„— E 2 3 4— Leihbiblivthet deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Gdnard Oltmann in Gießten, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. eih- und Jeſehebingungen ofensein der Bibliothek. Die Bibliothet ſteht zur Em⸗ pfangnahme und der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 1 hr offen. 2. PLesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von F iedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt; S für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: a Monat: 1W 3 N 5f ² „ 3„ Auswärtige Abonnenten haben füt Hin⸗ 5 b und Zurückſendung er Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſekbſt zu ſorgen. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlbrene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, lorene oder defecte Buch ein Theil. eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer ſ Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſ elbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen I der Bücher nicht ſtattfinden varf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. (%t 4 62 Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Königl. Bibliothekar zu Bamberg. IM. Theil. 1. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 1 8 3,1. — Beſchreibung des franzöſiſchen Afrika im J. 1764 vom Miſſionäre Abbe De⸗ manet. Aus dem Franzöſiſchen überſetzt. Erſter Theil. De⸗ ehemals ſo beruͤhmte und bluͤhende Afrika zeigt jetzt nichts, als einige traurige Denkmaler ſei⸗ ner vorigen Groͤbe. Irrthum und Wahn haben da ihren Sitz, und der großte Theil der Einwohner haͤngt den Lehren eines gottloſen Propheten an. Von den praͤchtigen Palaͤten und Haͤuſern ſieht man keine Spuren mehr; Staͤdte, Flecken und Dorfer ſind mit den Bewohnern verſchwunden. An deren Stelle ſind elende Rohrhuͤtten; die Wohnungen der Koͤnige unter⸗ ſcheiden ſich faſt nicht von jenen ihrer Unterthanen. *) Nouv. historie de l'Afrique francoise. Paris. 1277, 42. 2 vol. Ueberſ. Lpg. 1778. 8. Er war Seelſorger und Perthetler des Almoſens in Afrika aus Auftrag des Koͤnigs von Frankreich. Dieſe ſind faſt ganz nackt; ein kleiner Guͤrtel von Kattun umgibt die Lenden. Reis, Hirſe und Fiſche ſind ihre Nahrung. Ihre Gebieter ſind Herren uͤber Leben und Tod. Die Schaͤtze, welche die Erde in ihren Goldminen und andern Produkten ihnen darbie⸗ tet, bleiben unberuͤhrt. Traͤgheit, Tanz und andere Zerſtreuungen ſind ihre ganze und hochſte Glückſelig⸗ keit; ihr Hausrath ſind ihre Geraͤthe und ihre Waffen. Dieſes Elendes ungeachtet bleiben ſie ihren Koͤnigen treu. Die Geſtalt Afrikas gleicht einer untegelmaͤßi⸗ gen Pyramide, deren gegen Nord gekehrte Grundſeite das mittellaͤndiſche Meer beſpuͤhlt. Ein Theil der öſtlichen Seite wird vom rothen Meere und das ganze uͤbrige vom ſuͤdlichen und weſtlichen Deean umgeben. Seine Breite an beiden Seiten der Mittags⸗Linie betraͤgt 70 1/20. Den Grad zu 20 Meilen gerechnet, hat dieſer Erdtheil von Nord gegen Suͤd eine Aus⸗ dehnung zu 1440 Meilen, und von Weſt gegen Oſt 1600 Meilen. Afrika iſt ferner eine Halbinſel, welche durch eine Erdzunge mit dem Feſtlande Aſiens zuſammen haͤngt. Dieſe iſt ungefaͤbr 20 Meilen lang, und heißt von der Stadt Suei: die Erdzunge von Suez. Die Mittags⸗Linie theilt Afrika faſt in zwei gieiche Theile, geht zwiſchen der Inſel St. Thomas und dem Vorgebirge Lopez, dem Koͤnigreiche Makoko und dem Reiche Monoemngi und theilt es in das noͤrdliche und ſuͤdliche ab. Jenes begreift Laͤnder, dieſes 3. Jene ſind: 1) Die Berberei, welche faßt die ganze Kuͤſte des mittellaͤndiſchen Meeres einnimmt. Das Gebirge Atlas theilt ſie in die eigene Berberei und die große Wuͤſte Saara ab. Die eigentliche Berberei enthaͤlt a wichtige Staaten: Das Reich der Scherife, die Republiken Algier, Tunis und Tripoli. Das Reich der Scherife beſteht aus den drei Koͤnigreichen: Marokko, Fez und Tafilet. Tafilet liegt jenſeits des Atlas am Eingange in die große Wuͤße. Die merkwuͤrdigſten Staͤdte in den⸗ ſelben ſind: Marokko, der Sitz der Scherifez Fez, eine alte und ehemals ſchoͤne Stadt. An den Kuͤſten des Königreiches Fez iſt Salee der Aufent⸗ balt der gefaͤhrlichen Seeraͤuber, welche die Chriſten toͤdtlich haſſen. Die 3 Staaten Algier, Tunis und Tripoli haben ihren Namen von den Hauptſtaͤdten, welche an der Seekuͤſte liegen und von Seeraͤubern bewohnt werden. Alle 3 Staaten haben dieſelbe Verfaſſung: einen Dey, Bey und Divan. Das Volk beſteht aus 4 Klaſſen. Zut erſtern gehoͤren die Brebern, die urſpruͤnglichen Einwohner; zur zweiten die alten Mobren, die mit den Sarazenen gekommen ſind und die wichtigſte Klaſſe ausmachen; zur dritten alte ruchloſe Fluchtlinge aus Spanien; und zur vierten — die Nachkommen der Suͤrken, welche der beruͤchtigte Seeraͤuber Barbaroſſa brachte, und andere, welche in ſwaͤteren Zeiten an dieſe Staͤdte ſich begeben haben. Derienige Theil jenſeits des Atlas iſt ein bren⸗ nendes Sandmeer, in welchem verſchiedene Berbern⸗ und Mohren⸗Staͤmtje mit ihren Heerden herumirren. 2) Nigritien, der eigentliche Wohnſitz der Schwarzen, liegt im Innern des Landes laͤngs des Niger, welchen die Europaͤer ſeit 200 Jahren Senegal nannten. Die Veranlaſſung hiezu ſoll fol⸗ gende geweſen ſeyn: als die Europaͤer zuerſt an die Muͤndung dieſes Fluſſes kamen und einige Schiffer nach deſſen Namen fragten, antwortete einer, welcher glaubte, man wolle ſeinen Namen wiſſen, Senegaz welchen die Europaer fuͤr ienen des Fluſſes hielten. Die Mohren nennen ihn in ihrer Sprache Hued Nigar, Schwarzen⸗Strom. 3) Guinea mit Nigritien ſchließt die fran⸗ zöſiſchen Beſitzungen in Afrika in ſich. Guinea erſtreckt ſich am atlandiſchen Meere vom Ausfluſſe des Senegal bis an das Vorgebirge Lopez. 40 Aegypten. Dieſes durch ſein hohes Alter, durch die Macht ſeiner Herrſchaft, durch Guͤte und Gelindigkeit ſeiner Regierung, durch die Wiſſenſchaf⸗ ten ſeiner Einwohner ſo beruͤhmte Land ſchmachtet mit ſeinen noch immer großen Truͤmmern unter dem tuͤrkiſchen Joche. Seine ungluͤcklichen und unwiſſen⸗ den Bewohner ſind der uͤbrigen Erde unbekannt. Von 6 — 9 Suͤd gegen Nord durchſtroͤmt es der Nil, deſſen periodiſche Ueberſchwemmungen dem Land Fruchtbar⸗ keit geben. Die Hauptſtadt iß Groß⸗Kairo nahe am Nil auf den Ruinen von Memphis und Ba⸗ bylon. Andere bekannte Staͤdte ſind: Alexan⸗ drien und Damiette; beide Haͤfen am mittellaͤn⸗ diſchen Meere. Mahumets Lehre iſt vorherrſchend; die daſelbſt wohnenden Chriſten heißen Kopten. 5) Nubien, jetzt in 2 Koͤnigreiche getheilt, deren Hauptſtaͤdte Sennar und Dongala an dem Nil erbaut ſind. Die chriſtliche Religion, welche lange Zeit in Nubien bluͤhte, wurde durch den Mahometismus verdraͤngt. 6) Habeſſinien, ehemals unter dem Na⸗ men Aetiopien bekannt, von welchem es den wich⸗ tigten Theil ausmacht, iſt ſehr umfaſſend; ſeine Einwohner ſind groß, ſark und ſehr ausgebildet; die meiſten ſind abtrünnige Chriſten. Aetiopien hat wenige Staͤdte, die Wohnungen und Kloͤſter liegen auf den haͤufigen Bergen und Huͤgeln zerſtreut. Die allzugroße Fruchtbarkeit des Bodens haͤlt die Ein⸗ wohner in Unthaͤtigkeit und Traͤgheit. Die ſuͤdlichen Provinzen werden oft von den menſchenfreſſenden Gallen verwuͤſtet. 7) Die Kuͤſten von Ajan machen den ößlichen Winkel von Afrika am Eingange in das rothe Meer. Unter den verſchiedenen Staaten iſt das Koͤnigreich Adel der wichtigſte. Es hoͤngt der Lehre Mahomets 10 an. Dieſe ſind im Allgemeinen die Theile Nonrd⸗ Afrikas. Der ſuͤdliche Theil Afrikas, das Nieder⸗ Aetiopien der Alten enthaͤlt die 3 großen Koͤnig⸗ reiche: Kongo, die Kuͤſten von Zanguebar und das Land der Kaffern, und begreift ſowohl die Kuͤſten, als die innern Gegenden des Feſtlandes. 1) Das maͤchtige, aber ungebildete Kongo liegt laͤngs der weſtlichen Kuͤſte Afrikas vom Kap Lopez bis an das ſchwarze Vorgebirge. Man kann es in die 4 Koͤnigreiche: Loango, gegen Norden von Kongo; das eigentliche Kongo, Angola und Berguela theilen. Der Kaiſer von Kongo reſi⸗ dirt zu San Salvador. Die Portugieſen brachten die Kongianer zum chriſtlichen Glauben, und haben einen Biſchof zu St. Thomas, welches gerade unter der Mittags⸗Linie liegt. Unter den Handels⸗„Niederlagen in dieſem Theile Afrikas ſind die von St. Paul de Leonda im Koͤnigreiche Angola, und von St. Phitipp in Benguela merkwuͤrdig, 20 Zanguebar, an der öſtlichen Kuͤſte Afri⸗ kas, mit mehreren kleinen Koͤnigreichen, in welchen die Portugieſen verſchiedene Handels⸗Piederlagen haben, Die wichtigſten ſind zu Mozambike, Qui⸗ loa, Mombaza und Sofola. Aus dieſen ziehen ſte eine außerordentliche Menge Gold und Elfenbein. 11 3) Das Land der Kaffern, welches in ſeinem ungeheuren umfange alles innere Land bis Nigri⸗ tien und das Vorsgebirge der guten Hoff⸗ uung in ſich ſchließt, wird von einer großen Menge, groͤßtentheils wilder, grauſamer und menſchenfreſſen⸗ den Voͤlker bewohnt, wie z. B. die in Makoko, Gingiro und Jager. Die Bewohner von Mo⸗ noemugi und Monomotapa, zweier maͤchtiger und goldreicher Laͤnder, ſind weniger wild. Die Kafern an den Kuͤſten ſind im hoͤchſten Grade ſchmu⸗ tzig, faul und dumm, und koͤnnen kaum einige artiku⸗ lirte Toͤne hervorbringen. Die Hollaͤnder hatten am Vorgebirge der guten Hoffnung eine bedeutende Niederlage; bier ſind die Eingebornen weniger wild. II. Die bewohnten Inſeln Afrikas finden ſich in dem großen Weltmeere und im indiſchen Meere. Zu den erſtern gehoͤren die azoriſchen Inſeln zwiſchen 38o und 400 noͤrdl. Br. und 3480 und 362 Laͤnge; ſie ſind ungefaͤhr 300 Meilen von den ſpaniſchen und 420 von den afrikaniſchen Kuͤſten entfernt. Dieſer Inſeln ſind neun: Derceira, St. Michael, Fayal, St. Maria, St. Georg, La Grazioſa, Pik, Flores und Korvo. Sie wurden 1449 von Gonzalvo Velho fuͤr den Koͤnig von Portugal entdeckt. Den Namen Azores erhiel⸗ ten ſie von den vielen Sperbern, welche man bei der erſten Niederlaſſung anttaf. —.— 12 1) Die Inſel Terceira, von 7 Meilen im Durchſchnitte und 12 Meilen im Umfange, iſt ſehr fruchtbar und bevoͤlkert. Ihre Hauptſtadt Agra, d. i. offener Hafen, iſt der Sitz eines Biſchofs, hat s Kirchſpiele, 4 Moͤnchs⸗und 4 Nonnenkloͤſter. Die Gerichtsbarkeit des Biſchofs erſtreckt ſich uͤber alle Inſeln, wie das ehemalige Tribunal der Inguiſition. Die Stadt iſt gut gebaut und hat gerade Straſſen. Der anſehnliche Flecken La Praya iſt 4 Meilen von Angra entfernt. Das Dorf St. Sebaſtian ſoll 20,000 Kommunikanten haben. Auf dieſer Inſel kann man vor Angra und Praya landen; ſie bringt viel Getraid und wenig Wein hervor, iſt aber ſehr reich an Hornvieh, Schafen, zahmen und wilden Gefluͤgel und allen Arten von Fruͤchten. 2) Die Inſel Fayal hat nur eine Stadt glei⸗ chen Namens mit 3 Kirchſpielen und 4 Kloͤſtern. Sie zaͤhlt im Ganzen s000 Kommunikanten, welche ein DOffizier(Capitaine major) regiert. Das Fort iſt mit⸗ telmaͤßig beſetzt. Der ſogenannte Fayal⸗Wein iſt nicht von dieſer Inſel; denn ſie erzeugt keinen; ſondern von der nur 4 Meilen entfernten Inſel Pik, auf welcher die Bewohner jener alle Landhaͤuſer haben. Dieſe Inſel hat trocknen Boden, iſt ſteinigt, und ſehr geſchickt zum Weinbaue. Sie hat eine Laͤnge von 12 Meilen von Oü gegen Weſt bei einer viel geringeren und ungleichen Breite. 3) Die Inſel St. Georg zwiſchen Fayal 13 und La Graeieuſe hat neberfluß an Wein und Vieh verſchiedener Art. 4) Die Inſel St. Michael, die oͤſtlichſte der Azoren, mit einem Umfange von 32 Meilen iſt von Terceira gegen Oſt⸗Nord⸗Dſt 28 Meilen entfernt. Punta Delgada, der beträchtlichſte Flecken dieſer Inſel, hat ein kleines mit Kanonen beſetztes Fort, aber ohne koͤnigliche Beſatzung. Sie hat in noch ver⸗ ſchiedenen Flecken 7— s000 Einwohner und iſt ſehr fruchtbar an Wein, Getraide und Flachs. s) La Graeieuſe, 15 Meilen noͤrdlich von Tereceira, von 10— 12 Meilen im Umfange, iſt ſehr bevoͤlkert und hat einen guten, fetten und wohlbe⸗ waͤſſerten Boden. Von ihrem reitzenden Anblick erhielt ſie ihren Namen. Bei einer ſehr geſunden Luft hat ſie Wein, Getraide, Gerſte, Flachs und Fruͤchte in großer Menge, welche ſie ausfuͤhrt. 6) Die Inſeln Flores und Korvo, die weſt⸗ lichſten unter den Azoren, ſind wenig bewohnt. Der Handel beſteht hier in Brenn⸗ und Bauholz, beſonders in Zedern von außerordentlicher Groͤße. Die Inſeln Madera und Porto Santo, noͤrdlich von den Kanariſchen gelegen, ſind unter 32 noördl. Br. und z6so der Laͤnge. Erſtere, die groͤßte unter den Inſeln des noͤrdlichen Afrikas, ſehr bevoͤlkert und gut bebaut, hat viele Flecken und Doͤrfer mit mehr als 25,000 Kommunikanten. Ihr herrlicher Wein wird in alle Theile der Erde verkauft. 14 Madera, wie das 7— 8 Meilen entfernte Porto Santo, gehoͤrt der Krone Portugal. Die 7 kanariſchen Eilande unter 300 Br. und 3600 L. gehoͤren den Spantern und ſind durch den franzoͤſt⸗ ſchen Edelmann Lancelot entdeckt worden. Sie beitßen Ferro, durch welche unſer erſter Meridian geht; Leneriffa, welche der erſte Meridian der Hollaͤnder durchſchneidet; Palma, Gomera, die große Kanarien⸗Inſel, welche allen uͤbrigen den Namen gab, Fortaventura und Lancelot. Alle bieten vorzuͤgliche Weine und Lebensmittel im Ueberfluſſe dar. Die 10 Inſeln des gruͤnen Vorgebirges: die Inſel des hl. Anton, St. Luecia, die Salz⸗ Inſel, St. Vincent, Buona Viſta, Feuer⸗ Juſel, Maya, St. Jago und Brava, liegen unter 40o noͤrdl. Br. und 30 L., wenn man von Ferro zu rechnen anfaͤngt. Obiges Vorgebirge iſt die weſtlichſte Spitze von Afrika. Von der Menge ſtets grüͤnender Baͤume auf dem Vorgebirge und dieſen Inſeln kommt die Benennung derſelben. Die Portn⸗ gieſen⸗ welche den Franzoſen folgten⸗ umſegelten es im J. 1440 zuerſt. Die erſte unter den afrikaniſchen Inſeln im indi⸗ ſchen Meere iſt Madagaskar, welche ſehr groß und von verſchiedenen Voͤlkern bewohnt iſt, die ihre eigenen Koͤnige, Sitten und Religion haben und friedlich leben. Die Inſel Bourbon geboͤrt Frankreich; die 15 von Komora haben einen eigenen Koͤnig. Wegen ihrer un bedeutendheit fuͤr den Handel ließ ſich keine Nation auf ihr nieder. Die uͤbrigen Inſeln ſind un⸗ bewohnt. III. Vergebens ſuchen ſich die Spanier und Por⸗ tugieſen die Entdeckung des franzoͤſiſchen Afrika ſreitig zu machen. Die franzoͤſiſchen Schiffer, beſon⸗ ders die von Dieppe, hatten die Kuͤſten Afrikas ſchon ein Jahrhundert vorher beſucht, ehe die Portu⸗ gieſen einmal daran dachten, ihr Vaterland zu ver⸗ laſſen, um neue Laͤnder zu entdecken. Es iſt bewieſen, daß jene gegen die Mitte des XIV. Jahrhunderts Niederlagen und einen regelmaͤßigen Handel zu Ru⸗ fiske, 2 Meilen von Gorea, hatten, und daß ſie vom FJ. 1264 ihren Handel bis uͤber den Fluß Sierra Lionna ausbreiteten. Dieſes bezeugen die Jabrbuͤ⸗ cher der Normandie. um in die Beſchreibung des franzoͤſiſchen Afrika eine genaue Ordnung zu bringen, will ich mit dem weſtlichen Theile der Inſel Arguin und dem Fort Portendik anfangen und mit dem oͤßli⸗ chen Theile aufhoͤren. 1) Die Inſel Arguin unter 200 zo0“ noͤrdl. Br. und 3600 L. gibt dem ganzen Meerbuſen, in deſſen Grunde ſie liegt, den Namen und iſt vom weißen Vorgebirge etwa 16— 18 Meilen entfernt. Sie iſt 1 ½ Meilen von Oſt gegen Weſt breit und faſt eben ſo weit vom Feülande A.frikas entfernt. Gegen 16 welche vielleicht eine Meile lang und 1/½ Meile breit ſind. kommen. In einem Kanale zwiſchen der Inſel und dem Feſtlande koͤnnen Fregatten von 20 Kanonen fah⸗ ren und unter dem Fort ankern. Es liegt auf der Spitze eines ſteilen Felſen, iſt vorne 400 Loiſen breit und hat Mauern, welche 4 Fuß dick und as hoch ſind, von Bachſteinen. Zwei Thuͤrme ſind durch eine Kur⸗ tine verbunden. Der uͤbrige Theil des Forts wird vom Meere beſpuͤlt, und iſt mit vielen Schießloͤchern durchbrochen. Die Bay Arguin erſtreckt ſich bis an das weiße Vorgebirge an der Weſkuͤſte Afrikas. Dieſes Kap endigt ſich in eine lange, niedrige, nackte, aller Kultur beraubte Erdſpitze. Die weiße Farbe des dur⸗ ren und verbrannten Bodens veranlaßte ſeine Benen⸗ nung. Das Vorgebirge Circe, bei der Mundung des Fluſſes St. Jean bildet die ſuͤdliche Grenze der Inſel. Beide Vorgebirge ſind ungefähr 40 Meilen von einander entfernt und werden durch eine Vank geſchloſſen, welche 26 Meilen in der Laͤnge und 3 in der Breite hat. Auf dieſer Bank iſ das Meer immer ſehr hoch und unruhig. Dieſer Meerbuſen iſt mit allen Arten von Fiſchen, beſonders mit großen, oft 200 Pf. ſchweren Stockfiſchen und ungehener groben Schildkroͤten geſoͤlt. Weſt ſind von Arguin? duͤrre, holzarme Inſeln, Mit Schaluppen kann man ͤberall an die Inſel 17 Im J. 1444 wurde Arguin von den Portu⸗ gieſen entdeckt und eine Feſtung auf derſelben wurde errichtet, deren Bau unter Johann I. 1482 vollen⸗ det wurde. Im F. a638 entriſſen die Hollaͤnder ſie den Portugieſen, wurden aber 1665 von den Eng⸗ ländern verjagt. Im folgenden Jahre kehrten jene zuruͤck und erzwangen von den Englaͤndern die Ruͤck⸗ gabe. Weil ſie aber den ganzen Handel der franzoͤſi⸗ ſchen Kompagnie vernichten wollten, nahm Frankreich 1678 das Fort weg, und blieb nach dem Nimweger Frieden im ruhigen Beſitze deſſelben. Spaͤtere Raͤnke und Hinterliſt vertrieben die Framzoſen gleichfalls mit Gewalt. 1724 nahmen ſie das Fort und die Inſel Arguin ein, und verjagten endlich die Hollaͤnder aus dem Fort Portendik. Dieſes Fort iſt ungefaͤhr 300 Ruthen von dem Mohren⸗Dopfe entfernt, welches an dem Meeres⸗ Geſtade, an einem ſumpfigen Grunde liegt und mit einer Kette von Anhöhen umgeben iſt, welche ihm die freie Luft und Ausſicht nehmen. Deſtlich von dem Fort iſt ein anderes Mohren⸗Dorf, welches mit erſterem soo Perſonen enthalten mag. Beide beſtehen aus elenden Hütten, welche aus Zweigen, Graͤſern und Erde zuſammen geſetzt ſind und ſo niedrige Ein⸗ gaͤnge haben, daß man faſt auf dem Bauche hinein⸗ kriechen muß. Die Bay Portendik, ungefaͤhr in der Mitte zwiſchen Arguin und dem Senegal unter 180 61 71. Vd. Afrika. III, r. 2 18 gördl. Br., hat 2 große Baͤnke vor ſich, welche aus Sand und mit dem Feſtlande zuſammenhängenden Felſen beſtehen, und nur mit 2 oder 3 Faden Waſſer kedeckt ſind. Die Spitzen dieſer Baͤnke haben zwiſchen ſch einen Kanal von so Ruthen, in welchem man ges ber nordlichen Seite s, an der ſuͤdlichen 7 1/2 Faden Waſſer antrifft. Bis 3 Meilen von Porten⸗ dük iſt die Kuͤſte zerriſſen und mit Erdſtuͤcken beſaͤet. Hier wird das Land und ufer jlaͤcher und bildet eine Bucht von niedrigem und ebenem Erdreiche, welche man Klein⸗Portendik nannte. Noͤrdlich von dieſer Bucht bildet eine große An⸗ zahl kleiner Erhoͤhungen des Ufers die ſuͤdliche Spitze nan Groß⸗Portendik. Um dahin zu kommen, muß man 3 Meilen nord⸗nordweſtlich ſegeln. Nord⸗ waͤrts von den Erhoͤhungen des ufers entdeckt man niedriges Land, etwa 3 Meilen lang, in deſſen Mitte 2 Baͤume in gleichen Entfernungen von einander und nach einen andern allein neben 2 großen Huͤgeln, wie Schiffsſegel ausſehen. 2) Da der große Gummi⸗Handel eheeit zu Prguin und Portendik getrieben wurde, ſehe Sh mich veranlaßt, die Beſchreibung deſſelben gleich ſolgen zu laſſen. Der Baum, welcher in Afrika⸗ wie in Arabien es hervorbringt, iſt eine Art Aka⸗ aien ⸗„Baum; ein kleines, dorniges, ſtrauchigtes Baͤumchen mit maͤßigen Blaͤttern, welche ſchmal, nauh und allzeit gruͤnend ind. Exr trägt kleine weite 19 Blumen, welche auss Blaͤttern beſtehen, die einen mit Staubfaͤden von derſelben Farbe angefullten Kelch bilden; Zaſern, welche einen Staubweg umgeben, der ſich in eine 3— 4 Zoll lange Schotte verwandelt. Dieſe iſt mit harten ſchwaͤrzlichen Koͤrnern gefüllt, die denſelben wieder erzeugen. Zwiſchen dem noͤrdlichen ufer des Niger und dem Fort Arguin liegen 3 große Waͤlder, welche nur aus ſolchen Gummi⸗Baͤumen beßtehen. Der erſte iſt der Wald Sahelz der andere, der wichtigſte, heißt Lebiar und der dritte Afarak. Sie ſind ungefaͤhr 10 Meilen von einander entfernt. Jaͤhrlich werden 2 Gummi⸗Aernten gehalten: die erſte und reichſte im December, die zweite im Maͤrz. Das Gummi der erſten Aernte hat die groͤßten, trocknenſten und reinſten Koͤrner. Man faͤngt ſogleich nach der Regenzeit an, wenn die Feuchtigkeit des Bodens einen reicheren Saft in die Baͤume getrieben hat, welche die Hitze der Sonne gehoͤrig gekocht und reif gemacht bat, ohne ihn auszutrocknen. Anders iſt es bei dem zweiten Sammeln des Gummi, welches nur die bren⸗ nende Hitze allein empfunden hat. Es wird daher nur durch Einſchnitte in die Baͤume gewonnen, durch welche man den zuruͤckgebliebenen Saſt herauszutreten zwingt. Die drei Mohren⸗Staͤmme Terarza, Aula⸗ delbagi und Bragena beſchäftigen ſich mit dem Summi⸗Sammeln. Das Gummi wird nach einem Maaße Ouintal genannt, verkauft; es enthaͤlt 700 franz. Pfunde. Die Vorſteher dieſer Staͤmme ſind Marabus(Prediger und Lehrer des mahometani⸗ ſchen Geſetzes), bei weichen man im näheren Umgange Heuchelei, Grauſamkeit, Aberglauben und Unwiſſen⸗ heit bemerkt. Durch chr aͤußeres Betragen ſuchen ſie das Publikum zu hintergehen; ſie ſind die Phariſaͤer der mahumetaniſchen Religion. Dieſe Mohren koͤnnen faſt alle leſen oder ſchreiben und haben offentliche Schulen, in welchen die Kinder die arabiſche Sprache leſen und ſchreiben lernen. Dieſe beſuchen ihre Lehrer nur Nachts, oder einige Stunden vor Tagesanbruche. Ihre Lektionen ſind auf kleine, weiße Holitafeln ge⸗ ſchrieben, wenn ſie dieſe leſen konnen, ſo lernen ſie dieſelbe mit vollem Geſchreie auswendig. Diejenigen, welche auf dieſe Art den ganzen Koran geleſen haben, werden Doktoren und lernen dann auch die arabiſche Sprache ſchreiben. 3) Der Niger oder Senegal iſt der betraͤcht⸗ lichſte Fluß in Afrika. Von ſeinem urſprunge im See Burnn unter 42* L. hat er bis an ſeine Ergie⸗ ßung in den Diean⸗ nordlich vom gruͤnen Vorgebirge⸗ 830 Meilen von Oſt gegen Weſt zu durchlaufen. Er ſließt faſt beſtändig von Oſt gegen Weſt, vom See Burnu bis auf eine Entfernung von2 1/2 Meilen vom weſtlichen Dzean; dann macht er eine Wendung und dreht ſich ploͤtzlich gegen Süd. Waͤhrend dieſes Laufes iſt er von dem Weltmeere blos durch einen 2¹1 natuͤrlichen Damm getrennt, welcher an manchen Orten nur 200 Ruthen, an andern 1—2 Meilen breit iſt. Nach einem Laufe von 26 Meilen von Nord ge⸗ gen Suͤd oͤfnet er ſich einen Ausgang in das Meer unter einer Breite von 250 63“. Dieſe Muͤndung, oft 1/2 Meile breit, wird durch einen Sund⸗Damm (Barre genannt), verſchloſſen, welcher wegen des ſeichten Waſſers die Fahrt gefaͤhrlich macht. Die Deffnungen, die der Fluß durch dieſen Damm bricht, ſind nicht immer an derſelben Stelle. Die Inſel Senegal mit dem Fort St. Louis, unterm 160 s“ nordl. Br. in der Mitte des Niger oder Senegal, iſt oft 4 Meilen, zuweilen nur 2 von der Barre entfernt. Jene iſt nur 4163 Ruthen von Nord gegen Suͤd lang, und nur oo breit, an dem Drte, wo das Fort St. Louis ſteht, 130. Der Arm des& ſes zu ihrer Rechten iſt zso, und der weſtliche 210 Ruthen breit. Es fehlt ihr an ſuͤßem Waſſer. Der ſchoͤne Fluß Senegal iſt von einer anſehn⸗ lichen Breite, und 18— 25 Fuß tief. Sein Waſſer iſt herrlich, und ſein Lauf ſo angenehm und gleich, als ſeine Einfahrt ſchwer und gefaͤhrlich. Das Erdreich, welches ihn zur Linken vom Meere abſondert, iſt eine Spitze beweglichen, trocknen und feinen Sandes, welche man Spitze der Berberei nennt. Sie iſt ſlach, duͤrre, unbebaut, und in einiger Entfernung von der Barre nicht mehr als 100 Ruthen breit. Die⸗ ſer Damm eweſtert ſich nachher bis zu 2 1/2 M., und leitet den Fluß in gleicher Richtung mit dem Meere 23 Meilen gegen Nord hinauf. Die rechte Seite des Fluſſes iſt, wenn man uͤber die Varre wes iſt, un⸗ gleich ſchoͤner, als die Spitze der Berberei: man nennt ſie Guinea. Das Land iſt eben, mit Graͤſern, Kraͤutern und mehreren Baum⸗Arten von außeror⸗ dentlicher Groͤße und Hoͤhe verſehen, welche mit Ko⸗ kos⸗ und Palm⸗Baͤumen vermiſcht ſind, und das ganze Land dem Auge ſehr angenehm machen. Dieſes ufer macht einen Theil des Koͤnigreichs Kajor aus, welches ſich an der Spitze der Inſel Bifeche, unge⸗ faͤhr 6 Meilen von der Barte, und 2 Meilen von der Inſel St. Louis endigt. Fenſeits der Inſel Bifeche, welche 2 Meilen boher, als St. Lvuis liegt, und auf der rechten Seite des Fluſſes faͤngt das Koͤnigreich Hovo an; auf der Linken aber geht es von der Barre den uͤber dem See Hajor hinauf. Dieſes ganze Land war ehemals unter dem Namen Königreich der Jalo⸗ fen bekannt, welches der gemeinſchaftliche Namen aller Voͤlker iſt, die ſich von den Gegenden, wo ſie ſich aufhalten, benennen. Das Koͤnigreich Hoval erſtreckt ſich ungefaͤhr 46 Meilen von Oſt gegen Weſt; ſeine Breite gegen Nord ſo groß. Der Re⸗ gent nennt ſich Brak, d. j. Kaiſer aller Kö⸗ nige. Viel weiter breitet ſb dieſes Koͤnigreich gegen Suͤd aus. Das Foͤnigreich Fulen liegt Hoval gegen Dſt, 23 und iſt weit betraͤchtlicher als dieſes. Es faͤngt vei dem See Kajor an, und ſteigt laͤngs des Fluſſes bis an das Dorf Embakang hinauf, welches eine St ecke zu 196 Meilen von Dſt gegen Weſt ausmacht. Der großte Theil deſſelben liegt an der Suͤdſeite des Fluſ⸗ ſes. Das Land iſt ſehr bevoͤlkert, und das Erdreich von vorzuglicher Guͤte; es bringt eine Menge koſtbaren Holzes, Baumwolle und Indigo von der aͤußerſten Guͤte hervor. Seine Bewohner ſind faul. Die Laͤnder vom Dorfe Embakang bis an den Felſen Felu, und noch weiter hinauf machen einen cheil des Koͤnigreiches Galam aus. Von Emba⸗ kang bis an dieſen Felſen rechnet man 40 Meilen, und beinahe eben ſo viele von dieſem bis zum andern Waſſerfalle Guina, welcher noch hoͤher und ſeiler als der erſte iſt. Im Jahre 718 maß man von der Muͤndung des Niger bis an den Felſen Felu 287 M. die uͤbrigen 4 Meilen von Felu bis Guina beſtimmte man durch Schaͤtzung. Felu bildet einen Waſſerfall, wo der Fluß mehr als 3o Ellen in einer faſt ſenkrech⸗ ten Linie herabſtuͤrzt. Ehe der Strom an dieſe zwi⸗ ſchen 2 ſehr hohen Berge eingeſchloſſene Stelle kommt⸗ fließt er 4 oder 5 Meilen zwiſchen 2 Felſen, welche einen Theil eines Gebirges auszumachen ſcheinen, und ergießt ſein Waſſer in 100 verſchiedene Kanaͤle, die ihn einzwaͤngen, ſeinen Lauf ſehr ſchnell, und ihn felbt unſchiffbar machen. Die wahre Quelle des Niget ſoll der See Ma⸗ beria ſeyn; der Niger ſelbſt ſoll ſich in 2 Arme theilen, deren ſuͤdlich laufender Gambea, oder Gambia genannt wird. Dieſer ſcheint ſich in einem moraſtigen, durch Gras und Rohr ganz undurchdring⸗ lichen See nach einem langen Laufe zu verlieren; kommt aber in der Geſtalt eines ſchoͤnen und tiefen Fluſſes bei dem Dorfe Barakonda wieder. Man verſichert ferner, daß der Niger, in einiger Entfer⸗ nung von Barakota, ſich wieder in 2 Aeſte tbeile, deren ſuͤdweſtlicher das goldreiche Koͤnigreich Bam⸗ buk durchfließt. Er heißt Fluß Falemes, und hat fruchtbare und mit Doͤrfern verſehene Ufer. Oberhalb Guͤjon im KFoͤnigreiche Galam faͤllt er wieder in den Niger. Endlich gibt man noch als ganz gewiß vor, daß der Niger nochmals ſich in 2 Arme theile⸗ welche die betraͤchtliche Inſel Baba Degu bilden ſollen. Der linke heißt der Schwarze, der rechte aber der Weiße. Zwanzig Meilen oberhalb des Waſ⸗ ſerfalls Guina vereinigen ſie ſich wieder zu Kaſſu⸗ und machen alsdann ferner den Niger aus. Gegen Oſt vom See Maberia befindet ſich das Koͤnigreich Guinbala, in welchem der Guien jfließt, welcher auch durch das ſehr Gold-, Selaven⸗ und Elfenbeinreiche Koͤnigreich Tombuͤt ſtroͤmt. Der Niger traͤgt zu allen Zeiten Barken von 40— 60 Tonnen, von ſeinem Ausfluſſe bis Dongel, welches 140 Meilen von der See entfernt iſt. Hier laͤuft eine Felſenbank durch die Mitte des Fluſſes, . 25 äber welche nur Kanves fortkommen koͤnnen. Noch fin⸗ den ſich Sandbaͤnke zu Abdala und Santavis. Der Niger bildet 2 große Seen, deren erſterer Pa⸗ nier⸗Fule an der rechten Seite des Fluſſes, 37 M⸗ von der Barre liegt, und deſſen Einfahrt ein Arm des Fluſſes iſt, welcher Portugaiſe heißt. Dieſer von der Natur gemachte Kanal verbindet den See und den Fluß mit einander, und iſt s—6 Meilen lang. Der See hat eine ovale Geſtalt, und iſt von Nord gegen Suͤds Meilen lang, aber von Oſt nach Weſt nur 3 Breit. Der zweite, der See Kajor, an der linken Seite des Fluſſes iſt so Meilen von der Barre entferut. Obwohl er beträchtlicher iſt als der erſte, ſo wird er doch wenig beſucht. Die Ufer dieſer Seen bewohnen Mohren. Der Kajor ſcheidet das Reich des Brak vom Reiche der Fulen Die vornehmſten Inſeln, welche der Niger nebſt St. Louis bildet, ſiud: Bifeche, Bottaar und Palmier im Lande Oval; Bilbas, Sadel und die Elfenbein⸗Inſel im Lande der Fulenz Kagneux jenſeits des Felſen Felu, und Lanton im Koͤnigreiche Galam. Die Inſel Vifeche iſt ungefaͤhr 20 Meilen lang und s breit. Die Ueberſchwemmungen des Niger machen den Boden ſehr fruchtbar. Ihre ſuͤdliche Spitze iſt von St. Louis nur 11/2 M. entfernt. Bottaar iſt von der nordlichen Spitze der Inſel St. Louis entfernt, 3 /2 M. lang und 3/4 breit. „ 26 Palmier(Palmen⸗Inſel) liegt o Meilen von St. Louis, hat nur 2 Meilen in der Laͤnge, und /½2 in der Breite. Sie werden von Negern bewohnt. Das Koͤnigreich der Fulen hat die 2 betrachtli⸗ chen Inſel: Bilbas und die ESlfenbein⸗Inſel. Letztere iſt so M. lang und s, 10 wohl auch s Meilen breit. Ein Kanal, welcher denjenigen Arm des Ni⸗ ger, der ſte an der Nordſeite umfaßt, mit dem an⸗ dern ſuͤdlichen vereinigt, zerſchneidet ſie faſt in 2 gleiche Huͤlften. Wegen des bedeutenden Elfenbein⸗Handels erhielt ſte von den Franzoſen dieſen Namen. Die Inſel Bilbas wird von dieſer durch einen Kanal getrennt, welcher Hie beiden Stroͤme, durch welche ſie gebildet wird, vereinigt. Sie iſt 30 Meilen lung, und 3—6 breit. Man treibt auf ihr einen groſ⸗ ſen Handel mit Gold, Elfenbein und Baumwolle.]⸗ Vier Meilen von Bilbas oͤßtlicher Spitze iſt die kleine Inſel Sadel, nur a0o Ruthen lang, und 100 breit. Ihre Luft iſt eben ſo geſund, als ihr Waſſer vottrefflich. a701 brachte die Franzoͤſiſche Kom⸗ vagnie diefelbe durch Kauf an ſich. Die Behauptung vieler Schriftſteller, der Niger trenne die Mohren von den Negern ſo genau, daß dus noͤrdliche Ufer des Fluſſes nur allein von erſtern bewohnt werde, wird dadurch widerlegt, daß ſehr viele Neger an der Nordſeite des Fluſſes, und ſelbſt ziem⸗ lich tief in das Land wohnen, von welchem man glaubt, daß es allein den Mohren gehoͤre. So finden W. ſich viele Negern„Doͤrfer am See Kajor, und der wichtigſte Theil des Koͤnigreichs des Brat liegt noͤrdlich vom Senegal. Das Koͤnigreich Galam breitet ſich an beiden Seiten des Fluſſes aus. Dieſer Irrthum der Geographen kommt von falſchen Nach⸗ richten und davon her, daß ſie das Land nicht aus eigenen Beobachtungen kannten. Die Inſel Kagneux nur 4 Meilen von Felu, bat 2 M. in der Laͤnge, und ½ in der Breite. Sie iſt ganz mit Baͤumen beſetzt, und wird von 4— 6 000 bewobnt, welche alle Marabus oder Kaufleute ind. Das Roͤnigreich Kaßſu findet ſich zwiſchen den Felſen Guina und Felu, und iſt von beiden 20 Meilen entfernt. Es liegt auf einer Halbinſel, welche 2 Fluͤſſe bilden, und nach einem kaufe von 60 Meilen einen anſehnlichen See machen, der ſich in einen Strom ergießt, welchen der Niger bei Guſjorel auf⸗ nimmt. Das Koͤnigreich Galam liegt gegen Dſt, und faͤngt 240 Meilen von der Barre des Senegal an; es iſt von Weſt gegen Oſt 46 Meilen lang, und endigt ſich bei dem Felſen Felu. Seine Grenzen ſind gegen Nord und Nord⸗Weſt durch weitlaͤufige Laͤnder, in welchen wandernde Mohren herumziehen und einige feſte Neger⸗Doͤrfer; segen Oſt und Nord⸗Bſt das Koͤnigreich Fafſu, und gegen Suͤd das Land Go⸗ dova und Giaba. Es iſt ſehr bevoͤlkert, gut bebaut, und treibt einen großen Handel mit allen benachbarten Laͤndern, welche ſehr viele Gold⸗Minen haben. Das Koͤnigreich Bambaras liegt zwiſchen Kaſſu und Tombüt; Kaſſu handelt nicht nur mit Bamba⸗ ras und Tombuͤt, ſondern auch mit Bambak und Galam. Laͤngs des Niger bis Felu ſind mehrere, blos von Marabus bewohnte Doͤrfer. Tiefer in das Land iſt die aus Steinen gebaute, und mit Ziegeln ge⸗ deckte Stadt Konjur. Sie iſt die Hauptſtadt der Ma⸗ rabus und ihrer Republik. Von Suͤd fallen mehrere kleine Stroͤme in den Niger. Der groͤßte von ihnen, Guianu, von Suͤd⸗ Weſi kommend, traͤgt Kanoes. Zwiſchen Dramanet wo die Franzoſen ehemals ein Komptvir hatten, und Felu kommen 2 Fluͤſſe von Nord, und vereinigen ſich mit dem Niger. Das Konigreich Tombuͤt liegt nicht am Ni ger, ſondern tiefer in das Land hinein. Nach der Ausſage Mandingiſcher Neger in Galam braucht man vom Niger,d. h. vom Kaignu, dem letzten Dotfe, wo der Fluß ſchiffbar iſt, 32 volle Tag⸗ reiſen in das reiche Tombuͤt, wohin aus allen Ge⸗ genden Afrika's Handel getrieben wird. Außer dem Lande Jaga, aus welchem die mei⸗ ſten in Galam wohnenden Mandingiſchen Kaufleute abſtammen, gibt es noch ein anſehnliches Koͤnigreich Mandinge, von welchem ſie den Namen erhalten 2* haben. Es iſt ſuͤdlich von Bambuk, und ſehr bevoͤl⸗ kert, weil die Einwohner nicht einander, wie in dem uͤbrigen Nigritten, als Sklaven verkaufen.. Die Ueberſchwemmungen des Niger entſtehen aus dem Regen in den Monaten Juni, Juli, Auguſt und September. Der Weg von Senegal zu dem ſogenannten Bruͤſten, welche von Goree nur 4 Meilen entfernt ſind, geht W. S. W. Die Mitte der letzte Bruſt findet ſich unter in 140 46“ noͤrdl. Breite. Sie liegen ſuͤdoſtlich von einander. Von da ſegelt man zum gruͤ⸗ nen Vorgebirge, bei welchem die ſtets gruͤnende Magdalenen⸗Inſel nahe liegt; man laͤßt ſie links liegen, faͤhrt bei dem Kap Manuel in der Entfer⸗ nung einer Meile vorbei, und ſieht, wenn man dieſes hinter ſich hat, die Inſel Goree. Man rechnet vom Ausfluſſe des Senegal bis an dieſe Inſel 30 Meilen in gerader Linie. 4) Das gruͤne Vorgebirge, bei welchem der Kreis Goree beginnt, iſt die weſtliche Spitze Afri⸗ ka's. Es liegt unter dem 44 62“ noͤrdl. Br. und 3 noͤrdl. Laͤnge. Die 6 Meilen von demſelben entfernte Inſel Goree iſt nur 423 Ruthen lang, und 120 breit, und liegt unter 14 46“ noͤrdl. Br. und eine kleine Meile vom Feſtlande. Sje iſt ganz mit Felſen umgeben, und durchaus unzugaͤnglich, eine Vucht ausgenommen, die 430 Ruth. breit, 70 tief und zwiſchen 2 Spitzen,(der Kirchhof⸗ und Nordſpitze,) eingeſchloſſen iſt. Ihre Rhede „ 39 iſt ſicher, und ſo gut als der beſte Hafen. Dieſer Platz wird durch das Fort St. Michael auf einem ſeilen, von Oſt, Säd und Weſt umugaͤnglichen Felſen vertheidigt; gegen Nord liegt Goree am Fuße des Forts, weiter unten das Fort St. Frangois, und das Gouvernement. Es kann nur durch Hunger, Ueber⸗ rumpelung oder ploͤtzliche Landung genommen werden. Die Englaͤnder hatten es bis zum Frieden vom Jahre 1762, in welchem es der Koͤnig von Frankreich wieder erhielt. a63 erhielt ich vom Hofe den Auftrag, der dortigen Kolonie geiſtige Huͤlfe und Nahrung zu brin⸗ gen. Wir langten am 14. September mit dem Gou⸗ verneur und den Truppen an, welche die Englaͤnder abloͤſen, und zur Beſatzung bleiben ſollten. Wir fan⸗ den die Inſel verwuͤſtet, die Feſtungswerke im ſchlech⸗ ten Zuſtande, die Wohnungen durch Feuer zerſtoͤrt, und die Kirche in ein Magazin verwandelt. Bei un⸗ ſerer Ankunft brachen die Einwohner in die lebhafte⸗ üen Freuden⸗Bezeugungen aus. Die Luft auf der Inſel Goree iſt die geſundeſte in Afrika, weil die Hitze durch kuͤhlende Oßt⸗ und Weſtwinde gemaͤßige wird. Von der troknen bis zur naſſen Jahreszeit, vom November bis zum Juni oder Anfange des Juli iſt die Luft rein; in den 4 folgenden Monaten fallen alle Tage Regen; Windſtoͤße, Gewitter und Stuͤrme ſind ſehr heſtig, und die Inſel iſt bald uͤberſchwemmt. Die Inſel Goree iſ ein nakter Fels, und bringt nichts hervor; ſie hat aber das Recht mit den Koͤnig⸗ 31 reichen an der Kuͤſte frei zu handeln. Dieſe ſind: die Koͤnigreiche des Damel, Baol, Sin, DThin, Salum, Bar, und der Fluß Gambia bis an Al⸗ freda, dem Fort James gegenuͤber, welches die Englaͤnder in der Mitte dieſes Fluſſes beſitzen. In allen dieſen Laͤndern beſitzt Frankreich das ausſchlieſ⸗ ſende Recht zu handeln. Der Handel aber zwiſchen dem Gam bia und der Sierra Liona begruͤndet ſich blos auf den Beſitz mehrerer Jahrhunderte, und uf die vorzuͤgliche Liebe dieſer verſchiedenen Voͤlker zu den Franzoſen. Weil Frankreich die ganze Kuͤſte dieſer s Ko⸗ nigreiche beſitzt, welche so Meilen lang iſt und 6 M. in das Land geht; ſo will ich jedes Koͤnigreich beſonders beſchreiben und ſtets ihrer Lage an den Kuͤſten folgen. a) Das Koͤnigreich des Damel, mit welchem das Reich Kajor vereinigt iſt, hat ſeine Benennung von dem Namen ſeines Fuͤrſten. Dieß Koͤnigreich, welches gegen Nord bis an die Inſel Vifeſche und gegen Suͤd und Dſt bis an das Koͤnigreich Baol geht, iſt 35—36 Meilen in gerader Linie lang. Es iß nur eine kleine Meile von Goree entfernt, unbe⸗ traͤchtlich wegen ſeines Handels, aber ſehr nuͤtzlich zur Unterhaltung der Kolonie. Wenn der Koͤnig mit ſei⸗ uen Nachbaren Krieg fuͤhrt, ſo liefert er die beſten und ſchoͤnſten Sklaven aus Afrika. Die Freiheits⸗ Liebe ſeiner Unterthanen erzeugt oft im eigenen Lande Krieg. Im J. 1763 verkaufte er an Frankreich die Erdſpitzen Dakar und Ben, auf welchen man nicht nur Feſtungswerke anlegen, ſondern auch gutes Quelwaſſer, Bau⸗ und Brennholz haben kann. Au⸗ ßerdem haben die Franzoſen noch ein Komptoir mit Reſidenten im Dorfe Ruͤfiske, gleichfalls im Be⸗ zirke des Damel. Dieſes Koͤnigreich hat einen be⸗ traͤchtlichen umfang wegen ſeiner Buchten, Bayen und uferkruͤmmungen und geht faſt 8o Meilen in das Land. Wenn man quer das Koͤnigreich durchreist, ſo kommt man nach 40 Meilen zu Lande an den Senegal. b) Das Koͤnigreich Baol, oͤßlich von Goree, faͤngt bei dem kleinen Strome Brigny an und hoͤrt am Fluſſe Serene auf. Die Franzoſen haben im Dorfe Portudal an der Seekuͤſte eine anſehnliche Faktorei. Butter und Hirſe ſind da ſo wohlfeil, daß man ſie faſt für nichts haͤlt. e) Die Koͤnigreiche Thin, Sin und Barbe⸗ ſin fangen bei der Spitze Serene an und enden bei dem Fluſſe Bruſſalum. Sie ſind 20 Meilen oͤſtlich von Goree entfernt, erſtrecken ſich nur 12 Meilen auf der Kuͤſte und geben der Kolonie Ochſen und Reis im Ueberfluſſe. Im Dorfe Jval iſt ein franzoſiſches Komptoir. Die meiſten Einwohner ſind katholiſch. Waͤhrend meiner Miſſivn im J. 1764 taufte ich uͤber 300 Perſonen von allen Altern und bekehrte mehrere Mahometaner zum chriſtlichen Glauben. d) Das Koͤnigreich Saluͤm oder Bruͤſalüͤm liegt am Fluſſe gleichen Namens, deſſen Muͤndung 24 33 Meilen von Gpree entſernt iſt. Der Koͤnig von Saläm beſindet ſich wegen dieſes Fluſſes in der beß⸗ ten Lage fuͤr den Handel und iſt zugleich der reichſte und machtigſte. Sein Fluß oͤffnet ihm einen leichten Wes zu den nahen Goldminen. Er kann alle Jahre 800 Sklaven liefern, ohne die uͤbrigen Zweige des Handels in Gold, Wachs und Gummi zu rechnen, welchen letzteren Handel man durch den Verluſt vom Senegal und durch die Verlaſſung der Komptoirs zu Arguin und Portendit verloren hat. 3) Das Koͤnigreich Bar, aufangend bei dem Fluſſe Betonde und aufhoͤrend mit dem Strome Guignack, liegt zwiſchen dem Koͤnigreiche Saluͤm und Gambia, 35— 36 Meilen von Goree. Der Koͤnin von Bar iſt Herr des Fluſſes Gambia, welcher die Schiffe 460 Meilen in das Innere von Afrika traͤgt. An ſeinen Ufern beſitzen die Franzoſen ihre wichtigſten Komptoirs, naͤmlich eine zu Alf reda, einem Dorfe des Königreichs Bar, welchem gegen⸗ uͤber in der Mitte des Stromes die Englaͤnder das Fort Jaegues haben. Dieſes hindert mehr durch Gewalt als Recht die Franzoſen, den Fluß hinauf zu fahren und zu handeln. In dieſem Reiche iſt das Chriſtenthum ſchon ſeit mehreren Jahrhunderten auf das feſteſte gegruͤndet. Man findet noch jetzt: Dörfer, deren Bewohner faſt alle Chriſten ſind und Portu ⸗ gieſen heißen, weil ſie von portugieſiſchen Prieſtern in der chriſtlichen Religion unterrichtet wurden. Wekl 7*, Vd. Afrika. III,. 3 34 dieſe nun ſeit 20 Jahren keinen Prieſter mehr hatten, ſo erfreuten ſie ſich uͤber meine Ankunft gar ſehr. Ich verrichtete den Gottesdienſt, taufte viele und bekehrte auch mehrere Mahometaner. Bei meinem Unterrichte leiſteten mir einige alte Neser, die franzoͤſiſch verſtan⸗ den, welches ſie zur Zeit der Senegal⸗Kompagnie gelernt hatten, treffliche Dienſte. Ich vertheilte unter ſie Katechismen. Das Komptoir zu Albreda iſt mit Graͤben und verflochtenen Palliſaden befeſtigt, welche 9— 10 Schuhe hoch ſind. Es iſt bettaͤchtlich wegen des Negerhandels, welcher allemal mit der Menge von Waaren des Vor⸗ rathshauſes im Verhaͤltniſſe teht. Außer dieſem gro⸗ ßen Sklavenhandel kauft die Faktorei zu Albreda das ganze Ja r durch die gefangenen Feinde von den Koͤnigen der beiden Ufer des Gambia und von andern henachbarten Fürſten; ferner Elfenbein und Wachs. 4) Der Gambia, ein Arm des Niger, entſteht bei dem Dorfe Barakota, wo der Niger ſich in 2 Arme theilt, deſſen ſuͤdlicher Gambia beißt. Nach einem langen Laufe ſcheint er ſich in einem See zu verlieren, aus welchem er in der Geſtalt eines ſchoͤnen und tieſen Fluſſes wieder erſcheint. Er ergießt ſich in das Meer zwiſchen dem Kap St. Ma⸗ ria gegen Cuͤd und der kleinen Vogel⸗Inſel gegen Nord. Zwiſchen beiden iſt ſeine Muͤndung, deren Mitte unter 13* 20 nordl. S. liegt, ungefaͤh 6 Meilen breit. 35 Die kleine Vogel⸗Inſel von Goree in ge⸗ rader Linie 31 Meilen entfernt, wird von einer großen Sandbank umgeben, welche ſich bis an den Fluß Saluͤm erſtreckt, deren ſuͤdliche Spitze faſt 2 Meilen in das Meer geht und rothe Bant genannt wird. Gegen Suͤd, der Spitze Bagnon gegenuͤber, geht eine andere Bank bis an die Vogel⸗Inſel. Man heißt ſie ihrer Geſtalt wegen Ferſe von Bagnon(Tabon de Bagnon). Die Entfernung zwiſchen dieſen beiden Baͤnken, der Ferſe und Spitze Bagnon bildet 2 Einfahrten. Die eine, die Kleine genannt, iſt nur allein fur Barken; die Große hingegen fuͤr Schiffe aller Art tauglich. Die beiden Seiten der Muͤndung ſind mit vielen Baͤnken und Felſen beſetzt, welche tief in den Fluß gehen. Die Kauves der Neger und ſelbſt Scha⸗ luppen fahren waͤhrend der ordentlichen Fluth uͤber dieſe Baͤnke und Felſen. 2 1/2 Meilen von der Mundung des Gambin noͤrdlich, liegt das Dorf Barre, der gewoͤhnliche Wohnſitz des Koͤnigs dieſes Namens. Bei deſſen Be⸗ ſuche muß man in der Mitte des Fluſſes ankern und in einem Boote an das Ufer fahren. Das Dorf liegt in der Mitte des Gehoͤlzes, 3/4 Meilen vom Fluſſe entfernt. Man erkennt es an? uͤber alle hervorragenden Baͤumen. Von der Vogel⸗Inſel bis an das Hunds⸗ Eiland ſind 10 z von letzterer bis an die Erdſpitze Lzmaiz, von ha nach Albreda wieder 2 und ————— ——— 2 36 von Albreda nach Gilfai, welches dem engliſchen Fort gegenuͤber liegt, ½ Meile. Bei der Einfahrt in den Fluß iſt links ein Haufe Bäume, in deren Mitte einer alle andern überragt, und das Zelt des Koͤnigs von Barre genannt wird. Bei ihrem Vorbeifahren begruͤßen es die Eng⸗ laͤnder mit Kanonenſchuͤßen. Wuͤrden ſie dieſe Zere⸗ monie unterlaſſen, ſo wuͤrde auch dieſer Koͤnig ihnen den Handel verbieten. Seine Laͤnder ſind an der nordlichen Seite des Gambia von Weſt gegen Oſt nur s Meilen lang; und ſind zwiſchen dieſem und dem Fluſſe Guinak immer eingeſchloſſen. Der Guinak iſt ein Arm des Saluͤm. Sie erſtrecken ſich oͤber 60 Meilen in Afrika. Bei Albreda und noch so Meilen hoͤher, iſt der Gambig ſehr breit; ſeine Breite wird auf mehr als ½ Meile angegeben; wegen ſeiner Liefe iſt er 280 Meilen von ſeiner Muͤndung an ſchiffbar. Ein Schiff von 40 Kanonen und 300 Tonnen kann bis an das so Meilen entfernte Guiachor kommen, und eines von 250 Tonnen bis nach Barakonda ſegeln; es liegt 260 Meilen von der See. Man kann ihn in der trocknen Jahteszeit vom December bis an den Junins oder Julius befahren; allein in der uͤbrigen Jahreszeit iſt dieſes wegen den großen neberſchwemmungen und ſeines reißenden Laufes nicht moͤglich. Die beiden Ufer dieſes Fluſſes werden von ver⸗ ſchiedenen Koͤnigen bebenſcht, deren Laͤnder in Ruͤch⸗ 37 ſicht auf die Theile ihres ufers, die ihnen zugehoͤren, ſehr eingeſchraͤnkt ſind. Ich will nur jene beruͤhren, welche vom Koͤnigreiche Barre bis 280 Meilen den Fluß hinauf gegen Dſt liegen. Das Reich Barre am noͤrdlichen ufer iſt laͤngs des Fluſſes 18 Meilen lang; das folgende Guiakonda nur s; Badiſſu 20; Salüm, welches die 3 erſten gegen Nord und Weſt umgibt und einſchließt 2; Guiana ebenſovielz Kouhau 4; Guiani zo; und ubi, welches zwiſchen Barakonda und der Felſenbank aufhoͤrt, 90 Meilen in gerader Linie. Rechnet man noch 74 Meilen wegen der betrachtlichen Kruͤmmungen des Fluſſes, ſo erhaͤlt man 280 Meilen. Das ſuͤdliche ufer des Fluſſes iſt gleichfalls in 3 Koͤnigreiche vertheilt, unter denen Kombo an der Spitze St. Maria anfaͤngt, bei dem Fluſſe Kombe aufhoͤrt und von dieſem nur 10 Meilen entfernt iſ. Das Koͤnigreich Foigni faͤngt bei dem Ko mbe an und endigt bei dem Fluſſe Bi ntan. Vom Fluſſe Kombe bis an dieſen Fluß ſind 3 /½ Meilen; von dieſem an den Berofet 2 /2; von letzterm zu dem Indemba 1/½2; vom Indemba bis an den Painam 1½ und von da bis an den Bintans Meilen; über⸗ haupt a Meilen fuͤr die ganze Ausdehnung des Reiches Foigni, deſſen Beherrſcher den Litel Kaiſer führt. Sein Reich iſt außerordentlich bevoͤlkert und von vor⸗ zůglicher Fruchtbarkeit. Die Einwohner ſind arbeit⸗ ſam und lieben den Handel, ohne iedoch ihr Land zn — 38 verlaſſen. Vor vielen Jahren hatten die Franzoſen Niederlagen zu Bintan und Gereges. Das Koͤnigreich Kiam faͤngt am oͤſtlichen ufer des Fluſſes Bintan an und erſtreckt ſich längs des Gambia in einer Laͤnge von 20 Meilen. Das darauf folgende Reich Geagera oder Geagra iſt nur 40; Gnamena 16; Kiakonda 40; Sumgna eben ſo viele und Kantor 20 Meilen lang, alſo machen alle zuſammen 166 Meilen in gerader Linie; rechnet man noch zu dieſen s4 Meilen fuͤr alle Buchten, Spitzen und Kruͤmmungen, welche der Fluß bildet, ſo erhaͤlt man oben genannte Summe. Im J. 1390 ließen ſich hier zuerſt Bewohner von der Normandie und Dieppe an den Ufern des Gambia nieder. Bei dem Verfalle der normandi⸗ ſchen Handelsgeſellſchaft bemaͤchtigten ſich die Por⸗ tugieſen ihrer Beſitzungen, und verbreiteten zuerſt in dieſem Theile Afrikas das Chriſtenthum. Bis zum Jahre 169s genoſſen die Engländer den Han⸗ del dieſes Fluſſes, bis der Graf von Gennes, der Befehlshaber des franzoͤſiſchen Geſchwaders, ſie ver⸗ jagte und das Fort Jaegques einnahm. Durch den Frieden von Ryswik wurden die von beiden Theilen gemachten Eroberungen zuruͤckgegeben. Im J. 1703 entſpann ſich ein neuer Ktieg, die Franzoſen nahmen das Fort Jacgues weg, verwuͤſteten dieſes und die übrigen Faktoreien in den umliegenden Gegenden auf eine ſolche Art, daß der Handel der Englaͤnder gaͤnz⸗ 39 lich ſiel und ſie gezwungen wurden, am 8. Juni 103 einen Neutralitaͤts⸗Vergleich fuͤr die Kuͤſten Afrikas waͤhrend des Krieges mit Frankreich zu ſchließen, nach deſſen Beendigung alles auf den alten Fuß geſetzt wurde. Weil der Gambia aus dem Niger, aus dem Gambia der Fluß Saluͤm oder Burſaluͤm und der Kaſſamanee entſpringt, weil ferner dieſe 3 Fluͤſſe 3 Wege zu den Goldminen und in das Innere von Afrika oͤffnen, ſo will ich ſie bei ihrer Beſchrei⸗ bung auch nicht von einander trennen. 5) Der Fluß Saluͤm oder Burſaluͤm ergießt ſich durch s Muͤndungen in das Meer. Die noͤrdlichſte davon iſt jene von Palmarin, bei welcher das Koͤnigreich Salüm beginnt, das 3 Meilen noͤrdlich von der Spitze der Barre aufhoͤrt. Er erſtreckt ſich an beiden Seiten des Fluſſes Saluͤm bis an das Dorf Kahone, welches nahe an dem Drte liegt, wo der Gambia ſich in 2 Arme theilt. Der noͤrd⸗ lichſte von dieſen heißt Salüm und theilt ſich 20 Meilen vor ſeinem Ausfluſſe in das Meer durch 6 Aeſte, von welchen der noͤrdlichſte Palmarin, der zweite Salüm, der dritte Baatagamar, der vierte Betute, der fuͤnfte Banguiala, der ſechste endlich Guianak genannt wird. Die von dieſen 6 Fluͤſſen gebildeten Inſeln bebauen und bewohnen ein⸗ geborne Neger des Koͤnigreiches Salum. Die See, welche in dieſe Fluͤſſe geht, macht ſie ſehr betraͤchtlich. „ —————————— 40⁰ Zu allen Zeiten können ſie Schaluppen und kleine Fahrzeuge tragen. Hinter den Inſeln gelangt man in den breiten und tiefen Kanal des Saluͤm, welcher ſehr grotze Schiffe tragen kann. Dieſer Fluß bietet den Framoſen einen vffnen und leichten Weg zu den Goldminen und den Koͤnigreichen Galam, Bambuk, Tambarras und Do mbuͤt, und zu den uͤbrigen goldreichen Laͤndern dar. Man kann des Senegal entbehren, welcher ſehr ſchwer zu befahren iſt. Wenn man 3 Monate braucht, um auf dem Senegal bis Galam zu gelangen, ſo wird men auf dem Saläm nur 2 Wochen brauchen. Um auf dem Niger in die Koͤnigreiche Vambuck, Bambarras und Tombuͤt zu dringen, braucht man nicht nur viele Zeit, ſondern muß auch einen Theil des Weges zu Lande machen. Dieſe Unbeguem⸗ lichkeiten fallen weg, wenn man den Weg auf dem Saluͤm einſchlaͤgt. Der genannte Fluß Faleme entſpringt aus dem Niger oberhalb Barakata, wo der Senegal wegen einer Landbank unbeſchiffbar wird. Er vereinigt ſich nach einem noch nicht genau beſtimmten Laufe wieder mit dem Niger zu Dongiume und ſchließt die Laͤnder Bambuk, Makanna, Giaka, Ga⸗ dua, einen Theil des Koͤnigreiches Galam und Kaſſu und noch viele andere gegen Oſt ein, welche uns unbekannt ſind. Das Koͤnigreich Bambuk iß von einem betraͤchtlichen Umfange; gegen Nord grenit 41 es an die Reiche Galam, Kaſſu und Saluͤm; gegen Weß an den Fluß Faleme und an die Koͤnig⸗ reiche Kuton und Kambegonda; gegen Sůd an das Reich Makanna und die weſtlich vvn Man⸗ dinge liegenden Laͤnder. Alle dieſe Bezirke find nicht einem beſondern Koͤnige, ſondern nur Herren(Fariam), einzelner Doͤrfer unterworfen, welche alle von einan⸗ der unabhangig ſind. Das ganze Land iſt ſehr bevoͤl⸗ kert. An dem oßlichen ufer des Faleme liegen Doͤrfer in Menge. In einiger Entfernung aber von den Fläſſen finden ſich wegen der Durte und Unfrucht⸗ barkeit der Gegend wenige Doͤrfer. Dieß iſt uͤberhaupt der Fall in Laͤndern, welche mit Gold⸗ und Silber⸗ Minen, Kupfer⸗, Zinn⸗ und Eiſen⸗Gruben gefuͤllt ſind. Eine andere Urſache ihrer Unfruchtbarkeit iſt die außerordentlich große Hitze. Die hohen und ſteilen Berge, welche das Land einſchließen, verhindern den Durchzug der Luft.. Die Bewohner von Bambuk kennen den Werth ihres Landes und laſſen daher auch Niemanden, als Kaufleute in daſſelbe kommen. Die meiſten dieſer Länder bringen Gold in einem ſolchen Ueberfluſſe her⸗ vor, daß man nur die Oberfläche der Erde aufzuwuͤh⸗ len braucht, ſie waſcht und durchſpuͤhlt, um auf dem Grunde Goldſtaub und ſelbſt betraͤchtliche Goldkoͤrner zu finden. Die Einwohner duͤrfen nur Gold graben, wenn es ihre Herren erlauben. Wenn die Mine reich iſt, ſo graben ſie wohl einige Fuß tief, halten aber — 42 alsdann ein, nicht weil die Mine aufhoͤrt, ergiebig zu ſeyn, ſondern weil ſie zu traͤge ſind, in einer ſchwe⸗ ren Arbeit auszuharren, und nicht die rechte Art, Minen zu bearbetten, kennen. Die reichſte und be⸗ traͤchtlichſte Goldmine ſoll in der Mitte des Landes Bambuk, zwiſchen den Doͤrfern Tambaura und Netteko, 30 Meilen oͤſtlich vom Fluſſe Faleme und 4 Meilen vom Fort St. Bierre, nahe bei Kaynura an demſelben Fluſſe liegen. Wegen ihrer großen Ergiebigkeit werden alle uͤbrigen Minen ver⸗ nachlaͤßigt; dieſe ſind mit hohen, ttellen und duͤrren Bergen umgeben; das ganze uͤbrige Land iſt nicht beſſer und fruchtbarer. Dieſes Land hat ferner Silber⸗ Minen, Eiſen⸗, Blei- und Zinn-⸗Gruben und liefert die beßten Magnete. Das Eiſen iſt in Bambuk ſo weich, daß die Neger mit dem bloßen Hammer Keſſel daraus ſchlagen. In dieſen Gegenden und in Galam findet man Berg Kriſtall, edle Steine, ſchoͤnen Marmor, hartes Holz in großer Menge, wovon einiges ſehr lebhafte Farben hat und anderes ſehr wohlriechend iſt. Die übrigen ſehr reichen Minen, in welchen das Gold nur gewaſchen wird, ſind die von Furguaranne, 2 Meilen vom Fluſſe Faleme gegen Nord⸗Weſt, nahe an einem kleinen Strome, welcher ſich in den Fa⸗ leme ergießt; ferner die von Sambanura, oͤßtlich von genanntem Fluſſe 20 Meilen von ſeinem Einfluſſe in den Niger und 5 Meilen in das Land, zwiſchen 43 den Doͤrfern Sambanura und Dalemulet; end⸗ lich die von Segalla, einem Dorfe, welches 600 Schritte von Faleme entfernt iſt, wenn man ihn hinabfaͤhrt und so Meilen von der Vereinigung des Fluſſes mit dem Niger. Die Minen von Guingi⸗ faranna ſind von eben dieſem Punkte 26 Meilen entfernt, wo das ganze Land voll Goldminen iſt. Der Reichthum dieſer Laͤnder iſt daraus ſichtbar, daß alle Stroͤme und Fluͤſſe in denſelben, welche ſich in den Faleme ergießen, Goldſand mit ſich fuͤhren. Bei dem Dorfe Niautabana, am Fluſſe San⸗ non, verſuchten die Neger, Gold zu ſuchen. Weil aber die reichen und leicht zu bearbeitenden Erze ge⸗ brochen und geſchmolzen werden muͤſſen, ſo unterlieſ⸗ ſen die unwiſſenden und traͤgen Neger auch das fer⸗ nere Graben. Die uͤbrigen Gold⸗Minen, z. B. zu Naye, am Ufer des Fluſſes; zu Tomane Nia⸗ kanal, 20 Meilen oberhalb Kainura, an der lin⸗ ken Seite des Fluſſes, ſind ſehr reich, und geben ein retnes und gut zu bearbeitendes Gold. Weil aber die Neger glauben, daß nur Weiße oder Weiber ſie ohne augenſcheinliche Todesgefahr bearbeiten koͤnnen, die Weiber aber ſich nicht daran wagen, ſo verließen ſie dieſelben. Da dieſe Minen der Inſel Goree vortheilhafter als Senegal gelegen find, von welchem ihre Ent⸗ fernung 300 Meilen betraͤgt; da man ferner auf dem Wege uͤber dem Saluͤm nur 16o zu machen hat, ſo — 44 waͤre ſehr vortheilhaft, ſich in der Nachbarſchaft dieſer Minen feſtzuſetzen, ohne ſich jedoch den Eingebornen verhaßt zu machen, und ihre Freiheit zu unterdruͤcken. 3u Faguin,2 Meil. Sůd⸗Oſt von Joal und eben ſo weit von Salum, findet man natuͤrliche Salz⸗Duellen, aus welchen man alle Wochen große Schiffe befrachten koͤnnte. 6) Der Fluß Kaſfamanece fließt 20 Meilen von Gambia, und 20 vom Kap St. Maria. Er it wie der Saluͤm ein Arm des Gambia, und entſpringt durch dieſen aus dem Niger. Er kann die groͤßte Schiffe tragen, obgleich er bis 764 fuͤr un⸗ befahrbar angeſehen wurde. Seine Einfahrt wird we⸗ gen einer Barre ſehr getaͤhrlich. Genannten Verſuch wegen der Schiffbarkeit des Fluſſes machte ein chriſtlicher Neger aus Albreda. Er fand ihn ſelbſt waͤhrend der Ebbe uͤberall 4—6 Fa⸗ den tief, verſchiedene Doͤrfer an ſeinen ufern, und trieb Sauſch⸗Handel mit ihnen. Nach der Ausſage des Negers iſt die Luft, ungeachtet der großen Hitze, ſcharf und ſehr geſund. Die Neger ſind freundlich, ſehr luſtig und lieben, wie im ganzen uͤbrigen Nig⸗ ritien, Tanz und Gefang. Ihre ſehr abmattenden Caͤnze ſind unzuͤchtig; bei ihnen iſt beſtaͤndig die Ge⸗ wohnheit, vom Untergange der Sonne bis Mitternacht zu tanzen. Der Schall eines Beckens verſammelt ſie an einem beſtimmten Platze, nach jenem meſſen ſie ihre Spruͤnge, Verzerrungen und das Stampfen mit den * * 45 Fuͤßen ab, welches oft ſo beftig iß, daß der Boden da⸗ von erſchuttert wird. Das Singen und Händeklatſchen der Zuſchauer richtet ſich nach den heftigen Bewegungen der Taͤnzer. Er erzaͤhlte ferner: an der Muͤndung des Fluſſes wohnten einige im Lande geborne Abkoͤmmlinge der Portugieſen, welche keine Waaren baͤtten, und nur mit einigen benachbarten Doͤrfern handelten. Die ͤbrigen Einwohner verkauften ihre Sklaven an dis Mandinger, welche ſie dann nach dem Komptoir Les Biſſeaux braͤchten. Alle haͤtten ſich uͤber den Anblick eines ſo großen Fahrzeuges gewundert. Sie ſelbſt kamen nie auſſer Land, und ſchwaͤmen auf kleinen Fiſcher⸗ loͤten den Fluß hinab, bis ſie die Orte erreichten, wo ſie ihre Sklaven, Wachs und Hirſe an die Fremden verkaufen koͤnnten. Dieſen Fluß ſelbſt zu befahren, hinderten mich anfangs Mangel an Lebensmitteln, und ſpaͤter eine Krankheit. Ich ſparte aber keine Muͤhe, Unterſuchungen anzuſtellen, und Entdeckungen einziehen zu laſſen. Der Kaſſamanee laͤuft zwiſchen dem Flußo St. Jean, welcher gegen Nord ſich zieht, und dem Fluße St. Dominique, welcher auch Kachaun von einem gleichnamigen Dorfe in ſeiner Naͤhe genannt wird. Die beiden ufer des gluſſes gegen die See bewoh⸗ nen die Flupen, welche tapfer, unternehmend und kähn ſind. Ihr Land wird üͤberall von Stroͤmen durch⸗ ſchnitten, welche aus einem See fließen, den die jaͤhr⸗ — 46 lichen Regen und Ueberſchwemmnngen ſehr anſchwel⸗ len. An der rechten Seite des Fluſſes haben die Por⸗ tugieſen die 2 kleinen Niederlagen: Zinguin⸗ chor und Guinguin. Beide beſtehen in elenden Hütten, welche mit einer von Erde und Reiſern ge⸗ machten Einfaſſung umgeben ſind. Einige armſelige Portugieſen, welche ganz Eingeborne des Landes ge⸗ worden ſind, bringen die eingekauften Produkte nach dem Dorfe Sommers an der linken Seite des Fluß⸗ ſesz von da wenden ſie ſich nach Gereges und end⸗ lich nach dem Gambia. Man weiß gewiß, daß die Portugieſen zemtls betraͤchtliche Niederlagen an dieſem Fluſſe hatten, daß ſie einen großen Handel nach dem Koͤnigreiche Kap trieben. Dieſes liegt am Kaſſamance, aber 160 Meilen von ſeiner Muͤndung. Das Koͤnigreich Kap iſt das bluͤhendſte in ganz Nigritien, und wird gut verwaltet, ſo daß man ſicher in demſelben reiſen und handeln kam. Der Fluß St. Domingue oder St. Domi⸗ nigue, oft auch Kachaux genannt, flieht 3 Meilen ſüdlich von Kaſſamanece. Es iſt ſehr ſchwer, in denſelben zu kommen. Kachaux, eine portugießiſche Kolonie am St. Domingue, liegt 20 Meilen von ſei⸗ nem Ausfluſſe in das Meer. Sie iſt im Lande der Papels, eines abgoͤttiſchen Volkes, welches ſeinem vornehmſten Gott, Chine genannt, Hunde opfert⸗ 6 47 Kachaux, an dem ufer des Fluſſes gebaut, windet ſich nach allen Kruͤmmungen ſeines ufers. Eine ſtarke Palliſade und einige Kanonen ſchuͤtzen gegen die Ein⸗ falle der Neger. Zwei große Straßen machen die ganze Breite dieſes Drtes aus; in demſelben haben die Portugieſen eine Kirche und ein Kloſter. Wenige Familien ſind geborne Portugieſen; der groͤßte Theil der Einwohner ſind Miſchlinge aus Portugieſen und Negern. Der Fluß Kachaux iñ eine Viertelmeile breit und ſo tief, daß die ſchwerſten Fahrzeuge ihn befah⸗ ren koͤnnen. Die Fluth ſteigt uͤber 30 Metlen oberhalb Kachaux, welches unter dem 446 noͤrdl. Breite liegt. Hier treiben die Portugieſen allein einen betraͤchtlichen Handel. 2 Um in der Beſchreibung der Kuͤſte, von dem Fluſſe St. Domingue bis an die Inſel Les Bif⸗ ſeaux nichts zu uͤbergehen, bemerke ich, daß ſuͤdlich von der Muͤndung dieſes Fluſſes, und noͤrdlich vom Fluſſe Gesves, ein Dorf mit Namen Bax liegt, wo die meiſten Kaufleute verſchiedenen Handel mit daſelbſt gebornen Portugieſen treiben, und daß am Gesves ein anderes Dorf ſich ſindet, wo die Neger Papels heißen, und gut mit ſich handeln laſſen. Der Gesves laͤuft nord- und nord⸗ oſtwaͤrts von der Inſel Les Biſſeaur. Das Dorf, von wel⸗ chem er ſeinen Namen hat, liegt 20 Meilen von ſei⸗ nem Einfluſſe in das Meer und 40 von Les Biſ⸗ „ ſeaux. Seine Einwohner ſind Biafariſche und Mandingiſche Neger. unter erſteren ſind Goͤtzen⸗ diener, unter letzteren Mahometaner in großer Menge. Dieier ſehr reißende Fluß iſt wegen ſeiner ſonderbaren Fluth gefaͤhrlich: denn das Meer fählt 6 Stunden, und ſteigt nur drei. Man kann ihm auch nur vom De⸗ zember bis in den September befahren, weil die Fluth in dieſen Monaten hoch ſteigt. Vom Pktober bis zum Januar aber iſt der Juſtan, d. h. der Strom des Fluſſes ſo reißend, daß nicht moͤglich iſt, ihn zu uber⸗ waͤltigen. Der Sklaven⸗ wie der Elfenbein⸗Handel iſt bier ſehr betraͤchtlich. Gesves gegenuͤber wird das Dorf Melam⸗ pagne von Biafariſchen Negern bewohnt, welche mit Sklaven, Gold und Elephanten⸗Zaͤhnen einen anſehn⸗ lichen Handel treiben. Siebenzehn Meilen tiefer als Melampagne gegen Les Biſſeaux iſt die Gegend Malformoſe mit den ſchönſten Baumen von der Welt zum Schiffbaue. Mehr gegen Suͤd iſt der Fluß Dangal ein Arm des Meeres, an welchem das, we⸗ gen ſeines Handels bekannte, Dorf Joli liegt. Die Schwarzen oder ſchwaͤrzlichen, an der Kuͤſte zerſreuten Portugieſen handeln hier ganz allein. Der große Fluß(Rio grande) iſt 12 Meilen gegen Suͤd vom Fluſſe Gesves entfernt. Zwiſchen dieſen beiden find noch 2 kleine, wenig beſuchte Fluͤſſe. Wenn man die⸗ ſen Fluß, der 80 Meilen von ſeiner Mündung fuͤr große und Heine Fahrzenge ſchiffbar iſt, auffaͤhrt, ſo 49 trift mun eine ſark handelnde Nation von Neget an, welche Analons heißen. 61 Der betraͤchtliche, tief in das Land gehende Fluß Nongne iſt 16 Meilen vom Rio grande entfernt und ſehr vortheilhaft fuͤr den Handel. neberall trifft man Zuckerrohr und Indigo wild an. Vom Nongne bis an die Siepra Lionna ſind noch die 4 Fluͤſſe: Pongne, Kafali, Sa⸗ mos und Kaſſeres. Die an dieſen wohnenden Voͤlker, die Zaper, Fulis, Kokvlis und Nalez ſind Goͤtzendiener; erkennen aber ein hoͤchſtes Weſen, dem ſie keinen beſondern Dienſt erweiſen. Sie be⸗ haupten, daß er Niemanden ſierben laſſe, ſondern daß jeder durch ſeine Feinde oder durch deren Gift um⸗ komme. Wen das Gift ihrer Pfeile nur ritzt, der ſtirbt auf der Stelle. Dieſe Fluſſe werden ſo wenig beſucht, daß man weder von ihrer Groͤße, noch von der Schifffahrt auf ihnen etwas weiß. Nur ſo viel iſt bekannt, daß in den Doͤrfern an ihren Muͤndungen Handel mit Gold, Elfenbein und Sklaven getrieben wird. Bei dem Fluſſe Sierra Lionna, der Grenze des framöſiſchen Afrikas gegen Suͤd, muß man ſich gleichfalls mit der Kenntniß des kleinen Forts der Englaͤnder begnuͤgen, welches ſie an dieſem Fluffe baben. Von dieſem handeln ſie mit allen ſchwarzen und ſchwätzlichen Voölkern, ſelbſt mit den Fulis, wel⸗ che unter den Bewohnern des innern Afrika die 71. Bd. Afrika, III. x. 4 50 öſtlichſten ſind, welche man kennt. Von ihnen erhm⸗ ten ſie in großer Menge Gefangene, Gold und Elfenbein. 2 Ich komme zur Inſel Les Biſſeaur zuruͤck, welche in einem Meerbuſen von betraͤchtlicher Laͤnge und Liefe liegt. Dieſer ſchließt noch viele andere von verſchiedenen Voͤlkerſchaften bewohnte Inſeln in ſich. Vom rothen Vorgebirge bis zur Inſel Les Biſſeaux ſind so Meilen; ſie liegt unter 140 33* noͤrdl. Br. Wenn man von dieſem Vorgebirge auf dieſe ſegeln will; ſo muß man 12 Meilen gegen WSW. und 8 M. gegen SSW. machen, und ſtets e Faden Waſſer behalten. Man erblickt dann bald das 5— 6 Meilen entſernte Land und bemerkt bei almaͤhligem Naͤhern es durch 2 Deffnungen getheilt, durch welche a kleine Inſeln enttehen. Um dieſen ſich zu naͤhern, muß man nach Sud ſegeln. Hat man den Kanal erreicht, und die Inſeln zur Rechten und ein großes Erdſtuͤck narange zur Linken, ſo ſegelt man oͤſtlich bis zur Spitze einer großen Inſel, welche von 3 kleinen Inſeln durch einen Kanal geſchieden iſt. Man laͤßt alsdann die Inſeln Biſſagots, Uarange und Karache, welche alle mit einer ſehr groben Bank umgeben ſind, gegen WNW. liegen und haͤlt ſich ſo viel als moͤglich in der Mitte des Kanals bei 6— 10 Faden Waſſer. In der ſchlimmen Jahreszeit tann man an der ſuͤdli⸗ ben Spitze der Juſel Vůſſi anhalten⸗ wo ein ver⸗ 51 trefflicher Ankerplatz iſt, welchen man den neuen Hafen nennt. Deſtlich von dieſer Spitze liegt eine wuͤſte ziemlich erhabene Inſel, von welcher man ſich wegen einer Bank ½ Meile entfernt halten muß. Iſ man an der Inſel und der Bank voruͤber, ſo ſieht man einen, ungefaͤhr /1½ Meile breiten Kangl die Inſel Buͤfſi von Les Biffeaux trennen. Die weſtliche Spitze dieſer Inſel hat eine Bank, welche tiefer als eine Meile in das Meer geht. Alsdann faͤhrt man2 Meilen an der Küſte von Les Biſſeaur weg und kommt nach 6 Meilen an die flache Spitze von St. Martin, wo Felſen ſich unter dem Waſ⸗ ſer finden, welche ℳ M. heraus laufen. Sechs Meilen weiter oͤſtlich it die Spitze Bern afel, von welcher eine Felſenbank ſich wenigſtens eine Meile erſtreckt. Bei dieſer ſiebt man 2 kleine Inſeln, deren eine nur 4 Meile im Umfange hat und Bourbon beißt. Die zweite iſt großer und ſcheint eine Meile im Umfange zu haben. Um vor Les Biſſeaux Anker zu werfen, muß man zwiſchen dieſen heiden Inſeln durchfahren. Die Inſel Les Biſſeaut hat 40 Meilen im umkreiſe, ein Kloſter und eine Kirche, aber nicht ſo viel Wohnungen, welche zu einem Dorfe gehoͤren. Sie gewaͤhrt einen reitzenden Anblick; ihr Boden iſt ſehr fett und tief und bringt alle Beduͤrfniſſe des Le⸗ bens, beſonders Reis und Hirſe im Ueberfluſſe herdor Die Bewohner der Inſel ſchutzen ſich durch Pflanzun⸗ „ 2 gen von Bananas⸗, Gujaren⸗, Zitronen⸗und andern Baͤumen um ihre Wohnungen gegen Hitze der Sonne. Die Inſel iſt in 9 Provinzen eingetheilt; 8 von dieſen verwalten Diener des Koͤnigs, welche den Sitel Koͤ⸗ nige fuͤhren, um dieſen Kaiſer nennen zu koͤnnen. Dieſer hat ein Inſtrument von leichtem Holze, wel ches einer Trompete Marin gleicht, aber laͤnger und breiter iſt und Bombalon genannt wird. Dieſes wird mit einem Hammer von hartem Holz geſchlagen und der dadurch hervorgebrachte Schall mehrere Mei⸗ len weit gehoͤrt. Durch die ganze Inſel ſind mehr ſolche Bombalon mit dazu beſtimmten Leuten verbrei⸗ tet, welche, ſobald ſie das Bombalon des Koͤnigs horen, denſelben Ton und dieſelben Schlaͤge wiederholen und ſo den Befehl des Koͤnigs weiter verbreiten. Did Zahl der Schlaͤge und der Ton ſelbß hat ſeine eigenr Bedeutung. Dieſem Befehle muß man auch bei uner⸗ bittlicher Todesſtrafe gehorchen. Wenn dieſe Völker unter ſich auch keine Kriege führen, ſo thun ſe es doch mit ihren Nachbaren, den Biafaren, Biſagoten, Balanten und Na⸗ lonen, welche ſie von allen Seiten umgeben, ent⸗ weder auf dem Feſtlande, oder auf den Inſeln, dis zwiſchen den Fluͤſſen St. Domingue, dem Rio Lrande und Nongne einen kleinen Archipel bilden. Dieſe Kriege ſind nur Einfaͤlle und Raufhaͤndel von einigen Tagen, bei welchen nur auf Beute und Ranb abgeiielt wird. Die Haͤlfte der Sklaven gehoͤrt dem 53 Koͤnige, die andere Hälfte den Kriegern, welche die⸗ ſelben ſogleich den Europaͤern verkaufen. Wenn der König der Papels das Bombalon ſchlagen laͤßt, erſcheinen die Haͤuptlinge mit ihren Koͤnigen be⸗ waffnet an dem beſtimmten Platze. Der Koͤnig macht ſelten den Feldzug mit, zieht aber vorerſt die Götter zu Rathe, bringt ihnen ein großes Opfer, von deſſen Fleiſch nur er, die Prieſter und ſeine Krieger eſſen duͤrfen. Die Goͤtter ertheilen allzeit eine günſtigs Antwort. Der Feldiug wird eroͤffnet und nach einigen Pluͤnderungen geſchloſſeh. Von der ſuͤd⸗oͤſtlichen Spitze der Inſel Les Biſ⸗ ſeaur bis an die nordeoͤſtliche Formoſa ſind 6 Meilen. Umſegelt man dieſe, ſo kommt man in den Arm des Großen Fluſſes, welcher die Halbinſel der Biafaren von der Inſel Bulam trennt. Der Um⸗ fang dieſes Kanals iſt eine gute Meile breit und hat an beiden Seiten Untiefen. Die Kuͤſte der Inſel Bulam iß flach, mit gro⸗ ten Baͤumen beſetzt, und zeigt dem Auge eine der reizendſten Landſchaften. Sie iſt fuͤr alle Arten Fahr⸗ seuge ein vortrefflicher Hafen. Ihr ſehr guter Boden erhebt ſich almaͤhlig waͤß⸗ rend z Meilen in die Hoͤhe. Die Berge tragen hohe und ſchoͤne Bäume und ſind leicht zu bebauen. Die vielen Thaͤler, durch dieſe Berge und Hügel gebildet, enthalten vortreffliches Waſſer. Auf der ſuͤdlichen Spite iſ gute Weide. Die Inſel ſelbſt iſ von Oſt „ 54 gegen Weſt 20 Meilen lang, von Nord gegen Suͤd s breit und hat ungefaͤhr 2o Meilen im Umfange. Die Luft iſt geſunder, als irgendwo in Afrika. Die Einwohner ſind theils Chriſten, theils Abgoͤtter, theils Muhametaner. An den ufern der Baͤche und anderer moraßtigen Plaͤtze dieſer Gegenden wachſen Baͤume mit einem ſchwammigten Holze und breiten duͤnnen Blaͤttern, deren weiche und biegſame Rinde als Werg zum Kal⸗ fatern der Schiße und Barken gebraucht wird. Auch liefert dieſe Gegend, wie das ganze übrige Afrika ein Rohr, aus welchem vortreßftiche Schiff⸗Seile gemacht werden. Das Koͤnigreich Guinala liegt an dem Fluſſe dieſes Namens. Das Dorf von gleicher Benennung iſt ſowohl wegen der Menge ſeiner Wohnungen, als wegen der Portugieſen von allen Farben merkwuͤrdig. Der Koͤnis fuͤhrt den Namen: Koͤnig von Guinala und der Biafaren. Der Flus Guinala iſt groß und uͤber as0 Meilen von ſeiner Muͤndung ſchiffbar. Man kauft auf und an dieſem viele Sklaven, Elephanten⸗ Zaͤhne und Gold. Ein reiches und an allen Produkten fruchtbares Land umgibt ihn. In der Nachbarſchaft von Bulam finden ſich 43 Inſeln, Bifſagots genannt, unter denen die wichtig⸗ ſten Kasnabak, Galline, Kaſſeguͤt, Kara⸗ che, Arangueng, die Papageien⸗Inſel, Formoſs, Babachla, Viſage, Uarange 55 und einige andere wenig gekannte ſind, weil ſie ſelten beſucht werden. Jede dieſer Inſeln hat ein Haupt, welches Koͤnig heißt. Sie ſind von einander unab⸗ haͤngig und vereinigen ſich nur, wenn ſie die Bia⸗ faren auf dem Feſtlande bekriegen wollen. Der groͤßte Cheil dieſer Neger iſt tark, groß, der Abgoͤt⸗ terei erſeben und hoͤchſt grauſam gegen ſich und ihre Feinde. Den Erſchlagenen hauen ſie die Koͤpfe ab, ſchinden ſie und trocknen die Haut mit den Haaren als Deikmal ihrer Tapferkeit. Bei dem geringſten Verdruſſe oder Unfalle erſtechen, erhenken oder erſaͤu⸗ fen ſie ſih. Ihre Begierde nach Brantwein iſt ohne Beiſpiel. Der Staͤrkere verkauft fuͤr Brantwein den Schwaͤchem, der Vater ſeine Kinder und die Soͤhne, wenn ſie kinnen, Vater und Mutter. Dieſe Inſeln ſind ſehr fruchtbar. Die reichſte und maͤchtigſte iſt die Inſel Kaſſeguͤt mit einem ſichern Hafen fuͤr ale Art von Schiffen. Ihre Bewohner ſind die hoͤflichſten, menſchlichſten und am beſten ge⸗ ſinnten Barbaren; weil der Handel ihre Sitten mil⸗ derte und ſie zugaͤnglicher machte. Kaſſeguͤt iſt faſt zmal ſo lang, als breit; die Laͤnge betraͤgt 6, die Breite 3 Meilen. Das Erdreich iſt zut, fett und wohl bebaut. Von der Spitze Barnafel in der Inſel Les Biſſeaux bis an die nord oͤſtliche Spitze von Kaſſegůt rechnet man 2 und von dieſer Spitze bis an die von St. Martins Meilen. Kaſſegüt und die Inſeln Karache, Kasnabakund Galline „ 56 ſind unter allen Biſſagots⸗Inſeln die einzigen, wo man mit einiger Sicherheit handeln kann. Die Inſel Buͤſſi liegt vorwarts von Les Bif⸗ ſeaux und wird von ihr durch einen ziemlic breiten und tiefen Kanal getrennt. Zwei Baͤnke mechen die Einfahrt von der ſädlichen Seite ſehr gefaͤhrlch. Sie iſt nicht kleiner, als Les Biſſeaux und ſcheint ganz mit Baͤumen beſetzt zu ſeyn. Die Einwohner ſind Papels, aber boshaft, verrätheriſch und diebſch. Noͤrdlich von der Inſel Buͤſſi an der andern Seite des Fluſſes Geſnes wird ein Land wn 10—12 Meilen von Negern bewohnt, welche niot die ge⸗ ringſte Gemeinſchaft mit ihren Nachbarn utterhalten, ſondern ihnen den Eingang in ihr Gebet beſtaͤndig abſchlagen. Die meiſten ſind Goͤtzendiener und leben in einer republikaniſchen Verfaſſung. Deſe Balan⸗ ten ſollen wegen ihres Reichthumes die Fremden von ibrem Lande abhalten. Der ganze Handel von Les Biſſeaur und den uͤbrigen Inſeln, von welchen ich jetzt geredet habe, war ehemals unter die Franzoſen und Portugieſen getheilt. Letztere gaben ibn 1703 auf und ſchleiften alle Feſtungswerke von Les Biſſeaux. Das Kap Suͤmbol und Verga, wrelche 20 Meilen von den Biſſagots⸗Inſeln liegen, ſind Derter, wohin die Franzoſen zu handeln das Recht baben. Dieſes Kap mit einem vortreff lichen Anker⸗ 57 Grund hat von jeher eine betraͤchtliche Menge von Gold, Elfenbein und Sklaven gellefert. Die Betrachtungen des Abbe Demanet uͤber die Betreibung des, die Menſchheit entehrenden, Sklaven⸗Handels, welchen die eiviliſirten Staaten Europas in neuerer Zeit abgeſchafft haben, uͤbergehen wir, und wenden uns zur Betrachtung der Sitten und Religion der Neger, der Naturprodukte Afrikas, und ſchließen mit einigen Bemerkungen uͤher das Thier⸗ und Pflanzen⸗Reich dieſes Erdtheils. 1) Der Neger von Natur munterer Laune, von einem lebhaften und durchdringenden Geiſte, wuͤrde ohne den Drang der Beduͤrfniſſe ſein Leben in gaͤnz⸗ licher Unthaͤtigkeit, unter Tanz und Vergnügungen leben. Diebtahl haͤlt er fuͤr kein Verbrechen und er iſt wild genug, moͤrderiſche Haͤnde an ſich ſelbſt zu legen, wenn er auf keine andere Art Rache uͤben kann. Ein Freund ſeiner Freunde, hält er ſein Wort ſo lang, als man die gegebenen Verſprechungen bält. Seine Jugend bringt er in Ausſchweifungen, ſein maͤnnliches Alter in Traͤgheit und ſeine letzten Jahre ohne Vorwürfe des Gewiſſens bin. Er hat keinen audern Wunſch als in den Tag zu leben; hat er Hirſe und Neis, ſo hat er alles; kommt zu dieſen noch Branntwein, ſo iſt ſeine Gluͤckſeligkeit keines Zuwach⸗ — 58 ſes mehr fähig. Er iſt reich ohne Gäterz ſeine Haut dient ihm zur Bekleidung. Die mahometaniſche Re⸗ ligion, verbunden mit Abgoͤtterei, heſtimmt feine Handlungen und ſeine Sitten. Zuweilen vermiſcht er die Irrthuͤmer Mahumets mit den Wahrheiten des Chriſtenthums. Er iſt faſt in allen feinen Unterneh⸗ mungen aberglaͤubiſch, Gigris(Gebete in Leder eingewikelt), traͤst er oft zwoͤlf an dem Halſe und ſchreibt jedem eine eigene Wirkung zu. Die Verſtuͤmmlung der Lehre Mahumets bei den Negern kommt theils von ihrer Unwiſſenheit, theils von ihrem Charakter ſelbſt. Sie haben keine Moſcheen und halten weder Feſt⸗- noch Ruhe⸗Tage, ihren Bairam ausgenommen, welcher Tabesker heißt und auf Faſten von ihrer eigenen Art folgt. Unter allen Gebraͤuchen wird das Beſchneiden am genaueſten beobachtet. Dieſem Gebrauche unterwerfen ſie die Kinder im 4 oder as Lebensjahre. Immer muß eine betraͤchtliche Zahl derſelben beiſammen ſeyn. Je groͤßer die Zahl der Knaben, deſto großer die Zeremo⸗ nie, welche unter den jungen beſchnittenen Negern eine durch ihr ganzes Leben dauernde Freundſchaft ſtiftet. In Gegenwart von Weibern darf dieſe Hand⸗ lung nicht vorgenommen werden. Eine feierliche Prozeſſion, bei welcher nur die Inſtrumente geſpielt werden, geht dieſer vorher. Alle Marabu der umlie⸗ genden Doͤrfer folgen paarweiſe in weißen Kleidern und mit langen Sagayen bewaffnet. An dieſen peihen 59 ſich die zu Beſchneidenden mit einer langen Sagaye in der Hand an. Hierauf folgt die Beſchneidung. Der Beſchnittene hat die Verbindlichkeit, die Geſetze genau zu beobachten. Hiezu gehören, das taͤgliche Beten, der Ramazan, die Reinigungen, Enthaitſam⸗ keit von Wein und hitzigen Getraͤnken. Die mahometaniſchen Neger beten des Tages nur zmal, naͤmlich bei Anbruch des Tages, gegen Mittag und bei dem Untergange der Sonne, obgleich der eifrige Muſelmann smal zu beten pflegt. In je⸗ dem Dorfe ruft der Marabu an einem oͤffentlichen Platze zum Gebete. Weil die Mahometaner Mond⸗Jahre haben, ſo fallt ihre Faſten(Ramazand nicht immer in dieſelbe Zeit; die Neger aber ſetzten ſie in den September, oder in die Zeit der Herbſtnachtgleiche. Die Suͤnden des Fleiſches halten ſte fuͤr erlaubt. Sie beſitzen keine Laͤndereien; ihr ganzes Vermoͤgen beſteht in Sklaven und Stroh oder Vinſen-Hätten; ferner in einigen Pagnen Kattun, einigen Sacktuͤchern, in etwas Geld, in einigen Tonnen Reis und einigen irdenen Toͤpfen und geflochtenen Koͤrben. Von ihren Unterthanen unterſcheiden ſich die Ko⸗ nige nur durch eine groͤßere Anzahl unbeguemer Huͤt⸗ ten. Wenn Fremde ungefaͤhr bei s bewachten Huͤtten vorbei ſind, ſo empfaͤngt ſie nahe bei der koͤniglichen der Miniſter und ſtelt ſte Ihrer Majeſtät vor. Dieſe geruhen auf einer Binſen⸗Matte zu ſitzen und ſind N 60 von ihren Weibern und einigen Großen des Reiches umgeben. Ihre Majeſtaͤt empfangen die Fremdlinge mit einem feierlichen Ernſie und reichen ihnen huld⸗ vollſt mit einer Verbeugung des Hauptes die Hand. Durch einen Dolmetſcher fragt der erſte Miniſter, Grand Alauier, die Fremden um die Urſache der Reiſe; ibre Antwort trägt er dem Könige vor, welcher faſt auf jedes Wort etwiedert. Nach geendigter Unterre⸗ dung(Palabro) werden die Weiber des Koͤnigs und die Großen des Reichs den Fremden vorgeßellt. Die Favorit⸗Sultane ſitzt zur Rechten des Koͤnigs auf einem bretternen Lebnſtuhl, der erſte Miniſer zur Linken und der Fremde dem Koͤnige gegenüber gleichfalls in einem Lehnſtuhle. Die Voruehmen des Hofes auf Watten ſitzend, bilden den erſten Kreis, in deſſen Witte der Fremde mit den Dolmetſchern iſt, welche cher ſtehen muͤßen. Den zweiten Kreis bilden die üͤb⸗ rigen Weiber des Koͤnigs, gleichfalls ßehendz den dritten ſeine vornehmſten Pffiziere. Alle dieſe ſchwei⸗ gen. Der Koͤnig ſpricht zum Miniſter, dieſer zu den Dollmetſchern und ſo rückwaͤrts. Der Koönig und ſein ganzer Hof iſt nur mit Pag⸗ uen(einem Stuͤcke Kattun aus mehreren Streifen) bekleidet, Sie ſind eine Pariſer⸗Elle breit und 2 1/2 Sle lang und werden von Negerinnen verfertigt, welche ſie blau und roth zu faͤrben verſtehen. Die Weiber umguͤrten ſich mit einer ſolchen Pagne und ſtecken das Ende derſelben zwiſchen dem Gößtel und 61 der Haut ein; ſie geht bis auf die Waden und oft noch tiefer, und dient ſtatt der Rocke und Struͤmpfe. An Feſttagen wird noch eine Pagne uber die Schul⸗ ter geworfen, deren Ende ſie uber den Kopf zuruͤck⸗ ſchlagen. Auch die Maͤnner nehmen eine Pagne um die Schulter, welche bis auf die Wade herab geht. Alle gehen mit bloſſem Kopfe und haben ſtatt den Schuhe nur dünne Stuͤcke Leder. Wenn alles abgemacht iſt, dann werden dem Ko⸗ nige die Geſchenke uͤberreicht, welche ihm zuvor durch ſeinen Miniſter bekannt gemacht wurden. Dann folgt eine Flaſche Branntwein oder Wein, von welcher der Fremde zuerſt trinken muß, um den Verdacht der Vergiftung zu vermeiden. Dann trinkt der Koͤnig, hierauf erhaͤlt der Miniſter die Flaſche und von dieſem der übrige Hof. Je mehr die ſchwarze Hoheit zn trinken beſchließt, delto freundſchaftlicher werden ihr⸗ Geſinnungen. Auch die erſten Sultaninnen muͤſſen Geſchenke erhalten; ſie ſind jedoch mit wenigen Sacktuͤchem zufrieden. Bei einem Abendbeſuche vor dem Konigs von Barre fand ich kein anderes Licht, als ein Feuer in der Mitte der Huͤtte. Seine Leute brachten aber bald einen Buͤndel kleinen Rohres herbei, welches die Stelle des Lichtes vertreten mußte. Vier bis fuͤnf Büſchel wurden angezuͤndet und halb Mannes hoch uͤber der Erde gehalten. Dieſes Verfahren iſ ſehr ſeltſam, da das Wachs in dieſem Koͤnigreiche ſehr baͤuſig iſt. Ihre Kriege, welche oft nur Beuteluſt verurſacht, ſind von kurzer Dauer. Am Lage der Schlacht werden die Heere in Ordnung geſtellt. Wenn das Fußvolk kaͤmpfen ſoll, ſo ſtellt man es in iner Linie einen Mann hoch; hinter ihm aber kleine Haufen. In die⸗ ſer Schlachtordnung ruͤckt man gegen den Feind und zwar ſo nahe, daß man ihn mit Saͤbeln, Lanzen und Sagayen erreichen kann. Seit ihrem Handel mit den Franzoſen lernten ſie die Schießgewehre kennen, be⸗ dienen ſich ihrer aber ſelten in ordentlichen Schlachten, weil ſie dieſelbe als ſolche Werkzeuge des Todes anſe⸗ ben, welche ſich mehr fuͤr feige, als herzhafte Maͤnner ſchicken. Die Reiterei, in kleine Schwadronen ver⸗ theilt, bildet die zweite Linie, kaͤmpft nur haufenweiſe und vereinigt ſich zuruckgeſchlagen leicht wieder. Der Koͤnig ertheilt an der Spitze ſeines Heeres mit ſeinen Generalen und andern Großen dem vor⸗ nehmſten Anfuͤhrer die Befehle, welcher dieſelben der Armee mittheilt. Wird der Koͤnig geſchlagen, ſo wagt er nicht ohne ausdruͤckliche Erlaubniß des Heerfuͤhrers oͤffentlich zu erſcheinen, weil er als ein Feiger abgeſetzt wuͤrde. In einer Stunde iſt eine Schlacht geendigt; der Sieger verfolgt den Beſiegten und macht ſo viele Gefangene, als er kann. Dhne Ausnahme, ja ſelbß der Koͤnig, wenn er nicht einiges Loſegeld gibt, wer⸗ den die Gefangenen an die Europaer verkauft. Die 63 Schlachten zwiſchen Fußvolk ſind ſelten, weil die meiſten Kriege nur Einfaͤlle in benachbarte Reiche der Beute wegen ſind. Der Koͤnig behaͤlt aus dem Erloͤſe der Beute nur ſo viel, als er braucht; alles uͤbrige— erhalten die Soldaten. Nach erfolgtem Siege unter⸗ ſagen die benachbarten Koͤnige dem Sieger eine wei⸗ tere Verfolgung. Gibt er dieſen Mahnungen tein Gehoͤr, ſo wird er von ihnen bekriegt. Die im Treffen Gefallenen werden jnnerhalb 24 Stunden mit entſetzlichem Geſchrei und Geheule be⸗ weint. Gleicher Fall iſt bei jenen, welche eines na⸗ tuͤrlichen Todes ſerben. Weiber, Kinder, Aeltern, Nachbarn und Freunde verſammeln ſich zu einem ra⸗ ſenden Gebeule. Waͤhrend diefes Auftrittes eſſen und trinken ſie nichts; hierauf werden die Todten begra⸗ ben und einen Augenblick nachher üͤberlaſſen ſich die Weinenden der wildeſten Freude und dem ausgelaſſen⸗ üen Vergnügen. Bei dem Lode des Konigs dauert das Heulen und Wehklagen 3 Tagez alle ſeine Unter⸗ thanen begeben ſich an den Drt des Todesfalls und ſind dem Anſcheine nach von dem lebhafteſen Schmerzs durchdrungen. Obgleich die meiſten unbekehrten Neger Mahomet als ihren Gott anbeten, und ſich fuͤr ſeine Schuler und fuͤr aͤchte Ausleger des Geſetzes ausgeben, ohne es zu kennen, ſo hat ſich doch ein jeder ſeine eigens Religion gemacht. Dieſer Streit von Religionen und ſonderbaren Meinungen macht ſie wankend und unge⸗ 64 wiß in ihren Irrthuͤmern. In jedem Dorfe finden ſich Marabu(Diener ihrer Religion), welche den erſten Rang nach dem Propheten behaupten und ſehr geehrt werden, ſo zwar, daß ſie ihre Traͤumereien leicht fuͤn Eingebungen Mahomets verkaufen koͤnnen. Sie ſchrei⸗ ben alſo eine Religion nach Belieben vor, und die Einwohner eines Dorfes ſind mit ihren Nachbaren ſtets wegen des Unterſchiedes im Glauben feindſelig, da jeder Theil die wahre Religion zu haben behauptet. Was das Leben nach dem Tode betrifft, ſo glau⸗ ben ſie, weil dieſes Erdenleben nichts als eine Kette von Elend und Muͤhſeligkeit ſey, daß ſie nur ſterben, um zu einem beſſern Leben wieder geboren zu werden. Andere glauben, daß ſie nach dem Tode den Mahum entweder in der Sonne oder in dem Monde bedienen werden. Deßwegen ziehen ſie ſich oft den Tod frei⸗ willig zu. Die meiſten behaupten, daß der Prophes die abgeſchiedenen Seelen empfange und ſie Gott zu einem großen Gluͤcke darbiete. Kein Neger hat einen beſtimmten Begriff von Ewigkeit. Nichts zu wiſſen, mit den vergangenen Jahrhun⸗ derten unbekannt zu ſeyn, und von der Geſchichte nur das lernen, was die Marabu ihnen aus dem Koran vorſagen, iſt Grundſatz ihrer Religion. Nun die Marabu ſchreiben, um Gigris aufzuſetzen. Bei allen Geſchaͤften und Unterhandlungen des gemeinen Lebens wird nichts geſchrieben. „ 3 65 Die Mauren, die Phariſaͤer der mahometaniſchen Religion, geben ſich große Muͤhe, in Nigritien An⸗ haͤnger ihren Religion zu gewinnen. Sie haben einen großen Theil ihrer Nachbarſchaft und diejenigen, mit welchen ſie handeln, mit ihren Irrthuͤmern angeßteckt. Sie haben die Lehre Mahomets in Afrika verbreitet. Die Goͤtzendienſt treibenden Neger ſind hinſichtlich ihres Gottesdienſies ſo ſehr getheilt, daß es ſchwer ſeyn wuͤrde, auf eine beſtimmte Art davon zu reden. Ihr Hauptgotze, eine kleine Figur, heißt S china(Chine), was dieſer aber ſey, woher er komme, und was er ausrichte, iſt ſchwer zu erfahren. Ein jeder baͤlt fuͤr einen Gott, was ſeine Phantaſie ihm darbietet. So ſchlachten ſie dem von ihnen geheiligten Baume Ochſen, Hunde und Haͤhne. Wenn man mit dem Blute des Schlachtthieres die Aeſte beſprengt, und einen Cheil zu den Fuͤßen des Baumes gegoſſen hat, ſo wird das gevpferte Thier zerlegt, jeder nimmt ſeinen Theil nach Hauſe und verzehrt ihn. Den Göttern haͤngt man zum Zeichen des Opfers die Haͤute und Hoͤrner an die Baͤume. Nichts von Wichtigkeit wird unter⸗ nommen, ohne den Rath der Gottheit. In vielen Gegenden werden bei dem Abſterben eines Koͤniges ſeine Weiber und Sklaven, welche er am meiſten geliebt hatte, und die zu ſeinem Dienſte und Vergnuͤgen in der andern Welt unentbehrlich ſchei⸗ nen, nahe bei ſeiner Grabſtätte umgebracht und beer⸗ digt. Dann wird die konigliche Leiche auf einer Bahre 71. Vd. Afrika. III. 1. 6 S aus geflochtenem Rohre im Pomp von vier der ſtaͤrk⸗ ſten Herren ſeines Hofes zum Grabe getragen. Seit kurzem hat man dieſe blutigen Begräbniß„Gebraͤuche bei den aberglaͤubiſchen Negern abgeſchafft. Wenn ein abgoͤttiſcher Koͤnig ſeinen Goͤtzen um Rath fragt, gehen Flotenſpieler vor ihm her; ſeine Weiber und Großen folgen ihm. Hat man die Baum⸗ Gottheit erreicht, ſo ſchließt der ganz Hof einen Kreis um dieſelbe, der Koͤnig aber und ſeine Weiber gehen naͤber hinzu. Ein Prieſter auf ſeltſame Art mit vielen Schellen und Gloͤckchen behaͤngt, uͤberreicht dem Kö nige die Haͤlfte einer mit Wein angefuͤllten Kalebaſſe. Der Koͤnig haͤlt ſie mit der linken Hand, dann laufen die Weiber mit dem uͤbrigen Geſolge herbei, um die Rechte zu benetzen. Nach dieſer Handlung traͤgt der Koͤnig der Bnum⸗„Gottheit ſein Anliegen vor, beſprengt den Baum mit dem Weine, in welchem die Weiber und Hoͤflinge ihre Finger benetzt haben. Dann wird ein Ochs geſchlachtet, ſein Blut in dem Gefaͤße, we ches vorber den Wein enthielt, um den Baum gegoſ⸗ ſen. Der Koͤnig faͤllt endlich in ein tieſes Stillſchwei⸗ gen und kurz nachher macht er die eingegebene Ant⸗ wort bekannt. Man erhebt ein lautes Freuden⸗Ge⸗ ſchrei, weil dieſe Goͤtterlpruͤche ſtets guͤnſtig ſnd. Dbleich die Neger mehrere Weiber und Beiſchlaͤ⸗ ferinnen daben duͤrfen, ſo iſt ihnen doch nicht erlaubt, zwei Schweſtern zu ihren Weibern oder Beiſchlaͤferim⸗ nen zu haben. 8 67 2) Alle Neger ſind einander gleich; Arme findet man unter ihnen nicht. Was ſie haben, iſt gemein⸗ ſchaftlich. Nur ihre Haͤuſer beſitzen ſie eigenthuͤmlich, ſie unterſcheiden ſich durch zwwei Vorzuͤge, naͤmlich: baß ſie aus königlichem Geſchlechte abſtammen, und der eine mehr Sklaven hat, als der andere. Die Frauen bereiten das Eſſen, und ſpinnen Baumwolle, welche in dieſen Gegenden in Menge und vorzuͤglicher Guͤte zu finden iſt. Jede Frau oder Lochter vom Hauſe hat eine Sklavin für ſich, welche ihr in Eut⸗ fernung von einigen Schritten folgt; ſobald jene ſtille ſteht, naͤhert ſich dieſe, um ihre Heprſchaft mit einem Naſentuche abzukühlen. Abends und Morgens begruͤſ⸗ ſen die Sklaven ihre Herren und Frauen, indem ſie mit einer tiefen Verbeugung des Hauptes auf die Knie fallen; Herr und Frau geben ihnen die Haͤrde, und weiſen ihnen die Arbeiten des Tages an. Bei der Thronreihe folgt dem Koͤuige ſein aͤlteſter Bruder, nach dieſem der Zweite u. ſ. w. Hat der verſtorbene Koͤnig aber keine, ſo erhaͤlt der aͤlteſte Sohn, und nach dieſem der Zweite u. ſ. w. den Thron. In ſolchen Fällen verſammeln ſich die Großen des Reiches, um denjenigen, welcher die rechtmaͤßigſten Anſpruͤche auf die Krone hat, auszurufen. Der Kö⸗ nig ſcheint nicht reicher, als ſeine Unterthanen zu ſeyn, welche ihm alle Tage ſo viel bringen, als er zu ſeinem Unterhalte braucht. Man unterſcheidet ihn von dem übrigen Haufen nur durch ſeine Wache, durch die ⸗ 68 Menge ſeinen Huͤtten und ſeiner Frauen, unter denen die erſte die Sultanin iſt. Bei ihrer Heirath dauert das Feſt drei Tage, welchem alle Unterthanen, wenn ſie Geſchenke gemacht haben, beiwohnen. Die Kinder der erſten Sultanin haben wirkliches Recht auf die Foͤnigliche Wuͤrde. Die Kinder der Beiſchlaͤferinnen, welche er nicht fuͤr ſeine Frauen erklaͤrt hat, haben gar keine Anſpruͤche auf den Thron, und werden Große des Reiches von der zweiten Klaſſe. Die Loch⸗ ter koͤnnen in keinem Falle regieren; bei ihrer Vechei⸗ rathung gibt der Vater keine Ausſteuer, ſondern die Bewerber muͤſſen auſehnliche Geſchenke vor der Aus⸗ lieferung der Braut geben. Sobald dieſes geſchehen, iſt auch die Ehe geſchloſſen. Das von der koniglichen Familie Geſagte gilt auch von den Unterthanen. Die Neger verheirathen ſich ſehr frühe, hat man ſich mit den Aeltern, oder in deren Ermangelung mit den Verwandten durch Geſchenke abgefunden, ſo er⸗ haͤlt der Braͤutigam bei der Ueberlieferung der Ge⸗ ſchenke die Braut. Sobald ſie ſeine Huͤtte betreten hat, wird ſie fuͤr ſeine Frau gehalten. Auf dieſe Heimfuͤhrung folgen drei feſliche Tage, deren Koſten der junge Ehemann tragen muß, und deren Genuß Folgar heißt. Wenn ein Mann mehrere Weiber hat(und dieſer Fall iſt immer), ſo gibt er jeder Einzelnen eine Huͤtte fuͤr ſie und ihre Kinder. Der Mann ſorgt fuͤr nöthi⸗ gen Reis und Hirſe; die Frauen dagegen bereiten, alle V. 69 Wochen mit einander abwechſelnd, das Eſſen und Nachtlager. Sie ſchenken ihrem Manne alle Jahre ein neues Kleid, welches aus zwei Pagnen beßteht. Nach dem Tode des Mannes theilen alle ſeine Kinder die Hinterlaſſenſchaft, ſie moͤgen aus rechtmaͤßigen Franen oder Beiſchlaͤferinnen gezeust ſeyn. Bei der Niederkunft zeigen vie Frauen die groͤßte Standhaftig⸗ keit und Geduld. Einen Schrei zu thun, wuͤrde auch die jüngſte Frau ſuͤr Entehrung halten. So lange die Kinder klein ſind, werden ſie ſtets von den Muͤttern, in Pagnen an die Schultern befe⸗ ſtigt, herumgetragen. Zwei Jahre ſaͤugen ſie dieſel⸗ ben, und ſchlafen auch waͤhrend dieſer Zeit nicht bei ihren Maͤnnern. Die Maͤdchen werden nicht ſelten im ioten oder atten Jahre reif, und die Knaben faſt eben ſo fruͤhe. Iſt ein Neger krank, ſo ißt und trinkt er, wie gewoͤhnlich, und gibt auch bei den heftigſten Schmer⸗ zen nicht das geringſte Zeichen der Leiden von ſich. Der Hunger treibt ſie zum Reis⸗ und Hirs Bau; das Beduͤrfniß zu rauchen zu Tabaks⸗Pflanzungen. Sin ähnliches Beduͤrfniß noͤthigt ſie, dem Baumwol⸗ len⸗Baum zu pfauzen, und ſpielend ſich ſelbſt einige Pagnen zu weben. Die Gaſtfreundſchaft iſt nirgends allgemeiner und einnehmender, als unter dieſen Negern. Jeder Rei⸗ ſende, ſey er Schwarzer oder Weißer, wird uͤberall gaſtfreundlich aufgenommen und bewirthet. Wenn der 70 2 Wirth ſelbſt richt ſo viel hat, um ſeinen Gaſt zu be⸗ wirthen, ſo geben alle Einwohner des Dorfes Lebens⸗ mittel her, und wuͤnſchen dem Wirthe zur Aufnahme des Reiſenden Gluͤck. Die Heirathen der Reger ſind ſehr einfach. Nach dem Koran, welchen ſie aber nicht kennen, ſagen ſie, ſey ihnen erlaubt, ſo viele Weiber u nehmen, als ſie wollen, und dieſelben zu verabſchieden, wenn ſie id⸗ nen nicht mehr gefallen. Nach der Heirath muß die Frau dem Manne dienen; ſie gehorcht mit der aröß⸗ ten Genauigkeit und ſieht ſich als eine gut gehaltene Sklavin an. Erſt wenn ihr Mann geſpeist hat, ißt und trinkt ſie; ſie darf aber niemals, wenn ſie auch uoch ſo ſebr von ihrem Manne geliebt wird, mit dem⸗ ſelben ſpeiſen. Ungeachtet ale Frauen in demſelben Verhaͤltnis ſehen, ſo iſt die Erſtgewählte nur die Fran vom Hauſe. Sie allein kann nur wegen Untreue ver⸗ worfen werden, ein Vorzug, welchen die Mebrigen Weiber nicht haben. Dieſe muͤſſen vielmehr glle haͤus⸗ lichen Arbeiten verrichten; ſie muͤſſen, wenn die Maͤn⸗ ner ſchlafen oder ſich unterhalten, die Maranguins wegjagen, und ihnen bei dem Etwachen Pfeife und Tabak mit der groͤßten Unterthaͤnigkeit darreichen. Weiber und Maͤdchen haben kein anderes Klei⸗ dungsſtuͤck, als einen Guͤrtel, welchen ſie unter dem Leibe durchziehen. Alle uͤbrigen Theile ſind entbloͤßt, anßer wenn Nord⸗Oſtwinde ſie zwingen, gegen die Kaͤlte ſich noch mit einer Pagne zu bedecken. Auch 7¹ tagen ſie noch Armbaͤnder, einen ſehr großen Gürtel pnn Glasllͤckchen und Halsbaͤnder und Ohren⸗Gehaͤnge⸗ Mit vorzglicher Sorgfalt ſalben ſie das Haar mit Pilmen⸗Del, durch welches ſie unertraͤglich riechen. Die Koͤnige und ihre Hofleute ſpielen auf dem Inſtrumente Balafo zu ihrem Vergnügen. Es be⸗ ſteht aus ſechszehn Leiſten harten Holzes, welche einen Zoli breit, vier bis fuͤnf Linien dick, und von denen die laͤngſten achtzehn, die küͤrzeſten 7—8 Zoll hoch ſind. Sie ſind auf den Seiten eines kleinen, etwa einen Fuß hohen, Getßelles mit Riemen von feinem Leder ſeſt gemacht, um welche kleine Staͤbe gewickelt ſind. Dunch letztere werden die Leiſten in gehoͤriger Eutfernung von einander gehalten. Unter dieſen be⸗ ſeſtigt man Kalebaſſen von ungleicher Groͤße. Dieſes Inſtrument hat einige Aehnlichkeit mit unſern Orgeln, und gibt einen angenehmen und mannigfaltigen Ton, wenn man die Leiſten mit kleinen Staͤben beruͤhrt, de⸗ ren Ende mit Leder umwickelt ſind, um den Ton deſto ſanfter zu machen. Die Neger haben noch Floͤten aus Rohr; ſie ſpielen auch auf Europaͤiſchen, welche ſie ſo ſehr ſchaͤtzen, als ſie dieſelben ſchlecht behan⸗ elt. Man findet unter ihnen keine andere Handwerker⸗ als Weber, Schaarſchmiede, Toͤpfer und eine Art Goldſchmiede, welche auf eine ſehr rohe Art goldene und ſilberne Ketten, Ohrgehaͤnge, Ringe, Kreuze und andern Weiberſchmuck verfertigen. Die Schmiede baben 72 weder Werkſaͤtte, noch Schmiede⸗Eſſen; ſie arbeiten vor ihren Hutten unter einigen Baͤumen, und nehmen ihr ganzes Werkzeug: einen kleinen Amboß, eine Bockz⸗ haut als Blaſebalg, einige Haͤmmer, eine Zange und einige Feilen, uͤberall dahin, wo ſie etwas zu thun finden. Sie verfertigen Meſſer, Aete, Scheeren und dergleichen. Die Huͤtten der Neger ſind rund, und laufen oben ſpitzig zu. Sie empfangen ihr Licht blos durch die ſehr niedrige Thuͤre. Sie ruhen auf Stoͤcken, welche in die Erde getrieben, und durch Querhoͤlzer verbunden ſind. An dieſe befeſtigen ſie Stangen, welche ſich in einem gewiſſen Mittelpunkte vereinigen, und die Spitze bilden, die mit Stroh, Rohr oder einer Art von Weiden bedeckt wird. Vom Rauch werden die Huͤtten bald ſchwarz. Das Hausgeraͤth beſteht in einigen irdenen Toͤpfen, Kalebaſſen, Koͤrben und ei⸗ ner elenden Kiſte mit Gigris gegen Feuer und andere Gefahren. Ihre Laͤndereien Hugans) bearbeiten ſie mit einem eiſernen Inſtrumente, welches an einem langen Stiele befeſtigt iſt, damit ſie ſich nicht beugen muͤſſen. Der Berr, welcher arbeiten löt, ſteht bewafnet an der Spitze ſeiner Leute, hat ſeine Muſiker bei ſich, welche aus vollem Halſe ſingen, und auf ihre Inſtrumente ſchlagen, damit Muhamet ſie hoͤre, und ihre Arbeit ſegne. Der Herr begleitet ſie ſo ſehr, als moͤglich, mit Stimme und Gebehrde, und muntert ſeine Leute 73 auf, welche ganz nackt ſind, und eine kleine ge⸗ kruͤmmte Hacke in der Hand haben, welche 3 Zoll im Durchſchnitt hat, und wo ſie am bteiteſten iſt, hoͤch⸗ ſtens die Dicke eine Linie hat. Dbwohl die Felder ſchlecht bebaut werden, ſo ſind ſie doch von einer un⸗ glaublichen Fruchtbarkeit. Bei dem Tode eines Negers tritt oben genanntes Geheul ein; Weiber und Kinder uͤberlaſſen ihren Nach⸗ barn die Beſorgung der Beerdigung, und ſorgen nur fuͤr Brannt⸗ und Palmen⸗Wein, um ſie zu bewirthen. Denm es iſt ein weſentliches Stuͤck der Beerdigung, Folgar zu machen, d. i. zu tanzen und luſtig zu ſeyn, wenn der Leichnam begraben iſt. Unter beſtaͤn⸗ digem Trommelſchlage wird in das Dorf zuruͤckgekehrt, wo alsdann Jubelgeſchrei ſich erbebt. Stirbt ein Juͤng⸗ ling, ſo laufen ſeine Freunde mit Saͤbeln durch das Dorf, als wenn ſie ihn ſuchten. Begegnen ſie einan⸗ der, ſo ſchlagen ſie ihre Soͤbel zuſammen, vhne ein Wort zu reden. Die Hirſe, die Hauptnahrung der Neger, wird zerſtoßen, und aus ihr Kuska oder Sanglet bereitet. Wenn ſie zerſtoßen, durch ein Sieb geſiebt und die Kleie abgeſondert iſt; ſo bereitet man einen Teig, welcher aus Furcht, daß er zu Brod gebacken werden moͤchte, beſtaͤndig umgeruͤhrt wird. Durch dieſe be⸗ ſtaͤndige Bewegung werden harte Kuͤgelchen gebildet, welche ſich ſo lange halten, als ſie vor Feuchtigkeit bewahrt werden. Gießt man Waſſer oder heiße Suppe auf, ſo erholt man eine geſunde, leicht zu verdauende Speiſe, Kusku genaunt. Der Saunglet iſt eine Hirſe⸗Gruͤze, welche man eben ſo wie Gruze braucht, und die auch dieſelben Dienſte verrichtet. 3) Afrika iſt mit Waldungen, ſehr hohen Graͤ⸗ ſern, und beweglichem, brennenden Sande gefuͤllt, in welchen allen reißende Thiere und alle Arten von Wild ſich aufhalten. Alle Jahre zuͤnden die Neger die hohen Graͤſer an, und erleichtern dadurch die Jagd ſehr. Nach dieſem Brande wählt Jeder ſo viel Land, als er zu ſeinem Reis,⸗ oder Hirſe⸗Bau braucht. An der ganzen Kuͤſte von Afrika und noch mehr im Innern deſſelben, welches unter der heißen Zone liegt, iſt die Hitze unertraͤglich. Moraͤſe und faulende Gewoͤſſer verurſachen viele Krankheiten. Eine uner⸗ ſchoͤpfliche Menge von Wildpret macht die Jagd un⸗ terhaltend; doch iſt es nicht vvn derſelben Guͤte, wie das europatſche, ſondern vielmehr haͤrter und weniger ſchmackhaft. Hirſche, Rehe, Schweine, Elephanten, Siger und Kamele ſind ſehr gewoͤhnlich. Die braune wilde Kuhe iſt von vortreflichem Geſchmacke, beſſey ais irgend ein anderes Fleiſch. Sie lauft ebenſo ſchnell, als der Hirſch. Braune und graue Bekkaſine, Rebhuͤhner, Wachteln, Enten und wilde Tauben fin⸗ den ſich in groͤßter Menge. Der von Natur traͤgs Neger jagt nur ſelten; er erwartet das Wild, wenn es die Stroͤme beſucht; denn er kann es weder im Laufe, noch im Fluge tödten. 75 Der Fiſchfang iſt an den Kuͤſten Afrika's un⸗ Freitig der reichſte, ſey es an Rochen, Stockſſchen, Heeringen, Schildkroͤten, Auſtern und vielen andern unzaͤhligen Fiſchen. Ein einziger Zug gibt ſo viele Fiſche, daß 200 Menſchen durch ihn geſaͤttigt werden können. Ochſen und Kuͤhe ſind ſehr gemein. Das Fleiſch der erſtern iſt nicht ſo fett, wie in Frankreich; Butter gibt es in großer Menge; die Ziegen ſind faſt zahllos und die Schafe am Senegal, wie zwiſchen dem Gambia und Sierra Leona von außerordentlicher Größe und ſo wohlfeil, daß man ihren Preis faſt fuͤr nichts rechnen kann. Puhner ſind ſo gewoͤhnlich, daß alle Handwerker, Soldaten und Einwohner ihre eigenen Huͤhner⸗Han⸗ ſer haben; die Eier aber ſind ſehr theuer, weil die Huͤhner wenig legen, und die Hitze die Eler in Baͤlde verdirbt.— Die Pferde ſind von einer außexordent⸗ lichen Guͤte. Sie werden mit Heu und zerſtoßener Hirſe gefuͤttert, und daran gewoͤhnt, wenig und nicht oft zu trinken. Die Hirſche und Hindinnen unter⸗ ſcheiden ſich von den europaiſchen durch nichts. Die Gazelle, eine Art von Hirſchen, iſt deßwegen merk⸗ wuͤrdig, weil ſich Kopf, Schweif und Haare dem Kamele nahern, ihr Leib iſt dem einer Hindin gleich. Die Beine und zuͤße, welche vorne kuͤrzer, als hinten ſind, kommen denen des Haſen nahe. Sie laͤuft auf die Auhöhen mit erſtaunlicher Geſchwindigkeit. Flä⸗ . 76 chen aber ſind die eigentliche Laufbahn fuͤr dieſes muntere Thier. Ihr Fleiſch iſt ſehr zart. Die Neger erlegen ſie dadurch, daß ſie die duͤrren Graͤſer anzünden, dem Feuer beſtaͤndig folgen, bis ſie endlich die in einem Winkel zuſammengedraͤngten Thiere mit Pruͤgeln, Pfeilen und Saganen toͤdten. Das Fleiſch wird eingeſalzen und getrocknet, das Fett an fremde Kaufleute verkauft. Die welſchen Bohnen Afrika's ſchmecken beſſer, als die aus Frankreich dahin gebrachten. Sie ſind⸗ die Erdaͤpfel mit eingeſchloſſen, das einzige Gemuͤſe unter allen afrikaniſchen, welches mit den europaͤſchen einige Aehnlichkeit hat. Erdaͤpfel(Topinamburs) gibt es drei Arten, rothe, weiße und gelbe. Die Frucht Igname gleicht den rothen Ruͤben und wird nach dem Verhaͤltniſſe der Guͤte des Bodens groͤßer und kleiner. Bevor ſie gekocht wird, iſt ſie ſchmutzig⸗ weiß und zaͤhe; gekocht iſt ſie nahrhaft, leicht zu ver⸗ dauen und wird ſtatt des Brodes zu dem Fleiſche ge, geſſen. Der Palm⸗Wein, nach dem Branntwein das liebſte Getraͤnke der Neger, wird aus der Spitze des Palm⸗ baumes vermittelſt Einſchnitte gewonnen. Durch ein eingeſtecktes Blatt rinnt der Saft in das unten befe⸗ ſtigte Gefaͤß. Nur waͤhrend eines Monats wird der Saft aus der Palme gezogen; dann laͤßt man dem Baume ein Jadr Ruhe. Der friſche Palm⸗Wein gleicht, nach der Farbe und Fluͤſſigkeit, den Molken, * 77 ſchaͤumt wie Champagner, iſt ſo ſuͤß, als ſo eben ge⸗ kelterter weißer Wein. Er berauſcht ſehr, und bleibt nur 30 Stunden gut. Am zweiten Tage wird er ſauer, und verwandelt ſich wirklich in Eſſig. Man muß ein Neger ſeyn, um alsdann noch von ihm trinken zu koͤn⸗ nen. Jeder Einſchnitt gibt alle 24 Stunden 2 Maaß Wein. Es gibt 4 Arten Palmen: Die Dattel⸗Palme (Dattelbaum), die Stech⸗Palme, die ſogenannte Cyprier-Palme, und die ſegenannte Rondjet. Die Frucht der Stechpalme waͤchst in Trauben, deren ei⸗ nige Sso— 100 Beeren haben. Aus ihr bereitet man das Palm⸗Del. Die Cyprierpalme traͤgt gar keine eßbare Frucht, liefert aber den beſten Wein⸗ Die Afrikaner haben Erbſen von ſchwarzer glaͤn⸗ zender Farbe(Neger⸗Erbſen), Waſſer-Melonen in großer Menge, oft so— 60 Pfd. ſchwer. Ihr Fleiſch iſt glaͤnzend roth, und ihr Waſſer ſehr ſuͤß. Die Kol⸗ les ſind Fruͤchte, welche hinſichtlich ihrer Geſtalt, ihres Geruchs, der Groͤße und Farbe und des Ge⸗ ſchmacks, den indiſchen Kaſtanien ſehr nahe kommen und bitter ſind. Es gibt ferner Bananas, Bananas⸗ Feigen und eine ungehenere Menge von Giraumonts. Sie ſind die Lieblings⸗Fruͤchte des Landes. Der Bananas⸗Baum traͤgt alle Jahre nur einmalz ſtirbt, wenn er Fruͤchte getragen hat, allmaͤhlig ab. Seine Wurzel treibt aber bald Sproͤßlinge, welche in einem 78 Jahre Frucht tragen, umfallen, aber wieder treibende Wurteln zurücklaſſen. Die Kalebaffen⸗Baͤume werden von den Negern ſehr geſchaͤtzt, weil ſie ihnen ihr Gerathe liefern. Die Rinde dieſes Baumes iſt grau, ziemlich eben, wenn er jung iſt, aber rauh und knotig um Alter; ſein Holz mehr zaͤhe, als jart, wachst beſſer aus Spröß⸗ lingen, als aus dem Kerne. Seine Zweige ſind lang, groß an der Zahl und ſehr glatt. Die Blaͤtter, un⸗ ungefahr 4— 6 Zoll lang, ſind gegen das Ende ſchmal, und mit dieſem an den Zweigen befeſtigt. Der Baum hat beſtaͤndig Blumen und Früchte. Seine Blumen ſind blaulicht, wie wilde, halbge⸗ oͤffnete Roſen. Man durchbohrt entweder dieſe Ka⸗ lebaſſen, oder theilt ſie in zwei Haͤlften, welche recht gute Gefaͤße zu verſchiedenem Gebrauche geben. Die Neger ſtoßen die Blaͤrter der Kalebaſſe, und ver⸗ † miſchten ſie mit ihrem Kusku; die Kerne, mit welchen die Kalebaſſen gefullt ſind, werden im einem durchlo⸗ cherten Gefaͤße gebraten, und mit vielem Vergnuͤgen gegeſſen. Wenn Palm⸗ oder Kokos⸗Baͤume umgehauen weiden, ſo ſchneidet man den Kopf des Baumes zwei Fuß unter der Stelle ab, wo die Blaͤtter entſtehen. Innerhalb der aͤußeren Decken des Baumes ſindet man das Heri deſſelben, d. h. noch nicht entwickelte und ausgebrochene Blaͤtter in der Geſtalt eines Faͤchers nahe an einander. Sie ſind weiß, zart, von Ge⸗ 79 ſchmsck wie die Stiele der Autiſchoken, und werden Palmen⸗Kohl genaunt. Man kocht ſie entweder in friſchem Waſſer, und ißt ſie mit Salz und Pfeffer, wie die jungen Artiſchoken, oder man laͤßt ſie in ge⸗ ſatzenem Waſſer kochen, und ißt ſie mit einer weißen Bruͤhe, wie die Artiſchoken. 4) Auch findet man große und fette Auſtern in unerſchoͤpflicher Menge, denen jedoch etwas mehr Salz zu wuͤnſchen waͤre. Die Neger eſſen ihr Fleiſch, ſobald ſie dieſelben gefangen, oder pfegen es auch zu trocknen,(bukaniren nach ihrer Sprache) und treiben mit ihm einen guten Handel in das Innere des Lanu⸗ des. Aus den Schalen wird ein recht guter, leicht trocknender und vortrefflich bindender Kalk bereitet. Zu den oben angefuͤhrten Thieren zaͤhlen wir fer⸗ ner den Welf, welcher ſtaͤrker und groͤßer iſt, als der europäiſche; er hat ein ßilberfarbenes, faſt weißes Paar. Sie finden ſich in ungeheuerer Menge, weil die Neger keinen todten, aus Fuicht, die ͤbrigen moͤchten des erſchlagenen Tod an ihnen raͤchen. Schlangen gibt es von einer furchtbaren Groͤße, ſie ſind oft 26— 30 Fuß lang, und verhaltnißmaßig dick. Ihre Farbe iſt verſchieden; die kleinſten ſind die gefaͤhrlichſten.— Die Baume ſind mit Affen beladen. Sie ſehlen den Reis, decken Negerhuͤtten ab, wenn ſie in denſelben Niemanden bemerken, und zerſtren alles in denſelben. Die Weibchen tragen ihre Jungen auf dem Ruͤcken, wie die Negerinnen. Alle Fſſe in ——— 80 Afrika, und ſelbſt die Ufer des Meeres wimmeln von Waſſer⸗Pferden. Die Neger und in Afrika gebornen Portugieſen vom Niger bis an den Nil finden ſein Fleiſch vortrefflich. Die Neger in An⸗ gola, Kongo, de la Mina und an den oͤſtlichen Kuͤſten Afrika's halten es fuͤr eine Gottheit, welche ſie Fetiſo nennen. Sie eſſen es indeſſen und beun⸗ ruhigen ſo wenig ihr Gewiſſen, als die alten Ae— gyptier, welche die Zwiebeln und Zipolen verzehr⸗ ten, ungeachtet ſie dieſelben als Goͤtter anbeteten. Der Buͤffel findet ſich in allen heißen Laͤndern; der Pfau iſt in Afrika ſehr houfgg, und ungefaͤhr ſo groß, als ein welſcher Hahn. Die Adler verfolgen hier als ewige Feinde die Schlangen; an den Meeres⸗ Ufern ſtellen die Falken und große Haufen anderes Voͤgel den Fiſchen nach. Die Waͤlder und Gefielde ſind von verſchiedenen Voͤgeln, welche ſchoͤne und ſel⸗ tene Federn hab ben, in großer Menge bewohnt. Perl⸗ huͤhner, Papageien, wilde Gaͤnſe, Enten, Rebhuͤhner, Bekkaſinen, Wachteln, Holz⸗ und Lurteltauben und eine unendliche Menge anderer Voͤgel finden ſich in Afrika im groͤßten Uebepfluſſe. Das Krokodil, Kahman von den Negern ge⸗ nannt, ſchleicht an den Ufern der Fluͤſſe auf Beute umher. Sein Fleiſch und ſeine Eier haben einen ſtar⸗ ken Biſam⸗Geruch. Die Neger ſpuͤren ſeine Eier durch den Geruch auf, und vernichten ſie; ein gleiches thun auch die Affen. Ohne dieſe Feinde wuͤrden die 81 ufer dieſer Fluͤſſe in gefaͤhrliche Einoden verwandelt werden.. Der Hayfiſch, ein ſehr gefraͤßiges Ungeheuer, iſt einer der gefaͤhrlichſten Bewohner des Meeres. Er iſt zuweilen 26 Fuß lang und 4 breit, findet ſich auf der hohen See, an den ufern und in Fluͤſſen, und ver⸗ folgt ſeine Beute mit einer ſolchen Heftigkeit, daß er oft darüber ſrandet. In dem Augenblicke, wo er ſeine Beute ergreifen will, ſuchen die Neger ihn zu durchbohren. Zu Goree ſah ich, wie ein Neger in einem Augenblicke von einem Haye verſchlungen wurde. Um ihn zu fangen haͤngt man ein Stüͤck Fleiſch an eine Angel, welche an einer Kette befeſtigt iß. Hat er keinen Hunger, ſo naͤhert er ſich der Lockſpeiſe, unterſucht ſie, ſchwimmt um ſie herum und ſcheint ſie zu vernachlaͤſſigen. Sobald man aber Bewegungen macht, als wollte man es ganz zurckziehen, ſo ergreift ſeine erweckte Gefraͤhigkeit das Fleiſch gierig und ver⸗ ſchluckt es. So gefangen, macht er nun fuͤrchterliche Bewegungen, um ſich loszureißen. Sein Fleiſch i lederartig, mager, knorpligt und von ſchlechtem Geſchmacke. Die Seekuh(Lamentin, auch Seekalb), ein Fiſch an den Kuͤſen Afrikas, iſt 16— 4s Fuß lang und hat 4—3 F. im Durchſchnitt. Vom Kopfe bis in die Nitte des Leibes iſt ſie ganz rund und wird tiefer herab allmaͤhlig platter. Sie hat einen großen Kopf, 71 Vd. Afrika III.. 6 82 kleine, ſchielende Augen, große Lefzen und einzelne lange Haare. Mit 2 großen Floſſen an den Seiten ſchleppen die Weibchen ihre Jungen fort und drücken ſie an die Bruͤſte. Dieſer Fiſch lebt vom Graſe auf dem Boden des Meeres oder der Stroͤmez er liebt das fuͤße Waſſer und ſchlaͤft nicht ſelten, die Schnau⸗ tze aus dem Waſſer heraus ſreckend. Sein Fleiſch iß ſehr wohlſchmeckend, ſein Speck eben ſo gut und feſt, als der des Schweines⸗ Seine dicke Haut kann man gerben. In allen Stroͤmen finden ſich eine unglanbliche Menge von Krebſen und Karpfen. Die kleinen Stroͤ⸗ me ernaͤhren viele Aale. Wenn die Gewaͤſſer ſo ſehr geſtiegen ſind, daß man keinen Anwachs mehr vermu⸗ thet, ſo verzaͤunen die Neger die Mundungen dieſer Stroͤme mit Huͤrden, welche durch Pfaͤhle gehalten werden. Bei dem Ablaufe des Waſſers findet man verſchiedene Arten von Fiſchen. s) Der Baum oder Strauch, von welchem der Weihranch kommt, iſt dem Maſtix⸗Baume ſehr aͤhn⸗ lich und findet ſich auch in Afrika. Seine jahlreichen Zweige find zart und biegſam, und mit einer durren, ſich anſchmiegenden Rinde von grauer Farbe uͤberzogen; ſeine Blaͤtter ſind lang und ſchmal, ſtets gruͤn und gepaart und bilden Reiſer, welche ſich in ein einziges Blatt endigen. Ihr Stiel iſt roth und ziemlich ſtark: ßie ſind zart und fleiſchig und geben, in der Hand zerzieben, eine ölichts Feuchtigkeit von einem ſarken 83 und gewürzhaften Geſchmacke. Man findet dieſe Baͤumchen in Menge an der Seite von Arguin und au den Kuͤſten Afrikas. Die Alve iſt ein geronnener Saft aus der Pflanze gleichen Namens. Nicht zu verwechſeln iſt der Alve⸗ Baum mit dieſer. Ihre Blaͤtter kommen unmittelbar aus der Wurzel, ſind lang, ſehr breit bei ihrem Ent⸗ ſtehen, dick, ſleiſchis, feſt und laufen ſpitzig zu. Sie baben viel Saft, welcher bei der geringſten Verwun⸗ dung reichlich auslaͤuft, von der Hitze der Sonne bald bart wird und gerinnt. Die rechte Zeit, in die Blätter Einſchnitte zu machen il nicht die naſſe Jahreszeit, auch nicht, wenn ihre Staͤmme getrieben haben. Im erſten Falle wuͤrde der Saft zu roh, im andern die Pflanze ganz erſchöpft ſeyn. Der Maßir⸗Baum wachst in großer Menge an den Köſten des weißen Vorgebirges, von Ar⸗ guin, Portendik und laͤngs der uͤbrigen Koͤſten Afrikas. Dieſer Baum hat ſehr viele Zweige, iſt groß und hoch, oͤfter doch wwitzig und niedrig. Seine nachgebenden und biegſamen Zweige ſind mit einer greiſen Rinde uͤberzogen und hoͤckeriger durch die jaͤhr⸗ lichen Einſchnitte, als in ſolchen, welche noch gar keine Einſchnitte erlitten haben. Seine Blaͤrter kom⸗ men den Myrthen⸗Blaͤttern nahe, ſind ſtets gepnart und an einem ſchwachen, 2— 3 Zoll langen Stiele befeſtigt. Sie ſind ſtets grün, zart, von einem ange⸗ nebmen Getuche und von einem ſcharſen, zuſammen⸗ 84 zſehenden Geſchmacke. Die Blumen ſind in fleiſchfar⸗ benen Trauben geordnet und mit kleinen Staubfaͤden, aber ohne Samenwege angefuͤllt. Die Fuucht bricht nicht aus den Bluͤthen, ſondern aus andern Knospen oder Stielen hervor. Der Maſtir iſt ein Harz vom Maſtix⸗Baume, welches durch Einſchnitte gewonnen wird. Die Indigo⸗Pflanze waͤchst in gan; Afrika, beſonders an den Fluͤſſen, wild und ohne alle Kultur. Auf allen übrigen Theilen der Erde findet man nicht ſo ſchoͤne und brauchbare Tamarinden in ſo großer Zahl, als an der ſuͤdlichen Seite des Niger und Gambia. Die ganze Kuͤſte von Afrika iſt mit dieſen Baͤumen, aber von einer kleinern Art beſetzt. Dieſer Baum iſt gewoͤhnlich ſo hoch und dick, als ein Nußbaum, aber viel belaubter und dichter; der Stamm faſt immer gerade und oft von 3 Fuß im Durchſchnitte. Die Rinde iſt dick, braun und geſpal⸗ ten; ſeine Blaͤtter gewaͤhren einen kuͤhlenden Schat⸗ ten. Die Blumen entſtehen in kleinen Straͤußen, welche s— 6 Zoll lang ſind, aber doch nur 9— 10 Blumen enthalten, weil dieſe von einander entfernt ſind. Nur das Fleiſch und die Saamenkoͤrner, von der aͤußern Haut abgeſondert, werden nach Europa gebracht. Aus dieſer Frucht bereiten ſich die Afri⸗ kaner einen kuͤhlen und angenebmen, abfuͤhrenden Trank, welcher mit Waſſer und Honig vermiſcht wird. Alle Zitronen⸗Baͤume haben an ihrem Fuße mehrere . 85 Schoͤße von Winden, die an den Baͤumen und ihren Zweigen aufſteigen, dann wieder abfallen, und ſo aus jedem Baume eine dichte, natuͤrliche Laube mach en Die Winden treiben eine weiße Blume von unver⸗ gleichlichem Geruche; die Frucht aus dieſen Blumen bat die Geſtalt einer kleinen Zitrene, nicht weniger ihren Saft, ihre Saͤure und Farbe. Nahe bei dem See Fule, zwiſchen Goree und dem Senegal, iſt ein ganzer Wald von dem ſchoͤn⸗ ſten, ſchwarzen Ebenholze, welchen die Neger Jalam⸗ Banno nennen. Der Wald iſt nur 4 4/2 M. von der See entfernt. Dieſes Holz findet man unter andern auch zu Donai, am Fluſſe Botte, im Koͤnigreiche Fule und am Fluſſe Falenee. Dieſe Drte und die Gegender an den Fluͤſſen Saluͤm, Kaſſamance, Gambia und ſolchen, welche in dieſe ſich ergießen, ſind voll von Baͤumen, welche zur Erbauung von Kriegs⸗ und Kauffahrtei⸗Schiffen tuͤchtig ſind. Das noͤrdliche Ufer des Fluſſes Kachaux iſt mit Lichtbaͤu⸗ men beſetzt, und nicht weit davon ſtehen die ſchonſten, groͤßten und hoͤchſten Baͤume in ganz Afrika. Der ſogenannte Kurbari iſt ein ſehr dicker und hoher Baum, welcher ſich in großer Menge an den Ufern des Gambia und in den umliegenden Gegen⸗ den findet. Sein Holz iſt ſehr hart und feſt. Der Stamm iſt 40— 60 Fuß lang und hat 3— 4 Fuß im Durchſchnitte. Knoten und Spalten findet man faſt niemals darin. 3 86 Der afrikaniſche Feigen-Baum iſt von einer er⸗ ſaunlichen Groͤße. Sein Holz taugt zwar nicht zum Brennen, iſt aber ſehr paſſend zu Bildhauer⸗ und Drechſler⸗Arbeiten. Der Baumwollen⸗Baum waͤchst durch ganz Afrika in jenen Gegenden, welche nicht uͤberſchwemmt werden koͤnnen. Er traͤgt Bluͤthen und Fruͤchte in Menge. Die Blumen ſind klein, mit roͤthlichen Fä⸗ den umgeben und inwendig mit einigen Purpurfaͤden beſponnen. Sie ſchließen einige ſehr feine, rothliche Staubfaͤden in ſich, welche einen gruͤnen Staubweg umgeben, welcher ſich in einen ovalen und etwas zu⸗ geſpitzten Knopf verwandelt, der anfangs gruͤn iß, nachher aber, wenn er zur Reife kommt, etwas ſchwaͤtzlich wird. Dieſer Knopf reift in 4— 6 Mona⸗ ten, alsdann ſprengt die Materie, welche er einſchließt und die durch die Hitze der Sonne ausgedehnt wird, die Huͤlſe auf und dringt hervor. Eine jede Huͤlſe ſchliet s— 7 Koͤrner von der Groͤße gewohnlicher Erbſen in ſich, welche aber platter und etwas hoͤckeri⸗ ger ſind. Nach der Verſchiedenheit der Koͤrner ſitzt die Baumwolle mehr oder weniger feß. Aus den Koͤrnern entſteht der Baum wieder, welcher 12— 14 Monate nach ſeiner Pflanzung Fruͤchte traͤgt. 87 Le Vaillant Reiſe in das Innere von Afrika, in den Jahren 1780—85*. Erſter Theil. 4 I. Genren in Surinam, zu Paramaribs im hollaͤndiſchen Guiana, durchzog ich mit meinen Aeltern viele wilde Gegenden Amerikas, ehe wir 1763 nach Holland und Frankreich kamen. Nach⸗ dem ich mehrere Jahre in beiden Laͤndern meine Wiß⸗ begierde befriedigt hatte, entſchloß ich mich zur Reiſe an das Vorgebirge der guten Hoffnung, zu welcher mich Jemminks, Schatzmeiſter der oſt⸗ indiſchen Kompagnie, mit den beſten Empfehlungs⸗ Schreiben unterſtuͤtzte. Am 19. December 178o lichte⸗ ten wir bei guͤnſtigem Winde die Anker, als eben die — *) Voyage dans l'Intericur de' Afrique 8 vol. 1780—85. 8. Ueberſetzt in das Ruß., Holl. und e und durch mehrere Apflagen vielfach Abends? Uhr noch keinen Schuß gemacht, waͤhrend 88 Englaͤnder den Hollaͤndern den Krieg erklaͤrt hatten. Am 1. Februar, als wir uns 3 Grade nordwaͤrts von der Linie befanden, gab man uns bei dem Anbruche des Tags Nachticht, daß am fernen Horizont ein Schiff ſichtbar ſey. Unſer Begleitungs⸗Schiff, der Merkur, befand ſich damals faſt außer unſerm Ge⸗ ſichts⸗Kreiſe und wir hatten vollkommene Windſtille. Erſt gegen 9 Uhr konnten wir das kleine und unbe⸗ trͤchtliche Schiff ſehen, ohne zu wiſſen, ob es ein engliſches oder franzoͤſiſches iſt. Einige Stunden ſpaͤ⸗ ter ließ es ſich durch zwei Schaluppen gegen uns trei⸗ ben; wir ſchloſſen, daß es aus Noth unſere Huͤlfe ſuche, und ließen es daher ganz langſam auf uns ſe⸗ geln. Gegen 3 Uhr war es noch einen halben Kano⸗ nenſchuß von uns entfernt; wir ließen einen blinden Schuß abgehen, um unſere Flagge in Anſehen zu ſetzen. Allein ſogleich erhielt der Hintertheil unſers Schiffes einen Schuß, auf welchen bald eine ganze Ladung folgte. Der Kaper ſleckte zu gleicher Zeit ſeine engliſche Flagge auf. Wir hatten die ganze Seereiſe ruhig zuruͤckgelegt, weder der Capitain, noch die uͤbrigen Pffiziere hatten die geringſte Vorkehrung gegen einen feindlichen An⸗ griff gemacht, und faſt alle unſere Soldaten waren Nekruten, welche niemals eine Flinte geladen hatten. In dieſem allgemeinen Schrecken mußte die beiſpielloſe Verwirtung mehrere Stunden fortdauern. Wir hatten 89 der Kaper ſeine 16 achtbfuͤndige Kanonen unaufhoͤrlich auf uns donnern ließ und drohte, uns in den Grund zu ſchießen, wenn wir uns nicht ergeben wuͤrden. Unſer Capitain erwiederte, daß er ſich nicht eher er⸗ geben koͤnnte, bis er von ſeinem Kommandanten auf dem andern Schiffe Erlaubniß dazu erhalten haͤtte. Unſer Schiff hatte 32 Kanonen von weit groͤßerem Kaliber, einige Seitenſtuͤcke und außer der Equipage noch 300 Mann Beſatzung am Bord. Wie durch ein Wunder bewirkte ein kleiner Wind die Annaͤherung des Merkurs, deſſen Capitain die Antwort des unſrigen, der erſt auf Befehl des Kom⸗ mandanten ſchießen wolle, nicht genug anſtaunen konnte. Der Merkun feuerte alſo zuerſt auf den Englaͤnder, bald auch unſer Schiff, und obſchon der Merkur zwiſchen uns und dem Kaper lag, ſo feuer⸗ ten doch unſere Leute ununterbrochen fort. In dieſer Unordnung bemeiſterte ſich auch die Mannſchaft des Branntweins und bald uͤbertraf einer den andern an Trunkenheit und Veſinnungsloſigkeit. Selbſt unſer Schiffsprediger hatte ſich berauſcht, vielleicht um ſei⸗ nen Muth zu erhoͤhen; er ſtieg mit der Laterne in der Hand zur Pulverkammer hinab, in welcher 26,000 Pfund für die Inſel Ceylon beſtimmt, verwabrt waren. Er brachte, ohne weitere Vorſicht, einen Vorrath von Pulver heraus, um Patronen mit ihm fuͤllen zu konnen; denn vorratbis waten keine, und „ 90 3 vor fruͤhem Morgen war noch Niemanden eingefallen, ſie zu fertigen. Um 11 Uhr Abends wich endlich der Kaper, nachdem er unſer Steuer⸗Ruder, Segel und uͤbrige Geräthe zu Grunde gerichtet und das Schiff, wie ein Sieb durchloͤchert hatte. Als man des andern Mor⸗ gens die Kanonen reinigen wollte, waren einige bis an die Muͤndung geladen, andere enthielten drei voll⸗ ſändige Ladungen mit drei Kugeln auf einander; ſelbſt mehrere Flinten enthielten doppelte Ladungen, oder wenigſtens die Kugel unten und das Pulver oben. Aus dieſem ergibt ſich die beiſpielloſe Unord⸗ nung waͤhrend des Gefechts, wie auch die Nothwen⸗ digkeit, daß wir ohne die gluͤckliche Dazwiſchenkunft des Merkurs dem Kaper uns haͤtten ergeben můßen. Die übrige Zeit unſerer Ueberfahrt von 3 Monn⸗ ten und 10 Tagen hatten wir den beſten Wind, er⸗ blickten die Anhoͤhen des Vorgebirges der guten Hoffnung in einem ſehr vortheilhaften Lichte und ankerten noch am Dage unſerer Annaͤherung in der Safelbay. Der Hafen⸗Capitain Staring be⸗ nachrichtigte uns ſogleich von der Kriegserklaͤrung Englando. Ich ſtieg an das Land und wurde nach meinen Empfehlungen beſtens aufgenommen. Die Kap⸗Stadt bildet am Abhange des Tafel⸗ und Löwen⸗Berges ein Amphitheater bis zum ufer des Meeres. Die Straſſen ſind ſehr breit, aber ſchlecht 9¹ gepflaſtert. Die geraͤumigen Haͤuſer ſind wegen der ſtarken Winde mit Rohr gedeckt und enthalten nur ſehr einfache Geraͤthe. Betritt man die Stadt auf der Seite des Schloſſes, ſo hat man einen herrlichen Anblick der ſchoͤnſten Gebaͤnde, des Gartens der Kompagnie und der Springbrunnen, welche aus einer Spalte des Tafelberges ſich fullen. Die Frauen⸗ zimmer ſind ſo zierlich gekleidet, wie in Frankreich; ſie lieben das Spiel auf dem Klavier mit Geſang. Gaſt, oder Kaffee⸗Haͤuſer gibt es nicht, wohl aber iſt ieder Buͤrger ein Wirth gegen den gewöhnlichen Preis eines Piaſters fuͤr taͤgliche Wohnung und Koſt⸗ Wildpret findet ſich nur einige Meilen im innern Afrikas. Fiſche ſind nicht zahlreich, und nur auf den Tafeln Reicher und Großer; deſto mehr Rebhuͤh⸗ ner, Wachteln und Beeaſſinen. Weintrauben, Zitro⸗ nen, Drangen und Feigen ſind hier ſo vortreßlich, wie in Suropa. Wegen der heftigen Winde werden die Gartenbette mit ziemlich dichten Buchen⸗Hecken umpflanzt; deſſen ungeachtet bengen ſich alle Baͤums nach der Windſeite und treiben auf dieſer gar keins Aeſte. Sobald eine kleine weiße Wolke an der Spitr des Tafelberges ſich zeigt, wird die Luft friſcher; der heftige Wind dauert gewoͤhnlich vom Januar bis zum April; in der Stadt kann man oͤfters von einem Ende der Straße kaum bis zum andern gehen. Die gewoͤhnliche Krankheit am Hay iſt eine Art von Halsweh; die Blattern rafften viele Menſchen weg. 92 Unter den Fremden am Kap ſind die Englaͤnder weit mehr geachtet, als die Franzoſen. II. Wegen des Friedensbruches zwiſchen England und Holland eilte der Gouverneur, die auf der Rhede liegenden Schiffe nach der Bay von Saldanha wegen der Sicherheit zu ſchicken; wir trafen den 14. May daſelbſt ein. Dieſe Bay zieht ſich 7— 8 Meilen in das Land, und bietet 10— 42 Kriegsſchiffen und vielen andern kleinern Schiffen hinlaͤnglichen Raum dar. Dieſe werden durch die umliegenden Landleute mit allen Lebensmitteln reichlich verſehen. Seht zahlreich findet ſich in ihr der Kachelot, eine Art von Walfiſchen, welcher auch außer dem Waſſer ſpielt. Auf einer kleinen Schaapen⸗Inſel ſind außer⸗ ordentlich viele Kaninchen, welche von den Soldaten geſpeiſt werden, obgleich Wildpret, Haſen, Rebhuͤh⸗ ner in dieſer Gegend nicht fehlen. Gleich nach meiner Ankunft lud mich der daſige Kommandant zu einer Jagd⸗Parthte ein. Wir liefen den ganzen Tag herum, ohne etwas ſchießen zu koͤn⸗ nen. Gegen Abend trennten wir uns zufaͤllig und ich kam in die groͤßte Gefahr. Durch verſchiedene Flin⸗ — tenſchuͤße hin und her hatte ich eine kleine Gazelle (ein zum Hirſchgeſchlecht gehoͤriges Thier) aufgeweckt, welche mein Hund auch ſogleich verfolgte. Endlich blieb der Hund vor einem großen Buſche ſehen, um welchen er mehr als einmal bellend lief. In der. Meinung die Gazelle habe ſich darin verborgen, drans 93 ich ſelbſt in das Gebuͤſche und legte mit meiner Flinte die Zweige aus einander, welche mir den Weg ver⸗ ſperrten. Aber wie erſchrack ich, als ich, bis zur Mitte des Dickichts vorgedrungen, vor einem großen und ſchrecklichen Panther ſtand. Seine Gebaͤrden, ſeine funkelnden auf mich gerichteten Augen, ſein halbaus⸗ geſtreckter Hals, ſein zur Haͤlfte geoͤffneter Rachen und das dumpfe Geheul, welches er hoͤren ließ, lie⸗ ßen mich glauben, ich ſey ſchon zwiſchen ſeinen Zaͤhnen. Ich zog mich ſtill und ſchnell zuruͤck, erreichte das Freie und ſuchte mich dem Wachpoſten zu naͤhern, waͤhrend der Kommandant durch mehrere Flinten⸗ ſchuͤße mir Zeichen geben wollte und deßwegen ſpaͤter als ich zuruͤck kam. Er aͤußerte über meine gluͤcklichs Rettung eben ſo viel Verwunderung, als Freude. Waͤhrend unſeres oͤfteren Beſuches der Kanin⸗ chen⸗In ſel erhob ſich einmal neben der Schaluppe, in welcher wir zuruͤckkehrten ein Kachelot aus der See, etwa 12 Fuß hervor. Haͤtte unſer Steuermann die Schaluppe nicht ſehr ſchnell gedreht; ſo haͤtte die ungeheuere Laſt ſeines Koͤrpers uns erdrückt, als er niederfiel; ſo aber wurden wir nur ſehr ſtark benetzt. Er hat gewoͤhnlich eine Laͤnge von 60— s0 Fuß; rich⸗ tet er ſich ſo gerade aus der See auf, daß die Haͤlfte des Koͤrpers hervorragt, ſo gleicht der Schall ſeines Zuruͤckfalls einem Kanonenſchuße. III. Wir waren noch nicht 3 Monate in der Bay von Saldanba geweſen, als ich ſchon die ganzs 94 umgebung kannte und eine betrachtliche Anzahl vor⸗ trefflicher Voͤgel, Muſcheln, Inſekten und Madreporen geſammelt hatte. Allein durch einen ungluͤcklichen Zufall wurde ich derſelben bald wieder verluſtig. Wir wurden durch einen Boten des Gouverneurs von Kay benachrichtigt, daß eine franzoſiſche Flotte eingelaufen ſey und eine andere erwartet werde. Zu⸗ gleich erhielt das Schiff Woltemade, welches mich aus Europa gebracht hatte, die Weifung, eheſtens nach Ceylon zu reiſen, was auch in den erſten Tagen des Auguſts erfolgte. Allein es wurde durch die engliſche Eskadre des Kommandeurs Johnſon angetroffen und ſogleich in Beſitz genommen. Dieſe Eroberung befoͤrderte auch unſer ungluͤck; denn die Beſatzung von Woltemade verrieth den Drt unſers Aufenthalts, daher Johnſon gerade nach Sal⸗ danha⸗Bay ſegelte und am Eingange die franzoſt⸗ ſche Flagge aufſtellte. Anfangs glaubten unſere Leute, bieſe ſey die allirte Flotte, welche uns angekuͤndigt war. Allein ein Kutter, welcher voraus geeilt war, ſteckte die engliſche Flagge auf und gab unſeren Schiffen eine volle Ladung. Die große Zahl der feind⸗ lichen Schiffe machte den unſrigen unmöglich, ſich nur im Geringſten zu widerſetzem; es blieb nichts übrig, als moͤglichß ſchnell die Anker zu kappen, auf den Strand zu laufen, die Schiffe zu verlaſſen und ſich durch die Flucht zu retten. Die Unordnung und der Schrecken hatte ſich uͤbet unſere Mannſchaft ſo v 95⁵ verbreitet, daß unſere Flotte ſchaͤndlichſ geplundert wurde. Nur Vangenep, der Capitain meines Schiffes, ſieckte dieſes in Brand. Die Furcht, von den Feinden verfolgt oder umgebracht zu werden, be⸗ ſchleunigte die Schritte unſerer Matroſen nach dem Hap. Allein 20 Meilen durch tiefen Sand bis zut Stadt hatten viele ſo ermuͤdet, daß ſie einen Cheil ibrer geretteten Habe auf dem Wege liegen laſſen mußten. Ich war damals am Lande auf der Jagd, glaubte das Kanoniren bedeute ein Feſt und eilte zu ihnen zuruͤck. Allein kaum hatte ich die Dunen er⸗ reicht, als das Schiff Mi ddelburg, auf welchem ich war, in die Luft flog, und plötzlich die See und dio ganze Umgebung mit brennenden Ueberbleibſeln be⸗ deckte. Ich hatte am ufer den Schmerz, meine Na⸗ turalien⸗Sammlung, mein Vermoͤgen und meine Plane vereitelt zu ſehen. Die Englaͤnder feuerten auf die Fliehenden und todeten einen Mann und einen Hund dicht neben mir. Ich hielt alſo nicht für rath⸗ fam, länger zu verweilen, um eine dritte Kanonen⸗ Kugel zu ſehen und entfernte mich auf die andere Seite der Duͤnen. In dieſer ſchrecklichen Lage war mein ganzes Ver⸗ muoͤgen eine Flinte, 10 Dukaten in der Laſche und mein leichter Anzug. Ich befand mich in einer Wuͤſte, ohne Hoffnung ein ſicheres, ruhiges Obdach zu treffen. 2000 Meilen trennten mich von meiner Gattin, mei⸗ nen Fludern und meitem neuen Vaterlande. Im — 96 erſten Augenblicke ſah ich auf die Sieger zuruͤck, wel⸗ che mein Leben und mein Elend durch einen Schuß baͤtten abkuͤrzen koͤnnen. Doch bald wurde dieſe Ver⸗ zweifiung verdraͤngt durch die Erinnerung an meine Jugendkraft. Zugleich erinnerte ich mich, in einer Entfernung von etwa 4 Meilen auf meinen Streife⸗ reien einen Koloniſten kennen gelernt zu haben. Im Vertrauen auf deſſen Gutmuͤthigkeit, daß er mich bis zu einer neuenUnterſtuͤtzung aus Europa beiſich aufnehmen werde, begab ich mich zu ihm, und ich fand die liebe⸗ vollſte Aufnahme. Nach wenigen Tagen erfuhren wir ſchon, daß alle unſere Capitains der Schiffe in der Bay von Saldanha kaſſirt wurden, bis auf den edlen Vangenep, weil ſie dem Befehl nicht ent⸗ ſprochen hatten, ihre Schiffe bei der Annaͤherung der Englaͤnder in Brand zu ſtecken, wozu ſie ſich vom May bis zum Auguſt hinlaͤnglich haͤtten vorbereiten koͤnnen. Der Fiſkal Boͤrs ſah mich mit den Matroſen und Pffizieren nicht zuruͤckkommen; da er mich nicht auskundſchaften konnte, ſo beſuchte er mich nach we⸗ nigen Tagen in der Wohnung des gaſtfreien Koloni⸗ ſten Slaber. Ich entdeckte ihm mein Vorhaben und er hoͤrte mich ruhig an; dann ſagte er auf dis gutmüthigſte und herzlichſte Weiſe:„Erinnern ſe ſich, daß ſie mir empfohlen ſind. Der Augenblick ihres Unglucks iſt gerade jener, in welchem ich das Zutrauen meiner Freunde, welche ſie mir empfahlen, erfuͤllen muß. Mein Haus, mein Liſch, alles was ihnen an⸗ gelegen iſt, biete ich ihnen an; faſſen ſie Muth, ver⸗ lieren ſie ihren Endzweck nicht aus dem Auge, und warten ſie nicht, bis ſie zur Fortſetzung ihrer Reiſe Hülfe aus Europa erhalten, deren Ankunft ſehr ungewiß iſt. Ich bin verbunden, ſie mit allem Nothi⸗ gen zu verſehen; ſie muͤſſen es annehmen, ich will Es. Dieſe Sprache war zu menſchenfreundlich, und eindringend, als daß ich ſeinen Antrag haͤtte ableh⸗ nen konnen, ohne ihn zu beleidigen; ich ergab mich alſo. Sein betraͤchtlicher Vorſchuß, die vielen Ge⸗ fälligkeiten des Untergouverneurs Hacker, und die Unterſtuͤtzung des Kommandanten Gordon am Kap werden mich zu lebenslaͤnglichem Danke verpflichten. Ungern erlaubte mir Boers noch 14 Tage in Sal⸗ danha zu bleiben, um einen Theil meiner Natura⸗ lien, welche ich durch den Beſuch der Englaͤnder ver⸗ loren hatte, wieder zu erſetzen. Denn theils waren ganz eigene Produckte in dieſer Gegend, theils patte ich ſie ſchon nach allen Richtungen durchkrenzt, theils hatte ich ein Pferd gekauft, und einen Hottentotten angenommen, durch welchen ich die entlegenſten Schlupfwinkel kennen lernte, theifs war die ganze Familie des Koloniſten Slaber, ungeachtet ihrer koloſſalen Figur von 6 Fuß Höhe, ungemein zuvop⸗ ſommend und gefallig. IM. Nach dem Verlaufe der mir beſtimmten Zeit begab ich mich an das Kap in das Haus des Fiseats 71. Bd. Afrika. III. 1. 7 — 98 Boers, wo alles zu meiner beſten Aufnahme, wie zu meiner Reiſe in das Innere vorbereitet war. Gor⸗ don fand letztere uͤberhaupt gewagt, und jetzt beſon⸗ ders wegen des Krieges, den die Kaffern mit den Hottentotten fuͤhrten. Ich glaubte jedoch, daß nicht gerade alle Gefahr mich treffen wuͤrde. Ich beſuchte unterdeſſen den Tafel⸗ und Löwen⸗Berg. Er⸗ ſerer iſt nach La Cailles Meſſungen 3,600 Fuß uͤber die Meeresflaͤche, beſteht aus Granit und Erde in horizontalen Lagen, und iſt nur auf der Seite der großen Spalte zu erſteigen, auf welcher die Spring⸗ Brunnen am Kap gefuͤllt werden. Auf ihm findet man eine Art von Geiern, auch Strauße und Paviane. Ebenſo kann man die 30 Meilen entfernten Piguet⸗ Berge bei hellem Wetter deutlich erkennen. Von Tafel⸗Berge gelangt man auch auf den Teufels⸗ und Löwen⸗Berg. Auf der Spitze des letztern wird die Ankunft der Schiffe durch einen Kanonon⸗Schuß angeieigt. Hinter dem Tafel⸗ Berge beſuchte ich auch den beruͤhmten Weinberg von Konſtantia, und überieugte mich, daß nicht der zehnte Theil des in den Handel kommenden Wei⸗ nes dieſes Namens daſelbſt waͤchst. Bei meiner An⸗ kunft koſtete ein Quantum von 80 Bouteillen 35— 40 Piaſter, bei meiner Abreiſe aber ꝛ00. Eine Menge Landhaͤuſer in der Naͤhe des Tafel⸗Berges ſind zur Beforderung des Weinbaues angelegt. Wer am Kaz dieſe Weine kaufen will, muß ſich an die Land⸗ —— 1—— 99 leute ſelbſt wenden. Denn die daſigen Weinhaͤndler wiſſen, daß er ſich nicht lange haͤlt; ſie ſetzen ihm da⸗ her Brauntwein zu, ſchwefeln die Faſſer ſtark aus, und treiben andere Kuͤnſteleien. Selbſt am KHap ſieht man den gewoͤhnlichen Landwein ſelten auf den Ta⸗ feln reicher Einwohner; ſtatt deſſen bedient man ſich des rothen Weines aus Bvurdeaux, und des Biers aus Europa uͤberhaupt. Kommt man in ein Haus, ſo wird, wie beim Morgentrunke, ein Glaͤschen Wachholder, oder Franz⸗ Branntwein oder Arrab, oder weißer Wein gereicht; letzterer iſt durch Wehrmutb, Alve ꝛe. bitter gemacht. Die Falſo⸗Bay liegt ſuͤd⸗oͤſtlich vom Kap 3—4 Meilen entfernt, hat mehrere große Magazine und ein großes Lazareth nebſt einem geraͤumigen Palaſt fuͤr den Gouverneur, welcher zuweilen einige Tage da⸗ ſelbſ verweilet. Unter den Fiſchen iſt vorzüglich der Booman beliebt; Außtern finden ſich ſelten. Un⸗ ter den Baͤumen iſt jenes des Silberblattes, theils wegen ſeines ſchnellen Wachsthums, theils wegen der betraͤchtlichen Anpflanzung fuͤr die Feuerung am nuͤtz⸗ ichſten. Das beſte Brod wird in dem Winkel zwi⸗ ſchen Stellenboſch und Drageßein gebacken, welchen franzöſiſche Flͤchtlinge am Ende des ſiebzebn⸗ ten Jahrhunderts beſetzten. Die erſte Reihe der Berge und Huͤgel, welche man aus der Tafel⸗Bay entdeckt, liefert viel vor⸗ treffliches Korn. Die dem Kap am naͤchſten wohnen⸗ 100 den Koloniſten ſind durch den leichteren Verkauf ihrer Gemuͤße, Fruͤchte, Eier und Milch am glucklichſten. In einer Entfernung von 12 Meilen bedienen ſich die Landeinwohner mehr der Neger, als der Hottentot⸗ ten, weil erſtere arbeitſamer und treuer, als letztere ſind. Die Sklaven werden auch ſelbſt fuͤr den Fall der Entweichung nirgends geringer geſtraft, als am Kap. Die Neger von Mozambigue und Mada⸗ gaſcar ſind als Sklaven die thaͤtigſten und anhaͤng⸗ lichſten; ſie werden gewoͤhnlich mit 120— 460 Piaſter gekauft. Die aus Oſtindien kommenden Sklaven ſind am Kap fuͤr die Haus⸗ und Stadt⸗Dienſte die brauchbarſten. Die Malayen ſind wohl die klug⸗ ſten, aber auch die gefaͤhrlichten. Denn um eine Klei⸗ nigkeit bringen ſie ihren Herrn oder deſſen Frau um, obſchon ſie die fuͤr dieſe Miſſethat beſtimmte Todes⸗ ſtrafe wohl wiſſen; ſie glauben durch den Tod ſchnel⸗ ler in ihr Vaterland zuruͤck verſetzt zu werden. Die Creol⸗Sklaven werden, wenn ſie Handwerke ge⸗ lernt haben, am theuerſten bezahlt, z. B. ein Koch mit soo— 4200 Shalern. So gut auch ſolche Sklaven gekleidet werden, ſo muͤſſen ſie doch mit bloßem Kopfe und barſuß ſich auszeichnen. Auffallend iſt jedem Europaer die Menge weißer Sklaven am Kapz allein ſchoͤne junge Negerinnen werden haͤufig von Soldaten der Garniſon geehlicht. IV. Wahrend meines dreimonatlichen Aufenthal⸗ tes am Hap, ließ ich mir zwei große mit Segeltuch 101 beſpannte Wagen bauen. Einer enthielt s Kiſten, die ich oͤffnen konnte, ohne ſie abzunehmen, und meine Matraze zum ſchlafen. In demſelben hatte ich vier bis füͤnf Centner Pulver und 20 Centner Blei nebſ 12 Flinten, von welchen eine, fuͤr groͤßere Thiere beſtimmt, z. B. Elephanten, Rhinozeros, und See⸗ Kuhe, eine viertelpfuͤndige Kugel ſchoß. Nebſt dem batte ich mich noch mit zwei Doppelt⸗Piſtolen, einem Saͤbel und Dolche verſehen. Im zweiten Wagen wa⸗ ren noch 4 Flinten und meine Kuͤche, meine Koch⸗ Geräͤthe, zahlreiche Waͤſche, Zucker, Kaffee, Choko⸗ lade, Branntwein in zwei Faͤſſern, viele Glaswaaren, und Spielzeuge. Rechnet man hiezu noch ein großes Selt, Schmied⸗, Wagners⸗ und Schneiders⸗Inſtru⸗ mente aller Art, ſo wird man einſehen, daß jeder Wagen 40— 60 Centner an Gewicht mit ſich fuͤhrte. Mein Zug⸗Vieh beſtand aus 30 Ochſen, vor jedem Wagen 40, und 10 andere zum wechſeln beſtimmt. Ich hatte ferner 3 Jagdpferde, 9 Hunde und s Hot⸗ tentotten bei mir, deren Zahl ſich nach und nach an⸗ ſebnlich vermebrte. Am 18. Dee. 1781 Morgens verließ ich die Kap⸗ üadt mit meinem ganzen Zuge. Ich entſchloß mich, meine Untergebenen in ßrenger Ordnung zu halten. Am erſten Abende ſchickte ich meine Ochſen auf die Weide unter der Aufſicht zweier meiner Leute. Die drei uͤbrigen beſchaͤftigte ich mit Umerſuchung des Wagens und Geſchitres, ob nichts fehle, und mit 102 dem Anzuͤnden eines großen Feuers. Des andern Morgens vor Tagesanbruche erſtiegen wir uͤber viele Felſenſtuͤcke den ßeilen Berg Hottentott⸗Hol⸗ land, auf deſſen Spitze man mit einem Blicke alle einzelne Wohnungen des Thals uͤberſehen konnte. Weit leichter war uns das Herabſteigen in einen ſehr angenehmen Strich Landes: da wir hier ketne wilden Thiere zu fuͤrchten hatten, ſo konnten wir dreiſt bis 10 Uhr Abends unſere Reiſe fortſetzen, um welche Zeit wir am Uufer des Palmit⸗Fluſſes anlandeten, welcher ſeine Benennung durch die Hollaͤnder nach den vielen daſelbſt wachſenden Rohren erhalten hat. Des andern Mittags naͤherten wir uns der Wohnung eines Koloniſten Smit, von welchem ich meinen erſten Wagen, und deſſen fuͤnf Paar Ochſen gekauft hatte. Seine Frau und zwei artige Toͤchter wieder⸗ holten das Anerbieten, das Mittagsmal mit ihnen zu theilen, ſo nachdruͤcklich, daß ich es nicht ablehnen konnte. Nach dem Liſche erreichte ich in wenigen Stunden den Fluß Bot, durch welchen wir fuhren. Nachts 41 Uhr ſchlugen wir unſer Quartier am Rande eines kleinen Waſſerpfuhls auf. Des andern Morgens fuhren wir die Wohnung des Koloniſten Franz Ba⸗ thewos vorbei, wo wir uns ein Brod geben ließen. In dieſer Gegend ſtieß ich oͤfters auf ſehr zahlreiche Heerden einer Art von Gazellen⸗ welche die Kolo⸗ niſten Rehbock nennen. Des andern Morgens kamen wir zu den warmen 103 Minsral⸗Quellen, welche etwa 30 Meilen vom Kap entfernt ſind, und von Hollaͤndern fleißig beſucht werden. Fuͤr die Kranken, welche ſich dieſes Waſſers bedienen wollen, hat die Regierung eine unentgeld⸗ liche Wohnung in einem großen Gebaͤude geſtiftet; füͤr ihren Unterhalt muͤſſen ſie ſelbſt ſorgen. In der ganzen Gegend unterhält die Kompagnie unter der Aufſicht eines Korporals verſchiedene Meiereien, in welchen das fuͤr die holaͤndiſchen Flotten noͤthige Rindvieh gemaͤſtet wird. Des andern Tags fuhr ich durch die Fluͤſſe Steenbock und Sonder⸗End; am letzteren iſt das Hoſpital der Kompagnie fuͤr die kranken Ochſen, welche auf dieſe Weiſe von den ge⸗ ſunden geſondert, ihre Seuche nicht weiter verbreiten. Abends ruhte ich in einem moraſtigen Thale Soete⸗ Melck. Am andern kam ich an ein ſchoͤnes Haus, als Poſten der Kompagnie, wo ein gewiſſer Marti⸗ nes kommandirte, welcher mich am Kap bei Bvers oͤfters geſehen batte. Gegen Mittag begegnete mir eine Horde von Hottentotten, welche ſich von der Arbeit ihrer Haͤnde bei den umliegenden Koloniſten ernaͤhrten, und durch kleine Geſchenke von mir befrie⸗ digt wurden. Ich lud mehrere ein, mir zu folgen; allein ſie ließen ſich erſt bewegen, nachdem ich ihnen eine hinlaͤngliche Portivn Tabak taͤglich zu rauchen verſprochen hatte. Des andern Morgens trafen drei mit ihren Waffen und uͤbrigen Geraͤthen bei mir ein, „ 104 vereinigten ſich ſogleich mit meinen uͤbrigen Hottentot⸗ ten, und einer verſicherte mich, ein guter Jaͤger zu ſeyn. So mißtrauiſch ich ſeit meinem Aufenthalte in Suropa war; ſo ließ ich ihm doch eine Flinte reichen, und nahm ihn mit mir. Er erlegte bald eine der ſchoͤnſten und ſeltenſten Gazellen; ich verſprach ihm eine Belohnung, dieſe begann ich mit einer ßarken Portion Tabak, mit einem Feuerzeuge, Schpamm und einem meiner beſten Meſſer. Mit dieſem zerlegte er ſehr ſchnell den geſchoſſenen blauen Bock, deſſen Haut ich ſorgfaͤltig aufbewahrte. Am andern Dage landeten wir am Ufer eines weitlaͤufigen Sumpfes voll Schildkroͤten. Unſere Wagen mochten eine Menge Gazellen verſcheuchen, welche zum Trinken ſich daſelbſt einfanden, Ihte Zahl, vereint mit jener der Zebras und Strauſe, welche meinen Augen auf einmal ſich darboten, moͤgen ſich auf 4— 5000 belaufen haben. Von Swellen⸗ dam, dem Hauptorte der Kolonie, war ich jetzt sur noch durch zwei Flüſſe getrennt. Daſelbſt erwarb ich mir noch einen zweiraͤderigen Karren, viele friſche Le⸗ bensmittel, mehrere Ochſen, Ziegen, eine Kuh, um mir etwas Milch auf der Reiſe zu verſchaffen, einen Hahn als Wecker in der Morgenſtunde, und nahm noch einige Hottentotten in Dienſte. Ein Affe, von der Gattung der Paviane, diente uns zur Ausſchei⸗ dung unbekannter Wurzeln, welche, wenn er ſie weg⸗ warf, entweder ſchaͤdlich, oder unſchmackhaft waren. 105 Durch ſein Geſchrei und ſeine furchtſamen Gebehrden wurden wir von der Annaͤherung eines Feindes im⸗ mer eher benachrichtigt, als ſelbſt die Hunde Witte⸗ rung davon hatten. V. Auf die zu Swellendam eingezogenen Nachrichten entſchloß ich mich, laͤngs der oͤſtlichen Kuͤſte in einer beſtimmten Entfernung vom Meere fort⸗ zureiſen. Am 12. Jaͤnner 1782 brach ich auf. Ueber dem kleinen Fluſſe Buffias gelangten wir nach zwei Tagreiſen an den ſogenannten Großvater⸗ Buſch. Der Fluß Duyvenoehs war damals ſo angelaufen, daß ich noͤthig fand, mich laͤngs dem Fluſſe zu lagern, bis das Waſſer ſich etwas geſetzt batte. Mehrere Hottentotten dieſer Umgebung naͤher⸗ ten ſich mir mit Vorwuͤrfen, daß ich nicht bei ihnen Quartier genommen hatte. Am 27. Janner fuhren wir durch die Fluſſe Duv⸗ venvehs und Falſe. Des andern Tags kamen wir an den Fluß Gourit, welcher damals ſo breit und tief war, als die Seine zu Paris bei dem koͤnigli⸗ chen Garten. Nachdem wir drei Tage am ufer deſ⸗ ſelben auf das Einſinken vergebens gewartet batten⸗ entſchloß ich mich, einen breiten Floß bauen zu laſſen, welcher uns drei volle Tage beſchaͤftigte. So kamen wir glucklich uͤber den Fluß, und unſer Vieh ſchwamm ohne viele umſtaͤnde nach. Nach zwei Tagen befanden wir uns gerade uͤber Muſchel⸗Bav, welche auf den Seekarten Baie⸗Saint⸗Blaiſe genannt 106 wird. Der Ankergrund dieſer Bay iſt ſehr beſchwer⸗ lich wegen der vielen ſteilen Felſen, welche dieſelbe einfaſſen, und ſich ziemlich weit in die See erſtrecken. In dieſer Gegend wohnen viele Koloniſten; es gibt viele Auſtern und Fiſche, die wir theils verzehrten, theils einſalzten. Am 7. Februar Morgens verließ ich die Mu⸗ ſchel⸗Bay, und um 1 Uhr Nachmittags zog ich ſchen durch den Fluß Klein⸗Brack. Des andern Tags kamen wir an den großen Fluß Brack, welcher vom Meere nicht viel uͤber 3 Meilen entfernt iſt. Die Fluth macht das Waſſer etwas ſalzig; wir mußten, um ohne Gefahr durch zu fahren, die Ebbe abwarten, unterdeſſen ſchoß ich etnige der zahlreichen Seevoͤgel, Pelikane und Flamants. Die dunkelrothe Roſenfarbe der lestern, gegen die ſchmutzig weiße der erſteren⸗ war fuͤr mein Auge eine eben ſo neue, als ſeltſame Miſchung. Jenſeits des Fluſſes mußten wir einen ſehr ſeilen Berg uͤberſteigen, auf deſſen Gipfel wir eines der ſchoͤnſten Laͤnder des Erdbodens vor uns ſahen. In der Entfernung entdeckten wir eine Bergkette, die mit anſehnlichen Waͤldern bedeckt die Ausſicht auf die Weſtſeite vollig beſchraͤnkte. Unter uns lag faſt ein unabſehliches Thal von blumenreichen Wieſen, und ͤberaus guter Weide. Dieſes Land Hontinquas (wie Sparmann und Patterſon ſchreiben, 107 Vaillant aber Anteniquvis) bedeutet in der Sprache der Hottentotten einen mit Honig beladenen Mann; und wirklich kann man faſt keinen Schritt vor⸗ waͤrts thun, ohne mehrere Bienenſchwaͤrme zu treffen. Die vielen Blumen machten durch ihre Menge, wie durch ihre Mannigfaltigkeit und angenehmen Geruch, den Aufenthalt zum wahren Feen⸗Garten. Meine Leute wollten an dieſem ſchoͤnen Drte verweilen; al⸗ lein ich brach bald auf, um den Fluß Witte⸗Els zu erreichen, welcher ſeinen Namen von den umlie⸗ genden Waldungen der Erlen oder Elſen hat. VI. Am 9. Februar fuhren wir durch verſchiedene kleine Baͤche, deren Waſſer eine gelbliche Farbe wie Madera⸗Wein, und einen eiſenhaltigen Geſchmack hatte. Wir naͤherten uns dem letzten Poſten der Kom⸗ pagnie, als der Grenze, wo die Herrſchaft der Men⸗ ſchen aufhoͤrte, und ihr urſpruͤnglicher Zuſtand wieder zum Vorſchein kam. Der Kommandant Mulder kam mir entgegen, und erzeigte mir viele Freund⸗ ſchaft. Die unter ihm ſtehenden 15 Mann mit einem Unteroffieier haben das für die Kompagnie am Kap noͤthige Zimmerholz zu faͤllen, und zugleich die Wagen ſuͤr deſſen Veberlieferung zu bauen, ſtatt daß in der Muſchel⸗„Bay eine Niederlage des uͤbermaͤßigen Holzes ſeyn ſollte, welches aus Amſterdam uͤber eine Entfernung von mehr als 2000 Meilen geliefert wird. Obſchon die zahlreichen Koloniſten dieſer Gegend außer der Viehzucht, Butter-Bereitung, und Honig⸗ 108„ Sammlung mit dem Faͤllen des Bauholzes, welches ſie in die Kap⸗Stadt verkaufen, beſchaͤftigt ſind, ſo wohnten ſie doch, ungeachtet dieſes außerordentlichen Holz⸗Vorrathes, in elenden mit Erde beworfenen Huͤt⸗ ten; eine auf vier Pfloͤcken befeſtigte Buͤffelshaut diente ihnen zum Bette; die Thuͤre war zugleich Fenſter, und wurde nur durch eine Matte verwahrt. 2—3 elende Stuͤhle, eine Art von Tiſch, und ein zweifuſ⸗ ſiger viereckiger Koffer war ihr ganzes Hausgeraͤthe. Dieſes haͤusliche Elend war gegen die Reize des pa⸗ radieſiſchen Landes ſehr abſtechend. Deſſen ohngeach⸗ tet hatten die Einwohner viel Wildpret und Seeſiſche, und waͤhrend des ganzen Jahres friſche Gemuße und Pflanzen in ihren Gaͤrten. Bald nach meiner Ankunft in der Wohnung Mulder's ſtieg ich durch die Umgebung. In den Waͤldern entdeckte ich friſche Spuren von Büffeln und Elephanten, auch deren Miſt; viele unbekannte Vögel und beſonders die Kurakos. Da Mulder gleichzeitig nach dem Kap ſich verfuͤgte, ſo uͤberließ er mir et⸗ liche wanzig Pfund Schießpulver, und ich gab ihm fur den Fiſcal Boers ꝛ00 verſchiedene Voͤgel und ein Kaͤſichen mit Inſekten. Mein Zug⸗Vieh ver⸗ mehrte ich mit einigen friſchen Ochſen; auch kaufte ich ein junges Roß, welches ich zur Jagd abrichten wollte. Am o. Februar entfernte ich mich, und ſchlug mein Lager etwa 4— 6 Meilen von Mulders Woh⸗ nung am Rande eines kleinen Geboͤlzes auf. Die um⸗ 109 liegenden Koloniſten brachten mir Gemuͤtße, Fruchte und Milch. VII. Gegen das Ende Februars trat anhaltender Regen mit Donner und Blitz ein, die kleinen Baͤche bildeten ſich zu reißenden Stroͤmen. Wildpret mau⸗ gelte, und unſere Lebensmittel neigten ſich ſo ſehr zum Ende, daß wir zu verhungern drohten, nachdem un⸗ ſere Hunde, ſchon lange wandelnden Gerippen gleich⸗ ſebend, nur noch von unſern Exkrementen ſich naͤhr⸗ ten, um deren Erwerb ſie einander heftigſt gebiſſen hatten. Erſt gegen das Ende Maͤrz klaͤrte ſich der Himmel auf, und eine beſſere Zukunft ſchien uns am zulaͤcheln. Wir erſtiegen den Huͤgel von Pampoen⸗ Kraal, wo ich mein Lager aufſchlug. In der Naͤhe war ein uͤberaus dichtes Gebuͤſch von mehreren Meilen im Durchmeſſer, in welchem ich eine Art Sommer⸗ Palaſtes mit zwei viereckigen Zimmern aushaute. Unterdeſſen war Mulder bis zum 28. April vom Kay zuruͤckgekehrt, ſchickte mir vorerſt einen Boten mit den Antworten auf meine Briefe, und kam dann ſelbſt mit Geſellſchaft, um mit mir durch Netze einige Fiſche zu fangen. Am 30. April brach ich mit meiner ganzen Kara⸗ vane auf, fuhr durch einen uͤberaus reißenden Strom, das Kaiman⸗Loch genannt, und dann durch einen eben ſo beſchwerlichen Fluß, welcher von den Hotten⸗ totten Krakede⸗Kau, oder Mädchen⸗Paß ge⸗ nennt wird. Nach einem achtſtuͤndigen Marſche ge⸗ — 11⁰ langten wir an den ſchwarzen Fluß, uͤber welchen wir nicht gekommen waͤren, wenn wir nicht wieder ein Floß gebaut haͤtten. Ich ſchoß einen Buͤffel und ein Hottentott einen zweiten fuͤr unſere Nahrung. Pach guter Verwahrung unſerer Lebensmittel ver⸗ ließen wir den ſchwarzen Fluß; zwei Meilen weiter fuhren wir durch den Fluß Goukom, und in glei⸗ cher Entfernung von dieſem nach den Niſena. So ſchoͤn die vor mir liegende Wieſe war, ſo hatte ich doch große Bangigkeit vor dem hohen Berge jen⸗ ſeits des Fluſſes. Er war ſo ſteil, daß 20 Ochſen vor⸗ geſpannt werden mußten; als ſie die Spitze erreicht hatten, zerbrach plotzlich die Kette, durch welche die vordern 1s Ochſen an die Deichſel geſpannt waren, und der mit meiner Artillerie und faͤmmtlichen Waare beladene Wagen rollte ſo ſchnell bis an den Fuß des Berges hinab, daß er die an der Deichſel befindlichen Ochſen mit forttiß. VIII. Je tiefer ich in das Land vorruͤckte, deſto praͤchtiger und fruchtbarer war es; weßwegen ich mich verwunderte, daß man es den Tiegern und Loͤwen vor dem trocknen Boden des Kap uͤberließ. Im Fort⸗ ſchreiten behielten wir die große, mit Waldungen beſetzte Bergkette beſtaͤndig auf der weßtlichen Seite. Waͤhrend wir uns an einem kleinen Bache, etwa drei Meilen vom Meere hielten, und Fiſche fingen. Die ſer Platz ſchien mir der paſſendſte zur Anlegung einer Kolonie. Das Meer tritt durch eine Deffnung von 111 etwa 1000 Schritten zwiſchen 2 hohen Felſen in das Land; das Baſſin iſt 2 Meilen lang und breit; die ganze Kuͤſte rechts und links mit hohen Felſen einge⸗ faßt. Der Boden der ganzen umliegenden Gegend wird durch viele klare Bäche befenchtet. Nach einigem Verweilen fuhren wir durch den großen Wald Poort voll abſcheulicher Wege; dann erreichten wir in 7 Stunden den Witte⸗Drift. Hier uͤberſtel mich ein heftiger Kopſfſchmerz, verbun⸗ den mit Schwere des ganzen Koͤrpers. Unabſehliche Schmerzen in den Gedaͤrmen waren Vorboten der baldgefolgten Diſſenterie, und des wachſenden Fiebers. Da meine Leute uͤber aͤhnliche Zufaͤlle ſich beſchwerten., ſo ſah ich den uͤbermaͤßigen Genuß der Fiſche als eine Urſache unſerer Krankheit an. Von der praktiſchen Arznei⸗Wiſſenſchaft kannte ich nichts, als Diaͤt und Ruhe, durch welche ich nach zwolftaͤgiger Ausduͤn⸗ ſtung mich zu erholen anfing. Ich ſuchte mich durch maͤßige Jagd zu ſtaͤrken, auf welcher ich erfuhr, daß wir auf der Seite durch einen zweiten Fluß, den Quell⸗Boom, eingeſchloſ⸗ ſen waren. Dieſer entſpringt auf den weßlichen Ber⸗ gen, und vereinigt ſich mit Witte⸗Drift etwa eine Meile vor dem Ergießen in das Meer neben der Bay Agva, welche der Gouverneur des Kaps, Blettenberg, mit ſeinem Namen bezeichnete. In der Naͤhe unſeres Lagers fanden wir eine Heerde einer neuen Art von Gazellen zu 25— 30 Stuͤcken, 1 1¹2 welche ich nach und nach erlegte, und deren Haut wir zur Decke unſeres neuen Wagens benutzten. In dieſer Gegend hatte ich Gelegenheit meine Sammlung der Voͤgel mit mehreren neuen Arten, z. B. Balbuzard, zu vermehren. Auch die Gagelle Boſchbock bekam ich lebendig in meine Haͤnde, da ich nach vielem Herumlaufen mich erſt uͤberzeugte, daß wir uns in einem Winkel ohne Ausgang befanden; ich mußte daher in den Poort⸗Wald zurückkehren. Eine ganz friſche Spur einer Heerde von Elephanten veranlaßte mich, mit den vier beſten Schuͤtzen meiner Begleiter zwei Tage zu laufen, bis ein Hottentott mir einen Elephanten zeigte, welchen ich kaum 29 Schritte vor mir fuͤr ein Stuck Felſen anſah. Ert als er ſich etwas bewegte, wurden meine Augen ent⸗ ſchleiert; der Kopf und die ungeheuren Zaͤhne drehten ſich nach der Seite, wo ich ſtand. Ohne mich lang zu beſinnen, ſchoß ich ihn auf die Mitte der Stirn, und er fiel ſogleich todt zur Erde. Etliche dreißig andere, durch den Schuß erſchreckt, liefen eiligſt da⸗ von, waͤhrend ihre großen Phren in der Luft ußerſt geſchwind wedelten. Die Naͤhe der Nacht erinnerte uns, zum Elephan⸗ ten zuruͤck zu kehren, den ich durch einen Schuß er⸗ legt hatte. Hunger bewog meine Leute, ſchnell einige Stuͤcke Fleiſch deſſelben, fuͤr mich aber von dem Ruͤſ⸗ ſel zu bereiten. So gut mir dieſes Gericht ſchmeckte, ſo veyſicherte mir doch Klaus, daß ein Fruͤhſtuͤck von — 8 113 den Fuͤßen mich noch mehr erquicken wuͤrde, wie ich mich auch des andern Morgens uͤberzeugte. Der Sle⸗ phant war ein Weibchen; daher ſeine Fangzaͤhne, welche wir ausbrachen, nicht viel uͤber 20 Pfund wo⸗ gen; die Hoͤhe deſſelben war 8 Fuß 3 Zoll. Wir kehrten nun auf dem kuͤrzeſten Wege in uuſer Lager zuruͤck. Unſer Huͤter daſelbſt, Swanepoel erziplte, daß er waͤhrend unſerer Abweſenheit jede Nacht durch zahlreiche Heerden von Elephanten ſey beunruhiget worden. Dieſes bewog uns, des andern Morgens die Spur derſelben zu ſuchen. Bald ſahen wir vier; ich nahte mich, ſo viel ich konnte, ſchoß nach dem Kopfe desjenigen, welcher mir am naͤchſten ſtand, und in weniger als 10 Minuten hatte ich auch die drei uͤbrigen erlegt. In der Naͤhe kam mir ein Hottentotte entgegen, welchen Bvers als Boten vom Kap mit den erſten Briefen ſeit meiner Abreiſe von Europa von mei⸗ ner Gattin und meinen liebſten Freunden geſchickt batte. Meine Empfindungen in dieſem Augenblicke kann ich nicht ſchildern. Nachdem ich die Briefe fuͤchtig geleſen hatte, verſchloß ich mich in mein Zelt und ließ meinen Thraͤnen freien Lauf. Nach dieſer Erleichterung entſchloß ich mich, ſogleich die Briefe iu beantworten. Durch die Briefe meiner Freunde war ich aus Freude wie ein Kind geworden; ich ver⸗ theilte debwegen an meine Hottentotten Taback, 1. Ed. Afrika. III. 3. 8 114 Branntwein und Maultrommeln/ deren Spiel ſie alle hald von mir gelernt hatten. Des andern Morgens, nachdem ich dem Boten des Fiſcals meine Briefe mit einem reichlichen Ge⸗ ſchenke gegeben und ihn zuruͤckgeſendet hatte, beſchäf⸗ tigte ich mich mit Zergliederung der Elephanten⸗ Koͤpfe, deren Fang⸗ und große Backenzaͤhne ich ſecken ließ. Meine Leute zerſchnitten das Fleiſch in ſchmale, Riemen aͤhnliche Streifen zur Srocknung an der Son⸗ ne, und zerſchlugen die Elephanten⸗Knochen, um das Fett in unſern großen Topfen auszuſchmelzen. Nachdem alles in Ordnung war, brachen wir auf und kehrten uͤber Kaimans⸗Loch an die Wohnung Mulders zuruck, welcher meine Voͤgel, Inſekten, Fangzaͤhne und den ſkeletirten Elephanten ⸗Kopf nebü Briefen an Bvers uͤbernahm. X. Wir zogen uͤber mehrere Berge⸗ den Schlund Lange⸗Kloof(Langes Thal); den Bach Quer⸗ Boom, an welchem ich vor zwei Monaten mein Leben beinahe verloren haͤtte, uͤber den krummen und tiefen Flut. Am s. Auguſt ſchlugen wir un⸗ ſer Lager am Ausfluſſe des Gamtvos auf, wo ich mehrere mir bisher unbekannte Voͤgel, ungeheure Zůge von Faſanen, Wildpret und Gazellen wahrnahm, unter welchen vorzuͤglich der Boſchbock ſich ans⸗ zeichnete. Auch Elephanten und Buͤffel ließen ſich in zahlreicher Menge ſehen, letztere erleichterten unſern Aeberfuß an Lebensmitteln. In dieſer Naͤhe traten 115 wir eine Horde von Hottentotten, mit welcher wir bald in ſo freundſchaftlichen Verkehr kamen, daß die Weiber ihre Maͤnner verließen und uns anhiengen. Dieſe belehrten uns, daß viele rothe Elephanten in dieſer Gegend ſeyen, deren Fleiſch unſchmackhaft ſev, deſſen Genuß Geſchwuͤre verurſache. Am 114. Sept. des Morgens brachen wir zum groͤßten Kummer der benachbarten Horde von Hotten⸗ totten auf; ſie begleiteten uns von Gamtoos auß eine Entfernung von vier Meilen zum Fluſſe Louri. Hier nahmen wir von unſern guten Freunden Abſchied; ſie erbielten noch einige Glaͤſer Branntwein und ei⸗ nige Pfeifen Taback. Allein ihre Weiber, wegen wel⸗ chen ſelbſt zwiſchen meinen Hottentotten einige Zwi⸗ ſtigkeiten entſtanden, wollten ſich nicht von uns trennen. Nur eines, welches mein treuer Anhaͤnger Glaas jaͤrtlich liebte und welches meiner Kuͤche und Siegen ſich eben ſo gut angenommen, als meine Waͤſche gereinigt hatte, belegte ich mit dem Namen Rachel und ließ es mit uns folgen. Durch ein heftiges Ge⸗ witter waren wir zwar gezwungen, im Galgen⸗ Boſch etwas zu verweilen; doch ſetzten wir unſern Weg noch bis an den Fluß Van⸗Staade Abends fort. Des andern Tages gegen Mittag hellte ſich der Himmel aus; wir fubren durch den kleinen und gro⸗ ten Fluß Swaart⸗Kop, und ſpannten Abends am Nfer des lettern aus. Hier fanden wir die Spur 112 Enes mir unbekannten Thieres, welche meine Leute einem Rhinozeros zuſchrieben; auch eine Hotde von so— 60 Hottentotten. Dieſe riethen mir, meinen Weg nicht uͤber den Boſchmanns⸗Fluß längs dem Meere zu nehmen, ſondern linker Hand dieſes landeinwaͤrts zu gehen, um einer betraͤchtlichen Wenge von Kaffern auszuweichen. Kaum hatte ich mich entſchloſſen, dieſen Weg zu nehmen, ſo bat anch die ganze Horde um Erlaubniß, mir folgen zu düͤr⸗ fen. In weniger als zwei Stunden waren die Hütten der Hottentotten aus einander gelegt, uſammen ge⸗ packt und mit den uͤbrigen Geräthen den Ochſen anf⸗ geladen.. Ich war vom Kopfe bis zum Fuße bewaffnetz in weinen Beinkleidern trug ich zwei doppelte Piſtolen und zwei aͤhnliche im Guͤrtel; suf dem Sattelknopfe hielt ich meine doppelte Flinte, an der Seite trug ich einen üarken Säbel, und vorn an der Weſie einen kleinen Dolch; ich hatte überhanpt ꝛ0 Schuße ſogleich bei der Hand. Dieſes tragbare Zeughaus war mir im Anfange etwas beſchwerlich, doch gewoͤhnte ich mich bald daran, theils wegen meiner eigenen Sicherheit, theils weil ich dadurch meinen Leuten Muth einfloßte. Meine Waffen gaben meinen Entſchluß zu erkennen; daher ein Jeder ſeinen Weg ruhisg fortzog und ſich wegen der Vertheidigung nur auf mich verließ. Dev Marſch der Karavaue war ein angenehmes und ſon⸗ derbares Schauſpiel; bei jeder Krüͤmmung um Felſen 117 und Straͤucher hatte ſie eine andere Geſtalt. Die Weiber auf den Ochſen ſitzend, hatten ihre Kinder neben ſich, denen ſie entweder die Bruſt gaben, vder andere Nahrung reichten; einige Kinder lachten, weinten oder ſangen; die Maͤnner rauchten ihre Pfeiſchen, plauderten unter ſich und glichen nicht im Geringſten ſolchen Leuten, welche einem gefaͤhrlichen Feinde ausweichen wollten. Wir waren noch nicht weit vorgeruͤckt, als unſer Hunde, welche auf allen Seiten die Gebuͤſche durch⸗ ſuchten, bellten und tillſtanden. Sogleich wurde dis ganze Geſellſchaft von Furcht ergriffen, Kaffern moͤchten im Hinterhalte ſeyn. Ich ritt auf den Standpunkt der Hunde und entdeckte blos ein Sta⸗ chelſchwein, welches ſich gegen ihre Anfaͤlle verthei⸗ thigte; durch einen Schuß erlegte ich das Thier. Dieſes vertheidigt ſich ſehr gut gegen alle Anfaͤlle, indem ihm ſeine Stachel ſehr dienlich ſind. Sobald in Hund ſich naͤhert, ſo ſucht er es auf der Seit anzugreifen; iſt er einmal geſtochen, ſo wagt er keins zweite Annaͤherung: denn einige kleine Stacheln, welche gewoͤhnlich in der Haut zuruͤckbleiben, ſchrecken ihn ab. Einer meiner Hottentotten litt mehr als o Monate an einer Wunde, welche eine Stachel eines ſolchen Thieres ihm verurſachte. Ein frantoſiſcher Dffizier Mallard haͤtte durch ein ſolche Wunde bald ſein Bein verloren; nur durch die groͤßte An⸗ ſtengung konute er nach großem Schmerzen von vier 118 Monaten, Lon welchen er zwei im Bette zubringen mußte, wieder geneſen. Uebrigens ſind die Stachel⸗ ſchweine von ſehr gutem Geſchmacke und gehoͤren am Kap zu den Leckerbiſſen der vornehmſten Lafeln, weun ſie gut geraͤuchert ſind. Nach einem Marſche von 1 1/2 Stunde ließ ich balten, um einen Vorrath von Salz mitzunehmen, welches am Ufer eines ſalzigen Sees in Menge vor⸗ banden war. Zwei Meilen weiter ritt ich voraus, um eine Kolvniſten⸗Wohnung auf der linken Seite naͤher zu unterſuchen, welche von den Kaffern kurz zuvor verheert und abgebrannt worden war. Nach einer Stunde ſchlugen wir am ufer des Baches Kouga unſer Lager auf. Dieſer iſt klein, damals floß er nur an wenigen Stellen; wir fanden aber viele kleine, wohlſchmeckende Schildkroten; die groͤßte wog kaum 3 Pfund. Vor dem Einbruche der Nacht ließ ich durch abgehauene Baumzweige eine Art von Verhack um mein Vieh machen. Waͤhrend dieſer Zeit mußten die Weiber ſo viel trocknes Holz beiſchaffen, um mehrere Feuer waͤhrend der Nacht zu unterhalten, weil wir von Kaffern oder Loͤwen ůber⸗ fallen werden konnten; letztere ließen ſich in dieſer Gegend haͤufiger ſehen. Unſer Mangel an Lebensmit⸗ teln wurde durch drei Buͤffel, zwei Buwalen und mehrere Perlhuͤhner, welche ich erlegte, gehoben. XI. Nach einem Aufenthalte von mehreren Ca⸗ gen brachen wir auf, heftiges Ungewitter und anhal⸗ 119 tender Regen wurde uns beſchwerlich. Datu kam noch, daß wir an einem Lage 44 Male über den Fouga ziehen mußten; dieſer verſperrte uns faſt in ſeder Viertelſtunde den Weg ſo ſehr⸗ daß wir uns kum beſinnen konnten. Auch litten unſere Wagen bei der Fahrt durch das Bett des Fluſſes wegen der beftigen Stoͤße, welche ſie auf den darin befindlichen Steinen und Felſenſtuͤcken auszuſtehen hatten. Dieſe vielfachen Hinderniſſe noͤthigten uns bei dem Bache Drooge⸗Rivier(trocknen Fluß) zu halten. Jeden Abend wurde viel Zeit erfordert, das Lager in Ord⸗ nung zu bringen, die Wartung und Fütterung des Viehes zu beſorgen, die Fleiſchtoͤpfe fuͤr ſo viele Menſchen an das Feuer zu bringen, alle Leute in Sicherheit zu haben und Holz fuͤr viele Feuer zu faͤl⸗ len, welche naͤchtlich mußten unterhalten werden. unſere Hunde ſingen viele Perlhuͤhner, welche auf der Erde wegliefen, und erleichterten dieſen Abend unſere Sorgfalt fuͤr die Kuͤche. Am 23. Sept. gelangten wir nach einem 6 ſtuͤn⸗ digen Marſche an den anſehnlichen Fluß Sondag. Da er ſchon voll Waſſer war und das Wetter auf Regen ſich neigte, ſo mußten wir ſein Austreten be⸗ ſorgen; wir entſchloſſen uns daher, ihn auf Flößen zu überſchreiten. Ich ließ ſogleich das noͤthige Holz faͤllen und den Floß anlegen. Meine ſaͤmmtlichen Effetten wurden einzeln auf ihn geleat und die Hülfte unſerer Mannſchaft fubr unter der Aufſicht des alten 12⁰ Swanepvel hinuͤberz das Vleh folgte durch Schwim⸗ men. Des andern Morgens folgte ich mit den Hot⸗ tentotten und den uͤbrigen Effekten nach. Waͤhrend der kangen Vorbereitung von7 Tagen, gewann ich Zeit meine Sammlung der Voͤgel mit einigen neuen Arten zu vermehren; auch hatte ich einige Koudous einſetzen laſſen. Der Sondag entſpringt zwiſchen ſehr hohen, faſt beſtaͤndig mit Schnee bedeckten Ber⸗ gen, welche links gegen Norden liegen blieben. Durch die Vereinigung mit mehreren kleinen Fluͤſſen wird er anſehnlich; er ergießt ſich in das Meer, vielleicht nur 40 Meilen von dem Platze unſeres damaligen Lagers. Am 4. Detober ſetzten wir unſere Reiſe bis zu einem großen Waſſerpfuhle fort, wo wir dieſe Nacht blieben, waͤhrend welcher wir viele große Feuer un⸗ terhielten. Wir mußten die ganze Nacht wachen: denn mehrere Hyaͤnen und Loͤwen näherten ſich uns ſo ſehr, daß unſer Vieh in Unordnung kam. Sie ſchienen ſehr hungrig zu ſeyn, und konuten nur durch ununterbrochenes Schießen zuruͤckgehalten werden. Des andern Morgens ſahen wir viele Springboͤcke(Anti⸗ lope Pygargus), von welchen ich 7 erlegte. Da ſie öch wie die Schaafe dicht an einander halten, ſo werden ſie im Laufen ſehr aufgehalten; man kann daher durch eine wohl angebrachte Kugel 2— 3 auf einen Schuß erlegen. Des andern Tags ſuchten wir einen Arm des 12¹ Sondags zu erreichen. Unſere Ochſen wurden durch den weiten Weg und die unertraͤglichſte Hitze ſehr entkraͤftet. Wir fanden, wie fruͤher, auch in dieſes Gegend mehrere verlaſſene Wohnungen der Koloniſten⸗ Am s. November kamen wir am ufer des kleinen Fluſſes Vogel an. Wir wanderten weiter und hiel⸗ ten an einem Waſſerpfuhle. Waͤhrend der Nacht wurde unſere Karavane durch die Annaͤherung einer Hords wilder Hottentotten in ſo große Furcht geſetzt, daß ich, Klaas und Swanepoel alles aufbieten muß⸗ ten, um den Muth zu erhalten. Als wir ihnen er⸗ laubten, ſich uns zu nähern, und unſere Hunde zurück riefen, ſo erkannten wir 16 Maͤuner mit meb⸗ teren Weibern und Kindern. Sie benachrichteten uns, daß wir jenſeits der Berge noch mehrere Wohnungen antreffen wuͤrden, welche aus Furcht vor den Kaffern von den Koloniſten verlaſſen wurden, um ſich in der Naͤhe der holländiſchen Kolonie niederzulaſſen. Waͤhrend der Nacht erfuhr ich von dieſen Hotten⸗ totten, daß die Unterdruͤckungen und die grauſamd Tiraunei, welche die Koloniſten gegen die Kaffern aus⸗ geuͤbt hatten, blos den gegenwaͤrtigen Krieg veran⸗ laßten, und daß das groͤßere Recht offenbar auf des. Seite der Kaffern ſey. Ich erfuhr ganz umſtaͤndlich die verſchiedenen Angriffe und Schlachten, welche ſie ſich wechſelſeitig geliefert, und in welchen die Kaffern, trotz ihrer Verheerungen, den Kuͤrzeren gezogen hat⸗ ten. Deun die Haſfagave, ihr vornebmſtes und 129 gefährlichſtes Gewehr, iſt doch gegen das Feuerge⸗ wehr nicht zu rechnen, wenn dieſes von einem guten Schuͤtzen bedient wird. Je mehr ich jetzt ſelbſt in dieſen Krieg verwickelt war, je gewiſſer ich auf dem Schlachtfelde gegen die Kaffern mich befand, deſtv mehr Mitleiden hatte ich mit dieſen ungluͤcklichen Menſchen. Nach der Erzaͤblung der 16 Hottentotten ſchloß ich von dem Orte, wo ſoͤmmtliche Koloniſten ſich ver⸗ ſammelten, nicht mehr fern zu ſeyn. Ich ſchmei⸗ chelte mir noch immer, unter denſelben beherzte Leute anzutreffen, welche das Projeet des Friedens mit den Kaffern und der Rettung der durch Schiffbruͤche hie⸗ her verſchlagenen Europäer unterſtuͤtzen wuͤrden. Die traurige Lage der letztern und beſonders das verzwei⸗ felte Leben der europaͤiſchen Frauenzimmer unter den Kaffern, erhitzte meine Einbildungskraft, keigerte meinen Wunſch fuͤr ihre Freiheit zu wirken und ver⸗ kleinerte mir alle Hinderniſſe eines gluͤcklichen Aus⸗ ganges. Des andern Morgens fanden wir die ſo ſehnlichſt gewuͤnſchte Wohnungen der Koloniſten. Ich ritt voraus, gruͤßte ſie hoͤflich und gab ihnen meinen Mamen ſowohl, als den Zweck der Reiſe auf Befehl der hollaͤndiſchen Regierung zu erkennen. Dadurch ſetzte ich mich bei ihnen in ein Anſehen; ſie empfingen mich mit vieler Hoͤflichkeit und anſcheinender Frendez ſe erzählten mir die verſchiedenen Maͤrchen, welche von weinet Reiſe bisber ſich verbreitet batten. Ich 123 bot alle Berebſamkeit auf, ſie moͤchten ſich der un⸗ gluͤcklichen Europaͤer mit mir Erbarmen, aber verge⸗ bens. Ich brach alſo wieder auf und ſetzte meinen Wes fort, damit meine Leute nicht angeſteckt wurden. XiI. Bei der Abreiſe bemerkte ich, daß dieſe Koloniſten durch eine betraͤchtliche Anzahl ſogenannter Metis⸗Hottentotten verſtaͤrkt worden waren. Dieſe Race iſt muthig und unternehmend, naͤhert ſich den Weißen, betrachtet die Hottentotten geringer, als ſich ſelbſt, und hatte ſich bei den Unternehmungen gegen die Kaffern vorzuͤglich ausgezeichnet, deßwegen gab ich meinen Lenten den Auftrag, einige fuͤr unſeren Zug zu gewinnen, welche mit dem Lande und der Sprache der Kaffern bekannt ſeyen. Ich ging voraus uͤber den kleinen Fiſch⸗Fluß, und ſchlug mein Lager auf einer Anhohe mit vieler Vorſicht auf. Ich brachte dieſe Nacht unter ſtetem Bellen meiner Hunde ſehr unruhig zu. Des andern Morgens kamen meine drei Hotten⸗ totten mit drei Fremden, von welchen einer Hans bieß, welcher der Sohn eines weißen und einer Hot⸗ tentottin war, fa beſtaͤndig unter den Kaffern gelebt und einige Fertigkeit in ihrer Sprache ſich angeeignet batte. Der Baſtard Hans belehrte mich, daß das Land, in welchem ich mich befand, dem machtigen Koͤnige Farao gehoͤre, welcher vielleicht 30 Meilen nordwärts ſich aufhalte. Ex rieth mir, bis zu ihm vorzudringen und verſicherte mich, daß ich nicht das 124 Geringſte zu befurchten hätte. Vielmehr wuͤrde dieſe ungluͤckliche Nation mich mit Vergnuͤgen aufnehmen, indem ſie von meinem wahten Berichte uͤber ihre Sit⸗ ten, ihren Charakter und ihre Lebensart eine Berich⸗ tigung der Unwahrheiten, welche die Koloniſten bis⸗ ber uͤber ſie verbreitet hatten, hoffen konnte. Dieſe Nation wünſche nichts mehr, als in Ruhe und Frit⸗ den zu leben. So einladend Hans die Kaffern ſchilderte, ſo behielt doch das Mißtrauen gegen ihn und dieſelben in mir noch die Oberhand. Ich machte ihm alſo den Vorſchlag⸗ er moͤge mit 2— ſeiner Freunde und 2—3 meiner Hottentotten zum Könige ſich begeben, und letztere ſollten ihm von meiner Wanderung ſeit eilf Monaten Bericht erſtatten, damit er ſich ͤberzenge, daß ich aus bloßer Neugierde in ſeine Staaten getre⸗ ten ſey; daß ich aus einem entſernten Welttheile ge⸗ kommen, weder ein Freund, noch ein Genoſſe der Koloniſten ſey, welche ſeine Unterthanen bekriegtenz daß ich deren Verfahren gaͤnzlich mißbtlligte und die Regierung am Kap durch meinen Bericht zu bewegen hoffte, die Ruhe zwiſchen den Unterthanen und ſeinen Koloniſten hald herzuſtellen. ₰ Sobald meine Abgeordneten abgereist waren, brach auch ich den naͤmlichen Morgen mit meinem Lager auf; wir langten nach einem dreiſtuͤndigen Mar⸗ ſche am Ufer des großen Fiſch⸗Fluſſes an. Die Hitze erwuͤdete unſer Vieh ganz außerordentlich, weß⸗ 125 wegen ich um 4 Uhr Nachmittags ſchon Halt nnachte. Wahrend meine Leute das Lager ordneten, ſpazierte ich gegen das Ufer des Fluſſes, wo ich einige ganz zerſoͤrte und mehrere wohlerhaltene Huͤtten der Kaffern nebſt einigen zerſtreuten Menſchenknochen fand. Wir ſchliefen ziemlich ruhig: denn die Annäherung einiger Hyaͤnen war uns eine ſchon gewohnte Erſchei⸗ nung. Des andern Morgens eroͤffneten mir die Hot tentotten, daß ſie ganz friſche Spuren von Seekͤhen und Kudus angetroffen baben. Da unſere Lebensmiz⸗ tel ihrem Ende ſich näherten, ſo beſchloß ich dieſen Sag der Jagd zju widmen. Wir ſchoßen auch 2 Kndus, zerlegten ſie ſogeich und fuͤllten unſere Fleiſchtopfe, waͤhrend ich mir die Leber beſonders braten ließ. So lange die Hottentotten Ueberfluß an Lebens⸗ mitteln haben, ſind ſie ſehr gefraͤßig; bei dem Mangel derſelben koͤnnen ſie auch einige Tage großen Hunger leiden. Mancher kann in einem Tage 40— 12 Pfund Fleiſch verzehren; jm Nothfall aber begnuͤgt er ſich mit einigen Heuſchrecken, mit etwas thonigter Erde, oder einer Scheibe Honig, oder mit einigen Stuͤcken des Sohl⸗Leders ſeiner Schuhe. Den Meinigen konnte ich nie einprägen, etwas Votrath fuͤr den kuͤnftigen Tag aufzuheben; ſie erwiederten immer, wir können ja Morgen wieder jagen, oder auch ſchlafen. Zmn Befriedigung des Appetits iſt wirklich der Schlaf den Hottentotten ganz vorzüglich eigenz ich fand öfrers ganze Horden in dieſem Zuſtande. Koͤnnen üe weder 126 ſchlafen, noch ihten Hunger durch Speiſen befriedigen, ſo ſchnuͤren ſie den Bauch mit einem breiten Riemen zuſammen, ebenſo umbinden ſie den Kopf und andere Fbeile ibres Koͤrpers, an welchen ſie Schmerzen leiden. In der folgenden Nacht wurden wir durch meh⸗ rere Loͤwen, Hyaͤnen und Jackals bis zum andern Morgen um 2 Uhr ſehr beunruhigt. Mein juͤngſtes Pferd haͤtte ich nicht erhalten koͤnnen, wenn wir es nicht durch Feſſeln an allen 4 Beinen und durch einen doppelten Halfter am Kopfe befeſtigt haͤtten, damit es ſich nicht beſchaͤdigte. Wir hatten den Platz Kocks⸗ Kraal als Standort beßimmt, wo meine Abgeordne⸗ ten mit mir zuſammen treffen ſollten. So paſſend dieſer erhabene Platz fuͤr uns und unſer Vieh geweſen it, auf welchem ich die ganze Umgebung uͤberſehen konnte, ſo guaͤlte mich doch die Beſorgniß eines Ue⸗ berfalls der Kaffern. So ſehr ich unſern Bark durch Einzäunung geſichert hatte, ſo ließ ich doch Abends nach eingetretener Dunkelheit auf jeder Seite in einer Entfernung von so Schritten ein großes Feuer antün⸗ den, um die Loͤwen und Hyaͤnen zuruͤckzuhalten. Des andern Cags ſchoß ich einen Papagei von der Größe, wie der aſchgraue von Guinea, von verſchieden ab⸗ wechſelnder gruͤner Farbe; auf jedem Schenkel, wis nuf dem erſten Gelenke des Fluͤgels befand ſich ein nurorafoͤrbiger Fleck. Anſehnliche Truppen von Pavi⸗ anen beſuchten uns am hellen Tage, auch ſab ich meb⸗ 127 N rere Vogel, welche theils ganz neu, theils verſchiedener Art waren. Die ſüͤrmiſchen Gewitter⸗Naͤchte in den afrikani⸗ ſcben Wuͤſten ſind in jeder Hinſicht das Ebenbild des Truͤbſale und des Schreckens. Die heftigſten damiꝝ verbundenen Regenguͤße durchdringen bald ein Gezelb und einige Matten, und die in einer Minute mehn als zwanzigmal wiederholten Blitze bilden einen plöt⸗ lichen Uebergang von einer ſchreckenvollen Helle zur dunkelſten Nacht. Die betaͤubendſten Donnerſchlagn wiederhallen mit ſchrecklichem Geraͤuſche, ſtoſſen gleich⸗ ſam gegen einander und vervielfaͤltigen ſich in den verſchiedenen Bergen. Durch das Gebrull des Viebes wird das Schreckliche ſolcher Naͤchte ſehr vermehrt and die Furcht noch erhoht, von wilden Thieren über⸗ fallen zu werden. Des andern Tags beſchaͤftigte ich mich, eine Kiſte mit Vogeln zu packen und auf alen Seiten gut zu verſchmieren, um feindlichen Inſekten den Zugang zu verwehren. Bereits hatte ich ſeit meiner Abreiſe vvm Kay bis hieher gegen 700 nem Vögel gewonnen. Bei Annaͤherung eines heiteren Abends ſchoͤpfte ich Hoffnung, daß wir des undern Tags auf eine Seekuh Jagd machen könnten. Ich ſchickte deßwegen meine Leute Abends noch zur Ans⸗ kundſchaftung fort; allein ſie kamen, von Furcht vo Löwen durchdrungen, zitternd zuruͤck. Waͤhrend den Nacht hoͤrten wir das Gebrull eines Lowen kaum 5 Schritte von unſerm Lager; wir erhoben uns, und 1²8 umchten eben ſo ſchneles und anhaltendes Feuer, datß üe unſere Gegend verlieen. Auffallend iſt, wie ſehr auch die drerſteſten Funde bei Annaͤberung eines Lö⸗ wen zittern. Aus dem Betragen der Hunde waͤhrend der Nacht kann man leicht die Gattung der DThiere, welche ſich näheren, beurtheilen. Bei der Naͤhe eines Loͤwen heult der Hund klaͤglich, ſcheint bedraͤngt und unruhig zu ſeyn, nähert ſich dem Menſchen und ſchmeichelt. Alle üͤbrigen Hausthiere ſtehen aufz dir Ochſen laſſen blos ein unterdruͤcktes, klaͤgliches Brul⸗ len hoͤren; die Pferde ſtampfen mit den Fuͤßen und drehen ſich nach allen Richtungen umher; die Ziegen drücken ihre Furcht durch gewiſſe Zeichen aus; de Schafe verſammeln ſich auf einem Haufen, ſchließen üch dicht an einander und ſellen eine einzige faß unbewegliche Maſſe vor. Selbſt unſer Affe ſtellte ſich“ klaͤglich wie ein Kranker, hielt ſich beſtaͤndig an met⸗ ner Seite, und ſeine Todesangſt war nicht zu vet kennen. Nur mein Hahn betrachtete die konvnlſip ſche Benegung unſers Lagers mit einer Art von Verwunderung; ein Sperber oder Wieſel haͤtte fuͤr ihn ſchrecklicher werden koͤnnen, als alle Loͤwen den afrikaniſchen Wuͤſte zuſammen. Des andern Morgens gingen wir nach Gazelen oder Buffeln auf die Jagd. Wir bemerkten die Spun eines Hippopotamus. Nach vielfacher Muͤhr erlegten wir es durch zwei Schuͤſſe, und meine Hot⸗ tentotten hrachten es aus dem Fluſſe⸗ Die Freude 129 uͤber dieſes Ereigniß war in unſerer ganzen Geſellſchaft groß, obſchon die Beweggruͤnde verſchieden waren. Ich ſendete einen Hottentotten nach unſerm La⸗ ger; um dieſes Thier des andern Morgens durch einige paar Ochſen dorthin ſchleppen, und nicht von andern Thieren waͤhrend der Nacht zerfleiſchen zu laſſen, waren wir genoͤthigt, hier unter einem Baume zu lagern, durch viele angezuͤndete Feuer und mehr als 20 Flintenſchuͤße uns Sicherheit zu verſchaffen. An das Schlafen war jedoch nicht zu denken; denn wegen der Naͤhe des Waſſers und wegen der Kuͤhlung wurden wir durch ungeheure Schwaͤrme von Muͤcken beunruhiget. Einer unſerer Hottentotten, welcher ich vom Schlafe hat uͤberwaͤltigen laſſen, war ſo ſehr von ihnen geſtochen worden, daß ſein dick auf⸗ gelaufenes Geſicht ihn des andern Tags ganz un⸗ kenutlich machte. Nachdem meine Leute fuͤr mich einen Fuß des Flußpferdes ebenſo zubereitet hatten, wie fruͤher die Fuͤße eines von mir geſchoſſenen Sle— phanten, ſo fuͤllten ſie waͤhrend der ganzen Nacht ihte Maͤgen mit dem uͤbrigen Fleiſche. Mit Ver⸗ wunderung ſah ich, wie ſie Haufen Fleiſch von 2— 3 Fuß in der Laͤnge und einen Fuß in der Breite brate⸗ ten und verzehrten. XIII. Bei faſt unertraͤglicher Hitze waren wir 6 Stunden von unſerm Lager entfernt; weßwegen der 71. Bd. Afrika. III. 1. 9 130 alte Swanepoel mir ein Pferd entgegen ſchickte. Wir befeſtigten am Kopfe des zerlegten Dhieres eine ſtarke Kette, an welcher 12 Ochſen zogen. Laͤngs des Flußes war das Ziehen wegen vielen Straͤucher und Baumſtaͤmme ſehr gefaͤhrlich; deſto leichter auf der mit Gras bewachſenen Ebene. Gegen s Uhr Abends trafen die Hottentotten mit der Beute im Lager ein, zugleich kamen auch die drei Jaͤger, welche ich auf der andern Seite ausgeſchickt hatte, mit mehreren Gazellen zuruͤck; daher wir einen Ueberfluß an Lebens⸗ mitteln hatten. Vom Flußpferde waren einige der zarteſten Theile, theils durch die zu große Hitze, theils durch das Reiben auf der Erde in Faͤuluiß gegangen, oder gar vernichtet worden; weßwegen wir den Reſt noch in der Nacht zerlegten. Die beß⸗ ten Stuͤcke wurden in die Haͤute der Gazellen einge⸗ ſalien, oder in das leere Branntwein⸗Faß gelegt. Meine Hottentotten hatten gehofft, noch eine zweite Seekuh zu jagen; da wir aber in der Naͤhe des Fluſſes waren, ſo ließ ich mein Netz zum Fiſch⸗ fange verſuchen. Wir erlangten einige 20 Fiſche ver⸗ ſchiedener Arten, welche im Fette des Flußpferdes gebraten, ſehr gut ſchmeckten. Als wir unſer Netz zuſammen legten, bemerkten wir einen Vogel, wel⸗ cher ſich immer mehr naͤherte. Die Hottentotten, welchen er den Weg zum Honig zeigte, baten um ſein Leben. Allein da es eine neue mir unbekannte 131 Art war, ſo ſchoß ich ihn herab; bei genauer Unter⸗ ſuchung fand ich, daß er wirklich zu dem Honig⸗ weiſer gehoͤre, obwohl er groͤßer, oder nur eine Abart iſt. In der Folge toͤdete ich noch drei Arten dieſer Voͤgel, welche die afrikaniſchen Wilden als wohlthaͤtige Weſen verehren. Im Magen dieſes Vogels fand ich Wachs und Honig, aber keine Spur von Inſekten; die Haut iſt außerordentlich ſtark und ihr Gewebe ſo dicht, daß ſie, wenn ſie friſch iſt, mit einer Nadel nicht durchſtochen werden kann Die⸗ ſer Vogel niſtet in hohen Baͤumen, klettert nach Art der Spechte und bruͤtet ſeine Eier ſelbſt aus. Durch dieſe Kennzeichen unterſcheidet er ſich hinlaͤng⸗ lich von den Kuckucken, zu deren Geſchlecht mehrere Naturforſcher ihn irrig zaͤhlten. ine noch groͤßere Freude gewaͤhrte mir mein Hottentott Klaas durch das Herabſchießen eines ganz neuen Adlers fuͤr meine Voögel-Sammlung. Dieſer war überaus ſchwarz; ſeine Lebensart weicht von ſener des Geiers und Adlers ab, obſchon dieſe beiden Thiere im Falle des Hungers dem Aaſe nachiagen. Waͤhrend der folgenden Nacht wurden wir durch Löͤwen und Hyaͤnen in unſerm Lager wieder ſo beun⸗ rubigt, daß wir durch wiederholte Flintenſchuͤße ſie nur vertreiben konnten. Bei dem Etwachen des 132 Morgens ſ ſch zu meiner groͤßten Veberzaſchung eiliche 20 Gonagua⸗ Hottentotten. Ihr Anfuͤhrer naͤherte ſich mir mit einem Gruße, die Weiber, in ihrem vollen Putze, gingen hinter ihm her; d. i. ſie waren vom Fett ſehr glaͤnzend und ganz friſch einge⸗ ſchmiert, und mit Pulver aus der zerſtoſſenen roͤth⸗ lichen Wurzel Bukn ſehr beſtreut, welche einen angenehmen Geruch verbreitete. Jedes dieſer Weiber war am Geſichte anders bemalt, eines brachte mir ein paar Straußen⸗Eier, em anderes ein junges Lamm, mehrere eine anſehnliche Portion Milch in niedlich gemachten Koͤrbchen. Aus dieſen ſchloß ich auf einen hoben Grad von Induſtrie; denn ſie waren aus ſehr duͤnnen Rohren ſo dicht geflochten, daß man ſie zum Waſſerholen ſehr gut brauchen konnte. Der Anfuͤhrer Haabas ſchenkte mir ſehr ſchoͤne Straußfedern, welche ich ſogleich auf meinen Hut ſteckte und meinen Federbuſch dafuͤr abnahm; dieſes geſiel dem alten ſehr wohl, und er wiederholte mir hieruͤber noch ſpaͤter ſeine Zufriedenheit. Meine Erkenntlichkeit bezeugte ich dem Alten durch das Geſchenk einiger Pfunde Taback. Er gab ſogleich den Seinigen eenen Winkz ſie verſammelten ſich um ihn und er vertheilte den Taback ſo gutherzig und billig, daß fuͤr ihn kaum ſo viel uͤbrig blieb, als er jedem Andern gegeben hatte. Deßwegen ſchenkte ich ihm noch ein Meſſer, einen Feuerſtahl, 133 eine Schwammbuͤchſe und ein Halsband von großen Glaskugeln fuͤr ihn ſelbſt. Unter die Weiber ver⸗ theilte ich gleichfalls einige Halsbaͤnder von Glasku⸗ geln und etwas meſſingen Draht, aus welchem ſie ſich Armbaͤnder verfertigen konnten. Ich ließ eihen Hammel ichlachten, und zugleich einen Theil des Fleiſches vom Flußpferde braten. Meine Hottentot⸗ ten bewirtheten ihre wilden Landsleute mit den ſanf⸗ ten Toͤnen der Maultrommeluz es wurde getanit und viel Branntwein getrunken. Zum Schluſſe be⸗ diente ich ſie mit Thee und Kaffee. Des andern Morgens weckte ich die unter Decken ſchlafenden Wil⸗ den durch einen Flintenſchuß auf, und begab mich auf die Voͤgel⸗Jagd. Ich hatte das Glück, eine Art Fliegenſchnepper von rother Farbe mit ſehr lan⸗ gem Schwanze zu erlegen. Er traͤgt auf dem Kopfe einen zierlichen Federbuſch, und waͤhrend der Hecke⸗ Zeit von etwa 3 Monaten 2 ſehr lange Federn im Schwanze, welche ſpaͤter ausfallen. Dieſer Vogel war weder von Buͤffon noch von Briſſon hin⸗ länglich charakteriſirt. Nachdem ich mein Fruͤhſtuͤck mit ſaͤmmtlichen Hottentotten verzehrt hatte, fuhr ich fort, die am Morgen geſchoſſenen Voͤgel abauziehen, und fuͤr meine Sammlkung zuzurichten. Dieſe Be⸗ ſchaͤftigung ſchien den Hottentotten ſehr wunderbar, beſonders daß ich die Voͤgel znerſt toͤdtete, dann deren Haut abzog, und ihre vorige Geſtalt wieder gab. s ich ihnen den Werth der Naturalien⸗Samm⸗ 134 lungen in Europa begreiflich machte, wunderten ſie ſich, daß man deßwegen eine ſo weite Reiſe mache, und fragten mich, ob denn bei uns nicht auch Voͤgel ſeyen. (Fortſetzung folgt.)