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Nacbem der Koͤnig von Großbritannien den Sir Karl Steward zum Befehlshaber einer See⸗ Eskadre ernannt, theils zum Kreuzen gegen die See⸗ raͤuber von Salee, theils um mit Muley Is⸗ mael, Kaiſer von Marokko, Friedens⸗Unter⸗ handlungen anzuknpfen, ſo fegelte Steward den 24. September a20 von Albions Kuͤſte ab, und langte den 20. Oktober zu Gibraltar an. Weil nun um dieſe Zeit die Spanier ſich zum Kriege gegen die Mohren rüſteten, und aus ihrem Lager bei Gibraltar viele Soldaten und Kriegsgeraͤthſchaften nach Ceuta einſchifften, ſo ſah dieſes der Geſandte fuͤr eine ſehr ſchickliche Gelegenheit an, mit dem Kai⸗ ſer ſich in Unterhandlungen einzulaſſen. Die Sache nahm auch bald eine ſo gluͤckliche Wendung, daß den 17. Januar 4721 die Friedensbedingungen unterzeich⸗ net, und gegen einander gewechſelt waren. Man drang 132 nun ſehr in den engliſchen Geſandten, ſich nach Miguenez zu begeben, allein weil derſelbe erſt die Genehmigung vom Londner Hof erwarten mußte, ſo ſann er beſtaͤndig auf Ausflͤchte, um dieſer Reiſe auszuweichen. Waͤhrend dieſer Zeit kam nun die Genehmigung, gemaͤß welcher wir uns nach Detuan einſchifften. Obwohl der Baſſa unſere Ankunſft nicht ſo bald ver⸗ muthet hatte, ſo fanden wir doch verſchiedene Zelte zu unſerer Aufnahme bereit, und nurden mit Cus⸗ rouſu, verſchiedenem Geflͤgel und einem gebratenen Schafe, welches an einem dicken hoͤlzernen Spieße ſtecken blieb, bewirthet. Gegen Abend empfing uns der Baſſa von Detuan mit ungefähr 200 Reitern und 300 Fußgaͤngern, welche in vollem Jagen, und mit Abfeuern ihrer Gewehre in das Lager rannten, und vor unſerm Zelte einen Halbmynd bildeten Dann ließ er den Baſſa zu unſrer Beluſtigung einige Kriegs⸗ uͤbungen vornehmen, welche darin beſtanden, daß die Reiter mit verhaͤngten Zuͤgeln gegen einander ritten, und ſo hitzig Feuer auf einander gaben, als wenn es im Ernſte geſchähe. Eublich zeigten ſie ihre Geſchick⸗ lichkeit in Handhabung der Spieße, und wichen den einander zugedachten Stoͤßen mit der groͤhten Behen⸗ digkeit aus. Waͤhrend dieſer Reiteruͤbung feuerte das Fußvolk beſtaͤndig aber ohne Ordnung gegen die Erde. Zu dieſem Feuern geſellte ſich noch das Lätmen der Trommeln, deren Schlag mittelſt einer ſehr durch⸗ 133 dringenden und widerlich toͤnenden Pfeife beſtimmt ward. Bei unſerm Einzuge in der Stadt Tetuan fan⸗ den wir ein großes Gedraͤnge von Menſchen, welche uns durch Schreien und Jauchzen bewillkommten. Die ganz vermummten Weiber ſtanden in großer An⸗ zahl auf den Giebeln der Haͤuſer. Der Baſſa, wel⸗ cher uns fruͤher ſchon freundſchaftliche Beſuche abge⸗ ſtattet, und dem Geſandten ein ſebr ſchoͤnes Pferd ge⸗ geben hatte, ließ ſeine Mohren vor ſeinem Hauſe im Vierecke aufſtellen, und zeigte uns ſeine und ſeiner Bruͤder Geſchicklichkeit im Speerwerfen. Sie warfen dieſelben vorwaͤrts in die Luft, und fingen ſie im vol⸗ lem Galoppe wieder auf. Den 16. lud uns der Baſſa zum Mittagsmahle in ſeinen neu angelegten Garten ein; dieſer lag eine kieine teutſche Meile von der Stadt in einem ange⸗ nehmen, von grüͤnen Huͤgeln umgebenen Thale, und wurde durch einen kleinen Strom, welchen man mit großer Muͤhe von einem nahe gelegenen Berge geleitet hatte, bewaͤſſert. Wir ſpeiſten unter einem ſchattigen Baume, wurden nach dem Mahle von dem Gouver⸗ neur zu Tetuan mit Citronen, Pomeranzen und kleinen Aprikoſen beſchenkt, welche er ſelbſt gepfluͤckt hatte, und zu einem Spaziergange eingeladen. Die Gaͤnge im Garten wurden durch eingeflochtenes Schilt⸗ rohr abgetheilt; unter andern hatte man auch eine Robrlaube ſehr kunſlich angelegt, und in dieſelbe ein 134 mit Waſſer gefuͤlltes Becken geſetzt, aus welchem der Geſandte einen Punſch bereitete, und nur mit Muͤhe den Baſſa dahin brachte, daß er zwei Gläſer trank. Die Laube war ſehr reizend, und das Angenehme der⸗ ſelben durch eine Menge fleiſchfarbener Nelken, welche durch die Zeffnungen des geflochtenen Rohres gebo⸗ gen waren, erhoͤht. Auch vier Muſikanten hatte der Gouverneur zu unſrer Unterhaltung mitgebracht. Den 20. gingen wir mit dem Baſſa in die Gebirge zwiſchen Tetuan und Ceuta auf eine Baͤrenjagd. Eine große Anzahl Mohren zu Fuß, welche alle mit Spießen verſehen waren, ſeellten ſich auf die herum⸗ liegenden Anhoͤhen, und trieben die Baren durch ihr furchtbares Geſchrei aus dem Walde. Wenn Jemand von ungefaͤhr allein es mit einem Baͤren zu thun bekam, ſo ergriff er nicht die Flucht, ſondern ſetzte ſich in die gehoͤrige Stellung, und ließ den Baͤren an⸗ laufen. Das Thier drang bis an das Ende des Eiſens am Spieße ein, und konnte wegen eines daſelbü be⸗ feſtigten Quereiſens nicht weiter kommen. Hatte nun der Mohr keine Kraͤfte mehr, den Baͤren nach gegebe⸗ nem Fange zu halten, ſo entfernte er ſich, ſo gut er konnte. Inzwiſchen griffen andere den Baͤren an, und ſtachen ihn ſo lange, bis er blutend zur Erde ſiel. Wir erhielten drei junge lebendige Baͤren, und erleg⸗ ten ſechs alte.— Den 24. ſpeiſte der Baſſa nebſt eini⸗ gen vornehmen Mohren bei dem Geſandten. Weil ſie nun alle Gläſer, welche man darteichte, ſogleich aus⸗ 135 tranken, Ko wurden ſie ſo berauſcht, daß ſie die Treppe herabgefuͤhrt werden mußten. Der Gouverneur hielt ſich ſo ziemlich, als er aber in die freie Luft kam, fing er an zu taumeln, zog vom Leder, und hieb auf ſeine eigenen Leute. Unſere Zeit hrachten wir in Tetuan mit Reiten, Fiſchen, Schießen und Beſuchen der Gaͤrten recht gut zu. Die Einwohner behandelten uns ſehr hoͤflich, weil der Baſſa mit dem Tode Jedem drohte, welcher uns zu beleidigen wagte. Tetuan, das Detuanum der Roͤmer, eine ſehr alte Stadt, iſt die Reſidenz eines Baſſa, und lient am Meerbuſen des Herkules auf einer ſteini⸗ gen Anhoͤhe zwiſchen zwei großen Gebirgen, 1 1/2 Meile von der See. Das Kaſtell liegt hoͤher, als die Stadt. Im Thale fließt ein kleiner Strom, welcher die ſchmalen Fahrzeuge bis nach Martin, 4/2 Meile von der See, bringt. Laͤngs der Kuͤſte ſind Wacht⸗ thuͤrme, auf welchen bei feindlichen Landungen Feuer unterhalten werden, um durch dieſe die benachbarte Gegend zu den Waffen zu rufen. Die Stadt iſt ſehr volkreich, und hat eine ge⸗ ſunde Lage, aber ſehr arme Einwohner, weil ſie ſonſt weiter kein Vermoͤgen haben, als was ihnen der Baſſa laſſen will. Die Straßen ſind ſehr enge und ſchmal, die Haͤuſer aber ganz artig gebaut; ſatt der Fenſter ſind in den Zimmern bloße Loͤcher angebracht, durch welche man auf die Strahe ſieht; das Lageslicht wird inwendig an der Hoſſeite in das Haus gebracht. In⸗ und auswendig ſind die Haͤuſer ſo weiß und glatt, daß man, wenn die Strahlen der Sonne auf dieſelben fallen, ſie wegen des hellen Glanzes nicht lange anſe⸗ ben kann. Die Mauern werden nicht aus Back⸗ oder an⸗ dern Steinen gemacht, ſondern man nimmt eine ſtarke pölzerne Form, wirft den Mauerkalk in dieſelbe, ſtampft ihn feſt nieder, und nimmt, wenn er trocken iſt, die Form wieder ab. Den 13. Juni a121 traten wir unſere Reiſe nach Miguenez an, zogen durch eine anmuthige Gegend, und lagerten uns hart an dem Fluſſe Bosperah. Von dem Drte Dartzerboh an hatten wir mit Fel⸗ ſen und ſchwer zu beſteigenden Huͤgeln zu kaͤmpfen, legten aber nichtsdeſtoweniger vier Meilen zuruͤck. Das Reiſen wurde nun wegen der unertraͤglichen Hitze peſchweriich. Den 46. lagerten wir uns bei dem klei⸗ nen Fluſſe Alcharob, und uͤbernachteten den 47. bei dem Fluſſe Hamgarwell. Waͤhrend wir uns letz⸗ term naͤherten, machte uns Sidi Hamet⸗ ein alter Mann und Verwandter einer Gemahlin des Kaiſers einen Beſuch. Er iſt Gouverneur einiger Doͤrfer der Araber in dieſer Gegend. Die Bewohner dieſer Doͤrfer leben ſehr armſelig in elenden Hutten, welche aus einigen mit Schilf⸗ rohr bedeckten Stangen beſtehen. Mit dieſen Huͤtten ziehen ſie von einem Orte zum andern, ſo wie ſie gute Weide und Trinkwaſſer antreffen. Die Huͤtten —,— ———————————— 137 werden Im Kreiſe nebeneinander geſtellt, inwendig bleibt ein großer Raum leer, in deſſen Mitte ein Haus ganz allein ſteht, in welchem vermuthlich der Alcaide wohnt. Der Kaiſer laͤßt jaͤhrlich durch einen ſeiner Aleaiden den Tribut von ihnen einfor⸗ dern. Wenn dieſe Nomaden ihren Wohnplatz verlaſ⸗ ſen, ſo laden ſie ihre Sachen auf Kuͤhe, Dchſen und Kamele, und belegen ſie mit Saͤtteln, auf welche ſie ihre Weiber und Kinder in breiten Weidenkoͤrben ſetzen. Dieſe Voͤlker brachten uns gegen Abend viel Cus⸗ couſou und andere Lebensmittel. Die Schuͤſſel mit dem Cuscouſon war ſo groß, daß ſie kaum zwei Leute forttragen konnten. Wir fielen mit großer Erluſt uͤber denſelben her, konnten ihm aber nicht viel anhaben, daher wir den Reſt unſern Stallknechten gaben, welche denſelben mit vieler Geſchicklichkeit in ihren Haͤnden zu runden Kugeln geſtalteten, und dann aßen. Wenn der Baſſa in ſeiner Statthalterſchaft reiſt, ſo echaͤlt er von ſeinen Unterthanen alles unentgeltlich, was er fuͤr ſeine Kuͤche nöthig hat. Den 1s. ſetzten wir uͤber den Fluß Elmahaß ſen, welchen die Schlacht zwiſchen dem Koͤnige Se⸗ baſtian von Portugal und den Mohren berühmt gemacht hat. Sebaſthan verlor die Schlacht und ſein Leben. Die geſchlagenen und zerſtreuten Portu⸗ gieſen wollten nicht glauben, daß ihr Koͤnig in der Schlacht geblieben ſey, ſondern liefen herum und ſchrien; Onde eſta el Rey?(Wo iſt der Koͤnig ²) „ 138 Als nun die Mohren das Wort Rey hoͤrten,(Rey heißt in ihrer Sprache: geſunde Vernunft), ſo riefen ſie ihnen zu:„Wenn ihr Rey(Vernunft) ge⸗ habt haͤttet, ſo waͤret ihr in Portugal geblieben!“ Wie wir ungefaͤhr noch eine halbe Meile von Al⸗ caſſar entfernt waren, kam uns der Aleaide von Tanger entgegengeritten. Der Speer, welchen er in der Hand hatte, wurde von einem Sklaven auf⸗ recht gehalten, eine Ehrenbezeugung, welche nur den Alcaiden widerfaͤhrt. Dieſer Spieß wird auch im La⸗ ger allzeit vor ihr Zelt in die Erde geſieckt. Nachdem der Alcaide, ein hoͤflicher junger Mann, den Geſand⸗ ten bewillkommt hatte, tummelte ſich ſeine Reiterei ſo lange herum, bis der Baſſa zu uns ſtieß, den Ge⸗ ſandten anſtaͤndig empfing, und ſeinen Leuten befahl, einen Aufzug zu Pferde zu halten. Wir kamen unter dieſem Luſtgefechte, unter beſtaͤndigem Trommelſchlag und mohriſcher Muſik, unter unaufhoͤrlichem Zurufe des Poͤbels, deſſen Gedraͤnge die Wache mit all ihren Schlaͤgen nicht abhalten konnte, bis zu unſerm La⸗ ger, welches hart an den Mauern der Stadt Aleaſ⸗ ſar aufgeſchlagen war. Die ehemals anſehnliche Stadt Alea ſſar, welche um das J. 1480 von dem Koͤnige zu Fez, Jakob Alman⸗ zor, erbaut worden war, iſt jetzt gaͤnzlich in Verfall gerathen. Dieſer ruͤhrt wahrſcheinlich von der ſchlech⸗ ten Lage derſelben her. Denn im Sommer itt ſie ei⸗ ner unertraͤglichen Hitze, und im Winter ſtarken Ueber⸗ 139 ſchwemmungen ausgeſetzt. Zu ihrem Unglucke hat auch ein Heiliger geweiſſaget:„daß die Stadt im Sommer verbrannt, und im Winter uͤberſchwemmt werden wuͤrde.“ um dieſen Heiligen jedoch nicht zum Luͤgner werden zu laſſen, legen die Prieſter einmal im Jahre heimlich Feuer ein, welches ſie ſchnell wieder loͤſchen. Vermuthlich hat ihr Heiliger die Hitze der Sonne in das Auge gefaßt gehabt. Ein ſolches Feuer wurde auch waͤhrend unſerer Anweſenheit angelegt, aber bald wieder geloͤſcht. Die haͤufigen Regenguͤſſe im Winter uͤberheben ſie der Beſorgniß, auf Ueber⸗ ſchwemmung denken zu muͤſſen. Es gibt viele Stoͤrche in der Stadt, welche nicht ſchuͤchtern ſind, und vor den Thoren wie zahmes Vieh umhergehen. Aleaſſar verließen wir den 26. in einer zahl⸗ reichen Geſellſchaft, und lagerten uns am 27. bei dem Bache Behvrah. Den 28. legten wir drei Meilen zurück, und uͤbernachteten an dem Fluſſe Cebu, wel⸗ cher das Gebiet des Baſſa von Detuan ſchließt. Die⸗ ſer Fluß iſt der breiteſte im ganzen Koͤnigreiche Fez⸗ nimmt ſeinen Urſprung bei der Stadt Fez, faͤllt in den See Marmora, iſt aber ſeiner Verſandung we⸗ gen unnuͤtz für den Handel. Bei Moudlichte durch⸗ reiſten wir am 29. die Ebene von Marmora, welche fuͤnf Meilen in der Laͤnge, und zwanzig in der Breite haͤlt. Des Morgens bezogen wir unſer Lager bei Sidi Caſſem, einer kleinen Stadt am Fuße des Gebirges, 140 welches jene Ebene von der Suͤdſeite einſchließt. Sie fuͤhrt ihren Namen von einem Heiligen, welcher in derſelben ein Grabmal hat, bei welchem die Mohren ihre Andacht mit großem Eifer verrichten. Man ſieht auf dem ganzen Wege nach Miquenez noch mehrere Grabmaͤler, bei welchen ſelten ein Reiſender voruͤber⸗ geht, ohne ſein Gebet an denſelben zu verrichten. Wir mußten uns von der heiligen Stadt etwas ent⸗ fernt halten, weil ſich bloß Muhamedaner den heiligen Graͤbern naͤhern duͤrfen. Den 1. Juli beſtiegen wir auf unſerer Reiſe ein ſehr rauhes und felſiges Gebirge, welches uns bei dem Herabſteigen viele Beſchwerden verurſachte. Um 10 Uhr lagerten wir uns in einem Felde, welches von einem daſelbſt begrabenen Heiligen, Muley Idris, ſeinen Namen erhalten hat. Muley Idris legte den Grund zur Stadt Fez, fuͤhrte Muhameds Lehre ein, und war der erſte arabiſche Prinz, wel⸗ cher in der Berberei regiert hat. Sein Grab ilt jetzt noch eine Zufluchtſtaͤtte fuͤr die Uebelthaͤter. Dis nach Mig uenet Reiſenden machen einen großen Um⸗ weg zu dieſem Grabe. Auch iſt in dieſer Gegend eine Stadt, welche Muley Idris Namen fuͤhrt, und am Fuße des Gebirges Zarhon liegt. Eine halbe Meile von dieſer Stadt ſieht man auf einem ſehr an⸗ muthigen Huͤgel die Truͤmmer eines ſebr alten und praͤchtigen Schloſſes, welches die Mohren Caſſar Pbaravn(Pharavn's Schloß) nennen; vom letztern 14¹ wiſſen ſie⸗bloß anzugeben, daß er ein Chriſt geweſen ſey. Dieſe Ruinen liegen ungefaͤhr 3s teutſche Mei⸗ len ſüͤdlich von Detuan, und 4 Meilen nordoͤſtlich von Miguenez; die ueberbletbſel ſcheinen Triumph⸗ bogen geweſen zu ſeyn. Rund um den Berg, auf welchem dieſes Schloß gebaut worden ilt, iſt noch der Grund einer Mauer zu ſehen, welche 2 Meilen im umfange haͤlt, und genanntes Schloß einſchließt. Das Land, welches wir durchreiſt hatten, war ſehr fruchtbar und angenehm. Die Berge waren mit Oli⸗ venbaͤumen bepflanzt, und hin und wieder zeigte ſich ein großer Ueberfluß an Korn und Vieh. Nichtsdeſtowe⸗ niger liegen ganze Strecken wegen der tyranniſchen Bedruckungen der Statthalter oͤde und unbebaut da. Den 3. Juli kamen wir vor Aufgang der Sonne in die Stadt Miquenez. Den 6. hatten wir eine Audienz bei dem Kaiſer. Ein Aleaide, mit einer Wache verſehen, fuhrte uns bis zu dem kaiſerlichen Palaſte. Kein Mohr, welcher nicht in dem Dienſie des Kaiſers war, durfte ſich uns naͤhern; wenn aber einer ſich an uns draͤngte, ſo ließ der Aleaide ihn durch die Soldaten niederſtoßen, und unbarmherzig durchpruͤgeln. Wie wir das aͤußerſte Thor des kaiſer⸗ lichen Palaſtes erreicht hatten, ſiegen wir von den Pferden, gingen durch vier breite Vorhoͤfe, und ſetz⸗ ten uns bei einem Gitterwerke nieder. Nach einer halben Stunde bekamen wir Nachricht von der An⸗ kunft des Kaiſers. Als er erſchien, trus man einen 142 Sonneſchirm uͤber ſeinem Haupte; hinter ihm hatte ſich eine Leibwache in der Geſtalt eines Halbmondes aufgeſtellt. Ihre Gewehre hielten die Soldaten bei dem Schloſſe in der rechten Hand, hart am Leibe und gerade in die Hoͤhe. Die Pofbedienten ſtanden auf beiden Seiten, mit bloßen Fuͤßen und in Sklavenklei⸗ der gehuͤllt, und hatten ihr Augenmerk beſtändig auf des Kaiſers Pferd gerichtet, deſſen Wendungen und Drehungen ſie auf das Genaueſte nachahmten. Als wir uns mit voller Muſik bis auf 80 oder 100 Schritte dem Kaiſer genaͤhert hatten, ſprang die⸗ ſer alte Monarch zu unſerer groͤßten Verwunderung ſehr ſchnell vom Pferde, warf ſich zur Erde nieder, und betete. In dieſer Stellung blieb er einige Mi⸗ nuten liegen, ohne ſich zu ruͤhren, und hielt ſein Ge⸗ ſicht ſo feſt an den Sand, daß ihm beim Aufrichten die ganze Naſe beſtaubt war. Nach vollbrachtem Ge⸗ bete beſtieg er ſein Pferd, nahm einen Spieß in die Hand, und ließ den Geſandten vorfuͤhren, während wir uns hinter ihm in eine Reihe ſtellten. Nach den ihm gemachten Verbeugungen nickte er mit dem Haupte, ſagte einige Mal Bono, und noͤ⸗ thigte den Geſandten, ſich mit dem Hute zu bedecken. Der Geſandte uͤbergab dann ſein Beglaubigungsſchrei⸗ ben, welches in ein ſeidenes Tuch eingewickelt war, weil nach dem Geſetze dem Kaiſer kein bloßer Brief übergeben werden darf. Nachdem nun der Geſandte den Zweck ſeiner Reiſe, naͤmlich die Herſtellung des 143 Friedens hwiſchen England und Marokko ausein⸗ andergeſetzt hatte, willigte der Kaiſer in die vorge⸗ ſchlagenen Bedingungen, und ſagte zu Sir Stuart: „Ich ſchenke dir neun gefangene Chriſten zum Fruͤh⸗ ſtͤcke, welche du dir ſelbſt ausſuchen kannſt.“ Nach dieſen Worten ſprach er mit dem Baſſa von De⸗ tuan, welcher ſich zur Erde warf, dieſelbe nahe an den Fuͤßen des kaiſerlichen Pferdes kuͤßte, und ruck⸗ waͤrts auf ſeinen vorigen Platz trat. Dieſe Ehrenbs⸗ zeugung erweiſen die Mohren dem Kaiſer ſehr oft, wenn er ſich mit ihnen unterhaͤlt. Muley Ismael iſt in Ruͤckſicht ſeines hohen Alters noch ſehr munter. Er iſt von mittlerer Groͤße, hat keine Zaͤhne mehr, und eine lange und ſchmale Naſe. Er huſtet ſehr, ſein Speichel wird immer von einigen Dienern in einem Tuche aufgefangen. Sein Bart iſt duͤnn und weiß, die Augen haben von ihrer ehemaligen Lebhaftigkeit etwas beibehalten, die Wan⸗ gen aber ſind ſehr eingefallen. Seine Schwarzen hal⸗ ten die Fliegen vermittelſt eines Tuches ab, und dre⸗ hen den Sonneſchirm unaufhoͤrlich uͤber ſeinem Haupte. Der Sklave, welcher ihn haͤlt, richtet ſich ſorgfaltig in ſeinen Wendungen nach dem Pferde, damit ja kein Sonneſtrahl auf das kaiſerliche Haupt fallen moge. Als wir vom Kaiſer Abſchied genommen hatten, wurden wir auf ſeinen Befehl in den Palaſt gefuhrt. Wir kamen zuerſt in ein großes langes, viereckiges Gebaͤnde, in welchem eine der kaiſerlichen Gemahlin⸗ 69, B. Afrika. II, 2. 2 144 nen wohnte. Die Bogen waren aus Gyps mit Laub⸗ werk und Blumen geziert, und durch ſchoͤne ßeinerne Pfeiler unterſtuͤtzt. Der ganze Bogen und die Waͤnde waren 6 Fuß hoch, mit ſchmalen, in das Viereck ge⸗ ſchobenen, Steinen belegt, eine Art Pflaſter, welche man in allen Gebaͤuden des Kaiſers antrifft. Ferner ſahen wir das Zeughaus, welches 4600 Fuß lang, und nur zo breit war. Es hingen in dem⸗ ſelben viele Gewehre und Saͤttel. In einem andern Zeughauſe zeigte man uns die Thore von Larache, welche der Kaiſer den Spaniern abgenommen hatte, und verſchiedene Eiſenarbeit, halbe Piken und Schwer⸗ ter als Beute aus Larache. Von einigen Palaͤſten der kaiſerlichen Gemahlinnen brachte man uns in ei⸗ nen andern Palaſt, in deſſen Mitte ein großer mit ſchlanken Cypreſſen umgebener Garten angelegt war, durch denſelben ging ein erhabener Weg, welcher ganz von Weinranken und anderm reizenden Laubwerke be⸗ ſchattet wurde. Wir fanden in dieſem Gange einen Wagen, welcher durch inwendige Federn ſich fort⸗ trieb, und eine ſchmale Kaleſche, in welcher ſich der Kaiſer manchmal durch ſeine Weiber und Verſchnit⸗ tene zieben laͤßt. Wir kamen noch durch viele andere viereckige Gebaͤude, und ſahen hin und wieder oben auf den hohen Mauern die Chrißten arbeiten. Wir brachten mit dieſen Beſichtigungen drei Stunden zu, und wurden dann wieder zum Kaiſer ge⸗ bracht. Er ſaß zu Pferde, und prief, ſobald er uns 145⁵ ſah, Vono, Bono, und fragte den Geſandten, wie ihm der Palaſt gefiele? Als dieſer verſicherte, daß es eines der praͤchtigſten Gebaͤude auf der Erde ſey, ſagte der Kaiſer:„Gott ſey Dank!“ Bei dieſer Gelegen⸗ heit erhielt unſer Geſandte mehrere junge engliſche Sklaven von dem Kaiſer zum Geſchenke. Den 7. Juli wurden wir Morgens abgeholt, um den Palaſt noch einmal zu ſehen. Eine von den Go⸗ mahlinnen des Kaiſers ſchickte uns zum Fruͤhſtuͤcke Datteln, Roſinen, Mandeln, Melonen, Feigen und Zuckerwerk, welches ſie ſelbſt verfertigt hatte. Skla⸗ vinnen des Palaſtes brachten dieſe Gegenſtaͤnde in Speiſekoͤrben, und bedienten uns. Dieſe Maͤdchen batten ihre gelbe Haut mit glaͤnzenden Armbaͤndern, und allerlei ſilbernen Kleinigkeiten an Haͤnden und Fuͤßen geſchmuͤckt, trugen goldene Ketten um den Hals nebſt anderem afrikaniſchen Schmucke. Die kai⸗ ſerlichen Gemahlinnen hatten uns beobachtet, ohne daß wir dieſelben ſehen konnten. Nach geendigtem Fruͤhſtucke verließen uns die afti⸗ kaniſchen Schoͤnen, und wir beſahen nun eine Menge anderer großer Gebaͤude, unter welchen ſich ein Zeug⸗ haus vorzuͤglich auszeichnete. In deſſen Saͤlen trafen wir eine große Anzahl von Flinten und Lanzen, Sé gen, Aexte, Stutzrohre, Sturmhauben und derglei⸗ chen Kriegsgeraͤthe und Waffen mehr, welche aber nicht von den Mohren verfertigt, ſondern von den Chriſten eybeutet zu ſeyn ſchienen. In andern Sälen 146 war das Gold und Silber nebſt den Juwelen des Kai⸗ ſers aufbewahrt. Nachdem wir uns in den Baͤdern und andern Palaͤſten umgeſehen hatten, kamen wir an einen Platz, in welchem nach dem Vorgeben der Mohren, Muhameds Schriften verwahrt lagen. Auch zeigte man uns ein mit hohen Mauern umge⸗ benes Gebaͤude, welches Muley Ismael zu ſeinem Begraͤbniſſe gewaͤhlt haben ſoll. Von dieſem kamen wir auf ein breites Feld, auf welchem eine große Menge Ratten in der Erde, wie Kaninchen wuͤhlten, und uns ungeſcheut bis auf acht Schritte nahe ließen. Wenn wir bei ihnen voruͤber waren, kamen ſie aus ähren Loͤchern hervor, und bedeckten durch ihre Menge die ganze Flaͤche. Am Ende dieſes Feldes lag ein Granatapfel⸗Garten in einem tiefen Thale, uͤber wel⸗ chem der Kaiſer von dem Gipfel der einen Hoͤhe bis zu der andern eine ſtarke Bruͤcke bauen ließ, damit man deſto bequemer uͤber dieſes Thal kommen koͤnne. Am Ende der Bruͤcke war ein gemauerter Damm an⸗ gelegt, welcher eine ſtarke haibe teutſche Sil lang iſt. Der ganze kaiſerliche Palaſt hat ungefaͤhr eine teutſche Meile im Umkreiſe, und iſt auf einer Ebene in der Geſtalt eines Vierecks angelegt. Er iſt aus ſehr gutem Kalk ohne einige Steine erbaut, und dieſer Kalk iſt ſo dicht geſchlagen, daß die Mauern wie aus einem Stuͤcke zu ſeyn ſcheinen. Die Gebaͤude ſind nach dem heißen Klima eingerichtet, die Zimmer tief⸗ 147 die Mauern aber ſo dick, daß es im ganzen Palaſte bei der groͤßten Hitze ſehr kuͤhl iſt. Man verſicherte uns, daß täglich 30,000 Menſchen und 10,000 Mauleſel an demſelben arbeiten. Dieß alles koſtet jedoch dem Kai⸗ ſer aus ſeinem Schatze nichts, ſondern er hat dem Dberbaumeiſter, ſtatt baarer Bezahlung, eine große und fruchtbare Statthalterſchaft bei Miquenez ein⸗ geraͤumt. Dieſer Mann kann aber wegen der beſtaͤn⸗ digen Arbeit und unaufhoͤrlichen Ausgaben wenig fuͤr ſich gewinnen. Muley Ismael hat eine unbaͤndige Neigung zum Bauen, oder beſſer zu ſagen, die errichteten Ge⸗ baͤude niederzureißen; denn man verſichert, daß wenn alle die von ihm errichteten Gebaͤude noch vorhanden waͤren, ſo wuͤrde der ganze Weg nach Fez(er betraͤgt ſechs teutſche Meilen) mit Palaͤſten beſetzt ſeyn. Die⸗ ſes Niedetreißen geſchieht aus keiner geringern Ab⸗ ſicht, als um ſeine Einwohner in beßaͤndiger Beſchaͤf⸗ tigung zu erhalten. Muley Ismael beſtieg im Jahre 1672 den Thron nach dem Tode ſeines Bruders, Muley Ar⸗ chid. Er eroberte 1676 die Stadt Marokko. Den erſten Beweis ſeiner Grauſamkeſt gab er, als er mit ſeiner Armee uͤber einen Fluß nicht kommen konnte. Er ließ alle Kriegsgefangene umbringen, baute von ihren mit Schilfrohr an einander geflochtenen Leich⸗ namen eine Bruͤcke, uͤber welche er mit ſeinem Heere ging. Im Jabre a67s bemeiſterte er ſich der Stadt 148 Tafilet, und nahm 1681 den Spaniern die Stadt Marmora weg. Er erbeutete in derſelben 36 Kanonen von Metall und so eiſerne Feuerſchluͤnde. Nach einer fuͤnf monatlichen Belagerung ergab ſich ihm 1689 die Stadt Larache. Da er Meiſter von Marmora, Larache und auch von Tanger war, wollte er Ceuta erobern, und brachte zu dieſem Zwecke 40,000 Mann zuſammen, welcher aber vereitelt wurde. Gleichfalls verungluͤckte ein zweiter im Jahre 1720. Von der Grauſamkeit und Unmenſchlichkeit Is⸗ maels lieferte uns Busnot die traurigſten Beweiſe. Wir uͤbergehen alſo dieſe mit Recht, um dem Leſer verabſcheuungswürdige Scenen zu erſparen. Er haͤlt ſich eine Anzahl Mulatten, welche durch Vermiſchung von Negern mit Mohren entſtanden ſind, als Leib⸗ wache. Sie werden noch ganz zart zum Blutdurſte gewoͤhnt, und muͤſſen bei reiferen Jahren die barbari⸗ ſchen Todesurtheile vollſtrecken, welche ſie auch mit der raſendſten Wuth vollziehen. Den 46. Juni, dem Ende des Ramadan, verfuͤgte ſich der Kaiſer auf ein nahe an der Stadt gelegenes Feld, was er jaͤhrlich drei Mal thut. Er war von ei⸗ ner großen Anzahl Reitern und Fußvolk umgeben, welche in einer ziemlichen Entfernung mit tiefem Stillſchweigen auf ſeinen Wink und ſeine Befehle warteten. Sobald er ſein Gebet unter einem aufge⸗ richteten Himmel verrichtet hatte, ſtieg er wieder auf 149 ſein Pferd. Es wurden nun die Trommeln geruͤhrt, und die Reiterei ſetzte ſich in Bewegung. Der Ge⸗ ſandte ſah von der Stadtmauer den Zug an, welcher um 10 Uhr ſeinen Anfang nahm. Das Fußvolk gab beſtaͤndig Feuer; die Reiter jagten mit Lanzen und blindgeladenen Karabinern auf einander los, und ga⸗ ben im Vorbeigehen ſo nahe auf einander Feuer, daß manchem das Geſicht und der Turban ſehr verbrannt wurde. Die kaiſerlichen Soldaten umzingelten nun 8—9 Schwarze, welche große Fahnen mit dicken, vergolde⸗ ten Knoͤpfen trugen, und ſchoſſen in die Erde. Nach dieſen kam Mubamet Kariba, ein Sohn Is⸗ maels und Aufſeher uͤber die kaiſerlichen Marſtaͤlle, mit einem Haufen von Reitern und Fußvolk, und hatte eine mit Gold beſchlagene Lanze in der Hand. Hinter ihnen folgten ſchwarze Frauen in einem Wa⸗ gen, nach welchen eine große rothe Standarte mit ei⸗ nem Halbmonde in der Mitte gebracht wurde; eine Menge Soldaten begleiteten ſie unter beſtaͤndigem Schießen. Nun erſchien Ismael, mit einer Flinte in der Hand, zu Pferde; uͤber ſeinem Haupte wurde ein Sonneſchirm beſtaͤndig gedreht, und einige Schwarie weheten die Fliegen von ſeinem Pferde. Als er un⸗ gefaͤhr uns gegenuͤber war, legte er die Flinte auf ei⸗ nen Mohren an, welcher ihm etwas zu nahe gekom⸗ men war, gab aber kein Feuer, ſondern ließ ihn in Verhaft nehmen. 1150 Vor dem Kaiſer ging die in Leoparden⸗ und Lie⸗ gerhaͤuten gekleidete Leibwache, und eine andere Wache von jungen Schwarzen, welche Lanzen und Gewehre durcheinander trugen. Um den Kaiſer ritt eine große Anzahl ſeiner Soͤhne, und hinter ihm einige hundert Mann in ganz vergoldeten Harniſchen, andere aber hatten nur Helme von verſchiedener Gattung. Nach dieſem Haufen wurden zwanzig kaiſerliche Handpferde am Zaume gefuͤhrt; die Sattel waren von geſchlage⸗ nem Golde, und mit Smaragden und andern koſtha⸗ ren Steinen beſetzt. Wir trafen hier die ſchoͤnſten Pferde an, welche wir je geſehen hatten. Nach die⸗ ſen kam Muley Abdalah, auch ein Sohn Is⸗ maels, mit einem Gefolge von Reitern und Fuß⸗ volk. Er tummelte bei uns mit Lanzenſchwingen und Losbrennung des Gewehres vorbei, welches auch die meiſten Prinzen gethan hatten. Nachdem der Geſandte alle gegen ihn und die eng⸗ liſchen Sklaven geſchmiedeten Anſchlaͤge fruchtlos gemacht hatte, ließ der Kaiſer am 23. Juli den Ge⸗ ſandten und die Sklaven in ſeinen Palaſt kommen. Nach dem gewoͤhnlichen Empfange, und dem Ver⸗ trage gemaͤß, winkte der Kaiſer den Gefangenen, und befahl ihnen, mit dem Geſandten in ihr Vaterland zurück zu kehren. Dieſe armen Leute warfen ſich auf die Erde und riefen:„Gott ſegne deine Gewalt.“ Bei dem Weggehen ſagte er zu ihnen:„Ich liebe den Geſandten und alle Englaͤnder⸗ weil ich weiß⸗ 151 daß ſie mich und mein Haus lieben; ich will auch für die Zukuüft keinen engliſchen Sklaven in meinem Reiche mehr haben, ſondern ſie aus allen Gegenden aufſuchen und in Freiheit ſetzen laſſen.“ Hierauf inkte er den Gefangenen, und hieß ſie weggehen. Nach ihrer Eutfernung ſtattete der Geſandte dem Kaiſer ſeinen Dank ab, mit der Verſicherung:„im⸗ mer das Iutereſſe ſeiner Majeſtaͤt zu befoͤrden.“ Mu⸗ ley erwiederte:„Ich will ſehen, ob du das, was ich dir heute geſchenkt habe, verdient haſt; ich will dich aber in Miquenez keine Stunde weiter dulden, und wuͤnſche dir uͤbrigens eine gluͤckliche Ankunft in Eng⸗ land.“ Nach dieſem Beſcheide beurlaubte ſich Sir Steward. Der Kaiſer ſprach einige Mal zu ihm: „Gott ſegne dich!“ lenkte ſein Pferd, und enteilte im vollen Galopp. Den 24. Juli ſahen wir die kaiſerlichen Pferde⸗ ſtaͤlle, welche ungefaͤhr 1/2 Meile von der Stadt ent⸗ fernt lagen. Es waren zwei lange viereckige Gebaͤnde, ringsum mit zierlichen Bogen verſehen, unter deren jedem ein Pferd 42 Fub von dem andern entfernt ſtand; die Anzahl der Pferde mochte ſich auf 1000 be⸗ laufen. Die Mitte der Staͤlle durchſchnitt eine Waſ⸗ ſerroͤhre, uͤber welche die Futterbehaͤltniſſe errichtet waren. Ein und eine halbe Meile von Miguenes unterhaͤlt der Kaiſer noch 10,000 Pferde. Wir beſuchten noch den Prinzen Muley Abdal⸗ lah auf ſeinem Landgute, und wurden von ihm ſehr 152 hoͤflich empfangen. Er zeigte uns einen ſchoͤnen gro⸗ hen Loͤwen, welcher ſo zahm war, daß er mit ſich ſpielen ließ. Ferner mußten zwei Hunde zu unſerer Beluſtigung mit einander kaͤmpfen. Wie ich dieſem Auftritte zuſah, ſtahl mir einer von der Wache des Prinzen meinen Geldbeutel, obgleich ich ſehr nahe bei dem Prinzen ſtand. Von einem andern Prinzen, Mu⸗ ley Ali, wurde unſer Geſandte mit großer Pracht aufgenommen, und herrlich bewirthet. Auf die Bitte Sir Stuart's, ein berberiſches Pferd nach England mitnehmen zu duͤrfen, antwortete der Prinz:„er wolle ihm ſelbſt eines ſchenken, und ſicher an Bord bringen laſſen.“ Dieſe Hoͤflichkeit nahm Sir Stuart an, und verehrte demſelben eine ſchoͤne goldene Uhr mit Kette und Pettſchaft. Muley Ali hat einen großen Vorrath von Glocken, Uhren und chineſiſchem Porzellain, und in ſeinen Staͤllen eine Menge der ſchoͤnſten Pferde. Die Stadt Miquenez, ungefaͤhr ſechs teutſche Meilen weſtlich von Fez, war, ehe ſie Muley Is⸗ mael zum Sitze ſeiner Reſidenz erhob, ein unbedeu⸗ tender Ort. Nach Leo, dem Afrikaner, ſoll ſie vor 200 Jahren eine große und reiche Handelsſtadt ge⸗ weſen ſeyn; durch die unaufhoͤrlichen innerlichen Kriege verfiel ſie jedoch gaͤnzlich. Sie liegt in einer anmu⸗ thigen Ebene, und hat eine geſunde Luft, weßhalb ſie Jsmael der Stadt Fez vorgezogen hat. In der 153 Mitte der Stadt wohnen in einem abgeſonderten Duartiere die Inden in der groͤßten Unterwuͤrſig⸗ keit; ſie ſind des Todes, wenn ſie dem geringſten Mohren fluchen, oder nur die Hand gegen ihn auf⸗ heben. Den Schlaͤgen und Verfolgungen der Gaſſen⸗ jungen koͤnnen ſie nur durch ſchnelle Flucht entgehen. So oft ſie bei einer Moſchee voruͤber gehen, muͤſſen ſie ihre Schuhe abziehen, und beſtaͤndig ſchwarze Klei⸗ der und Muͤtzen tragen. Es iſt ihnen auch verboten⸗ auf Pferden zu reiten. Die Mohren in Miquenes ſind weit artiger, als in den ſdlichen Provinzen; ſie ſind hoͤflich gegen Fremde, und laden ſie in ihre gut angelegten Gaͤrten ein. Die Frauenzimmer in dieſem Theile des Reiches ſind ſehr ſchoͤn, von ſehr weißer Farbe, und haben ſchoͤne ſchwarze Augen und huͤbſche Zähne. Muley Ismael ſoll 700 maͤnnliche Kinder ha⸗ ben, deren ſchaͤndliches Benehmen Busnot ſchon bemerkt hat. Wenn die Mutter ſtirbt, oder in Un⸗ gnade faͤllt, ſo iſt der Sohn ein Bettler, und wird von Niemand geachtet. Der Boden, welcher einen hundertfaͤltigen Ertrag abwerfen koͤnnte, wird nur in ſo weit bebaut, als er fuͤr die Nothdurft eines jeden hinreicht. Denn die Furcht, durch einen habſuͤchtigen Paſcha ſeine einge⸗ erndteten Fruͤchte zu verlieren, verhindert allen An⸗ bau. Die vornehmſten Waaren dieſes Landes ſind: Zinn, Kupfer, Wachs, Haͤute, Korduan, Wolle, Honig, Datteln, Dliven, Mandeln, Indigo, arabi⸗ ſcher Gummi, Elephantenzaͤhne, Straußfedern und feine Binſenmatten. Juden und Chriſten bauen ſo viel Wein, als fuͤr ſie und alle Mohren, welche das Geſetz uͤbertreten, hinreichend iſt. Die Weintrauben ſind ſehr gut; der Wein kommt dem Geſchmacke nach dem ſpaniſchen gleich. Die Ausfuhr des Getreides iſt verboten. In Fez wird der meiſte Handel getrieben, und von dieſer Stadt gehen alle ſechs Monate Karavanen nach Mekka und Medina. Sie nehmen wollene Zeuge, Indigo, Cochenille, ſehr viel Korduan und Straußfedern mit ſich, und bringen ſeidene Zeuge, Neſſeltuch und Spezereien zuruͤck. Es gehen Karava⸗ nen aus der Berberei nach Guinea an verſchie⸗ dene Orte als Tombatton; dem ſogenannten ſchwarzen Fluß und an einen Ort, Nile, von welchem ſie aber keine deutliche Nachricht geben koͤn⸗ nen. Die Mauren handeln nach Guinea mit Salz, gearbeiteter Seide und wollenen Zeugen. Mit dem Salze reiben die Einwohner ihre Lippen, weil ſie ohne daſſelbe ſonſt leicht faul wuͤrden. Ihre beſte Muͤnze beſteht aus kleinen Muſchelſchalen, welche aus Weſt⸗Indien gebracht werden; ihre ſchlech⸗ 155 teſte in bittern Manteln. Die Karavanen bringen aus Guknea reiche Ladungen Goldſtaub, Straußfe⸗ dern, Elephantenzaͤhne und Schwarze, welche dem Kaiſer gehoͤren. Die Art der Handlung mit dieſen Bewohnern des Innern von Afrika iſt ſehr ſonderbar. Die Mauern ſetzen das Salz in irdenen Gefaͤßen an das ufer eines Fluſſes, und gehen dann ihres Weges. Alsdann kommen die Einwohner, nehmen das Salz aus den Toͤpfen, und legen ſo viel Gold in dieſel⸗ ben, als ſie das Salz werth halten. Sind die Mau⸗ ren bei ihrer Zuruckkunft mit dem Golde zufrieden⸗ ſo nehmen ſie es weg, wenn nicht, ſo legen ſie den Topf auf eine Seite, eutfernen ſich wieder, und fin⸗ den bei ihrer zweiten Zuruͤckkunft, entweder mehr Gold oder ihr Salz. Windu's Bericht uͤber die Sitten und Lebens⸗ art der Mauren enthaͤlt nichts, was nicht ſchon in fruͤhern Berichten mitgetheilt worden waͤre, oder von andern Reiſebeſchreibern beſſer und genauer zuſam⸗ mengeſtellt nachfolgen wird. Wir ſchließen nun un⸗ ſern Bericht mit der Ruͤckreiſe der Geſandtſchaft am 27. Juli 2724. Es wurden 29 befreite Englaͤnder zu Schiff gebracht, die uͤbrigen waren theils geſtor⸗ ben, theils zum Muhametismus übergetreten, alle aber ſeit einem ſiebenjaͤhrigen Kriege gefangen genom⸗ men worden. Bei Anweſenheit der Geſandtſchaft zu Mi uenez taͤhlte man uͤberhaupt 4100 gefangene Chriſten, welche aus 300 Englaͤndern, 400 Spa⸗ niern, 165 Portugieſen, 162 Franzoſen, 69 Hollaͤndern, 26 Genueſen und 3 Griechen aus Morea beſtanden. 157 ——— Thomas Shaws Reiſen in die Ber⸗ berei von 1720— 1732. 1. Vom Königreiche Algier. — Do Königreich Algier iſt nach ſeiner Unter⸗ jochung durch die Tuͤrken eines der betraͤchtlichſten Gebiete desjenigen Theiles von Afrika geweſen, welcher in den neueſten Zeiten unter dem Namen: Berberei, bekannt geworden iſt. Es wird gegen Weſt von Twunt, und den benachbarten Gebirgen von Trara; gegen Suͤd von der Sahara; gegen Oſt von dem Fluſſe Zaine, dem Tusca der Alten; und gegen Nord von dem mittellaͤndiſchen Meere umgeben. Die Laͤnge des Koͤnigreiches wird von ver⸗ ſchiedenen Schriftſtellern verſchieden angegeben; Shaw fand nach den genaueſten Veobachtungen, daß die wabre Linge dieſes Königreiches von Ewunt(welches un⸗ 158 gefaͤhr 40 Meilen oͤßlich von dem Fluſſe Mullooiah liegt) bis an den Fluß Zaine, etwas mehr oder we⸗ niger, als aso Meilen betraͤgt; da erſteres in oo 46 weſtlicher Laͤnge von London, und letzterer, auf deſſen weſtlichen Ufern Tabarka gebaut iſt, in 90 16 gegen Oſt liegt. In der Berechnung der Breite ſimmen die Erdbeſchreiber leicht mit einander über⸗ ein, obgleich keiner von ihnen dieſelbe geringer als 450 Meilen, wo das Land am ſchmalſten, und nicht hoher als 240 Meilen angibt, wo es am breiteſten iſt. In der That iſt auch die Breite, obgleich viele von dieſen Nachrichten fehlen, nicht überall dieſelbe; denn bei Tlem ſan iſt es nicht uber 40 Meilen von der Sahara bis zur Seekuͤſte; bei den Duellen des Fluſ⸗ ſes Sigg und Scheliff iſt es ungefaͤhr 6o; aber oͤſtlich von Algier iſt die Breite anſehnlicher, beſon⸗ ders in den Meridianen von Bujejah Fijel und Bona betraͤgt ſie nie weniger, als 100 Meilen. Das Koͤnigreich Algier wird in drei Provinzen getheilt: in Tlem⸗ſan gegen Weſt, Litterie ge⸗ gen Suͤd, und Konſtantina gegen Dft von Al⸗ gier. Der Dey ſetzt uͤber jede dieſer Provinzen ei⸗ nen Bey, welcher innerhalb ſeines Gebietes unum⸗ ſchraͤnkte Gewalt hat, und bei Gefahren von Algier unterſtutzt wird. Das Koͤnigreich Algier iſt die Provinz Nova oder Numidia der Alten. Denn wenn wir es ge⸗ gen Oſt mit dem Fluſſe Zaine einſchließen, ſo wird 159 es den Dheil von Afrika des Pomponius Mela und des Prolem aͤus, das eigentlich ſogenannte Nu⸗ midien, oder das Numidien der Maſſyli ent⸗ halten. Wenn wir es ferner gegen Weſt durch das Ge⸗ birge Trara begraͤnzen(mit Ausnahme des ſchmalen Stuͤckes, welches von hier bis an den Mullooiah liegt, und den weßtlichen Mohren gehoͤrt), ſo wird es das andere Numidien, naͤmlich das Numi⸗ dien des Mela, oder das Numidia der Maſſaͤ⸗ ſyli in ſich begreifen. Letzteres erhielt, als die Roͤ⸗ mer in den voͤlligen Beſitz des Landes ſich geſetzt hat⸗ ten, den Namen Mauritania Caesariensis. Da ſich Mauritania Caesariensis(das den weſtlichen Mohren zugehoͤrende Land), ſo weit als der Fluß Malva erſtreckt, ſo will ich von dieſem Fluſſe aufangen. Der Malva, Malua, Mul⸗looͤiah (nach der Ausſprache der Mohren) iſt ein breiter und tiefer Fluß, welcher ſich, der Bay von Almeria in Spanien gegenuͤber, in das mittellaͤndiſche Meer ergießt. Er liegt ungefaͤhr 60 Meilen weſtlich von Twunt, und 240 von dem atlantiſchen Meere. Kleine Schiffe koͤnnen in ſeinen Kanal ein⸗ laufen. Sein Arſprung iſt nach Albufeda ein gro⸗ ßes Stuͤck innerhalb der Sahara, in einer Entfer⸗ nung von soo Meilen, und ſein ganzer Lauf, welcher dem Laufe der meiſten andern Fluͤſſe entgegengeſetzt iſt, liegt beinahe in eben dieſem Meridiane. Die Alten machten den Mullooiah zur Graͤnie 59. B. Afrika. II. 2. 3 160 zwiſchen Mauritanien und Numidien. Drei kleine Inſeln, welche gute Rheden fuͤr kleine Schiffe haben, werden gegen die Nordweſtſeite des Fluſſes, in der Entfernung von zehn Meilen geſetzt. Sechs Mei⸗ len weiter gegen Dft iſt das Dorf des Sidy Abdel⸗ moumen, eines Schutzheiligen, deſſen Grab hier ſehr geehrt wird. Unter demſelben iſt eine begueme, aber kleine Rhede fuͤr Schiffe, ſo wie bei Mai⸗ſir⸗ da, ein wenig uͤber demſelben nach Oß. Dieſer Ort, einer von den kleinen Doͤrfern an der Seetuͤſte der Berberei, beſteht, wie die Drte der innern Land⸗ ſchaft, aus elenden Lehmhütten. Die weßlichen Mohren haben an den Ufern des Mullooiah, auf der Straße zwiſchen Fez und Tlemſan, ein wohlbefeſtigtes Kaſtell mit einer Be⸗ ſatzung von 1000 Mann; ein anderes bei El⸗Joube Ciſternen) 20 Meilen weiter nach Oſt, welche in dem Kriege zwiſchen Muley Ismael und der Regierung von Algier fuͤr beide Sbeile von großer Wichtigkeit waren. Wujeda iſt die Graͤnzſtabt der weſtlichen Moh⸗ ren(Tingetanen) auf dem halben Wege zwiſchen Sl⸗ Joube und Slemſan. Suͤdlich iſt die Wuͤſte der Ang⸗gadd, deren zahlreiche und kriegeriſche Ab⸗ köͤmmlinge ihre Feindſeligkeiten und Lager bis an die Mauern von Tlemſan ausbreiten. Noͤrdlich naͤher am Meere haben wir, nebſt einer ſich ſelbſt verlieren⸗ 3 den Quelle, den bergigen und rauhen Strich Beni 16¹ Zeneſſel, eines eben ſo maͤchtigen Stammes der Fabylen“ welche durch ihre große Anzahl und Lage bis jetzt niemals den Tingetanen unterworfen gewe⸗ ſen ſind. Von der Provinz Tlemſan(Mauritania Gaesariensis). Wenn wir Maiſirda und Wujeda in einiger Entfernung weſtwaͤrts verlaſſen, ſo kommen wir nach Twunt und zum Gebirge Trara, einer angeneh⸗ men Reihe von Bergen, welche die Maͤrkte von Tlem ſan reichlich mit allen Arten von Fruͤchten verſieht. Dieſe Berge ſind die Graͤnzen dieſer Pro⸗ vinz gegen Weſt, wie der Fluß Maſſafran, in einer Entfernung von beinahe 200 Meilen, die oͤſliche Graͤnze bildet Sie iſt faſt ganz in Berge und Thaͤ⸗ ler abgetheilt; und waͤre ſie beſſer mit Quellen und Fluſſen verſehen, ſo wuͤrde ſie angenehmer ſeyn, ſo wie ſie zu Salluſt's Zeiten fuͤr ein fruchtbareres und reicheres Land gehalten wurde, als der oͤſtliche Theil. Wegen der Einfoͤrmigkeit und wenig unterbroche⸗ nen Reihe der Gebirge dieſer Provinz, wird es ſchwer ſeyn, dieſe beſondere Kette zu unterſcheiden, welche fuͤr die beſtaͤndig fortdauernde Reihe des Atlas⸗Ge⸗ birges angeſehen werden kann. Der Atlas iſt nicht allzeit von der außerordentlichen Hoͤhe und Staͤrke, welche ihm die Alten zugeſchrieben haben, indem er ſelten, oder faſt niemals, ſo viel ich geſehen habe, den groͤßern Bergen unſerer eigenen Inſel gleich iſt, und er kann vielleicht nirgends mit den Alpen oder Apenninen in Vergleich kommen. Wenn wir uns eine Gegend, welche ſich nach und nach erhebt, eine Anzahl Hügel, gewoͤhnlich von einer ſenkrechten Hoͤhe zu 400, soo, oder 6soo Ellen, mit einer Folge von verſchiedenen kleinen Waͤldern, und einige Rei⸗ hen fruchttragender wilder Baͤume vorſtellen, von welchen immer einer hinter dem andern waͤchſt, und wir zu dieſem Anblicke zuweilen eine jaͤhe Felſenhoͤhe hinzufuͤgen, welche erhabener und ſchwerer zu beſtei⸗ gen iſt, und an die Seite oder an den Fuß des Ber⸗ ges eine von Lehmhaͤuſern erbaute Daskrah der Kabylen ſetzen, ſo werden wir ein richtiges und le⸗ bendiges Bild des Gebirges Atlas haben, ohne den naͤchtlichen Flammen, den melodiſchen Toͤnen, und den unzuͤchtigen Spielen eingebildeter Weſen, welche ihm Plinius, Solinus und andere zugeſchrieben baben, den geringſten Glauben beizumeſſen. Ungefaͤhr 4 Meilen von Twunt erſtreckt ſich das Gebirge Trara in die See, und bildet eines der laͤngſten und ſichtbarſten Vorgebirge nach der Oftſeite des Mullodiah. Es heißt Kap Hone, Ras Hun⸗ neine und Mellak, und iſt das we ngeonlor (das große Vorgebirge) des Ptolemaus. Der Me⸗ 163 ridian von London faͤllt ſehr nahe mit dieſem Kap zuſammen. Sechs Seemeilen gegen die Oſiſeite dieſes Kapes iſt die Muͤndung des Fluſſes Tafna, des alten Si⸗ ga, welcher von dem Iſſer, dem alten Aſſanus, dem Barbata und andern kleinen Baͤchen verſtaͤrkt wird. An den weſtlichen Ufern ſind verſchiedene Rui⸗ nen, welche man Tackumbrit nennt; hier lag ehe⸗ mals die Stadt Siga oder Sigeum, die Reſidenz des Seiphax und anderer mauritaniſcher Koͤnige. Die Wul⸗haſa ſind die Einwohner des benachbarten Gebietes Tackumbrit⸗ Gegenuͤber eine kleine In⸗ ſel, das Akra der alten Geographen, den Hafen Harſchgune, in welchem Schiffe erſter Groͤße ſicher liegen koͤnnen. Fuͤnf Seemeilen von dem Tafna befindet ſich die Muͤndung des Wedel Mailah(des Salifluſ⸗ ſes), deſſen Waſſer die Araber in Ermangelung ei⸗ nes beſſeren ohne Widerwillen trinken. Die Quellen des Sinan, des betraͤchtlichſten Baches, von denen welche in den Salzfluß fallen, ſind nicht weiter ent⸗ fernt, als die ſuͤdlichen Graͤnzen der Ebenen von Zei⸗ dure. Er ſchlaͤngelt ſich mit vielen angenehmen Kruͤmmungen durch dieſe fruchtbare Gegend, und iſt, wie die meiſten Flſſe des Landes, nach den beruͤhm⸗ ten Drten, welche er beruͤhrt, unter verſchiedenen Namen bekannt. An den uſern dieſes Fluſſes ſtreute vergebens der aͤltere Barbaroſſa ſeinen Schatz um⸗ 164 her, als er von den ſiegreichen Spantern verfolgt wurde. Kurz nach ſeiner Vereinigung mit dem Si⸗ nan ergießt ſich der Salzfluß in den Harsh⸗gune. Wenn man die zwei Inſeln Ha⸗biba, deren kleinſte dem Wedelel Caſaab(Rohrfluſſe) gegen⸗ uͤber liegt, paſſirt, ſo faͤllt man bei dem Kap Dal⸗ con, die Mohren nennen es Ras el Harſchfa (rauhes Vorgebirge), vruͤber. Im Derember ſah ich bei dieſem Kap verſchiedene Grundſtucke mit Weizen und Gerſte beſaͤet, das Vorgebirge ſelbſt ſchien felſig und duͤrr zu ſeyn. Auf der öſtlichen Seite dieſes Kaps iſt eine ſchoͤne ſandige Bay, welche nur den Nordoſt⸗Winden ausgeſetzt iſt. Die Mohren nennen den Hafen Ras el Harſchfaz in demſelben lande⸗ ten die Spanier 1722 in ihrem glucklichen Feldzuge gegen Ovan. Zwei Seemeilen weiter wird der Mers el Ke⸗ bir, oder der große Hafen des Ptolemaͤus, durch einen ſchmalen Strich Landes gebildet. Das zu ſeiner Vertheidigung erbaute Kaſtell iſt mehr wegen ſeiner Geraͤumigkeit und Groͤße, als wegen ſeiner Staͤrke und Schoͤnheit beruͤhmt, obgleich ein großer Theil deſſelben, beſonders gegen Weſt, mit großer Kunſt und Etfindung aus dem natuͤrlichen Felſen ge⸗ hauen war. 46 Fuͤnf Meilen nach der Suͤdoſt⸗Seite des großen Pafens, und s4 nach NND. von Dlemſan liegt Waran, gewoͤhnlich Dran, eine befeſtigte Stadt X 165 von einer Meile im umfange. Sie iſt auf einen ab⸗ haͤngigen Boden, und nahe an einem hohen Berge gebaut, welcher ſie von Rord und Nordweſt uͤber⸗ ſieht. Zwei Kaſtelle auf dem Ruͤcken dieſes Berges beſtreichen die Stadt auf der einen, und den Mers el Kebir auf der andern Seite. Gegen Suͤd und Südoſt ſind zwei andere Kaſtelle mit dem niedern Theile der Stadt in gleicher Linie errichtet, und durch ein tiefes, ſich kruͤmmendes Thal von ihr abgeſondert, welches auf der Sudſeite als ein natuͤrlicher Abſchnitt dient. In einer kleinen Entfernung verſieht eine Duelle vorttefflichen Waſſers reichlich die Stadt. Der aus dieſer Quelle entſpringende Bach richtet ſeinen Lauf nach den verſchiedenen Kruͤmmungen des Thales. Man hat bei jeder Deffnung des Thales eine ange⸗ nehm zerſtreute Ausſicht von felſigen Anhoͤhen, von Pomeranzen-Pflanzungen und herabrieſelnden Waſſer⸗ Baͤchen, ſo zwar, daß die Natur ſelten eine groͤßere Mannigfaltigkeit von angenehmen Ausſichten und kuͤh⸗ len Ruheplaͤtzen an einem Prte vereinigt. Als die Spanier Dran erobert hatten, erbauten ſie mehrere Kirchen und Gebaͤude im romiſchen Geſchmacke. Ich fand zu Warran und dem nahe gelegenen Dorfe Giza keine Alterthuͤmer. Laͤßt man das kleine Dorf der Caraſtel, eines Stammes der Kabylen, zur Rechten, ſo kommt man zu dem Kap Ferrat, oder dem Meſaffdes Edri⸗ ſi. Es iſt eines hohen Felſens wegen merkwuͤrdig⸗ 166 welcher in einer kleinen Entfernung in der See ſteht, und ein Schiff unter Segel geſchickt vorſtellt. Zwoͤlf Meilen nach Suͤdoſt von dieſem Kap iſt der Hafen Arzu, welchen die Mohren von einem benachbar⸗ ten Stamme Beni Zeian nennen. Er hat dieſelbe Geſtalt, wie der große Hafen. Arzu, das Arſenaria der Alten, iſt drei Mei⸗ len von dieſem Hafen entfernt. Das Land beſteht ei⸗ nige Meilen hinter dieſer Stadt aus einem fruchtba⸗ ren offenen Felde; gegen die See erblickt man eine Reihe ſteiler Felſen und Anhoͤhen. Um die Stadt mit beſſerem, als ſalzigen Waſſer zu verſehen, war ſie ehemals ganz auf Ciſternen gebaut, von welchen noch einige uͤbrig ſind. Eine große Menge K Kapitaͤler, Fuß⸗ geſtelle und Schafte von Saͤulen und andern Mate⸗ rialien liegen unter den Ruinen zerſtreut. In dem Hauſe des Kadi entdeckte ich zufaͤlliger Weiſe ein ſchoͤnes Pflaſter von Moſaik durch Riſſe eines zerlump⸗ ten Teppichs. Verſchiedene Grabſchriften mit dem Namen Regulus, Saturninus und Gandus findet man noch in einem Hypogeum, welches ſehr einfach gebaut iſt. Fuͤnf Meilen von der Seekuͤſte ſind die Salszgruben von Arzu, welche aber unter der despotiſchen Regierung nicht gehoͤrig benutzt werden. Ueber einigen felſigen Klippen, fuͤnf Meilen ge⸗ gen Oſt von Arzu ſind zwei kleine Häfen, deren ei⸗ ner ſich gegen Muſty⸗Gannim, und der andere ge⸗ gen den Hafen von Arzu oͤfnet. In einer kleinen 167 Entfernung von dieſen Haͤfen ergießt ſich der Fluß Sigg oder Sikke in die See. Er durchſchneidet die fruchtbare Ebene von Midly. Der Habrah bildet nach ſeiner Vereinigung mit dem Sigg einen Strom, welcher ſo ſark iſt, als der Charwell bei Oyford. Die Muͤndung deſſelben heißt El⸗m uckdah(die Fuhrt), welche mit Ausnahme der Regenzeit ganz durch den Sand verſchlungen wird, und den Weg ohne alles Waſſer laͤßt.. Maſagran oder Mazachran(der waſſerreiche Ort) iſt eine kleine, mit Erdwaͤllen umgebene Stadt, auf dem weſtlichen Abhange einer Reihe von Huͤgeln, weit von der See entfernt. Muſty⸗Gannim, das Carten naͤ der Alten, iſt wie ein Theater mit einer volkommenen Ausſicht auf die See gebaut. Dieſe Stadt hat thren Namen von dem angenehmen Geſchmacke des Schoͤpſenfleiſches, welches man in derſelben erhaͤlt, und iſt durch eine Reihe von Anhoͤhen eingeſchloſſen. Sie iſt etwas groͤßer als Waran, und die erſte Stadt nach Tlemſſan un⸗ ter den Staͤdten dieſer Provinz. Der Sage nach ſoll das gegenwaͤrtige Muſty⸗Gannim aus verſchiede⸗ nen zuſammenhaͤngenden Doͤrfern entſtanden ſeyn. Eine, auf den Anhoͤhen erbaute, Citadelle, dient zur Beſchuͤtzung der Stadt. Reiſet man zwiſchen Maſa⸗ gran und Muſty⸗Gannim, ſo wird man durch den Anblick vieler Gaͤrten, Baumſchulen und Land⸗ haͤnſer ergoͤtzt, welche alle in einer ſchoͤnen Mannig⸗ 168 faltigkeit längs der Seekuͤſte liegen. Eine Kette von Anhöhen begraͤnzt ſie nach Suͤd und Südoſt, und ſchützt gegen die heißen und brennenden Winde, welche zuweilen auf dieſer Seite wehen. Ueberall erfriſchen und erquicken angenehme Quellen das Land. Der Alhena⸗Baum wird hier mit Vortheil gepflant. nter Jibbel⸗Diß oder dem Kap Jvy, fuͤnf⸗ zehn Meilen von Muſty⸗Gannim iſt die Muͤndung des Fluſſes Sheliff, des Chinalapp der alten Geographen. Als ich im Herbſte uͤber denſelben ging, war er beinahe von der Stoͤrke des Iſis, wenn er ſich mit dem Cherwell vereinigt hat. Der She⸗ liff iſt ſowohl der bekannteſte, als einer der breiteſten Flüſſe dieſes Koͤnigreiches. Seine Quellen, welche 70 Meilen gegen Suͤdoſt find, werden Sebbeine Ain Go Quellen) genannt. Ein wenig gegen Nord iſt der Nahar(der Fluß Waſſel) der erſte dem Sheliff zugehoͤrige Bach. In ſeinem Laufe gegen Nordoſt nimmt er den Midru auf, welcher ſeinen Namen von einem zerfallenen gaͤtuliſchen Dorfe fuͤhrt. Tu⸗ cereh, das Tigava der Alten, liegt an den weſt⸗ lichen Ufern des Midru. Der Shelißf bleibt im⸗ mer in derſelben Richtung, und verliert ſich in den See von Titterie, wird dann wieder ſtark, und läuft gegen die Kavelle vn Sidy ben Tyba, ein wenig unter der Stadt Medea. Von hier laͤuft er in einer Parallele mit der Seekuͤſte. Der ganze Lauf des Sheliff von Sebbeine Ain bis 169 Diß(dem Berge des Riedgraſes) beträgt ungefaͤhr 200 Meilen. Wenn man Zourel Ham am(die Tauben⸗In⸗ ſel) beruhrt hat, und unter dem Schatten eines Jib⸗ bel Minis(Salzberges) bei dem fruchtbaren Ge⸗ biete der Weted Funuſe vorbeigegangen iſt, ſo kommt man nach Tniß oder Tenniß, einer ehema⸗ ligen Hauptſtadt der kleinen Koͤnigreiche dieſes Lan⸗ des, welche eine moraſtige Lage hat, und in einer klei⸗ nen Entfernung von der See liegt. Ein kleiner Bach durchfließt ſie in einer Kruͤmmung, welcher ſich dann einer kleinen benachbarten Inſel gegenuͤber in die See ergießt. Die Einwohner der Stadt ſind die groͤßten Betruͤger. Das große, benachbarte Vorgebirge Nakkos(das Promontorium Apollinis des Ptolemaͤus) hat ſeinen Namen von einer Grotte, die unter demſelben die Ge⸗ ſtalt einer Glocke hat. Wenn man ſich dieſem Kap von der ſpaniſchen Kuͤſte naͤhert, ſo erſcheint es, wie der Kopf eines welden Schweines. Verſchiedene kleihe Inſeln gewaͤhren guten Schutz fur kleine Schiffe. Sherfhell Gol, Julia Caͤſarea) ſah ich im J. 4130 noch; es war wegen ſeines Stahles, ſeiner ir⸗ denen Geſchirre und eiſernen Geraͤthes beruͤhmt. Al⸗ lein arss ward es durch Erdbeben zerſtoͤrt. Die Rui⸗ nen dieſer Stadt ſtehen an Umfange jenen von Kar⸗ thago nicht nach. Die ſchoͤnen Saͤulen, Kapitaͤler, die geraͤumigen Eiſternen und die vortrefflichen Moſaik⸗ 170 Pflaſter geben keinen geringen Begriff von ihrer vori⸗ gen Pracht. Das Waſſer des Fluſſes Hashem ward durch eine breite und koſtbare Waſſerleitung in die Stadt gefuͤhrt. Sie gab jener von Karthago in Anſehung der Hoͤhe und Staͤrke der Bogen nichts nach. Zwei kleinere Waſſerleitungen ſind noch voll⸗ kommen ganz, und koͤnnen als zwei unſchaͤtzbare Ver⸗ maͤchtniſſe der Alten angeſehen werden. Eine ſtarke, 40 Fuß hohe Mauer, welche ſich beinahe zwei Meilen durch die verſchiedenen kleinen Meerbuſen am ufer zieht, ſichert es vorallen Unfaͤllen von der See. Die Stadt liegt in einiger Entfernung von der Mauer auf einer Ebene, erhebt ſich dann ungefaͤhr eine Meile weit zu einer betraͤchtlichen Hoͤhe, und verbreitet ſich uͤber eine Menge von Huͤgeln und Thaͤlern. Die Landſchaft um Sherſhell iſt aͤußerſt frucht⸗ bar, und wird durch den Naſſara, Billack und Hasham uͤberfluͤſſig bewaͤſſert. Ein ſchoͤner Bach, welchen ein weites Becken von roͤmiſcher Arbeit auf⸗ nimmt, heißt Shrub we Krub(Trink und fliehe!) weil hier Gefahr iſt, mit Spitzbuben und Raͤubern Haͤndel zu bekommen. Selbſt die gebirgigen Gegenden gegen die See, welche vorzuͤglich die Wohnungen der Shenuah, ſind, ſo trocken und ſo duͤrre ſie an vie⸗ len Orten zu ſeyn pflegen, auf ihren Gipfeln mit ſchoͤ⸗ nem Ackergrunde bedeckt. Das noͤrdliche Ende dieſer Berge bildet ein ſehr breites Vorgebirge, Ras el Amouſhes unter dem⸗ 171 ſelben iſt gegen Dſt die Inſel Barinſhell, und ein wenig weiter unten der Hafen von Amvuſhe, wel⸗ cher bei Weſtwinden ſicher iſt. Dann ſetzt man uͤber den Fluß Hurmunt, und trifft nun eine Menge ſteinerner Saͤrge von einer laͤnglichen Geſtalt an, welche denen nicht unaͤhnlich ſind, die man zuweilen auf un⸗ ſerer eigenen Inſel ſieht. Ein wenig weiter gegen Oſt ſieht man auf einer Anhoͤhe die Ruinen von Tefeſ⸗ ſad oder T'feſſad, welches auch Blaid el Ma⸗ dune heißt, und ſich zwei Meilen laͤngs der Seekuͤſte erſtreckt; obgleich die Breite dem dritten Theil der Laͤnge nicht gleich kommt. Bei dieſem Orte und zu Sherſhelltrifft man verſchiedene Bogen und Mauern von Ziegeln an, welche man ordentlicher Weiſe in an⸗ dern Theilen der Berberei nicht findet. Die Ziegel ſind von einem feinen Teige und feiner Farbe, 2 1/2 Zoll dick, und beinahe einen Fuß in das Gevierte. Die Seekuͤſte von Tefeſſad nach Algier hat meiſtens in der Breite 2— 3 Seemeilen, und iſt ent⸗ weder waldig oder gebirgig. Sie ſchuͤtzt daher die ſchoͤnen Ebenen von Mettyiah, welche hinter ihr liegen, ſowohl gegen die Nordwinde, als auch das ſchaͤdliche Spritzwaſſer der See. Das Kubber Ro⸗ mih(Grabmal der chriſtlichen Weiber), von den Tuͤrken wegen ſeiner Geſtalt, Maltapaſy(Schatz der Zuckerhuͤte) genannt, iſt auf dem gebirgigen Theile der Seekuſte, Meilen von Tefeſſad entfernt. Es iſt ein feſtes Gebaͤnde von den ſchoͤnſten Quaderſteinen, 172 rund, und erhebt ſich ſtufenweiſe bis an die Spitze, wie die aͤgyptiſchen Pyramiden. Die Höͤhe rechnete ich auf 100 Fuß, und den Durchſchnitt der Grund⸗ fläche auf 9o. Dieſes Grabmal kann mit gutem Grund für dasjenige angeſehen werden, welches Mela zwi⸗ ſchen Jol und Juſium ſetzt, und der Familie der uumidiſchen Koͤnige zueignet. Wenige Meilen von dem Kubber Romih iſt die Muͤndung des Maſſafran, der oͤſtlichen Graͤnze dieſer Provinz, ein Fluß, der dem Sheliff wenig nachgibt. Bei meiner Reiſe durch die tiefen Thaͤler des Atlas⸗Gebirges, in welchen verſchiedene ſei⸗ ner Arme ihren Urſprung haben, lief er mit ſo vielen Kruͤmmungen und Wendungen, daß ich in einer Stunde vierzehn Mal uͤber denſelben ſetzen mußte. Den Namen Maſſafran erhielt er wahrſcheinlich von der ſafrangelben Farbe ſeines Waſſers. Geht man gegen Weſt zuruͤck, ſo iſt fuͤnf Seemei⸗ len ſuͤdlich von der Muͤndung des Tafna die Stadt Tremeſen oder Teleſam, Tlemſan nach der Ausſprache der Mohren, auf einem etwas erhabenen Boden unter einer Reihe felſigter Anhoͤhen erbaut, welche einen Theil des Atlas ausmachen. Auf der er⸗ ſten Spitze derſelben findet man einen breiten Strich ebenen Feldes, welches auf allen Seiten eine Menge von Quellen ausſtoͤßt. Dieſe vereinigen ſich nach und nach zu kleinen Baͤchen, und bilden verſchiedene Waſ⸗ ſerfaͤlle. Viele von den Mauern zu Clemſan ſind in 173 Formen gebaut, verſchiedene derſelben ſind wenigſtens 100 Ellen laug, und 2 Ellen hoch und dick. Um 1670 zerſtörte Haſſan, Dey von Algier, den groͤßten Theil der Stadt. Unter dem oͤſtlichen Theile dieſer Ruinen findet man noch viele Ueberbleibſel von roͤmi⸗ ſchen Alterthuͤmern. An den ufern des Iſſer, des oͤſtlichen Armes des Tafna, ſind die Baͤder von Sidy Ebly. Von dieſen kommt man zu den fruchtbaren Ehenen von Zeidure, welche ſich durch eine angenehme Abwech⸗ ſelung von Hugeln und Thaͤlern bis an die Ufer des Wed el Mailah, 30 Meilen weit, erſtrecken. In der Mitte deſſelben iſt der Shburph el Graab(Ra⸗ vengipfel) eine ſpitzige Anhoͤhe mit einem Arm des Si⸗Kan, welcher es durchfließt. Sechs Meilen gegen die Suͤdſeite des Si⸗nan iſt Jibbel Karkar, eine hohe Reihe felſigter Berge, welche die Ausſicht gegen Suͤd ſchließen. Die Gebirge der Beni Smil nebſt den Arabern Harar, ſind ein wenig weiter in der Sahara. Nach dieſen ſind ungefaͤhr fuͤnf Tagreiſen gegen Sädweſt die Doͤrfer Figig wegen ihrer Palmen⸗Pflanzungen beruͤhmt. Ueber dem Fluſſe Mailah, ſoweit als Waran iſt die Syibkah, eine geraͤumige Ebene von ſandigem ſalzigem Boden, welcher im Sommer trocken, im Winter aber mit Waſſer bedeckt iſt. Gegen die Suͤdſeite der Shibkah ſind die be⸗ kannten Berge von Suff el Tell und Laffa⸗ 174 rowy, welche einen Theil des Atlas⸗Gebirges aus⸗ machen. Die weitlaͤufigen Ruinen von Arbaal lie⸗ gen auf der einen, und die von Teſſailah auf der andern Seite; letztere ſind mit einigen der fruchtbar⸗ ſten Ebenen des Landes umgeben. Wenn man beinahe in derſelben Parallele die Flůſſe Makerra und Hamaite paſſirt, ſo kommt man nach Maskar, einem kleinen Dorfe von Lehm⸗ huͤtten, welches in der Mitte einer Ebene, 10 Meilen von Muſty⸗Gannim, liegt. Ein kleines Fort dient gegen die Anfaͤlle der Araber. Die Hashem von dieſem Theile des Landes heißen Leute vom Stande, und ſind von allen Abgaben frei. Fuͤnf Seemeilen gegen Nordoſt von Maskar iſt El Callah, ein kothiges, ſchlecht angelegtes Staͤdt⸗„ chen ohne Waſſerleitungen und Fußſteig. Es liegt auf einer Anhöhe und in der Mitte anderer Berge, welche einen Theil des Atlas ausmachen. Um daſſelbe ſind noch verſchiedene Doͤrfer von derſelben Anlage, und gleichfalls ſehr vortheilhaft fuͤr Wolle⸗Manufakturen eingerichtet. Wenn man einige Seemeilen unter dem Schat⸗ ten des Atlas fortreiſet, ſo durchgeht man den Fluß Minah, welcher bei Elhad in den Sheliff, nahe an den Ebenen von Emildegah faͤllt. Dieſer Theil des Atlas⸗Gebirges iſt beruͤhmt wegen der We und des feinen Geſchmackes ſeiner Feigen⸗ 175 Die Kavelle Sidy Ahid liegt 4 Meilen weiter in einer kleinen Entſernung von dem Einfluſſe des Arhu in den Sheliff. Gegenuͤber auf der andern Seite des Sheliff iſt das kothige, aus Lehm erbaute Dorf Mazounah wegen ſeiner Wolle⸗Manufaktu⸗ ren ebenſo beruͤhmt, wie Maskar und El Callah. Es liegt ſehr angenehm unter der Suͤdſeite des Atlas. Faſt in dem naͤmlichen Meridian mit Mazvana, in einer Entfernung von 18 Seemeilen, iſt Tagadempt, welches ſeinen Ruinen nach eine ſehr große Stadt ge⸗ weſen zu ſeyn ſcheint. Kehrt man wieder zu dem Sheliff zuruͤck, ſo iſt vier Seemeilen von Sidy Abid ein alter vierecki⸗ ger Thurm, ein Grabmal der Roͤmer, welches die Einwohner Memounturroy nennen, und glauben, daß es auf einen Schatz gebaut ſey. Rund um dieſes Denkmal ſieht man verſchiedene große Marmorſtuͤcke in Geſtalt eines Sarges ausgehauen. Fuͤnf Meilen weiter an den ufern des Sheliff ſind die Ruinen von Memon und Sinaab, zweier ehemals nahe aneinander gelegener Staͤdte. Der hohe und rauhe, mit Schnee bedeckte Berg Wan⸗nash⸗ riſe liegt acht Seemeilen ſuͤdlich von Sinnab. Der Wed el Fuddal(Silberfluß) hat ſeine Quelle in dieſem Berge. Bei großem Regen fuͤhrt er viele Erz⸗ ſtuͤcke mit ſich, und hat von dieſen ſeinen Namen er⸗ halten. Der Weled uUxeire und der Lataff flie⸗ ten auf jeder Seite des Fiddah. Der Muͤndung 59. B. Afrika. II. 2. 4 176 deſſelben gegenuͤber ſind die aus Lehmhuͤtten erbauten Doͤrfer Meriejah und der Beni Rashid. Letzte⸗ res hatte ehemals ein Kaſtell; ſeine 2000 Haͤuſer mit ihrem geraͤumigen Gebiete ſind bis auf wenige Huͤtten herabgeſunken. Die Fruͤchte und beſonders die Feigen dieſer Gegend ſind ſehr beruͤhmt. Zwei Seemeilen oͤſtlich von Beni Reſchid, auf dem noͤrdlichen Ufer des Sheliff liegt El Herba mit einem ſchmalen Striche fruchtbaren Feldes. Man ſindet verſchiedene Alterthuͤmer und Saͤrge, wie bei Memvunturroy. El Khada⸗rah, 13 Meilen in gerader Linie von dem Fluſſe Fuddah entfernt, iſt auf einem et⸗ was erhabenen Boden an dem Ufer des Sheliff ge⸗ legen, in gleichem Meridian mit Sherſell. Sei⸗ nen Ruinen nach mag es drei Meilen im Umfange ge⸗ habt haben. Eine Reihe Berge an dem entgegenge⸗ ſetzten Ufer des Sheliff ſchuͤtzt es vor Nordwinden. In der Entfernung einer Meile gegen Suͤd erhebt ſich ein hoher Berg in kegelfoͤrmiger Geſtalt, welcher die angenehmen kleinen Ebenen zwiſchen demſelben mit ei⸗ nem reichen Bache trefflichen Waſſers verſieht. Das veſtaͤndige Gruͤn dieſer Ebenen ſcheint aller Wahr⸗ ſcheinlichkeit nach den Namen: El Khadarah(der Gruͤne), veranlaßt zu haben. Ein wenig gegen Dſt von El Khadarah ſind die Veberreſte einer breiten ſteinernen Bruͤcke; ſie war die einzige, welche je uͤber den Sbeliff gebaut worden iſt, obgleich er beſonders 177 ⸗ im Winter viele Unannehmlichkeiten fuͤr die Reiſenden verurſacht. Sieben Meilen gegen Dſt von El Khadarah, in einer kleinen Entfernung von dem Sheliff, lie⸗ gen die Ruinen von El Herba, einer andern roͤmi⸗ ſchen Stadt, welche von der oben beſchriebenen ver⸗ ſchieden iſt. Dieſer Name kommt haͤuſig in dem Lande vor, und bedeutet: zerſtoͤrt, zu Grunde gerichtet. Der Sheliff kruͤmmt ſich hier durch eine Ebene, welche an Groͤße und Fruchtbarkeit keiner im ganzen Koͤnigreiche nachſteht. Das Gebirge At⸗ las wendet ſich nun zwei Seemeilen gegen Nord. Maniana, Maliana oder Miliana, liegt zwei Meilen von El Herba, und ½ Meile ober⸗ palb dieſer Ebene auf dieſen Bergen. Es iſt gut be⸗ waͤſſert, und wird im Fruͤhlinge haͤufig von andaͤchti⸗ gen Seelen aus Algier, Bleda und Medi beſucht, welche zu den Gebeinen des Lidij Youſeph, des Schutzheiligen dieſer Stadt, wallfahrten. Man findet hier verſchiedene roͤmiſche Alterthuͤmer. Acht Meilen gegen Oſt⸗Nord⸗Oſt von Malia⸗ na, auf dem halben Wege zwiſchen dem Shelißf und der See, ſind die Hamann Meriga(die Ba⸗ der von Meriga) die Aquae calidae Colonia der Alten. Das geraͤumigſte iſt ein Becken von zwoͤlf Fuß in das Gevierte, und vier in der Liefe. Dieſe Baͤder waren ehemals bedeckt, und es liefen ſteinerne Gallerien um die Becken. Obgleich ſie jetzt balb voll 178 Stein und Schutt ſind, ſo werden e im Fruͤhlinge doch haͤufig beſucht. Hoͤher auf dem Berge iſt ein an⸗ deres Bad, deſſen Waſſer wegen ſeiner gar zu großen Hitze durch eine lange Roͤhre in ein Zimmer geleitet wird. Zwiſchen dieſem und dem niedern Bade ſind Ruinen einer alt-roͤmiſchen Stadt. In einer kleinen Entfernung ſieht man verſchiedene Graͤber und ſtei⸗ nerne Saͤrge, von welchen die Einwohner vieles fa⸗ beln. Das Land um dieſe Baͤder beſteht aus außeror⸗ dentlich rauhen Anhoͤhen und tiefen Shaͤlern. Iſt man mit Muͤhe und Gefahr durch dieſe gereiſt, ſo kommt man zu den fruchtbaren und anmuthigen Ebenen von Hadjoute und Mettifiah, welche gegen Nord liegen, fuͤnzig Meilen lang und zwanzig breit ſind, und ůberall uͤberfluͤſſig durch Baͤche bewaͤſſert werden. Viele Landhaͤuſer und Maſharis(Meierhoͤfe) liegen in dieſen Ebenen, welche die Hauptſtadt vorzuͤglich mit Lebensmitteln verſorgen. Flachs, Alhena, Wurzeln, Küchenkraͤuter, Reis, Obſt, Hetreide aller Art wer⸗ den hier von ſolcher Guͤte gebaut, daß man Metti⸗ jiah mit Recht fuͤr den Garten des ganzen Koͤnig⸗ reiches halten kann. 2) Von der Provint Sitterie oder der ſuͤdlichen Provinz⸗ Dieſe Provinz, welche gegen Oft durch den Fluß Buberack, und gegen Weſt durch den Maſſafran K 179 eingeſchloſſen wird, iſt nicht ſo groß, als die weſt⸗ liche. Denn die Sahara ausgenommen, hat ſie kaum 60 Meilen in der Breite; auch iſt ſie nicht ſo gebirgig. Die Seekuͤſte, vor Zeiten der Sitz der Ma⸗ chureber, hat in der Breite von s— 6 Seemeilen meiſtens fruchtbares Ackerland, hinter welchem man eine Reihe rauher Verge findet, welche noch zum At⸗ las gehoͤren, und meiſtens in einer geraden Linie varallel mit der Seekuͤſte laufen. Jenſeits derſelben, beſonders in der Nachbarſchaft von Medi, Litte⸗ rie, Dash und Hamza, dem Gebiete der alten Sulenſer und Baniuren, ſieht man große Ebe⸗ nen, welche der von Mettiſiah nachſtehen. In dieſer Provinz liegt Algier, die Hauptſtadt des gan⸗ zen Koͤnigreiches. Von Maſſafran kommt man zu einem kleinen runden Thurme, auf einem kleinen felſigen Kap, wel⸗ ches die Einwohner Sidy Ferje, von der Kapelle dieſes Heiligen auf demſelben, nennen. Hier ſieht man einige Mauern und Ciſternen von roͤmiſcher Ar⸗ beit. Verſchiedene Stuͤcke einer roͤmiſchen Landſtraße findet man bei Sidy Ferie, Ras⸗Aecon⸗nat⸗ ter und Algier, und bei dem Grabe des Sidy Palifz ungefaͤhr auf dem halben Wege zwiſchen Ferje und Algier trifft man eine Menge Graͤber mit breiten flachen Steinen an. Der hohe Berg Bujereah und ſeine drei an⸗ ſiobenden Dashkras ſind neun Meilen von Sidy 180 Ferje gegen Nordoſt gelegen. Eine halbe Seemeile von dieſen gegen Weſt⸗Nord⸗Weſt iſt der Rascon⸗ katter, das Kap Caxines der neuern Karten. Von dieſen kehrt man drei Meilen weiter nach Suͤd⸗ Dit in dem Hafen von Al Jezeire el gazie(das heißt: Algier, die kriegeriſche) zuruͤck. Algier, welches ſeit verſchiedenen Jahrhunder⸗ ten den groͤßten Machten der Chriſtenheit Trotz gebo⸗ ten, hat nicht uͤber 1/2 Meile im Umfange, obgleich es 2000 Chriſtenſtlaven, 16,000 Juden und 100,000 Muhametaner in ſich faßt. Es iſt an dem Abhange eines Berges, welcher gegen Nord und Nordoſt ſieht, ſo erbaut, daß ſich die Haͤuſer ſufenweiſe nach einan⸗ der erheben. Die Walle der Stadt ſind ſchwach und von ſchlechter Vertheidigung. Das Caſſanbah(die Eitadelle) auf dem hoͤchſten Theile der Stadt gegen Sädweſt erbaut, hat eine achteckige Geſtalt; jede Vor⸗ derſeite derſelben hat mit Kanonen beſetzte Schieß⸗ loͤcher. Der Graben, welcher ſonſt die Stadt ge⸗ gen die Land ſeite umgab, ißt jetzt meiſtens ganz aus⸗ gefullt. Gegen die See iſt es beſſer befeſtigt, und im Stande ernſte Gegenwehre zu leiſten. Der Hafen hat eine laͤngliche Geſtalt, iſt 430 Fa⸗ den lang und s hreit. Die ößliche Muͤndung deſſel⸗ ben, vor Zeiten eine Inſel, welche der Stadt den Namen gab, iſt durch veyſchiedene Feſtungswerke gut geſichert. 181 Wenig iſt in der Stadt der Aufmerkſamkeit eines Beobachters wuͤrdig. Algier, welches ehemals den Namen Mes⸗ gana fuͤhrte, heißt in der Sprache der Tuͤrken Al Sgeteire, die Inſel, deßwegen ſo genannt, weil ſie in der Nachbarſchaft der oͤſtlichen Muͤndung des Hafens gelegen war. Vor der Zeit der tuͤrkiſchen Er⸗ oberung war er von dem feſten Lande getrennt. In urkunden und oͤffentlichen Briefen heißt die Stadt: Al Ze⸗zeire Megerbie, d. i. Inſel im We⸗ ſten, zum Unterſchiede einer Stadt gleiches Namens bei den Dardanellen. Die Högel und Thaͤler von Algier ſind durch viele Gaͤrten und Landhaͤuſer ſehr verſchoͤnert. In denſelben halten ſich die Einwohner vom Stande, be⸗ ſonders waͤhrend der heißen Zeit des Sommers auf. Alle dieſe Gaͤrten ſind mit Melonen, Dbſt, Garten⸗ und Kuͤchen⸗Kraͤutern im Ueberfluſſe verſehen, und werden durch viele Quellen und Baͤche bewaͤſſert. Vier Meilen gegen Suͤdoſt von Algier iſt der Fluß Harateh(der alte Savus) mit einer ſchoͤnen Bruͤcke. Von dem anſehnlichen Strome Hamäſe kommt man nach Temendfuſe oder Metafus, ei⸗ nem niedrigen Kap, mit einem Tafelboden, wie die Seeleute einen flachen Huͤgel nennen, welcher ſich in der Mitte deſſelben erhebt. Zur Sicherheit der be⸗ nachbarten Rheden haben hier die Tuͤrken ein klei⸗ nes Kaſtell. Hier findet man noch Spuren von einem 182 alten Cothon und verſchiedene Ruinen von demſelben Umfange, wie jene von Defeſſad. Wenn man ůͤber die Fluſſe Regija, Budwon e, Corſu, Merdaß und Giſſer, welche nicht weit von einander ſließen, und auf dem Atlas entſpringen, geſetzt hat, ſo kommt man zu dem kleinen Hafen Zinnett, in welchem jaͤhrlich eine große Menge Ge⸗ treide nach Europa eingeſchifft wird. Der Muͤndung des Maſſafran gegenuͤber ſind Blida und Medi die einzigen innerhalb des Landes dieſer Provinz liegenden Staͤdte; jede derſelben hat eine Meile im Umfange, und Waſſer im Ueberfluſſe. Blida liegt fuͤnf Seemeilen unter dem Schatten des Atlas, und Medi3— 4 Seemeilen auf der andern Seite. Derjenige Theil des Atlas, welcher zwiſchen dieſen Staͤdten liegt, und bis an das Gebirge Jur⸗ jura reicht, iſt von zahlreichen Kabylen⸗Stämmen bewohnt. Jurjura, das hoͤchſte Gebirge in der Berberei, iſt eine ſo beruͤhmte und ſichtbare Graͤnze in dieſer Provinz, als Wannashriſe in der weſt⸗ lichen. Es iſt wenigſtens acht Seemeilen lang, und faſt von einem Ende bis zum andern eine aneinander haͤngende Reihe nackter Felſen und Anhoͤhen. Im Winter iſt die Rückſeite des Gebirges allzeit mit Schnee bedeckt. Geht mam gegen Weſt zuruͤck, ſo findet man in einer Eutferuung von fuͤnf Seemeilen gegen Medi 183 den Litterieh Dash(den Felſen Titterieh), eine merkwuͤrdige Reihe von Anhoͤhen, welche vier See⸗ meilen in der Laͤnge hat, und faſt noch felſiger iſt, als das Gebirge Jurjura. Auf der Spitze derſelben iſt ein breiter Strich ebenen Feldes, mit den Korn⸗ haͤuſern der Anwohner. Das Schloß Hamza mit einer tuͤrkiſchen Beſaz⸗ zung, liegt zwei Meilen fuͤdlich von den fruchtbaren Ebenen dieſes Namens, und fünf oͤſtlich von dem Fel⸗ ſen Titterieh. Es iſt aus den Ruinen des alten Auzia erbaut, welche bei den Arabern Sour oder Sour Gouslan(Antilopen⸗Mauern) heißen. Ein großer Theil dieſer alten Stadt, welche in gewiſſen Entfernungen mit kleinen viereckigen Thuͤrmen befe⸗ ſtigt iſt, iſt noch uͤbrig. Sie iſt auf einem ſchmalen Striche ebenen Bodens gebaut, und uͤberall mit ei⸗ ner ſolchen unangenehmen Miſchung von nackten Fel⸗ ſen und duͤrren Waͤldern umgeben, daß ich auf mei⸗ nen Reiſen niemals eine traurigere Lage angetrof⸗ fen habe. Einige Meilen ſuͤdlich von Sour iſt Gaͤtulia, deſſen erſter merkwuͤrdiger Ort in dieſer Lage Jibell Dira iſt, auf welchem der Jin⸗enne entſpringt. Nach einem Laufe von ungefaͤhr 30 Meilen uͤber einen trockenen ſandigen Boden, veriiert er ſich in den Shott. Bei der Theerguelle(Ain Kidran) ver⸗ aͤndert der Jin⸗enne ſeinen Namen, und heißt Wed 184 el Ham(Blutfluß) von einer Menge Menſchen, welche in demſelben umgekommen ſeyn ſollen. Sieben Seemeilen weſtlich von Sidi Braham liegt Jibbel Seilat, und zwoͤlf Meilen weiter in eben dieſer Linie ſind die Thenite el Gannim (Schaf⸗Klippen), auch(ſieben Huͤgel) genannt. Jen⸗ ſeits der ſieben Huͤgel ſind die Anhoͤhen und Salz⸗ quellen von Zaggvo, nach welchen die zwei bekann⸗ ten Berge Saary und Zeckar kommen; erſterer iſt zwoͤlf, letzterer fuͤnf Seemeilen ſuͤdlich von Zaggos entfernt. Sechs Seemeilen gegen Oſt von dem Zeckar iſt Fythe el Bothma, welches vielleicht ſeinen Na— men von den daſelbſt wachſenden, breiten und offenen Terpentin⸗Baͤumen fuͤhrt. Gegen Nord iſt Thyte el Botum(der ſchwarze Terpentin⸗Baum); beide bekannte Lagerplaͤtze der Gaͤtuler. Zu Herba, einem Haufen von Ruinen, ein we⸗ nig oͤſtlich von Fythe el Botum, ſind die Duellen des Wedeel Shai⸗er(Gerſtenfluſſes), deſſen Lauf von Herba bis an das Dash Krah Buferinne zehn Seemeilen in nord-nordoͤſtlicher Richtung aus⸗ macht. In einer kleinen Entfernung vvn Bufer⸗ inne unter einer Huͤgelreihe fuͤhren andere Ruinen den Namen Gehara. Buferinne iſt wegen der Palmen und ſeines Obſtes beruͤhmt. 185 Gegen Nord vom Buferinne nimmt der Wed el Shai⸗er wegen ſeines ſalzigen Waſſers den Na⸗ men Mailah an. Nachdem er gegen Oſt bei Ain Difla oder Defaily(Duelle der elbaͤume) vor⸗ bergegangen iſt, ergießt er ſich in den Shott. Pber⸗ halb dieſer Quelle iſt der Berg Maiherga, ein be⸗ kannter Aufenthaltsort der Leoparden, Schlangen und anderer ſchaͤdlicher Thiere. Sechs Seemeilen gegen Suͤd von Fythe el Bothmah liegen Gumra und Amoura, zwei Dashkrahe, mit ihren Quellen und Fruchtbaͤumenz Dimmidde nebſt den Dashkrahen der Lu⸗aate⸗ neun Seemeilen weiter gegen Weſt ſind die anſehn⸗ lichſten Doͤrfer dieſes Theiles von Gaͤtulien. Die Doͤrfer der Beni Mezzab ſind 26 Meilen gegen Suͤd von der Lu⸗aate und Ammer gelegen, welche aus Mangel an Baͤchen das Waſſer in Ciſter⸗ nen auffangen. Gardeiah, die Hauptſtadt iſt die weiteſte gegen Weſt. Berygan, das nachſte betraͤch⸗ liche Dashkrah, iſt neun Seemeilen gegen Oſt, und Gragan, das naͤchſte von ihnen nach Wurglah⸗ hat dieſelbe Entfernung und Lage im Ruͤckſicht auf Bery⸗gan. Die Soͤhne(Beni) Mezzabs duͤrfen die Moſcheen der Algierer nicht beſuchen; auch ſind ſie im Betreffe ihrer Geſichtfarbe ſchwarzbrauner⸗ als die Gaͤtuler gegen Nord. 186 3) Von der Provinz Konſtantine oder der oſtlichen Provinz. Dieſe Provinz, zwiſchen den Meridianen der Fluͤſſe Buberak und Zaine, hat uͤber 130 Meilen in der Laänge, und mehr als 100 in der Breite. Waͤhrend der Bey von Ditterieh dem Schatze zu Algier mehr als 12,000 Thaler, und der von Slemfan 40— 60,000 Thaler liefern, bezahlt der Bey von Konſtantine 80— 400,000 Thaler. Die Seekuͤſte dieſer Provinz von Buberak bis Boujeiah, und von da faſt bis Bona iſt felſig und gebirgig. Eine Seemeile weit von der Muͤndung des Buberak iſt Dellys, ein kleines Staͤdtchen, theils an dem Fluſſe, theils auf dem Abhange eines hohen Berges, aus den Ruinen einer alten Stadt gebaut. In einer Mauer, gerade uͤber dem Hafen, ſieht man eine kleine Bilder⸗Blende nebſt einem Bilde in der Stellung einer Madonna. Nach der Umſeglung des Hafens der Zuffune, gewoͤhnlich Mers el Fahm(Holz⸗Kohlen⸗Hafen) und das Kap Ash⸗oune⸗mon,kar, wo das Va⸗ bar der Alten ſtand, iſt der naͤchſte merkwuͤrdige Ort der Mettſe⸗coube oder durchloͤcherte Felſen. In einer kleinen Entfernung von dieſem iſt der Ha⸗ fen Boujeiah, von welchem ein großer Tbeil ehe⸗ mals mit gehauenen Steinen eingefaßt war, ͤber⸗ welche zugleich eine Waſſerleitung gefuͤhrt war, um 187 den Haſen beſſer mit Waſſer verſehen zu koͤnnen. Jetzt ſind die Mauern und die Waſſerleitung zerſtoͤrt, und nur das Grab des Sidy Busgri, des Schutzheili⸗ gen von Boujeiah, uͤbrig. Boujeiah oder Bugia auf den Ruinen einer großen Stadt, und in einer gebirgigen Lage erbaut, iſt drei Mal ſo groß, als Dellys. Außer dem Schloſſe auf der Spitze des Berges, welches die ganze Stadt beſtreicht, ſind noch zwei andere Schloͤſſer an dem un⸗ tern Theile deſſelben zur Sicherung des Hafens. In den Mauern ſieht man noch verſchiedene Luͤcken, welche das Kanonenfeuer des Sir Edward Spragg im Jahre 4674 gemacht hatte. Die Boujeiahner fuͤhren einen betraͤchtlichen Handel mit Pflugſcharen, Grab⸗ eiſen und anderen Geraͤthſchaften von Eiſen, welches in den benachbarten Bergen gegraben wird. Auch wird ſtarker Handel mit Del und Wachs getrieben. Boujeiah iſt die einzige Stadt von dieſem Theile der Berberei, deren Albufeda gedenkt. Ein ſtarker Fluß, ein wenig weſtlich von Buje⸗ iah, erſtreckt ſich ſehr weit, und verurſacht in Win⸗ ter ſehr großen Schaden. Jijel, das Igilgili der Alten, liegt ein we⸗ nig jenſeits des Hafens, welcher die oͤſtliche Graͤnze des Golf von Boujeiah ausmacht. Von dieſer Stadt ſind nur einige elende Haͤuſer, und ein kleines, von Türken beſetztes Fort, uͤbrig. 188 Der Wedel Kibir, der große Fluß, der Amſaga der Alten, faͤllt zehn Seemeilen gegen Oſt von Jijel in die See. Pberhalb deſſelben liegen die ſieben Kaps. Die Anwohner dieſes Fluſſes leben in Kellern, und ſtoßen beim Erſcheinen eines Schiffes die groͤßten Fluͤche aus, daß es Gott ihnen in ihre Haͤnde geben moͤge. Cul, das Collops Magnus, oder Cullu der Alten, liegt am oͤſlichſten unter dieſen Vorgebir⸗ gen, 18 Meilen von dem großen Fluſſe. Es befindet ſich in demſelben elenden Zuſtande, als Jijel, und hat gleichfalls keine Alterthuͤmer aufzuweiſen. Sgigata, das alte Ruſieada, auch Stora, iſt von einem groͤhern Umfange als Cull, und zeigt mehr Spuren des Alterthumes. Fuͤnf Seemeilen gegen Nordoſt von Sgigata iſt der kleine Hafen Gavetto; wenn man dann bei dem Ras Hadid, dem eiſernen Vorgebirge, vorbei geſchifft hat, kommt man zur Inſel Tuckush, und zu einem Dorfe gleiches Namens, welches ge⸗ genuͤber auf dem feſten Lande liegt. Von dieſer Inſel ſchifft man bei dem Kap Hamrah, rothen Vor⸗ gebirge voruͤber, geht hernach bei dem Hafen Bar⸗ ber(die Eurvpaͤer nennen ihn den genueſiſchen Hafen) vorbei, und kommt nach Bona, welches die Mohren: Blaid el Aneb, die Stadt der ro⸗ then Bruſt⸗Beeren, von dem vielen Obſte in der Nachbarſchaft nennen. Bong iſt ohne Zweifel 189 ein verdorbener Name von Hippo oder Hippona, obgleich dieſe alte Stadt unter einem Haufen von Ruinen eine Meile gegen Suͤd liegt. Zwiſchen Blaid el Aneb und dem alten Hip⸗ po iſt ein niedriges, moraſtiges Land, welches aus der See entſtanden zu ſeyn ſcheint, und vor Zeiten der Hafen von Hippo geweſen ſeyn mag. Der Fluß Bu⸗jimah mit einer Brucke von roͤmiſcher Ar⸗ beit, fließt an der weſtlichen Seite dieſes Moraſtesz ſo wie der Seibouſe ein viel breiterer Fluß gegen Oſt. Beide ergießen ſich in die See, und ſind Ueber⸗ ſchwemmungen unterworfen. Die Rumen des alten Hippo verbreiten ſich uͤber den ſchmalen Strich Landes zwiſchen dieſen Fluͤſſen; es iſt eben und flach, und erhebt ſich in der Folge zu einer maͤßigen Hoͤhe. Die Ruinen haben ungefaͤhr eine halbe Seemeile im Umfange, und beſtehen, wie gewoͤhnlich, aus breiten zerſoͤrten Mauern und Ciſter⸗ nen. Hippo war eine Reſidenzſtadt der numidi⸗ ſchen Koͤnige. Der Seibvuſe und Ma⸗fragg, die vornehm⸗ ſten Fluͤſſe zwiſchen Hippo und Tabrava ſtimmen mit dem Armua und Rubrieatus der Alten uͤberein. Wenn man bei dem Kap Roſa fuͤnf Seemeilen von dem Ma⸗fragg gegen Nordoſt vorbei ſegelt, ſo kommt man zu der Baſtei zuruͤck, wo ein ſchmaler Strich Landes und ein Fort iſt, welches zu dieſem 190 Namen Gelegenheit gegeben hat; allein die ungeſunde Lage noͤthigte die Franzoſen, welche daſelbſt eine Faktorei hatten, nach La Kalle, einem Paſſe, drei Seemeilen weiter gegen Oſt, ſich zu begeben. Der ganze Strich dieſer Provinz, zwiſchen den Mittagskreiſen der Fluͤſſe Buberak und Zhure von der Seekuͤſte bis an die Parallelen von Setif und Konſtantina, iſt meiſtens eine aneinander haͤn⸗ gende Kette von außerordentlich hohen Bergen. We⸗ nige der Einwohner, durch ihre Lage geſichert, zahlen der Regierung von Algier Lribut. Nahe an den Parallelen von Setif und Konſtantinn ſieht man eine angenehme Abwechſelung von Bergen und Chaͤ⸗ lern; das Land wird zum Anbaue immer geſchickter, bis es ſich an der Sahara in einer langen Gebirgsreihe endigt. Das Gebiet Zaab liegt unmittelbar unter die⸗ ſen Bergen; und jenſeit? von Zaab, weit in die Sahara hinein, iſt Wadrig ein anderer Haufen Doͤrfer. Dieſer Theil der ößlichen Provinz, die Pa⸗ rallele von Zanb mit eingeſchloſſen, kömmt mit dem Mauritania Sitifensis oder Mauritania prima öberetn. Die gebirgige Landſchaft zwiſchen den Mittags⸗ kreiſen der Fluͤſſe Zhure und Seibouſe erſtreckt ſich ſelten uͤber ſechs Seemeilen innerhalb des feſten Landes. Vom Seibouſe bis an den Zaine iſt das Land eben, wird aber zuweilen durch einige Hugel und Ebenen unterbrochen. 191 Wenige Seemeilen gegen Suͤdoſt vom Gebirge Jurjura kommt man durch ein ſchmales, ſich kruͤm⸗ mendes Thal, welches eine halbe Meile lang durch zwei entgegenſtehende Reihen entſetzlich hoher und ſtei⸗ ler Felſen geht. Bei jeder Kruͤmmung iſt die quere Felſenſchichte wie ein Thorweg durchgehauen, von de⸗ nen jeder 6— 7 Fuß weit iſt. Dieß gab den Ara⸗ bern Veranlaſſung, es Biban(Thore) zu benen⸗ nen. Zwei Seemeilen gegen Suͤd⸗Suͤdoſt iſt die Ar⸗ caba(Anhoͤhe), ein anderer gefaͤhrlicher Paß, das wahre Gegentheil von Biban. Denn hier geht die Straße auf der ſchmalen Spitze eines hohen Berges mit tiefen Thaͤlern und jaͤhen Abfaͤllen auf beiden Sei⸗ ten fort. Der großen Gefahr ungeachtet geht doch die gemeine Straße von Algier nach Konßantina uber dieſe Spitze und durch den Biban. Das Gebirge Atlas, welches durch die ganze Provins Titterie, ſo weit als das Gebirge Jur⸗ jura, parallel mit der Seekuͤſte laͤuft, faͤngt hier an ſich nach Suͤdoſt zu wenden. In eben dieſer Linie lie⸗ gen die hohen Berge Wannongah und Jzaite, auf welche, jedoch mehr mit der Seekuͤſte parallel, die Berge Welled Selim, Meſtuah Aureß, und Sipaſa ganz bis in das Koͤnigreich Tunis folgen. Drei oder vier Seemeilen von dem Gebirge JF⸗aite iſt Meſſilah die Graͤnzſtadt dieſer Provinz gegen Weſt. Sie iſt auf die fuͤdliche Graͤnze der Ebe⸗ nen El Huthna, neun Seemeilen gegen Suͤd⸗Suͤd⸗ 69. B. Afrika. II. 2. 6 192 Weſt von Sidy Embarak Eſinate, und ſechs⸗ zehn gegen Suͤdweſt von Setif erbaut, und ebenſo kothig, wie die andern Drtſchaften des Landes. We⸗ gen der kalten Luft iſt die Gegend nicht geeignet zur Erzeugung von Datteln. Meſſilah bedeutet eine Gegend an einem fließenden Waſſer. In gleicher Entfernung auf der andern, d. j. der Nordſeite von Jibbel J⸗aite kommt man in die geraͤumigen und fruchtbaren Ebenen von Ma⸗ja⸗ nah, welche gegen Nord von dem Dra el Ha⸗ mar, und gegen Weſt von dem Gebirge Wannou⸗ gah beſchattet werden. Die vielen Teiche ſtehendes Waſſers, welche die Regenzeit zurucklaͤßt, ſind die Ur⸗ ſachen vieler Fieber und anderer Krankheiten. Aus verſchiedenen Ruinen auf dieſen Ebenen erbauten die Tuͤrken ein Fort. Wenn man bei dem Dorfe der Hlivenbaͤume (Zammora) und der Kapelle des Sidy Embarak vorbei geht, ſo gelangt man nach Setif, dem alten Sitiph'a, oder Sitifi, der Hauptſtadt dieſes Thei⸗ les von Mauritanien. Die Araber verfuhren aber ſo grauſam mit dieſer Stadt, daß kaum noch ein Stuͤck von den alten Mauern, Saͤulen oder Ciſternen der Roͤmer übrig iſt. Die angenehmen Quellen, welche faſt im Mittelpunkte die Stadt durchfließen, gaben ohne Zweifel vor Zeiten zu mancher ſinnreichen und nuͤtzlichen Erfindung in Vertheilung des Waſſers Veiaulaſung. 193 Die Ebenen und fruchtbaren Wieſengruͤnde von Caſſir Attyre liegen etwas ſuͤdlich von Setif. Die Pferde, welche die Araber hier erziehen, wer⸗ den für die beſten im Koͤnigreiche gehalten. In der Nahe wohnen die Ammer, ein maͤchtiges und zu⸗ gleich ſchaͤndliches Volk, welches ſeine Weiber und Toͤchter verunehrt. Acht Seemeilen gegen Suͤdoſt von Setif ſind die Ruinen von Taggah und Zaine, 1/2 Seemeile weit von einander in einer fruchtbaren und offenen Gegend unter dem Jibbel M uſt uah gelegen. We⸗ gen ihrer benachbarten Lage werden beide gewoͤhnlich zuſammen Tagou⸗Zaine ausgeſprochen. Ein klei⸗ ner Bach jließt innerhalb derſelben. Zu Zaine ſieht man unter andern Ruinen die neberbleibſel eines Triumphbogens, welche durch zwei ſarke korinthiſche Saͤulen unterſtuͤtzt wird. guͤnf Seemeilen gegen Oſt von Tagou⸗Zai⸗ nah, auf der noͤrdlichen Spitze von Jibbel Aureß, iſt ein merkwuͤrdiges Grabmal, das Medraſchem oder Mail Cashem(Schatz des Cashem). Es hat faſt dieſelbe Geſtalt, wie das Kubber Nomih, iſt aber breiter, und die Korniſche ſeines Grundgeßtelles iſ von toskaniſchen Pfeilern unterſtutzt. Die Gegend in der Nachbarſchaft dieſes Grabma⸗ les heißt Ai⸗yac⸗eoute, vermuthlich von dem Fluſſe in der Ritte deſſelben ſo genannt. Verſchie⸗ dene Ueberbleibſel von roͤmiſchen Landſtraßen und an⸗ 194 dere Ruinen lagen da zerſreut; die merkwoͤrdigſten unter denſelben ſind die Ruinen von Omoley Si⸗ naab, eine Seemeile weßlich von Medrashem. Die vor Zeiten anſehnliche Stadt Tattubt, vier Seemeilen von Om⸗vley Sinaab, und acht ge⸗ gen Suͤd⸗Suͤdweſt von Konſtantina gelegen, iſt ietzt meiſt mit Erde und Schutt bedeckt. Zehn See⸗ meilen von Taggou⸗Zainah gegen Säd und zwolf von Medrashem ſind die Ruinen des alten Thu⸗ buna in einer ſchoͤnen Ebene zwiſchen den Fluͤßſen Barikah und Bu⸗mazuſe. Sieben Seemeilen von Tubunah(jetzt Tubnah) und 16 gegen Suͤdoſt von Meſilah iſt das kleine, von Bergen umgebene Dorf Em⸗dou⸗Khal. Hier findet man die erſten Dattelbaͤume. Shott iſt ein geraͤumiges Thal zwiſchen zwei Bergketten; Shott bedeutet hier die Gränzen einer ſolchen Ebene, welche nach den Jahreszeiten mit Salz bedeckt oder mit Waſſer uͤberſchwemmt iſt.— Wenn man den Bu⸗ma⸗zuſe, Tubnah gegenuͤber paſ⸗ ſirt, ſo kommt man zu einem Berge mit vortreßlichen Quaderſteinen, welcher Muckal el Hadar(Stein⸗ bruch) heißt. Vier Seemeilen noͤrdlich von dieſem iſt der fruchtbare, kleine Strich, Bu⸗Muggar, mit Spuren einiger alten Gebaͤnde. Zwiſchen ihm und Ras el Aiune iſt das Dorf Nie⸗Kuſe, auch Ben⸗euſe in einem Thale, mit einem Kreiſe von Bergen in maͤßiger Entfernung umgeben. Ein Bach 195 geſalzenen Waſſers ſchleicht gegen Weſt. Man ſieht bier die Spuren einer großen Stadt. Jibbel Aureß oder Eureß, der Mons Au⸗ dus des Ptolemaͤus, iſt kein einzelner Berg, ſon⸗ dern eine große Reihe von Andoͤhen, welche von ver⸗ ſchiedenen kleinen angenehmen Ebenen durchſchnitten ſind. Die hoͤhern ſowohl, als niedern Gegenden ſind aͤußerſt fruchtbar, und noch immer der Garten dieſer Povinz. Viele Ruinen ſind in dieſen fruchtbaren Chaͤlern und ihren Ebenen zerſtreut. Die merkwuͤr⸗ digſten derſelben ſind die von L'erba oder Tezzoute mit einem Umfange von drei Seemeilen. Denn außer den koſtbaren Ueberreſten verſchiedener Stadtthore, ſieht man die Sitze und den obern Theil eines Am⸗ phitheaters; die Vorderſeite eines ſchoͤnen Tempels des Aeskulapz ein großes laͤngliches Gemach mit einem großen Thore auf jeder Seite; und das Braut⸗ gewoͤlbe(Cubb' el Ar-roſah), wie die Araber ein kleines, angenehmes Mauſoleum nennen, welches die Geſtalt eines Domes hat, und mit korinthiſchen Saͤu⸗ len unterſtuͤtzt war. Die Kabylen dieſer Berge von Aureß haben eine ſchoͤne rothe Geſichtsfarbe und dunkelgelbe Haare. Zwiſchen Jibbel Aureß und Konſtantina iſt der hohe Bers Ziganeah, an deſſen Fuße die alte roͤmiſche Stadt Physgeah gelegen war. Eine reiche Queie lieſerte durch eine Waſſerleitung vus Waſſer nach Konſtantina. 196 Konſantina oder Cirta war eine der vor⸗ nehmſten und ſtaͤrkſten Staͤdte Numidiens. Von ihrer vormaligen Groͤße zeugt der Umfang ihrer Rui⸗ nen, und von ihrer Staͤrke ihre beſondere Lage. Deun der groͤßte Theil derſelben iſt auf dem Vorge⸗ birge einer Halbinſel erbaut, und auf allen Theilen unzugaͤngig, außer gegen Suͤdweſt, wo es mit dem feſten Lande zuſammen haͤngt. Das Vorgebirge ge⸗ waͤhrt eine herrliche Ausſicht uͤber eine Menge von Bergen, Dhaͤlern und Fluͤſſen, welche weit ausgebrei⸗ tet vor ihm liegen. Von den Waſſerleitungen, welche das Waſſer von Physgeah nach Konſtantina brachten, iſt noch ein großer Theil ubrig, und ſehr koſtbar. Die Ciſter⸗ nen, deren ungefaͤhr 20 ſind, bilden einen Patz von 5o Ellen in das Gevierte. Außerdem findet man noch ſchoͤne Ueberreſte von römiſcher Bildhauerei, von Triumphbogen, Saͤulen und Bruchßuͤcke von In⸗ ſchriften. Fuͤnf Seemeilen gegen Nordweſt von Konſtan⸗ tina iſt die Stadt Milah, das Milevum der Alten, in der Mitte von angenehm abwechſelnden Bergen und Thaͤlern gelegen; rings umgeben dieſelbe reichlich bewaͤſſerte Gaͤrten. Konſtantina wird von dieſem Drte mit Kraͤutern und Fruͤchten verſehen; be⸗ ſonders werden die Granataͤpfel wegen ihrer Groͤße und Annehmlichkeit des Geſchmackes ſehr geſchaͤtzt. Reiſet man von Konſtanting gegen DOſten, ſo 197 kommt man bei Alligah und Announah vorbei; an beiden Orten befinden ſich große Haufen von Rui⸗ nen. Von dieſem erreicht man die Hamim⸗Mes⸗ koutin(die ſtillen Baͤder), welche in ſehr niedrigen, von Bergen umgebenen Ebenen liegen. Einige Duel⸗ len ſind ſehr heiß, andere dagegen, nur wenig ent⸗ fernt, uͤbermaͤßig kalt; etwas naͤher an den ufern des genati beſinden ſich die Truͤmmer einiger Haͤuſer, welche wahrſcheinlich zum Gebrauche der Badenden eingerichtet waren. Das ganze Land von Konſtan⸗ tina bis an den Zenati beſteht in einer Abwechſe⸗ lung von fruchtbaren Bergen und Thaͤlern. Die Aquae PTibilitanae, jetzt bloß Hamam (Baͤder) genannt, liegen oͤſtlich vvn Hamam Mes⸗ koutin auf der Nordſeite des Fluſſes Seibouſe. Auf der andern Seite iſt der Bezirk Munah nebſt den Ruinen von Gelma oder Kalma, dem alten Calama. Hinter Munah liegt Tiffesh, das Thebes, Cheveſte, Thebaͤ oder Thebeſtris der Alten, als die einzige Stadt in dem Gebiete der Hen⸗ neisha, welche ihren alten Namen behalten hat. Sie liegt in einer ſchoͤnen Ebene, wird von einem Fluſſe durchſtroͤmt, und iſt 19 Seemeilen gegen Oſt⸗ Suͤdoſt von Konſtantina eutfernt. In der Nachbarſchaft von Tiffesh liest das Land der tapfern und feinen Henneisha, als das fruchtbarſte Gebiet von ganz Rumidien, zwiſchen 198 den Fluͤſſen Hamiſe und Mejerdah. Gegen Suͤd von den Henneisha an den ufern des Melagge it Sipſa oder Tibeſſa, das Dipaſa der Alten. Dieſe Stadt hat eine angenehme Lage, und in ihrer Naͤhe einige Berge; verſchiedene Denkmaͤler deuten noch auf ihren numidiſchen Urſprung. In den benachbarten Bergen iſt ein großer unterirdiſcher Steinbruch. Der Melagge fließt ein wenig noͤrdlich von Tipaſa, und nimmt in verſchiedenen Gegenden ver⸗ ſchiedene Namen an. Derienige Theil der Sahara, welcher hinter dieſer Provinz liegt, hat außer der entlegenen Stadt Wurglah und dem Dorfe Engouſah, die zwei anſehnlichen Gebiete von Zaab und Wadrig mit zahlreichen Doͤrfern. Das Gebiet Zaab, das Zebe der Alten, iſt ein ſchmaler Strich Landes unterhalb des Berges Atlas; ſeine Doͤrfer reichen in einer faſt ununterbrochenen Reihe von dem Meridiane von Meſſilah bis zum Mittagskreis von Konſtantina. Biscara, die Hauptſtadt von Zaab, hat eine tuͤrktſche Veſatzung und ein kleines Kaſtell. Das Dorf Sidy DOeecaba, oder Oee'ba, iſt beruͤhmt wegen der Graͤber des arabiſchen Generals gleiches Namens und des Sidy Lascar, des Schutzheiligen dieſes Dorfes. Roͤmi⸗ ſches Mauerwert ſieht man uͤberall in dieſer Provinz. 199 Zu Banteuſe, einem der ſuͤdlichen Doͤrfer, wurden verſchiedene ſteinerne Saͤrge ausgegraben. Die Ein⸗ wohner von Zaab eſſen noch, wie ehemals die Ka thager, Hundefleiſch. Der Bezirk von Wadrig enthaͤlt 25 Doͤrfer in einer Richtung gegen Nordoſt und Suͤdweſt. Die Hauptſtadt Tuggurt auf einer Ebene wird von einem Fluſſe durchſchritten. Dreißig Meilen gegen Suͤdweſt von Tuggurt itt das Dorf En⸗gouſah das einzige in dieſer Gegend, welches noch zur Zeit Leo's geſtan⸗ den hat. Nach En⸗gonſah, fuͤnf Seemeilen gegen Weſt, iſt die beruͤhmte und volkreiche Stadt Wurg⸗ loh, die entlegenſte Gemeinde jenſeits des Niger. ——— II. Vom Königreiche Tunis. Das Koͤnigreich Tunis iſt gegen Nord und Dſt von dem mittellaͤndiſchen Meere umgeben, graͤnzt gegen Weſt an das Koͤnigreich Algier, und gegen Suͤd an das Koͤnigreich Tripoli. Es iſt, von der Inſel Jerba an, im 33 30“ N. Br. bis an das Kap Serra in 370 12“ N. Br., 220 Meilen breit und 170 lang; denn Sbekkah, die gegen Weſt entfern⸗ teſte Stadt, liegt im so, und Clybea, die weiteſte gegen Oſt im 140 20“ oͤſtlicher Laͤnge von London⸗ Dieſes Koͤnigreich iſt nicht in Provinzen eingetheilt, und wird bleß von einem Bey regiert, welcher den Tribut ſelbſt eintreibt. Er beſucht deßwegen jaͤhrlich die vorzuͤglichſten Orte, geht den Sommer durch das fruchtbare Land in der Nachbarſchaft von Keff und Bai⸗jah, und den Winter in die Gegenden zwiſchen Kairwan und dem Jerid. Da dieſe zwei Bezirke mit der Regiv Zeugitana und dem Bizgeium der Alten viele Aehnlichkeit haben, ſo werde ich die⸗ ſes Koͤnigreich unter dieſen zwei Abtheilungen be⸗ ſchreiben. —————————— * 201 a) Die Seekuͤte von Zeugitana. Geht man von der Inſel Tabatea, fuͤnf See⸗ meilen gegen Sudweſt, ſo erreicht man das Kap Ne⸗ gro; die felſige Inſel Jalta, das Galata der Al⸗ ten, liegt wenige Seemeilen gegen Nordweſt; nach dieſer kommt das Kap Serra, der entlegenſte Theil Afrika's gegen Nord. Das weiße Vorgebirge(Ras el Abid) be⸗ ſteht aus einem weißen Kalkboden, acht Stemeilen ſuͤdlich von demſelben. An dem Ende eines breiten Meerbuſens, liegt ſehr angenehm die Stadt Biierta an einem Kanale zwiſchen einem großen See und dem Meere. Sie hat ungefaͤhr eine Meile im Umfange, und wird von verſchiedenen Batterien vertheidigt. Bizerta iſt der verdorbene Name von dem Hippo Dyarrhytus, oder Zaritus der Alten. Der Vereinigungskanal zwiſchen dem See und dem Meere iſt der Hafen von Hippo Dyarrhytus, welcher nur kleine Schiffe aufnimmt. Spuren eines breiten Dammes, welcher in das Meer ſich erſreckte, ſind noch vorhanden. Der Meerbuſen von Bizerta, Sinus Hip⸗ ponenſis der Alten, iſt ein angenehmer ſandiger Eingang, mit einer Breite von vier Seemeilen. We⸗ gen ſeiner niedrigen Lage genießt man eine vortreff⸗ liche Ausſicht durch eine Menge angenehmer kleiner Waͤlder und Pflanzungen von Olivenbaͤumen, welche 202 gegen Oſt durch ein hohes felſiges ufer unterbrochen wird. Das Kap Zibib bildet die weßliche Spitze des iweiten tingitaniſchen Meerbuſens der Alten, und führt jetzt den Namen Zowamure. In einiger Entfernung gegen Dſt liegt die Juſel Gamelora, und vier Seemeilen weiter gegen Weß, innerhalb des Kaps, iſt Porto Farina, welches die Einwohner wegen eines nahe gelegenen Salzwerkes, Gar e Mailah(Salzkeller) nennen. Der Fluß Mejerdah oder Bragada, welcher in der Geſchichte ſo beruͤhmt iſt, geht auf ſeinem gan⸗ ien Laufe in beſtaͤndigen Kruͤmmungen durch ein fruchtbares und vortreffliches Land, welches ihm ſo 3 viel von ſeinem fetten Erdreiche mittheilz, daß er eben die Eigenſchaft des Nil hat, und eben wie dieſer, dem Meere Eingriff thut. Dieſem muß man nicht allein die vielen Veraͤnderungen zuſchreiben, welche zu verſchiedenen Zeiten in ſeinem Kanale gemacht zu ſeyn ſcheinen, ſondern auch, daß eine ofßfene Bay des Meeres, in welche ſich der Mejerda erſt ſeit 100 Jahren ergießt, mit Schlamm umgeben iſt, und ei⸗ neu großen ſchiffbaren See ausmacht.„. Das ſo beruͤhmte utika kann man aus hinlaͤng⸗ lichen Gruͤnden in die Gegend der Ruinen von Bu⸗ Shatter ſetzen. Zwei Seemeilen gegen Dſt von Bu⸗Shatter iſt Gellah, der noͤrdlichſte und ſteilſe Theil dieſes Vorgebitges, wo P. Corn. Sei⸗ 203 pio wahrſcheinlich ſein Winterlager aufseſchlagen ha⸗ ben mag. Das Ganze beſteht aus einer Strecke ſchma⸗ len Landes, welches von einem Ende bis zum andern in gleichmaͤßiger Erhoͤhung fortgeht, und mit dem Huͤgel, welcher uͤber Bu⸗Shatter liegt, eine ſehr ſchoͤne Landſchaft in Geſtalt eines Theaters mit dem Mejerda bildet. Jetzt fließt der Mejerda unter der ſuͤdweſtlichen Spitze dieſer Landſtrecke, waͤhrend Gella die nordoͤſtliche ausmacht; und in einex klei⸗ nen Entfernung von dieſer, auf der andern Seite, ſieben Meilen vom Meere, liegen die Ruinen von Bu⸗Shatter(utika). Der Hafen von Karthago, durch das Meer und den Mejerda unbrauchbar gemacht, heißt zwar noch immer El Merſa(Hafen), liest gegen Nord und Nordweſt, und bildet mit dem See von Tunis die⸗ jenige Halbinſel, auf welcher Karthago erbaut war. Gegen Suͤdoſt von El Merſa ſieht man die Spuren eines Cothon, welcher beinahe 100 Ellen im Quadrate betraͤgt. Dieß war vermuthlich der neue Hafen der Karthager, welchen ſie, nach der Sperrung der alten durch S etpio, erbaut hatten. Die Stadt Karthago lag auf drei Hügeln. Auf demjenigen, welcher gegen die Seekuͤſte ſieht, fin⸗ det man die Area eines geraͤumigen Gemaches nebſt andern kleinern, von welchen verſchiedene gewür⸗ felte Fußboͤden haben. Weder Zeichnung, noch die 204 Materialien verdienen die Aufmerkſamkeit. Vermuth⸗ lich hatte das Byrſa dieſe Lage. Außer den Truͤm⸗ mern einer großen Waſſerleitung findet man zu Karthago keine anderen Ueberbleibſel von der Groͤße und Herrlichkeit dieſer beruͤhmten Stadt. Die Mauern und andere uͤbrig gebliebenen Gebaͤude find entweder im gothiſchen Style, oder nach dem Geſchmacke ſeiner neuen Einwohner erbaut. Nach Shaws Berechnung mag das alte Karthago 16 Meilen gehabt haben, obgleich roͤmiſche Schriftſteller den Umfang deſſelben viel groͤßer angeben. Die Ueberbleibſel der beruͤhmten Waſſerleitung mogen ſich von der groͤßern Reihe der Ciſternen bis Sowwan, und von da bis zu dem so Meilen ent⸗ fernten Zunggar erürecken. Das Ganze war ein Werk von aukerordentlicher Arbeit; beſonders war derjenige Tbeil, welcher laͤngſt der Halbinſel herab⸗ geht, auf zierliche Weiſe aus gehauenen Steinen er⸗ baut. Man ſieht zu Arriana, einem kleinen Dorfe zwei Seemeilen gegen Nord von Tunis, eine lange Reibe gut erbaltener Bogen, welche 70 Fuß hoch ſind, und von Saͤulen zu 46 Qundratfuß unterſtuͤtzt werden. Der Kanal, welcher das Waſſer hierher fuͤhrte, liegt auf dieſen Bogen, und iſt ſo hoch und breit, daß eine Perſon von gewoͤhnlicher Groͤße in demſelben um⸗ hergehen kann. Er iſt oben gewoͤlbt, und inwendig mit einem ſtarken Moͤrtel uͤberzogen. Sowohl zu Zowwan, als auch z Sunggar 205 war ein Temvel uͤber den Quellen errichtet, welche dieſes Werk mit Waſfer verſahen. Von Karthago und den Salzauellen kommt man nach Guletta, Hackel Wed(den Schlund des Fluſſes), dem Vereinigungskauale zwiſchen dem See von Tunis und dem Meere. Zur Sicherung des Hafens iſt ein ziemlich ſtarkes Kaſtell angelegt. Der See wird haͤufig von den Heerden der Phoͤni⸗ kopten und das in ihm erbaute Kaſtell Sbikley von Tuneſen und chriſtlichen Kaufleuten beſucht⸗ Die Barben in dieſem See werden fuͤr die groͤßten und angenehmſten auf der Küſte der Berberei ge⸗ valten; ihr Rogen wird, wenn er gepreßt und getrok⸗ net iſt, für eine große Koßbarkeit gehalten, und iſt unter dem Namen Botargo bekannt. Tunis, Tunes der Alten, die Hauptſtadt die⸗ ſes Koͤnigreiches, liegt auf einem etwas erhabenen Boden laͤngſt dem weſtlichen Ufer dieſes Sees, und gewaͤhrt eine vollkommene Ausſicht auf Karthago und die Inſel Aegimurus. Die vielen Seen und Moraͤſte in ſeiner Umgebung wuͤrden ſeine Lage unge⸗ ſund machen, wenn nicht die Luft durch die Menge Maſtix, Myrthen, Rosmarin, und andere Gummi⸗ und Gewuͤrz⸗Pflanzen verbeſſert wuͤrde. Der Man⸗ gel an gutem Waſſer noͤthist die Tuniſer, ſolches von Bardo, Bier el Kelp, und andern Orten eine Meile weit zu holen. Mit den Vorſtaͤdten Bledeel Hadrah und Bab el Swaikv mag Tunis drei Stadt Rhades, Hamam Lief und Solyman 206 Meilen im Umfange haben. Indeſſen iſt es doch nicht ſo volkreich, als Algier. Auch haben die STuniſer die Menge und Mannigfaltigkeit von Landhaͤuſern nicht, wie die Bewohner Algiers. Zwei Scemeilen gegen Oſt⸗Suͤdoſt von Tunis und eben ſo weit gegen Suͤdweſt von Guletta, iſt die kleine Stadt Rhades auf einem etwas erhabenen Boden, zwiſchen dem Sce von Lunis und dem Meere gelegen. Es iſt das alte Ades, wo M. Re⸗ gulus die Karthager geſchlagen hatte. Nicht weit von Rhades iſt der Fluß Miliana, und un⸗ gefaͤhr eine Seemeile weiter das haͤufig beſuchte heiße Bad, Hamam Lief. Hinter di⸗ſen Baͤdern zur Rechten iſt der Jibbel Reſaß(Bleiberg), deſſen Adern mit dieſem Metalle reichlich verſehen ſind; und zwei Seemeilen zur Linken, an dem Cade des Meer⸗ buſens die kleine Stadt Solyman auß einer ſchoͤnen Ebene, mit einem Fluſſe in einer Entfernung von zwei Meilen auf beiden Seiten derſelben. Die Stadt wird von andaluſiſchen Mauren bewohnt welche geſitteter, als ihre Bruͤder ſind, den Chriſten ſehr hoͤflich begegnen, und noch immer die ſpaniſche Sprache reden. Zwei Seemeilen gegen Nordoſt von Solyman iſt Moraiſah, das Maxula der Alten, mit ver⸗ ſchiedenen zerſtorten Ciſternen und einem kleinen Ha⸗ fen. Die Seekuͤſte, welche von Guletta, laͤngs der 207 niedrig und ſandig iſt, wird hier rauh und bergig. Zwei Seemeilen weiter iſt die kleine Bay von Gur⸗ bos, oder Hammam Gurbos, mit einem heißen Bade und einigen Ruinen. Dieſe ſind die warmen Bäder(Aquae calidae) des Livius; hier litten mehrere Schiffe von der Flotte des Oktavius Schiff⸗ bruch. Drei Seemeilen von Gurbos iſt das Vorge⸗ birge des Herkules mit einer Bay, in welche ſich der Wedeel Abyde ergießt. Die Kapelle des Sidy Doude, von den Rui⸗ nen des alten Niſua oder Mi ſua umgeben, iſt fuͤnf Seemeilen gegen Ot⸗Nordoſt von dem Vorgebirge des Herkules entfernt. Das Grab dieſes Heiligen iſt ein neberbleibſel einer roͤmiſchen Praͤtors⸗Woh⸗ nung, wie wir aus den Moſaikoflaſtern ſchließen koͤn⸗ nen, den gewoͤhnlichen Gefaͤhrten derjenigen Plätze, welche an dieſelbe ſtoßen. Das Pflaſter iſt mit dem großten Ebenmaße und vieler Genauigkeit gearbeitet. Miſun ſcheint, nach ſeinen Ruinen, ſo groß wie Hippo Zarytus zu ſeyn. Zwei Seemeilen gegen Oſt⸗Nordoſt von Sidy Doude, und ein wenig ſuͤdlich von dem Vorgebirge Merkur, iſt Low⸗harib, das Aquilaria der Alten, wo Kurio diejenigen Truppen an das Land ſetzte, welche von Sabura geſchlagen worden wa⸗ ren. Der zwiſchen der Seekuͤſte und dieſem Dorfe gelegene Berg iſt vom Meere bis zur Hoͤhe von 20— 30 Fuß auf eine kuͤnſtliche Art ausgehauen. Noch ke⸗ 59. Z. Afrika. II. 2. 6 208 hen ßarke Pfeiler mit ihren Bogen, um die Decke zu unterſtuͤtzen. Dieſe ſind die Steingruben, welche nicht nur Karthago, ſondern auch andere Staͤdte mit Steinen verſahen. Dieſer Bers iſt uͤberall mit Baͤu⸗ men bepflanzt; genannte Bogen ſtehen gegen das Meer offen; die Inſel Aegimurus liegt gegenuͤber. Ver⸗ ſchiedene Quellen rinnen beſtaͤndig aus den Felſen, und bequeme Sitze laden den ermuͤdeten Arbeiter zur Ruhe ein. Das Kay Bon(Ras⸗addar der Mohren) und das Vorgebirge Merkur liegen ungefaͤhr eine See⸗ meile noͤrdlich von Lowha⸗rih. Die Inſeln Zem⸗ bra oder Zowamures ſind unter dieſem Vorge⸗ birge; die kleinere nicht weit von der Käſte; die groͤ⸗ ßere vier Meilen weit. Der fruchtbare Landſtrich von dieſem bis Nabal und Hamamel wird von ſeiner Geſtalt Dackhul(Winkel) genannt. Fuͤnf Seemei⸗ len von dieſem Kap iſt Clybea auf einem kleinen Vorgebirge ein elender Haufe von Huͤtten, welcher eine Meile von der alten Stadt, von welcher nichts mehr uͤbrig iſt, entfernt liegt. Gurba, das alte Curobis, mit den Ruinen einer großen Waſſerleitung, liegt ſieben Seemeilen von Clybea. Nabal, das alte Neapolis, eine Meile von der Seekoſte, iſt ein nahrhaftes Staͤdtchen, und ſei⸗ ner irdenen Gefaͤße wegen beruͤhmt. Man findet hier eine grobe Menge Inſchriften auf Steinen, welche 209 ſechs Fuß in der Laͤnge, und drei in der Breite ha⸗ ben. Geht man zwei Seemeilen durch einen ſteini⸗ gen Weg, ſo kommt man nach Hamam⸗et, welches noch einige Saͤulen, Marmorſtuͤcke und Inſchriften aus dem Alterthume aufzuweiſen hat. Sie wurden aus den Ruinen des benachbarten Caſſir Aſeite (Eivitas Siagitania) geholt. Ein wenig jenſeits Caſ⸗ ſir Aſeite erſreckt ſich eine weite Ebene bis Her⸗ kla, und iſt wegen der großen Voͤgel, der numi⸗ diſchen Jungfern ebenſo beruͤhmt, wie der See von Tunis wegen der Phoͤnikopten. Innerhalb dieſer Ebene iſt das Menarah⸗ ein großes Grabmal, mit 20 Ellen im Durchſchnitte, eylinderfoͤrmig ge⸗ baut, und hat ein Gewoͤlbe unter ſich. Nahe bei dem Mengrah ſind die Ruinen eines kleinen Hafens, welcher vor Zeiten zur alten Roͤmerſtadt Faradiſe gehoͤrte, welche nur wenige Meilen weit auf der Nord⸗ Weſiſeite dieſer Ebene gelegen war. Wenn man nach Weſt vom Sommer⸗Betirke (Regio Zeugitana) zurückgeht, ſo liegt gegen Süd⸗ weſt des großen Sees von Biſerta Zibbel Js⸗ kell, der Mons Cerna der Alten⸗ und unter dem⸗ ſelben in einer fruchtbaren Ebene das kleine Do Matter(Oppidum Materenſe)⸗ Ein Bach, welcher es durchſließt, ergiebt ſich in denjenigen Theil des großen Sees, welcher der Siſera valus, wie der andere Theil näher an Biſepta, der Hipponites der alten Gevgraphen war. 2¹⁰ Nicht weit von den Graͤnzen der Algierer, un⸗ gefaͤhr 7 Seemeilen von Tabarea, und 10 Seemei⸗ len gegen Suͤdweſt von Matter, iſt die Stadt Be⸗ ja, oder Bayah, ein großer Handelsplatz auf der abhaͤngigen Seite eines Hügels, reichlich mit Waſſer verſehen. Faſt in derſelben Parallele mit Baijah, an den Ufern des Mejerda, iſt Tuburbo, ein klei⸗ nes Staͤdtchen, welches von andaluſiſchen Moh⸗ ren bewohnt wird. Unter Tuburbo auf der andern Seite des Meierdah iſt das kleine Dorf Tue⸗ caber. Auf der andern Seite dieſes Fluſſes, 10 Seemei⸗ len gegen Suͤd von Lucecaber, iſt Duberſoke, eine kleine mit Mauern umgebene Stadt, auf dem Abhange einer Anhoͤhe erbaut. In der Mitte derſelbe iſt eine ſchoͤne und reine Quelle, mit den Ruinen ei⸗ nes kleinen DTempels, welcher uͤber detſeltet erbaut war. Lorbus, zuweilen Lerba, das 5 Laribus Colonia, in einerlei Parallele mit Tuberſoke, 3 Seemeilen gegen Weſt gelegen, hat eine ſchoͤne Lage auf einer Anhoͤhe. In gleicher Entfernung von bei⸗ den liegt Muſti, welches jetzt Sido Abdel Ab⸗ bus heißt, und die Ruinen eines ſchoͤnen Triumph⸗ bogens aufiuweiſen hat. Keff, das alte Sicca Veneria, ungefihr 1 Meilen von Lorbus und 72 von Lunis ent⸗ fernt, iſt eine Granzkadt, und die dritte in Anſehung A1 des Reichthumes und der Macht im ganzen Koͤnig⸗ reiche. Eine Citadelle ſchutzt die auf dem Abhange ei⸗ ues Huͤgels gelegene Stadt. Verſchiedene Bildſaͤulen, welche bei der Abtragung eines Huͤgels gefunden wor⸗ den waren, vernichtete die Wuth der Bilderſturmer. Tubernoke(Opoidum Tuburnieenſe), iſt in dem Dakhul, ungefaͤhr 7 Seemeilen gegen Sud von Tunis, und beinahe auf dem halben Wege zwi⸗ ſchen Solyman und Caſſir Aſeite. Es iſt in der Geſtalt eines Halbmondes zwiſchen zwei Reihen eines gruͤnen, angenehmen Gebirges, erbaut. Ein großes Hirſchgeweih in halberhabener Arbeit an dem Thore eines großen Gebaͤndes iſt alles, was von roͤmi⸗ ſchen Alterthuͤmern hier uͤbrig blieb. Zowan oder Zaswan, ungefaͤhr 12 Seemei⸗ len von Tunis entfernt, und mit demſelben in glei⸗ chem Meridiane gelegen, iſt eine kleine Stadt an der nordoͤſtlichen Spitze eines anſehnlichen Berges gleiches Namens. Es iſt wegen der Faͤrberei ſeiner Scharlach⸗ muͤtzen, und wegen ſeiner Leinwandbleiche ſehr be⸗ ruͤhmt. Auf einem alten Thore gegen Südoſt it ein Widderkopf in halb erhabener Arbeit mit dem Worte Auriliv. 2) Von dem alten Bizaeium oder dem Winter⸗Bezirke. Die vielen Gegenden, welche ich von dem alten Bizacium geſehen habe, verlieren ſebr viel von dem 212 Charakter der großen Fruchtbarkeit, welchen ihnen die Alten beigelegt haben. Denn die Gegenden an der Seekuͤſte ſind meiſtens trocken und ſandig, und haben ſelbit in dem beſten Orte keinen etwas tiefen fruchtbaren Boden. Das innere Land iſt nicht beſſer beſchaffen. Mit Ausnahme der Ebenen, welche durch die Fluſſe Defailah, Derb und Hattaab bewaͤſſert wer⸗ den, ſieht man nichts als waldige und gebirgige Ge⸗ genden von Zunghar der Laͤnge nach herab durch Uſelet, Truzza, Spaitla, Caſarin, und eben auch aufwaͤrts bis Hydrah, und an die Graͤnzen der Algierer. Das Land um Kair⸗wan iſt nie⸗ drig und ſumpfig; uͤberall liegen Seen durch das Land zerſtreut. Bei Gilma, Jemme, und bis an den Fluß Aceroude, herrſcht ein beſtaͤndiger Wechſel von Bergen und Thaͤlern; der Boden aber iſt von je⸗ nem an der Seekuͤſte gar nicht verſchieden. Jenſeits der Berge von Caſarin geht der Weg bis nach Ferre⸗anah, und an den Graͤnzen der Sahara viele Meilen weit durch eine trockene Ebene, welche auf beiden Seiten mit einer Reihe Anhoͤhen in gewiſ⸗ ſer Entfernung umgeben iſt. Das Land bleibt nun bis Capſa, und vorwaͤrts auch bis zu dem Zerid wuͤſt und durr; die Ausſicht iſt auf beiden Seiten durch hohe Berge geſchloſſen, von welchen die ſuͤdoſt⸗ liche Reihe ſich bis Jibbel Hadeffa und den Graͤnzſee erſtreckt; die andere, ein Zweig des A tlas, laͤuft in einer ſuͤdweſtlichen Richtung durch Stektah. 2¹3 6 Unter den merkwuͤrdigern Orten der alten Gev⸗ graphie fangen wir mit Recht bei der Beſchreibung von Herkla an. Herkla, das Heraklea des untern Reiches, das Juſtinianea er mittlern, und das Adrumetum der aͤlteſten Zeit, was ebenſo wie Elypea, auf einem halb kugelartig geſtalteten Vor⸗ gebirge erbaut, und lag zwei Seemeilen gegen Suͤdoſt von dem oben angefuͤhrten Moraſte. Es ſcheint wenig mehr als eine halbe Meile im Umfange gehabt zu ha⸗ ben. Nach ſeinen Ruinen zu ſchließen, ſollte man es mehr fuͤr einen Plat von Wichtigkeit, als von großem Umfange und Schoͤnheit halten. Suſa, der nächſte merkwuͤrdige Drt auf der Kuſte, fünf Seemeilen gegen Suͤdoſt, iſt eine der an⸗ ſehnlichſten und reichſten Staͤdte der Tuniſer. Ver⸗ ſchiedene Gewoͤlbe, Granitſaͤulen und andere Kenn⸗ zeichen deuten auf ihre fruͤhere Groͤße. Hier wird auch der Hauptverkehr mit Del und Leinwand getrie⸗ ben. Ein und eine halbe Seemeile von Suſa wird ein Thal von einem klaren Bache durchſchnitten⸗ wel⸗ cher ſich dann in das Meer ergießt. Eine halbe See⸗ meile weiter, unter eben der Reihe von Bergen mit Suſa, liegt das Dorf Sahalil mit einigen Ueber⸗ bleibſeln von Alterthuͤmern. Fuͤnf Meilen von Sa halil gegenüber auf der Spitze eines kleinen Vorge⸗ birges iſt Monaſtir, eine artige Stadt⸗ wie Su ſa⸗ mit einer Mauer umgeben. Große Marmorſtucke und andere Materialien findet man haͤufig an dieſem Drte. Swei Seemeilen ſuͤdlich von Monaſtir iſt Lemp⸗ ta, welcher Name einen Hafen bedeutet. Lem pta, das Leptis parva der Alten, hatte eine Meile im Umfange, und zeigt jetzt nichts mehr, als die Ruinen eines Kaſtells mit einer niedrigen Felsbauk. Einige Meilen gegen Weſt von Lempta ſind die Ruinen von Agar, deſſen felſige Lage nebſt einer Menge Steine und Rui⸗ nen die Araber veranlaßt haben mochte, dieſen Ort Bu Hadjar(Vater eines Steines) zu benennen. Zwiſchen Bu Hadjar und Demaß iſt ein großer See von Salzwaſſer, welcher ſich /½ Meile weit bis To⸗bulba erſtreckt. Demaß, das alte Thapſus, liegt auf einer niedrigen Landſpitze, drei Meilen gegen Oſ von To⸗ bulba, und ſcheint nach dem großen Umfange ſeiner Ruinen die betraͤchtlichſte Stadt dieſſeits Karthagv geweſen zu ſeyn. Trotz der Zeit und dem Meere iſt noch jetzt ein großer Theil des Cothon brig, welcher, wie die Mauern zu Tlemſam, aus gemodelten For⸗ men erbaut war. Die Zuſammenſetzung beſteht aus kleinen Kieſelſteinen und Mörtel, welche ſo sut zu⸗ ammen gekittet ſind, daß ein Fels nicht hoͤrter und dauerhafter ſeyn koͤnnte. El Medea auf einer Halbinſel, fuͤnf Meilen von Demaß, ſcheint vor Zeiten ein feſter und wichtiger Drt geweſen zu ſeyn. Der Hafen hat ungefaͤhr 100 Quadratmeilen im Umfange, und liegt innerhalb der Mauern der Stadt; ſeine Mündung oͤfnet ſich gegen — A5 Capondias jetzt iſt er nicht im Stande, das kleinſte Schiff einzunehmen. Fuͤnf Meilen gegen Suͤd von El Meden iſt Saleeto mit den Ruinen eines ſehr großen Kaſtells, welches an Umfange dem DTower zn London wenig nachgibt. Slalia, ein weitlaͤuftiger umfang von Ruinen, liegt an der Graͤnze einer fruchtbaren Ebene, welche einige Meilen von Saleeto bis Sbeab ſich er⸗ ſtreckt. Außer den Ruinen ſieht man hier verſchiedene Ciſternen mit großen gepflaſterten Plaͤtzen uͤber denſel⸗ ben, um das Waſſer aufzufaſſen, welches ſe in der Regenzeit anfuͤllen ſollte. Nicht weit von Ste⸗ah liegt Ca⸗pondia, ein niedriger Strich Landes, welches ſich weit in die See erſtreckt. Auf der Spitze deſſelben ſieht man die Ruinen einer von Juſtinian erbauten Stadt mit einerm hohen Wachtthurme. Noch zwei andere Thuͤrme ſind zwiſchen dieſem Brte und Sfax. Die zwei fla⸗ chen und aneinander ſtoßenden Inſeln QDuer⸗Ki⸗ neß liegen gegen Suͤdoſt von Ca⸗poudia, ungefaͤhr in einer Entſernung von fuͤnf Seemeilen; ſie ſind die Cereina oder Cereinitis der alten Geographie. Sfar, Afſax und El Sfakus, eine artige Stadt, 20 Meilen von Querkineß, iſt mit einer Mauer umgeben, und hat ſeinen Namen von der Menge Gurken(Fakouſe), welche in dieſer Gegend wachſen. Die Einwohner treiben Handel mit Del 2¹6 und Leinwand, und kennen den Druck der Tyrannet nicht. Von Thaini, Thainea, dem Thenaͤder Alten, zehn Meilen gegen Suͤdweſt von Sfar, fin⸗ det man kaum ein Stück Marmor, weil deſſen Rui⸗ nen zur Erbauung von Sfax verwendet worden ſind. Mahareß, mit den Ruinen eines alten Kaſtells, liegt vier Seemeilen gegen Suͤdweſt von Thainea. In der Naͤhe iſt der Fluß Tarff, deſſen Quellen man nahe bei den Ruinen von Tarfowah findet. Das Kaſtell Ungha, mit Moraͤſten umgeben, iſt zwei Meilen von Mahareß entfernt. Zu Ellamaite, vier Seemeilen weiter, finden ſich viele Grabmaͤler ohne Schoͤnheit und Inſchriften. Von Seedy Meddub und dem trockenen Kanal von Auronde führt der Weg nach Wudriff und andern Doͤrfern mit Dattelbaͤumen, welche alle von kleinen Fluͤſſen durchſchnitten werden, und unbedeu⸗ tend ſind. Zu Gabs, drei Seemeilen von Wudriff und zwoͤlf von Ellamaite, findet man einen Ruinen⸗ haufen und einige ſtehende Granitpfeiler. Dieſe ſind alle viereckig und zwoͤlf Fuß Lang, und wurden von mir nur in dieſem Theile von Afrika geſehen. Die alte Stadt mit den Ruinen war auf einem etwas er⸗ habenen Boden erbaut, eine halbe Meile von der neuern, und wurde vor Zeiten von dem Meere beſpuͤlt, welches hier eine Bay von einer halben Meile im Durchſchnitte bildet. Jetzt iſt der groͤßte Theil dieſer 217 Bah vom Meere angefuͤllt und zerſtoͤrt. Gabs hat viele Pflanzungen von Palmbaͤumen; ſein groͤßter Er⸗ werbszweig beſteht in dem Handel mit der Hennah⸗ Frucht. Ein Fluß, Triton der Alten, faͤllt gegen Nord von der alten Stadt in die See, und macht den Boden, auf welchem ſie gelegen war, zu einer Halbinſel. Seine Quellen ſind 3— 4 Seemeilen ge⸗ gen Suͤd von Gabs, obgleich er auf einmal, wie viele andere Fluͤſſe dieſer ſuͤdlichen Himmelsſtriche, ein anſehnlicher Fluß wird. Das kleine Dorf To⸗bulba iſt drei Meilen von Gabs, und 70 Meilen weiter iſt die Inſel Jerba oder Gerba das am meiſten gegen Suͤd gelegene Ge⸗ biet dieſes Koͤnigreiches. die Lotus⸗Frucht waͤchſt ſehr haͤufig auf dieſer Kuͤſte. Kairwan, eine mit Mauern umgebene Stadt, iſt die vornehmſte nach Tunis in Anſehung ihres Handels und der Menge ihrer Einwohner, und liegt in einer trockenen ſandigen Ebene, acht Seemeilen weſtlich von Suſa und eben ſo viele gegen Süͤdweſt von Herkla. Ein Leich in der Naͤhe der Stadt verurſacht im Sommer viele Krankheiten. In dieſer Stadt ſind verſchiedene neberbleibſel alter Bauart. Die große Moſchee, welche fuͤr die herrlichſte und heiligſte in der Berberei gehalten wird, unterſuͤtzen eine unglaubliche Anzahl von Granitſaͤulen. 218 Weſtlich von Kairwan befinden ſich die hohen und weit ſich erſtreckenden Berge von Uſe⸗let(Mons Uſalitanus), welche wegen ihrer kriegeriſchen Einwoh⸗ ner beruͤhmt waren. Unter denſelben werden gegen Suͤd die Berge von Sruzza durch den Mergagil und Defilah bewaͤſſert. Sechs Meilen von Medea liegt Surſeff un⸗ ter einer Reihe Huͤgel, welche ſich faſt ununterbrochen von Jimmel bis Salekto erſtrecken. Thysdrus, jetzt unter dem Namen Jemme bekannt, iſt unge⸗ faͤhr ſechs Seemeilen gegen Suͤdweſt von Surſeff entfernt. Hier ſieht man viele Alterthuͤmer: Altaͤre mit zerſtoͤrten Inſchriften, eine Menge Saͤulen, Rum⸗ pfe und Arme von marmornen Bildſaͤulen. Auch iſt Jemme ausgeteichnet durch die ſchoͤnen Veberbleibſel eines geraͤumigen Amphitheaters, welches im Anfange aus s4 Bogen und 4 uͤbereinander geſtellten Saͤulen⸗ ordnungen beſtand. Bei einem Aufſtande ließ Mu⸗ hamet Bey 4 Bogen deſſelben in die Luft ſprengen, weil die Araber es als eine Feſtung brauchten. In Anſehung der Außenſeite kann man nichts Praͤchtige⸗ res und Vollkommeneres ſehen. Auf der innern Seite ſind die Boͤden der Sitze und die zu denſelben fuͤh⸗ renden Gallerien noch jetzt uͤbrig. Die Arena iſt faſt kreisfoͤrmig, und in dem Mittelpunkte iſt ein tiefer Brunnen von gehauenen Steinen. Dieſes Gebaͤude ſcheint zur Seit der Antoninen erbaut worden zu ſeyn. A9 Da Kairwan und Jemme die merkwuͤrdigſten Drte auf der Oüſeite dieſer Provinz ſind, ſo iſt Hy⸗ drah, ein wenig unter Gellah bei Snaan an den Graͤnzen Algiers, der anſehnlichſte gegen Weſt. Er liegt in einem engen Thale, wird von einem Fluſſe bewaͤſſert, und ſcheint einer der merkwuͤrdigſten Orte hinſichtlich ſeiner Ruinen zu ſeyn. Man ſieht hier die Mauern verſchiedener Haͤuſer, das Pflaſter einer ganzen Straße, eine Menge Altaͤre und Grabmaͤler. Spaitla, das alte Sufetula, liest ungefähr 12 Seemeilen gegen Suͤd von Keff, und iſt ſehr merkwuͤrdig wegen der Große und Pracht ſeiner Rui⸗ nen. Von einem koſtbaren Triumphbogen korinthi⸗ ſcher Ordnung bis zur Stadt iſt ein Pflaſter von gro⸗ ßen ſchwarzen Steinen; am Ende deſſelben ein ſchoͤ⸗ ner Portikus, welcher in einen geraͤumigen Hof fuͤhrt. Hier erblickt man die Ruinen von drei aneinander ſto⸗ ßenden Tempeln, deren Daͤcher, gewoͤlbte Gaͤnge und PVorderſeiten ganz zerſtort ſindz allein der Reſt des Gebaͤudes, mit ſeinen Saͤulen, Fußgeſtellen und Haupt⸗ geſimſen iſt noch vollkommen und ganz erhalten. Spaitla liegt luſtig auf einem etwas erhabenen Voden, und iſt öberall mit Wachbolderbaͤumen be⸗ ſchattet. Ein kleiner Fluß ſchleicht laͤngs der Nord⸗ ſeite deſſetben, richtet jeinen Lauf gegen Gelma und verſchwindet in den Sand. Gelma, das alte Cilma, ſechs Seemeilen ge⸗ gen Dſt von Sufetula, ſcheint eine große Stadt 220 geweſen zu ſeyn. Man ſieht jetzt noch den Hof eines Cemvels. 3 Caſſarin(Colonia Seillitana), wegen des Mar⸗ tyrtodes ihrer Einwohner merkwuͤrdig, erhebt ſich auf einer Anhoͤhe, ſechs Seemeilen gegen Weſt⸗Suͤdweſt von Spaitla. Unter derſelben fließt der Derb, und auf einem ſteilen Abhange unmittelbar uͤber dem Fluſſe ſieht man einen Triumphbogen, welcher mehr wegen der Menge und Guͤte ſeiner Materialien, als wegen der Schoͤnheit und Zierlichkeit ſeiner Bauart merkwuͤrdig iſt. In den Ebenen unterhalb Caſſarin trifft man eben ſo viele und mannigfaltige Grabmäler an, wie zu Hydrah. Sieben Seemeilen von Caſſarin iſt Ferre⸗ anab mit den Ueberreſten einiger Saͤulen. Vortreff⸗ liches Waſſer und geſunde Luft ſind die einzigen Vor⸗ theile, deren ſich Ferre⸗anah ruͤhmen kann. Ein kleines Stuͤck Land gegen Suͤd ausgenommen iſt die ganze uͤbrige Gegend trocken, duͤrr und unbewohnbar. Die Ausſicht nach Weſt endigt ſich meiſt mit vielen nackten Felſen. Zwoͤlf Seemeilen weiter nach Suͤboſt gegen Dft von Ferre⸗anah iſt Gaſſa, das alte Cap ſa oder Capſe, unter den feſten Staͤdten Fugurtha's, auf einem etwas erhabenen Boden, in eben der traurigen Lage, wie Ferre⸗anah, gebaut. Der angenehme Schauplatz einer gruͤnen und luſtigen Gegend wird durch eine Abwechſelung duͤrter Huͤgel und Thale 221 veraͤndert. Zwei Quellen, deren eine in der Citadelle, die andere im Mittelpunkte der Stadt entſpringt, ver⸗ einigen ſich, ehe ſie die Stadt verlaſſen, zu einem reißenden Strome. Gorbata, vier Seemeilen gegen Suͤd⸗Suͤdweſt von Gafſa, mit einem Bache ſalzigen Waſſers, ge⸗ waͤhrt in der Ferne durch ſeine Lage auf einem halb⸗ kugelfoͤrmigen Huͤgel eine angenehme Ausſicht. Von Gorbata kommt man in diejenige Gegend der Sahara, welche Al Jeridde oder El Jerid (das trockne Land) heißt, weil es mit den oben be⸗ ſchriebenen Theilen Gätuliens dieſelbe Natur und Beſchaffenheit hat. Der Shibkahel Lowdeah oder Graͤnzſee ſcheidet die Doͤrfer der Nachbarſchaft von Tozer von denen in der Provinz Nif⸗Zowah⸗ und erſtreckt ſich faſt 20 Seemeilen von Dſt nach Weſt; die Breite betrug an dem Drte, wo ich uͤber ihn ſetzte, ungefaͤhr 6 Seemeilen. Er iſt nicht durch⸗ aus mit Waſſer angefuͤllt, ſondern es gibt viele trok⸗ kene Plaͤtze in demſelben, welche wie ſo viele Inſeln ausſehen, beſonders gegen Pſt in dem Meridian von gelemen iſt eine dieſer Inſeln ſehr groß, und uͤber⸗ all mit Dattelbaͤumen beſetzt·. Von Ebillee und Mags reiſten wir beinahe 30 Meilen durch eine einſame und traurige Wüſte⸗ den Aufenthaltsort von Raͤubern und Moͤrdern, welche uns nachgeſtellt hatten. Dieſen ganzen furchterlichen Weg trafen wir weder Herberge, noch Waſſer an, als 22 wenige Meilen vor unſerer Ankunft zu El Ham⸗ mah, welches zum Unterſchiede anderer Staͤdte glei⸗ ches Namens: El Hammah von Gabs(Baͤder von Gabs oder Tacape) genannt wird. Die Baͤder ſind durch niedrig gedeckte Huͤtten gegen das Wetter geſchuͤtzt. In einem dieſer Baͤder(Bad der Aussaͤtzi⸗ gen genannt), bleibt das Waſſer ſtehen, und bildet einen Leich. Aus dem Waſſer dieſer Baͤder entſteht ein kleiner Bach, welcher ſich in den Sand verliert, nachdem er in hundert verſchiedenen Abtheilungen durch die nahe gelegenen Gaͤrten geleitet worden, und dann ſeinen Lauf gegen den Graͤnzſee genommen hat. Die Regterung von Algier, wenig von der zu Tunis verſchieden, beſteht aus dem Dey und einer Rathsverſammlung(Dou⸗wanne). Der Dou⸗ wanne(die Benennung Divan iſt unrichtig) wird von 30 YNia⸗Bashen gebildet; alle Angelegenhei⸗ ten und Wichtigkeiten muͤſſen in dieſer Verſammlung beratben und genehmigt werden. Den Mann, wrelcher zu Algier Dey und in Tunis Bey genannt wird, waͤhlt man aus dem Heere. Jeder kuͤhne und muthige Mann, ſey et auch von dem geringſten Stande, kann auf den Thron ge⸗ langen. Er hat noch dieſen Vortheil, daß er nicht abzuwarten braucht, bis Alter und Krankheit den Re⸗ genten weggenommen haben; es iſt genus, wenn er ſich mit dem Schwerte ſchuͤtzen kann, welches er in die Bruſt ſeines Vorgaͤngers geſtoßen hat. 223 Die ganie algieriſche Macht von Tuͤrken und Cologlies rechnet man auf 6600 Mann; 2000 derſelben ſind aller Dienſte entlaſſen, und die uͤbrigen 40oo werden, jaͤhrlich 1000, zur Abloͤſung der Beſatzun⸗ gen verwendet; die andern 3000 gehen mit den kreu⸗ zenden Schiffen unter Segel. Zu den tuͤrkiſchen Sol⸗ daten kommen noch 2000 Zwowah⸗ ſo nennen ſie das Fußvolk und die Reiterei der M ohren, welche geſchworne Feinde der Tuͤrken ſind. Da die Statt⸗ halter der Provinzen die Uneinigkeiten, welche allzeit unter den arabiſchen Staͤmmen herrſchen, naͤhren, und eine Familie gegen die andere zu erbittern ſu⸗ chen, ſo behaupten dieſe 4— 6000 Tuͤrken ihre Herr⸗ ſchaft gegen alle ihre Feinde. Bei Truppen⸗Werbungen werden alle s— 6 Jahre Schiſſe in die Levante geſchickt, welche Schaͤfer, Vertriebene und Leute von dem niedrigſten Stande zuruͤckbringen. Sobald dieſe nun ein wenig von ih⸗ ren Kameraden unterrichtet worden ſind, Mutzen und Schuhe belommen, und ein Paar Meſſer in ihrem Guͤrtel tragen, werden ſie ſtolz, und verlangen fuͤr ſich den Titel: Effendi. Die angeſehenſten Buͤrger betrachten ſie als ihre Selaven, und die europaͤi⸗ ſchen Konſuln als ihre Diener. Muhamet Bas⸗ ha, welcher 1720 Dey zu Algier war(in dieſem Jahre kam Shaw zu Algier an), ſchaͤmte ſich nicht, ſeine geringe Abkunft dem franzoͤſiſchen Konſul auf folgende Weiſe in einem Streite zu geſtehen. 69. B. Afrika. II. 2. 7 22⁴ Meine Mutter, ſprach er, verkaufte Schafsfuͤße, und mein Vater Rindszungen; allein ſie wuͤrden ſich ge⸗ ſchaͤmt haben, eine ſo nichtswuͤrdige Zunge, als die deine zum Verkaufe anzubieten. Die Dfſiziere dieſer kleinen Armee ſind der Aga, 30 Yia Bashen(Oberſten), s00 Bulluck Bas⸗ hie(Hauptleute), und ungefaͤhr 400 Oda Bashie (Lieutenants). Zu dieſen Stellen berechtigen bloß Alter und Verdienſte. Der Aga verliert alle zwei Monate bei der Auszahlung des Soldes ſeine Stelle; ihm folgt der Chia, der aͤlteſte der Yiah Bas⸗ hien. Durch dieſe Befoͤrderung wird nun eine Stelle im Douwanne erledigt, welche unmittelbar von dem Bulluck Bashie, und deſſen Stelle von dem aͤlteten Oda Bashie beſetzt wird. Sobald der Aga dieſen Kreis von Aemtern durchlaufen hat, wird er Mazoule, d. h. er genießt ſeinen Sold in Ruhe. Die jaͤhrlichen Einkuͤnfte des Koͤnigreiches Al⸗ gier werden gewoͤhnlich auf 300,000 gerechnet. Die Verwaltung der Juſtiz beſorgt der Kady⸗ Schuldner werden ſo lange in Verhaft genommen, bis ihre Habe verkauft iſt. Reicht der Erloͤs hin die Schulden zu tilgen, und es bleibt noch ein Reſt, ſo wird dieſer dem Schuldner uͤberlaſſen. Im Falle das Erloſte nicht hinreicht, wird der Schuldner freigelaſ⸗ ſen, ohne daß Jemand eine Forderung mehr machen darf. Bei dem Verbrechen der Wolluſt gegen die Na⸗ tur wird der Straͤfling am Bauche gezuͤchtigt; Falſch⸗ 2²⁵ muͤnzern und Geldbeſchneidern wird die Hand abge⸗ hauen. Ein des Mordes ſchuldiger Jude oder Chri⸗ ſtenſelave wird vor dem Stadtthore lebendig verbranntz Mohren und Araber werden deſſelben Verbrechens we⸗ gen geſpießt, oder an dem Halſe uͤber die Bruſtwehr der Stadt gehaͤngt, oder auf die Hacken geworfen, welche überall unter den Mauern befeſtigt ſind. Hier fallen ſie oft aus einem Hacken in den andern⸗ und haͤngen 30— 40 Stunden in den ſchrecklichten Mal⸗ tern. Tuͤrken werden nicht öffentlich beſtraft, eben ſo Perſonen des weiblichen Geſchlechts. Die weſtlichen Mohren haben die barbariſche Gewohnheit⸗ den Koͤr⸗ per des Verbrechers entzweizuſaͤgen. Die Seemacht Algiers, ſeit den zwei letzten Jahrhunderten der Schrecken der handelnden chriſt⸗ lichen Voͤlker, befindet ſich jetzt in einem großen Ver⸗ falle. Mit Ausnahme ihrer Ruderſchiffe und Brigan⸗ tinen hatten ſie im Jahre 1732 nicht mehr als ſechs Hauptſchiffe, und nicht balb ſo viel brave und erfah⸗ reue Seeleute. Der Dell(der angebaute Cheil dieſer Konig⸗ reiche) zwiſchen dem 34o und 31 N. B., genießt eine ſehr geſunde und mäßige Luft. Waͤhrend ſeines a2jaͤhrigen Aufenthaltes bei der Faktorei zu Algier, fand Shaw nur zwei Mal das Queckſilber des Thermometers bis an den Gefrierpunkt gefalleu. Die Jahreszeiten wech⸗ ſeln unmerklich mit einander ab; die Winde kommen gewohnlich von der See, von Weü gegen Oſt. Die 2²6 oͤſtlichen wehen in Algier vom Mai bis zum Sep⸗ tember, dann kommen die weſtlichen, und wehen am haͤufigſten. Die ſehr heftigen und heißen Winde von der Sahara kommen nicht haͤufig vor. Die ordentliche Menge des Regens, welche jaͤhr⸗ lich zu Algier faͤllt, iſt, das Mittel genommen, 27bis 28 Zoll. Bei meinem Aufenthalte zu Tunis von 1727— 4728 regnete es 40 Tage nach einander; in Al⸗ gier dauert der Regen ſelten 2— 3 Tage nach ein⸗ ander. Der Voden, welcher alle Baͤume und Gewaͤchſe traͤgt, iſt meiſtens ſo locker, daß ein mittelmaͤßiges Paar Ochſen in einem Lage einen ganzen Morgen Landes pfluͤgen kann. In den Salpeterwerken zu Tlemſan ziehen die Einwohner ungefaͤhr ſechs Unzen Salpeter aus jedem Centner des Bodens, welcher hier ſchwarz iſt. In Douſan, Gaͤtulien und Kairwan u. ſ. w. aus einer leimigen, halb roth, halb gelben Erde, eben ſo viele Unzen. Zur Sommerszeit ſind die Ufer verſchie⸗ dener Flüſſe in der Tiefe von 2—3 Faden ganz mit Salpeter und Salz angefuͤllt. Die Salzquellen bei Arzu ſind rings mit Bergen umgeben, und nehmen einen Raum von 6 Meilen ein. Jibbel Haddeffa iſt ein ganzer Salzberg an dem oͤſtlichen Ende des Graͤnzſees. Das Salz deſſelben iſt von anderer Beſchaffenheit und anderem Ausſehen, wie jenes in den Salinen. Es it hart und ſteinfeſt, roth .— *— E 227 oder purgurfarbig. Das durch den Thau abgewaſchene Salz wird ſchneeweiß, und verliert faſt ganz ſeinen Geſchmack. Das Salz in den Bergen bei Loutaiah und Jibbel Miniß iſt grau oder blaͤulig. In eben ſo großer Menge und angenehmen Geſchmacke iſt das Salz aus dem Graͤniſee und den andern kleinen Ebe⸗ nen(Sibkah, d. i. ſalzige Grundſtuͤcke genannt). Außer den verſchiedenen Ouellen und Baͤchen von Salzwaſſer haben dieſe Gegenden auch an Mineral⸗ quellen Ueberfluß. Das Mineralreich liefert Kies, Thon, Gold⸗ und Silber⸗Blaͤttchen, Seleniten, Gyps, verſchiedenar⸗ tige Kryſtalle, Marienglas, Pfeifen- und Toͤpfererde, Walker⸗ und Seifenerde, Mondmilch, Umbra, Ocher, Taik, Flittern, Blei, Eiſen u. ſ. w. In Betreff der Sitten und Gebraͤuche, der Ver⸗ gnuͤgungen, der Muſik und Wiſſenſchaft der Mohren verweiſen wir die Leſer auf Hoͤſt's ausfuͤhrlichen Bericht uͤber denſelben Gegenſtand. Literatur der Reiſen an die um Afrika liegenden Inſeln. 1) Vuͤr unſere Zeiten haben die Reiſen an die Inſel St. Helene ein ſehr großes Intereſſe. Die erſten gruͤndlichen Nachrichten verdanken wir dem Hollaͤnder Jan Huygen Linſchoten, obſchon die Portugieſen auf jeder Ruͤckfahrt aus Oſindien da⸗ ſelbſt verweilten.— Die Beſchreibung eines unge⸗ nannten Englaͤnders nahm Hakluyt in den zweiten Band ſeiner Schifffahrten auf; 1600 erſchien die zweite Ausgabe derſelben.— Beachtenswerth iſt auch die 1662, 4. zu Amſterdam erſchienene Beſchreibung.— Kurze Nachrichten finden ſich in den Reiſen von Joh. Dvington, Fr. Leguat und einem Eng⸗ laͤnder, deſſen Mittheilung im oten Hefte des hiſtori⸗ ſchen Portefeuilles a7ss verdeutſcht wurde.— Die ſimmtlichen Werke, welche waͤhrend Napoleon's Aufenthalte Nachrichten uͤber dieſe Inſel verbreiteten, 229 ſind dem Publikum noch in zu neuem Andenken, als daß wir ſie einzeln aufzaͤhlen ſollten. Wir werden die weſentlichſten Werke einſt zu benutzen ſuchen, welche uͤber dieſe Inſel, wie über die folgenden in den neue⸗ ſten Zeiten erſchienen, und bereits im erſten Berichte der Literatur von Afrika beruͤhrt wurden. 2) Das Vorgebirge der gruͤnen Hoffnung peleuchtete ſchon G. Fenner 1666 deſſen Bericht, wie ſenen von Nund da Silva, der 2te und 3te Band des Hackluyt's Sammlung enthaͤlt. Spaͤter verbreiteten noch Licht Alexis de St. Lov⸗ Le Maire, Robert⸗ Barrow ꝛe. 3) Die Eroberung der Azoren 1582— 83 findet ſich in Herrera's Geſchichte von Portugal.— Chr. Mosguera von Figueroa wohnte als General⸗ Auditor derſelben bei, und machte ſeine Beobachtun⸗ gen zu Madrid 1396, 4. bekannt.— Was der Graf von Cumberland⸗ Mart. Frobiſter und Rich. Greenville gegen die Spanier und Portugieſen daſelbſt veruͤbten⸗ theilte J. H. van Linſchoten mit. Unter den neueren Reiſenden verdient beſon⸗ ders J. G. Herbes Beruͤckſichtigung. 42) Unter den Reiſen nach der Inſel St. Th⸗ mas wurde jene eines portugieſiſchen Steuermannes von Ramuſio in die zu Venedig erſchienene Samm⸗ lung aufgenommen. Unter den neueſten verdient Er⸗ waͤhnung Le Dru, Iſert. 230. 3) Die Naͤhe der kanariſchen Inſeln zu Eu⸗ ropa veranlaßte den franzoͤſiſchen Kammerherrn Foh. Bethencourt ſchon 402 zu einer abentheuerlichen Reiſe, und den Englaͤnder Bh. Nicols in der Mitte des 1ten Jahrhunderts zu einem ſiebenjaͤhrigen Au⸗ fenthalte fuͤr die Befoͤrderung des Handels. Seine Mittheilung durch Hacklunt erſchien auch franzo⸗ ſiſch zu Parſs 1629, 8., wurde ſpaͤter auch von Pre⸗ voſt aufgenommen, und nach ihm verdeutſcht.— Beachtenswerth iſt der Bericht H. Venzoni's(4665, s.).— Die Reiſe des Englaͤnders Ed. Scory im J. 1600 erſchien erſt noch durch Prevoſt.— Je veraͤcht⸗ licher die Schilderung des Spaniers Nunez de la Pena war, deſto ſchneller wurde der Bericht Le Maire's vom Jahre 1682 in mehrere Sprachen uͤber⸗ ſetzt.— Ein Gleiches begegnete den Reiſen der Eng⸗ laͤnder J. Eden und G. Noberts.— Der Bericht des Franziskaners Johannes de Abteude Gali⸗ neo, welcher 632 auf der Juſel Palma lebte, iſt wegen der aufrichtig erzahlten Grauſamkeiten des In⸗ quiſitions⸗Gerichts merkwuͤrbig.— Die Schilderung des Eingebornen Joſeph de Viera y Clavijo, welche in 4 Bänden zu Madrid 4778, 4. erſchien, iſt nicht genug im Auslande bekannt worden.— Deſto mehr die Nachrichten Kindersly's, Vanſtein's, Borda's, Pingrés und anderer Mathematiker, welche den Berg Pik auf Teneriffa beſtiegen ha⸗ ben, ferner Le Dru, Barrow, Glase. 231 63) Die Inſeb Madera wurde von Jul. Lan⸗ dus zuerſt ausfuͤhrlich beſchrieben. Der Eingeborne Em. Conſtantini ließ, als Profeſſor der Theolo⸗ gie zu Rom 499, 4. die Geſchichte ſeines Vaterlan⸗ des erſcheinen.— Der Bericht des Portugieſen Fr. Aleaforado ging in die franzoͤſiſche und engliſche Sprache üͤber.— Bekaunt lind die Wittheilungen von J. Ovington, H. Sloane, G. Forſter, Bory ꝛe. unt 7) Außer vielen Reiſebeſchreibungen von Afrika und Dſtindien, welche die Juſeln Madagaskar, Bourbon, Isle de Franee beruͤhrten, verdient vorerſt die Beſchreibung der Inſel St. Lorenz oder Madagaskar Erwaͤhnung, welche der Englaͤnder Boothby zu London 1646, 4. herausgab.— Ihr folgt der Bericht des Franzoſen Fr. Cauche, Paris 1664, 8., welcher von Stefens in das Engliſche uͤberſetzt wurde.— Doch aren beide Vorarbeiten nicht zu beachten gegen Steph. von Flacourt's Beobachtungen aller Ereigniſſe daſelbſt 16656— 67. und gegen die genaueſte Schilderung der Inſel nach allen Ruckſichten, zu deren Erforſchung er als Gene⸗ ral⸗Direktor der franz. Kompagnie des Morgenlandes und als Kommandant der Inſel beſondere Veranlaſ⸗ ſung hatte. Schon die erſte Ausgabe von Troyes und Paris 1664, 4. war mit Charten⸗ Abbildungen der Pflanzen, Thiere und andern Gegenſtaͤnden reich aus⸗ geſiattet; die zweſte 1664, 4. ſöch mit Nachtichten 232 uͤber die Inſel Bourbon bereichert.— Intereſſante Nachrichten ertheilten Souchu von Rennefort 4664— 66, Sieur du Bois 1669— 72, Rob. Drury 101— 20, welcher auch ein Woͤrterbuch der Landes ſprache beifuͤgte, Le Gentil 479— 84, Son⸗ nerat, Rochon 1768, de Pages und v. Kergue⸗ len 1771— 74, M. A. v. Benjowsky a773, welche zum Theile in deutſcher, franzoͤſiſcher, hollaͤndiſcher und engliſcher Sprache bekannt ſind. Unter den neue⸗ ſten zeichnen ſich aus St. Pierre, Bori de St. Vinrent, Milbert, Billiard ꝛe. 233 Reiſe Franz Moore's aus England nach der Gambia in Senegambien wäh⸗ rend des Jahres 1730. Ox 1. Im Juli 4730 unterwarf ſich Franz Moore einer Pruͤfung, nach welcher er als Schreiber der Faktorei zu Jamesfort Jahre in die Dienſte der koniglich aftikaniſchen Geſellſchaft genvmmen wurde. Er fuhr am 2. September von London nach Graveſand. Dort ſah er, daß die Schaluppe der Compagnie, die Beſchleunigung, unter dem Hauptmanne Hall *) Travels into the inland parts of Africa, con- taining a description of the several nations, for the space ok 600 miles up the river Gam- pia. Lond. 1738, 8. Fd. II. Travel into the inland parts of Africa. 4742, 4. Von Prepott in das Franzöſiſche fuͤr ſeine Sammlung uber⸗ ſett, und von de la Harpe in verbeſſertet Ge⸗ ſtalt wiederholt.. 234 nach Duͤnen geſegelt ſey. Er ging alſo zu Lande nach Deal, wo er ſich einſchiffte. Obſchon ſie mit einem ſchoͤnen Winde abfuhren, ſo wurden ſie doch in der Nacht durch einen ſehr widrigen zuruͤckgetrieben. Am 1. ſegelten ſie wieder ab; vom 2. bis zum 4. Oktober hatten ſie einen ſo heftigen Sturm, daß ſie am 7. im Hafen von Cadix einlaufen mußten. So angenehm den noͤrdlichen Bewohnern war, hier mit beſten Aep⸗ feln, Trauben und Granaten um den geringſten Preis uͤberraſcht zu werden, ſo unangenehm war ihnen ſchon in der erſten Nacht die Ermordung zweier Menſchen, welche ſich zu lange auf den Straßen verweilt hatten. Nach eingenommenem friſchen Waſſer ſegelte man am 13. weiter. Am 19. gab es viel Donner, Blitz und Regen. Den 24. bemerkte man die erſte Deffnung am Schiffe, welche aber ſogleich verſtopft wurde. Am 26. ſah man in einer Entfernung von 6 Seemeilen die kanariſche Inſel Palma, welche ihr Haupt in die Wolken zu erheben ſchien. Des andern Morgens er⸗ blickte man auf einer Seemeile Ferrv, und wurde drei Tage durch Donner, Blitz und Regen aufgehal⸗ ten. Am 2. des Wintermonats uͤberſchritten ſie den Wendezirkel des Krebſes, beobachteten die durch ihre einzige Feder im Schwanze merkwuͤrdigen Voͤgel und die fliegenden Fiſche. Am naͤmlichen Morgen entdeckten ſie in einer Entfernung von7 Seemeilen das Land bei dem weißen Vorgebirge. Am 6. erreichten ſie die Kuͤſte bei der Muͤndung der Sana⸗ 235 ga; am 9. erblickten ſie das Vorgebirge St. Maria⸗ die Suͤdſpitze von der Ga mbra, und noch am naͤm⸗ lichen Abende ankerten ſie an der Mundung des Fluſſes. Am 0. fuhren ſie nahe am Ufer aufwaͤrts. Das Land war reizend, holzicht und abwechſelnd mit gruͤnen Relsfeldern beſetzt. Nachmittags fuhren ſie der Karls⸗ Inſel voruͤber, und Abends ankerten ſie bei James⸗ Fort. Des andern Morgen begruͤßten ſie dieſes mit Schoͤſſen, welches mit s erwiedert wurden; ſogleich ſtiegen die Reiſenden an das ufer, und machten dem Statthalter ihre Aufwartung. Franz Moore fand ein beguemes Zimmer in der Naͤhe des Rechnungshauſes; er theilte ſeinen Ciſch mit den uͤbrigen Schreibern; da alle zwei Tage ein Ochs geſchlachtet wurde, ſo konnte es an friſchen Lebensmitteln nicht fehlen. Vorzuͤglich gab es viele PVoͤgel, welche um geringe Preiſe verkauft wurden. Reich⸗ liches Gemuͤſe bot der Garten der Geſellſchaft zu Jilli⸗ frey dar, ein Baͤcker der Geſellſchaft lieferte taͤglich friſches Brod aus ſeinem Pfen⸗ Zahlreiche Auſtern konnten bei niedrigem Waſſer an der Nord⸗ und Nord⸗ Weſltſpitze der Inſel geſammelt werden. Die Preiſe des Weins und Branntweins waren ſehr gering, und an dem kleinen Vorrathe des Biers nahm er Theil. Er rieth allen Reiſenden dahin, Betten, Kiſten und Kleider mit zu bringen. Am 12. begab ſich Harriſon der dritte Ober⸗ 236 Kaufmann, an Bord der Schaluppe Abentheuer, um einen Handelsplatz zu Tankrowall, 12 See⸗ meilen des Fluſſes aufwaͤrts, an der Soͤdſeite, zu er⸗ richten. Am 13. erſchienen einige portugiſiſche Maue⸗ rer aus St. Jago, einer Inſel des grünen Vor⸗ gebirges, zur Ausbeſſerung des Forts. Am 16. wurde ein anderer neuer Schreiber, Hamilton an⸗ gewieſen, in der neuen Faktorei zu Tankowall Dienſie zu leiſten, woſelbſt einem portugiſchen Privat⸗ bandel mit engliſchen Schmugglern, deren jaͤhrlichen Gewinn man auf 0,000 Pfund rechnete, entgegen zu arbeiten. ⸗ Am 4. November entſtand in der franzoͤſiſchen Faktorei zu Albreda eine ſchreckliche Feuersbrunſt, in welcher das Wohnhaus und ein Sclave verbrannte, obſchon der engliſche Statthalter mit a2 Soldaten zur Huͤlfe geeilt war. Am 22. fuhr dieſer in der Scha⸗ luppe, die Beſchleunigung, nach Jerjea, 44 Seemeilen auf dem Fluſſe Vindain, um ſich mit dem Koͤnige wegen der Errichtung einer neuen Fakto⸗ rei zu nehmen. Waͤhrend der Fahrt ßel ein Matroſe in das Waſſer, und ertrank. Des andern Tagen ſa⸗ ben ſie den Koͤrver ſchwimmen, zogen ihn heraus, und begruben ihn naͤchſt dem Fluſſe. Am 24. fanden ſie ibn in einer ganz andern Gegend, indem die Woͤlfe ihn aus der Erde genommen, ſeinen Kopf, einen Arm und ein Stuͤck der Bruſt abgefreſſen hatten, weßwegen man ibn noch einmal begrub. 237 Am 0. beſtieg Moore zu St. Domingo, an der Nordſeite der Gambra dem Fort gegenuͤber, das Ufer. Nur wenige Huͤtten umgeben einen Brun⸗ nen, welcher die Beſatzung mit Waſſer verſieht. Er begab ſich dann nach Jillifrev, 4 11 Meilen durch 8— 9 Fuß hohes Gras, in welchem er vielen Eidech⸗ ſen mit goldgelben Koͤpfen begegnete. Am 24. begab er ſich nach der portugiſiſchen Stadt Seaga, wo auch eine Kirche errichtet war. Am 1. Januar 1731 wurde der Hauptmann Sto⸗ nebam bei ſeiner Ankunft, als er zu Jillifrey das Ufer beſtieg, von den Einwohnern gefangen ge⸗ vommen; denn er bezablte die Gebuͤhren nicht, welche dem Koͤnige von Barra gehoͤrten. Der Statthalter ſendete den Faͤhndrich zu ſeiner Huͤlfe; auf ſein Ver⸗ ſprechen 120 Stangen zu bezahlen, wurde er wieder befreit. Am naͤmlichen Tage wurde dem Statthalter ein lebender junger Elephant zum Geſchenke gemachk. Am ꝛ0. begab ſich Moore mit dem Statthalter au Bord des franzoſiſchen Schiffes St. Michael, mit deſſen Hauptmanne ſie das Abendbrod theilten. Am 16 beſuchten dieſe mit noch einigen den Hauptmann Cummins, am Bord ſeines Schiffes auf der Muͤn⸗ dung des Fluſſes. Als ſie des andern Tages nach Jamesfort zuruͤckkehrten, ſtießen ſie gegen Abend auf die Felſen der Karls⸗Inſel gegenuͤber, und waren in einem Augenblicke auf den Klippen, in den andern in 4 Faden Waſſers. Sie warfen ſogleich ihre Anker aus, und nach einer Stunde konnten ſie wie⸗ der abfahren. Allein bald ſtießen ſie auf einen noch ſchlimmeren Platz; erſt nach dem Auswerfen einiges Ballaſtes, konnten ſie ſich von den Klippen entfernen. Sie ankerten dann auf der Inſel, wo ihnen die ſel⸗ tene Erſcheinung eines Kirſchbaumes mit faſt reifer Frucht vorkam. Am 19. Februar erſchien eine Brigantine mit ei⸗ ner weißen Flagge zu Albreda, einer großen Stadt mit einer Faktorei der frantoͤſiſch⸗ oſtindiſchen Com⸗ pagnie, und hatte den franzoͤſiſchen General⸗Direktor Levans zu Sanaga am Bord, welcher durch Ka⸗ nonen gruͤßte und begrüßt wurde. Am 22. beſuchte Taſſel, einer der Kaiſer von Tonia den Statthal⸗ ter zu Jamesfort, und bat ſich etwas Pulver und Blei gegen ſeine Feinde aus. Er war jung, ſehr ſchwarz, lang und ſtark, hatte ſeine Schenkel mit gel⸗ ben baumwollenen Kleidern bedeckt, und trug noch von gleichem Zeuge ein anderes Gewand wie ein Chorhemd uͤber daſſelbe. Er trug weder Schuhe noch Struͤmpfe, aber eine ſehr große Muͤtze, an welcher ein Stuͤck eines weißen Ziegenſchwanzes befeſtigt war. Der Fuͤrſt von Tonia wird von den benachbarten Fuͤrſten durch Entrichtung eines Tributs als Kaiſer verehrt. Seine zahlreichen Einwohner ſind arbeitſam, vorzuͤglich im Handel. Die gewoͤhnlichen Lebensbe⸗ duͤrfniſſe ſind im Yeberfluſſe, vorzuͤglich an Horn, Fruchten, Wurzeln und Kraͤntern. Ihr Palmwein iſt 239 im geringen Preiſe, und mundet ſehr gut; eben ſo wohlfeil ſind Ochſen, Schafe und Federvieh zu haben. Die Einwohner ſind freundlich und gegen Fremde ſehr zuvorkommend. Am 28. ſegelte die Brigantine, der Rubin, mit den Hauptleuten Kolw ell und Creague an die Goldkuͤſte, wo ſie von den Eingebornen ange⸗ griffen, und bis auf Creague und deſſen ſchwarzen Jungen, welche ſich durch ein Kajuͤttenfenſter rette⸗ ten, getoͤdtet wurden. Am 43. April ſpeiſte der fran⸗ zoͤſiſche General bei dem Statthalter, und wurde mit vielen Schuͤſſeln bewirthet; am 21. fuhr er nach St. Jago ab. Am 15. Mai erfreuten ſie ſich des erſten ſtarken Regenguſſes ſeit ihrem Aufenthalte daſelbſt. Am 4. Juni fuhr die Schaluppe, die Seenym⸗ pfe, mit dem Faktor Robertſen von Jereja herab. Waͤhrend ihres Aufenthaltes wurde die Bramſienge durch den Blitz zerſplittert, 10 Voͤgel in dem Huͤh⸗ nerkorbe auf dem Verdecke getoͤdtet, und ihr Vorka⸗ ſtel gezuͤndet, doch bald gelöſcht. Merkwuͤrdig iſt, daß die Beine der getodteten Voͤgel gebrochen, ihre Haut aber unverletzt war. Am 29. Juni machte Moore dem Generale in der Stadt Vintajin, 6 Seemeilen von James⸗ fort, ſeine Aufwartung. Die Stadt hat eine ange⸗ nehme Lage auf einem Hugel an der Flußſeite, und 59.. Afrika. II. 2. 5 3 ℳ 240 wird von Portugieſen und Muhametanern bewohnt, welche letztere eine ſchoͤne Moſchee haben. Die ge⸗ meinen Leute ſind mit einem Stuͤckchen Zeug bis an die Knie umguͤrtet, ein anderes hing uͤber ihre rechte Schulter. Die Maͤnner ſind entbloͤßt am Arme; nicht ſo die Weiber, deren Kleidung uͤber die Waden hinabreicht, und welche mit ihrem Haarſchnitte prang⸗ ten. Die Maͤnner tragen baumwollene Muͤtzen, theils glatt, theils mit Federn oder Ziegenſchwanzen. Die Weiber binden Tuͤcher um ihren Kopf, und laſſen die Krone offen, oder Streifen von blauen oder weißen Katun hervorleuchten. Andere laſſen ihre Haare lang wachſen, und flechten ſie wie eine Pferdemaͤhne, in welchen ſie Korallen oder Glasknoͤpfchen einreihen. Andere, vorzuͤglich nahe am Fluſſe, tragen auf ihren Kronen mehrere Pferdeſchellen, welche ihnen das Aus⸗ ſehen des vorderſten Pferdes eines Zuges geben. Ihr Hausgeraͤthe beſteht gewoͤhnlich in einer kleinen Klei⸗ derkiſte, um eine Matte daruͤber zu legen, in einem Waſſerkruge, in einigen hoͤlzernen Moͤrſern, worin ſie ihr Korn ſtoßen, und in einigen Koͤrben, es zu ſieben. Sie ſorgen nur fuͤr die Gegenwart, und verkaufen gleich ihren Ueberfluß. Blos Tabak haben ſie vorraͤ⸗ thig. Ihre Pfeifen ſind aus roͤthlichem Thone, und die Roͤhren aus Schilf s— 6 Fuß lang. Ihre Huͤtten haben einen Umfang von 4— 13 Ellen, ſind aus Lehm und Thon zuſammengeſetzt, theils mit langem Graſe, theils mit Palmblaͤttern bedeckt. Ihre Thuͤren ſind 21 niedrig, und ruhen nicht auf Angeln, ſondern werden einge ſchoben. Am 2. Juli fuhren ſie von Vintain nach Je⸗ reja, woſelbſt ſie die engliſche Faktorei Abends er⸗ reichten. Dieſe liegt 14 Seemeilen von James⸗ fort an der Suͤdſeite des Fluſſes Vintain, und 11 Seemeilen von deſſen Mündung; und wird von Portugieſen und Bantonen bewohnt, welche letztere ſehr wild ſind. Der vorzuglichſte Handel beſteht in Wachs. Am6. Juli fuhren ſie in der Schaluppe des Statthalters nach Tankrowall. Dieſe Stadt hat eine angenehme Lage an der Waſſerſeite, und einen waldigen Huͤgel von einigen Meilen hinter ſich, wel⸗ cher in der trocknen Jahreszeit zum Spaziergange dient. Die zahlreichen Portugieſen haben viereckigte Haͤuſer und eine Kirche, deren Prieſter jaͤhrlich von St. Jago geſchickt wird. Auf der Rückreiſe nach Jamesfort hatten ſie viele Beſchwerden. II. Am 24. Auguſt ſegelte Moore nach der Fak⸗ torei Joar zur naͤheren Kenntniß der Geſchaͤfte, welche er als ſelbſiſtaͤndiger Faktor einſtens beſorgen ſollte. Am 4 September erreichte er ſeinen Beſtim⸗ mungsort, war aber von den Sandfliegen und Mus⸗ guitos auf der Elephanten⸗Inſel ſo zernagt, daß er vom Boote nach der Faktorei kaum ſich bege⸗ ben konnte. Joar liegt im Koͤnigreiche Baſalli ungefaͤhr drei engliſche Meilen von Kower⸗ einer ſchoͤnen 242 Ebene gegenuͤber, welche mit Waldungen umgeben iſt, worin wilde Thiere Nachts furchterlich brullen. Sie iſt nur zwei kieine Meilen von der Gambra entfernt. Ein Dheil dieſes Weges iſt eine ſo enge Bucht, daß ein Boot kaum durchfahren kann; der andere Theil iſt in der trocknen Jahreszeit ein ſchoͤner Spaziergang. Die Stadt wird zum Theil von Por⸗ ugieſen bewohnt, deren Zahl und Haͤuſer ſich ver⸗ minderten, ſtatt vermehrten. In einer Entfernung von einer engliſchen Meile erhebt ſich eine Reihe von Huͤgeln, welche hoch und feiſig, aber ganz mit Baͤu⸗ men beſetzt ſind, und welche ſich nach der Ausſage der Eingebornen auf 100 Seemeilen an dem Fluſſe ausdehnen. Dieſe Huͤgel bieten im Sommer ſehr an⸗ genehme Spaziergaͤnge dar, bei Regen aber ſind ſie wegen der wilden Thiere gefaͤhrlich. In der Bucht iſt gut zu fiſchen, und die Ebene hat viel Wildpret. Das Quellwaſſer iſt gut. Am 9. September erſchien der Koͤnig von Bar⸗ Falli mit ſeinen Bruͤdern, begleitet von 100 Reitern und 100 Fußgaͤngern zu Joar. Pbſchon der Koͤnig ſeine eigene Wohnung daſelbſt hatte, ſo blieb er doch in der Faktorei, legte ſich in das Bett des Faktors Robertſen, und zwang ihm ſogar den Schluͤſſel zum Vorrathshauſe zu geben, aus welchem er ein Faß Branntwein nehmen ließ. Er war ſo großmuͤ⸗ thig, daß er die Faktore ſogar einlud, mit ihm zu trinken. Seine Leute nahmen aus den Kiſten und 243 Buͤchſen, was ihnen gefiel: denn die 3 Weißen konn⸗ ten ſich den 300 Schwarzen nicht widerſetzen. Die Kleider verkauften dieſe ſpaͤter u Kower, die Rech⸗ nungsbüchern aber ließen ſie den Eigenthuͤmer wieder zuſtellen. 2 Am 17. Oktober begab ſich Harriſon nach Ja⸗ mesfort, um ſich von der rothen Ruhr heilen zu laſſen, welche er durch das ſtarke Getraͤnke in ſich et⸗ regt hatte. Am 6. November ergriff Moore einen Schwarzen im Augenblicke, als er das Vorrathshaus beraubte, zu welchem er den Schluͤſſel unter des ſchla⸗ fenden Robertſen's Kopfe genommen hatte. Am 3. Jannar 732 traf der engliſche Schuner Gambra, unter dem Hauptmanne Major, mit vielem Salz und Rum zu Joar ein. Am 22. Januar kehrte der König von Baſalli nach Jvar zuruͤck, und brachte viele ſeiner Unterthanen mit, welche er als Selaven verkaufen wollte; er nahm aber durch dieſe die Fack⸗ torei wieder in Beſitz. Dadurch ſah Moore ſich veranlaßt, vom Stadthalter und Rath zu Jamesfort Huͤlfe zu erbitten. Am 1. Maͤrz fuhr Moore in der Schaluppe See⸗Nympfe mit den Befehlen des Stadthalters nach Joar. Unguͤnſtige Winde verzoͤgerten ſeine Rei⸗ ſe, auf welcher er den Fluß 40 Sermeilen uͤber den Fort ſalzig fand. Kower iſt 3 Meilen von Jvar entfernt, liegt einer ſchoͤnen Ebene gegenuͤber, auf wel⸗ cher keine Baͤume, ſondern ſchones niedriges Gras ſteht⸗ welches zum Reiten, Jagen und Spa befoͤrderlich iſt. Am 9. verließ Moore wieder Jvar, und kam den 10. nach Nanimarew, den angenehmſten Hafen an den Fluß, welcher mit Palm- und Sibvabaͤumen anmuthig beſchattet war. Am 16. ſchifften ſie den Fluß hinauf nach der kleinen Stadt Kaſſan an der Nordſeite der Gambra. Dieſelbe iſt mit vielen in die Erde geſteckten Pfaͤhlen befeſtigt, welche mit Thon ausgefullt ſind, zwiſchen welchen Deffnungen fuͤr Flinten ſind. Auch ſtehen Wachthuͤrme in gehoͤriger Entfernung von einander. Am 6. April kam Moore nach Bruckoe, wel⸗ ches an der Suͤdſeite der Gambre liegt, in dem Lan⸗ de Jemmarron eine halbe Meile vom Fluße. Da⸗ ſelbſt legte zwar die Compagnie 1732 eine Fak⸗ torei an; allein an33 brannte ſie ſchon ab, und 1735 wurde ſie ganz verlaſſen. Nach einen Aufenthalt von 3 Tagen fuhren ſie den Fluß aufwaͤrts nach Dubo⸗ kunda, wo ſie ſich mit dem Volke wegen der An⸗ legung einer Faktorei zu Bruckve benahmen. Den 20. April ſegelten ſie nach Kuttejar, und den 26. trafen ſie zu YJamiamakneda ein. Dieß liegt an der Nordſeite der Gambra, etwa 6o engliſche Mei⸗ len uͤber Bruckoe zu Land, und eben ſo weit von Fatatenda ſüdwaͤrts. Die Stadt Sutamor iſt 3 engliſche Meilen entfernt, und weiterhin ein ſehr fiſchreicher See. Am ꝛ0. Mai wurde ein Selave der zierengehen ſehr 24⁵5 Geſellſchaft, waͤhrend er ſich in dem Fluße gewaſchen hat, von einem Krokodille weggefuͤhrt. Dem 24. Junt ing der Fluß Gambre an zu ſchwellen. Bald darauf ſtieg Moore zu Pferde, um ſich nach Nakkaway zu begeben. Er erreichte am erſten Abend den Hafen Baſſi in Tomani an der Suͤdſeite der G ambra, bei waldichtem Wege, in deſſen Mitte ein ſteiler Huͤ⸗ gel voll Baͤume ſtand. Er uͤbernachtete in einer Ne⸗ gerhuͤtte, ſetzte des andern Morgens in einem Nachen über den Fluß, und ging wengliſche Meilen, theils durch Gehoͤlze, theils durch eine ſchoͤne baumloſe Ebe⸗ ne nach Nakkaway. In dieſer Gegend war braͤuch⸗ lich, daß jeder Verkaͤufer eines Gegenſtandes, vor Sonne Untergang den Kauf wieder unguͤltig machen konnte. Einſt kaufte aber Jemand eine Kuh fuͤr eine Stange Eiſen, und ſchnitt ihr gleich nach der Bezah⸗ lung den Schwanz ab. Der Verkaͤufer hatte dieſes kaum erfahren, ſo begab er ſich zum Stadthalter, und heuchelte Reue uͤber ſeinen Verkauf, vorzuͤglich aus dem Grunde, weil er ſonſt nichts Eigenes habe, und dieſe Kuh ſeiner Tochter zur Ausſtattung geben wolle. Der Stadthalter befahl, daß die Kuh dem Eigenthuͤ⸗ mer zuruͤckgegeben werde. Allein der Verkaͤufer nahm ſie nicht an, und ſchlug ſeinen Schaden auf 300 Stan⸗ . gen Eiſen an, welche er auch erhielt. Dieſe Unbild ließ ſich zwar der Stadthalter gefallen; allein im naͤch⸗ ſten Jahre kam er mit einem wohlbemannten Schiffe wieder, und nahm ſich die geeignete Genugthuung⸗ in⸗ — 246 dem er 4 Menſchen wegnahm, welche in Feſſeln ge⸗ ſchlagen wurden. Am 29. Juli kamen ſie uͤber Bur⸗ dah und Kolav nach Fatatendaz der Fluß war hier ohngefaͤhr ſo breit als die Themſe zu London, und ſchien ungeachtet des ſchnellſten Laufes ſehr tief zu ſeyn. Die Fluth ſtieg in der troknen Jahreszeit 3— 4 Fuß hoch, in der Regenzeit nur 1—2. Beide Seiten des Flußes waren waldig, und das Rand an der Südſeite niedrig. Die Faktorei aber lag auf ei⸗ nem hohen ſteilen Felſen, wo ſich eine herrliche Aus⸗ ſicht auf eine große Strecke darbot. II. Mvore ſchiffte zu Fatatenda uͤber die Gambra, ritt zwiſchen Bafſi und Burtah über den ſteilſten Huͤgel von Eiſenſteinen und kam gegen Abend nach Nakkaway. Nach vollendetem Geſchaͤfte daſelbſt ritt er nach Pamiamakunda uͤber Bru⸗ koe, Buile, Korah nach Kaukunda. Dieſe Stadt war mit einem Walle umgeben, an dem Fuße eines felſigten Huͤgels in einer Ebene von 4 engliſchen Metlen, bis2 am Fluße Gambra. Hier ſchlief er im Hauſe des Alkade auf einer Matte, wurde aber von den Musguitos heftig geſtochen. Des andern Morgens erreichte er die gut befeſtigte Stadt Dubo⸗ kanda, welche an der Suͤdſeite des Flußes liegt, und auf einer Seite durch viele Sibaobaͤume, zwiſchen wel⸗ chen Thon eingelegt iſt, auf der andern durch einen geflochtenen Zaun befeſtigt it. Im Deiember brannte die Faktorei zu Brukve ab, durch welchen Unfall die Geſellſchaft in mehrere Verlegenheiten kam. In dieſer Zeit ſank ein Boot durch den Stoß eines Wallroſſes ſo ſchnell unter, daß auch 2 Eng⸗ laͤnder, welche nicht ſchwimmen konnten, zu Gruͤnde gingen. Am 24. Januar 1733 erhielt Moore die Wei⸗ ſung, die Faktorei Yamiamakunda an Konnor zu uͤbergeben und die Leitung eines andern zu uͤber⸗ nehmen, zu deren Erbauung die noͤthigſten Materialien in einer Schaluppe geſendet wurden⸗ Am s. Februar erfuhr er, daß der Hauptmann Williams, Schiffer eines Brigantine, einige Selaven gekauft hatte. Da er ſie aber nicht genau beobachtete, ſo empoͤrten ſich dieſe, hauten ſeine Finger ab, und haͤtten ihm auch getoͤdtet, waͤre er ihnen nicht durch Schwimmen entwiſcht, und ſo nach Jamesfort gekommen. Am 16. Maͤrz war die ungewoͤhnliche Erſcheinung eines außerordentlichen Donners und Blitzes, welche die Ein⸗ gebornen als Vorboten eines baldigen Krieges im Lan⸗ de erkannten. unterdeſſen war aus England ein neuer Stadt⸗ halter Hull angekommen, welcher den bisherigen Namens Noger erſetzen mußte⸗ und auch an Moo⸗ re neue Verhaltungsbefehle ertheilte. Darin war zu⸗ erſt eine glimpflichere Behandlung der Eingebornen empfohlen, die Befoͤrderung des Handels mit Zaͤhnen, Wachs, Haͤuten, Baumwolle, Gummi und andern Gegenſtaͤnden, welche in England Abſatz finden, ein⸗ 24⁴8 gepraͤgt. Vorzuglich ſollte er ſich bemühen eine große Menge rothen Saftes Gum midragon zu erwer⸗ ben, welcher haͤufig aus der Rinde eines Baumes traͤu⸗ felte, und bald ſo hart und dicht, wie der Gummi ſelbſt wurde. Er ſollte keine Arbeitsleute mehr ab— danken, das Geld moͤglichſt ſparen; die Guͤter nicht auf ſeine eigene Rechnung nehmen, ſondern auf jene der Geſellſchaft nach dem Fort ſchicken, und keinen Be⸗ dienten anf Rechnung der Geſellſchaft borgen. Im Handel moͤge er ſich vorzuglich jeder Verbindung mit Portugieſen enthalten: denn wie die Selaven von den Eingebornen weit wohlfeiler als von den Kaufleuten zu haben ſeien, ſo verkauften dieſe auch ihr Gold, ihre Zaͤhne, ihr Wachs um die Haͤlfte wohlfeiler, als die Portugieſen. Er moͤge alle Handelsvertraͤge richtig in ſeine Buͤcher eintragen, damit jeder ſeiner Nach⸗ folger den Zuſtand des Handels, den Gewinn und Verluſt jeder Faktorei ſchnell uͤberſehen koͤnne. Den Verzeichniſſen der Guͤter moge er auch die urſpruͤng⸗ lichen Preiſe Englands heiſetzen, wie er ſelbſt alle kuͤnf⸗ tig wegzuſchickende Guͤter nach ſeinem Einkaufspreiſe in Stangen, Schillingen und Pence verzeichnen moͤge. Jeder Waarenſendung moͤge er kuͤnftig beifuͤgen, durch welche beſondere Guͤter er ſie erworben habe. Damit kein Faktor mehr unrechtmaͤßige Vortheile ſich zueig⸗ ne, ſo habe die Geſellſchaft den Sold erhoͤht, und zwar 5 Schilling fuͤr jeden verkaufbaren Selaven, s Schil⸗ ling 26 Penee fuͤr jedes a0o Pfund große und kleine — 249 Zaͤhne, s Schilling fuͤr jede Unze Gold, und 2—6 Penee fuͤr jedes 100 Pfund Wachs beſtimmt, welche nach dem fortgeſchickt wuͤrden. Es ſey daher zu hoffen, daß die Bedurftigſten ihre Guͤter ſo theuer als ſie koͤnnten, verkauften, und ſo wohlfeil als moͤglich iſt die Landesprodukte eintauſchten. Aus mehrern Gruͤn⸗ den duͤrfe kein Geld den Portugieſen oder Kaufleuten über 12 Stangen die Unze, kein 100 Pfund große und kleine Zaͤhne uͤber 8— 16 Stangen, und kein 400 Pfund Wachs über a2 Stangen gekauft werden. Dann wenn man fuͤr hoͤheren Preis Gold und andere Waare uͤber⸗ rechnen wuͤrde, ſo waͤre die natuͤrliche Folge, daß die Portugieſen in den Stand geſetzt wuͤrden, noch mehr Handel auf dem Fluße jener Gegend zum Schaden der Geſellſchaft zu fuͤhren. Moore machte gegen dieſe neue Inſtruktion ſehr wichtige Einwendungenz weßwegen auch der hohe Rath zu Jamesfort ſich vald zur Nachgiebigkeit veranlaßt fand. Im September wuchs die Gambra ſo hoch an, vaß das Waſſer uͤber die Reißgruͤnde und Thaler ſich verbreitete, und ſelbſt das Faktoreigebaͤude auf allen Seiten ſo üͤberſchwemmte, daß nur mit der groͤßten Anſtrengung die Guͤter der Geſellſchaft gerettet werden konnten. IV. Den 20. Dezember traf die Schaluppe Fama auf ihrem Wege nach Fatatenda zu Yemiama⸗ kunda mit vielen zugehauenen Baͤumen fuͤr die Er⸗ bauung der Faktorei ein. Moore waͤhlte einen hohen 250 Grund, ungefaͤhr so Ellen vom Meere. dachbenn Ir 40 Fuß im Viereck als Raum des Hauſes bezeichnet hatte, ſo errichtete er zue ſt die beiden großen Kruͤk⸗ ken oder Gabeln mit einem Dachbalken. Dieſe waren 30 Fuß lang 4 Fuß in die Erde geſteckt, und waren s Fuß von einander entfernt. Neben dem Hauptge⸗ baͤude wurde noch ein Vorhof, und ein Garten ausge⸗ zeichnet. Kaum war aber das ganze vollendet, ſo wur⸗ de Moore vom Fieber ſo geguaͤlt, daß er um Abls⸗ ſung mittelſt eines andern Faktors den Stadthalter bat, welches auch bewilligt wurde. Faſt 3 Monate waren erforderlich, ſeine geſtoͤrte Geſundheit wieder herzuſtellen. Erſt am 27. Marz konnte er von Jamesfort wieder abreiſen. Er be⸗ kam den Befehl, jene Faktoreien zu unterſuchen, wel⸗ che nicht im beſten Zuſtande zu ſeyn ſchienen. Am 4. April kam er nach Brukve, wo der Oberfaktor faſt 2 Monate kein Buch gefuͤhrt hatte. Am 7. erxeichte er Kuttejar, welcher Brt 10 Seemeilen uͤber Tu⸗ bogunta, eine Meile von dem Fluße Gambra an der Nordſeite liegt. Hier hatte die Compagnie eine Faktoret in einer geſunden und anmuthigen Gegend auf einer kleinen Anhoͤhe. Am 13. begab er ſich nach Yamiamagunta und verweilte bis zum 3. Mai fuͤr die Beilegung eines Streites zwiſchen der Fak⸗ torei und den Eingebornen. Am 6. Mai fuhr er auf dem Fluße nach Kuttejar zuruck, wo er ſo lange verweilte, bis eine hinlaͤngliche Ladung Salz zur Be⸗ 251 forderung des Handels eingetroffen war. Waͤhrend des Sommers hielt er ſich zu Jamesfort auf. Am 22. Auguſt fuhr er in der Schaluppe Fama mit einer ſtarken Ladung ab, um die Aufſicht uͤber die beſte Faktorei der Compagnie zu Jar zu uͤbernehmen. Auf dem Wege nach Damaſenza ſah er verſchiedene Meerkatzen, vo ſchoͤnem Blau und Roth, welche von einem Baum auf den andern in erſtaunlicher Entfer⸗ nung ſprangen, ohne jemals auf die Erde herabzukom⸗ men. In dieſer Gegend giebt es viel Gummi, von welchem er eine große Menge nach England ſchickte, der beſonders in Frankreich viele Nachfrage fand. Am z. Dezember kehrte Mvore nach Jamesfort zu⸗ rück. In dieſer Zeit entſtand ein Krieg unter den Eingebornen, welcher den Handel der Englaͤnder ſehr nachtheilig war. Dieß gab ihm Veranlaſſung ſeinen Dienſten zu entſagen, und ſich als Privatmann zu be⸗ nehmen. In dieſem Zuſtande fuͤhrte er folgende Le⸗ bensweiſe. Er ſtand des Morgens auf, die Kuͤhle zu genießen, und ritt 2— engliſche Meilen durch Gehoͤlze und Ebe⸗ nen, wo er ſich der angenehmſten Luft erfreute. Nach ſeiner Ruͤckkehr fruͤhſtuͤckte er eine Art chineſiſchen Thees Simbong, welcher zahlreich nach England ge⸗ ſchickt hochgeſchaͤtzt wurde. Statt des Zuckers bediente er ſich oft des Honigs. In Ermanglung beides miſchte er ſuͤße Milch bei. Dieſe wird dort kalt mit einge⸗ brockten Kuchen aus Reißmebl genoßen, welches mit Waſſer geknetet, und in einem eiſernen Topfe uͤber dem Feuer gebacken wurde. Dieſe Landmilch iſt ohne Um⸗ ſchuͤttelung ſelten oder niemals zum ſieden taug⸗ lich, weil das Rindvieh ſaueres Gras frißt. Mittags bediente er ſich gewoͤhnlich des friſchen oder einge⸗ ſalzenen Rindfleiſches. Dieſes kochte er entweder mit Kuskus oder mit Kuͤrbiſſen gleich dem Spinade. Voͤgel waren ſo wohifeil, daß er einen um 3 Schuͤße Pulver kaufen konnte. Nebſtdem konnte er durch ſeinen Diener als Jaͤger ſo viele wilde Schweine, Rehe, Enten, Rebhuͤhner, wilde Gaͤnſe erlegen laſſen, als er wollte. Im Fiſchfangen war er gar nicht be⸗ ſchraͤnkt. Die Stunden des Nachmittags widmete er gewoͤhnlich dem Handlungsgeſchaͤfte, oder Beſuche der Nachbarn, wo gewoͤhnlich Palm⸗, Siboar- oder Honig⸗ Wein gereicht wurde. Mauchmal beluſtigte er ſich im Schießen der Tauben und Rebhuͤhner. Schwarze Weibsperſonen bereiteten ſeine Speiſe ſehr reinlich in irdenen Geſchirren, welche von den Eingebornen gefertigt werden. Einige eiſerne Ge⸗ ſchirre hatte er von Jamesfort gebracht. In ſei⸗ ner großen Schlafkammer hatte er in regneriſcher Zeit immer ein Feuer zu unterhalten. Seine Bettſtelle war wegen der Inſekten uͤber 2 Fuß erhaben, ſein Bett beſtand aus grobem baumwollenen Landzeuge, welches er mit Seidenbaumwolle, einer Art weicher Pflaumfedern gefuͤllt batte. Nebſt den aus England gebrachten Bett⸗ tuͤchern bediente er ſich einiger Decken 6 Ellen lang, — 253 und z breit, welche ihm der Fuͤrſt von Barſalli und deſſen Schweſter geſchenkt hatte. An den Ecken ſei⸗ ner Bettſtelle hatte er 4 Pfaͤhle mit einem Vorhange gegen das Eindringen der Musguitos errichtet. Am s. April a7ss fand er auf einem Spaziergange nuͤchſt der Faktorei zu Joar den Fuß eines Thieres, wel⸗ ches jenem eines Pavian glich. Auf die Nachfrage bei den Eingebornen wurde er belehrt, daß dieſes Thier ein wilder Mann genannt werde, ſo ſchlank als ein Menſch ſey, eben ſo auf Fuͤßen einhergehe, und Bruͤſte wie die Frauensperſonen habe. Er gleicht alſo in vie⸗ ler Hinſicht den Dranutan aus Dſtindien. Am 8. April ſchiffte er nach Jamesfort zur Vorbereitung ſeiner Ruͤckreiſe nach England. Am 13. Mai fuhr er im Schiffe Delphin auf den Gambra in die hohe See. Dieſer Fluß iſt fuͤr Schaluppen auf 200 Seemeilen ſchiffbar weil die Ebbe und Fluth eben ſo weit von der Muͤndung hinauſgeht. Die beiden ufer ſind gewoͤhnlich eine viertels Meile tief, ganz flach und buſchig. Daſelbſt giebt es ſchoͤne Reißfelder, welche zugleich bei trokner Jahreszeit fuͤr die Weide des Viehes dienen. Im innern Lande iſt es ſehr wal⸗ dig; in der Naͤhe der Staͤdte aber ein großer Raum zum Kornbau, der Boden iſt meiſtens ſandig mit eini⸗ gem Thone und Felſenſteine vermiſcht. Am untern Theile der Gambra ſind wenige Huͤgel zu ſehen, erſt am obern erſcheinen einige Berge von Eiſenſteinen, deren Spitzen eine ſchoͤne Ausſicht darbieten. 254 ausgeruͤſtete Delphin die Spitze Banyon erſt auch in einigen Tagen erreichen. Man ſchickte das Boot zum Einkaufe einiger Voͤgel an das Ufer; leider ſchei⸗ derte es durch die Nachlaͤßigkeit der Matroſen, welche ſelbſt nur mit Muͤhe gerettet werden konnten. Am 3. Mai gegen Mittag, als ſie eben die Gambre ver⸗ ließen, gab der Steuermann Jacob Elis bei ſchein⸗ bar beſtem Befinden den Geiſt auf. Dieſer Menſch wurde ein wahrer Martirer des Rums, denn als er kein Glas mehr an ſeinen Mund bringen konn⸗ te, ſo ſaugte er ihn durch ſeine Pſeiſe ein. Vom 29. Juni bis zum 40. Juli waren ſie von einem harten, obgleich ſchoͤnem Winde beaͤngſtigt. Am 11. ſahen ſie die engliſche Kuͤſte und bald auch den Wachtthurm von Edrſton. Am 12. erreichte ſie die Inſel Wight, des andern Morgens die Spitze Beags, und um 9 Uhr Dungenes, wo 30o Segel ausliefen. Bald kamen ſie in die Duͤnen zwiſchen vielen klei⸗ nen und großen Schiffen, unter welchen auch Kriegs⸗ ſchiffe ſich befanden. Hier ankerten ſie und ſobald ein Bootsmann in ſeinem Boot angenaͤhert war, ſie⸗ gen ſie an das ufer. Wegen des friſchen Seewindes konnte der beſtens