—— Charte van de KüsTV IERRA 1LNoN oder das — Xb 3 . Vnd 5 derꝰ½ ron Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Afrik. WMit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von M e h ren und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. U. Theil. 2. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. Le Vaillant Reiſe in das Innere von Afrika, in den Jahren 1780— 85. (Fortſetzung.) Zweiter Theil. . Wihrend meines ssſtuͤndigen Umganges mit dem Gonaqua⸗Hottentotten bemerkte ich, daß ſie mit der Zunge eben ſo ſchnalzen, wie meine eige⸗ nen, und gleiche Sprache fuͤhren. Dagegen haben ſie eine etwas dunklere Haut⸗Farbe, keine ſo platte Naſe, eine groͤßere und zierlich gebildete Statur, und viel Anſtand in ihrem Benehmen. Begegnen die Gona⸗ guas Jemanden, ſo reichen ſie ihm die Hand, und ſprechen Tabé, das iſt: ich gruͤße dich. Da ſie mehr Aehnlichkeit in den Sitten, Gebraͤuchen und ſogar in der koͤrperlichen Haltung mit den Kaffern haben, ſo ſcheinen ſie aus der Vermiſchung derſelben mit den Hottentotten entſtanden zu ſeyn. Wegen ihrer außer⸗ ordentlich langen Statur koͤnnen ſie ſich nicht mit den Felen der Schafe bekleiden, ſondern nur mit jenen der Kaͤlber. Am Halſe tragen ſie ein Stuͤck Elfenbein, oder einen ſehr weißen Schafs⸗Knochen, welcde Zier⸗ rath gegen ihre dunkle Haut⸗Farbe ſehr gut abſticht. Bei ſehr großer Hitze legen ſie alle ihnen laͤſtigen Kleidungs⸗Stuͤcke bis auf die Jacke ab, welche, wie die Bedeckung ihrer Scham⸗Theile, aus der Kalbs⸗ Haut genommen iſt. Die Weiber der Gonaquas bedecken ihre Scham⸗Theile mit einem groͤßeren und zierlichen Schuͤrzchen, als die andern Hottentotten, und bei großer Hitze behalten ſie nur noch ein Stück Haut, vem Guͤrtel bis an die Wade. Maͤdchen, welche das neunte Jahr noch nicht erreicht haben, tragen kein Schuͤrichen. Mein Hottentotte, welchen ich als Begleiter der Horde des Haabas in ihr Lager mitgehen ließ, kehrte Abends mit zwei neuen Gonaquas zuruͤck, welche mir einen fetten Ochſen als Geſchenk ihres Anführers uͤberlieferten. Des andern Morgens ging ich in Geſellſchaft un⸗ ſerer neuen Gaͤſte auf die Jagd der Voͤgel, und er⸗ legte einen großen Geier, einen gans unbekannten Ku⸗ kuk und einige neue Fliegen⸗Schnepper, welche letz⸗ tere mit einer Bruͤbe zubereitet, viel ſchmackhaſter waren, als die Perln⸗ und Rebhuͤhner. Auf der Ruck⸗ kehr nach dem Lager begegnete mir in einer Entfer⸗ nung von etwa 200 Schritten eine Heerde von Bu⸗ balen, durch einen Schuß aus dem Karabiner erlegte 141 ich eines dieſer Thiere. Waͤhrend ich Nachmittags den geſchoſſenen Voͤgeln die Haut abzog, und ſie fuͤr meine Sammlung zubereitete, wurden ſie in große Verwunderung geſetzt. Mein Verſprechen, ſie des an⸗ dern Tags zu ihrer Horde zu begleiten, machte ihnen große Freude, und des Abends wurden ſie bei dem Genuſſe eines Lammes, und bei dem Spiele unſerer Maultrommeln ſehr munter. So unermeßlich auch faſt die afrikaniſchen Wüſte⸗ neien ſind, ſo darf man doch ihre Bevoͤlkerung nicht nach den zahlreichen Schwaͤrmen der Schwarzen be⸗ urtheilen, welche man an der weſtlichen Kuͤſte von Afrika trifft, und wo der Anfuͤhrer ſeine Unterge⸗ benen, die Mutter ihr eigenes Kind verkauft. In den innern Cheilen iſt dieſer anſtoͤtzige und abſchem⸗ liche Handel noch unbekannt; die Wüſte iſt im ſtreng⸗ ſten Sinne öde und leer. Der Bezirk der Gonaquas⸗Hottentotten, mag in einem Raume von 30— 40 Stunden kaum 3000 Menſchen gefaßt haben. Ich naͤberte mich der Horde von Haabas in Begleitung von vier meiner Hottentotten. Pbſchon ich waͤhrend meines Aufent⸗ balts in Afrika ſtets nach der hoͤchſten holaͤndiſchen Reinlichkeit ſtrebte, und täglich dreimal Waͤſche und Kleider wechſelte, ſo hatte ich mich doch vorzuglich an dieſem Morgen geputzt. Haabas mit den uͤbri⸗ gen Maͤnnern der Horde empfing mich; die Weiber und Kinder umkreiſten mich erſt in ihrem vollen Patze 142 bei meiner Annaͤherung zu ihren Huͤtten. Der Frau des Haabas ließ ich die erſte freie Wahl aus meinen mitgebrachten Geſchenken, welche in Glasperlen und meſſingenem Drahte fur die Weiber— in Meſſern, Feuerſtahlen, Tabak fuͤr die Maͤnner beſtanden. Sie boten mir gebratenes Schaffleiſch und Ziegenmilch an, nach deren Genuß ich in mein Lager zuruckkehrte. Meine Lente wurden von mehr als 20 Gonaquas zuruͤck begleitet; weßwegen Abends und des andern Tages Tanz und andere freie Belußigungen mit ein⸗ ander wechſelten. Jedoch waren die Weiber dieſer Horde ganz verſchieden von denen an dem Fluſſe Gamtvo: denn ſobald ihre Maͤnner zu ihrer Horde zuruckkehrten, blieb keine einzige bei uns zuruͤck. Die Hitze fing nun an, unausſtehlich zu werden. Die Sonne hatte den Aeguator dußchlaufen, ſtand gerade uͤber unſerem Haupte, und brannte ſo heftig, daß man waͤhrend des Tags nur mit Gefahr den Strahlen deſſelben ſich ausſetzen konnte. Mein eigenes Geielt glich einer Badſtube, und der fernere Aufent⸗ halt darin wurde unmoglich. Dieſe Unbeguemlichkeit haͤtte mich leicht bewegen koͤnnen, meinen unbeſchat⸗ teten Platz gegen einen belaubten zu vertauſchen; allein meine an die Kaffern geſchickten Geſandten ſollten mich gerade an dieſem Platze wieder treffen. Saͤmmtliche Huͤtten der Horde des Haabas, vielleicht 40 an der Zahl, waren in einem Raume von etwa 6o0 Fuß im Vierecke erbaut, und bildeten da⸗ 143 ſelbſt mehrere Halbzirkel; unter ſich waren dieſe Huͤt⸗ ten durch. beſondere kleine Einfaſſungen mit einander verbunden, in welchen jede Familie die ihr gehoͤrigen Kaͤlber und Laͤmmer verwahrte. Denn dieſe wurden niemals mit den Muͤttern zugleich auf die Weide ge⸗ iagt, ſondern blos Morgens und Abends, wenn die Weiber die Kuͤhe und Ziegen melken, zum Saͤugen gelaſſen. Außer dieſen beſondern Einfaſſungen waren noch drei große eingezaͤunte Plaͤtze, welche zur Auf⸗ bewahrung des Viehes bei der Nachtzeit beſtimmt waren. Die Huͤtten haben im Durchmeſſer etwa 9 Fuß, und ſind mit Matten, Ochſen⸗ oder Schaf⸗Fel⸗ len bedeckt. In der Mitte wird das Feuer fuͤr die ganie Familie unterhalten; da die Huͤtte nur eine einzige niedrige Deffnung hat, ſo duͤrfte der dicke Rauch und der unvermeidliche Geſtank einen Euro⸗ päer, welcher nur zwei Minuten darin verbleiben wollte, leicht erſticken. Dbſchon die Weiber der Kolonie⸗Hottentotten von jenen der Gonaquas nur durch groͤßere Koket⸗ terie ſich auszeichnen, uͤbrigens gleſchfoͤrmig ſind; ſo beſteht doch ihr vorzuglichſter Putz in einer Art von Stickerei um ihr Schuͤrzchen, und in der Menge der Glas⸗Korallen um ihren ganzen Anzug. Ihre Muͤtzen beſtehen gewoͤhnlich aus einem Stuͤck von Zebra⸗Fell; Armbaͤnder, Guͤrtel, Halsband, und eine Art von Halbſtiefeln aus einem beſonderem Gewebe, machen einen Theil des Putzes der Weiber aus. Wer keine koſtbaren Halbſtiefeln tragen kann, ſchmuͤckt die Beine mit Schilfen, aus welchen die Matten gefertigt wer⸗ den, oder bedient ſich ſchmaler aus Ochſenhaͤuten ge⸗ ſchnittener Riemen, welche durch Klopfen rund ge⸗ macht werden. Anfangs woüten die Wilden durch das Schilf und die ledernen Ringe ihre Beine wahrſchein⸗ lich nur gegen das Stechen der Dornen und ſtach⸗ lichten Pflanjen, wie gegen den Biß der in Afrika ſehr zahlreichen Schlangen ſichern. Allein ſpäter be⸗ dienten ſich die Weiber der ſehr zerbrechlichen Glas⸗Ko⸗ rallen, ſtatt der Riemen und Ringe. Die Weiber bedienten ſich zu ihrem Putze nur vorzuͤglich der rothen und ſchwarzen Schminke. Die erſtere beſteht aus einer Ocker⸗artigen Erde, wie gerie⸗ bene Dachziegeln, welche ſie mit Fett vermiſchen und verdünnen. Die Schwaͤrte iſt nur mit Fett vermiſch⸗ rer Ruß, oder zerſtoßener Kohlenſtaub. Manche Wei⸗ ber bemalen blos die erhabenſten Stellen der Wangenz allein die meißen zeichnen das ganze Geſicht nach ge⸗ wiſſen regelmaͤßigen Abtheilungen; weswegen die Toi⸗ lette ſehr viel Zeit erfordert. Dieſe beiden Lieblings⸗ farben werden mit Buku⸗Pulver uͤberſtreuet, wel⸗ ches vor der gewoͤhnlichen Schminke unſerer Damen den Vorzug hat, daß es weder der Haut, noch der Bruſt im geringſten nachtheilig iſt. Die maͤnnlichen Hottentotten bemalen ihr Ge⸗ ſicht niemals, hoͤchſtens beſchmieren ſie ihre obere Lip⸗ pen bis zu den Naſenloͤchern mit einer Miſchung der — — 145 genannten Farben. Doch iſt die Neigung der maͤnn⸗ lichen und weiblichen Hottentotten nur auf wenige Feſttage des Jahres beſchraͤnkt. Ihre Trennung von Europa und ſelbſt von den hollaͤndiſchen Kolonien durch beträchtliche Sandwuͤſten, Berge, Felſen und Meere ſchuͤtzte ſie vor dem Verderbniſſe der Sitten. II. Der Vielweiberei ſcheinen die Hottentotten nicht abgeneigt zu ſeyn; bingegen weiß man keinen Fall, daß ein Weib zugleich mit mehreren Maͤnnern lebte. Daß ein Streit aus Eiferſucht durch ein Wort zemals endigte, habe ich nicht gehoͤrt. Die Weiber ſind in ihrem Putze weit eitler, als die Maͤnner; ihre Naͤherei kommt aber mehr den Arbeiten unſerer Schu⸗ ſter gleich; ſie bedienen ſich eines eiſernen oder kno⸗ chernen Pfriemens, beſonders aus den Beinknochen des Strauſes. Alle Hottentotten bedienen ſich ohne Unterſchied lederner Sohlen, welche ſie mit Riemen befeſtigen. Die Maͤnner gehen ſtets mit bloßem Kopfe, wenn es nicht regnet, oder ſehr kalt iſ; in dieſem Falle tra⸗ gen ſie eine lederne Muͤtze. Ihre Haare behaͤngen ſie gewoͤhnlich mit Glas⸗ Perlen, oder einigen Federn, oder einigen Stuͤcken ansgeſchnittenen Leders. Ihre Kleidung beſteht vorzuglich in einer Jacke und Kroos. Die Beine und Arme verzieren ſie, wie die Weiber, mit Baͤndern und Ringen aus Elfenbein, oder noch lieber aus dickem meſſingenen Drabte, welche durch be⸗ 146 ſaͤndiges Reiben und Putzen einen vorzuͤglichen Glanz erlangen. Die Gonaquas ſind der Jagd ſehr ergeben, und haben darin eine große Geſchicklichkeit erlangt. Sie wiſſen ſelbſt großes Wildpret zu fangen, und ſie ſchieſ⸗ ſen es auch durch ihre vergifteten Pfeile, oder durch ihre Haſagaye. Ein durch einen vergifteten Pfeil ver⸗ „ wundetes Thier fuͤhlt die Wirkung des Giftes ſehr bald, weil das Blut dadurch zum Gerinnen gelangt; nicht ſelten ſah ich, daß ein ſo verwundeter Elephant 30— 40 Meilen weiter niederſiel. Das Fleiſch der durch vergittete Pfeile gefallenen Thiere wird jedoch ohne Schaden und Furcht von den Gonagquas ge⸗ noſſen; nur die naͤchſt der Wunde befindlichen fleiſchi⸗ gen Theile werden als ſchaͤdlich ausgeſchnitten. Ich ſelbſt habe von dem Fleiſche ſolcher Thiere genoſſen, ohne die geringſte Unbeguemlichkeit zu fuͤhlen; doch huͤtete ich mich vor dem Fleiſche jener Thiere, in deren Körper ſchon das Gift laͤngere Zeit geweſen iſt. Ihre Pfeile ſcheinen weniger gefaͤhrlicher zu ſeyn, als ſie ſind; ſie ſind weder ſo lange, als die Pfeile der Ka⸗ raiben, noch tragen ſie ſo weit. Allein eben ihre ge⸗ ringe Groͤße macht ſie noch gefaͤhrlicher; denn ſobald ſie abgeſchoſſen ſind, kann man ſie weder ſehen, noch mit dem Auge verfolgen, folglich ihnen auch nicht ausweichen. Die geringſte Wunde durch dieſe Pfeile iſt tödtlich, ſebeld das Gift unmittelbar dem Blute beigemiſcht ißt, vder durch Zerreißung in den Koͤrper ein⸗ 147 dringt. Das ſchnellſte und ſicherſte Mittel iſt zwar, den verwundeten Theil abzunehmen; iſt dieſes aber nicht moͤglich, ſo ſtirbt das verwundete Thier, oder der Menſch zuverlaͤſſig. Die Pfeile ſind ſehr kuͤnſtlich aus Rohr gefertigt, ſie ſind zwiſchen 18— 24 Zollen lang, waͤhrend die Pfeile der Karaiben eine Laͤnge von 6 Fuß haben. Ein kleiner, abgerundeter, 3— 4 Zoll langer Knochen, welcher etwas ſchwaͤcher, als der Durchmeſſer des Rohrs iſt, wird in ein Ende deſſelben geſteckt, jedoch ohne befeſtigt zu ſeyn. Iſt daher der Pfeil in irgend einen Koͤrper eingedrungen, ſo kann man zwar das Rohr zuruͤckziehen; allein der kleine an der Spitze be⸗ ſindliche Knochen folgt nicht mehr, ſondern bleibt in der Wunde, weil er durch einen kleinen an der Seite angebrachten eiſernen Wiederhacken feſt gehalten wird. Wollte man ihn gewaltſam zuruͤckziehen, ſo wuͤrde man natuͤrlicher Weiſe in dem inneren Theil bedeutende Zerreißungen verurſachen, und alle Kunſtmittel verei⸗ teln. Dieſer kleine Knochen iſt mit dem Gifte uͤber⸗ zogen, welches ſo feſt und hart wie eine Kuͤtt iſt; an der aͤußern Spitze derſelben bringen die Hottentot⸗ ten gewoͤhnlich noch ein dreiſeitiges Eiſen an, durch welches der Pfeil um ſo gefaͤhrlicher wird. Faſt jede Voͤlkerſchaft hat zur Bereitung ihrer Gifte eine eigene Methode, welche ſich gewoͤhnlich nach den verſchiedenen Arten der milchartigen Pflan⸗ zen richtet, die iener zu Gebotbe ſtehen; der aus⸗ 148 gepreßte Saft derſelben gibt den vorzuglichſten Stoff. Poch wirkſamer iſt das Gift aus einigen Schlangen⸗ Arten, deſſen ſie ſich beſonders bei feindlichen Angrif⸗ fen und im Kriege bedienen, und welches nur durch das Alter an ſeiner Wirkſamkeit verliert. Uebrigens vaben die Pfeile der Hottentotten gewoͤhnlich eine Laͤnge von 2 1/2— 3 Fuß; die daran befindliche Sehne wird aus Gedaͤrmen bereitet. Die Haſagaye iſt fuͤr den Hottentotten ein ſebr bedeutendes Gewehr, deſſen man ſich nur im Ge⸗ draͤnge bedienen kann, aber nicht auf eine weitere Entfernung, als 40 Schritte. Sie gleicht einer Lanze, und wird nach dem Feinde oder Wildpret geworfen; weßwegen das Holz des Schafftes vorzuͤglich leicht, iebr ſchwach iſt, und nach binten almaͤhlig duͤnner wird. Die Kuͤhe und Schafe werden nur von den Wei⸗ bern, und mit vieler Sanftmuth gemolken. Die Kuͤhe in Afrika hören ſogleich auf, Milch zu geben, ſobald ſie ihre Kaͤlber durch den Tod, oder durch das Ent⸗ wohnen verlieren. Deßwegen ſucht man beides, ſo viel als möglich, zu entfernen. Stirbt das Kalb, ſo verwahren die Hottentotten die Haut deſſelben ſorg⸗ fältigt, und wiſſen den Inſtinkt der Kuh auf ein ans deres zu leiten; doch iſt dieſes Kunſtſtuͤck nicht laͤnger⸗ gls ein Monat wirkſam. Der Verluß eines Falbes iſt immer fur den Eigenthuͤmer ſehr nachtbeilig; denn „ wenn daſſelbe am Leben bleibt, ſo vertrocknet die Kub ————— 149 gewoͤhnlich nicht eher als ſechs Wochen, ehe ſie ein anderes Kalb zur Welt bringt. Merkwuͤrdig iſt, daß die afrikaniſchen Kuͤhe deſto weniger Milch geben, je naͤher ſie den heißen Laͤndern ſind; waährend der Re⸗ genzeit, in welcher die Atmoſphaͤre abgekuͤhlt iſt, ſind ſie zwar milchreicher, allein auch den Seuchen deſtv mehr ausgeſetzt, welche oft ganze Heerden aufreiben. Die erſte die ſer Krankheit heißt Lahm⸗Seuche. In dieſem Zuſtande wird das Vieh gewoͤhnlich ſchnell am ganzen Koͤrper lahm, kann ſich nicht auf den Bei⸗ nen erhalten, ſondern muß blos liegen, und iſt nach 14 Lagen zu Grunde gegangen. Sobald ein Stück von dieſem Uebel befallen wird, wird das noch geſunde Vieh von ihm entfernt. Da die Krankheit unbeilbar iſt, ſo wird jedes Stuͤck bei dem erſten Anfalle ſchon geſchlachtet. Die Koloniſten genießen dieſes ungeſunde Fleiſch, Sklaven und Hottentotten nebmen noch we⸗ niger Anſtand. Die Zungen⸗Seuche beſteht in einer außeror⸗ dentlichen Anſchwellung der Zunge, welche dann den ganzen innern Raum des Mundes und Schlundes aus⸗ füllt, und das kranke Vieh dem Erſtickungs⸗Tode näbert. Dieſe Seuche iſt weit gefaͤhrlicher, als die erſte. Um das Fleiſch und die Haͤute zu erhalten, ſchlachten die Koloniſten das uͤbrige Vieb in der erfen Erſcheinung der Krankheit. Die Klauen⸗Seuche bewirkt ein ſehr ſchnelles Anſchwellen der Hufe, welcher eine heſtige Eiderung 15⁰ folgt; bald trennt ſich dann der Huf von den uͤbrigen Theilen. Beobachtet man ein ſo krankes Thier waͤh⸗ rend des Gehens von hinten, ſo ſcheint es in Pantof⸗ feln zu wandeln; uͤberlaͤht man das Vieh waͤhrend dieſer Krankheit ſeiner beliebigen Ruhe, ſo kehrt ge⸗ woͤhnlich in 14 Lagen die Geſundheit wieder.. Die gefaͤhrlichſte Krankheit des Hornviehes iſt eine Art von Ausſatz, welcher ſich ſehr ſchnell verbreitet. Die Thiere haben ein aufgedunſenes, ſchwammiges und uͤbel ausſehendes Fleiſch, welches halb verweſet zu ſeyn ſcheint; eine rothlige und etwas zaͤhe Feuchtigkeit an demſelben verbreitet einen ſo widrigen Geruch, daß ſogar die Hunde ſich zuruͤck ziehen. Bei dem gering⸗ ſten Anſcheine dieſer Krankheit bleibt nichts uͤbrig, als das geſunde vom kranken Vieh zu trennen. Denn iſt das Uebel einmal ausgebrochen, ſo ſichert weder Staͤrke, noch Geſundheit. Man ſieht es daher als eine wahre Peſt an, und man ſchaätzt den Beſitzer gluͤcklich, wel⸗ cher nur die Haͤlfte ſeiner Heerde verliert. III. Von Wurzeln kauen ſie nur wenige Arten ganz roh, gekocht niemals. Vorzuͤglich ſchaͤtzen ſie die Kamervo⸗Wurtel, welche die Geſtalt eines Rettigs und die Dicke einer Melone hat, ſehr ſuß ſchmeckt, kuͤhlend und Durſt loͤſchend iſt, daher in beißen Monaten dem lechzenden Reiſenden eine große Erauickung gewaͤhrt. Da ſie aber bei volliger Reife ibre Blätter verliert, ſo iſt ſie ſchwer zu ſinden, wenn man ihrelStelle nicht vorher bezeichnet hat. ————— 151 In. den ſteinigten Bezirken dieſes Tbeils von Af⸗ rika waͤchst noch eine Art von Erdäpfeln, welche von den Wilden Kaanab genannt werden, deren Geſtalt unregelmaͤßig iſt. Ein milchartiger, ungemein ſuͤßer Saft macht dieſe Wurzel vorzuͤglich angenehm, wenn man den markigen Theil kauet und den darin befindlichen Saft auszuſaugen ſucht; durch das Kochen wird dieſe zarte Subſtanz ganz unſchmackhaft. Einige andere Wurzeln haben den Geſchmack der in der Aſche gebratenen Kaſtanien. War ich gleichwohi in der Pflanzen⸗Kunde noch ſebr unwiſſend, ſo vernachlaͤß⸗ ſigte ich doch keine mir unbekannte, ſo oft ich mein Lager irgendwo aufſchlug. Die Sammlung der Pflan⸗ zen, welche ich in der Kap⸗Stadt dem franzoͤſiſchen Agenten Pergeron fuͤr den koͤniglichen Garten in Paris übergab, iſt mit dem nach Europa beſtimmten Schiffe zu Grunde gegangen; ſonſt wuͤrde ich mir auch in dieſem Zweige ein Denkmail geſtiftet haben. Deſto gluͤcklicher war ich in den Zeichnungen der Pflanzen. In Erkrankungs⸗Faͤllen binden die Hottentotten das kranke Glied; geſchickter ſind ſie in der Verbin⸗ dung aͤußerlicher Wunden, in der Heilung der Ver⸗ renkungen oder Beinbruͤche; Kruͤppel ſieht man ſelten. Jeder Kranke entfernt ſich von den Geſunden gleichſam aus Schaam über den Verluſt ſeiner Geſundheit. Stirbt einer, ſo wird er in ſeinem ſchlechteen Man⸗ tel ſo gewickelt, daß er faſt bedeckt iſt; in einiger Ent⸗ fernung von dem Wohnplatze in eine beſonders gefer⸗ 75, Pd. Afrika III. 2. 2 152 tigte Grube gelegt, und mit einiger Erde bedeckt. Leider! wittern die Hyänen und Jakala dieſe Koͤrper ſehr oft, graben ſie wieder aus, und verzehren ſie. Die Beerdigung des Anfuͤhrers einer Horde geſchieht ſchon mit groͤßerer Aufmerkſamkeit; der den Koͤrper bedeckende Erdhaufen iſt viel großer. Jeder Anführer deſſen Gewalt immer ſehr einge⸗ ſchraͤnkt iſt, wird von der Horde ſelbſt ernaunt. Gu⸗ tes zu thun, hat er unumſchraͤnkte Gewalt, ſchaden kann er nicht ſo leicht. Er geniett uͤbrigens keinen Vorzug, und unterſcheidet ſich durch kein aͤußeres Eb⸗ renzeichen, als daß er von dem Hüten des Viehes be⸗ freit iſt; bei Rathſchluͤſſen gilt ſeine Stimme nur⸗ wenn ſie allgemeinen Beifall hat. Gibt es Streit, ſo iſt jeder Soldat; jeder greift an, und vertheidigt ſich nach ſeinen Kraͤften. Gewoͤhnlich ſind die muthigſten an der Spitze; da alle mitwirken, ſo wird der Sies guch der ganzen Horde zugerechnet. Die Gonaquas ſcheinen mir bis jetzt die ein⸗ zige Nation, welche ihre Freiheit aufrecht erhielt. Alein da die bollaͤndiſche Regierung ihre Kolonien im⸗ mer weiter ausbreitet, ſo werden ſie bald auch den Geſetzen derſelben gehorchen müſſen. Sehr irrig baben manche Schriftſteller behauptet, daß die Hottentotten den Mond verehren. Da die Kühlung zum Tanze und zu Vergnügungen, beſon⸗ ders bet dem Scheine des Mondes, weit einladendet iſt, als das ſchonſte Licht der Sonne; ſo eriaͤhlen und 153 beſingen ſie die Ereigniſſe des Tags in vielfachen Wiederholungen, und veranlaſſen dadurch den Irr⸗ thum, als beten ſie den Mond oder die Geßtirne an. Ihre Taͤnze ſind nach groͤßern oder kleineren Sirkeln gebildet, paarweiſe und ſymetriſch vertheilt. Manch⸗ mal laſſen ſie einander los, um den Takt zu ſchlagen, oder mit den Haͤnden zu klatſchen. Zu ihrer rohen Inſtrumental⸗Muſik fuͤgen ſie ununterbrochen das Wort Ho⸗Ho zu. Im ganzen ſind ihre Tänze mehr eine laͤcherliche beluſtigende Pantomime. IW. Unwahr iſt, daß die Gonaquas ſich be⸗ ſchneiden laſſen; wohl unterſcheiden ſie ſich vor andern Wilden durch eine uͤberaus lange Vorhaut. Ich habe bei verſchiedenen Horden ein ſehr zuruͤckhaltendes und ſittſames Betragen gefunden; nur durch fortgeſetzten Umgang mit den Kolonie⸗Hottentotten koͤnnen ſie dieſen Vorzug verlieren. Die Geſtalt der Hottentotten iſt hochſt vollkom⸗ men, der Gang leicht und annehmlich, alle Bewe⸗ gungen ſind ungezwungen; darin unterſcheiden ſie ſich von den Wilden des mittoͤgigen Amerika, welche man nur als ſehr unfoͤrmliche Geſtalten der Menſch⸗ heit betrachten kann. Alle Weiber ſind ſchoͤn gebaut, mit feineren Zuͤgen verſehen. Bedienen ſie ſich auch keiner Sandalen, ſo ſind doch ihre Haͤnde und Füße gewoͤhnlich klein und ſchoͤn. Die weibliche Kehle gibt ihrer Sprache eine gpoße Annehmlichkeit, und 154 waͤhrend des Redens machen ſie ſolche Gebaͤhrden, daß auch ihre Arme Anſtand und Grazie erhalten. Der Hottentotte iſt von Natur furchtſam und wenig unternehmend. Sein kaltbluͤtiges Weſen, und ſein bedaͤchtlicher Anſtand geben ihm eine zuruͤckhal⸗ tende Miene, welche er ſelbſt in den Augenblicken der Freude nicht ganz ablegt, waͤhrend die ſchwarzen und braunen Voͤlker bei ihren Feſten ſich der ungemeſſend⸗ ſten Luſtbarkeit uͤberlaſſen. Die angeborne Gleichguͤl⸗ rigkeit iſt die Urſache ſeiner Unthaͤtigkeit und Traͤg⸗ heit. Er widmet ſich der Jagd nicht aus Leidenſchaft, ſondern aus Noth, um den Hunger ſeines Magens zu befriedigen. Er vergißt leicht das Vergangene, be⸗ kuͤmmert ſich nicht um die Zukunft, und lebt nur fuͤr den jetzigen Augenblick. Deſſen ungeachtet ſind die Hottentotten gutartig, dienſtfertig und das großmuͤthigſte und gaſtfreieſte Volt. Jeder Reiſende iſt der guten Aufnahme, des Aufent⸗ palts, und der Nahrung bei ihnen verſichert. Iſt er durch Geſchenke erkenntlich, ſo nehmen ſie dieſelben zwar an, fordern ſie aber niemals mit Ungeſtüm. Iß das Ziel ſeiner Reiſe weiter, als er wieder eine Hordo treffen kann, ſo unterſtützen ſie ihn mit Lebens⸗Mit⸗ teln und andern Beduͤrfniſſen, ſogar mit Begleitern. Vor der Ankunft der Europaͤer am Kay hatten die Hottentotten nicht einmal einen Begriff vvm Tauſch⸗ handel; aber nachher wurde der Tabak und verſchie⸗ dene eiſerne Werkzeuge ganz unentbehrlich. 155 V. Jeder Reiſende unter den Wilden muß ſich bemuͤhen, das Zutrauen zu gewinnen. Dieſer Zweck wird erreicht, wenn er ſie menſchlich behandelt, gegen ſie wohlthaͤtig iſt, ihre Schwaͤche nicht mißbraucht⸗ und ihnen eben ſo wenig Furcht einjagt, als von ſei⸗ ner Seite blicken läßt. Gewoͤhnlich erhaͤlt man von ihnen alles, wenn man nichts mit Gewalt fordert. Man muß ſich vollkommen zu beherrſchen wiſſen, und ſich vorzuglich häten, ihren Weibern ſich zu nähern: denn iſt ihre Eiferſucht gereizt, ſo ſnd ſie die unver⸗ ſohnlichſten Feinde. Bei einiger Klugheit wird man mit ihnen nicht zu vertraut werden, und das noͤthige Anſehen nicht verlieren. Will man ſich ihnen vorzuͤg⸗ lich empfehlen, ſo bediene man ſich ſeiner Flinte und anderer Waffen, nur um ihnen einige Dienſte zu lei⸗ ſen, 3. B. Wildpret zu verſchaffen, oder die ihren Heerden ſchaͤdlichen Thiere zu vertilgen, in welchem Falle man in dankbarem Andenken bleibt. Eben deß⸗ wegen iſt es auch beſſer, allein zu reiſen, als in Ge⸗ ſellſchaft mehrerer, durch deren ungleichartige Geän⸗ nung manche Unannehmlichkeit veranlaßt wird. Eine beſondere Eigenſchaft aller Hottentotten iſt eine große Fertigkeit im Schwimmen und Laufen. Dieſes Geſchaͤft wiedetholen ſie taͤglich einige Male, wenn ſich ihnen Gelegenheit darbietet; ſie leben wie die Fiſche in ihrem Elemente, und befördern zugleich die Reinlichkeit uͤberhaupt. Koch gibt es eine Abart von Hottentotten 156 8 welche man die Vermiſchte nennen könnte. Sie iſt noͤch von keinem Reiſenden erwaͤhnt worden, und doch breitet ſie ſich ſo ſchnell aus, daß ſie nicht nur die aͤl⸗ teren Staͤmme bald verdraͤngen, ſondern ſelbſt die hollandiſchen Koloniſten beherrſchen wird. Dieſe Ab⸗ art nennt man eigentlich Baſtard⸗Hottentot⸗ ten, indem ſie mit Vermiſchung von Weißen am Kap entſtanden ſind. Ihre Gemuͤths⸗Art naͤhert ſich der europäiſchen; ſie haben mehr Muth und Kraft, und ſcheuen die Arbeit weniger; ſind aber aufbrauſen⸗ der, unternehmender, und boͤsartiger, als die Hotten⸗ totten. Nicht ſelten bringt ein Baſtard ſeinen Herrn um, und in den taͤglichen Verraͤthereien wird eher ein Baſtard als ein Neger entdeckt. Dagegen ſind die Koloniſten, welche blos von Hottentotten be⸗ dient werden, gegen alle Gefahr geſichert. Der Ba⸗ ſturd iſt gut gebaut und ſtark; ſeine Haut hellgelb, wie eine geduͤrrte Citronen-Schale; ſein Haar iſt laͤnger, ſchwaͤrzer und nicht ſo kraus, wie jenes der Hottentotten. Aus der Vermiſchung der Baſtardin mit Weißen entſtehen neue Mitte!⸗Arten, welche ſich an der Haut und den Haaren noch mehr unterſchei⸗ den. Sehr charakterißtiſch ſind die erhabenen Augen⸗ Knochen, welche ſich gewoͤhnlich erſt in der vierten Ge⸗ neration verlieren.. Aus der Vermiſchung der Hottentottin mit einem Neger entſteht wieder eine neue und vorzglichere Art von Menſchen. Die koperliche Geſalt iſt viel ſchö⸗ 1 ner und ausgezeichneter, angenehmer und empfehlen⸗ der. Ihre Hautfarbe, die von der Schwaͤrze des Va⸗ ters und von dem Oliven⸗Braun der Mutter gemiſcht iſt, wird fuͤr das Auge weniger auffallend. Dieſe Klaſſe wird wegen ihrer Arbeitſamkeit ſehr geſucht; ſie iſt thaͤtig ohne aufruhriſch zu ſevn, und von einer erprobten Treue. So ſeltſam die Mundart der Hottentotten iſt, ſo iſt ſie doch weder ſchwer auszuſprechen, noch unange⸗ nehm. Sie iſt nur ſchwerer fuͤr den Franzoſen, als fur den Hollaͤnder und Deutſchen, z. B. das U wird wie ein deutſches u ausgeſprochen; ₰H und G werden ſo ſtark aſpiritt, daß ein Franzos ſie kaum nachahmen kann. Aus keinem bis jetzt erſchienenen Wörterbuche kann man ſich einen richtigen Begriff von der Sprache der Hottentotten machen; in keinem iſt die verſchie⸗ dene Art des Schnalzens mit der Zunge, welche am oder Ende eines Wortes ſtattfindet, ange⸗ geben. So ſchwer die verſchiedenen Arten der Ausſprache dem Ohre eines Europaͤers anfangs vorkommen, ſo baben ſie doch in dem Munde einer Hottentottin eben ſo viele Annehmlichkeiten, als die deutſche in dem Munde eines ſaͤchſiſchen Frauenzimmers. Außer den drei verſchiedenen Arten von Schnalzen gibt es noch eine groͤßere Anzahl Woͤrter, welche nur als Laute betrachtet, und durch die Kehle hervorgebracht werden⸗ 158 Ihre Sprache iſt ſehr ausdrucksvoll; da die Hottentot⸗ ten mit ihrer Rede auch viele Gebaͤrden verbinden, und Pantomime ſpielen, ſo iſt eine oberflaͤchliche Kenntniß ihrer Sprache binreichend, um aus ihren Reden auch die ſchwerſten Gegenſtaͤnde zu entraͤthſeln.. Drei Wochen waren bereits meine Abgeordneten in das Land der Kaffern von mir entfernt; ich ver⸗ barg in mir die Angſt und meinen Kummer uͤber den moͤglichen Tod derſelben, waͤhrend meine Leute ihre Unzufriedenheit, uͤber mein kuͤhnes Unternehmen laut aͤußerten, und nur noch unentſchloſſen waren, ob ſie mich verlaſſen, und an ihren vorigen Platz zuruͤck keh⸗ ren ſollten. Dieſe wechſelſeitige Unruhe hatte bereits den hoͤchſten Grad erreicht, als meine Abgeordneten mit 19 Maͤnnern, s Weibern und 2 Kindern der Kaffern ganz unvermuthet zuruͤck kehrten. Sie be⸗ gruͤßten mich in einer mir unverſtaͤndigen Sprache, welcher ich nichts als mein Tabé erwiedern konnte; nur aus Gebaͤrden konnte ich manches entraͤthſeln. Sie waren voll Neugierde, die von meinen Abgeord⸗ neten geſchilderte Doppelt⸗Flinte kennen zu lernen, mit welcher ich ſogleich zwei vorüber fliegende Schwal⸗ ben herabſchoß, durch welche That ich mich bei ihnen in großes Anſehen ſetzte. Sie ſtellten mir einen ſchoͤ⸗ nen jungen Mann als den geſchicktſten Werfer der Haſagaye und der kurzen Keule vor. Ich ließ ein Schaf los; er ſchwang mit großer Gewalt die Haſa⸗ gaye, und warf ſie aus; ſie durchſchnitt ſauſend die S 159 Luft, und drang in den Bauch des Thieres, welches ſogleich taumelte, und auf der Stelle todt niederfiel. vI. Die Kaffern ſind weit vorſichtiger, als die Hottentotten, und uͤberlaſſen ihren Unterhalt nicht dem Zufalle. Verſchiedene Ochſen für ihren Unter⸗ balt und andere als Traͤger ihres Gepaͤckes und ihrer Kleidungsſtuͤcke hatten ſie ebenſo mitgebracht, als viele Koͤrbe, welche ich bei den Gonaquas ſchon vewundert hatte, zum Lauſche gegen andere Gegen⸗ ſtande. Eben ſo hatten ſie ein Paar Kuͤbe mit den ſaͤugenden Kaͤlbern bei ſich. Ich hatte meinen Fremden einen Lager⸗Platz an“ gewieſen, Feuer angeordnet, das Schaf in Stuͤcken zerlegen und braten laſſen. Ich beſchenkte ſie mit Tabak und einigen andern Kleinigkeiten. Ihre Ein⸗ bildungskraft, beſchaͤftigte ſich am liebſten mit Gegen⸗ ſtaͤnden von Eiſen, und am luͤſternſten waren ſie nach⸗ Beilen, Hacken, Bohrern und andern Werkzeugen der Art. Denn der allgemeine Charakter aller Wilden iſt. daß ſie alle Gegenſtaͤnde als gemeinſchaftliches Eigen⸗ thum anſehen, und Niemand das Recht hat, ſich al⸗ lein etwas zuzueignen. Waͤhrend ihres erſten Aufent⸗ balts wurden ſie allmaͤhlig mit meinen Leuten ver⸗ traut; wir gewöhnten uns mehr an ihre Sprache; un⸗ ſere Unterredungen wurden unterhaltender; ich fing“ an, ihnen verſtaͤndliger zu werden, und ihre S wurde mir auch geläuſiger. An den von ihnen mitgebrachten Ochſen und Kuͤhen beluſtigte ich mich, nicht ſo wohl wegen ihrer Groͤße, als wegen der Menge und Windung ihrer Hoͤrner, welche den Hirſch⸗Geweihen ziemlich aͤhnlich waren. Dieſes Spiel der Natur iſt ein Meiſterſtuͤck ihrer Er⸗ findung und ihres Geſchmackes. Sobald das Horn des Viehes ſich zu zeigen anfoͤngt, machen ſie an deſ⸗ ſen Pbertheil durch eine Saͤge oder ein aͤhnliches In⸗ ſtrument einen geraden Einſchnitt; dadurch wird das Horn in zwei Theile getheilt. Die noch friſchen Theile trennen ſich ſehr leicht, und jeder bildet ein einzelnes, deutliches Horn. Macht man in der Folge noch einige Kreuzſchnitte, ſo theilt es ſich in vier, ſechs bis acht Hoͤrner. Will man das Horn krümmen, ſo darf man nur etwas von der Dicke desſelben unter der Spitze ſehr oft abnehmen; da die Spitze ſich dann nach der Wurzel neigt, ſo gibt es bald einen vollkommenen Zirkel. Waͤhrend die Kaffern in meiner Naͤhe gelagert waren, beſchaͤftigten ſich einige auf einem entfernten Felſen, Eiſen zu ſchmieden. Da ein Stuͤck Stein der Ambos, ein anderes der Hammer war, ſo koͤnnen meine Leſer ſchon auf den Zuſtand des Blasbalges ſchließen, welchen ich jedoch zu vervollkommnen ſuchte, ſo viel es meine Inſtrumente und Mechanik erlaubten. Fuͤr meine Hunde hatten ſie ſo viele Vorliebe, daß ſie dieſe fuͤtterten, ehe ſie ſelbſt ſpeisten. Die 161 Hunde gewoöhnten ſich ſo ſehr an ihre Leckerbiſſen, daß ſie mir im Falle einer Meuterei den Gehorſam wuͤr⸗ den verſagt haben. Mein vertraulicher Umgang mit ihnen war meinen eigenen Leuten ſo unangenehm, daß ſie ſich ſchon verabredeten, mich zu verlaſſen, und mit vier Baſtard⸗Hottentotten, welche ohne mein Wiſſen in das Lager ſich geſchlichen hatten, ſich ver⸗ banden. Kaum hatte ich dieſe falſchen Menſchen wahrgenommen, ſo hielt ich eine ſcharfe Rede an meine Leute, und verjagte jene. Ich erklaͤrte zugleich, daß ich gegen die Kaffern, wie gegen die Koloniſten, die ſtrengſte Neutralitaͤt beobachte. Aus eben dieſem Grunde verweigerte ich auch den Kaffern die Gewaͤh⸗ rung ihrer zudringlichen Bitte um Gegenſtaͤnde, aus welchen ſie ſich haͤtten Waffen ſchmieden koͤnnen. Da⸗ gegen konnte ich auch weder durch Geſchenke, noch durch Verſprechen den jungen liebenswuͤrdigen Kaffer bewegen, bei mir zu bleiben. VII. Am 24. Nov. brachen endlich die Kaffern auf, und kehrten in ihr Vaterland zuruͤck; ſie aͤußerten mir ihre Zufriedenheit uͤber mein vertrauliches Beneh⸗ men gegen ſie, und ihren Dank fuͤr die Geſchenke, welche ich ihnen gemacht hatte. Sie verſprachen mir, daß ich bei ihnen die beſte Aufnahme finden würde, und erſuchten mich dringend, recht bald zu ihnen zu kommen, wie ich auch verſprach. Kachdem ich noch einmal die Horde von Haa⸗ bas beſucht, und drei Gonaquas derſelben gewon⸗ N nen hatte, ſich an die vier Hottentotten, welche ich zu dieſem Zwecke aus meinen Leuten gewaͤhlt hatte, anzuſchließen, ſo traf ich die zur Abreiſe nöthigen An⸗ ſalten. Ich fuͤllte zwei lederne Saͤcke mit Pulver, und ſteckte beide in einen dritten, um ſie noch mehr gegen Feuchtigkeit zu ſichern; auch Kugel und Schrot von allen Groͤßen und verſchiedenem Kaliber wurden gegoſſen. Acht Flinten nahm ich mit mir; die uͤbri⸗ gen achte ließ ich zur Vertheidigung meines Lagers zuruͤck, welches ich waͤhrend meiner Abweſenheit dem alten Swane⸗Poel unter meiner Autoritaͤt anver⸗ traute. Verſchiedene Glas⸗ und andere kurze Waaren legte ich in kleine Beutel und Schachtelnz mein Keines Zelt, eine wollene Decke, ein großer Mantel, ein Fleiſchtopf, ein Waſſerkeſſel, ein kleiner Vorrath von Thee und Salz wurden mitgenommen. Meine Reiſegefaͤhrten hatten bald ihre Felle, Matten und an⸗ dere Geraͤthe zuſammen gerollt; auch erinnerten ſie mich, viel Tabak und Branntwein mitzunehmen. Die zuruͤckgebliebenen Feigen verbehlten nicht ihre Beſorg⸗ niſſe um mich. Am 3. Nov. trank ich noch einmal mit allen Leu⸗ ten auf meine gluͤcklichen Reiſe, ließ unſere Laſt⸗Och⸗ ſen mit unſern Waaren umwickeln, und gab dem Swane⸗Poel den geheimen Auftrag, daß er mit alen meinen Waaren und Leuten aus dem Lager in die Kap⸗Stadt aufbrechen und alles dem Fiskal Boers uͤbergeben ſollte, wenn ich wieder alles Ver⸗ 163 muthen weder in zwei, noch in ſechs Wochen zurück⸗ kommen wuͤrde. Der Alte wurde vor Schluchzen im Reden unterbrochen, und konute die Thränen nicht zuruͤckhalten. Ich entriß mich ihm, und eilte zu mei⸗ nen acht Begleitern, welche mich mit den Ochſen⸗ Pferden, Hunden bereits erwarteten. Wir wendeten uns gegen Nord⸗Dſt; der Boden war mit ſo hohem vertrocknetem Graſe bewachſen, daß der Weg ſehr beſchwerlich wurde, und die Fuͤße mei⸗ ner Begleiter verwundet worden waͤren, wenn ſie nicht aus Haͤuten und zuſammengeflochtenem trocknen Graſe eine Art von Halbſtiefeln geformt haͤtten. Deſto mehr freuten ſich unſere Ochſen uͤber das reichliche Futter, ohne ſich bis auf die Erde neigen zu muͤſſen. Das Land war zugleich mit der einen Art von Baͤumen⸗ Mimoſa Nilotiea, verſehen. Sehr viele Spring⸗ Boͤcke begegneten uns, und ich erlegte eine Trappe, deren Hals⸗, Bruſt⸗ und Bauch⸗Federn von blau⸗ grauer Farbe, deren oberer Theil des Koͤrpers rothlich⸗ und mit ſchwaͤrzlichen Flecken und Streifen gezierr iſt, und deren Geſchrei Aehnlichkeit hat mit jenem einer Kroͤte. Schon am erſten Tage wurden wir von einem ſehr großen Gewitter uͤberraſcht, welchem ein ſo anhaltender Regen folgte, daß die Leinwand mei⸗ nes Zelts vom Waſſer durchdrungen, und ich ſogar in meiner wollenen Decke durchnaͤßt wurde. Am vier⸗ ten Tage ſchoß ich eine Art von Kukuk, einen neuen und ſeltenen Vogel; einer meiner Schuͤtzen aber ein Gnu, welches einem kleinen Ochſen ſehr aͤhnlich iſt. Am dritten Tage ſtieß ich auf eine Reihe verlaſſener Huͤtten der Kaffern, neben welchen ich mich zum er⸗ ſten Male uͤberzeugte, daß ſie auch einigen Ackerbau treiben. Sie ſaͤen naͤmlich eine Art von Hirſen, am Kap Kafferiſches Korn genannt, fuͤr welches ſie ſich ein taugliches Land ausſuchen, und in deſſen Mitte die Huͤtte des Bebauers geſtellt wird. Aus dieſem Grunde konnen die Huͤtten der Kaffern nicht, wie jene der Gonaquas und Hottentotten, dicht neben einander ſtehen. Wahrſcheinlich wurden die Bewohner dieſer Huͤtten plotzlich von Koloniſten uͤber⸗ fallen; denn wir ſahen ganze todte Koͤrper und ein⸗ elne Glieder, die von den wilden Thieren zum Theile verzehrt waren. Auch die ſchoͤnen Korn-Felder wa⸗ ren durch die zahlreichen Gazellen großen Theils ſchon abgefreſſen; das ͤbrige verzehrten meine Ochſen. Ich ſchlug mein Zelt auf, und meine ſieben Hot⸗ tentotten verfugten ſich in die ſieben neben einander ſtehenden Huͤtten. In dem nahen Walde von ſebr bohen und ſtarken Baͤumen, z. B. Stink⸗Holz, Gelb⸗ Holz, Roth⸗Holz, Nadelbaͤume, Weiden, Buchen⸗ Holz, hollaͤndiſchen Kirſchbaum ꝛe. fand ich eine Menge Fußſteige nach allen Seiten. Ich fand ein gelblichtes Moos, mit welchem alle Baͤume ganz bedeckt waren, und deſſen Faßern gewoͤhnlich eine Laͤnge von 20— 12 Fuß hatten; daher oͤfters nicht ein einziges Blatt der Baum⸗Zweige zu ſeben war. Dieſes Moos war mir 165 zum Ausſtopfen der Voͤgel ſehr nuͤtzlich; um auf mei⸗ ner ganzen Reiſe Gebrauch zu machen, ließ ich einen Baum umhauen, und alles Moos abnehmen. VIII. Auch die bekannten Lianen fanden ſich daſelbſt uͤberall; wenn dieſe wilden Weinſtoͤcke bis zum Gipfel der Baͤume oder Zweige geſtiegen ſind, dann treiben ſie gewiſſe duͤnne, Faden⸗aͤhnliche Reben, welche bis zur Erde reichen, anfangs ſehr ſchwach ſind, dann aber bis zur Dicke eines Armes erwachſen. Man ſieht hier eine außerordentliche Menge blaͤtterloſe Reben berabhaͤngen, welche von den Einwohnern Bavian's⸗ Seile genannt werden, weil die Affen ſich an den⸗ ſelben in die Höbe klettern, um bis zur Frucht zu ge⸗ langen, welche gewoͤhnlich am aͤußerſten Ende der Pflanzen, oder da waͤchst, wo die Faden⸗aͤhnlichen Re⸗ ben entſpringen. Dieſe Frucht iſt ſo groß, wie eine Kirſche, karmoſinroth und wird von verſchiedenen Voͤgeln, beſonders von den Turakos beſucht; die Frucht enthaͤlt einige plattrunde Saamen. Die Fa⸗ den aͤhnlichen Reben koͤnnte man natuͤrliche Stricke nennen; ſie ſind ſtark genug, um einen Menſchen zu tragen, wenn der Zweig feſt genug iſt. Die Frucht kann zwar zum Branntweinbrennen ge⸗ braucht werden; aber noch beſſer iſt ſie eingemacht. Ich habe oͤfters an den herabhaͤngenden Reben die boͤchſten Baͤume erklettert, um entweder die Fruͤchte derſelben zu geniehen, oder um den Inſekten Sie üellen. 166 Im nämlichen Walde fand ich zwei Arten von Gazellen, naͤmlich den Boſchbock und jene Art, welche die Hottentotten Nourneties nennen. Unter den neuen Boͤgeln der dortigen Gegend, rechne ich vorzuͤglich einen Adler, welcher einen lan⸗ gen hinabhaͤngenden Federbuſch auf dem Kopfe trägt. Der Schnabel iſt laͤnglich, und von rother Farbe, der Ruͤcken, die Fluͤgel und der Schwanz ſchön blau. Er nährt ſich vorzuͤglich von Inſekten, findet ſich nur in Waͤldern, und bauet in hohlen Baͤumen. IX. Nach zwei Tagreiſen ſollten wir in Folgo der Ausſage unſeres treuen Hans das große Lager der zahlreichen Kaffern finden. Wir erreichten auch mehr als ein hundert dauerhaft gebaute Huͤtten, welche ziemlich alt zu ſeon ſcheinen. Vermuthlich ſind deren Einwohner nur durch Furcht fluͤchtig ge⸗ worden. Denn wir fanden weder etwas zerſtoͤrt, noch einen Leichnam; in einer Huͤtte wohl zwei Haſſagaye, an welchen die eiſernen Spitzen verroſtet waren; in einer andern einen kleinen Weiberſchurz, einige hoͤl⸗ zerne Acker⸗Geraͤthe und andere Kleinigkeiten, welchs ich alle zu mir nahm. Der Prunk aſiatiſcher Deſpo⸗ ten bewog mich votzuͤglich den Koͤnig Faray außzn⸗ fuchen; allein meine Neugierde hatte ſich ſchon verlo⸗ ren, ſeitdem die uns beſuchenden Kaffern erzaͤhlten, daß er keine vornehmere Huͤtte habe, als der geringſte ſeiner Unterthanen, und daß er ſelbſt ſehr arm wer⸗ den könnte⸗ wenn ſeine Heerden durch Seuchen auf⸗ —————— 167 gerleben wuͤrden; daß er nicht mehr als ein Anfohrer der Hottentotten, und nur mit dem Unterſchiede ſev, daß ſeine Stelle erblich uͤber eine groͤßere Menſchen⸗ klaſſe ſich verbreite. So weit wir auch kamen— denn bereits hatten wir eine Strecke von 30— 36 Meilen zuruͤckgelegt— ſo ſind wir doch noch keinem einzigen Menſchen be⸗ gegnet; deſto mehrern Buͤßeln, Gazellen, und andern Arten von Wildpret. Meine Voͤgel⸗Sammlung hatte ſich ſeit meinem letzten Lager ſo vermehrt, daß mir das Fortbringen derſelben, welche nach der Zubetei⸗ kung auf die platte Seite gelegt wurden, mehr des Gewichts, als des Raumes wegen beſchwerlich wur⸗ den. Aus Wangel eines gebahnten Weges hielten wir uns ſets ſoͤdwaͤrts; nur die örtliche Beſchaffenheit der Gegend beſtimmte unſeren Weg. Waſſermangel war uns um ſo fühlbarer, als wir an dieſem Tage eine Strecke von ſechs Meilen zuruͤck gelegt hatten. Auf einmal blieb mein Affe ſehen, richtete die Augen und Naſe nach der Wind⸗Seite, und lief bald, von allen Hunden begleitet, davon, ohne daß ein Hund uur den geringſen Laut von ſich gab. Dieſer ganz neue Auftritt erregte meine hochſte Verwunderung. Ich ritt ihnen daher ſo ſchnell als moͤglich nach. Wie er⸗ ſtaunte ich, als ich alle dieſe Thiere an einer friſchen Quelle verſammelt ſah„welche uͤber 300 Schritte von dem Drte entfernt war, von welchem ſie abgelaufen ſind. Ich rief meine Leute zu der wohlthaͤtigen Quelte, 73. Sd. Afrika, III. 2. 3 — 168 und wir ſchlugen unſer Lager auf. Nicht weit davon bemerkte ich zwei Schlangen von s Fuß 3 Zoll lang und o Zoll im Umfange. Ich ſchoß, und toͤdtete eine; die andere verkroch ſich in die Erde. Außer vielen, ſehr kleinen, ſpitzigen, kaum zu erkennenden Zaͤhnen, mit welchen der ganze Rachen beſetzt war, fand ſich in ſeder obern Kinnlade ein Hakenfoͤrmiger, s Linien langer Zahn, welchen das Thier nach Apt einer Tiger⸗ Kralle aus⸗ und einziehen kann. Meine Hottentot⸗ ten, welche einige dieſer Zaͤhne zerbrachen, machten mich auf die hohlen Rinnen in den Zaͤhnen aufmerk⸗ ſam, durch welche das Gift in die von der Schlange gebiſſene Wunde fließt, welches nach meiner Meinung auch an der Klapperſchlange in Amerika ßattfindet. Nachts ſahen wir ein Feuer in der Entfernung, wel⸗ ches ohngefaͤhr ſechs Mejlen auf der Spitze eines Bex⸗ ges von uns ſeyn mochte. Die um das Feuer ſich be⸗ wegenden Menſchen konnten wir eher fuͤr Buſch⸗ Hottentotten, als Kaffern erkennen, weil letztere ſich gerne in Thälern lagern. Wir ſetzten unſern Weg durch eine ſehr holzreiche Gegend unter vielen Be⸗ ſchwerden fort, und langten nach ſechs Stunden bei einer Waſſerpfuͤtze an. Nach einiger Erforſchung der Umgebung ſahen wir zehn Kaffern mit einigen Stuͤcken Vieh ankommen. Kaum hatten wir uns ihnen geteigt, ſo wollten ſie fliehen, allein mein Hans rief ihnen in ihrer Sprache zu: Ich ſey ein Freund der Kaffern, worauf ſie alle ſich naͤberten. Ich reichte ————— 169 ihnen freundſchaftlich die Hand, und bewillkommte ſie durch en Tabé. Sie verloren ſogleich ihre Furcht und kamen mit ihrem Viehe in mein Lager, wo ich ſie mit Tahack und Branntwein bediente. Sie wun⸗ derten ſich, daß ich weder meine Wagen, noch alle meine Leute, von denen ſie gehoͤrt haͤtten, bei mir haͤtte. Ich erwiederte, daß dieſer Verſuch mit meiner kleinen Reiſegeſellſchaft nur dienen ſollte, das Land der Kaffern naͤher kennen zu lernen; kuͤnftig würde ich ſchon mit einem anſehnlicheren Zuge kommen. Ich erfuhr von ihnen, daß das europaͤiſche Schiff wirklich an der Kuͤſte der Kaſſerei und zwar jenſeits des Lan⸗ des der Tamboukis, der Kuͤſte von Madagas⸗ kar gegenuͤber, oder gegen den Kanal von Moſam⸗ bigue geſcheitert ſey, daß man mehrere Weiße bei den Tamboukis geſehen, von welchen die Kaffern verſchiedene Waaren eintauſchten, und daß beſonders ſehr viele Naͤgel von dem geſcheiterten Schiffe genom⸗ men worden ſeyen. Ihte Bitte um Gegenſtaͤnde von Siſen lehnte ich ab. Deſto lieber gab ich ihnen Feuew zeuge, Schtvamm, Labak, Glaswaren und anders Kletnigkeiten. Sie lieſſen mir ein Paar ihrer Ochſen aubieten, welche ich mit dem Bedauern zuruͤckwies, ihren Viehſtand nicht vermehren zu koͤnnen. Sie lie⸗ en mir durch unſern gemeinſchaftlichen Dolmetſcher Hans ſagen, daß ich dem eimigen ehrlichen Manns don meiner Farbe gleiche, welchen ſie vor einigen Jahten am Buſchmanns⸗Fluße ebenfalls aus bloßer 17⁰ Neugierde reiſen ſahen, wie mich jetzt. Aus dieſer Erzahlung erkannte ich ſogleich den oberſten Gordon and erwiederte, dieſer ſey mein Freund. Sie waren uͤber dieſe Nachricht ſehr erfteut, und baten mich dei meiner Ruͤckkehr an das Kap, ihn zu erſuchen, daß er ſich fuͤr ſie wegen der Bernubung und grauſamen Verfolgung der Koloniſten bei der Regierung ver⸗ wende. Des andern Morgens begaben ſich die Kaffern nach Norden zuruͤck; ich aber machte meine Leute auf die Gefahr aufmerkſam, weiter vorwaͤrts zu ſtreifen, weil wir von den Tamboukis und Buſch⸗Hot⸗ tentotten, welche durch die ganze Kafferei Kreif⸗ ten, leicht angefallen werden koͤnnten. Ich eroͤffnete ihnen meinen Vorſatz in die Gegend von Koks⸗ Kraal zuruͤckzukehren, und nach der Ausbeſſerung unſerer Wagen uͤber die Schveeberge nach dem Ka zuruͤchzukehren. X. VDurch große Anſttengungen und viele Umwege gelaugten wir an den großen Fiſch⸗Fluß und laͤngs des ſelben, auch an unſer Lager, wo wir Nachts ſpaͤt eintrafen. Das Bellen und außerordentliche Laͤrmen der Hunde, welche unſere Ankunft witterten, weckte die im Schlafe verſunkenen Hottentotten. Sie liefen uns entgegen, ſobald ſie unſere Stimme erkannten, und bezengten uns ihre Frende uͤber unſere gluͤckliche Ruͤcktehr; vorzuglich waren die zuruͤckgebliebenen Hunde ſehr ausgelaſſen. Ich frente mich um ſo mehr, als —,———— 7 der alte Swanepoel mich verſicherte, daß nichts Widriges vorgefallen ſey, und daß ein Cheil der Gonaguas⸗Pottentotten ibre Horde verlaſſen und neben meinem Lager ſich niedergelaſſen hatte. Als ich vom Kap abreiste, hatte ich vergeſſen, einen Kalender mit mir zu nehmen; damit das Tage⸗ Buch meiner Reiſe richtig ausfallen, und ich mich nach etwas Beſimmten richten konnte, ſo batte ich einen jeden Monat zu 30 Tagen gerechnet. Da ich taglich einige Merkwuͤrdigkeiten einſchrieb, ſo war mir wenig daran gelegen die Wochen zu unterſcheiden, oder jeden Tag mit ſeinem Namen zu bezeichnen 5 allein mit den Hottentotten war ich äbereingekommen, ibnen jeden Sonnabend ihre Portion Tabat zu geben. Wolle ich manchmal die Muͤhe erſparen, mein Tagebuch aufzuſchlagen, und ich fragte ſich, welcher Tag der Woche ſey, ſo erwiederten ſie mir immer Sonnabend. Nach ihrer Rechnung fand ich dahes — ſolcher Sonnabende, welche zu keiner Woche gehoͤrten, als ich nach einer s monatlichen Reiſe mein Tagebuch abſchloß. Des andern Tags ſprach ich mit alen Hottentot⸗ ten uͤber den Weg unſerer Ruͤckkehr an das Kapz fis bielten denſelben fuͤr gut, obſchon die Schneeberge, als der gewohnliche Aufenthalt der Buſch⸗ Hot⸗ tentotten, ihnen fruͤher immer Furcht eingejagt hatten. Unſere Waͤgen, mein Zelt und die Straͤnge wurden ausgebeſſert; Kugeln und Schrot verſchiede⸗ 122 ner Groͤße gegoſſen; meine Naturalien und mein Ta⸗ gebuch geordnet. XI. Die Huͤtten der Kaffern ſind hoͤher, geraͤu⸗ miger und regelmaͤßiger, als jene der Hottentotten, ſi bilden eine vollkommene Halbkugel, deren Gerippe aus einem dichten und dauerhaften Gitterwerk befe⸗ ſtigt iſt, welches mit gut geknettetem und dick aufge⸗ tragenem Lehmen und Kuhe⸗Miſt bedeckt iſt. Ihre Deffnung iſi ſo ſchmal und niedrig, daß man nur auf dem Bauche hinein kriechen kann; allein ſie dienen blos zum naͤchtlichen Aufenthalte und ſollen nur gegen die Angriffe der Feinde und wilden Thieren ſichern. Inwendig iſt der Fußboden dieſer Huͤtten vom naͤmli⸗ chen Stoffe, wie die Decke deſſelben; der in der Mitte befindliche Feuerherd, hat einen drei Zoll hohen Rand, damit die Huͤtte nicht beſchaͤdigt werde. um die aͤußere Huͤtte zieht ſich ein ſechs Zoll hoher und breiter Kanal zur Ableitung der Feuchtigkeiten. Die Kaffern haben einen von vielen Baͤchen durch⸗ ſchnittenen fruchtbarern Boden, als die Hottentotten. Sie haben einige Kenntniſſe vom Ackerbau, und bilden keine herumziehende Horde, ſondern ſterben gewoͤhn⸗ lich auf dem Platze, wo ſie geboren ſind. Ungeachtet ſie ſich ſehr fetter Wieſen zu erfreuen haben, ſo ſind nicht nur die Ochſen und Kuͤhe, ſondern auch alle ändere Thiere viel kleiner. Sie haben eine Art von Aufuͤhrer oder Koͤuig mit ſhr beſchränkter Gewalt ohne beſondere Einnahme 173 und Trnppen; er iſt alſo der geliebte Vater eines freien, unabhaͤngigen Volkes, weder geehrt noch ge⸗ frchtet. Gewoͤhnlich iſt er aͤrmer, als jeder ſeiner Unterthanen: da er ſo viele Weiber nehmen kann, als er will, und dieſe den Aufwand lieben, ſo geſchieht es nicht ſelten, daß der Ertrag ſeines Viehes und ſeiner Laͤndereien nicht zureichen. Seine Huͤtte iſt weder hoͤher, noch mehr verziert als die andern. Ein Jeder baut ſein eigenes Getraide, mit welchem er ſich ernaͤhren kann. Korn iſt die vorzuͤglichſte Nahrung; ſie zerguetſchen oder zerdruͤcken es gewoͤhnlich zwiſchen zwei Steinen. Jede Familie hat die ihnen noͤthigen Aecker um ihre Huͤtte. Eben deßwegen iſt fuͤr die Wohnungen der einzelnen Kaffern, wie der Horden, ein groter Raum erforderlich, uͤber welchen die An⸗ fuͤhrer oder Koͤnige zu gebieten haben. Hat er ihnen eine wichtige Mittheilung zu machen, ſo ruft er ſie fuͤr dieſen Zweck zuſammen. Die hoͤchſte Gewalt der Regierung iſt erblich; in Ermangelung maͤunlicher Nachfolger wird nicht der Bruder des Verſtorbenen, ſondern ein entferuter Vetter gewaͤhlt. Fehlt auch dieſer, ſo waͤhlen die verſchiedenen Anfuͤhrer der Horden einen aus ihrer Mitte, nicht ſelten erſt nach blutigen Auftritten⸗ Nach dem Lode jedes Vaters theilen die maͤnnlichen Kinder und die Mutter die Erbſchaft; die Tochter erben nichts, ſondern bleiben bei dem Bruder, oder der Mutter bis zur Verehelichung, bei welcher ke 174 keine andere Mugabe erhalten, als einige Stücke Vieh, nach dem Verhaͤltniſſe des Wohlſtandes der Aeltern. Ihre Todten begraben ſie nicht, ſondern legen ſte in einiger Entfernung in eine gemeinſchaftliche Grube zur Sättigung der wilden Thiere. Nur die Anfuͤhrer einer jeden Horde werden begraben, d. i. ein Haufen Steine wird in Geſtalt einer runden Kuppel uͤber den todten Koͤrper zuſammen getragen. Obſchon waͤhrend der acht Lage alle Vorbereitun⸗ gen zu meiner Abreiſe nach dem Kap gemacht waren, ſo blieb ich doch noch zwei Tage laͤnger, um von un⸗ ſern guten Nachbarn noch Abſchted zu nehmen. Die Lanze Horde des Haabas war auf die Nachricht meiner baldigen Abreiſe in mein Lager gekommen, um ſich von mir zu verabſchieden. Ich uͤberhäufte dieſe Leute mit ſo vielen Geſchenken, als ich nut ent⸗ behren konnte, und gab ihnen den Rath, ſich vor den Koloniſten durch Verlegung ihres Wohnſitzes zu ſichern. Wir trennten uns unter wechſelſeitigen Stroͤ⸗ men von Thraͤnen; am 4. December brachen wir mit allen unſeren Wagen und Viehe auf. XII. Ich hatte von den Schneebergen ſo vielerlei erzaͤhlen horen, daß meine Begierde nach ſeitenen Naturalien, welche ich auf ihren Haͤuptern zu ſam⸗ meln boffte, taͤglich zunahm. Schsn am erſten Tag gelangten wir nach einem 6 ſuͤndigen Marſche an ein sertörtes Lager, welches miüt vielen menſchlichen 175 Knochen bedeckt war. Abends gelangten wir an eine verlaſſene Koloniſten⸗Wohnung, wo wir die Nacht zubringen wollten; allein kaum fingen wir an uns nie⸗ der zu laſſen, ſo fuͤhlten wir uns alle von ſo vielen Floͤhen gepeinigt, daß wir noch eine Strecke wandern und uns erſt durch ein Bad von dem Ungeziefer reini⸗ gen mußten. Auch meine Hunde und Wagen waren mit demſelben ganz bedeckt; haͤtte ich nach dem Bade nicht auch mich, wie meine Hottentotten, mit Buku⸗ Pulver beüteut, ſo haͤtte ich den Schmerien nicht er⸗ tragen koͤnnen. Am 6ten brachen wir auf, und bald gelangten wir an den kleinen Fiſch⸗Fluß, jenſeits deſſen wir ſehr viele bluͤhende Mimoſa⸗Baͤume antrafen, ebenſo mehrere noch unbekannte Voͤgel. Unter dieſen waren beſonders viel groͤßere Turekos, eine mir unbekannte Art von Horn⸗Vogel, und eine beſondere Art von Droſſel mit vrangefärbiger Bruſt. In dem benachbar⸗ ten Walde gelang mir nach vieler Anſtrengung vier langgeſchwaͤnzte Affen mit ſchwarzem Geſichte zu ſchießen. Ihr Haar war ziemlich lang und hatte eine gruͤnliche Farbe; der Bauch war von weitßer Farbe, das Geſicht ſchwarz, die Hinterbacken voͤllig nackend und von blauer Farbe, wie die maͤnnlichen Geſchlechts⸗ Cbeile. Auf dem weiteren Marſche begegneten wir einigen Hottentotten, von welchen ich einige Schafe ſebr theuer kaufte. Die unverſchiebliche Ausbeſſerung eines Rades unſeres Wagens noͤthigte uns einige Tage 176 zu verweilen. Als wir wieder aufbrachen, kam uns eine dichte Wolke von Henſchrecken entgegen, deren viele entweder erſtickt oder verdraͤnst herabſelen und von meinen Hottentotten als Leckerbiſſen verzehrt wurden, waͤhrend ich gar keinen Geſchmack an der Speiſe der alten Griechen finden konnte; ſie wurden ſo zahlreich, daß der Himmel durch ihren Zug ver⸗ dunkelt wurde, welcher einen Raum von etwa 3000 Fuß ausmachte. Am 2. Jaͤnner nach dem neuen Stile meines Kalenders ſahen wir ſchon gegen Norden die Schnee⸗ gebirge. Waͤhrend ich ſie durch das Fernglas be⸗ trachtete, wurde ich durch meine Leute auf die Ankunft eines weißen Mannes aufmertſam gemacht, von wel⸗ cher Farbe ich ſeit geraumer Zeit Niemand geſehen hatte. Er war durch eine weite Strecke gekommen, um etwas Salz aus einem uns benachbarten See zu bolen. Er erzaͤhlte mir, daß er im Kriege der Kolo⸗ niſten gegen die Kaffern, obſchon er keinen Theil ge⸗ nommen habe, von letzteren uͤberfallen und ſeiner Frau, ſeines Sohnes, nebſt einigen Hottentotten be⸗ raubt worden ſey. Ich ſüchte ihn zu troͤſten und be⸗ wirthete ihn mit meinem beſten Thee und Tabak. Je naͤher wir den Schneebergen kamen, deßto druͤckender wurde die Hitze in dem Thale fuͤr unſere ganze Karavane, welche auch kein fließendes Waſſer antraf. Uns begegnete eine ſo zahlreiche Heerde von Spring⸗Boͤcken, daß 30— so,000 kaum die Zabl 177 erreichten. Je naͤher wir den Schneebergen kamen, deſto weiter ſchienen ſie von uns entfernt zu ſeyn; da die laͤngſten Sommer⸗Naͤchte waren, und wir glaub⸗ ten, nur 4—s Meilen vom Platten⸗Fluſſe entfernt zu ſeyn, ſo wollten wir die Nacht fortwandeln, bis wir an jenem Brte ausruhen koͤnnten. Allein waͤhrend der Nacht naͤherten ſich uns einige Loͤwen, durch wel⸗ che unſere Ochſen und Pferde ſchuͤchtern wurden, die Deichſel zerbrachen und aus einander liefen. Wir hatten Muͤhe, dieſelben wieder zuſammen zu bringen. Unſere Verlegenheit wurde noch groͤßer, als wir den Platten⸗Fluß ganz ausgetrscknet fanden. Wir mußten daher lechzend und vom heftigſten Durſte ge⸗ plagt noch wenigſtens 3/4 Meile am Flußbette fort⸗ ſchreiten, bis wir einige tieſe Stellen mit truͤbem und moraſtigem Waſſer fanden. XIII. Wir waren nun in einer Gegend, wo nur auf einander gethuͤrmte, nackende Felſen, der duͤrreſte Sandboden zu ſehen war. Wir waren von Bergen umgeben, deren ſeltſame Richtung uns in Verwun⸗ derung ſetzte, und deren überhaͤngende Gipfel auf uns herabzuſtuͤtzen drohten. Der Anblick der Schneeberge, an deren Fuſſe wir uns befanden, machte uns muth⸗ los und erneuerte die traurigſten Eindruͤcke. Sie ragten uͤber alle umliegenden Berge weit empor, und der beſtaͤndige Winter ihrer Gipfel ſchien der Sonne die Herrſchaft uͤber dieſen Himmeisſrich gleichſam ſtrei⸗ tis zu machen. Obſchon ich wußte, daß dieſelben den 178 Löwen, wie den Buſch Hottentotten zum Aufenthalte dienen, ſo gab ich doch mein Vorhaben, ſie zu er⸗ ſeigen und zu durchwandern, nicht auf, ſondern ſchlug mein Lager an einer freien offenen Stelle auf. Ich fand die Spur eines Nashorns zwar, allein meine Leute waren ſchuͤchtern, ungeachtet der zugeſi⸗ cherten Belohnung dieſen Koloß zu finden; dagegen ſchoß ich eine von acht Elend⸗„Gaiellen, welche Sparman richtig beſchrieb, und die großte ihrer Art auf dem ganzen Kap iſt. Gluͤcklicher Weiſe traf ich nicht weit von meinem Lager einen Kraal von Hottentotten, deren Maͤnner, außer den Weibern und Kindern, 120 geweſen ſeyn moͤgen, mit etwa 100 Ochſen und z0o Schafen. Sie ſchienen ſehr arm zu ſevn, und ſich köſtlich zu laben an getrockneten Hel⸗ ſchrecken, deren Haͤnde und Fuͤße ſie ausgeriſſen hat⸗ ten. Ich beſchenkte ſie mit Glas⸗Waaren und Tabak, und erhielt von ihnen eilf Schaafe und eine zum Abſchlachten geeignete alte Kuh. Des andern Tages wurde ich von unſern Nachbarn benachrichtigt, daß einige Buſch Hottentotten vom Berge herabgeſtiegen ſeven; daher ſie Beſorgniſſe uͤber ihr Vieh hatten⸗ Ich ritt ſogleich mit meinen vier beſten Schuͤtzen zu Fuß ihnen entgegen; wir verfolsten ſie durch mehrere Schuͤße; allein ſie kletterten ſo eilig, wie die Affen⸗ die Felſen hinauf, daß wir ſie nicht erreichten konnten. Waͤhrend unſeres Aufenthalts, am Platten⸗ Fluſſe wurden wir von Loͤwen und Panthern nur ſeb 179 wenig beunrnhist, deren Ankunft mehrere Hunde im⸗ mer zeitig genng meldeten. Deſto fuͤrchterlicher und zahlreicher ſollten die Buſch⸗ Hottentotten daſelbſt nach der Aus ſage unſerer Nachbarn ſeyn. Ich beſtieg mit meinen Jägern einige Spitzen dieſer Berge, auf welchen ich von dem betraͤchtlichen Vulkan, welcher nach Ansſfage anderer Reiſenden Feuer und Flammen auswerfen ſollte, auch nicht eine Spur wahrnahm. Auch nicht ein einziger Koͤrper zeigte ſich, welcher zur Conchyltologie gehoren koͤnnte. Deſto gluͤcklicher war ich mit mehreren mir unbekannten Voͤgeln, z. B. mit dem Paradies⸗Ammer(Veuve), welcher ſich in dem ſehr langen Graſe aufhielt, mit welchem die Berge auf den Hoͤhen bedeckt waren. Meine Leute baten mich dringend, ſie durch das Karow⸗ Land noch eher zu fuͤhren, als bis die zu große Hitze die wenigen Waſſerpfutzen ansgetrocknet und dem ſchon zu ſehr abgematteren Viebe bei dem Mangel an Futter das fernere Leden unmoͤglich gemacht haͤtte. Da meine Stteifereien mir ſelbſt keinen Reitz mehr darboten, ſo ſing auch ich an, mich nach dem Kap zu ſehnen. Ich brach alſo am 2. Februar wirklich auf und richtete meinen Weg nach Suͤd Suͤd⸗Weſt. Ein Cheil der benach⸗ barten Horde begleitete uns zur leichteren Fahrt durch den Fluß Jübers, welcher noch drei Meilen ent⸗ fernt war. Jenſeits des Fluſſes fand ich des andern Morgens ſehr viele goldgruͤne Kukuke, wie auch mehrere neue Arten von Voͤgeln. Den naͤmlichen Tag gelangte ich an einen mir unbekannten Fluß, welchen ich mit dem Namen des Fiskals Bvers bezeichnete. Hier begann das trockene und unfruchtbare Karow Land mit wenigen ſaftigen Pflanzen; auf der andern Seits zeigten ſich kahle Felſen mit wenigen Kraͤutern. XIII. Am 4. Fehr. gelangten wir an den Vo⸗ gel⸗Fluß, welcher ſich in den Sondags⸗ Fluß ergießt. Obgleich die Hitze vom Tage unſerer Abreiſe immer beſchwerlicher wurde, ſo widmete ich mich doch der Jagd, und ſchoß vorzuͤglich eine neue Art von Zwerg⸗Trappe. Des andern Tages kamen wir an das Ufer des Sondags⸗Fluſſes, an welchem die ſchonſten Mimoſa⸗Baͤume in voller Bluthe den ange⸗ nehmſten Geruch verbreiteten. Nachdem wir nicht weit vom ſchwarzen Fluſſe uͤber den Sondags⸗ Fluß gekommen waren, begegnete ich 46 Hottentotten mit ibrem ganzen Gepaͤcke, welche ſich zu den vorigen Hottentotten begeben wollten, um den Buſch⸗ Hot tentotten, welche im Kamdew'o⸗Land die groͤßten Grauſamkeiten verübten, auszuweichen. Ihre Exah⸗ lungen ſetzte meine Leute in die groͤhte Furcht, und dieſe verlangten auf dem kürzeſten Wege zuruckzukeh⸗ ren. Da einer meiner Hottentotten, welcher dis übrigen ſchon bei meiner Unternehmung in die Kaft ferei zur Widerſetzlichkeit vermocht hatte, auch jetzt nachtheilig auf dieſelben einwipkte, ſo gab ich im * 181 den heftigſten Verweis und ſeinen ruͤckſtaͤndigen Lohn und ſchickte ihn ſogleich fort, was die uͤbrigen zur beſſeren Folgſamkeit brachte. Am oten verließ ich den Kamdewo⸗Fluh. Da mehrere meiner Ochſen von der Klauenſeuche befallen waren und Ruhe zur Heilung brauchten; ſo ſchlug ich mein Lager laͤngs des Fluſſes auf. Zur Ergaͤnzung unſerer Lebensmittel ritt ich mit einem meiner Schuͤ⸗ tzen auf die Jagd; ich ſtieß auf einen Buſch⸗Hotten⸗ totten, welcher die Puppen der weißen Ameiſen als einen Leckerbiſſen ſuchte. Ich ritt ihm entgegen, als er ploͤtzlich mit ſeinem Bogen und Pfeile ſich fluͤchten wollte. Durch meine Unterredung mit ihm verlor er ſein Zittern und wurde um ſo ruhiger, als ich mei⸗ nem Begleiter befahl, ihm einen Theil ſeines Tabaks zu geben. Kaum war ich etliche so Schritte entfernt, als mein Begleiter, welchet bei demſelben durch fer⸗ nere Unterredung zuruͤckgeblieben war, aus allen Kraͤften mir nachſchrie. Ich ritt eilends zuruͤck, und als ich das Geſicht meines Hottentotten mit Blut bedeckt ſah, bemaͤchtigte ſich meiner der Zorn in ſo hohem Grade, daß ich vom Pferde ſprang, und mit einem Stoſſe meines Flintenkolbes auf die Bruſt des Verraͤthers, ihn ſogleich zur Erde ſtreckte. Mein Hottentotte toͤdtete ihn zwar gar; allein er wurde vom groͤßten Kummer uͤber die Wunde an ſeiner Naſe durch den giftigen Pfeil ſeines Gegners erfuͤllt. Ich wuſch die Wunde ſogleich mit Urin aus, be⸗ 18 feuchtete einen Lappen meines Hemdes mit füchtigem Luugenſatze und kehrte in mein Lager zuruͤck. Je groͤ⸗ ßer der Schmerzen meines Begleiters an ſeiner Wunde war, deſtv betrubter und aͤngſtlicher waren auch die übrigen Hottentotten. Doch des andern Tages erhei⸗ terten ſich alle mit ihm, und wir brachen weiter auf. Am ꝛ6ten kam ich an die Wohnung zwei freier Neger Bräder, deren einer mit einer jungen Mulat⸗ tin verheirathet war. Sie nahmen mich mit vieles Gaſtfreihett auf, und boten mir alles, was ſie beſaſß⸗ ſen, auf das bereitwilligſte dar. Ich erwiederte ihr freundſchaftliches Anerbieten mit vieler Kaͤlte: denn ich glaubte mich wieder in die gebildete Welt verſetztz ich ſah eine menſchliche Geſellſchaft, ein beackertes Feld, Ordnung und Hausherrn. Dieſe Beaquemlich⸗ keiten waren mir wirklich zur Laſt. Ich ſehnte mich in die majeſtaͤtiſchen Waͤlder, in die unwegſamüen Derter, zu den Horden und Huͤtten der Wilden zn⸗ ruͤck. Der maͤchtige Reitz der Fretheit hatte mir die größten Beſchwerden der Reiſe in Vergnuͤgen ve⸗ wandelt, die ſchrecklichſten Gegenſtaͤnde und die groͤß⸗ ten Gefahren als angenehme Schauſpiele dargeſtellt⸗ und Ruhe und Gluͤck auf meiner Wanderung zu einer Zeit und in einem Alter verbreitet, als das Schickſal mich gleichſam zu zwingen ſchien, ſie anderswo zu . Bei dieſen zwei Negern aß ich ſeit einem Jahre wieder das erſte Brod, beſſen Geſchmack ich faß ganz — 183 verloren hatte. Ich erhielt einen bedeutenden Vorrath an Zwieback, fuͤr welchen ich ihnen Schießpulver, Blei und Flintenſteine gab, an welchen ſie ſchon lange Maugel litten, ſo noͤthig ſie ihnen auch ſowohl gegen die wilden Tbiere, als gegen die Buſch⸗Hottentotten geweſen ſind. S XV. Am 19ten Abends ſetzte ich meine Reiſe weiter fort, die Hitze der Sonne wurde uns ztet Tage ſo beſchwerlich, daß wir uns auf die wenigen Waſſerkröge, die wir bei den Negern gefuͤllt hatten, wesen des gaͤnzlichen Mangels an Waſſer beſchraͤnken mußten. Am 2aſten ſchritten wir durch das ausge⸗ trocknete Bett des Kriga⸗ Fluſſes, und begegneten zwei Einwohnern des Kamdewo⸗Landes, welche vom Kap in ihre Wohnung zurüͤckkehrten. Von ihnen erfuhr ich, daß das Kap durch die Huͤlfe Frankreichs gegen die Angriffe der Englaͤnder geſichert wurde, und alle Kolonien unter dem Schutze Hollands blieben. Dieſe angenehme Nachricht wurde durch den Zuſatz von der bedenklichen Krankheit meines Wohl⸗ thäters Boers fuͤr den Reſt meiner Reiſe ſehr ver⸗ bittert. Dieſe Fremden ſchilderten mir die Gefahr und Beſchwerden meiner Retſe durch das Kamdewo⸗ Land, theils wegen des Mangels an Waſſer, theils wegen der Buſch⸗Hottentotten, welche auch ihnen 32 Stuck Ochſen geraubt hatten, ſo ſchrecklich, daß ich wenigſtens Nachts nicht mehr zu reiſen wagte. Am KrigaFluße erlegte ich 40o ſehr ſchone Haſel⸗ 73. Vd. Afrika. III, 2, 4 184 Huͤhner, welche ſich zur Regenzeit gewoͤhnlich vom KHap entfernen, und ſich nach den Provinzen begeben, welche den Wendezirkeln am naͤchſten liegen. Von dem Augenblicke, als wir den Fluß verließen, betra⸗ ten wir ein Land, in welchem, außer einigen ſaftigen Pflanzen und Heuſchrecken nichts Nahrhaftes zu finden war; wir befanden uns in der traurigſten und verlaſ⸗ ſendſten Gegend des Erdbodens. Vier meiner Ochſen, welche aus Mattigkeit nicht weiter folgen konnten, blieben daſelbſt liegen. Alle meine Hunde hinkten und konnten ſich nur mit Muͤhe fortſchleppen; ihre Fuß⸗ ſohlen waren bis auf das Fleiſch wund; ich ließ ſie mit etwas Fett einſchmieren, damit ſie durch Lecken die weitere Heilung befoͤrdern moͤchten, und vertheilte ſie bis zur voͤlligen Beſſerung auf den Wagen. Meine Pferde litten an der naͤmlichen Krankheit als meine Ochſen. Ich ſchnitt alſo einige Felle zuſammen und wikelte dieſelben als Stiefel um die Fuͤße der Pferde, nachdem ſie gut eingeſchmiert waren. Ich wuͤrde mit den Ochſen ebenſo verfahren haben, waͤren ſie bieg⸗ ſamer geweſen, und haͤtten unſere Haͤute und unſer Fett fuͤr ſo viele Patienten zugereicht. Auch die Raͤ⸗ der meiner Wagen wurden durch die zu große Hitze taͤglich wandelbarer; bei dem Fahren glaubte man eine Kinder⸗Klapper zu hören. Die Bette einiger Stroͤme und Bäche, durch welche wir fuhren, waren gan ausgetrocknet. Unſer Vieh ſiel aus Mangel an fri ſch Futter⸗Kraͤutern uͤber einige ſette Pflanzen her⸗ deren 185 Genuß ihm die beftigſten Bauchſchmerzen verur⸗ ſachte. In dieſer traurigen Lage gelangten wir den 2aſten an den ebenfalls ausgetrockneten ſchwarzen Fluß. In der Ferne ſah ich eine Heerde Schafe, von deſſen Hirten ich erfuhr, daß die Wohnung eines Koloniſten mit einem großen Pfuhle Waſſer nur eine Viertelmeile entfernt ſey. Ich ſchlug alſo mein Lager in der Naͤhe desſelben auf. Die Wohnung hieß Kweez⸗Valey und der Beſitzer Adam Robenhymer; er hatte zwei Loͤchter, von welchen eine die ſchoͤnſte Afrikanerin war, die ich je geſehen hatte; weßwegen ich der drin⸗ genden Einladung, einige Zeit zu verweilen, nachgab. Fuͤr mein durch Ermattung und Beſchwerden zum Sbeile unbrauchbar gewordenes Vieh war ein dreitaͤ⸗ giger Aufenthalt ſehr noͤthis, wenn ich nicht jeden Augenblick befuͤrchten ſollte, meine Wagen und Ge⸗ vaͤcke aus Mangel an Zugvieh zurucklaſſen zu muͤſſen. Mit einem betraͤchtlichen Vorrath von Zwieback verließ ich dieſen Ort am 1. Maͤrz Abends und richtete meine Reiſe gegen den Gamba oder Loöͤwen⸗ Fluß, wo wir gegen 9 Uhr eintrafen. Die nahen Wohnun⸗ gen der Koloniſten haben die Löwen, welche fruͤher wegen vieler Gatellen ſich zahlreich einfanden, ziemlich unſichtbar gemacht. Daher auch die alte Benennung des Loͤwen Fluſſes nicht recht paßt. Nach einer zweitaͤgigen Ruhe wanderten wir in den folgenden zwei Raͤchten an die Ufer des Büffel⸗ Fluſſes, welchen wir mit Sehnſucht entgegen ſahen, indem das Vieh weder gefreſſen, noch geſoffen hatte und jeden Augenblick umzufallen drohte. Schon eine halbe Stunde vorher war die finſtere Nacht eingetre⸗ ten; deſſen ungeachtet witterten die Ochſen den nahen Fluß, und eilten zu ihm. Haͤtten meine Leute nicht die Zugſtraͤnge der wildeſten Ochſen abgeſchnitten, ſo waͤren meine drei Wagen im Fluſſe gewiß umgeworfen worden. Wie die Thiere, ſuchten auch wir uns ſchnell durch ein Bad zu ſtaͤrken. Meine Leute mach⸗ ten mir den Antrag, ich moͤchte einige Zeit hier ver⸗ weilen; ich willigte um ſo lieber ein, als ſehr viele Reb⸗ und Haſel⸗Huͤhner, Enten, Stoͤrche, Reiber und Flamingos die Ufer bedeckten. XVI. Seitdem wir uns von den beiden freien Negern entſernten, hatten wir bis zu dem Orte, wo wir uns jetzt befanden, 80 Stunden unter den groͤßten Beſchwerden zuruͤckgelegt. Die von den Hottentotten am Schneeberge getauſchten Schafe waren uns hier um ſo dienlicher, als wir keinem einsigen Stucke Wildpret begegneten und keinen Waſſerpfuhl antrafen⸗ aus welchem wir haͤtten trinken können. Denn alles gefundene Waſſer war erſt durch Abkochung genießbar. Nachdem wir unſere Wagen ausgebeſſert hatten, wanderten wir in den zwei folgenden Naͤchten bis Konſtabel, wo einſt ein angenehmer Sitz der Kolo⸗ niſten war, welcher aus Mangel an Waſſer verlaſſen wurde. Die außerordentliche Hitze und der Mangel an Schatten irgend einer Art benahm uns den Appetit ſo ſehr, daß meine Hottentotten den ganzen Tag ſchliefen, und ich mich auf Zwieback und Ziegenmilch einſchraͤnkte.. Am 16. und 17. Maͤrz kamen wir durch den Fluß DTouws, ſechs Meilen weiter erreichten wir im Thale Verkeerde einen großen See, in deſſen Naͤhe eine Koloniſten⸗Wohnung war. Ich fand da⸗ ſelbſt einen Koloniſten, welcher vom Kap in das KHamdewo⸗Land zuruͤckkehrte, und mich mit der Nachricht von der Wiedergeneſung meines Freundes Bvers erfreute. Zahlreiche Waſſerhuͤhner und Schne⸗ pfen erleichterten unſern Unterhalt, und neue Arten von Voͤgeln bereicherten meine Sammlung. Ich kaufte ein Schwein und Mehl, aus welchem ich das erſte Brod ſeit meiner Abreiſe vom Kap verfertigen ließ. Am 21. Maͤrz brachen wir auf,und gelangten in das Boeck⸗Feld, welches ſeine Benennuns von den einſt zahlreichen Springboͤcken hat, die aber verſchwunden ſind, ſeit dem die Koloniſten auf den n Hügeln ſich anſiedelten. So ſehr ich mich bemuͤhte, nicht in die Naͤhe der Koloniſten⸗ S zu kommen, ſo war dieſes um ſo weniger möglich, je weiter ich vorruͤckte. Ich ſchlug mein Lager an einem ſtillen einſamen Orte auf. Des andern Morgens war unſere Karavanè doch von mehr als 20 neugierigen Bewohnern unſerer Gegend umkreiſet; alle harten viele Maͤrchen von meiner Reiſe vernommen, und guaͤlten mich mit ſo vielen Fragen, daß ich endlich ungeduldig wurde. Deßwegen ſetzte ich meine Wan⸗ derung nur Nachts wie ein Verbannter am Fuße der ungeheuren Bergkette Clovof fort; ich entſchloß mich den Gipfel des Berges zu erſteigen. Da die Koloni⸗ ſten eher Hals und Bein brechen, oder ihre Wagen umwerfen, als eine ordentliche Straſſe herſtellen; ſo mußte ich erſt mit vielen Baumzweigen, Straͤuchen urd Steinen die Vertiefungen ausfuͤllen, damit meine Geraͤthe nicht zu ſehr beſchaͤdigt wurden. Wir ſchlugen unſer Lager am jenſeitigen Fuße des Berges auf, und kamen den andern Morgen zur an⸗ dern Anhoͤhe, Rother Sand genannt. Hier iſt das Land ungemein Kornreich, und die Aernten vor⸗ trefllich; weßwegen auch die Ausſichten und Landſitze⸗ eine ſeltene Mannigfaltigkeit darboten. Je naͤher ich der Kap⸗Stadt kam, deſto mehr erneuerte ſich immer die Empfindung der Liebe und Freundſchaft, und beſchleunigte meine Ruͤckreiſe. Am 26. Maͤrz zog ich vor 10 verſchiedenen Koloniſten⸗ Wohnungen vorbei, kam uͤber den breiten Fluß, dann über den ſogenannten Waſſerfall. Da ich mich nicht aufhalten ließ, ſo folgten die Einwohner mir, als einem Wunderthiete, ſo lange nach, bis ſie ſich an mir ſatt geſehen hatten. Ich kam uͤber das rothe Sand⸗Tbal, den kleinen Berg⸗Fluß am 27. Maͤrz zu Swart⸗Land an. Da meine Pferde ſeit gerau⸗ 189 mer Zeit mir nicht gedient hatten, ſo ließ ich ſie hier ſatteln, und eilte in Begleitung meines Klaas in die Wohnung des guten Slabers, welcher mich nach meinem ungluͤcke in der Saldanha⸗Bay ſo edel⸗ muͤthig aufgenommen hatte. Waͤhrend meiner lan en Entfernung hatten ſich die ſonderbarſten Geruͤchte über die Gefahren, denen ich mich ausſetzte, verbrei⸗ tet, und mein Bart hatte mich ſo unkenntlich gemacht, daß die ganze Familie durch meine unvermuthete An⸗ kunft in Furcht geſetzt wurde. Den Scherzen uͤber meinen Bart ein Ende zu machen, ließ ich ihn durch die jungſte Tochter meines Wirthes abnehmen. Ich ſchickte meinen Klaas an den Fiſkal Bvers, um ihn von meiner Ankunft zu benachrichtigen; er ſchickte mir zwei ſeiner beſten Pferde entgegen, damit ich meine Ruͤckkunft beſchleunigen koͤnnte. Spaͤter trafen meine uͤbrigen Hottentotten mit den Wagen auch bei Slaber ein. Da der Augen⸗ blick unſerer Trennung herannahte, ſo ſeufzten manche; andere vergoſſen Thraͤnen, welcher ich mich auch nicht enthalten konnte. Ich vertheilte unter ſie mein gan⸗ zes Reiſegeraͤthe, was mir in der Stadt nicht mehr nuͤtzlich war; ſogar meine Leinwand und Kleider, welche ich nicht am Leibe trug. Nachdem ich meine Karavane an Bvers Wohnung beordnet hatte, ritt ich und Klaas ab, um jenen Wohlthaͤter und Freund zu umarmen. Am 2. April trafen meine Wagen ein; ich zahlte allen Hottentotten den ruͤckſtaͤndigen Lohn, welche voll Verlangen zu ihrer Familie waren. Da die Horde meines treuen Dieners Klaas nicht ſo weit von der Kap⸗Stadt entfernt war, als jene der uͤbrigen Hottentotten, ſo beſuchte er mich oͤfters um ſo lieber, als ich ihm die Verſicherung gab, daß ich nächſtens eine neue Unternehmung machen wuͤrde, zu welcher ich auf ſeine Mitwirkung rechnete. Dritter Theil. I. Waͤhrend meiner Abweſenheit von der Kap, Stadt hatte der Krieg der Hollaͤnder mit den Englaͤn⸗ dern noch gedauert, und deswegen vieles ſich veraͤn⸗ dert. Durch den Aufenthalt der franzoͤſiſchen Huͤlfs⸗ Truppen verbreiteten ſich auch die oden ihres Vaterlandes, und die ihnen angeborne Lebensluſt unter allen Staͤnden, beſonders im weiblichen Ge⸗ ſchlechte. Hatten ſie ſich auch des Morgens in den Waffen bis zur Ermädung geuͤbt, ſo tanzten ſie doch des Nachmittags oder ſpielten Rollen auf der Buͤhne, von welcher die Einwohner des Kaps vorher har keinen Begriff hatten. Löchter und Weiber machten ihren Muͤttern und Ehemaͤnnern deſto groͤßere Unruhe, je⸗ mehr ſie ſich an den Soldaten als Schauſpielern belu⸗ ſtigten, bis ein Zufall das Theater endigte. Da naͤmlich die hollaͤndiſche Republik waͤhrend des Kriegs kein Geld an das Kay zu ſchicken wagte, ſo entſtand 191¹ eine ſo außerordentliche Theurung, daß die Regierung ibre Zuflucht zum Papiergeld nehmen mußte. Sobaid dieſes auch von zwei Schauſpielern gemacht worden war, entſtand eine allgemeine Verachtung gegen die uͤbrigen um ſo mehr, als die zwei ſchuldigen, ſtatt erſchoſſen zu werden, mit einer Verbaunung von der Kap⸗Stadt begnadigt wurden. Die gleichieitige Thätigkeit aller Einwohner fuͤr die vielſeitige Befeßti⸗ gung derfelben gab ihr ein etwas kries eriſches Anſe⸗ hen; die Englaͤnder wuͤtden auf irden Fal einen ſchweren Angriff gehabt haben. Mein Eifer fuͤr die Natur⸗Geſchichte war durch die großen Sendungen verſchiedener Koͤrver auch auf den Fiſkal Bvers übergesangen, welcher bis zu meiner Ruͤckkehr ſchon eine bedeutende Sammlung in ſeinem Hauſe aufgeſtellt hatte. Da meine 1080 neuen Voöͤgel und noch mehrere unbekannte Inſekten im ve⸗ ſten Zuſtande augekommen waren, ſo aͤrntete ich von ſachkundigen Maͤnnern ſehr viel Lob ein; beſonders ſtaunte der Dberſt Gordon, welcher doch ſelbſt durch einen großen Theil des mittaͤgigen Afrikas gezogen war. Dieſer Beifall ermunterte mich zu einer neuen Reiſe, zu welcher ich bereits alle Anſtalten ge⸗ macht hatte. Da aber Jedermann mir rieth, dieſelbe in einer beſſeren Jahresteit zu beginnen, ſo entſchloß ich mich die Zwiſchenzeit durch Wanderungen in die alſeitige Kolonie auf 40—60 Meilen auszufuͤllen. Ich nahm den alten Swanepvel als Vegleiter auf zwei * 192 Nieth⸗Pferden, begann meine Reiſe mit dem Hotten⸗ tott⸗Holland, drang bis zum Vier und zwanzig⸗ Fluſſe vor und kehrte durch das ſchwarze Land nach dem Kap zurück. Ich beſuchte die warmen Baͤder, welche meinem Freunde Bvers die Geſundheit wieder verſchafft hatten. Ich lernte auf der Franſche Hoek dis Nachkommen der einſtens aus Frankreich vertriebenen Hugenotten kennen, welche fern von ihrem Vatet⸗ lande zwar die Sprache ihrer Voraͤltern, aber nicht die Erinnerung an dasſelbe vergeſſen hatten, und ſich durch ſchwarze Haare gegen die biondhaarigen Kolo⸗ niſten unterſcheiden. Ich begab mich uber den Ro⸗ then⸗Sand an den Vierund zwanzig⸗Fluß, welche Gegend eine der reitzendſten und fruchtbarſten iſt, ſeitdem die Hollaͤnder den natrlichen Lauf vieler Fluͤſſe und Baͤche durch Anlegung und Leitung vieler Kanaͤle ſehr befoͤrderten. Man koͤnnte dieſe Gegend das afrikaniſche Eden nennen. Waͤlder von Po⸗ meranzen, Zitronen ꝛ. erfuͤlen die Luft mit dem balſamiſchen Dufte ihrer Bluͤthen, und bieten den angenehmſten Schatten dar, unter welchem man den prachtvollſten Horizont bewundert. Deswegen ver⸗ mehren ſich die Wohnungen der Koloniſten daſelbſt ſo ſehr, daß einſtens eine große Stadt aus ibnen ſich bilden wird. Ueberhaupt theilen ſich die Koloniſten in drei Klaſſen: die erſte iſt die gebildetſte, aber auch kriechendſte, und wohnt auf 6—8 Meilen von der 193 Kap, Stadt. Die zweite dehnt ſich 30— 40 Meilen aus, iſt grob und ſtolz auf den Beſitz ihrer Laͤndereien, indem jeder Koloniſt eine Quadratmeile Landes beſitzt, welche ihm alle noͤthige Lebensmittel darbietet. Die dritte Klaſſe endlich wohnt an der aͤußerſten Grenze der Kolonie, zeichnet ſich durch Rohheit, Wildheit und Grauſamkeit gegen die Kaffern und Hottentotten aus. Doch hatten alle drei Klaſſen den ſchoͤnen Zug der Gaſtfreiheit gegen jeden Fremden, welchen ſie, weil ſie das ganze Jahr Niemand außer ihter Familie ſprechen, ſo freundlich aufnehmen, als waͤre er Mit⸗ glied derſelben. Bei dem Eintritte in die Wohnung reichen alle Maͤnner dem Fremden die Hand, wie er ihnen. Ebenſo umarmt er die anweſenden Weibsper⸗ ſonen, und wird von ihnen gekuͤßt; wollte er bei dieſer Gelegenheit auch der haͤßlichſten und äalteſten der Geſellſchaft den Kuß verweigern, ſo wuͤrde ihm dieſes nie verziehen werden. Zu jeder Stunde des Tages findet man im Hauſe des Koloniſten, wie in Holland, den Theekeſſel und Topf auf dem Tiſche, indem Dhee zwiſchen den Mahlzeiten als das einzige durſtloͤſchende Mittel angeſehen wird. Tritt ein Fremder zur Liſchzeit in das Haus, ſo bedarf er nur des Haͤndedruckes und Kuſſes, um ohne weitere Um⸗ ſtaͤnde Theil zu nehmen, und ſeine Schlafſtelle zu ſinden. Des andern Morgens nach dem Fruͤhſtuͤcke ertheilt er blos zum Zeichen ſeiner Erkenntlichkeit den Weibsperſonen wieder einen Kuß und druͤckt den 194 Maͤnnern die Haͤnds. Wollte er eine Bezahlung lei⸗ ſien, ſo wuͤrde dieſer Verſuch als die groͤßte Beleidi⸗ gung angeſehen werden. Die Erziehung der Kinder beſteht blos in der nebung, die Peitſche zu fuͤhren, mit welcher ſie jeden erreichbaren Vogel toͤdten, und jeden Gegenſtand von der Erde aufheben. Kaun der junge Koloniſt den Wagen und die Peitſche lenken, dann iſt der groͤßte Theil ſeiner Erziehung vollendet. Im a4. Jahr darf er an der Geſellſchaft der Maͤnner Theil nehmen, mit Weibern umgehen, Tabak rauchen, mit der Flinte jagen und ſeine Braut ausſuchen. Da alle Koloniſten ihre Heerden und Aecker gegen die Aufaͤlle der wilden Thiere durch Flinten vertheidigen muͤßen; ſo iſt der Wohlſtand jeder Familie ſchon aus der Zahl dieſer Waffe zu erkennen. Um die Thiere durch den Glanz des Gewehres nicht zu verſcheuchen⸗ beſtreichen ſie es äußerlich mit Schafsblut, durch welches es eine matte Farbe erhaͤlt. Nachdem ich die vorzuͤglichſten Kolonien durch⸗ ſtreift, und nichts Merkwuͤrdiges gefunden hatte, als daß die Bewohner derſel en gleiche Einfoͤrmigkeit, Einfalt und Unthaͤtigkeit mit einander theilen, kehrte ich in die Kap⸗Stadt zurück. Hier traf ich leider meinen Freund Poers wieder krank, und er glaubte ſich nur durch warme Baͤder erholen zu konnen. Ich ſchilderte ihm die Vergnuͤgen, welche ich in der Kaß⸗ ferei genoſſen hatte, mit ſo lebhaften Farben, daß er —— * 195 Luſt bekam, mit mir in das Innere zu wandeln. Da ich wußte, daß er mehr an einer Gemüths⸗Krankheit, als an einer vhyſiſchen leide, ſo war ich ſeiner dortigen Geneſung um ſo mehr verſichert. Da aber die große Reiſe nicht ſo ſchnell ſtatt finden konnte, ſo ſchlug ich vor, daß wir auf einige Tage in die Naͤhe der Sal⸗ danha⸗Bay zur Familie Slawer uns begeben mochten. Die gleichzeitige Empoͤrung der franzoͤſiſchen Schiffsmannſchaft daſelbſt gegen ihren Befehlshaber gab Veranlaſſung, daß derem Kriegs⸗Commiſſär Percheron und der Pffzier Larcher uns dahin begleiteten. Wir reisten ſchleunig ab; einer der Hunde, welcher ſich durch das ſtarke Laufen neben dem Wagen ſehr erhitzt hatte, witterte kaum einen in der Ferne befindlichen Bach, als er haſtig voraus eilte, um ſich in demſelben abzukuͤhlen; er war bereits todt, als wir uns dein Bache naͤherten. Dieſe Erſcheinung in Afrika iſt merkwuͤrdig, daß jede ſchnelle Abkuͤhlung der Hunde im Waſſer todtlich wird. II. Die Familie Slawer kam durch dieſen berraſchenden Beſuch ganz außer ſich vor Freude, um ſo mehr, als wir ihr zusleich einen Aufenthalt von acht Tagen zuſicherten; die Toͤchter boten alles auf, durch luſtige Einfälle den erſten Abend ſchon moglichſt zu verſuͤten. Des andern Tags begleitete ich den Kommiſſaͤr zur Unterſuchung der Meuterei in der Bay; wir kamen aber in tiefer Nacht daſelbſt an, und konnten nur durch viele Schuͤße den Capitain bewegen, das Boot zu ſenden, um uns an Bord zu bringen. Man kann ſich ohne Erfahrung keinen Begriff von der empoͤrten Mannſchaft eines Schiffes auf dem offenen Meere machen. Dieſel'e hatte ſich in kleine Haufen getrennt, die ſich auf dem Verdeck ſammelten. Ueberall hoͤrte man ein undeutliches Gemurmel, wel⸗ ches ofters durch die heftigſten Drohungen und Fluͤche unterbrochen wurde, und durch die Stimme der Be⸗ fehlshaber nicht gedaͤmpft werden konnte. Nach den Bewegungen dieſes aufgebrachten Haufens mußte man jeden Augenblick den Ausbruch ſeiner Wuth befurch ten. Die Unternehmendlen liefen wuͤthend von einem Ende des Schiffes zu dem andern, um ihren Mitver⸗ ſchwornen die Muthmaſſungen oder Beſorgniſſe uͤber die Ankunft des franzoͤſiſchen Kommiſfaͤrs mitzutheilen. Das ſchwache Licht, welches das Schiff erleuchtete, verbreitete über dieſen fürchterlichen Auftritt ein ge⸗ wiſſes trauriges Helldunkel, welches jedoch im Ganzen ſehr maleriſch war. Man glaubte eine Geſellſchaft von Leufeln zu ſehen, welche ſich noch im Abgrund des Meeres bemuͤhen, die Menſchen zu quaͤlen. So bald wir auf dem Verdecke erſchienen, wurden wir von der aufgebrachten Menge umringt; erſt jetzt er⸗ kannte ich unſere Gefahr. Man murrte nicht allein ſehr laut uͤber uns, ſondern die drohenden Blicke den „Radelsführer⸗ gaben zu erkennen, daß wir fuͤr die eigentlichen Verbrecher angeſehen wurden. Ich erkannte bei dieſem ſchaudervollen Auftritte, an welchen feinen 197 Faden unſer Leben bei gewiſſen Gelegenheiten haͤngt, und wie oft unſer Wohl und Weh durch eine Kleinig⸗ keit entſchieden wird. Haͤtten einige der aufgebrachten Matroſen uns toͤdten wollen, ſo wuͤrden viele mitge⸗ wirkt haben; ich war zwar mit einer Doppelflinte ver⸗ ſehen; allein mein Gefaͤhrte Percheron war ohne Waſſen. Dem Capitain und uͤbrigen Offizieren ſchien die nothwendige Feſtigkeit zu fehlen, ſich in gehoͤriges Anſehen zu ſetzen. Nebſtidem war die Gaͤhrung bei unſerer Ankunft ſo hoch geſtiegen, daß in jedem Au⸗ genblick die Mannſchaft und das Schiff zu Grunde gehen konnte. Muth von unſerer Seite war das ein⸗ zige Mittel. Percheron erklaͤrte mit Nachdruck, daß er den Anfſtand von dem erſten Urſprunge bis zu ſeiner Entwickelung kennen wolls. Er verſprach der Mannſchaft alle Genugthuung, wenn ihre Klagen gegruͤndet ſeyen, und die gehoͤrige Nachſicht, im Falle ſie die Grenzen des Gehorſams uͤberſchritten haͤtte. Das Verhoͤr begann zwar, wurde aber durch Drohun⸗ gen und Gemurmel der Empoͤrer oͤfters unterbrochenz doch beſaͤnftigte der Kommiſſaͤr durch ſeine Ruhe den Zorn der Mehrheit nach und nach und verſchob das Verhoͤr der noch uͤbrigen Matroſen auf den naͤchſten Cag in der Hoffnung, daß der Schlaf die Wuth daͤm⸗ pfen, und ſein Anſehen vielleicht neue Mittel darbie⸗ ten werde. Der Capitain uͤberließ dem Kommiſſaͤre ſein Bett, und mir der erſte Steuermann ein Lager in ſeiner auf dem Verdeck befindlichen Kajute. Ich *— 198 legte meine geladene Flinte neben das Bett und harrte in dieſer Lage halb wachend bis zum Anbruche des Tages. Waͤhrend der Nacht gingen mehrere Aufruͤh⸗ rer mit großen Schritten auf dem Verdecke hin und her, und machten Aeußerungen ſich den naͤchſten Morgen an uns zu raͤchen; einige naͤherten ſich mei⸗ ner Kajute, mich durch Drohungen einzuſchuͤchtern. Des andern Morgens hielt Percheron eine nachdruͤcklichere Nede an das empoͤrte Schiffsvolk und ſchilderte mit vielem Feuer das begangene Unrecht ſowohl, als auch die geſetzliche Strafe, welche die ſchuldigen Anſtifter zu erwarten hatten und fuͤgte bei, daß die uͤbrigen als Betrogene keine Strafe treffen koͤnne, ſobald ſie ſich der auf dem Schiffe eingeführten Zucht unterwerfen wuͤrden. Er begab ſich zum gefan⸗ genen Urheber des Aufſtandes, welcher noch immer fortfuhr das Feuer der Zwietracht anzufachen. Dieſer lag nackend mit gebundenen Haͤnden in einem Huh⸗ ner⸗Stalle, welchen man zur Sicherheit mit eiſernen Staͤben verwahrt hatte. Sein Blick gab zu erkennen, was in ſeinem Innern vorging; mit einem ſtarken Koͤrver verband er eine ſeltene Geiſtesſtaͤrke, und ſcheute weder Gefahr, noch ſelbſt den Tod. Haͤtte man ſich ſeiner nicht in einem unerwarteten Augen⸗ blicke bemaͤchtigt, ſo wuͤrde er in der Folge noch weit nachtheiliger geweſen ſeyn, denn die ganze Mannſchaft fuͤtchtete ihn. Percheron ließ ihn zur Verurtheilung und Beſtrafung an die Gerichte im Kap bringen; 199 durch ſeine Entfernung ſchien die Ruhe vorlaͤußg her⸗ geſtellt zu ſeyn. Denn der Kapitaͤn und die Pffiziere, welchen die Beſtrafung der ubrigen Empoͤrer uberlaſſet war, verſprachen allgemeine Vergebung, III. Sobald wir das Schiff verlaſſen hatten, eil⸗ ten wir zur ſtillen Wohnung unſrer Freunde, und kuͤndigten unſere Ankunft durch mehrere Flintenſchuͤſſe in der Hoffnung an, daß man uns entgegen kommen wuͤrde; allein Niemand erſchien. Bei unſerm Eintritt in das Haus erfuhren wir, daß die hollaͤndiſche Kom⸗ pagnie zu Amſterdam dem Fiscale Boers den laͤngſt geſuchten Abſchied bewilligte; da ein ſegelfertiges Schiff im Hafen lag, ſo eilte er am naͤmlichen Mor⸗ gen in die Stadt fuͤr die ſchnelle Abreiſe zuruͤck. An⸗ fangs war ich geneigt, den mir uͤbergebenen Brief fuͤr Scherz zu halten: nachdem ich aber alle Winkel des Hauſes vergebens durchſucht hatte, entſchloß ich mich, des andern Morgens mit Percheron nach der Stadt zuruͤck zu kehren. Bei unſrer Ankunft im Hauſe Boers ſahen wir ſchon ſein Reiſe Geraͤthe in das Schiff bringen, wel⸗ ches den folgenden Tag abſegeln ſollte. Der drin⸗ gendſte Rath der Aerzte, wegen ſeiner geſchwaͤchten Geſundheit noch zwei Monate auf dem Kay zu ver⸗ weilen, vermochte nichts gegen die unwiderſtehliche Sehnſucht nach ſeinem Vaterlande. Er gab mir den zaͤrtlichſten Abſchied, empfahl mich ſeinen beſten Freun⸗ den, und hinterließ mir noch unter den ruͤhrendſen 73. Zd. Afrika. III. 2, 6 Ausdrucken ſeine beiden Flinten, zwei Reitpferde mit alem Zugehoͤre, ſeine Jagd⸗Equipage und den von ſeiner verſtorbenen Mutter ihm geſtifteten Schlafrock. Mich ergriff ein unnennbarer Schmerz, welcher nur durch die Zeit gelindert werden konnte; ich glaubte waͤhrend der erſten Nacht auf Boers Zimmer in einem Gefaͤngniß zu ſeyn. Des andern Morgens kamen die Stabs⸗Dffiziere und andere mir bis dahin unbekaunte Freunde, welchen Bvers mich dringendſt empfohlen hatte, und machten mir alle moͤgliche Anerbieten, um meinen Verluſt ertraͤglich zn machen. Da ich mit dem Dberſten Gordon, als Freunde der Natur⸗Geſchichte⸗ ſchon lange bekannt war, ſo nahm ich deſſen Anerbie⸗ ten an, bei ihm zu wohnen. Noch einigen Tagen gingen wir mit mehreren andern Offizieren auf den Taſel⸗Berg, deſſen Lage er im Verhaͤltniſſe mit den Piketbergen durch Meſſungen beſtimmen wollt. Der Himmel war den ganzen Tag ſo heiter, und der Tafel⸗Bers ſelbſt ohne Wolken, daß unſer Unter⸗ nehmen ganz guͤnſtig ausfiel. Ich ſelbſt ſchoß auf der oberſten Kuppe des Berges den von mir in Afrika noch nicht geſehenen Stein⸗Amſel. 1V. Ich ging mit zwei Negern und einem Hot⸗ tentotten, welche mein Zelt, einen Karabiner, einen Mantel, Pulver und Blei, und einige trockne Lebeus⸗ mittel tragen mußten, und trug meine Doppelt⸗Flinte nebſt zwei Piſolen im Guͤrtel; drei meiner beßen Hunde folgten mir, als ich bei ſchoͤnſtem Werter 16 201 Spitze des Tafel⸗Berges erteichte. Sein Name kommt von der ſcheinbaren geraden Flaͤche auf dem obern Theile; er iß aber nichts weniger als flach, ſondern auf der ganzen Pberflaͤche mit vielen Vertie⸗ fungen und ſchrecklichen Höhlen verſehen. Die laͤngße Seite dieſes Berges liegt gegen die Stadt; aus Man⸗ gel an Meß⸗Werkzeugen beſtimmte ich dieſelbe durch oͤfteres Wandern von einem Ende zum andem in 20 Minuten; daher die Entfernung eine viertels Meile betragen mag. Waͤhrend dieſer Zeit beobachtete ich die Entſtehung eines Gewitters in Suͤd⸗Oſt, welches nach einer Anſammlung von Wolken auf dem Da⸗ fel⸗Berge ſich zuſammen iu ziehen pflegt, und am Nap unter dem Namen der Peruͤcke bekannt jßt. Des andern Tages begab ich mich quer durch Ge⸗ ſraͤuch und Dornen nach dem ſogenannten falſchen Loͤwenkopfe, welcher ſeinen Namen wegen ſeiner Aebnlichkeit mit dem wahren Loöwenkopfe, der⸗ den Steuerleuten aus Europa nach dem Kap zur Richtſchnur dient, wegen ſeiner großen Gefahr fuͤr die Seefahrer erhielt. Denn in ſeiner Nachbarſchaft be⸗ findet ſich ein dem Tafel⸗Berge äbnlicher, aber flacher Berg, welcher in einiger Entfernung mit der weſtlichen Seite des T afel⸗Berges große Aehnlich⸗ keit hat. Laͤßt ſich daher ein Steuermann durch dieſelbe bei neblichtem Wetter taͤuſchen, und ſegelt nach dem Kap, ſo ſcheitert das Schiff unfehlbar wegen der Un⸗ tiefe an dieſer Koͤßte. Der wahre Loöwenkopf *— 202 zeigt ſich von der Nordſeite, als ein einzelner frei ſtehender Berg; der falſche aber als ein mit der anſtoßenden Bergkette verbundener und durch keinen Zwiſchenraum getrennter Berg. Die erwaͤhnte Berg⸗ kette verbindet ſich auf der Nordſeite mit dem Da⸗ fel⸗Berg, und erſtreckt ſich gegen Sud bis an die äußerſte Spitze von Afrika, wo das Vorgebirge dieſes Namens ſich bildet. Bei ſehr nebligtem Wet⸗ ter ſind aber die eben angefuͤhrten Merkmale gleich⸗ falls truͤglich: denn alsdann iſt den Seefahrern nur der Gipfel der Berge ſichtbar, und der uͤbrige Theil der⸗ ſelben in Nebel und Wolken gehuͤllt. In dieſem Falle hat der wahre Loͤwenkopf auf der Abendſeite kei⸗ nen andern gleich hohen Berg neben ſich; ſein Gipfel erſcheint alſo ganz einzeln von dieſer Seite. Der falſche Loͤwenkopf hingegen hat auf der naͤn⸗ lichen Seite verſchiedene andere gleich hohe Berge ne⸗ ben ſich, deren Gipfel man zugleich mit dieſen er⸗ blickt. V. Vom Tafel⸗Berge bis zum falſchen Loͤwenkopf war das Land mit ſehr vielen Amſeln Kramets⸗Voͤgeln und Zuckerfreſſern bedeckt. Auf dem falſchen Loͤwenkopfe erblickte ich aͤhnliche große Zuͤge von Weſvenfreſſern, welche im fuͤdlichen Frank⸗ reich und Italien zahlreich find, und am Kap, wie in Europa, Zug⸗Voͤgel genannt werden. Die vielen tauſend Voͤgel ſetzten mich um ſo mehr in Verwunde⸗ rung, als ich zugleich viele Raubvoͤgel von der Gat⸗ 203 tung der Sperber erblickte, welche ſelbige uͤberall ver⸗ folgten. Im naͤmlichen Thale fand ich ſehr viele grüͤnliche, 4—6 Schuh lange Schlangen, welche mich beaͤngſtigten, weil ich ſie fuͤr giftig hielt. Denn meine Hunde, welche bei jeder andern Gelegenheit immer vor mir liefen, und durch die umliegenden Gebuͤſche ſuchten, hielten ſich hier dicht hinter mir, Nachdem ich aber eine geſchoſſen hatte, uͤberzeugte ich mich aus dem Rachen von ihrer Unſchaͤdlichkeit. Nuch einem kleinen Abſtecher an die Simons⸗ Bay kehrte ich zur Stadt zuruͤck, um mich der kleinen Ausbeute fuͤr die Natur⸗Geſchichte zu entledigen. Die einzigen vierfuͤßigen Thiere, welche dieſe Berge be⸗ wohnen, ſind die Paviane und Klipſpringer, eine Art von Gazellen, dann Grieß⸗Boͤcke und Duyker von zwei andern Arten. Ein einziger Specht mit rothem Bauche iſt mir erſchienen. Hyaͤnen bhoͤrte ich jeden Abend heulen, aber nie ſah ich ſolche. Ein einziges Pantherthier ſah ich in den Doͤnen der Genend ven Falſo⸗Bay; auch einige der groͤßern Rebhuͤhner, welche am Kap unrichtig Faſanen genannt werden. Im Hauſe des Pberſten Gordon wieder ange⸗ kommen, traf ich alle Anſtalten zum Antritte meiner Reiſe im Januar, welche ich nach ſeinem Rathe erſt im Mai haͤtte antreten ſollen. Er, ſeine Frau, und mehrere Staabs Pffiziere unterſtuͤtzten meine Reiſe⸗ Geräthe mit ſo vielen Geſchenken, daß mein Unter⸗ nehmen einem andern auf oͤffentliche Stnatskoſten *— 204 glich. Waaren zum Tauſch-Handel hatte ich bei der Ankunft jedes Schiffes am Kap, beſonders Blei, Sabak, Glas⸗Waaren, Naͤgel, Meſſer und Feuerzeuge in großer Menge gekauft. Ebenſo verſah ich mich mit Naͤh⸗ und Stecknadeln, Baͤndern, rothen und blauen indianiſchen Tuͤchern, und mit Schnupftabak, wel⸗ chen die Weiber der Koloniſten ſehr ſuchen; auch hatte ich mich mit einer Kiſte der ganz unbrauchbaten Schloͤſſer und Vorlegſchlöſſer belaſtet. Den alten Swane⸗Poel und meinen lieben Claas nebſt s Hottentotten, welche mich auf meiner vorigen Reiſe begleitet hatten, beorderte ich, im ſchwarzen Lande bei meinem Freunde Slaber mit meinen Ochſen und Wagen zuſammen zu kommen. VI. Die Wege am Kap ſind zu jeder Jahres⸗ Zeit ſchlecht, beſonders aber bei Regen⸗Wetter; kaum war ich eine Viertelſtunde außer der Stadt, als einer meiner Wagen in ein Loch gerieth, und in tiefem Kothe umſtuͤrzte, ohne daß die angeſpannten Ochſen⸗ oder die Hottentotten es verhindern konnten. Dieſer Zufall wurde ſo ſchnell in der Stadt bekannt, daß mehrere Perſonen mir zu Huͤlfe eilten. Es blieb mir nichts übrig, als alle in den Kiſten befindliche Ge genſtände anszupacken, was den groͤßten Theil des Tages erforderte. Ich hielt bei eintretender Daͤmme⸗ rung am gruͤnen See etwa 200 Schritte von einem Dekonomie⸗Gute des Gonverneurs, deſſen Venk 1 205 meine abgeſpannten Ochſen nach einer allgemeinen Vorſchrift wuͤrde konſiseirt haben, wenn ich nicht im heftigſten Zorn mit ihm geſprochen, und gedroht haͤtte, meinen Swane⸗Poel zu Pferd mit einem ſchriftlichen Berichte an den Fiscal zu ſenden. Des andern Ta⸗ ges kam ich uͤber das gruͤne Thal, wo die Kom⸗ pagnie vieles Schlachtvieh maͤſten laͤßt, uͤber den Ba⸗ vian in das ſchwarze Land. Wegen des langſa⸗ men Sanges der Wagen durch ſandiges Land ritt ich zu Slawer voraus. Dieſer lag eben an heftiger Diſſeiterie nieder, in welcher er ſich durch meine An⸗ kunft aufgeheitert fuͤhlte, weswegen die gutmuthigen „Löchcer mich dringend baten, einige Zeit bei ihnen zu verneilen. Da Claas mit ſeinen Hottentotten⸗ welcoe ich auf ſeine Empfehlung hier in meine Dienſte nahn, Tags zuvor ſchon angekommen warz ſo gab ich der Einladuns nach, und zerſtreute mich in der Um⸗ gebtng durch Jagen. In einiger Entfernung von dem Bauernhofe auf einer Ebene ließ ich unter der Aufſiht Swane⸗Poels meine Leute, Ochſen und Pferde in ſolcher Ordnung lagern, als batten wir einen Ueberfall zu befuͤrchten. Dieſes war nur ge⸗ ſchehet, um die noͤthige Ordnung und Strenge fuͤt die gatze Reiſe einzufuͤhren. Yeinen Freunden in Eurvopa ſchickte ich die Beſchribung meiner fruͤheren Reiſe mit der Bemer⸗ kung, daß ich durch Afrika ven Suͤd nach Nord reiſen, und entweder durch Aesppten oder die Berberei nach Europa zurückkehren wollte, wenn der Lauf des Nils mich verhindern ſollte, durch Ae⸗ gypten zu reiſen. Der Pberſt Gordon hatte 2 Jahre fruͤher, unter Begleitung eines Englaͤnders Patterſon, den naͤmlichen Weg betreeen; er bezeich— nete mir daher die Stellen, wo ich Waſſer finden koͤnnte, und zwei Menſchen, welche mir auf dieſer Reiſe ſehr dienlich ſeyn koͤnnten. Einer war der Ko⸗ loniſt Schömacker, welcher als Hottentott unter den Wilden lebte, der andere war ein Hottentott⸗ Mulatte, welcher die Sprache der Namaquas⸗Hutten⸗ totten fertig redete, und mir ſehr nuͤtzlich nerden konnte, wenn er mich begleiten wollte. Gordon ſchickte mir Briefe an beide, welche ich ihnen wrle⸗ ſen ſollte. VII. Ich hatte waͤhrend meines Aufenthaltes bei Slawer die Zahl meiner Ziegen vermehrt, drei Milchkuͤhe und einige Saͤcke Mehl gekauft. Au⸗ der erſten Reiſe konnte ich mich nur ſehr ſchwer pbtzlich an das Entbehren des Brodes gewoͤhnen, jetzt ſetzte mich der Vorrath an Mehl durch Zubereitung eines Mehl⸗Fladens in den Stand, mich desſelber nach und nach zu entwoͤhnen. Am 18. Juni uͤberchaute ich noch einmal bei Slawer alle meine Gefihrten, welche in 19 Perſonen, a3 tuͤchtigen Hunden, einem Bocke, 10 Ziegen, 2 Pferden, 3 Milchkuͤhen, 6 Dch⸗ ſen fuͤr meine 3 Wagen, 44 anderen zur Voſpann, und2 Ochſen fuͤr das Gepaͤck der Hottentonen be⸗ 1 207 ſianden; ein Hahn und mein Affe durften nicht feh⸗ len. Nach zwei Tagen befanden wir uns ſch on jenſeits des Berg⸗Fluſſes, welcher ſich in der Bay von St. Helena, und weiter aufwaͤrts in das Atlantiſche Meer ergießt, und auf der Dſt⸗ wie auf der Nord⸗ ſeite das ſogenannte ſchwarze Land umfließt. In dieſer Gegend iſt nur ſandiges Land, jedoch zum An⸗ baue aller Getraide⸗Arten, bis auf Hafer, ſehr geeig⸗ net. Waͤhrend eines heißen Sommers fehlt gewoͤhn⸗ lich das fuͤr das Rindvieh nothige Gras; dann treibt man daſſelbe in eine weniger duͤrre Gegend und be⸗ baͤlt nur ſo viele Stuͤcke zuruͤck, als zum Ackerbau und zum Transport des Getraides in die Stadt noͤ⸗ thig iſt. Seitdem die Koloniſten ſich niederließen, rotteten ſie alles große Wildpret bis auf den Bubal und Paſan aus; Steinboͤcke, Dunker, Griesboͤcke, Ha⸗ ſen und Rebhuͤhner ziehen die Hyaͤnen, Jakals, Leo⸗ parden, Panther und wilden Hunde herbei, welche letztere fur die Heerden der Koloniſten eine wahre Geiſel ſind. Der Lowe iſt in bewohnten Gegenden unſichtbar. V Währed meines Aufenthalts bei Lie⸗ wenberg wurden verſchiedene Jagden gehalten. Meine Hunde jagten ein Pantberthier zwiſchen den Felſen⸗Hoͤhlen aufz nebſt den kleinen Gazellen gibt es Bebra, Paſan, Bubnle und viele Strauße. Letz⸗ tere kann man ſelbſt zu Pferd hier ſchwer jagen: denn hat ſo viele Erhabenheiten durch die weißen Ameiſen, daß man bei dem ſchnellen Reiten nach einem Strauße leicht den Hals brechen koͤnnte. Dieſe Ameiſen woh⸗ nen anfangs unter der Erde, unter welcher ſie ſich nach und nach fort bewegen, und zwiſchen den aus⸗ gehohlten Stellen eine Art von gewoͤlbtem Backofen⸗ 3— 4 Fuß hoch aufwerfen. Ihre Puppen werden als Leckerbiſſen von den Hottentotten gegeſſen; ihr Haupt⸗ feind iſt der Ameiſen⸗Freſſer. Wird ihre Wohnung von ihnen verlaſſen, oder von den Hottentotten aus⸗ geleert, ſo bauen wilde Bienen ſich darin an, um ihren Honig niederzulegen. In unverletzten Wohnnm gen konnte ich unſer Fleiſchwerk recht gut braten, ſo⸗ bald ich ſie etwas gereinigt, und mit kleinem Holze erhitzt hatte. Bei dem Abſchiede beſchenkte mich mein Wirtb ptit einigen Flaſchen voll Citronen⸗Saft. Am zwei⸗ ten Tage erreichte ich die Gegend der Piket⸗Berge⸗ wo ich naͤchſt der Wohnung des alten Koloniſten Al⸗ bert Hanakam ausſpannen ließ. Dieſer war auf den Einfall gekommen, gluͤcklich und unabhaͤngig zu⸗ gleich zu ſeynz er lebte daher ohne Weib und Kind⸗ ohne Umgang mit den benachbarten Koloniſten, und ohne andere Geſellſchaft, als die ſeiner Sklaven. Le⸗ ſen konnte er ſo wenig, als ſeine Nachbarn, aber deßo mehr beſchaͤftigte er ſich mit Arbeit, und mit Nach⸗ denken uͤber dieſelbe. Er begleitete mich auf den höch⸗ das Land iſt mit ſo viel Strauchwerk bewachſen, und 209 ſen der Piket⸗Berge, wo die Luft ſo heiter war, daß ich den Tafel⸗Berg mit freiem Auge, und die Kap⸗Stadt mittelſt meines Fernglaſes erkennen konnte. Bei meiner Ruͤckkehr nach ſeinem Gehoͤfts fand ich einen mit zahlreichen Speiſen beſetzten Mit⸗ tag⸗Tiſch, an welchem ich und Swane⸗Poͤl Theil nahmen. Nach dem Liſch ſah ich ſeine fleißig geban⸗ ten Aecker, Baumgaͤrten und Anpflanzungen. Das Bezirk der Piket⸗Berge hat böchßens 23— 30 Nie⸗ derlaſſungen der Koloniſten, wegen des Mangels an Waſſer. Der Boden iſt ſo mittelmaͤßig, daß die An⸗ bauer kaum das ihnen noͤthige Getraide gewinnenz wegen zu großer Entfernung von der Stadt koͤnnen ſe ihre Pomeranzen und Citronen nicht ſo vortheil⸗ baft in die Stadt verkaufen, mit welchen mein Wirth alle leeren Raͤume meiner Wagen fullte. Zugleich ſchenkte er mir 3 Paar Turtel⸗Tauben einer mir un⸗ bekannten Art, von welchen ich nur eines annahm. Auf dem Wege wurde ich an der Wohnung jedes Koloniſten eingeladen, was ich moͤglichſt abzulehnen ſuchte. Meine Eile, das Lager jenſeits des Kruys⸗ Fluſſes aufuſchlagen, haͤtte mir beinahe das Leben gekoſtet. Nach einer Tagreiſe erreichte ich das ſogenannte BHerrn⸗Quartier(Logement), in deſſen geraͤumi⸗ ger Hoͤhle ich mit meiner ganzen Karavane Platz fand. Obſchon der Brunnen daſelbſt mehr Waſſer enthielt, als ich vermuthete, ſo war ich doch nicht ohne Sor⸗ 210 gen, daß wir in der naͤchſten Sandwuͤſte keines mehr finden wuͤrden. Zwiſchen den Felſen der umliegenden Berge fanden wir viele vierfüßige Thiere, welche von den Koloniſten Daſſen(Daman, Buffon) genannt werden, und von meinen Leuten mit Vergnuͤgen er⸗ legt wurden. Nach Verſicherung eines der Schafhir⸗ ten der Hottentotten ſollten wir nur eine Tagreiſe zum Elephanten Fluſſe haben, jenſeits deſſen eine gleiche Entfernung bis in das Land der Namaquas ſey. Die ſeit Menſchen Gedenken in Afrika uner⸗ hoͤrte Trockne hatte mein Zug⸗Vieh in den erſten ſechs Wochen mehr entkraͤftet, als in 16 Monaten waͤhrend der erſten Reiſe; weswegen ich ſieben Tage hier ver⸗ weilte. Der Fluß war an beiden Ufern mit hohen Mi⸗ moſa⸗Baͤumen und andern beſetzt, welche den Weiden ähnlich ſind; der Boden uͤberall duͤrr, und ohne die geringſte Spur von Gras; meine Ochſen mußten ſich daher mit einigen fetten Pflanzen, und dem Laube der Geſtraͤuche begnuͤgen. Nicht weit vom Fluſſe fand ich die Wohnung der Kvloniſten⸗Wittwe Van Zeil, von welcher ich einige Haͤmmel, 400 Rollen Tabak und etwas Branntwein kaufte. Sie ſtellte mir die uͤble Beſchaffenheit der folgenden Gegend vor, be⸗ ſchenkte mich mit etwas Zwieback, und ließ mich durch ihre Soͤhne bis an den Fluß begleiten. Waͤhrend der Nacht ergot ſich ein ſo heftiger Regen, daß der Fluß außerordentlich anſchwoll, welcher mich und meine 8 * — * 211 Habe in Geſahr ſetzte, weil ich mein Lager nicht auf einer Anhoͤhe gewaͤhlt hatte. Nach einem Regen von 3 Tagen brach ich weiter auf, und erreichte bald laͤngs dem ufer des Fluſſes eine telle, wo der Pach Koignas oder Quer⸗Fluß, ſich mit ihm verbindet. Pbſchon dieſer nur waͤhrend der Regen⸗Zeit gefuͤllt iſt, ſo hat er doch ſo hohe und ſteile Ufer, daß man nicht ohne Gefahr uͤberſetzen kann. IX. Von dem rechten ufer der Koignas rich⸗ tete ich meinen Weg nach der Fledermaus⸗ Klippe, deren Lage die Wittwe mir beſchrieben hatte. Wir verfolgten die Spur eines Löwen, des erſten ſeit meiner Abreiſe von Kap, fanden ihn aber nicht. Nachts wurden wir durch eine außerordentliche Menge von Fledermaͤuſen, welche durch unſer allſei⸗ tiges Feuer aufgeregt waren, beunruhigt; deswegen brachen wir Nachts noch unſere Zelte ab, und lager⸗ ten uns bei Krekenap. Der ſtete Genuß fetter Pflanzen hatte meinen Ochſen und Ziegen einen hef⸗ tigen Durchfall verurſacht; deswegen wollte ich bier einige Tage ausruhen. Die Hottentotten, welche mich begleiteten, wa⸗ ren ſo vortreffliche Schwimmer, daß ſie weder durch die Breite, noch durch die Staͤrke des Elephan⸗ ten⸗Fluſſes abgeſchteckt wurden. Ich ſetzte mich auf einen Baum, wie auf ein Pferd, an welchen ſie mehrere Baͤnder befeſtigt hatte, mittels welcher ſie ſchwimmend, mich uͤber den Fluß zogen. Die An⸗ A2 ſtrengung und Gefahr war gleich groß, je mehr wir uns dem Meere naͤherten. Als wir nach ſo vielfachen Anſtrengungen das Ufer erreicht hatten, umarmten wir uns wechſelſeitig, und zündeten ſchnell ein großes Feuer an, um unſere erſtartten Koͤrper zu erwaͤrmen, und unſere durchnaͤßten Kleider zu trocknen. Pbſchuyn ich mehr als 20 Mal von den Wellen bedeckt war, ſo iſt doch das Pulver und meine Uhr, welche beide ich am Halſe befeſtigt hatte, unbeſchaͤdigt geblieben. Jetzt erſt kannte ich die große Gefahr, in welcher ich wäb⸗ rend der 30 Minuten der Ueberfahrt auf dieſem gewal⸗ tigen und ſchnellen Strome geweſen war. Da wir in der Naͤhe keine Elephanten fanden, die wir zu finden vofften; ſo machte ich meinen Leuten den Vorſchlag⸗ daß wir auf dem kürzeſten Wege iu unſern Wagen und Ochſen zuruͤckkehren wollten. Als wir da ankamen. und die Ereigniſſe erzaͤhlten, machte Swane⸗Poel meinen drei Begleitern große Vorwürfe, daß ſie ſich meinem Vorhaben, wegen der großen Gefahr des Le⸗ bens, nicht widerſetzt hatten. Zu meiner groͤßten Un⸗ zufriedenheit erfuhr ich, daß waͤhrend meiner Abwe⸗ ſenheit zwei meiner Ochſen, welche im Fluſſe ſaufen wollten, fortgeriſſen wurden, und ertrunken ſind. Da die ganze Gegend nichts als fette Pflanzen darbot, ſo nahm der Durchfall des Viehes zu, und es war jetzt kraͤnker als zuvor. Ich entſchloß mich alſo, ſogleich aufzubrechen. Wir nahmen den Weg bei guter Wit⸗ terung Nordwaͤrts; allein mein Vieb war ſo ſchwach⸗ 213 daß ich bald drei Ochſen zuruͤcklaſſen mußte. In der folgenden Nacht ſtarben noch fuͤnf andere zu meinem groͤßten Kummer, ohne daß ich ihnen die geringſe Huͤlfe leiten konnte; die uͤbrigen waren ſo ſchwach, daß ich nicht boffen konnte, weiter zu kommen. Ich ſendete einige meiner Leute voraus, eine Quelle oder einen Weide⸗Platz zu ſuchen; allein ſie kehrten zuruͤck, ohne etwas zu finden. Die ganze Umgebung war eine dürre, vollig ausbrannte Wuͤſte. Jetzt ſchmerzte mich erſt, daß ich zum groͤßten Schaden meines Viehes meine Zeit am Elephanten⸗Fluſſe vergendet hatte. Waͤhrend wir langſam im Sande fortruͤckten, erblickte ich die Krakeel⸗Klippe, neben welcher ein Waſ⸗ ſer⸗Becken ſeyn ſollte. Zugleich glaubten wir einige Wagen zu ſehen, ſtatt deren wir bei unſerer Annaͤhe⸗ rung ungeheuere Slephanten ſahen, die daſelbſt ihren Durſt geloͤſcht hatten, und ſich vor uns fuͤchteten. Wir fanden in der Vertiefung des Felſens wirklich mehr Waſſer, als unſere ganze Karavane brauchte; allein durch den Koth der wilden Tbiere hatte das Waſſer eine gruͤne Farbe, und einen hoͤchſt eckelhaften Geſchmack bekommen. Vor dem Eintritte unſeres Viehes ließ ich unſere Waſſer⸗Krüge fullen. Dbſchon ich das Waſſer mehrmals durchſeigen, kochen, und mit gepulvertem Kaffe vermiſchen ließ, ſo behielt es doch ſeinen üblen Geſchmack, und verurſachte Durch⸗ fal, Kolik, Erbrechen, Schluchſen und Schneiden in den Gedarmen. Ich allein war ſo vorlichtig, nur wenig mit Milch vermiſcht zu trinken, und deswegen hatte ich auch die geringſte Unannehmlichkeit. Inner⸗ balb zwei Tagen waren 1 Dchſen auf dem Wege lie⸗. gen geblieben. Durch die Verminderung meiner Ochſen wurde ich in die Nothwendigkeit geſetzt, einen Wagen in der Wuͤſte zuruͤck zu laſſen; deſſen ohngeachtet blieben wir in der Verlegenheit, wohin wir unſern Weg richten ſollten. Nach dem Wunſche einiger meiner Leute zo⸗ gen wir uns gegen den Dorn⸗Fluß; zwar iſt dieſer nur ein Bergfluß; allein es war wahrſcheinlich, daß er nach ſo lange anhaltendem Regen Ueberfluß an Waſſer darbieten werde. Von dem zuruͤckgelaſſenen Wagen nahm ich alle Geraͤthſchaften ab, und ſetzte dafuͤr einige der ſchwerſten Kiſten auf, um das Gewicht der uͤbrigen etwas zu erleichtern. Den Wagen ſelbt bedeckte ich mit Geſtraͤuch, damit die Graͤnz⸗Koloni⸗ ſen, oder Buſch-Hottentotten ihn nicht fruͤher abhol⸗ ten, als ich ſelbſt. Ein Rad ließ ich abnehmen, Un in einiger Entfernung vergraben. X. Wir fuhren nun gegen die Kahn⸗Klippe⸗ welche ein einfoͤrmiger Felſen mit einer kahnfoͤrmigen Vertiefung iſt, in welcher noch etwas gutes Waſſer war. Wir machten hier Nachtlager; waͤhrend deſſen rieth mir Swane⸗Poel aus Beſorgniß, morgen Abends mochte kein Ochs mehr am Leben ſeyn, noch einen Wagen zuruͤck zu laſſen, und mit dem dritten durch einige Hottentotten den Klaas Baſter zu 16“ —— 25 chen, an welchem wir von Gordon empfohlen wa⸗ ten. Von 64 Ochſen, mit welchen ich ausgezogen war, hatte ich bereits 24 verloren. Die noch uͤbrigen vertheilte ich in 3 Geſpanne, fuhr mit jedem nur eine Meile, und erreichte ſo den Felſen, welcher die Ge⸗ ſtalt eines Slephanten⸗Kopfes hat, und auch ſo heißt. Wir fanden hier kein Waſſer fuͤr unſere Och⸗ ſen; ich und meine 12 Hottentotten mußten uns mit wenigem in einem Kruge begnugen, und uns mit der Ziegen⸗Milch helfen. Eine dürre unuͤberſehbare Ebene bot nur wenige fette Pflanzen und blätterloſe Straͤuche dar. Gegen Morgen war der Hintergrund durch eine Reihe kahler Berge begraͤnzt, welcher dem Horizont zu einer traurigen Einfaſſung dient. Bei dem Elephan, ten⸗Kopf waren wir ſobald angekommen, daß wir bis zur Nacht noch einige Meilen haͤtten kommen koͤnnen. Allein meine Ochſen hatten ſich ſo entkraͤftet um den Wagen gelagert, daß ſie dieſe Plätze gleichſam füͤr ihre Gtabſtätte erwaͤhlt zu haben ſchienen. Mein Vieh war ohne alles Waſſer und Futter; wir ſelbſt lechzten nach einem Tropfen Waſſer vergebens; wir durchſtreif⸗ ten die ganze Gegend mit Hunden, und kehrten hoff⸗ nungslos zuruͤck. In dieſer ſchrecklichen Lage wurd⸗ ich bei dem Anblicke meiner ungluͤcklichen Gefaͤhrten boͤchſt betruͤbt. Mehr als einmal verwuͤnſchte ich das blinde Zutrauen, welches mich zu dieſer Reiſe bewo⸗ gen hatte. Ich entſchlos mich, meinen letzten Wagen, und alles Vieh zu verlaſſen, die Hottentotten mit 73. Bd. Ffrißa. III.. 6 216 Gewehr und Munition zu verſehen, und mit ihnen zu Fuß nach dem Elephanten⸗Fluſſe zuruͤckzukehren. Sie widerſetzten ſich meinem Entſchluſſe mit ihrem zudringlichen Rathe, noch einige Meilen weiter zu gehen. Während der Nacht waren zwei Ochſen und ein Pferd gefallen, 3 Hunde hatten mich veplaſſen. WMein Vieh verfiel in die heftigſten Zuckungen, und nach und nach verlor ich ein Stuͤck um das andere. Wir entſchloſſen uns, nach den Thaͤlern in Nord⸗ Dſt zu wandern. Seit 24 Stunden hatte keiner von uns etwas gegeſſen, nicht aus Mangel an Lebensmit⸗ teln, ſondern weil wir befuͤrchten mußten, durch einen Genuß unſern Durſt deſto mehr zu reizen. Wir tra⸗ ten alſo unſere Reiſe an, obgleich von Muͤdigkeit⸗ Wachen, und einem brennenden Durſt ganz erſchoͤpſt. Ich ſchwebte ſeit einiger Zeit ſtets zwiſchen Furcht und Hoffnung. Kaum hatten wir zwei Meilen zu⸗ ruͤckgelest, ſo erblickten wir die Spuren einiger Dch⸗ ſen in umherliegendem Mitße. Plotzlich ſprang mein Affe mit großem Geſchrei vom Wagen, lief ſcenel voraus, und wurde von allen meinen Hunden beglei⸗ tet. Ich eilte ihm mit einigen meiner Leute nach, und wir fanden ſie in einer breiten und feuchten Ver⸗ tiefung, aus welcher die Hunde mit ihren Pfoten et⸗ was Waſſer zu graben ſuchten. Mittels Schaufeln und Hacken gewannen wir etliche Maaß truͤbes Waſ⸗ ſer, in welches ich einige Unzen gepulverten Kaffe ſchuͤttete, um es trinkbar zu machen. Als gerechte⸗ 217 Hausvater theilte ich einem jeden den ihm zukommen⸗ den Theil mit. Seit dem wir in der Wuͤſte umherirrten, war mir kein einziges Stuͤck Wild aufgeſtoßen, welches uns zur Nahrung haͤtte dienen koͤnnen. Ich mußte daher all meine Schafe ſchlachten laſſen, alle meine Kuhe und 3 Ochſen nebſt 2 Pferden waren gefallen. Die zwei noch uͤbrigen Pferde hingen blos in der Haut, und konnten, als wandelnde Gerippe, nicht den gering⸗ üen Dienſt leiſten. Ich, meine Leute und meine Hunde, naͤhrten uns kaͤrglich noch von der Milch der Ziegen. Vergebens wendeten meine Hottentotten ihs ſehr ſcharfes Geſicht an, in Thalern, Schluchten, Ebenen und Bergen einen Menſchen, oder eine Heerds iu entdecken. Außer dem klaͤglichen Geſchrei einiger Damans, welche wir auf dem Felſen erſchoſſen, ward unſer Ohr durch keinen Laut irgend eines lebendes Geſchoͤpfes aufmerkſam gemacht. Die Muthloſigkeh meiner Gefährden hatte beinahe den poͤchſten Grad er⸗ langt, wie die meinige. Umſonſt ermunterte ich ſie. das geſchoſſene Wildpret zum Abendeſſen zu bereitenz umſonſt lud ich ſie ein, von dem neu gefundenen Wal⸗ ſer zu trinken; ſie fürchteten ihre Schmerzen zu vep mebren. Keiner wollte eſſen, weil er den Durſt zu reizen befuͤrchtete. Da wir ſeit einiger Zeit kein reines Waſſer genoſſen hatten, ſo war uns allen der Mund verſchwollen, und durch den Reiz, welchen die ſalzigten Tbeile des unreinen Waſſers verurſacht batten, ſebr ſchmerzhaft geworden. Beſonders hatte das Tags vor⸗ ber genoſſene Waſſer unſere Leiden ſehr vermehrt; denn wegen des heftigen Durßes hatten wir uns bei dem Anblicke einer erfriſchten Quelle nicht enthalten koͤnnen, mehr als gewoͤhnlich zu trinken. Die ſchon fruͤher ſattfindende Entzuͤndung der Zunge, des Gau⸗ mens und des Zahnfleiſches war noch ſchlimmer ge⸗ worden. Auf dem heutigen Marſche hatten einige Hottentotten verſucht, ihre Zunge von dem letzten Waſſer zu befeuchten. Dieſes hatte ihnen aber einen ſo brennenden und aͤtzenden Durſt verurſacht, daß ſie alle einen großen Widerwillen gegen dieſes Waſſer außerten, und eine wahre Waſſerſcheu bezeugten. Nachdem es auf dem Berge dunkel geworden war, ſo zuͤndeten wir Feuer an, und lagerten uns um die⸗ ſes. Nach Mitternacht wurde ein Donnerwetter von einem ſtarken Regenguſſe begleitet. Jeder legte ſich nach der ganzen Laͤnge auf die Erde, um mit aufge⸗ ſperrtem Munde die Regentropyfen, welche der Zufall uns zufuͤhren wuͤrde, aufzufangen. Jeder Sropten war fuͤr unſere trocknen Lippen und entzuͤndeten Gaumen ein wahrer Balſam; wir fingen ihn mit groͤßter Wohl⸗ luſt auf. Dann folgte ein Platzregen von 3 Stundem⸗ deſſen Geraͤuſch mit dem Donner unaufhoͤrlich wett⸗ eiferte. Bei heiterem ſchoͤnen Morgen wurden iett die Tags zuvor geſchoſſenen Damans mit Heißhun⸗ ger verzehrt. Wir bemerkten, daß einer unſerer Hot⸗ tentotten fehle, ohne daß wir wuhten, ob er ſich ſchon „ 2¹19 vor dem Gewitter entfernt habe. Waͤhrend wir uns uͤber ihn beaͤngſtigten, erblickten wir ihn aus der Ferue mit ausgeſtreckten Armen, wie dieſes bei Wilden uͤb⸗ lich iſt, wenn ſie eine Neuigkeit mitzutheilen haben. Bei ſeiner Ankunft meldete er, eine Heerde von Schaaſen mit 3 Hirten entdeckt zu haben. Wir naͤher⸗ ten uns dieſer Heerde, und erfuhren von den Hirten, daß ſie zu der Horde Klaas Baſter's gehoͤrten; einer erbot ſich, mich ſogleich zu ihm zu fuͤhren. Ich ſchickte meinen Klaas mit dem Hirten an ihn mit der Nachricht, daß ich einen Brief von dem Dberſten Gordon zu überbringen haͤtte. Sogleich kam der Klaas und Piet Baſter, zwei Bruͤder, zuruͤck, reichten mir mit vieler Freundlichkeit die Hand, und ſprachen ſehr gut hollaͤndiſch. Als ich ihnen Gor⸗ don's Briefe uͤberreichte, geriethen ſie in nicht ge⸗ ringe Verlegenheit, denn keiner von ihnen konnte le⸗ ſenz; ſie gaben mir ihn alſo mit dem Erſuchen zurück, ihn vorzuleſen. Gordon bat ſie nur im allgemeinen mir alle Huͤlfe zu leiſten; deswegen las ich ein Vew zeichniß der mir noͤthigſten Gegenſtaͤnde aus dem Briefe ſo vor, als haͤtte Gordon es ſelbſt verfaßt. Ich fuͤgte eine Erzahlung meines bisherigen Schick⸗ ſals in der Wuͤſte bei. Die beiden Bruͤder ſchienen ſehr geruͤhrt, und hoͤrten mich, ohne mich zu unter⸗ brechen, ſehr autmerkſam an. Als wir bei ihrer Wob⸗ nung anlangten, unterbrach mich der Aelteſte auf ein⸗ mal, und ſagte, beftig mit dem Fuße ſtampfend: he⸗ 20 ruhigen ſie ſich; in wenigen Tagen ſollen ſie ihre drei Wagen und alle ihre Leute hier bei ſich ſehen. Sobald wir in der Wohnung angekommen waren, wiederholte Slaas Baſter, daß ſein Bruder, ſo bald ihr Vieh Lon der Weide zuruͤck kaͤme, mit allen ihren Och⸗ ſen, und einer hinlaͤnglichen Zahl von Hottentotten aufbrechen, und den alten Swane⸗Poel nebſt ſeinen vier Gefaͤhrten abholen wuͤrde. Zugleich ſendete er weinen Leuten die noͤthigen Lebensmittelz daher er alle bei mir hald zu ſehen hoßfen konnte. Dieſes Unternehmen erfüllte mich mit der groͤßten Freude; ich ſendete drei meiner Leute auf den Weg mrůck, welchen wir zwiſchen den beiden Bergketten Kenommen hatten, und beorderte ſie, ſtets der Spur unſerer Raͤder zu folgen. Vachmittags beſchaͤftigte ſich Elaas Baſter, eine Huͤtte für meine Leute zu ver⸗ tertigen; gegen Abend trat deſſen Bruder mit meinen Schuͤtzen die verabredete Reiſe an. Des andern Tags jagte ich in der Umgebung; bei meiner Ruͤckkehr wurde ich durch den Anblick meiner Flagge, welche auf dem Geielte wehte, ſehr angenehm uͤberraſcht; denn meine ſimmtlichen Wagen und Leute, nebſt 11 Ochſen, 2 Pferden und allen Siegen waren bereits eingetrvffen⸗ Xl. Am a3ſten Juli war ich hier angekommen; urch einem Aufenthalte von 18 Tagen bei Klaas Baßter fuhlte ich lange Weile, und ſehnte mich zur Abreiſe. Von meinen Ochſen waren nur ſieben un⸗ terdeſſen geſund geworden, die uͤbrigen ſechs ſchienen — 22¹ ſch nicht mehr zu erholen; meine Pferde hatten ſich gleichfalls ertholt. Ich tauſchte einige Ochſen von Klaas Baſter ein, und bewog ihn ſogar, gegen Belohnung in Geld, Tabak und Branntwein mich zu begleiten. Der Gebrauch des Feuer⸗Gewehres iſt den Hottentotten eigentlich verboten, ich hinterließ aber der Familie 10 Pfund Pulver, das nothige Blei und eine Flinte, und verſprach die Erlaubniß zu bewirken, ſich desſelben zu bedienen. Zum Abſchiede beſchenkte ich jedes einzelne Glied von Baſter's Horde; am 10. Luguſt verließ ich dieſelbe. Nach einem Marſche von drei Tagen ſchlugen wlr ünſer Lager bei dem Schwarz⸗Dorn„Fluſſe auf, deſſen Ufer mit hohen Mimoſa⸗Baͤumen auf bei⸗ den Seiten beſetzt ſind. XII. Unterdeſſen waren wir in die Naͤhe der Camis⸗Berge gekommen. Als wir uns gelagert datten, ſo kamen einige benachbarte Hottentotten zu uns. Sie wunderten ſich uͤber unſere kraftloſen Och⸗ ſen, und aͤußerten, wir wuͤrden das hochgelegene Na⸗ mero kaum erreichen. Sie riethen mir daher aus dem nahen Gehoͤfte des Koloniſten von Weſterhuy⸗ ſen einige Ochſen als Vorſpann zu erbitten. Bei dem Aus ſpruche dieſes Namens wurden die beiden Bruͤder Bater todt blaß, indem er ihr Vater war, und ſie eine große Gefahr fuͤr ſich beſorgten. Sie wollten da⸗ ber ſogleich mit ihrem Geſpanne zuruͤck kehren und mich verlaſſen. Ich verſprach ihnen aber, etwas wei⸗ er zu fahren, und ſie in meinem Wagen und Zelte moͤglichſt zu verſtecken. Durch einen meiner Diener erbat ich mir von Weſterhuyſen einige Geſpanne Ochſen, welche auch des andern Morgens eintrafen. Waͤhrend wir in einiger Entfernung auf der Höhe uns gelagert hatten, begab ich mich in das Gehoͤfte, und wurde gut aufgenommen, nachdem ſie dutch den vor⸗ aus geeilten Pinard von mir ſchon benachrichtigt waren. Der Vater, ein faſt Jojaͤhriger Greis, ſaß in einer Ecke des Hauſes, ohne ein Wort zu ſprechen. Denn da er an Engbruͤſtigkeit litt, ſo legte ihm ſeine Frau ein ewiges Stillſchweigen auf, um ſeine Bruſt zu ſchonen. Einer ſeiner zwei Soͤhne war ſechs Fuß boch, ſeine Cochter ſehr huͤbſch, die andere des Ver⸗ ſtandes beraubt. Da ich den Alten doch als den Herrn im Hauſe betrachtete, ſo zog ich ihn ungeachtet des Verbots ſeiner Frau oͤfters in das Geſpraͤch. Ich fragte ihn uͤber ſein deutſches Vaterland, die Zeit und Beweggruͤnde ſeiner Auswanderung nach Afrika. So angenehm dieſe Erinnerungen ihm waren, ſo un⸗ terbrach ihn doch ſeine Frau, welche ſich fur eine Fran⸗ zoͤſin aus der Brovenee geltend machen wollte, in Lfrika zwar geboren, aber doch provenealiſch erzogen worden ſey. Wir konnten hier keine Ochſen kaufen; ich ließ mich zu zwei Koloniſten am Camis⸗Berge fuͤh⸗ ren, welche noch groͤßere Heerden von Ochſen beſitzen ſollten. Wegen des Schnees, welcher bier in ſo groſ⸗ „ 223 ſen Flocken fiel, als in den noͤrdlichſten Landera von Europa, konnten wir weder den Weg, noch die Be⸗ ſchaffenheit des Bodens erkennen. Ich war ſo gluͤck⸗ lich, 7 Ochſen und 2 Kuͤhe bei einem, bei dem andern s Ochſen, bei dem dritten 3 zu kaufen. Da ich vom Baſter ſchon 14 gekauft, und von Klvet einige er⸗ bandelt hatte; ſo hatte ich jetzt wieder 4s Stuͤcke. Obſchon dieſelben mir nicht hinlaͤnglich waren, ſo konnte ich mich doch in dieſen kalten Gegenden nicht laͤnger aufhalten. Auf den Camis⸗BVergen, welche ich fuͤr den hoͤchſten Theil des mittaͤgigen Afrika's halte, iſt die Luft aͤußerſt ſcharf und empfindlich. Waͤhrend neiner Ruͤckkehr vom Lager hatte die Kaͤlte noch be⸗ traͤchtlich zugenommen. Ich fand zwei Zoll dickes Eis, und es ſchneite ununterbrochen. Durch die wohlthaͤ⸗ tigen Strahlen der Sonne wurde ich erſt im Thale des Gruͤnen Fluſſes erwaͤrmt. Am Fuße eines Felſens ſah ich ploͤzlich einen Trupp Zebras, welche ſich dort gegen den Wind geſichert in der Sonne erwaͤrmten. Durch einen gluͤckiichen Sufall konn⸗ ten wir ein Weibchen fangen, deſſen ich mich auf dem Ruͤckwege zum Reiten ſo gut, wie meines Pfer⸗ des bediente, und welches als Leckerblſſen der Hotten⸗ totten nach unſerer Ruͤckkehr geſchlachtet wurde. inſer Weg noͤthigte uns beſtaͤndig neben dem ufer des gruͤnen Fluſſes zu gehen. Die Kuͤhle des Thales, die Kruͤmmungen des Fluſſes, und die ab⸗ wechſelnden berrlichen Ausſichten, beſchaͤftigten meine 24⁴ Einbildung auf das Angenehmſte. Unter den herrli⸗ cden Blumen und Pflanzen, mit welchen der gruͤne Teppich durchwirkt war, machten mehrere beſondern Eindruck, z. B. das Storchſchnabel⸗Kraut mit gelben und weißen Blumen auf einem Stamme. Nach mei⸗ ner Ruͤckkehr glaubte die Familie Weſterhuyſen⸗ ich ſollte meine Ochſen erſt einige Tage zuſammen ge⸗ woöhnen laſſen, wahrend welcher Zeit ſie ſehr ver⸗ gnuͤgt mit mir leben koͤnnten. Ich benutte dieſe Ge⸗ legenheit, dieſelbe mit Baſter auszuſoͤhnen, welches durch wechſelſeitiges Haͤndedrucken vollzogen wurde. Er war außer ſich vor Freude, und konnte ſeinen Leitern, wie mir, ſeine volle Erkenntlichkeit nicht genug ausdruͤcken. Seine Verlegenheit war mir ein boher Genuß. Ich theilte ſeine Ruͤhrung mit ihm, und freute mich zum Gluͤcke eines Menſchen beigetra⸗ gen zu daben, weicher mir und den Meinigen das Le⸗ den gerettet hatte. Von Weſterhuyſen liehe mir des andern Ta⸗ ges die nothigen Geſpanne, der Alte begleitete uns in einem beſondern Wagen, weil wir bei ſeinem Schwager Engelbrecht das Nachtlager nehmen ſollten. Der aͤlteſte Sohn fuͤhrte den Wagen, eine Höflichkeit der Koloniſten zum Beweiſe ibrer Achtuns. In dieſem Gehoͤfte brachten wir vier Tage unter den aufrichtigſten Beweiſen der Freundſchaft zu. Wir tranken Punſch, machten mit Maultrommeln und ei⸗ net alten Violin Muſik, vertanzten den großten Theil 2²5 der Naͤchte, und gingen während des Tages auf die Jagd. Auf den Bergen fand ich wohl ſchoͤne Pflan⸗ zen, aber in der Jagd konnte ich weder Zebra, noch Paſan, noch Kondun auf die Schußweite gewinnen. Zum Abſchiede erhielt ich einige Schafe, und eine Kuh, welche ich ſchlachten, und fuͤr meine Leute ein⸗ ſalzen ließ, nebſt einer Quantitaͤt Tabak. Da er naͤchſtens nach dem Kap reiſen wollte, ſo bot Engel⸗ brecht mir auch ſeine Ochſen fuͤr meine 3 Wagen bis zum großen Fluſſe an, um meine Ochſen auf dieſer Reiſe zu ſchonen. XIII. Nach einem vierſtuͤndigen Marſche hielten wir bei einer Quelle, an welcher viele Stein- oder Felſen⸗Huͤhner ſich aufhielten, und durch unſere Ge⸗ genwart ſich nicht verſcheuchen ließen; ſie waren fur unſere Kuͤche ein wahres Manna in der Wuͤſte. Aus meinem Zelte ſchoß ich jedes Mal einige und zwan⸗ zig. In jenen Bezirken, in welchen Waſſerteiche ſich befinden, zerſchneiden die Wilden die Wolfs⸗Milch in runde Scheiben, werfen ſie in das Waſſer, und ſetzen dieſes oͤfters in Bewegung, um den Auszug der wirk⸗ ſamſten Theile dieſer Pflanze deſto ſchneller zu befoͤr⸗ dern. Halten ſie das Waſſer binlaͤnglich vergiftet, ſo ziehen ſie die auf der Oberflaͤche desſelben ſchwimmen⸗ den Scheiben wieder heraus, damit deren Anblick die kommenden Tbiere nicht leicht verſcheucht. Dieſe weit wirkſamere Methode wuͤrde unter dem Wilde 226 eine große Niederlage bewirken, wenn es nicht durch ſeinen Inſiinkt geſchuͤtzt wurde. Denn viele Thiere haben ein ſo feines Gefuͤhl, daß ſie ein ſo vergiftetes Waſſer wenigſtens bei Tag leicht unterſcheiden. Des⸗ wegen bewachen die Wilden ſolche Waſſer⸗Behaͤlter waͤhrend des Tags, um die Thiere zu verſcheuchen, welche dann Nachts deſto ſicherer kommen ſollten. Ich fand eine ſehr ſchoͤne Art von Wolfs⸗Milch⸗ deren Neuheit der Beſchreibung werth ſeyn moͤchte. Sie haͤngt mit der Erde nur durch einige duͤnne, ſehn faſerige Wurzeln zuſammen, waͤchst 9— 10 Zoll hoch, und gleicht nach der gewohnlichen Kruͤmmung voll⸗ kommen einer Gurke. Der milchige Saft dieſer Pflanze ſchien mir nicht ſo beißend, als jener der groͤſ⸗ ſeren oben erwaͤhnten. Sie iſt von gelbgruͤner Farbe, neigt ſich gegen die Wuriel in das violette, hat einen ſehr reizenden Anblick, und ſoll ſehr giftig ſeyn, wie Swane⸗Poel und andere Hottentotten mich ver⸗ ſicherten. In keiner Gegend hatte ich noch Blumen und Pflanzen angetroffen, welche ſich durch Glantz, Farbs und Geſtalt ſo ſchön auszeichneten wie jene, welche ich hier fand. Ich blieb ſehr oft ſtehen, und weidets meine Augen an ihrem Anblicke; ſie wuͤrden den praͤch⸗ tigſten europäiſchen Blumengaͤrten zur Zierde dienen. Vielleicht könnten manche Farben, welche wir an in⸗ diſchen Zeugen ſo ſehr bewundern, aus ihnen erzeugs und manche unbeilbar ſcheiuende Krankveit gebobe 227 werden. Da ich in der Pflanzenkunde ſehr unwiſſend war, ſo begnuͤgte ich mich, die ſchoͤnſten Blumen ab⸗ zubilden, und Saamen zu ſammeln. Anch trocknete ich einige zwiſchen Papier, ovſchon dieſe Methode dis eigentliche Form der Pflanze durch das Duetſchen zwiſchen dem Papier vernichtete. Auch ſieht eine Blume, welche in Afrika purpurfaͤrbig war, wenn man ſie getrocknet nach Europa bringt, der Farbe des Tabacks, oder einer duͤrren Zwiebelſchale gleich. Wie kann man aber die Natur ſolcher Pflunzen an todten und eutfaͤrbten Blaͤttern erkennen? I. Am 11ten September brach ich bei großer Hitze auf; nach zwei Stunden fanden wir einen Waſſer⸗ Bebaͤlter in der Mitte eines Felſen. Meine Hunde batten bereits in großer Entfernung das Waſſer ge⸗ wittert, und ſprangen haſtig ein, um ſich zu badenz allein es war vergiftet von der Wolfsmilch. Zwei meiner Hunde, welche getrunken hatten, lagen gleich am Rande des Behaͤlters in Zuckungen. Die uͤbrigen trieb ich ſchnell aus dem Waſſer; den beiden Kranken ließ ich ofters Thran eingießen. Dieſes verurſachte hef⸗ tiges Erbrechen, welches ihre Geneſung befoͤrderte; doch füblten ſie faſt 14 Tage einige Rachwehen, und bo⸗ — — 228 ſonders eine ſolche Steifheit in den Gelenken, daß ſie nicht gehen konnten; weswegen ich ihnen ein Lager auf dem Wagen anwiet. Waͤhrend der 14 Tage wei⸗ gerten ſie ſich, eine andere Nahrung als etwas Milch zu nehmen. Es war fuͤr uns ein Gluͤck, daß die Be⸗ gierde der Hunde nach dem Waſſer uns zur Warnung diente, ſonſt haͤtten leicht die Ochſen, oder mancher Hottentotte ſelbſt von dem Waſſer den Tod geholt⸗ Doch iſt nicht die ganze Maſſe des Waſſers vergiftet⸗ ſondern der hariige Saft ſchimmert auf demſelben⸗ wenn es rubig iſt, in Geſtalt eines gruͤnlich glaͤnzen⸗ den Dels. Ich brachte mittels eines Strohhalms et⸗ was auf die Zunge, und fuͤhlte ſogleich eine Art von Brennen. Hielt ich auf der Hand meinem Affen et⸗ was vor; ſo beroch er es zwar, entfernte ſich aber ſchnell. Mein Hottentotte Kees hatte etwas Pflan⸗ zen Saft und Milch zugleich verſchluckt, ohne nach⸗ theiligen Erfolg; wir konnten alſo die Milch als Ge⸗ gengift anſehen. Ich begnuͤgte mich eine kleine Flaſche mit dem Safte der Wolfsmilch zu fullen. 1I. Wir befanden uns im Lande der kleinen Na⸗ maquas. Nach einem Marſche von mehreren Mei len trafen wir zwanzig Huͤtten der Bewobner, untes welchen auch eine weiße Frau war, bedeckt mit eini⸗ gen gegerbten Fellen nach Art der afrikaniſchen Wei⸗ ber, hatte aber weder Kroos, noch das kleine Schuͤrt chen. Ihre Kinder waren auch mit Thierfellen beklei⸗ det; Ulos ibre langen Haars vertietben ibre Abkunſt „ 229 in der Haut⸗Farbe und Sprache waren ſie von den Kindern der Namaquas gar nicht unterſchieden. Obſchon dieſe Sprache auch das dreifache Schnalzen mit der Zunge hat, wie jene der Hottentotten; ſo be⸗ merkte ich doch, daß die Namaquas ſich writ haͤn⸗ ſiger der rauben aus dem Schlunde gezogenen Toͤne bedienen, welche die Woͤrter bei ſchnellem Ausſtoßen fuͤr die Ohren eines Fremden wenigſtens einige Zeit unverſtaͤndlich machten. III. In einiger Eutfernung ſchoß ich ſehr viele Lerchen, und eine beſondere Art von Haſen, welche weit kuͤrzere Ohren und Hinterfuͤße hatten, als die unſerigen. Ich traf vielleicht 20 Huͤtten, uͤber welche Schvenemacker herrſchte, ein kleines Maͤnnchen mit einer rothen Muͤtze und im Anzuge einem hollaͤn⸗ diſchen Matroſen aͤhnlich, welcher aus der Kolonie enwichen war. Um ihn ſtanden mehrere nackte Maͤd⸗ chen, deren alteſte kaum neun Jahre alt war; wegen ibrer Schonheit und kindiſchen Grazie könnte man ſie mit einem Haufen kleiner Liebesgötter vergleichen. Als er mich und meine Begleiter ſah, gerieth er in die groͤßte Furcht. Zu ſeiner Beruhigung ſprach ich des Dberſten Gordon Gruß aus; und uͤberreichte ihm deſſen Brief. Da er nicht leſen konnte, ſo bat er mich, ihn mit dem Inhalte bekannt zu machen. Zum Ausdrucke ſeiner graͤnzenloſen Freude, ließ er ohne mein Wiſſen einen Ochſen und mebrere Schaafs ſchlachten, deren Fleiſch er unter meine Leute ver⸗ 230 theilte. Bald naherten ſich mir ſeine Weiber und Kinder, weswesen ich den Sitz ſeiner Horde das Serail nannte. In der Naͤhe fand ich viele kleine Geier, von einer weiblichen Iſabel⸗Farbe, welche Buffon die Aegyptiſchen— die Namaquas aber die weißen Kraͤhen nannten. Auf den Bergen fand ich verſchiedene ſchöne Pflanzen, z. B. zwei Arten von Lilien mit einer einzigen Blume, eine von karmoiſin⸗ rother, die andere von citrongelber Farbe. Schönemacker ließ ſeine Ochſen vor meine Wa⸗ gen ſpannen, und ich trat dann meine Reiſe zu einer andern Horde der kleinen Namaguas an. Ihr Land erſreckt ſich in der Laͤnge von den Camis⸗ Bergen bis zum abendlaͤndiſchen Meer, und in der Breite vom Lande Namero bis jum ufer des groſ⸗ ſen Fluſſes. Die Zahl der Einwohner maa ſich auf 6000 belaufen;z allein durch die Einfaͤlle der Buſch⸗ Hottentotten, und durch die Duͤrre des Bodens wird dieſe ganze Volks⸗Race bald verloͤſchen, wie viels andere Racen des mittagigen A frita's. 1v. Faſt bei alen Horden fand ich Arm⸗ und Hals⸗Vaͤnder, und Dhr⸗Gehaͤnge aus Kupfer, groß⸗ ſtentheils von ihnen noch geſchmolzen und bearbeitet. Manche Namagnas irugen in einem Ohre ſechs Gehuͤnge von der nämlichen Geſtalt, im andern kei⸗ nes, wie auch manche nur einen anderen Arm von der Handwurzel bis zum Ellenbogen mit kupfernen Armbändern behaͤnst hatten. Manche hatten einen „ 231 Theil ihres Geſichtes mit Farben beſchmiert, und in regelmaͤßige Felder getheilt, den andern weiß gelaſſen, oder mit andern Farben bemahlt. Ihr Kroos und uͤbrigen Kleider waren mit vielen Glas⸗Perlen und runden Kupfer⸗Kuͤgelchen behaͤngt; auch ihre Haare batten ſie verziert und mit eckelhafter Schmiere be⸗ deckt. Das Schaam⸗Schuͤrzchen der Weiber war mit verſchiedenen Reihen von Glas⸗Perlen verziert. Regen gibt es in dieſem Lande nicht, wenn er nicht manchmal durch ein Gewitter herbeigefuͤhrt wird; daher mag die geringe Furchtbarkeit kommen. Von Namero bis zum großen Fluſſe erhebt ſich der Boden in eben dem Grade, als die Berge niedriger werden. Dieſe erheben ſich auf einmal, jenſeits des großen Fluſſes, und der dazwiſchen gelegene Boden erniedrigt ſich bis zu einer zweiten Reihe der Felſen. Da alſo dieſes Land weder große Waͤlder, noch hohe Berge hat, um die Wolken anzuhalten; fo ziehen dieſe ungehindert uͤber dasſelbe weg, und entladen ſüch des Waſſers auf den Spitzen der Camis⸗Berge in der Seſtalt des Schnees, in den Thaͤlern aber als Regen. Schoͤnemacker führte uns anfangs nach der nord oͤſtlichen Seite zu den ſogenannten Kupferber⸗ gen, an welchen ich weder Kriſtaltſation, noch reinge⸗ diegenes Kupfer, ſondern nur Malachit fand. Die Berge beſtehen aus einem mit Glimmer vermiſchten Granit. Unter den Gewächſan daſelbſt etwahne ich 73. Sd. Afeika. III. 2. 7 die Aloe;(dichotoma), welche 20— 30 Fuß hoch wird⸗ deren Stamm glatt, und mit einer weißen Haut be⸗ deckt iſt. Iſt ſie noch jung und 4— 6 Fuß hoch, ſo endigt ſich ihr Gipfel in einem Buͤſchel von Blaͤttern wie Ananas; aus der Mitte der Krone treiben dann die Blumen hervor. Bei fortſchreitendem Wachs⸗ thume treibt der Stamm gleichartige Seitenzweige hervor. Dieſer Koͤcherbaum gedeihet weit mehr auf Bergen, als in der Ebene; ſein⸗ ſchwache Wurzel gedeihet auf Felſen, welche nur drei Zoll hoch mit Erde bedeckt ſind. Aus den jungen Staͤmmen dieſer Baͤume verfertigen die weſtlichen Voͤlker ihre Koͤcherz daher der Name Koͤcher⸗Baum. Wir zogen meb⸗ rere Tage uͤber eine hoͤchſt unwirthbare Ebene ohne alles Waſſer; als wir daher auf einmal gegen Nord⸗ Weſt das Geräuſch eines Fluſſes hoͤrten, wurden wir ſo erheitert, daß meine Leute ein Freudegeſchrei er⸗ boben. Denn ſeit dem Elephanten⸗Fluſſe hatten wir keinen Fluß mehr getroffen, und mußten uns mit ſchlammigtem Waſſer der halb ausgetrockneten Berg⸗ ſiroͤme begnuͤgen. Während meine Karavane einem Ba⸗ chanal glich, füllten ſich meine Augen in der Stils mit Thraͤnen. Bei der Ankunft am Fluſſe badeten wir alle und unſere Thiere uns gemeinſchaftlich. Des Fluß gleicht am ſchmaͤlſten Orte der Seine zu Paris. v. Eine jede Art der Voͤgel ſchien hier einen gewiſſen Baum oder Strauch zum beſonderen Aufent⸗ balt gewoblt zu haben, ſo z. B. fand ich viele hun⸗ — 23 derte ganz kleine Pagagaien, in der Groͤße der brafs lianiſchen Sperlinge; ihr Schnabel iſt faſanfaͤrbig, et⸗ was in das rothe fallend; der Hals vorn roſenroth, die Stirn etwas dunkel, der Schwanz ſehr kurz, grün mit abwechſelnden roſenfarbigen und rothen Streifenz der Steiß blau, und der ganze uͤbrige Koͤrper grünz ſie waren eine vortreffliche Speiſe. Der Strauch, auf welchem ſie ruhten, hatte taͤglich veraͤnderte Dornen, die obern lang und ſehr ſpitzig, die untern gekruͤmmt. Steckte ich die Hand in einen ſolchen, ſo wurde ich von den obern Dornen verwundet; wollte ich ſie zuruͤck ziehen, von den untern. Auf den nahen Bergen gab es viel Haſen, welche nach der Farbe, den gehegten Kaninchen glichen. In den Wäldern fehlte es nicht an Stein⸗ oder Haſe⸗Huhnern unge⸗ woͤhnlicher Art, noch weniger an großen Rebhuͤhnern und mehreren neuen Arten kleiner Voͤgel. Neue In⸗ ſekten entdeckte ich beſonders an den Mimoſa⸗Baͤm men. Der Schein unſerer Feuer hei der Nacht, und das Schießen hei Tage, hatte verſchiedene Horden der großen Namaquas herbeigezogen, welche einige Meilen jenſetts des Fluſſes ſich aufhielten. Alle dieſe Wilden zeigten ſich gegen mich ſehr freundſchaftlich, und ich erfreute ſie immer mit dem Geſchenke einiger Produkte unſerer Jagd. Sie erzäblten mir, daß ich zwei Tagreiſen weiter Nordwarts viele Giraffen und Rbinocepos antreffen wurde. Da ich die ganze Umge⸗ 234 bung am linken Ufer des großen Fluſſes genau ken⸗ nen gelernt hatte, ſo wollte ich nun auch das rechte kennen lernenz ich ſetzte alſo mit meinem Floß uͤber. Bald hatte ich mich daſelbſt genau umgeſehen, und ich hegte den Wunſch, dieſe Gegend ſobald als mög⸗ lich zu verlaſſen. Waͤhrend der fuͤnf Wochen meines Aufenthaltes an beiden ufern hatte es nur einmal wenig geregnet. Wir naͤherten uns dem Monate No⸗ vember, und die zunehmende Hitze war bereits fuͤhl⸗ bar; Mangel an Futter fuͤr unſer Vieh ſpiegelte uns das traurigſte Schickſal wieder vor. Ich wollte daher mein Lager unter Swanepoels Aufſicht auf einige Zeit verlaſſen, um jenſeits des Fluſſes die mir noͤthigen Zug⸗Dchſen einzutauſchen, und zugleich einige Giraffen zu erlegen, welche mich füͤr die Muͤhe und Koſten der Reiſe entſchaͤdigen ſollten. vI. Ich waͤhlte zu dieſem Ausfluge Klaas Ba⸗ ſter, s Schuͤtzen, 8 Namaguas, 4 Hunde, den Af⸗ fen, 2 Pferde, und s Dchſen jum Tragen meiner Equ⸗ vage und Proviant. Die Namaquas, welche in der Gegend bekannt waren, riethen mir nach einem ſechs⸗ uͤndigen Marſche, das Lager zu ſchlagen und des an⸗ dern Tages das ufer des Fluſſes zu verlaſſen, indem wir in der Ebene die Giraffen eher anzutreffen hoffen koͤnnten. Waͤhrend der Nacht wurden wir durch das Gebrull dreier Loͤwen beunruhigt. Nachdem wir zwei Tage gegangen waren, ſtieß ich auf eine Horde, aus welcher ein ehrwurdiger Greis mir entgegen kam. Er — ——— 235 beſchenkte mich mit einigen Schaafen, für welche ſeine Leute ſich Tabak erbaten, wie ich um Milch erſuchte. VII. Den 1oten November begab ich mich am fruͤhen Morgen auf die Jagd; 6 Giraffen konnte ich nicht einholen, aber die ſiebente wurde durch meine Hunde ſo beſchaͤftigt, daß ich Gelegenheit bekam, ſie zu erle⸗ gen. Ich rief ſogleich meine Leute herbei, um die Freude dieſes Sieges mit ihnen zu theilen. Meine erſte Sorge war, das Maaß und die Verhaͤltniſſe der verſchiedenen Theile des Thieres genau zu zeichnen. Um die ganze Haut abzuloͤſen, machte ich den erſten Ein⸗ ſchnitt von der untern Lippe bis zum After. Nach dieſem erſtern brachte ich noch vier Einſchnitte an, und zwar an der innern Seite eines jeden Fußes, vom Hufe an bis zum Bauche. Waͤhrend ich mit einigen Hottentotten beſchoͤftigt war, die Haut des Thieres abzuziehen, entdeckten einige Namaguas bei dem Holzſammeln eine Quelle. Hier ließ ich die abgezogene Haut reinigen, und ſchenkte das Fleiſch des Thieres meinen Begleitern. Das gebratene Fleiſch der Giraſſe fand ich ſehr ſchmackhaft, und das Fett derſelben diente mir lange Zeit auf der Reiſe, wenn ich etwas von dem getrockneten Fleiſche des Thieres braten ließ. Um die Haut des Thieres zu reinigen und zu trocknen, beſtreute ich ſie gleichmoͤßig an allen Thei⸗ len mit Holzaſche. Mit der Bereitung der Hufe war ich bald fertig; deſto langſamer ging es mit dem Kopfe. Den Raum der vom Fleiſche befreiten Theile füllte 236 ich mit Flachs aus, um die natürliche Geſtalt der Theile zu erhalten. Weil ich die Hirnſchale ſelbß micht zerbrechen oder oͤffnen wollte, gerieth ich auf den Einfall, das Gehirn mit einem rauhen Körper, als wie mit einem Schwamme, nach und nach herauszu⸗ ziehen. Mit einem eiſernen Drahte, deſſen Spitze ich mit den aus den Krooßen meiner Hottentotten gezo⸗ genen Huaren verſah, drang ich in die Deffnung den Pirnſchale, zog das Gehirn heraus, und fuͤllte die Hoͤhle mit Aſche aus. Die uͤbrigen Theile des Kopfes machten mir wenig Muͤhe. Die Aſche leiſtete theils durch ihre austrocknende Eigenſchaft, und theils als alkaliſches Mittel, mir ſehr gute Dienſte. Die Giraffe iſt ein wiederkauendes Thier; ihre gewöhnlichſte Nahrung iſt eine Art Mimoſa, welche die hohandiſchen Koloniſten Kameel⸗Dorne nennen⸗ Der ſchoͤnſte Theil der Giraffe iſt der Kopf; der Mund iſt klein, die Augen ſind lebhaft und weit geoffnet. Zwiſchen den Augen und uber der Naſe bemerkt man eine hervorſtehende Erhabenheit, welche aus einer An⸗ ſchwellung der knochernen Theile beſteht. Eine gleiche Bewanbniß hat es mit zwei Beuteln von der Groͤße eines Huͤhner Eies am Hinterkopfe auf jeder Seite der Maͤhne. Die Hufe der Giraffe ſnd geſpalten, jedoch die vorderen ßaͤrker und dicker als die Hintern. Dis Beine ſind fein und ſchoͤn, aber das Knie iſt von Haaren entblößt. Es iß ein Itrthum zu glauben, daß . „ die vordern Beine dieſes Thieres hoͤher, als die hin⸗ tern ſeyen. Was die anſcheinend groͤßere Hoͤhe der vordern veranlaßt, iſt die Hoͤhe des Wiederoſſes, der, nach dem Alter, die Krouppe um 16— 20 Zoll uͤber⸗ ſeigt. Daher die vordern Beine dieſes Thieres bei dem Laufen eine groͤßere Laͤnge, als die hinteren zu baben ſcheinen. Da der vordere Theil des Koͤrpers breiter iſt, als der Hintere, ſo bemerkt man letztern faſt gar nicht, wenn man das Thier gerade von der vordern Seite erblickt. In dieſer Gegend fand ich ſerner Gazellen, Fels⸗ buͤhner, zuweilen einige Buͤffel, Zebras, Nashoͤrner, und Elephanten. Auch bemerkte ich den Durchzug der großen und kleinen Wespen⸗Freſſer. Die erſte Gattung dieſer Voͤgel iſt am Kap, ſo wie im ſuͤdli⸗ chen Frankreich, ſehr haͤuſig; die zweite unterſchei⸗ det ſich von den übrigen bekannten Voͤgeln dieſer Art durch ihren gabelfoͤrmigen Schwanz. Dieſer ſchoͤne Vogel heißt bei den Ramaguas wegen ſeiner gruͤnen Farbe, tawa(Galle). Auch kaufte ich bei den Ka⸗ minouquas das Fell einer wilden Katze, welche alle Kennzeichen des Luchſes an ſich traͤgt. Das Fell bat eine dunkel fuchsrotbe Farbe, aber ſchwarze Dh ren, uͤber welche ein Buͤſchel ſchwarze Haare hervor⸗ ragt. VIII. Bei dem Aufbruche von dem Kraale der Kaminouguas⸗miethete ich 2 Ochſen, welche auf einer Bahre die Giraffenhaut trugen. Bei dem An⸗ 5 L 238 6 ⸗ blicke der Bahre konnten die Wilden ihre Bewunde⸗ rung gar nicht genug ausdruͤcken. Als wir den Loͤ⸗ wen⸗Fluß erreicht hatten, war meine Zuruͤckkunft in dem Lager ein Feſt fuͤr die Hottentotten. Als ſie aber hoͤrten, daß ich nicht geſonnen ſey, nach dem Kap zuruͤck zu kehren, ließ ihre Freude bald nach. Da ſich waͤhrend meiner Abweſenheit meine Hotten⸗ totten fremde Weiber geholt hatten, und Unordnung dadurch im Lager entſtanden war, ſo mußte zu Mit⸗ teln geſchritten werden, welche das Uebel aus dem Grunde heilen konnten. Ich faßte den Entſchluß, die Hottentotten⸗Damen fortzuſchicken. Hieruͤber ent⸗ ſtand allgemeines Murren und Widerſpaͤnſtigkeit. Als ein Hottentotte, Namens Adam, ſich weigerte, mei⸗ nem Befehle nachzukommen, zwei verloren gegangene Schaafe aufzuſuchen, warf ich ihn mit einem Fuß⸗ tritte auf den Boden, ſpannte meine Guͤrtelpiſtole, und rief ihm zu, ſich zu entfernen. Er that dieſes mit der groͤßten Eile. Da ich ihn mit den Piſtolen nicht mehr erreichen konnte, blieb er ſtehen, und ſprach einige Worte, welche Drohungen zu verrathen ſchienen. Ich ſchoß nach Adam; er verlor ſich ſo⸗ gleich aus unſern Augen, und großer Schrecken wurde unter die üͤbrigen verbreitet. Dieſes Mittel wirkte. Meine Hottentotten wurden nun auf andere Gedan⸗ ken gebracht. Mit dem Anbruche des Tages fand ich alles geborſam und rühig, und Klaas, mein Ver⸗ trauter, brachte mir die Nachricht, daß die Aufruͤhrer 239 um Vergebung der begangenen Fehler, und um Be⸗ gnadigung der Weiber bei mir einkommen wollten. Das Zuruͤckbleiben der Weiber geſtattete ich, je⸗ doch unter der Bedingung, daß bei dem geringſten Verſehen das Weib des Schuldigen fort gejagt wer⸗ den ſollte. Auf einem Spaziergange an dem Ufer des Fluſſes, fand ich meine verlornen ZSiegen, das Lamm aber von einem Tiger zerriſſen. Da Adam reumuͤ⸗ thig zuruͤckgekehrt war, ſo ſellte ich Anfangs ſeiner Aufnahme ſcheinbare Hinderniſſe entgegen, und gab den Befehl, daß er bis zu meiner Ruͤckkehr in dem Lager bei Swanepoel bleiben ſollte. Die naͤmlichen Hottentotten, welche mich des Tags vorher verlaſſen wollten, weil ich ihnen meine neue Reiſe ankuͤndigte, bewarben ſich jetzt ſaͤmmtlich um die Ehre, mich be⸗ gleiten zu duͤrfen. Der 44. Deiember war als Tag zur Abreiſe beſtimmt. Ich nahm nur die Haͤlfte meiner Leute, und einige Kaminouquas⸗Familien mit, welche aus Nei⸗ gung mir gefolgt waren. Von letzteren miethete ich 2 Ochſen, und fugte dieſen noch 7 gekaufte hinzu. „Jeder Ochſe hatte einen beſtimmten Fuͤhrer, und einen beſtimmten Gegenſtand zum Tragen. Unſere Kara⸗ vane beſtanden aus 60 Menſchen und 40 Stuck Vieh, welche ſaͤmmtlich in den beſten umſtaͤnden auszogen, aber nicht in eben dieſem Zuſtande zuruͤck kamen. Die Weiber zeigten ſich waͤhrend der ganzen Reiſe luſtig 2⁴⁰ und munter, tanzten und ſprangen und unterhielten die Karavane beſtaͤndig in guter Laune. XI. Vor meiner Abreiſe gab ich dem Swanesn poel Befehl, 4—6 Monate auf mich am Dran⸗ gefluſſe zu warten. Nach Verlauf dieſer Zeit koͤnns er nach dem Namero zuruͤckkehren, dort einige Zeit ſich aufhalten, und dann auf das Kap ſich begeben. Ich hinterließ ihm meine ſaͤmmtliche Reiſe⸗Nachrich⸗ ten, und die noͤthige Weiſung, dieſelben meiner Fa⸗ milie zu uͤberliefern, im Falle er nichts weiter von mir hoͤren ſollte. Nach neberreichung von zwei Brie⸗ ſen, deren einer an Gordon, der andere an Ser⸗ rurier gehoͤrte, beſtieg ich das Floß, und verfuͤgte mich zu meiner Karavane. Die Jabres⸗Zeit war außerordentlich heiß, es zeigten ſich an jedem Tage Gewitter. Allein dieſe entluden ſich nicht bei uns, ſondern ſammelten ſich in den hohen abgelegenen Vergen. Der wenige Re⸗ gen, welcher von Zeit zu Zeit fiel, erzeugte das ſoge⸗ nannte Buſchhottentotten⸗Gras. Damit nun unſere Ochſen dieſes etwas genießen konnten⸗ ließen wir ſie alle in einer Reihe neben einander gehen, ſo⸗ daß die Karavane oft eine halbe Meile von einem Ende bis zum andern einnahm. Man entdeckt bei eeinem ſolchen ausgedehnten Wege die Quellen leic ter. Auch fanden wir gleich am erſten Tage eins Mineral⸗Quelle. Die Sonnenhoͤhe fand ich 2 Grad *Min. Br. Am vierten Tage unſerer Reiſe erreich⸗ „ 241 ten wir einen mit den ſchoͤnſten Baͤumen bepflanzten Ort, wo wir ſehr reines Waſſer fanden, und in der Ferne Giraffen, Gazellen, das Gnon und mehrere un⸗ bekannte Voͤgelarten ſahen. Die Weiber zeigten ſich bier zu meinem Dienſte ſehr eifrig. Als ich Abends an dem ufer des Loͤwen⸗Fluſ⸗ ſes luſtwandelte, entdeckte ich faſt im Bette desſel⸗ ben eine ſo ſtark geſalzene Quelle, daß ich keinen Tropfen von dem Waſſer auf der Zunge leiden konnte. Wahrſcheinlich dringt dieſe Quelle bei ihrem unterip⸗ diſchen Laufe durch ein Steinſalz⸗Lager, welches ſio sum Theil aufloͤſet, und wegen der Hitze des Klima“s um ſo mehr davon aufnimmt, weil durch die Waͤrme ſelbſt die Auflöſung des Salzes befoͤrdert wird. Außer den Salz⸗Quellen findet man in Afrika noch eine WMenge Salz⸗Seen. Da das Waſſer dieſer Seen von einer Anſammlung des Regenwaſſers entſteht, ſo iß es wahrſcheinlich, daß ihr Salz⸗Gehalt bloß von ei⸗ nem Auslaugen der ſalzigen Erde kommt. Das ganzs Land an dem rechten Ufer des Löwen⸗Fluſſes be⸗ üeht aus einem quarzartigen Felſen, welcher an eini⸗ gen Stellen Eiſen und Kupfer, und ſogar Berg⸗Kri⸗ üallen von ſehr reinem Waſſer enthaͤlt, an mehreren Drten ſich dem Granit naͤhert, und gelben und weiſ⸗ ſen Glimmer enthaͤlt. Bei dem Kraal der Namaquas kam mir der Anführer, von einigen Weibern und einem Theile der maͤunlichen Vewohner begleitet, entgegen. Die groſ⸗ 242 ſen Maͤnner hatten ein trauriges und froſtiges Ausſe⸗ hen. In ihrer Unterredung herrſchte die naͤmliche kalte Langſamkeit, wie in ihren Neigungen und Ge⸗ danken. Ehe ſie eine Antwort gaben, beobachteten ſie immer zuvor einige Zeit Stillſchweigen; dann antwor⸗ teten ſie mit Nachdruck und Anſtand. Dagegen wa⸗ ren die Weiber ſehr munter und lebhaft, und lachten beſonders gerne. Da ich bei ihnen Dchſen bemerkte, ſo ßellte ich dem Haupte des Kraals mein Begehren vor, auf wel⸗ ches er aber keine beſtimmte Antwort gab. Meine Kaminouquas riethen mir: die angebotenen Was⸗ ren nur einige Zeit zu verſtecken, und mit meinem Tabake nicht beſonders freigebig zu ſeyn. Ich theilte dem Anführer nur wenig Tabak mit; damit aber die Vornehmſten auch etwas von demſelben erhielten, ließ er ſeine Pfeife rings herum gehen. Diejenigen, welche von dem Tabacke nichts erhalten hatten, ſchienen ſehr niedergeſchlagen zu ſeyn, und zeigten mit einer bittenden Gebehrde ihre leeren Pfeifen. Ich lud die Weiber ein, mir Milch zu bringen, und verſprach für einen jeden Napf derſelben eine Schnur Glasperlen zu zahlen. Sie erſchienen auch in Menge in meine Lager; jedoch ſchienen einige Tabak lieber, als Glasſchnüre zu nehmen. Doch blieb ich bei i Forderungen taub. Ein Weib, welches mir Ochſen lieferte, beſchenkte Ach zeichlich. Dieſe N 243 richt lockte mehrere andere an und ſo bekam ich eilf Ochſen und einen ſchwarzen Stier. X. Als wir dem Loͤwen⸗Fluſſe weiter folg⸗ ten, fanden wir ſein Bett ausgetrocknet. Jedoch ent⸗ deckten wir bald eine Quelle, welche ich von einer dicht an derſelben liegenden Schildkroͤte Schild kro⸗ ren⸗Quelle nannte. Wir erlegten viele Vogel⸗ und auch einen großen kap'ſchen Springhaſen. Am folgenden Tage nahmen wir unſern Weg nach MNW., um den ſogenannten krummen Fluß zu erreichen deſſen Bett von unbedeutender Siefe war. Gegen Mittag zeigten das Farenheit⸗Thermometer 100 und bei Untergang der Sonne goo. Des Windes und der Hitze ungeachtet ging ich an dem Ufer des Fluſſes umher, und entdeckte eine neue Adler-Art, welche ich le Griffard nannte, weil ihre Klauen ſtaͤrker und ſchaͤrfer ſind, als bei allen mir bekannten Adlern. Bei einer nordoͤſtlichen Richtung entfernten wir uns ganz vom Fluſſe, und ſchlugen unſer Lager am Ufer eines kleinen Baches auf, welcher zwar gleichfalls ausge⸗ trocknet war, aber doch an den niedrigſten Stellen einige Waſſertuͤmpel hatte. Bei dieſen ſchienen ſich alle aß⸗ rikaniſchen Ungeheuer verſammelt zu haben. Die wil⸗ den Thiere kundigten ſich von allen Seiten an, und unruhigten uns wahrend der Nacht nicht wenig. Nachdem wir durch ein tiefes Bergthal gekom⸗ men waren, botraten wir eine Gegend, von welcher bei unſerer Ankunft die Hirten mit ihren Heerden 24 flohen. Ich ſchickte einige meiner Leute nach, um die Fliehenden von unſerer friedlichen Geſinnung zu üͤberzeugen, welches ihnen auch bald gelang. Der An⸗ fuͤhrer trank trotz ſeiner Krankheit ein Glas Brannt⸗ wein, und reichte den Ueberreſt einer ſeiner Frauen, welche mich von allen Seiten anſchaute, und endlich fehr viele Freundſchaft mir bezeigte. Ich erwiederts bre Zuneigung durch verſchiedene Geſchenke. XI. In einiger Eutfernung von dem Kraale die⸗ fer Leute ließ ich mein Zelt aufſchlagen. Da ich ei⸗ nen Vogel erlegte, konnten ſich die Bewohner des Kraals gar nicht genug uͤber die Wirkung des Feuer⸗ Gewehres wundern. Am folgenden Tag beſuchten ſis mich in Menge, und da ich gerade meinen Quadran⸗ ten gegen die Sonne gerichtet hatte, hielten ſie ihn fuͤr eine zweite Flinte, und erwarteten Stillſchwei⸗ gend den Schuß. Ich legte auch ein Fernglas auf das Geſtell, welches mir beim Abfeuern meiner großen Buͤchſe diente, richtete es nach dem Kraal, und ließ den Kuͤhnſten unter den Namaguas durchſchauen. Wie groß war ſeine Verwunderung, als er dicht vor ſeinen Augen eine Huͤtte erblickte, vor welcher zwei Kinder mit einander ſpielten. Er war vor Freuds außer ſich, alle ſeine Muskln zitterten, und bewegten ſich zugleich. Dhne das Auge von dem Glaſe wegzu⸗ wenden, griff er mit der Hand nach dem aͤußern Ends des Tubus, um das Geſehene auch zu fuͤhlen. Sich verwundernd, das Geſebene nicht weiter amutretfen⸗ — 245 ging er weiter. Da aber ſeine Kömtraden ſägten, daß ſie nichts geſehen haͤtten, deutete er auf den Platz, auf welchem die Kinder geſeſſen. Durch ſeinen Enthuſtasmus und durch ſeinen Zorn erregte er die Nengierde der uͤbrigen, ſo daß alle das Fernrohr zu ſehen verlangten. Aus den verſchiedenen Gegenſtaͤn⸗ den, welche ein jeder geſehen hatte, entſtand unten ihnen ein hoͤchſt laͤcherlicher Streit, bei welchem ein jeder Recht zu haben glaubte. Bald wurden dieſo Beſuche durch ihre Wiederholung mir zur Laſt. um iedoch die Neugierigen etwas zu vergnuͤgen, ließ ich das Fernrohr den ganzen Tag unter der Aufſicht eines Pottentotten, mit dem Befehle dasſelbe weder anruͤb⸗ ven, noch verruͤcken zu laſſei⸗ Der Kroos der Namaquas iſt laͤnger, als jenen der Hottentotten. Sie verzieren denſelben groͤß⸗ tentheils mit Glas⸗Korallen und Kupfer⸗Blechen, welche ſie von den Kolonie⸗Hottentotten er⸗ balten. Auch fand ich eine beſondere Art kleiner Glasſchmelze, welche aus laͤnglichen Rohren von ver⸗ ſchi⸗dener Farbe und Durchſichtigkeit beſtehen. Waht⸗ ſcheinlich iſt es, daß dieſe Waaren von den portu⸗ gieſiſchen Beſitzungen der Kuͤſte von Myſambi⸗ gue zu den Negern kommen, und von dieſen an die benachbarten Nationen weiter verkauft werden. Die Hante verzieren ſie mit einer Lage Fett, welches verſchiedenen riechenden Holz⸗Pulvern vermiſcht „ „ „ 246 Wenn die Maͤnner uͤber einen Fluß ſchlwimmen, ſchnüren ſie die Vorhaut mit einer, aus einem Darm verferrigten Schnur zu, um das Eintreten des Waſ⸗ ſers in den Leib zu hindern. Da ihre Begriffe der Schamhaftigkeit von den unſrigen verſchieden ſind⸗ ſo nehmen ſie dieſe Zeremonie ohne die geringſte Zu⸗ ruͤckhaltung in Gegenwart ihrer Toͤchter vor. DObwohl die Weiber nicht weniger dem Eindringen des Waſ⸗ ſers ausgeſetzt zu ſeyn ſcheinen, ſo verbinden ſie doch bei Schwimmen keinen Theil ihres Körpers. Die Namaquas ſind kein kriegeriſches Volk; in⸗ deſſen findet man doch bei ihnen vergiftete Pfeile⸗ Sagayen und ſehr gefuͤrchtete Streit⸗Dchſen. Hin⸗ ter ihren Schilden koͤnnen ſie ſich ihrer ganien Laͤnge nach verbergen. Die Namaauas haben gleiche muſika⸗ liſche Inſtrumente, wie die Hottentotten; nur ſind die Laͤnze erſterer ſo froſtig, als ſie ſelbſt; ſie tanzen ohne Vergnügen und Anſtand. Eines ihrer Lieblings⸗Spiele nennen ſie: den Tiger und das Schaͤfchen. Ein anderes Spiel derſelben gleicht dem in Frankreich bekannten Spiele: Croix ou pile, welches meinen Hottentotten ſehr gefiel. Bevor wir die Namaquas verließen, bat mich einer meiner Hottentotten um eine ſchoͤne Kuh, um mit derſelben die Tochter eines Namaguas, in welche er ſich verliebt hatte, zu erhandeln. Auf dieſe Weiſe werden alle Heirathen bei den afrikaniſchen Voͤlkerſchaften geſchloſſen. Die Verheiratbung meines 247 Hottentotten fand nun bald mehrere Nachahmter. Auch brachten mir die Namaquas, da ich ihnen Tabak an⸗ bot, viele Inſekten und uͤber 20o verſchiedene Chryſa⸗ liden,(Inſektenpuppen), deren Entwicklung ich auf⸗ merkſam beobachten wollte. Aber aller Muͤhe ungeach⸗ tet, waren mehr als drei Viertheile bei meiner Au⸗ kunft am Kap todt; von den noch uͤbrig gebebenen vermuthete ich, daß ſie von ſolchen Gattungen wareu, zu deren Entwicklung mehr als ein Jahr erfordert wird. Ich ließ ſie daher auf dem Kap zurück. Als ich am o. Januar aufbrach, beſchenkte mich⸗ die Frau des Anfuͤhrers der benachbarten Horde mir ihrem Lieblings⸗Affen. Auf unſerem Wege zu der⸗ 14— 16 Meilen gegen NW. entfernten Koraguois Horde trafen wir ofters in ausgetrockneten Flußbet⸗ ten Heerden Buͤffel an, welche bei unſerer Annaͤhe⸗ rung entflohen. Als ſie aber einmal das Gebhuͤſche an der Flucht hinderte, waren wir ſo gluͤcklich, zwei der⸗ ſelben zu erlegen. Um uns mit den Koraguois zu befreunden, luden wir ſie zum Antheile an den ge⸗ ſchoſſenen Buͤffeln ein, zu welchem ſie ſich bereitwil⸗ lig erklaͤrten. Da wir uns nun der heißen Zone naͤ⸗ herten, ſel die Hitze meinen traͤgen Hottentotten ſo beſchwerlich, daß ſie jetzt kaum ſechs Meilen zuruckle⸗ gen konnten, ohne vor Mädigkeit hinzufallen. In dem Kraale der Koraquvis angekommen, fanden wir die groͤßte Anarchie. Denn der Führer des Kraals war vor kurzem geſopben. Es thaten ſich 73. Bd. Afrika. III, 2. 8. 248 jetzt drei Anfuͤhrer hervor, welche durch ihre Partheien faſt taͤglich Stteit verurſachten. Endlich überließ man es mir, einen Fuͤhrer zu waͤhlen. Ich ließ mein La⸗ ger aufſchlagen⸗ Bei dem Anblicke der fremden Ge⸗ genſtaͤnde äußerten die Bewohner die groͤßte Ver⸗ wunderung, beſonders ſtaunten ſie meine Kleidung, mein langes, nicht krauſes Haar, und die Weiße meiner Farbe an. Um nun das Wahlgeſchaͤft zu be⸗ endigen, ließ ich verkuͤndigen, wenn bis zum andern Tage kein Anfuͤhrer gewaͤhlt ſeyn wuͤrde, ſo wuͤrde ich den Kraal verlaſſen. Wirklich wurde am andern Dage ein Anführer, Namens Haripa vorgefuͤhrt. Es war ein großer wohlgebauter Mann, beilaͤufig 40 Jahre alt. Um die Wahl von meiner Seite zu beſtaͤttigen, hieß ich ihm eine Grenadier-Mutze aufſetzen, welche mit vergoldetem Blech verſehen war, das einen auf den Hinterfuͤßen ſtehenden Loͤwen⸗ in der einen Vor⸗ derpfote ſieben Pfeile, und in der andern einen Saͤbel! haltend, vorſtellte. An ſeinen⸗ Jackal befeſtigte ich verſchiedene Reihen Glas⸗Perlen, verſah ihn mit ei⸗ nem Leib⸗Guͤrtel, verzierte ſeine Arme mit Baͤndern aus Meſſingdraht, und legte ibm um den Hals ein meſſingenes Vorlegeſchloß, welches die Geſtalt eines Schmetterlinss hatte. Die Einweihungs⸗Zeremonie ſab die Horde ſtumm und unbeweglich und mit Er⸗ ſtaunen an. Als ich den Fuͤhrer der Horde vorſtellte⸗ gab das Volk ſeine Freude durch ununterbrochenes Geſchtei und wiederholten Beifall zu erkennen. Es — „ 29 erfolgten nun Daͤnze, welche drei Tage und dtei Naͤchte ununterbrochen dauerten. Es wurden zur Vecherrlichung des Keſtes fette Schafe und2 Rinder geſchlachtet. XII. Als ich mich mit einem neuen Geſpanne Ichſen verſehen wollte, erhielt ich dieſelben ſo billig, daß ich fuͤr einen Ochſen nur einen Nagel geben durfte. Wegen der Liebe der Koraquvis zum Stehlen, mußte man alle Gegenſtaͤnde, die ihnen gefallen konn⸗ ten, wegſchaffen. Die Koraquois ſind Abkoͤmm⸗ linge der Hottentotten. Wegen ihres Herum⸗ wanderns kommen ſie mit den verſchiedenſten Voͤlkern in Verbindung und nehmen daher auch Verſchiedenés von den Sitten derſelben an. Bei dem Kraale Haripa's fand ich zwei neue Arten Wolfsmilchz erſtere nannte ich euphorbe à cõte de melon. letztere euphorbe à chenilles. Da wir bei der Fortſetzung unſerer Reiſe wenig Thiere, welche uns zur Nahrung dienen wuͤrden, antreffen konnten, ſo willigte ich in den Vorſchlag Haripa's, welcher so ſeiner Leute ausſandte, um Wild zuſammen zu treiben. Bald wurden wir durch die Erhebung einer Staubwolke, von der Ankunft der Thiere in Kenntniß geſetzt. Ha⸗ ripa legte ſich mit dem Geſichte auf den Boden, ich ſolgte ſeinem Beiſpiele. Kaum war ein Theil der zu⸗ ſammengetriebenen Thiere voruͤber gezogen, ſo fingen wir an, Harlpa mit den Pfeilen, ich mit der Flinte, dieſelben zu erlegen, und zwat iu groher Anzahl, vhne daß ſich die nachfolgenden Thiere in der Fortſetzung des Zuges ſtoͤren ließen.— Nirgends fand ich ſo ſchoͤne Ziegen, als bei den Koraquvis. XIII. Den 24. Januar brach ich zur Horde der Kabobiquois auf, welche bei meiner Ankunft mir entgegen kam. Sie betrachteten mich mit Staunen, und da ſie ihren Augen nicht trauten, betaſteten ſie mich an allen Theilen des Koͤrpers. Alle ſchienen mich fuͤr ein behaartes Thier zu halten, welches auf dem ganzen Leibe mit eben ſo langen Haaren verſehen war, eals mein Bart ihnen glauben ließ. Da ſie aber bei naͤherer Unterſuchung ſich getaͤuſcht fanden, geſtanden ſie mit der dieſen Wilden eigenen Pffenherzigkeit, daß ihnen in der ganzen umliegenden Gegend noch kein ſo wunderbares Geſchoͤpf vorgekommen ſey. Wenn ich mich den Kleinen naͤherte, um ſie zu liebkoſen, ſo ver⸗ ſteckten ſie ſich hinter ihren Müttern und erhoben ein graͤßliches Geſchrei. Da ich mich laͤngere Zeit bei dieſer Horde aufhielt, machte ich durch Kandiszucker die ſe Kinder ſo zahm, daß ſie anfingen, mich zu liebkoſen. Bald waͤre mir große Gefahr nahe geweſen, in⸗ dem ein Wilder der Horde einem meiner Schuͤtzen begegnete und mit ſeinem Gewehre ſpielte. Plotzlich ving dieſes los und verwundete drei Maͤnner und ein Maͤdchen. Der Urheber des Schuſſes warf heulend das Gewehr weg und entfernte ſich. Die Verwun⸗ deten waͤlzten ſich auf dem Boden umher und glaub⸗ ten ſterben zu muͤſſen, weil ſie unſete Schrote füt — 251 vergiftet hielten. Der ganze Kraal kam in Aufruhr und nicht ohne Muͤhe konnte ich den bevorſtehenden Sturm abwenden. Nachdem das freundſchaftliche Verhaͤltniß wieder hergeſtellt war, unterſuchte ich die Verwundeten und fand ihre Wunden unbedeutend. Gch ſuchte ſie zu beruhigen, indem ich ihnen die Schrote zeiste, welche in meinen Beinen ſtacken. Al⸗ lein vergebens. Als aber Klaas im Angeſichte der Verwundeten einige Schrote verſchlang, hoͤrten die Kranken auf, ſich weiter ungeberdig zu ſtelen. Nach eingetretener Geneſung der Verwundeten ſtellten die Wilden einen Tanz bei unſerm Lager an. Die Kabobiguvis haben weder ſo platte Naſen als die Hottentotten, noch ſo weit hervorſtehende Bak⸗ kenknochen, als dieſe; ſie unterſcheiden ſich ſehr durch ihre Farbe von den Hottentotten; auch iſt bei ihnen das Beſchmieren mit ſtinkendem Fette ungebraͤuchlich. In Hinſicht der Groͤße gleichen ſie den Kaffern; die Farbe ihrer Haut iſt von aͤhnlicher Schwaͤrze, als bei dieſen. Ihre Haare ſind ſehr kurz und kraus und an den Spitzen mit kleinen kupfernen Knoͤpfchen ver⸗ ſehen, welche ſie ſehr regelmaͤßig und mit vieler Kunſt zu vertheilen wiſſen. Sie gehen ganz nackt mit Aus⸗ nahme eines kleinen Stuͤckes Leder zur Bedeckung der Schaamtheile. Das weibliche Geſchlecht iſt hier ſehr eingezogen und erlaubte meinen Leute jene Gefaͤllig⸗ keiten nicht, welche ſie bei den Namaguas erhiel⸗ ten. Den Weibern theilte ich einige Nadeln mit und 1 5 lehrte ſie den Gebrauch derſelben. Bald brachten ſie es unter meiner Anleitung ſo weit, daß ſie zwei Haͤute ziemlich geſchickt zuſammen naͤhen konnten. Von den Kabobiquvis erfuhr ich zuerſt den 3 Drt, wo der Drangefluß entſpringt. Ich glaubte, daß der Urſprung dieſes Fluſſes in dem Mittelpunkte der Berge Suͤd⸗Afrika's zu ſuchen ſey; allein man ſagte mir, daß dieſer Fluß ſich dieſen Bergen oft nur nach vielen Kruͤmmungen und Wendungen naͤhere und daß er eigentlich in den-mehr Nord⸗ Deſlich gelegenen Gebirgen entſtuͤnde. Unter allen mir bekannt gewordenen Volkerſchäf⸗ ten Afrika's iſt dieſe die einzige, bei welcher ich einige ſehr dunkle Begriffe von einer Gottheit gefun⸗ den habe. Sie glauben, daß uͤber den Geſtirnen ein maäͤchtigeres Weſen vorhanden ſey, welches alle Dinge gemacht habe und dieſelben beherrſche. Dagegen wiſſen dieſe Wilden von dem Weſen einer Seele, von Be⸗ lohnungen und Strafen nach dieſem Leben nichts. Auch findet man bei ihnen keine Art von Gottesdienſt.