Laſchen ⸗Bibliothek der— wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen 2 durch NF ri4. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. von Mehre n, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jäck, Foͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. . Verfaßt M. Zheil. 3. Bänbchen. MNürnber g Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 1 8 3 * * Le Vaillant's neue Reiſe vom Von gebirge der guten Hoffnung in das Innere von Afrika in den Jahren 1780 bis 1785. CFortſetzung.) Fänfter Sheil. 1 Ue mehrere ſchmale Fußſteige traten wir in eine Ebene, welche ſich nach Weſt zog, deren Ende durch eine Reihe hoher Berge begtenzt wur. Der Fuß dieſer Berge war ganz mit Baͤumen bewachſen. Bo⸗ reits hatten wir 3 Stunden bei der ſchrecklichſten Son⸗ nenhitze zuruͤckgelegt, als wir von einem furchtbaren Gewitter uͤberraſcht wurden. Lange und ununterbro⸗ chene Blitz⸗Strahlen durchzogen die Wolken nach allen Richtungen, und die ſchrecklichſten Donner⸗Schlaͤge folgten auf einander. Der Regen ſchoß ſtromweiſe auf uns herab, ohne daß das Gewitter nur etwas nachliet. Ich hatte ſchon in dem Kaffernlande und am Kap heftige Donnerwetter erlebt; aber noch —————, kein ſo ſchreckliches, daher ich zum erſtenmale in mei⸗ nem Leben mich vor dem Donner zu fuͤrchten anfing. Die Kabobiguois, welche mich begleiteten, waten die einzigen, welche ſich uͤber das ſchteckliche Gewitter freuten, weil ſie von der Menße des gefallenen Re⸗ gens die beſten Folgen fuͤr ihre Brunnen und Weiden bwarteten. Uns noch laͤnger in dieſer faſt ganz uͤberſchwemm⸗ ten Ebene aufzuhalten, war nicht rathſam. Durch den Regen nahm die fuͤr die Trag-Dchſen beſtimmte Laſt bedeutend an Schwere zu, und das Erdreich, auf welchem wir wanderten, obgleich es nur aus Sand beſtand, hatte die Menge des gefallenen Regens nicht einſaugen koͤnnen; daher die ganze Ebene mit einer Menge Waſſer⸗Tuͤmpel bedeckt war, durch welche das Vieh gehen mußte. Als wir uns dem Anfange eines Geboͤlzes naͤherten, ließ der Regen gaänzlich nach. Wir machten Feuer, um uns und unſer Gepaͤcke zu trocknen. Mit dieſer Beſchaͤftigung brachten wir den noch ubrigen Reſt des Tages und die ganze Nacht zu. Waͤhrend der Nacht wurden wir oͤfters durch ein Ge⸗ raͤuſch, welches Elephanten durch Abfreſſen des Lau⸗ bes der Baͤume verurſachten, beunruhigt. Durch Flin⸗ ten ſchuͤſſe verſcheuchten wir dieſe furchtbaren Gaͤſte. Am folgenden Tage ſah ich auf einem Theil der Ebene, welcher kaum eine halbe Meile betragen mochte, mehr als hundert dieſer Thiere beiſammen. Da aber die Slephanten Jasd fuͤr mich keinen Reiz mehr halte, „ 259 ſo durchſtrich ich den nahe gelegenen Wald, ibö ich ſo gluͤcklich war, ein Paar neue Vogel faͤr meine Samm⸗ lung zu entdecken. Da gerade damals die Mimoſa⸗ Bäume in voller Bluͤthe ſtanden, und ich auf den Blumen derſelben eine Menge von Inſekten antraf, ſo blieb ich s Tage bei einer Horde, welche ſich in dieſer Gegend auſ⸗ hielt. Auf meinen Streifzuͤgen erhielt ich auch zwei ſehr ſeltene Voͤgel; einen nennt Buffon: Le rol⸗ lier du Senegal; den andern: Le guepier couleur de roſe de Nubie. An Buͤffeln war dieſe Gegend uͤberaus reich. Nichts beſchaͤftigte die Kabobiguois dieſer Horde ſo ſehr, als die Furcht vor den Houzouanas. Den Namen dieſer Voͤlker⸗ ſchaft hoͤrte ich von ihnen Morgens und Abends aus⸗ ſprechen. M 7u Als der Anfuͤhrer genannter Horde die Wirkungen meiner Feuergewehre kennen gelernt hatte, gab er ſich alle nur erſinnliche Mͤhe, mich gegen die Houzou⸗ anas aufzubringen, und mich in den Streit der Horde zu verflechten. Sobald man im Lager erfahren hatte, daß ich zu den Hyuzouanas reiſen wolle, geriethen alle meine Begleiter in Bewegung. Die Nama⸗ Anas als die furchtſamſten, widerſetzten ſich zuerſ, und gaben zu erkennen, daß, wenn ich bei meinem Vorſatz bliebe, ſie ſich von mir zu trennen entſchloſſen bätten. Ich beantwortete ihre Erklärung mit einem lauten Gelaͤchter, und ſugte ihnen, es waͤre mir lieb⸗ 260 wenn ſie gleich fortgingen. Deun ich wußte, dat ſie, um ihre Horde zu erreichen, durch verſchiedene Ge⸗ genden wandern mußten, welche von den Buſch⸗ Hyottentotten durchſtreift werden; die Furcht vor dieſen bielt ſie zurück. Eine jede Laudsmannſchaft kuͤndigte mir ihre bevorſtehende Abreiſe an, und wann er zum Abſchiede kam, wagte doch keine ſich zu ent⸗ fernen ſtatt ihrer Laſt⸗Ochſen zu gebrauchen. Meine Leute, welche ſich fruͤher geweigert hatten, mir zu folgen⸗ thaten es jetzt gerne, zwar nicht aus Zuneigung, ſon⸗ dern aus Furcht von den Buſch-Hottentotten ange⸗ fallen zu werden. Auf dem Wege zu den Houzou⸗ anas ruhten wir zum erſtenmale an den Ufern eines Salz⸗Sec's aus. Das kriſtaliſirte Salz ſchwamm in Geſtalt einer duͤnnen Scheibe in dem noch vorhan⸗ denen Waſſer. Als meine an den Ufern gelagerten egleiter in der Ferne vier Maͤuner erblickten, wur⸗ den ſie von dem groͤßten Schrecken befallen, indem ſie die ſelben fuͤr Houzouanas hielten. Die Beſchwer⸗ hichkeit des Weges uͤber die Ebene wurde noch durch eine Unbeguemlichkeit vergroͤßert, von welcher man uns nichts geſagt hatte. Der Boden nämlich, auf welchem wir gingen, war zum Theile hohl wie auf⸗ geblaſen, und glich einem Teiche, welcher durch eine ſchnelle Hitze aufgetrieben iſt, und eine bohle Rinde „ T Da mir bei Fortſetzung meiner Reiſe die We gen beſchwerlich und hindernd wurden, ſo beſchloß ich⸗ * 261 bildet, die ſich von dem unten gelegenen Voden ba⸗ traͤchtlich erhob, und Hoͤhlungen und Gaͤnge enthielz. Die meiſten unſerer Ochſen verfanken oft einen hal⸗ ben Fuß tief; auch wir hatten hinlänglich mit dieſer Unbeguemlichkeit zu kämpfen. Hiezu kam noch ein weit ſchlimmerer Zuſtand, welcher uns faſt in Ver⸗ zweiflung brachte. Das Zuruͤckprallen der Sonnen⸗ ſrahlen von dem, auf der ganien Oberfiaͤche zerſtreus liegenden, kriſtalliſirten Salze vermehrte nicht allein den Grad der Hitze, ſondern wurde auch ſeiner Hef⸗ tigkeit wegen fuͤr unſere Augen ſehr gefaͤhrlich. Der feine Staub, welcher dieſes Sals bedeckte, erhob kch bei dem geringſten Winde, und bildete dichte Staub⸗ wolken, welche uns zum Theile in die Augen zogen, und dieſelben ſehr empfindlich reizten. Da wir bei dem Athemholen einen Lheil dieſes Staubes durch die Naſe einzogen, ſo wurdenunſere Naſem ebenfalls angegriffen, und jeder klagte uͤber ein unertraͤgliches Jucken. Unſere Lippen wurden ſo gereit, daß ſie bei der geringſten Bewegung bluteten. Um ſich gegen dieſe Plage zu ſchuͤtzen, verfem tigten ſich meine Begleiter eine Art Kopfputz, wel⸗ cher einige Aehnlichkeit mit jenem der Bauernweiben um Straßburs hatte, wenn ſie im Sommer auf dem Felde arbeiten. Ich ſelbſt verfertigte mir eine Art Augenſchirm, welcher mein Geſicht gegen die het⸗ tigen Strahlen der Soune, und gegen den beißenden Staub zugleich ſichern konnte. Auf eine noch weit 262 laͤcherlichere Erfindung verſielen einige Hottentotten, welche eine große Buͤffel⸗Haut mit großen Stoͤcken nach Art eines Baldachins uͤber ſich trugen. Die Wei⸗ ber machten dieſe außerſt beſchwerliche und ermüdende Reiſe mit großer Standhaftigkeit, und nichts ver⸗ mochte ihre natuͤrliche Munterkeit zu unterbrechen. Unſerer Vorkehrungen ungeachtet, nahmen unſere Leiden den Tag uͤber doch noch betraͤchtlich zu. Bei Allen ſtellte ſich ein oͤfteres Naſen-Bluten ein, wel⸗ ches mit dem unertraͤglichſten Kopfſchmerzen verbunden war. Auch litten wir an einer Art heftigen Schwin⸗ dels. Zugleich ſah keiner von uns den naͤmlichen Ge⸗ genſtand, welchen der andere zu ſehen glaubte. Dft wenn einer einen Verg vor ſich zu ſehen glaubte, ver⸗ öcherte der andere einen Fluß zu ſehen. Indeſſen war dieſe Erſcheinung nicht anhaltend. Zuweilen verlor ſich aber das Geſicht bei uns gaͤnzlich, und wir blie⸗ ben einige Minuten blind, ohne das Geringſte unter⸗ ſcheiden zu koͤnnen. Dem Mangel an trinkbatem Waſ⸗ ſer halfen wir dadurch ab, daß wir vbn Zeit zu Zeit in den Höͤhlen der Felſen etwas Regenwaſſer fanden. iM. Den dritten Tag entdeckte ich endlich dis mir von den Kabobiquois beſchriebene Ebene und Gebirge. Wir ruͤckten in dieſer ſogenannten Ebene nach und nach immer weiter fort. Gerade vor uns lag das Gebirge, welches den Houzouanas zum Aufenthalte diente. Es erſtreckte ſich von Nord nach Suͤd. Ich dutſte es jedoch nicht wagen, ohne dis 263 noͤthige Vorſicht dasſelbe zu betreten. um die Hou⸗ znanas von unſrer Ankunft in Kenntniß zu ſetzen, ließ ich bei eintretender Nacht mehrere große Feuer anzuͤnden, und dieſeben nach allen Seiten unterhal⸗ ten, doch ſo, daß auch wir in der Entfernung die uns bedrohende Gefahr entdecken konnten. Zugleich befahl ich allen meinen Leuten ihre Gewehre abzu⸗ feuern. Dann brach ich mit 4 Hottentotten auf, und kam endlich an einen Vach, wo ich einige weidende Koͤhe ſah, und etwa 400 Schritte weiter eine Anzahl“ von Hoͤtten bemerkte. Als uns einige Weiber erblickt hatten, fingen ſte . an ſchrecklich zu ſchreien. Auf ein gegebenes Zeichen kamen alle Maͤnner aus den Huͤtten hervor, mit Bo⸗ gen und Pfeilen bewaffnet. Sie begaben ſich auf eins Anhoͤhe, um unſere Bewegungen zu beobachten. Ich ſuchte mich ihnen durch verſchiedene Zeichen verſtaͤnd⸗ lich zu machen, allein vergebens. Endlich ging ich in eine Huͤtte, und legte etwas Tabak und einige Schuüre Glasperlen in dieſelbe. Mit Verwunderung berikch⸗ teten die Bewohner des Kraals die Geſchenke. Als ich mich ihnen aber zu naͤhern ſuchte, wichen ſie aber⸗ mals zurück. Endlich nahm ich einige Geſchenke und ging allein ihnen entgegen; dieſes hatte auch ſeins Wirkung. Sie ſchickten einen Dolmetſcher entgegen, und ließen nach der Urſache meiner Reiſe fragen. Nachdem ſie dieſelbe erfahren hatten, naͤherten ſich — 264 die Männer; die Weiber blieben aber ſitzend bei den Huͤtten zuruͤck. Am folgenden Tage ſchlug ich meinem Ver⸗ ſprechen zufolge mein Lager am ufer des Baches auf, welchen die Houzouanas ſich zum Wohnplatze er⸗ ſehen hatten. Kaum war dieſes geſchehen, ſo kamen alle Houzonanas zu uns, und bewieſen das groͤßts Zutrauen. Weit mißtrauiſcher aber waren meine Be⸗ gleiter, welche die Houtouanas mit Abſchen und Furcht anſehen. Die Houzonanas ſind mehr klein als groß;z die groͤßten Maͤnner ſind kaum s Fuß hoch. Bei threm kleinen ſehr regelmaͤßis gebauten Koͤrper beſitzen ſis viel Staͤrke und Thatigkeit, einen dreiſten Anſtand, Muth und Stolz. Der Kopf des Houzouana iſt in Hinſicht des Charakteriſtiſchen ganz mit dem Kopfe der Hottentotten uͤbereinſtimmend; die Hautfarb⸗ iſt bei erſteren nicht ſo ſchwarz, als bei letzteren. Ihr krauſes Haar iſt ſo kurz, daß ich bei dem erſten Anblicke ihre Köpfe für geſchoren hielt. Die Naſe i bei den Honzouauas noch weit platter, als bei den Hottentottens eigentlich fehlt ihnen dieſelbe ganz, ſatt ihrer bemerkt man bloß die breiten Naſenloͤcherz welche hoͤchſtens s bis s Linien bervorſpringen. Mit Ausnahme des Schamgurtes gehen ſie ganz nackt. Sis ſind gaßtfreundlich, und ſehr ſchnell; nur die Notd treibt ſie zum Raube. Das Land der Houzouanas erſtreckt ſich von „ 265 2 dem Lande der Kaffern bis zum Lande der großen Namaquas. Die Ausdehnung desſelben von Nord nach Sůͤd halte ich fuͤr beträchtlich, theils weil fuͤr ein nomadiſtrendes Volk ein großer Strich Landes erfordert wird, theils weil ich dieſe Nation fuͤr ſehr zahlreich halte. Was mir bei den Houzouanas am meiſten auffiel, war die ungeheuere Krouppe ihrer Weiber, welche ich am beſten mit den ſogenannten falſchen Hintern(eul pasti- che) vergleiche. Anfangs glaubte ich bie Entſtehung dieſes Auswuchſes in einer außerordentlichen Kruͤmmung des Ruͤckgrates, und einer Verlaͤngerung der Lenden⸗ wirbel, oder des Steisbeines ſuchen zu muͤſſen, wo⸗ durch dieſe Theile hervorgedraͤngt, und die Huͤften. ſelbſt aus ihrer natuͤrlichen Lage gebracht worden ſeyen. Allein bei naͤherer Unterſuchung fand ich den Knochen⸗ Bau nicht im Geringſten veraͤndert, und an den Ruͤckenwirbeln keine Mibgeſtalt. Die ganze verlän⸗ Lerte Krouppe beſtand aus einem Klumpen Fleiſch und Fett, welcher bei jeder Bewegung des Koͤrpers hin und her ſchwankt, und eine ſeltſame Bewegung her⸗ vorbringt. Dieſer auffallenden Mißbildung ungeachtet baden dieſe Weiber einen ſehr kleinen Fuß und aͤhnliche Haͤndez ihr Arm iſt von der ſchoͤnſten Form, und ihr ubriger Koͤrper durchaus wohlgeſtaltet. Da ſie den Maͤnnern auf ihren Wanderungen folgen muͤſſen, ſo tragen ſie, wie dieſe, Sandalen. Sie ſind uͤbrigens völlig nackt, und baben außer dem kleinen Scham⸗ . 2565 Schuͤrzchen, einer Boͤchſe, in welcher ſie das Fett zum Einreiben aufbewahten, einem an einen hoͤlzer⸗ nen Stiel befeſtigten Schweife eines vierfuͤßigen Thie⸗ res zum Abtrocknen des Schweißes, und einer Haut um die Lenden, keine weitere Bedeckung. Am Tage unſerer Abreiſe nahmen wir unſern Weg gerade nach Suͤd⸗Weſt durch die Gebirge; das Nacht⸗ lager ſchlugen wir erſt gegen 10 Uhr Abends in Fels⸗ boͤhlen auf, in welchen wir ziemlich gutes Waſſer ent⸗ deckten. Mit dem Anbruche des Tages ſah ich zu mei⸗ nem groͤßten Leidweſen, daß wir nns an einem hochſt durren Drte befanden, welcher nicht das geringſté Kraut hervorbrachte, ſo daß mein Vieh die ganze Nacht ohne Futter ſich behelfen mußte. Da nach der Verſiche⸗ eung der Honzouanas wir auf dem ganzen Weg kein Futter fur das Vieh und kein trinkbares Waſſer an⸗ treffen wuͤrden, ſo blieb mir kein anderes Mittel übrig, als meine Reiſe durch eine weniger duͤrre Gegend ſortzu⸗ ſetzen. Die Houzouanas riethen mir:„dem Wege laͤngs des Fußes der Gebirge zu folgen.“ Ich befahl bierauf dem Zuge, etwas ſeitwaͤrts zu lenken. Der Wes war aber ſo ſteinig, daß wir auf eine Strecke von etwa 6 Meilen einen ganzen Tag brauchten. Auf dem ganzen Wege fand ich nichts; als das Neſt eines Straußes. Die Strauß⸗Henne, welche auf den Eiern brütete, hatte außer den neun Eiern des Neſtes, in welchem die Jungen ſchon ziemlich wett gekommen waren, noch vier Eier vor üch liegen. Dab dieſe der — —— 267 Straus zur Ernaͤhrung ſeiner Jungen gebraucht, un⸗ terliegt keinem Zweifel. Das Gebirge, an deſſen Fuße wir uns befanden, erſtreckte ſich nach Suͤd. Wir folaten dieſem Wege zwei volle Tage, und uͤberall fanden wir hinlaͤngliche Weide fuͤr unſer Vieh, und in den Felſen ſehr gutes Waſſer. Vor uns gegen Weſt ſahen wir eine zweite noch betraͤchtlichere Reihe von Bergen, welche ſich weit in der Ferne verlor, und deren Richtung ſich nach der Gegend, welche ich zu erreichen wuͤnſchte, er⸗ ßreckte. Um das Vieh zu dieſer beſchwerlichen Reiſe durch eine etwas andauernde Ruhe vorzubereiten, blieb ich mit meinem Lager zwei Tage ſtille liegen. Waͤhrend dieſer Zeit ſuchte ich unſern Fleiſchvorrath durch die Jagd zu vermehren. Wir ſchoßen verſchie⸗ dene Koudou's; auch einen weiblichen Elepbanten, deſſen Fleiſch uns auf der Reiſe ſehr wohl bekam. V. Einige Feuer in Suͤd⸗Weſt zeigten uns die Nachbarſchaft derjenigen Horden an, von welchen dio Houzouanas zu mir geſprochen hatten. Wir litten ſehr wegen Mangel an trinkbarem Waſſer. Bei des fremden Horde angelangt, fanden wir die meiſten Menſchen an einer eckelhaften Krankheit liegen. Um einer Anſteckung zu entgehen, ſuchten wir uns ſo ſchnell als möglich von der Horde zu entfernen. Wir nahmen unſern Weg nach Hſt. Zum Gluͤcke fuͤr uns kiel ein Karker Regen, welcher beſonders unſere Laſt⸗ Ochſen ſehr erauickte. Viele meiner Leute wurden 269 des Gebirges zu folgen genoͤthigt waren. Es war be⸗ reits ſinſter, als wir bei einer Quelle anlangten, wel⸗ che Waſſer im Ueberfuſſe hatte, und einen mit Mimv⸗ ſen⸗Baͤumen beſchatteten kleinen Bach bildete. In der Nacht wurden wir durch eine Truppe von Ele⸗ phanten aufgeſchreckt, welche wir jedoch durch einige Flinten⸗Schuͤßſe zuruͤckſcheuchten. Um ſobald als moͤglich zu dem Fiſch⸗Fluſſe zu gelangen, berathete ich mich mit de Houzouanas, welche mir einen Weg über das Gebirge vorſchlugen. Auf dieſem gefaͤhrlichen Wege mußte ich das Vieh der Wartung der Houzbuanas uͤberlaſſen. Waͤhrend einige von ihnen uns durch die tiefſten und unzugaͤng⸗ lichſten Wege und Schluchten fuͤhrten, teiteten die andern unſere beladenen Bchſen öͤber die hoͤchſten Berge. Dft wenn wir an dem untern Theile eines Felſen umhergingen, erblickten wir unſtte Laſtthiere auf dem obern Theile gerade uͤber unſern Moͤpfen. welche durch das Geſchrei der Houßonanas zum Fortgehen aufgemuntert wurden. Dieſes Geſchtei ver⸗ urſachte in den Bergen ein ſo ungewoͤhnliches Echo, daß die wilden Thiere aus ihren Hoͤhlen getrieben wurden; Daman's, Hyaͤnen und Liger ſahen wir oͤf⸗ ters vor uns entfliehen, oder in ihre Wohnungen zu⸗ ruͤckkehren. Die Raubvogel verließen die einſamen Fel⸗ ſen, und beantworteten das Gebrull unſerer Ochſen mit dem ihnen eigenen kraͤchzenden Laute.. W. Nach langem und beſchwerlichen Auf⸗ und 77. 2d. Afrika. III. Z. 2 268 krank; ſelbt mein Vieh befand ſich in blen Um⸗ ſtaͤnden. Meine Pferde waren lahm, und die Hunds ſo entkraͤftet, daß ſie keine Luſt zum Jagen— hatten. Rls wir uns einer Horde naͤherten, verließen un⸗ ſere Ochſen und Hunde uns augenblicklich, weil ſie friſches Waſſer in der Ferne witterten. Sie eilten dem Kraale in vollem Galoppe zu, ohne ſich durch unſer Rufen aufhalten zu laſſen. Man kann ſich die Beſturzung der Wilden bei Eyblickung läller dieſes Fhiere leicht vorſtellen, welche noch um Vielés ver⸗ groͤßert wurde, als wir ſaͤmmtlich bei dem Kraals eintrafen. Da ich bei dieſem Kraale die noͤthige Weids fand, beſchloß ich einige Dage hier zu bleiben. Die Horde, welche anfangs Mißtrauen verrieth, gewann Ach bald ſo, daß ſie uns viele Milch und einige fette Schafe zum Geſchenke brachte. Ich kaufte 5 Ochſen und a Kuͤhe, und uͤberlieferte ſie meinem Verſprechen gemaß ſogleich den Houzbuanas. Es ward daliß eine große Jagd angeſtellt, auf welcher wir Wild in Menge erlegten. Vevor ich die Horde verließ, wollte ich derſelben noch einen neuen Beweis meiner Zunei⸗ gung geben. Dieſer beſtand in einem Friedens⸗Ver⸗ trage und einem Buͤndniſſe zwiſchen ihr und den Hbu⸗ souanas. Die Bewohner der Horde gaben zum Zei⸗ chen des Vertrages einen Ochſen und zwei Schafe. Am Tage unſerer Abreiſe legten wir 5 Meilen zn — vuͤck, waͤhrend welcher wir den vielen Krůͤmmungen — Abſteigen erreichten wir endlich den Ruͤcken des Ge⸗ birges, und fanden uns ſaͤmmtlich ſehr angenehm uͤberraſcht. Da die erſten von der Hoͤhe die vor uns liegende Ebene erblickten, ſo benachrichtigten ſie uns durch ihr Geſchrei davon. Die meiſten ſchtenen ſich den Seefahrern zu vergleichen, welche nach einem lan⸗ gen Sturme, und dem Schiffbruche nahe, unvechofft Land erblicken. Auch die Houzouanas nahmen an der Freude meiner Leute Theil. Bei dem Herabſteigen von dem Gebirge kamen wir in ein reizendes Thal, wo wir wegen der herrli⸗ chen Weide und des Waſſers uͤbernachteten. Waͤhrend meine Leute das Lager aufſchlugen⸗ ging ich an den ſchoͤnen Ufern des Baches aufwaͤrts, und entdeckte ſei⸗ nen Urſprung in einem hohlen Felſen. Die ganze Poͤhlung, welche eine Grotte bildete, war mit klarem und kuͤhlem Waſſer gefuͤllt, deſſen reizender Anblick mich zu einem Bade einlud. Bei dem Austritte aus der Grotte grub ich an den Seiten derſelben meinen Namen ein. Bei dem Fiſch⸗Fluſſe fingen wie wieder an, frei zu athmen, und munter zu werden. Die Houzouanas machten ihre Abreiſe bekannt⸗ Bevor ſie aber dieſelbe antraten, beſchenkte ich ſie mit vier Meſſern, welche die beſten Schuͤtzen unter ihnen erhielten. In dem Schießen nach dem Siele beſitzen ſie eine außerordentliche Fertigkeit. Um aber dirſen Wilden auch eine Probe meiner Geſchicklichkeit zu geben, ſchoß ich aus meiner Buͤchſe mit der Kugel 271 oͤfters in den ſchwarzen Kreis. Sie ſtaunten die Wir⸗ kungen des Feuergewehres, wie betaͤubt, an. Bei dem Abſchiede verſicherten mir die Hou⸗ zouanas die Fortdauer ihrer Freundſchaft und Zu⸗ neigung, ſowohl fuͤr ſich, als im Namen ihrer Kame⸗ raden. Die Erkenntlichkeit dieſer gutmuͤthigen Men⸗ ſchen war mir deſto angenehmer, da gerade dieſenigen, welche keine Meſſer echalten hatten, ſich am thaͤtigſten bewieſen. Als letzten Beweis meiner Erkenntlichkeit, gab ich ihnen noch verſchiedene Sachen, welche ihnen einiges Vergnuͤgen zu machen ſchienen. Sobald das Lager abgebrochen war, ſetzten wir unſren Weg laͤngs der Gebirge fott. In zwei kurzen Tagreiſen erreichten wir ein ſehr angenehmes Thal, welches durch eine ungemein große Anzahl von Mi⸗ moſen, die damals gerade in voller Bluͤthe ſtanden, beſchattet wurde. Die vielen Heerden in dieſem Thale verriethen deutlich die Nachbarſchaft einer Horde. Wir wurden freudig aufgenommen, und die Namaſuas uͤberhaͤuften einander mit allen nur moͤglichen Freund⸗ ſchafts⸗Bezeugungen. Sobald mein Zelt aufgeſchla⸗ gen war, beſuchte mich der Anfuͤhrer der Horde, und gab mir zugleich von meinem Lager am Drange⸗ Fluß Nachricht, welches ſich in dem beſten Zuſtande befand. Seit einiger Zeit hielt ſich ein Loͤwe und eine Lo⸗ win in der Nachbarſchaft der Horde, und war in einem dicken Gebuͤſche auf. Aller Verſuche ungeach⸗ 272 tet konnte die Horde dieſe Thiere nicht vertrei⸗ ben. Der Anfuͤhrer der Horde erſuchte mich, ſie von einer ſo unangenehmen Nachbarſchaft zu befreien. Ich verſprach dem Fuͤhrer, das Moͤglichſte beizutragen. Mit dem Anbruche des Tages zogen alle Maͤnner der Horde mit Pfeilen, Bogen und Sagayen bewaffnet aus. Bei dem Aufgange der Sonne verminderte ſich das Gebruͤlle der Loͤwen, und dieſes Stillſchweigen war fuͤr uns das Zeichen zum Aufbruch. Der Platz, wo ſich die Loͤwen aufhielten, war mit Dickigt umge⸗ ben, welches etwa 200 Schritte lang, und 60 Schritte breit war. Um die Loͤwen aus dieſem Platze zu brin⸗ gen, kamen wir auf den Einfall; alle Ochſen der Horde mit Gewalt hineinzutreiben. Dazu kam noch das Gebell meiner Hunde.— Das Gebruͤll der Löwen und Ochſen, das Bellen der Hunde, und das unun— terbrochene Geſchrei der Menſchen machte ein fuͤrch⸗ terliches Concert. Endlich ließ ſich die Loͤwin be⸗ wegen aus dem Gebuͤſche herauszugehen; allein ein Flintenſchuß meiner Leute ſireckte ſie zu Boden. Alle andern Verſuche, den Loͤwen aus dem Gebuͤſche zu locken, mißlangen. Der Anfuͤhrer der Horde bat mich, vier Schafe und zwei Rinder fuͤr die ihm geleiſteten Dienſte anzu⸗ nehmen. Die Schafe ließ ich ſogleich ſchlachten, um zu dem Feſte, welches die Wilden mit dem Fleiſche der Loͤwin felern wollten, auch etiwas beizutragen; die Rinder ſcheukte ſch dem Klaas, welcher die Loͤwin 273 erlegt hatte. Als wir am folgenden Tag Jagd auf den Loͤwen machen wollten, fanden wir, daß er das Gebuͤſch mit ſeinen Jungen verlaſſen hatte. VII. Um nun zu dem Drange⸗Fluß zuruͤck zu kehren, ſchlug ich den ſuͤdlichen Weg ein, und folgte bloß der Richtung der Berge. Der Anfuͤhrer der Horde gab uns einige ſeiner Leute zu Begleitern. Da ſich aber die meiſten meiner Leute durch verſchiedene Ausſchweifungen bei der letzten Horde ſehr erſchoͤpft hatten, mußten viele unterwegs zuruͤckbleiben. Auf dieſem Wege erblickte ich wieder einige Giraffen, deren ich ſeit langer Zeit keine geſehen hatte. Meine Fuͤh⸗ rer ſagten mir:„Daß, je weiter man nach Weſt kaͤme, deſio ſeltener dieſe Thiere wuͤrden.“ Am fol⸗ genden Tage gewahrten wir eine Heerde Hornvieh, deren Hirten bei unſerer Annoͤherung entflohen. Ich ſchickte den Fliehenden einige meiner Leute nach, um jene zu beruhigen. Bald beſuchten uns alle in dem Kraale befindlichen Maͤnner, Weiber und Kinder. Wir ſtellten hierauf eine Giraffen-Jagd an, und waren ſo glucklich, ein Weibchen, deſſen Hoͤhe 13 Fuß 6 Zoll betrug, zu erlegen. Bei der Fortſetzung unſerer Reiſe wurden wir von einem ſchrecklichen Suͤd⸗Oſt⸗Winde uͤberfallen. Dieſer erhob ſich gleich in der Fruͤbe, und nahm ſchnell an Kraft zu. Wir ſahen uns in einem Augenblicke von ganzen Wolken feinen und groben Sandes bedeckt, welcher uns in die Augen flog, und uns hinderte, ———— 4 weiter vorwaͤrts zu gehen. Aller Muͤhe ungeachtet gelang es uns wegen der Heftigkeit des Windes nicht, eines unſerer Zelte aufzuſchlagen. Wir mußten uns entweder ſetzen oder niederlegen, wo wir nichts als Sand einſchluckten, und unſere Augen ebenfalls mit Sand angefuͤllt wurden. Schrecklich ward fuͤr uns in dieſer Lage die Nacht. Mit Ungeduld ſahen wir dem Aufgange der Sonne entgegen; allein je hoͤher die Sonne am Horizonte ſtieg, deſto groͤher wurde die Peftigkeit des Windes. Ich bemerkte oͤfters, daß der Wind einen Wirbel bildete, welcher tiefe Loͤcher in den Boden machte, aus denſelben den Sand und die Erde weit wegführte, welche alsdann in Geſtalt eines Regens auf uns herabfielen. Alle Speiſen, welche wir waͤhrend dieſer Zeit bereiteten, wurden ſo mit Sand bedeckt, daß wir dieſelben nicht genießen konn⸗ ten Beſonders befand ſich mein Vieh in einer ſchlim⸗ men Lage. Ochſen, Pferde, Schafe und Ziegen hat⸗ ten ſich auf einen Haufen zuſammengeßellt, wo ſie, ſo lange der Wind auhielt, unbeweglich blieben, ohne das geringſte Futter zu nehmen. Endlich ließ der Wind nach, und wir genoſſen bei einer Horde Na⸗ maguas eine ruhige Nacht. Zugleich brachten ße mir ungenehme Nachricht von meinem Lager am Drange⸗Fluſſe. Da der Wind mich zwang drei Tage bei dieſer Horde zu verweilen, ſo begab ich mich doch verſchiedene Male auf die Jagd, und erſegte — — ———————— —— 275 zwei, fuͤr meine Sammlung ſehr artige Thiere, naͤm⸗ lich eine neue Art von Eichhoͤrnchen, und ein mir noch unbekanntes vierfüßiges Thier, welches zum Ge⸗ ſchlechte der Jltiſſe gehoͤrt. Auch erhielt ich eine be⸗ ſondere Art von Fledermaͤnſen mit vier Ohren. vIII. Mit einigen Wegweiſern verſehen, verließ ich dieſe Horde. Jene aber vertießen uns bei einem ausgetrockneten Fluſſe, welchen ſie Loͤwen⸗Fluß nannten. Von den ufern deſſelben waͤhlten wir den kürzeſten Weg nach dem Hrange⸗Fluſſe, an wel⸗ chem ich von meiner Karavane mit der groͤßten Freude empfangen wurde. Die großen Namaguas waren vor Freude ganz außer ſich, als ſie ihre fuͤr verloren gehaltenen Gefaͤhrten wieder gefund erblickten. Man liebkoſte einander von beiden Seiten, und die Reiſenden er⸗ zaͤhlten ganze Tage unſere Abentheuer. Ich ſellte der Horde die mir geliehenen Ochſen zuruͤck, und gab den Weibern und Kindern einige Geſchenke. Da wir unſern beſchwerlichen Zug beendigt hatten, ſo war die Freude meiner Begleiter außerordentlich⸗ Meine Leute erhoben ſaͤmmtlich ein lautes Freuden⸗ Geſchrei, um ihre im Lager befindlichen Kameraden von ihrer Ankunft zu benachrichtigen. Ich ließ in der naͤmlichen Abſicht alle unſere Gewehre abfeuern. In einem Angenblicke waten alle meine Hottentotten am ufer verſammelt, und durchſchwammen ſchnell den Kluß, um uns zu unſerer Ankunft Gluͤck zu wůr iſchen . 3 276 Der Anblick meines Lagers war aͤußerſt angenehm, jch befand mich, wie nach einer langen Verweiſung, endlich wieder in dem Beſitze meiner Guͤter⸗ Meine zuruͤckgelaſſenen Hunde erkannten mich ſogleich wieder, und bewieſen ihre Freude durch die Heftigkeit, mit weicher ße auf mich ſprangen, und⸗ mich mit ihren Liebkoſungen uͤberhaͤuften. Die Haut meiner Giraffe war wohl abaltes⸗ und meine Viehheerde befand ſich in dem beſten Zuſtande. Anch hatten ſich mehrere Wilde um mein Lager an⸗ geſiedelt. Unſere mitgebrachten Ochſen wollten nicht uͤber den Fluß ſchwimmen. Sie blieben daher auf dem jenſeitigen Ufer, und wurden waͤhrend der N acht von einer fremden Horde entwendet. Ich ließ ſogleich 2 meine Leute nufbrechen, und der Spur der L Thiere fo gen. Liſtiger Weiſe hatten die Diebe mehrmals über 3 den Drange⸗Fluß mit den Chieren geſetzt um uns dadurch im Nachſpuͤren zu verwirren. Endlich gelang es uns, die diebiſche Horde zu finden. Wir fanden ſie bei Freude⸗ Feuern unmaͤßig lachend. Da die Nacht wegen ihrer Dunkelheit unſerm Angriffe nicht goͤnſtig war, ſo warteten wir bis zum Anbruche des Tages. Anfangs ſchoſſen wir uͤber ihren Ktaal weg; da ſie aber bruͤllend auf uns anruͤckten, und ihre Pfeile auf uns abſchoſſen, ſo gab ich meinen Leuten, Befehl, auf ſie zu feuern. Heulend und verwirrt se ſtreute ſich die Horde und entfloh. Wir mußten aber⸗ mals ihnen nachſetzen, um unſere Heerde zu kbalt ſeine Landsleute nicht, weil ſie befuͤrchteten, daß die W7 Als ſie von einem Berge herabkamen, ſchnitten wir ihnen den Ruͤckzug ab, und erbeuteten unſere Heerde, welche faſt lahm und vetwundet wegen des gewaltſa⸗ men Marſches war. Die Kaminouguvis erkannten ſogleich die ih⸗ nen gehoͤrigen Ochſen, und von den meinigen fehlte keiner, als der, welchen wir todt im Waſſer gefunden batten, und mein ſchoͤner Streit-Ochs, welchen die Wilden bei ihrem letzten Feſte geſchlachtet hatten, und deſſen Kopf wir in der Naͤhe des Kraals fanden. Wegen des ermatteten Viehes konnte der Zug nur langſam ſich bewegen, und wir mußten wegen eines Angriffes von Seite der Wilden auf unſere Sicherheit bedacht ſeyn. Als ich mit der Heerde an den Dran⸗ ge⸗Fluß gekommen war, fand ich zwei daſelbſt zu⸗ rück gelaſſene Kaminvuguvis elend von dem An⸗ griffe eines Loͤwen zugerichtetz einer war toͤdtlich ver⸗ wundet, und dem andern waren die beiden Arme ge⸗ brochen. Wir leiſteten den Kranken alle nur mögliche Hilfe, und packten ſie, da wir wegen der feindlichen Horde uns nicht aufhalten konnten, auf unſere beiden Pferde. Einer ſtarb bald darauf. Als wir auf einer Ebene unſere Zelte aufgeſchlagen hatten, wurden wir in der Nacht zuerſt von dem Angriffe eines Loͤwen⸗ und ſpaͤter durch die Pfeile von Buſch⸗Hottentotten beunruhigt. Beide wurden aber bald abgewieſen. Den verſtorbenen Kaminouguois zu beerdigen, litten 278 Raͤuber⸗Horde bei ihrer Ruͤckkehr mit dem Leichname nachtheilige Zanbereien vornehmen moͤchten. Sie ſag⸗ ten: dieß ſey die Gewohnheit der Buſch⸗Hotten⸗ totten, welche oft den Untergang einer Familie oder eines ganzen Volkes bewirkten. Sie wickelten den Leichnam in ein Kroos, und brachten ihn zu ihrer Heerde.. IX. Waͤhrend wir nach einem Wege von vier Stunden anhielten, um etwas zu eſſen, gingen drei Wilde voruͤber, welche zur Horde der Gheyſſi⸗ guvis gehoͤrten. Dieſe zu den Hottentotten gehoͤrige Volkerſchaft iſt die einzige, bei welcher die Halbentmannung gebraͤuchlich iſt. Sie wollten die aroßen Namaguas beſuchen; da ſie von unſerer Vorfallenheit mit den Buſch⸗Hottentotten ge⸗ boͤrt hatten, kehrten ſie zu ihrer Horde zuruͤck, und wir mit ihnen, um dem Nachſpüren der Buſch⸗Hot⸗ tentotten zu entgehen. Dieſe unterſcheiden ſich von den Buſch⸗Hottentotten an der oͤßlichen Kuͤſte Afrika's. Die Hottentotten, mit welchen wir zu thun hatten, machen eine zahlreiche und furchtbare Voͤlkerſchaft ausz jene dagegen leben in kleinen, ab⸗ geſonderten Geſellſchaften, und trauen einander we⸗ nig⸗ bei ihrer Sprache zu Folge, ſind die Gheyſſiguois oſſenbar Abkoͤmmlinge der Hottentotten. Ich ver⸗ mutbete, daß ſſe aus der Vermiſchuns der Kaffern Ihrer Geſichtsbildung nach, und dem Schnalten 279 mit den Namaquas entſtanden ſind. In Hinſicht der Kleidung, ihrer Waffen, muſikaliſchen Inſtrumente, Neigung zur Jagd ꝛc. unterſcheiden ſie ſich nicht von den ſie umgebenden Voͤlkern. Nur durch ihre Zier⸗ rathen zeichnen ſie ſich von allen Nachbarn aus. Alle ihnen zum Putze dienenden Sachen ſind aus den Bein⸗ knochen der Schafe verfertigt, und von einer blenden⸗ den Weiße. Ihre Weiber ſind von angenehmer Bil⸗ dung und luſtiger Gemuͤthsart, und zum Lachen und Tanzen bettaͤndig bereit. Mit dieſem muntern Weſen verbinden ſie große Sittſamkeit. Keine Afrikaniſche Voͤlkerſchaft fand ich ſo uneigennuͤtzig als die Gheyſſiguois. Dbwohl ich keine Waaren zum Tauſche für ſie hatte, ſo verſaben ſte uns mit Milch in Menge, und beſchenkten uns mit einigen Schafen.— Von einigen Gheyſſi⸗ guvis begleitet, kam ich endlich geſund in meinem Lager zur groͤßten Freude meiner Untergebenen an. Die Gbeyſfiguois waren in meinem Lager ſehr wohl vergnuͤgt, und da ſie gut genaͤhrt wurden, dachte keiner von ihnen an die Ruͤckreiſe. Bei ibrer Abreiſe beſchenkte ich ſie reichlich. Die Tochter des Anfuͤhrers erhielt meinem Verſprechen zu Folge das Geſchenk fuͤr ihren Vater; ihr ſelbſt gab ich ein rothes Tuch, und einige weiße Glasperlen, welche ihr ſehr zu gefallen ſchienen. Man begeguete ihr in dem Lager mit vieler Achtung. Bei ihrer Doilette war ich zuweilen Augen⸗ zeuge, und obgleich ihr Putz immer der naͤmliche war, 280 ſo beluſtigte mich die Art, wie ſie ihre Reite zu er⸗ heben ſuchte, nicht wenig. Mit der Ausbeſſerung meiner Wagen, und mit der Abrichtung der des Ziehens ungewohnten Ochſen verging eine geraume Zeit. Waͤhrend derſelben jagte ich oder zeichnete Pflanzen ab, jedoch muß ich meine nicht große Kenutniſſe in der Botanik ſehr bedauern, indem die Flora Afrika's in dieſer Gegend die ſel⸗ tenſten und ſchoͤnſten Pflanzen hervorbringt. Vorzuͤg⸗ lich beſtimmt der Regen die Zeit und den Ort, wo dieſes oder jenes Gewaͤchs hervorſchießen ſoll, und die naͤmliche urſache macht, daß viele Pflanzen bald fruͤ⸗ her, bald ſpaͤter erſcheinen. Der Einfluß des Regens hat auch auf die Lege⸗ und der Voͤgel be⸗ trächtlichen Einfluß. Den 24. Mai trat ich mit meiner Karavane den Ruͤckzug an. Dieſe beſtand aus 73 Maͤnnern und 19 Weibern. An Vieh hatten wir 172 Stuͤck Rinder, die Schafe und Ziegen nicht gerechnet. Am 27. verließen wir das ufer des Drange⸗Fluſſes, um einen beſ⸗ ſern Weg außuſuchen. Auf den ſchlechteſten Wegen kamen wir den 28. an einen Ort, an welchem ehemals ein Kraal geſtanden war. Wegen der angenehmen Lage dieſes Ortes verweilten wir hier laͤngere Zeit. Die umſtehenden Baͤume dienten einer Menge Voͤgel zum Aufenthalte; mehrere neue Arten derſelben muß⸗ ten meine Sammlung vermehren. Unſer Lager fand ſich auf einem ebenen Platze, welcher etwa aoo Schritte — 281 im umfange haben mochte. Das Vieh der Horde war auf dieſem Platze geſtanden, und der Miſt deſfel⸗ ben hatte ſich nach und nach ſo angehaͤuft, daß er jetzt eine mehrere Fuß dicke Rinde bildete. Durch das Tre⸗ ten und die Beimiſchung des urins war eine dem Lorfe aͤhnliche Lage entſtanden, welcher nach ihren Beſtandtheilen ſchwefelartiger Natur, und daher ſehr entzuͤndlich war. X. Wir ſuchten uns nach dieſer Bemerkung wieder dem Fluſſe zu naͤhern. An dieſem erlegten wir ein Flußpferd, deſſen Fleiſch meinen Leuten ſehr behagte. Ich nahm vier meiner Leute, und folgte zwei Tagrei⸗ ſen dem Laufe des Fluſſes, in deſſen Mitte wir dann eine Inſel entdeckten. Wir ſchwanimen nach der In⸗ ſel, und fanden auf derſelben bloß einige Flußpferde. Wir ſchnitten Fleiſchſtuͤcke von dem erlegten und bega⸗ ben uns dann wieder an das Ufer des Fluſſes. Als wit am folgenden Lage wieder auf die Inſel zurürck⸗ kehrten, fanden wir auf den zuruͤckgelaſſenen Stucken des Flußpferdes einen herrlichen Geier, welcher mit großer Begierde das Fleiſch deſſelben verzehrte. Ich legte auf ihn an, und traf ihn nicht ganz richtig. Da der Vogel ſchon ſechs Pfund Fleiſch im Magen hatte, konnte er ſich nur mit großer Muͤhe erheben. Wir eilten hinn, um ihn mit dem Flintenkolben vollends todt zu ſchlagen. Er vertheidigte ſich einige Zeit mit vielem Muthe, und biß an die Flintenlaͤufe, ſo daß die Eindruͤcke ſeines Schnabels ſehr deutlich zu ſehen 282 waren. Endlich unterlag er, und ſein Beſitz entſchaͤ⸗ digte mich hinlaͤnglich fuͤr die viele Muͤhe und Be⸗ ſchwerlichkeit dieſes Ausfluges. Fe naͤher wir dem Ausfluſſe des Orange kamen, deſto groͤßer war die Menge des Geflägels. Außer den ſchon oft genannten Steinhuͤhnern, fanden wir auch auf dem Fluſſe Perlhuͤhner, Flammands, und verſchiedene Ar⸗ ten Gaͤnſe und Enten. Ich ſetzte meine Reiſe laͤngs des Fluſſes weiter fort, und begegnete aufdem Wege drei Hot⸗ tentotten, welche uͤber unſere Ankunft ſehr beſtuͤrzt waren. Nach ihrer Ausſage haͤtten wir noch vier Tag⸗ reiſen bis zum Ausfluſſe des Drange, und liefen Gefahr auf dieſer Reiſe von den Buſch⸗ Hotten⸗ totten umgebracht zu werden. Die Gegend von hier bis zum Ufer des Meeres, ſagten ſie, ſey ein ſehr ödes und duͤrres Land. Da mir dieſe drei Hotten⸗ totten verdaͤchtig ſchienen, machte ich ſie zu Gefan⸗ genen, und zwang ſie, mir bis in mein Lagerzu folgen. Ich hielt ſie fuͤr Kundſchafter der Buſch⸗Hotten⸗ totten ſelbſt. Im Lager angekommen entließ ich die Gefangenen, mit der Weiſung: ſich nicht mehr in un⸗ ſerer Naͤhe blicken zu laſſen. Auch fand ich im Lager einen Anfuͤhrer der Kaminouguas, welcher mir einen lebendigen Ameiſen⸗Freſſer zum Geſchenke mach⸗ te. Dieſes uͤberaus fette Thier halten die Koloniſten und Hottentotten fuͤr ein vortreffliches Wildpret. Der reng biſamartige Geſchmack des Fleiſches war fuͤr mich äußerſt eckelhaft. In den Kolonien am Kap — —— 283 nennt man dieſen Ameiſen⸗Freſſer Erdferken; bei dem Kaminvuguas heißt er Goup. Als ich wegen des Mangels an Branntwein nicht alien Kaminouguas ein Glas dieſes Getraͤnkes rei⸗ chen konnte, ſo gab ich nur dem Anfuͤhrer und vier der aͤlteſten Maͤnner, welche mit ihm gekommen wa⸗ ren, ein volles Glas. Der Anfuͤhrer wollte nicht allein ein Vergnuͤgen genießen, welches er nicht zugleich mit ſeinen Bruͤdern und Freunden theilen konnte. Er be⸗ bielt daher den Branntwein im Munde, und indem er nach der Reihe einem jedem etwas davon durch den Mund einfloͤßte, begnuͤgte er ſich bloß mit dem Ge⸗ ſchmacke, welcher ihm davon zuruͤckblieb. Die vier Alten folgten ſeinem Beiſpiele, und durch dieſe ſelt⸗ ſame Austheilung erhſeit jeder etwas. Auch verſchaffte ich mir eines von den ungeheueren Vogel⸗Neſtern, deſſen Bewohner den Namen„Re⸗ vublikaner“ fuͤhren. um ſich eine richtige Vor⸗ ſtellung von einem ſolchen Neſte zu machen, denke man ſich einen ungeheueren Klumpen dicht verwebten Gra⸗ ſes, welches unten und ſeitwärts mit einer Menge kleiner Sellen, und oben mit einem Dache verſehen iß⸗ Das Net, welches ich angetroffen hatte, enthielt 320 bewohnte Zellen. Zuweilen werden dieſe Voͤgel von Spechten, Meiſen, Papageien u. ſ. w. aus ihren Ne⸗ ſiern vertrieben. Der Republikaner iſt von graubrau⸗ ner Farbe, und nur an den Seiten und dem Halſe durch einige ſchwarze Flecken etwas lebhaft gemacht. — 284 Das Maͤnnchen lebt in Vielweiberei. Die Nama⸗ guas benennen die Republikaner mit dem Worte Anagues, welches mit einem Schnalzen der Zunge ausgeſprochen wird. n2 XI. Den 12. Juli wurde ich von den Sympto⸗ men einer ſchweren Krankheit befallen. Ich beſchloß daher zu meiner Rettung die Kolonten ſobald als moͤg⸗ lich zu erreichen, ehe noch meine Krankheit voͤllig zum Ausbruch käme. Mit vieler Muͤhe erreichte ich den Kauſſi, welcher in den nahe gelegenen, gleich⸗ namigen Bergen entſpringt. Durch die unvermeidliche Bewegung und durch die Hitze hatte ſich mein Su⸗ ſtand um vieles verſchlimmert. Ich befand mich von einem heftigen Fieber befallen, welches mit Hals⸗ ſchmerzen verbunden war. Die Eutzündung der Man⸗ deln und des Schlundes zeigten eine entzuͤndliche Braͤune an. Von allen Mitteln entbloͤßt, brachten mir die Hottentotten eines in Vorſchlag, welches da⸗ rin beſtand, Tuͤcher in kochende Milch zu tauchen, und dieſelben heiß um den Hals zu ſchlagen. Drei Tage lang ließ ich mir auf dieſe Weiſe den Hals ruhig ab⸗ bruͤhen, bis ich mich endlich weigerte, dieſes Mittel weiter anzuwenden. Von dieſer Zeit uͤberließ ich mich bloß meiner Natur. Meine Zunge und mein Hals waren bereits ſo angeſchwollen, datß ich ucht anders, als durch Zeichen ſprechen konnte⸗ Acht Tage lag ich bereits ohne Hoffnung auf meinem Lager. Endlich beſuchten mich einige kleine 285 Namaguas, welche mir einen umſchlag aus be⸗ ſonderm Kraut verordneten, deſſen Saft ich zugleich trinken mußte. Der Umſchlag wurde waͤhrend der Nacht verſchiedene Male erneuert, und noch oͤfter gurgelte ich mich mit dem Safte. Ich fuͤhlte mich bald ſehr érleichtert, und nach drei Tagen fand ich mich vollſtaͤndig geheilt. Meine Leute hatten waͤhrend meiner Krankheit weder getanzt, noch geſungen; auch horte ich ſie nicht einhnal lachen. Dieſe freundſchaft⸗ liche Aufmerkſamkeit ruͤhrte mich ungemein. Die Pflänze, welche meine Heilung bewirkte, war eine Art 2 Fut hoher Salbei, deren Geruch auch mit un⸗ ſerem europäiſchen ſehr uͤbereinkam. Nach der Verſi⸗ cherung der Namaguas iſt dieſe Pflanze bei Wun⸗ den nicht minder wirkſam; jedoͤch wird im ien Falle Thierfett beißemiſcht. Da ich in den Kolonien angelangt war, ſo ent ſchloß ich mich den vormals nach dem Kap eingeſchla⸗ genen Weg zu verlaſſen, um durch einen neuen mir unbekannten zur Kap⸗Stadt zu gelangen. 6 wandte mich daher nach Suͤd-Weſt, und nach 3 Ta gen, waͤhrend welcher wir 4 Meilen zuruͤcklegten, er⸗ reichten wir den grünen Fluß. Zuerſt ſtießen wir auf Elephanten, auf welche ich und Swanepoel ſogleich Jagd machten. Wir erlegten zwei maͤhn liche Elephanten, welche 20 Fuß hoch waren. Die afrika⸗ niſchen Elephanten uͤberſteigen ſelten dieſes Maaß. Eine Menge Waſſer⸗Voͤgel aller Art fanden ſich da⸗ 77. Vd. Afrika, III. 3Z. 3 286 mals auf dem gruͤnen Fluſſe, beſonders: Pelt⸗ kane, der Flammand, und verſchiedene Arten wilder Gaͤuſe in Menge. Von den europäiſchen Voͤgeln ſah ich den gehaupten und gemeinen Reiher, und unſern Storch. Vom gruͤnen Fluſſe begab ich mich an den Schwarzdorn⸗Fluß und von dieſem zu den ſuͤd⸗ lich liegenden Bergen. Nach ſechs ſehr beſchwerlichen Stunden etreichten wir den Fuß der etſten Berg⸗Reihe. Die nackten, roͤthlichen Felſen dieſer Berge waren maleriſch auf einander gethuͤrmt, und boten dem Auge die ſeitſamſten Geſtalten dar; ſie ſchienen beſtimmt zu ſeyn, den Buſch⸗Hottentotten zum Aufent⸗ halte zu dienen. XM. Bis ju dem Elephanten⸗Fluſſe ſies uns nichts Merkwuͤrdiges auf, als eine Quelle, bei weicher wir die Nacht zubrachten. Jene war rings mit einer Staude bewachſen, deren Frucht in den Kolonien unter dem Namen Wolfs⸗Gift bekannt iſt. Man roͤſtet dieſe Frucht, und beſtreut mit dem Pulver derſelben die Lockſpeiſe fuͤr wilde Thiere. So⸗ pald dieſe davon gefreſſen haben, ſchwellen ſie betraͤcht lich an, und ſtetben eher oder ſpaͤter, je nachdem ſie mehr oder weniger von dieſem Pulver genoſſen haben. Nach einiger Zeit erreichte ich den verlornen See, welcher einen betraͤchtlichen Umfang hat⸗ und von dem Meere bloß burch eine ſchmale Sandbank getrennt wird. Waͤhrend meines eltftägigen Aufent⸗ —— 287 haltes an dieſem See bereitete ich 132 Voͤgel von ver⸗ ſchiedener Groͤße fuͤr meine Sammlung. Zu den ſel⸗ tenen Voͤgeln, welche ich hier fand, rechne ich unter andern die Poule Sultane, welche ein vortreffli⸗ ches Wildpret find. Ueberhaupt ſchien dieſer See der Sammelplatz aller Waſſervoͤgel zu ſeyn, welche ſich in dieſem Theile Afrika's aufhalten. Auch beſuchte ich die in der Naͤhe gelegene St. Helena⸗Bay, deren Beſchreibung Kolbe gleich⸗ falls irrig gibt. In Betreff der Widerlegung der Irr⸗ thuͤmer Kolbe's verweiſen wir auf unſer oben aus⸗ geſprochenes Urtheil uͤber deſſen Reiſebericht. Die Lage dieſer Bay iſt uͤberhaupt auf allen See⸗Karten unrichtig bezeichnet; der Unterſchied betraͤgt in Hin⸗ ſicht der Breite uͤber 14 Minuten. Von der St. Helena⸗ Vay begab ich mich nach der Saldanha⸗ bay, in welchen beiden ich eine Menge Cachelotte erblickte. Nach einer 16monatlichen Abweſenheit, welche ich in den afrikaniſchen Wuͤſten zugebracht hatte, traf ich wieder in der Kap⸗Stadt ein, wo mich Gor⸗ don und ſeine Gemahlin erwarteten. Auf dem vſtindiſchen Kompagnie⸗ Schiffe Gan⸗ ges verlteßen wir am 14„Juli 1784 die Falſo⸗Ban, um nach Eurvpa zu ſegeln. Ein ſchrecklicher Wind⸗ ſtoß trieb uns bis zum 37. Grade ſuͤdlicer Bette ab⸗ waͤrts. Nach 11 ſchrecklichen Dagen ſegelten wir den 10. Auguſt vor der Bay St. Helena vorüber, und 288 vaßirten den 2sſten gluͤcklich die Linie unter dem 338 Grade der Laͤnge. Unter dem 2s6 Grade der Laͤnge, und dem 10. Gr. 15 Min. Breite hatten wir eine Windſiille. Hier ſah ich zum erſten Male einen See⸗ teufel(eine Rochen⸗Art); er war ein kleiner, hatte 2 Fuß zur groͤßten Breite, und 21 Fuß Laͤnge von der Spitze ſeiner Hoͤrner bis zum Ende ſeines Schwanzes. Unter dem 32 Gr. Breite erlitten wir einen heftigen Sturm, und kamen am 4. Det. dicht bei den wuͤſten Inſeln Flores und Corvo vorbei. Den 1. Nov. erblickten wir die europaͤiſchen Küſten. In dem Ha⸗ fen von Flifſingen ſtieg ich an das Land, und langte in den erſten Tagen des Jahres arss nach einer Abweſenheit vons Jahren zu Paris an. —— Lieutenant King's Nachrichten von der Norfolk⸗Inſel und von ſeiner Rückkehr über Port⸗Jackſon, Batavia, Isle de France und das Vorgebirge der guten Hoffnung nach England im J. 1788— 90. Aus dem Engliſchen überſetzt von Forſter. S P Nao unſerer Ankunft zu Port Jackſon im Anfange des Jahres a7ss fuhr ich am 4. Februar mit dem Lieutenant Dawes in einem Kutter nich der Botany⸗Bay, um den Grafen de la Perouſe zu beſuchen. Dieſer war auf ſeiner Entdeckungsfahrt mit den Schiffen Aſt rolabe und Bouſſole daſelbſt eingelaufen. Nach meiner Ruͤckkehr gab mir der Gouverneur den Auftrag, auf der Norfolk⸗Inſel eine Kolonie anzulegen. Den 15. Februar wurde mit 23 Perſonen 2⁰0 abgefahren. Auf unſerer Fahrt entdeckten wir in 310 3s“ ſudl. Breite und 4390 0“ ößl. Laͤnge von Green⸗ wich eine kleine, halbmondfoͤrmige Inſel mit zwei ungeheuer größen Flippen an ihrem fuͤdlichen Ende. Lieutenant Ball, welcher ſie zuerſt entdeckte, belegte die Spitzen und Klippen mit ſeinem Namen. An 2oſten erblickten wir die Norfolk⸗Inſet; nur mit greßer Muͤhe konnte ich nebſt Lieutenant Ball an der Seite eines großen Felſen auf jhrer nordzoͤſlichen Spitze landen. An dieſem Felſen muß auch Capitain Kook gelandet feyn, da es auf dieſer Seite der Inſel an keinem andern Orte moͤglich iß. Auf der andern Seite iſt eine kleine Bay, gerade an der weſtlichen Spitze, wo man nur allein landen kann. Am 4. Maͤrz landete ich mit zmei Perſonen, um auer über die Inſel zu dieſer Bay zu gehen. Ueler einen ſteilen Huͤgel gelangten wir auf den oberſten Theil der Inſel und fanden ihn eben; aber jeden Fuß des Bodens mit Baͤumen oder großen Wurzeln bedeckt. Dieſe Hinderniſſe und ein beinahe undurchdringliches Geſlechte, welches aus einem rankichten Gewaͤchſe, faſt wie Weinreben. beſtand, und ſo ßark war, daß es verſchiedeze Baume nach mancherlei Richtungen nie⸗ —.— ——— derbeugte, zwangen uns, einen Weg durchzuhauen. Zwiſchen den Wutzeln dieſer Baͤume wuchs kein Gras, noch Kraut, wahrſcheinlich deßwegen, weil weder die Strahlen der Sonne, noch die Luft urchdringen kennte, obwohl der Voden uberall ſchr fett und gut ———— 291 war. Die Tannen, deren es hier eine Menge gibt, ſind von einer außerordentlichen Groͤße. Eine, welche umgefallen war, maß 440 Fuß in der Laͤnge, und verſchiedene, welche noch ſtanden, hielten 30 Fuß im Durchmeſſer. Sie wahſen voͤllig gerade in die Hoͤhe, und ſind so Fuß hoch von der Erde ohne Zweige. In die Anſons⸗Vay zu kommen, wohin wir wollten, obwohl wir von dem Berge uͤber ſie hinab⸗ ſehen konnten, war uns unmoͤglich. Die Neuſeelaͤn⸗ diſche Pfianze, an der wir uns anhielten, rettete uns, daß wir bei unſern Verfuchen, in die Bay zu grlangen, nicht in eine Diefe von 90 Fuß ſtuͤrzten. Bei unſerer Ruͤckkehr hoͤrten wir oͤfters den Laut: Jaho, welcher von einem vierfaͤßigen Thier oder von einem Vogel zu erioͤnen ſchien. Uebrigens ſahen wir Tauben, einige Arten von Parageien, und eine Men⸗ ge anderer Vogei, welche ſo zahm waren, daß ſie ſich mit einem Stocke niederſchlagen ließen. Wir fanden auch große Stucke Bimsſtein und vermutheten, daß in dem Berge, welcher ſich in der Mitte erhebt, und von mir Pitts⸗Berg genannt wurde, oder irgendwo in der Naͤhe desſelben, ein Krater, oder doch Ueber⸗ bleibſel davon zu finden ſeyn moͤchten. Am s. März landeten wir endlich in einer Bucht an der ſudlichen Seite der Inſel, brachten das Noth⸗ wendigſte an das Land, ſchlugen Zelte auf, und ſchick ten uns an zur Bearbeitung des Landes. Dicht hin⸗ ter dem Drte unſeter Niederlaſſung wurde bald ein 202 ſehr ſchoͤner Bach entdeckt. Ich benutzte die erſte Ge⸗ legenheit, die Inſel in den Gegenden riugs umher unher zu unterſuchen, und fand ſie wegen der grofen Baume und ihrer verwickelten, meiſt 2 Fuß hohen Wurzeln, und wegen des genannten rankigen Gewaͤch⸗ ſes faſt undurchdringlich. Am oten fuhr die Supplo nach Port⸗Jackſon zuruͤck. Ich hielt an dieſem Tage in meinem Zelte Gottesdienſt, las die mir vom Gouverneur ertheilte Beſtallung vor, kuͤndigte den Uebelthaͤtern an, wie ſie ſich zu verhalten haͤtten u. ſ. w. Am öllichen Ende der Bay wulden zwei Schildkroͤten gefangen, deren jede 200 Pfund wog. Wir ſahen ſie nur bei der Ebbe und bei hellem Wetter am Strande liegen. Dieſer Umſtand, und weil man nirgends Gruben bemerkte, in welche ſie ihre Eier legten, brachte mich auf die Vermuthung, daß ſie auf der Inſel gar nicht bruͤte⸗ ten Den arten wurden Anſtalten zum Bgue eines Vortaths Hauſes getroffen, am abten war der groͤßte Pheil des Samens, welchen wir am Vorgebirge der guten Hoffnung bekommen hatten, aufge⸗ gaugen, jener aus England aber verdorben. Das Vorrathshaus wurde am 2. April fertig; um eben dieſe Zeit ſand ich zu meinem Verdruſſe eine Menge Ratten auf der Inſel, welche einisen, ſchon 3 Zoll hohen Mais vernichtet hatten. Geit dem aaten ſahen wir keine Schildkrote mehr, welches uns ſehr beſchwerlich ſel, weil wir den Ge⸗ — 293 nuß ihres Fleiſches ſehr wohlthaͤtig empfanden. Ein anderer unguͤnſtiger Umſtand war der, daß bis jetzt noch keines unſerer Garten⸗Gewaͤchſe fortkommen wollte. Doch fanden wir zu einigem Erſatze eine große Menge Kohlpalmen, deren Vertrefflichkeit be⸗ kannt genug iſt. Hinter dem Hügel, wo unſere Nie⸗ derlaſſung war, liegt ein Thal mit verſchiedenen, in dicken Gruppen neben einander ſtehenden Bananen oder Piſangs. Weil es vor allen Winden geſchuͤtzt war, ſo wurde heer ein Garten angelegt. Mancher unſerer Arbeitsleute wurde 4 bis s Tage blind, und zwar durch den weißen Saft eines Baumes, welcher ihnen in die Augen ſpritzte, und mehrere Tage ſehr ſharfe Augenſchmerzen verurſachte. Das beſte Mittel dagegen war Florentiniſches Del. Großen Schaden thaten uns jetzt die Ratten und Wuͤrmer; einige meiner Thiere, weiche ich mitge⸗ bracht hatte, gingen zu Grunde. Unſere Schweine mußten wir in eine Umzaͤunung ſperren, weil mehrere durch giftige Kraͤuter ihren Tod fanden. Das Futter, welches ſie bisher in dem Wald geſucht hatten, muß⸗ ten wir nun fuͤr ſie anſchaffen, doch ward ein Baum gefunden, welcher ſehr gutes Futter gab. Dieſer Baum wird so Fuß hoch; ſeine Zweige, welche viele Aehnlichkeit mit den Zweigen der Palimbaͤume haben, laſſen bei ihrem jaͤhrlichen Abfalle eine Narbe an dem Stamme zuruͤck. Dus Laub an den Zweigen, deren zwölf ſind, hat viele Aehnylichkeit mit dem Farrenkraut, wel⸗ 5 294 wegen wir den Baum auch Farrenkrautbaum hießen. Die Mitte desſelben, von der Wutzel bis zum Gipfel, beſteht aus einer weißen, dem Yams aͤhnlichen Sub⸗ ßanz, welche gekocht, wie ſchlechte Turnips ſchmeckt. Die Außenſeite des Stammes iſt hartes Holz, und von dem bis zum Boden voll regelmaͤßiger Nar⸗ ben. Dieſer Baum waͤchst in großer Menge auf der Iuſel. 3 Eine gerupfte und ausgenommene Taube wog ge⸗ wöhniich 34 auch 1 Pf. Papageien gibt es auf der Inſel in woßer Menge; ſie ſind aber durch ihr Gefieder und widrige Stimme ſehr unangenehm. Eine Art Papa⸗ geien iſt ganz grün, nur daß ſie einen rothen Schopf auf dem Kopfe hat. Blaue und gruͤne Habichte fin⸗ den ſich in Menges ſie verfolgen junge Huͤhner, und 3 ſtoßen guch auf Ratten herab. Die ſehr zahlreichen Wachteln und Brachvoͤgel ſind ſcheu. Die ſchoͤn gefie⸗ derten Eulen geben einen Ton von ſich, welcher ſo klingt, als wenn ein Mann dem andern zuriefe; guch laſſen ſie ganz deutlich die Sylben; Jaho hoͤ⸗ ten. Viele von den kleinern Voͤgein ſingen ſehr lieb⸗ lich und ihr Gefieder iſt vorzuͤglich ſchoͤn. Ein ande⸗ rer Vogel graͤbt ſich Loͤcher in die Erde, in welchen er bruͤtet und ſeine Jungen aufzieht. Er iſt mit Schwimmfuͤßen verſehen, und in Anſehung ſeines Schnabels andern Seevögeln aͤhnlich. Sein gutes Fleiſch kam uns oft zu ſtatten. Vor dem Untergange der Sonne verlaſſen dieſe Voͤgel ihre Hoͤhlen nie; — — dann aber iſt bis Mitternacht die Luft von ihnen an⸗ gefuͤlt. Als unſere Lebensmittel weniger zu werden anfin⸗ gen, und unſes Vorrath, weicher auf 6 Monate be⸗ rechnet war, bei vollen Portionen nur 2 Monate dau⸗ ern konnte, ſo wurden alle Mehl⸗ und Brod⸗Portio⸗ nen auf 2 Dritttheile ti Bald jedoch lan⸗ dete die Joͤlle(ein kleines 5 sderſchiff) der Supply mit 3 Faͤſſern Mehl. Als ich den Boͤten der Supply ein Boot entgegen ſchickte, wurde es von der Bran⸗ dung umgeworfen, und nur mit genauer Noth rettete ſich von den Schiffleuten ein nebelthaͤter. Durch dir⸗ ſes ſchreckliche Ungluͤck wurde unſere kleine Anzahl noch mehr vermindert. Am 14. Auguſt fuhr die Sup⸗ vly nach Port⸗Jackſon zuruͤck. Die öfteren Un⸗ faue, welche ſich mit unſern Boͤten ereigneten, bewo⸗ gen mich zu einem Landungs⸗Verſuche in der Ball⸗ oder Kaskade⸗Bay. Am s. Sept. fanden wir eine Schildkroͤte, welche wir umwenden ließen, mit einer Art hoͤlzernem Na⸗ gel zwiſchen den Schultern verwundet. Dieſer Um⸗ ſtand, und ferner, daß in der Ball⸗Bay einige Stuͤcke von Kanots, ein hölzernes Bild, einen Mann vorſtelend, und eine friſche Kokosnuß gefunden wur⸗ den, vrachten mich zu dem Schluſſe, daß nicht weit von uns oſtlich noch eine betraͤchtliche, bis jetzt unbe⸗ kannte Inſel licgen muͤſſe. In dieſem Monate ſahen wir eine große Menge Walfiſche, von denen einige 206 ſehr nahe an unſer Rief kamen. Schon bei unſerm erſten Landen fand ich die vellſtendigen Skelette von zwei Wallfiſchen.— Bei dem Ueberzihlen einiger Ger⸗ ſten⸗Pflanzen fand ich ein Korn, welches 124 Halme getrieben hatte. Dieſe angenehme Ausſicht bewog mich zur Erbauung eines Korn⸗Hauſes. Im Anfange des Detobers ward es nun ſehr warm; doch blieben die Abende und Morgen kalt. Am aten machte ich eine Reiſe nach dem Pitts⸗Berg, auf deſſen Gipfel ich die ganze Inſel, und einen Dheil ihrer Seekuͤſte uͤberſehen konnte. Dieſe maleriſche Scene zeigte eine natuͤrliche, uͤppige Fruchtbarkeit; uͤberall war das Erdreich vortreflich und alles ein dicker Wald. Eine Meile von dem Gipfel des Berges fand ich in dem Boden eine rothe Erde, voll ſehr großer Locher; bei jedem Schritte ſiel ich in eines derſelben, weil die darin niſtenden Voͤgel die Deffnungen, um ſie deſto beſſer zu verbergen, von der Seite anzubrin⸗ gen yflegen. Nahe am Gipfel des Berges waͤchst eine Menge ſehr großer Dannen. Am a3. Detober brachte das Transport⸗Schiff the Golden Grove 42 Perſonen nebſt Lebensmit⸗ teln auf 7 Monate. Unſere K nie beſtand nun aus 16 freien Maͤnnen und 46 Uebelthaͤtern, unter denen 29 maͤnnlichen, und 17 weiblichen Geſchlechtes waren. Am 29, November kandete ich auf der Nepean⸗ Inſel, und fand ſie aus einer Maſſe Sand be eend, welche von den ſie umgebenden Klippen zuſammen gehal⸗ — ——————— 207 ten wird. Obgleich nicht die mindeße fruchtbare Erde auf der Inſel zu ſehen war, ſo wuchſen doch faſt 200 ſehr ſchoͤne Tannen auf derſelbens üͤbrigens war die Obelflaͤche mit einer Art groben Graſes bedeckt. Am 2. December fuhr ich in dem Coble Cein Boot von 25 Fuß in der Laͤnge, und s in der Breite) nach der Philipps⸗Inſel, und landete an einem Fel⸗ ſen in einer kleinen Bay auf der Nordſeite. Die er⸗ ſten Huͤgel konnte ich nur mit großer Schwierigkeit uͤberſteigen, da auf ihnen ein langes ſcharfes, ſehr ſchneidendes Gras wuchs, welches noch mit Geſtraͤuch untermiſcht war. In dem leichten rothen Boden mach⸗ ten die vielen Vogel⸗Neſter das Gehen beſchwerlich. Laͤngs der ganzen Inſel laͤuft ein kleines Thal hin; in dieſem und auf einigen Huͤgeln wachſen einige Tannen. Ich fand kein Waſſer auf der Inſel, be⸗ merkte aber eine Meuge Habichte, Papageien und Tauben. Am s. Januar a7s9 unterſuchte ich die Nord⸗ und und Weſtſeite der Inſel, welche ich uͤberall von Klip⸗ pen umgeben fand. Ich landete auf dem Strande in der Anſons⸗Bay; er iſt ſehr klein, und ſcheint aus bloßem Triebſande zu beſtehen. Friſches Waſſer gibt es in der Naͤhe nicht. Die Bay iſt mit ſteilen Huͤgeln umgeben, auf welchen eine Anzahl Flachs⸗ Pflanzen waͤchst. Bis zum 22ten hatten wir beſtaͤndig ſchones Wet⸗ ter; aber von dieſem Tage bis zum Ende des Monats 208 regnete es beſtaͤndig, zu welchem noch ſtarke Wind⸗ ſtoͤße von Nord⸗Dft ſich geſellten. Unndieſe Zeit wurde das Vorhaben der Uebelthater entdeckt, meiner und meiner Leute habhaft zu werden, und mit einem, gleichfalls durch Gewalt erlangten Schiffe zu entſlichen. Am 6 Februar hatten wir einen ſehr heftigen Wind aus Nord, welchen Blitze begleiteten, die er⸗ ſen, welche ich ſeit meiner Ankunft auf der Iuſel ſab. Am sſten folgte ein Drkan, weicher über alle Beſchreibung fuͤrchterlich war. Die Gewalt des Win⸗ des wurde immer ſaͤrker, und entwurzelte die groͤß⸗ ten Baͤume. Bald darauf ſiel der heftigſte Regen ein. Jeden Augenblick wurden Tannen und Eichen niedergekuͤrzt; Wurzeln und Felſen um ſie wurden ſo ausgeriſſen, daß haͤuſig Gruben wenigſtens von 40 Fuß Siefe entſanden. Einige der ſehr großen Baume, welche as0 Schuhe in der Hoͤbe, und 4 im Durch⸗ meſſer hatten, wurden betraͤchtlich weit von ihrer Stelle geſchleudert; anvere, deren Wurzein zu tief gingen, als daß ſie ausgeriſſen werden konnten, mit ihren Sipfeln beinahe bis zur Erde niedergebogen. Um das Schreckliche dieſer Szene noch zu vergroͤßern, ſiel ein ſehr großer Baum guer uͤber unſer Korn⸗Haus⸗ ſchlug es in Stuͤcke, und zerſchmetterte zugleich viele Mehlfäͤſſer. Doch wurde durch allgemeine Thaͤtigkeit das Mehl und der Mais bald wieder geſammelt, und itzmein Haus gebracht. 200 3 Am 2. Maͤrz brachte uns die Supply außer et⸗ was Saͤmereien und Vortaͤthen auch 24 Verbrecher maͤnnlichen und 6 weiblichen Geſchlechtes nebſt 3 Kin⸗ dern. Unſere Kolonie beſtand nun aus 16 freien Leu⸗ ten, so Uebelthaͤtern maͤnnlichen, 23 weiblichen Ge⸗ ſchlechts und s Kindern. Trotz aller Wachſamkeit wur⸗ den faſt taͤglich einige Diebſtaͤhle begangen⸗ Der Weizen, welchen ich im Anfange und in der Mitte des Aprils ſaͤen ließ, wurde im Anfange des Mai gaͤnzlich von einer kleinen ſchwarzen Raupe be⸗ deckt, welche die Halme einen Zoll hoch äber der Erde angefreſſen hatte. Dieſes ſchaͤdliche Ungeziefer erhielt ſich den ganzen Monat, und zerſtoͤrte jedes Blatt. Die Anzahl dieſer Raupen auf dem Weizen war un⸗ glaublich, und auch in den Gärten lagen ſie ſs hoch, daß wir ſie in Haufen zuſammenkehren konnten. Am 2oſten verließen ſie uns. Den 24. December wurde die Weizen⸗ Ernte been⸗ digt. Der in verſchiedenen Perioden ausgeſaͤte Wei⸗ zen war dennoch faſt zu gleicher Zeit reif geworden. Der letzte aber war nicht ſo ergiebig, als der, welcher fruͤher in die Erde kam. Der, welcher geſteckt wurde, litt ſehr durch ſengende Winde, und da die Inſel zu allen Jahrs⸗Zeiten ſolchen Winden ausgeſetzt iſt, ſo ſcheint dieſe Methode nicht ſo vortheilhaft zu ſeyn, als die gewoͤhnliche mit breitem Wutfe. Die beßte Seit der Weizen⸗Saat ſcheint der letzte Theil des Nai bis zur Mitte des Junus. Der im Auguſt ge⸗ 300 ſäte hatte ebenfalls ſehr große und geſunde Koͤrner; war aber weniger ergiebig. Im Januar 1790 war das Wetter ſehr veraͤnder⸗ lich mit haͤuſigen ſtarken Windſtßen aus Suͤd⸗DOſt⸗ Am 2. ſchickte uns der Gourerneur Philipp ein und zwanzig Verbrecher nebſt einem Weibe, und zwar ohne alle Lebensmittel, da man zu Port⸗Jackſon ſelbſt bei verringerten Portionen nur noch bis Ende Mai's genug hatte. Die ganze Kolonie beſtand nun aus 149 Perſonen. Am 24. Maͤrz ſchiffte ich mich, den Befehlen des Gouverneur Philivp gemaͤß, am Bord der Supply ein, und ſegelte nebſt 22 auf dem Si⸗ rius geweſenen Seeleuten nach Port⸗Jackſon ab. Das Schiff Sirius ſcheiterte am a9. Maͤtz. Da ich die Norfolk⸗Inſel nun gaͤnzlich ver⸗ laſſe, ſo will ich einige allgemeine Bemerkungen über ſie hinzufuͤgen, damit die Leſer das Wichtigſte im Be⸗ treffe dieſer Inſel mit einem Blicke uͤberſehen konnen. Nach iettnen Mittags⸗Hoͤhen der Sonne⸗ und nach vielen Mondsbeobachtungen liegt Sydney⸗ Bay in 29 4“ 40“ ſuͤdl. Br. und 4680 12 oͤſtl. L., von Greenwich. Die Geſtalt der Inſel iſt ein laͤngliches Viereck, und ſie enthaͤlt in einer Laͤnge von ſechs, und in einer Breite von vier engl. Meilen, ungefaͤhr 14,000 Morgen Landes. Der Boden iſt ſehr huͤgelich, einige Thaͤler ind in Ruͤckſicht der Groͤße der Inſel ziemlich breit, die meiſten aber nur tiefe Hoͤhlungen, durch die Beilen 301 Högel zu beiden Seiten gebildet. Die Gipfel dieſer Hügel enthalten einige ausgebreitete Ebenen. Der Pittsberg, der einzige merkwuͤrdige Huͤgel auf der Frſel, iſt ungefaͤhr 200 Klafter hoch. Die Klippen ringsum die Inſel, etwa von einer Hoͤhe vor 40 Klaf⸗ tern, ſind voͤllig ſenkrecht. Ihr Grundßoff, welchen die meiſten Felſen und Riffe um die Inſel mit ihnen gemein habem, beſteht aus einer harten, feſten, ſehr ſein gemiſchten Thonerde. Die ganze Inſei iſt mit einem ſehr dicken Walde bedeckt, und ſo mit Unter⸗ holz beſetzt, daß man erſt dieſes wegraͤumen mut, ehe man durchkommen kann. Treffliches Waſſer findet ſich in reichlicher Menge. Auf einem Huͤgel, in der Mitte der Inſel, zwiſcen Caſcade⸗ und Sydney⸗Bay, iſt ein Leich fri⸗ ſchen Waſſers, von dem umfange eines halben Mor⸗ gen Landes. Kein Bach ſleßt in ſeiner Nachvarſchaft; auch bemerkt man keine Quelle, und doch iſt er zur geit der groͤften Duͤrre immer voll. In allen Baͤche: findet man ſchöne Aale in großer Menge. Von dem Abhange der Klippen, welche die Kuͤ⸗ ſten umgeben, bis zu dem Gipfel des Pitts⸗Ber“ ges iſt vortreffliches Erdreich, welches aus fettem braunen Boden in leichte rothliche Erde uͤbergeht. In verſchiedenen Gegenden der Inſel ündet man einige große Steine. Die Luft iſt ſehr geſund.— Nur fünf Vaumrien auf der Inſel koͤnnen zum Zimmerholze gerechnet wer⸗ 77. Sd. Afrika. III, 3. 4 den; noͤmlicht die Lennez ein der Eiche ähnliches Holz; ein gelbes; ein hartes ſchwarzes Holz und ein, der engliſchen Buche gleichendes Hol. Der Terpen⸗ tin, welcher von ſelbſt aus der Rinde der Tanne ſchwitzt, iſt eine milchweiße, harzige Feuchtigkeit, die im eigentlichen Holze nicht angetroffen wird. Es gibt er dieſen noch verſchſedene kleine Baͤume auf der Inſek, unter denen wir nur das Farrnkraut und die Fiſhamen bemerken wollen. Unter dem Untetholze traͤgt eine Pflanze eine Art Pfeffer. Ihre Blaͤtter ſind breit, und haben einen gewuͤrzartigen Geſchmack, welcher auf die Zunge faͤllt. Das Kern⸗Haus, wel⸗ ches den Samen enthaͤlt, ſchießt zwiſchen Blatt und Stengel hervor, iſt gewoͤhnlich 2— 3 Zell lang, und enthaͤlt viele kleine Koͤrner, welche getrocknet ihren Geſchmack verlieren. Wenn ſte nur etwas zeitig ſind, nerden ſie von den Papageien aufgefreſſen. Die neu⸗ ſeslaͤndiſche Flachspflanze woͤchst wild, und in großer Menge in vielen Gegenden der Inſel. Die Blaͤtter der volkommen ausgewachſenen Pflanze ſind 6— 8 Fuß langz ſede hat ſieben Blaͤtter. Aus ihrer Mitte treibt ein holziger Stengel hervor, welcher die Bluͤthen traͤgt⸗ Sie beſaamt ſich alle Jahte, und ihre junzen Blaͤtten ſtoßen die alten ab. Der Verſuch, nach europäiſcher Art Flachs und Hanf aus ihnen zu machen, mißlang. Der Erdwurm iſt dem Wachsthume dieſer Pfanze hindeplich. Die Kuͤßen der Inſel ſind reich an trefflichen Fi⸗ 303 ſchen, unter welchen der Schnapp Fiſch 4—8 Pfund niegt. Der Frͤhling zeigt ſich ſehr ſichtbar im Au⸗ guſt; doch wechſeln in vielen Gegenden das ganze Jahr die Baͤume beſtaͤndig mit Bluͤthen und Fruchttragen ab. Der Sommer iſt außerordentlich heiß. Vom Fe⸗ bruar bis zum Auguſt kaun man die Regenzeit anneh⸗ men, obwohl es nicht beſtaͤndig regnet. Der Winter (vom April bis Juli) iſt uͤberaus angenehm; es friert niemals; nur iſt die Luft rauh und kalt, wenn der Suͤd⸗Weſtwind bläst, welcher in dieſen Monaten ſehr haͤufig iſt. Zu bemerken iſt, daß au einigen Tagen des December und Januar es viel kaͤlter, als im Winter war. Der Suͤd⸗Oſt⸗ und Oſt⸗Wind brennt ſehr und trocknet ſark aus; denn ſo lange er anhalt, faͤllt kein Thau⸗ Die Kuͤſten der Inſel ſind im Ganzen ſehr ßeil, und, Sydney⸗Anſon⸗Ball⸗ und Cascadebay ausgenbmmen, unzugaͤnglich, weil ihre ſchroffen Klippen ſich ſenkrecht aus dem Meere erheben. Dicht am Ufer bricht gegen eine Menge großer zerßreuter Felſen die Brandung ſich immer gewaltſam. An der auf der Suͤdſeite der Inſel gelegenen Sydney⸗Bay ward die Kolonie gegruͤndet. Port Hunter und Port North, welche Waengl. Meilen nord⸗ oͤſtlich und fuͤd⸗weßlich von einander liegen, bil⸗ den dieſe Bucht. Ein Thon⸗ und Koralen⸗Riff lauft etwa 3/4 Meilen weit in gleicher Ri tung, und etw 150 Fuß vom uter entfernt aus dem Port Hunter, 304 und endigt ſich gerade vor der Niederlaſſung in einer Spitze, jenſeits welcher der Landungsplatz iſt. Anſons⸗Bay iſt eine ſchmale Bucht mit einem ſandigen Strande; die Ball⸗Bay, etwa 2/4 Meil. groß, hat einen, aus großen locker liegenden Steinen beſtehenden, Strand; daher es fuͤr Bote gefaͤhrlich iſt, hier zu landen. Caſeade⸗Bay iſt wegen ſeiner Lage der beſte Landungs Platz im Winter⸗ nur iſt der Grund verſchlaͤmmt. Das Zucker⸗Rohr wachtt ſehr uͤppig, Weinſtoͤcke, Pomeranzen⸗ und Zitronenbaͤume kommen ſehr gut fort, und die Kartoffeln vermehren ſich in außeror⸗ dentlicher Meuge. Ich ſah 120 Kattoſfel an einer Wurzel, von denen s0 groͤßer als ein Huͤhnerey wa⸗ ren. Jedes Garten⸗Gewachs, wenn es nicht der Erd⸗ wurm verdirbt, gedeiht trefflich. Die Bluͤthe der Indigo⸗ Pflanze vernichten die Ameiſen. Am Mittags des 24. Maͤrz gins die Supply unter Segel, und landete zu Port⸗Jackſon am 4. April. II. Als ich Port⸗Jackſon im Februar 1783 verließ, war das Land um Sydney⸗Cove mit dich⸗ ter Waldung bedeckt. Bei meiner jetzigen Ankunft fand ich dieſelbe betraͤchtlich ausgehauen, und einige gute Gebaͤude aufgefuͤhrt. Der Boden iſt hier nicht gut, aber eine Stunde uͤber Syd ney⸗Cove hin⸗ aus an einigen Stellen beſſer. Auch findet man da⸗ feldſt Ziegeloͤfen und eine Toͤpferei. * 5 Während meines Aufenthaltes zu Port⸗Jack⸗ ſon befanden ſich daſelbſt drei Landes⸗Eingeborne⸗ Es waren ein Mann von beilaͤuſig 28, ein Maͤdchen von 13 und ein Knäbe von 9 Jahren. Erſterer iß ſtarf, wohlgebaut, etwa s Fuß 6 Zoll hoch, und von dun⸗ kel ſchwarzer Farbe. Seine Zuͤge ſind ſtark; ſein Haar, dem Aſiatiſchen gleichend, iſt ſehr kraus und ſtatk, und ſeine Naſe platt. Er verraͤth viel Gutmuͤthigkei, und ahmt die Gebehrden und Vertichtungen der Leute des Gouverneur mit Leichtigkeit nach. Er ſitzt mit dem Gouverneur zu Liſche, nenunt ihn Biangae, (Vater,) ſich ſelbſt Durno,(Sohn,) und den Ober⸗ richter Baebonna(Bruder). Den Wein liebt er ſehr, flieht aber den Geruch gebrannter Waſſer, und iſt beſtändiger Begleiter des Gouverneur. Seine Klei⸗ dung beſteht in einem Wamms aus grobem Wollen⸗ tuche, und in einem Paar Schiffer-Beinkleider. Vor ſeiner Gefangennehmung ſchien er eine Frau gehabt zu haben, uͤber deren Tod er zuweilen zu trauern ſcheint. Auf Verlangen ſingt er, aber gewöhnlich Lieder im Klagtone, und gibt mit den Armen den Takt. Bei dem Lanze bewegt er ſich anfangs lang⸗ ſam, bis er endlich in eine heftige Stellung verfaͤllt, die Arme ſchüttelt, gewaltfam auf die Erde ſtoßt, als ſey er wahnſiunig. Wahtrſcheinlich iſt dieß eine Art von Herausforderung; denn alle Eingebornen, welche wir auf Port⸗Jackſon erblickten, tanzten immer ſo, Legen unstufend: Woru, Woru!(Wegmiteuch!). „ 306 Der Knabe und das Maͤdchen lieſen ſich leicht regieren; nur ward letztere zuweilen unwillig, und konnte nicht viel Widerſpruch ertragen. Soviel wir bemerken konnten, unterſcheiden die Wilden nur vier Farben: roth, weiß, ſchwarz W grün. Der Mann vrzaͤhlte auch vieles von den Kem ragals, welche im innern Theile des Landes woh⸗ nen, und große Krieger ſeyn ſollen. Er zeigte auch verſchiedene Narben von Wunden, welche er von ih⸗ rem Bberhaupte erhalten haben wollte. Auch ſprach er von Eſcheinungen(Mani), und fagte, daß ſie ein großes Geraͤuſch echoͤben, und jedem an die Kehle grif⸗ frn. Er deutete gegen den Himmel, und belehrte uns, daß dieſe Erſcheinungen Bart und Haare ver⸗ ſengtéen. Um uns das Schmerzhafte davon begreiflich zu machen, rieb er nach jeder Erwaͤhnung des Bran⸗ des das Geſicht. ugebornen legen die Todten zuerſt in das Feſter, dann der Laͤnge nach in ein rein gegrabenes, und mit Gras und Fatrnkraut belegtes Grab. Die Leiche wird mit Gras bedeckt, und dann mit Erde uͤberwofen. Spuren irgend einer Religion bemerkt man a ihnen nicht; doch ahnen ſie ein kuͤnftiges Le⸗ ben, indein ſte ſagen, die Gebeine der Verftorbenen liegen im Grabe, und ihr Leib iſt in den Wolken. Viebeicht konnten ſie dieſes auch von ihrem Gelſte ge⸗ ſagt haben. Sonne, Mond und Sterne nennen ſie * 307 .. Boͤſe. Das wilde Maͤdchen ſah das Schuppen eines Sternes, und bekam heſtige Zuckungen, ſchreiend: es muͤſſe nun die Welt untergehen!— Drei ganz verſchiedenartige vier fuͤßige Thiere nannte der Maun mit einem Namen. Er konnte dicht uͤber vier zaͤhlen, wußte aber Benennungen fuͤt die vier Hauptwinde. Von der Morgen⸗Daͤmmerung bis zum Aufgange der Siin ſingen die Eingebornen einen Freuden⸗Ge⸗ ſang. Feuer verſchaffen ſie ſich dadurch, daß ſie die Spitze eines runden Stabes in das Loch eines flachen Holzes ſtecken, den Stab zwiſcben beiden PHaͤnden dre⸗ hen, und dabei auf⸗ und abfahren. Der Erm uͤdete wird von ſeinen Kameraden abzeloͤst, welche deßwe⸗ gen in einem Kreiſe Leiſammen ſizen. Wegen der Beſchwerlichkeit dieſes Verfahrens tragen ſie immer ein Stuͤckchen brennendes Holz in der Hand. Am s. Mai 4790 entdeckte ich und Lientnant Ball in 110 7 ſüdl. Br. und 1620 34“ oſtl. L., 6 Meilen von uns, hobes Land. Der nordliche Theil ſah einer kleinen mit Bäumen bedeckten Intel gleich, in derer Mitte ein hoher Berg ſtaͤnde; der weßliche, niedrig liegende ließ eine Juſel-Gruppe vermuthen. Am 6. erkannten wir das nordliche Land fuͤr zwei Inſeln, und hinter denſeiben einen großeren Erdſrich. ieot Inſel erhielt die Benennung Sirius⸗Inſel, die weſtliche Maſſey's⸗Inſel. 308 Am 7. Morgens entdeckten wir unter 9o 44 ſuͤdl. Br. und 1640 s4“ oſtl. Länge, eine große hohe Inſel, welche wir Smiths⸗Inſel nannten. Nach urſern B ſchten ſie 436 Meilen lang und 62 breit zu ſeyn. Am 19. bemerkten wir einen bisher noch nie geſehenen Scevogel, eine Art Rothgans mit glaͤnzend ſchwatzem Ruͤcken, Fittige und Kopfe, und mit weiter Brußt. Anch entdeckten wir unter 20 0 ſüdl. Breite und 4600 31“ öſtl. Laͤnge, eine Inſel, und an deren ſuͤdlichen Spitze viele Leute, welche in Kanots uns entgegen tuhren; aber ſich nur in einer gewiſſen Weile näherten. Die Kanots beſtanden dem Anſchen nach aus großen Baͤumen; das groͤßte war 28 Fuß lang. Ihre Form war gut; ſie hatten lange Auslagen, um ſich vor dem Umſchlagen zu decken, und an beiden Enden einen hoͤlzernen Haken, deſſen Gebrauch wir nicht errathen konnten. Die Haut der Einwohner war vollkommen glatt und rein; ſie ſelbſt waren ganz nackt, kupferfarbig und glichen am Haare den Neu⸗ hollaͤndern. Einigen hing der mit Sorgfalt ge⸗ pflegte Bart bis zum Nabel herab; ander etrugen eine Schnur, an welcher eine Koralle oder ein Knochen zu haͤngen ſchien, um den Hals. Wir wunderten uns, wenigtens 1000 Einwohner auf einer Inſel zu erblik⸗ ken, deren Umkreis nicht uͤber 3 Meilen betragen kann. Sie iſt niedrig, aber ganz mit Baͤumen, beſon⸗ ders mit Kokos⸗Palmen bedeckt. Ein ſchoͤnes ſandi⸗ ges üfer lauſtrund um die Inſel, welche wir Dench“ „ 309 Inſel nannten. Am andern Worgen entdeckten wir eine andere, etwa 70 Meilen große Inſel, welche ſehr waldig iſt, und angebautes Land hat, auf welchem Mais oder Zucker-Rohr zu ſtehen ſchien. Am ſandi⸗ gen ufer lagen Kanots, auch erblickten wir Einge⸗ borne, welche keine Luſt zeigten, ſich uns zu naͤhern. Durch die Bäume erblickten wir einige große wohige⸗ baute Haͤuſer. Die Einwohner ſind nackt; ihre Ka⸗ nots gleichen jenen auf der Tench's Inſel. Wir ga⸗ ben der Inſel den Namen: Prinz Wilhelm Hein⸗ richs⸗Inſelz einen hohen Berg in ihrer Mitte un⸗ ter 10 32“ ſüdl. Br. und 1400 30 oͤſtl. Länte bießen wir Mount Philipv. Am s. Juni erblickten wir die ſogenannten In⸗ ſeln Kercolang und Kerolang. Am 6. kam ein Kanot mit 12 bekleideten Malayen aus Kerkolang auf uns zu, wir bedeuteten ihnen, vom Ufer etwas zu eſſen zu holen. Sogleich wanden ſie ſich dahin, und wir ihnen nach. Als wir die Brandung am Ufer entdeckten, winkten wir den Kanots an das Land zu gehen, um Kokos⸗Nuͤſſe und Plantanen zu holen, de⸗ ren wir eine ſehr große Menge bemerkten. Selbü an das Land zu gehen, weigerten wir uns, und ſchickten in einem Kanot einen unſerer Leute dahin. Bald kam er mit verſchiedenen Kanots zuruͤck, welche mit Kokos⸗ Nuͤſſen, Yams, Planfanen, fuͤßen Pataten, Reis, einigem Mehl und andern Lebensmitteln beladen waren, welchs wir gegen Aexte und andere Waafen eintauſchten. 5— 3¹0 Bei unſerer Abfahrt begleiteten uns viele Kanots eine weite Strecke. Kercolang liegt im 40 28“ ſuͤdl. Br. und im 123 21 oͤſtl. Laͤnge. Die Inſel mag etwa zwiſchen so— 100 Meilen groß ſeyn, der Boden ſcheint viele Huͤgel und weite Thaler zu haben, und iſt ganz mit Gras und Baͤumen bedeckt. Dieſe Malayen trugen keine Dolche. Die Haͤuſer ſtanden auf Pfaͤhlen, und ſchtenen gut gebaut und bedeckt zu ſeyn. Ihre Kanots waren zierlich ausgehoͤhlte Baͤume mit Auslegern von Bambus⸗Rohren; am Hintertheile iſt ein Stck Hoſt, wie ein Schiff⸗Schgabel, zum Wogenbrechen beſtimmt. Jedes Kanot hat einen Maſt, an welchem eite vier⸗ eckige Marte die Stelle des Segels. vertritt. Ihre Angel und Netze gleichen den Europaͤiſchenz Am s. ſteuerten wir nach der ſuͤdlichen Spitze von Lirog, erblickten am 12. die Inſel Morotia und befanden uns am 144. in der Naͤhe von Gilolv. Am 17. entdeckten wir die Inſel Dernate, welche ſich zu etnem keilfoͤrmigen Berge erhebt; ſie liegt o0 s0 noͤrdl. Br. und 1270 3“ oͤſl. Laͤnge. Zwei Meilen N. N. W. von dort liegt die ſogenaunte Inſel Hert. Beide ſind maleriſch ſchoͤn, trefflich angebaut, und allem Anſehen nach ſehr bevolkert. Außerdem ſahen wir die Inſeln Tidere und Makian, gleſchfalis boch, gebirgig, und gut angebaut. Noch gibt es eins Menge gut angtbauter kleiner Inſeln, eine Gruppe 31¹1 bildend, zwiſchen welchen eine Menge Bote, zum Theil mit Europaͤern umherſchifften. Am 19. ſahen wir Manere oder Batachina. am 20. Pulo Dubi und Stemo Sulla. Bisher hatten uns die Stroͤmungen gegen Weſt getrieben, am 21. jagten ſie uns Oſt⸗Sud⸗Dſt. Denn die Straße von Neu⸗Guinea und Aigen lag in Süd⸗ Oſt offen vor uns; und wahrſcheinlich hat das Waſſer zwiſchen Celebes und Gilolo ſeinen Einfiuß, zwiſchen Gilolo, Neu⸗Guinea und Aigen ſei⸗ nen Ausfluß. Dieſen nannten wir Pitts⸗Durch⸗ gang. Hier waren Walfiſche in großer Menge, welche unſerm Schiſſe ſehr nahe kamen. Am 22. ſahen wir Burro und Sulla Beſſe. Die hohe Inſel Burro erblickt man in einer Eutfernung von zwan⸗ zig Meilen; ihre ößliche Spitze liegt in 30 7“ ſüdl. Br. und 1260 38 oͤſtl. Laͤnte. Am 26. ſteuerten wir zwi⸗ ſchen den waldigen und gut angebauten St. Mat⸗ thaͤns und Tonchaͤilly⸗Inſeln weg. Die Ein⸗ gebornen, von welchen wir einige Kokos⸗Nuͤſſe er⸗ hielten, nannten zwei der letzteren Combado und Toueamboſo. Am 28. erblickten wir die Inſel Salaher; welche ſehr bevoͤlkert ünd gut angebaut zu ſeyn ſcheint, indem wir gute Haͤuſer und ſogar Vetzaͤunungen entdeckten. Am 29. ſahen, wir neben Celebes hohes Land; am 30. dte Tonny's⸗In⸗ ſeln oder Sarras, und die große Solombo; am 1. Juli die Juſel Luͤbeck; am 3. die Inſeln Cari⸗ 312 man Java; ams. Pulo Pakit; am s. gingen wir auf der Rhede von Batavia vor Anker. Die Supply begruͤßte die Feſtung mit 9 Schuͤſſen, und bekam eben ſoviel zurück. Als Lieutnant Ball und ich am s. an das Land gingen, fuͤhrte uns der Schebander zum General. Bhne dieſen darf kein Fremder hier das kleinſte Geſchaͤft verrichten; er allein beſtimmt, was aus⸗ und eingefuͤhrt werden darf. Jedes Boot, welches an die Rhede kommt, muß ihm eine Abgabe bezahlen. Er iſt auch Dberaufſeher der chineſiſchen Zoll⸗Einnehmer. Als wir uns mit dem Generale auf der Kanzlei beſprachen, ward uns kein Stahl angeboten, weil ſonſt keiner da war, als der⸗ ienige, deſſen der General ſelbſt ſich bediente. Lieutnaut Ball kaufte Bedütfniſſe für Neu⸗ Suͤdwallis, welche ſehr wohlfeil waren. Batavia und ihr Gebtet mit einem Umfange von s engl. Meilen liegt 1/½ Meile vom Ufer der See, und iſt durch einen Kanal mit demſelben verbunden. Die Stadt liegt auf einer Ebene, welche ſich vierzig Meilen weit bis zu den naͤchſten Bergen erßtreckt. Zwei große Fluͤſſe theilen ſie in viele Kanaͤle, und dieſe durchlaufen alle Straßen. Die, große Boͤte tra⸗ genden, Kanaͤle find mit Baͤumen beſetzt, welche fä⸗ cherartig zugeſchnitten werden. Die Straßen alle nach geraden Winkein gezogen, ſind im Ganzen breit und gut gepflaſtert. Allein eine doppelte Reihe von Baͤumen auf denſelben vermindert den Durchzug der — ——— 3¹3 Luft, und vermehrt die natuͤrliche Ungeſundheit der Stadt. Alle Haͤuter ſibd gut, einige prächttg gebaut, und reinlich wie ihre Bewohner. Ein Europäer muß Wagen und Pferde habenz wer weniger iſt, als er, muß ihm Ehrfurcht bezeigen. Wer es nicht thut, wird beſtraft. Ebenſo wird auch der beſtraft, welcher wagt Sammet zu tragen, wenn er kein Mitglied des hohen Rathes iſt. Die Stadt kann keinen ſonderlichen Widerſtand leiſten. Ihre Fs⸗ ſungswerke ſind unregelmaͤßig und zu weit ausgedehntz ihre bemalten Mauern nicht hoch. Ein tiefer Kanal umgibt ſie; ihre beſte Schutzwehre aber iſt ihre außer⸗ ordentliche Ungeſundheit. Die Citadelle liegt rechter Hand, und iſt mit Kanonen und Kriegs⸗Beduͤrfniſſen reichlich verſehen. In den Vorſtädten wohnen Chineſen und Fortugteſen; erßere haben viele, aber niedrige und ſchmutzige Haͤuſer. Die Chineſen, im Jahre 1788 zu 200,000 an der Zahl, erhalten dieſe wichtige Pflanz⸗ ſtadt, treiben alle Geſchaͤfte, und werden dabei reich, muͤſſen aber von den Hollaͤndern vieles ſich gefallen laſſen. Sie haben ihre eigene Obrigkeit aus ihren Landsleuten, welche vom Gouverneur und dem Rathe ernannt werden. Sie allein empfinden nichts von der Ungeſundheit des Ortes; zu welchem Gluͤcke ibre Wai⸗ ſiskeit viel beitragen mag. In Batavia wohnt der General⸗Stattbalter 314 uͤber alle hollaͤnd. Beſitzungen in Oſtindien, und mit ihm 12 Räthe, edle Herten genannt. 2,470000 Pfund Zinn kommen jaͤhrlich von Pa⸗ lambam oder Sumatra in die Magazine der Ge⸗ ſellſchaft nach Onruſt, und werden von dort nach China verſandt. 2,600,000 Pfd. Pfeffer gehen jahr⸗ lich nach Europa. Die kleine Inſel Onruſt, etwa 1 Meile im Umfange habend, liegt 2 ½ Meile von Batavia. Hier werden in einer vortrefftichen Werfte die Schiffe der Geſellſchaft ausgebeſſert. Es gibt auch hier eine Art von Citadelle, derer Geſchuͤtz aus Mangel einer Beſatzung zur Kriegszeit von Zimmerleuten bedient wird. Dnrußt ſoll geſunder als Batavia ſeyn, obwohl 20 Leute beſchaͤftigt ſind⸗ Saͤrge fuͤr die Sterbenden zu verfertigen. Am 4. Auguſt ſegelte ich am Bord des Packetbvot, die Schnelligkeit, von 140 Tonnen nach Europa. Fuͤnf Tage nach unſerer Abfahrt erkrankte die ganze Mannſchaft mit Ausnahme von vier. Mehrere ſar⸗ ben bald am Faulfieber. Endlich erreſchten wir mit Huͤlſe vortreflichen Wetters und guͤnſtiger Winde Isle de France, und gingen dem naͤmlichen Tag am Eingange des noͤrdlichen Hafens vor Anker. Der Hafen iſt in den Monaten Oktober, November und Dezember beſonders unſicher. Drei Wochen vor unſerer Ankunft ward bie die 315 Rerolution eingefuͤhrt, bei welcher das Volk ſich groſ⸗ ſen Ausſchweifungen uͤberlteß.— Die Stadt Port Louis iſt groß, und nimmt vielen Raum ein; doch ſind die Haͤuſer größten Theils elend. Große Maga⸗ zine und alles, was zur Ausruͤſtung einer Flotte ge⸗ hoͤrt, gibt es hier. Die Anzahl der weißen Einwoh⸗ ner, das Militaͤr nicht mit gerechnet, belaͤuft ſich etwa auf Ssooo, jene der Schwarzen auf 42, 000. Das Haupterzeugniß der Inſel iſt Indigo, wel⸗ cher jaͤhrlich 4—8 Aerndten gibt. Das Erdreich iſt hier etwas beſſer, als zu Port⸗Jackſon, Diei Meilen vom Hafen liegt der konigliche Garten, wel⸗ cber ſehr ſorgfältig unterhalten wird⸗ Von 26 Matroſen, welche aus Batavia kamen, batten wir nur vier an Bord, indem die uͤbrigen ent⸗ weder geſtorben waren, oder ohne Hoffnung im Spi⸗ tale lagen. Bis zu unſrer Ankunft auf dem Vorge⸗ birge der guten Hoffnung am 19. Dkrober ſiel nichts wichtiges vor. Am 20. ſegelten wir von dort nach Europa, kamen am 2. November St. He⸗ lena und am 7. die Himmelfahrts⸗Inſel vor⸗ bei, und gingen hierauf durch die Mittagslinie in 200 48“ weſil. Laͤnge von London. Nach zwei Mo⸗ naten einer gluͤcklichen Fahrt ſtieg ich am 20. Decbr. 1790 in England an das Land, nachdem ich drei Jabre und ſieben Monate auf Reiſen zugebracht hatte. mittleren Afrika in den Jahren 1822 bis 1824 von Denham, Clapperton und Oudney. Aus dem Engliſchen überſetzt, und im Auszuge mitgetheilt*). *) Das engliſche Original fuͤhrt den Titel: Narra- tive ob travels and discovories in Northern and Central Africa, in che Jars 4822, 4825 aud 492 4, by Mayor Denham, Captain Clap- perton, and the late Dr. Oudney estending across the Great Desert to che tenth degres ok northern Latitude, and from Kouka in⸗ Bornou, Sackstoo, che Capital of the Fella- tali Empire. With an appendix, puhlis hed by authority ok the Right honourable Parl M. Divon Denham and Capt. Hugh Clapper- ſchien zu London in 4to 4826.— II. Auflage 1327 in 2 Bdn. 6. Reiſen und Entdeckungen im nördlichen und D. Fahrt zur groten Reiſe, geſchah aus Malta, Die drei ſchon bekannten Reiſenden, Major Denbam, ton, the survivors of the expedition. Es em 317 Capitain Clapperton und Dr. Oudney begleitete William Hillmann, ein Schiffezimmermann, der ihnen ſeines Gewerbes halber von großem Nutzen ſchien. Unſere erſte Landung geſchah in Dripoli. Tripoli iſt ſchon ſo oft beſchrieben, daß ich es fuͤr „unnoͤthig halte, eine naͤhere Beſchreibung zu liefern, Tully's Briefe geben davon ein lebenvolles Bild. Nur ſo viel ſey bemerkt, daß wir an dem Tage unſe⸗ rer Ankunft dem Paſcha unſere Aufwartung machten. Nachdem wir durch den Hofplatz gegangen waren, den Wachen anfuͤllten, und durch mehrere Gaͤnge und Vorzimmer wo einige Haufen Araber Karten ſpielten oder wuͤrfelten, fuͤhrte man uns in das Au⸗ dienz⸗Zimmer, wo der Paſcha mit gekreuzten Bei⸗ nen auf einem Leppich, zwiſchen ſeinen beiden Soͤh⸗ nen ſitzend, von bewaffneten Negern umgeben, uns freundlich empfing, und Scherbet und Kaffee brin⸗ gen ließ, ſich auf das Zuvorkommendſte uͤber unſere Reiſe ins Innere von Afrika aͤußerte, und ſie auf alle Art zu unterſtuͤtzen verſprach. Zugleich lud er uns ein, an einer Falkenbeite Dheil zu nehmen. Nach einem Aufenthalt von wenigen Tagen brachen wir auf, und kamen nach einem Marſche von 44 Ta⸗ gen durch ein kleines Dhal und eine Pflanzung von Dattelbäumen. Von bier aus hatten wir ſchon die Anſicht von Sockna, welches auf dem halben Weg iwiſchen Tripoli und Mourzuk liegt. Auf der Ebene, worin es liegt, kamen uns der Gouverneur 77. Bd. Afrika, III. 3. 6 318 und die vornehmſten Einwohner, nebſt einigen hun⸗ dert Andern, entgegen: ſie draͤngten ſich um unſere Pferde, kuͤßten uns die Haͤnde, und begruͤßten uns mit großer Freundlichkeit. Sockhna hat uͤber 3000 Einwohner; die Stadt iſt ummauert, hat uͤber eine Meile im Umfang, acht Thore, und war ſo reinlich, daß es uns uͤberraſchte. Die Frauen ſind huͤbſch und ſollen ſich durch ihre Neigung zu Liebeshaͤndeln aus⸗ zeichnen. Die Weiber in Sockna kleiden ſich, wie die in Dripoli, ſie tragen naͤmlich weit geſtreifte Gewaͤnder von Seide oder Leinwand, große ſilberne Ringe in den Ohren, an den Armen und Fuͤßen; bei den unteren Klaſſen ſind dieſe von Glas oder Horn. Der Weg von Sockna nach Mpurzuk und von da nach Bornu iſt gleich beſchwerlich und unfreundlich; denn er fuhrt durch furchtbare Wuͤſten. Um oͤſtere Wiederholungen zu vermeiden, ziehen wir es vor, unſeren Leſern eine kurze Schilderung im Allgemeinen zu geben. Die Wüſte beſteht aus duͤßeren, drohenden, nackten Felſen, oder endloſen Ebenen, die an einigen Stellen mit Felsbrocken und Steinen bedeckt ſind, an anderen, in ungeheuere wagrechte Sandſtrecken ſich ausdehnen, oder ſich in gewaltigen Sandbergen erhe⸗ ben, die ihre Geſtalt und Lage nach der groͤßern oder geringeren Heftigkeit und Richtung des Windes aͤn⸗ dern. Aber ſelbſt mitten in dieſer traurigen Einode trift man bisweilen Städte, Doͤrfer, wanderude Staͤmme und Caravannen, welche die Stille dieſes „ 319 ungluͤcklichen Guͤrtels, der ſich quer durch Nordaffia binzuziehen ſcheint, unterbrechen, dem an manchen Stellen jedes lebende Weſen, ſelbſt Inſekten fehlen. Die Raſtplatze jedoch bei den Brunnen, und die Wa⸗ devs oder Thaͤler, gewaͤhren den Reiſenden eine un⸗ verſiegliche Quelle von Unterhaltung, wenn er die Sitten und Gebraͤuche der wandernden Staͤmme beach⸗ tet, und auf ihre Unterhaltung horcht; und bei ihrem Geſang und Tanz, beim Anhoͤren ihrer Erzählungen, bei ihrem Zanken und Schreien und Streiten„ ver⸗ gibt er auf eine Zeit lang die Langeweile und Be⸗ ſchwerde der Tagereiſe. Eine Lagreiſe von Monr⸗ zuk liegt ein Dorf, mitten unter Palmen, und wir freuten uns, das Ziel unſerer Reiſe vor uns zu ſehen. Nahe bei Mourzuk ſieht ein Brunnen, wo wir un⸗ ſere Kameele erwarteten, um ſtattlich in die Stadt ein⸗ iutichen. Allein wir haͤtten uns die Muhe ſparen kön⸗ nen, weil keiner uns entgegenkam, als einige nackte Jungen und einige Tibbos, Tuariks und Fezzaner, die uns verwundert anfahen. Wir beſchloßen, auf eine, unſeren Erwartungen ſo wenig entſprechende Weiſe nicht in die Stadt einutieben, und indem wir auf eine kleine Anbohe zürüͤckgingen, erwarteten wir einen Chavuſb, den wir abgeſchickt hatten, unſere Ankunft zu melden. Nach einer halben Stunde er⸗ ſchien der Scheik el Blad, der Gouverneur det Stadt, und erſuchte uns in des Sultans Namen, ihn nach dem fůͤr uns in Stand geſetzten Hauſe zu begleiten 320 und zu unſerem groͤßten Erſtaunen fuͤgte er hinzu: „der engliſche Conſul iſt ſchon da.“ Wir fanden, daß einer meiner Leute, ein haäßlicher Jude, auf einem weißen Maulthiere vorausgeeilt, und mit Attigkeit empfangen war, was er auch ſillſchweigend annahm. Wir lachten nachher oft uͤber die Muſelmaͤnner, die gegen einen Jnden ſo hoͤfſich geweſen waren, da ſie dieſe ſonſt ſo ſehr verachteten. Da wir ſtets der Son⸗ nenhitze ausgeſetzt waren, beſchloßen wir, unſere Wuͤrde ein wenig hintanzuſetzen und in die Stadt zu gehen. Wir zogen ein durch das Hauptthor; die Mauern ſind gut gebaut⸗ wenigſtens 20 Fuß hoch, und die Thore ſo weit, daß ein beladenes Kameel durchgehen kann. Man kommt dann durch den Sklavenmarkt, Sfug ge⸗ nannt, eine breite Straße, an befden Seiten mit Paͤuſern, 300 Ellen lang; ſie füͤhrt zu einem freien Platze, in deſſen Mitte das Kaſtell ſteht, von einer Mauer umgeben. Innerhalb derſelben ſind einige Haͤuſer, urſpruͤnglich für die Mamelucken beſtimmt, und das Gefolge des verſtorbenen Sultans. In einem derſelben waren Anſtalten zu unſerer Aufnahme gemacht. Bald nachdem die Kameele abgeladen waren, machten wir dem Sultan unſere Aufwartung, er empfing uns freundlich und artig, und gewann uns fuͤr ſich, doch gab er uns nachher eben nicht Gelegenheit, ſehr fuͤr ibn eingenommen zu ſeyn. Wefter war ein Mann bei uns geweſen, er hiet Voo⸗Bucker Boo⸗Kholvom, der uns zu ve⸗ „ 321 ſtehen gab, daß der Sultan uns nach Bornon ſen⸗ den koͤnne, wenn er wollte, und daß ein ihm gemach⸗ tes Geſchenk dies befoͤrdern wuͤrde. Boo⸗Khaivom ward uns, wie er es auch war, als ein ziemlich rei⸗ cher Kaufmann geſchildert, der Einſiuß hatte. Er ſtand im Begriffe nach Tripoli aufzubrechen, mit koſtbaren Geſchenken fuͤr den Paſcha. Er hatte 300 Sklaven, die ſchoͤnſten, die man nur finden konnte, und viele andere Sachen. Im Geheim ſagte er uns, daß die Hauptabſicht ſeiner Reiſe nach Tripoli ſev, die Entfernung des jetzigen Sultans von Fezzan durch⸗ zuſetzen, und er wuͤnſchte, daß wir den Paſcha erſu⸗ chen moͤchten, ihn zu unſerem Begleiter auf der fer⸗ neren Reiſe zu beſtimmen, doch ſollten wir uns nicht merken laſſen, daß er dies angegeben habe. Er er⸗ klaͤrte, daß ſogleich 100 Kaufleute ſich ihm anſchließen wuͤrden, die nur auf ſeine Abreiſe warteten, und daß eine andere Bedeckung nicht noͤthig ſey; daß er nur einige Wochen in Sripoli ſich aufhalten wuͤrde, und daß wir bei ſeiner Ruͤckkehr gleich abreiſen koͤnnten. Bvo⸗Khaloom verließ Mourzuk mit ſeinen Sklaven und Geſchenken, mit ungefaͤhr 30 Kameelen, und dem Scheine nach, in gutem Vernehmen mit dem Suitan. Es war indeſſen kein Geheimniß, daß Sul⸗ tan Muſtapha alles in Bewegung geſetzt hatte, da⸗ mit Bvo⸗Khaloom bei ſeiner Ankunft in Tripoli enthauptet wuͤrde, und daß dieſer alles aufboͤte, jenen zu ſtuͤrzen. Wir unſerer Seits hielten es für noͤthig⸗ 322 daß einer nach Tripoli gehe, dem Vaſtha vorzuſtel⸗ len, uns nicht mit leeren Verſprechungen fur unſer Geld hinzuhalten, und bald hierauf verließ ich Mur⸗ zuk mit meinem Neger Barka, 3 Kameelen und * Arabern, und nach einer langweiligen Reiſe von 0 Tagen erreichte ich ripoli, wo mich der Kon⸗ ſul mit gewohnter Freudigkeit aufnahm. Ich bat ſo⸗ gleich um eine Audient beim Paſcha, die mir abet, des Nhamadans wegen, erſt den folgenden Abend bewilligt ward. Der Paſcha entſchuldigte ſich, des Sultans von Fetzan Krankheit ſey allein die Urſache der Verzo⸗ gerung; wir drohten, daß ich ſogleich nach Eugland abgehen würde, um zu klagen, wie ſehr man uns ge⸗ nach Marſeille, und als der Paſcha ſah, daß wir Ernſt machten, ſchickte er Deveſchen mit drei Schil⸗ fen ab, mich zurückzuholen. Das eine traf mich in der Quarantaine zu Marſeille, und die Briefe erklär⸗ ten, daß Bvo⸗Khaloom beſtimmt ſey, uns mit einer Bedeckung nach Bornou zu bringen. Dies war, was ich verlangte: in 7 Tagen landete ich wieder in der Berberei, Boo⸗Khalvom mit einem Cheile der Bedeckung ſtand ſchon am Rande der Wuͤße; wir durchzogen aufs Neue den Paß von Melghea, in den Tarhona⸗Bergen, und kamen ohne Uunfall wieder nach Sockna. Waͤhrend unſeres Aufenthaltes daſelbß war die Hochzeit des Sohnes eines der reichſten Ein wohner gefeiert, ganz nach arabiſcher Weiſe. 56 taͤnſcht habe. Ich ſegelte mit einem franzſiſchen Schiße 323 Am Morgen des Hochzeitstages ertoͤnt die Muſik der Stadt oder des Stammes, aus einer Sackpfeife und 2 Trommeln beſtehend, ſie begruͤßt die Braut, dann den Braͤutigam, der gewoͤhnlich ſchoͤn gekleidet durch die Straßen geht, und Jung und Alt ziehen dinten drein. Die Frauen verſammeln ſich indeß in dem Hauſe der Braut, aufs ſchoͤnſte geputzt, und ſetzen üch an die Maueroͤffnungen, die ſtatt der Fenſter die⸗ nen, und in den Hof gehen. Wenn ſie Platz genom⸗ men haben, die Braut auch vor einem Fenſter, ganz mit ihrem Barracan verhuͤllt, ſo werden die Kleider der Braut, ſeidene Hemden, Shwals, ſeidene Bein⸗ kleider und feine Barracans, um ihren Reichthum zu zeigen, von der Spitze des Hauſes ausgehaͤngt, ſo daß ſie faſt die Erde beruͤhren. Die jungen arabiſchen Haͤuptlinge duͤrfen dann ihre Aufwartung machen: ſie erſcheinen mit ihrer Muſik, und eine oder zwei Taͤnzerinnen ſchreiten in aller Form voraus, mit lang⸗ ſamen Schritten, bis in die Mitte des Hofes. Die Frauen begruͤßen die Beſuchenden mit dem Rufe Lvo! Loo! Lvo! ſie erwiedern es, indem ſie, die Hand auf die Bruſt legend, im Kreiſe herumgefuͤhrt wer⸗ den. Sie haben volle Zeit die Schönen umher zu be⸗ trachten, und wenige ſind ſo grauſam, den Schleier nicht zu luͤften. Solch einen Kreis von ſchoͤnen ſchwar⸗ zen Augen, großen Dhrringen und weißen Zähnen, ſieht man gewiß ſelten in einem andern Lande. Nach⸗ dem ſie den Umgang gemacht baben, uͤberreichen ſie das Geſchenk, die erſe Taͤnzerin zeigt es; und je nachdem es mehr oder weniger koſtbar iſt, wird der Geber von den Zuſchauerinnen bewillkommt. Ehe ſie abziehen, feuern alle die zum Beſuch kamen, ihre Pi⸗ ſtolen ab, und die Frauen begrußen ſie wieder mit Loo! Loo! Loo! Wenn dieſe Ceremonie etwas vor Son⸗ nenuntergang geendet iſt, ſchickt ſich die Braut an, das vaͤterliche Haus zu verlaſſen; ein Kameel wird ihr geſchickt mit einer Art von Flechtwerk auf ſeinem Ruͤcken. Das Ganze iä mit hellen Shwals aus Su⸗ dan, Cairo und Timbuetu bedeckt; ſie ſetzt ſich ſo hin⸗ ein, daß ſie alles ſehen kann, was vorgeht, ohne ge ſehen zu werden. Man fuͤhrt ſie dann zur Stadt hin⸗ aus, wo alle Reitet und Fußgaͤnger bewaffnet, ver⸗ ſammelt ſind. Sik Rhgen zu zwei und zwei, und vier mit vieren an zu fechten, ritten in Abtheilungen auf einander los, und feuerten dicht bei dem Kameel der Braut. So machte man dreimal die Runde um die Stadt, zur Abwechslung naͤherte ſich der Braͤutigam bisweilen dem Kameel, das von den Negerinnen um⸗ geben war, die ihn wieder wegtrieben, zur großen Freude der Naheſtehenden, mit dem Geſchrei Burra! Burra!(fort! fort!) und mazal, ſhonia!(noch ein wenig!1) Zuletzt fhrt man ſie nach dem Hauſe des Braͤutigams, dort muß ſie ſich uͤberraſcht ſellen und ſich weigern abzuſteigen, die Weiber kreiſchen, die Maͤnner ſchreien, ſie wird endlich dazu vermocht, hin⸗ einzugehen. Dann ſteckt ihr der Braͤutigam ein Stuck 325 Sucker in den Mund, ſie erwiedert dies, und nun werden ſie als Mann und Frau erklaͤrt⸗ Von Sockna nahmen wir uͤber den Gibel Aſſond oder die ſchwarzen Berge unſeren Weg, und gelang⸗ ten nach einer muͤhſeligen, faſt einen Monat dauern⸗ den Reiſe, nach Mourzuk. Mit aller Pracht, die wir nur aufbieten konnten, zogen wir in die Stadt ein. Die halbe Stadt ſtroͤmte uns entgesen, die Menge ſauchzte und die Weiber tanzten voraus. Da die Gegend hier aͤußerſt ungeſund iſt, und jeder von uns, in hoͤherem oder geringerem Grade unwohl ward, ſo ſuchten wir, bald wieder aufzubrechen. Dbgleich Boo⸗Khaloom alles aufbot, unſere Abreiſe zu be⸗ ſchleunigen, ſo verzoͤgerte ſie ſich mehrere Wochen. Uunſere ganze Karavanne beſtand aus folgenden Perſonen: Ich hatte bei meinem letzten Aufenthalt in Tripoli einen Mann aus der Inſel St. Vintent in Dienſten genommen, er hieß Adolph Sympkins., da er aber ſeine Heimath heimlich verlaſſen, und in einem Kauffahrtheiſchiffe die halbe Welt durchreist hatte, ſo hatte man ihm den Namen Columbus gegeben; er war 3 Jahre im Dienſte des Paſcha gewe⸗ ſen, ſprach drei europaͤiſche Sprachen und ganz gelaͤu⸗ ſig das Arabiſche. Er war uns von großem Nutzen und ſo treu, daß er aufs Neue als Begleiter des Hr. Klapperton mitgeſchickt iſt. Außerdem hatten wir in Tripoli drei freie Neger in unſere Dienſte ge⸗ nommen: dann war Jakob, ein Jude aus Gibral⸗ 326 tar, bei uns, und« Leute, die Kameele zu beſorgen hatten, ſo daß mit Hillmann unſere Geſellſchaft aus 13 Perſonen beſtand. Außerdem hatten ſich uns einige Kaufleute aus Maſurata, Tripoli, Sock⸗ na und Mourzuk angeſchloſſen, die froh dieſe Ge⸗ legenheit benutzten, mit ihren Waaren ins Innere von Afrika zu reiſen. Die Araber im Dienſte des Paſcha von Sripoli, die uns zur Bedeckung auf dem Wege nach Bornon dienen ſollten, und von deren gutem Betragen der Erfolg des Unternehmens vorzuͤglich abhing, waren nun faß alle beiſammen und man hatte ſie aus den gehorſamſten Staͤmmen gewaͤhltz ie mehr wir ſie kennen lernten, deſto mehr gewannen ſie ſich fuͤr uns, denn ſie waxen nicht bloß ein noth⸗ wendiger Schutz fuͤr uns, da wir den Europaern, dis uns folven moͤchten, den Wes bahnten, ſondern ſie dienten uns auch zur Erheiterung in der traurigen Wuͤſte, durch ihren Witz und Scharfſinn, wie durch ihre Lieder, die ſie entweder aus dem Stegreif ſan⸗ gen, oder die ihnen ihr Gedaͤchtniß darbot. Einige waren ausgezeichnete Redner in Verſen, wie ſie in ihrer Sprache ſich ausdruͤckten, beſonders Einer aus dem Stamme Boo⸗Saiff Marabootens, der eine gauze Stunde ſingen konnte, indem er die Be⸗ gebeuheiten der letzten 14 Tage zaͤhlte, ſo daß er auch nicht den geringſten Umſtand uͤberging, ſelbſt der Na me eines jeden Brunnens ward erwaͤhnt, die Farbs und der Heſchmack des Waſſers, und das alles mit 327 uͤberraſchender Schnelligkeit und Laune, und ſelbſt als⸗ Dichtung war ſein Geſang nicht ſchlecht. Mehrer von den alten Liedern waren ſehr ſchoͤn. Hier glaube ich iſt auch die ſchicklichte Gelegen⸗ heit, die Nationalzuͤge der Araber kurz zu entwerfen. Die Araber ſind meiſtentheils ſehr magere Geſtalten, doch haben ſie ausdrucksvolle, oft ſchoͤne Zuͤge, grote Heftigkeit in ihren Bewegungen und gewaltige Mu⸗s kelthaͤtigkeit. Reizbar und ſtolz, ſind ſie den Stads⸗ bewohnern nicht gleich: da ſe ſtets laͤmen und ſchreien, ſcheint chre gewoͤhnliche Unterhaltung ein beſtaͤndigen Zank und Streit, auf der anderen Seite ſind ſie brav. beredt, und haben ein tiefes Ehrgefuͤhl. Die Liebs der Araber fuͤr die durch Sagen uͤberlieferten Groß⸗ thaten ihrer Vorfahren iſt ſpruͤchwoͤrtlich: jeder Vor⸗ nehme hat einen Geſchichtserzaͤhler in ſeinem Gefolges ſeine Freunde verſammeln ſich vor ſeinem Zelte, odes auf ſeinem platten Dache und horchen dort, Nachs fuͤr Nacht, einer Geſchichte, wenn ſie auch 60 ja 100 Naͤchte fortgeſetzt wird. Es iſt ein großes Taleut, und eine beſondere Gabe, die bei ihnen ſehr geſchatzt iſt. Sie haben eine Schnelligkeit und Klarheit der Darſtellung, und die Worte ſtehen ihnen ſo zu Gebote, daß ein Europaͤer ſich uͤberraſcht fuͤhlt; ihre Schilds⸗ rungen ſind ganz poetiſch, ihre Erzaͤhlungen voll Fi⸗ guren und Metaphern; ihre Lieder aus dem Stegreik ſind voll Feuer, und man bewundert die ſchoͤnen und glücklichen Gleichniſſe. Manche Staͤmme ſind beruͤhmt, 3²8 wegen ihrer Fertigkeit, unvorbereitet zu ſprechen und zu ſingen; die Haͤuptlinge bilden dieſe Anlage bei ihren Kindern aus, und oft findet man dieſes Talent in ho⸗ hem Grade bei Leuten, die nicht leſen noch ſchreiben können. Arabiſche Geſaͤnge gehen zu Herzen und erre⸗ gen die Leidenſchaften; ich habe einen Kreis von Ara⸗ bern geſehen, die in einem Augenblicke laut auflach⸗ ten und gleich darauf in Thraͤnen zerfloßen, und voll Srauer und Mitgefuͤhl mit den Haͤnden klatſchten. Manche von dieſen Kindern der Wuͤſte beſitzen Klug⸗ heit und Gefuͤhl, wie man es bei keinem Wilden fin⸗ det, dabei haben ſie einen herviſchen Muth und ver⸗ achten jede andere Art ihren Unterhalt zu gewinnen, als durch das Schwert und die Flinte. Sein hoͤchſtes Lob ſucht ein Araber in der Geſchicklichkeit die Waffen zu fuͤhren und zu reiten, und in der Gaſtfreundſchaft. Dieſe letzte war ihnen immer eigen, und noch jetzt iſt der groͤßte Vorwurf, den man einem arabiſchen Stam⸗ me machen kann,„daß ihre Maͤnner nichts geben, ihre Weiber nichts abſchlagen moͤgen.“ Feigheit wird bei den Arabern auf's ſchimpflichſte beſtraft: ein Fei⸗ ger wird oft gebunden, und durch alle Wohnungen des ganzen Stammes herumgefuͤhrt, wobei man ihm Eingeweide eines Ochſen oder andern Thieres um den Kopf windet; und bei Leuten, die nur reich ſeyn wollen, um die Anzahl ihrer Weiber zu vermehren, iſt wohl die groͤßte aller Strafen, daß, wenn ſich auch ein Maͤdchen faͤnde, die ihn zum Ebemann nehmen — 329 wollte, kein Araber ihn in ſeine Familie eintreten laſſen wuͤrde. Die Vaterlandsliebe, die ſelbſt der wil⸗ deſte Bewohner des unfruchtbarſten Felſens fuͤhlt, kennt der wandernde Araber und der Maure nicht. Er zieht von Weide zu Weide, von einem Diſtrikt zum andern, ohne Anhaͤnglichkeit fuͤr den Ort, und ſeine einzige Freude iſt ein unſtaͤtes, unregelmaͤßiges Leben. Die Araber ſind treu in der Freundſchaft, halten ſters ihr Wort und achten die Verwandtſchaft; allgemein geruͤhmt ſind ſie wegen ihrer Gabe ſchnell etwas zu faſſen und zu durchſchauen, und wegen ihres lebhaf⸗ ten Witzes. Fehler haben ſie indeß auch und Laſters ſie lieben Krieg und Blutvergießen und ſind grauſam. Ein ihnen zugefuͤgtes Untecht vergeſſen und vergeben ſie nie. Durch ihre Raͤubereien, die ſie an Kaufleuten und Reiſenden verubt haben, iſt ihr Name in Europa veruͤchtigt. Unter einander aver ſind ſie ehrlich und gaſtfrei; haben ſie jemand in ihrem Lager aufgenom⸗ men, ſo ſteht ihm alles offen, und nie wird ihm et⸗ was entwendet. Wem er die Hand gedrückt, den ver⸗ theidigt er bis auf das Aeußerſte, und hat man Salz und Brod mit ihm gegeſſen, ſo iſt das Band der rn unaufloslich. S Nathdem wir einen Monat in Mouzut verweilt, ſten wir unſere Reiſe gegen Weſt hin weiter fort. Wurch Einoͤde und uͤber Gebirge wanderten wir müh⸗ ſame s Lage, bis wir die Stadt Germa, die groͤßte in dem Wadey eweichten. Hier hoͤrten wir von In⸗ 330 ſchriften, welche die Leute nicht leſen könnten. Scheikh Muſtapha fuͤhrte uns zu einem Gebaͤnde, das, wie er ſagte, von allen im Lande verſchieden waͤre; wir fan⸗ den, daß es ein Roͤmiſches war. Inſchriften konnten wir nicht finden, obgleich wir viele Steine beim Ru⸗ ben umkehrten; nur wenige Buchſtaben und Figuren ſaben wir, aber offenbar aus neuerer Zeit. Sie ſchie⸗ nen uns mit europaͤiſchen Buchſtaben Aehnlichkeit zu baben, und wir bielten dafür, daß ein Europäer ſie vor nicht ſehr langer Zeit eingehauen habe. Wir wuß⸗ ten eigentlich nicht, was wir daraus machen ſollten, bis wir die Targen⸗Schrift auffanden. Das Werk der Roͤmer iſt 12 Fuß hoch, nicht breit, aus Sand⸗ ſeinen, die gut zugebauen und in den benachbarten Huͤgeln gebrochen ſind. Im Innern beſteht es aus kleinen, mit Moͤrtel verbundenen Steinen. Es iſt ein Grabmal oder ein Altar, und üeht ungefaͤhr 3 Miles von Germa, eine Viertelmeile von den Huͤgeln. Fm Weſt davon ſind die Ruinen von Alt⸗Germa, das groͤßer geweſen zu ſeyn ſcheint, als die jetzige Stadt. Von dem alten Scheikh kounten wir nicht erfahren, ob man hier Muͤnzen gefunden habe, oder Ruinen von roͤmiſchen Gebaͤuden. Ging bier der Weg der Roͤmer durch, nach dem Inneren von Afrika oder Famen ſie hieher der Datteln wegen?! Die Stadt (elbü, an deren Mauern und Haͤuſern der Zahn der Beit genagt hatte, iſt mit einem Graben umgeben, der ietzt faſt obne Waſſer iſt, an den trockenen Stellen 5—— 3 331 hat ſich eine Rinde von Salz angeſetzt, die eine Menge Bittererde und ſchwefelſaure Bittererde enthaͤlt. Einige Brunnen, die keine 2 Fuß tief ſind, haben herrliches Waſſer. Die Dattelbaͤume ſiehen nahe dei der Stadt und ſind voll von Fruͤchten⸗ Fruͤh 7 Uhr brachen wir auf, ſwicten die Pferde zuruͤck und gingen zu Fuß. Wir wollten auf Kameelen reiten, allein ſie waren ſo ſchlecht bekaden, daß wir es nicht wagen konnten. Der Boden war überdies bloßer Sand, und fuͤr uns Fußgaͤnger aͤußerſt be⸗ ſchwerlich. Als Fuͤhrer mietheten wir einen alten Targen. Der Wanderer durch die unwirthlichen Stet⸗ pen wuͤrde verſchmachten, wenn nicht hie und da Brunnen und ſchattige Baͤume ihn ſaͤrkten und er⸗ guickten. Nachdem wir am Fuße einiger hober Sand⸗ derge hingegangen waren, kamen wir an einen ſteinig⸗ ten, nichti ſteilen Paß, der mit loſen Steinen von Quarz, gelben Feldſpath und Eiſenerz bedeckt war. WDort erblickten wir die Stadt Wadev, die an einem ungefaͤhr 30 Fuß hohen Hügel liegt. Man naͤbert ſich ihr von dieſer Seite, uͤber Salzebenen durch Fel⸗ der und Gehoͤlze von Dattelpalmen. Brunnen hat man nicht noͤthig, da es bier viele Quellen gibt, de⸗ ren Waſſer ſich in Behaͤlter ſammelt, und durch Ka⸗ nale die Felder traͤnkt. Die meiſten Einwohner ka⸗ men zu uns, und unſer Beſuch ſchien ihnen ange⸗ nehm. Der Kadi der beiden benachbarten Baͤder war Feundlich, und nothigte uns, einige Tags bei ihnen 332 zuzubringen. Wir konnten dies nicht, und er ſchien nur auf ſeinen Vortheil bei der Bitte bedacht, da er bald um ein Hemd bettelte, oder einen Dollar, ſich eines zu kaufen. Kurz vor Sonnenuntergang beſahen wir die Stadt. Die Haͤuſer beſtehen aus Erde und fnd an der Seite des Huͤgels gebaut, ſo daß eines auf dem andern zu ſtehen ſcheint. Die Straßen ſind enge, an einigen Stellen im Felſen ausgearbeitet. Viele Haͤuſer ſind ganz verfallen, andere drohen den Einſturz. Der Ort heißt noch immer die Neu⸗Stadt, obgleich der Anblick dem Namen nicht entſpricht. Dis alten Bewohner lebten aber in Felſenhoͤhlen, von de⸗ nen man noch verſchiedene ſieht. Die naͤchſte Stadt, zu der wir reisten, hietß Ghrant. Hier beſuchten wir den Sultan. In dem Caſtell waren in einem Vorzimmer Matten ausgebrei⸗ tet. Der alte Mann ſaß, ſtand aber auf⸗und hieß uns willkommen. Er entſchuldigte ſich, weil er noch nicht zu uns gekommen waͤre, er ſey aber krank und einige Zeit ſchon habe er das Haus nicht verlaſſen. Er hatte den Guineawurm, und der Staar bildete ſich in ſeinen Augen. Sein Anzug beſtand in einem abge⸗ tragenen Rocke und Beinkleidern von aͤhnlicher Be⸗ ſchaffenheit, und um ſeinen Kopf hatten er ein altes Stuͤck gelbes Tuch gewickelt, ſtatt eines Turbans. Trotz der Duͤrftigkeit ſeiner Kleidung hatte er in ſei⸗ nem Aeuteren etwas Gefaͤlliges und Einnehmendes; und ſo twas Ungezwungenes, daß man ſich behaglich 333 bei ihm fuͤhlte. Wir gaben ihm einen Saͤbel, der ihm ſehr gefiel. Nachmittag gingen wir aus, um die Quelle nahe an der Stadt zu ſehen, von der wir ſo viel gehoͤrt hatten, und einen Gang um die Stadt zu ma⸗ chen. Das Waſſer bildet ein großes Becken, das von Palmen umgeben iſt, die Ufer ſind mit Binſen bewach, ſen, nur da nicht, wo die Leute das Waſſen ſchoͤpfen. Das Waſſer iſt hell und hat einen guten Geſchmack. Hierauf nahmen wir die Stadt in Augenſchein, die uns ſehr gefiel; die Haͤuſer ſind huͤbſch und reinlichz die Moſchee ſchoͤner, als ſede in Fezzan. Sie ließt am Fuße eines Berges, auf deſſen Gipfel die alte Stadt ſtand; ſie ſoll, wie man uns erzaͤhlte, groͤßtentheils durch den Einſturz der einen Seite des Berges, wor⸗ auf ſie ſtand, zu Grunde gegangen ſeyn, wobei auch eine große Anzahl von den Einwohnern umkam. Die Stadt iſt mit gut unterhaltenen Mauern umgeben, ſie beſtehen aus Sand und weißem Thon, wodurch ſie ein friſches Anſehen erhaͤlt. Sie hat nur ein Thor gegen Oſten, fruͤher waren mehrere, die nun ver⸗ mauert ſind. Die Häuſer ſind aus demſelben Mate⸗ rial gebaut, wie die Mauer, und haben dieſelbe Ein⸗ richtung und Geſtalt, wie Mourzut und andere muhammedaͤniſche Staͤdte. Sie zählt ohngefoͤhr 1000 Einwohner. Der Begraͤbnißplatz iſt außerhalb der Mauer, und in zwei Theile getheilt, von denen der eine für die Erwachſenen, deér andere fuͤr die Kinder beſtimmt iſt. Die Frauen ſind ohne Scheu und muh⸗ 77. Bd. Afrika. III. 3. 6 334 ter. Einige haben zwar huͤbſche Zuge, doch können nureine oder zwei ſchoͤn genannt werden. Die Sprache der Tuariks(denn aus dieſen beſteht der großte Theil der Einwohner, iſt rauh und voll von Kehltoͤ⸗ nen, aber kraͤftig und ausdrucksvoll, ſoweit wir es bei unſerer unvollkommenen Kenntniß beurtheilen konnten. Bei dem Mangel an Buͤchern und der wenigen Sorg⸗ falt die Sprache auszubilden, muß ſie ſehr mangel⸗ haft bleiben. Die Maͤnner ſingen ſelten; man hält es juͤr ein Vergnuͤgen der Frauen. Das Volk hat brigens einen guten, geſunden Verſtand, und ſie wiſ⸗ ſen beſſere Auskunft uber alies zu geben, was ſie ge⸗ ſehen haben, als ich je von mauriſchen Kaufleuten er⸗ halten habe. Sädlich von Mourzuk liegt Zezviv, wo un⸗ ſere Zelte aufgeſchlagen waren. Von Sezow nach Traghan iſt ein guter Weg, mit haͤuſigen Inkruſta tionen von Salz und wir erreichten es nach einigen Stunden. Es iſt eine huͤbſche Stadt mit einer Mauer, und fruͤher die Hauptſtadt und Reſidenz des Sultans⸗ der den öſtlichen Fezzans beherrſchte; man ſieht noch die Ruinen ſeines Schloſſes. Ein Marabut, von groſ⸗ ſer Heiligkeit iſt jetzt die Hauptperſon in Traghan⸗ wie ſein Vater es vor ihm war. Durch die Gaſtfreund⸗ ſchaft des Marabut wirklich vollgepfropft, gingen wir nach Marfen, wo einige Huͤtten und ein Haus ſehen. Der Weg dahin laͤuft uͤber Sand und Sali⸗ und gewaͤhrt einen ſeltſamen Anblick. Sobald wit „„ 335 aber Marfen hinter uns hatten, kamen wir gleich in eine oͤde Ebene, und nach einem fuͤr Kamele 14 Stunden langen Marſche, erreichten wir Meſtvola, ein Maten oder Ruheplatz, wo die Kamele einige Nahrung an der Pflanze Aghul fanden. Außerdem iſt kein lebendes Weſen zu ſehen, kein Vogel, kein In⸗ ſekt. Sobald wir die Stadt Degerhy erblickten, fingen die uns begleitenden Araber zu feuern an, und ſetzten das vor derſelben fort, eine halbe Stunde nach unſerer Ankunft. Wir hatten die Abſicht hier 2—3 Tage zu raſten, um die noch fehlenden Dafteln und andere Lebensmittel anzuſchaffen, und nirgends war uns Ruhe noͤthiger. In der Naͤhe der Stadt befindet ſich ein kleiner Teich, und an deſſen Suͤdſeite das Kaſtell von Tegerhy. Der Eingang iſt ſchmal, niedrig, gewoͤlbt und gleicht einigermaßen einem Pfoͤrtchen zu einem Ausfall. In einer zweiten Mauer und dem Thore ſind Schießſcharten, vermittelſt welcher der Eintritt durch den eben erwaͤhnten Eingang ſehr er⸗ ſchwert werden koͤnnte. Ueber dem zweiten Thore iſt auch eine Deffnung, wodurch man Geſchoſſe und Feuerbraͤnde, wovon die Araber fruͤher ſehr Gebrauch machten, auf die Angreifenden herabwerfen konnte. Brunnen mit ziemlich gutem Waſſer ſind innerhalb der Mauern, und Tegerhy könnte ſich, wenn es Le⸗ bensmittel haͤtte, wohl halten. Allein das einzige Pro⸗ dukt ſind Datteln, von vorzuͤglicher Guͤte; aber ſonſt wird gar nichts gezogen, und nicht einmal Zwiebein 336 konnten wir erhalten. Legerhy liegt in einer ange⸗ nehmen Gegend, es iſt von Dattelbaͤumen umgeben und das Waſſer iſt treflich; eine Reihe niedriger Huͤ⸗ gel iſt gegen Oſten. Die Eingebornen ſind gani ſchwarz, haben aber nicht das Negergeſicht. Die Maͤnner ſind ſchlank, haben hohe Backenknochen, eine platte Naſe, einen großen Mund, und die Zaͤhne ſind fleckig, durch den vielen Taback mit Trona, den ſie immer kauen; ſelbſt Schnupftaback, wenn ſie ihn erhalten koͤnnen, ſtecken ſie in den Mund. Der Weg zur Stadt Alighi, und zwei Meilen weiter nach Tukumani, lief immer an der Berg⸗ reihe hin. Die Leute kamen uns entgegen, und wenn ſie noch so Schritte von den Pferden waren, fielen ſie auf ihre Knie, ſangen und ſchlugen eine Art Trom⸗ mel, was ſie immer bei freudiger Gelegenheit thun. Wir gingen von hier faſt ganz gegen Suͤdweſt, verlie⸗ ßen die Berge, und als wir unter einigen Kalabaſſen⸗ baͤumen, die hier in Menge ſind, ausruhten, hatten wir einen fuͤr uns neuen und erfreulichen Anblick, eine Heerde Rinder. Schon die Idee allein, daß wir nun wieder in einem Lande waren, wo es Fleiſch und Weideplaͤtze gab, war ſehr beruhigend, und der Ge⸗ danke, wieder friſche Milch, Fleiſch und alles in Ueberſtuß zu haben, war fuͤr uns ſehr troͤſtend. Nach einigen Stunden hielten wir an zu Dirker. Hier ward zu Ehren des Sultans viel Pulver verſchwendet, der uns wieder entgegen kam; er hatte ſeinen neuen — 337 ſcharlachenen Bournous uͤber ein ſchmutziges Hemd geworfen, und ſein Turban, der wie die Kappe einſt weiß geweſen war, glich an Farbe faſt ſeinem Kopf. Als am folgenden Morgen Sr. Maſeſtaͤt mich um et⸗ was Seife baten, konnte ich mir leichter ſein Ausſe⸗ hen erklären. Der Sultan bewirthete uns mit Kaͤſe und Erdnuͤſſen aus dem Suͤden; der erſtere hatte einen angenehmen Geſchmack, war aber ſo hart, daß wir⸗ ihn mit Waſſer erweichen mußten, ehe wir ihn eſſen konnten. Dirker wird im Oſten und Weſten von einem Natrumſee begrenzt, der dadurch mag entſtanden ſeyn, daß man die Erde wegholte, um ſie zum Bau der Stadt und der Mauern zu. gebrauchen. Da Dirker in einem Thaie lieht, ſo iſt es haͤufig Beduinen⸗Anfällen ausgeſetzt, und darum wenig bevolkert. In den Haͤu⸗ ſern findet man gar nichts, ſelbſt keine Matte, und einige Frauen und alte Maͤnner waren die einzigen Bewohner; die Maͤnner, ſagte man uns, waren auf Reiſen, um Datteln zu holen. Wir blieben 2 Tage, dann zogen wir das Thal entlang. Die hier und da dicht ſtehenden Mimoſen gewaͤhren angenehmen Schat⸗ ten. So erreichten wir Bilma, die Hauptſtadt der Tibvos und Reſidenz ihres Sultans, der uns zuvor geeilt war, uns zu empfangen, und eine Meile vor der Stadt uns entgegen kam, mit 50 Bewaffneten und doppelt ſo vielen Weibern. Jene fuͤhrten Bogen und Pfeile und Specre. Bei unſerer Ankunft ſchwansen 338 ſie dieſe in die Luft, und die Weiber tanzten voraus, ſchrien und ſangen auf ſeltſame Weitſe. Sie waren von beſſerem Anſehen, als die in kleineren Stadten, einige koͤnnte man ſchoͤn nennen; die regelmaͤßigen Zaͤhne, weiß wie Perlen, ſtachen ſehr ab gegen das dunkle Schwarz ihter Haut; die dreieckigen Flechten ihrer Haare, die auf beiden Seiten ihres Geſichtes berunter hingen, und von Del triften, die Corallen in der Naſe, und die Halsbaͤnder von Bernſtein ga⸗ ben ihnen ein verfuͤhreriſches Anſehen. Einige von ihnen hatten einen Faͤcher von weichem Graſe, oder Haaren, um die Fliegen abzuwehren, andere einen Zweig, verſchiedene trugen Faͤcher von Straußfedern, mehrere einen Bund Schluͤſſel. Die Tibvos ſind mit dem Schwingen des Speeres aͤußerſt bewandert. Der Arm iſt gebogen, die Hand beim Schleudern nicht hoͤher als die rechte Schulter; ſo wie ſie ihn loslaſſen, geben ſie ihm einen Druck mit den Fingern, und er dreht ſich um ſich ſelbſt in der Luft. Ein alter ſechs⸗ zigjaͤhriger Mann traf einen Baum zweimal, in einer Eutfernung von 20 Pards; ein anderer, der jung und kraͤftig war, warf den Speer s0 Yards weit; trifft er den Boden, ſo ſpringt er biswetlen faſt noch einmal ſo weit. Die Tibvos ſind lebendig und kraͤftig, reiten kleine, aber ſehr ſchnelle Pferde; ſie haben hoͤlzerne Sattel, die klein und leicht ſind; ſie beßehen aus zwei Stuͤcken, die durch lederne Riemen zuſammengehalten werden, ſo daß kein Holz den Ruͤckgrat des Pferdes 339 beruͤhrt; ausgeſtopft werden ſie mit Kameelhaaren. Der Gurt und die Steigbägelriemen beſtehen aus ge⸗ flochtenem Leder; die Steigbuͤgel ſelbſt ſind von Eiſen, lein und leicht; man ſeckt nur vier Zehen hinein, ſo daß die große Zehe draußen bleibt. Sie ſeigen aͤußerſt ſchnell auf das Pferd; ſie ſtoßen naͤmlich die Lanze in die Erde, ſtecken zugleich den linken Fuß in den Bu⸗ gel, und ſo ſpringen ſie in den Sattel. Der Zaum iſt aus Leder auf kuͤnſtliche Art geflochten. Suͤdlich von Bilma ſind Suͤmpfe mit Lachen von ſtehendem Waſſer, welches unſere Pferde kaum trinken konnten⸗ Die Stadt ſteht in einer Vertiefung und hat eine Erdmauer, die, wie die Haͤuſer, klein und ſchlecht iſt. In der Naͤhe beſinden ſich viele Seen, welche reines⸗ eryſtalliſirtes Salz enthalten. Der Weg von Bilma gegen Suͤden, den wir machten, geht uͤber Huͤgel von loſem feinen Sande⸗ wo die Kamele faſt knietief einſanken. Bei dem Rei⸗ ſen durch dieſe traurigen Wuͤſten, wo Huͤgel⸗ durch das Fortwehen des Sandes verſchwinden, und wo die Spur großer Karavanen oft in wenigen Stunden nicht mehr zu ſehen iſt, muß man außerſt aufmerkſam und vorſichtig ſeyn. Solch ein Marſch iſt furchtbar traurig; ſo weit man nur ſehen kann, erblickt man nichts; als Wogen von Sand. Wenn man den einzelnen Fußgaͤnger bei der Karavanne ſieht mit ſeiner Waſſerflaſche in der Hand, ſeinem Sack mit Zumerta auf dem Kopf, wie 340 er hinter einem ſolchen Hügel verſchwindet, wie er einſam ſeinen Weg verfolgt, in der Hoffnung einige Schritte zu gewinnen, indem er nicht den Kamelen nachgeht, ſo zittert man fuͤr ihn;— iſt man vorbei bei dem Huͤgel, der ihn verbarg, ſo ſrengt man das Auge an, nach dem Flecke wo er verſchwand, ſich zu überzeugen, daß er nicht ſchnell in dem verraͤtheriſch überſchoͤttenden Sande begraben iſt. Endlich kamen wir Nachmittags nach Lari. Die Stadt ſteht auf einer Anhoͤhe, und wird von Leuten aus Kanem, die Kanemboo heißen, bewohnt. Die Huͤtten beſehen aus Rohr, das an dem nahe ge⸗ legenen See waͤchst, haben kegelfoͤrmige Daͤcher und ſehen wie Heuſchober aus. Rund umher laͤuft eine Verzaͤunung, ebenfalls von Rohr und labyrinthiſche Wege fuͤhren zu ihnen. In dem Gehege haͤlt man eine Ziege oder zwei Huͤhner und bisweilen eine Kuh. Die Frauen ſpinnen meiſtens Vaumwolle, die gut, aber nicht in Menge, neben der Stadt und am See waͤchst. Das Innere der Huͤtten iſt huͤbſch, ſie ſind ganz rund, und Luft und Licht faͤllt nur durch die Thuͤr herein, die aus einer Matte beſteht. Ich ging in eine der groͤßten, obgleich der Beſitzer mich nicht einlud, und mir mit Speer und Dolch folgte. In einer Ecke ſtand das Bett, ein Sofa von Rohr, von ſechs Pfeilern getragen, die in den Boden einge⸗ trieben waren; Haͤute der Thierkatzen und wilden Thiete dienten zum Ueberzug. An den Seiten hin⸗ 341 gen hoͤlzerne Schalen. Ein ftarker Schild ſtand an die Wand gelehnt. Rach einigen Tagen brachen wir auf, um nach Woodie zu gehen. Dhugefaͤhr eine Meile von der Stadt ward ein Sfug(Sklavenmarkt) ge⸗ halten; die Weiber aus den benachbarten Doͤrfern ka⸗ men auf Ochſen geritten; ſtatt des Zaumes war die⸗ ſen ein lederner Riemen durch den Naſenknorpel gezo⸗ gen. Auf dem Ruͤcken des Ochſen wird ein Fell aus⸗ gebreitet, die zu verkaufenden Sachen werden darüber gehaͤngt und die Negerin ſetzt ſich ſelbſt darauf. Sie bringen ſaure und ſuͤße Milch, etwas Honig, Huͤhner⸗ Fett und Melonen. Die Maͤnner brachten Ochſen, Schafe, Ziegen und Sklaven. Woodie iſt eine Hauptſtadt und fteht unter ei⸗ nem Scheik. Die Einwohner ſcheinen alles, was zum Leben nothwendig iſt, im Ueberfluß zu haben, und ſind das traͤgſte Volk, das uns noch vorgekommen. Die Frauen ſpinnen etwas Baumwolle, und weben daraus ein Zeug, etwa s Zoll breit; die Maͤnner lie⸗ gen entweder den ganzen Tas muͤſſig in ihren Huͤtten oder im Schatten von Gebaͤhden. Sie ſind uͤber Mit⸗ telgroͤße und ſark gebaut, aber ihre Geſichtszuͤge ſind dumm und plump. Wir zogen gegen Suͤden durch mehrere huͤbſche Negerdoͤrfer und nach 11 Miles wa⸗ ren wir an einem bedeutenden Strom, der Yeou hieß; an einigen Stellen betrag ſeine Breite uͤber 60 Ellen, der Grund war ſandig, die Uufer faſt ſenkrecht, und der Strom lief 3 1/2 Mjles in einer Stunde. 342 An dem fuͤdlichen Geſtode liegt die Stadt gleichen Namens, ein huͤbſcher Ort mit einer Mauer, aber nicht gar groß. Wir ſetzten unſeren Weg gegen We⸗ ſten fort, und kamen folgenden Tags nach Kouka. So waren wir denn angelangt an unſer Ziel,— lern⸗ ten ein Volk kennen, das ein Europaͤer nie geſehen, ja kaum davon gehoͤrt hatte;— betraten ein Land, das bisher ganz unbekannt, und deſſen Lage nicht be⸗ ſtimmt war. Eine Strecke vor Kouka rirt ich etwas voraus, und war nicht wenig erſtaunt, als ich eine etwas offenere Stelle erreichte, ein Corps von 1000 Reitern zu erblicken, die in einer Linie aufgeſtellt wa⸗ ren, ſo weit ich nur ſehen konnte. Ich hielt mein Pferd an und erwartete, im Schatten einer Akazie, meine Gefährten. Sobald unſere Karavanne ſich zeigte, ſetzten ſie ſich in Marſch, uns zu begruͤßen mit dem Zuruf: Barka! Barka! Alla biakkum cha, alla cheraga!(Hetl! Heil! Soͤhne eures Landes, Soͤhne eures Landes!) Dabei hielten und ſchwenkten ſie ſich ſchnell und genau, ſchwangen die Speere uͤber ihrem Kopfe und ſprengten wieder zuruͤck. Die Neger des Scheiks trugen Panzerhemden aus eiſernen Ketten, wodurch ſie vom Halſe bis zu den Knien geſchutzt waren, hinten ſtanden ſie offen und hingen auf das Pferd herab; einige hatten Helme, oder vielmehr Pickelhauben mit einer Bedeckung fuͤr das Kinn, ſtark genug um einen Speer abzuhalten. Die Koͤpfe der Pferde waren auch durch Eiſenbleche geſchuͤtzt, oder . 343 durch Platten von Kupfer und Silber, die nur oben die Augen nicht bedeckten. Als wir endlich das Stadt⸗ thor erteichten, geſtattete man uns hineinzureiten, und wir zogen durch eine breite Straße, die ganz mit Fußſoldaten, die Lanzen trugen, und mit Reitern be⸗ ſetzt war, bis zur Thuͤre des Scheiks. Hier noͤthig⸗ ten uns die ſchwarzen Wachen ſille zu ſehen, da Sperre kreuzweiſe vor uns gehalten wurden und ein Neger die Hand auf unſere Bruſt legte. Nachdem wir zuvor gemeldet waren, erhielten wir die Erlaub⸗ niß zum Beſuche. Wir trafen ihn in einem kleinen Zimmer, er ſaß auf einem Teppich, hatte eine blaus Sudantobe an und einen Turban. An jeder Seite ſtanden sNeger mit Piſtolen, und einige Piſtolen lagen auch auf dem Teppich. An den Waͤnden hingen Flinten, Geſchenke des Paſcha und des Muſtapha Achmar, des Sultans von Fezzan, die hier als unſchaͤtzbar betrachtet wur⸗ den. Sein Aeußeres hatte etwas Einnehmendes; er war ohngefaͤhr 45 Jahre alt, hatte ein ausdrucksvolles Geſicht und ein wohlwollendes Laͤcheln.— Unſere Huͤtten waren kleine runde Gebaͤude von Erde, nicht weit von des Scheiks Wohnung, eine Mauer ſchloß ſie ein. Der innere Raum zerfiel in mehrere Abthei⸗ lungen durch Strohmatten; in einigen waren Huͤtten errichtet fuͤr die Kaufleute bei der Kafila. Mittags uͤberbrachten wir dem Scheik die Geſchenke unſerer Regierung; es war eine Doppelflinte mit allem Zu⸗ behor, ein Paar ſchoͤne Piſtolen in einem Faſten⸗ 344 zwei Stuͤcke ſehr feines Such, roth und blau; wir fuͤgten noch Porzellan und Gewuͤrze hinzu. Wir legten alles vor ihn hin, erklaͤrten ihm den Gebrauch der Schloͤſſer, Schraubenzieher u. ſ. w., womit er ſehr zufrieden ſchten. Die Pulverflaſche und die Ein⸗ richtung um etnen Schuß Pulver von dem uͤbrigen zu ſondern, entging ſeiner Aufmerkſamkeit nicht; die an⸗ deren Sachen wurden von den Sklaven weggenom⸗ men, ſobald wir ſie ihm vorgelegt hatten. Außer den Geſchenken, die wir gelegentlich erhielten, und die in Ochſen, Kameelladungen von Weizen und Reis, ledernen Schlaͤuchen mit Butter, Schüſſeln mit Ho⸗ nig beſtanden, bekamen wir jeden Morgen und Abend s— 6 hölzerne Schüſſeln mit Fleiſch, Reis und einem Deige von Gerſtenmehl, der ſchmackhaft, aber ſehr fett war; und gleich nach unſerer Ankunft eben ſo viel Schuͤſſeln mit einer ſuͤßen Speiſe, die großten⸗ theils aus geronnener Milch und Honig beſtand. Den zweiten Morgen nach unſerer Ankunft ward eine Ka⸗ meelladung von Braſſen und einer Art Barben vor unſere Huͤtte geworfen, und als ob das nicht aus⸗ reiche, kam den Abend eine zweite Ladung. In Kouka ward auch Markt gehalten. Wenigſtens as000 Menſchen waren verſammelt, einige kamen 2—3 Tag⸗ reiſen weit her. Weizen, Reis, Gaſſub gab es im Ueberfluß, eben ſo Tamarinden, Erdnuͤſſe, eine Art Bohnen, Indigo, den man viel zum Faͤrben der To⸗ ben(Hemden) gebraucht. Man feuchtet die Blaͤtter 345 an, ſtoßt ſie zu einem Klumpen zuſammen, und bringt ſie ſo auf den Markt. Gemüß war ſelten, Zwiebein und eine Art Tomatves war das einzige⸗ was man zum Verkauf ausbot; und eine Art Limonien, die der Scheik uns aus ſeinem Garten ſchickte, war die ein⸗ zige Frucht, die wir in Bornou ſahen. Leder brachte man in großer Menge; die Haͤute einer Schlan⸗ genart und Stücke von Crokodillenhaut, die man zur Zierrath an Dolchſcheiden gebraucht, wurden uns auch angeboten. Butter, Leban(ſaure Milch), Honig und hoͤlzerne Schalen aus dem Schudan traf man ebenfalls an. Die Tracht der Frauen war ſehr man⸗ nigfaltig; am zahlreichſten waren die aus Kanem und Bornou, jene waren ſo huͤbſch, als dieſe haͤßlich. Die großte Verſwiedenheit findet blos in dem Kopf⸗ zeug ſtatt; der Unterſchied in der dürftigen Bedeckung des du⸗ gen Korpers, haͤngt von der Wahl einer jeden Frau ab, die das Stuck blauer oder weißer Leinwand unter den Armen zubindet, oder es maleriſcher auf⸗ der einen Schulter befeſtigt, ſo daß die eine Bruſt ent⸗ bloͤßt bleibt. Bei den Kanembvo⸗Frauen hingen kleine Haarflechten rund um den Kopf, bis auf den Nacken, eine lederne Rolle, oder eine Schnur kleiner kupfer⸗ ner Knöpfe faͤllt vom Scheitel auf jeder Seite des Ge⸗ ſichts herab, und dies ſeht keineswegs uͤbel aus. Bis⸗ weilen haben ſie eine Schnur mit ſilbernen Ringen ſtatt des kupfernen Schmuckes, und einen ſilbernen Schuuck vorn auf der Stirne. Wir verweilten einige 346 Tage und machten uns dann auf den Weg nach An⸗ gornvu, der groͤßten und volkreichſten Stadt in Bornou. Sie hat wenigſtens 30,000 Einwohner, iſt geraͤumig und nicht ummauert. Die Huͤtten ſind groͤſ⸗ ſer und beguemer als die in Kouka, einige haben vier Erdwaͤnde und zwei Zimmer. Leinwand iſt hier ſo wohlfeil, daß die meiſten Maͤnner in Angornvu ein Hemd und ein Paar Beinkleider haben. Die groͤßte Nachfrage geſchah nach Bernßein und Koral⸗ len. Von Angornou aus nahmen wir unſern Weg gegen Suͤden an vielen Gaͤrten hin, in denen man nichts als Zwiebeln zu bauen ſchien. Vier Miles ging unſer Weg uͤber eine Ebene, die mit Weizen und Guſ⸗ ſubſtoppeln bedeckt war, und kurz ver Mittag erreich⸗ ten wir Yeddin, 21 Miles von Angornon, eine bedeutende Stadt mit einer Mauer umgeben, wo ein Kaid reſidirte. Nach einigem Wortwechſel gab man uns eine Hůtte, dort die heißen Stunden des Tages hinzubringen. Doch nur wenige Stunden,— ſo ſetz ten wir unſere Reiſe weiter fort, kamen uͤber Alla, Affagay, Delahay nach Mandara. Die ganze Gegend iſt mit angeſchwemmtem Boden bedeckt, der ein dunkles, thoniges Anſehen hat. Spalten, einige Zoll breit, machen den Weg beſchwerlich, in der naſ⸗ ſen Jahreszeit das Waſſer, das einige Monate hin⸗ durch den Boden bedeckt. Delow, die erſte Stadt in Mandara, die wir erreichten, fruͤher des Sul⸗ tans Reſidenz, mit wenigſtens 10,000 Einwohnern, „ 347 hat Quellen mit herrlichem, friſchem Waſſer, in den Chaͤlern ſtehen Feigenböume, und andere Baͤume mit einer weißen wohlriechenden Bluͤthe ſieht man in Menge. Im Aeußern unterſcheiden ſich die Leute von Mandara von den Bornouern, und ſehr zu ih⸗ rem Vortheil. Die Maͤnner ſind verſtaͤndig und leb⸗ haft, haben einen hohen, doch flachen Vorderkopf, große feurige Augen, grobes⸗ krauſes Haar, Naſen, die ſich dem Adlerartigen naͤhern, und ihre Zuͤge ſind weniger platt, als bei den Leuten in Bornou. Die Frauen ſind beruͤhmt wegen ihres auten Anſehens,— Schoͤnheit kann man nicht ſagen. Was man an ihrer Geſtalt preist, muß ich ihnen auch zugeſtehen; ſie ſind ausgezeichnet mit der den Hottentotten eigenen Fuͤlle verſehen; ihre Haͤnde und Fuͤße ſind klein, und da dies geprieſene Eigenſchaften in den Augen eines Tuͤr⸗ ken ſind, ſo werden Sklavinnen aus Mandara im⸗ mer in hobem Preiſe ſehen. Den Tag vor dem Rha⸗ madan beſuchte ich den Scheik, und er bewilligte mir eine Reiſe nach Altbornon oder Birnie. Zu⸗ gleich rieth er mir, wenn ich dieſen Theil des Landes geſehen haͤtte, die Ruinen der Stadt Gembaron und den Fluß deſſelben Namens zu beſuchen, der aus dem Suͤden herſtrömen ſoll; ich ſollte ſeinen Lauf ver⸗ folgen und den Scheik in Kabſhary treffen, wohin er auf einem andern Wege zu reiſen im Begriffe ſtand.— Seinem Rathe folgte ich auch.— Als wir zu der Stelle kamen, wo ehemals die Hauptſtadt von 338 Bornon ſtand, ſo uͤberzeugten uns die Ruinen der⸗ ſelben mehr von der Macht der fruͤheren Sultane, als die Erzaͤhlungen von ihrer Pracht, die wir gehoͤrt hat⸗ ten. Wir batten die Truͤmmer von mehr als dreißig Städten geſehen, die von den Felathas zu gleicher Zeit mit der Hauptſtadt zerſtoͤrt waren, nun ſtanden wir bei der Ruine dieſes Herrſcherſitzes ſelbſt. Alt⸗ Birnie nahm einen Raum von 6—6 Quadratmiles ein, und ſoll 200,000 Einwohner gehabt haben: Stück⸗ weiſe ſtanden noch die Stadtmauern, aus harten ro⸗ then Ziegeln aufgefuͤhrt, an manchen Stellen 4 Fuß dick, 16— 18 Fuß hoch. Von derſelben ſahen wir den Fluß Gambaron, faſt oͤſtlich fließend, ohngeachtet ſeiner Wendungen um einige Miles entfernt. Nahe am Ufer, gerade in der Tiefe einer flachen Bucht des Fluſſes, ſtand vor vieriehn Jahren hier noch die Stadt Gambarou, der Lieblingsaufenthalt der fruheren Sultane von Bornon, und die Ruinen zeugen, daß der Ort, nach hieſiger Lebensart, königlich war. Die Mauern einer großhen Moſchee ſieht man noch, ebenſo die von der Wohnung des Sultans, mit Thoren nach dem Waſſer; eine eigene Moſchee ſcheint zu dieſer Wohnung gehoͤrt zu haben. Die Gebaͤude waren alle aus Backſtein aufgefuͤhrt, und mußten alles uͤbertrof⸗ fen haben, was wir in Afrika geſehen hatten. Die Lage war ſchoͤn, und obgleich alles jetzt. mit Gebuͤſch und dichtem Graſe bedeckt iſt, ſo waren fruͤher ohne zwe ifel die Ufer angebaut; in den Zeiten der alten 349 Sultane gingen und kamen Boote nach und von Kab⸗ ſhary. Kvuka eriſtirte damals nicht, und An⸗ gornou war ein Haufe Huͤtten. In dem fruher von den Mungas eingeaſcherten Kabſhary, wo wir den Scheik treffen ſollten, ſind die Huͤtten gut, und bei der Menge von langem Graſe, das die uͤberſchwemmten Gruͤnde neben dem Fluſſe ihnen liefern, ſind ſie beſſer gebaut und wiederſtehen dem Regen laͤnger als die in Kouka. Im Innern ſind ſie durch Matten getheilt, die von den Frauen mit großer Sauberkeit verfertigt werden; die Thuͤr beſteht aus einem Holzrahmen, der mit Stroh ausgeflochten iſt. Einige von den Wohnun⸗ gen der Vornehmen haben eine Wand von Matten rings umher, ſo daß ein Hofplatz da iſt; auf dieſem ſteht bisweilen noch eine zweite Hutte fuͤr die Frauen oder Sklaven, und fuͤr die Kühe oder Ziegen, die ſie der Milch wegen halten. Der Scheik war rein und einfach gekleidet; er trug zwei weiße buntgewirkte Toben von Muslin, und einen Bornus von derſelben Farbe, ein Caiſimir⸗-Shawl biidete den Turbanz über ſeine Schultern hing der Saͤbel; den, wie er ſagte⸗ „der engliſche Sultan ihm geſchickt habe.“— Nach⸗ dem wir uns laͤnger, als unſer Wunſch war, aufge⸗ halten hatten, kehrten wir nach Angornou zuruͤck, blieben aber nicht, ſondern zogen zwei Tage lange nicht weit vom See hin, und kamen nach Angala, einem Dißrikte, der ſonſt Bornou unterworſen war. Der Sultan, ein wohlwollender Alter, habm 7. d. Afrika. 1i1. 3. 350 uns guͤtig und gaſtfreundlich auf, und ſobald wit eine Wohnung im Hauſe des Delatov(Miniſters) erhal⸗ ten hatten, ſchickte er uns Schoten mit Milch, Reis, Mehl und Honig; eben ſo bekamen wir am Abend einen Ueberfluß von Lebensmitteln, und am folgenden Morgen ein ſchoͤnes, lebendes Schaf.— Miram (eine Prinzeſſin in der Sprache von B ornou), die geſchiedene Frau des Scheik's El Kanemy, wohnte in Angala, und wir bekamen nun die Erlaubniß ſie beſuchen zu buͤrfen. Ihr Vater hatte ihr ein ſchoͤnes 1 Haus gebaut, wo ſie beſtandig lebte. Zu ihrem Haushalt gehoͤrten so Perſonen. Sie war eine ſchoͤne, gutgewachſene Negerin, ohngefaͤht 38 Jahre alt, und hatte viel von dem ſanften Betragen, das den Scheik ſo angenehm machte, angenommen. Sie ſaß auf ei⸗ ner Erhoͤhung, die mit einem türkiſchen Teppich be⸗ deckt war; um ſie her waren 20 ihrer Lieblingſelavin⸗ nen, alle auf gleiche Weiſe gekleidet; ſie trugen feine, weite Hemden, die ihnen bis auf die Fuͤße gingen, ihr Nacken, die Naſe und die Ohren, waren reich mit Korallen geſchmuͤckt. Sie gab mit Anmuth Audienz; vier Eunuchen bewachten den Eingang, und ein Zwerg, ebenfalls ein Neger, der nicht ganz drei Fuß hoch war, bewahrte ihte Schluͤſſel und ſaß zu ihren Fuͤßen, mit den Inſignien ſeines Amtes auf den Schultern, reich gekleidet in Sudantobenu. Wir verließen Angola den folgenden Tag, zum großen Kummer unſeres Wirtbes, des Delatoo, der uns gerne noch eine Woche 351 traetirt hätte, erreichten Showd, lan den Ufern des Fluſſes Shary, deſſen Größe uns in Erſtaunen ſetzte (deun er ſchien vollkommen ½ Mile breit), und ka⸗ uten über Willighi und Affadai nach Kuffery, einer Stadt mit einer dicken Mauer, uͤber welche ein unabhaͤngiger Sultan herrſcht. Ungluͤckticherweiſe aber war Kouſſerd ein ſolcher Ort, den man am letzten unter allen zur Ruhe und Erholung waͤhlen ſollte; waͤhrend einiger Stunden des Tages wagen ſelbſt die Eingebornen nicht auszugehen, der Fliegen und Bienen halber. Die Bauart der Haͤuhſer, wo buchſtaͤblich eine Zelle in der anderen ift, erregte meine Verwunderung; dieſe wuchs nicht wenig, als ich börte, daß ſie eben ſo gebaut waͤren, um als Zufluchts⸗ ort gegen die Anfaͤlle der Inſekten zu dienen. Ich blieb jedoch unglaͤnbig, be einer von unſeren Leuten, der unbedachtſam ausgegangen war⸗ als er zuruͤckkehrte, am Kopf und an den Augen ſo zugerichtet war, daß er drei Tage ſich ſehr uͤbel befand. Wir beeilten uns daher, ſobald als mozlich dieſer Qual zu entfliehen und machten uns ſchon den nächſten Morgen auf den Weg nach Loggun. um auf der Reiſe uns ſowohl als uniere gpier⸗ gegen die Millionen von Inſekten zu ſchuͤtzen, machten wir ungeachtet der drͤckenden Hitze⸗ Feuer am Ein⸗ gange unſerer Zelte an, und unterhielten dies immen mit Kraͤutern und naſſem Holze. Der dicke, erſtik⸗ tende Rauch, der davon aufſties⸗ brachts uns wenis⸗ 3⁵² ſtens augenblickliche Erleichterung. Wir ritten zum Fluß hinab, der hier mit großer Schoͤnheit und mae⸗ ſtoͤtiſch an den hohen Mauern der Hauptſtadt Log⸗ guns hinfließt; er kommt ſchnellſtroͤmend von Suͤd⸗ weſt. Wir gingen durch das weſtliche Thor in die Stadt, das zu der Hauptſtraße fuͤhrte; ſie iſt breit, an beiden Seiten ſtehen große Haͤuſer, die auf die⸗ ſelbe Art gebaut ſind; es hat naͤmlich jedes vorn einen Hofplatz, der mit Mauern umgeben iſt, und einen Ein⸗ gang, den eine ſtarke, mit eiſernen Haſpen verſehens Thuͤre ſchließt. Eine Anzahl der Einwohner ſaß vor den Thuren, uns einziehen zu ſehen, ihre Sklaven hatten ſie hinter ſich. Die Bewohner von Loggun ſind viel huͤbſcher als die Bornuer, und kluͤger; auch tragen ſie ſch beſſer und haben mehr Anſtend als irgend eine Neger⸗ nation, die ich noch geſehen. Sie ſind betriebſam und arbeiten fleißig am Webſtuhl; faſt in jedem Hauſe iſt ein rohes Geſtell zum Weben; man liefert gröbere und feinere Arbeit, aber die Breite iſt immer die⸗ ſelbe, nicht 6— 7 Zoll breit. In einem Hanſe ſah ich ans Stuͤhlen arbeiten, dieß iſt das gewoͤhnliche Ge⸗ ſchaͤft der freien Leute, die Sklavinnen bereiten die Baumwolle und geben ihr eine dunkelblaue Farbe, die in Afrika ſo ſehr geſchatzt wird, durch den trefflichen Indigo. Eine andete wichtige Arbeit iſt den gefaͤrb⸗ teu Seugen den Glanz zu gebenz das Gewebe, woraus sswohnlich, obenes gefäͤrbt wirdz Toben oder writ⸗ 353 Hemden, oder 16— 16 Ellen lange Streifen gemacht werden, wird dreimal in die Farbe getaucht, und eben ſo oft in die Sonne gelegts dann bringt man die Sachen feucht auf große, dazu flach gehauene Baum⸗ ſtämme, und ſchlägt ſie mit hoͤlzernen Haͤmmern, in⸗ dem man ſie mit Waſſer beſprengt und zubereitetes Spießglas, Kohol darauf ßreut. So bekommt alles einen ſchimmeruden Glanz. Das Gehaͤmmer dauert den ganzen Tag hindurch und gleicht dem geſchaͤftigen Lärm des Kunſtfleißes und der Emſigkeit. Nach einigen Lagen kehrten wir nach Kouka zu⸗ ruͤck, und verließen bald hlerauf auch dieſes nicht ohne ſchmerzliches Gefuͤbl, ſo ſehr hatten wir uns an dieſe Leute gewoͤhnt. Den Morgen hatte ich mich bei dem Scheikh in ſeinem Garten beurlaubt er gab mir einen Brief fuͤr den Koͤnig und ein Verzeichniß von Sachen⸗ die er zu haben wuͤnſchte. Er war ſehr freundlich und ſagte, er habe nur Einen Wunſch, daß ich alle meine Freunde wohl finden, und noch einmal zu ihm zurück⸗ kehren möchte. Er gab mir die Hand beim Weggehen. worüber die 6 Eunuchen und Karvuaſh, die allein zu⸗ gegen waren, unwillkuͤrlich durch einen Austuf ihr Erſtaunen zu erkennen gaben.— Wir reisten vor der Karavanne ab, und kamen uͤber Kalerluwha, wo wir uͤbernachteten, zum Fluſſe Yeou. Fiſche aus ſem Strome ſind der bedeutendſte Handelsartikel d uferbewohner, Die Art und Weiſe des e kurz zu berühren, dürfte nicht unintereſſant ſevn. Die Bornuer verfertigen ſehr gute Netze aus Fäden, die von einer perennirenden Pflanze, Kalimboa genannt, geſponnen werden. Die Geraͤthſchaften zur Fiſchetei find klug erſonnen, aber ſehr einfach; zwei große Kuͤrbiſſe werden an den beiden aͤußerſten Enden eines langen Bambusrohres befeſtigt, dann bringt ſie der Fiſcher in den Fluß, ſetzt ſich ſchrittlings zwiſchen den Fuͤrbiſſen, ſchwimmt den Strom hinab und witft ſein Netz aus; er hat Schwimmer von Rohrſtuͤcken und Gewichte bei ſich, die ans kleinen ledernen, mit Sund gefüllten Saͤckchen beſtehen. Ehe er ſein Netz auß⸗ sleht, geht er gegen den Strom, indem er mit Haͤn⸗ den und Fuͤßen rudert; ſo wie er dann das Net her⸗ ausbringt, legt er es vor ſich hin, und mit einer Art Keule, die er dazu bei ſich fuͤhrt, gibt er jedem Fiſch einen Schlag, der ihn betaͤubt. Hat er ſeinen Zug gethan, ſo nimmt er den Fang heraus und wirft ihn in die hohlen Kuͤrbiſſe, die oben offen ſind; ſobald dieſe gefüllt ſind, ſchwimmt er zum Ufer, leert ſe aus, und kehrt zu ſeinem Geſchaͤft zuruͤck. Ueber Lari traten wir die Reiſe in die Wuͤſte an. Auf dem ganzen Weg hatten wir die Frende zu be⸗ merken, daß, obgleich es unſere erſten Verſuche wa⸗ ren, die Wüſte zu durchwandern, wir eben ſo gut, wenn nicht beſſer, als unſere Gefaͤhrten fortkamen; und obgleich ſie auf dieſem Boden geboren und erzo⸗ grn waren, blickten ſie auf uns, ſtatt daß es umge⸗ kehrt bätte ſeyn ſollen, um Sicherheit und Schutz zu 355 finden, eben ſo gut, als um die Richtung des Weges zu erſahren. Um Mittag kamen wir nach Sow, einer Daſe, die unter einigen hohen, ſchwarzen Sandſtein⸗ bägeln liegt, wo gutes Waſſer und Aghuͤl füͤr die Kameele in Menge ſich findet. Sow, was„ſchwie⸗ rig“ heißt, iſt mit Recht der Name dieſes Platzes, wegen des dahinfuͤhrenden Weges, durch eine furcht⸗ hare Wuſßte, die aus beweglichem Sande beſteht, uͤber 6% Miles lang. Wir erreichten Bilma wo wir einen Raſttag hietten, um uns fuͤr die naͤchſten a4 Tage einen Vorrath von Datteln anzuſchaffen; denn Menſchen und Vieh lebten faſt nur allein davon. Von hier aus wollten wir dann einen anderen Weg einſchlagen, als der war, auf dem wir von Bornou gekommen wa⸗ ren; wir gingen deßhalb ͤber einen anderen Theil der Bergkette, ſetzten unſere Reiſe fort, bis es dun⸗ kel ward, und hielten in einer Daſe⸗ die uns ſchoͤn vorkam, unter einer Reihe dunkler Sandhuͤgel. Die Daſe heißt Seggedem und 8 Tage von hier liegt. eine Stadt der Tiboos. Nach maͤßigen Tagreiſen er⸗ reichten wir Gatrone, das fruͤher ſo elend in unſe⸗ ren Augen, uns nun ein kleines Paradies ſchien, und das Eſſen, welches der alte Hadge⸗ der hier regiert, uns ſchickte, das bei unſerer erſten Durchreiſe kaum genießbar ſchien, kam uns nun köſtlich vor. Im buch⸗ ſtaͤblichen Sinne ſtand ich mit Tagesanbruch auf, um eine Schüſſel mit heißer Fleiſchbrühe und friſchem Brode, die ſehr verpfeffert war⸗ zu verzebren, und 356 fand das Gericht aͤußerſt wohlſchmeckend. Zu Ga⸗ trone wie zu Tegerhy, ſchlugen wir unſer Zelt in einem Gehoͤlze von Palmen auf; die Baͤume ſchuͤtzten uns bei Tage gegen die Sonnenſtrahlen, des Nachts gegen den Oſt. Das ſanfte Rauſchen des Windes zwi⸗ ſchen den ſich langſam bewegenden Zweigen, war fuͤr uns etwas Neues und Erfreuliches, und die edle, naͤhrende und fruchtbare Palme ſchien in unſern Au⸗ gen vollkommen Abulfedas Lob zu verdienen:„die ſtattliche Dattelpalme, ihr ſchwankes Haupt, gekroͤnt mit herabhaͤngenden Fruchttrauben, ſenkt ſich ſchmachtend, wie das einer ſchoͤnen Frau, die der Schlaf bewaͤltigt.“ An einem Sonntag zogen wir in Mourzuk ein, und nahmen Beſitz von unſerer alten Wohnung. Alle begruͤßten uns nach unſerer Ruͤckkehr; wir hatten Schuͤſſeln mit Bazeen und Kouskoſou des Nachts und des Morgens, und Beſuche vom Anbruch des Tages bis ſpaͤt nach Sonnenuntergang, obgleich wir weder Thee, noch Kaffee, noch Zucker hatten, ſie zu bewir⸗ tben, wie bei unſerer erſten Auweſenheit.— Dies war die Reiſe von Kouka nach Loggun, welche dem ſuͤdoͤſtlichen Theile von Mittel⸗Afrika zu⸗ gewendet iſt. Nun ſollen unſere Leſer uns begleiten in die weſtlichen Gegend von Kouka, nach Kauoo und Sakatov.— Die naͤchſte Richtung der Reiſe von Kouka aus ging nach Alt⸗Birne, von dem wir ſchon oben Melduns thaten; wir zogen dann an den ufern einer Kette 357 von kleinen Seen hin, vom ow Strom gebildet, und gingen quer uͤber eine Art Halbinſel, die durch eine Biegung des Fluſſes gebildet ward, nach der Stadt Dugamvo, wo wir die Nacht uͤber blieben⸗ Die Ufer des Fluſſes ſind voll von Doͤrfern und Staͤd⸗ ten. Fruͤh s Uhr verließen wir dieſe Stadt, und ein ſich ſchlaͤngelnder Wes, der faſt gerade gegen We⸗ ſien lief, fuͤhrte uns nach Deltago⸗ durch viele an⸗ dere Staͤdte und Doͤrfer, unter welchen K ukabonee ziemlich groß war, und 6 bis 6,000 Einwohner zaͤhlen mochte. Das Land weſtlich von Alt⸗Birme erhielt ſich in huͤbſcher Abwechslung von Huͤgeln und Thä⸗ lern. Die Bewohner bauen viel Hirſe und Bohnet⸗ neberall brachte man uns Sachen in Menge zum Ver⸗ kauf; doch zog man Corallen dem einheimiſchen Seuge vor. Schießpulver ſuchte man ſehr, als Arzneimittel. Serſtoßener Saame ven Baumwolle wird hier viel ge⸗— braucht, um Rindvieh, Schaafe, Eſel und Kamcele zu fuͤttern. Dieſe Obiere eſſen ihn bald ſehr gerne, und er macht ſie ſchnell fett. Deu Abend erhielten wir Guſſub zum Geſchenk fur unſere Pferde und Kameele, wie in den andern Städten. Wir konnten durchzie⸗ ben, ſobald die Leute nur horten, daß wir Freunde des Scheiks wären. Wir verließfen Deltago, zb⸗ gen an den Windungen des Fluſſes hiu, oder gingen bisweilen quer uͤber eine der Biegungen und kamen nach Vedenkarfe. Hier kam uns der Gouverneur eutgegen, und empfing uns mit Fertlichkeit. Seine Wohnurg war groß, ſehr rein, und nach der Landes⸗ ſitte gebaut, ſie beſtand aus einem großen viereckigen Platze; det mit Motten, die an großen Stangen befe⸗ ſtigt waren, umgeben war; innethalb derſelben ſtanden einige kleine runde Huͤtten, auch aus Matten errich⸗ tet, ſie hatten ein kegelfoͤrmiges Dach, auf der Spiße derſelben war ein Straußenei angebracht. Von anßen baben ſie Aehnlichkeit mit einem Binnenkorb. Die Waͤnde beſtehen aus Lehm. Das Stmußenei iſt ein Zeichen, daß der Bewohner ein vornehmer Mann iß⸗ Der Fußboden iſt mit Sand beſtreut. Hausgeraͤthe ünd eine Bank, die ſtatt der Bettüelle dient, einigo Matten, darauf zu ſitzen, und dann einige geſchnitzte oder bent gemalte Kuͤrbiſſe und irdene Gefaͤße, mit weiten Deffnungen, die eines uͤber dem andern auß gethuͤrmt ſind, um zugleich das Zimmer zu zieren. Die Hütten haben nur einen Eingang, der oben rund it, und durch eine Thuͤr verſchloſſen wird; er iſt in mer gegen Weſten gerichtet, weil der Regen gewoͤhm⸗ lich von der entgegengeſetzten Seite kommt. Der große Eingang der Einfriedigung iſt oft eine Huͤtte, auf der weſtlichen Seite des Vierecks, mit einem offnen Durch⸗ gange, wo ein ſchwarzer Sklave den Pfoͤrtner macht. Jede einzelne Hütte heißt Cvozee. Die arabiſchen Weiber ſind hier ſehr huͤbſch: ſie tragen ihre Haass ganz anders, als ſonſt ihre Landsmaͤnninnen; in der Ferne glaubt man, ſie haͤtten einen Helm aufgeſetzt⸗ indem eine große Flechte den Kopf ziert und die „ 359 Seitenlocken zierlich geſlochten und an den Enden ge⸗ kraͤuſelt ſind.— Unſer Weg fuͤhrte uns uͤber eine bohe lehmige Ebene, mit niedrigen Baͤumen, meiſtens Mimoſen, dann an den Rand eines großen Sumpfes, in deſſen Naͤhe Bedeguna lag. Das Gebiet von Vedeguna gehörte fruher zu Bornuz die Ein⸗ wohner ſind Bornuer und ſprechen ihre Landes⸗ ſprache. Das Land hat viele Staͤdte und Döͤrfer, und bringt viel Guſſub, Mais und Bamnwolle. Vieh⸗ beerden ſah man in großer Zahl. Das vorzuglichſte. Werkzeng zum Ackerbau iſt eine Hecke, die ſie ſelbß aüus dem im Lande gegrabenen Eiſen verfertigen. Sio gebrauchen bei der Erndte ein krummes Meſſer, und ſchneiden nur die Aehren ab⸗ dieſe verwahren ſi in runden, mit Stroh gedeckten Huͤtten von Lehm oder Matten, die auf Holzbloͤcken ruhen, um nicht dio Erde zu beruͤhren. Die Koͤrner trennen ſie von den Huͤlſen, indem ſie mit den Haͤnden ſie reiben, und 2 Steine dienen zur Muhle. Einen Pflug fanden wer nicht mehr ſuͤdlich von Sokna. Das Land gegen Suͤd⸗ oſt und Suͤdweſt ſcheint ein einziger Sumpf, der in der Regenzeit ganz unter Waſſer ſeht; und 12 Miles ſudweſtlich von Bedegunaliegt der See Zum⸗ brun. Die nachſte Stadt, die wir erreichten, war Sanſan,(im Arabiſchen bedeutet es:„Verſamm⸗ lung.“) Die Stadt erhielt ihren Namen von einem Sultan von Bornou, der dort ſein Heer zur Er⸗ oberung von Hauſſa zuſammeukomiuen ließ. Die Stelle, wo er ſein Zelt aufſchlug, wird ſehr in Ehren gehalten, und die Gebaͤude umher wurden zuerſt von ſeinem Heere ertichtet. Die iſt reich an Staͤdten und Doͤrfern, die, mit Bedeguna und San ſau, unter dem Gouverneur von Katagum ſehen, welcher wieder dem Stadthalter von Kano untergeordnet iſt. San ſan beſteht aus 3 Staͤdten: Sanſan Birne, die groͤßte, wo der Gonverneur wohnt, Sidi Boori und Sanſam Bena. Die Moſchee daſelbſt iſt ohne Dach, die Hutten und Haͤuſer der Einwohner ünd alt und verfallen. Weiter weſtlich von Sanſan fuͤhrt ein aͤußerſt be⸗ ſchwerlicher Weg in Zickzack, denn eine Straſſe gab es vicht. Wir gingen dann uͤber den Gow, und erreich⸗ ten die Stadt Katagum, welche eine balbe Meile von dem Fluß entfernt liegt. Kaum waren wir der⸗ ſelben nahe, ſo kam ein berittener Diener des Gouver⸗ neurs zu uns, und brachte uns einen kleinen Korb mit Gourunuͤſſen, die von den Arabern Sudaukaffee genannt werden. Wir zogen dann in die Stadt ein, und be⸗ luchten den Gouverneur. Dieſer auf den Matten ſitzend⸗ umgeben von den arabiſchen Kaufleuten und ſeinen be⸗ waffneten Begleitern, empfing uns aufs fteundlichſe und ſaste: es ſey ein wahres Ayd(Feſi) fuͤr ihn, uns zu ſeben; und wir ſollten alles hier finden, wie zu Souka, bei dem Scheikh von Bornu. Als wir unſere Geſchenke vorbrachten, die in einem unſerer Theebreter beſtanden, 10 Eden wbe Seideszeug ei⸗ 361 nem Indiſchen Palempore, oder Vettdecke, einem Stuck weißer Leinwand mit goldenen Streifen, einem Ptunde Zimmt und Gewuͤrznelken, war er ſehr erfreut, beſon⸗ ders über den Gebrauch des Theebretes und woraus es verfertigt ſey. Dagegen ſchenkte uns der Gouverneur Schafe, und den Arabiſchen Kaufleuten 3 Ochſen. Den Abend erhielten wir getroknetes Fleiſch, das ge⸗ kocht war, mit Bazeen und treffliches Brod. Die Stadt Katagum, welche wir hierauf in Augenſchein nah⸗ men, war die feßeſte die wir ſahen, ſeitdem wir Dri⸗ poli verließen. Sie iſt viereckig, die 4 Seiten gegen die Hauptweltgegenden gerichtet; in ieder iſt ein Thor⸗ das regelmaͤßig bei Sonnenaufgang und Untergang ge⸗ oͤffnet und geſchloſſen wird. Geſchuͤtzt wird ſie durch 2 paralelle Mauern, von rothem Thon, und 3 Graben⸗ einer iſt außerhalb, einer innerhalb, und der dritte zwi⸗ ſchen den beiden Mauern, die obngefaͤhr 20 Fuß hoch ſind und 10 Fuß dick am Grundezoſie nehmen aber all⸗ maͤhlig an Staͤrke ab, je hoher ſie werden, ſo daß ſe oben gerade breit genug ſind, fuͤr einen Fußweg. Die⸗ ſer wird durch eine niedere Bruſtwehr gedeckt, und in beſtimmten Entſernungen fuͤhten Stufen hinauf. Beide Mauern ſind gleich hoch, ohne Schießſcharten und Thuͤrme, und ſtatt mit Zinnen verſehen zu ſeyn, ſind ſie oben wellenformig. Die Thore werden durch eine Platform vertheidigt, die inwendig iſt uͤber dem Ein⸗ gange, wo ein Theil der Stadtbewohner ſich aufſtellt, die Angreifenden abzuwehren: Man findet in der Stadt nur eine Moſchee, und die iſt faſt verfallen. Die Re⸗ ſidenz des Gouverneurs iſt in der Mitte der Stadt, und nimmt einen Raum ein von ungefaͤhr 500 Quad⸗ ratellen. Der Gouverneur und die vornehmſten Ein⸗ wohner häben Häuſer, die ganz aus Lehm gebaut ſind, außer den ſchon erwähnten ECvozees. Ste haben flache Dächer im rürkiſchen Styl, haben 2 Stockwerke und viereckige balbrunde Deffnungen ſtatt der Fenſter. Die Sradt mag 7— 8000 Einwohner haben, alle Kaufleute und Kraͤmer, und die Diener oder Sklaven des Gou⸗ verneurs mitgerechnet⸗ Wir machten uns nach einigen Tagen; Morgens wieder auf den Weg, mußten aber ſchon Mittag in der Stadt Murmur anhalten, da Dr. Hudney ſo krank ward, daß ich(Clapver to n) glaubte, er wuͤrde den folgenden Tag nicht erleben. Schon ſeit wir Fezzan verlaſſen batten, litt er an der Auszehrungdort hatteer eine Bruſtentzündung ge⸗ babt, die er ſich dadurch zuiog⸗ daß er ſich, als er ſehr erhitzt war, in einen kühlen Luftiug ſetzte.— Tags — es war der 12. Januar— trauk Dr. Dudmey frühe eine Schaale Kaſſee, und auf ſein Verlangen be⸗ fahl ich, daß die Kameele beladen werden ſollten. Ich valf ihm dann ſich ankleiden, und mit Hülſe ſeines Dieners, trat er vor das Zelt, ede er aber noch auf das Kameel gehoben werden konnte, bemerkte ich den Cod in ſeinen Zügen, und ließ ihn wieder ins Zelt bringen. An ſeiner Seite ſitzend ſah ich mit außeror⸗ dentlicher Betruͤbnib, wis er den letten Atbemzug that⸗ „ 363 ohne Kampf, ohne Seufzen. Ich ſchickte darauf an den Gouverteur der Stadt, um die Erlaubniß zu er⸗ balten, den Todten zu beſtatten, das er gern bewilligte. Ich ließ ein Grab machen, noͤrdlich von einem alten Mimoſenbaum, in einiger Entfernung von dem ſuͤdlichen Stadtthore. Der Leichnam, nachdem er erſt nach Lan⸗ desſitte gewaſchen war, ward nach meiner Angabe ge⸗ kleidet, wozu wir Turban⸗Shawls gebrauchten, die wir als Geſchenke bei uns hatten. Unſere Diener trugen den Entſeelten zum Grabe, ich las daun die Worte, die in der Engliſchen Kirche gebraͤuchlich ſind, ehe er dem Schooß der Erde anvertraut ward. Nachbher ließ ich das Grab mit einer Leichenmauer einfaſſen, um die Raubthiere abzuwehren, und ließ 2 Schaafe ſchlachten⸗ und unter die Armen vertheilen. So ſtarb im 32. Jahre, Walter Oudney, Pr. der Medizin, ein Mann ohne Anmaſſung, von angenehmen Betragen und unerſchuͤt⸗ terlichem Unternehmungsgeiſte; dabei beſaß er Kennt⸗ niſſe; war tugendhaft und religiös. Zu jeder anderen Zeit, an jedem anderen Ort waͤre es ein großer Ver⸗ luſt geweſen, einen ſolchen Freund einzubuͤßen; fuͤr mich aber, ſeinen Freund und Reiſegefahrten, der ebenfalls krank war, und nun allein blieb unter einem fremden Volke, und ein Land durchreiste, das nie der Fuß eines Europaͤers betreten hatte; fuͤr mich war pieſer Verluſt uͤber alles bitter und niederſchlagend.— Den folgenden Morgen mit Tagesanbruch reisten wir weiter, unſer Wegs fuhrte durch ein aut augebau⸗ 364 tes Land, zur Stadt Digov. Ueber Zangeia und Girkwa, welches unbedeutende Städte ſind, und nichts beſonders Merkwuͤrdiges enthalten, kamen wir nach Kano dem großen Handelsplatz des Koͤnigreichs Hauſſa. Knum aber war ich in das Thor getteten⸗ als ich wie aus den Wolken gefallen da ſtand; nach der blühenden Schilderung⸗ welche die Araber gemacht hatten, erwartete ich eine ſehr große Stadt zu ſehen, ich fand im Genentheil, daß die Haͤuſer faſt eine Pien telmeile von den Mauern entferut ſtanden, au man⸗ chen Stellen in zerſtreuten Haufen, zwiſchen Froßen üehenden Lachen⸗ Kano mag 30 bis 40,000 Einwoh⸗ ner baben, von denen die Haͤlfte aus Sklaven beſtehr. Die Stadt iſt ſehr ungeſund durch einen großen Mo⸗ raſt, der ſie faſt in 2 Theile theilt, und durch viele Lachen, die eutſtanden, als man Lehm zu den Huͤu⸗ ſern ausgrub. Die Cloaken der Haͤuſer haben den Abzug nach der Straße, daher bisweilen ein entſetzli⸗ cher Geſtank herrſcht. Die Geſtalt der Stadt iſt ein unregeimaͤßiges Oval, hat ungefaͤhr 46 Miles im Um⸗ fange, und iſt mit einer 30 Fuß hohen Lehmmauer umgeben, ein trockener Graben lauft innerhalb und außerhalb derſelben herum. Sie hat 15 Thore, eines iſt kürzlich zugemacht. Die Chore ſind von Poli, mit Eiſenblech bedeckt, und werden regelmaͤßig bei Sonnenaufgang und Untergans geoͤfnet und geſchloſ⸗ ſen⸗ Eine Keiah inwendig, mit zwi Wohnhauſern darßtttu nartheidiat jeden Emngang. Mitit meht als „ — 365 ein Viertel des Raumes innerhalb der Mauern iſt mit Haͤuſern beſetzt, der uͤbrige Platz iſt zu Feldern und zu Gaͤrten benutzt. Das Waſſer in der Stadt haͤlt man fuͤr ungeſund, daher verkaufen Weiber in den Straßen beſtaͤndig Waſſer aus den benachbarten Quel⸗ len. Die Haͤuſer ſind aus Lehm gebaut, meiſtentheils viereckig, nach mauriſcher Art, das Dach des Saals in der Mitte tragen Staͤmme von Palmbaͤumen, dort empfaͤngt man Beſuchende und Fremde. Die Zimmer des unteren Stockwerks haben Thuͤren nach dieſem Saal, und ſie dienen gewohnlich als Vorrathskammern. Eine Treppe fuͤhrt zu einer oſſenen Gallerie, die hoͤ⸗ her iſt als der Saal. Aus dieſer kommt man in die Zimmer des zweiten Stockwerks, die Licht durch kleine Fenſter erhalten. In einem Hofraum hinter dieſem Hauſe iſt ein Brunnen und andere Beguemlichkeiten⸗ In der Mauer, die das ganze Haus umgibt, ſind auch einige runde Lehmhuͤtten, mit den Stengeln des Mais⸗ gewoͤlbt, und mit langem Graſe bedeckt. Dieſe ſind gewoͤhnlich ſehr ſauber und rein und groͤßer als die in Bornu. Die Reſidenz des Gouverneurs nimmt einen großen Raum ein, und aͤhnelt einem ummauerten Dorfe; ſie umfaßt ſogar eine Noſchee, und einige 3— 4 Stock⸗ werke hohe Thuͤrme, mit Fenſteroͤffnungen nach eure⸗ paͤiſcher Art⸗ aber ohne Glas oder Gitter. Man muß durch zwei von dieſen Thüren gehen, um zu den in⸗ neren vom Gouverneur bewohnten Zimmern zu kom⸗ men. Ich beſuchte den Gouverneur⸗ welcher am Ein⸗ 7. Vd. Afrika. III. 3. 2 366 gange einer weit zuruͤchliegenden Coozee ſaß, mir die Hand reichte und mich niederzuſetzen bat. Ich brachte meine Geſchenke, welche in einem Saͤbel, einem Theebrett, 20 Ellen von gelbem Seidenzeuge, einem Turban, einem franzoͤſiſchen Shawl, drei Schnupf⸗ tabacks⸗Dolen, zwei Raſſermeſſern, zwei Taſchenmeſ⸗ ſern, zwei Scheeren, Schmuck zu Kinderzeugen, zwei Pſund Gewuͤrzen und einem zerbrochenen Thermome⸗ ter beſtanden. Er ſchien hieruͤber zufrieden und er⸗ freut, und hieß mich tauſendmal willkommen. Ich verließ ihn, und kaum war ich in meine Wohnung angekommen, ſo ſchickte mir der Gouverneur als Ge⸗ ſchenk ein Schaf, einen ungeheuren, zwei Fuß im Durchmeſſer haltenden Kuͤrbiß, mit Weizen gefuͤllt, und zwei andere, eben ſo groß, voll von Reis. Nach einem Aufenthalt von mehreren Wochen brachen wir nach dem Ziel und Ende unſerer Reiſe, nach Sacka⸗ tov auf Bei Kamvon iſt das Land huͤgelig, ſchien aber viel Getreide zu liefern. Der Boden iſt rother Thon, mit Sand vermiſcht, die Steine ſahen aus, als wenn ſie mit Eiſenroſt bedeckt waͤren. Die Thaͤ⸗ ler wurden immer breiter, je naͤher wir Sackatob ramen, und dieſe Hauptſtadt ſahen wir endlich von der Spitze des zweiten Huͤgels, nachdem wir Ka⸗ moon verlaſſen hatten. Um Mittag erreichten wir Sackatoo, wo eine große Menge Leute verſammelt war, mich zu ſehen, und ich zog in dis Stadt, hers⸗ lich bewillkommt von Alt und Jung⸗ „ ——— 367 Sackatoo ſteht auf einer langen Anhoͤhe, die ſanft gegen Nord abfaͤllt, und ſchien mir die volk⸗ reichſte Stadt untes allen, die ich im Innern von Afrika geſehen hattez denn die Haͤuſer ſtehen nicht zerſtreut, ſondern in ordentlichen Straßen. Die Hau⸗ ſer gehen bis nahe an die Mauern, die der Sultan 1515 erbaute, nach dem Tode ſeines Vaters, da die alten Mauern fuͤr die zunehmende Bevoͤlkerung zu enge waren. Ein geraͤumiger Marktplatz iſt in der Mitte der Stadt, und ein anderer großer viereckiger Platz vor der Reſidenz des Sultans. Die Wohnun⸗ gen der Vornehmen ſind mit hohen Mauern umge⸗ ben, die zahlreiche Covzees und Haͤuſer mit flachen Daͤchern einſchließen, die nach maurtſcher Art gebaut ſindz die großen Röhren, von gebranntem Thon, die von den Rinnen vorſpringen, gleichen beim erſten Anblick einer Reihe von Kanonen. In der Stadt ſind zwei Moſcheen, von denen die eine ganz neu erbaut wurde. Gleich allen anderen war ſie viereckig, die Seiten nach den vier Hauptweltgegenden gerichtet und ungefaͤhr 800 Fuß lang. Auf der öttlichen Seite wa⸗ ren zwei Thuͤren. Bei dem weſtlichen Eingange war rechts ein kleines Simmer, wo die Leute ihre Abwa⸗ ſchung vor dem Gebete vornehmen, Die Decke der Voſchee war ganz flach und beſtand aus Balfen, die von einer Wand zur anderen reichten, darüber hatte man Latten gelegt, und das Ganze mit einer dicken Thonſchicht bedeckt. Die Decke ruhte auf Bogen, die 368 von 7 Reihen von Pfeilern getragen ward, und jede Reihe beſtand wieder aus 7 Pfeilern: ſie wa⸗ xren von Holz mit Lehm beworſen, und ſehr ver⸗ ziert. Auf der Rückſeite war eine kleine Niſche fuͤr den Sultan beſtimmt. Nach dem Fruͤhſtuͤck beſuchten wir den Sultan. Er iſt ein Mann von ſtattlichem Anſehen, 4 Jahre alt, hat eine ſchoͤne Stirne, grie⸗ chiſche Naſe, große ſchwarze Augen. Sein Bart iſt kurz, ſchwarz und kraus. Seine Kleidung beſtand in einer hellblauen, baumwollenen Sobe, in einem weißen Turban von Muſſelin, und der Shawl, nach Art der Dugriks war uͤber Raſe und Mund gezogen. Er ſaß auf einem Teppſch zwiſchen zwei Pfeilern⸗ die das Dach eines mit Stroh gedeckten Hauſes bielten⸗ Waͤnde und Pfeiler waren blau und weiß angeßrichen, im mauriſchen Geſchmack, und an der hintern Wand war ein Feuerſchirm gemalt, worauf roh genug ein Blumentopf geieichnet war. Ein Armſuhl, mit einer eiſernen Lampe darauf, ſiund an jeder Seite des Schir⸗ mes. Der Sultan hieß mich mehrere Mal willkom⸗ menz und fragte, ob ich durch die Reiſe hieher nicht ermuͤdet ſey? Ich ſagte ihm, es ſey der angreifendſte Theil der ganzen Reiſe zwiſchen Eripoli und Sacko⸗ tvo, und dankte ihm fuͤr die Wache, deren Bettagen ich nicht verſehlte, nach Verdienſt zu loben. Er be⸗ trachtete ſehr genau und aufmerkſam meine Geſchenke⸗ die ich ihm brachte, und verlangte uͤber jedes eine Er⸗ klaͤrung des Gebrauches. Außer den Piſtolen mit Dop⸗ „ — — velläufen, geßelen ihm auch ſehr det Taſchencompaß und das Guckglas, und er ſchien ſehr erfreut, da ich ihm ſagte, mittelſt des erſtern koͤnne er zu jeder Zeit Bſten auffinden, um ſich dahin beim Beten zu richten. Die gewoͤhnlichen Lebensmittel ſind hier ſehr wohl⸗ ſeil, Fleiſch gibt es in großer Menge und iſt gut. Ausgefuhrt wird am meiſten Zibet, blau gewuͤrfelte goben, Sharie genannt, die von den Sklaven aus Ryffen gefertigt werden; die Maͤnner gelten fuͤr die beſten Weber in Sudan, die Frausn ſind die trefflich⸗ ſen Spinnerinnen⸗ Eingefuͤhrt werden Gourunuͤſſe, grober Calico und wollenes Tuch, Schuſſeln von Ku⸗ pfer und Zinn und einige Gewuͤrze aus Nyffer. Die Araber aus Dripoli bringen unverarbeitete Seide, Roſenol, Gewuͤrze und Glasperlen. Sklaven werden ein⸗ und ausgefuͤhrt. Der Markt iſt reichlich mit allem verſehen, und itt taͤglich von Sonnenauf⸗ gang bis Sonnenuntergang. Noͤrdlich von Sacka⸗ too iſt eine niedrige Gegend, mit wenigen ſtehenden Lachen zwiſchen der Stadt und dem Fluſſe, daher kommen vielleicht die herrſchenden Wechſelfieber, da ſonſt die Stadt eine ſchone, luftige Lage hat. Weiter drangen wir auf unſerer Expedition nicht vor. Von Kouka aus bereisten wir alſo die weßliche Gegend bis nach Sackatoo, die oſt⸗ſuͤdlich gelegene bis nach Loggun kehrten wieder nach Kouka dann nach Tripoli zuruͤck, und waren wieder dem heimi⸗ ſchen Boden, dem Welttbeile Europa nabe. 37⁰ Wir ſchifften uns und unſere lebendigen Thiere, Voͤgel und andere Sachen ein, um nach Livorno zu ſegeln. Unſere Quarantaine daſelbſt, die 25 Tage dauerte, verging ſchnell, weil uns die Wolluſt in einem ordentlichen Hauſe zu ſeyn, die erfriſchenden Luͤfte in Toſcana, die uns koſtlich vorkommenden Gerichte⸗ das Bett nicht zu erwaͤhnen, das wir in zwei Tagen kaum verlaſſen mochten, aͤußerſt wohl that. Wir gin⸗ gen dann nach Florenz, ſchickten unſere Thiere und unſer Gepäck unter William Hillmanns Auf⸗ ſicht, zur See nach England, und wir ſelbſt kamen endlich uber die Alpengebirge in England an.