Leihbibliothek deutſcher, engliſcher ui franzöſiſcher Literatur 6dnard Otlmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und eſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rſgab⸗ der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uihr offen. . 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt ſ für rochentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 6 —— —— —— auf 1 Monat: 1 Mr. — Pf. 1 Mt 50 Pf. 2 Mi. — Lf. S —— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher (namentlich bei ſolchen mit Kupfern c.) muß der Ladenpreis erſetzt werden. — Iſt vas zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder deferte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer i Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ⁰ ⁰ 336 — ₰ — Ses Sᷣnrt n in Ungarn. Ein Charaktergemalde der neueſen Zeit. Nach dem ungariſchen es Ladislav Hölics Székhely bearbeitet und herausgegeben don 6 8 6 Zweiter Theil. Leipzig, 1837; in Ernſt Klein's literariſchem Eanptut. — Druck von J. F. Gluͤck in Leipzig. ———— Georg Schobri. Zweiter Theil. 1. . Maſch rollte der Wagen dahin. Er lenkte in eine enge Seitengaſſe der Vorſtadt. 3 „Brr!“ rief der vermummte Kutſcher, als ſie an einem großen Palais, einem Kloſter, vor⸗ fuhren, ſprang vom Bock und klingelte. Die Thuͤr oͤffnete ſich und zwei Traͤger mit einem Bettkorbe, in welchem Cholerakran genommen werden, kamen ihm entgegen „Hier nur allein iſt Rettungt“ ſprach der Kutſcher, indem er Schobri — der in chen wir in dem erſten Capitel des erſten Ban, des unſerer Darſtellung kennen lernten, wieder⸗ erkannte; — mit den Worten, die er ihm zufluͤ⸗ ſterte, heraushob: „Vertraue unſerer Freundſchaft, „ſchon oft rettete Dich Dein Schutzgeiſt aus den „Haͤnden der rächenden Juſtiz; er errette Dich jetzt „aus den Klauen der aſiatiſchen Tygerin. Nur „da, wo ſie wüthet, iſt ein Aſyl fur Dich; in „ihren Bereich wagt ſich det feige Scherge nicht. „Sei gutes Muthes und wiſſe es, daß Freun⸗ „de fuͤr Dich ſorgen und Deiner Freundin Herz⸗ 6 Alles fuͤr Dich wagte, fuͤr Dich betet.“ Hierauf vendeth ſich der Sprecher zu einem Pforte heraustretenden Aufſeher des als, druͤckte ihm einige Dukaten in die und ſprach: „Dieſer Mann iſt aus guter „Familie und hier ſchhell erkrankt. Er leidet an „den erſten Anfällen der Cholera. Pflegt und Hſorgt füͤr ihn. Eurer Treue, Eurer Verſchwie Wii er anvertraut, und ein reicher Kohn ſelbigem den befreundeten Hirten, wel⸗ „wird Euch fuͤr Eure Muͤhe zu Theil werden⸗ „Was ich bis jetzt gab, iſt Geſchenk fuͤr Dich⸗ „dieſe zwanzig Ducaten aber gehoͤren dem Hoſt „pital. Gebt wohl Acht auf den Kranken, und „bewahrt ihn vor kecker Nachfrage und unzeiti⸗ „ger Stoͤrung⸗ Mit dieſen Worten ſtieg er wieder auf den Bock, und der Wagen rollte raſch von dannen. Das Gold eroffnet alle Pforten; es geht durch die geſchloſſenen Reihen der Trabanten, bricht Riegel und Schloͤſſer, eroffnet Kerkerp ten und Herzen, und erwirbt ſelbſt in der ſern der Leiden und des Todes 2n Freude. . Das Antlitz des Pfortners des Hospitals ver⸗ zog ſich in ein freundliches Lächeln, als die harte den angeblichen Kranken in ſeine Arme, legte ihn in den Korb, den die Träger nun in das Spital hineintrugen. Eben als der Todtenwagen dumpf durch den Hof rollte, ertoͤnte das Tod⸗ tengloͤckchen. Ein eignes Gefuͤhl des Schauderns durch⸗ drang Schobri's Bruſt, als die Thuͤrpforten hinter ihm zurauſchten, und er ſich nun wie im Reiche des Todes eingeſchloſſen ſah. Der Kran⸗ kenkorb wurde nun Trepp auf, bei der eben ſich oͤffnenden Todtenkammer voruber, durch lange matt erleuchtete Gänge die Hauptſtiege hinauf⸗ 4 getragen, in welcher unter einer Ampel eine uhr mit der Una ex his hora mortis! ine von dieſen Stunden iſt des Todes 5 Stunde ¹) . —,— an das Ende irdiſchen Seyns erinnerte. F Auch in Schobri's Herz wurde jetzt jene⸗ Gefuͤhl wach, welches ſelbſt dem verſtockten Suͤn“ der nicht fremd bleibt. Er ſah hinter ſich verlornes Leben, vor ſich einen ewigen Richter, und, wenn die Krankheit, die in dieſem Hauſe wuͤthete, ihn nicht als Opfer forderte, noch in dieſer Welt den weltlichen, der uͤber ihn den Stab des Todesurtheils brechen, und ihn ſelbſt dem Henkeruͤberliefern wuͤrde. unwillkuͤhrlich entrollten heiße Thranen ſei⸗ nen Augen, und die Stimme im Herzen rief: „Verſoͤhne Dich mit Gott Men⸗ „ſchen!!“ — Das „Salutatus esto!“ ei 1. aus Sint zi ſich, nachdem der Pfoͤrtner einige Worte 6 mit dem Pater geſprochen und ihm däh uͤbergeben hatte. „Salutatus esto, Vir generoissime! (feid gegruͤßt hoher Herr!) tönte jetzt noch ein⸗ mal ſo gemuͤthlich; und ſobald der Krankenkorb ins Zimmer getragen war, klingelte der Pater, 3 worauf huͤlfreiche Krankenwärter herbei eilten, um dem vermeintlichen Kranken jede Huͤlfe zu leiſten, Er ward geburſtet, in Decken gehuͤllt, ihm ein Thee aus den kräftigſten heilbringenden Kraͤu⸗ tern der Gebirge eingeflößt, und der Pater ver⸗ ließ ihn erſt dann, nachdem er ihm Schutz und Verſchwiegenheit verheißen hatte. Bald umſchloß Schobri's Auge ein wohlthaͤtiger Schlummer. Waͤhrend des Schlafs zogen die Ereigniſſe des Tages vor ſeinem Geiſte noch einmal voruͤber, Er traͤumte en änderte ſich das Bild des Lraümes. Er ſah ſich plötzlich in ſeine fruͤhe⸗ ſten Jugendjahre und in die eines thaten⸗ reichen Jünglingslebens verſetzt. Er ſah ſich in Kampf und Schlacht, und eben als der Ruf des Generals erſcholl, und er ſich mit dem —— — Schlachtruf: „Vivat Ungaria!“ auf den Feind ſürzte und ſich ſelbſt die Worte: „Schobri ſei brav!“ zurief, erwachte er. Z. Vor ſeinem Bette ſaß ein alter Laien⸗ bruder, ein Mann in deſſen gefurchtetem und durch Wundennarben bezeichnetem Antlitz Ernſt und Wuͤrde mit den Spuren tiefer Leiden ſich vereinten. — — — „Du haſt ſchwer geträumt,“ ſprach der Laienbruder zu dem Erwachenden. „Deine „Traume, Ungluͤcklicher, wurden Dein Ver⸗ „raäther! Nun wiſſen wir, wen wir beherber⸗ 1 „gen; Du biſt erkannt, Dein wahrer Na⸗ „me iſt Schobri! — Aber heilig iſt uns hier die Pfücht der Verſchwiegenheit und der Men⸗ 7 „ſchentiebe. Die Schergen haben Dich geſtern 6 — — — „„in der Stadt geſucht, aber Deine Spurver⸗ „boren; keiner wagte es bis jetzt, hier nachzu. „ „Als Geſunder, aber verſtellter Kranker, „kamſt Du in unſer Krankenhans. Dem Frev⸗ „ler kann es ein Haus des Todes werden, Du „aber, als Menſchenfreund, findeſt hier Schutz. 3 „Unterwirf Dich den hier beſtehenden Geſetzen, f „und ſei klug und vorſichtig. Der Arzt iſt mein „Freund und verſteht zu ſchweigen. Folge un⸗ „bedingt ſeiner Verordnung. Nimm dieſes Pul⸗ „ver, es wird ihn täuſchen. Jetzt nimm ein „Bad, denn Reinlichkeit iſt des Krankenhauſes . erſtes Geſetz, und ſie iſt der Talisman, der „es allein vermag, die verderbende Kraft der „Weltſeuche in ihrem Beginnen zu hemmen.“ Er klingelt; ſofort traten Krankenwärter her⸗ ein und trugen den Kranken in die gewolbte, wohl erwärmte Nebenſtube, wo bereits aus dem vorgerichteten Bade ihm das Aroma der Kräu⸗ Brnſt erkenne ich Dich wieder. Du — ter entgegen duftete. Schnell und behutſam ward der vermeintliche Kranke entkleidet; kaum aber war ſeine Bruſt entbloͤßt, ſo druͤckte der Laienbru⸗ der, deſſen Lippen der Ruf der Ueberraſchung: „Heiliger Gott! mein Sohn!!“ entglitt, ihn mit dem hoͤchſten Schmetz und der hochſten Freude der Vaterliebe ans klopfen⸗ de Herz⸗ „Geht!“ befahl er den ſetbiſchen & Kran⸗ kenwaͤrtern, mir allein uͤberlaßt des Kran⸗ „ken Pflege! 59 hafte fuͤr ihn! Sie gingen. — Nun aberſchüttete ihn der Alte mit hehen uͤſſen und ſprach, unter Thranen lächelnd: „An dieſem roth tattowirten Kreuze auf „biſt mein Du das unlucstuv⸗ — 12 — „das ich auf meiner Flucht, um es dem töbtlie „chen Haſſe der Bruder Deiner Mutter zu „entziehen, mit dieſer Bezeichnung im Walde „ausſetzte. Ich dankte Gott, daß das Schickſal „Dich, wie ich erfuhr, in die Hand eines red⸗ „lichen Mannes gegeben. Mein Schickſal ver⸗ folgte mich. Ich ſloh nach Polen, ſuchte Ruhm „und fand Wunden. Ich zog mit nach Ruß⸗ „and. Element und Feindesſchwerdt wuͤrgten, „Hunderttauſende, mich verſchonten ſie. Die „Berezina verſchlang Frankreichs und Polens „Helden, mein Roß trug mich durch ihre Flu⸗ „then. Ich erreichte Frankr ich, „Kaiſergarben nach Deutſchla wo meinen Saͤbel bereit „Offiziers, meine Bru e ward ich im 5 nach mei „„meines Volks wieder e — 13 „Geſtorben waren meine Feinde, auch „Deine gute Mutter. Als ich Verzeihung er⸗ „halten hatte, flaste ich nach Dir, aber keine „Spur war zu finden. Das Schickſal ſchien mir „zu lächeln, ich ſtieg auf der Leiter des mili⸗ „täriſchen Ruhms, aber das Sehnen im Her⸗ „zen blieb ungeſtillt. Aus. den Stuͤrmen der „Velt und des Lebens zog ich mich in ein „Kloſter der barmhetzigen Bruder zuruͤck; da S „habe ich, ſo bezeugt es mir mein Herz, ohüe „Profeß zu thun, ſede Pflicht erfuͤllt. In „der Behauſung des Todes finde ich „meinen Sohn, finde ihn, ach! als „Raͤuber wieder!“ Dieſe letzten Worte erſtickten die heißen Thränen, die ſeinen Augen entquollen. Der Sprechende wendete ſeinen Blick gegen ein im dezimmer ſtehendes Crucifix, knieete nieder, aus Tiefe und tiech „und barmherzig! Er iſt Raͤuber, aber er „iſt mein Sohn und ich kann ihm nicht flu⸗ „chen. Mein Leben gebe ich gern fuͤr das ſeine Tief erſchutterten unſern Schobri dieſe Worte. Eine Todten« Blaͤſſe, das Anzeichen eeiner nahen Krankheit, bedeckte ſein Antlitz, in dem ſich die tiefe Bewegung ſeiner Seele kund gab. Waͤhrend dieſes Vorgangs tritt der Arzt ein, fuͤhlt des Kranken Puls⸗ und Her— zensſchlag und ruft getäuſcht: 8 „Es zeigt ſich die Krankheit; allein ihre „Macht kann noch im erſten Beginnen gebro⸗ , „chen werden. Euch, wuͤrdiger Alter, uͤber⸗ „gebe ich den Kranken, ſorgt fuͤr ihn; eine „treue Krankenpflege wird den Heilmitteln „„Kraft en 6 vet dieſen Worten verließ der Arzt das Krankenzinmer. — Schobri war nun allein mit ſeinem Vater und gefaßt, auch hier dem Tod — 15 — 2 getroſt ins Auge zu ſehen, den er in Kamf und Schlachten nie geſcheut hatte⸗ ₰. S Len Hauſe der Krankheit war nun der eähne Häuptling ſich ſelbſt uberlaſſen. Hiet am Rande des Todes — denn auch er em⸗ pfand die erſten Anfälle der Veltſeuche — ſchloß ſich in ihm ein inneres Leben auf. Er ſah den Abgrund, in welchen ihn Schickſal, Leichtſinn und uͤbereiltes Rachegefuͤhl hingeris? ſen hatten; er wurde jetzt inne, daß daraus der Ruͤckweg ſehr ſchwer, vielleicht unmög— lich ſeyn wuͤrde. . Eines Abends, als eben wieder ein Trans⸗ † port Todter herausgetragen wurde, und tie dop⸗ velte Zahl neuer Ankömmlinge das Spital uber⸗ — 6 * futhete, wurde einer berſelben in Schobri's Zimmer gelegt. Dieſem konnte noch leicht ge⸗ holfen werden, da er ſeine volle Beſinnung beſaß. Schobri erkannte gleich auf den erſten Blick in ihm den jungen deutſchen Maler. Er widmete ſich daher von nun an der Pflege des Kranken, der allmälig genas und ihm er⸗ zählen konnte, wie die Schickſale ihres beider⸗ ſeitigen Lebens gemeinſam mit einander verket⸗ tet waren. * „Als wir uns trennten,“ eznn der Maler, „o9 ich gen Peſth. Herrlich prangt „die ſchoͤne reiche Stadt an der majeſtätiſchen „Donau.“ „In ihr iſt Luſt, Leben und Kunſtſinn. „Des alten Ungaradels Hochſinn und des wohl⸗ „habenden Buͤrgers gediegene Kraft ſind hier „mit ptrurchniſcer Gaſtfreundſchaft vereint.“ Fuͤnſtler oͤffnet ſich hier ein neunr des Wehlſandes. Im Kaffsehauſe der „warmen Baͤder zeichnete ich das Portrait ei⸗ „ner edlen Magyarin; es gelang, und meine „Kundſchaft vermehrte ſich. Ich wurde in die „Häuſer des hohen Adels eingefuͤhrt, ſah hier „den Glanz des Lebens und erhielt bald Be⸗ „weiſe von der Unterſtuͤtzung, die man hier „der Kunſt großmuͤthig angedeihen laͤßt.“ * „Eben ging ich eines Tages uͤber die Do⸗ „naubrucke, als ein reich galonirter Lakai mich „anredete und mich im Namen ſeiner Herr⸗ „ſchaft einlud, ihm in das Palais derſelben 3zu folgen.“ „Ich nehme ſeine Einladung an; er fuhrt „mich in einen Pallaſt, dort uͤber mehrere „Gänge in ein matt erleuchtetes Zimmer. „Auf einer Ottomane ruht eine junge Dame, „die zwar von Schönheit ſtrahlte, deren Auge aber Schobri II. 2 „Trauer und deren Geſichtsblaͤſſe inneren Harm „„verkuͤndete. Sie erhebt ſich, als ich ein⸗ „trete, mit jener liebreichen Wuͤrde, die den „Edeldamen Ungarns ſo eigen iſt. Sie gebieret „mir, mich ihr gegenuͤber auf ein Taburet zu „ſetzen und ſpricht im reinſten Deutſch:““ „„Fremdling,“ ich erkenne Sie. Sie wa⸗ „ren bei jener verhaͤngnißvollen Feuersbrunſt, „wo mich die Hand eines Mannes rettete, den „ich damals noch nicht in den Verhaͤltniſſen „kannte, in welchen ihn ſein ungluͤckliches „Schickſal riß „ und den ich nicht haſſen kann, „wenn ihn auch die Welt verdammt und die „Gerechtigkeit uͤber ihn den Stab bricht. 43 „lich bete ich fuͤr ihn zu dem Ewigen und All⸗ „harmherzigen, der nicht den Tod des Suͤn⸗ „ders will, ſondern daß er ſich bekehre und „lebe. Seine Seele möcht' ich retten und ihn „warnen, daß er nicht muthwillig dem Geſetz, „welches ihn zu verderben ſucht, entgegentrete. „Rings um ihn ſind Verrather; ihn zu retten — 19 — „iſt meine Pflicht; ſein Schutzgeiſt möchte „ich ſeyn; ihn moͤchte ich ermuntern, daß er „mit innerer Willenskraft das Böſe fliehe, „ihn befreien, wenn ſich das Netz zuzieht das „ihm geſtellt iſt.“““ „„„Junger Mann,“ „Ffuhr ſie fort, indem „ſie mir die ſchwanenweiße Hand reichte, „ſchon waren Sie in ſeinem Bereich, ſchon ſte⸗ „hen Sie auch auf der Liſte derer, die auf ſein „Verderben ſinnen. Jetzt zeigen Sie, da ſich „Ihr Schickſal nun einmal mit dem ſeinen „„verkettet, daß Sie ſein Freund, ſein wahrer „Freund ſind. Suchen Sie ihn auf; er ſoll „im Bannat ſeyn; unterſtützen Sie ihn, wo „Sie es können, und geben Sie ihm mit die⸗ „ſem meinen Portrait bieſe Papiere!““⸗ „„„Auch jenſeit unſerer Grenzen wird man „ihm Haus und Herzen oͤffnen. Er fliehe, „ſuche nach Conſtantinopel zu kommen und von dort aus jenſeit der Meere ein neues Leben 22 erfuͤllen. Vielleicht finden Sie ihn noch in den „Ebenen Ungarns. Scheuen Sie keine Koſten „Reiſen buͤrge Ihnen dieſes Gold.““ — „So ſprach die holde Dame, Ihre wahre „trait und den Papieren eine Ducatenrolle. „Ich verließ daher noch an ſelbigem Tage Peſth, „ſeine Blicke richtet.“ 3zu gewinnen. Eilen Sie, meine Wuͤnſche zu „und reiſen Sie gluͤcklich; fuͤr das ſchnelle „Freundin. Sie uͤberreichte mir nebſt dem Por⸗ „um den zu ſuchen, auf den ganz Ungä'n „Schobri!“ fuhr der Maler fort, indem er ihm Portrait und Briefe uͤbergab und ſeine Hand ihm reichte, „Klaſſen Sie den Pfad „der Suͤnde, denn ſie iſt der Stachel des To⸗ des In fruͤheren Jahren, als ich Ungarn „das erſtemal beſuchte, war ich Zeuge einer „Scene, die mein Herz tief erſchuͤtterte. Es „war der verhaͤngnißvolle Tod eines Grafen. „Hierbei zeigte ſich recht deutlich, wie die Ne⸗ „meſis furchtbar von Geſchlecht zu Geſchlecht „wuthet und das Verbrechen der Väter ſich „furchterlich an der Soͤhne Unthat rächt.“ L „Hören Sie! Der Fall eines jungen „Mannes, den Geburt und Reichthum, „Schoͤnheit und Jugendkraft zu des Lebens „hoͤchſten Genüßen fuhren konnten, aber der — zuletzt am Hochgerichte ſtarb, enthuͤlle Ihrem „Auge die Wahrheit des Spruchs des alten „Weiſen:““ „Discite nee temnere 758 . „Als ical das Comitat durchpilgerte, „um zum Malen geeignete Gegenſtände aufzu⸗ „ſuchen, kam ich nach ****. „Ein Vorfall. hatte den ganzen Ort, wo „eben heute Tauſende von Menſchen wogten, „in Bewegung geſetzt; ein Vorfall, der alle „Herzen mit Wehmuth und Trauer, aber auch „mit Ehrfurcht gegen das Geſetz, welches, ohne „Anſehn der Perſon richtend, das Bluturtheil „vollzog, erfuͤllte.“ „Des Sohnes frevelnde Hand, der Urheber „„ſchon von ſo manchen ſchwarzen Thaten, hat „das Mordgewehr nach ſeinem Vater gerichtet⸗ „Es war, da der Sturm der Leidenſchaften „von neuem ausgebrochen, zu Thaͤtlichkeiten ge⸗ „kommen, wobei der Alte, der eine toͤdtliche Wun⸗ „de erhalten hatte, ½ eben gekommen war.“ „Furien verfolgten den Frevler, und eine „Suͤnde ward die Maer der andern. Die „Habſucht beflugelte den Zorn, der Zorn gab „der Mordluſt ihre tödtenden gen, der Ge⸗ „„rechtigkeit ihr Opfer.“ „Es war ein duͤſtrer Morgen, als das Ur⸗ „theil vollzogen werden ſollte.“ 5 „Tags zuvor hatte der junge Delinquent „alle ſeinen alten Freunde verſammelt und ſie „freundlich bewirthet. Er ſchien heiter und „harmlos, trank ihnen ſelbſt zu und warnte „ſie vor der Habſucht und Rache.“ 8 „Begleitet mich morgen,“ ſprach er, i „folge ja nur dem Rufe einer Beſimmung, . — — „welche das Opfer, das ſie mit Furienkrallen „faßte, unaufhaltſam fortreißt und nicht fallen 6t „Den andern Morgen fuhr er, ſtattlich an⸗ „gekleidet, nachdem er ein Tuch, das Geſchenk „ſeiner erſten Geliebten, im Buſen geſteckt, „gefaßt und heitern Muthes, dem Hochgerichte „zu. Er war ein chenann, darum richtete „ihn das Schwerdt. Getroſt beſtieg er das „Schaffot, reichte dem Nachrichter die Hand, ſetzte ſich den Stuhl ſelbſt zurecht und ſprach „einige Worte des Gebets.“ „Eben da der Scharfrichter den Streich „volffuͤhren wollte, ſiel ihm das leicht gebun⸗ „dene Tuch ab.“ „Der Scharfrichter hielt ein; der Delin⸗ „guent aber rief mit feſter Stimme: „Ich „„bin bereit, vollende!“ Das hochgeſchwun⸗ „gene Schwert durchſchnitt, von kraͤftiger Hand „„kunſtgerecht gefuͤhrt, den Hals des arme „Suͤnders, ſo daß das getrennte Haupt im „Strome des eigenen Blutes dahinrollte.“ „Das Geſetz war verſoͤhnt, und der Ge⸗ „„richtete gefallen — ſich zur Strafe, Andern „zur Warnung. Nie vergeſſe ich dieſe Scene.“ „Auch auf dieſer meiner jetzigen Reiſe ward „ich noch unwillkuͤrlich Zeuge einer Hinrichtung „eines der Mitglieder Deiner Bande.“ „Wäaͤhrend ich da“, fuhr der Maler fort, am Galgen ſtand, fuͤhlte ich mich ploͤtzlich „etgrifen. Polizeiſoldaten befahlen mir zu „folgen. Ich wurde durch den Strom des „Volkes in dieſelbe Stadt eskortirt und in das⸗ „ſelbe Haus gebracht, welche denſelben Morgen „der Delinquent verlaſſen hatte. Als ich nach „„der Urſache fragte, grinſ'te mir der Gefangen⸗ „wärter tuͤckiſch entgegen: „Du gehoͤrſt zu — 26 — „Schobri's Bande, man ſah Dich unter „ſeinen Leuten, trage dieſe Kette nur noch we⸗ „nige Tage, bis ſie Dich traͤgt. Fuͤr Euch „Strauchdiebe iſt das Schwerdt, das nur des „Edlen Blut vergießen darf, nicht geſchliffen; „Ihr muͤßt Euch bei Bruder Dreibein von der „Seilerstochter umarmen laſſen. Bereite Dich „vor, morgen iſt Gerichtsſitzung, das Stand⸗ „recht gilt; uͤbermorgen haͤngſt Du!““ „Hiermit legte er mir die Beinſchellen an „und ſchloß die Kerkerthuͤre.“ „So ſah ich meinem Tode entgegen. Es „war Mitternacht. Plötzlich hoͤre ich am Fen⸗ „ſter ein Geraͤuſch. Ein Mann ſteigt heran; „ich hoͤre feilen. Eine Stange des Eiſengitters „wird weggenommen, der Mann ſteigt ein, und „ich erkenne einen Raͤuber von Enrer Ban⸗ „de. Er löſt meine Feſſeln, giebt mir ein Pi⸗ „ſtol in die Hand und gebietet mir, ihm zu ſol⸗ „gen. „Sechs Mann“, ſpricht er, „ſind von „uns bereits eingeſtiegen. Ein Knecht des Ge⸗ „fangenwaͤrters, der in unſerm Solde iſt, un: „terſtuͤtzt uns bei unſerm Vorhaben. Außer Dir „ſitzen noch Viere von uns in dieſem Hauſe „des Jammers; ſie alle ſollen befreit werden. „Es iſt aber unſere Abſicht, jeden Mord zu ver⸗ „meiden, wenn es nicht die höchſte Noth er⸗ „heiſcht. Handeln wollen wir nach des Haupt⸗ „manns Befehl und in ſeinem Geiſte. Folge!““ „Ich that es. Wir gingen durch die langen „finſtern Gaͤnge des Criminals. Kerker offneten „ſich, Banden wurden gelsſt. Zwei Gefangen⸗ „warter, die den uͤbrigen Raͤubern die Flucht „abzuſchneiden ſich erkuͤhnt hatten, fanden wir „bereits in den Ketten der Delinquenten, und „nun nahmen wir auf Sttrickleitern unſern „Ruͤckweg. Vor dem Thore hielten Foſſe, und „dahin eilten wir, neuen Begebenheiten entge⸗ „gen. Ein beſonderer Gluͤcksumſtand, der mir „begegnete, war, daß man im Criminal mich „nicht ausviſitirt hatte. Drum ritt ich getroſte — „Muthes vorwärts, ich in der Hoffnung, bald „Euch, Hauptmann, zu finden.“ 5. „Bei einem einſam liegenden Walbhauſe „trafen wir die Bande.“ „ſtand vor den Seinen, die er eben muſterte, „als uns ſeine Wachen anriefen und uns zu ihm „fuͤhrten. Getroſt ging ich ihm entgegen, aber „dieſer Fuͤhrer der Bande waret nicht Ihr, ſon⸗ „vorbereitete Hinrichtung mich zuerſt mit ihm „bekannt machte.“ vermehrt.“ „Ein Mann von Eurer Größe und Haltung „dern es war derjenige Eurer Bande, deſſen „Seine Schaar hatte ſich durch Recruten — — „Es waren verwogene Burſche, deſertitte „Soldaten, Leibeigne, untreue Diener ihrer Her⸗ ren und entſprungene Straͤflinge.“ „Dem Geſetze laͤngſt verfallen, mußten ſie „jetzt das Aeußerſte wagen.“ „Alle ſchwuren jenem Hauptmann Treue. „Nicht mir,“ antwortete dieſer, „dem wirk⸗ „lichen Schobri gelobt unverbruͤchlichen Ge⸗ „horſam! Räuber ſind wir, aber nicht gemeine. „Bewahrt Eure Hand vor frevelndem Blutver⸗ „gießen und feigem Raub; beide beſtraft un⸗ „ſer Geſetz mit dem Tode. Unbedingt folgt dem „Befehle des Obern. Keiner behalte ſeine „Beute fuͤr ſich allein, keiner taſte frevelnd den „Sparpfennig des armen Landmanns an. Kei⸗ „ner wage es, wollaſtig die Ruhe der harm⸗ „loſen Dirne durch Gewalt oder Liſt zu ſtoren⸗ „Keiner beleidige die Prieſter der Kirche. Nur „ann, wenn Ihr dieſes erfuͤllt, ſeid Ihr brave „Glieder unſerer Bande, und nun gelobt noch Ver⸗ — 3 — „ſchwiegenheit bis zum Tode. Wollt Ihr dieſe „Bedingungen nicht erfullen, ſo geht! — wollt „Ihr ſie erfuͤllen, ſo hebt die Hand zum un⸗ „„verbruͤchlichen Bunde. Die Suͤnde bindet fe⸗ „ſter als die Tugend jemals band.“““ „Die Räuber erhoben ihre Haͤnde und wa⸗ „ren nun aufgenommen.“ „Der Hauptmann befahl nun einigen ſei⸗ „ner Leute ein Mahl vorzurichten, nahm mich, „waͤhrend dies geſchah, bei der Hand und „fuͤhrte mich unter eine Eiche, wo wir uns auf „„das ſchwellende Moos ſetzten. Nun legte er „ſeine Hand in die meinige und ſprach: „„„Juͤngling, Du trateſt harmlos in unſere „Geheimniße. Fern ſei von Dir unſere Schuld, „aber verkuͤnden ſollſt Du, wenn wir nicht mehr „ſind, unſere Schickſale der Welt, daß ſie uns „nicht fluche. Ach! fruher oder ſpätet wird uns „bie ſtrafende Gerechtigkeit erreichen und riche 3 ₰ —— —— „ten, aber feig wollen wir ihr nicht in die „Hände laufen, ſondern dem Schickſal trotzen, „bis es uns erreicht und toͤdtet. — Du ſuchſt „den Hauptmann! — Er iſt der Unglucklichſte „unter uns.“““ „„Sage ihm, wenn Du ihn findeſt, die⸗ „ſes mein Herz ſchluͤge ihm in ewiger Treue! „Jetzt vernimm die fruͤheren Schickſale ſeines „Lebens.““ „„Sein Wohlthaͤter ließ ihn aus Groß⸗ „muth in einem Militär⸗Erziehungshauſe erzie⸗ hen. Bald rief der Krieg den Knaben auf das Schlachtfeld. Noch unvermoͤgend das Ge⸗ „wehr zu tragen, ſchlug er die Trommel. De⸗ 6 „ſerreich zog gegen Frankreich und ſeine Ungar n 2 4 „fochten wie Helden. Fußvolk und Reiterei „waren von gleichem Muthe und gleicher Treue beſeeit“ „„Das Regiment, wo Schobri ſtand, ge⸗ „hoͤrte zu Giulays Armeecorps. Der Ban „von Croatien gehoͤrte unter die erſten Hel⸗ „den, er wußte in der Bruſt eines jeden „Soldaten jene Begeiſterung anzufachen, die „nicht die Furcht des Todes, ſondern nur die der „Schmach kennt. Mein Vater war auch dabei, „er hat mir Alles erzaͤhlt. Es muß ein herr⸗ „licher Feldzug geweſen ſeyn, in welchem die „Worte: „Mit Gott fuͤr Thron und Vater⸗ „land!“ in Flammenſchrift in jedes Herz ge⸗ „ſchrieben waren, und die Schaaren der Ver⸗ „„buͤndeten nur eine Liebe, die zum Vaterlande „und zur Ehre kannten.“““ — — ——— 4 „ — — „„Bei Kulm, im ſchönen Böhmerlande, „trafen die ungatiſchen Regimenter zuerſt auf „den Feind, welcher eben im erſten vetmeintli⸗ „chen Siegesrauſch uͤber die zerſchmetterten Rei⸗ „hen der Ruſſen jenſeits des Saumes der Ge⸗ „birge gleich einer dunklen Wetterwolke vorruckte. „Die Ungarn brannten vor Kampfluſt; noch ge⸗ e der Feldherr einzuhalten. — Als aber „die Preußen, die bisher wie Manern ſtan⸗ „den, auch anruͤckten und ſich von den Ge⸗ „birgen auf den Feind, der im geſchloſſenen „Carré von Culm her ihnen entgegenkam, ſturz⸗ „ten, da rief die Ungarn der Ruf des Feld⸗ „herrn in den Kampf.““ „Mit gefälltem Bajonnet ſtuͤrzten ſie dem „Feind entgegen, deſſen Gewehre aus tauſend „Schluͤnden ihnen den Tod entgegen ſpruͤhten. „Ganze Reihen der Unſern ſanken; die Fahne ſel, als von einem Kartätſchenſchuß ihre „Stange zerſchmettert worden war. Eine andere „Kugel traf den Regimentstambvur in den Schobri. II. 3 — — „Kopf, daß das Gehirn dem kleinen Tambout, „der hinter ihm trommelte, ins Antlitz und „auf die Trommel ſpruͤtzte. Er zitterte nicht, „mit keckem Muthe ergriff er den Stab des „Gefallenen, und rief, als eben der Feldherr „ſein „Vorwaͤrts“ ausrief, den Andern zu: „auf! wirbelt Sturm!““ „„Es geſchieht; die erſte Reihe kehrt die „Gewehre um, und mit den Kolben ſchlägt ſie „auf den Feind los. Sein Quarré iſt geſprengt, „was nicht faͤllt, flieht, und die einhauende, „Cavallerie bringt dem Fliehenden eine entſetz⸗ „liche Niederlage bei. Der Sieg neigt ſich auf „Kulms Gefilden auf die Seite der Verbuͤnde⸗ „ten und begleitet fortan ihre Fahnen.“““ „„Der kleine Tambour war unſer Schob „ri und fortan des Obriſten Liebling.““ „So ſehen wir ihn wieder bei Leipzig⸗ wo er bei Meerfelds Corps ſtand. Das Holz „von Connewitz wurde von den Tirailleurs „genommen. Infanterie ruͤckte nach. Während „der Feind ſich an der dritten Brucke feſtſetzte, „ruͤckten die Unſtigen im Sturmſchritt vor. „Fuͤrchterlich war das Blutbad; der Hauptmann „ſiel, doch die Bruͤcke ward genommen. Aus „Dankbarkeit begruben die Soldaten den Offizier „da, wo er gefallen war. Des tleinen Tambours „kunſtreiche Hand bildete aus zwei Aeſten ein „Kreuz und ſetzte es auf das unter einer Eiche „befindliche Grab des Braven, uͤber welches „jetzt die Cameraden eine Salve gaben. Sie „kehren hierauf zum Hauptcorps zuruͤck, er⸗ „reichen, als ſich der Sieg entſcheidet, daſſelbe.““ „„Schobri ward nun beliebt im Regi „gimente, und da er zuſehens wuchs, bald Sol⸗ „dat und vor Paris Gefreiter.““ „„Der Krieg endete. Er ward Jäger und „kam zu einem reichen, aber ſtolzen Herrn, mit „welchem er große Reiſen machte, und die Welt „und das genußreichere Leben in ihr kennen „lernte““ S0 reihten ſi ſich Jahre an Jahre. Auf „dieſen Reiſen beſuchte Schobri mit ſeinem „Herrn mehrete deutſchen Hochſchulen, wo er „ſene Fruntnſſe ſehr erweiterte.““ Herr ſtarb. Ein weitläuſiger Ver⸗ „wandter, der aber nicht in ſeinem Buſen das „Herz eines Ungarn trug, ward ſein Erbe. — „Er war ſtolz und herrſchſuchtig, falſch, jahzor⸗ „nig und mißtrauiſch, Tyrann ſeiner Leute, „und lieh nur den Gleißnereien ſeines Kochs, „der ihm ſchmeichelte, ſein Ohr.“““ „„Dieſer haßte den muntern Jäger Schob⸗ „ri; ja er ſchwor ihm, als er . in einer „Rauferei mit ihm unterlag und tuͤchtig abge⸗ . n wurde, ih „„Bald darauf,“ fuhr der Erzähler fort, „gab Schobri's Herr ein glaͤnzendes Jagbfeſt. „Der nachbarliche Adel war dazu eingeladen „und erſchien in aller ſeiner Hetrlichkeit; ſelbſt. „Edelfrauen nahmen an dem An⸗ ztheile“ „„Alle uͤberſtrahlte an Anmuth und Ho⸗ „heit das holde Fräulein S. v. S. Sie ritt „„einen milchweißen turkiſchen Zelter und glich ier Jaodgöttin⸗ Die Augen Aller richteten „ſch auf ſie.“““ „Als alle Jagdfreunde eingetroffen waren, „ward die Jagd eroffnet.““ „„Ein furchtbar großer Keuler, von den „Schweißhunden aufgeſpuͤrt und von einer „Meute der Parforcehunde verfolgt, ward bald „ein Gegenſtand allgemeiner auſnertſmtet. „Bald war er geſtellt.““ „„Er ſtreifte die Hunde ab, und ſeine Fänge „bohrten ſich ſo in die Weichen ie baß ſe „„wimmernd verendeten.““ — „„Dieſer Umſtand ſetzte das ganze Jagdper⸗ „„ſonal in Erſtaunen und Bewegung.““ Dot Hert und die ſchöne Dame ſpren⸗ „gen voran. In einiger Entfernung folgt das „toſende Jagdgefolge nach. Auf einmal faͤllt „ein Schuß.““ „„Aus dem Dickicht ſtuͤrzt der Eber, wohin „er ſich vor Schmerz zuruͤckgezogen hatte, wuͤ⸗ „thend und ſchäumend auf den Herrn, der ihn „mit der Kugel nur geſtreift hatte, los. Das „„Roß deſſelben wird ſcheu, wendet um und — „flieht.““ „„Jetzt geht der Keuler auf die Dame los „und bohrt ſeinen Fang in ihres Roſſes Wei⸗ „che, daß es baͤumt und zuſammenbricht. Sie „ſelbſt fällt.““ „„Schon blitzt der Fang des Unthiers uͤber „ihr, da ſturzt ſchnell der Jäger des Herrn⸗ — 6 — „der eben angeſprengt kam, vom Roß, wirft „ſich dem Eber entgegen und bohrt ihm die „Klinge des Hirſchfaͤngersin die Bruſt.““ „Falle ſeinen Sieger, deſſen Blut jetzt das Ge⸗ „wand der ſchoͤnen Dame, welche nun von au⸗ „genſcheinlicher Todesgefahr gerettet iſt, beſprutzt. „Sie erkennt den Retter, und bald erfährt ſie „durch ſonderbare Fuͤgung der Umſtände, daß „er derſelbe iſt, der ſie einſt als Kind aus „den Fluthen zog.““ „„Welch' ein Wiederſehen!““ „„Im erſten Augenblicke der ueberraſchung „zieht ſie einen Ring vom Finger, reicht ihn „ihrem Retter und erlaubt, daß er ihre zitternde „Hand an ſeine Lippe, an ſein Herz druͤcken „darf.“ 7 „„Der Eber faͤllt; er verwundet noch im „„Sein Herr, der dieß ſieht und in deſt — 40 — „ſem ſtolzen Herzen daruͤber die Eiferſucht ent⸗ „brennt, beſchließt, den gluͤcklichen Jäger, wel⸗ „cher mehr bei der holden Dame, die er liebte, zu gelten ſchien als er ſelbſt, zu verderben 4. „„Er verbarg inzwiſchen ſeinen Zorn, heu⸗ „chelte unſerm Jäger, dem Schobri, Zufriedenheit „und Beifall, ſchenkte ihm einige Ducaten und „ernannte ihn in Gegenwart der Dame zum „Oberjaͤger, mit Ingrimm bemerkend, wie die „Augen des wunderholden Fraͤuleins auf ihm t „„So verging der Tag. Der Koch brutete „unterdeſſen uͤber das Verderben des gluͤcklichen „Feindes; Zu ſeiner Freude entdeckte er auch „„bald, wie ſehr ihn der Herr ſelbſt haßte.““ „„Der Plan zu ſeinem Verderben war ge⸗ „macht und bald ausgefuͤhrt.““ „„Die Jagdgarderobe des Herrn ſtand un⸗ „ter der Aufſicht des Oberjägers. Er hatte zu ſel⸗ „„biger den Schluͤßel; auch die Jagd⸗Caſſe, welche, K Herr den Prunk liebte, immer ſehr ausgeſtattet war, war ihm anvertraut.““ „„Ungefaͤhr acht Tage nach der vethäͤng⸗ „nißvollen Jagd ward Schobri von ſeinem Herrn „in der Mitternachtsſtunde plotzlich geweckt und „befehligt, in die naͤchſte Kreisſtadt zu reiten, „um eine Ordonnanz dahin zu uͤberbringen.““ 8 Et befolgte den B Befehl, warf einen Rei⸗ „termantel um, und ſetzte ſich auf's Roß.“ „„Kaum war er eine Stunde fort, ſo tritt „der heimtüͤckiſche Koch an das Bett des Herrn „und meldet, daß der Jäger, wie er wohl ge⸗ „ſehen, die Caſſe eingeſteckt, auch einen koſt⸗ — 42 — „baren Ring des Herrn, der auf dem Tiſche „gelegen, mitgenommen habe.“““ „„Der Herr entbrannte darob im „als er dieſe Nachricht ephielt.““ „„Sofort befahl er dem Koch, die Frohne „und die berittenen Bauern zu verſammeln, „um dem Fluͤchtling nachzueilen, weil, wie er „meinte, wohl zu befurchten wäre, daß dieſer „uͤber die flavoniſche Grenze, in deren Nähe „die Kreisſtadt lag, entfliehen moͤchte.““ „Mit tückiſcher Schadenfreude eilte der „Koch, den Befehl zu vollziehen. Aus dieſem „Grunde wählte er die handfeſteſten bewaffne⸗ „ten Frohnknechte und Bauern, die ſich mit Ket⸗ „ten verſehen mußten, und die ſchnellſten Roſſe „aus, und ſo verfolgte er raſch den gehaßten „und beneideten Feind, um ihn zu vernichten.““ 1 7. „Unfern der Grenze, in einem Forſte der „bereits wegen einer daſelbſt herumſchweifenden „Raͤuberbande unwirthlich und unſicher war, „treffen ſie den Oberjaͤger, deſſen Gedanken, „von den Fittigen der Phantaſie getragen, „eben bei der Dame ſeines Herzens, die, ach! „nie die Seine werden konnte, verweilen, “ „„Halt!“ rufen ihm plötzlich die ihn „umſchwaͤrmenden Frohne zu, „Halt! im Na „men des Geſetzes.““ „In dieſem Augenblicke wollte ihm Einer 3 „ri wich ihr aus, und trat ihnen mit jenem „die Schlinge uͤber den Hals werfen. Schob⸗ — — „Muth, den das der uſ „giebt, entgegen.“ „Als er ihnen“ „„Was wollt Ihr?“ „zuruft, treten die Knechte zuruͤck.““ „* „„Den Dieb fangen!“ kreiſchte der „Koch, der ſich hinter die Knechte gefluͤchtet „hatte, „den Dieb fangen, der des gnaͤdigen „Herrn Jagdeaſſe und den Ring ſtahl. Er⸗ „greift ihn, feſſelt und bindet ihn, oder ich „klage Euch als Mitſchuldige an, und dann „iſt Euch ſelbſt der Seit ſo wie 6 ihm! „„Unwillkrlich grif jetzt Schobri in die Ta⸗ che ſeines Mantels. Entſetzen durchzuckte ihn, „als er in ſelbiger die Boͤrſe mit der Jagd⸗ 6 „caſſe des Herrn und den Ring fand.“ Hal“ rief er, „nun erkenne ich den 6 „Verraͤther und den Feind! Ich ſoll „ſchmachvoll ſterben. Ehe das geſchieht, fuhr er „fort, ſo fahre Du Bube zur Hoͤlle! „„Raſch reißt er ein Piſtol mit einem Dop⸗ „pellaufe aus der Seitentaſche des Reiſeman⸗ „„tels, reitet einen der verbluͤfften Frohnknechte „nieder und ſetzt dem Koch das Piſtol auf die „Bruſt; ein Druck, und die Kugel des rechten „Laufes durchbohrt des Todfeindes verraͤtheri⸗ „ſches Hetz.““ Die Schergen hieben jetzt auf ihn ein. „Waͤhrend der Eine den Pallaſch ſchwingt, endet Schobri den andern Lauf auf ihn, „wobei das Gewehr eine ſolche Wendung „nimmt, daß er dieſem beim Abdruck die Kugel „„durch das Auge ſo ins Gehirn brennt, daß er taumelnd zur Erde ſinkt. „um ſo wüthender wird nun der Anuß „der Andern. 8 5 1 8 auf ihn ein. Schon dr — — „Einet, ihm den Kopf zu ſpalten, jeboch dieſer „Gefahr weicht Schobri gluͤcklich aus, indem „er mit dem Hirſchfaͤnger den Hieb geſchickt „„Die Klingen kreuzen ſich⸗ Sanu wird „verwundet und vom Roß herabgeriſſen. Von „Straͤngen umſchlungen, erhält er noch einen „Schlag auf's Haupt. Ehe ſeine Sinne ihm „vergehen, befiehlt er ſeine Seele dem Herrn. „Als er wieder zur Beſinnung kam, ſieht er ℳ Bis hieher hatted er Maler die Geſchichte Schobris ihm ſelbſt, der unter den verſchieden⸗ ſten Bewegungen des Gemuths ſchweigend zu⸗ hoͤrte, mit den eignen Worten des Räubers eiht. Da der hereintretende Arzt die Etzaͤhlung. Nachdem dieſer ſich nach dem Befinden unſerer Freunde erkundigt und das Noͤthige angeordnet hatte, theilt er uheu Freunden unter Anderm mit: „Die Polizei werde, wie es verlaute, naͤch⸗ „ſtens im Hospital Unterſuchung halten. Es „ſei,“ fuhr er fort, „das Gerucht verbreitet, „der Räuberhauptmann liege hier krank; man „gehe daher mit Ernſt darauf aus, ſich ſeiner, „ſey es todt oder beibig⸗ zu bemaͤchtigen. „In dieſer Abſicht wuͤrde man hieher kommen, „um ſich zu uͤberzengen, ob der vermeintliche „Kranke es ſelbſt ſey, oder ein m lene „Rolle ſpiele. 6 „Man erwarte nur noch Verhaftungsbe⸗ „fehle von höherer Behorde, um im Spitgl „die ſtrengſte Unterſuchung anzuſtellen.“ „Viele Nachrichten ſeyen von den Raͤu⸗ „„bern eir wegangen. Dieſe Räͤuberhorden veruͤb⸗ — 48 — „ten ſolche, ihres Hauptmanns Namen ſelbſt „entehrende Mordthaten, daß ſogar der arme „wandernde Handwerksburſche vor ihrem An⸗ „griffe nicht mehr ſicher ſey. Kirchen wuͤrden „geplundert und Capellen ausgeleert, Wallfah⸗ „rer uͤberfallen, Boten beraubt, und der Name „Schobri, bis jetzt hier und da geehrt, ſei „nun allgemein gefuͤrchtet und verflucht.“ „Die Regierung, der das Wohl des Vol⸗ „kes ſo ſehr am Herzen läge, haͤtte nun, „kraͤftig und ernſt auftretend, eine allge⸗ „meine Verfolgung der Raͤuber beſchlos⸗ . Auf den Kopf des Hauptmanns und auf „die der gefaͤhrlichſten Raͤuber ſeyen 100 Duka⸗ „ten, auf die jedes andern 10 geſetzt. Ehe der „Mond wechsle, wuͤrden wohl Alle ihre Miſſe⸗ „that mit dem Tode gebüßt haben, da ſogleich „uͤber jeden Gefangenen ein Standrecht ge⸗ „halten werden ſollte.“ 1 eo etzählte der Atzt. Wer vermag zu ſchildern, welche Gefuͤhle bei dieſer Erzählung Schobri's Herz durchgluͤhten. Als der Arzt ſich entfernte, ſprach er: „Auch „ich muß meinem Schickſale wieder entgegen „treten, um meines Namens Ehre zu retten. * „— Fort von hier! — Sooll ich als Räu⸗ „berhauptmann enden, ſo will ich's ohne Furcht, „aber auch ohne Schmach, damit die Welt die „wahre Beſchaffenheit meines Charakters, de „ſie bisher ſchief beurtheilt hat, utlich erkenn „Wehe dem, der meinen Namen „ſterbe durch meine Hand.“ Schobri II. — 50 — „Jetzt, Freund, und Du, verehrter theurer „Greis! jetzt hoͤrt meine fernern Schickſale und „die Begebenheiten eines ſtuͤrmiſchen Lebens, „das, ach! nur zu gewiß gewaltſam enden wird.“ „Hoͤrt meines Lebens Begebenheiten und „dann erſt ſprecht uͤber mich das Verdammungs⸗ „urtheil aus.“ — „Als ich erwachte, ſah ich mich n einer hle von Räubern umringt.“ „Wihrend bewußtlos niederſank, hat⸗ „ten Raͤuber des Waldes, welche die Frohn⸗ „nechte des ſtolzen Edelmanns und ihn ſelbſt ödrlich haßten und durch die Schuͤſſe herbei⸗ „gelockt worden waen, bald erkannt, in wel⸗ er t ſie ſi ſich befanden und velhe „Mittel zu ihrer Errettung am geeignetſten waͤren.“ 8 „Wuͤthend griffen ſie daher die Frohnknechte „an, die ſich verzweifelnd wehrten und nur dann „erſt um Gnade baten, als zwei derſelben tödt⸗ „lich verwundet waren.“ „Von den Raͤnbern ſelbſt war nur einer ge⸗ „blieben.“ „Es war der ſchwarze Czedlarzk, der „grauſamſte und wildeſte der Bande. Die uͤbri⸗ „gen beſtanden aus Deſerteuren, entlaufenen „Leibeignen, fortgejagten Hirten und Vagabon⸗ „den aller Art. Sie ſelbſt fuͤhlten es, daß in „ihnen weder Kraft noch Einigkeit war, uch, „daß ſie ohne dieſe fruͤher oder ſpaͤter der Rra⸗ „fenden Gerechtigkeit anheimfallen muͤßten. S „hatten geſehen, mit welcher Tapferkeit ich focht „und Einer derſelben, ein alter Soldat, der „mich noch von Kriegszeiten her kannte und „dem ich einſt in einem Gefechte das Leben ret⸗ „tete, pries meinen Ruhm und ſprach, als die „geſammte Bande ſich um mich verſammelt hatte: „S chobri, ich kenne Dich, Du biſt ein „guter und braver Burſch, aber Du verdienſt „die Galgenſtrafe ſo gut wie wir. Du erſchlugſt „den Koch, biſt alſo ein Moͤrder. Das Geld „hat man Dir in den Mantel geſteckt. Kannſt „Du es abläugnen? Du biſt ein Dieb; wilſſt „Du Dich von uns zuruͤckziehen, ſo läufſt Du „dem Meiſter Haͤmmerling in die Hand und „Bruder Dreibein in die Arme. Es iſt nir⸗ „gends Rettung fuͤr Dich als bei uns; drum „leib, doch willſt Du von hinnen, ſo ſind wir es unſerer Sicherheit ſchuldig, Dich ſofort zu eſſchießen! — „Bei dieſen Worten richteten die Räuber „die Gewehre auf mich, deren Hähne bereits „knackten. Jetzt hatte ich zwiſchen dem gewiſ⸗ ſen und ungewiſſen Tode zu waͤhlen. N — 53 — „In dieſer peinlichen Lage erfullte tödtlicher „Menſchenhaß mein aufgeregtes Hetz; ich ſah „meinen zornigen Herrn und im Geiſte den vor „dem Schloſſe aufgerichteten Galgen.“ — „Heftiger Unwille draͤngte mich, jetzt Rache „zu nehmen. Furcht vor der ſchmachbollen Stra⸗ * „fe, nicht vor dem nahen mir gedrohten Tode „beſchlennigte daher meinen Entſchluß.“ „Ich reichte den Raͤubern die Hand und . „wurde Raͤubergenoſſe. So entſchied das „Schickſal in einer finſteren Stunde.“ — „Wir wurden,“ fuhr er fort, „von Solda⸗ „ten und Frohnen bedroht und angegriffen ner von uns gefangen, nach dem Stundrecht 3 „erichtet und in Ketten aufgehüngt §5 u „einer der verwegenſten, welcher gewiſſermaßen „als unſer Hauptmann galt. Nun waren wir „ohne Fuͤhrer und bedurften doch eines Man⸗ „nes, der uͤber die andern ein geiſtiges Ueber⸗ „gewicht behaupten konnte. Allgemeines Ver⸗ „trauen ſollte entſcheiden, und es entſchied fuͤr „mich, ungeachtet der rothe Raps die meiſten „Stimmen hatte. Dieſer grauſame und hinter⸗ „liſtige Menſch wurde fortan mein Todfeind, „und doch konnte ich ihn nicht von mir ent— „fernen, da ſein Anhang groß war.“ „Auch als Räuber gelobte ich, noch als „Menſch zu handeln, den Uebermuth und die „Bosheit zu ſtrafen und die Armuth zu unter⸗ „ſtuͤtzen, damit doch wenigſtens ein Gebet fuͤr „mich jenſeits ſpräche, wenn hier das Geſetz „verdammte. Ob ich meine Pflicht erfuͤllt habe, „das mag entſchieden werden, wenn ich nicht „mehr bin, aber ich hoffe, einſt nicht in der „Reihe der Schinderhannſe und Cartouche, ſon⸗ „dern in der der edleren Raͤuber zu ſtehen.“ 5 „Viele Abentheuer haben wir erlebt, gen unie und geſiegt, geſchwelgt und gedarbt, „und haben gelebt wie die Soͤhne des Waldes⸗ „Mancher wackerer Junge, den das Schickſal „„verſtieß, ward der Unſere, und focht unter „Gefahr und Kampf, dem Galgen entgegen⸗ „„reifend, wie ein Loͤwe.“ — Tief athmete Schobri bei dieſen Worten auf. ſein dunkles Schickſal uͤberblickend und eine fuͤrch⸗ terliche Zukunft uͤberſchauend. „Juͤngling,“ rief er dem Maler zu, „folge nie den Eingebungen „des Leichtſinns und des Jäͤhzorns, und be⸗ „herrſche Dein Herz; denn wenn es einmal die „Suͤnde üͤbermannt, ſo iſt es ihr Opfer bis zur Hölle. Benutze die erſte Gelegenheit heim⸗ „zukehren ins Vaterland und gedenke meiner „wenn es Dir wohlgeht.“ B. Umn ſelbige Stunde ſaßen im Jagdſchloſſe des Grafen Y. viele der reichſten ungariſchen Herren 3 und Offiziere beim Imbiß und köſtlichem To⸗ kayer, der die Herzen freudig und den Mund beredt macht. Die neueſten Zeitereigniſſe, der Landtag in Siebenbürgen, die Verhältniſſe des Bauernſtan⸗ des in Ungarn, der wachſende Wohlſtand der Buͤrger in den Großſtädten, gaben der belebten 3 Geſellſchaſt reichlich Stoff zum Geſprach. 5 Ein ehrwuͤrdiger Doͤmherr nahm das Wort⸗ Wie viel anders iſt es ſchon jetzt gegen wo die e Folgen jenes Bauernaufſtandes „ſo druͤckend auf dieſen Stand zuruͤckwirkten „wie gerecht und mild waltet jetzt das Geſetz⸗ „Wie verſtand es Ungarns hoher Adel, nur „durch Wohlthaten auf das Volk zu wirken „und durch Schulen die künftige Generation „in ihrem Keime zu veredeln.“ „So“, fuhr er fort, „ſo vermeiden wir „das Verbrechen, die Intelligenz wird Kraft, „und manches ſchoͤne Talent, daß jetzt vergeſ⸗ „ſen untergeht, oder ſich, vom falſchen Ehrgeiz „geleitet, zum Boͤſen neigt, wird nun wohl⸗ „thätig fuͤr Staat und Volk aufſproßen und „gedeihen.“ Aber auch hier kam man, wie uͤberall, bald auf Schobri's Leben und Abenthener⸗ welche die Phantaſie mit neuen Bildern ſchmuͤck⸗ te, und welche die vielzungige Fama vergroͤßerte. Sie waren ein allgemeiner Gegenſtand der Aufe merkſamkeit der Behoͤrden und Unterhaltung geworden. — — Wie einſt in Italien Rinaldo Rinal⸗ dini, ſo lebte jetzt in Ungarn Schobri in den Geſpraͤchen der Bewohner der Palaͤſte, wie 8 in der Huͤtte. Von ihm ſprach der Magnat, wie der arme leibeigne Hirt. „Ja,“ rief mit lebhafter Theilnahme ein junger Cavalier: „er iſt das Geſpenſt aller de⸗ „ver, die das ſchuldbewußte Herz beaͤngſtigt „und die Hoffnung manches Armen und Be— „druͤckten, der, fruͤher ihn kennend, die Nach⸗ „richten uͤber die Unthaten S Bande fuͤr „fabelhaft erklaͤrt.“ „Mehrere Gutsbeſitzer erkauften ſich ſchon „aus Furcht den Schutz ſeiner Bande mit „ſchwerem Gelde, und reiſende Kaufleute nah⸗ „men aus Vorſicht bewaffnetes Geleite von der „Bande ſelbſt, um ſicher die weiten Ebenen „durchziehen zu können. So lange Schobri „ſelbſt an der Spitze ſtand, war dieſes Ver⸗ „trauen den Raͤubern heilig, und ſicher wan⸗ — 59 — „derte der von ihnen Geleitete durch Ungarns „Gebirge und ſeine Ebenen. Als aber einige „der Raͤuber ihn fuͤr todt hielten, und Un⸗ „terbefehlshaber, die ſeine Rolle „fortſpielen wollten, gemeine blutduͤrſtige Raͤu⸗ „ber und Wegelagerer wurden, da wich die „Furcht dem allgemeinen Rachegefuͤhl. Das „Volk freute ſich, als es erfuhr, mit welcher „Kraft de Regierung einzuſchreiten begann. „Deshalb vollende ſie, was ſie begonnen, und Geſetz zeige ſich in ſeiner Wurde. 6 Das Sn war nun S hanz geweiht. Eben hatte an der Tafel des Magnaten ein Werbeoffizier mehrere Scenen aus Schobris Leben erzaͤhlt und mit den Worten: „dies Rinaldini, der uns Be — 60 — fuͤr und gegen ihn Parthei nahm, indem der Eine, nur ſeine Thaten betrachtend, ſei⸗ nen Tod, der Andere ſein Herz beurthei⸗ lend, ſeine Befreiung wuͤnſchte. „Ihr fangt ihn nicht!“ ſprach ein reicher junger Cavalier, welcher eben erſt aus England, wo er unter den ſtolzen Britten Aben⸗ theuer und kuͤhne Vetten liebgewonnen hatte, ins Vaterland zuruͤckgekehrt war, „Ihr fangt „ihn nicht! denn Sueuti liſtig, zu gewandt und zu klug!“ — 8 „Nicht?“ erwiederte ein junger ſchoͤner Ofſizier in gläͤnzender Uhlanenuniform, der eben erſt das Porte epee erhalten hatte. „Wir fan⸗ „gen ihn, und gliche er an Gewandtheit der „Schlange, an Liſt dem Fuchſe, an Muth dem „Loͤwen. Wenn er auch, wie es allgemein „heißt, an ſieben Hrten zugleich geſehen „les zu ſchaffen machen wird,“ geſchloſſen, als die Geſellſchaft, von Ungarwein erhitzt, „gends wäre, ihn, den rechten, will ich dern koͤſtlichen Ring vom Finger ziehend; „die „worden ſeyn ſoll, wenn er Ueberall und Nir⸗ „doch auffinden und nicht eher ru hen, bis er in „meiner Gewalt iſt. Wer geht die Wette „ein? Die ſer Brillantring gilt.“ — „Ich!“ rief der junge Cavalier, einen an⸗ „Wette gilt!“ So war die Wette geſchloſſen. Ein Gluͤck für Schobri war es, daß unter den aufwartenden Dienern ein Kundſchafter ſeiner Bande war. — 10. Drei Tage darauf hieß es in der Stadt wo ſich das Hospital befand, welches nun aufge⸗ loſt werden ſollte: Schobri, der an ſieben Orten geſehen wuͤrde, waͤre wieder zum Vorſchein ge⸗ 8 kommen; er triebe ſein Weſen an der Grenze des Bannats, an einer Narbe im Geſcchte ſey er erkennbar. Eine große Maſſe Menſchen zog ſich nun zu der Zeit, wo das Spital aufgelöſt werden ſollte, nach dieſer Gegend hin. Die Bauern waren aufgeboten, die Garniſonen in Kenntniß geſetzt. Das Gerücht, daß Schobri im Cholera⸗ Spitale verweile, war von den Behoͤrden nicht beachtet worden, und die Heiligkeit der from — 63 — men Anſtalt hatte die Unterſuchung des Hospi⸗ tals hintertrieben. Bevor zur Aufloͤſung des Hospitals geſchritten wurde, hielt man noch einen feierlichen Gottesdienſt baſelbſt. Waͤhrend dieſes Gottesdienſtes erhob ſich Schobris Herz zu Gott, dem Geber alles Gu⸗ ten; er fuͤhlte Reue, aber keine vollkommene, weil er es nicht wagte, ſeine Schuld oͤffentlich zu bekennen und ſich freiwillig in die Arme der Gerechtigkeit zu werfen, da doch nur ſein Blut ſeine Miſſethaten verſöhnen konnte. Der Augenblick der Trennung kam, er ſchied von Vater und Freund und ging, noch unſchlußig mit ſich ſelbſt, ſeines Schickſals verhaͤngnißvoller Entſcheidung entgegen. Um unerkannt zu bleiben, wählte er jetzt das Gewand eines armen DOlitätenhändlers. Als ſolcher wußte er ſich bald Waaren zu verſchaffen, die ihm den Eingang in die Huͤtte des Armen, wie zu den Bedienungen der Großen des Landes ver⸗ ſchafften. Er wanderte längs der Grenze fort. Wer haͤtte hier unter dieſer Huͤlle den ſonſt ſo herrlich einherſchreitenden Räuberhaͤuptling er⸗ kannt?! Tiefer Gram lag auf ſeiner Stirn, glanzlos war ſein Auge, blaß ſein Antlitz und ſorgenvoll ſein Herz⸗ „Eines Abends ſprach er in einer Meierei, bei der ein Fluß vorbeifloß, um ein Nachtquar⸗ tier an. Deutſche Coloniſten wohnten hier. Als genuͤgſame fleißige Leute hatten ſie ſich im Schweiße ihres Angeſichts auch einen Spat⸗ pfennig geſammelt. Als die Sonne unterging, trat noch ein reiſender Drahtflicker ein, der um ein Nachtquartier bettelte, das er auch erhielt. Beide mußten in der Scheune ͤbernachten⸗ . Zur Mitternachtsſtunde entſtand plötzich Lärm im Hauſe und Hofe. Auf ein Angſtgeſchrei das erſcholl, ſpringen Schobri und der Fremde raſch vom Lager auf. In der Scheune lagen Harken und Pflugeiſen. Dieſe wurden ihre Waffen. i Sie brängen ſich in die Stube und ſehen Wirth und Wirthin bereits in den grauſamen Händen der Rauber. Einer derſelben, ganz ſo gekleidet, wie einſt Schobri, ſchlug eben die Lade auf. „Halt!“, rief ihm Schobri zuͤrnend entgegen. „Halt! ich befehle es, ich, Euer „Herr und Hauptmann!“ Die zwei Raäuber, wolhe eben mit Knebeln beſchaͤftigt waren, gehorchten und baten flehend um Gna⸗ de; der Dritte aber widerſetzte ſich dem Haupte mann und erwiederte: „Packe Dich weg, hier „haſt Du nichts zu befehlen. Bis jetzt raubt „ich auf Deine, von nun an auf * . Bei dieſen Worten zog er — — 66 — den Säbel, dieſer aber lähmte mit einem Schlag des Harkens ſeinen Arm, worauf der verwundete Raͤuber, blutige Rache drohend, durch's Fenſter entſprang, durch den Fluß ſchwamm und dadurch der Strafe des Haupt⸗ manns enteilte. Zitternd dankten ihm die Geretteten, die Schobri mit ſeinem Gefährten bald verließ. Im Drahtflicker erkannte Schtör einen ſei⸗ ner treuen Genoſſen. Es war derſelbe, wel⸗ cher der Zeuge jener verhaͤngnißvollen Wette er verkuͤndete Schobri die Gefahr, in der hwebte. Schobri beſchloß hierauf, ſich nun von den Seinen zu trennen, und, wo möglich allein, noch einige jener Unholde, die unter ſei⸗ nem Namen das Land ausplüͤnderten, zu uͤber⸗ S — Grenze zuzueilen. Den treueſten der Raͤuber ſendete er mit dem Auftrage ab, ſeinen Va⸗ ter aufzuſuchen, ihm des Sohnes letzten Gruß zu bringen und zu melden, daß er gefaßt ſei, einem ſchmachvollen Tode durch eigne Hand zu⸗ vor zu kommen, daß er aber noch zuvor ſeines Namens Ehre retten wolle. So zog er laͤngs der Grenze des Bannats fort und von Tag zu Tag wuchs ſeine Gefahr, da ein Preis von 100 Dukaten auf ſeinen Kopf geſetzt war. „ 11. Es war eine ſtuͤrmiſche Nächt, der Wind heulte von den Hoͤhen herab und trieb den Schnee uͤber die unwegſamen Pfade. WMit gramerfuͤlltem Herzen und im dunklen Vorgefuͤhl, daß ſich ſein Schickſal nun balb entſcheiden muͤßte, und doch nicht willenskraͤftig genug, ſich ſelbſt anzuzeigen, durchpilgerte der einſt ſo kuͤhne Räuberhäuptling die beſchneiten Gefilde, uͤber welche eben jetzt eine Unzahl von Raben den Städten und ihren Richtſtellen zuflog. Beim Anblick dieſer Vögel rief Schobri, vor deſſen Geiſte jetzt duͤſtre Bilder der Zukunft voruͤberzogen und wobci unwillkuͤrlich eine Thrä⸗ ue, die die Kalte in Eis verwandelte, uͤber die bräunlichen Wangen rann, in bitterm Schmerze — aus: „Hungert euch nach meinem Fleiſche?“ Sein bisheriges bewegtes Leben ſchien ihm ein wuͤſter Fiebertraum, der jetzt ſeinem fuͤrchterli⸗ chen Erwachen nahte, ein Erwachen, das viel⸗ leicht nur zu bald der Schlaf des gewaltſamen Todes auf immer ſchließen ſollte. Ein Marktſtecken ſtund jenſeit der Heide, die er durchpilgerte. Sich ermannend ging er darauf zu und kehrte hier ein. In Kurzem war Alles voll und lebendig. Man ſprach von den neueſten Zeitereignihen. „Ja,“ rief ein junger vorlauter Sprecher, „auch fuͤr uns Landleute geht jetzt eine beſſere „Zeit auf; freier ſollen wir werden, was an⸗ „dern Voͤlkern recht iſt, iſt uns billig!1“ — „Schweig!“ ſiel ihm ein alter graubärti⸗ ger Soldat ins Wort: „Du verſtehſt das Bort „Freiheit nicht, ſie gleicht dem Feuer, das „erwaͤrmt, belebt und vernichtet. Allmaͤlig „muß ſie uns erſcheinen, wir durch Bildung „und Sitte ihrer erſt wuͤrdig ſeyn. Erzwun⸗ „gen wird ſie zur Tyrannin und die Freiheits⸗ „prediger ſelbſt zu Raubvögeln.“ — . „Was geiferſt Du, alter Wicht?“ zuͤrnte der junge Sprecher. „Alte Ungluͤckseule, heule „dein Trauerlied nicht fuͤr uns!“ „In unſerm Willen liegt die Kraft, in der „Kraft das Gluͤck. Wenn Alle dächten, wie „ich 1 „So wären ſie Alle Rarren, und verdienten — „Zuͤchtigung, wie Du,“ rief der Graubart; ein gewaltiger Backenſtreich von ihm warf den kuͤhnen Sprecher zu Boden. „Lerne gehorchen,“ fuhr er fort, „ehe Du „uͤber Gluͤck der Staaten entſcheiden willſt. Der „Ungar erwartet was die Zeit ihm bringt und „ſucht ſein Gluͤck nur in dem Villen ſeines „Koͤnigs!“ Der Geſchlagene hatte Freunde, ebenſo auch der Alte, Alles nahm Parthei. Wuͤſtes Ge⸗ ſchrei wurde zum Raufen, und bald war die Schlägerei allgemein. Eben hatte die Parthei des Juͤngern gewonnen. Der alte Graubart unterlag und haͤtte unter den Schlägen erbit⸗ terter Feinde ſeinen Geiſt aufgeben muͤſſen. Da ergriff Schobri einen Stock und hieb ſo kräftig ein, daß die Feinde bald aus einander ſogen. Sie ſtärzten ſich nun auf ihn. 6 Der Kampf wird von Augenblick zu Augen⸗ blick grimmiger, ſchon blinken Meſſer Klingen⸗ — 22 — als Schobris Stock den Arm eines Feindes lähmt. Fallend blickt dieſer ihm ins Antlitz und ruft: „Friede unter uns Allen! Alle vereint, „Alle auf Einen! Dieſer da iſt der Raͤuber⸗ „Hauptmann. Es iſt der leibhaftige Schobri. „Fangt ihn, feſſelt ihn und liefert ihn der „Obrigkeit aus.“ Alle ſitzen jetzt auf ihn los. In dieſem Augenblick öffnet ſich die Thür. Militär tritt ein, ergreift, nicht wiſſend wem es jetzt gilt, die erſten Beſten; da gewinnt Schobri in dieſem Wirrwarr die Thuͤr und ent⸗ füeht der dringenden Gefahr. Ein furchtbares Wehwetter hatte indeß begonnen; Wege und Straßen ſind verſchneit und der Nordwind heult ihm entgegen. Um im Kampfe der Elemente nicht unterzugehen, muß er Schutz in einem einſam liezenden Hofe ſuchen, der von wohlha⸗ „ benden deutſchen Coloniſten bewohnt war Schon war es Nacht, aber liebreich nimmt ihn der Hauswirth auf. 6 Dieſer war in tiefer Trauer, denn er kam von dem Sarge einer jungen geliebten Tochter, welche ſchnell und, wie man waͤhnte, an der verhängnißvollen Brechruhr geſtorben war, und ſchon morgen beerdigt werden ſollte. Schobri empfing Speiſe und Trank und eine Schlaf⸗ ſtätte im obern Stock des Hauſes. Das Wehwetter und der Sturm ließen nach. Die Nacht ward finſter wie ſeine Seele. Der Mond blickte nur zuweilen durch den Schleier zerrißner Wolken, in der Unterſtube ſang das Geſinde ein Sterbelied. Da ward es ihm ſo wehmuͤthig um's Herz, da fuͤhlte er es, wie tief er gefallen, denn ihm, dem Gefallnen, konnte keine Thraͤne reiner Liebe fließen. „Wo weilſt Du, mein Schutzgeiſt?“ rief er. „Du Engel, deſſen Erinnerung allein mein „Herz erheben und erfreuen kann.““, — 74 — „Zuͤrne dem Gefallnen nicht und weihe ihm „auch dann eine Thräne, ſollte er ſelbſt auf „dem Hochgerichte ſterben. . Mit dieſem Gedanken Si er ſich La⸗ ger und entſchlief. Unruhig war ſein Schlaf, wuͤſt waren ſeine Träͤume. Er mochte ſo einige Stunden ge⸗ ruht haben. Die Uhr im untern Zimmer ſchlug die zwölfte Stunde und er erwachte. Er ſchlägt die Augen auf; der Schreck macht ihn munter. „Ha! iſt es ein Geiſt, iſt's Wirklichkeit?!“ WVor ihm ſteht ein ſchoͤnes Weib im Lei⸗ chenhemde, in der linken Hand eine Citrone, in der Rechten ein Crucifix. „Georg!“ beben ihre Lippen. Schobri, der in keinem Kampf erzitterte, der den Tod in allen ſeinen Schrecken erkannt — hatte, bebte. Das Blut erſtarrte in ſeinen Adern. Das war kein Traum, das war Wahr⸗ heit. Ein ſchoͤnes Frauenbild, ſchlank und uͤp⸗ pig, aber todtenbleich. Er hoͤrte das Sterbe⸗ kleid knittern. „Kehre um!“ ſprach ſie und ging dern Thuͤr hinaus, die der Wind ſchnel ihr zuſchlug. Lebendig ward es jetzt im Hauſe. Der Hausherr, ein brennend Licht in der zit⸗ ternden Hand, ſiürzt herbei. „Meine Lochtet,⸗ ruft er, „hot ſich den „Armen des Scheintodes entwunden und iſt „dem Sarge enteilt. War ſie bei Euch, „Fremdling?“ — „Dorthin ging ſie,“ antwortete Schobri, ſich ermannend und ſich S Furcht f mend. — „So folge mir,“ antwortete der Wirth. „Wir wollen ſie ſuchen, bewachen und pfle⸗ „gen, daß nicht eine neue Ohnmacht ſie er⸗ „greife und tödte. Das Maͤdchen war herzens⸗ „gut, aber ſehr empfindſam und nervenſchwach. „Eine Liebe feſſelte ſie an einen jungen Fähn⸗ „drich, Georg N. N., den Sohn eines „braven Oſfiziers, welcher bei einem Streif⸗ „zuge gegen Schobris Bande verwundet und „eine Zeit dienſtunfahig wurde. Ich bin nicht „arm, aber auch nicht reich.“ „Mehrere Kinder nehmen meine Vaterpflicht „in Anſpruch und ich vermochte es nicht, jene „Summe niederzulegen, welche für Offiziere, die „heirathen wollen, erfordert wird.“ „Die jungen Leute liebten ſich herzlich und „inniglich. Auch der Fähndrich iſt ein Deutſcher. „Sein Vater avancirte durch Verdienſt. Sie „mußten ſich trennen. Dies ging den Maͤdchen „ſehr zu Herzen. Die ungeſunden Tage kamen „wieder; Brechruhr und Flußſeuche forderten ihre „Opfer. Meine Tochter befand ſich unwohl, re⸗ „dete irre, ſprach oft wie im magnetiſchen Trau⸗ „me, und eine Ohnmacht, wo alle Lebenszeichen „ſchwanden, ließen ihren Tod vermuthen.“ — „Das Fraͤulein iſt im untern Zimmer,“ rief ein herbei kommender Dienſibote. „Sie gedet „ganz wunderſame Dinge, kommt Der Wirth und ſein Gaſt gingen hinunter. Dort lag das bildſchͤne Maͤdchen auf einem Sopha; ſie hatte die Haͤnde gefaltet vor ſich herabhaͤngen, den Kopf etwas geſenkt, in dem Geſicht lag Gefuͤhl und Schmerz. Auch in die⸗ ſer Stellung war Klaͤrchen, ſo nannte ſie ſich, noch ſo ſchoͤn; ihr runder, blendend weißer Arm, die zarte und doch edle Geſtalt, die Fülle ihrer Jugend, das Gruͤbchen in der kleinen nied⸗ lichen Hand, das kleine zarte Fuͤßchen und das blonde Lockenhaar, welches ſich unter dem Tod⸗ tenkranze hervordrängte, machte ſie ſo ſchön. Sie ſchlummerte im magnetiſchen Schlaf. „Ge⸗ org!““ rief ſie, die Hand dem Fremden reichend⸗ 1 riß ſie aber plotzlich zuruͤck. „Georg, Georgl „Du biſt der Geliebte nicht, Du biſt der Raͤu⸗ „bethaͤuptling, und doch wurdeſt Du der Ret⸗ „ter meines Geliebten, als die Schwerdter der „Deinen uͤber ihn blitzten! Ich kann Dir nicht „zuͤrnen; fliehe, ſliehe! Wiß' es, Feinde ver⸗ „folgen Dich, Dich auszullefern dem beleidig⸗ Geſetz. Eile, die Grenze zu erreichen und „—. Was ſeh' ich! Du wirſt ſterben und doch „— — — —. Hier erwachte ſie aus dem Traume, und der Vater ſprach, dem Fremden die Hand reichend: „Schobri, Sie ſind entdeckt! Feinde verfolgen Sie; bei mir iſt kein Verrath. Ret⸗ „ten Sie ſich, um ein neues Leben zu gewin⸗ „nen und das beleibigte Geſetz durch gute Tha⸗ „ten zu verſoͤhnen.“ „Waͤhlen Sie das unſcheinbarſte Gewand . „hier iſt Geld, wenn Sie es beduͤrfen; eine „Tagereiſe von hier wohnen deutſche Coloniſten, „ehrliche gute Leute. Dort ſuchen Sie ſich zu 6 — „verbergen, bis ein gluͤcklicher Umſtand Ihre „weitere Flucht beguͤnſtigt.“ Schobri verließ noch in dieſer Nacht das Haus. Gegen Abend des andern Tages er⸗ reichte er das Coloniſtendorf. Es waren einzel⸗ ne weit auseinander liegende Huͤtten, die zu dem Bezirk von Mohacs (Mohatſch) gehoͤrten. Im aͤußerſten Hauſe der Schmiede nahm er eine kleine Erfriſchung. Hier hoͤrte er, daß Soldaten im Dorfe Raͤuber von Schobri's Bande aufgeſucht hätten; ein junger muthiger Offizier befehlige ſie. Dieſe Nachricht beſtimmte Schobri weiter zu gehen. — 80 — 13. Eben betrat er die aͤußerſte Grenze eines einſam liegenden Dorfes. Unfern eines Kreuzes ſtand ein von Froſt entlaubter Baum, und an ihm hing Miſſe⸗ thaͤter in Ketten. chobri erkannte in ein Mitglied ſeiner Bande. Cs war Einer jener Beſſeren, welche die Stuͤrme des Schickſals und unglückliche Ver⸗ haältniſſe, kein boͤſes Herz, in die Reihen der Miſſethäter getrieben hatte. Es war Einer je⸗ ner Ungluͤcklichen, auf welchen der Spruch des gemuͤthsvollen deutſchen Dichters ſich anwenden läßt: Richt mehr will ich Deinen Schatten haſſen, Mann, von dem die gier'gen Raben praſſen, Pingelagert auf das grauſe Rad. Denn Du ſandeſt Vroſt und Rath. * — 81 — Trieb Dich doch der Räderſchwang der Dinge, Armer in dem Eiſenringe, Ohne Ruh' von Ort zu Ort Eine fremde Laune fort! — — Eben ſtuͤrzten ſich die hungrigen Raben auf den Gehenkten und deckten die Leiche mit ihren ſchwarzen Fittigen. Ein inires Granen bemächtigte ſich Schobri's Bruſt. Er wendete ſich, das Dorf fliehend, von welchem eben das Abendgloͤcklein heruͤbertonte, ueifeld ein, und ſo nahte er einem Fohrenwald, welcher ſich laͤngs der Moraͤſte hinzog. . — Das Heulen des Käuzleins und des Uhns, das heiſere Geheul hungriger Woͤlfe und das dumpfe Gebell der wachenden Hunde einer an der Waldſpitze einſam liegenden Meierei mußten jedes menſchliche Gefuͤhl mit grauſenden und duͤſtern Empfindungen erfuͤllen. Jene Toͤne waren leider nur zu ſehr geeignet, Schobri's Gemuͤth noch mehr herabzuſtimmen. Der Ge⸗ danke an eine eigne verbrecheriſche Entſchei⸗ dung uͤber Seyn und Nichtſeyn durchzuckte ſein Hetz. 3 geladene Doppelpiſtok, als ſeine Augen ploͤtzlich den durch das Dunkel blitzenden Schein eines Wachfeuers gewahren. Beim Anblick deſſelben reißt ſich Schobri's Gemuͤth aus der Melan⸗ 1 Eben ſucht er, in den Buſen greifend, das — — — 3 — cholie, es verſchwinden die Tobesſchrecken aus ſeiner Seele. Unerſchrocken ſchreitet er auf das Wachfener zu. Sein Auge ſieht, nachdem er nahe genug gekommen, um die Gegenſtaͤnde zu unterſchei⸗ den, um dieſes Wachfeuer gelagert die bunte maleriſche Gruppe einer v 3igeunerbande, die eben beſchaͤftigt war, einige erlegte Fuchſe, Raben und Ratten zu braten. Während dem theilte eine alte Zigeunermutter erbetteltes Brod und, vielleicht geſtohlenen, Speck unter ihte Mitglieder aus. Bald entdeckte er bekannte Geſichter, aber auch er wurde nun von der Bande bemerkt. „Seid gegruͤßt, hoher Herr!“ rief ihm plötzlich die alte Zigeunermutter entgegen. — Ihre dunkle Geſichtsfarbe, die blitzenden ſchwarzen Augen, der Zug der Liſt, der um * Mund und Lippe zuckte, der Hoͤcker und ber lahme linke Fuß ließen in ihr mehr die Großmut⸗ ter von Daͤmonen als einen Menſchen und be⸗ ſonders ein weibliches Weſen, das man ſich doch immer zart vorſtellt, erkennen. „Sey gegruͤßt, Hauptmann der Raͤuber!“ fuhr ſie fort. „Wir kennen Dich — Du kommſt „aber zu ſpaͤt! Votige Woche konnteſt Du ei⸗ „nen, geſtern fuͤnf Deiner Sippſchaft haͤngen „ſehen. Der Erſte haͤngt in der Nähe, es iſt „ein braver Junge; er fiel duch Verrath in „Gefangenſchaft, und als ihm der Strick ſchon m den Hals gelegt war, war ſen Worten „„Es lebe der Hauptmann!““ „Die letzten fuͤnfe waren arge Schelme. „Sie hatten geraubt, hatten die, welche in „ihre Haͤnde fielen, geknebelt; ja ſie hatten „ſelbſt die Huͤtte der Armen nicht verſchont. verzweifelter Gegenwehr fielen ſie in die inte ber — . „Ihr Fuͤhrer war der baumlange Jasei, „das Schrecken des Landes. Er war es, der „ſelbſt uns durch ſeine Verraͤtherei und aus „argem Uebermuthe manchen boshaften Streich „ſpielte. Aber das Todes⸗Urtheil machte „ihn gar demuͤthig und verzagt. Er zitterte wie 3 „Espenſaub und weinte wie ein Kind!“ „Es war erbanlich,“ fuhr die geſchwätzige Alte fort, „als die Raͤuber Paar und Paar „zur Galgenparade ſchritten; ſie ſahen ganz „ehrbar aus, und ſchienen ganz zerknirſcht.“ 6 „Der lange Nagi Jangzi tiug ſich, da „er auch einen der Hauptleute geſpielt hatte „und in dieſem Coſtuͤme gefangen worden war, * „ſo wie Du Dich in Deinem Schmuck zu tra⸗ „gen pflegteſt. Dieſer ſah ruhig zu, wie die 5 „Andern nach ausgeſprochenem Standrechtsurtheil „an der hanfenen Krauſe erſtickten; dann trat „er ſeibſt vor dem Schemel, bat ſich Erlaubniß „vom Gericht aus, und hielt folsende Rede, —, * — — „ſo erbaulich, daß einem das Herz ordentlich „weich wurde: „„Aeltern, erzieht Eure Kinder gut und „ſorgfaͤltig, rottet ihre boͤſen Neigungen aus, „zuͤchtigt ſie in der Jugend und baͤndigt ihre „Leidenſchaften, damit ſie nicht ſpaͤter in die „Arme des Laſters fallen. Denn die Luſt ge⸗ „biehrt die Sünde, die Suͤnde aber den Tod. „Auch ich verirrte mich vom rechten Pfade, ja „ich wurde ſelbſt Pſeudo „Hauptmann der Ver⸗ „brecher. Zum Lohne meiner Thaten muß ich „nun dieſen Tod ſterben. Ich ſterbe, aber „Schobri lebe! Nun Henker! friſch an's „Werk; ein Uebergang muß ſeyn! Schnell ſey der meine.““ „Waͤhrend dieſer Worte hatte der ihn zum „Richtplatz begleitende Franziskaner⸗Moͤnch be⸗ „reits fuͤr den armen Suͤnder im Stillen ge⸗ „betet. Jetzt reichte der Moͤnch dem Nugi „Jangzi das Crucifir zum Kuͤſſen hin. Dieſer „kuͤßte es knieend. Dann erhob ſich der aeme —— — — „Genick. K — — 85 — „Suͤnber wieder und nachdem er aufgeſtanden „war, wurden ihm von den Henkersknechten „die Fuͤße gebunden, die Schlinge um den Hals „gelegt. Sein Auge blickte noch einmal auf., „um ſich dann auf immer zu ſchließen. Die „Muͤtze ward dem armen Suͤnder uͤberdie Au⸗ „gen gezogen und die Haͤnde auf den Ruͤcken „gebunden! Darauf ſtellte er ſich ſelbſt auf den „Schemel. Die Schlinge ward ihm um den „Hals gelegt.“ „„Der Herr ſei Deiner armen Seele gnaͤ⸗ „dig und barmherzig!““ ruft, das Kreuz hoch „aufhebend, der Prieſter dem armen Suͤnder „zu. In dieſem Augenblicke zieht einer der „Knechte dem Delinquenten den Schemel „unter dem Fuͤßen weg. . „Ein kurzes Roͤcheln, ein zuen der Arme „„waren die letzten Lebenszeichen, worauf er „bald nachher verſchied. Ueberdieß gab ihm der „Henker zur guter letzt noch einen ins „Hauptmann,“ fuhr die Alte fort, „den „Tod leiden muß leichter ſeyn als im Zucht⸗ „hauſe unter brutaler Behandlung und unter „Peitſchenhieben, bei elender Koſt ein elendes „Leben lange Jahre zu ertragen. Drum ohne „Furcht dem Tod entgegen. Heute mir, mor⸗ en Dir!“ „Zigenner und Räuber erſticken gewöhnlich „in der hanfenen Krauſe, ſeitdem man das „Holz zu Scheiterhaufen und den Sack zum „Säcken ſpart.“ „Blanker Junge, großer Hauptmann! fuͤrch⸗ il Dich auch vor dem Henkertode nicht. Du „„warſt immer ſo kahn, furchteteſt Dich weder o dem Tod in der Schlacht, noch bein S „Ueberfall zum Ranb; wir haben ja beide ge⸗ „„lebt und geliebt, geſchmaußt und geſtohlen, „gejubelt und geſchmachtet. Ein Ende muß ja „ſeyn. Am Ende iſt's gleichviel, ob in Got⸗ „zuzieht, oder ob wir im „tes freier Natur der Strang uns die Kehle Bette am Suaſuß 3 „ſterben. Drum,“ fuhr ſie häͤßlich auflachend fort, „drum luſtig gelebt und i ebeſtorben⸗ — „Schweig Hexe!“ rief ihr der Hauptmann zu. „Euch Zigeuner Volk zu haͤngen, giebt ſich „die Juſtiz die Muhe nicht. Da hätte ſie zuviel „zu thun, denn ſie muͤßte Euch Alle mit Strumpf „und Stiel ausrotten. Jetzt ſchaff' uns Eſſen, „aber beſorge einen Imbiß, wie er uns, nicht „aber etwa wie er Euch behagt.“ — „Biſt Du auch noch ſo ein Leckermaͤul⸗ „chen?!“ grinſ'te die Alte. Sie rufte einen Zigeunerbuben und raunte ihm einige Worte ins Ohr, wandte ſich wieder zu Schobri und fuhr nach der Art der alten Weiber geſchwätzig fort, unbekuͤmmert darum, daß der Hauptmann wenig Luſt an ihrer Unterhaltung bezeigte: „Wie Ihr doch verwoͤhnt ſeyd, Ihr großen „Herren! Ein unglucklicher Dachhaſe Cbgleich ſo eine Katze einem Feldhaſen ſo ähnlich, ja, ₰ — 95 — „ein Kater meiſt fetter iſt); eine Natte oder „ein Fuchs behagen euch nicht; Ihr verſchmaͤht „das edle gefallene Roß; aber ein zu Tode ge⸗ „hetzter, von den Hunden zerriſſener Hirſch iſt „Euch ein Leckerbiſſen. Nun, Ihr werdet mit „uns zufrieden ſeyn; der Reſt Deiner Raͤuber⸗ „bande hat ſi ch zu uns geflaͤchtet und hat hier „eine Niederlage.“ „Daher birgt dieſe goyt⸗ einen ſchmackhaf⸗ „ten Imbiß, einen guten Trunk, ja ſelbſt Waf⸗ „fen und Kleider. Ihr findet ein Reh und „köſtliche Fiſche, ein geſtohlnes Lamm und Speck, „ſelbſt Sliwowize und Wein aus dem Gebirge. „Nun eßt und trinkt! Laßt es Euch nur „ſchmecken, denn es iſt doch wohl unſer F 17. „Bald, hoffe ich, kommen die Deinen, die „Dir vor Allen treu ſind; ſie kennen die Schli⸗ „che, um die Späher und Verfolger irre zu „zu fuͤhren; ſie kommen von der andern Seite Waldes und writen ſchon um Mitte — 91 — „nacht hier eintreffen.“ Ein Schuß in der Naͤhe unterbrach die Rede der geſchwaͤtzigen Zigeunermutter. Alle igeuntt erhoben ſich, zur Wehr ſich ruͤſtend. Blanke Waffen und Aerte blitzten, Häͤhne knackten. Selbſt ungewoͤhnliche Sachen und Werkzeuge wurden zu Vertheidigungswaf⸗ fen bereitet. Der Hauptmann nahm ein Dop⸗ pelpiſtol in ſeine Hand und ſtellte ſi ſi ch an bie Spitze der Zigeunerbande. Der Anruf einer ausgeſtellten urde mit „gut Freund“ beantwortet. Eine Räuberſchaar, die von den Bigeunern erkannt wurde, drängte ſich durch das Gebuſch; als ſie — — ſich dem Wachfener nahte und den wirklichen Hauptmann erkannte, machte ſie Halt, und, das Gewehr präſentirend, Front. „Da ſind wirz“ ſprach ihr Fuͤhrer, welcher in Anzug und Waffenruͤſtung dem Schobri, wie derſelbe ſonſt im hochſten Glanze an der Spitze ſeiner Bande einherſchritt, wie ein Ei dem an⸗ dern glich. Er ſalutirte dem Säaͤbel und ſprach: „Hauptmann, hier ſind wir. Wie frenen „wir uns, Dich endlich wieder zu ſehen. Aber „wir bitten Dich, von jetzt an keine Trennung „mehr als durch den Tod. Ohne Dich ſind „wir Alle verloren!“ „Seyd gegrußt!“ antwortete der Haupt⸗ mann, ihn umarmend und jedem der Raͤnber die Hand reichend. „Aber,“ fragte er dann⸗ „habt Ihr meine Befehle befoͤlgt?“ „Wir haben ſie,“ antwortete der Führer, „puͤnktlich befolgt, uns wirſt Du nicht zuͤrnen. „Ich habe Beamte, die wohl fuͤr ihr eignes „Beſtes, aber nicht fuͤr das der ihrer Obhut „anvertrauten Uuterthanen ſorgten, heimgeſucht; „ich habe reiche knauſernde Griechen und wu⸗ „chernde Juden in Contribution geſetzt, als waͤte ich ein franzoͤſiſcher Commiſſar in Afrika „oder ein Beauftragter einer Junta in Spanien.“ „Ich habe Kerker geoͤffnet und dem Galgen „ſeine Opfer entriſſen. Gutsbeſitzer fanden ſich „mit uns ab; Kaufleute bezahlten uns fuͤr „ein ſicheres Geleit; wir gewährten es treulich; „wir ſchutzten die Huͤtte der Armen und un⸗ „ſere Hand griff niemals nach dem Gute der und Kirchen. — „Nun erkenne ich meine Freunde!“ rief Schobrl, ſeine Hand in die des i chers legend. Dieſer erzͤhlte weiter: „Wir lebten deshalb doch nicht wie Duck⸗ „maͤnſer, ſondern kraͤftig und wild. Wir zechten „„und liebten, ſchmauſ'ten und ergoͤtzten uns „auf mancherlei Art; wir ſangen und wurden „beſungen. Trotz unſers unſtaͤten Lebens gab „es Tage, wo wir jubelten und uns ſo bene „befanden, daß wir das Lied des großen deut⸗ „ſchen Dichters, der den großartigen Raͤuber „ſo trefflich zeichnete, das Lied 5 % „ſo recht aus Herzens Grunde ſangen. „Hoͤre Hauptmann!“ fuhr er fort, „Bru⸗ „der in Freud' und Leid und durch Rettung aus „mancher Gefahr. Du biſt unglucklich, wie „Carl Moor es war; laßt mich Dein treuer „Schweizer ſeyn. Dir geht es wie Jenem⸗ Ein freies Leben fuhren wir!“““ — 95 — „Unter vermeintlichen Freunden fandeſt Du „den Verräther, Dein gutes Hes ward nie „erkannt!!“ „Hauptleute, die in Deiner Tracht, in Dei⸗ „nen Waffen befehligten, die Dein Abbild in „Allem ſein ſollten, haben Dich und Deinen „Namen entehrt und geſchändet; ja ein Boͤſe⸗ „wicht hat Dich ſogar verrathen.“ „Wir fingen ihn, eben als er Dich auf⸗ „„ſuchte, um Dich Deinen Feinden zu uͤberlie⸗ „fern. Hier iſt er, in Feſſeln haben wir ihn „mitgebracht, ſieh hier Deinen Spiegel⸗ „berg.“ Bei dieſen Worten pfiff er durch den Fin⸗ ger, daß es gellend im Walde wiederhallte⸗ Zwei Rauber fuͤhrten einen Gefeſſelten vor, in welchem Schobri eines der verwegenſten, aber auch boshafteſten Glieder ſeiner Bande erkannte, den heimtuͤckiſchen Raps, den Schobri ſchon er⸗ wähnte, als er im Cholera⸗Hospital ſeinem Va⸗ — — ter und dem Maler erzaͤhlte, wie er unter die Raͤuber gekommen, und wie er dann deren Hauptmann geworden war, um welche Wuͤrde Raps mit ihm rivaliſirt hatte und ſeit der Zeit ſein erbittertſter und heimlicher Feind ge⸗ worden war. 16. Keck trat Raps vor den Hauptmann Schobri und ſprach: „Was man Dir von „meinen Thaten, die ihr Eupfindier unthaten „nennt, ſagen wird, weiß ich ſchon. Ich mag „dieſe Litanei nicht noch einmal anhoͤren. Mehr ich Dir ſagen, als Du wiſſen ke. — 97 — „Ich raubte und mordete! Mit dieſem „Shawl, den ich um den Hals trage, erwuͤrgte „ich die, welche ihn trug; es war ein Weib, „die ihrem Herrn entgegen gehen wollte. Zwei „Leben auf einmal wurden in ihr vernichtet. „Dann erſchlug ich einen Handwerksburſchen, „der harmlos ſingend durch den Wald ſchritt, * „nur deshalb, damit ich nicht als Thater ent⸗ „deckt werden moͤchte. Ich hetzte Bauern ge⸗ „„gen ihren Gutsherrn auf, verfuͤhrte Soldaten, „ihren Eid zn brechen und mir zu folgen. An „ihrer Spitze pluͤnderte ich ſogar ein Gut des „Erzherzogs Palatin. Ich ſchaͤndete Deinen „Namen, verlaͤugnete Dich auf alle Weiſe, „machte Deine ehrliche Geburt verdaͤchtig und „ſpreugte aus, mein Stiefvater, ein ent⸗ „laufner Schaafhirte, ſey Dein Vater. Ich „brach unter Deinem Namen im Hauſe einer „Wittwe ein⸗ Als ich ſie wuͤrgte, bat ihre Toch⸗ „ter, ein Maͤdchen von 14 Jahren, um ihrer „Mutter Leben, als ihr Theuerſtes. Ich erwuͤrgte „die Mutter, die Tochter aber Schobri, M. — 104 — „Schweig Unhold!!“ rief Schobri. — „Nur das Eine noch vernimm,“ grinſte ihm Raps mit teufliſchem Hohnlachen entgegen. „Alles was ich in dieſer Art that, that ich „als Schobri unter Deinem Namen! „Meine Unthaten gelten als die Deinen, der „Fluch der Welt wegen derſelben trifft Dich. „Nicht allein die vergeltende Gerechtigkeit ſucht „Dich; nein, Alle, Edle und Knechte, Buͤrger „und Bauern haben ſich bewaffnet, folgen den „Kriegern und unterſtuͤtzen ſie, denn Alle ſehen „in Dir die Peſt des Landes. Deine Feinde „ſind nun unzaͤhlig, ſie ſind Dir auf den Fer⸗ „ſen, da ſie ſogar dieſen Wald bereits bewa⸗ „chen.“ „Zetzt, Stolzer, zittre! Dies iſt mein Ge⸗ „ſtändniß. Richte! richte aber nicht uͤber einen „Gefeſſelten!“ — „Entfeſſelt ihn!“ rief S obri. „Frei „ſtehe er vor ſeinen Richtern. Maͤnner, die „Ihr vereint mit mir handeltet, die Ihr jetzt „um mich ſeyd, Ihr hoͤrtet ſein freies Geſtänd⸗ „niß, Ihr kennt nun ſeine Unthaten, ſeine „Abſcheulichkeiten, vor denen ſelbſt Raͤuber „ſchaudern. Er brach die Grundbedingungen „unſeres Bundes. Richtet Ihr, ſprecht Ihr „ſein Urtheil aus! Was hat er durch ſeine „Miſſethaten verdient?“ — „Den Tod, den Tod!“ riefen die Raͤuber. Einer der Raͤuber trat vor und ſprach: „Ein hoher Aſt und ein kurzer Strick ſind fuͤr „den Verräther nur der gebuͤhrende Lohn; ſchnell „werde er von der Erde geſchafft, die er ver⸗ „unreinigt.“ „Der Jungſte unter uns mag das Todesur⸗ „theil vollziehen! Hauptmann, beſtätige es1““ Schohri ſprach, ſich zu dem Entfeſſelten wen⸗ — — dend, „Du brachſt den Eid, den wir uns ge— „genſeitig Alle leiſteten; auch der Raͤu⸗ „ber kennt ſein Geſetz!! Dau biſt ihm „verfallen, es verkuͤndet Dir den Tod. Bereue „Deine Suͤnden und ſtirb!“ — „Nur dann, will ich ihn freudig leiden,“ kreiſchte der Raͤuber, „wenn ich erſt Dein „Herzblut fließen ſehe.“ Schnell zog er ein Meſſer aus der Seiten⸗ taſche und watf es nach dem Hauptmann, auf deſſen Herz er gezielt hatte. Der Wurf wuͤrde dieſen unfehlbar ſtark verletzt, vielleicht getödtet haben, hätte ſich nicht einer der Raͤuber vorge⸗ draͤngt, und den Stahl mit ſeinen Armen auf⸗ gefangen. Im aufwallenden Zorne, im Drange der Selbſtvertheidigung, ergriff Schobri bei der Drohung und feindlichen Bewegung des Raps das Doppelpiſtol, beide Hähne ſpan⸗ nend; ein Druck des Fingers und zwei Ku⸗ — 101 — geln flogen in das Herz des Verräthers. Die⸗ ſer brach augenblicklich zuſammen, und das heiße Blut ſpruͤtzte dem Hauptmann in das Antlitz! 12. „Schafft mir die Leiche des Verräthers aus „den Augen,“ befahl der Hauptmunn den Raͤu⸗ bern : „laßt ſie unbegraben liegen, den Thieren „„des Waldes zur Speiſung.“ „Und Du, lade mir dieſe Piſtole wieder,“ ſprach der Hauptmann zu dem Anfuͤhrer der anweſenden Raͤuberbande. „Du ſollſt mein „Schweizer, ich will Dein Carl Moor „ſehn.“ Zu den Raͤubern ſich wendend, rief er: „Ihr habt von den Gefahren gehoͤrt, die uns „umringen. „Nun gilt es, Blut wird flie⸗ „ßen, ehe der Morgen graut, Blut, frem⸗ „des und eignes!“ 2 „Wachen ſtellen ſich an die verſchiedenen „Ecken des Waldes, daß ſie uns zeitig die An⸗ „kunft des Feindes melden. Ueberfallen ſoll er „uns nicht, unvorbereitet uns nicht finden. „Theuer wollen wir unſer Leben verkaufen.“ „Alſo nur noch wenige Stunden ſind uns uͤbrig. Dieſe wollen wir genießen als „Freunde.“ Si „Ein frohes Gaſtmahl verſuͤße die letzten „Augenblicke und dann laßt uns vereint und „freudig dem Tod entgegen gehen.“ — „Ich hore, Ihr habt hier elne Niederlage „von Kleidern und Waffen. Holt dieſe herbei. „Das ſchoͤnſte ungariſche National-Kleid will „ich anziehen, mit dem ſchoͤnſten Saͤbel mich „umguͤrten. Der Kampf in Verein der Freunde „iſt frendig und ehrenvoll; nicht ſchmerzlich „ſondern ſchoͤn der Tod an ihrer Seite. Schmuͤckt „Euch Alle aufs ſchoͤnſte1“ Es geſchah, wie er befohlen, und im glän⸗ zenden Waffenſchmucke ſetzte er ſich mit den Seinen an die Tafelrunde, welche diesmal ein großer im Walde liegender Felſenſtein, der Tod⸗ tenſtein genannt, war. Dieſen Stein bezeichnete die Sage des Vol⸗ kes als einen Opferheerd alter heidniſcher Voͤl⸗ ker. Menſchenopfer ſollten einſt hier finſtern Göoͤttern der Unterwelt zur Ehre dargebracht worden ſeyn. Der Wein belebte das Geſpräch. Einer der Ruͤuber, der in ſeiner Jugend in der hoͤhern — 104 — Schule eine beſſere Bildung erhalten hatte, ſpracht „Hauptmann! waͤhrend Du von uns ent⸗ „fernt warſt, hat eine hoͤhere Gerechtigkeit uͤber „Deine Feinde gerichtet.“ „jetzige Laufbahn brachten, ſind nicht mehr.“ „Der ſtolze Baron, in deſſen Hauſe Dein „Ungluͤck begann, ſtarb an der Cholera. Der „ſchelmiſche Koch beſtahl den Nachlaß, floh, „ward gefangen und aufgehängt.“ „Alle Anfuͤhrer der Raͤuber, die Deinen „Namen mißhrauchten, ſind als Opfer der ſtra⸗ „fenden Gerechtigkeit gefallen. Das Volk zuͤrnt „nur auf die, welche den Fluch verdienen; ſein „Haß hat ſich von Dir gewendet, nachdem es „erfahren hat, daß die gefangenen argen Miſ⸗ „ſethater nur After⸗Schobri' 5 waren. „Der junge Maler ſuchte Deinen Schutz⸗ „geiſt auf, die Holde, die Dein Herz be⸗ „Die aͤrgſten derſelben, welche Dich in Deine — 105 — „herrſcht, ſie reiſet nach Wien, ſo vernahmen „wir, zu hohen Verwandten, um durch dieſe „in Wien um Gnade fuͤr Dich zu flehen. „Der junge deutſche Maler begleitet ſie dahin. „Aus Freundſchaft gegen Dich, wird er in den „deutſchen Landen Deine Thaten, Deine Schick⸗ „ſale und Deine Leiden verkuͤnden, damit die „Welt gerechter uͤber Dich richte, als das ei⸗ „ſerne Geſetz.“ Schobri hoͤrte dies alles mit vieler Theil⸗ nahme und erwiederte mit jenem Ernſt, der den Mann und Befehlshaber bezeichnete: „Unſere Stunden ſind gezaͤhlt, laßt uns „die wenigen noch froh genießen und noch ein⸗ „mal Ungarns Rebenſaft im Freundeskreiſe aus „„vollen Zuͤgen trinken, ehe ſeine Erbe unſer „Blut trinkt. Wollte der Himmel, wir konn⸗ „ — 106 — „ten es fuͤr unſer Vaterland verſpritzen; im⸗ mer moͤge Gluͤck und Ehre mit Ungarn „ſeyn!“ „Habt Ihr viel Abenteuer gehabt?“ fragte er nun, waͤhrend der Becher reihe um ging. „Erzählt!“ 18. „Recht gern; — denn mancherlei Aben⸗ „teuer erlebten wir,“ erwiederte einer der Räuber. „Unter andern war eines derſelben „beſonders ſpaßhaft.“ —— „Vir ſprachen bei einem reichen Inden ein⸗ Es war gerad ch abbes, der reiche — „Mann, der immer entſetzlich fromm that, aber „ein Gauner war, wie die meiſten ſeines Ge⸗ „lichters, der hartherzig die armen Teufel, die „in ſeine Haͤnde fielen, druͤckte, und ſchändlichen „Wucher trieb, hatte eben die Schabbeslichter „anzuͤnden laſſen und murmelte die juͤdiſchen „Schabbesgebete, indem ſeine Blicke das aufge⸗ „tragene Schabbeseſſen ſchon verſchlangen. Sein „Haus ſtand allein und ziemlich weit vom „Dorfe abgebaut. Der Jude und ſein Sohn „waren ganz außer ſich vor Schrecken, als wir „beide, ich und der graue Hieſel, eintraten „und zuerſt ſeine Caſſe in Beſchlag nahmen. „Während wir ganz beſchäftigt mit Durchſuchen „des Hauſes waren, entſprang ſein Dienſtmaͤd⸗ „chen, ohne daß wir es bemerkten. Denn wir burchſuchten und leerten eben einige Geldka⸗ „ſten, waͤhrend der eine oder der andere von „uns zwei geſpannte Piſtolen auf den Juden „und ſeinen Sohn richteten. Was fuͤr Geſich⸗ „ter ſchnitten da die Hebräet, als wit das blin⸗ „kende Gold und Silber einſteckten! Auch bie — 108 — „Einloͤfungsſcheine und die Banknoten ver⸗ „ſchmaͤhten wir nicht. Solches Papiergeld kann „man viel mit ſich forttragen.“ „Wir verweilten uns noch, indem wir anf „einige andere Mitglieder der Bande warteten, „um mit deren Huͤlfe andere werthvolle und „gewichtige Sachen fortzuſchaffen. Da erhob „ſich ploͤtzlich im Hofe ein Laͤrm. Bewaffnete „Knechte und Bauern, vom Voigt und Korn⸗ „ſchreiber der Meierei, die beide beritten wa⸗ n angefuhrt, nh 6 „Das Haus war umſtellt, alle Geuchr⸗ „waren nach der Thuͤr und den Fenſtern ge⸗ „richtet, durch die wir entſpringen konnten.““ * der Dorfcapelle ward die Sturmglocke „gezogen, im Dorfe ſelbſt heulte das Horn des „Waͤchters vollends alle Leute aus dem Schlafe. „Die Gefahr war dringend, nur ein raſcher Fuſcluß konnte e retten.“ Schnö du S und ſein Sohn „ — — 109 — 6 „von uns geknebelt. Wir zwingen ſie, die Klei⸗ „der mit uns zu wechſeln.“ Als Juden gekleidet, mit Schabbesmän⸗ „teln angethan, rufen wir jetzt ſelbſt um Huͤlfe, „oͤffnen Thuͤr und Thor. Schluchzend und heu⸗ „lend gehen wir den Feinden entgegen. Ich „druͤcke dem Anfuͤhrer ein Goldſtuͤck in die „Haͤnd, zur Dankbarkeit dafuͤr, daß er uns, „den vermeintlichen Juden, mit den Leuten zur „Huͤlfe geeilt, ſage aber, wir hätten ſchon von „anderer Seite her Huͤlfe bekommen. Durch „dieſe waͤten die Raͤuber uberwältigt worden „und läͤgen ſchon gefeſſelt drinnen. Die Dun⸗ „elheit beguͤnſtigte uns. Man laͤßt uns unbe⸗ „achtet herausgehen. Denn neugierig dringen „alle Mannſchaften durch die Hausſur in das „Haus. Da ſehen ſie die Gefeſſelten ₰ die „„bereits beſiegten Raͤuber an.“ „Die Knechte und Bauern, uſebtact, „daß ſie aus ihrer Ruhe geſtoͤrt worden, fal⸗ 36 ͤber die Inden her, denen wir Kuebe — 110 — „in den Mund geſteckt hatten, damit ſie nicht „ſchreien und unſere Liſt verrathen konnten. „Sie blauen ſie tuͤchtig durch. Gewaltig hauen „ſie dann, um doch eine Entſchädigung zu ha⸗ „ben, in das aufgetragene Schabbeseſſen ein. Die Juden, die mit dem groͤßten Leidweſen „anſehen muͤſſen, wie ihr geſchaͤchtes Fleiſch und „ihr gekoſcherter Wein von den Gois verzehrt „werden, machen vergeblich die poſſirlichſten „Geſten, um dies zu verhindern und ſich ver⸗ „ſtändlich zu machen. Als man die Juden auf⸗ „richtet, ihnen den Knebel aus dem Munde „nimmt und ſie verhören will, enthuͤllt ſich „der Betrug. Schon aber hatten wir das Thor „gewonnen, uns auf die am Thore angebun⸗ „denen Roſe geworfen und waren auf ihnen „auf und davon geritten.“ „unſere Beute im Indenhauſe war reich. „Wir hatten noch mehrere Pfaͤnder mit den „Mhmen der Pfandgebenden bezeichnet gefun⸗ en; es war bemerkt, für welches Spottgeld — 111 — „ſie erworben, und welche ungeheure Zinſen „darauf geſchlagen und angewachſen waren, ob⸗ „gleich der Jude die Sicherheit in den Haͤnden „hatte.“ „Als wir erfuhren, daß dieſe Koſtbarkeiten „die letzten Hoffnungen unverſchuldet zuruͤckgekom⸗ „mener und anderer huͤlfloſen Familien waren, „ſo ſchickten wir ſie durch die dritte Hand zu⸗ „ruͤck, geſegnet von Jenen, die ſo unerwartet „wieder zu dem Ihrigen kamen.“ „Nicht war Hauptmann, ſo handelten wir „in Deinem Geiſte?““ — „Ein andermal paſſirte — 112 — „Freund,“ — er zeigte auf einen der Raͤuber, — „der beſſer handeln als erzäͤhlen kann, ein „arger Unfall.“ ward erkannt, gefangen, gefeſſelt und ℳ „in ein Loch in der einſam liegenden Frohn⸗ „„veſte geworfen, wo ihm die Kerkerluft Odem „und Beſinnung nahm. Der Kerkerknecht, „der ihm das Abendeſſen bringen ſollte, ſieht „ihn ſo liegen. „Nein,“ ruft dieſer, „ſo ſollſt „Du nicht ſterben, nicht hier, ſondern am ſollſt Du erſticken!“ Er ent⸗ „feſſelt unſern Cameraden, und trägt ihn auf „den Hof. Dort kommt der Gefangene wieder „zu ſich und will ſich aufrichten. „Halt!“ „ruft der Frohnknecht; „willſt Du eine Motion „haben, ſo will ich ſie Dir machen, daß du „wieder zu Athem kommſt.“ Er pfeiſſt ſeinem „Hunde; eine Dogge ſturzt aus der Gefan⸗ „genwaͤrterſtube, der Frohnknecht hetzt en. Bſſen et ehen, is ſie ihre Zaͤhne in deſſen „ 8 — 418 — „Fleiſch bohren will, erkennt ſie ihn, ſtellt ſich „ſchmeichelnd an ſeine Seite und fletſcht die „Zähne gegen den Frohn. Es war Deine „Dogge, Hauptmann. Jetzt aber hetzt unſer „Camerad, der ſich wieder ermannt hatte, „wuthentbrannt die Dogge auf den Frohn, wuͤ⸗ „thend greift ſie dieſen an und reißt ihn zur „Erde. — Doch erzaͤhle vollends ſelbſt dem „Hauptmann Deine Geſchichte.“ Der bezeichnete Raͤuber fuhr im geſrric fort: „Ich erhebe mich, reiße den Hund weg „und ſtecke den Frohn, der es nicht wagte, ſich „zu wehren, aus Furcht vor dem Hund, in „daſſelbe Loch in welchem ich gefangen gelegen „hatte. Niemand weiter war im Hofe. Ich „entfliehe, die Dogge folgt mir freudig. Auf „einem der folgenden Streifzuͤge, wo es „herging, blieb ſie an meiner Stite Schobri 11. Ein dritter Raͤuber begann jetzt, da der Wein die Geſellſchaft beredt zu machen anfing: „Eben als mehrere Schobris ſich „zugleich ſehen ließen, war die Polizei „am wachſamſten, Frohne und Schergen vigi⸗ „lirten uͤberall Tag und Nacht. Wir mußten „allerhand Verkleidungen wählen, um ihren „Augen zu entgehen.“ „Einſtmals begegnete mir, als ich, ein ge⸗ „lernter Uhrmacher, als ſolcher mit Zeugniſſen „wohl verſehen, von Schloß zu Schloß reiſte, „der Oberfrohn des Criminalgerichts, ein „barſcher Mann. Er verlangte meine Zeugniſſe, „denn jetzt ſieht man auch in Ungarn ſtrenger „als je der Fall war, auf die Legitimationen „der Reiſenden. Ich reiche ſie ihm mit jener „Keckheit, die faſt Allen unter Deinen Befeh⸗ „len eigen iſt, und die mir ſchon oft die Ret⸗ „terin aus den gefahwollſten Nachſtellungen „wurde. Nachdem er ſie mit vielbedeutender — 115 — „ernſter Amtsmiene unterſucht und fuͤr rie „befunden hatte, ſagte er zu mir, indem ein „freundliches Laͤcheln ſein benarbtes Antlitz „uͤberzog:“ „„„Es iſt Alles richtig, aber das iſt auch „Dein Gluͤck. Ich kenne Deinen Herrn, es iſt „Meiſter Brav, mein Herr Gevatter, ein gar „geſchickter Mann, den ich von Preßburg her „kenne, wo er Gehuͤlfe war. Dieſe Uhr hab' „ich damals von ihm gekauft. Jetzt faͤngt ſi ſie „an wankelmuͤthig zu werden; ſie iſt ſonſt ein „ſchönes Werk.““ „„„Hier haſt Du ſie,“ fuhr er fort, indem „er mir die Uhr gab, „uͤbergieb ſie Deinem „Meiſter und ſage ihm, er möge ſie baldigſt „repariren, und mir durch Expreſſen in meinen „Wohnort nach Fuͤnfkirchen zuruͤckſchicen.“ 4 „„Aber er ſoll ſich ja mit der Arbeit be 5 Wir beüifen kt eines gen Zei⸗ „ — 116 — „Nacht auf dem Platze ſeyn und oft mehrere „Commandos puͤnktlich zuſammen treffen muͤſ⸗ „ſen, um die letzten herumſchweifenden Hor⸗ „den der Schobriſchen Bande aufzugreifen und „an den Galgen abzuliefern. Haben wir das „Gluͤck, den Schobri ſelbſt zu fangen, dann „bekomme ich eine goldene Uhr als Gnadenge⸗ „ſchenk, ja vielleicht gar das Ehrenzeichen. „Dann ſoll der Meiſter bezahlt werden und „Du auch ein gutes Trinkgeld bekommen. Du „biſt ein ſchmucker, flinker Burſch, — ſei auch „hubſch brav und ehrlich, daß Du nicht in „Verſuchung faͤllſt und wie Schobris Geſindel „einſt an der Hanfkrauſe erſticken mußt.““ „Er gab mir die uhr⸗ und zugleich eine „Sicherheitskarte fuͤr die Polizeiwachten.“ „Hier, Hauptmann, iſt die Uhr.“ — 117 — Der Hauptmann nahm ſie. „Ich ſchatz“ ſprach er zu dem Raͤnber, „die Uhr zwanzie „Ducaten. Hier ſind ſie; entgehſt Du dem „Tode im bevorſtehenden Kampfe, ſo werden „ſie Dir zu gute kommen. Die Uhr ſelbſt aber „will ich dem Oberfrohn zuruckſchicken. Denn „was ein ehrlicher Mann dem Andern anver⸗ „traute, muß er wieder erhalten.“ Er pfiff durch den Finger, die Zigeunermut⸗ ter kam, und er befahl ihr, die Uhr durch ei⸗ nen ihrer Leute, die nun den Wald auf einer andern Seite verlaſſen ſollten, als wo Schobri mit den Seinen hervorbrechen wollte, ihrem wahren Eigenthuͤmer, den er ihr bezeichnete, auszuhaͤndigen und ihm zu ſagen: „ſende ihm 6 Uhr wieder.“ Als der Hauptmann die Uhr der &eun⸗ S rin gab, warf er noch einen vl mrauf. „Ha!“ rief er, „ſchon vier Uhr! Di „den fliehen!“ 1 — „n⸗ des Todtenrichters — 118 — „Bruͤder, bald naht die entſcheidende. So⸗ „bald der Morgen graut, muͤſſen wir ſchlagfer⸗ „tig ſeyn. Noch einmal trinkt den Rebenſaft „der Freude, dann gefaßt Schmerzen und Tod „entgegen! Wir ſehen zwar im Vordergrunde „nicht Ordenszeichen und Avangement, aber der „Tod rettet uns vor Schmach und Hochgericht!“ „Fuͤllt die Becher! Stoßt an, und unſer „Trinkſpruch ſei:“ „„Bruͤder! einen ſanften Spruch „„Aus des Todtenrichters Munde!““ „So ſprach's der große Dichter des Carl „Moor. Wir wollen enden wie der edle Räu⸗ „ber endete, den ſein Schickſal und die Heim⸗ „tuͤcke des eigenen Bruders aus den Armen des „Gluͤcks und der Liebe auf den Bahnen des „Leichtſinnes und des Uebermuthes in die Klau⸗ en des Verbrechens warf, in denen er ret⸗ „tungslos unterging. Drum: . „„Bruͤder, einen ſanften Spruch — Die Becher klangen. Schobri umarmte ſ 6 ne Freunde und unglucksgefaͤhrten. Die Tafel ward aufgehoben und jetzt ſtellten ſie ſich am Todtenſteine auf. 19. „Sind Eure Gewehre und Waffen alle im „Stande?“ fragte der Hauptmann, jetzt ganz wieder in den Ernſt ſeiner Wuͤrde zuruͤck tretend. „Sie ſind es,“ antworteren die Rauber. „unſere Buͤchſen ſind ſo eingerichtet daß wir „ſelbſt die Hirſchfänger als Bajonette auf die „Gewehre ſchrauben koͤnnen; wir ſind militã „riſch einexercirt, und Zeder 64 utſchloſen, — 120 — „ſich auf das Aeußerſte zu vertheidigen und ſein „Leben auf das Theuerſte zu verkaufen. Denn „nun gilt's, wir haben einen tapfern Feind „vor uns. Ach, wir fechten Ungarn gegen „Ungarn! Waͤren es Slaven *) oder Pandu⸗ „ren *), um wie viel freudiger wollten wir „in den Kampf gehen. Unſer Schickſal reißt „uns fort, wir muͤſſen folgen. Der Feind gibt *) Die Slaven bilden das zahlreichſte der Volker⸗ ſchaften Ungarns, die meiſt von den erobernden Ungarn, oder Magyaren (ſprich: Madjaren) wie ſie ſich ſelbſt nennen, welche die fruchtbaren Sbenen fuͤr ſich behielten, in die Gebirge ge⸗ draͤngt ſind und von den Magygren verachtet oder doch gering geſchaͤtzt werden, auch in Knecht⸗ ſchaft und großer Armuth leben. **) So wird ein Theil der Bewohner genannt, welche die an die Tuͤrkei gränzenden Provinzen bevölkern. Dieſe Gränz⸗Provinzen ſind Neben⸗ lönder Ungarns und etben von verſchiedenen 3 Vlkerſchaften, die als Graͤnzmilizen biszuiftt ſind, bewohnt. — 121 — „keinen Pardon. Unſte Wahl iſt nur zwiſchen „dem todrlichen Blei oder dem Strick, denn „dem Geſetze ſind wir verfallen. ueber uns . „ſchwebt ſein Zorn!“ „Nur uͤber mich!“ antwortete der Haupt⸗ mann, indeß ein großer Gedanke in ſeinem Bu⸗ ſen aufſtieg. „Freunde,“ ſprach er, „nur mir vorzuglich „gilt der Haß des beleidigten Geſetzes und die „Verfolgung ſeiner Pollſtrecker. Ueber mich „vor Allen tont das Schuldig. Wohl⸗ „an, ich will ſterben! Der Tod ende „wenigſtens dieſe innete Qual bes gerechten „Vorwurfs, daß ich, zu hoheren Du K Zt ſo tief gefallen bin.“ „Das beleidigte Geſetz verlangt ein offentli⸗ „ches Opfer; darum, Freunde, uͤbergebt mich, „Euren Hauptmann, den Verfolgern. „Ueberliefert mich ihnen als ein freiwilli⸗ „ges Opfer und durch ſie der Hand der ſtra⸗ „fenden Gerechtigkeit. Euch wird dann gewiß „ein milderer Richterſpruch; mir aber, Eurem „Hauptmann, dem Fuͤhrer in dunkeln Näͤch⸗ „ten, mir, der vor Euch war im Kampf und „bei Raub, mir wird, da ich mich freiwillig in „die Hand der Gerechtigkeit gebe, hoffentlich „auch die Gewährung meiner letzten Bitte „erfullt; durch das Blei der Soldaten „zu ſterben, entgehe dann wohl den Tod „durch Henkers Hand, und vergoͤnnt wird „mir's hoffentlich, einen Tod zu ſterben, den „ich ſo oͤfters furchtlos in die Augen ſah! „Entſchließt Euch! Mein Leben gebe 6 Preis, „um die Ser zu retten.“ Sb Tod fuͤrchtet Schobri nicht, nur de „ſen Schmach. Ich bin gefaßt, geht, meldet — 133 — „mich bei den Vorpoſten der Feinde, bergebt „mich ihrem Fuͤhrer. Ich folge Euch freiwilig „und waffenlos. Dann ſteht Euch vielleicht „fangen hat der junge Offizier angelobt, nicht „Euch. Ueberliefert mich der Gerechtigkeit durch „ſeine Hand. Mein fieße und verſoͤhne 35 „Alle! 17 „Wollt Ihr? Entſcheidet, ehe es zu ſpaͤt „iſt! Hoͤrt mich wohl, ein freiwilliges Opfer „„will ich fuͤr Euch ſterben!!“ — „noch das Thor der Gnade offen. Mich zu „Nein, nein!“ riefen alle Raͤuber, nach⸗ dem Schobri geendet hatte, mit aufgehobener Rechte, und nachdem ſie die Linke aufs Herz legten, ſprachen ſie: „Der alte gegenſeitige „Eidſchwur gilt bis zum letzten Kampfe. Wir „wiederholen, was wir gelobt haben. Die noch „außer uns herumſchweifen, moͤgen es halten wie ſie es wollen.“ „Wir ſind und bleiben Dir ge⸗ „treu bis in den Tod! Eine Bedin⸗ „gung fuͤgen wir noch hinzu: Wer den an⸗ „dern fallen ſieht, derrichte, iſt er „noch nicht todtlich getroffen, auf „ihn ſein toͤdtliches Geſchoß, daß er „in der Kampfeswuth ehrlich ſterbe „durch Freundes Hand. So entgeht er „doch den langen Leiden der ſchweren Verwun 8 „dung, der Mißhandlung, des Kerkers und bm „Henkertod!!“ „Laßt uns Alle geſchmuͤckt ins Feld ziehen; „das Waffenkleid iſt des braven Ungars ſchön⸗ „ſter, Schmuck!“ „Wir ſtehen auf einem Gefilde, das „einſt ſo verhaͤngnißvoll fuͤr Ungarn war. Haupt⸗ „mann, kennſt Du dieſe Gegenden? Wir be⸗ „finden uns in den Umgebungen von Fuͤnf— „kirchen und Mohacz. Einſt floß hier der „Ungarn edles Blut in Strömen, ſie fochten „gegen der Tuͤrken ungeheure Uebermacht mit „Loͤwenmuth. Unbeſiegt fielen ſie unter dem „Sichelſchwerdt der Feinde, ein Koͤnig fand „hier den Tod; er ßiel, aber nicht der Ruhm „Ungarns.“ * Schobri erwiederte: „Um ſo mehr ermu⸗ „thige uns diefes Schlachtfeld, als Man⸗ ner zu ſterben. Wollte der Himmel, wir — 126 — „duͤrften es als Soldaten für unſern Herrn 5 „und Koͤnig, dem Kaiſer, deſſen Geſetz uns „verdammt, aber deſſen Herz auch Gnade auf „dem Verbrecher leuchtet.“ — „Seine Schaaren verfolgen uns,“ nahm jetzt einer der Raͤuber das Wort. „Die Stun⸗ „de des Kampfes naht! Hauptmann, Alle die „wir um Dich ſind, ſind Dir treu bis in den „Tod; fuͤhre uns an.“ Der Hauptmann erfuͤlte ihren Wunſch. Die blitzende Sarazenenklinge leuchtete durch die Nacht. Die Räuber legten ihre Haͤnde auf ſelbige und ſchwuren. Es waren nur noch zwölf, aber die teueſten ſeiner Freunde waren noch unter ihnen, und kaum verharrſchte Wunden waren die Zengen ihrer Tapferkeit. Unter ihnen war der, welcher im Wirthshauſe die Wette ge⸗ wann ob des geretteten Delinquenten und deſ⸗ ſen Retter, den wir bereits aus der erſten Ab⸗ cheilung unſerer Etzahlung kennen. — 12 — Auch der Vater des Erſtern war jetzt bei der Bande, weil er der Verfolgung der Juſtiz entflohen war. Auch fehlten nicht jener liſtige Marqueur, der im Redoutenſaal Schobri's War⸗ ner und Retter wurde, ſowie der Sohn der alten Zigeunermutter. *) Die Huͤlfe der andern Sigeuner wurde nicht angenommen. Mehrere dieſer Raͤnber hatten die Schobri⸗Rolle ſchon mit Gluͤck geſpielt. „Wer von Euch,“ ſprach Schobri, indem unwillkuͤhrlich ſich eine Thraͤne aus ſeinen Au⸗ gen draͤngte und auf des Säͤbels Klinge fiel, „„wer von Euch im Kampf dem Tode wie durch „ein Wunder entgehen ſollte, der hat ſeinen „Schwur geloßt. Er ſuche dann die auf, die „meinen Herzen am theuerſten ſind, und die „rein ſind von Verbrechen. Er ſage ihnen: „Ewig ſey meine Verehrung 673 ſie 7 Siehe erſter Theil. — 128 — „Dieſer Kampf entſcheide. Sollte ich wun⸗ „derbar allein gerettet werden, dann bin ich „meiner Pflichten gegen Euch quitt, dann ſu⸗ che ich in einem fremden Heere einen ehrli⸗ „chen Soldatentod. In Spanien und in „Nord⸗Afrika, ſowie in den Colonien der „Englaͤnder bedarf man Soldaten. Der Saͤ⸗ „bel und Muth des Ungarn werden uͤberall vilkom⸗ „men ſeyn. Dann erſt, wenn ich nicht n „gegen Ungars Soͤhne fechte, die nach meinen „Blute duͤrſten, dann erſt kann ich ſterbend udi iſüen 3 2 Vivut Ungariat 3 Die wenigen Minuten, die uns bis zum „Augenblicke der Entſcheidung noch ubrig ſind, „laßt uns freudig und gefaßt voruber gehen; „dann ohne Furcht dem Kampfe und dem To⸗ „de entgegen! Nicht der Tod, nur die Schande iſt bitter. Drum ſey uns der Tod vilom⸗ men1 29 So ſprach Schobri. Sein flammender Blick Morgenroth den Horizont; Purpurwolken ru derten vor der Koͤnigin des Tages, die heut bel durchbrach, welche den vechůngniolen Moraͤſten von Mohacz entſtiegen. S genblick von der Bande und kniete unter e Eiche, die ſich auf dem Damm des Moor hob, betend nieder. Seine Lippen bebten nd ſein ſchuldbewußtes Herz ſchlng in ſtärkern Schlaͤgen. In dieſen feierlichen Augenblicken, den na⸗ hen Tod und ein ewiges Weltgericht vor Augen, druckte er das Portrait und die Geſchenke der Huldin, die er als den Scugeiſ ſeines 3 Scobri 11. richtete ſich nach Morgen und eben ſaͤumte das ſchoͤner als je aufging und die Frühlings⸗ Ne⸗ Der Hnuptmann entnte ſich einen Au ven Lebens erkannte, an das lautklopfende Hetz. Dann verſteckte er es in einen hohlen Baum, damit es nicht in ungeweihte Haͤnde käme. Auch einige Papiere warf er ins Wachfeuer, als er zurüͤckkehrte. Er. trat nun in den Kreis der 2 Seinen zuruͤck, in welchem ebenfalls jetzt eine feierliche Stille der Selbſtbetrachtung und des tiefen Schmerzes uͤber ihr verlornes Leben herrſchte. Plötzlich trat die alte Zigeunerin in den Kreis, ergriff Schobris Hand, beſchaute deren Lneament und rief: „Ha, was ſehe ich! Du wirſt „ſterben und leben, unter der Er⸗ „de ruhen, und doch, wenn man „Dich fur einen Raub der Wuͤrmer bit, F Erſtaunt hielt ſe eine Weile inne, ihr Ant⸗ litz leuchtete im Wiederſchein einer begeiſterten — 131 — Seherin, und ihre durren, ſonneverbrannken Haͤnde zitterten. Sie fuhr fort: „Und dennoch ſſt Du. ℳ Ferner xiierti unterbrach der aten Wahrſagerin geheimnißvolle Ree „Schweig!“ rief der „Dein „Wille, Alte, mag gut ſeyn, aber die Zukunft, „die Du zu ſehen wähnſt, wird ſich mir und „den Meinen Zeit genug enthuͤllen. Darum „will ich weiter nichts wiſſen, auch iſt es jetzt „nicht Zeit dazu Drum dem verhaͤngnißvollen „Schickſal uhn entgegen! Meine Seele iſt „beruhigt und ich bin auf Alles gefaßt!!“ „Vorwaͤrts!!“ rief er jetzt mit hoch. geſchwungenem Saͤbel, in deſſen Klinge ſich die Morgenſonne ſpiegelte⸗ den Seinen zu. „Waf⸗ „fenbruͤder, die ein ungluͤckliches Schickſal, wie „mich ſelbſt, zu des Raͤuberlebens ſchwarzer „Unthat fuͤhrte, folgt mir! Mit freudigem „Muthe laßt uns dem Feind entgegengehen. . „Es iſt wohl der letzte Gang; Schwerdter, „Lanzen und Kugeln moͤgen uns einen ſchönern „Tod geben, als Rad und Strang uns geben „können.“ „Drauf, drauf! Das Pfeifen unſerer Ku⸗ „geln zeige dem Feinde unſere Gegenwart! „Hört Ihr ſeinen Trompetenruf? Wo die unpet ſchallt, da ſäumt der Ungar nicht.“ „Vorwärts, marſch, fechten auch un⸗ „Jarn gegen uns. Auch die das Vaterland aus⸗ „ſtieß, rufen noch aus: „Vivat Hun- „garia!““ — 133 21. Gleich einem enteiſtten Bergſtrom rauſchen ſie vorwaͤrts. Kaum ſind ſie aus dem Walde, der den Moor begraͤnzte, hervorgebrochen, ſo werden ſie von den umherſchwaͤrmenden Uhla⸗ nen angegriffen. Der Moorboden zitterte unter dem ſchallenden Hufe der Roſſe. Mehrere Uhlanen ſpringen ab, weil ſie mit ihren Pferden in den Moorboden zu verſinken befuͤrchten, koppeln dieſe zuſammen und gehen zu Fuß mit dem Karabiner den Räubern plän⸗ kernd entgegen, die ſich klug in das Vorgehölz des Waldes zuruͤckziehen. Die Uhlanen gehen nun zuruͤck zu ihren Roſſen. Allzukuhn folgen einige der juͤngern Räuber, und Schobri muß, im dieſe Wenigen nicht ſchonungslos Preis zu — 134 — geben, ihnen mit den treueſten ſeiner Freunde folgen. Außerhalb des Waldes, wo ſich neue Uhla⸗ nen an die Zuruͤckziehenden anſchließen, formt ſich die Angriffsmaſſe der Uhlanen. . Der junge Offizier, der Befehlshaber des Uhlanenpiquets, an welche ſich auch mehrere berittene Panduren angeſchloſſen ordnet Angriff. „Hier,“ ruft er den Suuen zu, „hier „auf Ungarns verhaͤngnißvollem Schlachtfeld „laßt uns durch unſere Thaten bezeugen, daß „eine hohere Macht den Krieger, der fuͤr Mo⸗ „natch und Geſetz ſtreitet und ſein Leben der „Pflicht zum Opfer weiht, mehr ſchirmt als den „Rauber, der ſein ſchuldbewußtes Leben ver vertheidigt.“ — 135 — „Seht!“ ruft er plotzlich und zeigt mit ſei⸗ ₰ nem Saͤbel auf den Vorderſten der Räuber⸗ bande. „Dieſer kuͤhne Mann iſt gewiß kein An⸗ „derer als der Hauptmann der Raͤu⸗ „ber, der beruͤchtigte Schobri ſelbſt. „Er verdient es, einen ehrlichen Soldatentod „zu ſterben; er finde ihn durch uns!!“ „Einſt war er brav und gut. Sein Schick⸗ „ſal warf ihn in die Bande des Laſters, dies „giebt ihm die Schmach, die nur der Tod en⸗ „enden kann.“ „Kein Pardon wird gegeben!“ befiehlt er den Truppen. „Doch huͤtet Euch „vor Grauſamkeit gegen die Verwundeten; ſie „kleidet den Mann nicht und entehrt den „Ungar.“ „Trompeter! blaſe zum Angriff! Der Feind „des Geſetzes iſt auch der des Vaterlandes!“ 22. Die Attaque beginnt. Ehe ſie die Raͤuber⸗ ſchaar erreicht, ſtäuben dieſe auseinander. Schob⸗ ri veißt einem ſeiner Kameraden das Gewehr aus der Hand, welcher nun ſchnell ſeine Piſtole ergreift. Jener zielt und ſchießt; die Kugel zer⸗ ſchmettert das Gefaͤß des mit hochgeſchwungenem Säbel anſprengenden Offiziers, daß dieſem aus der blutenden Hand die Waffe klirrend auf die Erde faͤllt. Aber der Offizier verliert ſeine Geiſtesgegen⸗ wart nicht. Schnell entreißt er einem Uhlanen die Pike, und dringt, auch in dieſer Mordwaffe geuͤbt, da er als Cadet unter einem Galiziſchen Regiment ſtand, vorwaͤrts, nachdem er die Sei⸗ nen nochmals durch folgende Ine ange⸗ feuert hatte: — 137 — „Drauf! wackre Kameraden! drauf! jetzt „gilts! Laßt uns wie tapfere Soͤhne Ungarns „kaͤmpfen!!“ „Heut iſt kein Pardon! Heut laßt „uns unſern Feinden entgegenrufen, was un⸗ „ſere tapferen Vorfahren den Franzoſen in Ita⸗ „lien entgegen riefen: „Non cras, sed hodie moriemini!“**) Micht morgen, heute ſollt Ihr ſterben!) * Der Urſprung dieſes noch in Ungarn gewöhn⸗ lichen Spruͤchwortes ſchreibt ſich aus einer Kampf⸗ ſcene gegen die Franzoſen her. Ein braves un⸗ gariſches, unter Wurmſers Commando in Itolien ſtehendes, Huſarenregiment ſprengte im kuͤhnen Sturmangriff ein franzöſiſches Carrée. Die Fran⸗ zoſen, junge Conſeribirte, riefen, als ſie den Tod — 138 — Wie auf den Fittigen des Sturmwindes ſprengen die Uhlanen an. Der Moorboden zitterte unter den Hufen ihrer Roſſe. Das Gefecht wurde allgemein. Nun begegnen ſich Schobri und der Offi⸗ zier einander. Der Zweikampf beginnt! Schobri ſicht wieder mit dem Saͤbel und parirt mit Gewandtheit und Kraft die Lanze ſei⸗ nes Gegners. Mehrere Uhlanen ſtuͤrzen verwundet durch vor Augen und die Saͤbel ihrer Feinde uͤber ſich blitzen ſahen: Grace! Grace! (d. h. Gnade). Die lateiniſch, aber nicht franzoſiſch verſtehen⸗ den Ungarn verſtanden Cras (morgen. Ueber den Tod vieler ihrer Cameraden ergrimmt, rie⸗ fen ſie, auf die Franzoſen einhauend, obige Worte. Noch lebt die Sage dieſer Kriegsſcene in den Annalen ungariſcher Regimenter. — 139 — der Feinde Blei, die, im Tirailleurgefecht ſich ſchnell zuruͤckziehend, durch ihre Leichtigkeit auf dieſem Terrain gewannen. Jetzt faͤllt auch einer der Raͤuber ſchwer verwundet. „Thut Eure Pflicht!“ ruft er ſeinen Ka⸗ meraden zu. „Kein Schwerverwundeter darf „leben bleiben; Jeder wiſſe zu ſterben, und dem „Hauptmann treu zu bleiben bis in den Tod! „Bruder, erfuͤlle Deinen Schwur! gieb mir „den Tod!“ So ſtohnte er dem ihm zunächſt ſtehenden Räuber zu. Dieſer reicht ihm die Hand zum ewigen Abſchied und ſetzt ihm dann das Gewehr auf die Bruſt; ein Druck der Hand — und der Verwundete iſt nicht mehr. ⸗ — 5 — Einen neuen Geſammtangriff wagen die Raͤuber, aber jetzt ſiegen die Uhlanen. Moch ſetzen der Offizier und der Hauptmann ihren muthigen Kampf fort; ſchon ſind beide verwundet, als das Handgemenge der Uebrigen die Kaͤmpfenden trennt. Der Offizier ſucht ſei⸗ nen Gegner ſogleich wieder, als das Gewirr vorbei iſt. Aber — erſtaunt erblickt er nun — zwei Schobri's! — Ein Mann, an Haltung, Kleidung und Waffen dem bisherigen Gegner des Offiziers völlig ähnlich, war indeß aus dem Walde auf dem Kampfplatz erſchienen und ſtuͤrzte ſich dem VOffizier entgegen. Eine Kugel zerſchmetterte den Schaft der Lanze des jungen Ofſiziers. Dieſer aber nimmt ſchnell den Säbel eines Uhlanen, und ein Hieb, mit gewandter ſtarker Hand geführt⸗ trennt die Hand vom Arme ſeines neuen tapfern Gegners. ſeine Wunde. Schnell — 141 — er mit der linken Hand die Piſtole, und ehe der Offizier einen neuen Angriff macht, ſetzt er den Lauf derſelben ſich ſelbſt in den Mund. Ein Blick zum Himmel, ein Druck des Fi⸗ gers, es blitzt, knallt und mit zerſchmettertem Haupte ſinkt der Raͤuber, durch ſich ſelbſt gerichtet, zur Erde. Er iſt nicht mehr! — Des Raͤuberhauptmanns Blut ſpritzt dem Sieger ins Antlitz, deſſen Roß, von einem Schuß verwundet, in dieſem Augenblick auf⸗ baͤumt und dann zitternd zuſammen zu brechen droht, ſo daß der offier ſchnell vom Pfetbe ſpringen muß. Die Uhlanen haben indeß einen neuen An⸗ griff gemacht und vollkommen geſiegt. Die nehr⸗ ſten Raͤuber liegen todt auf dem Schlachtfel e nur einige zucken noch im Schmerz der brennen den Todeswunden. — 142 — Aber der erſte Schobri iſt aus den Augen des Offiziers wie ein Phan⸗ tom verſchwunden. Der Offizier hat den Triumph, ſein Verſpre⸗ chen geloͤſ't, und ſeine Wette gewonnen zu ha⸗ ben mit eignen Wunden, er und ſeine tapfre Schaar aber den Sieg mit ſchwerem Verluſt an Mannſchaft theuer erkauft. Sein Herz iſt von einem eignen Gefuͤhl be⸗ wegt. Er ſieht ſich aus der Todesgefahr geret⸗ tet, ſieht ſich als Sieger, aber er kann den Mann nicht haſſen, den ein grauſes Verhaͤng⸗ niß von den Bahnen der Ehre und der Pflicht zu denen des Laſters und der Schmach fuͤhrte und der jetzt mit zerſchmettertem Haupte, vom Streme des eignen Bluts umfloſſen, vor ihm liegt. Der Jugendmuth der Kampfesluſt weicht den Gefuͤhlen ſtiller Wehmuth. Er ruft, da kein erneuter Angriff mehr zu fuͤrchten, ſeine — 13 — Uhlanen und andere Mannſchaft zuſammen. Sie ſtellen ſich um ihn herum. „Wir haben unſere Pflicht gethan! wir „ſiegten,“ redet er ſeine Mannſchaft an. „Ihr habt tapfer gefochten. Schont der Ver⸗ „wundeten! Ich werde fuͤr ſie ein kraͤftiges „Wort einlegen, damit ſie Gnade finden, wenn „ſie geneſen ſollten. — Der tapferſte Raͤu⸗ „ber iſt gefallen, ſein Tod moͤge ſein tragi⸗ „ſches Schickſal verſoͤhnen.“ „Die ewige Barmherzigkeit ſey auch uͤber „„den gefallnen Verbrecher!“ 23. „Schobri! Schobri! ein Geiſt oder „ein wiederkehrender Vampyr, ein Doppel⸗ „gaͤnger!“ rufen plotzlich die Uhlanen, in⸗ dem ſie ihre Lanzen ſenken und ſich aͤngſtlich um ihren wackern Offizier herum drängen, der jetzt erſt den Schmerz ſeiner Wunden fuͤhlte und ſich verbinden ließ. Aengſtlich zeigen ſie nach dem Waldrand hin. Als der Offizier ſein Auge nach dieſer Ge gend richtete⸗ ſiehe, da erblickt er wirklich wie der jenen andern Schobri. Dieſer hatte das Roß eines gn Uhla⸗ nen aufgefangen, beſtiegen und ſprengte uͤber eine Seite des Schlachtfeldes in das Wald⸗ dickicht hinein. Eben wirft er ſeinen umge⸗ Mantel von der Schulter und ſeih — 145 — dem vermeintlich gefallenen Schobri, wie ein Zwillingsbruder dem andern. „Ha!“ rufen die Uhlanen, in deren Ant⸗ litz Todtenblaͤſſe tritt, „ſeht, das iſt der Dop⸗ „pelgaͤnger, der raͤthſelhafte; er wird es uns „anthun. Wir ſind im S ſeines Zau⸗ „bers.“ Der Reiter verſchwand im Dikicht, und nun ſprach der Offizier, die Pike ſenkend: „So waͤre ich denn wohl der Getaͤnſchte? Du „lebteſt alſo wohl noch, ſtolzer, tapferer Raͤu⸗ techüuprung; „O moͤchteſt Du dann wenigſtens dem La⸗ „ſter geſtorben ſeyn, und fortan in einem neu⸗ „en Leben wandeln. Todt oder lebendig! Ei⸗ „nes beſſern Schickſals warſt Du werth!“ Er nahte ſich jetzt der vor ihm liegenden Leiche des Raͤubers, der fuͤr Schobri gehalten Schobri U. 10 — 146 — wurde, und legte die Pike auf deſſen, mit dem Blut des zerſchmetterten Hauptes beſpritzte Bruſt. Unwillkurlich entrollte eine Thraͤne des Mitge⸗ fühls dem ſchoͤnen ſeelenvollen Auge des tapfern jungen Siegers. „Biſt Du der Rechte?“ ſprach er, vor der entſtellten Leiche ſtehend, mit jener Stimme der Ruͤhrung, die aus dem Herzen zu dem Herzen geht, und den Krieger in den Men⸗ ſchen adelt. „Biſt Du wirklich der gefallene „ungluckliche Schobri? Dann ſtarbſt Du einen „ſchoͤnen Tod, den Tod des Tapfern!“ „Held wuͤrde man Dich nennen, waͤrſt „Du unter den Fahnen Deines Vaterlandes „gefallen, unter Ungarns Fahnen, fuͤr welches „jeder ſeiner Soͤhne gern ſein Blut ver⸗ pritzt. Er wendete ſich zu ſeinen Kriegern, welche ehrerbietig und ſelbſt ergriffen hinter ihm ſtan⸗ — 147 — den. „Waffenbruͤder,“ ſprach er, „laßt uns „immer unſere Pflicht ſo treu und eifrig er⸗ „fuͤllen, wie wir ſie heute erfuͤllten!“ 24. Noch ſprach er, da richtete ſich ein tdtlich verwundeter Raͤuber, dem Pikenſtiche und Saͤ⸗ belhiebe die Bruſt fuͤrchterlich zerfleiſcht hatten, 6 aus einer Ohnmacht erwachend, wieder auf. Er ergreift die Hand der neben ihn dahin ge⸗ ſtreckten Leiche und druckt ſie an die nur ſchwach noch athmende Bruſt. Plotzlich aber leuchtet Freude aus ſeinem erloſchenden Auge. „Ha!“ uuft er mit der letzten Anſtren⸗ gung, „hier auf ſeiner Hand hatte unſer wak⸗ „kerer Hanptmann Schobri keine Wunde. Die 10 * — 148 — „ſen Ring trug er nicht. Ihr habt den falſchen „getoͤdtet. Der wahre Schobri lebt al⸗ „ſo noch, aber ſein Bund als Haupt⸗ „mann der Raͤuber iſt vernichtet. „Darum habt Ihr geſiegt. Es lebe Schob⸗ „ri! Ich, ſein Freund, ſterbe, ſterbe aber „nun freudig; Gott ſey meiner armen Seele Bruſt der Leiche. „gnaͤdig!“ Nach dieſen Worten entrollte ein Blutſtrom dem Munde des Sprechenden. Erl ſank in die Arme des Todes, ſein Haupt fiel auf die Die uhlanen und Panduren hatten ſich in⸗ deß wieder militairiſch geordnet. Hocherfreut war jeder derſelben uͤber den Sieg und uͤber die entgangene, bei der verzweifelten Gegenwehr der Räuber allerdings nicht kleine, Gefahr. — Außer dem Raͤuber, deſſen Haltung, Fleis dung und Ruͤſtung ihn fuͤr Schobri halten ließ, hatte ſich nur noch ein Raͤuber in des Waldes Dickicht gerettet, alle Anderen waren gefallen. Die tapferen Reiter ſtellten ſich jetzt um den Offizier, der, ſo jung er war, doch ſo helden⸗ muͤthig gefochten und ſein Wort, bei der fruͤher erzaͤhlten Wette, ſo eifrig zu loͤſen geſucht hatte. Ein alter Wachtmeiſter, einſt ſein Exercir⸗ meiſter, nahte ſich ihm und ſprach: „Gnaͤdiger Herr! erlaubt eine Bitte: Wir „haben einen heißen und blutigen Kampf aus⸗ „efochten. Haben wir auch nur gegen Raͤu⸗ „ber gekaͤmpft, ſo galt doch dieſer Kampf Un⸗ „garns innerem Frieden, der Befreiung des „Landes vom Feind der Ruhe und des Ge⸗ Sſetes „Auch mehrere von den Unſrigen ſind gefal⸗ „len. Laßt ſie uns ehren, wie es wacke — 150 — „den Soldaten zukommt! Noch ſind unſere „Karabiner geladen. Der Ruhm gebuͤhrt uns „unbeſtritten, daß wir einen tapfern S be⸗ „zwungen haben!““ „ Der offizier erwiederte, indem er auf das Roß ſtieg und den Saͤbel erhob: „Wo alle die Tapfern fielen, ſey ihr Grab, „welches die Landleute der Umgegend graben „ſollen. Chrenvoll aber toͤne das kriegeriſche „Ehrenfeuer uͤber die Leichen der Gefallenen!“ „Stellt Euch!“ commandirte er. „Das Feuer Eurer Gewehre ſchalle ſaluti⸗ rend uͤber den Oet, wo die Tapfern verblu⸗ „teten, Euren gebliebenen Waffenbrädern bleibt „der Ruhm. Den gebliebenen Feinden Verge⸗ „bung von uns und unſern Waffenbruͤdern jenſeit dieſer Graͤber. — Durch uns ward „ihnen ein ehrlicher Tod; moͤge ihren armen — 151 — „Seelen Erbarmung werden vor des Welten⸗ „richters Throne!!“ „Praͤſentirt das Gewehr! Habt Acht! „Macht euch fertig! Schlagt an! Gebt „Feuer!“ Die Salve erſchallte, im Walde erklang der Wiederhall. Dann rief der Offizier auf die⸗ ſem verhaͤngnißvollen ungariſchen Schlachtfelde 5 mit hochgeſchwungenem Saͤbel: „Vivat Ungaria!“ und „Vivat Ungaria!“ ertönte der Ruf der ſiegenden Mannſchaft.. 2õ. Die Sage verkuͤndete, Schobri ſey auf wun⸗ derbare Weiſe gerettet. Nach jenem Gefecht wurden indeß die Banden der andern Haͤupt⸗ linge zerſtreut und viele Reſte fielen nach und nach in die Haͤnde der ſtrafenden Gerechtigkeit, ſo daß man ſchon alle vertilgt glaubte. Schon wollte man ihn, den Wirkli⸗ chen, jenſeit der Grenzen geſehen und erkannt haben. Allgemein hieß es: „Er lebt und wird fortan nicht mehr als Raͤuber, ſondern „als Soldat einer fremden Macht in einem „neuen Leben wandeln.“ — 153 — Wer ſeine Schickſale naͤher kannte, ver⸗ dammte ſeine Thaten, nicht ſein Hetz. Vor Allen war es ein Herz, das mit⸗ leidsvoll fuͤr ihn ſchlug. Es war das Herz der ſchoͤnen Magyarin. Sie betete fuͤr das Seelenheil des Mannes, den ſie nie wiedererblicken konnte, nie wiederſe⸗ hen durfte. Eben ſaß ſie eines Morgens in dem neu aufgebauten Waldſchloß, da trat der Vater, der eben aus der Reſidenz zuruͤckkam, ernſt und feierlich in ihr Gemach. „Tochter,“ ſpricht er, „ich kenne Deine „ſtillen Thraͤnen, Deinen ſtummen Schmetz. „Der Mann, dem ſie fließen, dem D Du, ohne „ſein dunkles Schickſal zu kennen, wohl woll „teſt, iſt entweder, wie ich ſelbſt glaube, nicht „mehr, oder er lebt in einem neuen Leben „in weiter Ferne.“ — 184 — „Ich ſelbſt mache mir Vorwuͤrfe, daß ich, „als er auf der Bahn der Krieger⸗Ehre em⸗ „porſteigen konnte, ihn nicht zu einer hoͤhern „Laufbahn unterſtuͤtzte. Doch ich war damals „fern in fremdem Lande.“ „Zuruͤckgebruͤckt in ungluͤckliche, fuͤr ſeinen „hochſtrebenden Geiſt zu einzwaͤngende Verhält⸗ „niſſe fiel er und ging fuͤr uns verloren. Fuͤr „ihn laͤßt ſich nichts mehr thun! Mein alter „Mayer, der mit ihm war, hat Gnade erhal⸗ „ten. Die Schelmſtreiche ſeines Feindes, die „ſeinen unglucklichen Sohn unter die Bande „fuͤhrten, ſind enthuͤllt. — Der Boshafte ſelbſt „entging der Strafe durch Selbſtmord.“ „Was noch von den Reſten von Schobris „Banden umherſtreift, iſt großentheils der Ge⸗ Hrechtigkeit anheim gefallen; einige ertranken „auch bei der großen Waſſerfluth, die ſo viele Waiſen machte. Dieſe ungluͤcklichen Waiſen — 155 — „ſchuldloſer Eltern laß uns, theures Kind, un⸗ „terſtuͤtzen.“ „Reich iſt Ungarns hoher Adel, aber ſeine „Einkuͤnfte ſollen durch Wohlthun wieder auf „das Land zuruͤckſtroͤmen, dem ſie entſtiegen.“ „Eine neue ſchoͤne Zukunft geht dem Volke „auf! Unter Gottes und des Koͤnigs Schutz, „ſieht es hoͤherer Bildung auch in ſeinen nie— „dern Ständen und nicht herrſchenden Völkern „entgegen. Jedem Stande, jedem Volke ſoll „jetzt ſein angemeßenes Gluͤck 4. „Durch wachſende Sitlichkeit der Voͤlker „verſchwinden die Verbrechen; wird nun dem „Volke die Erwerbung von Brod und Eigen⸗ „thum erleichtert, ſo fällt es nicht auf Unthat. „Wir haben jetzt viele heilſame Beſchluͤſſe ge⸗ „faßt, vieles Gute vorbereitet. Ich will nun ei⸗ „nige freie und ſchoͤne Stunden genießen. Das „wunderherliche Boͤhmen verheißt ſie uns in „ſeinen hfei — 156 — „Ordne Deine Garderobe und was Du „ſonſt zu beſorgen haſt. Morgen reiſen wir Jab 2 Ein Monat war ſeitdem verfloſſen, als ein ſchoner Juni⸗Morgen die Menſchheit erfreute. Denn enblich hatte die ſchoͤne Jahreszeit geſiegt und ruhte mit allen ihren Reizen auf Cars⸗ ads romantiſchem Felſenthale. 1 Das uͤppige Gruͤn der Berge, die ſchatti⸗ gen Laubgaͤnge der Wieſe, dieſes reichen Markt⸗ platzes der ſchoͤnen Cur⸗ und Badeſtadt, rief die heit in ihrem Wuchs, welche Grazie in ihrem — Curgaͤſte von den Colonnaden der Brunnen ins Freie. Dort wandeln ſie, edle Soͤhne und Töch⸗ ter aller Nationen Europas. Sieh dort die wortkargen Britten, die muntern Franzoſen, die reichen Ruſſen von reich galonnirter Dienerſchaft gefolgt, die Polen, auf deren Antlitz noch die Furche des Ernſtes großer und ungluͤcklicher Tage ruht, die ſchwarzäugigen Italiener, die ge⸗ ſpraͤchigen Heſterreicher und die in ſtolzer Gran⸗ dezza hinwandelnden Spanier. Auch Amerikaner fehlten nicht. Schoͤne Frauen verherklichten die maleriſchen Gruppen, die aus allen Staͤnden beſtanden und welche das Band der Humanität und der gegenſei gen Achtung an Pen Tem umſchloß. Viele der Blicke richteten ſich jetzt auf ein ſchoͤnes ungariſches Fräulein. Welche Ho⸗ — 158 — Antlitz, welche Seele in dem ſprechendem Auge! Doch ſchien dieſes, bei aller Herrlichkeit des Ta⸗ ges und dem friſchen Roth ihres Antlitzes, ei⸗ nen innern Schmerz zu verkuͤnden. Neben ihr ging ein Herr in ungariſcher Nationaltracht, dem die Hoheit ſeines Anſtandes und die Baͤn⸗ der hoher ritterlichen Ehrenzeichen als einen der reichen Magnaten dieſes ergiebigen Landes bezeichnete, welche man uͤberall gern ſieht, da ſie Kunſtſinn und Generoſitaͤt verbinden und bei reichem Aufwand die Eigenheiten der Eng⸗ laͤnder, die nur zu oft mit Geizund Klugheit vermiſcht ſind, nicht kennen. ben blieben ſie bei einem jener Kunſtlaͤden ſtehen, die im Sommer die Curote Boͤhmens verherrlichen. Unter mehreren Kunſtgegenſtaͤnden waren hier die Nationen in den ſchoͤnſten ihrer — 159 — Huldinnen dargeſtellt. Der Graͤfin Auge uͤber⸗ flog dieſe Reihe ſchoͤner Bilder. Plötzlich flammte es höher auf und in ihrem Antlitz wechſelten Roͤthe und Blaͤſſe. Im Bilde einer ſchoͤnen Ungarin erkannte ſie ſich ſelbſt. Daſſelbe entdeckten auch die An⸗ dern. Aller Augen richteten daher ſich jetzt auf ſie. Auch der Kunſthaͤndler erkannte ſeines Bil⸗ des Hriginal, welches noch ſchoͤner war als das Gemaͤlde. „Dies iſt,“ ergriff er daher das Wort, um die eingetretene Stille zu unterbrechen, „von „einem deutſchen Maler, einem jungen talent⸗ 3 „wvollen Kuͤnſtler, welcher hier vor wenig Wo „chen das Bild ausmaite und durch ſeine Kunſt „„viele Goͤnner und Freunde fand. Ein reicher „Auslaͤnder nahm ihn mit fort, damit er ihn „in den Suͤden Europens begleite. — — „Ich kaufte das Bild fuͤr 30 Ducaten und „noch einige Phantaſieſtucke um denſelben Preis. „Hier ſind ſie!“ Der jungen Dame Blicke ruhten auf die⸗ ſen. Es waren Wald⸗ und Jagdſtuͤcke: ein Knabe kaͤmpfte mit einem Wolfe, derſelbe ſchnitt auf einem andern Gemaͤlde die Anfangsbuchſta⸗ ben eines Namens in einen Baum. Es wa⸗ ren die des ihrigen. — Jetzt ſah ſie ein Nachtſtuͤck. Es war der Brand des Jagdſchloßes, ihre eigene Rettung und der Retter der geheimnißvolle unglůͤckliche 8 Ihr ſeelenvolles Auge ruhte auf dieſen Ge⸗ mälden. Der Vater kaufte ſie alle, geners bezahlend⸗ Von dieſem ugenblick an ſchien ein innerer Kampf in dem Buſen der holden Jung⸗ frau aufzuleben. In der Menge ward es ihr ängſtlich. — 161 — „Laß uns heute eine Landparthie machen,“ ſprach ſie zu dem Vater. Dies geſchah. 8 2ꝰ. Der Nachmittag führte ſie nach dem Hei⸗ lingsfelſen, und unter dieſem Zeugen eines zerſtoͤrenden Ereignißes fruͤher Vorzeit fand ſie auf einem der Steine ihren Vorna⸗ men; neben ihm eine Sonnenblume gezeichnet, mit der Inſchrift: „Nach der Sonne ſchauend wird mir Kraft und Leben!“ Wer konnte dies gezeichnet und geſchrieben haben? Der Maler oder — 22 S Ein nachbarlicher Stein die ſchrift: „Er lebt!“ Schobri M. n — 13 — „ ein gewiſſes inneres Wohlbehagen ergoß ſich jetzt in des edlen Fräuleins Bruſt, ihm wich der ſtile Schmerz, der das ſchuldunbe⸗ wußte de bis jetzt beengt hatte. Der Abend rief zur Heimkehr, ſer der Abend war zu ſchoͤn, um ihn nicht auf Carls⸗ bads herrlichſten Hohen u genießen. n dem Se wollte ſie die Sonne des Tages untergehen ſehen, der fuͤr ſie ein ſo wichtiger geworden war. Sie er⸗ reichte die Hoͤhe. Vor ihr lagen die Felſenthaͤler der Eger und Tepel, mit ihren rauchenden Heilguellen und 2 der freundlichen, belebten Curſtadt. Weit ſchweifte das Auge uͤber Böhmens freundliche Gefilde und ruhte auf dem dunkel bewaldeten Erzge⸗ birge⸗ das Boöhmen von Sachſen ſcheidet. 6 1 Von der Stadt herauf ertoͤnte die Melodie — eines Chorals. Alles rief zur Herzenserhebung und Erbauung. Bet den dret. Kreuzen ſelbſt ſtellten ſich nach und nach viele der Curgäſte ein. Deshalb zog ſich das Fraͤulein in das Reſtaurationszim⸗ mer zuruͤck. Hier lagen Zeitungen, die ſo eben angekommen waren. Sie ergriff ein Blatt derſelben. Ein Artikel aus Frankreich fiel ihr in die Augen. Er lau⸗ tete: Bayonne, den ** 1837. „Geſtern kam ein Fremder in ein hieſi⸗ „ges Hotel. Sein Paß lautete nach Spa⸗ „nien. Es war ein ſchoͤner junger Mann „voll Kraft, aber er war ſtill und ernſt. „Haltung und Tracht bezeichneten ihn als „Ungar. Ein alter Militair begleitete ihn. „Er lebte mit Aufwand, zahlte geners und „ſein und ſeines Freundes Reiſe ging nach 11 * — 164 — „Spanien, wohin er ſich eine ſichere Gele⸗ „genheit verſchaffen ließ. Bei ſeiner Abreiſe „warf er einige Louisd'ors in die Armenbuchſe, „zahlte den Marqueurs gute Trinkgelder und „ſprach, in den Wagen ſteigend: „Wißt Whr wen Ihr ſaht?““ 6 hin Ungarns Scobrit“ „Von nun an dem Sineullen zu⸗ „ruckgegeben hoffe ich durch einen ehr⸗ „lichen Soldatentod ein fruͤheres Leben „zu verſoͤhnen, und den Schmerz der „Reue zu verbannen, der mein Herz „zerreißt.““ Das Zeitungsblatt ſiel der ſchoͤnen Edeldame aus der zitternden Hand. Hinaus trat ſie, waäh⸗ 3 rend die Fremden in die Reſtauration ſtroͤmten oder in die Stadt zuruͤck gekehrt waren, zu den drei Kreuzen. Allein ſtand ſie auf der geweihten † Stätte und die eben untergehende Sonne warf — — 165 — ihre letzten Strahlen auf die Kreuze und die 3. Felsſpitze ſtrahlte im Glanze der Verklaͤrung. Hoͤher ſchlug der Jungfrau Buſen. Nach der Gegend wo Spanien lag, blickte ihr Auge; in einem ſtillen Gebete bebten ihre Lippen. Es galt dem Seelenheile des Unglucklichen. „Wandle, Georg!“ rief ſie innig aus, „fortan in einem neuen Leben, und ein ruͤhm⸗ „licher Tod im gerechten Kampf trete, wenn. „es der Herr will, verſoͤhnend zwiſchen Dir „und Deinen Unthaten. Der ewige Richter, „der die Thaten nach dem Herzen entſcheidet, „Er ſey mit Dir und ſeine Gnade!“ — S 5 ¹ Nachſchrift. So weit unſere Nachrichten. * Die neueſten Zeitungs⸗Nachrichten, vom Juli 1837, aus Peſth, der Hauptſtadt Ungarns, melden, daß Schobris Bande doch noch nicht ganz vernichtet ſey, ſondern ein Theil derſelben in einem Preßburg be⸗ nachbarten Comitat (Bezirk) Unfug veruͤbt hat. Dies iſt ein Beweis wie weit in ſeiner Art dieſer Räuber es gebracht, welche Macht er geſam⸗ melt hatte. Das Militair⸗Gouvernement von Peſth hat es fuͤr nothig gefunden, ein Paar Compagnien Infanterie aus Preßburg zur Ver⸗ folgung jener Raͤuber ausruͤcken zu laſſen. Nicht leicht in einem andern Lande als ungarn moͤchte es moͤglich ſeyn, ſo lange der Civil⸗ und Militair⸗Macht des Landes trotzen. in — Auch unter den Volkerſchaften Ungarns hat 6 ſich der Glaube daran verbreitet, deß Schobri nicht geblieben ſey, ſondern noch lebe. Um unſern Leſern Alles mitzutheilen, was man von verſchiedener Seite uͤber Schobri ſchreibt, ſetzen wir noch folgende Nachricht her, welche in der Ameiſe, Juli 2te Woche, ſteht: *) *) Eine an die Leipziger Zeitung eingeſandte Pri⸗ vatnachricht wurde, als anonym, nicht ange⸗ nommen. Sie laͤßt Schobri in England ankom⸗ men und widerſpricht dem uͤber hetausge⸗ kommenen Werk. Auffallend erſcheint, daß ſie zereteibet wur⸗ de, als durch einen mit dem Verleger dieſes Werks befreundeten Gelehrten das Erſcheinen deſ⸗ ſelben in Nordhauſen bekannt wurde und ehe der 1ſte Theil erſchien; daß ein bei der Correktur die⸗ ſes letzten Bogens von Nordhauſen ankommender Roman mit obiger Nachricht im Einklang iſt. Dieſer, der einen Joſeph Schoberi aus un⸗ ſerm Helden macht, wirft einen gehaͤſſigen Sei⸗ tenblick auf unſer Werk, will aͤchte Nachrichten haben (die der Geſchichts-Held einem plumpen Aufdringling geoffenbart habe,) und angeblich aus dem Engliſchen ſeyn, während doch — 168 — „„Am 15. April wurde Schobri bei La⸗ „pajo (unweit Szaks) im Tolnaer Komitat „mit einigen ſeiner Spießgeſellen, unter denen „ſich der am 17. Mai gefangen genommene „Recze Marczi befand, vom Militär hart „gedraͤngt — nachdem er in einer Scheune bei „Praga (unweit Suͤmeg im Zalader Komitat) „zwei ſeiner Genoſſen Peti oder Czifra „Miska und Piſta verloren hatte — von „einem Uhlanenwachtmeiſter, welcher ihn gern „lebendig fangen wollte, verwundet, und er⸗ „ſchoß ſich — trotz des angebotenen Pardons — „mit der ihm uͤbrig gebliebenen Piſtole. — „Er war ſeinet Profeſſion nach ein Fleiſcher, „nie Soldat, — und von ausgezeichnet kör⸗ perlicher Schoͤnheit. Die uͤber ihn herausge⸗ „kommene Letensgeſticht⸗ iſt ganz unecht und Buͤcher darin ſo copirt ſind, daß z. B. aus Schillers „Raͤubern“ Schickſal und Cabale faſt wörtlich genommen iſt, ja der alte Graf ſelbſt von einem Herrmaun zu Tode ichtect. im gefüttert wird c. — 169 — „das derſelben vorgeſetzte Bildniß ſieht jedem an. „dern wohlgebideten Manne, nur nicht Paul(²) „Schobri aͤhnlich.“ — Dieſe Nachricht iſt uns „von Peſth direkt zugegangen und dabei zu⸗ „leich eine Schilderung Schobris, ſowie die „naturgetreue Abbildung des Ueberfalls, bei wel⸗ „chem er den Tod fand, von einen Augenzeu⸗ „gen entworfen, fuͤr unſern Ameiſen⸗Kalender „zugeſagt worden. Ob dieſe Letztre ſo ganz „naturgetreu ausfallen werde, moͤchten wir nun „„nicht beſchwoͤren ꝛc.“ Wir überlaſſen unſern Leſern das Urtheil uͤber den Inhalt obigen Aufſatzes, bemerken aber, daß die darin nach Lapajo verlegte Scene des Ueberfalls und die einem Wachtmei⸗ ſter zugeſchriebene Verwundung Schobris offen⸗ bar nur eine Modification des, allen offentlichen Nachrichten nach, bei Fuͤnfkirchen Cgentlich dohaez) Vorgefallenem und von uns ſo treu als moͤglich Dargeſtelltem iſt. Daß jedoch mit der angegriffenen Lebensgeſchichte nicht unſere — 170 ⸗ o Darſtellung gemeint ſey, geht ſchon daraus hervor, daß dieſe bei Abfaſſung des Ar⸗ 3 tikels noch nicht erſchienen war, auch keineswegs ein Bildniß hat, das an jener, von uns gůnz⸗ lich ignnvrirten, Lebensgeſchichte getadelt wird. Wenn der Dampfwagen zum Kometen, und zwar nur nach der Ankuͤndigung des i. Theils un⸗ ſers Werks, ohne Leſung, daruͤber nicht anſtän⸗ dig gloſſirt, ſo ſind die Gloſſen des Dampfwa⸗ gens — eben nur Dampf, e die Kraft. — euun ſich die Sagen uber Schobri's Le⸗ ben zur hiüvrſſchen Wahrheit geſtalten, ſo wer⸗ den wir ſelbige gern den verehrten Freunden dieſes Buches in einer Fortſetzung deſſelben mittheilen. Unſer Zweck iſt ſchon erfuͤllt, wenn die Leſer in dieſen biographiſchen Skizzen die Wahrheit der Lehre erkennen, daß wahre Ehre und Tugend ſich nie mit Unthaten verei⸗ nen koͤnnen; ſowie, daß der einzige Weg des Glücks der der Pflicht und des Geſetzes iſt! — „ 578 S1 onende