— Sidò stiches Afrika. 30 36 Fuungono o ah a SBt S = h ene Aonc S Bpoelttata n xk elns eln des grin en orgebirges F Verde). laas[tab 3 —A heogn Melen 6 7 04 .. 5 55 55 70 75 56 elocMen vmn Mamderſer An rnhe 8 Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Afriki. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von Mehre 4. und berausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 3. Bändchen. ——— Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 1 3 * —— Reiſe des Abbé Rikolaus Ludwig de la Caille, ehemaligen Mitgliedes der königl. Akademie der Wiſſenſchaften zu Paris, nach dem Vorgebirge der guten Hoff⸗ nung in den Jahren 1750— 1754. A. d. Franzöſiſchen überſetzt*). Borrede. Nolaus Ludwig de la Caille wurde ge⸗ boren den 14. Maͤrz 1742 zu Rumigni im Bisthume Rheims, 2 Stunden von Roſoy, wurde zu Nan⸗ tes an der Seine im Kollegium bis zur Rhetorik 729 unterrichtet, kam dann nach Paris in das Kollegium von Liſieur, wo er die meiſte Zeit dem Leſen vie⸗ ler Buͤcher uͤber Geſchichte, Alterthuͤmer, Mytbolo⸗ 2 erſte Ausgabe geſchah zu Paris bei Guil⸗ lyn 1183. 12., die zweite bei Nyon 1776. 12. in 2 Bänden, nebſt dem Muſtes ſeines Lehens und Charakters. gie ꝛe. widmete. Er ſtudierte 2 Jahre Philoſophie, Jahre Thevlogie und wurde bei der Pruͤfung aus den⸗ ſelben fuͤr die Magiſter-Wuͤrde 1736 ſo geneckt, daß er ſeinen fruͤheren Entſchluß fuͤr Mathematik ausfuͤhrte. Ihm gelang ſogleich auf die Sternwarte Caſſini's zu kommen, weil er im Kalkul eben ſo fertig als ge⸗ nau war. Im Mai an37 machte er ſeine erſten Beob⸗ achtungen des Himmels; im Mai 1738 reiste er mit ſeinem zweiten Lehrer Maraldi, um die Seekuͤſten von Nantes bis Bayonne aufzunehmen, welches der Schifffahrt großen Vortheil brachte. Im Juli 1739 reiste er nach Perpignan, um einen neuen Mit⸗ tagskreis nach Duͤnkirchen zu ziehen. Im Novem⸗ ber wurde er an das Matariniſche Kollegium zu Pa⸗— ris als Lehrer der Mathematik gerufen; er kam uͤber Rouſſillon, Languedoe, Auvergne daſelbſt an, und arbeitete mit Caſſini an der Berichtigung der Grundlinie Pieard's, und an der Fuͤhrung des Mittagskreiſes von Paris nach Perpignan. Im Juli 1790 begab er üch wieder nach Duͤnkirchen. Im Mai 1741 wurde er in die Akademie aufgenom⸗ men, und am Schluſſe des Jahres gab er ſeine An⸗ fangsgruͤnde der Mathematik heraus, welche s Auf⸗ lagen erhielten, und in das Spaniſche, Engliſche, Italieniſche und Lateiniſche uͤberſetzt wurden. Er ließ in dem Mazariniſchen Kollegium eine Sternwarte errichten, auf welcher er in wenigen Jahren die hoͤchſte Erfahrung und Uebung der groͤßten Meiſßter etlangte; — S — „ 261 das Reſultat ſeiner Beobachtungen wurde ohne ſeinen Namen 1744 von ſeinem Mitbruder heraus gegeben. Bald ließ er Vorſchriften zum Studium der Aſtrono⸗ mie erſcheinen, welche vier Auflagen in franzoͤſiſcher Sprache fanden, und zugleich in das Lateiniſche und Engliſche uͤberſetzt wurden. Er verfaßte auch einen Leitfaden fur die Beobachtung der Geſtirne, und lehrte darin zugleich die Anwendung der noͤthigen Werkzeuge⸗ Auch hat er die Anfangsgruͤnde der Mechanik, Dptik und Perſpektivkunſt geſchrieben. Im Jahr 1743 gab er neue Beobachtungen des Himmels mit Folgerun⸗ gen uͤber die Zuſammenkuuft des Saturns und Mars⸗ 1746— 1767 ſeine Ephemeriden des Himmels heraus. Der Ninorit Feuillée war 1724 nach den kanari⸗ ſchen Inſeln gereist, um die wahre Lage des erſten Mittagskreiſes zu beſtimmen; de la Caille lieferte dieſe Reiſebeſchreibung im Auszuge 1746, und wurde durch ihren Inhalt zur Reiſe nach dem Vorgebirge ermintert. 1747 uͤbergab er der Akademie die Theorie des Kometen, welcher 1693 zu Zerbſi beobachtet wor⸗ den war, ſo genau, als hätte er ihn ſelbſt beobachtet. Eben ſo pruͤfte er die Bevobachtungen Walther's zu Nuͤrnberg gegen das Jahr 1500, die Schiefe der Eklptik jenen Zeit und die Polhöhe von Nuͤrnberg⸗ in ener beſondern Abhandlung für die Akademie 149, wie er ſeine Beobachtungen uͤber die Verbergung des Alzon, einer der Sterne der Pleiaden ams. Jaͤn⸗ ner 148 vorgelegt hatte. Im J. 1746 vepfaßte er auch 262 eine Theorie der Kometen, nach der Beobachtung eines 4744 erſchienenen; 41747, 1748, 1749 legte er weitere Beobachtungen vor, welche ihn als einen Ar⸗ gus ſchildern, deſſen Blicken am Himmel nichts ent⸗ geht. Da man ſeit Chr. Columb keine be ſonderen Kenntniſſe von der ſogenannten ſüͤdlichen Halbkugel des Himmels erlangt hatte, ſo entſchloß er ſich aus Liebe fuͤr die Erweiterung ſeiner Wiſſenſchaften zur Reiſe nach dem Vorgebirge der guten Hoßf⸗ nung, als der ſuͤdlichſten Gegend unſerer Halbkugel, deſſen Mittagskreis das mittlere Europa durchſchneidet. Er veiste auf Koſten Frankreichs im Herbſte 1760 da⸗ hin, und kehrte 28. April 2764 nach Paris zuruͤck, Er ͤbergab der Akademie viele wichtige Abhandlungen, lteß 1787 ſeine Grunblage der Aſtronomie, 468 Son⸗ nentafeln, 1760—63 ſeine Reiſebeſchreibung und Bou⸗ guer's Werk üͤber die Steuermaunskunſt heraus. Zu⸗ gleich erntete er noch die groͤßte Ehre uͤber ſeine Be⸗ rechnung aller Sonne⸗ und Mondsfinſterniſſen der erſten 1800 Jabre der chriſtlichen Zeitrechnung für das unſterbliche Werk: LArt de verifier les dates. Er ſtarb 21. Maͤrz 1162. ——— I. Am 21. Oetober 1760, erzahlt der Abbe d la Caille in ſeinem hiſtoriſchen Tagebuche, gin ich Abends„Uhr von Payis ab, und langte am 4. Kov. 5 263 Abends zu l'Hrient an. Den 2tſten, an welchem wir auf dem Schiffe, le Glorieux, aus dem Ha⸗ fen l'Drient unter Segel gingen, bekam ich die See⸗Krankheit, welche 3 Wochen dauerte. Aus Furcht auf die Inſel Porto Santo zu gerathen, zogen wir am 2. Dezember die Segel ein, und fuhren nur mit dem großen Segel; ein Gleiches thaten wir den aten, um nicht auf die Inſeln Salvages zu ſtoßen. Den 12. Dez. ſegelten wir gegen Weſt, um St. Jago wabrzunehmen. Den 13ten machten wir Anſtalt eine Monds⸗Finſterniß zu beobachten. Herr Dapres beob⸗ achtete mit ſeinem engliſchen Quadranten in den, nach meiner Sekunden⸗Uhr, beſtimmten Augenblicken die Eutfernung des Syrius von dem Meeres⸗Horizonte⸗ Den s. Januar 1764 fuhren wir uͤber die Linie, wo ich verſchiedene Beobachtungen uͤber die Laͤngen, und eine uͤber die Neigung der Magnet⸗Nadel an⸗ ſellte. Aus dieſen Laͤngen und aus jenen von Rio⸗Jan eirv erhellt, daß wir nicht ſo weit nach Weſt gekommen zu ſeyn glaubten, als wir wirklich waren. Ebenſo ſchätzten wir uns, da wir in der Ge⸗ gend der Inſeln des gruͤnen Vorgebirges wa⸗ ren, um ein Großes weniger nach Weſt gelangt zu ſeyn, als wir waren. Wir mußten s Grade weiter, als wir glaubten, nach Wett getrieben worden ſeyn. Den asſten erblickten wir zwei Berge, welche die In⸗ ſel an der Spitze des Vorgebirges Frion bilden; den ssen Nachmittags liefen wir in die Vay von Rio K 264 Faneirv und ankerten bei der Schlangen⸗In⸗ ſel. Nach Beobachtung aller Foͤrmlichkeiten durften wir erſt einen Fuß an das Land ſetzen. Die Portu⸗ gieſen ſind außerſt aufmerkſam, den Fremden allen Handel nach Braſilien zu verſchließen. Gleich nach unſerm Einlaufen kam ein Hauptmann nebſt einem Sergeant und 8 Soldaten von der Beſatzung an Bord unſeres Schiffes und blieben, bis wir wieder aus der Bai ausgelaufen waren. Ueber dieſes bewachten uns noch drei Korporalſchaften in Kaͤhnen, welche das Schiff umgaben. Den ꝛsſten kamen Juſtiz⸗Beamte, und fragten nach der Urſache ußſerer Landung. Wuͤrden unſere Beweggruͤnde nicht gälrig gefunden, bemerkten ſie, ſo ſeyen unſere Schiffe konſtscirt. Wir kaͤmen„ſag⸗ ten wir, um ein kleines Fahrzeug auf die Seite iu legen, um den Piel und untern Theil ausbeſſern zu laſſen, das uns begleitete, und nicht hätte ein⸗ laufen koͤnnen. Den Löſten erhielten wir die Er⸗ laubniß an das Land zu gehen. Jedoch konnten wir nichts aus dem Schiffe mitnehmen oder holen laſſen, ohne ſchriftliche Zettel fuͤr jede Sache, welche wir noͤthig hatten. Durch das Verwenden des Herrn Godin bei dem Statthalter erhielten wir die noͤthige Erlaubniß und die Zettel. 2 Den 1. Februat brachten wir unſere Inſtrumente an das Land, und bezogen eine Wohnung in der Pa⸗ 26⁵ ter Noſter⸗Gaſſe, welche von der Kirchs der Schwarzen bis an das Meer geht. 6 Nio Janeiro, ein ſehr betraͤchtliche Stadt mit ungefaͤhr so,000 Einwohnern, hat ziemlich ſchoͤne und ſehr gerade Straßen. Die Thüren und Fenſter der Haͤuſer ſind mit Jalvuſien verdeckt; die Haͤuſer ſelbſt gewoͤhnlich 2, zuweilen auch s Stockwerke hoch, ſind glle mit Ziegeln gedeckt. Die ziemlich ſchonen, aber nicht beſonders hohen Kirchen ſind inwendig mit Ziera⸗ then und vergoldeter Bildhauer⸗Arbeit ſo uͤberladen, daß man faſt nicht errathen kann, was ſie vorſtellen. Sie ſind auch ſehr dunkel; weil das icht nur durch ein großes, breites Fenſter oberhalb der Thuͤre einfaͤllt. Faſt an allen Kreuzwegen ſteht in einer Niſche das Bild der h. Jungfrau. Die Niſche iſt vergoldet, mit Spiegelglas und einem ſchoͤnen Vorhange ver⸗ ſchloſſen. Das Ganze iſt mit einem Himmel von ganz gutem Geſchmacke bedeckt, und mit kleinen Bildern der Dankbarkeit umgeben. Hier verſammelt ſich das Volk an jedem Abende um den Roſenkranz zu beten. Die Stadt hat einen ſehr ſchoͤnen Marktplatz im Angeſichte des Hafens. Dieſer und die Stadt verthei⸗ digen 7 Forts; naͤmlich St. Erviz und St. Jean am Eingange der Bay, Villegagnon und St. Dominigue gegen die Mitte, das Fort auf der Schlangen⸗Inſel, welches die Mirte des Haſens und det Stadt deckt, und endlich das Fort der Bene⸗ N 266 diktiner und St. Jakob, welche an beiden Enden der Stadt und des Hafens liegen. Die Bay von einem weiten Umfange und einem vortrefflichen Grunde iſt ganz mit hohen und mit Ge⸗ hoͤlz bedeckten Bergen umgeben. Rund um die Bay erheben ſich Wohnungen, wie auch in den Chalern der Berge und auf den vielen Inſeln, mit welchen die Bay beſaͤet iſt. Der Boden iſt außerordentlich fruchtbar; Pome⸗ ranzen⸗ und Citronen⸗Baͤume ſind ſehr gemein. Es gibt auch viele Bananas, Gujave, Aecajon, Mangel⸗ und Kokos⸗Baͤume ꝛe. Die Nahrungsmittel des groß⸗ ten Theiles der Einwohner beſtehen in Maniok⸗Mehl und in Fiſchen. Die Weißen haben Kleider von Tuch; der ge⸗ meine Mann traͤgt eine Weſte, und huͤllt den ganzen Leib in einen weiten Mantel. Die Juſtiz⸗Beamten unterſcheiden ſich durch einen Stock, welchen die Vornehmen an ihrem linken Arme uͤber dem Ellen⸗ bogen tragen; die Unterbeamten oder Bedienten tra⸗ gen ihn an dem Knopfloche der linken Rochtaſche. Die Offiziere tragen, wenn ſie trauern, eine Scherpe von ſchwarzem Flor um ihren linken Arm. Die Dok⸗ toren der Thevlogie, der Rechts⸗ und Arznei⸗Wiſſen⸗ ſchaft tragen gemeiniglich Brillen auf der Naſe, um ſich den Voruͤbergehenden deſto ehrwuͤrdiger zu machen. Die meiſten Sklaven haben die Kraͤtze. Gewoͤhnlich geben ſie, die Beinkleider ausgenommen, nackt. — 267 Wenn ſie frei geworden ſind, ſo tragen ſie ein Kleid und einen Mantel von Tuch. Die Frauensperſonen tragen einen Weiberrock und ein Hemd, deſſen Ober⸗ Theil vorn offen, aber bei dem Hals⸗Kragen zuſam⸗ mengebunden iſt, faſt wie unſere Mannshemden. Bei Tage wagen ſie nicht, auf der Straße zu erſcheinen. Wenn ſie die Freiheit erhalten, des Abends auszu⸗ gehen, und den Roſenkranz zu ſingen, ſo nehmen ſis ein großes wollenes Tuch um den Leib, welches unge⸗ faͤhr 2 Ellen lang und eine breit iſt. Es wird ſo ge⸗ legt, daß die Diagonal⸗Linie uͤber die Mitte des Ruͤckens hinabgeht. Ein Zipfel haͤngt, faſt wie die Moͤnchs„Kappe der Karmeliter und Auguſtiner, her⸗ ab; der entgegengeſetzte Zipfel dient zur Einhuͤllung des Kopfes, und die beiden uͤbrigen bedecken die Schul⸗ tern und Arme, und kreuzen ſich auf der Bruſt. Dieſe Eracht iſt ſehr unbequem, denn ſie muß faſt alle Augen⸗ blicke in Ordnung gebracht werden. Die Negerinnen tragen einen ſchwarzen Hut zum Schutze gegen die Hite der Sonne. Ein Mann geht niemals mit ſeiner Frau auf de Straße; er geht einige Schritte voraus mit dem blo⸗ ten Degen unter dem Arme oder unter dem Mantel. Die Frau kann von einigen Verwandtinnen begleitet werden, und hat verſchtedene Neger⸗ oder Meſtizen⸗ Sklavinnen zu ihrem Gefolge, welche in einer Reihe nach einander gehen, in einem weiten langen Rock uekleidet ind, und ein Neſſeltuch un den Kopf haben. „ 268 Es iſt wenig geſellſchaftlicher Umgang in der Stadt, aber die Schwelgerei groß. Die Geiſtlichen und Moön⸗ che ergeben ſich allen Ausſchweifungen, der Unord⸗ nung und dem Aberglauben. Es gibt eine Art buͤßen⸗ der Layen, welche in der Nacht mit einem ſchweren Kreuze auf dem Ruͤcken durch die Straßen gehen, und eine ſtarke Kette nachſchleppen. Ihre Auffuͤhrung iſt bei Tage ſo aͤrgerlich, als ſie Nachts erbaulich iſt. Mein Schlaf wurde durch das Geraͤuſch ihrer Ketten und durch das Geſchrei, mit welchem ſie um Barm⸗ berzigkeit ſlehten, oft geſtoͤrt. Der Mord iſt ſehr ge⸗ mein, und bleibt faſt allezeit ungeſtraft. Dies ſoll jedoch durch ein Gericht des Koͤnigs von Portugal an⸗ ders werden. Als wir bei dem Statthalter, welcher hier Gene⸗ ral beißt, ſpeisten, gab man uns ſehr kleine vier⸗ eckige, ſchmutzige oder ſchon gebrauchte Servietten. Die Gerichte beſtanden faſt nur aus Fiſchen. Gleich⸗ wohl iſt er ein ſehr reicher Herr, welcher ſich viel darauf einbildet, Lebensart zu verſtehen. Den 23. Maͤrz ſchoßen wir einen Seevogel, wel⸗ chen die Franzoſen Mouton nennen. Er wog 414 Pfund; ſeine ausgebreiteten Fluͤgel waren von dem Ende des einen bis zum Ende des andern 8 Schuhe 4 Zoll, und von der Spitze des Schnabels bis zu dem Ende des Schwanzes 2 Fuß 11 Zoll lang. Seine Fe⸗ dern ſind gegen das Ende grau, und gegen den Kiel⸗ wo er ſehr feine Dunen hath ungemein weitßz ſie 5 269 liegen ſehr enge und geſchloſſen an einander; unter dem Bauche und unter den Fluͤgeln iſt er weik. Wir ſahen dergleichen Voͤgel ſeit unſerer Abreiſe von Rio Janeiro faſt alle Tage. II. Den 12. April war auf der Seite der uns in Oſten liegenden Bay Saldanha Land zu ſehen. Den 3ten lavirten wir ohne den Wind der Inſel Aſſen gewinnen zu konnen, deren Breite nur 330 30“ be⸗ traͤgt. Am Abende des 16. Aprils hatten wir vollige Windſtille, der Himmel war ungemein klar und hei⸗ ter. Nachdem ich meine Uhr in dem Angenblicke, da der Mittelpunkt der Sonne den Horizont der See be⸗ ruͤhrte, auf s Uhr 33 Minuten geſtellt hatte, ſah⸗ ic wie die Daͤmmerung ſich ſehr genau um 6 Uhr s3 Mi⸗ nuten endigte. Sie erſchien, als ein Zirkelbogen ſo regelmaͤßig wie der ſchoͤnſte Nordſchein, und durch den dunklen Zirkelſchnitt abgeſchnitten. Nach dem Ende der Doͤmmerung erblickte ich den Zodiakalſchein, welcher ſich uͤber die Sternbilder der Stiers und der Zwillinge verbreitete, und ſich an ſeinem Ende mit der Milchſtraße vermiſchte. In der Nacht fiel der Thau ſo haͤufig, daß unſere Segel ganz naß waren, das Verdeck ganz ſchluͤpfrig, wie mit einem ſehr duͤn⸗ nen fluͤſſigen Schlamm uͤberzogen, und alles Geräthe feucht zu fuͤhlen war. Nachdem ich am Abende des 17. Aprils meine Uhr nach dem Untergange der Sonne geſtellt, und uͤber dieſes mehr als eine Hoͤhe des Syrius von so⸗ . so“ um s Uhr as Minuten nach meiner Uhr beobachtes hatte, bemerkte ich, daß die Dämmerung um s uhr ss Min. aufhoͤrte. Den 18. April verbarg uns ein dicker Nebel das Land, welches wir erſt um 4 Uhr Nachmittags in einer Entfernung vones Meilen ent⸗ deckten. Als wir den aoten den heiden Spitzen, wel⸗ che die Muͤndung der Holzban bilden, gegenüber waren, beobachtete man, daß die Linie, welche ſie mit einander vereinigt, zu Mittage, als wir uns ſehr nahe bei der Landſpitze an dem Rücken des Löwen lauf dem Lowen⸗Gebirge am Vorgebirge der gu⸗ ten Hoffnung) befanden, 6 Grade owaͤrts abwſch, Die Breite wurde aus Beobachtung s3o 6“ befunden. Wir legten uns um 1 Uhr auf der Rhede des Vorge⸗ birges vor Anker, und dem Untergange der Sonne zu Folge war die Abweichung der Magnet⸗Nadel wenfg⸗ ſtens 19 1/1 Grad. Den 20. April begab ich mich an das Lanb, und beiog den aaſten ein Quartier bei Herrn Beſtbier, bei welchem ich einen bequemen Plat zum Beobachten fand. Auf dieſem ließ ich eine Sternwarte bauen, um meine Inßrumente aufzuſtellen. Den ꝛ. Mai nahm ich verſchiedene Meſfunten auf dem Tafelberg vor. Der Teufelsberg iſt von dem Lafelberge nicht getrennt; es iſt in der That ur ein und derſelbs Berg, bloß ein kleiner Grund trennt ſie don einander. Alle Berge(derLoͤwemTafel⸗ und Teufels⸗Berg) beſteben aus augeuſcheinlich borizontal legender Ber⸗ . 271 gen. Den 14. Mai machte ich einen Spaziergang am Fuße des Tafelberges. Dieſes iſt ein mehr als 400 Toiſen langer und soo breiter Raum, welcher mit unordentlich umher geworfenen Steinen bedeckt iſt, welche aus⸗ ſehen, als ob es Truͤmmer des eingeſtuͤrzten noͤrdlichen Theiles vom Berge waͤren. Jenſeits dieſer Steine nach der Stadt iſt das Land ſo voll von Quellen, daß man nicht trockenen Fußes bis an den Berg gehen kann. Den 17. May beſuchte ich den Garten der Kompagnie, welcher oos Schritte lang, und 264 breit iſt. Den s. September fuͤhrte mich Beſtbier auf ſein Landgut im Bezirke Groene⸗Clof, welches ungefaͤhr 12 Meilen noͤrdlich vom Vorgebirge iſt. Ich fand den Boden faſt uͤberall beqguem, um große Grund⸗ linien zu meſſen, von dem Vorgebirge bis zu dem Blaeuberg, und bis zu einer weſt-nord⸗weſwaͤrts ſtreichenden Kette von Bergen, 7— 8 Meilen von dem Blaeuberg. Den Iten war ich auf einem von den Bergen der erſt gedachten Kette. Er heißt Ka⸗ pveberg, ſein Gipfel iſt eben, uͤberall mit Gras be⸗ wachſen, und ſehr leicht zu beſteigen. Hier ſah ich die gauze Seekuͤſte von Hout⸗Bany oder Holz⸗ Bay bis uͤber die Bay Saldanha hinaus, ferner von dem Fuße dieſes Berges ausgehende unuͤberſeh⸗ bare Flaͤchen von Nord bis beinahe 30 Grade gegen Weſt. Ein ſehr weit entfernter Berg, deſſen eines Ende faſt gerade im Norden liegt, iſt ſehr beguem 66. Bd. Afrika. II, 3. 2 272 um die Ausmeſſung eines Grades bei demſelben zu veendigen. An demſelben Tage beſtieg ich den ſpitzi⸗ gern Contreberg⸗ welcher 1 ½ Meilen von dem vorigen entfernt iſt⸗ Der Tafelberg iſt zwar ſehr ſteil, aber doch wegen einer großen Kluft gegen die Mitte des Ber⸗ ges ein wenig weſter nach Weſten, nicht ſchwer zu beſteigen. Vom Vorgebirge kam ich in weniger, als 3 Stunden auf daſſelbe. Der Fuß beſteht bis faſt zu einem Drittel ſeiner Hoͤhe aus einer ſteinigen, mit Pflanzen und Geſtraͤuch bewachſenen Erde; das uͤbrige vis zum Gipfel iſt ein bloßer Haufe von Steinen, de⸗ ren Lagen vollig horizontal ſind. Die Kluft iſt ſehr * tief, ſie faͤngt ungefaͤhr in 2 Fuͤnſtheilen der Hoͤhe des Berges mit einer Breite von 50— 60 Schritten an, und wird je weiter man zum Gipfel kommt, im⸗ mer enger, ſo dab ſie zuletzt nicht breiter, als 6— 6 Schtitte iſt. Sie iſt gleichfalls mit Steinen, Erde ünd Strauchwerk bis an den Gipfel bedeckt. Auf dem Gipfel befinden ſich verſchiedene, ſehr ebene mit Gras bewachſene, ziemlich horizontale plaͤtze, welche durch Felſen von einander getrennt ſind. Einige ſind platt⸗ und haben eine nach der Waſſerwage liegende Ober⸗ kaͤche, die meiſten aber bilden einen Eſelsruͤcken in ho⸗ rizontaler Lage. Der Rand des Berges macht ein wenig einen Bogen, deſſen hohle Seite nach dem Vor⸗ gebitge gekehrt it. Auf der ebenen Slaͤche gan oben 273 auf dem Gipfel ſind ziemlich hohe Steinlagen, welche man auf dem Vorgebirge nicht ſehen kann. Der Gipfel dieſes Berges erſtreckt ſich von Oſt nach Weſt mit einer Abweichung von ungefaͤhr 9 Gra⸗ den nach Nord; ein Arm deſſelben, welcher gegen die Mitte des Berges beginnt, reicht ſuͤdwaͤrts und en⸗ digt ſich bei der Holzbay. In den Felſenhoͤhlun⸗ gen ſindet man Waſſer, und gegen den oͤſtlichen Theil, der falſchen Bay gegenuͤber, entquillt aus einem großen Brunnen ein ziemlich großer Bach. Mai hat auf allen Seiten eine weite Ausſicht, außer auf der Oſtſeite, auf welcher ſie durch eine 16— 18 Meilen entfernt liegende Kette von Bergen eingeſchraͤnkt wird. Gegen Suͤden ſieht man auf allen Seiten Meer, den Horizont deſſelben aber erblickt man nirgends, als 22 Grade von Nord nach Weſt. Den 22ten Oktober ſchickte ich Briefe, Voͤgel, Saamen und Muſcheln auf einem Schiffe ab, welches nach Middelburg unter Segel ging. Den 24ten unterſuchte ich das St'ernbild des Schiffes⸗ welches Halley verſtuͤmmelt hat, um ſeinen Karls⸗ Baum zu bilden. Den 27ten beſuchte ich einen Wohnplatz, welcher Sach ſenburg hieß, und 6 Mei⸗ len oͤſtlich von dem Vorgebirge liegt. Den aten November wohnte ich der Muſterung bei, welche uͤber die Landſoldaten der beiden Diſtrikte Stellenboſch und Drakenßein gebalten wurde. 274 Stellenbo ſch iſt ein Dorf mit 30 Haͤuſern und 1 Kirche. Die zwei Hauptſtraßen, aus welchen es beſteht, ſind auf beiden Seiten mit ſchattigen Eichen beſetzt. Auch durchlaͤuft ein Fluß das Dorf. Dieſer liegt in einem großen Thale, welches rings mit ſehr hohen Bergen umgeben iſt, mit Ausnahme der Suͤd⸗Weſt⸗ Seite, wo die Ausſicht auf die Falſe⸗Bay geht. Dem zten November bemerkte ich den Tafelberg mit einem Haufen ſehr weißer, aber ungemein dich⸗ ter Wolken bedeckt. Waͤhrend der Nacht zerſtreuten ſich dieſe nach und nach, der Wind trieb einige Theile nach Nordweſt, ſo zwar, daß um 4 Uhr nichts mehr davon zu ſehen war. Hierauf ließ die Heftigkeit des Windes nach, und er war den uͤbrigen Theil des Mor⸗ gens ganz maͤßig. Das Barometer ſtand beſtaͤndig auf 2 Zoll 3 Linien. Dergleichen Anhaͤufungen der Wolken beobachtete ich auch auf den Bergen von Hot⸗ tentotts Holland, von Hanglipan. Dieſe Berge bleiben nicht ſo lange bedeckt, wie der Da⸗ felberg. Den 6. Dezember ſah ich bei Herrn Deſſi ndas Horn eines Rhinozeros, welches von der Spitze bis an ſeine Wurzel, dieſe abgerechnet, 26 Zoll lang war. Die Wurzel mochte 8— 9 Zoll betragen. Das Horn des Rhinozeros iſt beinahe von derſelben Beſchaffen⸗ heit, wie das Horn eines Ochſen. Es beſteht aus weißen Fibern, und laͤßt ſich leicht in Spaͤne zertheilen. 275 Am Ende dieſes Monats und im Anfange des folgenden kamen ſehr viele große Elephanten bis an den Fluß Bergrivier. Der Kopf eines Fluß-Bchſen oder Nilpferdes, welchen ich ſah, war ſo erſtaunlich groß, daß kaum 2 Menſchen ihn zu tragen im Stande waten⸗ obsleich er ausgetrocknet war.. III. Den 7. Januar 1732 aß ich ziemlich reife, weiße Trauben vom Spaliere; den a7ten das Ei ei⸗ nes Ping uin. Es iſt beinahe noch einmal ſo groß⸗ und runder als das Ei einer Henne. Das Weiße in demſelben bleibt, auch wenn das Ei hart geſotten iſt⸗ durchſichtig, blau, und wie eine Gallerte. Es ſchmeckt weit beſſer, als ein Huͤhnerei; die Dotter aber hat einen vfuhlichten Geſchmack; die Schale iſt vollkommen weiß, einige jedoch haben zuwei⸗ len blaue Flecken. Im Monate Februar hat faſt Jedermaun einen ſtarken Schnuppen, auch ſind Katharre und Fluͤße auf der Bruſt ſehr haͤufis. Den 22. Februar ſtieg um /21 Uhr Mittags die Hitze auf 36 Grad in einem Reaumürmiſchen Thermometer mit Weingeiſt. Den s. April wurde die hundertjaͤhrige Grüu⸗ dungs⸗Feier der hollaͤndiſchen Kompagnie auf dem Vorgebirge gehalten. Den 19. May gingen wir uͤber die Tyger⸗ Berge durch das in der Mitte derſelben liegende Thal, welches von Nord⸗Weſt nach Soͤd Oſt geht⸗ nach Drakenſtein. Drakenſtein liegt in einem ſehr langen und weiten Thale, nelches ſich von Suͤd nach Nord⸗Weſt zteht, und von dem weſtlich gelegenen ſchwarzen Berge Von hier kamen wir uͤber ein faſt ganz ebenes Land und von dem großen, ſehr weit gegen Norden von dem Falſegebirg laufenden Ketten⸗Gebirge ein⸗, geſchloßen wird. Auf beiden Seiten dieſes Thales. iſt eine große Menge von Wohnungen und Hoͤfen, de⸗ ren Bewohner vorzuͤglich den Weinbau treiben. Baͤche, welche von den Bergen herabkommen und in den durch die Mitte des Thales laufenden Fluß, Berg⸗ Rivier, fallen, bewaͤſſern die Weinberge. Dieſer Fluß nimmt ſeinen Lauf laͤngs der genannten Ketten⸗ er in weßlicher Richtung bis in die Bay St. He⸗ lene. Ein wenig ſuͤdlich von der Mitte des Thales ſteht die Kirche, ein Gebaͤude ven ſchlechtem Anſehen. Suͤd⸗oſtwaͤrts von dieſem großen Thale befindet ſich ein noch kleineres zwiſchen den hohen Bergen Franz⸗ huk. Hier ließen ſich an angs franzoͤſiſche Fluͤchtlin⸗ ge nieder. Dieſe Franzoſen vernachlaͤßigten durch den baͤufigen Umgang mit Hollaͤndern und durch Heira⸗ then mit deutſchen Frauen ihre Sprache ſo, daß viel⸗ leicht nach 20 Jahten, wie mich diejenigen, welche franzoͤſiſch ſprechen, verſichern wollen, Niemand in Drakenſtein anzutteffen ſeyn wuͤrde, welcher fran⸗ zoſiſch reden koͤnnte. Gebirge bis zu dem Pieset⸗Berge; von da fließt 277 Deu 4. Juni nahm ich einen Plan von der Hout⸗ oder Holz⸗Bay auf. Sie iſt nur 600 Toiſen breit⸗ und 700— soo tief oder lang, von ihrer Muͤndung gerechnet bis an den Ort, wo ſie am tiefſten in das Land geht. Sie iſt ganz mit Felſen und Bergen um⸗ gelen, voll Klippen, und man kann nirgends landen, auzer in der Mitte des Baſſins, wo eine Sandbank iß. In dem an die Bay ſtoßenden Thale liegt eine ſchr gute Wohnung und ein Landgut, welches dem Herrn le Sueur gehoͤrt. Den 10. Auguſt errichtete ich ein Merkzeichen auf dem benachbarten Kapoeberg, welcher ſeinen Namen von einem Strauche fuͤhrt, deſſen Bluthe eine Art voß Matte iſt, welche in Indien Kapoe genaunt wird. Das Merkzeichen ſteht auf einem großen Felſen, an welchem ſich nordwaͤrts ein kleinerer anſchließt. Die⸗ ſer Felſen beſindet ſich gegen das weſtliche Ende des ſehr platten Berggipfels; auf der gegen das Vorgebir⸗ ge gekehrten Seite und einige Schritte weiter von dieſem, ſteht Nord nord⸗weſtlich ein anderer groͤße⸗ rer, aber nicht hoher Felſen. Den atten ritt ich in die dem Contreberge gegen Nord gelegene Ebene⸗ um einen bequemen Boden zur Abſieckung und Meſ⸗ ſung einer Grundlinie zu ſuchen. Dieſe Flaͤche iſt ſehr groß, hat einen ſehr gleichen und ebenen Boden⸗ und iſt ein wenig mit Geſtraͤuche bewachſen. Den 3ten ſtieg ich in Begleitung von 6 Schwarzen auf Riebeet's Kaſtell um daſelbſt ein Merkmal auf⸗ 278 zurichten. Dieſer ziemlich hohe und lange Berg kann auf ſeiner Abendſeite bis zu ſeinem Gipfel beſtiegen werden. Er erſtreckt ſich beinahe gerade von Nord nach Suͤd, auf der Bſtſeite iſt ſein Ruͤcken ſehr ſteil. Dieſer Bers iſt ſtark mit Gras bewachſen. Ueberall findet man eine große Menge ziemlich dicker und groſ⸗ ſer Baͤume von ſchwammichten Holzje. Baviane und Mutmelthiere halten ſich in Menge an dieſem Beige auf; auch ſoll es wilde Pferde daſelbſt geben. Obglech er ziemlich duͤrre iſt, ſo findet man doch um ihn ha⸗ um 10 Landguͤter, die ihr Waſſer von benachbarten Quellen erhalten. Den 9. September reiste ich mit Herrn Beſi bier in einem Wagen ab, um die Gradmeſſung vor⸗ zunehmen. Abends kamen wir zu Groenkloof auſ dem Landgute Contreberg an, und begaben uns den 11ten auf dem Piquetberg. Auf einem Wagen, wel⸗ cher mit 6 Pferden beſpannt war, fuͤhrten wir unſere Lebensmittel und Betten; auf einem andern, welchen 10 Ochſen zogen, waren unſere Inſtrumente. Wir hatten ferner 10 Sklaven, theils um die Wagen zu fuͤhren, theils um den Quadranten auf den Berg zu tragen. Mittags ſpeisten wir zu Nylkraal, und Abends nahmen wir unſer Quartier in dem Landgute Schaafsplatz⸗Fonteyn. Den aeten kamen wir an eine Ueberfahrt des Flußes Bergrivier nicht weit von dem Landgute Rietkloof. Der Fluß iſt hier ſehr tief, aber nicht gar breit. Wir mußten alles abladen, unſere Kiſten und Gepaͤcke, Stuck fuͤr Stuck uͤberſchaffen, dann die Wagen in das Waſſer laſſen, und hernach wieder mit den Bchſen herausziehen. In dem Hrte Groen⸗Fonteyn, welcher eine gute Stunde von dieſem Landgute entfernt iſt, wurde uͤbetnachtet. Den asten September kamen wir nach 3 Stunden auf dem Landgute Klip⸗ Fonteyn an, welches an dem Fuße eines ungenannten Berges liegt, und ſich mit dem Ruͤcken an den Piquet⸗ Berg anlehnt. Das Land iſt auf dieſem ganzen Striche daͤrre, faſt über⸗ all angebaut, mit Geſtraͤuch und holzigen Pflanzen be⸗ deckt. Der Boden beleht aus Sand, und an manchen Stellen aus Felſen. Ueberhaupt hat die ganze Gegend nicht die geringſte Anmuth⸗ Am 14. brachte man uns einen Stinkdachs, welcher ein Maͤnnchen war, und alt ſchien. Er hatte die Geſtalt und Groͤße eines maͤßigen Dachshundes, und war von der Spitze der Schnautze bis zum Anfange des Schwanies gerade 2 Fuß lang; ſei⸗ ne 12— 15 Linien langen Haare waren unter dem Bauche und au den Pfoten ſchwarz. Von den Augen bis auf die Mitte des Schweifes waren dieſelben weis⸗ grau; das Ende des Schweifes hatte eine ſchwarze Farbe. Zwei weiße 1— 14/2 Zoll breite Streifen trennten den langen weisgrauen Nittelſtrich des Ruͤkens von dem ſchwarzen des Bauches. Kopf und Schnautze waren einem Hunde ziemlich aͤhnlich, die Schnautze kurie ein wenis ſpitzig. Disſes Thier hat keine vor⸗ 280 ſtehenden Ohren, aberzweilaͤngliche perpendikulaͤr gegen die Heffnung des Maules gerichtete Loͤcher oder Spal⸗ ten, in welche das Fell geht. Der Schwanz war un⸗ gefaͤhr 8 Zoll lang, die Pfoten kurz. Die vordern Pfoten hatten ſcharfe Klauen, welche einen Zoll weit herausgingen; die hintern hatten ganz kurze Klauen, wie bei den Hunden. Von den Hunden verfolgt, ſpritzt der Stinkdachs einen ſehr ſtinkenden Saft oͤfters aus, wird aber endlich ganz erſchoͤpft. Den 8. 9. u. 10. Dktober blieb ich auf Riebeek Kaſteel, wo ich vom Rauche, von der Kaͤlte und Näſſe viel auszuſtehen hatte, weil ich weder Zelte, noch Decken und Matratzen hatte. Den ꝛ6ten verließ ich den Berg, nachdem ich neun Tage und eben ſo viele Naͤchte ununterbrochen auf demſelben zugebracht hatte. Wegen Annaͤherung der Gerſten-Ernte faßte ich den Entſchluß, die Unterhaltung der Feuer auf dem Piguetberge auszuſetzen, nachdem ich die Grund⸗ linie gemeſſen hatte, wozu mir viele Leute noͤthig wa⸗ ren. Den 17ten ſchliefen wir Nachts auf der Ebene, ein Tuch an 4 aufrecht ſtehenden Stoͤcken befeſtigt, ſollte uns vor der Nachtluft bewahren. Auf dieſe Art brachten wir die 3 folgenden Naͤchte zu. Den ꝛ6ten begab ich mich auf Einladung des Statthalters nach Rondboſch, wo er mir den Garten Nieuland und das Luſthaus zeigte, welches er im vorigen Jahre in demſelben erbauen ließ. Den sten November uͤberreichte ich dem Statt⸗ 281 palter einen Aufſatz, welcher eine umſtaͤndliche Be⸗ ſchreibung deſſen, wie ich bei der Ausmeſſung eines Grades zu Werke gegangen bin, enthielt. Nachdem Tulbag meinen Entwurf gebilligt, und den Artille⸗ rie⸗Hauptmann M uͤller zum Zeugen meiner Arbei⸗ ten ernannt hatte, bot mir Beſtbier, mein Mieths⸗ herr, auf eine edle Weiſe ſeine Wagen zur Fortſchaß⸗ fung meiner Inſtrumente und ſeine Sklaven zu mei⸗ ner Huͤlfe an, und vertrat zugleich bei mir die Stelle eines Dolmetſchers. vI. Den 1. Januar 1763 ſah ich auf einem bei den Kaffern gebraͤulichen Inſtrumente ſpielen⸗ Es beſteht aus 12 rechtwinklichen Brettſtuͤcken, deren jedes 18— 20 Zoll lang iſt. In der Breite werden ſie von dem erſten an, welcher ungefaͤhr 6 Zoll breit iſt, bis zum letzten, welches nicht über 2 1/2 Zoll ha⸗ ben wird, immer ſchmaͤler. Dieſe kleinen Bretter lie⸗ gen auf 2 Dreiecken neben einander, an welche ſie mit ledernen Riemen ſo befeſtigt ſind, daß das ganie In⸗ ſtrument eine Art von Tafel, welche 4 Fuße lang und 20 Zoll breit iſt, vorſtellt. Unter jedem Brettchen iſt ein Stuͤckchen von einer Kallebaſſe(ausgehoͤhlten Kokos ſchale), welches an daſſelbe befeſtigt iſt, um ihm eine Reſonanz zu geben. Dieſes Inſtrument wird mit 2 hoͤlzernen Haͤmmern, welche an Geſtalt und Groͤße den eiſernen Haͤmmern der Blei⸗Arbeiter aͤhn⸗ tich ſind, geſpielt. Es hat einen ziemlich bellen Klang⸗ 282 und man kann auf ſeinen 42 Toͤnen eine große Men⸗ ge Arien ſpielen. Den 29. Januar war ich zu Conſtantia, einem beruͤhmten Weinberge, welcher aus 2 Wohnhoͤfen be⸗ ſteht; einer iſt alt, der andere von neuerer Bauart, und in dem Geſchmacke der gewoͤhnlichen Wohnhoͤfe und Landhaͤuſer angelegt. Sie liegen beide in einem Grunde, der erſtere ſeht hoͤher als der andere; man bat auf demſelben einige Anſicht auf die Falſebays der andere hat gar keine Ausſicht. Sie ſind reichlich mit Waſſer verſehen, und die Obſt⸗ und Kuͤchen⸗Gaͤr⸗ ten ſehr fruchtbar. Den 4. Maͤrz legte ſich das franzoͤſiſche Schiff, der Herzog von Parma, an dem Vorgebirge vor An⸗ ker, und ich erhielt einen Brief, welchen mir Fru⸗ daine geſchrieben hatte. In dieſem erhielt ich vom Herrn Siegelbewahrer die Erlaubniß ſo viel Koſten⸗ Aufwand zu machen, als ich zur Befoͤrderung der Wiſ⸗ ſenſchaften für gut finden wuͤrde. V. Den sten gins ich auf dem Boote des Herrn von Rupter von dem Vorgebirge ab, um an Bord des Schiffes le Puiſieux zu gehen und meine Reiſe nach Isle de France und Isle de Bourbon anzutreten. Wir entdeckten den a6. April die Inſel Rodrigue, den asten die Inſel RNonde, dann Jsle de France, und ankerten bei dem Eingange des Hafens. Isle de Franee, wurde anfangs von den Po⸗ 283 tugieſen entdeckt, welche wahrſcheinlich Hirſche, Ziegen und Affen dahin gebracht haben. In der Folge nahmen ſie die Hollaͤnder in Beſitz, nannten die In⸗ ſel St. Mauritius, gaben ſie aber wegen ihrer vielen Niederlaſſungen in Indien 1742 auf. Die Franzoſen, welche die nur 35— 40 Meilen entfernte Inſel Bourbon inne hatten, bemaͤchtigten ſich dann ſogleich dieſer verlaßenen Inſel. Nach meinen, auf dieſer Inſel angeſtellten gev⸗ metriſchen Meſſungen hat ſie 90,665 Toiſen im Um⸗ fange. Ihr groͤßter Durchmeſſer, in der Richtung von beinahe voͤllig Norden zu Suͤden, iſt 34,800 Toi⸗ ſen, und ihre groͤßte Breite in der Linie von beinahe voͤlig Oſten nach Weſten, iſt 22,424 Tviſen. Ihre Fi⸗ gur iſt ſo vval, daß das noͤrdliche Ende laͤnglicht, und das ſuͤdliche platt zulauft. Ihr Flaͤchen⸗Inhalt be⸗ traͤgt 432,680 Morgen, den Morgen zu 100 Ruthen, die Nuthe zu 20 Fuß. Dieſes war der Gehalt der Flaͤche des Polygons, welches ich um die Inſel be⸗ ſchrieben hatte. Die Inſel hat? ſehr ſchoͤne Huͤfen; der gegen die Ritte der weſtlichen Kuͤſte der Inſel liegende Port Louis iſt kleiner als der Hafen Bourbon, wel⸗ cher gegen die Mitte der öſtlichen liegt und ſehr ge⸗ geraͤumig und ſicher iſt. Bei dieſem ließen ſich die Hollander nieder, und erbauten eine Art von Fort un⸗ ter dem Namen Friederich Heinrich. Die Grundlagen und ein Theil der Mauern waren noch 284 1ns zu ſehen, man ſchleifte ſie aber damals, um ein X ſehr ſchones Gebaͤude fuͤr den Befehlshaber des Ha⸗ fens nebſt der Beſatzung aufzuführen. Die Kuͤſte um die ganze Inſel beſteht aus Felſen. Der Seegrund iſt in den Gegenden an der Kuͤſte mit Korallen, Madreporen und Muſcheln bedeckt. Es gibt wenig eigentlichen Sand. Die Kuͤſten ſind mit vor⸗ liegenden Riffen eingefaßt, an welchen ſich die Mee⸗ res⸗Wellen brachen. Manche derſelben erßrecken ſich an manchen Drten uͤber eine Meile weit vom Lande. Den groͤßten Theil der Inſel bedecken Berge, deren hochſter nicht viel uͤber 400 Toiſen betragen. Der Hafen Louis iſt halb mit Bergen umgeben. Unter den Ber⸗ gen, welche den Hafen bilden, fuͤhren 2 den hollaͤndi⸗ ſchen Namen Pietherboth und ſeine Frau. i Der erſte iſt 420 Toiſen uͤber die Meeresſlaͤche erha⸗ ben. Er endigt ſich mit einem kahlen Fels⸗Pbelisk, auf welchem ein großes beinahe kubiſches Felſenſtuͤck liegt, welches aber dicker iſt, als die Spitze, auf wel⸗ cher er ruht. Von dieſem ſonderbaren Anblicke erhielt dieſer Fels den Namen Pieterboths Hut. Der andere gegen Weſt gelegene Berg iſt a16 Toiſen hoch, und endigt ſich mit einem großen Felſen, welcher die Geſtalt eines geſtreckten Daumens auf einer Fauſt bat, und deßwegen le Pouece; der Daumen, heißt. Der Hafen Bourbon iſt gleichfalls am Fuße einer Bergkette. Der hochſte Berg derſelben iſt 222 Toiſen boch, und fuͤhrt den Namen Bambu. Die Nod⸗ ueiehece N 285 weſtſeite der Inſel iſt merklich eben, die ſůdweſtliche aber ganz mit Ketten von 300— 350 Toiſen hohen Bergen bedeckt; der hoͤchſte unter allen a24 Toiſen; er liegt an der Muͤndung eines Baches, welcher der kleine ſchwarze Fluß heißt. Der Boden der Inſel iſt ziemlich gut, aber mit einer erſtaunlichen Menge ſchwarzgrauer Steine von verſchiedener Groͤße bedeckt. Sehr viele ſind wie ein Sieb durchloͤchert. Die meiſten enthaiten viel Eiſen; die Oberflaͤche der Erde iſt voll Eiſen„Minen. Viele Bimsſteine, beſonders Lava auf der Nordkuͤſte, tiefe Gruͤfte und andere Anzeigen, zeugen von einem aus⸗ gebrannten Vulkan. Die Inſel iſt faſt ganz mit Waäldern bedeckt, welche ziemlich ſchoͤn, beſonders auf der Süd⸗Bſtſeite der Inſel ſind. Die in den⸗ ſelben befindlichen Fougen*) und andere Arten von Lianen machen den Durchgang ſehr beſchwerlich. Die vornehmſten Baͤume nach der Benennung der Einwohner ſind: Der Palmiſt, der Latanier, der Vacoa, der Moport und der Nattenbaum mit großen und kleinen Blaͤttern. Dieſe beiden Arten geben das ſchoͤnſte rothe Holz auf der Inſel. Der Zimmet⸗ oder Kanel⸗Baum iſt ein großer Baum, welcher ein ziem⸗ uch zaͤhes, geſchmeidiges und leichtes Hols hat. Die⸗ *) Fouge iſt eine groͤſere und dickere Art von, Lh anen, mit ſtarker Rinde, und hat einen Milch⸗ ſaft, welcher bei Wunden ſehr dienlſch it⸗ 286 ſer Name bedeutet keinen Zimmet⸗Baum, oder eine demſelben aͤhnliche Gattung. Der Bliven-Baum iſt keine wirkliche Blivenart, ſondern hat nur ein dem Dliven⸗Baume ähnliches Blatt. Der Milchbaum (bois de Lait) gibt einen weißen, klebrichten Saft, wenn man ihn abhaut oder abbricht. Der Kolophoni⸗ enbaum, einer der dickßen und hoͤchſten Baͤume der Inſel ſchwitzt ein Harz aus, welches aber kein ei⸗ gentliches Kolophonium iſt. Der Benjoin⸗Baum, welcher mit jenem auf den Inſeln Sunda und auf den Molukken nicht die geringſte Aehnlichkeit hat, bekommt niemals Riſſe, und iſt ganz vortrefflich zu Wagner⸗Arbeit; ferner der unaͤchte Tacamaca, der Rondebaum, das Ebenholz, der Stinkbaum, der ſauere Eitronen⸗, der Farrenkraut-, der Mangel⸗, und der Sammt⸗Baum. F Mehr als 60 Baͤche, welche in dem fuͤdlichen Theile der Inſel ſehr nahe bei einander ſind, bewaͤſ⸗ ſern Isle de France. Auf der Inſel findet man viele Teiche ſuͤßen Waſſers, aus welchen die Baͤche entſpringen. In den Bächen faͤngt man Chevtetten, Aale, Flußkarpfen; in den Pfuͤtzen und tiefen Tuͤm⸗ peln Aale, welche zuweilen 5—6 Zoll dick und 4— 5 Fuß lang, ſehr gefraͤßig ſind, und oft diejenigen auf den Grund ziehen, welche ſo unvorſichtig ſind, ſich in die⸗ ſen Pfuͤtzen zu baden. Der Hay, der große Roche, und der Meerteufel werden unter den bekannten Fiſchen an der Kuͤſte am 287 haͤuſigſten angetroffen. Man findet hier oft große Seeſchildkroͤten und Seekuͤhe. Auf Jsle de France gibt es viele Auſtern, deren Schalen ſo wunderlich geſtaltet ſind, daß man ſie mit dem Hammer oͤffnen muß. Der ſchmackhafteſte Fiſch, welchen ich gegeſſen habe, iſt das Waſſerhuhn(poule d'eau) eine Art klei⸗ ner Tornbutte, deſſen Fleiſch und Fett eine gruͤne Farbe hat. 8 unter den Thieren ſindet man Hirſche, wilde Ziegen, wilde Schweine, Haſen. Affen in Menge, Natten und Maͤuſe. Letztere richten das Getreide oft ſo zu Grunde, daß man daſſelbe nicht ernten kann. Auf wohl verwahrten Ernte⸗Feldern ſiehen alle 6 Schritte Fallen. Die gemeinſten Voͤgel ſind: Die Fregatten, die Bubbis, Meer⸗Raben, Kaptauben, Flamingo, See⸗ Lerchen, Tropik⸗Voͤgel mit rothem und weißem Schna⸗ bel, Papageien verſchiedener Art; in den Waͤldern Pintados, eine Art Amſel, zwei Gattungen Holstau⸗ ben, deren eine ſehr wohlſchmeckend, aber der Ge⸗ ſundheit uͤberaus ſchaͤdlich iſt. Einer Art Sperber⸗ Huͤhnerfreßer genannt, fliegen die kleinen Voͤgel hau⸗ fenweiſe nach. Man findet auch einige Bengalis, in den Ebenen 3 Arten Rebhuͤhner. Endlich gibt es auch 2 Arten Fledermaͤuſe, deren eine groͤßer, als die andere iſt. Die groͤßere gibt einer jungen Katze von 2 Monaten nichts nach, ſie iſt in den Monaten April, Mai, Juni, Juli und Auguſt ſehr fett, und wird, wie 6. Bd. Afrika. II. 3. 3 288 die Huͤhner gekocht, um eine fette und ſchmackhafte Bruͤhe zu bekommen. Die beſchwerlichſten und gemeinſten Inſekten ſind: Heuſchrecken, Raupen'⸗ Holzwuͤrmer, Ameiſen, Scha⸗ ben, Skorpionen und Tauſendfuͤße. In den Waͤldern trifft man auch viele Ameiſen„Loͤwen an. In den Gaͤrten ſah ich eine Art Waſſerjungfer, welche auf dem Vorgebirge unter dem Namen Gott der Ho⸗ tentotten bekannt iſt, von welcher die Reiſenden eine Menge Fabeln erzaͤhlt haben. Schlangen gibt es auf Isle de Franee nicht. Die Pflanzen will ich uͤbergehen, weil es mir an genuͤgſamer Kenntniß der Botanik fehlt. Ich will bloß bemerken, daß man, um das neu aufgerißene Land zu Weideplaͤtzen zu machen, eine Pflanze, Saui⸗ ne genannt, hieher gebracht hat. Sie waͤchst ſo hoch und dicht wie unſer ſchoͤnſter Roggen, in etwas lich⸗ ten Gehoͤlzen und auf unangebauten Letten und er⸗ ſtickt alle andern Pflanzen, welche ſie an Hoͤhe übertrifft. Gegen Ende Septembers und Auguſt ver⸗ dorrt ſie, und wird von den Schwarzen angezuͤndet. Das Feuer breitet ſich ſo weit in einem Augenblicke aus, daß die Berge bei Tage mit Rauch bedeckt ſind, und bei Nacht ganz in Feuer ſehen. Dadurch leiden die Waldungen ſehr. Ungefaͤhr der zehnte Theil der Inſel wird umge⸗ riſſen und angebaut. Man ſaͤet Wattzen, Gerſte, Ha⸗ ber, Reis, Mais und Hirſe. An manchen Drten wird 289 Zucker und ſehr ſchoͤne Baumwolle gebaut. Wegen der Steine kann man das Land nicht pfluͤgen. Dft wird das Feld ſobald es abgeaͤrntet iſt, wieder von Neuem mit Saamen beſtellt. In den Gaͤrten werden die meiſten europaͤiſchen Huͤlſenfruͤchte und Kuͤchenge⸗ waͤchſe gebaut, deren Saamen man von Frankreich⸗ vom Vorgebirge und der Inſel Bourbon kom⸗ men laͤßt. Obſt gibt es wenig. Der Mangel an Zuchtvieh macht, daß es keine Fleiſchbaͤnke auf der Inſel gibt. Man ſchickt alle Jahre 2— 3 Schiffe nach der 100 Meilen gegen Oſten von Isle de France gelegenen Inſel Rodrigue, um 7— Sooo Land-, und 65— 6oo See⸗Schildkroͤten zu holen. Das Fleiſch und Fett der Landſchildkroͤte iſt vortrefflich und ſehr geſund. Die Seeſchildkroͤten ſind nicht ſo wohlſchmeckend. Dieſer ganze Vorrath muß den Mangel der Fleiſchbaͤnke fuͤr das Gouver⸗ nement und das Hoſpital erſetzen. Die Einwohner leben von Ziegenfleiſch, Gefluͤgel, Wildpret und Fi⸗ ſchen. Die Luft auf Isle de Franee iſt geſund, ge⸗ maͤßigt und ſehr kalt, beſonders an hochliegenden Plaͤtzen. Der Himmel iſt nicht durchgaͤngig auf der Inſel gleich heiter. Gegen die Mitte der Inſel res⸗ net es faſt alle Tage des ganzen Jahres; dadurch wer⸗ den die Leiche und Baͤche unterhalten, deren nur wenige austrocknen. Ungeachtet der Duͤrre im Som⸗ mer iſt der Himmel ſelten recht klar. Faſt beſtaͤndig 290 erblickt man kleine Haufen von Wolken, welche von der Mitte der Inſel kommen. VI. Den 46. Januar 17364 ſetzte ich mich von Isle de France auf dem Schiffe le Bourbon ein, um nach der Inſel Bourbon zu fahren. Tags darauf ankerten wir auf der Rhede von St. Denis. Herr Brenier, Befehlshaber der Inſel gab mir ein kleines Haus, nebſt einem Schwarzen zu meiner Be⸗ dienung. Den 26. Februar begab ich mich an den Bord des Achilles, und erblickte den 15. April die Inſel Ascenſion. Nachmittags ſtiegen wir an das Land, und lagerten uns ein wenig ſuͤdlich von der Fran⸗ zoſen⸗Bay, in dem nord⸗weſtlichen Theil der Inſel, dem gewoͤhnlichen Ankerplatze. Die Inſel Aſcenſion, bei welcher gewoͤhnlich die franzoͤſiſchen Schiffe bei ihrer Ruͤckkehr aus Indien landen, iſt klein, und wird von Nord nach Suͤd we⸗ nig uͤber 3, und von Bſt nach Weſt nicht uͤber 2 Mei⸗ len haben. Ganz augenſcheinlich iſt ſie durch einen Vulkan gebildet. Sie beſteht aus Vergen von mitt⸗ lerer Hoͤhe zu 100— 460 Dviſen; der groͤßte auf dem ſuͤd⸗oſtlichen Theile der Inſel, der gruͤne Berg. aber iſt ungefaͤhr 400 Totſen hoch, und hat einen dop⸗ pelt laͤnglichen Gipfel; alle uͤbrigen endigen ſich in eine ziemlich koniſche Figur, und ſind mit rother Erde bedeckt. Das Land und ein Dheil der Berge ſind mit ei⸗ ner erſtaunlichen Menge durchloͤcherter Felsſteine und 291 andern kaleinirten und ſehr leichten Steinen beſaͤet; viele derſelben ſehen wie Schlacken aus. Es gibt viele Bimsſteine. Die Felsſtuͤcke liegen ſehr unordent⸗ lich uͤbereinander, und die meiſten au dem Abhange der Berge. Sie ſetzen durch ihre Muͤrbe und Zer⸗ brechlichkeit den unbehutſamen Wanderer in Gefahr, mit denſelben hinabzuſtuͤrzen und ſogar unter ihren Schutt begraben zu werden.. In der Mitte der Inſel und zwiſchen den Ber⸗ gen ſind Ebenen von ſehr geringem Umfange. An Fluß⸗ und Duellwaſſer iſt gaͤnzlich Mangel. Die Flaͤche der Bnſel ſieht durchaus kahl, und iſt unangebaut. Ich fand vier Arten von Pflanzen, welche nur hier und da einzeln ſtanden. Sie ſind: Portulak von einer ſehr guten Gattung; Wolfsmilch mit ziemlich hartem Stengel, wenn er welk wird, eine Art Gras mit einem ſchmalen, langen und ein wenig gezaͤhnten Blatte, wie Kannekraut; endlich eine Art Convolvulus welche nur auf dem Sande am Geſtade des Meeres woaͤchſt, und auf Isle de France und Bourbon den Namen Patate à Durand fuͤhrt. Von den Voͤgeln trifft man in grober Anzahl die Fregatten, die Bubby, Pelecanus piscator), und die Tropik⸗Voͤgel(Phaeton aethereus). Es gibt einige wilde Ziegen, Ratten, Maͤuſe und einige Fliegen; wenige Inſekten, und einige kleine ſchwarze Ameiſen und Kaͤfer. Die Kuͤſte beſteht aus ſchwarzen, ſehr harten Feb⸗ * 292 ſen, oder aus aufgehaͤuftem Sande, welcher aus zer⸗ brochenen Konchilien entſtanden iſt. Es ſind lauter kleine abgerundete Koͤrner von verſchiedener Farbe. Die Hauptfarben ſind weiß, gelb, karmoiſin. Dieſe Koͤrner ſind an den verſchiedenen Orten der Kuͤſte mehr oder weniger fein. An manchen Kuͤſten ſehen ſie aus wie Anis von Verdun, an andern wie die feinſten Zuckerkoͤrner dieſer Stadt. Es gibt Stel⸗ len auf der Kuͤſte, wo die großen Koͤrner derſelben harte, s—6 Zoll ſtarke Steinlagen bilden. Die wuͤſte Inſel Ascenſion, welche weder Holz noch Waſſer hat, wird bloß wegen des Fanges der Seeſchildkroͤten beſucht. Der Fang geſchieht alſo: Vier bis fuͤnf Maͤnner gehen Nachts laͤngs der Ge⸗ ſtade, und wo ſie eine Schildkroͤte antreffen, welche ihre Eier in ein Loch im Sand legt, ſo legen ſie die⸗ ſelbe auf den Ruͤcken. In dieſer Lage muͤſſen ſie blei⸗ ben, bis ſie an Bord gebracht werden. Bei der Inſel faͤngt man auch viele Fiſche. Der gewoͤhnliche Anker⸗ platz iſt einer Bucht auf der Nordweßſeite der Inſel gegenuͤber; der See⸗Grund beſteht aus Sand, zer⸗ brochenen Muſcheln, Schneckenſchaalen und Korallen. Die Inſel Ascenſion koͤnnte einen Naturfor⸗ ſcher lange beſchaͤftigen und einem Philoſophen viel Stoff zum Nachdenken geben. Waͤhrend meines kur⸗ zen Aufenthaltes konnte ich ſie nur aus dem Stand⸗ vunkte betrachten, in wie weit ſie ein wichtiger Ge⸗ 293 genſtand der Erdveſchreibung und der Nautik iſt. Ich begnuͤgte mich ihre Breite gehoͤrig zu beſtimmen. Den 19. April begab ich mich wieder an Bord⸗ Den o. Juni legten wir uns unter der Inſel Groir vor Anker, und liefen den 13. in dem Hafen l'Drient ein. Den 28ſten kam ich zu Paris an, nach einer Reiſe von 3 Jahren, 8 Monaten und 1 Woche. vII. Die Bemerkungen des Abbé de la Caille uber die Gebraͤuche und Sitten der Bewohner des Vorgebirgs der guten Hoffnung und der Hottentotten⸗ welche der Verfaſſer auf dem Vor⸗ gebirge ſchrieb, werden hier geliefert, wie man ſie un⸗ ter ſeinen Schriften gefunden hat. Das Vorhaben des Verfaſſers, ſie einer hiſtoriſchen Abhandlung zum Grunde zu legen, vereitelte der Tod. Dieſe Bemer⸗ kungen dienen zugleich zur Widerlegung der Reiſe⸗ beſchreibung des ſchwachen Kolbe. Der Boden auf dem Vorgebirge iſt von keiner vor⸗ zuglichen Guͤte. Der Ueberfluß, welchen man hier trifft, kommt von der guten Beſchaffenheit des Lan⸗ des, von dem gemaͤßigten Himmelsſtriche, von der betraͤchtlichen Duͤngung⸗ und von der Reuheit der urbar gemachten Felder. Pbgleich es auf dem Vorgebirge friſches Fleiſch und Fiſche im neberſluſſe gibt, ſo ſetzen doch die Ein⸗ wohner einander nur geraͤuchertes oder geſalzenes Fleiſch, oder eingeſalzene und getrocknete Fiſche vor. Letztere werden leicht geroſet, und mit viel Pfeffer 294 und mit Brod in warmem Waſſer eingetaucht gegeſ⸗ ſen. Die Damen lieben alle Arten von Achard: dieſe ſind Gartengewaͤchſe, welche eingeſalzen und mit Wein⸗ eſſig eingemacht ſind, und Obſt, bei welchem ſie das Gewuͤrz nicht ſparen. Bei verſchiedenen feierlichen Gaſtmahlen, welchen ich beiwohnte, beſtanden die Hauptgerichte in hartem, gelben Stockfiſche, und europaͤtſchen halbverfaulten Schinken mit trefflich gel⸗ bem und ranzigem Specke. Friſche Fleiſchſpeiſen an⸗ zuruͤhren, huͤtet man ſich ſehr, obwohl ſie haͤufig auf⸗ getragen werden, um die Zahl der Gerichte zu ver⸗ mehren. Eine Dame, welche auf dem Lande an dem Fuße des Berges, Babyloniſcher Thurm genannt, wohnte, kam auf das Vorgebirge, um einige Tage bei Herrn Beſtbier zuzubringen. Als ſie bald nach ihrer Ruͤckreiſe ſtarb, ſchrieb man ihren Dod dem Um⸗ ſtande zu, daß ſie nur friſches Fleiſch bei Beſtbier gegeſſen haͤtte. In Europs eingepoͤckeltes Fleiſch iſt das angenehmſte Geſchenk, welches die Capitaine der Schiffe bei ihrem Landen am Vorgebirge machen koͤnnen. Je ſchwatzer dieſes Fleiſch iſt, deſto mehr iſt es nach dem Geſchmacke der Einwohner. Die meiſten Garten- und Kuͤchengewaͤchſe auf dem Vorgebirge ſind ſo gut, als ich ſie in Suropa gegeſſen habe. So groß auch uͤbrigens der Ueberfluß an Obſt⸗ und Garten⸗Gewaͤchſen auf dem Vorgebirge iſt, ſo ſind ſie doch ſehr theuer. Den Winter auf dem Vorgebirge kann man die . 295 ſchoͤne Jahreszeit nennen: denn nicht zu gedenken, daß es niemals ſo kalt wird, um einheizen zu muͤſſen, ſo hat mun in dieſen Monaten oft 6—7 Tage ohne Wind und beſchwerliche Hitze, wie die ſchoͤnſten Tage des Septembers. Wenn auch das Wetter zu⸗ weilen abwechſelt, ſo faͤllt es doch nicht ſo plotzlich und abwechſelnd, wie in Frankreich ein. Der Fluͤſſe wegen iſt der Winter den Reiſenden ſehr beſchwerlich. Die Einkuͤnfte der Einwohner, welche ſich weit vom Hafen auf dem Lande niedergelaſſen haben, be⸗ ſtehen in dem Verkauf ihres Viehes und ihrer But⸗ ter. Die 60— 80 Meilen entfernt Wohnenden brin⸗ gen des Jahres zwei bis dreimal einen großen Wagen geſalzener Butter mit, welche ſie verkaufen, und für den Erloͤs den noͤthigen Bedarf ſich verſchaffen⸗ Das Pfund geſalzener Butter gilt auf dem Vorgebirge ge⸗ wohnlich einen Schilling, nach franzoſiſchem Gelde beinahe 12 Sous. Die hollaͤndiſche geſalzene Butter gus den Magatzinen der Kompagnie wird fuͤr 2 Schil⸗ linge verkauft. Zu verwundern jedoch iſt, daß in einem Lande, deſſen groͤßter Reichthum im Viehe be⸗ ſteht, die Butter und Milch ſo theuer ſind. Es wird wenig Kaͤs von der abgerahmten Milch gemacht, wel⸗ cher noch dazu ziemlich ſchlecht iſt. Die reichen Ein⸗ wohner eſſen gewoͤhnlich ihre Butter mit daruͤber ge⸗ legtem hollaͤndiſchen Kaͤs, durch welchen ihr etwas ranziger Geſchmack benommen wird. Die Kuͤhe geben auch nicht ſo viel Milch, als die europaͤiſchen. Auf 296 einem Landgute zu Groͤne⸗Kloof, wo uͤber 200 Stück Rindvieh waren, mußte man dennoch alle Morgen eine halbe Stunde weit ſchicken, um Milch zum Kaffee zu holen. Die Kinder werden auf dem Vorgebirge nicht mit Brei, ſondern mit Suppe auf⸗ gezogen. Man hat hier die Gewohnheit, alles auf kurzen und ſchmalen Wagen zu fuͤhren. Es fehlt zwar nicht an Ochſen, nicht einmal an Pferden, ſie zu ziehen; aber nichts deſto weniger iſt der Preis der Wagen ſo theuer, daß ein Wagen nicht leicht unter 120 hollaͤn⸗ diſche Gulden zu ſtehen kommt. Weil man aber, um das Getraide zu verfuͤhren, viele Fuhren und Reiſen auf dem Vorgebirge thun muß, ſo tragen die entfernten Landgüter nicht viel. Es werden zwar auf den mei⸗ ſten Landguͤtern viele Pferde gehalten, aber nur zum Korn⸗Austreten, und um die beſtellten Felder zu eggen. Bei dem beſten Weizen backen die Einwohner auf dem Lande ein ſchlechtes Brod. Die Schuld liegt theils in den ſchlechten Muͤhlen, theils an der ſchlechten Bearbeitung des Taiges. Herren und Sklaven eſſen das naͤmliche Brod. Wilde Thiere ſind jetzt vom Vorgebirge entſernt. In dem ganzen Striche Landes, welchen die Bergkette umſchließt, die von dem oͤßtlichen Eingange der Falſe⸗ Bay bis uͤber die Bay St, Helena geht, trifft man 2907 bloß einiges Wildpret. Die wilden Thiere in den entfernteſten Beſitzungen der Hollaͤnder fliehen, ſobald ſie einen Menſchen erblicken. um jedoch dieſe Thiere nicht plotzlich zu uͤberraſchen, knallen die Reiſenden mit ihren langen Peitſchen oder ſchießen einige Male, wenn ſie ſich den Fluͤſſen naͤhern, bei welchen ſich dieſe Thiere aufhalten. Iſt nun ein Liger„Elephant oder Lowe in der Naͤhe, ſo wacht er auf und entfernt ſich. Große Liger gibt es wenig, aber ſehr kleine in Menge. Den Einwohnern fuͤgen Schaden zu: die Woͤlfe, Liger, wilden Hunde und Schakale. Der Loͤwe pflegt zwiſchen dem Geſtraͤuche auf dem Bauche an der Erde herbeizuſchleichen, bis er meint, ſeine Beute im Sprunge erreichen zu können. Einen Och⸗ ſen wirſt er mit einem einzigen Schlage ſeiner Tatze zu Boden, legt ihn auf den Ruͤcken und traͤgt ihn fort, ohne daß etwas von demſelben auf die Erde ſchleppt. Pft ſpringt er in die Kraals(Hotten⸗ tottiſche Doͤrfer), und wirft einen Ochſen uͤber die Mauern. Das gemeinſte Wildpret in der Nachbarſchaft des Vorgebirges, mit Ausnahme der verſchiedenen See⸗ voͤgel und Waſſerhuͤhner, ſind: der Hirſch mit einem Geweihe ohne Enden, ſehr viele Arten von Boͤcken und Rehen, Landſchweine, Stachelſchweine und ver⸗ ſchiedene Arten von Haſen. Unter den Voͤgeln finden ſich Strauße in großer Menge⸗ Knorchaͤhne, Faſanen, 298 Rebhuͤhner, Wachteln, wilde Tauben, Pfauen, wilde Gaͤnſe und Enten. Auch Murmelthiere, mit welchen die Berge angefuͤllt ſind, werden gegeſſen. Den Stein⸗ bock ausgenommen hat das Wildpret keinen koſtlichen Geſchmack. Dasſelbe gilt auch von den Fiſchen, un⸗ ter denen die Steinbraſſen die beſten ſind. In den Gegenden um das Vorgebirge gibt es nicht eine einzige Art von Papageien; wohl aber eine Art Affen, Baviane, welche ſehr gewoͤhnlich ſind, und in großer Menge gefunden werden. Sie laſſen ſich auf keine Weiſe nahe kommen. Bei der Annaͤhe⸗ rung von Menſchen fangen ſie ein allgemeines Ge⸗ ſchrei an, welches eine oder zwei Minuten dauertz nach dieſem ſteht und hoͤrt man keinen mehr. In den Ebenen und außer ihren Felſen trifft man niemals einen an. Aus dieſem kann man obnehmen, was von dem Mahrchen zu halten iſt, welches Kolbe von den Bavianen erzaͤhlt, wie ſie kommen und den Rei⸗ ſenden ihre Lebensmittel ſchlau wegſtehlen. Mir wurde wohl auch erzaͤhlt, daß ſie in Haufen ausgehen, um die Gaͤrten zu pluͤndern, und daß ſie dabei Wachen ausſtellen, und die abgepflückten Fruͤchte einander zu⸗ werfen. Wenn dieſes auch wahr ſeyn mag, ſo ſind doch die uͤbrigen hinzugeſetzteu, wunderbaren Umſtaͤnde eine bloße Erdichtung. Sie ſind uͤbrigens ſehr groß, und reichen einem Manne von mittelmaͤßiger Laͤnge bis an das Geſicht. Einige Einwohner auf dem Lande 3 299˙ haben die Gefangenen an Ketten vor einer Pfoſte ge⸗ legt. Brod, Pbſt oder Gartengewaͤchſe erhaſchen ſie mit einer außerordentlichen Geſchwindigkeit, zerbre⸗ chen es mit den Vorderfuͤßen, machen es mit den gaͤhnen klein, ohne es zu kauen, und ſtopfen es zwi⸗ ſchen ihre Zaͤhne und Backen. Sobald ſie nun alles, was ſie bekommen koͤnnen, aufgeleſen und eingeſam⸗ melt haben, fangen ſie an, ihren in den Backen ge⸗ ſammelten Vorrath in kleinen Theilen zu verſehren. Um es aus den Pausbacken herauszubringen, druͤcken ſie es mit der Pfore, oder ſtaͤmmen auch wohl ihre Backen gegen die naͤchſte Schulter. Der Wein von Conſtantia wächſt nur aufzweien, zunächſt an Conſtantia liegenden Landgutern. Beide koͤnnen in den ergiebigſten Jahren nicht mehr als 60 Lecker(Ohmen) rothen und 80— 90 weißen Wein lie⸗ fern. Der Lecker haͤlt ungefaͤhr 600 Pariſer Pinten. Eine große Beſchwerlichkeit verurſachen den Rei⸗ ſenden auf dem Vorgebirge, welche zu Pferde auf die Jagd oder außer den Wegen reiten, die langen unterirdiſchen Gaͤnge, welche die Maulwuͤrfe in den Sand machen. Sie ſind ſehr dick und groß, wie eine Katze von 4 Monaten. Die Windhunde ſind in die⸗ ſem Lande unnuͤtze Kreaturen. Was Kolbe von dem Fange der Elennthiere ſagt, hat ſeine gute Richtigkeit. Die Steinboͤcke, welche oft in die Weinberge kommen, ſind ſelten groͤßer als 300 ein ordentlicher Fuchs; die Elennthiere aber gemein⸗ lich groͤßer, als die großten Frießlaͤnder Pferde. Sie wiegen soo— 900 Pfund und ſind wegen geringer Ge⸗ genwehr leicht zu toͤdten. Wenn es eine viertel oder haibe Stunde verfolgt wird, ſteht es vor Muͤdigkeit ſtille, und laͤßt ſich leicht todt ſchießen. Mit einem Degen ihm beizukommen, iſt wegen der Haͤrte ſeiner Haut nicht leicht moglich. ⸗ In dem vom Vorgebirge noͤrdlich gelegenen Theile und in den Gegenden ſenſeits der großen Ketten⸗Ge⸗ birge, welche von der Falſebay ſich nach Norden erſtrecken, ſind Wein, Brantwein und Tobak der beſte Reiſepaß. Man iſt willkommen, und die Leute geben gerne Pferde, Ochſen, Wagen ꝛe. her; im Gegentheile aber hat man magere Gerichte und ſauere Geſichter zu erwarten. Die Einwohner des Vorgebirges ſind von Natur viel zu traͤge, als daß ſie ihre Butter, wie in Europa bereiten ſollten. Nach 3 Tagen wird aus der gemol⸗ kenen Milch ohne weitere Umſtaͤnde Butter geſchlagen. Auf dem Vorgebirge braut man ſehr ſchlechtes Bier, entweder aus Unwiſſenheit und Faulheit, oder weil verdorbener Hopfen genommen wird, welchen man aus Holland kommen laͤßt. Es iſt hier gebraͤuchlich, daß bei Mahlzeiten, wo die Bewirthung gut ſeyn ſoll, Bier angeboten wird, nachdem man die erſten iwei oder Fal Wein getrunken hat. 301 Die Weinſtocke pflanit man in den Grund, und ſäet das Getraid auf die Anhoͤhen; die Wohnungen liegen nahe dabei. Die Ameiſen⸗Haufen ſind auf dem Vorgebirge, beſonders in Swartland ſehr haͤufig. Einige ſah ich uͤber 2 Fuß hoch, und beinahe von einer 4 Fuß großen Grundflaͤche. Sie haben beinahe die Figur einer Halbkugel, ſehr oft auch einer laͤnglichen Haͤ⸗ misphaͤrvlde, Ob ſie gleich in ſehr lockern Triebſand gebaut werden, ſo ſind ſie doch ſo hart, daß ſie nicht ohne große Muhe zerbrochen werden koͤnnen und daß ein beladener Wagen daruͤber geht, ohne ſie zu zer⸗ druͤcken. Man ſieht keinen Ausgang auf denſelben. Zu Ende Oktobers und zu Anfang Novembers fuͤgen die Ameiſen eine neue Lage zu dem Haufen⸗ bald auf dem Gipfel, bald auf einer von den Seiten⸗ Zu dieſem Ende machen ſie einige Löcher, und bedecken ſie mit einer neuen Lage von bedeckten Gängen. Es dauert eine geraume Zeit, ehe dieſe Lage ſo hart wird, wie das uͤbrige. Als ich im Monate Oktober verſchie⸗ dene Ameiſen-Haufen aufſtach, fand ich eine erſtaun⸗ liche Menge weißer, ſchwarzer und weißgeflägelter Ameiſen. Die Landſchweine machen in dieſe Haufen auf einer Seite ein Loch, und entvoͤlkern dieſelben, welche gemeinlich verlaſſen und leer ſtehen bleiben⸗ Zuweilen beſſern die Ameiſen ſie wieder aus. Die Kolonie auf dem Vorgebirge beſteht jetzt aus 3 Gerichtsbarkeiten und 6 Kirchenſpielen. Die erſte 302 Gerichtsbarkeit iſt jene von der Stadt des Vorge⸗ birgs mit einem Kirchſpiele und dem Juſtiz⸗Kolle⸗ gium, welches in Appellationsſachen entſcheidet. Die zweite iſt die von Stellenboſch und Draken⸗ ſtein mit einem Landdroſt und Raͤthen, welche ſich in dem Dörfe Stellenboſch verſammeln; dazu ge⸗ hoͤren die 4 Kirchſpiele, Stellenboſch, Draken⸗ ſtein, Swartland und das Kirchſpiel jenſeits der rothen Sandberge. Die dritte Gerichtsbarkeit Schwellendamm hat das ganze Land jenſeits der von Suͤd nach Nord laufenden Bergkette. Sie hat ihren Namen von dem vorigen Statthalter Schwel⸗ lenberger, welcher ein Hirchſpiel und einen aus einem Landdroſten und etlichen Raͤthen beſtehenden Rath errichtet hat. Die Beſchwerden der Bewohner des Vorgebirges gegen die Regierung ſind: 20 daß man ihnen nicht den Verkauf des Getraides an Fremde geſtatten will, 2) daß man ihnen nicht geſtattet, einige Schiffe aus⸗ zuruͤſten, um in der Nachbarſchaft Handel zu treiben; 2) daß ſie von den Kapitalien, welche ſie zu ihrer Nothdurft erborgen, ſechs vom Hundert geben, und dabei eine doppelte Buͤrgſchaft ſtellen muͤſſen; 4) daß, obgleich 2 Drittheile der Einwohner aus Lutheranern beſtehen, man ihnen die Erlaubniß verſagt, Geiſtliche von ihrer Religivn zu haben; 3) daß man aus Ba⸗ tavia verbannte Chineſen duldet, welche bloß von 303 Diebſtaͤhlen der Sklaven leben, welchen ſie geſiohlene Sachen abkaufen. Die Einwohner des Vorgebirges tragen nicht die geringſte Sorge fuͤr den Unterricht ihrer Sklaven. Man ſpricht niemals uͤber Religionsſachen mit ihnen. Saͤmmtliche Sklaven ſind aber auch allen Arten von Laſtern ergeben; beſonders ſind die Maͤdchen die un⸗ verſchämteſten Geſchoͤpfe, welche, nachdem ſie den Weißen ihre erſte Jugendbluͤthe uͤberlaſſen haben, ſich allen Mannsperſonen ohne unterſchied Preis geben⸗ und auf oͤffentlicher Straße zur Unzucht reizen⸗ Da⸗ durch entſtehen ſehr viele Schlaͤgereien und Meuchel⸗ morde aus Eiferſucht. Dazu kommt noch der unma⸗ ßige Gebrauch des Brantweins, Weins und Araks, ſo daß es wenige Haͤuſer gibt, in welchen es nicht faſt täglich zum Raufen und Schlagen kommt. Wenn ein Herr ſeinem Sklaven die Freideit ſchenkt, wird dieſer getauft. Dieſer Fall iſt aber ſelten, weil der Herr der Kirche s00 Thaler zum Unterhalte des Schwar, zen, wenn er ſich nicht ſollte ernaͤhren koͤnnen, ver⸗ ſichern muß. Die Urſache, warum ſie ihren Sklaven keine Empfindung von Religion einfloͤßen, iſt, daß die Sklaven der Kompagnie durch Katechiſationen, welche an gewiſſen Tagen mit ihnen vorgenommen werden, Unterricht bekommen, und gleichwohl noch ärgere Boſewichte ſind, als die Sklaven der Buͤrger. Die Kinder kommen von der ſchlechten Katecheſe in das gemeine Quartier der Sklaven zu ihren Muttern s6. Bd. Afrika“ II. 3. 4 304 zuruͤck, welche in der ſchaͤndlichſten Luͤderlichkeit leben, und mit Schwarzen, Soldaten und Matroſen beſtaͤn⸗ dig ihr Gewerbe treiben. Da der Preis der Schoͤn⸗ ſten nur 2 Schillinge iſt, ſo kann man leicht erachten, daß den guten Abſichten der Kompagnie ſchlecht nach⸗ gelebt werde. 305 Reiſebeſchreibung Mauriz Thoman's, ehemaligen Jeſuiten und Miſſionnärs in Aſien und Afrika 1753—59*). I. Lebensbeſchreibung des Verfaſſers. 54 M uriz Thoman erblickte im J. 1722 zu Leutkirch, einer kleinen Reichsſtadt im ſchwaͤbi⸗ ſchen Kreiſe, das Tageslicht. Sein Vater, ein armer Leineweber, wuͤnſchte, daß er bei reiferem Alter dem Beiſpiele ſeines aͤlteſten Sohnes folgen ſollte, welcher in dem Orden der Kapuziner ſeine Geluͤbde abgelegt hatte. Thoman kam nach Innsbruck und vollen⸗ dete, von Gutthaͤtern unterſtutzt, die Studien des Gym⸗ naſium's. Sein Fortgang war mittelmaͤßig. Er hoͤrte bei den Dominikanern zu Botzen Philoſophie, kehrte *) Reiſe⸗ und Lebens⸗„Beſchreibung von ihm ſelbſt verfaßt. Augsburg bei Rieger 1758. 8. 306 dann nach Inusbruck zuruͤck, wo er ſich der Medi⸗ zin widmete. Als er im Begriſſe war, die Doktors⸗ Wuͤrde zu nehmen, fehlte es ihm an Geld zur Be⸗ ſtreitung der noͤthigen Koſten. Im J. 1747 reiste er nach Rom, um in den beruͤhmteſten Spitaͤlern zu praktiziren, und endlich wieder in Deutſchland eine Verſorgung zu ſuchen. Da Thoman noch immer keine Ausſicht hatte, zu dem vorgeſetzten Ziele zu gelangen, und da gerade damals in Rom der Jeſuit Archangelus d'Origni⸗ ein Veroneſer, Generalprokurator der gvaniſchen Provinz, ſich befand, und taugliche Leute zu Miſſiv⸗ naͤren nach Indien ſuchte, ſo faßte er gleich den Entſchluß, ein Jeſuit zu werden. Vor ſeinem Ein⸗ tritte in das Noviziat wurde Dhoman auf Koſten der Geſellſchaft Jeſu nach der Untverſität zu Mace⸗ rata geſchickt, nach ausgeſtandenen Pruͤfungen Doktor der Philoſophie und Medizin und zugleich Pfalz⸗Graf. §. 2. Das Noviziat dauerte 21. Monate, hier⸗ auf wurde er nebſt einigen andern Jeſuiten in die Um⸗ gegend von Rom zum Predigen geſchickt, und end⸗ lich zum Miſſionaͤr nach Indien beſtimmt. Die Reiſe ging uͤber Rom nach Liſſabon, dann zur See nach der Inſel Moſambiaue und von da nach Goa. Im F. 1767 verließ Thoman Goa, um die Reiſe nach Afrika anzutreten, und in die ihm beſtimmte Miſſion an den Fluͤſſen von Senna zu kommen. Glüchlich langte er an dem Orte ſeiner Bekimmung 307 an, und verrichtete ſein Geſchaͤft bis zum Jahre 1n68, in welchem die Miſſionaͤre auf Befehl des Koͤnigs von Portugal gefangen genommen, in einen finſtern Ker⸗ ker geſetzt, als Staatsgefangene nach Goa, und von da nach Liſſabon gebracht wurden. Zu Liſſabon 161 angekommen, wurden die Miſſionaͤre in die 3 Stunden von Liſſabon entlegene Feſtung des h. Julian gefuͤhrt. Lang mubten ſie in finſtern Loͤchern mit Elend und Noth aller Art kaͤmpfen, urd durften mit Niemand, den Kerkermeiſter ausgenommen, reden; einen Brief zu ſchreiben wuͤrde den Kopf gekoſtet ha⸗ ben. Das Ungluͤck der Miſſionaͤre war der Marquis vonPombal, welcher 1. Miniſter des Koͤnigs von Por⸗ tugal und ein Feind der Jefuiten war. Bis 1777 dauerte die erbärmliche Lage in der portugieſiſchen Gefangenſchaft. Saͤmmtliche Miſſion aͤre wurden end⸗ lich entlaſſen. Tboman begab ſich nach Botzen. II. Reiſe des Verfaſſers. Im J. 4763, den 22. April ſegelten wir mit an⸗ haltendem guten Winde, erichlte Thoman, den Aequator, nachdem wir von Liſſabon 36 Grade glucklich zuruͤckgelegt hatten. Noch an dieſem Tage jegte ſich der Wind; das Schiff ſtand wie angenagelt und das ſpiegelhelle Meer ruhig. Die Windſtille in dieſer Gegend iſt ſchrecklich fuͤr den Reiſenden; ſie haͤlt gewoͤbnlich lange Zeit auf, und bringt weges der 308 außerordentlichen Hitze viele ſchwere Krankheiten hervor. Mit maͤßigem Winde fuhren wir zum Vorgebirge der guten Hoffnung, welches in 36 der Pol⸗ hoͤhe liegt, und wegen der vielen Schiffbruͤche in die⸗ ſer Gegend Vorgebirge der ſchlechten Hoff⸗ nung geheißen haben ſoll. Mit großem Frohlocken ſetzten wir uͤber das Cap. Auf demſelben haben die Hollaͤnder die ſchoͤne Stadt Tavelvai auf europaͤi⸗ ſchen Fuß angelegt. Die Vorbeifahrenden ſehen dieſe Stadt nicht, weil ſie etwas tiefer im Lande liegt. Mit dem angenehmſten und beſten Winde fuhren wir weiter, und kamen auf die Anhoͤhe der Coſta de Natale. Der Gefahr zu ſtranden entgangen, wur⸗ den wir von einem Sturme uͤberfallen. Der Himmel uͤberzog ſich mit ſchwarzem und ſchweren Gewölke, es erfolgte ein beftiger, mit ſteten Blitzen vermiſchter Platzregen; auf dem großen Maſtbaume zeigte ſich das meteoriſche Feuer, welches die Portugieſen Sant⸗ Elmo nennen, das Meer fing an, graͤßlich zu brauſen und zu toben. Jeder arbeitete nach Leibeskraͤften, wir nahmen durch unſer Gebet unſere Zuflucht zu dem guͤtigen Himmel, ſprachen unſere Bannflͤche gegen das wuͤthende Meer aus, und warfen einige Reliquien in dasſelbe.— Was für eine ſchreckbare Nacht, voll des Jammers, der Angſt, ſtanden wir aus!— Nach wenigen Dagen ließen wir die Inſel Ma⸗ dagascar zur Rechten, und fuhren in den großen Kanal, die kleine und tief liegende Inſel Moſam⸗ 309 bique zu ſuchen. Dieſer Kanal iſt wegen der ver⸗ borgenen großen Sandbanke und Klippen ſehr gefaͤhr⸗ lich. Wenn die Schiffer den 15 erfuͤllt haben, fab⸗ ren ſie ſo lange fort, bis ſie das Brod aufden Tiſch geſetzt ſehen. Dieß iſt ſo zu verſtehen; In dieſer Gegend ſind 2 hohe, aber weit von einander entfernte Berge. Der eine hat in der Hoͤhe die Ge⸗ ſtalt eines Brodes, der andere jene eines Tiſches. Treffen dieſe 2 Berge im Auge ſo zuſammen, daß das Brod auf dem Liſche geſetzt ſcheint, ſo iſt man ver⸗ ſichert, nahe bei der Inſel zu ſeyn. Als wir die Inſel ſahen, wurden zum Zeichen un⸗ ſerer Ankunft zwei Kanonen losgebrennt, damit man uns einen erfahrnen Steuermann ſchicken moͤchte. Den 28. Juni 1763 landeten wir auf der Inſel Mo⸗ ſambique; ſie liegt jenem Theile Afrika's gegen⸗ uͤber, welcher Cafraria, Kafernland, heitt. Dieſe Inſel hat wenig Merkwuͤrdiges, ſie iſt ſehr xlein, kaum eine Stunde lang, und zuweilen kaum ½ Stunde breit. Den Handel, welcher ſehr groß iſt, treiben einige Portugieſen, aſiatiſche Heiden, und Mahometaner. Keinem Schiffe einer fremden Nation wird geſtattet, in den Hafen zu laufen, wie dies die Portugieſen auch in ihren uͤbrigen Haͤfen Aſien's, Afrika's und Amerika's thun. Die Inſel iſt zerner ſehr unfruchtbar, und bezieht ihre Lebensmit⸗ tel vom Feſtlande, oder andern nahegelegenen Orten. Wegen Mangels an Quellen wird das Waſſer in Zi⸗ * 31⁰ ſternen geſammelt. Da es nun ſelten regnet, ſo wird das Waſſer ſehr koſtbar, und nur vortionenweiſe aus⸗ getheilt. An Meeresſiſchen hat man Ueberſluß. Ein koͤniglicher Statthalter und ein infulirter Probſt wohnen daſelbſt. Die Jeſuiten hatten ein ziemlich wohlgebautes Kollegium; die Dominikaner ein Kloſter, und die barmherzigen Bruͤder ein koͤnig⸗ liches Spital zu verſehen. Die Feſtung iſt ſchoͤn und gut gebaut. Wenn dieſe Inſel großen Mangel an Lebensmitteln zu haben beginnt, ſo ſchifft man Hacken, Meſſer, Scheeten u. ſ. w. auf die gegenuͤber liegende Inſel Madagasear, um die noͤthigen Lebensmit⸗ tel zu kaufen.. Den 19. Auguſt fuhren wir unter Bedeckung von 2 portugieſiſchen Schiffen, das eine war von Dio, das andere von Damaͤo, zweien portugieſ. Plaͤtzen in Aſien, weiter, und uͤberfuhren innerhalb 44 bis 16 Tagen die Linie zum zweiten Male. In die ſer Gegend, wo die Linie ſich gegen Aſien wendet, iſt die Windſtille und die unertraͤgliche Hitze nicht ſo ſehr zu fuͤrchten. Als wir auf unſerer Reiſe nach Goa uns ſchon im 13 befanden, ſahen wir im Meere lebendige und tedte Schlangen. Wenn dieſe im Meere ſich zeigen, ſo iſt man verſichert, auf dem rechten Wege nach Goa zu ſeyn. Der Winter in Goa beſteht naͤmlich in einem heftigen und anhaltenden Regen; dadurch ent⸗ ſtehen haͤufige neberſchwemmungen, Schlangen und 3¹¹ anderes Ungeziefer werden mit fortgeriſſen, und in das Meer gewaͤlzt. Den 21. September 1733 langten wir bei der erſten Feſtung von Goa Aguada an. Der Ordens⸗Pro⸗ vinzial empfing uns ſehr liebevoll. Wir fuhren auf einem Schiffe durch den ungemein angenehmen, zu beiden Seiten mit gruͤnen Baͤumen, und am Geſtade des Meeres mit praͤchtigen Gebaͤuden beſetzten Kanal in die Stadt Goa, und in unſer großes Kollegium des hl. Paulus. Vierzehn Tage wurden uns zum Ausruhen von einer ſo langwierigen Reile gegeben; nach dieſen aber einem jeden ſeine Geſchaͤfte ange⸗ wieſen. Ich mußte vier Jahre ſpeeulative Theologie und Moral ſudieren, um den in der Geſellſchaft Jeſn gewoͤhnlichen Grad nehmen, und alle Aemter in der⸗ ſelben verſehen zu koͤnnen. Im 3. Jahre der Theologie empfing ich die Prieſterweihe, und endete im folgenden Jahre meine theologiſchen Studien. Bald wurde ich vom Provinzial als Miſſionaͤr zu den Kafern nach Afrika geſchickt. Che ich von dieſer neuen Reiſe zu reden beginne⸗ huß ich einige kurze Nachrichten von Gpa und den umliegenden Gegenden herſetzen. Die Inſel Goa liegt im Reiche Deean in Ol⸗ Indien unter einer Polhoͤhe von 46* 15˙. Die Stadt Goa, eine der beruͤhmteßen Staͤdte Aſiens, hatte ibre eigenen Koͤnige und trieb groben Handel. Nach⸗ 31¹2 her eroberte ſie Vasco de Gama, und ſie wurde der Sitz der portugieſiſchen Statthalter und Vicekonige. Dieſe zierten ſie mit ſchoͤnen Palaͤſten und andern Gebaͤuden, und man lebte ganz auf europaͤiſchem Fuße. Als aber im Anfange des XVIII. Jahrhunderts die Peſt viele Einwohner fortriß, vertrieb Scheu und Furcht die noch Uebergebliebenen, ſo, daß ſie in den, außer der Stadt liegenden, Drten ihre Wohnungen aufſchlugen. Selten bleiben Europaͤer oder Aſiaten, wenn ſie wegen Geſchaͤften in die Stadt gehen muͤßen, uͤber Nacht. Deſſen ungeachtet iſt dieſe Stadt noch der Sitz des Erzbiſchofes und Primas von Indien, welcher allemal vom Koͤnige in Portugal geſchickt wird, und des Vieekoͤnigs, welcher alle 3— 4 Jahre geaͤndert wird. Dieſer fuͤhrt immer den Titel eines Grafen oder Marquis. In der Stadt iſt ein Tribunal der Inguiſition. Sie hat eine ſehenswuͤrdige Dom⸗ kirche, mehrere Kloͤſter, ein Jeſuiten-Kollegium und ein Profeßhaus. Nicht weit von Goa' war auf der Inſel Choram ein Noviziat, und eine halbe Tagreiſe von Goa auf der Halbinſel Salſete in der Feſtung Rachol ein anderes Kollegium. In einer Kapelle des Profeßhauſes ruht der Leib des Apoſtels von Indien, Franz Eavier, in einem doppelten Sarge. Der innere iſt von Kriſtall, der äußere vom ſchoͤnſten ausgearbeiteten Silber. Dieſer doppelte Sarg ſteht auf einem praͤchtigen Mauſoleum von koſtbarem Marmor und ſchoͤner Arbeit, welches 313 der Großherzog von Toskana nach Goa geſchickt hat. Der Sarg darf nur mit Erlaubniß des Koͤnigs geoͤffnet werden. Die Inſel Goa iſt mit mehrern Feſtungen verſe⸗ hen; die vorzuͤglichſten ſind: Mormogam, Aguada, dos Reys, Sant Diago und Sant Lorent. Sie ſind alle mit wenis Mannſchaft beſetzt; dazu kommt noch, daß der ehemals große und ſtarkmuͤthige Charakter der Portugieſen weibtſch und meineidig geworden iſt. Die Gegend um Goa iſt reich an Kokkos⸗ Baͤu⸗ men; die Kokkos⸗Nuͤße ſind der Menge wegen doch nicht wohlfeil; weil der groͤßte Theil zu den tiefer im Lande wohnenden Heiden und Mahometanern ge⸗ fuͤhrt wird. Die hauptſaͤchlichſte Nahrung in Goa und andern aſiatiſchen Gegenden beſteht im Reis. Auf der Inſel Gon waͤchſt auch Pfeffer, Kafee, Zimmet u. ſ. w. Es gibt wenige Pferde, keine Ele⸗ phanten, weder Kamele noch Eſel⸗ Kuͤhe, Ochſen und Schweine findet man kaum ſo viele, als zum Bedarſe der Europaͤer nothig ſind. Von wilden Thie⸗ ren verurſachen die Liger den groͤßten Schaden. Noch andere wilde Thiere, Adibes genannt, welche wilde Waldhunde zu ſeyn ſcheinen, verurſachen Nachts nicht weniger Schaden; ihr Geheul durchdringt Mark und Bein; was ſie immer antreffen, ſchleppen ſie mit ſich fort; auch graben ſie die Todten aus, und freſſen ſie. Die Schlangen ſind gleichfalls zu furchten, beſondets 314 die Nattern, und eine Att, welche de Kapello heißt. In ihrem Zorne lauft auf threm Kopfe ein Haͤutchen auf, welches einer Haube gleicht, und bei den Dhren erſcheinen zwei lateiniſche S; ihr Biß ſoll toͤdtlich ſeyn. Wildpret findet man wenig, ein gleiches iſt mit den Voͤgeln. Huͤhner und dergleichen kann man wie in Europa haben. Die Hauptnahrung beſteht im Fleiſche, Reis, in den beſten und wohlfeilſten Meeres ⸗Fiſchen. Mit allem Noͤthigen, eine feſte und dauerhafte BGeſundheit ausgenommen, verſehen, beſtieg ich den 2. Februar 767 ein Schiff von mittelmaͤßiger Groͤße, und verließ mit gutem Winde die Inſel Goa. Auf dieſer Reiſe hatten wir ſehr gutes Waſſer: denn unſer Schiff hatte unter der erſten Decke eine Ziſterne, in welcher das Waſſer wegen der beſtaͤndigen großen Bewegung immer auf das beſte aufbehalten wurde. Kaum hatten wir das Land aus dem Geſichte. ergriff mich ein viertaͤgiges Fieber. Der immer guͤn⸗ ſtige Wind trieb uns das drittemal über die Linie; den s. Maͤrz langten wir zu Moſambique an. Ein Fieber⸗Anfall noͤthigte mich an das Land zu ſeigen, und meine Geneſung abzuwarten. Den 24. April begab ich mich wieder zu Schiffe, um endlich in die, mir beſtimmte, Miſſion an den Fluͤßen von Senna zu kommen. Die Fluͤße von Senna, ſind ein ziemlich be⸗ deutender Landſtrich an dem großen Fluſſe Zambeſi⸗ 315 ſo groß oder noch großer, als die Grafſchaft Tirol. Der Kaiſer von Monomotapa trat denſelben den Portugieſen unter der Bezahlung eines jaͤhrlichen Tri⸗ butes ab. Dieſer beſteht in einem rothſammetnen Kiſſen, einem ſchoͤnen Seſſel und andern Kleinigkei⸗ ten. Ueberdies ſchicken ihm die Portugieſen eine kleins Anzahl von Soldaten, welche dem Kaiſer zur Leib⸗ wache dienen. Unſere Reiſe war wegen der vielen, auf dieſer Straſſe umher geſtreuten und unbewohnten kleinen Inſeln, Klippen und Sandbaͤnken hoͤchſt gefaͤhrlich. Wegen des guͤnſtigen Windes brauchten wir zu unſerer Reiſe nur 12 Tage. Da wir unter eine Polhoͤhe von aso, und dem feſten Lande nahe kamen, gab unſer Schiff mit einer Kanone ein Zeichen, und erhielt auch von der Feſtung Tangelane die erwuͤnſchte Antwort. Die Einfahrt in den Hafen iſt gefaͤhrlich; der Grund nicht tief, zwei, einander gegenuͤber lie⸗ gende Sandbaͤnke, und die anhaltenden und gewalti⸗ gen Wellenſtöße drohen den Schiffen Zertruͤmmerung. Wir liefen den 6. May 4767 gluͤcklich in den Hafen. In der Dorfſchaft Quillemane blieb ich ſo lange, bis ich wegen eines viertaͤgigen Fiebers und einer ſchweren hitzigen Krankheit von einem andern Miſſionaͤr abgelost wurde. Noch ſehr ſchwach⸗ wurde ich auf einem kleinen Schiffe mit 12 Rudern nach Senna, gegen den Strom des Fluſſes Sam⸗ beſi gefuͤhrt. 316 Senna iſt der Sitz eines portug. Gouverneuts und eines Generalvikars in geiſtlichen Angelegenheiten. Die Dominikaner haben hier eine Wohnung fuͤr Miſ⸗ ſionnaͤre. Der Drt hat auch eine, aus getrockneten Ziegeln erbaute, Feſtung, um Kafern im Zaume zu halten. In Senna hielt ich mich ein Jahr als Geſell⸗ ſchafter des Viſitators auf, war aber die meiſte Zeit krank und unpaͤßlich. Nichts deſtoweniger that ich meine geiſtlichen Verrichtungen, und beſtieg als Fa⸗ ſtenprediger oft mit dem Fieber die Kanzel. An allen portugieſiſchen Drten von Aſien und Afrika wird die portugieſiſche Sprache gepredigt. Denn die Sprachen der Moren ſind ſo verſchieden, daß es zu ſchwer waͤre, ſie alle zu erlernen, und auch ſo wortarm, beſonders an ſolchen Woͤrtern, welche noͤthig ſind, den katholiſchen Glauben zu erklaͤren. Die Portugieſen lernen von der Sprache der Moren nur ſo viel, daß ſie mit ihnen handeln koͤnnen. Die Moren, welche mit den Portugieſen oder andern Eu⸗ ropaͤern umgehen, ſind gezwungen, die Sprache de⸗ ſelben zu erlernen. Als alle Mittel, meine Geſundheit zu erlangen, fruchtlos waren, wurde ich im Jahre 1169 nach Dette, der letzten Dorfſchaft der Portugieſen in Monomotapa, geſchickt, weil hier eine geſundere Luft iſt. Nachdem ich wieder ſo ziemlich geneſen war, meine verlornen Kraͤfte wieder zugenommen hatten⸗ 317 und ich die Reſidenz des Ortes wieder in guten Stand gebracht hatte, mußte ich die eine halbe Tagreiſe ent⸗ fernte Ortſchaft Marangue uͤbernehmen. Auch da fand ich alles in Verwirrung, und einen großen Abgang zoͤthiger Hausleute, ſelbſt der Mu⸗ chaſambo,(der Vorſteher der Moren,) war geflohen. Die Jeſuiten⸗Reſidenz Marangue liegt in einer Einoͤde, und wird blos von Moren bewohnt. Die Gegend iſt voll von wilden Thieren; doch hatten wir von ihnen nichts zu fuͤrchten, weil die Reſidenz gut gebaut und mit Ringmauern umgeben war. Ich lebte hier mit meinem Gefaͤhrten verguͤgt, und machte Anſtalten, die Sklaven der Reſidenz, welche die Strenge meines Vorgaͤngers vertrieben hatte, zu ſammeln. Als ich mich am 7. September 1769 mit meinem Gehuͤlfen nach Dette begeben hatte, um das Geburts⸗ feſt der Jungfrau Maria zu feiern, wurden wir, ich und noch zwei Jeſuiten, am oten auf Befehl des Koͤnigs von Portugal als Staatsgefangene ergriffen, in einen Kerker der daſigen Feſtung geworfen, und mit einer außerordentlichen Schaͤrfe bewacht. Wir fragten um das Verbrechen, weßwegen wir ſo ſchwer geſtraft wuͤrden, und erhielten zur Antwort, wir waͤ⸗ ren zwar unſchuldig, aber unſere Bruͤder in Portugal haͤtten dem Koͤnige nach dem Leben geſtrebt, und viele andere Miſſethaten begangen, welche wie eine Erbfuͤnde auch uns zur Laßt fielen. 318* Nachdem wir s Tage zu Dette im Kerker geſeſſen wwaren, wurden wir auf einem kleinen zwoͤlfrudrigen Schiffe unter Bedeckung nach Senna gebracht. Der Gouverneur verfuhr hier ſchaͤrfer, als jener in Dette mit uns. Wir wurden in einen finſtern Kerker der Feſtung geſetzt, und Niemand durfte uns beſuchen. Von Quillemane wurden wir bis zur Feſtung Sangelane gebracht; hier ergießt ſich der Fluß Zambeſi in das Meer. Ehe ich Afrika ganz verlaſſe, will ich noch etwas von den Sitten und Eigenſchaften der Kafern, und von ihrem Lande erzaͤhlen, jedoch nur ſolches, was ich durch Erfahrung und aus ſichern Nachrichten weiß. Die Kafern, von Geburt ganz ſchwarz, Cje ſchwaͤrzer einer iſt, deſto ſchoͤner wird er gehalten ünd gut gebildet, ſtark, munter, traͤge und genuͤgſam. Lahme, Krumme, Bucklichte ſind bei ihnen ſeltenz doch ſindet man viele Blinde, beſonders an den Drten, wo die Strahlen der Sonne heftiger ſind. Es iſt bei ihnen Sitte, Lahme mit Lahmen, Krumme mit Krummen zu verheirathen, damit die Eheleute einan⸗ der nichts vorzuwerfen haͤtten. Maͤnner und Weiber bedecken nur die Schamtheile mit einem Tuche, oder mit der Haut eines Thieres oder mit Laub. Die mei⸗ ſen ſind grob und dumm; doch etwas artiger und witziger an den Orten der portugieſiſchen Herrſchaften⸗ Sie haben gegen die Europaͤrr und weißen Aſiaten⸗ * 319 beſonders aber gegen die Frauenzimmer eine große Shrfurcht. Zum Stehlen und Rauben haben die Moren einen großen Hang, und ſind hierin ſehr gewandt; auch laſſen ſie ſich zu einigen Handwerken abrichten. Nicht leicht lernt ein eigentlicher Mor Leſen und Schrei⸗ benz ihnen die noͤthigen Glaubenswahrheiten beizu⸗ bringen, arbeitet man oft viele Jahre vergeblich. Die Mulatten, von weißen Vaͤtern abſtammend, ſind ſchwarzbraun, lernen leſen und ſchreiben, und ſind uͤberhaupt weit geſchickter, als die uͤbrigen Moren, welche jene wie kleine Herren ſchaͤtzen und ehren. Den Kafern dient alles zur Speiſe, Hund, Katze, Maus, Schlange, Heuſchrecke u. ſ. w.; das Fleiſch darf ſtinkend und faul ſeyn, und von Wär⸗ mern wimmeln, Ihre gemeine Nahrung iſt der Hirſe, welcher zwiſchen zwei ſteinernen Blatten zu Mehl gemacht, und dann zu einem Brei gekocht wird. Hat zu dieſem Mus jeder noch ein Stuͤck halbverfaul⸗ tes Fleiſch; ſo lebt er herrlich. Im Nothfall und auf Reiſen eſſen ſie das rohe Mehl, oder den im Waſſer eingeweichten Hirs. Der gewoͤhnliche Trank iſt Wal⸗ ſer, gleichviel, ob es truͤbe oder helle ſey. Aut bereiten ſie eine Gattung Bier(Pombe) aus halbge⸗ brochenem Hirſe, welcher ſo lange im Waſſer gährt, bis er dick und wie eine Butterwilch wird. Dann wird er durch ein Tuch geſeiht, und ein, an Geſchmack und Farbe der Buttermilch nicht unãhnlichts⸗ Ge⸗ 66. Bd. Afrika. 1I, 3. 5 320 traͤnke erhalten, welches naͤhrt, abkuhlt und auch berauſcht. Die Moren verfertigen es gewoͤhnlich nach der Ernte, und beluſtigen ſich dabei unter dem wib⸗ rigen Klange ihrer muſikaliſchen Inſtrumente mit Lanzen und Springen. Dieſe Inſtrumente beſtehen aus 6— 7 Trommeln von verſchiedener Groͤße, welche in Holzbloͤcken beſte⸗ hen, die mit Thierhaͤuten uͤberſpaunt, in der Mitte ausgehohlt, und mit Pech beſtrichen ſind. Auf dieſe ſchlagen ſie mit einem ſtarken Pruͤgel. Zu einer voll⸗ kommenen Muſik gehoͤren auch große Kuhhoͤrner, an welche mit einem Stocke geſchlagen wird, und ein großer Triangel von Stahl. Dazu kommt noch ein allgemeines Geſchrei und Geheul, welches das Lob ihrer Herren enthaͤlt. Ein anderes muſikaliſches Inſtrument der Moren beſteht aus einem viereckigen Brette mit mehrern ſtäh⸗ lernen Zuͤnglein verſchiedener Groͤße. Dieſes Brett wird in einen großen, ausgehoͤlten Kuͤrbis geſetzt, und faſt wie ein Klavier kuͤnſtlich gefpielt. Es iſt bei nachtlicher Stille nicht unangenehm zu horen. Ein ſerneres Inſtrument beſteht aus Moos⸗Roͤhrchen, welche großer und kleiner ſind, in welche ſie hin? und 3 herfahrend blaſen. Das gemeinſte Inſtrument aber iſt ein halber Bogen, an welchem eine Saite von Haarwachs geſpannt iſt. In der Mitte des Bogens iſt ein kleiner, ausgehoͤhlter Kuͤrbis befeſtigt; dieſer wird auf die bloße Bruſt geſetzt, mit der Linken wird 321 der Griff gemacht, wie bei unſern Geigen geſchieht; in der Rechten haben ſie eine kleine Ruthe, mit wel⸗ cher ſie auf die Saiten ſchlagen, und verſchiedene Toͤne hervorbringen. So machen ſie gehend und ſe⸗ hend ihre luſtigen Taͤnze. Zu den Feſten, bei welchen Pombe getrunken wird, laden die benachbarten Dorfſchaften einander wechſelweiſe ein, und verzehren ihren ganzen Vorrath oft auf einmal. Ihre Huͤtten ſind von Moos⸗Roͤhren, und hin und wieder eingeſenkten Pfaͤhlen erbaut. Die Thuͤre iſt ſehr niedrig. Die Geſtalt der Huͤtte iſt gewohnlich rund, und das Dach einem Sonnenſchirme aͤhnlich. Tiſche, Stuͤhle und Vettſtaͤtte ſind ihnen unbekannt. Das Bett beſteht in einem, aus Binſen geſlochtenen, Sacke. Wenn ſie ſchlafen wollen, ſchlüpfen ſie in die Deffnung des Sackes, und das Luch um die Lenden vertritt die Stelle des Kopfkiſſen. Ein großer irdener Hafen dient zum Kochen, ein großer Waſſerkrug nebſt einigen Kokkosſchalen zum trinken. Ihre Waffen ſind Bogen und Pfeile, ein faſt zwei Ellen langer eiſerner Wurfſpies und ein großes Meſſer. Im Krieg beſtreichen ſie die Pfeile mit einem ſebr ſcharfen Gift. Dieſe Voͤlker lieben den Krieg; jedoch ſuchen ſte mehr einander zu uͤberliſten, als Blut zu vergieſſen. Sieht ein Theil ſich uͤbermannt, ſo ſliehr er; der Sieger fällt auf ſein Eigenthum her, und behaͤlt es ſo lange, bis er wieder vertrieben wird⸗ In dem Kafern⸗Lande ſind viele Fuͤrſten und Koͤnige, das Dberhaupt aber iſt der Kaiſer von Mo⸗ nomotapa. Der Palaſt ſeiner ſchwarzen Maſeſtaͤt ſoll gleichfalls aus Moos-Rohren erbaut, aber groͤßer und geraͤumiger, als die uͤbrigen Huͤtten der Kafern, und mit einem zierlichen Zaune von Eiephanten⸗Zaͤh⸗ 3 nen umgeben ſeyn. 3* Die Kinder werden gleich nach der Geburt ein wenig gewaſchen, und auf das oben beſchriebene Bett, oder auf die Erde gelegt. Nach einigen Tagen bindet es die Mutter mit einem Stuͤcke Tuch auf den Ruͤ⸗ cken, und verrichtet ihre Arbeit. Wenn ſie es ſaͤugen will, ſo ergreift ſie deſſen Kopf, und wendet es zu den BVruͤſten herab. Wird es ihr zu ſchwer, ſo legt ſie es auf die Erde, es mag zappeln und ſchreien, wie es will. Bei Kindern wird gemeinlich ein Hund ge⸗ halten, welcher das Kind ſaͤubert. Gold und Silber ſchaͤtzen ſie nicht ſehr, mehr aber Eiſen, Zinn und Meſſing, aus welchen ſie Ringe verfertigen, die ſie an Haͤnden und Fuͤßen tragen. Wenn ſie Trauer haben, werden dieſe abgelegt und Ringe aus Junken angezogen. Wenn ein Lodter in einer Huͤtte ausgeſetzt, ſo heulen und ſchreien ſie fuͤrchterlich. Geraume Zeit werden Speiſen auf das Grab gefetzt, weil ſie glau⸗ ben, er beduͤrfe derſelben⸗ 3 — 323 Aeſing u und Zinn erhalten ſie von den Auslaͤndern, Eiſen graben ſie aus ihren eigenen Minen. Bei ihren Arbeiten brauchen ſie Haͤnde und Fuͤße; ſie verfertigen ſchoͤne Arbeiten, bet ſedoch nur einige elende In⸗ ſrumente. Die Portugieſen treiben mit den Kafern einen eintraͤglichen Handel, und fuͤhren ihnen aſiatiſche Tuͤcher und venetianiſche, kleine Glas⸗Korallen zu, Velerio von den Portugieſen genannt, und erhalten dafuͤr Gold⸗Sand und Elephanten⸗Zaͤhne. Diefe Tuͤcher ſind grob, und von blauer oder ſchwarzer Farbe. Dieſe und die Glas⸗ Korallen ſind ein Regale des Koͤnigs von Portugal. Wer mit denſelben bei den Moren handeln will, muß ſie aus den königlichen Magazinen kaufen. Dieſe zwei Gattungen von Wagren vertreten bei den Moren und Portugieſen die Stelle des Geldes. Dieſes ſindet man bei den Moren auf dem Feſtlande nicht. Unter den Glas⸗Korallen ſchaͤtzen die Moren nur die ſchwarzen, dunkelbraunen und weißen. Elephanten-Zahne werden in ziemlicher Menge gefunden; ſie ſind oft ſo groß, daß zwei Maͤnner nothig ſind, ſie zu tragen. Die Portugieſen und an⸗ dere Handelsleute nehmen nur die groͤßern, und fuͤhren ſie nw) Aſien. Lächerlich iſt der Handel der Moren, Makuas, in den Gegenden von Mo ſam bique mit den Portugie⸗ ſen. Weil die Moren weder portugieſiſch, noch die Sprache der Moren jener Gegend rerſtehen, legen ſie ihr Elfenbein vor den Haͤuſern nieder. Der Kaufmann legt ſoviel aſiatiſches Baumwollen-Tuch und einige Buͤſchel venetianiſcher Korallen darauf, als er darum geben will. Greift der Mor nicht nach dieſer Waare, ſo iſt es ein Zeichen, daß es ihm zu wenig iſt. Sobald er aber zufrieden iſt, nimmt er die Waare und lauft eilends davon, als wenn er ſie geſtohlen haͤtte. Dieſe Zaͤhne finden die Moren in Waͤldern und Einoͤden; die Elephanten verlieren ſie manchmal im Streite, und oft wegen zu hohen Alters. Auch wer⸗ den ſie in Gruben gefangen. Noch andere Arten, die Elephanten zu fangen, nicht zu erwaͤhnen, gibt es bei den Moren eigene Elephanten⸗Jaͤger. Dieſe be⸗ ſchmieren ſich mit einem gewiſſen Dele, umringen die Elephanten auf freiem Felde, mit Wurfpfeilen bewaff⸗ net. Der Mor, welcher im Ruͤcken des Elephanten ſteht, wirft aus allen Kraͤften auf ihn; kehrt ſich der Elephant um, ſo wird er von einem andern, dann von einem dritten und ſo lange verwundet, bis er zum Boden faͤllt. Dann werden ihm die zwei Zähne und der Ruͤßel abgeſchnitteu, auch reißen ſie ihm etwas laͤngere Haare aus, welche die Dicke einer Vio⸗ lin⸗Saite haben, und gebrauchen ſie zur Sierde. Der uͤbrige Koͤrper, mit Ausnahme der Fuͤße, deren Fett in Geſchirren geſammelt wird, bleibt liegen und ver⸗ fault. Wenn Jemand auf einem fremden Gute einen Elephanten erlest, ſo gehoͤrt der Zahn, welcher die 325 Erde beruͤhrt, dem Herrn des Gutes, und der andere dem Erleger oder Finder. Der Feind des Elephanten iſt das Nashorn, deſſen Horn ſchwaͤrzlicht iſt, und fur ein Gegengift gehalten wird. Die Elephanten laufen ſehr ſchnell und konnen ſich ſchnell umkehren. Sie paaren ſich liegend, tragen ihre Frucht zwei Jahre, ſaͤugen ihre Jungen an der Bruſt, und ſollen 200 Jahre leben. Zahme Elephanten findet man nicht, weil die Moren zu traͤge ſind, ſie abzu⸗ richten, und zu arm, ſie zu erhalten. An den See⸗Kuͤſten und in den Fluͤßen des Kafern⸗Landes gibt es eine Menge Meerpferde, welche auch auf dem Lande leben, wo ſie ihre Jungen zur Welt bringen. Dieſes Thier iſt etwas groͤßer, als ein Pferd, hat kurze Fuͤße, einen kleinen Schweif und ſehr wenig Haare, Außerhalb des Waſſers ſieht es mehr einem Schweine, als einem Pferde aͤhnlich, auch ſein Fleiſch hat große Aehnlichkeit mit dem Flei⸗ ſche des Schweines. Um dieſe Thiere zu verſcheuchen gebraucht man eine große Trommel und eine lange Stange, mit welcher in das Waſſer geſchlagen wird. Auch fliehen ſie das Feuer. Die Schiffchen, in welchen die Moren auf den Fluͤßen fahren, werden Koſchias genannt. Sie be⸗ ſtehen aus großen Baumſtaͤmmen, deren Mitte mit langſamen Feuer ausgebrannt wird. Sie haben Ruder und einen kleinen Maßbaum, und im Hintertheile 326 eine, etwas erhabene, kleine Wohnung für 4— 6 Perſonen, Weil es in dien en Laͤndern meiſtens an Ouellen fehlt, ſo ſind die meiſten Dorfſchaften an Fluͤßen an⸗ gelegt. So lagen die Dorfſchaften in unſerer Kaferi⸗ ſchen Miſſion meiſtens am Fluße Zambeti. In dieſem halten ſich viele Krokodille auf. Sie lauern immer an den Ufern, und wenn ein Unbehut⸗ ſamer koͤmmt, Waſſer zu ſchoͤpfen, oder ſich zu baden, ſo ſchlagen ſie ihn mit ihrem langen und ſtarken Schweife nieder. Das Krokodill hat die Geſtalt einer Eidexe, iſt 2— 2 Klafter lang, von der Dicke eines Baumes und im Rachen mit 3 Reihen ſehr ſpitziger Zaͤhne bewaffnet. Er legt ſeine Eier in Sen heißen Sand, und vergraͤbt ſie. Sobald die Jungen ausge⸗ bruͤtet ſind, laufen ſie dem Waſſer zu. Merkwuͤrdig iſt die Vertraulichkeit eines mittelmaͤßigen Vogels, Bandaſi(Edelknabe) von den Moren genannt, mit dem Krokodille. Wenn das Krokodill ſich vom Raube geſaͤttigt hat, kriecht es aus dem Waſſer, und legt ſich mit offenem Rachen auf den heißen Sand am Ufer. Der Vogel fliegt in denſelben, pickt das an den Zaͤhnen noch haͤngende Fleiſch heraus, faͤttigt ſich damit, und fliegt dann wieder weg. Die Meer⸗Schildkroͤten ſind manchmal ſehr zroß die Wunde, welche ihr ſpitziger und giftiger Stachel am Schweife verurſacht, iſt nicht leicht zu heilen. Ihre Eier, welche mit keiner Schaale, ſondern wit 327 einer ſtarken Haut bedeckt ſind, legen ſie in den Sand des Geſtades. Die Eier einer einzigen Kroͤte fuͤllen einen Korb; dieſe und das Fleiſch der Kroͤte ſind ſeb⸗ gut zum Eſſen⸗ Bemerkenswerth iſt der Zitterſiſch, welchen die Portugieſen Tremador nennen; er iſt von mittel⸗ maͤßiger Groͤße, und wird nur mit Angeln in den Fläßen gefangen. Sobald der Fiſch ſich gefangen merkt, macht er mit ſeinen elektriſchen Stößen antangs die Schnur, die Fiſchruthe, und dann den Fiſcher ſelbſt ſo zittern, daß er, wenn er nicht alles von ſich wuͤrfe, in Gefahr waͤre, das Leben zu verlieren. Die Moren haben einen ſolchen Abſcheu vor dieſem Fiſche, daß ſie ihn auch nicht todt angreifen wollen. Affen ſind in den Waͤldern nach großer Zahlz ſie thun aber keinen Schaden. Die groben, Monos pei den Portugieſen genannt, haben die Groͤße eines Mannes, und fallen bisweilen die Menſchen an. Außer den genannten Thieren findet man noch Loͤwen, Tiger, Merev(eine Art wilder Wald⸗Och⸗ ſen), Luchle, Baͤren und wilde Waldeſel. Die Haut letzterer iſt in weiße und ſchwarze, 4— 6 Querfinger preite, glaͤnzende Streife ubgetheilt⸗ Elennthiere ſind in ziemlicher Anzahl in den Waͤldern zu finden. Der linken Klaue ſchreibt man eine Heilkraft gegen hinfal⸗ lende und andern gichtiſche Suchten zu. Gegen die Biſſe giftiger Schlangen ſuchen ſich die Moren durch eine Wurzel, Schlangen⸗Wu⸗ 328 zel genannt, zn ſichern. Wenn die Moren gebiſſen werden, ſo kauen ſie ein wenig davon, verſchlingen einen Dheil, und legen den andern auf die Wunde. In den Waͤldern des Kafern⸗Landes findet man auch das ſchoͤnſte und beſte Federwildpret, beſonders die Kangas, eine Gattung ſchoͤner, braun und weiß geſprenkelter Wildhennen und die Kanchos, welche mit den Indianen verglichen werden koͤnnen. Am ufer des Meeres und der Fluͤße leben Waſſer⸗ Voͤgel, den Stoͤrchen gleich, mit ſehr langen Fuͤßen und Schuaͤbeln; aber ſehr wenig Fleiſch. Sie haben ſchneeweiße Pflaumfedern, die Fluͤgel ausgenommen. Die Moren ziehen dieſen Voͤgeln die Haut ab, und ſchmuͤcken ihre Koͤpfe damit. Den Goldſand laſſen die Portugieſen in einem kleinen Landſtriche unweit Tette graben. Derſelbe liegt nicht tief unter der Erde. Ein gewiſſes Gras iſt das Zeichen des verborgenen Sandes. Die aufge⸗ grabene Erde wird mit Waſſer vermiſcht, die Erde loſt ſich auf, und der Goldſand faͤllt vermoͤge ſeiner natuͤrlichen Schwere auf den Boden des Geſchirrs. Den Sammelnden iſt ein gewiſſes Gewicht beſtimmt; was ſie daruͤber bringen, gehoͤrt dem Sammler. Die⸗ ſer Goldſand iſt ſo rein, daß er nur ſehr wenig von ſeinem Gewichte durch das Schmelzen verliert. Man findet oft ganze Steine von Gold, welche glaͤnzen, als wenn ſie geſchmolzen waͤren. Die Zeit der Sammlung des Sandes iſt im Winter, weil man 3²9 überall Waſſer genug hat, den Sand zu waſchen. Die Weiber muͤßen den Goldſand ſammeln, die Maͤn⸗ nuer befehlen nur, halten ſie zur Arbeit an, und be⸗ —wachen dieſelben gegen den Aufall feindlicher Moren. In dem Landſtriche, welcher den Portugie ſen gehoͤrt, darf jeder Gold ſammeln; in dem Gebiete der benachbarten ſchwarzen Koͤnige oder Fuͤrſten duͤrfen dieſes die Portugieſen mit ihren Leuten nicht wagen. Silber wird wenig gefunden; wenige Jahre vor meiner Ankunft fand ein Deminikaner in einem Walde einen ſehr großen Klumpen vom feinſten Sil⸗ ber. Bei den Meeres-Kuͤſen trift man Ambra, weiße und rothe Korallen, auch einiges Kriſtall an. Die weißen Ameiſen(Muſchen), verurſachen in den Haͤuſern, wie auf den Feldern, großen Schaden. Wo ſie hinkommen, verheelen und zernagen ſie alles. Kein Kaſten oder Koffer iſt vor ihnen ſicher, außet wenn er aus hartem Holie iſt. In wenigen Stunden zernagen ſie nicht nur den Kaſten, ſondern auch alles, was in demſelben iſt. Man braucht daher die Vor⸗ ſicht, die Fuͤße der Betten, Koffer und Bettſtaͤtten in ein Geſchirr voll Waſſer oder Aſche zu ſetzen. Eine andere Plage bei Tag und Nacht ſind die Muͤcken oder Schnacken, welche einen ſo großen Sta⸗ chel haben, daß er durch die Kleider dringt. Bei der Tafel müßen ſchwarze Knaben die Fliegen mit Ser⸗ vieten vertreiben. In die Sklaverei der Portugieſen oder der Moren 330 verfallt ein Mor durch einen gerechten Krieg, oder durch einen rechtmaͤßigen und freiwilligen Vertrag, wenn er ſich fuͤr ein beſtimmtes Maaß von Waaren einem Herrn unterwirft; oder durch die Geburt, indem die meiſten Sklaven verheirathet, und ihre Kinder nach dem Landes⸗Geſetze auch Sklaven ſind. Dieſe werden ſehr gut behandelt, beſonders von den Europaͤern. Wenn einer Fähigkeit hat, laͤßt man ihm ein Hand⸗ werk lernen, und ihn endlich auch im Chrißenthume unterrichten. Nach Aſien oder Amerika werden die Sklaven ſelten geſchickt. Sie ſind entweder ſolche, welche freiwillig gehen, oder aus Strafe fuͤr eine begangene Miſſethat fortgeſchickt werden. Kein Mor wird am Leben geſtraft, außer in dem Falle, daß er einen Auf⸗ ruhr erregt; dann wird er an die Muͤndung einer Kanone gebunden, und mit der Losbrennung derſelben in Stuͤcke zerriſſen. Die Zuͤgelloſigkeit in den Sitten, beſonders die Unzucht, unter Schwarzen und Weißen, unter Leu⸗ ten eines jeden Standes iſt nicht zu beſchreiben. Weil die Unzucht nicht beſtraft wird, ſo haben die Weibs⸗ perſonen eine ganz außerordentliche Frechheit, und pflegen ſich immer ſelbſt anzubieten. Viele Maͤnner gehen durch Krankheiten, mit welchen dieſe Frauen⸗ zimmer behaftet ſind, zu Grunde. Das Erdreich im Kafern⸗Lande iſt ſehr fruchtbar, — 831 und wodde noch mehr tragen, wenn die zur Arbeit noͤthigen Thiere und Inſtrumente da wären. Im KafernLande findet man Ananas, die Manga, eine Frucht, welche auf hohen Baͤumen in großer Menge waͤchſt; die ſehr ſchoͤne und gute Frucht Caſchu, die Farbe iſt gelb und roͤthlicht vermiſcht, ſie gleicht faſt einem europaͤiſchen Apfel; dieſe Frucht hat den Kern nicht in der Mitte, ſondern auswendig an dem Stengel geheftet. Der Kern gebraten iſt koſtlich zu eſſen. Eine andere Frucht, Atta, gleicht einer Pignolen⸗Zurſche, ſie iſt von außen ganz grůn und rauh, und von vortrefflichem Geſchmacke. Bewunderungswuͤrdig ſind die großen und dicken Baͤume, Schiakkas, welche ihre Fruͤchte nicht an den Aeſten, ſondern an dem Stamme tragen. In Saͤcken ſind die Fruͤchte dem Hunderte nach einge⸗ ſchloſſen. Sie haben die Groͤße der Datteln, und ſind ſehr ſuͤß und wohlſchmeckend. Die gebratenen Kerns derſelben haben faſt den Geſchmack vom fuͤten Mandeln. Eine andere guͤte und zugleich geſunde Frucht, welche die Portugieſen Feige, die Aſſaten Banang nennen, hat mit den europaͤiſchen Feigen nicht die geringſte Aehnlichkeit; ſie iſt ihrer Figur nach faſt einer Bratwuzſt gleich. Es gibt verſchiedene Gattun⸗ gen derſelben. Sie hat ein gelbgruͤnes Haͤutchen, welches ſich abziehen laͤßt. Von innen iſt ſie, wie ein dickgekochter Muß, in der Mitte ſind kleine, kaum merkliche Kernchen. Der Geſchmack iſt ſuͤß⸗ſauetlicht. Dieſe Frucht waͤchſt eigentlich nicht auf eineim Baume, ſondern auf einer, zwei Mann hohen, dicken Staude, welche aus erſtaunlich langen und breiten Blaͤttern zuſammengefuͤgt iſt, in deren Mitte ein großer, dicker Stengel aufſteigt. An dieſem erſcheint anfangs eine große Bluͤte, und dann ringsum die Frucht. An einem Stengel haͤngen oft 60 und mehr ſolche Feigen. Wenn man den Stengel mit der Frucht abſchneidet, ſo verwelkt die Staude und wird duͤrr; doch wachſen immer kleine Pflanzen nach, welche zur Zeit wieder Frucht tragen. Auch findet man die ſchoͤnſten Limo⸗ nien, Citronen, Pomeranzen, Doranzen in der Groͤße einer Melone, welche aber ganz rund, mit einer gruͤnlicht dicken Schaͤlfe, inwendig roth, uͤbrigens den Pomeranzen aͤhnlich ſind; ſie geben ein herrliches Eſſen, kuͤhlen ab und ſtaͤrken das Herz. Alle dieſe Fruͤchte kann man ohne Muͤhe und Kultur haben. Von Goa wurden die Gefangenen, die Anzahl der Jeſuiten betrug 120, auf koͤniglichen Befehl nach Portugal gebracht, wo ſie am 24. December 1760 an⸗ kamen. Ihr trauriges Loos und elende Behandlung bemerkten wir ſchon in der Lebensbeſchreibung des Verfaſſers, und halten es daher uͤberfluͤßis, L noch einmal zu wiederholen. ——————— Kurze Beſchreibung des Vorgebirges der guten Hoffnung, nebſt dem Tage⸗ buche eines Landzuges von 85 Perſonen in das Innerſte von Afrika durch das Land der großen und kleinen Rama⸗ quas gegen Nord, unter Anführung des Hauptmanns Heinrich Hop 1761— 62. Aus dem Holländiſchen überſetzt. Durg die Entdeckung einer neuen Welt gegen Weſt des Atlandiſchen Meeres von den Spaniern gelockt, machten die Portugieſen gleiche Verſuche im Oſten der alten. Im FJ. 1493 ſegelte eine Flotte unter Bartholomaͤus Diaz dahin; er entdeckte zuerſt dieles Vorgebirg, und nannte es Capo dos totos Tormentos(Vorgebirge der Stuͤrme.) Aber nicht kuͤhn genug eine Landung zu wagen, um⸗ ſegelte er das Kap, loweit ihm moͤglich war. Der 334 Name Vorgebirge der guten Hoffnung kommt von der guten Hoffnung Koͤnigs Jo hann II. von Portugal, daß ſeine Flotte gluͤcklich nach Oſt⸗Indien ſegeln, und reich beladen zuruͤck⸗ kehren wuͤrde. Im F. 1498 landete Vaſeo, de Gama zuerſt bei Rio d'Infante, etwas oͤßlicher als das Kap, und hinter demſelben liegend, und ging an das Land. Da er nichts ausrichtete, ſegelte er nach Oſt⸗ Indien. Sein Bericht an Koͤnig Emanuel, Jv⸗ hanns II. Nachfolger, veranlaßte die Sendung einer neuen Flotte. Aber die Furcht der Befehlshaber derſelben vor den wilden Bewohnern hielt ſie von der Landung an dem Vorgebirge ab. Ueberdieß bot ihnen die Robben⸗Inſel, ihr gewoͤhnlicher Anker⸗Platz, welcher vor dem Kap liegt, Gelegenheit genug dar⸗ Waſſer und andere noͤthige Beduͤrfniſſe einsunehmen. AUuf ihrer Ruͤckkehr nach Bſt-Indien ankerten die Portugie ſen, um Waſſer zu holen, und aus Mangel an Lebensmitteln von den Einwohnern Bchſen und Schafe zu kaufen. Sie wurden aber bald zurück⸗ getrieben, und ihr Unterkoͤnig Franz von Almydo wurde getoͤdtet. In der Rache, welche die Portugie⸗ ſen einige Jahre ſpaͤter nahmen, erkennt man deutlich ihre damalige grauſame Gemuͤthsart. Die Errichtung und Schifffahrt der Niederläͤm dlſch⸗Oſtindiſchen Kompagnie gab Veranlaſ⸗ fung zur Niederlaſſung der Hollaͤnder auf dem Kad. Wenn ſie nun Waſſer einnehmen, oder mit den Ein⸗ 335 gebornen handeln wollten, mußten ſie immer eine Schanze aufwerfen, um das Zelt fuͤr das Schiffs⸗ Volk gegen Anfaͤlle der Eingebornen zu decken, und ein wachſames Auge auf ſie zu haben. Um von dem Zuſtande des Volkes und des Schiffes bei dem An⸗ landen auf dem Kap Nachricht nach Holland zu geben, war die Gewohnheit eingefuͤhrt, daß jedes von da nach Indien gehende Schiff einen viereckigen Stein, welchen es aus Holland mitgenommen hatte, und auf welchem der Name des Schiffs, des Capitains und der uͤhrigen Befehlshaber gehauen war, nebſt dem Tage der Abreiſe aus Holland und der Ankunft auf dem Kap, an das Land und an einen ſichern Ort brachte. Unter dieſen Stein wurden die nach Holland zu ſchickenden Briefe in eine verſchloſſene Buͤchſe aus Blech oder Blei verſteckt, und durch die Schiffe nach Holland mitgenommen, welche aus Indien kamen, und auch bei dem Kap vorbei ſegeln mußten. Bis gegen 1650 beſuchten die Hollaͤnder auf dieſe Art das Kap. In dieſem Jahre befand ſich auf der aus Oſt⸗Indien zuruͤckkehrenden Flotte auch der Hollaͤnder Jan van Niebeek, ein geſchickter Wundarzt und erfahrner Kraͤuter- und Gewaͤchſe⸗ Kenner und Geognoſt. Dieſer bemerkte auf einem Spatziergange in der Gegend des Tafelberges die herrliche Beſchaffenheit des Bodens, und ſchloß, daß auch Korn, Wein und andere europaͤiſche Gewaͤchſe gut fortkommen muͤßten. Bei ſeiner Ruͤckkehr fand 66. Bd. Afrika. II. 3. 6 336 ſeine Vorſtellung von dem Nutzen und der Nothwen⸗ digkeit eines ſolchen Platzes fuͤr die Oſt⸗Indiſche Reiſe Gehoͤr. Sogleich wurden 4 Schiffe mit verſchie⸗ denen Bau⸗Materialien, Werkzeugen und einer hin⸗ länglichen Anzahl Leuten bemannt. Van Riebeek wurde zum Admiral der Flotte ernannt, langte gluͤck⸗ lich an, und unterhandelte mit den Eingebornen um ein Stuck Landes fuͤr die Seinigen. Er beſchenkte ſis mit Glas⸗Korallen, Laback, Brantwein und andern Kleinigkeiten, und ſchloß einen muͤndlichen Vertrag mit ihnen. Hierauf legte er ſogleich eine gute vier⸗ eckige Feſtung mit bequemen Wohnhaͤuſern und Waa⸗ ren⸗Lagern an, und außerhalb derſelben ein Gaſthaus fuͤr fremde Kranke. Dadurch gegen die Angriffe der Wilden und auswaͤrtigen Feinde geſichert, ttellte er nun außerhalb der Feſtung ſeine Verſuche mit Bebau⸗ ung des Bodens an, welche berrlich gelangen. Die Kompagnie von der Wichtigkeit des Drtes und der Vortrefflichkeit des Bodens uͤberzeugt, legte eine Kolonie an, und gewann durch vortheilhaftes Anerbieten viele Pflanzer; jedes ankommende Schiff brachte aus Holland neue Bewohner fuͤr die Kolonie des Kaps. Den Mangel an hinlaͤnglichen Werkeugen, Geräthſchaften und andern Mitteln, den Land⸗Ban mit Eifer und gutem Erfolg fortzuſetzen, half die Kompagnie ab. Da es an Frauen fehlte, ſo ſchlug man gute und geſchickte Maͤdchen in den Waiſenhaͤu⸗ ſern zu Amſterdam, Rotterdam und andern 337 großen Städten vor. Die, welche Luſt hatten, wurden mit den erßen Schiffen dahin geſchickt. In wenigen Jabren wurde dieſe Kolonie ſo volkreich, daß ſie mit den groͤßten Herzogthuͤmern verglichen werden kann. Denn kurz nach ihrer erſten Anlage wurde ſie in vier kleinere vertheilt; naͤmlich in die Kap'ſche Kolonie mit der Feſtung und den oͤffentlichen Gebaͤnden; die Kolonie Stelleuboſch; die Kolonie Draken⸗ ſein, und die Kolonie Waveren. Zu dieſen kam nachher Zwartland und Zwellendam. Das Vorgebirge der guten Hoffnung an der ſußerſten Spitze Suͤd⸗Afrikas war den Alten unbekantzt, und liegt nach gemachten aſtronomiſchen Berechnungen auf 330 6s“ S. Br. und 330 2 L. nach dem Meridian von Tenerifa. Der Umfang dieſes Landes, welches faſt die Geſtalt eines Dreiecks hat, trgt auf der Oſt⸗ eigentlich Suͤd⸗Oſt⸗Kuͤſte 150 teutſche Meilen, auf der Wel⸗ oder Suͤd⸗Weſt⸗ Küſte 200, und die Breite im Norden, gleichſam die Grundlage des Dreiecks, wo es an das Land der Kafern ttoͤßt, ungefaͤhr 260 Stunden; doch ſo, daß der ſuͤdliche Theil nicht ſo breit iſt, als er auf den Karten dargeſtellt wird. Dieſes Land gehoͤrt großten Theils der Hollaͤndiſch-Oſt⸗Indiſchen Kompagnie, und wird meiſt vvn Hollaͤndern, Leutſchen und Franzoſen bewohnt, welche ſich vor 50 Jah⸗ ren da niedergelaſſen, Haͤuſer gebaut, Pflanzungen angelegt, und am Vermoͤgen und Menge ſo zugenom⸗ 338 men haben, daß ſie gegenwaͤrtig eine der anſehnlichſten Kolonien ausmachen, und der ſuͤdliche Theil des Lan⸗ des Hottentotten⸗Holland genannt wird. Das Land hat uͤberall große und hohe Berge, welche meiſtens aus Klippen und uͤbereinandergehaͤuf⸗ ten Steinen beſtehen; ſandige und ſteinige Steben in den Thaͤlern wechſeln mit ſehr fruchtbaren Flaͤchen und Huͤgeln, mit gruͤnenden Weiden und fruchtbarem Ackerlande ab. Der Ueberfluß an Lebensmitteln iſt ſo groß, daß die Pflanzer jaͤhrlich einige Schiffs⸗Ladun⸗ gen mit Korn und Wein nach Holland oder anders⸗ wohin ſchicken. Die ganze Spitze von Afrika, welche am Kap ſich endigt, iſt durchmengt mit Sandflaͤchen, Buͤſchen und hohen Bergen und den dazwiſchen gelegenen Thaͤlern, welche von Baͤchen und Stroͤmen, die auf den Bergen entſpringen, durchſchnitten werden. In den Sandſtrichen haͤuft ſich beweglicher Sand, welcher uͤberdieß noch voll Schlangen und anderer giftiger Thiere iſt. Gegen die Stiche dieſer Thiere ſchuͤtzen ſich die Europaͤer durch Stiefel; die Hottentotten durch den Saft einer kleinen, weißen Zwiebel, welchen ſte auf die Wunde ſtreichen. Die haͤufigen Sommer⸗ Regen laſſen auf dem Boden ſehr viel Salz zurück, welches aber nicht ſo gut, als das europaͤiſche iſt. Auch gibt es viele Quellen fuͤßen Waſſers, und viele Baͤche mit hellem und trinkbaren Waſſer; das Waſſer anderer aber il roth oder ſchwaͤrzlich. Bei 339 einigen wird das Waſſer, erſt wenn es einige Zeit geſtanden hat, hell und ſuͤß, und hat eine abfuͤhrende Kraft. Auch kann man ſich heißer Brunnen mit Nu⸗ tzen bedienen. Dieſe Beſchaffenheit des Bodens zeigt deutlich, daß die Erde auch Mineralien, und beſonders Schwefel⸗Arten, und die Berge ſelbſt ohne Sweifel Metalle enthalten muͤßen. Der duͤrre und unfruchtbare Grund in verſchiede⸗ nen Bezirken des Kap wird durch das gemaͤßigte Klima groͤßtentheils wieder verguͤtet. Die große Hitze in dieſem Erdſtriche mildern die umliegenden hohen Berge, der haͤufige Regen, die beſtaͤndigen und ab⸗ wechſelnd wehenden Seewinde, und die kuͤhlenden Nebel und Duͤnſte, welche groͤßtentheils uͤber den Bergen haͤngen. Die heißeſten Tage der Sommerzeit fallen in den Mynat November bis zum Maͤrz und ſind die ſtillen Tage, wenn die Luft nicht durch See⸗ winde, oder durch Nebel und Regen abgekuͤhlt wird. Die Monate Mai, Juni, Juli und Auguſt ſind am Kap die Wintermonate, weil die naſſe oder regenvolle Jahreszeit und die Hitze viel gemaͤßigter iſt, als in den Sommer⸗Monaten. Bbgleich die Naͤchte des Winters ſehr kalt ſind, ſo friert es doch ſelten. Der Regen faͤllt dann durchgaͤngig mit ſchweren Guͤßen nach einem ſtarken Winde nieder, welcher aus einem Striche zwiſchen Nord und Weſt kommt, und oft von Hagel begleitet iſt. Die Sommerzeit faͤllt im Januar, Februar und Maͤrz ein; nur einige Rebelwolken loſen die merkwuͤrdigſten. Der Tafelberg zeist ſch, aus 340 ſich am Fuſſe der Berge in einen feinen Regen auf. Hagelwetter iſt nur in der Regenzeit; bei heller Luft wetterleuchtet es hier nicht am Horizont. Die Schwere der Luft iſt am Kap viel beſtaͤndi⸗ ger, als in Europa. Denn das Steigen und Fallen des Barometers findet ſich nach genauen Beobachtun⸗ gen zwiſchen 27 Daumen und 0 Linien, und 28 Daumen 3 Linien. Die groͤßten Veraͤnderungen ſinden im Winter Platz. Was die Berge am Kap bettifft, ſo läuft ein Ge⸗ birge und zwar das groͤßte von allen, vom Vorgebirge Fals ab, an der Oſtſeite unſeres Kaps, bis 16— 18 Meilen in Norden, wo die Piketberge liegen; es iſt ſehr breit. Eine andere, aber einfachere Kette von Bergen laͤuft laͤngs der Weſtſeite des großen Thals oder der Sandflaͤche, welche laͤngs des erſt be⸗ ſchriebenen Gebirges liegt. Dieſe einzelne Kette von Bergen geht wie genanntes Thal von der Franſchen Hoek bis zu den Piketbergen. Ebenſo iſt an der Weſtſeite dieſer Spitzen, im Norden des Kap, laͤngs der Seeſeite eine einfache Bergkette von der Ba Saldanha bis an die Bay St. Helena. Ein heil der hier befindlichen Berge ſind einzelne, von einander abgeſondert; auch gibt es deren eine Menge, veſonders an der Süd⸗Seite rund um die Fals⸗ und Tafelbay. Unter dieſen letztern ſind dieſe drei: der Tafelberg, der Teufels⸗ und Löwenberg 341 der See von Süd betrachtet, in der Mitte als der breiteſte und hoͤchſte und mit einer platten Krone; daher der Name Safelberg; die zwei andern ſind kleiner und ſpitziger; der Loͤwenberg liegt im Oſten, und der Deufelsberg im Weſten des Tafelberges. Allein ſie ſcheinen ſo nahe bei einander zu liegen, als ob ſie nur Einen Berg bildeten, welcher einen gemein⸗ ſchaftlichen Fuß und drei abgeſonderte Spitzen hat⸗ Der Tafelberg ſtreckt ſich theils nach Suͤd⸗ Weſt zum Suͤd, und theils nach Suͤd⸗Dſt aus; er iſt ſehr hoch, und ſcheint in der Ferne über die Stadt und das Kaſtell des Kap's zu haͤngen, obgleich die Stadt noch uͤber eine Meile vom Fuſſe des Berges entfernt iſt. Iſt gleich der Tafelberg ſieil, ſo iſt er doch nicht muͤhſam zu beſteigen. Der Fuß des Berges iſt faſt bis zu einem Drittel ſeiner Hoͤhe ein ſteinarti⸗ ger mit Pflanzen und Geſtraͤuche bedeckter Grund; das uͤbrige nichts, als eine Menge von Steinen, welche bis zur Ritze in der Mitte des Berges in ganz ſenkrechten Lagen ſich beſinden. Die Ritze iſt ſehr tief; so— 60 Schritte weit, und wird immer enger, je mehr ſie ſich der Spitze naͤhert, und iſt bis zu die⸗ ſer mit Steinen, Erde und Geſtraͤuchen bedeckt. Auf der Spitze des Berges ſind viele horizontal liegende Stellen mit Gras beſetzt; die meiſten Felſen liegen wie ein Eſelsruͤcken, aber doch auch ſenkrecht. Der Rand des Berges gegen den Kap macht zum Theile einen Bogen, deſſen Hoͤhlung nach dem Kap gekehrt Schweif des Loͤwen zu kommen, wo eine Flaggen⸗ 342 iſt. Auf dem platten Theile der Spitze ünd ſo hohe Lagen von Steinen, daß man hinter denſelben nicht das Kap, und vom Kap die Spitze des Berges nicht ſehen kann. In den Hoͤlungen der Felſen findet man Waſſer und am oͤſtlichen Theile gegen die Fals⸗Bay fließt aus einer ſehr ſtarken Quelle ein ziemlich großer Bach. Die weite Ausſicht nach allen Seiten unter⸗ bricht im Oſten eine 16— 18 Meilen lange Bergkette. Der Deufelsberg iſt nur durch eine unbedeu⸗ tende Hoͤlung vom Tafelberg getrennt; ſeine Spitze iſt um 30 Toiſen niedriger, als die Spitze des Tafel⸗ berges; ſein Fuß liegt etwas uͤber eine Viertel⸗Meile von der See. Der Loͤwenberg, gleichfalls nur durch eine kleine Kluft vom Lafelberg getrennt, bedeckt beinahe die ganze Weſtſeite der Stadt bis nach Nord. Seine Geſtalt, welche er den Seefahrern zeigt, mag ſeinen Namen verurſacht haben. Der noͤrdliche Theil des Berges gegen die See heißt: der Schweif des Loͤwen. Das hier 1680 von dem Hollaͤndiſchen Gou⸗ verneur van Gvens errichtete Denkmal iſt nicht mehr zu ſehen. Die Spitze des Berges, welche den Loͤwenkopf vorſtellt, iſt ganz unzugaͤnglich. Es iſt ſehr muͤhſam bis zur Hoͤhe von 1100 Fuß auf den Stange ſteht, um dadurch die Ankunft oder das Ge⸗ wahrwerden der Schiffe zu benachrichtigen. Was die Baven belangt, ſo iſt die zunaͤchſt bei 343 dem Lafelberg gelegene Bay die Tafelbad, welche von dieſer nahen Lage ihren Namen hat; ſie iſt die Rhede, wo die Schiffer vor Anker liegen. Ihrs Groͤße betraͤgt 4 Meilen im Umkreiſe, ihre Muͤndung iſt 2 Meilen breit. Hohe Berge an der Landſeits ſchutzen ſie gegen Stuͤrme; allein an der Seeſeite iſt ſie ganz dem Nord⸗Weſt⸗Winde und der vollen Ses ausgeſetzt, und gewaͤhrt daher keine voͤllige Sicherheit⸗ Mehrmals wurden bei einem Sturme die Schiffe von ihren Ankern geriſſen, und gegen die Klippen zerſto⸗ ßen. Dieſes Ungluͤck begegnete unter andern auch 1737 acht aus Oſt-Indien zuruͤckkehrenden Schiffen⸗ bei welchem viele Guͤter nebſt 400 Mann umkamen⸗ An der Muͤndung der Tafelbay liegt die Rob⸗ ben⸗Inſel, welche zum Aufenthaltsorte der Ver⸗ brecher beſtimmt iſt. Dieſer Inſel gegen Nord iſt die Daſſen⸗Inſel mit vielen Kaninchen, welche aus Europa hierher gebracht worden ſind, nebſt vielen Pinguins, welche für die Feder⸗Dunen in den Bet⸗ ten gefangen werden. Die Saldanha⸗Bay, ein tiefer Meerbuſen, ziemlich tief landeinwaͤrts mit einer engen Muͤndung, hat wegen den vielen Klippen einen gefaͤhrlichen Ein⸗ gang. Dieſe liegt auf 330 40 S. Br. und hat an vielen Stellen nur s— 6 Faden Liefe. Dieſe Bay iſt ſehr ſiſchreich, hat in ihrem Beiirke viet Lrennbot, 3 aber Mangel an gutem Waſſer. 344 Noch weiter nordlich liegt die geräumige St. Heleng⸗Bay, gegen Dſt und Säd mit ſandigen Ebenen, und gegen Weſt von einer Bergkette umgeben; gegen Nord⸗Weſt und Nord liegt ſie offen; ein gro⸗ ber Bersſtrom ergießt ſich in dieſelbe. In Suden der Tafelbay liegt die 600 Ellen breite uad 700 bis 800 Ellen lange Holzbay, mit Felſen und Bergen umringt. Ihre viele Klippen ma⸗ chen ſie zum Landen unbeguem. An beiden Seiten der Bav liegen die ſogenannten Steinberge. Noch weiter im Suͤden liegt die Bay Fals, die falſche Bay, welche ihren Namen nach dem Vor⸗ gebirge von Hottentotten⸗Holland hat, wel⸗ ches gegen Oſt dieſer Bay liegt, und Kap Falſo, auch wohl Hanglip heißt. Sie hat eine ſehr weite Muͤndung, welche gegen Suͤd und Suͤd„Dſt liegt, aber an der Weſtſeite durch eine Reihe von Ber⸗ gen gedeckt wird, welche an der ganzen Bay laͤngs der Seekuͤßte bis an die Holzbay hinlaufen, und Stein⸗ Berge, zum Tbeil auch Norwegiſche Berge heiſ⸗ ſen. Gegen Nord ſtoßt ſte an eine ſandige Ebene. An der Weßſeite etwas tiefer in der Bay iſt eine Sandbank und guter Ankergrund. Bei Kay Falſo lauft eine große Landzunge, wel⸗ che die Portugieſen das Agulhas, die Nadel⸗ iunge, vem Cabo das Tgulhas nannten. Sie erſireckt ſich faß 20 Meilen in die See, und hat auf 345 2s Faden Liefe rothen Sand, und näher an der Kuſte Kley⸗Grund. Vom Kap das Angulhas ſind laͤngs der Kuͤſte nach Nord⸗Oſt verſchiedene Buchten, bis an die Muſchelbay, wo genannte Landzunge endet. Sie ſind: Bahaia Formo ſa, welche ſehr beguem und ſchoͤn ißt; die Bahia da Lagon noͤrdl. auf 33 ſüdl. Br. von derſelben, welche von der Heiligen Geiß⸗ Bay wohl zu unterſcheiden iſt. Denn zwiſchen bei⸗ den iſt faſt ein Raum von mehr als 160 Meilen See⸗ Kuͤſte,(an welcher man unter andern den großen Fluß St. Chriſtoph hatd, ungefaͤhr auf 320 nahe an der Bay da Lagva, welche etwa im 25 1/20 ſüdl. Breite liegt, und den Fluß St. Luein naͤchſt der Heili⸗ gen Geiſt⸗Bay, in welcher der Rio dellä Goa ausfließt, auf ungefaͤhr 270. Noch weiter noͤrdlich auf 28 1/20 folgt die ſehr bekannte Natalbay, welcher die Portugieſen den Namen Peſqueria gaben, vermuthlich, weil ſie ſehr ſiſchreich it. In ſie ergießt ſich ein Fluß glei⸗ ches Namens, welcher dieſen der Bay und dem um⸗ berliegenden Lande mitgetheilt hat. Die Eintheilung der Colonie in 4 Bezirke, welche wir oben beruͤhrt hab en, wollen wir uun weitlaͤufiger auseinanderſetzen. Unter den a Kolonien nimmt die Kap'ſche den erſten Platz ein, weil ſie den Hauptplatz und die Fe⸗ tung Gute Hoffnung in ſich faßt; ibr Gebiet 346 erſtreckt ſich im Norden bis an dfe Gorachonguas oder Muſchelbank; an den 3 andern Seiten wird ſie von der See beſpuͤlt. In ihrem Innerſten wechſeln Berge und Thaͤler angenehm mit einander ab Aus⸗ gezeichnet iſt hier das Tafel⸗Thal, Tavva da Cabo, wo die Hollaͤnder ſich zuerſt niedergelaßen ha⸗ ben. Bei dem Salz⸗Fluße warfen ſie eine Schan⸗ ze zur Wache fuͤr die Kuͤhe auf und hießen ſie daher auch Keer de Koe(Halt die Kuh). Bei dieſer Schanz errichtete man auch einen Stall fuͤr Pferde, um die Angriffe der raͤuberiſchen Hottentotten abzu⸗ weiſen. In Folge der Zeit ſind im Tafelthale die Stadt, das Kaſtell und die Gaͤrten der Kompagnie angelegt worden. Die Stadt liegt an der See⸗ Seite, iſt ziemlich groß, regelmaͤßig gebaut und hat breite Straßen mit mehr als 1200 Haͤuſern. An der Zahl der Haͤuſer kommt ſie der Stadt Gorkum in Holland gleich, uͤbertifft ſe aber am Umfange. Die 2— 3 foͤckigen Wohnhaͤuſer ſind wegen der heftigen Wind⸗Stoͤße mit Rohr gedeckt, weil die abgerißenen Dachziegel Menſchen und Vieh todtſchlagen wuͤrden. Die Feſtung macht ein regelmaͤßiges Fuͤnfeck aus, liegt an der Suͤdſeite der Tafelbay, und iſt ganz mit einem Graben umgeben. An jeder Seite derſel⸗ ben liegt eine Batterie, welche zuſammen die ganze Ba beſreichen. Der Gouverneur hat hier nebſt den ornehmſten Bedienten der Kompagnie ſehr anſehnli⸗ he Wobnungenz auch ſind bier fuͤr die Guͤter der 347 Kompagnie grofe Magazine und Packhaͤuſer. Andere merkwuͤrdige Gebaͤude ſind das Krankenhaus, die Loots, ein Gebaͤude fuͤr die Sklaven der Kompagnie, und die ſchoͤnen Pferdſtaͤlle. Die Kirche iſt das juͤngſte von ge⸗ nannten Gebaͤuden. Der Grund dazu ward unter dem Gouverneur Simon van der Stel gelegt, und un⸗ ter ſeinem Sohne Wilhelm Adrian vanderStel vollendet. Die Baukoſten betrugen uͤber z0,000 fl. In dieſem Thale liegen um die Stadt ſchoͤne Gaͤrten und praͤchtige Landhaͤuſer, beſonders laͤngs des Salz⸗Flußes. Die merkwuͤrdigſten unter dieſen ſind die Gaͤrten der Kompagnie. Von den uͤbrigen Bergen und Bezirken, deren oben keine Erwaͤhnung geſchah, gehoͤren hieher die Tiger⸗ berge, ſo genannt, weil ſie ſich in der Ferne wie eine Tieger⸗Haut gefleckt zeigen; ſie liegen im Notd⸗ Oſten des Tafelberges, etwa 2 Meilen von der Stadt an der Oßſeite der Tafelbay, und betragen etwa vier Meilen im Umkreiſe. Naͤchſt dieſen folgen in demſel⸗ ben Striche, aber ein wenig oͤſtlicher, die Kuh⸗Ben⸗ ge; ſie haben gleichfalls Mangel an Waſſer. Hierauf folgen die blauen Verge, welche faſt ganz noͤrd⸗ lich vom Kap, nahe am Lafelberge liegen, und ſo heiſ⸗ ſen, weil ſie ſich den Seefahrern blau zeigen. An der Suͤdſeite des Kap, im Weſten der Fals⸗ hay, liegen die Steinberge, weßwegen die Nord⸗ Weſt⸗Ecke dieſer Bay Steenbergs⸗Hoek ge⸗ nannt wird. Zwiſchen dieſem Ecke und der Tafelbay 34⁴8 liegt das durch ſeinen Wein ſo beruͤhmte Konſtan⸗ tia. Dieſer beruͤhmte Weinberg beſteht bloß aus 2 Wohnungen; ſie ſind mit gutem Waſſer verfehen, und die verſchiedenen Gaͤrten ſind ſehr fruchtbar. Jeder gehoͤrt einem beſondern Eigenthuͤmer. Nach Bou⸗ gainville's Berichte ſind dieſe Reben eigentliche Pflanzen von ſpaniſchen Muskat⸗Reben, welche man zu Confantia zieht; man unterſcheidet Groß⸗ und Klein⸗Konſtantia, welche durch eine Hecke von einander geſchieden ſind. Der Wein auf beiden iſt von einerlei Beſchaffenheit. Die Kompagnie be⸗ kommt ein Drittel fur einen beßtimmten Preis. Der Boden von Konſtantia endigt in einem kleinen Abſchuße, und iſt ein ſteinartiger Sand. Man zieht bier den Wein mit kleinen Stoͤcken. Die Trauben werden von den Reben abgepfluͤckt, und in ein Faß geworfen; die vollen Faͤßer werden auf platten Bo⸗ den in einem Keller bewahrt, durch welchen die Luft frei ſpielen kann. Auf der Spitze eines der Steinberge iſt eine tieſe und große Hoͤhle, Prinzen⸗Kaſtell genannt, s0 Fuß tief und 40 weit. Der Eingang dieſer Hoͤhle hat die Ausſicht auf die Fals⸗Bay. An derſelben Weſt⸗Seite der Fals⸗Bay liegen die ſogenannten Norwegiſchen Berge, weil ſie mit den Bergen Norwegen's einige Aehnlichkeit baben. Sie ſollen ſich faſt 6 Meilen in die See er⸗ ſrecken und mit einer Spitze da endigen. 349 Auf dem Lafelberge entſpringt der fiſchreiche Salzfluß; er benetzt die Laͤnder und Gaͤrten, wel⸗ che an der Tafelbay liegen, und ergießt ſich endlich in dieſelbe. So weit die See in dieſen Fluß dringt, wird ſein Waſſer verdorben(brak) und ſalzig; daher ſein Name. Sobald dieſelbe gewichen iſt, wird es hell und ſuͤß. Er hat das ganze Jahr Waſſer, obgleich die meiſten andern Fluße in dieſer Gegend austrocknen⸗ Der Muſchelbanks⸗Fluß, nicht weit vom Salz⸗Fluße entſteht aus dem Waſſer, welches in der naſſen Jahreszeit auf den niedrigen, dort umherliegen⸗ den Bergen ſich ſammelt, und in die Thaͤler faͤllt. Er lauft mit vielen Kruͤmmungen durch mehrere ſan⸗ dige und duͤrre Thaͤler, und ergißt ſich endlich bei dem Tafelthale in den Salzfluß. Im Sommer trocknet er aus, weil er keinen Zufluß von den Bergen bat⸗ und die Thaͤler nicht mehr uͤberlaufen. Eben ein ſolcher Fluß iſt der Kaiſer⸗Flaß, welcher durch das Sandtbal lauft und waͤhrend des Sommers in demſelben austrocknet, weil ſeine Muͤn⸗ dung durch den dann meiſtens wehenden Suͤd⸗Oſt mit Sand gefuͤllt, und genanntes Thal gleichſam in einen ſehenden See verwandelt wird. In der Re⸗ genzeit ſchwellt der Regen den Thalſee ſo Fark an⸗ daß der Sand aus der Muͤndung weichen muß. Der Bezirk von Stellenboſch wurde 1670 durch den Gouverneur Simon van Stel ange⸗ V 35⁰ legt. Dieſer Strich Landes erhielt ſeinen Nameß von dem vielen Buſchwerke, und dem Namen des S Stifters. Man baute hier eine Kirche, ein Rath⸗ haus und verſchiedene gewoͤhnliche Haͤuſer. 1710 ging durch das Verſehen des Sklaven des Landdroſten, Samiel Marinus de Meurs, dieſer Brt in Flammen auf. Gegenwaͤrtig beſteht dieſes Dorf aus 20 Häuſern; es hat 2 anſehnliche mit großen Eichen bepflanzte Gaſſen; queer durch das Dorf laͤuft ein Fluß. Dieſer ganze Bezirk erſtreckt ſich nach Pſt bis zum Hottentotten Holland, nach Saͤden bis an die Fals⸗Bay, nach Weſt bis an das Tiger⸗ tbal und die Sigerberge, wo die Kap⸗Kolonie endigt, und nach Nord bis an den Muſchelbank⸗ Fluß und den Perlberg. Dieſe Kolonie wird in 4 Bezirke getheilt; naͤmlich in das Hottentotten⸗ Holland, Moddergat, Stellenboſch und Bottelary. Das Hottentotten⸗Holland, der ſuͤbliche Bezirk von Stellenboſch, iſt der fruchtbarſte und ſchoͤnſte Landſrich der ganzen Kolonie. Drei Fluͤße durch⸗ ſchneiden dieſen. Der Laurenz⸗Fluß entſpringt auf dem Berge Keerweer, fließt nahe bei ſeinem Urſprunge durch ein niedriges Gehoͤlz, durch welches das Waſſer gegen die Strahlen der Sonne geſchůtzt wird, und kuͤhl bis 9 Uhr Vormittags bleibt. Auch er trocknet im Sommer ganz aus, tritt aus ſeinen 4 ufern, und verurſacht dann großen Schaden. um die⸗ 1 ſem uekel abzuhelfen, ließ der Gouverneur van der Stel ein tiefes Waſſerbecken graben, und in demſel⸗ ben das uͤberflüſſige Waſſer ſammeln. Die beiden an⸗ dern Fluſſe ſind nicht ſo groß, wie der genannte, ent⸗ ſtehen auf den umherliegenden Bergen und ergießen ſich auch in die Fals⸗Bay. Alle 3 haben allein Seeſiſche. In der Mitte dieſes Bezirkes erhebt ſich der ziem⸗ lich hohe Schafberg mit guter und ſetter Weide fuͤr Schafe.“ In dem noͤrdlichen Theile liegt das Seekuh⸗Thal(Flußpferdthal) von den vielen Flußpferden, welche ſich hier aufhielten, ſo genannt. In dieſem Thale iſt ein See, im Umfange ungefaͤhr 1 Stunde groß. In dem Rohre deſſelben halten ſich viele Enten und andere Waſſer⸗Voͤgel auf. Zuweilen wirft auch der Suͤd⸗Oſt⸗Wind aus der Falsbay mit dem Seewaſſer zugleich Fiſche in denſelben, elche aber nicht lange darin leben koͤnnen. Zunaͤchſt an Hottentotten⸗Holland liegt der Be⸗ zirk Moddergat(Schlammloch), welcher ſeinen Namen von den vielen Tiefen hat, in welchen ſich zur Regenzeit das Waſſer ſammelt und die Wege oft ſchlammig macht. Zwiſchen Hottentotten⸗Hol⸗ land und Stellenboſch gelegen, wird er von deſſen Fluͤſſen gleichſam eingeſchloſſen; er iſt ſehr fruchtbar, hat einige ſchoͤne Landguͤter und vieles Vieh. Zwei Baͤche unterbrechen durch ihr Anſchwellen oft die Gemeinſchaft der Einwohner. 66. Bd. Afrika. II. 3. 7 352 Nach Moddergat folgt der Beſirk Stellen, boſch, das Dorf und der Hauptplatz dieſer Kolonie. Er iſt unter allen der fruchtbarſte und angenehmſte. Die Huͤgel haben gutes Brennholz, auf den Bergen woachſen Kraͤuter und Blumen. Unter andern hat man hier ein Stauden⸗„Gewaͤchs entdeckt, deſſen Beere eine Art von Wachs liefern. Die Thaͤler ſind mit Weingaͤrten, Wieſen und Gaͤrten gefuͤllt. Im Bſten dieſes Bezirkes erheben ſich die Stel⸗ lenboſcher Berge, welche dem Lafelberge an Hoͤhe und Geſtalt etwas aͤhnlich ſind. Auch bei die⸗ ſen Bergen findet das Erſcheinen, Haͤngenbleiben und Wiederverſchwinden einer weißen Wolke ſtatt. Die Winde legen ſich hier gegen Abend, und bleiben bis Mitternacht ſtille. Der Hauptfluß, welcher durch den Bezirk von Stellenboſch fließt, hat hier ſeinen Ur⸗ ſprung, nimmt mehrere kleine Fluͤße auf, und ergiett ſich zuletzt in die Fals⸗Bay. Um die Gemeinſchaft der an beiden Seiten des Flußes wohnenden Leute zu unterhalten, ließ auf ſeine Koſten der Eingeſeſſene JForis Grimpen eine ſchwere und begueme Bruͤcke bauen. Laͤngs dieſes Flußes, wie auch im Dorfe, ſtehen verſchiedene ſchoͤne Landhaͤuſer. Im Norden folgt die Bottelary, welche vor⸗ zuglich grasreich iſt. Durch das viele Heu kann dem Mangel der andern Bezirke geſteuert werden, weil bei dieſen das Gras von dem Viehe abgeweidet wird, und nichts zum Heu uͤbrig bleibt. Am noͤrdlichen Ende 353 diefes Bezirkes, wo er an den Drakenſtetniſchen ßößt, zwiſchen beiden Bezirken liegt ein Berg, welchen Kolbe Pferdberg, de la Caille Perlberg nennt; nahe bei dieſem iſt der Jvoſten⸗Berg von ſeinem erſten Bewohner ſo genannt. Er iſt eigentlich nur ein Huͤgel von einiger Groͤße mit grasreichen Weiden und fruchtbaren Laͤndereien. Der Anfang zur Kolonie Drakenſtein wurde 1675 gemacht, als die Kolonie Stelleuboſch den Ein⸗ wohnern zu klein ward. Beſonders breitete ſie ſich 1685 ſehr aus, als viele reformirte Franzoſen nach der Wiederrufung des Ediktes von Nan tes, nach Holland fluͤchteten, und nach dem Kap gefuͤhrt wur⸗ den. Sie erhielt ihren Namen von der Herrſchaft— Drakenſtein in der Provinz utrecht in den Nie⸗ derlanden. Als der Baron van der Rhede ꝛ683 von der Kompagnie nach dem Kap geſchickt wurde, um die Klagen gegen die vornehmſten Bedienten und den Gouverneur ſelbſt zu unterſuchen, ſo ſuchte der Gouverneur Simon van der Stel die Gunſt des⸗ ſelben dadurch zu gewinnen, daß er dieſe unlaͤngſt erſt angelegte Kolonie nach der Herrſchaft Drakenſtein nannte. Deu Bezirk, welcher den vertriebenen Frau⸗ zoſen angewieſen wurde, nannte man Franſche⸗ Hoek. Der Diſtrikt Drakenſtein liegt in einem groſ⸗ ſen, in der Laͤnge und Breite weit ſich ausſtrecken⸗ den Thale, deſſen Richtung in der Laͤnge von Sid 354 S nach Nord⸗Nord⸗Dſt laͤngs einer Kette großer und hoher Berge iſt, welche von Kap Fals weit ſich bis dord erſtrecken. In der Breite iſt dieſes Thal von dem ſchwarzen Berge und der genannten Bergkette eingeſchloſſen. An beiden Seiten ſind weit auseinan⸗ der liegende Wohnungen in großer Menge. Die da⸗ bei befindlichen Weingaͤrten werden ſaͤmmtlich von Baͤchen benetzt, die von den Bergen herabfließen, und in einen Fluß fallen, welcher die Mitte des Thales durchſtroͤmt, und Bergfluß(Berg⸗Rivier) genannt wird. Er nimmt ſeinen Anfang ein wenig im Suͤden der Drakenſteiniſchen Pfarrei, durchlauft dann einen ſandigen, faſt unbewohnten Strich, mit verſchiedenen Krümmungen nord⸗ und nord-weßlich; und folgt der großen Bergkette bis an die Piket⸗Berge; von da nimmt er ſeinen Lauf weſtlich bis an die Bay St. Helena, in welche er ſich an der Suͤdſeite ergießt. Im Sommer kann man dieſen Fluß an vielen Stel⸗ len durchwaden; er trocknet jedoch nicht aus. Im Winter tritt er aus ſeinem Ufer und uͤberſtroͤmt die anliegenden Laͤndereien ſo, daß man nur mit Muͤhe, und manchmal mit Lebens⸗Gefahr uͤber ihn kom⸗ men kann. Ein wenig nach Sd⸗Dſt von der Mitte des großen Thales ſteht die Drakenſteiniſche Kirche, ein ſchlechtes und unanſehnliches Gebaͤude mit nur 4 Fuß hohen Mauern; das Dach iſt von Rohr. Nahe bei der Kirche ſehen wenige Haͤuſer. Soͤdoſlich von der 355 Kirche liegt ein nicht ſo großes, von Bergen einge⸗ ſchloſſenes Thal Franſche⸗Hoek genannt. Die franzoͤſtſchen Ausgewanderten gaben ihm zum Anden⸗ ken an ihr liebes Vaterland den Namen: la petite Rochelle. Dieſes Stuck iſt ſehr fruchtbar, und die Bewohner ſind ſehr emſig. An der Weſtſeite der Franſche-Hoͤk iſt das Simons⸗Thal und der Si⸗ mons⸗Berg nach dem Vornamen des Gouverneur Simonvan derStel genannt. Naͤchſt dem Simons⸗ Thale nach Nord liegt der Thurm von Babel. Um dieſen Berg haben verſchiedene Private Landguͤter an⸗ gelegt, welche ihnen wegen der Fruchtbarkeit des Bo⸗ dens gute Einkunfte von Wein und Korn liefern. toch weiter noͤrdlich folgen die Perl⸗ und Jooſten⸗Berge, und noch noͤrdlicher der Pferd⸗ Berg. Das Theil, welches auf den Pferdberg nach Nord kommt, heißt Wagners⸗Thal, weil ein Mann dieſes Handwerks ſich hier zuerſt niederließ. Der Bergfluß verſteht es mit Waſſer. Dieſem ſchließt ſich das Thal und der Berg Riebeek⸗Caſtel an; es fuͤhrt dieſen Namen deßwegen, weil dieſer Berg die aͤußerſte Graͤnze der von Riebeek gemachten Ent⸗ deckungen ausmacht. Dieſer Berg iſt ziemlich hoch und lang; ſeine Spitze an der Weſſeite zugaͤnglich; ſeine Richtung beinahe von Nord nach Suͤd; ſeine Krone an der Dſtſeite ſehr ſpitzig. Gras waͤchst auf ihm in Menge; ſeine betraͤchtlich dicken Bäume haben ein ſchwammiges Holz. Er iſt der Aufenthalts, Ort 356 vieler Paviane und Murmelthiere; auch ſollen wilde Pferde ſich auf demſelben befinden. Am Fuße des Berges liegen etliche Bauern⸗Wohnungen, welche von einigen Quellen, die in einiger Entfernung des Verges entſpringen, mit Waſßfer verſehen werden. Noch weiter noͤrdlich, wenn man nach dem Berg⸗ fnſſe geht, kommt man an den Platz, welcher die vier undzwanzig Fluͤſſe heitt, nicht, weil gerade 24, ſondern viele Baͤche hier ſind, und ſehr fruchtbar machen. Die Bewohner dieſes fruchttragenden Stri⸗ ches bedienen ſich bloß der Handmuͤhlen zum Korn⸗ Mahlen. Sie wird von Sklaven gedreht, und erpreßt ihnen viel Schweiß.. Einige Meilen nordlich von hier liefern die Ho⸗ nigberge, von den vielen Bienen in ihren Ritzen ſo genannt, den Hottentotten Honig, welchen ſie am Kap fuͤr Geraͤthſchaften und andere Kleinigkeiten ein⸗ tauſchen.* In der Gegend dieſer Berge, wie bei den 24 Fluͤſ⸗ ſen, wohnen einige Europäer, welche alle Hirten ſind. Sie leben allein von Milch, dem Fleiſche ihres Viebes und von erlegtem Wilde. Ihr Srank beſteht aus Waſſer und Milch. Sie wuͤrden beſſer leben koͤnnen. wenn ſie ſich mehr an Arbeit gewoͤhnten. Die Piketberge ſind die aͤußerſte Graͤnze des Drakenſteiniſchen Bezirkes an der Nordſeite. Das Land umher iſt ganz trocken, faſt uͤberall unbebaut, mit Geſtrauchen und hohen holzartigen Pflanzen beſebt; 357 der Boden iſt ſandig, und auf einigen Stellen felſig. Iudeſſen wohnen hier einige Europaͤer, welche ihre Schafe an den Abhaͤngen der Berge auf die Weide bringen. Sie fuͤhren dieſelbe Lebensart, wie die Hir⸗ ten an den Honigbergen. Dieſe ſind die Laͤnder laͤngs der Dſtiſeite des Kav ganz gegen Nord. An der Weſtſeite, und in der Ritte kommt zuerſt der Bezirk Waveren⸗ welcher etwa 12— 13 Meilen vom Kap nach NMNO., und von der Kirche und dem Dorfe Draken ſtein nach NNW. liegt. Am Ende des vorigen und zu Anfange des je⸗ tzigen Jahrhunderts wurde dieſe Kolonie von dem Gouverneur Adrian van der Stel zur Ehre ei⸗ ner ihm verwandten und anſehnlichen Familie: das Land von Waveren genannt. Sie hat eine Pfar⸗ rei, einen Prediger und eine Kirche. Einige Berge aus rothem Sande trennen ſie von Drakenſtein; wegen dieſer Sandberge heißt der ganze Strich der rothe Sand. Der Boden iſt hier ſo ſchwer und hart, daß man an einigen Stellen wohl 20 Ochſen an den Pflug ſpannen muß, indeſſen iſt er doch ziemlich fruchtbar. In der Nähe dieſer Pfarrei an der Nord⸗ Seite ſnd noch einige Hottentottiſche Kraalen(Doͤrfer). An der Weß⸗Seite von Waveren liegt der Kapok⸗Berg; er hat ſeinen Namen von einem Geſträuche, deſſen Biume in Indien Kapok genannt⸗ eine Art ven Watte giebt, und ſtatt der Federn züu Vetten gebraucht wird. Er iſ auf ſeiner Spitze flach⸗ grasreich, und gewaͤhrt eine ſchoͤne Ausſicht. Ander⸗ halb Meilen entfernt iſt der Contreberg, ein Auf⸗ enthaltsort der Paviane; noch andere umherliegende Berge heißen aus dieſer Urſache Pavians⸗Berge. An der Nordſeite des Kapokberges und weſtlich von Waveren liegt das Thal gruͤne Klobf, 12 Mei⸗ len noͤrdlich vom Kap. Zwiſchen dem Kapokberge im Suͤden und dem Langenberg erſtreckt es ſich nach Nord und Weſt bis an den Strand des Meeres. Sein vie⸗ les Gras und die Menge von Kraͤutern ſcheinen ihm dieſe Benennung gegeben zu haben. Ein kleiner Fluß, deſſen Waſſer von den Bergen zu belden Seiten faͤllt, und in der Ebene zuſammenlaͤnft, bewaͤßert es. We⸗ gen der vielen Weiden behielt dasſelbe die Kompagnie fur ſich, um ihr Schlachtvieh fuͤr die Schiffe und ihre Bedienten auf dem Kap daſelbſt zu maͤſten. Im Norden von Gruͤneklvof und Waveren liegt das ſchwarze Land, welches eine Pfarrei ausmacht, einen Prediger, eine Kirche und ein Pfarr⸗ haus hat, und mit dem anliegenden Waveren in allen Stuͤcken ſehr uͤbereinkommt. Auſſer den genannten Bezirken wurde von Einigen noch eine neue Kolonie im Oſten des Kap, an der andern Seite der Hottentotten- und Stellenboſch⸗ iſchen Berge angelegt. Sie beſteht aus einigen Pflanz⸗ Drten und zerſtreuten Wohnungen laͤngs der Kuſten und Bayen bis an den Fiuß St. Chrißtoph. Der Gouverneur Swellingrebel nannte ſie nach ſei⸗ — 359 nem Namen: Zwellendam; ſie hat einen Rath⸗ aber bisher weder Prediger noch Kirche. Die Berichte über die Hottentotten oder die Landeseingebornen uͤbergehen wir fuͤglich, weil ſie nicht das Reſultat eigenen Forſchens, ſondern blos Auszüge und Zuſammenſiellungen aus Kolb, de la Kaille und andern ſind, und weil ferner dieſe Maͤnner ſchon ihren Platz in dieſer Taſchenbibliothek unter dem Artikel: Afrika einnehmen. Zum Schluſſe wollen wir noch einige allgemeine Bemerkungen nach⸗ bringen, um verdruͤßlichen Wiederholungen, welche bei dem einen oder andern punt zu machen waͤreu⸗ auszuweichen. Die ganze Kolonie des Fan s iſt in 3 verſchiedene Gerichtsbarkeiten und 6 Pfarraͤmter vertheilt. Die erſte Gerichtsbarkeit iſt die von der Kapſtadt, mit einer Pfarrei; das Juſtiz⸗Kollegium(Raad van Juſtitie) ſpricht Urtheile und entſcheidet in Beru⸗ fungen. Die zweite Gerichtsbarkeit iſt Stellenboſch und Drakenſtein, wo ein Landdroſt und Raͤthe ſind, welche in Stellenboſch ſich verſammeln. Dieſe hat 4 Pfarreien: Stellenboſch, Drakenſtein, Zwarte⸗ land, und das Land van Fiere an der andern Seite der rothen Sandberge. Die dritte erſtreckt ſich uͤber den Landſtrich und macht die ſechste Pfarrei aus. Das Civilweſen ſteht unter dem Gonverneur und 360 dem Polizei⸗Kollegium(Raad van Politie). Die Kolonie ſteht unmittelbar unter den Kammern der oftirdiſchen Kompagnie in Holland. Das Polizei⸗ Kollegium beſteht aus 8 Perſonen, unter denen der Gouverneur als Vorſtand ſich beſindet; im Juſtiz⸗ Kollege aber hat der Kommendant den Vorſitz, und der Gouverneur unterzeichnet die Urtheile. Die Bewohner des Kap's wiſſen noch keinen guten Gebrauch von Landes⸗Erzeugniſſen zu machen. Die Art, ihre Weine aufzubewahren, vernachlaͤßigen ſie. Der Wein, welchen man gewoͤhnlich hier erhaͤlt, wuͤrde ſo gut ſeyn, als der franzoſiſche Muskat⸗Wein von Frontignan oder Luͤnel, wenn ſie ihre Wein⸗ gaͤrten nicht zu oft duͤngten, und den Wein gut zu faͤubern und zu behandeln wuͤßten. Um ihn wohl zu bewahren, muͤßen ſie ihn fark ſchwefeln, dadurch wird er nicht nur ſcharf, ſondern auch unangenehm vom Geſchmacke. Beſſer gedeiht der Getraide⸗ Bau. Die weiter vom Kap entfernten Bewohner naͤhren ſich von Butter und Kaͤſe, welchen ſie von ihrem Viehe erhalten. Auch kommen die 60— 80 Meilen von der Hauptftadt entfernten, jaͤhrlich zwei bis drei⸗ mal dahin, und bringen ein großes Faß geſalzene Butter mit; viel theurer als dieſe iſt die friſche But⸗ ter. Die Koſtbarkeit der Wagen macht die Veberliefe⸗ rung der Waaren koſtbar. Inzwiſchen muß man doch ſehr oft dieſes thun, um Korn an das Kap zu liefern. Daher kommt, daß weit entfernte Laͤndereien, wo 361¹ man Korn baut, ſo wenig Vortheil haben, und man weiter als auf einen gewiſſen Abſtand von dem Kap keine andere Wohnungen als zur Viehzucht anlegen kann. Die meiſten Leute am Kap bereiten aus gutem Korne ſchlechtes Brod; dieſes kommt theils daher, weil ihre Hand- und Waſſer-Muͤhlen im ſchlechten Zuſtande ſind, und theils, weil ſie ihrem Brode kaum die noͤthige Form geben. Herren und Sklaven eſſen einerlei Brod. Mit dem Biere geht es nicht beſſer⸗ Im Allgemeinen ſind die Vewohner des Kap's nicht ſehr arbeitſam. Sie geben ſich nicht die Muͤhe, ihre Butter nach europaͤſcher, oder beſonders hollaͤn⸗ diſcher Art zu machen. Obgleich es friſches Fleiſch im Ueberfluſſe am Kap gibt, ſo bewirthen ſich die Einwohner doch nicht anders, als mit geſalzenem oder geraͤnchertem Fleiſche, geſalzenen oder getrockneten Fiſchen, welche ſtark gepfeffert und dann geroͤſtet werden. Das Geflugel iſt im Verhaͤltniſſe nicht ſo wohlfeil, als das Fleiſch bei den Metzgern. Indiſche Fruchte werden ſehr wenige am Kap ge⸗ zogen. Die gewoͤhnlichſte aus allen iſt die Gonjavaz die Bananen und Ananas bedeuten wenig. Von den europaͤiſchen Fruͤchten ſind allein die Pfrſchen, Apri⸗ oſen, Feigen, Quitten und Trauben vortrefflich; bingegen Aepfel, Birnen, Pflaumen, Ruͤße und Ota⸗ nien⸗Aepfel in keiner großen Achtung. Die gewoͤhnlichſten Arten von Wildpret in dem Kap⸗Bezirke ſind außer einigen Seevogeln und Waſ⸗ ſerhuͤhnern die Cvedves, verſchtedene Boͤcke und Zie⸗ gen, Erdſchweine, kapſche Maulwuͤrfe genannt, Stachelſchweine, Haſen u. ſ. w. Unter den Voͤgeln ſind die Strauße, Faſane, Rebhuͤhner, Wachteln, Gaͤnſe, wilde Enten u. ſ. w. die genießbaren. Auch ißt man eine Art Murmelthiere, welche ſehr haͤufig auf den Bergen gefunden werden. Das Wild mit Ausnahme des Steinbocks iſt nicht ſehr ſchmackhaft. Unter den Fiſchen gibt es kaum 4 gute Arten. Die Raubthiere halten ſich jetzt weit vom Kap entfernt. Zuweilen kommen in dem heißeſten Sommer einige Elephanten bis an den Bergfluß. Die Raub⸗ thiere, welche in den entfernteſten Gegenden der hol⸗ laͤndiſchen Beſitzungen ſind, fliehen bei dem Anblicke eines Menſchen, und ſtellen ſich nur, im Falle ſie uͤberraſcht wuͤrden, zur Gegenwehr. Kommt man nun an einen Fluß, ſo bedient man ſich des Knalles ſeiner Peitſche, oder ſchteßt ſein Gewehr los. Große Tiger gibt es hier keine mehr, dagegen aber Panther, Leoparden, Onken und Schakale. unter den kleinen Raubthieren findet man hier einige, welche unertraͤglich ſtinken. Die Buͤrger und Einwohner der Kap⸗ Stadt pflegen ſich nicht wechſelfeitig zum Mahle einzuladen; dafuͤr aber kommen ſie alle Abende um 6 Uhr zuſam⸗ men, und rauchen, trinken und ſpielen. Will ein Herr einen Sklaven frei machen, ſo 363 muß er zuerſt getauft werden, dann wird er zum Buͤrger angenommen. Weil aber der Herr verpflchtet iſt, s00 Reichsthaler der Kirche zu verſichern, ſo ge⸗ ſchieht es ſelten. Ehemals kamen die Sklaven der Kompagnie von Madagaskar; aber die Eiferſucht der Franzoſen zwang ſie, ſich mit einigen Maleyen aus Indien zu begnuͤgen. Sie gewoͤhnen ſich ſchwer an das Klima. Nachdem der Hauptmann Hop die gehoͤrigen Weiſungen erhalten, und die freiwilligen Begleiter ſich geſtellt hatten, ging den 16. Juli die Reiſe von dem Kap ab. Drei Wagen, jeder mit 10 Bchſen beſpannt, waren außer 90o Pf. Schießpulver und 2010 Pf. Blei noch mit verſchiedenen nothwendigen Geraͤthſchaften und einigen Kleinigkeiten beladen. Der Feldmeſſer Karl Friedrich Brink mußte uͤber die zu entdeckenden Laͤnder nicht nur eine genaue Karte verfertigen, ſondern auch die täglichen Ereigniſſe auf⸗ zeichnen. Nach einem Marſche von 3 Meilen kamen wir an den Kuh⸗Berg; den a6. Juli an den Platz Sle⸗ phanten⸗Berg, wo wir bis den 18. blieben. Nach 3 1/2 Meilen langten wir an dem Diep⸗Rivier an, zogen den 49. die Spalte des Gebirges, Riebeeks⸗ Kaſtel, und kamen nach einer Reiſe von 3 Meilen auf dem Platze des Landmannes Witſke an, wo in⸗ zwiſchen unſer Hauptmann angekommen war. 364 Am 20. erreichten wir nach 3 1/2 Neſlen die Hr⸗ nig⸗Berge, nahmen den 21. unſern Weg ganz nach Vord, bi s zum Berg⸗Rivier, welchen wir 4 /½ Fuß tief fanden. Vom 22.—34. paſſirten wir das Thal Knolle⸗Valley, den Platz Groene⸗Valley an dem Piquet⸗Berge, den platz de Kruys, weiter noͤrdlicher den Berg⸗Valley, ferner den Viehplatz Brandenburg, und endlich die Ratels⸗Klippe. Der ganze Weg betrug 16 4/2 Meile. Den 4. Anguſt mußten wir wegen der Schwaͤche unſers Zugviehes, und wegen der ſchlechten Wege nach 1 ½ Meilen an dem ſogenannten Herren⸗ Wohnort halten. Den 2. blieben wir nach 2 1/2 Metlen auf dem Weideplatz des Bauern Pieter van Suyl am Elephanten⸗Fluſſe, auf der ſuͤdl. Br. 4 40 und Laͤnge 38o 48*. Auf der andern Seite des Elephanten⸗Fluſſes zogen wir 4 4/2 Meilen wei⸗ ter, machten an einem voͤllig ausgetrocknetem Fluſſe Halt, und hatten hier 310 36“ Breite und 380 20 Länge. Am s. war unſer zuruͤckgelegter Weg und Entfernung nach N. W. 3 3/4 Meilen, 310 32“ Br. und 28o 9“ Laͤnge, am 9. nahmen wir unſern Ruhe⸗ platz an der Salpeter⸗Klippe, lagerten uns wieder zur Seite des Elephanten⸗Fluſſes an dem Platze Krekenaap oder Backofen; unſer zuruͤk⸗ gelegter Weg und Entfernung war Nordweſt 2 Mei⸗ len, und die Breite 320 29“, die Laͤnge aber 370 47“ 365 Nach genommener Abrede fanden wir hier alle uͤbrigen zu unſerer Geſellſchaft gehoͤrigen Perſonen mit ihren Wagen. Unſere Geſellſchaft beſtand nun aus 17 Eu⸗ ropaͤern, und 6s Baſtard⸗Hottentotten. Wir hatten einen Zug von 16 Wagen, deren jeder mit 10 Ochſen beſpannt war. Nachdem wir den 16. Aug. 4 Meilen zurückgelegt hatten, blieben wir an einer Quelle, welche an einem Berge liegt, der Elephanten⸗Kraal heißt. Wir hatten hier die Breite von 310 26“ und 370 37 1/4˙ Laͤnge. Wegen der Ermattung unſers Viehes ruhten wir bis zum 19. aus, wo wir bis an den runden Bers gingen. Unſer Weg und Entfernung war MNord⸗Weſt 3 1/2 Meilen 310 47 Br. und 370 22 L. Den 20. ruhten wir nach 3 3/4 Mellen Nord⸗Weſt bei dem Berge Elephanten⸗Kopf, 310 7 Br. und 37b 42 1/2“ L.; den 24. an der Klipfontyn N. N. W. 3 3/4 M., 300 66“ Br. und 370 7 ½ L. Den 22. gingen wir bis an den rothen Huͤgel noͤrdlich 2 3/4 Meilen, 30 45“ Br. und 370 7 1/2 L. Da wir den 24. nach 4 1/2 Meile bis zum Groene⸗Rivier gekommen waren, ſo ſchlugen wir unſer Lager an der Stelle, wo dieſer Fluß ſich mit dem ſchwarzen Dorn⸗Rivier vereinigt, 300 28“ Br. und 37 1 2“ Laͤnge. Dieſer Landſtrich, von dem Elepbanten⸗Fluſſe bis hieher, gemeinlich Amacauasland genannt, erſtreckt ſich nach Sud bis an den Elephanten⸗Fluß⸗ 366 nach Weſt an die Sce, nach N rörd an den Steh Rivier, nach Bſt an das Boͤckefeld, und liegt un⸗ ter der ſuͤdl. Breite von 300 32“ bis 340 30 Er iſt durchgaͤngig trocken und ſandig, nach Weſt mit bohen Ruͤcken, nach Oſt mit hohen klippigen Gebir⸗ gen beſetzt, und hat keine fiieſſenden Stroͤme, ſondern nur einige Quellen. Man findet hier kein Zimmerholz, ſondern an den Ufern der ausgetrockneten Fluͤße blos Dornbuͤſche, und auf dem flachen Felde kleine Buͤſche und Gras. Dieſer Landſtrich iſt nur wenig bevoͤlkert, und hat nicht viel großes Wild, ausgenommen am Strande, wo ſich viele Elephanten aufhalten. Den s0. brachen wir von Groene⸗Rivier auf, blieben an einem kleinen ausgetrockneten Fluſſe, ſo daß wir 2 1/2 M. machten; die Breite 300 18“ und die Laͤnge 276 7 1/½2. Den z4. ſetzten wir unſere Reiſe fort bis an die Klipp⸗Valley bei einem Amaecguas⸗Kraal, Nord zum Oßten 4 Meilen, 300 4“ Br. 37 14“ Laͤnge. Den 2. Sept. lagerten wir an einer Quelle, wo die Amacquas(Hottentotten⸗Staͤmme) verſchiedener Nraale zu uns kamen und einige Schlachtthiere zum Tauſchen mit ſich brachten; noͤrdlich /½ Meile 300 2“ Br., und 370 11 Laͤnge. Den 4. blieben wir an einem Dornbaum⸗Fluͤßchen, wo es nach einer Ent⸗ fernung von 3 Meilen in die See ſich ergießt; noͤrd⸗ lich 1 Meile, 290 61“ Br. und 310 445L. 367 Den s. lagerten wir uns in der Alve⸗Kluft, nordlich 1 1/4 M., 29 31“ Br. und 370 11“ L. Um⸗ her fanden wir viele Aloe⸗Baͤume, faſt alle mit ſehr ſchoͤnen Kronen, deren Blaͤtter ungefaͤhr einen Fuß lang, und von hinten 3 Fuß breit waren, nach dem Ende ſpitzig zuliefen, und an beiden Seiten mit klei⸗ nen Dornen beſetzt waren. Den 8. blieben wir an dem großen Sand⸗Rivier, noͤrdlich 1 2/4 M.„ 290 44“ Br. 37 14 Laͤnge. Sein Waſſer war ziemlich ſalzig, er ſelbſt verlor ſich an manchen Stellen im Lande. Den 14. kamen wir an die Quelle Tigerfontyn. Der Lauf unſeres Weges und die Entfernung waren N. W. 3 1/2 M. 29 34 Br. 370 11“ L. Den 12. reſs⸗ ten wir zu einem aͤhnlichen kleinen Fluſſe, welcher vor der Kluft der Kupferberge iſt, N. D. 2 1/2 M. 290 24“ Br. 370 44“ L. Den a3ten uͤberſchritten wir dieſe Kluft, an deren Ausgang wir die Berge ſelbſt fanden, welche Simon van der Stel 1685 bearbeiten ließ. Durch eine geraͤumige Ebene gereist traffen wir noch 3 kleine Kupferberge, bei deren letz⸗ tem wir unſern Ruheplatz nahmen, N. N. D. 1 3/4 Meilen, 290 17“ Br. 370 44 Laͤnge. Den 16. lagerten wir uns an der Quelle de Poort. zwo das hohe Gebirg der kleinen Nomaequas ſich endigt, noͤrdlich 1 3/4 M. 290 10“ Br. 37 44 Laͤnge. Den 16. fanden wir bei einem ausgetrocknetem Fluſſe eine faule Quelle, noͤrdlich 2 4/2 M. 290 Br. 370 44, L. Den 19. kamen wir an den Anfang des hohen C0. Vd. Afeira. II. 3. 8 Gebirges, welches laͤngs des großen Fluſſes ſich ausbreitet. Wir fanden dieſen Fluß ſchnell ſtroͤmend, mit ſteilen Ufern, an beiden Seiten mit hohen Fels⸗ gebirgen, und in der Laͤnge mit Weiden und Dornen beſetzt. In ſeinem gewoͤhnlichen Ufer iſt er 1032 Rheiniſche Fuß breit, und uͤberſtroͤmt ſeht zur Re— genzeit an beiden Seiten. Er enthaͤlt viele Fiſche, beſonders Karpen und Seekuͤhe(Flußpferde) in Menge. Er nimmt ſeinen Anfang ungefaͤhr 280 ſuͤdl. Breite, fließt ganz ſüdlich, durch kleine Fluͤße verſtaͤrkt bildet er auf der Breite von 28 Graden einen Bogen, und ſließt nachher gegen Weſt in die See. Die Bewohner nennen das Ende auch wohl Charie. Unſer zuruͤck⸗ gelegter Weg und Entfernung war N. N. D. 6 Mei⸗ len, 280 42“ Br. 370 22“ Laͤuge. Den ziſten machten wir Anſtalten unſer Reiſe⸗ Geräͤthe von den kleinen Namaequas an die an⸗ dere Seite nach den großen Namaeguas uͤberzw ſetzen. Den Lauf des Fluſſes, als auch die Gegenden, welche nach der Muͤndung des Fluſſes liegen, in Au⸗ genſchein zu nehmen, machte das hohe und ſteile Ge⸗ birge unmoͤglich, welches in einigen Stellen ſo nahe am Fluſſe lag, daß man an dieſen nicht vorbeikommen konnte. Wir ſuchten alſo hinter den Bergen einen Weg, gingen 2 Tage uͤber ein ſchweres, felſiges Ge⸗ birge und fanden endlich einen engen Wes nach dem Fluſſe, welcher ein Schlupfwinkel der Buſchmaͤnner war, wie wit aus vepſchjedenen Zeichen ſahen⸗ Auch S————— * 369 entdeckten wir laͤngs des Fluſſes verſchiedene kleine Ebenen mit See-Kuͤh-Gruppen, und ſahen, daß das bohe Gebirge laͤngs des Fluſſes ſich zog, ohne daß wir deſſen Ende nach Weſt ſehen konnten. Die Unſicher⸗ heit, Trinkwaſſer anzutreffen, noͤthigte uns ben 26ſten, in unſer Lager zuruͤckzukehren. Unterdeſſen erhielten die großen Namaeguas von den kleinen Nach⸗ richt uͤber unſere Ankunft, und ſchickten 6 große Na⸗ macguas nebſt 2 Schlachtthieren und einigen Ham⸗ meln zu unſerem Empfange. Der Bezirk des Landes vom gruͤnen bis zum großen Fluſſe, eigentlich das Land derklein nen Namaequas, grenzt gegen Wel an die See, gegen Nord an das Land der großen Namaequas, gegen Oſt an das der Buſchmaͤnner, und gegen Süd an die Amaeaquas, und liegt unter der ſuͤdl. Breite von 280 42“ bis 20 30“. Es iſt uͤbrigens ein trocknes und ſandiges Land, ohne beſtaͤndig fließende Stroͤme. Die groͤßten zu Zeit austrocknenden Fluͤſſe ſind; der ſchwarze Dornfluß, der gruͤne und große Sandfluß. Dieſe entſpringen auf dem hohen Ge⸗ birge nord oͤſtlich, ergießen ſich in die See, meiſtens durch felſige Gebirge, auf welchen weder Gras noch Laub waͤchst. Auch findet man in dieſem Striche Lan— des laͤngs der Fluͤſſe einige hohe Dornbaͤume und auf dem flachen Felde lange Stauden⸗Gewachſe, deren groͤßter Theil Milchbuͤſche ausmacht. Die kleinern Namaeguas Ind von Natur 370 ſehr traͤge und furchtſam, und wegen ihres wenigen Viehes ſehr armſelig. Nichts deſtoweniger werden ſie ſtets von den Buſchmaͤnnern beunruhigt, ihres Lebens und Viehes beraubt. Den L2ſten zogen wir mit allen Wagen gluͤcklich uͤber den Fluß; und mit uns faſt 300 kleine Namge⸗ aquas, Maͤnner, Frauen und Kinder. Sie wollten ibre Freunde unter den großen Namaequas beſuchen: denn die Furcht vor den Buſchmaͤnnern hielt ſie zuruͤck. Gegen Abend zogen wir durch einen Hohlweg, und lagerten uns bei einer Quelle, deren Waſſer wir ſtin⸗ kend fanden. Unſer zuruͤckgelegter Weg war Nord⸗ Oſt zu Nord 11/2 M., 280 36“ Br. 370 26 L. Den zoſten kamen wir uͤber felſige Gebirge zu einem Hot⸗ tentotten⸗Kraal mit einer ſehr moraſtig ſchmeckenden Quelle. Unſer Weg und Entfernung war Nord⸗Oſt zum Nord 31/2 M., 280 24“ Br. 370 34 L. Den 1. Oktober zogen wir zwiſchen dem Gebirge ab, kamen an den Loͤwen⸗Fluß, welcher noͤrdlich bei der Bergquelle entſpringt, und ſich von hier ſuͤd⸗ oͤſtlich in den großen Fluß(de grvote Rivier) er⸗ gießt, und ſeinen Namen von den vielen daſelbſt ſich aufhaltenden Loͤwen erhalten hat. Laͤngs der ufer iſt dieſer Fluß mit Baͤumen von rothem Holz und mit Dornbuͤſchen verſehen. Den Fluß fanden wir trocken, nahmen aber doch Zeichen am Ufer von ſeinem hohen Anſchwellen wahr. Als wir zu einem Kraale der gro⸗ ßen Namaeguas gekommen waren, fluͤchteten die 371 jungen Bewohner, weil ſie einige unſerer Leute ju Pferde kommen ſahen. Als wir die aiten Maͤnner und Weiber mit Dago und Tabak beſchenkten, kamen die Entflohenen allmaͤhlich geſchlichen. Unſern Ruhe⸗ platz nahmen wir bei der Waſſergrube, falſche Drift, und hatten heute nur 1 14 M. Nord⸗Dſt zum Nord gemacht, auf 280 48“ Br. 370 36“ L. Den 4ten nah⸗ men wir unſern Weg laͤngs des Loͤwen⸗Fluſſes und lagerten uns an der Quelle Vogelfontyn. Hier endigt ſich das Gebirge, und es faͤngt eine weite mit Gras bedeckte Ebene an. Unſer Lauf und Weite des Weges war 11/2 M., 280 10 Br. 375 39* L. Denm sten zogen wir noch weiter laͤngs des Fluſſes, blieben bei einem warmen Bade, welches eine beſtän⸗ dig laufende Quelle iſt, deren Waſſer immer eine gemaͤßigte Waͤrme hat. Sie liegt etwa 200 Schritte an der Oßtſeite des Fluſſes auf einem kleinen felsarti⸗ gen Huͤgel. Der Boden umher war moraſtig, und das Salz lag an den Seiten des Waſſers einen Finger hoch aufgetrocknet. Hier ſahen wir auch die erſten Kamelopardales(Gtraffe). Ein Weibchen toͤdte⸗ ten wir und fingen ein junges. Den Koͤrper des ge⸗ toͤdteten Thieres fanden wir einer Kuh, ſeinen Hals und Kopf aber einem Pferde am aͤhnlichſten. Seine Hoͤhe von der Vorderklaue bis zum Kopfe war 17 Fuß, und die Laͤnge des Koͤrpers verhielt ſich gegen die Hoͤhe, wie eins zu zwei. Am Halſe herab iſt es von weißer Farbe, und von vorne mit hellbraunen rauten⸗ 372 förmigen Flecken geſprengelt, auf dem Hinterleibe eben ſo, doch ein wenig braͤunlicher gezeichnet. Vor dem Kopfe hat es zwei Hoͤrner, beinahe einen Fuß lang, welche gerade ſtehen, und mit einer haarigen Haut uͤberzogen ſind. Es ſucht hauptſaͤchlich ſeine Nahrung an den hohen Rothholz⸗ Baͤumen; wenn es etwas von dem Boden nehmen will, ſo muß es ſich wegen ſeines hohen Vorderleibes auf die Knie legen. Wir fanden hier 280 6“ Breite 370 41“ Laͤnge, und hatten heute nur 1 ½ Meile nord⸗nord⸗oſt zu⸗ ruͤckgelegt. Den ꝛoten zogen wir noch weiter am Fluſſe fort, mußten aber wegen Mangels an Waſſer noch bis zur Rietfontyn gehen. Die abgematteten Thiere blie⸗ ben mit den Wagen zuruͤck. Der von uns gefangene junge Kamelpardalis war trotz aller angewandten Muͤhe geſtorben. Wir waren jetzt NNW. 2 1/½ Meile gekom⸗ men, auf 270 s6 Breite und 370 37“ Laͤnge. Den 1ten folgten die Kompagnie⸗Wagen, auch der Riet⸗ fontyn nach; NNW. 3 Meilen, 270 45“ Br. 370 32“ Laͤnge. Den asten verlegten wir unſer Lager eine Viertelmeile nordoͤſtlich bis an die friſche Quelle Gerse Fontyn). Den a5ten zogen wir 1/2 Meile Nord zum Weſten bis an die Rietvalley, durch welche der Löwenfluß lauft. Den asten gingen wir längs des Fluſſes bis zur Sprink⸗Bekke⸗Fontyn, noͤrdlich2 Meilen, 270 34“ Br. 370 32“ L. Den 19ten nahmen wir unſern Ruheplatz bei der Renoßer⸗ * — 373 Fontyn, wo auf 2 Stunden, gerade vor uns hin, die Gras Ebene endigte, und dagegen ein hohes und flaches Gebirg ſeinen Anfang nahm. Wir waren nun in Norden 11/4 Meile weiter auf 275 20“ Br. 37* 32 1/2 L. Den eſten gingen wir bei einem hottentotti⸗ ſchen Kraal einen Hohlweg, kamen darauf in eine Ebene und lagerten uns den ꝛ8ſten fruͤhe wieder laͤngs des Loͤwenſiuſſes; Nord zum Oſten 4 Meilen⸗ 27* 46 Br. 370 35“ Laͤnge. Den z4ſten verlegten wir unſer Lager 4 Meile nordlich bis zur Peilhuͤhner-Fontyn. Ueber einen hier und dort mit ſchweren Klippen beſetzten Weg kamen wir zur Berg⸗Fontyn; Nord zum Oſten 11/2 M., 270 44“ Br. 370 36 L. Den 2sſten reisten wir noch zwiſchen dem flachen Gebirge hin⸗ lagerten uns darauf am Draay⸗Fluſſe⸗ welchen wir nicht ausgetrocknet fanden. Er entſpringt bei der ſteilen Kluft, und ergießt ſich zur Regerzeit ſuͤd⸗ öſtlich in den großen Fluß. Laͤngs desſelben findet man ſchoͤne und dicke Rothholz⸗Baͤume und zwiſchen dem Gebirge gute Kornfelder. Wir waren nun Dſt zum Nord 114 M., 270 10 1/½ Br. 370 41 Laͤnge. Den zuſten zogen wir zwiſchen dem Gebirge laͤngs des Fluſſes durch ein ſchoͤnes Gras⸗Feld, und bezogen an dem langen Berge ein Lager, Nord⸗Dſ zu Oß 11/2 M., 270 8 Br. 270 44 Laͤnge. ⸗ Den. November mußten wir in verſchiedener Richtung den Weg nehmen, um durch einen ausge⸗ „ trockneten Fluß, der mit ſteilen Ufern beſetzt war, z kommen. Wir kamen Morgens an den Rietkuyl, wo wir gutes Waſſer und Weide fuͤr unſer Vieh fan⸗ den, NNW. 3 3/4 M., 27 6“ Br. 370 42“ L. Den aten lagerten wir am Klipkuyl, Nord zum Weſt 4 3/4 M., 270 Br. 370 44“ L.; den 6ten verlegten wir unſer Lager an den Fluß, Nord zu Oſt, 260 28“ Br. 3 G Da ſich einige zur Geſellſchaft gehoͤrige Perſonen uͤber den muͤhſamen und beſchwerlichen Zug beklagten; da man nach dem Berichte der Kundſchafter keine beſſeren Wege zu erwarten hatte, ohne bis heute noch einige gegruͤndete Nachrichten von einer in Leinwand gekleideten braͤunlichen Nation erhalten zu haben, zu deren Entdeckung die Reiſe hauptſaͤchlich unternom⸗ men worden waͤre; ſo fand der Kommandant fuͤr gut, die ganze Geſellſchaft zu verſammeln, allen die genannten Schwierigkeiten vorzuſtellen und zu bera⸗ then, was das Beſte zu thun ſey. Nach gegenſeiti⸗ gen Vorſchlaͤgen kam man endlich darin uͤberein, daß es das Beſte ſey, 4 bis s von der Geſellſchaft, von einigen Hottentotten begleitet, auszuſchicken, um das vor uns liegende Land naͤher zu unterſuchen, und von den dort befindlichen Einwohnern einige naͤhere Nachricht uͤber die in Leinwand gekleidete Nation einzuziehen. Wir warteten mit dem uͤbrigen Zuge hier auf ſie. Bei ihrer Zuruͤckkunft erzaͤhlten ſie: daß ſie bei 3 Namaequas⸗Kraaleu geweſen ſeyen⸗ 375 und nach braungelben Voͤlkern ſich erkundigt haͤtten. Dieſe haͤtten ihnen erzaͤhlt: daß noch weiter nach Porden eine Nation ſich faͤnde, die, gleich uns, Klei⸗ der und langes Haupthaar haͤtte, aber von brauner Geſichtsfarbe waͤre; andere hingegen haͤtten geſagt⸗ daß dieſe Voͤlker keine Kleider, ſondern nur Haͤute oder Croſſen truͤgen, ohne daß Jemand die Nation geſehen haͤtte; ſelbſt die meiſten Namacquas haͤtten bezeugt, nichts von jener Nation zu wiſſen. Bei die⸗ ſem Berichte beſchloßen wir gleichwohl den Zus noch einige Tage fortzuſetzen, in der Hoffnung, naͤhere Eutdeckungen zu machen. Den 1ten theilte ſich der Zug wegen Seltenheit des Waſſers. Wir gingen den Tag und die Nacht einen ſteilen, felſigen Hohlweg nebſt einigen ſteinigen Bergruͤcken und ſetzten den aaten unſern Weg bis zum Buͤffel⸗Fluſſe fort, welcher gegenwaͤrtig ausge⸗ trocknet war, im Winter aber ſich nach Nord⸗Weſt in den Gamma⸗Fluß ergießt. Unſere Richtung und Laͤnge des Weges war Nord zum Oſten 5 Meilen, 26 43 Br. 370 45“ L. Den 6ten kamen wir zu dem Hottentotten-Kraal Dwaalhoͤk; Nord zu Weſt 2 Meilen, 26 34“ Br. 370 43“ L. Den 17ten zogen wir uͤber einen ausgetrockneten Fluß, kamen nachher aus dem Gebirge in eine ſchoͤne Gras⸗Ebene und lagerten Abends bei einem Hottentotten-Kraal; wir hatten 2 1/2 M. zuruckgelegt, 260 26“ Br. 370 43“ L. Den 19. blieben wir bei einem alten verlaſſenen Namae⸗ 376 quas⸗ Kraal; NNW. 3/4 M. 260 24 Br. 370 42* L.; den 22ſten bei einem großen Namaecquas⸗Kraal am Gamma⸗Flußz er war jetzt trocken. Er entſpringt des Winters bei der ſteiſen Kloof, verßaͤrkt ſich auf beiden Seiten mit andern Fluͤſſen, und ergietßt üch alsdann in den Fiſch⸗Fluß. Das vor uns liegende, meiſt flache Land hat doch hier und dort einige kleine Berge, mit Gras und Rhinozeros⸗Buͤſchen bewach⸗ ſene Felder, und mit Rothholz und Dornbuͤſchen be⸗ ſetzte Fluͤſſe. Auch ſahen wir in den Ehenen große Gruppen wilder Thiere, naͤmlich Nashoͤrner, Kame⸗ lopardales, Büffel, weiße wilde Pferde, Eſel oder Quachas, Cvedoes(Kudus), Gemsböcke, Hirſche, wie auch Auerochſen. Letztere gleichen einem gewoͤhn⸗ lichen Ochſen, außer daß ſie groͤßer und von aſchgrauer Farbe ſind. Sie haben einen kleinen Kopf, kurze Hoͤrner, langes krauſes Haar auf der Bruſt und zwi⸗ ſchen den Hoͤrnern, und einen langen Bart wie die Boͤcke; ſie find ſehr ſchnellfuͤßig, deßwegen beißt die⸗ ſes Thier bei den Namacquas der Herr(de Baas). Unſere Richtung und Laͤnge des Weges war Nord⸗ Weß 2 Meilen, 260 18“ Br. 370 39“ Laͤnge. Den 2. Dezember kamen die Kundſchafter Coe⸗ thee und Marais zuruͤck, und berichteten, daß ſie nach 3 Tagen an den Fiſch⸗Fluß gekommen ſeyen, einen guten Weg aber wenig Waſſer gefunden haͤtten, und daß die dort wohnenden Hottentotten durch Gra⸗ ben das Brunnen⸗Waſſer fuͤr ihr Vieh ſuchen muͤß⸗ ₰ 377 ten. Der Fiſch⸗Fluß war ausgetrocknet, und hatte nur an einigen Stellen Gruben mit Waſſer. An bei⸗ den Seiten des Fluſſes fanden ſie viele Gras⸗Weiden. Sie erzaͤhlten: die Hottentotten daſelbſt hätten reich⸗ lich Vieh, auch gaͤbe es wilde Thiere, beſonders Ele⸗ phanten in Menge. Von dem Damroeguas⸗ Volke hätten ſie keine ſichere Nachrichten ethalten koͤnnen. Ihre Wegweiſer haͤtten erzaͤhlt: daß ſie bei einer wei⸗ ter vorwaͤrts wohnenden Natien geweſen ſeyen, die ſchwaͤrzer als die Namacguas waͤren, langes Haupt⸗ baar haͤtten, auf der Bruſt rauh, im Geſichte zer⸗ ſchnitten wären, und Croſſen von Thierfellen haͤtten. Dieſe Voͤlker wohnten in hoͤlzernen Huͤtten, und nähr⸗ ten ſich vom Landbau und Tabak. In dieſer Gegend wuͤrde nicht nur viel Vieh, ſondern auch Kupfer⸗ Minen gefunden. Noch haͤtten ihnen dieſe Wegweiſer einen Berg gezeigt, der gerade vor uns gegen Nord laͤge, wo nach ihrer Ausſage das Land der Damroe⸗ guas, auch Tamaecquas von ihnen genannt, ſei⸗ nen Anfang naͤhme, und ſich weßtlich nach der See erſtreckte. Sie haͤtten ihnen auch Korallen gezeigt⸗ und einiges Kupfer, welches von einem andern Volke gebracht wuͤrde, das noch weiter vorwaͤrts wohnte⸗ und gelb oder braͤunlich von Farbe ſey, und Sonda⸗ mocquas oder von andern Bricquas oder Biri⸗ nas genaunt wuͤrde. Sie wollten uns zu die ſen fuͤh⸗ ren, aber jetzt ſey es wegen der Jabreszeit unmoͤglich. 378 Nachdem man den Bericht dieſer Maͤnner ver⸗ nommen hatte, drangen alle auf ſchleunige Ruͤckreiſe nach dem Kap. Es wurde dann beſchloſſen, auf dem⸗ ſelben Wege wieder zuruͤckzureiſen. Wir befanden uns hier 120%½ Meile recht nordlich vom Vorge⸗ birge der guten Hoffnung, 6 4 Meile weſt⸗ licher als die gerade Nordlinie, und 24 4 Meile ge⸗ rade nach Norden weiter, als Jakob Cvetſee im Jahre 760 war. Dieſer ganze Landſtrich von dem großen Fluſſe bis hierher heißt das Land der großen Namac⸗ guas. Seine Grenzen ſind gegen Weſt die See, ge⸗ gen Nord das Land von St. Thomas; gegen Oi die Brieguas und Enicguas, und gegen Suͤd das Land der kleinen Namaeguas. Es liegt unter der ſuͤdl. Breite von 260 bis 280 427. Das Land ſelbſt beſteht nach Suͤd und Weſt meiſtens aus hohen Felſengebirgen, auf welchen weder Gras noch Laub waͤchst; nach Oſt und Nord hat es ſchöne Grasfelder, auf welchen ſehr viele wilde Thiere, als: Elepbanten, Nashoͤrner, Giraffen, Auerochſen, Buf⸗ fel, wilde Pferde, Zebra, Cvedoes, Gemſenboͤcke und Hirſche ſich aufhalten. Das Land durchſtroͤmen der große und der Fiſch⸗Fluß, der Loͤwen⸗Fluß, der Draay⸗ und Gamma⸗Fluß; der große Fluß iſt der einzige unter ihnen, welcher nicht austrocknet. Er entſpringt auf ungefahr 26o ſůdl. Breite, fließt nach⸗ — —— 379 her ſudlich, vereinigt ſich weſtlich mit dem Draay⸗ und Lowen⸗Fluſſe, bildet alsdann auf 2so einen Bogen, und fließt weſtlich in die See. Er bildet die Grenze der großen Namaeguals nach Oſt zwiſchen den Brie⸗ guas und Enieguas, und nach Suͤd jwiſchen den kleinen Namaequas. Der Fiſch⸗Fluß entſteht ungefaͤhr auf der Breite von 230, fließt ganz ſuͤdlich durch die Mitte des Land⸗ ſtriches, verſtaͤrkt ſich im Oſten mit dem Gamma⸗ Fluſſe, vereinigt ſich dicht an der See mit dem großen Fluſſe, trocknet aber im Sommer aus. So geht es auch dem Loͤwen⸗, Draay⸗ und Gamma⸗ Fluſſe. Die meiſten ſiad mit Weiden und Dorn⸗ buͤſchen und einigen Baͤumen eingefaßt, welche durch⸗ gaͤngig die Groͤße gewoͤhnlicher Eichen, ein dem Braſilien⸗Holze ſehr aͤhnliches Holz, und ein der Tamarinde ſehr nahe kommendes Blatt haben. Sie tragen eine halbmondfoͤrmige Huͤlſe, in welcher der Saame eingeſchloſſen iſt, der aus einigen kleinen braunen Bohnen beſteht. Das Klima iſt uͤberhaupt ſehr rein und gemaͤßigt, und macht die Einwohner ſehr geſund. Doch herrſchte die Blattern⸗Epide⸗ mie, welche man 1766 am Kap gehabt hatte, zu gleicher Zeit auch bei dieſer Nation. Nichts deſtowe⸗ niger ſind die großen Namaeguas jetzt noch ſehr zahlreich, leben in kleine Kraale vertheilt, ohne irgend ein Oberhaupt, unter ſich friedlich. Ihr Reichthum — — reſeht m Vieh; Eiſen und Koralen lieben ſe am meiſten. Den. Dezember 1761 trat die Geſellſchaft ihre NRuͤckreiſe an, und langte am 7. April 1762 nach vie⸗ len ausgeſandenen Beſchwerden gluͤcklich am Kap an. *