3 — —— 86% 0 MVW uouorll uu 2050 0 u ſiS P d o) 6 upun Pun o up p unſ P — NA.N4 R W VoN 0 — clu LTE birge Zou 4 Norge Taſchen⸗Bibliothet der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Griechenland. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Weraß von Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. HI. Theil. 2. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenßtricker. 1 8 3 0 2* Fortſetzung von Franz Favier Sero— fani's Reiſe durch Griechenland in den Jahren 1794 und 1795 bearbeitet von D. J. Leutbecher. — Zweiter Theil. Ein guͤnſtiger Wind, eine ruhige Nacht und liebliche Traͤume ſind unſerm Reiſenden auf dieſer zehnſtuͤndi⸗ gen Fahrt ſtete Begleiter. Er ſchlaͤft, die ganze Nacht in ſeinen Mantel gehuͤllt, auf dem Hintertheile des Schiffes, ohne zu erwachen. Enblich weckt ihn das Geſchrei der Schiffsleute, die das Tauwerk am Lande feſt machten, und er iſt in Chivries, in dem alten Kenchres der Korinther. Serofani trinkt in Zeit einer Stunde eine Laſſe Kaffee beim Zolleinnehmer, miethet zwei Mauleſel, nimmt eine Wanderung in der Naͤhe des Hafens vor, wo er nichts von Alter⸗ thümern findet, ſetzt ſich in Begleitung ſeines Dol⸗ metſchers zu Pferde, und reiſet nach der beruͤhmten 134 Landenge, die man mehrmals zu durchgraben ſchon vergeblich bemuͤht geweſen iſt. Die ungeſunde Luft daſelbſt wird der haͤuſig wach⸗ ſenden Wolfsmilch, oder dem Kerzenkraut zu⸗ geſchrieben, entſteht aber wohl eher von einigen nicht ausgetrockneten Teichen ſtehenden Waſſers. Die erwaͤhnte Erdzunge iſt ſechs Meilen breit, und wurde deßhalb von den Alten Hermillia genannt. In der Laͤnge haͤlt ſie acht italiaͤniſche Meilen. Sero⸗ fani ging durch das Dorf Drnea, welches im Mit⸗ telpunkte liegt, und kam ſo auf dem hoͤchſten Punkte an, wo er nach Belieben den Umfang der Landenge uͤberſehen konnte. Rechts lagen die Ruinen von den doppelten Mauern des Kaiſers Komnenus, welche die Landenge von dem Hafen Lechaon bis nach Kenchreaͤ einſchloſſen. Links waren Delbaͤume, Weinberge, Ueberreſte von Dempeln und andern Ge⸗ baͤuden; etwas weiter davon andere merkwuͤrdigere Ruinen, der Neptuns⸗Tempel, der des Palaͤ⸗ mon, des Portumnus, zu deſſens Ehre The⸗ ſeus die iſthmiſchen Spiele ordnete, mit welchen Korinth's Freiheit, Glanz und Groͤße gefallen und geſtiegen iſt. Endlich betritt der Reiſende Korinth ſelbſt von der Seite, wo ehemals die Grabmaͤler der beruͤhm⸗ ten Lais und des Cynikers Diogenes ſtanden. Korinth iſt jetzt nichts, als ein kleiner Flecken von hoͤchſtens 4000 Einwohnern, und heibt jetzt Korto⸗ 135 Zu ſeiner groͤßten Schande war es eine roͤmiſche Kolonie, die dieſe Stadt nach der Zerſtoͤrung durch Mum⸗ mius wieder bevoͤlkerte. An den alten Glanz und an den prachtliebenden Charakter der Korinther erinnert heut zu Tage nichts mehr. Was noch davon zu ſehen iſt, ſind etwa zwoͤlf Saͤulen, welche einſt zu einem Apollo⸗Tempel gehoͤrten, und ihrer Form nach dem grauen Alter⸗ thume angehoͤren moͤgen. Vielleicht ſtammen ſie noch aus jener Zeit, wo man in Korinth, ſo wie bei den erſten Voͤlkern der Erde, die Sonne angebetet hat. Von dem Tempel der Pallas Chalinitis, vom Gymnaſium, vom Theater iſt nichts mehr da; eben ſo wenig von dem Hauſe Timoleon's, und von der Schule des Dionyſius. Die Quelle Lerna, wo die Korinther im Sommer friſches Waſſer holten, befindet ſich noch in einem Winkel des Bazars, und dient jetzt den Luͤrken zu ihren religid⸗ ſen Reinigungen und zum Abwaſchen der Gemüſe. Sehenswerth iſt die kleine St. Pauls⸗Kirche⸗ am Fuße der Feſtung. Hier lebte der Apoſtel im Dunkeln, und trieb nebſt der Aquilia und Pris⸗ eilla ſein Handwerk, welches im Gerben von Fellen zu Zelten oder Teppichen beſtand. Hier ſing er noch an das Evangelium zu predigen; hier brach er voll Eifers gegen die Goͤtzenbilder los, und ſchaffte ihren frevelhaften Dienſt ab. Von hier verbreitete ſich das erſte Licht des Chriſtenthums nach Achaja hin⸗ 136 Gegen ein Eintrittsgeld von 15 Piaſter an den ottomanniſchen Befehlshaber kam Serofani in die Feſtung von K orinth. Hier ſah er außer einigen Alterthuͤmern die Quelle Pirene, die reichlich ge⸗ fundes und wohlſchmeckendes Waſſer gibt. Von der Hoͤhe dieſer Feſtung hatte er eine ſchoͤne Ausſicht auf die beiden Meerbuſen von Kenchres und von Le⸗ vanto, auf einen Theil des P eloponnes und von Böotien, auf den Helikon und den Parnaß. Links hinab ſah er das Gefilde von Sikyon, rechts die Inſeln Aegina und Kuluri, in der Ferne das Vorgebirge Sunium und die Feftung von Athen; unter ihm lag die Landenge und die Stelle, wo ehe⸗ mals die unermeßliche Stadt Ko rinth ſtand. Die Luft von Korinth war unſerem Reiſenden zuwider, und er verließ daher die Stadt bald wieder. Auf einem kleinen zantioti ſchen Fahrzeuge durch⸗ wanderte er, laͤngss dem Meerbuſen, die fruchtbaren Cbenen von Kortv. Er fuhr vor der Muͤndung des Pſopus und des Cephiſſus vorbei, und ſah von dem Meer, wie Sieyon auf der Spitze eines Hů⸗ gels emporſtieg. Die Griechen nennen dieſe aͤlteſte Koͤnigsſtadt im Peloponnes, noch Baſilica oder Pallaſt. Nach einer Reiſe von drei Tagen war er wieder in Patra. Die Luͤrken gleichen keinem neueren Volke; ſie ſind die einzigen in Europa, die einen voriginellen Chargẽter haben. Dieſer aber beſieht gerade datin⸗ 137 daß ſie gar keinen haben. Dieſe Beobachtung entging bisher den Verlaͤumdern und Lobrednern der Türken. Die Tuͤrken verbinden Beſcheidenheit mit Stolz, Geiz mit Verſchwendung, Habſucht mit Wohlthätigkeit, Sparſamkeit mit Verſchleuderung, Nuͤchternheit mit Unmaͤßigkeit. Sie ſind halsſtarrig und wieder hoͤchſt nachgiebig; ſie ſind rachſuͤchtig, und wieder die erſten, die ihren Feind umarmen; ſie ſind gegen ihre Wohl⸗ thaͤter undankbar, und haͤufig wieder wohlthaͤtig; ſie ſind Freunde der Menſchheit, und treten ſie mit Fuͤ⸗ ßen; ſie ſind eiferſuͤchtig und nachſichtig; traͤge und thaͤtig; herzhaft und feig; aberglaͤubig und unglaͤubig. So ſind die Tuͤrken, die im Ganzen weder Lob noch Tadel verdienen. Ihr Himmelsſtrich iſt wohl mehr heiß, als gemaͤßigt; doch haben ſie wenige Leiden ſchaf⸗ ten, und ſie beſitzen weder große Laſter, noch große Tugenden. Wenn man dieſe Nation mit irgend etwas ver⸗ gleichen will, ſo wird man ſie einem Hospitale von Geneſenden vergleichen. Man ſieht ſie bald großmuͤ⸗ thig, bald wieder ſklaviſch geſinnt; ſie beſitzen wenig Gedaͤchtniß, und ſind ſowohl der groͤßten Thaten, als der kleinſten Handlungen faͤhig. Bald wollen ſie et⸗ was, bald wollen ſie nichts; in einem Augenblicke ge⸗ hen ſie vom Lachen zum Weinen, von der Grauſam⸗ keit zur Zaͤrtlichkeit, vom Stolze zur Erniedrigung ͤber. Nach dieſer Schilderung lege man alles bei Seite, was der groͤßte Tbeil der emopaͤſſchen Rei⸗ 138 ſenden von den Tuͤrken geſagt hat. Denn der Tuͤrke laͤßt ſich weder mit einem Spanier, noch mit einem anderen Volke, nur mit einem Tuͤrken vergleichen. Die tuͤrkiſche Regierung ſey despotiſch, ſagt man; ſo iſt ſie nicht. Der Großherr hat einen Staatsrath errichtet, dem ſeine Willensmeinung unterworſen iſt. Keiner der Miniſter des Divans kann mit dem Tode, auch nicht mit der Konſiskativn der Guͤter beſtraft werden; auch nicht mit der Verbannung; ſie koͤnnen dem Sultan ungeſtraft die Wahrheit ſagen, und alle ſagen ſie ihm, aber ſie nuͤtzt weder ihm, noch dem Volke. Das Reich iſt groß, das Miniſterium iſt ver⸗ dorben, der Schatz erſchopft, die Regierung ohne Energie, der Sultan ohne Gewalt. Der Paſcha von Seutari iſt durch Waffengewalt von ihm unabhaͤn⸗ gig; der Paſcha von Romelien durch ſeine Schaͤtze; der Paſcha von Bagdad durch ſeine Entfernung; die Bey's von Smyrna haben ſich durch den Han⸗ del, die von Alerandrien durch Drohung unab⸗ haͤngig gemacht. Das tuͤrkiſche Reich befindet ſich alſo im Zuſtande des Verfalls, und ſein Loos wird daſſelbe ſeyn, was Rem durch den Einfall der Van⸗ dalen widerfuhr. Dieſe Veraͤnderung iſt naͤher, als man glaubt. Doch wir verlaſſen die Politik, und ſprechen vom Koran! Die Hauptgebote des Korans ſind folgende: in der Faſtenzeit zu faſten; fuͤnf Mal taͤglich zu beten; Almoſen auszutheilen; wenn es moͤglich iſt, eine Wall⸗ — — 139 fahrt nach Meeea zu machen; keine Unreinlichkeiten an ſich zu leiden; den Freitag ſirenge zu feiern, ſich beſchneiden zu laſſen; keinen Wein zu trinken; kein Schweinefleiſch zu eſſen; nicht Schach zu ſpielen; denn dieſes Spiel hat nach Mohamed der Teufel erfunden, um Ineinigkeit unter Bruͤdern zu ſtiften⸗ und ſie vom Gebete abzuhalten. Die Gebete der Tuͤrken haben erhabene Einfalt. Gottiſt groß, es gibt keinen andern Gott⸗ als Gott; Gott iſt grob; geruͤhmt ſeyſt du Herr; dein Name ſey gelobt, und deine Groͤße verehrt: denn es gibt keinen ande⸗ ren Gott, alsGott. Ich bekenne, daß Gott Gottiſt, daß Gottewig iſt, daß er niemals geboren worden iſt, daß er Niemanden er⸗ zeugt hat, daß ihn Niemand an Groͤße uͤbertrifft, oder ihm gleichkommt.— Dieſe Gebete endigen ſich mit einem Gruße an den guten oder boͤſen Engel, von dem jeder Tuͤrke Tag und Nacht begleitet iſt.— Heil, Barmherzigkeit, guten Tag, gute Nacht; dieß ſind die Gruͤße, die ſie einan⸗ der machen. Beten kann der Tuͤrke uͤberall, im Hauſe, in der Moſchee, im Garten, auf dem Felde, zu Fuß⸗ zu Pferd. Die Frauenzimmer durfen nicht in die Mo⸗ ſchee gehen, weil ſie die Maͤnner ſonſt zerſtreut ma⸗ chen wuͤrden. Sonnabends beten die Luͤrken fuͤr die Bekehrung der Juden; Sonntags fuͤr die der Chriſten; Mondtags fuͤr die Propheten; Dienſtags fuͤr ihre Hei⸗ 140 ligen und Prieſter; Mittwochs fuͤr die Todten, Kran⸗ ken und Sklaven; Donnerſtags fuͤr die ganze Welt, und Freitags, um Gnade zu erhalten. Die Armen betteln auf folgende Art um Almoſen: ich bitte Gott, den Beutel derer zu fuͤllen, die mir etwas geben, womit ich meinen Bauch fͤllen kann. Die Luͤrken glauben, Abraham habe den Lem⸗ pel zu Mecca gebaut, und Mo ſes ſey zu Kon⸗ ſtantinopel begraben. Ihre Ehrfurcht gegen die Narren geht in das Grenzenloſe, weil ſie die Narren fuͤr gottlich inſpirirte Perſonen halten. Sie behan⸗ deln daher dieſe Ungluͤcklichen mit aller moͤglichen Aufmerkſamkeit und Schonung; alle Haͤuſer ſtehen ihnen offen, und ſie ſchalten ungeſtoͤrt uͤber die Tafel des Großweſſiers, des Muftis, und ſelbſt des Sul⸗ tans. Wehe dem, der ſie beleidigt. Sie laufen auf den Straßen eben ſo frek herum, als haͤtten ſie ihren voͤlligen Verſtand. Dieſe Achtung vor den Narren macht, daß es wenig Narren gibt, und die ſo ſind, daß ſie nicht gefaͤhrlich werden. Die Ehe iſt bei den Tuͤrken ein rein buͤrgerlicher Ver⸗ trag. Die Weiber duͤrfen die Sheſcheidung nicht ſo oft ver⸗ langen, als die Maͤnner, und nur in drei Faͤllen; wenn der Mann einem natüuͤrlichen Laſter ergeben; wenn er die Donnerſtage ſeine eheliche Pflicht nicht er⸗ füllt; und wenn er ſeine maͤnnliche Kraft verloren hat. Im erſten Falle darf die Frau nur zum Kadi⸗ ——— —————— 11 oder Richter gehen, und von ihren Pantoffeln das Unterſte zu Dben hinſetzen. Die Eltern der Frau ge⸗ ben dem Manne kein Heirathsgut mit; hingegen muͤſſen die Eltern des Mannes der Frau eine Mitgift auszahlen. Nach der Einſegnung des Prieſters wird die Frau im Tri⸗ umph in das Haus ihres Gatten gefuͤhrt, an deſſen Thuͤre ſich die Eheleute zum erſten Male ſehen. Der Mann ſteigt zuerſt in das Hochzeitbett, hernach wird die Frau zu ihm gefuͤhrt. Am erſten Hochzeittage bringen dann junge Maͤdchen einen Guͤrtel, der ſo feſt iſt, und ſo viele Knoten hat, daß man oft zwei und mehr Stun⸗ den braucht, um ihn aufzuknuͤpfen. Dieſes Geſchaͤft muß der Mann verrichten, der ihn weder zerreißen, noch zerſchneiden darf. Der Koran verdammt den Ehebruch; der aber, der ſeine Frau des Ehebruchs beſchuldigt, ohne ihn be⸗ weiſen zu koͤnnen, bekommt hundert Stockſchlaͤge. Sind keine Zeugen vorhanden, ſo muß der Mann fuͤnfmal ſchwoͤren. Zum letzten Schwure ſetzt er dann hinzu; wenn ich nicht die Wahrheit rede, ſo will ich vor Gott verflucht ſeyn!— Die Frau darf ſich durch fuͤnf Eide rechtfertigen, und im letzten ſagt ſie noch hinzu: Gott, laß mich ſer⸗ ben, ſo mein Mann die Wahrheit ſagt! Die Muſelmaͤnner haben zehn bis zwoͤlf Moͤnchs⸗Brden, die ſich blos mit Beten beſchaͤftigen, und von Almoſen leben. Sie glauben, daß Moſes ein groͤterer Prophet, als Abrahamß daß Chri⸗ 142 ſtus groͤßer, als Moſes; und daß Mohamed groͤ⸗ ßer, als Chriſtus ſey; daß jedoch noch ein groͤßerer, als Mohamed geboren werden koͤnne. Bis jetzt ſey dieſer nicht da, und komme er einmal, ſo werde er aus Arabien, aus einem Derwiſchkloſter kom men. Dethalb duͤrfen auch dieſe Derwiſche jedes Frauenzimmer nach Belieben liebkoſen. Uebrigens werden ſowohl von dieſen Moͤnchen, als auch ſonſt unter den Tuͤrken, die Wiſſenſchaften wenig — oder gar nicht gepflegt, weil ſie nichts nutzen nach der Meinung der Tuͤrken. Jeder Beiirk hat ſeinen Mollha oder Pfarrer, nebſt noͤthigen Vikarien. Dieſe Diener wohnen der Beſchneidung und den Leichenfeierlichkeiten zu ihrer eigenen Stunde bei. Sobald Jemand geſtorben, wird er an allen Or⸗ ten des Leibes raſirt, und mit Alve durchraͤuchert, um die boͤſen Geiſter von ihm auszutreiben. Die Maho⸗ medaner glauben naͤmlich, es kaͤmen zwei Engel vom Himmel, und ſellten den Todten in der Gruft auf⸗ recht, um zu ſehen, ob er rein ſey. Jü er rein, ſo kommt er in das Paradies; iſt er nicht rein, ſo wird er von den unterſuchenden Engeln zwei ſchwarzen En⸗ geln uͤbergeben, damit dieſe ihn veinigen. Wenn der Todte begraben wird, ſo beſiehlt der Mollha den Anweſenden Stille, faͤllt auf die Knie, legt ſich mit dem Ohr auf die Erde, und lauſcht, wie die Seele des Verſtorbenen die Fragen der Engel be⸗ 143 antwortet. Je nachdem die Anverwandten reich oder arm ſind, wandert ſie in die Hoͤlle, oder ins Paradies. Nun ruft der Mollha den Verſtorbenen dreimal mit ſeinem Namen, um zu erfahren, ob ſein Geiſt den Koͤrper verlaſſen habe, oder nicht; erhaͤlt er keine Ant⸗ wort, ſo laͤßt er die Verſammlung aus einander gehen. Bemerkt zu werden verdient, daß die Tuͤrken, wenn ſie die Todten nennen, nie den Namen des Va⸗ ters vom Todten, ſondern den ſeiner Mutter fuͤhren und rufen. Vor Gott, ſagen ſie, darf man nicht be⸗ trugen: die Mutter iſt gewiß, aber vom Vater kann man nicht daſſelbe behaupten. Nach dieſen Proben hat aber die Seele noch eine andere und ſchrecklichere zu beſtehen. In das Paradies fuͤhrt eine Bruͤcke, die hoͤchſtens ſo breit, als ein Haar dick, unter welcher ſchreckliche Abgruͤnde ſind. Ueber dieſe Bruͤcke muͤſſen die Seelen, auf einem von den Hammeln reiten, welche die Tuͤrken jaͤbrlich bei ihren Dpfern darbrin⸗ gen; denjenigen, die eine große Zahl geopfert haben⸗ kommt eine große Zahl dieſer Thiere auch entgegen⸗ die ſehr ſtark und ſchnellfuͤßig ſind; bei dem Anfange der Bruͤcke aber treffen die andern, nur ſchwache, ſchwerfaͤllige, und wenige Hammel an. Daher ſtuͤrzt eine große Menge Seelen in den Abgrund hinab, wo ſie auf ewig verſchlungen ſind. Das Paradies der Mahomedaner iſt mit allem ausgeſchmuckt, was die Phantaſie Verfuͤhreriſches und Wolluͤſtiges erdenken kann, mit Brunnen, Lauben, 144 Kioſts, Seen, Huͤgeln, Voögeln, Taͤnzen, Milch und Ambroſtas⸗Baͤdern, mit lieblichen Wohlgeruͤchen, rei⸗ tzenden jungen Leuten, mit Hurris, ewiger Jugend und ewigen Freuden. Wer nicht Luͤrke iſt, wird gehaßt und verachtet. Die Wiſſenſchaften werden nicht geſchaͤtzt und ver⸗ wahrloſet. Die Weiber werden eingeſperrt. Was aber am meiſten den Tuͤrken charakteriſiren kann, iſi der Handel, den er mit ſeinen Glaubensgenoſſen treibt. Am Senegal faͤngt er ſeine Bruͤder, ſchlaͤgt ſie in Ketten, und ſtellt ſie dann in ſeinen Baiars zum Ver⸗ kaufe aus. Die albaniſche Nation, die beſte, die man unter den Griechen findet, kam in dieſes Land aus den Gegenden des Berges Albanus, und aus jenem Lande des Brients, welches zwiſchen Armenien und Colchis liegt. Entweder erhielt ſie ihren Na⸗ men von dem Berge, oder von der weißen Farbe ih⸗ rer Haare und Haut. Die Provinz, die ſie bewohnte, fing gegen Morgen bei dem kasſpiſchen See an, und erſtreckte ſich gegen Nord bis an den maͤoti⸗ ſchen See. Anfangs lebte ſie unabhaͤngig; nachher unterjochte ſie einen Theil von Griechenland, wurde dann dem mediſchen Reiche unterwuͤrfis, hier⸗ auf den Macedoniern und Roͤmern. Sie erhielt von Drajan einen Koͤnig, dieſer aber wurde ihr von dem Tataren⸗Chan wieder genommen. Ein großer Theil des Volkes wurde nun in den Peloponn es geführt⸗ —————————— — 14⁵ ein anderer Theil ging nach Macedonien, in die Stadt Durazzoz dieſe letztern dienten ſpaͤter unter Scanderbeg. Das Volk der Albanier hat zwei Eigenthuͤm⸗ lichkeiten, welche es den Reiſenden intereſſant machen, ſeine Tracht und ſeine Sprache. Die erſte gleicht ganz jener der roͤmiſchen Soldaten; nackte Fuͤße, ein Cothurn, ein Waffenrock, der vom Guͤrtel bis an die Knie reicht; die Bruſt mit einem Kuͤraß von Sammt bedeckt; Hals und Arme bloß; an der Seite ein brei⸗ ter und kurzer Degen; endlich ein ſtarker Koͤrper, eine ſtolze Haltung, ein Bart. Auf den Gebirgen von Al⸗ banien iſt alſo die roͤmiſche Dracht geblieben, viel⸗ eicht erſt angenommen nach dem Einfalle der Sey⸗ then aus Illyrien. Die Sprache der Albaner iſt den Illyriern entiehnt, hat aber jetzt keine Aehnlichkeit mit einer andern Sprache Griechen⸗ lands. Mit dem aͤcht ilyriſchen Dialekte wuͤrde ſie die groͤßte Aehnlichkeit haben, wenn dieſe nicht bei dem Einfalle der Daeier ſchon verloren gegangen waͤre, und ſo eine Vergleichung unmoͤglich machte. Der Reiſende hatte von derFeſtung zu Korinth das beruͤhmte Athen erblickt. Er muß dahin eilen, ſein Gefuͤhl beſtimmt ſeine Reiſe. Der Weg fuͤhrt ihn durch Boͤotien. Er hat ſich genüglich im Pe⸗ loponnes umgeſehen. Von dem engliſchen und hol⸗ laͤndiſchen Konſul an den Primas von Livadien empfohlen durch Briefe, hricht er ehn natpa auf, 146 und kommt in einem Tage nach Aſpraſpiti, einem al⸗ ten Hafen der Phoeen ſer, ehemals Mycos genannt, heutiges Tages Handelshafen der Provinz. Den Eingang in den Hafen macht der Felſen Antyeira. Hier ſuchte Serofani den einſt ſo beruͤhmten Helle⸗ borus, welche Pflanze er aber nirgends fand. Die Nacht ſchlaͤft er auf der kleinen Barke, auf welcher er kam. Den naͤchſten Morgen bricht er zu Pferde nach Livadia auf, entfernt ſich vom Meere, reitet zwei Stunden durch odes und enges Thal, und kommt endlich auf einem Berggipfel im Dorfe Diſtomos an. Dieſes Gebirge iſt der Anfang eines andern Tha⸗ les zwiſchen dem Helicon und Parnaß. Diſto⸗ mos hieß chemals Ambroßo*). Die Gebirge dieſer Gegend ſind eben ſo hoch, als die Alpen zwiſchen Chambery und Turin, eben ſo alt, und eben ſo ſteil⸗ Die Waͤlder beſtehen aus wilden hohen Fichten; die Gipfel ſind mit Schnee bedeckt; uͤberall herrſcht ein eben ſo autiker, als oder Anblick. Merkwuͤrdig iſt es, daß die Schichten dieſer Berge ſich nach Suͤden hinneigen, oder beſſer nach dem Meerbuſen von Lepantv. Dieſe Eigenheit ha⸗ ben alle Berge Moreas, die deßhalb Vuni heißen⸗ wahrſcheinlich die Wirkung eines Vulkans⸗ *) Ambryhus.(D. B.) £.„ Die Berge, die bald amphiteatraliſch geſtaltet, gewaͤhrten ein angenehmes und erhabenes Schauſpiel⸗ oder wenn ſie ſteil waren, zeigten bald wieder dem Auge furchtbare Abgruͤnde, die mit Schrecken fuͤllten. Thaͤler und Fluͤſſe verſchwanden, und kamen wieder. Der Helicon und Parnaß lagen prachtvoll zur Seite; die Felder zeigten den Fleiß, den man auf den Bau des Weines und der Baumwolle verwendete. Rechts die Ueberreſte von Thespia, Praxiteles Werkſtatt. Je mehr man ſich Livadien naͤhert⸗ deſto mehr ſenken ſich die Gebirge, deſto wegſamer werden ſie. Serofani wurde von dem Primas Livadiens oder Lebadeias, wie es auch noch heißt, außeror⸗ dentlich gut aufgenommen. Li? adia liegt am Fluße Herzyna, und war einſt durch ein Hrakel des Tropho⸗ nios beruͤhmt. Der Fluß Herzyna hatte ehemals zwei Ar⸗ me, von welchen der eine Lethe, der andere Mnemo⸗ ſyne hieß; aus dieſen Fluͤßen tranken die Orakelfrager, ehe ſie Antwort erhielten. Der berhmte Lambro Ca⸗ zioni iſt in Livadia geboren, der mit dem tuͤrkiſchen Reiche Krieg füͤhrte, und einmal die tuͤrkiſche Flotte mit fuͤnf kleinen Fahrzeugen und 120 Mann Soldaten faſt vernichtet haͤtte.. Nördlich von Livadia liegen Arkomene und Cheronaa, welches heut zu Tage zwei Doͤrfer, 7) Vielleicht Orchumenos.(D. B) 1⁴8 Cupurna und Serupi ſind. Das erſte iſt nur an⸗ derthalb Stunden, das zweite eine Tagereiſe entfernt. Serupi beherrſcht ein Thal, welches vier oder fuͤnf italiſche Meilen lang, und eben ſo breit iſt. Der Fluß Cephiſſus fließt langſam durch, theilt und bewaͤſſert das Thal. Seino Ufer ſind grüͤn, mit Blu⸗ men geſchmuͤckt; das ganze Thal iſt mit Delbaͤumen, Weinſtoͤcken und Fruͤchten mancher Art bedeckt. Auf den Hüͤgeln weiden Heerden. Hier lebten und wan⸗ delten vielleicht Corinna, Pindar's Nebenbuh⸗ lerin, und Plutarch. Hier gab die Freiheit Grie⸗ chenlands ihren Geiſt auf. Hier unterjocht Ageſi⸗ laus Theben; dort ſchlaͤgt der Macedonier die Athener, und vernichtet die heilige Schaat der Bootier. Dort iſt der Fluß, uͤber welchen Age⸗ ſilaus mit Wunden bedeckt ſich zuruͤckzog; hier iſt der Engpaß, durch welchen Demoſtbenes flieht; hier der Berg Acontium, uͤber den Mithrida⸗ tes fluͤchtete, und ſo noch mehr, was an alte Zeiten ruhrend erinnert. Griechen land iſt eine herrliche, die herrlichte Gemaͤlde⸗Gallerie der Welt. Cheronaͤa wird verlaſſen; ein roher und be⸗ trunkener Tatar begleitet den Reiſenden. Sie reiten an dem ufer des See's Copais, zu den Thuͤrmen, welche die Spanier erbauten, und nach zehn Stunden ſind ſie in Sheben oder Thiva. Der Wirth des Reiſenden iſt ein Doetor Simonetti Frivulien: vieſer fuͤhrt den Reiſenden umher. Der Cadmus⸗ * — 149 Shurm, alte Bader⸗Nuinen, eines von den ſieben Thoren, durch die ſchrecklichen Scenen zwiſchen De⸗ dipus und Joeaſte beruhmt, werden beſehen⸗ Dieſe Stadt hielt zuerſt eine Belagerung aus. Auf der nahen Ebene fanden vielleicht Eteoeles und Polynikes ihren Tod. Hier wurden Hereules, Bacchus, Pindar, Pelopidas, und Epamt⸗ nondas geboren. Die Luft zu Theben iſt leicht und elaſtiſch. Die jetzige Stadt ſteht auf der alten, auf einer Anhoͤhe, die einen ſanften Abhaug an einem Arme des Pen⸗ telitus bildet. Sie beherrſcht eine mit kleinen Huͤ⸗ geln bedeckte Ebene. Rechts liegen hohe Berge, die den Euripus und Euboͤa ſehen laſſen; links liegt der See Copais, in welchen ſich der Cephiſſus und andere kleine Fluͤſſe muͤnden; im Ruͤcken iſt der Berg Deta. Die Thebaner ſind friſch, gewandt, geſund und ſchoͤn; das letztere gilt beſonders von den Frauen, An den Mauern der Stadt ſließt der Iſmenus. Die Thebaner, Suͤrken und Griechen ſind aberglaͤu⸗ biſch hier, wie anderorts. Die Quelle Dedipodta iſt noch vorhanden. Unſer Reiſender macht einen Abſtecher nach den Engpaͤſſen von Thermopila. Er kommt dahin zu Waſſer uͤber Zeitun, aus Furcht vor den Raͤubern in Romelien. Hiebei hat er den Vortheil, Au⸗ lis zu ſehen, und auf den geheimnißvollen Waͤſſern 15⁰ des Suripus zu fahren. Von Theben reiſt er ſpaͤt ab, und uͤbernachtet in dem Dorfe Seamino, ehemals Syeaminon. Den naͤchſten Tag geht er uͤber den Aſopus, beſieht den Hafen Bathy, und kommt noch Vormittags in Aulis an. Hier treiben einige zwanzig Griechen das Schifferhandwerk; aber das alte Aulis iſt nicht mehr vorhanden. Von Au⸗ lis ſchift ſich der Reiſende auf einer Barke nach Zeit un ein, und koͤmmt ſo uͤber den Eupirus. Dieſes Meer liegt zwiſchen der Inſel Negro⸗ ponte und Romelien, vormals zwiſchen dem al⸗ ten Böotien und Lverisz es hat nicht viel bber acht Meilen im Umfange. Zwiſchen den beiden Spi⸗ tzen von Boͤotien und Chalkis, die durch eine zwanzig Schritte breite Bruͤcke verbunden ſind, iſt jene beruͤhmte Ebbe und Fluth, die ſich alle Tage des Mo⸗ nats, und alle Stunden des Tages veraͤndert, die bei ihrem Zuruͤckzuge nichts von demjenigen wieder gibt, was ſie bei ihrem Anwachſen mitgebracht hat. Die⸗ ſes Meer hat keine regelmaͤßige Bewegungen; ſein Lauf ſcheint in den letzten Tagen des Monats periv⸗ diſch; wenn ſich aber der Mond erneuert, dann waͤchſt bald das Waſſer, bald faͤllt es; kommt und geht fuͤnf, neun, ja zwoͤlfmal des Tages, ungehindert von Sturm und Wind. Bei ſeiner groͤßten Stärke ſturzt es ungeſtüm aus dem Archipel, und kehrt nur langſam dahin zuroͤck; daher dauert die Ebbe weit laͤnger, als die Fluth. Auch faͤllt das Waſſer nie in dem Verhaltniſſe 151 ſeines Zunehmens und Steigens. Woher dieſe geheim⸗ nißvolle Meeresbewegung, moͤgen die Phyſiker erklaͤren. Serofani iſt jetzt in der Bay von Zeitun⸗ und beſchließt, die Nacht daſelbſt zu ſchlafen. Am Morgen nimmt er ſeinen Weg ſuͤdlich, und geht uͤber den Sperchius, einen breiten und majeſtaͤtiſchen Fluß. Er wendet ſich rechts nach Bſten, und befindet ſich zwiſchen dem Meere und dem Deta⸗ jetzt Cu⸗ maita genannt. Zwiſchen dieſem durch Hereu les Vergoͤtterung beruͤhmten Berg und dem Sperchius iſt eine lachende Ebene, wo noch heute warme Baͤder ſind. Dort ſind die Engpaͤſſe. Der Reiſende ſieht hier kein Capitol und keine Propylaͤen; er hat blos einen Abgrund vor ſich⸗ und uͤber ſeinem Haupte einen ungeheueren Felſen⸗ Ein enger Weg führt dahin, wo die tiefte Stille herrſcht, wo cinſt 300 Mann lange muthvoll gegen 300,000 Aſiaten Stand hielten, bis ſie nicht mehr hal⸗ ten konnten, und verrathen wurden. Der Weg iſt kaum ſechs Schritte breit. Serofani kehrt von den Thermopylen⸗ die ihm eine Menge neuer Gefühle rege gemacht, nach Zeitun zuruͤck, faͤhrt wieder uͤber den Euripus⸗ und iſt in vier Tagen auf den Ebenen von Mara⸗ thon, wo Miltiades die Perſer beegte*. *) Die Schlacht bei Marathon ſiel 490 vor Chriſti Geburt vor. 152 Hier ſchlugen 12,000 Athener 300,000 Perſer.— In ſ Dorfe Calviſto Sully, ehemals Triecory⸗ thos, uͤbernachtet unſer Reiſender, und morgen reiſt er nach Athen. Che er auf Attikas eigentliche Fluren kommt, ſieht er nach dem honigreichen Hymettus, und dem Marmorberg Pentelikus. Dann erſt wandert er unter Attika's heiterem Himmelsblau, auf lieblichem Gruͤn, im Schatten der Oliven, und begrüßt von den melobiſchen Gefaͤngen der Voͤgel. Attika iſt eine kleine Strecke, die nicht uͤber 26 Meiten im Umfange hat, und nicht uͤber s7 Qua⸗ dratmeilen enthaͤlt. Ehemals wohnten hier aber 190,000 gemeines Volk, 409,000 Sklaven, und kaum 100,000 Buͤrger*). Von hier gingen zahlreiche Ko⸗ lonien nach den Inſeln des Archipel und nach Aſien. Hier lebten die derühmteſten Helden, Staatsmaͤnner und Weiſe. Hier ſtarb Sperates, Thueydides, u. ſ. f. Dort ſind die Berge von Eleuſis und Laurion, wegen der Myſterien der Ceres und der Silberminen beruͤhmt. Hier iſt der Bach Epi⸗ danus, der in den Iliſſus dort an der ſuͤdlichen Seite Athens fließt; bier iſt der Weg nach dem Pyraͤus. 2) Die Einwohner von Attika machten drei Claſſen aus; 4) eigentliche geſetzlich freie Buͤiger, 2) an⸗ geſe ſſeie Freinde„ 3) Stlaven. B — ——— — 153 Serofani zieht begeiſtert durch das Thor, o⸗ durch einſt Marathons Sieger einzogen, und begiebt ſich zum venetianiſchen Konſul. Kaum angekommen, entwiſcht er mit ſeinem Dolmetſcher dem Konſul, um in Athen herum zu ziehen, und deſſen Reichthum an Denkmslern der Vorzeit kennen zu lernen. Das erſte iſt die Aeropolis. Dieſer von drei Seiten unzugaͤngliche Felſen er⸗ bebt ſich uͤber die alte und neue Stadt empor. Er iſt von Mauern eingeſchloſſen, die Themiſtoeles nach der Schlacht bei Salamis wieder aufbauen ließ. Auf dieſem Felſen ſteigt in Pracht der Tempel der Mi⸗ nerva, mit dem Zunamen Parthenion, in die Höͤhe, ein Meiſterſtuͤck der Kunſt. Gegen ein Ein⸗ trittsgeld von 20 Piaſtern tritt der Reiſende in die Citadelle, er ſieht die J ſisſtatue, die Pan's⸗ Grotte, wo heut zu Tage die Hirten ihre Heerden melken. Rechts erblickt er den Areopag, den Pnyt*)z er ſieht den Brt, wo Aegeus vom ßel⸗ ſen ſich ſtuͤrzte, weil er verzweifelte, den Theſeus wieder zu ſehen, das Theater, den Huͤgel der Pi⸗ lopappus, und dort das Meer. Links, durch das zweite Thor iſt die Treppe zum Lempel des Sieges ohne Fluͤgel. Auf ſeinen Grundlagen hat man das Serail eines Tuͤrken er⸗ baut. Dort iſt Lykurgs Zeughaus, oder eine Schatz⸗ „Ein oͤffentlicher Platz zu Athen.(D. B.) 154 kammer, oder eine Gemaͤlde⸗Gallerie des Poligno⸗ tus; vielleicht die Propylaͤen*). Hier iſt das Periſtilium des Parthenon voll Majeſtaͤt ad Groͤße, wo die Philoſophen lebten und dachten, und die praͤchtigen Aufzuͤge der Athener gefeiert wurden. Dort ſtand vielleicht die Diana des Praxiteles, und anderes Herrliche, das Barbaren zerſioͤrt haben. Die Ruinen des Parthenon athmen noch heute etwas unbeſchreiblich Großes und Erhabenes. Von dem Tempel der Pandroſſos iſt nur noch ein un⸗ terirdiſcher Gang uͤbrig. In dem Erechteum, wel⸗ cher Dempel von Oſt nach Weſt lauft, und mehreren Göttern geweiht war, ſieht der Reiſende herrliche Saͤulen. Die nach Nord laufende Halle hat ſchoͤne Karyatiden oder Frauenzimmerſtatuen. In dem Kapuzinerkloſter der Stadt befindet ſich die Laterne des Demoſthenes, ein Bauwerk aus der ſchoͤnen Zeit der Kuͤnſte, ſo benannt wegen der Form, welche einer Laterne nicht unähnlich iſt, von dem Volke fuͤr die Laterne des Demoſthnes aus⸗ gegeben, eigentlich nichts weiter, als ein Triumph⸗ denkmal, welches ein Stamm Aeamantis errich⸗ tete. Das Dach iſt ein Ganzes, ſchuppenfoͤrmig, und uht auf ſechs korinthiſchen Saͤulen, welche auf einer *) Vorhallen des Pallaſtes welchen perikles er⸗ bauen ließ.(D. B.) 155⁵ dreieckigen Baſis ruhen. Das Intereſſanteſte daran ſind die Bas⸗Reliefs. Außerdem beſucht er den Tempel Hadrian's, den Tempel des olympiſchen Jup iter, andere Dem⸗ pel, ſpaͤter das Gymnaſium des Ptolemaͤus, die Veberreſte vom Prytaneum, und von der Poi⸗ kile, dieſer einſt gewiß ausgezeichneten Gemaͤldegallerie, den Thurm der Winde, in welchem die Lerſchiedenen Winde bildlich und ſchoͤn allegsriſch dargeſellt ſind in vortrefflich gearbeiteten Bas⸗Reliefs. Dieſer Thurm der Winde, an welchen ſich das Kloſter eines Derwiſch⸗Drdens anlehnt, wird von dieſen Moͤnchen als Moſchee gebraucht. Ihre Ordens⸗ regel iſt die ſtrengſte; ſie leben bloß von Huͤlſenfruͤch⸗ ten und Fiſchen. Zu ihrer Kaſteiung laſſen ſie ſich von allerlei Inſekten auffreſſen, und ſetzen alle Hoff⸗ nung ihrer Erhaltung auf das Gebet, welches uter tollen Ceremonien verrichtet wird. Den Kopf mit ei⸗ ner langen weißen Tuchmuͤtze bedeckt, in der rechten Hand einen Roſenkranz, liegen dieſe Moͤnche auf den Knien, auf ihre Ferſen geſtuͤtzt. Anfangs ſind ſie un⸗ beweglich, wie Statuen, ſtumm, ohne Empfindung, ſtrecken die Haͤnde auf ihre Schenkel aus, und heften die Augen feſt auf die Erde. Man hoͤrt den Klage⸗ ton eines Blaſe-Inſtrumentes, das Aehnlichkeit mit der Hoboe hat, und einer der Moͤnche in der Ecke der Moſchee anſpielt. Jetzt erwachen ſie aus ihrem gefuͤhlloſen Zuſtande, das Gebet entſteht auf ihren Lip⸗ 156 ven; ſie bewegen ſich almaͤhlig, und die Bewegung dieſer Beter nimmt mit der Schnelligkeit der Toͤne des Inſtrumentes zu, bis alle zuletzt einen ſchreienden und unharmoniſchen Geſang anſtimmen. Nach drei Minuten ſchweigt das Inſtrument, und die Derwiſche werden wieder regungslos. Neues Doͤnen des Inſtrumentes, neue Bewegung der Moͤuche, und neues Singen. Sie erheben ſich von den Knien, werfen ſich auf die Erde, ſtrecken die Arme aus, legen ſie kreuzweis uͤber die Bruſt, und das alles ganz ſchnell. Neue Pauſe; das Inſtrument toͤnt zum dritten Male, ettvas trau⸗ riger, und dann lebhafter. Nunmehr drehen ſich, wie Raſende, die Moͤnche um ſich ſelbſt, und um die Mo⸗ ſchee, werfen ihre Muͤtzen weg, veraͤndern ihre Farbe, rollen ihre Augen wild im Hopfe umher, ſcheinen zer⸗ ruͤttet am Geiſte zu ſeyn, und jeden Augenblick muß man beſorgt ſeyn, ſie moͤchten ihre Koͤpfe an den Mauern zerſchmettern. Man fuühlt Mitleid mit ih⸗ nen.. Eine abermahlige Paufe des Inſtrumentes bringt ſie wieder zu ſich ſelbſt, und nun laſſe en ſie ſich vom Neuen auf ihre Ferſen nieder. Dieſe Art, tan⸗ zend nach dem Takte der Muſik zu beten, iſt alt, und darf nicht in Erſtaunen ſetzen. Nachdem Serofani dieſen Beter⸗Tanz oder Bet⸗Tanz geſehen, wendet er ſich von dem Thurm der Winde rechts zum Tempel des Theſeus; dann links zum Keramikus, welches einſt das volk⸗ reichſte Quartier der Stadt Athen war, und eine 157 Menge Denkmaͤler entbielt und zum Theile noch ent⸗ balt, die wir hier nicht aufzaͤhlen und beſchreiben wollen. Er beſuchte noch die Agora, oder den ehe⸗ maligen Platz zu Volks⸗Verſammlungen, wo einſt So⸗ lon's Geſetzesſaͤulen ſtanden; den Areopag, wo einſt ein ehrwuͤrdiger Gerichtshof, jetzt ein Todten⸗ acker der Tuͤrken, und noch einige Alterthuͤmer zu ſehen. Dann ſtieg er in die Gefängniſſe, wo Soerates den Giftbecher trank. Nahe bei dieſen Gefaͤngniſſen beſah er die Ueberreſte der alten Thea⸗ ter des attiſchen Herodes, wo Sophokles, Euripides und andere Dichter einſt Rudm und Beifall erndteten, und das Volk entzuͤckten. Noch beſah er in Athen den Platz des Sta⸗ diums nahe am Iliſſus, wo die panathenaiſchen Spiele gefeiert wurden, nicht weit davvn die Ruinen eines Ceres⸗Tempels, und den Drt, wo die Rei⸗ terſtatue des Praxiteles ſtand. Alsdann wendete er ſich auf den Huͤgel Sezus, auf das ehemalige Muſeum, beſah die Grotten um denſelben, und kebrte weſtwaͤrts auf den Pnyr, den ehemaligen Volksplatz, wo jeyt viel Gras waͤchſt. Er beſuchte auch das Trigonum, wo Iſokrates und De⸗ moſthenes einſt begeiſternde Worte an das Volk redeten. Unſer Reiſender will zwar bald Athen wieder verlaſſen; doch die Akademie, den Piräus und noch einiges Andere nicht ungeſehen vorbei gehn. Der — 153 lon in den Keramikus außerhalb der Mauern. Dieſes Stadtquartier iſt der Garten der Tuille⸗ rien zu Athen. Man geht an einer Dreieinig⸗ keits⸗Kapelle nach den Graͤbern, und wandelt unter ſchattigen Dliven und Weinſtoͤcken; dieß iſt die Akademie. Nahe dabei ſteht das Haus eines Tuͤr⸗ ken, deſſen Grundſteine vielleicht Bruchſtuͤcke der ehe⸗ maligen Akademie ſind. Hier lehrte Sokrates, Plato und andere hychberuͤhmte Maͤnner des Alter⸗ thums. Die Gaßfreundlichkeit eines Luͤrken ließ hier unſern Reiſenden Honig von Hymettus koſten, und dieß gab die Veranlaſſung, daß er beſchloß, ſogleich ſich nach dieſem Berge zu wenden, ehe er Athen ſelbſt Lebewohl ſagen wuͤrde. Er wendet ſich daher links uͤber die Ebene, iſt in einer Viertelsſtunde am Fliſſus, der wie der Eri⸗ danus die Delbaͤume waͤſſert; geht endlich unter dem Berge Anchesmus hin, bleibt einige Augenblicke unter den Ueberreſten der Waſſerleitung des Anto⸗ nius ſtehen, und befindet ſich am Fuße des Hymet⸗ tus. In den Baͤumen ertoͤnt der Geſang der Eiea— den. Er ßteigt empor, und ſieht von der Hoͤhe die Stadt, die Ebene und den Hafen. Er kehrt, belohnt für die Muͤhe des Weges durch die Ausſicht, zuruͤck uͤber das Stadium, den Fliſſus, beſucht Shra⸗ ſyll's Denkmal, und erholt ſich in der nahen Bae⸗ Name der Akademie hat ſich in dem Worte Aei⸗ timia erhalten. Man geht durch das Thor Dipy⸗ 159 chus⸗Grotte. Durch das hadrianiſche Thor kommt er wieder nach Athen. Auf der Acropolis nimmt er nunmehr von allem Schonen und Werthen aus alter Zeit, was er bisher geſehen, und nie vergeſſen wird, Abſchied. Denn von dieſer Feſte koͤnnen ſeine Blic nach allen Orten, wo er war und wanderte, hinſchauen. Dann beſucht er noch die Hauptkirche Athens, die voll von Merk⸗ wuͤrdigkeiten ſowohl Innen als Außen iſt, und will darauf nach dem Piraus abreiſen. Allein einem Be⸗ kannten wird ein Sohn geboren, und er muß zur Taufe verweilen. Die religioſen Feierlichkeiten dieſer Ceremonie dauerten etwas laͤnger, als bei uns. Nach der Laufe gab es Erfriſchungen, Sorbet, Confekt, Kaffee. Die jungen eingeladenen Maͤdchen wollen tanien. Mit Er⸗ laubniß des Hausherrn geſchieht es; nach einer Vio⸗ line begann der Tanz, und die jungen Athenerinnen ſtanden in dieſer Kunſt den Alten nicht nach. So ſchon in aller Hinſicht, wie vor Alters, entzuͤckten ſie unſern Reiſenden ſehr. Ihre Sprache war ſanft, und ihr Weſen ſeelenvoll; ihre Manieren waren ange⸗ nehm und verbindlich, feſſelnd. Ihre Tracht iſt noch faſt die alte, bis auf die hohen Stieſeichen, die ſie an den weißen und rothzeugenen Beinkleidern befeſti⸗ gen. Sie tragen keinen Mantel, wie die Tuͤrkinnen; nur eine Tunika von feinem und durchſichtigem Zeuse. Alle ihre Bewegungen ſind angenehm. Sie taniten 160 in Gemeinſchaft mit den Maͤnnern den Romaika, einen lateiniſchen Tanz, voll Ausdruck, voll Bewe⸗ gung, voll Feuer in den Augen, und voll Grazie. Mit Tagesanbruche verlaͤht er Athen, die ſuͤße⸗ ſten Erinnerungen mit ſich nehmend. Der Wes von der Stadt nach dem Piraͤus lauft zwiſchen zwei Mauern hin, welche Themiſtokles erbaute und Cimon erneuerte. Man bemerkt noch ihre Grundla⸗ gen unter dem Weinreben⸗Gebuͤſche. Im Piraͤus ſelbſt iſt es gewoͤhnlich ſtille. Das ſchönſte Haus in demſelben gehoͤrt einem Franzoſen, der ſehr gaſtfreund⸗ lich gegen Fremde iſt, und hier das Leben eines Wei⸗ ßen fuͤhrt. Man findet hier und da noch Sruͤmmer und Ueberreſte des Alterthums. In der Naͤhe des Piraus iſt das unvergeßliche Salamis; ein Inſelland. Die Barke iſt bereit; er will auf Salamts Gewäſſer fahren. Wenn man aus dem Hafen faͤhrt, ſo iſt rechts eine kleine Bucht, wo man einſt den Verbannten noch ein letztes Urtheil geſtattete. Jetzt iſt der Reiſende ſchon auf dem Mee⸗ re, zwiſchen Attika und Salamis. Hier iſt die kleine Inſel Spittalia. Hier betrachtet er den Ort, wo einſt die beruͤhmteſte Seeſchlacht zwiſchen Griechen und Perſern geliefert wurde. Der Reiſende verweilt ſich hier zu lange. Die Erinnerungen an große Thaten laſſen ihn nicht fortgehen. Nach Sleu⸗ ſis zu kommen, iſt der Tag zu kurz geworden. Er bleibt daher zu Salamis, heutiges Tages Koluri 161 genannt, in einem Kalojeren⸗Kloſter über — Nacht. Die Moͤnche nehmen ihn mit Herzlichkeit auf. Um 7 Uhr Morgens ging man nach Eleuſis unter Segel; in einer Stunde kam man da an. Fuͤnfzig elende Fiſcherhuͤtten und der verſtuͤmmelte Name Lepſing ſind noch die eimigen Veberreſte die⸗ ſer alten und beruͤhmten Stadt. Albaniſche Raͤu⸗ ber in der Naͤhe verhindern die Zunahme der Bevol⸗ kerung. Selbſt die Fremden ſind hier nicht ſicher vor ihnen. Auf einem nahen Huͤgel ſteht eine kleine Jung⸗ frau⸗ Kirche. Weiter uͤber dieſer noch findet man die Ruinen des Tempels der Ceres und der Proſer⸗ pina; ſie ſind ſehr zahlreich. Von Eleuſis begibt ſich der Reiſende nach Me⸗ gara. Wie von Athen nach Eleuſis, ſo ſind von Eleuſis nach Megara zwoͤlf Meilen Weges. Zu Waſſer iſt der Weg noch viel kuͤrzer. Unterwegs hielt man bei dem Brunnen der Ceres, und kam dann in zwei Stunden im Hafen von Niſaͤa, oder im al⸗ ten Hafen von Megara, an. Die Stadt iſt eine halbe Stunde davon entfernt, zwar ohne Ueberreſte aus alter Zeit, aber doch Cal⸗ chas und Euklides Geburtsort, und darum des Beſuches werth. Die Stadt hat eine kleine Citadelle. Allein das Herz des Reiſenden iſt erſchoͤpft, der Kopf iſt erkaltet, jemehr er von Attika und Boͤotien ſich entfernt hat. Er eilt nach Patra zuruͤck, wo ihn ein Schiff erwartet. s8. B. Griechenland. III. 2. 65 162 Der 24. Dktober iſt der zur Abreiſe beſtimmte Tag. Ein mit Korinthen beladenes Schiff von Cher⸗ fon ſoll den Reiſenden nach Trieſt bringen. Da es jedoch fuͤnf bis ſechs Tage zu Arta bleiben muß, um Waaren einzunehmen, ſo beſucht er die alte Nikv⸗ polis und den Wald von Dordona. Ungerne trennt er ſich von ſeinem Wirthe Nikolaus Stra⸗ ni, Konſul der engliſchen Nation zu Paträ, einem geraden, dienſtfertigen, gutherzigen und fein gebilde⸗ ten Manne, bei dem er ſich ſtets recht wohl befunden hatte. Nachdem man die Inſeln Theaki und Leuka⸗ dien wieder geſehen hatte, kam man in drei Tagen in der Meerenge von Arta, ehemals Ambraeia, an; ein guͤnſtiger Suͤdwind trieb das Schiff ſtets gluͤck⸗ lich dem Ziele zu. Der Meerbuſen von Ambracia hat einen Um⸗ fang von mehr als zwanzig Meilen. Auf der einen Seite deſſelben ſtand ehemals Actium; auf der a⸗ dern iſt Preveſſa, und hinter ihnen ſind die Schutt⸗ haufen von Nicopolis. Amphitheatermaͤßig gebil⸗ dete Waͤlder begraͤnzen von allen Seiten den Meerbu⸗ ſen, die Stadt und die Ruinen. Man wirft Anker, und bald iſt die Nacht vorbei. Um Uhr Morgens reiſt er zu Pferde nach Ja⸗ nina, ehemals Jvannina, die Reſidenz des Be⸗ fehlshabers von Nieder⸗Romelien, Ali Pa⸗⸗ ſcha. Dieſer Tuͤrke nimmt gerne Geſchenke, und 163 will deßhalb alle Fremden ſehen. Den andern Tag begibt ſich unſer Reiſender nach dem Walde von Do⸗ don a. Dieſes lag einſt wahrſcheinlich am Fuße des Berges Tomarus, der ſehr guellenreich iſt. Der Weg zwiſchen den Bergen iſt beſchwerlich; nichts als Abgründe, duͤrre Felſen, duͤſtere und tiefe Thaͤler Nach vierſtuͤndiger Reiſe entdeckt man den Aornus oder Avernus, den beruͤchtigten See Acheruſium nebſt den Fluͤſſen Acheron und Cveytus, die aus ihm hervorkommen. Ihr Waſſer iſt truͤbe und ſtin⸗ kend; aber weder groß noch ſchrecklich. Von Do⸗ dona ſelbſt iſt keine Spur mehr vorhanden. Das wahre Drakel von Dodona iſt heut zu Tage das Gold in den Haͤnden des Paſcha; dieſes Drakel ſpricht aber bloß mit ſich ſelbſt. Das nahe Nikopolis verdankt ſeinen Urſprung dem Siege bei Actium. Der Reiſende verlaͤßt die Gegend, und ſchifft ſich ein; die fuͤnf Tage der Ruhe ſind voruͤber. Nach ei⸗ ner zweimonatlichen beſchwerlichen Fahrt iſt er endlich in Trieſt. 164 Dritter Theil. Goru. Corfu iſt die erſte unter den joniſchen Inſeln⸗ und liegt zwiſchen dem 39. und 40. Grade der Breite, und zwiſchen dem 37. und 38. der Laͤnge. Sie laͤuft von Suͤd⸗Bſt nach Nord⸗Nord⸗Weſt, und hat 48 Meilen in ihrer groͤßten, s in ibrer kleinſten Breite; ſie iſt 43 Meilen lang, hat 140 Meilen im Umfange, und enthaͤlt gegen 450 Quadrat⸗Meilen. Die Bevoͤl⸗ kerung belaͤuft ſich auf 60,000 Seelen. Der Landbau auf der Inſel iſt ſchlecht; die Einwohner ſind im Ganzen arm. Die Delbaͤume ſind der Hanptzweig der Landeskultur, obgleich auch ſonſt jede Getreideart, wie auch Wein wachſen kann. Die Inſel iſt voll die⸗ ſer Bäume, was ſchaͤdlich, ſelbſt dem Baue dieſer nicht wohlthaͤtig ſeyn kann. Es gibt vier verſchiedene Arten dieſer Baͤume, die, ohne daß der Corfuote ſich viel Mühe gibt, einen jaͤhrlichen Ertrag von 272,727 Zechinen abwerfen, ob ſie gleich nur alle zwei Jahre Fruͤchte bringen. Eine regelmaͤßige gute Ve⸗ handlung des Delbaums kennen die Corfuoten nicht, und moͤgen ſie auch nicht kennen lernen. Eben ſo unbekannt ſind ſie mit der vortheilhaften Art, das Del auszupreſſen; daher iſt ihr Del herbe. Sie wollen 165 nicht wiſſen, daß die Fruͤchte nicht ganz reif ſeyn duͤr⸗ fen, wenn man gutes Del gewinnen will. Auf der In⸗ ſel zaͤhlt man indeſſen 1080 Delpreſſen, die taͤglich drei Gaͤnge gut preſſen. Bei jedem Mahlen zerguetſcht man 12— 46 Maaß, jedes von so— 60 Pfund. Wun⸗ derbar iſt es, daß die Baͤume nicht alle Jahre tragen, was vielleicht doch geſchehen wuͤrde, wenn man ein den Oliven ſchaͤdliches Inſekt auszurotten wuͤßte. Uebri⸗ gens wird auf der Inſel noch etwas Weniges von ei⸗ ner Weizenart, Gurria, gebaut, der reichlicher ge⸗ baut werden koͤnnte, wenn die Faulheit der Landleute es geſtattete. Auch hat die Inſel Wein von mittel⸗ maͤßiger Guͤte, nur zu ſtuͤrmend und ſtark, auch Salz aus drei Gruben, zu Eftimo, aus der Grube der Caſtraden, und zu Potames, die allmaͤhlig ver⸗ beſſert werden. Außerdem hat die Inſel noch etwas Gallaäpfel, aus einem Eichenwalde in der Naͤhe von Eftimv. Der wenig ergiebige Anbau dieſer an ſich fruchtbaren Inſel hat ſeinen Grund in ihrer Bot⸗ maͤßigkeit; ſie gehoͤrt den Venetianern, den raubſuͤch⸗ tigen Venetianern; und Niemand baut gern um ſonſt. Preveſa, am Meerbuſen von Arta, gehoͤrt den Venetianern, ſo wie die nahen Staͤdtchen Parga und Vonizza auf dem feſten Lande von Nieder⸗Albanien. Das Gebiet hat nicht uͤber drei Meilen im Umfange, und doch 10,000 Einwohner, groͤßtentheils albaniſche 166 Verbannte. Getreide baut man kaum für den Bedarf Leuug; doch wird viel ausgefuͤhrt aus den benachbar⸗ ten tuͤrkiſchen Laͤndern, Weizen, Mais, Gerſte und und Hafer. Preveſa iſt der Brt des Abſatzes. Auch fuͤhrt Preveſa noch Dlivenoͤl, einige Corduane und Ziegenfelle aus. Die Schifffahrt iſt ſtark. Arta, obgleich zwoͤlf Meilen vom Meere abgelegen, iſt den⸗ noch ein vorzuglicher Handelsplatz von Nieder⸗Al⸗ banien, in einer fruchtbaren Ebene zwiſchen dem Meere und Janina. Arta hat sooo Einwohner, liegt zwiſchen dem zo. und 40. Grade der Breite, und zwiſchen dem a. und 19. Grade der Laͤnge, 20 Mei⸗ len von der Hauptſtadt Janina. Die Luft daſelbſt iſt ungeſund. Die Einwohner ſind Tuͤrken, einge⸗ borne Griechen, Juden, Venetianer. Arta fuͤhrt ſeine Produkte aus, Weizen, Mais, Gerſte, Ha⸗ fer, Bohnen, hat Baumwollen-, Wollen- und Sei⸗ den⸗Manufactur, iſt Waarenplatz fuͤr Kaufleute, welche nach der Levante und nach Morea handeln, hat viele Waldungen, fuͤhrt daher viel Bauholz aus, beſonders Eichen und Ruͤſtern. Die Tuͤrken verſtehen die Kunſt nicht, dieſe Waͤlder zu erhalten. Parga liegt im Meerbuſen von Arta, hat 4000 Einwohner, welche von den Erzeugniſſen ihres Bodens und vom 167 Handel, mit zwanzig kleinen Fahrzeugen betrieben⸗ leben. Die Stadt liegt auf einer Anhoͤhe an der Weſtkuͤſte, und hat zwei Forts zur Vertheidigung ge⸗ gen die ſtolzen Albanier. Die Einwohner ſind tap⸗ fer und muthig, und ſelbſt die Frauen kaͤmpfen, wenn es noͤthig iſt, mit Ausdauer. Santa Maura, eine levantiſche Inſel, von Suͤd gegen Nord 42 Mei⸗ len lang und 18 Meilen breit, nahe bei Cephalo⸗ nia. Gegen Weſt hat ſie das joniſche Meer, ge⸗ gen Oſt die Buſen von Patraͤ und Lepanto. Sie iſt nicht ſo unfruchtbar, als Theaki, und hat 12,000 Einwohner, welche ein halbes Jahr von den Erzeug⸗ niſſen des Bodens leben. Del, Wein, Kaͤſe und Ho⸗ nig ſind Ausfuhrartikel. Sie hat auch einigen Ko⸗ rallenfang. Ihr beſtes Erzeugniß iſt das Salz, aus Salinen gewonnen. Zum Ungluͤcke ſind die Salinen an Private verpachtet. Morea, ehemals Peloponnes, iſt heut zu Tage eine turki⸗ ſche Provinz. Die Landenge von Korinth verbindet es mit Livadien. Noͤrdlich bildet dieſe Landenge den Meerbuſen von Lepanto, oͤſtlich den Buſen von Kechries. Morea liegt unter dem 36. Grade der Breite, und zwiſchen dem 39. und 42. Grade der Laͤnge. Gegen Nord grentt es an den Buſen von 168 Levanto, gegen Weſt an das jonjſche, gegen Sůd an das ſieiliſche Meer, und gegen Oſt an den Bu⸗ ſen Kechries und an den Archipel. Seine Laͤnge betraͤgt vom Vorgebirge Rio bei Patra bis zum ge⸗ genuͤber ſtehenden Vorgebirge St. Angelo a4o Mei⸗ len; ſeine Breite von Gaſtuni bis Napoli di RNomania 100 Meilen. Sein Umfang belaͤuft ſich auf 600, und ſein Flaͤchengehalt auf 7600 Qundrat⸗ meilen. Außer den genannten Buſen hat es noch fuͤnf andere, den von Patraͤ, von Koron, von Kolo⸗ kitia, von Arkadien und von Napoli di Ro⸗ mania. Dieſe Meerbuſen umringen es regelmaͤßig, und geben ihm das Anſehn eines Maulbeer⸗Blattes; daber der Name Morea. Seine vorzuͤglichſten Vor⸗ gebirge ſind das Kap Matapan und St. Angelo, ehemals Tenaros und Malea genannt. Große Haͤfen ſind auf der Oſtſeite Napoli di Romania auf der Weſtſeite Navarino, die den Haͤfen von Plymouth, Cadix, Syrakus und Breſt nicht nachſtehen. Andere auch gute Haͤfen ſind zu Panta⸗ lidi, Koron, Armiro, Schiſa, Kitries, Si⸗ dara, Porto Lungo, Sapienza, Napoli di Malvaſia, Voſtizza, Lampridia u. ſ. f. Au⸗ ßerdem hat es eine Menge Rheden und Buchten, zu Korinth, Chiarenza, Caſtro, Calamatg 2. Dieſe Halbinſel wird von zehn Feſtungen und Schlöſſern vertheidigt. Dieſe ſind das Schloß von Morea, rechts am Eingange in den Meeybuſen von 169 Lepanto; dann Chiarenza, Torneſe, Alt⸗ und Neu⸗Navarino; die Forts von Korinth, Pa⸗ traͤ, Modon, Koron, Malvaſia und Roma⸗ nia. Sie ſind im ſchlechten Vertheidigungszu⸗ ſtaude. Die Bevoͤlkerung, einſt acht Millionen, hat heut zu Tage(d. h. zu Serofani's Zeit, denn Alles bier geſagte gilt nur von den Jahren 4794 und 17960 nicht mehr als 260,000 Menſchen, so,000 Mahomeda⸗ ner, 180,000 Griechen, 20,000 Inden und andere Voͤl⸗ ker⸗Glieder, Frauken u. ſ. f. Die Tuͤrken ſind Nachkommen der alten Tataren und Seythen, gemiſcht aus Perſern, Arabern, Griechen, Afrikanern, Selavoniern, von der Hefe an⸗ derer Voͤlker. Die Griechen ſind groͤßtentheils Eingeborene. Die mahomedaniſche Religion, voll Aberglaubens, iſt eine Quelle der tollſten Meinungen, welche die Faulheit wecken und befoͤrdern, der Induſtrie unend⸗ lich ſchaden, und Armuth im Lande verbreiten, Schlaf⸗ ſucht befoͤrdern, Leidenſchaften und Laſter beguͤnſtigen, Rachſucht verbreiten, und Unwiſſenheit zur Zierde der Menſchheit ſtempeln. Dem Staate koſtet die Religion uͤberhaupt durch ihre Diener viel Geld, und viele Be⸗ duͤrfniſſe wuͤrden nicht ſeyn, wenn man nicht fo viele Muftis, Mollhas, Dexwiſche u. ſ. f. haͤtte. 170 Wohl haben die Griechen auch manches ihnen ſchaͤdliche Vorurtheil in ihrer Religion; auch zu viele Geiſtliche und Moͤnche; doch ſind dieſe letzteren noch thaͤtig, und leben nicht ganz wie die Faulbaͤuche der Tuͤrken, von anderer Habe zehrend. Ueberhaupt wuͤrde Morea unter einer anderen Regierung große Fortſchritte in der Civiliſation ma⸗ chen; nur die Woiwoden, Kadis, Agas, Ja⸗ nitſcharen und Muſelmaͤuner hinaus gejagt! Daun ſind die tuͤrkiſchen Sitten kein Hinderniß der ſteigenden Kultur mehr. Mit dieſen verſchwinden dann Stolz, eitler Sinn, Habſucht und Faulheit, Geldbegierde, Rohheit in Luͤſten und andere Bar⸗ barei. Iſit gleich der Luxus der Luͤrken in ihren Klei⸗ dungen und Speiſen nicht groß, ſo iſt er es doch in Tabakspfeifen und Pferdeſchabracken, in Geſchmeide und andern Dingen, an welchem oft die Thraͤnen der Griechen zu ſchimmern ſcheinen. Iſt auch das Haus der Tuͤrken von Auten nicht ſehr praͤchtig, ſo ruht doch im Innern die Tuͤrkin wie der Tuͤrke auf pracht⸗ vollem Raube, trinkt Scherbet, Branntwein, raucht Tabak aus Pfeifen, die oft 300 Piaſter koſten, und lebt ſorglos unthaͤtig, als die Drohne Griechen⸗ lands, ohne Kuͤnſte zu heben, oder zu ſchaͤtzen, ohne den Ackerbau zu befoͤrdern, ohne die Wiſſenſchaften zu treiben und zu pflegen, auf nichts denkend Tag —— — 171 und Nacht, als wie er am beauemſten den Griechen ausſauge. Wohl haben die Griechen manche Sitte, manchen Luxus, manche haͤusliche Einrichtung, manche Ge— wohnheit der Tuͤrken fklaviſch nachgeahmt; aber mehr aus Liſt; doch nicht alle. Ihre Faulheit kennt der Grieche nicht; dieſer iſt thaͤtig und gewandt, treibt Handel, und erwirbt ſo viel er kann, ohne es merken zu laſſen, damit man es ihm laſſe. Er macht daher wenig Aufwand, und iſt geizig. Den Ackerbau be⸗ ſorgt er ſo viel, als noͤthig iſt, um zu leben, oder noch etwas zu gewinnen. Mehr zu thun wagt er nicht, weil man ihm den Gewinn rauben wuͤrde. Auch die Viehzucht iſt dem Griechen nicht ganz fremd. Morea iſt uͤberhaupt fruchtbar, es bringt Ge⸗ treide aller Art, Huͤlſenfruͤchte, Wein, Dliven; Maul⸗ beer⸗Baͤume und Seidenbau; Korinthen, Limonien⸗ Obſt aller Art, faſt wild wachſend; dieß Alles liefert dieſes Land. Wolle, Flachs, Hanf wuͤrde es noch mehr produciren, wenn man dieſe Dinge beſſer be⸗ handeln wollte. Es fehlt dem Lande an gar nichts, es hat Alles; allein die Griechen ſind unterdruckt, und die Zeit allein kann die Tuͤrken aus ihrem Schlummer aufwecken. Man reformire die Luͤrken⸗ Regierung und ihre Religion; man verhindere die Peſt mehr; man loͤſe die Lehenſchaften auf, und zaͤhme die Raubſucht der Albanierz man gebe dem Lande geſetzliche Freiheit, und die vorzuͤglichſten Hin⸗ derniſſe des Ackerbaues und der Induſtrie ſind geho⸗ ben. Dann laſſe man den Handelsſinn der Griechen, und ihren Unternehmungsgeiſt, der nur ſchlummert, das Vebrige vollenden, und Griechenland wird ſeinen Ahnen wieder Ehre machen, der Menſchheit Freude ſeyn. * F. A. v. Chateaubriand's Reiſe von Paris nach Jeruſalem durch Grie⸗ chenland und Kleinaſien, und Rück⸗ reiſe durch Aegypten, Nord⸗Afrika und Spanien, während der Jahre 1806 und 1807, im Auszuge mitgetheilt). Doeich es Chateaubriand's Abſtcht nicht war, ſeine Reiſe zu beſchreiben, ſondern nur Bilder *) Francois August vicomte de Cha- teaubriand, Meffe des edlen Malesherbes, geboren zu Combourg 1769, trat 1756 in das In⸗ fanterie⸗Regiment Navarra, begab ſich 1739 den wilden Amerikanern in Kentuky, kehrte nach zwei Jahren zuruͤck, focht 1702 bei Thionvike u ter den Emigranten bis zur Verwundung, reiſto durch England und Deutſchland, kehrte 1500 nach Frankreich zurück, wurde 4803 Sekretaͤr des Kard. Feſch als franzöſiſchen Gelandten zu Rom, 174 zu ſeinem Werke: die Martyrer zu ſuchen, ſo er⸗ regten doch die fruͤher mitgetheilten Bruchſtuͤcke der Reiſebeſchreibung dieſes geiſtvollen Mannes eine ſo allgemeine Theilnahme in ganz Frankreich, daß nach Erſcheinung der erſten Ausgabe des Driginals in wenigen Monaten eine zweite erſchien. Eine Reiſe in die Morgenlaͤnder, erzaͤhlt Chateaubriand, ſchloß den Kreis der Studien⸗ 4 dann auch Miniſter⸗Reſident im Kanton Wallis, verließ dieſen Poſten 104. reiſte 506/7 nach Pa⸗ laͤſtina(Itineraire de Paris ä Jerusalem), wurde 1811 Mitglied des Inſtituts zu Paris, machte einige Reiſen, erklaͤrte ſich als Schriſtſteller 814 gieich nach Napoleons Sturie fuͤr die Bourbons⸗ begab ſich bet deſſen Landung nach Gent wurde 19. Auguſt 1813 Miniſter und Paͤr, fiel 1846 we⸗ gen der Schrift„De ia mofarchie sclon la charte“ in die Ungnade, wurde aus dem Staats⸗ rathe entfernt, blieb hartnaͤckig ultraroyaltſtiſcher Schriftſteller, wurde 1820 auſſerordentlicher Ge⸗ ſandter zu Berlin, 1822 Mitglied des geheimen Raths und Miniſter, 1822 außerordentlicher Ge⸗ fandter zu London, wohnte dem Kongreſſe zu Verona bei, wurde endlich Geſandter zu Rom, welche Stelle er 1329 wegen der Erhebung des Fuͤrſen v. Polignac zum erſten Miniſter groß⸗ muͤthigſt mederlegte. Er iſt der fruchtbarſte aber auch Phantaſie reichſte Schriftſteller Frankreichs, jobte und tadelte Napoleon und die Bourbons nach den Farben der herrſchenden Politik. Les Martyrs, ou le triomphe de la veligion chrétienne. 8 175 welchen ich mir zur Aufgabe gemacht hatte. In den Wuͤſten Amerika's hatte ich die Denkmaͤler der Natur betrachtet; von den Denkmaͤlern der Menſchen kannte ich nur zeltiſche und roͤmiſche; ich mußte noch die Truͤmmer von Athen, Memphis und Karthago betrachten. Auch eine Pilgerreiſe nach Jeruſalem wollte ich machen; ich vielleicht der letzte Franzos, welcher mit den Anſichten, Abſichten und Geſinnungen eines arten Pilgers, ſein Vaterland verlaͤßt. Am 13. Juli asos reiſe ich von Paris uͤber Mailand, Verona, Vicenza und Padua nach Venedig. Ich betrachtete waͤhrend der fuͤnf Tage mei⸗ nes Aufenthaltes daſelbſt die Ueberreſte der verſchwunde⸗ nen Groͤße letzterer Stadt. Man zeigte mir eirige gute Gemaͤlde von Tintoretto, Paul Veroneſe und ſeinem Bruder, von Baſſano und Litian. In einer alten verfallenen Kirche fand ich Titians Grab nicht ohne Muͤhe. Eben ſo ging es mir in Rom mit des frommen, ungluͤcklichen Taſſo's Aſche, welche unbekannt unter den Pomeranzen⸗Baͤumen bei der Kirche des heil. Onup hrius ruht. Je weiter unſer Fahrzeug ſich von Venedig ent⸗ fernte, deſto tiefer ſah ich die Lichter dieſer Stadt unter dem Geſichtskreiſe ſinken, und wie Flecken auf dem Meeresſpiegel erſchienen mir die Schatten der Eilande, womit der Meerbuſen beſtet iſt. Die Glok⸗ ken der Kirchen und Kloͤſter anf dieſen Silanden er⸗ Gebiete des Ungewitters und der Geſahren. Die Moͤnche derſelben kamen mir vor, wie alte Seeleute, welche nach langen Irrfahrten in den Hafen einge⸗ laufen ſind⸗ Auf dem Wege nach Drießt beſuchte ich Agus⸗ leja, war aber nicht begierig die Deffnung zu ſehen, durch welche Gothen und Hunnen in Hor⸗ zens und Virgils Vaterland einbrachen; noch dis Spuren jener Heere zu ſuchen, welche die Rache des Himmels ausuͤbten. An den Kuͤſten von Trieſt ath⸗ met man die letzte italiſche Luft. Hr. Seguier, fran⸗ zoſiſcher Konſul in Trieſt, miethete fuͤr mich ein Schiff; wir fuhren mit unguͤnſtigen Winden am 1. Auguſt aus dem Hafen. Auf den Kuͤſten Kroatiens wur⸗ den wir von einem beftigen Sturme uͤberfallen, wel⸗ cher waͤhrend eines Theiles der Nacht fortdau⸗ erte. Als ich noch jung war, erweckten in meiner Seele das Geraͤuſch der Wogen, die Einſamkeit des Meeres, Winde, Klippen und Gefahren nur Vergnů⸗ gen. Seit meiner letzten Reiſe hatten ſich meine An⸗ ſichten geaͤndert. Am z. kamen wir mit beſtaͤndigem Nord⸗Weſt⸗ Winde ſchnell an den Inſeln Pommo und Pels⸗ goſo voruͤber; die dalmatiſchen Inſeln ließen wir links liegen, und erblickten Rechts den Berg St. Angelv(Garganus, uͤber Manfredonia nahe — innerten nur an Frieden und Mildthaͤtigkeit in dem bei den Ruinen von Sipontum, auf der Kuͤſte von Italien. S In der herrlichen Nacht des 4. ſang ein Schiffs⸗ junge den Anfang des ſiebenten Geſanges des befrei⸗ ten Jeruſalem: Intanto Erminiainfra 1* 0 m- brose piante, welche Schilderung laͤndlichen Glückes im Munde eines Matroſen auf dem Meere, mich noch einmal ſo bezauberte. Die Alten, überall unſere Meiſter, kannten die Wirkungen ſolcher Gegen⸗ ſaͤtze. Theokrit verſetzte oft ſeine Hirten an die ufer des Meeres, und Virgil ſtellt die Ruheieit des Landmannes mit den Arbeiten des Seemannes zu⸗ ſammen. Am s. befanden wir uns in der Einfahrt des adriatiſchen Meeres, zwiſchen dem Kap Otranto in Jtalien und dem Vorgebirge Linguetta in Albanien. Hier war ich alſo an der Grenze des alten Griechenlands, in der Naͤhe Latiums. Pythagoras, Alzibiades, Szipio, Caͤſar, Pompejus, Cieero, Auguſt, Virgil, Horaz haben dieſes Meer befahren. Welche ganz verſchiedene Habe vertrauten dieſe Maͤnner dem unſichern Meere an! Und ich, der unbedeutende Reiſende, welcher uͤber die erloſchene Spur der Schiffe h nfuhr, welche die großen Maͤnner Griechenlands und Italiens tru⸗ gen, wollte die Muſen in ihrer Heimath beſuchen. Aber ich bin nicht Virgil, und die Goͤtter bewohnen den Olymy nicht mehr! o6. Z. Griechenland. III. 2. 4 178 Wir ſahen links Fanv und die Inſel Korfu, welche ſich nach Morgen ausdehnte, und uͤber dieſen Inſeln das Feſtland von Epirus. Die akrocerauni⸗ ſchen Gebirge, an welchen wir ſchon voruͤbergeſegelt, bildeten nordwaͤrts hinter uns einen Kreis, welcher ſich bis an den Eingang des adriatiſchen Meeres zog. Rechts nach Abend ſank die Sonne auf die Kuͤſte von Otranto, und vor uns war das offene Meer, welches ſich bis zu Afrika's Geſtaden ausdehnte. Waͤhrend einer kurzen Daͤmmerung war der Himmel gegen Abend weiß, hellblau im Zenith und perlgrau im Oſt. Die Sterne zeigten ſich klein, wenig flim⸗ mernd, aber ihr Licht war golden, und von usbe⸗ ſchreiblich mildem Glanze. Am Rande des Horizonts verſchmolz das Meer, von leichten Nebeln bedeckt, mit Wolkengraͤnze. Unter der Inſel Fano ſah man ein Feuer, von Fiſchern angezuͤndet. Waͤhrend ich am s. die Inſel Korfu betrachtete, gingen in meiner Seele Erinnerungen in Betreff dieſer Inſel aus der alten und neuen Zeit voruͤber. Kor⸗ fu,(im Alterthume Dreſane, Maeria, Scheria, Kor⸗ eyra, Ephiſa, Kaſſiope, Keraunia und ſelbſt Argos ge⸗ nannt), iſt ſeiner Unruhen wegen bekannt, welche Thueydides ſo beredt beſchrieben hat; Arißote⸗ les lebte hier in Verbannung; Alexander, als Juͤngling vom Hofe ſeines Vaters entfernt, landete auf Koreyra, und die Bewohner dieſer Inſel ſahen zuerſt dieſen bewaffneten Reiſenden, welcher alle Bol⸗ * 179 ker der Erde beſuchen ſollte. Auch unter den Roͤ⸗ mern war Korcyra, wie in fruͤheren Zeiten, ein Schauplatz ruhmvoller und ungluͤcklicher Ereigniſſe. Kato traf hier mit Cicero nach der phar ſali⸗ ſchen Schlacht zuſammen; einer ging hierauf nach Attika, um ſich den Tod mit eigener Hand zu gs⸗ ben, der andere brachte ſein Haupt den Triumvirn dar. Antonius und Oktavia feierten auf Koreyra ihre ungluͤckliche Verbindung, und Agrippina beging auf derſelben Stelle die Leichenfeier ihres Gez⸗ manikus. Von Koreyra reiſte das kleine Heer der Kreui⸗ fahrer, um einen franzoͤſiſchen Edelmann auf den Thron von Kouſtantinopel zu ſetzen. Apollidor, Biſchof von Korfu, zeichnete ſich durch ſeine Gelebr⸗ ſamkeit auf dein Konzil zu Nizaͤa aus. Der beilige Jaſon und der beilige Sopißtrates waren unter der Regierung des Klaudius die Apoſtel der Be⸗ wohner von Koreyra. Soptſrates ließ ſich in ei⸗ nem ehernen Stiere verbrennen, weil er den Menſchen verkundigt hatte, daß ſie Brüder ſind, daß ſie ſich ein⸗ ander lieben, beiſtehen, und durch Ausuͤbung der Tu⸗ gend zu Gott erheben muͤſſen. Am 7. keuerten wir der Inſel Zephalonia zu, und hatten am s. Leukate(jetzt St. Mauro) zu unſerer Linken; wir erblickten es ſo, als wenn es mit einem hohen Vorgebirge der Inſel Ithaka und den Niederungen der Inſel Sephalonis zuſammen 180 gehangen waͤre. Man ſieht in dem Vaterlande des ulyſſes weder den waldigen Berg Neritos, noch die dreizehn Birnbaͤume des Laertes. Ich gruͤßte von Ferne die Huͤtte des SCumaneos, und das Grab des treuen Hundes. Amo naͤherten wir uns der Inſel Zante, welche verbannten Römern oft eine Zuflucht gewaͤhrte. Im Mittelalter ſtarb der Herzog von Apulien, Robert Guiskard, in Zante auf ſeiner Reiſe nach Jeruſalem. Man weiſſagte ihm, daß er zu Jeruſalem ſterben werde, daraus zos man den Schluß, daß Zante im XIV. Jahrhundert Jeruſalem geheiben, oder ein Ort dieſes Namens auf der Inſel geweſen ſey. Sante iſt ietzt wegen ſeinen Steinoͤl⸗Quellen eben ſo beruͤhmt, wie zu Herodots Zeiten, und ſeine Roſinen ſind ſo gut, als jene von Korinth. Von Zante brachte mich ein Weſtwind nach Morea. Am 10. kamen wir bei Navarini, dem alten Pylos voruber, welches von den Inſeln Sphak⸗ teria verdeckt wird. Beide gleich beruͤhmte Namen, einer in der Fabel, der andere in der Geſchichte. Um Mittag warfen wir Anker vor Modon, dem alten Methone in Meſſenien. Ich betrat griechiſchen Boden, ich war zehn Stunden von Olympia, drei⸗ ßig von Sparta, auf dem Wege, welchen Lele⸗ mach nahm, um ſich bei Menelaus nach ulyfſes zu erkundigen. ————————————— 181 Sobald wir uns dem Schloſſe von Modon naͤherten, riefen uns von der Spitze eines Felſen Tuͤr⸗ ken in italiſcher Sprache ihr Willkommen zu. Nach ͤcht griechiſcher Anſicht zog ich aus dieſen Worten eine gute Vorbedeutung. Die Luͤrken warfen ſich in das Waſſer, umunſere Schalupe an das Land zu ziehen. Alie ſprachen zugleich, und thaten an den Schiffshaupt⸗ mann tauſend Fragen, in griechiſcher und italiſcher Sprache. Bei unſerm Eintritte in Modon ſaßen die Tuͤrken auf hoͤlzernen Tiſchen, unter elenden Lein⸗ wandtuͤchern, welche von einem Hauſe zu dem andern geſpannt waren. Sie rauchten Tabak, tranken Kaffee, lachten, ſchwatzten und machten viel Laͤrm. In dem vor Alters beruͤhmten Modon beſuchte ich den Aga, einen armen Mann, welcher mich ziem⸗ lich herzlich empfing. Dann begab ich mich in die Wohnung des deutſchen Vieekonſuls, welcher in dem Flecken der Griechen außerhalb der Stadt wohnt⸗. In allen Orten, wo Soldatenpoſten ſind, wohnen die Griechen von den Tuͤrken abgeſondert. Waͤhrend wir nach dem Flecken der Griechen gingen, bewunderte ich die tuͤrkiſchen Graͤber, welche von hohen Zypreſſen beſchattet waren, an deren Fuße die Wosen des Mee⸗ res ſich brachen. Der Anblick weiß verſchleierter Weiber, Schatten aͤhnlich, unter den Graͤbern, konnte mich an das Vaterland der Muſen erinnern. Der Begraͤb⸗ nißplaß der Griechen in der Naͤhe deſſelben iſt ver⸗ falen, ohne Grabſtein und ohne Baͤume. Die Waſſer⸗ 182 Melonen, hier und da auf dieſen verlaſſenen Graͤbern wachſend, gleichen Menſchenſchaͤdeln, welche zu be⸗ graben man ſich nicht die Muͤhe genommen hat. An dieſen traurigen Begraͤbnißplaͤtzen ſieht man ſelbſt nach dem Tode, welcher doch alles gleich und frei macht, den Unterſchied zwiſchen Despoten und Sklaven. Bei dem deutſchen Vicekonſul, welcher in einer erbaͤrmlichen Gypshuͤtte wohnte, uͤbernachtete ich. Ich konnte aber kein Auge ſchließen: denn ich boͤrte das Bellen der Hunde Lakoniens, und das Brauſen des Windes von Elis. Am a1. um drei Uhr fruh brachen wir nach Koron auf. Die Ordnung unſeres Zuges war auf unſerer ganzen Reiſe folgende: Voran ritt der griechiſche Poſtillion mit einem Handpferde, um es zum Erſatze im Nothfalle zu haben. Dann folgte mein Janitſchar mit dem Turban auf dem Kopfe, zwei Piſtolen und einem Dolche im Guͤrtel, einem Saͤbel an der Seite und einer Peitſche in der Hand, um die Pferde des Wegweiſers anzutreiben. Ich folgte ihm, ungefaͤhr eben ſo bewaffnet, und hatte überdieß noch eine Jagdflinte. Mein Dolmetſch Jo⸗ ſeph, ein Mallander, welcher in Smyrna wohnte, ſchloß den Zug. Er war ein kleiner, blonder Mann⸗ dickbaͤuchig, von einer bluͤhenden Geſichtsfarbe, und ſehr freundlich. Er war gauz in blauen Sammet ge⸗ kleidet, hatte zwei lange Sattelpiſtolen in einem engen Guͤrtel, durch welchen ſeine Weſte ſo ſeltſam gehoben wurde, daß ihn der Janitſchar nie ohne Lachen an⸗ ——— ———— ———— . 183 ſehen konnte. Mein Gepaͤck beſtand aus einem Tep⸗ piche, einer Pfeife, einem Kaffetopfe und einigen Shawls, mit welchen ich Nachts den Kopf um⸗ wickelte. Im ſchnellen Trabe erſtiegen wir die Berge, und ritten dicht am Rande von Abgruͤnden im Galopp hinab. Die tuͤrkiſchen Krieger kennen keine andere Art zu reiten, und wer nur die mindeſte Furcht mer⸗ ken ließe, wuͤrde ſich ihrer Verachtung ausſetzen. Man reitet acht bis zehn Stunden mit den naͤmlichen Pferden, welche man auf der Haͤlfte des Weges aus⸗ ruhen laͤht, ohne daß ſie gefüttert werden. Abends kommt man zuweilen in eine verfallene Herberge, wo man unter allen Arten von Inſekten und Gewuͤrmen auf einem verfaulten Fußboden ſein Lager nimmt. Der Reiſende ſelbſt muß fuͤr Lebensmittel ſorgen. Mein Jauitſchar ging in den Dorfern auf die Jagd, und brachte mir zuweilen einige Huͤhner. Auf der Erde ſitzend, zerriſſen wir das gebratene Gefluͤgel mit den Fingern, und gingen nach dem Eſſen zum naͤchſten Bache, um Bart und Haͤnde zu waſchen. So reiſt man jetzt in dem Lande, wo Alzibiades und As⸗ paſia lebten. Von Modon ging unſer Weg durch einen Wald von Delbaͤumen, dann zwei Stunden uͤber ſehr oͤde Gehirge. Meerbinſen und eine Art ſtachlien welken Haidekrautes wachſen hier in eintelnen Buͤſchen 184 Dicke Ableger von Lilien zeigten ſich hier und da an der Dberflaͤche der Erde. Darauf ſtiegen wir in einen Thalgrund, wo wir einige mit Gerſte und Baumwolle beſaͤte Felder ſahen. Wir kamen uͤber einen ausge⸗ trockneten Gießbach, deſſen Bett voll war von Lor⸗ berroſen und Keuſchbaum(Vites agnus castus), ei⸗ nem Strauche mit langen, blaſſen und duͤnnen Blaͤt⸗ tern, deſſen lilasfarbige, ein wenig wollige Blume ſich ſpindelfoͤrmig verlaͤngert. Dieſe beiden Straͤuche findet man faſt uͤberall in Griechenland als Zierde trauriger Einoͤden. Aus dem Thale fuͤhrt der Weg wieder uͤber Berge. Als wir die letzte Spitze erſtiegen hatten, entdeckten wir den meſſeniſchen Meerbu⸗ ſen, welcher uͤberall von Bergen eingefaßt iſt, unter welchen ſich der Ithome durch ſeine abgeſchiedene Stellung, und der Taygetus durch ſeine beiden ſpitzigen Gipfel auszeichneten. Ein wenig abwaͤrts vom Gipfel des Temathia entflohen bei unſerer Ankunft die Einwohner einer elenden griechiſchen Meierei. Bei weiterm Hinabkommen ſahen wir unter uns die Rhede und den Hafen von Koron, wo ei⸗ nige Schiffe vor Anker lagen. In der Ebene am Fuße der Berge, welche ſich bis an das Meeresufer erſtreck⸗ ten, ließen wir Rechts ein Dorf liegen, in deſſen Mitte eine Art feſten Schloſſes ſich erhob. Dorf und Schloß waren von einem großen tuͤrkiſchen Kirchhofe umſchloſſen, welcher mit alten und jungen S bedeckt war. ee * ——— . 185 Von dieſem Kirchhofe bis Koron ſind etwa noch zwei Stunden. Wir gingen durch einen ununterbro⸗ chenen Delwald, welcher mit halb abgemaͤhten Wei⸗ zen beſaͤet war. Der Boden iß durch tiefe, ungleiche Regengraͤben zerriſſen. In Koron wurde ich von dem franzoͤſiſchen Kon⸗ ſul Vial ſehr gut aufgenommen. Der Urſprung Ko⸗ rons reicht nicht hoch in das Alterthum, weil die Stadt von Epaminondas auf den Truͤmmern des alten Aepea gegruͤndet ward. Ob Koron das alte Korone ſey, bezweifle ich. Coronelli irrte ſich, als er Koron mit Padoſa verwechſelte, welches man nach Strabo und Panſanias in Methone (Modon) wieder findet. In Bezug auf die neuere Ge⸗ ſchichte war Koron, wie Modon, abwechſelnd im Be⸗ ſitze der Venetianer, Genueſer und Tuͤrken. Koron iſt jetzt nur ein Haufen neuer Truͤmmer. Seit im Jahre 1770 die Ruſſen die Stadt beſchoſ⸗ ſen, wurde die Volksmenge durch die Albaneſen noch mehr aufgerieben. Zur Zeit als Pellegrin reiſte, gehoͤrten zu Koron gegen so Doͤrfer; jetzt ſind kaum 3—6 in demſeiben Bezirke zu finden. Der neberreſt dieſer verheerten Felder gehoͤrt Tuͤrken, welche 3— 4000 Delbaͤume beſitzen, und in einem Harem zu Konſtantinopel das Erbe des Ariſtomenes verieh⸗ ren. Ich weinte, als ich die Haͤnde des griechiſchen Sklaven, nutzlos fuͤr ihn, von dem Dele triefen ſah⸗ 186 welches ſeinen Vaͤtern Kraft gab, um die Tyrannen zu beſiegen. Das Haus des Konſul erhob ſich uͤber den Meer⸗ buſen von Koron. Ich ſah hier das meſſeniſche Meer im ſchoͤnſten Himmelblau glaͤnzen; vor mir, auf dem andern Ufer des Meeres, erhob ſich die Kette des mit Schnee bedeckten Taygetus, welche Polybius treffend mit den Alpen vergleicht, aber mit den Al⸗ pen unter einem ſchoͤnern Himmel. Zur Rechten dehnte ſich das offene Meer aus, und links im Hin⸗ tergrunde des Meerbuſens ſtand der Berg Ithome einſam, wie der Veſuv, und mit verſtuͤmmeltem Gi⸗ pfel, wie dieſer. Ich konnte dieſes Anblickes nicht muͤde werden. Jetzt gewaͤhren die oͤden Kuͤſten Grie⸗ chenlands einen traurigen Anblick. Man hoͤrt nichts, als das ewige Heulen des Windes und das Seufzen der Wogen! Von Koron ſchiffte ich auf einem Galeeren⸗Boote nach einer angenehmen Fahrt in das Bett des groͤßten Fluſſes im Peloponnes, wo unſere kleine Barke des ſeichten Waſſers wegen ſtrandete. Von Niſſi, dem 3— 4 Meilen aufwaͤrts am Pamiſus liegenden Dorfe, beſtellte mein Innitſchar fuͤr uns Pferde, wor⸗ auf ich meine Reiſe nach Tripolizza fortſetzte. Wir nahmen unſere Richtung nach dem Berge Itho⸗ me, und ließen die Ruinen von Meſſene zur Lin⸗ ken. Nachmittags erreichten wir den Fuß des Ber⸗ ges, welcher, nach d'Anville, Sulkano heißt. 187 Wir kamen durch mehrere Doͤrfer, Ch afaſa, Ska⸗ le, Cypariſſa und einige andere, welche der Pa— ſcha auf ſeinem letzten Zuge zerſtoͤrt hatte. Ich ſah in allen dieſen Doͤrfern nur eine einzige Frau, deren blaue Augen, hoher Wuchs und Schoͤnheit ihre Ab⸗ kunft von den Herakliden verrieth. Am Berge Ithome voruͤber kamen wir an einen Bach, welcher noͤrdlich floß, und vielleicht eine der Quellen des Balyra ſeyn konnte. Ueber eine un⸗ gleiche, mit hohem Graſe und weidenden Pferden be⸗ deckte Ebene, den Viehweiden in Florida aͤhnlich, kam ich zu der Schlucht, wo die hohen Gebirge Ar⸗ kadiens und Lakoniens ſich vereinigen. Vor uns lag ein wenig links der Berg Lykaos, und wir betraten wahrſcheinlich den Boden, wo Sten ykla⸗ ros ſtand. Ich hoͤrte hier nicht die Stimme des Tyrtäos an der Spitze ſpartiſcher Schaaren, wohl aber ſah ich an dieſer Stelle einen Tuͤrken, wel⸗ cher zu mir ritt, und mich in framzoͤſiſcher Sprachs begruͤßte. Dieſer hoͤfliche Tuͤrke war ein Kaufmann aus Koron, welcher ſich in Marſeille und Paris auf⸗ gehalten hatte. Nachts langten wir am Eingange des Engpaſſes, auf den Graͤnzen Meſſeniens, Arkadiens und Lakoniens an. Zwei Reihen neben einaͤnder lau⸗ fender Berge bilden dieſes Hermaeum, welches ſich von Mitternacht nach Mittag hin oͤffnet. Der Weg er⸗ pebt ſich almaͤhlich auf der Seite Meſſeniehs⸗ 168 und ſenkt ſich ſanft nach Lakonien wieder hinab. Bald langte unſer Zug in dem Hohlwege an; einer ritt ſchweigend hinter dem andern. Der Hohlweg iſt dem Paſſe in den Apenninen, zwiſchen Perugia und Tarni ziemlich aͤhnlich. Nach drei entſetzlich lang⸗ weiligen Stunden kamen wir in eine angebaute Ebe⸗ ne, welche ſich bis nach Leondari ausdehnt. Wir waren hier in Arkadien an der Graͤnze Lako⸗ niens. Leondari, eine nach neuer Weiſe gebaute Stadt, blieb rechts liegen; unſer Weg fuͤhrte durch einen Wald alter Steineichen, einen ehrwuͤrdigen Veberreſt eines heiligen Haines. Ein ungeheuerer Geier auf dem Gi⸗ pfel eines abgeſtorbenen Baumes ſchien noch auf einen Augur zu warten. Am Fuße des Berges Boreon ſtiegen wir ab, um einen in den Felſen gehauenen Weg zu erklimmen. Solche Wege hießen in Arkadien Treppenwege. Ich fand in Moren weder grie⸗ chiſche Wege, noch roͤmiſche Heerſtraßen. Tuͤrkiſche Straßen von 2 4/2 Fuß Breite ziehen ſich durch nie⸗ driges und ſumpfiges Land. Der Weg von Boreon nach Tripolizza zieht ſich anfangs durch wuͤſte Ebe⸗ nen, und ſenkt ſich endlich in ein langes, ſteiniges Thal. Die Sonneſtrahlen waren ſengend heiß; uͤber⸗ all kein Laut als einfoͤrmiges Grillengezirve, der Huf⸗ ſchlag unſerer Pferde und die Klagelaute des Weg⸗ weiſers Bei dem Beginne der Reiſe ſingt der grie⸗ chiſche Poſtreiter ein Lied, welches er ununterbrochen 189 auf der ganzen Reiſe fortſetzt. Das Lied, gewoͤhnlich eine lange gereimte Geſchichte, vertreibt den Abkoͤmm⸗ lingen des Linus die Zeit. Der Strophen ſind ſebr viele, aber die Sangweiſe iſt traurig, und ziemlich äbnlich der Weiſe der alten franzoͤſiſchen Romanzen. Drei Stunden von Tripolizza forderten zwei Dffiziere von der Leibwache des Paſcha meine Waffen; ich weigerte mich gerade zu. Als aber mein Janitſchar ſagte, dieß geſchaͤhe bloß aus Neugierde, ſo willigte ich in ihr Begehren. Sie unterſuchten meine Piſto⸗ len lange, und ſchoſſen ſie mir uͤber dem Kopf los. Dieſes groben Scherzes uͤberdruͤßig, ſprengte ich an die Tuͤrken, und ſchoß ihre eigenen Piſtolen ſo nahe vor ihrem Geſicht los, daß das Zuͤndpulver dem juͤng⸗ ſten Spahi den Knebelbart verſengte. Als ſie nach gegen ſeitiger Erklaͤrung erfuhren, daß ich ein Fran⸗ zoſe ſey, erwieſen ſie mir alle erdentliche Hoͤflichkei⸗ ten. Sie gaben mir meine Pißolen geladen zuruͤck; ich aber glaubte den Vorzus, welchen ſie mir einraͤum⸗ ten, geltenb machen zu möſſen, und ließ die ihrigen nur durch Joſeph laden. Zu STripolizza, in einem ziemlich duͤrren Theile des Thales von Degea gelegen, wollte ich mir einen Poſtſchein und die noͤthigen Befehle zum nebergange uͤber den Iſthmus von Korinth ver⸗ ſchaffen. Da mir aber der Dragoman des Paſcha Hin⸗ derniß machte, ſo ſagte ich, daß ich ohne Firmans abreiſen, und den Brief des Konſuls dem Paſcha nicht 190 überreichen wolle. Doch kam zwei Stunden ſpäter ein Tatar, um mich zu dem Paſcha abzuholen. Die Vor⸗ bereitungen zu meinem Empfange ſetzten mich in Ver⸗ legenheit: denn meine Kleider waren nicht in dem beſten Zuſtande, meine Stiefeln ſtaubig, meine Haare in Verwirrung, und mein Bart gleich Hektors ſchmuzzigen Varte. In meinen Mantel gewickelt ſah ich, wie ein Soldat aus, welcher aus dem Bivonak kommt. Mein Joſeph noͤthigte mich, den Mantel umzuhaͤngen. Um meinen Aufzug glaͤnzender zu ma⸗ chen, begleitete er mich nebſt meinem Janitſcharen. Er ging hinter mir barfuß, und hatte ein rothes Tuch uͤber ſeinen Hut geworfen; aber zum Ungluͤcke ward er in dieſem ſchoͤnen Aufputze an der Pforte des Pa⸗ laſtes aufgehalten. Nach zwei langweiligen Stunden ward ich zu dem Paſcha gefuͤhrt. In einem ſeidenen Kaftan, einen mit Diamanten beſetzten Guͤrtel habend, und mit ei⸗ nem Turban auf dem Haupte, ſaß er auf einem Di⸗ van. Ein Greis nahm ehrerbietig einen Platz zu ſei⸗ ner Rechten ein. Der Dragoman war feſt zu ſeinen guͤßen, und drei Pagen kanden umher, und hielten Rauchkerzchen von Ambra, ſilberne Zangen und Feuer fuͤr die Pfeife in den Haͤnden. Ich gruͤßte den Pa⸗ ſcha, und ubetreichte ihm, die Hand auf das Herz le⸗ gend, den Brief des Konſuls, und ſetzte mich Kraſt des Vorrechts der Franzoſen, ohne den Befehl dal abzuwarten. —————— 191 Der Paſcha gewaͤhrte mein Verlangen, und ich echielt wieder Vermuthen die Ehre des Kaffee's. Sehr zufrieden verließ ich den Paſcha, obgleich ich an der Chuͤre die Ehrenbezeugungen theuer genug bezahlen mußte. Gegen Abend brachte mir ein Tatar meinen Poſt⸗Firman, und den Befehl zum nebergange uͤber die kritiſche Landenge. Die Poſinſtalten in der Tuͤr⸗ kei ſind ungefaͤhr ſo, wie ſie von den roͤmiſchen Kai⸗ ſern eingerichtet wurden. Man bezahlt nichts fuͤr Pferde, das Gewicht des Gepaͤckes iſt beſtmmt, und der Reiſende muß uͤberall Lebensmittel erhalten. Da Tripolizza fuͤr mich wenig Anziehendes batte, ſo reiſte ich am s. nach Sparta. Eins Stunde von jener Stadt gegen Abend fanden wir die Ruinen eines griechiſchen Kloſters, welches die Alba⸗ neſen waͤhrend des ruſſiſchen Krieges verwuͤſtet hat⸗ ten. Innerhalb der Mauern waren Bruchſtuͤcke einer ſchoͤnen Architektur und Steine mit Inſchriften. Nach vieler Muͤhe konnte ich an einer das Wert TEIEATES entraͤthſeln. Unter dieſen Trämmern fand ich auch Herrn Fauvels Name mit Bleiſtift auf eine Mauer geſchrieben. Nur der Reiſende kennt die Freude, in fernen unbekannten Gegenden einen Namen zu finden, welcher an das Vaterland erinnert⸗ In der Richtung nach Nordweſt zogen wir durch dalb angebaute Gegenden und durch eine Einoͤde, welche bis zum Thale von Lakonien fortlaͤuft. Wir gingen durch ein ausgetrocknetes Flußbett, und wanden uns 192 mit demſelben durch ein Labyrinth von Bergen, welche nicht ſehr hoch und einander gans aͤhnlich waren. Un⸗ gefähr in der Mitte dieſer Huͤgel fanden wir einen, von zwei Platanen beſchatteten Khan, und einen klei⸗ nen kuͤhlen Springbrunnen. Auf dieſem Wege war kein beruͤhmter Ort. Als wir uns Lakonien näherten, wurden die Berge hoͤher, und waten mit einzelnen Baumgruppen bedeckt. Die Thaͤler waren enge und zerriſſen. Um Rittag erreichten wir einen armſeligen Khan, wo wir von einem muͤrriſchen Luͤrken elend bewirthet wurden. Bei dem futchtbaren Rufen dieſes Elenden brachte ein armer, gans nackter grie⸗ chiſcher Knabe, deſſen Leib von Fieber und von Gei⸗ ßelhieben geſchwollen war, uns in einem eckelhaft un⸗ ſanberen Gefaͤße Milch. Wenn ich ruhig trinken woll⸗ te, mußte ich hinausgehen: denn Ziegen und ihre Jungen gingen mir nicht von der Seite, um mir ein Stuͤck Zwieback aus der Hand zu reißen. Von dem Khan kamen wir uͤber einen Bergrücken an das Ufer eines Fluſſes, deſſen helles Waſſer wir zwiſchen großen Rohrbuͤſcheln und vollblühenden ſchoͤ⸗ nen Lorbeer⸗Roſen durchwateten. Ich wußte nicht, daß dieſer Fluß der Eurotas war. Ein Thal oͤff⸗ nete ſich vor uns, welches ſich zwiſchen mehreren faſt gleichförmigen Huͤgeln ſchlangelte. Wir folgten dem zrummen Pfade, und waren gegen Anbruch der Nacht in Miſitra. Durch Herrn Vial an einen vornehmen Luͤrken 193 daſelbſt empfohlen, ſtiegen wir in der Wohnuns deſ⸗ ſelben ab. Wir begaben uns in das Fremdenzimmer, und ſetzten uns unter ſie, ohne daß mich Jemand tragte, wer ich ſey, oder wohin ich kaͤme. Jeder Rei⸗ ſende rauchte fort, ſchlief oder ſchwazte mit ſeinem Nachbar, ohne auf mich zu blicken. unſer Wirth, ein Mann ungefaͤhr 60 Jahre alt, empfing mich freundlich, ſegnete mich, und ſetzte ſich an meine Seite. Bald entfernte er ſich aber wieder, indem ihn die Krankheit ſeines Sohnes abrief. Kaffee und Pfeife wurden gebracht, aber hichts zu eſſen⸗ weil das Mittagsmai ſchon voruͤber war, obgleich ich faſt 24 Stunden nichts gegeſſen hatte. Joſeph nahm aus ſeinem Schnapſack eine Wurſt, von welcher er zu⸗ weilen heimlich ein Stuͤck abbiß. Heimlich bot er auch dem Janitſchar die Labung an, aber dieſer wandte die Augen mit einer Miſchung von Bedauern und Eut⸗ ſetzen ab. Bald brachte der Wirth ſeinen ſieberkranken Sohn, welcher ganz nackt war, und erzaͤhlte mir deſſen ganze Krankheitsgeſchichte. Am Ende ſeiner Erzählung fragte mich Ibrahim um ein Mittel. Da ich mich erin⸗ nerte, daß man mir durch Tauſendguͤltenkraut(Gen- tiana centaurium) das Fieber vertrieben hatte, ſo rieth ich mit der Ernſthaftigkeit eines Arztes zum Gebrauche dieſes Mittels. Niemand kannte dieſes Kraut. Als ich aber ſagte, es ſei von dem Arzte Chiron in der Nachbarſchaft empfohlen, welcher zu 58. V. Griechenland. III, 2. 6 194 pferde auf den Bergen herum reite, ſo ſagte ein Grie⸗ che, dieſer Chiron ſey von Calamate, und reite einen Schimmel. Waͤhrend der Berathung kam ein turkiſcher Geſetzlehrer zu uns, nahm den Kopf des Kindes zwiſchen ſeine beiden Haͤnde, und ſprach an⸗ daͤchtig ein Gebet. Waͤhrend des Mahles, welches Ibrahim mir bereiten ließ, fragte mich der Geſetz⸗ lehrer um den Zweck meiner Reiſe. Ich gab zur Ant⸗ wort, um Voͤlker zu ſehen und beſonders die Grie⸗ chen, welche nicht mehr ſeien. Er fing an zu lachen und ſagte, ich haͤtte tuͤrkiſch lernen ſollen, da ich in die Turkei gekommen waͤre. Als ich ihm aber ſagte, ich ſei auf der Wallfahrt nach Jeruſalem, ſo war er vollkommen befriedigt. In dem Fremdenzimmer ſaßen unter den reichſten Gaͤſten ſogar wahre Bettler, welchen die Sklaven ehr⸗ erbietig den Kaffee darreichten. Dieſe Bruͤderſchaft des Turbans erſtreckt ſich nicht uͤber die Thuͤrſchwelle, und manchem Sklaven, welcher eben mit ſeinem Wirth Kaffee getrunken, laͤßt dieſer bei dem Hinausgehen den Kopf abſchlagen. Mit Pferden verſehen, trat ich die Reiſe nach Amykl a(jetzt Sklabochorion) an. Wir reiſten nach der Ebene am Fuſſe des Taygetus, uͤber ſchmale, ſchattige, ſehr angenehme Pfade, welche ſich durch bewaͤſſerte Gaͤrten zogen. Dieſe waren mit Maulbeer⸗ baumen, Feigen und Sikomoren bepflanzt. Man ſah auch hier viele Waſſer⸗Melonen, Reben, Gurken und 195 verſchiedene andere Pflanzen. Wir ſetzten uͤber die Tinſa und kamen nach Amykla, wo ich nichts als einige zerſtoͤrte Kapellen fand. Der Apollo⸗Tempel und der von Eurotas der Gottheit Onga geweihte Tempel, das Grabmal des Hyaeinthus, alles iſt verſchwunden. Waͤhrend ich Bruchſtuͤcke alter Druͤmmer unter den Haufen neuer Ruinen ſuchte, kamen Bauern von ei— nem Papas angefuͤhrt, machten ein Brett von der Mauer einer Kapelle los, und beteten mit ihrem Prie⸗ ſter unter den Truͤmmern. Sie ſangen Litaneien vor dem Bilde der Panagia, welche auf eine blau an— geſtrichene Wand mit rother Farbe geſudelt war. Der Anblick dieſer Ungluͤcklichen, welche zu dem wahren Gott beteten, war in meinen Augen ſo ehrwuͤrdig, daß alle Pracht der Welt mir gering dagegen duͤnkte. An der Grenze des Gebietes der Muinotten, arger Raͤuber, gingen wir wieder uͤber die Tiaſa, und kehrten uͤber das Gebirge nach Mifitra zuruͤck. Der Eurotas fuͤhrt in Miſitra den Namen Iri bis zu ſeiner Vereinigung mit der Diaſa, wo er dann Vaſilipotamos genannt wird. In dem Ge⸗ birge kamen wir zu dem Dorfe Parori, wo die ſtarke Quelle Chieramo entſpringt, um welche viele Mar⸗ mor⸗Bruchſtuͤcke, mehrere derſelben mit Inſchriften, zu finden ſind. Laͤngs des Abhanges des Taygetus gelangten wir zur Quelle Panthalma, welche von dem Steine, aus welchem ſie entſpringt, den Namen 5 196 erhaͤlt. Auf dieſem Steine iſt ein ſchlecht gearbeitetes antikes Bildwerk, welches drei mit Guirlanden ver⸗ bundene tanzende Nymphen vorſtellt. Endlich fanden wir eine dritte Quelle, Triſtello, uͤber welche ſich eine nicht bemerkenswerthe Grotte oͤffnet. Bei letzterer Quelle waren wir hinter Miſitra faſt am Luſſe des verfallenen, die Stadt beherrſchen⸗ den Schloſſes. Wir ſtiegen ab, und gingen durch die von den Albaneſen verwätlete Juden⸗Vorſtadt. Kin⸗ der verbergen ſich in den Ruinen, und rollen auf die Reiſenden Mauerſtuͤcke und Felſentruͤmmer herab. Bei⸗ nahe waͤre ich das Dpfer eines ſolchen Spieles ge⸗ worden. Das über dieſe Truͤmmer ſich erhebende gothiſche Schloß verfaͤllt gleichfalls; es hat keine Thore, keine Waͤchter, kein Geſchuͤtz mehr; alles iſt veroͤdet, doch genießt man auf demſelben eine herrliche Ausſicht. Am Ende der Jnden⸗Vorftadt ſahen wir die erzbiſchoͤfliche Wohnung, und die Kirche des h. Demetrius, von griechiſchen Gaͤrten und Haͤuſern umgeben. Gerade unter uns breitete ſich der Theil der Stadt, Kato⸗ chorion(Flecken unter dem Schloſſe) aus. Vor⸗ waͤrts deſſelben liegt das Meſochorion,(der mitt⸗ lere Flecken) mit großen Gaͤrten und tuͤrkiſchen Haͤu⸗ ſern. Der Hobriopotamos(Judenfiuß) lauft zwiſchen dem Katochorion und dem Meſocho⸗ rion. Der Panthalma entſpringt aus der Nym⸗ phen⸗YQuelle gleiches Namens, und vereinigt ſich mit . —.— 197 dem Hobriopotamos ziemlich weit von der Stadt in der Ebene bei dem veroͤdeten Dorfe Magula; beide fallen dann in den Fluß Magula(den alten Cnacion), und dieſer dann in den Eurotas. Von dem Schloſſe gewaͤhrt das Thal Lakoniens einen herrlichen Anblick. Es dehnt ſich ungefaͤhr von Mitternacht nach Mittag aus, und iſt gegen Abend von dem Taygetus, gegen Morgen von den Bergen Thornar, Barboſthenes, Olympos und Me⸗ nelaion begraͤnzt. Kleine Huͤgel ſchließen das Thal nach Mitternacht, werden aber, nach Mittag hin⸗ ablaufend, niedriger, und ihre letzten Ruͤcken bilden die Huͤgel, auf welchen Sparta lag. Von dieſem bis zum Meere breitet ſich eine fruchtbare, von Eu⸗ rotas durchſtroͤmte, Ebene aus. Da ſtand ich auf einer Zinne des Schloſſes Miſitra, das Thal von Lakonien betrachtend und verwundernd. Durch einen Irrthum, welcher aus meinen fruͤhe⸗ ren Studien folgte, kam ich auf die Meinung, Mi⸗ ſitra ſey Sparta. Die Unwiſſenheit meiner Fuͤh⸗ rer vermochte mir keine gehoͤtigen Aufſchluͤſſe zu ge⸗ ben; endlich zeigten ſie mir unter dem Namen: Pa⸗ läochori, das alte Sparta, indem ſie bei Ma⸗ gula auf eine Art von weißer Huͤtte deuteten, welche mit einigen Baͤumen umgeben, fern im Thale lag. Ich weinte, als ich meinen Blick auf dieſe arm⸗ ſelige Huͤtte heftete, welche ſich in den veroͤdeten Um⸗ fange einer der beruͤhmteſten Staͤdte der Welt erhob. 198 Dieſe einſame Wohnung eines Ziegenhirten bezieht ihren Reichthum von dem Graſe, welches auf den Graͤbern des Agis und Leonidas woaͤchſt. Ueber dieſen Anblick tief betruͤbt, eilte ich ſchnell vom Schloſſe, um nichts mehr zu ſehen und zu hoͤ⸗ ren. Bei der erzbiſchoͤflichen Wohnung luden mich einige Papas im Namen des Erzbiſchofes ein. Sie waren nebſt threm Oberhaupte ſehr verſtaͤndige Men⸗ ſchen und guter Laune. Mancher unter ihnen verſtand italiſch, und druͤckte ſich mit Leichtigkeit in dieſer Sprache aus. Nach dem Kaffee zeigte man mir die erzbiſchoͤfliche Wohnung und die Kirche; letztere iſt zwar in unſern Geographien beruͤhmt, hat aber nichts Merkwuͤrdiges. In der erzbiſchoͤflichen Buͤcher⸗Samm⸗ lung ſah ich einige Abhandlungen von griechiſchen Kircheuvaͤtern, Schriften uͤber theologiſche Streitfra⸗ gen, und zwei oder drei byzantiſche Geſchichtſchreiber, unter andern den Pachymeres. Meine Wirthe zeigten mir auch einige gedruckte Ueberſetzungen fran⸗ zoͤſiſcher Werke. Auch mein Werk„Atala“ uͤber⸗ ſetzte Herr Stameti, ein Grieche aus Zante, in das Neu⸗Griechiſche. Nach einer Wanderung von 13 Stunden kehrte ich zu meinem Wirthe Ibrahim zuruͤck. Ich be⸗ nützte die Nacht, um Bemerkungen niederzuſchrei⸗ ben, beſchloß am folgenden Tage zu den Ruinen von Sparta zu gehen, und von dort meine Reiſe fort⸗ zuſetzen, ohne wieder nach Miſitra zuruͤckzukehren. ————— . 199 Mit allem Noͤthigen verſehen, brach ich nach Sparta auf. Kaum hatten wir eine Stunde auf ebenem Wege im vollen Laufe zuruͤckgelegt, ſo er⸗ blickte ich mit Anbruch der Morgenrothe einige Trüm⸗ mer, und eine lange Mauer von alter Bauart. Der Janitſchar zeigte mir zur Rechten eine weißliche Huͤt⸗ te, und rief vergnuͤgt aus: Palaͤochori. Ich nahm meinen Weg nach der Hauptruine auf einer Anhoͤhe; „lotzlich uͤberraſchte mich der Anblick eines weiten halb⸗ kreisfoͤrmigen Umfanges, welchen ich ſogleich fuͤr ein altes Theater erkannte. Die Empfindungen, welche meine Seele durchſroͤmten, waren unbeſchreiblich. Dieſer Hügel alſo war der Huͤgel der feſten Burg von Sparta: denn an dieſe war! das Theater gelehnt. Die Ruine oben auf dem Huͤgel mußte alſo der Tem⸗ pel der Minerva Chaeiscos ſeyn, welcher in der Burg war. Die Sruͤmmer mit der langen Mauer ge⸗ hoͤrten zu dem Stamme Kynoſura. Sparta lag alſo vor mir, und von der Lage des Theaters konnte ich die Lage aller Stadttheile und alle offentlicher Denkmaͤler beſtimmen. Als ich auf dem Hügel war, wo die Burg ſtand⸗ gewaͤhrte die aufgehende Sonne mir ein ſchoͤnes, aber trauriges Schauſpiel. Der Eurotas ſloß einſam un⸗ ter den Lruͤmmern der Bruͤcke Babyr; Truͤmmer überall und kein Menſch unter dieſen Truͤmmern. Ein tiefe Stille herrſchte. Ich wollte hier bei der Ver⸗ ſtummung der menſchlichen Stimmen wenigſtens das 200 Scho reden laſſen, und rief aus allen Kräften: Leo⸗ nidas! Es hallte aber aus keinem der Truͤmmer der große Name wieder, und Sparta ſelbſt ſchien ihn vergeſſen zu haben. Nachdem ich mich von dieſer Bewe⸗ gung erholt hatte, unterſuchte ich die Truͤmmer. Von dem Huͤgel der Burg ſtieg ich herab, um an den Eurotas zu kommen. Er mag bei Sparta ungefaͤhr eben ſo breit ſeyn, als die Marne oberhalb Charenton. Sein im Sommer faſt trocknes Bett beſteht aus einem, mit kleinen Kieſeln gemiſchten Sande, iſt mit Schilfrohr und Lorbeer-Roſen bewach⸗ ſen, und hat ein ſehr friſches Waſſer. Die Inſel Plataniſtas glaube ich unterhalb Magula gefun⸗ den zu haben; auf ihr ſind einige Maulbeer⸗Baͤume und Sykomoren, aber keine Platanen. Ich brach zu Helena's Andenken einige Lilien. Der vergaͤngliche Blumenkranz der Schoͤnheit waͤchſt noch an den Ufern des Eurotas, aber die Schoͤnheit ſelbſt iſt ver⸗ ſchwunden. Am 18. Auguſt asos machte ich laͤngs dieſes Fluſ⸗ ſes, an deſſen Ufern die beruͤhmten, von Plutanch verewigten Lacedaͤmonier wandelten, meine ein⸗ ſame Wanderung. Ich haſſe die Sitten der Sparta⸗ ner, verkenne aber nicht die Groͤße eines freien Vol⸗ kes. Eine einzige Thatſache genuͤgt zu dem Ruhme dieſes Volkes. Als Nero Griechenland beſuchte, wagte er nicht nach Lacedaͤmon zu gehen. Wel⸗ es herrliche Lob für dieſe Stadt! 201 Von der Burg zuruͤckgekehrt, ſetzten wir uns in einem Winkel des Theaters in Schatten, und aßen mit großer Begierde das Brod und die getrockneten Feigen, welche wir von Mifitra mitgebracht hat⸗ ten. Ich ſchrieb hier einige Bemerkungen nieder, und ſchickte mich an, die Denkmaͤler weſtlich von der Burg zu unterſuchen. Der Janitſchar begleitete mich, die Pferde am Zaume fuͤhrend, und ſo irrten wir von Ruine zu Ruine umher. Erſt gegen Abend trennte ich mich von dieſen erlauchten Trͤmmern, von den Schatten Lykurg's, von den Erinnerungen an Thermopylaͤ, und von allen Luͤgen der Sage und der Geſchichte. Die Sonne ſank hinter dem Ruͤcken des Taygetus. Ich nahm nun Abſchied von dem oͤden Platze, wo Sparta lag. Die Sonne verſengt das einſame Truͤmmer-Feld, und unablaͤſſig verwittert der Mar⸗ mor der Grabmaͤler. Keine Pflanze ſchmuͤckte bei meinem Beſuche dieſe Truͤmmer, kein Vogel, kein Inſekt belebte ſie; nichts als zahlloſe Eidechſen krochen ſtill an dieſen gluͤhenden Mauern auf und ab. Ein Hirte zog in einem Winkel des Theaters einige Waſ⸗ ſer⸗Melonen, und in Magula, welches ſeinen trau⸗ rigen Namen Lacedaͤmon gegeben hat, ſah man ein Cypreſſen⸗Waͤldchen. Selbſt dieſes Magula, ehe⸗ dem ein anſehnliches turkiſches Dorf, iſt auf dieſem Todten⸗Felde untergegangen. Faſt 1 ½ Stunde zogen wir am Eurotas hin⸗ 202 auf durch Felder, und kamen wieder auf die Straße nach Tripolizza. Joſeph und der Wegweiſer hatten ſich auf dem jenſeitigen Ufer bei der Bruͤcke gelagert, und ein Feuer von Schilfrohr angezuͤn⸗ det, Apollo zum Verdruß, welchen das Seußzen dieſes Schilfrohrs uͤber Daphne's Verluſt troͤſtete. Joſeph bereitete mir eine Hammelskeule, wie der Gefaͤhrte des Achilleus that, und ſetzte ſie mir auf einem breiten Steine vor; auch verſorgte er mich mit Wein aus dem Weinberge des ulyſſes, und mit Waſſer aus dem Eurotas. Um dieſe Abendkoſt vor⸗ trefflich zu finden, hatte ich gerade das, was Dio⸗ nys nicht hatte, um die ſchwarze Suppe nach Ver⸗ dienſt ſchaͤtzen zu koͤnnen. Nach dem Eſſen diente mein Sattel zum Kopf⸗ kiſſen. Ich huͤllte mich in meinen Mantel, und legte mich unter einen Lorbeer-Baum am ufer des Euro⸗ tas nieder. Es war eine klare und helle Nacht. Ich entſchlief, die Augen auf das Himmelsgewoͤlbe hef⸗ tend, wo ich gerade uͤber mir das ſchoͤne Sternbild, den Schwan der Leda, ſah. Um 3 Uhr Morgens brachen wir den 49. von Sparta auf, und kamen Mittags zu dem großen Dorfe St. Paul, ziemlich nahe am Meere. Hier erzaͤhlte man mir ein ſo eben vorgefallenes ungluͤck⸗ liches Ereigniß. Ein Maͤdchen, eine Waiſe aus die⸗ ſem Dorfe, ward von ihren Verwandten nach Kon⸗ ſtantinopel geſchickt. Nit verſchiedenen Kenntniſ⸗ 203 ſen bereichert, kehrte ſie in ihre Heimath zurück, und empfing die Fremden mit einer Hoͤflichkeit, welche Zweifel gegen ihre Tugend erweckte. Die angeſehen⸗ ſten Bauern des Dorfes beſchloſſen, dieſelbe zu ermor⸗ den, und verſchafften ſich die Summe, welche in der Lürkei als Strafgeld auf den Todtſchlag einer Chri⸗ ſtin geſetzt iſt. Die ſcheußliche That ward vollzogen, und dem Paſcha das Blutgeld gebracht. Dieſer machte jedoch die Bemerkung, daß die Schoͤnheit, die Ju⸗ gend, die Kenntniſſe, die auf Reiſen erworbene Bil⸗ dung der Waiſe, ihm gerechte Anſpruͤche auf eine hoͤ⸗ here Entſchaͤdigung gaͤben. Er ſandte daher noch an demſelben Tage zwei Janitſcharen ab, um die neue Abgabe zu fordern. Ueber die Habſucht des Paſcha, nicht wegen dieſer empoͤrenden That, gerieth das ganze Dorf in Bewegung. Zu St. Paul wechſelten wir die Pferde, und nahmen unſern Weg nach dem alten Cynuria an der Graͤnze von Argolis. Wir kamen darauf in das Gebirge Parthenius, und ſtiegen von unſern Pferden am ufer eines Fluſſes, deſſen Laufe wir bis an das Meer folgten. Wir erblickten die Burg von Argos, ſahen Napoli uns gegenuͤber, und die ko⸗ rinthiſchen Gebirge gegen Mykene. Wir waren noch drei Stunden von Argos entfernt. Wir mußten um die Kruͤmmung des Meerbuſens durch das Moor von Lerna ziehen, welche ſich zwiſchen der Stadt und dem Orte, wo wir angekommen waren, ausbreitete. 24 In dem Garten eines Aga fand ich unter andern Baͤumen die lombardiſche Pappel, welche ich bisher in Griechenland noch nicht bemerkt hatte. Wir ver— fehlten hier den Weg, und wurden in dieſer Verle⸗ genheit von der Nacht uͤberraſcht. Bei jedem Schritte mußten wir uͤber breite Graͤben ſetzen; unſere Pferde wurden erſchreckt durch die Finſterntß, durch das Quacken zahlloſer Froͤſche, und durch die blauen Flam⸗ men, welche uͤber das Moor huͤpften. Das Pferd des Wesweiſers ſtolperte, und da wir in einer Reihe zo— gen, ſo ſtuͤrzten wir uͤber einander in einen Graben, wo uns Gefahr zu erſaufen drohte. Endlich kamen wir, wie durch ein Wunder aus dem Sumpfe, und kamen, durch ein mattes Licht geleitet, zu einer Meie⸗ rei, welche in dem Moore, nicht weit von dem Dorfe Lerna lag. Auf einer Schafſtreu brachten wir die Nacht zu; auf diefer ungeſunden Stelle zog ich mir ein Fieber zu, welches mich erſt in Aegypten ganz verließ. Am 20. langten wir in Argos, einem Dorfe, auf der Stelle dieſer einſt beruͤhmten Stadt an. Es liegt ſehr ſchoͤn im Hintergrunde des Meerbuſens von Nauplia, 1 1/2 Stunde von der Kuͤſte. Auf einer Seite erheben ſich die Berge von Lynuria und Ar⸗ kadien, auf der andern die Anhoͤhen von Drozenaͤ und Epidaurus. Ich beſuchte die Ruinen von dem ſogenannten Palaſte Agamemnon's, die Truͤmmer des Theaters und einer roͤmiſchen Waſſerleitung, und . 205 beſtieg die Burg, um den geringſten Stein zu ſehen, welchen die Hand des Koͤnigs der Koͤnige beruͤhrt ha⸗ ben konnte. In Argos ward ich von dem italiſchen Arzte Avramiotti aufgenommen, welcher ſich wieder nach Jtalien zu ſehnen anfing. Wir ſprachen daher in Argos von Frankreich und Italien aus dem naͤm⸗ lichen Grunde, aus welchem der argiviſche Soldat⸗ welcher mit Aeneas zog, an Argos gedachte, als er in Italien ſtarb. Wir ſaßen plaudernd auf der Terraſſe des Hauſes, welches eine Ausſicht uͤber den Meerbuſen von Argos hatte. Mit friſchen Pferden und einem neuen Wegwei⸗ ſer brach ich nach Korinth auf. Bei Karvathi mußten wir von der Straße abweichen, um ein wenig rechts die Truͤmmer von Mykenaͤ zu ſuchen. Wir fanden ſie noch ſo, wie ſie Pauſanias ſah. Es ſind uͤber 2280 Jahre, als Mykenaͤ von den Argiern gaͤni⸗ lich zerſtört ward. Wir unterſuchten das Grabmal, welchem man Agamemnon's Namen gegeben hat. Es iſt ein unterirdiſches rundes Gebaͤude, von einfacher Bauart, welches durch eine Kuppel Licht empfaͤngt. Ein Gra⸗ ben fuhrt bis an die Thuͤre des Grabmals; ſie war mit Pfeilern von Marmor aus den benachbarten Ber⸗ gen geziert. Eine kleine wenig gewoͤlbte Thuͤre fuͤhrt aus dem Hauptgemache in ein anderes von minderem Umfange. Nach genauer Unterſuchung ſchien mir letz⸗ 206 teres blos eine Hoͤhlung zu ſeyn, welche die Arbeiter außerhalb des Grabes gemacht haben: denn ich fand gar keine Mauerwaͤnde, die kleine Thuͤre war viel⸗ leicht eine Beffnung des Grabmales. Von dem Grabmale gelangten wir bald in ein un⸗ fruchtbares Thal, und an dem Abhange eines gegen⸗ uͤberliegenden Huͤgels ſah ich die Druͤmmer von My— ken a. Ich bewunderte beſonders eines der Stadt⸗ thore, welches aus ungeheueren Felſenbloͤcken erbaut iſt, die unmittelbar auf den Felſen des Berges gelegt ſind, und mit ihm ein Ganzes auszumachen ſcheinen. Zwei koloſſale Loͤwen, in halberhabener Arbeit auf beiden Seiten des Thores, ſind die einzige Zierde deſ⸗ ſelben. Ich habe ſelbſt in Aegypten keine kuͤhnere Bauart geſehen; ſie gehoͤrt zu jenen Arbeiten, welche Strabo und Pauſanias den Syklopen zuſchrei ben, und von welchen man Spuren in Italien findet. Ein ganz nacktes Kind, ein Hirtenknabe zeigte mir in dieſer Einoͤde Agamemnons Grab⸗ und die Truͤmmer von Mykenae! Als ich wieder auf die Straße nach Korinth lenken wollte, hallte der Boden unter dem Hufſchlage meiner Pferde wieder. Ich ſtieg ab, und entdeckte das Ge⸗ woͤlbe eines andern Grabmals. Pauſanias zaͤhlt in Mikenae fuͤnf Grabmaͤler, die Graͤber des Atreus, des Agamemnon, des Eurymedon, des Teledamus, des Pelops und der Elektra. Er fugt hinzu, Klytemneſtra und Aegiſthos waren 207 außerhalb der Mauern begraben worden. Haͤtte ich alſo Klytemneſtra's und Aegiſth's Grab wieder gefunden? Sonderbares Lvos, das mir zufiel! Ich ſollte Paris verlaſſen, um die Lage der Truͤmmer von Sparta zu beſtimmen, und Klytemneſtra's Aſche zu entdecken! Wir lieben Nemea links liegen, und zogen uͤber eine Ebene. Den Akrokorinthus ſahen wir ſchon in weiter Ferne, als eine unregelmaͤßige Maſſe von rothlichem Granit ſich erheben, auf deren Gipfel man eine Linie von gekruͤmmten Mauern erblickt. Die Tuͤrken geſtatten jetzt Niemanden mehr den Zutritt. Dbgleich mein Janitſchar ſich alle Muͤhe gab, konnte ich nicht die Erlaubniß erhalten, in die Umgegend zu gehen. Auf dem Akrokorinth hat man eine der ſchoͤnſten Ausſichten in der Welt, ſagt Spon. Selbſt am Fuße deſſelben genießt man eine bezaubernde Aus⸗ ſicht. Die ziemlich großen und gut unterhaltenen Haͤuſer des Dorfes(Korinth) liegen auf der Ebene in Gruppen, unter Maulbeerbäumen, Zypreſſen und Pomeranzenbaͤumen; die Weinberge geben dem Ge⸗ filde ein friſches fruchtbares Anſehen. Jede Rebe bildet einen einzelnen grünen Buſch fuͤr ſich, um wel⸗ chen im Herbſte die Trauben, wie Kryſtalle yaͤngen. Der Gipfel des Parnaſſes und des Helikon, der Buſen von Lepanto, welcher einem praͤchtigen Kanale gleicht, der Berg Dneius mit Myrthen be⸗ deckt, begrenzen gegen Mitternacht und gegen Morgen den Geſichtskreis, waͤhrend Akrokorinthus, die Gebirge von Argolis und Sicyon gegen Mittag und Abend ſich erheben. Die Denkmaͤler von Korinth ſind verſchwunden. Noch jetzt verfertigt man in Korinth Gefaͤße, aber ſie ſind nicht mehr ſoiche, welche Cicero ſo dringend von ſeinem theuren Attikus begehrte. Waͤhrend ich einen Marmor in einem Weinberge unterſuchte, ward ich mit einem Steinhagel begruͤßt. Von Korinth fuͤhren zwei Wege nach Me⸗ gara. Einer geht uͤber den Berg Gera nia Getzt Paleo⸗Vuni, altes Gebirge); der andere aber laͤuft an dem ſaroniſchen Meerbuſen laͤngs der ſeironi⸗ ſchen Felſen. Letzterer war ehemals nur den Rei⸗ ſenden bekanut; jetzt erlauben die Tuͤrken nicht mehr, denſelben zu betreten. Sie haben einen Militarpo⸗ ſten am Fuße des Berges Oneius; hier iſt die Grenze des Paſchaliks von Morea, und Niemand wird durch die Grenzwache gelaſſen, wer nicht einen ausdruͤcklichen Befehl des Paſcha vorzeigen kann. Wir kamen auf unſerer Reiſe tiefer in die Schluch⸗ ten des Berges Oneius, waͤhrend wir den ſaro⸗ niſchen Meerbuſen und Korinth bald aus den Augen verloren, bald wieder erblickten. Von dem hoͤch⸗ ſten Gipfel dieſes Berges, der Macriplayſi heißt, ſtiegen wir nach Deroene herab. Ich zeigte den Befehl des Paſcha vor. Der Befehlshaber der Grent⸗ ſoldaten lud mich zu einer Pfeife Tabat, und zum 209 Kaffee ein. Er unterſuchte meine Waffen, und machte mich auf die ſeinigen aufmerkſam. Einige Waͤchter, welche einen Bauern, ſeitwaͤrts von dem bewach⸗ ten Wege, den Berg hinanklettern ſahen, riefen ihn herab; er aber vernahm die Stimme nicht. Der Be⸗ fehlshaber ſchoß auf ihn, und ſetzte ſich dann ſo ruhig und gleichguͤltig als vorher nieder. Der Bauer ſtieg weinend und blutend herab, und erhielt so Stockprů⸗ gel zur Heilung. Ich ward uͤber dieſes Benehmen aͤußerſt entruͤſtet. Unwillig ſetzte ich meinen Weg uͤber den Berg Gerania weiter fort. Morea iſt faſt ganz ent⸗ bloͤßt von Baͤumen, obgleich es gewiß fruchtbarer iſt, als Attika. Ein hoher Genuß war es fur mich, durch — einen Kiefernwald zu reiten, zwiſchen deſſen Baum⸗ ſmmen das Meer durchblickte. Das fanft anſteigende Gelaͤnde, das von dem Geſtade bis an den Fuß des Verges ſich ausdehnt, war mit Hel⸗ und Johannes⸗ brod⸗Bäumen bedeckt. Solche Landſchaften ſind in Griechenland ſelten. 8 Bei meiner Ankunft in Megara ſah ich einen Haufen Albaneſerinnen, freilich nicht ſo ſchoͤn, wie Nauſikaa und ihre Geſpielinnen, welche luſtig Waͤſche an einer Quelle reinigten, neben welcher man eiuine einfoͤrmige Meberbleibſel einer Waſſerleitung ſah. Diejenigen Waſſerleitungen, welche ich in Grie⸗ chenland erblickte, gleichen den roͤmiſchen gar nicht; ſie erheben ſich faſt nicht von der Erde, und haben 68. V. Griechentand. III. 2. 6 nicht jene Reihe maͤchtiger Bogen, welche in der Perſpektive eine ſo ſchoͤne Wirkung thun. Bei einem Albaneſer ſtiegen wir in einer ſiemlich reinlichen Herberge ab. Ich beſuchte die Ruinen von Megara, und wurde bei meiner Ruͤckkehr zu einer Kranken gerufen. Die Griechen und Tuͤrken trauen jedem Abendlaͤnder(Franken) aͤrztliche Kennt⸗ niſſe und beſondere Geheimniſſe zu. Die Kranke war die Tochter eines Griechen, welche auf einer Matte in Lumpen eingewickelt lag. Mit vielem Widerwillen und verſchaͤmt, entbloͤßte ſie ihren Arm von der arm⸗ ſeligen Huͤlle, und ließ ihn matt wieder auf die Decke finken. Sie ſchien an einem Faulfieber zu leiden. Die kleinen Silberplatten, womit die Albaneſetinnen ihre Haare ausſchmuͤcken, ließ ich wegnehmen, weil bas Gewicht der Flechten und des Metalles die Hitze im Kopfe vermehrte. Ich theilte der Kranken etwas Kamphex mit, billigte ihre Lebensordnung; und ſprach mit den Eltern ein Gebet zu Chriſtos und zur Pa⸗ nagia. Ich verhieß ſchnelle Geneſung, obwohl ich keine Hoffnung füͤr ihr Aufkommen hatte. Als ich das Haus verließ, fand ich alle Dorfbewohner vor demſelben verſammelt. Die Weiber empfingen mich mit dem Ausrufe; Kraſi! Kraſi!(Wein! Wein!), und zwangen mich zum Beweiſe der Dankbarkeit zum Trinken. Von Megarg Ben wir zuerſt durch eine Ebene, und erſtiegen alsdann den Berg Kerato Porgo 211 GKerata bei den Alten). Zwei einzelne Felſen erhe⸗ ben ſich auf des Berges Gipfel, und auf einem der⸗ ſelben ſieht man die Truͤmmer eines Thurmes, von welchem der Berg den Namen hat. Auf dem Ab⸗ bange des Kerato⸗Pyrgo, nach Eleuſis hin, lag die Palaͤſtra des Cereyon und das Grab des Alv⸗ ves, deren Spuren verſchwunden ſind. In einem angebauten Thale fanden wir bald den ſo genannten bluͤhenden Brunnen. Ich ſetzte mich eben ſo müde, als Zeres, nachdem ſie auf der ganzen Erde ihre Tochter Proſerpina geſucht hatte, an dem Brunnen nieder. Von Eleuſis, welches ſo viele Reiſende be⸗ ſchrieben haben, weiß ich nichts mehr zu erzaͤhlen, als daß ich unter den Ruinen deſſelben umherwanderte, und an die Kuͤſte hinabging, um die Meerenge von Salamis zu betrachten. Verſchwunden waren die Feſte, wie der Ruhm, und Schweigen herrſchte auf dem Lande, wie auf dem Meere; kein freudiger Zuruf mehr, keine Gefaͤnge, keine Feſtaufzuͤge am ufer; kein kriegeriſches Geſchrei, kein Wiederhall auf einander ſtoßender Schiffe, kein Laͤrm mehr auf den Wogen. Salamis iſt ietzt faſt gaͤnzlich aus dem Anden⸗ ken der Griechen verſchwunden. Die Inſel Sala⸗ mis iſt mit dem Namen Themiſtokles vergeſſen. Ich wanderte einige Zeit laͤngs des Meeres, welches das Grab des Themiſtokles benetzte, und wahr⸗ ſcheinlich war ich in dieſem Augenblicke der einzige 242 Menſch in Griechenland, der dieſes großen Mannes gedachte. Endlich erſchien der große Tag unſeres Einzuges in Athen. Schweigend zogen wir den heiligen Weg, kamen durch das Bett des Fluſſes Saranta⸗ Potamo(Vierzig⸗Fluß), wahrſcheinlich des eleuſiſchen Cephiſſus, und ſahen einige Truͤmmer von chriß⸗ lichen Kirchen, welche auf der Stelle liegen moͤgen, wo das Grab des Zarer lag, den Apollo ſelbſt in der Kunſt des Geſanges unterrichtet hatte. In an⸗ dern Truͤmmern ſahen wir die Denkmaͤler des Eu⸗ molpus und des Hippothoon. Wir fanden die Rheti(Salzbaͤche); hier vechoͤhnte waͤhrend der eleuſiſchen Feſte der Poͤbel die Voruͤbergehenden, zum Andenken der Schmaͤhungen, welche einſt eine alte Frau gegen Zeres ausgeſtoßen hatte. An dem aͤußerſten Ende des Kanals von Salamis traten wir in den Hohl⸗ weg, welchen die Berge Parnes und Aegaleos bildeten. Dieſer Theil des heiligen Weges hieß der myſtiſche. Wir ſahen das Kloſter Daphne auf den Truͤmmern des Apollo⸗Tempels, und fanden ein wenig weiter einige Ueberreſte des Venus⸗ Sempels. Um den Berg Poͤkile auf der Mitte des Weges gekommen, ſahen wir die Ebene von Athen vor uns liegen. Auf dieſem Wege erblickten wir die Kekrops⸗ Stadt in ihrer ganzen Herrlichkeit. Die Reiſenden⸗ welche durch den Piraeus, oder auf der Straße von . 213 Negroponte kommen, ſehen die Burg nicht. Die aufgehende Sonne erleuchtete die mir gegen uͤber lie⸗ gende Burg. Die Kapitaͤler der Propylaͤen, die Saͤulen von dem Parthenon und dem Tempel des Erechteus, die Schießſcharten einer mit Kanonen beſetzten Mauer, die gothiſchen Truͤmmer chriſtli⸗ cher Gebaͤude, und die verfallenen Haͤuſer der Tuͤrken lagen, eine verwirrte Maſſe durcheinander. Die zwei kleinen Huͤgel, Amhesmos und Mu⸗ ſeum, erhoben ſich noͤrdlich und fuͤdlich von der Akropolis zwiſchen dieſen am Fuße der Akropolis, ſah ich Athen vor mir liegen. Die platten Daͤcher der Haͤuſer, abwechſelnd mit hohen Minareten, mit Zyoreſſen, Truͤmmern und einzelnen Saͤulen, die Kup⸗ peln der Moſcheen mit großen Storchneſtern gekroͤnt, machten in den Strahlen der Sonne eine angenehme Wirkung. Auch in ſeinen Truͤmmern erkannte man Athen noch wieder, aber das Ganze ſeiner Gebaͤude und der Beſchaffenheit ſeiner Denkmaͤler verriethen zugleich, daß Minerva's Stadt nicht mehr von Minerva's Volk bewohnt war. Die Ebene, auf welcher Athen liegt, wird von Bergen umguͤrtet, welche bis an das Meeresgeſtade laufen. Ich uͤberſchaute dieſelbe von dem Berge Poͤ⸗ kile, wo ſie mir in drei Striche getheilt ſchien, welche parallel von Mitternacht gegen Mittag laufen. Der erſte mir am naͤchſten gelegene, war unbebaut, und mit Haidekraut bewachſen; der zweite urbares Land; 214 der dritte ein langer Wald von Belbaͤumen, welcher ſich in einem Bogen von den Quellen des Fliſſus an dem Fuße des Berges Amhesmos hin, bis zu dem Hafen Phalerum ausdehnte. Der Cephiſ⸗ ſus durchſtroͤmt dieſen Wald, welcher ſeinem Alter nach von dem Delbaume abzuſtammen ſcheint, wel⸗ chen Minerva aus der Erde hervorſproſſen ließ. Das trockne Bett des Iliſſus liegt auf der andern Seite von Athen, zwiſchen dem Berge Hymettus und der Stadt. Die Ebene iſt ungleich. Schnell kamen wir durch die beiden erſten Striche. Man ſieht auf dieſem Theile des Weges nicht mehr das Denkmal des Rhobiers und das Grab der He⸗ taͤre, wohl aber die Truͤmmer einiger Kirchen. Wir kamen in den Blivenwald, und entdeckten bald das Bett des Cephiſſus, zwiſchen den Staͤmmen der Hel⸗ baͤume, die am Ufer ßanden, alten Weiden aͤhnlich. Ich ſtieg ab, um dieſen Fluß zu begrßen und ſein Waſſer zu trinken. Aus dem Walde kamen wir nach 1½ Stunde zu der neuerlich hergeſtellten Mauer, welche einer Gartenmauer gleicht, und die Stadt um⸗ ſchliett. Wir traten in das Thor, und zogen durch kleine laͤndliche Straßen, welche ziemlich freundlich und reinlich waren. Ein Brief von v. Choiſeul⸗Gouffier an den Konſul zu Athen, Fauvel, wieß mich an den rechten Mann, welcher ſich lange ſchon in Athen auf⸗ haͤlt, und eifrig mit Alterthuͤmern beſchaͤftigt. Nichts W 2¹⁵ erinnerte an den Konſul in dem Haͤuſe meines Wir⸗ thes, aber alles an den Kuͤnſtler und Alterthums⸗For⸗ ſcher. Welcher Genuß fuͤr mich, in Athen ein Zim⸗ mer zu bewohnen, welches mit Gypsabguͤſſen von Parthenon angefuͤllt war! An den Waͤnden hin⸗ gen Anſichten von dem Dempel des Theſeus, Grund⸗ riſſe von den Propylaͤen, Charten von Attika, und der Ebene von Marathon. Auf einem Liſche lagen Marmor⸗Bruchſtuͤcke, auf dem andern Muͤnzen mit kleinen Koͤpfen und Gefaͤßen von gebrannter Erde. unter allen dieſen Schaͤtzen ward ein Gurtbett auf⸗ geſchlagen, und gleich einem neugeworbenen Krieger, der Tags vor einem Lreſſen zu dem Heere gekom⸗ men, lagerte ich mich auf dem Schlachtfelde. Bei dem Mittageſſen lachte mein Wirth, als ich bei dem Weine und dem Honige von Attika das Ge⸗ ſicht verzog. Um mich durch etwas zu entſchaͤdigen, machte er mich aufmerkſam auf die Kleidung der uns aufwartenden Frau. Es war ganz das Gewand der alten Griechinnen, beſonders in den horizontalen wellenfoͤrmigen Falten unter dem Buſen, welche mit den ſenkrecht laufenden Falten, die den Rang der Tunika bezeichneten, zuſammenfloßen. Der grobe Zeug der Kleidung der Frau erhoͤhte noch die Aehn⸗ lichkeit: denn nach den alten Bildwerken zu urthei⸗ len, waren die Stoffe zu den Kleidungen der weit dicker, als die unſrigen. Um unſere Unterſuchungen vorzunehmen, brin 216 wir aus dem Mittelpunkte der neuen Stadt gefuͤhrt, und kamen in den weſtlichen Theil. Man findet weit von einander liegende Haͤuſer, dann große leere Platze, theils innerhalb, theils außerhalb der Umfaſ⸗ ſungsmauern. In dieſen unbewohnten Gegenden fin⸗ det man den Tempel des Theſeus, den Pnyr und den Areopag. Erſterer iſt unter allen Denkmaͤlern des Alterthumes in Athen am beſten erhalten; fruͤher eine Kirche des heiligen Georg, wird er jetzt als Vorrathshaus gebraucht. Ein kleines Thal(Zöle im Alterthume) trennt den Huͤgel des Areopag von dem Huͤgel des Pnyr und der Burg. Der Pnuyx, ein ebener Platz, iſt auf einem ſteilen Felſen hinter dem Lykabettus angebracht. Eine aus ungeheuern Stei⸗ nen erbaute Mauer ſützt dieſen Platz gegen Nord; gegen Suͤd erhebt ſich eine, in dem Felſen ausge⸗ hauene Redner⸗Buͤhne, zu welcher vier in den Felſen gehauene Stufen fuͤhren. Dem Lord Elgin, wel⸗ cher den Schutt von dem Huͤgel wegraͤumen ließ, ver⸗ dankt man die Entdeckung der Stufen. Von dem Pnyr gingen wir zu dem Huͤgel Mu⸗ ſeum, auf deſſen Spitze ſich das geſchmackloſe Grab⸗ mal des Philopappus erhebt. Er war der recht⸗ maͤßige Erbe des ſyriſchen Thrones, kam mit den Ab⸗ koͤmmlingen des beſiegten Antiochus nach A then, wo ſie zu bloßen Buͤrgern herabſanken. Herr Fau⸗ vel zeigte mir die Stellen, wo die Mauern der alten Stadt geſtanden waren, ferner die Truͤmmer von dem 217— Theater des Baechus am Fuße der Burg, das trockne Bett des Jliſſus, das ſchiffloſe Meer, die oͤden Haͤfen Phalerum, Munychia und Piraͤus. Am folgenden Tage beſuchten wir die Burg. Der Gipfel der Anhoͤhe iſt mit halb alten, halb neuen Mauern umgeben, andere Mauern liefen ehemals um den Fuß der Berge. Innerhalb obiger Mauer findet man zuerſt die Ueberreſte der Propylaͤen, und die Srümmer von dem Sieges⸗Tempel. Hinter den Pro⸗ pylaͤen, rechts nach der Stadt, ſieht man das Pan⸗ droſeum, und die Tempel des Neptun, Erech⸗ theus und der Minerva Polias, und auf dem hoͤchſten Gipfel der Akropolis den Tempel der Mi⸗ nerva(Parthenon). Der uͤbrige Theil des Platzes iſt mit Schutthaufen alter und neuer Gebaͤude, mit Zelten, Waffen und Baraken der Luͤrken bedeckt. Die Denkmaͤler ziehen durch ihre ſchoͤne reine Farbe, dann durch die Richtigkeit, Uebereinſtimmung und Einfachheit der Verhaͤltniſſe unſere Bewunderung auf ſich. Die Luͤrken hatten ehedem das Minaret einer Moſchee an den Portikus des Parthenon gelehnt. Wir ſtiegen auf der halbzerſtoͤrten Treppe dieſes Mi⸗ narets hinan, ſetzten uns auf einen zerbrochenen Theil des Tempel⸗Frieſes, und blickten um uns her. Wir batten den Berg Hymethus gegen Morgen, den Pentelikus gegen Mitternacht, den Parnes ge⸗ gen Nordweſt, die Berge Jkarus und Cordyalus 218 gegen Abend, und uͤber dem ſah man den Gipfel des Cythaͤron hervorragen; im Suͤdweſt und in Mit⸗ tag ſah man das Meer, den Pyraͤus, die Kuͤſten von Salamis, Aegina und Epidaurus, und die Burg von Korinth. 5 10 6 Unter uns erblickten wir die Hügel und die mei⸗ ſen Denkmoͤler von Athens ſuͤdweſtlich den Huͤgel Muſeum mit dem Grabe des Philopappus, weſtlich die Felſen des Arevpag, des Pny und des Lykabettus; noͤrdlich den kleinen Berg Am⸗ hesmos, und oͤſtlich die das Stadium beherr⸗ ſchenden Hoͤhen. Am Fuße der Burg ſelbſt ſah man die DTruͤmmer von dem Baechos⸗Theater und des Herodes Attikus. Links von dieſen Truͤmmem ſtanden einzeln die hohen Saͤulen von dem Tempel des Jupiter Olympios, noch weiter gegen Nord⸗ Oſt ſah man das Lykaͤon, das Bett des Fliſſus, das Stadium und einen Tempel der Diana oder Ce⸗ res. In dem weſtlich und nordweſtlich gelegenen Oheile gegen den großen Dliven⸗Wald zeigte mir⸗ Herr Fauvel die Stellen des außerhalb der Stadt ge⸗ legenen Keramikus, der Akademie, und des dahin fuͤhrenden mit Graͤbern eingefaßten Weges. In dem Thale endlich, welches von dem Amhesmos: und dem Hügel der Leet wird, lag die Stadt. 1 b Ehe ich enn verl ieh, nahm ich ein Mannur ſtuͤck von dem Parthenvm Wenn ich dieſe Kleinig⸗“ 2¹9 keiten anſehe, erinnere ich mich dann immer an meine Wanderungen und Abentheuer. Ich kehrte in meine Heimath zuruͤck mit einem Dutzend Steine von Spar⸗ ta, Athen, Argos, Korinth, mit 3— 4 Koͤpfen von gebrannter Erde, welche mir Herrn Fauvel gab, mit Roſenkraͤnzen, einer Flaſche von dem Waſ⸗ ſer des Jordan, einer andern von dem Waſſer des todten mit einigen Rohrſtengeln aus dem Nil, einem Marmorſtuͤcke aus Karthago und einem Stuͤcke geformten Gyps aus der Alhambra. Ich habe so,000 Franken auf meiner Reiſe verzehrt, und meine Waͤſche und meine Waffen als Geſchenke unterwegs gelaſſen. Von dem Stadium traten wir durch den Porti⸗ Zus, welcher die Inſchrift hat: Hier iſt Hadrian's Stadt, und nicht die Stadt des Theſeus, in Athen ein. Die Athenerinnen ſchienen mir weniger ſchoͤn, und nicht ſo groß zu ſeyn, als die Moraitinnen. Der Gebrauch, die Raͤnder der Augen blau und die Fingerſpitzen roth zu malen, faͤllt einem Fremden unangenehm auf. Die Frauen in Athen waren nie wegen ihrer Schoͤnheit beruͤhmt, und man warf ihnen vor, daß ſie gerne Wein trinken. Faſt alle beruͤhmten Athener, Perikles, Sopho⸗ kles, Sokrates, Ariſtoteles, und ſelbſt der gottliche Platon, widmeten ihre Liebe fremden Frauen. Als wir zu Pferde den Hafen qwaierun be⸗ 220 ſuchten, fanden wir auf den Duͤnen deſſelben die Grundlagen der Mauern, welche den Hafen umſchloſ⸗ ſen, und andere ganz zerſtoͤrte Truͤmmer, welche viel⸗ leicht von den Tempeln der Juno und der Ceres waren. Nicht weit von hier lag das kleine Feld und das Grab des Ariſtides. Wir ſtiegen im Ha⸗ fen ab; er iſt ein rundes Becken, wo das Meer auf einem feinen Sande ruht, und moͤchte gegen fuͤnfzig Flußſchiffe enthalten koͤnnen. Der Hafen Munychia iſt laͤnglich rund, und ein wenig groͤßer, als der Hafen Phalerum. Dat auf wanden wir uns um die Ecke eines felſigen Huͤ gels, und von einem Vorgebirge zum andern wan dernd, kamen wir endlich zu dem Piraͤus. Bei der Kruͤmmung einer Landzunge zeigte mir Herr Fauvel die Ueberbleibſel eines Grabmales, welches keine Woͤl⸗ bung mehr hatte, und mit dem Meere in gleichet Hoͤhe lag. Einige Schritte weiter ſieht man die Truͤm⸗ mer eines Denkmals am ufer. Herr Fauvel will hier die Stelle finden, wo man die Gebeine des Themi⸗ ſokles begrub, welche Behauptung aber keine halt⸗ baren Gruͤnde fuͤr ſich hat. Ich ward nicht weniger, als Chandler, durch die Stille uͤberraſcht, welche im Piraͤus herrſchte. Wir ſahen nichts als die Truͤm⸗ mer, Felſen und Meer, wir hoͤrten nichts als das Geſchrei der See⸗Amſeln, und das Geraͤuſch der Wogen, welche, in dem Grabe des Themiſtokles ſich brechend, ein ewiges Seufßzen aus der Wobnuns des . 22¹ ewigen Schweigens ertoͤnen ließen. Statt der ehema⸗ ligen Gebaͤnde ſah ich nichts, als ein verfallenes Klo⸗ ſter und ein Vorrathshaus. Da wohnte am ufer ein trauriger Waͤchter, ein Mußter gefuͤhlloſer Geduld, der tuͤrkiſche Zoll-Einnehmer in einer armſeligen hoͤ zernen Barake, welcher ganze Monate vergehen ſieht, ohne ein Schiff zu erblicken. So traurig iſt der Zu⸗ ſtand dieſer beruͤhmten Haͤfen! Der Piraͤus heißt jetzt Loöwen⸗Hafen, we⸗ gen eines marmornen Loͤwen, welcher ehemals vorhan⸗ den war, und von Moroſſini 1686 nach Venedig gebracht wurde. Wir gingen ferner auf der Seite des Berges Hymettus aus der Stadt, und kamen zu dem Dorfe Angelo⸗Kipous. Von da wanden wir nns gerade nach Abend, und ſchlugen den Weg nach dem großen Hliven-Walde ein. In dieſer Gegend gab es nur kleine Veberreſte des Alterthums. Wir ſa⸗ hen hier den Cephiſſus, deſſen Bett ſchlammiges Waſ⸗ ſer enthielt. Wir kehrten dann auf demſelben Pfade, in dem Schatten der Delbaͤume zuruͤck, und folgten eeinige Zeit dem ehernen Wesweiſer, wo man noch Spuren dem Tempel der Furien ſah. Von hier naͤherten wir uns wieder der Stadt, und hielten uns lange in der Gegend der Akademie auf. Die Al⸗ taͤre des Eros, des Prometheus und der Muſen ſind verſchwunden, und alles goͤttliche Feuer iſt nicht mehr, wo Platon ſo oft begeiſtert ward. Als wir die Theater, deren Druͤmmer unbedeu⸗ zuruͤck, und warſen einen Blick auf den Portikus, der vielleicht den Eingang der Agora bildete. Wir ver⸗ weilten bei dem Windthurme, deſſen Pauſanias nicht erwaͤhnt, welchen aber Vitruv und Varro uns kennen lehren. Zuletzt gingen wir in das franzoͤ⸗ ſiſche Kloſter, um dem einzigen Moͤnche, der es be⸗ wohnte, den Beſuch zu erwiedern, welchen er mir ge⸗ macht hatte. Zu dieſem Kloſter unſerer Miſſionaͤre gehoͤrt das choragiſche Denkmal des Lyſikratess es war das letzte Denkmal, welches ich unter den Truͤmmern von Athen bewunderte. Dieſes zierliche Werk der griechiſchen Kunſt war den aͤltern Reiſenden unter dem Namen: Leuchte des Demoſthenes bekannt. So war ich mit dem ueberblicke der Truͤm⸗ mer von Athen am Ende. Von Athen brach ich zur Fortſetzung meiner Reiſe nach Keratia auf, von welchem Dorfe ich im Al⸗ terthume keine Spur mehr zu finden wußte. Es liegt in einem ziemlich fruchtbaren Dhale, zwiſchen Bergen, welche es von allen Seiten beherrſchen, und deren Abhaͤnge mit Salbei, Rosmarin und Myrthen bedeckt ſind. Der Thalgrund iſt angebaut, und die Beſitzungen ſind, wie ehemals in Attika, durch leben⸗ dige Hecken abgetheilt. Die Gegend iſt reich an Vo⸗ geln, auf den Bergen weiden Ziegen und Haͤmmel, und in dem Thale Schweine, Eſel, Pferde und einige Fuͤhe. tend ſind, beſucht hatten, kehrten wir in die Stadt * 223 In dem Hauſe eines Albaneſen ſtieg ich mit Jo⸗ ſeph und einem jungen Athener ab. Hier hatte ich das Ungluͤck, von einem heftigen Fieber ergriffen zu werden. Joſeph gab mir waͤhrend der Nacht ganze Kruͤge voll Waſſer, welche meinen Durſt nicht zu ſtil⸗ len vermochten. Die Erde, auf welcher ich lag, war im buchſtaͤbllichen Sinne von meinem Schweiße naß; und dieß rettete mich. Ich lag von Zeit zu Zeit im vollen Wahnſinne, und ſang das Lied von Hein⸗ rich IW. Foſeph war untroͤſtlich. Ich ſchrieb, indem ich alle meine Kraͤfte zuſammen nahm, an Herrn Fauvel. Er ſchickte mir China, Malaga und gute Nachrichten zur Fortſetzung meiner Reiſe. Endlich geſtaͤrkt beſtieg ich das Schiff, welches von drei See⸗ leuten geleitet ward. Sie ſpannten unſer Segel auf, und von einem Südwinde beguͤnſtigt, ſieuerten wir auf das Vorgebirge Sunium, fuhren unter der Eſels⸗Inſel, der alten Inſel des Patroklus, voruͤber, und kamen bei dem Untergange der Sonne in den Hafen von Sunium, eine Bucht, welche von dem Felſen geſchuͤtzt wird, auf welchen ſich die Truͤmmer des DLempels erheben. Wir gingen an das Land, und ich erſtieg das Vorgebirge. Dieſe Truͤmmer des Dempels ſind von der doni⸗ ſchen Ordnung und aus der guten Zeit der Baukunſt. Ich ſah in der Ferne den Archipel mit allen ſeinen Inſeln; die ſinkende Sonne rothete die Kuͤſten von 3ea, und die vierzehn ſchoͤnen Saͤulen von weibem 224 . Marmor, an deren Fuß ich mich niedergeſetzt hatte. Salbei und Wachholder-Straͤuche verbreiteten wuͤr⸗ zigen Duft um die Truͤmmer, und kaum ſtieg das Geraͤuſch der Wogen zu mir empor. Bevor ich Griechenland verließ, war es na⸗ tuͤrlich, daß ich mir die Geſchichte des Landes zuruͤck⸗ rief. Ich ſuchte in dem ehemaligen Wohlſtande von Sparta und Athen die urſache ihres jetzigen Un⸗ gluͤcks, und in ihrem gegenwaͤrtigen Looſe die Keime ihres kuͤnftigen Schickſals. Die Wogen des Meeres, welche nach und nach heftiger gegen den Felſen ſchlu⸗ gen, verkuͤndigten mir, daß der Wind ſich erhoben hatte, und daß es Zeit ſey, meine Reiſe fortzuſetzen. Mit Joſeph und dem jungen Griechen ſtieg ich in das Schiff, und ein guͤnſtiger Landwind trieb uns ſchnell nach Sea(Keos der Alten). In dem unrein⸗ lichen und widrigen, aber ſehr volkreichen Dorfe Zea nahm mich der franzoͤſiſche Vicekonſul, Herr Pen⸗ gali, ſehr freundlich auf, und noͤthigte mich, der Hochzeit einer ſeiner Toͤchter beizuwohnen. Die Ein⸗ wohner geben ſich ſehr mit Seide-Spinnen ab. Auch den griechiſchen Biſchof fanden wir damit beſchäftigt. Er fragte, wer wir ſeyen, und ließ uns ſagen, daß wir ſehr unnuͤtze Leute ſeyn, wenn wir bloß Pflanzen und alte Steinen ſuchten. Wir erwiederten: es wuͤrde erbaulicher fuͤr uns ſeyn, wenn wir in ſeinen Haͤn⸗ den ſtatt der Spindel die Werke des heiligen Chry⸗ ſoſtomusoder Baſilius ſehen koͤnnten. 22⁵5 Mit gutem Winde fuhren wir nach Tino, ka⸗ men dann nach Chio, und landeten endlich zu Smyrnn. An der außerordentlichen Milde der Luft erkannte ich das uͤppige Jonien. Mein Aufenthalt zu Smyrna zwang mich zu einer neuen Verwand⸗ lung; ich mußte mich naͤmlich wie ein gebildeter Menſch benehmen, mich ſorgfaͤltig ankleiden, und Be⸗ ſuche geben und annehmen. Bei den Kaufleuten, de⸗ ren Beſuche ich erwiederte, fand ich elegante Damen, welche erſt dieſen Morgen ihre Moden von Leroi erhalten zu haben ſchienen.! Zwiſchen den Ruinen Athens und den Truͤmmern Jeruſalems machte dieſes zweite Paris, wohin ich auf einem griechiſchen Fahrzeuge gekommen war, und das ich mit einer tür⸗ kiſchen Karavane verlaſſen wollte, einen ſchneidenden Abſchnitt in meinen Reiſe-Seenen; es war eine Art eiviliſirter Daſe, ein Palmyra in der Wuͤſte und der Barbarei. Mein letzter Beſuch zu Smyrna war bei Joſeph. Ich nahm Abſchied von meinem Kame⸗ raden; er weinte und ich war nicht weniger geruͤhrt. Ich ſchrieb ihm meinen Namen auf ein kleines Stuck Papier, in welches icht ihm die Beweiſe meiner auf⸗ richtigen Erkenntlichkeit wickelte, ſo daß ſein Herr nicht das Geringſte bemerkte. Von Smyrna kam ich in dem Khan von Me⸗ nemen an. Eine Karavane ruhte hier nus. Als wir naͤher kamen, erkannte ich bei dem Scheine des Feuers die Kamele, einige ſtehend, andere liegend, einige s8. B. Griechenland. IlI. 2, 7 26 beladen, andere ihrer Laſten entledigt. Entzaͤumte Pferde und Eſel fraßen Gerſte aus ledernen Eimern; einige Reiter befanden ſich noch zu Pferde, und die verſchleierten Frauen waren noch nicht von ihren Dro⸗ medaren geſtiegen. Mit gekreuzten Beinen auf Tep⸗ pichen ſitzend, hatten ſich tuͤrkiſche Kaufleute um das Feuer gruppirt, bei welchem die Sklaven den Pilau bereiteten; andere Reiſende rauchten an der Thuͤre des Khan Tabak, kauten Opium, ließen ſich Geſchich⸗ en etzaͤhlen. Man braunte Kaffee in kleinen Caſſero⸗ len; Viktualien⸗Haͤndler gingen von ein Feuer zum andern, boten Kuchen, Fruͤchte und Gefluͤgel zum Kauf an. Saͤnger unterhielten den Haufen, Imans waren mit Abwaſchungen beſchaͤftigt, warfen ſich zur Erde, ſtanden auf, und riefen den Propheten an. Kamele ſchliefen auf den Boden geſtreckt. Dieſer war bedeckt mit Ballen, Baumwollenſaͤcken und Reiskof⸗ fer. Abe dieſe Gegenſtaͤnde, bald hell und deutlich er⸗ leuchtet, bald mit einem Halbſchatten bedeckt, und in einander ſtietend nach der Farbe und Bewegung des Feuers, bildeten eine wahre Stene aus der Tauſend und S Nacht. Im Verlaufe meiner Reiſe ſetzten wir auf einer Faͤhre uͤber den Hernues, und kamen mit Tages⸗ Aubruche in eine Ebene, welche mit maͤßig hohen Bergen eingefaßt war. Die gruͤnen Baumwollen⸗ Straͤuche, die gelblichen Halme des Getreides, die punte Schale der Waſſer⸗Melonen gaben der Land⸗ 227 ſchaft ein angenehmes mannigfaltiges Anſehen. Ka⸗ mele weideten hier und da mit Buͤffeln. Auf einer ſchlechten ſteinernen Bruͤcke gingen wir uͤber den Py⸗ thikus, ſtiegen in der Ebene von Myrine ab, gin⸗ gen eine Stunde von Pergamus uͤber den Caieus, und kamen dann in dieſe Stadt, welche am Fuße ei⸗ nes Gebirges erbaut iß. Ich fand noch Reſte von drei Ringmauern, und von einem Theater und Tempel, und bemerkte einige ſchoͤne Reſte von Bildhauerarbeit. Als wir Pergamus verließen, uͤberßiel mich eine ſo beftige Neigung zum Schlafe, daß ich vorne über das Pferd herabſtuͤrzte, und dieß Mal mit einer leich⸗ ten Quetſchung davon kam. Von einem huͤgeligen Boden zogen wir hinab in eine reizende Diefe, beſebt mit Maulbeer⸗, Delbaͤumen, Pappeln und Schirm⸗ ſichten(Pinus pinea). In der tuͤrkiſchen Stadt a Somma brachten wir den Tag zu. Die Hinterliſt meines Fuͤhrers brachte mich ſtatt nach Troja, nach Kircagach, einer reichen und großen Stadt, drei Stunden von Somma. So⸗ gleich begab ich mich zum Kadi, um mein Anliegen vorzubringen. Dieſer lag halb bingeßtreckt in der Ecke eines Sopha, im Hintergrunde eines großen Saales, deſſen Boden mit einem LSeppich belegt war. Er rauchte mit ſtolzer Miene aus einer perſiſchen Pfeife, und lachte von Zeit zu Zeit unmaßig, wenn er uns anſab. Mein Fuͤhrer, der Janitſchar und der Drago⸗ 8 man zogen vor der Thoͤre ihre Sandglen ab, küßten 228 den Saum des Kleides des Aga, und ſetzten ſich an der Thuͤre nieder. Ich war voͤllig bewaffnet, geſtie⸗ felt, geſpornt, und hatte in der Hand eine Peitſche. Als die Sklaven mich noͤthigen wollten, meine Stie⸗ feln, Waffen und die Peitſche abzulegen, weigerte ich mich. Unter lautem Geſchrei ſchritt ich bis in die Mitte des Zimmers. Ein Spahi faßte mich am linken Arme, und zog mich mit Gewalt zuruͤck, ich verſetzte ihm aber einen ſo tuͤchtigen Hieb mit der Peitſche uͤber das Geſicht, daß er mich losließ. Dhne auf ſeine Drohung zu achten, ſetzte ich mich neben dem Kadi, und trug ihm in franzoͤſiſcher Sprache meine Be⸗ ſchwerde vor. Nach Anhoͤrung beider Theile ward die Sache da⸗ hin abgemacht, daß mein Fuͤhrer mir einen Theil des Geldes wieder geben mußte, welches ich aber nicht annahm. Meine Handlung ſchien dieſem außerordent⸗ lich; man hoͤrte nichts als: Allah, Allah! Ich wurde von allen Sklaven und ſogar von dem Spahi, wel⸗ chen ich geſchlagen hatte, zuruͤck begleitet. Sie er⸗ warteten ein Geſchenk. Ich gab dem geſchlagenen Muſelmanne zwei Goldſtuͤcke, und ließ den andern ſagen, daß ein Franzoſe weder Geſchenke gebe, noch annehme. Waͤhrend ich Kirkagach betrachtete, ſah ich hier, was ich noch nirgends bemerkt hatte, junge Griechin⸗ nen ohne Schleier, huͤbſch, lebhaft und freundlich, dem Anſchein nach joniſche Maͤdchen. Das wegen ſeiner Baumwolle in der Levante ſo bekannte Kirka⸗ gach findet ſich bei keinem Reiſenden(v. Choiſeul ausgenommen), und auf keiner Karte. Es iſt eine von den Staͤdten, welche die Tuͤrken heilig nennen, ſie gehoͤrt zur großen Moſchee von Konſtantinopelz die Paſcha's duͤrfen nicht hinein kommen. Von Kirkagach ſchlugen wir den Weg nach Konſtantinopel ein. In Manda⸗Fora nahmen wir kein Nachtlager, ſondern im Kaffeehauſe von Emir Capt, einem einzelnen Hauſe im Walde. Der Herr des Drtes war eben geſtorben, und lag noch auf ſei— ner Matte; geſchwind wurde er herabgenommen, um mir dieſelbe zu geben. Sie war noch ganz warm. Ich ließ meine Decke auf die Matte breiten und ſchlief ruhig ein. Andere werden auch auf meinem letzten Lager ſchlafen, und meiner ſo wenig gedenken, als ich des Tuͤrken gedachte. Wir durchzogen im Verlaufe unſerer Reiſe das huͤbſche Dorf Suſeverle, paſſir⸗ ten den Granikus, und kamen in die Ebene von Mikalieie. Letzteres iſt eine traurige und verfallene tuͤrkiſche Stadt an einem Fluſſe, welchem ſie den Na⸗ men gibt. In dem Hafen von Mikaliecie entließ ich mei⸗ nen ſchurkiſchen Fuͤhrer, und miethete eine tuͤrkiſche Barke, welche nach Konſtantinopel abgehen ſollte. Bei unſrer Abfahrt brach die Morgenroͤthe zu unſerer Rech⸗ ten uͤber den Laͤndern des Kontinents an, zur Linken ſtreckte ſich das Meer von Marmora hin; das Vor⸗ 230 dertheil unſerer Barke war einer Inſel zugekehrt, der oͤſtliche Himmel war mit einer lebhaften Roͤthe be⸗ deckt, welche, wie das Licht zu wachſen begann, all⸗ maͤhlich erbleichte. Der Morgenſtern glaͤnzte durch das purxurne Licht, und unterhalb dieſes ſchoͤnen Ge⸗ ſtirnes erkannte man kaum noch den halben Mond, wie einen aͤußerſt ſchwachen Pinſelſtrich. Dieſes Ge— maͤlde wech ſelte, wie ich es betrachtete. Bald ſtiegen eine Art von rothen und grüͤnen Strahlen, wie aus einem gemeinſchaftlichen Mittelpunkte von Oſt nach dem Zemth auf; dieſe Farben erblaßten, wurden leb⸗ hafter und erblaßten wieder, bis die Sonne am Ho⸗ rizonte erſchien, und alle Nuͤangen des Himmels in ein allgemeines leicht vergoldetes Weiß verſchmolz. Zu Konſtantinopel war ich gerade am Tage einer Revolution angekommen. Die Rebellen Rome⸗ liens waren bis an die Thore der Stadt vorgedrun⸗ gen. Genoͤthigt dem Sturme nachzugeben, hatte der ungluͤckliche Selim die den Janitſcharen verhaßten Miniſter verabſchiedet und verwieſen. Der Aufenthalt zu Konſtantinopel ward mir laͤſtig. Bald wurden je⸗ doch meine Wuͤnſche erfuͤllt, und wir ſchwammen un⸗ ter dem Paniere des Kreuzes, welches von den Ma⸗ ſten unſeres Schiffes wehte, Jeruſalem zu. Auf dem Schiffe waren bei 200 reiſende Maͤnner, Weiber, Kinder und Greiſe. Jeder Pilger hatte ſei⸗ nen Stab, ſein Skapulier und ein kleines Kreuz ober ihm aufgehangen. Jeder richtete ſich auf dem Schiffe 231 nach Belieben ein. Die Weiber warteten die Kinder, die Maͤnner rauchten und bereiteten das Mittagsmahl, die Papas ſchwazten zuſammen. Man hoͤrte uͤberall Mandolinen, Violinen und Leiern erklingen; man ſang, tanzte, lachte, betete. Alles war voll Freude. Ohne Furcht waͤren wir die gluͤcklichſten Menſchen auf der Welt geweſen; allein bei dem geringſten Wind⸗ ſtoße zogen die Matroſen die Segel ein, die Pilger riefen: Chriſtos! Kyrie eleiſon! Nach dem Sturme kehrten wir zur vorigen Kuͤhnheit zuruͤck Auch bemerkte ich auf dem Schiffe nichts von der Un⸗ ordnung, welche einige Reiſende erwaͤhnen. Wir hiel⸗ ten uns im Gegentheile ſehr ſittſam und ordentlich. Am Tage nach unſerer Abreiſe bekam ich einen ſehr heftigen Fieberanfall. Zu Jafa angekommen, ſchickte ich meinen Jv⸗ hann an das Land, um die Empfehlungsſchreiben der Commiſſaire des heiligen Landes zu Konſtantino⸗ pel an die Vaͤter von Jafa zu uͤberbringen. Drei Moͤnche, von meinem griechiſchen Bedienten begleitet, kamen an Bord, und empfingen mich herzlich. In einer Schaluppe fuhren wir in den Hafen durch eine Deffnung, welche zwiſchen den Felſen angebracht, und ſelbſt fuͤr eine Caique gefaͤhrlich war. Die Araber von der Kuͤſte traten bis an den Guͤrtel in das Waſ⸗ ſer, um uns auf ihre Schulterm zu lagern. Da bei den Arabern die weiße Farbe die vornehmſte iſt, und mein Diener mit einem weitßen Redingote bedeckt war⸗ 232 Sſo hielten ſie ihn fuͤr einen Scheik, ergriffen ihn unge⸗ achtet aller Gegenverſicherungen, und trugen ihn im Friumpfe fort, waͤhrend ich, Dank meinem blauen Rocke, mich ganz in Geheim auf den Ruͤcken eines zerlumpten Bettlers ſetzte. In dem Hoſpiz der Vaͤter wurde mir eine SZelle angewieſen, in welcher ein Liſch, ein Bett, Tinte, Papier, friſches Waſſer, und weiße Waͤſche ſich befand. Man muß aus einem griechiſchen, mit 200 Pilgern be⸗ ladenen Fahrzeuge geſtiegen ſeyn, um den Werth von dieſem Allen zu fuͤhlen. Eine wohlbeſetzte Tafel lud mich ein. Die Vaͤter waren luſtig mit Maͤßigung, vertraulich mit Artigkeit; keine unnuͤtzen Fragen, keine leere Neugierde. Alle ihre Aeuſſerungen betrafen meine Reiſe, und die zu meiner Sicherheit zu ergrei⸗ fenden Maßregeln. Dieſe chriſtliche, liebevolle Auf⸗ nahme ruͤhrte mich im Innerſten. DObwohl die Vaͤ⸗ ter Gelderpreſſungen, Drohung mit Stockſchlaͤgen, Ketten und Tod ausgeſetzt ſind, ſo ſind ſie doch, durch das Chriſtenth um geſtaͤrkt, mit ihrem Looſe zufrieden. Als am letzten Dſterfeſte die Vaͤter die Bekleidung des Altars abwuſchen, und durch das ausgeſchuͤttete Waſſer einen Stein auf der Straße weiß faͤrbten, ſo zeigte ein voruͤbergehender Tuͤrke dem Kadi an, daß. die Vaͤter ihr Haus ausgebeſſert haͤtten. Der Kadi begibt ſich an Ort und Stelle, entſcheidet, der vorher ſchwarze Stein ſey weiß geworden, und ohne die 233 Moͤnche weiter zu hoͤren, wurden ſie verurtheilt, zehn Beutel zu bezahlen. (Von Jafa reiſte Chateaubriand nach Ra⸗ ma, beſuchte dann Jeruſalem und Bethlehem, von welcher er eine ausfuͤhrliche Beſchreibung gibt, welche hier mitzutheilen, unſer Zweck nicht iſt, indem wir keine Schilderung des heiligen Landes liefern wollen, ſondern unſere Leſer auf die Reiſen durch Pa⸗ laͤſtina verweiſen). Nachdem ich alle Merkwuͤrdigkeiten Jeru ſa⸗ lems geſehen hatte, faͤhrt Chateaubriand fort, baten mich die Moͤnche, den Orden des heiligen Gra⸗ bes anzunehmen. Dieſer Orden, einer der aͤlteſten in der Chriſtenheit, war ehedem ziemlich in Europa verbreitet. Man findet ihn faſt jetzt nur in Polen und Spanien. Der Waͤchter des heiligen Grabes allein hat das Recht, ihn zu ertheilen. In der Kirche des heiligen Grabes, in der Ka⸗ pelle, welche den abendlaͤndiſchen Geiſtlichen gehoͤrt, ward die Zeremonie vollzogen. Der Huͤter des heili⸗ gen Grabes legte die feſtlichen Kirchen⸗Gewaͤnder anz Lampen und Wachskerzen brannten. Alle anweſenden Bruͤder bildeten einen Kreis um mich, die Arme auf der Bruſt kreuzend. Waͤhrend mit leiſer Stimme: „Komm heiliger Geiſt“ geſungen wurde, ſtieg der Huͤter des Grabes die Altarſtufen hinan, und kniete vor demſelben nieder. Aus dem Schatze des heiligen Grabes wurden die Spornen und der Degen Gott⸗ 234 frieds v. Bouillon geholt; zwei Geiſtliche ſtan⸗ den mir zur Seite, und hielten dieſe ehrwuͤrdigen neberreſte. Nach den gewohnlſchön Gebeten und Fragen legte mir der Grabhuͤter die Spornen an, und gab mir mit drei Schwertäreichen den Ritterſchlag. Die Moͤnche ſtimmten hierauf das:„Herr Gott, dich loben wir“, an. Dies iſt freilich nichts mehr, als Erinnerung an laͤngſt verſchwundene Sitten. Aber bei dem Gedanken, daß ich zu Jeruſalem war, in der Kirche des Kalvarienbergs, zwoͤlf Schritte von dem Grabe des Heilandes, dreißig von der Ruheſtaͤtte Gottfrieds v. Buillon, daß ich die Spornen des Befreiers des heiligen Grabes trug, daß ich das lange Eiſenſchwert beruͤhrt hatte, welches einſt von einer ſo edlen biedern Hand gefuͤhrt wurde, bei dem Gedanken an alle dieſe Umſtaͤnde, an mein unſtaͤtes Leben, meine Irrfahrten zu Land und zur See, wurde ich ſebr geruͤhrt. Die Feierlichkeit war uͤberdies nicht ganz ohne Sinn und Bedeutung; ich war ein Fran⸗ zoſe, wie Gottfried v. Bouillon, und die Be⸗ ruͤhrung ſeiner alten Waffen hatte mir eine neue Liebe fuͤr den Ruhm und die Ehre meines Vaterlandes ein⸗ gefloͤßt. Ich war freilich wohl nicht ohne Tadel, aber heut zu Lage kann jeder Franzoſe von ſich ſagen, daß er ohne Furcht ſey. Mit einem glaͤnzenden Ritterbriefe gab man mir 235 auch das demuͤthige Zeugniß uͤber meine vollbrachte Pilgerfahrt. Ich bewahre beide als Andenken an mei⸗ nen Aufenthalt in dem Lande des alten Wanderers Jakob. Mit tiefer Traurigkeit nahm ich von den frommen, gaſtfreundlichen Vaͤtern Abſchied und kehrte nach Jafa zuruͤck, wo ich mich auf einer Schaike nach Aegypten ſchiffte. Meine Fahrt von Jafa nach Alexandrien dauerte nur vier Tage, und nie habe ich eine ange⸗ nehmere, ſchnellere Seereiſe gemacht. Der Himmel war immer rein, der Wind gut, das Meer glaͤnzend. Friſche Lebensmittel, vortreffliche Granaten, Cyper⸗ Wein, Kaffee der beſten Art hatten wir im Ueberfluſſe und waren guter Laune. Wenn ein Land viele und große Crinnerungen darbietet, ſo heftet ſich das Gedaͤchtniß, um verwir⸗ rende Bilder zu verdraͤngen, an ein einziges Ereigniß. So ging es mir im Meerbuſen von Peluſium. Ich ſtieg zuerſt zu den Zeiten der Pharaonen hin⸗ auf, und konnte endlich nur an den Tod des Pom⸗ pejus denken. Es iſt nach meinem Gefuͤhle das ſchoͤnſte Stuͤck im„Pompejus“ des Plutarch. Wir konnten erſt nach dem Anbruche der Nacht in den Hafen von Alexandria fahren. Ich ſah zu meiner Rechten Schiffe und das Schloß, welches da, wo der Pharus ſtand, ſich erhob; zur Linken ſchien der Geſichtskreis begrenzt durch Huͤgel, Truͤm⸗ mer und Obelisken, die ich in der Daͤmmerung kaum 236 unterſchied. Vor mir dehnte ſich eine dunkle Linie von Mauern und verwirrt durch einanderliegenden Haͤuſern aus. Man ſah nur ein einziges Licht am Ufer, und hoͤrte kein Geraͤuſch. Und dieß war Ale⸗ randria, die Nebenbuhlerin von Memphis und Theben, einſt von drei Millionen Menſchen bewohnt, das Heiligthum der Muſen, wo die laͤrmenden Orgien des Antonius und der Kleopatra einſt die Stille der dunklen Nacht unterbrachen. Ich horchte verge⸗ bens, ein unſeliger Zauber ſchien die Bewohner des neuen Alerandria in dumpfes Schweigen zu be⸗ graben, und dieſer Zauber war der Despotismus, wel⸗ cher alle Freuden erſtickt, und auch den Schrei des Schmerzens nichtsgeſtattet. Am folgenden Tage beſuchte ich den franzoͤſiſchen Konſul Drovetti, von welchem ich mit Ruͤhrung Abſchied nahm. Mit zwei Franzoſen von der Geſell⸗ ſchaft des H. Leſſeps, welche nach Kahira reiſen wollten, ſchiffte ich mich nach Roſette ein. Hier genoß ich zum erſten Male den Anblick des praͤchtigen Delta, welchem nichts fehlt, als eine freie Verfaſſung, und ein gluͤcklichesVolk. Ich fand auf dieſer praͤch⸗ tigen Ebene nichts wuͤrdiges, als die Erinnerungen an den Ruhm meines Vaterlandes. Ich ſah die Ueberreſte der Denkmaͤler, einer neuen Geſittung, welche Frankreichs Genius an die Ufer des Niles brachte. Der Anblick des großen Stromes und eines friſchen Gruͤns war nicht neu und uͤberraſchend fuͤr 237 mich: denn ich fand hier ganz meine luiſianiſchen Fluͤſſe, und meine amerikaniſchen Ebenen wieder, und wünſchte mir auch die Waͤlder wieder zu finden, wo ich den erſten ſchoͤnen Taͤuſchungen des Lebens mich uͤberlaſſen hatte. Auf unſerer Fahrt von Roſette nich Kahira brachten wir ſieben langweilige Tage zu. Wir hielten oft ſtill, um Albaneſen an Bord zu nehmen, deren Unverſchaͤmtheit und Roheit wir uns gefallen laſſen mußten. Dieſe, halb Muhametaner, halb Chriſten, riefen: Muhamet! und Jungfrau Maria! zogen einen Noſenkranz hervor, ſprachen einige franzoͤſiſche Zoten, ſtuͤrzten ganze Kruͤge voll Wein herab, ſchoßen in die Luft, und traten Chriſten und Muhametaner mit Fuͤßen. Als wir aus dem Kanal von Menuf kamen, und den Fluß hoͤher hinauf fuhren, ſahen wir links den Gipfel des Berges Mokattam, und rechts die hohen Duͤnen der lybiſchen Sandwuͤſten. In dem weiten Zwiſchenraume, welcher dieſe beiden Bergket⸗ ten trennt, entdeckten wir bald den Gipfel der Py⸗ ramiden, von welchen wir noch uͤber zehn Stun⸗ den entfernt waten. Der Nil, damals noch einem kleinen Meere gleichend, die Abwechslung ſandiger Wuͤſten mit friſch gruͤnenden Gefilden, die Palmen, Sykomoren, Dome, Moskeen und Minarete von Ka⸗ hira, die fernen Pyramiden von Sakarah, woher der Fluß, wie aus ungeheueren Behaͤltniſſen zu ſtroͤ⸗ men ſchien; Alles dieß bildete ein Gemaͤlde, das ſei⸗ 238 nes Gleichen nicht auf der Erde hat. Aber wie auch die Menſchen ſich anſtrengen moͤgen, ihre Nichtigkeit zeigt ſich uͤberall. Dieſe Pyramiden waren Graͤber; die Koͤnige, ihre Erbauer, konnten es, ihrer Macht ungeachtet nicht dahin bringen, hier ihre Ruheſtaͤtte zu finden, und haben ihre Graͤber nicht genoſſen. Während meines Aufenthaltes zu Kahira beſah ich die Stadt. Aber ein Mibgeſchick verhinderte uns, die Pyramiden zu beſuchen; denn das Waſſer des Ni⸗ les war noch nicht genug gefallen, um eine Reiſe zu Pferde nach den Pyramiden zu geſtatten, und ſchon zu niedrig, als daß wir uns zu Schiffe denſelben haͤt⸗ ten naͤhern koͤnnen. Noch 3— 4 Wochen zu warten, erlaubten meine Umſtaͤnde nicht. Mein Schickſal wieß mich nach Alexandria zuruͤck, und ich mußte. mich damit begnuͤgen, die Pyramiden wenigſtens mit meinen Augen geſehen zu haben, da es mir nicht ver⸗ goͤnnt war, ſie mit meinen Haͤnden zu beruͤhren. Ich gab dem Herrn Kaffe den Auftrag, meinen Namen bei der erſten Gelegenheit auf dieſe großen Grabmaͤler zu ſchreiben. Man muß ja alle kleinen Reiſepflichten erfuͤllen. Ließt man nicht gerne auf den Druͤmmern der Memnon⸗Saͤule die Namen der Roͤmer, welche ſie bei erſtem Strahle der Morgenroͤthe ſeuf⸗ zen hoͤrten? Jene Roͤmer waren wie wir,Fremdlinge in Aegyten, und wir weiden, wie ſie, voruͤbergehen. Auf unſerer Ruͤckreiſe nach Alexandrien ent⸗ gingen wir in dem großen Arme von Roſette mit 239 Noth den Angriffen von Arabern und Albane⸗ ſen. Zu Alerandrien hatte Hr. Drov etti mir ein oͤſterreichiſches Schiff nach Tunis gemiethet. Doch hielten uns die Vorbereitungen zur Reiſe und die Stuͤrme 10 Tage im Hafen auf. In Alerandrien hatte meine Sitelkeit noch einmal einen jener Genuͤſſe, welche uns Schriftſtellern ſo willkommen ſind, und die mich ſchon in Sparta ſo ſtolz gemacht hatten. Ein reicher Tuͤrke, welcher gereiſet war, und ſich auf die Sternkunde verſtand, Namens Ali Bei el Abaſſi, hatte meinen Namen gehoͤrt, und wollte meine Schriften kennen. Ich ging mit dem Konſul zu ihm. Sobald er mich erblickte, rief er: D mein lieber Atala! Meine liebe Rene! In dieſem Augenblicke duͤnkte er mir wuͤrdig, von Saladin abzu⸗ ſtammen. Ich bin noch ein wenig der Meinung, daß er der gelehrteſte und hoͤflichſte aller Tuͤrken ſey, ob⸗ gleich er das Geſchlecht der Namen im Franzoͤſiſchen nicht ſonderlich kennt. Nach einer beſchwerlichen Fahrt ſah ich am 19. Dez. 1806 die Kuͤſten Griechenlands wieder, und begruͤßte den Saͤnarus. In fuͤnf Tagen kamen wir in das Meer von Malta. Ein W. N. W. Wind trieb uns ſeitwaͤrts von der Inſel Lampeduſa; wir blie⸗ ben achtzehn Tage auf der oͤſtlichen Kuͤſte von Tu⸗ nis, zwiſchen Leben und Lod ſchwebend. Am 28. ergriff gegen Untergang der Sonne ein Sturmwind unſer Schiff, und es tanzte auf den Wogen, wie eine Feder auf einem Waſſerbecken. Das Meer ward in einem Augenblicke ſo aufgeruhrt, daß ſeine Dberflaͤche nur einer ungeheueren Schaum⸗Maſſe glich. Unſer Schiff, welches nicht mehr gelenkt werden konnte, er⸗ ſchien nur wie ein finſterer Punkt in dieſer furchtbaren weißen Maſſe. Wir wurden nach allen Richtungen umgedreht und abwechſelnd wurden Hintertheil und Vordertheil des Schiffes in Wogen geſtuͤrzt. Mit dem Anbruche des Tages waren wir feſt an der Kuͤſte von Lampeduſa, und hielten den Schiffbruch fuͤr un⸗ vermeidlich. Ich ſchrieb folgende Worte nieder:„F. A. v. Chateaubriand litt Schiffbruch bei der In⸗ ſel Lampeduſa am 28. Dez. 1806, als er aus dem hei⸗ ligen Lande zuruͤckkehrte. Ich legte das Papier in eine leere Flaſche, um ſie im letzten entſcheidenden Augen⸗ blicke in das Meer zu werfen. Endlich legte ſich am s. Januar 180 der Sturm. Wir verließen die kleine Syrte, ſegelten drei Tage an der Kuͤſte von Tunis hinauf, und umſchifften am 40. das Vorgebirge Bon, den Gegenſtand aller iſe rer Hoffnungen. Am 11. legten wir unter dem Vorgebirge von Karthago vor Anker, und ankerten am 12, vor Go⸗ letta, dem Hafen von Tunis. Bei dem franzoͤſiſchen Konſul Devviſe erhielt ich die freundſchaftlichſte Aufnahme. Im Kreiſe ſei⸗ ner Familie genoß ich dreißig Tage die Ruhe, der ich 24¹ ſo ſehr bedurfte. Die Zeit des Karnevals nahte, und man dachte den Mauren zum Trotze nur an Lachen. Bei Dido's Aſche und den Truͤmmern von Kar⸗ thago ließ man framzoͤſiſche Geiger ertoͤnen. Man kuͤmmerte ſich weder um Marius, noch um Hannibal, noch um Kato von Utika; letzteren wuͤrde man als Liebhaber des Weines zum Trin⸗ ken geladen haben, wenn es ihm eingefallen waͤre⸗ die Geſellſchaft auszuſchelten. Blos der heilige Ludwig, als Franzoſe waͤre geachtet worden; aber der gute und große Koͤnig wuͤrde es nicht uͤbel aufge⸗ nommen haben, daß ſeine Unterthanen ſich an dem Drte erluſtigten, wo er ſo viel gelitten hatte. Die Stadt Tunis(Sunes bei den Griechen und Roͤmern) liegt zwoͤlf Meilen von den Ruinen Karthagos, und faſt am Ufer eines ſalzigen Sees⸗ welcher durch den Kanal Goletta mit dem Meere in Verbindung ſteht. Die Stadt iſt mit Mauern um⸗ geben, und mag ungefaͤhr mit Inbegriff der Vorſtadt Bled⸗el⸗Hadrah, eine Stunde im Umfange ha⸗ ben. Die Haͤuſer ſind niedrig, die Straßen enge, die Waaxenbuden armſelig, die Moſcheen elend. Die Einwohner, welche ſich ſelten außerhalb der Stadt erblicken laſſen, haben ein ſtieres wildes Anſehen. Unter den Thoren der Stadt ſind die ſogenannten Siddis(Heiligen), ganz nackte Negerinnen und Neger, mit Ungeziefer bedeckt, in ihrem Unrathe ſich waͤlzend, welche unverſchaͤmt vom erbettelten Brode 68. B. Griechenland. III, 2. 8 — 242 zehren. Sie ſtehen unter Muhamets unmittel⸗ barem Schutze. Europaͤiſche Kaufleute, Tuͤrken in“ Smyrna geworben, ausgeartete Mauren, Renega⸗ ten und Gefangene machen die uͤbrige Volksmenge aus. Die Umgegend von Tunis iſt angenehm. Eine neue Waſſerleitung durchlaͤuft ein Thal hinter der Stadt. Von Tunis liegen gegen Mittag Hugel, ge⸗ gen Morgen erheben ſich die Berge Mamelife, welche ſeltſam zerriſſen und von ſonderbarer Geſtalt ſind, und an deren Fuße ſich die, auch den Alten, bekannten heißen Quellen befinden. Gegen Abend und Mitter⸗ nacht ſieht man das Meer, den Hafen Goletta und die Truͤmmer von Karthagv. Die Tuneſen ſind weniger grauſam, und ge⸗ ſitteter als die Bewohner von Algier. Sie haben die aus Andaluſien vertriebenen Mauren auf⸗ genommen, welche in dem Dorfe Tub⸗Urbo, ſechs Stunden von Tunis, am Fluſſe Me Jerdah wohnen. um ſich unter den Truͤmmern Karthagos zurecht zu finden, muß man die Unterſuchung in einer gewiſſen Drdnung anſtellen. Wenn man von der Feſtung Goletta abreiſet, und laͤngs des ufers in der Richtung Oſt⸗Nord⸗Oſt reitet, findet man nach einer halben Stunde Weges Salinen, welche nach Abend hin ſich erſtrecken bis zu den Ueberreſten einer Mauer, die nahe bei den großen Behaͤltniſſen liegt. Geht man zwiſchen den Salinen und dem Meere voran, 243 ſo erblickt man zuerſt Daͤmme, welche ſich ziemlich weit in das Meer erürecken. Dieſes und die Daͤmme liegen zur Rechten, links aber ſieht man auf unglei⸗ chen Anhoͤhen viele Truͤmmer und am Fuße dieſer findet man ein rundes, ziemlich tiefes Becken, welches ehedem durch einen Kanal, deſſen Spuren noch ſicht⸗ bar ſind, mit dem Meere zuſammenhing. Dieſes Becken iſt, wie ich glaube, der Cothon(innere Hafen von Karthago). Die Ueberreſte der ungeheuern Werke, wel⸗ che man noch unter der Oberflaͤche des Meeres erblickt, wuͤrden in dieſem Falle zu dem aͤuſſern Hafendamm gehoͤren. Ich glaubte ſogar noch einige Ueberreſte von den Erdwaͤllen zu entdecken, welche Seipio er⸗ bauen ließ, um den Hafen zu ſperren. Ich bemerkte auch einen zweiten innern Kanal, welchen man allen⸗ falls fuͤr den Einſchnitt halten koͤnnte, welchen die Karthager machten, als ſie ihren Schiffen eine andere Durchfahrt eroͤffneten. Obſchon dieſe Behauptung ganz gegen die Mei⸗ nung Dr. Shaw's iſt, ſo glaube ich dieſe doch durch die Geſchichte unterſtutzt zu finden. Von dem Meere wenden wir uns links und durch⸗ wandern gegen Abend die Ruinen der Stadt, welche in dem Halbkreiſe der umherliegenden Huͤgel ſich befinden. Wir finden zuerſt die Truͤmmer eines ſehr großen Gebaͤudes, welches zu einem Palaſte oder Theater ge⸗ hoͤrt zu haben ſcheint. neber dieſem Gebaͤnde boher 244⁴ 2 nach Abend, liegen die ſchoͤnen Waſſerbehaͤltniſſe, wel⸗ che man allgemein fur die einzigen Ueberreſte von Karthago haͤlt. Die groͤßten Bogen dieſer Waſſer⸗ leitung ſind 70 Fuß hoch, und die Pfeiler dieſer Vo⸗ gen haben as Fuß im Gevierte. Dieſe unermeßlichen Waſſerbehaͤltniſſe bilden eine Reihe von Gewolben. welche nahe an einander liegen, und in ihrer ganzen Laͤnge von einem Gange eingefaßt ſind. Der Weg von den oͤffentlichen Waſſerbehaͤltniſſen bis zum Byrſa⸗Huͤgel iſt rauch und ungleich. Am Fuße des Huͤgels iſt ein Begraͤbnißplatz und ein elendes Dorf. Der Gipfel des Burghuͤgels iſt eine ebene Flaͤche, welche mit kleinen Marmorſtuͤcken, beſaͤt und offenbar die Flur eines Palaſtes oder ei⸗ nes Tempels iſt. Von dem Gipfel der Burg erblickt man die Rui⸗ uen Karthagos, welche zahlreicher ſind, als man gewoͤhnlich glaubt. Sie ſind den Ruinen Spartas ähnlich; nichts iſt wohl erhalten, aber ſie nehmen ei⸗ nen anſehnlichen Raum ein. Als ich ſie im Februar erblickte, waren die Feigen⸗, Del⸗ und Johannesbrod⸗ Baͤume ſchon mit friſchem Gruͤne geſchmuͤckt, großt Angeliken und Baͤrenklau bildeten ſchoͤne grüne Buͤ⸗ ſchel zwiſchen Marmortruͤmmer von allen Farben. In der Ferne ſah ich die Landenge, zwei Meere, Inſeln, ein lachendes Gefilde, blaͤuliche Seen, azurne Gebirge. Ich erblickte Waͤlder, Schiffe, Waſſerleitungen, mau⸗ iſche Doͤrfer, muhamedaniſche Einſiedeleien, Minarets⸗ 24⁵ und die weißen Haͤußer von Tunis. Millivnen Staare, in Schaaren vereint, und leichten Wolken aͤhnlich, flogen uͤber meinem Haupte. Die groͤßten und ruͤhrendſten Erinnerungen traten vor meine Seele; ich dachte an Dido, an Sophinosbe; an Has⸗ drubals großherzige Gattin; ich uͤberſchaute die wei⸗ ten Ebenen, wo Hannibals, Seipios und Ca⸗ ſars Legionen begraben liegen; und meine Blicke ſuch⸗ ten die Stelle, wo Utika lag. Dann gingen die furchtbaren Vandalen, die leichtſinnigen Mauren vor meiner Erinnerung voruͤber, und zuletzt ſah ich den b. Ludwig auf den Ruinen Karthago's ſterben. Zu Tunis ſchifften wir uns auf einem amert⸗ kaniſchen Schoyner ein, ſegelten am 9. Maͤrz 4607 von la Goletta ab, und ſteuerten nach Spanien. Wir erblickten dieſes am 49. nicht weit vom Vorge⸗ birge Gata, an der Spitze von Granada, ſegelten laͤngs der Kuͤſte von Malaga und warfen endlich am 27. Maͤrz, in der Bai von Gibraltar Anker. Ich beſuchte Kadix, dann Kordova, wo ich die Moſchee bewunderte, welche jetzt Hauptkirche der Stadt iſt; durchreiſte das alte Baͤtica, welches die Dichter zum Wohnſitze des Glückes machten. Ich sing bis And ujar hinauf und kehrte wieder zuruͤck, um Granada zu ſehen. Die Alhambra ſchien mir, ſelbſt nach Griechenlands Tempeln, der Betrachtung wuͤrdig. Das Thal von Granada iſt ſehr reitzend, und bat grobe Aehnlichkeit mit dem Thale von Sparta. 26 Von Granada reiſte ich nach Aranjuez, und kam durch das Vaterland des beruͤhmten Ritters von La Mancha, dann nach Madrid, Segovia und Burgos, wo ich die Aſche des Cid nicht vergaß. Ueber Vittoria und die reitzenden Berge vvn Biscayn kam ich auf Frankreichs Boden, und langte am s. Mai zu Bajonne an, nachdem ich rings um das mittellaͤndiſche Meer gereiſt war, und Sparta, Athen, Smyrna, Konſtantino⸗ pel, Rhodus, Jeruſalem, Alerandria, Kahira, Karthago, Kordova, Granada und Madrid beſucht hatte. Erläuterung zu vorſtehendem Plane der Stellung der türkiſch-ägyptiſchen Flotte und der vereinigten drei Geſchwader bei der Schlacht vom 20. Oktober 1827 im Hafen von Navarin, nach der Skizze eines Offiziers der Fregatte Dartmouth. iſt ein feſte Seeſtadt auf der ſuͤdweſt⸗ lichen Seite der Halbinſel Morea, mit einem Fort auf einem hohen Felſen; ſie hat einen Hafen, welcher 1000 Schiffe faſſen kann. Deſſen Muͤndung beſindet ſich zwiſchen der aͤußerſten Spitze der mit Felſenriſſen um⸗ gebenen Inſel Sfagia oder Sfakteria, und der aͤußerſten Spitze des feſten Landes, die aus einem gro⸗ ßen befeſtigten Felſen beſteht, der den alten Namen Pylos behalten hat. Der Eingang iſt zwar bequem, aber ſo ſchmal, daß nur 2 Schiffe zugleich einlaufen koͤn⸗ nen; es kann alſo leicht gegen die Angriffe einer Schiffs⸗ macht vertheidigt werden. Das Waſſer im Hafen iſt tief genus fuͤr die größten Kriegsſchiffe, und der An⸗ 248 kergrund ſo ſicher, daß ſelbſt die Hafen von Plymouth, Cadir, Syrakus und Breſt darin keinen Vorzus haben. Die Geſchichte der vereinigten ruſſiſch⸗engliſch⸗ franzoſiſchen Geſchwader zur Friedens⸗Vermittelung, und deren Schritte von ihrem erſten Zuſammentreffen im Mittel⸗Meere— ihre Erklaͤrungen an die griechi⸗ ſche Regierung zu Napoli, wie an Ibrahim Pa⸗ ſcha uͤber ihren Zweck— ihre Anerkennung der grie⸗ chiſchen Blokade aller von Turken beſetzten Plaͤtze in Morea, iſt unſern Leſern noch aus den Berichten der Zeitungen von as27 erinnerlich. Die aͤgyptiſche Flotte kam vor Navarin und Modon an, und wurde von einer engliſchen Eskadre unter Codring⸗ ton blokirt. Die drei verbuͤndeten Admiraͤle forder⸗ ten die ägyptiſche Flotte auf, ihre Truppen nicht aus⸗ zuſchiffen. Ibrahim⸗Paſcha unterhandelte mit ihnen einen Waffenſtilltand, waͤhrend er die nöthigen Befehle aus Konſtanti nopel erwartete. Er ver⸗ ſuchte die Blokade aufzuheben; aber vergebens. Jetzt ſchiffte er ſeine Trupgen zu N avarin aus, und be⸗ gann im Innern von Morea ſeine Dperationen mit Grauſamkeit und Verwuͤſtung. Die engliſchen und franzoſiſchen Geſchwader legten ſich vor dem Hafen, um das Auslaufen irgend eines Schiffes zu verhindern, und boten Alles auf, den Ibrahim⸗Paſcha von ſeinem Verfahren abzumahnen. Als einige Schiffe ausgelaufen waren, begaben ſich die zwei verbuͤndeten 249 Qdmiraͤle zu ihm, und bewogen ihn, dieſelben in den Hafen zuruͤckrufen zu laſſen. Ibrahim ſtattete dem franzoſiſchen Admiral einen Beſuch ab, und wurde mit einer Kanonen⸗Salve begruͤßt. Bald wurde ein Waffenſtillſtand abgeſchloſſen, nach welchem die verei⸗ nigten Geſchwader die Gegend von Navarin verlie⸗ ßen, und nur eine engliſche und franzoͤſiſche Fregatte vor dem Hafen zur Beobachtung der ganzen darin vet⸗ ſammelten tuͤrkiſch-aͤgyptiſchen Flotte zuruͤcklieten. Ibrahim wollte trotz ſeines Verſprechens dieſen guͤn⸗ ſtigen Augenblick benutzen, und ſchickte in der Nachs vom z. zum 4. Dktober as mit Munition und Vorrd⸗ then aller Art beladene Kriegs⸗ und Transportſchitfs aus dem Hafen, mit dem Befehle, Patras und Miſſo lunghi zu verſehen. Kaum hatten die zwer Fregatten dieſes wahrgenommen, ſo eilten ſie, ihrem Admirale Anzeige zu machen. Codrington eilte ſogleich mit dem Linienſchiffe Aſia und drei Fregat⸗ ten herbei, erreichte die Serophen eher als die tuͤt⸗ kiſchen Schiffe, und deutete ihnen an, daß ſie um⸗ kehren muͤßten. Als die erſte Warnuns nichts fruch⸗ tete, machte er einige Kanonenſchuͤſſe, nach welchen die Luͤrken ſtillhielten. Deren Befehlshaber begab ſich an Bord der Aſia, und antwortete auf Co⸗ drington's gerechte Vorwuͤrfe: er babe den Wat⸗ fenſtillſtand nicht verletzt; Ibrahim habe nur ver⸗ ſprochen, die Feindſeligkeiten gegen die Inſel Hy⸗ dra zu verſchieben, nicht aber gegen das uͤbrige Grie⸗ 250 chenland. Der engliſche Admiral erwiederte ihm; wenn er nicht augenblicklich in den Hafen zuruͤckkehre, ſo wuͤrde er ihn durch ſeine Kanonen dazu zwingen. Die aͤgyptiſche Flotte, obgleich viel ſaͤrker als die Englaͤnder, kehrte auch zuruͤck. Ibrahim, dadurch — aufgebracht, ließ ſie noch einmal auslaufen, verſtaͤrkte ſie mit au Schiffen, und ſchiffte ſich ſelbſt ein, um ſene zu ihrer Beſtimmung zu fuͤhren. Der Englaͤnder bemerkte noch in der Nacht die neue Erſcheinung der Aegyptier, und ſtellte ſeine vier Schiffe bis zum An⸗ bruche des Tages in Schlacht⸗Ordnung. Bei deren Anblicke hielten die aͤgyptiſchen Schiffe an, und un⸗ terhandelten einige Zeit; bann ſpannten ſie ihre Se⸗ gel wieder auf, und ſchienen ſich den Weg mit Ge⸗ walt bahnen zu wollen. Nun eroͤfneten die Englaͤn⸗ der ihr Feuer; doch erneuerte Codrington zugleich bei Ibrahim ſeine Vorſtellungen, und ſchrieb ihm, er habe alles Moͤgliche gethan, um in der Hoffnung einer Uebereinkunft, den Griechen und Luͤrken neues Unglück zu erſparen; aber er ſey auch jetzt entſchloſſen, die Tuͤrken ihr gebrochenes Wort gereuen zu laſſen. Waͤhrend dieſer Zeit ſchoſſen die engliſchen Schiffe unausgeſetzt auf die turkiſchen, welche in verſchiedenen Richtungen maoͤnverirten, um vorwaͤrts zu kommen. ſ Erſt dann zog ſich Jbrahim mit ſeinen s7 bewaffne⸗ ten Schiffen, meiſtens Kriegsſchiffen, durch ein eng⸗ liſches Linienſchiß und drei Fregatten eingeſchüchtert, in den Hafen zuruͤck. Einem einzigen aͤgyptiſchen 251 Transportſchiffe war waͤhrend der Verwirrung gelun⸗ gen, auf der Rhede von Miſſolunghi zu ankern; aber Codrington ſchickte ein bewaffnetes Bovt aus, und Keß es zwingen, wieder die hohe See zu ſuchen. Unterdeſſen iſt auch die ruſſiſche Eskadre am 40, Dk⸗ tober bei Zante angekommen, und am 43. vereinigte ſie ſich mit der franzoͤſiſchen und engliſchen Eskadre vor Wavarin.. Während dieſer Zeit ſetzte Ibrahim ſeine grau⸗ ſame Dperation gegen das Innere von Morea un⸗ aufhaltſam fort, und verheerte alles mir Feuer und Schwert. Dadurch ſahen ſich die drei Admirale ver⸗ anlaßt, ihn außufordern, er moͤge entweder nach Aegypten zuruͤckkehren, oder wenigſtens das Land bis zum Einlaufe eines definitiven Beſchluſſes der Pforte verſchonen. Allein die Depeſche kam uneroͤffnet zu⸗ ruͤck, weil Ihrahim's Dolmetſcher erklaͤrte, er wiſſe nicht, wo Jein Herr ſich befinde. Die Admirale be⸗ ſchloffen alſo, von Zante nach Navarin zu ſegeln; der Wind hielt ſie bis zum 19, Htober zuruͤck. Die nach drei halbmondfoͤrmigen Linien im Hafen von Navarin vor Anker liegende tuͤrkiſch⸗ agyptiſche Flotte beſtand aus 440 Schiffen, naͤmlich 3 von der Linie, 4 doppelten und 19 gewoͤhnlichen Fregatten, 24 Corvetten, 14 Briggs, 6 Brandern und 40 Trans⸗ portſchiffen. Codrington befand ſich auf dem Li⸗ nienſchiffe Afia, und hatte noch 3 Linienſchiffe 4 Freggtten, eine Corvette und 3 Briggs bei ſich. Das kuſſiſche Geſchwader unter dem Adimiral Heyden beſtand aus 4 Linienſchiffen und 4 Fregatten; das franzoſche unter dem Admirgl von Riguy aus 3 Li⸗ nienſchiffen, 2 Fregatten und 2 Schonern Nachdem die Fregatte D artmouth als Parla⸗ mentär in den Haken geſchickt war, lief die verbuͤn⸗ dete Flotte am 20. Oktober um 2 Uhr Nachmittags, mit raſcher Vorbeigebung der Batterten, in den Ha⸗ fen. Sie legte ſich in zwei Linien: die Englaͤnder 252 und Franzoſen uͤber den Wind, die Ruſſen unter den Wind. Die Inſtruktionen Codrington's an ſeine Collegen wurden mit Freude aufgenommen. Die Aſia befand ſich an der Spitze der Flotte; ihr folgten un⸗ mittelbar die Genua und der Albion; Fewarf neben dem Schiffe des Ka pudan⸗Bey, Tehir⸗Paſcha, Anker. Admiral von Nigny legte ſich neben vier ägyptiſchen Schiffen, um ſie nothigenfalls anzugrei⸗ fen; die franzoͤſiſche Fregatte Armide blieb am Ends der Linie, links am Eingange des Hafens⸗ Der Cam⸗ brian, der Glasgow und der Talbot legten ſich in Linie neben der Aſia, dem Genua und Aib io n⸗ Der Dartmouth, der Mosguito, die Ro ſe, der Briſt und die Philomele blieben zur Beobach⸗ tung von 6 tüͤrkiſchen Brandern zuruͤck. Die franzö⸗ ſlſche Eskadre hatte die Syrene an der Spitze, der Scipio folgte dem B ugſpriet auf dem Hinter⸗ tbeil der Syrene; dann kamen der Breslau, der Srident und die Fregatte Armide; die Goeletten Alzvone und Daphne hielten ſich auf den Sel⸗ ten; fobald das engliſche Admiralſchiff geankert hatte, draͤngte ſich die Syrene in einen leeren Raum, wel⸗ chen 3 aͤgyptiſche Fregatten zwiſchen ſich gelaſſen hat⸗ ten. Der Trident ſtellte ſich um Backbord der Sp⸗ rene für ihre Unterſtuͤtzung auf, und der Seipio, welcher am Eingange des Pafens geankert hatte⸗ fand ſich mit ſeiner linken Seite 3 ſtarken Fregatten und 3 vor Anker liegenden Brandern gegenüber, und war überdieß noch dem Feuer der Batterten son Na⸗ varin ausgeſetzt. Der Breslau ſtellte ſich zwiſchen dem ruſſiſchen Abmiralſchiffe und den ſtarken tuͤrkiſchen Fregatten; die Armide blieb unter Segel, um über⸗ all zu Hülfe kommen zu koͤngen. Die ruſſiſchen Li⸗ ienſchiffe hießen Azoff mit dem Vice⸗Admirale Heyden, Hangudd, Szekiel und Alerander⸗ Newoky, die Fregatten Prowornoy und Ka⸗ ſor, und die Corvette Gremlaßſchy. Die alliip⸗ 253 ten Schiffe hatten Befehl nicht zu feuern, wenn die Tuͤrken nicht anfingen. Die erſten z engliſchen Linien⸗ ſchiffe gingen ungehindert vorwaͤrts, und warfen An⸗ ker. Indeſſen bemerkte man feindſelige Anſtalten von Seite der Tuͤrken, beſonders in den Mandͤuvres eines Branders, an welchen der Dartmouth ein Parla⸗ mentärbvot mit dem Lieutenant Fitzroy ſchickts. Wäͤhrend dieſer ſprach, toͤdtete ein Muszetenfeuer des randers mehrere Perſonen und den Parlamentare. folgte ein Kauynenſchuß eines aͤgyptiſchen chiſſes gegen das franzoͤſiſche Schiff Syrene, auf welchem der Admiral zur Vertheidigung des Parla⸗ mentaͤrbvots gleichfals Musketenfeuer gegeben hatte. Dieß war das Signal zur Schlacht, welche in einem Augenblicke allgemein wurde. „ Codrington hatte ein Parlamentärboot an das tuͤrkiſche Admiralſchiff geſchickt, welches den engliſchen Steuermann durch einen Flintenſchluß todtete. Die AEfia hatte von einer Seite das Linienſchiff des Ka⸗ pudan⸗Bey, von der andern jenes des Mohax⸗ rem⸗Bey, Befehlshaber der ganzen tuͤrkiſch agypti⸗ ſchen Flotte. Da letzteres Schiff gegen die Aſia nicht feuerte, ungeachtet das Treffen ſchon begonnen hatte, ſo ſchoß auch die Aſia nicht gegen daſſelbe. Moharrem⸗Bey ließ ſogar dem Codrington wiſſen, er wolle keinem Theib am Gefechte nehmen. Unterdeſſen ſchlug ſich Codrington mit dem Ka⸗ pudan⸗Bey. Der Steuermaun der Aſig, Peter Mitchell, begab ſich zu Moharrem⸗Bey, um zu erfahren, ob dem Blutvetgießen nicht Einhalt ge⸗ ſchehen koͤnne; allein er wurde bei ſeiner Annaͤherun vom feindlichen Schiffe erſchoſſen, welches nun au auf die Aſta zu feuern begann. Von dieſem Augen⸗ blicke donnerte die Aſia zu gleicher Seit gegen die beiden groͤßten Admiralſchiffe neben ſich, und bald wa⸗ ren ſie nur noch ein Haufen von Trümmern, welche auf den Wellen ſchwammen. Nach deren Zerſtoͤrung 254 war die Aſia dem Feuer der zweiten und dritten feindlichen Linie ausgeſetzt; die Genug und der Al⸗ bion hielten ſich mit bewunderungswuͤrdiger Tapfer⸗ keit auf ihren Poſten. Freilich mußte die Afia fo⸗ gleich zur Ausheſſerung nach England gefendet werden. Das franzoͤſiſche Admiralſchiff Syrene, auf al⸗ len Seiten von feindlichen Fregatten umgeben, hatte mehr als eine Stunde gegen eine ihr mehr als drei⸗ fach üͤberlegene Macht in Piſtolen⸗Schußweite zu kam⸗ pfen. Ihre Maſten und Takelwerk wurden äußerſt beſchaͤdigt: als die ägyptiſche Fregatte von zwei Bat⸗ terien auf ihren Seiten in die Luft flog, reichte die dadurch hervorgebrachte Erſchuͤtterung hin, ihren gro⸗ ßen Maſt und den Beſanmaſt zugleich niederzuwerfen; ſie wurde mit brennenden Truͤmmern uͤberdeckt, welche ſie in die hoͤchſte Gefahr verſetzte. Der Seipio hatte zu gleicher Zeit mit den drei vor Anker ſegenden tuͤr⸗ kiſchen Fregatten und mit der Citadelle von Nava⸗ rin zu kämpfen, welche denſelben mit einem Kugelre⸗ gen aus 24 und 43 Pfuͤndern uͤberſchuͤttete, und in der Mitte dieſes Kampfes naherte ſich ihm noch ein angezündeter tuͤrkiſcher Brander, Dieſe von eben ſo gewandten als unerſchrockenen Feuerwerkern geleitete Woͤllenmaſchine legte ſich an dér Wand des franzoͤſi⸗ chen Backbordes feſt, und ſchlupfte almclig laͤngs dem Backbord zwiſchen dem Bogſpriet⸗Segei und dem Ankerbalken durch. Die Franzoſen bemähten ſich ver⸗ gebens, ſich von dieſem Brander zu entfernen; die Flumer, der Backbord und das Takelwerk der vordern Maſten wurden ein Raub der Flammen, welche von einem ziemlich friſchen Suͤdwinde rüͤckwarts getrieben, ſich der Batterie 36 durch die Kläfen und die Stück⸗ Pforten mittheilten. Mehrere Maſtkorbwaͤchter ſürz⸗ ten ſich zum Loſchen in das Feuer; die Kanonite wut⸗ den an thren Stuͤcken verbrannt, andere durch die Entzuͤndung der Stückpatronen in ihren Haͤnden ſchwer verwundet. Drei Mal ergriff das Feuer mehrere Theile 255 des Schiffes, waͤhrend die tuͤrkiſchen Schiffe und die Citadelle es in den Grund hohren wollten; doch fuh⸗ ren die Kanoniere fort zu ſchießen. In diefer kriti⸗ ſchen Lage ließ der Kavitaͤn das eiſerne Ankertau auf⸗ ziehen, und in der Gefahr, mit dem Brander in die Luft zu fliegen, das Fockſegel und das kleine Mars⸗ ſegel außiehen, um ſich hinter den Wind zu legen, und auf dieſe Art die Flammen zu entfernen, welche ſchon nahe an der vordern Pulverkammer waren. We⸗ gen dieſer nahen Gefahr fragte der Oberkanonier, ob er das Pulver anfeuchten ſolle; der unerſchrockene Kommandaut Mylius verneinte es, und die ganze Mannſchaft feuerte ſo thätig fort, daß der Brander entfernt und verſenkt wurde, und der Seipio eine neue Stellung einnehmen konnte, mehrere feindliche Schiffe zu vernichten. Waͤhrend der Scipio ſich ſo auszeichnete, vollbrachten auch die andern franz. Schiffe Heldenthaten. Der Srident unterſtuͤtzte die Sy⸗ rene durch das beſte Feuer gegen die zwei Fregatken, welche ſie vorn und hinten angegriffen hatten. Der Breslau, deſſen Kapttaͤn Labretonniere an bei⸗ den Beinen durch Splirter verwundet wurde, hatte durch ſeine Aufſtellung zwiſchen den tuͤrkiſchen und ruſſiſchen Fregatten, den letzteren einen ſehr ausge⸗ zeichneten Dienſt erwieſen. Ebenſo verhielt es ſich mit den Manöuvres unter dem Kapttaͤn Hugv. Zur Ausbeſſerung mußten freilich die Syrene und der Seipio ſogleich nach Eulon geſchickt werden. Das ruſſiſche Geſchwader unterſtutzte die beiden anderen ſo chätig, daß Codrington und Rigny ihrem Collegen Heyden die groͤßten Lobſpruͤche er⸗ theilten. Des Letzteren Schiffsmaſten, Aſow, waren von Kugeln ſo durchloͤchert, daß ſie trotz der in der Sile errichteten Nothmaſten, kaum die Segel tragen konnten. Nebſtdem zählte man im Rumpfe des Schif⸗ fes 163 von Kugeln durchbohrte Löcher, deren 7im Kiele waren. Das wohlgenaͤhrte Feuer auf dem Aſ⸗ . 256 ow bohrte 2 Fregatten und 1 Corvette in den Grurnd, entmaſtete ein Linienſchiff von 84 Kanonen, und zer⸗ oͤrte eine zweibordige Fregatte, welche die Flaggs des Kapudan⸗Bey, Tahir⸗Paſcha, fuͤhrte, und soo von ihrer Mannſchaft zu 600 Todten und Ver⸗ wundeten einbüßte, wie auch Moharrem⸗Bey ſelbſt einen Streifſchuß erhielt. Die Osmannen haben im Ganzen wenigſtens 6000 Mann verloren, 1 Linienſchiff, 17 Fregatten, 15 Cot⸗ vetten, 9 Briggs und 6 Brander ſind verbrannt wor⸗ den; 2 Fregatten, deren eine vom erſten Nange war, 1 Corvette und 1 Brigg ſanken; 2 Linienſchiffe, 4 Fre⸗ atten, 1 Corvette und 15 Transportſchiffe blieben zer⸗ fi liegen. Viele andere Schiffe ſind in die Luft ge⸗ prengt, obſchon die Tuͤrken mit der groͤßten Tapfet⸗ keit fochten. Im ganzen haben ſie 74 groͤßere und kleinere Schiffe verloren; ihnen blieben hur noch 64 ücke, nämlich 1 Zweidecker, 1 raſirtes Linienſchiff⸗ 4 Fregatten, 3 Corvetten, etwa 15 Brisgs und meh⸗ rere Bransportſchiffe.. Am 24. Nov. verließen die 3 verbuͤndeten Geſchwader den Hafen wieder, und Codrington erließ noch ein Dankſchreiben an alle Schiffe fuͤr die Uebereinſtim⸗ mung in den Abſichten und Verfuͤgungen, fuͤr die große Kaltbluͤtigkeit und ſeltene Tapferkeit gegen eine weit überlegene Macht von 80 Kriegsſchiffen, von welchen nur 1 Fregatte und 44 kleinere Fahrzeuge im Stande blieben, die See zu befahren.