,,, Taſchen⸗Bibliothet der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Aegypten. Mit Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von Mehren und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaäck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. III. Theil. 2. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1 8 2 9. W. Wittmanns Reiſen in der europäi⸗ ſchen Türkei, Klein⸗Aſien, Syrien und Aegypten, während der Jahre 1799, 1800, 1801 und 1802. 1. Als gegen das Ende des J. 170s nach dem Plane der engliſchen Miniſter einige Offiiere und gemeine *) Travels in Turkey, Asia minor, Syria, and acroſs the Desert into Egypt during the years 17990— 1802 in company With the türkisR Ar- my and the british military mission. To wlich is anneed observations on the Plague, and on the discases prevalent in Turßey⸗ and a meteorological journal. By Williain Wittmann, M. D. of the royal artil ery, mem- ber of the roy. college of Surgeons in Lon⸗ don, and Surgeon to the british military Mis- sion acting with the army of the Grand Vi- zier. London for R. Philipps. 1903. 4. XVI. p. 505. Ueberſ. v. D. A. Bergk. Leipzig 1804. s. in 2 Baͤnden mit vielen illum. Kupfern. 118 Soldaten nach der Tuͤrkei geſchickt wurden, um in Verbindung mit den Tuͤrken die Franzoſen aus Aegypten zu vertreiben, ſo war unter dieſer Ge⸗ ſandtſchaft auch Wittmann. Er reiſte aus Eng⸗ land im Anfange des Aprils 4799 auf dem Trans⸗ portſchiffe der Neue Abentheuerer, unter der Be⸗ deckung des koniglichen Schiffes Charon von 44 Ka⸗ nonen ab, und langte gluͤcklich zu Gibraltar an. Unterwegs bekam das Transportſchiff, weil es zu ſchwer beladen war, einen ſolchen Leck, daß eine Menge von Kriegs⸗Geraͤthen und einige Ponton muß⸗ ten über Bord geworfen werden. Den 3. Mai fuhren wir von Gibraltar ab, und langten nach einer achttaͤgigen ſehr angenehmen Reiſe zu Palermo in Sizilien an. Die ſchoͤnen Anſichten der Stadt, ihre Vorttaͤdte und die umlie⸗ gende Gegend erregte die Bewunderung der Reiſenden; letztere iſt außerordentlich angenehm und vortrefflich gebaut; ihre Ebene bildet mit den hohen und ßeilen Bergen einen herrlichen Abſtand. Den folgenden Tag uͤberſiel uns an der Kuͤſte von Sizilien eine Windſtille. Wir hatten eine deut⸗ liche Ausſicht auf den Berg Aetna und die Inſel Stromboliz die Wirkung dieſes ſchoͤnen Schauſpiels vergroͤßerten noch die Lipariſchen Inſeln. Den 13. fuhren wir durch die Meerenge von Meſſina, hat⸗ ten eine vollkommene Anſicht von dieſer Stadt, und genoßen den herrlichen Anblick der ſchoͤnen und reich 119 geſchmuckten Koſte, welchen nur zuweilen die Erinne⸗ rung an das ſchreckliche Erdbeben vom J. 1783 truͤbte. Den 14. uͤberfiel uns an der Kuͤſte von Kalabrien wieder eine Windſille; den 49. ſahen wir die Inſel Zante; den 22. das etwa Meilen von uns gegen Dſt⸗Nord⸗Dſt entfernte Cerigo, und entdeckten den 2. die Inſel Milo, von welcher uns ein ſtarker kuͤh⸗ ler Nord⸗Oſt⸗Wind nach Morea trieb. Den 27. waren wir ſo gluͤcklich, zwiſchen den In⸗ ſeln Thermia und Serifo, zwei von den eyeladi⸗ ſchen Inſeln zu fahren. Wegen des ſtarken Nord⸗Oſt⸗ Windes zerbrach unſer Segel. Nachmittags befanden wir uns nahe bei Micone, gleichfalls einer der Cy⸗ eladen. Den 28. fuhren wir der Inſel Nicaria vorbei, und nahmen eine große Menge Waſſer ein; den 29. der Inſel Seio voruͤber, und entdeckten den 31. Mitylene. Den 2. Juni befanden wir uns bei der Inſel De⸗ nedos und den 4. liefen wir in die Straße der Dar⸗ danellen ein. Hier noͤthigten uns widrige Winde eilf Tage zu bleiben, bis wir endlich den a4. uns im Angeſichte Konſtantinopels befanden. Nicht lange hernach uͤberfiel uns ein Donnerwetter mit Regen. Um 3 Uhr Nachmittags gingen wir im Hafen vor An⸗ ker, und begruͤßten im Vorbeifahren den Palaſt des Großherrn mit einer koniglichen Salve. Die Stadt, der Hafen und die Umgebungen gewaͤhrten einen praͤch⸗ tigen Anblick, welcher fur uns in jeder Hinſicht, ſo⸗ 120 wohl in Anſehung der Bauart der vornehmſten Ge⸗ baͤnde, als der Lage der Stadt, neu und im Ganzen außerordentlich ſchoͤn und maleriſch war. Den 18. April hatte die Geſandtſchaft die erſte Vorſtellung bei dem Groß⸗Vezier. Er waͤhlte dieſen Tag deßhalb, weil derſelbe zur feierlichen Einweihung ſeiner Fahne vor ſeinem Ausruͤcken in das Feld, und vor ſeiner 8 Erhebung zum Paſcha von drei Roßſchweifen be⸗ ſtimmt war. Unter Bedeckung eines Janitſcharen⸗Korps, und in Begleitung eines Dolmetſchers fuͤhrte man ſie nach der hohen Pforte. Man ließ ſie in ein Zimmer tre⸗ ten, aus welchem ſie eine Ausſicht auf die Halle des Divan, und auf einen großen Hof hatten, in welchem eine ſehr große Menge von Tuͤrken bei dem Gebete verſammelt war. Kurz vor Mittags trugen verſchie⸗ dene hohe Staats⸗Beamte die Fahne mit großer Feier⸗ lichkeit aus der Halle an die Treppenſtufen; an der Spitze des Aufzuges befanden ſich die verſchiedenen religioͤſen Sekten, der Mufti, Imans, Derwiſche u. ſ. w. Nach Wiederholung eines feierlichen Gebe⸗ tes, an welchem auch die Zuſchauer Theil nahmen, und nach der Bemerkung des Mufti, daß die Sonne den Meridian erreicht habe, wurde die Fahne in die Höhe gerichtet und aufgepflanzt. Nach dieſer Zere⸗ monie opferte man 12 Schafe, und beſtrich den unter⸗ ſten Theil der Fahne mit dem Blute derſelben. Hier ſollte ſie 40 Tage bleiben; alsdann ſollte der Grot⸗ 121 Vezier in das Feld ruͤcken. Die angeſehenen Beamten beurlaubten ſich, und der Groß⸗Vezier begleitete den Mufti bis an ſeinen Wagen, welcher in einem kleinen bedeckten, und mit Scharlachtuche uͤberzogenen Fuhr⸗ werke beſtand. Nach Beendigung dieſer Feierlichkeit wurden die engliſchen Pffiziere durch den Reis⸗Effendi(den Staats⸗ Sekretaͤr der auswärtigen Angelegenheiten), dem Groß⸗ Veziere vorgeſtellt. Er ſaß in der Scke eines nach tuͤr⸗ kiſchem Geſchmacke reich moͤblirten Zimmers, von ei⸗ ner großen Menge reich gekleideter Bedienten und Stummen umgeben. Nachdem ſich die Dffiziere nie⸗ dergelaſſen hatten, brachte man ihnen nach Landes⸗ ſitte Tabakspfeifen, Zuckerterk, Kaffee, Scherbet, Roſenwaſſer und andere wohlriechende Sachen. Nach einer ausgezeichneten Behandlung entfernten ſie ſich. Den 22. April erfolgte in dem Kiosk(einem auf allen 4 Seiten offenen Luſthauſe) zu Kaithana eine zweite Zuſammenkunft, wo der Groß⸗Vezier einen Cheil turkiſcher Artillerie und ein Korps Infanterie zur Revue und Artillerie⸗Uebungen verſammeit batte. Erſtere verdienten Lob, letztere gar keines⸗ Den 20. Mai nahm der Groß⸗Vezier von dem Sultan Abſchied, fuhr nach Scutari, wo ihn un⸗ terwegs die Kanonen auf der Spitze des Serail be⸗ willkommten. In den Straßen zu Seutari, durch welche er ſeinen Wes nahm, ſtand ſowohl Infanterie als Kavallerie. Seine Begleitung beſtand aus dem 12 Kaimakan(dem ſelbſt gewaͤhlten Stellvertreter des Groß⸗Vezier, wenn er in das Feld zieht, oder Kon⸗ ſantinopel verlaͤßt), dem Kapitaͤn⸗Paſcha und al⸗ len großen Staats⸗Beamten. Eine Anzahl tuͤrkiſcher Muſiker und Fechter, welche ſcharmuzirten, wie der Aufzug voraus ging, zog voraus. Die Soldaten, welche den Groß⸗Vezier begleiteten, beſtanden aus Fußvolk und Reiteri von verſchiedenartiger Bekleidung und Bewaffnung. Die vornehmſten Staats⸗Beamten und alle Pffiziere ritten auf ſchoͤnen, mit reichen Scha⸗ bracken gezierten Pferden. Eine Menge Derwiſche war unter die tuͤrkiſchen Truppen vertheilt, um ſie zur Tapferkeit zu ermuntern, und durch Schreien und Singen zum Enthuſtasmus zu entflammen. 1I. Zum Aufenthalte fuͤr die Dfſiziere und für mich war das Dorf Buyukdere am Meere 16 Mei⸗ len von der Hauptſtadt entfernt, beſtimmt. Ich be⸗ ſuchte zweimal Pera, und hatte Zeit genug Kon⸗ ſtantinopel, deſſen Vorſtaͤdte und Umgebungen zu beſehen und zu unterſuchen. Konſtantinopel hat mit ſeinen Vorſtaͤdten, deren einige ſo groß ſind, daß ſie mehrere Schriftſtel⸗ ler fuͤr beſondere Staͤdte angeſehen haben, einen ſehr betraͤchtlichen Umfang. Es gleicht einem ungleichen Dreiecke, deſſen eine Seite ſich auf den See von Marmora, die zweite auf die Vorderſeite des Ha⸗ fens, und die dritte auf das Feſtland ſtuͤtzt. Wegen ſeines Baues auf7 Huͤgeln, an deren Abhaͤngen die — Häuſer ſtehen, hat es, in einiger Entfernung betrach⸗ tet, das Anſehen eines ungeheuren Amphitheaters, welches eine ſehr große Strecke Landes einnimmt. Die Anzahl der Moſcheen, deren beruͤhmteſte die Sophien⸗Kirche, iſt ſehr anſehnlich; verſchiedene derſelben haben einen großen Umfang. Keine hat Glo⸗ cken; aber jede einen oder zwei Minarets, auf welchen die Muedſin(Ausrufer) das Volk zum Gebete zuſam⸗ men rufen. Die Minarets haben in ihrer Geſtalt viel Aehnliches mit einer hohen Kerze, welche oben auf der Spitze ein Loͤſchhorn hat. Dem groͤßern und maleriſchen Anſehen des Aeu⸗ ßern von Konſtantinopel und ſeiner Umgebung entſpricht nicht das Innere der Stadt, weil die Haͤu⸗ ſer vhne Unterſchied unter einander gebaut, und die Straßen ſehr enge ſind. Das Serail des Großherrn nimmt die Stelle des alten Byzanz am aͤußerſten Ende des Winkels ein, welchen das Meer von Marmora und der Bosporus bildet. Die vorſpringende Land⸗ ſpitze, auf welcher es ſteht, iſt mit Gruppen von Zy⸗ preſſen bedeckt, welche den praͤchtigen Gebaͤuden, aus der Palaſt beſteht, eine erhabene Wirkung geben. Auf der gegenuͤber liegenden Seite des Hafens ſtehen die Vorſtaͤdte Galata, Pera und Tho⸗ phana; und auf der aſiatiſchen Kuͤſte der Spitze des Serails gegenuͤber liegt die Vorſtadt Skutari⸗ 124 Die Vorſtaͤdte auf den großen Abhaͤngen der Huͤ⸗ gel haben ein ſehr romantiſches Anſehen, weil die Haͤuſer reihenweiſe auf einander gebaut zu ſeyn ſchei⸗ nen. Jedoch vermindert ſich die Groͤße dieſes Schau⸗ ſpieles in der Naͤhe, weil die große Hitze der Sonne das Holz der Haͤuſer, aus welchem die meiſten gebaut ſind, bald und vernichtet. Zwiſchen den Haͤu⸗ ſern heben Sypreſſen⸗Baͤume ihre hohen Wipfel em⸗ vor, und vermehren den erhabenen Eindruck des Gan⸗ zen gar ſehr. Die Todts er, dicht mit dieſen Baͤu⸗ men bepflanzt, machen dadarch die Seene hoͤchſt maleriſch. Bei naͤherer väterſuchung der Stadt wird der Reiſende wenig finden, was ſeine Neugierde be⸗ friedigen, oder ſeine Bewunderung erregen kann. Der Bosporus, ein ſchoͤner Kanal, 1— 14/2 Meile breit und etwa 20 Meilen lang, unterhaͤlt die Verbindung zwiſchen dem ſchwarzen Meere und dem See von Marmora, dem alten Propontis. Seine Ufer ſind hoch, und mit einer herrlichen Man— nigfaltigkeit von ſchoͤnen Baͤumen und Geſtraͤuchen beſetzt, hier und da ſtehen verſchiedene Doͤrfer. Am ufer haben der Großherr, der Grol⸗Vezier u. ſ. w. ſchoͤne Kiosk zu ibrem Sommer⸗Aufenthalte. Die ufer ſind mit Weinbergen, Gaͤrten und Obſt⸗Anlagen bedeckt, in welchen man eine große Menge der ſchoͤn⸗ ſten Fruͤchte antrifft. Hier verſammeln ſich die Ein⸗ wohner, rauchen mebrere Stunden Taback, und ge⸗ nießen die friſche Luft. Auf dem Bosporus faͤhrt 125 beſtändig eine große Menge ſchoͤn verzierter Fahrzeuge hin und her. Die Anzahl der Einwohner von Konſtantinv⸗ pel belauft ſich ſicherlich nicht uͤber 400,000. Ein großer Theil wohnt in den Vorſtaͤdten: denn kein Franke oder Chriſt darf in der ſogenannten eigentli⸗ chen Stadt wohnen. Die Franken halten ſich in Pera und Galata aufz in erſterer Vorſtadt ſind die Wohnungen aller fremden Geſandten, welche den fraͤn⸗ kiſchen Einwohnern Baͤlle und Konzerte geben. Der Hafen von Konſtantinopel iſt fuͤr die Schifffahrt ſicher und bequem. Die Tuͤrken verwen⸗ den viel auf die außere Verſchoͤnerung ihrer Schiffs⸗ Gelb iſt die herrſchende Farbe, mit welcher ſie die Seitenwaͤnde ihrer Schiffe anſtreichen. Ihre Kauffahr⸗ teiſchiffe, welche faſt nur das ſchwarze Meer beſuchen, beißen Caiken. Durch die Unwiſſenheit und Dumm⸗ heit der tuͤrkiſchen Steuerleute geht jaͤhrlich eine große Menge Schiffe zu Grunde. Sie wagen kaum jemals das Land aus dem Geſichte zu verlieren. Die Zimmer in den Haͤuſern der Luͤrken ſind im Ganzen praͤchtig verziert. In jedem befindet ſich ein erhohter Platz, welcher ungefaͤhr einen Fuß uͤber den Boden erhaben und 3—6 Fuß breit iſt. Auf dieſer Erhoͤhung befinden ſich Matrazen, welche mit Zeus oder Leinwand uͤberzogen ſind; Kiſſen liegen von ei⸗ nem Ende zum andern, und auf dem Boden iſt eine ſchoͤne Matte ausgebreitet. Die Fenſter, welche kein 126 Glas haben, ſind mit Gittern verſehen. Weder Li⸗ ſche, noch Stuͤhle gehoͤren zum Hausgeraͤthe. Wenn ein Franke einen Tuͤrken beſucht, ſteht letzterer nicht auf, um ihn zu bewillkommnen, ſondern der Beſu⸗ chende naͤhert ſich ihm, und verbeugt ſich, indem er die rechte Hand auf die Bruſt legt. Der Luͤrke gibt nun ſeinem Gaſte ein Zeichen mit der Hand, ſich auf das Sopha niederzulaſſen; die Unterredung beginnt ver⸗ mittelſt eines Dragoman(Dolmetſcher). Den Hut oder die Muͤtze abzunehmen, wuͤrde einem Tuͤrken eben ſo naͤrriſch vorkommen, als es anderwaͤrts laͤcher⸗ lich ſeyn wuͤrde, wenn man vor Jemanden die Pe⸗ ruͤcke abnehmen wollte. Die Türken, große Liebha⸗ ber vom Taback⸗Rauchen, trifft man ſelten ohne eine Pfeife im Munde. Eine unglaubliche Menge von Hunden auf den Straben Konſtantinopels, unſern Schaͤferhun⸗ den gleichend, ſind eine große Plage. Das Geheul dieſer halb verhungerten und gefraͤßigen, herrenloſen Thiere in der Nacht iſt graͤßlich. Sie verſchaffen ſich ihren ſpaͤrlichen Unterhalt aus dem Kehrichte, welches man aus den Haͤuſern wirft. Auf den Todtenaͤckern niſtet in den Gruppen von Dypreſſen⸗Baͤumen eine große Menge Tauben, welche die Tuͤrken niemals zu verſtoren ſuchen. Sie ſchwär⸗ men uͤberall berum, wo ſolche Baume ſehen. II. Den 1. Juni ließ ich mein Gepaͤck, Ati⸗ neien u. ſ. w. nach dem Dorfe Buyukdere ſchaf⸗ 1 127 fen, wo man uns dicht am Meeres⸗ufer eine Woh⸗ nung eingeraͤumt hatte. Das Dorf in einer ſehr an⸗ genehmen Lage auf der europaͤiſchen Seite des Bys⸗ vorus, nicht weit von dem Eingange in das ſchwarze Meer, liegt etwa 12 Meilen von Konſtantinopel auf einer großen Ebene. Buyuk bedeutet im Tuͤrki⸗ ſchen Groß, und Dere Thale. Die Ausſicht iſt äu⸗ ßerſt romantiſch und ſchoͤn. In ſeiner Fronte iſt ein ſchoͤnes ufer, und in ſeinem Ruͤcken liegen mehrere Anhoͤhen oder Vorgebirge, welche außerordentlich ma⸗ leriſche Scenen darbieten. Weſtwaͤrts vom Dorfe be⸗ findet ſich eine große Wieſe, in derer Mitte eine Gruppe von ſehr groben Platanus⸗Baͤumen oft dem Sultan zum Beluſtigungsorte dient. Das Schloß von Buyukdere ſteht, ſeiner Lage nach jener von Do⸗ ver⸗Caſtle nicht unaͤhnlich, auf einem hohen Berge, und wurde im XV. Jahrhundert vom Sultan Moha⸗ med, dem Eroberer Konſtantinopels, erbaut. Den 19. ging ich mit dem General Koͤhler, nach einem Gaſtmale bei dem ruſſiſchen Geſandten, nach Levant Chiflik, welches ungefaͤhr? Meilen von Buyukdere und faſt in der Mitte zwiſchen dieſem und Pera liegt; Levant bedeutet einen Seemann, und Chiflik einen Meierhof. Die Gegend in der Nachbarſchaft von Levant Chiflik iſt offen und huͤgelich, und beſteht meiſtens aus wuſten Ländereien, die mit Farn⸗ und Heidekraut bedeckt ſind. Manche Stellen ſind in Gärten und 128 Weinberge umgewandelt. Der Boden iſt bald thonar⸗ tig, bald ſandig mit Schiefer vermiſcht, im Ganzen arm und unfruchtbar; in den angebauten Thaͤlern ge⸗ winnt man leidliche Heu⸗Aerndten, jedoch faͤllt im Winter aus Mangel an Futter das Vieh ab, im Som⸗ mer nimmt es wieder zu, indem man es mit dem Futter der reichen Laͤndereien hinlaͤnglich naͤhrt. Den 24. kehrte ich von Buyukdere zu Waſſer nach Konſtantinopel zuruͤck, und ritt den 20. nach Levant Chiflik. Die tuͤrkiſchen Pferde ſind im Ganzen klein, 14, 12— 13 Haͤnde hoch und gut ge⸗ fuͤttert. Das Beſchlagen der tuͤrkiſchen Pferde unter⸗ ſcheidet ſich von dem unſeren weſentlich. Der ganze Fuß wird mit einer duͤnnen eiſernen Platte belegt, ausgenommen im Mittelpunkte, wo ſich eine kleine Deffnung, ungefaͤhr einen halben engliſchen Pfennig groß befindet. Im Stalle erhalten die Pferde taͤglich ein, hoͤchſtens zwei ſparſame Futter, welches in Gerſte und Spreu, oder in Gerſte allein beſteht; taͤglich wer⸗ den ſie auch nur einmal getraͤnkt. Ihre Streu iſt ihr eigener Koth, welcher zuvor an der Sonne getrocknet wurde. Die Tuͤrken halten die Haut der Pferde ſehr rein und glaͤnzend. Wenn dieſe nicht geritten werden, ſind ſie in den Staͤllen beſtaͤndig an Stricke gebun⸗ den. Der Sattel kommt kaum jemals, ſelbſt im Stalle nicht, ganz vom Ruͤcken der Pferde herab. Sie 129 werden ſehr warm gehalten, und mit dicken Zeugen und Kappen bedeckt. Die Froͤſche und Gras⸗Hoͤpfer in der Tuͤrkei ſind ſehr groß, und machen ein außerordentliches Getoͤſe. Unſere Abend⸗Spatziergaͤnge am ufer von Bu⸗ jukdere waren ͤußerſt angenehm und vergnuͤgt. Dieſe Stelle hat eine große Aehnlichkett mit dem Strande bei Weymouth. Der groͤßte Theil der Einwohner verſammelt ſich hier Abends, und geht entweder ſpatzieren, oder vergnugt ſich mit Fahren in Boots. Es leben hier Perſonen beinahe von allen Na⸗ tionen; der Anzug der Einwohner iſt eben ſo mannig⸗ faltig, als die Sprache. Die tuͤrkiſchen Frauemzimmer ſehen ſehr ſchoͤn aus; ſie haben ihr Geſicht, bloß die Augen und einen Cheil der Naſe ausgenommen, mit einem Stuͤcke welßen Mußlins verſchleiert, in ein an⸗ deres Stuͤck haben ſie den Kopf gehuͤllt. Dieſer Theil des Anzuges heißt Mahram ah. Sie ſind ziemlich klein und ſtark, haben gewoͤhnlich ein langes grünes Kleid, welches hinten ſehr weit hinab geht, mit ei⸗ nem viereckigen Kragen; dieſes Dberkleid heißt Fe⸗ redſche. Sie tragen gelbe Stiefel, uͤber welche ſie Pantoffeln anziehen. Die Nägel an den Fingern faͤr⸗ ben ſie mit getrockneten Blattern der Henne(aw sonia inermis). Die tuͤrkiſchen Frauenzimmer gehen allemal allein aus, bei ſchoͤnem Wetter machen ſie Spatziergaͤnge außerhalb der Staͤdte, laſſen ſich auf Anhohen oder auf den Grabſteſen der Todtenser 1tes B. Aegppten. III. 2.— nieder, wo ſie ruhig ganze Stunden ſtill beiſammen ſitzen. 5 Bei den griechiſchen Frauenzimmern iſt das Ge⸗ ſicht ſchoͤn, vvalfoͤrmig und unverſchleiert. Ihre Au⸗ gen und Augenbraunen ſind ſchwarz; um ihnen eine dunklere Farbe zu geben, uͤberreiben ſie dieſelben mit einem Bleierze, welches ſie in einen außerordentlich feinen Staub verwandelt haben. Sie vermiſchen ihn mit einer oͤligten Subſtanz, damit er mehr Feſtigkeit erhaͤlt. Ihre natuͤrliche Geſichtsfarbe iſt insgemein bleich; ihr Haar ſehr lang und glaͤnzend, dunkel ſchwarz; ſie tragen es in Locken, bisweilen haͤngt es nachlaͤſſig auf dem Ruͤcken bis auf die Huͤften herab. Ihr Anzug iſt koſtbar; allein ſie ſehen auf keine Farbe beſonders. Auf dem Kopfe tragen ſie eine kleine Haube. Die Mannsperſonen tragen ſich wie die Tuͤr⸗ ken; nur duͤrfen ſie keinen Turban von weißem Muß⸗ lin(Kowouk), ſondern den Kalpae(blauen Turban) aufſetzen. Auch darf kein Grieche gelbe Stiefeln oder Pantoffeln anziehen. Bloß jene im Dienſie fremder Geſandten ſind von dieſem Verbote ausgenommen. Die griechiſchen Frauenzimmer verheirathen ſich um das 13 Jahr, und leben nicht lange. Mit dem 25. Jahre haben ſie Runzeln, und ſehen alten Wei⸗ vern aͤhnlich. Die ſchoͤnen Kinder haben die bleiche Geſichtsfarbe der Mutter, welche von dem haͤufigen Gebrauche der Baͤder kommt. Ein griechiſcher Liebbaber bringt ſeiner Geliebten 131 entweder in der Fronte ihres Hauſes, oder auf dem Waſſer Serenaden, in welchen er die Leidenſchaftlich⸗ keit und Aufrichtigkeit ſeiner Liebe u. ſ. w. ruͤhmt. Dieſe naͤchtlichen Serenaden der Liebe ſind ſehr baͤufig. Beinahe dieſem Dorfe gegenuͤber, am ufer des Bosporus wird eine Quelle von ſchoͤnen Baͤumen beſchattet, und Abends bei dem Mondſcheine von den Griechen, Armeniern und andern Nationen haͤufig be⸗ ſucht. Nahrungsmittel und Getraͤnke findet man zu Bujukdere in Menge und wohlfeil. Eine ſehr angenehme und beliebte Speiſe der Einwohner, welche zum Nachtiſche aufgetragen wird, iſt der Pourt, welcher aus ſauerer und fuͤßer Milch, mit Zucker vermiſcht, bereitet wird. Den 29. hatte die Ernte ihren Anfang genommen. In der ganzen Tuͤrkei baut man bloß Weitzen. Er wird nicht, wie bei uns, gedroſchen, ſondern man ſpannt Pferde und Ochſen an einen kleinen Karren, welcher unten mit Kieſelſteinen beſetzt iſt, damit das Stroh zerſchnitten und zerquetſcht wird Das Vieh tritt die Koͤrner aus, welches im Kreiſe, wie bei einer Muͤhle, herum lauft. Den 1. Juli beſuchte der Großherr mit allen ſei⸗ nen vornehmſten Beamten Bujukdere; den 2. wurden auf Befehl des General Koͤhler, und auf Verlangen des Kapitaͤn⸗Paſcha zu Kaithana in ei⸗ 132 nem Dfen Kugeln gluͤhend gemacht. Der Verſuch, mit gluͤhenden Kugeln zu ſchießen, ſiel nach Wunſch aus. Kaithana iſt ein ſehr angenehmes Thal am aͤu⸗ berſten Ende des Hafens, ettva 10 Meilen von Bu⸗ jukdere entfernt. Man ſieht da noch Spuren von einem Gebaͤude, welches ehemals ein Palaſt des Groß⸗ herrn geweſen ſeyn ſoll; in der Naͤhe deſſelben iſt ein großer Kivsk für den Sultan. Ein ſchoͤner Strom ſchlaͤngelt ſich durch das Thal. Ein Kiosk(Luſthaus) iſt ein Stockwerk hoch⸗ und dient zum Sommer⸗Aufenthalte. Seine Geſtalt iſt bisweilen viereckig, zuweilen auch rund, meiſtens aus Holz, und in und auswendig nach tuͤrkiſcher Art angeſtrichen. Deffnungen mit Fenſterlaͤden oder Git⸗ terwerk vertreten die Stelle der Fenſter. Er erhebt ſich gewoͤhnlich einige Fuße über den Boden, und iſt inwendig mit Sophas verſehen, welche mit Zeug be⸗ deckt ſind, und auf den Kiſſen liegen. Sie find ge⸗ woͤhnlich auf Erhoͤhungen an Flüſſen oder Stroͤmen erbaut. Kleine Kiosk werden auch haͤufig auf den Hintertheilen der türkiſchen Kauffahrteiſchiffe errich⸗ tet. Hier ſchmaucht das Schiffsvolk ſeine Pfeife Taback. Nach mehreren Beſuchen begab ſich Wittmann den a2. nach Konſtantinopel, und benutzte dieſe Gelegenheit, um die Baſars zu beſuchen. Dieß ſind Seitenplaͤtze zum Verkaufe verſchiedener Waaren, weiche oben bedeckt ſind. In den Bogengängen aus 183 Holz oder von Stein hat jeder Kaufmann an derFronte ſeinen Laden, und im Ruͤcken ſein Waaren⸗Magazin. Sie ſind ſehr beguem, und im Sommer ſehr kuͤhl. Beamte muͤſſen Maas und Gewicht der Verkaͤufer unterſuchen, und taͤglich ihre Runde durch die ver⸗ ſchiedenen Baſars machen. Wehe dem, welcher mit zu leichtem Gewichte verkauft; er bekommt entweder auf der Stelle die Baſtonade, oder wird zu einer Geldſtrafe verurtheilt. Das Gewicht wird darauf zerbrochen. Mehrentheils hat man ſich wegen Betruͤgerei vor den Juden in Acht zu nehmen.— Baͤcker, welche Brod von zu leichtem Gewichte oder von ſchlechter Beſchaß⸗ fenheit verkaufen, werden mit den Dhren an ihre eigene Thuͤrpfoſte genagelt. Die Straßen von Konſtantinopel ſind ohne Ausnahme enge, elend gepflaſtert und ſchmutzig. Bei⸗ nahe an allen Haͤuſern ſpringen Fenſter auf die Straße heraus, und beruͤhren faſt den gegenuͤher wohnenden Nachbar. Die Daͤcher auf den Haͤuſern mit rothlichen Ziegeln, ſind aͤußerſt elend gedeckt; die Ziegeln liegen nachlaͤßig auf einander, ohne daß ſie weiter befeſtigt werden. Das aͤußere Anſehen eines Hauſes iſt ſchwer⸗ fäͤllig und armſelig, weil alle Verzierungen fur das Innere geſpart werden. Ich beſuchte die Münze, die Sophienkirche, welche, den Dom und die 4 Minarets ausgenommen, die auswaͤrts und abgeſondert ſtehen, oben weder et⸗ was ſehr Beſonderes, noch Auffallendes hat, ferner den Atmeydan(Pferde⸗Rennplatz) den alten Hip⸗ — podromus. Er iſt ein ungemein großer, freier Platz, auf wel chem ſich die Tuͤrken mit dem Dſcherid be⸗ luſtigen. Die Kaͤmpfer ſitzen zu Pferde und ſind mit einem Stocke von betraͤchtlicher Laͤnge bewaffnet, wel⸗ cher mit großem Nachdrucke von dem Angreifenden geworfen wird, und dem ſein Gegner eben ſo geſchickt auszuweichen ſucht. Dieſe Uebung iſt unter den Tuͤr⸗ ken vom Stande ſehr gewoͤhnlich. In der Mitte des Atmeydan ſeht ein DPbelisk aus einem einzigen Granitſteine mit verſchiedenen ägyptiſchen Figuren und Hieroglyphen bedeckt und un⸗ gefähr so Fuß hoch. Die Hoͤhe der Baſis betraͤgt etwa „Fuße, und dieſelbe iſt auf eine ſonderbare Art mit einer großen Menge von Menſchenkoͤpfen in halb er⸗ babener Arbeit geziert. Am Ende des Platzes ſind die Truͤmmer einer Saͤule, welche aus drei metallenen in einander geflochtenen Schlangen beſteht; die Koͤpfe derſelben machten das Kapital der Saͤule aus. Bei der Einnahme Konſtantinopels ſchlug Mahv⸗ met 1I. den Rachen eines dieſer Koͤpfe ab. Durch eine Straße gelangten wir zur ſogenannten verbrannten Saͤule, welche von den haͤufigen Feuers⸗ bruͤnſten ein ſchwaͤrzliches Anſehen und viele Riſſe er⸗ balten hat und durch eiſerne Reifen zuſammengehalten wird. Den 14. ritt ich nach Levant Chiflik und beſah das Schiff den Sultan Selim, auf welchem der Ca⸗ pitain Paſcha ſeine Flagge autgeſteckt hatte. Es war von außen ſehr ſchoͤn, fuͤhrte 120 zwei und vierzig Pfuͤnder mit mehreren Kanonen von kleinerm Kaliber. Die Kajutte des Capitain Paſcha war praͤchtig ver⸗ ziert; wir fanden in derſelben auch mehrere engliſche Kupferſtiche, welche Siege zur See darſtellten. Be⸗ ſonders wenig Aufmerkſamkeit widmete man den Kranken. Den 21. Nachmittags fuhren wir in Geſellſchaft von Bujukdere nach Aſien, und beſtiegen den Gipfel des Rieſenbergesz er iſt ſehr hoch und von ihm herab hat man eine ſehr herrliche Ausſicht auz die verſchiedenen Kruͤmmungen des Bosporus und auf das ſchwarze Meer⸗ Den 23. hatte ich in Chiflik ſehr viel wegen der großen Anzahl verwundeter Soldaten zu thun. IV. Den 13. Auguſt lud mich bei meiner Ankunft zu Chiflik der Wundarzt des Großherrn nach Kon⸗ ſtantinopel zur Feierlichkeit des Beyram Cur⸗ bann, des Dpferfeſtes des zweiten Paſchafeſtes ein. Das Bayram Feſt, welches auf den tuͤrkiſchen Ramazan(Faſten⸗Monat) folgt, itt die Zeit von allen Arten der Vergnuͤgungen und Feßtlichkeiten. Man ſchafft ſich neue Kleider an; die Straßen und oͤffentlichen Plaͤtze ſind mit Menſchen⸗Gruppen gefuͤllt, deren Vergnuͤgungen und Zeitvertreibe nach der Ver⸗ ſchiedenheit der Nation verſchieden ſind. Bei der Eroͤfnung des Feſtes vpfern der Sultan und alle an⸗ 136 geſehenen und reichen Tuͤrken ihre Schafe; die Hoͤrner derſelben ſind vergoldet, und die Wolle fein gekaͤmmt. Das Dpfer wird zur naͤmlichen Zeit vollbracht, wo leicet Dpfer zu Mekka Statt ſinden. In dem Hauſe des Wundarztes ſahen wir am 14. den felertichn Aufzug des Groß⸗Sultan aus dem Se⸗ rail nach der Moſchee des Sultan Achmet⸗ Gegen s Uhr nahm die Prozeſſion ihren Anfang, nach s Uhr erſchien der Großherr. Alle, welche zum Aufzuge gehoͤrten, waren praͤchtig und koſtbar geklei⸗ det. Die ſchoͤnen Pferde, beſonders jene der Ver⸗ ſchnittenen, waren auf das praͤchtigſte geſchmuͤckt; bei vielen waren die Satteldecken mit Gold geſtickt, und mit koſtbaren Steinen beſetzt. Der Großherr trug auf ſeinem Turbane einen ſchoͤnen Reigerbuſch von ſehr großem Werthe; die Diamanten, aus welchen er be⸗ ſtand, waren von ungemeiner Groͤße. Mehrere ſeiner Pferde, welche ſeinen Schild und verſchiedene Prophaͤen trugen, fuͤhrte man bei dem feierlichen Auf⸗ zuge am Zuͤgel; ihre Schabraken waren mit einer Menge Diamanten, Rubinen und andern koßbaren Steinen geſchmuͤckt. Waͤhrend des Aufzuges warf ein tuͤrkiſcher Beamte dem Volke beſtaͤndig Haͤnde voll neuer Paras auf den Kopf. Auf den Großherrn, welcher ein praͤchtig geſchmuck⸗ tes Pferd ritt, folgte ſein Schwerdttraͤger, welcher ſeinen Saͤbel trug, deſſen Gefaͤtß mit Diamanten im Ueberfluſſe beſetzt war. Dann kamen verſchiedene Be⸗ 137 diente ſeines Serails, alle reich gekleidet, und ſeine mit Diamanten und andern Edelſteinen verzierten Tur⸗ bane tragend. Auf beiden Seiten der Straße ſtanden Janitſcharen in Reihe und Glied, mit einem ſo laͤ⸗ cherlichen als unanſtaͤndigen Kopfputze. Bei ſeinem Vorbeireiten verneigte ſich von Zeit zu Zeit der Sul⸗ tan vor dem Volke, welches ſich bei ſeiner Annaͤherung vor ihm niederwarf. Der Kislar Aga, das Haupt der Verſchnittenen, verrichtete den Dienſt in der Moſchee, und wurde von dem Sultan mit einem koſtbaren Pelze und einem reichen Kaftan beſchenkt. Der Sultan theilte auch andere Kaftans aus, deren Werth ſich nach dem Range derienigen richtete, fuͤr welche ſie beſtimmt waren. Der damals regierende Sultan Selim UI. war bei ſeinen Unterthanen außerordentlich beliebt. Er ſtammt von dem Hauſe Osman's ab, welcher im XIII. Jahrhunderte die fuͤnfte Dynaſtie des Kaliphen errichtete. Er beſaß, vermoͤge ſeiner Erziehung, einen ſehr gebildeten Verſtand, und hatte eine Kenntniß von der Politik der aufgeklaͤrteſten Staaten Europas ſich verſchafft. Sein Charakter war gefaͤllig und leut⸗ ſelig, ſeine Geſichtsbildung ſchoͤn und voll Ausdruck⸗ ſein Geſicht wohl proportionirt, und ſein Blick ſloͤßte Ehrfurcht ein. Er fuͤhrte in ſeinem Reiche ver⸗ ſchiedene Neuerungen ein, und war ein eifriger Freund der franzoͤſiſchen und engliſchen Taktik. Nach dem Aufzuge nahmen wir bei unſerm Wir⸗ the ein Mahl nach tuͤrkiſcher Art ein, worauf wir uns verabſchiedeten. Den 16. begleitete ich den General Koͤhler nach Pera, und kehrte den 17. nach Bu⸗ jukdere zuruͤck. Seit dem letztern Regen erhielt das Tand ein ganz neues ſehr angenehmes Anſehen. Die Weinbeeren waren reif, eben ſo die Melonen. Von letzteren gab es zwei Arten, die wohlriechende Melone(Cucumis Dudain Lin.) und die Waſ⸗ ſer⸗Melone(Cucurbita citrullus Lin.). Von Wein⸗ beeren, welche außerordentlich groß und ſchoͤn waren, koſtete die Ocka 3— 4 Paras. Eine Dcka iſt 2½ von unſern Pfunden. In der Tuͤrkei herrſcht bei den Kindern die engli⸗ ſche Krankheit, und bei den Erwachſenen iſt die Blind⸗ heit ſehr gemein. Lahme und Kruͤppel trifft man in großer Menge an. Lungenkrankheiten ſind keineswegs in dem Lande herrſchend, Schnupfen, Huſten und aſthmatiſche Beſchwerden beſonders haͤufig unter aͤltli⸗ chen Perſonen. Fontanellen ſind ſehr gewoͤhnlich und vermindern etwas die nebel, welche die traͤge und unthaͤtige Lebensart der Luͤrken nach ſich zieht. Haut⸗ krankheiten, Geſchwulſten und Flechten, beſonders auf dem Kopfe, ſind gemein; ſchlechte Verdauung und andere Magenuͤbel herrſchen ſehr allgemein. Fette Speiſen, eine unthätige Lebensart, die Unmaͤßigkeit imm Tabak⸗Rauchen, und der unmaͤßige Genuß des Dypiums ſind unſtreitig die Urſachen dieſer Kranheiten. Bruche ſind eine gewoͤhnliche Erſcheinung. Außer der 139 Peſt ſind die Tuͤrken bisweilen im Herbſte u bös⸗ artigen, nachlaſſenden und abwechſelnden Gallenfiebern ausgeſetzt. Faſt sooo Perſonen ſollen zu Konſtantinopel, Pera und in den Vorſtädten mit verſchiedenen Zwei⸗ gen der Heilkunſt ſich abgeben. Sie ſind faſt von allen Nationen, meiſtens aber der Medizin und Wundari⸗ neikunde gaͤnzlich unkundig. Den 21. ſtand um s Uhr des Morgens das Ther⸗ mometer in der Sonne auf 415 Grade. Die folgenden Tage wechſelten Donnerwetter mit Regen ab. Waͤh⸗ rend den Monaten September und Detober iſt das Wetter in der Luͤrkei ſehr ſchoͤn und angenehm; die Einwohner nennen dieſe Jahreszeit den kleinen oder zweiten Sommer. Den 7. September beſuchten wvir das 12— 14 Meilen von Konſtantinopel entfernte Dorf Bel⸗ grad und die Waſſerleitungen in ſeiner Nachbarſchaft. Unter dieſen ſahen wie diejenige, welche unter Ju⸗ ſtinians unmittelbarer Aufſicht erbaut worden iſt. Das Innere dieſer Waſſerleitung iſt ein großes und praͤchtiges Gebaͤude in einem ſehr ſchoͤnen Stole mit verſchiedenen Gaͤngen. 5 Die Gegend in der Naͤhe von Belgrad enthalt eine Menge Haine und ſchoͤner waldiger Scenen. Wir beſuchten heute zum erſten Male dieſen bezauberten Drt, und erinnerten uns an die Lobeserhebungen, wel⸗ che ihm Lady Maria Wortley Montagne 140 in ihren Briefen ertheilt hat. Wir gingen durch zwei kleine Doͤrfer, welche, wie alle Doͤrfer in der Tuͤrkei, ſich in einem elenden Zuſtande befanden. Den 13. fuhren wir nach Afien. Es war ein perrlicher Tag und wir machten einen ſehr angeneh⸗ men Ausflug in die umliegende Gegend. Bei unſerer Ruͤckreiſe breiteten wir Teppiche in den Schatten und genoſſen eine kalte Mahlieit. Den 29. ritt ich bei meiner Ruͤckkehr nach Chif⸗ lick zu einem alten Thurme, von den Europaͤern Ovids⸗Thurm genannt, welcher wahrſcheinlich ein Wachthurm zur Warnuns fuͤr die Einwohner vor der Ankunft der Koſacken geweſen war, deren Seeraͤubereien die Kuͤſten des ſchwarzen Meers, an welchem der Tburm ſteht, ehemals ſo unſicher und furchtbar machten. Den 1. Bktober entſtand in einem Dorfe bei Konſtantinopel oberbalb des Arſenals ein großes Feuer, welches ein erhabenes und furchtbares Schau⸗ ſpiel gewaͤhrte. Tags darauf beſuchte ich die Sophien⸗ Moſchee und das Haus der Wahnſinnigen. Die Sophien⸗Moſchee, ehemals eine chriſtliche Kirche, zieht die Aufmerkſamkeit aller Reiſenden auf ſich, ſie iſt 114 Schritte lang und so breit. Der Dom in der Mitte des Gebaͤudes hat die Form einer Halb⸗ kugel, welche etwas niedergedruͤckt iſt, und zeichnet ſich ganz beſonders durch ſeine Bauart aus. Innerhalb der Moſchee laͤuft ein bedeckter Gang an ihren Seiten herum, und ſtuͤtzt wieder einen andern Gang, welcher 14¹ zo Schritte breit iſt. Beide ſind oben gewoͤlbt, und ruhen auf einer großen Menge ſchoͤner Pfeiler, unter welchen viele von verde antibo ſind; dieſe Pfeiler tragen das Gebaͤude. Auf die obere Gallerie gelangt man vermittelſt einer leicht ſich kruͤmmenden, gepfla⸗ ſterten Treppe. Am Ende dieſer Gallerie befindet ſich ein verſchloſſener Platz mit einem vergoldeten Gitter fuͤr den Sultan, wenn er die Moſchee beſucht. Außerhalb befinden ſich 4 Minarets und Brunnen zur Reinigung fuͤr die Tuͤrken vor dem Gebete. In der Mitte der Moſchee haͤngen viele Lampen, Strau⸗ ſeneier u. ſ. w. als Zierden. Der Boden iſt mit Mat⸗ ten belegt. Wenn man die Moſcheen betreten will, ſo muß man reine Pantoffel uͤber die Stiefel anziehen, ſonſt wurden die Tuͤrken den Chriſten den Eingang nicht geſtatten; nebſt dem muß der Chriſt einen Fir⸗ man von der tuͤrk. Regierung haben. Den s. Vormittags fuhr ich in einem Bovote den Bosporus hinauf bis zur Stelle, wo er ſich mit dem Meere vereinigt, und ſtieg bei dem entfernteſten Dorfe auf der europaͤiſchen Seite an das Land, wo die Ein⸗ wohner mit dem Einſalzen einer großen Art von Mak⸗ relen ſich beſchaͤftigten. Nahe bei dieſem Dorfe ſteht am ufer ein ſehr geraͤumiger Leuchtthurm fuͤr die Schiffe, welche bei Nachtteit aus dem ſchwarien Meer in den Bosporus laufen. Hier ſtoͤßt ein Felſen im Waſſer an dieſes Dorf; auf demſelben ſtand ehemals 142 eine marmorne Saͤule, welche man gewoͤhnlich Pom⸗ vejus⸗Säule nannte. Die tuͤrkiſchen Feſtungen beſtehen groͤßtentheils aus alten, thurmfoͤrmigen Kaſteben auf Anhoͤhen mit bohen Mauern. Auf ihre Ausbeſſerung verwendet man wenig oder gar keine Sorgfalt. Dieſes kommt theils von der Habſucht und Traͤgbeit der Töken, theils von ihrem Glauben an das Schickſal. Im Be⸗ zuge ihrer Feſtungen haben ſie ein altes Sprichwort: Den unglaubigen kommt eszu, Feſtungen anzulegen, den Muſelmaͤnnern aber, ſie zu erobern.. v. Den 23. fuhren wir mit guͤnſtigem Winde aus dem Hafen von Konſtantinopel, gingen Abends von Selivria, einem Hafen am Meere von Marmora, etwas jenſeits Buyukch eckmegi vor Anker. Den naͤchſten Morgen lichteten wir fruͤhe die Anker, und fuhren nach unſerer Beſtimmung fort. Die 3 folgenden Tage uͤberſiel uns zwiſchen den In⸗ ſeln von Marmora(Prinzen⸗Inſeln) und Galli⸗ poli eine Windſtille. Den 28. gingen wir in den Dardanellen Milo gegenuͤber, in der Bucht von Nagars vor Anker. Wir befanden uns dicht an der aſiatiſchen Kuͤſte, etwa eine halbe Stunde von der alten Stadt Abydos, und ungefaͤhr 3 Meilen von den Schloͤſſern von Cheu⸗ neeally. Wir befanden uns nahe an der Stelle, wo Leander uͤber den Helleſpont nach Seſtos 143 zu ſeiner Geliebten Hero geſchwommen ſeyn ſoll. Die Spuren von dem Thurme, welcher in ſpäteren Zeiten zum Leuchtthurme diente, ſollen noch auf einem Feiſen am Meeres⸗Ufer zu ſehen ſeyn. um nicht von dem Winde an die gegenuͤber lie⸗ gende Kuͤſte geſchleudert zu werden, mußten wir unſer Ankerthau abhauen, und das Weite ſuchen. Bald gingen wir, in der Mitte der Flotte des Capitain Paſcha, ungefaͤhr2 Meilen unterhalb der Stadt Chen⸗ necally, vor Anker. Wir begrüßten den Paſcha mit 11 Kanonen⸗Schuͤſſen. Er fuhr in einer Barke zu uns und lud den General Koͤhler an Bord ſeines Schiffes. Den 7. November begleitete ich um s Uhr Mor⸗ gens den General und die Pffiziere nach Kum⸗Kali, welches wir zwiſchen 0 und 11 Uhr erreichten. Mit Pferden verſehen, ritten wir nach dem Dorſe Giawr⸗ Keuy(Janitſcharen Cap), welches auf der Stelle des alten Sigeum, auf einer Anhoͤhe liegt, welche die Ebene von Droja beherrſcht. Unſere Abſicht war, ein ſehr merkwuͤrdiges Bas⸗Relief und die beruͤhmte ſigen⸗ ſche Inſchrift fuͤr den Lord Elgin zu holen, wel⸗ cher ſie Leſehen hatte, und ſie nach England zu ſenden wuͤnſchte. Wir fanden ſie am Eingange ei⸗ ner kleinen griechiſchen Kapelle. Der Marmorblok, auf welchem die figeiſche Schrift eingehauen iſt, machte urſpruͤnglich einen Pfeiler einer memetiſchen Saͤule aus, Die Worte der Inſchrift ſind abwechſelnd 144 vor und ruͤckwaͤrts geſchrieben; ein umſtand, welcher zum Beweiſe dient, daß ſie aus dem hoͤchſten Alter⸗ tbume ſtammt. Auf dem Bas Relief ſahen wir fͤnf ſehr ſchoͤn gearbeitete Figuren, an welchen aber die Koͤpfe abge⸗ brochen waren. Hierauf beſuchten wir die Grabhuͤgel, welche die Sage fuͤr die Graͤber des Achilles und Patroklus ausgibt, und in einiger Entfernung da⸗ von den Grabeshuͤgel des Ajax. Die Ebene von Sroia iſt ungefaͤhr 12 Meiken lang und s— 6 M. breit, fruchtbar und gut angebaut. Der Scamander und Simois ſchlaͤngeln ſich äber die Ebene, und bei ihrem Zuſammenfluſſe liegt das Dorf Burna⸗Baſchi, wahrſcheinlich auf der Stelle des alten Flium. In einer betraͤchtlichen Entfernung von demſelben ſieht man Spuren eines alten Apollo⸗Tempels, dazwiſchen mehrere andere kleine Doͤrfer. Da der Seamander wenig Waſſer hatte, ſo lieferte ein Theil ſeines Bettes Futter fuͤr das Rindvieh. Von Giawr⸗Keuy hatten wir eine ſchoͤne und deutliche Ausſicht auf den Berg Ida, und auf das Grabmal, auf welchem Polites⸗Priam's Sohn, die Staͤrke der Griechen unterſuchte. Den s. kehrte ich nach Chennecally zuruͤck, und machte einen Ausflug von mehrern Meilen in das Innere des Landes. Chenneeally liegt auf der aſiatiſchen Seite der Dardanellen in einer flachen 145 Gegend, die mehrere Meilen lang ſich mit einer ho⸗ hen Gebirgskette endigt, welche vom Berge Ida her⸗ abſtreift. Auf der Oſt⸗ und Weſtſeite iſt die Stadt von ſumpfigem Boden umgeben, welcher wegen ſeiner Naͤhe die Einwohner Wechſel⸗Fiebern ausſetzen muß. Auf der Oſtſeite befindet ſich ein ſchoͤner Wald von Sycomoren. Die Einwohner zu Chenneeally holen wegen ihres ſalzigen und unangenehmen Waſſers daſſelbe aus den benachbarten Quellen. Auf der ziemlich angebau⸗ ten umliegenden Ebene findet man eine Menge Wein⸗ berge; außerdem noch etwas Baumwolle, Hanf und verſchiedene Arten von Getraide. Zum Ackerbau und zu andern Geſchaͤften bedient man ſich der Kamele und Buͤffel. Die Stadt iſt aͤußerſt ſchmutzig, die Straßen ſind ſehr enge, und die Haͤuſer elend gebaut. Wildpret iſt zu Chenneeally in großer Menge zu haben; dieſes iſt auch der Fall mit tuͤrkiſchen Huͤh⸗ nern, Gaͤnſen, Enten und anderem Federviehe. Man trifft beſtaͤndig einen trefflichen Vorrath von Gemuͤße und jede Art von Obſt an, wenn es die gehorige Jah⸗ reszeit iſt. Der Chenneeallyſche Wein ſchmeckt angenehm, und iſt wohlfeil. In dieſem Drte befindet ſich auch eine Thon⸗Fabrik und Leder⸗Manufaktur. Die Dardanellen werden durch vier Schloͤſſer vertheidigt, welche mit einer großen Menge Kanvnen und andern, mit mehrern von ſehr großem Kaliber, be⸗ ſetzt ſind. In einer von dieſen Kanonen ſah unſere 42tes B. Aegypten. III. 2. 3 zwiſchen 42 und 46 Gr. 1⁴6 eſellſchaft einen Tuͤrken ſeine Mahlzeit verzehren. Eines von dieſen Schloͤſſern befindet ſich zu Chen⸗ necallo, und ein anderes ſteht auf der gegenüber⸗ liegenden Seite der Meerenge zu Kelletbahar. Die beiden andern liegen an der Muͤndung der Dar⸗ danellen, das eine zu Settelbahar auf der euro⸗ paͤiſchen Seite, und das andere zu Kumkali der aſia⸗ tiſchen. Den 11. hatten wir Nord⸗Oſt⸗Wind, und da wir kein Feuer hatten, ſo war die unerwartete Kaͤlte hoͤchſt unangenehm. Bei meinem Spatzierritte beſuchte ich die Stelle, wo das alte Abydos geſtanden haben ſoll. Es lagen auf derſelben Bruchſtuͤcke von alten Steinen, Ziegeln u. ſ. w. Nicht weit davon erbaute ein ehemaliger Kapitain Paſcha einen ſchoͤnen Kiosk, welchen eine herrliche Quelle und eine Moſchee ver⸗ ſchoͤnern. Außer den genannten Ziegel⸗, Schutt⸗ und Stein⸗Haufen bemerkte ich noch einen kleinen Theil einer Stadtmauer von betraͤchtlicher Dicke. Seit verſchiedenen Tagen war das Wetter kalt, regneriſch und ungeſtuͤm, das Thermometer ſchwankte Den 23. beſuchte ich die Stelle, auf welcher ehe⸗ mals das alte Dardamia ſtand; den 29. machte ich eine Reiſe nach den Bergen, wo ich eine der herr⸗ lichſten Ausſichten hatte. Hinter mir befand ſich der Berg Ida, vor mir die Dardanellen nebſt Im⸗ bros Samothraee und dem Dardaniſchen 147 Meerbuſen. Links lagen Tenedos, Lemnos und das aͤgaͤiſche Meer, rechts Gallipoli, Mar⸗ myra und andere entfernte Gegenſtaͤnde. Die Sonne ſchien ſehr hell, und die Gipfel des Ida und der Sa⸗ mothraziſchen Huͤgel glaͤnzten von auf einander ge⸗ thuͤrmten Schnee⸗Maſſen. Den zo. erhielt die militaͤriſche Geſandtſchaft Be⸗ fehl, nach Konſtantinopel zuruͤck zu kehren, und langte daſelbſt den 4. Dezember an. VI. Den 44. ſtellte ich in Geſellſchaft des engli⸗ ſchen Kaufmanns Thornto neine Wanderung durch Konſtantinovpel an. Wir nahmen zu Galgta ein Bvot, und ſtiegen nicht weit von dem Schloſſe der ſieben Thuͤrme, welches die Luͤrken Yed⸗ dukli nennen, an das Land. Jetzt ſtehen bloß noch 4 Thuͤrme auf der alten Mauer; die uͤbrigen ſind bei dem großen Erdbeben im J. 1768 eingefallen. Dieſe Thuͤrme ſind die Gefaͤng⸗ niſſe fuͤr Staats⸗ und andere Gefangene. Von die⸗ ſem Drte ſetzten wir unſern Weg außerhalb der Stadt⸗ mauer fort, und beſuchten eine griechiſche Kirche und einen tuͤrkiſchen Todtenacker, von welchem wir eine ſchoͤne Ausſicht auf das Schloß der ſieben Thuͤrme und auf das Meer hatten. Auf unſerer Wanderung beſahen wir auch die Truͤmmer von Beliſars Pa⸗ laſt, unterhalb welchem wir ein Boot nahmen, und Nachmittags wieder in Galata anlangten. Der Umfang von Konſtantinopel betraͤgt 148 1— 4 eilen, die Votſtädte abgerechnet⸗ welche eben ſo groß als die Stadt zu ſeyn ſcheſſeh. n Den 21. beſuchte ich die Hans oder offentlichei Gebaude für die tuͤtkiſchen Kaufleute, welche klein Zimmer zu ihrer Wohnung, zur Aufbewahrung und zum Verkaufe ihrer Waaren baben. Am Ende befin⸗ det ſich ein großer, vffener, viereckiger Platz, und oben eine Gällerte, welche das ganze Gebäude umgibt, Die Gallerie fuͤhrt zu den ſchoͤnen und beguemen Zim⸗ mern der Kaußeute. Die Hans zu Konſtautino⸗ pel uͤbertteffe an Große und Schoͤnheit alle uͤbrigen in der Tuͤrkri. Erſtere wurden durch die Freigebigkeit der Sultane und der trkiſchen Großen jum Vortheile des Handels errichtet. Sie ſind aus Steinen erbaut, feuerfeſt, und verſchiedene derſelben haben 3 Stock⸗ Den 26. war das Wetter warm und ſehr ſchön, wie in England waͤhrend der Monate Mai und Juni; allein den 27. traten ſchon wieder kalte Regen ein. Dieſe Abwechslungen ſind in Konſtantinopel au⸗ ßerordentlich haͤufig, und haben einen ſtarken Einfluß auf die Entſtehung von Krankheiten. Der Regen dauerte mehrere Tage nach einander, aber mit Unter⸗ brechungen fort. Die Luft wurde rauh und kalt, und das Thermometer ſank von s4 auf z0 Grade herab⸗ Die Kaͤlte nahm unterdeſſen zu, das Wetter wurde veſtaͤndiger, drei Tage ſchneite es beſtaͤndig, und das Thermometer ſtand auf 16 Grad. ————— 149 Den 8. befuchte ich den Lord Slginz am Abeude kehrte ich nach Galata zuruͤck. Das Wetter war ungewoͤhnlich ſireng, und da es an Defen gebrach, ſo mußten wir der Sitte gemaͤß, Holzkohlen in den Zinmern brennen. Man legte ſi ſie in irdene Pfannen (Mongulen), aus welchen ſie ihre mevhitiſchen⸗ Lanſ⸗ Lerbreiteten. Die auffallendſten Folgen, wel⸗ che ſie fuͤr uns hatten, waren Kopfweh, Schwindel⸗ Erbrechen⸗ und ein heftig pochender Schmerz in den Schlaͤfen. Verſchiedene Perſonen wurden ſchon todt gefunden, in deren Zimmer Holzkoblen gebranut batten. Den 13. brfuchten wir das Bad. Zu Konſtan⸗ tinopel gibt es eine große Menge oͤffentlicher Baͤder⸗ die Privat⸗Baͤder ſind gleichfalls zahlreich: denn es gibt kaum irgend ein betraͤchtliches Haus, welches nicht ein Bad haͤtte, in weichem man jede Beauem⸗ lichkeit antrifft.„ Den 2s. wohnte ich einer religiſen Feierlichkeit der Derwiſche(tuͤrkiſchen Moͤnche) bei. Sie ver⸗ ſammelten ſich in einem achteckigen Hauſe, welches 2 Gallerien hatte, deren ohere auf Saͤulen ruhte, und von Muſikanten beſetzt war, welche eine ſehr ſanfte und feierliche Muſik machten. In der untern Gallerie ſtanden Tuͤrken und andere Leute als Zu⸗ ſchauer. In dem Zimmer waren verſchiedene arabi⸗ ſche Spruͤche in Rahmen aufgehangen, wovon gerade einer uͤber den Kopf des Obern der Derwiſche hing. 15⁰ Er ſaß, jeder eintretende Derwiſch verbeugte ſich vor ihm, und nahm ſeinen Platz in der untern Gallerie. Als 20— 30 Derwiſche verſammelt waren, wieder⸗ bolte der Obere ein Gebet, waͤhrend welchem ſie nie⸗ derknieten, ihre Kopfe auf den Boden neigten, und denſelben gelegentlich zu kuſſen ſchienen. Nachdem ſie einige Zeit unter Begleitung der Muſik geſungen hatten, ging ihr Oberer dreimal langſamen und ſeier⸗ lichen Schrittes in dem Simmer umher, und verbeugte ſich jedes Mal vor der arabiſchen Aufſchrift, unter welcher er geſeſſen war. Hierauf wiederholten die uͤbtigen Derwiſche dieſelbe Zeremonie, und der Obere ſetzte ſich wieder. Dann warfen die fanatiſchen Der⸗ wiſche ihre Maͤntel weg, ließen eine Art von wolle⸗ nen Ruoͤcken herab rollen, und fingen an, ſich nach und nach aus einander zu breiten. Jeder nahm eine be⸗ ſondere Stelle ein, auf welcher ſie ſich beſtaͤndig 20 Minuten in einem Kreiſe herum drehten, ohne daß ſie die ihnen zunächſt befindenden beruͤhrten. Anfangs hatten ſie die Arme kreuzweiſe uͤber einander geſchlagen, und die Haͤnde auf die Schultern gelegt. Als aber ihre ſchnellen Bewegungen immer mehr zu⸗ nahmen, hoben ſie die Arme in die Hoͤhe, und ſtreck⸗ ten endlich dieſelben in einer wagrechten Stellung aus. Dieſe Zeremonie, welche dreimal wiederhölt wurde, war beſtaͤndig von ſanfter Muſik auf der Gal⸗ lerie begleitet. Waͤhrend der ganzen Handlung herrſchte die größte Ordnung und Feietlichkeit. Die 15¹ Fleidung dieſer Derwiſche war von einer lichten Duaͤcker⸗Farbe. Eine andere Sekte von Derwiſchen, Mewliahs genannt, unterſcheidet ſich von dieſen ſehr. Sie ſind Takta⸗Tepens(Bretſchlaͤger), ihre Ordens⸗ Vorſchriften noch ſtrenger und trauriger. Das ein faͤl⸗ tige und getaͤuſchte Volk ſieht die Derwiſche insge⸗ mein fuͤr Propheten und Heilige an. Den 28. fing der Ramazan(türkiſche Faſten) an; er dauert einen ganzen Monat, in welchem man von Auf⸗ bis zum Untergange der Sonne die ſtrengſte Euthaltſamkeit jeder Art des Eſſens und Trinkens beobachtet. Bei Tage folgten auf das Faſten Erleuch⸗ tungen, Feſtlichkeiten und Volks⸗Vergnügungen. Gleich nach dem Untergange der Sonne wurden alle Moſcheen in Konſtantinopel und in den Vorſtädten, inwendig und von Außen, mit bunten Lampen erleuchtet. Die Laͤden der Paſteten⸗ und Zu⸗ cker⸗Baͤcker waren nebſt den Kaffee⸗Haͤuſern und au⸗ dern oͤffentlichen Luſtoͤrtern artig verziert und erleuch⸗ tet, und faſt bei jedem Schritte ſtieß man auf Poſſen⸗ ſpieler und Spaßmacher. Die Straßen waren mit Haufen von Menſchen gefuͤllt, und die Feſtlichkeiten dauerten bis zum Anbruche des Tages, wo das Fa⸗ ſten wieder ſeinen Anfang nahm. Den 20. Februar herrſchte die Peſt. Die von der Peſt hingerafften werden in ein rothes Tuch gewickelt. Der Leichnam wird ohne einen Sarg und nackt⸗ wie 152 dirſes faſt immer gewoͤhnlich iſt, beerdigt. Den 23. wurde durch den Donner der Kanonen das Beiram⸗ Feſt verkuͤndigt. Es dauert drei Tage, waͤhrend wel⸗ cher die Tuͤrken ſich alle moͤglichen Ausſchweifungen erlaubten, um ſich fuͤr das ſtrenge Faſten in dem vor⸗ ber gehenden Monate ſchadlos zu halten. Da der 7. Maͤrz ein ſchoͤner Tag war, ſo machte ich einen Spatziergang in die umliegende Gegend von Bishietash, wo ich zum erſten Male in dieſer Jah⸗ rebzeit verſchiedene ſehr junge Laͤmmer ſah. Lamm⸗ leiſch darf in der Luͤrkei nicht eher, ais nach dem Monate April gegeſſen werden. Schweine⸗Fleiſch iſt den Mahomedanern gaͤnzlich verboten. Den 10. ſpuͤrte man zu Galata ein leichtes Erdbeben. Den 12. war das Wetter unangenehm, kalt, und es ſiel Schnee; waͤhrend der Nacht ſtand der Thermo⸗ meter unter dem Gefrier⸗Punkte. Dieſe uͤble Witte⸗ rung dauerte beinahe mit gleicher Strenge bis gegen das Ende des Monats fort. Den 2. April begleitete ich den Lord Elgin und ſein Gefolge nach dem Arſenale, um ein Schiff von 74 Kanonen vom Stappel laſſen zu ſehen. Kanonen⸗ Donner, Muſik und andere oͤffentliche Freudens⸗Be⸗ zengungen zeigten dieſes an; auch wurden mehrere Schafe gevopfert. Der Grobherr ſaß von allen hohen Staats⸗Beamten und andern Großen des Reichs umringt, auf einem Baleon des Kapitaͤn⸗Paſcha. Eine große Menge von Fahnen vermehrte den Glanz des —————— 153 Schauſpiels. Wenn das Schiff in das Waſſer geſto⸗ ßen wird, nimmt es eine große Menge Bauholz mit, welches waͤhrend des Bauens zum Geruſte gedient hat. Unter den Zuſchauern befanden ſich auch viele Frauen⸗ zimmer, geſondert von den Maͤnnern. Das Schiff war ſchon ſeit mebreren Monaten fertig, jedoch ſand man fuͤr gut, das Stappellaſſen deſſelben bis auf ei⸗ nen guͤnſtigen Bericht der Stern⸗ und Zeichendeuter zu verſchieben. Den s. ging ich nach Bishietash, um die Art und Zubereitung des Kymak zu ſehen. Man nimmt große, nicht tiefe, kupferne Gefaͤße mit friſcher Milch, laͤßt ſie 24 Stunden kochen, und laͤßt hierauf die Milch kalt werden. Am andern Lage nimmt man die Oberflaͤche weg, welche eine dicke Form angenom⸗ men hat, ſchneidet ſie in kleine Stuͤcke, und rollt ſie zum Gebrauche zuſammen. Der Kymak vertritt vor⸗ trefflich die Stelle der Butter. Den 24. war das Oſter⸗Feſt der Griechen. Man ſieht verſchiedene Vergnuͤgen und Zeitvertreibe, die bunten und verſchiedenen Drachten, welche da beiſam⸗ men waren, machten den Anblick hoͤchſt intereſſant. Es gab Partien von Ringenden, Buden mit Zucker⸗ werk und Scherbet, Gruppen von Leuten, welche im Graſe ſaßen und Gluͤcks⸗Spiele ſpielten, waͤhrend an⸗ dere nach der Puſt eines Inſtrumentes, welches un⸗ ſerm Dudelſacke nicht unahnlich ſah, im Kreiſe taniten. „ 154 Au jedem ſolchen Feſitage ziehen die Griechen ihre beſten Kleider an⸗ Ihr Betragen iſt ſehr zuͤgellos; denn ſie uͤberlaſſen ſich haͤufig allen Arten von Aus⸗ ſchweifungen. So lange ihre Faſtenzeit dauert⸗ leben ſie bloß vom Del und Fiſchen, und beobachten ein ſehr ſtrenges Faſten. Den 24. wollten wir einen Spatziergang um die Mauern Konſtantinopels machen, an welchem Vorhaben jedoch die Raͤubereien der Galangis(See⸗ leute) uns hinderten. Den 29. fuhren wir nach Aſien über, und landeten bei den Ruinen eines ehemaligen kaiſerlichen Palaſtes. Im Innern des Landes ſahen wir die Vegetation weiter vorgeruͤckt, als auf der eu⸗ ropäiſchen Seite. Die Felder waren mit Blumen und wohlriechenden Geſtraͤuchen, welche in der Bluͤte ſtanden, geſchmuͤckt; der Weitzen ſtand ſchon in Aeh⸗ ren, und das Gras auf den Wieſen war faſt um Maͤ⸗ ben reif. Wir gingen uͤber die Ebene des alten Chalee⸗ don, auf deſſen Stelle das tuͤrkiſche Dorf Kady Kui ſteht. Auser der ſchoͤnen Ausſicht in das Innere des Landes, hatten wir noch eine deutlichere von dem Meerbuſen von Nicomedia und von den Dä⸗ moneſi(Prinzen⸗Inſeln). Hier erblickte ich zum erſten Mal ein tuͤrkiſches Frauenzimmer auf freiem Felde im Gebete begriffen. Dieſer Fall iſt zwar haͤu⸗ ſig bei Maͤnnern, aber ſelten bei Frauen. Die große Hitze nothigte uns eilig zum Ruͤckwege. ———— 155 Den 1. beſuchten wir, mit einem Firman ver⸗ ſehen, das Innere der Moſcheen in Konſtantino⸗ pel. Die Verzierungen derſelben ſind aͤußerſt einfach; ſie beſtehen hauptſaͤchlich in großen Marmor⸗Lafeln, auf einigen ſind arabiſche Spruͤche und Stellen aus dem Koran, auf andern die Namen Gottes, Mahv⸗ meds, ſeiner vorzuͤglichen Schuͤler und Nachfolger. Die Dome uͤberhaupt, beſonders der Dem in der Sophich⸗Dſchamie, ſind mit Muſiv⸗Arbeit ver⸗ ziert, welche die Barbarei der Luͤrken zerſtoͤrt hat; unter denſelben haͤngen eine große Menge bunter Lam⸗ pen, welchen goldene Zierrathen untermiſcht ſind. Bei der Kanzel ſind verſchiedene Hauptſtellen aus dem Koran aufgehaͤngt, vor welchen die Tuͤrken mit den Knieen ſich verbeugen. An der großen Gallerie befin⸗ det ſich eine Kapelle und eine andere Gallerie, welche fuͤr die Frauenzimmer beſtimmt iſt; ſie geht um das ganze innere Gebaͤude. Das Schiff ruht auf Saͤulen von Porphyr, Granit u. ſ. w. VII. Da die tuͤrkiſche Regierung unſere Abreiſe nach Syrien ernſtlich beſchloſſen hatte, ſo gingen wir den 43. Vormittags 9 1/2 Uhr aus dem Hafen von Konſtantinopel unter Segel, konnten aber des Windes wegen nicht weiter, als bis zu den Prin⸗ zen⸗In ſeln kommen, und gingen Nachmittags zwi⸗ ſchen den Inſeln Antigone und Kirka vor Ankerz ſie ſind nicht weit von Kon ſtantinopel entfernt. In der Nachbarſchaft des ſichern und begquemen Dor⸗ 156 fes, im Ruͤcken der Inſel? Antigone liegend, ſahen wir ein kleines von Sriechen bewohntes Dorf. Deu 16. fuhren wir bei Gallipoli vorbei, gingen Mito gegenuͤber nahe bei Abydos in den Dardanellen vor Anker, fuhren den 20. aus denſelben, begruͤßten im, Vorbeifahren die Schloͤſſer, welches von ihrer Seite mit einer gleichen Anzahl von Kanpnen⸗Schuͤſſen er⸗ wiedert wurde. Mit einem Nord⸗Weſt⸗Winde fuhren wir bei dem unterſten Forte Kum⸗Kali zwiſchen 9 und 10 Uhr vorbei, und befanden uns um 10 1/2 Uhr dem Kaſtelle auf der Inſel Tenedos gegenuͤber. s ½ Uhr ſegelten wir bei der Inſel Mitylene vor⸗ bei, und hatten dann die Inſeln Seip und Nica⸗ ria im Geſichte, vor welchen wir uns den 21. um 1uhr Morgens befanden. Mittags fuhren wir an der Inſel Nicaria vorbei; ſie iſt armſelig, und liefert ib⸗ ren halbnackten Einwohnern in Hoͤhlen nichts als⸗ Holz zu Kohlen; um 2 Uhr Nachmittags bei den In⸗ ſeln Samos und Furnis; erſtere iſt außerordent⸗ lich hoch. um dieſelbe Stunde hatten wir die Inſel Patmos im Geſichte, welche 10— 12 Seemeilen entfernt war. Ein guͤnſtiger Wind brachte uns zwi⸗ ſchen s und s Uhr an den Hafen dieſer Inſeln. Patmos, mit einem vortrefflichen Hafen, bietet mit der Stadt auf dem hoͤchſten Theile der Inſel eine ſchoͤne Anſicht dar. Die Haͤuſer aus weißen Qunder⸗ ſteinen erbaut, ſehen ſehr ſchoͤn aus. Die Stadt iſt faſt soo Fuß uͤber der Meeres Flaͤche erhaben. In der 157 Mitte derſelben ſteht ein dem b.* 3oh annes geweiß⸗ tes Kloſter, In einem Kloſter wohut ein Biſchof mit vielen Woͤnchen. Die Stadt hat etwa 200 mit Baleonen verſehene Haͤuſer, welche wie die ganze Inſel bloß von Grie⸗ chen bewohnt werden. Schafe und Hornvieh holen die Einwohner von den benachbarten Inſeln, weil die ihrige ſehr unfruchtbar iſt. Die Weiber ſind artig, und tragen einen hohen Turban von einer beſonderen Form. Er beſteht aus weißem K Kreppflor, von welchem ein ſchmaler Streif hinten herab haͤngt, und beinahe bis auf die Erde reicht. Den 22. brachte uns ein guͤnſtiger Word Weſ⸗ Wind nach unſerm Ankerplatz vor Stanchiv. Es iſt eine ſehr ſchoͤne und fruchtbare Inſel, welche an Ge⸗ treide, Dbſt und Gewaͤchſen Ueberfluß hat. Auf den Ebenen weideten zahlreiche Schaf- und Rindvieh⸗ Heerden. Als wir durch die Stadt gingen, ſahen wir verſchiedene Bruchſtuͤcke von antiken Statüen und Saͤulen. Die Einwohner ſind theils Tuͤrken, theils Griechen. Nahe beim Eingange in das Fort beſchattet ein erſtaunlich großer Platanus die Gegend weit umher. Von einer Außenſeite bis zur gegenuͤber befindlichen andern maß er 129 Fuß; ſein Stamm hatte 34 im Umfange; ſeine ungeheueren Aeſte ruhten auf beilaͤu⸗ ſis 20 ſchoͤnen Marmor⸗ und Granit⸗Saͤulen. In ſei⸗ nem Schatten befand ſich das Grabmal eines tuͤrki⸗ 158 ſchen Heiligen neblt einem Brunnen und einem tuͤrki⸗ ſchen Kaffeehauſe. Den 23. warfen wir vor der Inſel Rhodus Anker, welche von der See einen herrlichen Anblick gewaͤhrt; den 23. fuhren wir Nachts vot der Inſel Caſtello Roſſo vorbei, ſahen den 26. das niedrig gelegene Land von Cypern, ßeeuerten den 27. nach Lymaſ⸗ ſol auf Cypern, und ſtiegen den 28. an das Land. Die Haͤuſer des Landes mit platten Daͤchern ſind weiß angeſtrichen, von Lehm und Stroh erbaut, und mit Steinen untermiſcht. Damit die Zimmer kuͤhl bleiben, ſind die Decken gewoͤlbt und hoch. Die Ein⸗ wohner beſtehen aus Griechen und Luͤrken. Der Kapern⸗Strauch(eapparis spinosa Lin.) wachſt auf Cypern wild; er hat eine ſehr ſchoͤne Bluͤte. unter andern Pflanzen ſahen wir Medzanen, Dkers, Gurken, Kuͤrbiſſe und Melonen. Der Cyper⸗Wein iſt perähmt. Gruͤne Mandeln, Aprikoſen und Maulbee⸗ ren wachſen wild in Menge. v. Den 29. ſegelten wir mit einem Suͤd⸗ Weſt⸗Winde ab, und landeten den 2. Juli zu Jaffa. Der Boden in der Naͤhe von Jaffa iſt Sand, und ge⸗ waͤhrt einen traurigen und elenden Anblick. Die Haͤu⸗ ſer von Jaffa ſehen weiß aus, und alle ſind mit Kuppeln und viereckigen Thuͤrmen verſehen. Die Flaggen der verſchiedenen Konſuln flatterten uͤber ih⸗ ren Haͤuſern. Jaffa liegt auf einer Anhoͤhe; beinahe in der 159 Mitte der Stadt ſteht ein altes verfallenes Gebaͤude, Citadelle genannt, auf welcher oben ein runder, mit Schießloͤchern verſehener Thurm mit einem oder zwei elenden Artillerie⸗Stuͤcken beſetzt iſ. Die Stadt iſt mit einer ſteinernen Mauer umgeben, auf welcher in gewiſſen Entfernungen abwechſelnd ein viereckiger und ein runder Thurm ſteht. Der General Bonapa rte ſoll 400 der ungluͤcklichen Einwohner, welche ſich er⸗ gaben, und vergebens die Gnade und Schonung des Siegers angefleht hatten, 4 Tage nach Erſtuͤrmung der Stadt, auf die unmenſchlichſte Weiſe haben ermor⸗ den und nach ſeinem Zuruͤcktuge aus Syrien alle franzoſiſche Kranken zu Jaffa vergiften laſſen. Der Ankergrund abwaͤrts von dem Hafen iſt ſebr ſchlecht, weil der Boden ſehr uneben und ungleich iſt, und weil ſich laͤngs einer beträchtlichen Strecke an der Kuͤſte eine große Menge Felſen und Sandbänke be⸗ finden. Zu Jaffa iſt ein Kloſter fuͤr griechiſche Chriſten, und ein anderes fuͤr roͤmiſche. In Jaffa kehren die Pilgrime auf ihrem Wege nach Jeruſalem ein, welches ungefaͤhr 12 Stunden davon entfernt liegt. Jaffa iſt das Joppa oder Jopha der heiligen Schrift. Seine jetzige Bevoͤlkerung mag ſich auf 1000— 4800 Einwohner belaufen. Die Straßen ſind enge, uneben und ſchmutzig. Die Gaͤrten von Jaffa, vormals beruͤhmt, haben groͤßtentheils die Schoͤnhei⸗ ten verloren, welche ſie ſehenswerth machten. 160 Den ritt ich durch das tuͤrkiſche Lager und be⸗ ſuchte Abends ein Bad daſelbſt. Selbſt im Lager ver⸗ abſaͤumen die Türken nicht, ſich die angenehmen Ge⸗ nuͤſſe zu verſchaffen, an welche ſie ihre Lebensart zu Hauſe gewoͤhnt, und ſie ihnen auf eine gewiſſe Art unentbehrlich gemacht hat. Bei einem Ritte durch die Gaͤrten von Jaffa ſah ich eine Menge ſtacheli⸗ cher Birnbaͤume, deren Holz man zu Verzäunungen braucht. Die Eingebornen eſſen die Fruͤchte derſelben gerne. Weil wir ſchon lange eine Reiſe nach Jerufa⸗ lem und nach andern Drten des heiligen Landes be⸗ ſchloſſen hatten, und da uns die Unthaͤtigkeit der Armee Zeit ließ, unſern Zweck auszufuͤhren, ſo traten wir nunmehr dieſe Reiſe an. IX. Morgens den 43. Dktober 1801 verließen wir, begleitet von Janitſcharen und einigen Reitern, an⸗ dern Soldaten und Bedienten das Lager, und lang⸗ ten nach 3 Stunden zu Ram la an; etwa eine vier⸗ tel Meile von demſelben ſtießen wir auf eine große Ruine, welche einen viereckigen Thurm und oben eine Gallerie hatte. Bei dem Hinaufſteigen zaͤhlten wir 142 Stufen. Er ſoll vormals hoͤher und zur Ehre der 40 in Armenien ermordeten Martyrer erbaut wor⸗ den ſeyn. Auf unſerem Wege von dieſem Drte ritten wir durch verſchiedene arabiſche Doͤrfer, deren ſchlechte, von Stein sd Lehm erbaute Haͤuſer eine runde Form hatten, und den Bienen⸗Stoͤcken aͤhnlich ſahen; die 161 kleine Eingangs⸗Beffnung diente zum Luftzuge und zum Rauchfange. Den Ueberreſt des Tages und die folgende Nacht brachten wir in dem lateiniſchen Koſter zu Ramla zu. Das Land in der Nachbarſchaft des Kloſters, wel⸗ ches in einer Ebene von mehreren Meilen im Umfange beſteht, iſt außerordentlich fruchtbar. In der Stadt ſind die Haͤnſer von Steinen erbaut, und mit Do⸗ men und Terraſſen verſehen. Bei dem Baue der Haͤuſer der Araber ſcheint es, daß ſie allemal hohe Stellen zur Anlegung derſelben waͤhlten. Ramla liegt auf einer hohen, empor ſtei⸗ genden Gegend, wo man eine ſehr weite Ausſicht auf das ebene, vffene Land hat, welches dieſe Stadt von allen Seiten umgibt. Nach dem Eſſen gingen wir in die Stadt, und ſahen die weiblichen Einwohner mit der Verfertigung einer Art baumwollenen Zeuges zu ihrem Anzuge beſchaftigt. Wir beſuchten den Markt, und ſahen verſchiedene Dattelbaͤume mit Fruͤchten zwiſchen den Haͤuſern ſtehen, welche im Kontraſte mit den Haͤuſern einen maleriſchen Anblick gewährten. Namla, vormals eine Stadt mit Mauern, iſt jetzt bloß ein offener Drt unter der Regierung des Paſcha von Jeruſalem und Gaza. Die Minarets in die⸗ ſem Drte unterſchieden ſich weſentlich von denen, welche wir bisher geſehen hatten. Drei Kloͤſter ſind für die Aufnahme der Pilger beſtimmt. 42tes V. Aegypten. III. 2. 4 162 Mit Wehmuth bemerkte ich, daß die Augenkrank⸗ heit in dieſen Laͤndern faſt allgemein herrſchend iſt. Die Kleidung der Frauenzimmer beſtand in einem blauen baumwollenen Hemde, welches bis auf die Fnochel reichte. um den Unterleib war es mit einem hreiten Guͤrtel befeſtigt. Die meiſten Mannsperſonen hatten ſtatt des blauen Hemdes ein weißes, und keine Schuhe an. Den 16. kamen wir nach einem Ritte von drei Stunden uͤber die Ebene in das arabiſche Dorf Caiſ⸗ ſa, in welchem der heilige Johan nes enthauptet wurde. In dieſem Dorfe verwahrten die Araber in Brunnen aͤhnlichen Gruben ihr Getreid gegen Feuer und Dieberei. Wir ſetzten unſere Reiſe gegen 9 Uhr Fort, und ritten uͤber eine Ebene, bei welcher ſich das Dorf Latrun befand, welches ehemals den juͤdiſchen K önigen zum Aufenthalte gedient ha⸗ pen ſoll. Links zeigte man uns die Ruinen eines ehe⸗ analigen Palaſtes. Nicht lange darauf kamen wir auf einen felſigten, faſt ungangbaren Weg, welcher uͤber ein gebirgiges Land lief, und bis zu unſerer Ankunft zu Jeru ſa lem mit geringen Abwechslungen ſo blieb⸗ um 1 Uhr kamen wir in das 3 Stunden von Jeru⸗ ſalem entfernte arabiſche Dorf St. Hieronymus. Ein hohes, auf ſchoͤnen Saͤulen ruhendes Gebaͤude, welches die Kaiſerin Helena erbaut haben ſoll, ſa⸗ hen wir in einen Viehſtall verwandelt. An den Waͤn⸗ den entdeckten wir Spuren von mehreren ſchoͤnen Ge⸗ 163 malden, deren Gegenſtaͤnde aus der heiligen Schrift entlehnt waren. Hierauf beſahen wir eine gewolbte, unterwaͤrts beſindliche Höhle. Als wir uns Jeruſalem naͤherten, kam uns der Muſelem(Statthalter) und der Superior des la⸗ teiniſchen Kloſters entgegen. Eine große Menge von Einwohnern war auf den Straßen verſammelt, um die chriſtlichen Gaͤſte zu ſehen. Selbſt bis an die Thore von Jeruſalem behielt das Land daſſelbe felſige und unfruchtbare Anſehen. Die Stadt ſteht auf einem hohen felſigen Boden, wel⸗ cher nicht viel traͤgt. Der Boden beſteht aus einem roͤthlichen Lehme, und iſt bei einiger Tiefe ſehr gut. Wir beſuchten den Gouverneur, und hatten aus einem Fenſter ſeines Hauſes eine ſehr angenehme Ausſicht auf eine tuͤrkiſche Moſchee, auf dem Grunde von Salomos Tempel erbaut. Kein Chriſt darf in dieſelbe treten, weil nach dem Glauben der Tuͤr⸗ ken ihre Herrſchaft ſogleich ein Ende haben ſoll, wenn ein Chriſt auf die geheiligte Stelle ſeinen Fuß ſetzt. Auf der Stelle der Wohnung des Gouverneurs ſoll des Pontius Pilatus Palaſt geſtanden ſeyn, und Petrus den Herrn verlaͤngnet haben. Von der Terraſſe des Kloſters, in welchem wir wohnten, hatten wir eine herrliche Nusſicht auf den Delberg, den Berg Zion, und auf jeden Theil der Stadt, welcher ſich in neuern Zeiten ſo ſehr ver⸗ kleinert hat, daß man ihren Umfang nicht uͤber vier 164 Die Mauern und Haͤuſer engliſche Meilen rechnet. fflichen Zuſtand; auf er⸗ befinden ſich in einem vortre ſtern ſiehen mehrere kleine viereckige Thuͤrme. Beim Eingangsthore ſteht ein Kaſtell, Thurni Davids genannt, deſſen maſſive Steine ein hohes Alter be⸗ zeugen⸗ In Begleitung von mehreren ehrwuͤrdigen Vätern beſuchten wir das heilige Grab, und traten durch ei⸗ nen hohen und maſeſtaͤtiſchen Eingang in ein hohes und großes Gebaͤude, welches nicht ganz 400 Schritte lang, und nicht mehr als 60 breit war, und auf meh⸗ reren ſehr großen Marmor⸗Säulen von korinthiſcher Prdnung ruhte; der Dom war aus Cedern⸗Holz vom Libanon erbaut. In der Mitte des Gebaͤudes be⸗ findet ſich das beilige Grab, welches der beſſern Erhaltung wegen jetzt mit Marmor gefuttert iſt. Es ſoll vormals eine unter der Erde gehauene Hoͤhle ge⸗ weſen ſeyn, welche jetzt in Geſtalt einer Grotte uͤber dem Voden erſcheint. Wir entdeckten den Stein, auf welchem der Engel geſeſſen ſeyn ſoll, als Maria fuͤhrte man uns den Leichnam Jeſu ſuchte. Hierauf zu allen denkwuͤrdigen Stellen, welche Beiug auf Je ſus vor ſeinem Tode hatten. Dieſes ſehr große Gebaͤude, in welchem Grie⸗ chen, Lateiner, Armenier und Kopten, jede eine beſondere Kapelle haben, ſteht auf dem Kalva⸗ rien⸗Berge. Wir ſahen glle dieſe Kapellen, und be ſuchten Balduins Grab. 165 Den 18. reiſten wir von Jeruſalem nach Beth⸗ lehem, weiches auf einem hohen Berge liegt, deſſen Boden Freide und Mergel in Menge enthaͤlt. Die Einwohner kamen uns entgegen, um uns unter We⸗ ges zu bewillkommnen. Die Frauen thaten dieſes mit einem ſchrecklichen und unangenehmen Laͤrm, und machten verſchiedene Geberden und Verdrehungen. Wir beſuchten das St. Katharinen⸗Kloſter, ein Gebaͤude, welches die h. Helena erbaut hat; ferner die drei großen Waſſerbecken Salomos und andere Merkwuͤrdigkeiten. X. Bei unſerer Ruͤckkehr in das tuͤrkiſche Lager fanden wir die Arnauten im ſchrecklichen Aufruhr, den Zuſtand des Lagers ſchauderhaft und in einem ſchaͤdli⸗ chen Zuſtande, und durch eit Menge todter Pferde, Mauleſel u. ſ. w. verpeſtet. Aufruhr und Entftiehen war etwas gewoͤhnliches im tuͤrtiſchen Lager. Unter andern Urſachen der Zuͤgelloſigkeit war auch das Spie⸗ len im Lager eingeriſſen, obgleich es durch die oͤffent⸗ lichen Befehle verboten war. Mehrere Perſonen wur⸗ den dieſes Vergehens wegen enthauptet. Man ließ ſie auf den Straßen im Lager mit dem Kopfe im Arme liegen; dieß iſt die gewoͤhnliche Art, welche man bei der Enthauptung der Muſeimaͤnner beobachtet. Bei dem Ausbruche der Peſt im Lager ſtarben mehrere Soldaten von der engliſchen militäriſchen Ge⸗ ſandtſchaft. Ein Dpfer der Peſt wurde auch der Ge⸗ 166 5 neral Koͤhler mit ſeiner Gemahlin; ſein Kommando erhielt der General Holloway. Als zu Jaffa zwiſchen einem Janitſcharen und einem Dehli ein Streit entſtand, und letzterer getoͤdtet wurde, griffen beide Korps zu den Waffen, und konnten nur durch die Bemuͤhung des Großvezier getrennt werden. Die tuͤrkiſche Armee belief ſich jetzt ettwa auf 16,000 Mann; 40,000 Mann ſtanden im La⸗ ger des Großvezier; 2000 zu Gaza und 4000 zu El⸗ Ariſch. Den 23. Januar 4801 erhielten wir die Nachricht, daß die Franzoſen Kahira und Salapieh beſucht und befeſtigt, und daß ſie 12000 Mann ſtark noch 2 bis 300o inlaͤndiſche Truppen in ihrer Nachbarſchaft haͤtten. Bald wurden auch Anſtalten zu unſerm Auf⸗ bruche getroffen. Alles verrieth deutlich, daß wir bald vorwaͤrts ruͤcken, und wichtige Unternehmungen vor ſich gehen würden. Dech ehe ich noch Syrien verlaſſe, will ich eine kurze Beſchreibung dieſes Lan⸗ des, in welchem ich mich ſo lange aufgehalten habe, mittheilen. Im Ganzen kann man Syrien als ein gebirgiges Land betrachten, welches nur mit wenigen Baͤumen bepflanzt iſt, und wenige Waͤlder hat. In den Chei⸗ len, wo der Boden nur aus einem weißen, lockern Sand beſteht, erblickt man weder einen Baum, noch eiſen Strauch. Zwei bis drei Meilen von Jaffa gegen Norden ergießt ſich ein kleiner Fluß in das 167 Meer. Wo das Land angebaut werden kann, und die Kultur nicht vernachlaͤſſigt wird, liefert es reichlich Gerſte, Weitzen, indianiſches Korn(Durra), Taback⸗ Baumwolle und andere Produkte. Fruͤchte und andere Gewaͤchſe ſind im Veberfluſſe. Auf den Ebenen und Gebirgen trifft man zahlreiche Heerden von Ziegen und Schafen an. Die Schwaͤnze der letztern ſind un⸗ gemein groß, und gleichen jenen der Schafe auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung; viele der⸗ ſelben haben auch außerordentlich lange Dhren. Die Kuhe und Ochſen ſind klein und von rothlicher Farbe. Die thieriſche Nahrung der Syrer beſteht haupt⸗ ſaͤchlich in Schoͤpſen- und Ziegen⸗Fleiſch; Rindfleiſch eſſen ſie nur ſehr wenig, Kalbfleiſch aber gar nicht. Ihre Koſt beſteht vorzuͤglich in Pflanzen, welche von vorzuͤglicher Guͤte ſind. Die Pferde ſind klein, aber ſchnellfuͤßigz die Maul⸗ eſel zahlreich und von großer Geſtalt. In Anſehung ſeines Nutzens hat das Kamel einen großen Vorzug vor allen uͤbrigen Thieren. Die Syrer ſind im Ganzen von einer mittelmaͤ⸗ ßigen Statur, duͤrr und mager, aber ſehr thaͤtig und munter; behende im Gehen und Laufen und an Be⸗ ſchwerden gewoͤhnt. Ihre Hautfarbe iſt ſo dunkel, daß ſie ſich bisweilen faſt dem Schwarzen naͤhert. Ihr Haar iſt glaͤnzend ſchwarz, die Weiber laſſen es bis auf den Leib herab haͤngen; auch haͤngen rund um das Haupt Muͤnzenʒ z. B. Paras, Zechinen und Pia⸗ 168 ſter herab. Dergleichen Muͤnzen haͤngt man auch in großen Buͤndeln in die Ohren. Die Hand⸗Gelenke zieren Armbaͤnder von bunten Glas⸗Korallen, die Naͤ⸗ gel erhalten von Henne eine Drangefarbe, und die Augenlieder werden ſchwarz angeſtrichen. Die Einwohner Syriens ſind im Eſſen und Trinken außerordentlich maͤßig, und ihre Speiſen ſehr einfach. Ihr gewoͤhnliches Getraͤnk iſt Waſſer; doch wird auch Nackey, ein geiſtiges Getraͤnk, welches aus den in Gaͤhrung uͤbergegangenen Huͤlſen und Stengeln der Weintrauben bereitet und mit Anis deſtillirt wird, eingefuͤhrt. Bei unſerm Aufenthalte zu Jaffa wurden wir mit Fiſchen reichlich verſehen. Geflͤgel traf man in Menge an; aber zahme Enten, Gaͤnſe und welſche Huͤhner fanden wir nicht, jene ausgenommen, welche man aus Cypern hrachte, und in großer Menge auf⸗ zieht. XI. Es gibt zwei Klaſſen von Arabern, welche ſich hinſichtlich ihrer Sitten, Gebraͤuche, Denk- und Lebensweiſe ſehr von einander unterſcheiden. Der Fellah oder Landmann(zu ihm gehoͤrt auch der Handwerker, Dienſbote, kurz alle, welche auf dem Lande und in den Staͤdten die unterſte Volksklaſſe ausmachen,) wohnt in Doͤrfern oder einzeln liegenden Wohnungen, und ſteht unter der Herrſchaft eines Beys, ja vielleicht eines Mamelucken oder Cas⸗ hefs, welcher anfangs ein Sklave war, und ſich das 169 Vertrauen ſeines Herrn, und mit dieſem die Regie⸗ rung uͤber eine gewiſſe Anzahl von Doͤrfern erwarb. Ihnunterſtuͤtzt ein Unterbeamter, welcher Gindi(Gin⸗ der) heißt. Die Untergebenen ſind wegen der Hab⸗ ſucht der Herrſcher ſehr zu bedauern. Die Fellahs verdienen hinſichtlich ihrer Sitten, und Induſtrie den Vorzug vor den Beduinen oder nomadiſirenden arabiſchen Staͤmmen; auch bemerkt man an jenen nicht den ſtaͤten Hang zum Rauben, welcher dieſe ſo furchtbar macht. Trotz des elenden Zuſtan⸗ des, in welchem ſie ſich befinden, haben ſie doch noch nicht allen Muth und alle Kraft verloren. In mehre⸗ ren Bezirken, beſonders in jenen von Fuaund De⸗ menhur leiſteten ſie den franzoͤſiſchen Truppen unter den Generalen Deſſaix und Beliard in Ober⸗ Aegypten einen Widerſtand, welchen die Feinde gar nicht vermuthet hatten. Denon etwaͤhnt in ſei⸗ ner Reiſe⸗Beſchreibung zwar dieſe Widerſetzlichkeit, allein er hat mehrere dabei vorgefallene Umſtaͤnde weg⸗ gelaſſen. Es iſt gewiß, daß eine Abtheilung von 80 Franzoſen in der Nacht von den Einwohnern Fuas ermordet worden iſt. Die herumziehenden Araber, welche die an⸗ dere Klaſſe ausmachen, ſind in mehr oder weniger zahl⸗ reiche Staͤmme abgetheilt, deren jeder ſeinen angewieſe⸗ nen Bezirk und ſeine beſtimmten Grenzen hat. Oft leben ſie unter ſich in Uneinigkeit. Beſonders gefaͤhr⸗ lich ſind ſie fuͤr Reiſende und grauſam bei ihren Ein⸗ 170 föͤllen in die Doͤrfer der arabiſchen Landleute. Ihre Waffen beſtehen in einer Muskete mit einem Lunten⸗ Schloſſe, einem Saͤbel und einer langen Lanze, welche ſie in der Hand fuͤhren. Dbgleich ſie mit Musketen bewaffnet ſind, ſo fuͤrchten ſie ſich doch gewaltig vor Feuer⸗Gewehren, und uͤberlaſſen ihrem Gegner das Schlachtfeld, ſobald einige von ihrer Partei niederge⸗ ſchoſſen ſind. Im Ganzen ſind die Araber, fowohl Beduinen, als Landleute, erfahrne und liſtige Diebe, und zeich⸗ nen ſich eben ſo ſehr durch ihre große Verſtellungs⸗ Kunſt, als durch ihre Treulofigkeit aus. Viele Fel⸗ lahs ſind zum Chriſtenthume uͤbergetreten, haben ſich als Bediente vermiethet, und warten vorzuͤglich die Pferde, welche man ihnen zur Pflege gibt. Die Doͤrfer in Syrien ſcheinen ſtark bewohnt zu ſeyn; allein wegen der Wanderungen der Einwohner, und weil ſie auch unter Zelten wohnen, kann man unmoͤglich einen richtigen Begriff von der Geſammt⸗ zahl ſeiner Einwohner erhalten. Die herrſchenden Krankheiten ſind Augenuͤbel, Ruhren, Hautausſchlaͤge, die Blattern, Faul-, inter⸗ mittirende und remittirende Fieber, und endlich die Peſt, welche gewoͤhnlich aus andern Laͤndern ge⸗ bracht wird. Die Vehandtung der Krankheiten, zu welcher die Syrer ihre Zuflucht nehmen, iſt eben ſo ſonderbar, als unmethodiſch, und in enge Grenzen eingeſchraͤnkt. —— 174 Zur Lanzette haben ſie ein großes Vertrauen, bedienen ſich aber derſelben bloß im Fruͤhjahre. Als einen Beweis von der Geſundheit des ſyri⸗ ſchen Klimas kann man ſowohl die ſehr ſelten vor⸗ kommenden Lungenkrankheiten, als auch die Menge von alten Leuten unter den Einwohnern anſehen, welche oft 100, ja 140 und noch mehrere Jahre alt werden. Befaͤnden ſie ſich in einem mehr eiviliſirten Zuſtande, und lebten ſie unter einer guten Regierungs⸗ form, ſo wuͤrden ſie ſich ſehr vermehren, und bald maͤchtig werden: denn die ſyriſchen Weiber heirathen ſehr jung, und ſind außerordentlich fruchtbar. Bei einer tuͤrkiſchen Armee trifft man ſchwarze, kupferfarbene, gelbe und weiße Menſchen an. Eben ſo bemerkt man eine große Verſchiedenheit in den Ge⸗ ſichtszugen und eine anßerordentliche Mannigfaltigkeit in der Geſtalt und Groͤße unter denſelben; dieſes kommt von der bunten Zuſammenſetzung, aus welcher ein tuͤrkiſches Heer beſteht. Die Anzahl von Kaufleu⸗ ten, Dienern, Aufwaͤrtern und vom Gefolge aller Art iſt bei einer tuͤrkiſchen Armee ſo betraͤchtlich, daß, wenn man die Armee 20,000 Mann ſtark rechnet, man beinahe die Haͤlfte davon abziehen muß, um ihre Groͤße und Staͤrke richtig zu beſtimmen, wenn ſie in das Feld xucken ſoll. Eine ſolche Menge unuützen Volkes veranlaßt nicht nur viele Nachtheile, ſondern oft auch Mangel an Lebensmitteln. Waͤhrend man auf aͤußere Pracht aufmerkſam iſt, vernachlaͤſſigt man 172 alles, was ſich auf die Errichtung von Dexots, die Anlegung von Magazinen u. ſ. w. bezieht. Jeder Paſcha und jedes Pberhaupt hat ſeine be⸗ ſondere, ſehr große Fahne; auch die Derwiſche, welche den tuͤrkiſchen Heeren folgen, haben ihre geheiligten Paniere, welche gewoͤhnlich gruͤn ſind. Außerdem hat jede kleine Abtheilung von 25— 30 Gemeinen noch eine kleine Fahne. Ein tuͤrkiſches Lager iſt Nachts von einer Art gro⸗ ßer Laternen erleuchtet, welche aus eiſernen Reiſen beſehen, und an langen Laternen befeſtigt ſind. Meh⸗ rere ſolche Laternen, in welchen man Lappen brennt, welche in Fett, Del oder eine harzige Subſtanz ge⸗ taucht ſind, ſtehen in der Fronte vor jedem Zelte ei⸗ nes Paſcha. In der Ausſtellung und Anordnung der Wachen, wie in der Vertheilung der Zelte, und öber⸗ haupt in allem, was zur Sicherheit erforderlich iſt, ſind die Tuͤrken ſo außerordentlich nachlaͤſſig und un⸗ aufmerkſam, daß ſie jeden Augenblick uberfallen wer⸗ den koͤnnen. Die aberglaͤubiſchen Tuͤrken tragen ſo⸗ wohl im Kriege, als Frieden Talismane bei ſich, wel⸗ che aus Spruͤchen des Koran beſtehen, und ſchreiben dieſen außerordentliche Kraͤfte zu. Sie glauben feſt an eine alte Prophezeiung, von der man nach ihren Sagen einen Theil auf dem Grabe eines Santons eingehauen gefunden hat, ungefaͤhr folgenden Inhalts:„Das tuͤrkiſche Reich wird von den Ruſſen jerſoͤrt werden; die erſe —— 3 Schlacht, welche zwiſchen den beiden ſtrei⸗ tenden Maͤchten vorfaͤllt, wird von den Suͤrken an den Uferndes Dnieſter verloren werden; eine zweite Schlacht, welche in der Naͤhe von Konſtantinopel geliefert wird, faͤllt wiederzum Nachtheile der Os⸗ manen aus; und ihre Kaiſer ſind endlich genoͤthigt, ihren Aufenthalt zu Damask zu nehmen.“ Die Tuͤrken beſitzen viel verſoͤnlichen Muth, ſind kuͤhn, maͤßig, geduldig im Leiden, ehrlich im Handel, und von Jugend auf an Maͤßigkeit und Beſchwerlichkeit gewoͤhnt. Ihre gewoͤhnlichen Nahrungsmittel beſtehen in einer kleinen Portion Brod oder Zwieback, mit ei⸗ nem kleinen Stäcke Käs, Zwiebeln, Oliven und Del. Sie können ſich nur ſelten eine Annehmlichkeit in Fleiſchſpeiſen bereiten. Kaffee und Taback machen ihre vorzuglichſen Wohlgenuͤſſe aus. Erſtern trinken ſie in erſtaunlicher Menge, und letztern lieben ſie ſo ſehr, daß die Pfeife der unzertrennliche Gefaͤhrte ſelbſt vieler Frauenzimmer unter den niedern Klaſſen der Tuͤrken iſt. Da der Wein durch den Koran verboten iſt, ſo iſt das Waſſer das gewohnliche Getraͤnk aller Staͤnde unter den Muſelmännern. Beſiegen ſie aber die reli⸗ gioͤſen Bedenklichkeiten, ſo trinken ſie den Wein mit einer ſolchen Begierde, daß ſie ſich voll ſaufen, und dann aͤußerſt larmend und amruhriſch werden. Karten und Würfeln iſt verboten, das Schachſpiel 174 aber macht ſowohl im Lager, als in den Staͤdten ei⸗ nen ihrer Zeitvertreibe aus. Auch lieben ſie das Sin⸗ gen ſehr, welches aber gewoͤhnlich ſehr rauh und un⸗ harmoniſch klingt. Die Loͤhnung eines Gemeinen beſteht taͤglich in 6— 40 Aſpernz fuͤr dieſen erbaͤrmlichen Sold muß der Soldat ſich Taback, Zwiebeln, Hliven u. ſ. w. kaufen. Iſt er krank, ſo hat er wenig von der Geſchicklichkeit und Pflege ſeines Arztes zu erwarten. Sowohl im Lager, als an jedem andern Drte ver⸗ richtet der Tuͤrke taͤglich regelmäßig fuͤnfmal ſein Ge⸗ bet. Vor jedem Gebete waſchen ſie allemal die Haͤnde, Fuͤße und das Geſicht. Es iſt nichts ungewohnliches, einen Luͤrken in vollem Galoppe dem Andern, welcher auch beritten it, entgegen reiten, und wenn er ſein Piſtol losgeſchoſ⸗ ſen hat, plotzlich Halt machen zu ſehen. Er thut die⸗ ſes, um Jemand ein Kompliment zu machen, und nicht allein, um ſeine Geſchicklichkeit im Reiten, ſon⸗ dern auch die Zuverſicht zu zeigen, welche er zu ſeinem Pferde hat, das er regieren kann, wie er will. XII. Am 25. Februar asa1 wurde mit Trompe⸗ ten das Zeichen zum Abbrechen der Zelte gegeben, und nachdem 3 Kanonenſchuͤſſe vor dem Zelte des Groß⸗ Vezier geſchehen waren, ſetzte ſich die ganze Armee in Bewegung. Die engli ſch⸗militaͤriſche Geſandt⸗ ſchaft marſchirte mit dem Groß⸗Veiier, dem Reiseffendi und andern Staats⸗Beaniten. Der neue Lagerplatz 175 lag bei dem Dorfe Yebna, ungefaͤhr 12 Meilen von Jaffa, auf einer ſchoͤnen, offenen Ebene, welche von Huͤgeln eingeſchloſſen und mit Gras bedeckt war. Ein kleiner, durch den letzten Regen entſtandener Bach, verſorgte uns mit vortrefftlichem Waſſer. Zwei ver⸗ goldete Kugeln, oben am Ende der Zeltpfaͤhle zeigten dus Zelt des Groß⸗Vetier an; in ſeiner Naͤhe war eine große weiße Fahne mit einer arabiſchen Inſchrift auf⸗ gepflanzt. Die Truppen ſchlugen ihre Zelte ohne alle Drdnung um die Zelte ihrer verſchiedenen Paſchen und Anfuͤhrer, zu welchen die Stellen der mit des Groß⸗ Vezier Roßſchweife voraus geſchickte Paſcha abgeſteckt hatte. Das Amt dieſes Pffüziers hat mit dem Ge⸗ ſchaͤfte unſerer General⸗Quartiermeiſter große Aehn⸗ lichkeit. Auf dem Narſche machten die Muſiker des Groß⸗Vezier und der verſchiedenen vornehmſten Pa⸗ ſchen gelegentlich eine kriegeriſche Muſik. Eine Abtheilung Albaneſer von ungefaͤhr 600 Mann, welche erſt den 26. angekommen war, verließ den 28. plotzlich wieder das Lager, wahrſcheinlich we⸗ gen des Mangels an Geld und Lebensmitteln daſelbſt⸗ Den 7. Maͤrz ſtellte ich eine kleine Wanderung nach dem 2—3 Meilen ſüdoſtlich auf einem Huͤgel vom Lager entfernten Yebna. Der Felſen Stam, wo Simſon von den Phi⸗ liſtern uͤberfallen wurde, ſoll nicht weit von dieſer Stadt entfernt geweſen ſeyn. Auf einem Huͤgel ge⸗ gen Nordoſten von dem Lager hatte ich eine ſehr 176 ſchoͤne Ausſicht auf Ramla, welches etwas Meilen in derſelben Richtung entfernt lag. Gegen Suͤden gewaͤhrten gruͤne Ebenen einen herrlichen Anblick. Auf den Abhaͤngen der Huͤgel, welche leicht zu beſteigen waren und die Ebenen begrenzten, hatte ich Yebna, Ekron, Aſchdod und Asealon im Geſichte: ſaͤmmtlich in der h. Schrift beruͤhmte Drte. Ich be⸗ fand mich jetzt in dem Lande der Philiſter, wo jeder Flecken umher der Schauplatz intereſſanter Erinnerun⸗ gen war. Ramla, das alte Ramah, war Sa⸗ muels Wohnort; der Rieſe Goliath war von Gath, welches gegen Oſten von Aſchdod lag. In dem Chale von Ekron griffen die Kinder Iſraels und die Maͤnner von Juda zu den Waffen und ſetz⸗ ten den Philiſtern bis an die Stadt⸗Thore nach. Der von Saul verfolgte David floh nach Gath, wo er eben ſo wie Samuel zu Ramah, einen Sicherheits⸗ Drt und gaſtfreundliche Einwohner fand. Den 12. brachen wir wieder auf, nachdem vorher Chiauſen durch das ganze Lager zuvor ausgerufen hat⸗ ten, daß der Sadre Azhim(Groß⸗Veiier), um die und die Stunde mit ſeinem Lager nach dem und dem Drte aufbrechen werde. Nachdem wir 42 Meilen unter beſtaͤndigem Regen zuruͤck gelegt hatten, ſchlu⸗ gen wir unſer Lager an einem Fluſſe auf, uͤber wel⸗ chen eine betraͤchtlich breite Brucke fuͤhrte. Suͤd⸗ lich von uns lag auf einem etwas Meilen entfernten Huͤgel ein Dorf, welches die Araber Esdad nennen⸗ 127 das wahrſcheinlich das Eſchtaolgder h. Schrift iſt Den 4. zogen wir durch dieſes elende Dorf, welches aus etlichen Lehmhuͤtten beſtard, und kamen durch ein herrliches Land zur alten Stadt Aſchdod, welche die Griechen Azotos nennen und 2 kleine Eingangs⸗ thore hat. Auf dem Marſche durch dieſen Ort ſahen wir verſchiedene Bruchſtuͤcke von Marmor⸗Saͤulen, Ka⸗ pitaͤlern, Kranzleiſten u. dergl. Gegen die Mitte hin ſteht eine ſchoͤne Moſchee mit einem herrlichen Mina⸗ ret. Aſchdod wird von den arabiſchen Einwohnern Mezdel genannt. Zwei Meilen davon und zwar ge⸗ gen Suͤden, befindet ſich auf einem Huͤgel eine Ruine mit einer hohen, aufrecht ſtehenden Saͤule, welche noch ganz iſt, in der Mitte. Das herrliche Gruͤn der umliegenden Ebenen bildete nebſt einer Menge ſchö⸗ ner, alter Delbaͤume eine ſehr maleriſche und vortreff⸗ liche Szene. Die Einwohner der Doͤrfer bauen Ta— back, Obſt und Gewächſe im Ueberfluſſe; die frucht⸗ baren und großen Ebenen liefern eine reiche Getreid⸗ Ernte. Bei der Fortſetzung unſeres Marſches wurde gr⸗ woͤhnlich zweimal Halt gemacht. Die vornehmen Of⸗ ſiziere ritten bisweilen und befanden ſich die andere Zeit in ihrem Tartavan(einer Art Saͤnfte, welche man auf langen Reiſen braucht und die von 2 Kaine⸗ len getragen wird). Nach einem 15 Meilen langen und angenehmen Wege lagerten wir uns an efnem Fluſſe, der uns mit herrlichem Waſſer verſorgte; uͤber 42tes B. Aegypten. III. 2. 5 178 ihn fuͤhrte eine ſeinerne Bruͤcke. Nach der Sage ſoll ſich die Goͤttin Direce⸗ welche zu Ascalon verehrt wurde, in dieſem Fluſſe gebadet haben und bei dieſer Gelegenheit in einen Fiſch verwandelt worden ſeyn. Der Fluß ſchien ſich nach verſchiedenen Kruͤmmungen in ein Thal gegen Weſten nach Ascalon zu ergießen⸗ Das Lager lief um die Truͤmmer des alten Dorfes Moutamond. in deſſen Naͤhe verſchiedene Gruppen von Feigenbaͤumen faſt ein eben ſo hohes Alter zu ver⸗ rathen ſchienen, als die zertruͤmmerten Gebaͤude, mit welchen ſie in Verbindung ſtanden. Die rings umlie⸗ genden fruchtbaren Ebenen lieferten herrliche Vieh⸗ weiden. Nach einem kurzen, aber angenehmen Marſche drei Meilen von Gaza wurde wieder angehalten. Je weiter wir unſern Marſch nach Gatza fortſetzten, deſto intereſſanter und angenehmer wurde der Aublick des Landes; indem ſich Gruppen von Delbaͤumen von der Stelle unſeres Ruheplatzes aus bis zur Stadt erſtreck ten, vor welcher eine ſchöne Allee von dieſen Bäu men war. Gaza liegt auf einer Anhohe und gewährt durch die Menge majeſtaͤtiſch empor ſteigender Minarets und durch ſchoͤne Dattelbäͤnme einen herrlichen Anblic⸗ Auf einer Ebene vßtwaͤrts von der Stadt ſchlugen die Tuͤrken Lager. Arabiſche Maͤnner und Frauen bewil⸗ kommten den Groß⸗Vezier und andere tuͤrkiſche Be⸗ 179 fehlshaber, als ſie ſich der Stadt naͤherten, mit unhar⸗ moniſchem und kreiſchendem Geſchreie. Als ich die Stadt beſuchte, kam ich in dieſelbe von Dſten her durch einen kleinen Thorweg, an welchem Simſon die Stadtthore weggenommen haben ſoll. Die Vorſtaͤdte von Gaza beſtehen aus elenden Lehmhuͤtten, die Haͤuſer in der Stadt hatten ein beſ⸗ ſeres Anſehen, als diejenigen, welche wir insgemein in Syrien angetroffen hatten. In einem Thale, oſtwaͤrts von dem Hügel, auf welchem Gaza ſteht, ſah ich die Ruinen einer grohen Moſchee, welche außerordentlich ſtarke Mauern hatte. Ueber dem Eingang bemerkte ich verſchiedene tuͤrkiſche Bildhauer⸗Arbeiten auf Quaderſteinen. Innerhalb des Gebaͤudes lagen verſchiedene glatte Marmorſaͤnlen auf dem Boden zerſtreut. Gegen Bſten von der Stadt ſah ich auch die Ruinen mehrerer Gebaͤude, welche die Franzoſen bei der Gelegenheit ihrer Einnahme ein— geriſſen hatten. Waͤhrend ihres hieſigen Aufenthaltes ſollen 1600 an der Peſt geſtorben ſeyn. Zu Gaza beſuchte ich den Gouverneur und fand, daß unter den Einwohnern Augenkrankheiten ſehr herrſchend waren. Die Vorſtaͤdte und die umiliegende Gegend von Gaza verſchoͤnern eine Menge großer Gaͤrten. Der Hafen von Gaza beſteht in einer offe⸗ nen Bucht, die fur Boote, beſonders wenn ſie beladen ſind, hoͤchſt gefaͤhrlich iſt, weil die ſtarke Brandung, 100 welche beſtͤndig an das ufer ſchlaͤgt, ſie alle Augen⸗ biicke in Gefahr ſetzt, umzuſtuͤrzen. vei Mcilen von Gaza ging ich durch ein Dorf, in weichem die Lehmhuͤtten ein beſſeres Anſehen hat⸗ ten. Sie walen von Lehmziegeln erbaut und mit ei⸗ nem Dache verſehen, das aus großen Bauiſtém⸗ men beſtand, welche mit einer dichten Erdſchichte be⸗ deckt waren, die zu einem Garten diente. Die gemeine Malve, welche Einwohner gekocht eſſen und ſehr lieben„ wuchs in Menge auf Keteh mit Erde uͤberzoge⸗ nen Dächern⸗ Die angenehme Nachticht von den gluͤcklichen Fortſchritten der engliſchen Armee in Aegypiel ſeit ihrer Landung, von der Einnahme Abukir's, und von drei Trefen, welche für die brittiſchen Waß⸗ fen ſo gunſtig ausgefallen waten, und in welchen die Franzoſen 4000 Maun nebſi 3 Generalen verloren hat⸗ ten, wuide mit 21 Fanonen ſchuͤſſen gefeiert. Unſer heutiger Marſch war außerordentlich auge⸗ nehm. Wir ſtanden in einer trockenen, hoch gelegenen Gegend, welche uns mit vortrefflichem Waſſer verſah. Kahnvounnes iſt ein kleines Dorf, welches in einer Ebene am Nande der Wuͤſte liegt; es hat nebſ einer Moſchee auch ein Kaſtell. Srbald wir dieſes Borf verlteßen, traten wir ſo⸗ gleich in die Wuͤſte, in welcher ich einen Strauch ſah, der unſerm Heide⸗G buͤſche aͤhnlich war, indem hier und da Sproͤßlinge unter dem Lande in die Hoͤhe 161 ſchoſſen. Nach einem ungefaͤhr 2 ſtuͤndigen Marſche trafen wir auf der Graͤnze zwiſchen Aſien und Afrika ein. Zwei Saͤulen aus aͤgyptiſchem Granit waren, wie man mir ſagte, errichtet, um die Graͤn⸗ ijen beider Erdtheile genau zu bezeichnen. Ungefaͤhr 16 Meilen von Kahnyounnes langten wir an einer Stelle an, welche die Araber Saca oder Scheik Sawich naunten, wo wir zum erſten Male unſer Zelt in der Wuͤlle aufſchlugen. Das Waſſer, welches wir hier trafen, war gut, aber ziemlich mit Sand vermiſcht. Nach einem Marſche von beinahe 16 Mel⸗ len langten wir zu El⸗Ariſch anz dieſe Feſtung liegt 1/2 M. von der Nordſeite auf der Seekuͤſte. Das Dorf El⸗Ariſch, bei deſſen Ruinen noch ein Fort ſteht, zerſtoͤrten die Franzoſen und hieben nach der Einnahme des Brtes beinahe alle Dattelbaͤume um. Das Fort von El⸗Ariſch beſteht in einem vierecki⸗ gen Gebaͤude, mit 4 Thuͤrmen au jeder Seite. Die Franzoſen fingen zwei Baſteien an, vollendeten aber dieſelben nicht. Der Pberſt Fletcher fuͤgte noch einige Werke hinzu. Das Fprt ſtand in der Mitte des Dorfes, war aber jetzt in einen Haufen von Rui⸗ nen verwandelt. Die Witterung und der Mangel der noͤthigſten Dinge verurſachten oft große Unannehmlichkeiten im Lager. Den 9. April hatten wir einen wirklichen Cham ſin auszuſtehen. Die Hitze und Dichtheit der Luft war ſo außerordentlich druckend, daß wir eine 182 grote Mattigkeit und Schlaffheit fühlten. Die At⸗ moſphaͤre war durchgaͤngig neblig, und der Wind fuͤr den Koͤrper ſo empfindlich heiß, als wenn er aus einem brennenden Dfen kaͤme. Der Wind bließ waͤhrend dieſer Zeit von Süd-Oſt, Suͤd und Suͤd⸗Weſt. Den 19. Morgens 6 Uhr erſcholl der Trompeten⸗ Klang zum Aufbruche. Enige Zeit vorher ſetzte uns die Flucht der Kamel-Treiber mit dieſen Thieren in die Gebirge in eine nicht geringe Verlegenheit und verurſachte ſehr mißliche Beſchwerlichkeiten„ weil auf dieſe Art der ſchnelhe Abmarſch von El⸗Ariſch un⸗ moͤglich gemacht war. Nach einem ſehr angenehmen Marſche von 2 Stun⸗ den, laͤngs der Seekuͤſte, langten wir bei den Brun⸗ nen von Meſſudich an. Hier verſorgt ſich der Reiſende allemal mit Waſſer, ehe er den Ueberreſt des Weges durch die Wuͤſte antritt. Man ſah weder eine Wohnung, noch Einwohner. Die Pberflaͤche des duͤr⸗ ren Sandes verſchaffte keine Mannigfaltigkeit und Ab⸗ wechslung. Nur mit Muͤhe konnte man einige ver— dorrte Pflanzen zuſammenleſen, um etwas Kaffee zu kochen. Wenn man 2— 3 Fuß tiefe Brunnen in den Sand gub, ſo erhielt man jedoch augenblicklich Waſ⸗ ſer. Dbgleich wir uns ſehr nahe an der Meereskuͤſte befanden, ſo war das Waſſer dennoch gut und ſuͤß. Da der Weg von dieſer Stelle bis nach Catieh drei Tagreiſen beträgt, innerhalb welcher man kein trink⸗ bares Waſſer findet, ſo verſahen wir uns in gehoͤrig S 183 zubereiteten Ziegenfellen mit dem unentbehrlichen Waſſer. Den 20. trafen wir auf unſerer neuen Lagerſtelle zu Barrahecat ein, wo wir ſogleich unſere Zelten aufſchlugen. Auf der Pberflaͤche dieſer Stelle lag eine große Menge See⸗Muſcheln nebſt vielen Salz⸗Stof⸗ fen zerſtrent. Wir gruben Brunnen, aber das Waſſer war ſo ſalzig, daß es nicht einmal das Vieh trinken konnte. Auf dieſem Marſche bekamen wir die erſtaunungswürdige vptiſche Taͤuſchung zu ſe⸗ hen, welche die Franzoſen Mirage(Kimmung, Er⸗ hebung) nennen. Man trifft ſie blos in der Wuͤſte an, und ſie zeigte den entfernten Anblick von Waſſer mit einer ſolchen Wahrheit und Wirklichkeit, daß die Schatten der Kamele, welche voransgingen, auf der durchſichtigen Oberſlaͤche ſich wieder abſpiegelten. um die Wirkungen dieſer Erſcheinung noch außerordentlicher zu machen, ſchienen die Koͤrper dieſer Thiere oben ſchmaͤler und verlaͤngert zu ſeyn. Die hoͤchſten unter den entfernten Sandhuͤgeln ſtellten lichte Wolken vor, waͤhrend die kleinern das Anſehen von Schiffen in der Mitte eines ſchoͤnen Sees unter dem Gedraͤnge von Segeln hatten. Dieſe Erſcheinung war beſonders auf den flachen Ebenen ſichtbar, welche an einigen Stellen mit einer Salz⸗Subſtanz bedeckt waren, die ſchoͤn kryſtalliſirt, ſehr durchſichtig und glaͤnzend war⸗ Den 2u. trafen wir nach einem ſehr beſchwerlichen und ermuͤdenden Marſche auf unſerm neuen Lagerplatze 184 zu Bir⸗el⸗habt ein. Unter Weges lagen viele Ge⸗ rippe von Kamelen, Pferden und andern Thieren zer⸗ ſtreut. Der ſandige und unebene Weg, und die große Hitze ſiel uns ſehr beſchwerlich. Auf unſerm Marſche hörte ich Nachtigallen ſchlagen; allein ihre Schlaͤge waren ſehr kurz, und ſunden den unſrigen in England weit nach. Hier und da traf man verſchiedene Pflan⸗ zen und einige Blumen an. Den 22. brachen wir fruͤhe um 6 Uhr auf, und langten Mittag zu Theah an, welches an anderthalb Meilen von Catieh entfernt iſt. Der Weg war ſehr beſchwerlich und unregelmaͤ⸗ ßig. In der Naͤhe unſers Lagers ſtanden mehrere ſchoͤne Dattelbaͤume. Die Brunnen enthielten im Ganzen gutes Waſſer. In einem aber ſad es ſchwart⸗ wie jenes zu Harrowgate aus. Die Tuͤrken be⸗ haupteten, von den Franzoſen ſey eine Quantitaͤt Pulver eingeworfen worden. Es ſchien, als waͤre ehe⸗ mals auf unſerer Lagerſtaͤtte ein Dorf geſtanden, weil auf dem Sande Bruchſtuͤcke von rothen Ziegelnu. ſ. w. zerſtreut lagen. Theah heißt auch im Arabiſchen ein Dorf; wir waren aber nicht im Stande, Spuren von irgend einem Gebaͤude zu entdecken. Die Brunnen lagen unter einer Gruppe ſchoͤner Dattelbaͤume. Den 26. trafen wir nach einem Wege von 18. M. auf unſerm neuen Lagerplatz Bir⸗denedar ein. Es ſtanden verſchiedene Dattelbaͤume auf der Stelle, und die hier und da zerſtreuten Ziegel dienten zum Be⸗ weiſe, daß vormals Wohnungen da geſtanden waten. 185 Das Waſſer an dieſem Orte war ſalzig, bitter und aͤußerſt ſchlecht. Da der Weg uͤber einen rauhen und ungleichen Boden floß, und die Hitze ſehr druͤckte, ſo war der Marſch ſehr beſchwerlich. Doch trafen wir eine groͤßere Menge von Straͤuchen an, als auf den vorhergehenden Maͤrſchen. Eine halbe Stunde nach⸗ ber, als wir unſern Lagerplaß verlaſſen hatten, reiſten wir uͤber eine hoͤchſt rauhe und unebene Strecke Lan⸗ des, welche mit einer großen Menge von Salz⸗Theilen bedeckt war, und daher ein Salzwerk geweſen zu ſeyn ſcheint. In der Nachbarſchaft von Catieh lagen viele Dattelbaͤume auf der Erde, welche die Franzoſen bei ihrem Ruͤckzuge aus Syrien aus verſchiedenen Urſachen abgehauen hatten. Da wir einige glaubwuͤrdige Nachrichten uͤber die Bewegungen des Feindes erhalten hatten, ſo bielt man fuͤr noͤthig, in Anſehung der Stellung der Artillerie ſehr vehutſam zu ſeyn, deswegen gab auch der Major Hope verſchiedene nothwendige Befehle. Auch er⸗ fuhren wir den Tod des Mourad⸗Bey. Den 26. trafen wir nach einem dritthalbſtuͤndigen Marſche große Strecken Waſſers an, welches an ver⸗ ſchiedenen Stellen Seen und Baͤche gebildet hatte; es ſchmeckte ſalzig. In dieſem Theil der Wuͤſte trafen wir eine Menge gruͤnes Strauch⸗Holz an. Der Boden war ebener, mit weniger Sand bedeckt und zum Rei⸗ ſen unangenehm. Zu Kantars, unſerm Lagerplatze, fanden wir eine Menge guten Waſſers nebſt Geſtraͤu⸗ chen und Gras fuͤr das Vieh. Da Tauben und Enten in Menge herum flogen, ſo ſchoß ich mir einige der erſten, welche uns ein koͤſtliches Gericht waren. Wir erhielten die Nachricht von der Einnahme von Ra⸗ ſchid. Den 27. langten wir Mittags zu Salahieh an. Der letztere Theil des Weges war ſandig und beſchwer⸗ lich. Als wir uns Salahieh naͤherten, nahm die Menge von Geſtraͤnchen nach und nach ab, und ver⸗ ſchwand endlich ganz. Der Anblick des Landes, welches uns unmittelbar umgab, war traurig: denn es beſtand gaͤnzlich aus einer großen wuͤſten Ebene oder Flaͤche. Gegen Weſten und Norden von Salahieh ſahen wir große Dattelwaͤlder, welche ſich auf meh⸗ rere Meilen erßtreckten. Wir hatten nun den beſchwer⸗ lichen, muͤhſeligen und kuͤhnen Marſche durch die Wuͤſte (eine Strecke von ungefaͤhr 60 Meilen von Kahnny⸗ vunnes bis Salahieh), aber nicht ohne Verluſt einer Menge von Thieren und von mehreren Menſchen zuruͤckgelegt. Sobald wir Salahieh erreicht hatten, brachten die Araber eine Menge verſchiedener Lebensmittel zum Verkauf in das Lager, welche die halbverhungerten Soldaten reißend kauften. Sie brachten auch Stroh und ungedroſchene Gerſte fuͤr das Vieh. Abends brachte ein Suͤd⸗Wind Regen; der Horizont war ver⸗ dunkelt, und die Luft ſo druͤckend und ſchwuͤhl, daß man ſich ſehr ermuͤdet fuͤhlte. 187 Auch in dieſem Theile von Aegypten herrſchte die Augen-Krankheit, welche in Syrien ſo gemein war. Bei der Erſcheinung der tuͤrkiſchen Armee nah⸗ men die soo Franzoſen aus der Feſtung Salahieh die Flucht, zerſtoͤrten aber noch vor derſelben einen großen Theil des Innern der Feſtung und einzeln ſte⸗ hende Gebaͤude. Den z. Mai, wo der Kamſin herrſchte, war die Hitze außcrordentlich druͤckend. Ich machte des Morgens einen Spazierritt in das Land, durchritt mehrere große Dattelwaͤlder, zwiſchen welchen ich ei⸗ ne Menge Doͤrfer aus elenden Lehmhuͤtten ſah. Un⸗ ter dem Schatten der Dattelbaͤume bauen die Ein⸗ wohner auf großen Ebenen Gerſte und Tabak. Die Kuͤhe und Ochſen von einer großen Gattung mit klei⸗ nen Hoͤrnern, ſahen ſchoͤn aus. Einige Buͤffel, welche ich ſah, waren grau und von einem haͤßlichen Anſehen. Die Einwohner gingen in zerlumpten Kleidern, wel⸗ che kaum ihre Bloͤße bedeckten; ſie ſahen ſehr bleich, kraͤnklich, und eben ſo elend, wie ihre Wohnungen aus. Die Weiber bedeckten ihr Geſicht mit einem Stucke ſchmutziger Leinwand. Sie verrichteten die beſchwerli⸗ chen Feldarbeiten, und trugen große Laſten auf dem Kopfe. Das Getreide wird, wie in der Tuͤrkei, ausge⸗ treten. Den 7. kamen wir in das 13 Meilen entfernte Korin. Als wir unſerm Beſtimmungs⸗Prte naͤher kamen, verbeſſerte ſich das Anſehen des Landes; der 188 Voden wurde feſter und kieſig. Gruppen von Dattel⸗ baͤumen und Brunnen belebten unſern Marſch. An feuchten Stellen bauten die Einwohner mit vielem Fleiße Waſſerbohnen(upinus Lin.). Dieſe Gewaͤchſe wurden uͤber s Fuß hoch; an einem Stengel zaͤhlte ich gegen 160 Schoten. Korin iſt ein langes Dorf aus Lehmhuͤtten; es enthaͤlt ein einziges Ziegel-Gebaͤude, eine verfallene Moſchee. Die Hautfarbe der elenden, halbnackten Einwohner, von denen viele blind waren, ſah beinahe ſchwarz aus. In weißen irdenen Geſchirren brachten ſie uns Waſſer. Innerhalb kleiner Lehm⸗Mauern hat⸗ ten ſie mancherlei Arten von Pbſtbaͤumen. Auf unſerm Marſche trafen wir eine betraͤchtliche Menge von Lehm erbauter Doͤrfer mit hohen Erd- und Lehm⸗Mauern an. Sie bildeten ein Viereck; an jedem Ecke ſtand entweder ein runder oder viereckiger Thurm. Bei einem jeden Dorfe trift man zum Eingange entweder ein kleines Loch oder eine Leiter an, auf welcher man einſteigt. Dieſe Bauart findet man uͤberall beobachtet. In der Nachbarſchaft von Korin fand ich auf dem Boden verſchiedene ſchoͤne Steine, Karniole, Agate u. ſ. w. Verſchiedene benachbarte Doͤrfer, welche ich be⸗ ſuchte, wetteifern ſowohl in Anſehung der Einwohner, als auch an ſchlechter und elender Beſchaffenheit der Haͤuſer, mit den oben beſchriebenen. Obgleich die Ein⸗ wohner Heerden beſaßen, ſo befanden ſie ſich doch in einem 189 elenden Zuſtande. Ihre Gaͤrten bewaͤſfern ſie mittelſt eines Brunnen, an welchem man irdene Gefaͤße befe⸗ ſtigt. Das Waſſer leitet man in Rinnen, welche man in die aufgeworfenen Daͤmme macht, nach jedem cheile des Bodens. Sehr zahme Heerden von Tauben veſuchen die angebauten Felder, weil ſie von den Ein⸗ wohnern nicht beunruhigt werden. Von Korin brachen wir nach Belbeis auf und erreichten daſſelbe, nachdem wir eine Strecke 16— 17 Meiten auf einem angenehmen kieſeligen Wege zuruͤck⸗ gelegt hatten. Die Einwohner waren mit der Ernte heſchaͤftigt. Das Getreide ſchneiden ſie nicht, ſondern ziehen es mit den Wurteln aus, und legen es in Hau⸗ ſen zuſamwen. Wir trafen auch verſchiedene Henne⸗ Ffanzen an. Die Einwohner bauen auch Klee, inſen und die Senſpflanze. Das Land iſt offen und volkom⸗ men eben. Der Weg geht uͤber Démme, auf welche ſich zur Zeit der Ueberſchwemmung die Einwohner nebſt ihrem Vieh begeben, um ſich vor den Ueber⸗ ſchwemmungen der Ebenen in Sicherheit zu ſetzen. Wir reiſten durch verſchiedene Doͤrfer, deren Ein⸗ wohner beinahe nackt gingen, und Dyfer der Krank⸗ heir und Blindheit waren. Die Kinder unter 6 Jah⸗ ren gingen voͤllig nackt. Die Truppen zu Belbeis trafen wir in einem verſchanzten Lager. Den 1. ſtand das Thermometer auf 97 und auf meiner Zeltſtange auf 104*. Abends erhielten wir die Vachricht, daß die vereinigte türkiſche und engliſche Atmee Rahma⸗ 190 nieh eingenommen habe. Die Franzoſen hatten einen Theil ihrer Kranken zuruͤck geloſſen, und eilig ihre Flucht nach Kahira genommen. Die Kanonen⸗ bvots und kleinen Fahrzeuge waren den engliſchen und tuͤrkiſchen Soldaten in die Haͤnde gefallen. Belbeis, welches ich beſuchte, liegt auf einer Anhoͤhe; der groͤßte Theil der aus Ziegelſteinen erbau⸗ ten Haͤuſer lag in Truͤmmern. Gegen Suͤd⸗Weſt von der Stadt ſteht ein Fort, welches die Franzoſen ange⸗ legt, aber kurz vor ihrem Abzuge zerſtoͤrt hatten. Bos⸗ hafter Weiſe zerſtoͤrten ſie auch die vornehmſten Mo⸗ ſcheen. Auf der Nord⸗ und Weſtſeite der Stadt befan⸗ den ſich ſchoͤne Getreid⸗Felder, gegen Suͤd⸗ und Suͤd⸗ Dſt aber beſtand das Land aus einer unfruchtbaren Wuͤſte. Den as. wurde die tuͤrkiſch⸗engliſche Armee von den Franzoſen angegriffen; das Gefecht dauerte mit einer geringen Unterbrechung 7 Stunden. Der Feind wurde aus ſeiner Stellung vertrieben, und von den Tuͤrken 1 Meilen weit bis El⸗Hanka verfolgt. De Verluſt auf beiden Seiten war nicht bedeutend. Waͤh⸗ rend der Nacht erhielt der Grobvezier die Nachricht von der Einnahme des Forts Lesbie. Allein ungeachtet dieſes wichtigen und neuen Sieges fuhren die Tuͤr⸗ ken fort, jenen gaͤnzlichen Mangel an Mannszucht und Ordnung zu verrathen, ohne welche ſich von Kriegs Unternehmungen kein gluͤcklicher Ausgang er⸗ warten laͤßt. 491 Den 18. verließen wir unſern Lagerplatz zu Bel⸗ beis, und langten nach cinem angenehmen Marſche von 12 Meilen zu Meshtoule an, welches 23— 4 Meilen von El⸗Hanka entferut iſt. Das Land, durch welches unſer Marſch ging⸗ war eine ſchoͤne Flaͤche mit einem ſchwarzen Boden, auf welchem eine herrliche Ernte ſtand. Die Doͤrſer, welche rechts und links lagen, waren ſtark bewohnt, und die Einwohner ſchienen weit ſtaͤrker und geſunder zu ſeyn, als dieje⸗ nigen, welche wir bisher getroffen hatten; auch waren ſie beſſer gekleidet. Zwanzig bis fuͤnf und zwanzig Meilen von Kahira lagerten wir uns. Den 19. tra⸗ fen wir im Dorfe Ben⸗el⸗Hazer an dem oſtlichen Kil⸗Ufer des Armes von Damiat ein. Sowohl in dieſem Dorfe, als in allen denſenigen, durch welche wir zogen, hielten die Einwohner große Schwaͤrme von Tauben. Hiezu war auch der Bau ihrer Haͤuſer eingerichtet, welche aus Backſteinen in Geſtalt eines Kegels errichtet warenz den untern deſſelben bewohnten die Hausgenoſſen, den oberſten die Tauben. Das Land um Ben⸗el⸗Hazar iſt offen, ohne Geſtrauche und Geboͤſche. Wir trafen nur einige Dat⸗ tel⸗ und Pharaos⸗Feigenbaͤume, eine kleine Ceder und den Lerchbaum an⸗ Den 1. Juni verließen wir unſer Lager zu Ben⸗ el⸗Hazar, und langten nach einem dreiſtuͤndigen Marſche u Dagus auf dem oͤßlichen Nil⸗Ufer an⸗ Wir lagerten uns zwiſchen dieſem Dorfe und dem Dorfe Tahley dicht am Fuße. Den s. ſetzten wir uͤbet den Nil, marſchirten den s. durch mehrere Doͤrfer, und langten zu Schonbrah Shaabi, nach andern Schubra Schahauie, an. Dieſer Theil Aegyptens war vorttefflich angebaut, 8 wir ſahen eine Menge Obſtbaͤume, welche dem Lande eine angenehme Mannigfaltigkeit gaben und einen lieblichen Schatten gewaͤhrten. Getreide wuchs in Menge, und man baute auch auf den Feldern Saflor und Indigo. In allen Gegenden ſah man große Heer⸗ den von Ochſen, Kuͤhen und Buͤffeln weiden. Auf unſerm heutigen Marſche ſahen wir auch zum erſten Male die großen Pyramiden bei Gizl. Bei Shel⸗ lacan oder Charlacan(nach Niebuhr Scha⸗ lakan), wo die beiden Nil⸗Arme ſich mit einander vereinigen, langten wir den 9. um 10 Uhr an. Wir lagerten uns an dem Nil⸗Ufer, und zwar eine Meile gegen Suͤd vor dem Dorfe. Ich beſuchte die Doͤrfer Harrachnean(Cha⸗ raknie nach Niebuhr) welches à3 M. von Shella⸗ can, und 8 Meilen von Kahira liegt, ferner Ab⸗ lewed, Heliub und Beiſo us. Den 18. ver⸗ ließen wir unſern Lagerplatz iu Shellacan und reis⸗ ten nach Beiſons, wo wir eine ſchoͤne Ausſicht auf Kahira hatten, welches ungefaͤhr 4— 6 Meilen von unſerm Standorte entferut lag. Um die Schiff⸗ vruche uͤber den Nil zu vertheidigen, welche beinahe 193 fertig war, marſchirte die engliſche Armee den 46. nach Kahira, wo auch zugleich der Oberſt Stewart mit ſeiner Abtheilung an dem oͤſtlichen Ufer des Fluſſes bis zum Kanale vorwaͤrts vvn Shubra eine Bewegung machte. Taher Paſcha, Mahomed Paſcha und mehrere Mameluken marſchirten bis in die V der ſteinernen Bruͤcke zu Kantara. In Heliub,etwa 2 1/½ Meile nordwaͤrts vom Lager, fand ich die Einwohner mit der Zubereitung der Indigo⸗Pflanze zum Gebrauche beſchaftigt. Die Pflanzen wurden in kleine Stuͤcke zerſchnitten und in warmem Waſſer eine kurze Zeit gelinde gekocht. Hierauf kamen ſie mit dem Waſſer, welches in die⸗ ſem Zuſtande eine ſehr— Farbe erhaͤlt, in irdene Geſchirre. Den 24. nahm die engliſche Armee unter General Hutchinſon eine Stellung vor Dſchize ein; die engliſchen Truphen unter dem Oberſten Ste⸗ wart brachen niit der Armee des Großvezier auf und lagerten ſich zwiſchen Shubra und Kahira. Letz⸗ tere nahm eine Stellung mit dem rechten Fluͤgel nach dem Nile, und mit dem hinken nach der Wuͤſte. Ta⸗ her Paſcha ſetzte ſich mit einem Korps unberittener Arnauten zu Jzawi, mehrere Pickette ſtanden noch weiter vorwaͤrts. Durch dieſe Bewegungen wurde Kabira und Dſchize groͤßtentheils eingeſchloſſen. Die tuͤrkiſche Armee unter den Befehlen des Großve⸗ zier belief ſich damals auf ungefaͤhr 12,000 Mann Rei⸗ 42tes B. Aegypten, III. 2. 6 194 terei, 7000 Mann Fußvolk, und auf etwa 1000 Mann Artillerie, nebſt einem großen Zuge ſchweren Geſchuͤtzes und 40 Stücken leichter Kanonen. Den 23. wurde ein 4s ſtuͤndiger Waffenſtillſtand mit dem Feind abgeſchloſſen. Viele der engliſchen Soldaten litten durch den Einfluß des Himmelſtriches und durch die Beſchwerlichkeiten an Fiebern, an der Ruhr, dem Durchfalle und an der Augen⸗Krankheit. Vermoͤge der Uebereinkunft wurde den engliſchen Soldaten das Fort Shulkuski, welches von einem Adjutanten Bonapartes, der in Aegypten getoͤdtet wurde, ſeinen Namen hat, und das Pyramiden⸗Thor von Dſchize überliefert. Von beiden Seiten wech⸗ ſelte man Geißeln aus, welche zu Unterpfaͤndern der Vollziehung der Uebereinkunft dienen ſollten. Den zee ritt ich nach Heliopolis, welches jetzt Mattareah heißt, und das On der heiligen Schrift war; eine vortreffliche Waſſerguelle macht ſie beruͤhmt. Eine beinahe 70 Fuß hohe, ſchoͤne Granit⸗ Saͤule, mit einer zahlloſen Menge Hieroglyphen, be⸗ findet ſich daſeibſt. In alten Zeiten wurden von die⸗ ſer Stadt mehrere Saͤulen nach Rom und Konſtan⸗ tinopel geſchickt. Ehemals ſoll daſelbſt ein Tempel der Sonne geſtanden ſeyn. Den 6. Juli nahmen die Franzoſen den Leichnam des General Kleber wieder aus dem Graba, in welchem ſie ihn in dem Fort Ibrahim Bey beige⸗ ſetzt hatten. Man wollte ihn nach Frankreich ſchaf⸗ fen. Den 11. ruͤckte die engliſche militariſche Ge⸗ ſandtſchaft in Kahira ein. Die Forts, Inſtitute und Ibrahim Bey auf dieſer Seite des Pil nebſt der Jnſel Ravudhn und Dſchize auf dem gegen⸗ berliegenden üfer hatten die Franzoſen noch immer iune. Als ich durch die Straßen ging, fand ich die vor⸗ nehmſten Bazars geſchloſſen; es herrſchte die groͤßte Ruhe. Ich beſuchte auch die Eitadelle, welche nuf einer Anhoͤhe unter dem Berge Mokatam liegt, von welchem ſie beherrſcht wird. Die Gebaͤude inner⸗ halb derſelben, mit Ausnahme jener, welche zur Ver⸗ theidigung beſtimmt waren, lagen großtentheils in Truͤmmern. Den 44. nahm das so. und ss. Regiment von den Forts auf der Seite des Nil, wo wir uns gelagert hatten, Beſitz. Die Anzahl der Franzoſen, wel⸗ che den folgenden Morgen Raoudha verlaſſen ſpll ten, belief ſich ungefaͤhr auf 12,000 Mann. Den 13 ritt ich nach dem Behaͤlter der Waſſerleitung am Nil⸗ ufer, wo ein Damm aufgeworfen wurde, um das Eindringen des Ril waͤhrend ſeines Wachſens bis zu einem beſtimmten Zeitpunkte zu verhindern, wo man den aufgeworfenen Damm mit großen Feierlichkeiten wieder niederreißt und das Waſſer mittelſt des Kanals, welchen Sararvden Fuͤrſten der Glaͤubigen nennt, durch Kahira fließen laͤßt. Auf dem Thorwege, welcher unter der Waſſerlei— 196 tung nach Alt⸗Kahira fuͤhrte, traf ich verſchiedene Saͤulen von rothgeſprengtem Granit an„von welchen einige noch ziemlich gut erhalten, uͤber 40 Fuß lang waren, und s Fuß im Durchmeſſer hatten. Ein Bad, welches ich beſuchte, unterſchied ſich von den Baͤdern zu Konſtantinopel dadurch, daß man in eine viereckige Ziſterne mit warmem Waſſer binabſteigen mußte, in welche beſtaͤndig Waſſer foß, welches bis zu einem beſtimmten Grade warm erhalten wurde. Der Voden aus Marmor glich einem getaͤfel⸗ ten Pflaſter. Der Fußboden in den meiſten vorneh⸗ men Haͤuſern zu Kahira iſt auf die naͤmliche Weiſe gepflaſtert, um dadurch eine angenehme Kuͤhlung zu bewirken. Nachdem die Franzoſen Kahira geraͤumt hatten, wurden ſie von tuͤrkiſchen und engliſchen Truppen be⸗ gleitet. Den a6. ritt ich nach dem Mekhias(Nil⸗ Meſſer) auf der Inſel Raondha. Er iſt eine hohe ſteinerne Saͤule, welche mit einem Kapital von koiin⸗ thiſcher Ordnung verſehen iſt. Sie ſteigt aus einem viereckigen tiefen Becken in die Hoͤhe, deſſen unterſter Theil mit dem Ril eine Verbindung hat. Wenn der Pil die Hoͤhe von 14 Ellen erreicht hat, ſo wird der Damm an der Muͤndung des ſogenannten Fuͤrſten der Glaͤubigen durchſtochen. XIII. Ungefaͤhr um dieſe Zeit machte ich mit einer Geſelſchaft eine Reiſe nach den Pyramiden von Dſchize, von welchen die drei vorzuͤg ichſten noch —————— —————— 197 ziewlich gut erhalten waren. Mehrere kleine hinter den Erſten liegen in der Richtung von Oſt nach Weſt ſehr nahe an einander. Unter den 3 großen Pyrami⸗ den iſt eine von ungeheurer Groͤße, die zweite wenig kieiner, als jene; die dritte ſteht beiden an Groͤße nach. Die kleinere dieſer 3 Pyramiden ſcheint mit unbe ſchreiblicher Muͤhe und Arbeit vollendet worden zu ſeyn, weil der Boden um ſie her auf allen Seiten mit großen Bloͤcken von ſchoͤnem, rothen Granit und Porphyr bedeckt iſt. Auf mehreren dieſer Bloͤcke ſieht man tiefe Furchen. Dieſe ungeheueren Deukmaͤler des Alterthums ſind aus einer kalkartigen Subſtanz erbaut, welche an einigen Stellen hart, an andern aber weicher iſt. An der groͤßten dieſer Pyramiden grub ich meinen Namen ohne Schwierigkeit ein, und folgte hierin dem Bei⸗ ſpiele von Tauſenden, welche auf dieſe Art ihren Beſuch an dieſem Drte zu verewigen geſucht hatten. Im Innern drang ich nur bis zu dem engen Gange vor. Die Pyramiden von Dſchize ſtehen etwa 10 M. gegen Suüͤd Weſt von Kahira auf einem hohen Fel⸗ ſenboden, welcher oben mit weißem Sande bedeckt iſt, und der den Ruͤcken der libyſchen Gebirgskette aus⸗ macht, welche die Ril⸗Ueberſchwemmung gegen Weſt begrenit. Ihre vier Seiten ſind nach den 4 Weltge⸗ genden gerichtet. Ueber die aͤußere Groͤße der großen Pyramide hat man viel geſtritten; da keine von ihren- 198 Seiten der andern gleich iſt, ſo war es ſchwer, die wahre horizontale Baſis zu ſinden. Die Laͤnge der angenommenen Baſis hat man ver⸗ ſchieden, von 600— 600 Fuß geſchaͤtzt. Inwendig uͤber der großen Kammer, in welcher der Sarkophag oder Kaſten ſteht, iſt eine kleinete Kammer, welche gegen 18 Fuß lang und bleit iſt. Dex erſte Eingang, durch welchen man in die Py⸗ ramide hinabſteigt, iſt über 00 Fuß lang. Der zur Lgrohen Kammer fuͤhrende Gang iſt beinahe eben ſo lang und die Hauptgallerie hat 160 F. in der Laͤnge. Ein engliſcher Ingenieur⸗Pffizier hat mir von der großen Kammer und von dem Sarkophage folgende, ſehr ge⸗ inue Meſſung mitgetheilt: 4 Breite derſelben.. Laͤnge des Sah 6 6 Breite ſeines Innern. Siefe deſfelben. 8 Aeußere Hoͤhe Die untern Dheile oder innern Grundlagen der Pyramide ſcheinen aus der Rinde der Fel⸗ ſen⸗Dberflaͤche gehauen werden zu ſeyn. Verſchie⸗ dene Stellen, wenn man durch die engen Gaͤnge geht, beweiſen dieſes. Bei unſerm Beſuche der Pyramiden war die Hitze außerordentlich ſtark. Etwa 200 Yards — 199 sſtlich von der großen Pyramide iſt die Sphinx. Das Geſicht dieſer ungeheuern Figur, welche gegen 25 F. hoch iſt, und deren Groͤße von dem Dhre bis zum Kinne 15 Fuß betraͤgt, iſt ziemlich gut erhalten. Die Meinung, daß der Sphinx⸗Kopf mit einem Koͤrper von gleicher Groͤße und gleichem Verhaͤltuiſſe verbun⸗ den ſey, widerlegten die Franzoſen durch ihre Nach⸗ grabungen. In der Naͤhe der Pyramiden trafen wir Spuren von mehreren alten Gebaͤnden, zu deren Baue man Steine von ungeheurer Groͤße genommen hatte. In einer dieſer Ruinen fanden wir einen geraͤumigen tie⸗ fen, aber ganz trocknen Brunnen. Der Triebſand und die Bruchſtuͤcke der Pyramiden, welche in großen Haufen auf der Erde aufgehaͤuft lagen, ließen uns nur mit Muͤhe der Lage dieſer Gebaͤnde folgen. Zwei Meilen nordwaͤrts von den Pyramiden konnte man die Ueberreſte von zwei ſteinernen Bruͤcken ſehen, und die 12— 14 Meilen entfernten Pyramiden zu Sakkara. In Geſellſchaft begab ich mich nach Dſchize und unterſuchte die Arbeiten und Feſtungswerke, wel⸗ che ſehr unvollkommen zu ſeyn und nur eine geringe Staͤrke zu beſitzen ſchienen. In Kahira feierten die Araber den Geburts⸗ tag der Mutter Mahomeds auf folgende Art: ſie zogen auf den Straßen mit Fackeln umher, ſangen grabiſche Lieder und trugen Figuten auf den Koͤpfen, 200 welche man zu dieſer Feierlichkeit angezogen hatte. Die arabiſchen Scheiks tranen gewohnlich einen weiten wollenen Mantel von dunkelblauer oder Purpurfarbe, nebſt einem großen blau und weiß geſtreiften Suche, welches ſie nachlaͤßig uͤber ihre Schultern herabhaͤngen laſſen. Gemeiniglich tragen ſie einen Degen und eine lange Lanze, und reiten auf ſehr fluͤchtigen Stuten. Auch wohnte ich einem großen Aufzuge von Weibern in Kahira bei, welche auf Eſeln, die mit Polſtern von einer ungewoͤhnlichen Hoͤhe und Breite bedeckt waren, uͤber welche kleine tuͤrkiſche Teppi he ſich aus⸗ breiteten, mit ausgeſpreitzten Beinen ſaßen. Die Ver⸗ anlaſſung dieſes Aufzuges war die nahe Hochzeit zweier Frauenzimmer, welche zum Zuge gehoͤrten, und durch reiche Schawls von der uͤbrigen Geſellſchaft ſich aus⸗ zeichneten. Man ſagte mir, daß unter den Einwoh⸗ nern von Kahira Sitte ſey, kurz vor der Hochzeit auf dieſe Art durch die Stadt zu reiten. Wegen der unertraͤglichen Hitze mußten wir uns ſo viel als moͤglich in den Haͤuſern halten, beſonders da uns die ſchattigen Spatziergaͤnge fehlten, die wir in der Tuͤrkei und Syrien gehabt hatten. Die einzigen Baͤume von irgend einer betraͤchtlichen Groͤße um Kahira ſind der Sykomor- und der Dattel⸗ Baum. Das Holz des erſteren wurde wegen ſeiner großen Haͤrte und Unzerſtorbarkeit im Alterthume zu Mumien⸗Kaͤſten gebraucht. Wenn die Frucht der Dat⸗ telbaͤume abgenommen wird, ſo iſt ſie hart und hat 201 eine roͤthliche Farbe. Laͤßt man ſie eine kurze Zeit lie⸗ gen, ſo wird ſie ſo reif und weich, daß man ſie eſſen kann. Die Araber eſſen ſie jedoch, wenn ſie noch roh und unreif iſt. Den 27. machte ich mich in Geſellſchaft der Herren Clarke und Cripps aus Suſſex, und des Teut⸗ ſchen von Hammer auf den Weg, um die Pyrami⸗ den zu Sakkara und die Mumien⸗Ebene in Ober⸗Aegypten zu beſuchen. Bei dem Kanale des Fuͤrſten der Glaͤubigen traten wir in eine Dſcherme, und langten nach einer ſehr angenehmen Reiſe bei dem Dorfe Sheik Atman an, welches 12— 14 Meilen von Kahira auf dem weſtlichen Nil⸗ ufer liegt. Wir wohuten einer Hochzeit bei und fanden, daß die Araber Nachts nicht in den Haͤuſern, ſondern wie im Sommer gewoͤhnlich iſt, außerhalb der Thuͤren ſich niederlegen. Sie liegen wie ein Heerde Schafe auf der Erde ausgeſtreut; die Kleider, welche ſie aus⸗ gezogen haben, breiten ſie unter ſich aus, und bedecken ſich vom Kopf bis zu den Fuͤßen mit einem großen Cuche, welches ſie bei Tage uͤber die Schultern ge⸗ worfen haben. Von Sheik Atman war unſere Reiſe zwiſchen der Menge kleiner Inſeln, welche der Nil gebildet hatte, hoͤchſt angenehm. An den ufern beſchaͤftigten ſich die Einwohner die hoͤher gelegenen Felder, wohin die Ueberſchwemmung nicht gekommen war, zu bewaͤſſern. Sie bedienten ſich hiezu lederner Eimer, welche an dem Ende einet langen Stange be⸗ 202 feſtigt waren; an dem andern Ende hing ein ſchwerer Stein, um das Gleichgewicht zu erhalten, und dadurch eine Art von Hebel hervorzubringen. Das Waſſer wurde dann in Troͤge gegoſſen und durch gezogene Furchen in die hoͤher gelegenen Laͤndereien geleitet. Bwiſchen den Nil⸗ufern herrſchte hier ein auffal⸗ lender Kontraſt; auf dem oͤſtlichen Ufer erblickte man wenig mehr als eine Wuͤſte, da der Anbau auf einem ſehr ſchmalen Landſtriche in der Naͤhe der Doͤrfer ein⸗ geſchraͤnkt war, und eine Kette hoher und unftuchtba⸗ rer Berge, die ſich mit dem Mokotam bei Kahira endigten. Auf dem weſtlichen Ufer dagegen ſah man eine betraͤchtliche Menge großer Dattelwaͤlder, zwi⸗ ſchen denen vortrefflich gebaute Felder lagen, Ver⸗ ſchiedene Dattelbaͤume gehoͤrten zu einer Zwergat, welche die Araber Belah Mahal nannten, zum Unterſchiede einiger, welche zwar groͤßer, aber doch immer noch zwergartig ſind und Belah Siway heißen. Wir liefen in einen kleinen Kanal ein und kamen zu den Doͤrfern Menshih und Daſchon, welche un⸗ gefaͤhr 24 Meilen von Kahira entfernt ſind und am Fuße eines Berges liegen, auf deſſen Gipfel wir die Pyramiden in der Naͤhe von Sakkara erblickten. Wir folgten in einer noͤrdlichen Richtung der Biegung des Kanals, und kamen in einen großen See, welcher durch die Neberſchwemmung entſtanden war, und ſich bis zum Dorfe Sakkara erſtreckte. In der Naͤhe 203 deſſelben befinden ſich die beiden vornehmſten Pyramiden, und in deren Nachbarſchaft liegt auf einer ſandigen An⸗ hoͤhe die Mumien⸗Ebene. Der untere Theil der An⸗ hoͤhe iſt ein harter Felſen⸗Grund. Ueber dieſen See in der Richtung von Bſt nach Weſt fuͤhrte ein Damm zu einem Dorfe, welches Sakkara gegenuͤber am Fuße der Pyramiden lag. Hier, wo dieſe anfingen, war zunaͤchſt am Dorfe eine ſteinerne Bruͤcke mit mehreren Vogen. Was den See belangt, ſo glaubten wir, daß er den Einwohnern von Memphis zur Veberfahrt ihrer Todten nach der Mumien⸗Ebene gedient habe. In dem nahe gelegenen Dorfe Buſir verſahen wir uns mit Pferden und Fuͤhrern, um unſere Reiſe nach den Pyramiden fortzuſetzen. Wir verſahen uns mit Strickleitern und Lichtern, und mußten bei dem Eintritt in den Brunnen einen ziemlichen Theil unſe⸗ rer Kleider ablegen. Als wir das Innere derſelben erreichten, machte die feierliche und neue Szene, wel⸗ che wir vor uns erblickten, einen ſchauerlichen Eindruck auf uns. In den unterirdiſchen Kammern lagen die Gebeine verſtuͤmmelter Mumien ſo beraubt und zer⸗ ſtoͤrt, daß wir keine ganze entdecken konnten. Einzelne Haufen nebſt Baͤndern und Gewaͤndern, in welche ſie eingewickelt waren, lagen durch einander. Letztere hatten Aehnlichkeit mit einer ſchwarzen harzigen Sub⸗ ſtanz. Die Luft in den Zellen, in welche wir einge⸗ drungen waren, war untein, ſtinkend und fuͤr unſere Empfindung hoͤchſt unangenehm. Die Zellen ſchienen in den dichten Felſen gehauen, und am obern Theile mit einer dicken Schicht von Sand uͤberzogen worden zu ſeyn. Der Eingang zu denſelben beſtand in einer viereckigen Deffnung in der Hoͤhe von ungefaͤhr 4 Fuß. Als wir in die Deffnung hinabſtiegen, mußten wir uns 14— 16 Fuß tief an einer Strickleiter hinablaſſen, und zwar nicht ohne Schwierigkeit und Gefahr. Von den Katakomben begaben wir uns zu den Vogelbrunnen, welche von erſtern beinahe eine Meile in nord⸗weſtlicher Richtung entfernt ſind. Die Deffnung war derjenigen nicht unaͤhnlich, welche wir beſucht hatten. Nach manchen Beſchwerden, welche uns der lockere Sand und die Bruchſtuͤcke von Steinen verurſacht hatten, gelangten wir mittelſt einer Strick⸗ leiter zu einer Heffnung, welche nicht groͤßer als un⸗ ſer Koͤrper war. Wir mußten auf dem Bauche ein⸗ kriechen, und bis zu dem Gange forttappen, welcher bis zu den Brunnen fuͤhrte, der 40— so Fuß betrug. In dem Gange fanden wir mehrere getrocknete Vaſen von getrockneter Erde, welche die Mumien der gehei⸗ ligten Voͤgel enthielten. Der Gang war klein und ſchmal und hatte ungefaͤhr 20 Ellen(Pards) in der Laͤnge. Endlich langten wir in einem etwas groͤßern Gange an, wo wir aufrecht ſtehen konnten. Nach einiger Beharrlichkeit erreichten wir die Kammer, in welcher ſich die Mumien in irdenen Ge⸗ faͤßen befanden, welche beinahe 2 Fuß hoch, ſchmal 205 und rund waren, und beilaͤufig die Geſtalt eines Zuckerhutes hatten. Sie ſtanden Reihenweiſe uͤber einander, und die Seiten des Ganges waren voͤllig damit gefuͤllt. Die Bruchſtuͤcke von den Gefaͤßen, in welchen man ehemals die Mumien aufbewahrt hatte, lagen auf dem Gange in ſolcher Menge zerſtreut, daß ſie Schutthaufen bildeten, uͤber welche wir auf Haͤn⸗ den und Fuͤßen eine betraͤchtliche Strecke fortkriechen mußten. In mehreren, noch voͤllig ganzen Geſchirren fanden wir den Schnabel, die Knochen, ja ſelbſt ver⸗ ſchiedene Federn der Voͤgel noch ziemlich gut erhalten⸗ Die Binden zu ihrer Erhaltung waren mit der naͤm⸗ lichen Harz⸗Materie und der Zuſammenſetzung von Spezereien umgeben, welche man bei den menſchlichen Körpern brauchte. Der Ibis der Alten iſt der naͤm⸗ liche Vogel, von dem Bruee eine umſtaͤndliche Be⸗ ſchreibung geliefert hat, und der noch bis auf den heu⸗ tigen Tag von den Argbern Abouhannes genaunt wird. Waͤhrend unſers Aufenthaltes im Innern des Brunnen verurſachten die unreine Luft und die uͤbel⸗ riechenden Duͤnſte eine ſolche Beklemmung auf der Bruſt, daß wir nur mit Muͤhe einigen Athem holten. In den unterirdiſchen Gaͤngen herrſchte damals ein⸗ folche Hitze, daß die ganze Haut unſers Koͤrpers mit Schweiß bedeckt war. Fuͤr dieſe Beſchwerden genoſſen wir von der Mumien⸗Ebene, welche auf einem ziemlich erhoͤhten Felſenhuͤgel liegt, auf der eine ziemlich große Menge Brunnen ſich befindet, eine 206 herrliche Ausſicht auf die umliegende Gegend. Auf der mit leichtem Sande bedeckten Pberflaͤche liegen Vruchſtuͤcke von Knochen, hoͤlzernen Kaſten, Stuͤcken von Leinwand, nebſt andern Gegenſtaͤnden, welche man mit ihnen aus den Brunnen gebracht hatte, in Meuge zerſtreut. Hier ſahen wir auch den Nil in ſeinen verſchiedenen Kruͤmmungen und die großen Strecken Landes, welche er uͤberſchwemmt hatte. Bei unſerer Ruͤckkehr kauften wir verſchiedene aͤgyptiſche Goͤtzenbilder, welche man in den alten Zeiten bei den Mumien aufzubewahren pflegte. XIV. Den so. Auguſt machte man zu Kahira ein Freudenfeuer weges des Sieges, den die engli— ſche Armee in der Naͤhe von Alexandrien uͤber die Franzoſen erhalten hatte. Die verſchiedenen Forts und Thuͤrme, welche die Franzoſen auf der Nord⸗ und der Nord⸗Oſtſeite von Kahira errichtet hatten, und die vorzuͤglich aus Holz erbaut waren, vernichte⸗ ten die Tuͤrden aus Mangel an Brennholz. Den 1. September machte ich eine kleine Reiſe nach Alt⸗Kahira, und beſuchte die Grotte, in welche die heilige Familie ſich vor den Nachſtel⸗ lungen des Herodes gefluͤchtet haben ſoll. Ueber der Grotte ſteht eine koptiſche Kirche, und nicht weit von dieſer die armeniſche St. Georgs⸗Ka⸗ velle, weil nach der Lage ein Theil von dem Leichna⸗ me dieſes Heiligen hier begraben worden ſeyn ſoll. In der Nachbarſchaft befindet ſich auch die Makarins⸗Kipche. 207 Bulak, nach welchem ich mich den 4. Septem⸗ ber begab, fand ich in einem ſehr zerſtoͤrten Zuſtande. Es hatte vormals mehrere ſchoͤne ſteinerne Haͤuſer, und war ein anſehnlicher Handelsplatz. Den 43. ritt ich nach Attar Ennabi(bei den Arabern Meſr At⸗ tar), und nach Diraetihr, zweien Doͤrfern auf dem oͤßlichen Nil⸗ufer gegen Suͤden von Alt⸗Ka⸗ hira. Bei meiner Ruͤckreiſe ging ich uͤber die Stelle, auf welcher vor alten Zeiten ein Theil von Alt⸗Ka⸗ hira ſtand, welches von ſehr betraͤchtlichem Umfange war. Zwiſchen dieſer Stelle und dem Berge Moka⸗ tam trift man die Ruinen einer Stadt an, welche die Araber Guijſcheh nennen. Auf meinem fer⸗ nern Wege nach Kahira ging ich uͤber den ſehr gro⸗ ßen Todtenacker der Mamelucken, welcher ehe⸗ mals der praͤchtigſte in Aegypten war. Jedes von den Begraͤbniſſen war mit einem Dome bedeckt, wel⸗ cher auf 4 hohen Saͤulen von Stein oder Marmor ruhte. Jede Familie ſcheint ihre beſondere Einfaſſung gehabt zu haben, welche mit ſteinernen Mauern um⸗ geben iſt. Die Uebergabe Alexandriens wurde 3 Lage binter einander feierlich begangen. An iedem Abende waren Erleuchtungen. Wir beſuchten den 29. in Ge⸗ ſellſchaft mehrerer engliſchen Ofſiziere die Pyramiden von Dſchize. Unſere Reiſe war außerordentlich an⸗ genehm. Der Nil hat die um uns liegenden Doͤrfer in eben ſo viele Inſeln verwandelt, welche einen aͤu⸗ 208 ßerſt maleriſchen Anblick gewoͤhrten. Die Einwohner, ſowohl Maͤnner, als Weiber und Kinder, ſchwammen von einem Dorfe zum andern, und trugen ihre Klei⸗ der auf dem Kopfe. Viele kamen nach den Pyrami— den, um ſich einen Bockfiſch oder Geld auszubitten. Bei der Vertheilung dieſer Geſchenke geriethen ſie oft mit einander in Streit, wie ſie das Geld theilen, und wie viel ein jeder erhalten ſollte. Wir fuhren zu Waſſer beinahe bis an den Fuß der Berge, auf wel⸗ chen die Phramiden ſtehen. Wir hatten bloß noch ei⸗ nen Weg von ungefaͤhr 10 Minuten zu machen, um zu den letztern zu kommen. Nachdem wir dieſe er⸗ ſtaunungswuͤrdigen Denkmaͤler der Kunſt zu unſrer Befriedigung unterſucht hatten, kehrten wir nach Ka⸗ hira zuruͤck. Auf dem Berge Mokatam, welchen die Araber Gibbel Guijſchih nennen, hatten wir eine herr⸗ liche Ausſicht auf Groß⸗Kahira, auf die umlie⸗ gende Gegend, und auf die große ausgebreitete Wuͤſte nach Suez. Wir bemerkten, daß die Nil⸗Ueberſchwem⸗ mung uͤberall auf dem ebenen Lande große Seen und Leiche gebildet hatte. Die Oberflaͤche des Mokatam beſteht aus einer Menge von Subſtanzen, unter wel⸗ chen ein gelber Kalkſtein, den man jedoch zum Baue der Haͤuſer brauchen kann, die vornehmſte iſt. An ei⸗ nigen Stellen ſtießen wir auf eine Miſchung von Schiefer und Sand; an andern trafen wir einen wei⸗ ten, woichen Kalkſtein, welcher, wenn die Sonnen⸗ 209 ſtralen auf ihn fielen, fuͤr das Auge ſehr empfind⸗ lich war. Auf der Hberflaͤche des Berges entdeckten wir an der Bildung von Spalten deutliche Spuren von Re⸗ gen. Waͤhrend unſers Nachſuchens trafen wir bloß eine einzige, in den Felſen gehauene und ausgepluͤn⸗ derte Katakombe an. Zu Kahira beſuchte ich auch das Gebaͤude, in welchem die ſchwarzen Sklaven beiderlei Ge⸗ ſchlechtes in kleinen Zellen, jedes Geſchlecht abgeſon⸗ dert, zum Verkaufe ausgeboten wurden. Dieſe un⸗ gluͤcklichen Geſchopfe wurden wie das Vieh zum Ver⸗ kaufe ausgeſtellt. Das Gebaͤude der weißen Skla⸗ ven fand ich nicht ſo elend und ſchmutzig, als dasſe⸗ nige, welches ich ſo eben verlaſſen hatte. Zur Zeit meines Beſuches waren keine Sklaven in demſelben. Der große viereckige Platz Birk⸗et⸗il⸗Fil im Mittelpunkte von Kahira war durch die Ueberſchwem— mung des Nil in einen großen See verwandelt wor⸗ den. Auf dem Bazar kaufte ich einen gelben Stein, welcher ein etwas weiches Gewebe hat, auf dem Mo⸗ katam gefunden wird, und von den Arabern Sußf genannt wird. Die Araber bedienen ſich deſſelben, um die Pferde von der Raude zu heilen. Sie ſtoßen den Stein klar, verwandeln ihn in einen Teig und 42teß B. Aegypten. III. 2. 2 2¹0⁰ beſtreichen das Thier ganz damit. Nach s Tagen wer⸗ den die Pferde wieder abgewaſchen. Den 2. Dktober ſchifften wir uns auf einem Schiffe mit 12 Rudern nach Alerandrien ein, und kamen von Bulak nach Shellakan, wo wir uͤber⸗ nachteten. Den 4. ſetzten wir unſere Reiſe auf dem Kanale von Menuf fort, welchem Drte wir gegen⸗ äber landeten, und die Stadt beſuchten. Der Nil patte das ganze umliegende Land ſo vollig uͤberſchwemmt, daß das Waſſer zwei Doͤrfer gaͤnzlich mitgenommen hatte. Menuf beſteht, wie alle unbedeutenden Staͤdte unter⸗Aegyptens, aus Lehmhuͤtten⸗ welche ein ſehr elendes Anſehen haben. Sie hat eine Manufaktur von ſchoͤnen Matten⸗ Zu Benofah ſtiegen wir an das Land, und fan⸗ den die Einwohner mit Zubereitung des Indigo be⸗ ſchaͤftigt. Hier hatte ich auch Gelegenheit, die Kuchen zu unterſuchen, welche man aus dem Bodenſatze der klar gepochten und zerbeitzten Pflanze macht. Den s. kamen wir in dem vormals ſehr anſehnlichen Handels⸗ orte Fua, welcher auf dem öoͤſtlichen Nil⸗Ufer im Delta liegt, an. Die Haͤuſer aus rothen Backſtei⸗ nen erbaut und mit weißem Moͤrtel angeſtrichen, uͤber⸗ trafen bei weitem die Haͤuſer, welche man in Aegyp⸗ ten antrift. Die Nacht brachten wir, wie gewoͤhn⸗ L lich, in unſerem Fahrzeuge zu, und wurden fuͤrchter⸗ lich von Moskiten und Sandfliegen geplagt. Von Raſchid machten wir uns den 7. auf den Weg nach Alerandrien. Als wir durch die Wuͤſte reiſten, trafen wir die Veberreſte von 12, ans Ziegel⸗ ſteinen erbauten Saͤulen an, welche den Reiſenden zum Wegweiſer dienen ſollten. Der Weg, welchen wir nach der Seekuͤſte einſchlugen, war ſehr angenehm. Die Ausſicht, welche wir vor uns hatten, wurde bis⸗ weilen durch die große Menge verſtuͤmmelter Leich⸗ name und abßeriſſener einzelner Gebeine getruͤbt, die am Strande zerſtreut lagen und zum Beweiſe der haͤu⸗ figen Schiffbruͤche dienten, und die ihre Zerſtoͤrungen mit den Ungluͤcksfaͤllen vereinigt hatten, welche ſich bei Gelegenbeit der Reiſen durch die Wuͤſte zugs⸗ tragen. Bei der Karawanſerai angelangt, mußten wir auf einem Floß fahren, weil der reißende Strom, welchen das Steigen des Nil verurſachte, die Schiff⸗ bruͤcke weggeriſſen hatte, welche der engliſche Ober⸗ befehlshaber hatte ſchlagen laſſen, um den Verkehr zwiſchen Alexandrien und Raſchid zu erleichtern. An dieſer Stelle hatten ſich die franzoſiſchen Truppen, nach der Uebergabe von Kairo, nach Frankreich ein⸗ geſchifſt. Als wir uns einſchifften, wurde der Strem durch das Waſſer des Sees Edko, der ſich in das Neer ergoß, außerordentlich reißend. Glücklich ſetzten wir hinuͤber, und nahmen unſern Weg nach dem Blockhauſe, wo wir uͤbernachteten. Den s. langten wir, den See Abukir hinauf, am engliſchen Lager an, und ſtiegen bei dem Artille⸗ rie⸗Depot an das Land. Unſer Zelt ſchlugen wir ge⸗ rade an der Stelle, auf welcher am 13. Maͤrz die Schlacht vorgefallen war. Den ao. ritten wir nach dem Lager auf der Weſt⸗ ſeite von Tlexandrien, und genoßen den Anblick der ſogenannten Pompeius⸗S ͤule, welche in den alten Zeiten in der Mitte Alexandriens kand. Jetzt iſt ſie wenigſtens eine Meile von der neuen Stadt gleiches Namens entfernt. Sie iſt eine ſehr ſchöne Saͤule von korinthiſcher Ordnung; der Schaft allein iſt 9o Fuß hoch, und die Hoͤhe ſeiner Grund⸗ lage betraͤgt s Fuß. Letztere ließ ein tuͤrkiſcher Gon⸗ verneur vor unſerm jetzigen Beſuche ausbeſſern. Dben guf der Spitze hing eine franzoſiſche Freiheits⸗Mütze, welche die Englaͤnder nachher abnahmen. Die Saͤule beſteht aus drei verſchiedenen Theilen von rothem Granit. Nicht weit von derſelben befindet ſich in der Naͤhe die Saͤule oder Nadel der Kleopatra, und nahe tei dieſer eine andere Spitz⸗Saͤule, welche gleichfals aus einem Stuͤcke rothen Granits beſteht, aber nicht * L 2¹13 aufrecht, ſondern auf der Erde liegt. Die Hierogly⸗ phen auf beiden ſind ſehr tief in den Stein gehauen, und noch ſehr gut erhalten; bloß die aufrecht ſtehende Säule wurde an der Oſtſeite durch die heißen Winde ihrer Dberſlache entblattert. Den a. ritten wir nach Alexandrien, und is wir durch das See⸗Thor kamen, ſahen wir den Ruͤcken einer Hand eines Granit⸗Koloſſes, welche von dem Knoͤchel bis zum Gelenke gegen eine Elle maß. Die Franzoſen brachten ſie aus Dber⸗Aegypten mit, und man vermuthete, ſie habe zu dem Koloſſe gehoͤrt, welchen man in dieſer Gegend zur Ehre Memnons errichtete. Sie hat noch immer eine ſchoͤne Politur. In ihrer Naͤhe befanden ſich noch mehrere ſchoͤne Veberreſte aus dem Alterthume. Auf unſerer Reiſe nach Raſchid ſchlugen wir den Wes an der Seeſeite ein, und als wir uns Edko naͤherten, gelangten wir zu einem Tharubut(Ka⸗ pelle), in deſſen Schatten wir Halt machten und Er⸗ friſchungen zu uns nahmen. Gewoͤhnlich findet man an einer ſolchen Stelle einen Brunnen. Von Raſchid kamen wir ber Hamet, Bulak nach Kahira. XV. Groß⸗Kahira, die Hauptſtadt Aegyp⸗ dens, bei den Arabern Meſroder Meſſer, liegt auf dem oͤſtlichen Nil⸗Ufer unterhalb des Berges Mo⸗ katam, an deſſen Fuß ſie reicht. Ihre Entſernung vom Nile betraͤgt beinahe eine Meile; ſie iſt mit einer Mauer umgeben, deren Umfang etwa drei Stunden betraͤgt. Die Zitadelle auf dem hoͤchſten Theile der Stadt unter dem Mokatam, welcher bei den Ara⸗ bern Gibbel Girgis heißt, ſoll nach einigen der Sultan von Aegypten Salah⸗ed⸗din vor 700 Jahren haben erbauen laſſen; andere hingegen ſetzen ihre Er⸗ bauung in ein weit fruͤheres Zeitalter, und glauben, daß ſie in der bluͤhenden Zeit Altengriechenlands errichtet worden ſey und einen Theil des aͤgypti⸗ ſchen Babylon ausgemacht habe. Sie nimmt einen großen Umfang ein, und enthaͤlt viele eingefallene Haͤuſer, deren viele ehemals eine große Pracht verrie⸗ then, da ſie die Sultane von Aegypten bewohnten. So furchtbar auch die Zitadelle fuͤr die Einwohner von Kahira ſeyn mag, ſo hat ſie doch im Falle einer regelmaͤßigen Belagerung keine vortheilhafte Lage, weil ſie ganz von dem Berge Mokatam beherrſcht wird. Die Franzoſen beſſerten an vielen Stellen die in Verfall gerathenen Mauern aus, und errichteten auch an verſchiedenen andern Brten Schutzwehren. In der Zitadelle iſt auch eine Muͤnie, in welcher Gold⸗ und Silber⸗Muͤnzen mit dem Wappen der Stadt gepraͤgt werden. Das Silbergeld iſt aber ſo verfalſcht, daß der Antheil von Silber, welcher daſſel⸗ be enthaͤlt, nicht uber 25 Prozent betragt. 2¹5 Die Straßen Kahiras ſind außerordentlich enge, gewaͤhren aber eben dadurch den Einwohnern einen faſt ununterbrocheuen Schatten. Auch werden ſie durch haͤufiges Beſprengen mit Waſſer kuͤhler und ange⸗ nehmer. Waͤhrend die Großen und Reichen der Stadt ſchwelgen, arbeitet die zahlreiche Klaſſe der armen Einwohner, unter einem Obdache gegen die gluͤhen⸗ den Stralen der Sonne geſchuͤtzt, unaufhoͤrlich, und ſieht immer heiter und frohlich aus. Dieſe ſehr arme Volksklaſſe ſchläͤft und wohnt mit ihren Thieren in Schmutz und Elend. Die Palaͤſte der Beys ſind ge⸗ raͤumig und mit hohen Mauern umgeben; ſie haben einen großen Eingang und keine Fenſter, wenigſtens nicht nach Außen im Erdgeſchoße. Die Moſcheen nahmen zu Kah ira große Stre⸗ cken ein, und ſind ſehr zahlreich. Die Minarets der Moſcheen haben in der Ferne ein ſchoͤnes Anſehen, die WMoſcheen aber ſtehen denen zu Konſtantinopel weit nach. Die Laͤnge der Stadt betraͤgt von Nord gegen Suͤd ungefaͤhr 14/2 Stunden, ihre Breite beilaͤuſig nur eine Stunde. Unter ihren Thoren iſt Bab⸗el⸗ Naſſer, das berühmteße. Auf jedem Kaffee⸗Hauſe befinden ſich eine oder Wg mehrere Improviſatoren, welche nach dem Male 216 ihrer Geſchſcklichkeit im Erzaͤhlen belohnt werden. Auch ſieht man ſie in dem elendeſten und jaͤmmerlich⸗ ſten Zuſtande auf den Straßen, wo ſie zuweilen als Unterſcheidungszeichen eine Binſen⸗Kappe auf dem Kopfe tragen, und die Voruͤbergehenden durch ſchmei⸗ chelndes Lob in Kontribution ſetzen. Die Zahl der Einwohner ſchien ſehr anſehnlich zu ſeyn. Die engen Straßen ſind immer mit Fußgaͤn⸗ gern angefuͤllt. Der Joſephs⸗Brunnen mit ſuͤßem Waſſer in der Sitadelle ſoll von dem Kaliphen Salah⸗eddin, welcher auch Joſeph hieß, erbaut worden ſeyn, und nicht, wie einige glauben, von Joſeph, dem ſoge⸗ nannten aͤgyptiſchen, noch weniger von dem Va⸗ ter unſers Erloͤſers. Ein großes Gebaͤude, Joſephs⸗ Palatt genannt, in der Zitadelle, vermuthlich der Aufenthalt des Kaliphen Joſeph, enthaͤlt noch ver⸗ ſchiedene Spuren ſeines ehemaligen Glanzes. Beſon⸗ ders gibt es ein Zimmer mit Muſſiv⸗Arbeit, welches jetzt in eine Tuchfabrik verwandelt iſt. Das hohe Al⸗ ter dieſes Palaſtes beweiſen ie Namen der alten aͤgyp⸗ tiſchen Regenten, deren Buchſtaben man an den Mauern eingehauen ſieht. Der Joſephs⸗Brunnen iſt nicht weniger als 28o engliſche Fuß tief; ſein umfang betraͤgt 40 Fuß. Eine Wendeltreppe, welche wie der Brunnen in den † 5 217 Felſen gehauen iſt, fuͤhrt in denſelben hinab. Das etwas ſalzige Waſſer wird durch große Raͤder, an welche man irdene Gefaͤße befeſtigt hat, von Dchſen und Buͤffeln herauf gedreht. Die Eefaͤße leeren ſich von ſelbſt in einen Trog. Auch der Nil verſorgt die Einwohner mit Wal⸗ ſer, welches durch eine betraͤchtliche Anzahl von Men⸗ ſchen in waſſerdichten Schlaͤuchen auf Kamelen und Eſeln in die Stadt gebracht wird. Die Einwohner Kahiras beſtehen, wie in den andern Staͤdten und Flecken Aegyptens, aus einer Miſchung von Arabern, Kopten, Griechen, Ar⸗ meniern, Tuͤrken und Mamelucken. Die Ara⸗ ber machen bei weitem die zahlzeichſte Klaſſe aus; ihre Sprache iſt jene des Landes, und wird zu Ka⸗ hira faſt ausſchließlich beibehalten. Die Sprache der Kopten iſt beinahe ausgetorben. Die arabiſchen Einwohner in Kahira ſind ſehr thaͤtig, gut proportionirt, und von einer ſehr ſchlan⸗ ken Geſtalt. Die Weiber der untern Klaſſen nehmen an allen Arbeiten einen thaͤtigen Antheil, und haben eine dunkle, blaſſe Geſichtsfarbe nebſt Zuͤgen, welche Eckel zu erregen im Stande ſind. Sie heirathen ſehr fruͤhzeitig, und haben eine große Menge Kinder, welche wegen der ſchlechten Umſtaͤnde, in denen ſie ſich befin⸗ den, jaͤmmerlich und elend ausſehen. Ihr Geſicht iſt . 218 blaß und welk und hat eine Leichenfarbe. Sie leiden ſehr an Augen- und Gekroͤſe⸗Krankheiten. Selbſt die Kinder der hoͤhern Klaſſen der Europaͤer in Kahira haben ein bleiches und kraͤnkliches Ausſehen, und koͤn⸗ nen nur mit Muͤhe groß gezogen werden. Viele junge Leute werden von den Blattern weggerafft. Der Anzug der Frauenzimmer aus den untern Klaſſen beſteht aus einem langen blauen Hemde; ſie tragen weder Struͤmpfe, noch Pantoffeln. Ein ſchwar⸗ zer Seidenzeug vertritt die Stelle des Schleiers, ſo zwar, daß man außer den Augen kaum einen Theil ihres Geſichtes ſehen kann. Mit einer Schminke, welche Alquifoux heißt, werden die Augenlieder ſchwarz gefaͤrbt. Das Kinn iſt blau geſchminkt; die Finger erhalten von der Henne eine rothe oder dun⸗ kel⸗vrangegelbe Farbe. Um die Handgelenke traͤgt man Armbaͤnder von buntem Glaſe, und an den Fingern große Ringe. Die Dhren ſind mit Ringen geſchmuͤckt, an welchen bisweilen noch Geldſtuͤcke herab haͤngen⸗ Die Frauenzimmer hoͤheren Standes kleiden ſich beinahe nach tuͤrkiſchem Geſchmacke. Bisweilen tragen ſie auch einen großen ſchwarzen Mantel, welcher bei⸗ nahe den ganzen Koͤrper bedeckt, und bis auf die Fer⸗ ſen ſich zieht. Zu den verſchiedenen Waaren, welche man zu Kahira verfertigt, gehoͤren weiße und bunte Baum⸗ 2¹9 wollen⸗Zeuge, Shawls, ſeidene und wollene Sack⸗ tuͤcher, nebſt einer Menge Sattler⸗Waaren und Sti⸗ ckereien. Die letztern werden mit großem Geſchmache und vieler Schoͤnheit ausgefuͤhrt. Die Artikel, welche aus Aegypten nach Eu⸗ ropa gefuͤhrt werden, ſind: Reis, Kaffee, verſchie⸗ dene Farbe⸗Waaren, rohe und andere Seide, Del⸗ Seife, Leder u. ſ. w. nebſt Datteln, Mandeln und getrockneten Fruͤchten. Zum Zeitvertreibe der Bewohner K Kahiras ge⸗ boͤren die Taͤnze, welche die Almers(oͤffentliche Taͤnzerinnen) auffuͤhren, dann die Beluſtigungen der Gaukler und Taſchenſpieler. Alt⸗Kahira(Meſr Attax) ungefaͤhr 4 1/2 Meile gegen Suͤden von Groß⸗Kahira entfernt, iſt we⸗ gen ſeiner ſehr bequemen Lage am oͤſtlichen Nil⸗Ufer einer der vorzuͤglichſten Getreide⸗Maͤrkte geworden. Bulak, am oͤſtlichen Nil⸗Ufer, ungefaͤhr 111 bis 2 Meilen gegen Nordweſt von Groß⸗Kahira, iſt der Haupt⸗Hafen fuͤr diejenigen Schiffe, welche aus Unter⸗Aegypten kommen. Vormals war es ein ſehr großer und volkreicher Ort; aber durch die Verheerungen der Franzoſen wurde der groͤßte Theil der Haͤuſer in Ruinen verwandelt. Die Vorſtaͤdte oder vielmehr Doͤrfer, welche gegen Norden an die Mauern von Kahira ſtoßen, befinden ſich ebenfalls in einem ſehr verfallenen Zuſtande, weil die Haͤuſer von den Franzoſen zerſtoͤrt wurden, um die Stadt in einen beſſern Vertheidigungsſtand ſetzen zu koͤnnen. Gegen Suͤden von Groß⸗Kahira, und zwar unmittelbar bei Alt⸗Kahira, leitete eine ſehr ge⸗ raͤumige Waſſerleitung von nicht weniger als 300 Bo⸗ gen das Waſſer aus dem Nile nach dem Palaſte des Paſcha in die Zitadelle. Die Franzoſen fuͤllten die Zwiſchenraͤume zwiſchen den Bogen aus, und machten ſie auf dieſe Art zu einer Schutzwehr. Was die Natur⸗Erzeugniſſe in dieſem Theile Aegyptens betrifft, bemerken wir Folgendes: Die aͤgyptiſchen Pferde zeichnen ſich eben ſo ſehr durch ihre vortrefflichen Eigenſchaften, als durch ihren ſchoͤnen ſymmetriſchen Bau aus. Die Mamelucken und die Tuͤrken ſind zu Kahira die einzigen Perſonen, welche auf Pferden reiten duͤrfen, die uͤbrigen Einwohner muͤſſen ſich der Eſel und Mauleſel bedienen. Die Frauenzimmer reiten, wie die Maͤnner, mit ausgeſpreitzten Beinen, und gleichen in ihrem ſchwar⸗ zen und dunklen Anzuge einer Maske in einem ſchwar⸗ zen Domino. Kamele und Eſel werden zu Laſtthieren gebraucht. Die Kuͤhe und Ochſen ſind ſchoͤn, aber klein. Die ſehr ſchoͤnen Ziegen geben viel Milch, und haben außerordentlich lange Ohren. 21 Das Obſt, welches man zu den verſchiedenen Jahreszeiten erhalten kann, iſt zwar in Menge vor⸗ handen, hat aber nicht durchgaͤngig einen angenehmen und lieblichen Geſchmack; dieß gilt votzuͤglich von den Pfirſchen und Aprikoſen. Limonien, ſaure Zitronen, Drangen, Feigen, Bananen, Datteln, Mandeln und Granataͤpfel wachſen in großer Menge. Die Limo⸗ nien, Brangen, Weintrauben und Waſſermelonen ſind von einer vorzuͤglichen Guͤte. Unter den Pflanzen⸗Gewaͤchſen gibt es Zwiebeln, welche ganz vortrefflich ſind, Kuͤrbiſſe, Gurken, Man⸗ gold, Bamiers oder Okres, Rettige, Aaronswurzel oder Culkas, eine Art von Yamswurzel, welche ge⸗ kocht einige Aehnlichkeit mit den Pataten hat; Spi⸗ nat, Artiſchoken und Bizleian. Dieſes Gewaͤchs ſieht purpurroth aus, hat eine zunde Geſtalt, und ſcheint eine Art von Eierpflanze zu ſeyn⸗ In allen angebauten Theilen Aegyptens fallen die Weitzen⸗, Gerſten⸗, Reis⸗, Durra⸗, Lupinen⸗, Linſen-, Flaths⸗, Voinen⸗, Indigo⸗ und Saflor⸗ Ernten reichlich aus. Das Getreid wird, wie in Soy⸗ rien, getreten und auf Handmuͤhlen gemahlen. Die Defen werden mit dem Strohe der indianiſchen Koͤr⸗ ner mit Saflorſtengeln und Rohrpflanzen geheitzt. XVI. Als wir den 21. Oktober von unſerer ale⸗ randriniſchen Reiſe nach Kahira zuruͤck kamen, fan⸗ 222 den wir, daß waͤhrend unſerer Abweſenheit eilf Ma⸗ melucken⸗Beys verhaftet wurden, und im Palaſte des Groß⸗Vezier gefangen ſaßen. Man ſagte uns, es ſey auf Befehl des Sultan geſchehen, zugleich ſetzte man hinzu, daß zur naͤmlichen Zeit auch die uͤbrigen Beys zu Alerandrien verhaftet worden ſeyen. Dieſes unerwartete, hoͤchſt wichtige Ereigniß ging in der Hauptſtadt Aegyptens, deſſen Land die Mamelu⸗ cken ſeit der tuͤrkiſchen Beſitznahme beinahe 300 Jahre regiert hatten, ohne Tumult und Aufſtand vor. Se⸗ lim Bey, einer der Mamelucken⸗Beys, uͤberlieferte ſich dem engliſchen Befehlshaber zu Dſchize, dem Dberſten Ramſay ſelbſt. Den 29. gewaͤhrte der Aufzug, welcher das Ka⸗ mel begleitete, das den Leppich fuͤr die Kaaba zu Mekka zu tragen beſtimmt war, den Einwohnern zu Kahira ein ſehr wichtiges und feierliches Schauſpiel. Voraus gingen die Chaous des Groß⸗Vezier, gleich nach dieſen der Kadi in Begleitung einer großen Menge Derwiſche mit ihren geheiligten Fahnen. Hier⸗ auf kamen mehrere der vornehmſten Pffiziere des Groß⸗ Vezier mit Zuͤgen von Muſikanten und fliegenden Fahnen. Tahir⸗Paſcha und eine große Menge be⸗ waffneter Leute begleiteten den Aufzug. Auf Baaren trug man gruͤne, ſchoͤn mit turkiſchen Buchſtaben ge⸗ ſtickte Zeuge. Das Kamel, welches das geheiligte X 223 Tuch auf dem Ruͤcken trug, hatte Federbuͤſche auf dem Kopfe; ſeinen Koͤrper bedeckte ein geſticktes gruͤ⸗ nes Tuch. Als man durch die Straßen zos, zeigten die Einwohner eine große Begierde, einen Theil des Tuches zu beruͤhren. Andere Kamele, deren jedes mit einem einfachen gruͤnen Luche bedeckt war, folgten mit Kaͤſten nach, in welchen ſich der Schatz befand. Waͤhrend des Zuges ſangen die Prieſter Lieder aus dem Koran; den Zus ſelbſt beſchloß ein Korps bewaff⸗ neter Reiter. Vor der Ankunft der Franzoſen begleitete das ge⸗ heiligte Tuch die Karawane, welche jaͤhrlich nach Mekka zieht. Dieſe Einrichtung, welche jetzt er⸗ neuert wurde, war in den letzten drei Jahren unter⸗ blieben. Deu s. November ritt ich nach dem ungefaͤhr s Meilen ſudlich von Kahira liegendem Dorfe Baſ⸗ fatih. In der Nachbarſchaft deſſelben war der Bo⸗ den von dem neulich gefallenen Regen befeuchtet, ob⸗ ſchon in dem nahen Kahira eine faſt beſtaͤndige Tro⸗ ckenheit geherrſcht hatte. Den 22. beſuchte ich das Dorf Attar Ennabi. Das Waſſer war ſchnell und ſo betraͤchtlich gefallen, daß das Land groͤßtentheils wieder frei war. Die Einwohner ſaeten alle Arten von Getreide auf die Felder, welche hinlaͤnglich uͤber⸗ ſchwemmt worden waten. Der Monat November 24 war kuͤhl und feucht; es herrſchten Nebel und ſielen des Morgens ſtarke Thaue, welche bei den engliſchen Truppen haͤuſig intermittirende Fieber veranlaßten. In den Monaten November und Dezember ma⸗ chen die Suͤdwinde, die gewoͤhnlich um dieſe Zeit in Aegypten herrſchen, und die uͤber eine große Strecke von der Ueberſchwemmung angefeuchteten Landes ge⸗ hen, die Atmosphaͤre kalt und rauh. Dagegen herrſcht im Juli und Auguſt bei den Suͤd- und Suͤd⸗Oſt⸗Win⸗ den eine ſo außerordentlich große Hitze, daß man bei⸗ nahe erſticken moͤchte. Den 12 beſuchte ich mit einer Geſellſchaft Ma⸗ tarea, Heliopolis und den Pilgrimſee, wel⸗ cher bei den Arabern Birket⸗el⸗Hadgi heißt. Er iſt ſehr groß, hat mehrere Stunden im Umfange, und iſt von Dattelwaͤldern umgeben. Die gruͤnen ufer des Sees, welche mit zahlreichen Heerden von Schafen, Ziegen und Buͤffeln bedeckt wagren, gewaͤhrten uns eine herrliche und maleriſche Szene. Das Dorf Hallouan in Pber⸗Aegypten, etwa s Stunden von Kahira entfernt, ſteht auf der Stelle, wo ſich anfangs der Mekkial befand, ehe er nach der Inſel Ravudha verlegt wurde. Dieſes Dorf iſt ſo arm und elend, wie alle uͤbrigen aͤgypti⸗ ſchen Doͤrfer. Noͤrdlich von Hallouan liegt das Dorf Maſſer, bei welchem die erſte Barriere von Ober⸗Aegyp⸗ 225 ten iſt. Sie beſteht in einer Mauer von Steinen mit mehreren Thuͤrmen, welche ſich von dem oͤſtlichen Nil⸗Ufer bis an die Berge erttrecken. Der Reis⸗Effendi ſchenkte mir um dieſe Zeit eine Mumie, welche aus den Katakomben von Sakara gekommen war. Die Perſon, 16— 48 Jahre alt, be⸗ fand ſich in einem leidlich gut erhaltenen Kaſten, wel⸗ cher aus Sykomorholz gemacht war. Sein Deckel war mit einer Menge hieroglyphiſcher Gemaͤlde und ande⸗ rer aͤgyptiſcher Figuren geſchmuͤckt. Den 26. machte ich eine Reiſe nach dem Dorfe Turrah, das gegen s Meilen von Kahira in dem an den Nil ſtoßenden Gebirgs⸗Lande liegt. Ein Theil von der Mauer, die am Nil⸗ufer aufaͤngt, und die Graͤnzen zwiſchen Ober⸗ und Nieder Aegypten macht, geht an dieſem Dorfe vorbei. Auf dem duͤrren und holperigen Berge, auf welchem die Mamelucken ein Kaſtell errichtet hatten, hatte ich eine ſehr ſchoͤne und weite Ausſicht auf die Weſtſcite des Nil, wie auf Kahira und eine große Menge von Doͤrfern. Das neulich geſaͤte Getreide gab den Feldern ein blaßgrunes Anſehen, das in Ver⸗ bindung mit dem dunklen Laube der Baͤume und Ge⸗ ſraͤuche die Szene ſehr mannigfaltig machte. Sie war lebhafter, als ich ſie noch bisher in Aegypten geſe⸗ hen batte. Das Kaſtell, welches die Frantoſen inne hatten. 42t4 B. Aegypten. III. 2. 8 hat gar keine Vertheidigungswerke mehr, welches je⸗ doch nicht von den Franzoſen, ſondern von den Tür⸗ ken, den Meiſtern im Zerſtoren kommt. Es iſt unge⸗ faͤhr eine Meile vom Nile entfernt, und war zur Zeit ſeiner Errichtung zum Schutze der Barriere vortreff⸗ lich berechnet; dieſe hat ebenfalls zwei kleine Verthei⸗ digungs⸗Werke. Auf der Oſtſeite des Niles, wo das Dorf Tur⸗ rah ſteht, iſt das Land keineswegs ſo gut angebaut, als auf dem weßtlichen Ufer. Auf dem oͤttlichen beſteht das Land großtentheils aus Felſenhoͤhlen oder Wuͤſte⸗ neien, der Anbau deſſelben iſt daher hauptſaͤchlich auf die Gegend am Fluße beſchraͤnkt, oder auf die mehr beguͤnſtigten Stellen, welche man zur Anlegung von Doͤrfern gewaͤhlt hat. Den s. Januar asoꝛ reiſte ich in Geſellſchaft nach . Dſchize, und machte einen Ritt nach dem Dorfe Menawarr, das nicht weit von Sakkara liegt. Das Land, durch welches unſere Reiſe ging, hatte durch das Getreide, welches uͤberall aufgings, einen heitern Anblick bekommen. Waͤhrend des Ramazan und des darauf folgen⸗ den Beiram⸗Feſtes waren zu Kahira Abends die Straßen erleuchtet; allein dieſe Erleuchtung machte keine ſo große Wirkung, als zu Konſtantinopel⸗ 227 Den 3. Februar erhielten diejenigen Offiziere von der militaͤriſchen Geſandtſchaft, welche noch nicht be⸗ ſchenkt worden waren, von dem Groß⸗Vezier im Na⸗ men des Sultan goldene Medaillen. Bei dieſer Ge⸗ legenheit reichte man nach orientaliſcher Sitte Kaffee und Erfriſchungen herum. Ich erhielt von dem Groß⸗ Vezier fuͤr die ihm und ſeinen Leuten geleiſteten Dienſte, ein Empfehlungs⸗Schreiben an den engliſchen Geſandten zu Konſtantinopel, Lord Elgin⸗ XVII. Den 14. Februar war der Himmel ſo truͤbe, daß die Sonne voͤllig verdunkelt war. Dieſes iſt ein ungewoͤhnlicher Fall, welcher aber den Vor⸗ theil hatte, daß die Luft kuͤhl, erquickend und ſehr angenehm war. Den 1s. ſegelte ich mit einer Geſek⸗ ſchaft in einem bedeckten Fahrzeuge bei einem friſchen Nordwinde den Nil bis zu dem Dorfe Bedera⸗ ſchihn hinauf, welches bei 14 Meilen von Kahira entfernt iſt, und Hallouan gerade gegenuͤber liegt. Von dieſem Dorfe begaben wir uns zu dem elenden Dorfe Metrahenuvy(Metterhenné), welches da⸗ durch merkwuͤrdig wird, daß es auf der Stelle des alten Memphis ſtehen ſoll. uchoreus ſoll dieſe beruͤhmte Stadt erbaut, und nach ſeiner Tochter be⸗ nannt haben. Letztere war die Gemahlin des Nilus, von welchem der Nil ſeinen Namen hat, und gebar ihm einen Sohn, Namens Aegyptus, von welchem das Land den Namen erhielt⸗ N 223 Metterhenne liegt gegen Oſten, drei Meilen von Sakkara; ſeine Entfernung von den Pyramiden betraͤgt 6— Meilen. In ſeiner Nachbarſchaft, be⸗ ſonders auf der Nord- und Dſiſeite lagen mehrere Bruchſtuͤcke von Granit mit Hieroglyphen auf der Erde, welche Bruchſtuͤcke von großen Saͤulen, und verſchiedene Arten von Bauverzierungen zu ſeyn ſchie⸗ nen. Auf der Oſtſeite des Dorfes liegen große, hohe Schutthaufen parallel von Norden nach Suͤden. In Aegypten trifft man uͤberall auf Stellen, wo ein alter Flecken oder eine alte Stadt geſtanden war, ſol⸗ che betraͤchtliche Schutthaufen an. An der Außenſeite dieſer Schutthaufen, und zwar öſtlich von Metter⸗ henne fanden wir die Spuren einer ſehr dicken Mauer, welche offenbar ein Werk aus dem hohen Alterthume war. Die Mauer war aus einem Kalk⸗ ſteine erbaut, welcher derjenigen Art, die man auf dem Mokatam findet, nicht unaͤhnlich ſah. Wahr⸗ ſcheinlich hatte man auch dieſe Steine von daher go⸗ holt. Die Backſteine waren ſo zerbrechlich, daß ſie Kohlen⸗Maſſen glichen. Bei dem Baue ihrer Mauern legten die Alten die Backſteine parallel. Die Mauer war auf eine ſolche Art erbaut, daß ſie den verfallenen Mauern, welche ich ſchon zu Konſtan⸗ tinopel und in der Nachbarſchaft von Alexan⸗ drien geſehen hatte, ſehr aͤhnlich war. Man ver⸗ muthete, daß letztere zu dem Gebaͤnde gehoͤrt hatten, W in welchem die Bibliothek der Ptolemaͤer ſich befand. Aus dieſen verſchiedenen Gegenſtaͤnden, wel⸗ che wir zu Metterhenne antrafen, waren wir ſehr geneigt, den Geſchichtſchreibern Glauben beizu⸗ meſſen, welche die Lage von Memphis auf dieſe Stelle geſetzt haben. Da mir ſehr viel daran gelegen war, die Lage dieſer alten Stadt genau zu erfahren, ſo ſtellte ich mehrmals bei den Arabern in allen Doͤr⸗ fern, durch welche ich kam, die genaueſten Erkundi⸗ gungen an; allein nie konnte ich das geringſte von einem Drte erfahren, den Savary Menf nennt, und den er naͤrriſch genug auf die Stelle von Mem⸗ phis ſetzt. Die große Menge von hohen Dattelbaͤumen um Metterhenne bildet angenehme Gruppen. Die ſchoͤnen Felder brachten Getreide, Flachs und andere Erzeugniſſe hervor. Fuͤr etliche Paras kaufte ich mir ein Stuͤck eines aͤgyptiſchen Goͤtzenbildes, und nahm eine Probe von dem Kalkſteine, von welchem die Mauer erbaut war, nebſt einem kleinen Bruchſtuͤcke einer der Granit⸗Saͤulen mit. Bei der Ruͤckkehr nach unſerem Fahrzeuge lud uns der Scheik des Dorfes Bederashihn zum Kaffee und andern Erfriſchungen ein. Wegen des widrigen Win⸗ des erreichten wir erſt Abends Kaſſem Bey⸗ 230 Auf dem Ufer an der Kanal⸗Mündung, welcher aus dem Nil nach Hallouan geht, ſahen wir eine ſteinerne OPberflaͤche, welche die Spur von einem Ge⸗ baͤude war, das in alten Zeiten auf dieſer Stelle geſtanden hatte. Wir hielten es fuͤr die Ueberreſte des Mekias, welcher ſonſt zu Hallouan ſtand. Auch beſuchte ich den Mekias auf der Inſel Ravudha. ueber der Thuͤre des Mekias ſtand folgende franzoͤſiſche Ueberſchrift: Im 9. Jahre der franzoͤſiſchen Republik, und im 1248. Jahre der Hedſchra, und zwar 30 Monate nach der Eroberung Aegyptens durch Bo⸗ naparte, hat der Ober⸗General Menou den Mekias ausbeſſern laſſen. Aus dem täg⸗ lichen Steigen des Riles, welches der Verfaſſer genau angab, erhellt, daß der Nil im Jahre aso1 gegen 27 Fuß und einen Zoll geſtiegen, und daß er vom s. Dktober 18o bis zum 4. Februar 1802, wo ich Ka⸗ hira verlaſſen und nach England zuruͤck kehren wollte, us Fuß gefallen iſt. Der Schlamm, welchen der Nil waͤhrend der Ueberſchwemmung abſetzt, hat eine ſchwaͤrzliche oder dunkle Bleifarbe; trocken aber wird er lichter und bekommt eine gelblich braune Farbe. Da er aus einem großen Theil von Thonerde beſteht, ſo bekommt die Pberflaͤche des Landes, fobald ſie trocken wird, tiefe Riſſe. Auf verſchiedenen ebenen 231 Stellen ſah man dieſen Schlamm, welcher von der letzten Ueberſchwemmung war, 8—40 Zoll hoch liegen⸗ Allein wenn er trocken wird, ſo faͤllt dieſe Erde ſo zu⸗ ſammen, daß die Hoͤhe der neuen Pberflaͤche, wenn ſie völlig trocken iſt, wahrſcheinlich nicht uͤber 4—6 Zoll betragt. Herr Regnault ſtellt uͤber dieſen Schlam folgende Analyſis an: Hundert Theile Nil⸗ ſchlamm enthielten: a1 Theile Waſſer, 2 Kohlenſtoff⸗ 6 Eiſenkalk, 4 Kieſelerde, 4 kohlenſaure Bittererde, 18 kohlenſauern Kalk und 48 Alaunerde. Hat m an das Nilwaſſer von ſeinen erdigen Theilen gereinigt⸗ ſo iſt es ſehr hell, ſchmeckt angenehm, und haͤlt ſich eine ziemlich lange Zeit. X. Den 19. Februar verließen wir Kahira, fuhren mit einem ſchoͤnen Sůͤd⸗Weſte vor Bulak vorbei, und hielten an der Muͤndung des Kanales von Menuf. Der Kanal ſchlaͤngelt ſich, und nimmt eine große Menge verſchiedener Richtungen an. Seine Breite betraͤgt nirgends uͤber„ Ellen, und an man⸗ chen Stellen iſt ſie noch betraͤchtlich geringer. An ſei⸗ nen Ufern ſtehen eine Menge Doͤrfer, welche wegen der ſchönen Gruppen von Zedern⸗, Dattel⸗ und Sy⸗ komor Baͤumen eine hoͤchſt angenehme und maleriſche Lage haben. Im Vorbeifahren ſahen wir das Land mit herrlichen Getreide⸗Eruten prangen. Als wit uns an der Seite des Dorſes git be⸗ 232 fanden, ſahen wir die Huͤtten deſſelben im Feuer ſtehen, deſſen Urſache eine Partie ſtreifender Tuͤrken war. Um 9 Uhr fuhren wir mit gutem Süd⸗Winde vor Menuf vorbei, und langten um 11 Uhr bei dem Dorfe Naddir an, das auf dem oͤſtlichen Ufer und zwar dort liegt, wo der Kanal ſich mit dem Nil⸗ Arme von Raſchid vereinigt. Da die kleinern un⸗ ſerer Dſchermen ſchlecht bemannt waren, und ſie deß⸗ wegen oͤfters auf dem Grunde ſihen blieben, mußten wir vor dem Dorfe Caffagos, welches 8— 10 Mei⸗ len von Naddir entfernt lag, vor Anker gehen. Am folgenden Tage machten wir dem Dorfe Amarvus gegenuͤber Halt, weil es viele Muͤhe ko⸗ ſtete, die kleinen Dſchermen heraus zu bringen. Amor⸗ gous iſt bloß s—6 Meilen von Caffagos entfernt. Wenn man den Nil hinab faͤhrt, ſo macht die ſchlaͤn⸗ gelnde Geſtalt, welche der Fluß in ſo vielen Richtun⸗ gen annimmt, und die große Menge von Sandbaͤn⸗ ken, auf welche man ſtoßt, die Fahrt aͤußerſt beſchwer⸗ lich. Die Gefahren, in welchen wir uns befanden, wurden noch durch die ungeſchicklichkeiten unſerer Schiffe vermehrt. Den 22. fuhren wir fruͤh mit einem ſcharfen Suͤd⸗WeſtWinde Fua vorbei, und langten Abends vor dem Dorfe Dahrut auf dem weſtlichen Nil⸗ 233„ ufet an. Dahrut iſt ungefähr s Meilen von Fun entfernt, und ſteht einem andern Dorfe auf dem oͤſtli⸗ chen Nil⸗ufer, welches Sindig⸗Whoun heißt, ge⸗ genuͤber. Die Haͤuſer deſſelben ſind aus gebrannten Ziegeln erbaut, und haben eine maͤßige Hoͤhe. Meh⸗ rere ſtanden zur⸗Seit unſerer Ankunft unbewohnt, und es hatte allen Anſchein, daß das Dorf nicht ſtark be⸗ volkert ſey. Vormals ſcheint es ein bedeutender Ort geweſen zu ſeyn, da es einen großen Todtenacker batte, welcher Grabmaͤler enthielt, von denen einige zirkelfoͤrmig und von Ziegeln erbaut waren. Die Bazars zu Dahrut waren ſehr ſchlecht mit Waaren verſorgt, und enthielten chauptſaͤchlich Dat⸗ teln und Zucker⸗Rohr. Die Wohnungen der Einwoh⸗ ner, welche faſt ganz nackt gingen, waren aͤußerſt ſchmutzig. Endlich langten wir mit guͤnſtigem Winde zu Ra⸗ ſchid an. Ueber den Bogat oder die Barre von Raſchid, die ſich an der Stelle befindet, wo der Nil mit dem Meere ſich vereinigt, kann man bloß ſicher bei ruhigem Wetter und mit beſonders gebauten Schif⸗ fen kommen. Dieſe Barre entſteht durch die Sand⸗ vaͤnke, welche der Kampf zwiſchen dem reißenden Nil⸗Strome und dem Meere aufthuͤrmt. Da dieſe 234 Bänke beſtaͤndig ihre Lage veraͤndern, ſo iſt die Fahrt uͤber dieſelben zu gewiſſen Jahres⸗Zeiten, beſonders fur ſolche, welche nicht mit ihr bekannt ind aͤußerſt zeſhricht Das Fort Julien, ungefaͤhr s Meilen von Ra⸗ ſchid und eine Stunde von dem Bogaz entfernt, iſt viereckig, hat in der Mitte ein Blockhaus, und kann als regulaͤre Feſtung angeſehen werden. Der Weg von Raſchid bis zum Fort Julien führt durch Dattelwaͤlder und Gaͤrten. Die Stadt Raſchid hat am weſtlichen Nil⸗Ufer eine angenehme Lage. Der Arm dieſes Fluſſes hieß ehemals der Bobbitiniſche, jetzt aber Raſchidi⸗ ſche. Sie iſt vom Meere 7—8 Meilen, und von Kahira gegen Nord⸗Weſt 130 Meilen entfernt. Ra⸗ ſchid iſt der Stapelort des aͤgyptiſchen Handels, und in dieſer Hinſicht von großer Wichtigkeit. Die Haͤu⸗ ſer von Raſchid ſind aus rothen Ztegelſteinen erbaut und ſehr hoch; die Straßen aber ſind ſehr enge. Die Anzahl der Einwohner kann man auf s bis 10,000 Perſonen rechnen. Wenn man aber die Menge der Haͤuſer bedenkt, welche bei unſerem Beſuche un⸗ bewohnt waren, ſo ſcheint ſie wenigſtens dreimal ſo⸗ 235 viel enthalten zu koͤnnen. Die Stadt bewohnt eine Niſchung von Arabern, Tuͤrken, Griechen, Juden, Kopten und Armeniernz die Anzahl der Franken iſt unbetraͤchtlich. Die Manufakturen Raſchids beſchaͤftigen ſich hauptſaͤchlich mit der Verfertigung von Kattuns, Shawls und andern Kleidungs⸗Artikeln, ſowohl zum Verbrauche ſeiner eigenen Einwohner, als zur Aus⸗ fuhr. Auch verfertigt man Koͤrbe und ausgeeichnet ſchoͤne Matten. Gegen Norden von Raſchid liegen ſehr große Gaͤrten, welche fuͤr die Bewunderer einer reinen un⸗ verſchoͤnerten Natur einen großen Reitz haben muͤſſen⸗ Bei der Anordnung der Theile hat man weder Drd⸗ nung, noch Symmetrie beobachtet. Gleichfalls gegen Norden gibt es verſchiedene Moraͤſte und Sumpfe, welche allem Anſehen nach, nebſt den Baͤchen oder Ceichen, mit ſtehendem Waſſer, welches von den Nil⸗ Ueberſchwemmungen zuruͤck bleibt, in den Sommer⸗ Monaten Seuchen von der gefährlichſten Art er⸗ zeugen. ₰ Den 7. Maͤrz ſegelten wir den Nil hinab, und als wir an der Barte anlangten, warteten wir, bis 236 es Tag wurde, um mit Sicherheit daruͤber wegſegeln zu koͤnnen. Mit Nord⸗Oß⸗Winde und bei ruhiger See fuhren wir gegen Aufgang der Sonne uͤber die Barre hinweg. Unſte Fahrt war ſehr angenehm und ohne alle Gefahr. Der Bogaz oder die Barre iſt wie ein Halbmond geſtaltet, und zwar durch den Vor⸗ ſprung von Land auf jeder Seite des Fluſſes nach der See. An dem öſlichen Ufer hat man drei Signale errichtet, um das Einlaufen der nach Raſchid be⸗ ſimmten Schiffe zu leiten. Um 1 Uhr Nachmittags ſtiegen wir auf der Halb⸗ inſel, welche nach Alexandrien fuͤhrt, an das Land. Hier mußten wir Quarantaine halten. Alle Perſonen, die zur engliſchen Geſandtſchaft gehoͤrten, wie alle unſere Schiffleute waren von den Sympto⸗ men der Peſt frei. Den s. wurde der erſte Jahrestag der Landung der Englaͤnder in Aegypten gefeiert. Da man bei der engliſch militaͤriſchen Geſandtſchaft nichts von Anſteckung bemerkte, ſo wurde ſie den 20. aus der Quarantaine entlaſſen. Den 23. beſuchte ich den Tempelder Diana, die Katakomben und die Baͤderder Kleopa⸗ tra, welche ungefahr 2 Meilen gegen Weſten von Alexandrien liegen. Der Tempel befindet ſich un⸗ 237 8 ter der Erde, und iſt in dichte Felſen gehauen. Der vormals ſehr ſchmale Eingang wurde durch die haͤufi⸗ gen Beſuche nicht ohne Muͤhe erweitert. In dem Tempel befand ſich ein ſchoͤner in den Felſen gehaue⸗ ner Dom, mit z ſchoͤnen Thoren, von welchen eines zum Eingange dirute, die uͤbrigen hingegen Niſchen zu Gräbern oder Sarkophagen bildeten. Der Felſen beſtand aus Kalkſtein. Die Gaͤnge und Katakomben, welche uͤber den Dempel hinaus gingen, laſſen vermu⸗ then, daß es hier mehrere ſolche Tempel gegeben habe. Dieſe Gaͤnge waren jetzt mit Erde und Thier⸗ knochen beinahe ausgefuͤllt; Menſchenknochen bemerkte man wenig. In der Nachbarſchaft dieſes Tempels ſtiegen wir in eine hohe geraͤumige Hoͤhle hinab, in welcher, wie man glaubt, die Stelle geweſen iſt, in der man die Leichname einbalſamirte. Außer dem Wege auf der Landſeite ſcheint es urſpruͤnglich auch noch einen Eingang zum Tempel auf dem Waſſer ge⸗ geben zu haben, indem nahe an ſeinem Eingange vorn in der Fronte eine kleine Bucht hinlaͤuft. Dieſen Tempel koͤnnen die Alten nicht ohne unbeſchreibliche Mühe und Arbeit aufgefuͤhrt haben. Die Bildhauer⸗ Arbeit uͤber der Thuͤre, unter denen ſich ein Halb⸗ mond und im Mittelpunkte eine Roſe befindet, ſind vortrefflich gerathen. Den 24. ſchieten wir uns am Vord einer Kor⸗ 238 vette ein, welche mit Griechen bemannt war, fuhren durch die Gewaͤſſer des Archipel nach Konſtantino⸗ vel, welches ich am 23. Mai verließ. Ich reiſte uͤber Wien nach England, wo ich den 21. Juli ein⸗ traf.