Leihbiblivthet deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Ottmann in Gieſten, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih und ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothet ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von )) jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt; 7 . für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 W. — Pf 1M Pf. 2 W. — Ff 3 „ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurück der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Im geliebten Vaterlande hatte er die Geſpielin ſeiner Jugend, ſeine er⸗ wählte Braut zurückgelaſſen. Schon malte er ſich im Geiſte die Freude des Wiederſehens, weshalb er auch Venedig ſchon am nächſten Tage wieder ver⸗ ließ. Glücklich erreichte er das deutſche Vater⸗ land. Als er in der Ferne den Lieben⸗ ſtein erblickte, wo ſeine Braut wohnte. Da jauchzte er auf und ſtreckte voll Sehnſucht die Arme dahin. Endlich erreichte er den iebenſteit Mißtrauiſch öffnete der Pförtner und mur⸗ melte in den Bart: Gewiß wieder ein Abenteurer. Ein Knappe führte ihn ſo⸗ gleich in das Gemach des Burgherrn. Mik geſchloſſenem Viſir trat er ein. Ma⸗ jeſtätiſch, wie die junge Fichte auf dem Felſen, ſtand er da, drohend nickte ſein Helmbuſch und in Locken hing ſein Haar den Nacken herab. — Niemand kannte ihn. Faſt wäre er ſeinem Vorſatz untreu geworden und in Adelgundens Arme geſunken, denn das ſchmachtende Mäd⸗ chen ſah er heute nach einer ſo lang Trennung wieder. Mit Anſtand und Würde trat er zu 3 dem Burgherrn Gortfried von Lie⸗ benſtein, verbeugte ſich tief und ſprach: „Ein Sachſe, den Nacht und Sturm überfallen hat, bittet Euch um ein Nacht⸗ lager.“ Adelgunde ſtarrte den Fremdling an, denn Anſtand und Sprache verriethen den Helden Konrad. Hörbar klopfte ihr Herz unter dem vollen Buſen und ſie ſank vor Freude erbebend in einen Seſſel. „Seid mir willkommen, Fremdling,“ entgegnete Gottfried, „was ich habe, ſteht Euch zu Gebote. Erquickt Euch durch einen Labetrunk, ſchlagt das Viſir zurück und legt die ſchwere Rüſtung ab.“ Der Ritter ſchlug das Viſir zurück, trat an den Tiſch, wo die Kerze brannte, und mit Erſtaunen erkannten Vater und Tochter den geliebten Konrad. „Seid Ihr's wirklich, Ritter Konrad, oder iſt's Euer Geiſt?“ ſchrie Gottfried. bins leibhahtig erwiederte et. und drückte den braven Alten an ſeine Bruſt. „Aber Adelgunde, kennſt Du denn Deinen Konrad nicht mehr?“ Beſchämt ſenkte Adelgunde das Köpf⸗ chen, der Bräutigam umſchlang ſie und drückte heiße Küſſe auf ihre Purpur⸗ lippen. S Der Burgpfaffe Clemens ſchlich düſter aus dem Zimmer, ſein alter Groll gegen den freien Jüngling war wieder erwacht und mit den Jahren nicht ver⸗ ſchwunden, ſondern nur noch feſter einge⸗ wurzelt. 3 II. Nicht weit vom Liebenſteine auf kahlem Geſteine und Felſen lag die Luz⸗ N burg. Hier hauſtte der junge Ritter „ Gaſton, mit dem Beinamen „der Wilde“ Er war auch wirklich mehr Thier als Menſch. Wenn die Landleute ihre Kinder ſchrecken wollten, drohten ſie ihnen nur mit dem wilden Gaſton. Sein Geſicht war faſt ganz behaart und dunkelbraun, und fürchterlich blitzten ſeine tiefliegenden Augen. An Größe war er mit einem Rieſen zu vergleichen. Seine größte Luſt war Jagd. Raub und Mord, oder eine ganze Gegend in Furcht und Schrecken zu ſetzen. Von jedem braven Ritter war dieſer Unmenſch verachtet. Vor Konrads Ankunft auf Liebenſtein kam er eines Nachts daſelbſt an, weil er ſich auf der Jagd verirrt hatte. Am Morgen ſah er die ſanfte herrliche Adel⸗ gunde in allen ihren Reizen. Jach brauſ'te ſein wildes Blut auf. Seine Liebe zu Adelgunden war raſend zu nen⸗ nen, denn ſie glich der Tollwuth. Er geſtand ihr ſogleich ſeine Gefühle, und als er kein Gehör fand, raſ'te, tobte und ſchwur er: daß Adelgunde ſein wer⸗ den müßte, und wenn ſie ſich in den Mittelpunkt der Erde verbergen wollte. Vergebens wandte Gaſton alle Mittel an, um Adelgundens Gunſt zu erringen. Deſto feſter ſtand bei ihm der Vorſatz, daß Adelgunde ſein werden müſſe. „Habe ich die ſpröde Dirne nur erſt in meiner Burg,“ dachte er, „dann weiß Gaſton ſo ein Vöglein ſchon kirre zu machen.“ Clemens unterrichtete ihn von jedem Vorfalle auf dem Liebenſteine und hatte ſchon im Sinne die Burg zu verrathen, da erſchien Konrad mit ſeinen Knäppen, wodurch ſein Plan für jetzt ſcheiterte. — 9 III. Konrad wollte nach einigen Tagen Liebenſtein wieder verlaſſen, um auch ſeine Eltern durch ſeine Ankunft zu er⸗ freuen, aber Adelgunde bat ihn mit ſo ſüßen Schmeichelworten, daß er nicht widerſprechen konnte und wenigſtens noch eine Woche hier zu bleiben verſprechen mußte, ehe er nach der Bärenburg reiſtte. Adelgunde mußte ihm dagegen geloben, keinen Boten an ſeine Eltern zu ſchicken, weil er ſie überraſchen wollte. * Adelgunde erzählte ihm jetzt auch Gaſtons Bewerbungen um ihre Hand. Konrad beruhigte ſie lächelnd, denn er war der beſte Kämpfer im ganzen Lande, „ das hatte ſchon mancher Ritter bei Tur⸗ nieren oder Fehden erfahren. Doch — gegen Büberei und Verrath was vermag da die Tapferkeit? 10 Am nächſten Tage ſchickte Clemens einen Vertrauten nach der Luxburg und ließ Gaſton ſagen ſein Nebenbuhler Konrad von Bärenburg ſei angekommen. In wenigen Wochen würde ſie auf ewig mit dem Nebenbuhler verbunden, wollte er alſo dies hindern, ſo ſollte er eiligſt Vorkehrungen treffen. Gern wollte er ihm Beiſtand leiſten. Am Mittage ließ der alte Gottfried auf dem Burghofe lange Tafeln und Seſſel aufſtellen. Oben an ſetzte er ſich mit Adelgunden, Konrad und Clemens, dann folgten ſaͤmmtliche Knappen und Bogenſchützen. Köſtliche Speiſen und unverfälſchter Rebenſaft wurden aufge⸗ tragen und bald hertſchte allgemeine Fröhlichkeit Nur auf Adelgundens ſonſt ſo heitere Stirn hatte ſich Düſterheit gelagert und ſturr blickte ſie oft auf eine⸗ Stelle. 11 Weder Vater noch Bräutigam bemerkten dies, weil ſie zu ſehr von der allgemei⸗ nen Freude begeiſtert waren. Adelgun⸗ den ahnete ihre düſtere Zukunft, denn ſie hatte Clemens Schadenfrende bemerkt, als er nach Konrad ſah. Erſt ſpät wurde die Tafel aufgehoben. Endlich bemerkte Konrad die verdrießliche Miene ſeiner Geliebten und fragte ſie theil⸗ nehmend um die Urſache. Sie geſtand ihm ihre Beſorgniß wegen Gaſton von Luxburg, welcher den Clemens gewiß im Solde habe. Er aber ſchlug an das Schwert und auf die Bruſt: „So lange ich dieſes habe,“ meinte er, „und hier ein Herz ſchlägt, ſo lange hat auch meine Adelgunde nichts zu fürchten. Wie wird es dieſer elende Luxburger wagen, weder offen, noch hinterliſtig gegen zwei mäch⸗ tige Familien etwas zu unternehmen? Und — wenn dieſer Elende mit ſeinen 12 Knechten käme, ich, Dein Konrad, bin ſchon da.“ Adelgunde wurde wieder heiterer und ſchwärmte bald mit ihm wieder von dem zukünftigen Glücke. Die Sonne ſank unumwölkt gen Weſten, zuweilen noch feurige goldene Strahlen zurückwerfend. Von der fröhlichſten Weinlaune be⸗ geiſtert kam eben der Burgherr zu ihnen: „Ach ich glücklicher Menſch,“ rief er freudig, beide Hände nach der ſcheiden⸗ den Sonne ausſtreckend. Indem kam Clemens. „Welch ein köſtlicher Abend,“ ſagte er, „ö kommt, laß ihn uns im Freien genießen“ Der Vorſchlag wurde angenommen und fröh⸗ lich gingen Alle zum hin⸗ aus. So ſchön auch der Abend war, ſo ſollte er doch noch traurig endigen. Kon⸗ rad führte ſeine Braut am Arme eilig —— 13 voraus, während der Pfaffe und Burg⸗ herr langſam nachfoigten. In einem Eichenwäldchen, wo trau⸗ liches Dunkel herrſchte, wurde Halt ge⸗ macht. Auf weichem Raſen nahm mun Platz. Nahe dabei ſprudelte eine friſche Quelle aus dem Felſen, die plätſchernd über Kies und Stein dahinrollte. Freundlich blinkte am Firmamente bereits der Stern der Liebe und ſanfter girrte Philomele; da ſtürzten mehrere verkappte Männer aus dem nahen Ge⸗ büſche auf die Sorgloſen zu Einige ſprangen ſo raſch auf Konrad zu, daß dieſer kaum ſo viel Zeit hatte, ſein Schwert zu ziehen. Konrad wich einige Schritte zurück und gab hierdurch ſeine Geliebte den Feinden Preis. Sogleich ergriff einer von ihnen die Bewußtloſe; aber indem drang er auch mit der Wuth eines gereizten Ebers auf die Räuber ein ——— uud hieb ſo kräftig unter ſie, daß ſie . haſtig die Flucht ergriffen. Voller Wuth * verfolgte er ſie mit Ungeſtüm und kehrte dann auf den Kampfplatz zurück. Aber, wer beſchreibt ſeinen Schrecken! Adel⸗ gunde war verſchwunden und ſinnlos lag Gottfried am Boden. Clemens war beſchäftigt den Sinnloſen wieder in's Leben zu bringen. „Wo iſt meine Adel⸗ gunde!“ ſchrie er, „Pfaff! wo iſt ſie! Sprich, oder ich ſpalte Dir die verdammte Glatze!“ „Bedenkt, mit wem Ihr ſprecht,“ grinzte jener ziemlich frech, „woher ſoll ich es denn wiſſen, wohin das Fräulein iſt? Stoßt zu, wenn Ihr einen Mord 3 an dem Diener des Herrn begehen wollt, aber ſicher trifft Euch dann auch der Fluch der Kirche.“ Konrad ließ das gezückte Schwert ſinken und ſtarrte verzweiflungsvoll gen 15 Himmel. Plötzlich faßte er einen Ent⸗ ſchluß, und eilte durch das Wäldchen nach der Luxburg. Durch das Waffengekiirr aufmerkſam gemacht, eilten jetzt von dem Liebenſteine Knappen und Knechte herbei. Der Burg⸗ herr erholte ſich langſam wieder. Rur mit Mühe etinnerte er ſich an die Ver⸗ gangenheit, ſeufzte aus tiefer Bruſt und ſchloß die Augen wieder. Als man ihn nach der Burg tragen wollte, fragte er mit Anſtrengung: „Wo iſt mein Sohn? Wo iſt meine Tochter? Sind ſie erſchla⸗ gen oder geraubt? Laßt mich an ihren Leichen ſterben.“ Man ſuchte ihn zu beruhigen und trug ihn nach der Burg. Tobend wie der Nordwind war Kon⸗ rad ſchnell bei der Luxburg angekommen. „Adelgunde! Meine Adelgunde!“ ſchrie er, aber nur das Echo der Gebirge tief ihren Namen wieder. — ůů—— Geſicht und Füße waren ihm durch Gebüſche und Dornen zerkratzt, aber er achtete es nicht und jammerte laut um Adelgunden. * Mit Raſerei ſtürmte er jetzt gegen das Thor der Lurburg, um es zu zer⸗ trümmern, aber indem erſchallte im Thale der Ton eines Hornes. Haſtig wendete er ſich und eilte dem Tone nach. Die Stille des Grabes herrſchte nun wieder, und Nacht deckte Feld und Wald, wel⸗ ches er erſt jetzt zu bemerken ſchien. Er ſtand horchend ſtill, eilte dann wieder weiter und ſtand dann wieder ſtill, aber kein Laut eines Menſchen oder jener Ton ließen ſich hören. „Feierlich ſchwöre ich hier,“ rief er plötzlich, „nur den Lie⸗ benſtein mit meiner Adelgunde wieder zu betreten oder nie!“ Starr ſah er wieder nach den hohen und feſten Mauern „ der Luxburg, und hatte ſchon wieder 17 Luſt gegen ſie zu ſtürmen, da glaubte er Fußtritte und Männerſtimmen in der Ferne zu hören. Aufmerkſam horchte er, und wirklich beſtätigte es ſich. Voller Hoffnung und Muth eilte er mit blan⸗ kem Schwert dahin; aber leider fand er nur einige Bürger aus Gotha, welche von einer Schmauſerei zurückkehrten Ver⸗ zweiflungsvoll ſtarrte er wieder an das Firmament und ſchien von ihm Rettung erwarten zu wollen. In dieſer Stimmung legte er ſich auf die Erde, um hier ſein Nachtlager aufzuſchlagen Ohne ein Auge zu ſchließen, lag er noch in derſelben Stellung, als der junge Tag erſchien. Mit den Zähnen knirſchend, betrachtete er die von der Sonne vergoldeten Zin⸗ nen der Burg. „Räuber meiner Adel⸗ gunde,“ rief er, „ich will dich vernich⸗ ten, damit ein Bube weniger auf der Welt iſt!“ Gaſton von Lurburg. 2 * So lag noch der Unglückliche da, als ſich das Burgthor öffnete und Gaſton, der Wilde, mit mehreren Knechten luſtig herausſprengte. Dunkles Roth überzog Konrad's Wangen, während er haſtig aufſprang und nach dem Schwert griff. Unbeſorgt kam Gaſton näher. Als er Konraden zu erkennen glaubte, ſo wollte er einen Seitenweg einſchlagen, aber dieſer rief ihm laut zu: „Halt, Dirnenräuber!“ Ohne ein Wort zu er⸗ widern, ſprang Gaſton vom Roſſe, zog das Schwert und drang ſogleich auf ſeinen Gegner ein. Da beide Ritter nur mit Panzerhemden bedeckt und ohne Har⸗ niſche waren, ſo floß bald von beiden Seiten aus unbedeutenden Wunden das Blut der Streiter. Mit Wuth kämpfte Konrad, während ſein Gegner ruhig focht. Konrad's erſchöpfte Kräfte ließen gar bald nach und kaum gewahrte dies 19 Gaſton, als er auch ſchneller auf ihn einhieb. Umſonſt war Koptad's An⸗ ſtrengung, das Laſter ſollte triumphiren. „Da haſt Du die Antwort und den Lohn für den Namen Dirnenräuber,“ ſchrie Gaſton, und ſtieß dem Gegner das Schwert in die Bruſt. Mit einem Fluche ſank Konrad nieder, während ſein Geg⸗ ner lachend davon ſprengte. * IV. Ohnfehlbar hätte ſich der unglückliche Konrad hier verbluten müſſen, wenn ihn nicht die ausgeſandten Knechte des Lie⸗ benſteiners gefunden hätten. Eilig wurde ihm ſeine Wunde verbunden. Manwollte ihn jetzt nach dem Liebenſteine bringen, allein er ſchützte ſeinen Schwur vor, und —ů˖——— den Klausner gebracht zu werden. Der Klausner unterſuchte ſogleich die Wunde und erklärte zur Freude der Knechte, duß Rettung möglich ſei. Mehrere Wochen verſtrichen, wo Kon⸗ rad ſchon dem Grabe nahe war, ehe ſich ſeine gute Ratur half. Kaum konnte er im kleinen Gemache wieder herumgehen, ſo ſprach er ſchon von einer ſchrecklichen Fehde, welche er mit dem Luxburger be⸗ ginnen wollte, weil nur dieſer der Räu⸗ ber ſeiner Adelgunde ſein könnte. Der Liebenſteiner aber ſchüttelte das ergraute Haupt, meinend: es ſei beſſer, die Ge⸗ raubte aufzuſuchen, oder Kunde von ihr zu erhalten ſuchen; denn der Luxburger wäre mächtig und könnte an dem Raube ganz unſchuldig ſein. Als Konrad hier⸗ auf erklärte, er würde eine Fehde auf Leben und Tod beginnen, da bat ihn verlangte zu dem in der Nähe wohnen⸗ * 21 der Alte dringend, von dieſem Vorſatze abzuſtehen, weil ſie beide dem mächtigen Luxburger nicht gewachſen wären. In aller Stille rüſtete Gottfried aber doch um Konrad beizuſtehen Als die⸗ ſer wieder das Schwert heben konnte, ließ er ſeine Leute, welche noch auf dem Liebenſteine waren, nach der Einſiedelei kommen. Mit einem wehmüthigen Blick dankte er dem Klausner für ſeine Pflege. Seufzend beſtieg er ſein kleines ſchwarzes Türkenroß und jagte mit ſeinen Gefähr⸗ ten der väterlichen Burg zu. Ohne nur ein Wort zu ſprechen, ſprengte er durch Feld und Wald. Erſt am nächſten Tage wo er die Burg ſei⸗ ner Väter erblickte, ſeufzte er tief auf, und indem eine Thräne die Wange netzte, jagte er darauf zu. Die Knappen theil⸗ ten den Schmerz ihres Herrn und folg⸗ ten ihm ſchweigend. 22 Auf ſteilen Felſen lag die Bärenburg vor ihren Blicken. Die Drommete des Thurmwärtels ertönte, das Thor flog auf, und freudiges Jauchzen tönte Kon⸗ rad entgegen. Seine Eltern kamen raſch herbeigeſprungen und umarmten unter Freudenthränen den geliebten Sohn, der aus dem gelobten Lande glücklich zurück⸗ gekehrt war, aber er konnte ſich nicht innig freuen, denn noch ſchmachtete ſeine Adelgunde in Gefangenſchaft. Nachdem der erſte Freudenrauſch vor⸗ über war, bemerkten die Alten erſt des Sohnes Schwermuth und fragten nach der Urſache. Er ſagte ſie ihnen unver⸗ hohlen und bat zugleich ſeinen Vater, dem Luxburger einen Fehdebrief zu ſchicken. Ungern zwar verwickelte ſich der alte Bärenburger noch in eine Fehde und dazu mit einem ſo mächtigen Ritter, allein er konnte dem Sohne die Bitte nicht abſchlagen und verſprach ihm ſeine ganze Macht zu ſtellen. Früh am andern Tage begannen unter Konrad's Anleitung die Waffen⸗ übungen. Buben ſchliffen Schwerter, ſpitzten Lanzen, tummelten Roſſe und brachten Bogen und Pfeile herbei. Auf flüchtigen Roſſen entboten Knappen die Lehnsmänner des Bärenburgers. Kon⸗ rad bewies ſich am thätigſten, denn er kannte den Muth und die Macht des Luxburger. Erſt, wenn ſeine ganze WMacht verſammelt, wollte er dem Geg⸗ ner den Fehdebrief ſchicken. Schlaflos wälzte ſich Konrad auf dem Lager umher, da ertönten drei furchtbare Schläge am Burgthore. Haſtig ſprang er auf, ließ das Thor offnen, um nachzuſehen, was geſchehen ſei, und erlugte beim Scheine des Mondes einen Mann, welcher zum Burgberge hinunter⸗ 24 ſchritt. Am Thore fand man ein Per⸗ gament angeſchlagen. Nur zu gut wußte man, daß es eine Vorladung der heili⸗ gen Vehme enthielt. Der Burgvoigt mußte gerufen werden, denn kein Knecht wollte das Pergament abnehmen. Die⸗ ſer ſelbſt nahm es etwas zagend ab und trug es zum Ritter Konrad. Er las bei dem Scheine einer Kerze: „Wir, die Richter im Verborgenen, laden hiermit den Ritter Konrad von Bärenburg vor unſer Gericht. Auch erklären wir, daß, wenn ſich der Ge⸗ forderte nicht nach der dritten Vor⸗ ladung einfindet, er für vogelfrei er⸗ klärt wird, denn ſein angeſchuldigtes Verbrechen iſt dann erwieſen. Schutz der Unſchuld und Strafe dem Ver⸗ brecher. Die heilige Vehme in den Ruinen der Todtenburg bei Kaſſel.“ 25 Mit Schrecken vernahmen am näch⸗ ſten Morgen die Eltern Konrads die Vorladung. Verzweiflungsvoll rang die Mutter die Hände, weil ſie ihren erſt wiedererhaltenen Sohn nun für verloren hielt. Konrad war nicht vermögend ihr Troſt zuzuſprechen, obgleich er ihr be⸗ theuerte daß er frei von jedem Verbre⸗ chen ſei und gewiß wiederkehren würde. Von den Segenswünſchen der Zu⸗ rückbleibenden begleitet, jagte er bald, nur von einem Knappen begleitet, dem Orte der Vorladung zu. Traurig wurden indeſſen die Waffen auf der Bärenburg wieder bei Seite ge⸗ legt, denn die Fehde wurde aufgeſchoben; die meiſten Knappen zweifelten an der Rückkehr ihrks Herrn und ſchlichen trau⸗ rig umher. Der Burgherr aber ſaß fort⸗ während an einem Fenſter, von wo aus 26 er die Ausſicht nach dem Wege hatte, den ſein Sohn wieder kommen mußte. Ehe noch der Abend einbrach, harrte Konrad ſchon am Wege nach der Todten⸗ burg auf einen Schöppen des Freige⸗ richts. Als die Mitternacht erſchien kam auch ein Schöppe herbei und hielt hoch in die Luft einen blitzenden Dolch. Kon⸗ rad kannte dies Zeichen. „Leb' wohl,“ ſagte er zum Knappen, grüße meine⸗ Eltern, und ſag' Allen, wenn ich nicht wiederkehre, daß ich unſchuldig geſtorben bin, denn keine Schuld belaſtet mein Gewiſſen. Harre hier meiner bis die Sterne erbleichen, und bin ich dann nicht wieder hier, ſo reite langſam nach der Bärenburg und bete für das Heil meiner Seele.“ 3 „Seid Ihr Konrad von Bärenburg“ fragte der Schöppe, ſo folgt mir!“ Unverzagt folgte der Ritter bis an einen großen Stein. „Halt!“ ſagte jetzt der Schöppe. „Setzt Euch hier nieder, ich will Euch die Augen verbinden.“ Kaum war dies geſchehen, ſo ertönte ganz in der Nähe der Ton eines Glöck⸗ leins und der Stein ſenkte ſich mit ihm in die Tiefe. Von rüſtigen Armen er⸗ griffen, wurde er wieder in die Höhe gerichtet, und in ein ſpärlich erleuchtetes Gemach gebracht, er hörte deutlich das Wehklagen eines Unglücklichen, welcher eben in einen Abgrund voll Dolche, Schwerter und Lanzen geſtoßen wurde. Die Binde wurde ihm abgenommen. Das Armenſünder⸗Glöcklein ertönte wie⸗ der, und von drei Schöppen geleitet, wurde er an den Abgrund geführt, wo jener Unglückliche hinabgeſtoßen worden war. Noch wimmerte derſelbe leiſe und Konrad's Haar ſträubte ſich unwillkürtich 28 in die Höhe. „Dies der Lohn der Bü⸗ berei,“ ſagte ein Schöppe, auf den Ab⸗ grund zeigend. „Wer war der Unglück⸗ liche?“ fragte ſchaudernd hinabblickend Konrad. „Der Dirnenräuber Hartwig von Boyneburg,“ war die Antwort. Ein Ritter von hoher Geſtalt erſchien jetzt in voller Rüſtung mit geſchloſſenem Viſir, fragend: Wer ſeid Ihr?“ „Kon⸗ rad von Bärenburg,“ war die Antwort. Sich verneigend, »reichte er ihm die Hand, zjog einen ſchwarzen Vorhang zurück, und wie hingezaubert ſtand er mit dem Ritter in einem großen Saale. wo in einem Halbzirkel in ſchwarzen Mänteln vermummte Männergeſtalten ſaßen. Der Freigraf ſaß auf einem er⸗ höhten Seſſel. Vor ihm lag auf einem Tiſche eine Bibel und ein Schwert. Zu beiden Seiten brannten zwei Kerzen, welche nur ein ſpärliches Licht verbreite⸗ ten. Konrad zagte und wagte nur we⸗ nige Schritte vorzutreten. Der Freigraf hob jetzt das Schwert in die Höhe und gleich darauf thaten ein Gleiches die Männer mit ihren Dol⸗ chen. „Die heilige Vehme möge nach Gerechtigkeit richten,“ begann der Frei⸗ graf. „Nach Gerechtigkeit! Nach Gerechtig⸗ keit! Nach Gerechtigkeit!“ wiederholten die Geſtalten. Die Männer ſetzten ſich wieder und der Freigraf rief mit ſtarker Stimme: „Tretet näher, Konrad von Bärenburg. Konrad hatte Muth ge⸗ faßt; mit feſten Schritten kam er näher und blickte frei umher. „Ritter Konrad,“ begann der Freigraf. „Ihr ſeid des Dirnenraubes angeklagt. Ihr habt Eure Braut Adelgunde von Liebenſtein heim⸗ lich entführen laſſen, um freche Wolluſt mit ihr zu treiben.“ „Das iſt eine ſchändliche Lüge,“ ent⸗ gegnete er hitzig. „Ein Schurke raubt Dirnen, aber kein ehrſamer Ritter. Wohl habe ich Muthmaßung, wer der Räuber meiner Geliebten iſt, aber keine Gewißheit.“ Ein Urtheil,“ begann der Freigraf „tann ich über Cuch nicht ſprechen, Ritter Konrad, aber im Gewahrſam müßt Ihr bleiben, bis wir Gewißheit haben von Eurer Schuld oder Unſchuld.“ Einer der Verhüllten ſprang jetzt haſtig auf, indem er rief: „Ich thue Einſpruch gegen jedes Urtheil!“ Konrad wurde in das Vorgemach abgeführt. Jede Minute wurde ihm hier zur Cwigkeit. Endlich mußte er wieder im Saale erſcheinen. „Heil und⸗ Segen dem Unſchuldigen!“ tönte ihm entgegen. „Ritter Konrad von Bären⸗ 31 burg, begann der Freigraf, „Ihr waret in einem Schreiben bei uns des bewuß⸗ ten Verbrechens angeklagt, weshalb Ihr gefordert wurdet. Aus ſicherer Quelle wurde uns aber jetzt gemeldet, daß uns ein Bube über Euch falſch berichtet hat. Er wird aber ſeiner Strafe nicht ent⸗ gehen. Ihr ſeid hiermit von dem an⸗ geſchuldigten Verbrechen frei geſprochen. Eilet nach dem Liebenſtein, wo Eure Adelgunde wieder angekommen iſt.“ „Meine Adelgunde wieder auf dem Liebenſteine?“ fragte der erſtaunte Kon⸗ rad. Der Freigraf ſchwieg. Ein Schöppe band ihm wieder die Binde vor die Augen und führte ihn durch mehrere Ge⸗ mächer. Plötzlich fühlte er, daß der Bo⸗ den mit ihm ſich empor hob. Mit innerem Entzücken die friſche Luft eben einathmend, ergriff ihn ein männlicher Arm und führte ihn im Kreiſe herum. ——— 32 Die Binde ſfiel. Forſchend blickte er in der Gegend umher; da begrüßte ihn das freudige Wiehern ſeines Türkenroſſes. . Indem jauchzte auch der Knappe hoch vor Freude auf Konrad ſchwang ſich auf das Roß und jagte mit ihm davon. Im Anfange hatte er große Luſt nach dem Liebenſteine zu reiten, um ſich von der Ausſage des Freigrafen zu überzeugen, allein er hielt es doch für Schuldigkeit, ſeinen betrübten Eltern erſt Kunde zu geben. V. Mit allgemeinen Jubel wurde Kon⸗ rad auf der Bärenburg empfangen Doch verrieth er nichts von dem Vorgefalle⸗ nen, erkundigte ſich aber ſogleich nach Adelgunden, von der man nichts wußte. Er hielt die Nachrichten von ihrer Er⸗ ſcheinung auf dem Liebenſteine für ein Mährchen und ließ den Fehdebrief an Gaſton von Luxburg ausfertigen. Schon ſollte derſelbe abgeſchickt wer⸗ den, als ein Reiter vor dem Burgthore erſchien, im Namen des Ritters von Liebenſtein Einlaß begehrend. Voll von freudiger Ahnung eilte Konrad ihm ſelbſt entgegen. „Welche Kunde bringt Ihr?“ fragte er haſtig „Eine erfreuliche,“ er⸗ wiederte jener, „Fräulein Adelgunde iſt wieder da.“ „Wer hatte ſie geraubt? Wo iſt ſie geweſen?“ fragte der Neu⸗ gierige. „Darüber kann ich Euch keine Auskunft geben,“ war die Antwort, „denn kaum kam das Fräulein, ſo mußte ich auch den ſchnellſten Renner nehmen und Euch Kunde bringen.“ Kaum konnte Konrad an die Wahr⸗ Gaſton von Luxburg. 3 ——— 2 — heit der Ausſage des Boten glauben. Laut lachte er vor Freude auf. „Meinen Schwarzen!“ ſchrie er einigen Knappen zu. Der Bote überreichte ihm ein Stück Pergament, welches ihm ein Unbekann⸗ ter übergeben, mit der Weiſung, es an den Ritter Konrad abzugeben. Die⸗ ſer las: „Da Ihr dieſen Morgen nicht gleich nach dem Liebenſtein geritten ſeid, fo warnen wir Euch, dieſes jetzt nicht ohne ſtarke Begleitung zu thun, weil ein Feind auf Euch lauert. Die heilige Vehme.“ „Will ſich denn dieſe Vehme fort⸗ während in meine Angelegenheit mi⸗ ſchen!“ rief er unmuthig. Die Warnung wollte er aber doch nicht in den Wind ſchlagen, nach wenigen Stunden verließ er die Burg in Begleitung ſeiner Knap⸗ ——— 5 35 pen aus dem gelobten Lande, und jagte dem Liebenſteine zu. Konrad ritt voll Ungeduld, ſeine Braut bald zu umarmen, immer weit vor ſeinen Leuten voraus. Man ſtieß auf keinen Feind und bald erblickte man den Liebenſtein. Von Neuem ſpornte der Ritter ſein Roß an. Dieſes ſchien die Ungeduld ſeines Herrn zu theilen, denn wie der Wind, ſo eilte es über Berg und Thal. Das Burgthor flog auf. Adelgunde ſtürzte auf ihn zu. Mund ruhte an Mund, und in einer herzlichen Umar⸗ mung und einem langen Kuß feierten die Liebenden das Wiederſehen. Endlich begann Adelgunde: „An jenem Abende, wo wir uns ſo glücklich fühlten, ergriffen mich mehrere Männer und ſchleppten mich bewußtlos fort. Als ich endlich aus der Betäubung erwachte, 2* 3 36 gewahrte ich, daß man mich zu einem großen Thore hineintrug. Vergebens ſchrie ich nach Hülfe. Die Knappen ſpotteten meiner und führten mich in ein ſchönes Gemach. Sobald mich die rohen Menſchen verlaſſen hatten, erſchien eine Wärterin, welche theilnehmend nach mei⸗ nen Befehlen fragte. Ich antwortete ihr nicht und durchweinte troſtlos die Nacht. Am nächſten Tage brachte ſie mir die lieblichſten Speiſen, aber faſt gar nichts konnte ich genießen. Die ſanften Mienen der Aufwärterin flößten mir Zutrauen zu ihr ein, und ich fragte: wo ich mich befände, oder wer mich hierher habe bringen laſſen. Da entglitt ihr eine Thräne, indem ſie erwiederte: Fräulein, der ſchrecklichſte Eid bindet meine Zunge, ich darf euch dies nicht ſagen. Troſtlos durchweinte ich einige Tage als mir die Aufwärterin im Namen ihres Herrn — 37 fund that: daß ich hier in Ueppigkeit vier volle Wochen leben ſollte, wo mich dann der Herr fragen würde, ob ich mich freiwillig in ſeine Wünſche fügen wollte; ſei dies der Fall nicht, ſo würde ich auf ewig in das Mauerverließ ge⸗ ſperrt, woraus mich keine menſchliche Macht je wieder erlöſen könnte. Mein Entſchluß ſtand feſt. Mein Gemach durfte ich nie verlaſſen und ſah den ganzen Tag über nur die Wärterin. Eine Ausſicht in die Gegend hatte ich wegen der hohen Mauer gar nicht, doch iſt meine Meinung, ich befand mich auf einer Burg, denn in der Nacht hörté ich öfters wüſtes Geſchrei und Humpenge⸗ klirr. So entſchwand eine Woche nach der andern. Nur mit Schauder dachte ich an den Tag, wo ich meinen Räuber fennen lernen ſollte. Die Aufwärterin ſah meine Thränen und blickte mich ſtets voll Mitleid an. Kannſt du mich nicht befreien? fragte ich ſie eines Tages. Sinnend blickte ſie zur Erde, lächelte durch die Thränen und entfernte ſich eilig. Als ſie wiederkehrte, lispelte ſie mir leiſe zu und blickte ſcheu umher: Hoffet! Dies eine Wörtchen durchzuckte meinen ganzen Körper vor Freude. Wie neu geboren fühlte ich mich, und fiel betend auf die Knie. O, Konrad, dies Wörtlein erfreute mich in vier langen Wochen zum erſten Mal wieder! Nur noch zwei Tage, dann wollte der Herr erſcheinen, berichtete die Aufwärterin mit lauter Stimme, indem ſie mir zulispelte: Um Mitternacht ſeid bereit. Mit Zittern erwartete ich dieſelbe. Der Thurmwärter verkündigte endlich die Geiſterſtunde, aber meine Wärterin er⸗ ſchien nicht. Jede Minute wurde mir zur Ewigkeit, ich ſchmollte ſchon auf die 39 Wärterin und nannte ſie eine Betrügerin; da erſchien ſie endlich mit leiſen Tritten. Ehe wir fliehen, ſagte ſie mit leiſer Stimme und hielt mir ein Crucifix vor, ſo ſchwöret hier, daß, wenn ihr zer⸗ ſchmettert von Felſen zu Felſen ſtürzen ſolltet, ihr mich am Throne des großen Gottes nicht als eure Mörderin ankla⸗ gen wollet. Gern gelobte ich ihr dies. Hierauf winkte ſie mir, ihr zu folgen. Mit düſteren Wolken hatte ſich der Hori⸗ zont umzogen, ein feiner Regen fiel herab und ſchaurig krächzten in Felſen und altem Gemäuer nächtliche Raub⸗ vögel. Vorſichtig ſchritten wir über einen freien Platz vorwärts. Am ganzen Körper zitternd, gewahrte ich, wie zwei große Rüden mit dumpfen Bellen auf uns zu ſprangen. Meine Begleiterin trat ſogleich vor, brachte ſie durch Ko⸗ ſen zur Ruhe und warf jedem ein Stück —— 40 Fleiſch vor. Hierauf gelangten wir an die niedrigſte Seite der Mauer, die durch ſteile Felſen erſetzt wird. Betet, ſagte meine Begleiterin. Als dies geſchehen war, ſagte ſie, daß ich ihr genau von Felſen zu Felſen folgen ſollte. Eine kurze Leiter führte uns auf die Mauer und auch wieder auf die andere Seite hinab. Ich faßte Muth und folgte mei⸗ ner Begleiterin von Felſen zu Felſen. Ein loſer Stein hätte mich und ſie in den Abgrund geſtürzt. Wenn meine Kräfte anfingen zu ſchwinden, ſo gab mir der Gedanke an Dich neue Kräfte. Glücklich gelangten wir am Fuße der Felſen an. Wir fielen auf die Knie, dankten Gott für unſere Rettung, und nahmen dann unſern Weg hierher. Meine Begleiterin erzählte mir daß ſie viel geſündigt und mich deshalb zur Buße aus den Klauen eines Böſewichts — errettet habe. Sie wollte barfuß nach Rom wandern, um dort Vergebung zu holen. Vergebens bat ich ſie, den Na⸗ men des Buben zu nennen. Sie beglei⸗ tete mich bis an den Liebenſtein, und ſchied, als eben der junge Tag erſchien, mit Thränen von mir.“ „Kein Anderer hat Dich rauben laſ⸗ ſen, als Gaſton von Luxburg!“ rief Konrad hitzig, und erzählte hierauf ſer⸗ ner Geliebten, wie es ihm in jener Zeit ergangen war, verſchwieg jedoch die Vorladung der Vehme. Am nächſten Tage, als Konrad in der Mitte ſeiner Knappen ſtand, erwachte mächtig in ihm wieder die Luſt den Luxburger zu befehden, weil er dieſen allein fähig zu einem Dirnenraube hielt. Der alte Liebenſteiner ſuchte ihn hiervon zwar abzureden, und auch 42 Adelgunde flehte, allein vergebens. Er ſchickte ſogleich einen Boten an ſeine Eltern, um von ihnen noch Knechte und Reiſige zur Fehde zu verlangen, und ſandte einen Fehdebrief an den Lux⸗ burger. Auf dem Liebenſteine, wo ſo lange Liebe, Eintracht und Friede geherrſcht hatte, waltete jetzt kriegeriſches Unge⸗ ſtüm. In wenigen Tagen hatten ſich auf dem Liebenſteine faſt zweihundert Strei⸗ ter geſammelt, deren Hauptanführer Kon⸗ rad von Bärenburg war. In einer kurſen kräftigen Rede ermunterte er ſie zur Tapferkeit und zum Muth in dieſem gerechten Kampfe, und gelobte ihnen die ganze Beute auf der Luxburg. Ein all⸗ gemeines freudiges Jauchzen war die Antwort. 8 Adelgunde legte ihin mit den zarten 43 Händchen ſelbſt den Panzer an und ver⸗ ſuchte ihm auch das ſchwere Schlacht⸗ ſchwert umzugürten. „Aber Konrad, Konrad,“ rief ſie plötzlich, „wenn Du nicht wiederkehrteſt, was ſollte aus Deiner Adelgunde werden?“ „Glaube mir, ich kehre bald zurück,“ entgegnete e, denn ich ziehe in den gerechteſten Streit“ Lange hielt er ſie umarmt, riß ſich dann mit Gewalt los, eilte in den Burghof, wo er und der Burgherr mit Ungeduld erwartet wurden, ſchwang ſich freudig auf ſein Roß, grüßte noch ein Mal Adelgunden, und ſprengte mit den Kriegern über die donnernde Brücke. Eben wole Cottfried von Lieben⸗ ſtein ein triegeriſches Lied anſtimmen, —̃ — 44 als ihn Konrad auf zwei Reiter aufmerk⸗ ſam machte, welche ihnen gerade ent⸗ gegen kamen. Man erkannte ſie bald für den Ritter Gaſton von Luxburg und ſeinen Knappen. Sein Unternehmen war ſehr gewagt, weil er nicht mit Gewiß⸗ heit wußte, daß Adelgundens Wärterin ihn nicht verrathen hatte; zwar ſchloß er das Gegentheil aus dem Fehdebriefe, allein Gewißheit fehlte ihm doch. Die Lanze, als Zeichen des Grußes, neigend. ſprengte er gegen den Liebenſteiner und Bärenburger, welche ſeinen Giuß er⸗ ſtaunend erwiederten. „Ihr wollt mich befehden,“ rief er, „ich aber habe keine Luſt mich mit Euch herumzuſchlagen, denn ich will in Friede mit ſo tapfern Rittern leben!“ „Wir haben Dirnenraub an Euch zu rächen, entgegnete Konrad hitzig. „Wenn Ihr Eure Burg nicht vertheidigen wollt, — —— 45 ſo iſt es unſere Schuld nicht, wir haben Euch nach Ritterſitte einen Boten ge⸗ ſchickt.“ „Ihr habt Dirnenraub zu rächen?“ fragte Gaſton mit funkelnden Augen⸗ „Ja!“ ſchrie Konrad „Ihr ſeid der Dirnenräuber!“ „Ritter Konrad von Bärenburg,“ er⸗ wiederte Gaſton hierauf gelaſſen, „ſo wahr ich ein Ritter bin, ſo gewiß war ich der Räuber Eurxer Adelgunde nicht, obgleich der Schein gegen mich iſt. Ich wollte keine Fehde, aber Ihr habt mich in Gegenwart Furer Leute zu ſehr be⸗ leidigt. Nun es ſei! Ueber Euch aber komme das Blut der Erſchlagenen, und laſſe Euch nirgends Ruhe finden. Kommt nur nach Luxburg, dort ſollt Ihr Kämpfer finden, die Lanzen, Schwerter und Bo⸗ gen zu führen wiſſen!“ Bei dieſen ——— 46 Worten ſprengte er mit ſeinem Knappen davon. Konrad und Gottfried ſahen einan⸗ der ſonderbar bewegt an. Gaſtons ganzes Benehmen ſprach zu ſeinem Vor⸗ theil, denn würde er es wohl gewagt haben, ihnen entgegen zu reiten, wenn er ſchuldig ſei? Beide Ritter hielten ihn in dieſem Augenblicke für unſchuldig und ſtarrten ihm ſchweigend nach. Endlich begann Gottfried: „Ich halte den Lux⸗ burger für unſchuldig an dem Buben⸗ ſtücke. Laßt uns erſt nähere Unter⸗ ſuchungen anſtellen, denn ich mag das Blut der unſchuldig Erſchlagenen nicht auf meiner Seele haben und ſo wird es Euch auch gehen. Ihr würdet gewiß keine fröhliche Hochzeit feiern mit meiner Tochter, ſelbſt wenn die Fehde glücklich abliefe, ſobald unſchuldiges Blut ver⸗ goſſen würde.“ Endlich, obgleich ungern, 47 willigte Konrad zum Rückmarſche ein, und der Zug begab ſich wieder ſtill nach dem Liebenſteine. Des Burgpfaffen Clemens ſchlaue Worte brachten es noch an demſelben Tage ſo weit, daß die biedern Ritter Gottfried und Konrad den Luxburge von aller Schuld frei ſprachen. Er war heute ſo überaus gut und freundlich, daß ihm Konrad gewogen wurde und jeder Verdacht aus ſeinem Herzen gegen den Mann Gottes wegen Adelgundens Entführung entſchwand. Allgemeine Freude herrſchte über die ſchnelle Be⸗ endigung der Fehde. VII. Zufrieden kehrte Gaſton nach der Lurburg zurück, weil er bemerkte, daß —— der Feind ihm nicht folge Er freute ſich herzlich, daß ihm ſein kühner Streich ſo geglückt war. Er konnte mit Recht jetzt den Beleidigten ſpielen und Konrad würde ihm noch Abbitte thun, ſchmei⸗ chelte er ſich. Plötzlich dachte er wieder daran, daß er die reizende Adelgunde bereits in ſeinem Käfige gehabt hatte; da biß er vor Wuth die Zähne zuſam⸗ men, lief auf die höchſte Warte und legte hier den feierlichen Schwur ab: daß Adelgunde ſein werden müſſe, und wenn ſie von einem Heere bewacht würde., — Jetzt ſchien es ihm leichter, ſein Vor⸗ haben auszuführen, indem gewiß kein Menſch auf Liebenſtein etwas vhn ihm beſorgte. Heimlich ließ er alſo Anſtal⸗ ten machen, um bei der erſten Gelegen⸗ heit ſein ſchwarzes Vorhaben auszu⸗ führen. Adelgunde hatte nirgends Ruhe, ihr 49 ahnete das ſchreckliche Ungewitter— welches ſich über ihr Haupt zuſammeniog. Mit Ungeduld wünſchte ſie ihren Hochzeits⸗ tag herbei, obgleich dieſer ſchon in zehn Tagen feſtgeſetzt war. In dieſer Zeit wurde Alles ange⸗ ſchafft, um das Feſt recht glänzend zu machen, denn Gottfried war ein reicher Ritter. An die Grafen und Ritter in der Umgegend wurde ein Herold geſandt, um ſie einzuladen zu einem Ringelſtechen und zut Hochzeit. Auch Gaſton wurde eingeladen, denn beſonders Gottfried wünſchte mit dieſem Manne in Freund⸗ ſchaft zu leben. Nur noch vier Tage mußten ent⸗ ſchwinden, und ſchon erwartete man mit Ungeduld Konrads Eltern. Plotzlich berichtete der Thorwächter, daß ein fremder Reiter Einlaß verlange, weil er Sachen von der größten Wich⸗ Gaſton von Lurburg. tigkeit mit dem Ritter Konrad von Bärenburg zu ſprechen habe. Der Reiter trat gleich darauf ein. Schrecken konnte man in ſeiner verſtör⸗ ten Miene leſen. Konrad erkannte in ihm ſogleich einen Reiſigen ſeines Vaters. „Ritter Konrad,“ ſprach er faſt athemtos, „helft eilig die Burg Eurer Ahnen retten. Ein unbekannter Ritter hat mit großer Macht zwei Stürme gewagt, die wir glücklich abgeſchlagen haben. Sollte der Feind noch einen Sturm wagen, ſo kommt die Burg ſicher in ſeine Hände, denn unſere meiſten Knechte ſind todt oder verwundet. Nur mit genauer Noth entwiſchte ich durch die Feinde. Helft ſchleunig oder es iſt Alles verloren.“ onrad ſprang auf, während Adel⸗ gunde faſt ohnmächtig in den Seſſel zu⸗ rückfant. „Was, meine Eltern, meine Butg in Gefahr!“ ſchrie Konrad außer — — 51 „ ſich. „Hollah! Heh! Bärenburger Knap⸗ pen! zu Gaule! Auf! Meinen Harniſch! mein Schwert!“ Die Knappen ſollen aufſitzen!“ rief Gottfried in den Burghof, „ſputet E uch! Auf! auf!“ Nach einer kleinen Stunde ſaßen faſt hundert Reiſige zu Pferde, wovon faſt die Hälfte aus Bärenburgern beſtand. D as Fußvolk ſollte den nächſten Tag ſo ſte folgen. Unter Thränen legte Adelgunde dem Geliebten die Rüſtung an und um⸗ gürtete ihn mit dem Sch lachtſch; wert Weine nicht, traute Braut,“ ſprach , „nur auf kurze Zeit müſſen wir uns trennen, denn das Schickſal will es, dann aber ſehen wir uns glücklich wie⸗ der und trennen uns nie mehr. Noch einmal will der Himmel unſere Liebe auf die Probe ſtellen, um uns das Süße doppelt empfinden zu laſſen 4 . 52 „ „Ach Konrad,“ klagte ſie, „wir wer⸗ den uns gewiß nicht wiederſehen, mir ahnet das Schrecklichſte. Du zieheſt in den blutigen Kampf, und ich ſtehe da, von wenigen Knappen umgeben, den Nachſtellungen eines unbekannten Fein⸗ des Preis gegeben. Ja, Konrad, wir werden untergehen bei dem ſchrecklichen Sturme, welcher ſich über unſere Häup⸗ ter zuſammenzieht, aber muthig wollen wir dem Tode in's Angeſicht blicken und nicht zagen, denn jenſeits ſehen wir uns wieder — Nun ziehe mit Gott in den heiligen Streit, rette Deine Eltern, rette Deine Burg. Sei glücklich im Kampfe und vergiß meiner nicht im Siege oder Tode. Lebe wohl! Lebe ewig wohl!“ Gerührt drückte Konrad die Geliebte an's Herz. Luſtig ertönten die Trompeten im Burghofe. Die Reiſige waren marſch⸗ 53 fertig und harrten mit Konrad. Es war ihm, als ſähe er Adel⸗ gunden und Gottfrieden zum letzten Mal in dieſem Leben. Das Horn des Thorwärters verkündigte eben die Mit⸗ ternacht als Konrad ſich entfernte. Raſch ſchwang er ſich auf ſein Türkenroß und jagte mit den Reiſigen zum Burgthor hinaus. VIII. 5 Seit jener Zeit, als Adelgunde den Klauen des Luxburgers entwiſcht war, dachte Clemens über weiter nichts nach, als wie es am leichteſten ſei, Adelgun⸗ den dem verhaßten Bärenburger wieder zu entreißen. Als die Burg von Strei⸗ tern enblößt war, denn auch die Bogen⸗ — 54 ſh folgten am nächſten Tage Kon⸗ raden, ſo meldete dies Clemens dem wilden Gaſton. Dieſer hatte eben ſieg⸗ reich ein ſchändliches Bubenſtück ausge⸗ führt, und freute ſich nicht wenig über die erwünſchte Kunde. Er ließ ihm zurückſagen: in der nächſten Nacht wollte⸗ er mit dem Kern ſeiner Leute an der kleinen Pforte des Liebenſteins harren, er ſollte nur ſorgen, daß die Pforte ge⸗ öffnet würde. Sollte dies aber in der nächſten Nacht nicht möglich ſein, ſo ſollte er eine brennende Kerze in däs Fenſter ſeines Gemaches ſetzen. Ruhe und Stille hatte ſich über Feld und Wald gelagert, da zog Gaſton, der Wilde, vorſichtig und ſtill mit ſeiner Schaar dem Lisbönſteine zu. Die Stunde der Geiſter nahte, als er bei der Pfotte erſchien. Sie war noch zu. Im Fenſter brannte aber keine Kerze. Ungeduldig „ blickte Gaſton nach den hohen Mauern und hätte gewiß die Burg ſogleich er⸗ ſtürmen laſſen, wenn er hierzu Leitern gehabt hätte. Adelgunde wälzte ſich unruhig in ihrem Bett umher und wünſchte S den Schlaf herbei. Kalter Schweiß ſtand ihr vor der Stirn, ſie ſprang auf, und zog eilig, wie im Traume, ein Kleid über Indm hörte ſie deutlich wildes Geſchrei und Waffengetöſe. Aengſtlich blickte ſie in den Burgh of hinab, aber Alles war dunkel. Rur Geſchrei, Ge⸗ heule und Waffengeilirr hörte ſie In⸗ dem erhellte ein fürchter lich Feuerſchein die Dunkelheit. Am ganzen Körper zit⸗ ternd gewahrte ſie helle Flammen. Das Geſchrei vergrößerte ſich auf dem Burg⸗ hofe und Waffengeklirr ertönte auf allen Seiten Starke männliche Tritte nahten ſich ihrem Gema che⸗ ſie wollte ſich zum 56 Fenſter herab ſtürzen, ſank aber, hierzu unfähig, zurück. Die Thür des Gemaches flog auf Gaſton von Luxburg, umgeben von ſeinen Genoſſen, trat ein. „Elender, Nichtswürdiger!“ ſchrie ſie ihm zu, trium⸗ phire, Dein Bubenſtück iſt Dir gelun⸗ gen! Jetzt ſteht zwar mein Körper in Deiner Gewalt, aber nimmer erringſt Du mein Herz. Verfluchter der Hölle! ſtoß Dein Schwert in meine Bruſt, da⸗ mit ich ſchnell ende! Kühle Deine Wuth an mir.“ — „Noch ein beleidigendes Wort,“ fiel Gaſton raſch ein, „und Dein Vater ſtirbt vor Deinen Augen!“ „Habt Erbarmen mit meinem Vater,“ ſchrie ſie, „gern will ich allein alle Martern ertragen!“ „Ha, Dirne, ſprichſt Du ſchon an⸗ ders?“ fragte Gaſton grinſend. „Jetzt 57 biſt Du in meiner Gewalt und ſollſt es bleiben ſo lange die Sterne am Himmel länzen. Fort von hier nach Luxburg,“ glans burg ſſen zu, „Ihr haftet ſchrie er ſeinen Genoſſ mit dem Leben für ſie“ Zwei Knechte ergriffen Adelgunden, und trugen ſie zum Burgthore hinaus. Hoch wirbelten bereits die Flammen zum Himmel empor und ein rother Streif zog ſich weit über die Gebirge. Ein ſchreckliches Schauſpiel bot ſich den Blicken Adelgundens dar. Die ganze Burg ſtand bald in vollen Flammen und ſeufzend rief die Unglückliche aus: O du hert⸗ licher Liebenſtein, wo Liebe, Freundſchaft und Eintracht einheimiſch waren, bald biſt du in einen Schutthaufen verwan⸗ delt. Mein Vater! mein Konrad! lebt ewig wohl! Du Vater im Himmel 58 prüfe aber ein ſchwaches Mädchen nicht zu hart und laß mich bald das Ziel meiner Leiden erreichen!“ IX. Ungeſäumt ſetzte indeſſen Konrad von Bärenburg ſeinen Marſch fort. Je näher er der väterlichen Burg kam, deſto mehr entflammte ſich ſein Muth. Lichter wurde der Wald, freier ſchaute das Auge umher, aber, o Schrecken! Bärenburgs Thürme ſchanten traurig aus Schutt und Rauch empor. Witd ſträubteèn ſich bei dieſem Anblick Konrads Haare. Bald blickte er auf ſeine Krie⸗ ger, bald nach den Ruinen. Kein Wort wurde geſprochen; da ermannte ſich Konrad und ſchrie: „Zur Rache!“ ſpornte ſein Roß an, daß es ſchnell wie der * —— * * 59 Wind mit ihm dahin eilte, ohne daß ſeine Getreuen ihm folgen konnten⸗ Voller Verzweiflung kam er an der eingeſtürzten Ringmauer an, doch ließ ſich weder ein Feind⸗mehr ſehen. noch hören. Nur an einiger Stellen qualm⸗ ten die Ruinen noch. Die Burg mußte alſo ſchon vor einigen Tagen erobert worden ſein. Dieſer Meinung waren auch ſeine eben ankommenden Getreuen. Konrads Zorn wurde zur Raſetei, weil er den ſchändlichen Feind nicht kannte. Wüthend ſpornte er ſein edles Roß wie⸗ der an und ſprengte über die halbver⸗ vrannte Zugbrücke zu dem verfallenen Thore hinein. Seine Gefährten folgten ihm alle Bis in die Mitte des Burg⸗ hofes kamen ſie glücklich, aber welch eine Grauſen erregende Stene ſte ellte ſich hier ihren Blicken dat⸗ Der Reſt der Be⸗ ſatzung lag hier todt, aber kein verwun⸗ 60 deter oder todter Feind unter ihnen. Vom Roſſe ſpringend eilte Konrad, über Schutt und Balken ſteigend, nach dem einzigen noch erhaltenen Gemache. Hier hatte er den ſchrecklichſten Anblick! Seine Eltern lagen ermordet neben einander. Verzweiflungsvoll ſtürzte er ſich auf ſie, rief ſie bei ihren Namen und flehte um ihren Segen. Doch kalt waren ihre Körper und gebrochen die Augen. Mit wild funkelnden Augen er das Schwert, hielt es gen“ Hinm und brachte knirſchend die Worte hervor: „Hier, bei den Leichen meiner Eltern, gelobe ich die ſchrecklichſte Rache an ihren mir noch unbekannten Mörder zu nehmen! Eher will ich mich hienieden nicht wieder freuen, bis Eure Schatten mit dem Blute Eures Erwürgers ausgeſöhnt ſind!“ Am frühen Morgen erſchienen die von Liebenſtein ausgeſandten hundert 61 Bogenſchützen. Keine Cymbel oder Pfeife ertönte mehr, als ſie die zerſtörte Burg ſahen. Konrad betrachtete ſie wie im Traume und lehnte wie ein Geiſtes⸗ abweſender einige Stunden an einer Eiche. Wo ſollte er ſich nun hinwenden, um den Buben kennen zu lernen? In ihm „ tobte es furchtbar, und er hatte große Luſt alle Burgen in der Nähe zu zer⸗ ſtoren; aber ſo mancher Unſchuldige hätte hierburch bluten müſſen. Ohne ſich gerächt zu haben, wollte er nach dem Liebenſteine auch nicht zurückkehren und hier bleiben konnte er auch nicht. Schon nahte der Abend und noch ſtarrte er die Ruinen an. Da ſchritt ein ältlicher Mann mit ſtaubigem Bruſt⸗ 4 harniſch, Schwert und Dolch auf Kon— rad zu, überreichte ihm ein Stück Per⸗ * gament und entfernte ſich wieder ohne ein Wort zu ſpreche Wie im Traume las er 6 Worte: „Hilger vön der Wetterburg iſt der Mörder Eurer Eltern und der Zer⸗ ſtöter der Bärenburg. Die heilige Vehme“ „Ha! weiß Deinen Namtn, ver⸗ dammter Mörder!“ ſchrie er. „Rache! Rache! en — Dank der heiligen Vehme!“ Die Trompeten ertönten Kuf ſeinen Befehl zum Aufbruch. Rach wenigen Minuten ritt er ſchon nach der Wetter⸗ burg zu, während ihm nur einige Knap⸗ pen ſo eilig folgen kaunten. Die Bogen⸗ ſchützen liefen in wilder Knordnung ihm nach. Noch einmal blickte er nach der väter⸗ lichen Butg zurück, welche düſter im Abendnebel ihn anſchaute. So ſieht der Liebende, den das Schickſal entferut, —— 63 noch einmal vach dem Hauſe ſeiner Ge⸗ liebten, ſeufzt und ſieht ſich noch ein⸗ mat um, bis es ſeinen Blicken ent⸗ . * ſchwindet. Die Sterne erbleichten bereits, als „ Konrad ſeine Leute in der Nähe der Wetterdurg Halt machen ließ. Der Ritter Hilger von der Wetterburg ließ ſogleich fragen: Wer gegen ihn t feindlich heranzöge? Konrad ließ ihm antworten: „So wie Du auf der Bärenburg gehauſ't, ſo will ich auf der Wetterburg hauſen.“ Hilger war über dieſe Antwort erſtaunt und ließ Konraden um nähere Erklärung bitten. Dieſer aber ſchickte den Boten mit der Drohung zurück: daß er die nähere Er⸗ klärung dem Ritter ſelbſt geben wollte. Die Wetterburg lag nicht hoch. Die Mauern waren ſchlecht und an einigen Stellen ſogar eingefallen, aber die Strei⸗ ter zahlreich. Ehd noch der Tag anbrach, ließ Ritter Konrad das Zeichen zum Sturme geben. Mit dem Schwerte in der Hand, er⸗ ſtieg er wie ein Raſender die Mauer, ihm folgten ſeine braven Bärenburger. Der Feind, welcher ſich ſogleich von der Mauer zurückgezogen hatte, ſchoß mit vielem Vortheil und Glück unter die Stürmenden, welche ſich plötzlich durch ein unvorhergeſehnes Ereigniß aufgehal⸗ ten ſahen. Im Innern der Burg be⸗ fand ſich nämlich dicht an der Mauer ein tiefer und breiter Graben. Die in Eile verfertigten Leitern konnten wegen ihrer Schwere nicht über die Mauern gebracht werden; auch wenn dies der Fall ge⸗ weſen wäre, ſo konnten ſie wegen 65 der Tiefe des Grabens nicht gebraucht werden. Bald befand ſich Konrads ganze Macht auf der Mauer. Rechts und links ſanken ſeine Getreuen von tödtlichem Geſchoß getroffen. In den Graben hin⸗ abzuſpringen wäre Tollheit geweſen, er gab alſo wüthend den Befehl die Mauer wieder zu verlaſſen. Ein Hagel von Pfeilen wurde ihnen, zum Geleit ge⸗ geben. Von der höchſten Warte der Burg ertönten Pauken und Trompeten. Der Ritterſaal war herrlich erleuchtet und laute Freude herrſchte. ſein Schwert gelehnt, ſah und hörte Konrad dies Alles. Er wollte den Tod ſeiner Eltern furchtbar rächen und konnte hierzu kein Mittel auffinden. Freundlich lächelnd erſchien der Abend⸗ ſtern, als er ein Mittel glaubte gefun⸗ Gaſton von Lurburg. 5 66 den zu haben. Er ertheilte ſogleich den Befehl, daß zwanzig Mann die Mauer zu zerrennen ſuchen ſollten. Um in die⸗ ſer Arbeit nicht geſtört zu werden, mußten fünfzig Bogenſchützen ſtets bereit ſein, dieſe zu vertheidigen. Der Feind wähnte ſich zu ſicher und ſuchte dies Vorhaben nicht zu verhindern. Als Mitternacht vorüber war, wur⸗ den die Arbeiter wieder von andern ab⸗ gelöſt. Am frühen Morgen erſt ſah der Feind den Vortheil der Belagerer ein und ſuchte jetzt, aber zu ſpät, ſein Vor⸗ haben zu vereiteln. „Der letzte Stein wich. Man konnte in die Burg ſehen, aber wehe! wer dies wagte. Der Feind ſchoß ſicher. Die Oeffnung wurde im⸗ mer größer. Konrad ließ eine Leiter durch die Oeffnung über den Graben legen, welche wohl zehn Krieger mit 67 Gewalt halten mußten, weil der Feind ſie zurückſtoßen oder zerhauen wollte. Acht Lanzenträger rutſchten auf der Leiter zuerſt in den Burghof, ihnen folgte Kon⸗ rad mit den Tapferſten. Aber ehe man nur die Leiter verlaſſen konnte, entſtand ein fürchterliches Gemetzel. Hilger von der Wetterburg focht wie ein Rieſe ge⸗ gen die Lanzenträger, aber umſonſt. Konrad faßte bald feſten Fuß im Burg⸗ hofe, die Zahl ſeiner Leute vermehrte ſich mit jeder Minute und bald floh der Wetterburger in das Innere der Ge⸗ bäude. Konrad verfolgte die Fliehenden und verſuchte das Sperren einer Pforte zu verhindern, aber er kam zu ſpät. Unter Leituug des Ritters von der Wetterburg ſchoſſen ſeine Leute aus allen Fenſtern oder warfen Steine herab. Kon⸗ rad verlor hierdurch manchen braven 68 Kämpfer und ließ ſo eilig als möglich die Pforte ſprengen. Racheſchnaubend ſtürmte er zur Wendeltreppe hinauf, wurde aber ſo kräftig empfangen, daß er ſich verwundet wieder zurückziehen mußte. Mit hochgeſchwungenem Schwerte an der Spitze der Seinigen ſtürmte er abermals hinauf, wurde jedoch wieder gar unſanft empfangen. Hier ſtritt die Berzweiflung. Schon wollte er wiederum den Rückzug antreten, da gewahrte ſein Adlerauge den Ritter Hilger und wie der Sturmwind die Wipfel der Tannen beugt, ſo ſtürzte er durch die Lanzen und Schwerter der Feinde auf ihn zu. Voller Begeiſterung folgten ihm ſeine Leute. Zwar entſtand hier noch ein furchtbares Gemetzel, aber doch mußte gar bald der Reſt der Feinde die Waf⸗ fen von ſich werfen. Konrad ſuchte vergebens den Wetter⸗ 69 burger bei dem Gemetzel zu erreichen, und als dieſes am hitzigſten war, ließ ſich jener nicht mehr ſehen. Racheſchnau⸗ bend eilte er durch mehrere Gemächer und dann in den Gelag⸗Gaden. Hier ſaß Ritter Hilger von Wetterburg in blutiger Rüſtung mit dem Schwerte in der Hand. „Ha! treffe ich Dich hier, nichtswürdiger Bube,“ donnerte ihn Kon⸗ rad an, „Dein Blut wird Labſal für mich ſein“ Mit dieſen Worten ſtürzte er auf ihn zu; aber ehe er ihn erreichte, ſank der Boden, worauf er ſtand. Laut auf lachte Hilger. Konrad hatte aber die Geiſtesgegenwart nicht verloren, denn im Sinken hielt er ſich an einen Bal⸗ ken und ſchwang ſich ſo wieder in die Höhe. Das Maß Deiner Sünden iſt voll,“ ſchrie er jetzt noch wüthender und ſtürzte auf Hilgern zu. Dieſer hieb wie ein 70 Raſender mit dem Schwerte um ſich, während Konrad unbewaffnet mit ihm rang, weil im Sinken ihm das Schwert entfallen war. „Vater! Mutter!“ ſchrie er jetzt, und im Nu lag ſein Gegner am Boden. Einen Dolch aus dem Gürtel ziehend, rief er ihm zu: „Mörder mei⸗ ner Eltern, ſprich, wer hat Dich gedun⸗ gen?“ „Ich bin der Mörder Deiner Eltern nicht,“ entgegnete er, „ſo gewiß ein Gott im Himmel iſt.“ „Du läug⸗ neſt, Elender!“ brüllte Konrad und ſtieß ihm den Dolch in den Hals. Als ſein Blut hell hervorrieſelte, hielt er den blutigen Dolch in die Höhe, ſah gen Himmel und ſprach: „Seht herab, ge⸗ liebte Eltern, das Blut Eures Feindes klebt an dem Dolche Eures Sohnes, ich babe Euch gerächt!“ Konrad ertheilte bald den Befehl, die Burg an allen Seiten anzuſtecken. Unter einem frohen Ausruf eilte man ſogleich dieſen Befehl zu vollziehen. Kon⸗ rad ſah lachend zu wie die Flammen empor ſchlugen. Was die Macht des Feuers nicht verzehrte, ließ er noch nie⸗ derreißen. X. Zum Aufbruch ertönte die kriegeriſche Trompete. Ritter Konrad ordnete freu⸗ dig ſeine Leute, als ein Knappe erſchien und ihm ein Pergament folgenden In⸗ halts überbrachte: „Ritter Konrad von Bärenburg wird hiermit zum erſten, zweiten und drit⸗ ten Mal vor unſer Gericht geladen und ſich am Cyriacustage bei dem Kreuzwege einzufinden. Die heilige Vehme in den Ruinen der Todtenburg bei Kaſſel.“ „Wer gab Dir das Pergament?“ fragte er den Ueberbringer. „Ein ge⸗ wöhnlicher Kriegsknecht, nur mit einem Dolche bewaffnet,“ war die Antwort des Knappen. „Was wollt ihr heimlichen Unholde wieder von mir!“ rief er ver⸗ drießlich aus. „Glaubt ihr denn nicht, daß ich heiße — glühende Sehnſucht nach meiner Adelgunde habe?!“ Mißmuthig ſchwang er ſich auf ſein Türkenroß, und gab den Befehl zum ſchleunigen Aufbruch nach dem Lieben⸗ ſtein. An der Spitze ſeiner Reiſigen jagte er dem Orte zu, wo ſeiner eine Adel⸗ gunde harrete, und ließ die Bogenſchützen weit zurück. Die Abenddämmerung deckte mitihrem Schleier die Flur, als Konrad Halt machen ließ, um auf freiem Felde das Nachtlager aufzuſchlagen. Etwas ent⸗ ——— fernt von ſeinen Leuten legte er ſich auf ſein Schild, um zu ſchlafen, allein die verſchiedenen Scenen in der letzten Zeit hatten ſein Blut ſehr erhitzt und nur ein leiſer Schlummer ſenkte ſich auf ihn herab. Von einem Geräuſch erweckt, wachte er eben auf, als ein Mann von wildem Anſehen im Begriff ſtand⸗ ſei⸗ nen Dolch ihm in das Herz zu ſtoßen. Kit einem Satze ſprang er auf und warf den Fremdling zu Boden. „Sprich, Bube, wer hat Dich zum Meuchelmorde gedungen?“ fragte er mit ſchrecklicher Stimme. „Das erfahrt Ihr nie“ brüllte der Unbekannte, „und wenn Ihr mich lebendig ſchinden laſſet!“ Durch dieſes Geſchrei waren mehrere Knappen erwacht. Man band dem Un⸗ bekannten Hände und Füße. Wieder⸗ holt fragte ihn Konrad: „Wer hat Dich gedungen?“ aber keine Antwort 74 erfolgte. Hieranf ließ er ein Feuer an⸗ machen, wovon die Flamme bald luſtig emporſchlug. „Wer hat Dich gedun⸗ gen?“ fragte jetzt Konrad zum dritten Mal; „ſprich oder Du mußt braten.“ Wiederum erfolgte keine Antwort. Hier⸗ auf ließ er dem Unglücklichen beide Ohren abhauen und im Feuer verbren⸗ nen. „Wer hat Dich gedungen?“ fragte nun nochmals Konrad mit ſchrecklicher Stimme. Ein bitteres Lächeln war die Antwort. „Bratet den Kerl von unten auf,“ befahl er ſeinen Leuten, „dämpft die Flamme und legt nur die Füße in die Kohlen, damit er langſam brate.“ „Ritter von Bärenburg,“ ſagte jetzt der Unbekannte, vergebens erſinnt Ihr Martern, welche Ihr im Heidenlande erlernt habt, um zu erfahren, wer mich zum Meuchelmorde gedungen hat. Ich habe geſchworen, ewig in der Hölle zu 75 braten, wenn ich zum Verräther meines Herrn würde, und keine Marter der Welt wird im Stande ſein, von mir ein Bekenntniß zu erpreſſen. Handelt nun wie es Euch gut dünkt.“ Konrad fühlte Mitleid, zerſchnitt in einer Anwandlung von Großmuth ſeine Feſſeln und ſprach: „Geh, ich ſchenke Dir das Leben!“ Da wurde der Böſe⸗ wicht gerührt, kniete weinend vor dem Ritter nieder und entfernte ſich dann langſam. „Er iſt gezeichnet,“ ſagte Kon⸗ rad zu ſeinen Leuten, „und wird in ſei⸗ nem Leben kein Bubenſtück wieder aus⸗ führen.“ . Aufgeregt wandelte Konrad umher, darüber nachdenkend, wer wohl ſein Feind ſein könnte. Gaſton von Luxburg hielt er allein eines ſolchen Bubenſtückes fähig. Ohne es ſelbſt zu wiſſen, ent⸗ fernte er ſich immer weiter von den Sei⸗ 76 nigen. Plötzlich traten ihm drei Män⸗ ner mit Dolchen in den Weg. Konrad zog haſtig ſein Schwert. „Laßt ſtecken, Ritter,“ ſagte der Eine, „im Namen der heiligen Vehme habe ich Euch zu ſagen, daß, wenn Ihr ſpäteſtens am Romanus⸗ tage nicht vor Gericht erſcheint, das Stäbchen über Euch gebrochen und Ihr vervehmt werdet.“ Konrad ſtarrte die Boten erſchüttert an, ſteckte das Schwert ein, und ſagte leiſe: „Ich werde erſcheinen.“ Sein getreuer Kurd mußte das Tür⸗ kenroß ſatteln. Ihm übertrug er in ſei⸗ ner Abweſenheit den Befehl, denn daß er glücklich wiederkehrte, daran zweifelte er nicht. Um aber ſeine geliebte Adel⸗ gunde nicht unnütz in Schrecken zu ſetzen, ſo befahl er auch, daß die Reiſi⸗ gen, und wo möglich auch die Bogen⸗ ſchützen, hier ihr Lager aufſchlagen und auf ſeine Rückkunft harren möchten. Ohne die geringſte Begleitung ritt er in der dunkeln Nacht nach den Rui⸗ nen der Todtenburg zu. Bald hatte er den rechten Weg verloren und bsfand ſich in einem Walde. Wurzeln und dichte Gebüſche zwangen ihn endlich vom Roſſe abzuſteigen und ſich mit dem Schwerte einen Durchgang zu bahnen. Sein Roß fing heftig an zu wiehern, als ob es Menſchen in der Nähe wit⸗ terte. Auch der Ritter gläubte Menſchen⸗ ſtimmen zu hören. Der Wald wurde lichter und durch die Gebüſche gewahrte er helles Licht. Freudig eilte er darauf zu, in der Hoffnung eine Burg anzutref— fen, aber er wurde ſonderbar überraſcht, als er nur die Ruinen davon erblickte, wo wohl zwölf Männer in dem einzigen noch erhaltenen Gemache zechten. Laut 78 ertönte ihr Geſchrei und Humpengeklirr durch die Stille der Nacht. Konrad band ſein Roß an einen nahen Baum, ſtieg über die verfallenen Ruinen und lehnte ſich horchend an ein Fenſter. Da er aber wenig von ihren Geſprächen ver⸗ ſtand, ſo ſuchte er den Eingang zu fin⸗ den. Er muthmaßte, daß hier Räuber hausten und täuſchte ſich auch nicht. Mit blankem Schwert ſchritt er über eine verfallene Wendeltreppe und erreichte ſo die Thür, welche nur angelehnt war. Jetzt hörte er einen Räuber ſprechen: „Wetter und Sturm! Ich war herz⸗ lich froh, daß ich in der Ferne ſtand, als Gottſchick den Bärenburger in jene Welt befördern wollte, denn wie Gott⸗ ſchick zuſtoßen wollte, ſo ſprang der Ritter auf, riß ihm den Dolch aus der Hand und fürzte ihn ſo kräftig zur Erde, daß ſie davon brummte.“ 79 „Biſt aber doch ein ſchlechter Kam⸗ rad, entgegnete ein Anderer, ſonſt muß⸗ teſt Du Gottſchicken gleich zu Hülfe tommen, ehe des Ritters Knappen nur aus dem Schlafe erwachten.“ „Haſt gut ſprechen hinterm Humpen!“ lautete die Antwort, wie wir hier ſitzen, der Bärenburger haut uns Alle in Koch⸗ ſtücken. Nur gut, daß wir fünf Gülden als Handgeld haben, denn der Luxburger wird uns nichts mehr geben, da der Streich mißglückt iſt. „Was hat der denn nur gegen den Bärenburger,“ fragte ein Dritter: „Das iſt ſo,“ erklärte jener, „die Familien Luxburg und Lie⸗ benſtein konnten einander ſchon ſeit un⸗ denklichen Zeiten nicht leiden, denn die Liebenſteiner waren echte deutſche Ritter und die Luxburger elende Kerle. Den Bärenburger haßt er, weil er Adelgun⸗ 80 dens Geſpons iſt. — O, da kann ich noch manches Stückchen erzählen. Das alte Weib unten im ſchwarzen Loche ließ uns Melcher von Luxburg, der Vater des Gaſton, hierher bringen und uns jährlich 20 Gülden Koſtgeld für ſie bezahlen. Wir wußten lange Zeit nicht wer ſie war, bis Melcher uns hier einen Beſuch abſtattete und im Weinrauſche verrieth, daß ſie das Weib des Ritters von Liebenſtein ſei. Ein Knecht, der vom Luxburger auf Liebenſtein beſtochen war, hatte ihr einen Schlaftrunk einge⸗ geben, wonach ſie 60 Stunden ſchlief. Der Liebenſteiner hielt ſein Weib für todt und ließ ſie im Gewölbe beiſetzen. Der brave Mann hätte ſich gewiß um ſie zu Tode gegrämt, wenn ihn nicht ſeine Tochter Adelgunde, das Ebenbild der Mutter, am Leben erhalten hätte. In der Nacht trug der verrätheriſche 81 Knech ie S i dt B Scheinto We um Burgpfö vt⸗ che na 6 d ie 1 und eferte ſie n die Hände des Luxbuz ſi Lurbugers, welcher ſie uns übergab.“ enke ſich Konrads Erſtaunen⸗ ls er dieſes hörte. Mit einem Satze ſtand er im Gemache. Wage es Keiner von Cuch, ſeinen Platz zu verlaſſen!“ donnerte er. „Meine Leute haben jeden Aus⸗ und Eingang beſetzt. Ich könnte jetzt ein ſchreckliches Gericht über Euch halten, doch ich will Gnade vor Recht ergehen laſſen, weil Einer unter Euch die Gattin des Ritters von Lieben⸗ ſtein ernährt hat, ich verlange, daß Ihr ſie mir ſogleich ausliefert!“ „Das alte Weib will ich an Euch ausliefern“, war die Antwort des Haupt⸗ manns, dagegen nennt auch uns Euren Lamen und gebt uns Euer Ritterwort⸗ doß Ihr weiter nicht feindlich gegen uns Gaſton von Lurburg. 6 82 handeln wollt. „Ich bin der K Konrad von Bämburg, 2 deauch ſein Ritter⸗ ſein Wort brach, undua i e wort giebt, daß er Cich laſſen will. Bemüht Euch abeſ entfliehen, meine Leute haben Alles he⸗ ſetz. Zwei von Euch mögen das un⸗ glückliche Weib hierher bringen. Sogleich entfernten ſich zwei Räuber. um den Befehl des Ritters zu befolgen. Konrad trat hierauf an die Tafel der Räuber, griff nach einem Humpen und trank ihn gemächlich aus. Sein Türken⸗ roß wieherte ſo ſtark, daß die Räuber feſt glaubten, der Ritter Konrad ſei mit allen ſeinen Leuten hier. Bald därauf brachten die zwei Räu⸗ ber eine menſchliche Figur, welche mit 1 Lumpen behangen war. „Wollt Ihr mich morden?“ fragte ſie mit ſchwacher Stimme. „Erretten will ich Euch,“ ent⸗ 83 geguete der Ritter, „wie iſt Euer Name?“ „Ach Gott,“ rief die Geſtalt, „ich ſoll er⸗ rettet werden! Mein Gebet iſt alſo end⸗ lich von Gott erhört! Ich war einſt das glückliche Eheweib des Ritters von Liebenſtein.“ Ich bringe Euch, arme Unglückliche,“ entgegnete Konrad gerührt, „wieder ſicher in die Arme des braven Gott⸗ frieds.“ „Wie ſoll ich Euch danken, edler Ritter?“ fragte ſie. „Ich verlange keinen Dank, etwie⸗ derte er, „denn ich erfüllte nur meine Ritterpflicht. Die Räuber aber herrſchte er an: „Entfernt Euch vor dem An⸗ bruche des Tages nicht aus dem Ge⸗ mache, wenn Euch das Leben lieb iſt.“ Die Gerettete auf die Arme nehmend, ſchritt hierauf der Ritter aus dem Ge⸗. mache über die Ruinen. Eilig ſchwang er ſich auf's Roß und jagte weiter fort. Als der Tag angebrochen war, er⸗ reichte er mit ſeiner Beute eine Veſte, wo er die Gerettete zur Pflege zurück⸗ ließ. Nachdem er ſich mit Speiſe und Trank erquickt hatte, ritt er den Ruinen der Todtenburg zu. XI. Es war Abend, als Ritter Konrad bei dem Kreuzwege ankam. Er brauchte nicht lange zu harren, ſo erſchien ein Schöppe, der ihn auf Dieſelbe Art wie das erſte Mal in den Gerichtsſaal führte. Die Binde fiel von ſeinen Augen⸗ Einige Kerien erleuchteten nur ſpärlich das düſtere Gewölbe und tief verhüllt ſaßen 85 die Vehmrichter umher, während der Freigraf ſich von dem Stuhle erhob, leiſe betete, und mit dem Schwerte einen Todtenkopf berührte, worauf er fragte: „Wie tichtet die Vehme?“ „Aach Ge⸗ rechtigkeit! Nach Gerechtigkeit! Nach Ge⸗ rechtigkeit!“ wiederholten die Richter, und hielten ihre Dolche hoch in die Luft. Gar ſchaurig ertönte wiederum das unterirdiſche Glöcklein. Der Freigraf begann: „FRitter Konrad von Bären⸗ burg, Ihr ſeid angeklagt, die Burg un⸗ ſeres Mitbruders Hilger von der Wetter⸗ burg ohne Fehdebrief überfallen, ſie zer⸗ ſtört und den braven Ritter ermordet zu haben.“ „Ich vergalt Gleiches mit Gleichem.“ erwiederte Konrad trotzig, „dieſer ſchänd⸗ liche Hilger hat die Bärenburg räuber⸗ mäßig überfallen, meine Eltern erſchla⸗ 86 gen und dann die Burg in Brand ge⸗ ſteckt.“ Indem traten zwei Vermummte dem Bärenburger gegenüber, indem ſie mit feſter Stimme erklärten: „Wir nen⸗ nen hiermit Denjenigen öffentlich einen Buben, welcher den braven Hilger von der Wetterburg zu beſchimpfen ſucht. Er iſt unſchuldig an den ihm angedichteten Verbrechen. Konrad biß wüthend die Zähne zuſammen und wollte eben eine derbe Antwort geben, als zwei Knechte vor den Stuhl des Freigrafen traten und riefen: „Wir klagen!“ „Ueber wen klagt Ihr?“ fragte der Freigraf. Wir klagen über den Ritter Konrad von Bärenburg,“ war die Antwott, welcher die Wetterburg räubermäßig überfallen, den Herrn und die meiſten ſeiner Knechte erſchlagen, und Alles mit Feuer und Schwert verwüſtet hat. Auch wollen wir den höchſten Schwur thun, daß unſer Herr frei iſt von dem beſchul⸗ digten Verbrechen, denn wir waren ſeine Leibknappen.“ „Konrad,“ ſagte jetzt der Freigraf, „was habt Ihr zu Eurer Vertheidigung zu ſagen?“ „Ueber mein Verfahren gegen den Wetterburger brauche ich keine Verthei⸗ digung,“ polterte er hitzig. „Wie könnt, Ihr es mir zum Verbrechen anrechnen, daß ich die Wetterburg zerſtört habe, da ich doch von Euch erſt die Kunde erhielt, daß der Mörder meiner Eltern und der Zerſtörer der Bärenburg Hilger von der Wetterburg ſei.“ „Unverſchämter Lügner,“ brüllte jetzt der Freigraf ihn an. „Schöppen!“ Bei dieſem Worte ſprangen acht vermummte Männer auf Konrad los. Dieſer drohte ———— 88 ſie mit den Augen zu durchbohren und zeigte große Luſt, ihnen die Stärke ſei⸗ ner Hände empfinden zu laſſen. „Be⸗ kennt!“ rief wieder der Freigraf ihm zu. Konrad zitterte vor Wuth. Er öffnete ſein Wehrgehänge, holte das erhaltene Pergament hervor, es ihm überreichend. Mit inniger Freude betrachtete er die Züge des Freigrafen. Sein Erſtaunen ſtieg mit jeder Minute, beſonders als er das Siegel ganz mit dem der Vehme gleich erkannte Auf ſeinen Befehl wurde Konrad abgeführt. „Brüder,“ begann der Freigraf, „es iſt hier ein ſchändlicher Betrug vorge⸗ gangen! Seht hier! Dieſes Pergament, ſogar das Siegel der Vehme iſt beige⸗ fügt. Ich bin der Meinung, daß der Bärenburger einen ſchändlichen Feind hat, der ihn mit Gewalt durch uns ver⸗ nichten will! Er iſt gewiß rein von den Saal geführt wurde. „Von wem 89 jedem Verbrechen, denn nur die Unſchuld kann ſo ſprechen, wie dieſer Konrad. — Weiß Niemand von Euch, meine Brü⸗ der, wer die Bärenburg zerſtört hat?“ Wir wiſſen es nicht,“ war die all⸗ gemeine Antwort. „Nun, ſo mache ich es Euch zur Pflicht“ fuhr der Freigraf fort, „dar⸗ nach eifrig zu forſchen, wer der Zer⸗ ſthrer der Bärenburg war, damit wir den Schändlichen zur Rechenſchaft for⸗ dern können.“ Die unterirdiſche Glocke ertönte aber⸗ mals, worauf ſogleich Konrad wieder in erhieltet Ihr dies Pergament?“ fragte der Freigraf. „Ich erhielt es von einem gewöhn⸗ lichen Kriegsknecht bei den Ruinen der Bärenburg,“ lautete die Antwort, „als ich nicht wußte, wo ich den Schändlichen 90 finden ſollte, der meine Eltern erſchlagen hatte. Ich zog hierauf nach der Wetter⸗ burg und ließ ſie zerſtören.“ Konrad wurde von aller Schuld frei⸗ geſprochen und erhielt die Weiſung, nur der Vehme zu folgen, wenn drei rothe Kreuze bei dem Siegel wären. Mit ver⸗ drießlicher Miene entfernte er ſich, wäh⸗ rend die Vehmrichter noch lange darüber ſprachen, wie das Bubenſtück zu ent⸗ decken ſei. XII. In Gedanken vertieft ritt Konrad nach der Burg zu, wo er die Gattin des braven Liebenſteiners zur Pflege gelaſſen hatte. Ein Lanzenſtoß auf den Rücken weckte ihn auf, und er ſah ſich 4 von zehn rüſtigen Reiſigen umringt, welche ihn aufforderten, das Schwert ab⸗ zugeben. „Elende Creaturen,“ ſchrie er aufgebracht, „glaubt Ihr ein Bärenbur⸗ ger handelt wie Ihr!“ Bei dieſen Worten drang er mit dem Schwerte auf ſie ein, aber leider war die Uebermacht zu groß. Mehrere Lanzenſtöße von einer Seite bewirkten, daß er vom Roſſe her⸗ abfiel. Sogleich ſtürzten die Reiſigen auf ihn zu, um ihm das Schwert zu entwinden, aber ſelbſt im Sitzen ver⸗ theidigte er ſich noch wacker. Indem er ſich jedoch wieder aufrichten wollte, wurde er von hinten ergriffen, zu Boden ge⸗ wotfen, an Hände und Füße gefeſſelt, auf ein Pferd gebunden und raſch ging der Zug durch einen Wald. Da man ſtets die Heerſtraße mied und nur durch Wäider den Weg fort⸗ ſetzte, ſo wußie Konrad ſich auch in der Gegend gar nicht zu finden. — — — 9 Die wüſten Kriegsknechte blickten wohl zuweilen mit ſchadenfroher Miene nach dem Ritter, doch mißhandelten ſie ihn nicht. Sie boten ihm Brod und Wein, allein er nahm nichts an, ſondern warf ihnen drohende Blicke zu. Es wurde Abend. Freier ſprachen die Kriegsknechte mit einander, denn das Ziel ihrer Reiſe war nah. Die Ge⸗ gend kam Konraden bekannt vor und deutlich gewahrte er in der Dunkelheit die Thürme und Mauern einer Burg, welche auf hohen Felſen erbaut war. Die Zugbrücke fiel nach einem gege⸗ benen Zeichen. Das Thor wurde ge⸗ öffnet und viele Knappen und Knechte kamen herbei, ihre Freude über den ge⸗ machten Fang laut äußernd. Konrad wurde mehr todt als leben⸗ ſſe gebunden. Er ſtarrte — dig vom Roſſe kraftlos umher und ſah wie im Traume — nach dem hell erleuchteten Gelag⸗Gaden. „Befreit meine Hände von den Stricken“ ſagte er „ich gebe Euch mein Ritterwort, daß ich nichts gegen Euch unternehmen will.“ Wild auf lachten über dieſe Worte die Knappen, wovon einer erwiderte: „Die Ritterehre gilt bei uns nichts. . Eure Hände ſind und bleiben gebunden“ . Da ergrimmie Konrad, zog mit voller Wuth an den Feſſeln, die ſeiner zu ſpot⸗ ten ſchienen, und riß ſie glücklich ent⸗ Erſchrocken traten die Knappen ſie den Unbewaffneten fürch⸗ indem ſank auch Konrad Die Stra⸗ zwei. 8 zurück, weil teten, aber ohne Bewußtſein zur Erde. pazen und heftigen Gemüthsbewegungen hatten plötzlich zu ſehr auf ihn ge⸗ „ wirkt. Als er erwachte, lag er auf einem ärmlichen Lager in einem elenden Ge⸗ . Eine Kerze brannte düſter und 6 mache⸗ zwei Knappen ſtanden wohlbewaffnet bei ihm. Schwere eiſerne Feſſeln waren an ſeinen Armen befeſtigt. Er ließ ſich etwas Waſſer reichen; kaum hatte er dies ge⸗ trunken, ſo fiel er in einen fieberähn⸗ lichen Schlummer. Er zweifelte nicht daran, daß er ſich in der Gewalt jenes Schändlichen befinde welcher ſich ſo ſehr bemüht hatte, ihn bei der heiligen Vehme anzuſchwärzen. Eben träumte Konrad, wie er alle ſeine Feinde vernichtete, da rüttelten ihn kräftige Arme aus dem Schlafe. Er ver⸗ ſuchte ſich aufzurichten, doch fühlte er ſich hierzu zu kraftlos. Eilig hoben ihn zwei rüſtige Knappen in die Höhe und führten ihn über eine Wendeltreppe in ein großes Gemach. „Hier tretet an dieſes Fenſter,“ gebot ihm ein Knappe. Konrad blickte durch die runden Schei⸗ ben und glaubte in der Ferne den Lie⸗ 95 benſtein zu ſehen. Etwas ſeitwärts in der Burg, dem Gemache Konrads gegen⸗ über, ſtand eine weibliche Figur mit einem Ritter am Fenſter. Konrad blickte eben dahin, als die Dirne mit einem lauten Schrei in die Arme des Ritters ſank. — War dies nicht Adelgundens Stimme? fragte er ſich ſelbſt. Unver⸗ wandt blickte er wieder dahin, gewahrte aber nichts wieder. „Wie heißt dieſe Burg?“ fragte er ſeine Begleiter. „Wer⸗ det's früh genug erfahren?“ entgegnete ein Knappe lachend, während ein an⸗ derer meinte: „Lugt noch einmal in die freie Natur, denn Ihr ſeht ſie doch nicht wieder.“ Eben wollte Konrad antwor⸗ ten, als man ihm befahl zu folgen. Eine mit Schnitzwerk reich verzierte Thür flog auf. Konrad trat mit klopfen⸗ dem Herzen in den Gelag⸗Gaden, wo ein häßlicher Ritter bei vollem Humpen 96 ſaß. Mit Entſetzen erkannte er in ihm den wilden Gaſton von Luxburg. „Seht Ihr junger Fant,“ rief jener höhniſch, „ſo rächt ſich der Luxburger an ſeinen Nebenbuhlern!“ Konrad ſah ihm gar trotzig in das Geſicht, indem er entgeg⸗ nete: „So wie ihr handelt jeder Bube, aber kein deutſcher Ritter. Hätte ich jetzt ein Schwert, ich wollte es Euch zeigen, wie ſich ein ächter Bärenburger zu rächen pflegt!“ W trat auch der he Burg⸗ pfaffe Clemens von Liebenſtein in das Gemach, während er mit tteufliſcher Miene den Gefeſſelten fragte: „Nun, edler Ritter, wie gefällt es Euch auf der Luxburg?“ Konrad ſchwieg. Der Lux⸗ burger aber fuhr mit tückiſch lächelnder Miene fort: „Eure Adelgunde iſt jetzt in meiner Gewalt. Vor wenigen Stun⸗ den gab ſie mir das Verſprechen, mir am * 97 Altare ihre Hand zu reichen. Der Wan⸗ kelmuth der Dirnen iſt groß.“ „Verdammter Hund,“ Du lügſt!“ ſchrie Konrad außer ſich vor Wuth und klirrte ſchaurig mit den Ketten. „Sprecht was Ihr wollt,“ entgegnete ruhig der wilde Gaſton, „jetzt habe ich Eure Geſinnungen ganz durchſchaut, Ihr müßt ſterben und zwar einen langſamen Tod. Da wo Kröten und Eidechſen hauſen, ſoll Eure Wohnung ſein. Ihr werdet dort freilich nicht lange wohnen, weil ich Euch zum Hungertode verdammt habe. Ihr habt des ſüßen Minneſpiels mit der reizenden Adelgunde genug getrieben, jetzt will ich Euer Nachfolger werden. Wenn Trompeten und Pauken ertönen, ſo laſſe ich mich mit Adelgunde von Liebenſtein auf ewig verbinden. Dies geſchieht heute über ſechs Tage, wenn —„ Gaſton von Luxburg. 7 Ihr, nach meiner Berechnung, dem Tode ziemlich nahe ſeid. — Nun fort!“ herrſchte er die Knappen an, „Bringt ihn in das tiefe Mauerverließ an den Felſen. Laſ⸗ ſet ihn an Stricken langſam hinunter, damit er nicht gleich den Hals bricht. Ein ſchneller Tod wäre Wohlthat für ihn!“ Mit Standhaftigkeit hörte Konrad dies Urtheil an, und foigte ohne ein Wort zu ſprechen den Knappen. Eine ſchwere eiſerne Fallthür wurde abgehoben. Ein dumpfer Geruch ſtieg aus dem Loche empor. Schaudernd trat Konrad einige Schritte zurück. Einige der wildeſten Knappen wollten ihn ge⸗ feſſelt hinablaſſen, allein die übrigen befreiten ihn von den eiſernen Feſſeln, während man ein Seil unter den Ar⸗ men befeſtigt hatte, an welchem er hin⸗ abgelaſſen wurde. Als ſie bemerkten, 99 daß er glücklich unten angekommen war, warfen ſie ihm den Reſt des Seiles nach, deckten die Fallthür zu und wünſch⸗ ten ihm eine ewige Ruhe. — X Fräulein Adelgunde von Liebenſtein wurde mit ihrem Vater auf der Luxburg gut behandelt. Sie erhielten die beſten Speiſen undausgeſuchteſten Weine. Ritter Gaſton ſchien ganz ſeine Wildheit abge⸗ legt zu haben. Er beſuchte ſie täglich und ſuchte ſein Vergehen mit der Allge⸗ walt ſeiner Liebe zu entſchuldigen. Er verſprach den Liebenſtein herrlich wieder aufbauen zu laſſen, wenn nur Adelgunde ihm Herz und Hand ſchenken wollte. Dieſe erwiederte auf ſeine Anträge faſt nie ein Wort. 100 Adelgunde hing mit feſter Treue an ihrem Konrad und wollte mit ihrem Vater lieber die ſchrecklichſten Qualen aus⸗ ſtehen, als ihm untreu werden. Gaſton ſah gar bald ein, daß Konrad der wich⸗ tigſte Anſtoß gegen ſeine Verbindung ſei, weshalb er den größten Theil ſeiner Leute ausſendete, um den Verhaßten lebendig oder todt zu bringen. Durch Zufall entdeckte ein Räuber von einigen Reiſigen, daß der Ritter von Bärenburg ohne Begleitung mit der Frau des Liebenſteiners nach der nächſten Burg geritten ſei. Hier erfuhren ſie, welchen Weg er genommen habe. Sie folgten ſeiner Spur und nahmen ihn glücklich gefangen. Die Freude Gaſtons über dieſen Fang war faſt gränzenlos. In aller Haſt eilte er nach dem Gemache Adelgundens. Mit“ leiſen Tritten näherte er ſich ihr und ſuchte die Hand des Fräuleins zu er⸗ haſchen, um einen Kuß darauf zu drücken. Adelgunde kehrte ihm aber den Rücken zu, trat an das Fenſter und ſchaute mit thränendem Auge an den beſternten Ho⸗ rizont. Der alte Gottfried ſtarrte düſter auf eine Stelle, denn daß Gaſton etwas Wichtiges im Sinne habe, merkte er gleich. „Edle, ſchöne Adelgunde,“ begann der Luxburger, „ſo eben habe ich die wichtigſte Kunde für uns Beide erhalten. Euer geweſener Liebhaber, der Ritter von Bärenburg, iſt unter den Dolchen der Vehme in den Ruinen der Todten⸗ burg gefallen, weil er den Ritter Hilger von der Wetterburg meuchlings ermor⸗ det hat.“ Verſpart ſolche Kunden,“ entgegnete Adelgunde bitter, „auf mich machen ſie keinen Eindruck. Mein Konrad iſt bie⸗ der und keines Bubenſtücks fähig.“ —— —— ———————— 102 „Wenn ich Euch aber nun Beweiſe bringe,“ fuhr Gaſton fort, „daß er todt iſt, wollt Ihr dann mein Ehegeſpons werden?“ „Rein!“ erwiederte ſie ſtandhaft. „Wenn Konrad todt iſt, ſo wird keine Macht der Welt im Stande ſein mich zu zwingen je die Eurige zu werden.“ Höhniſch lächelnd fuhr Gaſton fort: „Ich wollte nur Eure Meinung hören, ſchöne Adelgunde, beruhigt Euch, Euer Konrad lebt und zwar in Eurer Nähe. Er iſt ſo eben als Gefangener hierher gebracht worden.“ O laßt mich zu ihm,“ flehte ſie. „Das geht nicht,“ entgegnete er. „Ihr habt zu entſcheiden, ob Konrad länger leben oder vor Euren Augen ſterben ſoll. Reicht Ihr mir binnen acht Tagen Eure Hand am Altare, ſo gebe ich Euch mein Ritterwort, Konrad er⸗ 103 hält ſeine Freiheit wieder, erfüllt Ihr aber dieſe Bedingung nicht, ſo laſſe ich den Bärenburger in den Hungerthurm werfen und ehe er ſtirbt mit Eurem Va⸗ ter in Eurer Gegenwart enthaupten. Damit Ihr aber meinen Worten glaubt, ſo ſollt Ihr den Bärenburger ſehen. Ueberlegt Alles wohl! Morgen früh hole ich Anwort.“ Adelgunde konnte nicht ſchlafen. Der Geliebte war ihr ſo nah und doch durfte ſie ihn nicht ſprechen. Sie wünſchte ihn zu retten und doch war das einzige Mittel ſo ſchrecklich. Kaum erbleichten die Sterne, ſo ſtand ſie ſchon vom Lager auf, kleidete ſich an und begrüßte wei⸗ nend den jungen Tag. Mehrere Stunden verſtrichen, ehe Gaſton erſchien. Sich tief verbeugend trat er in völliger Rüſtung din. „Wel⸗ — ₰ 104 chen Entſchluß habt Ihr gefaßt, edles Fräulein?“ fragte er. „Keinen!“ entgegnete ſie kurz. Freundlich ſetzte ſich hierauf Gaſton an ihre Seite, indem er begann: „Traute Adelgunde, reicht mir doch Eure Hand am Altare, Ihr ſtiftet ja dadurch ſo viel Gutes, befreit den Bärenburger und Euren Vater vom Hungertode und werdet mich mit der Zeit lieben und achten lernen.“ Der alte Liehenſteiner ſchwieg zwar, doch lag in ſeiner Miene die Bitte, Adel⸗ gunde möchte ſich in den Willen des Luxburgers fügen. Verzweiflungsvoll trocknete ſie die Thränen und ſprach mit feſter Stimme: „Wohlan. Ritter, um meinen Geliebten und meiuen Vater n Tod zu retten, will ich mich mit Euch auf ewig verbinden laſſen, doch nur unter den Bedingungen, daß ich * 105 meinen Konrad noch einmal ſche und daß Ihr ihm die Freiheit ſogleich gebt.“ Gaſton beſann ſich einige Augenblick, und entgegnete dann mit teufliſchem Lächelu: „Cure Bedingungen ſollen ſo⸗ gleich erfüllt werden.“ Schweigend führte ſie in ein Seitengemach des Ritter⸗ ſaales. Hier ſah ſie in dem Gebäude ſeitwärts ihren Konrad, verſuchte ſeinen Namen zu rufen, konnte aber nur einen Schrei ausſtoßen, und ſank bewußtlos in die Arme des Ritters. Schneller, als er geglaubt, erwachte ſie wieder, bat den Ritter ihren Konrad zu grüßen und er möchte ihr ihre Untreue vergeben, weil nur hierdurch ſein und ihres Vaters Leben gerettet werden könnte. Wenige Stunden darauf veſtiehGaſton mit Adelgunden die Warte. „Seht Ihr“ ſprach et, „daß ich Wort halte, dort unten am Gereudig reitet Konrad ſchon auf ſeinem Türkenroſſe. Seht! jetzt ſieht er zum letzten Mal hierher.“ Adelgunde weinte der Geſtalt Thränen nach, denn ſie ſetzte nicht das geringſte Mißtrauen in ſeine Ausſage. Arme Unglückliche, hätteſt du gewußt, daß dein Konrad zum Hungertode verdammt und ſtatt ſeiner ein Knappe mit Rüſtung auf dem Türkenroß ausgeritten ſei, wie würdeſt du geklagt und den ausgelernten Böſe⸗ wicht verabſcheut haben! „Was ſprach denn Konrad über meinen Entſchluß?“ fragte Adelgunde ſchüchtern. Ich vergebe ihr Alles, ſagte er, denn ſie errettet mein Leben, und das ihres Vaters und wird hier Gelegenheit haben, viel Gutes zu ſtiften, wozu ſie vom Schickſal auserſehen ſcheint.“ „Wir reichten uns dann die Hände, daß wir . . 107 nicht feindlich gegen einander handeln wollten.“ „Sprach er weiter nichts?“ fragte Adelgunde dreiſter. Er wollte nach der Ettersburg reiten, ſagte er noch, um dort einen lang ver⸗ ſprochenen Beſuch abzuſtatten.“ Adelgunde biß die kleinen weißen Zähne zuſammen, denn die Töchter des Ettersburgers waren wegen ihrer Schön⸗ heit in der Gegend berühmt. Adelgunde klagte im Herzen über den Unbeſtand der Männer, denn nur aus der Urſache, ſich dort eine Gemahlin zu holen, konnte er dahin reiten. Da ſie jetzt volle Freiheit hatte in der Burg umher zu gehen, ſo durch⸗ ſuchte Adelgunde, um ſich zu zerſtreuen, faſt alle Gemächer. Eins davon ſchien ihr ganz bekannt zu ſein. Ein blaues Band, welches ſie fand, erkannte ſie für — 108 das ihrige. Sie beſann ſich nach und nach, daß ſie dieſes Band am Kleide ge⸗ habt hatte, als ſie zum erſten Mal ge⸗ raubt worden war. Alſo damals war ſie ſchon auf der Luxburg geweſen; Alles wurde ihr klar, doch verſchwieg ſie dieſe neue Entdeckung ihrem Vater. Unter Thränen ſchlenderte ſie umher und rief oft leiſe den Namen ihres Konrads. WMit Schauder ſah ſie die Felſen, auf welchen ſie mit der Wärterin entflohen war. XIV. Das Mauerverließ, worin Konrad war, ſtand am äußerſten Ende der Burg und war in einen Felſen gehauen. Gaſton kannte noch kein Beiſpiel, daß ein Un⸗ glücklicher hieraus entkommen wäre. 109 Sich in ſein Schickſal fügend, lag Konrad ſtill in dieſem Loche. Kröten⸗ Eidechſen und anderes Ungeziefer kroch und ſprang um ihn herum. Ihm graute nicht davor, hatte er doch lebende Ge⸗ ſchöpfe bei ſich. Bald unterſuchte er ſeine finſtere Wohnung und fand überall harte Felſen. Griff er auf die Erde ſo faßte er nicht ſelten auf kalte Kröten. Schaudernd fuhr er aber zuſammen, als er auf den vermoderten Körper eines Menſchen fühlte. Seine Knie begannen zu zittern, er ſetzte ſich auf die Erde und lehnte das Haupt an die Felſenwand. Die Luft war ſo verpeſtet, daß er nur ſchwer athmen konnte. Ohne Nahrungsmittel ſchmachtete der Unglückliche bereits drei Tage hier. Schreck⸗ licher noch als der Hunger war der Durſt. Als er eben ſitzend mit dem Haupte 110 an einem Felſen lehnte, ſchnupperte Et⸗ was an ſeinem Geſichte herum. Er faßte danach und ergriff die ſtruppigen Haare eines Thieres, doch ſchnell entwiſchte es ihm und war verſchwunden. Auf welche Art war es hierher gekommen? dieſe Frage beſchäftigte ſeine Phantaſie. Er kroch, des Ungeziefers nicht achtend, auf der Erde umher und entdeckte hierdurch ein Loch in einem Felſen. Sogleich ver⸗ Spalte viel zu enge. Die Verzweiflung gab ihm doppelte Kräfte. Er verſuchte ein Felſenſtück wegzureißen, aber es ſaß feſt wie Eiſen. Seine Finger waren wund und von der Hand die Haut ab⸗ geſtreift, entkräftet wollte er ſchon zurück⸗ ſinken, aber ein Gedanke an Rache, an Adelgunden, und wie neu geboren fühlte er ſich wieder. Zum Glück fand er am Boden einen . ſuchte er hineinzukriechen, doch war die 111 ſtarken, ſpitzigen Stein. Haſtig ergriff er dieſen und ſchlug in der Dunkelheit ſo feſt auf das Felſenſtück, daß der Abgrund davon wiederhallte. Die Maſſe des Felſenſtücks war nicht feſt, denn es löſ'te ſich bald in einzelne Brocken auf. Jetzt konnte er gemächlich in die Oeffnungkriechen. Erfühlte keine Schmer⸗ zen mehr, er fing an zu hoffen und ſah den ſchon ſchändlichen Gaſton blutend zu ſeinen Füßen. Die von der Natur ge⸗ bildete Oeffnung wurde immer geräu⸗ miger. Wohl einige hundert Schritte war er ſo fortgekrochen, als ihn plötzlich ſeine Kräfte verließen und er in einen feſten Schlaf ſank. Nach wenigen Stun⸗ den vor Schmerzen im Unterkeibenerwa⸗ chend, wußte er kaum noch wie er in einen ſo engen Behälter gekommen war. Lange ſann er hin und her, ob er vor⸗ oder rückwärts kriechen müſſe. Endlich wählte er das Erſtere und athmete bald reinere Luft. Dicke Wurzeln, welche zu⸗ weilen ſeinen Weg hemmten, brachten ihn auf die Vermuthung, daß er der Oberfläche der Erde näher komme. Sein Muth ſank aber bald wieder etwas, weil er wieder abwärts kriechen mußte. Die Oeffnung wurde wieder enger und zwar ſo, daß er ſich nur mühſam hin⸗ durch winden konnte. Allmählig ſchwand die ſchreckliche Dunkelheit und der ſchwache Strahl des Tages wurde ſichtbar. SeineFreude wargrenzenlos. Thränen des Dankes für ſeine wunderbare Rettung entquollen den Augen; noch wenige Schritte und er befand ſich in einem dicht belaubten Buſche. Als er ſich durch dieſen einen Ausweg gebahnt hatte, ſo umgaben ihn von allen Seiten ſo dichte Gebüſche und Bäume, daß er es für un⸗ möglich hielt, hier durchzukommen. Der 1¹3 Abend war nicht fern. Ein feiner Regen fiel herab und erfriſchte ſeinen durſtigen Gaumen. Vor Ermüdung ſank er in einen feſten Schlummer, aus welchem er erſt gegen Morgen erwachte. Geſtärkt begann er nun wieder ſich einen Ausweg zu bahnen. Das Gehölz wurde lichter. Er beſtieg einen hohen Baum und ſah von hier aus die Lux⸗ burg liegen. Seine Wuth ſtieg bei die⸗ ſem Anblick auf's höchſte. Nach ſeiner Berechnung konnte der Liebenſtein nicht mehr fern ſein, dorthin lenkte er ſeine Schritte. Ein Einſiedler erquickte ihn durch Speiſe und Trank, wobei er fragte: wohin ihn ſein Weg führe? Etwas mißtrauiſch entgegnete Konrad: „Nach dem Liebenſtein.“ „Nach den Ruinen des Liebenſteins wollt Ihr ſagen,“ meinte der Einſiedler „Ruinen,“ wiederholte Konrad und ein ſchrecklicher Gaſton von Luxburg. 8 11⁴ Gedanke ſtieg in ihm auf. „Wißt Ihr denn nicht,“ fuhr der Einſiedler fort, „daß der herrliche Liebenſtein von ruch⸗ loſer Hand zerſtört und der alte Herr mit ſeiner ſchönen Tochter geraubt iſt?“ Konrad's Wangen brannten, und ohne ein Wort zu ſagen, ſtürzte er fort. Gleich einem Träumenden erreichte ver bald die Ruinen. Uebermannt von Erſtaunen und Schmerzen lehnte er ſich etwas ermannt hatte, verließ er den ſchrecklichen Ort und eilte einer befreun⸗ deten Burg zu. Athemlos erreichte er als die Sonne ſich ſenkte, die Wachſenburg. Hier hauſte ein Jugendfreund von ihm, der tapfere erregte Erſtaunen und Freude. Konrad füllte erſt wieder den Magen, ehe er —— 1 1 3 * * traurig auf ein Stück Mauer; als er ſich Hugo von Gleichen. Seine Ankunft —— ——— — 1¹5 ſeinen Freund um Hülfe gegen den Lux⸗ burger bat. Hugo konnte ſeine Veſte von Streitern nicht entblößen, weil er mit dem mäch⸗ tigen Straußfurter in Fehde lebte, doch verſprach er wenigſtens zwanzig Reiſige zu ſtellen. Wer war hierüber wohl froher als Konrad? Mit dieſen Wenigen wollte er in der Frühe des nächſten Morgens auf⸗ brechen, um die Trauung des Luxburgers, welche allgemein bekannt war, zu ſtören. Hugo warnte ihn von einem ſo gefähr⸗ lichen Unternehmen abzuſtehen, weil der Luxburger zu mächtig ſei, aber Konrad dachte nur daran, ſich Adelgunden wie⸗ der zu erkämpfen, die gewiß zur Heirath gezwungen wurde. Noch ſaßen die beiden Ritter bei vol⸗ len Humpen, als die Drommete des Thurmwarts die Ankunft von Gäſten 8* 116 verkündigte. Nach wenigen Minuten traten die zwei Brüder Hugo's, Urach und Otto in das Gemach; der erſte hauſ'te auf der Wandersburg und der andere auf der Mühlburg. Als ſie von dem Bubenſtück des Luxburgers hörten, verſprachen ſie zuſammen 60 Reiſige zu ſtellen und die Fehde ſelbſt mitzu⸗ machen. Da dieſe Burgen nur eine halbe Stunde auseinander liegen, ſo wurden ſogleich Boten dahin geſchickt, mit dem Befehle: daß die Reiſigen ſogleich auf⸗ brechen und ſich auf der Wachſenburg ver⸗ ſammeln ſollten. Die ganze Nacht hindurch herrſchte ein kriegeriſches Getöſe. Konrad, obgleich ſehr ermattet, ſchlief nur wenig, denn jeßt galt es die Rettung ſeiner ange⸗ peteten Adelgunde. Er machte Pläne, verwarf ſie wieder und träumte von ſei⸗ 117 nem zukünftigen Glücke. So überraſchte ihn der erſte Strahl des jungen Tages. Raſch ſprang er vom Lager, ließ die Trompeten ſchmettern und begab ſich in den Rüſtſaal. Der Leibknappe Hugo's erwartete ihn hier, um ihn zu wapp⸗ nen. Bald wurde das Zeichen zum Auf⸗ bruch gegeben. Die Trompeten ertönten, und fröhlich ſprengte die Schaar über die herabgelaſſene Zugbrücke. Konrad ritt mit den übrigen Rittern ſtets weit voraus. Er konnte den Augen⸗ blick nicht erwarten, wo er wenigſtens die Luxburg ſehen würde. Es war aber auch keine Zeit zu verlieren, wenn er Adelgunden retten wollte. Eben erreichten die Ritter das Ende eines Waldes und ſahen in geringer Ferne die majeſtätiſche Luxburg und ſeit⸗ wärts die traurigen Ruinen des Lieben⸗ 118 ſteins. Konrad konnte vor Wuth nicht ſprechen und ließ dem Roſſe ſeinen in⸗ nern Kampf fühlen. Jetzt gewahrte er mit den Rittern einen ſtarken Haufen Reiſige und Bogenſchützen ganz in der Nähe. Beſorgt ſahen einander die Rit⸗ ter an, Konrad aber erkannte in ihnen ſeine Leute, die Bärenburger und Lieben⸗ ſteiner, von welchen er wähnte, ſie hät⸗ ten ſich längſt zerſtreut. Dieſe braven Krieger hatten fünf Tage an jenem Orte auf ihren Herrn gewartet und als er nicht erſchien, ſo betrauerten ſie ſeinen Verluſt und zogen nach dem Liebenſteine zu. Mit Schrecken ſahen ſie die Ruinen des Liebenſteins und wußten nun nicht was ſie anfangen ſollten. Unter allgemeinem Jubel wurde der geliebte Konrad empfangen. „Gfähr⸗ ten,“ ſprach dieſer zu ihnen, dork liegt die Burg meines Feindes, der räuber⸗ — 119 mäßig den Liebenſtein überfallen und zerſtört hat. Der edle Greis Gottfried und ſeine Tochter ſchmachten in ſeiner Gefangenſchaft und ſeufzen um Hülfe. Der ſchändliche Gaſton will Adelgunden zwingen, heute ſeine Ehegemahlin zu werden; mich ließ er gefangen nehmen und in den Hungerthurm werfen, aus welchem ich durch ein Wunder entkam. Wir haben eine gerechte Sache! Auf! Zu den Waffen! Gegen den Feind!“ Der freudige Ruf: „Zu den Waffen!“ war die Antwort, und haſtig ſchwangen ſie ſich auf die und zogen der Lut⸗ burg zu. Konrad ertheilte den Befehl, daß bei dem erſten Trompetenſtoß alle ſeine Leute nach dem Thore ſtürmen und in die Burg eindringen ſollten. Er ſelbſt ritt mit den drei Brüdern von Gleichen, vier 120 Knappen und einem Trompeter den ſtei⸗ len Felſenpfad hinauf. Die Zugbrücke war zwar herabgelaſ⸗ ſen und das Thor geöffnet, allein ſchwer bewaffnete Krieger hielten es beſetzt. „Wer ſeid Ihr und was iſt Euer Be⸗ gehr?“ fragte ein alter Knappe die Ritter. „Wir kommen vom Heere des Kai⸗ ſers,“ war Hugo's Antwort, „und wünſchten den Ritter von Luxburg zu ſprechen.“ F Ich werde Euer Begehren melden,“ entgegnete der Knappe, indem er ſich haſtig entfernte. Nach wenigen Minuten erſchien er wieder, ließ die ſchwere Kette, welche aus unnöthiger Vorſicht noch an die Zugbrücke befeſtigt war, herab, und ſprach zu den Rittern: „Mein Herr läßt die edeln Ritter willkommen heißen und 8 ⸗ ———— —— 121 —5— ſie bitten nach der Kapelle zu kommen, weil er eben im Begriff iſt, ſich mit dem edeln Fräulein von Liebenſtein auf ewig verbinden zu laſſen. Eure Leute unten am Berge will mein Herrx auch für heute bewirthen laſſen.“ Ohne die Viſire zu öffnen ſprengten die Ritter in den Burghof. Hier waren faßt alle Krieger des Luxburgers ver⸗ ſammelt, doch zerſtreuten ſie ſich ſogleich, als das Glöcklein der Kapelle ertönte. Der Weg dahin war mit Blumen be⸗ 16 ſtreut, und an den Fenſtern hingen bunte Bänder und Paniere. Konrads Herz pochte laut. Er wollte nach der Kapelle ſprengen, weil er glaubte, ſeine Adelgunde wäre ſchon dort, aber ſeine Begleiter hielten ihn da⸗ von ab. Jetzt erſchienen zwei Knappen und führten die Roſſe der Ritter hinweg. —— — — — 122 Im köſtlichen Schmucke ſtieg eben Gaſton von Luxburg mit ſeiner blaſſen und einfach gekleideten Braut zur Wen⸗ delſtiege herab. Mit Anſtand grüßte er die Ritter und blickte dann wieder trium⸗ phirend auf ſeine Braut. „Verdammter Räuber!“ ſchrie Kourad außer ſich vor Wuth und ſtürzte mit ſeinen Gefährten auf ihn zu. Gaſton erſchrak heftig über die be⸗ kannte Stimme, ergriff eilig die Flucht undließ ſeine ohnmächtige BrautimStiche. Konrad nahm ſie auf die Arme und floh mit ſeinen Gefährten nach dem Thore aber ehe man es erreichte, war es durch Gaſton Geſchrei: „Verrätherei! Zu den Waffen!“ ſchon geſchloſſen und die Zugbrücke aufgezogen. Konrad ließ ſeine Trompeter blaſen, und wie ein Waldſtrom, ſo ſtürzten die Krieger den ſchmalen Pfad hinauf. — X — — 123 Konrad und ſeine Gefährten, alſo zuſammen neun Mann, mußten ſich in⸗ deſſen gegen dreihundert Krieger verthei⸗ digen. Zum Glück ſtanden ſie mit dem Rücken am Thore. Adelgunde lag ohn⸗ mächtig am Boden, während Konrad zu ihrer Rettung Tod und Verderben unter den Feinden verbreitete. Gaſton war noch im Schmucke des Bräutigams und feuerte ſeine Leute zur Tapferkeit an, während er ſich ſelbſt nicht vor wagte. Einen Wall von Leichen hatten zwar die wenigen Streiter ſchon um ſich auf⸗ gehäuft, allein auch ihre Kräfte waren erſchlafft, und die Noth auf's Höchſte geſtiegen. Da gelang es einem ihrer Krieger, auf einem der Balken rutſchend, die Zugbrücke zu erreichen. Die Ketten wurden abgehauen und nieder raſſelte ſie. Das Thor war zwar feſt, doch gelang 124 es den muthigen Kriegern bald ſolches ſo ſtark zu beſchädigen, daß einige Mann hindurch kommen und den Bedrängten am Thore zu Hülfe kommen konnten. Zu ſpät ſahen die Feinde den großen Fehler ein, den ſie gemacht hatten; ein Theil von ihnen hätte nämlich die Mauer beſetzen und durch Steine und Wurfmaſchinen leicht die Feinde vertrei⸗ ben können. Als das Thor ganz geöffnet war, zogen ſich die Feinde, wie Verzweifelte ſtreitend, nach dem Burghofe zurück. Als beide Theile vom Kampfe ausruhten, rief Gaſton mit lauter Stimme, daß er den alten Gottfried von Liebenſtein vom höchſten Thurme würde herabſtürzen laſ⸗ ſen, wenn man wagte weiter vorzu⸗ dringen. Nur zu bekannt war die Wildheit Gaſtons, als daß man gezweifelt hätte, 125 er würde ſeine Worte nicht in Erfüllung bringen. Gleichzeitig erſchien ein Herold und fragte im Ramen ſeines Herrn: „Wer ſeine Burg überfallen und ſeine Braut geraubt habe?“ „Sage Deinem Herrn,“ entgegnete Konrad, „daß der Rächer erſchienen ſei. Ich bin Konrad von Bärenburg, der hier im Hunger⸗ thurme ſchmachtete und jetzt ſich ſeine Braut wiedergeholt hat. Auch verlange ich, daß der Ritter von Liebenſtein ſo⸗ gleich an mich ausgeliefert wird.“ Der Herold brachte die Antwort: daß der Ritter von Bärenburg hier nicht im Hungerthurme geſchmachtet habe und daß Adelgunde ſeine Braut ſei. Er würde Konraden für einen feigen Buben halten, wenn er ihm einen Gottesge⸗ richtskampf verweigerte. Obgleich Adelgunde und die drei Brüder den Ritter Konrad baten, ſich 126 mit einem ſolchen Nichtswürdigen nicht auf Leben und Tod zu ſchlagen, ſondern raſch vorzudringen, ſo wollte er dies doch, weil im Gegentheil dann beſtimmt der brave Liebenſteiner vom Thurme herabgeſtürzt würde; um alſo dies zu verhindern, wollte er den gefährlichen Kampf mit dem Luxburger wagen, Gott würde gewiß mit der gerechten Sache ſein. „Falle ich im Kampfe,“ ſagte er hierauf noch, „ſo rächet meinen Tod und — tröſtet meine Adelgunde! Siege ich, ſo iſt Alles gewonnen und auch Gott⸗ fried wieder in Freiheit“ Dem Herolde gab er zur Antwort: „Sage Deinem Herrn, daß er zum Gottesgerichtskampfe Alles möge in Stand ſetzen laſſen, ich würde mich ſtellen.“ Faſt leblos hing Adelgunde in Kon⸗ rads Armen und bat ihn mit Thränen den gefährlichen Gottesgerichtskampf nicht 127 zu wagen, allein feſt erwiederte er: „Dann wäre ich des Namens eines deutſchen Ritters unwerth.“ Gaſton wünſchte nur darum den Gottesgerichtskampf, weil er der beſte Kämpfer in der ganzen Gegend war. IX. Schon ſtanden beide Kämpfer bereit, das Gottesgericht über ſich walten zu laſſen, und mit triumphirenden Blicken ſah der tückiſche Gaſton auf den von der heißen Blutarbeit erſchöpften Kon⸗ rad. Schon kehrten ſich die Spitzen der Schwerter gegeneinander; da drängte ſich ein Ritter auf wildem Roſſe zwiſchen die Kämpfenden und rief mit lauter Stimme: 128 „Haltet ein! Im Namen der heiligen Vehme!“ Uleberraſcht blickte Konrad den Fremdling an, in dem er den Frei⸗ grafen erkannte, und ſchon wollte Gaſton dieſen Vortheil brauchen, als vermummte Schöppen, die dem Grafen gefolgt waren, ihm das Schwert entriſſen. „Du mußt ſterben, elender Bube,“ rief jetzt der Freigraf dem zu Boden geworfenen Luxburger entgegen, und ſtieß ihm den Rächerdolch in die Bruſt. Schwarzes Blut quoll aus der Wunde des Böſewichts. Die Schöppen nahmen nun den Leichnam auf die Schultern und warfen ihn zum Burgthore hinaus, damit er ein Fraß der Geier würde. Jetzt trat der Freigraf zu Konrad und ſagte: „Gaſton von Luxburg iſt der Zer⸗ ſtörer der Bärenburg, der Mörder Deiner Eltern, der Zerſtörer des Lie⸗ 129 benſteins, der doppelte Räuber des Fräuleins und ihres Vaters; der Nichts⸗ würdige hat auch unſer Siegel nach⸗ ſtechen laſſen, um durch Dich die Wetterburg zu vernichten⸗ Er wollte Dich ermorden laſſen aus Rache we⸗ gen der ſchönen Adelgunde, allein Gott und die heilige Vehme wachte über Euch. — Du aber, genieße ganz das Glück, welches Du verdienſt. Hierauf entfernten ſich die fürchter⸗ lichen Rächer um den ſchändlichen Cle⸗ mens ein gleiches Schickſal zu bereiten, bald ward das Verſteck des Elenden er⸗ kundet und ſein Leichnam gleichfalls in dem Burggraben geworfen. Run beſtiegen die Glieder des heim⸗ lichen Gerichts ihre Roſſe die ihnen ihre Knappen zuführten und nahmen noch⸗ mals, den glücklich Erlöſten Segen wün⸗ ſchend raſchen Abſchied. Gaſton von Lurburg. 9 130 Ein ehrwürdiger Greis von der Lux⸗ burg bat um freien Abzug der Mann⸗ ſchaft, Weiber, Kinder und ihrer Habe. Ritter Hugo von Gleichen genehmigte zwar die Bitte, doch verlangte er, daß binnen einer Viertelſtunde die Burg geräumt ſein müſſe. Nach Ablauf der Viertelſtunde gaben die Trompeten ein Zeichen, und wie ein reißender Waldſtrom, ſo ſtürzten die Krieger das Innere der Burg. Kon⸗ rad ſchlenderte mit ſeiner Adelgunde, ihrem Vater und den Rittern von Glei⸗ chen nach dem Gelag⸗Gaden, wo ſie ſich durch heitere Geſpräche ergötzten. Ach! die Liebenden hatten einander ſo viel zu erzählen und doch war die Bruſt ſo voll von unendlicher Freude, daß ſie nur wenig mit einander ſprechen und Um⸗ armungen die Stelle der Worte vertreten mußten. „ 131 Der alte Liebenſteiner ſprang wie ein Kind vor Freude umher. Konrad um⸗ armte ihn und ſagte: „In wenigen Tagen, trauter Alter, will ich Euch noch ſolch ein Freude machen, daß Ihr wie⸗ der jung werden ſollt.“ „Oh, ich bin es ſchon, entgegnete er, ſetzte aber dann noch hinzu: „wenn doch mein ſeliges Ehegeſpons meine Freude theilte.“ „Hof⸗ fet!“ erwiederte Konrad und ließ den erſtaunten Alten allein ſtehen. Konrad gab nun Befehl die Burg an allen Enden anzuzünden. Bald ſtand der Ort, wo ſo manche Gräuel verübt worden waren, in vollen Flammen und luſtig wirbelten Rauch und Flammen empor. Konrad richtete nun zum Auf⸗ bruch und ritt mit Adelgunden und den drei Brüdern von Gleichen an der Spitze der Krieger den Felſenpfad hinab. 132 Freunde und Gefährten,“ ſprach jetzt Konrad zu den drei Brüdern, „Euch verdanke ich den errungenen Sieg, jetzt iſt es daher meine Schuldigkeit, auch mit Euch, gegen Euren Feind zu Felde zu ziehen, und hier gelobe ich, nicht eher meine Adelgunde zu ehelichen, bis Euer Feind beſiegt iſt.“ „Wir nehmen Euer Anerbieten freu⸗ dig an, tapferer Bärenburger,“ entgeg⸗ nete Hugo. „doch nur unter der Be⸗ dingung, daß Ihr mit Euren Leuten ſo lange bei uns bleibt, bis der Liebenſtein oder die Bärenburg aufgebaut iſt.“ Auf der Wachſenburg ankommend erfuhren ſie, daß die Mühlburg von dem Ritter von Straußfurt heftig angegriffen würde. — ſtill als möglich zog die Schaar dahin. Der Feind war jedoch ſchon be⸗ nachrichtigt, daß die drei Brüder wieder 133 zurückgekehrt wären und hatte ſich be⸗ rreits in Schlachtordnung aufgeſtellt. Er⸗ ſtaunt über die Macht der Gleichen wollte er ſich zurückziehen; aber er wurde ſo heftig angegriffen, daß ſeine Schaar die Flucht ergriff. Er ſelbſt focht mit weni⸗ gen Getreuen wie ein Raſender. Die Fliehenden ſammelten ſich wieder, um ihren Herrn zu retten. Mit Geſchrei drangen ſie wieder vor. Ein ſchrecklicher blutiger Kampf entſtand. Der Ritter von Straußfurt focht wie ein Löwe; aber die Macht der Gegner war zu groß, er ſuchte ſich durch die Flucht zu retten; aber Konrad von Bärenburg holte ihn gar bald ein und machte ihn nach einem kurzen blutigen Kampf zum Gefan⸗ genen. Die Freude der drei Gleichen war unbeſchreiblich. Im Siegesgepringct auf die Wachſenburg. 134 Am nächſten Tage legten die drei Brüder dem Gefangenen die Bedingun⸗ gen des Friedens vor; er mußte Urfehde ſchwören, und ihnen zehn Dörfer und ein großes Stück Wald abtreten. Mit den Zähnen knirſchend willigte der Ge⸗ fangene in Alles. XVI. Begleitet von einer Schaar ſeiner Getreuen ritt eines Morgens Konrad von der Wachſenburg, ohne daß Jemand wußte wohin. Adelgunde gerieth in Angſt, doch tröſtete ſie ihr Vater und die übrigen Ritter. Konrad kam auf jener Burg bald an, wo er die Frau des Liebenſteiners zurückgelaſſen hatte. Der Burgherr und ſeine Frau hatten die Kranke ſorgfältig gepflegt und da ſie 135 durchaus nach dem Liebenſtein reiſen wollte, ſo ſah man ſich genöthigt, ihr zu ſagen, daß der Liebenſtein zerſtört und wie man ſage Vater und Tochter als Gefangene fortgeführt wären. Man denke ſich die Freude der alten Frau, als ſie von Konrad erfuhr, daß Gottfried und Adelgunde auf der Wachſen⸗ burg wären. Es war Abend, als der Zug die Wachſenburg erreichte „Da, Atter,“ ſprach Konrad zu Gottfried, „hier haſt Du Deine Gertrud; werde wieder jung.“ Gottfried glaubte zu träumen und konnte nicht begreifen, wie eine Todte wieder aufleben könnte. Konrad erzählte ihm was er von den Räubern über ſie ge⸗ hört hatte und löſte ſo das Räthſel. Laut weinend vor Freude ſegnete ſie den Bund ihrer Tochter mit Konrad. Aus den Ruinen des Liebenſteins — — — — ——— 136 und der Bärenburg ſtiegen neue ſchönere Burgen empor. Konrad und Adelgunde, das glück⸗ liche Paar, ließ ſich in der Kapelle des Liebenſteins auf ewig verbinden. Kein Unfall ſtörte nun mehr die Tage der Liebenden. Sie lebten bald auf dem Liebenſteine, bald auf der Bärenburg und verſchönerten durch ihre gegenſeitige Ein⸗ tracht auch das Leben der Alten. Zwei rüſtige Knaben und ein holdes Mädchen umſpielten nach wenigen Jahren die Knie der glücklichen Eltern. Wenn dann zuweilen Konrad mit Adelgunden zuſam⸗ men ſaß, ſagte er lächelnd: „Siehehhier den Lohn der Tugend und Recht⸗ ſchaffenheit“ Ende. Druck von C. W. Vollrath in Leipzig. — — —