Gduard Oltmunn in Girſen, atſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Schloßgaſſe Lit A Nr. 256. gteih und Seſebedingungen. „* 8 6r Zibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ P i5 Bücher jeden Tag von Morgens Uhr offen. ei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von ir wöshezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ anf 6 „ Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme ₰ 5 ent. Daſſelbe muß vptaus bezahlt werden und 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 5 N. — Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 — Pf. — „ „. Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung re igenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. ür beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und polchen mit Kupfern ꝛc.) muß der das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ größeren Werkes, ſo iſt ejenigen, welche die⸗ en haben. ine dem Werthe deſſelben entſprehende Summe rr welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet tet. 3 feſtgeſetzt und wird . az das Weiterverleihen den, ſowie die auf den Auen wiehernden Roſſe Ein ſchöner Maitag ſtieg aus Auroras Schooße auf die mit tauſend Blumen ſich ſonůctende Erde. Alles gruͤnte und bluͤhete.⸗ Auf den Wieſen und Auen dufteten Gräſer; von Ungarns ſchönſten Bergen wehte, vm Hauche des Weſtwindes getragen, der Duft der Rebenbluͤthen aromatiſch zu den Thaͤlern Wunbe war der Sonntnauſtst S Alles athmete Luſt und Freude. — de weidenden Rinder⸗Schaaf⸗ und Ziegen Heer⸗ der edelſten Ragen des Landes gaben ein heite⸗ res Bild des ſchönen Landlebens, während die melodiſchen Toͤne der S und bie Ges — — ſinge der Hirten, die ſich mit ihren großen Hunden unter ſchattende Bäume gelagert hat⸗ ten, hier im ſchoͤnen Ungarlande an die idylli⸗ ſchen Zeiten des alten Griechenlands erinnerten. ben tönten die Morgenglocken, als ein junger deutſcher Wanderer ruͤſtig und wohlgemuth einen Huͤgel aufwaͤrts ſtieg, welcher, mit Reben und Obſtbäumen bewachſen, von ſei⸗ ner Hoͤhe die uͤppigſte Ausſicht bot. Freude und Hoffnung ſchwellte des Wanderes Bruſt. Die bereits mehrere Wochen dauernde Fußreiſe hatte ſeine Kräfte geſtaͤrkt und ſeinen Geiſt er ₰ heitert; innig freute er ſich jezt, Ungarn kennen zu lernen und in einem Lande zu weilen, welches wohl eines der intereſſante⸗ 4 ſten und reichſten Europens iſt. Von dieſem Land ſagt der Eingeborne, welcher der latei⸗ niſchen, wie der magyariſchen Sprache † gleich mächtig ſſ, mit Stolz: n Ungaria est vita, Si entra non est ita! welches in teutſcher Sprache ueihr b au⸗ zudruͤcken ſeyn duͤrfte: „In ungarn nur iſt Let Lud Underwärts kann geben Des Wanderers Träume wurden abet bald geſtoͤrt. Eine Maſſe Menſchen ſtrömte, ſo ſah er, auf der Heerſtraße, die ſich jenſeits des Ber⸗ ges fortzog, der nächſten Stadt zu. Er fragte einen jungen kraͤftigen Hirten, welcher, ſeine Heerde verlaſſend, ſo eben neugie⸗ rig dem Wandrer nahte, und deſſen langhaar⸗ ger großer Hund Letzterem knurrend die großen wei⸗ ßen Fang⸗ Zähne zeigte, auf lateiniſch: „Was „bedeutet dieſe Wanderung? die ſes Volk?“ Der Hirt antwortete, indem ihm ein be⸗ deutungsvolles Lächeln um Mund und Lippe ſpielte: Ad patibulum!“ (d. h. zum Galgen). Hierbei zeigte er zugleich mit dem Finger auf den jenſeitigen AWhan des Huͤgels. — — — Ein unwillkuͤhrlicher Schauer durchzuckte des fragenden Jünglings Mark und Gebein, denn er ſah einen Galgen „einen von der Art, wel⸗ chen der Volkswitz einen vierſpännigen nennt, weil daran gleich eine ganze Sippſchaft von ſchliminen Geſellen zum Luftbabe aufgehängt werben kann. An dieſem Galgen hingen bereits drei halb verfaulte Leichname. — Die Raben hatten hier bereits ihr feiſtes Mahl gehalten. Die der Augen beraubten Ge⸗ ſichter und die abgefreſſenen Lippen der in Ket⸗ ten hängenden Gerichteten boten einen furcht⸗ baren Anblick dar. Ein Heer Raben und Kraͤhen erhob ſich kraͤchzend, als der Wanderer und der Hirt naheten. Der Hirt, welcher des Wanders erblaſſende Wange und ſeinen Schreck bemerkte, etzühlte nun: Dieſe drei wären Thei 6 ne 359 er einer * — — — * Raͤuberbande, die auch ihm einſt zwei ſchöne Ochſen aus der Heerde geſtohlen hätte, die er 3. aber in ihrem Schlupfwinkel aufgeſucht um rert rathen habe. „Schelme waren es und e „Gaudiebe, — fuhr er in ſeiner Rede ort — „das Gericht hat ſie feſtgeſett 2 nach kutzem „Verhoͤre ne und ent Die Kerle, fuͤgte S nicht zur Bande des beruͤhmten Schob ri gehört, viel⸗ mehr hätte dieſer, als er vernommen, daß der Ver⸗ dacht auf die Seinen gefallen ſei, ihm zwei andere ſchoͤne Ochſen geſendet, denn er leide unter ſeinen Leuten nie den Raub der an den Ar⸗ men veruͤbt werde, und habe ſchon manchen Raub, der von anderm Diebsgeſindel, welches unter ſeinem Namen wirthſchaftete, veruͤbt wor⸗ den wäre, reichlich vtguet. 3 Jetzt häͤtte man zwei Andere verurtheilt, bie man fur die Seinen gehalten, dieſe ſähen heut in der nachbarlichen Stadt, deren Thuͤrme ſich dort ſchön wnen Execution ent⸗ gegen.“ „Mein Weg fuͤhrt mich dahin,“ ſprach der Reiſende, mit dem Gefuͤhl innern Mißbehagens; „könnt Ihr mich begleiten, junger Mann? ich „„werd' Euch eure Mähe lohnen!“ „Ich Se keines Lohnes,“ antwortete der Hirt, in deſſen Antlitz etwas Höheres zu liegen ſchien, als ſein Stand und ſeine Klei⸗ dung verkuͤndeten. „Auch ich will ſie haͤngen „ſehen, doch zuvor fuͤr die änvertraute Heerde „ſorgen.“ Der Deutſche ſprach, indem er ihm ſeine Flaſche reichte: „So trink n einen „Scue Wein mit mir!“ Der Ungar that Beſcheid, pfiff dann durch die Finger und gab einem Hirtenknaben, welcher darauf ſogleich den Huͤgel herauf ſprang und den Hund an ſich rief, den Auftrag, die Heerde zu bewachen, indeß er in der Stadt die Hin⸗ nichtung mit anſehen wollte. — „Sis mili co „ — — — in deren Augen Muth und Kraſt gühie dem er ihm aus der Lururſche ein Brod eict und mit einer gewiſen welcher wohl wußte, daß der (he gekränkte Vertrauen bitter raͤcht, ſete S . Zoͤzern, zumal er ſich bereits in der Gewalt dieſer Hirten und ihres boͤſen Hundes ſah. S gingen ſie auf die Heerſtraß ße. Hier war bereits das regſte Gewuͤhl von zuſtrömenden Ree zu Wagen, zu Roß und zu i Eine ſchoͤne Edeldame lenkte das Dop⸗ pelgeſpann einer koſtbaren Droſchke. Reiter in der reichen Nationaltracht der Cavaliere um⸗ ſchwarmten, auf praͤchtig geſchmuͤckten Sdelroſſen ſich wiegend, den Wagen der ſchoͤnen Amazone⸗ begleitenden Cavaliere der Armen ein Geſchenk — deren xntitz und Geſtalt aue Reie d der ſchönen Rochter dieſes Landes zu vereinen ſchien. Dem Wagen folgte ein Troß Dienerſchaft und hinter hm drängte ſich das Volk, denn je⸗ der ſchien ſich an den Blicken der Da⸗ me en 6 So eben lenkte der Wagen nach einer Wald⸗ ecke hin, als ein armes Bettelweib ſich an ſelbigen andrängte und knieend um eine Gabe bat. Die ſchöne Dame zog, ſchnell die Pferde anhal⸗ tend, den Handſchuh aus, nahm die Geldbörſe in die Hand und warf der Bettlerin einen Du⸗ caten zu. Dies ward die Looſung, daß jeder der gab, denn Keiner wollte in den Augen der hol⸗ den Mildthätigen herzlos und hart erſcheinen. 5 —— — 9 — Alles dies war bu Werk einiger Augen * ke. Raſſelnd ſog der Wagen wieder ü ieſel des Waldweges weiter. Wagen ritt ein ſtattlich ſoner Wenn auf ei⸗ nem edlen Ungarroſſe und ſchien von der Grä⸗ fin — denn dies war die Schöne, die bis jetzt un⸗ ſere Aufmerkſamkeit feſſelte — keine Rotiz zu men. Er trug die ungariſche Nationaltracht, welche wohl eine der ſchönſten Europas iſt. Se ſchoͤn ſtand dem gebraͤunten Geſichte der Schnurr⸗ bart, dem man es wohl anſah, daß er ein Ge⸗ genſtand der ſorafaͤltigſten Pflege war. In den Augen des jungen Reiters war ein ſtiller Kum⸗ mer zu leſen, ja auf der jugendlichen Stirn hatten — ſo bemerkte es der junge deutſche Wanderer, als er auf den engen Waldwege nahe bei ihm vorbeiging — die Sorgen bereits einige Furchen gezogen. Plötzlich bemerkten Beide zugleich auf der Erde etwas Glanzendes. In demſelben Augen⸗ ter die — 10 — bicke, als der Deutſche zugreſfen wollte, ſprang der Ungar vom Roß und hob, waährend unſerer Wanderer ſein Halbpart ausrief, einen glän⸗ zenden Brillantring auf. Schnell ſchweang er ſich wieder aufs Roß, betrachtete den Deut⸗ ſchen mit gutmuͤthigem, wohlwollendem Antlitz, und ſprach: „Auch Dein Auge, junger Fremd⸗ „ling! ſah den Fund, den ich der jungen Gräfin „wiederzugeben eile; Di gehört ein Theil ihres „Dankes, in ihrem Ramen will 4 ihn Dir ge⸗ „ben; hier inm Er xeichte ihm mehrere Ducaten und ſchwang ſich ſchnell wieder aufs Roß, welches nun im ſauſenden Galopp dem Wagen nacheilte. 3. * „Wer war dies?“ fragte der Wanderer den Hirten, ſeinen Begleiter. — „Ein Ungar, ein Edelmann, wie ich,“ ——— antwortete dieſer. „Wir nennen ihn nur den „ſchoͤnen Georg. Er hauſ't in den Gebir⸗ „gen, iſt bald hier, bald dort zu ſehen, wohl⸗ „thätig und brav, ſtolz und gutmüthig, hüft „den Armen, wo er kann, zůchtigt aber den „Hartherzigen. Seine Säbelkünge iſt ſcharf, „ſtark ſein Arm, feurig ſein Muth und gut ſein „Herz. Es waren meinem Ohm, einem Land⸗ „wirth im Gebirge, einmal einige Roſſe von „der Weide entwendet worden. Ueberall ſuchte ich, „da der Alte nicht mehr fort konnte, ſelbige, „aber vergebens. Da traf ich den Cavalier und „klagte ihm meine Noth. Er lächelte, gab dem „Roſſe die Sporen und des andern Morgens „brachte ein ſlaviſcher Knecht die Roſſe zuruͤck. „Da gab's Freude in meines Ohm's Hauſe und „wir tranken des wackern Mannes Geſundheit.“ „Das vergeſſe ich ihm nicht, und braucht „er meine Hand und meinen Säbel, ſo ſtehe „ich ihm als Edelmann zu Dienſten.“ Bei dieſen Worten funkelte in den Augen des jungen Hirten das Feuer jenes edlen Nati⸗ onalſtolzes, welches den Ungar charakteriſirt und 6 ſo wohl kleidet. Der junge Deutſce, der ſeinen Begleiter in der kurzen Zeit recht lieb gnen hatte, ſprach zu ihm: en Te Nobilem!“ (ich grüße dich as Edelmann), und reichte ihm die Hand. — „Saluto bospiten“ lch gruͤße dich als Gaſiteun), antwortète dieſer, den Händedruck erwiedernd und fuͤgte die Worte: „Amicum agnosco“ (ich erkenne den Freund)! hinzu. „Ja,“ ſprach er hierauf: wunderſt dich uͤber meinen Anzug und Stand, und zweifelſt — ich leſe es in Augen — an meinem Adel.“ „Engherziger Deutſcher! nicht das Kleid, „der Muth und die Trene macht in Ungarn „den Edelmann. Das kurze Hemd und die mit „einem Lederguͤrtel befeſtigte leinene Gatje (eng „anliegende Hoſe) kann ſo gut ein edles Herz „decken und das een des Stbels S „als Eſterhazy's unermeßliche Reichthoͤmer „und Erdoͤdis Gold und Ruhm. Wiſſe es, „Fremdling! und erkenne es: Ungarns Adel „iſt ſich gleich, er erkennt und dient nur einem „Herrn, dieſer iſt ſein Herr und Koͤnig, „der des Adels Rechte zu erhalten eidlich an⸗ „„lobt. „Wir ſind geborne Soldaten, ſind „ſchuldig, das Land und unſere Vorrechte mit „Gut und Blut zu vertheidigen. Dafür kann „nur der Adel das Land regieren und ver⸗ „„walten; kein Edelmann aber darf auch ohne „vorhergegangene gerichtliche we⸗ „der an ſeiner perſoͤnlichen Frei an 8 „ſeinem Korper durch an „ſeinem Vermoͤgen angegriffen werden. Er iſt „geſchuͤtzt gegen den Zorn des Richters, und „kann nur unter dem Schwerdte verbluten, „während der Buͤrger oder Bauer S es Sne wird.“ — „Sben heute iſt Epecution einiger ſolcher „Delinquenten; darum iſt das Drängen und „Laufen des Volkes nach der Stadt ſo groß. „Die Miſſethäter ſollen zu des großen i Raubers Schobri' 5 „Bende Iſt dem wirklich ſo, ſo iſt mir „ihretwegen nicht bange. Es waren drei gefangen, „der eine, ein Edelmann, ſoll weniger gravirt „ſeyn und iſt durch Fuͤrſprache frei gekommen; zwei aber gehoͤren zum Plebs, die will man „aufhaͤngen. Gott ſey den armen Suͤndern „gnädig, wenn ſie nicht dem Schobri ange⸗ „horen.“ „Horch! es ſchlaͤgt ſieben Uhr. Laßt uns „raſcher gehen! Wir muͤſſen eilen, nach der „Stadt zu kommen. — Kommt!“ — 15 — „Fremdling! Ihr ſeyd mein Gaſtfreund und „kehrt mit mir in einem Wirthshauſe ein. Mit „Euch will ich aufs Wohl der ſchönen Dame „und des wackern Magyalen, der Euchl ſo groß⸗ „muͤthig beſchenkt hat, ein Glas edlen Tokai⸗ „erweines trinken. — Was zaudert Ihr noch?“ „Ach, ſeht! da nahen mehrere Einwohner „aus meinem Orte. Sie ſind alle Edel⸗ „leute! An die muͤſſen wir uns anſchließen⸗ „denn mit dem Plebs zu gehen ziemt ſich „nicht.“ „Unſere Voreltern“, fuhr er geſchwätzig fort, „wurden vom König Ladislaus geadelt.“ „Der Monarch fuhr einſt nach Dalmatien⸗ „Regenguͤſſe hatten den Weg zerſtoͤrt, und ein „Vorſteck⸗Nagel war aus dem Wagenrade des „königlichen Wagens gefallen. Ein Platzregen „ergoß ſich in Stroͤmen; der Koͤnig konnte we⸗ „der vorwärts noch ruͤckwaͤrts. Schon drohte „der ſchwellende Bach, der uͤber den Weg floß, — eine Bruͤcke abzuſchwemmen und die Straße „gaͤnzlich unfahrbar zu machen — hier war des „Koͤnigs Leben in groͤßter Gefahr — da erſchien „mein Urgroßvater; er war ein Burger „des nahen Stäͤdtchens und ein Magyar. Er „kannte die Gefahr. Da ein Nagel in der „holzloſen Gegend nicht zu bekommen war, ſo „half ihm mein Urgroßvater aus der Verlegen⸗ „heit, indem er ſeinen Finger an die Stelle „des Nagels ſteckte und eine große Strecke ne⸗ „ben dem Wagen herlief. Sein Finger brach, „eben als ſie an die Brucke kamen; dennoch trug „mein Vater den Koͤnig uͤber die ſchwankende „Bruͤcke. Kurz darauf ward die Bruͤcke wegge⸗ „ſchwemmt; der Wagen verſank, doch der Koͤ⸗ nig war gerettet. Unſer Ort nahm ihn auk. „Dafuͤr hat denn der Koͤnig ihn und alle Be⸗ „wohner des Dorfs zu Edelleuten gemacht „und meinem wackern Urgroßvater als Wap⸗ „penkleinod einen Radnagel gegeben. Sei⸗ „ne Enkel wurden arm, aber der Stolz „iſt uns geblieben.“ „ Mit dieſen Worten, die er im Gefuͤhl ſei⸗ nes Nationalſtolzes ausſprach, hatten ſie die Bewohner des adeligen Dorfes erreicht. Der Hirt ſtellte ihnen den Fremdling als einen Gaſt⸗ freund vor, und Alle gruͤßten ihn nun mit Haͤndedruck und Freundſchaftsgruß. Ihre Schritte verdoppelten ſich und bald hatten ſie die Stadt erreicht; ein Gaſthof vor derſelben offnete ihnen ſeine Thore. 5. „Hiet muß der Zug voruͤber!“ ſprach der Hirt; „hier laßt uns verweilen und „„auf das Seelenwohl der armen Suͤnder trin⸗ en Wir wollen ein Stuͤck Brod mit einan⸗ „der eſſen und Ruſter trinken. Du biſt mein „Gaſt!“ Mit dieſen Worten traten ſie in den Gaſt⸗ hof ein. ——— Schobri. — 18 — Es war ein Leben im Wirthshauſe, daß keiner ſein eigenes Wort vernahm; denn Stim⸗ men und Mundarten nicht nur Ungarns, ſon⸗ dern auch der Nachbarlaͤnder hoͤrte man hier. Magyaren und Bulgaren, die ſchoͤnen Abkoͤmm⸗ linge des kaukaſiſchen Stammes, Cumanen, Slawaken und Ruthenen, denen der Sklaven⸗ ſinn auf das blatte breite Geſicht gedruͤckt war, Wallachen und Juden, Armenier und Franzo⸗ ſen, Deutſche und Raitzen aus Siebenbuͤrgen hatten ſich, da eben in der Naͤhe ein großer Markt war, in den bunteſten Gruppen im Hauſe zuſammengedrängt, während im Vorhofe mehrere Zigeunertrupps ihr Weſen trieben. Alle Sprachen und Mundarten der Voͤlkerſchaften tönten im Wirwarr durch einander; die Spre⸗ enden wurden immer lauter und lauter, je mehr der edle Ungarwein ihre Gemäther erhitzte. Unſer Reiſender und ſein Gaſtfreund ſetzten ſi ſich an einen Tiſch, wo bereits einige Edelleute ei⸗ nen Kapuziner mit köſtlichem Tokaier und Paprica/Ragont traktirten. Rings umher hatten ſich die bunteſten Gruppen der Gäſte geſtelt und gelagert. Das Geſpraͤch galt den heuti⸗ gen Delinquenten und dem Hauptmann der Rauberbande, zu welcher ſie gehoͤren ſollten⸗ 5. „Nun, dieſe haben wir feſt, und ſie wer⸗ „den an der Hanfkrauſe erſticken, ehe das „Fleiſch kocht, das die braune Martha, die „eben jetzt bei uns mit dem Kochtopfe voruͤber⸗ „geht, in den Ofen ſetzt. Schade, daß ich „nicht dabei ſeyn kann; ich bin diesmal nicht „dazu befehligt.“ So ſprach ein breitſchultri⸗ ger Kerl, welcher zu der Claſſe der Gerichts⸗ frohne gehoͤrte, welche eine gewiſſe Grauſam⸗ keit und Mordluſt niemals bergen können und die in ihrem Berufe nur zu oft im Herzen wie in Sitten ganz verwildern. V „Wollen wir wetten, daß das Fleiſch ab⸗ — 20 „kocht, ehe ſie gehaͤngt ſind,“ fiel dem Spre⸗ cher ein bildſchoͤner junger Mann, der die reiche Livree eines ungariſchen Edelmanns trug, ins Wort. 6 „Ja, um's Fleiſch,“ rief der Großprahler, „und um drei Bouteillen Tokaier,“ ſetzte der Diener hinzu. Die Wette war abgethan und der Wirth nahm an derſelben Theil. „Ich bin neugierig, wer gewinnen wird,“ prach einer der am Tiſche ſitenden Ebelleute zu den andern. „Gehoͤren dis Delinquenten wirklich zu „Schobris Bande,“ erwiederte dieſer, „glaube ich, ſie werden gerettet, und wenß ee hat!“ 4 „Laßt uns lieber für ihr Seelenheil „ten!““ erwiederte der Kapuziner. „Ich eile „in die Stadt, um ihnen, ehe ſie zu einem „hohern Richter eingehen, der mehr auf die — „Veranlaſſung der That, als auf die That „ſelbſt ſieht, den letzten Troſt zuzuſprechen⸗ „Der Strang, der ſich um ihren Hals ſchlingt, „verſchließt ihnen die Quelle dieſes Lebens, „waͤhrend er ihnen ein neues eroffnet, das un⸗ „ſer Gebet und die Spende frommer Chriſen „nach der Laͤuterung des Fegefeners auch fuͤt „den Suͤnder erquicklich machen kann.“ 8 Bei dieſen Worten ſtand der Kapnziner auf, und verließ die Verſammlung, welche ihn mit Gruͤßen der Ehrfurcht begleitete; — denn feſt hlt der Ungar an ſeinem Glauben und ehrt die Die⸗ ner der Kirche in der Demuth und Einfalt ſei⸗ nes Herzens. — Unſer junger Deutſcher hatte indeß dem Ru⸗ ſterer, den ſein Gaſtfreund, der Hirt, credenzen 2 ließ, wacker zugeſprochen, und auch ſeine Zunge ward belebt. Der Hirt unterhielt ſich indeß recht traulich mit den andern Cavalieren. Sie tran ken ſich Bruͤderſchaft zu, und der v es Einen: — „Salve sis hospess (Fremdling ſei gegruͤßt)! war fuͤr den Deutſchen die Einladung zur Ver⸗ traulichkeit und Gaſtfreundſchaft, die jedem edlen Ungar heilig iſt und bei denſelben Haus und Her⸗ zen eroͤffnet. Ehe er trank, reichten ſie ihm ein Stuͤck Brod, als Zeichen der Gaſtfreundſchaft. „Wer iſt dieſer Schobri?““ fragte unſer „Deutſche jetzt, von dem ich bereits auf meiner „Fußwanderung durch dieſes ſchoͤne und reiche „Land ſo vieles hoͤrte. Wo ſtammt er her?“ „Iſt's ein zweiter Rinaldini oder nur ein ge⸗ „meiner Raͤuber und Wegelagerer, dem die „Sage die Abenteuer alter Raͤuberromane an⸗ „dichtet, und den nur die Furcht groß macht?“ . „Viel Fragen auf einmal!“ antwortete jetzt der Cavalier, indem er der Wirthin den geleer⸗ ten Weinkrug mit den köſtlichſten Thränchen ihres Fellers von Neuem zu fuͤllen gebot und * Deutſche. — den gefuͤllten herumgehen ließ. „Wiß ' „Fremdling:“ „Der Schobri iſt das Raͤthſel und das „Geſpräch des Landes geworden. Er iſt üͤber⸗ „all und nirgends, kommt und vergeht wie ein „Meteor, tritt kuͤhn in die Kreiſe ſchmaußen⸗ „der Praͤlaten und in die Jagdreihen des Adels. „Oft erſchien er bei den Feſten und Tanzgela⸗ „gen, ſchmuck und ſchoͤn und in einer Haltung, „die die Natur dem Edelmann allein giebt. Er „eroberte ſchon manches Maädchenherz, und das „Feuerauge der Edelffraͤuleins ruhte wohlgefallig „auf ſeinen ſchoͤnen Formen, waͤhrend die eitle „Buͤrgerdirne ſich gluͤcklich fuͤhlte, mit dem ſcho⸗ „nen jungen Mann im ungariſchen National⸗ „tanz die Reihen anzufuͤhren. Ueberall iſt er „hier der Erſte, und die Muſikbanden ſehen „ihn gern, denn er zahlt gut, und wo er iſt, „da ſtroͤmt der Wein.“ — „Hat er gemordet?“ fragte jetzt der „Nein,“ erwiederte der Ungar, es iſt da⸗ „von nichts bekannt und ſelbſt ſeine Feinde 3 „können keine Thatſachen angeben. — „Aber was iſt ſein Verbrechen?“ ſuhr der „Frager nengierig fort.“ — „Er will die Glucksguter gleich machen, und „bittet ſich deshalb die Rentencaſſen in naͤcht⸗ „lichen Beſuchen aus.“ „Er weiß die ſchoͤnſten Roſſe reicher Cava⸗ „liere aus den gewoͤlbten Ställen ihrer ſtolzen „Schloſſer hinwegzuzaubern. Ungebeten naht „er dem reichen Beamten, der von dem Schweiß „des Volkes praßt, und theilt ſeinen ueberftuß, „während ſeine Haͤnde reich fur Arme ſpenden. „Er uͤberraſcht den reichen Juden und den li⸗ „ſtigen Griechen, wenn ſie mit Gold beſchwert „auf die Meſſen reiſen, und, ſind ſie in ſei⸗ „nen Haͤnden, ſo haben ſie nur die Wahl, entwe⸗ „der ſein Geleit theuer zu bezahlen, oder ihre „Schaͤtze mit ihnen zu theilen. 1 „hüft nichts! 1 — „Oft wenn er allein ſchien und Jene Ge⸗ „genwehr verſuchen wollten, pfiff er durch den „Finger, daß es in Flur und Walde wieder⸗ „gellte. Gleich krächzenden Rabenſchwärmen „eilten die Seinen herbei und nun ward ge⸗ „knebelt und Alles genommen. Wenige Tage „darauf hoͤrte man, daß eine arme Familie „„von unbekannter Hand unterſtuͤtzt wurde, daß „die Waiſen an der fuͤrchterlichen Cholera ver⸗ „ſtorbener Eltern Erziehungsgeld erhielten, daß „Klein⸗Kinderlehranſtalten beſchenkt wurden, „oder ein armes Mädchen ausgeſtattet ſei, und „tauſend andere ſtille Wohlthaten. Wenn man „forſchte, ſo verlor ſich die Forſchung in einer „Huͤtte oder in dem Palaſt eines Magnaten.“ „Der kuͤhne Raͤuberhaͤnptling iſt uberall „und nirgends; bald ſeht ihr ihn im Schmuck „des ſchonſten Cavaliers, bald im Dienſtkleide des „Rathmanns, bald als Hirt oder untet dem „Schmutze des zerriſſenen Zigennermantels; er „weiß die Mienen ſeines Antlitzes zu ändern, . — „nur ſein Ange kann nicht taͤuſchen, denn in „ihm flammt Kraft und Muth, und eine ge⸗ „wiſſe Gutherzigkeit, die ſelbſt das wilde Räu⸗ „berleben nicht vertilgen konnte.“ — „Wenn er ſo iſt,“ erwiederte der junge deutſche Maler, den bereits der Tokaier zu be⸗ rauſchen begann, „ſo iſt er auch im Raͤu⸗ „berkleide ein braver Mann.“ Bei dieſen „Worten erhob er den Becher und rief: „Er ſoll leben!!“ — „unbeſonnener Juͤngling,“ ſprach der Edel⸗ mann, „bemerkte Dich jetzt das Spaͤherauge „„der Polizei, ihr Argwohn wuͤrde Dich fuͤr ei⸗ „nen ſeiner Spione halten, und leicht könnteſt „Du, da Du weder Edelmann noch Buͤrger ei⸗ „„ner koͤniglichen Stadt biſt, ſchon Morgen bau⸗ „meln. Sey vorſfichtig und klug. Lerne „in Unzarn Deine Leidenſchaft und Deine „unge beherrſchen, daß Dir nicht die Ge⸗ „ſchwätzigkeit ſchadet.“ In dieſem Augenblicke ward es an der Thuͤr lebendig. . 6. „Die Polizei kommt!“ riefen Einige, und wirklich traten jetzt zwei baumſtarke Maͤn⸗ ner, die ſich während des Geſprächs in den Hof geſchlichen hatten, herein und ſprachen: „Wir „ſind von der S Stadthauptmannſchaft beordert. „und befehligt, jeden verdachtigen Fremden oder „Einheimiſchen feſt zu halten, denn der Haupt⸗ „mann der Bande ſchweift hier herum. Schnell faßte der Eine den Derſchel in die Augen⸗ „Wer biſt Du?“ fragte er. — — Ein Frembling, mein Gaſtfreund!“ antwortete fr ihn der Hirt. — „So geht Ihr miteinander,“ rief der Die⸗ ner der Juſtiz. — „Wenn's mir beliebt,“ antwortete dieſer; „Ich bin Edelmann! wehe dem Schergen, der „es wagt, ſeine ſchmutzige Hand nach mir „auszuſtrecken!“ — „Da geht wenigſtens der Deutſche mit,“ antwortete der eingeſchuchterte Diener der Ge⸗ eeechtigkeit. Aber indem er eben im Begriff war, den jungen Deutſchen zu faſſen, zog dieſer, ohne zu erblaſſen, mit hellen, vom Muthe ſtrahlen⸗ Augen ſchnell dem neben ihm ſitzenden Evet mann, ſeinem Gaſtfreunde, den Pallaſch aus der Scheide und ſtuͤrzte, denſelben hwſoningett, ſc ſeinen Feinden entgegen. Bald ward er uͤbermannt; denn einer der 1 Schergen warf ihm eine Schlinge über den Hals. In dieſem Augenblick aber erſcholl ein heller, durchdringender Pfiff durch das und die Wirthsſtube. b, Niemand wußte woher er kam. — Alle fuhren erſchrocken unter einander. Es entſtand ein allgemeines Getuͤmmel. — Die Diener der Juſtiz wurden hinausge⸗ draͤngt. Der Hirt zerſchnitt mit einem Meſſer den Strang, der dem deutſchen Juͤngling uͤber den Hals geworfen worden war, und ſprach: „Cau- „tus esto, hospitalitas te salvum reddidit,“ O. h. ſei wiſi die Gaſtfreundſchaft hat dich gerettet)! „Jetzt flieh mit mir; die pfeide des Edel⸗ „„manns ſtehen in unſter Gewalt. Er will „nicht, da Du mit ihm von ſeinem Weine tran⸗ „keſt, und von ſeinem Brode aßeſt, daß Du in „ſeiner Gegenwart in Gefahr ſeyſt.“ — So e ihn der Thuͤre zu; abe immer größer und größer wurde im Hofe und in der Straße das Getuͤmmel; das Volk wogte in bun⸗ ten Maſſen daher. Einzelne Rufe in allen Zungen wurden ver⸗ nommen; man hoͤrte das Klirren der Sabel einzelner Reiterſchaaren, und das Getoͤſe der Bajonette eines Infanteriepiquets, welches bald indem es einen Mann aus der Volksmaſſe her⸗ ausreißen i mit dieſer in blutige Rauferei gerieth. Schon wirbelte die Trommel, ſchon ſchmet⸗ terte die Trompete groͤßerer nacheilender Mili⸗ taͤrcommandos. Die Lärmkanone, welche ge⸗ woͤhnlich die Flucht eines Deſerteurs anküͤndet, hallte eben von den Waͤllen der Stadt, da ſprach der Hirt erblaſſend: „Nun iſt jede Ret⸗ tung verloren! es muß etwas Außerordentliches geſchehen ſein und der Verrath ſein arges Spiel getrieben haben; laß uns unſer Leben cheuer verkaufen, denn gewiß ſuchen ſie auch mich und Dich.“ — — 31 — Bei dieſen Worten nahm er aus den Un⸗ terkleidern zwei Terzerole, gab eins dem Deut⸗ ſchen und ſprach: „Faſſe Deinen Mann, noch haben wir Freunde, die uns beiſtehen.“ — „Die habt ihr!“ rief plotzlich ein haͤßli⸗ ches Zigeunerweib in ihrer Sprache, welche waͤhrend des Getuͤmmels eingetreten war; aber diesmal habt ihr Sotgen ohne Noth!“ — „Wie ſo, Alte? halte uns nicht auf; e gilt das Leben,“ ſprach der Hirt. „Seid ohne Furcht,“ erwiederte ſie, „nicht „Euch ſuchen ſie, ſondern die Delinquenten, „die ſo eben auf dem Wege nach dem Galgen „entflohen und wunderbar gerettet ſind. Hoͤrt 6 „nur und eilt nicht ſo ſtraks von dannen!“ „Mitten unter den Zuſchauern, in den „Kreiſen des Adels, will man den Haupt⸗ „mann entdeckt haben, und ſieh! die Militaͤrs „wenden ſich von der Hauptſtraße ab; dorthin „geht ſeine Spur, dort ſuchen ſie ihn. Ihr „ſeyd ihnen zu klein; fuͤrchtet Euch aber, ſo mit mir!“ — „3ch danke,“ ſprach der ihr ein 6ut⸗ ſtuͤck in die Hand cend. Das Weib nahm es nicht an, und ſi mit einem bedeutungsvollen Lächeln, in welchen ſich Spott und Gutmuͤthigkeit zu vereinen ſchien: „Von Euch nehm ich nichts, wir ſind ja „Kameraden, jetzt reitet ruhig von dannen und „kommen Euch die Huſaren auf die Spur, dann „findet ihr Schutz bei der alten Zigeunermut⸗ „tér, deren Sii ja auch 6 den Euetn „iſt!“ Die letzten Prrte ſprach ſie ihm leiſe ins Ohr; der Deutſche vernahm ſie aber und er⸗ blaßte, denn er e nun, daß der Hirt unter ber Bande war. — „Fürchte nichts,“ ſagte n der Hüt, deſ⸗ ſen dſſteunbichen Geſnnngen ſch in ſeinem — — Antlitz abſpiegelten; „keinen zwingen wir, ſich „mit uns zu verbinden, aber wer ſich unſerm „Schutz vertraut, der iſt geſchuͤtzt; denn das „uns in Schutz gegebene iſt uns n „Willſt Du von mir fliehen, ſo biſt Du verloten; „Verraͤther ſind ringsum, der Verdacht wuͤrde „Dich erreichen, und die ſchnelle Juſtiz koͤnnte „bald Deinen Mund verſtummen machen. Du „aßeſt auch von meinem Brode, Du trankſt von „meinem Weine, und mein Leben buͤrgt fortan „fuͤr das Deine, laß uns noch einen Imbiß „nehmen, trinken, und dann ruhig fortzie⸗ hen Bei dieſen Worten nahm er vom Tiſche das Brod, gab ihm und der Zigeunermutter ein Stuͤck davon und dann fuͤllte er den Becher mit Wein; alle tranken daraus, zuletzt trank die Zigeunerin und ſprach, die braune dem Jünglng reichend, und ſie kräftig druͤckend: „Blanker J Junge, fuͤrchte nichts, vin „Du unter meinem Schutze!“ — S chobri. 3 — Bei dieſen Worten nahm ſie ihn bei der „ . und fuͤhrte ihn, indeß der Hirt den Wirth zur Thuͤre heraus. Der Hirt folgte, und bald miſchten ſie ſich in eine wogende Volksmaſſe, welche, von der Straße ſich abwendend, den Gebirgen zu eilte. Während ſie an einigen Dörfern voruͤber wanderten, hatte ſich die Landesart unvermerkt geaͤndert. Die Doͤrfer an den Rebenhuͤgeln, auf die ſie ſtießen, waren nett und fein, und boten mit ihren blendend weißen Giebeln, bun⸗ ten Fenſtern und Thuͤren, ein maleriſches, rei⸗ zendes Anſehn dar. Hier war Luſt und Leben, und die Schenk⸗ ſtuben hallten von volltönenden Nationalgeſän⸗ gen, in denen ſich der Stolz und die Vitet landsliebe ſo rein ausſpricht, wieder. — 5 Anders war es in den Doͤrfern, die hier an der Grenze des Gebirgswaldes ſtanden. Vor einigen derſelben ſtand eine hoͤlzerne Saͤule, woran eine blecherne Hand mit einem Schwerte befeſtigt war; ſie bezeugte, daß dem Orte das Blutgericht zuſtehe. Dieſe Doͤrfer beſtanden aus engen, ſchmu⸗ zigen, vom Rauch geſchwaͤrzten Huͤtten, in wel⸗ chen der nackte Boden zugleich Heerd, Schlaf⸗ ſtelle und Tiſch vertrat, und wo oft Jahre lang die Hausftau mit den erwachſenen Töchtern allein wirthſchaftet, und Feld⸗ und Viehwirth⸗ ſchaft betreiben muß, während die Männer mit Hlitäten und Arzneiwaaren in fernen Landen ihr mhſames Brod ſuchen, oder als Vieheaſtrirer umherziehen, im Auslande ſich den Biſſen von Munde darben, um nur Etwäs ins Haus zu. ruͤck zu bringen. . he weiter unſte Reiſende in den G ebirgs⸗ wald hineintraten, wo hochbeſtandene Eichen und ulmen ein melancholiſches Dunkel verbreiteten, deſto unwirthlicher ward die Gegend. Sie nahten jetzt einem Bache, der uͤber Fel⸗ ſich ergoß und fern dahin ſtroͤmte. Mehrere geraͤumige Höhlen, die ſich in den Felſen befanden, gaben dem Fuͤhrer Veranlaſ⸗ ſung, den deutſchen Juͤngling darauf aufmerkſam zu machen, daß hier oft ganze Familien armer Leute, Jahr aus Jahr ein, wohnten, und den Winter ſich hier, wo man nur Baͤre und Men⸗ ſchenſcheue Dachſe ſuchen ſollte, verkroͤchen. — „Die nhee gluͤht,“ ſprach jetzt der Ungar; vor Verfolgung ſind wir nun ſicher und in den Wald wagt ſich die Polizei nicht, laß uns ruhen, und einen Imbiß nehmen. — „Sieh! dort in der Hoͤhle an der Maleiche „lagert ſich das Volk; eine Zigeunerin bietet da „Slivowitz *), Speck, jungen Wein und Brod „feil. Laß unter die Menge uns miſchen, und „hören, was es gab, ich kehre heut' zu meiner „Heerde nicht zuruck, ſie iſt unter guter Obhut und „meine Pflicht iſt es, Dich Fremdling zu ſchutzen.“ Sie nahten ſich der Volksgruppe. Hier ſprach man von der räthſelhaften Befreiung des Verurtheilten, und von einem andern derſelben Bande, dem die Todesſtrafe ge⸗ ſchenkt worden war. Die wunderbarſten Zufälle wurden gihl. die Phantaſie eines jeden vergroßerte ſie, malte ſie aus. — Der Eine wollte die Niſſethaͤter in dem Wagen der ſchoͤnen Gräfin geſehen ha⸗ ben, der andere behauptete: Schobri, hätte, . 8) Pflaumenſchnaps, ungatiſcher Natisnaltrant. 5 — als Magnat gekleidet, dem Oberrichter einen falſchen Begnadigungsbrief eingehändigt. Alle aber waren froh, daß ſie gerettet waren. „Wir ſind arme Leute,“ nahm ein alter Mann das Wort, „uns koͤnnen Schobris Leute „nichts nehmen, aber Manches haben ſie uns „ſchon gegeben. Ihrer Fuͤrſorge haben wir es „beſonders zu danken, daß uͤbermuͤthige Unter⸗ „beamte uns nicht noch das Letzte neh⸗ „men. Der hohe Adel des Landes,“ fuhr er fort, „iſt hochherzig und mitleidig, aber er lebt „großtentheils in der Hauptſtadt, uͤberläßt die „Verwaltung der Guͤter ſeinen Leuten; dieſe „wollen viel einnehmen, noch mehr für ſich be⸗ „halten, und machen den Herren weiß, daß ſie „der Unterthanen Beſtes wollen, — ja wohl „wollen ſie's, aber nur fuͤr ſich. — Denen da „geſchieht ganz recht, wenn ihnen Schobri „uͤber den Hals kommt. Nun, ſo ſehr ſie ſich „auch bemuͤhn, ihn zu fangen, ſo bald wirds „nicht geſchehen. Er verſteht mehr, wie Brod — . „eſſen, und, glaubt mir! er hat die ſchwarze „Kunſt erlernt, kann frei Kugeln gießen, und „ſich unſichtbar machen. Unſichtbar kam er „in den Kerker der Delinquenten, verwandelte „ſie, wer weiß, ob in eine Fliege oder in eine „Maus, und ſo entkamen ſie. Einer iſt von „der Todesſtrafe frei, ich weiß nicht welcher. „Wohl ihnen!“ „„Ich habe einen Schweſter⸗Sohn da⸗ „bei, einen guten braven Jungen, der nur des⸗ „halb zum Räuber wurde, weil ihn der Rich⸗ „ter des Gutes, wo er treu diente, aus falſchem „Verdacht, unbarmherzig pruͤgeln, und in den „Bock ſpannen ließ. Drei Tage darauf da „ſeine ſchoͤne Schweſter nicht zum Richter kam⸗ „und die Strafe erneuert wurde, brach er ſeine „Ketten und floh zu den Raͤubern. Kaͤme „er jetzt, ich wollte ihn empfangen, wie ein ſe ſeinen Sohn empfaͤngt.“ „Wir alle wuͤrden ihn bruͤderlich zrihen⸗ erwiederten die um ihn her Stinze 1 Da nahm ein junger ſtarker Burſch das Wort: „Wehe dem, der es wagen wollte, ihn uns zu „„entreißen.“ — „Als Gaſifreund wuͤrden wir ihn aufneh⸗ men und vertheidigen,“ erwiederte die Menge. „Wirklich?“ ſprach eine Stimme hinter ihnen. — Sie blickten um ſich. — Ein Kapuziner hatte dieſe Worte ge⸗ ſprochen. Eben wollte ſich der alte Sprecher ihm nahen und den frommen Vater mit jener Eehrſurcht, die der fromme Ungar gegen alle ſei⸗ ne geiſtlichen Herren im Herzen traͤgt, kuͤſſen, da ſprach der Kapuziner: „Kennſt Du mich denn auch wirklich, Alter?“ Dieſer blickte ihm ins Auge, und rief mit der Stimme des Erſtaunens: 5 „Heiliger Gott, das iſt der Delinquent! „„das iſt mein Vetter Jobs, der dem Galgen „entging! Jetzt Bruder, umgebt ihn und ſchutzt „ihn!!“ — — „Ja, das wollen wir!“ riefen Alle, die Stoͤcke ſchwingend, und ihre Haͤnde, wie zum Schwur, erhebend. „Jetzt erzähle, Du biſt unter Freunden.“ 6 Wer Brod, oder noch einen Trunk in der Flaſche hatte, reichte ihm ſelbigen und nun mußte er ſich ſetzen und erzählen. „Laß auch uns dem innern Kreiſe na⸗ hen,“ ſprach der ungariſche Hirt zu dem Deut⸗ ſchen; „mitten unter der Menge ſind wir am „ſicherſten, und aus einer ſeiner Thaten wirſt „Du den Schobri kennen lernen. Bald viel⸗ iecht iſt es Dir vergoͤnnt, ihn von Anzeſe „zu Angeſicht zu ſehen.“ — Sie gingen in den Kreis. Hinter ſelbigem ward ein Wachfeuer angezundet, einige Wachen ausgeſtellt, und nun begann der Delinquent, nachdem er ſich mit Trunk und Imbiß mbglicht u hatte, die Etzählung ſeiner Rettung. „Ich war verurtheilt. Verrath des Haupt⸗ „manns haͤtte mich frei gemacht, aber ich ſchwieg, „denn ich wollte lieber zehnmal ſterben, als „den verrathen, der mein Wohlthaͤter wurde, „und der es nicht zugiebt, daß einer aus ſei⸗ „ner Bande mordet.“ * „Die Worte des Todesurtheils warfen „mir eine plotzliche unnennbare Angſt ins Hetz. „Ich ward abgefuͤhrt; noch 16 Stunden ſollte „ich leben, und eine bange Nacht in den Qua⸗ „len der Todesangſt durchwachen.“ „Ein Prieſter kam und troſtete mich; ach! „die Worte des Troſtes trafen nur das Ohr „und nicht das Herz — das Gebet, das ich „nachſprechen mußte, war nur ein Gepläͤrre der „Lippen.“ „Der Geiſtliche verließ wich - 43 2 „Ein blaſſer hagerer Mann, in deſſen Auge „ſo etwas Unheimliches, Wuͤſtes lag, trat jetzt in „das arme Suͤnderſtuͤbchen. Ihm folgte ein „baumſtarker Kerl, welcher Wein und Speiſen „trug, und ſelbige auf den Tiſch ſetzte.“ „„Iß und trink!““ ſprach der Mann. „Ich hungerte. — Duftig dampfte mir ein „gebratener Faſan entgegen, und im glaͤſernen „Kruge perlte edler Wein.“ „Aber ein Entſetzen beſiel mich, als ich ſah 3 „daß aus dem Teller, worauf der Braten ſtand, „ein Stuͤck gebrochen war und dem Kruge der „Henkel fehlte.“ „Ich erkannte nun, daß es die Henkers⸗ „mahlzeit ſei, und daß derjenige, der mir ſie „gab, der Mann waͤre, der auf Befehl des Ge⸗ „ſetzes mir den 2geben ſollte.“ „Er mochte meine Blüſſe bemerten, un — 44 — „ſprach, indem er ſeine Hand an meinen Hals „legte, und die Staͤrke deſſelben zu meſſen „ſchien: „fͤrchte Dich nicht, wohl bin ich der, „vor dem Du zitterſt, aber ich verſtehe meine „Kunſt. Mehr als funfzig habe ich ſchon ger „henkt, kurz⸗ und langhaͤlſige Rieſen und zwerg⸗ „artige Geſchoͤpfe, baumſtarke Raͤuber und klap⸗ „perduͤrre Zigeunermütter. Alles beruht darauf, „daß der Delinquent gut gebunden iſt, und „nicht zuckt, wenn ich den Strang an den „Kehlkopf ſetze. Wird die Hitſche ſchnell wegge⸗ „ſchoben, worauf der Delinquent ſteht, ſo be⸗ „nimmt der Strick den Athem und die Beſin⸗ „nung, und ein Schlag, ins Genick in dieſem „Augenblick angebtacht, ſchließt das ſ Himer. . „Er zeigte mir mit der jetzt t pieſen „Schlag, und ein unnennbar widriges Gefuͤhl „durchzuckte mich.“ „Siehſt Du! jetzt wärſt du ſchon todt, wenn „es diesmal Ernſt wäre; ich verſtehe mein Hand⸗ „werk, und was zitterſt Du ſo vor dem To⸗ „de? Als armer Kerl haſt Du — wärſt Du „auch wirklich frei — keine Freuden auf dieſer „Welt mehr zu etwarten, und wuͤrde deine „Strafe in lebenslaͤnglichen Kerker verwandelt, „ſo theilt ſich Dein Leben fortan in Arbeit und „Schmerz; im Zuchthauſe wirſt Du keine an⸗ „dere Muſik hoͤren, als das Knallen der Peit⸗ „ſche, die auf Deinem zerrriſſenen Ruͤcken tanzt. „Auf Deinem Fuß gräbt ſich das Eiſen ein; der Morgen bringt Dir Qual, und die Nacht „giebt dem Ermuͤdeten nur Schmerz.““ 8 „„Drum lerne muthig ſterben!!““ Genirße die Nacht noch! ſieh! ich tödte „nur aus Beruf, und doch folgt mir die Schmach. Niemand trinkt mit mir aus einem „Becher, ißt mit mir aus einer Schuͤſſel, und „im Wirthshauſe ſinde ich den erſtern fuͤr. mich „ohne Henkel; dennoch verſtehe ich zu leben „und theile meinen kargen Lohn mit dem, deſ⸗ „ſen Qual auf Erden ich fuͤr immer ende.“ 46 — n iß und trink!““ — „Bei dieſen Worten trank er mir Su „Ich erhielt dadurch eine ganz eigne Kraft „der Selbſtuber windung und trank; der Wein, „den ich lange nicht genoſſen, gab mir Erquik⸗ „ung. Ich aß; — wahrlich, ich wurde dem „Henker ordentlich gut!“ „Er ſelbſt brachte das Geſpraͤch jetzt auf „den Hauptmann und meinte, er muͤßte in der „Nähee umherſchweifen, man fuͤrchtete ſich, „ihm ſelbſt zu Leibe zu gehen, da einige groß⸗ „muthige Thaten ihm ſelbſt Freunde unter den „Großen erworben haͤtten “ „So vergingen einige Stunden. Der Hen⸗ verließ mich mit traulichem Händedruck und etſpruch mir ein gutes S 4 „3 warf auf's giher; es war heute on friſchem Stroh, und hatte eine weiße — S S „Decke; uberhaupt ſah ich, daß ich von nun 3 3 „an beſſer als ſonſt behandelt wurde. Dem „Tode verfallen, ſuchte man des Lebens letzte „Stunden zu verſchoͤnern.“ „Kurz war mein Schlaf, ich hatte unruhige „Träume, ſah und fuͤhlte meine Hinrichtung. „Eben als mir der Strick den Odem zu neh⸗ „men ſchien, erwachte ich. Ein Prieſter ſtand „vor meinem Lager, der mich folgendermaßen „anredete:“ „Ich komme ſo fruͤh, weil eine Berufsar⸗ „beit in einigen Stunden mich wieder abrufen „ „wird.“ 5 „Jetzt betete ich ruhiger, gelaſſener. Der „Geiſtliche gebot dem Gefangenwärter, mir ei „nen beſſern Wein zu reichen.“ 2 „Er verließ mich mit liebreicher, ſalbungs⸗ „voller Milde.“ „Ich war nun gefaßter; man zog mir das „Armeſuͤnder⸗Kleid an; die weiße Jacke „mit den ſchwarzen Baͤndern warf mich in die „Todesangſt zuruͤck. Jetzt lernte ich beten; die e ſtand vor mir!“ „uf der Straße vurs es indeß ubenb „ger und lauter. Neugierige und Mitleidige „ruͤngten ſich herbei, mich zu ſehen.“ „Der Gefangenwärter öffnete, da ihm die „Hand verſilbert war, das Armeſuͤnder Stüb⸗ „chen und beugte ſich tief und demüthig vor „einem bildſchonen jungen Cavalier, der an „der Hand einer wundervoll ſchönen jungen, 3 „reichgekleideten Edeldame hereinttat, die hm einen Dukaten ſpendete. Die Herrſchaf⸗ 4i nahten ſich mir.“ — Haſt Du, 2 die Dame, „noch 6t „tern und kennen ſie Dein Ungluͤck?“““ — „Ja! rief ich, einen armen Vater, der, mich nun tief gekränkt, dem Tod ent — 49 — „gegen eilt. Cr lebt im nbn c„ „mitate.“ „„So!“ rief ſie mit ſtrafendem Blick. „Ich will fuͤr ihn ſorgen!““ — „Dies ſprach die holde Dame mit jener „Stimme, die aus dem Hetzen zu dem Her⸗ jen geht; der dankende Blick ihres „ſchien ihr Lohn zu ſeyn.“ „Jetztr ichtete dieſer ſeine Augen auf mich; „ein Ruf der Ueberraſchung entglitt meinen „Lippen, ich unterdruͤckte ihn, um nicht Ver⸗ „räther zu werden; denn der Herr, der vor 3 „mir ſtand — den die Dame die von ihm ge⸗ „fuͤhrt wurde gewiß nle cht kannte — war unſer „Hauptmann, wat der S tete. — „Armer Suͤnber, ſey getroſt!“ ſprach er, „kalt und gemeſſen, „vertraue dem, der in „„der letzten Stunde Dein Troͤſter ſ wird⸗ „Leb' wohl!““ Schobri. * * 2 8 5 „Et verließ mich.“ 2 „Bald darauf toͤnte das Armeſuͤnder⸗ Glöck⸗ „chen. Es rief zum hochnothpeinlichen „Gericht, welches diesmal unfern der Richt⸗ 6 im Freien, nahe bei einer einſamen „Feld Kapelle, in welcher die armen Sun⸗ „der ihr letztes Gebet zetiie mußten, ge⸗ Phalten wurde.“ 3 „ch ward hinausgefuhr. Vor mir blitz tzten „die gezückten Saͤbel der escortirenden Huſaren, Hneben mir die blanken Bajonette der Grena⸗ „Von Schritt zu Schritt wuchs die wo „gende Volksmaſſe, und als ich umherblicte. „waren Tauſende um mich. Vor mir ging der „Henker, den Strick in der Hand; neben „mir zwei bewaffnete Frohne. Knechte folgten.“ „Wimmernd tönte das Armeſuͤnder⸗ „Glockchen vom Thufme des Stadthauſes, — 51 „und eine fromme Bruͤderſchaft, welche „ſich der armen Suͤnder liebreich tröſtend an⸗ „nimmt, zog ſingend und betend vor mir vor⸗ „uͤber, um mich am Galgen, den ich ſchon „„auf einer Hoͤhe erblickte, zu erwarten.“ „So erreichten wir die Kapelle.“ „Es war ein warmer Maimorgen, aber „der kalte Todesſchweiß rann mir von 5 „Bruſt und Stirne.“ — „„Halt!“ rief einer der Frehne, ſe „Stab erhebend, der uͤber die andern befeylg „hier muß der arme Suͤndet noch einmal be ten, ehe er riiſtt wird. „Er wandte ſich jetzt zu mir und ſprach: „„„Tritt ein, der letzte Troſt harret Deiner.““ „Ich trat ein. Alle Schrecken des Todes „hatten mich jetzt umfangen; jetzt dachte ich, Hnachdem das Bewußtſeyn aller meiner Sün⸗ „den und Miſſethaten wach geworden war, wie „wird es jenſeits ſeyn!“ „Ich ſchlage meine Augen auf, vuc⸗ dem „Kapuziner in's Antlitz und erkenne in ihm ei⸗ „nen der keckſten und liſtigſten Mitglieder „unſerer Bande.“ — „Ich komme,“ ſpricht er leiſe, „auf Be⸗ „fehl des Hauptmanns, Dich zu retten. „Habe Geiſtesgegenwart, und ſei gefaßt, ſonſt „ſind wir bei verloren! 1 — Schnet zeh⸗ mein Ordenskleid an, um⸗ „huͤlle das Haupt mit nieiner nt ich habe „einen in Anzug.“ „4s geſchah. Wihrend der untn „ſprach er mit dumpfer Stimme, ſo als ob er mich zum S bereitete.“ S Siehſt Du ſprach er jetzt, auf ein Fir ierchen der Kapelle zeigend, „die Kapelle liegt „an einem Felſen an, ihre Hinterſeite iſt nicht — ,— — „hewacht, heb' mich hinauf, daß ich es öffne, „herausſteige und uͤber die Felſen entſihe.⸗ „Du gehſt dann keck heraus und ſagſt „dem Frohne, der arme Sünder wolle „noch einmal fuͤr ſich im Stillen beten. „Sobald Du den Frohn davon in Kenntniß „geſeßzt haſt, ſo wird Dich Niemand an- und „aufhalten; Du draͤngſt Dich dann ſogleich unter „die Menge. Am Strome bei der Bruͤcke ſte⸗ „hen unſere Leute, ſie werden Dir ſchon Platz „machen, und da mehrere Kapuziner unter „dem Volke ſind, ſo werden die Nachſetzenden entdeckt man die Taͤuſchung — nicht wiſe „ſen, wen ſie fangen ſollen.““ „„Nun hebe mich! friſch an's Werk! „Auf Wiederſehen!“““ — „Er ſprang hinaus.“ — „Ich that, wie er befohlen, floh und ſteh „nun gerettet unter euch. Letzt gebt mir zu „trinken! denn ich daͤrſte ſehr.“ — — 54 — Man reicht ihm einen Becher Wein, und indem er ihn an die durſtigen Lippen bringt, ruft er aus des Hetzens T Tiefe: 5 „Es lebe mein Erretter, es lebe „der wackere Hauptmann!“ Alle riefen es nach, und fortan belebte Luſt und Freude die Menge; unter National⸗ geſaͤngen wurde, als der Imbiß genoſſen war, der Weg in das Dunkel des ſchoͤnen Eichenwal⸗ des fortgeſetzt. In der Mitte des Zuges ging unſer Wan⸗ derer neben ſeinem Freunde, der von der Menge mit beſonderer Achtung beehrt wurde, und im Geſpraͤche die erſte. Stimme führte. Da den jungen Deutſchen, der ſich n ſeinen noblen Anzug und ſein ſchmuckes Stutz baͤrtchen auszeichnete, des Edelmanns Gaſt⸗ 1 freundſchaft als Edelmann bezeichnete, ſo wurdeer . erbietung behandelt, denn der Ungar achtet den Stand und die Geburt; und iſt der Hoͤherge⸗ ſtellte nur einigermaßen freundlich und herab⸗ laſſend, ſo wird ihm des Volkes Liebe und Vertrauen zu Theil. mtt Hochachtung, ja man kann ſagen, mit Ehr⸗ —————— —— Je weiter ſie vorwaͤrts gingen, deſto enger und ſchoͤner wurde das Thal. Tauſendjaͤhrige Eichen erhoben ſich und warfen ihre dunkeln Schatten in die ſchaurige Felsgegend. So er reichten unſere Wanderer bergauf ſteigend den 3 Ruͤcken des Gebirges. Eine wunderherrliche Ausſicht bot ſich ihnen dar, denn jenſeits auf der Suͤdſeite eroffnete ſich ihnen wieder ein rei⸗ ches Land, in deſſen fernem Hintergrunde die 6 majeſtätiſche Don au, der Hauptſtrom des ſchoͤnen Ungarlandes, gleich einem Silberſtreif die Augen feſſelte. Die uͤppigſten Wieſen wech⸗ ſelten nun mit dem reichſten Ackerlande, und im Grunde des Waldes, den ein ſilberheller Forellenbach rollend durchſtromte, dufteten die 4 — — wiizen Erbbeeren den Wawn erquickend „Bald ſind wir am Ziele“, ſprach der Hirt, als ſie an eine Mahleiche kamen, in de⸗ ren Schatten ein blumenbekränztes Madonnen⸗ bild in einem Goldrahmen mild und freundlich auf die Wanderer herniederzublicken ſchien⸗ „Hier ſcheiden ſich die Wege, hier verſtroͤmet „das Volk; ich, Du und der vom Delinquen⸗ „tentode Befreite werden hier ein und Aſell „gaſtfreundliche W Wohnung ſinden.“ Der junge Reiſende ſah jetzt, wie ſcht des Delinquenten blaſſes Antlitz erheiterte, wie ſeine Pulſe in ſtärkeren Schläͤgen ſchlugen und ſein Auge ein hoͤheres Sehnen ausſprach⸗ Bald wurden ſie am Abhange eines Huͤ⸗ gels eine Huͤtte gewahr, die, von Holzbalken aufgeſchroten, mit ihrem ti titf auf die Erde her⸗ abhängenden Dache das Anſehn eines althun⸗ nuiſchen Zeltes hatte und vermuthen ließ, daß — in ihr Einwohner cumaniſchen Voͤlkerſtammes weilten. Der Delinquent im Kapuzinerkleide blieb jetzt zuruͤck, ſie traten ein. Zwei furchtbar große Spizhunde, Eisbaͤren gleich, hielten hier, an klirrenden Ketten angehaͤngt, Wache, waͤhrend eine ganze Meute kleinerer junger Hunde ihnen klaffend entgegenſprang. Der Ungar erhob den Reiſeſtab, rief den Hausherrn und bald trat ein Mann heraus, in deſſen männlich ſchoͤnem, durch eine tiefe Stirnnarbe ſich auszeichnendem Antlitze der tiefſte Schmerz und inneres Leiden ihre Furchen gezogen hatten. Bald folgten ihm ſein Weib, ſchluchzend und jammernd, und ſeine Tochter, in deren Geſichtszuͤgen der Ausdruck des tiefſten Schmer⸗ zes zu leſen war. in ſeine Arme. 10. „Ihr kommt ins Haus der Trauer,“ ſagte der Alte, dem Hirt die Hand reichend. „Woher „Ihr kommt, weiß ich, wie endete mein Sohn? „er hat doch Riemanden verrathen? ſtarb er „mit Feſtigkeit und Treue gegen Haupt⸗ „mann?“ — „Er ſtarb nicht! er lebt!!“ erwiederte der Hirt, und in dieſem Augenblicke trat der be⸗ freite Delinquent in den Hof ein, und ſchloß den Vater mit em Worten: „Kennſt Du 2 „Heilige Mutter e uhee; Du . „biſt es!“ Eilend ſprangen Mutte und Schwe⸗ ſter herbei, ergriffen ſeine Ha e und druͤckten . ſie ans ſchlagende Herz. — tern warf und ſich die bel umgürtete. „Seyd willtommen⸗ Retter mei⸗ — 65 Welch eine Scene des Wiederſehens! Wel⸗ che Herzlichkeit unter dieſen ſo roh ſie WMenſchen. Jetzt war Luſt und Freude! Selbſt die an der Kette liegenden Hunde wurden von den Mäͤdchen losgelaſſen und ſprangen freudig an dem Geretteten auf. „Tretet ein,“ ſprach der Hansvater. Er ging voraus, reichte ihnen am Eingange der armſeligen, aber reinlich gehaltenen, niedern Stube ein Stuͤck abgebrochenes Haberbrod, waͤh⸗ rend die Tochter einen irdenen Becher, einen Spruch dabei ſprechend, mit W in füͤllte. „Eſſet und trinkt!“ ſprach dann de Vuer mit pa⸗ ttiarchaliſcher Wuͤrde, pelz den das Armeeze ₰ nſene Schul⸗ „nes Sohnes! B Blut und Leben fuͤr Euch! Nun „ſetzt Euch, und trinkt auf des Hanptmanns „Wohlſeyu, dem mein Sohn tren war bis zum Huͤften mit einem Soͤ erkert und durch falſche Zeugniſſe zum Stran⸗ — 61 — „Tod! Auch der herbe Wein in der Hütte „des Armen wird Euch munden. Treue Hand vund treues Herz giebt ihn. „ „Bei dieſen Worten hieß er ſie niebetſeten, nun die wunderbare Rettung ſeines Sohnes und ſprach: „Ich kenne den Faden, an dem ſein ganzes Ungluͤck hängt.“ „Rache heißt er und Belg „Der Böſewicht im Richterkleide, der den „armen Jungen verderben wollte, liebte ſeine „Schweſter mit wollůſtiger Brunſt. Er bot Ge⸗ „ſchenke und drohte. Sie aber, als ein wackeres „Mädchen, ſtieß den alten Wuͤſtling von ſich. „Deshalb warf et ſeinen Haß auf den unſchul⸗ „digen Bruder, zwang ihn durch Martern zur „Flucht. Aus Rache eilte er unter Schobris „Bande, allein er wurde gefangen und einge⸗ „mit unſern 4 6 Stirn, das brennende ſerlenvolle Auge, die bien %e, an dem der arme Jung erwaͤrgen ſollte, „verurtheilt. Nun er lebt! ſein Frevler wird Strafe nicht entgehen.“ „WPVir haben es ihm angethan, haben rin „Nagel auf ſeine Fußtapfen geſchlagen, Steine, „ſchwarz wie Nacht, um M ditternacht beim Neu⸗ „monde, vor ſeiner Mutter Grab geſchuͤttet und „ſeinen Saamen bis ins dritte Geſchlecht ver⸗ „„wuͤnſcht. Sterben wird er in langſam hinwel⸗ „kendem Leiden und, iſt er todt, noch als Vam „pyr die Seinen ſchrecken.“ 3 „Laß dieß!“ ſprach die herbeieilende Toch⸗ ter. „Du haſt den Sohn, ich habe den Bru⸗ „der wieder! Dank dem edlen Retter!! Friede Der deutſche Junglng bückte jetzt in des Mädchens braͤunliches Antlitz, und ſah, ſot ſi wirklich ſchön wih Das taenſchntz⸗ zwitt Sur, die freie = 53 dend weißen Zähne, die roſenfarbigen Wangen, der ͤppig wogende Buſen und die majeſtaͤtiſche Haltung des Koͤrpers zeugten von der Unſchuld ihres Herzens, und von der Reinheit ihres jun ſnlighen Wandels. „Gern,“ ſprach jetzt der Alte, „wollte ich „meine Gäſte ſtattlich bewirthen, das kann ich „aber aus Armuth nicht; — allein ich habe „an dem Pathen meiner Tochter Maria, dem „Herrn Waldmeiſter und Aufſeher des „unfern von hier liegenden herrſchaftlichen Thier⸗ „gartens einen wackern Gaſtfreund. Wen ich „bei einem Beſuche mitbringe, iſt ihm angenehm. „Drum kommt, denn dort ſind wir gern geſehen „und ſicher. Er iſt mein alter Kamerad; der „„wird große Augen machen, wenn er meinen „Sohn, den er ſich jetzt am Galgen haumelnd „denkt, in der Kapuzinerkutte wiederſieht. wEr iſt verſchwiegen, auch iſt der böſe Amt⸗ „mann nicht mehr bei der Herrſchſt. Sie iſt, „namentlich die junge Graͤfin, wie ein Engel ſo — „gut, vielleicht iſt ſie auf dem Jagdſchloſſe, da „die Schnepfenjagd jetzt beginnt.“ „Da giebts Leben unter unſern Cavalieren, „junger Fremdling 1 ſprach et, jetzt zum Maler ſich wendend. „Man wird Dich vorſtellen, es „wird Dir wohl gehen und Du, wirſt Ungarn „kennen und lieben lernen! Zetzt folgt mir, mei⸗ „ne Marie bleibt zuruͤck. Wir werden vor Mor⸗ „gen nicht zuruͤck kommen. II. Eine hohe Thiergartenmauer zog ſich hinter der Waldhuͤtte nach dem Mittag zu. Sie klopf⸗ ten ans noͤrdliche Thor; es ward aufgethan, und bald ſahen ſie ſich von zahmen Hirſchen, Rehen, Geisboͤcken und wilden Schafen, wel⸗ che eine praͤchtige Hatz⸗ und Parforcejagd geben, umringt. Die Hirſche hatten alle Menſchen⸗ furcht vergeſſen, und der großte derſelben, ein Vierundzwanzigender legte, als der Waldhütet pfiff, ſein hochbeaſtetes Haupt uͤber ſeine Schultern, leckte ihm das Antlitz und fraß eine Rinde Brod aus ſeiner Hand, waͤhrend ein Trupp anderer Hirſche, nicht im Geringſten Miene machend ſeine Begleiter anzugreifen, ihn neugierig umringten. Sie wandelten weiter; auf uͤppiger Wieſenaue weideten die Heerden der Boͤffelkuͤhe. Der plumpe Koͤrper, die tief her⸗ abhaͤngenden Ohren, die zurückſtehenden Hoͤr⸗ ner, die dunkelaſchgraue Farbe, das feurige Auge, die plumpen Fuͤße und das widerlich hohle dumpfe Gebrull geben dieſem Thiere und namentlich den Stieren etwas Fuͤrchterliches und doch ſind ſie Ungarns nutzlichſte Haus⸗ thiere. In der Wildniß ſind ſie furchtbar koͤhn, greifen ſelbſt Woͤlfe und Baͤte an. Ihte Kraft und ihr Wuͤthen ſind, wenn ſie gereizt und verwundet werden, fuͤrchterlich. Lammfromm ſind die gezaͤhmten, tren ſind ſie ihrem Herrn, ſie folgen dem Winke eines Knaben, und oft ſcheon hatte man Beiſpiele, daß Raͤuberherden, die Schobri. hren Herrn bedrohten, von ihnen umringt und niedergebohrt wurden. Vortrefflichen Ge⸗ ſchmacks und geſund iſt die Milch der Buͤffel⸗ kuͤhe, und wenn ſie am Abend unter dem har⸗ moniſchen Klange ihrer Glocken dem fuͤhrenden Stier oder der Heerkuh folgen und ihrer dort die Hirtinnen mit den Gelten warten, ſo fin⸗ det der Reiſende hier in Ungarn das Bild des idylliſch ſchweizeriſchen Stilllebens wieder. So ſah es unſer junger deutſcher Maler und war eben in Begriff eine Skizze davon zu entwerfen, als ſie, um einen Huͤgel ſich wen⸗ dend, an der Meierei und dem Forſthauſe, welches, von edlen Caſtanienbaͤumen umſchattet, ein hoͤchſt maleriſches Anſehen darbot, an⸗ angten. Der Virth trat heraus, erkannte den Gaſtfreund. Kuß und Haͤndedruck lud alle im Wſilches Hauſe ſich zu S und laben. 3 1 — Hier ſah es ſtattlicher aus. Alte Gemälde zierten die Stube. Ein Caminfeuer brannte, an welchem bereits ein mit Speck umlegter Fa⸗ ſan am Spieße hing, waͤhrend in eiſernen Toͤpfen das beliebte Ragout, der Paprika (das mit ſpaniſchem Pfeffer gewuͤrzte Nationaleſſen Ungarns) ſchmorte. Bald brachte eine Magd des Hauſes herrliche Forellen, riß ſie im Ruͤck⸗ grade auf, daß ſie ſich kruͤmmten, und warf ſie nun in die breite Pfanne, die ſie rings⸗ umher mit friſcher Butter beſtrich und mit ſpaniſchem Pfeffer beſtreute. Indeß brachte der Hauswirth einen Becher herrlichen Tokaiers, koͤſtliches Brod, Butter und den in Ungarn ſo beliebten Sahnenkaͤſe. — „Setzt Euch!“ ſprach der Wirth. „Du „Jobſt, erzähle Deine Leiden. — Nun trinkt „Reihum! hier ſeyd Ihr ſicher.“ Das Geſpraͤch kam auf den Schobri. Der Waldmeiſter begann, als der Faſan von der Hausfrau, die ſich nach kurzem ſtillem Ge⸗ bete zur Tafel geſetzt hakte, aufgetragen war, folgendermaaßen: — — 12. „Es mogen ungefähr dreißig Jahre ſeyn, „als mein Vorfahrer, ein im Dienſt ergrauter „Huſar, der dieſe Stelle als Ruhegehalt ge⸗ „noß und oft ein Schluͤckchen zu viel trank, „eines Morgens mit den Schweißhunden auf's „Revier ging, um einen angeſchoſſenen Hirſch „aufzuſpuͤren.“ „Kaum da angelangt, ſchlugen die Hunde „plötzlich in einem Walddickicht an, ſpitzten die „Ohren und ſtellten etwas. Der Waldmeiſter „machte ſich fertig und ſpannte ſein Gewehr. „Als er etwas im Laube raſcheln hoͤtte, ſo „ging er dann, da er kein Wild aufſtieben „noch fortlaufen ſah, darauf zu, um zu ſehen, — Sieecec — E „ „„was da verborgen ſey. Statt ſeines ange⸗ „ſchoſſenen Wildes fand er ein huͤbſches roth⸗ „baͤckiges Kind, das ungefaͤhr ein halbes Jahr „alt war, mit roſigen Lippen, bluͤhenden Wan⸗ „gen und heilen Augen, in eine feine Windel „eingehuͤllt, in deren Zipfel mehrere Goldſtuͤcke „eingenaͤht waren. Ein Myrtenkranz von Sei⸗ „de, mit Gold durchflochten, lag auf des Kin⸗ „des Bruſt, in ſelbigem ein Papier mit den „Worten: Bitte um Pflege des frei— „gebgrnen Kindes, habt Mitleid „mit ihm, pflegt es wohl. Sein „Name iſt Georg. Die ungluͤckliche „Mutter wird Euch danken. Darun⸗ „ter war ein Siegel gedtuͤckt, welches einer „adligen Familie anzugehoͤren ſchien. Das „Blatt ſelbſt war mit Thraͤnen benetzt.“ „Der Waldmeiſter, ein rauher, aber guter „Mann, nahm das Kind (es war ein Knabe) „auf ſeine Arme, trug es zu ſeiner Alten und „hat es ehrlich gepflegt.“ — „Es wuchs und gedieh, ward keck und „wild, tollkuhn und trotzig; kein Baum war „ihm zu hoch zu erklettern, kein Fluß zu tief, „ſich in ſelbigen ſchwimmend hineinzuwerfen. „Der kecke Bube balgte ſich, als er kaum ſechs „Jahre alt war, mit den groͤßten Hunden, „und im zwölften Jahre ging er auf die Jagd, „war ein guter Schuͤtze, und wußte es, dem trefflich aufzulauern.“ „Einſt wagte er ſich an einen Volf, der „um unſere Huͤrden ſchweifte, er ſchoß, ver⸗ „wundete ihn, aber nicht todtlich. Nun „rannte der Wolf wuͤthend gegen den Jäger, „ſtreifte den ihn begleitenden Hund ab und „wollte eben den ſcharfen Zahn in ſeines Fein⸗ „des Lende graben, als dieſer, an einen Baum⸗ „ſtamm gelehnt, um ſich den Ruͤcken zu decken, ihm im Augenblicke des Angriffs das ſcharfe „Meſſer in den geifernden Rachen ſo derb ſtieß, „daß das Unthier röchelnd zuſammenbrach⸗ und n ſchwarzes Vlut ſi ch in heißen Sn „ergoß. Das that der Knabe. — Vom S „Schweiße triefend kam er zu ſeinem Pflegee „„vater zuruͤck, der ihn, frohlockend an's Herz „druͤckend, von nun als Sohn liebte. — Hier⸗ „durch wurde er bekannt.“ „Inzwiſchen war der Gutsherr, ein ed⸗ „ler Mann, mit ſeiner jungen Gemahlin und „einem lieblich aufbluͤhenden Fraͤulein in „dieſe ſchoͤne Waldgegend gekommen, um hier „die Reize des Fruͤhlings zu genießen und die „Schnepfenjagd zu treiben. Dieſer gab ſogleich „nach ſeiner Ankunft Befehl, daß man den „Knaben ins Schloß bringen moͤchte. „Georg eilte daher munter und friſch, wie „ein junger Hirſch, auf dem Kleide noch die „Spuren des Schweißes des erlegten Wolfes „tragend, nach dem Schloße zu.“ „Es war ein ſchoner Frühlingstag. Das „Eis der Bäche des Hochlandes war geſchmol „₰zen und die Gewäſſer waren geſtiegen. Der * „unſere war hoch angeſchwollen und brauſte „ſchaͤumend durch ſein Felſenthal.“ „Die Amme des jungen Fraͤuleins wandelte „eben mit dem Kinde ihres Herrn am Felſen— „ufer hin. Sie ſtrauchelt, faͤllt, das zarte Kind „entgleitet ihren Armen und wird, vom Felſen „herabfallend, ein Raub der Fluthen. In „dieſem Augenblicke ſchreitet Georg um die „Felſenecke. Schnell iſt des Knaben Entſchluß „gefaßt; er wirft ſich in den ſchäumenden Strom „und ſchwimmt dem Verungluckten entgegen. Das „Kind des geliebten Gutsherrn wird jedoch in dem „Augenblicke gerettet, wo es zu verſi nken „droht. Die erſchrockene Amme lag bereits am „ufer in den Armen des Scheintodes. Der „„Knabe mußte alſo das Kind allein in das „Schloß tragen.““ „Wer ſchildert des Vaters Schreck und „Entzuͤcken, als er des geliebten Kindes Un⸗ „„fall und Rettung vernimmt, als das geret⸗ — „tete die hellen Angen aufſchlägt und ſeine „Aermchen der herbeigerufenen Mutter entge⸗ „genſtreckt.“ „Du biſt der Retter!“ rief nach einigen „Minuten ſtummen Entzückens der hochherzige „Cavalier dem getroſt vor ihm daſtehenden „Knaben zu. „Du der Beſieger des Wolfes und „der Bezwinger der Fluthen! Bitte, Deine „Bitte ſei gewaͤhrt!““ — „Der Knabe antwortete: „Ich kenne nicht Va⸗ „ter und Mutter, gieb mir einen ehrlichen „Namen, und verzeihe der Ungluͤcklichen, „welche das Kind fallen ließ!““ — „Es ſoll geſchehen,“ entgegnete der Gutsherr, „Du biſt fortan ein Freier! und damit Du Dich „der Zeit erinnerſt, wo Du ſo6 auaic watſt. ſo nimm dieſe Uhr!“ — „„„Bei dieſen Worten uͤbergab er ihm die „Uuhr und ſprach: „Verlaß dieſe Waͤlder, trage „den Namen des wackern Huſaren Schobri, „der einſt im Kriege mein Leben rettend das „ſeine opferte, und harre der Zeit, bis Du „„vielleicht Deine ungluͤcklichen Eltern wieder⸗ „findeſt. Ich breche hiermit fuͤr immer die Feſ⸗ „ſeln der Leibeigenſchaft, der du als Findling „unterworfen biſt, und uͤbergebe Dich der Er⸗ „ziehungsanſtalt eines ungariſchen Regiments. „Dort bilde Dich zum Soldat, zum Huſar „und werde ein Ungar, d. h. ein wackrer „unerſchrocner Mann, der Blut „und Leben freudig ſeiun Koͤnig „weihtt““ — „Auch die holde Edeldame belobte ihn, „ſchenkte ihm zwanzig Dukaten, und ihr Kind, „der kleine Engel, der ſich auf der Mutter Ar⸗ „men wiegte, reichte ihm, als wollte es dem „Retter danken, die kleinen Haͤndchen.“ — Ich ward,“ fuhr der Erzähler fort, „ins 5 ½ v— — — 75 — „Schloß beſchieden, mußte mit dem Pflegeſohn „an der Tafel des Magnaten ſpeiſen, und „ſer v— „Feuer, Feuer!!“ erſcholl es in dieſem Augenblicke auf dem Hofe, und ein hereintre⸗ tender Knecht rief: „Rettet! rettet! das Scloß „brennt! ſchon ſteht es in hellen „Flammen!!“ 13. Alle Speiſenden ſtuͤrzten heraus, der Hirt und der Deutſche eilten auf die entgegengeſetzte Seite des Thiergartens, wo ſich das von Holz leicht aufgebaute Jagdſchloß auf der Inſel nes Teiches ſtattlich ſchoͤn erhob. Sie gefräßige Flamme leckte bereits aus * len Fenſtern. Schon hatten im unmittelbar an⸗ legenden Wirthſchaftshofe Reihighaufen und Laubfeime Feuer gefangen⸗ Die im Teiche ſich ſpiegelnde Flamme ſchlus hoch empor, und erſtickendes Rauchgewirbel er⸗ fuͤllte die Luft. Die Gluth war fuͤrchterlich! Spritzen der Nachbarſchaft fehlten, und die im Wirthſchaftshofe ſtehenden konnten, weil der Schuppen, worin ſie ſich befanden, bereits brann⸗ te, nicht herausgeſchafft werden. Die Nordſeite des Schloſes war maſſiv. Von dort allein war es ⸗ Rettung zu bringen. 5 Pltlich eröffnete ſich ein und der Ruf: „Hülfe, Hulfel“ der durch das Brauſen der Flamme drang, verrieth die Sil⸗ 5 berſtimme, einer jungen Dame. Der Deutſche und der Ungar wollten eben Trepp auf der Hül⸗ ferufenden entgegeneilen, da ſtuͤrzt plözlich athem⸗ los ein ſchöner Mann, der in dieſem Auger blicke auf füͤchtigem Roſſe angelangt war, her bei, rennt, keine Gefahr achtend, die Treppe hinauf, reißt die Thure des Eabinets auf, er⸗ greift die ſchoͤne Huͤlferufende und trägt ſie uns ter Rauch und Feuergewirbel herab. Kaum hat er das Freie erreicht, ſo ſtuͤrzt das Gebaͤlke des Zimmers, wo ſie war, zuſammen. Das Feuer nimmt uͤberhand, und bald liegt das Schloß in raͤuchenden Ruinen. Die Gerettete iſt das junge Edelfraͤulein ſelbſt, der Retter der⸗ Geheimnißvolle, deſſen ungluͤckliche Ver⸗ haͤltniſſerſie nicht kannte. „Bewahrt ſie vor neuen Zufällen,“ rief er dem alten Waldmeiſter zu, „mich ruft's von „dannen; Du Juͤngling,“ ſprach er zu dem Maler, „den ſein Unſtern dem Ungluͤcklichen⸗ in „die Naͤhe brachte, lerne ihn kennen und Du „wirſt ihn bemitleiden. Wache äber Dein „Herz, und auch unter den Raͤubern wird es „„rein bleiben. Du aber,“ ſprach er zu dem ge retteten Delinquenten, „nimm Dir ein Roß von „der Nachtweide und folge dem Hauptmann.“ „Polizei und Soldaten fuhr er fort, ſind uns „auf der Spur, und bald duͤrfte es blutige Kaͤmpfe „geben. Es ende wie es wolle. Die Menſchen „moͤgen mich haſſen und verfluchen und die „Geſetze verdammen. Ein Engel verkennt mich „nicht. Dies iſt meine Seligkeit, dies das Licht, „das die dunkle Nacht meiner Leiden und den „finſtern Gram eines verkannten Hetzens er⸗ uer 62 Bei dieſen Worten eßte er die Hand der ſchoͤnen Geretteten, die ſich eben jetzt wieder aus der Ohnmacht erholte, in welche ſie in dem Au⸗ genblicke geſunken war, als mitten unter dem Rauchgewirbel der Retter ſie in ſeine Arme nahm und ſie auf die Stirn kuͤßte: „Leb' „ wohll“ rief er, „Schutzgeiſt meines beſſern „Seyns. Gehabt Euch wohl!“ rief er den Andern zu, „und ſeid ſtark in den Tagen 6 „der Perſuchung!“ — 6 Dieß ſprechend warf er ſich auf ſein Roß und war bald den Augen der Nachſpaͤhenden ent⸗ flohen. Der junge Maler erkannte in ihm denſelben Cavalier, der mit ihm vereint zugleich den Ring gefunden. Sein Herz bebte, denn jetzt hatte er den gefuͤrchteten Räuberhäuptling geſehen und war nun uͤberzeugt, daß er im Be⸗ reiche ſeines Wirkens war, und das tauſend Ge⸗ fahren ſeiner harrten. 5 14. Man brachte die junge Dame ins Jagd⸗ zaus, da Schloß und Wirthſchaftsgebaͤude gänz⸗ lich abgebrannt waren, und hier erzäͤhlte ſe, daß ſie allein ohne Begleitung hier abernachten Mnntmetnenen wolle, wobei ſie bemerkte, daß das Feuet wahr⸗ ſcheinlich durch die Unvorſichtigkeit einer leibeig⸗ nen Magd, die die Abendtafel hätte bereiten wollen, ausgebrochen ſei. Mit keinem Worte dachte ſie an den Ret⸗ ter, aber auf ihrem Antlitz und im ſchmerz⸗ und ſeelenvollen Ange las man harte Kaͤmpfe des Herzens. Nan bereitete ihr ein ſauftes Lager; det Schlaf umfing die Ermudete und der i lebte in ihren Träumen. Eben ſchlug die erſte Stunde der ſchweig ⸗ den Nacht, da erhob ſich ein Laͤrm vor dem verſchlohenen Thore. Der Waldmeiſter tritt an ſel⸗ biges, um zu ſehen, was vorgeht. Berittene Polizei Einlaß. etzt laß ui ſiehen,“ ſpricht der Hirt zu dem deutſchen Gaſtfreund, „jetzt iſt Ge⸗ „fahr! 1 Laßt uns uns bewaffnen. Hier ſwG whre, ich kenne die Wege; ein unteri „diſcher San fuͤhrt jenſeits bes Baches „die Felſen. Dort konnen uns die Reiter nt „folgen. Wir ſuchen den Hauptmann, um „mit ihm, thut' Noth, zu fechten, zu ſie⸗ 6 „gen oder einen ehrlichen Tod zu ſterben!“ Mit dieſen Worten nahm er den Deutſchen beim Arme, der ſich bereits mit Piſtolen, Flinte und Saͤbel bewaffnet hatte, und ging in den Keller voran, durch welchen ſich der Gang in die Felſen eroͤffnete. Der Vater des geretteten Delinquenten folgte, und mit klopfenden Her⸗ zen gingen ſie entſcheidenden Ereigniſſen ihres Lebens, vielleicht Kampf und Hochgericht — wurden ſie beſiegt und gekangen — entgegen. Wir wenden jetzt unſere Blicke auf das Wirthshaus, in welchem dieſen Morgen unſere Freunde verſammelt waren. Das Fleiſch hatte — — 82 — abgekocht, aber die Stube war leer; denn die Giſte waren unmuthig davon gegangen, da die 8 Hoffnung, eine Hinrichtung zu ſehen, ſie ge täuſcht hatte. So iſt das Volk! — Es betrachtet die ernſte blutige Vollziehung des Geſetzes als ein Schauſpiel, als ein Volksfeſt, als eine Feier von der Arbeit, ſieht und geht, ohne ſich im Geringſten warnen zu laſſen, von dan⸗ nen. Wirthe und Marketender feiern dabei ei⸗ nen guten Tag. Scharfrichter und ihre Knechte ſchmauſen und zechen; Zeitungsſchreiber gewin⸗ nen einen neuen Stoff, und die Abſich des mit Blut geſchriebenen wird ſelten, oft nie alt Muͤrriſch ſchauten Wirth und Wirthin in⸗ zwiſchen auf die wuͤrzreich duftende Paprika und das koͤſtliche Fleiſch, und grollten auf die Pältzei, die, wie ſie meinten, den armen ein⸗ ſumen Bettler ſeſchalte und oft gunſim be⸗ — — 83 — laſſe. 3 In dieſem Augenblice öffnete ſich plötzlich die Thuͤre und jener große ſtarke Burſche, der gewettet hatte: handle, 6 ſie den großen Dieb Raͤuber aus Geldgier oder Furcht entfiehen „daß der Delinquent gerettet werden „wuͤrde, auch wenn er auch ſchon unter „dem Galgen ſtande,“ trat ein. eſee in den ſSi klei⸗ nen Augen, und ſein Anzug hatte ſich waͤh⸗ rend der Zeit geaͤndert. Er trug Liree und Waffen eines ſtattlichen herrſchaftlichen Jägers. Bei ſeinem Eintritt warf er den Hirſchfaͤnger klirrend auf den Tiſch, und indem er ſeinen Stutz (Pirſchbuͤchſe) von der Schulter nahm und gleichſam ſpielend den aufzog, rief er keck und laut: 6 her, das en 6 „auf, der Delinquent iſt frei und meine „Wette gewonnen.““ Zitternd btachte die Wirthin Beides. 6 Seid meine Gäſte!“ rief er jetzt, warf zwei Dukaten auf den Tiſch und ſprach: „Eſ⸗ „ſen und Trinken bezahle ich nicht, denn ich „habe die Wette, an der Ihr Theil nahmt, „gewonnen, aber das Geld ſchenke ich Euch; ſölt keinen Schaben haben. Der „Wein, rief aus, ſchlecht!“ Da⸗ bei warf er das Glas in den Winkel des Zim⸗ mers, daß es klirrend zerſe elte. „Bringe beſ⸗ „ſern und trinke mit Deinem Manne mit mir „auf des Hauptmanns und des geretteten De⸗ „inguenten Geſundheit.“ With und Wirthin folgten und thaten Beſcheid. Jetzt ſprach der Raͤuber: „Zeigt mir all' Euer Geld.“ Zitternd eröſnete der Wirth einen Schrank, worin et⸗ was Silbergeld und Bankozettel lagen. Die Wirthin löſte inheihit dem Meſſer, waͤhre ans S Augen bittre 6 eine Naht ihres Corſets auf, in welche einige Krem⸗ nitzer Dukaten eingenaͤht waren. „Das iſt brav! nun das freut mich, „Ihr ehrliche Leute ſeid, und nichts ver ſchwie⸗ „gen habt. Ich wußte Alles, was Ihr hartet; „längſt war's verrathen und uns, die wir Al „les wiſſen, iſt nichts verborgen.“ „Ihr habt noch Schulden, bezahlt dieſe, „hier iſt Geld!““ WDabei warf er mehrere Ban⸗ kozettel auf den Tiſch. Mann und Weib kuͤß⸗ ten ihm freudig erſtaunt jetzt Hand und Rock, und ihm Treue und i „Die verlange ich, die erwarte ich, er⸗ wiederte er. „Hier iſt ein Freizeichen gegen un⸗ „ſere Leute!“ Bei dieſen Worten gab er ihnen ein blechernes thalergroßes Zeichen, auf welchem Schriftzuge eingepreßt waren, mit ber Bemerkung: „Niemand von den Unſern wird Euch hinforr „ſchaden, aber ſie verlangen! bei Euch Siche⸗ und Verſchwigenhrt und, thut's Roth. — 86 — „Credit. Lohn dem treuen Freunde, Tod und „Brand dem Wortbruͤchigen! Dem Verräther „fliege der rothe Hahn auf's Dach!“ — „Wir geloben Treue und Verſchwiegen⸗ „heit,“ erwiederten die zitternden Wirthsleute, und legten ihre Hand in die ſeine und ſprachen: „Verlaßt Euch auf uns, der Ungar hält ſein „Wort!“ — „So laßt uns noch einige Zeit frohlich „ſeyn; ſeht! dort naht Polizei, der muſſen wir „eins aufſetzen. Seid harmlos und veprathet „Euch nicht durch Angſt; das unzeitige Erro⸗ „then hat ſchon Fbe am erblaſſen „laſſen.“ 16. Die Diener der Juſtiz kamen. Sie hatten, wie viele ihrer Collegen, öfters Durſt. Der Eine erkannte die Livree, und mit der ihrem — Stande eignen Zuverſicht ergriff er ein volles Glas und ſprach: „Fiducit! Camerad! ich „kenne Deinen Herrn, er ſoll leben!“ — „Ja dreimal hoch!“ rief dieſer, ihm die Hand traulich reichend, „aber wollen wir trin⸗ „ken, waͤhrend die Cameraden duͤrſten?“ „Wein her! ſetzt Euch!“ Bald nahmen Alle um die Tafel herum Platz und ließen ſich die Paprika und das Fleiſch, welches inzwiſchen der Wirth aufgetra⸗ gen hatte, wohlſchmecken. Der Wein löſte die Zunge. . „Wir gehen,“ ſprach er, „in den nächſten „Garniſonsort, um Huſaren und Jäger zu re⸗ „quiriren. Hier iſt die Ordre! Andere von „uns bieten auf der entgegengeſetzten Seite „die Landwehr auf; die Spur des großen Raͤu⸗ „bers iſt gefunden. Nun entgeht er uns nicht. „Wer ihn lebendig fängt, erhalt dreihundert „Stuͤck Ducaten, wer ihn todt bringt, hun⸗ „dert; fuͤr jeden lebendigen Räuber ſind ſechs, „fuͤr jeden todten drei ausgeſetzt. Mehr ſind „die Lumpenkerle nicht werth!“ Der Raͤuber im Jögerkleide vertrank inzwi⸗ ſchen ſeinen Zorn, indem er ein Glas Wein nach dem andern hinunterſtuͤrzte. Der Polizeiſoldat, der jetzt einen neuen Becher leerte, fuhr geſprächiger fort: „Ein „Roßkamm aus der Stadt, der zugleich Fah⸗ „nenſchmidt iſt, ſchickt dem Herrn Rittmei⸗ „ſter ſein Roß zuruͤck, das an einem boͤſen „Huf erkrankt war. Jetzt iſts wieder wohl auf, „es iſt ein prächtiges koſtbares Roß, läuft wie „ein Hirſch, und klettert wie eine Gemſe. Der „Rittmeiſter wird es auf der Räuberjagd auf „den Bergen wohl gebrauchen können. Der „kühne Hauptmann ſoll gehorig zappeln, wenn „er an ſeinem Schweif gebunden forgeſchtnt L wird! 10 — „Laß es einmal ſchen! entzegnete der üger, „eine Motion im Freien thut uns nach dem „Dich in Acht! „Trinken wohl, dann ſchmeckt der Wein wieder, „dann verſuchen wir ein Glas rothen Ofener. „Wirth beſorge ihn! vom Beſten, ſage ich!“ Alle gingen heraus; ſchnell nahm der Rüu⸗ berjäger die auf dem Tiſch liegende Ordre zu ſich und ergriff ſeine Waffen. Sie gingen in den Hof, das Pferd ward vorgefuͤhrt, und das hintere große Hofthor, von welchem aus ein Weg in den Wald ging, geoͤffnet. „Reite eum Dein Roß vor,“ ſprach der Jiger. Taumelnd beſtieg es der und ritt im Hofe auf und ab. „Hoͤre,“ ſorach jetzt der Jäger, „der Fah⸗ „nenſchmidt iſt ein Betruͤger und ein Lump. „Das Roß zuckt noch, unter dem Hufe iſt Eiter „und ein Ritt in die Berge kann es ganz un⸗ „brauchbar machen. Ich ſelbſt lernte die Roß⸗ „arzneikunde auf der Peſther Akademie. Nimm denn bringſt Du das Pfeih „hinkend zum Rittmeiſter, ſo trägſt Du die „Schuld und er laͤßt Dir ohne Weiteres ein⸗ „undzwanzig Hiebe aufzählen.“ „Steig' ab, ich will Dir's gleich beweiſen „und dann ein Zeugniß geben, daß das Roß „ſchon hier lahm war.“ Schnell folgte der Polizeiſoldat deſſen Worten. Der Jaͤger, der bereits vor dem Herausge⸗ hen wieder die Buͤchſe äbergehangen, und den Hirſchfänger umgeſchnallt hatte, beſah den Huf und als er den Vorderfuß in die Hoͤhe hob, zuckte das Pferd anſcheinend ſchmerzhaft. „Es iſt vernagelt,“ fuhr der Jäger fort, „der „Huf druͤckt; in der nächſten Schmiede muß „er abgenommen werden. Seht ſelbſt, ob es „nicht wahr iſt; auch der Sattel iſt zu feſt und „hindert das Roß, das wohl ſeine hundert Du⸗ „katen werth iſt, den Berg hinaufzuſteigen.“ Bei dieſen Worten ſchwang er ſich auf ſelbiges, * und ritt zweimal im Hofe auf und ab. „Nun,“ 1 * — 91 — ſpeach er, indem er einen Augenblick vor dem gesffneten Thore anhielt, „es wird zur Noth . „gehen; der Hauptmann, aber nicht der Ritt⸗ „meiſter wird ſich freuen.“ „Ich danke Euch in ſeinem Namen fuͤr das „ſchoͤne Geſchenk. Ihr werdet es wieberſehen, „wenn er uns gegen Euch ins Feuer fuͤhrt.“ Schnell gab er dem Roſſe die en und eilte dan Wer ſchildert das Entſetzen, daß ſich auf dem Antlitz der Verpluͤfften malte. Ehe ſie in die Wirthsſtube zuruͤckkamen, hatte der Raͤuber den Wald erreicht, und war nun vor den Ver⸗ folgungen ſicher. Dem Wirth konnten ſie nichts anhaben, da ſie ſelbſt getaͤuſcht waren, und der juͤngſte, der das Pferd verloren, rief im Aus⸗ bruch der Verzweiflung: „„was bleibt mir nun „uͤbrig? Hundert Pruͤgel wenn ich ohne Pferd „komme! ich muß mich ſelbſt aufhngen, oder 3zu den Räubern gehen. Das letzte di. 0 — — 92 — „beſte; wo das Pferd hinging, dorthin will ich „folgen.“ Bei dieſen Worten rannte er ſpornſtreichs von dannen; ſeine trunkenen Cameraden, die ihm nicht nacheilen konnten, goßen ihren Zorn in entſetzlichen Fluͤchen gegen ihn aus. * Glücklicher als ſie waren diejenigen geweſen, die die Landwehr aufboten. Dieſe waren nam⸗ lich, von einigen beurlaubten Huſaren, die mit dem Herrn des Orts, dem Criminalrichter der Geſpanſchaft, verwandt waren, unterſtutzt, zur Verfolgung der Raͤuberbande aufgebrochen. „— Gleich einer Gewitterwolke, die der Sturm zuſammentreibt, nahte von dieſer Seite her dem Hauptmann und den Seinen das Verderben. 5% 2 Als die von außen an das Jagdhaus anſtur⸗ menden Polizei⸗ und Landwehrſoldaten endlich das Jagdhaus durch Kolbenſchlaͤge geoffnet hat⸗ ten, fanden ſie Niemanden, als die ſchoͤne junge Gräfin, welche ihnen mit jener wuͤrdevollen An⸗ muth entgegenging, die der edlen ungarin an⸗ geboren iſt, und welche, wenn Herzensreinheit und das Bewußtſeyn der Schuldloſigkeit dem Antlitz ſeine Glorie giebt, auch den rohen Maͤn⸗ nern Ehrfurcht einfloͤßt. „Was wollt Ihr?“ rief ſie den Einſtuͤr⸗ menden entgegen; dieſe ſalutirten, ſtatt ſie an⸗ zugreifen. Der Offizier trat jetzt in das Zimmer, erkannte ſie, erfaͤhrt von ihr die Schichſale ihrer Rettung und ſprach, indem er ihr zitterndes zar⸗ tes Haͤndchen an ſeinen Mund druͤckte: „Gra⸗ — „in, wir ſahen die Flamme, die weit ins Land „hineinleuchtete, retten wollten wir, nicht ſto⸗ „ren! Sie, Graͤfin, ſind gerettet, erlauben Sie, „daß ich Sie duih zwei meiner treueſten Sol⸗ „daten in die naͤchſte Stadt bringen laſſe; — „„hier iſt fuͤr Sie kein Bleibens; — Raͤuber „ſtreifen umher, und hier wird ſich das Schick ₰ „ſal des raͤthſelhaften, aber gefaͤhrlichen Haͤupt⸗ „lings entſcheiden, der fallen muß, damit das „Geſetz ſeine Wuͤrde behaupte. Ich wuͤnſche „ihm einen ehrlichen Tod im Kampfe. Ich „eile, denn dieſer Tag entſcheidet.“ Cr befahl dreien ſeiner Leute, alten Huſa⸗ ren, die Gräfin zuruͤckzubringen, ließ ihr auch eeines ſeiner eignen Pferde zum Gebrauch. Zwei Schuͤtzen wurden befehligt, das Haus zu bewa⸗ chen und auf die S Acht zu haben. Auf ſeine Befehl erſchollen nun die w peten und Jaͤgerhoͤrner. Der Marſch lenkte ſich in die Schluchten des Gebirgswaldes, wo man — 95 — „den Hauptmann und den Kern ſeiner Bande zu finden hoffte. „ 18. Wilde romantiſche Felsgegend. Der Haupt⸗ mann liegt bewaffnet unter einer Eiche, vor ſeinen Fußen ſein Leibhund, eine große Dosge. Am Baume ſtehen zwei ſeiner Genoſſen, ei⸗ ner mit dem Saͤbel, der andere mit geſpannc tem Gewehre, die Wache halten. Im Vorder⸗ grunde ſind Gewehre in Pyramiden aufgeſtellt. 4 Auf dem Gipfel des Baumes lugt ein hinaufge⸗ kletterter Scharfſchuͤtz. In einer Höhle des Felſen ſind die meiſten Raͤuber verſammelt, die Be⸗ ſehle des Hauptmanns erwartend. In der Ferne hört man die Schalmei eines Hirten, und dann Geſang. Der Hauptmann aufſtehend Gür ſi ſich: „Harmloſer Knabe! der Du dort unten „die Melodie Deines Hirtenliedes in den Tonen „ — 96 — „Deiner Schalmey ertönen läſſeſt. Ach wuͤß⸗ „teſt Du, wie ſehr ſie mein Herz treffen. Auch „ich nannte mich einſt Meiſter in dieſer Kunſt. 3 „Jugendluſt und Jugendmuth ſprachen ſich in „den Tonen aus und die Gefuͤhle der Andacht „„verſchmolzen in den Melodien. Ein' heiterer „Sinn, ein frohes Herz ließen mich immer „neubt Melodien Toͤne finden, und ein gelun⸗ „genes Lied gab dem Herzen neue Freude. Wie „iſt es jetzt? Das Knallen toͤdtender Mordge⸗ „wehre, das Pfeifen der Kugeln⸗ das S, „ren der Schwerdter iſt mir nun Muſik, „Stoͤhnen rochelnder Verwundeter . „Nicht mehr vermag ich es, der Flote heitere „Toͤne zu entlocken, dem finſter iſt es im Her⸗ „en; jene Zeit kommt nimmer wieder. Das „Gluͤck wollt' ich erhaſchen, aber im kuͤhnen „Aufſchwung fand ich das Verderben. „Das Lied ſchweigt! Nein, Du ſtorſt mich „nicht, Du und Deine armen Eltern ſtehen un⸗ „ter meinem Schutz. Wahrlich, der Fube — 97 — „kommt, was will er? (laut): Keine Wache „wehre dem Hirtenknaben den Eintritt.“ 19. Der Hirtenknabe kam, umfing des Kaupt⸗ manns Knie und kuͤßte ſie. Hauptmann. Was willſt Du? Hirtenknabe. Danken fuͤr die Wohlthaten, die Ihr, hoher Herr, meinen armen Eltern erweiſt, und Euch melden, was mir mein Va⸗ ter gebot. Hauptmann. Sprich! jeden Dienſt werde ich belohnen. Hirtenknabe. Der Vater fuhr geſtern mit Holz in's Staͤdtel. Dort erfuhr er⸗ daß man Soldaten und Buͤrger gegen Euch aufgeboten habe. Alles rüſtet ſich, Euch zu verderben. * 7 ſtark . — Hauptmann (ihm Geld gebend'. Dies fuͤr die Nachricht, nicht als Geſchenk, ſondern als Zeichen der Dankbarkeit. Hat Dein Vater noch wchr gehört? Hirtenknabe. Ach ja! Hundert Dukaten Belohnung ſind auf Euern Kopf geſetzt. Hauptmann. Verdiene ſie Dir. Hirtenknabe. Rein, einen ſiichen guten Herrn koͤnnt' ich nicht verrathen. Hauptmann. Junge, aus Dir kann et⸗ was werden! Fromme Frauen errichten in der Hauptſtadt eine Schule fuͤr arme Kinder. In dieſfen Waͤldern verwilderſt Du; ich werde mich fuͤr Dich verwenden. Dort bilde Dich zum Menſchen und Chriſten. Hirtenknabe. O, das moͤchte ich gern! Die Mutter meint es auch. Hauptmann. Werde brav un der erſten Leidenſchaft zu 1 — 99 — Kleid des armen Eigners, oder den Stern und die Tiara des Chorherrn traͤgſt. Gedenke mei⸗ ner, wenn Dir's wohlgehr, und bete fur das Heil meiner Seele, wenn ich nicht mehr bin. Hirtenknabe (ihm dankbar die Hand kuͤſſend). Ich haͤtte noch eine Bitte an S6 hoher Herr! Hauptmann. Welche? Hirtenknabe. Hab's wohl gemerkt; Ihr hoͤrt meine Flote gern, hoͤrt gern meine Lieder. Hauptmann. Weil ſie aus hatinhis rei⸗ uem Herzen kommen. Hirtenknabe (traulich keckſeine Hand ergreifend). Koͤnnt Ihr mich brauchen? Hauptmann. Dich! wozu? Wie alt biſt Du? Hirtenknabe. Dreizehn Jahre zum Tag Ruffini. dann biſ Du glücklch, gleichetel, ob Du das * Pptnan Und wilſt mit uns ziehen² Kannſt ja noch keine Flinte tragen! „ Hirtenknabe. Aber Horn und Flöte ſpie⸗ len, Eure Ruͤden fuͤttern, Euch aufwarten und bedienen, und, ſeid Ihr verwundet, pflegen. (Er kuͤßt ihm die Hand.) Ihr ſeid ein guter Herr, ich mocht' Euch gerne dienen; der Vater wird nicht boͤs daruͤber ſeyn⸗ Hauptmann eihn ethebend und kuͤſſend). Ich danke Dir fuͤr den guten Willen, aber ei⸗ ne Blutſchuld wuͤrde ich auf mich laden, naͤhme ich Dich unter die Meinen auf. Nein, geh', der Reine darf nicht unter den Schuldigen ſte hen, deren Weg zu Ketten und zum Hochge⸗ richte fuͤhrt, geh' ſchnell von hinnen, eh' unſer Kampf beginnt. — Dieſes Geld gieb Deinem Vater und ſag' ihm, er ſolle es in der Stadt dem Weibe des Polizeiſoldaten geben, der die Kapelle am Hochgericht bewachte, wo der De⸗ neR Der arme Mann velert . ten Delinquenten, „uns mit Dir zu vereinen, „mußte mit uns fliehen.“ X „Halt! Wer da?“ Alle Raͤuber traten ins Ge⸗ — — Durch mich ſoll Niemand ungluͤcklich wetden; nun geh'. — Ped. Die Hunde ſchlugen an, die Wache auf dem Baume pfiff, Schildwachen riefen ihr wehr, aber noch kam kein Feind, ſondern es nahten die uns bekannten Freunde dem Huupt⸗ mann. „Wir eilen,“ ſprach der Vater des gerette⸗ „und unſer Leben fuͤr das Deine zu opfern. „Dieſer Juͤngling (auf den Maler zeigend) Der Hauptmann reichte dem Maler die Hand und ſprach: „Juͤngling, unſere Conſie⸗ lation ſcheint uns zu vereinen. Wie oft trufe 48 . uns ſchon in dieſer tun Zeit. Siehe mein Ungluͤck, aber theile nicht meine Leiden. „Verbirg Dich in jene Höhle, ſo wirſt Du „vor dem Feuer des Kampfes ſicher ſeyn, und „fallen wir, die Schuldbewußten, im Kampfe, „ſo wird die ewige Gerechtigkeit den Schuldlo⸗ ſen ſchuͤtzen. Siehſt Du einſt die Dame wie⸗ „der, die ich rettete, und die es nicht weiß, „wer ich jetzt bin, ſo ſage ihr: Georg Scho⸗ „bri ſtarb im Kampfe, er war beſſer, als er „ſchien, und ſein letztes Wort — — — —“ Nahe Flintenſchuͤße unterbrachen die Rede. „Feinde, Feinde!“ ſchallte es. Schon waren die Vorpoſten im Gefecht und „vorwärts 1 rief der Hauptmann, den Säbel ſchwingend. „Auf, „Cameraden! Ihr ſeht mich da, wo Gefahr „droht. Jeder thue ſeine Schuldigkeit!“ Mit hochgeſchwungener Klinge ſtuͤrzte er dem Feinde entgegen. Die Seinen folgten ihm auf dem Fuße nach. Trommeln wirbelten und die Hoͤrner ſchallten in vielfachem Eche der der feindliche Offizier. „Dorthin laßt uns eilen, gen des Gebirgsterrains alle Cavaleriſten zu Fuß fechten. Berge wieder. Bald war das Gefecht xf. der Linie verbreitet. Schuß ſiel auf Schuß⸗ Man hoͤrte ſchon die Säaͤbel klirren, ſun der Verwundeten. Der Hauptmann befehligte und igh Kampf mit hellem Auge und Kennerblick. Wo die Gefahr war, da focht er. Die Seinen wa ren treffliche Schuͤtzen. Schon haͤuften ſich die Todten und Verwundeten der Feinde, als dieſe auf dem rechten Fluͤgel Hörnerruf vernahmen. „Dieſe ſind unſere Verbüͤndeten,“ rief „um von dorther den Geſammtangrif zu be⸗ „ginnen. Freiwillige vraus! * Sein Sohn, ein bildſchöner junger Cadet, druͤckte dem Vater die Hand und ſtellte ſich an die Spitze der Freiwilligen. Der Kampf zog ſich bergaufwaͤrts. Von Feindes Seite mußten we⸗ Mit den Säbeln in der Fauſt ſturzten ſie, als die Carabiner abgeſchoſſen wa⸗ ren, den Raͤubern entgegen, die, auf der Erde liegend, durch Baumſtaͤmme verdeckt, nur ſiche⸗ rer ſchoſſen und ihnen gewaltigen Abbruch tha⸗ ten. Ueber Verwundete und Todte ſ ſie vorwärts. Schobri laͤßt Retraite blaſen. Siegtrunken eilten ſeine Feinde bergaufwarts, und eben er⸗ klimmen ſie die hoͤchſte Spitze des Granitfel⸗ ſens, da pfeift der Hauptmann und ſtatt des gehofften feindlichen Suceurſes kommen Raͤu⸗ ber den Feinden in Seite und Ruͤcken. Mit furchtbarer Wuth ſie auf die tapfer fech⸗ tenden Diener der wachenden Gerechtigkeit. Der Wotnf, „Mann gegen ien be⸗ ginnt. Das Fechten ward zum Ringen, das Ringen zum Wuͤrgen. Drei Feinde ſtuͤrzen ſich jetzt auf Schobri; den Einen erlegt ſein Pi⸗ ſtol, den Andern ſein Säbel, der ziſchend durch des Feindes Bruſt fäͤhrt. drangen ſe auf dieſen ein. — 105 — In dieſem Augenblick wirft der Dritte von 3 den Feinden den ſcharfen Hirſchfaͤnger nach des Hauptmanns Herz, aber der gerettete Delin⸗ quent, der eben, von Feindes Blute triefend und bereits im linken Arme verwundet, den Felſen heraufgeklommen war, ſtellt ſich jetzt dem Wurfe entgegen und faͤngt die toͤdtliche Waffe, die dem Hauptmann galt, in ſeine eigne Bruſt auf. — „Ich bleibe Dir treu bis in den Tod!“ rief er zuſammenſinkend. — Der Strom des Blutes riß den Hirſchfaͤnger aus der Wunde, und ſein Auge brach. „Dank Dir, wackrer Freund 1 rief der Hauptmann, „ich will Dich rächen! Folgt „mir, meine Treuen! Keiner verlaſſe den „Andern!“ — Alle, die es hoͤrten, riefen es nach und ſtuͤrzten nun, den Hauptmann an der Spitze, dem ſich wieder ſammelnden Feind entgegen. Mit Loͤwengrimm und wilder Kut — 106 — Keifformig warfen ſie ſich auf den Feind. Deſſen Schaaren, die eben erſt ins Viereck formirt worden waren, wurden getrennt und fielen unter der Schaͤrfe des Schwerts. 21. 2 Bis jetzt hatte der junge Deurſche an dem Kampfe noch nicht Theil genommen, ſondern ſich nicht aus Furcht, ſondern um des Hauptmanns Befehl zu ehren, nach der Hoͤhle zuruͤckgezogen. Einige Raͤuber brachten unterdeſſen den töbtlich verwundeten feindlichen Rittmeiſter, leg⸗ ten ihn auf weiches Moos und ſprachen: „Hier „ſtirb, Du haſt brav gefochten und fielſt durch „tapfere Feinde.“ Sie eilten hierauf in den S zuruͤck. en neue Gefechtsſcene entſpann ſich. Der junge Cadet ſtürzte mit Loͤwenmuth — — mitten unter Feinden herbei. „Laßt mich den „Vater ſehen,“ rief er im hoͤchſten Schmerz der Kindesliebe, „auf ſeiner Leiche will ich „ſterben.“ Schon ſah er den tödtlich verwundeten Va⸗ * ter, da ſtrauchelt er uͤber eine Baumwurzel und faͤllt. Indem uͤber den Gefallenen der Erſte der nacheilenden Raͤuber das mordende Eiſen des Hirſchfaͤngers ſchwingt, um es ihm ins Genick zu ſtoßen, ſtuͤrzt der junge Deutſche, ſeinen Saͤbel ſchwingend, hervor, reißt den Hirſchfan⸗ ger aus des Raͤubers Hand, und ſpricht, den Gefallenen mit ſeiner Klinge deckend: „Keiner ruͤhre ihn an! Mann gegen Mann „fechte der Ungar, wie der Deutſche. Dem Vet⸗ „wundeten Schonung, dem edlen Sohne des „edelmuͤthigen Feindes Bewunderung.“ „Was beginnſt Du, kuͤhner Frembling,“ 6 zürnten die Raͤuber. „Dir wollen wir den „Mund ſchon ſtopfen.“ 4 Sie dringen ein, aber der Deutſche iſt ein guter Fechter; er ſchuͤtz ſich und den Verwun⸗ deten; eben hatte er einen der Räuber im Ge⸗ fecht unbrauchbar gemacht, als der Hauptmann, der die Spene mit angeſehen hatte, herbeieilte. Er befahl den Räubern, von dannen zu gehen und bei der Hauptverſammlung wieder zu erſchei⸗ nen. Den jungen Deutſchen aber druckte er an ſein Herz. „Darin,“ ſorach er, erkenne ich die „fromme deutſche Seele. Muthig ohne Ueber⸗ „uth, batmherzig ohne Froͤmmelei; Juͤngling, „ſo zeige Dich ſtets, und verachte mich nicht! „Kennteſt Du mein Hetz⸗ wütteſ mein „Freund M ehunzen kamen jetzt, dß d der Feind, völlig geſchlagen, theils fliehe, cheils ſich ergeben habe und die gehoſſte Hulfe heut'nicht erſcheinen koͤnne. Jetzt befahl der Hauptmann, fur alle Ver⸗ wundete gleich Sorge zu tragen und die Todten zu begraben. Den Kuß der Dankbarkeit druckte er auf die erblaßte Wange desjenigen, der für ⸗ 1 5 . ihn ſein Leben gab, den Kuß der Freundſchaſt auf die ergluͤhende Wange des deutſchen Juͤng⸗ 3 „ lings, welcher ſeine Ehre als Menſch und Haupt⸗ mann rettete. Juzwiſchen kamen die Räuber zuſammen und erhielten Befehl zum Aufbruch aus dieſen Gegenden, wo fuͤr ſie kein Heil mehr war. Der neue Verſammlungsort wurde beſtimmt. Die treueſten Freunde allein blieben bei dem Haupt⸗ mann. Unterdeß ward der ſchwer verwundete Offizier verbunden. Dieſes Geſchaͤft beſorgte einer der Räuber, der als Krankenwärter der Hospltäler ſich Kenntniße in der Wundarzneikunde erworben hatte. Dieſer erklarte die Wunde nicht fuͤr tödt⸗ lich. Der Cadet war nur ſchwach bleßirt und blieb bei dem Vater, der, ihn ſegnend, die Au⸗ gen offnete. Beide wurden einigen Gefangenen, die ihre Freiheit erhielten, uͤbergeben, um ſccher zurüͤckge⸗ bracht zu werden. Nun kreiſtten die Bechte, and des andern Morgen zeichnete der junge — 110 — Maler, der von dem Cadet, dem er das Leben rettete, als Zeichen der Dankbarkeit einen koſt⸗ baren Ring uhd die ſchriftliche Beſcheinigung des Geſchenks erhielt, den Raͤuberhauptmann. Das Gemälde ſtellte das ſchöne Bild des ſſchö⸗ nen Mannes dar, der beſſer war als er ſchien. 22. „Geh' nun mit Gott!“ ſprach der Raͤu⸗ berhauptmann zu dem jungen deutſchen Maler, welcher ſo eben ſein Konterfei vollendet hatte⸗ „Du ſahlt die Racht meines Unglücks, ſahſ „mich im Kampf und Sieg, der keine Lorbeern „giebt. Theilen ſollſt Du mein Ungluͤck nicht, „aber einſt der Verkuͤnder meiner Thaten ſein, „damit die Nachwelt milder richte als das ern⸗ „ſte Geſetz, und nun Gott befohlen! Dieſes „Zeichen ſchuͤtzt Dich gegen die Anfaͤlle der * „Meinen, dieſe Papiere gegen Geldnoth, Dein „gegebenes Wort und Dein eignes Herz gegen „Verſuchung. Leb' wohl!“ 3 dit dieſen Worten wendete ſich der Haupt⸗ mann von ihm, und wohl bemerkte der Maler in dieſem Augenblicke in den Augen des un⸗ gluͤcklichen Räuberhauptmanns eine Thräne, die er vergebens zu verbergen ſich bemuͤhte. — Freier im Herzen wandte er ſich jetzt der Ebe⸗ i jü. Der Hauptmann zog mit ſeiner Bande an die Ufer der Theis, des fiſchreichſten der Fluͤſ⸗ ſe Europens. Diesmal ging er im Fleide eines reiſenden Roßhaͤndlers. Die Seinen waren theils als Pferdeknechte, abgedankte Huſaren, Raizen und wandernde Handwerksgeſellen gekleidet; es — 112 — war ihnen ſtreng verboten, auf dieſem Marſche irgend einen Exceß zu begehen, oder Diebſtahl und Betruͤgerei zu wagen. Sie alle waren mit Geld verſehen, und etwas Großes ge⸗ meinſchaftlich ausgefuͤhrt werden. Der Hauptmann hatte durch ſeine Spione Nachricht bekommen, daß ein reicher, aber hochſt hartherziger Caſſenbeamter große Summen eig⸗ nen Vermoͤgens eben eingenommen, und die Abſicht habe, es durch vortheilhaftes ei und durch Vorſchuͤße an bedingte Zehntyfi denen dadurch aus der Verlegenheit und Noth k. holfen wurde, zu vermehren. Wie war aber dem alten Harpagus beizukommen? Er war bewacht von Jägern und Dienern, die alle Pulver gero⸗ chen hatten, wohnte in einem feſten Schloße und wachte uͤber ſeinen Geldkaſten.“ Eben machte der Hauptmann im Stillen den Angrifs plan. Ideen wurden gefaßt und verwor⸗ fen. Schon wollte er das ganze unternehmen ahen als ein Ungefaͤhr und ſeine Kenntniß 6 1 des Herzens der Menſchen und der Welt ihm 6 den Weg zur ſichern Ausfuͤhrungero ffnete. Unterdeſſen war er, den Seinen vorausfah⸗ rend, — denn im letzten Orte hatte er einen in der Gegend bekannten Kutſcher gemiethet — in einer von ihm bis jetzt noch nicht heimge⸗ ſuchten Gegend Ungarns angelangt. Als er den Theis ungefaͤhr drei Meilen im Ruͤcken hatte, eigner Art in ſeinen Ge⸗ ſichtskreis, welche er ſich anfangs nicht deuten konnte, und die er fuͤr eine Täuſchung ſeines Auges hielt. In der Entfernung von etwa einer Meile fand er ſich in einem weiten Halbkreiſe von Waſſer umgeben, ſo daß er, haͤtte er das Land nicht von fruͤher her gekannt, ernſtlich beſorgt geworden waͤre, wie er weiter kommen ſolte. Schobri. 5 Sowie er aber vorwaͤrts kam, verſchwanden die ihn umgebenden Seen, traten aber immer wieder in gleicher Entfernung in ſeinen Hori⸗ zont. Aus ihnen tauchten Inſeln mit Baum⸗ gruppen, nicht ſelten auch Ruinen und Staͤdte auf. — Welch ein herrlicher Anblick! — Der Rünberhauptmann ſtaunte ob dieſes ſo einzigen Naturereignißes, der aberglaͤubiſche Kut⸗ ſcher zitterte, bekreuzigte ſich und glaubte im Bereiche der Geiſterwelt zu ſeyn, meinend, 5 ſie wuͤrden in dem Zauberſee, der vor ig, etttinken miſen. 8 Die Anſchten wurden jetzt wirklich immer überraſchender. Ein heftiger Wind wehte von Nordoſt her. Nah' und fern erhoben ſich Staubſäulen, die um den Wagen gleich tänzenden Rieſen herwogten, und deren Höhe mit dem Durchmeſſer von 20 Fuß im Einklang ſtand. Als ſie ſich aufloͤſten, wankte der von Staub uͤberſchuͤttete Wagen, es zitterte die Er⸗ de und die Luft leuchtete; der Hauptmann und ſein Fuͤhrer, ſo wie die zitternden, von Schweiß uͤbergoſſenen Pferde fuͤhlten das Einwirken einer : electriſchen Erſcheinung, welche der Natur⸗ forſcher mit dem Namen Fata Morgana be nennt. Die Betrachtung dieſer Scene wurde leider durch eine ganz andere irdiſche geſtort. An einem Scheidewege ſtand ein Galgen. Sein Balken trug einen erſt ſeit Kurzem Ge⸗ hangenen, deſſen armſelige Kleidung auf den niedrigſten der Staͤnde hindeutete. Unter dem Galgen ſaß, tiefe Trauer im Antlitz, mit ver⸗ weintem Auge ein alter Bauersmann⸗ 22. „Was willſt Du hier?“ rief ihm der Hauptmann zu, indem er einige Silbermuͤnzen ihm auf den Schooß warf. „Einen Roſenkranz abbeten,“ antwortete der Arme, „und dann mich am nchſien Bau⸗ „me ſelbſt aufhängen! „Dieſer da,“ auf den am Galgen hangenden zeigend, iſt meines Wei⸗ „bes Bruder; er konnte die Zehnten nicht be⸗ „zahlen. Die Kuh hatten ſie ſchon genommen, „nun wollten ſie ihm auch das Bett des Wei⸗ „bes, die eben in Kindesnöthen lag, holen⸗ „Als die Schergen in das Haus ſtuͤrmten, er⸗ „griff der Alte in der Angſt ein Beil, und warf „es nach dem keckſten und grauſamſten Schergen, „der unter entſetzlichen Fluͤchen und Verwuͤn⸗ „ſchungen in die Stube mit S „eindrang. Das Beil traf ihn mit der Schärfe „an die Bruſt; er brach zuſammen wie ein „verendender Wolf, und das Blut erſtickte den „Fluch in ſeinem Munde. Die andern wurden „bald meines Schwagers Meiſter, warfen ihn „zu Boden, feſſelten und ſchleppten ihn vor „Gericht. Dieſes ſprach, ungeachtet der Schwer⸗ nicht ſtarb, ſondern im Spital der „Geneſung entgegen ſieht, dennoch das Todes⸗ „urtheil uͤber ihn aus.“ — „So erging es dem Ungluͤcklichen. — Ho⸗ Herr! du ſeht Ihr den Gerichteten!“ „Auch mich wollen ſie auspfänden. Mun „beſſer iſt's, ich ſterbe freiwillig, als ich ver⸗ „greife mich an ihnen und ſterbe u unter Hen⸗ „kers „Wie viel uiſ Du ſchuldig?“ fragte der iuberhuuptmumn, vom Wagen Sr und dem Kuiſcher befehlend wiiſeßh in Gulden gwchhn das ſind „zig Wiener Währung!“ — „Iſt Dir dann geholfen?“ — „Ja mit Gott und guten Menſchen!“ — „Wer iſt Dein Herr?“ — „Der Magnat N. N., ein guter und groß⸗ „muͤthiger Herr, der aber nicht hier lebt, ſon⸗ „dern als Obriſt bei einem Huſarenregiment in „den Erblanden ſteht. Er iſt gut und mild⸗ „reich, aber der Verwalter ſeiner hieſi gen Guͤ⸗ „ter hat ein Herz wie Stein⸗ es iſt verſchloſ⸗ ſen wie ſeine Gelbcaſſe.“ — „Wie heißt er Der Bauer nannte den Namen des Fe ten, den man heimſuchen wollte, und der Haupt⸗ W fuhr in ſeinen Fragen fort: „Iſt ſein Schloß wohl ennht“ — „Ja, ſeit der Zeit, wo er die Gelder „einnahm. Sein älteſter Sohn, der Angen hat „wie ein Luchs und der uns mehr bedruͤckt „ſein Vater, iſt jetzt abweſend. — „Wo iſt er?“ — „Er wollte die Hinrichtung des Delinquen⸗ „ten aus der Schobriſſchen Bande ſehen und „hat hundert Gulden mitgenommen, um ſie „als Praͤmie demjenigen zu geben, der den n fangen wuͤrde.“ — „So? Fuͤrchtet ihr Euch ſo ſehr vor dem Schobri?“ — „Vir armen Leute nicht, aber die Reichen. Uns iſt er oft Huͤlfe, jenen Entſetzen. — „Zwanzig Gulden rirß⸗ Du ſchuldig? Run Du ſchweigen?“ — „Wie das Grab!“ — „Biſt Du ein ehrlicher Kerl?“ — — — „Ach ja! wenn die Noth unb die Verſu⸗ chung nicht allzugroß iſt!“ — 1 „Wie Eidesſchwur!“ — lung deines Zehntens. Hier hundert Ducaten.“ Er gab ihm Beides. Der Bauer fiel auf ſeine Knie, kuͤßte Fuͤße und ſprach: „„Wer biſt Du, großer Mann? Nenne Dei⸗ „nen Namen, daß ich Di danken und Bi „preiſen kann.“ 30 bin Soobritt“ xbtenblůſe deckte jetzt des zitternden Bau⸗ mann freundlich die Hand reichte und aus der edlen Ungarnweines trinken ließ, erholte er ſich, „Hier haſt Du zwanzig Gulden zur Zah⸗ ern Antlitz. Als ihm aber der Räuberhaupt⸗ Flaſche, die er an der Seite trug, einen Schluck S und nun erhob er den Hauptmann in vſwiz⸗ ziger Rede wie ſeinen Schutzgeiſt. „Ich werde ewig dankbar ſeyn,“ ſprach er, „und bin ich nicht verſchwiegen, ſo befiehl Dei⸗ „nen Leuten, daß ſie mich an den Fuͤßen auf⸗ „haͤngen. — Wohlthaͤter! Retter! ſagt: Was „kann ich fuͤr Euch thun?“ Schobri antwortete: „Gehorſam ſey „Deine Pflicht, und Verſchwiegenheit „Dein Dank!“ — „Ewig wird mein Dank, unverbruͤchlich „meine Verſchwiegenheit ſeyn!“ erwiederte der Bauer. „So hoͤre und handle,“ ſprach der Haupt⸗ mann. „Morgen iſt mein Namenstag. Jeder „wackte Ungar feiert den Tag ſeines Schutzhei⸗ „ligen gern mit Trank und Imbiß im Kreiſe „ſeiner Freunde. Wo wohnſt Du?“ — „Dort am Fuße des Berges in dem ein⸗ 5 — — „„ſam ſtehenden Hauſe; es war einſt ein Jaͤ⸗ „gerhaus, drum iſt's großer und beſſer gehal⸗ „ten als die andern. Hohe Baͤume umſchatten „es und ein herrſchaftlicher Weingarten, den „die Beamten nur des Jahres zweimal im „Fruͤhling und im Herbſt beſuchen, ſchließt 0 „an mein Gärtchen an.“ — „Verſteht Deine Hausfrau zu kochen?“ — „Trefflich! Als junge Magd half ſie der „Kloſterköchin, dann zog ſie zu einem geiſtli⸗ „chen Herrn, und als dieſer ſtarb, in die „Stadt in den beſten Gaſthof, wo ſie aus⸗ „lernte. Suppen, Mehl⸗ und Sierſpeiſen, „Fleiſch und Braten, Seflügel und Fiſche „weiß ſie zu bereiten, und eine Paprika „ſchmort und kocht ſie, wie ſie ſe kein Prälat „beſſer ißt. Sie wäre noch im Gaſthofe, wo „ich, damals noch ein ſchmucker Burſche, als „Hausknecht diente, haͤtte nicht der Verſucher „uns geplagt. Es wurde nun anders mit der „Käthe. Der Hausherr, der das feiſche Mä⸗ — — 123 — „del gar lieb hatte, haͤtte gern ein Auge zu⸗ „gedruͤckt, wenn ſie nicht ſo ſproͤde gegen ihn „geweſen waͤre. Die Kammerjungfer war nei⸗“ „diſch und die Hausfrau eiferſuͤchtig wie ein „Drache; wir wurden bei dem Hausherrn ver⸗ „hetzt und mußten beide fort. So zogen wir „hieher. Wir naͤhrten uns ehrlich, da meine „Frau bei Kindtaufen und Hochzeiten für die Leute „kochte, ſo fiel uns der Zins nicht ſchwer. Inzwi⸗ „ſchen wuchs unſte älteſte Tochter heran. Herr!“ fuhr er geſchwätziger fort, „das iſt ein Mädel, friſch „und kraͤftig, arbeitſam und flink, aber auch „apart. Der Sohn des alten geizigen Ober⸗ „„amtmanns hatte ein Auge auf ſie, wollte ſie „zu ſich haben, verſuchte Schmeichelei, Dro⸗ „hung, Geld; nichts frommte. In der letzten „Heuernte uͤberſiel er ſie mit einigen ſeiner „Knechte und wollte ſie entführen, ſie aber „wehrte ſich, wie eine Löwin, verwundete den „einen Knecht mit der Sichel, warf den jun⸗ „8en Herrn zu Boden und bedeckte ihn mit „einem großen Henuſchober, daß er halberſtick, — 124 — ₰zum allgemeinen Gelächter wieder herausttie⸗ „chen mußte. Das Maͤdel floh zu fernen e verfolgte mich der Zorn des Sthne „und des Vaters. Alte Zins, und Zehnten⸗ „Reſte, die mein Vorfahr, in deſſen Pacht ich „trat, nicht abgetragen hatte, wurden aufgeſucht, „alte verfallne Steuern wieder aufgezogen, ein „Stuckchen ſtreitige Wieſe mir genommen, und „nun die Rechnung gemacht, die morgen mit „Erecution eingetrieben werden ſoll. Das „Maͤdel, die keine H. werden will, denn „lieber erſaͤuft ſie ſich, ich ſchaffen; mich „perten ſie ein.“ 3 Schobri antwortete: „Dir iſt nun geholfen. Hore meinen Be⸗ „ehlt Handle, aber ſchwatze nicht. Die Du⸗ „caten, die ich Dir gab, könnten Dich verra⸗ „then, gieb ſie zuruͤck, hier haſt Du Papiergeld „und hier noch in Papier Dreißig Gulden Con — 4 — „ventions⸗Muͤnze. Dafuͤr laß deine Alte mor⸗ „gen Abends ein gutes Nachtmahl bereiten. „Den Wein bringen wir ſelbſt mit. Du und „Dein Weib eſſen mit, und wehe dem, der uns „überfällt! Nun geh' und zahle Deine Schuld, „daß wir nicht ungebetene Gäſte bekommen.“ Bei dieſen Worten reichte er dem Bauer die Hand, ging dem Wagen nach und war bald aus Jenes Augen verſchwunden. Sein Opera⸗ ² tionsplan aber war nun gemacht, denn er kannte das 4 der Menſchen. Dõ. . Der Bauer chat was ihm befohlen. Die ge⸗ ſchaͤftige Hausfrau aber ging in die naͤchſte Meierei, um einzukaufen; den Hauptmann und ſeine Bande nicht fuͤrchtend, freute ſie ſich, ihren Gäſten 3 Beweiſe ſe ihrer Kunſt zu geben. Der Bauer ging getroſt und mit jenem ſichern Muthe, iden das Bewußtſeyn, Geld zu beſen, giebt, zu dem geizigen Amtmann. Er zaͤhlte ſein Geld auf, emſng die Quit⸗ tung und bemerkte es nicht, wie Hohn und Schadenfreude um Mund und Lippe des Em: pfängers haͤßlich ſpielte. Eben verließ er die die fuͤr den Em⸗ pfang der Renten beſtimmt war, als ihn an der Thure zwei bewaffnete Schergen empfingen, in Feſſeln legten und ſofort ins Crimtnal fuhrten. Hier fand er die Gerichtsbank ſchon beſetzt. Der Criminalrichter, ein Ver⸗ wandter und Freund des Caſſenbeamten, begann ſofort das Verhoͤr, und fragte, wie er zu dieſem Gelde gekommen ſei. Bald erregte die widerſprechende Antwort des Inquiſiten, der durch die Fragen des Richters in Verlegenheit geſetzt wurde, Verdacht. Run hieß es: wohdr — 4 — „Du das Geld? Haſt Du es geſtohlen, „oder im Raubmord abgenommen, „oder als Hehler empfangen? Ge⸗ „ſtehe oder leide die Strafe der Ver⸗ „ſtocktheit. Hundert Pruͤgel werden „Dir ſchon den Mund oͤffnen!““ — Wie konnte der Arme dieſer Verſuchung widerſtehen! — Er geſtand Alles, erzählte was wir un und ward Criminalrichter und Caſſenbeamter hatten jetzt, wie ſie waͤhnten, das Netz gefunden, wo⸗ mit ſie den Raͤuberhauptmann mit ſammt ſei⸗ ner Bande fangen konnten, und der Bauer war, ſo waͤhnten ſie, nun ganz das willenloſe Werkzeug aller ihrer Wuͤnſche. Sie feierten, da das Ungefähr ihnen ſo wohl wollte, ein — 8 — herrliches Mittagsmahl, bei welchem ſelbſt der berauſchende Schaumwein nicht fehlte, wel⸗ chen der Ungar bereits aus ſeinem Moſte ſo zubereiten weiß, daß er den der Shampagne an Kraft noch uͤbertrifft. Wäͤhrend die Becher kreiſten, rief der Crimi⸗ nalrichter „Jetzt laßt den Bauer vorfüͤhren! Liſt „gegen Liſt; ein Wort der Gnade zur rechten „Zeit hat manchmal mehr gethan als Marter „und — Der ah kam; er ward entfeſſelt. — iin ſprach der Criminalrichter, indem er ihm einen Becher Wein reichte; „Dein Ge⸗ „tndniß verſoͤhnt Dich mit Deinen Richtern, „und das Geſetz wird Dich diesmal nicht ſtra⸗ „fen, ſondern noch belohnen, aber wohl bewa⸗ „chen, daß Du keinen Fehlritt thuſt, der ge⸗ „wiß zum Galgen fuͤhren wuͤrde. Damit Du „ſiehſt, wie gnaͤdig wir ſind, ſo ſoll Dein Schwa⸗ „e vom Smnnen und beerdigt — 129 — „werden. Das Geld, was Du von dem Scho „bri empfingſt, ſoll Dir bleiben. Geh' nun „heim, laß Deiner Alten nichts merken, baß „Du in Unterſuchung warſt, ſie ſoll kochen „und braten, ſchmoren und ſieden; braucht ſie „noch etwas, ſo ſoll ſie es aus unſerer Kuͤche „nehmen. Auch geben wir Dir einige Leute „zum Holzſpellen mit. Empfange den Haupt⸗ „mann und die Seinen auf's allerbeſte und „freundlichſte. Wirf Dich ſelbſt in den Sonn⸗ „tagsſtaat. Fehlt's an Tiſchzeug und Geſchir⸗ 3 „ſo nimm von uns, was Du brauchſt. „Stattlich muß es hergehen, recht ſtattlich, „ſage ich; nun trink' noch einmal, in der Kue „che bekomiſt Du Eſſen von unſerer Tafel⸗ „Nun geh' und. bereite Dich auf vornehme „Gäſte. 4 Der Bauer ging, die Beamten aber ſhick⸗ ten ſofort in den nachſten Ort nach Polizei, und hatten, im Rauſch der Freude einen ſo guten Fang zu thun, nicht bemerkt⸗ daß einige Schobri. 9 — fremde Geſichter ſich unter die Frohner gemengt hatten, die genau Acht was geſchehen — 7 Der Bauer kam heim, er hatte es uͤber⸗ 8 legt, daß es doch ſichrer waͤre, es mit der O5 igket als mit den Raͤubern zu halten, und wollte ſein Leben und ſeine Freiheit nicht als Er und dachte: Der Ruutetanpt⸗ Sein Weib aber war eine geſchaͤftige Mar⸗ Flamme. Opfer der Danttarkeit in die ſchlagen. . ing iſt kug und wird ſich ſchon ſelbſt helfen. tha; des andern Tages rauchte die Feuer⸗ eſſe und auf dem loderte Pie wirthliche 26. Die Glocke des nachbarlichen Dorfes i ſieben Uhr. Die Heerden kehrten heim, und der Friede des herrſchte uͤber die weite Thalebene, als die Herren Beamten ſammt und ſonders über die aufgebotenen Dorf⸗ unterthanen Heerſchau, wie ſie es nannten, hielten. Der Civiliſt ſpielt ſo gern mit dem Mil⸗ tarkleide; die Herren Beamten hatten ſich in Uniform geworfen, Säbel umgeſchnallt, den Schnurrbart gewichſt, und jeder ein Doppelge⸗ wehr um die Schultern gehangen. Was von den Bauern Soldat geweſen war, trug mili⸗ täriſche Waffen, die übrigen aber Senſen, Stangen gleich Bajonetten befeſtigt, einige junge Burſche hatten ſich mit Scem Anbrüſen bewaffnet. — 132 — Der Oberamtmann begann im hochtraben⸗ den Styl eine herzerhebende Rede zu halten. Von den Geſetzen des Eigenthums, von der Pflcht der Vertheidigung herrſchaftlicher Bur⸗ gen, die der Schutz des Landmanns waͤren, ging er im Pathos der Rede, die er vom Al⸗ tan des Schloſſes herabſpruch, zur Pflicht der Selbſtaufopferung uͤber, indem er noch vor⸗ zůglich den Tod des Dieners fuͤr ſeine Herr⸗ ſchaft rühmlichſt anpries. Er ſchloß mit den Worten: „Nun ſo laßt uns den Räubern ent⸗ „gegen ziehen. Bei Tafel und Wein werden „wir die Uebermuͤthigen treſſen, die Furcht wird uͤber ſie kommen und ſie werden, ſtatt „der gehofften Freuden des Schmauſes, Blut „und Ketten finden, Ketten ſage ich, die ſie „tragen ſollen, bis ſie ſelbſt von ihnen getra⸗ „gen werden. Auf nun, Ihr Bauern und Eig⸗ n folgt uns, uns, die wir, treue Diener eres Herrn, auch ſeiner Knechte Beſtes „ſehn und ſiegen.“ „wollen. Folgt uns, wir werden kommen, — 133 — So ſchloß er. Die Rede hatte wenig Eindruck zia 4 verſtand es die kluge Hausfrau, auf den Muth dieſer Leute zu wirken. Sie ließ Spe und Slivowitze, den aus Pflaumen gebrannten Branntwein, auftiſchen. Brod und Fuchen war in Fuͤlle da. Nun zechten und ſangen die Bauern und ließen, ihre Waffen ſchwingend und mit ihnen klirrend anſchlagend, ihre Her⸗ ren hoch leben, wäͤhrend dieſe im Salon des Schloſſes bei Faſan und Tokaier ihr Nachtmahl hielten. Als die achte Stunde ſchlug, blies der Schloßtrompeter zum Aufbruch. Der Bauerwirth hatte indeß Alles gar ſtatt⸗ lich vorgerichtet, und ſich ſelbſt im Voraus ein Räuſchchen getrunken, um des innere Stimme „die ihm wohl zurief: „du haſt den Freund, den wohthiet „verrathen“ 5* Letäuben⸗ Wohl juckte es ihm ſelbſt in dieſem Augen⸗ blick der Selbſtbetrachtung am Halſe, aber der Gedanke, der kluge Raͤuberhauptmann wird ſich ſchon ſelbſt helfen, und du biſt ja einmal dem Gericht verfallen, troſtete ihn. „Alles iſt nun vorgerichtet“, ſprach jetzt lieb⸗ koſend ſein Weib, indem ſie einen derben Kuß auf ſeinen Mund druͤckte. „Komm Alterle, „ſieh nur das koͤſtliche Eſſen! wie herrlich iſt „„die Kraͤuterſuppe, wie delirat der Spargel, „wie gut gekocht die Paprika, wie ſaftig das „Buffeſfteiſch mit Meerrettig und fuͤßem Rahm; „ſieh nur das Eingemachte! gerade ſo liebte es „der Herr Probſt, als ich bei ihm diente. Der „lich, das ſind ihrer viele. Friſch, trag die — — „Aal iſt ſchoͤn, die Forellen von herrlichem „Geſchmack. Der Hirſchzimmer, den ic 5 „Waldmeiſter kaufte, wuͤrde auf herrſcha tlicher „Tafel genehm ſeyn; koſte einmal! Nicht wahr, „er iſt gut? Und der Faſan, mit Speck um, „legt, ach er iſt ſo zurt! Zum Backen hotte „ich nicht Zeit; nun, die Herten werden ſchon „Gebackenes und Wein mitbringen. Wo blei⸗ „ben ſie aber? Es wird ſchon finſter!“ — „Graͤme Dich nicht,“ antwortete der Alte. „Unſere Gäſte ſind die Kinder der der „Mond iſt ihre Sonne!“ Ein Lärm von außen unterbrach das Ge⸗ ſpraͤch. „Sie kommen!“ rief der Bauer; „wahr⸗ „Suppe auf!“ Der Zug nahte, aber es waren nicht die ſondern die Beamten mit 6uu. „Wo ſind Deine Gäſte7 redete zornig der Oberamtmann den Bauer an. — „Sie laſſen auf ſich warten, gnädiger „Herr,“ antwortete dieſer, indem er auf die Erde ſiel, des Fragenden Knie umfaßte und ſie kuͤßte. — Hierauf ſprach der Oberamtmann, ſich wen⸗ dend zu ſeinen Offizieren (denn ſo nannte er die Unterbeamten, die ihn begleiteten): „Nun „wollen wir die Wachen ausſtellen.“ „Hieher fuͤhrt ein Hohlweg. Die Schuͤtzen „ſtellen wir in den Hinterhalt, an dem entge⸗ „gengeſetztem Ausgange die Senſenlente. Kome „men die Räuber, ſo laſſen wir ſie ruhig ein⸗ — „treten, aber ſobald ſie in der Enge des We⸗ „ges ſind, wird von allen Seiten Feuer gege⸗ „ben. Der Vollmond leuchtet uns, die Schuͤhe „koͤnnen ſicher fallen.“ — „Auf meine Jäger,“ ſprach einer der of⸗ ſiziere, „kann ich mich verlaſſen, ſie dienten bei „den Scharfſchuͤtzen. Wollen die Räuber auf 5 „der andern Seite heraus, ſo ſtürzen ſie in „die vorgehaltenen Senſen, und kommen ſo „eher zum Tode, als zur Mahlzeit.“ — „Keiner finde Gnade, aber den Haupt⸗ „mann ſucht lebendig zu fangen; an ſei⸗ „nem Muthe werdet Ihr ihn kennen lernen. „Zetzt gehr, hier iſt unſer Hauptquartier.“ Er trat jetzt vor das Haus an den Weg. Der Vollmond bützte in der gezogenen ge⸗ kruͤmmten Damastener Säbelklinge. Waͤhrenb ein Oberjaͤger die Mannſchaften abtheilte, ging der Oberanfuͤhrer mit ſeinen Adjutanten ins Haus, ſetzte ſich zur Tafel, und ſchmaußte nach Her⸗ — — mehr und mehr und beim Faſan rief er, indem er ihr die Hand reichte: ger unte dem Scheffel leuchten, fortan zieh' mit all den Deinigen ins Schloß. Dein Mann Das Knallen der Gewehre der nnet das Geſpräch. aus der Scheide reibend und hinaustretend. ven ruchten ſie? X zensluſt, die Kunſt der wirthlichen Hausfrau belobend. Er erhob ſie bei jedem Gericht immer „Theures Weib, Dein Licht ſoll nicht län⸗ „ſoll Thuͤrhaͤter, Du ſollſt Oberköchin werden. „Gut ſollt Ihr's haben. Wem ich einmal wohl „will, dem gehr es wohl. — Deine Toch⸗ „Sie kommen!“ rief er, den Saͤbel Vuc kamen einige Vorpoſten zuruͤck, aber — 139 — Einen Raͤuber? — — Nein, den unglückſeligen Vireſupernumerar⸗ copiſten der Canzlei, ein ſchmaͤchtiges duͤrftiges kaͤnnchen, den die leidige Furcht im S iſetehaltet hatte. Angſt und Schreck malte ſich auf ſeinem 7 Antlitz. Seine Kniee ſchlotterten, tief athmete die Bruſt, und von Fieberfroſt, den Folgen der Herzensangſt, geſchuttelt, ſprach er, dem Ober⸗ amtmann mit zitternder Hand ein Billet uber⸗ reichend: „Sie waren da und laſſen ſich bedanken.“ „Wer?“ fragte der Beamte. „Je nun, wer denn anders als der Schv. bri und ſeine Bande. Dieſer Brief beweiſt es.“ 2 Der Amtmann entfaltete ihn und las — — „Ich war da. Die Liſt iſt gelungen, das „Schloß fanden wir ohne Beſatzung. Waͤhrend „Ihr bei unſerm Schmauße praßt, trinken wir „von Eurem Weine und leeren Eure Caſſen. „Heilig ſind uns die Gelder der Unmuͤndigen, „der Wittwen, die anvertrauten Gelder der Herr⸗ „ſchaft, nur die Zehnten und Deine Capitale, „ſtolzer Mann, nahmen wir. Dein Weib iſt „eingeſperrt, aber kein Leid geſchah ihr, wir „fanden Papiere von hoher Wichtigkeit. Nur „dann erhälſt Du ſie zurück, wenn der Bauer, „der ganz unſchuldig iſt, ohne Leid davongeht, „und Du es nicht wagſt, uns nachzuſetzen. „Deines Weibes Leben buͤrgt fuͤr unſere Si⸗ 3 cheit, denn noch ſind einige der Meinigen „im Schloſſe. Laß Dir unſere Speiſen wohl „ſchmecken, und behetzige die Lehr, daß man „einen armen Bauer durch Martern leichter „zum Geſtändniß zwingen, als einen Raͤuber⸗ „häuptling äberliſen kann. Dein Geld ſoll in und den Armen wohlthun.“ „Schobri.“ — Wer malt des ſulzen äberliſteten Wannes in die Laͤnge. Schaam und Zorn wechſelten auf demſelben. Als ſeine offiziere, von ihren Po⸗ ſten zuruͤckkehrend, um neue Verhaltungsbefehle baten, mußte der Stolze ſich ſelbſt in ſeiner Blöße zeigen. Die Mannſchaften wurden zuruͤckgezogen und da Alle hungrig waren, ſo ward die Tafel preisgegeben, und von ihnen, ſtatt in die Räu⸗ ber, tapfer in Fleiſch und Braten eingehauen. Am tapferſten unter Allen war der Viceſuper⸗ numerarcopiſt, der, ſeine Angſt vereſſend, am Ende der Tafel noch zum Gelegenheitsdichtet wurde, und, dem Amtmann zum Aerger, die Ge⸗ ſchichte als Ballade recitirté. Der Bauer und ſein Weib blieben unangeſochten, der Räͤuber⸗ hauptmann aber zog mit ſeiner Bande, ohne verfolgt zu werden, von dannen, in dle weiten Ebenen Ungarns, neuen Abentheuern entge⸗ geneilend. Staunen und Entſetzen. Sein Geſicht zog ſich — — 28. In der ſchoͤnen und reichen Stadt Peſth ſaß eines Morgens das holde Edelfraͤulein, wel⸗ ches wir am Anfange unſerer Geſchichte kennen lernten. Mehrere Briefe und Zeitſchriften lagen vor ihr. Erſtere enthielten den Aufruf zu wohl⸗ thätiger Huͤlfe fur Wittwen und Waiſen, deren 4 Angehorigen an der Cholera verſchieden waren, und die Bitte zur Errichtung einer jener wohlthäͤtigen Anſtalten, die das aͤußere Leben des zarten Kindes entwickeln, und in ihm ſchon den Grund zu ſeiner kuͤnftigen Bildung legen ſollen. Die edel⸗ ſten Damen ſtehen an der Spitze dieſer Ver⸗ eine. Ungarns hoher Adel, feſthaltend an den Rechten ſeiner Vorfahren, und ſtreng in ſeiner Anſi icht gegen etwaige Eingriffe in die Verhältniſſe k2 ehanfn iſt wohlthäͤtig und hrehet — 1 — zig, wenn es allgemeines Leiden gilt. Hier ſcheut er nicht Geld noch Selbſtaufopferung. Tritt er in die Huͤtte der Armen, und ſieht ſein Auge die Noth, ſo ſpendet er reichlich. Die Edelfrauen Ungarns haben in der Zeit, wo die furchtbare Seuche, die aſiatiſche Cholera, ſo verheerend auch in Ungarn wuͤthete, vielfache Beweiſe ſich ſelbſt aufopfernder Menſchenliebe ge⸗ geben; ihre Namen ſind ins Buch des Wohl⸗ thuns glanzend eingeſchrieben. Sie milderten die Noth, ſie trockneten die Thraͤnen, und das eigne Bewußtſeyn war ihr ſchönſter Lohn. Auch unſere Huldin gehoͤrte zur Zahl dieſer. Bei jedem der Briefe, den ſie geleſen, griff ſie in ihre Schatoulle und ſpendete reiche Gaben. 29. Jetzt, als ſie die Briefe beantwortet hatte, las ſie die Zeitungen, welche unter Anderm ein Verzeichniß der Gaben enthielten, die die mild⸗ thätige Hand der Menſchen⸗ und Chriſtenliebe wohlthätigen Vereinen widmete. Oft fand ſie ihren Namen, oft die Bezeichnung: ein Unbe⸗ kannter, mit dem Sinnſpruche: zur Verſöhnung. Hoch erröthete dieſer Sinnſpruch war ja der ihres räthſelhaften Jugendfreundes, von deſſen Leben und Treiben ſie nichts wußte. Etben durchſtog ihr heller Blick ein Zeitungs⸗ blatt und las folgenden Artikel: „Der beruͤchtigte Schobri bemůht „ſich, ſeine Unthaten durch Wohlchun an * „Arme zu verſöhnen, das geſtohlne Gut „ſpendet er mit reicher Hand, hilſt, wo „er kann, mit Rath und That, und be⸗ „muht ſich, die romantiſche Rolle eines „Rinaldini zu ſpielen.“ „Nicht unwahrſcheinlich iſt es, daß er „es war, der beim Brande des *Jagd⸗ „ſchloßes das Edelfraͤulein mit eigner Le⸗ „bensgefahr rettete.“ — „Heilige hochgebenedeiete Mutter Gottes!“ rief in dieſem Augenblick die junge Gräfin. Der Schreck warf ſie in die Arme der Ohnmacht. Erblaſſend ſank ſie, im Sinken noch die Hände zum Gebet faltend, auf die weichen Kiſſen der Ottomanne. Schobri 30. Scobri, der Räuberhauptmann, zog nun mit den Seinen den Ebenen ungarns *) zu. Dieſe großen Tiefebenen des Landes gehoͤren zu den bedeutendſten Europens. Ihre große, auf 2000 Quadratmeilen ſich erſtreckende, Ausdeh⸗ nung, ihre geringe Erhoͤhung uͤber der Meeres⸗ flͤche, ihre geſchuͤtte Lage, ſowie ihre Cultur⸗ faäͤhigkeit machen ſie zu einem intereſſanten Ge genſtande des Beobachters. Die Donau, dieſer majeſtätiſche Fluß, durchſchneidet dieſelbe, und hier entſchaͤdigt ſich *) S. Zeitſchrift: das aslun, 1836. No. 207. u. ſ. — 147 — der Strom, der nun bald die große Waſ⸗ ſe rſtr aße zwiſchen Deutſchland und dem ſchwar⸗ zen Meere bilden wird, und ſich bereits durch Dampfſchiffe durchſchnitten ſieht, fuͤr den Zwang, welchen er durch das enge Felſenthor von The⸗ ben erleiden mußte, dadurch, daß er ſich in mehrere Arme theilt und ein Inſel⸗ Labyrinth bildet, welches erſt mit der Suͤdoſtſpitze der gro⸗ ßen Inſel Schutt, auf welcher das jung⸗ liche Komorn kege endigt. Die fruchtbarſten Ebenen bilden die Uferz Suͤmpfe ſind ausgetrocknet und der nordweſtliche Theil der Ebene beſteht aus vollkommen reiner, in manchen Gegenden mehrere Klaftern mächti⸗ ger, Dammerde der beſten Gattung, welche bis an den Fuß der Karpathen reicht. Hier wo ſich der uͤppigſte Wieſenboden aus⸗ breitet, wo die herrlichſten Weizenfelder pran⸗ gen, wo ſich die Paläſte des reichſten Adels erhe⸗ ben, wo das Canaan der Beamten iſt, hier glaubte Schobri, der gerade dieſem Stande feind war, 3 — 148 — neue Beute zu gewinnen, und durch ſi ſie ſeine Kraͤfte zu vermehren. Eben hatten ſie einen Nußbaumwald erreicht und wollten ſich in dem Schatten derſelben lagern, als der Hauptmann gebot, einen Kreis um ihn zu ſchließen, den Saͤbel zog, praͤſentiren ließ, und dann, nachdem er Gewehr beim Fuß befehligt hatte, die Sei⸗ nen, die ihn liebten und fuͤrchteten, folgender⸗ maaßen anredete: „Waffenbruͤder! denn dieſen Namen geb⸗ „ich Euch, da noch kein Mord, kein feiger Raub „auf unſerm Gewiſſen laſtet, und wir als Krie⸗ „ger gegen Krieger mäͤnniglich kaͤmpfen, jetzt „beduͤrfen wir mehr als je Einigkeit, Klugheit „und Kraft. Das letzte Unternehmen hat uns „neue Feinde erweckt, und mit geſammter Kraft „geht man um, uns anzugreifen und den Koͤr⸗ „per in ſeinem Haupte zu vernichten. Wollt „Ihr, daß ich allein falle, hier ſtehe ich, uͤber⸗ „gebt mich der ſtrafenden Gerechtigkeit, ſie ver⸗ „Zieße mein Blut und es trete verſohnend — „zwiſchen Euch und Eure Miſſethat. Wollt „ihr? ſo legt Hand an!“ — „Nein, nein!“ riefen die Raͤuber, mit den Waffen an einander ſchlagend, „Du warſt unſer „Fuͤhrer bis jetzt, bleib' es! wir wollen un⸗ „ſere Freiheit nicht durch Dein Blut erkaufen, „und wuͤrden wir auch frei von Strafe, ſo ſind „wir an dieſe Lebensart gewoͤhnt und wuͤrden „aus Raͤubern feige Moͤrder werden. Bleib' „unſer Herr und Fuͤhrer! noch einmal „erwählen wir Dich, geloben Dir noch einmal „tren zu ſein bis in den Tod.“ So ſprachen ſie. Der Aelteſie derſelben erhob einen auf der Eyde liegenden Aſt, trat vor den Sn und ſprach: „Feſt in der Bund gegenſeiter unthat! „Darum verzage nicht an unſerer Treue! Sieh', wie ich dieſen morſchen Aſt zerbreche, eben ſo „ſei der Stab des Todesurtheils uͤber uns ge 3 „brochen, wenn wir Dich verlaſſen.“ — 150 — „Ich danke“, erwiederte der Hauptmann, „und fortan iſt das Band der Treue unauf⸗ „oͤslich.“ „Hoͤrt jetzt meine Worte: Liſt uͤberwindet „kuͤhne Kraft. Darum wollen wir jetzt mit ver⸗ „einten Waffen kaͤmpfen. Wo ich bin, da iſt „die Furcht, da der Feinde groͤßte Kraft; ſie „ſuchen mich in den Gebirgen, ich zog deshalb „in die Ebene, denn hier wird unſer Anhang „ſtärker ſeyn, ſchon wuchs er von Tag zu Tag.“ „Ueberall muͤſſen wir ſeyn und nir⸗ „gends, kommen und gehen, ehe es unſere „Feinde ahnen und, wie der Blitz aus heitern „Wolken, auf ihre Haͤupter fallen. Ich theile „von heute an meine Schaar in ſieben Ab⸗ „theilungen, jede waͤhlt ſich ihren Fuͤhrer⸗ „Jjeder Fuͤhrer führe meinen Namen, trage „Kleid und Waffen, wie ich ſie trage, jeder ſei „Hauptmann, jeder, ich ſage dies mit „ſtolzem Selbſtgefuͤhl, ein Schobr il aber kei⸗ „ner nweh dieſen Namen dutch Feigheit „und ſchaͤndliche Miſſethat. Wer es thut, vere „faͤllt dem Tode im Gericht der Brüder. Wollt „Ihr dies angeloben? — Ein lautes Jal! „verkuͤnde es!!“ — „Ja! Ja!“ riefen Alle mit funkelndem Blick und klopfenden Herzen; nur um das Ant⸗ litz des Einen, des rothkoͤpfigen Jonsky, der kein geborner Ungar war, ſpielte ein häßlicher Zug von Heimtuͤcke. Er haßte und beneidete den Hauptmann. „So geht denn,“ rief der Hauptmann, „vertheilt Euch in alle Himmelsgegenden. „Dieſer Monat, der eben beginnt, ſei Zeuge „Eurer Thaten, Eures Muthes, Eurer Klugheit „und Eurer Menſchlichkeit; mit dem erſten des „naͤchſten Monats kommen wir auf dem großen „bewußten Jahrmarkt zuſammen. Dort werde „die Beute getheilt und ein Zehntheil Sune „hüloſe Armuth.“ — 152 — Die Raͤuber wählten unter ſich, und wirk⸗ lich traf ihre Wahl ſi eben der Tapferſten, von denen noch keiner einen gen Mord begangen hatte. Alle freuten ſi ſich der Wahl, aber grollend und tuckiſch ging der rothe Jonsky von dannen. Des Hauptmanns Ungluͤck war ſein Wunſch. Der Hauptmann durchzog mit ſeiner kleinen Schaar die Ebenen. Da ſo eben die Regimen⸗ ter dieſer Gegenden aus ihren Garniſonen zu einer Revue gezogen und das Land von Solda⸗ ten entblößt war, konnte jetzt Schobri deſto kecker auftreten. Daß er da war, ward bald be⸗ kannt und doch meldeten die Zeitungen, daß man ihn hier und dort, in Gegenden die weit von einander entfernt e geſehen habe. Dr⸗ erweckte den Aberglauben, die Fama log das Ihrige dazu, und bald galt er fuͤr ei⸗ nen Doppelgaͤnger, einen Mann, der die ſchwarze Kunſt verſtaͤnde, und mit den Gei⸗ ſiern der Unterwelt im Bunde ſtehe. Wohl wußte er dieſen Sinen zu echalten, denn er — 153 — gab ihm den Anſtrich des Wunderbaren, des⸗ halb wagte es Runa anzugreifen und zu beleidigen. Die Pächter einzelner Hoͤfe, ja ſelbſt Edel⸗ leute kleinerer Guͤter kamen zu ihm, ſich ſeine Freundſchaft zu erbitten, und ſich durch ein ge⸗ wiſſes Aequivalent von ſeinen Beſuchen loszu⸗ kaufen. Redlich erfuͤllte er das einmal gegebene Wort, aber wehe dem Verraͤther und Zweizung⸗ ler. Die Rache ſuchte und traf ihn, da Scho⸗ bries ſo gut einzurichten verſtand, daß Jener, als Mitwiſſender der Bande, ſelbſt dem Gericht und der Strafe des Geſetzes verfiel. Dies machte Aufſehen. Alles zitterte vor“ Gcheimntßolen. Er ſelbſt kannte die — 154 — Macht und den Einfluß der Geiſtlichkeit, wußte es, daß ſie das Herz des Volkes beherrſchen; deshalb gab er ſtrengen Befehl, Pfarrhoͤfe und Kloͤſter zu verſchonen. Hierdurch erhielt er des Volkes Vertrauen und ſeine Bande wuchs von Woche zu Woche, ungeachtet er ſtreng in der Auswahl war. Ungarn und Ausländer ſchloſen ſich ihm an, Wallachen und Raizen meldeten ſich und baten um Aufnahme in ſeine Dienſte, ſelbſt der ſlaviſche Servier, welcher dem tuͤrki⸗ ſchen Joch entflohen war, diente ihm als Kund⸗ ſchafter und Knecht. Von einem derſelben erfuhr er, daß ein rei⸗ cher Grieche, beruͤchtigt als Geizhals und er⸗ bärmlicher Kniker, mit großen Gepaͤck und koſt⸗ baren tuͤrkiſchen Webereien auf die Meſſe fahre und nut von wenig Dienern begleitet wurde. Auf dieſen ſollte Jagd gemacht ut und Gewalt wollte man verſuchen. An der Straße lag ein einſames Wirths⸗ haus. Der Wirth war mit den Raͤubern ein⸗ verſtanden. Schobri warf ſich in das Kleid eines reichen Peſther Handelsmannes. Ein ungariſcher Sam⸗ metrock, mit Schnuͤren kuͤnſtlich verziert, eng anſchließende, reich mit Silber geſtickte Bein⸗ kleider, gelbe Stiefeln und eine Sammetmuͤtze mit Zobeln verbraͤmt, gaben ihm ein ſtattliches Anſehen. Um den Leib hatte er eine große Geldkatze geſchnallt, welche von dem ſchweren Inhalt zu berſten drohte. Die Uhr hing an ei⸗ ner ſchweren Goldkette und Ringe von Werth ſchmuͤckten die Hände. Seine Pferde waren von ebler Race und reich geſchirrt; ſeine Be⸗ gleiter trugen ſich als Vlehhändler. In dieſem — 156 — ſtattlichem An⸗ und Aufzuge nahte er dem ein⸗ ſamen Wirthshauſe, welches ſo eben der filzige Grieche betreten hatte. Dieſer ſaß einſam unter der Menge der Gaͤſte und verzehrte das ſelbſt mitgebrachte Fruͤhſtuͤck. Außerdem ſaßen noch an dreißig Perſonen bunt unter einander um das Feuer welches im Kamin brannte, in welches von Zeit zu Zeit einige Stuͤcken Kien geworfen wurden, damit es hell aufflackern ſollte. Ein eigentlicher Heerd war hier nicht befindlich; das Feuer brannte zwiſchen ein Paar Ziegelſteinen unmittelbar unter der Eſſe; der Rauch qualmte durch die Stube, und jeder mußte ſich ſeine Kuͤche ſelbſt beſorgen. Eben ſtellte der Grieche einen blechernen Kocher zwiſchen die Steine und befahl ſeinem Diener, den geſtampften Kaffee herbeizubringen, den er ſich nach tuͤr⸗ kiſcher Art bereiten wollte, als ein Geraͤuſch von außen ſeine Aufmerkſamkeit ſeſſet⸗ Ein ſtattlicher Hert ſtieg vom Roß. Ehrer⸗ grußte ihn Wirth nach tmns — 16 — und alle Gaͤſte machten dem Herrn Platz, deſ⸗ ſen äußerer Anſtand und Kleidung einen Edel⸗ mann bezeichnete; Muth und Entſchloſſenheit blitzte in ſeinem Auge. „Salvete (Seid ge⸗ gruͤßt)!“ rief er eintretend und warf das mit vergoldetem Griff verſehene Jagdmeſſer, welches er an einem werthvollen Bandelier trug, ſeine Reitpeitſche und eine mit Silber beſchlagene Tuͤrkenpfeife, deren Meerſchaumkopf mit köſtli⸗ chen Steinen ausgelegt war, auf den Tiſch. „Wirth!“ rief er mit der Stimme eines Befehlhabers. — Mit dem Blick der D Demuth nahte ſich dieſer. „Was ſteht zu Befehl, hrher Her!“ kreiſchte er freundlich. „Ein Schluc Sliwowitz oder Kronſtädter „Magenwaſſer, oder ein Glaͤschen Tokaier, nur „ein gutes Thraͤnchen!“ — 4 „Befehlen Sie nur!“ erwiederte der „Gieb das Beſte, was Du haſt!“ ſagte der Hert, indem er einen Ducaten auf den S warf. „Sorge auch fuͤr einen Imbiß.“ Der Wirth eilte hinaus, tif ſi ſich vernei⸗ gend. Jetzt erſt ſchien der Eintretende den Griechen zu bemerken. Nachdem er ihn mit je⸗ nem edlem Ernſte, der dem Ungar ſo wohl an⸗ ſteht, gegruͤßt hatte, ſetzte er ſich neben ihm an das Kamin, waͤhrend der Wirth Wein und Wildbraten brachte. Der Grieche betrachtete ihn mit liſtigen Augen, und begierig wendeten ſich ſeine Blicke auf die ſchwere S des rei⸗ 3 nn Was gibt's Neues?“ rief dieſer, ihm ver⸗ traulich naher ruͤckend. „Wie geht's in den Wiſchen Provinzen?“ — „Es giebt immer viel Unruhe und innere „Kämpfe. Der Gbherr meint es redlich⸗ „Sein Geſetz verheißt auch uns ſeinen Schutz, „aber die Haͤuptlinge der Partheien folgen nur — 159 — „ihrer Leidenſchaft. Das Land wird wuͤſt und „arm im Kampfe der Partheienwuth, aber wie „ſehr ſie ſich auch unter einander haſſen, ſo „ſind ſie doch, wenn es unſern Schaden gilt, „einig; der arme Grieche muß dabei immer „am meiſten leiden.“ — „Ihr geht zur Meſſe nach Leipzig?““ ſprach der Fremde. — Damit entſpann ſich folgendes Geſpraͤch. „ Grieche. Mein Geſchäͤft verlangt'. Ungar. Vuun befehrs — Grieche. In Juwelen, perſi ſchen Shawls, macedoniſchem Garn und Baumwolle. Ungar. Drei köſtliche Artikel. Nun, das reiche Leipzig hat des Goldes viel. Grieche. Der Verdienſt wird geringer, die Handelsleute mehren ſich, die Snette großen i und — . — 160 — Ungar. Die Leute werden klager. Apro⸗ pos! Wie hoch ſteht das Geld? Grieche. Dalzu viel auf dem Markt roulitt und es von zu ſchlechtem Gewicht iſt, ſo werden die teichten Ducaten blos nach dem Gewichte be⸗ zahlt. Jetzt iſt nichts mehr zu verdienen. Sonſt brachten wir alles leichte Gold nach Leipzig, Fabrikherren kauften es und die Arbei⸗ ter mußten es ſcon fuͤr voll annehmen. ungar (indem er ſeine Boörſe „ſchnath. Habt Ihr leichtes Gold? Ich koͤnnte noch eini⸗ ges anbringen; ich habe eine Pferdelleferung füͤr die Armee und von der Regierung gutes vollwichtiges Gold; die Wallachiſchen Roßhänd⸗ ler brauchen dies nicht. Koͤnnen wir einen Um⸗ tanſch machen? Grieche (freundlich kreiſchend). Warum nicht? Die Goldwaage wird's lehren. (Er zog aus ſei⸗ n Puſen eine Goldwaage.) nger. Das S beginne, und — 161 — laßet uns einen guten Reukauf ninken; vielleicht kann ich auch Etwas von Euren Wair ger brauchen. Ich habe ein Weib, die den Schmuck ͤberaus liebt. Bei dieſen Worten ſchnallte er die gettite auf, nahm einige Rollen Dukaten heraus, riß ſie auf, daß das funkelnde Gold auf den Tiſch rollte; der Grieche, dadurch ſicher gemacht, ent⸗ huͤllte jetzt auch ſeine Reichthuͤmer; der Ungar merk⸗ te inzwiſchen recht wohl den Verluſt, den er durch das falſche Gewicht ſeines Gegners erlitt. Er ließ ſich das gefallen, kaufte dann Waaren, vielleicht um das Doppelte des Werthes, und nun bot der ſicher gemachte griechiſche Handelsmann, der ei⸗ nen Einfaͤltigen vor ſich zu haben glaubte, ihm noch einige Wechſel zum Kauf an, nach Jaſſy geſtellt waren. „Kauf und Wiederkauf macht das Ge⸗ „ſchaͤft,“ ſprach jetzt lächelnd der Ungar. „Ihr „muͤßt mich auch in Nahrung ſetzen, wenig⸗ „ſtens eine kleine Maͤkelei uͤbernehmen. Schobri. 11 — 162 — ſnbet in Leipzig immer Seb⸗ 6 Ungar. Diesmal girs nicht Roß und Mau⸗ ler (Maulthiere), ſondern etwas Anderes, Gei⸗ ſtiges, was in Leipzig wohl immer ſeinen Käu⸗ ſer ſindet. Kennt Ihr den Schobri? Grieche (rblaſſend und haſtig nach ſeinen Pa⸗ fragt Ihr? Ungar. Ihr ſollt hn mit a die Meſſe nehmen. Grieche Citternd). Den Schobti? ſon, ſondern ſeine Lebensbeſch reibung. Haus, ohne Falſch, der bisweilen auch Man⸗ die Thaten des Raͤubers beſchrieben, wie ſie 1 n. Warum nicht? Ein edles pieren greifend). Nein, Ihr ſcherzt! Warum ungtr. Ja ihn ſelbſt, aber nicht in Prr⸗ Ich kenne einen Gelehrten, ein gutes ehrliches gel an Geld ſeidet; dieſer hat das Leben und ſind und nicht ſind. Uunter den Handelsherren — 16 — des Buchhandels wird es doch Einen gebtih ber dieſe Sachen kauft. — Hier iſt das Werk, — Ihr ſollt es mitnehmen und verhandeln. Euer Wort buͤrgt fuͤr Eure Ehrlichteit. In Kronſtadt finde ich Euch wieder. Grieche n dem Buche blitternd und boshaft lchelnd). Ja, aber das Beſte fehlt. Ungar. Seid Ihr etwa Recenſent? Was fehlt denn? Grieche. Der Schluß vom Liede. — Ge⸗ feſſelt, gemartert, zur Richtſtätte geſchleift, ge⸗ hangen, geraͤdert muß das Publikum den Hel⸗ den eines Raͤuberromanes ſehen, dann wird er geleſen, dann gekauft; alle Schandthaten muß er veruͤben. Sein Lebensgemaͤlde muß uns in die Haͤuſer der Wolluſt und des Spiels, zu verliebten Wittwen und Galanen, zu Hörner tragenden Eheherren und kuppelnden Muͤttern, wuchernden Betſchweſtern und fluchenden Frömm⸗ lingen fuͤhren; Laſter von allen Farben, alle — 164 — Seenen der Hinrichtungen, Schergen und Hen⸗ kersknechte in ihrem Jubilo zeigen, muß über Obrigkeit und Ordnung ſchimpfen, den Richter ſchmähen und das Ehrwuͤrdige mit Fuͤßen tre⸗ ten, dann wird's geleſen, dann giebt der Verle⸗ ger ſeine ſechs leichten Ducaten, und lobt ſich der Autor nicht ſelbſt, ſo wird das Buch ſchlecht Dieſes (auf den Roman hinzeigend) hat ja noch kein Ende! Der Roman muß mit der Hinrichtung des ruchloſen buͤbiſchen Rauber⸗ hauptmanns ſchließen, dann kaufe ich das Buch ſelbſt, nicht weil mich der Inhalt intereſ⸗ ſirt, ſondern weil ich und viele meiner Landslente, auch mein eigner Schwieger⸗ ſohn, dem er ein Stein des Anſtoßes iſt, ernſtlich wuͤnſchen, daß endlich Schobri, dieſer gemeine Bandit, den Lohn ſeiner Thaten empfange. Ja, ich haſſe dieſen verruchten Kerl, vor meinen Augen koͤnnte ich ihn marternd ſter⸗ ben ſehen. (Bei dieſen Worten egreift er den — 165 — Weinbecher und ſtoͤßt mit dem Ungar and. Ihr ſeid ein reicher Mann, Ihr muͤßt ihn haſſen, trinkt mit mir auf des Raͤubers Verderben. Tod dem Schobri!l ihm und den Seinen Gal⸗ gen und Rad, Tod und Schande!! — — Schobri! Schobrit ſcholl es plötzlich von außen her. Blaß ſtüͤrzte der Wüth in die Stube, und meldete, daß Schobris Bande nahe. — Zwei baumſtarke Kerls folgten ihm, mit Dolchen und Piſtolen bewaffnet. Der Grie⸗ che war wie vom Donner geruͤhrt. Als er in ſeiner Verzweiflung mit kreiſchen⸗ der Stimme, heiliger Andreas! ausrief, warf ihm einer der Eingetretenen von hinten eine Nebelkappe uͤber, welche ſo kuͤnſtlich eingerichtet war, daß es nur eines Zugs bedurfte, um den Hals zuzuſchnüren. — 166 — Schnell ward er gefeſſelt, entkleidet und be⸗ raubt. Die Waaren, die ſeine Roſſe trugen, wurden abgepackt, ihm aber weirer nichts Boͤ⸗ ſes angethan. Nach einigen Minuten ließ man ihn wieder frei, und füͤhrte ihn in die Mitte der Räuber, wo ſich der Hauptmann befand. „Jetzt ſiehſt Du,“ ſprach dieſer, „den „gefuͤrchteten Haͤuptling. Ich kenne Dich, denn „der Ruf ging Dir voran, Du biſt ein Be⸗ „truͤger d Wucherer; Thränen der Wittwen „und Waiſen laſten auf Deinem Mammon. „Falſch iſt Dein Goldgewicht, wie Dein Herz⸗ „An dem Shawl, den Du um den Leib trugſt, „koͤnnte ich Dich ſofort aufhaͤngen laſſen, aber „geh' und beſſere Dich! Hier ſind hundert „Ducaten! nimm ſie, ein Theil Deiner Waa⸗ „ren wird Dir zurckgegeben werden. Auch „ferner werde ich auf Dich ein wachſames Auge „haben, denn wiſſe, weit reicht meine Hand. „Verſuchſt Du es, uns zu verrathen, ſo biſt u verloren. Geh' und verkuͤnde in der vei⸗ „chen Handelsſtadt Schobri's That und ſei⸗ „ne Geſinnung; man wird auf den Ungluͤckli „chen, den ein haſſendes Schickſal mit ſich „fortriß, wenn etſt ſeine Charakterzuͤge allge⸗ „mein bekannt ſind, nicht mehr zurnen und ihm „nicht mehr ſuhen — 3 Er ließ dem Griechen ein Kleid als e ſchenk uberreichen, während er dasjenige, was jener getragen hatte, und worin Edelſteine ein genaͤht waren, fuͤr ſich behielt. Ein Maulthier ward ihm gelaſſen, und friedlich konnte er ſeine Straße ziehen, waͤhrend Schobri und die Seinen ihren Veg nach 5 turkiſchen Grenze antraten. Andere Gegend Ungarns. Gebirge. Jobſt, ein Riuberhäuptling, ganz im Coſtum des Räu⸗ berhauptmanns, und ſeine Bande in verſchie⸗ dener Verkleidung. Vor ihm liegt ein enges Felſen al mit einem Hohlwege. Ein Zug mit Wagren zieht durch das Si ingſilich umher. / Erſter Kaufmann. Ach, wenn wir nur diesmal durch waren. Hier ſoll die Bande hanſen. Zweiter. Den S hobri hat man in Kron⸗ ſtadt geſehen. Vriter. Nein in pen war es. Vierter. Ich ſelbſt ſoh ihn in Tokay. Er iſt als ein Voppelzinger, kann ſch un⸗ — 169 — ſichtbar machen und ſteht mit den nve im Bunde. Ha! wer kommt? (Drei Raͤuber, als Handwerksgeſellen geklei⸗ det nahen ſich). Erſter Raͤuber (ſich den Kauſteuten nahend). Ein armer Schneidergeſell bittet um eine Gabe. Zweiter. Ein Weber. Haben Sie die Gnade! Dritter. Ein Kuͤrſchner. Schenkt uns Et⸗ was, gnaäͤdiger Herr! Kaufnann. Geht zum Teufel! laßt Euch vom Schobri zahlen und dann geht mit ihm zum Galgen. Der Weber. Du haſt Recht, das wollen wir Alle. — Auf den Austuf: „Es lebe der Hauptmann!“ werfen die Räuber den Kauf⸗ mann, ehe er ſichs verſieht, nider, m Sle und knebeln ihn. Ein gellender Pfiff ſchallt durch den Wald; Die Bande umſtellt die Andern, welche mit dem Rufe: Gnade! auf ihre Kniee fallen. Der⸗ jenige Raͤuber, welcher als Schobri gekleidet iſt, tritt vor und ſpricht: „Zeigt Eure Koſtbarkeiten!“ Es geſchieht. Die Kaufleute zeigen ihre Waaren. Er lieſt die beſten aus, läßt ihnen die Geldkatzen abſchnallen und ſpricht zu dem Erſten: „Du bubn bei uns. Du warſt derjenige, „der zwei von uns durch feigen Verrath an den „Galgen bringen wollte. Kennſt Du dieſen?““ 6 wieder auf. (auf einen der Raͤuber zeigend). Es war der⸗ jenige, der, wie der Leſer bereits weiß, ſo wun⸗ derbar am Hochgericht zaittt wurde. nann⸗ velu Gon die S Raͤuber. Sn, jett n Di den Kampf der Todesangſt. Mache guf Deinen W bereit. Bete und ſtirh! Wer malt den entſetzlichen Schreck im Ant⸗ litz des Verurtheilten. Er zitterte und bebte, fiel auf die Knie nieder, und ſtoͤhnte mit bre⸗ chender Stimme das Wort Gnade. Jetzt nahten zwei Räuber, banden ihm die Fuͤße zuſammen, und die Haͤnde auf den Ruͤk⸗ ken; dann ſtellten ſie ihn unter einen Baum, deſſen Aeſte tief herabhingen. Um einen derſel⸗ ben ward ein Strick geſchlungen, der untere Theil aber um deſen Hals gelegt. Kutter Schweiß, die Todesangſt aus⸗ preßte, rollte von der Stirn des Kaufmanns, ſeine Kniee fingen an zu ſchlottern. „Jetzt bete!“ rief der Raͤuber. — Die blaßen Lippen des Geingſteten bebten. „Ach,“ ſprach er, „ich bin ein armer Sün „d 3 der Herr ſey m mir u und rn „zig. Amen!““ „Erkennſt Du's nun?“ rief der Räuber. „Run weißt Du es, was es in Todes⸗ „angſt ſeyn. Lebe und beſſere Dich, und „erkuͤnde es, daß Du bei Schobris Bande „Gnade fandeſt. Auch ihr Andern tönnt frei „ausgehen und ſo viel mit Euch nehmen, als „Ihr bis zum naͤchſten Handelsplatz beduͤrft. „Verkuͤndet es: Schobri und ſeine treueſten „Freunde züchtigen nur, er will nicht den Tod „ſeines Feindes, ſondern daß er lebe; er er⸗ „weiſt Barmherzigkeit, damit auch ihm Barm⸗ „herzigkeit werde in den Stunden der Ge⸗ So gingen die Beraubten von dannen. Der vom Tode Gerettete aber warf ſich auf ſeine Kniee, betete und gelobte, nach ſeiner Heimkehr eine Kapele zu bauen und nie wie⸗ der Verrither zu werden. — 177 — „Heiliger Gott,“ rief er, „mein Schutz⸗ „geiſt iſt in meiner Nähe! Weiß ſie es jetzt, „wer ich bin? O! wenn ſie es weiß, wird ihr „Herz mir nicht finchen? Gewiß nicht! Aber „brechen wird's, wenn es die Schlucht ſieht, „die uns auf ewig trennt.“ „Der Hert Offizier ſind eingeladen, am „Bal Masqué des Adels, der heute Abend „gehalten wird, Theil zu nehmen.“ So ſprach jetzt der Wirth, der, ſelbſt ein Edelmann, auch in dieſem Stande den Nationalſtolz des edlen Ungarns nicht verläugnen konnte. Schobri nahm die Einladung an⸗ „Haben Sie ſchon,“ fuhr der Wich ſ „eine Maske? Ich habe fuͤr welche geſorg „im Fall Sie keine hu Schobri. 1 „ſelbige im obern Zimmer in beliebiger Wahl! „Einer meiner Marqueurs, den ich erſt geſtern „miethete, war ein Theater⸗Schneider. Es „iſt ein flinker, kluger und gewandter Burſch; „er wird Sie ankleiden. Doch eilen Sie, denn „dann wird das Drängen zu groß. Eben gehe „ich hinauf.“ Schobri folgt. Der Garderobenſaal off⸗ net ſich. Hier waren Sultane und Sclaven, Könige und Bettler, Muftis und Einſiedler, Ritter und Raͤuber, Zigeuner und Mennoni⸗ ten, Juden und Harpagons, Nationaltrachten aller Art und zu ſehen. „Welche Maske wählen der hohe Herr?“ fragte der Marqueur. „Wollen ginen i Anzug? Suchen Sie ſich i nen aus; Sie die * obri ſch hier wirklich einen Anzug, er ganz ſo beſchaffen war, wie er ihn gewoͤhn lich tug⸗ wenn er als Raͤuberhauptmann an — 179 — . der Spitze ſeiner Bande ſun, und der ſo maleriſch ſchoͤn kleidete. 3 „Nehmen Sie ihn,“ ſihe der Nutueun fort, er wird unter allen fuͤr Sie am beſten „paſſen und Ihnen wie angegoſſen ſtehen.“ Bei dieſen Worten blickte Schobri dem Zudringlichen zornig in's Antlitz. Aber welche Entdeckung macht er jetzt. Er erkannte in deſ⸗ ſen Geſichtszuͤgen einen Raͤuber ſeiner Bande wieder. „Du?“ rief er. „Du Jonas, wie Du hierher?“ „Ja, hoher Herr, ich bin hier, nicht um „Sie zu verrathen, ſondern um Sie zu ſchuͤz⸗ „zen. Man iſt Ihnen auf der Spur; der „Grieche im Walde hat des Lärmens zu viel „gemacht. Durch Liſt will man Sie di . „fangen. Schon ſind Sie bezeichnet; in den „Reihen des Tanzes ſollen Sie * 1 „fen und heraus gedraͤngt werden. Ich ſelbſt „diente bei der Polizei, da erfuhr ich's, ent⸗ „lief, wurde Marqueur, und bin gekommen, „um Sie zu warnen. Retten muͤſſen Sie ſich „ſelbſt. Die ſchoͤne Graͤfin iſt in der Nä⸗ „he, iſt Ihretwegen in Todesangſt. Waͤhlen „Sie gerade dieſen Anzug! Alle glauben, „daß er nur einmal in der Garderobe befind⸗ „lich ſey, aber ich habe fuͤr mehrere geſorgt. „Trauen Sie mir! Liſt uͤberwindet!“ Schobri folgt ſeinem Rathe. Da ſtand er nun als Räuberhaͤuptling im pittoresken Anzuge eines Rinaldo. i a, ſchoͤn und ſchmuck wie ein Fuͤrſt der Stohne des Waldes, aber auch wie ein Candidat des Pueihn dann gilt's Geiſtesgegenwart. Unſere — 181 — „Leute ſind in der Nähe, Ihnen di v „Ihres Herzens.“ Das Schmettern der Trompeten, das Wir⸗ beln der Pauken verkuͤndigten die Eroffnung des Maskenballes. Als Schobri gekleidet trat jetzt unſer Held in den glaͤnzenden Saal ein, wo ſich alle Pracht, aller Reichthum vereinte, und wo die Toͤchter des Ungariſchen Adels im Glanze ihres Reichthums, ihrer Anmuth und Schoͤnheit⸗ + ſtrahlend, verſammelt waren. 35. Iim ganzen Saale herrſchte Luſt und Leben. Wie von einer Zauberwelt ſah er ſich hier um⸗ geben. Die majeſtatiſche Polonaiſe hatte geen⸗ det; im raſchen Walzer durchflogen die Paare den von tauſend Kerzen hell erleuchteten Sa⸗ lon; der ungariſche Nationaltanz begann; ein ſchoͤnes Schweizer Hirtenmäͤdchen, als Mimili gekleidet, zog Schobris Aufmerk⸗ ſamkeit auf ſich. — „ „ Er bat um einen Tanz; ſie reichte ihm das Schwanenhaͤnbchen, es zitterte in der Seinen, und nun flogen ſie, ein herrliches Paar, gnzenden Reihen. 1 — 183 — Hand der ſchoͤnen Unbekannten ſtroͤmte ein elek⸗ triſches Feuer durch Schobris Adern. Als der Tanz beendet war, lispelte ſie ihm, bevor er von ihr ſ ſchied, noch die Worte zu; „Sei vorſichtig und gedenke Deiner Freun⸗ „bin!“ Nachdem ſie ſich bereits ſeinem Arm entwunden hatte, erkannte er ſie erſt wieder, P——— b S. „Cotillon wird angetreten!“ rief jetzt der Directeur de plaisir. Eine Dame, als Moh⸗ 1 rin gekleidet, reichte Schobri die Hand; ſeine b— Nachbarpaare waren rieſengroße Tuͤrkenmasken. Er ſelbſt war auf ſeiner Hut, läftete den Bu⸗ ſen ſeiner Maske, worin ein kleiner Dolch ver⸗ borgen war. Der Tanz begann mit voller tuͤr⸗ kiſcher Muſik. Die Wachen an den Thuͤren wurden indeß vit „Ronde!“ rief der worne. 3 hatte er dieſe Worte geſprochen, ſo trat er, ſeinen Domino abwerfend, als Gerichtzy ſo — 184 — gekleidet, mit donnernden Worten aus dem Kreiſe der Taͤnzer hervor. „Greift zu, Schobri, der Räuber, iſt in „unſerer Mitte, ich gebiete, daß ſich Alle de⸗ „maskiren.“ „Die Gerechtigkeit verlangt dieſe Störung; „das Geſetz entſchuldige den hohen uiſenzen. 6. Die Wache draͤngt ſich in den Saal. Stark und gewandt durchbricht Schobri die Reihen der Tänzer, retirirt ſich an den Schenk tiſch, wo er den Ruͤcken frei hat. Die Feinde ſtuͤrzen nach, die Verwirrung, das Drängen iſt allgemein; auf einmal ſieht man noch ein⸗ nul im Saal. . iſ der rechte,“ ruft eine Stinn Ales ſtuͤrzt auf dieſe Maske hin. Dem wirklie * en Schobri wird ſchnell ein Domino uͤberge⸗ L 3