2 mn Men ee n MmeMen h Taſchen⸗Bibliothet der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Oſt⸗, Weſt⸗ und Sud⸗ Indien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Ver a ß 6 von W e und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. II. Theil. 2. Bändchen. Nürnberg⸗ Verlegt von Heinrich Haubenſricker. 18 3 1. Wilhelm Hodge's Reiſe durch Oſt⸗ Indien, während der Jahre 1780— 83. Aus dem Engliſchen. I. Pnnbebe Küſte hat einen ebnen, nie⸗ drigen, ſandigen Boden, und um Madras erhebt ſich derſelbe ſo ſanft und leiſe uͤber die See, daß der Fremde in Staunen ſtehend, nicht eher Land und See unterſcheiden kann, bis ſich dem Auge desſelben die Ge⸗ genſtaͤnde darbieten, die ſich am ufer zeigen. Schoͤn iſt der Anblick der engliſchen Stadt, die ſich innerhalb der Feſtung St. Georg erhebt, von der Seeſeite. Die Haͤuſer, mit Gyps uͤberzogen, gleichen marmornen Palaͤſten; Saͤulengaͤnge, offne Hallen und platte Daͤcher ſind ihre Zierde. Die Luft iſt rein, der Him⸗ mel hell, heiter, wolkenleer. Die Einwohner, ur— ſpruͤnglich Hindus, ſind zart gebaut, haben feine zarte Haͤnde, und ſind von Mittelgroͤße. In ihren Sitten zeichnet ſich aus Milde, Ruhe und Aufmerk⸗ ſamkeit, welche letztere ſo ſtark iſt, daß, wenn Je⸗ mand ſpricht, ſie nicht eber reden, als bis er völlig 11¹⁰ geendet hat. Hauptſaͤchlich mild und gaſifreundlich ſind ſie gegen Fremde. Dieß beweiſen ſie bei Ankunft eines fremden Schiffes? denn ſchnell ſegeln ſie entge⸗ gen, draͤngen ſich Schaarenweiſe an Bord, und neh⸗ men die Fremden in ihre Landes⸗Boͤte auf. Dieſe haben keinen Kiel, ſondern hohe Seiten, einen fla⸗ chen Boden, und ſind mit den Zaſern des Coeeus⸗ Baumes zuſammengeheftet und gefuͤttert. Um bei den beftigen Stoͤßen der Brandung nicht umzußuͤrien⸗ ſind auch zwei Floͤße beigegeben, die Kattama⸗ rans heißen. Die Landung geſchieht bei der Feſtung Madras. Merkwuͤrdig iſt der Einwohner Bekleidung: denn Einige ſind nackt, Andere in Kleidern ganz eingehuͤlltz auch iſt bei ihnen die Eigenthuͤmlichkeit, daß Maͤnner ihre Weiber in Palankins auf den Schultern tragen, Maͤnner hingegen in weiblicher Tracht zu Pferde ſitzen. Dieſes ſo herrliche Land erfreute ſich aber nicht lange der Ruhe: denn bald brach Hyder Aly in Madras Fluren verheerend ein. Der 48. Juli 1780 war der Tag, an welchem das Volk ſich nach Ma⸗ dras flͤchtete, um hier Schutz zu ſuchen. Graͤßlich war der Anblick der Ungluͤcklichen. Hier ſah man Muͤtter, den Saͤugling an der Bruſt, ihre geringe Habe rettend; dort Maͤnner, ihr Vieh vor ſich her⸗ treibend, um es der Wuth des Feindes zu entreißen. Verwuͤſtend war der Krieg; doch bald wurde des Ober⸗ ſten Baillie Detaſchement geſchlagen, und die Trup⸗ 11¹ xen der Hindus zogen in ihre Heimath zuruͤck. Eng⸗ laͤnder beſetzten Madras im vorigen Jahrhunderte. Beruͤhmt iſt die Ebene von Choultry. Gut gebaut ſind die Haͤuſer. Reizend und erquickend iſt die Aus⸗ ſicht am Abende im Mondesſcheine. Hoͤchſt bemer⸗ kenswerth iſt der ſchoͤne hindoſtaniſche Tempel, oder die Pagode zu Sriplecane, zwei Meilen ſuͤdlich von Madras. Dieſer Tempel iſt betraͤchtlich groß; der Gipfel erhebt ſich ſo hoch uͤber die Baͤume, daß man ihn im ganzen Lande ſieht. In ſeine Tiefe hin⸗ ab gehen Stufen; alles iſt Steinwerk, die Maurer⸗ Arbeit vortreftich. Viel halberhabnes Schnitzwerk, bezuͤglich auf die Religivn der Hindus, befindet ſich an den Waͤnden. II. Ausgezeichnet iſt Indiens Fluß, der Sun⸗ ges, durch ſeine Stroͤmungen und die an ihm an⸗ liegenden praͤchtigen Staͤdte. So liegt an ihm die Hauptſtadt des brittiſchen Gebiets im Morgenlande, Calcutta. Dieſe Stadt hat an der Suͤdſeite eine Feſtung, die alle andern Indiens an Staͤrke und Re⸗ gelmäßigkeit uͤbertrifft. Fuͤnfthalb engliſche Meilen im Umfang, die Straßen breit, die Reihe der Haͤu⸗ ſer an beiden Seiten der Feſtungs⸗Eſplanade praͤchtig⸗ und was den ſtolzen erhabenen Anblick erhoͤht, die Haͤuſer ſtehen einzeln, jedes hat einen bedeutenden Raum um ſich. Die Wohnungen ſind geraͤumig und mit Treppen verſehen, die zu Saͤulengaͤngen und Schwiebboͤgen fuͤhten; ſie gleichen dadupch griechiſchen gempeln. Die Einwohner ſind aͤußerſt gaßfrei, ihre Sitten europaͤiſch und aſiatiſch⸗ Seine Pracht ver⸗ dankt Caleutta dem letzten engliſchen Statthalter. Bis Plaſſey iſt nichts, was die Aufmerkſamkeit eines neugierigen Reiſenden reizen koͤnnte. Merkwuͤr⸗ dig aber iſt Plaſſey wegen der Uebereinkunft vom Jahre 1167:„Db Englaͤnder als Kaufleute in Ben⸗ galen ſeyn duͤrften.“ Etwas uͤber Caleutta liegt das daͤniſche Etabliſ⸗ ſement Serampoor, eine ſchoͤne anſehnliche Han⸗ delsſtand. Zu Ghiretty, zwanzig Meilen von Cal⸗ eutta, iſt ein huͤbſcher Landſitz, welchen 1781 die Fa⸗ milie des verſtorbenen Sir Eyro Cvote bewohnte, der damals auf den Carnatiſchen Gefilden fuͤr ſein Vaterland focht, und einen glorreichen Sieg durch Geſundheit und Leben erkaufte. Etwas höher liegt die franzoſiſche Beſitzung Chandernagorn, dicht da⸗ bei iſt Chinſurah, eine hollaͤndiſche Beſitzung. Dieſe Stadt erkennt man von weitem; ſie hat einen huͤbſchen Anblick, ſchone Haͤuſer, eine Kirche, und einen Damm, der in den Fluß geht. Von da fuͤhrt der Weg nach Culna und Nuddea, zweier an⸗ ſehnlichen Staͤdten. Beruͤhmt iſt Cutwa durch den Ruͤckzug, welchen 1742 Aliverdy Chan im Ange⸗ ſichte eines großen Marattiſchen Heeres unter⸗ nahm. Auf Cutwa folgt Burhampoor, welches fuͤr zehntauſend Mann Caſernen hat. Etwas ober⸗ halb lieht die Inſel Coſfinbuzar mit einer engli⸗ 113 ſchen und hollaͤndiſchen Faktorei. Unfern dieſer liegt die Stadt Moorſchedabad, beruͤhmt durch die Ueberbleibſel einer Cutterah, Pflanzſchule der Mu⸗ ſelmaͤnner. Jaffier Chan, Nabob von Benga⸗ len, errichtete dieſe Anſtalt, er zeichnete ſich haupt⸗ ſaͤchlich durch Sanftmuth und Liebe zu den Wiſſen⸗ ſchaften aus. Hier war der Sammelplatz vieler aus⸗ gezeichneter Gelehrten. Am gegenſeitigen Ufer ſteht das Grabmal Aliverdi's Chan, der ſich durch ſein Betragen gegen die Gefangenen von Caleutta 5a ſo ſehr als Tyrann bewies. Von Moorſchedabad führt der Weg durch die Doͤrfer Jungepoyr und⸗ Sooty nach Dodovanullah. Bei letztem Orte iſt eine Bruͤcke, die Sultan Sujah, zweiten Sohn des Kaiſers Schach Jehan erbaute. Sie iſt das zierlichſte Ueberbleibſel der Baukunſt, und berühmt durch den Sieg, den Major Ad ams 1764 uͤber Mier Coſſin erfocht. Am weſtlichen hohen und ſteilen ufer des Ganges am Fuße einer Huͤgelkette liegt Rajemahel, ungeſund wegen der vielen angraͤnzen⸗ den Waͤlder. Fruͤher unter des Sultan Sujah Re⸗ gierung war es Sitz der bengaliſchen Herrſchaft. um ter ſeiner Regierung gins Sananah, der Sitz der Weiber, durch Feuer zu Grunde, wobei 300 Weiber umkamen, weil ſie ſich aus Schamhaftigkeit vor den Maͤnnern nicht retteten. Von Rajemahel lauft die Heerſtraße zwiſchen Fluß und Huͤgel bis zum Durch⸗ gang von Sieri Gully, wo man die Provinz Ba⸗ 144 har betritt. Acht engliſche Meilen davon liegen die beruͤhmten Waſſerfaͤlle von Mootejerna. Von der * Hoͤhe der Huͤgel ſieht man zur Regenzeit den Fall des Waſſers ſehr deutlich. Von dem Durchgange Teria⸗ gully hat man eine ſchoͤne Ausſicht auf den Gan⸗ ges. Herrlich ſchlaͤngelt er ſich durch die Ebenen hin So weit das Auge reicht, iſt das Land gut gebaut und reich. Von Seriagully laͤuft die Heerſtraße an der Seite des Stromes fort, anfangs durch gruͤ⸗ nende Wieſen und Thaͤler, durch Waͤlder, deren hoch⸗ beiaubte Baͤume durch ihr beſtaͤndiges Grün Schatten und Schutz gegen die drückende Hitze gewaͤhren, theils durch ihre Menge bunter Saͤnger das Ohr ergoͤtzen. Auf dieſer Straße kommt man uͤber verſchiedene kleine Fluͤſſe, die dem Ganges zuſtroͤmen. Zu Colgaug faͤllt ein ſo betraͤchtlicher Strom in den Ganges⸗ daß er bei Negenzeit zwei Felſenſtuͤcke abriß, und ſo im Ganges zwei Inſeln bildete. Dieſe Gegend um Colganß iſt die ſchoͤnſte das Land ſcheint zu ſchwimmen. Von hier geht der Wes m dem Dorſe Sul⸗ tungunge. Ihm gegenuͤber liest die Inſel Jan⸗ gerah oder Jehangueery. Ein hindoſtaniſcher Moͤnch bewohnt daſelbſt eine Einſiedelei. Die Ein⸗ wohner halten den Felſen, auf den ſie gebaut iſt, fuͤr beilig; auch ſind an Waͤnden Figuren eingehauen⸗ die auf Goͤtterlehre ſich beziehen. Von Sultun⸗ gunge fuͤhrt der Wes nach Bauglepoor. Merk⸗ „ 115 wuͤrdig iſt in dieſer Stadt ein Natur⸗Erzeugniß, der Banyan⸗Baum, der ſedes Fremden Aufmerkſam⸗ keit erregt. Die Zweige dieſes Baumes ſenken Sproͤß⸗ linge in die Erde, dieſe faſſen wieder Wurzeln, er⸗ zeugen und bringen Neue hervor, ſo daß beinahe 100 Menſchen ſich vor der laͤſtigen Hitze, Sturm und Re⸗ gen ſchuͤtzen koͤnnen. Dreißig Meilen weiter liegt Mongheir. Das Land iſt trefflich beſtellt, Wege ſind gut, Doͤrfer reizend, Die Stadt iſt eine alte Feſtung; eine Seite deckt der Ganges, die Land⸗ ſeite ein tiefer Graben. Sie hat Waͤle, Thuͤrme und beſetzte Thore. An der Heerſtraße liegen Grabſtaͤtte der Muſelmanner. Ruͤhrend iſt der Anblick der Zu⸗ ruͤckgebliebenen, die mit Lampen in Haͤnden zu jenen Staͤtten wallen. In dieſen Ländern iſt der Banyan⸗ Baum die groͤßte Wohlthat wegen der dringenden Hitze; daher die wohlthaͤtige Anlegung von Brunnen und Caravannen⸗Haͤuſer, wo Reiſende Herberge er⸗ halten. Bewunderungswuͤrdig ſind die Braminen, die aus lauter Andacht, weder ſehen, noch hoͤren, was um ihnen vorgeht. LI. Weßtlich am Ganges aufwärts liegt Patna, die Hauptſtadt und der Regierungsſitz der Provinz Bahar, mit 100,000 Einwohnern. Hier befinden ſich die vorzuglichſten Staats⸗ und Handels⸗Bedien⸗ ten, und Gerichtshoͤfe der Provinz. Die Gebaͤude ſind hoch, die Straßen eng und unrein. Jenſeits Patng am Soane⸗Fluſſe liegt die Moſaure von Moon⸗ 116 pier. Wiewohl dieſes Gebaͤude nicht groß ilt, ſo iſt es doch ein ſehr ſchoͤnes Viereck, an deſſen Ecken Pa⸗ villons ſind. In deren Mitte erhebt ſich ein herrli⸗ cher Dom mit Kuppel. Die aͤußere Seite des Doms ſchmücken Platanus⸗Blaͤtter in Stein gehauen. Der Haupteingang gleicht unſern gothiſchen Kirchen. Un⸗ fern Patna liegt Bankepour, dicht daran das militäriſche Standauartier Dinapour. An der Muͤn⸗ dung des Caramnaſſa liegt die Feſtung Burar. Am öſtlichen Ganges⸗Ufer Gazipvor; daſelbü ſind Ruinen eines ſchoͤnen Palaſes.. IW. Zwanzig engl. Meilen davon liegt Benares⸗ In alten Zeiten hieß die Stadt Kaſi, wann ſie aber den jetzigen Namen erhielt, iſt in der Geſchichte nicht bekannt. Sie liegt am noͤrdlichen Ufer des Ganges⸗ und gewahrt von der Waſſerſeite einen berrlichen An⸗ blick. Große Mannigfaltigkeit der Gebaͤude ergoͤtzt das Luge, und die vielen Stufen, die zu den Tempeln führen, verſchonern die Ausſicht um ſo mehr. Die das Auge in der Ferne ſo ſehr reizenden Gebaͤude ſind oft bloße Daämme. Mitten in der Stadt iſt eine große mahomedaniſche Moſauee, welche Kaiſer Aurengzeb erbauen ſieß. Die Straßen hnd enge, und nicht ſo reinlich, wie an andern Orten. Manche Gebaͤude ſind fuͤnf Stockwerke hoch; jedes iſt von einer andern Familie bewohnt. Die reichen Hindus wohnen in be⸗ ſonderen Haͤuſern mit offenen Hoſplaͤzen. Groß iſi hier die Hitze, theils wegen der Lage des Orts⸗ theils 17 weil die Haͤuſer aus Quaderſteinen erbaut ſind. um die Stadt zeigen ſich viele Verwuͤſtungen, die von den Muhamedanern geſchahen. Daſelbſt iſt die Ruine eines großen runden Gebaͤudes, allem Anſehen nach ein hindoſtaniſcher Tempel oder Theil desſelben: denn man ſieht noch Spuren einiger ſeiner Verzierungen. Merkwuͤrdig iſt zu Benares der DTempel Wiß Wis⸗ ſcha wegen ſeiner Verzierungen und Saͤulen. Auf⸗ fallend iſt, auf einem Gebaͤude in Hindoſtan den groͤßten Theil der Zierathen griechiſcher Baukunſt zu finden. Unterhalb Benares faͤllt der Gromty⸗ Fluß in den Ganges. Nicht weit vom Ausfluſſs desſelben liegt die Feſtung Jionpoor, die jetzt aber verfallen iſt. vV. Bei den Hindus herrſcht die Sitte, daß wenn der Mann ſtirbt, die Frau ſich verbrennt; ja noch auffallender iſt, daß wenn der Kaiſer ſtirbt, ſelbſt die erſten Staatsdiener kein Bedenken tragen, ſich mit ihm der Flamme zu opfern. Staunen erregt hier der Muth der Frauen, mit welchem ſie den Scheiterhaufen beſteigen. Nichts haͤlt ſie ab von ih⸗ rem Unternehmen; nicht das Weinen ihrer Kinder; nicht der Anverwandten Bitten; ſtandhaft opfern ſie ſich. Ja bei Einigen herrſcht die Sitte, den Leich⸗ nam zu begraben, mit welchem die Frau ebenfalls ſich begraben laͤßt. Von Benares fuhrt der Weg nach Lutteſpoor, von Waͤldern dicht umgeben. Dieſe beſtehen meiſtens aus Bambus„Roͤhren, die 1¹8 hart an den Waͤllen der Feſtung und an einigen Stel⸗ len ſo dicht ſtehen, daß man nicht durchdringen kann. Dieſe Feſtung iſt aus Steinen gebaut, die Waͤlle durch runde Thuͤrme geſchuͤtzt Bwanzig Meilen oberhalb der Stadt Benares liegt die Feſtung Chunar. Sie iſt auf einem Felſen gebaut, den ein Wall umgibt, und Thuͤrme in ver⸗ ſchiedener Entfernung. Dieſe Feſtung ſoll ſehr alt ſeyn, und unſpruͤnglich von Hindus angelegt. Auch ſind alte Steinbilder hindoſtaniſcher Gottheiten an manchen Stellen zu finden. An den Thoren befinden ſch alte verſiſche Inſchriften, welche fagen, unter weſſen Regierung die Feſtung ausgebeſſert und ver⸗ ſaͤrkt ſey. Dieſe Feſtung litt bei der Belagerung von Seite der Englaͤnder von 164— 4765. Trotz der gu⸗ ten Vertheidigung wurde ſie den 7. Februar 1766 dem General Stibbert uͤbergeben. Fuͤnfzig Meilen von Benares liegt Bidiegur. Dieſe Feſtung befindet ſich auf der Spitze eines hohen Berges, überall von Wald eingeſchloſſen. Dies iſt das letzte Glied einer Gebirgskette, die ſich hier gegen die Ebene ſchnell abſchneidet. Merkwuͤrdig und die Achtung Jedermanns verdient das Unternehmen Hertn Clevelands, welcher zu Barkope, einer ſeltſa⸗ men Gegend mit Steinmaſſen allenthalben umgeben, durch ſeinen Eifer und Heldenſinn die Einwohner von einem Handwerke befreite, welches das ſchaͤndlichſte ſt naͤmlich von Raͤuberei.⸗ 119 Dieſe Einwohner fſielen in nachbarliche Doͤrfer ein, erſchlugen bei naͤchtlicher Weile die Bauern, die von Tages Muͤhen ausruhend ſchliefen, und nichts Boͤſes ahneten, und fuͤhrten Vieh und Habe mit ſich auf ihre Felſen. Gleich Tiegern lauerten ſie in Waͤldern auf Reiſende. Eine ſolche Roͤuber⸗Bande wandelte jener zu or⸗ dentlichen geſitteten Buͤrgern ihres Kaiſers um, ſo daß ſie unter Waffen traten, ſo oft es das Wohl for⸗ derte. Aber auch ſchon von dieſem gebildeten Volke erhielt Herr Cleveland ſeinen Dank. Fuͤrſten for⸗ derten ihn auf, zu ihnen zu kommen, um ihn zu ſehen. Bei den Feierlichkeiten, die hier uͤblich ſnd⸗ ſtand er oben an. So wohnte er einem Opferfeſte bei, wo ein Bůß⸗ fel, Hahn und Ziege geopfert wurde. Der Fuͤrſt des Dorfes hieb mit einem Schwerte den Nacken des Buͤffel ab, dieſes Gemetzel dauerte beinahe eine Vier⸗ telſtunde, bis er das Ruͤckgrat von einander hieb. Sobald das Cbier getoͤdtet war, lief das Volk herbei, und ſing das Blut auf, das auf den Boden rann⸗ trank es, und beſchmierte ſich damit die Haͤnde. Dar⸗ auf wurde der Rumpf zerſchnitten und aufgefreſſen, der Kopf aber, wie deren der Ziege und des Hahns geopfert. Nach dem Dpfer zertheilte ſich das Volk in ſeine Wohnungen, wo es ſich ergoͤtzte. Schwaͤrmen. und Trunkenheit herrſchte vor. vI. Allahabad, Hauptſtadt der Provinz Auhd, „ 120 iſt ein ſehr fruchtbarer Erdſtrich. Sie liegt zwiſchen den Fluͤſſen Jumna und Ganges, und hat daher den Namen, das Land Doab, d. h. Land zwiſchen zwei Fluͤſſen. Kaiſer Aebar iſt ihr Erbauer. Einſ ſoll die Feſtung ſehr bedeutend geweſen ſeyn; jetzt zerfaͤllt ſie in Truͤmmern. Die Walle decken runde und viereckigte Thuͤrme. Das Agrathor, ſo ge⸗ nannt, weil es nach Agra fuͤhrt, iſt ſehr huͤbſch. Viele kleine Pavtllons ſchmuͤcken ſein Bbertheil, und an der aͤußern Pforte desſelben befinden ſich zwei Re⸗ benpforten, ehemals durch Fallgitter beſchutzt. Die Feſtung nimmt einen groben Raum ein, und muß eine zahlreiche Beſatzung erfordert haben. Das, was man die Stadt nennt, ſind blohße Strohhuͤtten, unter denen kaum die Spur eines anſehnlichen Hauſes öbrig blieb. 39 d Von Allahabad fuhrt der Weg nach Lucknow⸗ Dieſe iſt die Hauptſtadt der Provinz Dude, und die Reſidenz des Nabob Aſof ol Daulah⸗ der zugleich Vezier des Landes iſt. Die Stadt iſt groß, aber kleinlich gebaut. Die Haͤuſer haben meiſtens Waͤnde von Thon; mit Stroh ſind dieſelben bedeckt. Einige beſtehen bloß aus Matten und Bambus, an⸗ dere ſind mit Cveos und Palmblaͤttern bedeckt. We⸗ nige ſind von Ziegelſteinen erbaut. In der trocknen Jahreszeit iſt Staub und Hitze unertraͤglich; in reg⸗ nichter liegt der Koth ſo hoch, daß man kaum durch⸗ waden kann. Die Regierung ſorgt nicht fuͤt Ordnung; 12¹ denn eine Menge Elephanten, dem Nabob gehoͤrig, treiben beſtaͤndig auf den Straßen herum zur großen Gefahr der Fußgaͤnger. Hart am Fluſſe ſteht der Palaſt des Nabob, auf einem hohen Ufer, und genießt einer ausgebrei⸗ teten neberſicht des Gvomty und des öſtlich gelege⸗ nen Landes. Schon der Vater des jetzigen Nabob, Soja ol Daulah, errichtete ihn. Sein Sohn, der jetzige Fuͤrſt, hat ihn ſehr erweitert, große Hoͤfe innerhalb der Ringmauern angelegt, und einen Don⸗ bar, wo er alle Perſonen, die ihm vorgeſtellt wer⸗ den, oͤfentlich annimmt, errichtet. Dieſer Dorbar beſteht aus drei Reihen nebeneinander kaufender Bs⸗ gengäͤnge, auf Saͤulen nach mohriſchem Geſchmacke geſtützt. Die Decken ſind praͤchtig vergoldet, und mit Verzierungen und Blumen ausgemalt. Aus einem „ Blumengarten gelangt man durch Stufen dahin. Dieſer Garten beſteht aus viereckigten Flaͤchen mit ſo ſtark riechenden Blumen gefuͤllt, daß die Nerven der Europäer anfangs leiden. Eine Tagreiſe ven Lucknow liegt Fyzabad. Dieſe Stadt iſt betraͤchtlich groß, und ſcheint eine Menge Einwohner der niederen Klaſſe zu haben, denn ſeit der Hof von da ſich nach Lucknow begab, ſind die Vornehmen ihm gefolgt. Hier in Fyzabad fin⸗ den ſich viele Ueberreſte huͤbſcher Gebaͤnde von Siegeb⸗ ſeinen; auch Ueberbleibſel eines Palaſtes, den Ng⸗ boh Sojah ol Daulah erbaute. Dieſer Palaſt 75 Bd. Indien II, 2.„ 3 122 war viel reicher, als der zu Lucknow. In der Naͤhe von Fyzabad ſtehen die Truͤmmer der uralten Stadt Dude. Man ſagt⸗ ſie ſey die erſte Kaiſer⸗ ſtadt in Hindoſtan geweſen, der Held Kriſchen habe ſie gebaut. Der Geſchichtſchreiber Feritſcha erwaͤhnt ihrer, als der Hauptſtadt eines großen Reiches 1209 vor Chriſti Geburt. Das beruͤhmte hindoſtaniſche im heiligen Sanfkrit geſchriebene Werk Mahabaret ge⸗ denkt derſelben Stadt oft unter dem Namen Adju⸗ des. So prachtig ſie fruͤher geweſen ſeyn mag⸗ ſo findet man jetzt nur noch Trämmer⸗ vII. An einem ſteilen Abhange gegen den Fluß Jumna liegt Etaya. Die ufer beſehen aus ſoge⸗ nannten Kontſchaͤ oder urſpruͤnglichem Sande, der durch die anhaltende Sonnehitze, in der trockenen Jahreszeit, beinahe verglast iſt. Nahe am Fluſſe ſieht man neberbleibſel einer Feßtung. Die Stadt ſelbſt iſt auf eine Anhöhe gebaut, welche ſich, wie ſie dem ufer nahe kommt, in mannigfaltige abgeſonderte Huͤ⸗ gel vertheilt, um welche der Regen tiefe Graͤben ge⸗ ſpuͤlt hat. Die Stadt iſt zwar groß, aber armſelig; nur zwei ertraͤgliche Haͤuſer ſind darin. Sechs Mei⸗ len(Koß) weiter liegt Jefwontnagur; hier ſind die Meilen kleiner, ſo daß ein Koß beinahe zwei eng⸗ liſche Meilen enthaͤlt. Von Staya bis hieher iſt das Land weuig angebaut, die Doͤrfer ſind nicht volkreich⸗ und ihre wenigen Einwohner haben ein kuͤmmerliches Anſehen. Von hier fuͤhrt der Weg nach Shekoabad. 123. Seinen Namen erhielt es von Dara Scheko, dem aͤlteſten und ungluͤcklichſten Sohne des Kaiſers Schach Jehan, der im Kamyfe um die Krone, mit ſeinem juͤngſten Bruder Aurengzeb, geſchlagen, gleich einem wilden Dhiere gehetzt, und endlich ergriffen war. Nackend wurde er auf einen Elephanten geſetzt, damit er dem ſiegenden Heere zum Geſpoͤtte diene, und zu⸗ letzt unter Martern ermordet. Die Stadt hat viele Einwohner, und rings umher gut bebaute Aecker. Hier ſind auch noch Ueberbleibſel eines fuͤr Dara Scheko erbauten Jagdſchloſſes nebſt einem dazu ge⸗ hoͤrigen Tank. Dicht am Tank iſt ein kleiner Hayn von Palmen und anderen Baͤumen; außerdem aber gibt es keine Baͤume in der Nachbarſchaft, noch irgend Waſſer, als was wenige Brunnen und beſagter Tank hergeben. In und um die Stadt liegen beträchtliche Truͤmmer großer Gebaͤude. Sechs Koß weiter liegt Fyrozabad, ein anſehnliches Dorf. Seinen Na⸗ men hat es von der Purgunnah oder dem kleinen Bezirk, der in einem groͤßern liegt. Es ſtand unter einem Goſſein oder hindoſtaniſchen Prieſter, und da der Geiſt der hindoſtaniſchen Regierung den Feldbau außerordentlich beguͤnſtigt, war dieſer Fleck ein voll⸗ kommener Garten. Zum Schutz wurde dem Goſ⸗ ſein ein Lager von 2000 Mann in der Nachbarſchaft zuertheilt. Sechs Koß von hier entfernt, liegt Eta⸗ madpoor. Hier ſteht ein kleines ſteinernes Gebaͤude in der Mitte eines großen Tank, deſen Einfaſſung 124 wie eine Bruͤcke von verſchiedenen Voͤgen, die aus dem Gebaͤude uͤber dem Tank ſich zieht, gleichfalls von Steinen iſt. Von hier erblickt man die Thuͤrme des vormals glaͤnzenden kaiſeriichen Agra. Dieſe Stadt liegt an der Suͤdſeite des Fluſſes Jumna, uͤber den pier keine Fuhrt geht, erhebt ſich unmittelbar am Waſſer, und dehnt ſich in einen großen Halbkreis aus; man yaͤlt ſie fuͤr ſehr alt. Wie ſie aber jetzt ſteht, er⸗ baute ſie Kaiſer Aebar um das J. 1666, und nannte ße nach ſich, Aebarabad; ſie wurde die Haupt⸗ ſtadt ſeines Reiches. Die Feſtung, in welcher die kai erliche Burg liest, iſt grob. Sie ward von rothen Quaderſteinen erbaut, und mochte wohl zur Zeit ihrer Errichtung ſehr ſeſt ſeyn. Urſpruͤnglich hatte ſie einen dopzelten mit Waſſer angefuͤllten Graben breit und tief, der aus dem Fluſſe ſein Waſſer erhielt. Von drei Sei⸗ ten ward die Feſtung durch dieſen Graben von der Stadt getrennt, an der vierten oͤſtlichen Seite flotß der Strom neben ihren Waͤllen. Jetzt iſt der aͤußers Graben ganz vertrocknet, die Heerſtraße zieht ſich durch ihn hin; auch der innere Graben iſt an vielen Stel⸗ en ſlach, an einigen ganz trocken. Um die Stadt lief auch eine Mauer, mit Thuͤrmen. Schach Jehan⸗ Aebars Großſohn, fand kein Gefallen an der Lage von Agra, weil es in den Sommer⸗ Monaten einer übermaßigen Hitze ausgeſetzt iſt und wuͤnſchte eine Hauptſtadt zu errichten, die ſeinen Namen fuͤhrte. So ertichtete er das große Jehanabad in der Nähs 125 des alten Delhi. Aber der Name und das Reich iſt dahin. Dieſe neue Stodt zu bevoͤlkern, ſagt man, habe er die Haͤlfte der Einwohner von Agra dorthin verfuͤhrt. Dadurch verfiel Agra augenblicklich, und ſo war es noͤthig, für des Volkes Sicherheit noch eine Mauer zu errichten, die innerhalb der alten eine Art Kreis ſchließt. Was nun zwiſchen beiden Mauern lliegt, iſt ein Schutthaufen. Selbſt die innere Mauer wird nur ſchlecht unterhalten, und man erkennt gar wohl, daß ſie groͤßtentheils aus verfallenem Gemaͤuer beſteht, ausgenommen die Seite gegen das Delhi⸗ Thor der Feſtung, wo ſich die große Moſquee befin⸗ det, von rotben Steinen, aber auch ſchon baufaͤllig. Daran liegt die Tſchok, oder Boͤrſe, jetzt in Truͤm⸗ mern. An der oͤßlichen Seite der Feſtung lag die kai⸗ ſerliche Reſidenz, von weißem Marmor erbaut, und mit vergoldeten kupfernen Zierathen geſchmuͤckt. Drei Koß, oder etwas weiter von Agra, auf der Heer⸗ ſtraße nach Delhi, zu Seeundrii ſteht das Grab⸗ mal des Kaiſers Aebar. Es befindet ſich ein unge⸗ heures Gebaͤude in einem Garten, regelmaͤßig mit wilden und Frucht⸗Baͤumen und viel bluͤhenden Stau⸗ den bepflanzt. Rund umber geht eine Mauer, die vielleicht zwanzig engliſche Morgen Landes einſchließt. Das Grabmal ſteht in der Mitte des Gartens. Es iſt ein viereckigtes Gebaͤude, mit Thoren nach allen Sei⸗ ten, und mit großen Pavillons an den Ecken und über den Thoren. Es hat fuͤnf Stockwerk, die nach und 126 nach enger werden, und deren jedes Pavillons an ihren Ecken haben. Die Kuppeln dieſer verſchiedenen Pavillons ſind von weißem Marmor. Das übrige des Gebaͤndes iſt rother Stein, zuweilen mit weißem Mar⸗ mor gemiſcht. Der fuͤnfte oder obere Stock iſt ganz von weißem Marmor. Fenſter laufen rund umher. Die Pavillons dieſes Stockwerkes ſind gleichfalls Mar⸗ mor. Sie haben durch Gewitter und Erdbeben viel gelitten. Ein Pavillon iſt ganz zerfallen. Das Innere des oberen Stockwerks iſt kuͤnſtlich mit ſchwarzem Marmor ausgelegt. Die Buchſtaben geben verſchiedene Stellen aus dem Koran, und ſind vollkommen richtig geſchrieben. Auf jedem Stockwerk dieſes Gebaͤudes befinden ſich große Teraſſen, die zu den Zeiten der Kaiſer Jehanguir und Jehan mit Baldachinen von Goldſtoffe bedeckt waren, auf ſilberne Pfeiler geſtützt. Unter dieſer Decken Schatten beſprachen ſich die Mol⸗ lahs, oder mahomabaniſchen Prieſter mit gelehrten Maͤnnern. Der Haupteingang iſt ein großes Thor⸗ das in den Garten fuͤhrt, mit Marmor⸗Moſaik von verſchiedenen Farben geziert. An jeder Seite der Mitte ſind zwei Stockwerke, welche große Zimmer enthalten⸗ deren Bogen ſpitzig zulaufen. In der Mitte des obe⸗ ren Stockwerks iſt eine Thuͤre, uͤber welche ein Fen⸗ ſter und Gelaͤnder; jedes untere Zimmer hat ein Fen⸗ ſter. Die Mitte iſt hoch gewoͤlbt, und erbebt ſie be⸗ traͤchtlich uber beide andere, ſo eben beſchriebenen 127. Stockwerke. Hinter der Hauptſeite des Gebaͤudes ſte⸗ hen zwei Sarkophage von ſchwarzem Marmor auf viereckigten Saͤulen. An der Hinterſeite des Thores zwei Andere, die jenen Vorigen gehoͤrig entſprechen. Da dieſes Thor ein laͤnglichtes Viereck iſt, ſo ſtehen an jedem Winkel deſſelben Minarets von weißem Marmor, die ſich hoch erheben, und bis auf die Hälfte ihrer Hoͤhe ausgezackt ſind. Innerhalb der Minarets geht eine Treppe hinauf, zu den Ecken, welche ſie umgeben. Dadurch kommt man in eine offene Halle, deren Kuppel ſich faſt ſo hoch, als das Gebaͤude er⸗ hebt. Durch dieſe Halle, die Kaiſer Jehanguir, Acbars Sohn, mit Malerei und Vergoldung ſchmuͤcken ließ, die aber mit der Zeit verloren ging⸗ durch den Befehl Kaiſers Aurengzebs, der ſie weiß uͤberſtreichen ließ, kommt man in den Garten und er⸗ blickt das ganze Grabmal durch einen Zugang hoher Baͤume. Dieſer Zugang iſt mit Steinen gepflaſtert; in der Mitte ein großes Becken mit Waſſer gefuͤllt. Das Innere des Grabmals iſt eine große Halle, und endigt ſich in eine Kuppel. Wenige Fenſter derſelben ſenken ein ſchwaches Schauerlicht herab; das Ganze iſt mit weißem Marmor ausgelegt. In der Mitte liegt der Leichnam in einem Sarkophag von weißem Mar⸗ mor, darauf ſteht mit ſchwarzen Marmor⸗Buchſtaben nichts, als der Name: B Von der Hoͤbe der Minarets uͤberſieht man ein 128 unermeßliches Land, dreißig Meilen in gerader Rich⸗ tung, ganz eben, und mit Spuren ehemaliger Größe angefullt. Dieſer ſchoͤne Erdſtrich dient jetzt zum trau⸗ rigen Beweiſe der Folgen einer ſchlechten Regierung, unbeſchraͤnkten Ehrgeitzes und grauſenvoller Buͤrger⸗ triege. Aebars Grabmal umgeben viele andere Graͤ⸗ ler, unter welchen einige ſehr ſchoͤn ſind. Wahrſchein⸗ lich decken ſie die Ueberbleibſel gewiſſer Zweige ſeines Hauſes. Auf der Heerſtraße von Agra nach Delhi gibt es viele kleine Gebaͤude mit viereckigten Fußgeſtellen, auf welchen ſich ein Keil, ungefaͤhr 8 Fuß hoch er⸗ hebt. In dieſem Keile ſind eine Menge viereckigter Höhlen angebracht, worein man zum Schrecken des Volfes die Haͤupter der Miſſethäter ſetzte. Suͤdottlich der Stadt Agra liegt ein ſchoͤnes Denkmal, vom Kaiſer Schach Jehan ſeiner geliebten Gemahlin Taje Mahel errichtet, nach deren Namen es ge⸗ nannt iſt. In der Nahe dieſes Gebaͤudes war ein großer Baſar oder Marktplatz fuͤr die reichen Manu⸗ fakturen Indiens und fremder Laͤnder. Er beſtand aus ſechs Hoͤfen; große offene Hallen liefen rings umher. Teia Mahel erhebt ſich unmittelbar am Strom; ſein Grund iſt rother Dunderſtein. An den ußeren Enden ſind achteckigte Pavillons, jeder von drei Stockwerken Auf dem naͤmlichen Grunde ſteht an jeder Seite noch ein großes Gebaͤude, dem andern vollkommen aͤhulich. Jedes hat drei Kuppeln von ⸗ 129 weißem Marmor. Die mittlete Kuprel iſt groͤßer, als die uͤbrigen. Dieſes Grabmal iſt noch weit ſchoͤ⸗ ner und verſchwenderiſcher erbaut, als das Aebars, denn betrachtet man es am gegenſeitigen Ufer, ſo geben ihm die Vollkommenheit ſeiner Beſtandtheile, und die Trefflichkeit der daran gewendeten Kunſt, einen Grad von Schoͤnheit, welchen nichts uͤbertrifft, als ſeine Erhabenheit, Groͤße und Pracht im Allge⸗ meinen. Der ſchlechteſte Beſtandtheil des mittleren Gebaͤndes iſt weißer, und die Verzierungen vielfar⸗ biger Marmor ohne Glimmer⸗Theilchen. Das ganze ſcheint eine hoͤchſt vollkommene Perle auf himmel⸗ blauem Grunde. In den Garten, wo dies herrliche Gebaͤude ſteht, kommt man von der Gegen⸗Seite durch ein großes jierliches Thor von rothen Quader⸗ ſteinen und erſteigt eine hohe Treppe in dem Garten. Daſelbſt beſinden ſich Springbrunnen, die ſich aus einem viereckigten Becken von weißem Marmor er⸗ gießen. Der Garten und Springbrunnen wird auch beute noch gut unterhalten, indem Ländereien zum Unterhalte des Gebäudes ausgeſetzt ſind. Das Grab befindet ſich in einem untern Zimmer des großen Ge⸗ baͤudes. Dajeh Mahels Leichnam liegt in einem Sarkophage von weißem Marmor, im Mittelpunkte des Gebaͤudes. Dicht daran enthaͤlt ein Sarkophag den Leichnam ihres Gemahls Schach Jehan. Sieben Koß von Agra liegt Gougaut; fuͤnf Meilen von Gougaut weſtlich auf einer weiten Ebene 130 das Dorf Krowley. Hier iſt die Erde wenig beſtellt, der Boden locker und leicht. Unweit davon liegt die Stadt Futtypoor Sieri. Die Gegend iſt ſchlecht bebaut; nirgends iſt ein Baͤumchen zu ſehen, die Hitze bedeu⸗ tend, der Boden leicht, faſt ſo fein wie Staub. Un⸗ möglich kann beſchrieben werden, wie ungeſund und beſchwerlich es dem Reiſenden wird, wenn der heiße Weſtwind dieſen feinen Staub umhertreibt. Die Stadt iſt nicht klein, und in der Naͤhe derſelben ſin⸗ det man einiges, ziemlich beſtelltes Land. Auf dem Gipfel des hoͤchſten Huͤgels ſteht eine große Moſauee von Acbar im hohen Geſchmacke mohriſcher Bau⸗ kunſt errichtet. Den Huͤgel erſteigt man uͤber breite Stufen, bis zum Haupteingange, einem praͤchtigen Portale. Dann kommt man in ein großes gepflaſter⸗ tes Viereck. In ſeiner Mitte iſt die Moſguee; ringsum ſind Seitenzemaͤcher fuͤr die Prieſter. Am Fuße des Huͤgels ſind Truͤmmer eines großen geraͤn⸗ migen Palaſtes. Nicht ein Zimmer davon iſt uͤbrig⸗ geblieben, und nur das Hauptthor kann dienen, einen Begriff ſeiner vormaligen Schoͤnheit zu erwecken. Sieben Koß weiter liegt Siedpoor. Hier ver⸗ aͤndert ſich die Anſicht des Landes ungemein. Die Gegend ſuͤdweſtlich vom Dorfe iſt in der That außer⸗ ordentlich ſchoͤn. Hügel durchbrechen ſie, Thaͤler und Ebenen zwiſchen ihnen ſind wohl beſtellt. Hier um Siedpvor entſtehen haͤufige Stuͤrme. Der heiße Wind bewegt ſo viel Staub, daß man oft mehrere 131 Tage die Sonne nicht untergehen ſieht; denn große Randmaſſen ſchwimmen in der Luft, und verfinſtern den Dunſtkreis. Hoͤchſt bemerkenswerth bleibt noch die Feſtung Gwalior, im Herzen des eigentlichen Hindoſtan, auf einem Berge in der Mitte einer Ebene. Ihrer natuͤrlichen Lage nach, und der Verſtaͤrkungen wegen, welche die Kunſt hinzugefuͤgt hat, wird ſie von den Europaͤern das Gibraltar des Morgenlan⸗ des genannt. In der Geſchichte heißt ſie oft Haupt⸗ ſtadt eines reichen Gebiets. Um das Jahr 1008 wird dieſer Stadt zuerſt erwaͤhnt. In kriegeriſcher Ruͤck⸗ ſicht war ſie zu allen Zeiten ein Hauptpoſten, ſowohl wegen ſeiner Haltbarkeit, da man hoffen durfte, ſie leicht zu erobern, als auch wegen ſeiner Lage in poli⸗ tiſcher Hinſicht. Am nordweſtlichen Ende der Stadt ſteht die Citadelle voll ſchoͤner Gebaͤude, Waſſerbehaͤl⸗ ter, Brunnen und Ackerfelder, ein kleiner in ſich ſelbſt unabhängiger Bezirk. Die Stadt hat viele gutgebaute Haͤuſer, meiſtens aus Stein, und eine Moſguee. Durch Liſt gelang es dem Bberſten Popham, ſich dieſer Feſtung zu bemeiſtern. Einige Banditen der Gegend hatten einſt in der Stille der Nacht den Fel— ſen erſchlichen und erklettert. Als dies der Pberſt Popham erfuhr, ließ er einige ſeiner Spione von den Banditen an Drt und Stelle fuͤhren. Dieſe erklimm⸗ ten den Felſen und kamen mit der Nachricht zuruͤck, die Wache lege ſich gewoͤhnlich ſchlafen, nachdem ſie die Runde vollbracht habe. Dies benuͤtzte Pophamz 132 er ließ Leitern machen, Niemand wußte zu welchem Gebrauche. Hierauf ertheilte er einem Detaſchemeut unter dem Hauptmann Wilhelm Bruee Befehl⸗, ſich marſchfertig zu halten. Er ſelbſt ſtellte ſich an die Spitze zweier Bataillons zu ihrer Unterſtuͤtzung. Um alles Geraͤuſch zu vermeiden, bekamen die Sipovs wollene Schuhe mit Baumwolle gefüttert. Um 11 Uhr Nachts brach die Mannſchaft aus dem Lager Rey⸗ poor, 8 Meilen von Gwalior auf, und erreichte dieſen Prt auf unbeſuchten Wegen noch vor Tages⸗ Anbruch. Gerade da Hauptmann Bruce am Fuß des Huͤgels ankam, ſah er die Runde mit Fackeln um den Wall gehen, und hoͤrte die Schildwachen buſten, was bei den Hindoſtanern ein Zeichen iſt, daß Alles gut ſtehe. Nachdem die Fackeln verſchwun⸗ „ den waren, ließ er ſogleich hoͤlzerne Leitern an den Felſen lehnen, weichen ein Bandit erſtieg, und be⸗ richtete, die Wache habe ſich ſchlafen gelegt. Sogleich ſtieg der Ingenieur Lieutenant Cameron hinauf, und legte eine Strickleiter an die Schießſcharte des Walles an. Darauf ſtieg Bruee mit zwanzis Mann bis unter die Bruſtwehr, ſich dort verſteckend. Ehe er aber verſtaͤrkt werden konnte, waren drei ſeiner Leute ſo unvorſichtig, auf einige Soldaten der Beſatzung zu feuern, die neben ihnen im Schlafe lagen. Bei⸗ nahe waͤre das ganze Unternehmen geſcheitert: denn die Veſatzung, dadurch munter gemacht, lief. Haufen⸗ weiſe auf die Stelle, wo die Schüſſe ſielen. Doch 133 war die Zahl der Eingeſtiegenen ihnen unbekannt, und ſo ließen ſie ſich durch das lebhafte Feuer der wenigen Grenadiers zuruͤckhalten, bis hinlaͤngliche Unterſutzung nachkam. Dann zog ſich die Beſatzung in die innern Werke zuruͤck, that einige Schuͤſſe in die Luft, ert⸗ floh aber bald durch das Thor. Mit Verluſt zwanzig Verwundeter hatte der Oberſt Pogham dieſe Fe⸗ ſtung eingenommen. Waͤren nicht jene verruchten Banditen geweſen, haͤtte man nicht ſolche Liſt angs⸗ wandt, nie wuͤrde dieſe Feſtung genommen worden feyvn. Doch die Ennlaͤnder handelten edel: denn einige Zeit ſpäter lieferten ſie dieſelbe dem Rana von Gohd, dem hindoſtaniſchen Rajah wieder aus. So jeigt jedes Land ſeine Groͤße und ſeinen Heldenſinn; jedes ſeine Eigenthuͤmlichkeit, Sitte und Lebensart Jedem, der ſeine Kraͤfte zur wahren Beſchauung und Bewunderung der Allmacht Gottes anwendet. So zeigte ſich uns auch Dſtindien als ein, wiewohl noch nicht ganz vollkommen ausgebildetes Land, doch als ein Land, wo Kunſtfleiß, Ackerban und Bildung herrſcht. Dies beweist ihre Milde zu den Fremden, ihre im Frieden ſo bluͤhenden Aecker, ihre Sorge fuͤr das Wohl der Reiſenden, und ihre prächtigen Moſaueen und großen Gebaͤude.— Möge der Friede dieſes Land begluͤcken, damit es empor⸗ ſtrebe, noch mehr an Civiliſation zunehme, und zu der Hoͤhe gelange, die e zu erreichen ſtrebt. „ Reiſe in das Indiſche Meer auf der Fregatte Niſus während der Jahre 1810 bis 1811 von James Prior. Aus dem 5 Engliſchen überſetzt. Sit ein Schiff nach dem Cap der guten Hoffnung ab, ſo erblickt man anfangs nichts, als unfruchtbare Trümmer von Felſen und Erde, welche die Seefahrer Deſerters nennen. Aber entzuͤckend fuͤr Matroſen und Reiſende iſt der Anblick von Ma⸗ dera bei einem ruhigen Tage, wenn die Sonne mit ihren Strahlen die Inſel beſcheint. Das Land erhebt ſich vom Strande zu einer betraͤchtlichen Hoͤhe, iſt mit Waͤldern bedeckt, und hat in den Vertiefungen die uͤppigſte Vegetation. Abwechſelnde Weinberge⸗ einzeln ſtehende weiße Haͤuſer vollenden das Gemaͤlde, und bringen die herrlichſte Wirkung hervor. Doch die Taͤuſchung ſchwindet, ſobald man die Stadt Funchal betritt, die einzige auf der Inſelt 135 denn hier erblickt das Auge nichts, als kahlkoͤpfige Moͤnche und barfuͤfige Bauern. Bei jedem Schritte machen unverſchaͤmte Bettler Angriff auf die Gutmuͤ⸗ thigkeit der Reiſenden. Sie hat enge ungleiche Straſ⸗ ſen, die mit Koth und in Faͤulniß uͤbergegangenen Pflanzen Stoffen bedeckt ſind, duͤſtere, einzeln ſtehende Haͤuſer, die Gefoͤngniſſen gleichen, wenige und ge⸗ ſchmackloſe Kirchen. Die Meiſten der niederen Volks⸗ klaſſe ſind ohne die mindeſte Beſchaͤftigung. Die Vor⸗ raths⸗Haͤuſer haben ein ſchlechtes Ausſehen, ſind aber doch mit gutem Weine angefuͤllt. Nur das Innere einer Kapelle, Namens Golgatha, iſt beruͤhmt. Sie iſt mit Todtenkoͤpfen und anderen Menſchen⸗Gebeinen auf gar ſeltſame und ſorgfaͤltige Art der Reihe nach ausgeziert. Einige Moͤnche, die dieſe Ueberbleibſel zeigen und vorgeben, als gehoͤrten ſie abgeſchiedenen Gliedern ihres Ordens, ſprechen die Reiſenden um milde Gaben an. Eben ſo wenis einladend, als die Stadt, iſt die Rbede. Faſt immer iſt ſie, zum großen Schrecken der Seefahrer, den Winden ausgeſetzt, und wuͤrde leicht die Beute eines kuͤhnen Feindes werden koͤnnen. Auch der Ankergrund iſt ſchlecht, und die Brandung ſo groß, daß man faſt nie landet, ohne ſtark durchge⸗ naͤßt zu werden. Die Ausſicht vom ufer, wo man den Lov⸗Felſen, die Forts, das Kloßter uͤberſieht, iſt in vieler Hinſicht entzuͤckend. Die wohlbekannte Heilkraft des Klima's von 136 Madera verleitet oft Kranke, die an Lungen⸗Be⸗ ſchwerden leiden, dahin ſich zu begeben, um hier, wenn nicht voͤllige Herſtellung, doch wenisſtens ein verlaͤngertes Lebensziel zu erhalten. Die Einwohner gleichen den Mulatten; denn ſie ſind immer der Sonne ausgeſetzt. Die Maͤnner haben kraͤftige und maͤnnliche Zuͤge; die Weiber, nur ſehr wenige ausgenommen, ſind hager und zufammen⸗ geſchrumpft. Beinahe Wunder wirkt bei ihnen der Anblick des Goldes; Streitigkeiten eieben uͤber den Beſitz desſelben. Mehr als so Meilen von Madyri liegt Palma, nüchſt dieſem die Inſel Ferro. Hat das Schiff dis Linie paſſirt, ſö zeigt ſich die Inſel Trinidad. Sie iſt ihrer Namensſchweſter in Weſt⸗Indien ſehr un⸗ gleich, hat ungefaͤhr s Meilen im Umfange, iſt hoch und zackig, und ſchwer zu erſteigen. Einige Baͤche, mit ſuͤßem Waſſer, fließen in die See; und einzelns Buͤſche baben zuweilen hieher verſchlagenen Schiffen einen geringen Vorrath an Brennmaterial verſchafft. Auf einer Seite erhebt ſich ein eylinderfoͤrmiger Fel⸗ ſen, der Nine⸗Pin, zu einer bedeutenden Hoͤhe; auf der andern ein noch hoͤherer, in Geſtalt eines Zuckerhutes, mit verkruͤppelten Straͤuchern bedeckt. Allein eine groͤßerere Merkwuͤrdigkeit iſt ein hoher natuͤrlicher Bogen, auf einem jaͤhen Vorſprunge des Landes, durch welchen die See mit gloßem und hef⸗ tigem Geraͤnſche bricht. Im Mittelpunkt der Inſel 137. ſoll, nach Nachrichten von Kaufleuten, die hier lan⸗ deten, ein kleiner See ſeyn, de, einige Fiſche enthaͤlt. Wilde Schweine und Ziegen, die es ſonſt in Menge gab, ſind jetzt faſt ausgerottet. An der Simons⸗ bay liegt die Stadt Simon, ein ſo armſeliger Ort, daß ein Fremder bei dem erſten Anblick in Verſuchung geraͤth, ſich einen aͤrmlichen Begriff von einer Colonie zu machen, die in Europa von der hoͤchten Wich⸗ tigkeit fuͤr England gehalten wird. Sie beſteht aus 40 Haͤuſern, die auf einer, das Ufer beherrſchenden Hoͤhe liegen, welche durch ſteile, aber unfruchtbare Huͤgel eingeſchloſſen iſt. Die Haͤuſer ſind nett, ſo⸗ wohl von Aufen als von Innen. Das ebene Land iſt ſo reich an Steinen, ſo arm an Waſſer, daß es keines Anbaues faͤhig iſt. Die Straße nach der Capſtadt iſt dem Lande angemeſſen, ſie geht uͤber Steine oder tief im Sande, und windet ſich unaufhorlich rund um den Fuß un⸗ fruchtbarer Huͤgel, am Rande kleiner Buchten dieter Bai hin. An dieſer Straße liegt Muſenburg, ein militaͤriſcher Poſten. Dieſem zunaͤchſt liegt Wyn⸗ neberg, ein freundliches, einzeln liegendes Dorf, mit Wohnungen fuͤr Reiterei und Fußvolk, indem es zuweilen den Truppen aus der Capſtadt zum Som⸗ mer⸗Lager dient. Hier befindet ſich auch eine Abthei⸗ lung des Hottentotten⸗Regiments. Dieſe Leute ſind gewöhnlich erfahrne Bogenſchuͤtzen, und gute leichte Zruppen. Im Manoͤvriren ſind ſie nicht 75. Bd. Indien, II. 2. 3 1385 fonderlich, doch koͤnnen ſie große Beſchwerden ertra⸗ gen, und verrichten beinahe alle niedrigen Arbeiten der Kolonie. Die Cap⸗Stadt iſt ſchön, ihr Anblick ergoͤtzend. Die Straßen durchſchneiden einander in rechten Win⸗ keln. Die Haͤuſer, ohne Ausnahme weiß, die Holz⸗ Arbeit aber an denſelben gruͤn angeſtrichen, ſehen hei⸗ ter und huͤbſch aus. Alle haben einen Vorſprung⸗ der dem Auge des Fremden ſogleich auffaͤllt. Dies iſt eine Plateforme von Erde, zwei, vier, ja ſo⸗ gar fechs Fuß hoch, beinahe eben ſo breit, und mit Fließen oder Backſteinen gepflaſtert. Dieſes Stoub⸗ wie ſie es nenuen, macht den Lieblings⸗Spaziergang der Familie aus. Voruͤbergehende haben kein Recht, ſich hier einzufinden, und ſind daher vom Fußpfade in die Mitte der Straße verdraͤngt; Stuffen fuͤhren zu denſelben. Die Haͤuſer ſind groß, die Zimmer geraͤu⸗ mig, aber ſelten gut meublirt. Waͤhrend der druͤcken⸗ den Sonnenhitze wohnen faſt alle Familien in den Vorſalen, und gehen nur zum Schlafen in die Zim⸗ mer. Kauflaͤden gibt es ziemlich viele; da ſie aber zeine Aushaͤngeſchilde oder andere Kennzeichen haben, ſo ſind ſie ſchwer zu unterſcheiden. Das Stadthaus auf dem Marktplatze, das Theater auf dem Hottentottenplatze, das Gou⸗ vernements⸗Haus, das Caſtell, und ihm faſt gegenuber eine Reihe Baraken, machen die wriuglichſten oͤßfentlichen Gebaude der Cap⸗Stadt aus. An dieſe ſchließt ſich ein huͤbſcher Parade⸗ latz. 3 Auf dem halben Wege nach den Gouvernements⸗ Gaͤrten iſt die Wohnung des Gouverneurs, ungefaͤhr mit einem buͤrgerlichen Landhauſe in der Naͤhe von London zu vergleichen. Leichtigkeit des Zutritts und Puͤnktlichkeit in Dienſtgeſchaͤften, verbunden mit gro⸗ ßem Eifer fuͤr das Gedeiben der Kolonie, wie Ge⸗ fäͤligkeit iſt vorherrſchender Charakter des Gouve⸗ neurs Lord Caledon. Das Caſtell iſt ein altes, vermoge ſeiner Lage ſchlecht befeſtigtes Gebaͤude. Es enthaͤlt außer dem Hauſe des Kommandasten, der Leihbank, dem Wal⸗ fenhauſe, der Druckerei und andern oͤffentlichen Ge⸗ baͤuden, noch Wohnungen fuͤr ein Linien⸗Regiment, und zwei Kompagnien Artillerie das Seearſenal iſt ganz unbedeutend. Schiffe von einiger Größe können der Kuͤſte nur bis auf eine Meile nahe kommen, und es iſt kein Ort in der Kolonie, wo Kriegs⸗Schife kalfatert werden können. In der Heene Gracht kommen Müſſiggaͤnger aller Art zuſammen; daher man ſie woht die Bonde Straße der Cap⸗Stadt nennen könnte. Hier ſteht die reformirte Kirche, in welcher der Kaplan der Kompagnie, Sonutags für die Englaͤnder, zwiſchen der Vor⸗ und Nachmittags⸗ Predigt, Gottesdienſt haͤlt. In dieſer Kirche ſind Maͤnner und Frauen getrennt. Die Frauen ſitzen auf Stuͤhlen rings um die Kanel, die Manner hinter „ 140 denſelben auf Bänken. Der lutheriſchen Kirche in der Strand⸗Straße war unter den Hollaͤndern nicht erlaubt, eine Orgel zu baben. Doch iſt der Zu⸗ ſtand der religioͤſen Gefuͤhle eben ſo gut hier, oder vielmehr beſſer, als in den meiſten anderen Kolonien. Zuweilen kommen Miſſionarien aus England hieher; allein dieſe ſind vft nicht gluͤcklich, meiſtens werden ſie verhoͤhnt. Die Maͤhriſchen Bruͤder ſcheinen in ihrem wichtigen Berufe gluͤcklicher, als die andern geweſen zu ſeyn. Der Hottentotte iſt, wie jedes ander⸗ Volk im rohen Natutzuſtande, ein wanderndes muͤſ⸗ ſiges Thier, der auf den morgenden Tag nicht denkt, Arbeit haßt, Schmutz und ein kuͤmmerliches Daſeyn, nebſt Traͤgheit, den mit der Arbeit verbundenen Be⸗ guemlichkeiten des Lebens vorzteht. Ja Beiſpiele gibt es, daß ſie Jahre lang treue Dienſte leiſteten, ploͤtz⸗ lich aber von einem Anfalle des Muͤſſiggangs und Herumſchweifens ergriffen, ihrem Herrn entliefen, ohne zu wiſſen, wovon ſie leben ſollten. Achtzig Meilen von der Cap⸗Stadt liegt Ba⸗ vians Klvof. Dieſer Ort wurde, hoͤchſt uner⸗ wartet, durch ein Erdbeben in die groͤßte Beſtuͤrzung gebracht. Der Wind hatte einige Tage aus Suͤd⸗Pſt ge⸗ weht, als eine ploͤtzliche Windſille eintrat. Nicht eine Wolke bedeckte um dieſe Zeit den Himmel; der Mond ſchien hell; die Straßen waren leer; die thaͤtigen 141. und haͤuslichen Coloniſten waren, nach ihrer Gewohn⸗ heit, im Begriff ſich zur Ruhe zu legen; die Wellen der Bai ſchienen voͤllig ruhig zu ſeyn, und die ganze Natur ſchien bereit, jene Ruhe zu genießen, die dem Menſchen ſo erquickend iſt. Doch nicht lange dauerte dieſe Ruhe. Ein heftiger Knall erſchuͤtterte die Erde. Die Einwohner, unkundig einer ſolchen Begebenheit, blieben einige Zeit vor Schrecken unbeweglich. Doch ein zweiter Stoß ſetzte ſie in groͤßten Schrecken. Ueber⸗ al herrſchte Furcht, Angſt und beinahe Verzweiflung. Das Rufen der Maͤnner, die hin und herliefen, ohne zu wiſſen, wohin, das Kreiſchen der Weiber, das Geſchrei der Kinder, die alle halb oder ganz nackt waren, das tumpfe Toſen der Brandung, das Heulen der Hausthiere, machte die Seene grauſenhaft. Kranke, Alte und Gebrechliche, denen der Schrecken auf einen Augenblick Kraft verlieh, fluͤchteten ſich, zugleich mit den andern, auf Plaͤtze, Straßen und Felder. Keiner wußte einen ſichern Zufluchtsort; denn kein Ort war ſicher. Haͤuſer drohten einzuſtuͤrzen, die See ſie zu verſchlingen, und die Erde, ihren weit gaͤhnenden Schlund zu oͤffnen und ſie lebendig zu begraben. Die Singebornen ſahen es als Strafe Gottes an, fuͤr die Suͤnden, die ſie begangen hatten. Blbeln und Gebet⸗ buͤcher wurden ſo geſucht, daß der Vorrath davon in der Cap⸗Stadt bald erſchoͤpft war. Auch die Kir⸗ chen waren voller, als man je zuvor geſehen. Die Maſeapeniſche Inſel Bourbon, oder 142 Isle de Reunion oder Buvnaparts⸗Inſel wurde in der erſten Haͤlfte des 26ten Jahrhunderts entdeckt durch Spaniſche und Portugieſiſche Schiffer, aber erſt mehr als hundert Jahre ſpäter in Beſitz ge⸗ nommen und angebaut. Sie wurde ſehr haͤufig, waͤh⸗ rend dieſer Zeit, von Seeſahrern beſucht, um Erfri⸗ ſchungen einzunehmen, Waſſer, Vegel und Fiſche waren die vorzuglichſten Artikel, die man dort ein⸗ nahm; denn die Erzeugniſſe des Pfſanzenreichs waren zum Futter nicht recht tauglich, und vierfuͤßige Thiere gab es, außer Affen, gar nicht. Aber es war damals ſo wie jetzt der Brauch der Seeleute, einen Theil ibres lebendigen Viehes auf einzelnen Inſeln, die ſie auf ihrer Fahrt beruͤhrten, auszuſetzen, um ſo dem Mangel abzuhelfen. Dieſe vermehrten ſich ſchnell, und ſo hatte man eine bedeutende Huͤlfsquelle, drcken⸗ der Noth ſchnell abzuhelfen. So wurden viele Plaͤtze im Oeean, die wuͤſte gelegen wären, durch die Por⸗ tugieſen mit Thieren verſehen, und zum Anbau geſchickt. Die Inſel hat ungefaͤhr aso engliſche Meilen im Umfange und iſt an Geſtalt faſt eirkelrund. Auf allen Seiten erhebt ſie ſich von der See aus gewiſſermaßen jhlings, indem Hugel auf Huͤgel gethuͤrmt, ſich nach und nach erheben, die ſcheinbar getrennt, doch unter ſich verbunden ſind. In einiger Entfernung gleicht ſie einem Kegel, der groß und abgeſtumpft iſt. In der That verdient ſie den Namen eines hohen Ber⸗ 143 ges, einer Art feſter Kuppel, in diefem Theile des Indiſchen Oeeans, deren Woͤlbung hie und da durch tiefe enge Thaͤler, jaͤhe Abgruͤnde, einige wenige chmale Baͤche, und in vorigen Zeiten, durch dicke und undurchdringliche Walder, durchſchnitten iſt. Durch drei Einſchnitte iſt der Gipfel in drei Spiten getheilt, die Saloſſes heißen. Ueberreſte von einem unterirdiſchen Feuer findet man auf der ganzen Inſel⸗ Der noch brennende Vulkan, der Bourbon einige Jahre beruͤhmt machte, liegt auf der Suͤdſeite der Inſel, nur 12 Meilen von der See. Es iſt ſchwer diſen Crater zu beſteigen, und lohnt nicht der Muͤhe. Min hoͤrt zuweilen ein dumpfes, dem Donner aͤhm lichs Branſen, das, wiewohl es bis jetzt noch keinen Scaden verurſachte, doch fuͤr die Zukunft nachthei⸗ lige Folgen haben kann. Der Boden der Inſel iſt im allgemeinen gut; aus⸗ genonmen in den höheren Theilen, die ſteinig und duͤrr ind. Doch erſetzen die Thaͤler dieſen Mangel reichlih, durch eine uͤberfluͤſſige Vergeltung der Ar⸗ beiten des Landmannes. Kaffee und Baumwolle ſind die Aufuhr⸗Artikel. Jedoch koͤmmt erſterer nicht überall ir der Inſel gleich gut fort. Die Baumwolle ſchaͤtzt mu hier, ihrer Guͤte wegen, faſt ſo hoch; je⸗ doch ſeit Kurzem hat die haͤuſige Duͤrre, und die durch Intkten entſtandene Verheerung, die Pflaner dahin gebrcht, ihre Aufmerkſamkeit anderen Gegen⸗ ſtaͤnden zu widmen. So iſt von groͤßter Wichtigkeit 144 fuͤr die Bevoͤlkerung, der Waien, Mais, Caſſava und Yamswurzel. Fruͤchte gibt es in großer Menge; Ananas, Granataͤpfel, Drangen, Bananen, Piſanfein gen, Cocosnuͤſſe, Melonen, Himbeeren und noch unzaͤhlige andere. Das Klima von Bourbon iſt koͤſtlich, denn 5 es gleich heftige Regenguͤſſe waͤhrend der ſtuͤrmiſchen Monate gibt, ſo hat dies doch keine uͤbeln Foigen, da die Winde in jener Zeit alle ſchaͤdlichen Ausduͤn⸗ ſtungen wegfuͤhren. ULeberhaupt iſt der Himmel klat und heiter, der Nachtthau nicht laͤtig, die Seeluſt erfriſchend, die Anſicht des Landes hier und da wid und romantiſch, und im Allgemeinen zur Ruhe ind Stille einladend. Der auswaͤrtige Handel beſchrinkt ſich blos auf die Inſel Mauritius; daher koͤmte man Bourbon das Land nennen, deſſen Stadt und Hafen die Moritzinſel iß. An der St. Pauls Bai liegt die ihr den Nmen gebende Stadt St. Paul. Sie war ſonſt die Faupt⸗ ſtadt der Inſel, jetzt iſt ſie die zweite. Sie it weit⸗ laͤufig gebaut und liegt hart am Rande der Bucht. Die Haͤuſer ſind, wenige ausgenommen, vn Holz. Die meiſten ſind von einander getrennt; and mit Gaͤrten und Baumen umgeben, wodurch,»a ſie zu⸗ gleich Gitter, oder offene Fenſter haben, ud ſo der Seeluft freien Zugang geſtatten, die Zimme vft kuͤh⸗ ler werden, als man ſonſt wohl erwartn moͤchte. Auch des Nachts werden ſie ſelien in den beren Zim⸗ 145 mern zugemacht, da die Luft trocken iſt, und keine üble Wirkung hat. Doch die Muſtitos, die ſchlimm⸗ ſten Feinde der ſtillen Ruhe, ſind ſowohl durch ihren Biß, als ihr Sumſen ſehr laͤßtig. Wenige Privathaͤuſer ſind groß oder anſehnlich. Einige der beſſern gehoͤren der Regierung an, als Vor⸗ rathshaͤuſer, Kaſernen, Wohnungen fuͤr Pffiziere und Civilbedienten. Die Laͤden ſind aͤrmlich und die Waaren unbedeu⸗ tend. Die Straßen ſind ſandig, unregelmaͤßig. Zur Rechten von St. Paul, in einiger Entfernung, ſind zwei oder drei geraͤumige natuͤrliche Hoͤhlen, von de⸗ ren eine mehr als hundert Mann faſſen ſoll. In den benachbarten Gaͤrten ſieht man eine vegetabiliſche Merk⸗ wuͤrdigkeit. Sie beſteht aus zwei Tamarindenbaͤumen, die einige Fuß aus einanderſtehen, und durch einen dicken horizontalen Zweig in Form des Buchſtaben H verbunden ſind, ſo daß aus beiden Baͤumen einer wird; und die Verbindung iſt ſo vollkommen, daß es un⸗ moͤglich iſt, zu ſagen, von welchem dieſer Swiſchen⸗ raum urſpruͤnglich ausging. Die Hauptſtadt St. Denis liegt 24 Meilen von St. Paul. Die Straße iſt uneben, und hat hier und da romantiſche Ausſichten. Zu Waſſer iſt der Weg langweiliger, da ihre Lage gegen den Wind iſt. Wie St. Paul, iſt auch ſie von der See umgeben; doch jener Stadt vorzuziehen, da ſie groͤßer und volk⸗ reicher iſt, beſſere Haͤuſer und gepflaſterte Straben 146 dat, und durch anſehnliche Feſtungswerke beſchutzt wird Sie dient dem Gouverneur, ſo wie den erſten Staats⸗Beamten zum Aufenthalte, ſo wie auch den reichen Leuten, und enthaͤlt uͤberdies die oͤffentlichen Gebaͤude, Baraken und Vorrathshaͤuſer fuͤr die Pro⸗ dukte der Inſel. Da aber die Rhede offen iſt, ſo wird dadurch der Ankerplatz unſicher und die Bran⸗ dung iſt ſo ſtark, daß es gefaͤhrlich iſt, ſich mit fri⸗ ichem Seewinde zu nahen. Sehr oft ſind Schiffe an's Ufer getrieben worden und geſcheitert. Das Landen iſt daher oft ganz unmoͤglich, und bei einem nahen Sturme iſt es überhaupt kluͤger, die offene See zu ſuchen. 2 Die Einwohner beſtehen aus einem gemiſchten Beſchlechte von beinahe allen Nationen und Farben, denn als man die Inſel zuerſt entdeckte, war ſie un⸗ bewohnt. Seeraͤuber aus Madagaſear ſcheinen die Erſten geweſen zu ſeyn, die ſie regelmaͤßig beſuchten. Einige von den de Witte's auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung ſollen ehenfalls von einem Anfuͤh⸗ der dieſer Seeraͤuber White abſtammen. Erſt im J. a667 machten Einige von der Fran⸗ zöſiſchen Kolonie in Madagaſear, die da⸗ mals unter Herrn Flarourt ſtand, den erſten regel⸗ maͤßigen Verſuch zu einer Kolonie. Die Seeraͤuber kamen, uͤber ein halbes Jahrhundert fort, immer wie⸗ der, und ſiedelten ſich, als die ſtaͤrkere Parthei, da au, wo ſie wollten. Unterdeß kamen andere Koloni⸗ 147 ſten aus Indien und Eurvpa, ſo daß die ſetzige Bevoͤlkerung aus Negern, die von den erſten Be⸗ wohnern eingefuͤhrt wurden, aus Mulatten, Creo⸗ len, Indiern und Weißen, und faſt allen euro⸗ paͤiſchen Laͤndern entſtanden iſt. Daher ſuchen dis europäiſchen Franzoſen, die ſich hier niederlaſſen, etwas darin, die Eingebornen verächtlich anzuſehen. Die Maͤnner ſind nuͤchtern und maͤßig, die Fraues kraͤftig. Beide Geſchlechter ſind heiter, lebendig und ſchwatzhaft. Ihre Sitten ſind einfach und gaſtlich, ihre Kenntniſſe beſchraͤnkt. Maͤngel und Wünſche ha⸗ ben ſie nur wenig. Vor der noͤrdlichen Küſte der Moritz⸗Inſel liegen 4 kleine Inſeln, naͤmlich die runde, Schlan⸗ gen⸗, die platte und keilfoͤrmige Inſel. Dio runde Inſel, die am fernſten von der hohen Seo liegt, iſt ungefaͤhr gleich weit von Grand⸗Pors und Port⸗Louis. Die keilfoͤrmige Inſel, oder Kanonnierkeil⸗Inſel liegt 11/½2 Meile von Mau⸗ ritius entfernt. Ihrer Geſtalt nach iſt ſie merkwuͤr⸗ dig. Die platte Inſel, die ſchoͤnſte und groͤßte der Gruppen, bei der man landet, liegt etwas Meilen von der hohen See. Mauritius oder Isle de France, etwa 35 Meilen lang, und 37 Meilen breit. Der Boden iſt rother broͤcklicher Thon, mit Eiſenoxyd geſchwaͤn⸗ gert, der leicht in der Hand zu Staub wird. Die Juſel iſt obne Zweifel vulkaniſchen Urſprunges, ihre 148 Druͤmmer alter Ausbruͤche, welche zu verſchiedenen Zeiten gefunden wurden, ſcheinen die Sache außer Zweifel zu ſetzen. Der Boden iſt des Anbaues un⸗ gen Forderungen, zur Feuerung, Bauen und anderen baͤuslichen Beduͤrfniſſen ſehr ausgehauen ſind. Eine die Anpflanzungen, welche, ſo wie in den Bergen und unbeſuchten Theilen, dicht mit Unterholz unter⸗ trefflich; der Ebenholzbaum aber ſchlecht. Unter den Straͤuchern ſindet man den Hollunder, den Jasmin, die Gewuͤrzuelke und den Pfeffer, nebſ mehreren weniger bekannten. Piſangfeigen, Bananen und Melonen in Menge; Aepfel und Drangen ſind klein und von keinem beſonderen Geſchmacke; Pfir⸗ Die Pompelmus, die der weſtindiſchen Ananas am zarten Geſchmacke gleich iſt, kommt hier ſelten zur die Kartoffeln werden von Bourbon eingeführt. miſcht ſind. Da aber die Baͤume oft vom Winde lei⸗ den, und nicht groß ſind, taugen ſie nicht zum Schif bau. Der Eiſenholz⸗ und der Rothholzbaum ſind vyo⸗ Die geſchaͤtzteren Produkte beſtehen in Zucker, Indigo unebenheiten, die Lava, etwas Bimsſtein und andere faͤhig, daher ganze oͤde Striche Landes. Fruͤher war ſie ganz mit Waͤldern bedeckt, die durch die beſtaͤndi⸗ große Menge bleibt jedoch noch zur Zierde rund um ſchen und Weintrauben ſind ſchlecht, dagegen Man⸗ go's, den beſten im In diſchen Continente gleich. Reife. Kuͤchengewaͤchſe ſind reichlich vorhanden; und ⸗ Caffee, Gewuͤrznelken, Baumwoll“, Waien, Mais, Hirſe und einige andern. Von beſonderer Guͤte iſt der Waizen, allein ver⸗ heerende Orkaue zwangen die Einwohner, ſogar vom Vorgebirge der guten Hoffnung, Lebensmittel zu ho⸗ len, um ſich vor dem Hungertode zu retten. Aus eben dieſer Urſache hat man Mauritius fuͤr unfaͤhig gehalten, ſich ſelbſt zu verſorgen, vorzuͤglich waͤhrend einer Blokade. Ein weſentlicher Nachtheil fuͤr die innere Deko⸗ nomie der Inſel iſt der Mangel an Rindvieh, weil es an guten Weiden feh't. Der groͤßere Theil der Con⸗ ſumtion an Hornvieh wird aus Madagaſear einge⸗ führt. Doch gedeihen die Ziegen, ſo wie auch Schweine in Menge vorhanden ſind. Auch die Kuͤſte liefert reich⸗ liche Fiſche; votzuͤglich liefern ſehr ſchoͤne und große, alle fandigen Inſelchen, die nordweſtlich vvn Mauri⸗ tius liegen. Die Hausthiere zum Vergnugen, be⸗ ſtehen aus Pferden, Maulthieren und Eſeln; beide letzteren gebraucht man vorzuͤglich zum Reiten. Hart iſt das Loos der Selaven, die meiſtens Ne⸗ ger ſind. Sie muͤſſen ungeheuere Laſten ſchleppen, ſo daß Pferde und Eſel zu nichts anders verwendet wer⸗ den, als, wie geſagt, zum Reiten; und wuͤrde der Ruͤcken des Negers bequem zum Sattel ſeyn, ſo wuͤrde man dieſe Ungluͤcklichen auch hiezu gebrauchen. Ein Korallenriff laͤuft, in geringer Entfernung vvm ufer, rings um die Inſel. Es hat jedoch verſchiedene 150⁰ Durchfahrten Fuͤr Boͤte, und ſogar fuͤr Schiffe. Der vor dem Winde liegende Hafen Port⸗Sud⸗DOſten, Port Bourbon, oder auch Port⸗Grand⸗Port ſcheint groß, iſt aber in der That durch Untiefen, die hier haͤufig ſind, ſehr beſchraͤnkt, und wird der Schiff⸗ fahrt gefaͤhrlich. Isle de Paſſe bildet und be⸗ berrſcht zum Theil den Eingang, der jedoch nicht ſehr geraͤumig iſt. Dies mit dem noch verbunden, daß der Wind beinahe immer gerade hineinblaͤst, macht die Ein⸗ und Ausfahrt der Schiffe zu allen Zeiten ſchwierig. An der entgegengefetzten Seite der Inſel, gerade unter dem Winde der vorigen, liegt Port⸗Louis oder Port⸗Nord⸗Weſt. Es iſt ein ſchmaler Lan⸗ dungsplatz, etwas mehr als eine Meile lang, feſt und ſo ſicher, als es der gelegentliche Beſuch der Sturm⸗ Winde einem Drte hier nur immer geſtattet, es zu ſeyn. Ihre Breite betraͤgt soo Schritte. Ein Riff laͤuft laͤngs ſeiner Muͤndung und wird durch Tonnen bezeichnet; aber wegen des Windes, der beſtaͤndig weht, ankern die Schiffe nahe dabei unter den Kano⸗ nen der Inſel Tonnelier und werden dann vollends in den Hafen gezogen. Der Nachtheil dieſer Lage wird jedoch reichlich durch die Leichtigkeit erſetzt, wo⸗ mit ſie ausſegeln. Er enthaͤlt uͤberdies das Sce⸗Ar⸗ ſenal, gibt der einzigen Stadt in der Inſel den Na⸗ men und iſt geraͤumig genug, um alle Schiffe aufin⸗ nehmen, die der Handel in dieſe Gegend fübrt⸗ . 151 Das Theater iſt ein großes hoͤlzernes Gebaͤnde, und dem Steine aͤhnlich ſo gut gemalt, daß, in einer kleinen Entfernung, die Taͤuſchung vollkommen ißt. Die Lage iſt angenehm und frei, da es in einem offe⸗ nen Vierecke liegt. Vor derſelben ſind einige Baͤume und gruͤner Raſen, ſo daß bei einem großen Feſte vor dem Haufe mit einiger Geſchicklichkeit, ein laͤndliches Feſt zu dem Spiele im Innern hinzugefuͤgt werden kann. Das Innere iſt ſehr gut verziert. Auch Deko⸗. rationen, Kleidung und Schauſpieler erhalten vom Volke Beifall. Die Logen ſind nicht von einander getrennt, doch gibt es vier huͤbſche Theaterlogen fuͤr die hoͤchſten Civil- und Militaͤrbehoͤrden. Das Lyeeum, in welchem fruͤher 3 bis 400 Kna⸗ ben erzogen wurden, iſt das groͤßte Gebaͤude in der Stadt. Das Aeußere iſt prachtvoll; aber das Innere enthaͤlt wenig mehr, als einen großen Saal. Wenn man durch die rechte Seite der Stadt, den Malabar⸗ Bezirk kommt, wird das Auge durch eine unendliche Mannigfaltigkeit der Geſichtsfarben ergoͤtzt. Euro⸗ päer, Malaien, Mulatten, ſo wie Neger trifft man hier an. Der Markt wird auf der Strate Champ de Mars gehalten, und jeden Morgen, mit Tagesan⸗ bruch durch die vielfarbigen Verkaͤufer der Gaͤrtner⸗ waaren angefuͤllt. Kaum iſt eine Stunde der Sag an⸗ zebrochen, ſo iſt kaum noch etwas zu haben. Zwiſchen den binteren Theilen der Stadt und den 152 Bergen liegt das Marsfeld, eine groͤne Ebene von ungefaͤhr einer Meile im Umfange. Es iſt nicht nur der Exerzierplatz, ſondern auch ein Lieblingsſpaziergang des ſchoͤnen Geſchlechts. Vorn und ein wenig zur Rechten des Hafens iſt ein Waſſerbehaͤlter, der mit demſelben in Verbindung ſteht. Hier werden Schiffe gekalfatert, aber das ge⸗ ringere Steigen der Fluth wird immer das Anlegen von Schiffs⸗Werften verhindern. Duer vor dem Ein⸗ gange in dieſe Bucht war fruͤher ein Felſenriff, wel⸗ ches La Bourdonnats gleich Anfangs ſich be⸗ mübte, hinwegzuſchaffen; es iſt ſeitdem ſo ſehr daran gearbeitet worden, daß Schiffe, die 16 Fuß tiefe ha⸗ ben, ganz ſicher einlaufen koͤnnen. Auch ein gutes Hoſpital, welches 300 Kranke auß⸗ nehmen kann, iſt vorhanden; die Lage iſt zwar be⸗ guem, aber vielleicht zu beſchraͤnkt, um geſund in ſeyn. Das Innere jedoch iſt gut eingerichtet, die Zimmer werden vft geluͤftet, und das glatte Dach, von welchem man eine gute Ausſicht auf die anſtoßends Kuͤſte und das Land hat, und welches der Seeluft zu⸗ gleich ausgeſetzt iſt, macht einen angenehmen Spatier⸗ gang fuͤr die Geneſenden. Verbunden mit dem Ho⸗ ſpital war ein Verein junger Frauen, welche unter der Aufſicht von Matroſen fuͤr viele Beduͤrfniſſe des Hauſes ſorgten; denn das Lindern menſchlicher Leiden iſt immer den mildern Gefuͤhlen dieſes Geſchlechts be⸗ ſonders angemeſſen geweſen. —————— 153 Zur Linken vom Hafen zeigt ſich ein kleiner Thurm oder eine Warte, zum Nutzen der Steuermaͤnner⸗ Signale, welche das Annaͤhern der Schiffe von der Seeſeite angeben, geſchehen von zwei Bergen aus, die den Namen„Eutdeckung“ fuͤhren; der zur Linken iſt der groͤßte. Die Blbliothek, nur wenige Schritte von der Boͤrſe, enthaͤlt beinahe s0,000 Baͤnde, die Fedem zu Dienſte ſtehen. Sie gehoͤrte zuerſt mehreren Beſitzern, iſt aber jetzt das Eigenthum eines Einzigen geworden. Richt ſelten ſind Wirbelwinde und Dreane auf dieſer Inſel anzutreſſen. In gewiſſen Jahreszeiten halten hier einige Scla⸗ ven und farbige Leute Feſte und Prozeſſionen, von wi⸗ der Muſik, Jauchzen und Schreien begleitet. Sie ſind dann mit verſchiedenen Farben beſchmiert und phantaſtiſch gekleidet. Die urſache zu dieſen Beluſti⸗ gungen iſt eine ſeltſam gekleidete Figur, die in Parade durch die Straßen in einer Tragbahre oder unter einem Thron⸗Himmel ſitzend, getragen wird; ſie ſtellt den guten Geiſt vor. Die oſtliche Kuͤſte vvn Madagaſcar, die etwas mehr unter dem Winde liegt, traͤgt, ſo wie Mauri⸗ tius Geſundheit verſchafft, das Gepraͤge des Todes, ſelbſt die Luft iſt verpeſtet, und der Boden nicht viel weniger als toͤdlich. Ein Fremder, der dieſe Gegend in der Regenteit beſucht, um am ufer zu wohnen, 75. Bd. Indien. II, 2, 4 15⁴ rann gewiß darauf rechnen, ein Hyfer des Todes iu werden⸗ Etwa auf der Haͤlfte des Weses von Mauritius nach den Seſchellen liegen die Galega oder Aga⸗ legainſeln; zwei felſigte Erd⸗Punkte mit einer karglichen Vegetation. Die großte iſt faſt 6 Meiien lang. Beide ſind niedrig, zum Lheil mit Wald be⸗ deckt, und durch ein Felſenrift verbunden, woruͤber die Meereswellen ſchlagen. Das Landen iſt, ſelbſi bei dem ruhigſten Wetter, ſchwierig, indem es nur eine einzige Stelle geben ſoll, wo ein Boot den Verſuch machen kann, und auch hier iſt das Landen ſchwer. Der Ankerplatz der Inſel Mahe iſt eine tiefe Bucht mit einem Halbkreis von ziemlich bohem Lande umgeben. Zur Rechten ein Stuͤck Wald, der ſich ziemlich weit hinaus erſtreckt; zur Linken ein gleich⸗ falls mit einem Walde bedecktes Inſelchen, und außer⸗ dem noch einige kleine Fels⸗ und Erdtruͤmmer, auf gar freundliche Weiſe mit Strauchwerk und Gruͤn bekleidet. Rechts, mit der Ausſicht auf die Bai, liegt das Haus des Gouverneurs, und eine kleine Batterie. Einige andere Wohnungen, nebſt der des erſten Be⸗ wohners der Inſel, ſchimmern auf der anderen Seite durch die Baͤume⸗ 1 Die Seſchellen wurden a743 durch Herrn Pe eault entdeckt, den La Bourdonnais, auf die Vachricht, es ſey noch viel unentdecktes Land in di“ 155 3 ſer Gegend, von Mauritius aus abſandte. Die Gruppe, die beinahe aus 20 Inſeln, Inſelchen und Felſen beſteht, erhielt den Namen des damaligen Ma⸗ rine Miniſters. 6 Die große Bank, welche die Seſchellen in unbedeutender Tiefe unter der Pberflaͤche des Meeres. umgibt, heſteht aus Sand, Felſen und Korallenlagen. Man kaan ſie als Vaſis der ganzen Gruppe annehmen, als emme goße, von der Natur aufgeworfene Plate⸗ form, uͤber welcher die Inſeln angebaut wurden. Ankergrund findet man uͤberall. Mahe, etwa 16 Meilen lang, und s breit, hat Häfen, den einen an der Suͤd⸗Weſt⸗Seite, den andern auf der Nord⸗Dft⸗Seite. Bemerkenswerthe Pafen ſind Praslin und La Digue. Im F. 41765 wurde zuerſt hier eine Kolonie angelegt. Die Schwie⸗ rigkeiten, welche die erſten Abentheurer fanden, waren auſebnlich. Sie erhielten keine Unterſtuͤtzung von der Regierung, und waren uͤberdies um 800 Meilen von ieder Huͤlfe und dem Angeſichte eiviliſirter Menſchen entfernt. Die Oberflaͤche iſt uneben, und bietet eine Ab⸗ wechſelung von Bergen, Felſen und Schluchten dar, ohne eine einzige Ebene. Die Felſen beſtehen aus Granit. Der Boden iſt an einigen Stellen armlich, doch des Anbaues faͤhig, und bringt eine Menge wil⸗ der Früchte und Pflanzen, ohne andere Muhe, als ſie in die Erde zu ſtecken, bervor. In den engen Thä⸗ 156 lern treibt man Ackerban, weil der Boben reicher und tiefer iſt, als auf den Bergen⸗ wo er oft vom Regen abge ſpuͤlt wird. Der Anblick des Dorfes iſt von der Art, daß ein Enthuſiaſt in Verſuchung gerathen wuͤrde, auszurufen: Hier will ich meine Wohnung aufſchlagen, und von den Sorgen der geſchaͤftigen Welt ſicher ſeyn! Es liegt in einem kleinen ſchattigten Thale, durch Hoͤhen auf beiden Seiten geſchutzt, und hie und da eine Huͤtte; waͤhrend am obern Ende ein Bach, durch Strauche beſchattet, die Blͤthen und Fruchte tragen, freund⸗ lich in ſeinem Kieſelbette dahinmurmelt. Die Bauart der Huͤtten entſpricht den Umgebungen. Einige ſind nett und huͤbſch gebaut; andere ſo laͤndlich, daß man ſieht, ihre Beſitzer machen ſich wenig aus Kußerem Schmucke; noch andere ſind bloß aus rohen und un⸗ bearbeiteten Baumaterialien zuſammengefügt. In den Waͤldern findet man einige huͤbſch gefiederte Voͤgel; unter andern eine große Menge gruͤner Papagaien, die ſich jedoch nicht durch Nachahmungsfähigkeit aus⸗ zeichnen. Die benachbarte Inſel Praslin und das daran ſtoßende Inſelchen Cu ſieuſe enthaͤlt eine Naturſel⸗ tenheit. Es iſt eine Art Cvcosnuß, die hier fuͤnffach, und in einer gemeinſchaftlichen Haut und faſerigen Schale eingeſchloſſen iſt. Jede Nuß hat die Groͤße einer großen Melone. Die Seekveosnuß iſt nicht nur ein Gegenſtand der Neusierde, ſondern auch ein ſehr „— 157 nützlicher Artikel für alle Volksklaſſen. Das Holz⸗ welches, die Mitte ausgenommen, ziemlich feſt iſt, kan zu manchem haͤuslichen Bedart angewendet wer⸗ den; indem man aus hundert Blättern ein ganzes Haus machen kann. Die meiſten Haͤuſer in Praslin ſind daraus gemacht. Der Flaum der Blaäͤtter wird in Matratzen und Kiſſen geſteckt; ihre Stiele geben Koͤrbe und Beſen. Die faſerigte Bekleidung der Nuß wird zu Cauen verarbeitet, und die Schale gewoͤhn⸗ lich als Krug gebraucht. Der Laͤnge nach durchſchnit⸗ ten macht man daraus Schuͤſſeln und Teller. Madras Rhede zu befahren, iſt zu allen Zeiten ein ſchlimmes und zuweilen gefaͤhrliches Unternehmen. Allein der herrliche Anblick kann nicht anders gewon⸗ nen werden, als beim Landen. Alle Kraft der Rude⸗ rer wird hier erfordert, um durch die Brandung zu Die ſchwarze Stadt hat ibren Namen von der Farbe ihrer meiſten Einwohner und enthaͤlt wenig Bemerkenswerthes. Die Straßen ſind ſchmal und unregelmaͤßig. Die Haͤuſer der Eingebornen gewohn⸗ lich niedrig und zeigen die groͤßte Armuth, obwohl ſie mit weißem Moͤrtel angeſtrichen ſind. Die reichere Klaſſe jedoch hat glaͤnzende Wohnungen und Equipa⸗ gen. Wiewohl die Mehriahl der Kaufleute im Rufe des Reichthums üeht, ſo moͤgen ihn im Verhaͤltniſſe doch nur wenige zeigen. Die Bevoͤlkerung iſt zahlreich. Sie beſteht aus allen öſilichen Nationen und Reli⸗ onsſekten. Einige Portugſefiſche und Ar⸗ meniſche Kitchen trifft man hie und da in der ſchwar⸗ zen Stadt an. Die Reihe der Gebaͤnde am Geſtade, nahe bei dem Landungsplatze, die aus dem See⸗Arſe⸗ ual und anderen oͤffentlichen Gebaͤnden beſtehen, ſcheint ein einiger Entfernung in einem großen Styl erbaut; bei noͤherem Betrachten findet man ſie unvollendet. Die Hrivathaͤuſer der reicheren Bewohner ſind Gar⸗ tenhaͤnſes, die ſo genannt werden, weil ſte mehr auf em Felde liegen, mitten unter Baͤumen, Blumen, Gaͤrten und allen anderen Begleitern des Landlebens. Dieſe Haͤuſer ſtehen einzeln, ſowie in Entfernung wom Hafen und der ſchwarzen Stadt. Das Fort St. George iſt die zweite Feſtung in Indien, nur geringer als Fort William. Eie Seite beſpült die See, an der anderen Seite ſtoßt eine ziemlich große Eſplanade an das Glacis. Im Inuorn ſcheint die Miſchung des bzẽlichen und militäriſchen Lebens merkwuͤrdig. Es iſt in der Phat eine kleine, aber volkreiche Stadt, die einige Fute Häuſer entholt, die weitlͤufigen Vorrathshauſer der Compsgnie, die Comptoire der Kaufleute, und andere der Att, mit Baſeien und Bataſ untstmiſcht. 1140 Die Privathäuſer ſind voch, die gmier zit gerumig, und da man vorzuglich nach Kuhlung trach⸗ tet, ſo ſind nur wenige mit jenen Maſſen von großem Hausrathe ausgrſchmuͤckt, welche den Haͤuſern des ———— ————— 159 Paterlandes eigenthümlich ſind⸗ Ein offener platz im Nittelpunkte des Forts enthaͤlt eine ſchoͤne Statue des verſiorbenen Marguis Cornvallis. Auch ge⸗ nießt man von den Feſtungswerken aus eine gute Aus⸗ ſicht auf die Sce. Am Abend iſt hier nichts erguicken⸗ der als ein Spaziergangz alein ohne Damen⸗ deuu mit dieſen zu gehen, iſt nicht Mode. Schön iſt die Bergſtraße, der Haupteingang nach Madras. Sie iſt durch Reihen großer Bäume ein⸗ gefaht, und in der Kühle wird ſie durch viele Equi⸗ pagen mit reich gekleideten Frauen beſucht. Dies iſt der Sammeiplatz der Vornehmen zum Vergnuͤgen. Das Gouvernements⸗Haus iſt ein geraͤu⸗ miges, aber vlumpes Gebaude. Es wurde von dem berübmten Lord Clive, einem der großten Kriegs⸗ maͤnner des asten Jahrhunderts, dem England ſeinen erſten ſichern Fuß in Indien verdankt, erbaut, und zwar nach ſeinem eigenen Riſſe. Der St. Thomas⸗Berg, der der Strabe den Namen gibt, iſt eine unbedeutende Hoͤhe in einer Entſernung von 2 oder 3 Meilen, wo die Portu⸗ gieſen eine dieſem Heiligen geweihte Kapelle haben⸗ PHier ſoll er auch begralen liegen, und Gebeine wer⸗ den als die Seinigen geieigt. Cornelis oder Meſter⸗Cornelis vom Ge⸗ neral Daendels zur Hauptvertheidigung der Inſel eibaut, liegt auf den großeu Strate, die vüwätts 160 von Patavia und Weltevreden laͤngs der Kuͤße von Java hingeht. Der Name kommt von dem erſten Beſitzer eines unbedeutenden Forts oder Hauſes, etwa im Mittel⸗ punkt des Orts, das vor ſich die Landſtraße, und hin⸗ ter ſich den Fluß Jakatra hatte. Dieſe Befeſti⸗ gung beſtand bloß in einer viereckigten duͤnnen Mauer, mit einem Erdwall umgeben, worauf nur eine Ka⸗ none ſich befand, mehr zum Anſehen, als zur Ver⸗ theidigung. Batavia hat einen anſehnlichen Umfang und iſt beinahe oval. Ihre aͤußerſte Laͤnge erſtreckt ſich von Norden nach Süden. Nach der letzten Seite hin⸗ aus liegt Welteoreden, nach der erſten das Ca⸗ ſtell oder Fort, welches nicht weit von der See liegt, und zwiſchen ihr und demſelben ein Moraſt, der ungeſunde Luft verbreitet. Die Straßen ſind breit und luftig, und wenn ſie ein moraſtiger Kanal in der Mitte nicht verunſtaltete, der Unreinigkeiten aller Art mit ſich fuͤhrt, nicht übel. Sie ſind ziem⸗ lich regelmäßig angelegt, durcſchneiden einander in rechten Winkeln, und ſind laͤngs der Canaͤle ſowohl, als an den Fußpfaden, nahe bei den Haͤuſern mit Baͤumen bepflanzt. Die Haͤuſer ſind meiſtens gtob und geraͤumig, wenn auch nicht ſehr zierlich, doch ſeſt gebaut. Im Innern beſitzen ſie alle Bequemlich⸗ Keiten, die dem National⸗Geſchmacke in dieſem Kli⸗ ma angemeſſen ſind. Von Außen ſeben ßie zwar zu⸗ „ 161 weilen plump, allein an Groͤße gleichen ſie Palaͤſten. Batavia iſt eine zweite Capſtadt im vergroͤherten Maßſtabe; die Hauptzuͤge im Weſentlichen beibehal⸗ ten, nur vergroͤßert, verziert und verſchoͤnert. Die Wohnungen ſind von Außen weiß angeſtrichen, das Holz⸗ werk gruͤn, oder von Mahagonyfarbe, und der ein⸗ zige Unterſchied beſteht vielleicht darin, daß die Ka⸗ naͤle der Capſtadt ausgefuͤllt ſind. Batavia war urſpruͤnglich von Mauern umge ben, die aber ſchon laͤngſt verfallen ſind. Die Ver⸗ bindung mit den Vorſtaͤdten wurde durch 4 Thore mit Zugbruͤcken unterhalten. Nur eine oder zwei ſind noch uͤbrig. In den Vorſtaͤdten, die ſehr geraͤumig ſnd, wohnen Javaner, Malaien, Fremde aus den oͤſtlich liegenden Ländern und Inſeln, und Chi⸗ neſen. Dieſe bewohnen den groͤtten Bezirk, und ſcheinen zahlreicher, als alle andern zuſammen ge⸗ nommen. Die oͤffentlichen Gebaͤude ſind weder ſehr neu noch zahlreich. Ein oder zwei Kirchen, Moſcheen und heid⸗ niſche Tempel, das Stadthaus, das Hoſpital und einige andere, machen den Haupttheil derielben ausz was aber wirklich ſenderbar zu ſeyn ſcheint, iſt, daß daß diefe Hauptſtadt weder ein Theater noch einen Ball⸗Saal hat. Das Stadthaus, welches der engliſchen Stadt⸗ balle entſpricht, und auf einer Selte an einem offenen Plate liegt, üeht dem Haupteingauge des Caltells 162 gegenüber. Am Eingange ſind ſeknerne Stufen und eine halbzirkelfoͤrmige Reihe von Saͤulen, die einen Balkon tragen. Eine ungeheuere Treppe, auf Ma⸗ bagony⸗Art angeſtrichen, und dem Anſchein nach im Jahre 1600 verſertigt, führt in die oberen Zimmer. Sie ſind groß und geraͤumig, aber ohne Verzierung und an einigen Stellen ſogar verfallen. Hier biels der Buͤrger⸗Senat ſeine Sitzung. Etwa 200 oder 300 Ellen davon liegt eine neits Kirche von moderner Bauart, wo der Gottesdienß nach Calviniſchem Ritus verrichtet wird. Der Eingang zur Zugbruͤcke des Caſtells fuͤhrt durch einen Bogen, den zwei ſchlechte Kriegergeſtal⸗ ten, ein Mann und eine Frau, zieren; der uͤbrigs Platz iſt mit hoͤlzernen Pfaͤhlen umzäunt. Der Spa“ zierort ſelbſt iſt ungenehm und ſchattig, indem er zwi⸗ ſchen hohen Baͤumen, die von Tamarinden⸗ und Ca⸗ narien⸗Nußart ſind, hinlauft, die gegen die glhendo Soune Schutz gewaͤhren. Auf jeder Seite ſind ge⸗ räͤumige Gebaͤnde, die als Niederlagen zu Kriegsvor⸗ taͤthen dienen. Das Fort enthielt früher einige Gou⸗ vernements⸗Haͤuſer, die Audienthälle, die Indiſche Rathskammer, und einige andere, nebſt mebieren Vorrathshaͤufern, welche in letzterer Zeit mit det Gewuͤrzen des Oßtens angefullt waren. Die Feſtungs⸗ Werke des Caſells batten gleiches Lovs mit den Stadtmauern. Die Urſachen des ungeſun den Klimas zu Batavis 163 laſſen ſich ſchwer angeben. Seine niedrige Lage, die paranſtoßenden Sümpfe, die Feuchtigkeiten der Reis⸗ felder, auf welche die Sonne wirkt, die Bewaͤſſerung der Gärten durch ſchlammige Roͤhren, die Naͤhe be⸗ ſonderer Manufakturen, die uͤppige Vegetation und die Kanaͤle, Alles ſcheinen noch unzulaͤngliche Grände zur Eiklaͤrung dieſer Thatſache; denn hundert andere Orte auf der Inſel haben ähnliche Lage, und ſind doch geſund. Schön iſt in Batabia die Sttte, bei Befuchen jede Steifheit zu vermeiden. Die Gaͤſte kleiden ſich gleich nach den erſten Ceremonien aus, und werden mit leichten Kleidern verſehen, dieſenigen, welche Peruͤcken tragen, erhalten auch eine Nachtmuͤtze. Iſ es Zeit, nach Hauſe zu gehen, dann legt Jeder ſeine eigene Kleidung wieder an. Sophas, die in der Hallo ſehen, bieten den Beſuchenden eine Gelegenheit dar, nach Gefallen ſich auszuſtrecken, und von ſchwarzen Begleitern ſich faͤcheln zu laſſen. Die meiſten Famtlien wohnen im Erdgeſchoh, in einer Art von offenem Zimmer, am Ende der Habe, von der es eine Fortſetzung iſt. Dies Zimmer iſt ge⸗ wöhnlich geräumig und kuͤhl, mit Ziegeln belegt, und der Seeluft ausgeſetzt. Hier ſitzt die Fawilie zu Ti⸗ ſche, nimmt Freunde auf, und ſchlaͤft auch oft darin. Die Thüren ſind beſtaͤndig offen, jeder Beſuch angenehm. Die Gaͤrten werden mit beſonderer Sorsgfalt ge⸗ pflegt, beſonders dieienigen, welche zu den unmittel⸗ 164 baren Veduͤrfniſſen der Tafel beſimmt ſind. Der Be⸗ den, der fruchtbar und ͤppig iſt, liefert Alles, was den Gaumen befriedigen, oder die Sinne erfreuen kann. Viele der Reicheren beluſtigen ſich an dem Gar⸗ tenbau, indem ſie ſelbſt mit Gießkannen und Spaten verſehen, arbeiten. Zwei ſchone Straßen nach Dſten und Weſten, die mit ſchattigen Bäumen bepflanzt ſind, aus welchen beitere Wohnungen hervorſchimmern, fuͤhren nach Weltevreden, welches mehr ein militäriſcher Po⸗ ſten als Dorf iſt, da es nur von wenigen Civiliſten bewohnt wird. Hier iſt der Boden hoͤher, als in der Stadt, daher auch geſuͤnder, ſo daß Baraken, Hoſpi⸗ taͤler, Ordonnanz⸗Haͤuſer und Offizier⸗Wohnungen daſelbſt angelegt wurden. Eine große Reihe von Ge⸗ baͤuden, die zu beſſerer Beguemlichkeit der Sruppen beſtimmt waren, blieben unvollendet. Eines von die⸗ ſen war zu einer neuen Wohnung fuͤr den Ober⸗Gou⸗ verneur beſtimmt. Die jetzige iſt nicht weit davon ent⸗ ſernt, nahe bei der Jacatra⸗Straße, und hier em⸗ vfing er in den gluͤcklichen Tagen von BVatavia Be⸗ ſuche, gab Audienzen, üellte ſeine Wachen auf, und ward mit allem Glanze eines Aſiatiſchen Despoten um⸗ geben. Buitenzorg war gleichfalls desſelben Lieb⸗ lingsort. Hier erholten ſich viele von den Vornehn⸗ ſten von den Beſchwerden und der giftigen Stadtluftz denn die Schoͤnheit des Ortes, ſo wie die geſunde Lage machten ihn zum Vergnuͤgungsorts der Froͤhli⸗ 165 chen, Muſſigen und Kranken, welche die ſaͤrkende Luft hier einathmeten. Der große Chineſiſche Kirchhof beſteht aus einer Art von Gewoͤlben, die etwas uͤber den Boden erhoben, und mit gruͤnem Raſen oder Steinen, wor⸗ auf einige Hieroglyphen geieichnet, bedeckt ſind. Manche haben noch andere Verzierungen, und bei einigen ſollen Lampen, als ein vermehrtes Zeichen von Ehrfurcht gegen die Abgeſchiedenen im Innern bren⸗ nen. Einmal im Jahre beſuchen die noch lebenden Verwandten dieſe Grabdenkmäler, ſtreuen Blumen darauf, rufen die Sorgfalt und den Schutz der Abge⸗ ſchiedenen an, und um ſich ihres Schutzes noch mehr zu verſichern, laſſen ſie ihnen Nahrung zuruͤck, von der die minder fromm Lebenden ihren Hunger ſtillen. Batavia hat ſehr verſchiedene Einwohner. Die reichen Europaͤer wohnen nicht in der Stadt, ſon⸗ dern ziehen die Umgegend vor. Doch bei feierlichen Gelegenheiten verſammeln ſie ſich in derſelben. Ihre Sitten ünd foͤrmlichz; man bemerkt keinen Mangel an Herzlichkeit. Auch viele Europaͤer, die hieher geiogen, zeichnen ſich durch Bildung und Geſchicklich⸗ keit aus. Ja man hat ſchon Eingeborne nach Eurvpa geſchickt, um ſie zu bilden. Doch iſt die Mehrzahl der Buͤrger⸗Klaſſe ziemlich ungebildet. Auch Schulen ſind nirgends vorhanden. Cheribon liegt auf der großen Militaͤr⸗Straße, die von Batavia nach Oßen bis auf die äuberſte 166. Spitze der Inſel fuͤhrt. Es iſt elner der ſtaͤrkſten Orte in der Feſtungskette, die ſich laͤngs der Nordkuͤſte hin erſtreckt. Sie war die Hauptſtadt eines Koͤnigreichs gleiches Namens, das vom Kaiſer von Java zins⸗ pflichtig war, welcher ums Jahr 1680 die Oberherr⸗ ſchaft uͤbergab. Den eingebornen Furſten wurde wohl eln Schatten von Anſehen gelaſſen, der nach und nach in Nichts ſank, ſowie die Perſonen, die dieſen Poſten vegleiteten, zu Bettlern wurden. Doch nicht willig unterwarfen ſie ſich dieſer Erniedrigung und mehrere ſind zu verſchiedenen Zeiten, des Ungehorſams wegen, vetbannt worden. Die Stadt liegt hart an der See, auf einem Bo⸗ den, der noch Spuren eines Sumpfes an ſich tragt, ſich aber hinter derſelben erhebt, und mit Baͤumen bedeckt iſt. Rechts und Links ſind einige Salzpfannen, wo dieſer nützliche Artikel gewonnen wird; noch wei⸗ ter zur Rechten liegt der Berg Cheribon, der Sage nach fruͤher ein Vulkan und vom Lande aus ein deut⸗ liches Zeichen fuͤr Schiffe. Gewitterſtuͤrme ſind haͤufig. So lange ſie dauern, iſt der Gipfel des Berges durch ſchnell aufeinander folgende Blitze erleuchtet. Die Wolken verdichten ſich um denſelben, und fallen in Regenſtroͤmen herab;z der Gipfel ſcheint zu rauchen⸗ und der Donner rollt gerade uͤber die Koͤpfe der Ein⸗ gebornen, die ſo lange heftig beten, als der Sturm dauert. Die Ausdebnung von Cheribon iſt groͤßer, als man auf den erſten Anblick meinen ſollte, und auch die Brvoͤlkerung iſt anſehnlicher. Der Straßen gibt es viele, aber ſie ſind faſt alle eng. Die Chineſen bewohnen den Mittelpunkt der Stadt, gegen das Fort zuz ibre Haͤuſer ſind viel groͤßer und ihre Laͤden zahlreicher. Die Bai oder Rbede, in welcher die Schiffe ankern, hat ſo wenig Liefe⸗ daß die Fregatten beinahe anderthalb Meilen von der Küne liegen. Sie wird durch eine lange Bank von Schlamm und Sand beſchuͤtzt, die vom weſtlichen Theiie der Bai nach Bſten vorſpringt. Innerhalb derſelben ſind die Schiffe ziemlich ſicher, ausgenom⸗ men bei ſtarkem Oüwinde. ur ein Dutzend Europaͤer wohnen in und außer⸗ halb der Stadt, und dieſe ſind meiſtens im Dienſte der Regierung. Die gemiſchte Klaſſe iſt viel zahlrei⸗ cher, ſie werden von den Vornehmen als Caſſirer, Dolmetſcher oder Maͤkler beim Handel gebraucht⸗ Manche Haͤuſer ſind ſchoͤn; auch gibt es einige große Vorraths⸗Haͤuſer fuͤr die Landesprodukte; aber man⸗ che ſcheinen zu verfallen. Der Landdroſi oder Re⸗ ſident, der in dieſer Inſel ein Mann von der groß⸗ ten Wichtigkeit iſt, und in ſeinem Beüirke unumſchraͤnkt berrſcht, hat ein ſehr anſehnliches Haus, rechts vom Fort, mit Fiſch⸗Teichen, Statuen, einem Luſt⸗Wäld⸗ chen und einer Allee von Baͤumen umgeben, wo⸗ durch es ſich ſehr vortheilhaft ausnimmt⸗ Obgleich das Fort nicht ſehr ſtark iſt, bat es doch 168 ein nettes Aeußere; aber im Innern iſt es in dem ab⸗ ſcheulichſten ſchmutzigſten Zuſtande, den man ſich nur denken kann. Schmutz von langen Jahren, ja Jahr⸗ bunderten her, iſt hier aufgehaͤuft. Die Zahl der Kanonen betraͤgt 22, beſtehend aus 6 und 4 Pfuͤndern. Ein Graben, der bei hoher Fluth mit etwas Waſſer angefuͤllt wird, umgibt es, und daruͤber führt eine Zugbruͤcke zu dem einzigen Thore. Jedoch ſcheint dies mehr zur Sichetheit gegen die Eingebornen als gegen Feinde berechnet zu ſeyn. Unter allen Winkeln in dieſem Tempel ſchmutziger Gottheiten ſind auszeich⸗ nend einige Kerker. Hier wurden einige Ungluͤckliche alt und abgelebt waͤhrend der langen Gefangenſchaft. Bougas oder Bvughaz iſt blos eine Station fuͤr Reiſende, daher enthaͤlt es nur wenige Hutten, wo man Erfriſchungen von Reiß und Thee bekommt⸗ Ihre Sprache iſt die Javaneſiſche. Nur zwei re⸗ gelmaͤßige Waſſerplaͤtze finden ſich zwiſchen Bougas und Karang Samblang. In dieſer Gegend findet man auch wenige Wohnungen an der Straße, die einige Meilen ganz wuͤſte erſcheint. Karang Samblang iſt ein huͤbſches Dorf, in einem Lande gelegen, das, wenn es fleißige Bewoh⸗ ner und eine gute Regierung haͤtte, eines der frucht⸗ barſten Doͤrfer in der Welt ſeyn muͤßte, ſo wie es eines der ſchoͤnſten iſt. Ungeachtet des Erpreſſungs⸗ Syſtems, ſowohl von Seite der Landes⸗Oberhaͤupter⸗ als der Eurvpaer iſt es immer noch reich genug 169 an Reis und Kaffee. Dieſem Dißtrikte kehlt es nicht an Bewohnern; er iſt offen und wohlbewaͤſſert; die einzelnen Punkte ſind oft maleriſch, und da er an der großen Straße nach der Hauptſtadt liegt, ſo genießt er der Wohlthat eines beſtaͤndigen Verkehrs mit der Kuͤſte und dem Innern. Das Dorf hat nicht viele Wohnungen, ob ſie gleich weit umher zerßreut liegen. Mitten durch fließt ein breiter und reißender Fluß, der weſtlich von Cheribon in die See faͤllt, deſſen Schifffahrt aber durch Boͤnke von Schlamm verhindert wird. Ueber den Fluß fuͤhrte eine anſehnliche lange hölzerne Bruͤcke, an der die Spalten zwiſchen dem Bauholze mit Rohr und Bambus ausgefuͤllt waren, ſo daß ein Fremder oft zitterte, aufzutreten. Am lin⸗ ken Ufer ſind einige Reisvorraͤthe, welche fuͤr die Re⸗ gierung von der Obrigkeit des Orts geſammelt wurden. Java iſt reich an Reis, dieſem beliebten Nah⸗ dungsmittel des DOſten. Der Ueberfluß iſt, nach voͤll⸗ ser Befriedigung der Beduͤrfniſſe des Volks, ſo be⸗ deutend, daß dieſe Inſel eine beſtaͤndige Kornkammer fuͤr das Brittiſche Indien werden kann, im Fall einer ſchrecklichen Hungersnoth. Etwa eine Meile von dieſen Vorrathshäuſern und nahe bei dem Hauſe des reſidjrenden Agenten der Ne⸗ gierung, waren zwei große Kaffeemagazine Das Haus des Reſidenten liegt huͤbſch auf einer kleinen Anhoͤhe, von Waͤldern und Gaͤrten umgeben. Vor derſelben ſließt der Arm eines Fluſſes, ein ruhiger und flacher 75. Bd. Indien. II, 2. 5 170 Strom, der der Ruhe entſpricht, die den Charakter dieſer Gegend auszumachen ſcheint. Ueber dieſen Fluß führt eine doppelte Fäbre an einem Seile, womit man ſich ſelbſt, ohne fremde Huͤlfe hinuͤberfahren kann⸗ Ein kleines, ſchlecht unterhaltenes Fort, nebſt den Haͤuſern der Beamten und den vorhin erwaͤhnten Magazinen ſtoßen an das Haus. Brod iſt hier eben ſo ſelten, als in Batavia. Waiten wird ebenfalls wenig gebaut. Die Stadt ſelbſt iſt groß, von vielen Weißen⸗ Meſtizen, Chineſen und Eingebornen be⸗ wohnt. Ihre Lage iſt niedrig, aber nicht ungeſund⸗ obgleich die Stadt von einem Moraſte umgeben iſt. Die Bai iſt, wie alle andern, an dieſer Kuͤſte ſo ſeicht⸗ daß große Schiffe genoͤthigt ſind, 4 oder s Meilen von der Kuͤſte zu ankern. Der Kanal, oder die Straße von Madura, zu weilen auch Manara genannt, der Soutaya voh Java trennt, iſt 3, 6 oder Meilen breit. Am öſt⸗ lichen Ausgange haben große Schiffe nicht Tiefe genug⸗ Etwa s Meilen von da liegt Sourabaya. Dieſe kann als die oͤſtliche Hauptſtadt von Ja va angeſehen werden, ſo wie Batavia als die weſtliche. Die Entfernung dieſer beiden Drte betraͤgt etwas mehr als s00 Meilen. Die neue Stadt iſt jedoch, obgleich we⸗ niger groß und volkreich, huͤbſcher, geſunder, und freundlicher als die Andere. Sie liegt an einem ſchi⸗ nen Fluſſe, und hat gleichfalls den hohen Vorius 171 eines Hafens, den man zu dem beſten in dieſer oder in irgend einer benachbarten Inſel machen kann. Ge⸗ neral Daendels ſah die Wichtigkeit dieſer Lage ein; und da die Bai von Batavia immer Anfaͤllen aus⸗ geſetzt war, ſo beſtimmte er dieſen zu einem ſichern Sammelplatz. Ob er gleich nicht der Gruͤnder der Stadt iſt, ſo kann er doch als der Vater derſelben angeſehen werden. Beffentliche Gebaͤude wurden un⸗ ter ſeiner Obhut errichtet, ein Zeughaus und Schiffe erbaut, welche, obgleich weder ſehr groß, noch zahl⸗ reich, wenigſtens groͤßere Erwartungen fuͤr die Zu⸗ kunft erregten. Die europaͤiſche Stadt liegt am rechten ufer des Fluſſes; die chineſiſche und die Doͤrfer der Eingebor⸗ nen zur Linken. Sie ſind durch Bruͤcken verbunden, wozu Kuͤſtenfahrer mit Waaren gelangen koͤnnen. Ez⸗ ſtere enthaͤlt das Fort, die Baraken und Gouverne⸗ mentshaͤuſer. Die Straßen ünd breit, und mit Baͤu⸗ men beſetzt, dem National⸗Geſchmacke gemaͤß; die Haͤuſer ſind beguem und meiſtens ſchoͤn, und die Be⸗ wohner in guten Umſtaͤnden. So ſchoͤn die Gegend der weſtlichen Hauptſtadt auch ſeyn mag, ſo iſt ſie hier nicht allein glucklich nachgeahmt, ſondern faſt uͤbertroffen. Wahrend das friſche und lebendige Gemaͤlde von Gaͤrten, Alleen, Fußwäldern und Lanbhaͤuſern beſtaͤndig in die Augen faͤllt, macht das Treiben des Ackerbaues und Han⸗ delus in den Reisfeldern und auf dem Fluſſe, die Mi⸗ 172 ſchung von inlaͤndiſchen und chinefiſchen Woh⸗ nungen, die Gruppen von Kokosnußbaͤumen, die volk⸗ reichen Doͤrfer von ihren eigenen Pberhaͤuptern be⸗ herrſcht, die fuͤr ihr ruhiges Betragen verantwortlich ſind, dieſe Gegend dem bloßen Bewunderer der Na⸗ turſchoͤnheiten ſo anziehend, als dem praktiſchen Poli⸗ tiker, der den Reichthum und nicht die Schoͤnheit des Landes in Betracht zieht. Der Bezirk iſt fruchtbar und verſorgt reichlich die Bewohner. Das anſtoßende Fürſtenthum Pansorvokan aber ſoll nur ſchwach bevölkert ſeyn, und mehrere wuͤſte Striche und Wäl⸗ der haben, die nur von Elephanten, Buͤffeln, Tie⸗ gern und Nashoͤrnern bewohnt wurden. St. Paul, zuweilen auch Amſterdam genannt, gleicht in der Ferne einem feſten, kegelfoͤrmigen Berge, der ſich aus der Mitte eines ungeheueren Deeans er⸗ hebt. Allein in der Naͤhe betrachtet, iſt der hoͤhere Theil der Inſel ein großes Waſſerbecken. Sie iſt etwa s Meilen lang und 3 breit. Eine große Merkwuͤrdig⸗ keit iſt der Crater; die Muͤndung desſelben iſt der hochſte Theil der Inſel, die ſich nordwaͤrts nach und nach ſenkt. Nahe an der rechten Straße iſt ein halb⸗ mondfoͤrmiger Teich voll Fiſche, der frei vom gewal⸗ tigen Toſen des Meeres iſt Nahe am Rande des Waſſerbeckens iſt der Boden überall eben und mit Gruͤn beveckt, welches in groͤßerer Entfernung zu einem lan⸗ gen Graſe wird, das ſich bis an die Seiten des Craters hinauf erſtreckt. Sie iſt von Menſchen unbewohnt. 173 Etwa so Meilen von St. Paul liegt die eigent⸗ liche Inſel Amſterdam und wird bei klarem Wetter von dieſer aus ſehr deutlich geſehen. Sie iſt eben ſo nackt und oͤde; das Land ſcheint hoͤher, der Anblick unwirthbar. Die ſchwarzen und felſigten ufer, die eine heftige Brandung auf Augenblicke mit weißem Schaum bedeckt, geſtatten ſelten einem Boote hier zu landen. Ein ſchroffer Spitzberg ſcheint ſich ſenkrecht, etwa 2000 Fuß hoch, über das Waſſer zu erheben. Ueber die Oſt⸗Indiſche Geſellſchaft der vereinigten Niederlande vom Jahre 1601 bis zur Zeit der franzöſi⸗ ſchen Republik am Schluſſe des achtzehnten Jahrhunderts. I. Nit unintereſſant moͤchte unſeren Leſern ſeyn, daß wir einige Nachrichten uͤber die oſtindi⸗ ſche Geſellſchaft in den vereinigten Nie⸗ derlanden mittbeilen, da die meiſten Berichte hier⸗ über theils in weitlaͤufigen periodiſchen Schriften⸗ theils in den großen Sammlungen der von der Re⸗ publik erlaſſenen Beſchlüſſe und Verordnungen ſich finden. Einen Auszug aus dieſen Staatspapieren und anderen authentiſchen Quellen*) in gedraͤngter Kuͤrze *) Die vornehmſten Schriften ſind: Nieuwe Ne- derlandsche Jaarbocken vom Jahre 1790— 175 zu liefern, dies macht den Inhalt vorliegender Blaͤt⸗ ter aus. Die oſtindiſche Geſellſchaft verdankt ihren Urſprung einem Vereine niederlaͤndiſcher Kaufteute, welche in Aſien auf den Truͤmmern der portugieſiſchen Entdeckun⸗ gen, eine weiter ausgedehnte Herrſchaft gruͤndeten. Ihr Handel mit dieſen reichen Laͤndern und die Ein⸗ künfte ihrer Eroberungen brachten den Intereſſenten * die bekannte Sammlung Zaaken van Staat en Ooriog, beſonders der 23. und 24. Theil— Bapport der Commissie nopens de Oost Indi⸗ sche Compagnie. Haag 1790.— Rapporten van der Heren Gecommitteerden, over den Sraat der generaale Nederlandsche Oostindische Compagnie 4790.— Consideratien van, een Hoolgparticipant in de Oest Indische Gom- pagnie over de Oorzaaken der Veragterins en de Middelen ter Verberering van c ezelve door. Wil. Tidsing 4790.— Beknopte Be- schryving der Oosündische Ftablissementen dòor Ary Huyfers. Tweede Druck, verm. u. verb. Amst. 1702. 8.— Narrative of che Cam- paign in India, which terminated the war in 1792, by Major Pirom. Lond. 1703. 4.— Hist. vicw ot plans for the government of pritish India. Lond. 4795. 4.— Prancis orig. minutes of che revenues of Bengal. Lond.— Three reports concerning the esport trade from Grcat Brittain to the. Faot Indies, China and Japan.— Anderson gen. view of the va- riations in the affairs of the Bast— India Compagny. Lond. 1792. 176 großen Gewinn und der ganzen Republik wichtige Vortheile. Seit dem Jahre 1604 dehnten ſich ihre Niederlaſſungen auch auf Holland und Seeland aus, ſie bildeten verſchtedene kleinete, doch unter ſich genau verbundene Geſellſchaften, und verſorgten Europa mit einer Menge indiſcher Waaren. Beſonders wichtig wgren die Beſitzungen am Vorgebirge der guten Hoßfnung, wo ſich unter ibrem Schutze viele Kolv⸗ niſten laͤngſt der ſüͤdweſtlichen Kuͤſte von Afrika auf hundert, und laͤngſt der ſuͤdoͤſtlichen auf 160 deutſche Mellen niedergelaſſen hatten. Dieſe Kolonie iſt auch von allen niederlaͤndiſchen die bekannteſte, well nicht nur fremde Seefahrer bei ihrem dortigen Aufenthalt mancherlei Nachrichten uͤber dieſelbe ſammelten, ſon⸗ dern auch einzelne Einwohner ihren aͤlteren und neue⸗ ren Zuſtand beſchrieben haben. Die Geſellſchaft hat hier das Stempelrapier, Abgaben von Wein und Brantwein, den Zehnten von Getreide, Grundſteuern und andern Abgaben eingefuͤhrt. Außer den Dſtindien⸗ Fahrern, die hier gewoͤhnlich anlegen, ſind von der indiſchen Handels⸗Flotte jaͤhrlich zwei Schiffe bloß für das Kap beſtimmt. Batavia und Ceylon er⸗ halten von hier jaͤbrlich eine bedeutende Menge Wei⸗ zen, Reis, Gewuͤrze aller Art, nebſt anderen Lebens⸗ mitteln. Waͤhrenb des letzten Krieges mit England mußte die Geſellſchaft hier ihre Truppen verſtaͤrken, neue Feſtungswerke anlegen, daher ſich ihre Ausgaben ſo vermehrten, daß man zum Papiergelde ſeine Zu⸗ 177 flucht nehmen mußte. Ein großer Theil der Einnah⸗ me ward unnuͤtzer Weiſe vergeudet, und fuͤllte üur die Taſchen der hoheren und niederen Ofſzianten, waͤh⸗ rend auch das zahlreiche Perſonale der Arbeiter(denn nur die Anzahl der Sklaven belief ſich faſt auf Tau⸗ fend) bedeutende Summen koſtete. Dazu kam noch, daß die Kommiſſarien, welche die Rechnungen dieſer Kolonie unterſuchten, mehrere Veruntreuungen der oͤffentlichen Gelder entdeckten. In dem dortigen Ho⸗ ſpital fuͤr Land⸗ und Seetruppen wurden jaͤhrlich uͤber 60,000 Kannen Wein berechnet, welche die Kranken getrunken haben ſollten. Die Fleiſchvetzehrung in die⸗ ſem Hoſpital war noch groͤßer, weil fuͤr jeden Kran⸗ ken taͤglich drei bis vierthalb Pfund in Rechnung ka⸗ men. Das Vorgebirge hat ſehr guten Kornboden, und liefert Getreide zur Ausfuhr; dennoch ward im⸗ mer mit großen Koſten Reis von Batavia verſchrie⸗ ben, und Arrak fuͤr ihre Bedienten, ungeachtet am Kap ſehr guter Brantwein in Menge zu haben war. Die uͤbrigen der oſtindiſchen Geſellſchaft gehoͤrigen Beſitzungen, Handels⸗Logen und Vertheidigungs⸗ Poſten liegen theils auf den beiden Halbinſeln dies⸗ und jenſeits des Ganges zerſtreut, theils auf großen und kleinen Inſeln des indiſchen Deeans. Zu den erſten gehoͤrt ihr Comtoir zu Suratte, der beruͤhmten Handelsſtadt am Fiuſſe Tappi, wo die Geſellſchaft ſeit 1617 Handelsfreiheiten und Schutz genießt. Jaͤhrlich gehen zwei Schiſſe von Batavia 178 hieher, welche mit europaͤiſchen und indiſchen Waaren befrachtet ſind, aber jaͤhrlich wieder Baumwollengarn und Zeuge nach Batavia zuruͤckfuͤhren. Außerdem beßehen die Ausfuhrartikel in Nelken, Zimmt, Bluͤte, Zucker, Muſeatnuͤſſe, Zinn und japaniſchem Kupfer. Den Beſitz von Suratte war man geſonnen auf⸗ zugeben, und den ganzen Handel Privatleuten gegen eine Abgabe an die Geſellſchaft zu uͤberlaſſen, weil die Einnahme ſich nicht ſo betraͤchtlich zeigte, als man erwartete. II. Weiter gegen Suͤd gehoͤren der Geſellſchaft mehrere Feſtungen auf der Kuͤſte Malabar. Die Hauptfeſte iſt Cochin mit den kleineren Kaſtellen Coilan Porca, Caicoilan und Aycotte. Fraͤher gehoͤrte zu ihrem Gebiete auch Chottua⸗ 1715 erbaut. Dieſes aber nahm Hyder Ali, Fuͤrſt von Myſore, weg, waͤhrend Cranganor im Ge⸗ hiete des Samoryus, im J. 1789 dem Raja von Tra⸗ vanvore uͤberlaſſen ward. Die Dienerſchaft beſtand bisher aus Europaern und Malabaren, zu welchen noch 600 Soldaten kamen. Innerhalb zehn Jahren (von 4770— 180) ſind von Batavia 14 Schiffe ab⸗ gegangen, deren Ladungen in Nuͤſſen, Nelken, Muſ⸗ katen⸗„Bluͤthen und japaniſchem Kupfer beſtanden. Die Ruͤckladung macht Pfeffer aus, den meiſtens die Kuͤſte Malabar liefert. Cordanum und Cvar oder Kokosfaſern, welche man in Indien zu allerlei Tauwerk verwendet, iſt auch ein bedeutender Handelszweig. 179 Auf der Kuͤſte Koromandel iſt das Gebiet der Geſellſchaft ſehr beſchraͤnkt, ſeitdem die ſüdlichen Fuͤr⸗ ſten Vaſallen der Englaͤnder geworden ſind. Palea⸗ catte, nordwaͤrts von Madras, wozu das Fort Geldria gehoͤrt, iſt der Siß der niederlaͤndiſchen Regierung. Ueber Ceilon und Bengalen kamen, waͤhrend den Jahren 1770— 1780, 20 Schiffe von Batavia, und brachten eine Zufuhr von einer Mil⸗ lion an Werth. Einige von dieſen Schiffen gingen mit Baumwollen⸗Zeugen und Caliatours⸗Holz, als den vorzuglichſten Erzeugniſſen der Kuͤſte, nach Ba⸗ tavia zuruͤk, die andern nach Europa, beſonders nach Amſterdam und Seeland. III. Auch in Bengglen und den uͤbrigen Pro⸗ vinzen am Ganges hat der hollaͤndiſche Verkehr manche Einſchraͤnkungen erfahren, da die Englaͤnder die Dberherrſchaft daruͤber haben. Verſchiedene Pro⸗ dukte dieſes reichen Landes kann die hollaͤndiſche Ge⸗ ſellſchaft jezt nur aus der zweiten Hand von den Englaͤndern erlangen, und von andern Erzeugniſſen, die ſie, wie Opium und Salpeter, fruͤher ausſchließ⸗ lich ausfuͤhrte, theilt ſie den Vortheil mit ihrem maͤchtigeren Nebenbuhler, der Londner Geſellſchaft. Die vornehmſte hollaͤndiſche Niederlaſſung daſelbſt iſt das Dorf Cinſura, am Fluſſe Hougly, welches burch das Fort Guſtavus eine befeſtigte Lage hat, waͤhrend in CoſſimbazarPatna und andern Städ⸗ ten Faktoreien ſind. Den Handel nach Bengalen 180 betrieb bisher nur Batavia. Hier wurden zwei bis drei Schiffe jaͤhrlich ausgeruͤſtet, welche außer Gewuͤrz viel baares Geld mitnahmen. Der vornehmſte Artikel der Ausfuhr war Opium. Dieſer wird von der engli⸗ ſchen Handels⸗Geſeliſchaft gekauft, und auf Kompag⸗ nie⸗Schiffen nach Batavig verſendet. Jedoch erhaͤlt Der jaͤhrliche Abſatz Beeintraͤchtigung, weil engliſche Privatſchiffe eben dieſe Waaren nach den oͤßtlichen Inſeln bringen, die ſonſt nur von den Hollaͤndern verſorgt wurden, und jene wirklich mehr, als die Hollaͤnder ausfuͤhren. Deſſen ungeachtet hatte die niederlaͤndiſche Dpium⸗Geſellſchaft bisher vom Ver⸗ kaufe eines in Europa dem Anſcheine nach unbedeu⸗ tenden Produktes, groͤßeten Gewinn, als die Geſell⸗ ſchaft ſeibſt nach dem Abzuge der Koſten von ihren eintraͤglichſten Handelszweigen. Von hier aus werden viel Baumwolle⸗ und ſeidene Waaren nach Europa gebracht, und die Geſellſchaft hat ſogar die Verpflich⸗ tung rohe Seide zum Behufe hollaͤndiſcher Fabriken einzufuͤhren. Andere Artikel ſind noch Salpeter, in⸗ diſche Material⸗ und Apotheker⸗Waaren, als Borax⸗ Schellak u. a. m. IV. Die Feſtung Malakka, auf der ſuͤdlichen Spitze der Halbinſel, jenſeits des Ganges zwiſchen den Reichen Johor und Pera gelegen, iſt das letzte Komtvir der Hollaͤnder auf dem feſten Lande. Dazt gehoͤrt die kleine Inſel Riouw, welche die Hollaͤn⸗ der 16s epoberten, mit einem kleinen Fort, nah⸗ 181 dem Dorfe Tandjong Putus, zur Beſchuͤtzung ihres Zinnhandels. Das Gebiet, welches ſich gegen Sůd bis an den Fluß Moar, und gegen Nord bis an das Kap Rochada erßreckt, und meiſtens aus kleinen Doͤrfern beſteht, wird von Malaien bewohnt. Jährlich kommt nur ein Fahrzeug von Batavia; doch legen bisweilen die nach Bengalen beſtimmten Schiffe bei Malakka an. Im Dienſte der Geſell⸗ ſchaft ſtehen 6s00 Europaͤer, von welchen 260 zum Militair und 129 zur Marine gehoͤren. Letztere ſind beſtimmt, auf kleinen Fahrzeugen den Schleichhandel an der Kuͤſte abzuwehren. Die Gegend um Malakka iſt uufruchtbar. Der bedeutendſte Handelsartikel iſt Zinn. Sonſt werden noch Clephanten, Elfenbein, Kampfer, Sago und etwas Gold, auch verſchiedene Polzarten, und unter dieſen Maſten fuͤr die hollaͤndi⸗ ſche Schiffs⸗Werfte auf Java ausgefuͤhrt. Der Gold⸗ Handel bereichert eigentlich die Pffieianten der Geſell⸗ ſchaft, waͤhrend dieſe dagegen Cattun, Opium, Zucker und Arrak, auch allerlet Waaren von China und Japan verhandelt. V. Auf den indiſchen Inſeln von Ceilkon bis Neuguinen beſitzt die Geſellſchaft ein Gebiet von groͤßerem Umfange und von reicherem Ertrage. Auf fehr vielen Inſeln ſind ihr die meiſten innlaͤndiſchen Fuͤrſten, oder doch die vornehmſten unterworfen. Dieſe Gegenden liefern auch koſtbare Gewuͤrze. Das weßlichſte von dieſen Eilanden iſt Ceilon, deſſen Groͤße man Auf 187 Meilen von Norden nach Dſten ſchaͤtzt. Die ganze Kuͤſte nebſt allen Seehaͤfen gehoͤrt den Holländern, welche ihr Gebiet iu drei Re⸗ gierungs⸗Bezirke theilten. In Colombo, der Haupt⸗ feſtung, hat der vornehmſte Befehlshaber der ganzen Inſel ſeinen Sitz. In der Stadt bluͤht ein gutes Se⸗ minar, in welchem theits junge Leute zu kuͤnftigen Seelſorgern fuͤr die indiſchen Beſitzungen gebildet, theils in den Wiſſenſchaften ſo weit gebracht werden, daß ſie eine europaͤiſche hohe Schule beziehen koͤnnen. Mit der Altſtadt verbunden iſt das ſehr gut befeſtigte Kaſtell an der Seeſeite. Colombo liegt in der Mitte der Kaneel⸗Buͤſche, die das Hauptprodukt der ganzen Inſel liefern. VI. Der zweite Regierungs⸗Bezirk der Hol⸗ laͤnder iſt Jafnapatman, auf der Nordſeite der Inſel, und fruͤher ein beſonderes Koͤnigreich. Unter hollaͤndiſchem Schutze leben hier noch die vormaligen Fuͤrten„Wannias“ genannt. Das unbedeutend befeſtigte Jafna iſt der Sitz des hollaͤndiſchen Be⸗ fehls habers. Endlich das Gebiet Punto Gale auf der ſuͤdli⸗ chen Kuͤſte im fruchtbaren Reiche Matura. Das Fort, zwiſchen Bergen und Klippen gelegen, iſt durch Kunſt und Natur gleich ſtark befeſtigt. Der dortige Hafen iſt ſicher und geraͤumig, und zwanzig Schiffe können darin bequem vor Anker liegen. Alle Schiffe⸗ welche von Ceilon nach Europa ſegeln, echalten 183 hier ihre Ladung; auch werden von hier die meiſten Zeuge von Surrate, und der malabariſche Pfeffer nach Europa verſendet. Aus dieſen drei Departements beſteht das Gebiet der Hollaͤnder in Ceilon. Von hier verſorgen die Hollaͤnder ganz Europa und Aſien faſt ausſchließlich mit Zimmt. Die Baͤume, welche den beſten liefern, werden unter ihrer Auſſicht in der Nachbarſchaft von Colombo und Nigombo gezogen. Sie werden dann geſchaͤlt; weil aber der geſchaͤlte Baum keinen Baſt wieder anſetzt, ſo verdorrt er. Gewoͤhnlich geben junge Baͤume den beſten Zimmt, duͤrfen aber vor dem dritten Jahre nicht geſchaͤlt werden. An der weſtli⸗ chen Kuͤſte werden Cauries oder Porcellan⸗Schne⸗ cken gefunden, die in Bengalen und anderen Ge⸗ genden von Indien als Scheidemuͤnze dienen, auch im afrikaniſchen Negerhandel gangbare Waare ſind. Die Perlenfiſcherei zwiſchen Manaar und Tuto⸗ coryn hat die Geſellſchaft ſeit einiger Zeit aufgege⸗ ben. Sie war ſchon lange nicht mehr ſo ergiebig, als in vorigen Zeiten, weil man den Auſtern nicht die rechte Zeit ließ, ihre gehoͤrige Reife zu erlangen. Vor Ankunft der Portugieſen in dieſen Gewaͤſſern war die Fiſcherei nur alle 20 oder 24 Jahre erlaubt. Die Portugieſen verkuͤrzten den Fang auf 10 Jahre, die Hollaͤnder hingegen ließen alle7 bis s Jahre ſiſchen. Etwas Pfeffer waͤchst zwar hier, aber nicht in der Menge, als in Malabar und Sumatra. Ehen 184 ſo kommt der Kaffee in Maturga den javaniſchen Boh⸗ nen an Guͤte nicht gleich. vVII. Auf der Inſel Sumatra gehoͤrten den Hol⸗ ländern nur einzelne Poſten laͤugs der Kuͤſte, denen zwei Feſtungen zum Schutze dienen, naͤmlich auf der weſtlichen Kuͤſte Padang im Reiche Menangeabo, eine Viertelmeile von der See, und Palembang auf der Oſtſeite im Reiche gleichen Namens. Die Inſel Banka hat ſieben Zinn⸗Bergwerke, welche von Chineſen bearbeitet werden. Die Weſikuͤſte von Sumatra iſt der wichtigſte Theil der ganzen Inſel⸗ und die Ausfuhrartikel beſtehen in Pfeffer, Gold, das gegen Cattun eingetauſcht wird, Kampfer, Sapan⸗ bolz und Weihrauch. Aus verſchiedenen Reichen ſind aber die Holläͤnder von den Englaͤndern, welche hier viele Handelsplaͤtze beſitzen, verdräͤngt, und im Han⸗ del mit Opium und Cattun beeintraͤchtigt worden. Die wichtigſte Beſitzung aber fuͤr die Compagnie und ihren Handel iſt die Inſel Java, mit dem Haupt⸗ orte des niederlaͤndiſchen Indiens, der Stadt Bata⸗ via. Hier iſt nicht nur der Sittz der indiſchen Regie⸗ rung, ſondern auch der Mittelpunkt des indiſchen Handels. Die ganze Inſel in einem Flaͤchenraum von 2400 Quadratmeilen, auf welchem uͤber 2 Millionen Einwohner ſich befinden, ſteht ganz unter der Herr⸗ ſchaft der Geſellſchaft. Ihr ganzes Gebiet iſt auf vier Provinzen vertheilt. Die erſte iſt das Koͤnigreich Bantam auf der weßlichen Seite der Inſel. Der Furſt, zugleich Beherrſcher eines Theils Lon Suma⸗ tra und Borneo und allen Inſeln in der Sttaße Sunda, hat ſeinen Sitz im Schlaſſe Diamant⸗ welches eine Bedeckung von 400 Hollaͤndern hat. Die uͤbrige Beſatzung liegt in der Feſtung Spelwick unter einem hollaͤndiſchen Befehlshaber. Das Koͤnig⸗ weich Jakatta, 4619 erobert, bildut die zweite Pro⸗ vinz. In ihr liegt die reiche Handelsſtadt Batavin aus 2600 Haͤuſern beſtehend, mit vielen anſehnlichen oͤffentlichen Gebaͤuden. Die Einwohnerzahl wird auf 1 1/2 Millionen geſchaͤtzt. Die votzuͤglichſten Produkte, mit denen Batavia Europa und Aſien verſorgt, ſind Zucker, Pfeffer, Kaffee, Ingwer und Arrak, welcher in Batavia von beſonderer Gute gebraunt wird. Drittens das Koͤnigreich Cheribon, deſſen Lut⸗ desfuͤrſt oder Sultan der Geſellſchaft unterworfen iſt, mit der Feſtung Veſcherming. Die e Provins liegt weſtlich von Jakatra, zaͤhlt faſt eine Milſion Ein⸗ wohner, ung iſt Kußerſt fruchtbar. Sie liefert jaͤhrlich bei 1000 Laſten Reis, theils nach den Gewürzinſeln, theils nach Ceilon und dem Vorgebirge der guten Hoffnung. Die vierte Provinz endlich iſt Javas Pſtküſte, Samarang, ſo genannt von der anſehnlichen Stadt gleichen Namens, dem Sitze des hollaͤndiſchen Be⸗ fehlshabers. Der Kaiſer von Java iſt Vaſall der Geſellſchaft. 75. Bd. Indien, II. 2. 6 186 . Auf der Inſel Borneo, wrelche einen Flaͤchenraum von 13,000 Qundratmeilen begreift, ha⸗ ben anfaͤnglich die Eurvpaͤer, aller Verſuche ungeach⸗ tet nicht feſten Fuß faſſen koͤnnen, theils wegen der Groͤße der Inſel, theils wegen der Rohheit der Eim wohner, und wegen der Schwierigkeiten, das Innete des Landes zu unterſuchen. Erſt im J. 1747 gelang es den Hollaͤndern auf der ſüdlichen Kuͤſte der Inſel⸗ beſtaͤndige Handels⸗Niederlagen zu erhalten. Von dieſen ſind vorzuͤglich das Fort Tatas und Landak zu nennen. Der Handel von Satas, welches an dem Fluſſe Baniermaſſing liegt, iſt meiſtens in den Haͤnden der Chineſen, und beſteht in Goldſtaub, aber meiſtens von ſchlechtem Gehalte, und in Dig⸗ manten, die meiſt in großer Menge und aͤußerſt muh⸗ ſam geſammelt werden. Zehn bis zwoͤlf Wilde arbei⸗ ten oft einen ganzen Monat in den Diamantgruben⸗ und finden dann kaum ſo viel Edelſteine, daß ſie 20 Piaſter werth ſind. Fernere Handelsartikel ſind ſpa⸗ niſche Röhre, Bezvar, Hrachenblut, und indiſche Vogelneſter von der beſten Sorte. Dieſe letzteren dem Namen nach als Leckerei bekannt, finden ſich in den Klippen um Java, Borneo, Dernote und den benachbarten Inſeln in großer Menge. Sie ſol⸗ len von einer Art See⸗ Schwalben in den Klüften und Hoͤhlen der Inſeln zu Stande gebracht werden⸗ und zwar aus ihrer Nabrung und nicht aus See⸗ Schaum oder anderen See⸗Pflanien, wie man bis⸗ 187 her glaubte. Die Neſter beſtehen aus einer gummi⸗ artigen Subſtanz, von denen jedes ein Loth an Ge⸗ wicht und drei Zoll im Durchmeſſer haͤlt. Der zweite Handelspoſten iſt Landak am Fluſſe Puntiana. Die Niederlaſſung geſchah hier erſt ſpaͤter, als in Takas, im J. 4778. Durch Handel in Leinwand und Reis mit den Eingebornen gewinnt die Geſell⸗ ſchaft mehrere tauſend Gulden. 1X. Nach langen Kriegen haben ſich die Hollaͤn⸗ der auch auf Celebes und den benachbarten kleine⸗ ven Inſeln als Amboina u. ſ. w. feſtgeſetzt. Auf der Weſtkuͤſte der Inſel liegt die Hauptfeſte Rotterdam an einer ſehr ſicheren Rhede. Da die Einwohner ein muthiges, kriegeriſches Volk ſind, und die fremde Herrſchaft nur mit Widerwillen ertragen; ſo muß die Geſellſchaft zum Schutze viele Truppen und Offician⸗ ten halten. Hier iſt auch ein beruͤhmten Sklaven⸗ Markt fuͤr Batavia, und die Sklaven werden fuͤr 10 bis 12 Rthlr. erhandelt, von denen die meiſten von Neuguinea hergefuͤhrt werden. Sonſt iſt Ce⸗ lebes reich an Goldminen, welche von den Inlaͤn⸗ dern bearbeitet werden. Die Nachbar⸗Inſel Am⸗ boina mit der hollaͤndiſchen Feſtung Victoria iſt durch ſeine Nelken⸗Baͤume beruͤhmt. Man zählt bei 0oo Gaͤrten, deren ieder 26 Baͤume enthaͤlt, ſo daß man im Durchſchnitte eine halbe Million Baͤume au⸗ nehmen darf. Jeder Baum traͤgt zwei bis dritthaib Pfund Neiken. Reichliche Ernten liefern alſo uͤber — eine Million Pfunde. Doch ſind die Jahre ſehr ver⸗ ſchieden; bisweilen mißraͤth die ganze Erndte, weß⸗ halb die Geſellſchaft immer einen anſehnlichen Vorrath in ihren Magazinen auf den Fall einer ſchlechten Ernte aufbewahrt. Die Ausfuhr geht gewohnlich nach Ba⸗ tnvia, China, Japan und auch nach europäiſchen Laͤndern. X. Außer Celebes und Ambvina hat zur Sthaltung des Monopols der feineren Gewuͤrze die Geſellſchaft auch das Gouvernement Banda, zu wel⸗ chem ſechs bewohnte und vier woͤſte Inſeln gehoͤren. Neira, die Hauptſtadt und der Sitz der niederlaͤndi⸗ ſchen Regierung wird durch zwei Feſtungen Belgika und Nafſan beſchutzt. Das vorzüglichſte Erzeuaniß beſteht in Muscat⸗Nuͤſſen und Bluͤthen. Die Baͤume werden in beſondrren Gaͤrten oder Perken gezogen, daher die Eigenthuͤmer Perkeniers heißen. Die Musecaten⸗Bläthe iſt das zarte Gewebe, welches die harte Nußſchale umgibt. X. Noch gehoͤrt der Geſellſchaft ein Theil der Inſel Timor, noͤrdlich gegen Neuholland, wel⸗ che von brittiſchen Schiffen haͤufig beſucht wird. Der groͤßte Theil der Inſel beſteht aus dichten Waldungen, und iſt daher wenig bewohnt; die Kuͤſte iſt ſteil und bis auf wenige Plätze, großen Schiffen gefaͤhrlich⸗ Die Hollaͤnder haben ſich auf der nordoſtlichen Kuͤße ausgebreitet, und dort das Fort Concordia, dicht am Meeres⸗Ufer, erbaut. Jaͤhrlich ſegelt von Bs⸗ 189 * tavia ein Schiff hieher, die Niederlaſſung mit Waa⸗ ren zum Handel und allerlei Beduͤrfniſſen zu verſehen, und die wenigen Produkte der Inſel abzuholen. Sie beſtehen in Sklaven, die man in Batavia vorzuͤg⸗ lich ſucht, in Sandelholz von der beſten Sorte, und in Wachs, das die mit den Hollaͤndern verbundene Fuͤrſten als Tribut bringen muͤſſen. Ungeachtet der hollaͤndiſche Handel nach Japan mehr das Dienſtperſonale der Geſelſchaft als ihre Kaſſe bereichert, ſo wird ihre Handels⸗Niederlage auf der kleinen Inſel Deſima doch unter ihren inviſchen Be⸗ ſizungen aufgefuͤhrt. Deſima iſt durch eine Bruͤcke mit der Handelsſtadt Nangaſaki verbunden, wohin die Hohaͤnder aber nur auf beſondere Erlaubniß und unter beſtaͤndiger Begleitung gelaſſen werden. Dort leben ſtets in beſtaͤndiger Gefangenſchaft 14— 15 Euro⸗ päer, von denen einige Ober⸗ und Unterkaufleute ſind, nebſt einigen Matroſen, und werden von Zeit zu Zeit abgeloͤst. Der Handel von Japan war früher viel vortheilhafter, weil die Hollaͤnder dieſes Reich auch mit Waaren von China Tunkin und anderen indiſchen Reichen verſorgten. Er ward vorzuͤhlich aus For⸗ moſſa getrieben und beſchaͤftigte zuweilen 35 Fahr⸗ zeuge. Jetzt gehen nur zwei Schiffe jaͤhrlich nach Ja⸗ van. Sie ſegeln imn Junins von Batavin ab, und kehren im Januar zuräck. Ihre Ladungen beſtehen in Zinn, Biei, Zucker, Sapanholz, Flintenſteinen, Pfef⸗ fer, Elfenbein, Dueckſilber und Stiegeln. Außer 190 Kampfer, ſeidene Zeuge, lackirte Waaren, Porzellain, Thee, Reis, wird das Hauptproduft, Kupfer, aus⸗ gefuͤhrt. Das beruͤhmte japaniſche Kupfer beſteht aus kleinen Staͤben. Jeder iſt 13 Pfund ſchwer, und wird in Kiſten gepackt. Eine ſolche Kiſte bezahlt die Geſell⸗ ſchaft in Deſima mit zoffl., und verkauft ſie in Ben⸗ Zgalen und Coromandel fuͤr oo fl. XIMI. Nach China handelt die Geſellſchaft jaͤhr⸗ lich mit 4 bis s Schiffen, die, wie alle europaͤiſchen Chinafahrer in Canton ausladen. Alle Jahre gehen auch chineſiſche Fahrzeuge mit allerlei Waaren befrach⸗ tet, nach Batavia. Die von der Handelsdirektion in Holland nach China ausgeruͤſteten Schiffe, beruh⸗ ren Batavia, und werden erſt hier mit Pfeffer, Sinn, Gewuͤrz und anderen Waaren beladen. Doch braucht China von europaiſchen Guͤtern ſehr wenig weil der Handel nach den noͤrdlichen Provinzen, wo die Wolle⸗Waaren guten Abſatz finden wuͤrden, ſo Lut als verſchloſſen iſt. Sonſt hatten die Holl aͤnder guten Gewinn an Camelotten; doch iſt dieſer Han⸗ delszweig ſeit a7s9 von den Englaͤndern ſebr beein⸗ traͤchtigt worden, und vielleicht duͤrften dieſe ihn vol⸗ lig ſich zuwenden. XMI. Dieſe ſind die vorzuglichſten Beſitzungen und RPiederlafſungen der vſtindiſchen Geſellſchaft. Den Handel mit dieſen weit umher zerſtreuten Laͤn⸗ dern betreibt ſie mit eigenen Schiffen, die auf den Wefften der verſchiedenen Kammern, und zum Theil 191 . in Jndien erbaut wurden. Die Sumnſen, welche der in⸗ diſche Handel den Niederlanden und dem uͤbrigen Europa Foſten, die ſich dort mit Gewürzen⸗ Farbe⸗Materialien und anderen Waaren verſehen, ſind betraͤchtlicher, als man bisher gemeint hat, und Polland allein hat in einzelnen Jahren dadurch groͤßere Summen verlvren, als man ſonſt fuͤr Geldausfuhr aller indiſchen Geſell⸗ ſchaften anzunehmen pflegte. Seit ss wat die hol⸗ ländiſchoſtindiſche Geſellſchaft von ihrer Hohe etwas herabgekommen, und ihre Reichthuͤmer fingen an⸗ bei allen Schaͤtzen, die ihre Ofßzianten gewoͤhnlich nach Hauſe brachten, zu verſchwinden. Die Revolutionen in Indien haben vor allem ihren Waaren⸗ Abſatz, und dadurch die Vortheile des Handels vermindert. Die Eroberungen der Maratten im noͤrdlichen Deban⸗ Concan, und Suzeratte zerſirten unter den Ein⸗ wohnern alle Induſtrie, welche die Hollaͤnder zu be⸗ reichern pflegte. Baumwollenwwagren, welche dieſe Laͤnder ſonſt in Menge lieferten, wurden nun weni⸗ ger verfertigt, und zugleich verminderte ſich der Ab⸗ ſatz der Gewuͤrze, des Zuckers und anderer Waaren⸗ weßhalb ſie länglens ſchon ihr Comtoir in Amedſ⸗ bat der Hauptſadt von Suzeratte, und ihre Loge in Brvach, einer Stadt am Nerbudda⸗Fluß aufgegeben hat, und jetzt im Begriffe ſieht, den Han⸗ delsplatz Suratte ebenfalls zu verlaſſen, weil Eng⸗ laͤnder und Maratten bier ihren Handel untergraben. Auf der Kůſte Malabar litt ihr Verkehr durch die 192 Kriege, welche Hyder Aly mit den dortigen Mai⸗ renfürſten fuͤhrte, die ſich unter ſein Joch beugen muß⸗ ten. Ihre Pfefferausfuhr, das vornehmſte Produkt dieſer Gegend, ſchwand bis auf die Hälfte; Hyder eroberte waͤhrend dieſer Haͤndel ihre Faktoreien Chet⸗ tua und Paponetty, Cranvanor mußten ſie, wie bereits erwaͤhnt, dem Rajn von Travamvore ab⸗ treten, und da die Englaͤnder jetzt Herren von ganz dalabar ſind, ſo wird die niederlaͤndiſche Geſell⸗ ſchaft wohl bald auch von dieſer Kuͤſte verdraͤngt ſeyn⸗ Auf der Kuͤſte Coromandel, wo die Englaͤnder alle Fuͤtſten, Indier und Mohren ihrer Herrſchaft unter⸗ worfen haben, und die Hollaͤnder ahnen die Feſtung Negapatnam berlaſſen mußten, hat ihr Handel ebenfalls in dem Grade abgenommen, als jene ihre Eroberungen erweiterten. Der letzte ungluͤckliche Krieg mit England, worin die Geſellſchaft viele ihrer Be⸗ ſitzungen nebſt ſehr reichen Waarenlagern verlor, und kaum die uͤbrigen gegen dieſen gluͤcklichen Nebenbuhler vertheidigen konnte, verminderte ihr Vermoͤgen um 21 Millionen Gulden. Alle dieſe wiederholten Unfaͤlle cſchütterten die Geſellſchaft ſo ſehr, daß ſie im Fe⸗ bruar 1781 bei den Staaten von Holland einen Indult geßen ihrs Glaͤubiger auswirken mußte. Ihr Credit ſing ſichtbar an zu wanken, und ſie konnte nur unter Garantie der Republik Holland und der uͤbrigen Pro⸗ vimzen, und fuͤr ſich auf die läſtgſten Bedingungen, Gelder zur Fortſetzung des Handels aufbringen. Der⸗ 193 gleichen Anleihen mußte die Geſellſchaft bis 1702 fort⸗ waͤhrend machen, weil ihre indiſchen verſchuldeten Comtoire ohne Unterlaß Geidbedingungen forderten, ihre Ausruͤſtungen beträchtliche Summen koſteten, ihre Auetionen, mit deren Ertrag bisher dieſe Ausgaben beſritten wurden, kaum den vierten Theil gegen die votigen Zeiten abwarfen, und in dem ganien Zeit⸗ raum, von 1781— 1780 nie den Ertrag voriger Jahre erreichten, Die Kommiſſion, welche von den General ſtanten in Holland niedergeſetzt wurde, um nicht nur den ganzen Zuſtand der Geſellſchaft nach dem Kriege, ſondern auch die Sicherheit der Staaten zu unterſu⸗ chen, welche ſie bei dem augenſcheinlichen Verfall der oſtindiſchen Geſehſchaſt für die Garantie ſo vieler Mil⸗ lionen hatten, erwies endlich, daß', ohne außerordent liche Gluͤcksfaͤlle, ſie ſich ſelbſt bei ihrer dermaligen Verfaſſung wuͤrde aufgelost haben, oder daß bald ein gleicher unuͤberwindlicher Ahgang, wie waͤhrend und nach dem Kriege, entſtehen mußte. Eben dieſe Kom⸗ miſſien zeigte, daß die Koſtbarkcit der ganzen geſell⸗ ſchaftlichen Einrichtung, die Menge ihrer indiſchen Poſten, von denen die meiſten mehr koſten als einbrin⸗ gen, und alſo aus Europa erhalten werden muͤſſen, die Zahl, die Unwiſſenheit und der Eigennutz des groͤß⸗ ten Theils ihres Dienſtperſonals, ihren almaͤhligen Verfall befoͤrdern mußten. Um dieſem zu ſteuern, wurden nene Handels⸗Einrichtungen und noͤthis ge⸗ fundene Verbeſſerungen und Erſparungen vorgeſchla⸗ 194 gen, von denen man ſich betraͤchtliche Vorthelle ver⸗ ſpricht. Die fuͤr das Ganze der Geſellſchaften erheb⸗ lchſten faſſen ſich auf folgende: 1) Will die Geſellſchaft ihren eigenen Handel noß auf Japan, China, die Molukken und die henach⸗ barten Inſeln einſchraͤnken, und bloß das Monopol von Opium, Gewuͤrzen, japaniſchem Kupfer, Zucker, Zinn, Pfeffer, und Kaffee von Inva behalten, uüd dieſe Waaren theils in Batavia, theils in den euro⸗ päiſchen Kammerm oͤffentlich verkaufen laſſen. 2) Will ſie ihren Handel nach dem feſten Lande, Bengalen, Corvmandel und Malabar, ihren Bedienten oder anderen Privatperſonen uͤberlaſſen. Die Geſellſchaſt verläͤßt daher ihre dortigen Beſitzun⸗ gen ganz, oder behaͤlt hier nur einige Bediente, be⸗ ſondere Geſchaͤſte zu beſorgen. Wegen des Pfeffe Handels ſchraͤnkt ſie ſich auf ein Comtoir in Mala⸗ bar ein, wo ſie, wie bieher die gewoͤhnlichen Abga⸗ ben zieht, auch von Partikulier⸗Schiffen, die hieher bandeln, ſich Zoll bezahlen laͤßt. Alle uͤbrigen gehen ein. 4½ 3) Sollen verſchiedene Poſten, welche die Geſell⸗ ſchaft in der Nachbarſchaft der Gewuͤrzinſeln inne hat, um Fremden die Fahrt dahin zu erſchweren, ebenfalls wegen der großen Koſten verlaſſen werden. Sie will die Reiskultur in und Banda einführen⸗ um der koſtbaren Einfuhr in Javg uͤberhoben zu ſeynz 195 ihrem indiſchen Dienſtperſonal, das ſonſt aus Europa Fleiſch, Speck, und andere Vortheile, unter anderen auch Kap'ſche Weine erhielt, dafuͤr ertwas Gewiſſes an Geld bezahlen, und uͤberhaupt auf allen Komtvirs mancherlei bisher eingefuͤhrte Ausgaben einſchraͤnken. 4) Wird die Geſellſchaft in den Niederlanden ſo⸗ wohl als in Indien eine Menge uͤberfluſſtger Beam⸗ ten eingehen laſſen, die Fahrt nach Indien mit weni⸗ gen Scbiffen betreiben, und dadurch große Ausgaben auf den Schiffswerften erſparen. Zu dem Ende hat efner der indiſchen Kommiſſaͤre, Herr Nederburgh vorgeſchlagen, jaͤhrlich in⸗ allen Kammern, ſtatt der gewoͤhnlichen großeren Anzahl, 10 Schiffe auszuru⸗ ſten, von denen 4 nach Batavia, 2 nach Ceilon und 4 nach China gehen. Auf gleichen Fuß wird die ruͤckkehrende Flotte vermindert werden, indem anfer 4 China Fahrern nur 2— 3 Schiffe nach Ba⸗ tavja, und eben ſo viel von Ceilon jaͤhrlich zuruͤck⸗ kehren ſollen. Fuͤr den indiſchen Swiſchenhandel, den ſich die Geſellſchaft nach den oͤſtlichen Gewaͤſſern vor⸗ behaͤlt, werden auch weniger Schiffe noͤthig ſeyn, und dieſer kann aus Batavia fuͤglich mit 13— 14 Schif⸗ fen beſtritten werden, indem Japan und Banda ausgenummen, fuͤr alle beibebaltenen hollaͤndiſchen Niederlaſſungen von Malaera bis Timor jaͤhrlich ein Schiff hinlaͤnglich it, Waaren dahin ju fuͤhren und ihre Produkte abzuholen. Nach Japan gehen⸗ wie vorhet 2 Schiffe, und eben ſo viele nach Banda⸗ 196 um dieſe Inſel mit Reis zu verſorgen, ſo lange die Euirur desſelben noch nicht eingefuͤhrt ißt. 5) Soll die bisherige Opium⸗Geſellſchaft aufge⸗ hoben werden, und die Kompagnie will dieſen Han⸗ del, der auf den oͤſtlichen Inſeln ſehr vortheithuft iſt, auf eigene Rechnung treiben. s) Wird die Geſellſchaft von allen ihren Cſvil⸗ und Militaͤr⸗Bedienten in Indien verſchiedene bis⸗— her dort nicht eingefuͤhrte Abgaben heben. Dieſe be⸗ ſtehen in einem Geſchenke oder dem so Pfenning von allen Einkuͤnften, nach drei verſchiedenen Terminen; die Haͤlfte wird baar, und die andere in Papier⸗Geld gezahlt, von welchem in verſchiedenen Beſitzungen große Summen zirkuliren; dann in einer Beſol⸗ dungs⸗Steuer, oder dem Amt⸗ Gelde; endlich in der Erbſchafts⸗Steuer(Col⸗ lateral) wie dieſe in Holland eingeführt iſt, und in dem Kopfgelde von allen Sklaven. Endlich 7) iſt bereits eine außerordentliche Kommiſſion nach Indien gegangen, um die Reformen in Wirk⸗ ſamkeit treten zu laſſen, und Mißbraͤuchen abzuhelfen. Sie beſteht aus 4 Perſonen, dem erſten Syndikus der Geſellſchaft, Herrn Nederbourgh, dem Seekapi⸗ tain Frykenius ebenfalls in ihren Dienſten, dem dermaligen Generalgouverneur und dem Generaldirek⸗ teur in Batavia. Sie werden kaum in drei Jahren ihre Geſchaͤfte beendigt haben, und den beiden erſten iſt ein anſehnlicher Gehalt von 70— 90,000 fl. jaͤhrlich 197 ausgeſetzt worden. Ihren Wittwen unb Kindern wa⸗ ren von der Geſellſchaft Penſon, wenn ſie, waͤhrend ihrer Abweſenheit, mit Tod abgehen ſollten, und uͤberdies beiden Cemmiſſaͤren nach ihrer Zuruͤckkunft in Europa anſebnliche Zulage außer ihren bisherigen Beſoldungen zugeſprochen. Jedem wurde uͤberdem ais Reiſekoſten bei der Abfahrt nach Batubia 15,000 fl. vorausbezahlt. 198 Des Major M. Symes Geſandtſchafts⸗ Reiſe nach dem Königreiche Ava im Jahre 1795. Auf Befehl des Gouverneurs von Oſt⸗Indien unternommen. Aus dem Engliſchen überſetzt von Dr. Hagen. D. Lord Teignmouth, der General⸗Got⸗ verneur von Bengalen, mich zum Geſandten der oſt⸗indiſchen Kompagnie an den Kaiſer von Ava be⸗ ſtimmt hatte, um mich nach den brittiſchen Untertha⸗ nen, welche in deſſen Gebiet lebten oder dahin Hau⸗ del trieben, zu erkundigen, ſo beſtieg ich den 21 Febr. 47956 zu Calcutta das Schiff: Seepferd, unter dem Comm ando des Capitain Thomas. Zu Beglei⸗ tern hatte ich Herrn Wood als Sekretair, und Herrn Dr. Buchanan als Arzt der Geſellſchaft. Meine Leibwache beſtand aus zwei indiſchen Unteroffizieren und 14 Seapoysz; zu dieſen kamen noch ein hindolia⸗ niſcher Pundit(Gelehter) ein mubammedaniſcher Dol⸗ —— 199 metſcher und andere Perſonen, ſo daß unſere Anzabl ſich bis auf 70 Perſonen belief. 1 1 Am 4. Maͤrz erblickten wir die großen und kleinen Cocos⸗Inſeln, welche ihre Benennung von den vielen auf denſelben wachſenden Cocosbaͤumen haben. Sie ſind klein, moraſtig, unbewohnt und haben Man⸗ gel an Waſſer. Am sten landeten wir dicht bei Groß⸗ andaman, wo wir auf das gaſtfreundlichſte von den Capitainen Ram ſay und Stokoe aufgenommen wurden. Die Andaman⸗Inſeln ſind eine Fort⸗ ſetzung des Archigelagus, welcher vom Kap Ne⸗ grais bis zum Kap Atchien oder von 100 32“ bis zu 130 40! noͤrdl. Breite und von soo 6 bis zu 925 so“ oͤſl. Breite ſich erſtreckt. Die noͤrdlichſte Inſel ißt Großandaman, von etwa 140 Meilen Laͤnge, und 20 Meilen Breite. Ein kuͤrzlich entdeckter Seearm theilt ſie in zwei Haͤlften und eroͤffnet eine freie Durch⸗ fahrt in den Buſen von Bengalen. Die Englaͤn⸗ der gruͤndeten 1794 ihre erſte Niederlaſſung auf dem ſͤdlichen Ende. Die alten Schriftſteller kannten die Andamanen nicht genau. Ptolemaͤus begriff ſie mit den nicobariſchen und kleinern Inſeln un⸗ ter dem Namen der Gluͤcks⸗In ſeln und hielt ihre Bewohner fuͤr Menſchenfreſſer. Zu dieſer Vermuthung mag vielieicht die verſchiedene Geſtalt und Kleidung der armen, an den Ufern herumiprenden Wilden Ver⸗ anlaſſung gegeben haben⸗ Abends be ſabrn wir einiges urbar gemachtes Land: 200 der Boden war mit Blaͤttern und Geſträuch durchwebt und ſchien der Kultur unguͤnſtig, Seit 16 Mohaten verließen die Engloͤnder ihre Niederlaſſung am ſüdlichen Ende der Inſel und gruͤndeten eine neue im Port Kornwallis, welche ſich eigentlich auf einer kleinen Inſel in jenem Hafen befindet und Chatams⸗In ſel heißt. Sie iſt hoͤch⸗ ſtens zwei engl. Meilen lung und eine halbe breit und endigt ſich gegen Suͤd in eine Landſpitze, welche bei der Fluth unter Waſſer ſteht. Der Hafen Korn⸗ wallis gewaͤhrt einen ſehr reizenden Anblick; von al⸗ len Seiten vom Lande eingeſchloſſen ſieht man bloß einen kleinen Streif See mit Inſeln beſireut und von hohen dicht bewaldeten Bergen begrenzt. Die Bewohner von Andsmamn, deren Anzahl auf 2ooo oder 2600 Seelen angegeben wird, beſchäftigen ſich am See⸗ufer mit unbedeutendem Fiſchfange odet ſuchen auf den Felſen ihre kuͤmmerliche Nahrung. Sie ſind ſelten uͤber s Fuß hoch, haben duͤnne Glſeder, haͤngende Baͤuche, hohe Schultern und große Koͤpfe. So ſeltſam es auch ſcheinen mag, ſo ſind ſie eine Ab⸗ art der Neger mit wolligem Haar, platten Naſen, dicken Lippen; ihre Augen ſind klein und roth, ihre Haut dunkelſchwarz. Ihre Zuͤge druͤcken die außerſte Verworfenheit aus; ein ſchreckliches Gemiſche von Hunger und Wildheit. Sie gehen ganz nackt und kennen die Schamhaftigkeit nicht ganz. Zwei Weiber⸗ welche durch Fiſche angelockt, gefangen guf unſer Schiff 201 gebracht wurden, verloren bald alle Furcht, außer vor DUnternehmungen gegen ihre Keuſchheit, welche ſie mit unermüdeter Sorgfalt bewachten. Nach Ueberwin⸗ dung der erſten Furcht wurden ſie zutraulich, plau⸗ derten dreiſt, und ergotzten ſich unbeſchreiblich, als ſie ſich im Spiegel erblickten. Sie liebten den Ge⸗ ſang und ſangen zuweilen im klagenden, zuweilen im lebhaften Tone; auch tanzten ſie oft behende uͤber das Verdeck, mit den Ferſen an den Hintern ſchlagend. Sie verabſcheuten Wein und geiſtige Getraͤnke, liebten aber deſto mehr Reis, Fiſche und Zucker. Als ſie nach einigen Wochen wieder kraͤftig geworden, denn ſie waren vorher halb verhungert, wurden ſie der Skla⸗ verei mäde, ſprangen Nachts in das Meer und ſchwam⸗ men nach einer benachbarten Inſel. Die wentgen Geräthe der Einwohner ſind aͤußerſt roh bearbeitet. Ihre vorzuͤglichſten Waffen ünd: ein Bogen von 4— 6 Fuß Laͤnge, mit einer Sehne aus Holzfaſern oder Bambus⸗Splittern und Rohrpfeile mit Fiſchgraͤthen oder hartem Holze zugeſpitzt. Keber⸗ dies tragen ſie einen Speer von hartem Holze und einen Schild von Rinde zur Vertheidigung gegen ihre Feinde. Ihre Speiſen werfen ſie auf Kohlen und ver⸗ zehren ſie halb gebraten. Ihre Hauptnahrung beüeht in Fiſchen, doch verabſcheuen ſie Eidechſen, Iguanas, Ratten und Schlangen nicht. Voͤgel findet man in kleiner Anzabl, auch werden ſie ſelten gefangen. Ihre vegetabiliſchen Speiſen beſtehen in den wilden Pro⸗ 75. Bd. Indien. II. 2. 7 Fochen haben, ſo koͤnnen ihnen die gruͤnen Pflanzen wenig nuͤtzen; ihre ausgehungerten Koͤrper zeigen deut⸗ lich den Mangel an geſunden Lebensmitteln. Die Sprache der Andamanen hat mit keiner indiſchen die geringſte Aehnlichkeit; jedoch ſoll ſie weder rauh, noch ungenehm ſeyn. Ihre Geſaͤnge ſind wild⸗, aber melodiſch, und ihre Gebehrden beim Sin⸗ gen erſtaunlich ausdrucksvoll. Gegen die Inſekten beſchmieten ſie täglich ihren Koͤrper mit Schlamm, welchen die Sonne zu einer undurchdringlichen Ruͤſtung trocknet. Dazu verzieren ſie ihre woligen Köpfe mit rothem Ocher und ethalten auf dieſe Art geſchmuͤckt ein furchterliches Ausſehen. Sie verehten die Sonne, den Mond und die Geſtirne und die Geiſter der Wäalder, des Waſſers und der Gebirge⸗ Die einzigen vierfüßigen Thiere auf der Inſel ſind Schweine, Ratten, der Ichneumon und die Jquang. Auch gibt es einige Arten Schlangen und Skorpionen, deren Biß aber nicht tödtlich iſt. Fiſche werden in großer Menge gefangen, die beſten ſind: Barben, Kabbeljaue, Glattrochen und Schollen; Auſtern findet ninn nur in geringer Akzahl. Die Kuͤſte wimmelt von ſchoͤnen Muſcheln, Madreporen und Kauris. Un⸗ ter den verſchiedenen Baͤumen auf der Inſel zeichnen ſich der Banianen⸗ und der Terpentinbaum aus. Der Penatgrobaum lieſert gutes Knieholz; der ungeheuer dukten der Waͤlder. Da ſie aber keine Gefaͤße zum — 203 hohe Eiſenbaum iſt kaum mit der Axt iu bezwingen; das Rothholz gibt die ſchoͤnſten Siſchler⸗Arbeiten, als Mahagony. Unzaͤhlige Geſtraͤuche und Schilf⸗Arten umgeben die Staͤmme der Baͤume und bilden ſo eine undurchdringliche Hecke⸗ Nach einem fuͤnftaͤgigen Aufenthalte an dieſem wildentlegenen Orte, kuͤſteten wir uns zur Abfahrt. Die Indier hatten ihre Tonnen ſelbſt gefuͤllt, weil ihre Religion verbietet, Waſſer zu trinken, welches unreine Haͤnde geſchoͤpft haben. Am utten ſahen wir die Inſel Narecondam ein kahler Fels, 20 Meilen öſtlich von Andaman. Als wir bei der Einfahrt des Ranguhn 2 Tage vergeblich auf einen Lootſen war⸗ teten, ſo wagte es det Capitain, ohne Lootſen in den Fluß zu fahren. Das Land ſchien flach und moraſtig. Bei einem kleinen Dorfe kam ein Boot auf uns zu, um Erkundigung von dem Schiffe einzuztehen, und dann Bericht an den Gouverneur von Ranguhn iu erſtatten. Der Virmaniſche Offizier, welcher an Vord kam, hatte eine ſchaͤbige wollene Jacke an, mit einem Stuͤcke Seidenzeug umwunden, welches bei⸗ nahe bis auf die Knie hing. Er ſetzte ſich ohng Um⸗ ſtaͤnde auf einen Stuhl und ließ ſich von ſeinei Pe⸗ gleitern Schreibmaterialien reichen, welche ſich dähn auf ihren Ferſen auf's Verdeck niederließen und die Bekshle ihres Herrn erwarteten. Der Pffizier eikun⸗ digte ſich in gebrochener portugieſiſcher Sprache nach dem Namen des Schiffes, nach dem Ort ſeiner Her⸗ 204 kunft, nach den Waffen und Kriegsvorraͤthen und nach dem Namen des Capitain; alles dies ſchrieb er ſorg⸗ faͤltig auf. Weil wir keine Lootſen hatten, bat er uns, ſtill zu liegen, weil er fuͤr unſer Vorruͤcken ver⸗ antwortlich ſeyn muͤßte. Als wir Piloten erhalten hatten, entfernte ſich der Offizier ohne alle Umſtaͤnde. Weil der Gouverneur von Ranguhn die Ge⸗ ſandtſchaft in Perſon anzunehmen geſonnen war, ſo erſchien er mit einer Flotte von etwa 30 Kaͤhnen, von weichen 4 ſich durch ihre Geſtalt auszeichneten. Sie glichen den Staatsboten der Suͤdſee⸗Füſulaner, wa⸗ ren ians und ſchmal, mit Pfauenfedern und tibetani⸗ ſchen Kuhſchwaͤnzen verziert. Jeder Kahn hatte eine verſchtedene Flaage, und eine lange Stange mit einer vergoldeten Kugel, welche vom Hintertheil horizontal hervorragte. Drei der vornehmſten kamen an Bord, ſetzten ſich ſogleich nieder, während ihre Begleiter einen Halbkreis um ſie bildeten. Wir unterredeten uns mit ihnen vermoͤge eines indiſchen Dolmetſchers üͤber eine Stunde und befriedigten die Neugierde uͤber die Urſache unſerer Sendung mit allgemeinen Worten. Nach einer ſehr hoͤflichen Empfehlung ruderten ſie einige Male um unſer Schiff, wobei ſie keine gerings Kenntniß von Nautik zeigten. Das laͤngſte ihrer Boͤte war etwa 70 Fuß lang und 8 breit; die Anzahl der Ruder betrug 28 bis 40. Wir kamen ½2 Meile von den uͤbrigen fremden Schiffen bei der Stadt Ranguhn vor Anker und be⸗ 205 gruͤßten die Feſtung mit 1 Kanonenſchuͤſſen, welche erwiedert wurden. Den auſten begab ich mich mit Dr. BVuchanan und Herrn Wood an das Land, um unſere Wohnung zu beſehen⸗ Dieſe war nur ein Steckwerk hoch, vo Fuß lang, und mit Bambus und Schilfdecken zuſammengeſetzt. Das mit Matten be⸗ legte Dach ſchutzte gegen Sonne und Regen. Bei dem Eintritte in das Haus empfing uns eine ziemlich unmelodiſche Muſik, welche einige tanzende Maͤdchen und Knaben mit mancherlei artigen Bewegungen be⸗ gleiteten. Am folgenden Tage fanden wir zahlreiches Volk vor unſerm Hauſe. Bald brachte man uns ver⸗ ſchiedene Koͤrbe mit Wildvrett, Enten, Huͤhnern, Brod und Wurzeln, mit einer Empfehlung von dem Gouverneur. Zu unſerer Unterhaltung erſchienen die⸗ ſelben Muſikanten wieder. Zugleich kam ein alter Mann von Anſehen, Baba⸗Schihn, welcher der zweite dem Range nach in Ranguhn war⸗ Nach⸗ dem ich ihm den Zweck meiner Sendung eroͤffnet hatte, ſo gab ich ihm ein Schreiben an den Koͤnig, auf wel⸗ ches wir bald eine muͤndliche Antwort erhielten. Sobald ſich einer von uns an das Land begab, folgten ihm 3 bis 4 birmaniſche Wachen in der Ferne. Der Gouverneur überſchickte uns ein Geſchenk von Rilch Wildprett, Federvieh und Fruͤchten. Zugleich 11 Körbe mit Reis und ein Faß Butter, fuͤr das Schiffsvolk Letzteres wollten wir bezahlen, es wurde aber nicht angenommen. Bis jetzt durſte noch keiner unſerer Leute in die Stadt, und dieſe kein Waſſer von dem ganz nahe gelegenen Brunnen holen, ohne von einer Wache begleitet zu ſeyn; auch naͤherte ſich kein Boot von der Stadt oder den Schifen. Am ꝛsſten erſchien mit Baba⸗Schihn zugleich der Gouverneur, welcher bisher Unpaͤßlichkeit vorge⸗ geben hatte. Er ſchien etwa 6o Jahre alt und war militaͤriſch gekleidet. Er hatte ein Schwert, einen Rock von feinem europäiſchen Tuche mit goldenen ſpitzen Knoͤpfen, und ein Stuͤck gegittertes peguani⸗ ſches Seidenzeug um den Leib gewickelt, und San⸗ dalen, wie die Seapoys, an den Fuͤßen. Acht mit Saͤbeln bewaffnete Diener waren ſeine Begleiter; einer trug ein gemaltes Kaͤſtchen mit Betel und Arecanuß, ein zweiter Schreibmaterialien, und der dritte eine Waſſerflaſche, mit einem Schaͤlchen bedeckt, welches zugleich zum Trinken diente; alles dieſes Zeichen ſei⸗ ner Wuͤrde. Auf Baba⸗Schihns Verlangen zeigte ich die, fur den Vieekonig beſtimmten Geſchenke. Sie beſtan— den in geſtickten und glatten Muſſelinen, drei Stuͤcken feinen Duchs, einem Stuͤck Sammt und gebluͤmten Atlas, einer ſchoͤn gearbeiteten Vogelflinte, perſiſchen Roſenoͤl, Proben von geſchliffenem Glaſe und andern kleinern Gegenſtaͤnden. Alles wurde ſorgfaͤltig unter⸗ ſucht, genau geſchaͤtzt und aufgeſchrieben. Da der Gonverneur ein Stuͤck blaues Luch ſehr lobte, ſchickte ich es ihm nach Hauſe, ethielt es aber wieder, mit 207 dem Bemerken: gewiſſe umſtaͤnde noͤthigten ihn, jetzt keine Geſchenke von mir anzunehmen. Da der Hof zu Pegu unſere Ankunft wußte und ich des Zwangsverhaͤltniſſes muͤde war, redete ich ernſtlich mit Baba⸗ Schihn und dröhte mit der Abreiſe. Dies war gegen Baba⸗ Schihns Erwar⸗ ten, er fragte daher ernſtlich, was ich verlangte? Ich antwortete: Aufhebung alles perſoͤnlichen Zwanges, Entfernung aller Wachtboͤte vom Schiffe und der Schildwachen von dem Hauſe, Erlaubniß fuͤr die Capitaine und alle Boͤte im Fluſſe an Bord zu kom⸗ men, und fuͤr meine Leute auf den Makkt in die Stadt zu gehen, endlich, daß Herr Wood ſicher nach Pegu gehen koͤnne, um muͤndliche oder ſchriftliche Antwort auf des Generalgouverneurs Briefe zu holen. Nach⸗ dem man 3 Stunden fruchtlos mich zum Bleiben be⸗ redet hatte, ſo verſprachen ſie alle Bedingungen zu er⸗ fullen, was auch geſchah. Auf Baba⸗Schihns Vorſtellungen entſchloß ich mich ſchon den 34. Maͤrz nach Pegu abzureiſen⸗ weil das jährliche Feſt bei dem großen Tempel in Pegu in Kurzem mit großer Pracht ſollte gefeiert werden und der Vicekoͤnig unſere Anweſenheit ge⸗ wünſcht hatte. Zum Transport ethielten wir drei Boͤte, meines war nach birmaniſchen Begrii⸗ fen ſehr bequem. Es beſtand aus drei Zimmern, wel⸗ che mit Matten belegt und mit indiſchen feinen 208 Katun tapezitt waren. Das Dach war ſo niedrig, daß man nicht aufrecht ſtehen konnte. Zwoͤlf geſchickte Schiffer bewegten es mit kurzen Rudern. Ein großes ſchweres Boot war fuͤr die Soldaten und Diener, und ein kleines zur Kuͤche beſtimmt. Dr. Buchanans Boot erſchien erſt in der Daͤmmerung, wahrſcheinlich, um es ſeiner Unbequemlichkeit wegen nicht ſehen zu laſſen. Da ſich ſchon drei Meilen von der Stadt der Fluß Ranguhn in den Syriam oder Ava⸗Fluß er⸗ gießt, ſo warteten wir die Fluth ab. Zu unſerer Begleitung waren zwei Kriegsboͤte beſtimmt, in dem einen befand ſich der Nakhaan(Schreiber), in dem andern ein Unterbeamter. Wir ſchifften uns Abends ein und hielten am Morgen an. Ich ging mit Dr. Buchanan und einigen Begleitern an das Land, welches wir flach, hie und da mit Baͤumen beſetzt und ₰ mit hohem Graſe bewachſen, fanden. Die Spuren von den Kriegsverwuͤſtungen der Birmanen und Pe⸗ guaner ſah man noch ſehr deutlich. Wir fanden Fußtritte von wilden Elephanten, wilden Schweinen und Hirſchen und die Ueberbleibſel zweier Antilopen, welche halb von Tigern verzehrt waren. Das Land gewann jedoch bald ein anderes Anſe⸗ hen: zahlreiche Doͤrfer bedeckten die Ufer. Nach einer Fahrt von 90 Meilen erreichten wir Penu. Am Ufer erwartete uns Herr Wood, deſſen gute Aufnahme uns nicht wenig erfteute, und Baba⸗Schihn, wel⸗ 209 cher uns mit vieler Hoͤflichkeit in unſere Wohnung fuͤhrte, welche weit beguemer, als die vorige war. Sie lag einige hundert Schritte vom Thore, aber innerhalb der alten Feſtungswerke. Wie faſt alle bir⸗ maniſchen Haͤuſer war der Boden einige Fut hoch uͤber der Erde, die Waͤnde aus Bambus und Matten⸗ und ſchlecht mit Binſen bedeckt. Jeder hatte ein klei⸗ nes Schlafzimmer; ein großes war zum Eſſen und Beſuche beſtimmt. Für unſere Diener waren Huͤtten errichtet; eine Wand von Bambus⸗ Paltſaden umgab das Ganze und bildete einen geraͤumigen Hof. Bald nach unſerer Ankunft kamen zwei Offiziere, uns im Namen des Vieekoͤnigs zu bewillkommnen. Das Anerbieten des Viecekoͤniss am großen Tem⸗ pel Schomadu, die großen Feſtlichkeiten des Neu⸗ jahrtages zu ſehen, ohne vorher ihn zu beſuchen, nahm ich mit Vergnuͤgen an. Als uns am andern Tage Baba⸗Schihn abholte, brachte er drei kleine geſat⸗ telte Pferde, wie die Vornehmen in Hindoſtan ſis haben. Auf dieſen Pferden ritten wir durch eine langs Straße zum Tempel, wo wir ſtil hieiten, um die Prozeſſionen mit anzuſehen. Zuerſt kamen ziemlich langſam und einzeln Wachen des Vicekoͤnigs, unge⸗ fähr soo ſchlecht bewaffnete und eben ſo gekleidete Leute. Ein Theil war halbnackt und trus einen Schurz um den Unterleib, ein anderer hatte Sammt— oder Tuch⸗ rocke, ohne Ruͤckſicht, ob ſie paßten. Einige trugen hollaͤndiſche Huͤte mit breiten Raͤndern und goldenen 210 Sreſſen, andere bloße Hutkoͤpfe ohne Rand. Nicht beſſer waren die Pffiziere gekleidet. Dann wurden drei Kinder des Vieekoͤnigs von Maͤnnern auf den Schultern getragen. Hinter ihnen ritt der Vieekoͤnig auf einem ſchoͤnen Elephanten, welchen er ſelbſt lenkte. Er trug einen dunklen Sammtrock mit langen Aer⸗ meln und goldenen Treſſen und eine reich geſtickte Muͤtze von demſelben Stoffe;' eine Menge Parade⸗ Elephanten folgten ſehr elend aufgeſchirrt. Bei den Stufen des Tempels kniete der Elephant des Koͤnigs nieder, um ihn abſteigen zu laſſen; alle Parade⸗Ele⸗ phanten thaten dasſelbe. Das Volk ſetzte ſich nieder. Nachdem der Gouverneur die Stufen hinaufgeſtiegen war, zog er ſeine Schuhe aus und ging ohne Son⸗ nenſchirm um den Tempel zur Bezeugung ſeiner Ehr⸗ furcht. Hierauf begab er ſich zu dem Prte der Luſt⸗ barkeit, einem freien Platze an einer Ecke des Tem⸗ pels, welcher auf zwei Seiten mit offenen, oben mit Schilf gedeckten Gaͤngen von Bambu eingeſchloſſen war. Unter einer dieſer Hallen war ein erhabener Sitz⸗ mit einem Baldachin von Cuch, fuͤr den Vieekoͤnig und ſeine Kinder erbaut; neben ihm niedrige Vaͤnke fuͤr die Offiziere. Auf der linken Seite war ein aͤhn⸗ licher Thronhimmel fuͤr den Gouverneur von Marta⸗ ban; unter dem andern Gange wurde uns ein Sitz von ſchoͤnen Teppichen, jedoch ohne Baldachin ange⸗ wieſen. Die Beluſtigungen dieſes Tages beſtanden 211 bloß im Fauſtkampf und Ringen. Die Kaͤmpfe dauer⸗ ten nur bis auf einer Seite Blut floß, oft auf Befehl des Vicekoͤnigs noch kuͤrzer. Gebuͤckt krochen dann beide Kaͤmpfer zu ihm und beruͤhrten mit der Stirns die Erde. Dann echielten ſie von einem Diener des⸗ ſelben zwei Stuͤcke Baumwollenieug üͤber die Schul⸗ tern gebreitet; ſo beſchenkt entfernten ſie ſich in der⸗ ſelben Stellung. Waͤhrend dieſes Schauſpiels, wel⸗ ches 3 Stunden andauerte, erhielten wir Thee und Confituren in Menge. Den folgenden Tag wurden wir in das Haus des Vicekoͤnigs eingeladen. Baba⸗Schihn holte uns wieder mit Pferden ab; vor uns zogen unſere Diener und die Wache; s Birmanen trugen die obenerwaͤhn⸗ ten Geſchenke. In der Mitte eines viereckigen Hofes ſtand das Wohnhaus des Vieekoͤniges und um das⸗ ſelbe die kleinern Gebaͤude ſeiner Familie. Wir zogen unſere Schuhe aus und wurden durch einen Saal in eine Halle gefuͤhrt, in welcher eine Menge Menſchen mit untergeſchlagenen Beinen ſaß und den Vicekoͤnig erwartete. Wir ſaßen auf Teppichen, indem die Ge⸗ ſchenke vor uns hingeſtellt waren. Bei der Erſchei⸗ nung des Vicekoniges warfen ſich die Leute desſelben nieder; wir aber verneigten uns nicht, weil nichts von uns verlangt wurde. Durch Baba⸗Schihn ließ ich ihn von der freundſchaftlichen Abſicht unſerer Reiſe in Kenntniß ſetzen und zur Annahme der Geſchenke bewegen. Dann ſtnd ich auf und uͤberreichte das 212 Schreiben des Generalgvuverneurs, welches er vor ſich hinlegte, und dann von gais gleichguͤltigen Dingen ſprach. In Worten und in Betragen war er erſtaun⸗ lich hoͤflich. Nach einer haibſtuͤndigen Unterreduns lud er uns auf den andern Tag zu einem großen Feuer⸗ werke ein und entfernte ſich ohne Ceremonien. Hier⸗ auf wurden wir mit Thee und Zuckerwerk bewirthet⸗ dann fuͤhrte uns Baba⸗Schihn auf den aͤuferſten Balkon, um die verſchiedenen Geſellſchaften, welche Feuerwerke geben ſollten, zu ſehen. Es iſt hier Sitte, daß die nicht zu entfernten Diſtrikte eine Anzahl Maͤn⸗ ner und Weiber abſenden, um die uͤbrigen Einwohner bei dem Feſte vorzuſtellen. Dieſe Geſeüſchaften ſuchen einander an Pracht der Feuerwerke zu uͤbertreffen und ziehen den Abend vor der Feierlichkeit in Proteſſion vor der Wohnung des Vieekoͤnigs vorbei. Bei dem Feuerwerke waren die Raketen außerordentlich ſchön, ſonſt aber nichts merkwurdis. Zu bemerken war an dieſem Tage das ſtille und ruhige Betragen des Volkes. Die vier folgenden Tage waren wir von Luſtbar⸗ keiten verſchont, dagegen hatten wir deſto mehr Be⸗ ſuche. Die niedern Klaſſen umgaben den ganzen Tag das Haus; die etwas Vornehmern kamen in das große Zimmer ohne Umſaͤnde, wagten aber nie eine Thuͤre anzuruͤhren. So wie ſie kamen, ſetzten ſie ſich nieder, ſprachen und fragten nichts und ruͤhrten auch nichts . an. Am meiſten fiel ihnen unſere Art zu eſſen auf. Obgleich wir wenig mit dem Vizetoͤnig verkehr⸗ 2¹13 ten, ſo erhielten wir doch taͤglich Reis, Del, Tama⸗ rinden und Gewuͤrze fuͤr unfere indiſchen Leute; ich aber Blumen und Fruͤchte. Da ſie nach ihrer Reli⸗ gion nur wilde getoͤdtete Thiere effen durften, ſo ſchickte der Vicekoͤnig(Maywuhn) nie Fleiſch. Meine Leute kauften aber taͤglich Huͤhner, Ziegenlaͤmmer und wilde Antilopen, welche wir Nachts toͤdteten, um nicht das Vorurtheil der Peguaner gegen uns zu erregen. Den 10. April wohnten wir in dem Hauſe des May⸗ wuhn einem Schauſpiele bei, deſſen Ausfuͤhrung alle indiſchen Schauſpiele weit uͤbertraf, welche ich je ge⸗ ſehen hatte. Am 12. April, dem letten Tage des birmaniſchen Jahres, wurden wir von dem Maywuhn eingeladen, an einer Luſtbarkeit Theil zu nehmen, welche an die⸗ ſem Lage durch ganz Birma getrieben wird. Um alle Flecken des alten Jahres abzuwaſchen, herrſcht die Gewohnheit, daß die Weiber jeden Mann, wel⸗ cher ihnen begegnet, mit Waſſer beſpritzen; dieſe duͤr⸗ ſen dann nichts anders thun, als daß ſie die Weiber wieder begießen. Am Abende gingen wir zum Maywuhn, und fanden drei große Keſſel mit Waſſer zu unſerm Em⸗ pfange in Bereitſchaft; jeder von uns erhielt eine Flaſche Roſenwaſſer. Die Gemahlin des Maywuhn begoß uns nicht, aber ihre kleine Tochter, noch auf den Armen der Amme, begoß mit einem goldenen Schaͤlchen erſt ihren Vater, dann uns. Nun wurden 214 uns Fleider von Katun uͤbergezogen; ploͤtzlich ftuͤrzten 24 Maͤdchen herein, welche uns 4 Maͤnner unbarm⸗ herzig begoßen. Herr Wood hatte einen Keſſel ero⸗ bert, und wehrte ſich ſo lange, bis alles Waſſer ver⸗ ſpritzt war. Durchnaͤßt kehrten wir nach Hauſe zuruͤck und begaben uns nach dem Umkleiden wieder zu dem Maywuhn, wo wir mit Tanz und Puppenſpiel bis Mitternacht unterhalten wurden. Das alte Pegu kann man noch deutlich an der Mauer und dem Graben erkennen, welche es umga⸗ ben Es war ein Viereck, und jede Seite etwa 1 1/2 Meile lang. An vielen Stellen iſt der Graben verſchuͤt⸗ tet; die Mauer war an 20 Fuß hoch und unten 40 Fuß dick; ſie beſtand aus Ziegelſteinen, welche durch Lehm verbunden waren. Alle 300 Schritte entdeckt man noch gemauerte Baſteien. An jeder Seite der Mauer iſt ein 30 Fuß breites Thor und uͤber die Graͤben gehen Daͤmme. Als AlomprasPegn eroberte, machte er alle Gebaͤude mit Ausnahme der Tempel der Erde gleich. Der jetzige Koͤnig ließ aber die Stadt wieder aufbauen, ermunterte die Anbauer durch Land und verſammelte die zerſtreuten Familien. Das neue Pegu, balb ſo groß als das alte, iſt uͤberall von 10 Fuß hohen Pali⸗ ſaden umgeben. An jeder Seite befindet ſich ein Thor⸗ welches ziemlich fruͤh geſchloſſen wird. Ein elendes Stuͤck Geſchuͤtz, und einige Soldaten, welche gewoͤhn⸗ lich ſchlafen, haben die Thore beſetzt. Die Sttaben ſind, wie in allen birmaniſchen Staͤd⸗ 2¹5 ten, breit, mit Ziegeln von den Ruinen der alten Stadt gepflaſtert, und an jeder Seite mit einem Renn⸗ ſtein verſehen. Auch die ſchlechteſten Haͤuſer uͤber⸗ treffen dadurch die indiſchen, daß ſie nach Maß⸗ gabe ihrer Hohe uͤber den Boden erhaben ſind. Die Kloͤſter der Rhahaans und groͤßern Gebaͤude ruhen auf 6— 8 Fuß hohen Pfaͤhlen, die kleinern Haͤuſer nur auf?— 4 Fuß hohen. Es gibt keine ſteinerne Haͤuſer in Pegu als ſolche, welche dem Koͤnige oder dem Gotte Gaudma geweiht ſind. Dem Volke iſt es ver⸗ boten, ſich ſteinerne Haͤuſer zu bauen, damit es nicht auf den Gedanken komme, ſich Feſtungswerke anzu⸗ legen. Die Haͤuſer ſind ſämmtlich aus Bambu und Matten, die Dächer mit Binſen gedeckt. Bei jeder Thüre ſteht ein Feuerhacken zur Herabreibung der Binſen; eine andere Stange hat ein plattes, 3 Fuß breites Eiſen, um die Flamme auszudruͤcken. Faſt auf iedem Dache ſtehen irdene Gefaͤße mit Waſſer. Ver⸗ an den Häuſern iſt allen Unterthanen ver⸗ oten. Das merkwuͤrdigſte in Pegu iſt der Tempel des Schomadu oder des goldenen Gottes; dieſes bewun⸗ derungswuͤrdige Gebaͤude ſieht auf zwei Terraſſen⸗ eine uͤber der andern. Die untere, ein genaues Vier⸗ eck bildend, iſt 10 Fuß uͤber der Erde erhaben, die obere, kleinere Derraſſe iſt 20 Fuß hoch. Eine Seite der untern war 1394 Fuß lang und eine der obern 684 Fuß. Die Mauern, welche die Terraſſen umgeben, ſſnd verfallen. Auf ßeinernen Stufen erſteigt man die Cerraſſen; auf beiden Seiten ſtehen Wohnungen der Prieſter, s Fuß uͤber der Erde. Die Daͤcher ſind mit Ziegeln gedeckt, und die Wand mit Brettern. In je⸗ dem Hauſe ſind niedrige Baͤnke zum Schlafen, ſonſt keine andern Geraͤthe. Schomadu iſt eine maſſive Pyramide von Back⸗ ſteinen und Moͤrtel, ohne Heffnung irgend einer Art; an der Baſis achteckig und nach oben zu gewunden: iede Seite der Baſis iſt 162 Fuß lang. Diete große Breite nimmt ſo ſchnell ab, daß das Gebaͤude das An— ſehen einer Treppe bekommt. Ein 6 Fuß hoher Rand umgibt die Baſis der Pyramide; auf dieſem ſtehen 67 kleine Thuͤrme rund um den Lempel; alle ſind maſſiv, 2 Fuß hoch; und 40 unten im Umkreiſe. Dicht dar⸗ über ſteht ein zweiter Rand, welcher ss aͤhuliche Ke⸗ gel enthaͤlt. Eine Menge Zierathen umgeben das Ge⸗ baͤude; das Gante kroͤnt ein Si, oder durchbrochener eiſerner Aufſatz, uͤber welchem ein vergoldeter Wetter⸗ vahn befeſtigt iſt. Der Di befindet ſich auf jedem hei⸗ ligen Gebaͤude, welches ſpitz zulaͤuft, und wird mit großer Feierlichkett aufgeßeckt. Er hat s6 Fuß im umfange und iſt mit ſtarken Ketten an die Spitze be⸗ feſtigt; unten haͤngen viele Gloͤckchen, welche beim Winde ein ſtarkes Geklingel verurſachen. Der gane Ti iſt vergoldet. Alle kleinern Pagoden haben ähnliche Ti mit Schellen. Die ganze Hoͤhe des Tempels von der Grundflaͤche „ an iſt 361 Fuß, und von der obern Terraſſe 331 Fuß. Im ſuͤdweßlichen Winkel der vbern Terraſſe ſind zwei ſchoͤne Prieſterwohnungen(Kiuhms), ganz von Hol, aber ſchon geſchnitzt, vergoldet und lakirt. Einige Bilder von Gaudma, dem oberſten Gotte der Birma⸗ nen, lagen umher. In jedem Winkel der obern Terraſſe ſteht ein 67 Fuß hoher Dempel, im Kleinen dem großen Schoma⸗ dutempel aͤhnlich. Vor einem von dieſen ſtehen vier ſteinerne gigantiſche Bilder des Pallu(boͤſen Gei⸗ ſtes), halb Menſch, balb Thier, ſitzend und jeder mit einer großen Keule bewaffnet. Er ſcheint der Rakuß der Indier zu ſeyn und ſtellt den Waͤchter des Tempels vor. In der Mitte der Oftſeite ſtehen unter einem ver⸗ goldeten Sonnenſchirm zwei menſchliche Geſtalten. Die eine ſtehende, ein Mann mit einem Buche und einer Schreibfeder in der Hand, heißt Thaſiami, der Aufteichner der menſchlichen Tugenden und Laſter, die andere iſt ein knieendes Weib, Maſumdera, die Beſchuͤtzerin der Welt bis an ihr Ende; aber dann wird die Welt von ihr zeräoͤrt werden. In einem kleinen, ſteinernen Hauſe enthaͤlt eine Marmortafel ein Verieichniß der Geſchenke, welche die Pilgrime gebracht haben. Eine lange hoͤlzerne Huͤtte dient zum Aufenthalte der fremden Pilger. Jeder ankommende geht zuerſt an die Nordſeite, wo drei große Glocken haͤngen, und ſchlaͤgt mit einem 75. Bd. Indien. II. 2. 8 1A8 Hirſchhorue vecheele. an die Glocken und auf die Erde, um den Gaudmg von der Ankunft eines Sup⸗ plikanten zu benachrichtigen. Am Fuße des Tempels legt der Bittende ſeine Geſchenke, Reis, Zuckerwerk und Cocosnuͤſſe, auf nicdrige Baͤnke. Viele kleinere Tempel auf den Terraſſen verfallen. Eine Menge Flag⸗ gen wehen auf dem Platze, als ein Zeichen des prie⸗ ſterlichen Amtes; die Spitze iſt mit einer Gans vez⸗ ziert, das Symbol für Birmanen und Peg uanft. Die Gegend um Pegu iſt verwuͤſtet; die Be⸗ wohner weuiger benachbarter Doͤrfer find aͤußerſt arm; Reis mit Del und Salz iſt ihre einzige Speiſe, ob⸗ gleich ſie das ſchoͤnſte Vieh haben. Da ihnen das Fleiſch verboten iſt, genießen ſie auch die Milch ſel⸗ ten. Alle Kloͤſter in der Stadt und den Waͤldern ſind Schulen fuͤr Knaben eines gewiſſen Alters, welche umſonſt und ohne Unterſchied des Standes, Leſen, Moral und Religion lernen. Ein Stuͤck Land neben dem Haine trägt ſo viel indiſche Kartoffeln und Pi⸗ ſang, als fur die Prieſter nothwendig iſt; die Wohl⸗ tbätigtett der Landleute verſieht ſie hinlaͤnglich mit Reit. Keiue buͤrgerche Beſchaͤftigung ſoͤrt ſie in ih⸗ rem Nachdenken; ſie kaufen und verkaufen nie, und nehmen kein Geid. Die einzige Manufaktur in Pegu iſt Seiden und Baumwollenzeug, welches die Weiber fuͤr ſich und ihre Maͤnner weben. Den 26. April verließ ich nebſt Herrn Wyod und 2¹9 einigen Ofſizieren Pegu. Die geographiſchen Be⸗ ſtimmungen von der Lage der Stadt Pegu ſind kei⸗ neswegs richtig. Der Pegufluß heißt in der Lan⸗ desſprache Bagu⸗Kiup(Pegubach), weil er nur einige Meilen ſchiffbar iſt, und nur durch den Ran⸗ guhn⸗Fluß mit der See zuſammenhaͤngt. Der auf den Charten angegebene Fluß bei Pegu ſcheint der Sitang zu ſeyn; ein anſehnlicher Strom 18 Meilen oͤſtlich von Peg u. Nach Herrn Woods aſtronom. Beobachtungen liegt Pegu unter 170 40 noͤrdl. Breite und os0 14 16 öſtl. Laͤnge von London. Ueber Diſa kamen wir nach Ranguhn, wel⸗ ches etwa eine Meile laͤngs des Fluſſes hin liegt und 3 Meile breit iſt. Es wird von hohen Paliſaden und an der Nordſeite von einem Graben umgeben. An der Flußſeite ſind drei Kaien mit Krahnen fuͤr die Schiffe; ſie wird durch eine elende Batterie gedeckt. Zwei Haͤu⸗ ſer gebrauchen hier die Einwohner als Boͤrſe. Die Straßen ſind enger, als wie in Pegu, aber retn— und gut gepflaſtert; viele bedeckte Kanaͤle fuͤhren das Regenwaſfer ab. Eine eigene Straße, Namens Dack⸗ ally wird von öoͤffentlich infamirten oder unehrlichen Perſonen bewohnt. Schweine duͤrfen in großer Anzahl auf den Stra⸗ hen umherlaufen; ſie gehoͤren der ganzen Geimeinde und verzehren den Unrath bei allen Hauſern. Auch! eine große Anuhi Hunde, eine kleine Raer, hatten . 220 die Einwohner; jene machten unſere Gegenwart im⸗ mer durch lautes Kläffen bekannt. Unter den Fremden, welche uns beſuchten, befand ſich auch der italiſche Miſſionaͤr Vincent San⸗ Germano, welchen vor 20 Jahren die roͤm. Pro⸗ paganda hierher geſchickt hatte. Er ſchien ein braver und gelehrter Mann zu ſeyn. Seine Gemeinde be ſtand in zahlreichen aber groͤßtentheils armen Abkoͤmm⸗ lingen der Portugieſen. Zum Danke, daß ihn die Gemeinde unterhaͤlt, unterrichtet er die Kinder in der katholiſchen Religion und liest taͤglich zweimal Meſſe. Der Lempel des Schogodan, 11/2 Meile von Ranguhnein großes Gebaͤude iſt nur etwa 3o Fuß kleiner als die Pyramide Schomadu in Pegu. Er iſt viel ausgezierter und gewaͤhrt durch ſeine hohe Lage eine vortreffliche Ausſicht: die Fluͤſſe Pegu und Ran⸗ guhn durchſchneiden ein flaches Land, und der ſchoͤne Tempel Syriam ſteht bei der Vereinigung beider Stroͤme. Ueber 100 Stufen fuͤhren zum Tempel, der obere gewundene Theil iſt vergoldet. Die Nebenge⸗ baͤnde und Pagoden waren zahlreich und zum Cheil verfallen, zum Dheil noch nicht ausgebaut. Der Weg von der Stadt zum Tempel iſt mit Sorgfalt angelegt. Unzaͤhlige Thuͤrmchen mit Niſchen für Gaudmabilder ſtehen an den Seiten. Nicht weit vom Wege liegen mehrere Kloͤſter im Schatten von Samarindenbaäumen⸗ —— 21 Die Birmanen lieben, wie alle Drientalen Prozeſſſonen; jede Woche iſt entweder ein Leichenzug, oder nach den Vermoͤgens⸗ Umſtaͤnden des Todten eine offentliche Verbrennung, oder die Einweihung eines Knaben zum Prieſterſtande. Im letzten Falle ſparen dieEltern keine Koſten; die Hauptausgaben ſind Gaſtmaͤler und Geſchenke an die Rhahaaus(Prie⸗ ſer). An einem beſtimmten Tage reitet der Noviz, gelb gekleidet, auf einem geſchmuͤckten Pferde, wel⸗ ches zwei Knechte führen, durch die Straßen. Vor⸗ aus geht eine Anzahl Muſikanten, ein Haufe Rhahaans umgibt ihn; dann folgen ſeine maͤnnlichen Freunde und die weiblichen beſchließen den Zug⸗ Geſchenke für die Prieſter auf den Koͤpfen tragend. So geht der Zug zum Kloſter; dieſe Zeremonie wird dreimal wie⸗ derholt; jedesmal ſind neue Geſchenke noͤthig. Die Kloſter beſtehen ganz aus Holz, das Dach hat mehrere Abſaͤze, welche auf Pfeilern ruhen; das In⸗ nere iſt eine große, auf allen Seiten offene Halle. Die Rhahuans haben keine Zellen, ſondern Publizitaͤt iſt das Hauptſyſtem der birmaniſchen Religion und Re⸗ gierung. Die Anzahl der Rhahaans um Ranguhn beläuft ſich mit Einſchluß der Novizen auf 4600. Sie gehen baarfuß, mit geſchornem, immer unbedeckten Haupte. Die Prieſterſchaft kleidet ſich ausſchließlich in gelb; ihre Kleidung iſt ein weiter Mantel, welcher um den ganzen Körper geſchlagen wird. Sie leben im Cölibat; Ausſchweifungen werden mit Ausſtoßen aus 222 dem Orden beſtraft. Der Verbrecher wird auf einen Eſel geſetzt, das Geſicht ihm ſchwarz und weiß bemalt, und er ſo bei Trommelſchlag durch die Straßen ge⸗ fuͤhrt. Dieſer Fall iſt jedoch ſelten. Die Rahaans bereiten ſich niemals ihr Eſſen ſelbſt, ſondern ſie er⸗ halten es ſchon gekocht von den Laienz ſie ſpeiſen nur ein Mal des Tages und genietßen alles kalt. Mit Ta⸗ gesanbruch ſendet jedes Kloſter eine Anzahl ans ihrer Mitte, welche mit einem blaulakirten Kaſten durch die Straßen gehen. Jeder wirft dann Reis, getrock⸗ nete Fiſche und Fruͤchte in denſelben. Die Sammler ſchlagen ihre Augen nie auf und ſehen nie den Geber an. Den Ueberfluß erhalten durftige Fremde oder arme Schulkinder. Die Beroͤlkerung von Ranguhn kann man auf 30,000 Seelen rechnen. Da die Stadt lange ein Zu⸗ fluchtsort für Schuldner war, ſo fanden ſich ſolche aus allen Gegenden des Drients ein. Die ſogenannte Börſe hietet einen Zuſammenfluß von fremden Kauf⸗ leuten dar. Malabaren, Mongolen, Perſer, Armenier, Portugieſen, Framoſen und Englaͤnder laufen durch einander. Dieſe Nationen leben nicht nur allein in volliger Sicherheit, ſondern ſie genießen auch die un⸗ geftoͤrteſte Religionsfreiheit. Dr. Buchanan ging gewoͤhnlich an der Weſt⸗ ſeite des Fluſſes umher und hatte ſo Gelegenheit, Maindu, die Reſidenz des Statthalters von Dalla, zu ſeben. Maindu hat eine einzige lange Straße; 29⁸ am Ende iſt ein Kanal, welcher bis Bnſſien geht und bei der Fluth a2 Fuß Waſſer hat. An der Weſt⸗ ſeite iſt an den Ufern eines kleinern Kanals dos Dorf Mima⸗Schunraa ganz von luͤderlichen Weibsrer⸗ ſonen bewohnt. Viele von ihnen kommen oft unſchul⸗ dig zu dieſer Lebensart; denn in Pegu beſteht das Geſetz: daß Schuldner, welche nicht bezahlen koͤnnen⸗ als Sklaven verkauft werden. Reicht dieſes nicht zu, ſo widerfaͤhrt dasſelbe ihren naͤchſten Verwandten. Sind die verhandelten Wetber ſchoͤn, ſo verkauft ſie der Aufſeher an den Aufſeher dieſer Unſchuldigen, welcher ſich mit dem Verdienſte ihrer Reize bezahlt macht. Veberhaupt behandelt manndie Weiber bei den Birmanen ohne Schonung und haͤlt ſie wenig uber die Thiere erhaben. Die gemeinen Leute verkaufen ihre Wetber und Toͤchter ohne Bedenken an Fremde, ohne daß es dieſen zur Unehre gereicht. Da meilne Abreiſe nach Ummerapura feſigeſetzt wir und ich Boote kaufen wollte, ſo verſicherte der Mohwuhn, daß es ihrem Herkommen zuwider ſey⸗ dergeichen von fremden Geſandten bezahlen zu laſſenz zuglerh ſetzte er uns von der Bereitſchaft einiger Bpote in Kemtniß, an welchen wir etwas von europäiſchen Zimmereuten aͤndern ließen. Uum ieſe Zeit machte ein Befehl vom Hofe viel Aufſehen. Der Kaiſer von China wuͤnſchte noch vor ſeinem Tode einen Alligator und ein Rhinveeros zu ſehen; um hatte dieſen Wunſch durch einen Geſand⸗ 24⁴ ten geaͤnßert. Dem zufolge befahl der Hof von um⸗ merapura 20 Alligators und eben ſo viele Rhino⸗ ceroſſe zu fangen und lebendig bis Peking zu ſchaffen. Die Birmanen ließen die Sterne wegen des Ta⸗ ges unſerer Abreiſe befragen. Als der guͤnſtigſte Tag wurde der 28. Mai feſtgeſetzt; da aber unſere Boͤte um dieſe Zeit noch nicht fertig ſeyn konnten, den Sternen aber nicht zu widerſtehen war, ſo erklaͤrte der Maywuhn: er wuͤrde vorausreiſen, uns aber bei der Vereinigung des Ranguhn⸗Fluſſes mit dem Itrawaddy erwarten. Am beſtimmten Tage begab er ſich feierlich zu Pferde, und ſeine Gemahlin in einem Palanguin an das Ufer; ſeine Kinder wurden auf den Schultern getragen. Sein Boot war zierlich und von einigen Kriegsſchiffen und mehrern gemeinen Boͤten begleitet. Zur beſtimmten guͤnſtigen Stunde verließ die Flotte das ufer. Uuns aufzunehmen, waren 6 Boͤte in Bereitſchaft: Hert Wvod, Dr. Buchanan, ich, und der Dil⸗ metſcher, hatten jeder ein eigenes Bvot. Die Wiche und Diener, welche wir nicht brauchten, hattei eit großes Fahrzeug, auf welchem unſer Gepaͤcke ſch be⸗ fand; die Kuͤche war in einem beſondern Boot⸗ Den 30. Maͤrz ſegelten wir ab und fuhren den ganen Tag bis wir die ehemals anſehnliche Panlang ereichten. Weiterhin ward der Strom enger, in 3 Sunden er⸗ reichten wir Kettori Rua(Papageieworf) und bald darauf Yangien⸗Tſchaniah, am Eintritt in 22⁵ den großen Fluß, wo wir beilegten. Am andern Tage erreichten wir den Maywuhn, welcher uns erwartete und mit einem verbindlichen Gruß, Milch, Reis und Fruͤchte ſchickte. Bei verſchiedenen Prtſchaften und Staͤdten vorbeigefahren, ankerten wir den 4. Juni bei Kium ſik(dem Ktoſter der Treppen). In dieſem ſtanden zwei Dempel von mäßiger Hoͤhe, aber von der Spitze bis zum Fuß vergoldet. Eine Menge Kloͤſter liegen in der Nachbarſchaft, und die Rhahaaus gingen neugierig an dem Ufer umher. Kiumſik iſt gut ge⸗ baut und hat einige zierliche hoͤlzerne Bruͤcken. Den naͤchſten Abend landeten wir bei Grapiſik (Sardellenhaſen, von dem daſelbſt betriebenen betraͤcht⸗ lichen Händel mit dieſen Fiſchen benaunt). Bei Meya⸗ haun, ſonſt Sunzae⸗ einer in birmaniſchen Kriegen beruͤhmten Stadt, ſahen wir uͤber 200 große Boͤte. Von hier famen wir bei Tirrup⸗miau(der chineſiſchen Stadt) vorbei, wo wir deutlich den Anau⸗ peotau⸗miau: die Gebirge, welche das Land von Arrakan trennen, erkennen konnten. Bei der Fahrt nach Piinggi bemerkte ich die ſonderbare Art, wie die Ruderknechte das Boot mit Stangen weiter ſchaf⸗ ſen; ſie ſtaͤmmen naͤmlich nicht die Schulter gegen die Stange, ſondern die Halsmuskeln uͤber dem Schlüſ⸗ ſelbein; hievon kommt es, daß alle hohe Schultern zu haben ſcheinen. Die Staͤdte Piing⸗ gi und Sa⸗ ladan fuͤhren eine anſehnliche Menge Bauholz nach Rangubn. J 226 Das muͤhſame Stromaufwaͤrtsfahren hatte unſere Flotte zerſtreut; dabei ſtrandete unſer großes Boot; doch konnte der groͤßte Theil des Gepäckes noch geret⸗ tet werden. Viele Artikel waren aber durchaus ver⸗ dorben. Um friſche Boote anzuſchaffen, bat mich der Maywuhn, daß ich einige Tage in der Stadt Mia⸗ daͤh verweilen moͤchte, welches Anerbieten wegen dez Mattigkeit unſerer Leute ich gern annahm. Prome, ein in den birmaniſchen Kriegen merk⸗ wuͤrdiger Ort, liegt nur zwei Tagreiſen von Miadaͤh entfernt. Die Gebaͤude in Prome verdienen keine Aufmerkſamkeit; ich ſelbſt aber war ein Gegenſtand des boͤchſten Erſtaunens. Alle Hunde bellten mich und meine Begleiter an, die Maͤnner gafften, die Kinder folgten mir nach, und die Weiber, wie gewoͤhnlich, lachten und ſchlugen die Haͤnde zuſammen. Indeß erzeigte man mir uͤberall Achtung und wich mir aus. Prome und die ganze Provinz iſt das Lehen des zwei⸗ ten koͤnigl. Prinzen, von welcher er auch ſeinen Litel fuͤhrt. Die Stadt heißt auch Terre Ketteri: das einzige Fell. Dieſer Name ſoll auf folgende Weiſe entſtanden ſeyn: Eine Favoritfklavin des maͤchtigen Koͤnigs Tutebougmandſchi mit drei Augen bat dieſen um ein Stuͤckchen Land. Auf die Frage, wie viel ſie verlange, entgegnete ſie, gerade ſo liſtig wis Dido bei Erbauung Karthagos: ſo viel ſie mit einem Ochſenfelle bedecken konnte. Einige Meilen von 227 dieſem Drte ſollen grofe Ruinen einer weit groͤßern Stabt und Feſtung als der jetzigen liegen. Vom Prome ſegelten wir den 41. Juli nach Pua⸗ dang, einem Dorſe mit einem ſehr heilig gehaltenen Lempel des Gaudma, welcher hier ſelbſt gewohnt haben ſoll. Einen ſeiner Fußſtapfen ſieht man in einer Marmorplatte. Zu Miadaͤh verweilten wir einige Tage. Es iſt ein Zeichen von Ehrerbietung, wenn man einem zu Waſſer Reiſenden eigne Haͤuſer am Ufer erbaut. Füͤr den Koͤnig werden auf allen Reiſen Ge⸗ vaͤnde, nach der gewohnlichen Bauart, aufgefoͤhrt. Bei Errichtung derſelben wird vorzuͤglich auf den Rang des Reiſenden geſehen; der Vorzug beſteht hauptſaͤch⸗ lich in der groͤßern Anzahl der Abſtufung des Daches. Dieſe Rangunterſchiede erſtrecken ſich ſogar bis auf Kleinigkeiten z. B. Flaſchen, Beteldoſenu. f. w. Das groͤßte und bequemſte Haus laͤßt ſich in einem Tage errichten. Bambus, Rohr und Binſen ſind die einzi⸗ gen Materialien zur Erbauung derſelben. Miadaͤh iſt klein, aber gut gebaut und reinlichz das Fort jedoch, wie alle im Lande, verfallen. In der ſchoͤnen Umgegend ſind viele Kloſter und Tempel in lieblichen Hainen zu ſehen. Der Maywuhn war ſehr gefaͤllig und ſchickte mir taͤglich Frchte, Fiſche und Milch. Obgleich es verboten iſt, Thiere von ir⸗ gend einer Art zu toͤdten, ſo mächte man doch eine Ausnahme mit dem Wildprett. Auf unſern Spazier⸗ gaͤngen fanden wir auch einen flachen Granitſtein⸗ 228 s Fuß lang und s breit, mit einem hoͤlzernen Dache gegen den Regen. Er ſollte, wie der Stein zu Pua⸗ dang, ein Abdruck des Fußes des Gaudma(Budh) ſeyn; ein dritter iſt bei Membu. Die Flaͤche des Fußes iſt mit vielen Hieroglyphen bedeckt, zwei ver⸗ ſchlungene Schlangen bilden die Ferſe und s Schnecken die Zehen; das Ganze ſoll eine Vorſtellung der Schoͤ⸗ pfung ſeyn. Wegen eines aͤhnlichen Abdruckes in Cey⸗ lon glauben die Voͤlker beider Laͤnder, daß Gaudma mit einem Fuß auf dem feſten Lande und mit dem andern auf Ceylon geſtanden habe. Ich ließ den Stein genau abzeichnen. Waͤhrend unſeres Aufenthaltes in Miadaͤh fanden wir wenig Bemerkenswerthes. Unſere Erſcheinung zog die Vornehmen von 20 Meilen in der Runde her⸗ bei. Oft kamen zehen verſchiedene Geſellſchaften an einem Morgen; oft erſchienen Weiber allein, und, wie uͤberall, ſo waren ſie auch hier neugleriger und lebhafter, als die Maͤnner. In der huͤbſchen Stadt Longi langten wir den 2aſten an. Wir beſuchten ein Kloſter, wo ſich der Prior ſehr uͤber unſere Kleidung wunderte. Er uͤber⸗ reichte mir ein Papyrusblatt, auf welchem mit einem Griffel eine fromme Ermahnung geſchrieben war, um mich dabei an Schodagonga Siridah(welches wahrſcheinlich ſein Titel war) zu erinnern. Er fragte warum der Doector nicht auch einen rothen Rock, wie 229 ich truͤge? Als er ſeinen Stand erſuhr, ließ er ſich ein Mittel fuͤr ſeinen rauhen Hals verſchreiben. Longi,(das große Tau) fuͤhrt ſeinen Namen von einer langen Reihe Steine, welche eine kleine Felſenſpitze mit dem Lande verbinden und faſt wie ein Tau ausſehen. Nach der Erzaͤhlung der Einwohner ſoll vor 100 Jahren ein Tau den Fluß herabgeſchwom⸗ men, mit einem Ende an dem Felſen und mit dem andern am Lande haͤngen geblieben und ſo in Stein verwandelt worden ſeyn. Da der Irawady die Kraft zu verſteinern beſitzt, ſo koͤnnte es ſehr leicht natuͤrlich zugegangen ſeyn, aber die Birmanen glau⸗ ben lieber Wunder, als eine ſolche Erklaͤrung. Die Inſel mit dem Fluſſe bietet eine der bezauberndſten Gegenden dar. Wir ſelbſt gingen mehrmals auf die Inſel, um im Fluſſe zu jagen, aber die Fußſtapfen von Tigern noͤthigten uns, vorſichtig zu ſeyn. Wir fingen Wachteln, Rebhuͤhner, Haaſen und Holztau⸗ ben von vortrefflichem Geſchmack. Auch Hirſche und Buͤffel gab es auf dieſer Inſel. Das Vieh, welches zum Ackern und Fahren gebraucht wird, iſt gut und ſtark. Zwei Ochſen ziehen den Pflug, an den Wagen 3 werben 4— 6 geſpannt. Einen Tag vor unſerer Abreiſe von Lon gi erhiel⸗ ten wir einen unerwarteten Beſuch von dem portu⸗ gieſiſchen Befehlshaber aus Ranguhn. Er kam, uns mit einem angemeſſenen Pompe einzuholen. Sein Boot war glaͤnzend und die Ruderknechte trugen Uni⸗ 230 form. Er ſelbſt trug einen langen Sammtrock mit Gold beſetzt, einen Hut mit ſehr breitem Rande, ebe⸗ falls mit goldenen Treſſen verziert. Nach einer unge⸗ ſchickten Begruͤßung, halb auf europäiſche, halb auf birmaniſche Art, benachrichtigte er mich: daß ihn der große Staatsrath(Lotu) zu meinem Empfange abge⸗ ſchickt habe, mit der Meldung: der Koͤnig habe drei vornehmen Pffizieren befohlen, mich in Pagam⸗ myu, welches Tagreiſen von Ummerapura, der Hauptſtadt, entfernt iſt, zu erwarten. Zugleich habe der Koͤnig mir die ausgezechnete Ehre erwieſen, eine koͤnigl. Schaluppe fuͤr mich dorthin zu ſchicken, wel⸗ che von zwei Kriegsbvoten gezogen werden ſollte. Dieſe Ehre wird nur den Vornehmſten angethan, de⸗ ven Wuͤrde es nicht erlaubt, ſich mit Ruderknechten in einem Schiffe zu beſinden. Einen Tag nach der Abreiſe des portugieſiſchen Befehlshabers reisten wir weiter. Auf unſerer Fahrt ſahen wir viele Staͤdte und Doͤrfer. Scho, Li⸗Rug, das Dorf der goldenen Boote, wird ganz von Schiß⸗ fern bewohnt, weiche im Dienſte des Koͤniges ſtehen⸗ Scho bedeutet Gold; alles, was dem Koͤnig gehoͤrt, fuͤhrt dieſes Beiwort. Selbſt ihn nennt man niemals ohne Hinzufägung dieſes Metalls. Will ein Un⸗ terthan ſagen: der Koͤnig hat es gehoͤrt, ſo ſagt er; es hat das goldene Phr erreicht; oder er iſt bei dem Koͤnige geweſen, ſo druͤckt er ſich ſo aus: er komme von den goldenen Fuben. Obgleich das Gold bei den 231 Birmanen immer ein Zeichen von Werthe iſt, ſo braucht man es doch nicht als Geld, ſondern zum Schmucke fuͤr die Weiber, zu Dhrenringen und Ge⸗ raͤthe fuͤr die Maͤnner. n5 Um 2 Uhr Nachmittags kamen wir nach Jaͤh nan⸗ geum, dem Steinoͤlbach. Die bekannten Steinoͤl⸗ guellen, welche das ganze Land und einen Theil von Indien verſehen, liegen s Meilen entfernt. Der Voden umher hat die Kraft zu verſteinern. An der Muͤndung des Fluͤßchens bei der Stadt lagen viele große Poote, um Steinoͤl einzunehmen. Das Del batte einen ſehr widerlichen Geſchmack. Den s. Juli kamen wir zur großen Stadt Sil⸗ lanvya, welche ihrer Seidenmanufacturen wegen be⸗ ruͤhmt iſt; ſie ſelbſt iſt artig und hat mehrere Tem⸗ vel; der Boden it ſchlecht, aber das Vieh ſchoͤn. Die Crotolaria juncea wachst hier wild, und wurde guten Hanf geben. An dem Fluſſe Fu⸗wa, welcher ſich in den Ira⸗ waddi ergieß?, liegt die Stadt Ju⸗miaw, welche wie die umliegende Gegend von einem Volke Ju be⸗ wohnt wird. Die Birmanen ſchilderten dieſe Leute haͤßlich, mit haͤngenden Baͤuchen und weißen Zaͤhnen. Die Birmanen faͤrben naͤmlich durchgaͤngig ihre Zaͤhne, Augenwimpern und den Rand der Augenlieder ſchwarz. Die Ju ſind Unterthanen der Birmanen, haben dieſelbe Religion und ſprechen einen birmaniſchen Dialett. 232 Bei der Stadt Neundah etwakteten uns dis Abgeſandten. Am Ufer war ein ziemlich hohes Haus errichtet, in welchem ich von deinſelben feierlich em⸗ pfangen ward. Nach einer kurzen Unterredung kamen Muſtkanten und Tänzerinnen, welche uns mit Trom⸗ meln, Gongs, indiſchen Guitarren und birmaniſchen Harfen und Geigen, und kreiſchenden Trompeten,. faſt taub machten. Unter den Taͤnzerinnen ahmte ein Maͤdchen mit vieler Geſchicklichkeit mehrere fremde Taͤnze nach. Ich vertheilts einige Silberſtuͤcke unter die muſikaliſche Bande. Den folgenden Tag vermehrte der Maywuhn von Pegu die Geſellſchaft der Abge⸗ ſandten. Dies war das erßemal, daß er uns dieſe Höoͤflichkeit erwies. Soviel wir die Stadt beſehen konnten, fanden wir die erſte Straße lang, krumm und kaum z0 Fuß breit; vieie ſchoͤn verzierte Kramladen und den Matkt mit Gemuͤſen, Obſt und Fiſchen, aber nicht mit Fleiſch beſetzt. (Fortſetzung folgt.)