. Cn⸗ A c, e% Taſchen⸗Bbbliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Oſt⸗ Weſt⸗ und Süd⸗Indien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt 2 von und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. IH. Theil. 3. Bändchen. —————— Nürnberg⸗ Verlest von Heinrich Haubenſtricker⸗ 1 8 8 2. Des Major M. Symes Geſandſchafts⸗ nach dem Königreiche Ava im Jahre 1795. Auf Befehl des Gouverneurs von Oſt⸗Indien unternommen. Aus dem Engliſchen überſetzt von Dr. Hagen. Fo rtſeßun g. Am Ende der Stadt ſeht der Lenpel Scho⸗ Siguhn, welcher kleiner und ſchlechter gebaut iſt, als die Temvel zu Pegu und Ranguhn. An bei⸗ den Seiten des Weges, welcher zu dieſem fuhrt, ſtehen kleine verfalleue Tempel, Kloͤſter und artige Haͤuſer zur Beguemlichkeit für Fremde. In der Mitte geht eine Gallerie um die Pyramide, von welcher man eine weite Ausſicht uͤber das Land hin hat. Am Morgen des 11. Juli nahm ich von dem ko⸗ niglichen, zu meiner weitern Reiſe beſtimmten Boote⸗ feierlich Beſitz in Begleitung von Baba⸗Schihn. In dem Boote befanden ſich drei artige Zimmer, deren 238 Waͤnde und Decken mit baumwollenen Tapeten, ſo wie der Fußboden mit Teppichen ausgeſchmuͤckt wa⸗ ren. Wir fuhren bei vielen Inſeln vorbei, ſahen die Staͤdte Sirraͤkium, DQuerrauroh und Kiuh⸗ ſii. Die Nacht hielten wir bei Tautſchoii, deren Einwohner ſich von dem Verkaufe eingeſalzener Thee⸗ blaͤtter naͤhren. Dieſe lieben die Birmanen ſehr. Am folgendem Tage ſahen wir Tirupmiu,(chineßiſche Stadt, von einem Siege der Birmanen uͤber die Chi⸗ neſen ſo genannt,) von welcher ſich in einer Entfer⸗ nung von 6 Meilen der Kinduem in den Jra⸗ waddy ergießt. Er bildet die Grenze zwiſchen Caſ⸗ ſay und Ava. Die aͤußerſte Stadt der Birmanen am Kinduem heißt Nakiung, und die erſte eaſ⸗ ſaiſche Stadt: Thangdat. In der großen, aber ſchlecht gebauten Stadt Summi⸗Kium befindet ſich die groͤßte Salpeter⸗ fabrik im Lande, welche alle koͤniglichen Magazine ver⸗ ſieht. Unter keinem Vorwande darf Pulver oder Sal⸗ peter ausgefuͤhrt werden. Sandaht oder das Ele⸗ phantendorf wird ganz von Elephantenwaͤrtern des Koͤnigs bewohnt. Der Koͤnig iſt alleiniger Herr aller Elephanten im Lande, und die Erlaubniß auf denſel⸗ ben zu reiten, wird nur den vornehmſten Perſonen ertheilt. Der Koͤnig ſoll 600o beſitzen. In Indien ſchaͤtzt man die weiblichen Elezhanten boͤher, weil ſie leichter zu zahmen ſind. In Ava braucht man bei oͤffentlichen Gelegenheiten nur maͤnnliche. 239 Je naͤber wir der Hauptſadt kamen, deſto haͤu⸗ ſiger wurden Staͤdte und Doͤrfer an dem Ufer. Am Abende landeten wir an dem Orte, wo einſt das alte Ava, die Hauptſtadt des ganzen birmaniſchen Reiches, ſich befand. Aungwa oder Ava iſt in zwei Cheile getheilt. Die untere Stadt, mit etwa 4 Mei⸗ len im umkreiſe, wird durch eine 30 Fuß hohe Mauer und einen Graben beſchuͤtzt. Die obere Stadt hat kaum eine Meile im Umfange, iſt aber viel ſtaͤrker befeſtigt. Wall und Mauer gerathen jetzt in Verfall. Da die Haͤuſer alle aus Holz beſtanden, ſo konnten ſie bei dem erſten Befehle, die Stadt zu verlaſſen⸗ leicht nach ummerapura gebracht werden. Doch ſieht man noch Spuren von dem koͤniglichen Palaſte, dem Harem u. ſ. w. Die ganze Flaͤche iſt jetzt mit Un⸗ kraut, Dornen und Bambus bewachſen. Innerhalb der obern Stadt wird der Sempel Schogunga⸗ prah noch in großen Ehren gehalten. So oft jemand ein hohes Amt erhaͤlt, muß er in demſelben den Eid der Treue ſchworen. Der Eid iſt dann ſo heilig, daß ſein Bruch auf das haͤrteſte beſtraft wird. Nachdem wir Ava verlaſſen hatten, bot uns der Anblick der Thuͤrme und Saͤulen von Ummera⸗ purg auf der andern Seite einen angenehmen An⸗ blick dar. Tſchagaͤhn, eine ehemalige Reſideni⸗ lag noͤrdlich am Fuße eines Huͤgels mit vielen Abſa⸗ tzen, auf deren jedem ein pyramidartiger Dempel ſtand. Der ausgetretene See ſchien einen großen Fluß zu 240 bilden, an deſſen Ufern Ummerapura lag. Zahl⸗ loße Bobte ruderten umher. Um 12 Uhr kamen wir in den Kanal welcher den Fluß mit dem See Taun⸗ ſimahn verbindet, an deſſen ufer die Suͤdſette von Ummerapura floͤßt. Nahe bei dem Dorſe Taun⸗ ſimahn, dem Forte gegenuͤber, war ein Haus fuͤr uns errichtet, und am Ufer empfing uns der May⸗ wahn von Pegu und Baba⸗Schihn. Im Hauſe fanden wir den Gouverneur vvn Bamu, einer Pro⸗ vinz, welche an China graͤnzt. Wir ſetzten uns auf Derpiche und unterhielten uns vorzüglich uͤber die Geographie von Europa, welche der Gouverneur von Bamn ſehr begierig anzuhoͤren ſchien. Mit der hoͤfli⸗ chen Aufnahme war ich ſehr zufrieden. Als mir die Aeuſſerung gemacht wurde, es waͤre nicht Sitte, daß ein Geſandter vor ſeiner Audienz ausginge, und ich daher die Guͤte haben moͤchte, nicht uͤber den See zu fahren, noch meinen Leuten es zu erlauben, dankte ich fuͤr den Rath und verſprach, das Herkommen zu be⸗ folgen. Auch iſt es gebraͤuchlich, einem fremden Ge⸗ ſandten bis zu ſeiner Audienz die Stadt zu ver⸗ ſchließen. Meine Wohnung war ein geraͤumiges, ein Stock⸗ werk hohes Haus, etwas beſſer, als gewoͤhnlich ge⸗ baut. Es hatte zwei große Stuben und eine offene Hale; die Waͤnde waren aus Bambusmatten und das Dach hatte die Form, welche die adelichen Wohnun⸗ gen auszeichnet. Dr. Buchanan und Hr. Wood 241 patten neben demſelben kleinere Wohnungen. Alle Ge⸗ baͤude waren mit Bambuspaliſaden umgeben, welche einen Hofraum bildeten. Die Umzaͤunung hatte zwei Thore, und an jedem ſtand ein birmaniſcher Soldat, um uns vor Dieben zu bewachen. Einige Schritte von unſerm Thore war eine Audienshalle errichtet: dieſe iſt ein Zeichen von Wuͤrde. Jede Perſon von Bedeutung hat ein aͤhnliches Gebaͤude bei ſeinem Hauſe, weil jeder hohe Poſten der Birmanen mit Gerichtsbarkeit verbunden. Der Rhum, die Audienz⸗ balle, iſt immer außer dem Hofe, und ohne Waͤnde, zum Zeichen, daß zum Throne der Majeſtaͤt und Ge⸗ rechtigkeit jeder freien Zutritt habe. Nachdem unſre Sachen aus den Booten in un⸗ ſere Wohnung gebracht waren, erhielten meine Leute einen Ueberfluß von Reis, Butter, Holz und Toͤpfen. Im Walde errichtete man einige Buden, in welchen Gemuͤſe, Salz, Tamarinden, Gewuͤrze, Tabak und Betel verkauft wurden. Um unſern Leuten den An⸗ kauf zu erleichtern, wurden 100 Tackal, etwa 70 Tha⸗ ler, unter ſie vertheilt. Ich wollte das Geld nicht annehmen, aber der birmaniſche Pffizier ließ ſich nicht abweiſen. Sehr unangenehm fiel uns die Anweſenheit eini⸗ ger chineſiſchen Geſandten in unſrer Naͤhe. Dieſe waren Liebhaber der Muſik, und hatten einen Trupp Muſikanten bei ſich, welche einen fuͤrchterlichen Laͤrm machten. Dieſes ſchreckliche Getoſe dauerte alle Abende 242 bis Mitternacht ſo lange, bis die Hauptperſon der Geſandſchaft ſo krank ward, daß ſie die Muſik nicht laͤnger aushalten konnte. Waͤhrend ihrer Krankheit hatten wir Ruhe, nach ihrem Tode aber ging der Laͤrm von Neuem an. Wir ſtatteten einander Beſuche ab, bei welchen die Chineſen ſich ſehr ſeierlich bewieſen. Sie ſetzten ſich nicht eher nieder, als bis wir uns nieder⸗ gelaſſem hatten, oder wir ſie faſt zum Sitzen zwangen. Sie beobachteten ein ſtrenges Stillſchweigen, und wenn ſie ſprachen, ſo war ihre Unterredung langſam, ein⸗ toͤnig und langweilig. Porto, Claret und Maderawein behagte ihnen nicht; Kirſchbranntwein lieben ſie ſich aber um ſo beſſer ſchmecken. Obgleich ich nicht das Mindeſte zu befuͤrchten hatte auf meinen Spzziergaͤngen, ließ ich mich immer von 6—8 Soldaten und eben ſo viel Dienern begleiten, wel⸗ che ſaͤmmtlich Saͤbel fuͤhrten. Begegnete ich Einge⸗ bornen, ſo ſetzten ſie ſich gewoͤhnlich in die Stellung der Ehrfurcht. Nach einigen Tagen wurde die Zuruͤckkunft des Koͤnigs durch Racketen angezeigt. Wir ſahen nichts von ſeinem Einzuge. Da gerade in dieſe Zeit eine Mondsfinſterniß ſiel, und bei einem ſolchen Falle alle Geſchaͤfte und oͤffentlichen Vorfaͤlle einen Aufſchub lei⸗ den, ſo werden dieſe auf den folgenden Tag verſcho⸗ ben. Der Koͤnig verſammelte ſeine Sternſeher, welche als den naͤchſten gluͤcklichen Tag den 30. Auguſt 23 beſtimmten. Sogleich ward er zur Audienz der Geſandt⸗ ſchaft angenommen. Den Zwiſchenraum von unſete Ankunft in der Hauptſtadt bis zur Audien bei dem Koͤnige, benutzten wir allerlei Nachrichten uͤber Birma und deſſen Bewohner zu ſammeln, welche wir ſtatt des trockenen T Tagebuches unſeres einfoͤrmigen Lebens zur Unterhaltung der Leſer mittheilen. Die Birmanen ſind Verehrer des Gottes Bud⸗ dah, welchen die Hindu ſelbſt als den neunten Ab⸗ kömmling von dem allgemeinen goͤttlichen Erhalter an⸗ erkennen. Er verbeſſerte die in den h. Büchern ent⸗ baltenen Lehren, verbot Thiere zu ſchlachten oder ein lebendiges Weſen zu toͤdten. Gotma, Gautem oder Gaudma, von den Birmanen und andern weßtlichen Voͤlkerſchaften ſo genannt, war ein Weltweiſer, welcher vor laͤnger als 2300 Jahren lebte und in den indiſchen Schulen die Religion des Buddah lehrte. Sein Bild, Gaud⸗ ma genannt, wird fuͤr einerlei mit dem Buddah gehalten und in allen Laͤndern zwiſchen Bengalen und China verehrt. Seine Anhaͤnger ſind viel zahl⸗ reicher, als jene des Brama. Die Geſetze der Bir⸗ manen ſind gleichfalls in diſchen Urſprunges und ha⸗ ben dieſelbe Benennung. Sie heißen Dherma⸗Sath oder Saſtra, d. i. Geſetbuch, wie in Hindoſtan, und ſind eigentlich Kommentare uͤber den indiſchen Geſetzgeber Menn. 244 Die Stadt Ummerapura beſteht aus 4unterge⸗ ordneten Gerichtsbarkeiten; jede mit einem beſonderen Magwuhn. Bei Hauptverbrechen ſchicken ſie ihre Ver⸗ höre mit ihrem Gutachten an den Staatsrath, dieſer revtdirt die Akten, und berichtet das Reſultat dem Koͤnig, welcher den Beklagten entweder begnadigt oder verurtheilt. Der Magwuhn muß immer bei ihrer Voll⸗ ſtreckung zugegen ſeyn. Wer ſich einer ungebuͤhrenden Gewalt anmaßt oder der Verraͤtherei ſchuldig befunden wird, den erwarten ſchwere Strafen. Wer zum erſten Mal ſtiehlt, verwirkt das Leben nicht, außer wenn der Werth 600 Thaler überſteigt oder Mord und Verluſt der Glieder mit demſelben verbunden iſt. Sonſt wird dem Verbrecher nur ein Kreis mit Schiebpulver und Pu⸗ktiren in beiden Wangen eingerieben, und ſeine Bruſt mit dem Wort: Dieb, nebſt Anzeige der ge⸗ ſtohlnen Sache auf gleiche Art bezeichnet. Beim zwei⸗ ten Diebſtahl verliert er einen Arm, und bei dem drit⸗ ten das Leben. Enthauptung iſt bei die ſem und andern ſchweren Vergehen die gewoͤhnliche Todesſtrafe. Der koͤnigliche Hofſaat in Birma iſt glaͤnzend, ohne Verſchwendung und zahlreich, ohne durch die Menge der Perſonen laͤſt'g zu ſeyn. Aus den vier Staatsmiuiſtern, welche Wuhngies(Laßtraͤger) beißen, beſteht der koͤnigliche Staatsrath, welcher ſich taͤglich von 42—4 Uhr im Palaſt verſammelt. Von ihnen erhalten die Stadthalter in den Provinzen Be⸗ fehle, ſie fuͤhren die Bberaufſicht uͤber iedes Landes⸗ 25 koregium, haͤngen jedoch vom Koͤnige ab, welcher un⸗ umſchraͤnkt regiert. Auſſer ihnen beſteht der Staats⸗ rath aus 4 Wundacks, welche aber keine entſchei⸗ dende Stimme haben. Noch haben 4 Miniſter des Innern großen Einfluß bei den Staatsgeſchoͤften, und können den Beſchluß des Staatsraths aufheben. Sie haben zu allen Zeiten Zutritt bei dem Koͤnige, ein Vorrecht, welches ſelbſt der erſie Wuhngie nicht ge⸗ nießt.— In Birma ſind keine erblichen Stellen ein⸗ gefuͤhrt. Das Zeichen des Adels beſteht in einer Kette, de⸗ ren Mehr⸗ oder Minderzahl einen hoͤhern oder niedri⸗ gern Rang bedeutet. Drei glatte, gewoͤhnliche Ketten gehören fuͤr den unterſten Grad. Mehr als 42 Ketten zu tragen iſt keinem Adelichen erlaubt, indem der Koͤ⸗ nig allein mit 24 Ketten behangen iſt. Der Anzug der vornebmen Birmanen beßeht aus einem langen Dberkleide von Atlas oder Sammt mit offenem Kragen und weiten Aermeln, und faͤllt his auf die Fuͤße herab. Ueber dieſes haͤngt eine Art Schaͤrpe von den Schultern herab. Den Kopf bedeckt eine Muͤtze von Sammt oder goldgeſtickten Zeugen. Die Maͤnner zieren ſich mit Ohrenringen und Perſo⸗ nen von Stand tragen goldene, 6 Zoll lange Roͤhren von der Dicke eines Federkiels, an dem Ende in der Geſtalt eines Sprachrohres. Andere ſtecken eine ſchwer zuſammengerollte Goldplatte in die Ohren. Die Frauen umgeben ihre oben zuſammen gebun⸗ 246 denen Haare mit einem geſtickten Bande und andern Zierrathen. Ein kurzes Hemde peicht bis an die Ma⸗ genhoͤhle und iſt hier feſt zuſammengezogen. Ueber dieſes tragen ſie eine weite Jacke mit engen Aermeln und um den Unterleib ein Stuͤck Seidenzeug, welches bis auf die Fuͤße reicht und zweimal um den Unterleib geſchlungen wird. Beim Ausgehen werfen ſie einen langen ſeidenen Mandel um, welcher kreuzweiſe den Buſen bedeckt. Die geringern Weiber wickeln ein vier⸗ eckiges Stuͤck Zeug um den Leib, welches kaum die Bruſt bedeckt undbis auf die Knoͤchel reicht. Da die⸗ ſes vorn offen iſt, ſo kommen bei dem Gehen die Bei⸗ ne hervor, ſo dab der Schenkel bis auf die Haͤlfte ent⸗ bloͤßt wird. Geputzte Damen faͤrben die flache Hand und die Naͤgel mit rother Farbe und beſtreuen ihren Buſen mit gepulvertem Sandelholz oder mit der Rinde Sunneka, mit welcher auch das Geſicht gerieben wird. Maͤnner und Frauen faͤrben ihre Zaͤhne und Augenlieder ſchwarz. Die gemeinen Arbeiter geben bis an den Unterleib ganz nackt. In den Geſichtszuͤgen aͤhneln die Birmanen mehr den Chineſen, als den Indiern. Auch ſind die Weiber in den noͤrdlichen Provinzen viel weißer, als die Indianerinnen, aber nicht ſo zart gebaut. Sie baben Anlage zum Fettwerden, und ſchwarzes, grobes und langes Haur. Die nicht großen Mannsperſonen ſind gewandt und ſtark, und ſehen jugendlich aus, * weil ſie die Varthaare ausraufen. Ihre Schenkel und Arme taͤtowiren ſie. Beide Geſchlechter ſind nicht ſo reinlich, als die Indier, welche ſich taͤglich baden. Maͤdchen lehrt man, in der Jugend ihre Arme ſo in drehen, daß ſie verengt erſcheinen. Bei den Ehen, welche oft geſchloſſen werden, wenn beide Theile das gehoͤrige Alter erreicht haben, hat die Geiſtlichkeit nichts zu verrichten. Die Geſetze erlauben dem Manne nur eine Frau, aber ſo viele Beiſchlaͤfe⸗ rinnen, als er will. Dieſe ſind zugleich die Dienerin⸗ nen der rechtmaͤßigen Frau. Stirbt ein Mann, ohne ein Leſtament zu hinterlaſſen, ſo erben die Kinder rechter Ehe, aber nicht zu gleichen Theilen; den vier⸗ ten Theil erbt die Wittwe, welche Vormuͤnderin der Kinder wird, bis ſie volljaͤhrig ſind. Die birmaniſchen Leichenbegaͤngniſſe ſind fehr feier⸗ lich. Der Tode wird auf einer Bahre mit langſamen Schritten getragen; die Verwandten folgen in Trauer, und gemiethete Weiber ſingen Trauerlieder, vor der Bahre einhergehend. Die Bahre wird dann auf einen Holzhaufen geſtellt, um welchen Prieſter gehen und Gebete herſagen. Der Haufe wird angezuͤndet und das Ganze zu Aſche verbrannt. Die Knochen werden forgfaͤltig geſammelt und vergraben. Arme werden der Leichenkoſten wegen nicht verbrannt, ſondern ent⸗ weder begraben oder in den Fluß geworfen. Perſonen vom Stande werden einbalſamirt und einige Monate 2⁴8 aufbewahrt. Zum Einbalſamiren nimmt man vorzůg⸗ lich Honig. In dem Reiche Birma ſollen im Ganzen 8000 Stadte, Flecken und Doͤrfer ſeyn, Arraean nicht mitgerechnet. Die Einwohnerzahl ſoll ſich auf 14 Mill. 400,000 Seclen belaufen. Die Einwohner leben mei⸗ ſtens in Drtſchaften Ruas) zuſammen. Mit Arraean kann die Einwohnerzahl 11 Millionen ſtark ſeyn. Jeder Birmane iſt zum Kriegsdienſte verpflichtet. In Friedenszeiten iſt jedoch die Armee nicht zahlreich. In Kriegszeiten ſtellen 3— 4 Haͤuſer einen Mann oder bezahlen ſtatt deſſen 300 Tackal. Die Regierung ver⸗ ſteht ihn mit Waffen; ſo lange der Soldat im Felde ſteht, wird ſeine Familie auf das Sorgfaͤltigſte beob⸗ achtet, weil ſie fuͤr das Betragen ihres Verwandten baften muß. Geht derſelbe zum Feinde uͤber, ſo wer⸗ den die arme Frau, die Kinder und Eltern des Schul⸗ digen hingerichtet; ſeine Feigherzigkeit wird eben⸗ falls auf dieſe Art beſtraft. Die Garde des Koͤnigs beſteht aus Reitern und Fußvolk; letzteres iſt mit Flinten und Saͤbeln bewaff⸗ net; die Reiter fuͤhren einen 7— 8 Fuß langen Speer. Das Fußvolk hat keine Uniform; voo halten die Wache im Schloſſe. Die Reiter reiten, wie alle Morgenlaͤn⸗ der mit kurzen Steigbuͤgeln und loſen Zuͤgeln. Ihre Kleidung beſteht aus einem engen Rocke, deſſen Schoͤße bis auf den halben Schenkel reichen; die Füße ſind gam bloß. Die Pferde in Ava ſind nur klein, 2⁴⁰ aber lebhaft und von guter Dauer, und werden gegen die Gewohnheit der öſtlichen Gegenden verſchnitten. Die Hauptkriegsmacht der Birmanen beſteht in Kriegsboͤten. Jede am Fluſſe gelegene Stadt muß nach ihrer Groͤße eines oder mehrere Fahrzeuge mit der erforderlichen Mannſchaft ſtellen. Die großten ſind so— 100 Fuß lang, aber nur s Fuß breit. Jeder Ru⸗ derer iſt mit einem Spieß und Saͤbel bewaffnet. Auſ— ſerdem iſt jedes Boot noch mit 30 Musketiren be⸗ maunt.— Die urſpruͤnglichen Waffen der Birmanen beſtehen aus Speeren, Wurfſpießen, Armbruͤſten und Sabeln. Mit letzteren faͤllt auch der Landmann ſeine Baͤume, hackt Bambästohr und ſchuͤtzt ſich gegen wilde Thiere. Er geht nie ohne Seitengewehr aus und traͤgt auf Reiſen auch einen Schild. Obgleich dem Birmanen ſeine Religion Thiere zu toͤdten verbietet, ſo thut er dieß bloß nur bei den Hausthieren, ſtellt aber dem Wilde deſto mehr nach⸗ Die niederen Volksklaſſen naͤhren ſich auch von Eidech⸗ ſen, Guanas und Schlangen. Beſonders lteben die Birmanen Vegetabilien. Große Hitze und Kaͤlte empfindet man in Birma ſelten. Die ungewoͤhnliche Hitze vor der Regenzeit haͤlt gewoͤhnlich nicht ſo lange ar, um Beſchwerden zu verurſachen. Der Boden im ſuͤdlichen Theile von Birma erzeugt trefflichen Reis, nur die noͤrdlichen Landſtriche ſind gebirgig, die Etenen und Thäler aber, in der Nachbarſchaft des großen Fluſſes ungemein 83. Bd. Indien. II. 3. 2 250 fruchtbar. Hier wachſen verſchiedene indiſche Getreid⸗ arten in Menge, Zuckerrohr, herrlicher Tabak, Indigo, Baumwolle und andere tropiſche Fruͤchte. Außer dem Lickbaum findet man hier alle indiſchen Holzarten. Ava oder Birma beſitzt Mineralſen in Menge. An der chineſiſchen Grenze, 6 Tagreiſen von Ba⸗ nuo, befinden ſich Gold⸗ und Silberminen, Bamuen genannt. Dergleichen Bergwerke nebſt Rubinen und Saphiren enthaͤlt das Gebirge Wubulutahn nahe bei dem Kinduemfluſſe. An Eiſen, Blei, Zinn u. ſ. w. hat Birma ebenfalls großen Ueberfluß. Diamanten und Smaragden gibt es in Ava nicht, deſto mehr aber Amethyſten, Granaten, Chchſoliten, Jaſpis und MWagnete. Marmorbruͤche werden in der Naͤhe der Hauptſtadt bearbeitet. Die Bildniſſe des Gaudma werden aus dieſer Steinart verfertigt und eben deß⸗ wegen wird ſie fuͤr heilig gehalten. Die Ausfuhr die⸗ ſes Steines iſt ohne allerhoͤchſten Befehl verboten. Die birmaniſche Hauptiadt treibt anſehnlichen Handel mit der chineſiſchen Landſchaft Bunan. Der große Fluß, welcher das ganze Reich durchßroͤmt, be⸗ fordert den Handel der Hauptſtadt mit den ſudlichen Provinzen. Die Birmanen haben, wie die Chineſen kein ge⸗ muͤnztes Geld. Silberbarren und kleine Stuͤcke ſind die Landesmuͤnze. Gewicht und Feinheit beſtimmen ibten Werth, welchen die Einwohner ſehr geſchickt 251 auszumachen wiſſen.— Die Birmanen bedienen 0 der Dezimalrechnung. Die Birmanen ſind lebhaft, neugierig, Sntul⸗ dig und leicht aufzubringen. Ihre Weiber werden nicht, wie in Hindoſtan in Harems einge ſperrt, ſon⸗ dern ſie koͤnnen ftei umhergehen; doch wird die Frau gegen den Mann als ein geringeres Geſchoͤpf betrach⸗ tet. Das Zeugniß einer Frau iſt vor Gericht weniger gultig, als das maͤnnliche. Sie wird auch nicht in die Gerichtsſtube gelaſſen, ſondern muß ihr Zeugniß außerhalb derſelben ablegen. Der Gebrauch, an Fremde ihre Weiber zu verkaufen, herrſcht nur in der niedrig⸗ ſten Volksklaſſe. Das Geſetz verbietet aber, die Frau aus dem Lande zu führen. Mädchen mit einer birma⸗ niſchen Frau erzeugt, duͤrfen auch nicht auswandernz den Maͤnnern hingegen ſteht es frei. Hauſe ſind ſelbſt die vornehmſten Frauen im⸗ mer beſchaͤftigt; ihre Dienſiboten arbeiten am Webe⸗ ſtuhl, und ſie ſelbſt fuͤhren die Aufſicht. Alle birma⸗ niſchen Frauen verfertigen das zum Hausgebrauch ere forderliche Baumwollen⸗ und Seidenzeug. Auf unſern Wanderungen und Speziergaͤngen be⸗ merkten wir keinen Vogel, welcher nicht auch in Hin⸗ doſtan gefunden wuͤrde. Von den vierfuͤßigen Thieren fiel uns nur der Ichneumon auf. Elephanten gibt es in mehreren Diſtrikten, doch ſind ſie eigentlich in Pegu ju Hauſe. Einer der Titel des Beherrſchers von Birma 252 iſt: Herr des weißen Elephanten und aler Elephanten in der Welt. Die Birmanen haben folgende Zeſteintheilung: Die Zeit, in welcher man einen Finger erhebt und niederdruͤckt, heißt bei ihnen Charaziz zehen Cha⸗ razi machen einen Piaan unds Piaan eine Mi⸗ nute aus. Der Tag von 24 Stunden faͤngt um Mit⸗ tag an und beſteht aus 5 Yetties, jede von drei Stunden. Die Zeiteintheilung wird durch eine Art Stundenglas angezeigt, welches man in ein, mit Waſſer augefuͤlltes Gefaͤß ſetzt. Sobald die Zeit ver⸗ ſrichen iſt, wird dieſes durch einen Schlag auf einer länglichen Trommel bekannt gemacht. Jede Magi⸗ ſratsperſon, in den Städren ſowohl, als auf dem Lande, hat dergleichen Zeitmeſſer neben irter Woh⸗ nung. Das Jahr wird in 12 Monate abgetheilt. Da aber der birmaniſche Monat abwechſelnd aus 29 oder 30 Tagen beſteht, ſo ſind ſie bald zu groß, bald zu klein. Bei ihren Monaten zaͤhlen die Birmanen von dem et⸗ ſen Tage des zunehmenden Mondes bis zum wirkli⸗ chen Vollmonde, und von dieſem wieder nach dem ex⸗ ſen, zweiten, dritten Tag des abnehmenden Mondes. Jeder Monat hat 4 Wochen, jede Woche Tage, und jeder Dag hat einen beſondern Namen. Der s. Tag des zunehmenden Mondes, der as. oder Dag des Voll⸗ mondes, und der letzte Tag des Monats ſind die Feiertage der Birmanen. An dieſen Tagen ruhen alle Geſchaͤfte und Arbeiten, die Frommen faſten vom Auf⸗ gang bis zum Untergang der Sonne. Die Birmanen lieben die Dichtkunſt und Muſik ſehr. Ihre Gedichte ſind melodiſch und dem Dhre angenehm, und beſtehen bald aus einander folgenden, bald aus abwechſelnden Reimen. Sie haben epiſche und geiſtliche Gedichte. Die Muſik nennen ſie die Sprache der Goͤrter; ſie wird allgemeiner betrieben als in Hindoſtan. Das birmaniſche Alphabet beſteht aus 33 Buchſta⸗ ben. Die Birmanen ſchreiben von der Linken zur Rechten. Ihre Buͤcher beſtehen, wie die indiſchen aus Palmyrablättern, auf welchen man mit einem Griffel die Buchſtaben eingraͤbt; ſie ſind aber ſchoͤner verziert. Ein jedes Kloſter hat eine Sammlung von Buͤchern, welche in lakirten Kaſten verwahrt werden. Heilige Buͤcher werden auch auf duͤnnen, gepreßten Bambusſtreifen geſchrieben, welche auf der Oberflaͤche ſehr fein geglaͤttet ſind. Dieſe werden nachher ver⸗ goldet und darauf die heiligen Buchſtaben mit ſchwar⸗ zen glaͤnzenden Firniß gemalt. Der Rand der Blaͤtter iſt mit goldenen Figuren oder Blumen, auf rothem, gruͤnen oder ſchwarzen Grunde verziert. Von unſerer Ankunft bis zum zo. Auguſt, dem zu unſerer feierlichen Einfuͤhrung beſtimmten Tage ſiel nichts Merkwuͤrdiges vor. Wir genoſſen jede Bequem⸗ lichkeit, welche das Land gewaͤhren konnte. In mei⸗ em öffentlichen Charaktet betrug ſich der Hof von 254 Birma ſtol; und zwar in einem unleidlichen Grade; als Privatmann hingegen ſorgte man fuͤr meine Si⸗ cherheit und meine Bequemlichkeit auf alle moͤglſche Art und Weiſe. Die Erlaubniß aſtronomiſche Beobachtungen an⸗ Kellen zu duͤrfen, erhielten wir ſogleich. Sie ward noch durch eine gnaͤdige Botſchaft vom Konige erhoͤht, welcher zu wiſſen verlangte, wann nach unſerer Be⸗ rechnung, die erwartete Mondsfinſterniß eintreten, und welcher Abſchnitt des Mondkoͤrpers verdunkelt werden wuͤrde? Hr. Wood beantwortete beide Fragen; in der Folge erfuhren wir, daß der Koͤnig, nachdem er die Angabe mit ſeinen eigenen Berechnungen vergli⸗ chen(denn er beſitzt nicht geringe aſtronomiſche Kennt⸗ niſſe) nur einen ganz unbedeutenden Unterſchied in dem Maaß des zu verfinſternden Mondtheiles gefunden hatte. Die Kenntniſſe des Hrn. Wood verſchafften ihm die Achtung der Vornehmen, erregten aber den Schrecken des Poͤbels. Dieſer hielt ihn fuͤr einen Zauberer und ſeine Telescope und ſeine aſtronomiſche Uhr fuͤr Zaubergeraͤthſchaften. Wir erhielten haͤufig Beſuche und mit dieſen zu⸗ gleich Geſchenke. Ich bewirthete dagegen die Vorneh⸗ mern mit Thee und Confituren. Doch ſiel es mir auf, daß kein einziger Staatsbeamter ſich bei uns ſehen ließ, mit Ausnahme des Wuhndok, welcher mir in Pagahm entgegen kam. unſer bengaliſcher Maler mußte einiges fuͤr den 255 Koͤnig verfertigen, welches ſehr zu ſeiner Zufrieden⸗ heit ausfiel. Wenn ein fremder Staat einen oͤffentlichen Ge⸗ ſandten an den Hof zu Birma abfertigt, ſo iſt es ein⸗ gefuͤhrte Sitte, daß der Gouverneur der Greniprovinz (wo der Geſandte zuerſt das Land betritt) fär ſeine ſichere Reiſe nach der Hauptſtadt, und ſeine vollſtän⸗ dige Beaquemlichkeit, ſo lange er ſich im Lande auf⸗ baͤlt, ſorgen muß. Dieſen Dienſt muß er zuweilen perſoͤnlich leiſten, wie dieß der Fall bei der engliſchen Geſandtſchaft war. Als der Tag unſeres oͤffentlichen Einzuges in Ummerapura heranruͤckte, zog ich einige Erkundigungen uͤber das uͤbliche Zeremoniel ein und wuͤnſchte auch zu erfahren, welchen Rang man dem Geſandten des Generalgouverneur von Indien zu⸗ geſtehen wuͤrde. Da ich auch erfuhr, daß die chine⸗ ſiſchen Deputirten an demſelben Tage eingefuͤhrt werden ſollten, drang ich auf die Ehre des Vorran⸗ ges. Bei einer wiederholten Forderung einer beſtimm⸗ ten Auskunft, ſagte man mir, ich ſollte mit dem Adek des Hofes gleichen Rang bekommen, und man wuͤrde mir den Vortritt vor den Chineſen geſtatten. Den 2o. Auguſt, den Tag vor unſerer feierlichen Audienz, erhielt ich noch eine Bothſchaft mit der An⸗ frage: wie viel ich Perſonen mitbringen wuͤrde, und mit der Bitte: den Rang eines jeden, beſonders des Dollmetſchers und des Malers zu beſtimmen. Zugleich wurde mir gemeldet, daß bewaffnete Perſonen in den 256 Palaſt aufzunehmen, nicht ublich ſey. Spaͤt am Abende ließ man mir ſagen: daß Dr. Buchanan den Ein⸗ tritt in den großen Rathsſaal nicht erhalten koͤnne, weil in Birma die Arzenei⸗Wiſſenſchaft nicht in der Achtung als unter uns ſtuͤnde. Nur mit Muͤhe konnte ich die Birmanen uͤberzeugen, daß in Eu⸗ ropa alle Fuͤrſten einen Atzt wuͤrdig ſchaͤtzten, cine Stelle unter den achtungsvollſten Staͤnden der Geſell⸗ ſchaft einzunehmen. Dieſe Vorſtellung drang endlich durch, doch mit der Vedingung, daß er beim Einzuge zu Pferde erſcheinen muͤſſe, indem Elephanten nur Perſonen vom erſten Range bewilligt wuͤrden. Als Vorbereitung zu unſerem Einzuge beſchaͤftig⸗ ten wir uns mit dem Ordnen der Geſchenke. Sie waren praͤchtig und ſchoͤn und beſtanden aus mehreren europaͤiſchen und indiſchen Artikeln, als geſchliffenen Glaͤſern, Spiegeln, Gewehren, Luͤchern, geſtickten Muſſelinen und indiſchen Seidenzeugen von ausgeſuch⸗ ter Guͤte und Feinheit. Unter andern befand ſich auch ein Sanskritmanuſkript, in einem goldenen Käſichen eingeſchloſſen, ein beſonderes Geſchenk des Geueral⸗ gonverneurs Sir John Shore an den Koͤnig von Birma, ferner eine Elektriſirmaſchine, deren Wir⸗ kungen einigen Einwohnern nicht unbekannt waren. Den 3o. begaben wir uns, nach der Einſchiffung der Geſchenke, an das ufer des See's, von Baba Schihn, dem Sekretaͤr und einigen geringern Offi⸗ zianten begleitet. Zu gleicher Zeit kamen die chineſi⸗ 257 ſchen Deputirten aus ihren Wohnungen. Am ufer waren drei Kriegsboote von anſehnlicher Groͤße zu un⸗ ſerm Empfange bereit; ſie waren jedoch ganz einfach ohne alle Vergoldung oder Verzierung. In 20 Minu⸗ ten ruderten wir uͤber den See und fanden am jenſei⸗ tigen Ufer eine Menge Menſchen, um uns landen zu ſehen. Am Brte der Landung erwarteten uns drei Elephanten und einige Pferde nebſt einigen geringen Offizieren in ihren Zeremonienkleidern und Muͤtzen. Im Koͤnigreiche Birma pflegen Leute von Stande ihre Elephanten ſelbſt zu lenken und ſitzen ihm daher auf dem Hals wie die Treiber in Indien. Da ich jedoch dieſe Kunſt nicht verſtand, ſo mußte ich mit einem unanſehnlichen Sitze auf dem Ruͤcken des Sle⸗ pbanten zufrieden ſevn. Statt das Thier niederknien zu laſſen, trieben es die Treiber an ein Geruͤſte, welches ausdruͤcklich auf⸗ gefuͤhrt war, um dabei auſaſteigen. Die chineſiſchen Deputirten waren auch mit Elephanten verſehen. Hr. Wo od und Pr. Buchanan ritten auf ſchoͤnen mu⸗ thigen Pferden, welche mit weit beſſerem Geſchirr, als die Elephanten geziert waren. Wegen der Unbe⸗ auemlichkeit der birmaniſchen Sattel bedienten ſie ſich zweier engliſchen, welche wir mitgebracht hatten. Der Dollmetſcher und Maler erhielten auch die Erlaubniß zu reiten. Die Bedienten der Geſandtſchaft gingen zwei und zwei an jeder Seite und eine Anzahl Poli⸗ 258 teidiener hielt den Poͤbel mit weißen Staͤben in Schranken. Nachdem wir eine Zeitlang geritten waren, be— traten wir eine ſchoͤne, breite Straße mit Backſteinen gepflaſtert. Die Haͤuſer an beiden Seiten waren nie⸗ drig von Holz erbaut, mit Dachziegeln gedeckt, und mit Blumen und mit Zweigen geſchmuͤckt. In den Kauflaͤden nach der Straße hin waren die beſten Waa⸗ ren zur Schau ausgeſtellt. Vor jedem Hauſe war eine leichte Paliſade von Bambusrohr, welche ſich 3 bis a Fuß in die Straße hinein erſreckte. Ueber dieſen Raum war von dem Dach des Hauſes bis an die Pa⸗ liſade ein Schirmdach von Bambusmatten ausgebreitet, und ganz mit Maͤnnern und Weibern angefuͤllt. Die Straßen waren gedraͤngt voll Menſchen, welche alle, ſobald wir ihnen nahe kamen, ſich auf den Hintern ſetzten und in dieſer ehrfurchtsvollen Stellung verblie⸗ ben, bis wir voruͤber waren. So groß auch die Menge war, herrſchte doch durchzingig die groͤßte Stille und Ruhe; Niemand lief dem Zusg nach. Bei dem Forte fanden wir eine kleine Straße ganz von Goldſchmieden bewohnt, welche ihre Waaren in den offenen Verſchla⸗ gen vor den Haͤuſern zur Schau legten. Die Entfer⸗ nung von dem Landungsorte bis zu dieſer Gaſſe ſchaͤtz⸗ ten wir etwa 2 engl. Meilen. Bleich nachher gingen wir uͤber den Graben der Feſtung und durch das weſtliche Thor in dieſe ſelbſt. Swiſchen den Haͤuſern innerhalb derſelben und denen 25⁵ in der Stadt bemerkten wir wenig Unterſchied, außer daß die Wohnungen der Vornehmen und Prinzen vom Königl. Hauſe mit einer hoͤlzernen Planke umgeben waren, welche einen Hof umſchloß. Durch 2 kleine Straßen vom Palaſt kamen wir an eine Stelle, wo wir abſtiegen und unſern Zug zu Fuß fortſetzten. An dem obern Ende einer kleinen Straße, welche zum Koͤnigl. Palaſte fuͤhrt, bat uns der Ceremonienmeiſter anzuhalten und die Reſidenz des Koͤnigs durch eine kleine Verbeugung des Koͤrpers zu begrußen, indem man dabei die Hand zum Kopf erhebt. Einige hun⸗ dert Schritte weiter wurde dieſelbe Ceremonie wie⸗ derholt. Endlich gelangten wir zu dem Audienzim⸗ mer, welches eine hohe Halle, 4—s Fuß uͤber die Erde und von allen Seiten offen war. In den Saal tretend zogen wir unſere Schuhe aus und ſetzten uus mit dem Geſichte nach dem Thore des Palaſtes gerich⸗ tet auf Teppichen nieder. Die Geſchenke wurden hin⸗ geſtellt; die chineſiſchen Dexutirten ſetzten ſich au der andern Seite nieder. Wir erhielten nun die Weiſung, daß wir nicht eher in den Palaſt eingehen koͤnnten, als bis alle Prin⸗ zen von Geburt angekommen ſeyn wuͤrden. Bald nachher kam der Prinz von Pegahm, der geringſte im Range von den Soͤhnen des Koͤnigs. Er ritt auf einem ſehr ſchoͤnen Elephanten, welchen er ſelbſt lenkte, auf einer mit goldgeſtickten Scharlachdecke, woͤhrend ein Diener binter ihm, auf dem Ruͤcken des 260 Elephanten ihm einen vergoldeten Sonnenſchirm uͤber den Kopf hielt. Etwa so Musketiere gingen voran, welchen eine Anzahl Hellebardier mit Speeren folgten, deren Spitzen vergoldet und mit goldenen Troddeln geziert waren. Hinter dieſen kamen 6— 8 Pffizianten ſeines Hofſtabes, in ſammtnen Kleidern und geſtickten Muͤtzen, mit goldenen Ketten, welche von der linken Schulter nach der rechten Seite hingen. Letztere gin⸗ gen unmittelbar vor dem Elephanten des Prinzen. Ein Trupp Speertraͤger nebſt dem Staatspyalankin ſchloß den Zug. Bei dem Thore uͤberreichte der Prinz einem ſeiner Leute einen eiſernen Hacken, mit welchem er ſeinen Elephanten lenkte, indem nichts, was Waffen aͤhnlich ſicht, in das Innere des Koͤnigl. Palaſtes gebracht werden darf. Des Prinzen Begleitung blieb außerhalb des Thores. Dieſem Prinzen folgten noch 3 andere in einem ziemlich aͤhnlichen Aufzuge. um 12 Uhr, welche Stunde die große Trommel auf einem hohen Thurme nahe am Palaſte ankuͤndigte, erſchien der Erbe des Thrones mit einer zahlreichen und überaus praͤchtigen Begleitung. Er ſelbſt ward in einem vſſe⸗ nen Palankin von Leuten auf den Schultern getragen; ein Edelmann ſchuͤtzte ihn mit einem großen vergolde⸗ ten Faͤcher gegen die Sonne. An ſeder Seite ſeines Palankins gingen ſechs Zeichendeuter von Caſſav, von der Kaſite der Braminen, mit weißen Kleidern und Muͤtzen, mit goldenen Steruen beſaͤtt. Dicht 261 hinter ihm trugen ſeine Diener ſeine Waſſerflaſche und ſeine goldene Beteldoſe. In allen Theilen dieſes Aufzuges herrſchte die groͤßte Ordnung und Anſtäu⸗ digkeit; uͤberall das tiefſte Stillſchweigen und die groͤßte Ruhe. 5 Nach der Ankunft des Kronprinzen mußten wir aufbrechen. Unter Weges noͤthigte uns der Zeremo⸗ nienmeiſter, uͤberfluͤſſige Verbeugungen, und zwar auf eine ſehr unhöfliche Art, zu machen. Meine Be⸗ ſchwerde daruͤber wirkte nur kurze Zeit. Als wir uns dem Thore naͤherten, mußte der groͤßte Theil unſerer Begleitung zuruͤckbleiben, wir aber mußten die Schuhe auszichen. Wir betraten jetzt einen ſehr geraumigen Platz, welcher den großen Rath⸗ und Andienzſaal ent⸗ hielt. Innerhalb desſelben iſt noch ein anderer Platz von einer ordentlichen Mauer umgeben, welche den Palaſt und alle zur Reſidenz gehoͤrigen Gebaͤude um⸗ ſchließt. Auf dem erſten Platze verrichteten Lufſprin⸗ ger ihre Kuͤnſte unter freiem Himmel, und Taͤnzerin⸗ nen ſiellten ihre Reize nach dem Schalle einer ſehr un⸗ harmoniſchen Muſik dar. Eine Reihe Stufen fuͤhrts uns zu einem praͤchtigen offenen Saal, in welchem der Hof in aller Pracht verſammelt war. In dem Saale fanden Pfeiler in 11 Reihen⸗ ſede von Saͤulen. Der Raum zwiſchen den Reihen betrug etwa 12 Fuß. Die Decke des Gebaͤudes be⸗ kand aus mehreren Abſaͤtzen, von welchen der mittlere der hoͤchſte war. Dieſe Saͤulenreihe, welche den ober⸗ 262 ſten Theil des Daches ſuͤtzte, war etwa 36— 40 Fuß hoch; die andern nahmen allmaͤhlig ab, ſo wie ſie ſich dem aͤußern Umfange des Gebaͤndes naͤherten. Am obern Ende des Saales ging quer durch das ganze Gebaͤude ein hohes vergoldetes Gitter, in deſſen Mitte eine goldene Thuͤre, wenn ſie geoͤffnet iſt, den Thron ſehen laͤßt. Unten am Gitter iſt eine vergoldete Ba⸗ luſtrade, 3— 4 Fuß hoch; hier haͤngen die koͤniglichen Sonnenſchirme und andern Zeichen der Wuͤrde. Die koͤnigliche Farbe iſt weiß. Die Sonnenſchirme, aus ſeidenen Zeugen gefertigt, hatten dieſelbe Farbe und waren reich mit Gold geſtickt. In dieſem praͤchtigen Saale ſaben alle Prinzen und der vornehmſte birmaniſche Adel mit untergeſchla⸗ genen Beinen. In der Naͤhe des Thrones ſaßen die Prinzen von Gebluͤt nebſt den großen Staatsbeamten. Der Kronprinz ſaß auf einem etwas Zoll hohen Schemel, die uͤbrigen Prinzen auf feinen Matten. Der Naum neben den mittelſten Saͤulen, dem Throne gegenuͤber, wird immer leer gelaſſen, und zwar aus dem ſonder⸗ baren Grunde, damit Ihro Majeſtaͤt nicht nöthig ha⸗ ben, diejenigen anzuſehen, welche ſie mit ihren Bli⸗ cken nicht beehren wollen. Unſere Stelle war neben dieſem leeren Raum, doch bemerkten wir ſpaͤter, daß die Chineſen den fuͤr uns beſtimmten Platz, und zwat nicht zufaͤllig, eingenommen hatten. Nun wurde uns angedeutet, uns eben ſo wie die uͤbrigen zu ſetzen⸗ was wir jedoch nur mit Anſtrengung und doch unge⸗ 263 ſchickt zu Stande brachten. Bald nachher erſchienen acht Braminen in weißen Kleidern und goldgeſßtickten Mützen von derſelben Farbe, am Fuße des Thrones innerhalb der Baluſtrade, und ſangen ein langes Ge⸗ bet. Nach ihrer Entfernung ward der Brief des Ge⸗ neralgouverneurs auf einem großen Praͤſentirteller vor dem Gitter hingeſtellt. Ein Vorleſer betrat den unbeſetzten Raum, beruͤhrte dreimal mit der Stirne die Erde, und las eine birmaniſche Ueberſetzung des Briefes vor. Nach Beendigung derſelben rief er ein Verzeichniß der Geſchenke an den Koͤnig aus, wieder⸗ holte ſeine Verbeugungen und begab ſich hinweg. Bald darauf erſchien ein Hofbedienter und legte mir im Namen des Koͤnigs eine Frage vor, nach deren Beantwortung er hinwegging, gleichſam um dem Koͤ⸗ nige die Antwort zu uberbringen. Nach einem ange⸗ meſſenen Zwiſchenraum kam er wieder und legte mir eine neue Frage vor. Die Fragen waren folgende: Ihr kommt von einem weit entfernten Lande; wie lange iſt es, daß ihr hier angekommen ſeyd? Wie war das Befinden des Königes, der Königin und der königlichen Familie, als ihr zuletzt Nachricht hattet? Hatte Englamd Krieg oder Frieden mit andern Maͤch⸗ ten, und befand ſich euer Vaterland in einem Zuſtande der Unruhe? Auf die letzte Frage antwortete ich in perſiſcher Sprache, daß Großbritannien mit Frankreich in Ktieg verwickelt ſei, deſſen Schauplatz das feſte 264 Land von Europa ſei, und daß England ſich im Genuß einer vollkommenen Ruhe befinde. Weitere Fragen wurden uns nicht geſtellt, die Chineſen würden gar nicht gefragt. Bald nachher bewirthets man uns mit einer Menge chineſiſcher und birmani⸗ ſcher Confituren. Das ganze Gaſtmahl ward auf Sil⸗ ber, Porzellain und Glas ſervirt. Wir koſteten eini⸗ ges und fanden es ſehr ſchmackhaft; die Hofleute be⸗ ruͤhrten nichts und blieben auf ihren Plaͤtzen. Nach einer halben Stunde wurde uns gemeldet, daß wir aufbrechen ſollten. Unerwartet kam es mir, daß der Konig ſich nicht ſehen ließ⸗ tudt Als wir den Audienzſaal verlaſſen wollten, er⸗ ſuchte uns der Zeremonienmeiſter, drei Verbeugungen nach dem Throne hin zu machen. Man fuͤhrte uns nach dem erſten Snal zurück, wo wir ſo lange warten müßten, bis ſäͤmmtliche Prinzen ihre Slephanten be⸗ ſtiegen hatten, weil es die Etiauette bei ſolchen Gele⸗ genheiten keinem erlaubte, vor der koͤniglichen Familie aufzuſteigen. Sobald die königliche Familie ſich entfernt hatte⸗ begaben wir uns wieder nach Hauſe, doch mit dem Bemerken, daß die chinefiſchen Geſandten, welche auf dem Hinwege hinter uns kamen, auf dem Ruͤckwegs vor uns herzogen. Den z1. Auguſt wurde mir gemeldet, daß, da un“ ſere oͤffentliche Vorſtellung voruͤber wäre, wir Ele⸗ phanten und Pferde fordern koͤnnten iu unſerer Belt⸗ 265 ſtigung und zur Beſehung aller Merkwuͤrdigkeiten. Dann wurde uns benachrichtiget, daß der Kronprinz uns am folgenden Tage erwarten wuͤrde. Ich äuſ⸗ ſerte: da die beſtimmten Formalitaͤten den vorhergs⸗ henden Tag verletzt waͤren, mußte ich, ehe ich mich zu einem Beſuche bei dem koniglichen Prinzen entſchloͤße, die beſtimmteſten Verſicherungen haben, daß man ſie bei dieſer Gelegenheit beſſer beobachten wuͤrde. Ich beklagte mich uͤber das Betragen des Zeremonienmei⸗ ſters, und verlangte vor allen ausdrücklich zu erfahren⸗ ob der Kronprinz perſoͤnlich erſcheinen würde. Die nun gemachten Verſicherungen beruhigten mich voll⸗ kommen. Da ich erfahren hatte, daß es üblich wäre, daß fremde Geſandte etwas von den Fabrikaten ihres Lan⸗ des oder irgend eine Seltenheit einem jeden von der koͤniglichen Familie uͤberreichten, ſo kam ich dieſem Gebrauche nach. Eine aͤhnliche Hoͤflichkett muß man auch den vornehmſten Miniſtern und Hofbedienten er⸗ zeigen. Bei dem Beſuche, welchen wir dem Kronprinzen abſtatteten, zogen wir in derſelben Ordnung, wie das erſte Mal, durch die Stadt. Einige 100 Schritte von der Mauer, welche den Palaſt des Prinzen ungibt, machten wir Halt, um uns en den Verſammlungs⸗ ſaal(Rhuhm) zu begeben. Der Zeremonienmeiſter betrug ſich ſehr hoͤflich. Das Ceremoniel an dieſem Tage glich ziemlich dem des vorhergehenden. 33. Bd. Indien, II, 3, 3 266 Nachdem die Feierlichkeiten in dem Palaſte des Erbprinzen geendigt waren⸗ beſuchten wir Made— prah, die Mutter der tegierenden Koͤnigin. Ihre ſchöne Wohnung lag in der Naͤhe des koͤniglichen Schloſſes, in der Mitte eines mit Staketen umgebe⸗ nen Hofes. Vor dem Thore ſtiegen wir ab. An der Treppe zogen wir unſere Schuhe aus, und begaben uns in einen ſchoͤnen mit Saͤulen geſchmuͤckten Saal. Am Ende deſſelben war unter einem Thronhimmel auf Teppichen mit Muſſelin bedeckt, ein großes Kiſſen von blauem Sammt mit goldenen Franzen. Eine zuhlreiche Geſellſchaft beiderlei Geſchlechts, beſonders Frauenzimmer, ſaßen um das Gelaͤnder. Sobald wir ei getreten waren, ward uns dem Kiſſen gegenuͤber ein Platz eingeraͤumt. In wenigen Minuten kam die alte Dame aus einem innern Gemache, und ging lang⸗ ſam nach dem erhabenen Sitze, von zwei Dienerinnen unterſtutzt, waͤhrend eine dritte ihre Schleppe trug. Ihr langes Silberhaat hing frei auf den Schultern; ſie war ohne allen Kopfputz. Ihr Anzug beſtand in einem langen Gewand von weißem Muſſelin, uͤber . welches eine Florſchaͤrpe mit goldenen Blumen übe ihre Schultern hing. Sie ging bis an das Kiſſen und ſetzte ſich auf den Teppich Ihre ſauber gekleide⸗ ten Aufwärterinnen knieten auf beiden Seiten und wehten ihr mit langen vergoldeten Faͤchern Kuͤhlung zu. Bei ihrem Eintritte verbeugten ſich alle Anwe“ ſenden. Ich batie ihr eine Schnur Perlen und fein⸗ 267 Muſſeline zum Geſchenke gebracht; dieß kuͤndigte der Ceremonienmeiſter mit lauter Stimme an. Sie be⸗ trachtete die Englaͤnder mit großer Aufmerkſamkeit und betrug ſich auſſerordentlich freundlich. Sie fragte auch nach unſern Namen, nach unſerm Befinden und Alter. Auf die Beantwortung dieſer Fragen fagte ſie ſehr herablaſſend, ſie wurde beten, daß wir ein ſo ho⸗ hes Alter, als ſie, erreichten, und ſetzte hinzu, ſie wäre 72 Jahre alt. Keiner von den Prinzen oder Mi⸗ niſtern war zugegen. Nach ihrer Entfernung wurden wir mit vortrefflichen Fruͤchten und Confituxen be⸗ wirthet. Au den beiden folgenden Tagen beſuchten wir die Prinzen von Prome, von Baſſten, von Tongo und von Pegahm, welche von denen ihnen angewie⸗ ſenen Provinzen den Titel fuͤhren. Nach der Beendigung unſrer Veſuche bei der ko⸗ niglichen Familie begaben wir uns nach der koniglichen Bibliothek. Sie liegt im nordweſtlichen Winkel des Forts, in der Mitte eines gepflaſterten Hofes, dicht bei einem Kloſter, welches wir zuerſt beſahen. Das Gebaͤude war weitlaͤufig und reich vergoldet. Die Saͤulen, die Decke und Waͤnde waren ganz mit Blatt⸗ gold bedeckt, und Gaudme's Bild prangte im herrlich⸗ ſten Glanze. Auf den verſchiedenen Abtheilungen der Waͤnde waren Figuren von untergeord eten Goͤttern abgebildet, und Prieſter in ihrer Anberung ausgeßreckt licgend. Alles dieſes war in erhabenem Schnitzwerk, 268 mit nicht geringer Kunſt gearbeitet. Ein zierlicher Kranz von Laubwerk, von derſelben Arbeit, umgab jedes Feld der Wand. Gaudma's Bild in dieſem Klo⸗ ſter war groß und in Marmor gehauen. Es ſaß auf einem ganz vergoldeten Fußgeſtell, vor welchem ein ſchoͤner Armleuchter von geſchliffenem Glaſe, von eu⸗ ropaͤiſcher Fabrik, ſtand. Nahe bei dem Bilde war ein vergoldetes Ruhebett das gewoͤhnliche Lager des Ober⸗ hauptes der ganzen birmaniſchen Prieſterſchaft, wenn es dort die Nacht zubringt, was jedoch ſelten geſchah. Dieſes Ruhebett war zwar praͤchtig vergoldet, aber nur von Holz; auch die Kiſſen waren von demſelben Stoffe. Eine auf die Erde ausgebreitete Matte iſt der hoͤchſte Luxus, welchen ſich ein birmaniſcher Geiſtlichs etlaubt. Die Blbliothek iſt ein großes, auf einer Terraſſe aufgefuͤhrtes Gebaͤude von Backſteinen, mit einem Da⸗ che von ſehr zuſammengeſetzter Bauart. Sie beſteht aus einem viereckigen ZSimmer und iſt von einer Gal⸗ lerie eingeſchloſſen, welche rings umher laͤuft. Dai gZimmer war verſchloſſen und enthielt nach der Aus⸗ ſage des Aufſehers nichts, als was wir in der Gallerie auch ſehen koͤnnten. In dieſer ſtanden in zierlicher Ord⸗ nung laͤngs der Wand, große, mit Vergoldung und Lack verzierte Kiſten. Die Buͤcher waren regelmäbiz klaſſifizirt und der Inhalt jedes Kaſtens mit goldenen Buchſtaben auf den Deckel geſchrieben. Der Biblio⸗ tbekar oͤffnete 2 dieſer Kiſten und zeigte mir einige ſeh 269 ſchoͤne Schriften auf duͤnnen elfenbeinernen Blaͤttern⸗ deren Raͤnder mit goldenen, ſauber gearbeiteten Blu⸗ men geziert waren. Ich ſah auch verſchiedene Buͤcher in der Palli oder religtoͤſen Sprache geſchrieben. Die meiſten Buͤcher ſollen theologiſche Gegenſtaͤnde enthal⸗ ten; doch hatten auch Geſchichte, Muſik, Medizin⸗ Malerei und Dichtkunſt ihre eignen Faͤcher. Die Baͤn⸗ de waren nach beſondern Faͤchern geordnet und alle numerirt. Den s. September beſuchte ich den Oberprieſter des ganzen birmaniſchen Reiches, mit meinem ge⸗ wohnlichen Gefolge. Man fuͤhrte uns in einen geraͤu⸗ migen, mit einer Mauer von Backſteinen umgebenen Hof, in deſſen Mitte ein Kloſter tand. Dieſes Ge⸗ baͤude zeichnete ſich nicht nur aus durch ſeine ſeltſame Bauart, ſondern auch durch die Menge des von allen Seiten ſtrahlenden Goldes. Das Gebaͤude beſtand ganz aus Holz. Die Daͤcher, welche ſich in s verſchiedenen Stochwerken daruͤber erhoben, und deren jedes mit einer ſchoͤn geſchnitzten und reich vergoldeten Corniche umgeben war, wurden allmaͤhlig immer kleiner. Das Haus ſelbſt, etwa 12 Fuß von der Erde erhoͤht, ruhte auf großen hoͤlzernen Pfaͤhlen, deren 128 die ungeheuere Laſt des Ganzen trugen. Als wir die Treppe hinan⸗ ſtiegen, wurden wir auf eine angenehme Art durch die Pracht des Innern überraſcht. Ein ſeltſam, in viele Figuren und Schnoͤrkel geſchnitztes und vergoldetes Ge⸗ laͤnder umgab den Umfang des erhöhten Platzes. In⸗ 270 nerhalb des Gebaͤudes zog ſich ringsum eine breite Gal⸗ lerie. Ein Gelaͤnder im Innern umgab eine hohe praͤch⸗ tige Zelle, welche von Reihen ſtolzer Pferler geſttzt ward. Die mittelſte Reihe derſelben hatte eine Hoͤhe von so Fuß, und war von oben an, bis auf 4 Fuß von unten vergoldet, unten aber reich lackirt. In der Mitte des Saales theilte ein vergoldetes Gitterwerk, 15—20 Fuß hoch, den ganzen Raum von Suͤden nach Weſten in 2 Theile. Der Raum zwiſchen den Saͤu⸗ lengaͤngen betrug abwechſelnd 12—46 Fuß; die Zahl der Saͤulen(jene Gallerien mit gerechnet) auf 100. Ein marmornes Gaudmabild, auf einem goldenen Thro⸗ ne ſitzend, war in der Mitte der Abtheilung angebracht, und vor dem Goͤtzenbilde erblickten wir den angeſehenen Geiſtlichen auf einem Atlas⸗Teppich an einer Saͤule lehnend. Von einem Kreiſe ihn umgebenden Prieſtern unterſchied er ſich nur durch ſeine aufrechte Stellung, waͤhrend jene in einer ehrerbietigen Stellung gebuͤckt mit gefaltenen Haͤnden um ihn ſaßen. Als wir in den Saal traten, warfen ſich Chineſen und Birmanen vor dem Bilde Gaudmas nieder, und knieeten alsdann hin, um dem heiligen Manne ihre Ehrfurcht zu bezeigen. Der hohe Prießer empfing uns mit vieler Hoͤflich⸗ keit und war ſehr lebhaft und zuvorkommend. Er ſchien etwa 40 Jahre alt zu ſeyn, und war wohl genaͤhrt und jovial. Ich uͤberreichte ihm meine Gabe, welche in einem Stücke gelben Tuches, etwas Sandelholz und einigen mit Blattgold belegten Wachslichtern be⸗ —————— 271 ſtand. Er fragte Verſchiedenes uͤber Eng land und uͤber die Andauer unſerer Reiſe von dort bis nach In⸗ dien. Da man ihm dieſes beantwortete, bemerkte er, daß wir ein außerordentliches Volk waͤren, ſo weit von unſerer Heimath umher zu wandeln. Ich er⸗ waͤhnte gegen ihn die Pracht des Tempels, er erwir⸗ derte aber: ſolche irdiſche Dinge zoͤgen ſeine Aufment⸗ ſamkeit nicht auf ſich, da er nur ein Emſiedler arf Erden waͤre. Ich erſuchte ihn um ſein Gebet und ir antwortete: es ſtiege taͤglich fuͤr die Gluͤckſeligkeit des ganzen Menſchengeſchlechtes zum Himmel em⸗ por, dennoch wolle er uns dem beſondern Schutze Gaudma's empfehlen. Er machte einige Bemer⸗ kungen uͤber unſern Anzug und lächelte ſogar, wei— ches fuͤr einen Rhahahn eine ungewoͤhnliche Herab⸗ laſſung iſt. Wir verließen ihn nun ohne alle Umſtaͤn⸗ de und beſtiegen unſere Elephanten, welche uns auf einem breiten Wege nordwaͤrts nach einer großen Ebene brachten, welche ſich ununterbrochen bis an den Fuh einer 10— 12 Meilen entfernten Gebirgsreihe erſtreckte. Auf der Ebene liegen hin und wieder zerſtreute Tem⸗ vel und Doͤrfer; einige Meilen weiter hin waren die geiſtlichen Gebaͤude ſo haͤufig, daß wir ſie nicht mehr zahlen konnten. Das Beſchauen mehrer prächtiger Tempel machte uns die Zeit ſehr angenehm. Der Staatsrath hatte ſich oͤfters verſammelt, um über einige Handelsvorſchlaͤre, welche ich vorgelegt hatte, zu berathſchlagen. Doch ſuchten hinterliſtise 272 Menſchen meine Entwuͤrfe durch heimliche Raͤnke zu vereiteln. Auch erfuhr ich, der Stolz des Hofes ſey durch die Vorſtellung geretzt worden, weil die Regie rung von Bengalen nur eine Art Provinztalregſe⸗ rung und der Generalgouverneur bloß ein Unterthan des Koͤnigs wäre, daß es alſo unter der Wuͤrde des Koͤnigs ſey, mit einer untergeordneten Macht auf glei chem Fuß in Unterhandlungen zu treten. In dieſer Lage der Dinge brachte ein franzöſiſches Schiff unguͤnſtige Nachrichten von der Lage der Dinge in Europa; ein Emiſſaͤr von geringer Bedeutung, welchen die Franzoſen zu Ranguhn unterhielten, theilte dieſe Nachrichten dem birmaniſchen Hofe mit, welche leicht auch Anhaͤnger fanden. Da nun kein Vorwand zum Zoͤgern mehr vorhan⸗ den war, drang ich auf eine Antwort der im Conſeil vorgelegten Punkte, und erklaͤrte, daß ich von meinet Regierung beauftragt waͤre, meine Ruͤckreiſe ſobald als moͤglich anzutreten. Hierauf wurde mir geantwot⸗ tet, daß die Geſchenke, welche der Koͤnig von Bir⸗ ma für Bengalen beſimmt hatte, den 19. in Be⸗ reitſchaft ſeyn wuͤrden und daß an demſelben Dage in dem Audienzſaale unſere Geſchaͤfte abgehandelt und der Tag meiner Abreiſe beſtimmt werden koͤnnte. Den 49. Sept. fand ich in dem Staatsrathe alle Anweſenden in Ceremontenkleidern. Gleich nach um ſerer Ankuaft brachte man die Geſchenke, welche in 3 ziemlich großen, mit rothem Tuch uͤberzogenen Ki⸗ 273 ſten und 2 Elephantenzaͤhnen beſtanden. Dieſe gehoͤr⸗ ten der engliſchen Regierung. Auch erhielt ich 2 große Ringe, als ein Zeichen der koͤniglichen Gnade. Hr. Wood nebſt Dr. Buchanan erbielten, jeder einen Ring. Nach Beendigung dieſer Zeremonie fragte ich in birmaniſcher Sprache, warum der Koͤnig uns eine Lerſoͤnliche Audienz verweigere, da doch dergleichen den Abgeſandten aller ſouverainen Staaten zugeſtanden wuͤrde. Auf dieſe Frage erhielt ich eine zweideutige Antwort. Man gab mir zu verſtehen, daß ich vor meiner Abreiſe noch einmal den Prinzen vom Hauſe in eige⸗ ner Perſon die Aufwartung machen muͤßte, um von ihm Geſchenke zu empfangen. Als ich mich bei dem Kronprinzen anmelden ließ, entſchuldigte er ſich, un⸗ ter dem Vorwande der Unpaͤßlichkeit ſeiner Gemahlin⸗ fugte aber hinzu, wenn ich mich nach ſeinem Palaſt begeben wollte, ſo koͤnnte ich oder ſonſt Jemand die Geſchenke in Empfang nehmen. Ich ließ ihm hierauf ſagen, daß ich die Ehre nicht haben koͤnnte, ihm ſelbſt aufzuwarten, und Herrn Wood ſchicken wuͤrde. Von dem Prinzen von Prome erhielt ich auf meine An⸗ frage gar keine Antwort. Richt viel beſſer ging es mir bei der Koͤnigin Mutter, deren freundlicher Em⸗ pfang bei unſerm erſten Beſuche mich beſtimmte, ihr perſoͤnlich aufzuwarten. Nachdem ich beinahe eine Stunde in ihrem Saale gewartet hatte, ließ ſie ſich unter dem Vorwande der Unpaßlichkeit entſchuldigen. 274 Man reichte mir in ihrem Namen s goldene Ringe mit Rubinen und Saphiren beſetzt, und verſchiedene ſchoͤn lakirte Kaͤſtchen. Bei den juͤngern Prinzen wur⸗ de Herr Wood mit Kaͤlte von ihren Miniſtern auß⸗ genommen. Endlich ſchrieb ich in einem feſten und entſchie⸗ denen Tone an den vornehmſten Wuhngie, und zwar in engliſcher und perſiſcher Sprache. Dieſe Vorſtellung verurſachte keine geringe Gaͤhrung in dem Staatsrathe; die Berathſchlagungen dauerten bis 42 Uhr Mitter⸗ nachts, deren Reſultat ſie dem Koͤnige ſelbſt vorlegten. Den8. erfuhrich hierauf muͤndlich von dem Gouverneur von Pegu, daß ich an dem, zur Ueberreichung der Antwort an den Generalgouverneur, beſtimmten Tage eine formliche Audienz bei dem Koͤnige erhalten wuͤrde, und daß meine Vorſchlaͤge zur Einrichtung und Auß⸗ munterung des Handels groͤßtentheils ſeine Genehmi⸗ gung erhalten haͤtten. Eine von den 3 Kiſten, welche wir von dem K⸗ nige empfangen hatten, enthielt Bernſtein in großen Stuͤcken, von ausnehmender Klarheit; die zweite eine Steinmaſſe von betraͤchtlicher Groͤße, dem Anſcheine nach von dem Geſchlechte der Chryſopras; die dritte eine ſchoͤne und große Kryſtaldruſe. Das Geſchenk der Erbprinzen beſtand in 6 Ringen von Rubinen und Sa⸗ phiren, 2 Elephantenzaͤhnen und 3 Pferden. Die bei⸗ den Koͤniginnen ſandten verſchiedene Ringe, lakirte Sachen,2 Beteldoſen, 2 Praſentirtellet und 2 Trink⸗ 275 gefaͤße von demſelben Metall, welche eben keine große Geſchicklichkeit ihres Kuͤnſtler bewieſen. Von allen Seiten kamen jetzt Gegengeſchenke in laͤſtigem Neber⸗ fluſſe. Der zo. September war der zur Aufnahme der Englaͤnder als einer koniglichen Geſandtſchaft beſtimmte Cag. Wir fuhren wieder uͤber den See und erwar⸗ teten in dem Fort die Ankunft des Kronprinzen. Ver⸗ ſchiedene kleine Vaſallen, welche an dieſem Tage vor⸗ geſtellt werden ſollten, hatten ein Stuͤck Baumwollen⸗ oder Seidenzeug in dem Schoos liegen, welches der Landesſitte gemaͤß dem Koͤnige uͤberreicht werden ſollte. Auf dem Zeuge ſtand eine Untertaſſe, in welcher einige Reiskoͤrner lagen, welche ein unerlaͤßliches Zubehoͤr der Ceremonien ſind. Der Hof zu Ummerapura nimmt nie ein Geſchenk in Geld an, ſondern verlangt von dem Fremden etwas von den Produkten ſeines Landes, und von dem Unterthan irgend ein Fabrikat. Waͤhrend unſeres Aufenthaltes in dieſem Saale ward uns Thee gereicht. Als wir uns dem aͤußern Thore genaͤhrt hatten, wurden wir genoͤthigt unſere Schuhe auszuziehen. Als wir in das Thor traten, ſahen wir den kö⸗ niglichen Ceremontenſaal gerade vor uns und den gan⸗ zen Hof in aller Pracht verſammelt. Es war eine of⸗ fene Halle mit mehrern Saͤulenreihen, welche das Dach trugen. Eine Treppe fuͤhrte in dieſelbe. Wir nahmen unſere Plaͤtze dicht an dem leeren Raume dem Throne gegenuͤber. Bei unſerm Eintritte war nur der Fuß des Thrones ſichtbar. Flügelthüren ver⸗ bargen den Sitz. Der Thron war praͤchtig vergoldet und geſchnitzt, auf jeder Seite erßreckte ſich eine kleine Gallerie einige Fuß lang rechts und links, mit einem goldenen Gelaͤnder umgeben; in dieſer befanden ſich vier Sonnenſchirme. Auf zwei Tiſchen, am Fuße des Thrones, ſtanden mehrere große, goldene Gefaͤße von verſchſedener Form. Gerade uͤber dem Throne erhob ſich ein praͤchtiger Thurm mit ſieben verſchiedenen Aufſaͤtzen uͤber den Dachern des Gebaͤudes, auf deſſen Spitze eine Ti angebracht war. Kaum waren wir eine Viertelßunde geſeſſen, ſo öff⸗ neten ſich die Flugelthuͤren mit Geraͤuſch und man ſah den Koͤnig zum Throne hinauf ſteigen. Er ſchien ſich muͤhſam zu bewegen, und hielt ſich an dem Ge⸗ länder an. Dieſes ruͤhrte von dem Gewichte ſeiner koͤniglichen Kleidung ber, an welcher wohl so Pfund gediegenen Goldes angebracht waren. Als er oben war, blieb er eine Minute ſtehen, und ſetzte ſich dann mit untergeſchlagenen Beinen auf einem geſtickten Kiſſen nteder. Seine Krone war eine ſehr hohe, ke⸗ gelfoͤrmige Muͤtze, reich mit Sdelſteinen beſetzt; an iedem Finger glaͤnzten Ringe. Auf ſeinen Schultern waren zwei goldene Fluͤgel angebracht. Er ſchien zwi⸗ ſchen so und 60 Jahr alt zu ſeyn, war von ßarkem Koͤrperbau, hatte harte Zuͤge und eine dunkle Geſichts⸗ farbe. Vier Braminen in weißer Fleidung ſangen 277 das gewöhnliche Gebet am Fuße des Thrones ab, dann trat ein Herold in den offenen Raum vor den Koͤnig hin, und zaͤhlte in einem ſingenden Tone die Namen derjenigen her, welche an dieſem Tage vorgeſtellt wer⸗ den ſolten, und erfuchte den Koͤnig, ihre Geſchenke anzunehmen. Mein Geſchenk beſtand dieſes Mal in zwei Stuͤcken Goldſtoff von Benares. Als unſere Namen genannt wurden, bat man uns einige Reis⸗ koͤrner in die geſchloſſenen Haͤnde zu nehmen, und uns ſo tief als moͤglich gegen den Koͤnig zu vernei⸗ gen. Nach Beendigung dieſer Ceremonie ſprach der Koͤnig einige wenig verſtaͤndliche Worte, welche den Befehl enthielten, eine gegenwaͤrtige Perſon mit dem Zeichen des birmaniſchen Adels zu bekleiden. Dieſer Befehl ward ſogleich von den Herolden oͤffentlich im Hofe ausgerufen. Der Koͤnig blieb nur noch einige Minuten, waͤhrend welchen er uns aufmerkſam be⸗ trachtete, ohne aber ein Wort zu ſprechen. Nach ſei⸗ ner Entfernung wurden die Fluͤgelthuͤren wieder ge⸗ ſchloſſen, und der Hof brach auf. Beim Herausgehen bemerkten wir, daß zwei Kanonen an beiden Seiten der Treppe ſtanden; ein Dach ſchuͤtzte ſie gegen das Wetter; ſie waren ganz vergoldet. Im Hof hielt eine königliche Equipage von beſonderer Geſtalt, mit einem Thurm verziert. Ein Paar Pferde, deren Geſchir⸗ von Gold glaͤnzte, waren vorgeſpannt. In dem Rhuhm angekommen, erhielten wir durch einen Schreiber den Brief des Konigs an den 278 Gouverneur von Indien. Der Brief lag auf einem Präſentirteller in einem hoͤlzernen laktrten Koͤſichen eingeſchloſſen, und war mit einem rothen Tuche be⸗ deckt. Dem Briefe war ein koͤnigliches Mandat bei⸗ gefügt, welches der engliſchen Nation einige wichtige Handelsfreiheiten zuſicherte. Hierauf begaben wir nus wieder nach Hauſe; ein Unterſekretair ritt vor uns her, und trug in ſeiner-Ceremonienkleidung den Brief mit gehoͤriger Feierlichkeit. In einigen Dagen erhielt ich den Brief auch in die perſiſchen Sprache uͤberſetzt. Der Brief des Koͤnigs von Birma an den Ge⸗ neralgouverneur von Indien iſt ein merkwuͤrdiges Denkmal der abenteuerlichen orientaliſchen Phraſev⸗ logte. Zuerſt werden die Titel des Koͤnigs hergezaͤhlt, die Ehrenbeieugungen erwaͤhnt, welche man dem brit⸗ tiſchen Geſandten erwieſen hatte, und die uͤberbrach⸗ ten Geſchenke genannt. Ferner fuͤhrt er die vornehm⸗ ſten Punkte der uͤbergebenen Vorſchlaͤge zur Befoͤrde⸗ rung des wechſelſeitigen Handels an. Zuletzt ſpricht der Koͤnig in eigener Perſon, nachdem obiges im Na⸗ men des Miniſters geſagt worden, und beſtaͤttigt im vomphaften Styl eines Befehles, gewiſſe betraͤchtliche Privilegien, welche den britiſchen Kaufleuten und See⸗ fahrern zugeßanden worden ſind. Mit Anfange Oktobers verließen die chineſi⸗ ſchen Geſandten, deren Geſchafte geendigt waren⸗ ibre Wohnung, um ihre Ruͤckreiſe anzutreten. Ich 279 ſchenkte dem Aelteſten unter ihnen einen Mantel von feinem engliſchen Tuche; ſein Sohn, welcher mit uns vertrauter geworden war, bat mich, ſein Kopftiſſen und ſeine Boͤrſe als Andenken zu behalten. Ich hatte ihm oͤfters allerlei Kleinigkeiten gegeben, und es war ihm unmoͤglich abzureiſen, ohne ſie einigermaſſen zu erwie⸗ dern. Sein Kopfkiſſen war ein leichter, lakirter Ka⸗ ſten, etwa 18 Zoll lang, oben rund und mit einem ſeidenen, dick mit Baumwolle durchnaͤhten Ueberzug verſehen, auf welchem man ziemlich weich ruhen konnte. In einem ſolchen Kaͤſichen fuͤhrt ein Chineſe auf Reiſen gewoͤhnlich alle ſeine Koſtbarkeiten mit ſich. In dem Kaͤſtchen befand ſich nebſt der Borſe ein Stahl und Stein zum Feuerſchlagen, ein Ring und Armband von Agal, welche nach der Verſicherung des Gebers, mit kabbaliſtiſchen Kraͤften begabt, den Beſi⸗ tzer gegen alle Gefahren der Reiſe ſchuͤtzten. Hr. Wood benutzte ſeine Muße, um den Fluß aufzunehmen und aſtronomiſche Beobachtungen anzu⸗ ſtellen, waͤhrend Dr. Buchanan Pflanzen ſammelte und aus allen zugaͤnglichen Quellen nuͤtzliche Nach⸗ richten ſchöpfte. Unter andern brachte man uns bir⸗ maniſche Buͤcher zum Verkauf, auf welche die Ver⸗ kaͤufer einen uͤbermaͤßigen Preis ſetzten, unter dem Vorwande, daß es bei ſchwerer Strafe verboten ſei, Buͤcher ohne ausdruͤckliche Erlaubniß an Fremde zu verkaufen. Ich ließ deshalb bei dem Miniſter nach⸗ fragen. Die Sache ward dem Koͤnige vorgelegt, wel⸗ 280 cher die Geiſtlichkeit zuſammen rufen, und ihnen dis Fragen ſiellen ließ: ob es mit den Lehrſätzen der Bin manen vertraͤglich ſey, Buͤcher, welche von ihre Geſchichte und ihren Geſetzen handelten, Fremden an⸗ zuvertrauen. Der Rath entſchied die Frage bejahend. Der Koͤnig ließ mir dann ein ſchönes Exemplar der birmaniſchen Koͤnige und ihres Geſetzbuches, aus ſeine Bibliothek uͤberreichen. Jedes von dieſen war in einem praͤchtigen Bande enthalten, ſchoͤn geſchrieben und praͤchtig mit Malerei und Vergoldung verziert. Der 7. birmaniſche Monat Sandaingguite iſt eine allgemeine Zeit der Freude und Feſtlichkeit. In den 3 letzten Tagen desſelben wird dem Koͤnige dem Kronprinzen und der regierenden Koͤnigin feierlich der Hof gemacht. Bei der letztern kamen alle Frauen und Doͤchter des Adels, ohne Begleitung ihrer Maͤn ner oder einer maͤnnlichen Geſellſchaft. In dieſer Ven⸗ ſammlung herrſchte eben die Feierlichkeit und derſelb⸗ Prunk, wie am Hofe des Koͤnigs. Waͤhrend den 14 Tagen dieſes abnehmenden Mon des war die Stadt jeden Abend erleuchtet. Den. Okt. machte ich auf Verlangen des Kronprinzen, einen Beſuch bei demſelben; er empfing mich ganz einfach und ohne alle Zeremonie. Sein Betragen war ſehr unge⸗ zwungen; die Unterhaltung aber beſtand in lauter u⸗ bedeutenden Fragen, welche er ſtellte. Wir ſchickten uns nun zur Abreiſe an und genoſſen vermittelſt unſeter Pferde eine Beguemlichkeit, welch 281 wir aufder Herreiſe nicht hatten. In einem der Boste war ein platter Boden angebracht, welcher Raum fuͤr s Pferde hatte. Es koſtete wenig Muͤhe, ſie an das Land zu bringen, denn die bumaniſchen Reitknechte waren ſehr geſchickt und die Pferde ſehr lenkſam. Wir ſahen zahlreie Tempel, dann die Stadt Kyeock⸗ Zeit, deren Einwohner beinahe ſaͤmmtlich Bildhauer ſind und Gaudma⸗Bilder verfertigen. Die Arbeiter waren gegen uns ſehr hoͤflich und beantworteten un⸗ ſere Fragen mit Gutmuͤthigkeit. Ihre Werkzeuge beſte⸗ hen blos in einem Meiſſel und Schlaͤgel; die Figur glaͤtten ſie mit Sandſtein und Waſſer. Eine Meile weiter hin ſahen wir ein maſſives, altes Gebaͤude, den Dempel des Kommoduh, auf einer Anhoͤhe. Es iſt inwendig ganz und gar dichte, feſte Maſſe, und hat die Geſtalt einer Glocke. Ein hohes Gelaͤnder von Holz umgibt das Gebaͤude in ei⸗ ner Entfernung von 12 Fuß. Es ſchien 300 Fuß hoch iu ſeyn, und endigte in einem ungeſchickten Kegel ohne die gewoͤhnliche Spitze oder eine andere Verzierung. Das Gebaͤude ſcheint aus ſehr entfernten Zeit herzu⸗ ruͤhren. Von der Hoͤhe von Kommoduh hatten wir eine ſehr weite Ueberſicht des Fluſſes, welcher ſich durch ein fettes flaches Land windet. Der druͤckenden Hitze wegen ritten wir wieder nach unſern Booten zurück. Von Chagaing, dem Haupthandelsorte, zu wel⸗ chem die Baumwolle aus allen Gegenden des ganzen 33. Bd. Indien. II. 3, 4 282 Landes gebracht, ſchifften wir nach Alt-Ava. In der Anlage der Straſſen und Gebaͤude hatte ſie viel Achulichkeit mit Um merapura. Uunter großen Schutthaufen mit Unkraut und Formen bewachſen ſa⸗ hen wir noch Spuren von den verſchiedenen Abtheilun⸗ gen des ehemaligen Palaſtes. Alt⸗Ava ſoll der Auf⸗ enthalt zahlreicher Raͤuber ſeyn. In der Stadt Pagahm beſahen wir einen ſeht merkwuͤrdigen alten Tempel, welcher aus Steinen er⸗ baut war und aus 4 verſchiedenen abgeſonderten Kup⸗ peln beſtand; in dieſe ging man durch 4 gewoͤlbte Ein⸗ gaͤnge nach den vier Himmelsgegenden. An jedet Seite der Thuͤre ſaßen in Vertiefungen in der Mauet rieſenmaͤßige menſchliche Geſtalten von Gips, mit gro⸗ ßen ſtarren Augen und mit vorgebogenen Koͤpfen. Dieſe, ſagte man mir, waͤren die uͤberirdiſchen Thuͤrhuͤter, deren Scharfblick ſo durchdringend iſt, daß ſie bis in die tiefeſten Falten des menſchlichen Herzens ſchauen, und die Aufrichtigkeit der Andaͤchtigen entdecken. Bei dieſer Gelegenheit machten wir die Bemerkung, daß, obgleich man in vielen alten Tempeln ſehr gut gewoͤlbte Bogen von Mauerwerk ſieht, die birman⸗ ſchen Arbeiter nicht meht im Stande ſind, dergleichen zu verfertigen. Von der ehemals betraͤchtlichen Stadt Sillamjt kamen wir nach Yaynangheum oder den Steins guellen, welche wir beſuchten. Das aͤußere Anſehen des Landes war dde und unfruchtbar. Schmale, ſe⸗ 283 nige Wege wanden ſich in mehrern Richtungen um fel⸗ ſige Anhoͤhen. Die Huͤgel waren mit Kies bedeckt und nur einige duͤrftige Kraͤnter wuchſen auf denſelbenz hin und wieder lagen verſteinerte Stuͤcke Holz im We⸗ ge. So wie wir uns dem Brunnen naͤherten, ward der Boden ebener und brachte etwas Gras hervor. Es war beisahe dunkel bei unſerer Ankunft. Es ſchienen ſich viele Vertiefnugen in einem kleinen Umfange zu befinden. Wir gingen zur naͤchſten und fanden, daß die Deffnung etwa 4 Fuß in's Gevierte betrug, und an den Seiten, ſoviel wir ſehen konnten, mit Holz ausgeſetzt war. Das Del wird in etſernen Toͤpfen hin⸗ aufgewunden und das in denſelben enthaltene Del und Waſſer in einer Ziſterne ausgegoſſen, von welcher das Waſſer unten abgezapft wird. Wir maßen die Siefe eines Brunnens und fanden ihn 37 Klafter ttef. Wenn ein Brunnen erſchoͤpft iſt, ſo pflegt man ihn wieder herzuſtellen, indem man tiefer in den Felſen hineinarbei⸗ tet, welcher an den Stellen, wo das Del gefunden wird, aͤußerſt hart iſt. Die Regierung verpachtet den Boden. Der Preis des Deles iſt ſehr geringe. In der Gegend von Miadaͤh leben die Kaͤhn oder Bergbewohner. Durch die Guͤte des Generalgou⸗ verneurs von Pegu lernte ich einige dieſer Leute in ihrer Nattonaltracht kennen. Dieſe beſteht in einem ſchlecht zugeſchnittenem Kleide mit Aetmeln, von gror bem Baumwollenzeuge. Das Kleid der Maͤuner iſt weit kuͤrzer als jenes der Frauen. Die Kleider beider 284 waren mit einer weiß, roth und gelb geſtreiften Kante beſetzt; der Mann, welchen wir ſahen, trug ein Ban⸗ deller uͤber die rechte Schulter, an welchem ein mit Baͤndern und kleinen Muſcheln gezterter Beutel hing. Auf dem Kopfe trugen ſte Stirnbinden, den birman⸗ ſchen ahnlich. Die Kleidung der Frau war mit Trod⸗ deln verziert, welche aus der Calyptra und Bupreſtis ignita verfertigt waren. Um den Hals und die Arme hatten ſie viele Schnäre von Corallen und Cauries. Das auffallendſte war ihr Geſicht, welches uͤberall mit Linien und Zirkeln taͤtowirt war. Dieſe Zierrathen ſind bei den Kaͤhn allein fuͤr die Geſichter der Wei ber beſtimmt, welche dadurch ein haͤßliches Ausſehen erhalten. Ste ſprachen die birmaniſche Sprache ziem⸗ lich mangelhaft. Die Religionsbegriffe dieſer harmlo⸗ ſen Menſchenrace, welche die hoben Gebirge zwiſchen Aon und Aracan bewohnt, ſind aͤußerſt roh. Als wir einen Mann fraaten, wo er nach ſeinem Tode hin⸗ zukommen gedaͤchte? antwortete er: daß er wieder ein Kind werden wuͤrde. Wer wird dich zum Kinde ma⸗ chen? Die Maunzing? Wer ſind die Mau⸗ zing? Der Vater und die Mutter der Welt, welche auf der Erde wachſen, wie 2 Baͤume in einem Felde⸗ der eine iſt immer grän, der andere aber dürr. Et fuͤgte hinzu, die Maunzing hielten ſich auf dem gro⸗ ßen Berge Gnowa auf, auf welchem die Abbilduns der Todten aufbewahrt wuͤrden. Sie hatten keinen Begriff von kaͤnftigen Belohnungen oder Strafen⸗ und . 285 laͤugneten die Exiſten; der Suͤnde in ihrem Lande. Sie beten nicht in dieſem Leben, weil die Maunzing nicht ſehen koͤnnen, aber nach ihrem Tode glauben ſie, daß thre Bilder zu ihnen beten. Sie verbrennen ihre Todten und ſammeln die Aſche in einer Urne, welche ſie nach einem gewiſſen Hauſe tragen. In dieſem bleibt ſie ſechs Dage, wenn es die Aſche eines Mannes, und fuͤnf Tage, wenn es die Aſche einer Frau iſt. Dann wird die Urne nach dem Begraͤbniſſe gebracht und in ein Grab gelegt. Auf den Raſen, welcher das Grab bedeckt, legt man ein hoͤlzernes Bild des Verſtorbenen, um zu den Maunzing zu beten, und um die Gebeine und die Aſche zu ſchuͤtzen. Der groͤßte Theil der Kaͤhn lebt in Unabhaͤngigkeit. Die⸗ ſes Volk hat keine Buchſtaben, und kennt auſſer dem Herkommen keine beſimmten Geſetze. Von Miad aͤh aus durchreiſten wir eine lachende Gegend. Angebaute Laͤndereien und haͤufig kleine Staͤdte begraͤnzten die Uferz hinter ihnen erhoben ſich angenehme mit Wald bewachſene Hügel. Am fol⸗ genden Tage kamen wir nach Prome, welches vor Jahrhunderten die Reſidem einer Dynaſtte peguaut⸗ ſcher Koͤnige war. Dieſe Stadt war ehemals bluͤhend und mächtig. Der Weg iu Lande von Prome bis Ranguhn war ſehr gut. Die ufer boten die erſe Haͤlfte des Tages eine ſehr einladende Ausſicht dar, indem alle Dorfer mit Dbſtgärten verſehen waren, in welchen Pifangs, Mangus und andere Fruchtbaume 266 nuchſen. Spaͤterhin ward das Anſehen des Landes rauher und oͤder; in der Gegend von Tirrupmin paffirten wir eine große, mit Geſtraͤuch und Schüf bewachſene Inſel, welche nach der Aueſage unſerer Schiffer vielen Tigern zum Aufenthalt diente. Deu 17. langten wir in Ranguhn an. Das brittiſche Indien ſteht mit Pegn, elnem Theile des birmaniſchen Reiches, in einer genauen Verbindung, beſonders wegen des Schiffhol⸗ zes. In Bengalen kann kein dauerhaftes Handels⸗ ſchiff ohne Siekplanken aus Pegu erbaut werden, weil das einheimiſche Holz dazu untauglich iſt. Nicht nur Caleutta wuͤrde den Verluſt oder die Ein⸗ ſchraͤnkungen des birmaniſchen Handels fuͤhlen, ſon⸗ dern Madras eben ſo ſehr, welches ſein Schiffholt gleichfalls vom Ranguhnfluſſe erhaͤlt, und ſelbſt Bombay, welches in der Nachbarſchaft der Liek⸗ holzwaldungen gelegen, jaͤhrlich aus Pegu eine Menge dieſer Planken einfuͤhrt. Die Haͤfen von Pegu und Ava haben fuͤr den indiſchen Handel die vortheilhafteſte Lage. Groß⸗ britanien beſitzt zwar die ganze Weſtkuͤſte des beu⸗ galiſchen Meerbuſens, Ava hingegen die öſ⸗ liche; dieſes hat drei ſichete Haͤfen, Negrais, den beſten im ganzen Meerbuſen, Ranguhn und Meig⸗ hi, deren Einfahrt bei weitem nicht ſo gefaͤhrlich iſt, als die im Ganges, welche jaͤhrlich drei Monat⸗ 287 den Seefahrern bei dem Auslaufen ſo viele Schwie⸗ rigkeiten verurſacht. In Ranguhn ſahen wir die angeſehenen Bir⸗ manen Schach ſpielen, welches bei ihnen ſehr in Anſehen ſteht. Ihr Schachbrett beſteht, wie das unfrige aus 64 Feldern; auch bedienen ſie ſich derſel⸗ ben Anzahl Steine. Aber ihre Namen, ihre Stel⸗ lung und ihr Gang iſt von den unſrigen verſchieden. Der Koͤnig und ſeine Miniſter reiten auf Elephanten; eine Koͤnigin kennen die Morgenlaͤnder nicht; erſtere werden von zwei Kaſtellen(Yettay) zwei Rittern zu Pferde(Mene) und zwei Befehlshabern zu Fuße, de⸗ ren einer Miem, der andere Chekei heißt, und acht Soldaten vertheidigt. Jede Partie ſ in drei Reiche getheilt, ſo daß acht Felder an den Seiten of⸗ ſen bleiben. Keiner von ihren Steinen hat den Gang unſerer Koͤnigin. Dieſes Spiel neunen ſie Che⸗ drien, welches einen Koͤnig oder Dberherrn bedeu⸗ tet. Mit Ausnahme des Schachſpieles ünd ihnen alle andere Spiele verboten⸗ Waͤhrend unſeres Aufenthaltes zu Ummera⸗ purg hatte unſer Schiffskapttain Gelegenheit, ein Gottesurtheil des kalten Waſſers zu ſehen. Der Steit zweier Weiber vom Mittelſtande ſchien dem Richter ſo verwickelt, daß er keine Entſcheidung zu geben wagte, und daher mit Zuſtimmung beider Thele zur Waſſerprobe ſchritt. Die Partheten, die Richter und einige Geiſtliche vegaben ſich, von einer großen Voiks⸗ 62 288 menge begleitet, nach einem Teiche in der Naͤhe der Stadt. Hier mußten die Weiber beten, beſondere Reiigungs-Ceremonten vornehmen und bis an die Bruſt in den Teich waten. Eintge Maͤnner begleite⸗ ten ſie. Einer derſelben ſtellte die Pruͤfenden neben einander, legte auf ein gegebenes Zeichen ein Brett auf ihre Haͤupter, durch welches beide unter das Waß ſer gedtuͤckt wurden. Sie blieben etwa 11/2 Minute in dieſer Stellung, als die eine Frau beinahe erſtickt den Kopf erhob, waͤhrend die andere ruhig in ihrer Stellung bheb. Sie ward ſogleich aus dem Waſſer geholt und der Prozeß zu ihrem Vortheil entſchieden. Kurz vor unſrer Abreiſe verlangte der Staathal⸗ ter von Pegu in einem ſchwuͤlſtigen Schreiben unter andern fuͤr ſeinen Herrn eine engliſche Staatsearoßſe, nach dem Model, wovon er uns eine Zeichnung gab. Sie ſellte mit Schwanenhaͤlſen, ganz und gar vergol⸗ det, und oben mit der koͤniglichen Spitze verſehen ſeyn. Vier Loͤwen, zwei vorne und zwet hinten, ſoll⸗ ten, ſo wie ein Vogel mit ausgebreiteten Schwingen, derſelben als Nebenzierrath dienen. Auch wuͤnſchte der Koͤnig alle Gerathſchaften zu einer vollſtaͤndigen Muͤnze zu haben. erhielt er im folgenden Jahre. Den 27. ſchifften wir uns in Rang uhn ein und erreichten Caleutta den 22. Dezember 17 5. ——————— Anſichten von Louiſiana, nebſt einem Tagebuche einer im Jahre 1811 den Miſß⸗ ſouri-Fluß aufwärts gemachten Reiſe, von H. M. Brackenridge. Deutſch mit— getheilt von F. J. A. Schnei⸗ dawind. Err ſte s Capitel⸗ Im Fruͤhling des Jahres 1810 landete H. M. Brackenridge in Dber⸗Louiſiana zu Neu⸗ Madrid, und reiſte von da zu Lande nach St. Ge⸗ nevieve, in der Abſicht, ſich als Rechtegelehrter irgendwo in dieſem Reiche nieder zu laſſen. Da aber die Hoffnungen, die Brackenridge ſich machte, nicht erfuͤllt wurden, beſchaͤſtigte er ſich mit der Er⸗ ferſchung von Louiſiana, und machte mit Wil⸗ ſon Hunt und MannelLiſa einige Reiſen, den 200 Miſſonri aufwaͤtts. Was nun Brackenridge beobachtet und bemerkt hatte, folgt hiermit: Die fruͤheſte Geſchichte beinahe aller, von euro⸗ paͤtſchen Nationen auf dieſem Continente geßtifteten Kolonien, ſellt uns eine Reihe von Unfaͤllen und Muͤh⸗ ſeligkeiten auf, welcke die erſten Pflanzer erlitten, ſo wie ſie von der ungeſchickten Leitung derer, welche die Aufſicht daruͤber hatten, Zeugniß ablegt. Die erſte diederlaſſung in Louiſiana macht hievon keine Ausnahme. Die Spanier wurden von ihren Niederlaſſun⸗ gen in Cuba und in Mepico aus fruͤhzeitig mit dem Continente bekannt, das der gedachten Inſel ge⸗ genuͤber lag, und nannten es Florida, ohne es in Beſitz zu nehmen oder kennzen zu lernen. Erſt Ponee de Leon drang im Jahre 4612 in Florida vor, mußte aber nur mit wenigen ſeiner Begleiter, nach vielem Ungemach, heimkehren. Im Jahre 4520 lan⸗ dete Vasquez de Ayllon, ohne beſſeren Erfolg, und einige Jahre ſpaͤter Pamphilio de Nar⸗ vaez, der elend umkam. Auch Hernandez de Soto, der im Jahre 1639 gelandet war, ſtarb, ohne ſich feſtſetzen zu koͤnnen, an den Ufern des Miſſi— ſippi. Erſt die Franzoſen verſuchten daſelbſt Niederlaſſungen zu errichten. Johann von Ri⸗ baut im Jahre 1662, dann ſpäter René de Lau⸗ damere, waren damit beauftragt. Eine Kolonie wurde angeordnet, das Fort Charles gebaut, als 201 die Spanier, davon Kunde nehmend, Anſpruͤche auf dieſes Land machten, und Pedro de Menen⸗ dez abſchickten, die Franzo ſen zu vertreiben, und eine Kolonie in Florida zu gruͤnden. Nach man⸗ nigfaltigen Begebniſſen gelang es Menendez, das Fort Charles zu nehmen, die Franzoſen zu ver⸗ treiben, und das Fort in Beſitz zu halten. Menen⸗ dez ſchaͤndete ſeine That dadurch, daß er alle gefan⸗ genen Franzoſen an Baͤumen aufhaͤngen ließ, mit der Ueberſchrift:„Nicht als Franzoſen, ſondern als Ketzer und Feinde Gottes.“(Die Franzoſen nämlich waren großentheils Hugenotten.) Einem Privatmann war es vorbehalten, dieſe Schmach zu raͤchen, und die unmenſchlichen Uſurpatoren von Florida zu zuͤchtigen. Ritter von Gvurgues, ein tapferer Mann, wegen vieler Unbilden die Spanier gluͤhend baſſend, ruſtete, unter dem Vorwande, einen Streif⸗ zug nach Afrika, eine Expedition aus, uͤberfiel da⸗ mit das Fort Charles, das die Spanier St. Matteo genannt hatten, erſtuͤrmte es, und ließ die Spanier an demſelben Baume aufhaͤngen, an dem ſeine Landsleute hatten ſterben muͤſſen, und ließ die Aufſchrift anheften:„Nicht als Spanier, ſondern als Moͤrder und Gurgelabſchneider.“ Die Spanier verließen ſpaͤter St. Auguſtin und ganz Florida wieder, die Franzoſen dach⸗ ten lange nicht an eine Niederlaſſung daſelbſt. Eiae geraume Zeit nachher ſuchte La Salle 292 eine Niederlaſſung am Miſſiſippi⸗ Strome u gruͤnden, wurde aber von ſeinen eigenen Leuten er⸗ mordet. Spanier, von Vern⸗Cruz aus, waren in der Bai Pen ſaco la gelandet, um eine Kolonie zu errichten. Kurz darauf, im Jahre 1669, erſchien in Florida der franzoͤſiſche See-Pffizier Iber⸗ ville, von ſeinem Koͤnig geſendet. Iberville nannte das Land ſtatt Florid.a, Louiſiana, und legte eine Kolonie an, die ſpaͤter erweitert wurde, als Crazot und Bienville Gouverneure daſelbſt ge⸗ worden waten. Auch engliſche Schiffe kamen mittlerweile, um in Louiſiana Anſpruͤche geltend zu machen, und Ko⸗ lonien anzulegen, wie es die Spanier thaten. Auf ſolche Art kam die franzoͤſiſche Kolonte zwiſchen zwei Feuer. Als im Jahre 1719 der Krieg zwiſchen Spa⸗ nien und Frankreich ausgebrochen war, waren in Louiſiana die franzoͤſiſchen Waffen gegen die ſpaniſchen ſiegreich. Spaͤter hatte die Kolonie, an deren Spitze Perier u. a. m. ſtand, mit den Ein⸗ gebornen, namentlich mit den wilden Natchez, ſchwere aber ſiegreiche Kaͤmpfe. Die Natchez hoͤr⸗ ten auf eine Nation zu ſeyn. In den nachfolgenden Kriegen der europaͤiſchen Maͤchte hatte Louiſiana mannigfaltige Geſchicke, bis der nordamerikaniſche Freiſtaat gebildet wurde. Louiſiana iſt eine weite Landſtrecke offener Ebenen und Wieſen, untermiſcht mit nackten, un⸗ 293 fruch'baren Huͤgeln. Die an den grosen Floͤſſen lie⸗ genden Striche machen den wichtigſten Theil von Loniſiana aus, ſind aber dem Umfange nach ſehr unbedeutend in Vergleichung mit dem Ueberreſt. Dieſe Striche ſind hauptſaͤchlich am Miſſiſippi, Miſ⸗ ſouri, Areanſas und am Red⸗Fluſſe gelegen. Sie bilden Thaͤler, die ſelten breiter als 10 bis 22 Meilen ſind, von einem uͤberaus reichen und frucht⸗ baren Boden, ſind aber haͤufig von Seen unterbrochen und zuruͤckflteßenden Stroͤmen. Die Hoͤhe dieſes weſtlichen Landes und die freien Ebenen, woraus es beſteht, geben ihm eine ſehr reine Luft. Der Himmel hat ein erquickenderes Blau, als Brackenridge noch irgendwo ſah; an einem hei⸗ tern, ruhigen Abend iſt die Luft ſo rein, daß man einen unbedeutenden Rauch auf mehrere Meilen un⸗ terſcheiden kann. Es verſteht ſich, daß ein ſolches Land nothwendig ſehr geſund ſeyn muß. Die Son⸗ nenhitze iſt am groͤßten im Monate Julius, und iſt in dieſer Zeit eben ſo brennend, als in anderen Thei⸗ len des Contineuts; ſie wird aber durch die immer wehenden Luͤfte abgekuͤhlt. Gegen das Ende des Aprils beginnt der Fruͤhling, und in der Mitte des Mais iſt die Vegetation ſchon betraͤchtlich vorwaͤrts geſchrit⸗ ten. Der Winter zeigt ſich mit Anfang Dktobers, man findet aber haͤufig im Auguſt und September Froſt. Waͤhrend des Winters iſt die Kälte ſehr ſtreng; es gibt haͤufige Stuͤrme, die mehrere Tage dauern, 294 wo nur Indianer ſich heraus wagen duͤrfen, ohne Gefahr zu erfrieren. Dieſe Bemerlungen treffen nur den groͤßeren Dheil des Landes, erftrecken ſich aber nicht auf den ſfuͤdlich von Areanſas gelegenen. In der, vom gedachten Fluſſe noͤrdlich ljegenden Gegend ſind Regen nicht haͤuſig, treten ſie aber ein, ſo ergießen ſte ſich in Stroͤmen. In der fuͤdlichen tritt ſelten Regen ein, ſeine Stelle aber wird durch ſtarken Thau vertreten. In der trockenen Jahreszeit und in einiger Eutfernung von den großen Fluͤſſen findet man uͤberal nur wenig Waſſer. In dieſer Jah⸗ reszeit ſetzt man mit Erſtaunen uͤber das Bett oder den Canal eines anſehnlichen Fluſſes, ohne nur einen Tropfſen Waſſer zu finden. Nach Regen aber, oder wenn der Schnee ſchmilzt, gießen Stroͤme durch dieſe Canaͤle herab. Der innere Werth von Louiſiana iſt ohnge⸗ achtet des weiten Striches, der beinahe als unfrucht⸗ bar angeſehen werden kann, unſchaͤtzbar. Das Gebiet von Miſſouri und der Staat von Louiſiana ſind am Umfange drei der groͤßten nordamerikaniſchen Staaten gleich, enthalten jede Mannigfaltigkeit des Bodens und des Klima's, und ſind faͤhig, alles zur Bequemlichkeit oder zum Luxus des Menſchen Dien⸗ liche hervor zu bringen. Sie ſind reich an Minera⸗ lien, haben fruchtbringenden Boden, und ſind zum Handel und Maufacturweſen aller Art guͤnſtig ge⸗ legen. 295 Bei einem ſo großen Umfang von Land iſt es nicht zu verwundern, daß es viele ſchiffbare Fluͤſſe gibt. In Louiſiana ſind nicht weniger als 300 Stroͤme zur Schifffahrt geeignet, und doch itt dieſe Abtheilung des großen Miſſiſippi⸗Thales lange nicht ſo wohl bewaͤſſert, als die an der oͤſtlichen Seite. UQuellen finden ſich nicht in ſolcher Menge vor, und die Fluͤſſe erhalten ihren Zuſtuß hauptſachlich vom Regen und vom Schmelzen des Schnee's. Es laͤßt ſich von allen groͤßeren Fluͤſſen an der weſtlichen Seite des Miſſiſippi, die in großen Gebirgen entſprin⸗ gen, wo viele Quellen und die Waſſerſtroͤme klar und hell ſind, bemerken, daß ſie waͤhrend ihres Laufes durch das Gebirge tiefe und klare Kanaͤle haben, und leicht zu befahren ſind, daß ſie aber bei ihrem Eintritt in das niedrige Land ſich ausdehnen, breit und ſeicht werden, ja ganze Strecken lang aufhoͤren ſchiffbar zu ſeyn. Die einzigen Ausnahmen davon machen viel⸗ leicht der Miſſouri und der Miſſiſippi. Dio aber nahe an den uUrgebirgen entſtehen, ſind beinabe ohne alle Unterbrechung bis zu ihrem Urſprung ſchiff⸗ bar, den ſie oft in Seen haben. In Ober⸗Loutſtana gibt es nur wenige Seen. aussenommen nahe am Urſprung des Miſſiſippi. In Unter⸗Louiſiana gibt es eine große Anzahl von Seen von den zuruͤckfließenden Gewaͤſſern des Riſſiſippi, und von den Gebirgsſtroͤnen, welche ſich in der Ebene verlieren. 296 Unter den Fluͤſſen iſt der bedeutendſte der Miſ⸗ ſiſippi. Er wird mit Recht unter die prachtvoll⸗ ſten Fluͤſſe der Welt gerechnet, ſowohl in Hinſicht ſeiner Laͤnge, als der Anzahl und Gtoͤße der in den⸗ ſelben ſich ergießenden Fluͤſſe, ſo wie des umfanges der fruchtbaren Laͤnder, die er durchzieht, da er w⸗ nigſtens ein Viertel des bewohnbaren Nord⸗Ame⸗ rika durchfließt. Eben nicht minder merkwuͤrdig iſt der Miſſouri. Der Strom dieſes Fluſſes iſt we⸗ nigſtens um ein Viertel groͤßer, als der des Miſſi⸗ ſippi. Der Miſſouri hat große und kleine Kruͤm⸗ mungen in Menge, vier ſehr bedeutende Waſſerfaͤlle, ohne mehrere kleinere, und ein Fahrwaſſer von 3069 Meilen. Nach dem Miſſouri iſt der Arkanſas der betraͤchtlichſte von den, dem Miſſiſippi zins⸗ baren Fluͤſſen. Er iſt beinahe 2600 Meilen lang und tur rechten Jahreszeit faſt durchaus ſchiffbar. Der Red⸗Fluß entſpringt in den Cordilleras, iſt ungefaͤhr eben ſo lang wie der Areanſas, und s bis s0o Meilen lang ſchiffbar, beinahe ohne irgend ein Hinderniß. An einer gewiſſen Stelle iſt eine Art Damm aus Floßholz und Erde gebildet, der ſeinen Canal ganz uͤberdeckt; es wachſen Baͤume darauf, und man koͤnnte daruͤber gehen, ohne den Fluß gewahr zu werden. Unter den uͤbrigen Fluͤſſen verdienen noch genannt in werden: der St. Peters, der Fluß les Cor⸗ beaur, der des Moines, der Rakvon⸗Fluß⸗ 297 der Grand rivor, der Canſas, der Platte⸗ Fluß, der White⸗, der Chtenne⸗, der St. Jas⸗ aues⸗, der Siour⸗, der Maria⸗, der Mouſe⸗ Fluß u. v. a. m. Man hat oft berichtet, daß die weſtliche Seite des Riſſiſippi den Augen eines Naturkundigen einen, von den uͤbrigen Theilen der vereinigten Staaten ganz verſchiedenen Charakter darbietet, und daß es, Neu⸗ Holland ausgenommen, in dieſer Hinſicht in der ganzen Welt kein intereſſanteres Land gibt⸗ Unter den Thieren des Landes ziehen die Auß merkſamkeit auf ſich der graue Baͤr, der Feind des Menſchen, der im eigentlichen Sinne des Wortes nach ſeinem Blute dürſtet; die Antilope; die Croue oder das Bersſchaaf; der Buͤfel; das Elenthier; der Wolß Fuchs; Dachs; das Eichhoͤrnchen; Rothwild; der Go⸗ pher, dem Maulwurfe ſehr aͤhnlich; der Alligator; das Chamaͤleon; das Wieſenhuhn, ein ſehr ſchoͤner Vogelz Arten von Reb⸗ und Truthuͤhnern, Enten, Gaͤnſen, Schwanen, Kranichen u. ſ. w. Fuͤr den Botaniker iſt ein weites Feld geoffnet. Man ſindet Gelbholz, Ceder, Baumwollenbaͤume, Zu⸗ ckerbäume, Copreſſen, Magnolia, immer gruͤne Eichen, Lraubenſtöͤcke, Maulbeere, Erdbeere, Pflaumen, Kir⸗ ſchen, Johannisbeeren, Bohnen, weißen Klee, Son⸗ nenblumen u. dgl. m. Der Mineraloge findet Bleimineral, Salzwerfe, Kupfer, Eiſenerz, Kalkſtein, Schweſel, reinen Kieſel, 83. Bd. Indien, II, 3. 6 298 Serpentinſtein, Marmor, Kohlen, Thonarten u. dgl. Auch Silber und Gold, ja Platina will oder wollte man finden. Auch Spuren von ausgebrannten Vulka⸗ neu hat man. Brackenridge hat haͤußig ein Phaͤnomen beob⸗ achtet, jedoch ohne einen Aufſchluß daruͤber zu geben, was er beſſer Unterrichteten uͤberlaſſen will. Am St. Franecis und in der Gegend des Whitefluſſes ſind unterirdiſche Exploſionen gehoͤrt und die Wirkun⸗ gen derſelben bemerkt worden. Der Schall gleicht dem einer Kanone oder eines entfernten Donners, und Erde und Felſen ſcheinen wie durch die Gewalt des Schießpulvers zerriſſen zu ſeyn. Die geſprengten Felſen ſind wie glaſirt von einer glaͤnzenden Materie, die wie Metall ausſteht. Nachher erfuhr Bracken⸗ ridge, daß dieſelbe Erſcheinung auch am Waſhita und am Sabine bemerkt wurde. „ Zweites Capitel. Durch die ungluͤcklichen Verheerungen der Blat⸗ tern iſt die Bevoͤlkerung der eingebornen Indianer in Lountſiana, beſonders an Miſſouri, herabge⸗ kommen. Indeß hat ſie ſeit einigen Jahren wieder ſehr zu genommen. Ungeachtet der vielen Volksſtaͤm⸗ me ſind dieſe Voͤlker uͤber ein ſo ausgedehntes Land zerſtreuet, daß man ſie kaum darin bemerkt. Man kaun Tage lang reiſen, ohne eine lebendige Seele an 299 zutreffen, und Brackenridge fuhr den Miſſourt tauſend Meilen weit hinab, ohne, außer ſeinen Ge⸗ fährten, nur ein menſchliches Weſen zu ſehen. Die einzigen anſaͤſſigen oder Ackerbau treibenden Indianiſchen Dorfſchaften am Miſſouri ſind die der Dſage, der Maha's, Ponva's, Pawi's, Arikava's, und der Mandans, und alle an der ſüdweſtitchen Seite des Fluſſes am Blue⸗earth⸗ Fluß und in den Gabeln des Kanſans, bewohnt die Nation dieſes Namens, mehrere Doͤrfer; unter⸗ haib der Muͤndung des Wolf⸗Fluſſes ſind Doͤrfer der Poni's, und ein Dorf iſt von Ollos und Miſ⸗ ſouris bewohnt. Jedoch ſind auch einige dieſer Doͤr⸗ fer, waͤhrend eines großen Dheils der Sommerzeit ver⸗ laſſen, und ihre Bewohner ziehen durch die Ebenen umher, gemeiniglich in Maſſe, und mit allen ihren Eigenthum, ihr Getreide ausgenommen, und wenige in's Gewicht fallende Artikel, die ſie an abgelegenen Orten verbergen. Ihr Gepaͤck iſt laͤſtiger, als man ſich vorſtellen ſollte, und erfordert eine große Anzahl von Hunden und Pferden, um es von Dyt zu Drt fortzubringen. Alle andern Nationen fuͤhren ein Leben, das dem der Aſtatiſchen Hirtenvölker ähnlich iſt; zwar treiben ſie keine zahmen Heerden an Plätze, wo ſie gute Wei⸗ de zu finden glauben, aber, was nahezu auf dasſelbe berauskommt, ſie folgen den Inſtinkt gemäßen Wan⸗ berungen der Buͤffel, naͤhren ſich von ihrem Fleiſche 300 und zuͤnden mit ihrem Miſt Feuer an. Der große Gegenſtand, mit dem dieſe Nationen ſich eruſthaft be⸗ ſchaͤftigen, und thre herrſchende Leidenſchaft, iſt die Begierde, einander gegenſeitig aufzureben. Es iſt in der That zum Erflaunen, bis in welche Entfernung ibre kriegeriſchen Streifzuge ſich erſtrecken und 80o bis 1000 Meilen iſt fuͤr ſie keine ungewoͤhnliche Reiſe. Ihre Angriffe ſind aber nur blutig und zerſtorend, wenn ſie gegen Weiber und Kinder gerichtet ſind, oder bei Ueberfaͤllen. In ihren mehr resgelmaͤßigen Gefech⸗ ten oder Schlachten, wo eine Art von Gleichheit zwi⸗ ſchen beiden Theilen eintritt, manoͤveriren ſie gemeß⸗ niglich zu Pferd und mit ſo vieler Geſchicklichkeit, daß! ſie einander wenig Schaden zufügen. Eine Schlacht, zwiſchen 300— 400 Mann auf jeder Seite, waͤhrt einen nanzen Tag und endigt endlich durch den Tod von? bis 3 Mann, wobei eben ſo viele verwundet werden Sie gleichen darin ſtark den Arabern, und die U ſache davon iſt nicht Mangel an Muth, ſondern ihl Kriegsſchauplatz, die offenen Ebenen naͤmlich. Beinahe alle Nationen, auf der nordweſtlichen Seite, ſind Abkömmlinge der Sivux, und leben in Frieden unrer einander, aber beinahe ohne Ausnahm in Krieg mit den Nationen auf der ſuͤdweſtlichen Sei te. Dieſe Nationen haben betraͤchtlichen Handel ode Verkehr unter einander. Die Sivux haben zu dieſen Zwecke regelmaͤßise Jahrmaͤrkte oder Zuſammenkuͤnfu zu beſtimmten Zeiten. Dieſe Gewohnheit iſt auch b⸗ 301 den Nationen an der ſuͤdweſtlichen Seite des Miſſouri herrſchend. Die Nationen nach Suͤden haben im Gan⸗ ien eine große Menge von Pferden, Maulthieren und Eſeln, die ſie durch Handel oder im Krieg von den Spaniern oder den Nationen erhalten, die unmit⸗ telbar an Neu⸗Mepico angrenzen. Dieſe Thieren werden hauptſaͤchlich zu den, nordoͤſtlich an dieſem Fluſſe ſich aufhaltenden Nationen gebracht, und zwar von den ſuͤdlichen Staͤmmen, die gerade mit ihnen in gutem Vernehmen ſtehen, und dafuͤr europaͤiſche Waa⸗ ren eintauſchen, die von Eagliſchen Kaufleuten her⸗ beigeſchafft werden. Ihr Vorrath von Pferden muß immerfort durch Stehlen oder Ankaufen erneuert wer⸗ den, weil d'eſes Thier wegen der Strenge des Klimn und der wenigen Sorge, die fuͤr die Foblen getragen wird, ſonſt in Gefahr riethe, auszuſterben. Ihre Art untereinander zu handeln, iſt noch ganz roh. Sie feilſchen nicht einzeln um den Preis, ſondern em Stamm, oder die Nation ſelbſt kommt in die Naͤhe eines Dorfes, lagert ſich daſelbſt, und nachdem die Bewohner deſſelben und die Ankoͤmmlinge ſich gegen⸗ ſeitig tauſend Hoͤflichkeiten nach ihrer roher Weiſe er⸗ zeigt haben, die nicht aufrichtiger ſind als die verfei⸗ nerten europaͤiſchen, ſo macht eine Parthei der andern im Allgemeinen ein Geſchenk von allen Artikeln, die es fuͤglich entbehren kann und die andere Parthei er⸗ wiedert dieß durch ein aͤhnliches Geſchenk, der Jahr⸗ matkt wird alsdann geſchloſſen durch allerlei Spiele, 302 Taͤnze und Zeitvertreibe. Die Art, wie die Weifen zu handelm pflegen, ſteht bei ihnen in großer Verach⸗ tung; ſie ſagen, es zeige von einer ensherſigen und erbaͤrmlichen Seele, wenn man jede Kleinigkeit abwaͤ⸗ ge und berechne; der Preis wird gewoͤhnlich vom Chef und ſeinem Rathe feſtgeſetzt, und der Stamm ſelbſt, als die Kaͤufer muͤſſen ſich dem unterwerfen. Ihre Waffen beſtehen hauptſaͤchlich aus Bogen, Speeren, Keulen, leichten Flinten. Der Bogen iſt aber, beſonders bei der Jagd, noch immer ihre Haupt⸗ waffe. Gleich allen Wilden ſind ſie aberglaͤubiſch. Der Böoffelskopf ſchien Brackenridge ein beſonderer Ge⸗ genſtand ihrer Verehrung zu ſeyn. Sie ſtellen ihn an jedem ihnen heiligen Brte auf, und jede Wohnung oder jedes Zelt enthält einen oder zwei, denen die ganze Familie die aͤußerſte Ehrfurcht zu bezeigen ſcheint. In dem Dorfe des Mandan⸗Hauptes Sherheske befand ſich vor dem Sempel oder der aͤrztlichen Woh⸗ nung ein eingezaͤunter Raum von etwa 6 Fuß in Vier⸗ eck, in welchem 4 Buͤffelskopfe auf erhoͤhten Erdwaͤllen lagen. Brackenridge hatte nicht Zeit genug, ſich ein Idee von ihren Sprachen zu machen; aus dem, was er erfahren konnte, ſah er, daß es etwa s urſpruͤngliche Sprachen gibt. Sehr wahrſcheinlich wuͤrde eine ge⸗ nauere Unterſuchung entdecken, daß einige von dieſen auch anderen Nationen des Americaniſchen Kontinents gemein ſind. Die Snate⸗(Schlangen⸗) Indit⸗ 303 ner ſcheinen Brackeridge, ſowohl an Sprache als an Ausſehen von allen Indianern⸗ die er je geſe⸗ hen, ſehr verſchieden zu ſeyn. Im Klang ihrer Spra⸗ che fand er mit Afrikaniſchen Sprachen, die er gehoͤrt hat, viel Aehnlichkeit. Die Nation der Oſagen nennt ſich ſelbt Wa⸗ ſaſhe und theilt ſich in die Groß- und Klein⸗Dſa⸗ ge und in die Rötte von Big Lrack. Ihre Sprache kann als die urſpraͤngliche mehrerer andern angeſehen werden. Ihr Handel beſteht hauptſaͤchlich aus Hirſch⸗ und Baren⸗Haͤuten, Bibern, Ottern, Buͤffeln u. ſ. w. Dieſe Voͤlker ſind fuͤr ungewoͤhnlich groß an Statur ausgegeben worden, was etwas übertrieben iſt, obgleich ohne Zweifel ihre Groͤße die gewoͤhnliche der Menſchen übertrifft. Die wandernden oder halbwandernden Na⸗ tionen von Louiſtana übertreffen die Weißen an Lei⸗ besgroͤße. Die Dſages werden fuͤr kriegeriſch gehalten⸗ dieß ruͤhrt aber davon her, daß ſie mit allen ihren Nachbarn im Kriege leben, und nicht von einem un⸗ gewohnlichen Grade von Tapfer Gt. Vergleicht man ſie mit andern Staͤmmen des Landes, ſo kann man ſie fuglicher als eine verraͤtheriſche und ſeige Rage be⸗ trachten.— Die Regierungen der Indianiſchen Na⸗ tionen ſind in der Regel repablikaniſch, die Haͤupter ſchlagen vor und die Voͤlker genehmigen oder verwet⸗ fen es. Die dabei obliegenden Feierlichketten ſind nicht ſo leicht in Erfahrung zu bringen. Es gibt Beiſpiele, 304 daß Stammhaͤupter wegen unbefugten Benehmens in Ungnade fallen. Die Kanſans waren noch vor wenigen Jahren das aͤrgſte Geſindel am Miſſouri, beraubten Kauf⸗ leute und mißhandelten die Weißen; ſie ſind aber ſeit 2 Johren durch eine ſchwere Niederlage, die ſie von den Panis erlitten haben, ſehr gedemuͤthigt worden. Sie ſind tapfer und werden fuͤr ſehr kriegeriſch gehal⸗ ten. Ihre Doͤrfer liegen am Kanſans⸗Fluſſe. Ihr Land hat Ueberfluß an Bibern. Sie jagen aber nur wenig. Sie reden die Dſage⸗Sprache, nur in einer beſondern Mundart. Die eigentlichen Panis ſind ein friedlicheres und geſittetes Volk, als die eben ge⸗ dachten. Sie behandeln die Kaufleute und die Weißen in der Regel mit ausgezeichneter Gaſtfreiheit, haben viel Verkehr mit den Spaniern und leben ohngefaͤhr 30 Meilen von der Muͤndung des Fluſſes Platta. Die Shawaneſen, die man bei apple ereeck trifft, ſind ein maͤßiges ordentliches Volk. Die At⸗ takapas(Menſcgʒ freſſer) wohnen gegenwaͤrtig, nebſt den Carankouas, auf einer Inſel in der Bucht von St. Bernard. Sie hatten noch zur Zeit, als Brackenridge reiste, den Ruf, Menſchenfreſſer ju ſeyn. Außer dieſen Volksſtaͤmmen gibt es noch viele andere, als die von Dutina, in der Bagagonlas, von Dnothoca, Calos, Timugoa, die Cho⸗ rokees u. ſ. w.— Die umherziehenden Banden 305 der Indianer ſind gewoͤhnlich ein elendes, ausgearte⸗ tes Geſindel, und im hoͤchſten Grade faul und filzig. Bevor die Regierung an die Vereinigten Staaten ſiel, war der Handel mit den Ind ianern, gleich jedem Kolonial-Handel, durch Monopolien getrieben worden, wobei das Intereſſe des Gouverneurs oder In⸗ tendauten allein zu Rathe gezogen wurde. Die Kauf⸗ leute erhielten ein ausſchließendes Privilegium, mit einem beſonderen Stamme, oder an einem gewiſſen Fluſſe zu handeln. Seit der Regierungs⸗Veraͤnderung beſteht hier Handelsfreiheit, ſuchte man bleibende Han⸗ delsniederlaſſung am Dſage⸗Fluſſe, auf der Ce⸗ derinſel u. ſ. w. anzulegen, und waren L'Diſelle, Lewis, Clark, Liſa u am. geſchaͤftig, den Han⸗ del zu heben. Liſa von St. Louis, war der Erſte, der ſich bis zum urſprung des Miſſouri wagte. Wie ſchon bemerkt, war Brackenridge einer der nachmaligen Begleiter Liſa's. Lifa durchfuhr das Land der Sivur, ohne Je⸗ mand von dieſer Nation anzutreffen. Bei ſeiner An⸗ kunft an den Arikara⸗Doͤrfern erforderte die Art ſeiner Aufnahme viel Klugheit und Muth. Zwei bis drethundert Indianiſche Krieger waren bei ſeiner An⸗ kunft am Ufer verſammelt, und diejenigen, die Feuer⸗ gewehre hatten, gaben dicht vor ſeinem Boote eine Salve, um die Stelle zu bezeichnen, wo er anlanden ſolte Er that dieß, machte aber ſogleich bekannt, Niemand darf ſein Boot betreten. Die Indianiſchen 206 Haͤuptlinge ſellten zu gleicher Zeit Wachen aus, um den Andrang abzuwehren. Die Weiber, die unter dieſen Staͤmmen den Handel zu treiben pflegen, kamen an den Landungsplatz mit Beuteln voll von Getreide, das ſie zum Verkauf boten; ein Indianer ſprang aber hervor und ſchnitt die Beutel mit ſeinem Meſſer von einander, worauf die Weiber die Flucht ergriffen. Liſa, der mit dem Charaeter der Indianer genau bekannt war, und wußte, daß der geringſte Anſchem von Flucht gefaͤhrlich war, ließ ſogleich ſeine Leute die Waffen ergreiſen, ein Paar kleine Kanonen, die er am Boid des Bootes hatte, richten und traf alle Anſtalten zur Vertheidigung. Als die Indianer die⸗ ſes ſahen, liefen ſie beſtürzt atseinander, und nach einiger Zeit naͤherten ſich die Haͤtptlinge mit Friedens⸗ pfeifen, die ſie vor ſich ausßreckten. Nachdem Liſa das Zeichen der Verſoͤhnung gegeben hatte, kamen ſie zu ihm, ſtrichen ihm, ihrer Sitte nach, die Schultern und baten ihn, nicht boͤſe zu ſeyn, indem ſie erklärten, der Indianer, der ihn beleidigt babe, werde fuͤr einen ſchlimmen Mann gehalten. Dieß Benehmen von Liſa brachte eine gute Wirkung hervor und ſetzte ihn in den Stand, ſeine Reiſe ohne weitere Stoͤrung fortſetzen zu koͤnnen. Bei ſeiner Ankunft am erſten Mandan⸗Dorfe entſchloß er ſich, durch dieſe Dorfer, die in Zwiſchen⸗ raͤumen laͤngs dem Ufer in einer Entfernung von etwa 20 Mellen liegen, zu Fuß zu gehen, waͤhrend ſei Beote ihre Reiſe aufwaͤrts fortſetzten. Am erſten Dorfe pflog er die uͤbliche Zuſammenkunft mit den Haͤuptlingen, uͤberreichte ihnen einige Rollen Tabak und andere Artikel, und erhielt die Erlaubniß, ſeine Reiſe fortzuſetzen. Am dritten Dorfe wurden ſeine Geſchenke zuruͤckgewieſen und der Chef verlangte etwas Pulver, was abgeſchlagen wurde. Liſa wußte, ſein Leben ſey in keiner Gefahr, weil ſie durch ſeinen Dod ſeine Waaren nicht bekommen wuͤrden, und widerſtand daher herzhaft und feſt ihren wiederholten Anforder⸗ ungen; er ſagte ihnen, ſie koͤnnten ihn umbringen, aber ſein Eigenthum wurde in Sicherheit bleiben. Endlich ſahen ſie ſich genoͤthigt, die Geſchenke anzuneh⸗ men, die er ihnen anbot. Wenige Tage nachher, nachdem er an den Man⸗ danen voruͤber war, erſpaͤhte er die Annaͤherung der Aſſineboin⸗Nation, 4— 5000 Seelen ſtark. Dieſe wandernden Voͤlker hatten durch ihre Wachen die An⸗ kunft der Kaufleute erfahren. Alle Indianer waren roth gemalt, als Zubereitung zum Kriege. Dieſe Lage verlangte die aͤußerſie Kuͤhnheit und unerſchrockene Faſſung. Liſa lud ſeine kleine Kanonen, fuhr an die Wilden heran, und als er ſich ihnen bis auf 100 Schritte genaͤhert hatte, wurden die Kanonen, zugleich mit ei⸗ ner Salve aus dem kleinen Gewehr, losgeſchoſſen. Dieß ſollte nichts bewirken, als ihnen Schrecken ein⸗ jagen; die Wirkung war luſtig zu ſehen, die India⸗ ner prallten zuruck, ſelen uͤbereinander zu Boden oder 308 flohen eiligſt auf die Hügel. Einige wenige Krieger und Haͤuptiinge blieben zuruͤck. Sie uͤberreichten die Friedenspfeife und die Sache endigte freundſchaftlich. Er ſetzte hierauf ſeine Reiſe zu dem Yellow⸗Stro⸗ me fort, auf dem er gegen 170 Meilen aufwaͤrts fuhr, bis zum Big⸗Horn⸗Fluſſe, wo er ein befeſtigtes Haus zur Handelsniederlage erbaute. Erblteb an die⸗ ſem Drte 9 Monate. Er kehrte dann nach St. Louis zurück, durch betraͤchtliche Handelsvortheile fuͤr neue Reiſe reichlich entſchaͤdigt. Er hatte indeß nicht die rechte Gegend gewaͤhlt, da die noͤrdliche Seite des Miſſouri an Pelzwerk, und zwar an ſolchen von koſt⸗ barer Art, weit reicher iſt. Liſa und noch mehrere Kaufleute und Spekulan⸗ ten errichteten eine Miſſouri⸗Pelz⸗Kompagnie, ruͤſteten Exveditionen aus, und ſuchten Handelsniederlaſſungen und Faktoreien bei den Sioux, Aricaras, Man⸗ danen u. ſ. w. zu errichten. Doch waren anfangs die Ausſichten der Kompagnie ſehr truͤbe, bis ſie von Liſa in einer dritten Exxedition realiſirt wurden. Die Kompagnie hatte ihr Kapital gerettet, hatte dieſes ſogar vermehrt und beſaß Niederlaſſungen bei den Mandanen, Sioux und Ariearas. Auf dieſer Expedition begleitete Brackenridge den Liſa, deſſen Anſuchen, ihn zu begleiten, er nicht widerſtehen konnte, obgleich von Seiten der India⸗ ner Feindſeligkeiten zu befuͤrchten waren, weil ſie neuerdings ſich unfreundlich gegen die Weiben be⸗ 309 nommen hatten, ſo daß man allgemein vermutbete, ſelbſt die zahlreiche Geſelſchaft wuͤrde ſich durch die Rotten des Sioux keinen Weg bahnen koͤnnen. Bra⸗ ckenridge fuhr den Miſſouri hinauf und kehrte nach einer Abweſenheit von 4—s Monaten, mit 2. mit Fellen und Pelzwerk auf Rechnung der Kompagnie beladenen Bvoten, die unter ſeinem Befehle ſtanden⸗ nach St. Louis zuruͤck. Nach einem Aufenthalt in St. Louis bis zum Monat November ſchiffte er ſich nach Neu⸗Drleans ein, wo er im Dezember 4511 ankam. James Prior's Reiſe in das Indiſche Meer, in der Fregatte Niſus, nach dem Cap der guten Hoffnung, den Inſeln Bour⸗ bon, Frankreich(Isle de France), und den Seſchellen; nach Madras, und den Eylanden Java, St. Paul und Am⸗ ſterdam, in den Jahren 1810 und 1811. Deutſch mitgetheilt von Franz Joſeph Adolph Schneidawind. Erſt e 5 Sa el An 22. Junius 1810 ſegelte die Engliſche Fre⸗ gatte Niſus, unter Capitain Philipp Beaver, auf der James Prior als Seeoffizier diente, nach dem Cap der guten Hoffnung ab. Kaum batte Prior die trautigen Deſertas geſehen, ſo 311 entzuͤckte ihn der Anblick der Inſel Madera. Doch die Taͤuſchung ſchwand, ſobald er die Stadt Funchal betrat, die einzige auf der Inſel; denn, ſtatt der Nym⸗ phen, Schaͤfer und Zauberer erblickt das Auge kahlkoͤ⸗ pfige Moͤnche und baarfuͤßige Bauern— indeß bei je⸗ dem Schritte unverſchaͤmte Bettler einen Angriff auf die Gutmuthigkeit der Reiſenden machen. Die Stadt ſelbſt hat enge, ungleiche, mit Koth und Faͤulniß be⸗ deckte Straſſen, duͤſtere, einzeln ſtehende Haͤuſer, die Gefaͤngniſſen gleichen und wenige, und noch dazu ohne Geſchmack gebaute Kirchen. Die Rhede iſt eben ſo wenig einladend, als die Stadt ſelbſt. Beide Ge⸗ ſchlechter, faſt immer der Sonne ausgeſetzt, gleichen beinahe den Mulatten. Prior ſegelte von Madera ab, und erblickte ſehr deutlich Palma, eine der Canariſchen In⸗ ſeln, die wohl so Engliſche Meilen davon entfernt iſt. Am Abend ſah er Ferro, zu derſelben Gruppe gehoͤrig. Nun verließ die Fregatte den gewoͤhnlichen Weg und ſteuerte auf die Inſeln des gruͤnen Vorgebirgs zu, in Erwartung, auf franzoͤſiſche Schiffe zu ſtoßen, die, wie es hieß, mit der Beute Engliſcher Oſtindienfahrer nach Europa zurückkehren ſollten; aber die Hoffnung der Britten ſchlus fehlz wohl ſahen ſie dagegen einen nach Liverpol zurück⸗ kehrenden Guineafahrer, deſſen Schiff das Anſehen einer ſchwimmenden Menagerie hatte, wegen der Men⸗ 312 ge Affen, Papageien u a. Thiere und Voͤgel, die er am Bord hatte. Am 20. Julius paſſirte die Fregatte die Linie, un⸗ terließ aber die gewoͤhnlichen Ceremonien, die ſich mit der am Berd der koͤniglichen Schiffe behaupteten Wuͤr⸗ de nicht vertragen. Fruͤh am Morgen des 4. Auguſts erblickte Prior die Inſel Srinidad. Dieſe, ihrer Namensſchweſter in Weſtindien ſehr ungleiche Inſel⸗ iſt eine von jenen öden und duͤrren Felſen, welche die Vorſehung, ich weiß nicht, aus welchen weiſen Abſich⸗ ten, durch den Deean zerſtreut hat. Einige Tage hier⸗ auf ſturzte ein huͤbſcher Schiffsjunge in das Meer und wurde, ohne Rettung, ein Raub der Wellen. Der arme Junge hatte ſeinen halben Sold zur Unterſtuͤtzung einer armen Mutter angewendet. Waͤhrend der Nacht des 21. Auguſts wurde, da man berechnen konnte, daß die Fregatte in der Naͤhs des Landes ſich befinde, beigelegt und mit Tages⸗An⸗ bruch ſah Prior das beruͤhmte Vorgebirg Suͤd⸗Afri⸗ kas, etwa in der Mitte zwiſchen den Muͤndungen der Safel⸗ und Falſchen⸗Bai. Am Abend landet⸗ er in der Simons⸗Stadt, einem armſeligen Ort. Die Straſſe nach der Capſtadt iſt dem Lande angemeſſen; ſie geht uͤber Steine oder tief im Sande, windet ſich aber unaufhoͤrlich rund um unfrucht⸗ bare Huͤgel, am halbzirkelförmigen Rande kleiner Buchten in der Simons Bai hin. In Muſen⸗ burg fand Prior einen militaͤriſchen Poſten, kam * 313 nach Wynneb erg, einem freundlichen, einzeln liegen⸗ den Dorfe, mit Wohnungen fuͤr Reiterei und Fußvolk, indem es zuweilen den Truppen aus der Capſtadt zum Sommerlager dient, und ſich daſelbſt eine Ab⸗ theilung des Hottentotten⸗ oder Cap⸗RNegiments im Scheibenſchieben uͤben. Der Anblick der Cap⸗ ſtadt war fur Prior einnehmend, und dieſes Ver⸗ gnuͤgen wurde durch naͤhere Bekanntſchaft nicht gemin⸗ dert. Die Straſſen durchſchneiden einander in rechten Winkeln. Die Haͤuſer ſind im Allgemeinen groß, alle ohne Ausnahme weiß, die Holzarbeit an denſelben gruͤn angeſtrichen. Am Abend nach der Ankunft Priors und meh⸗ rerer anderer Hffiziere, in der Capſtadt, wurde von eingebornen Liebhabern, oder wie ſie ſich oft im Geſpraͤche nennen:„Afrikantes“ ein Schauſpiel angekuͤndigt. Das Stuͤck fuͤhrte den Namen:„Der Schiffbruch““ und war ein Gemiſch von Tragoͤdie, Komoͤdie, Poſſe, Pantomime und Tanz. Das Innere des Theaters fand Prior recht artig, und die Schauſpieler ſowohl als die Auffüͤhrung beſſer, als er erwartet hatte.— Einige Dage nach dem Schauſpiele folgte ein Ball. In beiden fanden ſich viele wohlgekleidete, gutgewach⸗ ſene und reizende Frauen ein. Sonſt wo ſah man Frauenzimmer faſt niemals. Am 4. Septeimber verließ der Niſus die Si⸗ mons⸗Bai wieder, und hatte den Contre⸗Admiral Bertie, nebſt hundert Mann vom sſten Regiment 83. Bd. Indien. II. 3. 6 314 an Bord, da die Transport⸗Fahrzeuge fuͤr alle Cap⸗ Truppen, welche die Expedition gegen Mauritius begleiten ſollten, noch nicht angekommen waren. Eine Reihe widriger Winde trieb das Schiff einige Dage lang in der Naͤhe des Caps herum, zu einer Zeit, wo, wie man nußte, die feindlichen Schiffe die See hiel⸗ ten; denn die Franzoſen hatten auf einige engli⸗ ſche Schiffe Jagd gemacht. Die Pffüiere auf dem Niſus waren ſehr beſorgt fuͤr die Sicherheit eini⸗ ger Lransportſchiffe; aber waͤhrend des ganzen Mona⸗ tes, wo ſie widrige Winde hatten, ſahen ſie weder Freund noch Feind. Am 2. Dktober erſchien die Fregatte vor Mau⸗ ritius oder Isle de Franee. Mit Geſpanntheit forſchte Prior nach dem Cap Malheureux. Dieſe Spitze iſt beruͤhmt durch St. Pierre's ſchoͤnen R⸗ man:„Paul und Virginie“, und beim Anblick derſelben entlockte dem Sceoffizter das Schtckfal der ungluͤcklichen Vtrginia, die hier ein Raub der Wellen wurde, einen Seußzer.— Die engliſche Fre⸗ gatte recognoseirte dieſe franzoͤſiſche Inſel, die bald in Aufruhr daruber gerieth. Die Mannſchaft derſeb ben beſetzte die Batterien und Signalpoſten, allein die Schiffe liefen zum Kampfe, zu dem die Britten herausforderten, nicht aus. Da das engliſche Ge⸗ ſchwader ausblteb, ſo ſegelte der Niſus am Abend des zweiten Dages nach der Inſel Bourbon, deren Entſernung nur os engliſche Meilen betrug. In der . 315 Bai St. Paul ankerte die Fregatte. Die Englaͤn⸗ der hatten die Inſel von den Franzoſen erobert, und Prior freute und beeilte ſich, dieſe neue Erobe⸗ rung genauer kennen zu lernen. Isle Bourbon (vormals Napoleons⸗Inſel genannt) wurde in der erſten Haͤlfte des ſechszehnten Jahrhunderts durch ſpnniſche und portugieſiſche Schiffer entdeckt, aber erſt mehr als hundert Jahre ſpäter in Beſitz genommen und angebaut. Dieſe Inſel hat etwa zs geographiſche Meilen im Umfange, und iſt an Geſtalt faſt Zukel rund, auf allen Seiten erhebt ſie ſich, von der See aus, gewiſſermaſſen jählings, indem Huͤgel auf Hügel gethuͤrmt, ſich nach und nach erheben, die ſcheinbar getrennt, doch unter ſich verbunden ſind. In einiger Entfernung gleicht ſie einem großen, abgeſtumpften Kegel. Ueberreſte von einem unterirdiſchen Feuer findet man auf der ganzen Inſel, auf einem Berge einen ausgebrannten Crater, und auf einem andern, auf der Suͤdſeite der Inſel, nur 12 Meilen von der See, einen noch brennenden Vulkan. Im Allgemeinen iſt der Boden der Inſel gut⸗ ausgenommen in den hoͤheren Theilen, die ſteinig und duͤrr ſind. Die Thaͤler erſetzen jedoch dieſen Mangel reichlich durch eine uͤbepfluͤſſige Vergeltung der Arbei⸗ ten des Landmannes. Kaffee und Baumwolle ſind die bieſigen Ausfuhrartikel. Gebaut wird hier noch und gefunden: Watzen, Muskatennuß, Gewuͤrznelken, Mats, Kaſſava, Pamswurzel, ſuͤße Kartoffeln, Ananas, Gra⸗ 316 nataͤpfel, Drangen, Cveos noͤſe, Piſengfeigen, Bana⸗ nen u. ſ. w. Die Weiden ſind ſo unbedeutend, daß wenig Hornvieh aufgezogen werden kann. Das Kli⸗ ma von Bourbon iſt koͤſtlich; uͤberhaupt der Him— mel klar und heiter, der Nachtthau nicht laͤſtig, die Seeluft erfriſchend, die Anſicht des Landes hier und da wild und romantiſch, und im Allgemeinen zur Ruhe und Stille einladend. Der Anblick der Stadt St. Paul, die um die Bai herum liegt, iſt entzückend. Beim Eintritt in dieſe Stadt fiel Prior der Anblick des Volkes auf, deſſen Phyſſognomie ausdrucksvoll iſt; das Geſicht ſcharf, mager und bleich; die Farbe dunkler vielleicht, aber nicht ungleich der des aͤrmeren Volkes in Jtalien. Die Einwohner von Bourbon beſtehen aus einem gemiſchten Geſchlecht von beinahe allen Nationen und Farben, denn als man die Inſel zuerſt entdeckte, war ſie unbewohnt. Auch gibt es hier viele tauſend Sklaven. Die Einwohner der Inſel ſind im Allgemeinen nuͤchtern und maͤßig; die Frauen, obgleich gewoͤhnlich Brunetten, ſind doch von ſchoͤnerer Geſichtsfarbe und mehr zum Starkwerden geneigt. Beide Geſchlechter ſtehen im Ruf heiter, lebendig und ſchwatzhaft zu ſeyn, die Inſel Bourbon üͤber alle Orte in der Welt zu erheben, und natuͤrliche Foͤhigkeiten zu beſitzen, die durch die Erziehung wenig ausgebildet worden ſind. Durch den Krieg und weiten Deean von andern Di⸗ 317 ten getrennt, ſollen ihre Sitten einfach und gaſtlich ſeyn, ihre Kenntniſſe beſchraͤnkt; Maͤngel und Wuͤnſche bingegen haben ſie nur wenig, und dieſer allgemeine Ruf ſcheint, mit einigen Ausnahmen, ziemlich richtig zu ſeyn. Die Stadt St. Paul war ſonſt die Hauptſtadt der Inſel. Sie iſt ein weitlaͤufiger, etwa eine Meile langer Drt, deſſen Haͤuſer nicht anſehnlich und groß, deſſen Straſſen ſandig und unregelmaͤßig ſind. St. Denis, die Hauptſtadt, liegt 24 Meilen von St. Paul. Wie dieſe Stadt, iſt ſie von der See umge⸗ ben. St. Denis jedoch iſt groͤßer und bevoͤlkerter, hat beſſere Haͤuſer und gepflaſterte Straſſen, auch weit beſſere Feſtungswerke und Batterien. Nur fehlt es der ganzen Inſel Bourbon an einem ſichern Hafen. Der oͤffentlichen Beluſtigungen„bt es auf dieſem Eylande wenige; der Tanz iſt der vorzuͤglichſte, und dieſem geben ſich alle Staͤnde mit charakteriſtiſcher Froͤhlichkeit hin. Uueberhaupt iſt dieſer unter den Franzoſen ein Hauptmittel zur guten Laune. Zehn Tage nach der Ankunft des Niſus zu Bourbon hieß es, das engliſche Geſchwader ſei im Stande abzugehen, und fuhr demnach, ſechs Kriegs⸗ ſchiffe, nebſt den Transportfahrzeugen, ab. Es dauerte beinahe eine Woche, ehe ein Theil dieſer Escadre Port Louis in Mauritius, der andere Rodri⸗ guez erreichte. Der Niſus gehoͤrte zu dem Theile, der die Inſel Mauritius oder Isle de Franee 318 beobachten mußte, bis die Expedition volkammen kei⸗ ſammen war, die dieſe Inſel den Franzoen unter General Deraen ertreifen ſollte. Inzwiſchen ſu hte man nach Landungsplaͤtzen, wolei am 14. Novem er ein ensliſcher Kutter unter Lieutenant Bowler ven den Franzoſen genommen wurde. Die engliſche Flotte, zu der eine Diviſſon aus Bengalen, andere aus der Capſtadt, Madras und Bombai geſtoßen waren, erſchien endlich, und am 29. November begaun die Ausſchiffung der Brit⸗ ten ſo ſchnelle, daß in menig mehr als einer Stunde vodo Mann an das Land geſetzt waren, und die Schife legten ſich nahe an das Ufer. Am 30. Vormittags wurde der Niſus die Kuͤſte hinabgeſchickt, um jeden Punkt anzugreifen, dem er ſich nahen konnte, ſo wie auch beim erſten guͤnſtigen Augenblick eine Verbin⸗ dung mit den gelandeten Sruppen zu eroͤffnen. Im Junern ſuchten die Generale Deeaen und Van— dermaſſen mit soo regulairen Franzoſen, 6oo Matrofen, und zwiſchen 2 bis 3000 Mann ungeuͤbten Miltzen, die man, um die Zahl voll zu machen, nur mitgenommen hatte, gegen die Britten, die mit mehr als 10,000 Mann operirten, ſich zu vertheidigen, ſie wurden aber bald geworfen und hinter die Linien von Port Louis getrieben. Hier ſchloß man eine Kapftulation, vermoͤge der die franzoͤſiſchen Soidaten ungehinderte Ruͤckkebr nach Frankreich erhtelten. Am 7. Dezember zogen die Schiffe der ßegreichen 3¹9 Vritten in den Hafen von Port Louis ein, welche Stadt zuerſt brittiſche Grenadiere beſetzt hatten. Isle de Franee oder Mauritius iſt etwa 35 Meilen lang und am breiteſten Theile etwa a1 Meilen breit, ob ſie gleich im Allgemeinen wenig mehr als zwei Drittheile dieſer Breite hat. Der Umfang laͤngs der Kuͤſte iſt ungefaͤhr a1s Meilen. Die Pber⸗ flaͤche wechſelt mit Berg und Thal, Wald und An⸗ yflanzungen ab; ſie hat an manchen Stellen einen leidlichen Boden mit einer groben Menge lockerer Steine und verwitterter Felſen untermiſcht, nebſt eini⸗ gen anſehnlichen Bergen. Die Inſel iſt ohne Zweifel vulkaniſchen Urſprungs; ihre Unebenheiten, die Lava⸗ etwas Bimsſtein und andere Truͤmmer alter Ausbrü⸗ che, welche zu verſchiedenen Zeiten gefunden wurden⸗ ſcheinen die Sache auſſer Zweifel zu ſetzen. Die Inſel erzeugt den Eiſenholz⸗, Rothholz⸗ Ebenholz⸗, Mangle⸗, Lorbeer⸗, Sago⸗, Cocosnuß⸗ baum u. ſ. w.; den Hollunder, Jasmin, Weinſtock⸗ die Gewuͤrznelke, ferner Pfeffer, Piſangfeigen, Bana⸗ nen, Melonen, Pfirſchen, Aepfel⸗ Spinat, Spargel⸗ Kurbiſſe, Kartoffeln, Artiſchoken, Erbſen, Bamswur⸗ zeln, Ruͤben, Kohl, Kaſſava⸗Wurzel, Zucker, Indigo⸗ Caffee, Baumwolle, Watzen, Mais, Hirſe u. ſ. w. Da es an guten Weiden fehlt, iſt Mangel an Rind⸗ vieh und auch an Pferden. Doch gibt es Schweine und Ziegen in Menge. Gefluͤgel jeder Art iſt theuer. Im Walde gibt es Haſen, Rehe, Rebhuͤbner, Tau⸗ 320 ben, Affen, Dudus, wilde Gaͤnſe u. ſ. w. Die See liefert Braſſen, Plattfiſche, Schellfiſche, Makreelen u. ſ. w. ſeltener Krebſe, Hummern, Auſtern. Große Aale, vom Geſchlechte der Murannen, werden dann und wann von den Schiffern gefangen. Man ſagt, ſie erdroſſelten oft die Taucher von Port Louis, die, wenn ſie hinabgeſchickt werden, den Schiffsboden von außen zu reinigen, oft nicht zuruͤckkehren. Das Klima von St. Mauritius oder Isle de Franee iſt ſchoͤn, die Luft im Allgemeinen, ſo⸗ gar in den ſtuͤrmiſchen Monaten, geſund, und die Winde ſcheinen alle ſchaͤdlichen Dunſte des uͤbertrie⸗ benen Regens, innerhalb der Tropen, hinweg zu fuͤhren. Port Louis iſt die einzige Stadt der Inſel, e thaͤlt das See⸗Arſenal, ein nettes Theater, ein Schulgebaͤude, deſſen Aeußeres prachtvoll iſt u. dgl. Wenn Prior durch die rechte Seite der Stadt, den Malabar⸗Betirk kam, wurde ſein Auge durch eine unendliche Mannigfaltigkeit der Geſichtsfarben ergoͤtzt. Europäer, Malaien, Mulatten und ſogar Neger traf man mit Indiern vermiſcht an; es ſcheint eine Art von chemiſchem Laboratorium fuͤr die Menſchen zu ſeyn, wo die Natur verſucht, aus ver⸗ ſchiedenen Menſchengeſchlechtern ein Amalgama zu bilden. Eine Menge huͤbſcher farbiger Maͤdchen wohnte hier zur Unterhaltung der Weißen. Der Markt wurde auf der Straſſe Champ de Mars gehalten. Zwi⸗ 32¹ ſchen den hintern Theilen der Stadt und den Bergen liegt die gruͤne Ebene von etwa einer engliſchén Meile Umfang, die das Marsfeld hieß, und zum Lieblings⸗ ſpatziergange des ſchoͤnen Geſchlechtes vor Ankunft der Britten diente. Als Prior in der Hauptſtraſſe herumſtreifte, ent⸗ deckte er einen angenehmen Zufluchtsort vor der Mit⸗ tagshitze in den Baͤdern, deren es ein Dutzend oder mehr in einem der Häuſer gibt. Man kann ſich keine groͤßere Wohlluſt in einem ſolchen Klima denken. Seele, Koͤrper, alle Lebensgeiſter erſchlaft und faſt er⸗ ſchoͤpft durch die Wirkungen einer brennenden Sonne werden, ſo wie man ſich hineintaugt, gleichſam wie⸗ der friſch und neu belebt. Die Bibliothek, nur wenige Schritte von der Boͤrſe entfernt, enthaͤlt, nach des Beſitzers eigener An⸗ gabe, beinahe 60,000, die Jedem zu Dienſte ſtehen. Am 4. Januar 1841 gab der engliſche Gouverneur der Inſel, Farguhar, den brittiſchen Pffizieren, den bedeutendſten und angeſehenſten Bewohnern der Inſel und den Fremden einen Ball. Dieß wat eine Art von verloͤhnendem Aufang zur beſſeren Bekannt⸗ ſchaft. Prior unterließ dieſe ſchoͤne Gelegenheit nicht, beſonders das ſchoͤne Geſchlecht beiſammen zu ſchen. Mehr als hundert Damen paradirten durch die Zimmer und zeigten manche huͤbſche Geſtalt und iutereſſante Zuͤge. Auch die Kleidung war im Allge⸗ 322 meinen vortheilhaft. Man tanzte franzoͤſiſch und eng⸗ liſch, ſah ein Feuerwerk, und beluſtigte ſich an einer wohlbeſetzten und koͤſtlichen Tafel. Man war heiter, vergnuͤgt und zuftieden. Am 19. März hatten die Schiffe, die am Eylande lagen, einen furchtbaren Sturm auszuſtehen. Am Abend und in der Nacht nahm die Wuth deſſelben ſo zu, daß jedes kleine Stuͤck Segeltuch eingewickelt werden mußte; der naͤchſte Morgen fand den Niſus unter bloßen Stangen liegen. Das Schiff wogte auf und nieder, die Wellen ſchlugen zuweilen in das Schiff, die Thuͤren brachen zuſammen, und der Wind drang mit unbeſchreiblicher Heftigkeit alenthalben ein. Um Uhr Morgens ſchien er den hoͤchſten Gipfel erreicht zu haben.— Die Schiffe im Hafen litten keinen oder wenigen Schaden. Die Inſel hatte jedoch auch ein wenig von dem Sturme gelitten. Manche Baͤu⸗ me, Gaͤrten, Pfaͤle, Zaͤune waren hart mitgenommen; Haͤuſer waren abgedeckt und oft einige Fuß breit ih⸗ rem Fundamente entruͤckt. Dieſer letzte Umſtand wird auf den erſten Anblick ſeltſam ſcheinen; allein das Wunder verſchwindet, wenn man bedenkt, daß manche einzeln ſtehende Wohnung auf einem ſteinernen, 10 bis 12 Zoll hoch vom Boden erhobenen Fundamente, von Holz erbaut iſt, und dem ungeſtuͤmen Elemente keinen ſonderlichen Widerſtand leiſten kann. 323 Srite Um Geld in Oſtindien zu holen, wurde der Niſus abgeſendet. Er verließ am 4. April Port Louis und 4 Tage darauf bekam er die Galega⸗ oder Agalega⸗Inſeln zu Geſicht, 2 felſige Erd⸗ vunkte, mit einer kaͤrglichen Vegetation, die etwa auf der Haͤlfte des Weges von Isle de Franee nach den Sechellen liegen. Die groͤßte obengenannter Eylande iſt faſt 6 Meiten lange. Beide ſind niedrig, zum Theil mit Wald bedeckt und durch ein Felſenriff verbunden, woruͤber die Meereswellen ſchlagen. Die einzigen Erfriſchungen der Galegainſeln ſind Co⸗ kosnuſſe, Fiſche und einige wilde Wurzeln. Dieſer Thetl des indiſchen Deeans, beſonders vom nordoͤſtlichen Ende Madagascars bis zum Aegua⸗ tor, iſt mit Sandbaͤnken und Inſelchen wie beſaet, welche europaͤiſchen Seefahrern wenig oder gar nicht bekannt ſind, weil ſie nicht auf der geraden Straſſs nach Indien liegen. Eintge Dage darauf, nachdem der Niſus die Galegas verlaſſen hatte, befiel ihn eine Windſtille. Waͤhrend dieſer, an einem Abend, konnte die Mann⸗ ſchaft folgendes feitſames Phaͤnomen beobachten. Etwa um 8 Uhr des Abends wurde die See, ſo weit das Auge reichte, einmal faſt wie Milch, oder vielmehr wie im Waſſer aufgeloͤste Kreide. Die Ober⸗ flaͤche war ganz glatt; auch war nicht die geringſe 324 Miſchung jener leuchtenden, phosphoriſchen Erſchei⸗ nung dabei, die oft in der Nacht bei bewegter See bemerkt wird. Es dauerte einige Stunden, wobei der Himmel klar war. An etnem ſo ſtillen Abende konnte dieſe Wirkung nicht anders als ungewoͤhnlich ſeyn, und auf einem Milchveean ſchwimmen, war ein neues und gewiß ſeltenes Schauſpiel. Prior erinnerte ſich nicht, irgend etwas Aehnliches in Reiſebeſchreibungen geleſen zu haben, und hat alle Vermuthungen er⸗ ſchoͤpft uͤber die Einwirkungen von Land, Waſſer oder Luft, ohne einen haltbaren Grund gefunden zu haben. Das Seewaſſer zeigte nicht das geringſte Beſondere, obgleich es mehrere Male geſchoͤpft und unterſucht wurde. Wie der Niſus die Fregatteninſel zu Ge⸗ ſichte bekam, hoͤrte der Wind, der zuweilen ſchwach geweſen war, gaͤnzlich auf. Die Grundſchwellen, oder das Wogen der See bei großer Liefe, trieben aber dennoch das Schiff hin und her. Einige Tage lang ſah man, in einer Entfertnng von 15 Meilen, Land, und ſchiffte nach demſelben mit den Gefuͤhlen eines Tantalus. Endlich am 23. erhob ſich ein Wind und fuͤhrte das Schiff vor Anker in den Haupthafen der Inſel Mahé. Dieſer Ankerplatz iſt eine tiefe Bucht, mit einem Halbkreis von ziemlich hohem Lande umgeben. Zur Rechten, wenn man zur See binein kommt, iſt ein 325 Stuͤck Wald, der ziemlich weit ſich hinaus erſtreckt; zur Linken ein gleichfalls mit einem dichten Walde bedecktes Inſelchen, und außerdem noch einige kleine Fels⸗ und Erdtruͤmmer, auf eine gar freundliche Weiſe mit Gruͤn und Strauchwerk bekleidet. Im Hinter⸗ grunde der Bai liegt ein großes weißes Haus, der Wohnort eines Arztes, der fruͤher Wundarzt auf der franzoſiſchen Fregatte Chiffon war, die 1801 von der engliſchen Fregatte Sybille bhier genommen wurde. Das Land ſchien nicht angebaut. Rechts, mit der Ausſicht auf die Bai, liegt das Haus des Gouverneurs und eine kleine Batterie. Ei⸗ nige andere Wohnungen ſchimmern auf der andern Seite durch die Baͤume. Nach weiter hin(3 engli⸗ ſche Meilen) liegt das Dorf. Die Sechellen oder Seſchellen wurden 1743 von Pecault entdeckt. Die Gruppe beſteht beinahe aus 20 Inſeln, Inſelchen und Meer⸗Felſen. Die Amirante⸗Gruppe, die etwas weiter nach Suͤdweſten liegt, wird oft mit dieſer verwechſelt. Die erwoͤhnungswuͤrdigen Seſchellen ſind Mahé, Praslin, La Digue, Silhouette u. ſ. w. Mahes iſt etwa 16 Meilen lang und s breit, es hat zwei Haͤfen, und liegt 40o zs“ ſuͤdlicher Breite. Die Bevoͤlkerung belief ſich auf 2660 Seelen. Im Jahre 1766 wurde in Mahs die erſte Colonie angelegt⸗ Praslin, welches einen guten Hafen hat, enthielt 3²6 261, und La Digue 7 Seelen. Dieß ſind die ein⸗ zigen bewohnten Inſeln der Gruppe. Die Pberflaͤche der Inſel Mahs iſt uneben, und bietet eine Abwechslung von Bergen, Felſen und Schluchten dar, ohne eine einzige Ebene. Der Bo⸗ den iſt an manchen Stellen aͤrmlich, aber doch des Anbaues faͤhig und bringt Frucht hervor. In den engen Thaͤlern treibt man Ackerban, weil dort der Boden reicher und tiefer iſt, als auf den Bergen, wo er oft vom Regen herabgeſpuͤlt wird. Bauholz, Un⸗ terholz und Weiden fuͤr die Schaafe und Rinder, ſind in Menge vorhanden. Es finden ſich hier Rinder, Schaafe, Schoͤpſe, Federvieh, Fiſche, Krokodille, Venusaͤpfel, Ananas, Gurken, Pfeffer, Papageien, Taubenarten, grüne Flie⸗ gen, die wegen ihrer Form und Groͤße das lebende Blatt genannt werden u. ſ. w. Ein engliſcher Pfi⸗ zier ſchoß eine Art Fledermaus, beinahe ſo groß wie ein Kaninchen, welche aber dem Fuchſe glich, Fle⸗ dermausflugel und einen widrigen Geruch hat. Sie iſt mit kurzen rothen Haaren bedeckt, die Flugel ſind etwas dunkler und ausgeſpanut etwa 3 Fuß lang. Die benachbarte Inſel Praslin und das daran ſtoßende Inſelchen Cuſieuße, welches mit zur Bil⸗ dung des Hafens beitraͤgt, enthaͤtt das Coco de Mer, ein merkwuͤrdiges Produkt, das in jedem andern Theile der Weit unbekannt iſt. Es iſt eine große Art Cocos⸗ nuß, die gewoͤhnlich doppelt, oſt auch dreifach und 327 vierfach, hier und da auch wohl fuͤnffach und in einer gemeinſchaftlichen Haut und faſeriger Schaale einge⸗ ſchloſſen iſt. Jede Nuß hat die Groͤße einer großen Melone, iſt an ſich ſelbſt abgeſondert, aber aͤußerlich mit den andern verbunden; und da die Geſtalt etwas laͤnglich iſt, ſo kann man ſich nur etnen Begriff von ihr machen, wenn man ſich zwei, drei oder vier unge⸗ heure Eier zuſammen verbunden denkt, und die Ober⸗ ſaͤche an der verbindenden Stelle ein wenig einge⸗ druͤckt. Die Indianer ſchaͤtzen ſie ſehr, weil, wie man ſagt, ſie den Dienſ der paphiſchen Goͤttin ſehr befoͤrdern ſoll, und waͤhrend die eine Seite der Nuß als ein ſtarkes Gift bekannt war, hatte die andere Seite den Ruf eines ſtarken Gegengiftes. Das Coen de Mer iſt nicht nur ein Gegenſtand der Sinnlichkeit, ſondern auch ein ſehr nuͤtzlicher Ar⸗ tikel fuͤr alle Volksklaſſen. Das Holz, welches, aus⸗ genommen in der Mitte, ziemlich feſt iſt, kann zu manchem haͤuslichen Bedarf angewendet werden; auf dem Gipfel des Baumes iſt der Kohl, der, eingeſal⸗ zen, ein gutes Gemuͤſe gibt; aus 00 Blaͤttern kann man ein ganzes Haus machen, nicht nur das Dach, ſondern auch die Seitenwaͤnde, die Scheidewaͤnde zwi⸗ ſchen den Zimmern, die Thuͤren und Fenſterladen. In Praslin ſind die meiſten Haͤuſer davon gebaut. Der Flaum der Blaͤtter wird in Matrazen und Kiſſen geſieckt; ihre Stiele geben Koͤrbe und Beſen, und das Innere der jungen Blaͤtter wird in ſchmale Streifen 328 geſchnitten, aus denen ſo viele Huͤte fuͤr beide Ge⸗ ſchlechter gemacht werden, daß man kaum andere auf der Inſel traͤgt. Die faſerige Bekleidung der Nuß wird zu Tauen und Seilen verarbeitet, und die Schale gewoͤhnlich als Krug gebraucht, der zuweilen bis acht Maas faßt. Wenn ſie in der Laͤnge durchſchnitten wer⸗ den u. ſ. w. macht man daraus Schuͤſſeln, LSeller, Trinkgeſchirr u. ſ. w. In den Inſeln heißt dieſer in⸗ ländiſche Hausrath:„Prasliner Topferwaare“. Kein Theil des Baumes geht verloren, und ohne ihn wuͤr⸗ den die Inſulaner, ſo einfach ihre Beduͤrfniſſe auch ſind, doch dieſe nicht befriedigen koͤnnen. Der Abend der Ankunft des Niſus war dem Empfange der Beſuchenden aus Mahes gewidmet. Sie beſtanden aus den Vornehmſten, die den Brit⸗ ten die Ehrerbietung bewieſen. Am anderen Morgen beſuchten einige Schiffs⸗Pffiziere das Dorf. Der Anblick deſſelben iſt von der Art, daß ein Enthuſiaſt in Verſuchung gerathen waͤre, auszurufen:„Hier will ich meine Wohnung aufſchlagen, und vor den Sorgen der geſchaͤftigen Welt ſicher ſeyn!“ Es liegt in einem kleinen ſchattigen Dhale, durch Hoͤhen auf beiden Seiten geſchuͤtzt, und hie und da eine Wohnung; waͤhrend am obigen Ende ein Bach⸗ durch Straͤuche beſchattet, die Bluthen und Fruͤchte trugen, freundlich in einem Kieſelbette dahin mur⸗ melte. Die Huͤtten waren meiſtens nett und hübſch gebaut, und an denſelben fand man Gaͤrten, waͤhrend 329 Tamarinden, Piſangfeigen, Bananen und Coeosnuß⸗ baͤume die Thuͤren und Fenſter beſchatteten. Die En⸗ wohner draͤngten ſich an die Thuͤren, die Fremden zu ſe⸗ hen, welche ein froͤhlich ausfehender Mann einlud, in ſeine beſcheidene, hocht einfache, ja uͤrmliche Huͤtte zu treten. 1 Die Britten nahmen die Einladung an, indem ſe in ihrem Wirthe einen franzoͤſiſchen Dragoner⸗Offſi⸗ zier der republikaniſchen Armee kennen lernten, wel⸗ cher mit mehreren Andern nach Entdeckung einer Ver⸗ ſchwoͤrung, bei der man ihn mit im Verdachte hatte, hierher verbannt worden war. Der ehemalige Reiter⸗ DOffizier war redſelig, lebhaft, geſchäftig, heiter, hatte ein volles rundes Geſicht, einen Fraͤftigen Koͤrper, ſchien so Jahre alt zu ſeyn, und war blaues Tuch gehüllt. Die Britten kauften beim Weggehen Eini⸗ ges aus dem zoologiſchen Muſeum dieſes Mannes, der durch ſeine Heiterkeit ſie beluſtigt hatte.— Die Se⸗ ſchellen ſind mehr als einmal ein Verbannungsort fuͤr Leute geworden, die man waͤhrend der Revolution im Vaterlande fuͤr gefaͤhrlich hielt. Am 24. nahm die brittiſche Mannſchaft förmlich von den Inſeln Beſitz, indem der Niſus einige See⸗ ſoldaten ausſchiffte, welche die brittiſche Flagge auf⸗ ſeckten, während er ſalutirte. Der Lteutenant vom engl. Marien⸗Corps, Sulliva n, blieb als Reſiden hier zuruͤck, und die Fregatte fuhr weiter. Fruͤh am Morgen des 10. Mai bekam Prior die 23. Vd. Indien. II, 3. 7 330 ſchoͤne Inſel Ceylon zu Geſicht, nachdem man nicht auf dem gewoͤhnlichen Wege dahin gefahren, ſondern auf dem, den die Kaufleute von Ble de France und Bourbon gewoͤhnlich nehmen, durch die Maldivien gekommen war. Der Niſus hatte kaum in der Rhede von Ma⸗ dras die Anker geworfen, als 3 Maͤnner mit Bot⸗ ſchaften ankamen, welche den Tod des Admiral Drury und die Abreiſe der engliſchen Expedition gegen Java unter Achmuty, Brougton und Lord Minto verkuͤndigten. Ein heftiger Sturm oder Typhon uͤberfiel den Ni⸗ fus 2 Tage darauf, und machte die Mannſchaft ſehr 3 fuͤr die Sccherheit des bewaffneten Geſchwaders be⸗ ſorgt. Trotz der Brandung auf der Rhede von Madras landeten einige engliſche Schiffsoffiziere, unter ihnen Prior. Kaum waren ſie an das Land getreten, ſo wurden ſie in Palankins in das Wirthshaus am Ende der ſchwarzen Stadt, die ihren Namen von der Farbe ihrer meiſten Bewohner hat, am Anfange der Esplanade, getragen, Lon welchem aus man eine ichoͤne Ausſicht auf den Hafen genoß. Die ſchwarze Stadt iſt nicht gut gebaut. Ei⸗ nige portugieſiſche und armeniſche Kirchen, nebſt Mo⸗ ſcheen und Pagoden trifft man hier an. Die Bevoͤl⸗ keruns iſt ſehr ſtark. Sie beſteht aus allen oſtlen 331 Nationen und Religionsſekten, Mahumedanern, Perſern, Armeniern, Schwarzen, Weißen von faſt allen europaͤiſchen Voͤlkern, Anhaͤngern des Bra⸗ ma und Confueius u. ſ. w. Das Fort St. George iſt die zweite Feſtung in Indien. An einer Seite wird es durch die See beſpult, an der andern Seite ſtößt eine ziemlich große Esplanade an das Glaeis. Im Innern von Madras ſcheint die Miſchung des buͤrgerlichen und militatriſchen Lebens merttuͤr⸗ dig. Es iſt in der That eine kleine, aber volkreiche Stadt, die einige gute Haͤuſer enthaͤlt, die weitlaͤufi⸗ gen Vorrathshaͤuſer der Handels⸗Compagnie; die Comptoire der Kaufleute und andere der Art, mit Kanonen, Baſteien und Baracken untermiſcht. Das Gouvernementshaus iſt ein geraͤumiges, aber ſchmu⸗ ziges Gebaͤude, von dem beruͤhmten Kriegsmanne Lord Clive erbaut. Ein offener Platz im Mittelpunkt des Forts enthaͤlt eine ſchoͤne Statue des verſtorbenen Marquis Cornwallis. Man hat mehrete Spatzier⸗ gaͤnge. Am Abend iſt das Spazterengehen erguickend, aber mit Damen zu gehen, iſt nicht Mode, denn ſie wuͤrden eben ſo gerne nackend ſich teigen⸗ als ohne Equtpage. Der Niſus ſegelte von Madras ab, und war kaum nach einer langweiligen Fahrt um die Kano⸗ nier⸗Spitze herum gekommen, als ſeine Mann⸗ ſchaft einige fremde Schiffe im Hafen von PortLouis 332 auf Isle de Franee entdeckte. Eine halbe Stunde darauf hoͤrte ſie mit Freude, daß ein franzoͤſiſches Ge⸗ ſchwader bei der Inſel erſchienen, aber von den Brit⸗ ten, namentlich durch die Tapferkeit des Capitains Schomberg, geſchlagen und zum Theile genommen worden ſei. In dieſem hartnäckigen Seegefechte blieb der franzoͤſiſche Kommodore Roquebet, Ritter der Chrenlegton, ein braver und geſchickter Offizier, ein kiebling Napoleons, den er auf einigen Feldzuͤgen begleitet hatte. Von Jsle de France aus ſollte der Niſus mit den beiden Schiffen Praͤſident und Phoebe unter dem Admiral Stopford zu der brittiſchen Unternehmung gen Batavia ſtoßen. Am Mor⸗ gen des 2. Julius ſegelten die Schiffe von Port Louis ab. Am dritten Tag nach der Abfahrt ſah Prior Rodriguez von ferne. Die Witterung wurde ſehr abwechſelnd. Im 360 47“ fuͤdlicher Breite, 880 4½“ oſlicher Laͤnge kamen die Schiffe in den Strich der Mußons, und da ſte am s. Auguſt des Morgens Neuholland nahe kamen, entdeckten ſie nahe beim Nord⸗Weſt Cap, dem vorſtehendſten Theile der Kuͤſte, kand. Das ufer deſſelben war niedrig, ſandig, wuͤſt, ohne die geringſte Miſchung von Baͤumen und Gruͤn, ohne eine Spur von Menſchenwohnung, und mit einer Kette von Riffen und Klippen umgeben. Am 7. ſahen ſs das Land zum letzten Male, das in ſeinem jetzigen 333 unbekannten Zuſtande immerhin die alte Benennung terra incognita behalten mag. Von den Inſeln, die einige Seefahrer in dieſen Regionen wiſſen wol⸗ len, ſahen dieſe engliſchen Schiffe nichts. In einer hellen Nacht bemerkten die Britten von Neuem, daß die See wie Milch ausſah, wie bei den Seſchellen, und jetzt, wie da, wußten ſie von dieſer Erſcheinung keine wahrſcheinliche Urſache anzu⸗ geben, es muͤßte denn die Naͤhe des Landes ſeyn. Wenn das Waſſer hinaufgezogen wurde, ſo enthielt es eine geringe Menge eines kaum bemerkbaren feinen faſerigen Stoffes, der ganz durchſichtig war, wie es Prior haͤufig bei vielem Seegraſe gefunden hat. Hier⸗ aus mag vieleicht eher als aus irgend einer Eigen⸗ thuͤmlichkeit in der Atmoſphaͤre das Phaͤnomen ent⸗ ſtehen; denn obgleich das Wetter gleich blieb, bemerk⸗ ten die Britten es nicht zum zweiten Male, und zum Beweiſe, daß die Sache ungewoͤhnlich ſei, er⸗ ſchracken die Mannſchaften der Phoͤbe und des Prä⸗ ſidenten ſo ſehr, daß ſie beilegten, bis die fruͤhere Erfahrung der Mannſchaft des Niſus ihnen die Furcht benahm. Fruͤhe am Morgen des a3. bemerkte man vom Maſtkorbe Land, und wenige Stunden darauf fuhr das Geſchwader in die Straffe von Java und Ba illy, die den letztern Namen führt. Sie iſt nicht ſo breit, daß man nicht die Kuͤſten beider Inſeln gut uͤberſehen könnte. Am naͤchſten Morgen zog ein merklicher Berg auf der Kuͤſte von Java die Aufmerkſamkeit auf ſich. Die Nacht uͤberſtel die Britten, als ſie ſich eben in einem Labyrinthe von kleinen Inſeln, die auf keiner Karte verzeichnet ſind, befanden, und zwar bei hertreibendem Winde. Es fand ſich auch, daß man nicht durch ven rechten Kanal gefahren. Am naͤchſten Morgen ſah man die Vier⸗Bruͤder, und als man an die weßliche Spitze von Madurza kam, erfuhr man, daß zwei franzoͤſiſche Fregatten wenig Meilen von der Madura⸗Straſſe unter dem Schutze eines Forts laͤgen. In der Nacht hielten die engliſchen Schiffe in der Naͤhe eines hohen Landes, nicht weit vom Hafen Samgrang, welches die Japara⸗ Berge genannt wurden. Um 12 Uhr nahte ſich das Geraͤuſch von Kriegs⸗ ſchiffen, und weckte die Mannſchaft von Niſus und den andern Fregatten, wie ſie meinte, zu einem Spef⸗ fen mit den Feinden; es fand ſich jedoch, daß eine Abtheilung der engliſchen Expeditivn es war, welche fortfuhr den Feind zu blockiren und zugleich eine Un⸗ terhandlung mit dem Sultan von Madura zu er⸗ öffnen, um ihn vom franzoͤſiſchen Intereſſe loszuma⸗ chen. Bald erfuhren auch die Schiffmannſchaften zu ihrer Freude, daß General Achmuty mit 44,000 Mann gelandet ſei, die Stadt Batavia genommen, den Feind nachher in einem Treffen geſchlagen, und einige Meilen weit zuruͤckgetrieben habe, und daß die . 335 Franzoſen und Hollaͤnder unter den Generalen Fanſens und Jumel bei Cornelis von engliſchen Armee umzingelt ſeyen. In aller Etle fuhr der Niſus(und ſeine Be⸗ gleiter) zu der Rhede von Batavia, und kam am Morgen des 20. an, nachdem er bei unzaͤhlichen Inſel⸗ chen, in der Muͤndung der Bai, die es nicht allein vor der Gewalt der See ſchutzen, ſondern ſich auch huͤbſch ausnehmen, voruͤbergeſegelt waren. Dieß war der allgemeine Sammelplatz der Flotte und Armee. Hier erfuhr man weiter, daß die Britten ihre Feinde totel bei Cornelis Peſiegt haͤtten, und daß der feindliche Gouverneur Janſens nur mit We⸗ nigen nach Buitenzorg, 36 Meilen entfernt, geflo⸗ hen ſey. Drittes Sapiter Prior veſſchtigte Batavia⸗ Die Stadt iſt von anſehnlichem umfunge und bei⸗ nahe oval. Ihte aͤußere Lahe erſtreckt ſich von Nor⸗ den nach Suͤden. Die meiſten Straſſen ſind breit und lüftig, und ziemlich regelmäßig angelegt, die mei⸗ ſten Haͤuſer von außen nicht immer zierlich gebaut, doch innen beguem und geraͤumig. Der Anblick der Stadt iſt in jedem Falle nett. Die oͤffentlichen Ge⸗ baͤude ſind weder neu noch zahlreich. Ein oder zwei Kirchen, Moſcheen und heidniſche Tempel⸗ das Stadt⸗ 336 haus, das Hoſpital und einige andere machen den Haupttheil derſelben aus. Zu ſeinem Erſtaunen fand Prior hier kein Theater und keinen Ballſaal. Wegen der niedrigen Lage, der daranſtoßenden Suͤmpfe, der Feuchtigkeit der Reisfelder, der vergif⸗ teten Atmoſphaäre und der Lebensart der Einwohner iſt die Sterblichkeit in Batavia groß. Merkwuͤrdig it es, daß die Frauen hier weniger ſterben, als die Maͤnuer. Daß Batavia ſeht verſchiedene Einwohner hat, iſt bekannt. Es gibt hier Holländer, Franzo⸗ ſen, Teutſche, Dänen, Amerikaner, Chi⸗ neſen, Baſtard⸗Portugieſen, Malaien, Juden, Tuͤrken, Armenier, Afrikaner, Japaneſen u ſ. w. Nur wenig reiche Europaͤer wohnen in der Stadt, ſondern ziehen die Umgegend vor. Deffentliche Vergnuͤgungen kennt man hier faſt keine. Die Sitten der hier wohnenden Europaͤer ſollen foͤrmlich ſeyn. Die Damen beſchuldigt man der Eitelkeit und Traͤgheit, der Liebe zu Prunk und Ceremonien, und da das weibliche Geſchlecht wenig oder gar keine Erziehung hat, fehlt es ihm an einem großen Reize fuͤr unſer Geſchlecht. Zwiſchen den ein⸗ gewanderten und eingebornen Damen herrſcht eine Art von Eiferſucht. Deffentliche Baͤlle wurden nicht gedultet, Privatbuͤlle gab es aber mehrere⸗ Prior gefiel namentlich eine Sitte hier wohl. Naͤmlich, als er bei einem Mittageſſen war, wurde 33 er des Zwanges ſeiner Parade⸗Uniform ſogleich entho⸗ ben. Denn es iſt in Batavia Gebrauch: die Gäße kleiden ſich, außer bei ſehr foͤrmlichen Gelegenheiten, gleich nach den erſten Ceremonien aus, und werden nicht bloß mit leichten Kleidern verſehen, ſondern auch die, welche Peruͤcken tragen, erhalten eine Nachtmuͤtze. Iſt es Zeit nach Hauſe zu gehen, ſo legt Jeder ſeine eigene Kleidung wieder an. Sopha's, die in der Halle ſtehen, bieten den Beſuchenden eine Gelegenheit dar, nach Gefallen ſich auszuſtrecken und von ſchwarzen Be⸗ gleitern ſich faͤcheln zu laſſen. Um 3 Uhr nach Mittag war es, wo der eingela⸗ dene Prior mit den uͤbrigen Gaͤſten zum bataviſchen Mahle ſich niederſetzte. Ein Leller Reis, der jedem Gaſte hingeſtellt wurde, diente dabei zugleich als Ge⸗ muͤſe und als Brod, da letzteres, wie man ſagte, nicht zu haben waͤre. Beide Geſchlechter brauchten ihre Finger, um Reis zu eſſen; Meſſer und Gabeln wa⸗ ren, nach des Wirthes Meinung, unnoͤthige Dinge, denn die Werkzeuge, die die Natur gegeben, erſpar⸗ ten in jeder Hinſicht Zeit und Muͤhe.. Da die eingeladenen Britten die Tiſche wegnehmen fahen⸗ und der Wirth ſich zu ſeinem Mittagsſchlafe begeben wollte, ohne den leeren Schenktiſch wieder mit Fla⸗ ſchen zu beſetzen, wagten ſie es, nach Wein zu fragenz er ſchien erſtaunt und ſagte, daß nur Wenige in der Stadt, die Reichſten ausgenovmmen, dieſen Artikel be⸗ läßen. Er koſte wenigüens fünf ſpaniſche Dollars die Flaſche. 338 Nachdem die Fregatte Niſus die See⸗Soldaten des K. Schiffes Lion am Bord genommen hatte, ver⸗ ließ ſie mit der Phoͤbe und dem Praͤſidenten die Rhede von Batavia und fuhr nach Cheribon. Ein Bataillon Seapoy's ſollte auf Transportſchif— fen dahin nachfolgen. Am Morgen des 4. September erblickten die Britten dieſe Stadt, die ſich von der Sce aus huͤbſch ausnimmt; auf dem Fort webte die franzoͤſiſche Flagge. Der Capitain Warren wurde abgeſendet, um den franzoͤſiſchen Kommandanten zur nebergabe aufzufordern, waͤhrend die brittiſchen Mann⸗ ſchaften ſich zum Kampf bereiteten. Aber nach der Berathung einer Stunde wurde die franzoͤſiſche Flagge abgenommen, die engliſche hingegen aufgepflanzt Zu⸗ gleich ſchiffte man die Seeſoldaten aus, die neue Er⸗ oberung zu ſichern. Kaum hatten ſie ſich jedoch am ufer aufgeſtellt, als ſich die Nachricht verbrettete, ein bedeutender Haufe Franzoſen und Hollaͤnder unter General Jumel, welcher Buitenzorg ver⸗ laſſen hatte, das von der engliſchen Reiterei beſetzt wurde, nachdem Janſens nach Samarang gezogen war, ſey in die Stadt gedrungen. Es war das Werk eines Augenblicks, dieſe zu umzingeln und zu ſchlagen, wobei General Jumel, Pberſt Knotzer und meh⸗ rere Mannſchaft gefangen wurde, die auf den Niſus gebracht ward. Cheribon iſt einer der ſtaͤrkſten Orte in der Fe⸗ ſtungskette, die ſich laͤngſt der Nordkuͤſte hin erſtreckt 339 Die Stadt liegt hart an der See, auf einem Boden, der noch Spuren eines Sumpfes an ſich traͤgt, ſich aber hinter derſelben erhebt und mit Baͤumen bedeckt iſt. Zur Rechten oder Linken ſind einige Salzpfannen, wo dieſer nuͤtzliche Artikel gewonnen wird, noch wei⸗ terhin zur Rechten liegt der Berg Cheribon, der Sage nach fruͤher ein Vulkan und vom Lande aus ein deutliches Zeichen fuͤr Schiffe. Die Ausdehnung der „Stadt Cheribon iſt groͤßer, als man auf den erſten Anblick glaubt, und auch die Beroͤlkerung iſt anſehn⸗ licher. Der Straſſen giebt es viele, aber ſie ſind faſt alle eng. Außerhalb begreift ein Fremder nicht, wie die Bewohner hinauskommen, ſo umgeben ſind die Wohnungen der Javaneſen mit Baͤumen, Straͤu⸗ chern und Unterholz, welches durch die Zweige in einander geflochten und mit Laub bedeckt iſt. Die Chineſen beivohnen den Mittelpunkt der Stadt; ihre Haͤuſer ſind viel groͤßer und ihre Laͤden zahlreicher. Nur ein Dutzend Europaͤer wohnen in und außer⸗ halb der Stadt, und dieſe ſind meiſtens im Dienſte der Regierung. Die gemiſchte Klaſſe iſt viel zahltei⸗ cher. Pbgleich das Fort nicht ſtark iſt, hat es doch ein reſpectables, nettes Aeußere, im Innern fanden aber die Englaͤnder eine unbeſchreibliche Unſau⸗ berkeit. Es wurde den engliſchen Matroſen aufgetragen, die Garniſon des Forts zu bilden, waͤhrend die See⸗ ſoldaten gebraucht wunden, die herumſtreifenden Feinde 340 aufzugreifen. Dieſe, die nicht wußten, daß die Stadt ihren Herrn veraͤndert hatte, oder auch vielleicht ihren Beſchwerden durch ruhiges Ergeben ein Ende ma⸗ chen wollten, kamen beſtändig hier an..„ Einſt entſtand ein mehr als ungewoͤhnlicher Auf⸗ ſtand bei der Annaͤherung einer großen Schaar bewaff⸗ neter Leute, die zu einer mißtoͤnenden Muſik jauchzten und ſchrieen. Es war ſchwer zu entſcheiden, ob ſte als Geſandte des Friedens oder Boten des Krieges kaͤmen; die engliſchen Truppen wurden daher aufge⸗ ſtellt, um fuͤr jeden Fall bereit zu ſeyn, als die engli⸗ ſchen Offiziere entdeckten, es ſey ein Hoͤflichkeitsbeſuch der eingebornen Pberhaͤupter oder Sultane, wie ſie zuweilen genannt werden. Sie zeichneten ſich von ih⸗ ren laͤrmenden Unterthanen vorzuͤglich durch Schar⸗ lachkleider, mit Gold beſetzt, aus; die Griffe und Scheide ihrer Dolche waren von demſelben Metalle und mit einer Menge von Figuren verſehen, die vielen Fleiß, obgleich eben nicht viele Eleganz zeigten. Die Haͤuptlinge, welche etwas eeremonios ſchie⸗ nen, wurden mit allen erdenklichen Foͤrmlichkeiten und den gewoͤhnlichen militairiſchen Ehrenbezeugungen von dem Schiffs⸗Capitain Beaur und den andern Dffi⸗ tieren des Geſchwaders empfangen. Nach gegenſeitigen Beſprechungen verſprachen die Haͤuptlinge, den Brit⸗ ten jede Beihilfe in jeder Art zu verſchaffen. Es wurde von Cheribon aus, eine Expedition Britten, aus 160 Seeſoldaten, 70 Mattoſen und 341 mehreren Offizieren, wobei ſich Prior befand, beſte⸗ hend, an einem Abend nach K grang Sambang⸗ auf der Straſſe von Batavia geſendet. In Karang Sambang ſollten ſich eine Truppe Feinde, mit der Kriegskaſſe, und einige Vorraͤthe von Lebensmitteln befin en. Auf dem Nachtmarſche beſiel einige Seeſol⸗ daten jene voruͤbergehende Blindheit, die Nyeta lopia oder Nachtblindheit genannt wird und innerhalb de⸗ Tropen nicht ſelten iſt. Der Anfall war ploͤtzlich. Dis Befalenen hoͤrten zwar ſelten ganz auf zu ſehen, konn⸗ ten aber die Geſtalt der Dinge nicht deutlich unter⸗ ſcheiden und mußten ſich fuͤhren laſſen. Bei einigen dauerte es wohl laͤnger als eine Stunde, bei andern nur 20 oder 30 Minutenz aber mit Anbruch des Ta⸗ ges waren alle geheilt. Nach einem Marſche von 7 Stunden zog die eng⸗ liſche Kolonne im Dorfe Bougas oder Boughaz ein. Sie hatten hier umſonſt die Vorpoſten des Fein⸗ des zu finden gehofft. Der Feind war abgezogen, hatto den Kaſten mit Speciesthalern, den die Britten be⸗ gierig ſuchten(nach Ausſage der Eingebornen), mit⸗ genommen, und nur einige Wagen mit Kupfermuͤnz⸗ zurückgelaſſen, welche ſo wenigen Werth hatte, daß ſie zu Cornelis ſogar durch Haubitzen verſchoſſen wurde. Man ſetzte ſich nach einiger Ruhe weiter im Marſch, um den Feind zu treffen. Da erſchi⸗n ein feindlicher Offizier mit einer Waffenſtillſtandsflaggs 342 und dem Anerbieten ſich zu ergeben. Zwei ensliſche Dffiziere wurden abgeſchickt, die Kapitulation abzu⸗ ſchließen. DOhne Schwertſchlag nahmen die ermuͤdeten und von Sonnenſtich mitgenommenen Britten um 2 Uhr von Karang Samblang Beſitz. Der Feind hatte ſeine Waffen niedergelegt. Die Britten fanden beinahe 6so europaͤiſche Pffiziere bei dieſem De⸗ taſchement. Ein Major von der feindlichen Reiterei, Namens le Blane, hatte ſich mit einer kleinen Schaar nach Samadang zuruͤckgezogen. Die Brit⸗ ten konnten von dem Kaſten mit Speztesthalern keine andere Nachricht erhalten, als eine allgemeine Aus⸗ flucht, daß die Summe, wenn ſie auch vorhanden ge⸗ weſen, unbedeutend, und entweder an die Mannſchaft oder an die eingebornen Haͤuptlinge vertheilt worden ſey, um ſich auf eine kurze Zeit Sicherheit zu erkau⸗ fen, da die Einwohner, bei dem Gluͤcke der brittiſchen Waffen, ſich gegen die Hollaͤnder und Franzo⸗ ſen gewendet und einige Offiziere ſchon vorgeſchlagen batten. Karang Sambang iſt ein huͤbſches bevoͤlkertes Dotf in einer guten Gegend, das vielen Reiß und Kaffe baut. Das Haus des Reſidenten liegt auf einer kleinen Anhoͤhe, von Waͤldern und Gaͤrten umgeben. Der Reſident hieß Mynherr Swalne. Er em⸗ pfing natürlich die Sieger artig und devot. Ein Fort war klein und ſchlecht untechalten. Prior konnte hier wieder die Bemerkung machen, wie die Europaͤer in Java den erſten Genuß, ja eine Hauptbeſchaͤftigung im Tabakrauchen finden. Ein ange⸗ zuͤndetes Licht und ein Buͤndel Eigarren machen einen eben ſo regelmaͤßigen Theil des Hausraths in einem Zimmer aus, als das Bett. Ein oder zweimal beſuchte die Britten ein Ober⸗ haupt der Eingebornen ohne Prunk und nur mit we⸗ nigen Begleitern, von denen er ſich nur durch ſeinen Dolch und Turban auszeichnete. Ein Irrthum von engliſcher Seite haͤtte ihm bald das Leben gekoſtet; denn da er dicht bei einer Schildwache voruͤberging, hielt man ihn fuͤr eine recognoseirende feindliche Ve— dette, und da er, als er angerufen wurde, erſchrocken entfloh, wurde nach ihm gefeuert, doch gluͤcklicher⸗ Weiſe ohne ihn zu treffen. Die Franzoſen in Samadang wurden aufgefor⸗ dert, ſich zu ergeben, welche Aufſorderung ein vor⸗ nehmer Haͤuptling mit der Drohung unterſtützte, auch mit sooo Mann gegen ſie zu marſchiren, und alle nis⸗ der zu machen. Darauf kamen Major le Blane, ein Oberſlieutenant und die Truppe zu Sama dang, und gaben ſich gefangen. Mit den Gefangenen ging die brittiſche Expedi⸗ tions⸗Schaar nach Cheribon zuruͤck. Letztere bildete eine Schaar, die vielleicht nie geſehen wurde, naͤm⸗ lich„See⸗Kavallerte.“ Denn die Seeſoldaten und Matroſen hatten ſich beritten gemacht. Mit gehoͤrigem Glame zes ſie in Chertbon ein, wo ein Bataillon * Seapoys, von Batavia aus, gelandet way, die Garniſon daſelbſt zu bilden. Da aufgefangene Briefe vom feindlichen General Janſens nach Cheribon gebracht wurden, dis einen Entſchluß anzelgten, ſich noch in Samarang zu ſetzen, um die Dberherrſchaft der Inſel zu behaup⸗ ten, und der Prinz Prang Wedona von Wadura, der einen militaͤriſchen Rang in der franzoͤſiſchen Ar⸗ mee begleitete, ſchon mit 2000 Mann nicht undiseipli⸗ nirter Truppen zu ihm geſtoßen war, auch die aufge⸗ botene Mannſchaft des Sultans von Mataram taͤg⸗ lich erwartet wurde, ſo traf Sir Samuel Achmuty oder Auchmuty alle Anßtalten den Feind zu ſchlagen, und auch der Niſus verließ Cheribon. Dieß war am 11. September. Er ankerte in der Rhede von Samarang, an der Nordkuͤſte von Java. Dieſe Stadt iſt groß, von vielen Weißen, Meſtizen, Chineſen und Eingebornen bewohnt und hat gute oͤf⸗ fentliche und Privatgebaͤnde, die ihr ein nettes Anſe⸗ ben geben. Admiral Stophord und Sir Auchmuty ka⸗ men zu Samarang mit den Haupttheile des Gs⸗ ſchwaders an; allein die Sransportſchiffe kamen viel ppaͤter mit der Armee. Einige feindliche Kanonier⸗ boote wurden von den Boͤten des Geſchwaders bald senommen. Waͤhrend die engliſchen Landungstruppen, die ſich immer mehr verſtaͤrkten oder einfanden, zu Samarang Polo faßten, um den Feind, der Stand 345 hielt, zr beſiegen, ging Admiral Stopford mit einem Dheile der Flotte— dabei der Niſus— ab, um DVperationen gegen Sourabaya anzufangen, welches die Hauptſtadt des oͤſtlichen Theils von Ja⸗ va iſt. Der Canal oder die Straße von Madura, zu⸗ weilen auch Manara genannt, der dieſe Inſel von Java trennt, iſt 3, 6 oder 7 Meilen breit Am oͤß⸗ lichen Ausgange haben große Schiffe nicht Tiefe ge⸗ nug; hier iſt er auch am engſten, und eben dort liegt auch Sourabaya. Die engliſche Schiffsabtheilung fuhr deshalb in der weſtlichen Muͤndung ein, und an— kerte 4 Meilen davon, da ſie wegen Fort Lodowte⸗ einem feſten Orte, der den ganzen Kanal beſtreicht, nicht weiter kommen konnte. Nahe dabei und uͤber demfelben liegt das Inſelchen Manara, wel⸗ ches von der Kuͤſte von Java aus, die Straſſe verengt, und weiter hinauf liegt die Stadt Greßee oder Greßee, bei welcher gewoͤhnlich die feindlichen Kriegs⸗ und großen Kauffartheiſchiffe, ankerten. Et⸗ wa s Meilen weiter hinauf liegt Sourabaya; let⸗ tere iſt daher von der See aus nicht anzugreifen. Mit Anbruch des Tages, am aoten, ſchifften die Seeſoldaten der Flotte, ein Detaſchement Artillerie und ein Bataillon Seapovs ſich bei Soutayg aus, und ruͤckten auf Sourabava, wo der Feind ſich ohne Widerſtand ergab, und soo Mann ſtark, die Waffen ſtreckte. 83. Bd. Indien, II. 3. 3 346 Sourabaya kann als die öſliche Happtſtadt von Java angeſehen werden, ſo wie Batavia als die weſtliche. Sourabaya iſt neuer, geſunder, freundlicher und huͤbſcher, wenn auch weniger groß und volkreich als Batavia, liegt überdieß an einem ſchoͤnen Fluſſe und hat gleichfalls den hohen Vorzug eines Hafens, den man zu dem beſten in dieſer oder in irgend einer der benachbarten Inſeln machen kann. Die europaͤiſche Stadt liegt am rechten Ufer des Fluſſes; die chineſiſche und die Doͤrfer der Eingebor⸗ nen am linken. Sie ſind durch Bruͤcken verbunden, wozu Kuͤſtenfahrer mit ihren Waaren gelangen koͤn⸗ nen. Erſtere enthaͤlt das Fort, die Barracken und die Gouvernementshaͤuſer. Die Straßen ſind breit und mit Baͤumen beſetzt, dem Nationalgeſchmacke gemaͤß; die Haͤuſer ſind beqguem und meiſtens ſchoͤn, und die Bewohner in guten Umſtaͤnden. Ueberall fallt das friſche und lebendige Gemaͤlde von Gaͤrten, Alleen, Luſtwaͤldern, Landhaͤuſern u⸗dgl. in die Augen. Der Be⸗ zirk iſt fruchtbar und verſorgt die Bewohner reichlich. Fort Ludowie(deſſen Ausfuͤhrung wahrhaft wun⸗ dervoll und ein neues Denkmal von des hollaͤndiſch⸗franzö⸗ ſiſchen Generals Daendel Kenntniß in der Baukunſt ward, welches den Eingang in den Hafen beherrſcht, ſollte zuerſt von den durch den Niſus angefuͤhrten Fregatten angegriffen werden; aber die es Vorhaben wurde auf⸗ gegeben, als man fand, wie ſtark es ſei, und wie ſchwierig der Zugand. Am 49. wurde es von Admi⸗ ———— —— 1 5 347 ral Stopford aufgefordert, ſich zu ergeben, aber ohne Erfolg. Am naͤchſten Morgen ging der Capitain des Niſus, Philipp Beaver, ein Offizier von ausgezeichneten Verdienſten, der zu dieſem Geſchaͤfte gebracht worden war, aber weil er von einer Blind⸗ heit befallen, keine Gelegenheit gehabt hatte, das Fort zu unterſuchen, nun ab, es zu recognosciren, ehe man die Belagerung anfing, und nach mancher Schwierig⸗ keit fanden die Britten zu dieſer Abſicht eine gute Stellung auf der Manara-Inſel, etwa einen ſtarken Murketenſchuß davon entſernt. Bei einer ſeiner Recognoseirungen ſah Beaver ein ungeheures Krokodill, das ſich auf einer Sand⸗ bank ſonnte. Die Laͤnge des Thieres betrug wenig⸗ ſtens 40 Fuß. Der umfang am dickſten Theile des Koͤrpers glich der Dicke eines Stiers; die Laͤnge der Kinnladen war wenigſtens s Fuß. Die Augen fun⸗ „kelten wie zwei große Smaragden, aber mit einem Glanze, der nichts Lebloſes haben konnte; der hintere Theil kruͤmmte ſich ein wenig. Man haͤtte die Ge⸗ ſtut leicht fuͤr einen, halb in Schlamm verſunkenen Baum halten koͤnnen, der vom ufer gefallen war, und die Schuppen gegen den Schwanz bin fuͤr kleine⸗ nicht ganz abgehauene Zweige. Während die Britten auf das Belagerungsge⸗ ſchuͤtz warteten, um den Angriff auf das Fort anzu⸗ fangen, erhielten ſie die Nachricht von der Uebergabe der ganzen Inſel Javg. General Janſens war in 8 ſeiner Stellung u Samarang, gluͤcklich angegrif— fen worden, ſeine Druppen hatten den gowohnten Muth nicht gezeigt, und, der Nothwendigkeit erlie⸗ gend, hatte er ſich den Britten ergeben. Bald nach der Nachricht von dieſer Kapitulation kehrte das ensliſche Schiff Bucephalus, von der Verfolgung zweier franzoͤſtſchen Fregatten zuruͤck, die von der Rhede nach Greßee entkamen, nachdem es ein unentſchiedenes Gefecht mit ihnen bei Bornea gehabt hatte. Gleich auf dieſe Nachricht erhielten der Niſus und der Praͤſident Befehl, in die See zu nehen. Beide Fregatten verließen die Rhede von Soudayn und kamen am 2sſten durch die Sunda⸗ Straſſe, indem Prior nicht ohne Bedauern den ma⸗ leriſchen Ufern von Sumatra zur Rechten, und de⸗ nen von Bantain zur Linken Lebewohl fagte. Die Thwart⸗the⸗wag⸗Inßel(die quer uͤber den Wes liegende) nicht zu vergeſſen. S Beide Schiffe kehrten nach Isle de France zuruͤck, und nachdem ſie hier einige Zeit verweilt, kreuzten ſie bei den Inſeln St. Paul und Am⸗ tſterdam, da ſie zu Batavia gehoͤrt hatten, daß Schiffe mit Vorraͤthen fuͤr die Inſel täglich aus Frankreich erwartet wuͤrden, und dieſe Inſeln duf dem Wege lagen. Prior ſah St. Paul, welches zuweilen auch Am ſterdam genannt wird, am Abend; das Wetter war mild, die Sonne ſtand tief am Horizont, und 349 da er a* der weſtlichen Spitze war, ſo ſah er der Inſe W eiſenhaltige Kuͤſten im Glanze der ſinken⸗ den Sonne liegen. Er konnte ihr einige Dage lang, wegen der heftig tobenden Elemente, nicht naͤhern, hatte jedoch noch zuletzt eine gute Ueberſicht derſelben. In einiger Entfernung glich ſie einem feſten, kegel⸗ foͤrmigen Berge, der ſich aus der Mitte eines unge⸗ heuer großen Deeans erhob. Als man naͤher kam, ſchien der hoͤhere Theil der Inſel ein großes Waſſer⸗ becken zu ſeyn, und die Seite, die der See zunaͤchſt war, niedriger, ſo daß man eine Ausſicht in das In⸗ nere erhielt, indem der Deean durch eine Pforte, uͤber Felſengrund, eindrang. Der Hintergrund dieſer gro⸗ en Hoͤhle bildete einen ſchoͤnen Leich voll Fiſche, der fret von dem gewaltigen Toſen des Meeres ißt. Er iſt augenſcheinlich ein Crater eines ausgeloͤſchten Vul⸗ kans. In eliptiſcher Form erheben ſich die Seiten regelmaͤßig bis an den Gipfel oder an die Muͤndung, die 2 1/4 Meile im Umfang haben ſoll, indem der des Deiches etwa 11 ½ hat. Vom Rande des Craters bis zur Dberflaͤche des Waſßſers betraͤgt die Hoͤhe mehr als 700 Fuß, und da das Waſſer mehr als 30 Faden tief iſt, ſo mag die ganze Hoͤhe nicht viel weniger als 900 Fuß betragen Die Muͤndung des Eraters iſt der hoͤchſte Theil der Inſel, die ſich nordwärts nach und nach ſenkt, aber die Kuͤſten ſind hoch und zacfig. 350 St. Pau!, ſo wie Amſterdam, wurden 1697 von dem hollaͤndiſchen Seefahrer Flami tdeckt und bekannt. St. Paul iſt etwa 5 Meilen lang und 3 breit, und liegt in 38 42“ ſuͤdlicher Breite, 770 63“ öſtlicher Laͤnge. Der Menſch hat dieſe Inſel noch nicht zu einem feſten Wohnſitz gemacht, und der Schopfer des Welt⸗ alls gab Geſchoͤpfen nicht das Daſeyn, wo ſich keine binreichenden Mittel zum Unterhalte fanden Seekaͤlber gibt es eine Menge zu St. Paul; al⸗ lein ſie ſind nicht mehr ſo zahlreich, als ſonſt, da alle Jahre ihrer zu viele getodtet werden. Eigene Expe⸗ ditionen dazu werden ausgeruͤſtet. Das Seckalb (Seehund, Seewolf n. ſ. w.) ſcheint nicht nur ſehr an ſeinen Jungen zu haͤngen, ſondern ſie auch kraͤftig zu vertheidigen. Ein Matroſe von Niſus ſuchte, als man gelandet war, ein Junges lebendig zu bekom⸗ men, und hatte es ſchon in den Armen, als die Mut⸗ ter ihn niederwarf, und ihr gefangenes Junge be⸗ freiete. Fiſche gibt es hier in ſolcher Menge, daß es ſcheint als habe die Natur das Land durch die See ſchad⸗ los halten wollen. Prior ſah eine große Menge Waſſervoͤgel, beſonders Albatros, Sturmvoͤgel, Pin⸗ gufnen und eine Menge andere, die man in hoͤheren Breiten findet. Der Sturmvogel hier uͤbertrifft den europaiſchen an Groͤhe. —— —— 351 Amſterdam liegt etwa so Meilen von St. Paul, und wird bei klarem Wetter, von dieſer Inſel aus, ſehr deutlich geſehen. Die Inſel Amſterdam iſt eben ſo nackt und ode, das Land ſcheint hoͤher, der Anblick unwirthbar, die ſchwarzen und felſigen ufer, die eine heftige Brandung auf Augenblicke mit Schaum bedecket, geſtatten ſelten einem Boote ſich zu nahen, und ein ſchroffer Spitzberg ſcheint ſich ſenkrecht, etwa 1000 Fuß hoch, ͤber das Waſſer zu erheben. Die Fre⸗ gatten Niſus und Präſident verſuchten nicht, hier zu landen, denn nichts lockte ſie dazu, auch ſchien es nicht ausfuͤhrbar, wenn ſie auch dazu geneigt ge⸗ weſen waͤren. Von dieſen Inſeln fuhren ſie nach dem Cap der guten Hoffnung, und hier ſchloß Ptior ſeine Erzaͤhlung mit der Bemerkung, daß die Schiffe über die vermeintliche Lage einer Untiefe fuhren, die auf einigen Karten beim Vorgebirge der Tafelbai ange⸗ geben wird, ohne irgend aufgehalten zu werden, ohne etwas zu ſehen, was man dafur haͤtte halten koͤnnen.