5 Nachträge zu den Reiſen um die Welt. Von Dr. Franz Joſ. Adolph Schneidawind, Königl. Profeſſor am Lyceum zu Aſchaffenburg*). — Vor w o te In chronologiſcher Ordnung wurden die intereſſan⸗ teſten Reiſen um die Welt, bis auf Kotzebue's Reiſe gegeben. Leſſons Reiſe um die Welt iſt noch nicht mir im Buchhandel zugekommen. Die neueſten Zei⸗ tungen geben wohl Nachrichten, daß abermals eine ————— *) Von demſelben Verfaſſer iſt erſchienen: des Gra⸗ ſen Lavalette wunderbare Rettung vom Hen⸗ kertode durch die aufopfernde Liebe ſeiner Ggt⸗ tin, einer geborne Beauharnvis;“ Muͤn⸗ chen bei G. Fleiſchmann⸗ 1832. Jäck⸗ 206 Reiſe von einem andern Nautiker gemacht worden ſey, daß aber dieſelbe erſt einer Beſchreibung entge⸗ genſehe. Es iſt mir alſo unmoͤglich, mit dieſen Rei⸗ ſen das verehrl. Publikum zu unterhalten. Inzwiſchen ſind mir zwei Reiſen um die Welt bekannt geworden, die, obgleich ſie ſchon theils früher, theils ſpater ge⸗ ſchahen, ich des Mittheilens für werth balte, obgleich ſie die chronvlogiſche Ordnung, die bisher wurde, unterbrechen. —————— I. Eine Miſſions⸗Reiſe um die Welt. I. Die Miſſionsgeſellſchaft in London, die zwar aus Chriſten verſchiedener Confeſſivn beſteht, welche nur Einen Zweck vor Augen haben: die Ver⸗ breitung der chriſtlichen Lehre unter den Heiden, ſen⸗ dete im Jahre 1824 zwei ihrer Mitglieder, Daniel Tyermann und Georg Bennet ab, um die ver⸗ ſchiedenen Miſſionen im großen Deean und im Driente zu beſuchen. Es war ihr Auftrag ſorgfaͤltig den Zu⸗ ſtand der Miſſions⸗Anſtalten und Inſeln zu erforſchen, Plane zu uͤberbringen und wo moͤglich in Ausfuͤhrung zu ſetzen, durch welche die Verbreitung des Evange⸗ liums befoͤrdert und unter den Eingebornen eiviliſirte Lebensart und Beſchaͤftigung eingefuͤhrt werden moͤchte. 207 Die beiden Abgeordneten traten ihre ſchwierige, inter⸗ eſſante und gefahrvolle Reiſe im Mai des Jahres 1321 an, beſuchten die verſchiedenen Inſeln des gro⸗ ten Dzeans, Neuholland, Fava, Sinra⸗ pur, China, das Innere von Bengalen, die Oü⸗ und Weſtkuͤſte Hindoſtans, die Mauritius⸗In⸗ ſel⸗ Madagaskar, wo Daniel Tyermanu ſtarb; Georg Bennet kam im Juni 1829 glucklich wieder in England an, und hatte alſo als Miſſionär die erſte Reiſe um die Welt vollendet. Dieſe Reiſe iſt unter folgendem Titel im Drucke erſchienen; Jour- nal of voyages and travels Py the Rev. Daniel Tyermann and George Bennet Esqu. depu- ted from the London missionary society to visit their various stations in the Souch-Sca-Ostlands, China, India, etc.; bet ween the Jears 1821 and 1829. Compiled from original documente by Ja- mes Montgomery. London 1831. 2 vol. in gvo. Abgeſehen davon, daß dieſe Reiſe⸗Beſchreibung einen authentiſchen Bericht uͤber den gegenwaͤrtigen Zuſtand der verſchiedenen Miſſionen gibt, enthaͤlt ſie auch Beſchreibungen von Laͤndern und Voͤlkern, Sit⸗ ten und Gebraͤuchen, naturhiſtoriſchen Gegenſtaͤnden u. ſ. w. Sehr vieles hat der geneigte Leſer über dieſe Laͤnder und Inſeln vernommen, welche auch unſere beiden Miſſionaͤre Bennet und Tyermann beſuch⸗ ten und beſchrieben. um nicht zu wiederholen, zuker⸗ muͤden, wollen wir aus ihrer Reiſe um die Welt nur 208 die Stellen ausheben, die Sachkenner der vermehrten Mittheilung wuͤrdig erachtet haben. Aus den Berichten uͤber die Suͤd⸗See⸗Inſeln erſieht mitz Freuden der Menſchenfreund die Fort⸗ ſchritte, welche dort die Bevoͤlkerung im Chriſten⸗ thum ſowohl als in der uͤbrigen Bildung des civiliſir⸗ ten Lebens gemacht hat. Nicht bloß ihre Tempel (Morais oder Moraes) haben die Eingebornen nieder⸗ geriſſen und dafuͤr chriſtliche Kirchen gebaut, ſondern das Evangelium hat auch durchaus ihre Herten veraͤn⸗ dert, ihre Gemuͤthsart gemildert und ihren Geiſt er⸗ leuchtet. Nachdem ſie einmal zur Einſicht gekommen waren, daß ihre Religion falſch war, argwoͤhnten ſie auch, daß Alles, was ſie bis dahin auszuuͤben gewohnt waren, ihre Sitten, Gebraͤuche und Geſetze ſchlecht geweſen ſeyen. Je mehr wir dieſe Veraͤnderung be⸗ trachten, deſto wunderbarer kommt ſie uns vor. Wild, grauſam, unmenſchlich und von den haͤßlichſten Laſtern vefleckt, wie ſie einſt waren, ſind ſie jetzt mild, edel⸗ muͤthig und zu Vergebung geneigt. Ein Mann wurde an die Miſſionaͤre geſendet, um ihnen einige Geſchenke zu bringen. In der Unterredung mit ihm geriethen ſie in das hoͤchſte Erſtaunen uͤber ſeine Demuth, Guͤte und Froͤmmigkeit, von der er ganz durchdrungen ſchien. Bei naͤherer Erkundigung erfuhren ſie, daß er als Feide einer der wildeſten und unbarmherzigſten ſeines Volkes war. Als er einſt vom Koͤnig Pomare(ver⸗ gleiche Turnbulls Reiſe um die Welt) abgeſchickt wurde, 209 einen ſeiner Feinde zu toͤdten, uͤberfiel er denſelben, ſchnitt ihm lebendig den Bauch auf und ließ ihn mit herausgeriſſenen Eingeweiden liegen, ohne die Barm⸗ herzigkeit auszuuͤben, ihm den letzten Todesſiteich zu verſetzen. Kindermord, ninghn und andere dergleichen barbariſche Sitten, ſind ſeit der Einfuͤhrung des Chri⸗ ſtenthums verſchwunden, obgleich die von den Neube⸗ kehrten von Zeit zu Zeit erhobenen Bedenklichkeiten und Anfragen, noch die Neigung ihres Geiſtes zum Aberglauben beurkunden. II. Beſonders Intereſſe muß die neue Geſetzge⸗ vung erregen und die auf den Inſeln, wie im Hu⸗ aheine, in Raiatea u. ſ. w. eingefuͤhrte Geſchwor⸗ ne⸗gerichte und Gerichtsverhandlungen⸗ Bei allen die⸗ ſen Tribunalen iſt die Gerechtigkeit ſchnell, die Strafe gewiß. Die beiden Wiſſionäte wohnten in Raietea einer Gerichts⸗Sitzung bei. Dicht an der Kapelle ſteht ein praͤchtiger Purau⸗Baum; um ihn herum und unter ſeinem weitverbreiteten Schatten ſind Baͤnke als Sitze aufgeſchlagen, die etwa 25 Fuß in der Breite einneh⸗ men. Man hat ſich nicht die Muͤhe genommen, den Bo⸗ den zu ebnen, der mit Geſtein bedeckt iſt. Die Richter nahmen Sitz auf den Baͤnken. Die meiſten derſelben waren einſt Haͤuptlinge zweiten Ranges, die von hoͤhe⸗ rem ſtanden unter Pomare zu Taheiti. Sie wa⸗ 21¹0 ren huͤbſch in Purau⸗Matten und einheimiſches Tuch gekleidet, trugen Strohhuͤte und hatten ein ſehr wuͤr⸗ diges Anſehen. Es waren ihrer zo, unter ihnen fuͤhrte einer Namens Tapuni den Vorſitz und war deßhalb durch einen Buſch ſchwarzer und rother Federn auf feinem Hute von den uͤbrigen ausgezeichnet. Hun— derte von Menſchen umringten das Viereck, in wel⸗ chem die Richter ſaßen. Nun wurden 2 junge Leute herbeigefuͤhrt, die ſich ruhig am Fuße des Baumes niederſetzten. Dieß waren die Angeklagten. Man be⸗ ſchuldigte ſie, einige Brodfruͤchte geſtohlen zu haben. Schweigen und Ernſt herrſchte unter der Verſamm— lung. Tapuni erhob ſich nun und befahl den Juͤng⸗ lingen aufzuſtehen, was ſie auch unverzuͤglich thaten. Nachdem er ihnen ihr Verbrechen vorgehalten hatte, was nicht zu laͤugnen war, da ſie auf friſcher That ertappt worden waren; ſo bemerkte er ihnen, daß ſie ſich einer Empoͤrung ſchuldis gemacht, indem ſie das Geſetz gebrochen, die Autoritaͤt des Koͤnigs verachtet und ihrem Vaterlande eine Schmach angethan haͤtten. Einer der jungen Leute geſtand hierauf aus freiem An⸗ triebe, er habe den Diebſtahl begangen und ſeinen Gefaͤhrten uͤberredet, mit ihm die Beute zu theilen. Zeugen werden bei ſolchen Faͤllen ſelten vernommen⸗ da die Angeklagten meiſt freiwillig ihre Schuld be⸗ kennen und der Gerechtigkeit des Gerichtshofes unbe⸗ dingt vertrauen. Dieß iſt ein merkwuͤrdiger Umſtand und die beiden Reiſenden erhielten die Verſicherung⸗ 211 daß dieſe Auftichtigkeit einen Zug des National⸗Cha⸗ rakters der Inſulaner bildet. Hierauf erfolgte eine kurze Unterredung der Richter in Betreff des„Utua“ oder Strafe, da ſie„Faahapa“ oder ſchuldig befun⸗ den wurden. Der Richtſpruch wurde durch den Mund des Vorſitzers ausgeſprochen und die Angeklagten ver⸗ urtheilt, daß jeder vier Faden an einer Mauer bauen ſollte, die man gerade um ein Feld zog, das dem Koͤr nig gehoͤrte. Die Verurtheilten haben in ſolchen Faͤl⸗ len die Erlaubniß, ſich die gelegenſte Zeit zur Erſte⸗ hung ihrer Strafe auszuwaͤhlen, und gewoͤhnlich hel⸗ fen ihnen ihre Freunde, die jedoch dazu um Erlaub⸗ niß einkommen muͤſſen, bei ihrer Strafarbeit. Die beiden Miſſionaͤre ſahen einen alten Vater, der ſei⸗ nem Sohne auf dieſe Art bei einer Arbeit half, die jedoch zur Zufriedenheit eines dazu beſtellten Aufſe⸗ bers ausfallen muß. Bemerkungswerth iſt bei dieſem Rechtsverfahren, daß der Verurtheilte nach Ausſpruch des Urtheils gefragt wird, ob er damit einverſtanden ſey, worauf man meiſtens bejahend antwortet. Man wird nicht laͤugnen, daß in der eiufachen Feierlichkeit dieſer gerichtlichen Verhandlungen etwas ſehr Patriar⸗ chaliſches liegt. III. Betruͤbend muͤſſen aber die beiden Weltum⸗ ſchiffer das Betragen der in den Suͤd⸗See⸗Ey⸗ landen ankommenden Europaͤer ſchildern. Nur allzu viele Seeleute, die dieſe Inſeln beruͤhren, in der Hoffnuns ſich wie vormals allen Arten von Aus⸗ 212 ſchweifungen ergeben zu koͤnnen und ſich in ihren la⸗ ſterhaften Abſichten getaͤuſcht ſehend, verbreiteten die abſcheulichſten Verlaͤumdungen gegen die Bevoͤlkerung ſowohl, als ihre chriſtlichen Lehrer, die ihren ganzen Einfluß aufbieten, um die Frauen vom Beſuch auf Schiffen abzuhalten. Ein Schiffs-Capitain, der vor Huaheine vor Anker lag, wurde daruͤber ſo er⸗ grimmt, daß er drohte, bei ſeiner Abreiſe die Inſel zu beſchießen, weil ihre Einwohner tugendhafter wa⸗ ren, als er und ging in ſeiner Unverſchaͤmtheit ſo weit, zu erklaͤren, daß, wenn bei dieſer Gelegen⸗ heit Menſchenleben geopfert wuͤrde, ſo ſeyen es die Miſſionaͤre allein, welchen die Schuld davon beizumeſ⸗ ſen ſey. Der entehrende Handel, den die weiblichen Bewohner von Hawai öoͤffentlich und ohne Scham auf den Schiffen und zu Lande mit den Seeleuten treiben, iſt von der ſittenloſeſten Art. Deßhalb muß die Abſchaffung dieſer Abſcheulichkeiten auf den chriſt⸗ lichen Inſeln des ſtillen Deeans als der hoͤchſte Sriumph des Chriſtenthums uͤber menſchliche Verkehrt⸗ heit betrachtet werden, von dem die Geſchichte irgend eines Jahrhunderts und irgend eines Theils der Welt zu erzaͤhlen weiß. neberall haben die beiden Miſſionaͤre bei dieſen Inſulanern Induſtrie, Eiviliſation, Moral in dem Charakter, den Sitten, Versnuͤgungen und Arbeiten des Volkes eine voͤllige Veraͤnderung zu Wege ge⸗ bracht. Bei Gelegenheit eines oͤffentlichen Gaſtmahls⸗ 21¹3 zu dem ſie von einem taheitiſchen Haͤup linge einge⸗ laden waren, machten beide Reiſende folgende Bemer⸗ kung:„In den Zeiten der Unwiſſenheit waren die oͤffentlichen Feſte haͤufig, allein nur Maͤnner durften dabei erſcheinen; niemals hatten die Weiber, weder oͤffentlich noch zu Hauſe, die Erlaubniß neben ihren Maͤnnern zu ſitzen oder an ihrer Seite zu ſpeiſen. Die Maͤnner waren die eigentlichen Tyrannen des weibli⸗ chen Geſchlechts. Uebermaß in Speiſe und Trank, Zank, Mord und Todſchlag waren die Wuͤrze ihrer Gelage. Gegenwaͤrtig hoͤrt man bei dieſen Gelegenheiten nichts mehr von Streit, Trunkenheit und frechen Reden; ſtatt deſſen erblickt man Maͤßigkeit, froͤhliche Unter⸗ baltung und allgemeine Harmonie.“ IV. Unter den Polyneſiern, namentlich un⸗ ter den Taheitern und den Bewohnern der Sand⸗ wichinſeln, zeigt ſich eine große Vorliebe fuͤr wiſ⸗ ſenſchaftliche Beſchaͤftigungen. Mit Hülfe der Miſ⸗ ſonaͤre erlangten ſie eine Schriftſprache, in die ſchon mehrere Buͤcher uͤberſetzt ſind. Ihre Sprache, die nur mit geringen Abweichungen faſt auf allen Inſeln der Suͤdſee geſprochen wird, iſt ungemein ſanft und wohlklingend. Als beide Reiſende das erſte Mal die Eingebornen mit einander ſprechen hoͤrten, war es ibnen kaum moͤglich zu glauben, daß dieſes Toͤne einer Sprache ſeyenz die Worte waren ſo ſanft, ſo voll von Vokalen, ſo gerundet, daß ſie ihnen wie ein un⸗ verſtaͤndliches Gemurmel der Luft ſchienen, welche ſie 2¹4 umgab. Es ſchien ihnen, eben ſo leicht könne das Summen der Bienen an einem bluͤhenden Linden⸗ vaum, in Worte aufgelost werden, als das Gefluſer, das ſie von den Lippen ausgehen hoͤrten, auf die ſie ihre Augen gerichtet hielten und doch war an den be⸗ lebten Blicken, an den anmuthigen Bewegungen, die dieſen verworrenen Wohllaut begleiteten, abzunehmen⸗ daß jeder Ton ſeine Beuaung und ſeinen Sinn hatte. Ueberhaupt iſt die Sprache und beſonders der Geſang der Bewohner dieſer ſo weit gegen Dſten entlegenen Inſeln ſo weich und anmuthig fuͤr das Ohr, daß die beiden Britten ihre Eigenthuͤmlichkeit nicht anders bezeichnen konnten, als indem ſie ſolche das„Italie⸗ niſche der Barbaren“ nannten. ut tgleich dieſen Inſulanern fräher Schriftſprache vollig unbekannt, und deßhalb ein geordneter Unter⸗ richt unmoglich war, ſo beweiſt doch die Fuͤlle, Ab⸗ wechslung, Buͤndigkeit und Reinheit ihrer Sprache, ſammt einem ausgedebnten Zahlenſyſteme, daß ſie auch vordem nicht geringe geiſtige Faͤhigkeiten beſaßen. Ob⸗ gleich unbekannt mit dem Kompaß hatten ſie doch Na⸗ men fuͤr die 4 Weltgegenden. Den Nord nannten ſie Apatva, den Suͤd Apatverau, den Oü Te hi⸗ tia te ra(Aufgang der Sonne) und den Weſt Tooa te ra(das Fallen oder den Untergang der Sonne)⸗ Genealogie und chronologiſche Veberlieferungen findet man mit der gröhten Genauigkeit bei den Bewohnern von Hawai aufbewahrt; einige dieſer geſchichtlichen 215 Traditionen gehen bis auf zo, ja auf 400 Generatio⸗ nen zuruͤck. Auch in der Eintheilung der Zeit waren ſie ſo genau, als ihre noͤrdlichen Nachbarn, und viel⸗ leicht noch mehr als dieſe. Eine Art der Zeitrech⸗ nung geſchah nach Ui oder Generationen; die ge⸗ woͤhnliche aber nach dem Jahre, daß ſie Matahiti nanuten und in a2 oder 13 Mond⸗Monate eintheilten. Dieſe Monate zerſielen wieder in das Tan oder Ma⸗ tarii, Jahreszeit oder Halbjahr, und den Monat in 30 Lage. Sie hatten fuͤr jeden Monat einzelne Benennun⸗ gen, aber wenn ſie gleich in der Laͤnge des Jahres ͤbereinſtimmten, ſo war dieß doch nicht der Fall in Ruͤckſicht des Anfanges desſelben oder der Monatsna⸗ men. Jede Inſel hatte darin eigene Jahresanfange und Monatsbenennungen. Folgende Jahreseinthei⸗ lung iſt aus einem kleinen arithmetiſchen Buche ent⸗ lehnt, das im Jahre as19 auf Huaheine gedruckt wurde. Dieſer Berechnung bediente ſich der Koͤnig Pomare und die regierende Familie. „a. Avarehn, der Neumond, der gegen dus Sommerſolſtitium zu Taheiti erſcheint, und den letten zehn Tagen unſeres Dezembers oder dem An⸗ fange Januars entſpricht. 2. Faaahu, Januar und ein Theil des Februars; der Mynat des Ueberſluſſes. 3. Pipiri, Februar und ein Theil des März. 4. Saaav, Maͤr und ein Theil des Aprils; der Monat der Duͤrftigkeit. s. Aununu, April und ein Theil 2¹16 des Mais. 6. Apaapa, Mai und ein Theil des Ju⸗ nius. 7. Paroro mua⸗ Juntus und ein Theil des Julius. s. Paroro muri, Julius und ein Theil des Auguſts. 9. Muriaha, Auguſt und ein Theil des Septembers. 10. Hiaia, September und ein Theil des Oktobers. 41. Tama, Dktober und ein Theil des Novembers. 12. De eri, der uͤbrige No⸗ vember, wo die Uru, oder die junge Brodfrucht zu blühen beginnt. 13. Te tai, der Dezember, wo die Uru oder Brodfrucht faſt reif iſt“ Nach einer andern Rechnung beginnt das Jahr mit dem Monate Apaapa, in der Mitte des Mais. Das Jahr zerfiel in 2 Haͤlften: Matarii⸗ die Ple⸗ jaden: die erſte hieß Matarii i nia⸗ die Pleiaden oben; ſie begann, wenn dieſe Sterne gleich nach Son⸗ nenuntergang uber dem Horizont erſchienen. Die an⸗ dere Haͤlfte des Jahres⸗ waͤhrend welcher die Plejaden unſichtbar waren, hieß Matariiirarv, die Pleia⸗ den unten⸗ ami6 punnt Außerdem hatten die Inſulaner noch 3 Jahreszei⸗ ten. Die erſte hieß Tetau⸗ Herbſt oder Jahreszeit der Fuͤlle, wo die Brodfrucht geerntet wurde; ſie be⸗ gann mit dem Monat Tatai, Dezember, und dauerte bis zum Faahuz dieß iſt aber nicht bloß der Herbſt⸗ ſondern auch der Sommer der Suͤdſeeinſeln. In dieſer Zeit faͤllt auch der meiſte Regen. Die andere Jahreszeit hieß De tau miti rahi, die Zeit der ho⸗ hen; ſie besann im November und dauerte bis Januar; 217 die dritte und laͤngſte nannten ſie De tau Poai, der Winter, die Zeit der Trockenheit und Duͤrftigkeit;z ſie begann im Julius und dauerte bis Dktober. Auch 30o Namen fuͤr die Tage des Monats kannten ſie; indeß zaͤhlten ſie nicht nach Tagen, ſondern nach Naͤchten und wenn ſie fragen wollten: wie viele Tage ſind es?— ſagten ſie: Rui hia aenei? wie viele Naͤchte?— Die ſiebenzehnten, achtzehnten und neun⸗ zehnten Naͤckte, unmittelbar nach dem Vollmonde, wurden als die Zeit angeſehen, wo die Geiſter mehr als in den anderen Tagen umherwandelten; auch wa⸗ ten dieſe dunkeln Naͤchte am meiſten den Dieben gün⸗ ſtig. Die Eintheilung der Tage in Stunden oder der Tage in Wochen war ihnen unbekannt, obgleich ſie fuͤr einzelne Zeittheile des Tages Benennungen hat⸗ ten. Um ihren Handelsverkehr mit der eivileſirten Welt zu erleichtern, haben die Miſſionaͤre, welche ih⸗ nen das Chriſtenthum brachten und lehrten, die Mo⸗ natsnamen und Wochentage, wie ſie in England uͤb⸗ lich ſind, eingefuͤhrt. Das Wort Hebedoma wurde zur Bezeichnung der Woche in ihre Sprache aufgenom⸗ men; doch bedient ſich das Volk lieber des Wortes Sabbath. Wenn ein Eingeborner ſagen will, daß er eine Reiſe von ſechs Wochen gemacht habe, ſo wird er gewoͤhnlich ſechs Sabbathe oder einen Monat und 2 Sabbathe ſägen. Wenn man den uneiviliſirten Zuſtand dieſer Voͤl⸗ kerſchaften und ihren Mangel an Schriftſprache er⸗ 14. Bd. Reiſen um die Welt. V. 3. 2 2¹8 waͤgt; ſo muß man uͤber dieſe Berechnungen billig in Erſtaunen gerathen, und man kann nicht umhin anzu⸗ nehmen, daß ſie vor vielen Jahrhunderten als eine Natibn beſtanden haben mukten, um es zu einer ſol⸗ chen Vollkommenheit zu brinsen. Noch mehr uͤber⸗ raſcht ihr ausgedehntes Zahlenſyſtem. Die Tahei⸗ ter rechneten nicht wie die Mexiecaner oder Sand⸗ wichinſulaner nach vierzigen, ſondern hatten eine Art von Deeimalſyſtem. Ihre Zahlen weren Atahi eins; Arma, zwei; Atoru, drei; Amaha, vier; Arima, fuͤnf; Aono, ſechs; Ahitu, ſieben; Averu, acht; Aiva, neun; Aburu, zehn. Eui war Ahuru matahi zehn und eins, und ſo fort bis zwanzig, was ganz einfach Srua ahuru, zwei Zeh⸗ ner, hieß; ſo zaͤhlten ſie bis hundert, das ſie Rau nannten, und ſo ging es wieder fort bis zehnhundert, was Mano oder Tauſend hieß. Mit Huͤlfe der Grund⸗ zahlen zaͤhlten ſie in den Manos zehntauſend, die ſie Manotini nannten und auf gleiche Weiſe bis hun⸗ derttauſend, Rehu, genannt⸗ Zehn Rehus oder eine Million nannten ſie Ju. Weiter zaͤhlten ſie nicht. V. Auch die Fortſchritte in den Künſten, obgleich noch in den erſten unbehuͤlflichen Verſuchen begriffen, zeu⸗ gen von einer bedeutenden Entwicklung der intellee tuellen Faͤhigkeiten bei den Bewohnern der Suͤdſee⸗ inſeln. Bekanntlich beſaßen ſie ſchon vor ihrer Be⸗ kanntſchaft mit den Europaͤern bereits eine erſtaun⸗ 29 liche Geſchicklichkeit in Verfertigung einer Art von Tuch, das von dem Taheitern Ahu genannt wurde. Die Kleidung der Inſulaner war mannigfaltig⸗ ſowohl in Hinſicht des Gewebes als der Farbe und Form. Sie war weder beſchwerlich noch koſtbar, ſon⸗ dern ſtets leicht und weit und zwar ſeltſam aber nicht geſchmacklos. Wolle, Baumwolle oder Seide war ihnen fräher unbekannt. Die Haͤuptlinge und das gemeine Volk, der Krieger wie der uͤppige Muͤßiggaͤn⸗ ger waren in Gewaͤnder von demſelben Stoffe gekiei⸗ det. Das Haupt trugen ſie meiſt unbedeckt und nur mit einigen Blumen geſchmuͤckt, nur die Stirne be⸗ ſchatteten ſie zuweilen mit einem leichten Schirm von Kokos⸗Nußblaͤttern. Die Kleidung beider Geſchlech⸗ ter war nur wenig verſchieden; ſie trugen beide den Pareu, ein faltiges Gewand um die Huͤfte. Die Maͤnner waren indeß noch mit dem Maro oder Guͤr⸗ tel und dem Tiputa oder Poncho angethan, waͤh⸗ rend die Weiber uͤber den Schultern die leichte Aha⸗ pu oder Ahutiapano, eine Art Weſte, oder auch in Geſtalt einer weiten Schärpe oder eines Shawls trugen. Vor der Einfuͤhrung des fremden Tuches bereite⸗ ten ſie dieſe Kleidung aus Baumrinde, und die Ver fertigung war vorzuglich das Geſchaͤft der Weiber. Die Einwohner der Suͤdſeeinſeln bearbeiteten mehrere Arten von Rinden, als die der noͤrdlicher gelegenen Inſelgruppen. Letztere bedienten ſich dain 220 groͤßtentheils nur der Rinde des Papiermaulbeerbaums (morus papyrifera), den ſie Auti nennen; erſtere aber auch der Rinde des Brodfruchtbaumes und Ava, einer Art Banane. Man ging dabei auf folgende Art zu Werke. Wenn man ſich der Rinde des Brodfrucht⸗ baumes bediente, wurde die aͤußere grüne oder braune Rinde mit einer Muſchel abgeſcheelt, dann ſchlug man ſie leicht und ließ ſie in Waſſer roſten oder ſonſt eine Gaͤhrung durchmachen. Dann legte man einen ſtarken Balken von 20 bis 30 Fuß Laͤnge und etwa 9 Zoll in Viereck auf den Boden, breitete darauf die Rinde aus und ſchlug ſie mit einem ſchweren Ham⸗ mer von Eiſenholz oder Caſuavina. Dieſer Hammer war gewoͤhnlich 16 bis 18 Zoll lang und 2 Zoll im Viereck, nur an der Handhabe gerundet. Die Seiten des Hammers waren mit Riemen durchzogen, auf ei ner Seite mit ſehr rauhen und breiten, auf der an⸗ dern Seite mit ſehr feinen. Die dritte Seite war ge⸗ woͤhnlich in viereckigen Feldern ausgeſchnitten und die vierte flach oder gerippt. Die ſo aufgelegte Rinde wurde anfangs mit der rauhen Hammerſeite, dann mit der feinen geſchlagen. Vegetabiliſches Gummi wurde dazu ſelten verwendet, die harzigen Theile, die ohnehin in der Rinde enthalten ſind, reichten hinlaͤng⸗ lich aus, die Faſern zu verbinden. Durch das Schla⸗ gen mit der rauhern und ſchachbrettartigen Seite des Hammers wurden die Faſern der Rinde ordentlich in einander gewebt und wenn das Stuͤck fertig war, ſah 221 es oft wie feines glattes Tuch aus, waͤhrend die Un⸗ ebenheiten, die durch die feingerippte oder ſchachbrett⸗ artige Hammerflaͤche hervorgebracht wurden, ihm das Anſehen gewebten Zeuges gaben. Waͤhrend dieſer Zu⸗ bereitung wurde der Stoff ſtets naß gehalten und ſorgfaͤltig in dicke gruͤne Baumblaͤtter eingeſchlagen, ſo oft die Weberinnen ihre Arbeit unterbrachen. So⸗ bald man es aber tuͤchtig verarbeitet hatte, breitete man es zum Trocknen in die Sonne, und bleichte es je nach dem Zwecke, zu dem es beſtimmt war. Das Dre, oder Tuch aus der Avarinde iſt gewoͤhnlich duͤnn, und von ſehr dunkelbrauner Farbe; das aus der Rinde des Brodfruchtbaumes und einem Zuſatz von Auti bereitete lichtbraun oder falb, das feinſte und geſchaͤtzteſte aber wurde hauptfaͤchlich und manch⸗ mal ganz aus der Rinde des Papiermaulbeerbaumes verfertigt, und bis zu einer ſchoͤnen Weiße gebleicht. Vorzuͤglich die Kleidung der Weiber beſtand aus dieſer letzteren Art von Tuch. Man wird ſtaunen, wenn man hoͤrt, daß bei ei⸗ ner ſo einfachen Zubereitungsart Ballen Tuches manch⸗ mal von 200 Ellen Laͤnge und 4 Ellen Breite verfer⸗ tigt wurden, wozu man Rindenſreifen von nur 4 bis s Fuß Laͤnge und kaum /½ Zoll Breite verwenden konnte, und bloß durch ſo einfaches Schlagen wurden dieſe kleinen Baͤnder zu einem ſo gewaltigen Tuch in einander verwebt, das, nachdem es binlaͤnglich getrock⸗ net und gebleicht war, nach ſeiner ganzen Laͤnge zu⸗ 222 ſammengeſchlagen, zu Ballen aufgerollt und in ein Stück Matten eingewickelt, an der Stubendecke auf⸗ gehangen wurde. Den Reichthum eines Haͤuptlings ſchaͤtzte man manchmal nach dem Beſitzthum ſolcher Ballen. Seitdem die Inſeln mit dem europaͤiſchen Tuche bekannt ſind, verloren zwar dieſe inlaͤndiſchen Stoffe betraͤchtlich am Werthe, indeß bedient ſich ih⸗ rer das gemeine Volk noch immer, und die Haus⸗ mutter fuͤhrt ſtets noch rüſtig den Eiſenholzhammer, um Putz und Kleidung fuͤr ſich und ihre Kinder zu verſertigen. Auch kleine Stuͤcke Such verfertigen ſie, unter denen die Tiputa das Werthvollſe war. Man be⸗ reitete es, indem man mehrere Lagen des gewoͤhnli⸗ chen Tuches auf einander ſchlug, nachdem man zuvor die innern Seite mit geriebener Pfeilwurz beſtreut hatte. Dieſe Tiputa entſpricht ganz dem Poncho der Suͤd⸗Amerikaner, nur iſt ſie etwas laͤnger, doch wird ſie auf ganz gleiche Weiſe getragen. Ein Loch wird mitten in ein ſolches viereckiges Stuͤck Tuch ge⸗ ſchnitten und der Kopf hindurch geſteckt, die beiden Seiten fallen daun uͤber Bruſt und Ruͤcken wie ein Meßgewand hinab und reichen bis an die Knie. Auſ⸗ ſer der Tiputa iſt ein gewoͤhnliches Kleidungsſtuͤck, die Ahuafara, die viereckig zugeſchnitten, wie ein Shawl oder laͤnglich einer Schaͤrpe ähnlich iſt. Zuweilen gleicht ſie aber mehr einer geſtoppten Bettdecke als ei⸗ em Shawl, jedesmal iſt ſie arer glaͤnzend gefarbt. 223 . Die Bewohner der Geſellſchaftsinſeln be⸗ ſaßen naͤmlich ſchon frühzeitig die Kunſt zu faͤrben, wobei ſie jedoch mehr Geſchmack in Auswahl der Mu⸗ ſter als der Farben entwickelten. Das meiſte gewoͤhn⸗ liche Tuch faͤrbten ſie mit der Rinde des Aito(cacu⸗ arina) vder Tiari(aleurites) dunkelroth, wodurch man dem Stoffe zugleich groͤßere Deckenfeſtigkeit zu geben vermeinte. Die beliebteſten Farben blieben aber glaͤnzend roth und gelb. Erſteres, was ſie Mati nennen, bereiteten ſie aus einer Miſchung des milchi⸗ gen Saftes der kleinen Beeren des Mati(üeus pxo- lixa) mit den Blaͤttern des Tau(einer Art cordig). Es gibt dieſes ein herrliches Scharlachroth, das mit ei⸗ nem Gummi, Firniß uͤberſtrichen, ſeine volle Farbe behaͤlt, ſo jange das Tuch dauert. Die gelbe Farbe bereitete man aus den Faſern der Nonowurzel(mo- rinda citrilolia), und obgleich minder dauerhaft als der Scharlach des Mati, war ſie doch ungemein leb⸗ haft. Das Roth wurde mittels eines Binſenrohrs auf das Tuch gegoſſen, Zeuge, welche g3. gefaͤrbt werden ſolten, wurden in den Aufguß der Nonawurzel ge⸗ legt, und ſolange darin gelaſſen, bis ſie geſaͤttigt wa⸗ ren, dann an der Sonne getrocknet. Die Muſter werden mit Scharlach auf gelbem Grund aufgetragen⸗ und obgleich nicht regelmaͤhig und gleichfoͤrmig, ver⸗ rathen ſie dennoch Geſchmack. Die Natur gibt dazu die Modelle. Sie nehmen eines der zarteſten und ſchönſten Fartenkraͤnter oder Hibiskus⸗Blumen, die 224 man ſorgfaͤltig auf der einen Seite in die Farbe taucht, und dann allmaͤlig auf das Tuch uͤberdruckt. Nimmt man das Blatt oder die Blume weg, ſo findet man oft einen ſchoͤnen und reinen Abdruck. Allein nur die Shawls und Schaͤrpen werden auf dieſe Art zuberei⸗ tet und ſchwerlich kann man ſich einen Begriff von dem ſchimmernden und wahrhaft prachtvollen Anblick eines ſolchen Kleides denken, wenn es in weiten, ſchweren Falten um die ſchoͤne Geſtalt eines Haͤupt⸗ lings geworfen war, der es ganz gut verſtand, ſich darin ſo vortheilhaft als moͤglich auszunehmen. Noch gegenwaͤrtig bedienen ſich die Eingebornen dieſer ſchoͤn⸗ geſaͤrbten Tuͤcher in ihren Haͤuſern als Bettdecken und Fenſtervorhaͤngen u. ſ. w. Zwar waren dieſe aus Baumrinde bereiteten Tů⸗ cher in Vergleich mit den europaͤiſchen aͤußerſt undauer⸗ haft, gaben aber, ſo lange ſie noch neu waren, eine leichte, weite Kleidung, die dem Klima voͤllig ange⸗ meſſen rau Dauer eines taheitiſchen Kleides hing von de toffe ab, aus dem es verfertigt war. Die Avatuͤcher hielt man fuͤr die dauerhafteſten. Nur die ſtarkgeſirnißten waren waſſerdicht. Der Regen ver⸗ wiſchte ſchnell alle Farben und gemalten Zierrathen, und loͤſte eben ſo das Gewebe auf, das nur aus in elnander geſchlagenen Faſern beſtand. Indeß hielt eine Tiputa oder ein gutes ſtarkes Pareu, wenn man es vor Naͤſſe bewahrte, immer einige Monate. Auter dieſer Tuchbereitung verſtanden die Süd⸗ 22⁵5 ſee⸗Inſulaner auch ſehr ſchoͤne und dauerhafte Matten zu flechten, wozu man ſich keines anderen Werkzeuges als der bloßen Hand bediente. Man ver⸗ fertigte daraus Segel und Betten. Die gewoͤhnlichen Matten waren s Fuß breit und 9 oder 12 Fuß lang; es gab aber auch welche von 12 Fuß Breite und 65 bis so Fuß, ja ſogar 100 Ellen Laͤnge. Matten von ſolcher Groͤße aber waren nur für vornehme Häupt⸗ linge, und zur Verfertigung wurden vielleicht die Weiber von mehreren Bezirken verſammelt. Man be⸗ wahrte ſie aufgerollt in einem Theile der Wohnung des Haͤuptlings auf, mehr um deſſen Reichthum und die Zahl der von ihm abhaͤngigen Einwohner zur Schau zu ſtellen, als zum wirklichen Gebrauche⸗ Die Verfertigung des Tuches betreiben die Wei⸗ her von jedem Range, und die Koͤnigin und die Wei⸗ ber der vornehmſten Haͤuptlinge wetteifern in ihrem Bezirke ſich durch die zierlichten Muſter und die glaͤn⸗ zendſten Farben auszuzeichnen. Da ſie ſehr geſellſchaft⸗ lich und umgänglich ſind, ſo verſammeln ſie ſich in offenen, eigens zu dieſem Zweck errichteten Haͤuſern, und atbeiten gemeinſchaftlich. Die Koͤnigin ſitzt in der Mitte, umgeben von den Weibern der vornehm⸗ ſten Haͤuptlinge, alle beſchaͤftigt mit dem Eiſenholz⸗ hammet in der Hand die vor ihnen ausgebreitete Rinde zu ſchlagen. Da der viereckige Bock⸗ auf dem die Rinde geſchlagen wird, unten ausgehohlt iſt, ſo verunſachte jeder Schlag einen lauten Schall und der 26 durch z. B. einige zwanzig Haͤmmer hervorgebrachte Laͤrm war wahrhaft betaͤubend. Da die Weiber und Löoͤchter der Haͤuptlinge einen Stolz darauf ſetzen, Tuch von vorzuͤglicherer Eigen⸗ ſchaft zu verfertigen, ſo wuͤrde oft die Koͤnigin ihre Wuͤrde verletzt geglaubt haben, wenn ei anderes Weib auf der Inſel beſſeres Tuch zu bereiten verſtanden hätte, als ſſe. Dieß Streben unter Perſo⸗ nen von hoͤherem Range, ſich durch Geſchick⸗ lichkeit auszuzeichnen, bewunderten die Miſſio⸗ naͤre ſtets an den Eingebornen. Dieß Gefuͤhl beſtimmte wahrſcheinlich auch Koͤng Pomare, ſich ſo eiſrig einer ſchoͤnen Handſchrift zu befleißen, und der Koͤnig von den Sandwichinſeln bat einige dortige Miſ⸗ ſionaͤre dringend, keinem von ſeinem Volke Unterricht zu geben, bis er ſelbſt volkommen leſen und ſchreiben gelernt habe. Mit der Einfuͤhrung des Chriſtenthums trug ſich auch eine große Veraͤnderung in der Induſtrie und Kleidertracht des Landes zu. Noch ehe die Miſſionaͤre ſich voͤllig mit der Landesſprache bekannt gemacht hat⸗ ten, war es bereits ihren Frauen gelungen, den eiu⸗ gebornen Weibern einige Kenntniſſe in weiblichen Handarbeiten beizubringen. So gerne auch letztere zu lernen ſich bemuͤhten, ſo waren ſie doch Anfangs über die Beweggruͤnde, die ibre Lehrer haben konnten, ſich des Unterrichtes mit ſo viel Eifer anzunehmen, nicht zecht im Klaen, Z. B. Ein Maͤdchen, das bei der Frau eines Miſſionaͤrs naͤhen gelernt hatte, ſellte ſich am Sonnabende mit den eingebornen Dienſtboten des Hauſes ein und verlangte ihren Lohn fuͤr das Ler⸗ nen. Frau Eilis ſagte:„Wie, Du willſt bezahlt ſeyn? In unſerm Lande iß es gerade umgekehrt, dort zahlt man die Lehrer.“ Das Maͤdchen erwie⸗ derte:„Du bateſt mich zu kommen, ich bin lange bier geweſen und habe gelernt. Du mußteſt ir⸗ gend einen Vortheil davon gehabt haben, ſonſt wuͤr⸗ deſt Du Dir nicht ſo viele Muͤhe gegeben haben. Ich that, was Du verlangteſt und ich will auch dafur be⸗ zahlt ſeyn.“ Man belehrte ſie nun, daß der Unter⸗ richt unentgeltlich geweſen, daß aller Vortheil, der daraus entſpringe, nur ihr zu Gute komme und daß man ſie kuͤnftig fuͤr ihre Handarbeiten, die ſie jetzt verfertigen koͤnne, bezahlen wuͤrde⸗ vI. Sobald die Eingebornen die Beguemlichfeit der europaiſchen Kleidung einſehen lernten, ſtieg ihr Verlangen darnach und die weite inlaͤndiſche Kleidung wurde bald nur als Alltagsgewand getragen, waͤbrend die von feinerem Tuche nach europaͤtſchen Schnitt ge⸗ fertigte fuͤr ſeierliche Gelegenheiten aufgeſpart wurde. Alimalig ſah man Halstuͤcher um den Nacken, Kap⸗ pen auf den Koͤpfen, Schuhe und Struͤmpfe. Die Veraͤnderung im Anzuge des Volkes gab zu manchen lächerlichen Auftritten Anlaß. Es war ein unvergeß⸗ licher Augenblick, wo die Königin von Huaheine und ein halbdutzend Weiber der vornehmſten Haupt⸗ 228 linge zum erſen Male oͤffentlich mit Hauben auf den Koͤpfen erſchienen, die ihnen von einigen Damen in England zum Geſchenke uͤberſendet worden waren. Es war eine kurze Zeit nach Annahme der engliſchen Kleidertracht. Als dieſe Inſulanerinnen mit den Huͤ⸗ ten daruͤber erſchienen, machte man daraus noch nicht ſo viel; als ſie aber die Huͤte ablegten und die Hau⸗ ben darunter zum Vorſchein kamen, ſahen die Frauen ſelbſt eine Zeit lang ſprachlos einander an, als wollte jede vergleichen, ob der neue Kopfoutz ihrer Nachbarin dem ihrigen aͤhnlich ſey. Das Gefolge enthielt ſich dabei keineswegs der Bemerkungen. Einige hielten dafuͤr, dieſe Hauben ſeyen beſtimmt, den Kopf kuhl zu halten, andere ihn zu erwaͤrmen, noch andere ſa⸗ hen das Ding fuͤr ein Netz an, um die Fliegen und Musquitos abzuhalten. Alle aber kamen darin uͤber⸗ ein, daß ihnen der neue Kopfputz wunderlich zu Ge⸗ ſicht ſtehe, ſelbſt die Haͤuptlinge ſchüttelten daruͤber den Kopf; indeß man war uͤberzeugt, daß die Frauen in England gerade ſolche Hauben tragen, und ſo wurden dem Despotismus der Mode auch hier alle kleinen Bedenklichkeiten geopfert. Das Verlangen nach engliſchen Kleidungen wurde nun taͤglich groͤßer, und ſobald man nur eines Stuͤk⸗ kes habhaft werden konnte, zog man es an, ohne ei⸗ nen vollſtaͤndigen Anzug abzuwarten. Hierdurch er⸗ ſchienen ſie denn nicht ſelten einem europaͤiſchen Auge in den lächerlichſten Auftͤgen. Die Weiber allein⸗ 229 und zwar die Weiber von allen Staͤnden beobachteten hierin noch am meiſten das Schickliche, und die einzi⸗ gen Mißgriffe, die ſie ſich zu Schuiden kommen lieſ⸗ ſen, beſtanden darin, daß eine Frau manchmal den Rock oder die Jacke hres Mannes oder Bruders an⸗ zog. Die Maͤnner hingegen zerbrachen ſich uͤber die Art und Weiſe, die Kleider anzulegen, wenig den Kopf und manchmal ſah man einen Strumpf am Bein und darauf wieder am Arm. Vormittags hatte Einer ein Paar Beinkleider, wie es ſich gehoͤrt, an; Nach⸗ mittags trug er ſie uͤber den Schultern, indem er die Arme durch die Hoſenbeine ſteckte und den Bund üͤber die Bruſt zuknoͤpfte. Nicht minder ergoͤtzlich war zu⸗ weilen ein Einwohner der Geſellſchaftsinſeln zu ſehen, der als Sanseulotte ohne Weſte und Hemd bloß mit dem faltigen Pareu um die Huͤfte einen mo⸗ dernen ſchwarzen Frack auf dem Ruͤcken trug. Die Maͤnner ſind metſtens uͤber Mittelgroͤße und im Ver⸗ haͤltniß ſtark gebaut, ſo daß ihnen nur wenige Roͤcke, dis ſie meiſt von Capitainen oder andern Offizieren der Schiffs erhielten, die an den Inſeln landeten, gerecht waren. Konuten ſie aber nur auf irgend eine Weiſe ihre muskuls⸗ ſen Arme durch die engen Aermel bringen, ſo hielten ſis das Kleidungsſtuͤck wie fuͤr angegoſſen. Ungeachtet der Waͤrme des Klima trugen ſie doch gerne den Rock zuge⸗ knoͤpft, und da war es denn wirklich oft ein Jammerzu ſehen, wie die Arme eines ſolchen ſtutzeriſchen Inſula⸗ ners aus ihrer engen Haft ſich in Freiheit zu arbeiten 230 ſtrebten, waͤhrend dem armen Menſchen der Schweit am ganzen Leibe ausbrach und genuͤgend die Pein und Drangſal verrieth, die der gezwickte Iuwohner, einge⸗ preht wie eine Auſter in ihrer Schale, auszuſtehen hatte. Nicht ſelten ſah man einen baumſtarken Mann mit Hut und Schuhe ohne Struͤmpfe, in einem ſchwar⸗ zen Ueberrocke, deſſen Aermel bis an den Ellenbogen binauf geſchrumpft waren, den Kragen aufwärts ge⸗ ſchlagen und eingeknoͤpft bis an das Kinn, waͤhrend er daruͤber ein weißes gefaͤlteltes Hemd trug, das an der Bruſt oſſen ſtand und wie ein Chorrock das ſchwarte Untergewand hervorſehen ließ. Selbſt Haͤuptlinge er⸗ blickte man damals in ſolchen verkehrten Außuͤgen, und wenn man ſie um die urſache fragte, ſo erwieder⸗ ten ſie, das kurze Hemd nuͤrde man ja unter dem weiten neberrock nicht geſehen haben. Gegenwaͤttig ſieht man ſo etwas nirgendo mehr. Faſt alle, die ſich auf Bereitung von Pfeilwurz oder Kokosnußol verle⸗ gen, oder Schweine maͤſten, haben ſich von den frem⸗ den Schiffen volſtaͤndige Anzuͤge eingehandelt. Hier⸗ durch wurde fuͤr England ein neuer Markt für ſeine Waaren eroͤffnet, der auf den Inſeln, die das Evan⸗ gelium angenommen haben, nicht unbedeutend zu wer⸗ den verſpricht. Man hat berechnet, daß der Handel, den amerikaniſche Schiffe auf den Sandwichinſeln allein treiben, jährlich bis zu hunderttauſend Dollars geſtiegen iſt. Dieſer Verkehr wird natuͤrlich zuneh⸗ nen, jemehr Induſtrie die Produkte der Inſel ver⸗ 231 mehrt, und in dieſem Verbaͤltniß auch das Vermoͤgen der Einwohner. Auch dieß iſt ein Vortheil, wiewohl noch der geringſte, den man der Umſchaffung des ge— ſellſchaftlichen Zuſtandes in den verſchiedenen Theilen der Welt durch die Miſſtonaͤre verdankt, nicht bloß auf den Inſeln des ſtillen Deeans, ſondern na⸗ mentlich auch in Afrika, und zu Madagasear. Gegen das Jahr 4820 trat eine in ihren Folgen vielleicht noch wichtigere Veraͤnderuns in der Kleider⸗ tracht der Bewohner der Geſellſchafts⸗Inſeln ein; wodurch nicht bloß ihr aͤußerer Anzug, ſondern auch ihre phyſiſchen Eigenſchaften umgewandelt wer⸗ den duͤrften. Dieß war die Einfuͤhrung von Huͤten und Hauben. Wenn die Schaͤdel von Nationen, die keine Kopfbedeckung tragen, viel dicker, als bei ſol⸗ chen gefunden werden, die das Haupt zu bedecken pflegen; ſo werden die Cranien der Taheiter und ſ. w. in wenigen Generationen viel duͤnner werden, als ſie vorher waren, da ſie ſeit undenklichen Zeiten baarhaupt gingen. 232 IM. Omai's, Freundes und Reiſegefähr⸗ ten des Weltumſeglers Cook, Reiſe⸗ abentheuer. Von ihm ſelbſt erzählt. 1. Ich bin auf Ulietea, einer der kleinen, ſo⸗ genannten Svecietaͤts⸗ oder Geſellſchaftsin⸗ ſeln geboren, und meine Familie war reich und an⸗ geſehen. Ven meiner fruͤheſten Jugend an, wurde ich zu den Waffen beſtimmt. Im vierzehnten Jahre wohnte zch ſchon einem ſiegreichen Gefechte bei. Dieß erweckte immer mehr die kriegeriſche Luſt in mir, daß ich im folgenden Tage, als Ulietea in tiefem Frie⸗ den lebte, meine Inſel mit einigen Wagehaͤlſen ver⸗ ließ, und bot den Otaheitern, deſſen beide Koͤnige ſich einander bekaͤmpften, meine Dienſte an, die auge⸗ nommen wurden. Von nun an wohnte ich mehreren Krie⸗ gen bei, namentlich denen, die mein Vaterland fuͤhrte. Mein Leben war einmal ſehr in Gefahr gekommen⸗ dann ſiel ich mit meinem Vater gefangen in die Haͤnde der feindlichen Bewohner von Bolabola und Ota⸗ ha. Wir beide ſollten den Goͤttern geopfert werden. Allein in einer Nacht wurde ich durch eine mitleidige Seele meiner Bande erlediget, und ich gewann die Freiheit. Ich ging bei Huaheine an das Land, waͤhrend mein armer Vater vom grauſamen Feinde 233 ermordet wurde, und ſpäter meine Mutter im Elend ſtarb. Mehrere Jahre, Rache bruͤtend, und mit dem Gedanken mich abquaͤlend, mein Vaterland dem feind⸗ lichen Joche zu entziehen, brachte ich traurig zit Huaheine zu. Eines Lages kamen des Capitain Cooks Schife an der Inſel an. Schiffe, Menſchen, Sprache, Klei⸗ dung, Waffen, Nahrungsmittel, Mobilien, alles er⸗ regte mein Staunen, ſo daß ich in eine Art Nachden⸗ ken verſank, und mit offnen Augen eine lange Weile unbeweglich auf einer Stelle ſtehen blieb.— Der Er⸗ folg des Nachdenkens war, daß ich beſchloß, mir die Freundſchaft der Fremden zu erwerben, und von ih⸗ nen zu erhalten, daß ſie mich mit nach ihrem Vater⸗ lande nahmen. Bei ihrer Ruͤckkehr hoffte ich alsdann, daß ſie mich reich an Waffen und Kenntniſſen, kurz, ſo zurückbringen wuͤrden, wie ich ſeyn mußte, um die Unterdruͤcker von Ulieten zu ſtuͤrzen. Jetzt ging ich nach dein Platz, wo der Handel ge⸗ trieben wurde und hier theilte ich alles, was ich be⸗ ſaß, umſonſt unter die Englaͤnder aus. Keiner wies mich ab, obgleich ich nachher einſah, daß der ganze Werth meiner Geſchenke in ihren Augen bloß in der Uneigennuͤtzigkeit beſtand. Vor allem bemühte ich mich ihrem Anfuͤhrer alle moͤglichen perſoͤnlichen Gefallig⸗ keiten zu erweiſen, nichts war mir zu ſchwer, nichts, trotz meines natuͤtlichen Stolzes, zu erniedrigend. Die 94. Bd. Reiſen um die Welt. V. 3. 3 234 Eigenliebe emporte ſich zwar zuweilen, aber ich brachte ſie zum Schweigen durch den Gedanken, daß dieſes ales geſchehen muͤſſe, wenn ich dahin gelangen wolte, mſch zu raͤchen. Furneaux, der Capitain des engliſchen Schif⸗ fes Endeavour, bemerkte bald meinen Etfer und vpot mir Naͤgel und Beile an, welches damals fuͤr uns unſchaͤtbare Geſchenke waren; um ſo mehr ſtaunte er, als ich ſie ausſchlug. Er lies mich durch einen Ma— troſen, der unſere Sprache verſtund, fragen, warum ich ſie ausſchluͤge und ob mir ſeine Geſchenke zu ge⸗ ring woͤren?„Der Himmel iſt mein Zeuge,“ ſagte ich,„daß ich dich als ein hoͤheres Weſen betrachte, deſſen Vol kommenheit an die des Caton(hochſtes Weſen) grenzt. Deine Geſchenke ſind koſtbar, aber ieber wuͤnſchte ich, immer um dich zu ſeyn, mich an dich zu ketten und dir, Capitain Furneaux, dott hinunter an die Grenten des groben Meeres zu fol⸗ gen. Ein Tyrann, Namens Opvony, hat meinen Vater, der Kummer meine Mutter getoͤdtet, ich habe kein Vaterland mehr.“ Furneaux berathſchlagte ſich mit ſeinen vot⸗ nehmſten Pffizieren; ich hatte ſie mir durch meine Dienſtfertigkeir alle guͤnſtig gemacht und ſie willigten ein, mich am Bord aufzunehmen⸗ worauf der Capi⸗ tatn zu meiner großen Freude erklaͤrte, daß ich von nuun an ſein unzertrennlicher Reiſegefaͤhrte ſeun ſollte. Hiermit waren noch nicht alle Schwierigkeiten 235 überwunden; denn Cook, der Pberbefehlshaber, mußte ſeine Einwilligung dazu geben, und dieſe er⸗ theilte er nicht ſogleich, vielmehr fehlte ſehr wenig⸗ daß er mir mein Geſuch nicht gänzlich abſchlug. Aber Gefaͤlligkeit gegen Furneaux, und mein dringendes Bitten bewogen ihn endlich, die Erlaubniß zu ertheilen. Sogleich verbreitete ſich das Geruͤcht auf Hun⸗ heine, daß ich nach England reiſen wuͤrde. Man ſchob mir dazu natuͤrlich die verſchiedenſten Beweg⸗ gruͤnde unter, allein keinem einzigen fiel es ein, daß die heiligſte Pflicht, mein Vaterland zu raͤchen, An⸗ theil an meinem Entſchluſſe hatte. Mit Ungeduld erwartete ich den Augenblick, wwo die Schiffe unter Segel gehen wuͤrden. Es geſchah endlich. Im Vorbeiſegeln beruͤhrten wir Ulietea, die Capitaine gingen beide an das Land; ſo lange wir an meinem ungluͤcklichen Vaterlande weilten, ver⸗ barg ich mich ſorgfaͤltig in dem Innern des Schiffes, nicht aus Furcht vor den Nachſtellungen Opoony's, des Koͤnigs von Bolabola, und Tyrannen von Ulietea(der war zu ohnmaͤchtis gegen meine Be⸗ ſchutzer); ſondern weil ich ein Geluͤbte gethan, Ulie⸗ tea nicht eher wieder zu betreten, bis ich entweder mit den Waffen in der Hand daſelbſt ſterben, oder mich raͤchen koͤnnte. Endlich gingen wir wieder unter Se⸗ gel und fuhren nach einem großen Land zu, welches ich Neu⸗Seeland nennen hoͤrte. Nun erſchien ich auf dem Verdecke und in den Kammern des Schiffers 236 Zu meinem großen Verdruß bemerkte ich, daß noch ein anderer Bewohner unſerer Inſel, Namens Edideo, der ein Verwandter des Koͤnigs Opovony war, auf Cooks Schiffe ſich beſinde. Ich befürchtete, daß er von dem Oberbefehlshaber mehr benuͤnſtigt wuͤrde, zudem war er ein Verwandter meines Todfeindes. Ich kuͤmmerte mich ſo ab, daß mein Zuſtand jedem auf⸗ fallend ſeyn mußte. Als ich aber erfuhr, daß Edi⸗ dev nicht nach SEngland gehen, ſondern wieder nach Ulitea zuruͤckkehren werde, wenn die Schiffe noch einige Inſeln beſucht haben wuͤrden, wurde ich g'eich wieder geſund und heiter. 1I. Nach einem Monat Reiſe, kamen wir an eine Inſel, welche die Englaͤnder mir Middelburg nannten. Die Bewohner dieſer Inſeb hatten einen großen Hang zum Stehlen. Unſere Leute ſahen ſich gezwungen, ſie dafuͤr zu zuͤchtigen und ſchoſſen zu ſie⸗ ben Malen nach ihnen, wodurch einige getoͤdtet wur⸗ den. Auch ich war Augenzeuge einer Begebenheit, die ich nicht ohne Entſetzen erzaͤhlen kann. Ein Inſu⸗ laner hatte eine Kleinigkeit genommen, die man ihm vielleicht geſchenkt haben wuͤrde, wenn er darum gebe⸗ ten haͤtte. Er ſprang damit in das Waſſer und wollte ſich durch Schwimmen fortmachen; man ſetzte ihm nach, erreichte ihn, und in dem Augenblicke warf ihm ein Matroſe einen eiſernen Haken in den Unterleib und rog ihn damit blutend und ſterbend in das Schiff. Ich durfte mir damals nicht merten laſſen, welchen 237 Abſcheu ich gegen dieſe Unmenſchlichkeit empfand, aber ich fühlte in meinem Innern, daß ich den Matroſen gerne getoͤdtet haͤtte, wenn ich der Verzeihung ver⸗ ſichert geweſen waͤre. Wir gingen wieder unter Segel. Gegen Ende Oktobers 1773 wurden durch Sturm unſere beiden Schiffe von einander getrennt. Cook, nachdem er eine Zeitlang auf Neu⸗Seeland auf uns gewartet, kehrte nach Otaheiti zuruͤck, um Edideo, dem die Retſe ſchon zu langweilig geworden war, hier an das Land zu ſetzen, und nachher ſeine Reiſe weiter zu vetrfolgen. Ale Furneaux zu Seeland ankam, erfuhr er dieſes durch ein hinterlaſſenes Aviſo des Cook. Mehrere Male ging man zu Neu⸗Seeland an das Land, eines Tages aber, als Lieutenant Rowe mit 9 Mann daſſeibe that, wurde er mit ſeinen Leu⸗ ten von den Eingebornen erſchlagen und aufgezehrt. Ich war bei den Landparthien immer geweſen, dieß⸗ mal hatte mich mein guter Genius durch eine kleine Unpaͤßlichkeit auf dem Schiffe zuruͤckgehalten; außer⸗ dem wuͤrde ich an dieſem Ufer das Ziel meiner Reiſe und meines Lebens gefunden haben. Capitain Furneaux empfand uͤber dieſen Ver⸗ luſt einen tiefen Schmerz; die Mannſchaft wurde klein⸗ muͤthig und befuͤrchtete, daß aͤhnliche Vorfaͤlle ihre Anzahl ſo ſchwaͤchen koͤnnten, daß ſie am Ende nicht mehr zur Leitung des Schiffes hinreichten; das 288 Schiff ſelbſt war in ſchlechten Umſtaͤnden, die Lebens⸗ mietel halb verdorben und alle Umſtaͤnde machten eine ſchleunige Ruͤckkehr noͤthig. Furneaux ent⸗ ſchloß ſich endlich dazu, und ſteuerte zu meiner unbe⸗ ſchreiblichen Freude gerade auf England zu. Den 49. Maͤrz 1774 kamen wir an das Vorgebirg der guten Hoffnung, reiſten den 13. April wieder von da ab und den 14. Julius gingen wir zu Spi⸗ thead vor Anker. Cook kam erſt den 29. Februar des folgen den Jahres in England an. Ich kann dreiſt behaupten, daß ich zu London großes Aufſehen erregte, doch war der Eindruck, den ich auf Andere machte, bei weitem nicht ſo ſark als den ich ſelbſt empfand. Ich lebte zwei Jahre lang am Pof und in der Stadt, lernte alle Staͤnde kennen; meine Abſichten waren rein, ich ſuchte aufrichtig die Wahrheit und die Vorurtheile der Europaer blen⸗ deten mich wenigſtens nicht. Ich ergruͤndete zwar nicht Alles in ſeinem ganzen Zuſammenhauge und in ſeinen Folgen, aber ich etbielt doch eine oberflaͤchliche Kenntniß von Allem. III. Cook růͤſtete ſich zu einer dritten Reiſe nach den Geſeltſchafts⸗Inſeln, und ich ſollte ihn be⸗ gleiten. Ich ging, nachdem ich herslichen Abſchied ge⸗ nommen hatte, nach Plymouth, wo ich mich auf der Reſolution einſchiffte. Man ging unter Se⸗ gel, und Eapitain Clerke, der mit Cvok reiſen ſollte, ſtieß mit ſeinem Schiff am Vorgebirge der guten Hoffnung zu uns. Wir naͤherten uns mit vollen Segeln den Kana riſchen Inſeln, entdeckten bald den Pie von Teneriffa, und gingen auf der Rhede von Sainte Croiſe, oder Santa Cruz auf dieſe Inſel vor Anker. Mehrere Tage durchlief ich die Inſel Tene⸗ riffa in Begleitung des unermuͤdlichen Hrn. An⸗ derſon. Von da abgeſegelt, gingen wir am 18. Oktober in der Tafel⸗Bat vor Anker. Mit Clet⸗ ke's Schiff vereinigt, ſegelten wir weiter, und er⸗ kannten bald zwei Inſeln, die im Jahre 1772 von den Franzoſen entdeckt wurden, die aber Cook nun die Inſeln des Prinzen Edward nannte. Auf das Land von Kerguelen, welches auf brittiſche Karten auch Deſolationsin ſel genanut wird⸗ zuſteuernd⸗ ſahen wir mehrmals Land, d. h. Inſeln. Die Reu⸗ nions⸗In ſel, nanute Cvok Cap Bligh. An das Land von Kerguelen angekommen, ging Cvok an das Land, und nahm es im Namen ſeines Koͤnigs in Beſitz. Einen langen Raum durchſchifften wir, bis wir Van Diemens⸗Land erreichten. Wir gingen an das Land. Die Eingebornen, deren Haut ſchmutzig ſchwarz iſt, betrugen ſich friedlich. Den so. Januar 1nns gingen wir wieder unter Segel, und hatten ei⸗ nen zehn Tage dauernden großen Sturm auszuhalten⸗ Cook ging in dem Kanal der Koͤnigin Chat⸗ 24⁰ lotte auf Neu⸗Seeland vor Anker und daſelbſt an das Land. Es wurde uns ſchwer, das Zutrauen der Inſula⸗ ner zu erhalten; denn ſie bildeten ſich ein, Cook kaͤme in ihr Land zuruͤck, um den Tod der zehn Mann von Furneaur's Schiffe zu raͤchen, die ſie auſgezehrt hatten. Als Cook ſie verſicherte, man habe Alles vergeſſen, ging alles zur Vertraulichkeit uͤber, und der Handel wurde fuͤr uns gut. Aus Gefaͤlligkeit fuͤr mich nahm Capitain Cvok, als wir abfuhren, zwei junge Seelaͤnder, Tawei⸗ harvoa und Kokoa, mit an Bord, die ſich wegen ihres kuͤnftigen Gluͤckes ganz auf mich verließen. Gegen Ende des Februars verließen wir Neu⸗ Seeland und ſegelten wieder anderthalb Monate in einem fort, bis wir endlich zu der Inſel Mangeea, im 27 ſuͤdl. Breite, kamen. Wir fanden hier keinen Ankerplatz fuͤr die Schiffe, keine bequeme Stelle zum landen. Auf einem Kahne ſuchte Cook, den ich, wie immer begleitete, mit den Eingebornen in Bekannt⸗ ſchaft zu treten. Es gelang. Die Inſulanern glichen an ihrer Farbe den ſüdlichen Europaͤernz Frohheit lag auf ihren Geſichtern, und Hang nach Vergnuͤgen in jedem ihrer Zuͤge. IV. Zwei Tage nachher erblickten wir wieder 2 andere Inſeln, und naͤherten uns der Groͤßern, in der Hoffnung, einige Erfriſchungen daſelbſt zu finden. In dieſer Abſicht wurden bewaffnete Kaͤhne nach der 241 Kuͤſte geſchickt, um einen Ankerplatz zu ſuchen. Meh⸗ rere Inſulaner kamen uns in ihren Piroguen entgegen und gingen auf unſern bloßen Wink an Bord der Schiffe, ohne das geringſte Mißtrauen zu aͤußern. Dieß weren bloß Privatbeſuche, kurz nachher aber er⸗ hielt Cook eine feierliche Geſandtſchaft. Ein Inſula⸗ ner erſchien in ſeiner Pirogue, hielt einige Bana⸗ nasfruͤchte in der Hand, rief dem Capitain bei ſeinem Namen, den ich ihm vorher geſagt hatte, und bot ihm im Namen ſeines Koͤnigs Ladung an. Dieß war in unſeren Umſtaͤnden ein wahres koͤnigliches Anerbie⸗ ten, indeſſen waren wir nicht Willens uns an Groß⸗ muth übertreffen zu laſſen. Dieſe Abordnung war nur der Vorbote von einer weit glaͤnzendern. Zwoͤlf Inſulaner kamen auf einer doppelten Pirogue und unter Anſtimmung eines Ge⸗ ſanges auf das Schiff zu, verlangten den Befehlsha⸗ ber zu ſprechen und brachten ihm ein junges Schwein und Cokosnuͤſſe dar, worauf ſie auf das Verdeck der Reſolution ſtiegen und dem Capitain noch eine praͤchtig gearbeitete Decke uͤberbrachten. Dieſe Ge⸗ ſchenke waren bloße Hoͤflichkeiten und Freundſchafts⸗ beweiſe, denn von Tauſch und Handel hatten ſie kei⸗ nen Begriff. Sie ſchienen ſehr begierig, einen Hund zu beſitzen und ich gab ihnen den meinigen, den ich von London mitgebracht hatte, ungeachtet ich dem Thier ſebr geneigt war. Die Inſulaner hatten uns berichtet, daß wir we⸗ 24⁴ der an das Ankern, noch an das Landen denken duͤrf⸗ ten, weil ein ſteiler Korallenfelſen die ganze Kuͤſte umringe, die Brandung gefaͤhrlich ſey und wir folglich die Inſel Wateoo würden verlaſſen müſſen, ohne ſie naͤher zu kennen. Der Verdruß uͤber dieſe Ausſage brachte den Lientenant Gore auf einen Vorſchlag, der ohne vieles Bedenken einſtimmig gebilligt wurde⸗ Er beſtund darin, daß einige von uns auf den Pirv⸗ guen der Eingebornen nach der Inſel gehen, und den Koͤnig derſelben durch mich bitten ſollten, uns die noͤthigen Erfriſchungen durch ſeine Unterthanen bis außer der Brandung zu bringen. Lieutenant Gore uͤbernahm die Ausfuͤhrung ſelbſt, und bewaffnete drei Boote, die ſich mit großer Schwie⸗ rigkeit den Klippen naͤherten; worauf die Herten Gore, Anderſon, Bourney, und ich in zwei Piroguen ſtiegen. Unterdeſſen wir an das Ufer gin⸗ gen, blieb das Detaſchement in den Booten und be⸗ feſtigte ſie mit Hacken ziemlich dicht bei der Bran⸗ dung. Cook war unterdeſſen nicht gans ohne Beſorgniß und naͤherte ſich mit den Schiffen ſo viel als moͤglich den Klippen, um auf alle Faͤlle bereit zu ſeyn, aber der Felſen haͤtte doch alle ſeine Bemuͤhungen vereitelt und wir wuͤrden vor ſeinen Augen zu Grunde gegan⸗ gen ſeyn, ohne daß er uns die geringſte Hilſe haͤtte leiſten koͤnnen. Ich und meine Begleiter wurden ehrenvoll em⸗ 243 pfangen, indem zugleich junse Weiber einen Ehren⸗ tanz und Krieger das Bild eines Kampfes ausfuͤhrten, und wurden zum Koͤnig der Inſel gebracht. Omai bat ihn um Lebensmittel fuͤr die Schiffe, und man verſprach, am anderen Tage Antwort deßhalb zu ge⸗ ben. Hierauf fingen die Inſulaner an, uns zu beſteh⸗ len, wie ſie nur etwas habhaft werden konnten, iſo⸗ lirten uns, bildeten um uns Kreiſe, und ſchienen uns auf ihrer Inſel feſthalten zu wollen. Allein als ich⸗ um ſie zu ſchrecken und abzuhalten, mit Vebertreibung waͤhrend der uns bereiteten Mahlzeit, ihnen erzaͤhlte, daß die Schiffe der Emglaͤnder, alſo auch die Cook's mit fuͤrchterlichen Maſchinen beſetzt ſeyen, die ſchrecklicher, als der Donner, mit einem Schlage die ganze Inſel zerſtoren koͤnnten, als ich einige Pa⸗ tronen, die ich in der Laſche hatte, mit freilich auf⸗ fallenden Vorbereitungen ploͤtzlich in Flammen und Rauch ſetzte, und alle Zuſchauer dadurch beßtuͤrzt machte, erhielten wir die Freiheit, abzuſegeln, nach⸗ dem man fuͤr uns noch die Piroguen mit Vananen, Kokosnuͤſſe u. ſ. w. beladen hatte.— Cook war ſehr erfreut, uns wieder wohlbehalten am Bord zu ſehen⸗ Ich hatte auf Wateoo auch drei Landsleute ge⸗ troffen, welche vor 12 Jahren ein Sturm hingetrieben hatte. Es geſiel ihnen hier ſo wohl, daß ſie pich mehr nach Ulieten zuruͤck wollten. V. Friſcher Wind trieb uns vovn Wateoo i weg und nach Wenopa⸗ette, wo man landete, um ⸗ 24 einigen Lebensbedarf fuͤr Menſchen und Vieh einzu⸗ nehmen. Man fand Huͤtten und eingezaͤnnte Felder, aber keine Einwohner. 15 Meilen von dieſer Inſel ſtießen wir auf die Inſel Hervei, die Cvok im Jahr 1773 entdeckt hatte. Sobald wir uns der Inſel Hervei naͤherten, ka⸗ men die Bewohner derſelben uns in großer Anzahl in ihren Kaͤhnen entgegen. Ihr Anſtand war wild und drohend, ſie naͤherten ſich den beiden Schtſfen, ſo gut ſie konnten, und hatten in wenig Augenblicken eine Menge Kleinigkeiten geſtohlen; ſie ſchlugen ſogar ei⸗ nen Mattoſen, der ſich ihrem Vorhaben widerſetzte, und ſprangen bei den unbedeutendſten Dingen, die man aus dem Schiffe warf, in die See, um ſie wie⸗ der zu holen. Ich erſchöpfte meine ganze Beredſam⸗ keit, um ſie zu bewegen, an Bord der Schiffe zu kom⸗ men, aber ſie waren zu mißtrauiſch, und alle meine Einladungen wurden abgewieſen. Cook ſchickte nun den Lieutenant King mit 2 bewaffneten Kaͤhnen ab, um die Kuͤſte zu unterſuchen, und ſich nach einer Landungsſtelle umzuſehen. So⸗ bald dieſes die Einwohner bemerkten, eilten ſie den Booten vorzukommen und einen Augenblick nachher er⸗ blickten wir ſie mit Lanzen oder Keulen bewaffnet auf den Felſen, in einer Stellung, welche anteigte, daß ſie ſich dem Landen widerſetzen wollten. Als ſich King demungeachtet näherte, winkten ihm die Wil⸗ den an das Land zu kommen, welches er aber um ſo 24⁵ weniger zu thun geneigt war, da er ſah, daß ſelbſt die Weiber Lanzen und Pfeile herbeiſchieppten. Er begnägte ſich eine Landungsſtelle zu ſuchen, fand aber keine, worauf Cvok ſogleich beſchloß, ſich von dieſer Inſel zu entfernen. Man war nicht im Stande, nur einige Beobach⸗ tungen uͤber die Inſel und ihre Bewohner anzuſtellen. Dem Aeußern nach gleichen dieſe Inſulaner den Neu⸗Seelaͤndern, und ihr Charakter hat eine eigenthuͤmliche Wildheit. Sie verſicherten mir wie⸗ derholt, daß dieſe Inſel arm an Nahrungsmitteln ſey; denn ſie haben weder Schweine, noch Hunde, noch Bananas, noch Brodfrucht, und ihre ganze Nahrung beſteht in Kokosnüſſen, Schildkroͤten und Fiſchen. Ihre Piroguen ſind groß und ſchoͤn, und dadurch von denen der uͤbrigen Inſulaner verſchieden, daß ſie nicht mit Punkten bemalt ſind. Als Cook ſich hier auch in ſeinen Hoffnungen betrogen ſah und ſeit Neu⸗Seeland keinen einzi⸗ gen Ort gefunden hatte, wo er friſches Waſſer haͤtte einnehmen, koͤnnen, beſchloß er nun, ſich gegen die Freundſchafts⸗Inſeln zu wenden, wo er verſi⸗ chert war, gute Aufnahme zu erhalten. VI. Vier Tage verweilten wir an der Inſel Pal⸗ merſton, wo wir Kokosnuͤſſe zu Tauſenden und Viehfutter in hinlaͤnglicher Menge fanden; ſobald die⸗ ſer erwuͤnſchte Vorrath an Bord gebracht war, reiſten wir nach Annamvoka ab. 24⁴6 Die Inſel Palmerſton beſteht aus o— 40 kleinen Inſeln, die in Kreis herumliegen und durch eine Ko⸗ rallenbank mit einander verbunden ſind. Einige von ihnen ſcheinen durchaus unfruchtbar, die andern aber ſind um ſo reicher an Naturprodukten und entſchaͤdi⸗ gen den Reiſenden fur ſeinen Beſuch hinlaͤnglich. Die IFnſel Palmerſton ſchien mir, wegen ihrer Rie⸗ drigkeit ſehr in Gefahr von der See einſt verſchlun⸗ gen zu werden; denn das Waſſer hat ſich bereits uͤber ihre Oberflaͤche verbreitet, iſt in die kleineren Thaͤler und Vertiefungen eingedrungen und hat nur 9 kleine Pügel oder Spitzen trocken gelaſſen, um vielleicht in der Folge gleichfalls von ihm bedeckt zu werden. Cvok und Anderſon waren der entgegengeſetz⸗ ten Meinung und hielten dafuͤr, daß dieſe Inſel nicht lange entſtanden und an Hoͤhe und Umfang immer zu⸗ nehmen wuͤrde, auch glaubten ſie, daß die Kanaͤle, welche die neun Inſeln trennen, einſt ausgetrocknet und ausgefuͤllt werden, die Vegetation emporkommen, und alle die kleinen Stuͤckchen nur eine ganze Inſel bilden wuͤrden, deren Huͤgel durch angenehme Thaͤler mit einander verbunden ſeyn koͤnnten. Die Hitze war ſeit einem Monat unertraͤglich; das Wetter aͤnderte ſich zwar, aber die Gluth blieb dieſelbe, trotz der Gewitter, der Sturmwinde und des Regens; und nun da die Feuchtigkeit noch dazu kam, befuͤrchteten wir, daß Krankheiten unter der MWaunſchaft einreißen moͤchten. Seit der Abreiſe von 247 Neu⸗Seeland hatten wir keinen einzigen Ktanken gehabt. Der haͤufige Regen half uns jetzt wenigſtens zu ſuͤßem Waſſer, an dem wir großen Mangel litten und deßwegen bereits einige Zeit Seewaſſer tranken, das vom Salze gereinigt war. Wir erhielten nun in einer Stunde Regen mehr ſuͤßes Waſſer, als wir durch die Deſtillations⸗Maſchiene in einem Monat er⸗ halten hatten, weswegen ſie Cvok ſogleich wieder auf die Seite ſchaffen ließ. Wir erblickten die Inſeln, welche oſtwaͤrts von Annamooka liegen, und gingen zwei Meilen von Komango vor Anker. Mehrere Piroguen ſtießen ſo⸗ gleich von verſchiedenen Inſeln ab, brachten uns eine Menge Erfriſchungen und erhielten dagegen Naͤgel und andere Kleinigkeiten, auf die ſie aber einen hohen Werth ſetzten. Lieutenant King ging an das Land und der Handel wurde zu beiderſeitiger Zufriedenheit geſchloſſen; wir erhielten einige Schweine, Federvieb und Futter. Zwei Haͤuptlinge kamen an Bord und boten dem Capitain Cook, zum Zeichen der Freund⸗ ſchaft jeder ein Schwein dar. Die Anker waren bereits gelichtet, um nach An⸗ namvoka zu ſegeln, dennoch ging der Handel mit den Inſulanern noch immer fort und die Piroguen drehten ſich ſo behend und leicht um die Schiſfe her⸗ um, als nenn wir noch feſtgelegen waͤren. Am a. Mai ließen wir an der noͤrdlichen Kuͤſte on Annamooka den Anker fallen, wo Cook auf 248 ſeiner zweiten Reiſe eine begueme Landungsſtelle ent⸗ deckt hatte. Wir gingen kurz nachher an das Land und die Eingebornen zeigten ſich zu allem, was wir wuͤnſchten, bereitwillig; vielleicht waͤren ſie uns zuvor⸗ gekommen, wenn ſie unſere Beduͤrfniſſe errathen haͤt⸗ ten. Sie ſchlugen eine Art von Zelt von mehreren zuſammengeſchobenen Piroguen auf; das Vieh wurde ohne Hinderniſſe vom Bord an das Land gebracht, und Waſſer, Holz und alles was wir brauchten, in Ueberfluß herbeigeſchafft, ſo daß wir uns keine freund⸗ ſchaftlichere Aufnahme wuͤnſchen konnten. Toobou, das Oberhaupt der Inſel, nahm Cook und mich mit ſich in ſein Haus, welches in einer reizenden Gegend lag. Der Raſen vor der Thuͤre war vorhanden, um, wie unſer freundlicher Wirth ſagte, die Fuͤße derer zu reinigen, die zu ihm kommen woll⸗ ten. Der Boden der Huͤtten war mit ſehr reinlichen Matten belegt und wohin das Auge ſah, geſiel ihm alles in dieſer laͤndlichen Wohnung, bis auf die ſchoͤne Einfalt, die üͤberall herrſchte. Die Anſicht der Inſel ſelbſt war nicht weniger reizend; ſie liegt etwas hoͤher, als die benachbarten kleineren, doch kann man ſie nicht unter die hochlie⸗ genden rechnen, indem ſie kaum 3 bis 10 Schuhe über die Oberflaͤche des Meeres emporragt. Ihre natuͤrliche Fruchtbarkeit wird durch den fleißigen Anbau noch er⸗ höht, und uͤberall erblickt man Kokus⸗ und Brod⸗ baͤume ohne Ordnung hin und wieder zerſtreut⸗ Die 249 Bananas⸗ und Igmanenfelder ſind etwas regelmaͤßi⸗ ger angelegt, und mit Zaͤunen von Rohr umgeben. Die Haͤuſer haben gewoͤhnlich eine aͤhnliche Einfaſ⸗ ſung; die Bevoͤlkerung ſteigt aber wohl nicht viel uͤber 2000 Koͤpfe. Die erſtern Tage wurden mit Spazierengehen, Handel und Beſuchen zugebracht, als eine von Ton⸗ gataboo angekommene Pirogue einen neuen Auftritt eroͤffnete. An ihrem Bord war Fenou, der den Ti⸗ tel eines Koͤnigs aller dieſer Gegenden fuͤhrte. Cook fragte ihn ſogleich beim erſten Beſuch, ob er wirklich Koͤnig waͤre? Er antwortete hierauf nichts, dagegen nahm ein anderes Oberhaupt, mit Namen Taipa, das Wort, und verſicherte nicht nur, daß Fenou Koͤnig waͤre, ſondern auch, daß ſein Reich aus mehr als 160 Inſeln beſtuͤnde. Dieſer Fenou wurde bald Cooks warmer Freund, und doch war dieſe Freundſchaft nur ein Schatten gegen der, ſozwiſchen ihm und mir entſtand. Er hatte eine ſehr einnehmende Geſichtsbildung, war ſchoͤn gebaut und ſein Anſtand verrieth viel Ausdruck, ſo daß man ihn leicht fuͤr einen Europaͤer haͤtte hal⸗ ten koͤnnen; ſein Alter betrug etwa 25 Jahre. Alle Augenblicke kam er an Bord der Reſolution und nie mit leeren Haͤnden; gewoͤhnlich ſpeiſte er mit dem Capitain, zuweilen aber brachten ſeine Leute das, was er eſſen wollte, von der Kuͤſte an Vord. Dieß that er nicht ſowohl um ſich auszuzeichnen, als um auch ſei⸗ 64 Bd. Reiſen um die Welt. V. 3. 4 250 nen Antheil dazu beizutragen; denn wir mußten alles koſten, was er zubereiten ließ, und die Gerichte waren gewoͤhnlich ſehr ſchmackhaft, wie Cook und die uͤbri⸗ gen Englander, die mit ihm am Tiſche ſaßen, mir verſicherten. Um zu erfahren, ob ſich Fenous Anſe⸗ hen wirklich ſo weit erſtreckte, als Taipa behaup⸗ tet, forderte Cvok eine Art zuruͤck, welche den erſten Tag unſerer Ankunft war geſtohlen worden. Binnen einer Stunde brachte man ſie zuruͤck. neberhaupt wurden die Englaͤnder durch das Stehlen der Jnſulaner zlemlich in Bewegung erhal⸗ ren. Unſere Gelehrten konnten Anfangs nicht einig werden, ob dieſe Leute Begriffe von Eigenthum baͤt⸗ ten, und das Stehlen fuͤr eine unerlaubte Handlung hielten; denn einer Seits ließen ſie die Mannſchaft peider Schiffe frei im Lande umbergehen, und ſchie⸗ nen gar nicht zu fuͤrchten, daß ihnen das Ihrige moͤchte entwendet werden; anderſeits aber flohen ſie und verſteckten ſich ſobald ſie etwas auf die Seite ge⸗ bracht hatren. Man konnte glauben, ſie verſteckten ſich alle dann nur, weil ſie wußten, daß dieſe Hand⸗ lung den Fremden mitfalle, ungeachtet ſie den Grund dieſes Mißfallens nicht einſahen. Sie nahmen alſo in der Meinung, es ſey eine gleichguͤltige Handlung und verſteckten ſich nachher, um ſich der ſonderbaren Laune derer zu entziehen, die nicht gerne ſahen, daß man ihnen etwas nahm. Anfangs ſtahlen ſogar die Haͤupt⸗ zunge ſelbſt, und dieß ſcheint die obige Meinuns iu 251 beſtaͤtigen, aber ein Unglucksfalk, d einem dieſer Vornehmen begegnete, etkaͤltete ihren Eifer und ſie uͤberließen die Muͤhe des N ehmens ihren Untergebenen. Die Sache verhielt ſich folgendermaßen: Einer der Haͤuptlinge ſtahl den Schluͤſſel zu einer Winde und verſteckte ihn unter ſeine Kleider. Man ſah es und Cvok befahl, ihn mit 22 Hieben zu ſtra⸗ fen, und verurtheilte ihn außerdem noch ein Schwein fuͤr ſeine Freiheit zu liefern. Von nun an ſtahlen nur die Unterthanen oder Sklaven, vielleicht aber zum Nutzen der Großen und ihrer Herren. Die Stra⸗ fen konnten dem Uebel nicht mehr ſteuern und das Stehlen ging fort, bis es uns einfiel, denen, die auf der That ertappt wuͤrden, die Haare auf dem Kopf giatt abzuſcheeren. Das Laͤcherliche machte etnen tie⸗ fen Eindruck auf Leute, die nichts von Schaam wuß⸗ ten und gegen koͤrperlichen Schmerz unempfindlich waren. Als endlich aller Vorrath, den wir einzunehmen wuͤnſchten, an Bord gebracht war, machten wir An— ſtalten zur Abreiſe. VII. Cooks Abſicht war, nach Tongataboo, der vornehmſten dieſer Inſeln zu gehen, aber Feuou hielt ihn unter mancherlei Vorwand davon ab und bewog ihn vielmehr Hapaee zu beſuchen, wohin er ihn zu begleiten verſprach, Dieſer Beweggrund, und die Nachricht, daß noch keine Europaer auf dieſer letztern Inſel gelandet, beſtimmten unſern Weg. Wir 252 richteten uns alſo gegen Nordoſten, wo die Inſel Ha⸗ paee liegt, die ſo wie die Inſel Palmerſton aus mehreren kleinern Eylanden beſteht. Von weitem haͤtte man ſie fuͤr Gaͤrten halten ſollen, die von Gei⸗ ſtern mitten in der See angelegt werden; eine darun⸗ ter, Namens Torfoa, zeichnet ſich durch einen Vul⸗ kan aus, deſſen unaufhoͤrlichen Rauch man eine Ta⸗ gereiſe weit ſteht. Die Eingebornen verſicherten uns, daß er zuweilen große Steine auswerfe und ſcheinen zu glauben, daß eine Gottheit in ihm wohne, die deſſen Bewegungen und Wirkungen regiert⸗ Binnen zwei Tagen erreichten wir Hapaee und gingen daſelbſt vor Anker. Ich ſeibſt war nicht am Bord der Schiffe, Fenou hatte mir den Tag vorher vorgeſchtagen, mich in ſeiner Pirogue dahin zu führen und ich nahm dieſe Einladung meines guten und maͤchtigen Freundes mit Vergnuͤgen an. Mit Anbruch des Tages fuhr ich an Bord der Reſolution, um den Capitain zu benachrichtigen, daß alle Vorkehrun⸗ gen zu ſeinem Empfang am Lande getroffen waͤren. Dicht am ufer war eine Huͤtte aufgeſchlagen, welche ſtatt des Audienzſaales diente. Fenou, Cook und ich traten hinein, und die Haͤuptlinge nebſt der uͤbrigen Menge traten in einem Kreis auswaͤrts um uns her. Man fragte den Capitain, wie viele Tage erzu Hapaee bleiben wollte? erantwortete„Fuͤnfe!“ Hierauf erhielten Taipa und Eoroupa, der beſon⸗ dere Regent der Inſel, von Fenvn den Befehl⸗ eine 253 Rede an das Volk zu halten und es zu ermahnen, die Fremden freundſchaftlich zu behandeln, ſie nicht zu beſtehlen und ihnen alle Lebensmittel zu liefern, die ſie verlangen wuͤrden. Der letztere Artikel wurde puͤnktlich befolgt und Fenon erſchien bei dieſer Au⸗ dienz als ein maͤchtiger Koͤnig, der ſeinen Willen durch ſeine Miniſter kund that. Die Ceremonie en⸗ digte ſich durch gegenſeitige Geſchenke, und Capitain Cook endete ſie dadurch, daß er alle Hoͤflinge ein⸗ lud, mit ihm an Bord der Reſolution zu ſpeiſen. Sie nahmen es alle an, aber nur Fenon allein ſetzte ſich an den Liſch des Capitains, die uͤbrigen wasten es weder mit ihm, noch in ſeiner Gegenwart zu eſſen, woraus wir ſahen, in welcher Achtung er bei dieſen Haͤuptlingen ſtand. Ich ſchlief mit meinem Freunde am Lande; denn wir waren unſertrennlich geworden, und den andern Morgen meldeten wir dem Capitain, daß das Volk ihnerwarte. Er kam in Begleitung einer großen Anzahl ſeiner Leute an das Land, wo ihn Eoroupa noͤthigte, dieſelbe Stelle, wie geſtern einzunehmen. Jetzt er⸗ ſchienen 400 Mann, die mit Igmanen, Brodfrucht⸗ Bananen, Zuckerrohr u. ſ. w. beladen waren, welches alles ſie in zwei zierliche Piramiden aufhaͤuften, und dann an die eine zwei Schweine und ſechs Stuck Fe⸗ dervieh, an die andere zwei Schildkroͤten und zwei Schweine feſtbanden. Zwei Haͤuptlinge ſetzten ſich bei denſelben nieder, um ſie zu bewachen. * 254 Nun begannen die Kampfſpiele. Die Knair Eer verſetzten ſich, ungeachtet es nur Spiel ſeyn ſollte, ſehr derbe Stoͤße, ſo dab die Waffen zuweilen in Stuͤcken ſprangen, und der Kampf endigte ſich nicht eher, bis ſich der Ueberwundene fuͤr beſiegt erkannte. Dann beugte ſich der Sieger vor Fenon tief nieder, nahm nachher die Gluͤckwuͤnſche der Aelteſten au und trat wieder unter den Hauſen Inſulaner, zu dem er ge⸗ hoͤrte, welcher ein lautes Freudengeſchrei erhob. Dieß Spiel wurde mehrere Male wiederholt und zur Ab⸗ wechslung Fauſtkaͤmpfe und Wettringen gehalten. Sogar die Weiber miſchten ſich darunter und verſetz⸗ ten ſich einander harte Schlaͤge mit den Faͤuſten, dann kamen junge Maͤdchen und ſtellten ſich, als wenn ſie ein Gleiches thun wollten, aber dieß war eine bloße Pantomime; denn ſobald ſie den Arm erhoben, wurden ſie getrennt. Als die Spiele geendigt waren, erklaͤrte Fenou dem Capitain, daß die eine Pyramtde fuͤr ihn, die andere für mich waͤre, und daß er beide weg⸗ tragen laſſen koͤnne. Das Geſchenk war ſo betraͤchtlich, daß vier Kaͤhne damit beladen werden mußten. Der erkenntliche Capitain beſchenkte Fenou mit alerlei Gegenſtaͤnden, und gleich, als wenn ſich dieſer an Großmuth nicht gerne wollte uͤbertreffen laſſen, ſchickte er füͤr die Mannſchaft noch zwei Schweine, einen Vorrath von Igmanen, Zeuch u. ſ. w. Von beiden Seiten wurde nun ein Ruhetag be⸗ liebt, worauf die Lußbarkeiten wieder ſortgeſetzt wur⸗ 255 den. Cook ließ die Mannſchaft beider Schiffe an das Land kommen, und gab den Inſulanern den Anblick einer militairiſchen Uebung nach engliſcher Art. Alles erhielt den groͤßten Beifall, hauptſaͤchlich aber die Salven aus dem kleinen Gewehr. Nun begannen die Inſulaner wieder einen Tanz, der ſelbſt nach Cooks Beſtaͤndniſſe, mehr Vergnuͤgen gewaͤhrte, als das Ererziren. Es waren uͤber 100 Tänzer, und die Rich⸗ tigkeit, Mannigfaltigkeit, Lebhaftigkeit und Beſtimmt⸗ beit ihrer Bewegungen uͤbertraf alles, was wir je ge⸗ ſehen hatten. Die ganze Geſellſchaft ſchien nur von einem Geiſte beſeelt, die Muſik beſtand aus Geſaͤngen⸗ in die die Taͤnzer zuweilen ſelbſt einſtimmten⸗ und aus Inſtrumenten, welche aus weiter nichts als hoh⸗ len Baumſtaͤmmen beſtunden, aus denen vermittels eines hoͤlzernen Schlegels einige Toͤne geiogen wur⸗ den. Die Inſulaner haͤtten die Britten an Man⸗ nigfaltigkeit und Neuheit der Unterhaltung ſicher uͤber⸗ troffen, wenn nicht Cvok auf den Einfall gekommen waͤre, gegen Abend ein kleines Feuerwerk abbrennen zu laſſen. Das Aufſteigen und Zerplatzen der Raketen verſetzte die Inſulaner in ein Staunen, das nahe an Entzuckung grenzte; ſie geſtunden, daß ſie ſich uͤber⸗ troffen fuͤhlten, und, ſey es aus Erkenntlichkeit oder 5 Wetteifer, ſie gaben noch folgendes⸗ naͤchtliches eſt. Zuerſt ließ ſich eine Bande von 18 Muſikanten vor uns nieder, mitten in den Kreis, den die Zu⸗ 256 ſchauer machten, und der zum Schauplatz dienen ſollte. Ihre Inſtrumente beſtanden bloß aus einigen Stoͤk⸗ ken und aus ihren Stimmen, ſie wußten ſich aber bei⸗ der mit ſo vieler Kunß zu bedienen, daß ſelbſt nach dem Urtheil der Englaͤnder, Perſonen, die an reine Melodie und Harmonie gewoͤhnt ſind, hier den Aus⸗ druck und die angenehme Wirkung, die durch ſo ein⸗ fache Mittel hervorgebracht wurden, bewundert haben wuͤrden.. Dieß Conzert dauerte nur eine Viertelſtunde. Gleich darauf betraten zwanzig Weiber, mit Blumen⸗ kraͤnzen geſchmuͤckt, den Schauplatz und bildeten einen Kreis um die Muſtker, ſo daß ſie dieſelben im Geßcht hatten. Das Ballet begann mit einer zaͤrtlichen Mu⸗ ſik, welche von dem Chor in bemſelben Ton und durch Gebehrden beantwortet wurde, die alle Reize einer ſittſamen Wolluſt ausdruͤckten. Bald nachher drehten ſich die Taͤnzerinnen gegen die Zuſchauer und fingen an, eigentlich zu tanzen; ihre Bewegungen waren lau⸗ ter Leben, ſie drehten ſich im Kreiſe herum, ſprangen in die Hoͤhe und ſchlugen dazu die Haͤnde zuſammen. Mit jedem Augenblick wurden ihre Bewegungen hef—⸗ tiger, ſie verriethen eine außerordentliche Staͤrke und Behendigkett, als ploͤtzlich 16 Laͤnzer erſchienen— und ſie entflohen nach dem Takte. Das neue Ballet war zwar von dem der Weiber ſehr verſchieden, glich ihm aber durch dieſelbe uner⸗ reichbate Prseiſion, jenes puͤnktliche nebereinſtimmen 257 der Bewegungen und Stellungen und jenes ſtufen⸗ weiſe Zunehmen der Lebhaftigkeit, die am Ende ſo hoch ſtieg, daß das Auge vor Schnelligkeit nicht mehr unterſcheiden konnte, was die Taͤnzer machten. Nach einem dritten, weniger langen und verwik⸗ kelten Ballet kamen neun Weiber, die ſich Fenou gegenuͤber ſetzten. Ein Mann ſtand auf, und ſchlug mit beiden geballten Faͤuſten die erſte dieſer Frauen; dann die zweite, dritte; als er aber an die vierte kam, ſchlus er ſie ſtatt auf den Ruͤcken, auf die Bruſt. Ei⸗ ner der Zuſchauer beſtrafte ihn in einem Augenblick, und verſetzte ihm mit einer Keule einen Schlag auf den Kopf, wovon er zu Boden fiel. Der Vertwundete wurde ſogleich ohne Geraͤuſch und Aufſtand wegge⸗ bracht, worauf ein anderer ſeine Stelle erſetzte und jede der uͤbrigen Weiber in den Ruͤcken ſchlug. Wir ließen uns alle von dem Schein truͤgen, und glaubten, der Schlag wuͤrde im Ernſt gegeben, bis mir Fenon elklaͤrte, daß die Behandlung der Weiber, wie auch der Schlag und das Zuſammenſtuͤrzen des Man⸗ nes, der das vierte Weib mißhandelt hatte, eben ſo viele ſymboliſche Handlungen wären, wodurch die Ge⸗ braͤuche der Nation, die Untergebung der Weiber, zu⸗ gleich aber auch die Maͤßigung und Vorſicht angedeu⸗ tet wuͤrden, die man bei ihrer Beſtrafung zu beobach⸗ ten haͤtte. Da das Feſt bei Fackel ſchein gehalten wurde, ſo konnte man bei dem Halblicht, ſo uͤber die Gegen⸗ ſtaͤnde verbteitet wan, einen todtlichen Streich von 258 einem nur ſcheinbgren, nicht gut unterſcheiden. Man hatte den Mann auf dieſelbe Art erſchlagen, wie man Verliebte und Tyrannen auf dem Theater zu Lon⸗ don umbringen ſieht. Jetzt tanzten auch die neun Weiber, aber ihr Tanz erhielt keinen Beifall und ſie mußten ihn zu zwei verſchiedenen Malen wiederholen, ungeachtet ſie mit eben der Geſchicklichkeit und Gewandtheit tanz⸗ ten, wie die Taͤnzerinnen des erſten Ballets. Viel⸗ leicht war auch dieß eine Lection des Gehorſams und der Unterwürſchkeit fuͤr das ſchoͤne Geſchlecht und ſie wurde mit einer gefaͤlligen Folgſamkeit aufgenom⸗ men. Nun traten 48 Inſulaner von Fenvu's Gefolge auf und ſtellten ſich in zwei Halbzirkeln umher; ſie begleiteten ihre Taͤnze mit Gefaͤngen, im uͤbrigen un⸗ terſchieden ſie ſich von den vorhergehenden bloß durch Mannigfaltigkeit der Figuren. Endlich wiederholten die Vornehmſten der Inſel, von einer Art Wetteifer beſeelt, den Hauptinhalt des Ballets der letztern, doch brachten ſie mehr Komiſches in die Stellungen und Figuren. Unter andern warfen ſie ihre Koͤpfe mit einer ſolchen Gewalt von einer Schulter zur andern, daß wir dachten, ſie muͤßten ſch die Haͤlſe verdrehen. Auf dieſe gewaltſame Be⸗ wegung erfolgte ein ruhiges Recitativ, Sworauf neus Geſaͤnge und Taͤnze das ganze Feſt beſchloſſen. Dieß Schauſpiel wurde an dem ufer der See 1 6 259 unter dichten Baͤumen aufgefuͤhrt, und der Flatz war mit einer Menge Fackeln erleuchtet, deren Schein noch durch den Glanz des Mondes und der Sterne erhoͤht wurde. Die Anzahl der anweſenden Inſulaner belief ſich gegen 4000. VIII. Cook hatte ſich vorgenommen, dieſe In⸗ ſel genan zu unterſuchen und erſuchte mich, ihn auf ſeinen Spaziergaͤngen zu begleiten. Wir fanden, daß Hapaee aus 14 kleinen Inſeln beſteht, wovon Ha⸗ anno die noͤrdlichſte iſt, nach dieſer kommen Fva, dann Lefvoga und die ſuͤdlichſte iſt Halaiva. Alle dieſe Inſeln ſind durch einen Korallenfelſen zuſammeu⸗ verbunden, deſſen Spitzen zuweilen uͤber die See em⸗ vorragen und dann kann man leicht trocknen Fußes von einer zur andern gelangen. Lefvoga, derjenige Theil von Hapaee, wo wir gelandet waren, hat ausgebreitete Pflanzungen, und iſt unvergleichlich fruchtbar. Man erblickt große ein⸗ gezaͤunte Felder, mit allen Produkten des Landes ge⸗ ſchmuͤckt, und die Hecken, womit ſie eingefaßt, bilden ſo geraͤumige Straßen mitten durch das Land, daß ſich das Auge an dem Anblick ergotzt. Die Einfoͤrmigkeit der Landſchaft wird durch Baͤume verſchiedener Art, verzuͤglich durch einen Maulbeerbaum(worus pap- rikera) erhoben. Den Reichthum dieſer Inſel zu ver⸗ mehren, ſaͤete Cook turkiſches Korn, Melonen, Kuͤr⸗ b ſſe und mehrere Pflanzen dieſer Art. Wir ſileßen auf einem unſerer Spatzergaͤnge auf „ 260 ein Haus, welches alle uͤbrigen an Groͤße s bis s Mal uͤbertraf, Dieß war das Haus der Nation und diente zu allgemeinen Verſammlungen, Schauſpielen und oͤſſentlichen Ceremonien. Auf einem Gange trafen wir Weiber an, welche ihren Kindern die Haare mit einem Seehundszahn ab⸗ ſchoren, wobei ſie jedesmal das Haar vorher anfeuch⸗ teten. Die Kinder ſchienen nicht den geringſten Schmerz zu fuͤhlen und die Haare waren ſo glatt geſchoren, wie mit einem Scheermeſſer. Cvok verſuchte dieſes Inſtrument an ſeinem Bart und war damit zuftieden, und doch bedienen ſich die Eingebornen deſelben nicht, ſondern raſiren ſich das Kinn mit zwei zuſammenge⸗ fuͤgten Muſcheln, welche den Bart ſehr giatt abſchnei⸗ den. Unſere Mannſchaft ging oft auf das Land, um ſich dieſer Bperation zu unterwerfen, dagegen kamen die Eingebornen an Bord, und ließen ſich gerne von den Schiffs⸗Chirurgen raſiren. Als wir einmal mit Fenou nach den Schiffen zuruͤckkehrten, um Mittag zu ſpeiſen, fanden wir eine Pirogue mit Segeln am Hintertheile der Reſolu⸗ tion befeſtigt. Cook eckannte ſogleich einen der Haͤuptlinge, die er ſo ſt zu Tongataboo gekannt hatte. Er nannte ſich Latooliboula. Er war uͤbrigens boͤchſt einfaͤltig; man konnte ihn nicht bereden, ſeine Pirogue zu verlaſſen, er blieb bis gegen Abend darin ſizen und reiſte dann wieder ab. Er und Fenou grußten einander nicht und ſahen einander kaum an⸗ 261 wodurch denn die Koͤnigswuͤrde meines Freundes Fe⸗ non aͤußerſt verdaͤchtig wurde. Seit einiger Zeit wurden keine Erfriſchungen mehr an Bord gebracht, es ſey nun, daß der Vorrath er⸗ ſchoͤpft war, oder daß die Einwohner des Lieferns muͤde waren. Eines Morgens eiſte Fenon mit ſei⸗ dem Miniſter Taipa nach Vavao ab, welche Inſel zwei Tagereiſen von uns entfernt war. Der Zweck dieſer Reiſe hieß es, waͤre, neue Erfriſchungen für die Schiffe zu ſammeln, und zugleich verbreitete ſich das Geruͤcht, daß eine europaͤiſche Pirogue zu Annamvoka angekommen ſey. Das Geruͤcht war falſch, gab uns aber doch ſo viel zu verſtehen, daß dis Eingebornen unſere Abreiſe wuͤnſchten. Wir hatten uns zwei Tage laͤnger an ihrer Inſel aufgehalten, als Cvok anfangs beſtimmt hatte, und vielleicht wollten ſie uns auf eine gute Art an unſer Wort erinnern. Die Anker wurden gelichtet und wir ſteuerten nach der ſuͤdlichen Kuͤſte von Lefovoga und warfen im Voruͤberſegeln einen Blick auf Holaiva, welche Inſel unangebaut und unbewohnt iſt. IX. Unterdeſſen, daß die Schiffe ſich zur Fahrt nach Annamooka anſchickten, erſchien ein Mann⸗ den man uns als den Koͤnig der Freundſchafts⸗ Inſeln anmeldete. Db nun gleich Fenou dieſen Titel bereits fuͤhrte oder duldete, daß ihn ſeins Schmeichler ihm gaben, ſo empfing Cvok doch den Neuangekommenen, der Poulaho hieß, mit vielen 262 Ehrenbezeugungen ohne ſich darauf einzulaſſen, wer von beiden wirklicher Koͤnig waͤre. Ich muß es wider meinen Willen geſtehen, daß dem Poulaho dieſe Ehre allein gebuͤhrte; denn die Inſulaner, welche damals durch Fenou's Gegen⸗ wart in Ehrfurcht erhalten wurden, geſtunden mir jetzt, daß Fenou zwar einer der maͤchtigſten Haͤupt⸗ linge, aber dennoch dem Koͤnig Poulaho unterge⸗ ordnet ſey. Jetzt wurde es mir wahrſcheinlich, daß Fenvu, als er die Ankunft ſeines Königs auf Ha⸗ paee erfahren, die Inſel verlaſſen habe, um eine Zu⸗ ſammenkunft zu vermeiden, die vielleicht in Gegen⸗ wart der Fremden etwas erniedrigend fuͤr ihn geweſen ſeyn wuͤrde. Poulaho kam auf die Einladung des Capitains an Bord der Reſolution von einem zahlreichen Volk begleitet und ſchenkte ihm zugleich zwei Schweine. Cook hat dieſen Koͤnig am Beſten geſchildert, wenn er ſagte:„daß er außerordentlich dick und von klei⸗ ner Statur war, ſo daß man ihn ſehr gut mit einem Faſſe vergleichen konnte; daß er aber verſtaͤndig, ernſt⸗ haft und geſetzten Charakters war!“ Poulaho un⸗ terſuchte mit beſonderer Aufmerkſamkeit das Schiff, und alle Gegenſtaͤnde, die ihm neu waren, that ſehr uͤberlegte Fragen, wuste die Wuͤrde ſeines Ranges zu behaupten, ohne ſich in kleinliches Ceremoniel einzu⸗ laſſen u. ſ. w. Er unterſchied ſich durch ſeine Züge ſebr von dem Volke und mochte etwa 4o Jahre alt ſevn⸗ 263 Er ſchien zu bemerken, daß der Zweifel uͤber ſeine Koͤnigswuͤrde noch nicht ganz zerſtreut waͤre und be⸗ muͤhte ſich nicht nur den Fenou als ſeinen Unterge⸗ benen zu ſchildern, ſondern verſprach auch naͤchſtens uͤberzeugende Beweiſe davon zu geben. Man glaubto ihm, ich wollte es nur immer nicht. Sobald Poulaho an das Land kam, befayl er denen, die um ihn waren, noch zwei Schweine für den Capitain herbeizubringen, und der Eifer, mit dem man ſeine Befehle ausfüͤhrte, war ein neuer Beweis ſeiner oberſten Gewalt, und eine neue Kraͤnkung für mich. Er ließ ſich auf einer Trage von Zweigen nach ei⸗ nem Hauſe bringen, welches fuͤr ihn zubereitet wor⸗ den war und hier mußte ſich der Capitain an ſeine Seite ſetzen, die uͤbrige Geſellſchaft trat in einem hal⸗ ben Kreis um die Huͤtte herum. Hinter dem Koͤnig ſtand eine alte Frau, die mit einem Faͤcher die Flie⸗ gen von dem Geſichte Sr. Majeſtaͤt entfernte. Nun breiteten die Eingebornen alle die Schaͤtze, die ſie von uns eingetauſcht hatten, vor ihm aus, woraus er ſich aber nur ein einziges Srinkglas auswaͤhlte und hierdurch eine bei Regenten ſeltene Mäßigung be⸗ wieß. Waͤhrend die europaͤiſchen Sachen beſichtigt wurden, hatten wir Zeit das Ceremoniel dieſes Hofes zu beobachten. Wer mit ihm ſprechen wollte, mußte ſich vor ihm auf die Knie niederſetzen, die ſo ihn be⸗ ruͤhren wollten, lesten ihren Kopf unter ſeine Fäße⸗ und beobachteten dabei das ehrfurchtsvollſte Stillſchwei⸗ gen. Die Beſcheidenheit derer, die dem Koͤnig Pou⸗ laho aufwarteten, ſagte Cook, gefiel mir ausneh⸗ mend; denn dergleichen hatte ich nirgends, ſelbſt nicht an den ausgebildeteſten Hoͤfen geſehen. Da unterdeſſen der Wind guͤnſtig geworden war, ſo gingen wir unter Seuel und richteten unſere Fahrt nach Annamvoka zuruͤck. Dieſe Fahrt war beſchwer⸗ lich und voller Gefahren; denn wir mußten beſtaͤndig zwiſchen Klippen, Untiefen und kleinen Inſeln durch⸗ ſegeln, wo wir 20 Mal in Gefahr waren, zu ſchei⸗ tern. Eine Nacht insbeſondere wurde die Reſolu⸗ tion durch eine eben ſo klug erſonnene, äls ſchnell ausgefuͤhrte Wendung von dem Scheitern an einer klei⸗ nen Inſel gerettet; ein vaar Minuten ſpaͤter, wire es um uns geſchehen geweſen. X. Nach einem Monat Abweſenheit erſchienen wir zum andern Mal vor Annamvoka, und der Handel mit den Eingebornen wurde wieder lebhaft betrieben, um ſo mehr, da indeſſen die Bananen und Igmanen reif geworden waren, von denen man gro“ ſen Vorrath in die Schiffe nahm. unterdeſſen kam Fenon von Vavao zuruͤck, und zwar mit leeren Haͤnden, ſtatt der verſprochenen vie⸗ len Lebensmittel. Er ſchuͤtzte einen heftigen Sturm vor, der die Piroguen verſchlungen, und die Mann⸗ ſchaft nebſt den Schweinen, die er mitgebracht, in die See geſtuͤrzt haͤtte, ſo, daß er beinahe allein entrvunen 265 waͤre. Dieſe Erzaͤhlung machte nicht den geringſten Eindruck auf die Inſulaner, vor denen er ſie erzaͤhlte, und man hielt ſie einſtimmig fuͤr eine Erdichtung. Wir hatten auf der letztern Fahrt die kleine Inſel Kotoo berührt, wo der Koͤnig und ſeine Hofleute geblieben waren. Sie ſchienen gleichſam bloß die Ruͤckkehr Fenou's zu erwarten, um alsdann zu kom⸗ men und ihn zu demuͤthigen; denn ein paar Stunden nach ihm liefen ſie in den Hafen von Annamvoka ein. Die Menge eilte ſogleich ſeinem rechtmaͤßigen Herrſcher eutgegen, und Fenou war gewiſſermaben der erſte, welcher ihm ſeine Ergebenheit bezeugte⸗ Poulaho raͤchte ſich ziemlich gelind, indem er Fe⸗ non bloß befahl, an Bord der Reſolution zu ſpei⸗ ſen und dort, in Gegenwart der Fremden, ihm die ſchuldige Hochachtung zu beweiſen. Sobald mein Freund an Bord kam, legte er ſeinen Kopf unter die Fuͤße des Koͤnigs und verließ ſodann die Cajüte des Capitains, um anderwaͤrts zu ſpeiſen, weil er in Ge⸗ genwart ſeines Herrn weder eſſen noch trinken durfte⸗ Anfangs kraͤnkte mich dieſe Demuͤthigung meines Freundes, nachher aber troͤſtete ich mich damit, daß die Gleichheit unſere gegenſeitige Freundſchaft nur vermehren wuͤrde. Die Anker wurden gelichtet, um nach Tonga⸗ taboo, als der betraͤchtlichſten der Freundſchafts⸗ Inſel, und der gewoͤhnlichen Reſidenz des Koͤnigs und des Hofes zu ſegeln. Nach einer kurzen, aber» 94 Bd, Reiſen um die Welt. V. 3. 6 266 doch gefaͤhrlichen Fahrt gingen die Schiffe in einem vortrefflichen Hafen, etwa 400 Schritte vom Lande vor Anker. Ich ging mit dem Capitain an das Land, wo uns Koͤnig Poulaho und eine zahlreiche Menge freund⸗ lich bewillkommten. Sobald die erſten Hoͤflichkeits⸗ bezeugungen vorbei waren, und wir ein Mahl mit ein⸗ genommen hatten, ſahen wir uns nach einer bequemen Waſſerſtelle um, und eutdeckten eine bei der kleinen Inſel Pangimadoo, nicht weit von der Stelle, wo die Schiffe lagen. Nachher wurde ein Zelt aufge⸗ ſchlagen, und was zum Pbſervatorium noͤthig war, an das Land geſchafft. Auch wurde eine Schildwache ausgeſtellt und das Vieh auf die Weide getrieben, endlich eine Anzahl verſtaͤndiger Leute erwaͤhlt, welche den Lauſchhandel betreiben ſollten. Wir machten zweien fehr alten, aber aͤußerſt ange⸗ ſehenen und wichtigen Haͤuptlingen, Tobon und Mareewagea unſere Aufwartung. Durch haͤufige Beſuche erwiederten die beiden angeſehenen Alten un⸗ ſere Hoͤflichkeitsbezeugung. Bald herrſchte unter bei⸗ den Nationen eine Eintracht, Freimuͤthigkeit, ein Umgang, als wenn wir uns immer gekannt, und im⸗ mer mit einander gelebt haͤtten. Poulaho befahl, daß ſein Sohn Futta⸗Faihe den Capitain Cvok nun ſeine Freundſchaft bat, und wollte, daß dieſer dem Thronerben die ſeinige ſchenken ſollte. Dieß wuide mit großen Ceremonien vollbracht. Wir be⸗ 267 merkten bei dieſer Gelegenheit, daß dem Prinzen Fut⸗ ta⸗Faihe, dieſelben Ehrenbezeugungen vom geſamm⸗ ten Bolke dargebracht wurden, wie dem koͤniglichen Vater. Meine Verbindungen mit den Inſulanern ver⸗ ſchafften mir endlich Gelegenheit zu erfahren, welche Stelle eigentlich Fenou bekleidete. Poulaho hatte die Tochter des Haͤuptlings Mareewagea und Schweſier des Fenvu geheirathet. Die Verbindung, das Anſehen Poulaho's und Mareewageas rechtfertigten gewiſſermaßen die Anſpruͤche auf die Eh⸗ renbezeugungen, die mein Freund angenommen hatte⸗ um ſo mehr, da er im Kriege der Befehlshaber der Armee war, und wenn der Rath von Tongataboo einen Schluß gefaßt hatte, der das Wohl des ganten Keiches betraf, es Fenou war, der ihn ausführen mußte. Auf dieſe Art war er zwar nicht Koͤnig, aber doch immer einer der Erſten im Staate. unterdeſſen wir auf der Inſel umhergingen, um Beobachtungen anzuſtellen, bereiteten uns die Inſula⸗ ner ein ſchoͤnes Feſt, unter der Anordnung Maree⸗ wageas, welches auch vor ſeiner Wohnung, nahe am Zelte, wo die Englaͤnder ihr Obſervatorium errichtet hatten, ausgefuͤhrt wurde. Die Mannſchaft beider Schiße wurde zu dieſem Haiva oder Feſt ein⸗ geladen. An dem beſtimmten Tage kamen mit Son⸗ nen⸗Aufgang eine Menge Inſulaner aus dem Jnnern des Landes mit grohen, ſechs Schuhe laugen Sagen. 268 herbeigeeilt, an deren Ende eine Igmanwurzel befe⸗ ſtigt war. Aus dieſen Stangen und Igmanen wur⸗ den zwei Pyramiden errichtet, welche fuͤr die beiden Capitaine Cvok und Clerke beſtimmt waren, und gegen Mittag eroͤffnete man das Feſt mit einem Tanz, den die Inſulaner Mai nennen. Er beſtund in einer ſehr ſinnreichen und mannitzfaltigen Abwechslung von Schritten, Maͤrſchen, Schwenkungen, Deklamationen und Geſang. Die Anzahl der Muſiker belief ſich auf 70 und die der Taͤnzer auf 96. Dieſe letztern hielten ein leichtes ruderfoͤrmiges Stuͤck Holz in den Haͤnden, welches ſie nach dem Takte mit vieler Geſchicklichkeit drehten und wendeten, und die Inſtrumente beſtun⸗ den wie gewoͤhnlich aus hohlen Baumſtaͤmmen. Gleich nach geendigtem Tanze verſchwanden Mu⸗ ſiker und andere Inſulaner traten an ihre Stelle, an deren Spitze Fe nou war. Dieſer zweite Tanz beſtand nur aus einigen 20 Perſonen, weil vielleicht nicht mehrere im Stande waren, mitzutanzen; denn er uͤbertraf an Beſtimmtheit und Mannigfaltigkeit der Wendungen Alles, was wir bisher geſehen hatten. Der Sohn des Toobon fuͤhrte nun einen drtten Tanz auf; andere Eingeborne einen vierten, worauf das Tanzen unterbrochen wurde, bis zur Abenddaͤm⸗ merung. Mit der einbrechenden Nacht begannen die Taͤnze wieder und waren wenig von denen verſchieden, die wir bereits auf Hapaee geſehen hatten. Alles ging ohne die geringſte Unordnung vor ſich, ungeach⸗ 269 tet uͤber 10,000 Zuſchauer in einem ſennch kleinen Raum verſammelt waren. Außer dieſen Spielen fuͤhrten ſie noch Pantomimen auf, wie auch Kampfſpiele. Ihr liebſter Kampf, in dem ſie ſich vorzuͤglich auszeichnen, iſt das Ringen, wobei ſie eine ſolche Staͤrke zeigen und ihre Muskeln ſo anſpannen, daß man denken ſollte, ſie muͤßten zer⸗ reißen. Einige der ſtaͤrkſten Englaͤnder bekamen Luſt, ſich mit ihnen zu meſſen, erhielten aber keinen andern Vortheil uͤber ſie, als den ſie ihnen freiwillig einraͤumten, und dieß pflegen ſie aus Hoͤflichkeit oft zu thun. Am Bewunderungswertheſten ſchien mir, daß trotz des Beifalls der großen Menge, der Ueber⸗ winder immer beſcheiden und gefaͤllig, und der Ueber⸗ wundene nie gedemuͤthigt erſcheint. Cook ließ dagegen ſeine Mannſchaft im Feuer exerzieren und ein an ſich mittelmaͤßiges Feuerwerk ab⸗ brennen, das die groͤßten Lobſpruͤche erhielt. Dagegen feſſelten ſeine Pfeifen, Hoͤrner, Drommeln u. ſ. w. die Aufmerkſamkeit ſolcher Leute nicht, deren ganze Muſik aus einigen Loͤnen beſteht, die ſie aus hohlen Staͤmmen ziehen. XI. Mitten unter dieſen Luſbarkeiten blieb der Geiſt der Dieberei auch nicht muͤſſig und die Inſula⸗ ner waren liſtig genug, das Gedraͤnge und die geſammte Aufmerkſamkeit der Zuſchauer zu benutzen, ſo daß am Ende eine Menge kleiner Artikeln fehlte.— Ja, am bellen Tage hatten zwei Inſulaner einen Anker der 270 Reſolution ſtehlen wollen, und eine Ziege wurde toͤdtlich verwundet, indem man ſie heimlich fort⸗ ſchleppen wollte. Cvok befuͤrchtete, daß ihm das ubrige Vieh gleich⸗ falls moͤchte geſtohlen werden, und dieſem vorzuben⸗ gen, beſchloß er den vornehmſten Dberhaͤuptern dieje⸗ nigen Thiere auszutheilen, die er beſtimmt hatte, auf den Freundſchafts⸗Inſeln zu bleiben. Dieſe Aus⸗ theilung wurde mit großem Pomp öͤffentlich bekannt gemacht, und am beſtimmten Tage eilten die Inſula⸗ ner von allen Seiten herzu, um Zeugen von dieſer Schenkung abzugeben. Cook gab dem Koͤnig einen jungen Stier und eine ſchoͤne Kuh; dem Mareewagen einen Widder und zwei Schafe, dem Fenon einen Hengſt und eine Stute; Toobon war gar nicht bei der Austhei⸗ lung erſchienen.— Ich meinerſeits ſprach uͤber eine Stunde um zu erklären, wozu man dieſe Thiere und ihre zukuͤnftigen Jungen gebrauchen koͤunte und daß man, bevor ſie ſich nicht vermehrt haͤtten, kein einzi⸗ ges davon ſchlachten duͤrfe; dann ſprach ich von ihrer Behandlungsart, aber ein Paar Eingeborne, die Pou⸗ laho und Fenou in unſere Staͤlle ſchickten, lernten daſelbſt in einer einzigen Viertelſtunde mehr, als wenn ich einen ganzen Tag geſprochen haͤtte. Da der Koͤ⸗ nig die größte Freude uͤber ſeinen Antheil bezeugte, erhielt er noch einen Bock und zwei Ziegen. Es ſey nun, daß einige mit dieſer Austheilung 271 unzufrieden waren, oder daß die Begierde nach meh⸗ rern dadurch ſtaͤrker angefacht wurde, oder auch, daß dieſe ſonſt ſo guten Inſulaner durchaus dem Stehlen nicht wideſtehen konnten, kurz dieſelbe Nacht noch wurde uns ein welſcher Hahn und eine junge Ziege geſtohlen. Cook, dem man es gleich den andern Mor⸗ gen meldete, wurde daruͤber ſo unwillig⸗ daß er ſo⸗ gleich Befehl gab, drei Piroguen, die an der Sette der Reſolutton lagen, in Beſchlag zu nehmen; er ging noch weiter, ließ ſich ſchnell an das Land ſetzen⸗ wo er Poulaho, deſſen Bruder und Fenon antraf⸗ ihnen die bitterſten Vorwuͤrfe machte und ſie mit dem Bedeuten anhielt, daß ſie nicht eher ihre Freiheit er⸗ halten ſollten, bis alles wieder herbeigeſchafft worden. Ich geſtehe offenherzig, daß mir dieß Betragen des Capitain etwas hart und unfreundlich vorkam⸗ indeſſen verbarg Poulaho ſeinen Verdruß; aber die Eingebornen liefen mit Keulen bewaffnet zuſammen. Cvok ließ ſeine Seeſoldaten gegen ſie anruͤcken, die vielleicht bei einem anderen Kampfe den Kuͤrzeren ge⸗ gen ſie gezogen haben wuͤrden, wenn nicht der Cavi⸗ tain dem Paulaho befohlen haͤtte, dieſes Zuſammen⸗ laufen zu verbieten. Paulaho gehorchte und ſeine Unterthanen folgten ſeinen Befehlen. Dabei blieb man nicht ſtehen, und die vornehmen Verhafteten er⸗ hielten von Cook eine Einladung, oder vielmehr ei⸗ nen Befehl, an Bord mit ihm zu ſpeiſen. Die Ein⸗ gebornen widerſetzten ſich auf's Neue und wollten 272 nicht zugeben, daß ihr Koͤnig die Kuͤſte verraſſen ſolltes indeſſen nahm Poulaho die Einladung an, und Je⸗ dermann ſpeiſte mit gutem Appetit. Dieß Verfahren hatte den erwuͤnſchten Erfolg und die geſtohlnen Dinge kamen nach und nach wieder zum Vorſchein. Die Ziege und der welſche Hahn wurden noch demſelben Abend wiedergebracht, das Uebrige ver⸗ ſprach man auf den folgenden Tag, und Cvok ließ die Gefangenen wieder frei. Ein anderer an ſeiner Stelle wuͤrde es nach einem ſolchen Auftritte nicht gewagt haben, frei unter den Eingebornen herum zu gehen, ſtatt deſſen ging Cook ſogleich wieder an das Land und ſtreifte überall herum, ohne andere Begleitung als mich. Der Koͤnig war ſo klug, nicht den kleinſten Ver⸗ druß uͤber die erlittene Behandlung zu aͤußern, viel⸗ mehr lud er zwei Tage nachher Cook und ſeine Pf⸗ ſiziere zu einem neuen Feſte ein, welches, wie das erſte, aus Taͤnzen beſtand. Poulaho ſelbſt tanzte da⸗ bei, jedoch als Koͤnig, der ſich eben nicht ſehr an die Regeln des Taktes bindet, und dann war auch ſein Koͤrper gar nicht zu ſchnellen Wendungen geſchickt. Es wurden auch zwei Pyramiden von 30 Schuhe Hoͤhe errichtet, und vier Schweine daran gebunden, welches alles dem Capitain Cook, nebſt rothen Fe⸗ dern, einer Schildkroͤte, Fiſchen und Zeuch uͤberreicht wurde. Dieſes wüklich große Geſchenk uͤbertraf am 273 Werth bei weiten alle die Kleinigkeiten, die von den Inſulanern waren entwendet worden. Zwiſchen den Tages⸗ und Abendtaͤnzen ſpeiſte Cvok am Land und lud den Poulaho, eine vornehme Frau und einige andere Perſonen ein. Dieſe geladene Dame verwirrte einigermaßen unſere Begriffe, die wir uns von der Hoheit eines Koͤnigs von Tonga⸗ taboo gemacht hatten; denn nur ſie allein ſpeiſte mit Cvok. Gleich nach dem Eſſen naͤherte ſie ſich dem Koͤnig, der ſich ehrerbietig vor ihr bückte und ſeine Haͤnde unter ihre Fuͤße legte, worauf er ſich wegbegab. Einen Augenblick nachher tauchte Pou⸗ laho ſeine Finger in ein Glas Wein und alle ſeine Leute eilten ihre Koͤpfe unter ſeine Füße zu legen. Das war das einzige Mal, daß wir ihn ſahen einer andern Perſon Ehrfurcht bezeugen. Als wir nachher fragten, warum der Koͤnig ſich dieſer Demuͤthigung unterworfen, da er doch leicht weggehen und ſie ver⸗ meiden konnte; ſo erhielten wir bloß zur Antwort, die Dame ſey von hoͤherm Range. Wir verſtunden dieß um ſo weniger, da wir wußten, daß die Weiber auf den Eylanden der Suͤdſee eben in keiner großen Achtung ſtunden, aber Fenon erklaͤrte mir nachhor dieß Raͤthſel. Der letzte Koͤnig, der Vater Poula⸗ bo's, hatte eine aͤltere Schweſter, die an einen Mann von Fejee verheiratbet war und einen Sohn und zwei Toͤchter hatte; mit der einen Lochter wohnte ſie zu Vavao, die andere aber wohnte zu Tanga, 274 taboo und dieß war die Dame, die bei Liſch erſchie⸗ nen war. Der Sohn war jener, ſchon erwaͤhnte, ſelt⸗ ſame Latooliboula, der einigermaßen verruͤckt war, dennoch aber von Poulaho ſo ſehr geachtet wurde, daß er, wenn dieſer kam, ſeine Mahlzeit unterbrach. Das gute Benehmen, welches zwiſchen beiden Nationen wieder hergeſtellt war, wurde durch die Un⸗ beſonnenheit einiger Dffiziere der Reſolution bei⸗ nahe wieder geſtoͤrt. Ste glaubten naͤmlich, daß es ihnen ſo gut wie dem Capitain freiſtehen wuͤrde, allein auf der Inſel herum zu ſpazieren; aber ſie wurden unterwegs beſtohlen. Sobald ſie zuruͤckkamen, noͤthig⸗ ten ſie mich, in ihrem Namen mich gerade an den Koͤnig zu wenden. Poulaho, der erſt vor wenigen Tagen wegen einem welſchen Hahn war gefangen genommen worden, befürchtete mit Grund, daß dieſer wichtigere Diebſtahl noch ſchlimmere Folgen fuͤr ihn haben moͤchte, und entfernte ſich eiligſt, worauf, Fenou und die uͤbrigen Haͤuptlinge ihm nachfolgten. Cvok, welcher dieſe Flucht aͤußerſt ungerne ſah, wandte alles an, um das Vertrauen wieder herzuſtellen, und da ich uͤber Fenou alles vermochte, ſo bewog ich ihn, noch denſelben Abend zuruͤck zu kommen. Der K König er⸗ ſchien den folgenden Tag. Beide gaben aber jetzt zu verſtehen, daß es aͤußerſt ungerecht waͤre, wenn man ſich wegen dergleichen Vorfaͤllen an ihre Perſonen halten wollte, die viel⸗ mehr von der eigenen Unvorſichtigkeit der Fremden 275 herrͤhrten, indem ſie ohne Jemand daron zu benach⸗ richt'gen, ſich in das Innere des Landes wagten. Wollten ſie ja dergleichen Streifereien unternehmen, ſo moͤchten ſie es ihnen vorher kund thun; dann wolle man ihnen Wegweiſer und ſogar eine Bedeckung ge⸗ ben und fuͤr alle Zufaͤlle haften. Hierauf war nichts zu antworten und Covk fuͤhlte dieſes ſo gut, daß er gar nicht auf die Wiedererſtattung des Geſtohlnen drang. Dennoch geſchah es dunch die freiwillige Groß⸗ muth des Poulaho und Fenou, ungeachtet man ſie durch eine unwuͤrdige Gefangennehmung beleidigt hatte. XII. Die Schiffe waren nun ausgebeſſert, und mit Lebensmitteln verſehen und wir blieben nur noch da, um eine Sonnenfinſterniß zu beobachten, welche ſich naͤchſtens ereignen ſollte. Dieſe Zeit benutzen wir, um den Koͤnig in ſeiner freundlichen Wohnung im Dorfe Moa ju beſuchen, und zu anderen Ausfluͤgen n. dergl. mehr. Der Bruder des Koͤnigs war ſo ſehr der Sinnlichkeit ergeben, daß er ſich jede Nacht von Weibern einſchlaͤfern ließ. Die Sonnenfinſterniß hatte Statt, und Cook, der ſchon alle Vorbereitungen ſeit zwei Tagen getrof⸗ fen hatte, machte nun Anſtalten, die hohe See zu ge⸗ winnen. Poulaho kam nochmals an Bord der Re⸗ ſolution zum Mittagseſſen, und da Cvok bei die⸗ ſer Gelegenheit bemerkte, daß der Koͤnig die Tiſchtel⸗ ler ſehr aufmerkſam betrachtete, ſchenkte er ihm ei⸗ nen zinnernen Leller, nach der Auswahl des Koͤnigs ſelbſt. Die Beſtimmung dieſes zinnernen Sellers war unſtreitig die ehrenvollſte, die je einem Teller wider⸗ fahren iſt; denn er war nicht nur das koßtbarſte Ge⸗ raͤth des Monarchen, ſondern ßtellte auch die Perſon deſſelben zu Tongataboo vor, wenn der Koͤnig ab⸗ weſend war. Vorher kam dieſe Ehre einem hoͤlzernen Gefaͤß zu, in welchem der Koͤnig taͤglich ſeine Haͤnde wuſch, und welchem Gefäße die Inſulaner, in Abweſen⸗ heit Poulah's regelmäßig ihre Aufwartung mach⸗ ten. Auch erſetzte dieſer Teller jenes Gefaͤß noch in einer andern wichtigen Verrichtung, nämlich in der, die Diebe zu entdecken. Wenn z. B. etwas geſtohlen worden und man den Dieb nicht emtdecken konnte, ſo mußten alle Inſulaner vor dem weiſſagenden Ge⸗ faͤße erſcheinen, jeder beruͤhrte es und ſollte der Dieb die unglaubliche Verwegenheit gehabt haben, es gleich⸗ falls zu beruͤhren, ſo waͤre er unvermeidlich auf der Stelle hingeſunken, von den Goͤttern getoͤdtet. Ge⸗ woͤhnlich verrieth ſich aber der Thaͤter durch ſeine Angſt und rettete ſein Leben durch ein freiwilliges Geſtaͤnd⸗ niß, oder dadurch, daß er ſich weigerte, das Gefäb zu beruͤhren. Die Schiffe wurden noch immer durch widrige Winde vor Anker gehalten, daher Cvok und einige Undere die Gelegenheit ergriffen, eine Natche oder feierliches Feſ mit anzuſehen, deſſen Gegenſtand halb religiös und halb politiſch war. Es war gani emble⸗ matiſch und batte zum Zweck, den Thronfolger mi 277 gewiſſen Vorrechten zu bekleiden, die er bisher noch nicht gehabt, hauptſaͤchlich aber mit dem, daß er mit ſeinem Vater und Koͤnig eſſen durfte. Dieſes Feſt wurde auf der Wieſe des Begraͤbniß⸗ platzes gegeben, und Cook konnte nicht die Erlaub⸗ niß, demſelben beizuwohnen, erhalten. Man gab ihm zu verſtehen, daß ſein Leben in Gefahr waͤre, wenn er dabei erſchiene, weil er, ſo wie alle ſeine Leute Taboo oder unheilig waͤren, und die Eingebornen eine ſolche Entweihung ihrer Geheimniſſe mit ſeinem Blute raͤchen koͤnnten. Ich allein, durfte als ein Suͤdſee⸗Inſulaner demſelben beiwohnen, und man trieb die Vorſicht ſo weit, daß man den neugie⸗ rigen Britten Aufſeher ſetzte, und den Fremden im tamen Poulaho's verbieten ließ, nicht bei des Verſammlung zu erſcheinen. Aber alles dieß war vergeblich und die Neugierde ſtieg mit den Schwierigkeiten, die man ihr in Weg legte. Capitain Cvok und einige Andere entwiſchten ihren Waͤchtern und liefen gerade nach der Wieſe hin⸗ Dieß war agllerdings eine große Verwegenheit; denn wer konnte ihnen buͤrgen, daß das Volk die Entwei⸗ hung ſeiner Geheimniſſe nicht raͤchen wuͤrde und woz⸗ uͤber konnte ſich nachher Cook beklagen, nachdem man ihn ſo nachdrucklich gewarnt und gebeten hatte? Er wegen zwei bis drei geſtohlner Thiere den Koͤnig im Angeſicht des ganzen Hofes gefangen genommen hatte? Doch lief Alles noch gluͤcklich ab. Die Ein⸗ 278 gebornen ließen es beim Murren bewenden, raͤchten ſich nicht blutig, nur noͤthigten ſie die Fremden alle ihre Ceremonien mitzumachen, die darin beſtunden, daß ſie ſich bis auf die Huͤften entbloͤßen, die Huͤte abnehmen, die Haare auseinander legen und alle Be⸗ wegungen und Stellungen nachahmen mußten. So wurde ein Feſt, welches weder Belehrung noch Un⸗ terhaltung gewaͤhrte, etwas zu theuer erkauft. Man ſchritt erſt gravitaͤtiſch einher; dann lief man von einer Seite zur andern, bald Truppweiſe, bald Paarweiſe, ſetzte ſich den Ruͤcken gegen die Dinge gekehrt, die man ſehen ſollte, ahmte die Bewegungen eines Menſchen nach, der unter einer ungeheuren Laſt erliegt und trug dennoch nur ein leichtes Stuͤck Holz auf der Schulter. Daun bewegte man die Fuͤße, wie einer der ſchnell fortlaͤuft und blieb doch an derſelben Stelle; man ſprach, deklamirte, ſang in einem trau— rig⸗ſchmachtenden Done, und der kleinſte Zufall er— regte ein allgemeines Lachen, welches beinahe kein Ende nahm. Kurz das Ganze war nicht der Muͤhe werth, die man ſich darum gegeben hatte. Eudlich verließen wir Dongataboo, und vor⸗ ber vermehrte noch Cook ſeine Geſchenke durch einen Eber und drei junge engliſche Schweine, wodurch er die Landesart dieſer Thiere zu verbeſſern dachte. Fe⸗ nou wuͤnſchte ein Paar Kaninchen zu erhalten, die ich ihm auch verſchaffte. XMI. Nach einer Fahrt von zwei Tagen kamen 279 wir nach Fova, welches von den Europaern Middelburg genannt wird. Der alte Laoofa, Dberhaupt dieſer Inſel, wurde durch die Ankunft Cvot's, deſſen Freund. er im Jahre 1772 geweſen, au⸗ genehm uͤberraſcht. Man ſetzte Cvok ein Gericht Gemuͤß vor, wel⸗ ches er ſeibſt bei ſeinem erſten Hierſeyn gepflanzt hat⸗ te, und dieſer gute Erfolg machte ihm Luſt zu neuen Verſuchen, daher er die Pflanzungen des Daoofa mis Melonenkernen, Lannzapfen u. f. w. bereicherte. Man war im Begriffe, uns zu Ehren ein Tanz⸗ feſt zu geben, als ein ungluͤcklicher Vorfall die ganzs Freude vernichtete. Ungefaͤhr 20 Eingeborne begegne⸗ ten einem Matroſen, der allein ſpazieren ging, ſilen uͤber ihn her, warfen ihn zur Erde, zogen ihn bis auf das Hemd aus, und retteten ſich eiligſt mit der Flucht. Cvok, dem es gleich hinterbracht wurde, ge⸗ rieth in die aͤußerſe Wuth, ließ ſogleich zwei Pirv⸗ guen in Beſchlag nehmen, und da kein Koͤnig vor⸗ handen war, den er gefangen ſetzen konnte, ſo be⸗ maͤchtigte er ſich eines fetten Schweins, welches un⸗ gefaͤhr den Werth des Geſtohlnen erſetzte. Alles die⸗ ſes begleitete er mit den fürchterlichſten Drohungen, wenn man ihm nicht unverzuͤglich die Thaͤter auslie⸗ ferte und die geraubten Sachen zuruͤckgaͤbe. Die er⸗ ſchrockenen Eingebornen zerſtreuten ſich, nur ihr Ober⸗ biupt gehorchte. Cvok handelte dieſes Mal großmu⸗ tis, und geh die Piroguen wieder frei, ſtellte die Raͤuber wieder auf freien Fuß, bezahlte das Schwein, beſchenkte die Haͤuptlinge und reiſte ab, unter den Gluͤckwunſchen der Eingebornen, die ſowohl ſeine Frei⸗ gebigkeit als Nachſicht bewunderten. Wir verließen die Freundſchafts⸗Inſeln, um nach Otaheiti zu ſegeln. XIV. Unter Benennung der Freundſchafts⸗ In ſeln, werden alle Eylande begriffen, die in die⸗ ſem ziemlich großen und weitlaͤufigen Archipelagus liegen, und welche von den Eingebornen auf mehr als 150 geſchätzt oder gezaͤhlt wurden. Die Inſel Ton⸗ gataboo, die von den Europaͤern Amſterd am ge⸗ nannt wird, hat einen ewigen Fruͤhling; Pflanzen ver⸗ gehen und entſtehen ſchnell hinter einander und das abfallende Blatt wird ſogleich durch ein neues erſetzt, welches hervorſproßt und ſich in wenig Tagen entwik⸗ kelt. Die Inſel Fooa hat eine vortreffliche Lage. Man kann ſich keinen ſchoͤnern Anblick denken, als der iſt, den ſie dem Auge des Beobachters auf offner See darbietet. Ihre Huͤgel bilden ein Amphitheater, die gruͤnen Thaͤler ſchlaͤngeln ſich dazwiſchen, hin und wieder ragt ein Luſtwaͤldchen hervor, und alles dieſes iſt mit ſchoͤnen Wohnungen und blühenden Pflanzun⸗ gen ſchattirt. Hamoa iſt, nach Bericht der Einge⸗ bornen, die großte unter den Freundſchaftsinſeln, und berfluſſig mit Naturprodukten verſehen. Die Inſu⸗ laner ſind ſinnreich und erfinderiſch, und von ihnen rühren die Laͤnze und andere Lußtbarkeiten her, die 281 man anderwaͤrts findet. Der Koͤnig hielt hier oft eine Zeitlang Reſidenz u. ſ. w. Die Inſel Feejee, welche drei Lagereiſen von Tangataboo gegen Nordweſten liegt, gehorchte aber dem Koͤnig Poulaho nicht, und ſeine tapferen, kriegeriſchen Bewohner wiſſen ihre Unabhaͤngigkeit zu vertheidigen und zu erhalten. Eben waren ader die Bewohner von Feeiee und Tongataboo in Frie⸗ den. Die allgemeinſte Farbe der Bewohner der Freund⸗ ſchafts⸗Inſeln iſt dunkelkupferbraun, doch findet man auch ollvenfarbige und ſogar ziemlich weiße. Die Haut der Vornehmen unterſcheidet ſich von der der untern Staͤnde durch groͤßere Feinheit und Weichheit, ſo daß man alſo die herrſchende Hautfarbe einigen unnatuͤrlichen Gewohnheiten zuſchreiben koͤnnte, z. B. dem Nacktſitzen an der Sonne. Die dunkle Kupfer⸗ farbe waͤre auf dieſe Art eine Hautkrankheit, die ſich uͤber den ganzen Koͤrper verbreitet. Im Ganzen ſind die Weiber feiner und zarter als die Maͤnner, das Geſicht jedoch ausgenommen. Ihre Haare ſind bei beiden Geſchlechtern ſchwarz, einzelne ausgenommen, aber mit Hilfe der Kunſt ſchafft man ſich leicht pur⸗ purrothe, pomeranzengelbe, braune u. ſ. w. Von Körper ſind die Eingebornen mittelmaͤßig groß, aber gut gewachſen, kraftvoll und gelenkig; ihre Geſichts⸗ zuge ſind aber ſo mannigfaltig, daß es nicht leicht iſt, eine Charakteriſtik davon zu entwerfen; da ſieht 84. Vd. Reiſen um die Welt. V. 3. 6 282 man ſchoͤne gebogene und breitgedruͤckte Naſen; dicke und auch fein ausgeſchnittene Lippen, und hundert euro⸗ paͤtſche Phyſiognomien vermiſcht mit hundert andern, denen man kein Land als einheimiſch anweiſen kann⸗ Die Maͤnner raſiren ſich den Bart und bemalen den Koͤrper mit dunkelblauen Punkten, von dem Bauch an bis zur Haͤlfte der Schenkel; nur allein der Koͤnig iſt von dieſem Gebrauch ausgenommen. Die Weiber punktiren ſich auf gleiche Art, jedoch nur das Innere der Haͤnde, dafuͤr bemalen ſie ſich das Geſicht mit einem ſeinen gelben Pulver⸗ Der Ackerbau iſt auf den Freundſchafts⸗In⸗ ſeln, trotz ihrer wenigen, unzureichenden Inſtru⸗ mente, die aus geſpitzten und geſchaͤrften Stuͤcken Holz veſtehen, in dem groͤßten Flore. Die Baukunſt iſt bier dagegen noch in der Kindheit. Der wahre Schatz der Nation beſteht in ihren Piroguen. Nirgends fin⸗ det man ſie ſchoner gearbeitet, und doch koͤnnen ſich hierzu die Verfertiger nur eines ſchwarzen Steines, der Seehundszähne, einer gewiſſen rauhen Fiſchhaut und Muſcheln bedienen. Die Gute des Charakters dieſer Inſulaner iſt bei⸗ nahe unerſchoͤpflich, und druͤckt ſich in ihren Geſichts⸗ zuͤgen, ſo wie in jeder ihrer Handlungen aus. Als Menſchen haben ſie Leidenſchaften, wie andere, wiſſen ſie aber beller zu beherrſchen und laſſen ſich ſelten un⸗ terjohen. Mun kaun ihnen nichts vorwerfen, als th⸗ ren Haug zum Stehlen, der bei allen Voikern der 283 Südſee beinahe unuͤberwindlich iſt. Sie ſind gewöhn⸗ lich munterer, froher Laune und legen ſich nur in Gegentart ihrer Oberhaͤupter einigen Zwang auf. Im Tauſchhandel ſind ſie bis zur Gewiſſenhaftigkeit rechtſchaffen. Sie ſind aͤußerſt reizbar gegen jeden Eindruck von Freude oder Schmerz. Die Maͤnner der untern Volksklaſſe haben gewoͤhn⸗ lich nur ein Weib; die Großen nehmen deren mehrere 5 doch iſt eine darunter die Beherrſcherin der uͤbrigen. Das Geſetz befiehlt die eheliche Treue und wachet über deſſen Befolgung. Es gab zwar einige Liebeshaͤndel mit der Mannſchaft der Schiffe, aber die Weiber, welche ſich dazu beguemten, waren unverheirathet und⸗ aus der niedrigſten Klaſſe. Ich war zu Foon Augen⸗ zeuge von der Beſtrafung eines Inſulaners, der mit einem Eheweibe ertappt worden, welche noch dazu nicht von ſeinem Stande war. Man fuͤhrte ihn mit⸗ ten in den Kreis, wo der Handel getrieben wird und ſchlug ihm den Hirnſchaͤdel mit einer Keule entzwei. Das Weib kam mit einigen Stockſchlaͤgen davon. Diet ſind, nebſt anderen, die Bemerkungen, die ich auf dieſen Eylanden ſammelte⸗ XV. Zwei und zwanzig Tage waren wir unter Segel und entbeckten eine kleine Inſel, Dootouai, zwiſchen dem 23. und 24. Grade ſuͤdlicher Breite. Zwoͤlf Eingeborne kamen in thren Kaͤhnen an das Schiff; ich hielt eine Rede an ſie, aber ſie weigerten ſich an Bord zu kommen und verließen uns wieder. 284 Cook ſteuerte nun nach der Bai Dheite peha, um daſelbſt zu ankern und an der Suͤdſeite der Inſel ſo viel Erfriſchungen einzunehmen, als er erhalten koͤnnte, bevor er nach Matarat ginge, wo er einen großen Vorrath von allerlei Lebensmitteln anzutreffen hoffte. Noch war uns der Wind entgegen und noͤ⸗ thigte uns, einen Dag laͤnger die See zu halten. Unterdeſſen war uns eine Menge Inſulaner auf ihren Kaͤhnen vorangeeilt, ich erkannte ſie für Leute von geringem Stande und mochte ſie nicht anſehen, welche Geringſchoͤtzung ſie mir, wie ich es verdiente, in vollem Maaße erwiederten. Von ungefaͤhr fand ich meinen Schwager Doteo, den ich vor meiner Reiſe nach England gekannt, in dieſer Gegend der Inſel, und mehrere andere Einge⸗ borne, die mich alle ziemlich kalt empfingen. Doch gelang es mir den Dotev zu bewegen, daß er mir in den Schiffsraum folgte, wo alle meine Reichthuͤmer aufgehaͤuft waren. Hier oͤffnete ich einen kleinen Sack mit rothen Federn und ſchenkte ihm einige; in einem Momente verbreitete ſich dieſes unter den uͤbrigen In⸗ ſulanern und nun war ich mit einem Male willkom⸗ men und geſchaͤtzt. Derſelbe Boteo, der mich wenige Minuten vorher kaum eines Blickes wuͤrdigte, bat mich nun dringend um meine Freundſchaft und um die Vertauſchung unſerer Namen(dort gewoͤhnliches Freundſchaftezeichen). Dieſe große Revolution der Geſinnungen bewirkte ich mit fuͤnf rothen Federn 285 und wurde noch oben drein mit einem fetten Schweine beſchenkt. Kurz nachher erſchien meine liebe Schwe⸗ ſter, die mich zaͤrtlich bewillkommte, ungeachtet ſie von meinem Reichthum nichts wußte. Da die rothen Federn der hoͤchſte Schmuck auf Otaheiti ſind, ſo hatte jeder auf dem Schiff einen Vortath mitgenommen, und fingen damit zu handeln au. Man machte ſehr gute Geſchaͤfte. So viele rothe Federn, als man vieleicht von einem Zaunkoͤnig er⸗ haͤlt, wurden auf der Stelle mit einem fänßzigpfuͤndi⸗ gen Schweine bezahlt. Sobald der Anker lag, ging Cvok mit mir an das Land, in der Abſicht einen Mann zu beſuchen, den man fuͤr den Gott von Bolabola ausgab. Wir fanden ihn unter einem Obdach, worunter die Mro⸗ guen gelegt werden, er war aber ſehr alt und ſo kraͤnklich, daß er ſich groͤßtentheils mußte tragen laſ⸗ ſen; deſſen ungeachtet gaben ibm einige Inſulaner dennoch den Namen Olla oder Drra, das auf Bo⸗ labola wirklich die Gottheit bezeichnet; als Menſch hiti⸗ gegen nannte er ſich Etary. Während ich mich mit ihm unterhielt, warf ſich ein Weib zu meinen Fuͤßen, und beuetzte ſie mit Thränen der Freude; es war die Schweſter meiner Mutter; ich hob ſie auf, erwiederte ibre Zaͤrtlichkeit und vergaß daruber den kranken Gött. Cook hatte vernommen, daß Spanier nach Otaheitiinzwiſchen gekommen woͤren und ſich da⸗ ſelbſ eine Scitlang immer auſgehalten hätten. Er 2⁵6 furſchte nach der Wahrheit dieſes Geruͤchtes und fand ſie vollkommen beſtatigt, indem er namentlich noch ein Haus fand, das die Spanier, die von Lima gekommen waren, erbaut hatten. Acht bis zehn Tage verweilten wir in der Bai von Dheitepeha, um die Schiffe auszubeſſern, Le⸗ bensmittel einzunehmen, das Vieh auf der Inſel zu weiden und die alten Bekanntſchaften aufzuſuchen. Cook vernahm zu ſeinem Leid, daß die beruͤhmte Koͤnigin Oberea nicht mehr am Leben ſey; Dagegen war ſein Freund Otoo, jetziger Koͤnig von Bta⸗ heitil bei dem beſten Wohlſeyn. Der junge Wa⸗ heiadooa, der über den Theil der Inſel, wo die Schiffe eben lagen, beſonders herrſchte, erwieß dem Capitain alle moͤgliche Achtung, tauſchte mit ihm ſei⸗ nen Namen und bot ihm, in Vorausſetzung der Wei⸗ gerung vielleicht, ſeine iganze Provinz zum Geſchenk an. Waͤhrend daß heide mit einander ſprachen, wurden ſie von einem ſo genannten Propheten unterbrochen, der ſie nicht mehr zum Wort kommen ließ, und unter anderm dem Capitain propbezeite, daß er von Men⸗ ſchen wuͤrde gefreſſen werden, die ihn anfaͤnglich als einen Gott verehrt haͤtten. Der Capitain lachte uͤber den Einfall und hoͤrte nicht weiter auf den Propheten. Dieſe Leute ſind gleichſam verruͤckt und das Volk glaubt, daß ein Eatou(hoher Geiſt) in ihnen wobne; ſobald der Gott in ihnen rege wird, verlie⸗ 257 ren ſie den Gebrauch ihrer Vernunft und das Bewußt⸗ ſeyn, dann koͤnnen ſie unmoͤglich etwas anderes thun, als das, was ſie thun, vergeſſen, verkennen, mißhan⸗ deln zuweilen ihre beſten Freunde, Verwandten, kurz alles, und man laͤßt ihnen aus Achtung alles zu. So⸗ bald die Kriſis voruͤber iſt, wiſſen ſie nicht mehr, was ſie gethan haben. XVI. Wir lichteten die Anker und kamen mit Huͤlfe eines guͤnſtigen Oſtwindes gegen Abend in die Bai vor Matavai, woſelbſt wir vor Anker gingen. Koͤnig Otvo, der bereits durch einen Expreſſen von unſerer Ankunft benachrichtigt worden war, kam ſo⸗ gleich nach der Kuͤſte Oparre. Cvok ging hierauf mit einem Theile ſeiner Offiziere und mir an das Land. Ich warf mich dem Koͤnig zu Fuͤßen und um⸗ faßte ihn ehrfurchtsvoll; dann uͤberreichte ich ihm einen großen Buſch rother Federn und ein Stück Goldſtoff⸗ welches mir ſeine ganze koͤnigliche Gewogenheit er⸗ warb. Da nun die Koſtbarkeit dieſes Geſchenkes mei⸗ nen Reichthum beſtaͤttigte, ſo wurde ich von allen Seiten mit Hoͤflichkeitsbezeugungen und Schmeiche⸗ leien überhaͤuft. Auch Cvok beſchenkte den Koͤnig, der nun mit ſeiner Familie an Bord der Reſolu⸗ tion ging, währendy reich mit Lebensbedarf fuͤr die Schiffsmannſchaft beladene Piroguen folgten. Cvok erwiederte dieſe Freigebigkeit mit neuen Geſchenken. Nach der Lafel folgte Cvok dem Koͤnig auf das Land. Er ließ dahin verſchiedene Thiere bringen, um ſie da zur Zucht zuruͤckzulaſſen, und ſaͤete ſelbſt wieder neue Pflanzungen an. Bei dieſer Gelegenheit entdeck⸗ ten wir, zu unſerer unaus ſprechlichen Freude, einen Weinſtock, den die Spanier von Lima hierher ge⸗ bracht hatten. Aber die Eingebornen hatten ihn ver⸗ nachlaͤſſigt und beinahe ganz verderben laſſen, weil ſie ſeine Frucht, bevor ſie reif war, koſteten und ſie von widrigem Geſchmacke fanden, ſo daß ſie es nicht der Muͤhe werth hielten, ihn fortzupflanzen. Ich erklaͤrte ihnen, welch ein Schatz es waͤre und daß ich verſtuͤnde, dieſes Gewaͤchs zu ziehen und zu warten; man glaubte mir und nahm von nun an den Weinſtock beſſer in Acht. Sobald die Nachricht von Cvoks Ankunft bekannt wurde, ſo eilten ſeine alten Freunde und Bekaunten aus allen Gegenden herbei, ihn zu bewillkommen. Auch Sdidev kam, den, wie wir ſchon wiſſen, Cvok auf einem Theile ſeiner fruͤhern Reiſe mitgenommen batte. Die Englaͤnder waren ganz mit der Sorge fuͤr ihre Schiffe, mit den Vortheilen, die ihnen der Auf⸗ enthalt hier darbot, beſchaͤftigt, als die Nachricht ein⸗ lief, Spanier auf zwei Schiffen ſeyen in Hafen zu Dheitepeha eingelauſen, und mit ihnen Matee⸗ ma, Dtaheitis Feind. Cook, der bereits uͤber ein Jahr aus England abweſend war, konnte nicht wiſſen, ob die Spanier als Freunde oder Feinde kaͤ⸗ men, machte ſich auf alle Faͤlle fertig und ſendete den ————— 289 Lieutenant William ſon auf Kundſchaft aus. Alles wurde als Luͤge gefunden. Man erſchoͤpfte ſich in Muthmaßungen uͤber den Urſprung dieſer Luͤge, die wahrſcheinlich durch die Eiferſucht der Bewohner von Dheitepeha entſtanden, welche die von Otaheiti um den Handel beneideten, und ſich einbildeten, die Englaͤnder wuͤrden aus Furcht vor den Spaniern ſogleich die Anker lichten, und das Weite ſuchen. Kaum war dieſe Beſorgniß verſchwunden, als uns ein neues Begebniß in lebhafte Unruhe verſetzte. Die Eingebornen verließen naͤmlich eines Abends ploͤtz⸗ lich die Schiffe, das Lager der Britten, die Kuͤſte und zogen ſich in das Innere Land zuruͤck, wohin ihnen Dtoo nebſt ſeinem ganzen Hofe folgte, und das Aus⸗ reißen allgemein machte. Cook, der die Urſache die⸗ ſes paniſchen Schreckens nicht ergruͤnden konnte, ſandte mich an den Koͤnig ab, und dieſer erklaͤrte mir Alles⸗ Ein Juſulaner hatte vier Beile geſtohlen, dieſes wurde unter den Eingebornen ruchbar, und da Cook gedroht hatte, dergleichen Attentate ſtreng zu ſtrafens ſo ent⸗ floh alles, um nicht mit in ſeine Rache verwickelt zu werden. Ich erklaͤrte alſo im Namen des Capitains, daß er ſich dieſes Mal nicht raͤchen wollte, und dadurch wurde alles auf alten Fuß hergeßellt. Eben dieſe furchtſamen Otaheiter ruͤſteten ſich um dieſe Zeit zu einem blutigen Krieg, wozu Folgen⸗ des den Anlaß gab. Vor wenigen Jahren war ein Haͤuptling von Tiarraboo abgereiſt, um, als recht⸗ 290 maͤßiger Erbe den koniglichen Maro auf der Inſel Eimeo in Beſitz zu nehmen. Er genoß dieſes Gluͤck nur einen Monat; ein anderer, ehrgeiziger Haͤuptling, mit Namen Maheine, erſchlug ihn und beinaͤchtigte ſich der Regierung. Die Otaheiter bewaffneten ſich, den Moͤrder zu beſtrafen und aus dem Beſitze von Ei⸗ meo zu verjagen. Allein Maheine beſaß Lalent und Muth, kaͤmpfte und erfochte erſt vor kurzen einen voll⸗ kommenen Sieg uͤber die Dtaheiter. um dieſe Niederlage zu rachen, ruͤſteten ſich die letzteren zu ei⸗ nem neuen Angriff. Sie machten Cook wiederholt den Vorſchlag, mit ihnen gegen ihren Feind zu zie⸗ hen. Cook lehnte aber ihn ab, mit dem Bemerken, daß er ſich nicht mit dem Blut eines Volkes beflecken koͤnne, daß ihn nicht beleidigt habe, und daß er ſich vielmehr zum Vermittler erbiete, den Frieden wieder berzuſtellen. Man hoͤrte auf dieſes nicht, und da die Britten den Beiſtand verweigerten, ſo wandten ſich die Otaheiter an ihre Goͤtter. Man prachte Men⸗ ſchenopfer. Dagegen erklaͤrte ſich ſehr ſtark Cvok. Auch ich, worüber der Feldherr und Verwandter des Koͤnigs Otoo, der Hauptling Towha, in furcht⸗ bare Wuth gegen mich gerteth.— Der Kampf begann auch. Endlich wurde Friede zwiſchen Eumeo und Otaheiti geſtiftet. Der ſtolze Towha vergaß ſich bei dieſer Gelegenheit gegen ſeinen Gebieter und drohte. Da donnerte ihn aber nieder und zur Unterthaͤnigkeit zuruͤck unſer Capitain Cook, der feierlich erklaͤrte, 29¹ daß er jeden mit ſeinem ganzen Zorne und mit aller ſeiner Macht bedrohe, der es wagen wuͤrde, dem Koͤ⸗ nig die gebuͤhrende Achtung zu verſagen. Dieſe we⸗ nigen Worte thaten große Wirkung. Viele Tage wurden mit Luſtbarkeiten, mit Beſu⸗ chen, Feſten u. ſ. w. zugebracht. Der Koͤnig veranſtal⸗ tete unter andern ein ſogenanntes Schauſpiel, Heeva⸗ raa genannt. Die vornehmſten Rollen deſſelben wur⸗ den von den Schweſtern des Monarchen geſpielt, und zwar ſo, daß ſie auf dem Theater zu London wuͤrden Beifall erhalten haben. Ich gab eine praͤch⸗ tige Mahlzeit, welcher der Koͤnig ſelbſt beiwohnte. Edideo that ein Gleiches. Am Abend meines Gaſt⸗ gelags ließ Cook, im Beiſeyn einer unzaͤhlichen Volks⸗ menge, ein Feuerwerk abbrennen; dieſes prachtige Schauſpiel verbreitete allgemeinen Schrecken unter den Eingebornen, und als zuletzt ein ganzes Paket Rake⸗ ten mit einem Male in die Luft ſtieg, lief alles da⸗ von, ſelbſt die Tapferſten nahmen die Flucht. XVII. Unterdeſſen wurde uͤber das Vergnugen der Handel nicht vergeſſen, der fuͤr uns reichlichen Gewinn gab. Auch viele Geſchenke erhielten wir. Dtoo's Vater, ein hoher Greis, zeichnete ſich dabei aus. Zwei Maͤdchen kamen mit Koͤrben unter den Ar⸗ men, worin eine Menge der ſchoͤnſten und mannig⸗ faltigſt gearbeiteten Zenge lagen. Mit dieſen tra⸗ ten ſie in eine Pirogue, welche ganz mit Fruͤchten und Schweinen angefuͤllt war, und fuhren unter dem „ 292 Klang der Inſtrumente der Reſolution zu. Sobald ſie angekommen, hielt eines der Maͤdchen eine Anrede an Capitain Cook, in welcher ſie ihm dieſe Geſchenke im Namen des alten Fuͤrſten darbot. Cvok nahm ſie freundlich auf, und gab Geſchenke dagegen. Cvok wurde von einem heftigen Gliederſchmerz berfalen. Mitten unter den groͤßten Schmerzen er⸗ ſchienen Otvo's Mutter, ihre drei Schweſtern und acht andere Weiber und verſprachen ihn von ſeiner Krankheit zu heilen. Cvok beſchrieb dieſe Cur alſo: „Dieſe a2 Weiber traten um mich herum und fin⸗ gen an, mich vom Kopf bis zu Fuͤßen, hauptfaͤchlich aber an den leidenden Theilen mit beiden Haͤnden zu druͤcken und zu kneten, ſo daß mir die Knochen krach⸗ ten und ich ſo matt wurde, als wenn ich waͤre derb durchgepruͤgelt worden. Nachdem ich dieſes eine Vier⸗ telſtunde ausgehalten hatte, war ich froh, daß ſie ein⸗ mal aufhoͤrten, doch hatten meine Schmerzen merklich nachgelaſſen, ſo daß ich mich vor dem Schlafengehen noch einmal zu dieſer Behandlung entſchloß. Dieß zweite Kneten verſchaffte mir eine ſehr ruhige Nacht und den foigenden Morgen wiederholten ſie ihre Ar⸗ beit noch einmal, bevor ſie an das Land gingen. Am Abend kamen ſie wieder und ich ließ mich abermals kneten, die Schmerzen verſchwanden glücklich und meine Aerzte verließen mich.“ Dieſe Cur wird auf den Inſeln Romee genannt⸗ 293 und beinahe in allen Krankheiten mit dem beſten Er⸗ folge gebraucht. Die Schiffe waren ausgebeſſert, mit Lebensbedarf reichlich verſehen und endlich kam die Stunde der Ad⸗ fahrt. Man nahmt Abſchied, lichtete bei gutem Dſt⸗ wind'die Anker und begrüßte die Inſel beim Abfahren, dem Verlangen Otoo's gemaͤß, mit ſteben Kanonen⸗ ſchuͤſſen mit Kugeln. Cook war Willens auf der Inſel Eimeo zu lan⸗ den, daher wir auf die oͤſtliche Seite derſelben zu⸗ ſteuerten. Ich fuhr in einer Pirogue, die ich zum Geſchenk erhalten hatte, und zeigte den Wes nach Rheede, worauf wir in dem ſichern und beguemen Hafen von Dalov vor Anker gingen. XVIII. Die Inſulaner von Eimeo kamen hau⸗ fenweis, anfangs aus Neugierde, nachber des Tauſch⸗ handels wegen herbeigelaufen. Selbſt Maheine, der eben Friede mit Otaheiti geſchloſſen hatte, hielt es fͤr ſeine Pflicht, dem Capitain zuerſt aufzuwarten, aber er erſchſen doch nicht ganz ohne Vorſicht; denn die Kluhheitzbefahl ihm, ſich nicht blindlings einem Freund Dtoos und des ganzen Otaheitiſchen Stam⸗ mes zu uͤberlaſſen. Dieſe Beforgniſſe verſchwanden in⸗ deſſen bald und nun herrſchte gegenſeitiges Vertrauen. Dieſer Maheine war ein Mann von 40— 60 Jahren, hatte ſich aus Herrſchſucht der Inſel bemaͤch⸗ tigt und ſein Anſehen durch Gewalt gegruͤndet und erhalten. Als er am Bord erſchien, trug er eine Art 294 Turban auf dem Kopf, vielleicht aus Eitelkeit, viel⸗ leicht um ſeinen Kahlkopf zu verbergen. Einige Tage lang ſtunden wir in dem beſten Ver⸗ nehmen mit ihm, bis ein Vorfall dieſem eine andere Wendung gab. Maheine hatte von dem Capitain zwei lebendige Ziegen verlangt, und da ihm dieſes nicht ſo gleich gewaͤhrt wurde, ließ er eine ſtehlen und in ſeine Wohnung bringen. Auf die Drohung des Capitains gab er ſie zuruͤck und lieferte auch den Thaͤ⸗ ter aus, der es jedoch auf ſeinen Befehl gethan hatte. Unterdeſſen wurde eine traͤchtige Ziege geſtohlen, und Cook forderte ſie ebenfalls ſo ernſtlich zuruͤck. Man machte Ausfluͤchte, verſprach endlich ſie zu brin⸗ gen, ſuchte dann wieder hinzuhalten, und brachte durch Ausreden und Verzoͤgerungen den Capitain Cook ſehr auf. Dieſer beſchloß Ernſt zu zeigen, ging mit hundert Mann an das Land und brachte Schrek⸗ ken und Beſtuͤrzung unter die Inſulaner. Waͤhrend die Schwachen flohen und in die Waͤlder ſich verbar⸗ gen, ſah man die Krieger Keulen ſchwingen und an⸗ dere Kriegsgeraͤthe herbeiſchleppen; uͤberall herrſchte aber die aͤußerſte Verwirrung. Cook erklaͤrte gleich anfangs, daß er keines Men⸗ ſchen Leben, ſondern nur ſeine, ihm geraubte Ziege verlange, widrigenfalls er ſich raͤchen wuͤrde. Sein Verſprechen das Leben zu ſchonen, brachte eine ploͤtz⸗ liche Umſtimmung der Gemuͤther hervor; im Augen⸗ blick kehrten alle Einwohner in ibre Haͤuſer zurck, 295 und gingen ſo unbeſorgt wieder an ihre gewoͤhnliche Geſchaͤfte, als wenn die Englaͤnder uͤber hundert Mei⸗ len von ihnen entfernt geweſen waͤren. Als aber die Ziege noch immer nicht erſchien, ruͤckte Cook mit ſeinen Leuten vor; fteckte einige Haͤuſer in Brand, ließ Baͤume umhauen, Piroguen verbrennen oder zer⸗ ſchlagen und fuhr ſo zwei Tage lang fort, bis die Einwohner Schaarenweiſe mit Bananaszweigen in den Haͤnden herbeigelaufen kamen, und um Friede baten. Die Ziege wurde zuruͤckgegeben und hierauf alle Feindſeligkeiten eingeſtellt. So endigte ſich ein Krieg, der nach Cvoks eige⸗ nem Geſtaͤndniß den Bewohnern von Eimev theuerer zu ſtehen kam, als der Otaheiter letzte Unterneh⸗ mung und ungeachtet ſich der Capitain nachher damit entſchuldigte, daß er gezwungen geweſen Ernſt zu brauchen und Furcht einzufloͤben, ſo erſtaunte ich den⸗ noch, daß er, der vor Kurzem ſeinem Freund Dtoo in der gerechteſten Sache ſeinen Beiſtand verweigert, ietzt um einer Ziege willen den Degen zog, und einem ganzen Volke unerſetzlichen Schaden zufügte, weil ihn einige einzelne Einwohner beleidigt hatten. XIX. Wir verließen gleich nachher den Hafen vom Daloo und ſegelten nach Huaheine zu, von welcher Inſel, wie man ſich erinnern wird, ich mit dem Capitain Furneaux abgereiſt war. Wir kamen glücklich nach der Bat von Owharte und ließen da⸗ ſcibſt den Anker fallen. 206 Nichts vermag das Staunen und die Freude aus⸗ zudruͤcken, mit welcher mich die Bewohner von Hua⸗ heine zuruͤckkommen ſahen; ihre Blicke, Gebehrden, Handlungen, Reden, druͤckten die aͤußerſte Bewunds⸗ rung aus. Alles draͤngte ſich zu mir, jeder wolte mich zuerſt ausfragen; ich beantwortete alles mit Beſchei⸗ denheit und wurde durch die Achtung, die man mit erwies, hinlaͤnglich fuͤr meine Gefaͤlligkeit belohnt. Bevor wir an das Land gingen, nahm mich Cvok bei der Hand, ſchloß ſich mit mir in ein Zimmer ein⸗ und ſprach zu mir: „Du biſt nun am Ziele Deiner Reiſe, mein lie⸗ ber Omai, Die Vorſicht hat uͤber Dich gewacht und führt Dich geſund und wohlbehalten auf dieſe Inſel zuruͤch, die Du vor laͤnger als vier Jahren verließeſt um Fremden zu folgen, die das Vertrauen, ſo Du ihnen bewieſeſt, indem Du Dein Schickſal ihren Haͤnden anvertrauteſt, ſtets erkennen und ſchaͤtzen werden. „Gerue haͤtte ich gewuͤnſcht, mich nie wieder von Dir trennen zu duͤrfenz ich weiß Du biſt mir zugs⸗ than und ich freue mich daruͤber. Ich weiß auch, daß wenn ich Dir vorſchlüge, mir Dein Vermoͤgen und Deine Hoffnungen aufzuopfern und ferner meine Rei⸗ ſen und Gefahren mit mir zu theilen, Du Dich nicht einen Augenblick beſinnen wuͤrdeſt.(Ich wollte ihn hier unterbrechen, um ihm meine Bereitwilligkeit zu verſichern; er aber fuhr fort:) Aber Du biſt noch zung, ich aber gehe dem Alter entgegen. Lauſend 297 Zufaͤlle koͤnnen ſich mit der Natur vereinigen, meine Laufbahn zu verkuͤrzen, Du aber haſt noch ein weites Feld vor Dir. Ich habe Befehl, Dich auß ein Eiland auszuſetzen. Wir ſind im Begriff uns auf immer zu trennen. Sage, lieber Omai, ob wir Dir in Hua⸗ heine, oder auf uUltetea ein Haus erbauen und Pflanzungen anlezen ſollen?“ Ich konnte dieſe Rede anfangs nur mit Thraͤnen der Erkenntlichkeit beantworten; dann ſagte ich, daß ſch zu Ulietea am liebſten wohnen wuͤrde. Als ich aber im Verlaufe meiner Rede meinen Racheplaͤnen gegen Dpvony, den Beſieger Ulieteas und Koͤ⸗ nig von Bolabola, nicht entſagte, ſo ſagte Cook ganz kaltbluͤtig:„Wenn dem ſo iſt, ſo werde ich mei⸗ nem Freund eine Wohnung auf Huaheine errichten laſſen. Seine Racheentwuͤrfe habe ich nie gut geheiben.“ Hierauf ging der Capitain von mir⸗ Vormals hatte ein Freund Cooks, Namens Dreo den Pberbefehl uͤber Huaheine gefuͤhrt, aber dieſer, der nur während der Minderjaͤhrigkeit Tagi⸗ ree⸗Tareas Regent geweſen, hatte bei der Thron⸗ beſteigung des Letztern alle ſeine Wuͤrden niederlegen und ſich nach ultetea begeben muͤſſen. Tairee⸗ TDarea ſelbſt war als ein eilfjahriges Kind zur Re⸗ gierung ganz unfaͤhig und wuͤrde mit ſeinem Koͤnigs⸗ titel immer nur ein Sklave ſeiner Großen geweſen ſeyn, weil nicht ſeine Murter Nowa, eine Frau 64 Bd. Reiſen um die Welt. V. 3. 298 von durchdringendem Verſtande es dahin gebracht, daß die Großen ihr lieber die Regentſchaft uͤbertrugen. Als der Tag gekommen war, wo mich Cpok dem Koͤnig und den Großen vorſtellen wollte, kleidete ich mich ſauber an und hielt meine Geſchenke fur den Kö⸗ nig und die Prieſterſchaft bereit. Eine unbeſchretbliche Menge Volkes bedeckte den Weg, wo wir durchzogen und die Haͤuptlinge waren zu unſerm Empfang bereit; dem Koͤnig aber harte man als Vorrecht ſeiner Wuͤrde vorgeſtellt, daß er ſich eine Weile muͤſſe erwarten laſ⸗ ſen. Er erſchien endlich in Begleitung ſeiner Mutter. Ich ſtand in einiger Entfernung von dem koͤnig⸗ lichen Kinde und ſeinen Großen; dann wandte ich mich an den Ober⸗Pneſter, bat ihn im Namen der Gott⸗ heit von Huaheine die Geſchenke anzunehmen, die ich ihr zu Fußen zu legen wage, erſuchte die andern eben⸗ fails die Geſchente, die ich fuͤr ſie an rothen Federn, Zeuchen, Spielwerke u. ſ. w. beſtimmt hatte, anzu⸗ nehmen, wobet ich eine Anrede an die Verſammlung durch einen meiner Freunde halten ließ, worin viel von meinen Abentheuern, dem Koͤnig von Großbrit⸗ tanien, dem Lord Sandvich und den Capitainen Cook und Clerk vorkam, welche Rede ich aver Wort fuͤr Wort in das Ohr ſoufliren mußte. Na ydem man guaͤdig meine Geſchenke angenommen, ſetzte ich mich nebeu Capitain Cvok, der zur Seite des Koͤnigs ſaß⸗ 209 Nun beſchenkten ſich der Koͤnig und die Fremden wechſelſeitig und eroͤffneten dadurch die Unterhandlun⸗ gen; der Tauſchhandel wurde beſchloſſen und zugleich den Eingebornen angedeutet, was ſie zu befuͤrchten haͤtten, wenn ſie ſich hrem Hange zum Stehlen uͤber⸗ ließen, wobei das neuere Beiſpiel von der Verwuͤſtung Eimeo's wegen einer weggefuͤhrten Ziege zur War⸗ nung vorgeſtellt wurde. Da das Geſpraͤch wieder auf mich zuruͤckkam, trat ich auf und erzaͤhlte ſelbſt der Verſammlung, daß die Englaͤnder mich mit in ihr Vaterland genommen, wie ich dort von ihrem Koͤnig und ſeinen Großen lien bevoll aufgenommen worden, und daß man mir alle nur erdenkliche Wohlthaten erwieſen haͤtte. Nachdem ich lange in einem Ueberfluß aller Dinge dafelbſt ge⸗ lebt, haͤtte mich mein Freund Cook wieder hierher gebracht, ich käme mit ungeheuren Schaͤtzen berei⸗ chert zuruͤck, womit ich dereinſt alle metne Landsleute glucklich machen wollte. Dagegen verlange Cvok im Namen der engliſchen Nation, daß man mir ein Stuͤck Land anweiſe, und die Erlaubniß ertheile, eine Wohnung darauf zu bauen und dieſes Land zu meiner und meiner Leute Erhaltung urbar zu machen. Et⸗ baͤlt er dieſes nicht fur mich, ſo habe er beſchloſſen, mich nach Ultetea zu führen. Ich erwate die Ans wort der edlen Haurtlinge.“ 3 300 Nach einer Dis usſcon, an der Cok auch An⸗ theil nahm, ging der Entſe uß der Haͤupt'inge da hin, mich lteber in Huaheine zu behalten, als ulietca und deſſen Be errſchey, zwiſchen dem und mir Covk Friede machen wolle, mit m iner Perſon und meinen Schaͤtzen zu bereichern. Einer der aͤlteſten Haͤuptlinge, Mataneo, nihm das Wort, und ſagte, die ganze Inſel ſtuͤnde zu memneenhl, und Cook moͤchte mir einen Theil davon anweiſen, welchen er woüte Der Capitain verlangte, daß der Drt nicht nur beſtimmt, ſondern aun das Stuͤck Land genau abgemeſſen und eingefaßt werde ſollte. Man willigte in ſeim Vertangen, und wies mir ein Stuͤck Landes langs der Kuͤſte nahe beim Hafen Owhatre zum Eigenthum an. Im Geynde erwartete ich freilich et⸗ was beſſeres, aber für jest konnte ich mich begnuͤgen und ich fuͤhlte wie nothwendig es ſey, im Anfang den Ton nicht zu hoch anzuſtimmen. Doch war mir die Lage meiner küͤnftigen Wohnung am ufer der See vollkommen recht und erfteulich, da ich ohnehin Wil⸗ lens war, mir eine kleine Seemacht zu errichten. XX. Sobald mir das Stick Land eigenthuͤmlich ubergeben war, ließ Cook mir ein gutes bequemes Wohnhaus durch ſeine Schiffszimmerleute bauen. Ich nahm mir außerdem vor, nach Cbok's Abreiſe, mir ein groberes nach unſerer Landerart zu bauen. Ueber 301 dem Eingang des neugebauten Hauſes ließ ich eine Taſel ſetzen, worauf mit lateiniſchen Buchſaben die Worte ſtanden:„Koͤng Georg II., den 2. Novem⸗ ber 1777. Schiffe Reſolution und Entdeckung, Befehls⸗ haber Cvok und Clerke.“ Den Inſulanern machte ich weiß, dieß waͤre eine Beſchwoͤrung, die demjenigen einen ploͤtzlichen Tod drohte, der es wagen wuͤrde, mir zu ſchaden. Zugleich wurde ein kleiner Garten nach europqi⸗ ſcher Art angelegt, den Cook ſelbſt mit mancherlei Arten engliſcher Naturprodukte bepflanzte, und noch bevor er Huaheine verlteß, hatte er das Vergnuͤgen, den groͤßten Theil derſelben aufgehen zu ſehen. 8 Sobald das Haus im Stande war, mich einzu⸗ nehmen, brachte ich dahin alle meine Reichthuͤmer, die in Fltnten, anderen Waffen, Pulver und Blei, in Ak⸗ kerseraͤthen, Kleidungsſtuͤcken, Tuch⸗, Eiſen- und Schloſſer-Waaren, muſikaliſchen Inſtrumenten, Ma⸗ ſchinen zum Wollen- und Flachsſpinnen, Slektriſtr⸗ Maſchine, magiſche Laterne, Pumpen, Schraͤnken, Spiegeln, mathematiſchen Inſtrumenten, Sehroͤbren, Drechſelbank und ſo vielen andern Gegenſtaͤnden be⸗ ſtanden, daß es nicht Raum iſt, ſie einzeln zu verzeichnen. Auch die neuen Geſchenke Cooks brachte ich dahin. Dieſe letzteren beſtanden in einem ſchoͤnen engli⸗ 302 ſchen Hensſt und einer Stute, die nun traͤchtig war; in einer traͤchtigen Ziege, einem Mutterſchwein und zwei Schweinen engliſcher Rage und endlch in einer Menge Saͤmereien. Dazu ſchenkte er mir noch eine Solda— tenflinte mit Bajonett, eine Jagdflinte, zwei Paar Piſtolen, drei große Saͤbel, ein Faͤßchen Pulver, 20 bis 30 Pfund klein gehacktes Blei und einen Beutel mit etiwa so Kugeln. Dabei verbarg er mir nicht ſeine Beſorgniß, daß mich dieſe Waffen eitel und un⸗ vorſichtig machen moͤchten, und ſtatt meine Sicherheit zu ſchuͤtzen, vielmehr Gefahren über mich bringen koͤnnten; auch geſtand er, daß er mir ſie nicht aus ei⸗ gener Neberlegung, ſondern bloß auf meine dringende Bitten gaͤbe, um mir hierdurch ſeinen guten Willen zu beweiſen. Ich verſprach ihm heilig, daß ich ſeines guten Rathes und ſeiner Ermahnungen ſtets wuͤrde eingedenk ſeyn, und daß wenn er einſtens wieder et⸗ was von mir hoͤre, er nie Urſache ſinden ſolle, ſeine Guͤte gegen mich zu bereuen. Cvok ſchenkte auch mir die beiden Neu⸗See⸗ loͤnder, Taweiharova und Kokoa, die er mit⸗ genommen hatte. Beide waren mir bis zum Tod er⸗ geben. Sobald mein Hausweſen eingerichtet und meine Schatze vor den Haͤnden der Neusierigen in Sicher⸗ 303 heit waren, ſo verhandelte ich, da ich nach Landes⸗ Sitte wieder leben wollte, meine Toͤpfe, Schüſſeln und ſonſtigen europaͤtſchen Hausrath, an die Mann⸗ ſchaft der beiden Schiffe gegen ein gutes Pulverhors, Eiſenwerk, Hammer, Saͤgen, Fetlen, Naͤgel und dergl. m. Endlich lud ich den Capitain Cvok und ſeine vornehmſten Pffiziere beider Schiffe ein, bei ih⸗ rem Freund und erkenntlichen Omai eine Mahlzeit einzunehmen. Sie kamen alle und gefilen ſich ſo wohl bei mir, daß ſie ihren Beſuch dreimal wiederhol⸗ ten und jedes Mal mit der frugalen Bewirthung ihres Freundes ſich begnuͤgten. Eines Abends, als ich den Capitain Cook nach ſeinem Boote zuruͤckbegleitete, zog er mich auf die Seite, hielt mir folgende Rede, die ich als ſeinen letzten Willen betrachte: „Mein Freund! ich warte jetzt bloß auf einen guͤn⸗ ſtigen Wind, um die Anker zu lichten und Dich zu verlaſſen.(Er ſprach ſehr langſam und unterbrochen.) Wir haben Dir alles Gute erwieſen, das in unſerm Vermoͤgen ſtand, und was Dir angenehm ſeyn konnte. Du biſt nun der reichſte Bewohner dieſer Inſel; der Koͤnig, die Regenten, die Oberhaͤupter ſind arm im Vergleiche gegen Dich. Ich fuͤrchte indeſſen, daß Deine Lage im Kurzen bei weitem nicht ſo gluͤcklich ſeyn moͤchte, als ſie es war, bevor Du uns kannteſt. Vielleicht biſt Du zu ſehr an die Bequemlichkeiten unſeres verfeinerten Lebens gewoͤhnt. 304 „Suche Dich nicht zu erheben. Suche Dir aber Achtung zu erwerben, ſirebe nach Talenten, nach Mit⸗ teln, andern zu dienen. 1 „Ich rathe Dir ernßtlicher, als jemals, allen Dei⸗ nen Entwuͤrfen gegen Bolabola zu entſagen, oder wenigſtens ſie ſo lange in Deinem Buſen zu verſchlie⸗ ßen, bis die Zeit zur Ausfuͤhrung bequem iſt. Dpov⸗ ny wird zwar gehaßt, aber noch mehr gefuͤrchtet; wenn er drohte und man ihn durch Deine Ausliefe⸗ rung zu befaͤnftigen hoffen koͤnnte, ſo wuͤrdeſt Du ihm ſicher aufgeopfert. Schone ihn alſo, ſey verſchwiegen und huͤte Dich, ihn zu beleidigen. Man wird Deine Schritte ausſpähen und waͤren ſie nur halbverdaͤchtig, ſie Dir zum Verbrechen machen. Die Nevolutionen ſind haͤufig genug in Deinem Lande, erwarte alſo eine, die Deinem Vorhaben guͤnſtig iſt; ereignet ſie ſich nicht, ſo haſt Du Dich zwar nicht geraͤcht, aber doch ruhig und zufrieden gelebt, und dieſes gilt mehr als alle Rache. „Ich rathe Dir ferner, Dich des Ackerbaues, der Hautwirthſchaft und der uͤbrigen Kuͤnſte zu beflei⸗ ßen, deren Anfangsgruͤnde Du bei uns erlernt haſt. Laß Deine Landsleute die Fruͤchte Deiner erworbenen Fenntniſſe genießen, herrſche uͤber ſie durch Wohl⸗ thaten und erhebe Dich uͤber Niemand. Strebe nach 305 der Achtung Deiner Zeitgenoſſen, nach dem Bedauern derer, die Dich uͤberleben und nach dem Beifall der Nachkommenſchaft. Dieß wird Dir zwar Arbeit ge⸗ nug koſten, aber gibt es wohl eine ſchoͤnere Belob⸗ nung als den Ruf der Rechtſchaffenheit? „Willſt Du mir folgen, ſo verheirathe Dich ſo⸗ gleich nach meiner Abreiſe. Cvok's Freund und Reiſegefaͤhrte darf kein unſittlicher Mann werden; der Umgang einer guten, zaͤrtlichen Gattin wird Dich mehr an das Leben feſſeln, als alle Entwuͤrfe der Rache und der Vatername die Pficht Mit Seiſerzultung vertoppeln. „So oft ein europaͤiſches Schiff hierher oder an eine benachbarte Inſel kommt, vergiß nicht mir einen genauen Bericht von allem, was Dir unterdeſſen be⸗ geguet, zu uͤberſchicken, ich werde Dir ſo oft es eine Gelegenheit verſtattet, Nachricht von mir ſchreiben. Ich glaube Dir verſprechen zu duͤrfen, daß Dein Na⸗ me durch den Bericht meiner Reiſe in Europa be⸗ ruͤhmt werden, und dab kein Schiffs⸗Capitain, der in die Gegend kommen koͤnnte, Dir ſeine Freund⸗ ſchaft und ſeinen Beiſtand verſagen wird, wenn Du ihn in meinem Namen darum bitten wirſt. Was mich betrifft, mein guter Omai, ſo werden wir uns ſchwer⸗ lich wiederſehen.“ 306 Ich wollte Cvok, der unter dieſer Rede an ſein Bovot gekommen war, an Bord begleiten und die Nacht am Schiffe zu bringen, aber er ſchickte mich zuruͤck, indem er laͤchelnd ſagte:„Ein Hausherr duͤrfe nicht auswaͤrts ſchlafen und uͤbrigens muͤßten wir uns nach und nach an unſere Trennung gewoͤhnen.“ Ich fuͤrch⸗ tete, er moͤchte mich ohne Abſchied verlaſſen, allein er mich hieruͤber. Ein Bewohner aus Bolabola, Namens Ha⸗ pi, der eben in Huaheine war, ſtahl aus dem am Lande errichteten Obſervatorium einen Septanten hin⸗ weg. Ich bezeichnete den Dieb, Cook ließ ihn ge⸗ fangen nehmen, an Bord bringen und die Dhren ab⸗ ſchneiden. Um ſich zu raͤchen, ſchlich Hapi die Nacht hierauf in meinen Garten und richtete dort gräuliche Verwuͤſtung an, zugleich ſchwur er mir den Tod und meinem Haus den Untergang. Cook ließ ihn von neuem greifen; allein Hapi, mit Beihuͤlfe der Wache, die mich nicht liebte, entkam und verbarg ſich bei ei⸗ nem Haͤuptling, bis Cvok abgefahren war. Allein ſpaͤter machte ich Hapi und ſeinen Goͤnner bei einem Attentate auf mich zu Gefangenen, und ſchaffte ſie mir vom Halſe, indem ich ſie auf einer Pirogue in einen heftigen Meerſtrudel treiben ließ. Beide verſchwanden. Endlich, als die Stunde der Abreiſe kam, trat 307 Cvok nochmals an das Land, um von dem Koͤnig und den Großen Abſchied zu nehmen. Er verſicherte ſie ſeiner Freundſchaft, und empfahl mich jedem insbe⸗ ſondere auf das Beſie und zwar mit dem Zuſatze⸗ daß ſie ihm fuͤr alles Schlimme, was mir widerfahre, haf⸗ ten ſollten. Er ſagte unter andern:„Erinnert Euch⸗ daß Omai der Günſtling eines maͤchtigen Monarchen und Cvoks Freund iſt; ich kehre wieder hierher zu⸗ rück und erfahre ich alsdann, daß ihr Omai ſchlimm behandelt, ſo ſoll Euch meine Rache doppelt treffen⸗ Von hier gehe ich nach Bolabola, und werdes Dpvony eben daſſelbe ſagen; ſollte dieſer Euch we⸗ gen Omai beunruhigen, ſo werde ich zu Eurem Bei⸗ ſtande herbeieilen. Sucht die Freundſchaft der engli⸗ ſchen Nation zu verdienen und ſchenkt uns die Eure!“ Mit dieſen Worten ſtund er auf, umarmte den Koͤnig, grußte die Haͤuptlinge und das Volk und kehrte in Begleitung der ganien Verſammlung nach dem ufer zuruͤck. Ich ging zum letzten Male mit an Bord, die Schiffe begrußten die Inſel mit fuͤnf Ka⸗ nonenſchuͤſſen und ginsen unter Segel⸗ Unſere Trennung war nun nicht mehr zu vermei⸗ den. Ich ſiel den Pffizieren um den Hals, umarmte beinahe die ganze Mannſchaſt; als ich aber zu Cvok kam, verließ mich alle Standhaftigkeit⸗ Ich ſchlang 308 ihn in meine Arme, und bedeckte ſein Geſicht mit einem Strom von Thraͤnen, Worte konnte ich nicht hervorbringen, hoͤrte auch nicht, was er zu mir ſprach, meine Sinne hatten mich verlaſſen. Der Lieutenant King brachte mich wieder in das Boot, und fuͤhrte mich ſelbſt an das Land, wo meine Leute mich er⸗ warteten. Hter blieb ich in tiefem Schmerze verloren auf der Erde ſitzen, und ſah der ſich entfernenden Reſolutton nach; noch glaubte ich das Schiff zu ſehen, als es bereits laͤngs aus dem Horizont verſchwun⸗ den war. Vom Schmerze ganz niedergedruckt, ſchlepp⸗ ten mich meine Diener in meine Wohnung. Cook ſab ich nicht mehr. Ich wurde ein gluͤcklicher Haus⸗ vater, ein geachteter Krieger in Huaheine und Ulietea, ein vornehmer Haͤnptliug und ein Refor⸗ mator der Eylande*). *) Von Dr. F. J. A. Schneidawind erſcheint auf Subſcription bei Eyrand in Neuh'al⸗ densleben folgende intereſſante und zeitge⸗ maße literariſche Unternehmuns:„Ueberlie⸗ ferungen zur Geſchichte, namentlich zu jener des achtzehnten und neun⸗ ſehnten Jahrhunderts. Briginalwer⸗ ke und Uebertragungen der intereſ⸗ ſanteſten Memoiren, Geſchichtswerke u ſ w.“ Dieſe Uebertieferungen zur Geſchichte werden enthalten: A. Driginalarbetten 309 (mit Urkunden, Dokumenten, denkwuͤrdigen Correſpondemen) und zwar an Driginawerken, die Feldzüge Napoleons im Jahre 1806, 1809, in Italten u. ſ. w. nach den Angenzeugen und ſeither noch unbenutzten Quelien; den Feldzug des Prinzen Sugen, Viekontgs von Ita⸗ lien, im Jahre 1813 und 4844 in Italien, nach den Stbriften und Beiiſchten des Chef des Generalſtaabes und anderer Pffiziere des Prinzen Eugen und nach oͤſterreichtſcheu Quel⸗ len; Biographien aus der frabzoͤſiſchen Revolu⸗ tion, namentlich die des Marat und der Charlotte Cordey; eine Geſchichte von Neu⸗Griechenland; eine des Ritterthums, be⸗ ſonders der Chevalerie der Franſoſen; eine Ge⸗ ſchtchte der Wechabiten, als Beirag zur Geſchichte des jetzigen Vtzekoͤnigs von Aegyp⸗ ten u. ſ. w., was der Raum zu neanen ver⸗ bietet Und B. in Uebertragungen und in folchen: die Denkwuͤrdtakenen des Marſchall Ney, der Herzogin von Abrantes, des Grafen Lavälette, des Koͤnigs Ludwig XVIII u. a. m., die Biographien der berühm⸗ ten Staateminner Grey, Talleyrand, Canning und Pitt, von engliſchen Federn. geſchildert, und die hiſtoriſchen Werke eines Nodter, Segur u. a. m.— Die Heraus⸗ gabe dieſer Matertalien und Ueberlieſerungen zur Geſchichte hat nicht allein den ſchonen Zweck, dem litterariſchen ubltkum eine belehrende und geiſtreich unterhaltende Lektuͤre zu bieren, ſon⸗ dern auch den edlen, auf eine wicht koſiſpielige Weiſe dem Freunde der Geſchichte, die bisher eben nicht wohlfeilen Memotren oder Werke der Heriogin von Abrantes, des Curne de St⸗ Palaye, Könias Ludwigs XVIII. oder Segur's, dann viele Geſchichtsquellen und Dokumente in nur moͤglich wohlfeilſtem Preiſe zu verſchaffen. Auf dieſe Beruͤckſichtigung werthe Unternehmung macht aufmerkſam, und fordert zu zahlteicher in allen guten Buchhandlun⸗ gen au Bibl. Faeck.