iEe — — — — — ,— ——————— Taſchen⸗Blbliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Perſien. Mit Landkarten, Planen, Portraits u nd anderen Abbildungen. Verfa ß t von n, und herausgegeben von Joachim Peinrich Fäk, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. III. Theil. Z. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 1 8.3 1. ——,———— Sir Robert Ker Porter's Reiſen in Georgien, Perſien, Armenien und dem alten Baby lonien in den Jahren 1817 bis 1820. — GFortſetzung.) 22. B. dem Poſten Artiskall wechſelten wir die Pferde, und nahmen ſtatt der Jaͤger bloß eine Bedeckung von Koſaken mit. Jn dunkler Nacht ka⸗ men wir nach Mskett, der ehemaligen Hauptſtadt Georgiens; jetzt iſt ſie ein elendes Dorf. Es war die Reſidenz der Beherrſcher des Landes, welches von großem Umfange war und eine zahlreiche Bevoͤlkerung batte. Es batte eine gebieteriſche Lage fur eine koͤnig⸗ liche Reſidenz zwiſchen den Fluͤſſen Aragua und Kur; jener begrenzte die Provinz Kartelania ge⸗ gen Süd⸗Oſt; dieſer bildete vom Anfange ſeines Lau⸗ fes eine Schranke gegen Armenien. Von dem koͤ⸗ niglichen Palaſte ſind einige nackte vepfallene Mauern 254 mit einem dunklen Stuͤbchen auf dem Boden uͤbrig, worin ein ſteinernes Ruhebett und ein Altar aus dem⸗ ſelben groben Stoffe, noch immer zum Andenken der frommen Nunin dienen, welche daſelbſt ihre Abend⸗ andacht hielt. Aus Ehrfurcht gegen ihr Andenken führt dieſe melancholiſche Stelle den Namen der heil. Nunias⸗Kapelle. Die Patriarchal⸗Kirche, in der Mitte der Feſtung, iſt ein grobes ſtattliches Gebaͤude mit einer thurmar⸗ tigen Spitze, und mit Seiten von glatten Steinen⸗ Die aͤußere Arbeit an derſelben iſt, wie u Annanur⸗ verwickelt und muͤhſelig; die innere Einfachheit wird durch die ſchlechtgemalten Heiligen-Legenden an den Mauern geſtoͤrt. Ihre prahlenden Farben ſtoͤren die puͤſtere Feierlichkeit der grauen Graͤber, welche die Ue⸗ verreſte der verſtorbenen Patriarchen und Tzaren be⸗ decken. Hier ruht auch der ungluͤckliche Heraklius mit ſeinen Soͤhnen; er ſchlaͤft unbewußt, daß der Fuß einer fremden Schildwache auf der Erde an ſei⸗ nem Grabe herumtritt. Eine halbe Meile noͤrdlich von den Mauern der Feſtung ſteht eine andere Kirche mit zahlloſen Ruinen umgeben, welche die Spuren einer fruͤher hier geſtandenen Stadt anzeigen. Auf der Oſtſeite des Fluſſes, gerade der Stadt gegenuͤber, er⸗ vebt ſich ein ſpitziger Felſenhuͤgel mit ſehr ausgebrei⸗ teten Ruinen. Dieſe, fruͤher eine Feſtung, ſcheinen mit der Stadt in regelmaͤßiger Verbindung geſtanden zu ſeyn. 255 Den 24. Dktober verließen wir dieſe anziehende alte Hauptſtadt, gingen ungefahr eine Werſte weit an dem noͤrdlichen ufer des Kur, reisten uͤber eine Bruͤcke, welche zwiſchen zwei hohen roͤmiſchen Thuͤrmen ſteht. Von ihr iſt außer dem Mauerwerke, von welchem ſich die Bogen erhoben, nichts uͤbrig. An dem ſuͤdlichen Ufer eines doͤſtern und reißenden Stromes(Kur) ſetz ten wir unſere Reiſe fort, wo uns die Vereinigung des Kur mit dem Aragun einen merkwuͤrdigen und ſchoͤnen Anblick gewaͤhrte. Das helle und grüne Waſ⸗ ſer des Aragua bildete einen auffallenden Kontraſt mit der ſchweren und duͤſteren Welle des Kur, als jener in dieſen fiel; allein die Vereinigung fand auf der Stelle Statt. Als wir an dem Kur fortreisten, verloren die Gebirge allmaͤlig ſowohl ihre Felſen, als ihre Waldpartien, und zeigten große mit ſchoͤnem Gruͤne bedeckte Hohen. Nach 3— 4 Werſten gelangten wir auf eine ſchoͤne, große, vortrefflich angebaute Ebene, und gingen uͤber eine ſehr große Menge hell glänzen⸗ der Baͤche, welche auf der Weſtſeite der Ebene von den Gebirgen kamen. Wir hatten eine herrliche Aus⸗ ſicht, bis wir endlich Tiflis, die Hauptſtadt Geor⸗ giens, mit ihren vielen Thuͤrmen betraten. Ich be⸗ ſuchte den General Yermeloff, und uͤberreichte dem guͤtigen Manne meine Briefe.* 23. Tiflis, von Petersburg 2,627 Werße ent⸗ fernt, liegt, nach ruſſiſcher Berechnung, unter dem 420 46 N. Br. und 620 40 1/2 O. L. Chardin hat 256 ſeine Lage unter dem 43* der Breite, 640 der Laͤnge angenommen. Das Zeughaus, das Spital, die Kir⸗ chen und einige Villen in der Nachbarſchaft erinnern an Europa; der Ueberreſt iſt rein aſiatiſch. Man faͤngt an die Straßen zu pflaſtern. Bei dem Beſuche der Baͤder drang mein Begleiter in mich, einen Ver⸗ ſuch zu machen, die fuͤr das weibliche Geſchlecht be⸗ ſtimmten Baͤder zu beſuchen. Zu meinem Erſtaunen fand ich bei dem Eintritte keine Schwierigkeit. Eine alte Frau an der Thuͤre war unſere Führerin. In dem Badezimmer zunaͤchſt an der Thuͤre fanden wir eine große Menge nackter Kinder von verſchiedenem Alter, mitten im Zimmer in einer Badwanne, wo ſie von ihren Muͤttern gewaſchen wurden. Dhne irgend eine Spur von Ueberraſchung oder Unzufriedenheit von Seite der Muͤtter zu bemerken, traten wir in ein weit groͤßeres Zimmer, welches gut erleuchtet, und im Dache hoͤher gewoͤlbt war. Man ſah hier kein Waſſer; allein ein ſteinerner Dwan, mit Teppichen und Ma⸗ trazen bedeckt, lief um das Zimmer herum; auf dem⸗ ſelben ſaßen oder lagen Frauenzimmer in jeder Stel⸗ lung und Beſchaͤftigung, welche in einem aſiatiſchen Bade gewoͤhnlich ſind. Einige waren halb angeklei⸗ det, andere hatten ſich kaum bedeckt. Dienerinnen waren beſchaͤftigt, die ſchoͤnen Formen ihrer Gebiete⸗ rinnen mit trockenen Tuͤchern zu reiben, oder ihre Haare und Augenbraunen zu faͤrben, oder endlich ihre Geſichter anzußpeichen. Ohne die geringſte Unrube 257 S oder das geringſte Erſtaunen uͤber unſere Keckheit zu erregen, gingen wir an den Drt, wo die Frauenzim⸗ mer eben aus dem Waſſer gekommen waren. Hier fanden wir eine große, hoͤhlenartige Kammer duͤſter erleuchtet, und gewaltig von Schwefeldaͤmpfen rie⸗ chend, welche aus beinahe 20 Fuß tiefen Aushoͤhlun⸗ gen emporſtiegen. Durch dieſen duͤnnen Dampf, wel⸗ cher ſich wie Rauch uͤber einen kochenden Keſſel dreh⸗ te, konnten wir die Geſtalten von Frauenzimmern in jeder Stellung ſehen. Erſtaunt uͤber ihre unverſchaͤmte Kaͤlte, mit welcher ſie in ihren Reinigungen fortfuh⸗ ren, nachdem ſie unſern Eintritt bemerkt hatten, lehn⸗ ten wir das weitere Herumfuͤhren von Seite unſerer Mentorin ab, und gingen weg. Durch den Umgang der hoͤheren Staͤnde von Tif⸗ lis mit Civilbeamten und den Offizieren des ruſſi⸗ ſchen Reiches haben jene Vieles von ihren aſtatiſchen Sitten verloren. unter den niedern Volks⸗Klaſſen ſind die Wirkungen des europaͤiſchen Umganges noch viel auffallender. Die haͤufige Einguartirung ruſſiſcher Soldaten in die Haͤuſer der Bewohner noͤthigte die⸗ ſelben oft, den fremden Gaͤſten ihre Weiber ſehen zu laſſen. Da Soldaten ſelten ſtreng in Hinſicht der Frauenzimmer ſind, ſo benutzten ſie die gelegentliche Abweſenheit der Maͤnner, alle Ueberreſte der weiblichen Zuruͤckhaltung in den Gemuͤthern der unwiſſenden, aber ſchoͤnen Weiber derſelben auszurotten. Gehen 258 aber die Weiber aus, ſo behalten ſie jedoch die alte Sitte der Verſchleierung bei. Außer dem beſondern Vergnuͤgen fuͤr einen Kriegs⸗ mann, wenn er die Ueberreſte und die Lage der Zita⸗ delle und anderer Werke betrachtet, beſitzt das Thal hinter den oͤffentlichen Baͤdern, welches nach den groͤß⸗ ten unter den Ruinen fuͤhrt, maleriſche und anziehende Gegenſtaͤnde ſelbſt Uns naͤher in die Beſchreibung dieſer und in der Folge mehrerer anderer Staͤdte und dergl. einzulaſſen, halten wir fuͤr uͤberfluͤſſig; indem wir unſere Leſer auf die fruͤheren Berichte von Per⸗ ſien verweiſen, und hier nur die Veraͤnderungen und dergl. der neuern Zeit heraus heben. Das faſt beſtaͤndige Regenwetter waͤhrend meines Aufenthaltes zu Tiflis hinderte mich, in die ſchoͤne Provinz Kahetia(das berühmte Albanien der Al⸗ ten) einzudringen. Was ich jedoch ſah, uͤberzeugte mich von dem Reichthume und der Schoͤnheit der Thaͤ⸗ ler dieſer Provinz. Die Hügel, ja ſelbſt Berge, prang⸗ ten mit den ſchoͤnſten Waͤldern, zwiſchen den Baͤumen befanden ſich eine Menge herrlicher Plaͤtze, wo die koͤſtlichſten, obſchon wilden Trauben, und das wohl⸗ ſchmeckendſte Obſt wuchs. In den Thaͤlern Kahe⸗ tiens wachſen in Menge Hauf, Flachs, Reis, Hirſe⸗ Gerſte und Weizen; es finden ſich Faſanen, wildes Ge⸗ fluͤgel aller Art, Antilopen, Rothwild, Schafe und alle Arten Hausthiere in dieſem weidenreichen Lande. Die Fluͤſſe vermehren noch die Reichthuͤmer der Na⸗ 259 tur, und bei dieſem Ueberfluſſe herrſcht ein koßtliches Klima. Bei allem dieſen iſt der Kahetier in Gefuͤhl⸗ Toſigkeit verſunken; er kuͤmmert ſich nicht, ob Regen oder Sonnenſchein den Boden erquickt; ob ſeine Nah⸗ rung in Brom- oder Weinbeeren beſteht; der Stall gewaͤhrt ihm ein eben ſo angenehmes Lager, als ein Blumenbett. Dieſer Zuſtand kommt von ihren fruͤ⸗ hern Verhaͤltniſſen zu den Perſern und Tuͤrken, und von ihren unthaͤtigen, parteiſuͤchtigen Tyrannen. Un⸗ ter dem Schutze Rußlands faͤngt die Nation allmaͤh⸗ lich an, ſich von ihrem elenden Standpunkte zu erhe⸗ ben— Rußland hat alles zur Wiederherſtellung oder Verſittlichung des Landes gethan. In den Kriegen der letzten 10— 42Jahre fochten ſie muthig unter Ruß⸗ lands Panner, und ihre Haͤuptlinge zeichneten ſich ſo aus, daß Mehrere zum Range von Generaͤlen empor⸗ ſtiegen. 24. Eines Abends hatte ich in einer Geſellſchaft bei dem General⸗Gouverneur Gelegenheit, nicht bloß eine große Anzahl des eingebornen Adels von beiden Geſchlechtern, ſondern auch angeſehene Perſonen aus andern kaukaſiſchen Gegenden zu ſehen. Der geor⸗ giſche Adel zeichnet ſich durch einen duſtern Anſtrich des Geſichtes aus, welches doch einen ſchoͤnen Umriß hat, und mit ſeiner maͤnnlichen Geſtalt und ſeinem Anzuge uͤbereinſtimmt. Letzterer beſteht hauptſaͤchlich aus einem Unterkleide von ſchoͤnem nelkenfarbigen Zeu⸗ ge, welches man als Hemde traͤgt, und durch die Deff⸗ 260 nung der Weſte ſieht. Es geht nur bis an den Rand der Kehle, und laͤßt dadurch den Hals ganz bloß. Die Weſte von verſchiedenartigem Stoffe hat leicht am Arm anliegende Aermel. Ueber dieſelbe traͤgt man ei⸗ nen Oberrock, welcher bis an die Kniee geht, oben aber offen iſt. um die Lenden laͤuft gewoͤhnlich eine weiße Zeugſchaͤrpe, in welcher man einen Degen traͤgt. Die kurzen Hoſen reichen blos bis an die Knie. An den Beinen traͤgt man ein Paar Struͤmpfe, und feſt zugeſchnurte Halbſtiefel, gewoͤhnlich von ſchwarzer oder ſcharlachrother Farbe, mit ſehr ſpitzigem Schnabel. Alle dieſe verſchiedenen Kleidungsſtuͤcke ſind oft ſehr ſchoͤn mit goldenen Schnuͤren und Stickereien geziert. Die Oberlippen ſind mit Haaren bewachſen; eine hohe ſchwarze Schafpelzmütze, unter welcher einige dunkle, lockige Haare etwas hervorragen, vollendet den Anzug eines edlen Georgiers. Die niederen Klaſſen unterſcheiden ſich von dem Anzuge der hoͤheren durch lange weite Hoſen, und durch einen Dolch, ſtatt des Degens, im Guͤrtel. Der Anzug der vornehmen georgiſchen Frauen⸗ ziminer beſteht in einer Binde um die Stirn; jene iſt reich mit Edelſteinen beſetzt, und haͤlt ein Paar ſchwarze Locken, welche auf jeder Seite des ſchoͤnen Geſichtes berabhaͤngen. Das Geſicht wird ſo dick bemalt, daß man keine Spur ſeiner urſpruͤnglichen Beſchaffenheit ſeben kann. Die Augen ſind grob, ſchwarz, angenehm, 261 und voll milden Glanzes, und werden durch den Schat⸗ ten langer ſchwarzer Streifen und die Regelmaͤßigkeit gewolbter Augenbraunen im hoͤchſten Grade lieblich. Ein ſeidener ſhawlartiger Schleſer haͤngt von der Binde herab, und faͤllt von den Schultern uͤber den Ruͤcken hinab, waͤhrend ein duͤnnes Gaze⸗Tuch, unter dem Kinne gebunden, den untern Theil des Geſichtes verbirgt, und bis auf den Buſen hinabgeht, wo es uͤber die uͤbrigen Kleider gebunden iß. Durch ſein duͤnnes Gewebe kann man die goldenen Halsbänder und an⸗ deren Schmuck ſehen, womit die Weſte verziert iſt; ſie iſt von Sammt oder Seide reich geſtickt, und be⸗ deckt den Buſen und den ganzen Leib. Ein enger Rock von Broeal mit Aermeln bis zum Handgelenke, und mit einem außerordentlich langen Saume, der unten am Boden ganz herumgeht, wird uͤber die Weſte ge⸗ kogen, aber vorne hinab bis auf den Leib offen gelaſ⸗ ſen. Das Ganze wird dann mit einem ſchonen Ka⸗ ſchemir Shawl zuſammengehalten. Die Rock⸗ Aermel ſind vorn offen, koͤnnen aber nach Belieben durch Kns⸗ pfe oder Schnuͤre zugemacht werden. Bei kaltem Wet⸗ ter zieht man uͤber alles dieſes den Dimah Eurzen Pelz) an. Er liegt locker an der Geſtalt an, mit wei⸗ ten Aermeln, ſteht vorne offen, reicht bloß etwas uͤber die Knie, und gewaͤhrt einen eben ſo praͤchtigen als gemaͤchlichen Anblick. Sind jedoch viele Schoͤnen in dieſem Anzuge beiſammen, ſo haben ſie wegen der un⸗ biegſamen Steifheit ihrer Stellung und des gaͤnzlichen 262 Mangels an Bewegung im Geſichte mehr das Anſehen von Wachsfiguren, als von lebenden, athmenden und liebenswuͤrdigen Frauenzimmern. Waͤhrend des Abends zeigten einige junge Geor⸗ gier vom Stande eine Probe von ihrem National⸗ tanze, an welchem aber Theil zu nehmen keine Dame ſich bereden ließ. Der Tanz beſtand in behenden Spruͤngen, und vielen ſonderbaren und gar nicht ſchoͤ⸗ nen Verdrehungen der Gliedmaßen. Man drehete z. B. einen Fuß um den andern, ſchlug mit den Knien zu⸗ ſammen, ließ ſich auf die Ferſe nieder, und huͤpfte ſo herum. Nach mehrern ſolchen Bewegungen endete der Tanz mit Bewegungen auf den Zehen. Die Natio⸗ nal⸗Muſik ſetzte die Taͤnzer in die gehoͤrige Stim⸗ mung; aber in Hinſicht auf Ausbildung und Schoͤn⸗ heit ſtand ſie mit der Anmuth, welche ſie erwecken ſollte, auf gleicher Stufe. Doch ſchien ſie auf die muthigen Bewohner des Kaukaſus denſelben Ein⸗ druck zu machen, welchen die Sackpfeife auf die Hoch⸗ laͤnder in Schottland macht; denn Haͤnde und Fuͤße bewegten ſich und ſtimmten mit den Soͤnen der einge⸗ bornen Orpheuſe uͤberein. Auch 6 Kirkaſſier, welche den General Yer⸗ moloff auf ſeiner neulichen Reiſe nach Perfien begleitet hatten, wohnten der Feßtlichkeit bei. Sie waren ſchlanke Leute, ſtark, und ſchoͤn geſtaltet, von heller Geſichtsfarbe mit ſchwarzen Augen und Haaren, kurzen Baͤrten nebſt einem Ausdrucke von offener gu⸗ ——— 253 ter Laune uͤber ihrem ganzen Geſichte. Ihr Anzug iſt kriegeriſch und anmuthig.— Die Maͤdchen Kirkaſſiens, haͤufig wegen ihrer Schoͤnheit von herumſtreifenden Staͤmmen geraubt, bekommen nach der Geburt einen ledernen Guͤrtel um den Leib. So wie ſie heranwachſen, bekommen ſie einen andern und ſofort, bis nach dem Landesge ſchmack die Geſtalt vollkommen ausgebildet iſt. In der erſten Hochzeit⸗Nacht ſchneidet der Mann den Guͤrtel mit ſeinem Dolche entzwei. Nach der Heirath werden die Weiber ſehr eng eingeſchloſſen, indem man nicht einmal den Anverwandten des Gatten geſtattet, ſie zu beſu⸗ chen. Dagegen macht der Mann keine Einwendung, dieſes Recht einem Fremden einzuraͤumen, dem er er⸗ laubt, die geheiligten Bezirke ſeines Hauſes zu beſu⸗ chen, ohne uͤber den Anſtand der Frauen zu wachen: denn es iſt bei den Zirkaſſiern Gebrauch, ſich nie von einem Dritten, in Gegenwart ihrer Weiber, ſehen zu laſſen. Am Morgen des Hochzeittages ſindet ſich die Braut bei ihrem Gatten mit einem Panzer, Helm und allen andern Gegenſtaͤnden ein, welche zu einer vollſtaͤndigen Kriegs⸗Ruͤſtung erforderlich ſind. An dieſem Tage ſchenkt ihr auch der Vater einen kleinen Theil von ihrer Ritgift, waͤhrend er zugleich einen Stammbaum von ſeinem Schwiegerſohne erhaͤlt. Auf dieſen Punkt, als einen Ehrenpunkt, halten Alle mit der größten Gewiſſenhaftigkeit. Denn Jeder ſteht nach der Rein⸗ 264 heit ſeiner Abkunft und nach den beruͤhmten Namen ſeiner Vorfahren in groͤßerm oder geringerm Anſehen. Bei der Geburt des erſten Kindes zahlt der Vater dey Frau den uͤbrigen Theil ihres Vermoͤgens an den Mann aus, und uͤberreicht ihr in dieſem gluͤcklichen Augen⸗ blicke die ausgezeichneten Unterſcheidungs Zeichen eines verheiratheten Frauenzimmers: einen langen weißen Schleier uͤber einer Art rother Haube. Die weiße Farbe iſt ſowohl bei verheiratheten, als unverheirathe⸗ ten im Gebrauche. Die Mannsperſonen tragen jeder⸗ zeit farbige Kleidungsſtuͤcke. Der Frau liegt die Be⸗ ſorgung der Waffen und Ruͤſtung ihres Mannes ob. Sollte er dieſe vielleicht entehren, ſo iſt er dem be⸗ ſtaͤndigen Spotte ſeiner Frau ausgeſetzt, bis er dieſen Flecken abwaͤſcht. Die Gaſtfreundſchaft iſt bei den uͤchten Zirkaſſiern eine ausgezeichnete Tugend. Bei den Kyſtis, einem andern Kaukaſiſchen Stamme, geht dieſe Hoͤflichkeit ſo weit, daß wenn ein Reiſender in einer ihrer Wohnungen anlangt, der Wirth einer ſeiner Toͤchter befiehlt, den Gaſt gehoͤrig zu bewill⸗ kommnen, fuͤr ſein Pferd und ſein Gepaͤck zu ſorgen, und Nachts bei ihm zu ſchlafen. Letzteres auszuſchla⸗ gen, wuͤrde als eine große Beleidigung fuͤr das Maͤd⸗ chen und ſeinen Vater angeſehen werden. Die Ein⸗ gebornen eines Theiles von Lappland, nicht weit von Tornlae, haben eine aͤhnliche Sitte, aber dann iſt es die Frau des Wirthes, welche dieſer den Armen ſeines Gaſtes uͤberlaͤbt. 265 26. Meine Ankunft zu Liflis noch zur rechten Zeit hatte mich vor den Folgen der Schnee Lawinen des Kaukaſüs bewahrt. Des ſchlimmen Wetters we⸗ gen war ich in eine Stadt eingeſperrt, wo man, we⸗ gen der Liefe des Koths auf den Straßen, kaum aus* dem Hauſe gehen konnte. Allein hier muß ich bemer⸗ ken, daß der Koth in den meiſten Haͤuſern faſt eben ſo groß war, als vor denſelben. Wegen der platten und mit hartgeſchlagener Erde bedeckten Daͤcher ſickert das Waſſer nach einem anhaltenden Regen durch dieſe juͤmmerliche Schutzwehr, wie durch eine große Filtrir⸗ Maſchine; inwendig laͤuft es an den Waͤnden herab, und da es durch die ausgedehnte Oberflaͤche der Decke ſelbſt dringt, ſo wird das ganze Haus uͤberſchwemmt. Der Fußboden von Erde wird durch die Fluth von oben aufgeriſſen, und faſt in einen wirklichen Moraſt verwandelt. Die dadurch entſtehenden Ausduͤnſtungen ſind die Urſache vieler Krankheiten. So war Liflis im J. 1817 beſchaffen. Doch trug der gegenwaͤrtige General⸗Gouverneur viel zur Verbeſſerung der Bauart der Haͤuſer bei. Den 19. November ſetzte ich meine Reiſe fort. Wegen des holprigen und gefaͤhrlichen Weges mußte ich meinen Wagen zu Liflis verkaufen, und mein Bevaͤcke auf Pferde laden. Auch erhielt ich eine Be⸗ deckung bis an die aͤußerſte Grenze des ruſſiſchen Reiches. 25. So beruͤhmt der Kaukaſus in der alten 69. Bd. Perſien. III 3. d 266 Geſchichte wegen ſeiner wichtigen Paͤſſe und der Kaͤm⸗ pfe iſt, welche die Griechen und Roͤmer mit den ein⸗ heimiſchen Fuͤrſten gefochten haben, um ſie zu be⸗ haupten, ſo hatten doch die alten Geſchichtſchreiber eine ſehr verworrene und unvollkommene Kenntniß von dem Kaukaſus. Hier will ich Einiges von die⸗ ſer ganzen ungeheuren Gebirgswelt mittheilen. Die zahlreichen Bergketten des Kaukaſus kann man als aus einem unermeßlichen Koͤrper oder aus einer Bergwurzel entſtehend anſehen, welche in einer ſchiefen Richtung uͤber die große Strecke Landes zwiſchen dem ſchwarzen Meere und dem kaspiſchen See ſtreift. Dieſer Mutterſtamm ſteigt kuͤhn nach Weſten in der Nachbarſchaft des tuͤrkiſchen Poſtens Anapa empor; hierauf ßreicht er beinahe in der Ge⸗ ſtalt des oͤſtlichen ufers des ſchwarzen Meeres hin⸗ obſchon betraͤchtlich zuruͤck und laͤuft bis zu den Gren⸗ zen des alten Kolchis. Von da wendet er ſich ploͤtz⸗ lich in einer Linie faſt gerade gegen Oſten und zwar auf 300 Werſte weit; hierauf ſtreift er nach Suͤdoſten nimmt die Form des weßlichen ufers des kaſpiſchen See's an und endigt ſich unter den erhabenen Truͤm⸗ mern der Guebern⸗Altaͤre zu Baku. Dieſe Haupt⸗ kette iſt ſtolz auf den Slborus und Kaſibeck, wel⸗ che ſich uͤber die hoͤchſten Gipfel ſeiner uͤbrigen Berge erheben. Die Haͤupter dieſer beiden beruhmten Berge ſind faſt immer in Wolken gehuͤllt und ibre Gipfel mit Schuee bedeckt. Unterhalb dieſer beiden Berge * 267 erheben ſich die glaͤnzenden Spitzen anderer weit uͤber die Schneeregivn hinaus und ragen über die Haͤupter niederer Alpen empor. Dieß iſt die erſte und erha⸗ benſte Gebirgsreihe des Kaukaſus. Die zweite Kette fuͤhrt den Namen des moſchi⸗ ſchen Verges(montes“ moschici des Ptolemacos). Sie erſtreckt ſich von der Nachbarſchaft des tuͤrkiſchen Forts Battuni bis an die Ufer des Arapes hin und verltert ſich in die Ebene von Mogan. Dieſer Arm ſteht wieder mit der urſprunglichen Ketie ver⸗ mittelſt einer Reihe wechſelſeitiger Veriweigung in Verbindung, welche reiche Thaͤler bilden, lauft in die fruchtbaren Ebenen von Akhiska, Immeretien, Kartelania und Georgien aus, und reicht hin⸗ unter bis nach Schirwan. Der betraͤchtlichſte der verbindenden Berge iſt der ſogenannte Tſchildi⸗ rarm auf der Oßtſeite des ſchwarzen Meeres; von da laͤuft er nach allen Richtungen aus und verbindet ſeine weit auseinander laufenden Arme mit jenen der erſten und zweiten Hauptkette; dann nimmt er ſeine Rich⸗ rung nach der dritten hin, deren wilde ſteile Abhaͤnge die Ufer des Euphrat ausmachen. Auf dieſe Art verbindet er das Ganze. i Dieſe dritte Gebirgskette(Mons Paryardes Pto- lemaei) nimmt ihre Richtung laͤngs des Suphrat nach Suͤdweſten hin und bildet eine dritte parallel laufende Kette des Kaukaſus, bis ſie lene entſpre⸗ chende Linie in Armenien endigt, und zwar an dem 268 Punkte, wo der ungeheuere Ararat ſich uͤber jeden andern Berg erhebt. Von da macht die Gebirgskette einen abgebrochenen Winkel, laͤuft auf einmal gerade gegen Suͤden, und vertheilt ſich in alle jene mannig⸗ faltigen Arme, welche ſich uͤber Perſien und Klein⸗ aſien ausbreiten. Der 19. November war zu meiner Abreiſe be⸗ ſtimmt. Beim Ruͤckblicke auf Siflis gewaͤhrte die Stadt auf dieſer Seite einen ganz andern Anblick als denienigen, welcher den Reiſenden in Schrecken ſetzt, wenn er die Mfketter Straße herabkommt. Hier iſt ihre Ausſicht offener und ihre Berge und Felſen ſcheinen ihre Schwaͤrze und Unfruchtbarkeit zu verlie⸗ ren, ſobald ſie nach Norden hinlaufen. Gaͤrten und Weinberge, welche von ſchlanken Pappeln beſchattet ſind, reichen bis zum Fluſſe hinab, geben dem Strome durch ihre Bewegung Leben und erheitern das Ge⸗ muͤth des Wanderers. Auf unſerer Reiſe nach Sa⸗ ganluhk bemerkten wir verſchiedene verwitterte Denkmaͤler des erloſchenen Herrſcherſtammes der letz⸗ ten georgiſchen Koͤnige. Nachdem ich von meinen ruſ⸗ ſiſchen Freunden Abſchied genommen hatte, brach ich mit meiner kleinen Truppe nach Suͤdweſten auf. Schulawar erreichten wir gerade, als es um uns hei Nacht wurde. Dieſer Poſten lag in dem fin⸗ ſtern Paſſe einer Gebirgskette, welche gerade gegen Oſten lief. Beim Eintritte in dieſen Engpaß befanden wir uns in dem Theile Georgiens, welcher die 269 Provinz Somhetie heißt. Eine alte Feſtung von Stein, ſchwarz von der Zeit und dem Schatten der Nacht, ſtand in duͤſterer Einſamkeit auf einer Anhoͤhe an der Deffnung des Engpaſſes und in einer Lage, wo ſie in frͤheren Zeiten den Engpaß beherrſchte. An ihrem Fuße befindet ſich der ruſſiſche Wachtpoften. Die Ruinen eines alten religioſen Gebäudes vermehr⸗ ten die duͤſtere Feierlichkeit noch mehr. Ueber Berge fuͤhrte der Weg in ein ſchoͤnes von dem Bambek be⸗ wäſſertes Thal. Die Flußufer deſſelben ſind mit grůͤ⸗ nen Weideplaͤtzen geziert und von Baͤumen beſchattetz mehrere Doͤrfer zwiſchen ſeinen reichen Feldern ge⸗ waͤhren dem Auge den ſchoͤnſten Beweis von Wohl⸗ ſtand und Annehmlichkeit. Mitten auf der Ebene, bein nahe 20 Werſte von threr Deffnung, ſind noch auffal⸗ lende Ueberreſte, wahrſcheinlich von einer ſtarken Fe⸗ ſtung, vorhanden. Nachdem wir uͤber das Bett eines ausgetrockneten Fluſſes gegangen waren, kamen wir in das große und volkreiche Dorf Sadakluh auf dem weſtlichen ufer des Bambek. Bei dem Poſten Tſchuskar, welcher auf der Spitze eines kleinen kegelfoͤrmigen Berges ſteht, hatten wir eine großartige Ausſicht auf den Bambek; 30 bis 40 Koſaken bewohnten den Poſten. Auf der Reiſs nach einem betraͤchtlichen Dorfe, wurden wir durch den Anblick einer jener gluͤcklichen Stellen des KHau⸗ kaſus belohnt, welche ich oben beſchrieben habe: ſchoͤne kleine Tbäler, welche von dem thätigen Fleiße 27⁰ des Menſchen laͤchelten, waͤhrend die Spitzen der Ab⸗ haͤnge oben den Anblick von einem reichen und wohl— riechenden Graswuchſe gewaͤhrten. In dem Dorfe fanden wir warme und geraͤumige Quartiere. Die guten Leute bewirtheten uns reichlich mit Milch, Eiern, Butter und ausgeſuchtem Honig. 27. Als wir nach Suͤd⸗Pßt reisten, zeigte man mir Stellen, wo ſonſt Silber-Gruben bearbeitet wur⸗ den; die Deffnungen der Schachten von mehrern wa⸗ ren noch immer ſichtbar. Die Felſen, wodurch ſie ge⸗ bildet werden, ſind von einer gelblichen Sandfarbe. Dieſer ganze Theil Georgien's iſt reich an Erz von werſchiedenen Arten, beſonders aber an Kupfer, von welchem man eine ſehr ſchoͤne Art bei Lori gewinnt. Als wir an das Ufer des Bambek kamen, folgten wir deſſen Kruͤmmungen mit dem Fluſſe durch die Felſenkluft; bisweilen waren wir von den hervorſprin⸗ genden Klippen faſt eingeſchloſſen; ein anderes Mal von ſchoͤnen Baͤumen voͤllig beſchattet, welche ſich von beiden Seiten dieſer wirklich ſchoͤnen Hoͤlung her⸗ uͤberbogen. Hoch oͤber unſern Haͤuptern erhob ſich ge— gen Suͤd eine Reihe von Anhoͤhen, und auf dem Gi⸗ pfel einer der kuͤhnſten ſahen wir das Dominikaner⸗ Kloſter Akpet. Dieſes Kloſter und ein anderes zu Sennang ſind die beiden Kloͤſter von der gröbten Wichtigkeit fuͤr Georgien. Einige Werſte weiter ſetzten wir wieder uͤber den Fluß und zwar gerade vor einem ſchrecklich ſteilen ———— 2MN Berge, uͤber welchen unſer Weg fuͤhrte, aber dießmal gingen wir uͤber eine ſteinerne Bruͤcke mit einem Bo⸗ gen. An der einen Seite derſelben fand ich einen ho⸗ hen aufrecht ſtehenden behauenen Stein voll chrißtli⸗ cher Denkzeichen, welche man in den Stein gearbeitet hatte. Am meiſten ſiel das Kreuz in die Augen, und um daſſelbe befanden ſich erhabene Arbeiten nebſt an⸗ dern Figuren, welche auf die meiſterhafteſte Weiſe ausgehauen waren. Ehe wir über die Bruͤcken gingen, hatte ich auf dieſer Seite 2 aͤhnliche Steine bemerkt. Auf einem gefaͤhrlichen Wege kamen wir zu der ehemals bedeutenden Stadt Uſumlar, welche jetzt ein bloßes elendes Dorf iſt. Die Spuren von uſum⸗ lars beſſeren Tagen beſtehen hauptſaͤchlich in den ver⸗ fallenen Mauern einer großen Kirche. Ihre Bauart hat einige Aehnlichkeit mit den Ueberreſten ſolcher hei⸗ ligen Gebaͤude zu Tiflis. In der Dhat herrſcht eine allgemeine Aehnlichkeit unter dieſer ganten Klaſſe von Ruinen auf der Suͤdſeite der großen Gebirgskette des Kaukaſus. Nach einer Strecke von 18 Werſten erreichten wir auf einem beſchwerlichen Wege den Ko⸗ ſaken⸗Poſten Vaganz. Zu Karakliſfa hatte der Winter alles mit ſeiner kalten und bleichen Hand be⸗ deckt. Den 2s. November verließen wir bei einem ſtarken Schneegeſtoͤber Amamlu h, und als wir uns von dem jetzt verengten Bette des Bambek entfern⸗ ten, gingen wir uͤber einige Berge, welche eine Art von kleinerm Am der grohen Moſchiſchen Gebirgs⸗ 272 kette ausmachen. Ein Arm nach Suͤd heißt die Ka⸗ rakliſſa⸗Berge, waͤhrend der andere nach Nord lau— fende den Namen des Bambek annimmt. Von der Redoute und dem Dorfe Bekant traten wir unſere Reiſe bei einer Kaͤlte von 8 Graden Reaumur wieder au. Der Wind war ſehr ſchneidend, und wurde es noch mehr, je weiter wir in die hoͤheren Gegenden ge⸗ kommen waren. Die große Kaͤlte und das glaͤnzende Weiß, welches in doppeltem Glanze von den mit Schnee bedeckten Bergen zuruͤckſtrahite, war unſern Augen boͤchſt empfindlich; doch wurden wir durch die Groͤße einer winterlichen Gebirgs⸗Szene ſchadlos ge⸗ halten. Wer auf der See in den arktiſchen Regionen geweſen waͤre, der wuͤrde ſich dabei an die Gegenden des Pols erinnert haben. 28. Unſer Weg fuͤhrte nach Suͤd⸗ Weſt, und eine Stunde Weges weiter kamen wir zur Stadt Gu⸗ meri, einem ruſſiſchen Poſten gerade der tuͤrkiſchen Grenze gegenüber. Sie ſteht auf einer Anhoͤhe, und hat eine anſehnliche Beſatzung. Eine Ebene umgiht ſie mehrere Meilen in der Runde, und wird dann auf eine erhabene Art mit Bergen eingefaßt. Oben auf der Gebirgskette gegen Suͤd⸗Oſt befindet ſich der Al— leguz, an und fuͤr ſich ein großer Zacken, zum Theil den Bezirk Schuragyll begraͤnzend. Aus den Felſen und Hoͤhlen an ſeinen Seiten ftuͤrzen eine Menge Stroͤme in die tiefern Bette an ſeinem Fuße herab, wo ſie ſich bald in ein großes breites Bett ſammeln, und den Fluß Aſchtarit oder Arpaſu bilden. Auf ſeinem Laufe gelangt er nach Armenien, geht bei dem ehrwuͤrdigen Gebaͤude Fitſch⸗mai⸗adzen vor⸗ bei, und bewaͤſſert die Ebenen, bis er in den Arares faͤllt. Als wir das Kloſter Kotſchivan verließen, ſtand das Thermometer Reaumur's 14 Grade unter dem Ge⸗ frierpunkte. Als wir uͤber den Akhur gingen, kamen wir in die perſiſchen Linien. Unſer Weg ging fort⸗ dauernd gegen Suͤd⸗BPſt uͤber pfadloſen Schnee durch enge Thaͤler, und gelegentlich uͤber niedrige Huͤgel ohne einen Baum oder Strauch. Nachdem wir auf dieſem Wege 16 Werſte fortgegangen waren, kamen wir in die Naͤhe der alten Stadt Talys. Zugleich ſah ich zum erſten Mal das doppelte Haupt des Ara⸗ rat. Die Eisſpitzen ſeines doppelten Hauptes erhe⸗ ben ſich maſeſtaͤtiſch in den klaren, wolkenloſen Him⸗ mel. Als ich auf der platten Ebene des Ararat an⸗ gekommen war, ſah ich den Berg in ſeiner ganzen Groͤße. Die Sonne warf ihren Glanz auf ſeine Eis⸗ ſpitzen, und das Zuruͤckprallen der Strahlen verbreitete einen Glanz, welcher anderen Sonnen glich. Auß die⸗ ſem Standpunkt fuͤhlte man den erhabenſten Eindruck, welchen Berg und Ebene uͤberhaupt machen koͤnnen. Mein Auge, welches nicht lange auf dem blendenden Glanze ſeiner Gipfel verweilen konnte, lief an ſeinen dem Anſcheine nach grenzenloſen Seiten hinab, bis ich ibre ungeheuren Linien nicht weiter in den Nebeln 274, des Horizonts verfolgen konnte, als daſſelbe ein un⸗ widerſtehlicher Drang wieder auf den ſchauerlichen Glanz des Arargt in die Hoͤhe zog. Bisher iſt die Hoͤhe des Ararat noch niemals mit hinreichender Genauigkeit gemeſſen worden, obſchon der Kapitain Monteith von den Madras⸗Ingenieurs vielleicht naͤher an das Ziel gekommen iſt, als irgend ein ande⸗ rer Reiſender. Folgende ſind die Reſultate mehrerer trigonometriſcher Beobachtungen, welche er zu Eri⸗ van wechſelte, und mir mitzutheilen die Guͤte hatte. Von dieſem Drte an bis zum hoͤchſten Punkte des hoͤchſten Hauptes fand er 62,000 Pards(Engl. Ellen von 3 Fuß), und von derſelben Stelle bis zum nie⸗ drigſten Haupte ss,000 Pards. Dieſes Haupt fuͤhrt den Namen des kleinen Ararat, waͤhrend der boͤchſte Theil der große Ararat heißt, und iſt von dem andern von Spitze zu Spitze 22,000 Yards ent⸗ fernt. Der kleine Ararat liegt vom großen Apg⸗ rat Sud 6o Oſt; der große Ararat von dem Klo⸗ ſter Eitſch-mai⸗adzen Säd 6 Weſt, und der kleine Ararat Suͤd 6 Oſt. Beide Haͤupter ſind mit Schnee bedeckt. Die Ge⸗ ſtalt des groͤßten iſt dem kleineren aͤhnlich; nur iſt ſie oben breiter und runder, und zeigt gegen Nord⸗Weſt eine zerriſſene und ſteile Fronte; ungefaͤhr auf halbem Wege abwaͤrts oͤffnet ſich eine ungeheuer tiefe, und vorzuglich ſchwarze Felſen⸗ Kluft. An dieſem Oheile des Berges wird die Deffnung der Kluft durch die 275 Vorſpruͤnge kleinerer Berge unterbrochen, welche aus den Seiten des Argrat hervorkommen, und in einer wellenfoͤrmigen Fortſetzuns dahin laufen, bis ſie ſich in den entfernten Duͤnſten der Ebene verlieren. Die ſchwarze Kluft an der Seite des großen Hauptes des Berges wird irriger Weiſe von den Reiſenden für ei⸗ nen ausgebrannten Krater ausgegeben. In dem Kloſter Eitſch-mai⸗adzen wurde ich von dem Patriarchen Suphemius, welchem ich durch den Biſchof von Tiflis empfohlen war, auf das ar⸗ tigſte empfangen. Er iſt ein ehrwuͤrdiger Mann, un⸗ gefaͤhr 7 Jahre alt, genießt eine vortreffliche Geſund⸗ heit, und hat eine heitere Miene. Wegen ſeiner Ge⸗ lehrſamkeit und Froͤmmigkeit ſteht er in hohem Rufe; den Werth beider erhoͤht er noch gar ſehr durch die nutzliche Art von Kenntniſſen, welche man bloß im Umgange mit der Welt uͤberhaupt erwerben kann. Er hat die vornehmſten Laͤnder Aſien's beſucht, und waͤhrend der Verwaltung des Lord Kornw allis, eine Zeitlang zu Kalkutta gelebt. Er iſt das Ober⸗ haupt aller religioͤſen Anſtalten der Armeniſchen Kirche in allen Theilen der Erde, und wird durch eine Zu⸗ ſammenkunft von Moͤnchen aus den verſchiedenen Klo⸗ ſtern gewaͤhlt. Ihre Verſammlung heißt der Kardi⸗ nals⸗Verein, welcher den erforderlichen Patriar⸗ chen unter den am meiſten verehrten Biſchoͤfen der Kirche waͤhlt. Dieſen hohen Poſten verwaltet er, bis ihn entweder der Tod abruft, oder er ihn durch die 276 neidiſchen Raͤnke, oder durch ſeine eigene ſchlechte Auffuͤhrung verliert. Spuren der alten Stadt Va⸗ larfapat findet man an verſchiedenen Stellen in einer betraͤchtlichen Strecke vom Kloſter. Auf meiner Reiſe nach Erivan ſah ich zum er⸗ ſten Male eine Karavane von Kameelen. Sie zogen uͤber die Ebene, und ihre Geſtalt und Gruppen nebſ ihren baͤrtigen Treibern, welche in Aſien eine ſo ei⸗ genthuͤmliche Erſcheinung ſind, vollendete fuͤr mein Auge das Gemaͤlde. um eine Haut-Krankheit zu ver⸗ meiden, werden die Kameele haͤufig gewaſchen. Mau verrichtete dieſes Geſchäft in einem vorbeifließenden Stro⸗ me, in deſſen Mitte das Vieh ganz ruhig ſtand, waͤh⸗ rend 2— 3 Perſonen das Waſſer in holen hoͤlzernen Schuͤppen uͤber daſſelbe wegſchuͤtteten. Waren die Thiere durchaus naß, ſo nahm ihr Aufſeher einen mit⸗ telmaͤßigen Stein in die Hand, mit welchem er das Thier nach und nach an allen Theilen des Koͤrpers rieb. Den Buͤffeln ſchien dieſer Theil der Dperation ſehr zu behagen: denn ſie ſchnaubten, ſchnuͤffelten und ſtanden ganz unbeweglich, als ob ſie von Marmor waͤ⸗ ren. Die Haut, welche man mit dieſer rauhen Art von Striegel reinigte, gleicht einigermaßen an Farbe und Gewebe jeuer unſerer ſchwarzen Schweine, hat iedoch noch mehr Aebnlichkeit mit der rohen Elephan⸗ ten⸗Haut. Der Buͤffel laͤßt ſich gut leiten, ausge⸗ nommen wann er bei warmem Wetter durch einen Fluß gebt, wo ihm das kuͤhle Waſſer ſo gefaͤllt, daß * 277 er in der Mitte deſſelben ſtehen bleibt und Stunden⸗ lang nicht von der Stelle gebracht werden kann. Sein ſonderbares Ausſehen, wenn er angeſchirrt iſt, um darauf zu reiten, und der ſeltſame Anblick der wilden zottigen Geſtalten der Eingebornen, welche auf dem⸗ ſelben ſitzen, bilden eine Art von wilder Geſellſchaft, deren Anblick vielleicht mehr ſeltſam, als wild iſt. 20. Gaſßtfreundlich im Kloſter behandelt, erhielt ich auch noch auf Befehl des Patriarchen einen reich⸗ lichen Vorrath auf die weitere Reiſe. Unſer Weg fuͤhrte uͤber eine unfruchtbare hohe Gegend, welche mit Bruchſtuͤcken von Felſen und Steinen bedeckt war. Meine wilde Begleitung entließ ich gehoͤrig bezahlt, und langte nach 20 Werſten in Erivan an, wo ſich allenthalben Truͤmmer mit den bewohnbaren Theilen der Stadt vermiſchen. Die Anzahl ihrer gegenwaͤrti⸗ gen Einwohner belaͤuft ſich nicht uͤber as,000. Waͤh⸗ rend ich den ſonderbaren alten Thurm zu unterſuchen wuͤnſchte, welchen Chardin zu beſchreiben und abzu⸗ bilden ſich ſo viele Muͤhe gegeben hatte, ſo fand ich von demſelben bloß noch die Grundlage uͤbrig. Denn vor einigen Jahren wurde er vom Blitze beſchaͤdigt, und ſein Materiale zu Ausbeſſerungen in der Stadt benutzt. Bei dem Sardar zu Erivan machte ich meine Aufwartung, um bei der Fortſetzung meiner Reiſe nach Tabriz die noͤthigen Erleichterungen zu erhal⸗ ten. Der Sardar war ein Mann von 0 Jabren, 278 ziemlich ſtark und unterſetzt, und verrieth noch thaͤtige Manneskraft. Sein langer grauer Bart gab ihm das Anſehen ernſter Wuͤrde; ſein Charakter war unterneh⸗ mend und unerſchuͤtterlich, und ſeine Tapferkeit be⸗ kanut. Waͤhrend ich gegen das Fenſter blickte, fah ich unter den ſchrecklichen Strafgraben, den Tarpeſiſchen Felſen Erivans; jenſeits die uͤppigen Gaͤrten des Sardar mit ihrem Sommerhauſe, und uͤber ihnen die herrlichen hervorragenden Berge, welche ſeine Statt⸗ halterſchaft ſchuͤtzen koͤnnen. Der Sardar zahlt dem Koͤnige keine Abgaben; ſeine Stelle iſt eine Art militaͤriſchen Lebens. In Kriegszeiten oder wenn Unruhen ausbrechen, muß er die koͤnigliche Armee mit einer gewiſſen Anzahl von Truppen verſtaͤrken; auch muß er die Vertheidigung und Sicherheit ſeiner Provinz auf eigene Koſten be⸗ ſtreiten. Seine Frauen reiſen in Scharlach gekleidet, welche Tracht nur den Frauen des Koͤnigs oder ſeiner Soͤhne geſtattet iſt. Auch hat er das Vorrecht, das Gepaͤcke, welches ſeine Mauleſel tragen, mit ſchoͤn ver⸗ zierten Zeugen von blauer und rother Farbe, welche Kennzeichen des koͤniglichen Gepaͤckes ſind, zu bedecken. Zu dem Sardarate Erivan, uͤber welchen er un⸗ bedingte Gewalt beſitzt, gehoͤren außer der Provinz Ghilan, Gulckſchah, Sevan, Gurney, Abe⸗ ran, Kerpay, Sirzadill, Scharagill, Scher⸗ rur, Makuh und Saut. Die Laͤnge deſſelben be⸗ traͤgt faſt 200 Meilen, und die Breite 100. Im J. 279 18r4 belief ſich die waffenfaͤhige Mannſchaft aufas,000 Mann. Die Einkuͤnfte betragen ungefaͤhr 160,000 To⸗ mauns. Der Tomaun, eine gewoͤhnliche Goldmuͤnze in Perſien, iſt von ganz reinem Metalle, und betraͤgt au Werth beilaͤufig eine halbe Guinee(3 Thaler). 30. In Begleitung meines perſiſchen Haushof⸗ meiſers(Mehmandar) beſuchte ich die Ueberreſte der alten armeniſchen Stadt Ardaſchir. Der Raum, uͤber welchen das Auge wanderte, war ganz mit Erin⸗ nerungen aus der Vergangenheit bezeichnet, allein kein Pfeiler, kein Dorn, keine auch verfallene Spuren menſch⸗ licher Wohnungen waren mehr vorhanden; alles iſt unter Erdhaufen vergraben. Zu Anni war ich von einem praͤchtigen Denkmale armeniſcher Groͤße umge⸗ ben; zu Ardaſchir aber ſtand ich auf ſeinem Grabe. Der kleine Fluß Gurney nimmt ſeinen Lauf durch die traurige Einoͤde. Ueber Khoig, Nackſchivan, Marande langten wir zu Da briz an. Durch Kriege und Erd⸗ beben wurde dieſe Stadt faſt gaͤnzlich verwuͤſtet. So furchterlich aber auch dieſe Unfaͤlle geweſen ſind, ſo hat ſich doch, im Angeſicht der naͤmlichen Denkmaͤler ihrer unwiderſtehlichen Verwuͤſtung, unter den zerſtoͤr⸗ ten Mauern und uͤber den zuſammengeſtuͤrzten Haufen der alten Stadt eine neue erhoben, und obſchon ſich dieſe noch in ihrer Kindheit befindet, ſo iſt ſie doch auf gutem Wege, unter ihrem gegenwaͤrtigen Behert⸗ ſcher ein Beiſpiel von Wohlſtand aufzuſtellen, das 280 alles übertrifft, was es jetzt noch im Reiche gibt. Sie iſt auf Befehl des Fuͤrſten befeſtigt worden, und iſt daher mit einer dicken Mauer umgeben, welche Thuͤrme und Baſtionen nebſt einem ſehr tiefen trockenen Gra⸗ ben ſchuͤtzen. Das Ganze betraͤgt im Umfange 6,000 Pards. Jenſeits dieſer Grenze, gegen Nord und Dſt, erſtrecken ſich die Vorſtaͤdte, welche zwiſchen den Rui⸗ nen und dem zerriſſenen Boden eines Platzes empor⸗ ſteigen, welcher ſonſt einen Theil der alten Stadt ausmachte. Vier Thore fuͤhren in die neue Stadt. Kachdem ich den groͤßten Theil der koͤniglichen Re⸗ ſidenz beſehen hatte, ſo brachte man mich auch zur Befriedigung meiner Neugierde in das Anderuhn, das abgeſonderte Gemach fuͤr Frauen und Sklavinnen. Ein großes praͤchtiges Zimmer nahm beinahe die ganze Länge von einer der Seiten des Vierecks ein. Die Fenſter machten eine beſonders glaͤnzende Wirkung, indem ſie in eine Menge ſonderbarer Formen oder Bil⸗ der abgetheilt waren. In einer Ecke des Hofes fuͤhrte eine kleine Thͤre zum Bade. Wir traten hinein, und gingen durch einen ſehr ſchmalen Gang. Als wir eine oder zwei Beu⸗ gungen gemacht hatten, kamen wir in einen geraͤumi⸗ gen Saal von achteckiger Geſtalt. Seine Kuppel wurde von 4 Säͤulen getragen, welche ſich an ihrer Grundlage in einem ſteinernen Sitze endigten, welcher rund um das Zimmer geht, und auf dem Teppiche auogebreitet liegen, wenn die ſchoͤnen Badenden ſich „ — 281 einfinden ſollen. Das Licht faͤllt von oben durch eine zirkelfoͤrmige Deffnung. Eine Thuͤre auf der linken Seite des Saales brachte uns durch einen andern en— gen Wes zu dem großen Bade. Dicht am Eingange deſſelben iſt ein kleines Ankleidezimmer fuͤr den Prin⸗ zen, wenn er ſich baden will. Das Gemach, welches das große Bad heißt, iſt ein großer Marmorſaal, in welchem die Waͤnde und der Boden ganz mit die⸗ ſer Oberflaͤche bedeckt ſind. Aus dieſem Zimmer ge⸗ langt man in mehrere Kabinetchen, welche ebenfalls ganz von Marmor ſind. An dem einen Ende iſt das Bad mit ungefaͤhr 4 Fuß tief Waſſer. Der Keſſel zum Waſſer iſt unten, von welchem eine Roͤhre das heiße Waſſer nach dem obern Behaͤlter fuͤhrt, und zwar in der verlangten Temveratur. Auch fuͤhren Roͤhren die warme Luft in den großen Saal und ſeine Nebengemaͤcher, damit nicht etwa eine kaͤltere Atmos⸗ phaͤre den Badenden die Ausduͤnſtung zuruͤcktreibt. Das mit einer Kupyel verſehene Gemach hat mit Spiegeln bedeckte Waͤnde, und wo man dergleichen nicht ſieht, da ſind die Mittelraͤume mit Blumen bemalt, welche mit Gold vermiſcht ſind. Auf den Sitzen befinden ſich die feinſten Nummuds⸗Teppiche fuͤr die ſchoͤ⸗ nen Badenden, um darauf zu ruhenz abgepfluͤckte Ro⸗ ien bedecken den Boden in allen Richtungen, und ihre natrlichen Schoͤnheiten machen, mit ihren vergolde⸗ ten Nachahmungen an den Waͤnden, einen auffallenden Vontrat. Eine ſolche Verſchwendung dieſer lieblchen 69. Ed. Perſten. 3 282 Blume in den Haͤuſern und außerhalb derſelben in Perſien, muß den fremden Reiſenden bei jedem Schritte daran erinnern, daß er in dem Lande des Haſiz, der Nachtigallen und Roſen iſi. Die perſiſchen Frauenzimmer bemalen ihren ſchö⸗ nen Koͤrper mit einer Menge phantaſtiſcher Aufſchrif⸗ ten, ſehr oft mit Figuren von Baͤumen, Voͤgeln und Thieren, mit Sonne, Mond und Sternen, auf eine merkwuͤrdige Art. Dieſe Art von Malerei geht uͤber den Buſen weg bis an den Nabel herab, um den herum gewoͤhnlich irgend eine Figur mit Strahlen gemalt wird. Alles dieß kann man bei ihrem Anzuge ſehen, indem jedes Kleidungsſtuͤck, ſelbſt das leichte Gaze⸗Hemde, vom Halſe bis auf dieſen Punkt herab offen ſteht; ein ſonderbarer Geſchmack, welcher ſicher mehr barbariſch, als anſtaͤndig iſt. Von dem Frauenzimmer-Hofe gingen wir durch ein nicht ſo großes Viereck, um welches ſich die Zim⸗ mer der Verſchnittenen befanden. Eine Thuͤre fuͤhrte durch einen langen, dunklen und gewundenen Gang zu einem großen und ſchoͤn bepflanzten Garten. Auf der einen Seite war der große Audienz⸗Saal des Prin⸗ zen, kuͤnſtlich erbaut, und mit ſchoͤnen Gemaͤlden ge⸗ ziert. Sogleich nach meiner Ankunft zu Tabriz hatten mich die vornehmſten Beamten des Hofs des Prinzen⸗ Statthalters beſucht, um mir die Nachricht mitzuthei⸗ len, daß ſeine konigliche Hoheit auf einige Zeit ver⸗ 283 reist ſey. Bald darauf lud mich der Kyme Ma⸗ kaum, erſter Miniſter des Prinzen Mirza Be⸗ zuhrk, zu einem großen Gaſtmahle ein. Kurz vor dem Untergange der Sonne fanden wir uns in deſſen Hauſe ein. Einige Staatsbenmten, welche ſich da be⸗ fanden, ſtanden bei unſerer Annaͤherung auf. Nach den gewoͤhnlichen Komplimenten ſetzten wir uns auf die fuͤr uns beſtimmten Teppiche auf morgenlaͤndiſche Art. Ein paar große, ſchwere und unproportlonirte Armleuchter ſtanden in der Mitte des Zimmers einan⸗ der gegenuͤber; ihre Lichter wurden mit Del oder einer andern oͤltgten Materie unterhalten. In einem klei⸗ nen Kamine am einen Ende des Zimmers brannte ein lebhaftes Holzfeuer, und zur Vermehrung der Waͤrme hatte man eine meſſingene Schale mit gluͤhenden Kohlen an das andere Ende geſetzt. Bei dem Eintritte unſers Wirthes ſtanden wir ſaͤmmtlich auf, und als wir uns wieder niedergeſetzt hatten, verbeugte er ſich vor einem jeden nach ſeinem Range, und ſagte zugleich ein Compliment, welches mit der angenommenen Wichtigkeit des Gaſtes im Verhaͤltniſſe ſtand. Als die ganze Geſellſchaft mit Speiſen verſorgt war, gab der Wirth das Zeichen, ſie zu genießen, d. i. daruͤber herzufallen. Dieſen Befehl ſchien man buchſtaͤblich zu verſtehen; denn jeder Ruͤcken bog ſich, jedes Geſicht ruͤckte dicht an den Angriffs⸗ punkt, und jeder Kinnbacken war augenblicklich in Be⸗ wegung. Mit der rechten Hand langte man den Reis 284 oder jede andere Speiſe zu, und ſchob ſie faſt in dem⸗ ſelben Augenblicke in den Mund. Die linke Hand braucht der Perſer blos zu den niedrigſten Geſchaͤften; indeß verrichtete wenigſtens waͤhrend der Mahlzeit die geehrte Hand das Geſchaͤft zweier; denn keinen Au⸗ genblick ruhte man waͤhrend des Eſſens; ſondern fuͤhrte ununterbrochen Fleiſch, Melonen, Scherbet u. ſ. w. aus der Schuͤſſel nach dem Munde. Ich geſtehe, daß ich in meinem Leben nie eine ſtillere Mahlzeit ge⸗ ſehen habe, wie auch keine, wo das Kauen ſo hoͤrbar geweſen waͤre. Mir kam die Geſellſchaft wie eine Reihe gewiſſer ehrbarer vierfußiger Thiere vor, welche mit ihren Koͤpfen nicht weiter von ihren Troͤgen ſind, als die unſrigen von den Schuͤſſeln waren. So oft ich einen Verſuch machte, etwas von dem Haufen der Speiſen vor mir zu gemeßen, fiel mir der Reis in den Aermel; nach mehreren fruchtloſen Verſuchen, etwas von dieſem angenehmen Gerichte zu genießen, gab ich ſie auf, und begnuͤgte mich mit einem oder zwei tro⸗ ckenen Kabbobs(trockenen Stuͤcken gebratenen Flei⸗ ſches). Nach dem Mahle goß man Waſſer auf die rechte Hand, welche wir nach der Reihe uͤber ein Becken bielten, waͤhrend Jedermann ſeinen Bart oder ſeinen Knebelbart von den Ueberbleibſeln der Mahlzeit rei⸗ nigte. Als ich auf den Beinen war, konnte ich nicht darauf ſtehen, und haͤtte mich nicht einer meiner Lands⸗ leute unterßtͤtzt, ſo haͤtte ich niederfallen muͤſſen. 285 Bei meiner Ankunft zu Tabriz war der Prinz zu Koiy, einer der ſchoͤnſten Staͤdte ſeiner Provinz, und ich hoffte mit Ungeduld auf das Ende des kurzen Zeitraums, welchen er gewoͤhnlich daſelbſt mit Beitzen und Jagen zubringt. Koiy liest angenehmer als Dabriz, hat mehr natuͤrliche Schoͤnheiten und einen ſicherern Grund. Der See Urumia ſuͤdoͤſtlich von Koiy, nicht weit von der Stadt, wird gewoͤhnlich fuͤr den Spauto und Mareianus des Strabo und Ptolomaͤus gehalten. Nach einem Verſuche des un⸗ gluͤcklichen Browne enthaͤlt er ein Drittheil Salz mehr, als das Meer. Die Seen Sevan, Urumia und Van ſind die einzigen Gewaͤſſer von dieſer Ge⸗ ſtalti, welche man auf der großen Strecke Landes zwi⸗ ſchen dem ſchwarzen Meere, dem kaſpiſchen See und dem Meere von Ormuz findet, und ſie ſcheinen beinahe gleich weit von einander zu liegen. Ungefahr um die Mitte des Dezembers ſchneiete es eines Morgens bei einem fuͤrchterlichen Nord⸗Oſt⸗ winde, und noch vor. Abend war das ganze Land meh⸗ rere Fuß tief mit Schnee bedeckt. Hierauf wurde das Wetter ruhig, und die Sonne fuhr mit einem Glanze zu ſcheinen fort, welchen man bloß in Laͤndern von einer ſolchen durchſichtigen Atmosphaͤre zu ſehen bekommt. Dieſer eigenthuͤmliche Glanz des Tages bei einer Kaͤlte von 8 Graden Reaumur, und in der Helle der Nacht bei 12, 44 und 46 Graden Kaͤlte zeigte den Winter in ſeinem ſchoͤnſten Gewande. Wahrſcheinlich 285 wurde von dem anhaltenden Froſte der Schnee wie Staub, und wenn der Wind wehete, ſo ward er in Wolken, wie der Sand in der Wuͤſte, in die Hoͤhe gewirbrlt, und fullte jeden Pfad, jede Straße und je⸗ den Hohlweg auf ſeiner Bahn aus. Daher ſieht man es fuͤr eine große Unbeſonnenheit an, ſich eine Strecke von der Stadt zu entfernen, wenn der Himmel voll Schnee haͤngt oder die Luft unruhig iſt. Wer von einem ſolchen Schnee⸗Sturme uͤberfallen wird, entgeht ſelten dem Lode. Ich ſtaunte, daß trotz dieſer ſtrengen Witterung wenige Perſer beiderlei Geſchlechts mehr Kleider trugen, als gewoͤhnlich. Viele, ſowohl jung als alt, gingen mit der Bruſt ganz bloß. Kaum vergeht ein Dag, ohne daß man nicht in der Naͤhe der Stadt einen oder zwei Menſchen erfroren findet. Waͤhrend meines Aufent⸗ halts kamen 3 Weiber und 2 Maͤnner nebſt s ihnen gehoͤrigen Eſeln um. In Perſien werden die Thore in allen Staͤdten und Marktflecken kurze Zeit nach dem Untergange der Sonne verſchloſſen, und erſt mit dem Aufgange derſelben wieder geoffnet. Wenn nun Rei⸗ ſende die Thore erreichen, da ſie ſchon verſchloſſen ſind, ſo muͤſſen ſie bis zum andern Morgen warten. Waͤhrend der rauhen Jahreszeit zeigt ſich ſehr oft bei Eroͤffnung der Thore ein ſchreckliches Todtenſchauſpiel; Alt und Jung, Thiere und Kinder liegen oft in einem lebloſen Haufen beiſammen. Eines Abends, als die Kaͤlte 16 Grad Reaumuͤr 287 war, und ich ſo nach Tiſche da ſaß, ſpůͤrte ich zum erſten Male in meinem Leben eine Erd⸗ Erſchuͤtterung. Nach einem Schwanken des Hauſes, welches einige Minuten mit einer heftigen Bewegung dauerte, hoͤrte der Stoß auf und rollte mit einem hohlen Getoſe, wie entfernter Donner, dahin. 33. Gegen das Ende des Februars traf Abbas Mirza wieder in ſeiner Hauptſtadt ein, und erwies mir die Ehre, bald nach ſeiner Ankunft zu mir zu ſchicken. Gegen Mittag ritten wir nach dem Palaſte, wo der Zeremontenmeiſter, Muhamet Huſſan *5 an, zu uns ſtieß. Wir folgten ihm in einen ge⸗ raͤumigen viereckigen Hof, laͤngs welchem der Adel und die dienſtthuenden Perſonen in Reihen ſtanden. Der Prinz ſaß an einem großen offenen Fenſter am Ende des Hofs, jenen Reihen gegenuͤber. Sein Ge⸗ ſicht ſah blaß aus, mit dunklen ausdrucksvollen Au⸗ gen; er hatte eine Adler⸗Naſe, einen dicken Bart und ſchoͤn gebildete Augenbraunen von pechſchwarzer Farbe. Sein Anzug war einfach, aber ſeine Miene verrieth den Fuͤrſten. Wir verbeugten uns, gingen in die Mitte des Hols vor, und verbeugten uns wieder. Wir zogen unſere Pantoffeln aus, naͤherten uns der Stelle, wo er ſaß, und machten eine dritte Verbeugung. Durch einen kurzen und ſchmalen Gang traten wir in das Zimmer, und gruͤßten ihn zum vierten Mal. Sogleich gab er uns ein Zeichen zum Niederlaſſen, und empfing uns ſehr freundlich und heiter. Durch den Major Lindſay, meinen Dollmetſch, ließ er mir auf die herzlichſte Weiſe erklaͤren, daß er mich als einen alten Freund empfange, und daß Abdul Haſſan Khan ihm die gaßfreundliche Art erwaͤhnt habe, mit welcher ich ihn aufgenommen haͤtte. Hierauf lud er mich ein, ihn nach Tehleran zu begleiten, wohin ihn der Koͤ⸗ nig beſchieden habe, um der Feier des Feſtes Now⸗ ruhs beizuwohnen. Dieſes Anerbieten nahm ich an, da ich dadurch Gelegenheit erhielt, genau mit einem Prinzen bekannt zu werden, deſfen Chapakter in Zu⸗ kunft keinen geringen Einfluß auf das Gleichgewicht der Europaͤiſchen Macht jenſeits des Indus haben wird. Nach einer Unterhaltung uͤber die Lage der öf⸗ fentlichen Angelegenheiten in Eurvpa nahmen wir Abſchied, und entfernten uns mit den naͤmlichen Ze⸗ remonien wieder, mit denen wir eingetreten waren. Unter den Zubereitungen meiner Reiſe nach De⸗ heran verſorgte ich mich mit einer hinlaͤnglichen Menge der verſchiedenen Landes⸗Muͤnzen. Das Per⸗ ſiſche Geld iſt von Gold, Silber und Kupfer. Die Goldmunzen heißen Tomahns, an innerm Werth jede jetzt 10 engl. Schillingen gleich. Es gibt 2 Arten Silbergeld; die hochſte an Werth iſt der Rihl(real), von welchem s einen Somahn ausmachen. Die kleinere Silbermuͤnze heißt der weiße Ahy, von wel⸗ chem 8 ſo viel als ein Rihl ſind. Die Kupfermuͤnze betßt der ſchwarze Shy, deren 24 einen Rihl betra⸗ gen. Dukaten in Gold ſind das einzige im Umlaufe 289 befindliche fremde Geld, und ſie werden noch mehr ver⸗ ſchlechtert, als die einheimiſchen Tomahns, weil der Verfaͤlſcher weniger Gefahr zu befuͤrchten hat. Falſch⸗ muͤnzer leiden im Entdeckungsfalle den Tod; Geldbe⸗ ſchneider oder Verderber der Nationalmuͤnzen werden mit Verſtuͤmmlung beſtraft. Der gewoͤhnliche Werth einer Dukate, welche in verſchiedenen Geſtalten, z. B. eines Vier⸗, Fuͤnf⸗ oder Acht-Eckes, iſt 6 Rihls. Be⸗ traͤchtliche Summen dieſer Muͤnze werden gewoͤhnlich nach dem Gewichte aufgezaͤhlt. 34. Als ich mit dem Prinzen von Tabriz aufbrach, machten etwa 160 Reiter den Vortrab. Hinter dem Prinzen ritt unmittelbar ſein aͤlteſter Sohn, Muha⸗ met Mirza, ein Knabe von ungefaͤhr 12 Jahren, mit ſeinem Vetter, dem Sohne Ali Schah's, Statt⸗ halters von Teheran, und Malek Khaſſum Mirza, dem juͤngſten Sohne des Koͤnigs. Nunmehr kamen die Khans und Staatsminiſter mit dem ganzen Heere der noͤthigen Beamten, welche ſich ohne Unter⸗ ſchied unter 6— 600 Guhlams(Reiter in Dienſten des perſiſchen Koͤnigs) miſchten. Dieſe zahlreichen Haufen halten keine Marſch-Drdnung. Unter den Dienern haben einige die Beſorgung deſſen, was zum Taback⸗Rauchen erforderlich iſt. Eine herrliche Figur macht eines von dieſen Gepaͤcksſtuͤcken bei dieſem bunt⸗ ſchaͤckigen Aufzuge, ſo wie der Mann, das Pferd und alles, was zu ſeinem Amte gehoͤrt. Ein paar eylin⸗ derformige lederne Futterale ſind auf jeder Seite ſei⸗ X 200 nes Sattels an den Stellen befeſtigt, welche gewoͤhn⸗ lich fuͤr die Halftern beſtimmt ſind; das eine enthaͤlt den Kalium mit ſeinen Pfeifen; das andere den Ta⸗ bak. Auf der linken Seite des Pferdes haͤngt an einer Kette ein eiſerner Dopf mit brennenden Holzkohlen, und an der rechten ſieht man eine große lederne Fla⸗ ſche mit Waſſer, da Feuer und Waſſer zum Genuß des Kaliums durchaus nothwendig ſind. Außerdem iſt das arme Thier noch mit einigen Saͤcken beladen, in wel⸗ chen ſich alles befindet, was der Herr waͤhrend ſeiner langen Reiſe moͤglicher Weiſe brauchen kann. Ehe wir das luſtige Dorf Bosm ihtſch am Strome gleiches Namens erteichten, war ich von einer ſonderbaren Zeremonie Zeuge. Eine Menge von Leu⸗ ten kamen zu uns, eine Kuh fuͤhrend, welche ſie bis in die Naͤhe des Prinzen brachten, und augenblicklich zu den Fuͤßen ſeines Pferdes ſchlachteten. Dieſer Lan⸗ des⸗Gebrauch wird zur Ehre des Dberherrn bei der Annaͤherung an jede Stadt und jedes betraͤchtliche Dorf in ſeinem Reiche beobachtet. Der Urſprung die⸗ ſer Zeremonie ſcheint aus der Zeit der Heiden herzu⸗ ruͤhren. Die Schlachtopfer ſind, nach der Wichtigkeit der Stadt oder des Dorfes, dem Werthe nach ver⸗ ſchieden. Seichen mit dem Faͤgerhorne beſtimmten jedesmal den Aufbruch des Zuges. Man bließ drei verſchiedene Male. Auf das erſte Zeichen mußte das Gepaͤck auf⸗ brechen; das letzte Zeichen, welches etwa 2 Stunden 291 nach dem Aufbruche der erſten Abtheilung gegeben wurde, hatte die Bedeutung, daß des Prinzen Fuß im Steigbuͤgel ſey. 35. Auf einem muͤhſamen und beſchwerlichen Wege kamen wir, beinahe vor Kaͤlte todt, in die aͤrmliche Stadt Mianng, welche ihrer beruͤchtigten Wanzen wegen beruͤhmt iſt. In unzaͤhlichen Schaaren trifft man ſie in allen alten Haͤuſern an, und man ſieht ſie an allen Stellen ihrer Waͤnde in der Groͤße und Ge⸗ ſtalt der europaͤiſchen Wanzen herumkriechen; nur ſind ſie ettvas platter und ſehen hellroth aus. Ihr Stich iſt toͤdtlich; der Tod erfolgt nach s—9 Monaten. Alle Arten von Fremden, aber nicht blos Fremde, ſondern auch Leute, welche nicht ſtets in der Stadt, ſondern in ihrer Nachbarſchaft wohnen, werden auf dieſe Art ver⸗ giftet; dagegen wird das Volk oder die benachbarten Landleute entweder nie geſtochen, vder, wenn dieß der Fall iſt, ohne ſchaͤdliche Folgen. Als mein Meh⸗ mandar ſich nachlaͤſſig zeigte, uns hier eine reinliche, von dieſen Thieren freie Wohnung, zu verſchaffen, nahm ich zu meiner Koſaken⸗Peitſche meine Zuflucht. Die Wirkung, die ſie hervorbrachte, war erſtaunlich. Der Mann verrichtete ſein Amt ſo ſchnell, und zeigte eine ſo große Ehrfurcht gegen mich, als ob es dieſer Gewalthandlung bedurft haͤtte, um ihm zu verſichern, daß ich der Ehre ſeiner Dienſte wuͤrdig ſey⸗ 36. In der Landſchaft Irak Ajem, welche in den aſiatiſchen Exzaͤhlungen, in der Geſchichte des klaſſi⸗ 292 ſchen Alterthums und in der heiligen Schrift ſo be⸗ ruͤhmt iſt, fuͤhrte unſer Weg uͤber Gebirge, wo wir ſehr ſteile Hoͤhen erſteigen mußten, an deren Ende wir eine beguem eingerichtete Karawanſerai von Zie⸗ geln erreichten. Nahe dabei befinden ſich die Ruinen eines aͤltern Gebaͤudes dieſer Art, deſſen Seiten von Bruchſteinen erbaut waren. Hier wurde der beroͤhmte Reiſende Browne ermordet, an deſſen ſchrecklichen Tod wir uns mit innigſter Betruͤbniß erinnerten. Der übrige Theil unſers Weges ging auf einer Gebirgs⸗ Ebene zwiſchen niedrigen Huͤgeln und durch zerriſſene Schluchten, an deren Ende das Dorf Sarcham ſeht, welches erſt neuerlich von dem Sohne des Mirza Bezuhrk erbaut wurde. Es liegt 6 Faraſangen von Wianna am Fluſſe Dihzy. Ueber Zanguhn und Sultania, kamen wir zu dem bluͤhenden Hrte Siahdan, und von da nach Kasbin. Eine ſehr große Einwohner⸗Zahl war her⸗ ausgekommen, um ihren Prinzen⸗Statthalter bei ſeiner Nuͤckkehr nebſt ſeinem königlichen Bruder zu empfan⸗ gen. Der Staub, die Hitze, der Dunſt und der Laͤrm, welcher durch die Vermiſchung von Menſchen und Thie⸗ ren entſtanden war, machten die uͤberſchwenglichen Eh⸗ renbezeigungen dieſes Iſtakball ſo unertraͤglich, daß ich wenigſtens froh war, mein Pferd anhalten und je⸗ der Vermehrung der geremonie ausweichen zu koͤnnen. Dieſe waren jedoch bald vorbei, und ſobald der könig⸗ liche Zug mit der großen Volksmaſſe in das Stadtthor 293 eingedrungen war, folgte ich nach, und fand meinen Mehmandar, welcher wartete, um mich in meine Wohnung zu bringen.. Kaum hatte ich meine Wohnung bezogen, ſo be⸗ grüßte mich der Hausherr mit dem gewoͤhnlichen be⸗ redten Willkommen des Landes. Seine metaphoriſche Sprache beſaß eben ſo viele Blumen, als die reichen Tapeten ſeiner Zimmer. Drei Faraſangen vom Dorfe Saffer⸗Kajar be⸗ merkte ich in einiger Entfernung von der Heeresſtraße einen Damm, welcher hoͤher war, als alle andere, die ich noch bisher geſehen hatte. Der Boden um ſeine Grundlage war uneben, und zeigte Spuren von einem ſteinernen Gebaͤude. Abbas Mirza, an deſſen Seite ich ritt, aͤußerte, ſie ſeyen das Werk der Feuer⸗An⸗ beter aus alten Zeiten, welche gewoͤhnlich ihre Altaͤre auf hohen Stellen errichteten. Waͤhrend wir dem Ge⸗ genſtande unſerer Unterſuchung naͤher kamen, gab mir der Prinz ein Zeichen, ihm zu folgen. Er ſprengte voran, ſeine Bruͤder, ſein Sohn und Neffe blieben nicht weit hinter ihm zuruͤck, ſo wie auch ich. Als wir den Gipfel des Dammes erreicht hatten, betrach⸗ teten wir die umliegende Gegend. Hierauf ritten wir beinahe auf dieſelbe kecke Weiſe herab, anf welche wir hinauf geritten waren. Die Perſer ſetzen ſich uͤber die gefaͤhrlichſten Hinderniſſe hinweg, und reiten in vollem Galopp ſteile Anhoͤhen hinauf und herab. Der Perſer nimmt beinahe den Zuͤgel in die Hand, ſobald 294 er die Wiege verlaͤft, und ſetzt ſich auf die feurigſten Pferde in einem Alter, wo unſere Knaben noch ein Schaukelpferd beſteigen. Von Sleymonia brachen der Dr. de la Foſſe und ich mit einer Bedeckung zu Pferde auf, um den Dr. Drummond Cam pbell, meinen Freund, im Dorfe Kend zu beſuchen. Bei unſerem Anblcke freute ſich der Kranke ſehr, und wir gaben uns alle Muͤhe, ihm durch die Hoffnung der Wiederherſtellung neuen Muth zu machen. Als wir Abbas Mirza einholten, verurſachte ihm die Nachricht, welche wir brachten, viele Schmerzen. Der Ueberreſt der Reiſe wurde bei⸗ nahe ganz ſtill zuruͤckgelegt, bis wir dem frohen Zuge von Teheran begegneten. Bei meiner Ankunft wurde ich der Gaſt des Brittiſchen Geſchaͤftsfuͤhrers Wil⸗ lok und im Geſandtſchafts⸗Palaſte einquartirt. Die drei bis vier Tage zwiſchen meiner Ankunft und der Feier des Feſtes verwandte ich zum Theile auf Beſuche bei den Miniſtern und oberen Khans. Un⸗ ter den erſteren befand ſich Mirza Scheffy, erſter Miniſter des Koͤnigs. Hr. Willock führte mich bei ihm ein. Wir fanden den alten Mann in einem dunk⸗ len, kleinen, ja ſogar ſchmutzigen Zimmer, welches zur Abtheilung des Palaſtes gehoͤrte, der die Schatzkam⸗ mer heißt. Er lag auf einem eben ſo ſchlechten Num⸗ mud, und verſchlummerte die Dpiumpillen, mit wel⸗ chen ſich die bejahrten Perſer ſo gutlich thun. Neben dieſem elenden Lager befanden ſich auf allen Seiten 205 mit Eiſen befeſtigte Geldkaſten. Nicht weit vor ihm ſaß ſein einaͤugiger Schatzmeiſter mit Papier, Feder, Dinte und einer Wage, welcher er ſich bediente, ſo⸗ wohl wenn er Geld bekam, als ausgab. Als wir uns niederließen, weckte der ſorgſame Diener ſeinen Herrn, welcher uns dann mit den gewoͤhnlichen blumenreichen Komplimenten ſeines Vaterlands bewillkommte. Er iſt ein geitziger Mann, aber ſchlauer Politiker, welcher ſich unter der Regierung zweier, den Grundſaͤtzen nach gaͤnzlich verſchtedener Regenten, Aga Muhamet Khan und Futteh Ali Schah, in ſeinem Amte er⸗ hielt. 37. Den 24. Maͤrz wurde das Feſt des Now⸗ ruhs(neuen Jahres) gefeiert; deſſen Einſetzung ſchreibt man dem beruͤhmten Jemſchihd zu, welchem die Perſer den Urſprung ihrer nuͤtzlichen Kuͤnſte, ihre be⸗ ſten Geſetze, und die Erbauung ihrer Hanptſtaͤdte zu⸗ ſchreiben. Dieſes Feſt wird glaͤnzend gefeiert, und dauert mehrere Tage. Der Koͤnig macht ſeinen Be⸗ amten Geſchenke, welche dieſe erwiedern. Wir hatten waͤhrend dieſer Zeit Audienz bei dem Koͤnige, welcher, von Diamanten und Edelſteinen glaͤnzend, uns huld⸗ reich empfing, und reichlich beſchenkt entließ. Als die uͤbrigen Gluͤckwuͤnſchungen des Tages zwiſchen dem Monarchen und ſeinen verſammelten Edeln vorbei wa⸗ ren, gab uns der Oberſcharfrichter, unſer voriger He⸗ rold, ein Zeichen, daß fuͤr dieſen Morgen alles vorbei ſey. Wir entfernten uns unter ſeiner Leitung auf die 296 naͤmliche Art, wie wir gekommen waren; aber man draͤngte ſich dabei, wo moͤglich, noch mehr, und wir ſtanden noch mehr Hitze aus, als wir bei unſerer Au⸗ kunft empfunden hatten. Die Feier des Feſtes ſollte s Tage dauern, von welchen mehrere Abende zum Abbrennen von Feuer⸗ werken, und die Morgen zur Ueberreichung vyn Ge⸗ ſchenken an den Koͤnig von Seite ſeiner Soͤhne, der Prinzen, Statthalter der Provinzen, ſowie auch ſeiner Miniſter, Khane u. ſ. w. beſtimmt waren. Ein Tag iſt zum Pferderennen beſtimmt, aber aus irgend einer Urſache wurde es bei Feſte auf einen ſpaͤtern Tag verlegt. Wegen des piorſehenden Todes meines Freundes Campbell war ich dieſes Mal gar nicht geſtimmt, den gehoͤrigen Antheil an den weiteren Feierlichkeiten des Nowruhs zu nehmen. In einem noch ſchlim⸗ mern Zuſtande aus den Bergen wieder nach Sehe⸗ ran zuruͤckgekommen, verſchied er am 25. Maͤrz, in einem Alter von 26 Jahren, bedauert von dem Koͤnige und deſſen Unterthanen. Sein Leichnam ruht in der armeniſchen Kirche nicht weit vom Altare. Es gingen uͤber 14 Tage nach dem Begraͤbniſſe unſers Freundes voruͤber, ehe der zu dem großen Pfer⸗ de⸗Rennen beſtimmte Tas erſchien. Inzwiſchen hatte ſich der Koͤnig vollkommen von dem Zwecke meiner Reiſe nach ſeinem Lande unterrichtet, und gewaͤhrte auf die gnaͤdigſte Weiſe alle meine Wuͤnſche bei dem 297 Beſuche des gunt ſeines Reiches. Ich hatte noch Vieles in der Stadt und ihrer Umgebung zu beſuchen, ehe ich meine Reiſe fortſetzte, und erhielt von allen Seiten, beſonders von Abul Haſſan Khan, Er⸗ leichterungen. Den 1. April fand das Pferde⸗Rennen ungefahr 3 Meilen von dem Kasbin'ſchen Thore Statt. Ein prächtiger Pavillon war fuͤr den Koͤnig aufgeſchlagen. Vierhundert Staatstruppen auf ihren Kamelen zogen numittelbar vor dem uͤbrigen koͤniglichen Gefolge her. Dieſen folgten Reiter, Laͤufer und dergl., bis der Koͤ⸗ nig ſelbſt auf einem ganz weißen Pferde geritten kam. Das Pferd war zum Zeichen der königlichen Wuͤrde an dem ganzen untern Dheile ſeines Koͤrpers, in einer geraden Linie von der Erhohung der Bruſt bis an den Schwanz mit einer praͤchtigen Drangefarbe ubermalt. Die Renner waren mehrere Wochen lang eingeubt worden. Die Entfernung, welche fuͤr das Wettrennen beſtimmt war, betrug 24 Meilen, und damit der Koͤ⸗ nig nicht warten duͤrfe, waren die Pferde lange vorher in 3 Abtheilungen von ihrem Anfangspunkte aufgebro⸗ chen. In regelmaͤßiger Ordnung langten ſie wieder am Ziele der Rennbahn an; alle waren ſo ermattet und erſchoͤpft, daß ihre vorige geruͤhmte Fluͤchtigkeit kaum einen gemaͤßigten Galopp uͤbertraf, als ſie vor dem Koͤnige vorbeizogen. Ich weiß nicht recht, wie es zuging, aber die Pferde des Schah gewannen gewoͤhn⸗ lich. Sobald die dritte Abtheilung vorbei war, ſtand 69. Vd. Perſien. III. 3, 4 298 der Koͤnig auf, beſtieg ſein Roß, und kehrte nach dem Palaſte in derſelben Ordnung zuruͤck, in welcher er ibn verlaſſen hatte. Außer der koͤniglichen Reſideni in der Zitadelle der Stadt befinden ſich noch2 lieblichere in der Nachbar⸗ ſchaft. Eine heißt Tackt⸗i⸗kajer, welche zum Auf⸗ enthalte des Koͤnigs in den heißeſten Monaten dienen ſoll, aber ſelten von ihm bewohnt wird. Jedoch haͤlt ſich hier eine ziemliche Auzahl der Frauen des ko⸗ niglichen Harems auf, welche er nicht zur Begleitung auf ſeinen andern Reiſen mitnimmt. Der Palaſt an dem großen Abhange des Elbor gewaͤhrt in der Ferne einen ſehr praͤchtigen Anblick. Herrliche Terraſſen. ſchoͤne Gaͤrten vermehren die Pracht des Gebaͤudes. Der andere koͤnigliche Palaſt Neg auriſtan, bloß 1/2 Meile von der Stadt entfernt, iſt ausgezeichnet durch ſeinen herrlichen Garten. Hier ſtaunte ich auch uͤber den Anblick zweier Roſenbaͤume, volle 14 Fuße hoch, mit Tauſenden von Bluͤthen belaſtet, in jedem Grade von Erhaltung und einer Zartheit des Geruchs, daß die ganze Atmoſphaͤre mit den ausgeſuchteſten Wohlgeruchen gewuͤrzt war. Die Roſe wird in ganz Perſien ſorgfaͤltig gewartet und beſonders hoch ge⸗ ſchaͤtzt. Die Gärten und Hoͤfe der Eingebornen ſind mit Roſenbüſchen und Baͤumen bepflanzt; ihre Zim⸗ mer mit Vaſen geziert, welche voll Roſen ſind, und jedes Bad iſt mit vollkommen aufgebluͤhten Roſen be⸗ treut, welche man von den ſtets voll baͤngenden Baͤu⸗ . 209 men abgepfluͤckt hat. Selbſt der niedrigſte Menſch, welcher einen Kupferpfennig fuͤr einige Zuͤge aus dem Kaliun bezahlt, empfindet einen zweifachen Genuß, wenn er ſieht, daß ſich daran eine Knospe von ſeinem einheimiſchen Lieblingsbaume befindet. An dem oberen Ende des Gartens ſteht ein auf eine phantaſtiſche Art erbauter Palaſt, welcher in ein kleines Paradies von Lieblichkeiten eingeſchloſſen iſt. Der Schah verweilt oft in dieſem Zauberpalaſt. Ei⸗ nige ſeiner groͤßten Saͤle enthielten außer andern Koſt⸗ barkeiten auch Gemaͤlde, Bildniſſe von dem Schab und ſeinen Soͤhnen, den Hauptperſonen an ſeinen Hoͤ⸗ fen, und auch von fremden Geſandten. Ich bemerkte unter ihnen den General Sir Fohn Maleolm, Sir Partford Jones, Sir Gore Duſeley, den franz. General Gardanne ꝛec. Alle waren im hoͤch⸗ üen Staate, und wie nach einem und demſelben Dri⸗ ginale gemalt. Die Teppiche und Nummnd's bieſer Zimmer waren von der zarteſten Arbeit. Den meiſten k Reitz enthielt das Sommer⸗Bad. Es ſchien Alles zu entbalten, was die Einſamkeit, die Eleganz und der luxurioſe Genuß gewaͤbrte. Der Bade⸗Saal iſt zirkel⸗ foͤrmig, mit einem großen Becken in ſeiner Mitte von reinem weißen Marmor, von derſelben Geſtalt, und ungefaͤhr 60— 70 Fuß im Durchmeſſer. Daſſelbe ißt mit dem hellſten Waſſer angefullt; ſeine Decke iſt das Himmelsgewoͤlbe. Roſenbaͤume nebſt andern herab⸗ haͤngenden bluͤhenden Straͤuchen wachſen in ſeiner 300 Naͤbe, und bisweilen werfen ihre wogenden Zweige einen ſchoͤnen zitternden Schatten auf den außeror⸗ dentlichen Glanz des Waſſers. An den Seiten des Hofes ſind rund herum 2 Reihen kleiner Zimmer, eine über der andern, mit der Ausſicht nach dem Bade, und mit allen Annehmlichkeiten des Harems. Dieſe ſind zur Bequemlichkeit der Frauen des Schah. Der Koͤnig haͤlt oft ſeine Mittagsruhe in einem der obern gimmer, welche um den Bade⸗Saal herumgehen, und wenn er Luſt hat, ſo darf er nur die Augen nach dem Schauplatze unten richten, um die liebenswuͤrdigſten Geſchoͤpfe ſeiner Zaͤrtlichkeit zu ſehen, welche gleich Naſaden auf dem kryſtalhellen Strome herumſpielen und von der ganzen Bläte und dem vollen Glanze glü⸗ hen, welche der aſtatiſchen Jugend eigen ſind. (Sir Robert Ker⸗Porters Bemerkungen uͤber die aſiatiſchen Frauen koͤnnen wir fuͤglich uͤbergehen, indem ſie nichts Neues enthalten.) zs. Waͤhrend meines erſten Aufenthalts zu Te⸗ beran hatte ich viele Gelegenheit, den perſoͤnlichen Charakter Futteh Ali Schahs ziemlich genau ken⸗ nen zu lernen, und ich fand ihn als einen liebenswuͤr⸗ digen Mann. Sein eben ſo edel denkender Sohn Ab⸗ bas Mirza, hatte mir den Weg zu dieſen Unterke⸗ dungen mit ſeinem koͤniglichen Vater gebahnt und zum Danke dafür willigte ich in ſein ſehnliches Ver⸗ langen, ihm durch meinen Pinſel eine treuere Abbil⸗ dung von ſeinem Vater zu verſchaffen, als alle waren, 301 welche er mir gezeigt hatte. Man hatte den Schah von dieſem Wunſche unterrichtet. Se. Majeſtaͤt wil⸗ ligte mit den groͤßten Lobeserhebungen für mich, und mit der Artigkeit ein, welche dem perſiſchen Hofe ſo ausgezeichnet eigen iſt. Am Morgen einer Muſterung, welche in der Zi⸗ tadelle Statt finden ſollte, begab ich mich bei Zeiten dahin, um die Uebungen zu ſehen. In Begleitung Abul Haſſan Khans begab ich mich an den Drt genannter Muſterung, und fand Fußvolk und Reiterei in der verſchiedenartigſten Kleidung. Bei der Ankunft des Schah ſprengten unter Trompeten⸗Schall die Rei⸗ ter vor, und machten ihre gewoͤhnlichen Uebungen. Der Schah ſaß an einem großen offenen Fenſter in einem einfachen Anzuge, in welchem ich ihn malen ſollte. Auf dem Kopfe trug er das landesuͤbliche Kaͤpp⸗ chen, ein ſchwarzes Lammfell, welches ſowohl der Fuͤrß, als der Bauer traͤgt. Sein Kleid war von ſchoͤnem Goldbrocat, mit einem langen Kragen von dunklem Zobel, welcher auf den Schultern herabſiel. Seine Unterkleider beſtanden aus rothen Cashemir⸗Schatls von der reichſten Arbeit. Ein anderer Schawl von dunklern Farben, aber von groͤßerm Werthe ging ihm um den Leib, und hielt einen krummen Dolch, welcher von Diamanten, Rubinen und Smaragden blitzte, und an welchem eine Quaſte von den reichſten Perlen hing, mit welcher er bisweilen ſpielte, wenn er ſich unter⸗ dielt. Hinter ihm lag ein ſehr koſtbares Kiſſen, und 302 einige Schritte von ihm ſtanden zwei perſiſche Edel⸗ leute; einer trug den koͤniglichen Szepter, der andere das Schild und das Schwert. Dieſe Reichs⸗Inſignien waren dick mit allen Arten von koſtbaren Steinen ge⸗ ziert. Der Ruͤcken des Schildes war ein einziger gan⸗ zer Rubin, welcher vielleicht an Groͤße, Farbe und Vollkommenheit nicht ſeines Gleichen auf der Weit hat. Als ich die Geſichts-Zuͤge des Schah zeichnete, war ſein Ausſehen außerordentlich bleich. Seine Naſe iſt ſehr gebogen, ſeine Augenbraunen ſind voll, ſchwarz und ſchoͤn gewoͤlbt; ſeine Wimpern von demſelben An⸗ ſehen; ſeine dunklen und ſtrahlenden Augen ſind von der vollkommenſten Geſtalt, und bisweilen voll von einem Feuer, welches ſein ganzes Geſicht belebt, ob⸗ ſchon im Ganzen ihr Ausdruck jener der Mattigkeit iſt. Sein Bart iſt ſo ſchwarz, wie Gagat, dick und lang, und reicht ziemlich weit uͤber das Heft ſeines Dolches herab. Als meine Skiüzze fertig war, uͤber⸗ reichte ich ſie Abul Haſſan Khan, welcher ſie dem Schah auf den Knien übergab. Dieſer erklaͤrte ſich hoͤchſt zufrieden damit. Ehe ich fortging, verſprach ich, von der Skizze eine vollendete Zeichnung fuͤr Se. Ma⸗ jeſtaͤt ſelbſt zu machen. Bald darauf verließ die kleine Geſellſchaft den Palaſt. a9. Ungefaͤhr s Meilen gegen Suͤd⸗Oſt von De⸗ beran liegen die Ruinen von Rhey, und erſtrecken ſich vom Fuße der ſich kruͤmmenden Berge in der naͤm⸗ lichen Richtung uͤber die Ebene ſchief gegen Suͤd⸗Weſt. 303 Die Oberflaͤche des Bodens iſt in dieſer ganzen Strecke voll Höhlen, Daͤmme, verfallender Thuͤrme, Graͤben und Brunnen. Die Materialien von allem dieſen be⸗ ſtehen hauptſaͤchlich aus gebrannten und an der Sonne getrockneten Ziegeln. Truͤmmer von Feſtungswerken und Ueberreſte anderer Werke der Art liegen in der Naͤhe. Die bibliſchen Nachrichten von Rhey oder Rhages waͤhrend der Gefangenſchaft der Juden in dieſem Theil des perſiſchen oder vielmehr baby⸗ loniſchen Reiches beweiſen hinlaͤnglich, daß Rhey eine ſehr anſehnliche Stadt, wenigſtens 2 Jahrhun⸗ derte vor ihrer Befreiung durch den groͤßten aller Mo⸗ narchen des Morgenlandes geweſen iſt. Es war aus⸗ gezeichnet durch Palaͤſte und Tempel. Jetzt ſah ich daſelbſt noch Mauern, Thuͤrme, theils von Ziegeln, theils von Steinen erbaut, mit euphiſchen Inſchriften. Auch entdeckt man Ueberreſte verfallender Moſcheen. Perſiſche Schriftſteller geben ihre Groͤße uͤbertrieben an. Als wir das Vorgebirge erſtiegen, wo das Kaßeell geſtanden haben muß, fuͤhrte mich Kapitain Willock nach einer beſonders anziehenden Stelle, nach der Seite des Felſens, welche mit einem coloſſalen Basrelief ge⸗ ziert war. Die Bberflaͤche war ungefaͤhr as Fuß in der Hoͤhe, und 1s in der Breite glatt gemacht. Die Ausfuͤhrung der Bildhauer⸗Arbeit iſt grob und unvoll⸗ endet. Sie ßtellt einen Reiter im vollen Angriffe dar, welcher ſeine Lanze vor ſich hinhaͤlt. Von dem Schen⸗ kel faͤllt eine lange Draperie herab, und auf ſeinem 304 ſehr unvollendeten Kopfe befindet ſich etwas wie eine Tiara, auf welcher eine kugelartige Maſſe ruht, ſowie man auf den Muͤnzen der Saſſaniden ſieht. Auf der linken Schulter ruht ein anderer kugelfoͤrmiger Gegenſtand; ein anderer liegt auf dem Halſe des Pfer⸗ des etwas hinter den Phren. Die letztern Gliedmaßen des Thieres ſind nur leicht in den Stein geteichnet; dieß iſt auch der Fall mit den Vorderbeinen, welche nur bis an die Knie ausgehauen ſind. Die Hinterbeine ſind bloß bis an die Kniekehlen mit dem Meißel gearbeitet. Auch iſt noch ein anderer Pferdekopf da, welcher nach ſeiner Stellung offenbar dazu beſtimmt war, den Gegner des koͤniglichen Helden zu tragen; aber man ſieht weiter keinen Umriß. Dieſe Gruppe nimmt mehr als die Haͤlfte der s Fuß hohen Flaͤche ein. Dieſes Monu⸗ ment iſt wahrſcheinlich aus der Zeit der Saſſa⸗ niden. 4o. Mit allem zur Reiſe Noͤthigen verſehen ver⸗ ließ ich Teheran den 13. Mai 1818, nachdem ich von dem Hofe und meinen europaͤiſchen und aſia⸗ tiſchen Freunden Abſchied genommen hatte. Unſere Karabiner, Piſtolen, Degen und Dolche ließen wir mit keinem geringen Schaugepraͤnge ſehen, weil man uns zu verſtehen gegeben hatte, daß je weiter wir uns von dem unmittelbaren Einfluſſe des Schah entfern⸗ ten, deſto weniger ſeine Geſetze gegen die Raͤuber voll⸗ zogen wuͤrden. Entſetzlich von der Hitze des Tages geplagt, erreichten wir die bequeme, von dem jetzißen — — 305 Koͤnige erbaute Karawanſerei nahe bei dem Dorfe Hi⸗ niagirid, welche wir ganz mit Truppen angefuͤllt fanden. Vermoͤge des koͤniglichen Firmans verſchaffte man mir eine Stube, obgleich ſeine Gewalt nicht ſo weit reichte, meinen Tiſch zu decken, oder die Krippen meines Viehes zu fuͤllen. Eine ſolche beſondere Er⸗ laubniß hebt das Vorrecht nicht auf, welches der Auß⸗ ſeher der Karawanſerai durch eine Uebereinkunft mit den Agenten des Koͤnigs, an die Krone jaͤhrlich 200 Tomans zu bezahlen, fuͤr eine unbedingte Befreiung von dieſer Art gaſtfreier Abgaben gekauft hatte. Die Stadt Kuhm(Kom) unter 340 15“ N. B. und dem soo 29“ der Laͤnge iſt, obwohl ſie einſt volk⸗ reich, und wegen der Heiligkeit ihrer Lebenden und Todten beruͤhmt war, jetzt wenig mehr, als eine große ausgedehnte Wildniß von Ruinen, hier und da mit einigen bewohnten Haͤuſern, zwiſchen Gaͤrten und Ge⸗ treidefeldern, welche ſelbſt innerhalb der alten Waͤlle eingeſchloſſen ſind. Nichts deſto weniger herrſcht alle Tage ein gewoͤhnlicher Laͤrm, obſchon man nichts von irgend einer Art eintraͤglichen Gewerbes bemerkt. Die⸗ ſes entzieht der verfallenen Stadt die Einſamkeit und Stille, welche man an dergleichen Orten ſontt findet, und zugleich jene Feierlichkeit, welche der geſunkenen Groͤße Wuͤrde gibt. Man zeigte mir gegen 200 in Truͤmmern liegende den Imaum Jadjs geweihte Stellen, die Veberreſte 306 von mehr als 40 Moſcheen und die gut erhaltene Mo⸗ ſchee der Fatima.— In Kom erhielt ich ein ſehr vortreffliches Quar⸗ tier; es war zu ebener Erde und ging in einen herr⸗ lichen Garten, welcher voll Pbſtbaͤume ſtand, die mit reicher Schoͤnheit und Bluͤthen prangten. Die dicken Zweige des Maulbeerbaums, die breiten Blaͤtter des Feigenbaums, und das herabhaͤngende Laub der Weide machten uͤber der Fronte meines Saales Schatten, waͤhrend ein wohlriechendes und kuͤhles Luͤftchen, wel⸗ ches uͤber die Blumenbeete in das weite Fenſter weh⸗ te, mich beinahe vergeſſen ließ, daß ich mich jetzt in der heißeſten Gegend Perſiens befand. Im Garten bluͤhten Roſen in Menge, und die Bedienten des Hau⸗ ſes ſtreuten ſie im Ueberfluſſe auf die Teppiche meines Zimmers, als ob ich ihre Wohlgeruͤche eben ſo liebte, ais das Schlagen der Nachtigall, welche ſich in ihrer ganzen Lieblichkeit hoͤren ließ. Auch erwies man mir als europaͤiſchen Gaſt ſehr viele Aufmerkſamkeit. Auch fand ich uͤberall in Perſien, wohin ich kam, das An⸗ denken des Generals Malcolm in den Herzen der Einwohner. In vielen Doͤrfern zaͤhlen die Einwohner ibre Heirathen oder die Geburten ihrer Kinder vvn der Zeit ſeines Beſuches bei ihnen: denn wohin er kam, ließ er Spuren von ſeiner Guͤte zuruͤck, und die Bauern ſagten oft zu mir, daß, wenn die Felſen und Baͤume auf einmal die Sprache erhielten,„ihr erſtes Wort Malcolm ſeyn wuͤrde.“ 307 44. Den 17. Mai erreichten wir die hoͤchſt ſon⸗ derbaren Ueberreſte der Stadt Lankeruhd. Sie be⸗ ſtehen in großen, gaͤnzlich von einander abgeſonderten Gebaͤuden, deren jedes aus mehreren Mittelbogen be⸗ ſtand, und eine ſpitzige Kuppel trug, waͤhrend kleinere Abtheilungen, welche wieder in Zellen abgetheilt ſind, von dem Hauptgebaͤude vorſpringen; das Ganze iſt mit der groͤßten Sorgfalt und Nettigkeit vollendet. Beinahe 100 ſolche Gebaͤude mit alten Mauern und Thuͤrmen untermiſcht, welche hoͤchſt maleriſche Ruinen vorſtellen, umgeben die mit niedrigen Daͤchern verſe⸗ benen Wohnungen, welche das gleichnamige Dorf aus⸗ machen. Gaͤrten und ein reißender, voller und klarer Gebirgs⸗Strom bereichern noch immer dieſen verhaͤlt⸗ nißmaͤßig oͤden Fleck. Große Strecken Landes waren mit emporſchießender Gerſte beſaͤt. Mehrere kleine Wach⸗ thuͤrme ſtanden in der Naͤhe der Felder, und waren zur Wohnung gewiſſer Kronbeamten beſtimmt, deren Geſchoͤft iſt, die Fortſchritte der Aerndte zu bemerken, und fuͤr ihre Sicherheit zu ſorgen, wenn die Saat reif iſt. Es iſt aber ihr hauptſaͤchlicher Zweck, den Be⸗ ſitzer zu verhindern, ſein Eigenthum ſelbſt zu ſtehlen. Dieſes Kunſtgriffes hatte man ſich bedient, um eine Verminderung des Bodenzinſes zu erhalten, indem man vorgab, es ſey ein Diebſtahl an dem Ertrage des Feldes begangen worden. 42. In einiger Entfernung von der großen Ka⸗ ravanſerai Parſangan dehnt ſich gegen Suͤd⸗Of 308 eine lange ſchwarze Linie von Ruinen aus; die einzige Unterbrechung dieſer faſt wagerechten Flaͤche war die Kuppel einer Moſchee. Dieſe iſt der einzige noch vor⸗ handene Ueberreſt der einſt anſehnlichen Stadt Kaſ⸗ ſamabad, durch welche Chardin im F. 1686 rei⸗ ſete. Damals war ſie ſtark bewohnt; jetzt fand man Meilen weit von der Stelle, wo ſie ſtand, keinen Men⸗ ſchen. Aehnliche Ruinen wie Lanker⸗ruhd fanden wir bei der veroͤdeten Stadt Dhay⸗Nain am Abhange eines hbhen Grundes. In einem der Gebaͤnde fand ich die Ueberreſte eines ſchoͤnen Saales, mit Stukka⸗ tur⸗Arbeit verſehene Waͤnde, und in dem gewoͤhnlichen perſiſchen Geſchmack reichlich verziert. Die Bogen des Gebaͤudes waren auf eine aͤhnliche Art verziert. In mehreren der mit Zinnen verſehenen Schlupfwinkeln des Zimmers waren die Spuren von Bildniſſen, in ihrer ganzen Länge als Fresko gemalt, in einem weit beſſern Geſchmack ausgefuͤhrt, als irgend eines, wel⸗ ches ich zu Teheran geſehen hatte. Je naͤher wir der Stadt Kaſchan kamen, deſto zahlreicher wurden die Doͤrfer, und deſto mehr verrietb der Anbau des Bodens den bluͤhenden Zuſtand der Statthalterſchaft von Kaſchan. Die hohe Gebirgs⸗ kette zu unſrer Rechten zeigte ſich, da es eine ſchoͤne Nacht war, mit beſonderer Pracht; ihre mannigfalti⸗ gen Spitzen erhoben ſich in das wolkenloſe und glaͤn⸗ zende Blau des Himmels⸗Gewoͤlbes, und warfen die Strablen des Mondes auf ihren Gipfel mit der gan⸗ 309 zen Perlenfarbe und allem Glanze zuruͤck, die man bloß in Morgenlaͤndiſchen Himmelsſtrichen zu ſehen bekommt, waͤhrend die tiefen Schatten an ihrer Grund⸗ lage dieſen von oben beleuchteten Spitzen eine hoͤhere Majeſtaͤt gaben. Jedoch herrſchten nur theiiweiſe ſol⸗ che ſehr dunkle Schatten, ein ſilberfarbiges Licht ruhte uͤberhaupt uͤber der ganzen Gegend. 43. Nachdem wir 3 Faraſangen zuruͤckgelegt hat⸗ ten, erreichten wir die Stadt Kaſchan in einiger Entfernung von dem Fuße der Gebirge unter 330 64 32 NB. Sie hat einen großen Umfang, Mauern und Thuͤrme, und iſt ihrer Seide⸗Broeate wegen be⸗ ruͤhmt. Auch verfertigt man hier reiche ſeidens Shawls. Waͤhrend des Tages wurden die Gaͤrten der Stadt von Leuten aus allen Staͤnden beſucht, um die ſchwuͤ⸗ len Stunden zu genießen. Einige ruhten auf Teppi⸗ chen unter der Decke der Baͤume; andere ſaßen auf dem Graſe, und nicht wenige ſtreckten ſich zwiſchen dem hohen und feuchten Unkraute aus. Das Anſehen der Gruppen war hoͤchſt maleriſch, weil ihre Steliun⸗ gen und Beſchaͤftigungen eben ſo mannigfaltig waren, als ihre Geſtalten und Gebehrden. Einige ſchliefen; andere ſprachen, noch andere ſangen; die meiſten aber rauchten ihre Kaliuns, welche mit ibrer Lieblings⸗ blume verziert waren. Einige aus den niedern Staͤn⸗ den der Perſer laſen Ungeziefer von ihren Perſonen ab. Was den Geſfang belangte, mit welchem dis oben srwaͤhnten eingebornen Nebenbuhler der Nachtigallen 31⁰ mit gegen Himmel gehobenen Augen, die Roſen von ihren Stoͤcken einzuladen ſchienen, kann ich bloß ſoviel ſagen, daß nicht einer unter zehn etwas von einer Stimme, und alle ſo wenig Gehoͤr hatten, daß ſie, obne einen Gedanken von Melodie, bald einzeln, bald mehrere gewaltig ſchrien. Dann und wann unterbra⸗ chen ſie dieſes Geſchrei mit einem Stoßen durch die Kehle, welches dem Botteln des Waſſers in einer Bouteille nicht unaͤhnlich klang. Kaſchan hat auch Skorpionen von der giftigſten Art innerhalb ſeiner Mauern. Zum Gluͤcke fuͤr mich wohnte ich außerhalb der Stadt, und wahrſcheinlich batten wir es dieſem Umſtande zu verdanken, daß wir ſo gluͤcklich waren, mit ihnen keine unangenehme Be⸗ kanntſchaft zu machen. Auch ſah ich eine Menge Ei⸗ dechſen und Schildkroͤten an den Seiten der Wege kriechen. Von den Eidechſen waren einige ſonderbar geßaltet, andere hatten eine ungewoͤhnliche Laͤnge. Ich bemerkte, daß ſie jederzeit die Farbe des Bodens an⸗ nahmen, wo ſie ſich aufhielten. Auf unſerer Reiſe von Kaſchan nach Ispa⸗ han fuͤhrte unſer Weg bald uͤber Ebenen, bald über rauhe und ßeile Berge, bald war er angenehm und erguickend, bald muͤhſam und beſchwerlich. In dem romantiſchen Gebirgs⸗Thale Kuruhd fand ich den vortrefflichſten Anbau, und alle in Perſien gewobn⸗ liche Baͤume, groß, geſund und uͤppig. Beſonders ſa⸗ hen die Obſtbaͤume ſchoͤn aus, und waren ſo zahlreich, — 31¹ daß ſie Waͤlder fuͤr ſich zu bilden ſchienen. Die Ab⸗ baͤnge der Berge auf jeder Seite des Thales(denn hier war Abhang an Abhang) waren mit reichen Korn⸗ und Gerſtenaͤrnten bedeckt. Der Boden, auf welchem ſie wuchſen, beſtand aus Reihen von Terraſſen, welche von den unermuͤdlichen Landleuten auf eine ſinnreiche Art bewaͤſſert werden. In dieſem kleinen Betirke ſind die beiden kleinen Doͤrfer Ober⸗, Unter⸗Kuruhd. Die Anzahl der Wohnungen beider Derter mag ſich ungefaͤhr auf 200 belaufen. Sie ſind reinlich, bequem und heiter an der Seite des Berges erbaut; jedes Haus hat mehrere Stockwerke mit einem platten Dorfe; eine Dorf⸗Bauart, welche gaͤnzlich von derjenigen ab⸗ weicht, welche ich bisher in Perſien geſehen hatte. Auf unſerm Wege durch das erſte Dorf Kurubd⸗ pa⸗ine kamen wir uͤber einen Todten⸗Acker, und un⸗ ter den zahlreichen laͤndlichen Denkmaͤlern bemerkte ich ein plumpes Grabmal mit roher Bildhauer⸗Arbeit, welche etwas wie die Geßalt eines Loͤwen, und wie ein Saͤbel liegend an ſeiner Seite hatte. Auf unſes Nachfragen bei den Eingebornen hietß es, der Stein ſey ſehr alt, und bedecke die neberreſte eines großen Pelbiſa(eines Kriegers aus den fruͤheſten Zeiten Perſiens). Ein ſehr ſchlechter Weg fuͤhrte zu dem oberen Dorfe, welches mit getrockneten Fruͤchten von koͤſtlichem Ge⸗ ſchmacke einen vorzuͤglichen Handel treibt. Bei dem ſchoͤnen Geſchlechte, welches uns gelegenbeitlich über 312 den Weg lief, bemerkte ich hier einige Verſchiedenheit in dem Anzuge und jenem, welchen ich an andern Orten in Perſien geſehen hatte. Außer dem Cha⸗ dre(großen Wickeltuche) trugen dieſe Frauenzimmer einen kleinen unter ihm befindlichen Schleier, der oben auf dem Wirbel des Kopfes befeſtigt war, unter dem Kinne hinging, und etwas auf die Bruſt herabfiel. Ihr Pberkleid war weit laͤnger, als die gewoͤhnliche Mode, indem es bis auf die Knie reichte, und ihre Beinklei⸗ der waren enger, als die gewoͤhnlichen. Auf dieſe Art bekommen ſie ein leichteres Anſehen, und ſie trippel⸗ ten ſehr munter herum. 44. Nach einem Marſche von 6 Faraſangen er⸗ veichten wir den unfruchtbaren Strich von Sow; ein Thal ohne Baͤume, mit nur einigen mager angebau⸗ ten Stellen und einer ſchoͤnen Karawanſerai; in der Naͤhe befinden ſich die Ruinen der Stadt Sow. Ue⸗ ber die Doͤrfer Pidan und Dey Lors, die Kara⸗ vanſerai Aga Kamel Bela und Guz langten wir zu Ispahan an. Es graute gerade der Morgen, und die Sonne erſchien uͤber dem Horizonte. Wir entdeck⸗ ten die lange ſchwarze Linie dieſer einſt großen Haupt⸗ ſtadt; die zahlloſen Kuppeln und Saͤulen der Moſcheen ſtelen augenblicklich in die Augen, glaͤnzten unter ih⸗ ren ſchiefen Strahlen, und erinnerten mich an die ehe⸗ malige Hauptſtadt der Czars, als ich ſie das erſte Mal, am Ende des Jahres asos, in ihrer ganzen aſiatiſchen Pracht ſah. Nach den Beobachtungen eines engl. Of⸗ 313 ſiiers liegt Ispahan unter dem 320 40“ 24“ NB. und dem 840 18“ der Länge⸗ Von der ehemaligen Groͤße und Pracht der Haupt⸗ ſtadt Perſiens und ihrem jetzigen traurigen Ver⸗ falle zu reden, halten wir fur uͤberfluſſig; uͤber den Verfall troͤſten wir uns damit, daß alle Werke von Menſchenhaͤnden vergaͤnglich ſind. Zur Wohnung wurde mir ein Theil der koͤniglichen Reſidenz angewieſen; hier erſchien ein kleiner Zug von dem Nizama⸗ Doulah, um mich zu bewillkommen. Diener mit Mulden verſehen, in welchen ſich verſchiedene Arten ausgeſuchten Eingemachtes und Früchte befanden; un⸗ ter letztern waren einige unreife Pflaumen, ein fruh⸗ zeitigas Geſchenk des Jahres, das einem nordtſchen Gaumen eben nicht behagt, im Morgenlande aber ſehr geſucht iſt; Haufen von Gurken vermehrten das Frůh⸗, iahrs⸗Gepraͤnge des Geſchenks: denn als ſolches wurde es vor mir niedergeſetzt. Eine ſolche Sehdung fuͤhren die Diener der Großen ſehr bereitwillig aus, indem es die Sitte zu einer Art von Geſetz gemacht hat, ih⸗ nen ein kleines Geſchenk fuͤr das zu geben, was ſie bringen, und da die Ausländer nicht mit dem Ge⸗ brauche bekannt ind, das Geſchenk nach dem Werthe deſſen, was ſie bekommen, einzurichten, ſo laſſen ſie ſich gewoͤhnlich hintergehen, indem ſie doppelt ſo viel ge⸗ ben, als der Werth des erhaltenen Geſchenkes betraͤgt. Nach Entfernung meines artigen Beſuches beſah ich die Merkwuͤrdigkeiten Ispahans, unter welchen 60. Bd. Perſten. III. 3. 6 314 der Palaßt der 40 Saͤulen(Chehel Setuhn) meine beſondere Aufmerkſamkeit auf ſich zog. Auch ritt ich nach der Vorſtadt Julpha, um die Briefe abzugeben, welche mir der Metropolitan von Eitch⸗mai⸗adzen an den Armeniſchen Biſchof dieſes Bezirks gege⸗ ben hatte. Wir fanden 30o elend lebende armeniſche Familien, welche jedes Jahr ſowohl an Wohlſtand, als an Zahl noch immer abnehmen. Von 43 Kirchen ſind noch 2 uͤbrig; dieſe ſind finſter, ſchmutzig und elend; ihre Altaͤre ſind mit Lumpen bekleidet, und ein Bild des ſchmutzigen Elendes, welches in dem ganien Bezirke dieſer hinſterbenden Kolonie herrſcht.— Von den 4s Kobegien, deren Chardin erwaͤhnt, fand ich eins noch im guten Zuſtande. Bei meiner Wanderung durch die Stadt fand ich zu meinem Erſtaunen den Fimmelsſtrich mir nicht im Geringlen hinderlich. Die Morgen waren aͤußerſt angenehm, und ſo auch die Dage; das Thermometer fand im Schatten ſelten uͤber 50 Fahrenheit. Die Abende waren jedoch druckend ſchwuͤl, und die darauf folgenden Naͤchte eben ſo kalt als ſchneidend. Da kein Thau faͤlt, ſo entbehrt die Gegend um Ispahan eines Vortheils, welcher an den ſchönen Maimorgen in Europa die friſche Schat⸗ tirung des Gruͤns erhaͤlt, und jedem Gegenſtande Glanz verleiht. Den 31. Mai war das Pbſt hier noch nicht zeitig; aber man aß ſowohl K Kirchen als Pflaumen un⸗ reif als Leckerbiſſen. Bei unſerm Abzuge aus IJspahan zogen wfr * f 345 5 durch das zerſtoͤrte Quartier der Goldſchmiede, welche in elende Lumpen gehuͤllt, käglich um Almoſen baten. Kroͤſus wuͤrde allen denen, welche ſich an uns wand⸗ ten, kaum Almoſen genug geben koͤnnen. Wir durch⸗ zogen den langen Gang des Chaher Bash, ritten uͤber die Bruͤcke am ſuͤdoͤſtlichſten Punkte der Städt, und gingen beinahe nach Suͤden auf einem wellenfor⸗ migen Wege zwiſchen Huͤgeln hin; das Sefigebirge und ſeine Kette blieb uns rechts. Rach einer beinahe fuͤnfſtuͤndigen Reiſe erreichten wir den Eingang in ein Thal, welches nach dem Paſſe von Durtchiny führt, und ſetzten unſern Weg unter naͤchtlichen Schatt n fort. Nach 3 Faraſangen kamen wir zum Dorfe und zur Karavanſerai Majar. Die umliegende Gegend gewaͤhrt wegen der angebauten Gaͤrten und Felder einen anmuthigen Anblick; allein die geſpenſteraͤhnlichen Ruinen anderer Doͤrfer, welche man nach allen Roch⸗ tungen erblickt, verſcheuchen die angenehmen Empfin⸗ dungen, mit welchen man beſonders ſchoͤne laͤndli he Anſichten genießt. Die Berge auf jeder Seite dieſes fruchtbaren Thales ſind abgebrochen, unfruchtbar, und von vorzuͤglich kuͤhnen und wilden Geſtaten. Ich glaubte mich wieder zwiſchen den wildeſten Gegenden des Kaukaſus zu befinden, als ich die narbigen Gip⸗ fel einer zerruͤmmerten Felſenwelt hinaufſtieg Bei unſerer Ankunft zu Mayar weigerten ſich die Einwohner, uns die Lebensmittel zu ſenden, weſche der Befehl ihres Koͤnigs verlangte. Als der Meh⸗ 316 mandar den Richter an die vorigen Beſuche erin⸗ nerte, wo ſich die Einwohner widerſpenſtig zeigten, und dafuͤr ſtrenge beſtraft wurden, oͤffneten ſich bald die Vorraths⸗Kammern. Den groͤßhten Theil des Weges von Ispahan bis nach Kumiſchah erblickt man die beruͤhmten Taubenthürme nicht weit von den Raͤndern des We⸗ ges; uͤberall ſieht man die Veberreſte von Doͤrfern und in jedem herrſcht beinahe die naͤmliche Stille, wie in der zahlreichen Kolonie entvoͤlkerter Thuͤrme. Die Entfernung von Mayar bis Kuhmiſchah betraͤgt 19 Meilen.— Ehe wir das Dorf Schulgiſtan er⸗ reichten, machten wir Jagd auf einen wilden Eſel⸗ welchen wir nach vieler Anſtrengung erlegten. Die Perſer nennen das ſchoͤne Thier Gur; man ſieht es gewoͤhnlich in Heerden, oft auch allein berumſtreifend⸗ Was Sir Robert Ker Porter vor ſeiner Reiſe bis Schiras, von den Ruinen von Perſepolis und dergl. erzählt, finden unſere Leſer in Moriers Reiſe⸗ bericht. Wir halten es daher fuͤr uͤberfluͤſſig, das ſchon Grzaͤhlte zu wiederholen und ſchließen hiemit unſern Bericht. 317 Beſchreibung Georgien's im Jahr 1820, vom ehem. franzöſ. Konſul, Ritter v. Gamba zu Tiflis*). — I. Das eigentliche Georgien, zwiſchen dem 400 zo“ und dem 420 N. B., und zwiſchen dem 410 und 43 der Laͤnge des Meridians von Paris, grenzt gegen Nord an den Berg Kaukaſus; gegen Suͤd an Ka⸗ rabagh, Ghendie und einen Cheil Armenien's; hat gegen Oſt das Land der Lesgher und Nuſcha, und gegen Weſt Armenien, das tüͤrkiſche Paſchalik Akhaltzikhe und Immeretien. *) Voyage dans la Russie meridionale, particu- liérenent dans les proyinces situées au dela de Caucase, fait depuis 4820 jusqu'en 4824 Par le Chev. G amba, consul du roi à Tiflis⸗ Avec 4 cartes geograph. 2 tom. Paris, 1826.. 318 Georgien beſteht aus den 3 Provinzen; Kar⸗ talinien, Kaketien und Somketien, welche zu⸗ weilen beſondere Reiche ausmachten. Auf der Seite des Kaukaſus und Immeretiens wird Georgien durch natuͤrliche Grenzen geſchutzt; allein da es gegen Pſt und Süd offen ſteht, ſo iſt es mit leichter Muͤhe zu erobern. 1 Beinahe alle Geſchichtſchreiber nehmen Phar⸗ navaz von Schinakhartli als erſten Koͤnis Geor⸗ gien's an; er lebte kurze Zeit nach dem Einfalle Ale⸗ randers des Großen. Ueber 2000 Jahre ſieht Georgien als beſonderes Reich da, ſeit 1400 Jahren zwiſchen mahomedaniſchen Staaten der Chriſtuslehre getreu. Im Anfange der Regierung des Kaiſers Iu⸗ ſt inian wurde Georgien(Iberien) vom Nur⸗ ſchiwan erobert; ſpaͤter gehoͤrte es zum Reiche Mah⸗ muds, des Garneviden. Der durch Tapferkeit und Edelmuth beruͤhmte und die Wiſſenfchaften liebende Perſer⸗Koͤnig AlerArſelan verfolgte die chriſtlichen Georgier auf eine grauſame Art. 4305 ward das Land von Tamerlan verheert, und 1647 von Tamas erobert. Schach Abbas nahm es den Tuͤrken ab⸗ welche 20 Jahre Meiſter deſſelben waren. Nach ſeinem Tode ward Georgien bald ganz unabhaͤngig, bald Per⸗ ſien zinsbar, von welchem es wegen ſeiner vorzuͤg⸗ lichen Soldaten und geſchickten Heerfuͤhrer milde be⸗ bandelt wurde. Im Verlaufe der erſen Haͤlſte des 18. Jahrhun⸗ 319 dens ward Georgien haͤufig verheert. Nach Tha⸗ mas⸗Kuli⸗Khans Tode ſchwang ſich Heraklius, ein Feldherr dieſes Eroberers, zum Koͤnige Georgien's empur, wurde aber beſtaͤndig durch den Krieg mit den Perſan beunruhigt. Kurz vor ſeinem Tode uͤbergab er dess an Menſchen und Geld erſchoͤpfte Land dem Schuze der Kaiſerin von Rußland, Katharina II. Sein Sohn Georg, die Unmoͤglichkeit, das Land ge⸗ gen die Einfaͤlle der Perſer und Lesgher zu ſchuͤtzen, einſehem, vermachte es dem ruſſiſchen Kaiſer Paul I. Jedoch nurden ſchon in fruͤherer Zeit Verſuche zu Gunſten Rußlands gemacht. So leiſete z. B. 1686 der Czar von Kaketien, einer der 3 Provinzen des heutigen Seorgien, dem ruſſiſchen Czar Feodor Iwanowitſch den Eid der Treue u⸗ſ. w. Der Beſitznahme Georgiens durch Kaiſer Paull.“ ſuchte ſich einer der Bruͤder des verſtorbenen Koͤnigs APlerander zu widerſeten; er entfloh nach Perſien, wo er noch lebt. Seit der Vereinigung des Koͤnigreiches Georgien mit dem ruſſiſchen Reiche iſt ſeine Geſchichte nichts anders, als die ſeiner General-Gouverneurs. Weil nun dieſelben mit mehr oder weniger Geiſteskraͤften und Kenntniſſen begabt waren, da Keiner den Wegen ſeines Vorgaͤngers folgen wollte; ſo fehlte es der Ver⸗ waltung an einem zuſammenhaͤngenden Ganzen und an Einheit. Der ausgeieichnetſte unter dieſen war 320 der Gruſier itianoff, welcher die Regierung des Landes vom Anfange erhielt. II. Tiflis, die Hauptſtadt Georgiens, nelche Gamba im J. 1820 beſuchte, wird vom Chrus Mur) in 2 Theile getheilt. Auf dem rechten Ußr ſind die Altſtadt, die Schwefelbaͤder und die Neu⸗ ſtadt; auf dem linken liegen die Vorſtaͤdte Lwla⸗ bary und Jsni nebſt einem von Deutſchen be⸗ wohnten Dorfe. Eine hoͤlzerne Bruͤcke aus eitem ein⸗ zigen Bogen, auf ungeheuer großen Ziegelpßilern ru⸗ hend, unterhaͤlt die Verbindung. Die Grundlagen dieſer ſeit 3 Jahren erbauten Bruͤcke aher ſnd ein Werk aus dem Alterthume, Die Altſtadt, welche durch einen Einfall der Perſer verwuͤſtet wurde, ethob ſich nach Jahren un⸗ ter dem Schutze Rußlands wieder aus ihrem Schutte mit einer unglaublichen Schnelligkeit. In der Neu⸗ ſtadt erhielten die Straßen eine Brejte von ungefaͤhr 6o Fußen, weil man uͤber den Boden verfuͤgen konnte. Schoͤne oͤffentliche Plaͤtze, Kaſernen, theils aus ge⸗ brannten, theils aus bloß an der Sonne getrockneten Ziegeln erbaut, und die Regierungs⸗Gebaͤude verdan⸗ ken ihr Entſtehen dem Gouverneur von Liflis, Ge⸗ neral Yermoloff. Ausgezeichnet iſt noch in der Neuſtadt die Wohnung des armeniſchen Fuͤrſten Man⸗ datoff, und das Caravanſerail des Erzbiſchofes Nar⸗ ſés, mit welchem er zugleich eine Schule für eurv⸗ vaiſche und aſimiſche Sprachen verband. 321i Die Bevotterung von Tiflto erhalt einen Zu⸗ wachs durch das Eintreffen von Armeniern, welche einen Zufluchtsort gegen die Mißhandlungen der Lur⸗ ken und Perſer ſuchen. Das Caravanſerail, welches ein Armenier im J. 1820 baute, iſt groͤßer als die * andern, gleichfalls in der Altſtadt befindlichen. Alle drei liegen in der Mitte des Bazar, welcher in mehrere Straßen und Plaͤtze abgetheilt, und immer mit Men⸗ ſchen gefuͤllt iſt, welche Geſchaͤfte treiben. Jede Art von Handwerkern hat eine beſondere Abtheilung auf dem Bazar. Das Quartier der Kupferſchmiede erkennt man ſchon von Weitem durch den greulichen Laͤrm derſelben; in einiger Entfernung erblickt man eine große Anzahl Gefaͤße in alterthuͤmlichen Formen, und gewoͤhnlich durch Eleganz ausgezeichnet. Die Gold⸗ ſchmiede beſchaͤftigen ſich vorzuglich mit Silbergeſchirr, weil es einen Gegenſtand des Luxus in dieſen Laͤn⸗ dern ausmacht. Bei den Schwefelwaſſer⸗Baͤdern ver⸗ fertigen die Schwertfeger ihre beruͤhmten Arbeiten aus dem Stahle von Khoraſan, welchen man jetzt ſeiner Seltenheit wegen mit Gold aufwiegt. Ste verſtehen auch die Damascierkunſt vollſtaͤndig. Innerhalb des Bazar machen einige Arbeiter Filz⸗Decken mit ſonder⸗ baren Zeichnungen fuͤr die perſiſchen Pferde. In ihrer Naͤhe befinden ſich die Seidenſpinner, welche ihren mit Blumen und Pflanzen gezierten Geweben eins glaͤnzende und dauerhafte Farbe geben. Die Gerber zieben das Leder beſtaͤndig zwiſchen 2 holzernen Cylin⸗ 322 dern in langen und ſchmalen Riemen, und machen es ausgezeichnet ſtark und elaſtiſch, ohne es zu gerben. Zuletzt kommen die Schuhmacher und Kuͤrſchner; letz⸗ tere machen Muͤtzen aus ſchwarzen und grauen aſtra⸗ chaniſchen Hammel- und Lamm⸗Fellen, welche Perſer und Georgier tragen, und ſich bloß durch mehr oder wenig hohe Form unterſcheiden. Die Tuch—⸗, Seiden⸗, Leinwand⸗, Gewuͤrz- und Rauchwerk⸗Haͤndler ſind in einem Theile des Bazar beiſammen. Auf einem klei⸗ nen benachbarten Platze ſuchen Lesgher⸗ Tartaren und Dſſeten einiges Pelzwerk, buntgefaͤrbte Tex⸗ piche und wollene Struͤmpfe zu verkaufen, oder gegen perſiſche und europaiſche Waaren zu vertauſchen. Die Anzahl der Bewohner von Tiflis gab man im J. 1825 auf 33,000 Seelen an, die Beamten, die Beſatzung und die Fremden mitgerechnet. Der Himmel iſt zu Tiflis faſt immer rein. Der Winter beginnt gewoͤhnlich gegen den 20. Dez., und dauert nur 2 Monate, waͤhrend welcher das R. Ther⸗ mometer ſeltens? 4o unter den Gefrierpunkt faͤllt. Im Sommer iſt die Hitze in dem Becken, welches Tiflis umgibt, bisweilen außerordentlich groß, beſonders in der Altſtadt. Im J. 1820 ſtieg das Thermometer im Schatten auf 330. In gewoͤhnlichen Jahren behauptet es ſich waͤhrend des ganzen Sommert zwiſchen 22 und 280. In dem hohen Theile der Neuſtadt weicht die Hitze bisweilen 3— 40 von jener in der untern Stadt ab. Fremde, welche nicht maͤßig leben, ſind waͤhrend 323 der großen Hitze bisweilen hitzigen und Gehirn⸗Fie⸗ bern, am haͤufigſten aber Wechſel⸗Fiebern ausgeſetzt. In Tiflis haben vermoͤge der ruſſiſchen Tole⸗ ranz in religioͤſen Dingen die Mohamedaner, ſowohl Schuͤten als Sunniten, jeder eine Moſchee. Der Tempel fuͤr die Anhaͤnger Zoroaſters dient jetzt ei⸗ ner armen gruſiſchen Familie zur Wohnung. Die Georgier und Armenter haben fuͤr den griechiſchen Gottesdienſt eine große Anzahl von Kirchen. Die Kirche der Katholiken ſteht dem Platze des ehe⸗ maligen Kloſters gegenuͤber, welches die Perſer 1796 zerſtoͤrten; Italiſche Kapuziner beſorgen in ihr den Gottesdienſt. Sie ließen ſich 1636 in Georgien nie⸗ der, und waren bei den Fuͤrſten und dem Volke we⸗ gen ihrer aͤrztlichen und wundaͤrztlichen, unentgeldli⸗ chen Praxis beliebt. Das Kloſter der Kapuziner iſt durch eine Mauer von dem gruͤnen Platze, welcher die Kirche der Armenier umgibt, getrennt. Alle Sonn⸗ tage opfern dieſe bald ein Lamm, bald ein Schaf, der Prieſter weihet es, und das zertheilte Fleiſch wird un⸗ ter die Anweſenden vertheilt. Unter der Gerichtsbar⸗ keit des Superiors des Kloſters zu Tiflis ſtehen auch die Kirchen zu Gori und Kotais, und jene zu Ak⸗ haltzikhs; in beiden erſtern beſorgen gleichfalls ita⸗ liſche Kapuziner den Gottes dienſt. Aus der Tuͤrkei fluͤchtige Armenier bewohnen in dem Bezirke Bam⸗ bak in Somketien die Doͤrſer Karaeli, Schatzi⸗ gali, Kopanoltſchy, Kopuli und Kaetarli⸗ 324 Als unter Abbas, dem Großen, das perſiſche Reich noch den Indus und Tigris zu Grenzen hatte, gab es in demſelben katholiſche Kloͤſter in Men⸗ ge. Buͤrgerkriege aber veranlaßten die Chriſten zu flie⸗ hen, und ruhigere Laͤnder, beſonders Indien, zu ſu⸗ chen. Waͤhrend die Armenier an die ufer des Gan⸗ ges, nach Bombay, Madras und Caleutta die Truͤmmer ihres Reichthumes und ihrer Handels⸗Kennt⸗ niſſe verpflanzten, begab ſich eine Anzahl katholiſcher Chaldaer, den beſtaͤndigen Pluͤnderungen der Kur⸗ den entgangen, von Meſopotamien in den Be⸗ zirk von Koy an den Grenzen von Armenien und Aderbid⸗ſchan. Sie beſtehen ungefaͤhr aus 48,000 Seelen, treiben Ackerbau, und muͤſſen im Verhaͤltniſſe zu ihrem Vermoͤgen ſehr flarke Abgaben erlegen. Richt weit von der Stadt Amadia auf der gor⸗ dianiſchen Gebirgskette haben zwiſchen Armenien und Syrien neſorianiſche Chriſten in großer Anzahl zwiſchen den Anhaͤngern Omar's und Ali's ſowohl ihre Religion als auch ihre Unabhaͤngigkeit zu erhalten gewußt. Ihr Oberhaupt Simon vereinigt die geiſi⸗ liche und weltliche Macht; ſein Ackerbau treibendes, und in den Gebirgen nomadiſirendes Volk hat noch nie unterjocht werden koͤnnen. In einer großen An⸗ zahl von Doͤrfern, welche dieſem Dberhaupte gehor⸗ chen, findet man Schulen. Seit einigen Jahren reiſen viele Englaͤnder, welche aus Dſtindien nach Europa ſich begeben 325 wollen, durch Diflis. Von da ſchiffen ſie ſich ent⸗ weder zu Redoute⸗Kale nach Odeſſa ein, oder geben uͤber den Kaukaſus, durch einen Theil von Rußland und durch Deſterreich. Bisweilen ſieht man zu Siflis an einem Tage Kaufleute aus Paris, Eilboten aus St. Peters⸗ burg, Handelsleute aus Konſtantinopel, Eng⸗ laͤnder von Caleutta oder Madras, und Ar⸗ menier aus Smyrna und Yezd und Uzbecken aus Bughara eintreffen. Zur Befoͤrderung des Handels von Georgien ließ der Obergeneral Yermoloff zu Redoute⸗Kalé am ſchwarzen Meere Wohnungen fuͤr die Kaufleute und Lager fuͤr ihre Waaren erbauen, den Weg von Siflis nach Kotai ausbeſſern und durch eine Ueber⸗ einkunft mit dem Hetmann der Koſaken fuͤr Pferde zur Begquemlichkeit der Reiſenden ſorgen. Die unter der Regierung der Koͤnige von Immeretien und Georgien und unter der Herrſchaft der Khans von Staͤdten und Kirchen erhobenen läſtigen Durchgangs⸗ zolle wurden abgeſchafft oder herabgeſetzt. Ale Wochen einmal trifft der Courier aus Eu⸗ ropa und zwar in 28 Tagen von St. Petersburg und Odeſſa und in so—6s Tagen von Paris ein. Der wichtigſte Vortheil fuͤr den Handel zu Tiflis iſt, daß er fuͤr kein Prozent Gebuͤhren Gelder aus den entfernteſten Theilen Rußlands beziehen, oder auch dahun ſenden kann, weil die zutſche Regterung Gel⸗ * 326 der ſelbſt gegen Diebſtahl mit gewanter Hand ver⸗ buͤrgt. Die im Ganzen zu Siflis gut eingerichteten Schwefel⸗Baͤder ſind ſehr zahlreich und werden von Privatleuten gehalten. Das Verfahren iſt wie in den Bädern zu Konſtantinopel. Eingeborne und Fremde begeben ſich haͤufig in dieſe Baͤder; Frauen⸗ zimmer bringen oft den halben Tag in denſelben zu. Seit einiger Zeit beſchaͤftigen ſich auch georgiſche Fuͤr⸗ ſten mit Anpflanzungen. Ehemals wohnten die Kauf⸗ leute in den Caravanſerails, jetzt findet man zu Dif⸗ lis auch Wirthshaͤuſer fuͤr die Beqemlichkeit der Reiſenden. Die Fortſchritte des Handels ſind ſo be⸗ deutend, daß die Brief⸗Poſt, welche im J. 4820 nur ungefaͤhr 22,000 Rubel in Bank⸗Aſſignationen(22,000 Fr.) eintrug, im J. 1823 auf 88,000 Rubel ſtieg; daß die Zoll⸗Einkuͤnfte waͤhrend dieſes Zeitraumes von 100,000 bis beinahe auf 400,000 Rubel ſich erhoben. Dieſes ſetzt eine Einfuhr auslaͤndiſcher Waaren von 8 Million, mit einem Betrage von s Proz. Eingangs⸗ gebuͤhren voraus. Von Zeit zu Zeit kommen teutſche Seiltaͤnzer und tartariſche Bayaderen aus Schamakhte nach Siflis. Die Immeretier beſorgen das beſchwerliche Geſchaͤft des Waſerholens aus dem Kur und den Waa⸗ ren⸗Transport; die Teutſchen, welche auf dem linken ufer des Kur in einem Dorfe wohnen, liefern der Stadt Gemuͤße, Butter, Schinken und eingeſalzenes 327 Schweinefleiſch. Letztere ſind meiſtens aus Wuͤrtem⸗ berg. Ihnen und einer andern teutſchen Anſiedelung auch auf dem linken Kur⸗Ufer, s Werſte von Tiflis hat man den Kartoffel⸗Bau in Georgien zu danken. III. Die Zahl der Einwohner Georgien's kann man auf 360,000 Seelen beſtimmen, und ungefahr 120 Einwohner auf die Quadrat⸗Meile rechnen. Die ehe⸗ mals ſo anſehnliche Bevoͤlkerung wurde durch haͤufige Einfaͤlle ſehr vermindert; zu dieſen geſellte ſich noch der Verkauf der Georgier von Seite ihrer Koͤnige. Die jetzigen Bewohner Georgiens beſtehen: in Georgiern, Armeniern, T artaren,Perſern und KHurden. Nachfolgende Schilderung derſelben theilt Ga m ba theils aus eigener Erfahrung, theils aus den Beſchrei⸗ bungen anderer kenntnißreicher Maͤnner mit. Der Georgier von einer hohen Statur und von einer ſtarken Leibesbeſchaffenheit hat gewoͤhnlich ſchoͤne und ſtark ausgepraͤgte Geſichts⸗Zuͤge. Seine großen Augen ſind ſchwarz, und ſeine lange, ja ge⸗ kruͤmmte Naſe aͤhnelt mehr jener der Juden, als der romiſchen. Sein ſtolzer Gang iſt bisweilen mit einer Art von Schwanken des Koͤrpers begleitet, welches ihn faſt trotzig macht. Seine Lage zu den verſchiede⸗ nen Nachbarvoͤlkern machte ihn kriegeriſch. Kein aſia⸗ tiſches Volk lieferte tapferere Fußgaͤnger und beſſere Reiterei. Der Georgier, welcher brav, aber bisweilen hartherzig; gaſtfrei, aber wenig ſreundlich, verſtaͤndig, 3²⁸ aber voll Unwiſſenheit iſt, beſitzt alle Fehler und Tu⸗ genden des gemeinen Soldaten. Das georgiſche Volk treibt im Ganzen etwas Ackerbau und Gewerbe, und vernachlaͤſſtgt den Handel. Die Georgierin zeichnet ſich durch regelmaͤßige Geüchts⸗Zuͤge, von welchen die ſchoͤnen griechiſchen Bildſaͤulen das Muſter uns hinterlaſſen haben, durch eine ſchlanke Geſtalt, durch eine weiße Haut und einen milden Blick aus. Der Armenier in Georgien iſt nicht ganz ſo groß, aber dicker als der Georgier, hat eben ſo regel⸗ maͤßige Zuͤge, eine gerade Naſe, einen ernſten Blick, und ein nachdenkendes und unterwuͤrſiges Anſehen. In Anſehung der Sitten und Neigungen haben die zahlreichen Armeuter keine Aehnlichkeit mit den Geor⸗ giern. Der Erſtgeborne nach dem Vater iſt der Herr, und das erbliche Oberhaupt des Hauſes. Die juͤnge⸗ ren Bruͤder gehorchen ihm, und die Schweſtern ſind beinahe ſeine Dienerinnen. Gegen den Vater hegen ſie die groͤßte Ehrſurcht. Bei dieſem gaſtfreien Volke bedient der aͤltee Sohn die Fremden, welche der Va⸗ ter einladet, oder ſetzt ihnen im Falle ſeiner Abweſen⸗ beit etwas vor. Ihr Geſchmack iſt einfach, ihre De⸗ konomie ſtreng, die Ordnungsliebe bewundernswerth, und ihre Geſchicklichkeit in Handels⸗Geſchaͤften groß. Auf der ande u Seite ſind ſie aber auch geitzig, wort⸗ karg, falſch, und bisweilen undankbar. Letztere Eigen⸗ ſchaften habeneihren Grund in der Wilkuͤhr ibrer des⸗ 329 potiſchen Beherrſcher. Der Handel von Siflis und ganz Georgien iſt beinahe gaͤnzlich in ihren Haͤnden. Die Tartaren, welche in den ruſſiſchen Provinzen jenſeits des Kaukaſus ſehr zahlreich ſind, liefern dem Handel zuverlaͤſſige Fuhrleute und vermiethen ſich gern als Schaͤfer und Waͤrter in Stutereien. Bei dem Eintritte des Fraͤhlings nomadiſteren ſie mit ihren Heerden, gegen Ende des September kehren ſie in ihre Wohnungen zuruͤck. Ihre maͤßige Koſt beſteht hauptſaͤchlich in Milchſpeiſen und Pilaw; gegorne Stu ten⸗Milch iſt ihr gewoͤhnliches Getraͤnk. Ihre Weiber ſpinnen die Wolle ihrer Heerden, und verfertigen durch Dauerhaftigkeit der Farbe und durch Wohlfeilheit der Preiſe ausgezeichnete Teppiche. Ein gewoͤhnlicher Zug der Tartaren iſt ihre Sanftmuͤthigkeit und Unterwuͤr⸗ ſigkeit gegen Rußland. Außer dieſen 3 Voͤlkern findet man in Nuſch a, Ghendje, Karabagh, Schirvan, ja ſelbſt in Dagheſtan eine große Menge Perſer, welche unter Rußland's Herrſchaft ſehen, und die Sitten und den Charakter ihrer Landsleute beibehalten haben. Der ſchwaͤrzlichbraune Perſer von einer mehr als mittlern und ſehr ſchlanken Geſtalt hat ein langes Geſicht und lebhafte, Geiſt verrathende, Augen; traͤgt einen Bart, welcher faſt immer lang und dicht iſt, und hat einen weit ſchnellern Schritt und keine ſo ernſte Paltung als der Tuͤrke. Durch die haͤufigen Pluͤnde⸗ rungen der Staͤdte von Seite der verſchiedenſten Vol⸗ 69. Vd. Perſien. III. 3. 6 330 ker, durch das Niedermetzeln, und durch die Berau⸗ bung des Vermoͤgens wurde das perſiſche Volk ganz verdorben. Bei dem Perſer gilt kein Wort, kein Eid wird gehalten. Vor dem Maͤchtigen kriecht er, und gegen den Schwachen iſt er uͤbermuͤthig und grauſam. Dabei hat er natuͤrlichen Verſtand, eine außerordent⸗ liche Leichtigkeit im Lernen, und macht Fortſchritte in den mechaniſchen Kuͤnſten und Wiſſenſchaften. Die Kurden, hinſichtlich ihrer Sitten von den Tartaren und Turkowanen verſchieden, haben ſtets eine unabhaͤngige Denkart, Luſt zum Pluͤndern und zum Erſatze, Ehrfurcht gegen die Rechte der Gaſt⸗ freiheit, geregelte Sitten, und bisweilen eine erhabene Geſinnung. Zu Heraklius Zeiten, und vor der Beſitznahme Georgiens durch die Ruſſen, trugen die Zeitvertreibe der Georgier das Gepraͤge ihres gewohnten kriegeri⸗ ſchen Zuſtandes. Die Fuͤrſten und Adelichen waren immer zu Pferde, übten ſich durch Galopp⸗Laufen, im Schießen nach dem Ziele mit der Flinte, luden dieſe wieder ohne anzuhalten, und ſchoßen hinter ſich. Bis⸗ weilen uͤbten ſie ſich im Lanzenwerfen. Der General Yermoloff noͤthigte, veranlaßt durch die haͤufigen ungluͤcksfaͤlle, die Fechter ſatt des ſonſt gebraͤuchlichen Stockes eine Ruthe zu nehmen; trotz dieſer Vorſicht ſind Ungluͤcksfalle haͤufig. Auch unter dem Volke ver⸗ breitete ſich der moͤrderiſche Spiel⸗Geiſt der Fuͤrſten. An ſchoͤnen Abenden, welche zu Liflis gewoͤhn⸗ 331 lich ſind, verſammeln ſich junge Maͤdchen, Weiber und Kinder auf den Tertaſſen ihrer Haͤuſer. Von Erſteren, Georgierinnen und Armenierinnen, tanzet ge⸗ woͤhnlich eine oder hoͤchſtens zwei auf einmal, indem die Muͤtter und die zum Dienſte des Hauſes gehoͤri⸗ gen Frauenzimmer ſie mit dem Tambour des Basque begleiten, und mit den Haͤnden den Lakt ſchlagen. Der Tanz iſt aͤußerſt langſam; die Daͤnzerinnen erhe⸗ ben ſich nie von dem Boden, und beſchraͤnken ſich bloß auf Bewegungen mit dem Kopfe, dem Arme und dem Leibe. W. Liflis, ungefaͤhr 100 Stunden von dem ſchwarzen und von dem kaspiſchen Meere ent⸗ fernt, kann wegen der Vortreßlichkeit ſeiner Lage eine bluͤhende Handelsſtadt werden. Vermittelſt des ſchwar⸗ zen Meeres kann Tiflis mit der ganzen Kuͤſte Na⸗ toliens, mit den Haͤfen des ſuͤdlichen Rußlands und der Donau⸗Muͤndung Verbindungen unter⸗ halten. Wenn dieſe durch die Einfuͤhrung von Dampf⸗ böten beguͤnſtigt werden, ſo kann es ſich in kaum acht Tagen mit den von den Muͤndungen des Phaſis und der Khopi entſernteſten Haͤfen dieſes Meeres, ud mit Konſtantinopel in Verkehr ſetzen. Er umfaßt die ganze Bevolkerung Weſt⸗Aſiens, die 52 Millionen Einwohner Rußlands und des ganzen europaͤiſchen Feſtlandes. Lebt Europa im Frieden, ſo koͤnnen die Schißfe, welche aus den Haͤfen des Phaſis laufen und mit den Erzeugniſſen Aſiens 332 und des ſuͤdlichen Rußland's beladen ſind, in allen Haͤfen Amerika's erſcheinen, und mit den europaͤi⸗ ſchen Fahrzeugen wetteifern. Vermittelſt des kaspiſchen See's koͤnnen die mit europaͤiſchen Waaren beladenen Schiffe in 36 Stunden von Baku nach den Kuͤſten von Ghilan, Maſan⸗ deran und Aſterabad, oder in den Golf von Bal⸗ kan gelangen; in 6 Tagen fahren die Schiffe aus die⸗ ſem Hafen nach Aſtrachan. Tiflis verdankt ſeinen Handel der Beſitznahme Georgiens von den Ruſſen im Jahre 1804, eigentlich aber erſt dem Frieden von Guliſtan, durch welchen dem Lande Ruhe verſchafft wurde. Fruͤher beſchraͤnkte ſich der Handel auf den Betrieb einiger Armenier, welche auf der Meſſe zu Makariew, jetzt zu Nijni⸗ Noogorod, Waaren fuͤr das ruſſiſche Heer in Geor⸗ gien holten. Uebrigens war dieſer Handel dadurch be⸗ ſchraͤnkt, daß die europaͤiſchen Waaren, welche ſich fuͤr Perſien eignen, und welche ſie zu Makariew ein⸗ kauften, bei ihrer Ankunft daſelbſ mit Eingangs⸗Zol⸗ len, welche ſie in Rußland erlegt hatten, und mit Ko⸗ ſten aller Art belaſtet waren, daher nicht an die Voͤl⸗ ker Aſiens abgeſetzt werden konnten, ſondern bloß im Lande verkauft werden mußten. Als aber der Ukas vom 20. Okt. 1824 dieſen Gegenden Handels⸗Freiheit zugeſtand, ſo benutzten die Armenier ſogleich dieſe Vortheile, machten bedeutende Einkaͤufe zu Odeſſa 333 und Leipzig, und ſetzten dieſe mit großem Gewinne zu Liflis ab. V. Unter den 3 Provinzen Georgiens iſt Hake⸗ tien durch die Fruchtbarkeit ſeines Bodens, und durch ſeine Natur⸗Erzeugniſſe die reichſte. In dem Thale Sinak findet man zahlreiche Doͤrfer; in den Waͤl⸗ dern umſchlingt die Weinrebe faſt alle Baͤume. Da die Weinſtoͤcke aber bis zum Gipfel der hoͤchſten Baͤu⸗ me emporranken, ſo iſt die Weinleſe mit vielen Schwie⸗ rigkeiten verknuͤpft, und es verfault oft die Haͤlfte der Beeren. Die angebauten Weinſtoͤcke tragen viele Trau⸗ ben, deren Wein in Georgien verbraucht wird: denn jeder Georgter trinkt taͤglich eine Tonque, d. j. 3 1/2 Bordeaur⸗Flaſche. Die Tonque des beſßten Weines koſtet 11/4 Abbas(20 Sous); von dem ſchwachen und mittelmaͤßigen kommt die Bouteille kaum auf einen Svus. In Kaketien faͤngt man an, Safran und Krapp zu kauen; letzterer iſt hier von ſehr guter Beſchaffen⸗ heit. Kaketien liefert im veberfluſſe Getraide für ſeine Bewohner. In Kartalinien und Somketien iſt der Ge⸗ traidebau am ausgebreitetſten; der Weinbau daſelbſt eine Nebenſache. Wegen der Trockenheit des Bodens mußte man in allen Bezirken, wo es anging, ſeine Zuflucht zur Bewaͤſſerung nehmen. Wegen Mangels an guten Weiden wird die Rin dvieh⸗Zucht wenig be⸗ trieben; die Schafe dagegen ſind zahlreich, beſonders 334 um Gori. Aus ihrer Wolle verfertigt man gute Tep⸗ piche. In ganz Georgien wird das Feld mit Bchſen be⸗ arbeitet. Der leichte Pflug iſt der im Lande gebraͤuch⸗ liche. Die Pflugſchaar in Immeretien von Holz iſt in Georgien von Eiſen. In einigen Bezirken Georgien's, beſonders in den ehemals gerſiſchen, jetzt an Rußland abgetretenen Pro⸗ vinzen werden Maulbeer⸗Baͤume gepflanzt. Ghendje, Nuſcha und Schirvan liefern ſehr betraͤchtliche AQuantitaͤten Seide, welche, da ſie auf Raͤdern von allzugroßem Durchmeſſer geſponnen wird, von gewoͤhn⸗ lcher Beſchaffenheit war. Als 4740 der Vorſteher des engliſchen Handels⸗Komtoirs, Hanway, Raͤder mit kleinem Durchmeſſer einfuͤhrte, kam die Seide in Ruf und ward in den Fabriken als zweckmaͤßig anerkannt. In Ghendje, jetzt Eliſabethpol, Kara⸗ bagh, beſonders in den Gegenden, welche an den Arates ſtoßen, baut man Krapp, Reis, die Haupt⸗ nahrung des Landes, und Flachs. Aus dem Samen des Flachſes ſchlaͤgt man Del, der Stengel wird un⸗ genutzt verbrannt. Karabagh ſteht wegen ſeiner vortrefflichen Pfer⸗ de Rage in großem Rufe, die vorzuͤglichſten Stutereien befinden ſich in den Gebirgen dieſes vormaligen Kha⸗ nats. Baumwolle baut man in Schirvan, beſonders an den Ufern des Araxes. Das Zucker⸗Rohr iſt in Mazanderan, welches bloß 3 Grade ſuͤdlicher von ac. 335 Karabagh liegt, einheimiſch. Seſam liefert Schir⸗ van und Dagheſtan. Das Del aus demſelben kommt an Guͤte dem Dliven Dele nahe. Die Heuſchrecken, welche faſt immer von den Suͤd⸗ winden herbei gefuͤhrt werden, und bald aus Ader⸗ bidſchan, bald aus dem Khanate Erivan kommen, ſind oft ſo groß, als die Heuſchrecken⸗Grille, und ſe⸗ hen am Koͤrper zum Theil roſenroth aus. Sie bilden ungeheure Wolken, und freſſen in einigen Stunden ein Korn⸗, Mais⸗ und Gerſen⸗Feld ſo ab, daß man keine Spur einer Erndte mehr ſieht. Sie begeben ſich von einem Bezirke in den andern, und ſind die Schre⸗ cken der Landbebauer Georgiens. Seit ungefaͤhr fuͤnf Jahren finden ſich in den ruſſiſchen Provinzen jenſeits des Kaukaſus Schwaͤrme von Voͤgeln ein, welche man in Georgien Tarby's nennt, und welche man fuͤr die auf der Inſel Bourbon bekannte paradisea tristis haͤlt. Dieſe Voͤgel ſollen die Heuſchrecken toͤdten. Den 18. Sept. brach Gamba von Liflis nach Baku auf. Sein Weg ging einige Zeit auf dem rech⸗ ten Ufer des Kur, welcher damals ein durch die Tro⸗ ckenheit ſehr verkleinertes Bette hatte. An beiden ufern ſind an einer Breite von ungefaͤhr 100 Toiſen Anpflanzungen von Weiden und Pappeln. Nur der durch haͤufige Ueberſchwemmungen bewaͤſſerte Boden zeigt etwas Gruͤnes; er beſtand faſt ganz aus einem feinen Sande, auf dem einige Wachholder⸗Stauden und eine Art Lebens⸗Baum wächtt. Acht Werſie von Tiflis auf dem linken ufer des Kur ſtehen dicke Mauern mit einem Thurme in ihrer Mitte, auf dem rechten ufer des Fluſſes ſieht man ei⸗ nen zweiten und die Ueberreſte einer Ringmauer Dieſe Bauten, welche eine Stadt oder Feſtung verrathen, ſtehen durch eine Bruͤcke in Verbindung, deren Spu⸗ ren man auf beiden Seiten des Fluſſes bemerkt. Vier Werſte hoͤher entdeckt man die Spuren einer zweiten Feſte, und nicht weit davon im Innern des Landes ein viereckiges ziemlich feſtes Gebaͤude mit einer oben ſpitzig ſich endigenden Kuppel. VI. In dem 12 Werſte von Liflis entfernten Saganlug wurde uͤbernachtet. Die Haͤlfte eines lehmenen, mit Kalk beworfenen Haͤnschens hatten Koſaken inne; die andere diente den Fremden zur Wohnung. Saganlug liegt etwa 700 Schritte vom Kur in einer ziemlich hohen und geſunden Lage. Um s Uhr reisten wir ab, und zogen ununterbrochen üͤber eine unfruchtbare Ebene, welche 10 Werſte von Sa⸗ ganlug von 2 wenig hohen Gebirgs⸗Ketten begrenzt wird. Zu Demurtſcheſali, welches 28 Werſte von Saganlug entfernt iſt, ruhten wir bloß einige Stun⸗ den, und brachen dann nach Salagli auf. Der Weg ging fortdauernd durch unfruchtbare und unangebaute Gegenden. 10 Werſte von De murtſcheſali erheben ſich die ufer der Crome und Khram, welche in ſebr geringer Entfernung ſich in den Kur ergießt. 337 Eine aus Ziegeln erbaute Bruͤcke fuͤhrt uber ſie, welche in einer ſolchen Wuͤſte merkwuͤrdig iſt, und aus dem bohen Alterthume zu ſeyn ſcheint. Der Hauptbogen iſt ein Kreuzbogen, und von ziemlich kuͤhner Arbeit. Gegen Weſt hat dieſe Bruͤcke 3 weit kleinere Bogen, gegen Oſt enthalten die zugemauerten Bogen einen unterirdiſchen gewoͤlbten Raum, welcher 36 Fuß lang, und 8 F. breit iſt; eine Treppe am aͤußerſten Ende der Brucke fuͤhrt in denſelben. Verſchiedene Spuren von Rauch an dieſer Bruͤcke laſſen abnehmen, daß der Erbauer ſie zu einem Karavan ſerail beſtimmt habe. In den Pfeilern des großen Bogens ſind Wohnungen für die Kaufleute. Ungefähr 100 Loiſen davon gegen Dſß ſind die Ueberreſte einer zweiten Bruͤcke. Solche Bau⸗ ten, Thuͤrme, Dheile von feſten Mauern zeugen von dem ehemaligen Daſeyn einer ſehr betraͤchtlichen Stadt an dieſen Orten. Bei dieſen Ruinen und Denkmaͤlern leben nomadiſche Tartaren. Ueber die Khram fuͤhrt ein Weg gegen Suͤd nach Srivan, ein anderer gegen Suͤd-Dſt nach Baku. Von den Ruinen bis Salagli rechnet man 16 Wer⸗ ſte. Der Weg war gut und der Boden trocken⸗ Bei dem angenehm liegenden Salagli ſindet man rechts einen ſehr ſchoͤnen Wald, und in der Ferne bemerkt man ſtockwerkartig emporſteigend eine Gebirgs⸗ maſſe aus Erhoͤhungen von verſchiedenen Formen, und in beinahe geraden Linien vereinigt, mehrere Ketten bil⸗ 338 dend. Die Gipfel waren damals nicht mit Schnee bedeckt. * Den 18. September nahmen wir den Weg nach dem 18 Werſte entfernten Aſtabeglu. Der Weg war bald gebirgig, bald ging er durch Lachen. Beinahe dieſe ganze Gegend iſt ſandig, und im Ganzen un⸗ fruchtbar. Bevor man in Salagli eintrifft, geht man durch das Bett eines ziemlich breiten Stromes, welches mit einer 3— 4 Zoll hohen Kieſel⸗Schicht be⸗ deckt iſt. Wir fanden ihn ganz trocken; allein zur Zeit, in welcher das Gebirgs⸗Waſſer herabſtuͤrzt, wird der Durchgang unmoͤglich. Auf dieſem Wege ſahen wir bloß ein tartariſches Dorf. Einige Tartaren zu Pferde begruͤßten uns ſehr freundlich. Auch ſahen wir große Heerden Rinder und Schafe in dieſen Steppen. Die Station Aſtabeglu iſt nicht weit von einem Bache ſchlechten Waſſers, obgleich es in einem Kieſel⸗ bette fließt. Der Weg von Aſtabeglu bis Ganſanſon war bisweilen ungleich, und hatte an manchen Stellen Schwierigkeiten. Die Entfernung betraͤgt 12 Werſte. In einem Dorfe, deſſen umgebende Ebene mit Schilf und ſchlechtem Graſe bewachſen iſt, wurde zu Mittage gegeſſen. Der Poſten Ganſanſon iſt beinahe eben ſo be⸗ ſchaffen, wie der Poſten Aſtabeglu; in ſeiner Nach⸗ barſchaft bemerkt man einzeln ſehende Baͤume. Um 339 3 Uhr Nachmittags brachen wir nach dem bloß 46 Werſte entfernten Tauz auf. Aus Ganſan ſon fuͤhrt eine Schlucht in einen kleinen, ziemlich armſeligen Wald, wo Weiden und Pappeln die gewoͤhnlichen Baͤume ſind. An mehreren Stellen wird er mit der unfruchtbaren großen Ebens vermiſcht, welche ihn umgibt, und die ſich 1—2 Werſte weiter, als man ſehen kann, veriaͤngert. Auf der lin⸗ ken Seite des Weges lauft eine wenig hohe Gebirgs⸗ kette hin, rechts aber ſind in der Entfernung dieſe Ge⸗ birge in parallel laufenden Linien wie auf einander ge⸗ ſchichtet. Die Ebenen und die Thaͤler ſind aͤnßerſt trocken. Auf dieſen großen Ebenen ſahen wir die ſchoͤnſte Art von Rehboͤcken(gerame), welche dieſen Gegenden eigenthuͤmlich iſt und ſich nie in Waͤldern aufhaͤlt, oft in Heerden von 15—20. Nach 16 1/½ Werſte Weges auf dieſen Ebenen kommt man uͤber das ausgetrocknete Bett eines Fluſ⸗ ſes zu dem Koſaken⸗Poſten Tauz. Den 19. brachen wir nach dem 17 Werſte entfernten Koſaken⸗Poſten Dzegam auf. Unterwegs bemerkten wir die Rich⸗ tung einer Gebirgs⸗Kette, welche von Siflis nach Eliſabethpol noͤrdlich und ſuͤdlich, aber etwas ſchief gegen Oſt laͤuft. Auf der einen Seite vereinigt ſie ſich wieder mit dem Kaukaſus, auf der andern trennt ſie die Ebene von Ghendje von den Ebenen Eri⸗ vans. Ihre Breite betraͤgt 1—6 Werſte. Die Lem⸗ 340 veratur iſt mild und angenehm, und der Voden mit einem beſtaͤndigen Gruͤn bedeckt, auf welchem die Tar⸗ taren ihre Heerden weiden. In der Mitte dieſer oͤden Ebene ſahen wir grote Heerden ſchuͤchterner Rehboͤcke. Die Jaͤger erlegen ſie, indem ſie ſich in Ochſenhaͤute huͤllen, auf allen Vieren gehen und ſo ſich der Heerde bis auf Schuß⸗Weite naͤhern. Der Poſten Dzeg am befindet ſich, wie alle bis⸗ berigen Poſten, wo wir hielten, auf einer etwas er⸗ hoͤhten Hochebene, und bei einem ausgetrockneten Ba⸗ che. In 3 Stunden erreichten wir das 28 Werſte ent⸗ fernte Schamkor. Ungefaͤhr s Werſte von Dze⸗ gam befindet ſich außerhalb der Ringmauer der Fe⸗ ſtung die Saͤule von Schamkor. Sie iſt aus ro⸗ then Ziegelſteinen erbaut, welche auf die regelmaͤßigſte Art ſchichtweiſe gelegt ſind. Ihre viereckige Grund⸗ lage iſt auf jeder Seite 4 Fuß breit und 12 Fuß hoch; auf ihr ſteht die Saͤule, welche 22 Fuß im Durchmeſ⸗ ſer hat, und 180 Fuß hoch ſeyn mag. Eine doppelte, aber jetzt beſchaͤdigte, Treppe fuͤhrte nach einem Gange, welcher außen um die Saͤule ging, und 40 Fuß unter⸗ balb der Spitze angebracht war. Dieſes Denkmal, viel⸗ leicht ehemals eine Sternwarte, benutzten ſeitdem die Muhametaner fuͤr den Ruf zum Gebete. Seinen Ur⸗ ſprung umhuͤllt das Dunkel der Vorzeit; es wird von mehr oder minder groben Truͤmmern umgeben, welche 341 auf eine ehemals reiche und maͤchtige Beroͤlkerung weiſen. Am 24. traten wir die Reiſe zu dem 16 Werſte entfernten Eliſabethpol an. Als wir uns dem⸗ ſelben naͤherten, verweilte das Auge mit Vergnuͤgen auf den praͤchtigen Baͤumen, welche die Truͤmmer und noch ſtehenden Gebaͤude des alten Ghendje umge⸗ ben. Den Namen dieſer Stadt wandelte der General Titianoff, bei Eroberung derſelben in Eliſabeth⸗ vol, zur Ehre des Kaiſers Alexander um. Faſt ale Haͤuſer ſind von Lehm erbaut, welcher die Geſtalt von viereckigen Steinen erhalten hat. Die Gebaͤude und Ruinen ſind von Baͤumen umgeben, unter wel⸗ chen man rieſenhafte Platanus bemerkt. Wenigſtens 2 Drittheile von den Haͤuſern Ghendje's ſollen die Perſer durch ihre Einfaͤlle zerſtoͤrt haben. Der ganze Bezirk von Ghendje iſt 100 Werſte lang und so breit; die Anzahl der Einwohner beraͤgt 23,000, von welchen Sliſabethpol allein 12,000 hat. Faſt alle offent⸗ lichen Denkmaͤler ſind zu Ghendje zerſtoͤrt worden; an die Stelle einer ſteinernen Bruͤcke kam eine ſchlechte hoͤlzerne. Das Karavanſerail und der ſeinerne Bazar blieben unangetaßtet. Das Haupterzeugniß in der Umgebung von Ghendie macht die Seide aus, deren Erndte jaͤhrlich wenigſtens 1000 Pud oder 40,000 ruſſ. Pfunde liefert. Das Kha⸗ nat Nuſcha zwiſchen Karabagh und den Gebirgen des Lesgher erzeugt gleichfalls viele Seide, wird 342 faſt von lauter betriebſamen Armeniern bewohnt, und ſiel nach dem Tode des Khan an Rußland. Der Betirk von Ghendje liefert Baumwolle, auch kann man Honig, Wachs, Krapp, Ochſen⸗ und 1 Buͤffelhaͤute hier haben. Die großen Weinbeere geben einen guten Wein. Das Land iſt reich an Kupfer⸗ Blei⸗, Steinſalz⸗, Eiſen- und Alaun⸗Gruben. Drei⸗ ßig Werſte von Sliſabethvol enthaͤlt am ufer des Caſchekara der Berg Askeſchan eine Eiſen⸗ und Magnet⸗Grube. Eiſen⸗Gruben ſind gleichfalls bei dem Dorfe Aſcheniſchampk; 10 Werſte davon enthaͤlt ein Bers eine vortreffliche Alaun⸗Grube in der Naͤhe des Dorfes Zaklique. Fuͤnf Werſte von Eliſabethpol liegen ſehr große Ruinen, wovon einige aus Ziegeln, andere aus Stei⸗ nen ſind. In dieſem Bezirke findet man auch mehrere Truͤmmer von alten Staͤdten, deren Bau man allge⸗ mein Alerander dem Großen zuſchreibt. Seit 4 Jahren haben ſich um Eliſabethpol 2 teutſche Colonien aus Wuͤrtemberg angeſiedelt. Eine befindet ſich 7 Werſte(a teutſche Meile) von Schamkor, die andere s Werſte von Eliſabethvol. 3 Den von Eliſabethpol nach Tauris Rei⸗ ſenden fuͤhrt der Weg durch die Provinz Karabagh⸗ eine der ſchoͤnſten, welche die Perſer an Rußland ab⸗ traten, und die von einem zinspflichtigen Khane regtert wird. Sie grenzt gegen Nord an die Provinz Eli⸗ ſabethpol, gegen Dſt an Schirwan, gegen Weſt 343 an Armenten, und gegen Suͤd an den Arares und an die unbeſtimmten Gebirgsgrenzen, welche haͤu⸗ fig Streit zwiſchen den Perſern und Ruſſen erzeugen. Die Fruchtbarkeit in Karabagh, beſonders in den Laͤndereien an dem Araxes, iſt außerordentlich. Die Provinz Karabagh beſteht aus Ebenen und mehrern Gebirgs⸗Ketten. Im Sommer begeben ſich alle Ein⸗ wohner mit ihren Heerden wegen der außerordent⸗ lichen Hitze von den Ebenen auf die Gebirge. Ka⸗ rabagh fuͤhrt von ſeiner Hauptſtadt auch den Namen Schuſchak.— Napoleons Mameluke war aus Karabagh. VII. Nach einigen Tagen Aufenthalts zu Eli⸗ ſabethpol, brachen wir nach Kurgulutſchai auf. Ehe man dahin kommt, geht man durch einen ziemlich dichten Wald, deſſen Baͤume krumm und elend ausſa⸗ hen. Granataͤpfel⸗Baͤume ſind am gewoͤhnlichßen und hingen voll Fruͤchte. Bisweilen bemerkte man einige Pflanzungen von Baumwollen Baͤumen. Der Koſaken⸗Poſten befindet ſich bei einer ſandi⸗ gen Gebirgs⸗Kette auf einer moraßtigen Ebene, wo die Luft ungeſund iſt. Am andern Tage uͤbernachteten wir in dem 22 Werſte vom Kurgulutſchai ent⸗ fernten Mengatſchaur. Das Land, durch welches wir reisten, war flach, wie das unſerer geſtrigen Reiſe⸗ Die Baͤume und Geſtraͤuche waren jedoch weithzahl⸗ reicher. Rechts vom Wege war der Boden mit einer leichten Ktuſte auberordentlich wetßen Salzes bedeckt, 344 welches man auf einer großen Menge Felder entdeckte. In den benachbarten Gebirgen und am Kur ſind Salz⸗ Gruben in Menge. Der Poſten Mengatſchaur liegt auf dem rech⸗ ten Kur⸗Ufer; dieſer zu Gori und Tiflis ſo rei⸗ ßende Fluß lauft hier erſtaunlich langſam. Er iſt bei⸗ nahe in dieſer ganzen Strecke von 2 Gebirgs⸗Ketten begrenzt; die links nahe liegende hat nur eine gerings Hoͤhe; die ziemlich entfernte zur Rechten iſt bedeutend boͤher. Durch das Waſſer, welches nach Gewitter⸗ Regen von dieſen Bergen herabfaͤllt, ſchwillt der Fluß an, und nimmt ſeine urſpruͤngliche Schnelligkeit wie⸗ der. Bei dieſem Poſten faͤngt man viele Fiſche, be⸗ ſonders eine Art Stoͤr, Aſſetine genannt. Der Ruͤcken deſſelben iſt der ſchmackhafteſte Theil; man ſchneidet laͤngs des Wirbelbeines 2 duͤnne Streifen weg, ſalzt ſie ein, und raͤuchert ſie. ls wir uͤber den Fluß geſetzt hatten, reisten wir an einem ſehr ſchoͤnen Walde von ſehr großen Eichen und Buchen hin; Nuß⸗, Feigen⸗ und Granataͤpfel⸗ Baͤume waren gleichfalls ſehr zahlteich, und wurden meiſtens von wilden Weinſtoͤcken umrankt. Die Un⸗ fruchtbarkeit des Bodens zur Linken mit dem gruͤnen Walde iſt auffallend. Der Weg war gut und in 1 ½ Stunde erreichten wir das 15 Werſte von dem Poſten entfernte Tſchamais. Es hat eine angenehme Lage an den ufern eines Baches, und am Ende des Wal⸗ des, aus welchem wir kamen. Von Lſcham ais bis 345 Gurgane rechnet man gewoͤhnlich 21 Werſte. Sie⸗ ben bis acht Werſte von Tſchamais iſt ein tartari⸗ ſches Doͤrfchen, deſſen Haͤuſer, wie alle in dieſen Ge⸗ genden, zwiſchen ſehr ſchoͤnen Obſt- und Waldbaͤumen gaͤnzlich verſteckt liegen. Man ſieht hier eine Moſchee von Stein und ein Grabmal, deſſen Kuppel auf einem von der einen Seite offenem Bogen ruht, und dem⸗ jenigen Grabmale gleicht, welches wir bei unſerm Aus⸗ tritte aus Eliſabethpol bemerkt hatten. Eine Werſte von Gurgane laͤuft der kleine Gur⸗ gain, welcher von den Gebirgen herabkommt, deren Kette mit dem Kur parallel laͤuft. Nicht weit von dieſem Fluſſe theilt er ſich bei dem Poſten, welchem er den Namen gibt, in s— 6 reißend ſchnelle Arme, deren Bette ſich ſo oft veraͤndern, daß die Fuhrten dadurch unſicher und gefaͤhrlich werden. Der Poſten Gurgane iſt in Hinſicht des gaͤnzlichen Mangels an Lebensmitteln, wegen der Schwierigkeit des Zugan⸗ ges und wegen der ungeſunden Luft einer der ſchlech⸗ teſten auf dem Wege. Von Gurgane reisten wir nach Goktſchai, welches 23 Werſte davon entfernt liegt. Dieſe ganze Gegend iſt flach, und ihre Einfoͤrmigkeit wird bloß durch einige tiefe Schluchten unterbrochen, aus wel⸗ chen wir unſere Pferde nur mit Muͤhe bringen konn⸗ ten. In dem Poſten Goktſchai erhielten wir zwar keine Huͤlfsmittel, aber ein, nur 1 Werſt iiet 69. Bd, Perſien. III. 3 7 346 tartariſches Dorf verſchaffte uns die noͤthigen Lebens⸗ mittel. Aus dem Poſten erblickt man, ſoweit das Auge ſieht, rechts eine Ebene von Zeit zu Zeit mit Baum⸗ Pflanzungen bedeckt, welche zerſtreut liegende tarta⸗ riſche und armeniſche Doͤrfer verkuͤnden. Links geht man in dem ſchrecklich unfruchtbaren Sandgebirge hin, wo die Luft nicht nur unertraͤglich heiß, ſondern auch hoͤchſt ungeſund iſt, und haͤufige Fieber erzeugt. Auf dem Poſten Novo⸗utſchregy⸗Denuy wurde uͤbernachtet, und der Einfluß der aͤußern Luft wurde dadurch abgehalten, daß wir den Balogon (Haͤuschen), in welchem wir wohnten, mit Decken und Burkas behingen. Hier ertheilte uns der ausge⸗ zeichnete Attaman aller Koſaken auf der andern Seite des Kaukaſus, Wlaſſoff, nuͤtzliche Rathſchlaͤge und gab uns einen Generalbefehl an alle Koſaken⸗ Poſten bis Derbent, ohne welchen wir unſere Reiſe unter den damaligen Umſtaͤnden nicht haͤtten fort⸗ ſetzen koͤnnen. Den 26. Sept. zogen wir uͤber ein trauriges und odes Land nach dem Poſten Ineja. Zahlreiche Schaf⸗ Heerden zeigten uns den Aufenthalt herumziehender Tartaren an. Hier ſahen wir auch zum erſten Male ſeit unſerer Abreiſe von Eliſabethpol s—6 Zuͤge Ochſen, deren jeder zwei Ballen Waaren trug. Auf dem Poſten Ineja finder man, wie auf dem vorher⸗ zebenden, einige Baraken von Schilf, mit welchem 347 ein Theil der Ebene, uͤber welche wir reisten, ganz bedeckt war. Nach Neu⸗Schamakhirechnet man wenigſtens 28 Werſte. Die Reiſenden erhielten in dieſen Gegen⸗ den, welche ſo lange den Einfällen der Gebirgs⸗Be⸗ wohner ausgeſetzt waren, einige Soldaten zur Be⸗ deckung. Wegen der vielen Kranken konnten wir kaum zwei erhalten, welche jedoch hinlaͤnglichen Schutz ge⸗ waͤhrten. Der Weg von Ineia nach Neu⸗Scha⸗ makbi macht eine lange Kruͤmmung um die Gebirge, auf welchen der Ein⸗ und Austritt aus Schluchten mit Kieſel⸗ und Steinboden unſern abgematteten Pfer⸗ den große Hinderniſſe verurſachte. Neu⸗Schamakhi, auf dem Grunde des gaͤnz⸗ lich zerſtoͤrten Alt⸗Schamakhi erbaut, wurde in der Folge durch Einfaͤlle wieder ſo verwuͤſtet, daß es bloß nur einige 100 Wohnhaͤuſer nebſt einem kleinen Baiar enthaͤlt, wo die Tartaren rohe Seide und Waa⸗ ren von geringem Werthe an die Perſer verkaufen. Das Nachtquartier zu Neu⸗Schamakhi war wegen der in unſerer Wohnung herrſchenden Unreinlichkeit und wegen der verſchiedenen Inſekten eckelhaft. Am andern Tage brachen wir fruͤhzeitig nach Alt⸗ Schamakhi auf, welches 30 Werſte entfernt iſt. Aus den Ruinen von Neu⸗Schamakhi geht der Weg uͤber eine ungefaͤhr s Werſte lange Ebene, welche am Fuße obengenannter Gebirgs⸗Kette ſich verliert. Vier Paar Buͤffel ſollten uns bis auf ihren Gipfel ſchaßen; 5 348 der Weg betraͤgt 10 Werſte. Die Gebirge, uͤber wel⸗ che wir reisten, laufen mit jenen des Kaukaſus varallel, und ſind durch eine Strebemauer damit ver⸗ bunden. Sie ſind ziemlich hoch, und beſtehen faſt alle aus Kies und Sand, in deren Mitte wir ein Granit⸗ Lager erkannten. DOben auf dem Gebirge uͤberſtebt man die große Ebene, welche wir durchteist hatten, und die Ruinen Neu⸗Schamakhi's. Dieſe Ebene, welche gegen die Nordwinde durch das Sandgebirge geſchuͤtzt iſt, an dem wir gegangen waren, iſt ungeſund, wenig bewaͤſſert, und von Bäumen entbloͤßt. Diefe Gegend war ſonſt mit Maulbeer⸗Baͤumen und Weinſtoͤcken bedeckt, und wurde von Reiſenden als ſehr glücklich geſchildert. Fünf bis ſechs Werſe vor Alt⸗Schamakhi ent⸗ haͤlt ein ſehr ſchoͤner Brunnen aus Stein vortreffliches Waſſer. Rechts und links, und am haͤufigſten auf dem Kamme der Gebirge ſeht man tartariſche i armeniſche Doͤrfer. Endlich erblickten wir jene ſehr große Menge von Karavanſerails, Bazars, Moſcheen, oͤffentlichen und Privat⸗Gebaͤuden aus Steinen erbaut, welche jetzt mit Recht Truͤmmer von Alt⸗Schamakhi heißen. Ehe man hineinkommt, zeigen ein großer, mit vielen Leichenſteinen bedeckter Todtenacker und die Ruinen ſelbſt, daß dieſe Stadt mehrere Jahrhunderte lang ſehr bevoͤlkert geweſen ſeyn mub. Die Gruͤnduns 349 Schamakhis geht in ein ſehr hohes Alterthum zu⸗ ruͤck. Nach Voltaire ſoll ſie fuͤr kurze Zeit die Hauptſtadt Mediens, und die Reſidenz des Cyrus geweſen ſeyn. D'Anville halt es fuͤr das Mama⸗ chia des Ptolemaͤus. Es war durch ſeinen Hau⸗ del bluͤhend, und Olearius fand es gegen 1646 noch in ſeinem Glanze. Die Ruſſen trieben großen Han⸗ del daſelbſt. Als aber gegen Anfang des letzten Jahr⸗ hunderts die ruſſiſchen Kaufleute von den Perſern er⸗ mordet wurden, zog Peter der Grote nach Schir⸗ wan, und verheerte Alt Schamakhi, den Tod ſei⸗ ner Unterthanen raͤchend. Seit dieſer Zeit erholte ſich dieſe ungluͤckliche Stadt nicht wieder. Wegen der Ungeſundheit des Koſaken⸗Poſtens ſchliefen meine Reiſegefaͤhrten unter freiem Himmel. Ein 6 Werſte entferntes Dorf half unſerm Mangel an Lebensmitteln ab. Wir fanden die Straßen regel⸗ maͤßig angelegt, und die Mauern der Bazars und Haͤuſer noch aufrecht ſtehend. Die Bogen der Kara⸗ vanſerails waren theils halb zerbrochen, theils noch ganz; 25 bis 30 Einwohner, der einzige Ueberreſt von 400,000 Seelen, welche dieſe Stadt vor kaum einem JFahrhunderte in ihren Mauern enthielt, hielten ſich am aͤußerſten Ende der Stadt auf. Die, eine Werſ von der Poſt entfernte Feſtung war der Aufenthalt des Khan von Schirwan, und in einem noch ziemlich guten Zuſtand. Die Wohnungen hatten eine geſunde Lage und zahlreiche Quellen enthielten reines 35⁰ Waſſer, welches in Roͤhren durch die ganze Stadt ge⸗ leitet wurde. Einen Monat vor unſerer Durchreiſe bewohnte ge⸗ nannter Khan noch die Feſtuns Fitag, ungefaͤhr 20 Werſte von Alt⸗Schamakhi. In Vetzweiflung uͤber die Zerſtoͤrung ſeiner Hauptſtadt und uͤber das Hinwegfuͤhren ſeiner Unterthanen in die Sklaverei, fuͤhrte er die Einwohner beider Schamakhis in dieſe ſichere Feſtung; ſie enthielt ungefaͤhr 30,000 See⸗ len. Auf der Feſte uͤberſieht man die ſchoͤne Ebene von Alt⸗Schamakhi; gegen Suͤd, eine halbe Stunde von der Stadt, ſchoͤne Gebaͤude, von denen einige zur Moſchee, die andern zu Begraͤbniſſen fuͤr die Khane und ihre Groten dienten. Als der Gene⸗ ral Yermoloff den Khan von Schirwan wegen Verdachtes der Verraͤtherei nach Tiflis beſchied, floh dieſer nach Perſien, und uͤberließ die Feſtung und ſein Khanat den Ruſſen. Dieſe hielten es fuͤr beſſer, die 30,000 Bewohner von Fitag wieder auf die Ebene von Schamakhi zu fuͤhren, und dieſe Stadt aus ihren Trümmern wieder zu erheben. Zu den Laͤndereien des Khan von Schirwan gehoͤrt auch die Steppe Mugan, durch welche man auf geradem Wege nach Salian reiſet. Nach römi⸗ ſchen Geſchicht ſchreibern war dieſe Ebene ſo voll Schlan⸗ gen, daß Pompeius nicht wagte, mit ſeiner Armee einzudringen. Als General Zuboff Salian an⸗ griff, fanden ſeine Soldaten, welche zur Winterzeit 351 Loͤcher in die Erde graben mußten, um ihre Zelte auf⸗ zuſchlagen, alle Augenblicke Schlangen in dem Zu⸗ ſtande der Erſtarrung. Der Fiſchfang von Salian, einer der vornehmſten Einkommens Zweige des Khan von Schirwan, war fuͤr beinahe s0o,000 Rubel in Bank⸗Aſſignationen(42s,000 Thlr.) verpachtet. Den 28. September kamen wir nach Zuruͤcklegung von 25 Werſten zu Karavanſerei⸗Dgematy vder Marazgan. Das Land war gebirgig; alle angebau⸗ ten Felder hatten Einfaſſungen; fuͤr die Wagen war kein Weg gemacht, daher wir uns oͤfter verirrten. Dieſer Poſten befindet ſich zwiſchen den Ruinen einer ehemals wichtigen Stadt. Das Land, wo Marazy liegt, iſt nicht angebaut; die Gebirge ſind aller Vegetation beraubt, und auch die engen Thaͤler, durch welche die Heerſtraße geht, haben keine Fruchtbarkeit, Mit dem Handel verſchwand die Bevoͤlkerung. Ebenſo wurde ſeit der Zeit, als Zenobia die Karavanen nicht mehr beſchuͤtzte, und dieſe nicht mehr ihren Weg nach dem Mittelmeere uͤber Palmyra nahmen, dieſe praͤchtige Stadt un⸗ bewohnt, wie die Wuͤſten, in deren Mitte ſie lag. Die Schwefelgruben in der Gegend von Marazy ſcheinen nach dem Berichte des Ingenieurs, welchen die Regierung zu deren Unterſuchung ſchickte, ſehr reichbaltig zu ſeyn. Den 29. September 1820 brachen wir nach Gru⸗ bok⸗Salka auf, welches 25 Werſte entfernt iſt. Das 352 Land, durch welches wir reisten, iſt ziemlich unfrucht⸗ bar. Von Zeit zu Zeit ſieht man 43— 20 Häuſer, welche den Namen Doͤrfer fuͤhren, und von Arme⸗ niern, Perſern und Tartaren bewohnt werden. Acht bis zehn Werſte von Grubok⸗Salka beſahen wir die Naphtha⸗VDuellen, welche eine Strecke von un⸗ gefaͤhr so Schritten in das Gevierte einnehmen. Die unaufhoͤrlich hervorſprudelnde Naphtha ſchwimmt auf dem Waſſer, und theilt der Luft in einer großen Ent⸗ fernung einen unangenehmen Geruch mit⸗ Die ſes Eidpech wird in dieſer Gegend zum Beſtreichen der Wagenraͤder, zur Erleuchtung der Haͤuſer, und zur Ueberziehung des innern Cheiles der⸗ Weinſchlaͤuche gebraucht. Bei unſerm Aufbruche von Grubok⸗Salka nach dem Karavanſerail Arbat wurde unſere Be⸗ deckung mit einigen Koſaken vermehrt, weil das Land zum Aufſtande geneigt ſchien, und im Falle eines Ungluͤckes kein Dort und keine Wohnung anzutreffen war. Nach drei Stunden kamen wir in dem 25 Werſte entfernten Karavanſerail Arbat an, erhielten eine bequeme Wohnung in einer von den kleinen Kammern eines alten Karavanſerail, welches feſt von Quader⸗ ſtenen erbaut iſt. Seine innere Vertheilung hat viel Aehnliches mit den Ventas in Spanien, und den ſchoͤnen Wirthshaͤuſern in Galizien. Ueber dem gewoͤlbten Bogen bringen auf einer Derraſſe die Aſia⸗ ten bei großer Sommer⸗Pitze die Nacht zu. 356 Den zo. September erreichten wir mit Koſaken⸗ Pferden das 30 Werſte entlegene Baku. Das Land, welches man durchreist, iſt entvoͤlkert, und mit un⸗ fruchtbaren Ebenen und Huͤgeln unterbrochen. Sechs Werſte von dieſer Stadt entdeckt man auf dem Gipfel eines ziemlich hohen Berges den kaſpiſchen See⸗ und Baku im Hintergrunde eines Golfes. VIII. Zu Baku empfing uns der Oberſt Meli⸗ coff, ein Armenier, ſehr wohlwollend, und behielt uns gaſtfreundlich waͤhrend unſeres Aufenthaltes an ſeiner Tafel. Die Stadt, unter dem 390 30“ N. B. und unter dem 600 De. L., lehnt ſich an den Berg Beſchbarmak. Gegen die See hat ſie die Geſtalt etnes Dreieckes; die Moſchee bei dem ehemaligen Pa⸗ late, welchen Abbas Tl., Koͤnig von Perſien er⸗ baut, iſt ihr hoͤchſter Punkt. Baku beſteht aus einer großen Feſtung, oder der eigentlichen Stadt, und aus einer Vorſtadt. Die Straßen der Stadt ſind ſchmal, in der Vorſtadt aber breit, und gerade. Faſt alle Haͤuſer haben eine Terraſſe, deren Pberflaͤche aus Erde mit Naphtha vermiſcht beſteht, und ſo dem Regen undurchdringlich wird. Der Bazar bietet Waaren aus Perſien und Ruß⸗ land in reichlicher Anzahl dar. Wegen des Pflaſters der Stadt aus großen platten Steinen iſt ſie ſtets rein⸗ lich. Der lebhafte Handel ſank, ſeitdem der ruſſiſche Tarif einen großen Theil der Waaren, welche von Ihr Del nimmt man zur Seife, welche in großer 354 der See kommen, mit einem Zolle von 26 Prozent belegt hat. Baku war die Hauptſtadt eines kleinen, in Schirwan eingeſchloſſenen Khanats. In dem Kriege mit Rußland belagerte hier der geſchickte und tapfere General Titianoff den Khan. Die unmoͤglichkeit einſehend, den General zu beſiegen, ſann er auf ſchimpfliche Hinterliſt. Er lud denſelben zu einer Unterredung ein, um uͤber die Bedingungen der Ueber⸗ einkunft zu unterhandeln. Der General, obſchon von dieſer Schlinge benachrichtigt, antwortete, wie Caͤ⸗ ſar bei einer aͤhnlichen Gelegenheit:„er wird es nicht wagen“, und ſiel als Ppfer ſeines uner⸗ ſchrockenen Muthes. Nach der Bege hung dieſes Ver⸗ brechens empoͤrten ſich die Unterthanen des Khans, welcher nach Perſien entfloh. Das Khangt von Bakn und Schir wan, deren Beherrſcher Eigenthuͤmer faſt aller Laͤndereien und Haͤuſer in ihren Beſitzungen waren, ſind jetzt Staats⸗ guͤter der ruſſiſchen Regierung. Außer den Zoͤllen und Einkuͤnften von Grund und Boden verpachtet die Krone den Seekaͤlber⸗Fang, welcher auf einer Inſel einige Stunden von Baku getrieben wird. Man faͤngt daſelbſt jaͤhrlich 6000 Seekaͤlber, welche kleiner ſind, als jene auf den großen Inſeln des kaſpiſchen Sees. Jene wiegen 28 ruſſiſche Pfund, dieſe 40. Der Fiſcher erhaͤlt fuͤr ein Seckalb 60— 70 Kopeken. 355 Menge in dieſer Stadt verfertigt, und in ganz Ruß⸗ land verbraucht wird. Zu den wichtigen Erzeugniſſen dieſes Bezirkes ge⸗ hoͤren die Seide, der Safran, die ſchwarze und weiße Naphtha. Letztere ſammelt man in Brunnen, welche man in großer Menge nicht weit vom kaſpiſchen See gegraben hat. Dieſe Brunnen ſind 10— 60 Fuß tief. Die ſchwarze Naphtha trifft man gewoͤhnlich in einer Lehm⸗Erde an, welche mit Sand und andern Fels⸗ ſteinen vermiſcht iſt, wovon der Sand die Grundlage ausmacht. Diejenige, welche ſich in einem niedri⸗ gen Boden und am Seeſtrande befindet, ſteigt vom Boden des Waſſers in die Hohe, und ſchwimmt auf der Pberflaͤche. Die weiße Naphtha ſcheint nichts anders, als die mittelſt des Durchdringens einer Sand⸗ ſtein⸗Schicht gereinigte, und weißgewordene ſchwarze Naphtha zu ſeyn, denn ſie hat denſelben Geſchmack, und ſcheint von der naͤmlichen Beſchaffenheit, wie die ſchwarze. Der Pacht der ſchwarzen Naphtha be⸗ traͤgt jaͤhrlich s1,400 Silberrubel, jener fuͤr die weiße 41560. Man hat 101 Brunnen zur Gewinnung der ſchwarzen Naphtha, und 4s zur Erhaltung der weißen gegraben. Der groͤßte Theil dieſes Erdpechs gebt nach Perſien. Die Salz⸗Seen in der r provin Bakn ſind fuͤr 14,055 Silberrubel verpachtet. Der See Maſſaſir, 20 Werſte noͤrdlich von Baku, koͤnnte leicht jaͤhrlich 356 600,000 Pud Salz liefern. Das Salz iſt ſehr weiß, aber beißend. Während unſers nicht s Tage langen Aufenthal⸗ tes zu Bakn beſuchten wir die Feuer⸗Anbeter, An⸗ hänger Zorvaſters. Bei dem Austritte ſchlugen wir den Weg rechts ein, gingen über zwei Hügel und durch zwei Doͤrfer, deren faſt ſaͤmmtliche Einwohner, zur Haͤlfte Armenier und zur Haͤlfte Perſer ſich verſammelten, um uns vorbeiretſen zu ſehen. Nach einer Reiſe von 4 Stunden in einem ziemlich unfruchtharen Lande langten wir auf der aeckigen Stelle Lartiſch igay an. Ihre Mauern ſind mit Schießſcharten umgeben, ihr Inneres dient den Feuer⸗Anbetern zum Kloſßter. In der Mitte des Hofes fuͤhren zu einem Altare mehrere Stufen. In jeder Ecke iſt eine ganz verſchloſſene und ungefahr 26 Fuß hobe, viereckige Eſſe, uͤber deren Gipfel die durch das Gas erzeugte Flamme 2—3 Fuß geht. In der Mitte dieſes Altars, und faſt in gleicher Höhe mit dem Boden, ſteigt auf einem Heerde die Flamme eben⸗ falls ununterbrochen empor. Einige 20 Zellen befin⸗ den ſich an den Mauern dieſer geheiligten Einfaſſung. Einige ſind von Hindus, die uͤbrigen von Parſis oder Abkömmlingen der alten Guebern bewohnt. Rur eine kleine Auzahl Familien dieſer Perſer blieben ſeit der Entſtehung des Muhametismus der Religion der Magier treu. Beinahe alle wohnen zu Yezd und in andern Staͤdten des ſuͤdlichen Perſiens. Einige Familten flohen zur Zeit des Einfalles der Araber 357 nach der Kuͤſte von Malabar und am die ufer des Ganges. Die Mönche die ſes Kloſters hatten bei ihrer außer⸗ ordentlichen Magerkeit allgemein ein ſchwarzbraunes Ausſehen. Ihr Blick hatte etwas Stieres und Un⸗ ſicheres. Einige tragen eine baumwollene Huͤlle; wei gingen, mit Ausnahme eines baumwollenen Guͤrtels, ganz nackt. In den ſehr reinlichen Zellen der Gue⸗ bern ſah man zwei bis drei thonerne Roͤhren in der Erde, bei deren Annaͤherung mit einem Lichte die Flamme zum Vorſcheine kam, aber bei der geringſten Bewegung wieder ausgeloͤſcht werden konnte. Das Gas, welches ſie hervorbrachte, hatte einen unange⸗ nehmen Geruch, welchem ſelbſt die Hindus in ihren engen Zellen nur mit Muͤhe widerſtehen konnten. Nach unſerer Abreiſe vom Kloſter beſuchten wir die 2— 3 Werſte entfernten Naphtha⸗Brunnen. Die gröͤßte Anzahl derſelben iſt auf einer ziemlich ausge⸗ dehnten Strecke von der Geſtalt eines langen Paral⸗ lelogramms, welches auf einer großen Ebene 1 bis s Fuß tief eingeſchlagen iſt. Auf unſerm ganzen Wege war die Luft mit Naphtha⸗ und Gas Geruch ge⸗ ſchwaͤngert. Nicht weit von den Naphtha⸗Brunnen ſahen wir 20 Kalk⸗Defen, wo die Einwohner das Gas zum Kalk⸗Brennen brauchten⸗ Das Gebiet des Khanats von Bakn iſt ungefaͤhr 30 Werſte lang und so breit. Die Zahl ſeiner Ein⸗ wohner beſteht jetzt bloß aus 19,706, welche 3862 358 milien ausmachen, und in 39 Doͤrfern wohnen. Die Zahl der Mannsperſonen uͤberſteigt jene der Frauen⸗ zimmer um 1748; die Stadt und Vorſtadt von Baku enthaͤlt allein s162 Einwohner. Nach einer ziemlich genauen Zaͤhlung ſcheint es, daß man in dem Khanate 471 Kameele, 2929 Pferde, 4974 Ochſen und Kuͤhe, und 42,460 Schafe findet. Die Zahl der Obügaͤrten wird auf 1792, und jene der Einfaſſungen fuͤr den Anbau des Safrans auf 4207 gerechnet. Die Stadt Baku ſiammt aus dem hohen Alter⸗ thume, und will, wie Derbent, von Alerander dem Großen beſucht worden ſeyn. Eine Inſchrift an einem ihrer Thuͤrme zeigt, daß ſie vor mehr als so0 Jahren ausgebeſſert wurde. Zwiſchen den Ruinen des Palaſtes des Khans wohnen 37 ganz arme tartariſche und perſiſche Fami⸗ lien. Der Palaſt liegt auf dem hoͤchſten Theile der Stadt; die Vorſtadt iſt von neuerer Bauart; faſt alle Haͤuſer ſind von Lehm oder Flechtwerk. Die Richter zu Baku werden zur Haͤlfte aus Perſern und zur Haͤlfte aus Ruſſen gewaͤhlt. Die Handels ⸗Verbindungen zwiſchen Baku und Tiflis ſind von einer geringen Wichtigkeit.— Der kaſpiſche See nimmt jetzt auf eine auffallende Art ab. Noch vor wenigen Jahren beſpuͤlten ſeine Wogen die Mauern Baku's, jetzt iſt er ziemlich weit entfernt. „ Baku iſt nach Diflis die Stadt, welche an ₰ 359 beſten zum großen Handel in den ruſſſchen Provinzen jenſeits des Kaukaſus gelegen ißt. IX. Den 20. Juni 1820 brachen wir nach Kake⸗ tien auf, mietheten fuͤr unſere Britſchka von den Deutſchen Pferde, um die 30 Werſte zuruͤckzulegen, welche man nach den wuͤrtembergiſchen Kolonien zaͤhlt. Mein Sohn und mein ruſſiſcher Dolmetſcher ritten. Uns begleiteten drei Koſaken zum Schutze gegen die Lesger. Nachdem wir uͤber den Kur auf einer ſehr alten Bruͤcke, welche die Stadt von der Vorſtadt Awla⸗ hari trennt, und einen ſteilen Weg hinaufgefahren waren, um aus den Bergen zu kommen, welche Tif⸗ lis von drei Seiten umgeben, geht der Weg 10 Werſte uͤber flaches Land, dann kommt man nach einer Reiſe von 24 Werſten aus mehr oder minder hohen Gebir⸗ gen. Dieſe ganze Gegend war aͤußerſt unfruchtbar. Das Getraide, welches man hier und da ſah, hatte ſo magere Aehren, daß ſie kaum die Ernte⸗Koſten betrugen. Sechs Werſte von dieſen Gebirgen liegen zwei deutſche Doͤrfer eine Werſte von einander an den Ufern der Jori(Cambyſes). Das Petersdorf enthaͤlt 27 Haͤuſer mit o Einwohnern, das andere, Marienfeld, 31 Familien oder 160 Bewohner. Die Haͤuſer ſind von weichen Steinen und Holz erbaut, beguem eingetheilt, und faſt alle mit einem Saͤulen⸗ gange verziert. Jede Familie bat 33 Deſſaͤtinen(un⸗ 360 gefaͤhr 9o Morgen) als voͤlliges Eigenthum erhalten. Der Vorſchuß der Krone fuͤr die Haͤuſer, 126 Rubel, ſoll nach 20 Jahren ohne Zinſen zuruͤckbezahlt werden. Die Luft iſt hier geſund, und das Waſſer der Fort gut. Unter den Koloniſten dieſer beiden Doͤrfer fin⸗ den ſich vier ungarſche Familien, welche ſchon eine ziemlich große Zahl von Pferden beſitzen. Ihre Kuͤhe ſind allgemein klein. Die Nachbarſchaft der Lesger ſetzt die Deutſchen oft der Gefahr aus, eines oder das andere Stuͤck Vieh zu verleren. Zu Marien⸗ feld findet ſich ein Poſt von 12 Koſaken. Am andern Tage reisten wir von Marienfeld nach Mucravane, dem Lager des Grenadier⸗Regi⸗ ments von Georgien. Der Weg dahin fuͤhrt durch ein ſteinigtes Thal, in welchem die Jori fließt. Das Lager ſcheint dazu beſtimmt zu ſeyn, eine feſte Stadt zu werden. Es liegt auf der Mitte eines Berg⸗Ab⸗ hanges unter einem geſunden Himmelsßriche nicht weit von den Gebirgen, welche die Lesger bewoh⸗ nen. Es iſt bloß einige Werſte von dem Wege ent⸗ fernt, welcher von Liflis nach Kaketien fuͤhrt, und den man auf der einen Seite bis Derbent, auf der andern bis Baku fortſetzen will. Feſte Wohnungen treten nach und nach an die Stelle der Zelte und Ba⸗ raken. Bei dieſem Regimente ſahen wir eine vollſtaͤndige Wagen⸗Fabrik, eine Tſchako⸗ und muſikaliſche Inſtru⸗ menten⸗Fabrik. Die Ruinen einer alten, in Felſen ge⸗ hauenen Kiſche wareni in ein Pulver⸗Magazin verwandelt. 361¹ Von Mueravane begleiteten uns der Pberſt Yermoloffund der Dberſtlieutenant Schwetſchoff bis zum Dorfe Catſchema am linken Ufer der Fori, welche in den Alazan, nicht weit von deſſen Mün⸗ dung in den Kur faͤllt. Die Jori, mehr ein Strom als ein Fluß, fuͤhrt eine große Menge Steine mit fort, und ändert nach der Richtung der Stuͤrme, und nach dem Abfluſſe der Gewaͤſſer ihr Bett. Das Dorf Hatſchemn iſt unbetraͤchtlich mit mittelmäßigen Feldern in ſeiner Umgebung. Die Staͤlle des Grenadier⸗Regiments von Geor⸗ gten ſind a8 Werſte von Mueravane entfernt. Das Land iſt weit beſſer, und Futter im Ueberfluſte vorhanden. In dem 27 Werſte davon entlegenen Ko⸗ ſaken⸗Poſten Dampali ͤbernachteten wir. Dampali iſ⸗faſt, wie alle Poſten der Hoſaken in Georgien und in den übrigen Provinzen jenſeits des Kankaſus, hlot ein eingeſchloſſener Bezirk, wel⸗ cher von Palliſaden und Graͤben nugeben iſt, und den Namen eines Forts fuͤhrt. Dieſe Einfaſſungen ent⸗ balten gewoͤhnlich 3 bis 4 Baraken. Von Dampali brachen wir nach Sinak auf. Das ganze Land iſt mit Ebenen, Thaͤlern und Gebiſrgen untermiſcht. Man bommt durch ziemlich zahlreiche Doͤrfer, welche faßt immer mit ſchönen Anpflanzungen umgeben find. Sinak, die Hauptfadt des Bezirkes von Kizis und von ganz Kaketien, mit ungefaͤhr 400 Haͤuſern und 2000 Einwohnern liegt auf einer ziemlich ausge⸗ 69. Bd. Perſien. III, 3. 8 362 dehnten Erhoͤhung, und hat hinter ſich eine große Ebene, welche ſich mit der hoͤchſten Kette des Kau⸗ kaſus endigt. Sie hat einen einzigen Brunnen mit nur ſo viel Waſſer, daß jeder nach der Reihe bloß ein Gefaß voll holt. Dieſe Unannehmlichkeit veranlaßt oft blutige Auftritte zwiſchen den Einwohnern, welche füͤr die tapferſten unter den Georgiern gehalten werden. Zu Sinak und in deſſen Bezirk wurden im F. 1342 in einem Aufſtande gegen die Ruſſen mehr gls 300 Soldaten ermordet. Bei unſerer Abreiſe von Sinak ſchlugen wir wieder ungefaͤhr 3 Werſte weit den geſtrigen Weg ein. Ueber den Gipfel eines Berges mußten wir auf eine Hochebene hinabfahren, auf welcher ſehr ſchoͤne Nut⸗ baͤume ſtanden. Unter ihrem Schatten pflegen die Reiſenden auszuruhen. Wir wanden uns links, und reisten durch eine fruchtbarere und bevoͤlkertere Ge⸗ gend, als die geſtrige war. Zu Czarzkey Poloden(der Königs⸗Quelle weil der Koͤnig Heraklius beſtaͤndig dieſes Waſſer trank), war das Sommerlager des Dragoner⸗Regi⸗ ments von Niininovogorod. Es ſtand auf der Hochebene, von welcher man die herrliche Ebene be⸗ berrſcht, welche wir zu Sinak bewundert hatten. Vier Werſte vom Lager liegt ein ſehr altes, zerfalle⸗ nes Schloß in der Mitte eines Waldes, in einer ſehr bohen und maleriſchen Stellung. Waͤhrend der Som⸗ merhitze hielten ſich hier die Koͤnige Georgiein beauf⸗ 363 Von dem Lager des Dragoner⸗Regimentes reis⸗ ten wir nach dem Dorfe Waſchery. Auf unſerm Wege durch das Winterlager Caravach fanden wir zu unſerer Verwunderung feſtgebaute Haͤuſer mit Holz, Schilfrohr und Erde bedeckt, welche eine Straße bil⸗ deten. Unſer Weg ging uͤber die ſchoͤne fruchtbare Ebene von Telaw, unſer Ruͤckweg uͤber die ungleich hohe Gebirgskette, auf welcher die Stadt Sinak ſteht, welche wir 4 Werſte von unſerem Wege liegen ließen. Dieſe Ebene enthaͤlt eine große Zahl ſchoͤnez Doͤrfer. Waſchery, 8 Werſte von Sinak entfernt, liegt auf dem halben Abhange eines Berges in einem praͤchtigen Obſtbaum⸗Walde. Die umliegenden frucht⸗ baren Felder erzeugen ſehr ſchoͤnes Getraide, beſon⸗ ders aber Weinſtoͤcke von beſonderer Groͤße. Die Nuß⸗ und Feigen⸗Baͤume ſind von beſonderer Schoͤnheit. Aus Mangel einer beguemen Wohnung wies uns der Schulz des Dorfes die Stelle an, welche zum Preſſen und Aufbewahren des Weines beſtimmt war. Er ver⸗ ſchaffte uns zum Abendbrode rothe Bohnen, Eier und junge Huͤhner. Das Brod war hier wie in allen Doͤr⸗ fern Georgiens ſehr ſchlecht. Als wir uͤbernachte⸗ ten, wurden wir von der Furcht geplagt, vön den Phalanren, einer Art ſehr großer Spinne uberfal⸗ len zu werden. Dieſes in Tiflis und einem Theile Georgiens gewoͤhnliche Thier hat die Groͤße eines Daumens und ziemlich kurze Fuͤße. Es iſt ſebr ge⸗ 364 wandt, hat einen laͤnglichen Pals, und einen mit Zähnen bewaffneten Mund. Zwei Phalanxe, wel⸗ che man uns der Seltenheit wegen ſchickte, brachten wir in ein Gefaͤß zuſammen. Sogleich ſtuͤrzten ſie auf einander los, und faßten einander bei dem Munde. So blieben ſie lange, bis endlich die kleinſte, des Kampfes muͤde, zu entfliehen ſuchte. Wir aber ſtießen ſie wieder in das Gefäß hinab; der Kampf begann von Neuem; die groͤßere faßte die kleinere bei dem Halſe, tiß ihr den Kopf ab, und verſchlang ſie mit der großten Begierde. Zuweilen laͤßt man auch Skor⸗ vione mit Phalanren kaͤmpfen. Der Biß der Phalanx ik nur dann gefährlich, wenn man nicht gleich Huͤlfe anwendet. Als Heilmittel dient Del vder ein anderer fetter Koͤrper. Außer den Phalanxen gibt es in Georgien Lat⸗ ſendfuͤße, Tarendeln und Schlangen, deren Biſſo mehr oder weniger giftig ſind. Nach unſerer Abreiſe aus Waſcherp kamen wir Mittags in ein ſehr ſchönes Dorf am balben Abhangs eines Berges, 3 Werſte von Mokozange. Wir tran⸗ ken auf georgiſ ze Art aus großen ſilbernen Sup⸗ ven⸗Loͤffeln, welche von einem Gaſte zum andern gingen; der Wein, dem Medokweine viel ahn⸗ lich, ſteigt nicht in den Kopf. Nach Ciſche reisten wir durch das Dorf Mokozange, und ſetzten unſern Weg in Waͤldern fort, wo die Eiche vorherrſchte, und wo man ſeht ſchoͤne Ahorn⸗Baͤume, Sycomopen, 365 Pappeln, Aspen, Nußbaͤume, Hagebuchen und ſehr ſchoͤne Eſchen ſah. Wir kamen dann zum Schloſſe des Fuͤrſten von Sſchiftſchivadze, welcher ſehr jung nach Petersburg kam, wo ſein Vater Geiſel war, und erhielt eine ſehr gute Erziehung. Sein Schloß iſt wie die Schloͤſſer Eurova's eingerichtet. Seine Mutter ſtammt aus der Familie der Fürſten EAndro⸗ nicus, welche vor drei Jahrhunderten in Geor⸗ gien ſich niedergelaſſen haben, aus Konſtantino⸗ pel gekommen ſind, und von dem griechiſchen Kaiſer dieſes Namens ſtammen wollen. Der Füͤrſt iß Oberſter à la suite im Dragoner⸗Regiment Nijinoro⸗ gorod, und hat ausgebreitete Beſitzungen. Die bei⸗ den vorzuͤglichſten ſind Tſchenedaly und Moko⸗ zange, beruͤhmt wegen ihres vortrefflich guten Wei⸗ nes. Darauf kommt der Weinberg von Condol in dem Bezirke von Telaw; er gehoͤrt der Regierungz zuletzt kommen die Weinberge des Fuͤrſten Johann Apkaſow⸗ Die Weine, welche der Fuͤrſt ausgab, waren gut und hatten, wie viele georgiſche Weine, den Feh⸗ ler, etwas ſauer zu ſevn. In Georgien wird der Wein in Schlaͤuchen aus Buͤffel⸗, Ochſen⸗, Schwein nen⸗, Bock⸗ und Ziegen⸗Fellen aufbewahrt und fort⸗ geſchaft. Das Haar iſt bei den Haͤuten nach Innen gekehrt, und ſie ſind ganz mit Naphtha ausgepicht. Die Vaſallen des Fuͤrſten ſind verpfichtet, woͤchent⸗ lich einen Lag fur ihren Herren zu arbeiten. Die 366 ͤbrigen Tage können ſie zu den Feldern verwenden, welche ſie von dem Fuͤrſten gepachtet haben. Er er⸗ haͤlt den ſtebenten Theil des Ertrags. Wenn die Va⸗ ſallen auf eim Jahr im Dienſte ſind, ſo erhalten ſie 10 Silberrubel Lohns; die Immeretier, obwohl beſſere Arbeiter, erhalten nur 20. In Georgien erntet man das Getraide mit der Sichel, wobei die Arbeiter einander durch Geſchrei ermuntern. Gleicher Gebrauch herrſcht auch in Min⸗ grelien und Im meretien. Bei dem Ausdreſchen des Getraides bedient man ſich einer Art Dreieck aus drei s bis 7 Fuß langen, und 2 ½ Fuß breiten Brettern; der untere Theil iſt mit Kieſel verſehen, welche man daſelbſt angebracht hat. Ochſen oder Buͤf⸗ fel, an das eine Ende geſpannt, gehen. auf den Gar⸗ ben herum; Maͤnner oder Kinder, auf dem Dreiecke ſitzend, erleichtern das Ausfallen der Koͤrner. Delaw iſt bloß 7 Werſte von dem Schloſſe des Fuͤrſten entfernt. Das Land, welches Sſchen edaly von Delaw ſcheidet, und der ganze Bezirk dieſes Namens, zeichnet ſich durch die Schoͤnheit der Land⸗ ſchaft und durch Fruchtbarkeit der Felder aus. Von der Hochebene herab, auf welcher das Schloß liegt, geht man uͤber den Strom, welcher unten an ihr lauft. Sein Bett iſt uͤber 100 Lviſen breit, und mit einer Menge Kieſel bedeckt. Dann kommt man in ein ſchoͤnes Thal, das mit vielen Pflamzungen von Eichen⸗ 367 Eſchen und andern Waldbaͤumen bedeckt iſt, welche Weinſtoͤcke umſchlingen. Telaw, 15 Werſte von Alatan, auf einer Arhohe mit 2 bis 300 Haͤuſern war die zweite Stadt Kaketiens. Man ſieht da Ueberreſte von Mauern⸗ Thurmen und Kirchen. Der Befehlshaber des Drtes hat, wie der General Yerm oloff, eine kleine Me⸗ nagerie von 2 Woͤlfen, einem Hirſche, einer Hirſch⸗ kuh, einer wilden Ziege von ſehr kleiner Art; ferner einen Fuchs und einen Schakal. Letzterer iſt ſehr zahl⸗ reich in Georgien. Auch findet man in den Waͤl⸗ dern dieſer Gegend einige fuchsrothe Baͤren von einer kleinen Geſtalt. Wir nahmen vom liebevollen Maſor von Pie⸗ ters(Peters) Abſchied, und kehrten zu dem Fuͤrſten Sſchiftſchwodze zurck. Von Mokvzange ſchlugen wir den Weg links durch Engpaͤſſe und uͤber hohe Berge ein, welche mit ſchoͤnem Holze bewachſen waren⸗ und langten im Dorfe Dehary an, welches dem alten Fuͤrſten An⸗ droniecus gehoͤrte. Die um das Dorf liegenden Felder ſind fruchtbar. Zehn Werſte weiter kommt man in den offenen, flachen und baumloſen Theil Ka⸗ ketiens, wo viel Getraide gebaut wird. Mittags aßen wir zu Dampali, uͤbernachteten auf dem Po⸗ ſten, wo die Staͤlle des Georgier Grenadier⸗Regi⸗ ments ſich befinden, und wohnten am folgenden Tage in dem Lager vor Moneravange einer Jagd bei⸗ 368 auf welcher wir nichts als ein Eichhoͤrnchen ſchoßen. AUm 14. Juli 1820 trafen wir wieder in Siflis ein. Was die kriegeriſchen Lesger betrifft, ſo grenzt ihr Land, Lesguinien, gegen Morgen an Daghe⸗ ſtan, und gegen Suͤd an Nuſcha. Gegen Nord erüreckt es ſich bis in die hohen Gebirge des Kauka⸗ ſus, und wird von Kaketien durch den Fluß Tla⸗ san geſchieden, welcher etwas oberhalb Minzat⸗ ſchaur in den Kur faͤllt. Das Land hat eine zlück⸗ liche Miſchung von Bergen, Thaͤlern und Ebenen, ſehr hohe Baͤume, und eine außerordentliche Frucht⸗ barkeit. Bei einer großen Anzahl von Quellen herrſcht eine geſunde Luft. Weil aber das Land keinen Han⸗ del treibt, noch Ausgänge für ſeine Erzeugniſſe hat, ſo iſt es insgemein arm. Der Lesger, nicht ſo groß und ſchön, als der Georgier, hat jedoch eine ziemlich regelmaͤßige Geſtalt, eine gerade ſpitzige Naſe, ſchwarze Augen, und einen harten Blick. Faul und muͤßig lebt er von dem Raube und Feldbau. Beſonders heben ſie gerne Armenier oder Georgier auf, weil dieſe für ihre Loslaſſung nach dem groͤßern oder geringern Wohl⸗ ſande Loͤſegeld bezahlen müſſen. Wird ein ruſſiſcher Soldat aufgehoben, ſo erhaͤlt der Lesger kein Loͤſe⸗ geld. Wenn er ſeine Gefangene nicht weiter bringen kann, oder Verfolgung fuͤrchtet, ſo haut er ihnen die rechte Hand ab und haͤngt ſie als Sieges⸗Zeichen am Hauſe ſeines Dorfes aus. Wird ein Lesger 369 von einem Ruſſen oder Armenier im Gefechte getoͤdtet, und der Thaͤter wird bekannt, ſo uͤbernimmt ein Verwandter des Getoͤdteten, ihn zu raͤchen, und kehrt nicht ebher heim, als bis ſeine Rache befriedigt iſt, oder bis er den F aus dem Lande enttfernt weiß. Sie vermiethen ſich gerne als Soldaten an ihre Nachbarn, ohne Ruͤckſicht, ob die Nation mahomeda⸗ niſch oder chriſtlich iſt. Das boͤchſte Gluͤck fuͤr einen Lesger iſt der Muͤſſiggang. Die Weiber dagegen ſind ſehr fleißig, und verrichten die niedrigſten Ge⸗ ſchaͤfte. Die Lesger ſind Mahometaner von der Sekte der Sunniten; ibre Mollahs verheirathen ſich, und konnen nur arabiſch leſen. Ihre Zahl be⸗ laͤuft ſich im Ganzen auf 27 bis 28,000; im Notbfalle koͤnnen ſie 6s000 Mann in das Feld ſtellen. X. Der Koſaken⸗Poſten Ghartis⸗Kari iſt 27 Werſte von Tiflis entfernt; hier treffen die Wege von Mezdok und Immeretien zuſammen. Die das Thal begrenzenden Gebirgs, in welchem unſer Wes ging, ſind nicht ſehr hoch; die noͤrdlichen deſto mehr, werden aber von den hohen Gipfeln des Kaukaſus beherrſcht. In dieſer ganzen Gegend ündet man we⸗ nige Wieſen und wenig Vieb, baut aber Weizen, Roggen und Gerſte. Das 47 Werſte entfernte Dorf Mukhran zeigt durch ſeine Thuͤrme und Mauern, daß es ehemals eine Stadt hier gab. Es geboͤrt einem Fuͤrten Sri⸗ 370 ſtoff von oſſetiſcher Abkunft. Hinter Mukhran kamen wir in eine ſchlecht angebaute Gegend. Ein großer, mit Gebuͤſche bewachſener Theil zeigte biswei⸗ len in ſeiner Mitte Eichen, Weiden und Pappeln. Das Dorf Tſchala zur Rechten iſt 4 Werſte von dem Koſaken⸗Pvoſten entfernt. Hier wurde das Land beſſer, und die Ebene, an welcher man links reist, enthaͤlt einige Doͤrfer. Von Sſchala kamen wir am 20. Auguſt 1820 in 2 Stunden nach Gori, an dem Fluͤßchen Pſchani, welches nicht weit davon in den Kur faͤllt, der nur eine Werſte von der Stadt fließt. Die Lage dieſer Stadt zeigt das alte Gorſenna an, von welchem Strabo Meldung thut. Auf einem ganz einzeln in einer gro⸗ ßen Ebene liegenden Berge ſteht die Feſtung in der Geſtalt eines Paralelogramms. Hinſichtlich ſeiner Bevoͤlkerung iſt Gopi die zweite Stadt Georgiens. Sie hat 600 Haͤuſer und 4000 Einwohner(die Be⸗ ſatzung nicht gerechnet), und s Kirchen, von denen die katholiſche erſt ſeit a849 fertig geworden iſ. Ita⸗ liſche Kabuziner halten hier den Gottesdienſt. Die ziemlich guten Felder um Guri werden ver⸗ ſchieden verpachtet, hiezu kommen noch Dienſte aus den Feudal⸗Zeiten. Ein Ackerbauer in Georgien muß mit ſeinem Herrn den Ertrag ſeines PHofes thei⸗ len. Bei der Geburt eines Sohnes macht er ihm Ge⸗ ſchenke, und bei dem Code ſeines Gebieters bringt er es ſeinen Erben. Stirbt ein Landmann kinderlos, ſo — 371 konnen ſich ſeine Erben erſt dann das Gut zueignen, wenn ſie eine Erhoͤhung des Zinſes eingegangen haben. Die Beſitznahme wird nur als eine Wohlthat fuͤr die Familie angeſehen, nicht als Beſitznahms⸗Recht; da⸗ ber der Landmann ſeine Beſitzungen nicht verkaufen kann. Der Handel von Gori beſteht hauptſaͤchlich in Wolle, Haͤuten, Wachs und Honig. Die aus Perſien kommenden Waaren muͤſſen auf ihrer ganzen Straße ſehr große Abgaben bezahlen. Vier Werſte von Gori rechts bis an den Fuß der Gebirge, auf dieſer Seite die letzten Verzweigungen des Kaukaſus, iſt ein Dorf mit einer kleinen Zahl von Häuſern, welches aber, nach ſeinen Thuͤtmen zu urtheilen, ſehr betraͤchtlich geweſen ſeyn muß. Einige ſind rund, andere viereckig. Nach 20 Werſten kommt man auf eine ſehr ſchoͤne Ebene, welche beſſer ange⸗ baut zu ſeyn ſchien, als der Dheil Kartaliniens, welchen wir ſchon durchreist hatten. Man ſtoͤßt auf einige Doͤrfer, und der Gipfel der Gebirge iſt an mehrern Stellen mit Truͤmmern feſter Schloͤſſer be⸗ deckt. Unter erſtern hat das Dorf Ruiſſy mit einer ziemlich ſchoͤnen Kirche, welche aus dem Mittelalter zu ſeyn ſcheint, eine betraͤchtliche Bevoͤlkerung. Es wird von einem Fluͤßchen beſpuͤhlt, welches den An⸗ bau der fruchtbaren Felder beguͤnßigt. Der Koſaken⸗Poſten zwiſchen Gori und Suram im Hintergrunde der Gebirge bei einem Moraſte, 372 welcher von dem nahe liegenden Dorfe Gargareb ſeinen Namen hat, iſt ungeſund. Von dieſem Poſten bis Suram ſind 22 Werſte. Der Weg geht uͤber Wald mit verbutteten Vaͤumen, weiter iſt das Land ziemlich fruchtbar und beſſer angebaut. Von Zeit zu Zeit findet man Doͤrfer, deren Haͤuſer mit wenig Sorgfalt, einige von Erde, andere von Flechtenwerk erbaut ſind. Sie kontraſtiren ſtark mit den alten Schloͤſſern, den Kirchen und Chuͤrmen aus Stein, welche den Verheerungen der Perſer und Lesger entgangen ſind. Das Land um Suram iſt ziemlich ſchoͤn; die Feſtung liegt auf einem einzeln ſtehenden Berge. Eine Werſte von Suram muͤſſen in einigen hoͤlzernen Haͤu⸗ ſern, unter einigen Pappeln ſtehend, die Reiſenden von Akhaltzikhe Quarantaine halten. Akhaltzikho iſt s6 Werſte von Suram entfernt, und der Verkehr mit dieſem unbedeutend. Die Bewohner in den Doͤrfern um Suram leben in großem Wohlſtande. In Suram leben auch einige jüdiſche Familien, welche ſeit undenklichen Zeiten in dieſen Gegenden Kleinhandel treiben. Eine Stunde von Suram findet man den Kamn der Gebirge, welche Kartalinien vnn Immer⸗ tien ſcheidet. Die kleine Feſtung Caſchaur am Ende eines Thales nach Koby, gegen den Kaukaſus und Paſſanaur, liegt, 13 Werte entfernt. Der Fluß 373 Aragvi lauft durch ein herrliches Tbal, kommt von dem Berge St. Chriſtoph in einer dem Derek entgegengeſetzten Richtung herab, und hat keinen ſo reißhenden Lauf, wie der Derek. Von Zeit zu Zeit bemerkt man, entweder einzeln ſtebend, oder bei den hier zahlreichen Doͤrfern, viereckige Thuͤrme mit Truͤm⸗ mern von Mauern und Feſtungen, welche faſt alle aus Stein oder Ziegeln waren, und beinahe auf den Gipfeln der Gebirge, wie am Rheine ſtanden. An den Ufern des Aragvi werfen die Hirten die Schafe in den Fluß, und befreien ſie ſo vom Schmutze. Dieſe ſind von kleiner Geßalt und gekraͤuſelter ſeidenartiger Wolb. Hier gibt es auch viele Eſel. Die Quarantaine von Ananur it 23 Werſte von Paſſanaur entfernt. Bei ihr muͤſſen die von dem Kaukaſus kommenden Reiſenden halten. Die alte Stadt Ananur, auf der Haͤlfte eines großen Berges gebaut, hat außer dem Schloſſe nur einige 40 Huͤuſer⸗ und bloß 200 Einwohner. Faſt alle Wohnungen ſind nach dem Gebrauche Georgiens in die Erde gegra⸗ ben. Die Luft iſt geſund. Die Feſtung Duſchett, 11 Werſte von Ananun hat keine Wichtigkeit. Das Dorf Gharthis⸗Kart iſt 3a Werſte entfernt, und nach s Werſten gelangt man auf Mtskhetha, der ehemaligen Hauptſtadt Georgiens, und der Reſidenz ſeiner Könige. Sein⸗ Truͤmmer dehnen ſich auf dem linken Kur⸗ufes bis zu der Stelle, wo der Aragvi in dieſen Flus 374 fallt. Die Feſtung lag in der Mitte der Stadt, und beherrſchte die ganze Umgegend; ſie iß jetzt noch ziem⸗ lich gut erhalten. Seit die Koͤnige Georgiens ihre Reſidenz nach Diflis im J. 469 verlegten, ſank der Glanz von Mtskhetha; in den folgenden Jahrhun⸗ derten verheerten ſie die Perfer, und Samerlan vollendete ihre Vernichtung. Seit dieſer Zeit konnte ſie ſich nie wieder aus dem Zuſtande des Elendes und der Zerſtoͤrung erheben. Die Bevoͤlkerung beſteht aus 200 Familien, welche 1000 Perſonen ausmachen. Die thätigen und arbeitſamen Einwohner treiben Ackerbau, Handel und Fiſchfang. Auch transportiren ſie die Waaren nach Mozdok, Kotais und Baku. Von Mtskhetha fuͤhren zwei Wege nach Dif⸗ lis; einer geht auf dem linken Ufer des Kur, dey andere auf dem rechten. Kommt man aus der Feſtung, ſo fuͤhrt ungefaͤhr 4 Werſt der Weg unter den Ruinen der alten Stadt hin, ehe man an eine durch die Ein⸗ lle zerſtoͤrte Bruͤcke gelangt, deren Bau man dem ompejus zuſchreibt. Ueber den alten Bogen wurde 1820 eine feſte Brucke gebaut. Links vom Wege decken beim Zuſammenftuſſe des Aragvi mit dem Kur be⸗ traͤchtliche Ruinen den Berg Armazi. Den s. Juni 1820 reiste Gamba von Mtskhe⸗ tha nach Liflis. Die Thaͤler und Ebenen, uͤber welche der Weg fuͤhrte, waren ſchon ausgetrocknet, die Baͤume bei weitem nicht ſo zahlreich, als in den Laͤndern, durch welche er von Mozdok gekommen „ 375 war. Fünf Werſte von Tiflis fuͤhrt eine ſteinerne Bruͤcke uͤber einen Strom, welcher bei großem Waſ⸗ ſer mit Geraͤuſche in den Kur fuͤrit. An dieſem Fluß reist man bis Tiflis⸗