiſter meiner Kinder. Ageli (fur ſich.) Seiner Kinder? Er iſt's doch nicht. Agar⸗Kaled. O Herr, dieſe Gnade — Kaled. Du wirſt nur ein Weilchen warten müſſen, bis Du Beſitz von Deiner Stelle nehmen kannſt. Agar⸗Kaled. Nit Vergnugen. Kaled. Denn Du mußt wiſſen, daß ich noch nicht verheirathet bin. 190 Ageli (fr ſich.) Er iſt's! Er iſis doch! Die Verwandten Cunter ſich ſräſternd.) Nicht verheirathet? Ei, ei! Kaled. Sei aber ohne Sorgen, ich bin feſt entſchloſ⸗ ſen, nächſtens meinen Stand zu verandern. Osmin⸗Kaled. Wenn das iſt, Herr „ſo wüßte ich Dir eine herrliche Parthie vorzuſchlagen. Meine Toch⸗ ter — Oder meine Schweſter. Agar⸗Kaled. Oder meine Nichte. (beinahe zu⸗ Wadir-Kaled. Oder meine Muhme. Andre n Oder meine Tochter. Haſſan⸗Kaled. Kaled. Gebt Euch keine Mühe. Meine Wahl iſt ſchon getroffen. Hier ſteht meine Braut Geigt auf Ageſi.] Ruſtaf. Meine Tochter? 191 ——— Ageli. Ich hatte doch Recht. Er iſt's! Kaled Gu Ruſtaf.) Ja, Deine Tochter, ehrlicher Alter. Kennſt Du mich nicht mehr? Ich bin der grme Schlu⸗ cker, der Taugenichts — Ruſtaf. Ich muß geſtehen, Gebieter, ſeit Du ein Lor⸗ nehmer Herr geworden biſt, haſt Du Dich ſehr zu Deinem Vortheil verändert. Ageli. Und Du haſt Dich unterſtanden? — Kaled. Nimms nicht über, ich wollte mich an Del⸗ ner Verlegenheit weiden. Die Verwandten Cunter ſich murmemt.) Welche Wahl! Ein Mädchen ohne Stand, ohne Vermoͤgen. Ein Gaͤnschen! Kaled. Was meinen meine werthen Vettern „hab' ich nicht gut gewählt? Die Verwandten. O ganz vortrefflich. Man kann nicht beſſer wählen. (vei Seite) Hol ſie der Henker! 192 Kaled. Und Ruſtaf wird mir doch nun, da ich ſo anſehnliche und zahlreiche Verwandten habe, ſeine Einwilligung nicht verſagen? Ruſtaf. Herr „ wie kannſt Du ſo etwas glauben? Ich war ja immer ſo bereit als willig. Kaled. Warum ſind meine werthen Vettern ſo ſtill? Aeußert Eure Freude laut. Die Verwandten. Es lebe unſer erhabner Vetter und ſeine ſchöne Braut! (vei Seite) Wenn ſie doch beim Teufel ware! Ein und zwanzigſter Auftritt. 5 Vorige. Ein Sklave. 5 Sklabe. Gebieter, dieß ſendet Dir der Beherrſcher der Gläubigen. (giett ihm einen Firman.) „ Haſſan Ceiſe.) Vermuthlich eine neue Gnadenbezeigung. Osmin⸗ Kaled (even ſo.) Eine neue Würde, die ihn der Kalif ertheilt. 1935 Agar⸗Kaled (een ſ.) Das Gluͤck verſchwendet ſeine Gunſt an ihn. Ka le d Czu Agar.) Du, mein gelehrter Vetter, der Du alles weißt, wirſt doch wohl leſen können? Lies mir doch dieſen Firman vor. Agar⸗ Kaled (ſieſt.) „Ich, Harun al Raſchid, Stelloertreter »des Propheten, thue kund und zu wiſſen, daß „es mir gefallen hat, Kaled zu meinem Groß⸗ „Vezir zu ernennen, und ſeinen Vorgänger „Giaffar zu verſtoßen. Jetzt gefällt es mir, „Giaffar zurückzurufen und meine Ungnade „auf Kaled nebſt ſeiner ganzen Familie zu „wetfen. Er möge demnach einen Poſten ver⸗ „laſſen, den er nicht auszufüllen vermag, und „in den Staub zurückkehren, woraus es mir „beliebt hat ihn zu erheben.“ Die Verwandten (untereinander.) Was iſt das? O weh! Abgeſetzt! Verſto⸗ ßen? In Ungnade? Und wir mit ihm? Ver⸗ dammter Streich! Osmin⸗Faled. Geduld, meine werthen Verm „. aßt 194 uns nichts übereilen. Kaled iſt in Ungnade ge⸗ fallen, das ändert die Sache. Vielleicht waren wir mit unſrer Verwandtſchaft zu voreilig? Haſſan⸗ Kaled. Osmin hat recht, noch iſt es nicht ausge⸗ macht, daß er zu unſrer Familie gehoͤrt. „ Iſt er nicht Euer Vetter? HOsmin⸗Kaled. Das muß erſt erwieſen werden. Haſſan⸗Kaled⸗ Ganz recht, dgs muß erſt erwieſen werden. Im Tagumel der Freide haben wir es nicht ge⸗ hörig unterſucht; aber jetzt, da er in. Ungnade gefallen iſt, jetzt muß man vorſichtiger ſeyn. Der Name Kaled beweißt nichts. Es, giebt in Bagzdad gar viele Kgled, die nicht witr uns verwandt ſind. — Wie wird Dein Name geſchrieben? ſ 195 Haſſan-Kaled. Da haben wir's. Ich ſchreibe mich K— h— a —1— Wie geſagt, wir haben uns übereilt. * Die Verwandten. Ja, wir haben uns uͤbereilt. Hsmin⸗Kaled. Er iſt eben ſo wenig unſer Vetter, als der Großherr. Die Verwandten. Nein, er iſt unſer Vetter nicht. Osmin⸗Kaled. Er muß uns unſere Geſchenke zurückgeben. Die Verwandten. —= Fa, ja, die Geſchenke zurück! 2 Zwei und zwanzigſter Auftritt. Der Kalif. Vorige. Kalif. Schweigt, Unwürdige! Ich war Zeuge Eures niedrigen Benehmens. Deu armen Schyuſter 196 habt ihr verlaͤugnet, zu dem maͤchtigen Groß⸗ Vezir habt ihr Euch gedrängt, und den Abge⸗ ſetzten verlaͤngnet ihr abermals. Wos ihr dem Groß⸗Vezir gabt, gehoͤrt Kaled. Es iſt ſein Eigenthum, ich verttete ſein Recht. Geht, und wagt es nicht mehr vor meinen Augen zu er⸗ ſcheinen. Die Verwandten (ſchleichen ſich beſtuͤrzt weg.) Kalif (zu Kated.) Ich bin mit Dir zufrieden, und zum Beweiſe meiner Gnade ernenne ich Dich zu meinem Leibſchuſter. Kaled. Tauſend Dank! dazu ſchicke ich mich auch beſſer als zum Groß⸗Vezir. Ruſtaf. Das iſt alles gut, aber nun haſt Du doch keinen Verwandten. Ageli (traurig.) Nun ſind ſie alle duvon gelaufen. 1 * 1 * 197 Kaled. Laß ſie laufen, die theuern Verwandten. Sie drängten ſich zu dem vom Gluͤck Begunſtig⸗ ten, verlaſſen nun den vom Gluͤck Verlaffe⸗ nen. Das iſt in der Ordnung. Aber Dank der Gnade des Kalifen, und meiner Schlau⸗ heit! Dieſe Verwandten haben mir andere ver⸗ ſchafft, die mir ihren Verluſt hinlänglich erſet⸗ zen, und mich in der Noth nicht verkaſſen wer⸗ den. (zu den Skraven) He da! man trage meine Verwandten hieher. Sklave (u.) Ruſtaf. Tragen? Können denn Deine Verwandten nicht gehen? Haben ſie keine Füße? Kaled. Nein die haben ſie nicht, aber ſie machen Andern viß e. 2 i Die Sklaven bringen auf einer Bahre die auſte⸗ haͤuften Geſchenke der Verwandten.) Ageli. Sind das Deine Verwandten? 7 hö ge D in ur 193 Kaled. Getroffen, Naͤrrchen, das ſind ſie, und zwal die zuverläſſigſten auf Eiden. ſ 4 Kalif⸗ Leider! hat er Recht. Ende. at Gemahl von ungefaͤhr. Luſtſpier in zwei Aufzuͤgen⸗ Perſonen. Herr von Staar, ein Landedermann. Sophie von Kracht, eine junge B ſeine Nichte. Emil, ſein Neſſe. Rittmeiſter von Valdern. Zeiſig, BVedienter des Herrn von Staar⸗ 3 Baſtian, Gärtner. 6 ein Poſtuon. Das Theater ſtellt einen Garten vor, hinten ein BGitter mit einem kleinen Hauſe, welches die Wohnung des Gärtners iſt. N Erſter Auftritt. Berr von Staar. Sophie. Sophie. t Aber, liebſter Onkel — AQlber, liebſte Nichte! — Ein Wort ſo gut wie tauſend, in acht Tagen biſt Du Frau von Baldern. Welcher Geiſt des Widerſpruchs beſeelt Dich mit einem Male? Haſt Du nicht Dein Jawort gegeben, als der alte Baldern bei mir um Beine Hand für ſeinen Sohn an⸗ — Sophie. Damals war mein Vetter, der gute Emil, Nnoch nicht von ſeinen Reiſen zurück gekommen, damals hatte mein Herz — N S Hr. v. Stagt⸗ Was Herz! Wenn ihr Weiber dumme Stre che macht, muß immer das Herz die Schul tragen. Hier iſt von der Vernunft, und nich vom Herzen die Redz, Zehen Jahre hat m der verdatumte Prozeß das Leben ſauer gemach endlich, em Himmel ſey Dank, ward mei Gegner, der alte Valdern, das Chicanen Weſen ſatt, er ſchlug einen Vergleich vor, Dein Vermaͤhlung mit ſeinem Sohne war die Bedin gung, ich griff mit beiden Händen zu, 2 gab Deine Einwilligung. Der junge Baldern wirt heute oder morgen hier eintreffen, und ſich m Dir trauen laſſen. Kurz, alles⸗ geht nac Wunſch; da muß der Satan meinen Sauſewin von Reffen aus Italien zurüͤckfuͤhren, um de Madam das Koͤpfchen zu verdrehen und einen Plane in die Quere zu kommen, der mich glück lich macht. Sophie⸗ 3 Und mich unglucklich! Hr. v⸗ Stasr Paperlapay! Dieſe Art Ungluck ſchwindet mit dem Hochzeitabend. Schon Manche ſträͤubte ſich gegen eine Verbindung, die ſie nachher ſeg⸗ nete. So wird Dit's auch gehen. Der junge Baidern ſoll ein wohlgebildeter, gutmüthiger junger Mann ſeyn, dem die Uniform recht artig — ——— — — — lißt. — Ich hee noch keine Frau verzweifeln ſchen, weil ſie it einem ſchmucken vier und zwanzigjährigen Offizier in die Brautkammer tre⸗ ten mußte. Drum erſpare Dir alle unnöthige Kedensarten, und mache Anſtalken zur Hoch⸗ Zweiter Auftritt. Sophie. Dann Emil⸗ Sophie. 6 Anſtalten zur Hochzeit? Ja „wenn's zur Hochzeit mit dem lieben Vetter wäre, da wollte ich mich nicht lange bedenken; aber mit dem Herrn Rittmeiſter von Baldern hat es keine Eile, und wenn ihm die Uniform auch noch ſo 3 gut ließe, und wenn er anch noch ſo ſchmuck ware. Zwar muß ich geſtehen, ein junger ſchö⸗ uer Mann in einer geſchmackvollen Uniform iſt eine ſtarke Verſuchung fuͤr ein armes Weiber⸗ herz; aber Emil iſt mir dennoch lieber, als alle Uniformen ſämmtlicher Armeen. 1 Emil (tommt.) 3 Iſt der Oukel ſchon fort? ⸗ e Sophie. 1 Leider! Der Mann hat ein Herz von Mar⸗ 8 mor. Meine Bitten waren fruchtlos. Deine heiße Liebe? unmögliche möglich machen? Ich benge mich Emil. . Ich dacht' es gleich. Geſteru bin ich verge⸗ bens eine Stunde vor ihm auf den Knieen her⸗ umgerutſcht. Sophie (mit einem Seufzer.) Wir werden uns am Ende doch noch trennen muͤſſen. . Emil. Trennen? Ha, Treuloſe, und Du vermagſt es, dieſen entſetzlichen Gedanken nur zu den⸗ ken, ohne vor Gram zu vergehen? Das iſt Sophie. Steht es in meiner Macht? Kann ich das unter die Hand des gewaltigen Fatum. Emil. Weil das Fatum in Uniform erſcheint. Ich ſehe es kommen, ich werde aufgeopfert, derz friedliche Civiliſt muß dem brillanten Martis⸗] ſohne weichen. Nachſtens werde ich die Ehre haben, die gnädige Frau Lon Baldern zu begrußen. Baldern? Was das für ein fata⸗ ler Name iſt, ſein Klang macht mich ſchon ra⸗ ſend, und wenn mir vollends der Rittmeiſter ſelbſt unter die Augen kommt, ſo ſtehe ich nicht für Unglück. 3 Sophie. Rur ruhig, Sprudelkopf. Was hilft das Toben? Glaube mir, daß ich den Herrn Ritt⸗ meiſter lieber auf dem Blocksberge, als in un⸗ ſerm Hauſe ſahe. Rathe mir lieber, wie ich das drohende Gewitter ableite. . Emil. Wenn Du mich wahrhaft liebſt, ſo kann es nicht fehlen. Sophie. Aber die Art und Weiſe? Emil. Iſt gefunden, ſammt einem tüchtigen Ge⸗ huͤlfen. „ Sophie. 1 Gehuͤlfen? Und der wäre —2 1 Emil. Zeiſig⸗ Sophie. Was? Zeiſig? Der Bediente meines On⸗ els, der ſich das unumſchraͤnkteſte Vertrauen jines Herrn zu erſchleichen wußte? Emil. 5 Derſelbe. Einige blauke Goldſtüͤcke haben das oſe Vögelein in mein Netz gelockt. Höre un⸗ ſern Plan. Dein Mann iſt in der Gefangen⸗ ſchaft geſtorben. Der Onkek, der Dich nach Deincs Vaters Tod zu ſich nahm, und Dich zu ſeiner Erbin einſetzen will, hat ihn nie geſehen. Sophie. 3 Nie, denn vier Wochen nach unſter Vermaͤh⸗ lung folgte mein Mann ſeinem Regiment nach Rußland, und fand dort ſein Grab. Emil. Es iſt auch niemand im ganzen Hauſe, der ihn kannte? 3 Sophie. Riemand, außer Zeiſig⸗ Emil. Nun wohl. Dein Mann iſt vom Tode e⸗ „ ſtanden, und trifft noch heute hier ein⸗ Sophie⸗ Wie? Emil. Von ſeiner Wunde betäubt, ließ man ihn für todt auf dem Schlachtfelde liegen, der Feind rückte vor, Dein Mann erholte ſich, und ward als Gefangener in eine entfernte Provinz des u⸗ geheuern Reichs transportirt. 3 Was ſoll dieſe Fabel? 1 Emil. —— Endlich iſt es ihm gelungen, ſich zu befteien, heute kehrt er aus ſeiner Gefangenſchaft zu⸗ rück, um ſeine alten Rechte auf Dich geltend achen 90nl zt . Sn Sophin Biſt Du hei Sinnen? Wo willſt Du wn den finden, der dieſe Rolle — Dritter Auftritt. Vorige. Zeiſig⸗ Zeiſig. Dafür werde ich ſorgen, wenn Sie es erlaus ben. D g ädige Frau ſind nicht die erſte t Witwe, die ich getöſtet, und ich zu einem Manne verholfen habe⸗ Sophie. Ich fürchte unr, daß Deine Wahl meinem Peln nicht e wůrde. — geiſig. erſtehe mich darauf⸗ trotz dem bekann⸗ n 85 in Se Aber wer wird ſich dazu verſtehen, eine ſo kitzliche Rolle — 5 — Zeiſig. Für's liebe Geld iſt alles zu haben, ſogar Mamner, die es wirklich ſind — was heut zu Tage allerdings eine Seltenheit iſt. — Jüngel⸗ chen, die Männer vorſtellen, finden ſich auf allen Straßen.. Sophie. Wird ein ſolcher — Zeiſig. Ohne Sorgen. Ich habe in der Reſidenz einen Vetter, ein Genie, das heißt: ein Menſch, der viel braucht, und wenig hat; wenn dieſer einige Louisd'ors auf eine leichte Art zu verdie⸗ nen weiß, iſt er ſtets bei der Hand. An den habe ich mich gewandt, er wird mir einen Pfif⸗ fikus von ſeiner Bekanntſchaft zuſchicken, der, — * wie er mir ſchreibt, ſeiner Empfehlung Ehre machen ſoll. Spphie. hRit 9 Vielleicht irgend ein Gauner aus der Hefe des Pöbels. . O, Gauner findet man heut zu Tage nich 209 5 mehr unter der Hefe des Poöbels allein, recht gebildete Leute aus guten Familien verſtehen ſich in unſern brodloſen Zeiten zu dem eintraglichen Handwerk. Ich bin von der Weltklugheit mei⸗ nes Vetters überzeugt, daß er mir nichts ſchlech⸗ tes ausgeſucht hat. . Soyhie. Waär es auch, wohin ſoll es mich am Ende führen. Emil. In meine Arme. Sophie. Aber wie? Zeiſig. Das ſehen Sie nicht ein? Ei, ef, gnaͤdige Frau, wie kann man ſo verliebt, und ſo wenig ſcharfſinnig ſeyn? Hier kommt es hauptſächlich darguf an, Ihren beſtimmten Bräutigam zu entfernen. Das wirkſamſte Mittel hierzu iſt Ihr wiedererſtandener Herr Gemahl. Sophie. Wenn man aber den Betrug entdeckt? Zeiſig. zeit gewonnen, alles gewonnen. Ihr Herr eel ſchreibt an den alten Herrn von Bal⸗ n„ daß Ihr Gemahl lebt, und daß ſolg⸗ O — — lich aus der Verbindung nichts werden kam. Der alte Baldern iſt beleidigt, und fangt den Prozeß von nenem an. Sie werfen ſich daun dem Onkel zu Fuͤßen, entdecken ihm alles; er brummt, aber Ihre Bitten, Ihre Thränen, die bekanntlich den Damen immer zu Gebote ſtehen, werden ihn endlich erweichen, er giebt ſeine Einwilligung, der vorgebliche Herr Ge⸗ mahl zieht wohlbelohnt Lvon dannen, und Sie treten mit dem Geliebten vor den Altar.“ Emil. Thenre Sophie, kam dieſe Ausſicht Dich nicht beſtimmen? Sophie. Ein ſolcher Schritt — was wird die Welt ſa⸗ gen? . 3 1 Die Welt? Ach Gott, der kann man's doch nie recht machen; man mag es aufangen, wie man will! Ich bin ein moderner Philoſoph, und halte es mit dem Grundſatze, der jetzt überall gilt: der Zweck heiligt die Mittel. Sophie. Leute Deines Gelichters mögen ſo denken, aber mir geziemen Rückſichten. ——— 211 Emil. Bedenke, daß uns nichts anders uͤbrig bleibt. Willſt Du mich zur Verzweiflung bringen? Sophie. Aber, Du vetzweifelter Menſch „ fühle doch nur — Emil. Ich fühle mur, daß ich Dich liebe. Mein Herz — Sophie. Iſt mit Deinem Verſtande davon gelaufen. Ich liebe Dich, ſo ſehr ich es vermag, aber ich überlege, ehe ich handle. (ab.) — Zeiſig (fär ſc.) Weibliche Ziererei! (taut) Eilen Sie ihr nach, laſſen Sie nicht ab mit Bitten, bis ſie einwilligt. Emil. Ich werde mein möglichſtes thun. (at.) Zeiſig Cin die Couliſſe ſehend.) Da kommt der gnädige Herr, einen Brief in der Hand. — Nun geht der Spaß an! — 212 Vierter Auftritt. Zeiſig. Herr von Staar. Hr. v. Staar. Biſt Du da, Zeifig? Ich ſuche Dich. Zeiſig. Euer Gnaden befehlen. — Hr v. Staar Ich kenne Dich als einen durchtriebenen, ab⸗ gefeimten Spitzbuben — Zeiſig. Der gnädige Herr belieben zu ſchmeicheln. Hr. v. Staar. Ich laſſe Dir blos Gerechtigkeit wiederfah⸗ ten. — Ich weiß, daß Du ein Schlaukopf biſt, der ſich in jeder Verlegenheit zu helfen weiß; drum will ich Dich in einer verdammt kitzlichen Sache um Rath fragen. Zeiſig. Euer Gnaden machen meine Beſcheidenheit ſchamröthlich. . Hr. v. Staat. Das ware wohl das erſtemal. — Doch, Scherz bei Seite. — Stelle Dir nur den ve 213 fluchten Streich vor, da bekomme ich einen Brief, einen Brief — Zeiſig (tei Seite.) Von mir dictirt. Hr Sgr⸗ Ich will ihn Dir vorleſen. Höre! (nieß.) Hochwohlgebohrner Herr! „Der Gefangenſchaft gluͤcklich entronnen, muß ich bei meinem erſten Tritt auf den va⸗ terländiſchen Boden erfahren, daß man mich für todt gehalten, und daß Sie, mein Herr, meine rechtmäßige Frau mit einem andern zu verheirathen im Begriff ſind. Meine Schwaͤche, eine Folge mei⸗ ner erhaltenen Wunden, erlauben mir nicht, die Reiſe ſogleich fortzuſetzen, ich muß eini⸗ ge Stunden ruhen. Ich ſende Ihnen daher durch eine Eſtafette die Nachricht von mei⸗ ner Exiſtenz, und werde eilen, ſobald als moöglich meinem Briefe zu folgen, um meine Rechte auf Ihre liebenswuͤrdige Nichte gel⸗ tend zu machen, und den fatalen Neben⸗ buhler mit einem Korbe nach Haus zu ſchi⸗ cken. Hoͤchſtens zwei Stunden nach dieſem Schreiben hoffe ich bei Ihnen einzutreffen, um Ihnen perſoͤnlich ſagen zu können, wie ſehr ich die Ehre habe zu ſeyn Euer Hochwohlgebohren gehorſamſter Franz von Kracht.“ Zeiſig. Alle Wetter! Hr. v. Staar. Nun, was ſagſt Du zu der ſanbern Nach⸗ richt. Zeiſig (äsertegend.) Ich weiß nicht, gnädiger Herr — aber wenn ich's beim Licht betrachte, ſo kommt mir die Sache etwas verdächtig vor. Ich muß Euer Gnaden nur vertrauen, Dero Herr Neffe und Fran Nichte find bis uͤber die Ohren in einan⸗ der verliebt — Hr. v. Staar. Weiß wohl — Zeiſig. Nun alſo — Hr. v. Staar. Haſt recht, haſt ganz recht. Der Gedanke, baß das Ganze eine Liſt ſeyn könnte, ſtieg mir auch ſchon auf. . Was Euer Guaden doch ſcharfſinnig ſeyn können! Hr. von Staar Cgeſchmeichelt.) Es geht wohl an. Man iſt denn auch nicht auf den Kopf gefallen. Zeiſig (rei Seite.) Wenn man keinen hat, kann man auch nicht darauf fallen. Hr. von Staar. Aber was mich confus macht, iſt, daß der Satan von einem Menſchen, der mir da vom Himmel mitten in meinen ſchönen Plan hinein⸗ plumpt, ſchreibt, er werde ſeinem Briefe in wenigen Stunden nachfolgen. Wie ſoll ich ihn empfangen? Wenn's zum größten Unglück der wahre Kracht wäre? Es iſt nicht unmoglich, denn man hat Beiſpiele, daß ſchon mancher in den Zeitungen todt geſagt wurde, der hinter⸗ drein wieder lebendig ward⸗ 2 Zeiſig. Da wollen wir bald im Klaren ſeyn. Laſſen Sie ihn nur kommen. Ich will ihm die Maske bald vom Geſichte ziehn. Hr. v. Staar. Wie willſt Du das anfangen, lieber Zeiſig? Zeiſig. Haben denn der gnädige Herr ſchon vergeſ⸗ ſen, daß ich vor zehn Jahren, ehe ich ſo glück⸗ lich war in Euer Gnaden Dienſte zu kommen, die Ehre hatte, dem Herrn Rittmeiſter, da⸗ mals noch wohlbeſtallten Cornet von Kracht, einige Zeit zu dienen? Ja, richtig, ich entſinne mich. Um ſo beſ⸗ ſer, da ſind wir mit einem Male aus aller Noth. Vermuthlich erinnerſt Du Dich noch der Handſchrift Deines vormaligen Herrn? Zeiſig. Durchaus nicht. Ich war ja auch nur, wie Sie wiſſen, kaum vier Wochen bei ihm, als er mich ſchon fortjagte. Hr. v. Staar. Er hat Dich fruͤher kennen gelernt als ich. 4 Zeiſig. Im Gegentheil, er kannte mich zu wenig, ſonſt würde er mich beſſer zu brauchen gewußt haben. — Aber zeigen Euer Gnaden doch den Brief Ihrer Frau Nichte, die muß doch die Hand ihres Mannes kennen. 217 Hr. v. Staar. Dummkopf! wenn es eine Liſt von ihr iſt, wird ſie wohl nein ſagen? Zeiſig. Da haben Euer Gnaden wieder recht. Ja S bedenken alles, Ihrem Scharfblick entgeht nichts. 5 Hr. v. Staar (geſchmeichelt.) Je nun, ich bin denn eben nicht von geſtern. Zeiſig cvei Seite.) Aber von heute. (taut) Nun hab' ich's, gnaͤ⸗ diger Herr! Ja, ſo geht's Hr. v. Staar. Laß horen, lieber Zeiſig, laß hoͤren! Zeiſig. Ich will bei der Ankunft des vorgeblichen Herrn Gemahls zugegen ſeyn, und im Augen⸗ blick durch mein Betragen Euer Gnaden zu ver⸗ ſtehen geben, ob es der wahre, oder ein un⸗ tergeſchobener Herr von Kracht iſt. Iſt es ein Betrüger, ſo naͤhere ich mich ihm mit ver⸗ ſtellter Freundlichkeit, und ſpreche, indem ich ihm ſcharf in's Auge blicke: Belieben ſich Euer Guaden noch eines treuen Dieners zu erinnern, der von Euer Gnaden ſo manchen derhen Rip⸗ penſtoß, als heilſames Corrections-Mittel, zu 215 erhalten ſo glücklich war? Dieſe unvermuthete Anrede wird den ſaubern Herrn aus der Faſ⸗ ſung bringen, er wird verlegen werden, die Au⸗ gen niederſchlagen, und nicht wiſſen, was er ſagen ſoll; aber Euer Gnaden wiſſen alsdann fogleich, woran Sie ſind. Hr. v. Staau Ja, das iſt freilich gut, aber wenn es nun kein Betruͤger, ſondern der wahrhafte Rittmei⸗ ſter iſt, wie dann? Zeiſig. Dann ergreife ich ſeine Hand, und druͤcke ſie entzuͤckt an meine Lippen, ſprechend: Erlau⸗ ben Euer Gnaden einem ehemaligen treuen Die⸗ ner, dieſe liebe Hand zu küſſen, durch die mir ſo manche Geſchenke, aber noch mehr Ohrfei⸗ gen zu Theil wurden. Dann geben Sienur Acht, was er antwortet. Sagt er: Biſt du auch da, Spitzbube? ſo bleibt kein Zweifel übrig, er iſt der wahrhafte Herr von Kracht, und Euer Gnaden wiſſen abermals, woran Sie ſind. Hr. v. Staar. geiſig, rieber Goldzeiſig! Du biſt ein wah⸗ rer Schatz. Darauf wäre ich nun und nimmer⸗ mehr verfallen. Das giebt einen herrlichen Spaß! Jetzt geh' ich gleich zu meiner Nichte, um ſie von der Auferſtehung ihres Gemahls zu beuach⸗ richtigen, und iſt die ganze Sache Betrug, glaubt man mich zu hintergehen, wie wollen wir als⸗ dann den Ueberliſteten auslachen! Zeiſig (ihm ins Seſicht lachend.) Ich thu' es jetzt ſchon. Hr. v. Staar. Lach' immer zu, lieber Zeiſig, es iſt der Mühe werth. Ha ha ha! — Na, ihr ſollt euch wundern, ihr ſollt euch wundern. (geht lachend ab.) Fuͤnfter Auftritt. Zeiſig. Dann Baſtian. Zeifig. Der Himmel gebe nur, daß er auch am Ende lacht, ſonſt Gnade Gott meinem Rücken. — Immerhin, bei einem ſo eintraͤglichen Geſchaft muß man ſich auch etwas gefallen laſſen. Herr Emil iſt verliebt, wie ein Page, und ſo frei⸗ gebig wie ein Peinz; ich bin liſtig wie eine Schlange, und der alte Herr iſt dumm wie ein Schaf. Die Conſiellation iſt herrlich, das Ziel unfehlbar. 8 Baſtian (eommkt.) Guten Morgen, Mosje Zeiſig. Ci er ſcheint ja heut' recht apart vergnügt. Zeiſig. Was kümmert's Dich, Schafskopf? Baſtian. Ei, wer wird ſo unhöflich ſeyn! Ja, ſo geht's, wenn die Leute Gald in der Taſche haben, wer⸗ den ſie gleich grob. Zeiſig. Ich glaube, der Herr Patron vergißt, wen er vor ſich hat. Baſtian. Soll mich Gott bewahren vor der ſchweren Sünde. Er iſt des gnädigen Herrn geheimer Rath, er hat das Glück, ihm alle Morgen und alle Abend an- und auszuziehen, ihn zu friſiren, zu raſiren, und ſeine Schuhe zu put⸗ zen; ich bin nur ein dummer Teufel von Gärt⸗ ner. Aber die dummen Teufel haben eben ſo gut Ohren, als die geheimen Räthe, und ge⸗ kern Abend habe ich im Bosket bei der Einſie⸗ lei gar ſonderbare Dinge gehört. § Zeiſig (vei Seite.) weh! (nut) Was will der Einfalts⸗ el mit ſeinen Ohren und ſeinem Bosket? Baſtian. veichts, gar nichts. Ich weiß wohl, was ich weiß. 221 Zeiſig. Was weißt Du, was? Willſt Du reden — oder — (droyt.) Baſtian. Nun, nun — ereifere er ſich nur nicht! — Wenn man mich artig behandelt, kann man alles von mir erlangen. Ich habe eine Unter⸗ redung zwiſchen dem jungen gnädigen Herrn und einem gewiſſen Zeiſig Wort für Wort mit angehoͤrt. Ein Mann, der todt iſt, welcher aber von den Todten wieder erſtanden ſeyn ſol, eine zunge Witwe, die es nicht länger zu blei⸗ ben Luſt hat, ein zunger Herr, der ſie gern von dieſer Pein befreien möchte — Zeiſig (vei Seite. Verdammtk (iaur) Der Teufel ſoll mich ho⸗ len, wenn ich von dem kauderwelſchen Schnick⸗ ſchnack ein Wort verſtehe! Baſtian. Nicht? Thut mir leid. Je nun, der gnä⸗ dige Herr wird mich wohl beſſer verſtehen. (will gehen.) Zeiſig. Wo willſt Du hin, Schurke? Baſtian (gelaſſen.) „ . Zum gnaͤdigen Herrn. 222 Zeiſig. ch ſchlage Dich krumm und lahm, Spitz⸗ buhe! Baſtian. Hübſch moderat, Herr Zeiſig, hübſch mode⸗ rat. — Schimpfen mag er, ſo lang er Luſt hat, aber das Prügeln wollte ich mir gehor⸗ ſamſt verbeten haben. i. Taugenichts! warum willſt Du uns verrathen? Bäſtian. Weil ich ſo lange ein ehrlicher Mann bin, als ich keinen Profit dabei ſehe, es nicht zu ſeyn. Zeiſig (veruhist.) Nun, das läßt ſich noch hören. Sage kei⸗ nem Menſchen ein Wort; unterſtütze unſere Liſt, und der junge Herr wird Dich dafür bezahlen. Baſtian. Er wird mich bezahlen? Ja, ihn hat er aber ſchon bezahlt, und ich halte es mit dem Sprichwort: Ein Sperling in der Hand iſt mir lieber, als eine Taube auf dem Dach. 6 Seiſig. Er hätte mich bezahlt? Auf meine Ehre — 225 Baſtian. Pſt! Mosje Zeiſig, laß er's gus ſeyn, von ſeiner Ehre mag ich nichts. Ich hörte es deut⸗ lich, wie der junge Herr ſagte Da Zeiſig, haſt Du 15 Louisd'ors! Das R ein ſchoͤnes Sümmchen, dayon kann man ſchon etwas ab⸗ geben. Zeiſig. Wie, Gauner, Du wollteſt von mir — Baſtian. Zwingen will ich ihn nicht, Mosje Zeiſig, aber den gnädigen Herrn will ich aufſuchen. Zwingen will ich ihn nicht, nein — eii . Zwingſt Du mich nicht, da Du mir das Meſſer an die Kehlk ſetzeſt? Baſtian. Wo denkt er hin, Mosje Zeiſig? Ich kann kein Blut ſehen, ich bin viel zu ſauftmüthig. Zeiſig (sen Seite.) O wenn ich den Galgenſtrick nur erdroſſeln dürfte! (laut) Sprich, Judenſeele, wie viel muß ich Dir geben, um Dir Dein verdammtes Maul zü ſtopfen? S Baſtian. I, lieber Mosje Zeiſig, zum Unglück bat 4 224 mir der liebe Gott ein etwas großes Maul vet⸗ liehen, das iſt nicht ſogleich geſtopft; er muß mir daher wenigſtens die Hälfte von den 15 Lonisd'ors — Zeiſig. Satan, haſt Du ein Gewiſſen? Baſtiam. Ja, wenn er vom Gewiſſen ſpricht, N o5je Zeiſig, da muß ich den gnädigen Herrn auf⸗ ſuchen. Zeiſig. Was willſt Du Eſel mit dem vielen Gelde anfangen? Sieben Lonisd'ors — Baſtian. Und ein halber⸗ eiſig⸗ Lumpenkerl, Galgenſtrick — Baſtian. Der gnaͤdige Herr — Cwitt fort) Zeiſig. Bleib, Du Schuft. Halt die Hand her — Baſtian. . Sehr gerne. Zeiſig (zoͤhlt ihm Geld in die Hand.) Zwei — Vier — Sechs — Baſtian. Das ſind nur einfache Louisd'or, gelten nicht doppelt. Zeiſig Cgiebt ihm noch drei Stuͤck.) Nun da, Satan, da! Baſtian. Fehlt noch ein halber. Na, den will ich zu Gute behalten. (nimmt ſeine Mütze ab) Nun, Perr geiſig, bin ich Ihr bereitwilliger Die⸗ ner. Befehlen Sie, was ſoll ich thun? Wo kann ich helfen? Zeiſig. Nicht wahr, Wucherſeele, weil ich Dich be⸗ zahlte? . Baſtian. Umſonſt iſt der Tod. So mach' Deine Eſelsohren auf und höre. Der bewußte Mann trifft noch dieſen Morgen hi in. Du bleibſt an der Gartenthür und Wache. Sobald er kommt, verbirgſt Du Deiner Wohnung, und eilſt ſchnell, wie N gnädige Herr ſieht. Du kannſt ihn leicht erken⸗ uen, denn er erſcheint in Uniform. Aufgepaßt, Frende ſchon laſſen. Aber iſt's auch recht, daß ehrlicher Mann zu bleiben! (geht in ſeine Wohnung.) 6 Rittmeiſter v. BValdern und ein Poſtil⸗ 226 der Blitz, mir ſeine Ankunft zu melden; denn“ ich muß ihn vorher noch ſprechen, ehe ihn der und nichts verſaumt, ſouſt regnets Prügel. Ich habe Dich bezahlt, folglich bin ich Dein Ge⸗ bieter, und es iſt Deine Lerfluchte Schuldigkeit, Ordre zu pariren. Cab.) Sechſter Auftritt. Baſtian. Puh! Was der ſich fur ein Anſehen giebt! — Je nun, für ſechs Louisd'or kam man ihm die ich mich zu dem Betrug brauchen laſſe? (veſieht das Geld) Wenn die Teufels⸗Dingerchen nutt nicht ſo appetitlich glänzter! Ach du mein Herr⸗ gottchen, es iſt doch ein ſchwieriges Ding, ein Siebenter Auftritt. lon⸗ Poſtillon. 4 Hier, gnädiger Herr, iſt der Eingang zum Baldern. Sehr wohl. Geh zuruͤck zum Wagen, mein Bedienter ſoll meine Sachen abpacken, ſie insa Wirthshaus bringen, und warten, bis ich ihn % holen laſſe. Da haſt Du Dein Trinkgeld. Poſtillon. Bedanke mich ſchönſtens. (ab.) Achter Auftritt. Baldern. Dann Baſtian⸗ Baldern⸗ Da waͤr' ich denn alſo in den ſeligen Gefil⸗ den, wo die Göͤttin weilt, die Roſen auf mei⸗ nen Lebenspfad ſtrenen ſoll. Gott gebe uur, daß es keine Neſſeln werden! Ich muß geſte⸗ hen, mein Vater muthet mir viel zu. um ſeinen Prozeß zu ſchlichten, ſoll ich mich nolens volens mit einem Weibe verbinden, das ich nicht einmal kenne. Aber geht es nicht manchem Bräutigam ſo? Hielt nicht ſchon mancher ſeine Braut fuͤr einen Engel, die ſich bald nach der Hochzeit als Satan doeumentirte? Mir iſt doch der Verdruß erſpart, aus einer angenehmen Täuſchung unſanft geweckt zu werden. Der Eheſtand, ſagt man, iſt eine Lotterie; wohlan, ich greife blind in den Glückstopf, der gütige — 20 * Himmel verleihe mir einen Treffer unter den vielen Nieten. (wilh ab.) Baſtian Cam Fenſter ſeiner Wohnung.) Eine Uniform? Das iſt unſer Mann. cruft) . He! pſt! pſt! guter Freund! Wart Er einmal ein wenig. (geht vom Fenſter.) Baldern (verwundert.) Guter Freund? Er? Der Patron thut ſehr Baſtian (tommt heraus.) Wo will Er hin? Baldern. Zum Herrn von Staar. Baſtian. Das hat noch Zeit. Baldern. Wie? Baſtian. Vor der Hand bleibt Er bei mir, bis Mosje Zeiſig mit Ihm geſprochen hat. Baldern. Mosje Zeiſig! Wer iſt das? 229 Baſtian. Stell' Er ſich nur nicht dumm. Ich weiß ja alles. Mosje Zeiſig wird Ihm ſagen, wie Er ſich gegen den alten gnädigen Herrn, gegen die junge gnädige Frau und ihren Liebhaber, den jungen gnadigen Herrn, zu benehmen hat. Baldern (bei Seite.) Was hore ich? (laut) Wie, die Frau von Kracht hat einen Liebhaber? Baſtian. Nun ja freilich, weiß Er denn das nicht? Deshalb hat man Ihn ja erpreß verſchrieben, damit Er für ihren Mann paſſiren ſoll. Baldern. Wie, Unverſchämter! — Baſtian. Nicht geſchimpft, das bitt ich mir aus. Wer Er denn, Er, daß Er ſich unterſteht in dem a mit mir zu ſprechen? He? Baldern. Ich bin der Rittmeiſter von Baldern, und Du werde Dir ſogleich den Hals brechen, wenn nicht höflicher wirſt. Baſtian Cerſchrocken.) Wie? Sie wären — Baldern. Haſt Du keine Ohren? Der junge Baldern bin ich, der beſtimmte Bräutigam der Frau von Kracht. Baſtian (vei Seite.) O Herr Jerum, Herr Jerum, das hab' ich gut gemacht! Baldern. 4 Schilde? Sprich — oder — (greift an den Säbel.) Baſtian. Incommodiren Sie ſich nicht, ich will ja gerne ſprechen. Euer Gnaden können verſichert ſeyn, daß ich ſonſt immer ein ehrlicher Mann bin, und daß ich's auch diesmal geblieben wäre, wenn man mich nicht ſo gut dafuͤr bezahlt hätte, ein Spitzbube zu ſeyn. Baldern. Damit Dir's nicht zu ſauer wird, wieder ein ehrlicher Mann zu werden, ſo nimm! (giebt ihm einen Geldbeuter) Aber nun ſprich! te Baſtian. m Vergebung, gnädiger Herr, wie viel iſt in der Boöͤrſe? 1 Baldern. Zwoͤlf Lonisd'or ungefähr. 1 Den Augenblick ſprich, was fuͤhrt man im 251 — Baſtian⸗ Zwoͤlf Lonisd'vr? Da mag der Teufel nicht ehrlich ſeyn! Hat mir der Betrug doch nur ſechs eingetragen⸗ 8 Baldern. Zur Sache! Baſtian. So vernehmen Sie denn, gnädiger Herr Ritt⸗ meiſter, daß die gnaͤdige Frau Sie nicht mag⸗ (nach der Borſe ſchielend) Obgleich ich Sie ſehr 5 liebenswürdig finde. Baldern. Ich habe einen Rebenbuhler? Baſtian. Errathen! Baldern⸗ Wer iſt es? Baſtian. Der junge Herr Emil, ein Vetter der gnaͤ⸗ digen Frau. m den alten gnädigen Herru zu bewegen, daß er ſein Wort zuruͤcknimmt, und Ihnen abſchreibt, hat man vorgegeben, der ſe⸗ lige Herr von Kracht ſey vom Tode erſtan⸗ den, und werde heute friſch und geſund hier eintreffen. Ein durchtriebener Spitzbube aus der le ſe iſt Schöne Ausſichten! Herrliche Entdeckungen! * Reſidenz ſoll den Todtgeglaubten vorſtellen, und nun hielt ich Euer Gnaden für — Doch ſtill, ich höre kommen! Folgen Sie mir in meine Wohnung, gnadiger Herr, da will ich Ihnen alles haarklein erzählen⸗ * 1 Baldern. (Beide ab.) Neunter Auftritt. Herr von Staar. Sophie. Emil. Hr. v. Staar. er wird noch heute hier eintreffen. Sophie. Heute noch? Ceiſe zu Emil) In welche Ver⸗ Wie geſagt, genheit ſetzeſt Du mich? Emil (even ſp.) Leiſe, um Gottes willen „leiſe! Hr. v. Staar. Und er, Herr Neffe, laß er das Ohrenflü⸗ n nun ſeyn, der Spaß hat ein Ende; die verliebten Tändeleien muſſen aufhören; Sophie * nun keine Witwe mehr. — Emil. Aber ſollte der Rittmeiſter wirklich noch leben? Hr. v. Staar. Ich konnte es anfangs auch nicht glauben; da er aber noch heute hier eintreffen will, ſo muß er doch wohl leben. Ha! ha! ha! ein wah⸗ res Romanchen. Emil Sophie (machen ſich Zeichen.) Hr. v. Staar. Die armen Kinder dauern mich, ſie glauben's recht geſcheid zu machen, und ſind angefuͤhrt. Es iſt zum Todtlachen! Zehnter Vorige. Auftritt. Baſtian. Baſtian (kommt gelaufen.) iger Herr, ein Geiſt, ein Geiſt! H 9⸗ Was, ein Geiſt2 Staar. Baſtian. Ja, der todte Herr Gemahl von der gnadi⸗ gen Frau; er ſagt, er waͤre nicht todt. Hr. v. Staar. Iſt er ſchon angekommen? Baſtian, Er folgt mir auf dem Fuße. Emil Creiſe zu Sophie.), Das iſt unſer Mmin! Sophie geten ſo.) Ich zittre! - Emil cwie vorher.) Faſſung! Hr. v. Staar efür ſich.) Und nun iſt zu allem Ungluͤck Zeiſig nicht zugegen. czu Vaſtien) Eile, lauf, Zeiſig d ſoll kommen, gleich auf der Stelle! b Baſtian. Sehr wohl. (für ſich im Abgehen Der Fuchs wird auch geprellt. Eilfter Nufrrirt. Vorige. Baldern. Baldern. Welches Gluͤck! Welche Wonne! Das iſt ſie, ja das iſt meine Sophie! ——— Sophie (verlegen.) Emil ckeiſe zu ihr.) Sprich doch! Sophie. Wie, mein Herr⸗ Sie — Sie ſind — Baldern. Dein Dich zärtlich nebender Mannt Sophie. Ich — ich bin erfreut — Baldern. Wie, geliebte Sophie, iſt das die Freude des Wiederſehens nach einer ſo langen Tren⸗ wung? Sophie. Ueberraſchung — die Freude — das 2 Baldern⸗ noch Worte? Dieſe Verlegenheit iſt mir ein Burge von dem, was in Deinem Her⸗ zen vorgeht. Geliebtes Weib, laß Dich an dieß Herz druͤcken, das uur fuͤr Dich ſchlägt! (umarmt ſie) Sophie (leiſe.) Was thun Sie, mein Herr? 256 — Emil (far ſich.) Beinahe ſpielt er mir ſeine Rolle zu zartlich. Hr. v. Staar (fur ſch.) Der kalte Empfang von ihrer Seite ſoll beinahe vermuthen laſſen, daß es wirklich iß Mann iſt. 3 Baldern. Aber, wo iſt unſer verehrungswurdiger Onkel Hr. v. Staagr. Er ſteht vor Ihnen. Baldern. O, theuerſter Herr Onkel, wie viel Dan bin ich Ihnen ſchuldig, daß Sie meine geliebte Gattin unter Ihren Schutz — % Hr. v. Staar. Bitte recht ſehr. Kleinigkeit, nicht der Rede werth. Cvei Seite) Wenn nur Zeiſig kame, damit ich wußte, woran ich bin. Für einen Ehemann iſt er mir viel zu feurig. S Zwoͤlfter Auftritt. Vorige. Zeiſig. Sie haben befohlen, gnadiger Herr. (thut ars ov er Valdern jetzt erß erbtickte) Seh' ich recht? Iſt as nicht Herr von Kracht? Erlanben Euer önaden, einem ehemaligen treuen Diener Dero neinem Backen wohlbekannte Hand zu kuͤſſen. Baldern. Biſt Du nicht Zeiſig? Spitzbube, wie kommſt ldu hieher? Zeiſig. Euer Gnaden gehorſamſt aufzuwarten. 1 Hr. v. Staar (teiſe zu Zeiſig.) Es iſt der Rittmeiſter, er hat Dich erkannt. Zeiſig Ceben ſp.) Ftreilich iſt er's. Hr. v. Staar. t Wer hätte das denken ſollen. Zeiſig. Ich kann mich gar nicht von meinem Erſtau⸗ en erholen. . n Hr. v. Staar (raut zu Valdern.) Aber ſagen Sie mir nur, lieber Neffe, wie 5 Ihnen möglich war, der Gefangenſchaft zu ntkommen. Baldern. 3 Erlauben Sie, daß ich htung dieſer traurigen gelegeneren Zeit aufſpare. In dieſem Angenbli habe ich für nichts Sinn, als für das Glü meine Sophie wieder zu ſehen. Sophie (leiſe zu Emil.) Meine Sophie? Der Herr iſt in der We ſeiner Ausdrucke nicht allzu delicat. Emil Ceben ſo.) Ja, es iſt wahr, er ſpielt den Gemahl was zu natürlich. Baldern. Der Gedanke an meine geliebte Gattin 9 mir die Kraft, meine Gefangenſchaft zu ers gen. Die Hoffnung, die Königin meines H zens einſt wieder zu ſehen, hielt meinen Mut 6 aufrecht. Ihr reizendes Bild erfullte meine danken Tag und Nacht. Stets ſchwebte dis Nymphengeſtalt, dieſes Taubenauge, dieſer rallenmund, dieſer Schwanenhals, kurz, 6 die himmliſchen Reize vor meiner Phantaſi welche ich Glücklicher jetzt wieder mein nenn nn. Sophie treiſ⸗ zu Emil.) d nicht ſo übel. ben ſo.) daß er blos conn 239 Zeiſig (reiſe zu Beiden.) Nicht wahr, mein Vetter weiß ſeine Lente zu wählen? Baldern. Theuerſter Onkel, mit Beſchämung geſtehe ich, daß ich einſt durch Leichtſinn ſo unglücklich war, Ihr Mißfallen zu verdienen; aber wäh⸗ rend meiner Gefangenſchaft habe ich auch Zeit gehabt, über mich nachzudenken, und darf mit Zuverſicht behaupten, dieſen Fehler abgelegt zu haben. Hr. v. Staar. Soll mich freuen, lieber N⸗ um Ihrer ſelbſt willen. Baldern. Ich darf Sie verſichern, daß der ehem⸗ Kracht ein ganz anderer Menſch iſt, als de gegenwärtige. 5 Hr. v. Staar. Deſiv beſſer, denn ich will's Ihnen nicht ver⸗ hehlen, Ihr Aeußeres hat meinen ganzen Beifall. Baldern⸗ Mein Betragen ſoll mich dieſes Beifalls wür⸗ dig machen. In dieſer herrliche. Natur, an Seite meiner geliebten Gatt ill ich das en eines Philoſophen führen⸗ Sophie (teiſe zu Emil.) Er druͤckt mir die Hond. Emil (eben ſo.) Zieh ſie zuruͤck. Hr. v. Staar. 3 Sie ſind ein Freund vom Landleben? Freut mich, freut micht Baldern. Wer ſollte ſich in dieſer paradieſiſchen Gegend nicht wohlgefallen, dieſe herrlichen Anlagen ma⸗ dem Geſchmack ihres Gruͤnders Ehre. Hr. v. Staar (zu Emil.) Da hörſt Du es, Neffe. Baldern. Fſt das Ihr Herr Neffe? Sehr eifteut! cihn gruͤßend.) Hr. v. Staar. Ja; das junge ſuperkluge Herrchen hat im⸗ mer etwas an meinen Planen auszuſetzen nie wollte es ihm hier ganz behagen. 6 Baldern. Auch nicht an der Seite ſeiner Couſine? Sophie Cteiſe zu ihm) 8 Schweigen Sie doch. Hr. v. Staar. Bin erfreut, in Ihnen einen billigeren Mann gefunden zu haben! Sind Sie guch ein Freund der Jagd? 1 Baldern. ein uc Lieben Sie ihne fetet Baldern. Unter uns geſagt, ſie ſind meine Hr. v. Staar. Wir harmoniren, lieber Reffe, ganz einerlei Reigung. Machen Sie auch wohl des Abends Ihr L' Hombrechen? Baldern. Das iſt meine Schvosſünde. Hr. v. Staar⸗ † Ei, das paßt ja alles vortrefflich! Seyn Sie mir willkommen, Herzensneffe. Kommen Sie herein, Sie dürfen mich nicht wieder ver⸗ laſſen. Das ſoll ein Leben werden! Des Mor⸗ gens geht's auf die Jagd, des Nachmittags tummeln wir die Pferde herum, dann folgt eine intereſſante Partie LHombre, und des — * 232 Baldern (im Atoehen.) Kuͤß' ich meine Frau. Emil cfür ſich.) Das ſoll er wohl bleiben laſſen. (Valdern, v. Staar, Emil und Sophie ab.) Baſtian (i ſch.) * Der hat ein Gedächtniß! Alles behalten, was ich ihm ſagte, Wort für Wort. (ar.) Zeiſig- Ein koſthares Talent! Auf Ehre, ich ſelbſt könnte die Rolle nicht beſſer ſpielen. (ar.) Ende des erſten Aufzugs. Zweiter Aufzug. Erſter Auftritt. Baſtian. * He! he! he! Der Herr Gemahl aus meiner Fabrik iſt ein Tauſendſaſa! Er hat ſie alle zum Beſten. Sprich, ich ſey der erwartete Herr von Kracht, ſagte er zu mir, der Onkel wird mich dafür nehmen; die Verliebten und Zeiſig werden glauben, ich ſey der verſchriebene Sur⸗ rogat⸗Mann, und ich kann mir mit allen ei⸗ nen kleinen Spaß machen. Ich hätte es ihm gerne abgeſchlagen, aber die zwoͤlf Louisd'or — Begen ſolche klingende Gruͤnde, weiß ich nichts einzuwendeu. Mosje Zeiſig wird mich zwar nicht loben, wenn die Sache zur Erklärung kommt. Ja, was kann ich dafür? Wenn er 8 ſchimpft, zeig' ich ihm das Geld. Was kann er dann noch ſagen? Nun muß ich dem Auf⸗ trage des Herrn Rittmeiſters gemäß an der Gartenthuͤre Wache ſtehen, um den Pfifſikus, falls er ſich einfinden ſollte, auf gute Art zu entfernen. — Alſo vorwärts! Marſch! (ab.) 3 — 1 Zweiter Auftritt. Baldern. Zeiſig (den Hut auf dem Kopf.) — geiſig. Bravo, mein Freund, bravo, ich bin mit Ihm zufrieden! Aus Ihm kann noch etwas werden, er hat viel Talent. Ich werde mei⸗ nem Vetter für ſeine kluge Auswahl beſonders danken. Baldern. Der Herr Zeiſig beſchämen mich durch Ihre Nachſicht. Zeiſig. Es iſt mein völliger Ernſt, hol' mich der Tenfel! Er ſpielt ſeine Rolle allerliebſt. Alle im Haus hat Er gewonnen, den jungen Herrn ausgenommen, der in mich dringt, Ihn, je eher je lieber, wieder fortzuſchicken. Balhern Warum? 7 Er findet Ihn zu zärtlich. Baldern. 3 Ein Ehemann, der eine junge liebenswürdige X* 245 Frau nach langer Trennung wieder ſieht, muß doch zärtlich gegen ſie ſeyn. eiſig. Dus pflegt nicht immer der Fall zu ſeyn. Er hat die gnädige Frau⸗ nach der Meinung des jungen Herrn, viel zu zaärtlich umarmt. Baldern. Weil es mir Vergnügen machte. Zeiſig. betrachtet ſie mit viel zu feurigen Augen. Baldern. Wirkung ihrer Liebenswürdigkeit. Zeiſig. Er drückt ihr alle Augenblicke die Hand. Baldern. Ein kluger Mann profitirt von jeder Gele⸗ Fi Zeiſig. S biſt ausgelernt, wie ich ſehe. Wohlan, Kamerad, ich erzeige Dir die Ehre, Dich für meines Gleichen zu halten, und das will viel ſagen! — Warum betrachteſt Du 6 ſo ſonderbar? Baldern. Dieſer Ton — 2 * Zeiſig. Fällt Dir auf? Keberraſcht Dich? Zwat bin ich mit meiner Freundſchaft ſonſt nie hr Feige big, aber Du verdienſt dieſe Anszeichnnung. Dem Verdienſte muß man Gerechtigteit wieder⸗ fahren laſſen. „ Baldern. Wahrlich, dieſe Ehrenbezengung iſt mir eben ſo nen, als ſie ſelten iſt. Zeiſig. Sprich, Kamerad, wie lange meivſt Du Dein Handwerk? Baldern. Handwerk iſt es unn eben nicht bei mir. Verhältniſſ e— geiſig. Beſtimmen die Menſchen. Laß Dir's nicht leid ſeyn, Kamerad, ſie haben Dich auf eine glänzende Laufbahn iefiht, „ wo Dir Lorbeeret blühen. † Baldern. Das Glück ſcheint mich in der That zu 6 günſtigen, gleich mein erſter Verſuch war ein Meiſterſtuͤck. Ich hatte es nämlich mit dem e „durchtriebendſten S von edienten zu thun. — 247 Zeiſig (ſch vrätend.) Einem Mann wie ich vermuthlich. Baldern. Ganz recht. Er glich Ihm auf's Haar⸗ geiſig. Nun, und den — Baldern⸗ Hab' ich an der Naſe herumgefuͤhrt, wie den größten Einfaltspinſel. Zeiſig. Das iſt nicht möglich⸗ Baldern. Warum zweifelt Er daran, Mosje Zeiſig? Wenn ich mir die Mühe geben wollte, ſo wäre ich im Stande, Ihm ſelbſt etwas weiß zu machen. Zgeiſig. Höre, mein neuer Freund, Du thuſt ver⸗ dammt patzig. Weil Dir einige unbedeutende Verſuche gelungen ſind, ſo willſt Du Dich er⸗ kühnen, es mit einem Meiſter aufzunehmen? Du Naſeweis. Baldern (aͤrgerlich.) Nun hab' ich's ſatt. Ich verbitte mir in Zu⸗ kunft alle Vertraulichkeit, und all' die ſaubern Ehrent Du biſt nichts, als ein elender ich mich herablaſſe in Dein Horn zu ſioßen, Spitzbube von Bedienten, von dem ich Ehr⸗ furcht fordre. Den Hut herunter, Schlingel! (ſchlägt ihm den Hut herunter.) Was ſr das heißen? — Ah, ich verſtehe; die Rolle, die Du ſpielſt, hat Dir den Kopf verdreht. Der Patron bildet ſich ein, das, was er nur vorſtellt, in der That zu ſeyn. Ich kann Dir ja wohl die kleine Freude gönnen. (ſcherzend) Was ſieht Euer Gnaden zu Befehl? Hochdieſelben haben über Ihren unterthaͤnigen Diener zu gebieten. — Biſt Du nun zufrieden? Badetn. in G So ſprichſt Du, wie es Dir geziemt. Bis auf das unſchickliche Du, e ich sn letz⸗ ten Male gehoͤrt haben will⸗ Zeiſig. Was ſich der Burſche für ein Anſehen zu ge⸗ ben weiß. Es iſt zum Todtlachen. He! het 1 B 3 Schweige, Gauner, und höre mich au. WVenn und eine Liſt auszuführen, die in Deinem Schur⸗ kenkopfe entſtanden iſt, ſo bin ich darum nicht Deines Gleichen. Ich bequeme mich zur In⸗ trigue, weil ſie mir Unterhaltung gewährt; Du hingegen biſt ein Spitzbube aus der niedrigſten 49 — —— Urſache, aus elendem E Eigennutz; Du hinter⸗ gehſt, um Geld zu verdienen, und ich gebe Geld, um hintergehen zu kömien. Hier, der Begeis. (giebt ihm Geld.5 geiſis (vettüſt.) Was — was wäͤpe mir denn das Baldern. Siehſt Du, daß Du nun ein Cinfaltspinſer biſt. Die Geoſpracht verſteht doch ſouß V der dümmſte Teufel. . zriſig. Ein ſolcher Calus iſt mir in Praxi noch ach vorgekommen. . 1150 5 Bard ern. So hoͤre. h will hier bei dein aſten S fuͤr den Rittmeiſter von Kracht, und bei dem Liebespaar, für ſeinen Stellvertreter gelten, weil ich meine Abſichten ben und ich bezahle Dich, damit Du mich gewähren läßt; und reinen Mund hältſt. Begreifſt Du nun? Zeiſig. 2 Nur halb. — Wer ſind Sie denn Wch b Das geht Dich nichts an. Du Fveiſe, oder ich eec Herrn von Staar Deine Spitzbüberei, und der ſaubere Mosje Seiſio, 250 der uͤbrigens nichtz weniger, als ein feiner Zei⸗ ſig . wandert in den Thurm. Zeiſig. Euer Gnaden — oder wie ich Sie ſonſt titu⸗ liren ſoll — haben doch eine ganz beſonders deutliche Gabe, einem etwas begreiflich zu machen. Baldern Nun pack' Dich Deiner Wege, und denke fleißig an den Thurm. Zeiſig. Ich wilt Keber an die Dukaten denken, wel⸗ 6 mir Ihre Freigebigkeit beſcherte, das iſt an⸗ genehmer. (das Geld beſehend) Bei meiner armen Seele, das iſt ein Spitzbube, der ſich honeter beträgt, als der ehrlichſte Mann. (ab.) Dritter Auftritt. Baldern. Dann Baſtian. Baldern. 3 Der hat ſeine Lection; nun will ich das Lie⸗ vesparchen in die Kur nehmen. Baſtian (kommt gelaufen.) Gnädiger Herr! Gnädiger Herr! der Pfiff⸗ kus aus der Reſidenz war da⸗ 251 — Baldern. Du haſt ihn doch, meinem Auftrage gemäß, abgefertigt? Baſtian. Er kam auf einem alten Gaul angehinkt, der eben ſo ſpindelbeinig ausſah, wie ſein Reiter. Es iſt alles entdeckt, rief ich ihm ent⸗ gegen. Wie der Blitz warf er ſein Pferdchen herum, und ſtachelte aus Leibeskräften in die dürren Rippen, und heidi! ging's wieder dahin, von wannen er gekommen war⸗ Baldern. Du haſt Deine Schuldigkeit gethan. Ich bin mit Dir zufrieden. Jetzt laß mich allein, denn ſch ſehe da Leute kommen, mit denen ich zu thun habe. Baſtian (ab.) Vierter Auftritt. Baldern. Emik. Sophie. Sophie. Ich ſage Dir, Du thuſt dem Menſchen un⸗ recht, er ſcheint ein ſehr gebildeter Mann, voll Geiſt und Geſchmack zu ſeyn. Emil. Weil er Dir ſchmeichelt? So ſind die Wei⸗ ber, ſelbſt den Teufel finden ſie liebenswuͤrdig, ſobald er ihnen den Hof macht. — Demunge⸗ achtet aber ſoll der gebildete Geiſt und geſchmack⸗ reiche Herr noch in dieſer Stunde ſich fort trollen. 0 Baldern Crei Seite.) Du wird er bleiben laſſen. Emil (ihn erbrichend.) ah, da ſind Sie ja wie gerufen. Wir ha⸗ ben Sie geſucht, um Ihnen fuͤr Ihre Bemi⸗ hung zu danken. Der Onkel ſchreibt ſo eben den Abſagebrief an den alten Vahern Sie haben Ihre Rolle vortrefflich geſpielt, unſer Zweck iſt erreicht, und da es unbillig wäre, einen Mann, wie Sie, um ſeine koſtbare deir zu bungen, ſo ſtelle ich es in Ihr Belie en, ſobald als möglich wieder abzuteſen. Baldern. Wo denken Sie hin? Würde es nicht Ver⸗ dacht erwecken, wenn ich mich ſo bald wieder von meiner geliebten Gattin trennte? Was würde Ihr Onkel ſagen, wenn ich nicht wenigſtens S Nacht in ſeinem Hauſe zubrächteʒ 4 Emil. Schüten Sie nöthige Geſchaͤfte vor, die Sie ohne Aufſchub in die Reſidenz tufen⸗ mach Sie die Sache ſo dringend als moͤglich. „ Baldern. er wird mir nicht glauben. Emil Cheftig.) Das iſt Ihre Sorge. Kurz, mein Herr, Sie reiſen noch heute. Baldern. BGelaſſen, lieber Vetter, gelaſſen! Wer wird einen Verwandten aus dem Hauſe weiſen, wer eeinen jungen Ehemann von ſeiner kaum wieder gefindenen geliebten Gattin ſo bald entfernen wollen? Sie, lieber Vetter, ſind ein Kenner weiblicher Schönheit. cauf Sophien zeigend) Se⸗ hen Sie dieſe Geſtalt, dieſe Reize, ſetzen Sie ſich an meine Stelle, und ſagen Sie mir, ob 65 Ihnen moͤglich ware, eine ſo liebenswurdige Frau zu verlaſſen. Sophie (vei Seite.) Attigkeit kann ihm doch nur der Neid gb⸗ 7 ſprechen. Ihre Rolle iſt ausgeſpielt. Ich verbitte mir den faden Scherz, und befehle Ihnen hiermit, ein für allemal, von dem Onkel Abſchied zu nehmen, und dies Schloß für immer zu ver⸗ haſſen, oder — 5 234 — Baldern. Sie beſtehen alſo guf meiner Entfernung? Neh⸗ men Sie ſich in Acht, es wird Sie gereuen. Emil. Das ſey meine Sorge. Da kommt der dw ter. Thun Sie nach meinem Willen. Baldern. Wenn es ſeyn muß, meinetwegen. Auf * Gefahr. Fuͤnfter Auftritt. Vorige. Herr von Staar⸗ Hr. v. Staar (zu Valdern.) Hier, Herzens⸗Neffe, iſt der Abſagehrief an den alten Baldern. Er wird es zwar übel nehmen, und den verdammten Prozeß wieder vorſuchen, aber was thut's. Ihre immerwaͤh⸗ rende Geſellſchaft iſt. ſchon! ein Paar nebme Stunden werth. (ihn betrachtend) was ½ Ihnen? Sie ſcheinen ſo verdrießlich? Baldern. Ich habe etwas auf dem Herzen, was mit die gute Laune verdirbt. Hr. v. Staar. Vas iſt es denn, lieber Neffe? Vewlene 4 Ihr Vertrauen nicht? 6 . 2 Emil Cleiſe zu Sophie.) Gott ſey Dank, nun wird er Abſchied nehmen! Baldern (Staar bei Seite fuͤhrend.) Ich muß Ihnen aufrichtig geſtehen, das Be⸗ nehmen des Vetters mißfällt mir im hoͤchſten Grade. Ich habe Bemerkungen gemacht — 5 Hr. v. Staar (vertegen.) Bemerkungen? Baldern. Welche mir eben kein angenehmes Gefuhl verurſachen. Da ſehen Sie nur, mit welchen Blicken er meine Frau betrachtet, wie angele⸗ ſ er mit ihr ſpricht. Zum Teufel, ich in eben nicht eiferſüchtig; aber es iſt doch ein wenig ſtark, in Gegenwart des Mannes der Frau die Cour zu machen. Hr. v. Staar. Es iſt ein Haſenfuß, der nicht weiß, was er will. Sie wiſſen ja, wie unſere jungen Herren ſind. Es iſt nun einmal Ton, jeder Dame, die ein leidliches Geſicht hat, die Cour zu machen; es hat aber nichts zu bedeuten, denn es gehoͤrt zur Mode, und Moden, wie Sie wiſſen, wechſeln ſchnell. —. — ——— — 256 Baldern⸗ Sehr wohl, ich will aber keine Frau nch der Mode. Auf allen Schritten und Tritten folgt ihr der junge ich konnte noch nicht einmal einen Augenblick insenn mit meiner Frau allein zu ſeyn⸗ 1 x i Hr. v. Staar. Sie ganz ruhig, ich will ihm das Handwerk legen, er ſoll Ihnen nicht weiter lã⸗ ſig fallen. Baldern⸗ Sie werden mich ſehr verbinden. Ich bin zwar kein ſ alles, was zu weit getjieen wird hr v. Sthar. Laſſen Sie mich nur machen. (raut n enu Herr Neffe, auf ein Wort. Emil (zu ihm 83 eßt Fabh § v Staar⸗ 8 er p gut, und komm er Sni mit nir Ich habe twas mit ihm zu ſprechen. — Emit vetiegei. ) n das nicht 6 geſchehen? zu vertrauen haben? 257 Hr. v. Staar. Nein, ſag' ich. (teiſe) Der Vetter iſt auf⸗ gebracht, daß er ſeiner Frau die Cour macht. Ich dachte es ja, daß der Sauſewind Unheil ſtiften wird. Emil⸗ Aber — Hr. v. Staar (reiſe.) Er folgt mir ſogleich, oder es geht nicht gut, Er Tangenichts. (taut) Komm Er, lieber Neffe, komm Er. czieht ihn fort,) Sechſter Auftritt. Sophie. Baldern. Sophie. Was ſoll das bedeuten, mein Herr? Baldern. Das ſoll bedeuten, daß ich ſehnlichſt wun⸗ ſche, Sie unter vier Augen zu ſprechen. Sophie. Was hätten Sie mir zu ſagen? Baldern. Sollten zwei junge Eheleute, nach einer ſo langen Trennung, ſich nichts zu ſagen, nichts R 255 Sophie. 5 Sie ſcheinen zu vergeſſen, daß ich Sie kenne, und Sie nur vor dem Onkel die Rolle neinc Gemahls ſpielen ſollten. Baldern. Die Rolle iſt ſo angenehm, daß ich ſie für immer zu behalten wünſchte. 3 Sophie. E Nehmen Sie ſich in Acht; nicht alle Folen, die anfangs dankbar ſcheinen „ ſind es bis an's Ende. 1 Baldern. Sie ſehen mich bereit, es auf dieſe Gefahr, zu wagen. Aber man iſt mir leider zuvorge⸗ kommen. Der junge Couſin — Sophie. 1 30 nebe ihn von ganzem Hetzen! Sit 83 Balderm 6. 4 gnäbige Fräu, wer wird das dem Manne in's Geſicht ſagen2 Spphie. todter n — 6 Baldern. Ja ſo, das öndert die Sache. Sie verzei⸗ hen. Ich hatte vergeſſen, daß ich ei 259 nur ein todter Mann bin. Aber Ihr Bräuti⸗ gam, der Rittmeiſter Baldern, koͤnnte — Sophie. D ich bitte Sie, nennen Sie mir dieſen Na⸗ men nicht, er iſt mir in den Tod zuwider. eIch haſſe ihn, wie den Mann, der ihn traͤgt; und wenn Sie mir noch länger von ihm ſpre⸗ chen, ſo erwartet Sie ein gleiches Loos. Baldern. 4 Ich rathe Ihnen, gnädige Frau, es nicht mit mir zu verderben. Vergeſſen ſie nicht, daß Sie mich als Ihren Gemahl anerkannt, mir Rechte eingeräumt haben, durch welche ich Sie zwingen kann, gefalliger gegen mich zu ſeyn. Oder glauben Sie, daß die Gewalt Ihrer Reize keinen Eindruck auf mich macht — daß Sie mich nicht zu dem Aeußerſten vermögen könnte? Sophie. Ich verbitte mir dieſe Sprache ein für alle⸗ mal. Schon zu lange habe ich ſie geduldet. Glauben Sie mir, mein Herr, hätte man mich vorher um Rath gefragt, ſo waͤren Sie gewiß wicht hier. Ihre Rolle iſt geendet, und ich bite Sie zum letzten Male, uns zu verlaſſen. (will gehen.) Baldern. Bleiben Sie, ich beſchwöre Sie, bleiben Sie⸗ Gern gebe ich eine Rolle auf, die mir läſtig genug wird, und zeige mich in meiner wahren Geſtalt. O, gnadige Frau, ich bin nicht, was ich ſcheine! Sophie. Wer ſind Sie denn? —— Baldern. Ein Ungluͤcklicher, der, von dem Zauberſtrahl Ihrer Reize getroffen, keinen Wunſch kennt, als den, Ihnen nahe zu ſeyn. Auf der letzten Redoute erblickte ich Sie zum erſten Mal in der Reſidenz. Seit jenem Augenblick hat die glü⸗ hendſte Liebe mein ganzes Weſen erfüllt. Eit Zufall entdeckte mir die Liſt des Vetters. Ich nützte die günſtige Gelegenheit, und erſchien hier unter der Maske Ihres verſtorbenen Ge⸗ mahls. Ich ſah Sie wieder, und die Flamme der Leidenſchaft loderte mit doppelter Stärke empor. Ich kann mich nicht mehr von Ihnen rrennen. Gelingt es mir nicht, Ihre Gegen liebe zu gewinnen, ſo will ich doch wenigſtens Eine Luft mit Ihnen athmen. Ja, gnädige Frau, Sie ſehen mich feſt entſchloſſen, nicht mehr voh hier zu weichen. Erlauben Sie mir nicht als Ihr zaͤrtlicher Liebhaber hier zu bleiben, ſo be⸗ haupte ich die Rolle Ihres Gemahls, die Se mir ſelbſt zutheilten. Wählen Sie! 261 Sophie. s Was beginnen Sie, mein Herr? Baldern. Was die gluͤhendſte Leidenſchaft mir gebietet. (zu ihren Fäßen) Göttliche Sophie! Erhören Sie den zartlichſten Liebhaber, oder ich ſterbe zu Ihren Fuͤßen, als ein zweiter Siegwart. Siebenter Auftritt. Vorige. Herr von Staar. Emil. i Emil (außer ſich.) O, lieber Onkel, ſehen Sie nur, ſehen Sie! 1 Hr. v. Staar. Nun ja, ich ſehe. Was weiter? Emil. Er liegt zu ihren Füͤßen. Str Unter Eheleuten pflegt das freilich ein ſeltner i all zu ſeyn. Ja, ja, man merkt es, daß 6 er ſie erſt ſeit heute wieder ſieht. In acht Ta⸗ ⸗ gen wird er's wohl bleiben laſſen. Emil. Aber, wie koͤnnen Sie dulden — 262 Hr. v. Staar. Daß ein Mann ſeine Frau anbetet? Der Fal iſt ſo wenig in der Regel, daß man die Aus nahmen ehren muß. Emil. Ich kann unmoͤglich zugeben, daß — Hr. v. Staar. Will er ſchweigen! Emil Cheſtig zu Baldern.) Wie können Sie ſich unterſtehen, zu den Fů ßen meiner Geliebten — Hr. v. Staar. Will er gleich ſchweigen, Unbeſonnener! Baldern. Da ſehen Sie, lieber Onkel, ob meine B. * ſorgniſſe ungegruͤndet waren. Die Leidenſchaf verblendet ihn in dem Grade, daß er ſich ſogn unterſteht, meine Frau in meiner Gegenwa ſeine Geliebte zu nennen. Hr. v. Staar. Er iſt ein Narr, der nicht weiß, was er wi n Aber ich weiß es nur zu wohl. Drum 1 ich den klügern Theil erwaͤhlen. He, holls Baſtian! Baſtian! —— 1 265 Achter Auftritt. Vorige. Baſtian. Baſtian⸗ e bin ich, zu Befehl. 7 Baldern. Der Wagen — Baſtian. Iſt angeſpannt. Mosje Zeiſig legt eben die Sitzkiſſen hinein. Baldern. Mosje Zeiſig ſoll den Augenblick hieher kommen. — 1 Baſtian⸗ Werd's ihm gleich ſagen. (teiſe) Nun bricht's! C66.) 4 n. Neunter Auftritt. Vorige, ohne Baſtian. Hr. v. Staar. Was ſoll der Wagen? B Baldern. . ch nahm mir die Freiheit, ihn zu beſt ellen. weil ich abreiſen will. Hr. v. Staar. Wie? Emil (eiſe.) Gott ſey Dank! Baldern. Liebe Sophie, umarme Deinen Onkel, und folge mir. Emil. Was? Sophie (teiſe zu Baldern.) Mein Herr — Hr. v. Staar (zu Emil.) Das iſt ſeine Schuld, Mosje Superklug. Baldern. Leben Sie wohl, theurer Onkel! Komm, kiebe Frau, komm! (zieht ſie an der Hand fort.) Emil ctritt dazwiſchen.) Rein, nun kann ich nicht länger ſchweigen. — Vernehmen Sie, theurer Oukel, daß dieſer feine Herr, der uns alle zum Beſten hat, ein Betrüger iſt. Ich ließ ihn kommen, damit er die Rolle des wirk lich verſtorbenen Herrn von Kracht ſpielen ſollte, um die Verbindung meiner geliebten Sophie mit dem fatalen Bal⸗ dern zu verhindern. Soll er nun noch mit der Cvuſine abreiſen? 3 265 Hr. v. Staar. Was iſt das? — Wie — Sie waͤren nicht mein Neffe? Baldern⸗ Rein, theurer Onkel! Hr. 5 Star. Was für verfluchte Streiche! Der Kopf wird mir ordentlich wirblich. Ich dachte es 1a gleich, daß die ganze Sache Betrug ſey; aber Seiſig, der mir ſagte — Zeiſig! Zeiſig! Wo ſteckt der Spitzbube? Zehnter Auftritt. Vorige. Zeiſig. Baſtian. Zeiſig. Da bin ich, gnädiger Herr! Hi. 9 Saar (ihn an der PBruſt faſſend.) Sprich, Galgenſtrick, wer iſt dieſer Menſch da? Zeiſig. Ei, gnädiger Herr, haben Sie es denn ſchon ieder vergeſſen? Es iſt der Herr Rittmeiſter n Kracht. 266 Emil.“ Die Liſt hat ein Ende. Ich habe alles be⸗ kannt, thue ein Gleiches. Zgeiſig. Was ſoll ich bekennen? Hr. v. Staar. Daß der Mosje da ein Vogel Deiuer Se kanntſchaft iſt. * Zeiſig Das iſt auf Ehre nicht wahr! Hr. v. Staar (ihn ſchůtternd. Bekenne! Sophie⸗ Ich bin vielleicht im Stande den Kuoten z loͤſen. Dieſer Herr iſt ein verkleideter Liebhaber. Zeiſig. Alle Wetter! (zugleich.) Emil. Was? 4 Hr. v. Staar. Erſt ſollte er ihr Mann ſeyn, und nun iſt er wieder ihr Liebhaber. Was ſoll denn das heißen? — Willſt Du die Räthſel erklären, Spit⸗ bube, oder ſoll ich die Gerichte rufen? wer ſind Sie denn? Wie heißen Sie? — Sie 267 geiſig (mit Patßos) Wohlan, mein Herr! laſſen Sie mich prů⸗ geln, mich einſperren, ich dulde alles; nur verkennen Sie meine Hetzensguͤte und die Zart⸗ heit meiner Empfindungen nicht. Cauf Emil und Sophie deutend) Ich ſah dies junge Liebespaar in Verzweiflung; ſie beteten ſich an, und Sie wollten ſie trennen, wollten ihrer Reigung Ge⸗ walt anthun; ich kenne die traurigen Folgen ge⸗ zwungeuer Ehen; mein moraliſches Gefühl er⸗ wachte, und ich beſchloß, eine Verbindung 2u verhindern, welche drei Menſchen ungluͤcklich mschen würde. Aus Liebe des Nächſten und Sinn fur Rechtlichkeit habe ich gefehlt. Stra⸗ fen Sie mich, ich werde nicht murren; es iſt ſo ſuͤß, ein Maͤrtyrer der Tugend zu ſeyn. Baldern. Da ſehen Sie, welch ein edles, mitleidiges Herz! Wenn mau ihn anſieht, ſollte man ihn ohne weiters fuͤr den abgefeimteſten Spitzbuben halten, und es iſt doch ein ſo zartfühlender, rein moraliſcher Menſch! Hr. v. Staar. Aber zum Teufel, Herrt der Sie ſich noch unterſtehen, mit ſo dreiſter Stirne da zu ſtehen, werden doch einen Namen haben? Baldern. Einen nur? O ich habe deren wohl ein hal⸗ meiſter von Kracht. Ihr Neffe ſagt, ich ſey hält mich für einen Lerkleideten Liebhaber. Da ich nun ein ſehr nachgiebiges, weiches Herz habe, ſo laſſe ich mir ailes gefallen. Ich bin ein ſehr vertraͤglicher Menſch, und bereit, alles zu ſeyn, was Sie wollen. Sie duͤrfen nur befehlen. Hr. v. Staar. Welche verdammte Geſchichten! Was wird der junge Baldern dazu ſagen, wenn er er⸗ faͤhrt — — Sophie. D, theurer Onkel, haben Sie Mitleid und zwingen Sie mich nicht, dieſen verhaßten Bal⸗ dern zu heirathen! Ich habe ihn nie geſehen, aber ich bin feſt überzeugt, daß er nichts taugt. Baldern. Gemach, gnädige Frau, gemach! Sprechen Sie nicht zu ſchnell ab. Ich kenne dieſen Bal⸗ dern ſo gut, als mich ſelbſt, und darf Sie verſichern, daß er wenigſtens nicht unter die Schlechteſten gehört. Wenn er auch nicht im Stande iſt, Ihre Liebe zu gewinnen, ſo will er doch Ihr Unglück nicht. Er kennt die Macht bes Dutzend! Mosje Zeiſig nennt mich Ritt⸗ ein Betrüger; und Ihre liebenswuͤrdige Nichte . 269 der Leidenſchaft, und wird alles aufbieten, um Sie mit dem Geliebten zu vereinigen. Sophie. Was ſoll das heißen? Sie ſind doch nicht — Baldern. Der Rittmeiſter von Baldern. Emil. O weh! Hr. v. Staar. Da haben wir die Beſcherung. Zei ſi 9i „ (zugleich.) Gott genade meinem Rücken! Baſtian. Ich allein habe es gewußt. Baldern (zu Sophie.) S2 Ja, ich bin der Taugenichts, der Ihren On⸗ kel bittet, dem Neffen Emil Ihre Hand zu geben, und der es über ſich nimmt, ſeinen Vater zu beruhigen. — Emil. Dieſe Großmuth! Sophie. 6 Dieſe Guͤte! Baldern. Ah, das klingt anders als vorher! Incom⸗ modiren Sie ſich nicht mit Redensarten, ich bin kein Freund davon. Lieber Onkel von un⸗ gefähr, Sie ſind doch mit mir zufrieden? Hr. v. Staar. Muß ich nicht? Emil und Sophie, Dank, tauſend Dank! r Ich furchte, ich furchte, über Jahr werdet ihr mir's nicht mehr danken! S Eine ſchlechte Prophezeiung, die hoffentlich nicht in Erfüllung gehen wird. Im Gegentheil, ich hoffe, daß noch ihre Kinder und Kindes Kinder ſich dankbar meiner erinnern, und rufen werden: Es kebe der Gemahl von unge⸗ ind Tag Er lebe! verbuͤndeten Truppen in Frankreich. Schanſpier in zwei Außzuͤgen. Perſonen⸗ Graf von Löwenan, Genekal J eines deutſchen von Kronenfels, Obriſt Regiments. Modame Derval, Eigenthömerin einer Handlung. Emilie, ihre Tochter. Verger, ihr Comis. weVermiſſeau, ein Kraͤmer. Curt, Reitenecht des Obyiſten⸗ S 3 Winter, Kammerdiener des Generals. Ein Vedienter⸗ 8 Wache. Der Ort der Handlung iſt eine gödſiſche Grenzſtadt⸗ Erſter Aufzug⸗ Simmer im Hauſe der Madame Derval⸗ mit einem Fenſter und einem Schirm⸗ . Erſter Auftritt. Ssne2 Derval. Ein Bedienter, Mad. Derval. Wo meine Tochter? Schläft ſie nocht Bedienter⸗ Sie iſt ſchon ſeit einer Stunde im Garten. Mad. Derval. Gehth hinunter, und ſagt, daß ich zu ſprechh wünſche. 8 Bedienter⸗ kommt ſie ſebſt. ( S . 2 — 3eine S Mad. Derval. Emilie. Mad. Derval. Guten Morgen, Emilie! Du biſt ſchon ſi früh auf, und ensſ 2 geſtern Abend ſpät zu Bette? Ich weiß nicht, liebe Mutter, woher es kommt; aber ſeit einiger Zeit flieht mich der Schlaf⸗ Mad. Derval. 2 Du 6 wohl? 0 Emillie. 2 Wohr? 8 ja, was man 5 wohl ſeyn nnt das bin ich; aber — — 2 3 Mad N — Nun ber Emitie. . Es kommt mir nanchnat 2 vor, at fehlt mir Mad! Derdar. Und dieſes Etwas iſt? Spll ich rathen Emilfe. Es zu errathen wurde Ihnen leicht w ben 275 83 5 6 demn ich habe vor meiner guten Mutter nie eGe heimuiſſe Zehabt. Sl war min Herz S⸗ nen: 1 Mad. Derbal. i Dag weiß ich, ethich ſebe . Si 6 ſeht. 6 Emilie. Un ach jetzt will ich nicht ſäumen, die gů⸗ tigſte der Mutter zu meiner Vertrauten zu ma⸗ chen. du ni ve ſeuete Frinſn finden. 1 Em ſien Sie ihren Dieſe Ueberzeugung giebt mir Muth. Beſie, theuerſte Mutter! ich liebe, mit aller Kraft der e ebe⸗ ic — tii 1 Pad t Du ſtockſt? Sollte meine Tochter ſich des 169 8 uein; geuißt ich weiß . welches ſonderbare Gefühl mir in dieſem blicke den Mund ſchließt. e 3 , Urſache 276 Mad. Derval. 6 Es iſt das ſchöne Gefühl jungfrãulicher Scham⸗ haftigkeit, das Dir ſtets heilig bleiben möge Sey ruhig. Ich kenne Dein Geheimniß. Den Ange der liebenden Mutter blieb die Regung Deines Herzens“ nicht unbemerkt. Du liebf Bergern. 8 Emilie. Können Sie mich deshalb tadeln? Mad. Derval. n ½ Im Gegentheil, liebe Tochter, ich billige Deine Wahl. Berger iſt ein guter, thätiger Menſch, dem ich den Flor meiner Handlung verdanke. Ich freue mich, ihm durch Deine Hand lohnen zu können; denn daß Du von ihm wieder geliebt wirſt, vermuthe ich. Ich weiß es gewiß, liebe Mutter! 3 M⸗ Um ſo beſſer! Wir leben ijn einer ſtuͤrmiſchen Zeit. Die feindlichen Heere ſtehn vor den Tho⸗ ren der Stadt, und werden, wie ich höre, noch heute hier einrücken. Du owohl, als ich, be⸗ dürfen des männlichen Schutzes. Deshalb ſoll Berger noch dioſen Vormittag Dein Gatte e e n ßen mich ſo handeln. 277 Emilie cſie umarmend.) O beſte, theuerſte Mutter! Mein Dank — Mad. Derval. Gebuͤhrt mir nur halb, denn Rückſichten hei⸗ Warum wollen Sie Ihre Güte hinter eine Larve verbergen? Kenne ich es nicht, dieſes edle, gute Herz? . Mad. Derval. O, gutes Kind, dies Herz iſt ein ſehr ſchwa⸗ ches Herz! Es gab Augenblicke, wo es mich zu einem Schritt verleitete, der wie eine Furie den Frieden meines Lebens ſoͤrte. Wo lebt der Menſch, der ſich keines Fehl⸗ tritts bewußt iſt? Mad. Derval. Verachtung dem Elenden, der ſich damit ge⸗ rechtfertigt glaubt! Rein, Emilies ich habe gefehlt, aber ich habe auch gebuͤßt durch Jahre kanges Leiden, durch die Folter des Bewußt⸗ ſeyns, welche die gräßlichſte aller Strafen iſt. Noch iſt die Zeit nicht gekommen, wo ich mich Dir entdecken darf, aber ſie iſt nicht mehr fern. Nun geh, (liebes Hind, undſſchicke mir Ber⸗ gern her, damit ich Euer Glück beſchlennige Emilie. D thenre Mutter, wo ſoll ich Worte fün meinen Dank finden! Mein ganz es Leben ein ſtetes Streben ſeyn, Ihnen Frende zu chen. (kußt ihre Haud undigoht.) Mad. n Sintet 3 36 Hem veniſſen — zu prechen. 6312 156 Mad Derval. Was will der Geizhals ſo früh bei miry und gerade jetzt? Sagt ihm, daß ich nicht Zeit — Bediente Er ſagt, es ware in einer⸗ on Ange⸗ iegenheit⸗ ri 13 We Sal. — laßt ihn herein. Bedienter 63 1 279 Mad. Derv al. nzeögen könnte mir der B n nicht kommen: 133 F 12 3 Vierter Mad. Deral. Vermiſſesn⸗ Pad. Derval. 3 Ei, Hert Vermiſſeau, wie komme ich ſo früh zu der Ehre — Vermiſſe au. 2 Gehorſamer 2 Diener! Nichts Ehre! Jammer und Noth, Frau Nach barin! Jammer und Roch, und, was der Allbarmherzige gna⸗ digſt bethüten wolle, vielleicht gar Tod! Mad. Derval. Sie erſchrecken wicht Was iſt denn vorge⸗ fallen? un Vermiſſeau⸗ 0 ch bin der miſerabelſte aller Menſchen! Mad. Derval. Ei, was hat Sie denn auf einnal zu dieſer Stteiunß gebracht? Veriiſſeau. * kommt ſic ch wohl zur Wi wenn 0 man am Rande des Grabes ſteht! Sie ſehen einen todten Menſchen vor ſich. Mad. Derval (ijcheint.) Wie? Vermi ſſeau. So gut, als todt. In vier und zwanzig Stun⸗ den bin ich gehangen, todtgeſchoſſen, oder ſonſt auf eine meſchante Art aus der Welt geſchaff⸗ wenn Sie iir nicht helfen. E Mad. T Dervat. Ich? 3 Vrrmiſſeau. §a 5 Sie. In Ihrer Hand ſteht mein Wrohl, und Weh, mein Leben und mein Tod. Mad. Derval. Erklären Sie ſich. Vermäſſeau. Geben Sie mir Ihre Tochter zur Frau. Mad. Derval. Wie? Veriſſeau. Geben Sie mir Ihre Tochter zut Frau 5 und zwar augenblicklich, ſonſt bin ich in vier und zwaitzig Stunden eine Leiche. bn — 281 Mad. Derval. Sie werden ſich doch nicht etwa aus lauter Liebeswuth todtſchießen wollen? Vermiſſeau. Den Teufel auch! Ich thue mür gewiß nichts, denn dazu habe ich mein Lebeil viel zu lieb; aber die Feinde, die wie blutdürſtige Hyänen vor ven Thoren unſter guten Stadt ſtehen, die werden mich maſacriren, wenn ich nicht ſchleu⸗ nigſt Ihre Mamſell Tochter heirathe. Mad. Derv al. Was hat denn aber Ihre Verheirathung und meine Tochter mit dem Feinde zu ſchaffen? Vermiſſeau⸗ 8 O ſehr viel! Hören Sie mur. Sie wiſſen aus Erfahrung, wie ſchlecht es um den Handel ſteht, ſeit unſer Kaiſer uns mit Teufelsgewalt zur großen Nation gemacht hat. Sonſt konnte ein ehrlicher Mann doch noch ein 60 Procent⸗ chen gewinnen, heut zu Tage bringt man's, daß ſich Gott erbarme, mit Angſt und Noth kaum auf zehen. Wo wollte das am Ende hinaus, wenn man ſich nicht dann und wann durch ein chriſtliches Speculatiönchen zu helfen ſuchte! Da hatte ich vor einigen Jahren auf einer Au⸗ ction eine anſehnliche Parthie ſchlechten Tabak um einen billigen Preis erſtanden, weit ihn Nie⸗ * . — ——— mand mochte, denn es war, unter uns geſagt, wahrer Galgenknaſter; aber ich dachte, fuͤr den gemeinen Mann iſt er gut genug; das Poll iſt ohnehin nichts Gutes gewohnt, ſeit es nicht mehr auf Feindes Koſten leben kann. Zudem konnte ich ihn auch wohlfeil verkaufen, das Packchen zu. zwölf Sohs. Aber trotz dem billi⸗ gen Preiſe, wollte mein Tabak doch keinen Ab⸗ ſatz finden. Da fiel mir eine Liſt ein, die mir Boldue Zinſen trug. Mad. Derval. Laſſen Sie horen. Wie der jetzige Krieg ausbrach, änderte ich die Etikette meines Tabaks. Ich ließ einen unſrer Chaſſeurs in Holz ſchneiden, wie er, eine ölniſche Pfeife im Munde, über den im Staube liegenden feindlichen Feldherrn dahin galoppirte⸗ Das half⸗ Die großen und kleinen Helden u⸗ ſerer Garniſon kauften meinen Heldentabak, troh ſeines ſchlechten Geruchs. Mein Laden ward won militäriſchen Kunden gar nicht leer, ungt⸗ chtet ich das Päckchen nun fuͤr einen Franf werkaufte. — Beinahe war mein ganzer Vorratß verſchlieſſen, als trotz den pomphaften Sieget⸗ nachrichten die allirten Truppen mit einem Male über den Rhein vorrückten, und nun gar, —— daß Gott erbarme! vor uuſier lieben Stadt ſie⸗ e 285 hen, von der ſie, wie ich ſo eben erfahren, noch heute Beſitz nehmen werden. Mad. Detvat. Und nun fürchten Sie vermuthlich, daß der Reſt Ihrer Wagre auf dem Lager liegen bleibt? Vermiſſeau. Ach, das wollte ich wohl allenfalls ver⸗ ſchmerzen, denn, Gott ſey Dank! es iſt ir viel mehr da; aber Sie wiſſen ja, jeder Meuſch hat ſeine Feinde. Da iſt der Kraͤmer Serin, ein maliziöſer Kerl, der mich nie recht leiden mochte, und ſich vor Neid über den Verſchleiß meines Tabaks beinahe die Gelbfucht an den Hals ärgerte; der hat geſtern gegen meinen Lä⸗ dendiener, den Mosje Pic, verdächtige Re⸗ densarten fallen' laſſen. Er meinte, wenn die Feinde nun wirklich in die Stadt einruͤckten und erführen, auf welche meſchante Weiſe ich mit ihrem Feldherrn umgegangen ware, ſo dürfte ich leicht den Hahn nicht oft mehr krähen ho⸗ ren; denn man habe Beiſpiele von Exempeli, daß ſchon Mancher wegen dergleichen Dingen eine bleierne Pille habs verſchlucken müſſen. Ich dachte in die Erde zu ſinken, als Mosje Pic nach Hauſe kam und mir alles haarklein . wieder erzählte. Ich kenne den Sorin, der ₰ Neidhammel iſt zu allem fähig, und ich wette 3 ehen gegen eins, daß er mich bereits amavae⸗ ben hat, dem ich ſah ihn heute mit Tages! Anbruch ausgehen. i Mad. Derval. Sie fuͤrchten alſo ri nn Ant Beprüiſſeaun Freilich, freilich furchte ich, und zwar m allem Recht! Sehen Sie, die Kannibalen kom men vom PBlutvergießen, ſind an's Mordei gewöhnt; ob ein Vermiſſean mehr oder we niger aus der Welt geſchafft wird, das iſt ſol chem Heiden⸗Volke Zleichviel. Mad. Derval. Was kann Ihnen denn, bei ſo bewandtel umſtaänden, die Hand meiner Tochter helfen? 4 Vermiſſeau. Viel, ſehr viel! Eine hübſche, junge Fre hat ſchon mauchen vom Galgen errettet; beſon ders bei den Herrn vom Militär iſt eine ſolch Fürſprache die kraftigſte, und Ihre Mamſel Tochter iſt von ihrem Schoͤpfer mit einem muthigen Koͤrper und einem dito Paar Ange ausſtaffirt, die allenfalls wohl einen grimmi gen Schlagtodt zahm zu machen im Stand ſind. Ich hatte mir zwar vorgenounnen, nicht zu heirathen, ſintemalen eine Frau ein 33 — —, — e— — Artikel iſt; aber Noth bricht Eiſen. Ich bic ein reicher Mann, habe mein Schäſchen inſ . Trockne gebracht. Ihre Wanſel Tochter macht keine ſchlechte Parthie mit mir, und wenn ſie mir aus der Patſche hikſt, ſo will ich's im Punkt der Ausſtener nicht ſo genau nehmen. Drum ſchlagen Sie ein, ſagen Sie mir mit einem Wott, wie viel Sie ihr mitgeben wol⸗ ſlen, damit ich hingehen, und den Ehekontrakt eſelen kann⸗ Mad. Derval⸗ Wie, Herr Vermiſſeau? Ich hoffe, es ſi Ihnen mit dieſer Zumuthung nicht Ernſt. G Vermiſſeau. Siſt bittrer Ernſt! Wenn einem das Meſ⸗ an der Kehle ſteht, da ſpaßt ſich's nicht, Aber nun machen Sie um Gottes Willen, daß wir zu Ende kommen. Die Zeit iſt köſtbar, und mein Leben ſteht auf dem Splele. (Man hört h der Ferne trommeln.) Ach, du meine Güte, da ſind die Bluthunde ſchon! Geſchwind, theuerſte Fran Nachbarin, holen Sie Ihre Tochter, da⸗ elit ich eine Frau bekomme, fonſt bin ich ein in des Todes! Nad. Derval. 5 Verächtlicher Wenſch, „was zetechtige Sie, chmir einen ſolchen Antrag zu thun? Gehen Sie, reund danken Sie es dem Ritleid „welches Ihre Erbärmlichkeit mir einflößte, daß ich für eine vſolche Beleidigung nicht die S4 huung n 236 dere, die Sie mir zu geben ſchuldig warem wenn Sie Gefühl fuͤr Ehre hätten. (ab.) Fünfter Auftritk. Vermiſſeau (alein.) m Da geht ſie hin, und ſtößt mich unbarmherde zig in den Rachen des grimmigen Todes. Undm das will eine Ehriſtin ſehn! Was ſoll ich beß ginnen? Der klapperdürre Urian hat mich ſchotei am Kragen. O lieher Gott, wenn Du micht aus dem Drangſale retteſt, ſo gelobe ich di in Zukunft nie wieder leichtes Gewicht und klei nes Maas zi brauchen, und meinen verimale deiten Heldentabak grätis an die Armuth z vertheiten! (Man hört abermals trommeln.) O d zwige Barmhetzigkeit, da kommen ſie, die E Jenfreſſer! (tritt fupchtſam ans Fenſter) Welche G. zichter! Welche Bärte! Die Kerls — mit Rh ſpeck zu melden — die Herten — wollte i ſagen, ſind im Stande, mich zum bloßen Zei vertreib in kleine Stückchen zuſammen zu hauen Was ſeh ich? Gerechter! Sie machen Halt Sie wenden ſich gegen das Haus! O ich en bärmlicher Wurm, ſie kommen, mich abzuh, len! Ich pin verrgthen! Ich höre ſie ſchon aſe der Treppe; Wohin verberg ich mich? ſa (eht hiuter den Schirm) e 28/ Sechſter⸗ Auftritt.e Berger. Vermiſſeau berßeatt) n — 1 Berger ioi) (in großer Veweguſg.) 0 3 Granſames Schickſal, hörſt Du nicht auf, mich zu verfolgen? Ich ſoll ſie Lerlaſſen, an uder mein ganzes Herz hangt; mich trennen bon mmeinem Glücke; in die öde Welt hinausgeſto⸗ en erzweiflungsvoll umher irren; voder hier einen innſlichen Tod ſterben! — Schreckliche Wahl! Siebenter Auftritg Vorige. Mad. Derval. d Find' ich Sie endlich! Aber „was fehit I⸗ 12 1 iten? Sie ſind außer ſich. Begere W e Was konnte Sie ſo erſchuͤttern? Doch, es ſe, was es wolle, ich bringe heilenden Bal⸗ am für Ihr wundes Herz. — Lieber Berger, er Einmarſch der feindlichen Truppen beſtitumt 17 * — mich, Ihnen ſchon jetzt den Lohn zu geben, den ich Ihnen für Ihre treuen Dienſte in der Folge zugedacht. Sie werden von meiner Tochter ge⸗ liebt, und Emilie verſichert mich, daß Sie ihre Gefühle theilen; iſt dieß der Fall, ſo ſoll ſie noch heute die Ihrige werden⸗ Berger Ctei Seite.) Das fehlte noch! 3 Mad. Derval— Ich trete Ihnen meine Handlung ab, und brelbe in Ihrem Hauſe, um mich des Glückt meiner Kinder zu freuen⸗ Berger⸗ Großer Gott! Mad. Derval⸗ Wie? Kann mein Antrag die Falten Ihrer Stirne nicht glätten? Ich glaubte Sie durch meine Rachricht in freudiges Erſtaunen zu ſ⸗ tzen, und leſe, zu meiner größten Verwunde⸗ rung, Verlegenheit und tiefen Kummer au Ihrem Geſichte. Sollte meine Tochter ſich ge täuſcht haben? Sprechen Sie ohne Ruͤckhalt, denn es gilt meines einzigen Kindes Glück. — Lieben Sie Emilien? V ch len Maiſch ehet Mad. Der Woher alſo dies ſeltſam⸗ Berger. Bedauern Sie mich, ich b unglück⸗ lichſte aller Menſchen! Mad. Derval. Erklären Sie ſich. Berger. Ich muß noch in dieſer Stunde Ihr Hauns und dieſe Stadt verlaſſen, wenn ich nicht ais Verbrecher ergriffen und zum Tode verurtheilt wer⸗ den ſoll. Mad. Derval. Gerechter Gott! Was haben Sie gethan? Berger. Hören Sie meine traurige Geſchichte, und verwünſchen Sie mit mir des Schickſals Tücke. — Ich habe meinen Vater nie geſehen. Als ich noch in der Wiege lag, rief ihn die Dienſt⸗ pflicht auf eine entfernte Werbung. Im neun⸗ ten Jahre verlor ich meine Mutter, und ward in eine Erziehungsanſtalt gethan. In meinem achtzehnten Jahre ward ich als Junker bei ei⸗ nem Jufanterie⸗Regimente angeſtellt, und avan⸗ eirte ſpater zum Licutenant. Mein Vater, der um dieſe Zeit als Hauptmann auf Werbung T s Ungluͤck, den Stiefbruder mei v Oberſte im Duell zu erſchießen. Der Obriſt ein rauher, harter Mann, der, außer ſeinen Bruder, alle Menſchen haßte, war untröſtlich bei der Nachricht ſeines Todes. Er warf ſeine ganzen Haß auf meinen Vater und auf mich den Sohn des Moͤrders des einzigen Menſchen den er geliebt hatte. Bei jeder Gelegenhei mußte ich unverdiente Vorwürfe, bei dem kleit ſten Vergehen die haͤrteſten Strafen erduldet Lange litt ich ſchweigend; endlich empoͤrte ſic mein Gefühl, und als er mich eines Tags auß der Parade vor dem ganzen Offiziers⸗Corps il den unanſtändigſten Ausdrücken mißhandelte, übermamnte mich der Zorn, und ich zog meinen Degen gegen den Uebermüthigen. Man ent waffnete und arretirte mich. Die Subordinations Geſetze ſprachen Todesſtrafe über ein ſolches Verbrechen. Zu ſpät ſah' ich ein, was ich g than hatte, und zitterte vor den Folgen. Mad. Derval. Entſetzlich! Bee Am folgenden Morgen ſollte Kriegsrecht uͤbe mich gehalten werden. Als es Nacht gewor den, und ich mich ſchlaflos, voll banger Sol gen, auf meinem Lager wälzte, oͤffnete ſich di Thüre meines Gefängniſſes. Der Sohn des S 291 „ Kriegs⸗Miniſters, der mich kieb gewonnen hatte, trat herein, und ſprach zu mir: Freund, Deine Lage dauert mich. Ich war Zeuge, wie Du ge⸗ reizt wurdeſt, und kann es unmöglich zugeben, daß Du ſchuldlos den Tod des Verbrechers duldeſt. Ich biete Dir die Mittel zur Flucht. Die Liebe zum Leben erwachte mächtig in mir⸗ Ich druckte meinen Retter dankbar an das Herz⸗ floh, und erreichte glücklich die Frenze. — Ein Zufall führte mich vor ſieben Jahren in dieſe Stadt und in Ihr Haus. Sie nahmen mich unter fremdem Namen auf. Hier fand i ich Ruhe und Vergeſſenheit des Vergangenen, e und als ich vollends Ihre liebenswürdige Toch⸗ i ter kennen lerte, als ihre Vollkommenheiten⸗ die Flammen der zärtlichſten Liebe in meiner 6 Bruſt entzündeten, vergäß ich Vater und Va⸗ terland, und fühlte mich glücklich in meiner enenen Lage. Emiliens Beſitz war mein ein⸗ ziger Wunſch, und heute, da Ihre Güte, wohl⸗ thätige Frau, dieſen Wunſch erfüllen, und mich zum gluͤcklichſten Sterblichen machen will, führt der Krieg das Regiment, bei dem ich ſtand, in die Mauern dieſer Stadt. Mein Urtheik iſt geſprochen; werde ich erkannt, ſo iſt ein ſchimpf⸗ u hcher Tod mein unvermeidliches Loos. Mad. Derval. Berger. Entſcheiden Sie nun, was ſoll ich thunhf Soll ich mich trennen von meinem Himmel, um ein freudenloſes Leben zu erhalten, das ohn Emilien keinen Werth für mich hat, oder ſol ich bleiben, um meinen Leiden für immer et Ende zu — — Mad. Derval. Wahrlich, Ihre Erzaͤhlung hat mich ſo uͤber 6 raſcht, daß ich mich erſt ſammeln muß, und einen Entſchluß zu faſſen! Laſſen Sie Wab nun einen Augenblick nachdenken. n Berger. O ich Unglücklicher! ußte ich in Ihr Haus komn nen, um den Frieden daraus zu verſchei⸗ chen? Mad. Derval m Cnach einigem Nachſinnen.) 5 Nein, Berger, Sie duͤrfen nicht fort! Di Flucht ſt gefährlicher, als der Aufenthalt in in meinem Hauſe. Die ganze Gegend wimmelt von ſeindlichen Soldaten. Beſſer, Sie verben gen ſich in Ihrem Zimmer, bis das Regiment wieder abzieht, oder von unſern Truppen zu⸗ ruͤckgedrängt wird. — 8 Berger. di Wie, Madame, Sie wollten Ihr Schickſul 5 an das meinige ketten? Wollten ſich der Ge⸗ fahr ausſetzen — Mad. Derval. Sind Sie nicht der Geliebte meiner Tochter? iGlauben Sie, daß Emiliens Herz Ihre Ent⸗ fernung ertragen würde? Iſt es nicht meine pflicht, für meine Kinder alles zu wagen? — Laſſen Sie uns der guͤtigen Vorſehung vertrauen! Sie wird mit weiſer Hand den Sturm abwen⸗ den, der unſerm Gluͤcke droht. — Folgen Sie mir, daß ich Anſtalten zu Ihrer Sicherheit teffe. (BVeide ab.) 5 Achter Auſtrie. Vermiſſeau Calein.) Was hab' ich gehoͤrt? O gluͤcklicher, drei⸗ mal glcklicher Zufall! Nun bin ich geborgen. ch gehe hin, und zeige es dem Herrn Obriſt tan. Ich liefere ihm den Sohn ſeines Feindes in die Hände. Er wird mich ſchützen, wohl ar noch belohnen. Juchhe! ich bin zur gluck⸗ lchen Stunde hinter den Schirm getreten. Es it doch eine herrliche Sache um's Horchen. Es iebt zwar gewiſſe dumme Menſchen, die da gen, es ſey ſchlecht; aber das ſind Schwach⸗ köpfe. Hätte ich nicht gehorcht, ſo ſtuͤnde mir ſdie Kugel zu Dienſten, welche dem zäktlichen Herrn die Liebesgedanken guf immer vertreiben 8 294 wird. Friſch an's Werk! Ich bin ſo vergnügt — wenn mir nur kein Bettler in den Weg kommt; ich wäre weiß Gott im Stande, ihm in der Freude ein Allmoſen zu geben. Lab.) Neunter Auftritt. Wohnung des Obriſten mit einer Seitenthuͤr. Obriſt v. Kronenfels (ſitzt an einem Tiſche und ſtarvt ſchwermuͤthis von ſit hin. Curt ſteht vor ihm und betrachtet ihn kopſſchuͤh telnd; endlich kehrt er ſich brummend um und geht⸗ Obriſt, cder es vemerkt.) Wo willſt Du hin? Curt. Hinaus, mich aͤrgern. Worüber? 4 Curt. Obriſt. Ueber mich 2 Curt. Ja, über Sie. Nehmen Sie mir's nich öbel, aber das iſt unerlaubt. 255 Obriſt. Was haſt Du? Curt. Da ſitzen Sie nun ſchon ſeit einer halben Stunde, ohne ein Wort zu ſprechen, mit ei⸗ nem Jammergeſichte, daß einem das Herz im Leibe ſprengen möchte. Obriſt. Was kuͤmmert's Dich? 6 Curt. „ Was es mich kümmert? Verzeihen Sie, Herr Obriſt, das war ein garſtiges Wort. Es ſollte mich nicht kümmern, wenn ich Sie, meinen Wohlthater, dem ich alles danke, was ich bin und habe, ſo da ſitzen ſehe? Ich ſollte es gleichgültig mit anſehen, wenn Sie ſich abhär⸗ men und qualen? Wenn ich das könnte, wäre ich ein undankbarer Schurke, der den Strick verdiente. Obriſt. Vergieb mir die übereilte Rede, mein Schmerz macht mich ungerecht. Curt. Ich habe alle Achtung fuͤr Ihren Schmerz⸗ aber Sie ſollten ſich ihm doch auch nicht ſo mit Leib und Seele übergeben. Als die feindlichen — 296 Huſaren Sie verfolgten, ich vom Hügel die Gefahr ſah, und in der Angſt meines Herzens zwiſchen Sie und den Feind ſtuͤrzte, und den Hieb mit meinem Kopf auffing, der Ihnen den Garaus machen ſollte: da drückten Sie mich an Ihr Herz, und nannten mich Ihren Retter, Ihren Freund. Dieſe Worte waren mir lieber, als die volle Börſe, die Sie mir anboten. Nun erlauben Sie mir auch, daß ich wie Ihr Freund ſpreche, und Ihnen meine Meinung vom Herzen weg ſage. k Obriſt. Sprich! Curt. Sie haben viel Ungluͤck in der Welt erlebt. Der Bruder unſers Generals, den Sie ohne Vorſatz beleidigten, forderte Sie, und fiel durch Ihre Hand. Der General gedenkt Ihnen das, und bereitet Ihnen Unannehmlichkeiten, wo er weiß und kann; er brachte ſogar Ihren Herrn Sohn ſo weit, daß er ſich gegen ihn vergaß und fliehen mußte, um der Kugel zu entgehen. Das iſt freilich Grund genug zur Traurigkeit. Obriſi. Und doch machſt Du mir Vorwurfe daruͤber? Mein Sohn mußte als ein Verbrecher fliehen! Wer weiß, in welchem Winkel der Erde er ein — — — — — er— — Raub der Verzwelftung geworden und — durch meine Schuld! Curt. Nun ja, es iſt eine böſe Geſchichte, und ich habe im Stillen ſchon manche Thräne darüber geweint; aber Sie ſind nicht Schuld daran, Herr Obriſt, Sie wurden gefordert, mußten als Offizier ſich fiellen. Daß jene Ehrenſache ſo traurig endete, war ein ungluͤcklicher Zufalt. Obriſt. Waren darum die Folgen minder ſchrecklich? — Du biſt nicht Vater, weißt nicht, was es heißt, ſein einziges Kind zu verlieren. Curt. Ja, es mag ein entſetzliches Gefühl ſeyn, das kann ich mir wohl vorſtellen. Aber nun iſt's einmal geſchehen! Und wer weiß, ob der junge Herr nicht noch lebt, ob er nicht einmal ganz unverhofft wieder kommt? Obriſt. Darf ich das wünſchen? Iſt nicht ſein Ur⸗ theil geſprochen? Wird man den Wiedergefun⸗ denen nicht aus meinen Armen reißen, um ihn zum Tode zu führen? Rein, guter Curt, fuͤr mich giebt's keine frohe Hoffnung mehr, drum laß mich trauern uͤber das Glück, das ein un⸗ ſeliger Augenblick mir auf immer entriſſen. lab.) . Zehnter Auftritt. Curt. Da haben wir's. So macht er es immer, ohne zu bedenken, was ich dabei leide. Ich müßte ja ein Herz von Stein haben, wenn ich den Jammer ſo ruhig mit unſehen könnte. Macht er wir's zu toll, ſo packe ich ein, und reite in alle Welt. — Holla, Curt! Was haſt Du da geſagt? Pfui Teufel! Meinen guten Herrn, meinen Wohlthäter im Stiche laſſen, und wie ein Schuft davön laufen? Nein, bei meiner armen Seele, das könnte ich nicht. — Aber es iſt kein Wunder, wenn einem die Galle mit; dem Verſtand davon laͤuft, und man dann Redensarten von ſich giebt, deren man ſich hin⸗ terher ſchaͤmen muß. 3 Eilfter Auftritt. Vermiſſeau. Curt. Vermiſſeau. Bitte Millionenmal um Excüſe, daß ich es wage hereinzukommen! Curt. Hier herein darf Jeder, der etwas da zu ſuchen hat. Vermiſſeau. Duͤrfte ich mir wohl die Freiheit nehmen, zu fragen, mit wem ich die Ehre habe zu ſprechen? Curt. Mein Name iſt Curt, ich bin Reitknecht des Herrn Obriſten. Vermiſſeau. Bin ungemein erfreut, die Ehre zu haben, Dero werthe Bekanntſchaft zu machen! Curt. Lohnt ſich nicht der Mühe. Was ſteht dem Herrn zu Dienſten? Vermiſſeau⸗ Ich wünſchte in tiefſter Submiſſion das Gluͤck und die Gnade zu haben, den gnädigen Herrn Obriſten in einer äußerſt wichtigen Angelegen⸗ heit zu ſprechen. Dazu kann Rath werden. 3 Vermiſſeau. Wirklich? wollten der liebwertheſie Herr Curt die Güte haben, mir zu einer gnädigen Andienz zu verhelfen? Erlauben Sie, daß ich füͤr dieſe Gefälligkeit — cdruct ihm Geld in die Pand.) 500 Curt⸗ Wozu das? Vermiſſeau. Wir haben heute einen kalten Tag, ein Glas⸗ chen Pin könnte erſprießlich ſeyn. Curt. Aber wofuͤr? — Vermiſſeau. Bros eine kleine Erkenntlichkeit für Ihre Be⸗ reitwilligkeit, mich Sr. Gnaden, dem Herrn Obriſten, melden zu wollen. Sollte freilich mehr ſeyn, bin aber ſelbſt ein armes Teufelein. Curt. So behalte der Herr ſein Geld. Ihn bei dem Herrn Obriſten zu melden, iſt meine Schul⸗ digkeit; dafür laſſe ich von , nicht be⸗ zahlen. (gehs ab.) Vermiſſeau Callein, ihm nachſtarrend.) Was waͤre mir denn das? Iſt Reitknecht, und will kein Trinkgeld nehmen? Curioſer Reit⸗ knecht das! — Iſt doch dummes Volk, die Deutſchen! Ein Franzoſe hätt's gewiß genoim⸗ men. — Mir recht, ſo ſteck ich's wieder ein. — Uf, das iſt ein ſaurer Tag! Nun, Vermiſ⸗ ſeau, nun gilt's! Muth gefaßt! 501 ölfter Auftritt. Obriſt. Vermiſſean. Obriſt. Sie haben mich zu ſprechen verlangt? Vermiſſeau. Verlangt? Soll mich Gott bewahren! Solch ein entſetzlicher Gedanke iſt mir niemals in den Sinn gekommen. Habe es blos zu wuͤnſchen in tiefſter Devotion gewagt. . Obriſi. Ohne Umſtaͤnde! Wer ſind Sie? Vermiſſeau. Ein armer Schlucker von Kramer hieſiger Stadt, Namens Euſebius Vermiſſeau. Obriſt. Vermiſſeau? Da ſind Sie wohl derſelbe, der mir heute denuncirt wurde, das Bildniß unſers verehrten Fedheſſn auf eine hoͤchſt un⸗ anſtändige Weiſe mißbraucht zu haben? Vermiſſeau. Verläumdung, allergnädigſter Herr Obriſt! Ich war von jeher der treueſte Anhänger der ſiegreichen Waſſen dieſes außerordentlichen Hel⸗ den; habe ſogar einmal, als ich in meinem ² Feuereifer etwas zu viel zu deſſen Ruhme ge⸗ 502 ſprochen, von einem Grobſchmidt, der nicht meiner Meinung war, eine furchterliche Ohr⸗ feige bekommen, und ſelbe, als ein ächter Martyrer der guten Sache, ganz gelaſſen ein⸗ geſteckt. Obriſt. Man ſagte mir aber — Vermiſſeau. Boshafte Verläumdung, wie geſagt⸗ Und ſollte es auch einen Augenblick gegeben haben, wo ich mich aus politiſchen Rückſichten gezwun⸗ gen ſah, an meinem Gefühle einen Selbſtmord zu begehen, ſo kann ich tauſend körperliche Eide ablegen, daß ſelbes nur mit wahrhaft zerquetſch⸗ tem Gemuͤthe geſchehen. Um Euer Gnaden einen unwiderlegbaren Beweis von der Lauter⸗ keit meiner Geſinnungen abzulegen, bin ich eben hier. Obriſt. Laſſen Sie hören. Euer Gnaden werden ſich wohl noch eine Herrn Lieutenants crinnern, der vor ſieben Jah⸗ ren ſich rebelliſcher Weiſe unterſtanden, gegenf Höchſtdero venerable Perſon den Degen zu zie⸗ hen, und dem es nachher gelungen, aus dem Kerker, wo er den wohlverdienten Lohn ſeiner Greuelthaten erwarten ſollte, zu entfliehen. Vermiſſeanu⸗ 3 . — 505 Obriſt (erſchrocken.) Was iſt's mit ihm? Vermiſſeau. Er hält ſich in einem Hauſe hieſiger Stadt verborgen. Ich komme, ſeinen Schlupfwinkel anzuzeigen, und indem ich den Verbrecher der Gerechtigkeit überliefere, die Aufrichtigkeit mei⸗ ner Geſinnungen darzuthun, und die Verläum⸗ der, die ſich unterſtanden, einen unverdienten Verdacht auf mich zu wälzen, Luͤgen zu ſtrafen⸗ Sbri (t Seite.) Gerechter Gott! Vermiſſeau⸗ Ich ſchmeichle mir zugleich mit der ſtolzen Hoffnung, mir ein beſonderes Verdienſt um Hochſtderv reſpektable Perſon erworben zu ha⸗ ben, da ich den Sohn Ihres Feindes Ihrer gerechten Rache ausliefere. Obriſt. Unglücklicher, weißt Du, was Du thuſt? Vermiſſeau. Im Grunde zwar nur meine Pflicht; allein da der Zufall es ſo gut mit mir meinte, und mich in den Stand ſetzt, Ihnen den Sohn Jh⸗ res Todfeindes auszullefern; ſo hoſſe ich auf 1 304 * Höchſtdero Erkenntlichkeit einigen Anſpruch ma⸗ chen zu dürfen. Obriſt (vei Seite.) Ich erkenne deine Hand, dunkle Vergelterin! Vermiſſeau. Unter dem Namen Berger hält er ſich hie neben an, im Hauſe der Witwe Derval verz borgen, und wenn Euer Gnaden mir zu olgen ? geruhen wollten, ſo wuͤrden wir den Vogl Keicht fangen. Obriſt. Geh, unglücksbote, und verbirg Dich au immer vor meinem Antlitz! Vermiſſeau. Euer Gnaden erlauben; eine dergleichen Spr che zu vernehmen, habe ich nicht erwartet. J glaubte vielmehr, auf Dank — Dank, von mir? Weißt Du, wer ich binp Vermiſſeau. Euer Gnaden ſind der gnädige Herr Obtriſ der von dem Vater des Verbrechers auf ei ſo horrende Art beleidiget worden. . Obriſt. Du irrſt; ich bin des Unglücklichen Vatt 505 der ſeit kurzen die Stelle ſeines Todfeindes be⸗ kleidet. Vermiſſeau. Barmherziger Gott! Obriſt. e Flieh, daß ich in der Groͤße meines Schmer⸗ tzes mich nicht vergeſſe, und des Schickſals Tücke an Dir räche! Vermiſſeau (eilt erſchrocken ab.) Dreizehnter Auftritt. Obriſt. Dann Curt. Obriſt (wirft ſich troſtlos in einen Stuhr, ſpringt auf, geht einige Mal nachdenkend umher, blicht mit einem thraͤnenſchweren Blick zum Himmel, und haͤlt die Hand krampfhaft auf ſein Herz; ein ſchwerer Seuf⸗ zer entſteigt der beklemmten Bruſt; man ſieht, daß er einen großen Entſchluß gefaßt hat. Er klingelt.) Curt (Lommt.) Obriſt (dumpf.) Hut und Degen. . Curt (reicht ihm beides.) 306 Obriſt (nimmt es, und will gehen.) Curt. Mein Gott, Herr Obriſt, was iſt Ihnen! Sie ſehen ja aus wie eine Leiche. Obriſt. Laß mich! (wit fort.) Curt. Nimmermehr! Verzeihen Sie, Herr Obriſt, aber ſo laß ich Sie nicht fort! Was iſt vor gefallen? Obriſi. Das Schickſal hat den letzten Pfeil auf die⸗ Herz abgedrückt; nun lache ich ſeiner Tücke denn der Föcher iſt geleert⸗ Curt. len, was iſt geſchehen? Obrißt. Der Mann, der ſo eben von mir ging — Iſt der Schuld daran? Dachte es ja gleich daß das Indas⸗Geſicht nichts Gutes bringe. 73 Sprechen Sie doch deutlich! Um — — ⸗ ²5 e 307 Obriſt. Er hat mir den Aufenthalt meines Sohnes entdeckt; er iſt hier in der Stadt. Curt. Der junge Herr lebt alſo? Viectoria! Sehen Sie, Herr Obriſt, ich ſagte es ja immer, daß wir ihn noch einmal wieder finden würden. Victoria! Obriſt. Haſt Du vergeſſen, daß er zum Tode ver⸗ dammt — Curt. Wos Tod? Er lebt, das iſt genug. Sie ſind ſein Vater — . Obriſt. Und Soldat. Curk Sie werden — Obriſt. Meine Pflicht thun, wie ich ſoll. (geßt a Curt (ſieht ihm verwundernd nach.) Ich dachte, hier waͤre vom Herzen die Rede, nicht von der Pflicht. cſich beſinnend) Er wird doch nicht? Um Gotteswillen, Herr Obriſt! Hoͤren Sie mich! eiym nach.) 308 Vierzehnter Auftritt. Wohnung des Generals im Hauſe der Madatme Derval. Winter. Dann Emilie. Winter (aus der Seitenthuͤre kommend.) Brr! Das giebt heute wieder einen böſen Tag Wenn nur nichts vorfällt. Genade Gott dem armen Teufel, der heute unter ſeine Hände komymn! Emilie (aus der Mittelthäͤre.) Meine Mutter, von Geſchäften abgehalten, ſchickt mich, den Herrn General in Ihrem Ne⸗ men willkommen zu heißen, und mich zu er kundigen, was er zu ſeiner Bequemlichkeit etwe noch befehle? Woll & Sie wohl ſo gut ſeyn, mich zu mehen Winter. Liebes Mamſellchen, das wollte ich Ihne in dieſem Angenblicke nicht rathen. Sehen Sie, der Herr General iſt ein wunderlicher alter Mann, der böſe Launen hat, und gerade jetz iſt er ganz außer ſich. Drum gehen Sie, lie⸗ bes Mamſellchen, ehe er heraus kommt. Ich will es Ihnen ſchon ſagen, wenn uns etwasf ſehien ſollte. O weh, da iſt er ſchon! — et 509 Funfzehnter Auftritk. Vorige. General. General (kommt muͤrriſch aus der Seitenthuͤre, ba er Emi⸗ rie erblickt, fährt er auf.) . Was will das Frauenzimmer hier? n, da er ihr ins Geſicht vlict) Was iſt das? Tau⸗ ſchen mich meine Augen? Dieſe Zuge — Wer ſind Sie? . Winter. Die Tochter unſrer Hauswirthin, der Kauf⸗ manns⸗Witwe Derval. General (ſe anſtarrend.) Dieſe Aehnlichkeit! (mit Schmerz) Und gerade heute muß ſie mir aufſtoßen! Emilie. Darf ich im Namen meiner Mutter — General. Auch der Ton der Stimme — Teufliſches Blendwerk, bedurfte es deiner, um die kaum verharrſchte Wunde wieder aufzureißen? (rauh) Fort, ich will allein ſeyn! Winter. Euer Gnaden — 310 General. Fort, ſage ich! (Winter und Emiklie ab.) Sechzehnter Auftritt. General. Muß mich alles an meinen großen Verluſt, erinnern? Die Zeit heilt jede Wunde, ſagt man; warum geht ihre ſegnende Hand an meinem blu tenden Herzen nur ſpurlos vorüber? Warum muß ich meinen Gram ewig wiederkäuen? Ein böſer Stern leuchtete meiner Geburt; ſparſam ward die Freude mir zugemeſſen. Ich konnte die Menſchen nicht lieben, denn ich kannte ſiez Der Einzige dem mein Herz ſich in Liebe auß ſchloß, der durch der Freundſchaft Zauberſtrahl die Nacht meines Lebens erhellte, der Einzigl ward mir entriſſen, und ich bin dazu verdammt mit ſeinem Mörder zu leben. Schreckliches Lovs! Siebzehnter Auftritt. General. Winter. WVinter Enuer Gnaden, der Herr Obriſt von Kro neufels bittet vorgelaſſen zu werden. — — — 511 General. Wie, er wagt es, heute vor mir zu erſcheinen? Winter. Ich ſagte ihm, daß Euer Gnaden allein zu ſeyn wuͤnſchten, aber er antwortete: Es iſt von großer Wichtigkeit. General. Sag' ihm, wenn es nicht Dienſtgeſchäfte ſind, die ihn zu mir fuͤhren, ſo riethe ich ihm, mich heute mit ſeinem Anblick zu verſchonen. Winter (ab.) General. Er wird kommen. Ich ſoll ihn ſehen⸗ In dieſer Stimmung. — D Himmel, leihe mir Kraft, daß ich mich nicht vergeſſe! Achtzehnter Auftritt. General. Obriſt. General (durch ſeinen Anblick erſchuͤttert, vor ſich.) Ha! da iſt er! Ruhig, tobendes Herz! Obriſt. Verzeihen Sie, Herr General, daß ich es wage, mich Ihnen an einem Tage zu nahen, der in uns Beiden ſcuner uchr efibſ weckt. 512 General (mit Muͤhe an ſich haltend⸗) Sie erkühnen ſich ſogar, mich daran zu en innern? Fürchten Sie meine Rache nicht? Obriſt. Nein, denn ich achte Sie ſelbſt als meinen Feind zu hoch, als daß ich vor ihr zittern könnte. — Um Ihnen einen unwiderlegbaren Beweis bavon zu geben, bin ich hier. General Cfinſter.) Was ſoll das heißen? Obriſt. In Ihre Hand, in die Hand meines Fein⸗ des lege ich mein Schickſal. Bei Ihnen ſteht es, mich zu erheben, oder zu zerſchmettern. Iſt Ihr Durſt nach Rache ſtärker, als Ihr Edelmuth, dem ich mein Lvos anvertraue, ſo bin ich verloren. Dann endet in der nächſten Schlacht eine feindliche Kugel mein jammervol⸗ les Lehen. General. Erklären Sie ſich. Obriſt Cmit ſichtbarem innern Kaenpfe.) Mein Sohn, uͤber den das Todesurtheil ge⸗ ſprochen, von deſſen Schickſal ich bisher keine — * 1 S — Nachricht hatte, den ich als todt beweinte, lebt — iſt hier. General (mit funkelnden Augen.) Iſt hier?. Obriſt. So eben ward mir ſein Aufenthalt entbeckt, und ich bin hier, meine Pflicht zu erfüllen, und Ihnen, Herr General, die Anzeige davon zu machen. — Hier in dieſem Hauſe haͤlt er ſich unter dem Namen Berger verborgen. General Cerſtaunt.) Und dieſe Nachricht bringen Sie mir ſelbſt? Sie, ſein Vater? Obriſt. Weil es meine Pflicht heiſcht, meine Pflicht, die mir ſtets heilig war, die ich nie verletzte, der ich jetzt meines Sohnes Freiheit, ach! viel⸗ leicht ſein Leben zum Opfer bringe. — So viel Soldat, Herr General. Nun ein Wort ſals Menſch, als Vater. — Durch meine Hand ſßiel heute vor acht Jahren Ihr Stiefbruder. General (wendet ſich ab.) Hal ⸗ Obriſt. Ich weiß, was ich durch eine ſolche Erinne⸗ ſrung in dieſem Augenblicke wage; aber meine 514 Lage iſt ſo verzweifelt, daß ich das Fuͤrchter⸗ lichſte nicht ſcheue. Ohne Vorſatz, durch eine unglücklichen Zufall, ward ich der Mörder Ih⸗ res geliebten Bruders. — Ach! aus dieſer Un that floß mir die Qual einer ewigen Hoͤlle — und Sie meinten noch, mich beſtrafen zu müſſen, durch die Beraubung meines einzigen Sohnes. Des Schickſals Tücke fuͤhrt heute den Unglücklichen unter das Schwert ſeines Fein⸗ des — und mir — dem Vater, ward die ſchwer Pflicht, dieſen Einzigen dem Geſetze auszulie⸗ fern! Ich habe einen fuͤrchterlichen Kampf mit meinem blutenden Vaterherzen gekämpft — die Liebe mußte der Pflicht weichen. Das Bewußt ſeyn, mich elend gemacht zu haben, muf Ihre Rachſucht geſättigt, Sie nach der Flucht meines Sohnes mit mir ausgeſöhnt haben, ode Sie wären kein Menſch. Deshalb fordere ich nun das Leben meines Sohnes von Ihnen Ihr Einfluß bei Hofe, das Geſtändniß, daß Sie ihn abſichtlich zu dem Verbrechen gereizt, können ihn retten. Thun Sie nun Ihre Pflicht, wie ich die meinige gethan habe. Geben Sit mir meinen verlornen Sohn wieder, und dit heiße Dank eines geretteten Vaters ſey Ihr Lohn! — Ich laſſe Sie jetzt allein, damit St ungeſtört überlegen und einen ruhigen Entſchluß faſſen können. Im Vorzimmer grwarte ich mi Todesangſt die Entſcheidung. Bedenken Sie nur das Eine: Er iſt mein Sohn, und uͤbet 315 den Sternen lebt der Vergelter und Rächer je⸗ der That! Cab.) „ Neunzehnter Auftritt. General allein. Dann Obriſt. General. Was war das? Er iſt Vater und liefert den einzigen Sohn ſeinem Todfeinde aus? Sein Be⸗ nehmen, ſeine Reden. — Ich fuͤhle mich ſon⸗ derbar erweicht, und eine Stimme des Mit⸗ leids ertönt in meinem Herzen. — Was ſoll ich D fragſt noch, Schwächling? Iſt es nicht der Mörder deines geliebten Bruders? DO mein Bruder! Du blutiger Schatten des Ge⸗ mordeten umſchwebe mich, dein Schreckensbild draͤnge jedes weichliche Gefühl in ſeine dunkle Tiefe zurüͤck und entflalnme mich zur Rache! — Wie ſagteſt Du, Elender? Ueber den Sternen lebt ein Vergelter? — Ja wohl, lebt er, denn er gab dich in meine Hand. cgeht zur Thäͤre und ruſt: Herr Obtiſt! Obriſt Ctritt ein.) General eſireng.) Sie thun Ihre Pflicht, und haften mit Ih⸗ rer Ehre für den Arreſtanten. Obriſt (öleibt betäubt ſtehen, daun ſagt er mit ſnerz⸗ chem Plick zum Himmmel. Mein Loos 6 geworfen! ( vunet at.) Snz gßeußtit Zimmer wie in der erſten Scene. Mad. Derval. Emilie. Dann Berger. Emilie. Was ſoll das bedeuten „ liebe Mutter? Wo iſt Berger? Warum entzieh er ſich dem Aug der Geliebten? Mad. Hirpat Sey ruhig, gutes Kind, Du ſollſt zur geſt alles erfahren. Emilie. Warum nicht jetzt? Mad. Derval. Weil 4 Du Dich ohne Noth äugſtigen, Dir, mir und Deinem Freunde fruchtloſen Kummer; verurſachen würdeſt. Berger (aus der Seitenthüͤr.) 80 habe recht gehört, da ſind Sie. 517 Mad. Derval. Unbeſonnener! was thun Sie? Gehen Sie, verbergen Sie ſich, ehe man — Emilie. Was wollten Sie ſagen, liebe Mutter — Mad. Derval. Nichts, mein Kind, nichts! 3 Emilie. Ja, ja, Sie wollten noch etwas ſagen und brachen plötzlich ab, da Ihr Blick mich traf. — o Warum ſoll er ſich verbergen? O ich beſchwöre e Sie, reden Sie! — Und auch Sie, Berger, auch Sie ſchweigen? Angſt und Verlegenheit ſpricht aus Ihren Zügen. Um Gotteswillen, was iſt vorgefallen? Sprechen Sie, ich vergehe tvor Angſt! 3. Mad. Derval. Theure Emilie, wodurch hab' ich es ver⸗ dient, daß Du ſo wenig Vertrauen in meine Worte ſeteſt? Dein Glück iſt das Ziel meines Denkens und Thuns. Drum beruhige Dich, und dringe nicht weiter in mich. Berger muß ſich vor der Hand verborgen halten, bis das fendliche Regüment abmarſchirt iſt. — Dann wird er Dein Gatte, und Du findeſt in ſeinen Armen reichen Erſat für den kutzen Kummer. — Kommen Sie, Berger, empfangen Sie aus. zärtlichſten Liebe fuͤr Euch ſchlagt! (Alle drei umarmen ſich.) Ein und zwanzigſter Auftritt. Vorige. Obriſt. Wache. Emilie. Man kommt! Mad. Derval czu Verger.) Um des Himmels willen, fliehen Sie! Berger (will fort.) Obritt (ihm den Weg vettretend, dumpf.) Bleiben Sie! Berger Cei Seite) Weh mir! Mad. Derval⸗ Er iſt verloren! der Mutter Hand die Braut (lest Emiliens Hand in Bergers Hand.) Der Himmel ſegne Euch, meine Kinder, und wende jeden Blitz, der Eurem Glücke droht, von Eurem Haupte auf dieſe Bruſt, die, ſo lange nur noch ein warmer Blutstropfen durch ſie rinnt, mit det 51¹9 Obriſt. Sie nennen ſich Berger? Berger. Ja! Obriſt (will ihn unwillkuͤhrlich umarmen, faßt ſich, laäßt die Arme ſinken, betrachtet ihn mit einem ſchmerz⸗ lichen Blick, wendet ſich ab, ſeine Thränen zu trocknen, rafft ſich auf, geht wankend zur Thuͤre, oͤffnet ſie, winkt der Wache einzutreten, und ſagt mit gebrochener Stimme:) Hier iſt Euer Arreſtant. Emilie (niederſinkend.) Barmherziger Gott! Mad. Derval. Mein Kind! mein theures Kind! Berger. Sie ſtirbt! O meine Geliebte! Meine Braut! Obriſt (erſchrickt.) Geliebte? Braut? Auch das noch! (verzweiſ⸗ ſuuosvou) Wehe mir! 320 Seiter fn. Das vorige Zimmer. „ Erſter Auftritt. Madame Derval. Emilie. Mad. Derval. Sammle Muth, mein Kind! erliege nich dem erſten Streiche des Geſchicks; ſtelle ihn eine feſte ſchuldfreie Bruſt entgegen, und ſeit Pfeil wird brechen an dieſem heiligen Schilde Noch iſt nicht alles verkoren! 2 Emilie. Sie wollen mich mit erkuͤnſtelter Faſſung tau⸗ ſchen, gute Mutter; aber die Bläſſe Ihres Ge⸗ ſichts, der unſtäte Blick, das ungeſtüme Pr⸗ chen Ihres Herzens — verrathen Ihre Angſt⸗ dch, alles zeigt mir uur zu dentlich, daß ich ihn verloren habe! Mad. Derval. Du biſt ſinnreich, Dich ſelbſt zu quälen. Emilie. Wenn nichts zu beſorgen iſt, warum verhehlen 4 — i 521 Sie mir die Urſache ſeiner Arretirung? Warum ſoll ich, ſeine Verlobte, das ſchreckliche Ge⸗ heimniß nicht wiſſen? Wie oft ſagten Sie mir: Ungewißheit iſt der peinlichſte Zuſtand; und doch geben Sie mich jetzt den Qualen derſelben Preis. Wuͤrde Ihr guͤtiges Herz es ſich wohl erlauben, mich auf dieſe Folter zu ſpannen, wenn die Gewißheit nicht noch entſetzlicher wäre? Ja, er iſt fuͤr mich dahin, auf ewig dahin, der Geliebte meiner Seele, die Wonne meines ganzen Lebens! Kaum benetzte der Wonnekelch ſie ſeligen Liebe meine bebenden Lippen, als ein feindlicher Dämon mir den ſchäumenden Becher vom Munde riß und ihn hinabwarf in die ſchwarze unwiederbringliche Tiefe ewiger Nacht! Mad. Derval. Halt ein, grauſames Kind! Macht es Dir Vergnuͤgen, der Mutter Herz zu zermalmen? Emilie. 2 Verzeihung Ihrem ungluͤcklichen Kinde, theu⸗ reſte Mutter, wenn meines Schmerzes Groͤße mich fortreißt, und mir harte Worte in den Mund legt! Ach, ich bin ſo unglücklich! Zweiter Auftritt. Vorige. Vermiſſeau. 1 Vermiſſeau. Na, Frau Nachbarin, wie ſtehen die Actien nun? Ei, ei, betrübte Geſichter, verweinte Augen? Puh! da hat ſich das Firmament ge⸗ waltig changirt. Aber ſo geht's, wenn man nicht Vernunft annehmen will. Das haben Sie nun davon, daß Sie einen Landſtreicher, von dem man nicht wußte, von wannen er gekom⸗ men, noch wohin er wollte, mir vorgezogen, mir, einem angeſehenen ehrſamen Bürger und Handelsmanne hieſiger Stadt. Mad. Derval. Verſchonen Sie uns mit Ihren Bemerkungen, Herr Vermiſſeau, wir ſind jetzt nicht in der Suffung — Vermiſſeau. Faſſung? Ja, da ſteckts eben. Als ich heuteß Morgen, in der Confuſion meines Gemuͤths, mich, ſo zu ſagen, mit meinem Wohl und Weh in Ihre Arme warf, Sie ſich auf's hohe Pferd ſetzten, und meinen ſehr annehmbaren Antrag mit allerhand ſtachelichen Redensarten zurück⸗ wieſen, da hatten Sie Faſſung vollauf; aber hat gegen ſeinen Vorgeſetzten den D 525 Mad. Derval. Wahrlich, es macht Ihnen wenig ehr „i unſrer Lage — Vermiſſenu. Weſſen Schuld iſt es den, daß Sie ſich in der miſerablen 2L Lage beſinden? Hätten Sie mir Ihre Tochter zur Frau gegeben, ſo hätte das gute Mädchen ihr Glück gemacht, ſtatt ſie ſich nun die klaren Aeuglein truͤbe weint über die Schande, Verlobte eines Deſerteurs zu ſeyn. Mad. Derval (leiſe zu ihm.) Halten Sie ein, Unglückſeliger! Emilie. Deſerteur? N— Mad. Peal Laß uns gehen, tiebe Tochter, Du piſt pier nicht an Deiner Stelle. milie⸗ Weit, gute Mukter, laſſen Sie mich Permiſſeau) Sprechen Sie, ich beſchwöre Sie! Berger waͤre ein Deſertenr? Vermiſſeau. Fa, freilich, wiſſen Sie es deim Uichte⸗ Er , gezr⸗ gen, und iſt dann deſertirt. Sein Urtheil iſt ſchon geſprochen. Morgen wird er todt ge⸗ ſchoſſen. Emilie (ſinkt auf den Stuhl.) Ewige Barmherzigkeit! Mad. Derval (ſteht ihr bei.) um Gottes willen, Emilie! Vermiſſeau. Es geſchieht ihm ganz recht, dem Patton, er trug die Naſe immer gewaltig hoch. Mad. Derval (zu Vermiſſeau.) Gehen Sie, rachgieriger, boshafter Menſch, und wagen Sie es nie wieder, mein Haus zu betreten! Vermiſſeau. 4 Fſt es denn meine Schuld, daß ſeine Lands⸗ leute n Meilen weit herkommen, um ihn vor Ben Kopf zu ſchießen? — Mad. Derval. Gehen Sie, oder ich rufe meine Leute, und gebrauche mein Hausrecht! 525 — Vermiſſeau. Nun, nun, nur nicht ſo patzig! Wenn man in Ihren Schuhen ſteckt, muß man klein zuge⸗ ben. Sie können Gott danken, wenn man Sie 3 nicht daruͤber zur Verantwortung zieht, daß 1 Sie einen feindlichen Deſerteur in Ihrem Hauſe verbargen. — Will doch morgen fruͤh auch hingehen und zuſehen, habe ſchon lang keinen abthun ſehen. Ich freue mich recht auf den Spektakel. (at.) Dritter Auftritt. Emilie. Madame Derval. Mad. Derval. Nicht dies furchtbare Schweigen, geliebte Toch⸗ ter! Mache Deinem Schmerze durch Worte und Thränen Luft, ehe das gepreßte Herz Dir bricht. Du wollteſt das Verborgene wiſſen; trage nun mit ſtarker Seele, was die Vorſe⸗ hung Dir zu tragen auferlegt! Emilie. Vorſehung O es giebt keine Vorſehung! 5 Wie hätte mir ſonſt dies ſchreckliche Loos wer⸗ ſden können? Wodurch hätte ich wohl ſolch Ue⸗ bermaß des Unglucks verſchuldet? 526 Mad. Derväl. Unglückliche, willſt Du Dich erkuͤhnen, Gott zu läſtern? Unterwirf Dich ſeinem weiſen Rath⸗ ſchluſſe. Was uns Unglück und Verderben ſcheint, iſt oft nur Stufe, auf der uns ſeine Güte zur Vollkommenheit und zu unſerm wah⸗ ren Glucke leitet. Emilie. Ohne den Geliebten kein Glück! — Das Le⸗ ben ohne ihn iſt mir nicht des Athemholens werth; der Tod mit ihm mein einziger Wunſch⸗ O kommen Sie, theure Mutter, laſſen Sie uns zu ſeinen Richtern eilen, und um Gnade für den Ungluͤcklichen flehen! Verzweiflung und Liebe ſollen meiner Rede Ktaft verleihen, die Rinde von ihrem fuͤhlloſen Herzen zu ſprengen. O kommen Sie, ehe es zu ſpät iſt! Mad. Derval. Bedenke, wie unſchicklich ein ſolcher Schritt — Emilie. Mein Geliebter ſoll ſterben! Dieſer Gedanke erfüllt mein ganzes Weſen, und giebt keinem andern Raum. Auf! zu ſeiner Rettung, und prallen meine Bitten, meine Thraͤnen von den Felſenherzen ſeiner Richter ab, dann werfe ich mich zwiſchen ihn und die Soldaten, die na ſeinem Herzen zielen, und fange mit der treuen Pruſt die Kugeln auf, welche das theure Le⸗ ben vernichten ſollen. Mad. Derval. Du wollteſt — . Emilie. Meine Pflicht erfüllen. Er iſt mein Verlob⸗ ter. In Freude und Leid ihn nicht zu verlaſſen, habe ich geſchworen. — Wie kann ich unthätig bleiben, da ſein Leben auf dem Spiele ſteht? Ich habe alles zu gewinnen, und nichts zu ver⸗ lieren; darum wage ich muthig alles. Retten muß ich ihn, oder mit ihm ſterben! (win ſort.) Vierter Auftritt. Vorige. Obriſt. Emilie (veim Anblick des Obriſien zuruͤckbebend.) Ha, Sie, Sie ſind es, Sie haben ihn aus meinen Armen geriſſen, haben mich fürchterlich geweckt aus dem glücklichen Traume! (kniet) O, wenn Sie ein Herz im Buſen tragen, wenn Alter und Blutvergießen Sie nicht fühllos für jedes ſanftere Gefühl gemacht haben; wenn Sie wiſſen, was Liebe iſt, ſo beſchwore ich — S. 3 Sie, geben Sie mir ihn wieder, und nehmen Sie dafür den Dank einer Glücklichen! Obriſt. O halten Sie ein! Wenn Sie wüßten, wie Ihre Klagen mein Herz zerreißen! — Emilie. Was ſeh' ich? Sie ſind bewegt, Thraͤnen füllen Ihr Auge! O wenden Sie ſich nicht weg, verbergen Sie mir dieſe Thraͤnen nicht, ſie ſind mir ein ſüßes Hoffnungszeichen! Wohl mir, ich habe einen fühlenden Mann in Ihnen ge⸗ funden! Sie werden mein Ungluͤck nicht wol⸗ len, werden der Liebenden den Geliebten, der Mutter die Tochter erhälten „mich nicht hinab⸗ ſtoßen in den Abgrund der Verzweiflung! Obriſt. Was kann ich ſchwacher Mann gegen die ei⸗ ſerne Pflicht! Aber, ſeyn Sie verſichert, gu⸗ tes Kind, daß Ihnen ſein Leben nicht theurer ſeyn kann, als mir, und daß ich alles für ſeine Rettung thun werde „ was ich ohne Ver⸗ letzung meiner Pflicht zu thun im Stande bin. Emilie. O dieſe Worte ſind mir der Troſt eines Engels! 529 Mad. Derval. Eine gebeugte Mutter dankt Ihnen, e Mann, fuͤr dieſe zarte Schonung! Obriſt. Entfernen Sie ſich mit Ihrer Tochter, Ma⸗ dame; Berger wird gleich hier ſeyn, ich muß ihn allein ſprechen. Mad. Derval. Komm, liebe Tochter, auf Dein Zimmer! Emilie (zum Obriſt.) Warum ſoll ich fort? Was haben Sie zu ſprechen, das ich nicht hören ſollte? O mein Herr, haben Sie mich etwa mit leeren Hoff⸗ nunen getäuſcht? O es waͤre grauſam! Obriſt. Nicht doch, Mademoiſelle! Ihr Geliebter wird in Kurzem hier ſeyn, und vor der Hand hier bleiben. Ich habe mich mit meiner Ehre fuͤr ihn verbuͤrgt. Aber jetzt gehen Sie, und ſſeyn Sie ruhig. Emilie. Ruhig? Kann ich das, wenn ich ihn in Ge⸗ fahr weiß? O mein Herr, Menſchlichkeit ſpricht aus Ihren Zügen, Milde aus Ihrem Blick. Haben Sie Mitleid mit einer Verzweifelnden, ſund retten Sie ihn, wenn Sie können! Sehen dler 530 Sie, das Unglück hat meine Wangen gebleicht den Quell der Thraänen eöffnet! Sollen dießſs Angen nie wieder fröhlich blicken, dieſe Walſt gen nie wieder blühen? Ich ſtand an der Pforiſ benden Herzens ſollte erfullt werden, der Hin! mel begluckter Liebe die Selige aufnehmen, — den Weg, und ſchlendert mit eiſerner Hatz Engel, der die Fallende ſchutzend auffangt, die 7 — — „ 2 ² 5 zerriſſene Herz ſchirmt gegen des Geſchickes ral angähnt, ſo zittern Sie vor den Furſen de Reue! Ueberall ſchwebe meine Leidensgeſtalt 9o des Pargadieſes, der höchſte Wunſch meines lie] da vertritt das furchtbare Schickſal mir drohen mich zurück von der glänzenden Pforte an da; Rand des Verderbens. O ſeyn Sie der rettend he Schläge! Stoßen Sie mich aber ſchonungé los hinab in den Abgrund, der grauſend mich Ihrem Blicke und rufe Ihnen das Wort: Möl der! zu. (ab.) Fuͤnfter Auftritt. Obriſt (auein.) Biſt du noch nicht verſoͤhnt, dunkle Verge terin? — O, mein Sohn, mein Sohn! 3 der Wiege verließ ich Dich, und ſchwelgte iſ ſäßen Träumen einer glücktichen Zukunft! Alts Juͤngling ſehe ich Dich wieder, um Di — zum Tode zu ſühren! O warſt Du damals in glücklicher Unwiſſenheit geſtorben, Du hätteſt mir und Dir dieſen fürchterlichen Augenblick et⸗ ſpart! — Zertrümmert iſt das ſtolze Gebaäude meiner Hoffnung, zerknick Run lgche ich deines Grin ſal, und fordre dich auf, n Streiche beizubringen (Man yör , —— kommt. — Hinweg mit jeder weichlichen Em⸗ pfindung! Sey ſtark, meine Bruſt, waffne dich mit Standhaftigkeit! Und du, mein Herz, — i ſey größer, als das Ungluͤck, das auf dich ein⸗ ſſürmt, damit des Vaters Beiſpiel dem un⸗ glücklichen Sohne vorleuchte, und ihu lehre, dem Tode männlich entgegen zu gehen! Sechſter Auftritt.“ Obriſt. Berger mit Wache. Obriſt (giebt der Wache einen Wink, die ſich entfernt. 3n Verger) Treten Sie näher? 3 Berger. 8 ein Weshalb führt man mich hierher? Will man mir den Schmerz der Trennung erſchweren? O das waͤre grauſam! . 532 Obriſt. Im Gegentheil. Ich habe mich für Sie ven bürgt. Sie ſollen hier im Hauſe bleiben, bi zur Vollziehung des Urtheils. Sie ſollen den Reſt Ihrer Lebensſtunden noch bei Menſche⸗ zubringen, die Ihrem Herzen theuer ſind. Berger. O, Herr Obriſt, wie kann ich Ihnen dan ken für dieſe zarte Menſchlichkeit! Das Bewuß⸗ ſeyn, die dunkle Nacht meines Verhängniſſes durch einen himmliſchen Strahl zu hellen, ſih Ihr Lohn! Ihr ſeltner Edelmuth giebt mir da Herz, eine Bitte an Sie zu wagen. Obriſi. Sprechen Sie! Berger. 3 Mein Vater ſtand vor ſieben Jahren t Hauptmann auf Werbung. — Ich weiß nich, ob er noch lebt. Iſt dies der Fall, ſo bitte ich Sie, ſeinen Aufenthalt auszukundſchaften, und ihm mein Lebewohl zu bringen. Aus Ihremſ Munde vernehme er mein unglückliches Schick⸗⸗ ſal, damit der Schmerz über meinen ſchimpßſt lichen Tod durch ein troͤſtendes Wort gemildert werde. czieht ein Papier hervor) Geben Sie ihmf dies Blatt, es enthaält eine treue Schilderung; der Gefühle, mit welchen ich die Welt verlaſſ⸗ 4 * Die Ueberzeugung meiner Faſſung wird ihm zur Veruhigung dienen. i Obriſt en (nimmt das Papier, lieſet mit ſichtbarer Vewegung, en oͤffnet die Arme, und ruft mit erſchuͤtterndem Tone:) O mein Sohn! Berger. Was hore ich? Sie waren — Obriſt. Dein unglücklicher Vater! 6 * Berger. 0 Gott! (ſinkt an ſeine Bruſt; ſtumme Umarmung.) Obriſt (nach einer Pauſe.) „In welchem Augenblicke muß ich Dich wie⸗ der finden! Berger. dy Ich habe Sie vor meinem Ende noch einmal geſehen, mein heimlichſter Wunſch iſt erfüllt. — Ich erkenne dankend der Vorſicht weiſe Fuͤgung, pdie Sie mir in einem Augenblicke zugefuͤhrt, wo tich eines mannlichen Beiſpiels ſo ſehr bedarf. Obriſt. Das ſoll Dir werden, mein Sohn. Es iſt 4 die letzte Wohlthat, die Dir Dein unglückliche Vater erzeigen kann. Aus den Armen des Va⸗ ters ſollſt Du in die Arme des Todes ſinken. Unſer Feind ſoll ſehen, daß Du als Mann Dein Schickſal trägſt. Dein Beiſpiel wird man chen aufbrauſenden Jüngling abſchrecken, was nend die Gefahr ihm zeigen, an deren Abgrund er ſorgenlos taumelt. Dieſen Gedanken halte feſt, er wird Deinen Muth erheben, und Dir Kraft geben, die Strafe zu leiden, die Du verdient. — — — — c — Berger- Und meine Geliebte? Was wird aus ihr werden? Wie ſoll das arme ſchwache Madchet ihr Elend tragen? Obriſt. Wenn das Unglück des Menſchen feinen höch⸗ ſten Gipfel erreicht hat, wenn der ſchwache Sterbliche ſich von aller Welt verlaſſen wähut — kennſt Du das Weſen, mein Sohn, daß dem Verlaſſenen dann beiſteht? Es iſt Gott, mein Vater! Ja, er iſt es, det dem Verzweifelnden ü der Zeit der Noth einen helfenden Engel ſende“ Er hött jeden Seußzer der leidenden Unſchull — — zvernimmt die Klage des Ungluͤcklichen, und vergilt jedes irdiſche Leid in einer beſſern Welt. uewige Freude jenſeits! Ihm, dem ewig Wah⸗ en und ewig Guten, vertraue! und der Tod wird Dir ein lächelnder Genius, der die Pforte dzn einem gluͤcklicheren Leben oͤffnet. te ir Berger. ſind die ängſtlichen Zweifel von der Wahrheit, die ſich ſtrahlend vor dem trunkenen Auge aus⸗ breitet. Die Schrecken der letzten Lebenszuckun⸗ eien ſind verſchwunden. Der Geiſt des Troſtes, der Sie beſeelt, erhebt mich uͤber den Kummer der Erde und ſtählt meinen Muth. . Obriſt. So denkſt Du Deiner werth! Komm in die eAeme Deines Vaters, der Dich jetzt mit Stolz Sohn nennt. cUmarmung.) — 5 Siebenter Auftritt. Vorige. Emilie. Mad. Derval.. Emilie lauf Verger zueilend und ihn umarmend.) Er iſt's, ich habe ihn wieder! Wer will es agen, ihn aus meinen Armen zu reißen? Was iſt der kurze Schmerz hienieden, gegen die Sie haben geſiegt, mein Vater! Vernichtet Berger (ſich atwendend.) O mein Hetz, mein Herz, ſey ſtark! Emilie. Du wendeſt Dich von mir, Geliebter? Ent⸗ ziehſt mir Dein Auge, aus dem allein mil Troſt quillt? — O brich das fuͤrchterliche Schwe⸗ gen Sage, daß Du bei Deiner ungluͤcklichen Emilie bleiben, daß Du nicht ſterben willſt! Berger cſie umarmend.) O Emilie, theures Mädchen! Mad. Derval (in Thränen.) O, Herr Obriſt, wie ſoll das enden? Obriſt. Wohl Ihnen, Madamel Ihnen gab det Himmel Thränen, die den Schmerz ereichtern! Mir ward dieſe Wohlthat verſagt. Stumm und um ſo gieriger zernagt der Gram die Wurze meines Lebens. Mad. Derval. Das Gefühl des Mitleids, das Sie beſeelt, iſt edel und erhebend; aber ich bin Mutter dieſe Unglückliche iſt meine Tochter, Berge iſt ihr Verlobter — und mein Sohn —! Mad. Derval. ie? 4 8 (zugleich.) Emilie. Wär' es möglich? . Obriſt. Ja, er iſt es, es iſt mein Sohn, den ich wieder fand, um ihn auf immer zu verlierenk Emilie. Was ſagen Sie? Berger. Ja, Emilie, der Vorſehung gütige Hand e Boß einen lindernden Tropfen in den Leidens⸗ n kelch! Der Augenblick, der mein ganzes Glück d zerſtörte, gab mir den thenern Vater wieder⸗ Emilie. Sie ſein Vater? O dam iſt er geretterk t Sie müſſen ſich ſeiner annehmen, müſſen ihn mir erhalten, denn ich kann ſeinen Verluſt nicht überleben! — Doch, wozu dieſe Worte. Die Stimme der Natur ſpricht laut genug in Ihrem Buſen, Sie werden Ihre Pflicht erfük⸗ len, und ich das Gluͤck haben, in Ihnen nicht nur den Vater, ſondern auch den Retter mei⸗ nes Geliebten zu verehren und zu lieben, — S2 538 Sie ſchweigen? — Sie antworten mir nicht? O dann haben Sie mich getäuſcht, dann ſind Sie ſein Vater nicht! Obriſt. Theures Kind! Emilie. Wenn ich das bin, ſo ſagen Sie: Er wird nicht ſterben! Ich verlange nur dieſe wenigen Worte. Sie geben mir das Leben, ohne ſie un⸗ terliege ich. Sprechen Sie mein Urtheil, ent⸗ ſcheiden Sie! Berger. O Emilie, ſchone des zerrißnen Vaterher⸗ zens! Hoͤre die Stimme der Vernunft, unter⸗ wirf Dich dem Rathſchluſſe des Ewigen! — Ich bin fur Dich verloren. Ich büße durch eine derdiente Strafe mein Vergehen; aber Du mußt leben, zur Freude, zum Troſt Deiner Mutter⸗ Lebe, und hoffe in den Armen eines wuͤrdige⸗ ren Gatten das Glück zu finden, das ich Di nicht geben konnte! . 3 3 Emilie. 3 Halt ein, Grauſamer! Was mutheſt Du mir zu? Ich Dich vergeſſen, ich einem Andern dieſe Hand reichen? Dann möge der Himmel⸗ in dieſer entſcheidenden Stunde mir ſeine Hülfe verſagen. Ich bin Deine Verlobte, Deine Gat⸗ ⸗ te t k. e⸗ 3 ir n el t⸗ 559 tin. Ich druͤcke Dich mit Todesangſt an die krampfende Bruft. Haſt Du Muth genug, Dich den umſchlingenden Armen der Liebe zu entrei⸗ ßen, mich von Deinem Herzen hinweg zu ſtv⸗ ßen? (ſinkt erſchöpft in ſeine Arme.) Berger. Was thuſt Du, Geliebte? Mad. Derval. O Emilie, o mein theures Kind! Obriſt. Stürmt, ihr Wellen des Unglücks, ſtürmt und brecht die morſche Hülle! Achter Auftritt. Vorige. General. General (der in Gedanken verſunken eintritt, von dem An⸗ vlick der Anweſenden uberraſcht.) Was iſt das? Obriſt. Sie hier? Iſt es ein guter Genius, oder ein feindlicher Dämon, der in dieſem Augen⸗ blicke Sie zu uns bringt? Wollen Sie ſich wei⸗ den an unſerm Jammer, oder kommen Sie als ein rettender Engel? Ja, ich will, aller Verſchmaͤhung vergeſſend, zum zweiten Male 540 es verſuchen, Ihr Herz zu rühren. Petrachten Sie meinen Sohn in der Blüthe ſeines Lebens, in den Jahren der Hoffnung! In ſeinen Armen ſeine Verlobte, die der bloße Gedanke ſeines Verluſtes des Bewußtſeyns beraubt! Sein wirk⸗ licher Tod iſt auch das Looſungszeichen ihrer Vernichtung! Cauf ſich und Mad. Derval zeigend) Wir, die Aeltern, zwei fruchtreiche Bäume un⸗ ter einem ſchwarz umzogenen Gewitterhimmel! In Ihrer Hand ruht der drohende Blitz! Schleu⸗ dern Sie ihn herab, ſo ſtürzt der jahreſchwere Stamm zerſchmettert in den Staub. Ein tro⸗ ſtendes Wort, eine beruhigende Verſicherung — und die dunklen Wolken zerfließen, die den Himmel unſers Glücks umhuͤllen! Sprechen Sie dies Wort, und eine glückliche Familie, eine gerettete Rachkommenſchaft preiſen Sie als ihren Wohlthater. General (mit Ruhrung, die er mühſam zu verbergen ſtrebt.) Halten Sie ein! Obriſt. Dieſer Augenblick entſcheidet. Bleibt Ihr Ohr taub für mein Flehen, Ihr Herz ungekuͤhrt für unſern Jammer, dann iſt alles verloren, dann faͤllt mein einziger Sohn, und mit ihm wir alle. General. Auch mein Bruder iſt gefallen, Sie waren auf einen Stuhl.) ſein Mörder, und Sie verlangen Schonung von mir, dem Sie alles geraubt? Obriſt. Iſt das Ihr letztes Wort? General (finſter.) Mein letztes! Obriſt. Sie haben unſer Todesurtheil geſprochen, wir ſind hinabgeſtoßen in des Elends Tiefe! — Gott wolle Sie nie zur Rechenſchaft ziehen für dieſe That! Ich vergebe Ihnen und ſcheide ohne Groll! Aber nun bitte ich Sie um die Menſchlichkeit, uns die letzten Stunden nicht durch Ihren An⸗ blick zu verbittern! (Seht in den Srund und ſtützt ſich General ſteht einen Augenblick in ſichtbarem Kampfe, raſſt ſich dann auf und will gehen.) Mad. Derval (ſich vor ihm niederwerfend.) O verlaſſen Sie uns nicht ſo! Für das Fle⸗ hen des Vaters waren Sie taub, hören Sie die Klage der verzweifelnden Mutter! Wo ſoll ich Worte finden, die den Weg zu Ihrem Her⸗ zen treffen? Sie ſind Edelmann und Soldat. Ihre Pflicht iſt es, die Schuld eines Ihrer Landsleute und Kameraden nach Kraͤften zu ver⸗ 1 542 * % guͤten. Kennen Sie den Grafen Stern, der im letzten Kriege als Gefangener in Nanci war? General. Ob ich ihn kenne? Obriſt (erſiaunt.) Mad. Derval. Er war mein Verführer, er betrog die Lie⸗ bende und Glaubende um ihre Unſchuld, und dies ungluͤckliche Mädchen hier iſt ſeine Tochter! Obriſt. 3 Stern? Gerechter Gott! General. Was höre ich? Sie wären — 2 Emilie (hat ſich erholt. Sie und Verger druͤcken ihre Theilnahme aus.) . Mad. Derval. Die Tochter des Kaufmanns Belval aus Nanci, wo ſich Graf Stern im vorigen Friege als Gefangener aufhielt. 1 General. und dieſes Mädchen die Tochter meines Bruders? Wad. Derval. Ihres Bruders! 545 General. Ja, dieſer Graf Stern war mein unglůckli⸗ cher Stiefbruder! Noch auf ſeinem Sterbebette bereuete er ſeine That, und bat mich ſchriftlich, Ihren Aufenthalt auszuforſchen, und fͤr Sie und ſein Kind zu ſorgen. Emilie (enieend.) Onkel! Bei dem heiligen Andenken und der Aſche meines Vaters, Erbarmen! General. Kind meines Bruders, komm in meine Arme. (Er umarmt Emilien.) Obriſt. Heilige Natur, Du haſt geſiegt! Dank! Dank! (win des Generals Hand ergreifen.) General (die Hand zurückziehend.) Nicht ſo, weg von mir! Ich kann Ihren Anblick noch nicht ertragen. Mad. Derval. Bruder meines Geliebten! Emilie. Theurer Onkel! * Verger und Obriſt. Verzeihung! General (mit ſich käͤmpfend.) Nun ja — ich — laßt mir nur Zeit — dieſe ſtreitenden Gefuhle in meiner Bruſt — es ſey — ich will ihn retten. — Ich will ſogleich ins Haupt⸗ quartier. Der König iſt gnädig gegenmich geſiunt — ich war ſo glücklich, dem Staate nicht unbedeu⸗ tende Dienſte zu leiſten — es iſt die erſte Bitte, welche ich wage — er wird mir ſeine Begnadigung nicht abſchlagen. Mad. Derval. J Retter! 3 Emilie. Vater! Wohlthäter! Held Dank! Dank! Berger. (knieend.) Alle. General. Schon gut, ſchon gut! — Wie iſt mir denn? Ich füͤhle mich auf einmal ſo weich geſtimmt — ſo leicht. — (vetrachtet den Obriſten) Schatten meines ₰ Bruders, verzeih, ich kann in dieſem Augenblick nicht zürnen. Cbreitet die Arine unch ihm aus) Vet⸗ ſohnung! Obriſt cgrzt an ſelne Brußt.) (Algemeine Gruppe.) Der Vorhang faͤllt. O78 g 14 See