——— deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Okimann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cleih- und geſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ en angenommen. 2 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Vuches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: . für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —— —— —— auf 1 Monat: 2 Mk. Pf 1 Mk. 50 Pf. 2 W 3 „ — „ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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König Bele und Thorſten Wikingsſon „„ Frithjof tritt die Erbſchaft von ſeinem Vater an Frithjofs Brautwerbung Könie Ring Frithjof ſpielt Schach Frithjofs Glüc „„ e bſchie Ingeborgs Klage Frithjof auf dem Meer Frithjof bei Angantyr Frithjofs Rückkehr Balders Scheiterhaufen Frithjof wird landflüchtig — — — — — ⸗ „ ⸗ ⸗ ⸗ ⸗ — 8 Frithiof und Biörn Frithjof kommt zu König Ring . Die Fisſährt Frithjofs Verſuchung 6 — — — — Wiingerbut Frithjof und Ingeborg Seite 3. 12 19 23 26 28 33 47 49 56 63 69 73 80 83 85 88 89 — — —— König Ringe Söd Seite 93 Rinde ha 96 Sie Fönigswhht 99 23. Frithjof auf ſeines Vaters Hügel . 100 24. Die Verſöhnung 5 105 Alphabetiſches Verzeichniß der mythologiſchen Namen 115 Die d S — R —— — — — + — — — von Eſaias Tegnér. 4 Frithjof und Ingeborg. E wuchſen einſt auf Hildings Gut Zwei Pflanzen unter treuer Hut; Zwei ſchönre nie im Nord erſchienen, Sie wuchſen herrlich auf im Grünen. Aufſchoß die eine wie die Eich, Ihr Stamm iſt einer Lanze gleich; Zum Helme wölbet ſich die Krone, Erzitternd in des Windes Zone. Die andere der Roſe glich, Wann eben erſt der Winter wich, Doch Lenz, die Roſe hüllend, ſäumet, Noch in der Knospe liegt und träumet. Der Sturm doch wird die Erd' umgehn, Mit ihm die Eiche kämpfend ſtehn; Lenzſonne wird am Himmel glühen, Dann roth der Roſe Lippen blühen. So wuchſen ſie an Freude reich, und Frithjof war die junge Eichz Es nannten aber Nordens Söhne Die Roſe — Ingeborg die ſchöne. Sahſt beide du beim Tagesſtrahl, Du wähnteſt dich in Frejas Saal; Brautpaare drehn ſich dort in Ringen Mit blondem Haar und Roſenſchwingen. 1 * Doch ſahſt du ſie beim Mondenſchein Im Walde tanzen Ringelreihn, Du wähnteſt unter Haineskränzen 3 Der Elfen Königspaar in Tänzen. Ihm iſt ſo wohl, ihm iſts ſo werth, Wie man die erſte Run ihn lehrt. Kein König war ſo hoch in Ehren, Die Rune konnt' er Ingborg lehren. Wie heiter fuhr in ſeinem Kahn Mit ihr auf der blauen Bahn! Wie herzlich bei des Segels Wende Klatſcht ſie in kleine weiße Hände! Kein Vogelneſt war ihm zu hoch, Für ſie er hin zur Höhe flog; Der Adler ſelbſt, der Lüfte König, Er ſchützte Jung' und Eier wenig. Es iſt kein Bach, wie ſtark er ſchlägt, Darüber er nicht Ingborg trägt; Wie ſchön, wann Strudel lärmend klingen, Ihn kleine weiße Arm' umſchlingen! Die erſte Blume, die er zieht, Die erſte Erdbeer, die er ſieht, Die erſte Aehre reif und golden Beut froh und treu er ihr, der Holden. — Doch Kindheit flieht im ſchnellen Lauf, Bald tritt der Knab' als Jüngling auf; Sein Feuerauge Hoffnung flehet, Die Maid in Schönheitsfülle ſtehet. Jung Frithjof zog nun auf die Jagd, Wohl Mancher hätte ſich bedacht; . Denn ohne Spieß und ohne Degen Trat er dem Bären kühn entgegen. Bruſt gegen Bruſt mit ihm er rang, Bis, doch zerkratzt, er ihn bezwang; Ihr bracht' er heim die rauhe Beute; Auch deß die Jungfrau ſich erfreute. Das Weib den Muth des Mannes ehrt, Das Starke iſt des Schönen werth; Wie Helm und Haupt zuſammen paſſen, So nie die zwei einander laſſen. Doch wann er Winterabends ſaß Beim Feuerſchein des Heerbs und las Ein Lied von Odens lichten Hallen, Von Göttern und Göttinnen allen; Dann dacht er: Gelb iſt Frejas Haar, Ein wogend Feld voll Aehren zwarz Doch Ingborgs Haar gleicht goldnen Ringen, Die ſich um Roſ' und Lilie ſchlingen. Idunas Buſen ſchön und reich Hüpft unter Seide grün und weich; Ich kenne Seide, welche decket Lichtalfen zwei „darin verſtecket. Und Friggas Aug' iſt hell und blau, Wie wenn du ſiehſt des Himmels Au. Ich weiß ein Auge; wann es funkelt, Lichtblauer Lenztag wird verdunkelt. D wie doch Gerdas Wange lacht, Gleich friſchem Schnee mit Nordſcheinspracht! Ich kenne Wangen, wann ſie blühen, Zugleich zwei Morgenröthen glühen. Ich kenn' ein Herz ſo zart und weich, Wie Nannas, fehlt der Ruf ihm gleich; Dich preiſt mit Recht ob Nannas Treue, O Balder, jeder Skald aufs neue. O ſtürb' ich doch wie du beweint Von einer Maid, die treu es meint, So treu wie Nanna, ſo voll Liebe! Bei Hel alsdann ich gerne bliebe. — 6 Die Königstochter ſaß und ſang Ein Heldenlied, und fröhlich ſchlang Sie in den Teppich Heldenthaten, Und Wogen, grüne Hain' und Saaten. Im Schnee der Wolle wächſt mit Macht Der goldgewebten Schilde Pracht; Zum Streit die rothen Lanzen fliegen, Doch ſtarr die Silberpanzer liegen. Und immer mehr als Frithjof ſtellt Sich auf dem Teppich dar der Held; Und wie er aus dem Teppich blicket, Erröthet ſie, jedoch entzücket. Doch Frithjof ſchnitt, wohin er kam, Ein J, ein F in jeden Stamm; Es ſchlangen, wie der Herzen Flammen, Die Runen wachſend ſich zuſammen. Stellt ſich der Tag am Himmel dar, Weltkönig mit dem goldnen Haar, Wann Leben rauſcht und Menſchen wandern, Dann denket Eines nur des Andern. Stellt ſich die Nacht am Himmel dar, Weltmutter mit dem dunkeln Haar, Wann Stille herrſcht und Sterne wandern, Dann träumet Eines nur vom Andern. „Du Erde ſchmückſt dich jedes Jahr Mit Blumen in dem grünen Haar; Gieb mir die ſchönſten, denn in Kränzen Für Frithjof ſollen ſie mir glänzen.“ „Du Meer, in deinem dunkeln Saal Sind Perlen tauſende an Zahl; Gieb mir die ſchönſten und die beſten, um Ingborgs Hals will ich ſie feſten.“ „Du Knauf an Odens Königszelt, Du goldne Sonne, Licht der Welt! 7 Owärſt du mein, du Glanzgebilde, Ich machte dich zu Frithjofs Schilde.“ „Du Leuchte in Allfaders Saal, Du Mond mit deinem bleichen Strahl! Qwärſt du mein, du ſollteſt ſchmücken Mein Mägdlein mit den ſüßen Blicken.“ Doch Hilding ſagte: „Pflegeſohn, Laß dieſe Liebe, laß davon! Uungleiche Looſe wirft die Nornez Aus Königsblut iſt die Erkorne. Zu Oden ſelbſt, zum Sternenſaal Hinauf ſteigt ihrer Ahnen Zahl; . Du biſt nur Thorſtens Sohn; drum weiche, Bei Gleichem nur gedeiht das Gleiche.“ Doch Frithjof lacht: „Ins Todtenthal Hinab geht meiner Ahnen Zahl. Des Waldes König ließ im Falle Mir mit dem Fell die Ahnen alle. Nicht weicht der freigeborne Mann; Die Welt gehört dem Freien an. Was Glück verbrach, auch Glück verſöhnet, Der Siegeskranz die Hoffnung krönet. In Kraft der höchſte Adel thront, Ihr Ahnherr Thor in Thrudwang wohnt; Nach Stand nicht ſieht er, nur nach Werthe, Ein mächtger Freier iſt im Schwerte. Für ſie zum Kampf tret ich hervor⸗ Und wär' es mit dem wilden Thor. Blüh, weiße Lilie, unverzaget; Weh dem, der uns zu trennen waget!“ „ 2. König Bele und Thorſten Wilkingsſon. Knig Bele ſtand im Hofſaal, geſtützt aufs Schwert, und bei ihm Thorſten Wikingsſon, der Bonde werth, Sein alter Waffenbruder, bald hundertjahrig, Und narbig wie ein Runſtein, und ſilberhaarig. So ſtehen zwiſchen Bergen zwei Tempel da Aus Heidenzeit, dem Sturze ſind beide nah; Doch läßt viel Weisheitsrunen die Mauer ſehen, Und am Gewölbe Bilder der Urzeit ſtehen. „Es neiget ſich zum Abend,“ ſo Bele ſpricht, „Nicht ſchmeckt der Meth, ich fühle des Helms Gewicht, Für menſchlich Treiben dunkeln die Augen beide, Doch Walhall leuchtet näher, ich fühls, ich ſcheide. Die beiden Söhn⸗ und deinen beſtellt⸗ ich mir. Zuſammen ſie gehören, wie beide wir. Noch Warnung will ich geben den jungen Aaren, Bald werden nicht mehr Worte der Zung' entfahren.“ — Da kamen, wie er wollte, die Söhne an, Mit finſterm Blick trat Helge zuerſt heran; Meiſt war er bei den Sehern am Altarſteine, und kam mit blutgen Händen vom Opferhaine. Drauf kam der Knabe Halfdan, mit lichtem Hagr, Sein Angeſicht zwar edel, doch weichlich war; Zum Spiele ſchiens als trüg' er im Gurt die Schneide, Aus ſah er wie ein Mägdlein im Heldenkleide. Zuletzt im blauen Mantel trat Frithijof ein, Um eine Haupteslänge der höchſte von den drein; So ſtand er zwiſchen Beiden, wie Tagesfülle Steht zwiſchen Roſenmorgen und Waldnachthülle. „Ihr Söhne,“ ſprach der König, „mein Tag ſinkt hin; In Eintracht führt die Herrſchaft, in Bruderſinn; ————— Denn Eintracht hält zuſammen, dem Ring am Speere Vergleichbar, ohne dieſen iſt ſchlecht die Wehre. Laßt Stärke ſtehn als Hüter an Landespfort, und Frieden blühn im Innern, am ſichern Ort. Nicht ſchaden ſoll die Klinge, ſie ſchütz' alleine, Der Schild als Hängſchloß ſchirme des Bauern Scheune. Ein thörichter Beherrſcher ſein Land macht ſchwach; Denn ohne Volk ein König ja nichts vermag. Die grüngekräuſte Krone eilt zu vergehen, Vergeht das Mark im Stamme auf dürren Höhen. Der Pfeiler viere tragen des Himmels Rund, Geſetzeswort giebt einzig dem Throne Grund. Wenn Macht beim Ting entſcheidet, wird Unheil kommen, Doch Recht bringt Ruhm dem König, dem Lande Frommen. Die Götter, Helge, wohnen im Diſarſaal, Doch nicht, wie Schnecken wohnen in enger Schal; So weit das Tagslicht leuchtet und Stimmen ſchallen, So weit Gedanken fliegen, die Götter wallen. 8 Die Lung' am Opferfalken täuſcht oft genug, Nicht wenig Balkenrunen enthalten Trug. Ein redlich Herz, o Helge, mit offnen Zügen, Schrieb Odeu voller Runen, die nimmer trügen. Nicht hart ſei, König Helge, nein, ſei nur feſt, Das beſte Schwert am leichtſten ſich biegen läßt. Es ſchmückt die Huld den König, wie Blumen Schilde, und mehr als Winterkälte bringt Frühlingsmilde. Ein Mann, dem Freunde mangeln, wie ſtark er ſei, Stirbt wie ein Stamm der Wüſte von Rinde frei. Im Freundeskreiſe kannſt du als Waldbaum ſtehen, Der Bach benetzt die Wurzel, laß Stürme wehen. Nicht trotz auf Väter Ehre, die eigne nur iſt dein; Der Spanner kann den Bogen nur nennen ſein. Was frommt der Werth dir, welcher nicht mehr verweilet? Mit eigner Fluth der Kraftſtrom durchs Meer hineilet. 10 Du Halfdan, Frohſinn ſchmücket den weiſen Mann, Doch Königen am mindſten ſteht Tändeln an. DOhn Hopfen taugt der Honig zum Meth nur wenig, Leg Stahl ins Schwert, ins Spielen den Ernſt, o König! Zu viel Verſtand hat Keiner, wie weiſ⸗er heiß, Doch wenig gnug weiß Mancher, der gar nichts weiß. Den Dummen ziert kein Hochſitz, den Gaſt von Witze Hört Alles gern beim Mahle, wo er auch ſitze. Sun Waffenbruder, Halfdan, zum Freunde treu, ſt nah der Weg, wie ferne ſein Haus auch ſei. Doch abwärts liegt dagegen, auf fernem Wege Des Feindes Hof, auch wenn er am Wege läge. Auch wähle zum Vertrauten nicht Jeden du, Das leere Haus iſt offen, das reiche zu. Wähl Einen dir, und ſuche dir nicht den Andern; Bald wird, was dreie wiſſen, zu Allen wandern.“ — Darauf erhob ſich Thorſten, fiel alſo ein: „Nicht ziemt ſichs, daß zu Oden du gehſt allein. Wir theilten Lebenswechſel als gleiche Erben; So theilen, hoff' ich, König, wir auch das Sterben. Sohn Frithjof, ſieh, das Alter hat Manches mir Ins Ohr geflüſtert, dieſes empfange hier. . Auf Gräbern Odens Vögel im Norden wohnen, und weiſe Wort' auf Lippen der Greiſe thronen. Zuerſt die Götter fürchte, denn Schmerz und Heil, Wie Sonn' und Sturm, vom Himmel uns wird zu Theil. Sie ſehn ins Herzgewölbe, iſt's gleich verſchloſſen; Der Stunde Schuld noch büßt man, ſind Jahr entfloſſen. Gehorch dem König. Einem gebührt die Macht; Ein Auge ward dem Tage, viel' hat die Racht. Der Beßre auf den Beſten nie ſieht mit Neide, Auch Griff iſt Noth dem Schwerte, nicht bloß die Schneide. Viel Kraft iſt Göttergabe; doch nutzt ſie nicht, Dies, Frithjof, wohl bedenke, wenn Witz gebricht. 1¹ Der Bär mit Kraft von Zwölfen muß Einem weichen, Recht ſchützt vor Obmacht, Schilde vor Schwertesſtreichen. Furcht weckt der Stolze wenig, Haß aber überall, Und Uebermuth, o Frithjof, erzeugt den Fall. Hoch ſah ich Manchen fliegen, deß nun die Krücke; Die Luft gebeut den Saaten, der Wind dem Glücke. Den Tag, o Frithjof, preiſe erſt wann der Abend kommt; Meth, wann du ihn getrunken, Rath, wann er frommt. Das Jünglingsalter trauet leicht manchem Dinge, Doch Noth erprobt die Freunde, der Streit die Klinge. Nicht trau einnächtgem Eiſe, dem Lenzſchnee nie, Dem Schlangenſchlaf, dem Liebchen nicht dir auf dem Knie. Ein rollend Rad des Weibes Bruſt hat gedrechſelt, Die Lilienhöhen decken was wankt und wechſelt. Du ſelber ſtirbſt, es ſtirbt auch was dir gehört, Eins aber weiß ich, Frithjof, nie wirds zerſtört: Dies iſt der Todten Nachruhm; drum laß das Schlechte, . und wolle nur das Edle und thu das Rechte.“ So warnten ſie, die Altem, im Königsſaal, Wie drauf der Skald gewarnet im Hawamal. Kernvolle Worte gingen von Mund zu Munde, Aus Nordens Hügeln flüſternd noch dieſe Stunde. Noch ſprachen ferner Beide manch herzlich Wort Von ihrer treuen Freundſchaft, berühmt im Nord; Wie innig bis zum Tode in Freud' und Leide Sie Hand in Hand zuſammen gehalten Beide. „Sohn, Rücken gegen Rücken war unſer Stand, Drum war ein Schild der Norne ſtets zugewandt. Nun vor euch hin wir Alten gen Walhall eilen; Der Väter Sinn er möge bei euch verweilen!“— Und Vieles ſprach der König von Frithjofs Muth Und Heldenkraft, die höher denn Königsblut; Und Vieles ſagte Thorſten vom Glanz der Krone Bei jedem Nordlandskönig, dem Aſaſohne. — „Wenn ſtets ihr Drei zuſammen ſo werder ſtehn Dann wird nie euern Obmann der Norden ſehn; Denn Kraft der Königshoheit eng angeſchloſſen, Iſt blauer Stahl dem Goldſchild rund umgegoſſen. Und grüßet mir die Tochter, die Roſe roth; Auf wuchs ſie in der Stille, wie ich gebot. Umhegt ſie, daß der Sturmwind ſie nicht umwüthe, und heft' an ſeinen Helmhut die zarte Blüthe. Auf dich, o Helge, deg⸗ ich des Vaters Sorg, Wie eine Tochter liebe mir Ingeborg! Zwang reizt ein Herz, das edel, doch ſanfte Lehre Führt Mann und Weib, o Helge, zu Recht und Ehre. — Zween Hügel macht uns, Söhne, und wählt die Stell Auf jeder Seit, am Buſen an blauer Well; Ihr Lied gewährt dem Geiſte noch Wohlbehagen 3 und wie ein Drapa klinget der Woge Schlagen. Umſtreut der Mond die Berge mit bleichem Schein, Und netzt der Thau der Mittnacht den Bautaſtein, Dann übers Waſſer, Thorſten, vom Hügelrunde Beſprechen wir zuſammen was bringt die Stunde. Und nun lebt wohl, ihr Söhne! Jetzt eilet fort! Wir gehen zu Allfader, zum Ruheort, Wie müde Flüſſe ſehnend zum Meer hinſtreben. Heil wolle Frei und Oden und Thor euch geben!“ Frithjof tritt die Erbſchaft von ſeinem Vater an. Nun in den Hügel geſetzt war Bele und Thorſten der Alte, Wie ſie es ſelber gewollt; auf jeglicher Seite der Meerbucht Hoben die Hügel ihr Rund, ein Bruſtpaar, welches der Tod ſchied. Helge und Halfdan nach Volkesbeſchluß nun erbten zuſammen ——— —— † Beide vom Vater das Reich, doch Frithjof, einziger Sohn nur, Theilete nicht und bezog als Eigner die Wohnung zu Framnäs. Auf drei Meilen hin ging das Gebiet, nach dreierlei Seiten, Thäler und Höhn und Gebirg' 6 und das Meer war vierte der ränzen. Birkwald krönte die Gipfel der Höhn, wo die Höhen ſich neigten, Wucherte goldene Gerſt' und mannhoch wogender Roggen. Seen, nicht wenig an Zahl, vorhielten den Spiegel den Bergen, Hielten den Wäldern ihn vor, drin Elgen mit hohem Geweihe Schritten mit Königesgang und ſich labten aus hundert der Bäche. Doch in der Thäler Bezirk rings weideten weit auf den Auen Heerden mit glänzendem Fell und zum Eimer ſich ſehnenden Eutern. Ihnen vermiſcht zog hier und dort unzählig die Menge Schaafe mit ſchneeigem Fließe, ſo wie am Himmelsgewölbe Hin ſich ziehet das weiße Gewölk beim Wehen des Frühlings. Dengſt' auch zweimal zwölf, balſteurige, Windein Feſſeln, Standen ihm ſtampfend im Stall reihweiſ' und käuten den Wies⸗ wuchs Rothes Geflecht in der Mähn', es erglänzten die Hufe vom Stahl⸗ huh. Aber ein Haus für ſich ſelbſt war der Saal, aus Föhren gezimmert. Nicht Fünfhundert, gezählt zehn Zwölfter auf jegliches Hundert, Füllten den räumigen Saal beim feſtlichen Schmauſe zur Julzeit. 5 5 Und durch die Länge des Saals hinglänzte die Tafel vom Eichba um, Blank wie Stahl und gebohnet; den Hochſitz zierten der Säulen Zwo an dem äußerſten Rand, zween Götter gemeißelt aus Ulmholz, Oden mit Königesblick und Frej mit der Sonn auf dem Hute. Jüngſi ſaß zwiſchen den zween auf der Bärhaut (ſchwarz war dieſe, Scharlachroth war der Rachen, beſchuht mit Silber die Klauen) Thorſten noch unter den Gaſtlichkeit ſitzt bei der reude. Oft, wann der Mond durchflog das Gewölk, viel Wunder von fremden Ländern erzählte der Greis, und viel von Wikingerfahrten Fern ausf öſtlichem Meer, auf der wöſichen Fluth und auf Gandwik. Bill, dann hingen ſie all an des Redenderippe gefeſſelt, Wie in der Roſe die Biene; der Skald nur dachte a Brage Wie mit dem ſilbernen Bart er da ſitzt und beruneter Zune — * 14 Unter der laubigen Buch' und erzählet Sagen an Mimers Stets hinrieſelnder Fluth, er ſelbſt ſtets lebende Sage. Mitten am Boden, mit Halmen beſtreut, ſtets flammte die Lohe Froh auf gemauerter Platt', und oben durch luftigen Rauchfang Blickten hernieder die Sterne, die himmliſchen Freund', in den * . 35 Trinkſaal. Doch an der Wand, auf Nägeln von Stahl, rings hingen geordnet Panzer und Helme zuſammen, und hin und wieder erblitzte Zwiſchen den beiden ein Schwert, wie am Abend des Winters ein Sternſchuß. Mehr doch als Helm' und erglänzten die Schild' in der Halle, Silbern und blank, wie die S 3 Sonn' und die Scheibe des ondes. Ging ein Mägdelein nun um den Tiſch und füllte die Hörner, Schlug es erröthend zu Boden 2 d und das Bild in den ilden Ward, wie das Mägdelein, roth; dies freute die zechenden Kämpen. Reich war das Haus; wohin du nur ſchaueteſt, ſahen die Blicke Keller und Schreine gefüllt, und Speicher mit ſtrotzendem Vorrath. Doch manch Kleinod war auch verwahrt, in den Siegen erbeutet, Gold mit Runen darauf und künſtlich geformetes Silber. Dreierlei ſchätzte jedoch man zumeiſt vom ſämmtlichen Reichthum. DOberſtes war von den dreien das Schwert, ein väterlich Erbſtück, Angurwadel, ſo ward es genannt, und Bruder des Blitzes. Fern im Sſtland war es gemacht, ſo kündet die Söge Zwergfeur ſchuf es zu Stahl, Björn Blauzahn trug es zu Anfang. Aber es büßete Björn zugleich mit dem Leben die Kling' ein Südlich im Gröningaſund, da er ſtritt mit dem mächtigen Wifell. Wifell erzeugete Wiking. Es wohnte zu uleroker Alt und gebrechlich ein Fürſt mit der einzigen blühenden Tochter. Siehe, da kam aus der Tiefe des Walds mißförmig ein Rieſe, Höher an Wuchs denn der Menſchen und haarig und grauſam Zweikampf forderte der, wenwerweigert, Tochter und Krone Keiner jedoch zog hinnden Kampf, kein Eiſen ja fand man 5 Scharf für den hädel von Stahl, drum nannten ſie ihn auch den Stahlkopf. 13 Wiking allein, noch Jüngling von funfzehn Wintern, beſtand ihn, Trauend der eigenen Kraft und Angurwadel. Mit einem Hieb durchhaut er das brüllende Troll und erlöſte die Jungfrau. Wiking vererbte das Schwert eutſe den Sohn, und von orſten Kam es in Frithjofs Beſitz, und wenn er es zog, ſo erglänzte Rings es im Saal, wie vom Leuchten des Blitzſtrahis, oder vom Nordſchein. Golden daran war der Griff, doch es blitzte die Klinge von Runen, Wunder zu ſchaun, unkenntlich dem Nord, nur bekannt an der Sonne Pforten, dem Vatergebiet, vor dem Nordlandszuge der Aſen. Matt ſtets glänzten die Runen zur Zeit des beglückenden Friedens; Doch, wann Hildur begonnt' ihr Spiel, dann brannten ſie alle Roth wie die Kämme der Hähn' im Kampf, und verloren war jeder, Der in der Nacht des Gefechtes der lodernden Kling' in den Wegkam. Groß von Ruhm war das Sc, und ſon Nordlands Schwertern as erſte. Drauf an Preiſe zunächſt war ein Armring mächtiges Rufes, Einſtens geſchmiedet von Nordens Vulkan, dem hinkenden Waulund. Drei Markhielt er an Schwer'und beſtand aus demlauterſten Golde. Drauf war der Himmel zu ſehn mit der zwölf unſterblichen Burgen, Wechſelnder Monate Bild, Sonnhäuſer genannt von den Skalden⸗ Alfheim ſah man daſelbſt, Frejs Burg, die erneuerte Sonne, Wie ſie beginnt zu erklimmen die Höhen des Himmels zur Julzeit. So auch Söqwabeckſaal, und in ihm ſaß Oden bei Saga, Trinkend den Wein aus goldnem Gefäß; das Gefäß iſt das Welt⸗ meer, Goldengefärbt von der ſteigenden Gluth, und der Lenz iſt die Saga, Stehend auf grünem Gefild mit Blumen an Stelle der Runen. Thronend erſchien auch Balder im Glanz als Sonne der Mittnacht; Bild vom Guten iſt er, und den Reichthum geußt er herniederz Strahlendes Licht iſt das Gute, doch finſter iſt jegliches Böſe. Cwiges Steigen ermüdet die Sonn', und dem Guten nicht minder Schwindelt auf jählichen Höhn; tief ſeufzend verſinken ſie beide Nieder zur finſteren Hel; und Balder iſts auf dem Holzſtoß. Glitner, die friedliche Burg, guch ſah man darauf und Forſete Saß mit der Wag' in der Hand, Jegliches ſchlichtend im Herbſt⸗ ing. 16 Dieſes und Mancherlei ſonſt, Sinnbilder vom Streite des Lichtes Droben am Himmelsgewölb und hienieden im Menſchengemüthe, Stand an dem Ringe geformt. Ein prächtiger Knauf vom Rubine Krönte den Bogen des Reifs, wie die Sonn' ihr Himmelsgewölbe. Alt Erbſtück im Geſchlecht war der Ring, denn erſtieg bis zu Waulund Hoch hinauf, bis zum Ahnen, doch nur von der Seite der Mutter. Einmal wurde geſtohlen vom räubriſchen Sote das Kleinod, Welcher die nordiſchen Meere ſſceene „plötzlich ver⸗ wand er. Endlich erſcholl das Gerücht, daß Sot' an der Küſte von Bretland Lebend geſetzt ſich mit Schiff und Gut in gemauerte Grabhöh: Doch dort fänd' er nicht Ruh, und es ſpuke beſtändig im Hügel. Thorſten vernahm gleichfalls das Gerücht, und mit Bele beſtieg er Plötzlich den Drachen, durcheilte die Fluth, hin ging es zur Stelle. Weit wie ein Tempelgewölb, wie ein Königeshof, wenn gebettet Wär er in grünenden Raſen und Kies, ſo wölbte das Grab ſich. Licht auch glänzte hervor. Durch die Spalten der mächtigen Pforte Guckten die Kämpen hinein; pechſchwarz ſtand drinnen der Wikings⸗ Drache mit Rudern und Maſt, jedoch hoch oben im Bakſtamm Saß ein ſchreckliches Weſen, gehüllt in feurigen Mantel. Grimmiges Blicks dort ſaß es und putzte die blutige Klinge; Aber nicht wichen die Flecken, und ſämmtliches Gold, das geraubte, Lag in dem Hügel umher, und den Goldring trug es am Arme. „Steigen wir, Jflüſterte Bele, „hinein zum Kampfmit dem Scheuſal, Zwei Mann gegen ein Feuergeſpenſt!“ Halb zürnete Thorſten: „Einer mit Einem, ſo will es der Brauchz ich wag' es allein wohl.“ Lang nun zwiſteten ſie um den Ruhm des gefährlichen Ganges, 3 Wem er gebühre zuerſt; doch zuletzt zog Bele den Stahlhelm, Schüttelte drin zwei Looſe herum, und Thorſten erkannte 3 Wieder ſein Loos beim der Stern'. Als er ſtieß mit der anze, Sprang auf Riegel und Schloß, und er ſtieg hinein in die Tiefe. Ward er gefragt, was er ſah in der Racht, ſo ſchwieg er mit Schauer. 1 Bele doch hörte zuerſt ein Lied, das klang wie ein Trolllied; Drauf vernahm er Geraſſel, wie wenn zwei Klingen ſich kreuzen, Endlich ein gräßlich Geſchrei; ſtill wards. Her ſtürzete Thorſten, Bleich und verwirrt und verſtört; mit dem Todja hatt'er gekämpfet. Gleichwohl trug er den Ring., Viel koſtet er,“ ſprach er noch öfters, 17 „Einmal hab' ich im Leben gebebt, als den ich mir holte.“ Groß von Ruhm war der Ring, und von Nordlands Ringen der erſte. Schiff Ellide zuletzt war Kleinod auch im Geſchlechte. Wiking (ſagt man) einmal, da zurück er kehrte vom Heerzug, Segelte längs dem Geſtade, da ſaher auf ſchwimmendem Schiffswrack Jemand ſich ſchaukeln; es war, als ſpielte der Mann mit den Wogen. Hoch war der Mann und von edler Geſtalt, und offen das Antlitz, Fröhlich, veränderlich doch, wie das Meer, ſpielt dies in der Sonne. Blau war der Mantel und golden der Gurt mit Korallen beſetzet, Weiß ihm der Bart, wie Wogengeſchäum, ſeegrün war das Haupt⸗ aar. Wiking ſteuerte hin mit der Schneck', um den Armen zu bergen, Nahm den Erfrornen nach Hauſ' und erquickt' ihn mit gaſtlicher Pflege. Doch als der Wirth ihm das Bett' anwies, da lacht' er und ſagte: „Gut iſt der Wind, und mein Schif wie du ſahſt, iſt nicht zu ver⸗ achten; Hundert Meilen, ſo hoff' ich, gewiß noch mach' ich zu Abend. Herzlichen Dank für die Ladung, die freundliche; könnt' ich doch wieder Auch ein Geſchenk dir verleihn, doch mein Gut liegt in der Tiefe. Morgen jedoch triffſt du vielleicht ein Geſchenk am Geſtade.“ Tages darauf ſtand Wiking am Meer, und, ſieh, wie ein Seeaar, Wann er verfolget den Raub, flog ein in die Mündung ein Drach⸗ iff. Niemand ſah man darauf, nicht einmal den Steuerer ſah man; Aber es ſchlängelte dennoch ſich hin durch Klippen und Schären, Gleich als wohnete drinnen ein Geiſt; wie es nahte dem ufer, Refften die Segel ſich ſelbſts ohn einige menſchliche Hülfe Senkte der Anker ſich ein und biß mit dem Haken den Seeſand. Stumm ſtand Wiking und ſah; da ſangen die ſpielenden Wogen: „Aegir, ihn bargſt du, vergißt nicht der Schuld, er ſchenkt dir den Drachen.“ Königlich war das Geſchenk; die gebogenen Planken vom Eichbaum Waren, wie ſonſt, nicht gefugt, ein Wachsthum band ſie zuſammen. Langhin war er geſtreckt, wie ein Drache der See, und am Buge Hob er empor ſein Haupt, und von Rothgold flammte der Rachen. 9 Blau war der Bauch und geſprzukelt mit Gelb; doch hinten am teuer Schlug er in Ringel den nt Schweif, hell ſchuppig von ilber; Schwarz die Flügel mit Kanten von Roth, und wenn er ſie ſpannte, Nahm er es auf mit dem i Sturm, doch es wich ihm der ler. War der gewappneten Mannen er voll, als ſchwimmende Feſtung Schien er dem Aug' alsdann und als Stadt des mächtigen Königs. Groß von Ruhm war das Schif. 16 von Nordlands Schiffen as erſte. Dieſes und Anderes viel noch ererbete Frithjof vom Vater; Kaum wohl fand ſich in Nordens Gebiet ein reicherer Erbe, Wenn nicht ein Königesſohn, denn der Könige Macht iſt die erſte. War er nicht Königesſohn, war königlich doch das Gemüth ihm, Freundlich und edek und mild, und er wuchs tagtäglich an Rufe. Kämpen auch waren ihm zwölf, grauhaarige, Fürſten an Mannſinn, Thorſtens Genoſſen, mit ſtählerner Bruſt und mit narbigen Stirnen⸗ Unter den Kämpen zuletzt ſaß dort auf der Bank noch ein Jüngling, So wie die Roſ im verblichenen Laub; Björn war ſein Name. Froh wie ein Kind, doch feſt wie ein Mann und klug wie ein Alter. Auf wuchs einſt er mit Frithjof, und Blut auch miſchten ſie beide, Waffenbrüder nach Nordens Gebrauch, und ſchwuren einander VNoth und Freude zu theilen, und Rach⸗ einander im Tode. Nun beim Todtengelag, umgeben von Kämpen und Gäſten, Trank, ein trauernder Wirth, und erfüllt mit Thränen das Auge, Frithiof nach heimiſchem Brauche des Vaters Gedächtniß und hörte Skaldengeſang ihm ertönen zum Lob', ein donnerndes Drapa, Stieg auf des Vaters Geſtühl, nun ſeins, und ſetzte ſich nieder Zwiſchen Oden und Frej; Thors Platz iſts oben in Walhall. * 19 4. Frithjofs Brautwerbung. Wohl kringen die Lieder in Frithjofs Saa, Und Skalden preiſen die Ahnenzahl. Nicht Freude bringen Sie Frithjof, er hört nicht was Skalden ſingen. Die Erde bat wieder ihr grün Gewand, Die Drachen ruhen nicht länger am Strand; Im dichten Haine Geht Frithjof und träumet im Mondenſcheine. Jüngſt konnt' er noch glücklich der Freude ſich weihn, Denn Halfdan und Heige die lud er ein, Die Königsſöhne; Mit ihnen erſchien die Schweſter, die ſchöne. Er ſaß ihr zur Seite, ihr drückend die Hand, und wieder den traulichen Druck er empfand, Hing voll Entzücken Ohn End' an den lieben, den edeln Blicken. Da ſprachen ſie viel von dem frohen Tag, Als Morgenthau auf dem Leben noch lag, Von Kindheitsfreuden, Für edle Seelen nur Roſenweiden. Viel grüßte ſie ihn von Thal und Hain, Von Namen, geſchnitten den Birken ein, Von Grabeshöhen, Wo Eichen im Heldenſtaube ſtehen. „So wohlig nicht war es im Königshof, Denn Halfdan iſt kindiſch und Helge ſchroff. Die beiden Brüder, Sie hören nur Bitten und Schmeichellieder. 2* und Keiner (da wurde ſie roſenroth) Dem klagen man könnte den Kummer, die Noth. Im Königsſaale Viel dumpfer da iſts als in Hildings Thale. Die Tauben, die einſt ſie gezogen groß, Nun ſind ſie verſcheucht von des Habichts Stoß. Ein Paar alleine Blieb noch; von den beiden nimm du die eine. Der Tauber zum Täubchen wohl fliegt zurück, Sie ſehnen ſich beide nach Lieb' und Glück. Bind' ohne Sorgen Ein Briefchen ihm unter, das bleibt verborgen.“ So ſaßen ſie flüſternd den Tag entlang, Sie flüſterten noch, da die Sonne ſank; Gleich Abendwinden, Die Frühlings flüſtern in grünen Linden. Doch nun iſt ſie weg, und Frithjofs Muth Hinweg iſt mit ihr; das junge Blut Zur Wang' ihm ſteiget, Er brennt und ſeufzet beſtändig, und ſchweiget. Er ſchrieb mit dem Tauber betrübt ſeine Noth, Und froh fuhr ab nun der Liebesbot. Ach doch der Leiden! NRicht konnt'er vom Weibchen wieder ſcheiden. Doch Björn dies Weſen zu Sinne nicht war, Er ſagte: „Was macht uns den jungen Aar So ſtill, verſchloſſen? Iſt die Bruſt ihm getroffen, der Flügel geſchoſſen! Was willſt du? Iſt hier doch nicht Noth zu ſchaun An Speck ſo weiß und an Meth ſo braun? und Skaldenmenge; Kein Ende nehmen die langen Geſänge. Sn 21 Der Traber ſein muthig Stampfen nicht ſtillt, Nach Raub, nach Raub ſchreit der Falke wild. Doch Frithjof jaget In Wolken allein, und verzehrt ſich und klaget, Ellide nicht Ruh auf der Woge hat, Am Anker rücket ſie früh und ſpat. Ellide, ſtille! Denn Krieg und Streit iſt nicht Frithjofs Wille. Auch Strohtod iſt ja ein Tod; zum Schluß Wie Oden ich ſelber mich ritzen muß. Es kann nicht fehlen, Willkommen ſind wir bei blauweiß Helen.“ Da Frithiof dem Drachen die Bande hob, Das Segel ſchwoll und die Woge ſchnob. Grad' hin ſie zogen; Schnell gings zu den Königen über die Wogen. Die ſaßen den Tag auf Beles Grab, Gericht vor dem Volke ſie hielten ab. Mit lautem Schalle Sprach Frithjof; es tönten die Wiederhalle: „Schön Ingborg, ihr Könige, lieb' ich ſehr, Von euch ich die Schweſter zur Braut begehr; Und die Vereinung Sie war wohl auch König Beles Meinung. Er ließ uns wachſen bei Hilding auf, Wie jung Holz wächſet zuſammen im Knauf; Die Wipfel oben Hat Freja mit goldenen Schnüren verwoben. Nicht König, nicht Jarl war mein Vater zwar, Doch lebt er in Liedern noch manches Jahr; Des Stamms Geſchichten Runſteine auf herrlichen Gräbern berichten. 22 Leicht wärs zu gewinnen mir Reich und Land, Doch lieber bleib' ich am heimiſchen Strand. Da will ich bewachen Den Königshof wie die Hütte des Schwachen. Auf Beles Hügel ja ſind wir, er hört Dort unten das Wort, das euch bittend beſchwört. Die Willenstöne Des Alten im Hügel vernehmet, ihr Söhne!“ — Da hob ſich Helge und ſagte mit Hohn: „Die Schweſter iſt nicht für den Bondenſohn. Dem Königsſohne Allein wird die Walhalltochter zum Lohne. Laß trotzig dich grüßen den Erſten im Nord, Zeig Männern die Stärk' und den Weibern das Wort. Dem uebermuthe Wird nimmer die Schweſter von Odens Blute. Des Reichs nicht brauchſt du zu nehmen dich an, Ich ſchütz' es mir ſelbſt; doch du werde mein Mann. Ein Platz iſt offen Mir unterm Geſinde, den haſt du zu hoffen.“ — „Dein Mann werd' ich nie,“ rief Frithjof klar, „Bin Mann für mich ſelbſt, wie mein Vater war. Aus Silberſcheide Flieg, Angurwadel, die Ruhe meide!“ Es blitzt in der Sonne der blaue Stahl, Roth glühete drauf der Runen Zahl. „Du Angurwadel,“ - Sprach Frithjof, „du biſt doch von altem Adel! Wenn Friede des Grabes nicht wohnte hier, Schwarzkönig, mein Schwert ſollts zeigen dir. Die Lehr'empfahe: In Zukunft komm nicht dem Schwert zu nahe.“ 4 — 25 So ſprach er und theilte mit mächtigem Streich Den Goldſchild Helges, der hing am Zweig, In zwei Halbrunde; Sie klangen am Hügel — es klang im Grunde. „Wohl trafſt du, mein Degen! Nun lieg und denk Auf höhere Thaten; doch jetzt verſenk Die Runengluthen! Heim gehts nun über die blauen Fluthen. 5. König Ring. Mnd König Ring ſchob vom Tiſche den Golbſtuhr fort, Und Kämpen und Skalden Aufſtanden zu hören des Königs Wort Berühmt im Nord; Klug war er wie Mimer und fromm wie Balder. Sein Land war ein Hain, trug Götterſpur; Der Waffen Toſen Rie hörte die grüne, die ſchattige Flur, Befriedet nur Ergrünten die Auen und blühten die Roſen. Gerechtigkeit thronte ſo ſtreng als hold Auf dem Richterſteine. Vom Frieden ward jährlich die Schuld gezollt, Getraidegold Rings lag es erglänzend im Sonnenſcheine. Schwarzbruſtige Schnecken durchwogten das Meer, Mit weißen Schwingen, Von hundert Landen geſendet daher, Mit Gütern ſchwer, Reichthum den Reichen zu bringen. Doch Freiheit wohnte beim Frieden dort In froher Einung. Alle liebten als Vater den Landeshort; Doch immerfort Scholl frei auf dem Tinge die Meinung. Dreißig Winter herrſcht' er in Fried und Glück Auf Nordlands Boden; Betrübt ging Keiner zum Felſen zurück, Des Volkes Blick Am Abend ihm Heil erflehte von Oden. Und König Ring ſchob vom Tiſche den Goldſtuhl fort, Und All' in Freude Aufſtanden zu hören des Königs Wort Berühmt im Nord; Doch er ſeufzte und ſprach in Leide: „Auf Purpur ſitzet in Folkwangs Luft Meine Königin droben; Doch hier iſt das Gras auf ihrer Gruft, Von Blumenduft Iſt am Bach der Hügel umwoben. Nie wird ein Gemahl mir ſo gut, ſo ſchön Dem Reich zur Ehren; Den Lohn genießt ſie in Walhalls Höhn, Doch Landes Flehn Und Kinder die Mutter begehren. König Bele war oft im Saale hier Beim Lerchenſange. Er ließ eine Tochter, die wählt' ich mir, Die Lilie ſchier, Mit Morgenroth auf der Wange. Zwar iſt ſie noch jung, und die junge Maid Liebt Blumenflocken; Ich ging in Saat, und es hat geſchneit Schon lange Zeit In des Königs ſpärliche Locken. — — 5 Doch kann ſie lieben den redlichen Mann An Alters Gränze, Und wenn ſie der Zarten ſich nehmen kann Als Mutter an, 2 So bietet der Herbſt ſeinen Thron dem Lenze. Nehmt Gold aus dem Schatze, den Brautſchmuck ſchön Aus eichnem Schreine; Und folget, ihr Skalden, mit Harfengetön; Muß Brage gehn Mit Spiel und mit Freite doch ſtets im Vereine.“ 13 Aus zogen die Mannen mit Poltern und Klang, Mit Gold und Ringen; 1 Es folgten die Skalden, ein Zug ſo lang, Mit Heldenſang; Zu Beles Söhnen ſie gingen. Sie tranken, ſie tranken der Tage drei, ₰ Am vierten Morgen, . Was ihnen für Antwort beſchieden ſei, Sie fragten frei; Der Heimkehr müßten ſie ſorgen. Der Falk wird gebracht, das Roß geführt Zum Opferhaine. König Helge von Wala, vom Prieſter erſpürt Was ſich gebührt Zu thun für die Schweſter, die ſeine. * * ———— — Nicht Prieſter noch Wala ſtimmten ein, Nicht Opferlungen; Erſchreckt gab Helge, ſich fügend drein, Beſtimmt ſein Rein; 4 Der Menſch gehorche den Götterzungen. König Halfdan, der muntre, lachte hell: „Lebt wohl, ihr Feſte! König Graubart, o wär'er doch ſelber zur Stell, Ich hülfe ſchnell Zu Pferd dem Alten aufs Beſte.“ 26 Erbittert die Boten ſich machten auf; Vom Schimpf die Mähre Zu Ring ſie brachten; er ſprach darauf: „In kurzem Lauf Wird König Graubart rächen die Ehre.“ 5 Den Heerſchild ſchlug er; der hing am Stamm In hoher Linde. Herbei nun die Menge der Drachen ſchwamm, Blutroth von Kamm, Die Helme nickten im Winde. Kampfboten nun eilten hin und her; Doch Helge redet: zKönig Ring iſt mächtig, der Streit wird ſchwer; In Balders Wehr, Im Tempel man Ingborg nicht fehdet.“ — Da ſitzt wehmüthig die Liebende hold Im Friedensſaale. 8 Sie ſtickt in Seide, ſie ſtickt in Gold; d Zum Buſen rollt Die Thrän'; es iſt Thau auf der Lilie im Thale. 6. Frithjof ſpielt Schach. Frithiof ſaß mit Bzörn dem treuen, um am Schachbret ſich zu freuen; Rauten dies von Silber hatte 8 Wechſelsweiſe und von Gold. § . ¹ Eintrat Hilding: „Her dich ſetze, Auf der Hochbank dich ergötze; Leer dein Horn, den Schluß verſtatte . Erſt mir, Pflegevater hold!“ . —— 27 Hilding ſang: „Von Beles Söhnen Laß zu dir die Bitt' ertönen. Sieh, Gefahr ich künd' und Trauer, Landeshoffnung biſt du bloß.“ Frithiof ſang: „Du mußt dich wahren, Björn, dem König drohn Gefahren; Retten kann ihn nur ein Bauer, Fall' er auch, das iſt ſein Loos.“ „Frithjof, hör und wohl es merke: Klein iſt nicht der Adler Stärke; Mögen auch vor Ring ſie zagen, Mächtig ſind ſie gegen dich.“ „Biörn, ich ſeh, du drohſt dem Thurme, Leicht begegn' ich deinem Sturme. Schwer dir wirds den Thurm zu ſchlagen, In die Schildburg zieht er ſich.“ „Ingborg ſitzt in Balders Hage Und verweinet ihre Tage; Lockt ſie dich zum Streite nimmer Mit der blauen Augen Zähr?“ „Biörn, die Kön'gin willſt du jagen? Sie, mir werth ſeit Kindheitstagen, Beſte Pupp' im Spiel mir immer! Wie es geh', ihr bin ich Wehr.“ „Frithjof, willſt du mich nicht hören? Soll dein Pflegevater kehren Heim ohn Antwort, weil nicht kommen Will ein Puppenſpiel zum Schluß!“ — Auf ſteht Frithjof, eilt zu faſſen Hildings Hand und ſpricht gelaſſen: „Vater, ſchon haſt du's vernommen; Kund ja iſt dir mein Beſchluß. Reit, und dies die Kön'ge lehre: Nach der Kränkung meiner Ehre 283 Müſſe zwiſchen uns es enden, Schütz ich nicht für ſie das Land.“ „Wohl, die eigne Bahn dir wähle, Auf dein Zürnen ich nicht ſchmäle. Oden wolls zum Beſten wenden!“ 5 Sagte Hilding und verſchwand. 7. Frithjofs Glück. Durch Beles Söhne mag erſchallen Von Thal zu Thal der Ruf ins Feld. Ich ziehe nicht; in Balders Hallen Da iſt mein Kampfplatz, meine Welt. Von da nicht will zurück ich blicken Auf Königsrach, auf Erdenſorg, Nein, Eötterluſt ſoll mich entzucken Vereint mit meiner Ingeborg. So lang der Sonne Strahlenfülle Den Purpurglanz der Blumen weckt, Gleich Roſenflore, deſſen Hülle Den Buſen meiner Ingborg deckt, So lange irr ich noch am Strande, Von ew'ger Sehnſucht abgezehrt, und ſchreibe ſeufzend in dem Sande Den theuern Namen mit dem Schwert. . Sind denn erlahmt der Stunden Flügel? Du Dellings Sohn, was weilt dein Strahl? Sahſt du denn heut die Hain' und Hügel, 6 Die Sund' und On zum erſten Mal? Wohnt denn im Weſt der Jungfraun keine, Die deiner längſt geharret hat, Ans Herz dir fliegt im Götterhaine, Von Liebe redend früh und ſpat? —— ——— — 29 Ermattet von des Weges Mühen Sinkſt endlich du von deiner Wacht, Den Roſenteppich eilt zu ziehen Der Abend vor der Götter Pracht. Es flüſtert Lieb' im Hauch dort oben, Es flüſtert Lieb' im Stromeslaut. Dich, Göttermutter, will ich loben, Dich, Nacht im Perlenſchmuck der Braut! Wie ſtill die hohen Sterne gehen! Still wie zur Maid der Knabe ſchleicht; Ellide, laß die Flügel wehen, Stoß, Welle, nach und mach' es leicht! Es grünen dort des Gottes Haine, Zu guten Göttern geht es hin; Der Tempel glänzt im Sternenſcheine, Der Liebe Göttin wohnt darin. Wie ſelig tret' ich ans Geſtade! Ich küſſe dich, geliebtes Land; Euch Blumen, weiß und roth am Pfade, umſchlängelnd den gewundnen Rand. Du Mond, mit deinem Glanze ſäumeſt Du Tempel, Hain und Grab und Maal, Wie ſchön doch ſitzeſt du und träumeſt, Wie Saga ſitzt im Hochzeits ſaal! Du Blumenbach, wer mochte ſagen Die Sprache meiner Liebe dir? Du Nordens Nachtigall, dein Klagen Wer ſtahl aus meiner Bruſt es mir? Mit Abendroth die Alfen malen Mir Ingborgs Bild am Himmel dort; Doch Freja fühlt des Neides Qualen, Sie duldets nicht und haucht es fort. Doch ſchwinde, Bild am Himmelsſaume! Sie ſelbſt, die Holde, naht ſich ſchon, Und treu, gleich einem Kindheitstraume, Kommt ſie mit meiner Liebe Lohn. Geliebte, komm und laß mich drücken Dich an das Herz, das liebewarm! Wunſch meiner Seele, mein Entzücken, O komm und ruh in meinem Arm! Schlank wie der zarten Lilie Stengel, Voll, wie die reife Roſe blüht, Rein wie die Götter, ohne Mängel, Und doch ſo warm, wie Freja glüht; Küß, Holde, mich, hinüberziehen In dich laß meine Gluthen hier; Des Himmels Rund, die Erde fliehen Bei deinem Kuß, Geliebte, mir. Was bebſt du! Fürchte nicht Gefahren! Dort mit dem Schwert iſt Björn geſtellt, Mit Kämpen gnug, uns zu bewahren, Wärs nöthig, gegen eine Welt. Ich ſelbſt, ö daß ich könnte ſtreiten Für dich, wie ich dich halte hier! Welch Glück, zu Walhalls Höhn zu ſchreiten, Wenn du Walkyrie würdeſt mir. Was flüſterſt du von Balders Grimme? Er zürnet nicht. Der fromme Gott, Er liebte auch, und ſeine Stimme Iſt unſre Liebe, ſein Gebot. Der Gott mit ew'ger Treu im Herzen, Auf ſeiner Stirn das Sonnenlicht, Oliebte in des Todes Schmerzen, Wie ich dich lieb', er Nanna nicht? Da ſteht ſein Bild, er ſelbſt iſt nahez Wie blickt er doch ſo mild und gut! Zum Opfer er ein Herz empfahe Erfüllt von Zärtlichkeit und Gluth. Beug' auch dein Knie! Auf nichts von oben Schaut Balder ſo mit Huld herab, Als auf zwei Herzen, die geloben Sich ſeine Treue bis ins Grab, — ——— —— Am Abend uns dein Brautlied neu. — Nicht irdiſch iſt, vom Himmelsbogen Stammt meine Liebe; flieh ſie nicht! Im Himmel ward ſie groß gezogen, Heim ſehnt ſie ſich zum Himmelslicht. O wer doch ſchon dort oben weilte, Wer jetzt, mit dir dem Tod geweiht, Als Sieger zu den Göttern eilte, Umarmt von ſeiner blaſſen Maid! Wenn dann die andern Kämpfer reiten Durchs Silberthor hinaus aufs Feld, Dein wartend ſäß' ich dir zur Seiten, Als treuer Freund dir zugeſellt. Wenn rings zum Mahl Walkyren bringen Das Methhorn mit dem goldnen Schaum, Mit dir allein nur würd' ich klingen, Nur ſüßem Flüſtern geben Raum. Und eine Laube an den Fluthen Würd' ich erbaun, an blauer Buchtz Wo ſicher wir im Schatten ruhten, Im Hain mit ſeiner goldnen Frucht. Und ſtrahlte Walhalls Sonne nieder, Wie klar, wie herrlich iſt ihr Schein! Dann ſähen wir die Götter wieder, Voll Sehnſucht doch nach uns allein. Mit Sternen würd' ich dir bekränzen Die Stirne, deiner Locken Gold, Im Wingolfſaale unter Tänzen Dich roſig röthen, Lilie hold! Bis daß ich aus dem Tanz dich trüge Zum Friedenszelt der Lieb' und Treu, Wo Brag' im Silberbarte ſchlüge Wie ſingt die Droſſel dort im Haine! Das Lied kommt von Walhallas Strand. Wie glänzt der Sund im Mondenſcheine! Der Schein kommt aus der Todten Land. 52 Geſang und Licht, ach, ſie verkünden uns eine Welt ohn Harm und Sorg; Und dieſe Welt, ſie möcht' ich finden Mit dir, mit dir, o Ingeborg! O weine nicht! noch ſtrömt das Leben In meinen Adern, weine nicht! Doch Lieb' und Männerträume heben Gern ſchwärmend ſich zum Himmelslicht. Ach, ſchlingſt du deinen Arm nur wieder um mich, ruht nur dein Blick auf mir, Wie leicht lockſt du den Schwärmer nieder Von Götterſeligkeit zu dir! — — „Horch, dort die Lerche!“ Nein, im Haine Girrt eine Taub' in ſüßer Luſt; Noch ſchläft im Reſt auf grünem Raine Die Lerche an der Gattin Bruſt. Die Glücklichen! denn ihnen bringet Der Tag nicht Trennung noch Gefahr, Frei leben ſie, zur Wolke ſchwinget Sich frei hinauf das frohe Paar. „Schau Tagesdämmern!“ Rein, die Flammen Der Bake leuchten öſtlich dort. Noch können ſprechen wir zuſammen, Poch iſt die theure Nacht nicht fort. Spät komme heut mit deinem Schimmer, Verſchlaf dich, goldner Tagesſtern! Für Frithjof magſt du ſchlafen immer Bis Ragnaröck — er ſieht es gern. Doch eitel iſt es dies zu hoffen; Es wehet ſchon ein Morgenhauch. Des Oſtens Roſen ſind ſchon offen, So friſch ſind Ingborgs Wangen auch. Sieh dort in klarer Wolke Flimmern Der Sänger Schaaren zwikſchernd ziehn; Das Leben rauſcht, die Wogen glimmern, Der Liebende, die Schatten fliehn. 55 Da kommt ſie ganz in ihrem Prangen! Vergieb, o Sonne, was ich bat! Ein heil'ger Schauer faßt mich Bangen; Ich fühls, daß eine Gottheit naht! Ower, wie du, ſo hehr und mächtig Zu ſeiner Laufbahn träte auf, Und ſtolz und froh, gekleidet prächtig In Licht und Sieg, vollbrächt den Lauf! Hier vor dein hohes Aug ich ſtelle, Was Schön im Nord du ſaheſt nur; Nimm ſie in deine Hut, du Helle! Sie iſt dein Bild auf grüner Flur. Ihr Herz iſt rein wie deine Strahlen, Ihr Aug' iſt wie dein Himmel klar, Das Gold, das deine Blicke malen, Trägt ſie in ihrem Lockenhaar. Leb wohl, Geliebte! Einer neuen Und längern Nacht ja harren wir. Noch dieſen Kuß der Stirn, der treuen, Und dieſen noch den Lippen hier. Schlaf nun, und träum von mir, erwache Am Mittag, zähle ſehnſuchtsvoll Die Stunden, ſo wie ich, und fache Die Liebesgluth! Lebwohl, lebwohl! 6 Der Abſchied. Ingeborg. Schon wird es Tag, doch immer nicht kommt Frithjof. Gleichwohl ward geſtern ſchon das Ting gehalten Auf Beles Grab; der Platz war gut gewählt; Dort ſollt' entſcheiden ſich der Tochter Schickſal. 3 54 Wie manche Bitten hat es mir gekoſtet, Wie manche Thränen, Freja zählte ſie, Des Haſſes Eis um Frithjofs Herz zu ſchmelzen, Dem Stolzen das Verſprechen zu entlocken, Aufs neu die Hand zu bieten zur Verſöhnung! Ach! hart iſt doch der Mann, und für die Ehre, So nennt er ſeinen Stolz, iſt es ihm gleich, Ja völlig gleich, ob mehr er oder minder Ein treugeſinntes Herz zermalmen möge. Das arme Weib, an ſeine Bruſt gekettet, Iſt wie ein Moosgewächs, das an der Klippe Mit bleichen Farben blüht, mit Mühe nur Hält ſich das unbemerkte feſt am Felſen, ünd ſeine Nahrung ſind der Nächte Thränen. Beſtimmt ward geſtern alſo mein Geſchick, und drüber nieder ging die Abendſonne. Doch Frithjof kommt nicht. Ach, die bleichen Sterne Erlöſchen nach einander und verſchwinden, und mit jedwedem, welcher niederſinkt, Geht eine Hoffnung auch in mir zu Grabe. Doch warum hoff' ich auch? Nein, Walhalls Götter Sind mir nicht hold, erzürnet hab' ich ſie. Den hohen Balder, dem ich anvertrauet, Hab'ich beleidigt; irdſche Liebe iſt Nicht rein genug für eines Gottes Blicke; Und Erdenfreude darf ſich nimmer wagen Dorthin, wo ſie, die heiligen und ernſten, Die hohen Mächte haben ihre Wohnung. — und doch, was iſt mein Fehl! Wie kann doch zürnen Der fromme Gott ob einer Jungfrau Liebe! Iſt ſie nicht rein, wie Urdas Silberwoge, Richt unſchuldsvoll, wie Gefions Morgenträume? Die hohe Sonne wendet ja nicht fort Von zweien Liebenden ihr reines Auge; und die geſtirnte Nacht, des Tages Witwe, Hört, ſelber trauernd, ihren Eid mit Freude. Was löblich nun iſt unterm Sternendom, Iſt das Verbrechen unterm Tempeldome! Ich liebe Frithjof, hab' ihn ſtets geliebt, So weit zurück nur gehen die Gedanken. Die Lieb' iſt aufgewachſen mit mir ſelber; Ich weiß nicht, wann ſie anfing, ja nicht denken Kann ichs einmal, daß einſt ſie nicht geweſen. So wie die Frucht ſich anſetzt um den Kern Und ſich um ihn im vollen Wachsthum rundet Veim Sonnenſchein gleich einem goldnen Ball, So bin auch ich gewachſen, froh gereift Bin ich um dieſen Kern, mein Weſen iſt Die äußre Schale nur von meiner Liebe. Vergieb mir, Balder! Sieh, ein treues Herz Bracht' ich in deine Halle, nur ein treues Will heim ich führen, und mit dieſem ziehen Hin über Bifroſts Brücke, ſo mich ſtellen Mit meiner Liebe hin vor Walhalls Götter. Da ſoll ſie ſtehn, ein Aſakind wie die, Sich ſpiegeln in den Schilden und ſoll fliegen Mit freien Taubenflügeln durch den blauen Endloſen Raum hin zu Allfaders Schooße, Woher ſie kam. — O warum falteſt du In Morgendämmerung die lichte Stirne? In meinen Adern fließt, wie in den deinen, Des alten Oden Blut. Dir, Blutsverwandter, Nein, dir nicht kann ich opfern meine Liebe, Wills nicht einmal, werth iſt ſie deines Himmels. Doch wohl des Lebens Glück kann ich dir opfern, Kann fort es werfen, wie die Königin Den Purpurmantel hinwirft, und dieſelbe Bleibt, die ſie war. — Wohlan, es iſt beſchloſſen! Nein, Walhalls Höhe ſoll ſich nimmer ſchämen Der Enkelin, ich ſtehe meinem Schickſal, So wie der Held dem ſeinen. — Da kommt Frithjof! Wie wild, wie bleich! Es iſt vorbei, vorbei! Mit ihm zugleich kommt zürnend meine Norne. Sei, Seele, ſtark! — Willkommen, doch ſo ſpät! Beſtimmt iſt unſer Loos, es ſteht zu leſen Auf deiner Stirne. 3 rithjof. Stehn daſelbſt nicht auch Blutrothe Runen, die von Schimpf und Hohn und Banne ſprechen? por aſſ rithjof, faſſe dich! Erzähle, was geſchah; das Schwerſte ahne Ich lange ſchon; ich bin gefaßt auf Alles. rithjof. Ich kam zum Ting dort auf dem Grabeshügel, und rings an deſſen Seiten, Schild bei Schild, Das Schwert gefaſſet, ſtanden Nordlands Männer, Der eine dicht gereihet an den andern, Bis auf zum Gipfel. Auf dem Richterſteine, Der Wetterwolke gleich, ſaß König Helge, Der bleiche Blutmann mit den düſtern Blicken; Und bei ihm ſaß, ein vollgewachſen Kind, Gedankenlos ans Schwert gelehnet, Halfdan. Da trat ich vor und ſprach: „Es ſteht der Krieg und ſchlägt den Heerſchild an des Landes Gränzen, Dem Reich, o König Helge, droht Gefahr. Gieb mir die Schweſter, und ich leihe dir Den Arm zum Streit, er kann dir nützlich werden. Laß zwiſchen uns vergeſſen ſein den Groll, Nicht gerne heg' ich den auf Ingborgs Bruder. Sei billig, König, rette dir zugleich Die goldne Krone und das Herz der Schweſter. Hier meine Hand. Bei Aſa-Thor, ich reiche Zum letzten Mal ſie dar dir zur Verſöhnung.“ — Geräuſch ward auf dem Ting; von tauſend Schwertern Erklang der Beifall laut an tauſend Schilden, und Waffenton flog bis zur Wolke, die Den Beifall freier Männer trankfürs Rechte. „O gieb ihm Ingeborg, die ſchlanke Lilie, Die ſchönſte, welche wuchs in unſern Thälern; Er iſt das beſte Schwert in unſerm Lande. „O gieb ihm Ingeborg!“ — Mein Pflegevater, 57 Der alte Hilding mit dem Silberbarte, Trat vor und ſprach in Worten voller Weisheit, In kräft'gen Sprüchen, die wie Schwertſchall klangen. Auch Halfdan, der ſich hob vom Königsſitze, Bat ſelber viel mit Worten und mit Blicken. Vergebens war es; eitel jede Bitte. So ſtrahlt der Sonnenſchein auf Klippen fruchtlos, Er locket kein Gewächs von ihren Herzen; und König Helges Antlitz blieb ſich gleich, Ein bleich ausſehend Nein auf menſchlich Bitten. „Dem Bondenſohne,“ ſprach er drauf verächtlich, Könnt' Ingborg werden, doch der Tempelſchänder Paßt wenig, däucht mir, für die Walhalltochter. Du Frithjof, bracheſt du nicht Balders Frieden! Sahſt du die Schweſter nicht in ſeinem Tempel, Als ſich der Tag verbarg vor euerm Frevel? Ja, oder Rein.“ Da tönte laut ein Ruf Im Männerringe: „Sprich bloß Nein, ſprich Rein! Wir trauen deinem Wort, wir frein für dich, Du Thorſtens Sohn, du gleich den Königsſöhnen! Sprich Rein, ſprich Nein, und dein iſt Ingeborg!“ — „Mein Lebensglück hängt ab von einem Wort,“ Sprach ich, „doch ſolls, o König, dich nicht ſchrecken Richt lügen will ich mich in Walhalls Freude, Nicht ein in die der Erde. Deine Schweſter Sah ich und ſprach zu Nacht mit ihr im Tempel, Doch Balders Frieden brach ich darum nicht.“ — Hier mußt' ich ſchweigen. Ein Getös des Schreckens Flog durch das Ting; die mir die Nächſten ſtanden, Sie flohn hinweg, als wär' ich peſtbefallen. Wohin ich ſah, da hatte Wahnesthorheit Jedweden Mund gelähmt; die Wangen waren Kalkweiß, die jüngſt noch froh von Hoffnung glänzten. Da ſiegte Helge. Jetzt mit einer Stimme Verſteckt und finſter, wie der todten Wala In Wegtamsqwida, da ſie ſang vor Oden Der Aſen unglück und von Helas Siegen, So finſter ſprach er: „Landflucht oder Tod Könnt' ich ja ſetzen nach der Väter Willen Auf deine That; doch milde will ich ſein, Wie Balder iſt, deß Heiligthum du höhnteſt. Im Meer gen Weſten iſt ein Kranz gelegen Von Inſeln, die Jarl Angantyr beherrſcht. „ So lange Bele lebte, gab der Jarl Den Jahrstribut, doch nicht nach Beles Tode. Zeuch übers Meer und treibe ein den Schoß; Die Buße leiſte mir für deine Kühnheit.“ Mit niederm Hohne ſprach er noch: „Harthändig, Sagt man, ſei Angantyr, wie Fafnersdrache Wälz' auf dem Gold er ſich. Wer aber ſtände Wohl unſerm neuen Sigurd Fafnersbane? Mannhafter wahrlich iſt ja dieſe That, Als liſtig zu bethören eine Jungfrau. Im nächſten Sommer ſehn mit deiner Ehre, Vor allem mit dem Schoſſe wir dich wieder. Wenn nicht, biſt du ein Schurk in Aller Augen, und lebenslang in unſerm Lande friedlos.“ — So war ſein Spruch, dies war des Tinges Ende. Ingeborg. und dein Beſchluß? Frithjof. Hab ich noch eine Wahl? Hängt meine Ehre nicht an ſeinem Fordern? Die will ich löſen, wenn auch Angantyr . Sein Lumpengold verbärg' in Naſtrands Fluthen. Noch heute fahr' ich ab. Ingeborg. und läſſeſt mich? Frithjof. Nein, nein, dich laſſ⸗ich nicht, du folgeſt mit. . Ingeborg. Unmöglich! . Frithjof. Hör, o höre mich zuvor! Dein weiſer Bruder Helge, ſcheints, vergaß, 59 Daß Angantyr war Freund von meinem Vater, So wie von Bele; möglich iſts, er giebt Mit Güte, was ich fordre; doch wenn nicht, So hab' ich einen mächtigen und ſcharfen Bereder hängen hier an meiner Linken. Das werthe Gold, das ſchick' ich dann an Helge, und damit löſ' ich für uns beid' auf immer Das Opfermeſſer des gekrönten Heuchlers. Wir ſelber aber, ſchöne Ingborg, hiſſen Ellides Segel über fremde Wogen. Sie ſchaukelt uns zu einem milden Strande, Der Freiſtatt ſpendet der verfehmten Liebe. Was iſt mir Rorden, was iſt mir ein Volk, Das bleich ſchon wird, wann ſeine Prieſter ſprechen, Frech in den Blumenkelch von meinem Weſen, In meines Herzens Heiligthum will greifen? Bei Freja, das ſoll nimmer ihnen glücken. Ein armer Sklav iſt an die Scholl gefeſſelt, Die ihn gebar, doch ich will wallen frei, Frei wie der BVergeswind. Ein wenig Staub Von meines Vaters Hügel und von Beles Gewinnt noch Raum im Schiffe; das iſt Alles, Was wir bedürfen von dem Mukterlande. Geliebte, eine andre Sonne giebt es, Als hier die bleiche über Schneegebirgen, und einen ſchönern Himmel giebts als hier, und milde Sterne ſehn mit Götterglanze Hernieder in den warmen Sommernächten In Lorbeerhainen auf ein treues Paar. Mein Vater Thorſten Wikingsſon zog ferne Ringsum auf Heerfahrt, und erzählte öfters Beim Schein des Heerds am langen Winterabend Vom Meere Griechenlands und ſeinen Inſeln, Von grünen Hainen in der Spiegelwelle. Ein mächtig Volk hat früher dort gewohnt, Und hohe Götter in den Marmortempeln. Nun ſtehn ſie da verlaſſen, Gras ergrünt Auf öden Steigen, eine Blume wächſt 40 Aus Runen, die der Vorwelt Weisheit künden; und ſchlanke Säulenſtämme grünen dort, Von Südens reichen Ranken rund umwunden. Doch von ſich ſelbſt trägt rings die ſchöne Erde Von dem, was Menſchen brauchen, reiche Erndten, Und goldne Aepfel glühen unterm Laube; Es hängen rothe Trauben an den Zweigen Und ſchwellen üppig auf, wie deine Lippen. Dort, Ingeborg, dort baun wir in der Woge Uns einen kleinern aber ſchönern Norden, Und füllen dort mit unſrer treuen Liebe Die leichten Domgewölbe, ſegnen noch Mit unſerm Glücke die vergeßnen Götter. Wenn dann mit ſchlaffen Tüchern einſt der Segler (Nicht Sturm iſt dort) vorbei den Inſeln ſchaukelt Im Schein des Abendroths und fröhlich blickt Von roſenfarbner Fluth hinauf zum Strande — Dann wird er ſchauen auf des Tempels Schwelle Die neue Freja, (Aphrodite, glaub' ich, Heißt ſie in ihrer Sprache) wird bewundern Die goldnen Locken, die im Winde fliegen, Die Augen heller als des Südens Himmel. Und um ſie her erwächſet nach und nach Ein junges Tempelwohnervolk von Alfen, Mit Wangen anzuſehn, als hätte Süden Auf Nordens Schnee gepflanzet ſeine Roſen. — Ach! Ingeborg, wie ſchön, wie nahe ſteht Ein jedes Erdenglück zwei treuen Herzen! Nur Muth bedarfs, es eilig zu ergreifen; Es folget willig mit und bauet ihnen Ein Wingolf ſchon hienieden auf der Erde. Komm, eile! jedes Wort, das wir noch reden, Nimmt fort uns einen Theil von unſrer Wonne. Bereit iſt alles, und Ellide ſpannt . Die dunkeln Adlerſchwingen ſchon zum Flug, Und friſche Winde weiſen fort uns ſchon Auf ewig von dem wahnerfüllten Strande. Wie, zauderſt du? 1 . 41 Ingeborg. Ich kann dir nimmer folgen. Frithjof. Du mir nicht folgen! Ingeborg. Frithjof, du biſt glücklich; Du folgeſt nicht, du geheſt ſelbſt voraus, Wie deines Drachen Bug; es ſteht am Steuer Dein eigner Will' und lenket deine Fahrt Mit feſter Hand hin über wilde Wogen. O wie ganz anders iſt es doch mit mir! Mein Schickſal ruhet ja in Andrer Händen, Die laſſen nicht den Raub, wiewohl er blutet; Sich opfern, klagen, ſich in langem Kummer Abzehren iſt der Königstochter Freiheit. Frithjof. Biſt du nicht frei, ſobald du willſt! Im Hügel Sitzt ja dein Vater. Ingeborg. Helge iſt mein Vater, Iſt mir an Vaters Stelle, mein Geſchick Beruht auf ihm, und Beles Tochter ſtiehlt Ihr Glück ſich nicht, wie nah es ihr auch liege. Was iſt die Frau, wenn von den Banden los, Womit Allfader ſelbſt ihr ſchwaches Weſen Feſt an den Starken band, ſie ſich geriſſen? Der bleichen Waſſerlilie gleichet ſie; Die ſteiget mit der Fluth und fällt mit ihr; Des Seglers Kiel geht über ſie hinweg und merkt nicht, daß er ihr den Stengel ſchneidet. Das iſt ihr Schickſal nun, und doch, ſo lange Die Wurzel feſt noch in dem Sande hängt, Wächſt freudig ſie wie ſonſt, und leiht die Farbe Sich von den bleichen Schweſterſternen droben, Ein Stern ſie ſelber auf der blauen Tiefe. Doch, wann ſie los ſich reißt, dann treibet ſie, Ein welkes Blatt, umher auf öder Fluth. 42 Vergangne Nacht — die Nacht war voll Gefahren, Ich wartete auf dich, du kameſt nicht, Gedanken, finſter ernſt, der Nacht Geburten, Mit ſchwarzen Locken, gingen ſtill vorüber Dem wachen Aug', es brannte ohne Thränen; * und Balder ſelbſt, der bleiche Gott, er ſah Mit drohungsvollem Blick auf mich herab — Vergangne Nacht hab' ich mein Loos erwogen; Gefaßt iſt mein Beſchluß, ich bleibe hier, Ein folgſam Opfer am Altar des Bruders. Doch gut wars, daß ich dich daſelbſt nicht hörte Mit deinen Dichterinſeln in den Wolken, Wo ſtete Abendröthe rings umgiebt Die ſtille Blumenwelt voll Fried und Liebe. Werfühlt ſich ſelbſt nicht ſchwach? Der Kindheit Träume, Die lang geſtillten, ſtehen wieder auf, Und flüſtern mir ins Ohr mit einer Stimme So wohlbekannt als Stimme einer Schweſter, So zärtlich, wie wenn ein Geliebter ſpräche. Ich hör' euch nicht, o nein, ich hör'euch nicht, Ihr lockenden, ihr vormals theuren Stimmen! O was ſoll ich, des Nordens Kind, im Süden? 1 Für Südens Roſen bin ich viel zu bleich; Zu farblos iſt mein Herz für ſeine Gluth; Verbrennen würd' es an der heißen Sonne. Mit Sehnſucht würde ſtets mein Auge blicken Hin nach dem Nordſtern, welcher ruhig ſteht Als Himmelswacht hoch über Vätergräbern. Mein edler Frithjof wird hinweg nicht flüchten Vom lieben Lande, das er ſoll beſchirmen; Wird nicht verſchleudern ſeinen Ruf für eine So kleine Sach', als eines Mädchens Liebe. Ein Leben, drin die Sonne Jahr für Jahr . Den einen Tag ſo wie den andern ſpinnt, Ein ſchönes, aber ew'ges Einerlei, Iſt nur für Mädchen; doch für Männerſeelen, 5 Für dich zumal, iſt Lebensſtill' ermüdend. Dir iſt am beſten, wann der Sturm ſich tummelt 45 Auf ſchaum'gem Roſſe über blauer Tiefe; Wann auf der Planke du auf Tod und Leben Kannſt kämpfen mit Gefahr um deine Ehre. Die ſchöne Wüſte, die du maleſt, würde Ein Grab nur ſein noch nicht geborner Thaten; Zugleich mit deinem Schilde würde roſten Dein freier Sinn. Nein, das ſoll nicht geſchehn! Nicht ich will ſtehlen meines Frithjof Namen Hinweg aus Skaldenliedern, will nicht löſchen Des Helden Ehr' in ihrer Morgenröthe. Sei weiſe, Frithjof; weiſe laß uns weichen Den hohen Nornen; laß zum mindeſten Die Ehr' uns retten aus des Lebens Schiffbruch; Des Lebens Glück iſt nicht zu retten mehr. Wir müſſen ſcheiden. Frithjof. Warum müſſen wir? Weil ſchlummerlos dir eine Nacht verſtrich? Ingeborg. Weil mein Werth und der deine Rettung heiſchen. Frithjof. Des Mannes Liebe macht den Werth des Weibes. Ingeborg. Es liebt der Mann nicht länger als er achtet. Frithjof. Haltloſe Laun' erwirbt nicht ſeine Achtung. Ingeborg. Gefühl fürs Rechte das iſt edle Laune. Frithjof. Nicht ſtritt dagegen geſtern unſre Liebe. Ingeborg. Auch heute nicht, doch deſto mehr die Flucht. Frithiof. Nothwendigkeit gebietet ſie, o komm! 44 Ingeborg. Was edel iſt und recht, das iſt nothwendig. Frithjof. Hoch ſteht die Sonn', es eilt die Zeit vorbei. Ingeborg. Weh mir, ſie iſt vorbei, vorbei auf immer! Frithjof. Bedenke dich! Iſt dies dein letztes Wort? Ingeborg. Bedacht iſt Alles und dies Wort das letzte. Frithjof. Wohlan, es ſei! Leb wohl, du Schweſter Helges! Ingeborg. O Frithjof, Frithjof, ſollen ſo wir ſcheiden? Haſt du denn keinen Freundesblick zu geben Der Kindheitsfreundin, keine Hand zu reichen Der Leidenden, die du bisher geliebt? Glaubſt du, ich ſteh' auf Roſen hier und weiſe Mein Lebensglück mit Lachen von mir weg! Reiß ohne Schmerz die Hoffnung aus der Bruſt, Die ganz zuſammenwuchs mit meinem Weſen?! Warſt du nicht meines Herzens Morgentraum? Jedwede Freude, die ich fühlt', hieß Frithiof. Was groß und edel nur im Leben iſt, Vor meinem Auge trug es deine Züge; Verdunkle nicht das Bild vor mir, mit Härte Begegne nicht der Schwachen, wenn ſie opfert Das Liebſte, was ſie hatte hier auf Erden, Das Liebſte, was ihr wird in Walhalls Sälen. Dies Opfer, Frithjof, iſt ſchon ſchwer genug; Ein Wort des Troſtes könnt'es wohl verdienen. . Ich weiß, du liebſt mich, ja ich wußte das Schon wie mein Weſen nur begann zu tagen. und der Gedank' an deine Ingborg folgt dir Noch ſicher manches Jahr, wo du auch zieheſt. . ———— 45 Doch Waffenklang betäubt die Trauer endlich; Fort weht ſie endlich auf den wilden Wogen, Und Platz nicht wird ihr auf der Bank des Kämpen, Wann feiernd ſeinen Sieg er leert das Horn. Zuweilen nur, wann du in nächtger Stille Noch einmal muſterſt die verfloßnen Tage, Rauſcht noch ein bleiches Bild vor dir vorüber. Du kennſt es wohl, es bringt dir einen Gruß Aus lieber Gegend, und es iſt das Bild Der bleichen Jungfrau hier in Balders Hage. Nein, fort nicht weiſe du es, wenn es auch In Trauer blickt, o flüſtre du ins Ohr Ein freundlich Wort ihm, und auf treuen Schwingen Wird her zu mir der Rächte Wind es führen; Ein Troſt jedoch, ich habe keinen andern! — Für mich iſt nichts, was meinen Schmerz zerſtreute, Nein Alles um mich her ruft mir ihn zu. Des Tempels Hochgewölbe redet nur Von dir, und Balders Bild, das drohen ſollte, Dein Angeſicht nimmts an beim Schein des Mondes. Blick' ich aufs Meer, dort ging dein Kiel und ſchnitt Im Schaum den Weg zur Sehnenden am Ufer. Geh' ich im Haine, dort ſteht mancher Stamm Mit Ingborgs Runen, eingeritzt der Rinde. Aus wächſt die Rinde jetzt, mein Name ſchwindet, Und das bedeutet Tod, ſo ſpricht die Sage. Frag' ich den Tag, wo er zuletzt dich ſah, Frag' ich die Nacht, ſie beide ſchweigen ſtill, Und ſelbſt die Woge, die dich trägt, giebt Antwort Mit einem Seufzer nur hieher zum Strande. Mit jedem Abendrothe, das ſich taucht In deine Wellen, kommt von mir ein Gruß; Des Himmels Schiff, die Wolke, ſie wird führen An Bord die Klage von der Heimgebliebnen. So werd' in meinem Fraungemach ich ſitzen, Als Witwe, ſchwarz gehüllt nach Lebenswonne, Gebrochne Lilien ſticken in den Teppich, Bis einſt der Lenz den Teppich webt, ihn füllend 46 Mit beſſern Lilien auf meinem Grabe. Doch wenn die Harf' ich nehm' um auszuſingen Den langen, langen Schmerz in tiefen Tönen, Zerfließ in Thränen ich, wie jetzt — — Frithijof. Du ſiegeſt, Beles Tochter, weine nicht! Vergieb dem Zorn, es war ja nur der Kummer, Der für den Augenblick in Zorn ſich hüllte! Nicht lange kann er tragen dies Gewand. Du, Ingeborg, biſt meine gute Norne. Am beſten lehrt ein edler Sinn das Edle. Die Weisheit der Nothwendigkeit hat Keinen, Der, ſo wie du, das Wort ihr könnte führen, Du ſchöne Wala mit den Roſenlippen! Ja, weichen will ich der Nothwendigkeit, Will gehn von dir, doch nicht von meiner Hoffnungz Die nehm' ich mit mir über Weſtens Meer, Die nehm' ich mit mir hin zur Grabespforte. Der erſte Frühlingstag bringt mich zurück, und Helge, hoff' ich, wird mich wieder ſehen. Gelöſt iſt mein Gelübd', erfüllt ſein Fordern, Verſöhnt der Frevel, deß ich ward beſchuldigt, und dann begehr' ich, nein, ich fordre dich, Auf offnem Tinge zwiſchen blanken Waffen, Von Helge nicht, o nein, von Nordens Volk; Das iſt der Vormund dir, du Königstochter! Wer dann ſich weigert, ſoll mir Rede ſtehn. Leb wohl indeß, ſei treu, vergiß mich nicht, und nimm zum Denkmal unſrer Jugendliebe Den Armring hier, ein ſchön Waulunderwerk, Mit Himmelswundern, eingeritzt dem Golde; Das beſte Wunder iſt ein treues Herz. Wie ſchön er paßt zu deinem weißen Arme, Ein Glühwurm um den Lilienſtiel ſich windend! Leb wohl, Geliebte, Braut, o lebe wohl! Nur wenig Monde noch, und es iſt anders. (Er geht.) Ingeborg. Wie froh, wie trotzig und wie hoffnungsvoll! Er ſetzt die Spitze ſeines guten Schwertes Der Norne auf die Bruſt und ſpricht: Entweiche! Du armer Frithjof; nimmer weicht die Norne, Sie gehet ihren Gang, lacht Angurwadels. Wie wenig kennſt du meinen finſtern Bruder! Dein offner Heldenfinn begreifet nicht Die düſtre Tiefe ſeines Sinns, ſein Haſſen, Das in der Bruſt, der neidiſchen, ihm glüht. Der Schweſter Hand giebt er dir nie; weit eher Giebt Preis er ſeine Krone, Preis ſein Leben, und opfert mich dem alten Oden, oder Dem alten Ring, mit dem er jetzt im Kampfe. — Wohin ich ſeh, kein Hoffen ſchimmert mir, Doch bin ich froh, es lebt in ſeinem Herzen. Für mich behalten will ich meine Schmerzen. O folget ihm, ihr guten Götter, ihr! Doch zählen will ich ſeines Armrings Glieder, Die Monde kürz' ich ſo der langen Sorg. Zwei, viere, ſechs — dann kannſt du kehren wieder, Doch kehrſt du nicht zu deiner Ingeborg. Ingeboörgs Klage. Herbſt ſt es nun, Nimmer die Stürme des Meeres ruhn. Ach, doch vom Hauſe wie gerne Säß ich noch ferne! Lange geſehn Hab' ich gen Weſten das Segel hinwehn. Darf es doch Frithjof auf weiten Meeren geleiten! 48 Bläuliches Meer, Eilend ja geht es; o ſchwelle nicht mehr! Zeiget dem Segler, ihr Sterne, Wege der Ferne! Kommt nun der Mai, Kehrt er — nicht kommt die Geliebte herbei, Nicht ihm entgegen im Saale, Nicht auch im Thale. Lieget im Staub, Kalt und erblichen, der Liebe Raub; Oder ſie blutet darnieder, Opfer der Brüder. — Falke, der blieb, Nun biſt du mein; o wie hab' ich dich lieb! Fliegender Jäger, dich hegen Will ich und pflegen; Ihm auf der Hand, Wirk ich dich hier in des Teppiches Rand, Silbern die Schwingen zu ſchauen, Golden die Klauen. Falkſchwingen nahm Freja ſich einſtens und ſuchte, von Gram Rings durch das Weltall getrieben, Oder, den Lieben. Lieheſt du hier Mir auch die Schwingen, was hülfen ſie mir? Kann doch der Tod mir nur bringen Himmliſche Schwingen! Jäger ſo ſchön, MWir von der Schulter aufs Meer ſollſt du ſehn! Sehen wir ſehnend aüch immer, Kehrt er doch nimmer. 49 Bin ich nun todt, Kehret er ſicher; vernimm mein Gebot: Grüße mir Frithjof! Nichtzwehren Wird er den Zähren. 10. Frithjof auf dem Meer. Doch es ſang am Strand König Helg' in Grimm, Zu den Trollen gewandt, Mit erboſter Stimm. Fit wirds am Himmelsbogen, onner geht durch öden Raum, In der Tiefe kochen Wogen, Oben ſchwillt es auf mit Schaum. Blitze in den Wolken ziehen Blutge Streifen hier und dort, Alle Meeresvögel fliehen Schreiend von den Wogen fort. — „Hart wirds Wetter, Brüder! Sturmesſchwingen hör⸗ ich Flattern in der Ferne; Doch wir beben nicht. Sitz du ſtill im Haine, Denk an mich mit Sehnen, Schön in deinen Zähren, Schöne Ingeborg!“ + 50 Nun ein Trollpaar kam Mit Ellid' in Streit. Es war windkalt Ham, Es war ſchneeig Hejd. Los ſind nun des Sturmes Schwingen; Jetzt zu öder Tiefen Graus Tauchen ſie, und wieder bringen Wirbel ſie zum Götterhaus. Alle Schreckensmächte ſchreiten, Reitend auf der Welle Lauf, Aus dem ſchaumigen, dem weiten, Bodenloſen Grab' herauf. „Schöner war das Fahren In des Mondes Schimmer Ueber Spiegelwellen Hin zu Balders Hain. Wärmer, als es hier iſt, Wars an Ingborgs Herzen; Weißer als der Seeſchaum Hob ihr Buſen ſich.“ — Nun Solundarö Aus dem Schaume ſich hebt! Da iſt ſtiller die See; Hin zum Hafen geſtrebt! Aber kühner Wiking zaget Nicht ſo leicht auf ſicherm Kiel, Steht am Steuer, es behaget Ihm der wilden Winde Spiel; 6 Eilt die Segel mehr zu feſten, Reißt die Woge ſchärfer auf. Hin gen Weſten, hin gen Weſten Geht es mit der Wellen Lauf. „Noch ein Weilchen freut mich Mit dem Sturm zu kämpfenz 51 Sturm und Nordmann treffen Gern ſich auf der See. Ingborg würd' erröthen, Wenn ihr Seeaar flöge Bang vor einem Windſtoß, Flügelſchlaff ans Land.“ Doch die See mehr ſtreift, Es vertieft ſich der Schlund; 1 In den Tauen es pfeift, und es knacket im Grund. Wie ſich auch die Wogen heben, Wie ſich tummelt auch die Fluth, Kennt Ellide doch kein Beben, Ja ſie trotzt der Meereswuth. Wie der Sternſchuß ſchießt, der helle, Schießt ſie fort in frohem Sinn, Hüpfet mit des Steinbocks Schnelle Ueber Höh und Abgrund hin. „Schöner wars zu küſſen Dort die Braut im Haine, Als hier ſtehn und ſchmecken Salzſchaum hochgeſpritzt. Schöner wars die Königs⸗ Tochter zu umarmen, Als das Steuerruder Feſt zu halten hier.“ Schaurig kalt und wild Nun der Schnee hinfegt, und auf Deck und auf Schild Hagelwetter ſchlägt! Auf des Schiffes Mitte ſchauen Kannſt du nur des Dunkels Macht; So weilt Finſterniß und Grauen In der Todtenkammer Nacht. 4* 32 Woge tobt behert, will immer Ziehn den Segler tief hinab; Weißgrau, wie mit Aſchenſchimmer, Klaffet ein unendlich Grab. „Blaue Polſter bettet . Ran uns in der Tiefe, Mein doch harren deine Polſter, Ingeborg! Gute Burſche heben Mir Ellides Ruder; Kiel, gebaut von Göttern, Trägt ein Weilchen noch.“ uebern Steuerbord Nun die See hinwühlt, Das Verdeck ſofort Hat ſie rein geſpült. Ab vom Arm nun Frithjof ziehet Seinen Goldring, drei Mark ſchwer, Gleich der Morgenſonn' er glühet, König Beles Gab'iſt er; Haut ihn durch mit Schwertesſtreichen, Den der Zwerge Kunſt erſann, Von den Stücken eilt zu reichen Eines er an jeden Mann. „Gold ja muß man haben, Wenn man fährt zur Freite; Keiner geh zur blauen Ran mit leerer Hand. Kalt iſt ſie zu küſſen, Flüchtig zu umarmen; och die Seebraut feſſeln Wir mit lauterm Gold.“ Mit erneuter Macht Iſt der Sturmwind da, Und die Schote kracht, und es ſpringt die Rah. Halb begraben hat die Welle Nun das Schiff und entert ſchon; Pumpen gehn mit großer Schnelle, Woge ſpricht den Pumpen Hohn. Frithjof ſelber ſieht mit Trauer, Daß den Tod er hat an Bord; Mehr als Well' und Sturmesſchauer Donnert doch ſein Herrſcherwort. „Björn, komm her ans Steuer! Halt es mit der Tatze! Solch ein Wetter ſenden Walhalls Mächte nicht. Zauberwerk muß walten; Schurke Helge ſang es Sicher her zur Woge; Ich will hin und ſehn.“ — Wie ein Marder flog Er zur Maſtes ſpitz, Und da ſaß er hoch, Sah hinab vom Sitz. Wie ein loſes Eiland breitet Schwimmend ſich ein Walfiſch aus, und ein widrig Trollpaar reitet Auf ihm in der Wogen Graus: Hejd im Schneepelz, den er träget, BGleich dem Eisbär an Geſtalt; Ham mit Schwingen, die er ſchläget Wie der Sturmaar mit Gewalt. „Nun, Ellide, gilt es! Sehn laß, ob du birgeſt * 54 Muth in eiſenfeſter, Wölbger Eichenbruſt. Lauſch auf meine Stimme, Biſt du Göttertochter; Mit dem Kupferkiele Stoß den Zauberwal!“ — Und Ellide hört Des Gebieters Stimm', und ſie ſpringt und fährt Auf den Wal mit Grimm. und ein Blutſtrahl ſteigt und rauchet Aus der Wunde hoch empor; Das durchbohrte Unthier tauchet Brüllend in des Abgrunds Moor. Von des Helden Arme ſpringen Lanzen zwei in einem Flug, In des Sturmaars Bruſt ſie dringen, In des Eisbärs rauhen Bug. Gut, Ellide, trafſt du; Nicht in Kurzem, glaub' ich, Tauchet Helges Drache Auf aus blutgem Moor. Heid und Ham ſie halten Nun die See nicht länger; Bitter iſts zu beißen In den blauen Stahl.“ — und der Sturmwind flieht Von der See ſofort, Nur die Brandung zieht Hin zum Eiland dort. und auf einmal kommt die Sonne, Wie ein König in den Saal, Fint mit neuer Luſt und Wonne chiff und Meer und Berg und Thal. Ihre letzten Strahlen krönen Felſenhöhn und Hainesrund, Nun erkennen ſie den ſchönen Grünen Strand von Efjeſund. „Ingborgs Bitten ſtiegen, Mägde bleich, gen Walhall, Beugten lilienweiße Knie auf Göttergold. Zähr' in blauen Augen, Flehn aus Schwanenbuſen Rührten Aſaherzen; Ihnen ſei der Dank!“ — Doch des Fiſches Stoß Fühlt Ellide hart, Und ſie ſchleichet bloß, Müde von der Fahrt. Aber von der Fahrt noch müder Sind die Mannen Frithjofs doch; Kaum, geſtützt aufs Schwert die Glieder, Halten ſie ſich aufrecht noch. Björn auf mächtger Schulter träget Vier von ihnen an das Land, Frithjof aber acht, und leget Hin ſie um des Feuers Rand. „Schämt euch nicht, ihr Bleichen! Wog' iſt mächtger Wiking. Hart ja iſt zu kämpfen Gegen Meeresfraun. Seht, da kommt das Methhorn Wandernd auf dem Goldfüß, Wärmterfrorne Glieder. Skol für Ingeborg!“ 56 11. Frithjof bei Angantyr. Nun ſollt ihr auch noch hören, Wie mit der Mannen Zahl Trank in dem Saal von Föhren Jarl Angantyr beim Mahl. Voll Freud' er ſaß und Wonne, Sah auf die blaue Bahn; Zum Meere ſank die Sonne Gleichwie ein goldner Schwan. Es hielt am Fenſterbogen Der alte Halwar Wacht; Er ſpähte auf die Wogen, Nahm auch den Meth in Acht. Eins war dem Alten eigen, Stets trank das Horn er leer, Und reicht' es dann mit Schweigen Hinein und heiſchte mehr. Nun wirft das Horn, das leere, Er in den Saal und ſpricht: „Ein Schiff iſt auf dem Meere, Doch fröhlich geht es nicht. Die Männer ſchon verzagen — Nun legen ſie ans Landz Zween ſtarke Rieſen tragen Erblichne an den Strand.“ — Hin auf des Meeres Spiegel Vom Saal der Jarl nun ſah: „Das ſind Ellides Flügel, Auch Frithjof iſt wohl da. Am Haupt ſo wie am Gehen Wird Thorſtens Sohn erkannt; Solch Antlitz iſt zu ſehen Sonſt nicht in Nordens Land.“ Alsbald vom Zechtiſch muthig Nun Wiking Atle ſpringt, Schwarzbärtger Berſerk, blutig, Grimm aus dem Aug' ihm dringt. „Nun,“ ſchrie er, „ſoll ſich weiſen, Ob Frithjof, wie man ſpricht, Bezaubern kann das Eiſen und bitt' um Frieden nicht.“ Mit ihm vom Tiſche ſpringen Zwölf Kämpen an der Zahl, Durchhaun die Luft und ſchwingen Die Kolbe und den Stahl. Sie ſtürmen hin zum Strande, Wo müd' Ellide ruht, und Frithjof ſitzt im Sande, Einſprechend Kraft und Muth. „Leicht könnt' ich jetzt dich fällen,“ o Atle prahlend ſchreit, „Jedoch anheim dir ſtellen Will Flucht ich oder Streit. Doch willſt du Fried'erflehen, Sonſt wackrer Kämpe hier, Dann will als Freund ich gehen Mit dir zu Angantyr.“ „Bin von der Fahrt noch müde,“ Sprach Frithjof zornbewegt, Doch eh ich bettle Friede, Sei Hand ans Schwert gelegt.“ Nun blitzt der Stahl im Schwunge Der ſonnverbrannten Hand, Auf Angurwadels Zunge Stand jede Run' in Brand. Es hauen derb die Klingen Es hagelt Todesſtreich', Und Beider Schilde ſpringen In Stücke nun zugleich. Die Kämpen ohne Tadel Stehn feſt und wanken nicht, Doch ſcharf beißt Angurwadel, Und Atles Klinge bricht. „Schwertloſe hat verletzet,“ Sprach Frithjof, „nie mein Schwert, Doch, wenns dich noch ergötzet, Sei andrer Kampf gewährt. Wie Fluth im Herbſt beweget Stürmt jeder nun heran, Des Einen Panzer ſchläget An den des Andern an. Sie ringen wie die Paare Der Bären auf dem Schnee; Sie ſtürzen an wie Aare Wild über zornger See. Wohl feſte Klippen ſchwankten Und wurzelten ſich los, Wohl dichte Eichen wankten Schon bei geringerm Stoß. Vom Haupt die Tropfen fließen, Ralt geht die Bruſt und ſchwer, Gebüſch und Steine ſtießen * Die Ringer um ſich her. Des Ausgangs harrt mit Zagen, Die Kämpenſchaar am Strand Weit pries in jenen Tagen Den Kampf das Nordenland. Doch Frithjof endlich fällte Den Feind zu Boden hin, Das Knie er auf ihn ſtellte Und ſprach im Zornesſinn: „Hätt' ich nur meine Schneide, Schwarzbärtger Berſerk, hier, Tief in das Eingeweide Stieß' ich die ſcharfe dir.“ 59 „Die Sorg' iſt nur geringe,“ War Atles ſtolzes Wort, „Geh, hole deine Klinge, Ich laufe dir nicht fort. Der Eine wie der Andre Wird einſt Walhalla ſehn; Wenn ich auch heute wandre, Magſt du wohl morgen gehn.“ Held Frithjof ohne Tadel Das Spiel nun ſchließen will; Hoch hebt er Angurwadel, Doch Atle lieget ſtill. Das rührt des Helden Sinne, Den wilden Zorn er band, Hielt mit dem Schwertſtreich inne, Nahm des Gefallnen Hand. Laut ſchreiet Halwar, hebet Empor den weißen Stab: „Durch euer Raufen gebet Ihr wenig Freud' uns ab. Längſt dampft ja auf dem Tiſche Das Silberfaß mit Macht, Kalt werden Fleiſch und Fiſche, Vor Durſt ich ſchier verſchmacht.“ Verſöhnt die Beiden gehen Hinein nun in den Saal, Wo Frithjof ſollte ſehen Gar Viel zum erſten Mal. Nicht kleiden rauhe Planken Ganz nackte Wände hier, Goldleder glänzt mit Ranken und ſchöner Trauben Zier. Nicht Feuerflammen ſenden Vom Eſtrich muntern Schein, Doch ſtehen an den Wänden Kamin' aus Marmelſtein. 60 Rauch konnt' im Saal nicht bleiben, Ruß an der Wand nicht floß, Das Fenſter hatte Scheiben, Die Flügelthür ein Schloß. Und Silberleuchter ſtrecken Die Arme weit voll Licht, Es flammt zum Rauſch der Recken Der Kien mit Kniſtern nicht. Ein Hirſch beſpickt ſtand oben Auf rundem Tiſch gar fein, Die goldnen Klaun erhoben, Laub in der Hörner Hain. Bei jedem Kämpen ſichet Die Maid mit Lilienhaut, Blickt, wie wenn Sturmwind wehet, Ein Stern aus Wolken ſchaut. Und braune Locken wallen, und blaue Augen ſprühn, Die Lippen wie Korallen, Wie volle Roſen glühn. Hoch ſaß auf Silberſitze Der Jarl in ſeiner Pracht, Sein Helm warf Sonnenblitze, Gold trug des Panzers Macht. Mit Sternen ſah man wogen Des reichen Mantels Raum, Mit Hermelin umzogen War rings der Purpurſaum. Vom Tiſche ging drei Schritte Entgegen er dem Gaſt; Dem Handſchlag folgt die Bitte: „Nimm mir zur Seite Raſt! Gar manches Horn wohl leerte Ich einſt mit Thorſten hier; Sein Sohn, der weitgeehrte, Nicht ſitze fern von mir.“ 6¹ Den Becher füllt der Hohe Mit Wein von Sikelö; Der glühte wie die Lohe, Der ſchäumte wie die See. „Willkommen hier im Saale Bei mir, du Freundesſohn! Held Thorſtens Skol beim Mahle Trink' ich mit lautem Ton. Von Morvens Höhn ein Skalde Prüft nun der Harfe Gang; In welſchen Tönen ſchallte Sein düſtrer Heldenſang. Doch in Norränazungen, Nach alter Väter Weiſ', Held Thorſten ward beſungen; Dies Lied erhielt den Preis. Gar viel der Jarl nun fragte Nach ſeinem Stamm im Nord; Zur Antwort Frithjof ſagte Manch klug verſtändig Wort. Treu Alles er entfaltet, Giebt Jedem ſeinen Ruhm, Gleich Saga, wie ſie waltet Im Zeitenheiligthum. Der Jüngling nun erzählte Von ſeiner Meeresfahrt, Wie Zauber, der ſie quälte, Von ihm beſieget ward. Die Kämpen jauchzen alle, Es lächelt Angantyr, und Ruhm mit lautem Schalle Wird Frithjof viel dafür. Drauf hört man ihn erwähnen Der theuren Ingeborg, So ſchön in ihren Thränen, So zart in ihrer Sorg. 62 Nicht Seufzer bleiben ferne, und Wangen ſtehn in Brand, Manch Mägdlein hätte gerne Gedrückt des Treuen Hand. Den Auftrag nun vollführte Zuletzt der kühne Mann; Der Jarl ſich gar nicht rührte, Hört' ihn geduldig an: „Schoß hab' ich nie gegeben, Mein Volk iſt frei wie ich; Zwar laſſ' ich Bele leben, Doch nie beherrſcht' er mich. Nicht kenn'ich itt Erben, Doch wird Tribut begehrt, Laß ſie wie Männer werben, Ihn fordern mit dem Schwert! Auch unſer Schwert dann blinket — Doch Thorſten ſah ich gern.“ Und mit der Hand er winket Der Tochter, die nicht fern. Auf ſprang die Blumenranke Vom goldnen Stuhl ſogleich. Zart war der Leib, der ſchlanke, Der Buſen ſchön und reich. Im Grübchen ſaß der loſe Aſtrild, war ſchelmiſch froh; Es ſitzt im Kelch der Roſe Der Schmetterling alſo. Sie ſprang zum Fraungemache, Mit grüner Börſ alsbald Kam ſie zurück; die Bache Strich drauf im dichten Wald. Des Mondes Strahlen ſchienen Aufs ſegelvolle Meer, Das Schloß war von Rubinen, Von Gold die Quäſte ſchwer. 65 Die Börſe legt die Holde Dem Vater in die Hand; Mit fern gemünztem Golde Füllt er ſie bis zum Rand. „Nimm hier die Willkommsgabe — Mach, was du willſt, mit ihr, Doch dieſen Winter labe Dich ruhig bei uns hier. Muth brauchts an jeder Stätte, Doch jetzt iſt Sturmeszeit, und aufgelebt, ich wette, Sind wieder Ham und Heid. Ellide ſpringt nicht immer So glücklich, wie ſie ſprang, Auch fehlts an Walen nimmer, Wenngleich der eine ſank.“ So ſcherzten da die Zecher Bis an das Tageslicht; Es macht der goldne Becher Sie froh, doch trunken nicht. Auf Angantyr man leerte Das Horn mit lautem Skol; So lang der Winter währte, Fand Frithjof hier ſich wohl. 12. Frithjofs Rückkehr. Der Lenz doch athmet in blauer Luft, Die Erde grünet mit friſchem Duft. Da danket Frithjof dem Wirth, aufs neue Beſchifft er wieder des Meeres Bläue, und fröhlich ſchießet ſein ſchwarzer Schwan 64⁴ Die Silberfurch' auf der Spiegelbahn; Denn Weſtens Winde mit Frühlingszungen Wie Nachtigallen im Segel ſungen, Und Aegirs Töchter mit Schleiern blau Nachſchiebend tanzten auf blanker Au. 3 Es iſt ſo ſchön, wenn von fernem Lande Die Segel kehren zum Heimathſtrande, Wo Rauch aufſteiget vom eignen Heerd, und Kindheitswelt dir iſt ewig werth; Spielplätz' im lieblichen Quell ſich ſpiegeln, Die Väter ſitzen in grünen Hügeln, und voll von Sehnſucht die treue Braut Vom Felſen hin auf die Woge ſchaut. — Sechs Tage ſchifft er, am ſiebten zeiget Ein vlauer Streif ſich, der aufwärts ſteiget; Der wächſt und wächſet am Himmelsrand Mit Klippen, Inſeln, zuletzt mit Land. Sein Land iſts, das aus dem Meere ſcheidet, Er ſieht die Wälder in Grün gekleidet, Er hört den Sturz, der ſich brauſend löſt, Den Marmorbuſen die Klipp'entblößt. Er grüßt den Sund und er grüßt die Spitze, Dicht fährt er unter dem Götterſitze, Wo letzten Sommer ſo manche Nacht Mit Ingborg koſend er froh verbracht. „Erſcheint ſie nicht, und kann ſie nicht ahnen, Wie noh ich ſchaukle auf blauen Bahnen? 3 Ging fort ſie etwa aus Balders Hut und ſitzt betrübt nun auf Helges Gut Beim Harfenſpiele, beim Seideſpinnen?“ — und ſieh, da ſteigt von des Tempels Zinnen Sein Faik empor und wie ſonſt geſchah, Auf Frithjofs Schulter iſt ſchnell er da. Er ſchlägt und ſchläget mit weißen Schwingen, Iſt von der Schulter nicht wegzubringen; Es kratzt die goldene Klau mit Haſt, Er läßt nicht Ruh und er läßt nicht Raſt. Den Schnabel will er ins Ohr ihm ſtecken, —,—— 63 Als hätt' er Etwas ihm zu entdecken, Vielleicht von Ingborg, der lieben Braut; Doch Keiner faßt den gebrochnen Laut. Ellid' umſauſet nun froh die Zunge, So hüpft im Felde das Reh im Sprunge; Durch Heimathswogen der Kiel hingeht; Doch Frithjof munter im Steven ſteht. Er reibt die Augen und hält darüber Die Hand, und ſiehet zum Strand hinüber; Doch wie er reibet und ſchaut umher, Sein Framnäs findet er nirgend mehr. Die nackte Eſſe vom Staub aufſteiget, Wie Heldenbeine die Grabhöh zeiget; Des Pofes Stell' iſt verbranntes Land, und Aſch' umfliegt den verheerten Strand. Erbittert Frithjof vom Schiffe ſpringet, Zur Brandſtatt rings ihm das Auge dringet, Zu Thorſtens Höfen, zum Kindheitsplan. MWit krauſem Haar nun erſcheinet Bran, Sein Hund, der öfters ſo treu als muthig Für ihn ſich rang mit dem Bären blutig. Wie hüpft er munter in vollem Lauf! Wie ſpringt er freudig zum Herrn hinauf! Milchweißer Renner mit goldner Mähne Mit Rehesſchenkeln und Hals der Schwäne, Es ritt ihn Frithjof wohl tauſendmal, Kommt raſches Sprunges nun aus dem Thal, Er wiehert fröhlich, den Hals er wendet Nach Brot, oft ward es ihm ſonſt geſpendet. Doch Frithjof ärmer noch iſt als ſie, Hat nichts zu geben den Treuen hie. — Betrübt, ohn Haus — auf ererbtem Raine Steht Frithjof, ſchaut die verſengten Haine; Da wird er Hilding, den Greis, gewahr, Den Pflegevater im Silberhaar. „Was hier ich ſehe, wohl konnt' ichs glauben, 5 „D Weiber, Weiber,“ nun Frikhiof ſagte,“ 66 Flog weg der Aar, ſie das Neſt berauben. Das nenn' ich mir eine Königsthat! Den Eidſchwur Helge gehalten hat In Götterfurcht und in Menſchenhaſſe, und Mordbrand heißt ihm die Eriksgaſſe. Doch Aerger macht es mir mehr denn Sorg; Nun ſage mir, wo iſt Ingeborg!“ — „Vernimms, ſpricht Hilding, „icht will dirs ſagen, Doch wirds, ſo fürcht' ich, dir nicht behagen. Kaum warſt du fort, ſo btach Ring hervor, Fünf Schild' auf einem vernahm mein Ohr. Im Diſarthal an dem Fluß ſie ſchlugen, Und blut'gen Schaum nur die Wogen trugen. Gleich bleibt ſich Halfdan und ſcherzt und lacht, Als Mann doch zeigt er ſich in der Schlacht. Mein Heerſchild deckte den jungen König, Sein Probeſtück mir gefiel nicht wenig. Doch lange dauerte nicht der Strauß, König Helge floh, und da war es aus, Wie deinem Hof nun vorbei ſie zogen, Hoch auf zur Wolke die Flammen flogen. Da blieb den Brüdern nur dieſe Wahl; Ring heiſcht die Schweſter ſich zum Gemahl; Sie könn'ihn ſühnen nur mit dem Hohne, Wenn nicht, ſo nähm'er ſich Land und Krone. Viel Botſ ſchaft nun hin und her wohl ging; Doch jetzt die Braut iſt bei König Ring.“ — „Das Erſte welches bei Loke tagte, War eine Lüg „und in Weibsgeſtalt Trat hin die Falſche zum Mann alsbald. Mit blauen Augen, die ſtets berücken, Mit falſchen Thränen, die ſtets entzücken; Die Wangen roſig, der Buſen weiß, Mit Treue, ſchwindend wie Frühlingseis; Es flüſtern Falſchheit und Trug im Herzen, Meineide ſtets auf den Lippen ſcherzen. — und theuer war mir die Falſche doch! — 67 Wie theuer war ſie! Wie iſt ſies noch! So weit mein Denken zurück ich leite, War ſie im Spiele mir ſtets zur Seite. Was je ich übte mit Sinn und Fleiß, Sie war von Allem mir ſtets der Preis. Zwei Stämm entwachſen der Wurzel zuſammen, Schlägt Thor den einen mit Himmelsflammen, So welkt der andre, iſt einer grün, Auch alle Zweige am andern blühn: So war auch Freud' uns und Schmerz gemeinſam, Ich kann, ich kann mich nicht denken einſam. Jetzt bin ich einſam. Du hohe War, Die rings du walteſt und offenbar, und Eide ſchreibeſt auf goldne Scheiben, O laß die Poſſe, o laß das Schreiben! Die Scheibe füllſt du mit nichts als Lug, Zu gut iſt das Gold für ſolchen Trug. Von Balders Nanna ſie zwar erzählen, Doch Wahrheit iſt nicht in Menſchenſeelen, In Menſchenbruſt iſt die Falſchheit nur — Seit Ingborgs Stimme den Meineid ſchwur; Sie, gleich dem Winde auf Blumenbreiten, Dem Harfenlaute auf Brages Saiten. Nicht horchen will ich auf Harfenlaut, Nicht denken will ich der falſchen Braut. Ihr Sturmestänze, ihr ſollt mir winken, Blut, Weltmeerswoge, nur ſollſt du trinken! Wo Grabesſaaten das Schwert hinſtreut, Auf Höhn, in Thälern, erwächſt mir Freud. Treff einen König wohl mit der Krone, Doch ſehen möcht' ich, ob den ich ſchone. Ich treff' auch wohl in der Streiter Schwarm Ein Bürſchchen an mit verliebtem Harm; Was will auf Treue der Narr noch bauen? Aus Mitleid will ich ihn niederhauen; Ich will ihm ſparen, dereinſt zu ſtehn Beſchimpft, verrathen, wie mir geſchehn.“ — 5* 68 „Wie tobts und ſprudelts im Jugendblute!“ Sprach ruhig Hilding; „dem heißen Muthe Muß Kühlung bringen der Jahre Schnee. Wie thuſt der edelen Maid du weh! Nicht ſchilt auf Ingborg, ſie fehlte nimmer, Schilt auf die Norne; ſie ſchleudert immer Den Pfeil des Grimms, und es fällt ihr Loos Aus Donnerwolk' in der Menſchen Schooß. Wohl ſchwieg beſtändig der Edlen Klage, Wie Widar ſchweigt in der Götterſage. Sie trauerte ſtill, wie in Südens Hain Die Turteltaube, die blieb allein. Ihr Leid erſchloß ſie nur meinem Herzen, Die namenloſen und tiefen Schmerzen. Wie taucht getroffen vom Todespfeil Das Seehuhn nieder zur Tief' in Eil, Daß nicht der Tag ihm glüh' in der Wunde, Verbluten will es auf tiefem Grunde: So auch ihr Kummer in Nacht hinſank; Ich weiß allein, wie die Starke rang. „Ein Opfer bin ich; Schneeblumenglocken Umduften,“ ſprach ſie, „der Jungfrau Locken; ja bin ich mit Wintergrün, Und ſo mein väterlich Reich ich ſühn. Ich könnte ſterben: doch härtre Buße Iſt mir beſchieden nach Balders Schluſſe; Langſamer Jod, und nicht Ruh im Schmerz, Die Pulſe ſchlagen, es klopft das Herz. Doch Keinem ſprich von dem Streit der Armen, Wohl leiden will ich, doch kein Erbarmen; Die Königstochter erträgt die Sorg, Doch Frithjof grüße von Ingeborg!“ — Am Hochzeitstag — o wie ſäh' ich gerne Doch dieſen Tag mir vom Runſtab ferne! — Zum Tempel ſchritten nun Paar bei Paar Bewehrte Mannen, der Jungfraun Schaar. Trüb zog der Skald vor dem Hochzeitstroſſe, Bleich ſaß die Braut auf dem ſchwarzen Roſſe, Bleich, wie ein Geiſt auf der Wolke ſitzt Der ſchwarzen, wann es am Himmel blitzt. Dem Roß enthob ich die lilienſchlanke, und führte hin ſie zur Altarſchranke Im Raum des Tempels, da gab die Braut Ihr Ja an Lofn ſo feſt als laut, Rief auch zu Balder mit vielem Flehen; In Thränen Alle, nur ſie nicht, ſtehen. Nun deinen Ring ihr am Arme ſieht König Helg', und grimmig er ab ihn zieht; Der Goldring hängt nun an Balders Bilde. Da ging mein Zürnen auch in das Wilde; Der Seit' entriß ich mein gutes Schwert, Richt viel war da mir der König werth. Doch Ingborg flüſtert: „Das Schwert laß fahren! Ein Bruder hätt' es mir können ſparen; Viel trägt das Herz ja, bevor es bricht, Allfader richtet, ich murre nicht.“ — „Allfader richtet!“ nun Frithjof ſaget, „Ein wenig Richten auch mir behaget. Iſt heut nicht Balders Mittſommertag? Dort hält der Königprieſter Gelag, Mordbrenner, der mit der Schweſter handelt; Die Luſt zu richten auch mich anwandelt.“ — — 13. Balders Scheiterhaufen. Mittnachtſonn auf den Bergen lag, Blutroth anzuſchauen; Es war nicht Nacht, es war nicht Tag, Es war ein eignes Grauen. Balders Scheiterhaufen ſtand, Bild der Sonn', auf dem Heerde; 70 Bald doch iſt er niedergebrannt, Dann herrſcht Hödr auf der Erke. Prieſterhauf' im Tempel war Thätig bei den Bränden, Bieiche Alte in Silberhaar, Flintſteinmeſſer in harten Händen. Helge mit der Kron' iſt nicht weit, Dienet am Altarſteine. Horch! da klingen zur Mittnachtzeit Waffen im Opferhaine. „Biörn, bewache die Pforte hier, Sind ſi⸗ doch nun in der Falle! Aus noch ein laß Keinen mir; Lieber tödte ſie Alle.“ 22 Bleich ward Helge, nur zu wohl Kannt' er dieſe Stimme. Eintrat Frithjof Zornes voll, Sang, wie ein Sturm, im Grimme: „Hier den Schoß! Auf dein Gebot Holt' ich ihn über die Fluthen. Nimm ihn! dann auf Leben und Tod Kämpfe bei Balders Gluthen! Schild auf den Rücken, die Briſt hu anz frei! So gebührt es zu ſtreiten. Erſter Hieb als König dir ſei, Denk, ich habe den zweiten. * Blicke ſo bang nicht auf die Thür! Fuchs iſt gefangen im Blocke. Denk an Framnäs, denk auch hier 7 An Ingborg mit göldner Locke!“ — Alſo ſprach der Held mit FJug, BGriff zum Gurt, und wenig Sorgſam er den Beutel en 2 An die Stirn dem König. Blut ihm ſprang aus Naſ' und Mund, Schwach ward ihm der Schenkel; Sinnlos, bleich am Altarrund Lag der Iſen Enkel. „Duldeſt du nicht dein eigen Gold? Feigſter in Nordens Reichen! Angurwadel hat nicht gewollt Fällen deinesgleichen. Prieſter, ſtill mit dem Opferkneif, Bleiche Mondſcheinfürſten! Sonſt ſeid ihr zum Tode reif; unſre Klingen dürſten. 5 Weißer Balder, zähme den Harm, Und dein Zürnen fahre! Mit Vergunſt, dein Ring am Arm Iſt geſtohlne Waare. Nicht für dich, das ſag' ich weſte Schmiedete ihn Waulunder. Räuber ſtahl ihn, es weinte die Maid; Fort mit dem Schurkenplunder!“ — Tapfer zog er, doch Ring und Arm Schienen gewachſen zuſammen. Wie ſichs löſt, da ſtürzt vor Harm Balder ſich in die Flammen. Hör, es knattert! Die Lohe geht Golden in Dach und Sparren. Todtbleich Björn an der Pforte ſeht⸗ Frithjofs Glieder ſtarren. „Auf die Thür! Das Volk hinaus! Wach' iſt nun vorüber! Tempelbrand! Gießt Waſſer aus, Gießt das Meer darüber!“ — Nun vom Tempel bis hin zum Strand Geht eine Kette von Händen; E Wellen wandern von Hand zu Hand, Ziſchen an glühnden Bränden. Frithjof ſitzt, wie des Regens Gott, Hoch auf Balken und Fluthen; Allen giebt er ſein Machtgebot Ruhig in Todesgluthen. Eilet! Das Feur nimmt Ueberhand, Qualmende Wirbel ſich wälzen. Gold es tröpfelt auf glühnden Sand, Silberplatten ſie ſchmelzen. Alles verloren! Es fliegt ein Hahn Gluthroth aus den Flammen Hin zur Firſt, und kräht ſodann, Schlägt die Flügel zuſammen. Scharfer Frühwind ſpielet von Nord, Hoch zum Himmel es fähret. Balders Hain iſt ausgedorrt, Flamm'iſt hungrig und zehret. Raſend gehts in die Zweig' hinein, Weite Gränz' hat die Lohe. Ei, wie tobts! Welch grauſer Schein! Mächtig iſt Balder der hohe. Hör! Wie knaſterts im Wurzelſpalt! Sieh, wie die Wipfel ſprühen! Nicht ja zähmet Menſchengewalt Muſpels Söhn' im Glühen. Gluthmeer wogt in des Haines Rund, Strandlos ſchwellen die Fluthen; Sonn'erſcheint, doch Bucht und Sund Spiegeln nur Abgrundsgluthen. Aſch' iſt nun der Tempel alsbald, Aſch' iſt Alles im Haine. Traurig fort jetzt Frithjof wallt, Weinet im Morgenſcheine. 75 Frithjof wird landflüchtig. Auf Schiffsdeck wacht In Sommernacht Der Held voll Kummer, Ihn flieht der Schlummer. Noch Sorg und Schmerz Durchwogt ſein Herz; Vom Tempelbrande Rauchts noch am Strande. „Flieg, Rauch, und ſuch Im Wirbelflug Dir Walhalls Höhe, Und niederflehe Des Weißen Grimm Mit ſtarker Stimm! Sprich, daß erſchallen Die Götterhallen, Vom Tempelrund, Verbrannt in Grund; Vom Bild von Holze, Es fiel das ſtolze, Ging auf in Brand, Wie andrer Tand. Sodann vom Haine, Dem Friedensraine Von Anbeginn — Gluth nahm ihn hin. Der Flamme Lodern Ließ ihn nicht modern. — Dies, was geſchah, Was ſonſt man ſah, Dem Gott erzähle, 3 und nichts verhehle, 74 Du Nebelbot, Dem Nebelgott! Gerühmt nicht wenig Wird einſt der König; Er bannte mich, Wenn nicht von ſich, Doch von dem Reiche. Wohlan, ich weiche Zum Wellenblau, Zur Wogenau. Du darfſt nicht weilen, S mußt du eilen, llid', als Held, Ans End der Welt; Dich wiegend ſauſen Durch Meeresbrauſen, Mein Drache gut! Ein Tropfen Blut, Der ſchadet nimmer. Brich auf nur immer! Im Sturmgeſaus Biſt du mein Haus; Das andre brannte Der Gottverwandte. Du biſt mein Nord, Mein Heimathort; Denn von dem andern Muß ich ja wandern. Biſt meine Maid Im ſchwarzen Kleid; Die weiße trübte Den, der ſie liebte. — Du freies Meer, Wogſt frei einher Von Königstücken Und Herrſchernücken. — 75 Gebieter dein Iſt der allein, Der nimmer bebet, Wie hoch ſich hebet In Zornesluſt 1 Die ſchaumge Bruſt. Des Helden Stelle Iſt auf der Welle; Sein Kieleslauf Erpflügt darauf; Blutregen thauen Auf Schiffesauen; Stahlblänke hat Daſelbſt die Saat. Das Feld der Meere Es trägt ihm Ehre, Es trägt ihm Gold; Meer, ſei mir hold! — Mit euch, ihr Wogen, Nun fortgezogen! Des Vaters Grab Sinkt nie hinab. Grün ſteht der Hügel Am Wellenſpiegel; Mein Grab ſei blau Auf Schaumesau; Es ſchwimme immer In Nebelſchimmer, Mög' endlich ziehn Zur Tiefe hin.— Du wardſt mir Gabe Und Lebenshabe, Wirſt Grabeshöh Mir, freie See!“ — So ſang der Wilde; Von Sogns Gefilde Sein treues Spriet — 76 In Trauer ſchied. Sanft hin ſichs wiegte, Durch Klippen ſchmiegte Sichs, die im Nord Der Buchte Hort. Doch Rächer wachen. Mit zehn der Drachen Kam auf dem Meer Nun Heige her. Da ſcholls von Allen: „Nun will er fallen, Will Streit, der Held! Nicht mehr gefällt Dem Walhallſohne, Daß hier er wohne; Zur Heimath hin Steht ihm der Sinnz Zu Odens Höhen Will er nun gehen.“ — Geſagt dies war, Als unſichtbar 2 Sich Kräfte machen An Helges Drachen, Und mehr und mehr Ziehn alle ſchwer In Ranas Arme. Mit Müh und Harme Nur Helge ſchwamm Vom Wrackesſtamm. — Biörn aber lachte Laut auf und ſagte: „Du Aſablut, Die Liſt war gut. . Mich ſpornte keiner. Ich bohrt', ich einer, Die Schiffe an; Gut iſts gethan. ——— Ran, hoff ich, heget Sie, wie ſie pfleget, In ihrem Schooß. Doch Schade bloß, Daß Helg' im Sunde Nicht ging zu Grunde.“ Von Grimm entbrannt König Helge ſtand, Entflohn den Wogen, Und ſpannt den Bogen Von Stahl und rund Am Klippengrund. Er ſelber kannte Nicht wie er ſpannte, Mit einem Klang Der Bogen ſprang. Doch Frithjof wieget Die Lanz': „Es lieget Mein Todsaar ja Gefeſſelt da. Wollt' ich ihn ſenden, Du würdeſt enden, Du Wicht, für Lug, Gewalt und Trug. Doch Muth gefaſſet! Die Lanze haſſet Des Feigen Blut. Sie iſt zu gut Für ſolche Schüfte. Wohl Runengrüfte Sie treffen mag, Nicht ſolchen Schlag Von Schurkenpfählen Will ſie ſich wählen. — Hinab ins Meer Sank deine Ehr. 73 Zu Lande, König, Auch gilt ſie wenig. Roſt bricht den Stahl, Nicht du; ein Maal Von weitern Strecken Will ich mir ſtecken. Gieb Acht, dein Ziel Iſt mir ein Spiel.“ — Nun faßt er heftig Das Ruder kräftig, Maſtföhr' einmal In Gudbrands Thal. Er faßt das zweite, Strebt hin ins Weite, und ſchlägt mit Kraft. Wie Rohrpfeilſchaft, Wie ſpröde Klingen, Die Ruder ſpringen, — Da Sonnenblitz 3 Auf Felſenſpitz, und Winde ſäuſeln Vom Land und kräuſeln Die See zum Tanz Im Morgenglanz. Wie tanzt ſo ſchnelle Auf blauer Welle Ellid' und ſpringt! Doch Frithjof ſingt: „Heimskringlas Scheitel, Du hoher Nord! Für mich biſt eitel Du Freudenort., Von dir ich ſtamme, Drauf trotz' ich wohl. Nun, Heldenamme, Lebwohl, lebwohl! 79 Lebwohl und funkel, Walhallathron! Du Aug' im Dunkel, Mittſommerſonn! Du klarer Himmel, Du hehrer Pol, Du Sterngewimmel, Lebt wohl, lebt wohl! Ihr Berg' und Thale, Wo Ehre wohnt, Ihr Runenſaale, Wo Akthor thront! Ihr blauen Seen, Ich kenn'euch wohl; Ihr Sund' und Hen, Lebt wohl, lebt wohl! Ihr Grabeshöhen An blauer See, Wo Düfte wehen Von Lindenſchnee; Doch Saga wäget Gerecht und wohl Was Erde heget; Lebt wohl, lebt wohl! Lebt wohl, ihr Haine, Du Silberbach, Ihr grünen Raine, Wo oft ich lag. Ihr Freunde, theuer War ich euch wohl; Stets denk' ich Euer. Lebt wohl, lebt wohl! Verhöhnt mein Lieben, Mein Hof verbrannt! Vom Gut vertrieben, Entehrt, verbannt! gZum Meer wir ſcheiden Vom Lande wohl; Doch Lebensfreuden, Lebt wohl, lebt wohl!“ 80 15. Wikingerbalk. Nun er ſchwebete rings auf dem einſamen Meer, fuhr weit, wie der jagende Falk; Doch Geſetz er da ſchrieb für die Kämpen am Bord. Du nun höre den Wikingerbalk: „Auf dem Schiffe nicht zelt, und im Hauſe nicht ſchlaf; es ſind drin⸗ nen nur Feinde geſtellt. Auf dem Schild ſchlaf, Wiking, das Schwert in der Hand, und den Himmel, den blauen, zum Zelt! „Kurzſchaftig der Hammer des ſiegenden Thor, elllang iſt bei Frej nur das Schwert. Das genügt; iſt dir Muth, geh nahe dem Feind, und zu kurz nicht biſt du bewehrt. „Wann es ſtürmet mit Macht, dann die Segel du hiß; es iſt luſtig 3 auf ſtürmender See. Wie es gehet, ſo gehs; wer da ſtreichet, iſt feig, eh du ſtreicheſt, zu Grunde du geh. 3 „Schütz am Lande die Maid, doch ſie bleibe von Bord; wärs Freſa, ſie täuſchte dich doch; Denn das Grübchen der Wang iſt die falſcheſte Grub', und ein Netz iſt die fliegende Lock. „Wein Walfader trinkt, und ein Rauſch iſt vergönnt, doch Beſin⸗ nung bewahre du dir; Wer da taumelt am Land, ſteht auf, doch zu Ran, die dich einwiegt, taumelſt du hier. 31 „Wenn der Krämer ſich naht, ſo beſchütze ſein Schiff, doch den Zoll dir der Schwache bezahl. Du biſt König der See, ey iſt Sclav des Gewinns, und ſein Gold iſt nicht mehr denn dein Stahl. „Theil Gewinn auf dem Decke durch Würfel und Loos; wie er fällt, nicht beklage du dich; Seekönig er ſelbſt doch den Würfel zift wif er behält nur die Ehre für ſich. „Nun ein Wikingerſchiff! Da geentert, gekämpft! in dem Streite die Schwerter nicht ruhn; Wenn du weichſt um ein Haar, biſt du unſer nicht mehr. Was dir obliegt, kenneſt du nun. „Dir genüge der Sieg! Wer um Frieden dich fleht, iſt entwaffnet, er iſt nicht dein Feind. Flehn ſtammt aus Walhalla, den Bleichen erhör! Nur ein Schurke die Bitte verneint. „Wund' iſt Wikingsgewinn und ſie ſchmücket den Mann, wenn ſie ſteht auf der Stirn, auf der Bruſtz Wie ſie blute, verbinde vor Abend ſie nicht; wir begrüßen dich ſonſt nicht mit Luſt.“ So nun ſchrieb er Geſetz, und an jeglichem Tag in der Ferne ſie nannten ihn weit. Seines Gleichen nicht war auf dem wogenden Blau, und die Käm⸗ pen ergötzte der. Streit. Doch er ſelber er ſaß an dem Steuer betrübt, ſah nieder ins wallende Meer. „Du biſt tief, in der Tief iſt der Friede vielleicht, doch hier oben da tobet es ſehr. Iſt der Weiße mir gram, nun ſo zieh' er ſein Schwert, und ich falle ja gerne dahin; Doch er ſitzt im Gewölk und Gedanken er ſchickt, die verfinſtern mir ſtetig den Sinn.“ — Doch wenn nahet der Streit, dann ihm hebt ſich der Muth, wie nach Ruhe ſich hebet der Aar; und die Stirn iſt ihm klar, und die Stimm' iſt ihm hoch, und er ſteht ſo wie Thor vor der Schaar. So nun ſchwamm er von Siegen zu Siegen getroſt, auf dem ſchäu⸗ menden Grabe daher; und er ſchaute im Süden die Schären und Hen, und ſo kam er zum griechiſchen Meer. Als die Hain' er nun ſah, die entſtiegen der Fluth, mit der Tempel hinſinkender Zier, Was er ſann weiß Freja, es weiß es der Skald, und ihr wißt es, ihr Liebenden, ihr! — „Hier Behauſung uns wär' Hier iſt Inſel und Hain, hier der Dom, den mein Vater beſchrieb. Ach! ich flehte die Theure zu ziehen hieher, doch im Norden die Grau⸗ ſame blieb. Fſt nicht Fried' in den Thälern, den ſeligen, dort; nicht Erinnrung im marmornen Gang! und wie Liebesgeflüſter der Quellen Geräuſch! Iſt nicht Brautlied der Vögel Geſang? Wo iſt Ingeborg nun? Ob ſie mein noch gedenkt bei dem greiſen, verwelkten Gemahl? Ach, ich kann nicht vergeſſen, ich ſtürbe wie gern, ſie zu ſehn, ſie zu ſehn nur einmal! Hin der Jahre ſind drei, ſeit ich ſchaute mein Land, das der Saga Königesſaal; Ragt das hehre Gebirge noch himmelempor! Iſt es grün noch im heimiſchen Thal! Auf dem Hügel des Vaters ihm pflanzt' ich die Lind'; ob die zarte noch lebt auf dem Grab! und wer pfleget ſie nun! Gieb, Erde, dein Naß, und den Thau, gieb, Himmel, herab! Doch was lieg' ich moch länger auf fremdem Gewog' und beſchatze mit mordender Hand? Wir iſt Ehre genug, und das flammende Gold, das veracht' ich, den lumpigen Tand. 35 Da bie Flagg' auf dem Maſt und nach Norden ſie zeigt, und das theuerſte Land iſt mir dort. Ja ich folge der Winde, der himmliſchen, Gang, ja ich ſteu're zum heimiſchen Nord.“ 16. Frithiof und Bijörn. Frithjof. Bjrn, es iſt müde des Meers mein Sinn; Sind doch die Wogen gar wilde Geſellen! Nordens geliebte und feſte Fjällen Locken mich zu ſich — ich muß dahin. Glücklich iſt der, dem ſein Land nicht verſchloſſen; Darf er doch ſein, wo die Väter ihm ruhn! Ach, zu lange, zu lange gefloſſen Bin auf dem Meer ich Verfehmeter nun. * B j örn. Gut iſt das Meer; o laß dirs gefallen! Freiheit und Freud' auf ihm du nur haſt. Siehe, ſie kennen nicht weichliche Raſt, Lieben es ſtets mit den Wogen zu wallen! Kommt mir das Alter, dann mag ich auch bort Feſt wie das Gras an der Erd' einſt kleben; Jetzt will ich kämpfen und trinken am Bord, Jetzt will ich nutzen das luſtige Leben. Frithiof. * Hat doch das Eis uns gejagt auf das Land, Rings um den Kiel ſind die Wellen gefroren; Winter, du langer, nicht ſei mir verloren Hier unter Klippen am einſamen Strand! Eins will im Nord ich noch julen in Freude, Gaſten bei Ring, bei der früheren Braut, 6* 34 Sehen des Haupthaars goldene Seide, Hören der Stimme bezaubernden Laut. Björn. Gut, ich verſteh; Ring ſoll es verſpüren, Wikingsrache ſie ſei wie der Blitz, Wenn wir ihm zünden den Königsſitz, e Sengen den Alten, die Schöne entführen. Oder vielleicht auch nach Wikingerweiſ' ättſt du ihn werth, daß er Holmgang mache, Oder du ladeſt zur Schlacht ihn aufs Eis; — Sprich! Ich bin fertig zu jeglicher Sache. Frithjof. Sprich nicht von Krieg mir, von Morden und Brand; Friedlich ja will ich zum Könige gehen. Er nicht, die Gattin nicht hat es verſehen, Sondern die Götter mit rächender Hand. Wenig nur hab' ich zu hoffen auf Erden, Abſchied nur nehm' ich von ihr, die mir werth, Abſchied auf ewig! Wann weiden die Heerden, Früher vielleicht noch, bin heim ich gekehrt. Björn. Frithjof, die Narrheit ſie iſt mir zuwider; Klag' und Geſeufz um ein Weib iſt toll. Leider! die Welt iſt von Weibern vollz Miſſeſt du eins, haſt tauſend du wieder. Hol' ich dir doch, wenn du willſt, von dem Kram — Schnell eine Ladung vom Süden herüber, Roth wie die Roſen, wie Lämmer ſo zahm; Theilen wir dann, oder loſen darüber! Frithjof. Björn, ſo wie Frej, biſt du offen und ſchlicht, Klug auch im Rath und biſt tapfer im Streite; Oden und Thor ſie ſtehn dir zur Seite, Freja, die Himmliſche, kenneſt du nicht. Wecke den Zorn nicht der ewigen. Trunken Wird ja, was athmet, durch ihre Macht. Früh oder ſpat ihr noch ſchlummernder Funken Göttern und Menſchen im Buſen wacht. 35 Biörn. Gche nicht einzeln, du macheſt mich bange. — Frithjof. Einzzeln nicht geh' ich, Schwert iſt auch da. n jörn. Denke daran, wie es Hagbart geſchah. Frithjof. Wen ſie ergreifen, verdient, daß er hange. Björn. 3 Sinkeſt du, Bruder, ſo räch' ich dich wohl, Blutaar ritz' ich bei Frithjofs Falle. Frithſof. Björn, des bedarfs nicht. Vom Hahnrufsſchalle Hört er nicht länger, denn ich. Leb wohl! —— 16 Frithjof kommt zu König Ring. önig Ring er ſaß im Hochſitz beim Meth und jult' und trank, Und bei ihm ſaß die Königin weiß, roſenroth und ſchlank. Wie Lenz und Herbſt ſo ſaßen ſie bei einander da, In ihr den friſchen Frühling, in ihm den Herbſt man ſah. Und ſieh, da trat ein alter, wildfremder Mann herein, Vom Paupt bis zu den Füßen hüllt Bärenfell ihn ein. Am Wanderſtabe ging er gebückt einher und ſchwach, Doch ſtanden ihm an Größe die Andern alle nach. Er ſetzte ſich ganz unten dicht bei der Thür im Saal, Das iſt der Armen Stelle noch jetzt wie dazumal. Die Schranzen lachten höhniſch und ſahn einander an, Und mit dem Finger wieſen ſie auf den rauhen Mann. Scharf blitzt mit beiden Augen der Fremdling und ergrimmt, Mit einer Hand er eilends nun einen Höfling nimmt, Und guf den Kopf bedächtig ſtellt er den jungen Mann. Da ſchwiegen ſtill die andern; wir hättens auch gethan. 36 „Was für ein Lärm iſt brunten! Wer ſtört den Frieden hier? Komm auf zu mir, du Alter, und Rede ſtehe mir. Wie iſt dein Nam! Was willſt du! Wo iſt dein Vaterland!“ So ſprach in Zorn der König; der Greis im Winkel ſtand. „Gar Vieles frägſt du, König, doch Antwort geb' ich gern: Richt kümmert dich mein Name, er hat ſchon ſeinen Herrn. Land Jammer iſt mir Heimath, Noth heißt der Erbhof mir, Beim Wolfe lag ich geſtern und komme heut zu dir. Vor Zeiten ritt ich fröhlich auf meinem Drachen hin, Er hatte ſtarke Flügel und flog in frohem Sinn; Nun iſt er eingefroren und liegt gelähmt am Land; Alt bin ich ſelbſt geworden und brenne Salz am Strand. Sehn wollt ich deine Weisheit, die weit im Land erſchallt, Da neckten ſie mich höhniſch, für Hohn bin ich zu alt; Ich faßte einen Narren und drehte ihn herum, Doch ſtand er auf ganz munter; nicht zürne, König, drum!“ — „Nicht übel,“ ſpricht ber König, „ſtehn deine Worte dir, Das Alter muß man ehren, komm ſetz dich her zu mir. Loß fallen die Verkleidung, laß ſehn dich frank und frei; Verkleidung ſtört die Freude, ich will, daß froh man ſei.“ Da fiel vom Haupt des Gaſtes die rauhe Bärenhaut, Und ſtatt des Alten jeder nun einen Jüngling ſchaut. Von hoher Stirne nieder, und breiter Schultern Macht Floß rings wie goldne Wellen der lichten Locken Pracht. In blauem Sammetmantel trat prächtig er nun auf, Handbreit der Silbergürtel und wilde Thiere drauf, In hochgetriebner Arbeit vom Künſtler angebracht, Rund um des Helden Mitte in wild entflammter Jagd. Des Ringes goldne Zierde umgab den Arm ihm reich, Das Schwert hing an der Seite, gehemmtem Blitze gleich. Das ſtille Heldenauge auf Saal und Gäſte ſah, Schön ſtand er da wie Balder, hoch ſtand wie Thor er da. Schnell in die bleichen Wangen der Kön'gin ſchießt das Blut; So wird ein Schneegefilde bemalt von Nordſcheinsgluth — ——. —— 37 Gleichwie zwei Waſſerlilien bei wilder Sturmesluſt Stehn ſchaukelnd auf den Wogen, hob ſich die weiße Bruſt. Nun blies das Horn im Saale, ſtill ſtand der Zungen Lauf, Nun war Gelübdesſtunde, Frejs Eber trug man auf, Mit Kränzen um die Schultern, den Apfel in dem Mund, Es beugten ſich die Kniee wohl in des Faſſes Rund. Und König Ring erhebt ſich im Silberlockenſchein, Berührt des Ebers Stirne; dies das Gelübde ſein; „Bekommen will ich Frithjof, geht gleich kein Kämp' ibm vor; So helfe Frej und Oden, dazu der ſtarke Thor!“ Mit Trotzgelach erhob ſich der fremde Mann ſo hoch, Ein Blitz des Heldenzornes ſein Antlitz überflog; Sein Schwert ſchlug auf die Tafel, ſo daß der Saal erklang, Auf von den Eichenbänken ein jeder Kämpe ſprang. „Vernimm auch mein Gelübde, du nun, Herr König, hier; Wohl kenn' ich auch den Frithjof, er iſt verwandt mit mir: Veſchirmen will ich Frithjof, wenn eine Welt ſich wehrt; So helfe meine Norne, dazu mein gutes Schwert!“ Der König lacht' und ſagte: „Das heißt gelockt zum Streit; Doch frei iſt jede Rede, wo König Ring gebeut. Gieß Wein ins Horn ihm, Kön'gin, den beſten, den du haſt! Der Fremdling, will ich hoffen, iſt unſer Wintergaſt.“ Da nahm die Frau, die edle, das Horn, das vor ihr ſtand, Das Kleinod, einſt die Zierde des Urs, in ihre Hand, Auf blanken Silberfüßen, mit goldner Reifen Wehr, Das Vorzeitsbilder ſchmuckten und Runenſchrift umher. Mit züchtgen Augen reichte dem Gaſt das Horn ſie dann, Doch ihre Hand erzittert, und etwas Wein verrann. Wie abendrother Purpur beſtrahlt der Lilien Rand, So glühn die dunkeln Tropfen ihr auf der weißen Hand. Froh nahm nun von der Hohen der Gaſt des Horns Gewicht. Wie jetzt die Männer, leerten es zwei der Männer nicht; Leicht leert der Starke ſolches, zur Luſt der Königin, In einem Athemzuge, kein Tropfen blieb darin. 833 Da nahm der Skald die Harfe am Königstiſch beim Mahl, Von ſüßer Lieb' im Norden erklang es nun im Saal, Von Hagbart und Schön Signe; zu Lieb' und Herzensluſt Schmolz bei der tiefen Stimme der Helden Panzerbruſt. Er ſang von Walhalls Sälen und der Einherien Ehr, Von tapfrer Väter Thaten im Feld' und auf dem Meer. Ans Schwert griff nun ein jeder, im Auge Gluth und Zorn, und fleißig an der Tafel ging um das tiefe Horn. Gar ſcharf die Kämpen tranken im hohen Königshaus, Und wackern Julrauſch zeugte ein jeder ſich beim Schmaus, Ging fort ſodann zu ſchlafen befreit von Harm und Sorg; Doch König Ring der alte ſchlief bei Schön Ingeborg. 18. Die Eisfahrt⸗ König Ring mit der Königin fährt zum Schmaus, Wie ein Spiegel ſo breitet das Eis ſich aus. „Nicht fahr übers Eis,“ ſo der Fremde rief, „Es bricht, und das kalte Bad iſt zu tief.“ — Ring ſpricht: „Ein König ertrinkt nicht ſo leicht; umgehenden See, wer in Furcht erbleicht.“ Barſch ſieht ihn der Fremdling und finſter an, Schnell ſpannt er ſich unter den Stahlſchuh dann. Eistraber ſetzet mit Macht dahin, Er ſchnaufet Flammen in frohem Sinn. „Streich aus,“ ſchreit Ring, „mein Traber gut, Laß ſehn, ob du biſt von Sleipners Blut!“ Es geht, wie Stürm' auf der See hingehn. Der Alte nicht achtet der Königin Flehn. 39 Der Stahlſchuhkämp' auch ſtehet nicht ſtill, Er fährt vorbei ſo ſchnell er nur will. Er reißt in das Eis viel Runen werth, Schön Ingborg den eignen Namen befährt. So eilen ſie hin auf der glatten Bahn, Doch unten da lauert die falſche Ran. Sie ſtößt ein Loch in ihr Silberdach; In offner Wake der Schlitten lag. Schön Ingborg nun auf der Wang' erblaßt, Da kommt wie ein Wirbelwind der Gaſt. Den Stahlſchuh bohrt er ins eiſige Feld, Das Roß bei der Mähn' er ergreift und hält. Ein einziger Zug, und ſiehe, mit Macht Sind Pferd und Schlitten aufs Eis gebracht. „Den Zug,“ ruft Ring, „den preiſ' ich fortan; Nicht Frikhjof, der Starke, hätts beſſer gethan.“ Da kehrten ſie um und zum Hofſaal hin; Der Fremdling er blieb bis zum Frühling drin. 19. Frithjofs Verſuchung. Frühling kommt: der Vogel zwitſchert, Wald belaubt ſich, Sonne lacht, Hin zum Meere tanzet ſingend der gelöſten Ströme Macht. Aus der Knospe blickt die Roſe ſchön wie Frejas Wangengluth, und in Menſchenbruſt erwachen Hoffnung, Lebensluſt und Muth. Jagen will der alte König, Königin ſoll mit zur Jagd, Und der ganze Hof verſammelt rings ſich nun in bunter Pracht. Sieh, da kommt der Jagd Gebietrin! Schau nicht auf der Augen Himmel, ſ Aengſtlich fliehn des Waldes Thiere, Alter König kann nicht folgen, wie d Ihre Flügel um das Antlitz, wie ein Kann nicht Balders Hain vergeſſen Denn der Menſchen Stämme haſſend Meine Roſenknospe legten hin ſie an Bogen klingen, Köcher raſſeln, Huf der Hengſte kratzt den Staub, und mit Kappen vor den Augen ſchrein die Falken nach dem Raub. Armer Frithjof, blicke fort! Wie ein Stern auf Frühlingswolke glänzt auf weißem Roß ſie dort. Halb als Freja, halb als Rota, beide doch ſind nicht ſo ſchön; Auf dem leichten Purpurhute hoch die blauen Federn wehn. chau nicht auf der Locken Gold! Sieh nicht auf den Leib, den ſchlanken, auf den Buſen weiß und hold! Blick nicht auf die Roſ und Lilie, wechſelnd auf dem Angeſicht! Auf die Stimme, die da ſäuſelt wie der Lenzhauch, horche nicht! Fertig iſt die Schaar der Jäger. Heißa, über Berg und Thal! Hörner ſchmettern, Falken ſteigen grad hinauf zu Odens Sagl. ſuchen ihrer Hölen Dach, Doch mit vorgeſtrecktem Spieße eilt Walkyria ihnen nach. ie Jagd im Fluge fährt, Einzeln an der Seit' ihm reitet Frithjof ſtumm, in ſich gekehrt; Trübes, wehmuthsvolles Sinnen füllt den Buſen ihm mit Qual, und wohin er nur ſich wendet, klagt mit ihm es überall. „Warum ſchied ich von den Wellen, ach! zum eignen Schadenblind? Sorg' iſt nicht auf Meereswogen, fliehet mit des Himmels Wind. Grübelt Wiking, kommt Gefahr an, fordert ſchnell ihn auf zum Tanz und die finſtern Grillen weichen, angeblitzt vom Waffenglanz. Hier doch iſt es ganz ein Andres; tiefe Sehnſucht ſchläget mir Träumer geh' ich hier; „nicht der Eid will mir ent⸗ iehn 6 Den ſie ſchwur — Sie brach ihn grimme Götter brachen ihn. ſchaun ſie grollend ihre Luſt; des Winters Bruſt. Rutzt dem Winter wohl die Roſe! Er verſteht nicht ihren Preis; Doch ſein kalter Athem kleidet Knosp' und Blatt und Stiel in Eis.“ — 9¹ Alſo klagt er. Es umgiebt ſie nun des ſtillen Thals Bezirk, Düſter, eingezwängt von Bergen; drüber ſchatten Erl' und Birk. Ab nun ſtieg der König, ſagte: „Hier iſt ſchön und kühl der Hain! Müde bin ich, laß uns ruhen; mich hier dem Schlaf mich weihn!“ — „Hier nicht darfſt du ſchlafen, ⸗ auf dem Boden hart und lt; a Schwer iſt hier der Schlaf; ich führe dich zurück zur Wohnung bald.“ „Unverhofft, wie andre Götter, kehrt ſich Schlaf den Müden zu,“ Sprach der Alte, „gönnt dem S nicht der Gaſt ein wenig Ruh!“ Ab nun zieht den Mantel Frithjof, breitet auf den Voden ihn, Und es ruht der alte König mit dem Haupt auf Frithjofs Knien, Schlummert ſanft, wie auf dem Schilde ſchläft ein Held nach Kampf und Harm, Wie ein Kind, das ſtill und ſicher ſchlummert auf dem Mutterarm. Als er ſchlummert, horch! da ſinget ſchwarzer Vogel her vom Zweig: „Eile, Frithjof, triff den Alten, ſchließ den Zwiſt mit einem Streich. Nimm die Königin, dir gehört ſie, die den Brautkuß einſt dir gab; Sieht dich doch kein menſchlich Auge, und verſchwiegen iſt das Grab.“ Frithjof lauſchet: Horch! da ſinget weißer Vogel her vom Zweig: „Sieht dichauch kein menſchlich Auge, Odens Auge ſieht den Streich. Schurke, willſt den Schlaf du morden? Waffe ja dem Greis gebricht; Was du immer auch gewinneſt, Heldenruhm gewinnſt du nicht.“— So die beiden Vögel ſangen, doch ſein Schlachtſchwert Frithjof zog, Warfs mit Abſcheu fort, und weithin in den finſtern Wald es flog. Schwarzer Vogel fliegt gen doch der andre leichtbe⸗ 8 ſchwingt Säuſelnd wie ein Ton der Harfe hoch empor zur Sonne dringt. Stracks iſt wach der alte König: „Viel war dieſer Schlafmir werth; Lieblich ſchlummert ſichs im Schatten, wenn uns ſchützt des Tapfern Schwert. Doch wo iſt dein Schwert, o i Wo des Blitzes Bruder! prich! Wer hat euch getrennt, die beide niemals ſollten trennen ſich?“ — „Gleich mir gilt es,“ ſagte Frithiol, „Schwerter ſind genug im or Scharf, o König, iſt des Schrſte⸗ zung' und ſpricht kein Frie⸗ enswort. Finſtre Geiſter ſind im Stahle, Riflheims ſchwarze Geiſterſchaar; Schlummer iſt für ſie nicht ſicher, und ſie lockt das Silberhaar.“— „Nicht geſchlafen hab'ich, Jüngling, nur erproben wollt' ich dich, Nie verläßt auf Mann und Klinge ohne Prob' ein Kluger ſich. Du biſt Frithjof, Ich erkannte dich, wie in den Saal du ſtiegſt, Alter Ring er wußte lange, was du, kluger Gaſt, verſchwiegſt. Warum ſchlichſt du tief verkleidet, namenlos dich ein zu mir? Weil die Braut du wollteſt ſtehlen aus dem Arm des Alten dir. Ehre, Frithjof, ſetzt ſich nimmer namenlos als Gaſt zum Mahl, Sonnenhell iſt ihres Schildes, offen ihres Blickes Strahl. Viel genannt ward mir ein Frithjof, Göttern Feind, der Menſchen Schreck; Tempel brannte der Verwegne, Schilde ſpaltete er keck. Bald mit Heerſchild, glaubt'ich immer, kommt er zu dir in dein and; und er kam in Bettlerlumpen und den Stock in ſeiner Hand. Warum ſchlägſt den Blick du nieder! Mir auch war einſt Jüng⸗ lingsgluth; Streit von Anfang iſt das Leben, Jugend iſt die Berſerkwuth; Schilde müſſen ein ſie klemmen, bis von Wildheit ſie genaß; Ich erprobte und verzieh dir; ich beklagte und vergaß. Alt, du ſiehſts, bin ich geworden, ſteige bald ins Grab hinein; Nimm mein Reich dann hin, o Jüngling! Nimm die Gattin, ſie iſt dein. Sei mein Sohn indeß, und bleibe hier im Saale wie bisher! Schütz mich, waffenloſer Kämpe! Unſre Zwietracht iſt nicht mehr.“ „Ich,“ antwortet Frithjof finſter, „kam nicht wie ein Dieb zu dir, Wollt' ich dir die Gattin nehmen, Prich „ wär hätts gewehret min Meine Braut nur wollt' ich ſehen, einmal, ach, zum letzten Mal; Weh mir! Halbgelöſchte Flamme ſchürt' ich auf zu neuer Qual. — 95 Bei dir ſäumt' ich ſchon zu lange, König, fort muß ich nunmehr! Unverſöhnter Götter Zürnen ruht auf meinem Haupte ſchwer. Balder mit den lichten Locken, der mit Lieb' auf Alles blickt, Mich nur haßt er; ich Verſtoßner, ich nur bin mit Bann umſtrickt. Ja, ich ſteckt' in Brand den Tempel, Wolf im Tempel heiß' ich drum; Kinder ſchrein bei meinem Namen, und das Freudenmahl wird ſtumm Nicht des Vaterlandes freut ſich der verſtoßne Sohn mit Luſt, Friedlos bin ich in der Heimath, friedlos in der eignen Bruſt. Mir iſt auf der grünen Erde nun für keine Freude Raum; Unterm Fuße brennt der Boden, keinen Schatten hat der Baum. Ingeborg hab'ich verloren; alter Ring iſt ihr Gemahl; Meine Lebensſonn'iſt unter, Finſterniß iſt überall. Darum hin zu meinen Wogen! Eia, auf, mein Drache gut! Bade dir die Bruſt, die ſchwarze, wieder in der ſalzgen Fluth! Schwing die Flügei in die Wolken, ziſchend reiß die Wellen auf! Flieg, ſo weit die Sterne leiten, als dich trägt der Wogen Lauf! Laß mich hören Sturmesbrauſen, Donnerſchall ſei meine Luſt! Wann Getöſe mich umlärmet, dann iſt Still in Frithjofs Bruſt. Schildeklang, Pfeilregen, Alter! Heerſchlacht giebts hoch auf der See! und ich ſtürze froh und ſchreite zu verſöhnter Götter Höh.“ 20. König Rings Tod. Stinfap entrücket, Goldmähnumfloſſen, Lenzſonne ſchöner dem Meer denn zuvor. Morgenſtrahl ſchmücket, Holder ergoſſen, Spielend den Thronſaal; da pochts an das Thor. Kummerumzogen Frithjof ſich nahet. Bleich ſitzt der König; bei Ingeborg hebt Bruſt ſich wie Wogen. Fremdling er fahet Ibſchiedslied an mit der Stimme die bebt: „Flügelroß badet Sich in der Welle, Seeroß, es ſehnet hinweg ſich vom Strand. Woge, ſie ladet; Fort muß ich ſchnelle, Fort von dem Freund und dem theuerſten Land 6 Ingeborg, meinen Ring nimm aufs neue; Heilge Erinnrung bewahrt er in ſich. Gieb ihn an Keinen! Gern ich verzeihe. Nimmer auf Erden mehr ſieheſt du mich. Nicht werd' ich blicken, Wie er auch ſchwelle, Rauch mehr im Norden. Nur Sklaven ſind wir, Nornen beſchicken. Wüſte der Welle, Heimath und Grab ja gewähret ſie mir. Geh nicht zum Strande, Ring, mit der Frauen, Geh nicht vor allem beim Sternenſchein! Treiben zum Sande Könnteſt du ſchauen Frithjofs, des flüchtigen Wikings, Gebein.“ — König nun ſinget: „Was kann es frommen, Klagt wie ein wimmerndes Mägdlein der Mann? Todesſang klinget, Hab' ihn vernommen; Fällt was da lebt denn dem Tode nicht an? Nornengewebe Schlingt uns in Bande; Klage nicht wendets, nicht wendet es Trutz. Frithjof, dir gebe Weib ich und Lande, Nimm für den wachſenden Sohn ſie in Schutz. Freundereich ſprach ich, Sitzend im Saale, Goldener Friede, dich hielt ich umfaßt. Tapfer doch brach ich Schilde im Thale, Schild' auf dem Meer, und nie bin ich erblaßt. Will mich nun röthen, Geirsodd mir ſchneiden; Strohtod iſt Herrſchern des Nordens nicht Ehr. Müh iſt vonnöthen Wenig zum Scheiden; Mehr als zu leben iſt Sterben nicht ſchwer.“ Nun ſchnitt er ehrlich Runen für Oden, Todsrunen tief auf die Bruſt und den Arm; Sah nun, wie herrlich Haarigem Boden Blut zwiſchen Silber entſtrömte ſo warm. „Kömmt mit dem Horne! Skol deinem Preiſe, Skol deiner Ehre, du herrlicher Nord! Reifendem Korne, Denkender Weiſe War ich geneigt und dem friedlichen Wort. 96 Unter den wilden Blutgen Genoſſen Sucht' ich den Frieden — er weilete nie. Jetzt ſeh' den milden Stammhügelſproſſen Harren ich mein bei der Himmliſchen Knie. Heil ſei euch Göttern, Walhallaſöhnen! Erde verſchwindet — zum Aſenpalaſt Ladet das Schmettern. Wonnen umkrönen Schön wie ein Goldhelm den kommenden Gaſt.“ — Sprach es und druckte Ingborg die Hände, 2 So auch dem weinenden Freund und dem Sohn. Auge nun zuckte, Geiſt nun behende Flog mit dem Seufzer zu Allfaders Thron. 2 Rings Drapa. Sit in dem Hügel Herrlicher König, Schwert an der Seite, Schild auf dem Arm. Traber der treue Tief unten wiehert, Scharrt mit dem Goldhuf Grabesgemäur. Reitet nun reicher Ring über Bifroſt, 97 ——— Bogig die Brücke Beuget ſich ihm. Auf ſpringen Walhalls Wölbige Pforten, Aſen ergreifen Ihn bei der Hand. Thor iſt vom Hauſe, Heerfahrt zu üben. Walfaders Wink den Weinbecher heiſcht. Frej ſchmückt des Königs Krone mit Aehren, Frigg windet blaue Blumen hinein. Brage, der Greiſe, Greift in die Harfe, Sanfter nun ſäuſelt Sang denn zuvor. Wanadis lauſchend Lehnt an die Tafel; Brennend ihr weißer Buſen ſich hebt. „Hoch ſingt der Schwerter Schwung in den Helmen; Wogende Wellen Wallen mit Blut. Kraft, von den Göttern Gütig verliehen, Barſch wie der Berſerk Beißt ſie den Schild. Drum war der hohe Herrſcher uns theuer, Schützte des Friedens Flur doch ſein Schild. Ruhiger Stärke Strahlendes Abbild, 93 Hob er wie Rauch von Opfer ſich ſchön. Worte der Weisheit Walfader redet, Sitzend bei Saga, Söqwabäcks Maid. Klar war das Wort des Königs wie Mimers Wellen, und war auch Wie ſie ſo tief. Friedlich vergleichet Forſete Zwiſte, Waltend an Urdas Wallender Fluth. So ſaß auch richtend Ring auf dem Steine; Bruderhand bot die Blutrache dar. Karg gab der König Keinem, er ſtreute Tagsglanz der Zwerge, Drachenbett aus. Gerne die Gab' aus Gütiger Hand ging, Leicht von den Lippen Lindernder Troſt. Willkommen, weiſer Walhalla⸗Erbe! Lang noch im Norden Lebet dein Ruhm. Brage begrüßt dich, Bringt dir den Horntrank, Friedbot der Nornen, Nahend vom Nord!“ 22 Die Königswahl. Zum Ting! Zum Ting! Der Budſtock geht Um Berg und Thal. König Ring iſt todt; bevor nun ſteht Die Königswahl. Das Schwert der Mann nimmt von der Wand, Der Stahl iſt blau. Es wird die Schneide mit der Hand Erprobt genau. Der Knaben Schaar mit Freude mißt Den Glanz der Wehr. Zwei heben ſie, für einen iſt Die Laſt zu ſchwer. Den Helm die Tochter ſcheuert rein, Daß blank ſein Blick; — und roth wird ſie — es giebt der Schein Ihr Bild zurück. Zuletzt den Wehrſchild nimmt er dann, Eine Sonn' in Blut. Heil dir, du freier Eiſenmann, Du Bonde gut! Sitz in der freien Bruſt dir hat Des Landes Ehr. Im Frieden biſt du Landes Rath, Im Kriege Wehr. Sie ſammeln ſich mit Schildgekrach Auf offnem Feld, Mit Waffenſchall; des Himmels Dach Iſt ihr Gezelt. 9. * 100 Hoch ragte Frithjof auf dem Stein; Um bei ihm war Der Königsſohn, ein Knabe klein, Mit goldnem Haar. Da geht ein Murmeln durch den Kreis: „Zu klein iſt er Als Richter, und zu führen weiß Er nicht das Heer.“ — Doch auf dem Schilde Frithjof hebt Das Kind empor: „Pier ſteht der König! in ihm lebt Des Landes Flor. Seht hier des alten Oden Bild, So ſchön und hehr, Er fühlt ſo leicht ſich auf dem Schild Wie Fiſch im Meer. Ich ſchütze ſeines Reiches Glanz Mit Schwert und Stahl; Und ſchmücke mit des Vaters Kranz Den Sohn einmal. Forſete, Balders hoher Sohn, Hört meinen Schwur. Und ſprech' ich je dem Schwure Hohn, Tödt' er mich nur!“ — Vom Schildesthron blickt in die Luft Das Kind ſo klar, Wie ſchaut zur Sonn' aus tiefer Kluft Der junge Aar. Doch endlich wird dem jungen Blut Die Zeit zu lang, Mit einem Königsſprung voll Muth Zur Erd'er ſprang. Laut ſchallt es nun hoch auf dem Ting: „Dich kieſen wir, 104 Wir Alle, werde ſo wie Ring, Schildknabe hier! — Und Frithjof herrſch' im Königsſaal, Bis ſtark dein Sinn. Jarl Frithjof, du nimm zum Gemahl Die Mutter hin!“ — „Heut iſt,“ ruft finſter Frithjof laut, „Ja Königswahl, Doch Hochzeit nicht; und meine Braut Iſt eigne Wahl. Fort muß ich nun zu Balders Hain; Es warten ja Zum ernſten Wort die Nornen mein Schon lange da. Ein Wort muß mit den Schildjungfraun Ich reden dort, Die unterm Baum der Zeiten baun, Und drüber fort. Noch zürnt der Gott mit Lockenſchein Und bleichem Blick. Er nahm die Braut, und er allein Giebt ſie zurück.“ Des Königs Stirne küßt er dann, Begrüßend ihn; Und übers Haidekraut ſie ſahn Ihn ſtille ziehn. Frithjof auf ſeines Vaters Hügel. „Die Sonne lacht! Aus ihrem Strahlenblitz Von Zweig zu Zweige hüpft ein milder Schein. Allfaders Blick, er glänzt vom Himmelsſitze Im Tropfen Thaus, im Weltmeer klar und rein. Mit Purpur färbt ſie jedes Berges Spitze. O, das iſt Blut auf Balders Opferſtein! Von Nacht iſt bald das ganze Land umzogen, Bald ſenkt der goldne Schild ſich in die Wogen. Zuvor doch will ich ſehn die theuren Stellen, Die fröhlich ich als Kind ſo oft durchflog. Dieſelben Blumen duften um die Quellen, Derſelbe Vogel ſchlägt im Walde noch! Noch tummeln um die Klippe ſich die Wellen — O glücklich, wer auf ihnen nimmer zog! Von Thatenruhm die jglſchen ſtets dir ſagen Indeß ſie fern dich von der Heimath tragen. Ich kenne dich, du Fluß; aufklaren Wogen Trugſt du ſo oft den kühnen Schwimmer ja. Ich kenne dich, du Thal, in deſſen Bogen Wir Treu' uns ſchwuren, wie die Welt nicht ſah. Ihr Birken ihr, die einſt ich hab' umzogen Mit Runen rings, ihr ſtehet ja noch da, Mit weißem Stamm, mit runder Kron' im Haine; Wie ſonſt iſt Alles, anders ich alleine. Wie ſonſt iſt Alles? Wo ſind Framnäs Saale um Balders Tempel am geweihten Strand? Wie waren doch ſo ſchön der Kindheit Thale! Wild gingen drüber hin das Schwert, der Brand. Von Menſchenrach' und zornger Götter Strahle Spricht nunzum Wandrer das verbrannte Land. Du frommer Wandrer, hier nicht laß dich ſchauen! In Balders Hain jetzt wilde Thiere bauen. Ja, ein Verſucher ſchreitet durch das Leben, Der grimme Nidhögg aus des Dunkels Wuſt; Er haßt das Aſalicht, das fromme Streben Des Heldenſchwertes und der Heldenbruſt. Er ſchafft, daß wir dem Frevel uns ergeben, Die finſtern Mächte freut des Zornes Luſt; 105 und wenns ihm glückt, wenn Tempelbrände flammen, Dann ſchlägt die ſchwarzen Hände er zuſammen. Wohnt denn Verſöhnung nicht in Odens Hallen? Du frommer Balder, ſühnt nichts deine Wuth? Dem Mann wird Buße, dem die Freunde fallen, Die hohen Götter ſühnet man mit Blut. Man ſagt, du ſeiſt der Mildeſte von Allen; Sprich nur, ich opfre gern dir jedes Gut. Dein Tempel brannte; Frithjof wollt'es nimmer; O nimm den Fleck ihm von des Schildes Schimmer! Nimm ab die Bürde mir, die allzuſchwere, und banne fern der finſtern Geiſter Schaar! Es ſühne Reu und eines Lebens Ehre Den Frevel, den der Augenblick gebar. Ich bebe nicht, ob Thor mir nahe wäre, Kühn ſtell' ich ſelbſt der bleichen Hel mich dar. Dich, frommer Gott, der gleich dem Mond du blickeſt, Dich fürcht' ich und die Rache, die du ſchickeſt. Hier ruht mein Vater. Feſſelt Schlaf den Helden? Dorthin, wo Alles bleibt, ritt längſt er ſchon. Nun wohnt er, ſagt man, in den Sternenzelten, Trinkt Meth und freut ſich an der Schilde Ton. Du Aſagaſt, ſchau her aus Himmelswelten, Dich ruft dein Sohn, dich Thorſten Wikingsſon! Nicht Runen bring' ich mit, noch Zaubergalder, Rein, ſage nur: Wie ſühn ich Aſa⸗Balder? Giebt Rede nicht das Grab? um eine Klinge Sang einſt aus ſeinem Hügel Angantyr. Das Schwert war gut, doch Tirfing iſt geringe, Ich bitte mehr — kein Schwert erbitt' ich mir. Ein Schwert verſchafft der Holmgang mir; doch bringe Verſöhnung von den Aſen du mit dir. In meiner Ahnungsdämmrung laß es tagen; Ein edler Sinn kann Balders Zorn nicht tragen. 104 Du ſchweigeſt, Vater! Horch, die Wogen klingen; — Sanft iſt ihr Schall, o leg dein Wort hinein! Der Sturmwind fliegt; häng dich an ſeine Schwingen Und flüſtre mir beim Rauſchen durch den Hain! Der Weſten hänget voll von goldnen Ringenz Laß einen deines Sinnes Herold ſein! — „ Kein Wort, kein Zeichen für des Sohnes Kummer? Wie arm, o Vater, iſt der Todten Schlummer! — Die Sonn'erloſch, und Abendlüfte ſangen * Ihr Wiegenlied den Menſchen ſanft und mild. Die Abendröthe fuhr mit Roſenwangen Auf Purpurrädern um des Himmels Schild. Zu blauen Höhn, in blaue Thäler drangen Die rothen Kreiſe, ein Walhallabild. Und plötzlich ſäuſelnd über Weſtens Fluthen Naht ein Geſicht, gewebt aus Gold und Gluthen. Hägring, ſo nennen wir dies Himmelszeichen, Doch ſchöner heißt es in Walhallas Saal; Sanft ſchwebt es nieder über Balders Eichen, Ein Goldkranz überm grünen Hain und Thal. Ein Schimmer rings, wohin die Blicke reichen, Ein Wunderglanz mit nie geſehnem Strahl. Zur Erde ſinkt zuletzt das Bild, das helle, Nun ſelbſt ein Tempel, an des Tempels Stelle. Ein Abbild Breidabliks; zum Himmel ragen Die hohen Mauern blank von Silberſchein, Die Pfeiler ſind aus dunkelm Stahl geſchlagen, Den Altar macht ein einzger Edelſtein. Der Dom hing, wie von Geiſterhand getragen, Ein Winterhimmel ſternenklar und rein. Walhallas Götter ſitzen drin auf Thronen, Mit himmelblauem Schmuck und goldnen Kronen. Im Thor des Tempels ſtehen die Geſtalten Der hohen Nornen mit dem Runenſchild; Drei Roſen, die in einer urn'enthalten, Mit ernſtem Blick, doch wunderſchön und mild; 105 Still zeiget urda auf den Schutt des alten, und Skulda auf des neuen Tempels Bild. und kaum daß Frithjof wieder ſich gefunden und freudig ſtaunt, iſt das Geſicht verſchwunden. „O ich verſteh' Euch, Schild⸗ und Zeitjungfrauen! Ein Zeichen, Vater, wars, von dir geſandt; Den Tempel Balders ſoll ich wieder bauen, Schön ſteh' er auf dem Fels, wo ſonſt er ſtand. Oherrlich, daß der Jüngling darf vertrauen, Die That des Friedens ſühne Trotz und Brand. Der Tiefverworfene kann wieder hoffen, . Des weißen Gottes Arme ſtehn ihm offen. Heil euch, ihr Sterne, die ihr kommt gezogen! Froh ſchau' ich wieder euren ſtillen Gang. Heil dir, o Nordlicht nun am Himmelsbogen! Ein Tempelbrand ja wareſt du mir lang. Ergrüne, Stammeshügel! Aus den Wogen Steig auf wie ſonſt, du wunderbarer Sang! „ Hier will ich träumen, ſchlummernd auf dem Schilde, Von Menſchenſühn' und von der Götter Milde.“ — Die Verſöhnung. Voruendet nun war Balders Tempel. Ringsherum Stand nicht, wie ſonſt, ein Pfählezaun; von Eiſen war Mit goldnem Knopf auf jeder Stange nun die Wehr * um Balders Hain. Gleich einer Kämpenſchaar in Stahl, Bewehrt mit goldnen Helmen und Hellbarden, ſtand Es da zur Wach' um Balders neues Heiligthum. Von lauter Rieſenſteinen war der Dom erbaut, Die kühne Kunſt zuſammen band, ein Rieſenwerk Für Ewigkeit, dem Tempel zu Upſala gleich, Wo ſein Walhall der Norden ſah im irdſchen Bild. 106 Stolz ſtand er da auf jähem Fels und ſpiegelte Im Glanz der Meereswogen ab die hohe Stirn. Doch ringsumher, gleich einem prächtgen Blumengurt, Lag Balders Thal mit ſeiner Haine ſanftem Wehn, Mit ſeiner Vögel ſüßem Lied, ein Friedensſitz. Hoch war das Thor von Kupfer, und im Innern trug Ein Säulenpaar auf ſtarken Schultern ſtolz das Rund Des hehren Domgewölbes; über dem Tempel hing So ſchön es da, gleich einem Rieſenſchild von Gold. Im Innern ſtand der Altar, der gehauen war Aus einem einzgen Marmorblock aus Nordens Land. Rings ſchlang ſich um mit Runenſchrift ein Schlangenreif, Voll tiefer Wort' aus Wala und aus Hawamal. Doch in der Mauer oberhalb fand ſich ein Raum, Wo goldne Stern' erglänzten auf dem dunkeln Blau. Da ſaß des Gottes Silberbild ſo fromm, ſo hold, Wie hoch am Blau des Himmels ſitzt der Silbermond. — Alſo der Tempel. Paar bei Paar nun traten ein Der Jungfraun zwölf, gekleidet reich in Silberſtoff, Mit Roſen auf den Wangen und mit Roſen auch Im unſchuldvollen Herzen. Vor des Gottes Bild Umtanzten ſie den neugeweiheten Altar, Wie Frühlingswinde tanzen auf dem klaren Quell, Wie Waldeselfen tanzen in des Graſes Grün, Wann Morgenthau noch glänzend auf den Halmen liegt. Und unterm Tanzen ſangen ſie ein heilig Lied Von Balder, von dem Frommen; wie geliebt er war Von jedem Weſen; wie er fiel von Höders Pfeil, Und Erd' und Meer und Himmel weinten. Nicht als käm' Hervor er aus der Menſchenbruſt, war der Geſang, Nein, wie ein Ton aus Breidablik, des Gottes Saal; So wie der Maid Gedanke an den fernen Freund, Wann tiefen Schlag die Wachtel ſchlägt in ſtiller Nacht, Und mild auf Nordens Eichen glänzt der Mond herab. — Bezaubert da ſtand Frithjof auf das Schwert geſtützt, Und ſah den Tanz; es drängte ſich vorbei dem Sinn Der Kindheitsträume luſtig und unſchuldig Volk, Mit himmelblauen Augen, und das Haupt umwallt 107 Reich von der goldnen Locken Fluth; die winkten nun Den Freundesgruß dem frühern Jugendfreunde zu. und niederfank als blutger Schatten tief in Nacht Mit ſeiner Abentheuer Zahl und allem Streit Das Wikingsleben, und ihm war, als ſtänd' er ſelbſt, Ein blumbekränzter Bautaſtein, auf ihrem Grab. Es wuchs das Lied, die Seele hob ſich immer mehr Empor vom niedern Erdenthal gen Walaſtjalf, und Menſchenrache, Menſchenhaß ſchmolz ſanft dahin, Wie Eiſespanzer ſchmelzen von des Felſen Bruſt, Wann Frühlingsſonne ſcheinet, und es drang ein Meer Von Fried' und von Entzücken in ſein Heldenherz. Als wenn an ſeinem Herzen er den Puls des Alls Vernähm', als wenn er tief bewegt im Bruderarm Heimskringla wollt' umfaſſen, ſo war ihm; als ob Mit Allem Fried' er ſchlöſſe vor des Gottes Blick. — und ſiehe, Balders Oberprieſter trat herein, Nicht jung und ſchön wie Balder, doch von hohem Wuchs; Im edeln Angeſichte war des Himmels Huld, Und nieder auf den Gürtel floß der Silberbart. Ein neu Gefühl der Ehrfurcht faßte Frithiofs Bruſt; Die Adlerſchwingen ſanken auf dem Helme tief Hin vor dem Greiſe. Dieſer ſprach das Friedenswort: „Willkommen hier, Sohn Frithiof! Sieh, ich harrte dein; Denn jede Kraft ſchweift gerne rings auf Erd' und Meer, Dem Berſerk gleich, der grimmig beißt des Schildes Rand; Doch müde kehrt ſie endlich zur Vernunft zurück. Der ſtarke Thor zog oftmals hin gen Jotunheim; Doch trotz der Stahlhandſchuhe, trotz des Göttergurts, Sitzt utgard⸗Loke immer noch auf ſeinem Thron. Das Böſe weicht, ſelbſt eine Kraſt, niemals der Kraft. Doch fehlt die Kraft, iſt Frömmigkeit nur Kinderſpiel. Sie iſt, gleich wie der Sonne Strahl auf Aegirs Bruſt, Ein ſchwankend Bild, das mit der Woge ſteigt und fällt, unzuverläſſig, ohne Halt, denn Grund gebricht. Jedoch verzehrt ſich ohne Frömmigkeit die Kraft, Bleich wie das Schwert im Hügel, ſie des Lebens Rauſch. 108 Doch des Vergeſſens Reiher ſchwebet überm Horn, Und nach verſchlafnem Rauſche ſchämt man ſich der That. Jedwede Stärk' iſt irdſcher Art, von Tmers Leib; Die wilden Waſſer machen drin die Adern aus, Geſchmiedet ſind die Sehnen ihr aus feſtem Erz. Doch öde bleibt ſo lange ſie und unfruchtbar, Bis auf ſie ſcheint die Sonne, Himmelsfrömmigkeit. Dann grünt das Gras, der Purpurteppich hebt ſich dann, Es glänzt des Baumes Krone und der Früchte Gold, Und Thier' und Menſchen ſaugen an der Mutterbruſt. So iſt es auch mit Askers Sproß. Allfader hat Gewichte zwei in jede Lebensſchal gelegt, Gleich wiegend mit einander, wann die Wage ſteht, Und Erdenkraft und Himmelsfrommheit heißen ſie. Stark wohl iſt Thor, o Jüngling, wann er ſtraff umſchnallt Den Megingjard der felſenfeſten Hüft' und ſchlägt. Und weiſe wohl iſt Oden, wann hinab er ſchaut In Urdas Silberwogen; wann des Vogels Flug Dem Aſen⸗Vater Kunde bringt vom Weltengrund. Jedoch ſie beid erblaßten, und zur Hälft' erloſch Der Kronen Glanz, da Balder, da der Fromme fiel; Denn Balder war in Walhalls Götterkranz das Band. Nun wurde gelb am Zeitenbaum der Krone Pracht, Die Wurzel fühlte Nidhöggs Biß; es kamen los Der alten Nacht Gewalten, Midgardsdrache ſchlug Den Schwanz, den eitervollen, Fenrer heulte laut, Und Surturs Schwert erblitzte hell von Muſpelheim. Wohin ſeitdem dein Auge blicket, geht der Streit Mit Heeresſchild die Schöpfung durch; in Walhall kräht Goldkammger Hahn; zum Streite kräht blutrother Hahn Auf Erden und in Helas Reich. Zuvor war Fried Nicht in der Götter Sälen nur, auf Erden auch, Fried in der Menſchen, in der hohen Götter Bruſt. Denn was geſchieht hier unten, das geſchah bereits In größerm Maaß dort oben. Iſt die Menſchheit doch Ein kleines Bild von Walhall nur; des Himmels Licht Es ſpiegelt ſich in Sagas Schild voll Runenſchrift. Ein jedes Herz hat ſeinen Balder. Denk der Zeit, 109 Da Friede dir im Buſen war; es war ſo froh, . So himmliſch ſtill dein Leben, wie des Vogels Traum, Wann hin und her der Sommernacht Geſäuſel wiegt Der Blumen Haupt, der müden, und ihr grünes Bett. Da lebte noch in reiner Seele Balder dir, Du Aſaſohn, du wanderndes Walhallabild. Fürs Kind iſt er geſtorben nicht, und Hela giebt, Sobald ein Menſch geboren wird, den Raub zurück. Doch gleich mit Balber wächſet in der Menſchenbruſt Sein blinder Bruder Höder auf, das Kind der Nacht; Blind kommt ein jedes Böſe, wie die Bärenbrut, Nacht iſt ſein Mantel, Gutes glänzt im Lichtgewand. Geſchäftig auf tritt Loke, der Verſucher, ſtets und lenkt des Blinden Mörderhand; es fährt der Spieß In Balders, des Walhallalieblings, junge Bruſt. Auf wacht der Haß, zum Rauben auf ſpringt die Gewalt. Des Schwertes Wolf durchſtreichet hungrig Berg und Thal, Und wilde Drachen ſchwimmen auf dem blutgen Meer. Denn wie ein ſchwacher Schatten ſitzt die Frömmigkeit, Die Todte unter Todten, bei der bleichen Hel, und es liegt in ſeiner Aſche Balders Götterhaus. — So iſt der hohen Aſen Leben Vorbild dir Vom niederen der Menſchheit; beide ſind allein Allfaders ſtilles Sinnen, das unwandelbar. Was war, was ſein wird, ſinget Walas tiefes Lied; Dies Lied iſt Wiegenlied der Zeit, ihr Drapa auch. Heimskringlas Thaten gehen nach demſelben Ton, Es hört darin die eigne Saga nur der Mann. Verſtehet ihrs noch oder nicht! fragt Wala dich. — Du willſt verſöhnt ſein. Weißt du, was Verſöhnung iſt! Sieh mir ins Auge, Jüngling, und erblaſſe nicht. Auf Erdei rings ſühnt Einer, und ſein Nam' iſt Tod. Nur Bodenſatz der Ewigkeit iſt alle Zeit, All irdiſch Leben Abfall von Allfaders Thron. Das heißt verſöhnt, wenn reiner dorthin heim du kehrſt. Die hohen Aſen fielen ſelber. Ragnarök, Er iſt der Aſen Sühnungstag, ein blutger Tag Auf Wigrids Hundert⸗Meilen⸗Au; dort fallen ſie, Jedoch nicht ungerochen, denn das Böſe ſtirbt Für ewig, doch das Gute ſteiget auf vom Fall, Geläutert, aus der Weltengluth zum höhern Sein. Verwelkt und bleich fällt nieder zwar vom Himmelszelt Der Sterne Kranz, zwar ſinket einſt die Erd' ins Meer; Doch ſchöner wird ſie neu geboren, hebt empor Das Haupt, das blumgekrönte, froh aus klarer Fluth, Und junge Sterne wandern dann mit Götterglanz Hoch über der Erneuten hin den ſtillen Gang. Doch auf den Höhn, den grünen, lenket Balder dann Die neuen Aſen und der Menſchen rein Geſchlecht. Die goldnen Runentafeln, die verloren einſt Am Zeitenmorgen gingen, ſchaut auf Idawall Verſöhnter Walhallkinder Schaar im Graſe dann. — Tod iſt gefallnem Guten Feuerprobe nur, Iſt Sühnung ihm, zum beſſern Leben die Geburt, Das nun geläutert wieder fliegt zur Heimath hin, Und ſchuldlos ſpielt, wie Kinder auf des Vaters Knie. Ach! hinterm Grabeshügel, Gimles grünem Thor, Liegt einzig das Vollkommene; denn niedrig iſt, Befleckt iſt Alles unterm Sternenfirmament. — Doch hat auch dieſes Leben ſeine Sühne ſchon, Ein ſtilles Vorſpiel jener größern, höhern dort; Dem Lauf des Skalden gleichend auf der Harfe, wann Mit kunſterfahrnem Finger er anſchlägt das Lied, Und ſtimmt die Töne leiſe prüfend, bis die Hand Gewaltig greift und ſicher in der Saiten Gold, Der Vorzeit große Wunder lockt aus ihrem Grab, Und Walhalls Glanz umſtrahlet der Entzückten Blick. Die Erd' iſt nur des Himmels Schatten; Vorhof iſt Das Leben ja zum Balderstempel hoch im Licht. Den Aſen fallen Opfer, und es wird das Roß Mit Purpurzaum und goldnem Sattel hingeführt. Dies iſt ein Zeichen, tiefes Sinns jedoch, denn Blut Iſt eines jeden Sühnungstages Morgenroth. Doch Zeichen iſt nicht Sache, dies verſöhnet nicht; Ab nimmt, was du verbrochen, dir kein Andrer je. ——— Erweichet harte Herzen, legt in Hand die Hand, 111 Der Todten Sühn' iſt auf Allfaders Götterſchooß, Der Lebenden Verſöhnung iſt in eigner Bruſt. Ein Opfer weiß ich, theurer iſt den Göttern dies Als Rauch von Opferſchalen: bringſt zum Opfer du Des eignen Herzens wilden Haß, der Rache Luſt. Kannſt ſtumpfen du nicht deren Schärfe, kannſt du nicht Vergeben, Juͤngling, bleibe fern von Balders Haus. Richts frommet dann der Tempel dir, den du erbaut. Mit Steinen ſühnt man Balder nicht; Verſöhnung wohnt Hienieden nur, wie droben, wo der Friede wohnt. Verſöhne dich mit deinem Feind und mit dir ſelbſt, Dann biſt du mit dem lichtgelockten Gott verſöhnt. — Ein Balder war im Süden auch, der Jungfrau Sohn. Daß klar der Runen Räthſel auf dem ſchwarzen Schild Der Nornen würde, ſandte den Allfader her. Fried war ſein Heerſchrei, Liebe war ſein blankes Schwert, Ils Taube ſaß die Unſchuld auf dem Silberhelm. Fromm lebte der und lehrte fromm, ſtarb und vergab, Und unter fernen Palmen ſteht ſein Grab im Licht. Sein Wort, erzählt man, wandert hin von Thal zu Thal, Und bauet auf verſöhnter Erd' ein Friedensreich. Nicht kenn'ich recht die Lehre, doch geahnet ſchon Hab' ich in meinen beſſern Stunden dunkel ſie. Sie ahnt, ſo wie das meine, jedes Menſchen Herz. Einſt wird ſie kommen, weiß ich, und dann ſchwebt ſie leicht Mit weißen Taubenflügeln über Nordens Höhn. Kein Nord jedoch iſt ferner da für uns alsdann, Und Eichen ſäuſeln über der Vergeßnen Grab. . Ihr glücklichern Geſchlechter, Ihr, die ihr dann trinkt Den Strahlenkelch des neuen Lichts, o ſeid gegrüßt! Heil Euch, wenn dies die Wolke ſcheuchet, die bisher Mit feuchter Deck' des Lebens Sonn' umnebelt hat. Jedoch nicht uns verachtet, die wir treu geſucht Mit unverwandten Augen ihren Götterglanz. Allfader iſt Einer, viele ſind der Boten ihm. — Du haſſeſt Beles Söhne. Warum haſſeſt du? Weil ſie dem Sohn des Odalbonden weigerten Die Schweſter, die entſprungen iſt aus Semings Blut, Des großen Odenſohnes; ihrer Ahnen Zahl Steigt bis zu Walhalls Thronen auf; deß ſind ſie ſtolz. „Geburt iſt Glück, und kein Verdienſt,“ erwiederſt du. „Auf ſein Verdienſt, o Jüngling, wird der Menſch nicht ſtolz, Glück macht nur ſtolz die Menſchen; denn das Beſte iſt Doch guter Götter Gabe. Biſt du ſelbſt nicht ſtolz Auf deine Heldenthaten, deine höhre Kraft! Gabſt du dir ſelbſt die Kräfte! Schlang nicht Aſa⸗Thor Dir feſt des Armes Sehnen, wie den Eichenaſt! Iſts nicht des Gottes höhrer Muth, der freudig klopft Dir in der Schildburg der gewölbten Bruſt! Iſt nicht Thors Blitz es, der dir funkelt in des Auges Gluth!? Die hohen Nornen ſangen bei der Wiege ſchon Das Heldenlied des Lebens dir, und dein Verdienſt Iſt mehr nicht als des Königsſohns ob ſeinem Stamm. Schon“ Andrer Stolz, wenn Schonung du für deinen willſt. Todt iſt nun König Helge.“ — Hier fiel Frithiof ein: „Todt König Helge! Wie und wo?“ — „Du weißt es ſelbſt, So lange du hier baueteſt, war er in Krieg Begriffen mit den Finnen. Dort auf ödem Fels Stand noch ein alter Tempel, Jumala geweiht. Verſchloſſen und verlaſſen war er lange ſchon; Es hing jedoch noch überm Thor ein wunderlich Uraltes Bild des Gottes, ſtets dem Falle nah. Doch ihm zu nahen wagte Keiner, denn es ging Von Stamm zu Stamm die Sage, daß der, ſo zuerſt Zum Tempel käme, ſchauen würde Jumala. Dies hörte Helg', und bittrer Ingrimm kam ihn an; Voll Haß die öden Steige zieht er hin zum Gott, Und will den Tempel ſtürzen. Als er oben kommt, Iſt zu das Thor, es roſtet feſt der Schlüſſel drin. Da griff er an die Thorespfoſten, ſchüttelte Die morſchen Pfeiler; ſchreckliches Gekrach erſcholl; Es fiel das Bild, in ſeinem Fall zerſchmettert' es Den Walhallſohn, der Jumala nun ſchauete. Ein Bote brachte dieſe Kund' uns heute Nacht. Jetzt ſitzt allein nur Halfdan auf dem Königsſtuhl. Beut ihm die Hand, den Göttern opfre deinen Haß. Dies Opfer heiſchen Balder und ſein Prieſter, ich, Zum Zeichen, daß den Friedensgott du nicht verhöhnſt. Verweicherſt dus, iſt nichtig nur des Tempels Bau, Sind nichtig meine Worte.“ — — Da ſchritt Halfdan ein, Die Kupferſchwell' hinüber, und mit ſcheuem Blick Trat fern von dem Gefürchteten er hin und ſchwieg. Da löſt den Panzerhaſſer Frithjof von der Seit' und ſtellt des Schildes goldnes Rund hin zum Altar, und bloß von aller Wehre trat zum Feind er vor: „In dieſem Streit,“ mit Freundesſtimme ſprach er ſo, „Iſt, wer die Hand zum Frieden beut, der Edlere.“ Und roth ward König Halfdan, zog den Handſchuh ab, Ein ſchlug in lang getrennte Hand des Andern Hand, Ein kräftger Handſchlag, treu und feſt wie Felſengrund. Nunmehr auch nahm des Bannes Fluch der Greis hinweg, Der lag auf Warg i Weum, dem verfehmten Mann. und als er ſprach, trat plötzlich Ingeborg herein, In Brautgeſchmeid' und Hermelin; es folgten ihr Der Jungfraun viele, wie dem Mond der Sterne Schaar. Mit Thränen in den ſchönen Augen ſank ſie hin Ans Herz des Bruders; dieſer legte nun gerührt Die Theure hin an Frithjofs treue Heldenbruſt. Und über Balders Altar reichte ſie die Hand Dem Jugendfreund, dem Heißgeliebten freudig dar. — — Der Held voll Schönheit, Kraft und Bildung, wie der Jüng⸗ ling, der Grieche, ihn wollte, erſcheint in Achill. Rauher ſind, höher, härter, blutiger, keuſcher, des kalten Nords gewaltige Söhne, kaledoniſche, ſkandinaviſche, nibelungiſche Krieger. 6 Johannes von Müller. ———— — Alphabetiſches Verzeichniß der mythologiſchen und einiger andern Namen aus der nordiſchen Sagengeſchichte. Aegir. Der Gott des Meers. Akethor. So viel als Thor. Alfader, Allfader. Der Schöpfer des Weltalls; höchſter Name Odens. Alfen oder Elfen. Gute, Lichtalfen; böſe, Schwarzalfen. Die erſtern bringen den Menſchen Glück — die letztern Unglück. ⸗ Die Wohnung der Lichtalfen. Auch Freis Burg heißt ſo. Aſen. Götter. Asgard. Götterwohnung. Askur. Der erſte Menſch. Aſtrild. Der nordiſche Liebesgott, doch nicht nach der Edda. Balder. Der Gott des Lichts, der Sonnengott. Bifroſt. Der Regenbogen, die Götterbrücke. Brage. Der Gott der Dichtkunſt. Breidablik. Balders Burg in Walhall. t * Delling. Die Dämmerung. Delling's Sohn. Der Tag. Diſen. Göttinnen. Einherien. Die Seligen in Walhall. Fafner — Fafnersdrache. Der Wächter des Schatzes (Horts) des Königs Sigurd in der Wolſunga⸗Saga. 3 Fenrer, Fenriswolf; erzeugt von Loke, dem Gotte des Böſen. S Folkwang. Frejas Saal. . * 8 Die Flammenwelt. Forſete. Der Gott der Gerechtigkeit. Frej, Frejr. Der Gott der Fruchtbarkeit. Freja. Die Göttin der Liebe. Fric8 Frigga. Odens Gemahlin. Galder. Zauberlieder. Gefion. Die Göttin der Jungfrauen. Geirsodd, eigentlich: mit Geirsodd, Schwertesſpitze. Die Selbſtverwundung, durch welche bie alten Nordländer ſich den Tod gaben; im Gegenſatz gegen den Tod auf dem Sterbe⸗ bette, Strohtod. Gerda. Die Gemahlin des Gottes Frej; die ſchönſte der Göt⸗ tinnen. Gjallarhorn. Das Horn Heimdalls, des Wächters auf der Regenbogenbrücke Bifroſt. Gimle. Der Ort der Frommen nach dieſem Leben. Glitner. Die Burg Forſetes. Hawe, Hawi. Beiname Odens; der Hohe, daher Hawamal — ein Lied der poetiſchen Edda. Heimskringla. Erdrund, Weltkreis. Hel, Helja, Hela. Die Göttin des Todes; die Unterwelt. Hildur. Die Göttin des Kriegs. Höder, Hödr. Balders blinder Bruder, Symbol der Nacht. Idawall⸗ Idaebene — Wohnſitz der Götter in der goldenen Zeit und nach der Welterneuerung. Fduna. Brages Gattin, die Göttin der Jugend. Jotunheim. irſenland, bewohnt von Loke, dem Gotte des Böſen. Julfeſt. Eines 6 Hauptfeſte der alten Skandinavier; Mitt⸗ winterfeſt. Jumala. Ein finniſcher Gott. Lofn. Die Göttin der Ehen. Loke. Der Gott des Böſen. Megingjard. Der Gürtel Thors. Midgardsſchlange (Jormungand). Ein von t erzeugter großer Drache, welcher die ganze Erde umgiebt. Mimer. eh des Brunnens der — an dem Zeitenbaum Yggdraſi — 117 Muſpels Söhne. Die Flammen. Nanna. Balders Gattin. Naſtrand. Leichenſtrand, Sitz des Todes in der Unterwelt. Nidhögg. Ein ſchrecklicher Drache, der an der Wurzel der Eſche Pggdraſill nagt. Niflheim. Nebelwelt, Unterwelt. Nornen. Die Schickſalsgöttinnen. Oden, Odin. Der Götterkönig. Odur, HOedur. Frejas Gemahl. Ragnaröck. Götterdämmerung — der letzte Tag, der Tag der Welterneuerung. Ran. Die Göttin des Meers, Aegirs Gattin. Rota. Eine Walkyrie, die Lenkerin der Schlachten. Saga. Die Göttin der Geſchichte. Söqwabeck. Sagas Saal in Walhall. Seming. Ein Sohn Odens. Sigurd Fafnersbane (Fofnisbane). Der Siegfried des Ri⸗ belungenliedes. Skinfaxe. Glanzmähne, das Pferd, welches den Tag herbei⸗ führt Skuld. Die Norne der Zukunft. Sleipner. Odens Pferd. Surtur. Der Gott des Feuers. Thor. Der Gott der Kraft, des Donners, des Krieges. Thrudwang. Thors Burg. Urd, urda, Urde. Die Norne der Vergangenheit. Urds Quelle, urdarbrunnen. Der Zeitenborn, der Quell der Vergangenheit. utgard⸗, utgärda⸗Loke. Der am äußerſten Ende der Welt wohnende Loke. Wala. Seherin, Prophetin. Wöluſpa, Verkündigung der Wala, das Hauptgedicht der poetiſchen Edda. Walaſkjalf. Odens Wohnung in Walhall. Walfader. Name Odens als Schlachtenlenkers. Walhall, Walhalla. Die Wohnung der Götter und der Seligen. Walkyren, Walkyrien. Schlachtenwählerinnen, die Göttinnen der Schlachten, die den Fallenden ihr Ende beſtimmen. Wanadis. Die Schöne; Beiname der Göttin Freja. War. Die Göttin der Eide. Warg i Weum. Wolf im Heiligthume, Tempelſchänder. Waukund, Waulunder, Wölund. Der Vulkan des nor⸗ diſchen Alterthums. Wegtamsqwida. Ein Gedicht der rhythmiſchen Edda. Widar. Ein Sohn Odens; er ſchwieg beſtändig. Wigrid. Eine große Ebene, hundert Meilen lang nach allen Seiten. Kampfplatz am Tage Ragnaröck. Wingolf. Saal der Göttinnen in Walhall; auch gemeinſchaftli⸗ cher Feſtſaal der Götter und Göttinnen. Yggdraſill. Die Wundereſche am urdarborn. Ymer. Ein großer Rieſe, aus deſſen Gliedern die Erde, das Meer und das erſte Rieſengeſchlecht der Menſchen von Oden geſchaffen wurden. — —— —— Beim Verleger der Mohnike'ſchen ueberſetzung der Fri⸗ thjofsſage von Eſaias Degnériſt in neuerer Zeit erſchienen: Syſtem der deutſchen Conſtitutionen, dargeſtellt von Eduard Hermsdorf. Erſter Theil. Das Volk; die all⸗ gemeinen politiſchen Rechte und Pflichten der Staatsgenoſſen in den conſtitutionellen Staaten des deutſchen Bundes. gr. 8. 19 Bogen. broſch. Preis: 1 Thlr. 12 Gr. Hat der Verfaſſer das für das conſtitutionelle Volksleben ſich täglich unzweideutiger kundgebende Zeitbedürfniß richtig er⸗ kannt, das Bedürfniß der allgemeinen Belehrung über ge⸗ genſeitige Rechte und Pflichten im Staate und des klaren Ver⸗ ſtändniſſes der conſtitutionellen Staatsinſtitutionen an der Stelle der unbeſtimmten Ideen über Freiheit und Gleichheit und des politi⸗ ſchen Partheiglaubens, mit einem Worte das Bedürfniß der Nahrung für echt conſtitutionellen Sinn, ſo iſt auch ſein obiges Werk ganz geeignet, zu Befriedigung jenes Bedürfniſſes, oder zu Anregung da, wo es noch nicht ſich äußert, beizutragen. Es iſt ein gelungener Verſuch, das Weſen und den Geiſt des conſtitutio⸗ nellen Staatslebens aus den zu gemeingültigen Sätzen gebildeten Formen der verſchiedenen deutſchen Grundgeſetze zu entwickeln. Die Darſtellungsweiſe macht das Buch für jeden gebildeten Deutſchen brauchbar und nützlich. Die Brüderſchaft des gemeinſamen Lebens. Ein Beitrag zur Geſchichte der Kirche, Literatur und Pädagogik des vierzehnten, funfzehnten und ſechszehnten Jahrhunderts von G. H. M. Delprat, Paſtor der franzöſiſchen Gemeine und Schulephorus zu Rotterdam. Deutſch bearbeitet und mit Zuſätzen und einem Anhange verſehen von Dr. Gott⸗ lieb Mohnike, Conſiſtorial- und Schulrathe und Supe⸗ rintendenten zu Stralſund, Ritter des rotheg Adlerordens dritter Claſſe mit der Schleife, geiſtlichem Mitgliede des Nordſternordens und Mitgliede mehrerer gelehrten Geſell⸗ ſchaften. gr. 8. geheftet Preis: 1 Thlr. —— Handhuch zur Bücherkunde für Lebre und Studium der beieen alten classischen und deutschen Sprache. Von Dr. S. F. W. Hoffmann. gr. 8. 30 Bogen, Preis 1 Thlr. 21 Gr. Der durch seine Schriften bekannte Verfasser dieses Werkes giebt darin eine sorgsame Uebersicht der bedeutendern und brauchbaren Werke für Unterricht und Wissenschaft mit Winken über Zweck und Wahl derselben, wie die heutige Zeit es kordert, aber noch kein Werk es bietet. Die unterzeichnete Verlagshandlung hofft daher, es werde Lehrern, Studirenden, Schülern der höheren Gymnasialclassen, so wie allen, in deren Interesse die Kenntniss der Literatur für das Studium und den Unterricht des classischen Alterthums, der deutschen Sprache und auch des gelehrten Unterrichtswesens liegt, eine willkom- mene und befriedigende Erscheinung sein, und die allgemeinste Theilnahme finden. Geſchichte der Neformation in Dresden und Leipzig. Her⸗ ausgegeben von M. Gottlob Eduard Leo, Fürſtlich Schön⸗ burgiſchem Conſiſtorialrathe, Superintendenten und Paſtor primarius zu Waldenburg, Mitgliede der hiſtoriſch⸗theolog. Geſellſchaft zu Leipzig. gr. 8. broſch. Preis 12 Gr. Dieſe Schrift ſoll ein Denkmal der im Jahre 1539 in Dres⸗ den und Leipzig erfolgten Einführung der Reformation ſein. Fedem Lehrer, der ſeine Schüler auf dieſes große Ereigniß aufmerk⸗ ſam machen will, ſo wie jedem evangeliſchen Chriſten, wird das Buch eine ſehr willkommene Gabe ſein. Deutſchlands berühmte Männer. Zweite, durchaus ver⸗ beſſerte und vermehrte Auflage. In einer Reihe hiſtoriſcher Gemälde zur Ermunterung und Bildung der reifern Jugend, dargeſtellt von Dr. G. L. Jerrer. 2 Bände, mit 10 Kupfern v. Heidelof, gr. 8. gebunden. Preis 3 Thlr. 16 gr. Dieſes mit ſo vielem Beifall aufgenommene Werk, deſſen Zweck es iſt, die reifere Jugend mit den Tugenden und Kräften, den Schickſalen und Leiſtungen der berühmteſten Männer unſers Va⸗ terlandes bekannt zu machen, und dadurch Edelſinn und Thatkraft im Herzen zu erwecken und zu fördern, die ſich im Zeitpunkte der höchſten Bildſamkeit befinden, — dieſe Jugendſchrift — an und für ſich ſchon ihre eigene beſte Empfehlung — erſcheint hier in zw ei⸗ ter, durchaus verbeſſerter und durch eine ſehr ausgeſuchte Wahl neuer Darſtellungen vermehrter Auflagez und es wird für Eltern, Lehrer und Jugendfreunde nur dieſer Anzeige bedürfen, um den Ihri⸗ gen ein ſo nützliches Buch in die Hände zu geben. Der Verleger iſt auch bei dieſer Auflage beſorgt geweſen, daß ſowohl innere als auch äußere Ausſtattung dem Inhalte nicht nach⸗ ſtehen werden. * Rachſtehende, für Leſecirkel, Leihbibliotheken und Freunde der Belletriſtik empfehlenswerthe Schriften rühmlichſt bekannter Ver⸗ faſſer ſind von der Verlagshandlung auf unbeſtimmte Zeit bedeu⸗ tend im Preiſe herabgeſetzt, und durch alle Buchhandlun⸗ gen zu beziehen: Borck, C. F. W. Die zwölfjährige Heldin Fürſtin Nadeshda Pugatowsky. Ein hiſtor. Roman des 17. Jahrh. nach verſchie⸗ denen Kloſterlegenden frei erzählt. 2 Bde. 8. ſonſt 2 Thlr., jetzt 21 Gr. Geſchichte der Familie des Herrn Macarius Bohn oder die Lau⸗ nen des Glücks. 1 — 3. Bd. 8. ſonſt 2 Thlr. 8 Gr., jetzt 1 Thlr. — — des Herrn von Morgenthau. Von d. Verf. der Geſchichte Heinrich Stillings. 2 Bde. 8., ſonſt 1 Thlr. 12 Gr., jctzt 18 Gr. Gleig, G. R. Soldatenleben. Kriegsabenteuer in den Pyrenäen und Süd⸗Frankreich. A. d. Engl. v. K. Hort. Herausgeg. v. W. A. Lindau. 2 Bde. 8., ſonſt 1 Thlr. 16 Gr., jetzt 18 Gr. Goldſmith, L. Beiträge zur Charakteriſtik und der geheimen Geſchichte Napoleon Buonaparte's, a. d. Engl. nach der 3. Ausg. frei überſ. 2 Bde. 8., ſonſt 3 Thlr., jetzt 18 Gr. Gruber, Dr. J. G. ueber die Beſtimmung des Menſchen. Für das gebildete Publikum. 2 Bde. 8., ſonſt 1 Thlr. 16 Gr., jetzt 18 Gr. . Harrv⸗Harring, Cypreſſenlaub. Erzählungen. 12. geh., ſonſt 18 Gr., jetzt 6 Gr. Hierſemenzel's, Lebrecht, e. deutſch. Schulmeiſters Briefe aus und über Italien. Herausgeg. v. D. Ernſt Raupach. 8., ſonſt 1 Thir. 12 Gr., jetzt 9 Gr. Jacobs, Fr., Auswahl aus den Papieren eines Unbekannten. 2. und 3. Bd., a. u. d. T. Frauenſpiegel 2. Bd. enthält: Erinnerungen a. d. Leben d. Pfarrin v. Mainau. — Liebe am Hofe. — Der Namenstag. — Die abgewehrte Rache. — ſonſt 1 Thlr. 20 Gr., jetzt 21 Gr. Franenſpiegel 3. Bd enthält: Erinnerungen a. d. Leben der Pfarrin v. Mainau, 2. u. 3. Buch. — Zerſtreute Blät⸗ ter von Odos Hand — ſonſt 2 Thlr., jetzt 1 Thlr. Lindau, W. A. Heldengem. a. d. Vorz. d. europ. Völker., 8. ſonſt 1 Thlr., jetzt 9 Gr. Miltitz, C. B. von, Geſammelte Erzählungen 1r— 4r Bd. 3r. 4r. Bd. a. u. d. T. Neue geſamm. Erzähl. Ir. 2r. Bd. 8. cart., ſonſt 6 Thlr., jetzt 2 Thlr. 12 Gr. Ranpach, Ernſt. Erzählende Dichtungen. 8. geb., ſonſt 1 Thlr. 8 Gr., jetzt 12 Gr. —— die Erdennacht, ein dramat. Gedicht in 5 Abthig. 8. geb. ſonſt 1 Thlr., jetzt 12 Gr. Raupach, Ernſt. Erzählungen. 8. geb., ſonſt 1 Thlr. 16 Gr., jetzt 18 Gr. — — die Freunde. Ein Trauerſpiel in 5 Akten. 8. geb., ſonſt 1 Thlr., jetzt 12 Gr. — — die Gefeſſelten, dramat. Dichtung in 5 Abthlg. mit einem Prolog. 8. geb., ſonſt 1 Thlr., jetzt 12 Gr. — — die Königinnen, ein dramat. Gedicht in 5 Akten. 8. geb., ſonſt 1 Thlr., jetzt 12 Gr. Robers, Heinrich, Begebenheiten. Von d. Verf. d. Erasmus Schleicher 1r — 3r Bd. 2. Aufl. 8., ſonſt 2 Thlr. 4 Gr., jetzt 18 Gr. Rochlitz, Fr. Mittheilungen, in Verb. mit Böttiger, Bührlen, v. Fouqus, Houwald, Jacobs, v. Miltitz, Raupach, Suabe⸗ diſſen und Wellentreter. 1— 3r. Bd. 8. geb. (einzelne Bände 9 gr.) zuſammen ſonſt1 Thlr. 12 Gr., jetzt 18 Gr. — — Für ruhige Stunden. 2 Bde. mit 1 Kupfer 8., ſonſt 3 Thlr. jetzt 1 Thlr. 6 Gr. Sagoskin, M. Roßlawlew, od. d. Ruſſen im Jahre 1812. Ein hiſt Roman. A. d. Ruſſ. überſ. v. E. Göring. 2 Bde. 8., ſonſt 2 Thlr. 18 Gr., jebt 1 Thtr. 6 Gr. Stilling's, Heinrich, Leben, 1—5 Bd. Mit Kpfrn. 8. 1 Bd. d. Jügend. — 2. Bd. d. Jünglingsjahre. — 3. Bd. d. Wan⸗ derſchaft. — 4. Bd. d. häusliche Leben. — 5. Bd. d. Lehrjahre. Sonſt 5 Thlr., jetzt 1 Thlr. 12 Gr. Vagamundo, Don Federico, Fremde Blumen. Poet. Gabe a. d. Fremde geſammelt auf einer mehrjähr. Reiſe durch das mittl. u. ſüdl. Europa. 8. geh., ſonſt 21 Gr., jetzt 6 Gr. Witzfunken und Lichtleiter, oder neue, geordnete Auswahl von Gegenſtänden des Scherzes, der Laune, des Witzes u. Scharf⸗ ſinns. Zur Erheiter., Beluſtig. u. Belehr. 1— 8. Bd. à 2 Hfte. E. u. 8. Bd. a. u. d. T. Neue Witzfunken ꝛc. 1. 2. Bd.) gr. 8. (Einzelne Hefte à 9 Gr.) complet ſonſt 10 Thlr. 16 Gr., jetzt 4 Thlr. 8 E — — — 8 * 8 7 — — — 8 — 3 6 5 „ „ g [4 vnene —