ttatatotatsrůszratotettcttatdtꝭtdttatatotdtatdt — 1 Leihbibliothek 1 von— Eduard Ottmann in Gießen. 3 Täglicher Leſepreis für ein deutſches Buch 1 Kr. 5 n„„ franz. od. engl.„ 2 B Das Abonnement beträgt: 1 für wöchentlich 6 Bücher: 4 Vücher; 2 Bücher: F auf 6 Monat: 2 fl. 30 Kr. fl.— Kr. 1 fl. 12 Kr. ß —„ * Wararaarrrrrr rr rarararrhn L 1E hht * ——— Laſchen⸗Blbliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Dſt⸗, Weſt⸗ und Süd⸗Indien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Ver f a ßt von M n und herausgegeben„ von Joachim Heinrich 6 Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu S I. Sheil. 1. Bändchen. Finn Verlegt von Heinrich Haubenßricker. 8 1. R e des Kaufmanns Amerigo Veſpucei aus Florenz nach Weſt⸗Indien. Aus dem Lateiniſchen frei überſetzt von Wolfgang Friedrich Eckert, Weltprieſter im Erzbisthume Bamberg 1). — An 20. Mai 1499(nicht 1497 wie Befpueei gelogen hat) ſegelten wir mit 4 Schiffen unter dem *) Aherici(i. q. Americi) Vespucii mundus novus, s. epistola ad Laurentium Petrum de Medicis, de reditu suo ab novis regionibus. S. 1. et a. 4. Einige glauben dieſer Brief ſey 260 erſchienen. Der Seltenheit wegen wurde er oͤfters aufgelegt z. B. in dem Werke: Gos- mographiae introductio„ cum quibusdam geometriae ac astronomiae principiis ete. In- super quatuor Americi Vespucii navigationes S.. W. lat. sept. 1607. 4. So kommen ſie auch in der erſten Abtheilung der Huttich. Gryn⸗ Hervag. Sammlung von 1632, 1637 und 1665 „ 6 Kommandeur Odeja von Cadix an die Kanari⸗ ſchen Inſeln, wo wir uns woͤhrend eines achttagigen Aufenthaltes mit Holz, Wafſen und andern Beduͤrf⸗ niſſen verſahen. Nach einer 27 taͤgigen Fahrt kamen wir an ein Feſtland, ungefaͤhr tauſend Meilen weſtlich von den Kanariſchen Inſeln. Wir legten unſeze Schiffe vor Anker, ſtiegen an das Land, und trafen zu unſrer groͤßten Freude eine unzaͤhlige Volksmenge, die ſich nackt am ufer herumtrieb. Aber auch ſie wa⸗ ren ſehr betroßen, als ſie uns— Menſchen mit Klei⸗ dern bedeckt und von anderer Geſichts⸗Bildung ſahen. 2 N vor, nach welcher die erſte Pariſer⸗Ausgabe von 1632 ſich bildete i Bald erſchien eine italiſche Ueberſetzung von Giann. Giocondo, welche auch in die Racalta de vinsgi von Ramuſto zu Ve⸗ nedig 1588. Fol. vol, I. P. 428 unter dem Titel: ommario di due na igazioni etc. aufgenom⸗ men ppurde. Die franzöſiſche Ueberſetzung erſchien im Anfange des LV. Jahrhunderts unter dem Titel noucau monde et navlgations d' Amerie de Vespuce, Florentin, translaté de l'talien en francois Ppar Mathurin de Re- douer§. 1. ot a, Die erſte deutſche Ueberſetzung durch Dr. Fobſt Ruchamer:„ünbekanthe landte und öin newe weldte in kurzvergangener zenthe erfunden“ welche bei G. Stuͤchs zu Nürnberg 1305 erſchien, befindet ſich auf der Bamberger Bbliothek. Nach ihr folgte jene von Dr. M. Herr zu Straßburg 4834; andere zu Frankfurt 601, zu Oppenheim 4648 und zu Berlin von M. Fr. Voß 1722. Seb. v. Mün⸗ ter, Joh. Thevodor und Thomas von Bry, — . Vald flohen ſie auf einen benachbarten Berg⸗ und waren weder durch Winke, noch ſonſtige Zeichen der Freundſchaft dahin zu bringen, ſich uns zu naͤhern. Die Nacht brach an; unſere Schiffe waren nicht ge⸗ hörig geſichert. Wir ſuchten einen beguemen Hafen, und fanden ihn nach einer zweitaͤgigen Fahrt, waͤh⸗ rend welcher wir die Bewohner der Inſel immer im Angeſichte hatten. Wir ſtiegen an das Land, konnten aber von der zahlloſen Schaar nur einige Wenige, und mit großer Muͤhe dahin bringen⸗ mit uns zuſammen nebſt anderen waren blinde Nachbeter. Die kecke Lüge A. Veſpucci's, er habe ſeine erſte Reiſe ſchon am 20. Maͤrz 1497(ſtatt 1499) begonnen⸗ wurde von Charlevotr im i. Theile ſeiner Histoire de 8. Dominque, nach ihm von Toz, Tinaboſchi und Jagemann gründ⸗ lich wiederlegt. Deßwegen ſetzte der franzoͤſiſche Geſandte, Graf von Dufort zu Florenz, 100 Seudi auf die beſte Vertheidigung A. Veſpuccis⸗ Dieſe erſchien unter dem Titel: Flogio di Amerigo Vespucci, che ha riportato il Premio dell' Fcademia Ptrusca di Cortano nel di 16. Oct. 1788, con una dissertazione giustificatiya di questo celebre navigatore, del P. Stanis- lao Canovai. Firenze 1788. 4. Dazu gehoͤrt noch eine zweite Ertzießung zu großen Patrio⸗ rismus gegen die anerkaunte Wahrheit. Ricer- che istorico— eritiche circa alle scopérte di A. Vespucci, eon Vaggiunta di una relazione del medesimo finora inedita, compilate da 77 3 v C Fr. Bartozzi. Firenze 1789. 8. C(Jaeck.) 8 zu tretten, nachdem wir ihne n Schellen, Spiegel, Guͤrtel und andere Kleinigkeite n gegeben hatten. unſere Schiffe zuruck⸗ Aber ehe noch der Morgen graute, bemerkten wir am Geſtade eine zahl⸗ loſe Menge Volkes, Maͤnner, Weiber und Kinder, ſammt allen ihren Habſeligkeiten. Sie nahmen uns zuvorkommend und ſo freundſchaſtlich auf, als waen ſie uns ſchon lange gewoͤhnt. Maͤnner und Weiber gehen völliß nackt, ſind von mittlerer Groͤße, wohl geſtaltet, und von Farbe roͤth⸗ lich gelb. Außer den langen ſchwarzen Kopfhaaren laſſen ſie, weil ſie einen behaarten Leib für etwas Thieriſchwildes halten, an keinem andern Theile ein Haar aufkommen. Ihr Geſicht iſt breit und nicht einnehmend. Im Gange und Laufe ſind ſie leicht und ſchnell; unglaublich iſt ihre Fertigkeit im Schwimmen, beſonders die der Weiber. Bogen und Pfeile, die ſie mit Geſchicklichkeit fertigen, und, da ſie von Metallen nichts wiſſen, mit den Zaͤhnen wilder Thiere waffnen, oder hart brennen, ſind ihre Waffen. Sie treffen, wohin ſie zielen. Außerdem haben ſie Prugel und künſtlich ge⸗ arbeitete Knotenſtocke. Im Kampfe mit den Nachbarn üben ſie eine Grauſamkeit, die nichts verſchont, als aufbewahrt werden. In den Krieg nehmen ſie ihre Weiber mit, welche ihre Brduͤrfaiſſe auf dem Rücken tragen, und mit einer 9 Laſt, welche ein Mann nicht von der Erde aufzuheben vermag, wohl vierzig Meilen kommen. Sie wiſſen nichts von einem Fuͤhrer, nichts von Ordnungs jeder iſt ſein eigner Herr. Nur die Rache ihrer gefallenen Ahnen beſtimmt ſie, die Waffen zu fuͤhren, nicht die Sucht zu herrſchen, oder ihr Gebiet zu erweitern. Dieſes Volk gehorcht keinem Herrſcher in ſeiner natuͤrlichen Freiheit. Haben ihre Feinde Einen aus ihnen gefangen genommen oder getoͤdtet, dann um⸗ gůrten ſie ſich zum Kampfe. Ein Blutsverwandter des Gefangenen oder Getoͤdteten fordert in der Naͤhe und Ferne Alle auf, das Blut und die Freiheit ſeines Verwandten zu raͤchen; und alle, getrieben vom Mit⸗ gefüͤhle, folgen ſeiner Aufforderung. Ihre eignen Miſſethäter aber ſrafen ſie nicht, lebend ohne Recht und Gerechtigkeitspflege; Eltern zuͤchtigen ſelbſt ihre Kinder nicht. Sie reden wenig und leiſe; wegen der Mannig⸗ faltigkeit der Sprache verſtehen ſich die Bewohner von ie hundert zu hundert Meilen nicht. Sie eſſen, wann ſie der Hunger treibt, zu jeder Stunde Tags und Nacht, und ſchlafen in großen Netzen, aus Baum⸗ wolle gefertigt, die frei in der Luft haͤngen. Dem haͤuſigen Baden verdanken ſie einen reinlichen Koͤrper. Waͤhrend ſie, um ihre Nothdurft zu verrichten, mit Sorgfalt einen abgelegenen Drt ſuchen, ſind ſie in Laſſung des Waſſers unverſchäͤmt. Sie kennen kein Geſetz der Ehre; daher nimmt und entläßt jeder 10 Weiber, ſo viel er will, ohne Bedenken; auch den Weibern kömmt in Bezug auf die Maͤnner gleiche Befugniß zu. Beſonders ſind die Weiber ungemein wohllſtig, ſehr fruchtbar, und ſcheuen waͤhrend ihrer Schwangerſchaft keine Arbeit; ſie gebaͤren ſo leicht, daß ſie an dem Tage ihrer Entbindung uͤberall herum gehen, und ſich ſogleich im Fluſſe baden. Dabei ſind ſie der Grauſamkeit und efnem boͤsartigen Haſſe ſo ergeben, daß ſie, wann ſie von ihren Maͤnnern auf— gereitzt werden, durch ein ſchnell bereitetes Gift die Geburt abtreiben. Sie ſchaͤmen ſich ihrer wechſelſeiti— gen Nacktheit nicht. Es waͤre ein Wunder, eine Frau mit ſchlaffen Bruͤſten oder einem herabhaͤngenden Bauche zu ſehen. Denn alle haben nach ihren Ent⸗ bindungen ein friſches Ausſehen, als haͤtten ſie nie geboren. Wir haben nicht wahrgenommen, daß dieſes Volk einiges Geſetz haͤtte. Dort raucht kein Dpfer, dort iſt kein Bethaus. Ihre Wohnungen ſind gemeinſchaftlich, aus großen Baumſtaͤmmen nach Art der Zelten aufge⸗ fuͤhrt, mit Palmenblättern gegen Wind und Wetter gedeckt, und ſehr geraͤumig, ſo daß wir deren fanden, welche 600 Mann faßten. Alle 7 oder s Jahre veraͤn⸗ dern ſie ihren Aufenthalt, weil die Luft durch laͤngeres Verbletben verdorben wuͤrde. Ihre Reichthuͤmer be⸗ ehen in Vogeiſedern verſchiedener Farben, Kuͤgelchen aus Fiſchknochen, gruͤnen und weißen Steinen, die ſie zur Zierde an Vacken, Dhren und Lippen haͤngen. 11 Zufrieden mit dem, was die Natur freiwillig Bibt, verſtehen ſie ſich nicht auf Kauf und Verkauf. Gold, Edelſteine, Perlen verachten ſie. Wie ſie nie eine erbetene Gabe verweigern, ſo ſind ſie auch im Begehren unverſchaͤmt. Als das feſteſte Band der Freundſchaft gilt ihnen die Vermiſchung mit ihren Weibern und Loͤchtern, welche ſie ihren Freunden zum willkührlichen Gebrauche anbieten. Die Verſtorbenen beerdigen ſie; legen aber zu ihren Haͤuptern Lebensmittel hin; oder ſie tragen den, welcher dem Tode nahe ſcheint, in ſeinem Schlafnetze in einen Wald, haͤngen es zwiſchen zwei Baͤume, tanzen bis zum Abend um ihn herum, laſſen aber ſo viel Waſſer und Speiſe zuruͤck, daß er 4 Lage leben kann, und ziehen nach Hauſe. Geneſet nun der alles Beſuches Entbloͤßte wieder, ſo wird er bei der Ruͤckkehr in ſeine Wohnung mit vielen Feierlichkeiten empfan⸗ gen; ſtirbt er, ſo wird ihm kein weiteres Begraͤbniß zu Theil. Gegen ihre Krankheiten wenden ſie ganz eigenthuͤmliche Mittel an. So ſahen wir oͤfters, daß ſie einen Fieber Kranken, zur Zeit des Fiebers, in eiskaltem Waſſer badeten, dann einige Stunden um ein Feuer zu laufen zwangen, hierauf zur Ruhe brach⸗ ten; viele wurden auf dieſe Weiſe geſund. Sonſt eſſen ſie auch 3 bis 4 Tage nichts, laſſen zur Ader in den Lenden und der Wade, und erbrechen ſich auf das Kauen eines Krautes. Ihre Nahrung beſteht in Wurieln, Kraͤutern, Fruͤchten und Fiſchen; Gettaide 12 haben ſie nicht. Das Gemuͤße, was ſie zu ihrer Nah⸗ rung brauchen, iſt eine Baum⸗Wuriel, aus welcher ſie Mehl machen, die ſie bald C hambi, bald Jucha, bald Ig name nennen. Fleiſch eſſen ſie wenig, Menſchenfleiſch ausgenommen. Ihre Feinde aber, die ſie im Felde toͤdten, oder gefangen nehmen, Maͤnner und Weiber, freſſen ſie mit mehr als thieriſcher Wild⸗ heit auf; wir waren deſſen oft Augenzeugen; und ſie wunderten ſich, daß wir unſere Feinde nicht auf gleiche Weiſe aufzehrten. Der Verlauf der Beſchrei⸗ bung wird noch mehrere Beweiſe von der Rohbeit dieſes Volkes liefern. Bei dieſer erſten Landung ſahen wir, wenig Ge⸗ winn voraus, weil wir die Sprache dieſes Volkes nicht verſtanden. Gold trafen wir nur wenig an. Wir ſegelten daher laͤngs des ufers zwiſchen Klippen und Riffen, und kamen nach einigen Tagen in einen Hafen, wo uns große Gefahr drohete. Wir trafen naͤmlich hier eine Drtſchaft von ungefaͤhr 20 Woh⸗ nungen, welche in die See auf holzernen Pfeſlern ge⸗ baut, und mit Zugbruͤcken verſehen waren. Sobald uns die Einwohner bemerkten, flohen ſie in ihre Wohnungen zuruͤck, und zogen die Bruͤcken auf. In⸗ zwiſchen ſahen wir zwoͤlf Kaͤhne, wie ſie ſolche aus Baumſtuͤmmen aushoͤhlen Kanve), auf uns kommen. Die Wilden wunderten ſich uͤber unſere Geſtalt und Kleidung, und hielten ſich in einiger Entſernung von uns. Wir verſccherten ſie unſerer freundſchattlichen 13 Geſinnungen durch Zeichen, und winkten ihnen. Sie eilten jedoch dem Lande zu, und brachten bald in ihren Kaͤhnen 46 junge Maͤdchen, gaben an jedes unſerer Boote 4 davon ab, und gingen ſo freundſchaftlich mit uns um, daß wir ſie fuͤr die treueſten Freunde hielten. Inzwiſchen ſahen wir eine Menge Volks durch die Fluth auf uns zuſchwimmen, waͤhrend einige alte Weiber aus den Haͤuſern uͤberlaut ſchrien, und die Haare ſich ausrauften. Wir ſchoͤpften Verdacht von Verrath, griffen zu den Waffen; und wirklich, die Maͤdchen, welche ſie in unſere Boote geſetzt hatten, ſprangen in das Meer, die in den Kaͤhnen waren, ſchoſſen mit Bogen auf uns, und jene, die in den Fluthen daher ſchwammen, trugen ſpitzige Lanzen. Wir vertheidigten uns tapfer, richteten mehrere Kaͤhne zu Grunde, toͤdteten etliche zwanzig Menſchen, mach⸗ ten 2 Maͤdchen und 2 Maͤnner zu Gefangenen, und legten dieſe in Feſſeln. Die Maͤdchen aber und ein Gefangener entwiſchten uns in der folgenden Nacht. Tags darauf ſegelten wir laͤngs des Huͤgels s0 Meilen weiter, und trafen ein Volk, welches in Sprache und Sitten von dem Vorigen ganz verſchie⸗ den war. Wir ſtiegen an das Land; aber die Volks⸗ menge am Geſtade, die ſich auf 4000 Mann belaufen mochte, flah von uns in die Waͤlder. Bald trafen wir mehrere Zelte, in denen verſchiedene Gattungen von Fiſchen gebraten waren. Man bratete dort ein Thier, welches einem Drachen glich; es war unbe⸗ 14 fluͤgelt, erßaunlich wild, von der Groͤße einer Ziege, anderthalb Ellen lang, mit langen fleiſchigen ſtark be⸗ klaueten Fuͤßen, abwechſelnder Farbe, und einem Kamme vor der Schnauze bis zur Schwanzſpitze. Zu⸗ gleich hatte man dieſem Thiere die Fuͤße gebunden und das Maul verkoͤrbt. Sein Brod bereitet ſich jenes Volk aus See⸗Fiſchen. Sie kochen naͤmlich die Fiſche einige Zeit im Waſſer, dann hacken und kneten ſie dieſelben zu Leig, welchen ſie auf Kohlen roͤſten. Wir ſelbſt fanden dieſes Brod ſehr ſchmackhaft. Sonſt eſſen ſie Baumftuͤchte, Wurzeln und dergleichen. Da wir merkten, daß die Leute nicht wieder zuruͤckkamen, ſo hinterließen wir von unſern Sachen Manches, und kehrten auf die Schiffe zuruck. Mit der Sonne erſtem Strahle ſammelte ſich Tags darauf am ufer eine Menſchen⸗Schaar, zu denen wir an das Land ſtiegen. Sie gingen unter dem Scheine der freundſchaftlichſen Zuverſicht mit uns um, bedeuteten uns, daß ihre Wohnungen mehr landeinwaͤrts laͤgen, und ſie ſich hieher nur zum Fiſchfange begeben haͤtten. Sie baten uns auch, mit ihnen in ihre Doͤrfer zu gehen, wo ſie uns als Freunde behandeln wollten, und dieß be⸗ ſonders wegen der zwei Gefangenen, die wir bei uns hatten, und ihre Feinde waren. Auf ihr zudringliches Bitten folgten ihnen 28 von den Unſrigen wohlgeruͤ⸗ ſtet in ihre Wohnungen, welche3 Meilen vom Geſtade lagen. Mit wilden Feierlichkeiten, mit Tanien, Singen und Jauchzen wurden wir empfangen, und * 15 als Wunder angeſtaunt. Die Aelteſten kamen und vaten uns, auch mit ihnen tiefer in das Land zu gehen. Wir folgten ihnen, und wurden mit unbeſchreiblichen Ehrenbezeigungen uͤberall aufgenommen. Bei unſerem Ruckwege begleitete uns das ſaͤmmtliche Volk. Wurde einer von den unſrigen müde, ſo trugen ſie ihn in ihren Netzen mit ausgezeichneter Sorgfalt; ſie halfen uns uͤber die Fluͤſſe, deren dort viele, zuweilen bedeu⸗ tende ſind. Andere trugen die Dinge, womit ſie uns beſchenkt hatten: praͤchtige Federn, Bogen⸗ Pfeile, und unzaͤhlige Papageien von verſchiedenen Farben. Als wir an unſere Boote kamen, nahmen wir ſo viele mit, als ſie nur faßten; außerdem ſchwam⸗ men uns wohl tauſend Mann nach, neugierig unſere Schiffe zu beſchauen. Sie wunderten ſich uͤber die Einrichtung, den Bau, Vertheidigungsſtand und die Groͤße derſelben. Laͤcherlich aber war zu ſehen, wie der groͤßte Theil von ihnen, als wir einige Kanonen löſeten, auf den Knall, gleich Froſchen in das Waſſer hupften, und jene, die in dem Schiffe waren, ſo außerordentlich erſchracken, daß wir uns ſelbſt tadeln mußten. Jodoch benahmen wir ihnen die Furcht bald, indem wir ihnen erklaͤrten, daß wir mit dieſen Waffen unſere Feinde niedermachten. Wir bewirtheten ſie einen Tag feſtlich, dann aber hieſſen wir ſie, ſich zu entfernen, weil wir in folgender Nacht abſegeln woll⸗ ten; ſie kehrten zuruͤck. Dieſes Land iſt ſehr bevolkert, und hat Thiere in 16 Menge, deren wenige den Unſrigen aͤhnlich ſind, aus⸗ genommen die Löͤwen, Baären, Hirſche, Schweine und Ziegen. Pferde, Eſel, Hunde, Schaafe und Rindvieh haben ſie nicht. Ihre Waͤlder und Haine gruͤnen und tragen immer Fruͤchte. Dieſes Land liegt 23* noͤrdlicher Breite.. Auf die zudringliche Frage, woher wir gekommen ſeyen, gaben wir zur Antwort: wir ſeyen vom Him⸗ mel herabgeſtiegen, um die Erde zu ſehen, welches ſie glaubten. Viele lieſſen ſich taufen, und nannten ſich dann Carabi oder Charibi, d. h. Weiſe, das Land ſelbſt aber nennen ſie Parias oder Lariab. Nach mancher anderen Fahrt, auf denen wir neue Voͤlker, aber wenig Gold antrafen, liefen wir, bereits as Monate auf der See, in einen Hafen ein, um unſere Schiffe auszubeſſern und Lebensmittel an Bord zu nehmen. Das daſige Volk nahm uns mit Freude auf, half uns in Ausbeſſerung unſerer Schiff⸗ Geraͤthe, und gab uns freiwillig ſo viele Lebensmittel⸗ daß wir von unſerm Vorrathe wenig vetzehrten. 37 Tage blieben wir in dieſem Hafen. Als wir unſere Ruͤckreiſe nach Spanien antretten wollten, baten ſie uns, ein grauſames Volk, welches gegen 200 Meilen ſeeeinwaͤrts laͤge, fuͤr die Grauſam⸗ keit, mit der ſie jaͤhrlich bei ihnen einfielen, die Ih⸗ rigen mordeten und verzehrten oder gefangen wegfuͤhr⸗ ten, zu zuͤchtigen. Wir beſchloſſen, ſie von dieſen Bedruͤckungen zu befreten, nahmen aber von den uns — —————— — ———— 17 angebotenen Geſchenken nichts an. Mit 7 der Ihrigen ſegelten wir 7 Tage nord⸗oſt⸗oſtwaͤrts an bewohnten und unbewwohnten Inſeln voruͤber, und warfen vor der Inſel Ity Anker. Wir bemannten unſere Boote mit Vewaffneten, und naͤherten uns dem Geſtade. Die Bewohner des Eilandes aber— nackt, von ſtar⸗ kem Koͤrperbaue, mit Bogen, Pfeilen, Lanzen und zum Theil mit viereckigten Schilden bewaffnet, zum Zeichen ihrer Kampfluſt am ganzen Koͤrper bemalt und mit Federn geſchmuͤckt— hinderten uns durch tapferen Wiberſtand, an das Land zu ſteigen. Als wir aber auf ſie feuerten, ergriffen ſie die Flucht. Am folgenden Lage ſammelten ſie ſich, auf Hoͤrner⸗Ruf und geſchmuͤckt, neuerlich zum Kampfe. Wir griffen ſie mit 62 Mann an, machten viele nieder, verfolgten ſie nach einem hitzigen Gefechte bis in ihre Doͤrfer, ſteckten ihre Wohnungen in Brand, und machten 25 Gefangene. Wir hatten einen Todten und 22 Verwundete. Die Maͤnner, die mit uns hieher gekommen waren, entließen wir hierauf mit eben ſo viel Gefangenen in ihre Heimath. Wir aber kehrten nach Spanien zuruͤck. Am 13. Dktober 1600 liefen wir zu Cadix mit 222 Gefangenen ein, die wir hier ver⸗ kauften. Fot. Vd. Indien. II. 1. 2 ——— — Anhang zur erſten Reiſe, unter dem Titel: Zweite(angebliche) Reiſe. Wir liefen wieder von Cadix aus. Wir richteten unſere Fahrt gerade auf das gruͤne Vorgebirge, ſchifften vor den Kanariſchen Inſeln vorbei, ver⸗ ſahen uns auf der Feuer⸗Inſel mit Holz und Waſſer, und gelangten in 19 Tagen an ein Land, welches wir fuͤr Feſtland hielten. Es liegt unter dem 5* ſuͤdl. Br., ſuͤdweſtlich von obigen Eilaͤndern. We⸗ gen der großen Fluͤſſe, die das Land durchſtroͤmen und uͤberſchwemmen, konnten wir nicht landen; jedoch er⸗ kannten wir an den Fluͤſſen, daß das Land bewohnt ſey. Wir lichteten die Anker und ſegelten laͤngs des ufers zwiſchen Dſt und Oü⸗Suͤd⸗Oſt, oͤfter aber im⸗ mer vergebens die Landung verſuchend. Nun richte⸗ ten wir die Fahrt nach Weſt⸗Nord⸗Weſt, und gelaug⸗ ten an eine ſehr ſchoͤne Inſel mit der bequemſten Bucht. Waͤhrend wir dort einliefen, gewahrten wir am Ufer auch Volk. Indeſſen wir unſere Boote rich⸗ teten, um zu landen, ſahen wir einen Kahn, mit 19 mehr als 20 Mann beſetzt, uber die hohe See kom⸗ men. Wir beſchloſſen, uns deſſen zu bemaͤchtigen, aber als wir mit vieler Anſtrengung ihm nahe gekommen waren, ſprangen die Wilden in das Meer, und eut⸗ kamen gluͤcklich an das Land; zwei nur fielen in un⸗ ſere Hände. Im Kahne ſelbſt waren vier Knaben, von einem andern Lande, welche zum Zeichen, daß ſie ſollten verzehrt werden„an den Gliedern verſtuͤm⸗ melt und beſchnitten waren. Sie bedeuteten uns, dieſes Volk ſev hoͤchſt grauſam und wild, eſſe Men⸗ ſchenfleiſch, und heiße Can nibalen. Wir ſtiegen mit den zwei Gefangenen an das Land. Einen davon ließen wir ſogleich los, gaben ihm viele Schellen mit, und bedeuteten ihm, ſeine Landsleute unſerer freundſchaftlichen Geſinnungen zu verſichern. Er beſorgte gewiſſenhaft unſern Auſtrag, denn bald kam eine Menge Leute und ſchloß mit uns Freundſchaft. Wir entließen nun auch den andern Gefangenen, und gaben den Kahn zuruͤck, welcher 26 Schritte lang, 2 Elen breit und aus einem Baum⸗ ſtamme kuͤnſtlich gefertiget war. Aber kaum war die⸗ ſer in Sicherheit, ſo flohen ſie, und wollten von uns nichts weiter wiſſen. Wir gewahrten bei ihnen nur das wenige Gold, welches ſie an den Ohren trugen. Bei dem Volke, welches 80 Meilen von dieſem wohnt, fanden wir eine freundliche Aufnahme. Fuͤr eine Schelle und ein wenig Gold handelten wir 480— nach anderen soo Perlen ein. Man trank hier einen Wein, der aus Fruͤchten und Saamen bereitet iß, wie das weiße oder braune Bier; der beſte wird aus Myrrhen⸗ oder Mirabolanen⸗Frucht gewonnen, die an ſich wohlſchmeckend und geſund iſt. Das Land war uͤberhaupt fruchtbar, die Einwohner ſelbſt aber die friedlichſten, die wir je trafen. Siebenzehn Tage blieben wir dort, bewundert wegen unſerer Geſtalt, Weiße, Waffen und der Groͤße der Schiffe. Als wir abgingen, gaben ſie uns zu verſtehen, daß gegen Weſt ein ihnen feindliches Volk wohne, welches Perlen in Menge habe; ſie ſelbſt hätten ihm die wenigen, welche ſie beſaͤhen, im Kriege abgenommen. Sie erklaͤrten uns auch, wie man die Perlen fiſche, und wie ſie wuͤchſen. Hierauf landeten wir an einer Inſel, be⸗ wohnt von der roheſten Menſchen⸗Klaſſe. Sie ſahen graͤßlich aus, und kauten, wie das Vieh, ein Kraut in vollen Backen, daß ſie kaum reden konnten. Je⸗ der hatte am Halſe zwei trockne Kuͤrbiſſe, deren einer obiges Kraut, der andere ein weißes Mebl enthielt, welches wie gemahlener Gyps ausſah. Sie benetzten von Zeit zu Zeit ein Staͤbchen mit dem Munde, ſteck⸗ ten es in das Mehl, und dann in beide Backen, und vermiſchten ſo das Kraut im Munde mit dem Mehle. Wir wunderten uns hieruͤber, und konnten nicht ver⸗ ſtehen, warum ſie dieſes thaͤten. Als wir aber friſches Waſſer verlangten, bedeuteten ſie uns, daß ſie keines haͤtten, und theilten uns von ihrem Kraut und Mehle mit. Wir fanden wirklich kein Quelwaſſer, und das A wenige Trinkwaſſer, worauf die Weiber ein ausſchlie⸗ ßendes Recht zu haben ſcheinen, war Thau, welcher zur Nachtszeit auf gewiſſe Blaͤtter fiel, die wie Eſels⸗ Dhren ausſehen. Dieſes Volk hat keine Doͤrfer, keine Huͤtten; große Blaͤtter ſchuͤtzen ſie vor der Sonnen— bitze, aber nicht vor dem Regen; zum Gluͤcke regnet es dort ſelten. Wir ſahen ein, daß hier kein Gewinn zu machen ſev; daher beſchloßen wir, unſer Gluͤck weiter zu ſu⸗ chen. Vald entdeckten wir eine Inſel; und landeten, uin friſches Waſſer zu ſuchen. Aus der Laͤnge der Fußtritte am Ufer ſchloſſen wir auf eine Rieſengroͤße der Bewohner. Wir gingen tiefer in die Inſel, und fanden fuͤnf Huͤtten, und in denſelben zwei alte Wei⸗ ber und drei Maͤdchen von bewunderungswuͤrdigen Größe. Der uͤbergroße Schrecken hinderte ſie, die Flucht zu ſuchen; vielmehr redeten uns die Weiber an, und bewirtbeten uns. Wir beſchloßen, die drei Maͤdchen mit Gewalt zu nehmen, und als Wunder nach Kaſtilien zu bringen. Indeſſen kamen aben nach und nach gegen 36 Maͤnner zur Huͤtte herein die noch groͤßer waren, als die Weiber. Sie trugen Bogen, Pfeile und große Stoͤcke, und redeten in einem Tone, als wenn ſie uns niedermachen wollten; wir aber entgingen der Gefahr durch die Flucht. Je⸗ doch moͤgen ſie ſich vor uns eben ſo ſehr gefuͤrchtet haben, wie wir uns vor ihnen, denn ſie folgten uns auf Schußweite in immer gleicher Entfernung his an —— — 2 das Meer, und ruhten, wenn wir ruhten. Als wir in unſeren Booten, und von ihnen ziemlich weit ent⸗ fernt waren, ſchoßen ſie uns Pfeile nach. Aber der Knall zweier Buͤchſenſchuſſe vermochte ſie zur eiligen Flucht. Sie waren ebenfalls nackt. Ich nenne dieſe Inſel die Rieſen⸗Inſel wegen der Groͤße ihrer Bewohner. An dem Ufer weiter ſchiffend beftanden wir manchen Kampf mit den Bewohnern, weil ſie uns nichts wollten nehmen laſſen. Bereits waren wir ein Jahr auf der See; unſer Vorrath von Lebensmitteln war aufgezehrt, oder durch die Hitze des Klimas verdorben. Wir traten daher die Ruͤckreiſe nach Kaſilien an. Wir erhandelten unter Wegs noch 119 Mark morgenlaͤndiſcher Perlen um einen Werth von 40 Dukaten bei einem Volke, welches deren in Menge beſaß. Was einer an Perlen beſaß, gab er gerne für eine Schelle, einen Spiegel oder Meſſingplattchen. Nach a7 Lagen verließen wir dieſes Volk und kamen auf die Antillen zu, welche zungſt Chriſtoph Kolomb entdeckte. Wir beſſer⸗ ten unſere Schiffe aus, erlitten aber waͤhrend unſers 2 1monatlichen Aufenthaltes von den dortigen Chri⸗ ſten manche Unannehmlichkeiten. Am 22. Juli ſtachen wir in die See, und gelangten am 8. September wohl⸗ behalten nach Cadir. 23 Zweite wirkliche Reiſe vom 10. Mai 1501 bis zum 7. September 1502. Wahrend ich mich zu Sevilla aufhielt, um von den vorigen Anſtrengungen auszuruben, mit dem Vor⸗ ſatze, das Land der Perlen noch einmal zu beſuchen, ließ mich der Koͤnig Emanuel von Portugal an⸗ fangs ſchriftlich, dann durch einen Abgeordneten zu ſich rufen. Da die Bitte eines Koͤnigs ein Befehl iſt, ſo mußte ich, obgleich dieſes von allen meinen Bekannten und Freunden mir verargt und widerra⸗ then war, dem Rufe folgen, mit drei Schiffen auf Entdeckungs⸗Reiſen auszulaufen. Am 10. Mai 1604 verließen wir den Hafen von Liſſabon, und richte⸗ ten unſere Fahrt an die Kanariſchen Inſeln und den weſtlichen Theil von Afrika hin. In dem Af⸗ rikaniſchen Hafen Beſelik nahmen wir Waſſer und Holz ein. Nach einer sntaͤgigen Reiſe kamen wir an ein Land, hundert Meilen von jenem Hafen gegen Suͤdſuͤdweſt. Waͤhrend dieſen 67 Tage hatten wir das ſchlimmſie Wetter, das je ein Seefahrer haben kann⸗ 24 Wirbelwind, Sturm und Platzregen trafen uns unab⸗ laͤßig. Es war aber auch die ungeeignetſte Zeit, die Linie im Juli zu beſchiffen, in welchem Monate be⸗ kanntlich dort Winter iſt. Am erſten Auguſt ſahen wir ein angenehmes gruͤnes Land unter dem so ſuͤdl. 3 Breite; wir nahmen es im Namen des Koͤnigs in Beſitz. Es war von mehr als thieriſch wilden Men⸗ ſchen bewohnt, nackt, von gleicher Farbe und Geſtalt wie die Uebrigen. Waͤhrend wir uns mit Waſſer ver⸗ 8 ſahen, bemerkten wir auf dem Gipfel eines Berges Leute. Sie ſahen uns mit Verwunderung an, getrau⸗ ten ſich aber nicht, uns zu naͤhern. Wir ließen ihnen Schellen und Spiegel zuruͤck; als wir weit in die See zurüͤck waren, kamen ſie hinzu und machten gro— ßes Weſen daraus. Des andern Tages bemerkten wir 1 auf dem Lande einen Rauch. Wir bielten dafür, ſie wollten uns hiedurch zu ſich rufen, und begaben uns an das Land. Viel Volk war beiſammen, es blieb aber immer von uns entfernt und winkte uns, mit ihnen in das Land zu gehen. Darauf erbaten ſich Zwei der Unſrigen vom Capitain die Erlaubniß, in das innere Land folgen zu duͤrfen, um zu erforſchen, 5 was fuͤr Leute ſie waͤren, und ob ſie einige Koſtbar⸗ keiten, Spezereien und Materialien haͤtten. Sie nah⸗ men viele Waaren zum Verhandeln mit, und hatten die Weiſung, in à Tagen zuruͤckzukommen. Wir blie⸗ ben 8 Tage, aber Niemand wollte ſich mit uns in ein Geſprach einlaſſen, obgleich taͤglich große Haufen an 25 den Strand herab kamen. Am ſiebenten Tage kamen auch die Weiber mit. Wir ſandten Einen der Unſri⸗ gen, weil ſie ſchuͤchtern ſchienen, zu ihnen an das Land; wir ſelbſt aber blieben in dem Boote zuruͤck. Als dieſer bei ihnen angelangt war, ſchloßen ſie einen Kreis, betaſteten, beſchauten und bewunderten ihn. Indeſſen nahte ſich dem Kreiſe eine Frau mit einem großen Pruͤgel und erſchlug den Chriſten mit einem Streiche. Sogleich faßten die uͤbrigen Weiber ihn bei den Fuͤßen und ſchleppten ihn den Berg hinan. Die Maͤnner aber ſchoßen mit Pfeilen auf uns und ſetzten uns in ſolche Verwirrung, daß wir nicht vermochten, die Waffen zu ergreifen. Auf vier Buͤchſenſchuͤſſe flo⸗ ben ſie zu den Weibern, die bereits den Chriſten zer⸗ ſtuͤckten und brateten. Sie zeigten uns die Stuͤcke und gaben zu verſtehen, daß die zwei andern Chriſten ein gleiches Loos getroffen habe. Unſer Capitain ließ die⸗ ſen empoͤrenden Frevel nicht raͤchen. Wir ſegelten so Meilen weiter an ein Vorgebirge, von uns St. Auguſtin genannt. Auf unſerer weitern Fabrt tra⸗ fen wir ein beſſer geartetes Volk und nahmen drei Menſchen mit, welche ſich freiwillig erboten, mit uns nach Portugal zu ſchiffen. In der Richtung nach Suͤd⸗Suͤd⸗Weſt entfernten wir uns von St. Augu⸗ ſin nach und nach unter mancherlei Schickſalen uͤber 600 Meilen. Der kleine Baͤr verlor ſich aus un⸗ ſerm Geſichts⸗Kreiſe, der große Baͤr ſand tief am Horizont. Wir trafen Waͤlder von Braſilien⸗Holz 26 und Caſſien, auch Myrrhen⸗Baͤume und andere Wun⸗ der der Natur an, aber keine Metalle, keine Mine⸗ ralien. Mit Waſſer und Holz auf 6 Monate verſehen, drangen wir in der Richtung nach Oſt⸗Suͤd⸗Pſt auf meinen Befehl(denn mir war das Kommando des 3 ganzen Geſchwaders uͤbertragen) bis zum 22 ſuͤdlicher Breite vor. Am 3. April waren wir von St. Au⸗ guſtin soo Meilen entfernt. An dieſem Lage fing ein heftiger Sturm zu wäthen an. Wir mußten die Segel einziehen, der Wind blies von Suͤd⸗Suͤd⸗Weſt; 1 die Wellen gingen hoch, der Sturm war fuͤrchterlich. Das Geſchwader zitterte; die Naͤchte waren 15 Stunden 3 klang; denn es war dort Winterszeit. Am 2. April ſahen wir eine Inſel, landeten aber nicht: denn ſſe hatte keinen Hafen, war unbewohnt und wuͤſt wegen der zu ſtrengen Kaͤlte. Unter ſolchen Gefahren wurden wir endlich ſchluſ⸗ 1 ſis, nach Portugal zuruckzukehren, und dieſer Ent⸗ ſchluß rettete uns vor augenſcheinlichem Tode. Ein Sturm in der zweiten Nacht machte uns ſo bange, daß wir uns Alle fuͤr verloren hielten, zu Pilgerrei⸗ ſen an heilige Drte uns verbanden, und andere bei 1 den Seefahrern in ſolchen Ungewittern gewoͤhnliche Ceremonien machten. Erſt nach 3 Tagen, waͤhrend welchen wir bei eingezogenen Segeln 250 Meilen zu⸗ tcklegten, gewannen wir, ſobald wir der Linie naͤher kamen, ſtille See, und eine gemaͤßigte Luft. Am 0. 1 Maf jandeten wir auf der Inſel Sierra Lionn. v Hier verweilten wir, ſo wie auf den Azoriſchen Inſeln, wohin wir am Ende Julius gelangten, fuͤnf⸗ zehn Tage. Am 7. September 1602 liefen wir mit zwei Schiffen, denn das dritte ganz unbrauchbare batten wir in Sierra Liong verbrannt, geſund und wohlbehalten in den Hafen von Liſſabon ein. Dritte Reiſe. Am 10. Mai 1603 reisten wir mit s Schiffen ab, ein Eiland gegen Oſt aufzuſuchen, welches Melcha (Melana) heißt, und wegen ſeines Reichthums die Vorraths⸗Kammer aller Schiffe des indiſchen Meeres ſeyn ſoll; es liegt unter dem 33* ſüdt. Breite. Wir ſegelten geraden Wegs an die Inſeln des gruͤ⸗ nen Vorgebirges, wo wir Erfriſchungen einnahmen. Unſer Obereapitain hatte ſich in den Kopf geſetzt, ſich in Sierra Liona als Kommandeur von 6 Schif⸗ fen zu zeigen— wider den Willen der übrigen Capi⸗ taine. Wir lenkten daher unſere Schiffe dorthin, Fonnten aber bei anhaltenden Wirbelwinden und Stur⸗ men nicht landen. Wir verfolgten unſern Weg nach Süd⸗Weſt und entdeckten unter dem 4o ſuͤdl. Breite eine unbewohnte Inſel, zwei Quadratmeilen groß. PHier ſtieß der Oberecapitain auf eine Klippe und ver⸗ Lor am 10. Auguſt ſein Schiff mit dem Vorrathe fuͤr das ganze Geſchwader; nur die Mannſchaft wurde gerettet. Ich erbielt vom Obercapitain Beſebl, ein Boot nebſt neun Mann zur Erleichterung der Schiffe zuruͤckzulaſſen, mit meinem beladenen Schiffe aber eine begueme Anfahrt an der Inſel zu ſuchen. Ich fand wirklich einen ſichern und geraͤumigen Hafen, und erwartete dort den Obereapitain mit den uͤbrigen Schiffen acht Tage vergebens. Meine Mannſchaft was kaum zu beruhigen. Am achten Tage kam endlich ein fremdes Schiff und brachte die Nachricht:; das Capi⸗ tainſchiff ſey voͤllig zu Grunde gegangen, mein Boot und die dazu gehörige Haͤlfte der Mannſchaft ſey mit dem uͤbrigen Geſchwader in die See ausgelauſen.— Welch ein Schrecken und Kummer fuͤr uns! tauſend Meilen von Liſſabon entfernt, auf hoher ſtuͤrmi⸗ ſcher See mit weniger Mannſchaft zu ſeyn! Wir verſahen uns auf der Inſel mit Waſſer und Holz, und nahmen eine Menge der dortigen See⸗ und Land⸗ voͤgel mit, die ſich leicht mit den Haͤnden fangen lie⸗ ßen. Hier trafen wir große Maͤuſe, Eidexen mit zwei Schwaͤnzen, und einige Schlangen. Beherzt ſetzten wir unſere Reiſe gegen Suͤd Oſt fort und entdeckten 300 Meilen davon nach 4 Tagen eine Bucht, die wir Bucht Allerheiligen nannten. Hier hofften wir den Obereapitain zu treffen und hielten uns zwei Mo⸗ nate und vierundzwanzig Dage auf. Aber von ihm war nichts zu ſehen, nichts zu hoͤren. Win ſchifften 260 Meilen weiter und erreichten ein Land, 180 ſuͤdl. Breite und 35b weſtlich von Liſfabon. Waͤhrend unſers dortigen Aufenthaltes machten wir bedeutende Reiſen in das Innere des Landes, ſchloßen mit den Bewoh nern gute Freundſchaft, und ſahen viel Merk⸗ wuͤrdiges. Wir legten eine Schanze an, und ließen in derſelben 24 Mann, welche ich von dem geſcheiter⸗ ten Schiffe des Dbereapitains an Bord genommen hatte, und Lebensmittel auf s Monate nebſt 42 Buͤch⸗ ſen zuruͤck. Ich aber belud das Schiff mit Braſſilien⸗ Holz, und trat die Ruͤckreiſe nach Liſſabon ag. In 77 Tagen legten wir dieſen Weg zuruͤck, und wur⸗ den mit Freude empfangen. Denn wir allein waren gerettet, die uͤbrigen Schiffe aber gingen durch die Thorheit und den Hochmuth des Obereapitains zu Grunde⸗ 31 Vaſco de Gama erſte Reiſe nach Oſt⸗ Indien 1497*). De ſpaniſchen Koͤnige Heinrich., Johann 1., Alphons I. und Johann I. ſuchten einander an Unternehmungs⸗Geiſt fuͤr neue Eutdeckungen zu uͤbertreffen. Letzterer erfuhr durch einen Abgeordneten des Koͤnigs von Bening an der Kuͤſte von Afrika, daß 160 Meilen von ſeinem Vaterlande ein Fürſt lebe, welchem ſein Herr Tribut zu entrichten habe. Er vermuthete, dieſer ſey der beruͤhmte Prießter Jo⸗ hannz er ſchickte daher Peter von Covillam und * Nach hernan Lopez de Caſtanneda Ge⸗ ſchichte der Eurdeckung und Eroberung von Bſt⸗ zudien durch die Portugieſen, weiche in jwei Fol: Baͤnden portugieſiſch 1663 und 15643 fran⸗ zöliſch 1853 4., italrſch 4578, engliſch' durch Nit. Licheſield 1582 4. erſchien, dann in Prevors Sammtunn autgenommen, und auch in das Deutſche uͤbertetzt wurde. ab. Beide reisten durch Groß⸗Cayro nach Tor Alonſo von Paſua zur Ausforſchung des Landes an der Kuͤſte vou Arabien, wo ſie ſich theilten. Covillam ſegelte nach Indien und Pajua begab ſch nach Aethiopien. Zugleich ſchickte Koͤnig Johann II. auch 3 Schiffe unter Anfuͤhrung des Bartholomaus Diaz ab, welcher 120 Meilen uͤber die bekannten Laͤnder Afrikas ſegelte, und das Gebirge entdeckte, welches er Sierra Parda nannte. Er fuhr an der Bay de los Vagueros voruͤber, und gab ihr dieſen Namen wegen den zahl⸗ reichen Heerden am ufer. Er erreichte die Inſel Santa Cruz und das Vorgebirge der guten Hoffnung. Der Nachfolger König Emanuel, beorderte gleich nach der Beſteigung ſeines Thrones die Ausruͤſtung von 4 Schiffen zur Entdeckung neuer Laͤn⸗ der. Er uͤbertrug die Ausfuͤhrung dem edlen Vaſeo von Gama unter dem Titel eines Admirals, und gab ihm noch 3 andere Befehlshaber der z uͤbrigen Schiffe an die Seite. Gama ſegelte am 8. Juli 1497 nach den Kanarien⸗„Inſſeln, drehte ſich nach St. Iago, blieb 3 Monate dem ſteten Sturme ausgeſetzt, bis er endlich bei St. Maria ankerte, um die Schiffe auszubeſſern und friſches Waſſer ein⸗ zunehmen. Nach vielen andern Stuͤrmen entdeckten ſie am 7. November eine Inſel, welche ſie nach dem Tage St. Helena nannten. Die Bewohner dieſer Inſel waren ſchwarz, klein und öͤbel geßaltet. Ihre 33 Sprache gliech mehr dem Seufzen, als artikulirten Toͤnen. Ihre Kleidung beſtand in Thierfellen, ihre Waffen in eichenen Staͤben, welche durch Brennen gehaͤrtet und an den Enden mit Spitzen von Thier⸗ Hoͤrnern verſehen waren. Ihre Nahrung waren Wur⸗ zeln, Seewoͤlfe, Wallſiſche, Meven und Seekraͤhen, wilde Ziegen, Tauben und andere Voͤgel und 4fuͤßige DThiere. Er ſtieg zwar mit dem groͤßten Theile ſeiner Leute an das Land; da dieſe aber von den Einwohnern feindſelig behandelt wurden, ſo hielt er fuͤr gut wei⸗ ter zu ſegeln. Vom 16. bis zum 20. November naͤher⸗ ten ſie ſich dem Vorgebirge der guten Hoff⸗ nung, an deſſen Kuͤſte ſie viel großes und kleines Vieh wahrnahmen. Am 24ten erreichten ſie Angra de San Blas, welches 6o Meilen uͤber dem Vor⸗ gebirge liegt. Daſelbſt ſahen ſie ſolche Einwohner, wie vorher, große Elephanten und Ochſen ohne Hoͤr⸗ ner, auf welchen uͤber Strohkiſſen, mit einer Art hoͤlzerner Sattel, geritten wird. Jedem DOchſen, welcher zum Verkaufe beſtimmt iſt, wird ein Stück Holz durch die Naſe gezogen. Auf einem Felſen dieſes Hafens, vielleicht nur eine halbe Meile vom ufer, ſahen ſie eine große Menge Seewoͤlfe mit großen und und kleinen Zaͤhnen, welche wild ſind, und deren Felle einen Lanzenſtoß aushalten. Sie gleichen den Loͤwen, und ihre Jungen ſchreien wie kleine Ziegen. Auch findet man daſelbſt viele Staare in der Groͤße 68. Bd. Indien. II.. 3 der Enten, welche wie Sſel ſchreien, aber aus Mangel an Federn in den Fluͤgeln nicht ſliegen koͤnnen. Die chwarzen Einw ohner brachten elfenbeinere Armringe, 12 Ochſen und 4 Schafe, gegen welche er ihnen rotbe Nachtmützen reichen ließ. Ihr Blaſen auf Floͤten liet er durch Trompetenſchall und Tanz erwiedern. Durch einige Kanonenſchüße der Portugieſen wurden zwar die Einwohner bis zur Flucht erſchuͤttert; deſſen un⸗ geachtet warfen ſie die Saͤule, welche er mit ſeines Konigs Wappen errichtet hatte, gleich wieder um. Am 8. Derember erhob ſich ein grober Sturm, wel⸗ cher die Schiffe in die hohe See jagte. Am 10. Jaͤnner wos entdeckten ſie mehrere kleine Inſeln mit hohen Baͤumen, gruͤnen Wieſen und zahlreichem Viehe. Der Admiral ankerte, und ſchickte den verſchiedener Sprachen kundigen Martin Alonſo in das Land⸗ dem Oberhaupte der Schwarzen ſich vorzuſtellen. Er wurde freundlich aufgenommen, und mit Geſchenken zuruͤckgeſchickt. Die Schwarzen trugen Armbaͤnder, eherne Helme auf den Koͤpfen und Saͤbel an der Seite, deren Griff aus Zinn, und deren Scheide aus Elfen⸗ hein war. Er nannte den Landungsort Naphael⸗ und ließ 2 der 10 zum Tode verurtheilten Verbrecher ſeines Schiffes zuruͤck, damit ſie die Beſchaffenheit und Gebraͤuche des Landes kennen lernten. Am 1ten naͤherte ſich der Admiral der Muͤn⸗ dung eines großen Fluſſes, deſſen ufer mit vortreffli⸗ chem gruͤnen Graſe und mit Fruchtbaͤumen beſett 35 war. Na hdem er geankert hatte, naͤherten ſich meh⸗ rere Einwohner in kleinen Booten. Einer derſelben erzaͤhlte in arabiſcher Sprache, er habe in einem nicht fern liegendem Lande Schiffe geſehen, welche den Portugieſiſchen ziemlich aͤhnlich geweſen ſeyen. Durch dieſe Nachricht wurde die ganze Schiffs⸗Mannſchaft in der Hoffnung geſtaͤrkt, bald zu den Schaͤtzen Indi⸗ ens zu gelangen. Gama nannte deßwegen den Fluß jenen der guten Zeichen(Rio de buenas Sinays), und errichtete einen ſteinernen Pfeiler mit dem Wap⸗ pen Koͤnigs Emanuel auf einer— und mit dem Krutzifix auf der andern Seite. Solche Denkmaͤler batte er von Liſſabon mit ſich genommen, die Entdeckungen zu bezeichnen. Am 24. Jaͤnner ſegelte er weiter, und am 1. Maͤrz entdeckte er 4 nahe Inſeln. Aus einer derſelben fuhren7 Voote mit vollen Segeln dem Schiffe des Admirals entgegen. Die darin befindlichen Men⸗ ſchen ließen ſich in arabiſcher Sprache vernehmen, ſpielten Floten und andere muſikaliſche Inſtrumente, waren dunkelbrauner Farbe, ſehr reinlich in Seide gekleidet, trugen Turbans von feiner mit Gold durch⸗ wirkter Leinwand, und hatten Sabel an der Seite. Der Admiral ließ ſie bewirthen, um naͤhere Nach⸗ richten uͤber ihre Sitten und Gebrauche, und uͤber die Entfernung Indiens einzuziehen. Sie erwie⸗ derten unter anderm, die Inſel bieße Mozambique, 8 gehote dem Könige von Quilva, werde durch einen 36 Statthalter deſſelben regiert, und groͤßtentheils von arabiſchen Kauſteuten bewohnt, welche anſehnli⸗ chen Seehandel nach Arabien, Indien und andern Laͤndern treiben. Sie machten ihm auch begreiflich, daß er an dem goldreichen Lande Zofala voruͤber gefahren ſey, und daß der Raum zwiſchen Mozam⸗ bique und Kalekutnicht groß ſey, woruͤber die ganze Schiffs⸗Maunſchaft ſehr erfreut war. Der Admi⸗ ral ließ dem Statthalter ZSakozzia mehrere Ge⸗ ſchenke uͤberſenden, welche dieſem ſo wohl gefielen, daß er ihn ſogleich auf ſeinem Schiffe beſuchte. Er trug reich geſtickte Kleider, ein von Diamanten be tz⸗ tes Schwert, und wurde von vielen mit Trommeln und Trompeten verſehenen Leuten begleitet. Die Portugieſen wurden fuͤr Tuͤrken und Moren gehalten, und gefragt, ob ſie nicht Buͤcher der muhametantſchen Religion bei ſich haͤtten, oder wel⸗ cher Waffen ſie ſich bedienten. Der Admiral er⸗ wiederte, daß er aus dem Abendlande komme, und nebſt den Waffen, mit welchen ſie eben geruͤſtet ſeyen, noch Kunſtwerke von erſtaunlicher Gewalt zur Zerſto⸗ rung ganzer Heere und Feſtungen beſitze; er erbitte ſich einige vertrauensvolle Lovtsmaͤnner fuͤr die Fahrt nach Indien. Der Dolmetſcher brachte zwar des andern Tages zwei Steuerleute, welche die Schiffe nach Kalekut gegen Belohnung fuͤhren wollten. Allein, ſobald der Statthalter bemerkte, daß die Fremdlinge Chriſten ſeyen, ſo bot er alles auf, ihr 37 Ungluͤck zu bereiten. Deßwegen ſegelte der Admiral weiter, aber ſtuͤrmiſches Wetter erlaubten ihm nicht Duilva zu erreichen. Da mehrere ſeiner Leute bereits geſtorben, viele andere krank waren, und die Lebensmittel zu mangeln anfiengen, ſo wurde er ge⸗ noͤthigt, dem Rathe des ſchalkhaften Stenermannes zu folgen, und nach Mombaſſa zu fahren. Dieſe Inſel liegt in einer Bay auf einem hohen Felſen. Der Hafen wird durch eine Feſtung vertheidigt, welche Lebensmittel und Kriegsbeduͤrfniſſe im Ueberfluſſe hat. Es gibt zahlreiches Vieh, vortreffliches Waſſer, ge⸗ ſundes und gemaͤßigtes Klima. Die Bewohner ſind Moren, theils weiß, theils braun; die Weibsperſonen in Seide mit Gold und Silber geziert. Kaum hatten die Portugieſen geankert, ſo kam ihnen eine Barke mit 100 bewaffneten Maͤnnern entgegen, welche aber Gama nicht an Bord kommen ließ. Nach wech⸗ ſelſeitigen Hoͤflichkeiten erboten ſich die Eingebornen, die Schiffe mit Spezereien zu verſehen. Des andern Tages ließ der Koͤnig Fruͤchte ſchenken, und die Mann⸗ ſchaft zum Ausſteigen einladen, indem verſchiedene Chriſten auf der Inſel ſeyen. Allein der Admiral wurde bald uͤberzeugt, daß er hier ſo arge Feinde zu fuͤrchten habe, als in Mozambigue. Er richtete alſo ſeinen Lauf nach Melinda, wo er am Oſtertage eintraf. Dieſe Stadt liegt in einer angenehmen Ebene, und iſt mit ſchoͤnen Fruchtbaͤumen, beſonders Pome⸗ ranzen⸗ umgeben, deren vornehmer Geruch die ganze Gegend erfuͤllt. Viel zahmes Vieh und Wildpret ſteht den Eingebornen zu Gebote. Die Gebaͤude ſind aus Qunderſteinen; die Einwohner ſchwarz, nackt bis an die Lenden, von welchen ein ſeidener Schurz uͤber die Knie herab haͤngt. Das Meer war ſehr unruhig, und wurde noch gefaͤhrlicher durch viele Sandbaͤnke; deßwegen ankerte er ziemlich fern von dem Ufer. Da er auf dem Wege nach Melinda ein grabiſches Schiff mit einem vornehmen Manne und 13 Moren wesgenommen hatte, welcher in dieſen Laͤndern ſehr bekannt zu ſeyn ſchien, und viel Bildung hatte, ſo nahm er deſſen Anerbieten an, in Namen der ganzen Mannſchaft bei dem Koͤnige ſeine Aufwartung zu machen. Dieſer ließ ſogleich einige Chriſten mit Ge⸗ ſchenken von Schafen, Drangen, Zuckerrohren und andern Lebensmitteln auf die Schiffe kommen, und beorderte ſeinen Prinzen ſelbſt dahin, welcher mit der Einrichtung der Schiffe außerordentlich zufrieden war. Am 22. Maͤrz ſegelte Gama gegen Norden, dann nach Dſten, guer uͤber eine breite See, worauf der Steuermann das Vorgebirge von Kalekut ent⸗ deckte. Von Freude durchdrungen über dieſes gluck⸗ liche Ereigniß ließ er ſogleich allen Gefangenen die Feſſeln abnehmen. Kaum war er zwei Meilen von Halekut geankert, ſo wurden ſeine Schiffe von vie⸗ len Nachen voll neugieriger Indier umringt. Er ſchickte einen ſeiner begnadigten Verbrecher an das Ufer zur Einziehung naͤherer Nachricht. Kaum erblick⸗ ten zwei Kaufleute aus Zunis dieſen Europaer, welchen ſie nach der Kleidung für einen Spanier hiel⸗ ten, ſo wollten ſie ſich ſogleich mit ihm in ſeiner National⸗Sprache unterhalten. Als der eine erfuhr, daß der Fremdling ein Portugieſe ſey, ſo wurde ſeine Freude noch groͤßer; denn er war der groͤßte Lieferant der Kriegsbeduͤrfniſſe, welche Koͤnig Ferdi⸗ nand I. von Portugal in Tunis hatte kaufen laſſen; er verlangte ſogleich zum Admiral gebracht zu werden. Gama bewillkommte den Moren beſtens, und ließ ſich von den Verhaͤltniſſen des Landes Ka⸗ lekut unterrichten. Der Mor bot ſeine Dienſte an, den Koͤnig zu überraſchen, welcher vorzuͤglich auf die Erweiterung ſeines Handels bedacht ſey, von welchem er die meiſten Einkuͤnfte ziehe. Des andern Tages ſchickte Gama zwei ſeiner Offiziere in Geſellſchaft des Moren zum Koͤnige, deſſen Sitz damals in Panda⸗ rene, 3 Meilen von Kalekut geweſen war. Die Abgeordneten eroͤffneten, der Koͤnig von Portugal habe einen ſeiner Admiraͤle zum Abſchluſſe eines Freund⸗ ſchaftsbundes geſchickt, zu welchem der Koͤnig von Kalekut große Geneigtheit zeigte. Er ließ deßwegen den Admiral erfuchen, mit ſeinen Schiffen ſich dem Sitze Pandarene zu naͤhern, damit dieſe weniger den zahlreichen Stuͤrmen ausgeſetzt ſeyen. Gama wurde durch einen hoͤheren Staatodiener vom Schiffe abgeholt, nachdem er ſeinem Bruder Paul und dem Nikolaus Cvello die baldige Ruͤckkehr in das Vaterland angerathen hatte, wenn ihm und ſeinen a2 Begleitern ein Unfall begegnen ſollte. Als er an das Land ſtieg, wurde er von vielen Vornehmen in die Stadt begleitet. Nach einem kur⸗ zen Mittagsmahle ſetzten ſie ſich in indiſche Kaͤhne, und fuhren den Fluß hinab zu einem Palaſte, wo viele Diener und Tragſeſſel zu ihrer Beguemlichkeit bereit ſtanden. Dann wurden ſie zuerſt in einen praͤchtigen Tempel gefuͤhrt, welcher zierlich gemalt war, in der Mitte eine runde Kapelle, und hinter dieſer ein heiliges Bild hatte, auf welches die Prieſter mit dem Rufe: Maria deuteten. Aus dieſem Tem⸗ pel ging der Zug in einen zweiten, und endlich durch eine große Menſchenmenge in den Palaſt des Koͤnigs. An deſſen Thore wurden ſie von mehreren Hoͤflingen empfangen, von welchen ein in Seide gekleideter Alter, als Pberhaupt der Braminen, den Admi⸗ ral freundſchaftlichſt umarmte. Er fuͤhrte ihn durch einen großen und reichgezierten Saal, wo der Koͤnig in ſeidenem Anzuge mit einer biſchoͤflichen Infel auf einem praͤchtigen Ruhebette ſich ausgeſtreckt hatte. Nachdem Gama ſeine Ehrerbietung dem Koͤnige (Samorin)erwieſen hatte, ſo wurden ihm und ſeinen Leuten Sitze angewieſen, und etwas Eſſen gereicht. Auf die Frage, nach dem Zwecke der Reiſe erwiederte Gama: ſein Koͤnig Emanuel habe von dem Lande Kalekut ſo wunderbare Erzaͤhlungen ver⸗ nommen, daß dadurch der Wunſch in ihm entſtand, 4¹ mit deſſen Beherrſcher in freundſchaftliche Verbindun⸗ gen zu kommen. Der Miniſter erwiederte, ſeinem Herrn koͤnne nichts angenehmeres ſeyn. Gama ſchenkte jene 13 Moren, welche er nicht lange zuvor gefangen gemacht hatte. So ſehr Gama ſich freute in ein Land gekommen zu ſeyn, welches groͤßtentheils von Chriſten bewohnt wird, ſo wurden doch die Moren mißtrauiſch, daß ihnen durch Gamas Handels ⸗Verbindung einige Vortheile entgehen koͤnnten. Sie ſuchten daher den Miniſter zu gewinnen, welcher Gama unter verſchie⸗ denen Vorwaͤnden wie einen vornehmen Gefangenen behandelte. Der Admiral ließ aus ſeinen Schiffen Waaren bringen, welche er zu verkaufen ſuchte; allein die Moren fanden Mittel und Wege, dieſes zu hin⸗ tertreiben. Nachdem Gama in einem Aufenthalte von mehr als zwei Monaten ſich vielfach überzeugt hatte, daß keine vortheilhafte Verbindung mit dem Koͤnige und den Einwohnern von Kalekut in Wirkſamkeit gebracht wuͤrde, ſo entſchloß er ſich in ſein Vaterland zuruͤck⸗ zukehren. Er reiste auch ploͤtzlich ab; allein eine WMeile von Kalekut uͤberſiel ihn eine Windſtille, waͤhrend welcher er von mehr als so indiſchen Barken beunruhiget wurde. Er ſetzte ſeine Reiſe laͤngſt der Kuͤſte fort, ankerte am 19. Sept. bei 6 kleinen Inſeln nahe am Lande, wo vortreffliches Waſſer, Federvieb, Kuͤrbiſſe und ganze Waͤlder voll wildem Zimmet zu finden waren. An den malabariſchen Inſeln wurde er von See⸗ Raͤubern ſehr beunruhigt. Der groͤßte Theil der Mannſchaft bekam Geſchwuͤre am ganzen Leibe, aus welchen ſtinkende Feuchtigkeit floß, den Skorbut mit Geſchwulſt des Zahnfleiſches und der Blieder, und endlich ſo ſtarkes Abweichen, daß nur wenige zum Schiffsdienſte brauchbar blieben. Am 3. Febr. 1499 erreichten ſie Magadorv, welches 143 Meilen von Melinda liegt, deſſen Koͤnig den Admiral beſuchen und mit Lebensmitteln uͤberraſchen ließ. Nach einem Aufenthalte von 6 Tagen reiste er am 7. Febr. ab, und nahm den Geſandten mit, welchen der Koͤnig nach Portugal ſchicken wollte. Als er 4 Tage ſpa⸗ ter auf die Sandbaͤnke von St. Raphael gekommen war, ließ er das Schiff, gleichen Namens, aus Man⸗ gel an hinlaͤnglicher Veſatzung verbrennen. Am ꝛoten erreichte er die Inſel Senibar Pempa, und Mon⸗ bia, welche alle ſehr fruchtbar, voll Drangenwaͤlder, mit Lebensmitteln verſehen und mit Moren bewohnt waren. Am 1. Maͤrz ankerten ſie vor den Inſeln St. Georg, am aten naͤchſt der Inſel St. Blas, wo ſie Seewoͤlfe und Splitarios ſpeiſten, und fegelten am 26ten bei dem Vorgebirge der guten Hoffnung voruͤber. Durch ſtatken guͤnſtigen Wind eamen ſie bald an die Inſeln des gruͤnen Vorge⸗ birgs. Zu St. Jago daſelbſt trennte ſich ſein Gefährte Nikolaus Coello in der Nacht, um die 43 Nachricht der Entdeckung dem Koͤnige von Portugal zuerſt zu bringen. Der Admiral mußte ſein übel zugerichtetes Schiff zu St. Jago gegen ein anderes vertauſchen, um zuruͤckkehren zu koͤnnen, und ſeinen an der Schwindſucht leidenden Bruder Paul zu Serzera ausſetzen, wo er auch bald begraben wurde. Er landete endlich im Sept. 1499, zwei Jahre und zwei Monate nach ſeiner Abfahrt, zu Belem, brachte aber nur so von ſeiner Mannſchaft an 108 Perſonen zuruͤck. Der Koͤnig freute ſich ſehr uͤber die gluͤckliche Ruͤckkehr Gamas, ließ ihn mit vieler Auszeichnung nach Hof bringen, ertheilte ſeiner Familie den Litel Don, fuͤgte zu deſſen Wappen einen Theil des könig⸗ lichen bei, und verlieh ihm noch ein jaͤhrliches Gehalt von 3000 Dukaten, waͤhrend Nikolaus Coello nur zum Edelmanne mit jaͤhrlichem Gehalte von 400 Dukaten erhoben wurde. In ganz Portuga! wurden Freudenfeſte gehalten, und jene, welche ſich der Un⸗ ternehmung hartnackig widerſetzt hatten, ſchaͤmten ſich ihres Vaſco de Gama zweite Reiſe nach Oſt⸗Indien im Jahre 1502. Ooſchon die drei erſten Reiſen der Portugie⸗ ſen nach Indien nicht nach Wunſche ausfielen, ſo glaubte man doch kraͤftigere Maaßregeln ergreifen zu müßen, theils um ſich in der Achtung der grotßen Maͤchte zu erhalten, theils um die roͤmiſche Religion zu verbreiten. Der Koͤnig ſchickte alſo drei neue Ss⸗ kadren zur Eroberung aus; die erſte unter Vaſco de Gama mit 10 Schiffen; die zweite mit 6 Schiffen unter Vineent Sodre; die dritte wieder mit 6 Schiffen unter Stephan de Gama; beide letztere ebenfalls unter Vaſeo. Dieſe Flotte war ſchon aus⸗ gelaufen, ehe Juan de Nuebar zuruͤckgekommen war. Die beiden erſten Sskadren ſegelten am 3. Maͤrz, die dritte am 1. May ab. Nachdem er das Vorgebirge der guten Hoff⸗ nung voruͤber gefahren war, und die Stroͤme uͤber⸗ 45 ſanden hatte, ſo hielt er mit den vier kleinſten Schiffen vor Sofala, und ſendete die uͤbrigen nach Mozambique voraus. Nach der Unterſuchung uͤber die Anlegung einer Feſtung, und uͤber die Ergiebigteit der Goldminen, ſchloß er mit dem Koͤnige einen Bund uͤber die Errichtung einer Faktorei. Bei der Ausfahrt aus dem Fluſſe verlor er ein Schiff, deſſen Mannſchaſt doch gerettet wurde. Zu Mozambique erhielt er vom Koͤnige die Erlaubniß, eine Faktorei zu errichten, damit die hin und her ſegelnden Flotten friſche Lebensmittel daſelbſt einnehmen koͤnnten. Kaum war er am 12. Juli nach Duiloa gekommen, ſo beſchoß er die Stadt. Durch dieſes Erſchreckungs⸗ NRittel bewog er den Koͤnig Ibraim ſich gefangen nehmen zu laſſen; einen jaͤhrlichen Tribut von 2000 Mitikals Gold zu leiſten, und gab noch einen rei⸗ chen Moren als Geiſel ab. Unterdeſſen war Stephan de Gama mit ſeiner Flotte auch hier eingetroffen, und beide ſetzten dann ihre Reiſe mit einander fort. Bei der Annaͤherung der Kuͤſte Indiens vor dem Berge Deli nordwaͤrts von Kananor ſtieß Gama auf ein großes und reich beladenes Schiff, welches dem Sultane von Aegypten gehoͤrte, und mit vielen Moren als Pilgern nach Mecca gefuͤllt war. Sobäld er dieſes genommen hatte, begab er ſich an deſſen Bord, und forderte die vornehmſten Moren auf, ihre Waaren zu zeigen; widrigenfalls er ſie in das Meer wurde werfen laſſen. Die Moren gaben vor, ſie hätten alle ihre Waaren zu Kalekut zuruͤck⸗ gelaſſen. Sobald er aber einen von ihnen mit gebun⸗ denen Haͤnden und Füten in das Meer werfen ließ, lieferten die uͤbrigen aus Furcht vor gleichem Schickſale ihre Guter ab. Er ließ die 20 Kinder mit dem Ge⸗ lübde in ſein Schiff bringen, daß ſie in dem Kloſter St. Maria zu Belem eingekleidet werden ſollten, was auch geſchah; alle uͤbrige Beute wurde den Schiſfleuten uͤberlaſſen. Hierauf ließ der Admiral das Schif in Brand ſtecken. Allein die Moren durch⸗ brachen die Gefaͤngniſſe, und loſchten das Feuer mit dem Waſſer, welches auf dem Schiffe war. Deßwe⸗ gen wurde Stephan de Gama befehligt zu entern. Die Moren wurden durch dieſe Gefahr in Verzweiflung gebracht, widerſetzten ſich ſehr hartnaͤckig, und wollten ſogar die andern Schiffe in Brand ſtecken. Nur die Nacht hinderte die Vollendung dieſer Grauſamkeit. Die Moren riefen ſtets ihren Mahomet an. Des dern Morgens wurde Stephan de Gamg beor⸗ dert, ſein Werk zu beendigen; er begab ſich an Bord des Schiffes, zuͤndete dieſes an, und trieb die ſich ſtets vertheidigenden Moren in deſſen Hintertheil; denn einige Bootsleute wollten das Schiff nicht eher verlaſſen, bis es halb verbrannt wat. Mehrere Moren ſprangen, wenn die Flamme ſich ihnen naͤherte, mit der Apt in der Hand in die See, und fochten ſchwim mend mit ihren Feinden. Einige näherten ſich ſogar den Boots, und fugten großen Schaden zu. Indeſſen 47 wurden die meiſten umgebracht, und die wenigen, welche im Schiffe blieben, durch deſſen Sinken erſaͤutt; daher von 300 Menſchen, unter welchen 30 Weibsper⸗ ſonen waren, Niemand dem Feuer, Schwerte oder Waſſer entrann. Bei der Ankunft des Admirals zu Kananor verlangte er eine Unterredung mit dem Koͤnige, mit welchem er einen Handelsbund abſchloß; hierauf fuhr er nach Kalekut ab. 3 Bei ſeiner Ankunft ſchickte Samorin einen als Franeiſkaner verkleideten Moren auf das Schiff mit dem Antrage, Gama moͤge in Kalekut eine Facktorei errichten. Dieſer aber erwiederte, er muͤßr erſt vom Könige fuͤr den Lod ſeiner fruͤheren Gefaͤhr⸗ ten, und fuͤr die zerſtoͤrten Goͤter der ehemaligen Facktorei Genugthuung erhalten. Der Samorin zoͤgerte drei Tage mit ſeiner Antwort; der Admiral drohete mit Feuer und Schwert zu verfahren, wenn noch eine beſtimmte Zeit voruͤber ſey. Nach deren Verlaufe ließ Gama eine Kanone abbrennen, dann die auf den Schiffen vertheilten gefangenen Mala⸗ baren haͤngen, Haͤnde und Fuͤße abhauen, und in die ſem Zuſtande auf zwei Boots mit einem arabiſchen Briefe dem Samorin ſenden. Waͤhrend der Nacht ließ er die Schiſſe dem Lande moͤglichſt naͤhern, des andern Morgens Kalekut beſchießen, unter deſſen zerſtoͤrten Haͤuſekn auch der koͤnigliche Palaſt war. Gams ließ dann durch Vincent Sodre mit 6 Schiffen die Kuͤſte bewachen, und die Handlungs⸗ Geſchaͤfte der Moren vereiteln, waͤhrend er mit den übrigen Schiffen nach Ko chin ſegelte. Bei der Ankunft in deſſen Hafen ſendete der Koͤnig Trimumpara Geiſeln an Bord, und kam ſelbſt an das ufer zu ſeinem Empfange. Hier uͤbergab Gam a das dankbare Schreiben des Koͤnigs Emanuel fur die fruͤhere Begünſtigung des Admiral Kabral und Geſchenke, welche in einer mit Juwelen beſetzten goldenen Krone, in einem goldenen Halsbande, in zwei ſilbernen. Waſchbecken, in mehreren Seiden⸗ Waaren, in einem koſibaren Zelte oder Thronhimmel und andern Gegenſtaͤnden beſtand. Trimumpara freute ſich der Geſchenke, ließ den neuen Handelsver⸗ trag unter dem ſchonen Zelte ſchriftlich abfaſſen, ſetzte die Preiſe der Spetereien feſt, ſchenkte ein Haus fuͤr die Facktorei, wie auch fuͤr den portugieſiſchen Koͤnig zwei goldene Armbaͤnder mit Edelſteinen, eine Kopfbinde der Moren aus Silberſtoffe und eine halbe Elle lang, zwei große Stuͤcke von feinem bengaliſchen Kaliko, und einen Stein in der Groͤße einer welſchen Nuß aus dem Kopfe einer gekroͤnten Schlange, welcher jede Vergiftung unwirkſam machen ſollte. Waͤhrend Gama mit der Landung ſeiner Schiffe beſchaͤftigt war, wurde er durch einen Abgeordneten Samorin's zur Ruckkehr nach Kalekut eingeladen, wo er alle ſeine Guͤter und Handels⸗Freiheit erhalten ſollte. Der Admiral nahm den Abgeordneten als 49 Geiſel fuͤr den Fall in Verwahrung, wenn Samorin unrediich handeln ſollte, und reiste, ungeachtet des Widerſpruches ſeiner Hauptleute, mit ſeinem einzigen Schiſſe nach Kalekut ab, weil er glaubte, an So⸗ dres Eskader Unterſßuͤtzung zu finden. Kaum hatte Samorin vernommen, daß der Admiral mit einem einzigen Schiffe angekommen ſey, ſo ſchickte er 34 Boots ab, welche ihn gefangen nehmen ſollten. Er waͤre auch ergriffen worden, ungeachtet er ſeine An⸗ kerthaue abhauen, und ſein Schiff in die hohe See zuruͤck fuͤhren ließ, wenn nicht Sodres Schiffe zur Hlfe gekommen waͤren. Nach ſeiner Ruͤckkehr gegen Kochin ließ er den Abgeordneten aufhaͤngen, ſo ſchmerzlich es anch dem Samorin ſeyn mochte. Dieſer ſuchte durch mehrere Briefe den Koͤnig von Kochin in bewegen, die Portugteſen nicht ferner zu beguͤnſtigen; aber vergebens. Deßwegen ruͤſtete er 29 große Schiffe zum Angriffe der portugieſiſchen Flotte aus. Erſt beim Abſchiede eroͤffnete der Koͤnig von Kochin, auf ſeinem Elephanten ſitzend, und in Begleitung ſeiner Nayros dem Admiral den Inhalt der Briefe Samorins und deſſen feindliche Abſichten. Gamn dankte durch das Verſprechen, der Koͤnig von Portugal wuͤrde ihn ſo kraͤftig in der Zukunft unterſtützen, daß er ſich nicht allein in ſeinem Lande erhalten, ſondern auch benachbarte Laͤnder ero⸗ bern koͤnnte. Der Koͤnig war mit dieſer Erklärung um ſo zuftiedener, als ſie in Gegenwart der Nayren 68. Vd. Indien 1I. 1. 4 geſchah, welche als Freunde der Moren ſehr ungerne die Beguͤnſtigung der Portugieſen beobachtet hat⸗ ten. Kaum war er abgeſegelt, ſo kam ihm die Flotte der Moren ſchon entgegen. Er beorderte einen allge⸗ meinen Angriff auf die Schiffe. Sodre eilte mit zwei andern Hauptleuten voraus, und griff zwei der groͤßten Schiſfe ſo heftig an, daß ein Theil der Mann⸗ ſchaft in das Meer ſprang. Bei der Annaͤherung Gamas eilten die uͤbrigen feindlichen Schiffe, welche er aus Furcht vor Untiefen nicht verfolgen ließ, nach dem Lande zuruͤck. Unterdeſſen brachten die Portu⸗ gieſen in ihren Bvots mehr als 300 Moren um, welche ſich im Waſſer ſchwimmend vertheidigten. In den beiden großen Schiffen war vieles Porzellain, ſilberne und vergoldete Gefaͤße, und ein goldenes Bildniß von 30 Pfund, deſſen Augen zwey Smarag⸗ den, deſſen Kleid aus geſchlagenem Golde kuͤnſtlich mit Edelſteinen beſetzt war, und vor deſſen Bruſt ein großer Rubin wie das hellſte Feuer glaͤnzte. Sobald die Waaren aus dem Schiffe genommen waren, wurden dieſe verbrannt. Gama ſegelte nach Kananor, wo ihm der Koͤnig ein Haus fuͤr die Faktorei einraͤumte. Er hinterließ 24 Menſchen da⸗ ſelbſt zur Befoͤrderung des Handels der Spezereien um einen beſtimmten Preiß, und verband ſich mit dem Koͤnige nicht nur zu ihrer wechſelſeitigen Ver⸗ theidigung, ſondern daß er keinem Fuͤrſten wider den Trimumpars beiſtehen ſollte. ———— Gama ſegelte am 20. Dec. 4803 mit 13 Schiffen nach Portugal zuruͤck, und ließ ſeinen Gezaͤhrten Sodre mit 7Schiffen bis zum Februar unter dem Befehle halten, daß er im Falle eines Krieges zwiſchen den Koͤnigen von Kochin und Kalekut vor erſterem Orte uͤberwintern, widrigen Falles nach dem rothen Meere ſegeln, und alle Schiffe wegnehmen ſollte, welche von Mecca nach Indien beſtimmt ſind. Gama mußte zu Mozambique zwei verdor⸗ bene Schiffe ausbeſſern laſſen. Bei dem Vorgebirge Korientes wurde er zwar durch einen Sturm ſehr aufgehalten; doch traf er am erſten September zu Easeais glucklich ein, wo er von verſchtedenen Vot⸗ nehmen nach Hof gefuhrt wurde, indem ein Edelknabe den Lribut des Koͤnigs von Quiloa in einem ſilber⸗ nen Vecken vor ihm trug. Der Koͤnig empfieng ihn mit den groͤßten Ehrenbezeigungen, ernannte ihn zum Admiral der indiſchen Meere, und zum Grafen von Videgueyra. Sechs Tage nach ihm erſchien Schiff vor der übrigen Flotte bei dem Vorgebirge Korientes getrennt worden, und auf der Ruͤckkehr ſeinen großen Maſt verloren hatte. Gama war von mittlerer Geſtalt, ſtark im gan⸗ zen Koͤrper, und küpferig im Geſichte. Seine Kuͤhn⸗ heit fuͤr alle große Unternehmungen war anerkannt. Im Zorne wax er außerſt heftig, in Verlegenheiten ſehr geduldig, und in Ertheilung der Gerechtigkeit 52 ſehr eilfertig. Im J. 1624 wurde er, als Virekoͤnig von Indien, zwar noch einmal mit a4 Schiffen und 3z000 Mann abgeſchickt. Nach vielen Unfaͤllen zur See landete er auch zu Gva, und beſuchte einige Feſtungen. Allein er ſtarb noch an Weihnachten des naͤmlichen Jahres, nachdem et Indien nurt drei Monate verwaltet batte. Reiſe des Pedro Albarez Cabral nach Indien im Jahre 1500*. Dee gluͤcklichen Entdeckungen mehrerer Portugieſen ſpornten zu neuen Unternehmungen an. Deßwe⸗ gen wurde eine Flotte von 13 Schiffen verſchiedener Groͤße mit 1200 Mann unter dem Kommando des Pedro Albarez Cabral ausgeruͤſtet, welchem der Koͤnig Emanuel am s. Maͤrz 4600 die Kreuz⸗ Flagge uͤbergab. Unter der Mannſchaft befanden ſich auch Franciskaner⸗Moͤnche, 8 Kaplaͤne und ein Dberkaplan. Sie ſegelten von Belim ab; am 18. * Gryngeus nannte in der vorliegenden Samm⸗ lung: Novus orbis etc. Bas. 4555. fol, unſern Retſenden irria Peter Aliares. Dieſem Ausjuge liegt vorzüglich zum Grunde? Historia de descubrimento e conquista da India per os Portugoeses ete. de Ferd. Lopez de Gastan- neda welche Rik. Grouchi in das Frantoſi⸗ iche uͤberſetzte. 54 Maͤrz ſahen ſie die Kanarien⸗Inſeln; am 22ten St. Jago. Am 24. April erhob ſich Nachts ein großer Sturm, weßwegen ſie laͤngs der Kuͤſte einen Hafen ſuchten, welchen ſie auch fanden, und Puerto Seguro nannten. Cabral bezeichnete das Land nach dem ſteinernen Kreuze, welches er daſelbſt auf⸗ richtete, Tierra de Santa Krus, welches ſpaͤter Braſilien genaunt wurde. Am 2. May ſegelten ſie nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung. Am ꝛsſten und 28ſten erhoben ſich ſo gewaltige Stuͤrme in Nord⸗Oſt, daß ſie ihre Segel einziehen mußten. Bald erhob ſich eine Waſſerhoſe mit ſo entſetzlichem Winde, daß ſie nicht Zeit hatten, die Segel wieder einzuziehen; weßwegen 4 Schiffe mit allen Leuten zu Grunde gingen, unter welchen auch der Entdecker des Vorgebirges der guten Hoffnung, Barth⸗ Dyas war. Die uͤbrigen Schiffe fuͤllten ſich zur Haͤlfte mit Waſſer, und wuͤrden auch geſunken ſeyn, weun ihre Segel nicht zerriſſen waͤren. Sie ſchankel⸗ ten 2 Tage ohne Segel hin und her unter ſolcher Finſterniß, daß die Schiffe einander nicht wahrnehmen konnten. Am dritten Tage hatte der nach Süd⸗Weſt ſich drehende Wind kaum geendigt, als jener von Oi und Nord-Oßt noch ungeſtuͤmer wuͤthete, und Berge von Wellen ſo erhob, daß die Schiffe in einem Augen⸗ blicke die Wolken zu beruͤhren, im andern in die größte Tiefe geſchleudert zu ſeyn ſchienen. Dieſer ſchreckliche Sturm dauerte 20 Tage⸗ waͤhrend welcher 355 das Waſſer jede Nacht den Feuerflammen glich, und bei Tags ganz ſchwarz war. Erſt nach geendistem Sturme erkannte die Mannſchaft, daß ſie am Vor⸗ gebirge der guten Hoffnung vorbeigeſegelt ſey; aber auch 4 Schiffe verloren habe. Am 16. Jult naͤherten ſie ſich der Kuͤſte von Afrika, in 27 Grade fuͤdlicher Breite, und eroberten 2 Schiffe mit Moren, welche von dem Bergwerke zu Sofala mit Gold fuͤr Melinda ſich beladen hatten, aber bei ihrer Flucht von den Portugieſen daſſelbe in die See warfen. Der Admiral nahm den Befehlshaber beider Schiffe, als Vetter des Koͤnigs von Melinda, gut auf, und bezeugte ihm ſein Leidweſen durch Ruͤckgabe alles deſſen, was ſeine Mannſchaft genommen hatte. Am zoſten landete Cabralzu Mozambigue, und nahm Waſſer nebſt einem Steuermanne ein, welcher ihn nach Quilva begleiten ſollte. Daſelbſt wird ſtarker Handel mit Gold von Sofala getrieben, weßwegen viele Kaufleute aus dem gluͤcklichen Ara⸗ bien und anderen Gegenden dahin kamen. Der Ad⸗ miral ließ dem Koͤnige wiſſen, er ſey mit Waaren⸗ und einem Schreiben des Koͤnigs von Portugal⸗ zur Exrichtung einer Handelsverbindung gekommen; er erbitte ſich eine Unterredung auf dem Schiffe. Der Koͤnig erſchien mit vieler umgebung unter Tromveten⸗ Schall, ließ ſich das Schreiben vorleſen, und verſprach Gold fuͤr Waaren zu geben. Allein des andern Tags reute es ihn, weil die Fremden Chriſten waren. Nach 56 einigem Aufenthalte ſegelte der Admiral nach Me⸗ linda, wo er am 2. Auguſt eintraf. Der daſige Koͤnig ſchickte ſogleich Fruͤchte und andere Lebensmit⸗ tel, welche Cabral durch ein koſtbares Pferdegeſchirr erwiederte. Des andern Lags hielt der Koͤnig eine Unterredung mit dem Admiral auf dem Schiffe. Letz⸗ terer ließ zwei zum Tode verurtheilte Verbrecher zur naͤheren Kenntniß des Landes zurück. Einer derſelben lernte arabiſch, ging zu Lande nach der Meerenge von Mecea, kam dann nach Balagat uͤber Kam⸗ baya, und gewann als ſcheinbarer Mor die Freund⸗ ſchaft der Statthalter dieſer Bezirke, durch welche er ſwaͤter dem Alonſo de Albuguergue wichtige Dienſte leiſtete. Cabral ſegelte am 7. Auguſt wieder ab, und kam am 13. Sept. nach Kalekut. Er ſetzte die 4 Malabaren, welche Gama nach Portugal gebracht hatte, nebſt einem Moren, Namens Kaſpar⸗ als Geiſel in Geſellſchaft des Dolmetſchers Alonſo Hurtado ab, und erbat ſich von Samorin einige anſehnliche Geiſel, um an das Land gehen zu koͤnnen. Am 28. Der. ſchickte der Koͤnig verſchiedene vornebme Hoͤflinge mit Muſik, den Admiral abzuholen. Dieſer wurde ſogleich auf einen Tragſeſſel geſetzt, und in Begleitung ſeiner Leute zum Karmoiſin rothen Thron⸗ Himmel des Koͤnigs gefuͤhrt. Dieſer war mit weitß ſeidenem und golddurchwirktem Zeuge umguͤrtet, am ubrigen Leibe nackt; auf ſeinem Haupte rubte eine 57 Muͤtze von goldenem Stoffe. In ſeinen Ohren hingen Juwelen, welche aus Diamanten, Saphiren und Perlen zuſammengeſetzt, und deren zwei groͤßer, als welſche Nuͤhe waren. Sei'e Arme waren vom Ellen⸗ bogen bis an die Haͤnde, wie ſeine Fuͤße von den Knien abwaͤrts mit den koſtbarſten Steinen beſetzt. Seine Finger und Zehen waren mit vielen Ringen verſehen, von welchen jener an der großen Zehe mit einem ſehr großen Rubin ausgefuͤllt war. Noch koſt⸗ barer war ſein Guͤrtel, deſſen Steine in Gold geſetzt⸗ das Auge blendeten. Drei Trompeten waren aus Gold und 17 aus Silber, deren Mundſtuͤcke gleichfalls mit Edelſteinen beſetzt war. Die Lachpen und Rauchfaͤßer⸗ welche dampften, beſtanden aus Silber, und das Spuck⸗Becken aus Gold. Bei dem Miniſter(Samorin) ſtand ein praͤchtiger Seſſel, und die dazu gehoͤrige Trage aus Gold und Silber, praͤchtig gearbeitet. Der Admjral nahm bei dem Eintritte in den Saal in einem Stuhle, naͤchſt dem Koͤnige, Platz, und uͤber⸗ reichte ſein Beglaubigungsſchreiben in arabiſcher Sprache. Sobald der Samorin es geleſen hatte, äußerte Cabral den Wunſch ſeines Koͤnigs, zu Ka⸗ lekut eine Faktorei zu errichten, welche mit allen Arten europaͤiſcher Waare ſollte verſehen werden, für welche ſeine Schiffe Specereien kaufen, oder tauſchen ſollten. Waͤhrend die Geſchenke hetbeigetragen wurden, verſprach Samorin, daß alle Waaren des Landes zu haben ſevn ſollten. Der Koͤuig gab ibm bierauf 53 ein Zeichen, auf ſein Schiff zutuͤckzukehren, und die Geiſeln zuruͤckzuſchicken. Unter wechſelſeitigem Miß⸗ trauen, und unter geheimen Raͤnken der Moren, ver⸗ floſſen mehrere Tage, bis er wagen konnte, den Franeiſev Correa als Faktor der Handlung aus⸗ zuſetzen. Allein da dieſer mit den Verhaͤltniſſen des Landes noch nicht bekannt war, ſo verkaufte er ſeine Waaren zu wohlfeil, und kaufte die Indiſchen zu theuer. Sobald Cabral die Raͤnke der Moxen ken⸗ nen lernte, wollte er Anſtalt zur Abreiſe treffen. Allein der Samorin ließ ihn durch Correa davon abhal⸗ ten, raͤumte ihm unter ſchriftlicher Verſicherung ein Haus am ufer fuͤr die Faktorei ein, auf welchem auch eine Fahne mit den portugieſiſchen Wappen errichtet werden durfte. Von dieſer Zeit konnten die Portu⸗ gieſen zu Kalekut ſo ſicher, wie in Liſſabon herum gehen, und die Eingebornen beſuchten die Faktorei. Doch konnte dieſe nicht ſo viele Waaren erwerben, als zur Ladung ihrer Schiffe noͤthig war; weßwegen eine neue Spannung zwiſchen den beider⸗ ſeitigen Abgeordneten entſtand. Der Samorin ver⸗ ſprach wiederholt, in 20 Tagen ſollten die Schiffe mit Spezereien gefuͤllt ſeyn; deſſen ungeachtet hinderten die Moren die Vollziehung dieſes Befehles, machten dem Koͤnige, wie dem Samorin bittere Vorwuͤrfe über groͤßere Beguͤnſtigung der Portugieſen vor ihnen, und uͤberfielen die Faktvrei, in welcher ſich nur 70 Mann mit 8 Armbrüſten befanden, ſo gewalt⸗ 59 ſam, und mit einer ſolchen Menge von Menſchen, daß kaum 20 Portugieſen durch die annaͤhernden Boote auf ihr Schiff ſich retten konnten, und alle uͤbrige theils getoͤdtet, theils gefangen wurden. Der Admiral wurde durch dieſe Dreuloſigkeit ſo gereitzt, daß er gleich des andern Dages die Stadt, und die im Haſen liegenden Schiffe durch ununter⸗ brochenes Kanonen⸗ und Flinten⸗Feuer zerſioͤrte, und ſich nach Kochin wendete, eine Faktorei zu errichten. Dieſe Stadt liegt in einem Lande gleichen Na⸗ mens, 19 Meilen ſüdwaͤrts von Kalekut an einem Fluſſe, iſt ziemlich ſtark befeſtigt, und hat einen ſichern und geraͤumigen Hafen. Die Einwohner ſind theils Heiden, theils Moren, und naͤhren ſich von der Handlung, fuͤr welche zwei allein 100 Schiſfe unter⸗ hielten. Lebensmittel ſind nicht uberfͤßig, wohl aber Pfeffer. Der Koͤnig iſt arm deßwegen, weil er keine Muͤnze ſchlagen darf; auch iſt er dem Samorin untergeordnet, welcher, ſobald er zur Regierung komit, ſich nach Kochin begſebt, und demſenigen die Krone ertheilt, welcher ihm gefoͤllt. Kaum hatte der Admiral hier geankert, und dem Koͤnige durch einen Faftor und mehrere Begleiter mit Geſchenken ſeinen Wunſch, eine Faktorei zu errichten, eroͤfnet, ſo wurde nicht nur dieſer ſogleich genehmigt, ſondern auch alle Unterſtuͤtzung geleiſtet, die Schiffe ſchnel mit der gewuͤnſchten Ladung zu 60 verſehen. Nach vollendeter Ladung erboten ſich zwei indiſche Chriſten auf des Admirals Schiffen nach Portugal zu teiſen, um dann Rom und Jeruſa⸗ lem beſuchen zu koͤnnen. Am 10. Jaͤnner 4601 ſegelte Cabral ab, und um 16ten ankerte er vor Kananor, 31 Meilen von Kochin nordwaͤrts. Dieſe Stadt iſt ſehr weitlaͤufig an einer ſchoͤnen Vav errichtet; allein die Haͤuſer ſind nur aus Erde und mit Schiefer gedeckt. Das Land trägt Ingwer, Kardamonen, Tamarinden, Kaſ⸗ ſia, Mirabolanen, aber nicht viel Pfeffer. Es gibt bier ſo giftige Ottern, daß Menſchen durch ihren Athem getoͤdtet wurden. Ein gleiches iſt mit den Fledermaͤuſen und Geyern, deren Kopf einem Fuchſe ähnlich iſt; doch ſind ſie gut zu eſſen. Andere Le⸗ bensmittel gibt es noch im Ueberfluſſe. Der Koͤnig iſt ein Braman und einer der drei Fuͤrſten in Ma⸗ labar, welche Niemanden unterworfen ſind. Der Admiral kaufte 4 Zentner Zimmet ein. Da der Koͤnig vermuthete, daß er aus Geldmangel nicht mehr kaufe, ſo ließ er ibm eroͤffnen, daß auf Kredit noch ſo viel gegeben werde, als beliebig ſev. Kabral dankte fuͤr dieſe Großmuth, und nahm einen Abgeordneten des Koͤnigs auf ſein Schiff, zur engeren Verbindung mit dem portugieſiſchen Hofe. Der Admiral ſegelte durch den Meerbuſen zwiſchen Indien und Afrika, in deſſen Mitte er am 31. Faͤnner ein grobßes Kauffartbeiſchiff wegnahm. Doch 6¹ nahm er nur einen Lovtsmann als Wegweiſer und gab dasſelbe zuruͤck. Am 12. Febr. erhob ſich an der afttkaniſchen Koſte ein ſo gewaltiger Sturm, daß das Schiff des Sancho de Toar an das Land getrieben wurde, und ſo ſchnell in Brand gerieth, daß die Mannſchaft nur mit Muͤhe gerettet werden konnte. Sie ſetzten waͤhrend des Sturmes ihre Reiſe uͤber Melinda fort, und konnten erſt zu Mozambique ankern, um ihre Schiffe auszubeſſern, und Waſſer einzunehmen. Naͤchſt dem Vorgebirge der guten Hoffnung waren ſie neuen Stuͤrmen Preis gegeben, in welchen eines ihrer Schiffe getrennt wurde. Auf dem grünen Vorgebirge fanden ſie Diego Diat, welcher von der Flotte auf der Reiſe nach Indien getrennt, in das rothe Meer gekommen war, und ſeine meiſten Leute durch Krankheit und Mangel an Lebensmitteln verloren hatte. Da ſein Lvotsmann nicht gewagt hatte, ihn nach Indien zu fuͤhren; ſo kehrte er nach Portugal zuruͤck, doch nur mit? Mann, welche nach der Fahrt durch den arabiſchen Meerbuſen, ſtark und geſchickt genus waren, die Schiffsdienſte zu leiſten. Am 31. Juli a601 traf der Admiral zu Liſſabon ein. Nach wenigen Tagen folgte auch das Schiff, welches ſich bei dem Vorgebirge der guten Hoff⸗ nung verloren hatte, und endlich folgte auch jenes von Sancho de Toar. Dieſer berichtete, er ſey auf der kleinen Inſel Sofala nahe am feſten Lande, der Gold⸗Bergwerke des feſten Landes kamen viele Moren aus Indien dahin, welche das edle Metall gegen Waaren geringen Werthes vertauſchten. Er brachte einen Moren mit ſich, welcher als Geiſel ihm fuͤr einen andern Mann war gegeben worden, und wichtige Nachrichten uͤber ſein Land mittheilte. Voen den 12 Schiffen, welche Cabral aus Portugal abgefuͤhrt hatte, ſind nur s zuruͤckgekommen; von den 6 uͤbrigen ilt keine weitere Nachricht eingelaufen. welche von Kafern bewohnt wurde, gelandet. Wegen — Reiſe von Juan de Nueva nach Oſt⸗ Indien im Jahr 1501. Noch ehe Cabral zuruͤckgekommen war, hatte der Koͤnig von Portugal den General Juan de Nueva aus Gallizien mit 4 Schiffen und 400 Mann zur dritten Reiſe nach Oſt-Indien beordnet. Der General erhielt die Weiſung, vorerſt Sant Plas zu beruͤhren, dann nach Sofala zur Errich⸗ tung einer Facktorei, nach Quilon und nach Kale⸗ kut zu ſegeln. Der General entdeckte die Inſel der Empfängniß in 8 Grade ſuͤdlicher Breite, kam gluͤcklich zu Sant Plas unter dem Vorgebirge der guten Hoffnung an, traf im Auguſt zu Mo⸗ zambigue, und bald auch zu Quilvoa ein; nach⸗ dem er eine Inſel entdeckt hatte, die er mit ſeinem Namen bezeichnete. Zu Melinda erfuhr er vom Könige die Ereigniſſe in Indien. Er jagte nicht weit von Melinda auf zwei große Schiffe, nahm beide, und verbrannte eines. Als er zu Kananor 64 ankam, drang zwar der Koͤnig in ihn, ſeine Schiffe zu laden; allein er wollte erſt mit dem Faktor von Kochin ſich benehmen. Auf dem Wege dahin nahm er nach einem tapfern Widerſtande ein Schiff, wel⸗ ches den Moren ju Kalekut gehoͤrte, und ließ es verbrennen. Der Faktor zu Kochin hatte dem General kaum bewieſen, welcher boshaften Raͤnke die Moren gegen die Portugieſen faͤhig ſeyen, und daß man ohne Geld ihre Spezereien nicht einmal erwerben koͤnne, ſo kehrte der General ſogleich nach Kananor zuruͤck. Da er aber daſelbſt Spezereien ebenfalls nur gegen Geld kau⸗ ſen konnte, ſo war der König, damit derſelbe nicht leer zuruͤckkehre, ſo großmuͤthig, auf 1000 Zentner Pfeſſer, 6o Ingwer und 460 Zimmet, nebſt einigem leinenen Zeuge ſo lange gut zu ſtehen, bis der Faktor. welchen den General nebſt zwei Schreibern zuruͤck ließ, die ihnen anvertrauten Waaren verkauft haͤtte. Am 15. Dee. benachrichtigte der Koͤnig denſelben, daß der Samorin 100 Schiffe gegen ihn ausgeſendet habe, er moͤge alſo auf ſeiner Hut ſeyn. Bei dem Anbruche des naͤchſten Tages erſchienen wirklich die Schiffe voll Moren in der Bays aber ohne ſchweres Geſchuͤtz. Der muthige General fuhr durch die Mitte der Bay, und ließ die feindlichen Schiffe aut beiden Seiten ununterbrochen beſchießen. Nachdem viele Moren umgekommen, und verſchiedene Schiffe in Grund gebort waren, ohne daß die Portugieſen einen 65⁵ Mann verloren hatten, ſteckten ſie zwar die Friedens⸗ flagge auf; allein kaum bemerkte der General ihre Abſicht, ſeine Schiffe Nachts in Brand zu ſtecken, ſe befahl er noch einmal auf ſie zu feuern, damit ſie ſich nach Kalekut zuruͤckzogen. Vald nahm er vom Koͤ⸗ nig in Kanoner Abſchied, und ſegelte nach Por⸗ tugal mit allen ſeinen Schiffen glcklich zuruͤck. 66. Vd. Indien. III. 3. 5 Däniſche Miſſions⸗ Reiſe nach O ſt⸗Indien in den Jahren 1705 bis 1719. Beſchrieben von Bar⸗ tholomä Ziegenbalg. Von dem erhabenen Gedanken beſeelt, die Heiden in Of⸗Indien mit der wahren Chriſtus-Lehre zu be⸗ gluͤcken, entſchloß ſich die daͤniſche Regierung, eine Riſſion in dieſes Land zu veranſtalten. Zu Miſſio⸗ naͤren wurden ernannt Bartholoma Ziegen⸗ bals und Heinrich Pluͤtſchau, welche den 28. Nov. 1706 auf dem Schiffe Sophia Hedwid ihre Reiſe antraten, den 23. April 1706 das Vorge⸗ birg der guten Hoffnung erreichten, und den 9. Juli glucklich bei Tranguebar in Oſt⸗Indien landeten. Vor Allem war den Miſſionaͤren noͤthig, ſich die portugieſiſche und malabariſche Sprache eigen zu machen. Beſonders viele Schwierigkeit verurſachte 67 die Erlernung der malabariſchen oder damuli⸗ ſchen Sprache, welche die Miſſionaͤre mit den klei⸗ nen Kindern erlernten, zu denen ſie ſich ſetzten, und nach deren Art und Weiſe die Buchſtaben in den Sand zu ſchreiben anfingen. Sie lernten zwat viele Woͤrter ſchreiben, leſen und ausſprechen, kaunten aber deren Bedeutung nicht, weil der Schulmeiſter nicht portu⸗ gieſiſch verſtand. Mit Huͤlfe eines Dolmetſchers brach⸗ ten ſie es endlich dahin, daß ſie eine Anleitung zur Erlernung des Malabariſchen in deutſcher Sprache aufſetzen konnten. Weil nun die meiſten Schriften dieſer Heiden in Verſen abgefaßt ſind, ſo mußten die Miſſtonaͤre auch Dichter in Dienſt nehmen, und ein voetiſches Woͤrterbuch anfertigen laſſen. Den s. November fngen die Miſſionaͤre ihr Miſſions⸗Werk mit Catecheſen in vortugieſiſcher und den 22. Januar 4707 in malabariſcher Spra⸗ che an. Dieſe Catecheſen wurden nach Erbauung einer neuen Kirche, welche Jeruſfalem genannt wurde, oͤffentlich gehalten. Auch wurde Luthers Catechis⸗ mus, ſpäter das neue Teſtament, nebſt mehrern an⸗ dern Schriften in die malabariſche Sprache überſetzt. Den 21. November wurde auch eine Schule er⸗ richtet, in welcher die malabariſchen Kinder nicht nur Unterricht, ſondern auch Wohnung, Kleidung und Nahrung unentgeldlich erhielten. Die großeren laſen das neue Teſtament, und wurden im Rechnen 68 und Schreiben unterrichtet, während die kleineren das A B C erlernten, und auf die Fragen der groͤßeren antworten mußten. Den 23. Juli 4os unternahmen ſie die erſte Reiſe nach Nagapatnam, einem hollaͤndiſchen Platze, um das Wort Gottes auch außerhalb Tran⸗ guebar zu verkoͤndigen. Auch wurden an verſchie⸗ denen andern Orten Bekehrungs⸗Verſuche angeſtellt. Den 20. Juli 4709 kamen die andern Miſſionaͤre aus Daͤnemark, nämlich M. Gruͤndler und Foh. Boͤving nebſt dem Mitarbeiter Polyearp Jordan. Nuchdem ſie drei volle Jahre viele Truͤt⸗ ſal ausgeſtanden hatten, wurden ſie durch die Ankunft dieſer Maͤnner ſehr erfreut. Von Daͤnemark brach⸗ ten dieſe mit 2021 Rthlr., und aus Deutſchland 1147 Rthlr.; zu dieſen kam noch eine koſtbare Haus⸗ Apotheke von dem Waiſenhauſe zu Halle mit vielen Buͤchern aus Daͤnemark und Deutſchland. Den 2. September ſtellte der Niſſionaͤr Zie genbalg den Verſuch zu einer Reiſe in das Land des Koͤniges von Tanjour an. Während er 3 Mei⸗ len tief in das Land gereist war, traf er in dem Prte Perumulei eine anſehnliche Verſammlung der vornehmſten Malabaren und Bramanen an, welche ihm bedeutenden, daß ſie ihn auf ſeiner wei⸗ tern Reiſe anhalten und als Gerichts⸗ und Zollperſo⸗ nen ſeine Ankunft dem Konige von Tanjour b annt machen muͤßten, weil ohne Einwilligung des 69 Koͤnigs kein Europäer im Lande, außer den See⸗ Straßen, reiſen duͤrfe. Auf dieſe Erklaͤrung, und auf die Nachricht von der uͤblen Behandlung der Miſſto⸗ näre, zog Ziegenbalg die Ruͤckreiſe nach Dran⸗ guebar vor. Den 19. Detober erhielten die Miſſionaͤre die erſen Briefe aus England mit 20 Pfund Sterling und einem Kuͤſichen Buͤcher. Den 2. November kauf⸗ ten ſie in dem nahe bei der Stadt gelegenen Dorfe Boreiar einen Garten, in welchem ſich s Teiche und 400 Bäume befanden. In dieſem Dorfe, welches groͤßer als Tranguebar, und ſehr volkreich iſt, etrichteten die Miſſionare eine Schule. Wegen der vielen Geſchenke, welche man dem Koͤnige von Tanjour machen muß, und wegen der Reiſekoſten unterließ Ziegenbalg ſeine vorgehabte Reiſe, und machte ſich auf den Weg nach Madras im Reiche des Groß⸗Mogul. Er durchreiste viele Staͤdte und uͤbernachtete oft bei Bramanen, welche ihm alle Liebe erwieſen. Die Abreiſe begann den 7. Jannar a7ao. In Ziegenbalgs Gefolge befanden ſich 20 Malabaren, 6 Soldaten, 10 Palankin⸗ Traͤger und s Perſonen, welche die Lebensmittel tra⸗ gen mußten. Den erſten Tag legten ſie vier Meilen zuruͤck, durchreisten verſchiedene Staͤdte und Doͤrfer, und übernachteten in der großen Stadt Sſchigari, wel⸗ che mehr als 6so Pagoden enthalt. In dieſer Stadt hinterließ der Miſſionaͤr einen Brief zur BVekeh⸗ rung der Heiden. Am folgenden Tage kamen ſie innerhalb 4 Meilen aus dem Gebiete von Tanjour, nachdem ſie 30 Rthlr. Zoll hatten geben muͤſſen, waͤh⸗ rend ſie in dem Lande Mogul freien Durchgang hat⸗ ten. Ueber viele Fluͤſſe kamen ſie zur großen Stadt Tſchilambaran, welche ein großes Käſtel mit 4 Thuͤrmen hatte, und Abends zur großen und ge⸗ raͤumigen Stadt Porta Nova(auf malabariſch: Pirenki Patei), Den dritten Tag kamen ſie zur engliſchen Stadt Kudelur, und zu dem Fort St. David, und wurden gut aufgenommen. Unſer Miſ⸗ ſionaͤr ſprach mit den Malabaren wegen der chriſt⸗ lichen Religion bis in die Nacht. Den fuͤnften Dag kamen ſie zur franzoͤſiſchen Stadt Budutſcheri, dem Hauptſitze der franzoͤſiſchen Miſſionaͤre. Den ſechsten und ſiebenten Tig fuͤhrte der Weg durch Wildniſſe, den achten durch viele Doͤr⸗ fer zur volkreichen Stadt Sadraspatnam mit einer holländiſchen Faktorei. Drei Stunden verkuͤn⸗ digte Ziegenbalg das Wort Gottes, und uͤber⸗ nachtete dann bei Bramanen. Den neunten ka⸗ men ſie zu vielen Doͤrfern, und uͤber St. Thomas den zehenten nach Madras, einer ſehr großen und volkreichen Stadt. Tranhuebar, chemals ein kleiner Flecken, er⸗ wuchs, ſeitdem es eine däniſche Kolonie geworden, zu einer feinen Stadt mit einem Kaſtelle. Sie iſt 71 mit einer Mauer umgeben, und hat drei Kirchen und fuͤnf große Pagoden. Die Einwohner ſind theils Su⸗ ropaͤer, theils Malabaren. Der zu Trangue⸗ bar gehoͤrige Bezirk enthaͤlt 15 Doͤrfer, unter wel⸗ chen Borliar das groͤßte iſt. Nach dieſem iſt Ti⸗ liar der groͤßte und luſtigſte Flecken, zu welchem von Tranguebar eine ſchoͤne Baumpflanzung fuͤhrt. Die Namen der brigen Doͤrfer ſind: Tſandara⸗ pari, Kottupaleam, Erukittantſcheri⸗ Sſchattankuri, Dewanallur, Druwaman⸗ galum, Tſchenkitankarei, Pommeampvet⸗ tei, Kilinſchimedu, Kalinka reipoettei, Signurpoettei, Akkamenpoettei und Ela⸗ menpoettei. In dieſen Doͤrfern verkuͤndigte Zie⸗ genbalg das Wort Gottes. Das Gebiet des Koͤnigs auf der Kuͤſte von Koro⸗ mandel iſt ungefaͤhr 24 deutſche Meilen lang und 17 breit. Die Reſidenzſtadt Tanjour iſt 21 Stun⸗ den(1malabariſche Meilen) von Tranquebar ent⸗ fernt, und hat einen feſten Wall und Ringmauern. Außerdem hat der Koͤnig noch zwei ſchoͤne Schlöſſer⸗ eines in der Stadt Dirnwarur, das andere in der Stadt Diruwiramarudur. In dem ganzen Rei⸗ che ſind vier rechte Feßtungen, die Staͤdte Tanjour, Patukotei, Mannakowil und die kleine See⸗ Stadt Kalkalatſcheri. In andern großen Staͤd⸗ ten ſindet man ſehr koſtbare und große Pagoden, und beinahe öberall Herbergen fuͤr Fremdlinge. Die Macht 72 des Koͤniges, welcher ein Vaſall des Großmogul iſt, beſteht in ſeinem Reichthume, indem er jaͤhrlich uber 30 Tonnen Goldes aus ſeinem Lande erhalten kann. Bei ſeinem Kriegs⸗Heere befinden ſich aaa ſtreitbare Slephanten und uͤber 300 Pferde, welche beide aus frem⸗ den Landern kommen. Auch haͤngen alle andern Koͤnige und Fuͤrſten an den uͤbrigen Kuͤſten von dem Groß⸗ mogul ab. Achtzehn Meilen von Trangu ebar iſt ein Reich, in welchem eine Weibsperſon regiert. In andern Koͤnigreichen findet man auch Parlamente. Die Luft iſt nach den verſchiedenen Jahres⸗Zei⸗ ten verſchieden; im Auguſt, September und Dktober iſt ſie ſehr gemaͤßigt und geſund, aber im Mai bis zum Ende des Juli ſehr ungeſund und heiß. Vor⸗ mittags kommt ſie aus dem Lande und fuͤhrt einige Waͤrme mit ſich; Nachmittags kommt ſie von der See und bringt Kuͤhlung. Die Hitze iſt im Februar, Maͤrz, April, Mai und Juli am ſtaͤrkſtenz uͤber Kalte kann man nicht viel klagen.— Tag und Nacht ſind gewoͤhnlich im ganzen Jabre einander gleich. Die Malabaren eſſen gekochten Reis mit Fi⸗ ſchen, Milch, grünem Kraute, ihrer gewoͤhnlichen Foſt, nebſt Betel⸗Araf. Die Muhametaner ſpeiſen auch noch Fleiſch, Voͤgel, Haſen und andere Dinge. Die Malabaren gehen faſt nackt mit Ausnahme der Schambedeckung: einige bedecken ſich halb, andere ganz, beſonders die Frauensperſonen. Sie treiben Handel, Ackerbau und verſchiedene Handwerke mit Fertigkeit. Es gibt reiche Leute unter den Mala⸗ baren, die meiſten aber ſind arm oder beſitzen nur ein mittelmaͤßiges Vermoͤgen. 6 Dieſe Kuͤſte hat den ſchoͤnſten Ackerbau; beſonders wird viel Reis gebaut.— Man findet in dem Lande Elephanten, welche von Ceylon kommen; ſeltene Hirſche, ſo groß wie Haſen, mit vollem Geweihe, obwohl ſie nicht groͤßer werden; ferner ſchwarze Streit⸗ boͤcke. Wegen Mangels an Waͤldern ſieht man auch nicht viele ſeltene Thiere; doch findet man Papageien verſchiedener Art, ſchwarz geſtreifte Nachtigallen, ſchoͤne Pfauen, Paradies⸗Voͤgel, und verſchiedene andere Voͤgel, welche von den Malabaren ange⸗ betet werden. Die Baͤume und Erdgewaͤchſe ſind von den europaͤiſchen ſo veyſchieden, daß Ziegenbalg nicht einen Baum oder ein Gewaͤchs ſah, welches er mit den europaͤiſchen vergleichen konnte. Die beſten Fruͤchte ſind die Feigen, Ananas, Manges, Coiuwen, Kokosnuͤſſe u. ſ. w.— Der Winter heißt bier die Regen⸗Zeit, und dauert gewoͤhnlich 2 41/2 Monat an. Gewaͤchſe gruͤnen das ganze Jahr, und ſind im Winter am lebhafteſten; auch die Bäume graͤnen und bluhen das ganze Jahr. Gewitter ſind faſt das ganze Jahr, und zwar weit ſärker, als in Europa. Im Dktober und Novem⸗ ber fällt Karker Regen und das Wetter iſt ſehr unge⸗ ſuͤm, Wegen Holz⸗Mangel bedſenen ſich die Ma⸗ 74 labaren des getrockneten Kuͤh⸗Miſtes, welcher in kleine runde Kuchen geformt wird. Das Bauholz muß aus Europa oder aus andern Plaͤtzen Oſt⸗In⸗ diens geholt werden, und iſt deswegen ſehr theuer. Del gibt es in Menge; auch Honig wegen der vielen Bienen. Den Gebrauch der Dinte und Federn kennen die Malabaren nicht. Sie nehmen Palmblätter in die linke Hand, und einen eiſernen Griffel in die rechte, und ſchreiben auf dieſe Art eben ſo geſchwind, als die Europaͤer. An dem linken Daumen befindet ſich ein großer Nagel, in welchen eine Kerbe geſchnit⸗ ten iſt, um den vordern Theil des Griffels in dieſelbe zu legen, der hintere Theil desſelben wird mit den s Fingern der techten Hand gehalten. Die Palmblaͤt⸗ ter halten ſie mit den 4 Fingern der linken Hand, ſeten den Daumen oben auf das Blatt, und ſchieben dieſes immer weiter fort, bis eine Zeile geſchrieben iſt. Durch ein beſonders zubereitetes Del werden die Buchſtaben ſchwarz, und der uͤbrige unbeſchriebene Raum gelb. Dieſe Schrift und Buͤcher haben die Malaba⸗ ren ſchon einige tauſend Jahre. Man findet in allen Städten und Doͤrfern Schulen, in welchen Leſen und Schreiben gelehrt wird. Um jedoch vollkommen unterrichtet zu werden, braucht man 6 Jahre. Die Malabaren betreiben Thevlogie, Poeſie, Rede⸗ kunſt, Gevgraphie, Medizin, Mathematik, Aſtronv⸗ mie, Geometrie und Alchemie. Unter den malaba⸗ riſchen Heiden findet man 48 Sprachen, deren vor⸗ zuͤglichſte das Kerendum, Damul und War⸗ dagu ſind. Das Kerendum iſt die Mutterſprache der Bramanen und in Malabar eben ſo ange⸗ ſehen, wie bei uns die lateiniſche Sprache. Die gemeinſte oder die eigentliche malabariſche Sprache iſt das Damul, welches ſich uͤber 400 Meilen er⸗ ſtreckt, und auch in vielen fremden Koͤnigreichen be⸗ kannt iſt. Sie iſt eine ganz eigene Sprache, ange⸗ nehm zu hoͤren, dabei ſehr zierlich und wortreich. Ihre Woͤrter ſind ſchwer auszuſprechen, und eben ſo ſchwer zu leſen, als die Hebraͤiſchen. Die Malabaren ſind gegen einander aufrichtig und treu, nicht aber ſo gegen die Chriſten geſinnr. Unzucht iſt das allgemeinſte Laſter unter ihnen; ſie haben Scharfſinn, Mitleid mit Armen, ſind beredet, und hoͤren gerne ernſthafte Geſpraͤche an. Unter den malabariſchen Wiſſenſchaften be⸗ hauptet die Medizin den erſten Platz. Ziegenbalg fand ſehr ſchoͤne Buͤcher uͤber dieſe Wiſſenſchaft, und bedauert nur wegen Mangels an Zeit, nicht ein oder das andere uͤberſetzen zu koͤnnen.— Die gefaͤhrlichſten Krankheiten bei den Malabaren ſind: Laͤhmung aller Glieder, Verſtopfung der Luftroͤhre, und das kalte Fieber. Sie reden und ſchreiben viel von den Winden im Leibe, und nehmen beſonders zehn derſel⸗ ben an, welche ſie nach ihren beſondern Gängen wie⸗ 76 der in ſiebenzis eintheilen. Sind nun dieſe in Ord⸗ nung, ſagen ſie, ſo iſt der Menſch geſund; kommen ſie aber in Unordnung, ſo eutſtehen viele Krankhei⸗ ten. Dieſes wollen ſie aus der Vergleichung mit den natuͤrlichen Winden beweiſen. Die heidniſchen Malabaren verabſcheuen das Fleiſch der Kuͤhe, eſſen aber das Fleiſch der Schafe und der Schweine. Die Kuh iſt ihnen das reinſte und heiligſte Thier, deſſen Miſt bei allen Handlungen gebraucht wird. Wenn ſie die kleinen Kinder zu ihren Goͤtzen bringen, verfertigt ihnen der Braman einen Abgott aus Miſt, vor welchem ſie niederfalen, und welchen ſie anbeten. Haͤuſer und Pagoden werden mit Kuhmiſt gewaſchen, Die Milch der Kuͤhe trinken ſie mit den Worten:„die Europaͤer eſſen die Hül⸗ ſen der Kuh, naͤmlich das Fleiſch, wir aber genießen den Kern: Butter und Milch.“ Mit der rechten Hand beruͤhren ſie nichts Unrei⸗ nes, weil ſie dieſelbe zum Eſſen gebrauchen; mit der Linken eſſen ſie nie, weil ſie dieſelbe bei Verrichtung der nothwendigen Bedurfniſſe gebrauchen, und des⸗ wegen fuͤr unrein halten. Die Stelle der Meſſer und Gabel vertreten die s Finger der rechten Hand. Die Maͤdchen werden nicht in die Schule geſchickt, es muͤßte ſeyn, daß ſie Taͤnzerinnen werden, wel⸗ che in den Pagoden den Goͤttern dienen, und unver⸗ heirathet bleiben muͤſſen. Mit den Bramanen leben ſie in ſchaͤndlicher Unzucht und tteiben mit ihren Rei⸗ 77 zen ein Gewerbe. Der Tanz einer ehrlichen Frau mit veinem Manne wird fuͤr eine große Schande gehalten. Die Kinder dieſer Daͤnzerinnen werden gleichfalls fur den Tempeldienſt beſtimmt; ſind ſie maͤnnlichen Ge⸗ ſchlechtes, ſo muͤſſen ſie bei dem Goͤtzendienſe trom⸗ meln, pfeifen, und die Becken ſchlagen; ſie duͤrfen gleichfalls nicht heirathen; ſind die Kinder aber weib⸗ lichen Geſchlechts, ſo muͤſſen ſie tanzen, die Koͤpfe der Goͤtter waſchen, ſalben u. ſ. w. An Haͤnden und Fuͤßen haben die Laͤnzerinnen klingende Schellen. Auch beſtreuen ſie die Stirn mit heiliger Kuh⸗Aſche und beſtreichen dieſelbe mit Kuh⸗Fett. neberall trifft man Pagoden an; die Bramanen machen manchmal in einem Dorfe 6o Familien aus, deren Glieder das Amt des Vaters erblich erhalten. Sie haben faſt alle Wochen ein Feü, deſſen Begehung in dem Herum⸗ tragen der Gotzen, unter Schreien, Trommeln, Pfei⸗ ſen und Pauken beſteht. Jaͤhrlich wird ein großer Wagen mit 6 Raͤdern, auf welchem einige tauſend Goͤtzen ſind, in der Stadt herum gefahren. Als die Miſſionaͤre 4710 kei dem großen Dorfe Siliali eine Kirche zu bauen anfingen, kam es durch einen feindlichen Angriff dahin, daß der ganze Bau von den Heiden niedergeriſſen wurde. Weil die nö⸗ thige Huͤlfe von Europa ausblieb, ſahen ſich die Niſſionaͤre gezwungen, einen ihrer Mitarbeiter, Heinrich Pluͤtſchau, nach Europa, zu ſchicken. Den 22 November 1742 reiste Ziegenbalg auf den St. Thomas⸗Berg, welcher eine Stunde von Madras liegt, und dem Groß⸗Mogul gehoͤrt. Als die Portugieſen zuerſt nach Ind ien gekommen ſind, und zu Maleiapur(welches ſie in der Folge St. Thomas nannten), eine Feſtung erbaut hatten, wurde dieſer Berg dem roͤmiſch⸗katholiſchen Biſchof dieſes Landes geſchenkt. Auf dieſem Berge, auf wel⸗ chem der h. Thomas ermordet worden ſeyn ſoll, ließ der Koͤnig von Portugal eine Kirche erbauen, zu welcher eine Lreppe fuͤhrt. Am Fuße des Berges haben ſowohl malabariſche, als portugieſiſche Chriſten Haͤuſer erbaut. Pbgleich ſpaͤter die Mohren die genannte Feſtung zerſtoͤrt haben, ſo verſchonten ſie doch die Kirche, und erlaubten dem Biſchofe, hier wohnen zu bleiben Was die Religion der Malabaren betrifft, ſo glauben ſie: daß von dem einzigen hoͤchſten Weſen Barabiruma die Goͤttin Tſchaddi entſprungen ſey. Von dieſer Tſchaddi kamen die drei Goͤtter Biruma, Wiſchnu und Ruddirer, welche Di⸗ rumurtigoel genannt werden. Von Biruma ſind die 224 Buganangoͤl(die Sphaͤren aller Wel⸗ ten und Himmel) und deren Beherrſcher entſprungen. Von ihm ſind auch die vier Geſetzbuͤcher und die ſechs Saſtirangoͤl, welche von den Lehren in den vier Geſetzbuͤchern handeln. Die Verrichtungen der Bramanen ſind nach dem Geſetze folgende: Vor dem Aufgang der Sonne 79 ſtehen ſie auf, entleeren den Leib und reinigen ſich ſehr; dann reinigen ſie die Zaͤhne und den Mund, verrichten ihr Werk Aſchamen Kirigei, richten ihre Gedanken auf Gott, leſen das Reinigungs⸗Geſetz, und baden ſich unter den gehoͤrigen Gebetsformeln unb Gebraͤuchen. Nach dieſen ſprechen ſie die Gebets⸗ Formel Kaiaddirt, und preiſen die drei Goͤtter Dirumurtigoͤl mit der Bitte, daß ſie ihre ver⸗ richteten Werke zu Gott bringen moͤchten. Dann ver⸗ ehren ſie die Goͤtzenbilder, und bringen ihnen Opfer. Wenn die Malabaren an heilige Drte ſich be⸗ geben, und Gott ein Trankopfer bringen, oder an ſolchen Drten ſich im Waſſer reinigen und ein Speis⸗ Dpfer darreichen, oder die Bramanen ſpeiſen und einige Feuer⸗Dpfer machen laſſen; oder wenn ſie gute Werke verrichteu; ſo glauben ſie von ihren Suͤn⸗ den gereinigt zu ſeyn. Die Buß⸗Uebungen der Malabaren ſind ver⸗ ſchieden; einige derſelben bleiben beſtaͤndig in einer ſizenden Lage, andere bleiben beſtaͤndig mit ausge⸗ ſtreckten Haͤnden ſtehen; einige ſtehen auf dem Kopfe und halten die Beine in die Hoͤhe, waͤhrend andere nur auf einem Beine ſtehen. Den Koͤnigen allein iſt erlaubt, fuͤnf Weiber zu heirathen, von welchen aber nur eine die Koͤnigin iſt. Hat letztere Kinder beiderlei Geſchlechtes, ſo wird ſie nach dem Tode des Koͤnigs nicht in das Feuer gewor⸗ fen, waͤhrend alle ubrigen Weiber verbrannt werden. 8⁰ Den Weibern, welche den Feuer⸗Tod leiden, ſchreibt das Geſetz die Seligkeit zu. Bei Verheirathunsen muß der Sterndeuter zuerſt nach der Uebereinſtimmung der Geſtirne ſehen, in welchen Braut und Braͤutigam geboren ſind. Sind dieſe guͤnſtig, ſo erhaͤlt die Braut den Brautſchatz, indem alle ihre Freunde und Bekannte zuſammen ge⸗ rufen werden. Sie legen nun auf eine hoͤlzerne Schuͤſ⸗ ſel Kleider und den Brautſchatz; auf andere Schüſſeln legen ſie Blumen und Mehl von Sandelholz, Baum⸗ Früchte, Kokosnuͤße und Betel⸗Arek. Alle dieſe Schuͤſſeln tragen Knaben und Maͤdchen auf den Haͤuptern, und der Zug beginnt nun unter muſikali⸗ ſcher Begleitung. Die Eltern der Braut berathſchla⸗ gen ſich wegen der Ausſtattung und wegen der Be⸗ dingungen, welchem Sohne, oder welcher Tochter unter ihren kuͤnftigen Kindern dieſelbe zufallen ſoll. Iſt dieſes geſchehen, ſo wird den Freunden ein Mahl bereitet, und der Tag der Hochzeit beſtimmt. An dieſem Tage werden gleichfalls die Geſtirne befragt, und im Hofe des Hauſes wird eine Saͤule unter vie⸗ len Zeremonien aufgerichtet, vor welcher die Trauung vollzogen wird. Vor dem Hochzeit⸗Hauſe wird nun ein Zelt aufgeſchlagen, welches ſehr ausgeſchmuͤckt iſt. Sieben Jungfrauen muͤßen in demſelben Reis kochen. Prieſter und gelehrte Bramanen kommen und verrich⸗ ten mit ihren Gebetsformeln ein Feueropfer zur Ehre der Goͤttinn des Feuers. Auch beten ſie den Biruma 81 Wiſchnu und Rudirer, und mit ihnen zugleich alle 330.000,000 Goͤtter au. Aus der Pagode werden Blumen⸗Kraͤnze und Mehl von Sandelholz gebracht, und die Zeremonien werden verrichtet, welche Statt ſinden, wenn eine Weibsperſon mannbar wird. Dann legen ſie die Traubinde(eine aus Gold gearbeitete Figur, faſt wie ein Herz mit einem Geſichte) auf ein⸗ holzerne Schoͤßel, welche der Bramane nimmt, und unter den geboͤrigen Gebetsformeln einſegnet. Hier⸗ auf fuhrt er Braut und Braͤutigam mit in einander geſchlagenen Haͤnden dreimal um die in dem Hoſe geſetzte Saͤule, und läßt beide ſo niederſetzen, daß ſie ihr Geſicht gegen Morgen wenden. Der Bramane reicht dem Braͤutigam die Traubinde, welcher ſie der Braut umhaͤngt. Nach dieſer Zermonie werden die Brautleute im Zuge durch die Stadt gefuͤhrt. Wenn ein Knabe in die Schule gebracht werden ſoll, ſo wird das ganze väterliche Haus gewaſchen und gereiniget. An einem gluͤcklichen Tage laſſen die Eltern den Schullehrer mit allen ſeinen Lehrkindern in das Haus kommen. Sie haben nun ein Goͤtzenbild vor ſich, neben demſelben einen Klumpen Kuh⸗Miſt, ein Rauchfaß und Dpfergaben. Der Schulmeiſter ſchreibt von dem Buchſtaben⸗Buchz Blaͤtter, beſtreicht ſie mit gelber Cureuma⸗ Farbe, raͤuchert ſie ein wenig an, und laͤßt ſie von den anweſenden Freunden be⸗ ruͤhren. Der geſchmuͤckte Knabe muß ſich dann drei⸗ mal vor dem Göoͤtzenbilde verbeugen, und die auf den 66. Vd. Indien. I. 6 8 3 Blaͤttern ſtehenden Buchſtaben dreimal nachſagen⸗ Der Knabe wird dann aus dem Hauſe der Eltern von dem Schulmeiſter und den Schulkindern gefuhrt, bald aber zuruͤckgebracht, wo ein Gaſtmahl ſie erwartet. Wenn der Mann und die Kinder gegeſſen haben, ſo ißt erſt die Frau mit den Sklaven. Die Mala⸗ baren ſind ſehr aberglaͤubiſch, und halten viel auf Zaubereien und Geſpenſter. An der Hinterlaſſenſchaft des Vaters haben blos die Sohne Antheil; die Lochter bleiben ſo lange bei ihren Bruͤdern, bis ſie ſich verheirathen. Was ihnen der Bruder aus gutem Willen gibt, mit dieſem muͤ⸗ ßen ſie ſich becnuͤgen. Sterben die Eltern, und hin⸗ terlaſſen Schulden, ſo nehmen die Söhne gleiche Theile derſelben auf ſich. Die Maͤdchen, welche ſich zu Taͤnzerinnen be⸗ ſtimmen, kommen mit dem sten Jahre in die Schule⸗ um Leſen zu lernen. Bis ſie alle Bewegungen⸗ welche der Tanz erfordert, machen koͤnnen, werden ſie 8 9— 10 Jahre alt. In dieſem Alter wird das Maͤd⸗ chen zur Pagode Dienerin angenommen. Der Prie⸗ ſter der Pagode haͤngt ihr die Traubinde um den Hals, gibt ihr einen andern Namen, und einen E nwohner der Stadt als Vater. Dieſe Taͤnzerinnen tragen Unterkleider von Katun, und unter dieſen lange Beinkleid'er, wel he bis auf die Fuͤße reichen. um den Pberleib haben ſie enge Bruͤſtchen. In der Naſe haͤngen goldene Ringe, und an der Stirne 8⁵ befinden ſich goldene Halbmonde oder Halbſonnen. Oben an den Ohren haͤngen goldene Blaͤtter, welche die offenen Dhren bedecken. In dem geſpaltenen Ohrlaͤppchen ſind goldene Ringe, und um den Hals goldene Ketten, Perlen und Korallen. Den DOberarm zieren goldene oder ſilberne Armbaͤnder, den Vorder⸗ Arm Spangen von Silber oder Gold. An den Fingern ſiecken Ringe, und den Leib umgiebt ein Guͤrtel, welcher bei einigen ſchmal, bei andern breit iſt. Un⸗ ten an den Beinen haben ſie ſilberne Spangen, und Reife mit verſchiedenen Zierathen. Wenn ſie mannbar geworden ſind, werden ſte noch einmal in den vorgeſchriebenen Seremonien ge⸗ pruͤft; dann vermiſchen ſie ſich mit Maͤnnern. Sie gehen des Dages dreimal in die Pagode, Morgens, Mittags und Abends, und tanzen vor den Goͤtzenbil⸗ dern. Eine jede erhaͤlt taͤglich eine beſtimmte Portion Reis; ihre Haͤuſer werden auf Unkoſten der Pagode gebaut und unterhalten. Die Tochter werden bis zum sten Jahre ſorgfaͤtig erzogen, ohne zu etwas angehalten zu werden. Im ten Jahre lernen ſie die Speiſen bereiten, Matten ſlechten und Wolle ſpinnen; im 9— 10ten Jahre wer⸗ den ſie verheirathet, und von dieſer Zeit duͤrfen ſie nicht mehr allein ausgehen, ſondern nur in Begleitung von 2—3 Frauensperſonen. Nach der Heirath bleiben ſie ſtets in dem Hauſe ihres Mannes. Die Tuchter der Koͤnige lernen Leſen, Schreiben und bekpeiben 8⁴ Wiſſenſchaften. Nach ihrer Vermaͤhlung erhalten ſie viele Geſpielinnen. Haben die Wittwen keine Kinder, ſo gehoͤrt der Brautſchatz ihnen; haben ſie aber Kin⸗ der, ſo werden ſie mit den Kindern von den Brudern des Mannes ernaͤhrt. Nach dem Lode der Eltern muͤßen die Kinder jaͤhrlich ein Almoſen(Didi) geben, und zwar im Namen des Vaters und der Mutter, damit es ihrer Seele zu gut komme. Den Lag zuvor, ehe das Didi gegeben werden ſoll, wird das ganze Haus gereinigt und mit Kuh⸗Miſt beſtrichen. Dann kommen mehrere Bramanen, welche ſich ſetzen muͤßen; der Sohn, welcher das Didi gibt, nimmt ein Bad, verrichtet ſeine Zeremonien, und uͤbt dann ſich in Liebes⸗Wer⸗ ken. Die Bramanen beſprengen mit dem Badwaſſer dreimal ſein Haupt, und werfen Blumen und Reis auf daſſelbe. Nach dieſer Zeremonie legt er ihnen auf Feigenblaͤttern Eßwaaren vor, nennt den Namen Biruma, Wiſchnu und Tſchiwa, und gibt den Bramanen, welche ihn beſprengten, neue Kleider⸗ Die uͤbrigen Bramanen erhalten ihrem Range ange— meſſene Geſchenke, waͤhrend der Sohn vor ihnen auf das Angeſicht faͤllt. An den DOrt, an welchem die Bramanen geſeſſen, wird Reis mit verſchiedenen Fruͤchten gelegt; dieſer dann mit Waſſer angefeuchtet, geknetet, und zu runden Stuͤcken bereitet. Drei bis vier ſolcher Stuͤcke legt der Sohn auf ein Feigenblatt, denkt an ſeine Eltern und Gwobeltern, und ßellt ſich, 85 als wenn ſie von den Stuͤcken aͤſſen. Nach dieſem entlaͤßt er die Bramauen, und ladet ſeine Freunde zu einem frohen Mahle. Das Reich Tanjour iſt in 4 Hereſchaften ein⸗ getheilt, uͤber welche ein Suweiatar(Bberamt⸗ mann) geſetzt iſt. Sie wohnen in den Staͤdten(in jeder Stadt einer) Diruttorapundi, Kumba⸗ konum, Kewurimairom und Karuppura⸗ neikuri. In dieſem Lande haben die Einwohner keine Aecker im Beſitze, ſondern alle Laͤndereien geho⸗ ren dem Koͤnige. Die Einwohner in den Staͤdten und Doͤrfern muͤßen auf Anordnung des Maniakaren (Vorſtandes) ackern, ſaͤen, ernten, und erhalten fuͤr ihre Muͤhe einen beſtimmten Antheil. Wenige unter den Bramanen und Gelehrten erhalten etwas Land zum Geſchenke. Am Ende des J. 1742, und mit dem Anfange des F. 1713, befanden ſich die Miſſionaͤre in mißlichen umſtaͤnden, weil von Dänemark wegen der daſelbſt herrſchenden Peſt die Unterſtuͤtzungen ausblieben. Sie ſetzten jedoch ihr Miſſions-Werk mit dem Beiſtande Gottes fort, taufteh viele Heiden, und fuhren fort in ihren Schulen Unterricht zu geben. Die Zahl der Schuͤler belief ſich im J. 1743 auf s2. Den 26. Detober a744 entſchloß ſich der Miſſionat Siegenbalg, zur Befoͤrderung des Miſſions⸗Wer⸗ kes eine Reiſe nach Europa anzutreten. Mit Polt⸗ karp Jordan und einem indiſchen Knaben aus 86 der malabariſchen Schule beſtieg er das daͤniſche Schiff Friedrich IV., langte den 1. Juni 1718 zu Norwegen und den 22. Nov. zu London an, wo Ziegenbalg Bericht von der Miſſionaͤr-Anftalt zu Tranguebar erſtattete. Mit ſeiner Gattin, denn er hatte waͤhrend dieſer Reiſe in Halle geheirathet, trat er die Ruͤckreiſe nach Bſt⸗Indien an, welches er auch trotz eines großen Sturmes gluͤcklich erreichte. Aus der Druckerei der Miſſionaͤre, welche ſie aus Europa erhalten hatten, gingen nach und nach immer mehrere Werke in malabariſcher Sprache hervor, welche unter die Heiden vertheilt wurden. Im J. 1748 reiste Ziegenbalg nach Cudu⸗ lur, welche Stadt in der Naͤhe von Dewanapat⸗ nam und dem Kaſtell St. David liegt, und fand an verſchiedenen Drten Gelegenheit, den Heiden das Wort zu verkuͤndigen, und einige kleine, zu Dran⸗ guebar gedruckte Buͤcher zu hinterlaſſen. Außer der Druckerei und Schriftgiekerei hatten die Miſſionaͤre auch eine Papiermuͤhle; beide erſteren beſinden ſich in dem großen Miſſionshauſe. (Den s. Juni a749 kamen die 3 Miſſionaͤre Ben⸗ jam Schultz, Nik. Dal und Heinr. Kiſten⸗ macher gluͤcklich in Madras an. Zu gleicher Zeit war auch das alte Teſtament in das Malabgriſche uͤberſetzt, und dem Drucke uͤbergeben). Im Januar aus verließ der Miſſivnaͤr Ziegen⸗ balg Tranguebar, und predigte in dem Flecken 87 Puntarei. Der Vorſtand des Drtes ſetzte ihm einige Fruͤchte vor, waͤhrend welcher Zeit ſich alle Einwohner des Drtes um ihn verſammelten, mit welchen er ſich in Religions⸗Geſpraͤche einließ, und einen gedruckten Brief hinterließ. In der großen Stadt Cſchiali verweilte er 3 Tage, und ſetzte ſich an einen großen Teich, in welchem viele Bramanen bade⸗ ten. Ziegenbalg redete ſie an, erhielt aber keine Antwort, weil ſie ſich nicht in ihrer Andacht ſtoͤren laſſen wollten. Denn, wenn ſie bei ihren Zeremonien einen Fehler begehen, ſo muͤßen ſie dieſelben von Neuem beginnen. Bald aber kamen viele andere Leute, mit welchen er Geſpraͤche anknuͤpfte, deren Inhalt die Bramanen in eine ſolche Wuth verſetzte, daß ſie mit großem Unwillen fortgingen, und viel Volk mit ſich nahmen. Als Ziegenbalg zu dem großen Fluß Colla⸗ raon, der Grenzſcheide zwiſchen Tanjour und dem Reiche des Mogul gekommen war, wurde er auf dem letzten tanjour'ſchen Platze Walladurei ange⸗ halten, ſo zwar, daß man ihn weder vorwaͤrts, noch ruͤckwaͤrts laſſen wollte. An dem Fluſſe befanden ſich in einer Herberge viele Fremde, zu welchen ſich der Miſſionaͤr geſellte, und ſich uͤber Gegenſtaͤnde der Religion unterhielt. In der großen Stadt Sſchidambaram wider⸗ legte Ziegenbalg die Meinung der Bramanen: „daß mit der Reinigung des Koͤrpers in den heiligen 88 Waſſern auch die Seele gereinigt werde“, vertheilte einige kleine Buͤcher unter dieſelben, und reiste zur großen Handelsſtadt Parenkipottei, welche die Portugieſen Portv Novo nennen. In dieſer Stadt traf er unter den Moren und Malabaren ſehr viel an, welche ihn kannten, oͤfters ſchon die Predigten zu Tranguebar gehort, und die Buͤcher der Miſſto⸗ naͤre geleſen hatten. Da ſie den Miſſionaͤr zu hoͤren wuͤnſchten, beſtimmte er ihnen eine gewiſſe Zeit, und trug ihnen das Wort Gottes vor. In dem Flecken Periakuppam traf unſer Miſ⸗ ſionaͤr viele Reiſende in der Geſellſchaft eines Gauklers, welcher verſchiedene Kuͤnſte machte. Er ſchluckte einen Faden ein, und ſpie dann eine Schlange aus, welche auf dem Boden umher ſprang. Er nahm ein Hoͤlzchen in die Hand, warf es auf die Erde, und ſieh! es wurde in einen Skorpion verwandelt; er trieb meh⸗ rere dergleichen Gaukeleien. Ziegenbalg entlarvte hier den Betruͤger vor der ganzen Menge des verſam⸗ melten Volkes. In der Stadt Cudelur blieb Ziegenbalg mehrere Tage, und widerlegte Heiden und Muhame⸗ taner. Von da begab er ſich uͤber den Flecken Tſchemmandalam zur volkreichen Stadt De⸗ wanapatnam, in welcher er viele Gelegenheit fand, mit den heidniſchen Einwohnerm uͤber viele nůtz⸗ liche Gegenſtaͤnde zu ſprechen. Ale Bramanen und die vornehmtten Ein wohner hatten ſich in einem gro⸗ 89 3 ßen Hauſe verſammelt, und ließen auf ein Geſproaͤch den Miſſionaͤr zu ſich erbitten. Als er ſein Wohlge⸗ fallen uͤber dieſes Benehmen zu erkennen gab, antwor⸗ tete ein Bramane:„Es ſind in dieſem Monate 8 Jahre, daß wir in dieſem Hauſe eine Unterredung mit euch gepflogen haben. Auch haben wir viele von euern Buͤchern geleſen, und freuen uns, euch in un⸗ ſerer Mitte zu haben“. Nach dieſen Worten ließen ſie ſich in ein Religions-Geſpraͤch ein, nach deſſen Beendigung ſich die Bramanen uͤber Siegenbalgs Kenntniſſe in der malabariſchen Religion wunderten. In dem großen und bevoͤlkerten Flecken Dirup⸗ vabillur vertheilte er ſehr viele Buͤcher; einige Einwohner folgten ihm nach; er verkuͤndigte ihnen auf dem Wege das Wort der Buße und des Glaubens. In dem Flecken Kollarokkarei an der mogu⸗ liſchen Grenze ließ er ſich unter ſchattigen Baͤumen nieder, und wurde von vielen Einwohnern und Rei⸗ ſenden umringt, unter welchen ſich auch zwei Buͤßer von ſcheußlichem Ausſehen befanden. Dieſe redete er an, und bewies ihnen den falſchen und verkehrten Begriff ihrer Buße. Auch predigte er in den Flecken Erukkur und Dirukkudeiur. Nachdem der Miſſionaͤr Ziegenbalg mehr als 1000 malabariſche Doͤrfer und Staͤdte durchreist, und ͤberall das Bekehrungs⸗Geſchaͤft mit gleichem Eifer betrieben hatte, ergriff ihn die kalte Hand des Lodes den 23. Februar 1719. Um ihn trauerten ſeine Witt⸗ 90 we und ſeine drei Soͤhne Er verwaltete mit allem Fleiße und aller Treue das Miſſionswerk, und befoͤr⸗ derte daſſelbe ſehr durch das Ueberſetzen vieler Werke in das Malabariſche. An ſeine Stelle(er war Propſt) trat der Miſſionaͤr Gruͤndler, welcher aber ſchon am 19. Maͤrz 1720 ſtarb. In einem Berichte uͤber den Zuſtand der Miſſion heißt es:„Die Schulen werden mehr angefuͤllt mit Kindern und Proſelyten, welche ſich vom Heiden⸗ thume dem Chriſtenthume zuwenden. Die Papier⸗ Muͤhle und die Druckerei dienen dazu, um das Evan⸗ gelium des lebendigen Gottes unter die Heiden zu verbreiten. Auch iſt den malabariſchen Chriſten die Erlaubniß ertheilt worden, ſich auf den Doͤrfern der Kompagnie niederzulaſſen, Ackerbau oder ein Ge⸗ werbe treiben zu duͤrfen“. 7 91 * Des Abbe Rochon Reiſe nach Mada⸗ gaskar und Oſt⸗Indien im J. 1768. Die Inſel Madagaskar ward im J. 1606 von Lorenz Almeida entdeckt, und erhielt den Namen St. Lorenz⸗Inſel. Alphonſo Albukerque gab dem Ruy Pereira dy Cotintho den Auf⸗ trag, das Innere derſelben zu unterſuchen, und dem Triſtan d'Aeunah den Befehl, ſie und beſonders die vorzuͤglichſten Kape zu umſegeln. Die Franzoſen nannten die Inſel unter Heinrich IV. He Dau- phine; am haͤufigſten wird ſie Madagaskar ge⸗ nannt, obgleich ihr eigentlicher Name Madekaſſe iſt. Die Flaͤche dieſer fruchtbaren Inſel kann man auf 200 Millionen Morgen guten Ackerlandes ſchatzen. Sie wird in allen ihren Theilen von Fluͤſſen und großen Strömen bewaͤſſert, beſonders aber von einer Menge kleiner Baͤche, welche am Fuſſe der langen, die Oſt⸗und Weßtkuͤſte theilenden, Bergkette entſprin gen. Die beiden hoͤchſten Berge der Inſel ſind Wi⸗ gagora im Norden, und Botiſtmene im Suͤden. Dieſe Berge enthalten in ihrem Innern ſchätzbare Mineralien und Foſſilien. In den Waͤldern herrſcht eine große Mannigfal⸗ tigkeit ſehr ſchöner Baͤume. Palmen von allen Arten, Faͤrbe⸗ und Ebenholz, Bambus von ungeheurer Groͤße, Pomeranzen- und Zitronen⸗Baͤume. Dieſe Menge von Bäumen wird von vielen Schmarozer- und Schlingpflanzen umgeben. Lerchen⸗ und Erdſchwaͤmme von lebhaften angenehmen Farben befinden ſich in den Waͤldern. Aus dem Milchſafte des Baumes Fin⸗ guiere gewinnen die Einwohner die ſonderbare Subſtanz, welche den Naturforſchern unter dem Na⸗ men Gummi elaſtieum bekannt iſt. Alle Waͤlder ſind voll Kraͤuter, welche den Botanikern unbekannt, theils aromatiſch oder mediziniſch, theils zum Faͤrben tauglich ſind. Flachs, Zuckerrohr, Wachs, verſchiedene Arten von Honig, Taback, Indigo, weißen Pfeffer, Gummi lakka, grauer Amber, mehrere ſeidenartige Subſtanzen, und Baumwolle wuͤrde Madagaskar ſchon ſeit langer Zeit zum Handel geliefert haben, wenn die Europaͤer es ſich haͤtten angelegen ſeyn laſſen, den Einwohnern die Kenntniſſe der Zubereitung dieſer Gegenſtaͤnde zu verſchaffen. Wenige Laͤnder auf der Erde gewaͤhren den Seefahrern alle Arten von Erfri⸗ ſchungen in groͤßerer Menge, mit geringeren Koſten, und in einem ſolchen Grade, wie Madagaskar. — 93 Die Bewohner dieſer Inſel nennen ſich ohne Unterſchied Malegaſchen und Madekaſſen, haben im Ganzen einen vortheilhaften Wuchs, und ſind von verſchiedener Geſichtsfarbe. Letztere iſt vei mancher Voͤlkerſchaft dunkel ſchwarz, bei einer noch andern kupfer- oder olivenfarbig. Alle Schwarzen haben kurzes krauſes Haar, wie die Neger auf der Kuͤſte von Afrika, aber diejenigen von der Farbe der Indier und Mulatten eben ſo krauſes, wie die Europäer. Die Naſe der Mulatten iſt nicht einge⸗ druͤckt; ihle Lippen ſind nicht aufgeworfen. Dieſe Voͤlkerſchaften haben in ihrem Geſichte etwas Freimuͤ⸗ thiges und Angenehmes, verlegen ſich nur auf das, was zu den erſten und nothwendigſten Beduͤrfniſſen gehoͤrt, und verabſcheuen alle Kenntniſſe, welche Nachdenken erfordern. Sie ſind nuͤchtern, lebhaft, gelenkig und bringen den groͤßten Theil ihres Lebens mit Schlaf und Veluſtigungen hin. Der Malegaſche hat, wie jeder Wilde, weder Tugend noch Laſter; fuͤr ihn macht die Gegenwart alles aus; er ilt ſchlechterdings zu kelnein Vorherſehen im Stande, und begreift nicht, wie ſich die Menſchen uͤber die Zukunft beunruhigen konnen. Die Inſel Madagaskar iſt in verſchiedene Völkerſchaften eingetbeilt; die Anzahl ihrer Bewohner wird auf 4 Millionen geſchaͤtzt, welche Angabe aber nicht genau beſtimmt werden kann. Eine Voͤlkerſchaft beſteht aus mebreren Doͤrfern, deren jedes einen peſondern Befehlshaber hat. Die Laͤndereien gehoͤren demjenigen, welcher ſich die Muͤhe zu ihrem Anbaue nimmt. Der Malegaſche kennt weder Schlot noch Riegel. Seine Mahlzeit beſieht in ſehr weißem, mit Fleiſch⸗ oder Fiſchbruͤbe befeuchteten und wohlgekoch⸗ ten Reis. Dieſes einfache Gericht wird auf Blaͤtter von Raven geſetzt, welche zugleich auch die Stelle von Loͤffeln und Schuͤſſeln vertreten. Der Malega⸗ ſche kocht entweder ſein Fleiſch, oder roͤſtet es auf Kohlen. Auch dienen ihm eine Menge, zum Theile in Europa unbekannter Voͤgel, und eine Art außer⸗ ordentlich großer Fledermaͤuſe, deren Fleiſch wohl⸗ ſchmeckender, als unſer beſtes Huͤhner⸗Fleiſch iſt⸗ zur Saͤttigung. Die See liefert Goldkarpfen, Zun⸗ gen, Sardellen, Haͤringe, Makrelen, Auſtern⸗ Krab⸗ ven und Schildkroͤten. Die Fluͤſſe geben nebſidem noch vortreffliche Aale und Muſcheln. Viele von die⸗ ſen Fiſcharten ſind jedoch vor ihrer Zubereitung ſorg⸗ faͤltig zu unterſuchen, weil ſie giftig ſind. Der Theil von Madagaskar, in welchem ſich das Fort Dauphin befindet, iſt gut bevoͤlkert. Faſt alle Doͤrfer liegen auf Anhoͤhen, und ſind mit zwei Reihen ſtarker Palliſaden zu ihrer Vertheidigung umgeben. Die Wohnung des Pberhauptes heißt Donack, und beſteht aus 3— 4 Huͤtten, welche das⸗ ſelbe mit ſeinen Weibern und Kindern bewohnt. Stlaven wachen Tag und Nacht an den Sbuͤnen. 95 Die Oberhaͤupter haben immer eine Flinte und einen mit Eiſen beſchlagenen Stock bei ſich, deſſen Ende mit einem Buͤſchel Kuͤhhaare beſetzt iſt. Eine rothe wollene Muͤtze unterſcheidet ſie von ihren Untergebenen; uͤbrigens iſt ihr Anſehen ſehr eingeſchraͤnkt⸗ Die Einwohner der Provinz Kaskanoſſi verſte⸗ hen die Kunſt zu ſchreiben, und haben ſogar einige hiſtoriſche Buͤcher in madekaſſiſcher Sprache. Ihre Gelehrten, Ombiaſſen genannt, bedienen ſich nur der arabiſchen Charaktere, ſind zugleich Aerzte, Zauberer und Sterndeuter. Die beruͤhmteſten derſelben kommen aus der Provinz Matatan. Sie lehren in den oͤffentlichen Schulen die Geomancie (Punktirkunſt) und die Sterndeuterei. Das Papier wird in dem Thale Ambul aus der Papyrus nilotiea verfertigt, welche die Madekaſſen Sanga⸗ Sanga nennen. Die Federn ſind von Bambo ge⸗ macht, und die Tinte wird aus der, in Waſſer ge⸗ kochten, Rinde des Baumes Arandrato bereitet; ſie iſt weniger ſchwarz, als bie Unſrige, aber glaͤnzender. In dem nordweſtlichen Theile der Inſel Mada⸗ gaskar iſt einigermaſſen die arabiſche Sprache ausgebreitet. Dieſes hat ſeinen Grund in der Naͤhe afrikaniſcher Fuͤrſten, welche auf Madagaskar Handel treiben, und ſſogar eine Art kleiner Nieder⸗ lage haben. Die Malagaſchen in der Provinz Anoſſi ſind lebhaft, frohlich, gefuhlvoll und dankbar, und 96 nicht ohne Einſichten und Faͤhigkeiten. Das weibliche Geſchlecht lieben ſie ſehr und kennen keine groͤßere Augelegenheit, als demſelben zu gefallen. Die Farbe abgerechnet ſind die madekaſſiſchen Weiber ſchoͤn, haben eine ſchlanke Geſtalt, angenehme feine Geſichts⸗ zoͤge, eine zarte Haut, glaͤnzend weiße Zaͤhne, und ſchoͤne blaue Augen mit einem glaͤnzend braunen Augapfel.. Die Reichen und die Pberhaͤupter heirathen nicht ſelten mehrere Weiber. Der Ehebruch wird wie Diebſtahl betrachtet, und eben ſo beſtraft. Die Maͤn⸗ ner warnen die Fremden, ſich mit ihren Weibern in Liebeshaͤndel einzulaſſen; dagegen bieten ſie ihre Toͤchter an, und finden ſich geehrt, wenn ſie Kinder von denſelben bekommen. Die Haare der Weiber ſind geflochten, und oben auf dem Kopfe zuſammen gebun⸗ den, waͤhrend die Mädchen ſie nachlaͤtig auf die Schulter herabfallen laſſen. In Gegenwart der Weiber ſind die Maͤnner immer frohlich. Wenn die Malegaſchen im Kriege ſind, ſingen und tanzen ihre Weiber den ganzen Tag, indem ſie glauben, daß durch das beſtaͤndige Tanien ihre Maͤnner angefeuert und ermuthigt werden. Nach Beendigung des Krieges verſammeln ſie ſich bei dem Untergange der Sonne, und fangen Tanz und Geſang unter Be⸗ gleitung mehrerer Inſtrumenle auf eine ſehr laͤrmende Art an. Ihre Lieder ſind theils Lobgeſaͤnge, theils Satyren. 97 Im J. 1642 erhielt Capitain Pieault fuͤr ſich und ſeine Handelsgenoſſen das ausſchließliche Recht⸗⸗ Handel mit Madagaskar zu treiben. Pronis: bekam Befehl, im Namen des Königs, Madagas⸗ kar in Beſitz zu nehmen, und an einem fruchtbaren,⸗ leicht zu befeſtigenden Orte eine Niederlage anzulegen. Er waͤhite das Dorf Manghefia unter 245 30“ ſuͤdli. Breite an dem aͤußerſten Ende der Provinz Karka⸗⸗ noſſi. Zahlreiche Rindvieh⸗Heerden und die frucht⸗⸗ baten Reis⸗ und Batattenfelder benahmen alle Un⸗ ruhe uͤber Mangel an Lebensmitteln. Ein ſchiffbarer⸗ Strom, am Fuße des Berges Siliva entſpringendz⸗ bewaͤſſert Wieſen von unermeßlichem Umfange; Zim⸗ mer⸗ und Schiffbau⸗Holz iſt in der Naͤhe bequemer⸗ Werfte, und der Hafen wird durch die kleine Inſel' St. Lucie gaͤnzlich von dem Winde geſchuͤtzt. Die ungeſunde Luft aber noͤthigte ihn, mit dem kleinen Reſte ſetner Kolonie auf der Halbinſel Tho⸗ langer unter 26e ſuͤdl. Breite ſich nieder zu laſſen. Das daſelbſt erbaute Fort Dauphin beherrſcht die Rhede und iſt 130 Fuß hoͤher, als die Meeresfläche. Es iſt ein laͤnglich erbautes Viereck mit guten Mauern umgeben. Der ſchoͤne Sluß Fanſcher entſpringt an dem Fuße der hohen Berge Menghabey, und ers⸗ giett ſich 2 Stunden von dem Fort, und ſehr nahe bei dem Kap Ravenat, in das Meer. Dieſer Fluß ſpeist den großen See Ambul, welcher 20,000 Toi⸗ ſen im Umfange hat, und deſſen mittlere Tiefe 40 Fuß 6s. Bd. Indien II. 1. 77 betragt. Die Landſpitze Itaper im Norden von dem Fort Dauphin ſchließt im ſudlichen Theile die große Bay Lukar. Die Inſel St. Klara jchuͤtzt ſie vor den Seewinden⸗ Doch der Muͤſſiggang Pronis und ſeiner Leute erzeugte unter dieſen eine ſolche Empoͤrung, daß ſie ihren Befehlshaber in Ketten legten, aus welchen ibhn ein franzoͤſiſches Schiff rettete. Als er aber ſich erfrechte, die Malegaſchen im Dienſte der Kom⸗ vagnie oͤffentlich zu verkaufen, ward er ſeiner Stelle entſetzt, und Flaceourt ſtatt ſeiner gewaͤhlt, welcher gleichfals ſich grauſam gegen die Einwohner zeiste. Im Jahr 4665 brannte Fort Dauphin ab, und ward erſt 1663 wieder aufgebaut. Der damalige Gouverneur Chamangon ſchickte La Caſe aus⸗ um den noͤrdlich von dem Lande der Matatanen gelegenen Theil der Inſel zu unterſuchen. La Caſe war es, welcher den Ruf des franzoͤſiſchen Vol⸗ kes bei den Eingebornen wieder herſtellte. Sein eigent⸗ Ucher Name iſt Le Vacher; er war aus Rochelle gebuͤrtig. Wegen ſeiner vielen Siege gaben ihm die Malegaſchen den Namen Dian Puſſe, die groͤßte Ehre, welche ſie ihm erzeigen konnten: denn Dian Puſſe hiet ein Oberhaupt⸗ welches ehemals die Inſel eroberte. Er heirathete die Tochter des Beherrſchers der Provinz Ambul, welche nach dem Tode ihres Vaters als Monarchin anerkant wurde⸗ Ihr Name iſt Dian Nong. Anfangs lebte der 99 Gouverneur des Fortes mit La Caſe in Zwiſt, und prachte bald ſeine Kolonie in das Verderben, bis end⸗ lich die Ausſohnung mit La Caſe neues Leben und Ueberfluß erzeugte. Der unvorſichtige Bekehrungs⸗Eifer des Lazari⸗ ſten Stephan verurſachte einen Krieg in der Pro⸗ vinz Mandrarey, welchen 40 franzoͤſiſche Aben⸗ teurer zum vollen Ausbruche brachten. Nur durch die Beihulfe des La Caſe ſiel dieſer zu Gunſten der Franzoſen aus. In Folge der Zeit wurde dieſer ausgezeichnete Mann Major. Der Tod des La Caſe prachte die franzoſiſche Kolonie in das Grab. Der letzte Befehlshaber derſelben war La Breteſche, La Caſe's Schwiegerſohn. Spätere Niederlaſſungen be⸗ gruͤndeten von Modave im ſuͤdlichen, und Graf Beniowski im noͤrdlichen Theile. In der Gegend der Bai Antongil lernte Ro⸗ chon vier Arten Seidenkokons kennen. Die Wolle von Madagaskar iſt ſchön, wird aber von den Einwohnern nicht benutzt. Der nordoͤſtliche Theil von Madagaskar iſt das reiche Vorrathshaus der Kolonien auf Isle de France und Bourbon. Die am meiſten beſuchten Haͤfen ſind Foulpoint, St. Marie und die Bai Antongil. An dieſen drei Drten verſuchten die Franzoſen Kolonien anzulegen. Die Einwohner dieſer Kuͤſte ſind noch beſſer und menſchlicher, als jene in der Provinz Karkanoſſi. Sie verſchlteßen idie Thuͤren ihrer Haͤuſer, welche nur aus zuſammen⸗ gefuͤgten Blaͤttern und Matten beſtehen, mit Pnti mund Reiſern. Als man gegen die Seeraͤuber, welche die inbi⸗ ſchen Meere beunruhigten, betraͤchtliche Anſtalten traf, um ihren Raubzuͤgen ein Ende zu machen, ge⸗ wiethen ſie in Furcht, und flohen nach der Nordkuͤſte von Madagaskar. Wahrſcheinlich war ihre erſte Miederlaſſung auf der Inſel St. Marie, deren eine Spitze 11 Stunden von Fpulpoint liegt, die andere aber ſich in Norden bis zur Bai Antongil erſtreckt. Durch Heirathen gewannen ſie das Zutrauen und die Freundſchaft der Inſulaner. Bis 1721 ſetzten ſie ihre Seeraͤubereien mit Gluͤck fort, erlagen aber nach einem langen und fuͤrchterli⸗ chen Widerſtande der Macht mehrerer vereinigter Na⸗ tionen. Da ſie nun ihr ſchaͤndliches Gewerbe nicht mehr treiben konnten, ſo ſuchten ſie unter den Ein⸗ wohnern Zwiſte zu erregen, und aus dem Verkauſe ider Geſangenen neue Mittel zur Bereicherung zu ge⸗ winnen. So endigten die Piraten ihre Raͤubereien mit dem verabſcheuungswürdigen Sklaven⸗Handel, welcher noch jetzt Madagaskar entvoͤlkert. Der noͤrdliche Theil von Madagaskar wird wegen ſeiner groͤßern Fruchtbarkeit haͤuſiger von euro⸗ paͤiſchen Schiffen beſucht, als der ſuͤdliche. Das Innere des Landes kennt man faſt noch gar nicht. Der meiſt beſuchte Ort in dem noͤrdlichen Theile heißt 101 Foulpoint., bei den Eingebornen Wulu⸗Wulo. Der Hafen von Foulpoint wird von Riefen gebildet, an welchen ſich das Meer bricht. Der Rief iſt von Korallen, haͤngt auf der einen Seite mit dem Lande zuſammen, und erſtreckt ſich gegen NNO., waͤhrend ſich die Kuͤſte nach WNW. zieht. S Die Breite des Kanals betraͤgt ungefaͤhr so Klaf⸗ ter, und die Tiefe bemahe eben ſo viel. Der Hafen faßt 10 große Schiffe. Das Meer zieht ſich bei der groͤßten Ebene nur 4— 6 Fuß zuruͤck, und zeigt daun den Rief bloß. Man ſindet auf demſelben Mooſe, See⸗Pflanzen, ſchwarze Korallen, ſehr ſeltene Ma⸗ dreporen, Seeſterne, Meeres⸗Inſekten und Muſcheln in mannigfaltigen Formen und Farben. Bei der Einfahrt der Flüſſe findet man Mangles⸗ baͤume mit Auſter⸗Gehaͤngen von ſehr ſeitner Form⸗ In einer kleinen Entfernung von den Drien, welche vom Meere bedeckt werden, trifft man Adern von einem Sande an, welcher ganz anders beſchaffen iſt, als jener des Ufers, und halb verglast zu ſeyn ſcheint. Man ſieht glimmerige und broͤckelige Steine und kleine Glasſtuͤcke in großer Menge. Nach Rochon's Beob⸗ achtungen liegt Foulpoint in 170 40“ 20,“ ſüdl. Breite, und in 67 20“ öſtl. Laͤnge von Paris. Waͤhreud ſeines dortigen Aufenthaltes ſtieg der Ther⸗ mometer nie uͤber 270, und ſiel nie unter 160 Reau⸗ mur. Der Barometer zeigte nur ſehr geringe Veraͤn⸗ derungen, und blieb immer zwiſchen 28“ 2““ und Die Doͤrfer, welche Foulppint ausmachen, ſind nicht betraͤchtlich, liegen meiſtens am Abhange von Huͤgeln zerſtreut, und haben Paliſaden zur Ver⸗ theidigung. Eine Menge nuͤtzlicher Baͤume gibt ihnen angenehmen Schatten. In der Mitte von Kokos⸗, Bambus⸗, Pomerahzen⸗ Zitronen⸗ und Piſang⸗Baͤu⸗ men und wilden Weinſtoͤcken unterſcheidet man den * 102 Raven, eine Palmen⸗Art, welche nur in Mada⸗ gaskar einheimiſch iſt. Der Baum wird ſehr groß, und ſein Herz, wie jenes der Kohlpalme gegeſſen. Seine Rinde iſt hart, ſein Holz faſerig und unver⸗ weslich, und wird zum Baue der Haͤuſer verwendet. Unter den haͤutigen Hüllen, welche die Bluͤten dieſer Palme umgeben, findet man ein Gummi von außer⸗ ordentlichem Wohlgeſchmacke. Das Land von Fpulpoint iſt reich an fetten Triſten und an Vich. Der ſchoͤne Fluß Onglebey verliert ſich 400 Totſen von ſeiner Muͤndung im Sande. Dieſer Fiſchreiche Fluß, auf welchem ſich viele Voͤgel aufhalten, iſt an einigen Orten ſehr tief, an andern ſehr breit. Es iſt zu bedauern, daß es in dieſem Fluſſe, wie in allen andern Fluſſen Madagaskars, ſehr ungeheuere Krokodille gibt. Die Baͤume und Stau⸗ den, weiche die Flüſſe ſo reizend machen⸗ ſind die Schlupfwinkel dieſer furchterlichen Thiere. Einige Meilen von Foulpoint und den hohen Bergen von Ambotismene näher wird die Gegend maunigfaltig. Huͤgel ſchuͤtzen die Ebenen und Thaͤler vor den Winden; wegen der hohen und holzreichen Lage des Landes iſt die Hitze nicht mehr laſtig. Die weniger bearbeiteten Felber ſind wilder und wüſter: die Heerden irren frei umher. Die Wieſen in den Thalern werden von einer Menge der Baͤche bewaͤſ⸗ ſert und befruchtet. Die Blumen haben mehr Glanz, und ihre Farben ſind ſchimmernder und mannigfalti⸗ ger, als auf unſern Wieſen. Ohne Kunſt, ohne Sym⸗ wetrie gepflanzte Baumgruppen machen dieſe ländli⸗ chen Gegenden noch retzender und intereſſanter. Einige Meilen weiter ändert ſich der Schauplatz, und das Land wird bergig. Eine Menge Vegetabilien bietet ſich in reichem eberfluſſe zur Unterſuchung dar. Man lernt s gans verſchiedene Reis⸗Arten kennen. Gerſte von vorzug li⸗ — ——— „ F — £ 103 cher Schoͤnheit, 6 Arten von Jams⸗Wurzeln, und einige vollig wild wachſende Wurzeln(Fanghits der Infulaner) von der Dicke eines Menſchen, von zar⸗ dem Geſchmacke, und mit einer roͤthlichen Rinde. Sie treiben den Urin, ſind leicht zu verdauen, und ſiien Hunaer und Durſt zugleich. Es gibt verſchie⸗ dene Arten von Huͤlſenfruͤchten im auserleſenen Ge⸗ ſchmacke. Die Vatvatten gleichen dem Kapernſtrauche, und bluͤhen, wie dieſer. Jede Schotte ſchließt eine kleine Erbſe von der Groͤße einer Linſe in ſich. Dieſe Hül⸗ ſenfrucht wird ſo hoch, wie der Kirſchbaum; mit den Sn derſelben fuͤttert man im Innern des Landes as Vieh. Wenn man dieſe Felder und Wieſen verlaͤßt, um ſich in die unermeßlichen Waͤlder, dem Aufenthalts⸗ Ort vieler wilder Thiere, zu vertiefen, ſo ſieht man Schönheiten einer andern Art; tiefe Einſamkeit; uͤberraſchende Kuͤhle, ein den Strahlen der Soune unzugaͤuglicher Schatten, Echo, welche auf alle Sei⸗ ten vom Gebruͤlle der Thiere wiederhallen— gewaͤh⸗ ren neue Freuden dem Freunde der Natur. Die Baͤume ſind ungeheuer dick. Der Freund der Minerglogie findet Befriedigung in den hohen Bergen von Ambotismene. Es fin⸗ den ſich da ungeheuere Kryſtall⸗Bloͤcke; die am mei⸗ ſten geſuchten Schbrlarten ſind in dieſen Bergen nicht ſelten, ſo wie Granaten und Anzeigen von Zinn⸗ Gruben, welche die Einwohner Wula⸗Futſche⸗ ſine nennen. Gruben ſehr vorzäglichen Eiſens gibt es in Menge auf der ganzen Inſet. Die Malega⸗ ſchen zerreiben und zerſtampfeñ dieſes Erz, und legen es dann in Haufen zwiſcheu vier mit Shonerde über⸗ zogenen Steinen. Um die Flamme zu vermehren, ver⸗ tritt die Stelle des Blasbalges eine holzerne Pumpe. Der hoͤchte der wenig zugaͤngigen Berge von Amnbo⸗ 104 6 4 ene iſt etwa a80o Toiſen uͤber die Meeresfläche 6 5 erhoben⸗ Faͤhrt man in der guten Jahreszeit von Islede Frauce nach Tudien, ſo ſucht man zuerſt die Nordſpitze von Madag askar anſichtig zu werden⸗ richtet dann ſeinen Lauf zwiſchen den Untiefen Pa⸗ rom und den Almtrantes⸗In ſeln, und durch⸗ ſchueidet den Aeguator n sdo der Laͤnge. Hier mifft man den weßlichen Monſun an⸗ ſchiſft mit⸗ demſelben durch die m aldiwiſchen Inſeln zwiſchen Kelon Schewlipar⸗ und ſieht die malabariſche Käüe bei Cochin. Das nebrige der Reiſe iſt bloß Küſenfahrt. Die Schife, welche in der ſchlimmen Jahreszeit Isle de France verlaſſen um nach Fondicheri zu gehen, müſſen bis 26* ſuͤdl. Breite in die Getzend der veräuderlichen Winde, und ballen ihren Lauf ſo⸗ daß ſie in 56 der Länge den Acguator berühten. Zunt Schluſſe bemerkt Ro chon, daß er der Schiff⸗ fahrt durch aſtronomiſche Beobachtungen der Lage der. beiden gefaͤhrlichſten Untiefen im indiſchen Mittel⸗ meere keinen unwichtigen Dienſt geleiſtet habe. Die Punkte, deren Lage er vorzuͤglich beſtimmt hat, ſind die Seychelles⸗Inſeln, die Untiefe Corgados, Saya de Malha, die Inſel Dieso Gareig und die Adu⸗Inſeln⸗ „