rratrarttrnrt ararrtrrt 1 t t Leihbibliothek von Eduard Ottmann in Gießen. Leſepreis für ein deutſches Kr. ranz oden 5, Das Abonnement beträgt: für wöchentlich 6 Bücher: 4 Bücher: 2 Bücher: ct————— auf 6 Monat: 2 fl. 30 Kr. fl. Kr. 1 fl. 12 Kr⸗ „30„„„ 45 „ rt ararararaparararurarararararararararararararararAt — e⸗ Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen dupch 3 Griechenland. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. We 6 von M e 5 ren,„ — und herausgègeben von— Joachim Heinrich Fäck, 6 Königl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 1. Bändchen. Nürnberg. Verlest von Heinrich Hauleiſtricker. 0 — J. J. Barthelemy's Reiſe des jüngern Anacharſis durch Griechenland, viert— halb hundert Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. Leben des Verfaſſers. Piten GFean Jaecgues), am 20. Jan. 1746, zu Caſſis in der Provence unweit Aubagne ge⸗ boren, erhielt eine gute haͤusliche Erziehung, dann vom zwoͤlften Jahre an bei den Vaͤtern des Dratori⸗ ums zu Marſeille, und ſollte ſich ſpaͤter bei den Jeſuiten zum geiſtlichen Stande vorbereiten. Deren verkehrte Behandlung verleidete ihm aber ſeine Be⸗ ſtimmung ſo ſehr, daß er in der Folge alle Antraͤge zu geiſtlichen Stellen ablehnte, und den Litel eines Abbe blos annahm, um anzuzeigen, daß er zu dieſem Stande gehoͤrte. Von Jugend auf liebte er das Studi⸗ um der alten Sprachen, ſogar der aͤlteſten vrientali⸗ ſchen, und der Alterthuͤmer uͤberhaupt. Sein uner⸗ muͤdeter Fleiß und der Scharfſinn, mit welchem er alle Gegenſtaͤnde der muͤhſamſten und trockenſten Un⸗ terſuchung erforſchte, ſetzten ihn bald in den Stand⸗ den Gelehrten in dieſem Fache neue Entdeckungen mitzutheilen, unter welchen das palmyraniſche Alphabet, welches er 1s bekannt machte, eine vor⸗ zugliche Stelle behauptet. Schon 1747 ward er Mit⸗ glied der pariſer Akademie der Inſchtiften, nachdem er bald nach ſeiner Ankunft zu Paris(1744) dem Auf⸗ ſeher des koͤniglichen Medaillenkabinets als Gehuͤlfe beigeſellt worden war. um eben dieſe Zeit machte er die Bekanntſchaft des nachher ſo beruͤhmten Miniſters Choiſeul, damaligen Grafen Steinville, wel⸗ cher im Begriffe ſtand, als Geſandter nach Rom zu gehen, und Barthelemy einlud, ihn dahin zu be⸗ gleiten. Dieſer, ſeit 1738 Pberaufſeher des Medail⸗ lenkabinets, nahm das Erbieten an, und ging nach Rom. Er durchwanderte ganz Italien, ſammelte neue Alterthumsſchaͤtze, und beſchäͤftigte ſich nach ſei⸗ ner Ruͤckkehr mit gelehrten Arbeiten, und mit der Einrichtung des ihm anvertrauten Kabinets, welches er mit einer großen Anzahl koſtbarer und ſeltener Me⸗ daillen vermehrte. Unter ſeinen Privatarbeiten zeich⸗ nete ſich keine durch Gelehrſamkeit und ſchoͤne Dar⸗ ſtellung ſo ſehr aus, als die Reiſe des jüngern Anacharſis nach Griechenland, an der er von 1767 bis 1757 arbeitete. Er ſelbſt war beſcheiden ge⸗ nug, dieſes Werk eine unbehuͤlfliche Komp ila⸗ tion zu nennen, waͤhrend alle geiſtreichen Koͤpfe 7 Frankreichs und des Auslandes daſſelbe ungeachtet der groͤßten Staatsunruhen a7s8— 94 mit der groͤßten Hochachtung aufnahmen, und die gluͤckliche Darſtel⸗ lungsgabe des Verfaſſers nicht genug bewundern konn⸗ ten, der die ungleichartigſten Theile des griechiſchen Alterthums aus verſchiedenen Zeiten in ein ſo ſchoͤ⸗ nes Ganze verwebt, und mit eben ſo viel Gelehrſam⸗ keit, als Geſchmack verarbeitet hatte. Barthelemy, welcher noch in ſeinem Alter ein vollſtaͤndiges Ver⸗ zeichniß des koͤniglichen Medaillenkabinets ausarbeiten wollte, aber durch die ſchon urss ſich erhebenden Re⸗ volutionsſtuͤrme daran verhindert wurde, blieb bei ſei⸗ nen eigenen Arbeiten ſtehen, und erwartete ruhig den Ausgang der oͤffentlichen Angelegenheiten, an denen er nicht den geringſten Antheil nahm. 1789 erhielt er eine Stelle in der franzoͤſiſchen Akademie. Zwar raubte ihm die Revolution den groͤßten Theil ſeines bedeutenden Einkommens von a6 000 Franks; allein er ertrug dieſen Verluſt mit Gelaſſenheit. Am 30. Auguſt 4793 ward er von einem Beamten bei der National⸗Bibliothek des Ariſtokratismus beſchuldigt, und am 2. September verhaftet, jedoch nach ſechzehn Stunden nicht allein wieder in Freiheit geſetzt, ſon⸗ dern auch durch den damaligen Miniſter des Innern, Pare, wieder unter die Zahl der Bibliothekare auf⸗ genommen. Der Vorfall hatte aber auf ſeine ohne dies ſchon ſchwaͤchliche Geſundheit die nachtheiligſten Folgen. Als der Oberbibliothekar der Nationalbiblio⸗ thek, der beruͤchtigte Carra, am 31. Dktober 1793 guillotinirt worden war, trug man ihm die Stelle an; er lehnte ſie aber ab, um ſeine wenigen Lebenstage ruhig zu zu bringen. Er ſtarb am 30. April 4796, mit dem Ruhme eines ganz rechtſchaffenen Mannes, eines vielſeitigen Gelehrten und ausgeteichneten Schrift— ſtelers, im 79. Lebensjahre.(Aus beiden Eneyelopa⸗ dien und Niemeyers Biographien.) Seine Selbſt⸗ Biographie findet ſich vor der vierten Ausgabe des Anacharſis. Nach dem LTode verbreitete ſich uͤber ihn Manecini⸗Nivernvois in einem beſonderen Ver⸗ ſuche, und Millin in ſeinem Magazin 1798. Jack.) Schriften deſſelben. Voyage du jeune Anacharsis en Grece, dans le milieu du quatrieme siecle avant l'ere vulgaire. à Paris che de Bure. N. 6. 1788 4 vol avec; Recueil de cartes geograph., plans, vues et medailles de l'ancienne Gréce, relatifs au voyage du jeune Anacharsis, précédé d'uné analyse critique des car- tes par Barbié du Bocäge,(deſſen große Karte N. 4 jedoch erſt 1811 heraus kam.) Avec apProbation et privilege du Roi in 4.— Seconde édition à Paris 1788. 3. 7 vol, avec, Recueil de cartes etc. in 4.— 9 Troisieme éd. à Herve, de Pimprimerie du Journal General de l'Furope. 4789. 8. 6 vol. avec; Recuil de cartes etc. in 4.— Quatriéme éd. 4 Liége. 1790. 42. 7 vol. avec: Recueil de cartes in 4.— à Hambourg. 1791. 412. 9 vol.— Paris 4795. 12. 417 vol., 4795. 12. 9 vol. et éd. augm. par de S. Croix 4799. 4. et 12. S. vol. avec les cartes etc. Vermehrt wurde dieſe Ausgabe 1847 wiederholt.— Seit den letzten dreiſig Jahren erſchienen in Frankreich und anderen Laͤndern,(z. B. bei Lagarde zu Berlin, bei Fr. Flei⸗ ſcher und Sommer zu Leipzig, im typogravhiſchen Bureau zu Bern ꝛe.) ſo viele franzoͤſiſche Ausgaben die⸗ ſes Werkes, daß deren vollſtaͤndige Aufzaͤhlung ſehr ſchwer werden wuͤrde. Ich bemerke nur, daß der diesjaͤhrige Leipziger Katalog von Boſſange zu Paris, London und Leipzig allein fuͤnf verſchiedene Ausgaben, und zwar auch ſchon Stereotype, mit und ohne Kupfer empfiehlt. Verteuſcht erſchien dieſes Werk zu Berlin und Liebau bei Lagarde. 1790/%3. s. 7 Baͤnde mit Kupfern und zwar der erſte von Dr. Jeniſch, die uͤbrigen von J. E. Bieſter, Bibiothekar zu Berlin. Die erſten drei Baͤnde wurden ſchon wieder aufgelest 1792— 96. 8. Die erſte engliſche Ueberſetzung erſchien zu London 1790— 91 und asos. s. 7. vol. mit Kupfern; die erde Italiſche zu Venedig 1791. 12.; die erſte Schwediſche zu Stockholm 1794. 8.; die erſte Hollaͤndiſche von M. Stuart zu Amſterdam o4. 8.; die erſte Neugrie⸗ chiſche von C. Conſtantin Sarellar zu Wien 4799. s., welche alle oͤfters aufgelegt wurden. Kein blos fur Gelehrte verfaßtes Buch hat ſich in ſo verſchiede⸗ nen Sprachen und Formen ſo oft verbreitet, als die Reiſen des juͤngern Anacharſis. Nebſtdem bearbeitete J. H. Meynier, thaͤtiger Lehrer der franzoſiſchen Sprache zu Erlangen einen Auszug des Driginales zu Nuͤrnberg 1794. 8. Eben ſo Engelmann zu Frankfurt bei Andreae in drei Baͤn⸗ den; Sanguin zu Koburg dei Sinner. Ein italie⸗ niſcher Auszug erſchien zu Piſa. 1791. 12. 3 vol. Ein Teutſcher von Schroͤder, Prediger von Neuwiedt, zu Ehrenbreitſtein und Gehra. 1792— 93. 8. 3 Baͤnde. Ein kleinerer Auszug zu Hof bei Grau. Auch mehrere dieſer Auszuͤge ſind wiederholt erſchienen. Der Werth dieſes Werkes wurde dadurch vorzuͤg⸗ lich erhoͤht, daß die ſachkundigſten Gelehrten ihre Puellen zu deſſen Vervollſtändigung oͤffneten, oder dazu mitwirkten, oder ihm ihren Beifall ertheilten, oder es ſehr heſtig bekaͤmpften. Ich nenne nur Daeier, Freret, Corſin, St. Crvir, de la Luzerne, Choiſeul⸗Gouffier, Foucherot, von Vergenes und Andere juͤr die drei erſteren Ruͤckſichten; fuͤr die letztere: Leitres d'un Trouba- dour sur cet ouvrage, suivies de deux notices ana- Iytiques et de IBpitre de Mr. de Fontanes à Mr. PAbbé Barthelemy, à Paris 1789. 6⸗ 11 Außer dieſem klaſſiſchen Werke erſchienen noch von dem naͤmlichen Verfaſſer; 1) Diss. sur deus medailles Samaritaines d'An- tigonus, Roi de Indée.(S. Memoires de lAca- demie des Inscriptions T. XXIV. 49.) 2) Beflesions sur quelques monumens Phe- niciens, et sur les alphabets, qui en resultent. Ebendaſelbſt. T. XXX. 406— 427. 3) Beflesions generales sur les rapports des langues Egyptienne, Phénicienne et Greque. Eben⸗ daſelbſt. T. XXXII. 242. 4) Bplication d'un basrelief Bgyptien, et de inscription Phénicienne, qui l'accompagne.(Eben⸗ daſelbſt 225.) 5) Reflexions sur Palphabet et sur la langne, dont on se servoit 4 Palmyre.(Ebenbaſelbſt T. XXvI. 377— 697. Auch beſonders abgedruckt in zwei Ausgaben zu Paris 164 Fol, und 4. mit Kupfern. Man vergleiche hieruͤber Goͤtti gel. Anzeigen 1163. 8. S. sss, und zuverlaͤßige Nachrichten vom ge⸗ genwaͤrtigen Zuſtande der Wiſſenſchaften P. CXEVI. 270. s) Beflexions sur une medaille de Xerxes, Roi d'Arsamosate(einer armeniſchen Stadt). Eben⸗ daſelbſt. T. XXI. 404. 7) Diss. sur les medailles Arabes. Ebendaſelbſt 1753 T. XXKVI. 557— 676.(Eine ſehr wichtige Schrift.) 8) Précis sur les lettres Pheniciennes, lu dans 12 l'Assemblée publique le 12 Arvil 4758. à Paris. 1750. 8. Ebendaſelbſt T. XXIX.; auch verteuſcht im bremiſchen Magazin Band VI. 466. 9) Proisieme lettres sur quelques Medailles Samaritaines, im Journal des Savans a. 1790. T. V. 275 222 10) Barthelemy's and Ch, Combés remarks upon Mr. Bryant's vindication of the Apamean Medal, in Archacologia or misc. tracts ect. London, ol. 7 11) TLeitre au Mard. O livieri sur les monu- mens phenic. Paris. 4766. 4. 12) Butretien sur l'état de la musique greque. Paris. 1777. 8. 15) Becherches sur le Pactole(in mem. de l'Acad. Vol. 24. Hist. p. 49.) 14) Remarques sur une inscription d'Amyclée. (Ebendaſelbſt V. 25. P. 394.) 15) Fssai d'une Palacographie numismatique. (Ebendaſelbſt V. 24. p. 30.) 16. Remarques sur les monumens de Rome. (Ebendaſelbſt V. 28. p. 579.) 17) Explication de la Mosaique de Palaestri- ne.(Ebendaſelbſt V. 30. p. sos, auch einzeln. Paris. 1760 und 1787.) 19) Remarques sur quelques medailles.(Ehen⸗ daſelbſt V. 26. p. 532. und V. 32. p. 67½.) 19) Remarques sur le nombre de pieces, qu'on 13 representoit dans un meme jour sur le Theatre d'Athenes.(Ebendaſelbſt V. 39. p. 172.) 20) Sur les medailles de PEmpereur Antonin. (Ebendaſelbſt V. 41. P. s01.) 24) Amours de Carite et Polydore. Paris. 4760. Lausanne. 4796. 12. Teutſch. Frankfurt 1762. Prag. 799. s. Engliſch. London. 4799. s. Spaniſch. Ma⸗ drid. 1799. 8. Hollaͤnd. Amſt. 1799. 12. Schwed. Stockholm. 4800. 8. 22) Lettre sur les medailles trouvées à la vieille Poulouse. 1764. 8. 25) Diss. sur une ancienne Inscription gre- que relative aux finances des Atheniens. Paris 1792. 4. 24) Ouvres div. Paris. 1798. 3. 2 vol. Teutſch. Lpz. 1799. 8. 25) Voyage en Italie. Paris. 4802. 8. Teutſch. Mainz. 1802. 8. 26) Einige Aufſaͤtze in Caylus recueil T. I. bis T. II. 18 und 148. 27) Kele Auszuͤge im Journal des Savans vom e ——— Vorrede zur Reiſe des Anacharſis. O Ich denke mir einen Seythen, Namens Ana⸗ charſis, der einige Jahre vor der Geburt Alexan⸗ ders nach Griechenland kommt, und aus Athen als ſeinem gewoͤhnlichen Aufenthalte, verſchiedene Reiſen in die benachbarten Provinzen anßtellt, uͤberall die Sitten und Gebraͤuche der Voͤlker beobachtet, ih⸗ ren Feſten beiwohnet, die Natur ihrer Staatsverfaſ⸗ ſung ſtudirt, bisweilen ſeine Muße den Unterſuchun⸗ gen der Fortſchritte des menſchlichen Geiſtes widmet, und bisweilen, mit den wichtigſten Maͤnnern damali⸗ ger Zeit, als einem Epaminondas, Phoeion, Penophon, Plato, Ariſtoteles, Demoſthe⸗ nes u. ſ. w. Umgang pfleget. Wenn er Griechen⸗ land von Philipp, Vater Alexanders, unterjocht ſieht, begibt er ſich wieder nach Seythien zuruͤck, ordnet die Folge ſeiner Reiſe; und um ſich nie genothigt zu ſehen, den Faden ſeiner Exzaͤhlung zu unterbrechen, gibt er in einer Einleitung Rechenſchaft von den merkwuͤrdigſten Thatſachen, welche ſich in Griechen⸗ land ereigneten, bevor er Seythien verließ. 15 Die Periode, welche ich gewaͤhlt habe, iſt, aus zwei Geſichtspunkten betrachtet, vielleicht eine der merkwuͤrdigſten von allen, welche uns die Geſchichte der Voͤlker darbietet. Von Seite der Wiſſen ſchaften und Kuͤnſte verbindet ſich das Jahrhundert des Pe⸗ rikles mit dem des Alexanders. Mein Seythe beſuchte viele Athenienſer, welche mit Sophokles, Euripides⸗ Ariſtophanes⸗ Thueydides, Sokrates, Zeuxis und Parr⸗ haſius lebten. Ich habe einige der beruͤhmteſten Schriftſteller, welche er gekannt hat, ange fuͤhrt. Er ſah die Meiſterwerke eines Prariteles, Euphra⸗ nor; Famphilus, wie die erſten Verſuche eines Apelles und Protogenes erſcheinen; und in den letzten Jahren ſeines Aufenthaltes wurden Epikur und Menander geboren. Aus dem zweiten Geſichtspunkte iſt dieſe Periode nicht minder merkwuͤrdig. Anacharſis war ein Zeuge der Empoͤrung, welche die Geſtalt Griechen⸗ lands umſchuf, und bald darauf das Reich der Perſer zerſtͤrte. Bei ſeiner Ankunft fand er den jungen Philipp bei Epaminondas. Er ſah ihn Ma⸗ zedoniens Thron beſteigen, und in dem Verlaufe von 22 Jahren alle Kraͤfte ſeines Genies gegen die Griechen aufbieten, ja endlich dieſe ſtolzen Republi⸗ kaner zwingen, ſich in ſeine Arme zu werfen. Ich waͤhlte lieber eine Reiſe, als eine Geſchichte, weil bei der erſen alles in Handlung iſt, und gewiſſe Details Statt finden, welche dem Geſchichtſchreiber nicht erlaubt ſind. Dieſe Details werden, wenn ſie Bezug auf die Gebraͤuche haben, oft nur in den aͤltern Autoren angeleigt, aber mit der neueren Kritik be⸗ leuchtet. Ich ſelbſt habe ſie alle, bevor ich Gebrauch von ihnen machte, unterſucht. Eine große Anzahl derſelben habe ich bei einer abermaligen Durchſicht unterdruckt, und vielleicht haͤtte ich noch mehrere der⸗ ſelben aufopfern ſollen. Ich fing dieſes Werk im Jahre 1767 an, und ſeit der Zeit habe ich unaufhorlich daran gearbeitet. Ich wurde es nicht unternommen haben, wenn ich, weni⸗ ger bezaubert von der Schoͤnheit des Gegenſtandes, mehr meine Kraͤfte, als meinen Muth zu Ratb ge⸗ zogen haͤtte. Erſter Theil. Nach alten Sagen wohnten Griechenlands erſte Einwohner in tiefen Hoͤhlen nach Art der Thiere. Vereinigt unter kuͤhnen Oberhaͤuptern vermehrten ſie in der Folge ihre Einſichten, Beduͤrfniſſe und Vebel. Kriege begannen, Leidenſchaften entflammten die Ge⸗ muͤther, und die Folgen davon waren furchtbar. Aber viele Horden von Wilden boten, der Grauſamkeit muͤde und durch Griechenlands milden Himmelsſtrich veranlaßt, den Geſetzgebern die Haͤnde. Dieſe waren Flächtlinge aus Aegypten, welche an den Kuͤſten von Argolis landeten, und ein Reich gruͤndeten. Die Revolution begann mit Inachus, dem Anfüh⸗ rer der erſten aͤgyptiſchen Kolonie, und dauerte unter ſeinem Sohne Phoroneus fort. Dhngefaͤhr 300 Jahre ſpaͤter erſchienen Kekrops, Kadmus und anaus mit aͤgyptiſchen und phoͤntziſchen Kolonien. Betriebſamkeit und Kuͤnſte gingen bald uͤber die Graͤn⸗ zen des Pelopones, und die Fortſchritte derſelben ſchenkten dem menſchlichen Geſchlechte nene Voͤlker⸗ ſchaften. 55. 8. Brierhenland. III. 4. 2 18 Gleichwohl zog eine Anzahl von Wilden nach den noͤrdlichen Gegenden Griechenlands, und beunruhigte die aufblühenden Geſellſchaften. Sie aber ſtellten der Wildheit Tapferkeit entsegen⸗ und zwangen ſie, ſich entweder Geſetzen zu unterwerfen, oder andere Him⸗ melsſtriche zu ſuchen. Die Regierung des Phoro⸗ neus iſt die aͤlteſte Epoche in der Geſchichte der Griechen, und jene von Kekrops die aͤlteſte in der Geſchichte der Athener. Die Kolonie des Fekrops kam aus Sais in Aegypten an die Geſtade von Attika. Die Frieden liebenden freien, mehr unkultivirten, als barbariſchen Bewohner verbanden ſich leicht mit Fremdlingen, welche das Ungluͤck gebildet hatte. Aegypter und die Bewohner von Attika machten bald ein Volk aus; erſtere gewannen bald uͤber letztere durch ihre Einſicht das Uebergewicht. Kekrops zeigte den al⸗ ten Einwohnern eine mildere Nahrung, und lehrte ſie, ſich dieſelbe fuͤr immer zu verſchaffen. Die Ehe wurde gewiſſen Geſetzen unterworfen, die Gegenſtaͤnde der öffentlichen Verehrung vermehrt. Alle Anordnun⸗ gen des Kekrops athmeten Klugheit und Men⸗ ſchenliebe⸗ Durch die Einfalle von Räubern beunruhigt, beredete Kekrops ſeine Unterthanen, ihre Woh⸗ nungen einander näher zu bringen, und ſie durch eine Umzaͤumung gegen die Feinde zu ſichern. So 19 wurde der Grund von Athen auf demjenigen Huͤgel gelegt, wo jetzt die Citadelle ſteht. Nach einer fuͤnfzigjaͤhrigen Regierung ſtarb Ke⸗ krops. Sein Grabmal war in dem Tempel der Mi⸗ nerva; ſeinem Andenken heiligten ſie das Sternbild des Waſſermannes. Nach Kekrops regierten in einem Zeitraume von s66 Jahren ſiebzehn Fuͤrſten, derer letzter Ko⸗ drus war. In dem Verhaͤltniſſe, wie Athen neue Kraͤfte gewann, ſah man auch Argos, Prkadien, Lazedämon, Korinth, Sikvyon, Theben, Theſſalien und Epirus von einer Stufe zur an⸗ dern emporſteigen, und neue Geſtaltungen auf dem Erdboden hervorbringen⸗ Doch die alte Barbarei hob trotz aller Geſetze und Sitten von Neuem ihr Haupt empor. Kraftvolle Maͤn⸗ ner pluͤnderten die Reiſenden, grauſame Koͤnige quaͤl⸗ ten die Unſchuldigen. Gegen dieſe erhoben ſich an⸗ dere Maͤnner; ſie durchreiſten Griechenland, faͤuberten es von den Raͤubereien der Koͤnige und Privaten, zeig⸗ ten ſich in der Mitte der Griechen, als Sterbliche eines hoͤheren Ranges. Das ſchwache, im Kindesal⸗ ter lebende Volk verbreitete ſo viel Ruhm uͤber ihre kleinſten Thaten, daß die Ehre, daſſelbe zu beſchutzen, der Stolz ſelbſt der groͤßten Geiſter war. Unter die⸗ ſen Helden ſind die gefeiertſten, die Argonaute n, Herkules und Theſeus. Letzterer beſtieg nach dem Graͤnzen von Aevlien. 20 Tode ſeines Vaters Aegeus den Thron, und machte Athen zur Hauptſtadt und zum Mittelvunkt ſeines Reiches. Der Senat der Staͤdte wurde abgeſchafft, und die geſetzgebende Gewalt in die Haͤnde der allgemei⸗ nen Verſammlung der Nation gelegt. Dieſe wurde in Vornehme, Landwirthe und Kuͤnſtler getheilt. Cheſeus vergroͤßerte und verſchoͤnerte die Haupt⸗ ſtadt, vereinigte das Gebiet von Megara mit ſeinem Reiche, und errichtete auf dem korinthiſchen Iſth⸗ mus eine Saͤule, welche Attika von dem Pelopo⸗ nes ſchied. Aber Theſeus des Friedens muͤde, ſuchte mit Herkules und Perithvus Abentheuer. Durch den Raub der Helena brachte er Verheerung über das Land, und zog ſich den Haß ſeiner Unter⸗ thanen zu. Auf der Inſel Skyros, zum Lykome⸗ des geflohen, ſtarb er. Athen betrachtet ihn als Gruͤnder ſeiner Macht, und iſt ſtolz, ſich nach ſeinem Namen Theſeus⸗Stadt zu nennen. Attika und die angrenzenden Laͤnder waren mit Einwohnern uͤberhaͤuft. Die Eroberungen der Hera⸗ kliden hatten die ganze Nation der Jonier, wel⸗ che zuvor zwoͤlf Staͤdte auf dem Pelopones in Be⸗ ſitz hatten, dahin gezogen. Dieſe Fremdlinge, ihres Zufluchtsortes überdruͤſſig, eroberten unter Anfuͤhrung der Soͤhne des Kodrus ein fruchtbares Land an den 24 Waͤhrend in Attika Ruhe und Eintracht herrſchte, wurden die andern Staaten nur von geringen und augenblicklichen Erſchuͤtterungen getroffen. Die Jahr⸗ bunderte verflotßen in der Stille, oder vielmehr drei der groͤßten Maͤnner, die jemals gelebt haben, fuͤllten ſie aus: Homer, Lykurg und Ariſtomenes. In Athen traten auf der weiſe Geſetzgeber Solon und der ſtrenge Drako, ſpaͤter der ſchlaue Feldherr Themiſtokles, und der gerechte Staatsmann und kluge Feldherr Ariſtides, und den Gipfel ſeines Ruhmes erreichte Athen unter der Leitung des Seelen großen Perikles. Ich Anacharſis aus Seythien, des Tora⸗ ris Sohn*), reiſte gegen das Ende des erſten Jahres der 104. Olympiade mit Theagenes, meinem Frei⸗ gelaſſenen, ab. Nach Durchwanderung ungeheuerer Wuͤſten kamen wir zu den ufern des Tanais. Hier ſchifften wir uns ein, und landeten bei der Stadt Pantikapea, welche auf einer Anhoͤhe bei der Ein⸗ fahrt des eimeriſchen Bosphorus liegt. Dieſer Drt, eine Kolonie der Griechen, iſt die Hauptſtadt eines kleinen Reiches geworden, welches die Dſtſeite der tauriſchen Halbinſel einnimmt. Taurien bringt Getreide im Ueberfluſſe hervor. Die Griechen treiben ſtarken Seehandel hierher. Wir fanden in Pantikapea ein lesbiſches Schiff. Waͤhrend der Zuruͤſtung zur Abreiſe beſchaute ich die Citadelle, das Zeughaus, den Hafen, die Schiffe, ihre Takelwerke. Bei unſerer Ausfahrt aus dem eimeriſchen Bosphorus(Pontus Eupi⸗ nus), welcher uͤberall von Gebirgen umringt iſt, fan⸗ den wir an deſſen Kuͤſten Voͤlkerſchaften, die unter *) Dieſe Idee des reiſenden Juͤnglings aus Sey⸗ thien entlehnte Bartheleiy aus Lukian. 23 ſich an Abkunft, Sitten und Sprache verſchieden ſind. An der ſuͤdlichen Kuſte ſindet man griechiſche Pflanz⸗ ſaͤdte, welche großtentheils an fruchtbaren und zum Handel beguemen Orten liegenz oͤſtlich liegt Kolchis. Nach mehreren Tagen einer gluͤcklichen Schifffahrt kamen wir endlich in den thraziſchen Bospho⸗ rus. Der Eintritt iſt gefaͤhrlich, widrige Winde wer⸗ fen oft die Schiffe auf die nahen Kuͤſten, wo ſie nur Tod oder Sklaverei finden. Derthrazi ſche Bos⸗ phorus trennt Europa von A ſien. Seine Laͤnge bis Byzanz betraͤgt 120 Stadien, ſeine Breite iſt verſchieden. An jeder Seite ſteigt das Land amphi⸗ theatraliſch in die Hoͤhe, und gewaͤhrt die anmuthig⸗ ſten und mannigfaltigſten Ausſichten. In der Mitte des Kanals zeigte man uns die Stelle, wo der Per⸗ ſer Koͤnig Darius uͤber eine Schiffbruͤcke 700,000 Mann gegen die Seythen fuͤhrte. Die Meerenge iſt hier fuͤnf Stadien breit, und wird durch ein Vor⸗ gebirge eingeengt, auf welchem ein Merkur⸗Dem⸗ pel erbaut iſt. Bald nachher erblickten wir die Cita⸗ delle und die Mauern von Byzanz, und liefen in ſeinen Hafen ein, nachdem wir die kleine Stadt Chryſopolis zur Linken gelaſſen, und an der naͤm⸗ lichen Seite die Stadt Chaleedon erkannt hatten. Byzanz, ehemals von den Megarern gegruͤn⸗ det, und in der Folge von den Mileſiern und an⸗ deren griechiſchen Voͤlkern wieder hergeſtellt, liegt auf einem Vorgebirge, welches faſt die Geſtalt eines Drei⸗ ecks hat. Ein Meerbuſen, der zugleich als Hafen dient, geht 6o Stadien tief in das Land. Die Cita⸗ delle nimmt die Spitze des Vorgebirges ein. Die Stadtmauern aus großen Quaderſteinen ſind an der Landſeite ſehr hoch. Die Stadt hat ein Gymnaſium, mehrere oͤffentliche Gebaͤude und alle Bequemlichkei⸗ ten, welche ein beguͤtertes und zahlreiches Volk ſich verſchaffen kann. Das Gebiet von Byzantz, welches den Streife⸗ reien der benachbarten Thrazier ausgeſetzt iſt, bringt Getreide und Fruͤchte in Menge hervor. Das Salz von Byzanz wird ſehr geſchaͤtzt. Nach vollendeten Geſchaͤften verließen wir den Hafen, und kamen in den Propontis. An ſeinen Geſtaden erheben ſich mehrere beruͤhmte Staͤdte, welche von den Griechen erbaut oder erobert worden ſind; an der einen Seite Selymbrien, Perinth, Bo⸗ zanth; an der andern Aßtakus in Bithynien, Cyzikus in Myſien. Die Meerenge des Hellesponts legten wir in kur⸗ zer Zeit zuruͤck. Die Ufer dieſes Fluſſes(ſo kann man dieſen Meeresarm nennen), ſind mit Huͤgeln be⸗ deckt, und mit Staͤdten und Doͤrfern beſaͤctt. Wir be⸗ merkten an der einen Seite das wegen ſeines Weines beruͤhmte Lampſakus, an der andern die Muͤn⸗ dung des kleinen Fluſſes Aegos⸗Potamos. Wei⸗ terhin liegen Seſtos mit dem Thurme der Hero, und Abydos faſt einander gegenuͤber. 25 Wir ſetzten unſere Reiſe fort, ließen die Inſeln Imbros, Samothrazten, und das wegen ſeiner Goldminen beruͤhmte Thaſos zur Rechten, und ſa⸗ hen gegen Weſt Lemnos, die Werkſaͤtte der Cy⸗ klopen. Um die Mitte der Nacht ſegelten wir laͤngs der Inſel Tenedos hin. Mit Anbruch des Tages fuhren wir in den Kanal, welcher Lesbos vom fe⸗ ſen Lande trennt, und bald darauf hatten wir My⸗ tilene vor uns. Den Umfang von Lesbos gibt man auf 1400 Stadien an. Das Innere der Inſel wird durch Ket⸗ ten von Huͤgeln und Gebirgen durchſchnitten; die da⸗ zwiſchen kiegenden Ebenen bringen Getreide im Ueber⸗ fluſſe hervor. An mehreren Stellen findet man warme Quellen, Achate, verſchiedene Sdelſteine, faſt uͤberall Wyrthen⸗, Dliven⸗ und Feigenbäume; der vornehm⸗ ſte Reichthum des Landes beſteht in den Weinen⸗ Laͤngs der Kuͤſten hat die Natur Buchten ausgehoͤhlt⸗ um welche ſich Staͤdte erhoben haben, die durch Kunſt befeſtigt, und durch Handel bluhend geworden ſind. Von der Art ſind Mytilene, Pyrrha, Me⸗ thymna, Arisba, Creſſus und Antiſſa. Mytilene, die Hauptſtadt des Landes, hat ein ſehr fruchtbares und bevoͤlkertes Gebiet. Der Handel zieht viele fremde Schiffe in die Häfen dieſer Stadt. deren einer gegen Nord, der andere gegen Sud liegt. An die Spitze der großen Maͤnner, welche Lesbos hervorgebracht hat, kteht der Weiſe Pittakosz Arion von Methymna, und Terpander aus Antiſſa glaͤnzen als Tonkuͤnſtler. Phngefaͤhr funfzig Jahre nach Terpander bluͤheten in Mytilene der Lyriker Aleaͤus und die Lyrikerin Sapphv. Den folgenden Tag verließen wir Mytilene nicht ohne Schmerz. Nachdem wir uͤber Cap Ma⸗ lea an der ſüdlichen Spitze der Inſel hinaus waren, wurde das Segel losgelaſſen. Unſere Ueberfahrt war gluͤcklich und ohne weitere Begebenheiten. Unterdeſ⸗ ſen entdeckten wir nach und nach den Gipfel des Ber⸗ ges Oche in Euböa. Dieſe Inſel erſtreckt ſich laͤngs Attika, Boͤotien, Lokris und einem Theile Theſſaliens hin; das Land iſt fruchtbar und bringt viel Getreide, Wein, Del und Kupfer hervor; auch liefert es Kupfer und Eiſen. Eubdoͤn hat vortreffliche, wohlhabende Staͤdte, feſte Plaͤtze und reiche Ernten. Wir ſegelten um das ſuͤdliche Cap der Inſel, und liefen in eine Meerenge, deren ufer uns an jeder Seite Staͤdte von verſchiedener Groͤbe zeigten. Wir fuhren an den Mauern von Karyſtos und Ere⸗ tria vorbei, und landeten bei Chaleis. Dieſe Stadt, auf dem Abhange des Berges glei⸗ ches Namens, iſt mit einem Theater, mit Gymna⸗ ſien, Hallen, Tempeln, Statuen und Gemaͤlden ge⸗ ſchmuckt. Die reiche Quelle Arethuſa gewaͤhrt ihr hinlänglich Waſſer. Die Einwohner ſind äußerſt un⸗ wiſſend, neugierig und gaſfreundlich. Die gluͤckliche 27 Lage der Stadt, ihr fruchtbares Gebiet, und ihr Hafen locken viele handelnde Nationen an. Mit Anbruche des andern Tages kamen wir auf der gegen uͤber liegenden Kuͤſte zu Aulis an, einem kleinen Flecken neben einer großen Bucht. Von Aulis gingen wir über Salganeus nach An⸗ thedon. Anthedon i e eine kleine Stadt; der Marktplatz wird von ſchoͤnen Baͤumen beſchattet und von Hallen rings eingeſchloſſen. Die meiſten Einwohner beſchaͤf⸗ tigen ſich mit Fiſchfang. Wir hatten 70 Stadien zuruͤckgelegt, und erreich⸗ ten nach 160 Stadien Theben, wo ich mit Epa⸗ minondas, einem der großten Maͤnner Griechen⸗ lands, zuſammen kam. Den 16. des Monats Antheſterion(Maͤrz) im zweiten Jahre der 104. Olympiade(362 vor Chriſto) kamen wir zu Athen an. Athen beſteht gewiſſer Maſſen aus drei Theilen, der Burg auf einem Fel⸗ ſen, der Stadt rings um dieſen Felſen und den Haͤfen Phaleros, Munychia und Pyraeos. Auf dem Felſen der Burg ließen ſich die erſten Einwohner Athens nieder; hier ſtand die alte Stadt, deren Mauern noch vorhanden ſind. Der Umfang der neuen Stadt betraͤgt ſechzig Stadien. Von der Stadt laufen zwei lange Mauern ab; die eine 35 Stadien lang endet ſich am Phaleriſchen Hafen, die andere von 40 Stadien an dem Piraͤiſchen; an ih⸗ 4, 28 rem Ende werden ſie durch eine dritte von ſechzig Sta⸗ dien faſt ganz geſchloſſen. Gegen Suͤdweſt, ganz nahe an der Burg liegt der Fels Muſeum, wo die Sitzungen des Areopag gehalten worden. Die Straßen ſind im Ganzen nicht gerade. Die meiſten Haͤnſer ſind klein und unbequem. Um die Stadt ſchlaͤngeln ſich der Fluß Flyſſus und Cephiſus, an deren ufern oͤffentliche Spa⸗ ziergaͤnge angelegt ſind; weiter hin liegen Hügel mjt Dliven⸗ und Lorbeerbaͤumen, oder mit Rebſtocken bedeckt. Attika iſt eine Art Halbinſel in Geſtalt eines Dreiecks. Dieſes kleine, überall mit Gebirgen und Felſen durchſchnittene Land iſt an ſich unfruchtbar, und nur durch Muͤhe des Anbaues kann der Land⸗ mann ihm den Lohn ſeiner Arbeiten abgewinnen. Die Bewohner von Attika theilen ſich in drei Klaſſen; in der erſen üehen die Buͤrger, in der zwei⸗ ten die angeſeſſenen Fremden, in der dritten die Sklaven.. Waͤhrend meines Aufenthaltes zu Athen be⸗ ſuchte ich die nur ſechs Stadien entfernte Abade⸗ miez ſie enthaͤlt ein Gymnaſium, einen mit Mauern umgebenen Garten, welcher mit bedeckten und rei⸗ zenden Spatziergaͤngen geſchmuͤckt, und durch Baͤche verſchoͤnert it. Wir ſahen hier den großen Plato in der Mitte ſeiner Schuͤler. Am folgenden Tage gingen 22 wir durch das Quartier des Sumpfes, und als wir aus dem Aegeiſchen Thore getreten waren, verfolgten wir einen Fußſteig laͤngs des Ilyſſus. Seine ufer ſind angenehm, ſeine Gewaͤſſer gewoͤhn⸗ lich rein und klar. Wir ſahen in der umliegenden Gegend einen den Muſen gewidmeten Altar, den Ceres⸗ und Dianen⸗Dempel. Nachdem wir wieder uͤber den Ilyſſus gegangen waren, befanden wir uns auf einem Wege, wo man ſich im Wettlau⸗ fen uͤbt, und der uns in das Lyzeum brachte. Die Athener haben drei Gymnaſien, welche zur Bildung der Jugend beſtimmt ſind; eines im Lyzeum, das andere auf dem Huͤgel Ky noſarges, und das dritte in der Akademie. Es ſind weitlaͤufige Gebaͤude, die von Gaͤrten und Hatnen umſchloſſen werden. Wie Athen verſchiedene Gymnaſien hat, ſo ent⸗ haͤlt es auch mehrere Palaͤſtren; in den letzteren wer⸗ den die Athleten gebildet. Sie ſind faſt eben ſo ein⸗ gerichtet, wie die Gymnaſien. Keine Stadt in Griechenland kann eine ſo große. Anzahl von Denkmaͤlern der Kunſt aufweiſen, als Athen. Ueberall erheben ſich Gebaͤude, an denen ent⸗ weder ihr Alterthum, oder ihr geſchmackvoller Ban Achtung erheiſcht. Die Meiſterſtuͤcke der Bildhauer⸗ kunſt ſind ſelbſt auf den Marktplaͤtzen verſchwenderiſch angebracht. Der Hafen Piraͤus, welcher drei andere klei⸗ nere enthaͤlt, liegt weſtlich; ihn zieren ein Theater. 30 viele Tempel und eine Menge Statuen. Die Mauer deſſelben betraͤgt ſechzig Stadien, ihre Hoͤhe fuͤnfzig Ellen. Zwei andere, etwas kuͤrzere Mauern ſchließen den Piraͤus in den Umfang der Stadt ein. Nahe bei dem Gebaͤude Pompejon bewundert man in dem Ceres⸗Tempel die Statuen dieſer Göttin, und Proſerpina's und des jungen Jae⸗ chus von der Hand des Praxiteles. Die Hallen ſind in der Stadt außerordentlich vervielfaͤltigt; faſt in allen ſieht man Mahlereien und Bildſaͤulem vvn vortrefflicher Arbeit. Links fuͤhrt eine Straße in das Quartier des Pnyr, und nahe an den Drt, wo ſich zuweilen das Volk verſammelt. An dieſen grenzt der Cerami⸗ kus. Dieſer große Raum iſt in zwei Theile geſon⸗ dert; einer liegt jenſeit der Mauern, in welchem die Akademie iſt, der andere innerhalb der Mauern ent⸗ haͤlt den oͤffentlichen Marktplatz. Neben der koͤniglichen Halle ſteht die Halle des Jupiters, des Befreiers, mit Gemaͤlden von Euphranor; der Apollo in dem benachbarten Tem⸗ pel iſt von der naͤmlichen Hand. Von der koͤniglichen Halie laufen zwei Straßen ab, welche am oͤffentlichen Platze ſich enden. An der einen ſind die Hermes Halle und die Poeeile. Den ſehr großen Markt⸗ platz zieren Gebaͤude, welche entweder zum Dienſte der Goͤtter oder des Staates beſtimmt ſind. 31 In dem Tempel der Mutter der Goͤtter iſt die Bildſaͤule der Göttin von Phidias; im Tempel des Mars verfertigte die Statue des Gottes Alkame⸗ nes, ein Schuͤler des Phidias. Der Tempel des Theſeus iſt von doriſcher Ordnung, ſehr zierlicher Bauart und mit unſterblichen Werken geſchickter Mah⸗ len bereichert. Die Straße der Dreifüße fuͤhrt zum Bachus⸗Theater. Endlich kamen wir an den Fuß der Peppe, welche zur Burg fuͤhrt. Den Vorhof zur Burg, die Pro⸗ phylaͤen, ein erſtaunungswuͤrdiges Werk der Kunſt, ließ Perikles von dem Baumeiſter Meneſikles aus Marmor ausfuͤhren. Links iſt ein Tempel der Goͤttin des Sieges. Die Burg Athens verherrlichten viele Bildſaͤu⸗ len, welche der Meiſſel eines Myron, eines Phi⸗ dias, eines Alkamenes, und der beruͤhmteſten Kuͤnſtler beſeelt zu haben ſcheint. Hier ſteht ein Tempel der Minerva, der Schutzgöttin von Attika, dort der Opiſtydomos,(die oͤffentliche Schatzkammer.) Das Parthenon, der beruͤhmte Minerva⸗Tempel iſt eine der ſchoͤnſten Zierden Athens. Die Staͤdte und Flecken von Attika ſind in 174 Bezirke eingetheilt, welche durch ihre verſchiedene Verbindungen zehn Zuͤnſte bilden. Alle Jahre wird ein Senat von 50o Gliedern aus den zehn Zuͤnften gewaͤhlt. Die meiſten Athener tragen bloß eine Tunica, welche bis auf die halbe Wade reicht, und daruͤber ei⸗ nen Mantel, welcher ſie faſt ganz bedeckt. Viele gehen barfuß; andere bedecken den Kopf. Bei dem Aus gehen tragen die Frauen einen Schleier. Das Volk kleidet ſich in ungefaͤrbtes Tuch, die Reichen ziehen das gefaͤrbte vor. Die Scharlach⸗ und Purpur-Farbe wird ſehr geſchaͤtzt. Die Athenerinnen faͤrben ſich die Augenbraunen ſchwarz, und bedecken das Geſicht mit einer Lage von Bleiweiß, welches ſtark mit Roth ver⸗ ſetzt it. Die Haare kraͤnzen ſie mit Blumen, und beſtreuen dieſelben mit einem gelben Staube. In ihre Zimmer geſperrt entbehren ſie des Umganges ib⸗ rer Gatten. Das Geſetz erlaubt ihnen nicht, am Tage guszugehen, gewiſſe Faͤlle ausgenommen; und zur Nachtzeit nur in einem Wagen und mit einer Fackel. Im dritten Jahre der 104, Dlympiade reiſten wir von Athen nach der Meerenge von Korinth, be⸗ ſtiegen zu Pag aͤ ein Schiff, liefen in dem Meerbuſen von Kriſſa ein, und landeten in Cirrha, einer kleinen Stadt am Fuße des Berges Cirphis. Ein Pfad fuͤhrte uns zur Stadt Delphi am Abhange des Parnaß. Dieſer iſt eine Bergkette, die ſich gegen Norden erſtreckt, und an ihrer ſuͤdlichen Seite in zwei Spitzen ſich endet, unter welchen Delphi liegt, welches ſechzehn Stadien im Umfange hat, und ohne Mauern durch jaͤhe Abgruͤnde von drei Seiten geſchuͤtzt wird. ——— 33 Wir hielten uns einige Augenblicke im Tempel der Minerva auf, gingen bei dem Gymnaſium vor⸗ bei, kamen an das Ufer der kaſtaliſchen Ovelle, und ſtiegen zum Tempel hinauf in dem oberen Theile der Stadt. Er hat einen großen Bezirk um ſich, welcher voll koſtbarer Weihgeſchenke iſt. Die Menge der Sta⸗ tuen, Kunſtwerke und der Reichthum uͤberſteigen alle Graͤnzen. Aus dem heiligen Bezirke traten wir in den Tem⸗ pel, der an die Stelle des fruͤher verbrannten von dem Baumeiſter Spintharus aus Korinth fuͤr 300 Talente aufgefuͤhrt wurde. Das Gebaͤude iſt aus ſehr ſchoͤnen Steinen, die vordere Seite aus pariſchem Marmor. Beruͤhmt in ganz Griechenland iſt das delphiſche Drakel. Die Leſche, eine Halle zur Verhandlung von Ge⸗ ſchaͤften, iſt mit Gemaͤlden von Polygnot und an— deren beruͤhmten Meiſtern geziert. Von der kaſtaliſchen Quelle ſetzten wir un⸗ ſeren Weg weiter gegen Nord fort, und kamen zur koryeiſiſchen Hoͤhle; ſie iſt den Nymphen, dem Baecchus und Pan geheiligt. Wir wandelten im⸗ mer zwiſchen auf einander gethuͤrmten Bergen, und kamen an den Fluß des Lykoreus, des höchſten Ber⸗ ges im parnaßiſchen Gebirge, und ſtiegen nach Sla⸗ tea, der Hauptſtadt von Phveis herab. Vohe Derge umſchließen dieſe kleine Provinz. 56. P. Grirchenfand. III. 1. 3 35 Die Zugaͤnge beſtehen nur in Hohlwegen, an deren Enden die Phozier feſte Pläbe erbaut haben. Gegen Nord und Dſt des Parnaſſes liegen ſchoͤne Ebenen, welche der Cepbiſſus bewaͤſſert, der am Berge Deta uͤberhalb der Stadt Lilaͤa ent⸗ ſpringt. Die andern Betirke von Phoeis zeichnen ſich durch verſchiedene Produkte aus. Man ſchaͤtzt das Del von Dithoren und die Nieswurz von Antieyra, einer Stadt am korin⸗ thiſchen Meere. Zu Bulis ſammeln die Fiſcher die Purpurſchnecke. Weiter hinauf ſahen wir im Thale Ambryſſos reiche Weinberge und eine Menge Stauden, deren Koͤrner der Wolle eine ſchoͤne rothe Farbe geben.. Die Phozier beſchaͤftigen ſich vorzuͤglich mit dem Landbau; ſie ſind tapfer und lieben die Freiheit. Zu den Feſten der Athener gehoͤren die Pana⸗ thenaͤenz ſie wurden in ſehr alten Zeiten zur Ehre Minervas eingefuͤhrt, und von Theſeus zum Andenken der Vereinigung aller Voͤlker von Attika erneuert. Sie werden jaͤhrlich begangen, aber alle fünf Jahre mit mehrern und groͤßern Ceremonien und groͤßerem Glanze geſeiert. Die Dionyſien ſind der Verehrung des Baechus gewidmet. Ich habe mehr als einmal die ganze Stadt im groͤßten Taumel geſchen. Schaaren von Baechanten und Bachantin⸗ nen mit Epheu, Fenchel und Pappeln bekränzt, tob⸗ ten, tanzten, heulten auf den Straßen, riefen Bae⸗ 35 chus unter barbariſchen Namen an, zerriſſen mit dem Naͤgeln und den Zaͤhnen die rohen Eingeweide der Dpferthiere, ſchloſſen Schlangen in ihre Haͤnde, wan⸗ den ſie in ihre Haare, guͤrteten ſie um ihren Leib, ſchreckten und unterhielten zugleich durch dieſes wun⸗ dervolle Schauſpiel die ſtaunende Menge. An den Adonisfeſten haben blos Frauen Theil, und ſo auch an den Thesmophorien, welche zu Ceres und Proſerpinens Ehre gefeiert werden. Die meiſten Haͤuſer beſtehen aus zwei Stockwer⸗ ken, deren oberes fuͤr die Maͤnner beſtimmt iſt. Die Daͤcher ſind Altane, welche an ihren Enden große Vorſpruͤnge haben. Man zaͤhlt in Athen uͤber 20,000 Haͤuſer. Man zeigt die Haͤuſer des Miltiades, Ariſtides, Themiſtokles und anderer großer Maͤnner des letzten Jahrhunderts. Dritter Thel⸗ Die Erziehung beginnt bei den Athenern mit der Geburt des Kindes, und endet mit dem zwamzigſten Jahre. Unter den Lehrern der atheniſchen Jugend finden ſich nicht ſelten Maͤnner von ausgezeichnetem Verdienſte. Der Studienplan begreift Muſik und Gymnaſtik, d. j. alles, was auf die Uebung der Seele und des Koͤrpers Bezug hat. Die TLoͤchter lernen, nach der Verſchiedenheit der Staͤnde, leſen, ſchreiben, nhen, ſpinnen, die Wolle bereiten, und das Haus⸗ weſen beſorgen. Toͤchter aus den vornehmſten Fami⸗ lien des Staates werden ſorgfoͤltiger erzogen. Man reiſt in ganz Griechenland mit vieler Sicher⸗ heit. In den vornehmſien Staͤdten und auf den Land⸗ ſtraßen findet man Wirthshaͤuſer, aber die Rechnun⸗ gen der Wirthe ſind unverſchaͤmt. Zu kleinen Wegen nimmt man Fuhrwerk, für laͤngere Reiſen bedient man ſich der Maulthiere, und zur Tragung des Ge⸗ paͤckes einiger Sklaven. Unſere Abreiſe von Athen geſchah in den erſten Tagen des Monates Munychion, im dritten Jahre der 105. Dlympiade. Auf einem ziemlich beſchwer⸗ 37 lichem Wege trafen wir Abends zu Oropus ein. Dieſe Stadt auf der Graͤnze von Boͤotien und At⸗ tika liegt gegen zwanzig Stadien vom Meere. Nahe bei der Stadt, an einem Drte voll ſchoͤner Quellen eines reinen Waſſers, ſteht der Tempel des Amphia⸗ raus, welcher ſeiner Wunder wegen beruͤhmt iſt. Dreißig Stadien weiter liegt auf einer Anhoͤhe die Stadt Tanagra; die meiſten Haͤuſer haben en⸗ kauſtiſche Mahlereien und Vorhoͤfe. Das mit Delbaͤu⸗ men und anderem Gehoͤlze bedeckte Gebiet der Stadt bewaͤſſert der kleine Fluß Thermodon. Es bringt wenig Getreide, aber den beſten Wein in Bootien hervor. Die Bewohner ſind reich, redlich, eifrig fuͤr Gerechtigkeit, gaſtfreundlich, arbeitſam, und ziehen den Ackerbau allen andern Kuͤnſten vor. Das Grabmal der beruͤhmten Dichterin Korinna ſahen wir an dem in die Augen fallendſen Drte der Stadt und ihr Bildniß im Lyceum. Die Tana⸗ grer haben eine leidenſchaftliche Liebe fuͤr die Hah⸗ nengefechte. Auf einem hoͤckerigen und beſchwerlichen Wege von 200 Stadien kamen wir nach Plataa, einer ehemals maͤchtigen, jetzt in Truͤmmern verſunkenen Stadt am Fuße des Berges Kithaͤron in der ſchoͤ⸗ nen Ebene, welche der Aſopus bewaͤſſert, und wo Mardonius mit 300,000 Perſern geſchlagen ward. Im peloponeſiſchen Kriege ward ſie von den Theba⸗ nern gaͤnzlich zerſtoͤrt. Nach ihrem zweiten Entſtehen 38 erlag ſie neuerdings der Zerſtoͤrungswuth der Cheba⸗ ner, welche nichts als die Tempel, einige Haͤuſer und eine große Herberge fuͤr die Dpfernden verſchon⸗ ten. Die Herberge, 200 Fuß lang und eben ſo viel breit, hat viele Zimmer im erſten und zweiten Stock⸗ werke. Im Lempel der Minerva haben einige Gemaͤlde des Polygnot und des Onatas ihre erſte Friſch⸗ heit. Die koloſſale Bildſaͤule der Goͤttin ſchuf die Meiſterhand des Phidias. Hierauf gingen wir durch den Flecken Leuk⸗ tra und die Stadt Thespiaͤz bei dem erſtern ver⸗ nichtete Epaminondas die Macht der Spartaner; letztere wurde mit Plataͤn zerſtoͤrt. Hier zog der Tempel des Herkules, welcher von einer eheloſen Prieſterin bedient wird, und die Bildſaͤule des Ku⸗ vido, als ein ungeſtalteter Stein, unſere Auf⸗ merkſamkeit auf ſich. In dem kleinen, unfreundlichen Doͤrſchen As⸗ kra, bei vierzig Stadien von Thespiaͤ, dem Ge⸗ burtsorte Heſiod's uͤbernachteten wir. Am andern Morgen fuͤhrte uns ein enger Pfad in den Hain der Muſen. An den ufern der Quelle Aganippe verweilten wir uns bei der Bildſaͤule ei⸗ nes der aͤlteſten Dichter Griechenlands, Linus. Der Hain der Muſen iſt mit ihren Bildſaͤulen von ver⸗ ſchiedenen Meiſtern geſchmuͤckt; an allen Seiten erhe⸗ ben ſich eine Menge eherner Dreifuͤße; der edle Lohn 39 der bei den Wettſtreiten der Poeſie und Muſik erhal⸗ tenen Siege Pberhalb des Haines fließen in blumi⸗ gen ufern der kleine Fluß Pe rmeſſus, die Quelle Hippokrene, und die Quelle des Nareiſſus. Nun waren wir auf dem Helikon, dem wegen der Reinheit ſeiner Luft, des Reichthums an Waſſer, der Fruchtbarkeit der Thaͤler, der Kuͤhle der Schat⸗ ten, und der Schoͤnheit ſeiner alten Baͤume ſo be⸗ ruͤhmten Berge, dem Throne der Muſen. Von da vegaben wir uns nach Lebadia am Fuße eines Ber⸗ ges, auf welchem der viele Waſſerfaͤlle bildende, kleine Fluß Herkyne entſpringt. Die Stadt zeigt uͤberall Denkmale der Pracht und des Geſchmackes der Ein⸗ wohner. Voll Begierde eilten wir, des TDropho⸗ nius Hoͤhle, eines der beruͤhmteſten Drakel in Griechenland zu ſehen. Der Weg von Lebadia zur Hoͤhle iſt mit Tempeln und Bildſaͤulen beſetzt. Die Hoͤhle zeigt anfangs eine Art Vorhof mit einem Ge⸗ länder aus weißem Marmor, auf welchem eherne Obe⸗ lisken ſtehen. Von da tritt man in eine kuͤnſtliche, acht Fuß hohe und vier Fuß breite Hoͤhle. Hier fin⸗ det ſich der Schlund der Hoͤhle. Einige Tage darauf ſetzten wir unſern Weg nach Theben fort. Ueber Chaͤronea gelangten wir durch Gehoͤlze, uͤber Huͤgel, fruchtbare Felder und mehrere kleine Floͤſſe nach Theben. Die Stadt mit Mauern umgeben, durch Thuͤrme beſchuͤtzt, hat ſieben Thore; ihr Umfang betraͤgt 43 Stadien. Die Burg 4⁰ auf einer Anhoͤhe, der erſte Wohnort der Thebaner, leitet durch unterirdiſche Roͤhren ihr Quellwaſſer in die Stadt. Die Gegend der Stadt wird durch zwei Fluͤſſe, durch Wieſen und Gaͤrten verſchoͤnert. Unter den Prachtwerken der Stadt bewundert man die koloſ— ſale Bildſaͤule des Herkules von Alkamenes; ſeine Arbeiten von Prapiteles; den Merkur von Phidias, und die Minerva von Skopas. Man ündet hier, wie in den meiſten griechiſchen Staͤdten Griechenlands, ein Theater, ein Gymnaſium oder ei⸗ nen Uebungsplatz fuͤr die Jugend, und einen großen Markt. Dieſen umringen Tempel und mehrere Ge⸗ baͤude, deren Mauern mit den Waffen behangen ſind, welche die Thebaner von den Athenern in der Schlacht bei Delium eroberten. Die Stadt iſt ſehr volkreich. Die Einwohner ſind, wie zu Athen, in Vuͤrger, anfaͤſſige Fremde und Sklaven getheilt. The⸗ ben iſt nicht nur die Schutzwehr von Boͤotien, ſon⸗ dern in gewiſſer Ruͤckſicht auch deſſen Hauptſtadt. Das Land, welches die Boͤotier bewohnen, uͤbertrifft At⸗ tika an Fruchtbarkeit, und bringt eine große Menge vortrefflichen Getreides hervor. Durch die gluͤckliche Lage ihrer Haͤfen ſteht ihnen auf der einen Seite der Handel mit Italien, Sieilien und Afrika of⸗ fen; auf der andern Seite mit Aegypten, der In⸗ ſer Cypern, Maeedonien und dem Helles⸗ vont. Die Luft von Boͤotien iſt ſehr rauh; die Einwohner ſind weder ſo ſcharfſinnig, noch ſo leb⸗ 41 haft, wie die Athener, und beſchaͤftigen ſich mehr mit Koͤrpers⸗ als mit Geiſtesuͤbungen. Nichts deſtoweni⸗ ger erzeugte Theben einen Epaminondas, Ana⸗ ris, Dionyſiodor, die Dichterin Korinna, und die beruͤhmten Dichter Heſiod und Pindar. Die Boͤotier haben viel Hang zur Muſitk. In ganz Boͤotien iſt der Winter ſehr ſtrenge, zu Theben faſt unertraͤglich; im Sommer athmet man hier die ſanfteſte Luft; die kuͤhlen Quellen und die lange gruͤ⸗ nenden Felder gewaͤhren einen herrlichen Anblick. Die Thebaner ſind tapfer, uͤbermüthig, keck und ruhm⸗ ſuͤchtig. Die Frauen ſind groß, wohl gewachſen, meiſt blond, ihr Gang edel und ihr Putz geſchmackvoll. Ihre Stimme toͤnt ſehr ſanft und empfindungsvoll; die Stimme der Maͤnner iſt rauh, angenehm und in gewiſſer Art mit ihrem Charakter uͤbereinſtimmend. Laͤngs des ziemlich großen See's Hylika begaben wir uns an die Ufer des See's Kopais, deſſen Um⸗ fang 380 Stadien betraͤßt; in der Gegend zu dem Meere endigt ſich der See in drei Buchten, welche bis an den Fuß des Ptous, der zwiſchen dem Meere und dem See liegt, ſich ausdehnen. Aus der Tiefe ieder Bucht gehen eine Menge Kanaͤle, deren einige dreißig Stadien, andere noch viel laͤnger ſind. Dieſe Kanaͤle, welche große Unterhaltung fordern, werden heut zu Tage ſehr vernachlaͤſſigt, die meiſten ſind ver⸗ ſchuͤttet, und der See ſcheint uber die Ebene zu ge⸗ winnen. 42 Wir reiſten durch Dpus und einige andere den Lokriern gehoͤrigen Staͤdte, und kamen bet dem Paſſe Thermopyla an; dieſer Weg wird auf der einen Seite durch hohe Gebirge, und auf der andern durch das Meer eingeengt. Wir beſuchten die Ther⸗ men(warmen Baͤder), welche dem Paſſe den Namen gaben, und ſahen den Hüͤgel, auf welchem des Lev⸗ nidas Gefaͤhrten ſich nach deſſen Tode zuruͤckzogen. Kleine Halbſaͤulen ſind hier zur Ehre der 300 Sparta⸗ ner und der verſchiedenen hier fechtenden griechiſchen Huͤlfsvoͤlker auf Befehl der Verſammlung der Am⸗ phyktionen errichtet worden. Durch die SThermopylen kommt man nach Theſſalien. Es wird, mit Inbegriff Magne⸗ ſiens und mehrerer anderer kleiner Striche, oͤſtlich vom Meere, noͤrdlich vvm Dlympus, weſtlich von Pindus, und ſuͤdlich vovn Deta begraͤnzt. Von dieſen ewigen Gebirgsgraͤnzen laufen andere Berg⸗ und Huͤgelketten ab, die ſich in das Innere des Lan⸗ des fortſchlaͤngeln. Sie umſchließen fruchtbare Ebe⸗ nen; auf den Anhoͤhen erheben ſich wohlhabende Staͤdte; das ganze Land wird von Fluͤſſen bewaͤſſert, welche ſaͤmmtlich in den Peneus fallen, welcher vor ſeiner Vermiſchung mit dem Meere, das geprieſene Thal Tempe durchſtroͤmt. Einige Stadien von SThermopylaͤ fanden wir den kleinen Flecken Anthela, welcher wegen eines Tempels der Ceres, und wegen der jaͤhrlich dort 43 ſtatt ſindenden Verſammlung der Amphyktionen beruͤhmt iſt. Die Verſammlung geſchieht im Fruͤh⸗ linge zu Delphi, im Herbſte u Anthela. Aus Anthela traten wir in das Land der Tra⸗ chinier. In der Stadt Hypate trafen wir viele Zauberinnen, welche wegen ihres ſchlechten Gewerbes von dem Volke verabſcheut werden. Von Hypate reiſten wir uͤber Lamia durch ein wildes Land, und über einen hoͤckerigen Weg nach Thaumaei. Dieſe Stadt liegt mit vielen anderen in einer geſegneten Ebene. Ein Blick auf die Beſchaffenheit des Landes zeigt, daß es ehemals faſt ebenſo viele Voͤlker enthielt, als es Berge und Thaͤler hat. Dieſe Voͤlker, von einander getrennt, waren tapfer und kuͤhn. Als die Sitten mehr Sanftheit gewannen, war Theſſalien der Sitz der Helden, und der Schauplatz der groͤßten Thaten. Hier erſchienen die Centauren und Lapithen, hier ſchifften ſich die Argonauten ein, hier ward Achill geboren, hier lebte Pirithvus. Die Achvier, Aevlier, und Donier, die Stammvater der Lacedaͤmonier leiten ihren urſprung aus Theſſalien. Die Voͤlker, welche jetzt da wohnen, ſind die ſogenannten Theſſalier, die Otaͤer, die Phthioten, die Malier, Magneſier ꝛc. ꝛe. Ehemals gehorchten ſie Koͤnigen, jetzt haben ſie meiſt eine vligarchiſche Regierungsform. Die Theſſalier koͤnnen 6000 Reiter, 40,000 Mann Fubßvolk, ihre trefflichen Bogenſchutzen nicht mit gerechnet, in das Feld ſtellen. 44 Theſſalien bringt Wein, Del und Fruͤchte ver⸗ ſchiedener Art hervor. Die Ernten ſind reich; eine grofe Menge Korn wird nach verſchiedenen Haͤfen verfahren. Die Theſſalier ſind gaſtfreundlich, uͤppig, pracht⸗ voll, ausſchweifend, ſehr unruhig und ſchwer zu re⸗ gieren. Man wirft ihnen Woptbruchigkeit vor. Sie lieben Jagd und Tanz ſehr. Hierauf kamen wir nach Pherae, einer ziemlich gro⸗ ßen und mit Gaͤrten umgebenen Stadt. Wir durch⸗ wanderten die Gegend um Pherae und vorzuͤglich den Hafen von Pagaſae, welcher neunzig Stadien von der Stadt liegt. Nun beſuchten wir die mittaͤgigen Gegenden von Magneſia, nahmen hierauf unſern Weg gegen Norden und behielten die Gebirgskette des Pe⸗ lion rechts. Auf einer der Spitzen des Pelion erhebt ſich ein Tempel des Jupiter, nahe daneben iſt die beruͤhmte Hoͤhle des Centauren Chiron. Der Berg gewaͤhrt eine herrliche Ausſicht und iſt voll Tannen, voll ver⸗ ſchiedener Arten Laubhoͤlzer und Kraͤuter. Wir ſetzten unſere Reiſe fort und kamen zu Syku⸗ rium, einer Stadt auf einem Huͤgel, am Fuße des Berges Oſſa, an. Von da bis Lariſſa iſt das Land fruchtbar und ſehr bevoͤlkert. Wit Ungeduld ſehnten wir uns nach Lempe, nach ienem CThale, welches der Dlympus und der Dſſa bil⸗ den. Wir beſtiegen einen Nachen und fuhren am. 45 des Monats Metageitnion auf dem Peneus ab. Bald zeigten ſich unſerm Blicke die Staͤdte Phalanna, Gyr⸗ ton, Elatia, Mopſium, Homolis, von denen einige am ufer des Fluſſes, andere auf benachbarten Anhoͤhen lagen. Nachdem wir bei der Muͤndung des Lireſius in den Peneus vorbei waren, kamen wir zu Lande zu Gonnus, welches gegen 160 Stadien von Lariſſa liegt, dem Anfange des Tholes an. Die Stadt Gonnus iſt der Schluͤſſel von Theſſalien auf Maie⸗ don. Seite. Das Thal erſtreckt ſich von Suͤdweſt nach Nordoſt; ſeine Laͤnge betraͤgt a0, ſeine groͤßte Breite 2 1/2 Sta⸗ dien. Die Berge ſind mit Pappeln, Platanen, Eſchen bewachſen, Kryſtall helles Waſſer entſprudelt den Quel⸗ len. Der Fluß bildet faſt uͤberall einen ruhigen Ka⸗ nal; Grotten in den Waͤnden der Berge und Raſen⸗ ſtuͤcke zu beiden Seiten des Fluſſes ſcheinen der Zu⸗ fluchtsort der Ruhe und des Vergnuͤgens zu ſeyn. Langſam folgten wir dem Laufe des Peneus; als wir aus dem Thale traten, erblickten wir eine Ebene voll Haͤuſer und voll Baͤume; einige Stadien entfernt zeigt ſich der Thermaiſche Meerbuſen, jenſeit deſſelben erblickt man die Halbinſel Pallene, und in die Ferne ſchließt der Bers Athos dieſe prachtvolle Ausſicht.. Am folgenden Tage kehrten wir nach Lariſſa zu⸗ ruͤck und wohnten einige Dage nachher einem Stier⸗ gefechte bei. 46 Endlich kam die Zeit unſerer Abreiſe, wir be⸗ ſchloſſen durch Epirus zu gehen und nahmen den Weg uͤber Gomphi, eine Stadt am Fuße des Pindus. unterhalb Gomphi kamen wir uͤber den Pin⸗ dus in das Land der Athamaner. Auf einem kurzen, aber ziemlich rauhen Wege er⸗ reichten wir die Stadt Ambracia, eine Kolonie aus Korinth am Ambraeiſchen Meerbuſen. An ihrer Abendſeite laͤuft der Flubß A rethon oder Prachthus; gegen Oſt erhebt ſich auf einem Huͤgel ein Kaſtell. Der Umfang der Mauern der Stadt be⸗ traͤgt gegen 24 Stadien; innerhalb derſelben ſind herr⸗ liche Tempel und Kunſtwerke; auſſerhalb große und fruchtbare Ebenen. Wir brachten hier einige Tage zu, um uns eine allgemeine Kenntniß von Epirus⸗ zu verſchaffen. Epirus, durch den Pindus oſtlich, und durch den Ambraeiſchen Meerbuſen ſuͤdlich von dem uͤbrigen Griechenlande getrennt, hat im Inneren mehrere Bergketten, und gegen die Seekuſte ſchoͤne Ausſichten und geſegnete Felder. Die Fluͤſſe des Landes ſind der Acheron und der Koeytus, beide mit uͤbel⸗ ſchmeckendem Waſſer. Epirus, mit mehreren guten Haͤfen, liefert ſchnell laufende Pferde und große Hunde. Anßet einigen griechiſchen Pflanzſtädten in Eui⸗ rus unterſcheidet man noch vierzehn alte Völkerſchaf⸗ 47 ten, meiſt barbariſchen Urſprunges, und in bloße Flek⸗ ken vertheilt. In einer der noͤrdlichen Gegenden von Epirus liegt die Stadt Dodona mit einem Tempel des Jupiter und dem aͤlteſten Drakel in Griechenland. Die Stadt am Fuße des Berges Tomarus verdankt ihren Ruhm und ihren Reichthum den Fremden, welche zur Berathung des Drakels kommen. Wegen der Naͤbe des Winters beſtiegen wir ein Schiff, verließen den Hafen und Meerbuſen von Am⸗ bracia, fuhren an der weſtlichen Kuͤſte von Leuka⸗ dien hin, und kamen an ſeine aͤuſſerſte ſehr hohe Spitze. Auf derſelben ſteht ein Apollo⸗Tempelz— der Leukadiſche Sprung.— Bei Fortſetzung unſerer Reiſe ſahen wir rechts die Inſeln Ithaka und Kephalenien, links die ufer von Akarnanien. In dieſer Provinz finden ſich einige betraͤchtliche Staͤdte, viele kleine befeſtigte Flecken, und mehrere Voͤlker verſchiedener Abkunft. Die Akananier ſind treu und lieben die Freiheit. Wir ſchifften die Muͤndung des Achelvus vor⸗ bei, und fuhren hart an den Kuͤſten von Aetolien hin. Dieſes Land hat fruchtbare Felder und kriegeriſche Einwohner,welche eine faſt unverſtaͤndliche Sprache reden. ſich von rohem Fleiſche naͤhren, und wehrloſe Doͤrfer be⸗ wohnen. Sie achten weder Buͤndniſſe, nochVertraͤge, trei⸗ ben Seeraͤuberei, wie die Akarnanjer und die Dzoli⸗ 48 ſchen Lokrier. Ihre Reiter ſind furchtbar, wenn ſie einzeln fechten. An der Oftſeite des Achelous finden ſich Lo⸗ wen. Nach einer viertaͤgigen Schifffahrt kamen wir zu Naupaktus, einer Stadt am Fuße eines Ge⸗ birges im Lande der Ozoliſchen Lokrier an. Am ufer ſahen wir einen Neptuns⸗Tempel und eine der Venus geweihte Hoͤhle, wo einige Wittwen um neue Maͤnner baten. Am folgenden Tage brachte uns ein kleines Fahr⸗ zeug nach dem Hafen Pagä im Lande der Mega⸗ rer, und von da kehrten wir nach Athen zuruͤck. Den Winter uͤber blieben wir zu Athen, und traten dann die Reiſe nach Megara an. Beber Eleuſis kamen wir nach Megaris, der Graͤnze von Athen und Korinth. Die Aniahl der Flek⸗ ken und Staͤdte iſt klein. Die Hauptſtadt Megara hing ehemals mit dem Hafen Niſaea durch zwei lange Mauern zuſammen, welche die Einwohner vor ohngefaͤhr hundert Jahren zerſtoͤrten. Man zeigte uns verſchiedene Statuen aus Holz, Gold und Elfenbein aus den verſchiedenen Perioden der Kunſt. Das Rathhaus, aus weißen Steinen erbaut, iſt voll verſteinerter Muſcheln. In dieſer Stadt iſt die beruͤhmte philoſophiſche Ste des Sokratikers Euklides. Um zu der zetnie Landenge zu ge⸗ langen, fuͤhrte uns ein Wegweiſer über Anhöhen auf 49 einen Felsſteig, welcher ſehr enge und uneben, uͤberhalb des Meeres, auf dem Ruͤcken eines mit ſeinem Gipfel faſt bis an den Himmel reichenden Gebirges ſich zieht. Der Pfad lauft gegen 48 Stadien fort, wechſelweiſe ſich ſen⸗ kend und wieder ſich hebend, bis er nach Krommyon, einem Hafen und einem Schloſſe der Korinthier bringt. Wir blieben dem Meere zur Seite, und kamen an die Stelle, wo die Breite des Iſthmus nur 40 Sta⸗ dien betraͤgt; hier werden die iſtmiſchen Spiele nahe bei dem Tempel Neptuns gefeiert. Das korinthiſche Land hat ſehr enge Graͤnzen. Sein Gebiet zeigt einige reiche Felder, oͤfters einen unebenen und ziemlich unfruchtbaren Boden. Der Wein iſt von ſehr geringer Guͤte. Korinth, am Fuße eines hohen Berges, auf welchem eine Kaſtell erbaut iſt, hat ſehr hohe und ſtarke Waͤlle und einen Umfang von vierzig Stadien. Das kriſaͤiſche und ſaroniſche Meer beſpuͤh⸗ len die Stadt. Am erſtern Meere liegt der Hafen Lechaeon, welcher durch eine zweifache, bei zwoͤlf Stadien lange Mauer mit der Stadt zuſammenhaͤngt; an dem zweiten iſt der Hafen Kenchrea ſiebenzig PBtadien von Korinth. Eine große Menge heiliger, alter und neuer Ge⸗ baͤude verſchoͤnern die Stadt. Wir beſuchten den Marktplatz und beſahen das Theater, wo die Natio⸗ nal⸗Verſammlungen, muſikaliſche Wettſtreite und 65. B. Griechenland. III. 1. 4 50 Kampfſpiele gehalten werden. Man zeigte uns das Grab der beiden Söhne Medea's. Die Burg der Stadt, zu welcher ein Weg von dreiſig Stadien fuͤhrt, iſt durch ihre Lage und Waͤlle unbeſiegbar. Bei dem Eintritte in dieſelbe ſahen wir den Venus⸗Tempel mit den Bildſäulen Amors und des Sonne⸗Gottes. Korinth, die Niederlage fuͤr den Zwiſchenhan⸗ del von Aſien und Europa, iſt voll Waarenlaaer und Manufakturen. Man verfertigt hier Betidecken, welche ſehr geſucht werden.— Die Frauen von Ko⸗ rinth zeichnen ſich durch ihre Schoͤnheit aus, die Naͤnner durch ihre Liebe jum Gewinne und zum Ver⸗ gnügen. Die Prieſterinnen der Venus deren An⸗ zahl über 2000 betraͤgt, richten fremde Kauſteute mit der ganzen Schiffsmannſchaft in wenigen Tagen zu Grunde. Nach Sicyon, nicht weit von Korinth, fuͤhrte der Weg uns uͤber mehrere Fluſſe. Sieyonien, eines der ſchoͤnſten und reichſten Laͤnder Griechenlands⸗ bringt Korn, Wein und Del im Ueberfluſſe hervor. Rechts und links am Wege zur Stadt ſahen wir ſchoͤne Graͤber. Wir beſahen die Stadt, den Hafen und die Burg, und machten einige Streifreiſen in die Gegen⸗ den um Sicyon. Bei dem Flecken Titane auf einem Berge ſahen wir in einem Cypreſſen walde einen Tempel Aeskulaps, deſſen Bildfaͤule mit einem Roche von weißer Wolle und mit einem Mantel be⸗ 51 rleidet war, und die Statue der Goͤttin der Geſund⸗ heit, Higtea, gleichfalls in einem Gewande und mit Haarlocken behaͤngt, welche die Frauen ſich ab⸗ ſchneiden und der Goͤttin weihen. Zu Phlius, einer kleinen und armen Stadt in Griechenland, hielten wir uns einige Tage auf. Von Sieyon nahmen wir unſern Weg nach Achaja, welches ſich bis an das Vorgebirge Ara⸗ rus, der Inſel Cephallenia gegenuͤber erſtreckt; ein ſchmaler Landſtrich, ſuͤdlich von Arkadien und Elis, noͤrdlich vom krifaͤiſchen Meere umgeben. Felſen machen ſeine Ufer umzugaͤnglich, der Boden er⸗ zeugt nichts ohne viele Muͤhe; zuweilen trifft man guten an. Die kleine Stadt Pellene iſt unregelmaͤßig um einen gebaut; ihr Hafen iſt ſechzig Stadien entfernt. Zu Pellene ſahen wir einen Baechus⸗ Lempel, einen der Diana geheiligten Hain, welchen nur ihre Diener betreten duͤrfen, und einen Miner⸗ va⸗Tempel mit einer ſchoͤnen Bildſaͤule dieſer Goͤrtin. Wir begaben uns nun nach Aegira, welche Stadt, zwoͤlf Stadien vom Meere, viele Kunſtdenk⸗ male und ein beruͤhmtes Drakel hat. Noch weiter hin beſuchten wir die Ruinen der Stadt Helice, welche zwoͤlf Stadien vom Meere durch ein Erdbeben zerſtoͤrt ward. In der Stadt Aegium, vierzig Sta⸗ dien von Helice, wurden die Erdſtoͤße nicht gefählt⸗ In der Stadt Bura, welche um nichts näher ſtand als Aegium, wurde alles zerſchmettert und nieder geworfen. Die abweſenden Buͤrger bauten nach ihrer durch einen kleinen Flecken erſetzt. In ſehr alten Zeiten war Achaja in zwoͤlf Staͤdte vertheilt, deren jede 1— 8 Flecken in ihrem Bezirke hatte. Auf unſerem Wege nach Patraͤ ka⸗ men wir durch eine Menge Staͤdte und Flecken des ſehr bevoͤlkerten Achaja. Zu Pharae ſahen wir auf dem Marktplatze dreiſis viereckige Steine, welche als eben ſo viele Gottheiten verehrt werden. Nach⸗ Dyme genau beſehen hatten, gingen wir uͤber Lariſ⸗ ſus und betraten die Landſchaft Elis. Elis, ein kleines Land, deſſen Kuͤſten vom joni⸗ ſchen Meere beſpuͤhlt werden, wird in drei Thaͤler ge⸗ theilt. In dem noͤrdlichſten liegt die Stadt Elis am Fluſſe Peneus; das mittlere Thal iſt wegen des Jupiter⸗Tempels nahe am Fluſſe Alpheus be⸗ ruͤhmt, das letzte heißt Sriphylia. Die Stadt Elis wird verſchoͤnert durch mehrere Tempel, prachtvolle Gebaͤude und eine Menge Bild⸗ ſaͤulen, deren einige von Phidias ſind. Nichts er⸗ hebt dieſe Provinz ſo ſehr, als die olympiſchen Spiele, welche alle vier Jahre zur Ehre Juviters gefeiert werden. Nachdem wir die Merkwuͤrdigkeiten von Elis und Cyllene, welches der Stadt Elis als Hafen dient, geſehen hatten, zeiſten wir nach Ruͤckkunft die jetzt beſtehende Stadt; Helice ward dem wir die Kunſtwerke in Patraͤ und in der Stadt 53 Dlympia ab. Ein Weg von 300 Stadien uͤber eine Ebene, ein anderer uͤber die Gebirge und Flecken Aleſieum fuͤhren zu ihr. Wir reiſten uber die Ebene, ſahen unterwegs die Staͤdte Dyspo ntium und Le⸗ trini, und langten zu Olympia an. Die Stadt, auch unter dem Namen Piſa be⸗ kannt, liegt am rechten ufer des Alpheus, am Fuße des Saturnus⸗Berges. Der Alpeus entſpringt in Arkadien, verſchwindet und kommt nach einer Strecke wieder zum Vorſchein, nimmt mehrere Fluͤſſe auf, und faͤllt in das nahe gelegene Meer. Die wichtigſten Gegenſtaͤnde umſchließt die Al⸗ tis, ein heiliger Hain von großer Ausdehnung mit Mauern, in welchem ſich der Dempel des Jupiter und der Juno, das Verſammlungshaus des Sena⸗ tes, das Theater, und eine Menge anderer ſchoͤner Gebaͤude, in der Mitte der groͤßten Anzahl von Bild⸗ ſaͤuten befinden. Die Bildſaͤule Jupiters iſt ein Werk des Phidias. Man zeigte uns die Bildſaͤu⸗ len vieler Sieger in den Kampfſpielen und Suͤulen, auf welchen die Buͤndniſſe verſchiedener griechiſcher Voͤlker eingegraben waren. Roͤrdlich beim Junv⸗Tem⸗ pel, am Fuße des Saturnus⸗Berses, laͤuft bis zur Rennbahn ein Straßendamm, an welchem mehrere griechiſche und auslaͤndiſche Nationen Gebaude haben⸗ die unter dem Namen der Schatzkammern be⸗ kauht ſind. ⸗ 54 Die olympiſche Rennbahn iſt in zwei Theile geſondert: das Stadium und der Hippodro⸗ mus. Das Stadium iſt ein Straßendamm 600 Fuß lang und eben ſo breit; hier geſchehen die Wettlaͤufe zu Fuß, und die meiſten Arten der Kaͤmpfe. Der Hippodromus iſt zum Wettrennen auf Wagen und mit Pferden beſtimmt. Seine Breite betraͤgt 600 Fuß, die Laͤnge doppelt ſo viel; von dem Stadium trennt ihn ein Gebaͤude, welches die Schranken heißt. Das Stadium, wie der Hippodromus werden geziert durch Bildſaͤulen, Altäre und andere Kunſtwerke. —————.— Vierter Sheil. Zu Seillus, einemzwanzig Stadirn von Olym⸗ pia entfernten Stadtchen, fand ich den beruͤhmten Penophonz ihn noͤthigten die Unruhen im Pelo⸗ pones, ſich zu entfernen und zu Korinth ſich nieder zu laſſen. Jagd, Vogelfang und die Unterhaltung mit diefem fanften Sokratiker gewaͤhrten uns die an⸗ genehmſte Unterhaltung. Von Seiltus gingen wir durch Triphylien, und kamen an das Ufer der Neda, welche Elis von Meſſenien trennt. In dem Hafen Cypariſſta beſtiegen wir ein Schiff, und landeten am folgenden Tage in Pylos, welches unter dem Berge Agaleon liegt. Die Rhede wird beinahe ganz von der Inſel Sphakterin geſchloſſen, und gewaͤhrt den Schiffen einen ruhigen Aufenthalt. Die Gegend zeigt nichts als Gehoͤlz, ſchroffe Felſen, unfruchtbaren Boden und ſille Einſamkeit. Wir fuhren laͤngs der Kuͤſte fort, bis zur innerſten Diefe des meſſeniſchen Meer⸗ buſens. Zu Mothone(jetzt Modon) ſahen wir einen Brunnen, deſſen Waſſer von Natur mit Pech⸗ theilchen geſchwaͤngert, im Geruche und in der Farbe 56 dem Balſam von Kyzikum hleich iſt; zu Kolv⸗ nides die Einwohner der Stadt, welche ohne Sitten und Sprache der Athener, von denſelben abzuſtammen behaupten; weiter einen ſehr alten und ſehr beruͤhm⸗ ten ApolloTempel, ferner die Stadt Koron, und endlich die Muͤndung des Parapamiſus, in welche wir mit vollen Segeln einliefen. Dieſer Fluß, der groͤßte unter den peloponeſiſchen, hat einen eingeſchraͤnk⸗ ten Lauf, und die beſten Seefßiſche. Unſer Weg brachte uns uͤber fruchtbare Gefilde nach Meſſene, welches wie Korinth am Fuße eines Berges liegt, und wie jene Stadt eine Vor⸗ mauer des Pelopones geworden iſt. Meſſenens Mauern, aus gehauenen Steinen mit Zinnen und Thuͤrmen verſehen, ſind ſtaͤrker und hoͤher, als die Mauern von Byzanz, Rhodus ꝛe., ſie ſchließen den Berg Ithome ein. In der Stadt ſahen wir einen großen Marktplatz mit Tempeln, Bildſaͤulen und einem reichen Waſſerbrunnen; uͤberall ſtanden ſchoͤne Gebaͤnde. Auf einem ſehr hohen Berge liegt der alte Tempel des Jupiter. Die Graͤnzen Meſſeniens betragen gegen s00 Stadien. Die Meſſener lebten mehrere Jahrhunderte in der ungeſtoͤrteſten Ruhe, frei unter einem heiteren ſanften Himmel, bis ſie endlich nach drei Kriegen mit den Lacedaͤmoniern, dieſen unterlagen und ihre Freiheit verloren. 5 Wir verließen Meſſene, gingen uͤber den Pa⸗ miſus und beſuchten die oͤſtliche Kuͤſte des Landes. In der Stadt Abia zeigte man uns einen Tempel Aeskulaps, zu Gerenia das Grab ſeines Sohnes Machaon, zu Pharaͤ den Tempel ſeiner Enkel Ni⸗ komachus und Gorgaſus⸗ Wir beſtiegen zu Phara ein Schiff, welches nach Skanden ſegeln wollte, einem Hafen auf der kleinen Inſel Cythera, bei der aͤußerſten Spitze von Lakonien. Dieſer Hafen wird haͤufig von Kauf⸗ leuten aus Aegypten und Afrika beſucht. Man geht von da zur Stadt Cythers, in wel⸗ cher die Lazedaͤmonier eine Beſatzung halten. Hier prangt ſeit undenklichen Zeiten der aͤlteſte und ge⸗ ehrteſie unter allen der Goͤttin Venus geweihten Tempeln. Der Boden iſt duͤrre und heftig, die Ein⸗ wohner lieben das Geld ſehr. Wir blieben zu Taͤnarus, einer Stadt in La⸗ konien, deren geraͤumiger Hafen eine Menge Schiffe faſſen kann. Sie liegt am Kap gleiches Namens, auf welchem ein Tempel Neptuns ſteht; ihn umgibt ein heiliger Hain, welcher Verbrechern zur Freiſtaͤtts dient; bei dem Eingange ſteht die Statue des Gottes, tief hinten oͤffnet ſich eine unermeßliche und bei den Griechen ſehr beruͤhmte Hoͤhle. Wir verließen Tänarus, nachdem wir in der umgegend die Steinbruͤche beſucht hatten, aus wel⸗ chen man einen ſchwarzen mit Marmor gleich ge⸗ 58 ſchaͤtzten Stein gewinnt, und begaben uns nach Gy⸗ thium, einer mit Mauern umſchloſſenen und ſehr feſtehh Stadt mit einem vortrefflichen Hafen, welcher dreiſig Stadien von der Stadt liegt. In dem Gym⸗ naſtum von Aſopus ſahen wir merkwuͤrdige Men⸗ ſchenknochen von ungeheuerer Groͤße. Wir kehrten zu dem Eurotas zuruͤck, und gingen laͤngs demſel⸗ ben hinaus, durch ein Thal, welches er bewaͤſſert, und bier auf in die Ebene, welche ſich bis Lazedamon erſtreckt. Rechts hatten wir den Fluß, links das Ge⸗ birge Taygetus, an deſſen Fuße die Natur eine Menge großer Hoͤhlen im Felſen ausgegraben hat. Zu Briſes fanden wir einen Baechus⸗Tem⸗ pel, wo die Frauen allein opfern duͤrfen. Von Briſea zeigte man uns auf dem Gipfel des nahen Gebirges den Ort Taletum, wo dem Sonne-Gotte nebſt andern Thieren, auch Pferde geopfert werden. Bald erblickten wir die Stadt Amyklaͤ am rechten Ufer des Eurotas, gegen zwanzig Stadien von Lazedaemon. Wir ſehnten uns Apollos Tempel, einen der beruͤhmteſten in ganz Griechen⸗ land zu ſehen. Die Bildſaͤule des Gottes, ohngefaͤhr dreiſig Ellen hoch, iſt ſehr plump, im aͤghptiſchen Styl gearbeitet. Nicht weit von Apollos TDem⸗ pel ſteht ein anderer, welcher um mehrere Jahrhun— derte aͤlter iſt, als die aͤlteſten in Griechenland. Lachende Wieſen und herrliche Baͤume verſchoͤnern die Gegend um Amyklaͤ. Die Fruͤchte ſind vortreff⸗ „ 59 lich; der Drt iſt aͤuße ſt angenehm, tiemlich volkreich und immer voll Fremder. Nach Oſt und Suͤd wird Lakonien vom Meere begraͤnzt, nach Weſt und Nord von hohen Gebirgen. Das weſtliche Gebirge heißt der Taygetus. Die Gebirge ſind in der Runde mit Gehoͤlz bewach⸗ ſen, und dienen einer Menge wilder Ziegen, Baͤ⸗ ren, wilder Schweine und Hirſche zum Aufenthalte. Geſucht werden von allen Nationen die lacedaͤmoni⸗ ſchen Hunde wegen ihrer Behendigkeit, K Kuͤhnheit und wegen ihres Feuers. Von der Landſeite iſt Lako⸗ nien faſt unzugaͤnglich; nur ſchroffe Huͤgel und leicht zu beſetzende Paͤſſe fuͤhren dahin. Lakonien erzeugt viele offüinelle Pflanzen, Korn, Feigen. Das Land iſt haͤnſig dem Erdbeben ausgeſetzt, und ſoll ehemals 100 Städte gehabt haben. Der Eurotas durchfließt es nach ſeiner Laͤnge, und nimmt die benachbarten Gebirgsſtroͤme auf. Zu gewiſſen Zeiten iſt er voll Schwaͤne von blendender Weiße, und faſt ganz voll von einer ſehr geſuchte Rohrart, aus welchem die La⸗ cedaͤmonier Matten und Kraͤnze flechten. Am rechtem Ufer des Eurotas liegt Laeedaͤ⸗ mon, auch Sparta genannt. Die Stadt hat keine Mauern; ſie endigt ſich in eine breite Flaͤche, auf welcher mehrere heilige Gebaͤude ſtehen, und iſt mit mehreren Huͤgeln umgeben; um den hoͤchſten liegen fuͤnf Doͤrfer, durch groͤßere oder geringere Zwiſchen⸗ ruͤume von einander geſondert, und jedes von einem 60 der fuͤnf Staͤmme der Spartaner bewohnt. Der Marktplatz, von welchem mehrere Straßen auslaufen, iſt mit Tempeln und Statuen geziert; ferner mit den Haͤuſern, worin ſich der Senat, die Ephoren und andere Obrigkeiten verſammeln, und endlich mit einer Halle, welche die Laeedaͤmonier nach der Schlacht bei Plataͤa aus der getheilten Veute der Beſiegten er⸗ bauten. Auch der uͤbrige Theil der Stadt zeigt eine Menge Denkmaͤler zur Ehre der Gotter und alten Herven. Auf dem hoͤchſten Huͤgel ſieht man einen Miner⸗ va⸗Tempel aus Erz; hier ſtarb der Konig Pauſanias den Hungertod. Die Grabmale der beiden in Lacedaͤ⸗ mon regierenden Familien ſind in zwei verſchiedenen Duartieren der Stadt. Ueberall ſtoͤßt man auf, den Heroen geweihte, Gebaͤude, Haine und Saͤulen. Die meiſten dieſer Denkmale ſind ohne Prunk und von roher Arbeit. Die Haͤuſer ſind klein und ſchmucklos. An der ſuͤdlichen Seite der Stadt iſt der Hippodromus fuͤr das Wettrennen zu Pferd und zu Fuß. Von da tritt man in den Plataniſtas, einen Uebungsplatz fuͤr die Jugend an den Ufern des Eurotas. Swei Bruͤcken fuͤhren dahin, bei der einen ſteht Herkules, bei der andern Lykurg. Bei Betrachtung der Einwohner Lakoniens unter⸗ ſcheidet man Spartaner, Lacedaͤmonier und Heloten. In Lacedaͤmon findet man die meiſten Sklaven. 61 In Sparta erregte nichts ſo ſehr meine Bewun⸗ derung, als Lykurg und ſeine Geſetze. Lykurg iſt nicht bloß als Geſetzgeber, ſondern als tiefblickender Weltweiſer, als ein großer neuer Aufklaͤrer zu betrach⸗ ten; ſeine Geſetzgebung iſt zugleich ein Syſtem der Sittenlehre und der Staatskunſt. Lykurg fuͤhrte zwei Koͤnige, einen Senat, Ephoren und Nationaverſamm⸗ lungen ein. Mit aͤußerſter Sorgfalt wachten auch die ſparta⸗ niſchen Geſetze fuͤr die Erziehung, deren Zweck iſt, kraͤftige, ſtarke und ſittlich gute Buͤrger des Staates zu bilden. Vom 20. Jahre an laſſen die Spartaner ihre Haare und den Bart wachſen; ſie verbannten aus ih⸗ rer Kleidung jede Art von Schmuck. Die Koͤnige, die Magiſtraͤte unterſcheiden ſich von den Buͤrgern der unterſten Klaſſen im Außern durch nichts von ein⸗ ander. Alle tragen einen kurzen Leibrock von ſehr grober Wolle, und werfen einen Mantel daruͤber. Sie tragen Sandalen oder andere Arten von Fußbeklei⸗ dungen, deren gewoͤhnlichſte die rothe Farbe iſt. Au⸗ ßer Hauſe tragen ſie große Stoͤcke, welche von oben gekruͤmmt find. Die Haͤuſer ſind klein und kunſtlos. Die Thuͤren duͤrfen nur mit der Saͤge, Fußboden und Decke nur mit der Art gearbeitet ſeyn. Baumſtaͤmme, kaum der Rinde entkleidet, dienen als Balken. Das Hausge⸗ raͤthe iſt zierlicher. Ihre Lebensweiſe aͤußerſt ſtreng. Lakonien bringt mehrere Arten Wein hervor. Den Wein heben ſie vier Jahre auf, ehe ſie ihn trinken; Waͤßigkeit iſt eine Zierde der Lakoner. Sie haben verſchiedene Arten oͤffentlicher Mahlzeiten, worunter die Philitien die gewoͤhnlichſten ſind. Koͤnige, Magiſtraͤte, bloße Buͤrger, Alles verſammelt ſich zur Mahlzeit in beſtimmten Saͤlen. Sie liegen auf har⸗ ten Betten von Eichenholz, und ſtuͤtzen den Ellenbo⸗ gen auf einen Stein oder ein Stuͤck Holz. Die Ge⸗ richte ſind: ſchwarze Brodſupge und gekochtes Schwein⸗ ſleiſch in gleiche Theile zerſchnitten. Wein und Ger⸗ ſtenbrod gibt es in Menge. Einige Spartaner koͤnnen weder leſen noch ſchrei⸗ hen, andere kaum zaͤhlen. Wer Kenntniſſe beſitzt, er⸗ gotzt ſich an Homers, Terpanders und des Tyrtaͤus Gedichten. Das Theater iſt nur fuͤr koͤrperliche Uebun⸗ gen, Trauer- und Luſiſpiele werden in demſelben nicht aufgefuͤhrt, weil es ein Geſetz verbietet. Als lyriſcher Dichter zeichnete ſich unter den Lacedaͤmo⸗ niern Alkman aus; ſein Styl iſt ſehr ſauft, obgleich er mit dem harten doriſchen Dialekte, der Sprache der Laeedaͤmonier zu koͤmpfen hatte. Gegen die Rhe⸗ torik haben ſie eine große Abneigung; Muſik lieben ſie inſofern ſie Enthuſiasmus zur Tugend iſt. Die Reden, Briefe ꝛc. der Lacedaͤmonier ſind kurz; geld⸗ vringende Kuͤnſte, vorzuͤglich die Gewerbe der Ueppig⸗ keit ſind ihnen ſtrenge unterſagt. Die ſpartaniſchen Frauen ſind groß, ſtark und faſt —,— 63 alle ſehr ſchoͤn; ihre Kleidung beſteht in einer Tuniea nd einem Rocke, welcher bis auf die Knoͤchel herab⸗ faͤut. Die unverhetratheten, welche ſich den ganzen Tag im Ringen und Wettlaufe uͤben, tragen eine ſehr leichte Bekleidung ohne Aermel, welche vemmittelſt eines Guͤrtels bis an die Knie aufgeſchuͤrzt iſt; unter⸗ halb ſteht ſie zu beiden Seiten ſo offen, daß der halbe Leib entbloͤßt iſt. Die Spartanerin erſcheint unver⸗ heirathet mit entbloͤßtem Geſichte; verheirathet geht ſie verſchleiert. Die Gegenſßtaͤnde des oͤffentlichen Gottesdienſtes wirken zu Laeedaämon nur innige Verehrung, nur unverbruͤchliches Schweigen. Ueber ſie iſt weder Er⸗ örterung, noch Zweifel erlaubt. Die Goͤtter anbeten, die Heroen verehren, iſt die ganze Glaubenslehre der Spartaner. Eine Menge Feſte beſchaͤftigen die muͤßi⸗ gen Augenblicke des Volkes. Die Spartaner muͤſſen von ihrem 20. bis zum so. Jahre im Kriege dienen. In hoͤherem Alter brauchen ſie die Waſſen nicht zu ergreifen, außer in dem Falle, daß der Feind das Land betritt. Wir ſetzten unſern Weg nach Arkadien fort. Gleich Anfangs ſtießen wir auf des Achilles Tem⸗ pel, weiter hin auf die Stadt Pellana und auf Bilmina, eine Graͤnzſeſtung Lakoniens gegen Arkadien. Das Gebiet der Stadt wird vom Eu⸗ rotas, und von vielen aus den benachbarten Gebir⸗ gen entſpringenden Quellen bewaͤſſert. Die Stadt 64 liegt am Eingange eines Hohlweges, welcher nach Megalopolis führt. Arkadien, der Mittelvunkt des Pelopones, boͤher gelegen, als die umgebenden Gegenden, iſt voll von Gebirgen, welche zum Theile von ungeheuerer Höhe, faſt ſaͤmmtlich mit rothem Wilde bevoͤlkert, und mit Waͤldern überdeckt ſind. Die Gefilde wer⸗ den haͤufig von Fluͤſſen und Baͤchen durchſchnitten. Sie liefern Korn und anderes Getreide im Ueberfluſſe, und geben eine vortreffliche Weide fuͤr Eſel und Pferde. Außer einer Menge offiineller Pflanzen bringt dieſes Land faſt alle bekannte Baͤume hervor. Die Arkadier ſind menſchenfreundlich, wohlthaͤtig, gaſt⸗ frei, geduldig dei der Arbeit, und beharrlich in ihren Unternehmungen. Das Land iſt ſehr bevoͤlkert, man zaͤblt bloß an 300,000 Sklaven. Die große mit Thuͤrmen und Mauern umgebene Stadt Megalopolis theilt der kleine Fluß Heliſ⸗ ſon in zwei Theile. Den noͤrdlichen Theil ziert ein Marktplatz mit einem ſteinernen Gelaͤnder; in dem ſuͤdlichen Theile ſahen wir ein ſehr großes Gebaͤude zu der Verſaminlung der 10,000 Abgeordneten, welche die Angelegenheiten der Nation zu beſorgen haben. In dem Aeskulap⸗Tempel zeigte man uns Knochen von außerordentlicher Groͤße. Wir verließen Megalopolis, gingen uͤber den Alpheus, kamen nach Lykoſura am Fuße des Berges Lyeaͤus, welcher auch Olomp genannt 65⁵ wird, und ſetzten unſere Reiſe nach Phigalig fort. Auf dem Marktplatze ſteht eine Bildſaͤule im aͤgypti⸗ ſchen Style gearbeitet. Rechts dreißig Stadien von der Stadt iſt der Berg Elaius, links vierzig Sta⸗ dien weit der Berg Kotylius. In dem erſten fin⸗ det man die Grotte der ſchwarzen Ceres; auf dem andern ſahen wir in einem Flecken einen beruͤhm⸗ ten Apollo⸗Tempel, welchen Iktinus, der Er⸗ bauer des Minerva⸗Dempels zu Athen unter Peri⸗ kles, auffuhrte. Am folgenden Tage gingen wir uͤber Lykoſura zuruͤck, und nicht weit von Drapezus uͤber den Al⸗ vheus, und uͤbernachteten zu Gortys, einer Stadt, welche von dem Fluſſe gleiches Namens bewaͤſſert wird. Die kleine Stadt Aliphera ließen wir links, reiſten laͤngs des Fluſſes Ladon, und ſchlugen den Weg nach Pfſophis ein. Wir kamen durch mehrere Doͤrfer und durch das Gchoͤlz des Berges Sauros, welches Baͤren, wilde Schweine und ſehr große Schildkroͤten naͤhrt. Pſophis, eine der aͤlteſten Staͤdte des Pelo⸗ pones, liegt auf der Graͤnze von Arkadien und Elis. Ein hoher Huͤgel ſchuͤtzt es vor dem Rord⸗ winde; öſtlich fließt der Erymanthus; an der Abendſeite umſchließt die Stadt ein tiefer Abgrund, wo ſich ein Bergſrom fortſturzt, welcher ſich fudlich in den Erymanthus verliert. 56. V. Griechenland. III. 4. 5 Woͤrdlich zwiſchen den Gebirgen bei der Stadt Nonakris iſt ein ſehr hoher Felſen, von welchem unaufhoͤrlich ein giftiges Waſſer herabtroͤpfelt, welches den Styr bildet. Er ſchlaͤngelt ſich in einem Thale; ſein helles und geruchloſes Waſſer iſt fuͤr Thiere und Menſchen toͤdtlich. Den Berg Cyllene⸗ auf welchem ſich alein in Griechenland weiße Amſeln finden, beruͤhrt der Berg Stymphalus, an deſſen Fuße man eine Stadt, einen See und einen Fluß gleiches Namens antrifft. Die Stadt war ehemals eine der bluͤhendſten in Ar⸗ kadien. Die Stadt Pheneos enthaͤlt nichts Merk⸗ wuͤrdiges. Von Pheneos begaben wir uns nach Kaphyad. Weiter brachte uns der Weg neben einem großen Damme vorbei, welchen die Kaph yaͤer erbaut ba⸗ ben, um ſich von einem reißenden Strome und ei⸗ nem großen See in dem Gebiete von Orchomenus zu ſichern. Die Stadt Orchemenos liegt auf ei⸗ nem Berge. Wir ſchlugen hierauf einen der beiden nach Mantin en führenden Wege ein. Mantinen zeichnet ſich durch ſeine Volksmenge, ſeinen Reichthum und ſeine herrlichen Kunſtwerke aus. Es beſitzt fruchtbare Geſilde. Auf dem Wege von Mantinea nach Degen hatten wir rechts den Berg Mänalus, und links einen großen Wald; in der zwiſchen liegenden Ehene ward vor einigen Jahren die beruͤhmte Schlacht geliefert, in welcher Epami⸗ 67 nondas ſiegreich ſtarb. Ihm wutrden zwei Denk⸗ male errichtet: ein Triumphzeichen und ein Grabmal. Degea liegt nur hundert Stadien von Manti⸗ nea. Der Tempel der Minerva Alea wurde von dem beruͤhmten Skopas aus Paros erbaut. Von Degea reiſten wir nach Argolis durch einen Hohlweg zwiſchen ziemlich hohen Gebirgen. Wir naͤherten uns dem Meere, und ſahen den Sumpf bei Lerna, dem ehemaligen Aufenthalte der ungeheu⸗ ren Hydra, welche Herkules beſiegte. Von da ſchlugen wir uͤber eine ſchoͤne Wieſe den Weg nach Argos ein. Argolis, mit Huͤgeln und Bergen beſaͤet, hat in deren Zwiſchenraͤumen fruchtbare Thaͤler und Ebe⸗ nen. Dieſe Provinz iſt die Wiege der Griechen; denn ſie erhielt zuerſt die fremden Colonien, welche den Griechen endlich Kultur beibrachten. Hier erſchien Inachus, nach deſſen Namen der Fluß benannt wur⸗ de, welcher das Gebiet von Argos bewaͤſſert; hier lebten auch Danaus, Hypermneſtra⸗ Lyn⸗ ceus, Alkmäon, Perſeus, Amphitryon, Pe⸗ lops, Atreus, Thyeſtes, Agamemuon⸗ und ſo viele andere beruͤhmte Perſonen. Argos, am Fuße eines Huͤgels, auf welchem die Burg ſteht, iſt eine der aͤlteſten Staͤdte Griechen⸗ lands. Es gibt hier, wie in allen griechiſchen Staͤd⸗ ten, Kunſtwerke genug; Meiſterſtuͤcke ſehr wenige⸗ Die Einwohner ſind tapfer⸗ 68 Vierzig Stadien von Argos ſteht der beruͤbmte Juno⸗Tempel am Fuße des Berges Euboͤus, an dem ufer eines kleinen Baches von Eupolemus aus Argos erbaut. Fuͤnfzehn Stadien vom Tempel ſaben wir in Truͤm⸗ mern die alte beroͤhmte Stadt Myeenaͤ, welche vor anderthalb Jahrhunderten die Argier terſtoͤrt hatten. Wir kehrten nach Argos zuruͤck, und beſtiegen die Burg, wo wir in einem Minerva⸗Tempel eine Bild⸗ ſaͤule Jupiters ſahen, welche ehemals in des Pria⸗ mus Palaſte geſtanden haben ſoll. Wir gingen nach Tiryns, einer alten Stadt, fönfzig Sradien von Argos, von welcher nur noch die Mauern uͤbrig ſind. Sie ſind uͤber zwanzig Fuß hoch, und beſtehen aus ungeheuern anfeinander ge⸗ worfenen Felſenſtuͤcken. Ven Tiryus begaben wir uns nach dem entfernteſten Ende von Argolis, und veſuchten Hermione und Trvezene. In der er⸗ ſten Stadt ſahen wir unter andern einen den Grazien geweihten Hain einen Venus⸗Tempel, wo alle Jungfrauen vor ihrer Verheirathung ein Dpfer brin⸗ gen muͤſſen, und einen Ceres⸗Sempel. Troe⸗ zene hat viele alte Denkmale. Ein Theil von Troe⸗ zene liegt am Abhange eines Berges, der andere in einer bis zum Hafen ſich erſtreckenden Ebene, wel⸗ che von dem Chryſorchvas durchſchlaͤngelt, und ßaſt auf allen Seiten von Huͤgeln und Bergen um⸗ ſchloſſen wird. 69 Wir hielten uns dicht am Meere, und kamen zur Stadt Spidaurus am Ende eines Meerbuſens. Die Stadt hat ſtarke Mauern; ihr Gebiet iſt voll Weingaͤrten, und mit Bergen voll Eichenwaͤlder um⸗ ſchloſſen. Außerhalb der Thore, vierzig Stadien ent⸗ fernt, liegt Aeskulaps Lempel und ſein heiliger Hain, zu welchem Kranke von allen Gegenden ſtroͤ⸗ men. Wir gingen wieder uͤber Argos nach Ne⸗ mea, welches die Feierlichkeit der daſelbſt alle drei Jahre zur Ehre Jupiters angeſtellten Spiele be⸗ ruͤhmt machte. Hierauf kamen wir in das Gebirge, und fuͤnfzjehn Stadien von der Stadt zeigten unſere Wesweiſer die ehemalige Hoͤhle des Loͤwen, wel⸗ chen Herkules erſchlug. Wir kehrten nach Ko⸗ rintb, und von da nach Athen zuruͤck. S3 ü e h Wir verließen den Flecken Acherns, welcher viele Weinberge hat, und wendeten uns wieder nach Botien. Auf dem Wege dahin ſahen wir einige Schloͤſſer mit dicken Mauern und hohen Thuͤrmen, wie bei Phyle, Derelia, Rhamnus. Die atti⸗ ſchen Graͤnzen find uͤberall durch ſolche Kaſtelle ge⸗ ſichert. Rhamnus hat ſeine Lage dicht am Meere. Auf einem nahen Huͤgel erhebt ſich der Tempel der Ne⸗ meſſis; ihre zehn Fuß hohe Bildſaͤule iſt ein wuͤrdi⸗ ges Werk des Phidias. Von hier ſtiegen wir zu dem Flecken Marathon herab, welcher beruͤhmt iſt wegen des Sieges, welchen die Athener unter des Miltiades Anfuͤhrung gegen die Perſer erfochten baben. Von dem Flecken Brauron begaben wir uns zu den Steinbruͤchen des Berges Pentelikus, aus welchen man den in Griechenland ſo beruͤhmten wei⸗ ßen Marmor gewinnt. Wir nahmen unſer Nachtla⸗ ger zu Praſiaͤ, einem kleinen Flecken nahe am Meere, deſſen Hafen Panormus den Schiffen einen ſiche⸗ 71 ren und bequemen Ruheplatz darbietet. Ihn umgeben reizende Thaͤler und Huͤgel, welche ſich vom ufer theatrciſch erheben. Won hier traten wir in eine ſchoͤne Ebene, welche zur Frovinz Paralos gehort. An jeder Seite der Ebete laͤuft eine Reihe Hüͤgel, welche uns nach Tho⸗ rikos, einer Feſtung am Uufer des Meeres fuͤhrte. Am andern Morgen beſtiegen wir fruͤhe den Berg Leurium, welcher wegen ſeiner reichen Silberberg⸗ wrrke beruͤhmt iſt. Sunium, 330 Stadien von Athen, hat einen pachtvollen Minerva Tempel aus weißem Mar⸗ nor in doriſcher Ordnung mit einer Saͤulenballe. Wn dem Gipfel dieſes Vorgebirges entdeckt man un⸗ te am Berge den Hafen und den Flecken Sunium, wicher einer der Feſtungen in Attika iſt. Nach meiner Zuruͤckkunft auf Athen reiſten wir an 14. Bktober im zweiten Jahre der 109. Olympiade nah Eleuſis, zu den beruͤhmten Feſten und Myßte⸗ rie der Goͤttin Ceres. Der Abſtand zwiſchen bei⸗ den Staͤdten betraͤgt 100 Stadien. Nachdem wir uͤber einn ziemlich hohen Huͤgel voll Bleander gekommen warn, betraten wir das Gebiet von Eleuſis, und gelagten an die Ufer zwei kleiner Fluͤſſe, deren einer der Teres, der andere der Proſerpina geweiht iſt. Weiterhin fuͤhrt eine Bruͤcke uͤber den Cephi⸗ ſus In geringer Entfernung vom Meere erſtreckt ſich n der Ebene von Nordweſt nach Suͤdvſt ein gro⸗ 4 0 ßer Huͤgel, auf deſſen Abhange und oͤſtlicher Spitze der beruͤhmte Tempel fuͤr Ceres und Proſerpina erbaut iſt. Unter demſelben liegt das Staͤdtchen Eleu⸗ ſis. Rund umher und auf dem Huͤgel ſelbſt ſtehen mehrere heilige Gebaͤude, und reiche Buͤrgir aus Athen beſitzen hier ſchoͤne Landhaͤuſer daſelbſt. Den Tempel ließ Perikles aus Marmor auf⸗ fuhren; er ſieht nach Dſt. Die beruͤhmteſten Kuͤrtler wurden beſoldet, um dieſe Bauwerke zu vollenden — 05 Sechſteei Pheil. Weil die Beſchreibung meiner Reiſe nach Chios, den vornehmſien griechiſchen Staͤdten in Aeolis, Jo⸗ nien und Doris; der Inſeln Rhodus und Kre⸗ ta, der an den aſiatiſchen Kuͤſten gelegenen, wie Aſtypalaͤn, Kos, Patmos und Samos von uͤbermaͤßiger Laͤnge ſeyn wuͤrde, ſo will ich hier nur die vorzuͤglichſten Momente aus meinem Lagebuche ausheben. Die Inſel Chios, wo wir anlandeten, eine der groͤßten und beruͤhmteſten im aͤgaͤiſchen Meere, hat mehrere mit ſchoͤnen Baͤumen umkraͤnzte Bergruͤcken und ſehr ſchoͤne Thaͤler. Sie erzeugt einen vorzüg⸗ lichen Wein. Die Einwohner lieben die Freuden der Mahlieit. WVon Chios begaben wir uns nach Kuma in Aeolis; von hier traten wir unſere Reiſe zu den Staͤdten an, welche das perſiſche Reich von der Seite des ägaͤiſchen Meeres begraͤnzen. In Phoeaa, deſſen Mauern von großen, voll⸗ kommen in einander gefuͤgten Steinen erbaut ſind, brachten wir einige Tage zu, und kamen hierauf in 74 die weiten und geſegneten Fluren, welche der Her⸗ mus bewaͤſſert, und ſich von der Seekuͤſte bis uͤber Sardes hinaus ertrecken. unſer Weg, faſt uͤberall von ſchoͤnen Andrachne⸗ Baͤumen beſchattet, brachte uns zu der Muͤndung des Hermus. Unſere Blicke verbreiteten ſich uͤber die majeſtatiſche Rhede, welche von einer Halbinſel gebil⸗ det wird, auf welcher die Staͤdte Erythraͤ und Teos liegen. An dem Ende der Bucht befinden ſich einige kleine Flecken, als die traurigen Ueberreſte der vormaligen Stadt Smyrna, welche die Lydier zerſtoͤrt harten. Nicht weit von den Wohnungen ſtießt in einiger Entfernung aus einer Grotte der kleine Vach Meles. Hier ſoll Homer ſeine Ge⸗ dichte geſchrieben haben. Smyrna gegenuͤber liegt die Inſel Klazome⸗ n, welche großen Gewinn von ihren Delen zieht. Die Einwohner ſtehen unter den joniſchen Voͤlkern im erſten Range. Wir nahmen unſern Wesg gegen Säd, und ſahen außer den in der Mitte des Landes liegenden Staͤdten an den Seekuͤſten oder in deren Nachbarſchaft: Lebedos, Kolophon⸗ Epheſus, Priene, Myus, Milet⸗ Jaſus, Myndus, Halikarnaß und Knidus. 8 Zu Epheſus ſahen wir die traurigen Ueberbleib⸗ ſel des wegen ſeines Alters eben ſo ſehr, als wegen ſeiner Große beruͤhmten Dianen⸗Tempels, welchen Heroſtrat anzuͤndete. Von dieſem prachtvollen Ge⸗ ——————————,———————————————— ————— 75 baͤude ſtehen nur noch die vier Mauern, und einige aus dem Schutte hervorragende Saͤulen. Zu Milet bewunderten wir die Mauern der Stadt, ihre Tempel, Feſte, Manufakturen, Haͤfen und das verwirrte Gemiſch von Schiffern, Matro⸗ ſen und Arbeitern. Es iſt der Sitz des Reichthumes, der Einſichten und Vergnugen; es iſt das joniſche Athen. Die Denkmale der Kunſt zieren das Innere der Stadt; der Reichthum der Natur glaͤnzt in der Gegend umher.— Ein anziehendes Schauſpiel faͤllt dem aufmerkſamen Reiſenden in die Augen, welcher aus dem Hafen von Halikarnaß in Doris nord⸗ waͤrts nach der Halbinſel Erythraͤ faͤhrt. Auf die⸗ ſem Wege, welcher in gerader Linie gegen 900 Sta⸗ dien betraͤgt, zeigen ſich ihm eine Menge auf den Ků⸗ ſten des feſten Landes und der benachbarten Inſel ier⸗ ſtreut liegender Staͤdte. Aus dem eigentlich ſogenannten Jeonien gin⸗ gen wir nach Doris, einem Theile des ehemaligen Kariens. Knidus, nahe an dem Vorgebirge Driopium, hat den Geſchichtſchreiber Kteſias und den Aſtronomen Endoxus hervor gebracht; die Knidier ſind ſiolz auf ihre Venus, das beruͤhm⸗ teſte Werk des Praxiteles. Von Knidus reiſten wir nach Mylaſa, einer der angeſehenſten Staͤdte in Karien. Sie hat ein geſegnetes Gebiet und eine Menge von Tempeln, deren einige ſehr alt, und alle aus einem ſchoͤnen Marmor eines nahe gelegenen 56 Steinbruches erbaut ſind. Die kariſchen Griechen ver⸗ achten große Kunſtfaͤhigkeiten. Das Land von Kaunus iſt fruchtbar, aber die Hitze des Himmels und der Ueberfluß an Obſt verur⸗ ſachen dort haͤufige Fieber. Zu Kaunus ſchifften wir uns ein, und ſteuerten nach Rhodus. Dieſe Inſel hieß anfangs Ophiuſa(Schlangeninſel). Die Stadt Rhodus, in der Geſtalt eines Amphitheaters erbaut, hat mehrere Haͤfen, Zeughaͤuſer, ſehr hohe mit Thuͤrmen verſehene Mauern, von Steinen er⸗ baute Haͤuſer, ſchoͤne Tempel, Straßen und Schau⸗ ſpielhaͤuſer. Das Land genießt einer reinen und hei⸗ teren Luft. Man findet ſehr fruchtbaren Boden, vor⸗ trefflichen Wein, ungemein ſchoͤne Baͤume, geſchaͤt⸗ ten Honig, Saliquellen und Marmorbrüche; das um⸗ ſpuͤlende Meer liefert Fiſche im Ueberfluſſe. Nach ih⸗ rer gluͤcklichen Lage dient die Inſel zum Ruheplatze der Schiffe, welche von Aegypten nach Griechen⸗ land, oder von Griechenland nach Aegypten gehen. Zu den haͤufigen Pflanzſtaͤdten der Rhodier zaͤhlt man: Parthenope(Neapel) und Salapia in Italien, Rhodus(Roſes in Spanien) auf den iberiſchen Kuͤſten am Fuße der Pyrenaͤen. Von Rhodus ſegelten wir nach Kreta, und landeten in dem Hafen von Knoſſus, welcher von dieſer Stadt 25 Stadien entfernt liegt. Zu des Mi⸗ nos Zeit war Knoſſus die Hauptſtadt der Inſel. Nicht weit von der Stadt beſindet ſich an dem Fuße ——— 77 des Berges Ida die beruͤhmte Hoͤhle, in welcher Ju⸗ piter beerdigt ſeyn ſoll. Der Weg zur Hoͤhle iſt ſehr angenehm; auf dem Rande des Ida ſtehen ſtolze Baͤume, zu den Seiten liegen reizende Wieſen; ein Gebuͤſch von Cypreſſen, ſo wie ein Tempel, iſt den Goͤttern geweiht. Die Hoͤhle mag in der Laͤnge 200 Fuß, und in der Breite 20 betragen. Von hier begaben wir uns nach Gortynaͤ, ei⸗ ner der Hauptſtaͤdte des Landes, am Anfange einer ſehr fruchtbaren Ebene. Ein ſehr rauher Weg fuͤhrt einen Huͤgel hinan zu einer geraͤumigen Hoͤhle, deren Inneres bei jedem Schritte unzaͤhlige Kruͤmmungen und Irgaͤnge darbietet. Sie ſoll das beruͤhmte La⸗ byrinth ſeyn, in welchem Theſeus den von Mi⸗ nos hier eingeſchloſſenen Minotauros erlegte. Das Labyrinth ſoll anfangs bloß zu einem Gefaͤngniſſe beſtimmt geweſen ſeyn. Kreta muß unter die groͤßten der bekannten In⸗ ſeln gerechnet werden. Seine Laͤnge von Dſt nach Weſt ſoll 2500 Stadien betragen; in ſeiner Mitte iſt es ohngefaͤhr 400 breit, uͤberall ſonſt viel ſchmaͤler. Suͤdlich beſpuͤlt das lybiſche Meer ſeine Kuͤſten; gegen Nord das aͤgaͤiſche Meer; nach Oſt naͤhert es ſich Aſien, nach Weſt Europa. Auf der Pberflaͤche iſt es von Gebirgen durchſchnitten. An der Seekuͤſte und im Innern des Landes ſind geſegnete Weiden mit zahlreichen Heerden; Getreide, Wein, Del, Ho⸗ nig und Obſt von allen Arten gibt es in reſchlicher 78 Menge. Die Einwohner ſind die beſten Vogenſchutzen und Schleuderer in ganz Griechenland. Es iſt ſchwer auf der Inſel zu landen. Die Haͤfen derſelben ſind meiſt den Windſtoͤßen ausgeſetzt. Zu Homer's Zei⸗ ten war Kreta ſehr bevoͤlkert; man zaͤhlte 90— 400 Staͤdte. Von Knofſus brachte uns eine Galeere mit drei Reihen Ruderbaͤnken nach Kos. Dieſe Inſel iſt klein, aber ſehr ſchoͤn. Einige Gebirge ausgenommen iſt das Land eben und ungemein fruchtbar. Nach der Zerſio⸗ rung der alten Stadt durch ein Erdbeben, erbauten ſich die Einwohner eine neue am Fuße eines Vorge⸗ birges; ihre Lage iſt ſchoͤn, und die Stadt iſt pracht⸗ voll durch den Hafen, durch die Mauern und durch ihr Inneres. Der Tempel Aeskulap's in der Vor⸗ ſtadt iſt beruͤhmt. Auf dieſer Inſel wurde der große Arit Hippokrates geboren. Bei dem Einlaufen in die Rhede von Samos hat man rechts das Vorgebirge Neptun's mit ei⸗ nem Tempel dieſes Gottes; links Juno's Lempel und verſchiedene treffliche Gebaͤude zwiſchen den Baͤu⸗ men, mit welchen die Ufer des Imbraſus beſchat⸗ tet ſind; in gerader Richtung die Stadt, welche theils laͤngs der Seekuͤſte, theils an dem Abhange eines ſich gegen Nord erhebenden Berges liegt. Dieſe Inſel begreift 600 Stadien im Umfange. Den Wein aus⸗ genommen, ſind die Exzeugniſſe der Erde vortreflich. Die Stadt zeichnet ſich unter allen aus, welche die Griechen und die Barbaren auf dem nahen Feſt⸗ lande bewohnen. Die Waſſerleitung, der Hafendamm und Juno's Tempel zogen unſere Aufmerkſamkeit auf ſich. Juno's Bildſaͤule, von Smilis, einem der aͤlteſten Kuͤnſtler Griechenlands, zeigte uns die er⸗ ſten Verſuche der Bildhauerei. Mit Belvunderung betrachteten wir die drei koloſſalen Bildſaͤulen Jupi⸗ ters, Minerva's und Herkules von dem be⸗ ruͤhmten Myron. Die Samier ſind die reichſte und maͤchtigſte Voͤl⸗ kerſchaft unter allen denen, aus welchen der joniſche Bund beſteht; ſie ſind geiſtvoll, arbeitſam und thaͤ⸗ tig. Auch liefert ihre Geſchichte merkwuͤrdige Bei⸗ traͤge fuͤr die Geſchichte der Wiſſenſchaften, der Kuͤn⸗ ſte und des Handels. Ich nenne nur Kreophilus, welcher den Homer in ſeinem Elende aufgenommen haben ſoll; den Philoſophen Pythagoras, und die Bildhauer Rhoͤkus und Theodorus. Sehr fruͤhe verlegten ſich die Samier auf die Schifffahrt. Bald ſetzten wir uͤber den Arm des Meeres, wel⸗ cher die Inſel von der aſiatiſchen Kuͤſte trennt, und ergoͤtzten uns mit der Jagd auf dem Berge Mykale, bald genoſſen wir das Vergnuͤgen des Fiſchfanges am Fuße des Berges. Nach Athen zuruͤckgekehrt, machten wir uns wie⸗ der ſegelfertis zur Abreiſe nach Delvs, und lande⸗ ten am Abende auf der Inſel Ceos. Am folgenden 80 Tage ſchifften wir bei Syros vorbei, ließen Tenos links liegen, und liefen in den Kanal, welcher De⸗ los von der Inſel Rhenea trennt. Bald ſahen wir den Tempel Apollo's. Delos entfaltete ſich faſt ganz vor unſerm Blicke. Sobald wir das Ufer betraten, eilten wir in den Tempel, welcher nur 100 Schritte davon entfernt liegt. Die Zahl der Bildſaͤulen und Altaͤre iſt groß. Die Stadt Delos hat weder Thuͤrme noch Mauern, und wird bloß durch Apollo's Begenwart beſchuͤtzt. Die Haͤuſer ſind aus Backſteinen, oder aus einer Art Granit, welcher ſich ziemlich haͤufig auf der Inſel findet. Die Inſel Delos hat nicht uͤber 7— sooo Schritte im Umfange; ihre Breite betraͤgt nur das Dritttheil ihrer Laͤnge. Der von Nord nach Suͤd laufende Berg Cynthus begraͤnzt eine Ebene, welche ſich von Weſt bis an das Seeufer ausdehnt. In die⸗ ſer Ebene liegt die Stadt. Die uͤbrige Inſel zeigt nur einen unebenen und unfruchtbaren Boden, einige anmu⸗ thige Thaͤler ausgenommen, welche durch verſchiedene im ſuͤdlichen Theile liegende Huͤgel gebildet werden. Auf ihr befindet ſich nur die einzige Quelle Inopus. Endlich kamen wir am Fube des Cynthus an. Dieſer Berg, nur von maͤßiger Hoͤhe, iſt ein Granit⸗ block, welcher mit verſchiedenen Farben ſchimmert, und vorzuglich mit ſchwaͤrzlichen und gläͤnzenden Glim⸗ mertheilchen. Er gewaͤhrt eine herrliche Ausſicht auf die eykladiſchen Inſeln. 81 An der Ofſeite, 24 Stadien von Delo s, liegt Mykonos. Der Boden der Inſel, welche zu den cykladiſchen gehoͤrt, iſt unfruchtbar, und nur durch die muͤhſamſten Anſtrengungen des Landmannes bringt er Korn ze. hervor. Beruͤhmt ſind die Trau⸗ ben und Feigen dieſer Inſel. Wegen der unguͤnſtigen Beſchaffenheit der Luft verlieren die Bewohner fruͤhe den natuͤrlichen Schmuck ihres Hauptes. Nicht ſo groß, aber fruchtbarer als Mykonos prangt weſtlich, kaum soo Schritte entfernt, Rhe⸗ nea mit dem Segen ſeiner Huͤgel und ſeiner Fluren. Nordweßlich entdeckt man die Kuͤſten der Inſel De⸗ nos. Der prachtvolle Tempel Neptun's iſt eine der aͤlteſten Freiſtaͤtte Griechenlands. Ihn umringen mehrere große Gebaͤude, in welchen die oͤffentlichen Mahlzeiten gehalten werden, und die Voͤlker ſich zur Seit des Feſtes dieſes Gottes verlammeln. Die Inſel iſt fruchtbar und bewäſſert. Ein zwolf Stadien brei⸗ ter Kanal trennt Tenos von Andros. Dieſe In⸗ ſel mit gruͤn bedeckten Gebirgen, vtelen Quellen und anmuthigem Thaͤlern iſt beruͤhmt wegen ihrer Stadt durch die ſchwierige Eroberung der Athener, und we⸗ gen der vorzuͤglichen Baechus⸗Verehrung. Faſt in gleicher Entfernung zwiſchen Andros und Ceos liegt die kleine Inſel Gyaros, ein wil⸗ des felſigtes Land. Die Inſel Ceos iſt reich an Fruͤchten und Viehweiden; die Bewohner tark an Koͤrper und Seele, ſind ſo zahlreich, daß ſie ſich in 56. B. Griechenland, III. 1. 6 82 vier Staͤdte haben vertheilen muͤſſen. Julis, die vornehmſte derſelben, liegt auf einer Anhoͤhe, und hat ihren Namen von einer ergiebigen Quelle, welche am Fuße des Huͤgels entſpringt. Kareſſus 25 Sta⸗ dien davon entfernt, dient ihr zum Hafen, und berei⸗ chert ſie mit ſeinem Handel. Sich nach dem 6o. Lebensjahre freiwillig zu er⸗ morden, geſtatten zu Julis die Geſetze. Die Stadt iſt mit prachtvollen Gebaͤnden geſchmuͤckt, ungeheuere Marmorbloͤcke bilden ihre Mauern, und gut unterhal⸗ tene Wege führen dahin auf den Abhaͤngen der be⸗ nachbatten Berge; noch groͤßeren Glanz aber gibt es ihr, daß ſie verſchiedene beruͤhmte Maͤnner hervorge⸗ bracht hat, unter andern Limonides, Bakchily⸗ des und Prodikus⸗ Nicht weit von Ceos liegt Cythnos, eine we⸗ gen ihrer Viehweiden beroͤhmte Inſel; weſtwaͤrts von ihr iſt die fruchtbare Inſel Syros, des Phe⸗ reeydes Vaterland, eines der aͤlteſten Weltweiſen Griechenlands. Wendet mau ſich gegen Suͤd, ſo ſieht man die Inſeln Paros und Naxos. Paros mag 30o Stadien im Umfange haben; es iſt fruchtbar, hat zahlreiche Heerden und zwei vor⸗ trefliche Häfen. Paros brachte den beruͤchtigten Satyriker Archilochus hervor. Naxos iſt von Paros nur durch einen ſchma⸗ len Arm getrennt. Naxos, die groͤßte und frucht⸗ barſte unter den Crkladen, hat tapfere, edelmuͤthige — 83 und für Freiheit ſehr enthuſtaſtiſche Einwohner. um Paros findet man Seriphos, Siphnos und Melos. Seriphos hat bloß ſteile Gebirgsmaſſen; die ehemals ſehr ergiebigen Bergwerke der Bewohner von Siphnos vernichtete die Wuth des Meeres. MWelos iſt eine der fruchtbarſten Inſeln im aͤgaͤiſchen Meere; von ihr ſammt der Philoſoph Diagoras. Franz Favier Scrofani's Reiſe durch Griechenland in den Jahren 1794 und 1795*) bearbeitet von Dr. J. Leutbecher. — Erſter Theil. ni begann ſeine Reiſe von Venedig zu Schiffe, und eben nicht mit Gluͤck. Denn es trat ſehr vald nach der Abfahrt eine ſo laͤſige Windſtille ein, *) Voyage en Grece de Fr. X, Scrofani⸗ Sicilien, fait en 4794 et 17953 traduit de lItalien par J. F. C. Blainvillain, traducteur de Paul et Virginie. Axvec une Carte generale de la Gréce anc. et mod,, et dis tableaux du commerce des iles dites Venitiennes, de la Moree et de la Romelie meridionale. Paris che Treutel et Wuriz. An IX 1801. 3. 3 Vol. Im naämlichen Jahre auch verteuſcht zu Leipzis bei Heinſius⸗ mit einer Karte⸗ daß er nach 2a Stunden noch den St. Markus⸗ Thurm, die Giudeeca und andere Gebaͤudekuppeln Venedigs ſah, und Muße genug hatte, nochmals in Gedanken Abſchied zu nehmen von allen Freunden und Freundinen, die er in dieſer Stadt hatte. Ein⸗ tretender Nordwind war nun wohl dem Schiffe einige Zeit guͤnſtig; allein er hoͤrte mit Tagesanbruch auf. Ein heißer und zu Lande unangenehmer Si⸗ roceo fing zu wehen an, und hemmte die Schifffahrt. Man befand ſich in der Naͤhe von Dmago in Iſtrien. Das Schiff brachte den venetianiſchen Konſul Balthaſar Paleſe nach Patras in Morea. Er war ein Ißrier, und ließ, ſeine Hei⸗ math zu begruͤßen, Anker werfen, um an das Land in ſteigen. Serofani fand Freunde an dieſer Kuͤßte, und erholte ſich zugleich von den durch das Meer und widrige Winde verurſachten Beſchwerlichkeiten der Reiſe. Der Statthalter von Omago, den man beſuchte, lebte einfach und war ſehr unwiſſend in der Geographie, doch machte er das Volk von Omago glůͤcklich. Der wehende Siroceo zwang am naͤchſten Tage das Schiff in den Hafen von Anietv. Dieſer bat üͤber drei Viertelſunde im Umfange, iſt tief und entſpricht vollkommen feinem Namen Quieto d. i. der ruhige. Auf einem hohen Felſen, der dieſer Bay zum Eingange dient, liegt die Stadt Citta nuova, allen Winden ausgeſetzt, den Einwohnern beſchwerlich, ohne den Schiffen von Nutzen zu ſeyn. 86 Man ſtieg an das Land, trank ein Glas herrlichen Weins, der daſelbſt waͤchſt, und Serofani's Auge ſuchte umſonſt die Gegend von Venedig, wohin ſeine Sehnſucht nach den Geliebten zielte. Bald ſah er ſich vor dem Amphiteater von Pola, einer Stadt nahe am Meerbuſen auf einem Berge, ehemals unter dem Namen Pietas Julia bekannt⸗ welche ein praͤchtiges Denkmal altroͤmiſcher Pracht⸗ ſucht war. Nun wogte man ruhig uͤber den Quar⸗ nero fort, der jaͤhrlich viele Schiffe ſtuͤrmend ver⸗ ſchlingt, und dadurch ſo viele Thraͤnen ungluͤcklicher Fa⸗ milien fließen macht, wenn die Winde aus Iſtrien⸗ Dalmatien und dem ſchwarzen Berge hervor⸗ brechen. Man kam bald an Dalmatien voruͤber, deſſen Volk ſeinen unbaͤndigen alten illyriſchen Cha⸗ rakter nicht abgelegt hatte, obgleich ſo viele Jahrhun⸗ derte über ihm dahin gerollt ſind. Dalmatien iſt verſchwunden; ein guͤnſtiger Wind hat unſere Rei⸗ ſenden von ihm entfernt. Man ſieht die Appeni⸗ nen und Abruzzo, das Land der alten Samni⸗ ter, die braver als die alten Roͤmer, dennoch von ihnen beſiegt wurden. Es folgte eine Windſtille. Dtranto war man zu ferne, Brindiſi, konnte man nicht erreichen. Geduld war das einzige Mittel gegen die Langeweile dieſer Fahrt. Das einzige Ver⸗ gnügen, das man hat, gewaͤhren tauſend Voͤgel und Fiſche, die das Fahrzeug umſchwimmen oder umflie⸗ gen. Der Hafen von Brindiſi, eine Stadt 250 87 italiſche Meilen von Neapel iſt nicht mehr das, was es fruͤher war, ſeit a600 die Tuͤrken ihn zu Grunde gerichtet haben. Das umliegende Land iſt angebaut, die Luft aber verpeſtet; doch hat es guten Wein, den ſogenannten Picolit. Nach einer achttaͤgigen Fahrt ſieht man endlich die Gebirge von Eptrus, die aerocerauniſchen Felſen, die Inſel Corfu, beruͤhmte Gegenſaͤnde durch Ale rander, Pyrrhus, Nauſtca, Alei⸗ nous und Ulyſſes. Mit einbrechender Nacht kam man in die Naͤhe der Madonna von Caſſopo, und hier wollte man, wenn es die Windſtille erlaubte, an das Land treten. Caſſopo, einſt Caſſiope war eine der vor⸗ nehmſten Stadte von Coreyraz jetzt ſind von ſeinen Gebaͤuden nur noch wenige Ruinen uͤbrig. Sero⸗ fani ſah daſelbſt ein griechiſches Moͤnchskloſter, und Ruinen von emem alten Tempel des Jupiter Caſ⸗ ſius, wo Nero, der abſcheulichſte der Menſchen, ſang und Zitter ſpielte, als er nach Achaja reiſte. Vor Caſſopo ſieht man auf einem Hügel, der eben ſo duͤrre iſt und ausgetrocknet, wie das Hetz der Albanier, die ihn bewohnen, das Dorf Santi Duaranta, da wo einſt das alte Apollonia ſtand; etwas weiter liegt Epirote, und endlich er⸗ blickt das Ange, ſo man ſich ſtets oͤſtlich haͤlt, links Buthrud, jetzt Bueintro. Dieſe Stadt liegt am Ufer eines kleinen Fluſſes im Hintergrunde einer 88 ruhigen Bay, von fruchtbaren Hoͤhen umringt. Von hier brach einſt Pyrrhus auf, und eroberte in zwan⸗ zig Dagen Coreyra und Sieilien. Hier ruhte einſt Virgil auf einer Reiſe nach Griechenland aus, und wohl die Schoͤnheit dieſer Gegend gab ihm die Idee zu der herrlichſten und intereſſanteſten Dichtung der Aeneis(III. Buch Vs. 292 ſ. f.). Der Wind weht ſßtaͤrker, und man braucht wenig zu thun, um zu Corfu zu landen. Mit Gefahr, Ungluck zu leiden, faͤhrt man an den beruͤchtigten Fel⸗ ſen Deuf vorbei, der die Muͤndung des Hafen ſchließt, weil ein herzhafter Cypriode das Steuer⸗ ruder gut haͤlt, waͤhrend die uͤbrige Schiffsmannſchaft verwirrt umherlaͤuft. Zu Corfu ſah Scrofani nichts als Armuth; er glaubte die Eigenthuͤmer dieſer Inſel in einem an⸗ deren Lande. Die Thaͤtigkeit der Einwohner hatte keinen freien Spielraum; daher waren ſie traͤge, und lebten lieber arm in gluͤcklichem Lande, als reich fuͤr Venedig und andere große Herren. Auf der Inſel Corfu wohnt die Schoͤnheit, wie uns Serofani berichtet, auf dem Lande, und kommt ſelten in die Stadt. Sie thut wohl daran; ſie haßt die Unrein⸗ lichkeit, und Corfu iſt voll von Unreinlichkeiten; nur die Judengaſſe daſelbſt iſt ſehr reinlich und wohlhabend. Merkwuͤrdig fand er uͤbrigens in Corfu die aber⸗ glaͤubiſche Verehrung, welche das Volk dem heiligen 89 Spiridion zollt. Der Leichnam dieſes Heiligen, den Schiffer und Reiſende gewoͤhnlichen Schlages oft anrufen, gehoͤrt aber weder einer Kirche, noch der Re⸗ gierung au, ſondern einer Familie Bulgari. In dieſer erbt er von Vater auf Sohn, wie ein Delbaum⸗ feld, oder wie ein Weinberg fort, und wird ſelbſt in Heirathsvertraͤgen oder in Teſtamenten erwaͤhnt. Er hoͤrt nicht auf, Wunder zu thun und iſt eintraͤglich: denn ſein Ruf iſt in der ganzen Levante verbreitet, und ſelbſt Tuͤrken ſchicken ihm Geſchenke, wenn ſie ſolche in Gefahren gelobt haben, Saͤbel, Ueberſchuhe und Turbane.„Sie lachen? ſetzt Serofani hinzu:“ machen wir es denn beſſer? Schicken wir nicht auch waͤchſerne Zaͤhne, Augen und Bruͤſte an die heilige Lueia, an die heilige Agathe und an die hei⸗ lige Apollonia? Auf der Inſel Corfu beſah unſer Reiſender auch das Dorf der Caſtradi, welches auf der Stelle ſteht, wo ehemals die Hauptſtadt der Phaeaker lag. Die Gaͤrten des Aleinvus mit ihren Quellen und Flüſſen und Pallaͤten, ſo wie ſie uns Homer im ſiebenten Buche der Odyſſen geſchildert, ſind nir⸗ gends zu finden*). * Da hier Serofani von Corfu nichts weiter berichtet, ſo wird man es mir verzethen, wenn ich üͤber dieſe Inſel einiges aus André Greſ⸗ ſet St. Sauveur's Werk; über die venetiani⸗ Von Corfu begab ſich Serofani nach dem Reiche des ſchlauen Odyſſeus. Mit dem Anbruche des Lages iſt er da. Hier iſt Leukade, dort Ithaka, hier Cephalonia, dort Zantez; weiter das Cap Colonna, und die Ruine des Tempels des großen Apollv. Von Leukade'sFelſen ſturzte ſich Sappho in das immer wuͤthende, tief brauſende ſchen Beſitzungen in der Levante(vom Jahr 1800) zur Vergleichung deſſen mittheite, was Serofani bis jetzt, und jpäter auch in einem beſondern Abſchmtte uͤber Corfu ſagt.— Nach Greſſet iſt die Inſel Corfu zwan⸗ z franzöſiſche Meilen lang, zehn breit, und hat echzig im Umfange. Sie hat ſechzigtauſend Eit⸗ wohner, wovon das Fuͤnftel in der Hauptſtadt lebt. Eintt war ſie ſtärker bevoͤlkert, und beſſer bebaut. In Anſehung ihrer erſten Beduͤrfniſſe des Lebens baͤngt ſre eben ſo, wie in andern Din⸗ gen, von der Biscretion der Nachbarn ab. Hieran iſt weder das Klima, noch der Boden Schuld; es fehlt bloß Betriebſamkeit und Aufmunterung. Von Wein und Getraide wird nur der Unter⸗ halt auf füͤnf Monate gebaut. Del und Salz ſind die einzigen Ausfuhratttkel. Die Fiſcherei iſt ergtebig, die Jagd weniger aus Mangel an Waäldern; alles Brennholz kommt ans Alba⸗ nien. Steinkohlengaͤnge werden vernachlaͤßigt. Schlachtvieh holt man aus den Nachbarſtaaten. Nur Ziegenheerden geben Kaͤſe und Milch. Die Juden haben den Alleinhandel. Die ehemaltge denetianiſche Regierung ſuchte durch allerlei Un⸗ terdruͤckungen die Inſulaner in keter Abhangig⸗ 91¹ Meer, im Tode das Heilmittel ungluͤcklicher Liebe ſuchend und findend. Auf der Inſel Ithaka findet ſich keine Spur mehr von Alterthuͤmern. Ithaka ſelbſt, die Stadt, war nicht da, wo heut zu Tage Theaki iſt, deſſen Statthalter die Cephalonier zu ernennen das Recht haben*). keit zu erhalten. Venetianiſche Edelleute nah⸗ men die erſten obrigkeitlichen Stellen ein, und erlaubten ſich alle Bedrückungen des Volks. Die eingebornen Adelichen ſind ſtolz auf ihre griechi⸗ ſchen und altroͤmiſchen Ahnen, und fuͤhren, als aus der Kaiſerzeit ſtammend, den Adler in ihren Wappen. See⸗ und Landmacht war in ſchlechtem Zuſtand. Der groͤßte Theil der Einwohner be⸗ kennt ſich zur griechiſchen Kirche; die andern außer den Juden ſind roͤmiſch,katholiſche Chri⸗ ſten. Corfu iſt ein erzbiſchoͤflicher Sitz. Der Unterricht des Volks iſt in den Haͤnden des Kle⸗ rus beider Religtonen. Das Oberhaupt der griechtſchen Geiſtlichkeit heißt der Protopapa. und iſt vom Adei. Setne Einkuͤnfte beſtehen in Ercommunteationen, Die Anzahl der griechtſchen Kirchen iſt betraͤchtlich, beſonders auf dem Laude. Die Geißtlichkeit aber iſt ſehr unwiſſend. Die Sitten der Städte-Bewohner ſind ſehr verän⸗ dert; die auf dem Lande ſnd geblieben. (Der Bearbeiter.) *) St. Sauveur ſagt: das Vorgebirge Leueade, das auf der Inſel Santa Maura liegt, heißt Cap Ducätv. Theaki oder Thiakt iſt von Cephalonien nur durch einen zwei Mei⸗ len vreiten Kanal getrennt. Ihr Umfang be⸗ 92 Die Cephalonier ſind vielleicht unter allen Voͤlkern der Erde die Einzigen, die uͤberall gluͤcklich ſind. Mit natuͤrlichen Talenten verbinden ſie eine Dreiſtigkeit der Art, daß man ſie eher fuͤr Großſtaͤdter, als fuͤr die Bewohner einer kleinen Inſel des joni⸗ ſchen Meeres haͤlt. Mit gluͤcklichem Erfolge haben ſie die mediziniſchen und chemiſchen Wiſſenſchaften bearbeitet; beſonders aber widmeten ſie ihre Beſtre⸗ bungen den See⸗Wiſſenſchaften. Die Bevoͤlkerung der Inſel belaͤuft ſich kaum auf 60,000; dennoch hat ſie eine ſtarke Seemacht, vielleicht 200 Fahrzeuge und sooo kleine Barken auf dem Meere. Sie dringen bis in den Deean, bis nach Amerika, ja ſelbſt bis nach Indien vor. Dieſe große Gleſchgultigkeit, mit welcher ſie ihr Vaterland vetlaſſen, verraͤth ohne Zwei⸗ fel Habſucht, die ſie auch ſo weit treiben, daß man ſie allgemein fuͤr die geſchickteſten Seeraͤuber anſieht. Sie verſtehen es am allerbeſten, einen Streich auszu⸗ traͤgt 10, ihre Laͤnge 4, und ihre groͤßte Breite 1 1/2 franzoͤſtſche Meile. Sie iſt voll von Fel⸗ ſen; doch bringt ſie mehr Getreide, als verzehrt wird. Ausfuhrartikel ſind Del und Corinthen. Der Wein reicht kaum fuͤr den Bedarf. Dis Jaod iſt nicht ſehr ergiebig, beſſer die Fiſcherei. Der Gartenbau iſt unbedeutend; die Federvieh⸗ zucht gut. In fuͤnf bis ſechs Brtſchaften woh⸗ Pii hehtehi iſn 3, ihtlichie t helbt Vathi, und liegt am Hafen. (D. B.) 93 fuͤhren. Sie ſind in ihrem Vaterlande eben ſo thaͤtig, als im Auslande. Was ſie beginnen, gelingt ihnen meiſtens. So haben ſie mit gutem Erfolge den Acker⸗ bau zu erweitern geſtrebt, eine eigene Ackerbau⸗Akademie geſtiftet, und wer weiß, wo die Cephalonier ſtehen bleiben. Der Wind vergoͤnnte kein Eilaufen in den Ha— fen von Cephalonia. Man mußte die Nacht uͤber hinter dem Felſen bleiben, den man die Schildwache nennt.— An das Land gekommen wendete man ſich eine halbe italiſche Meile von der Kuͤſte zu einem Nonnenkloſter, wo man ſich mit Weintrauben er⸗ guickte, und recht heiter mit den Nonnen unterhielt, obgleich die Reiſenden weder griechiſch, noch jene ita⸗ liſch konnten. Der Konſul Paleſſe hatte einen Dol⸗ metſcher bei dem Ausſteigen mitgenommen, der ita⸗ liſch verſtand, und Serofani nahm ſeine Zuflucht zur Augen⸗ und Zeichen-Sprache. Nach der Meinung der Cephalonier ſind das ſchwarze Gebirge und der Proveditore die urſachen, welche die Inſel an einem gluͤcklichen Ge⸗ deihen hindern. Dieſes Gebirge, einſt Enos genannt, iſt 160 Schritte uͤber das Meer erhaben; idas hoͤchſte aller Gebirge im joniſchen Meere. Zu Virgils Zeit war es mit Wald bedeckt; jetzt iſt es nackt. Am Fuße des Enos noͤrdlich it Palieari, mit einer gegen Nervenuͤbel ſehr vortrefflichen Mi⸗ neralquelle zwiſchen Micali, Zata und Rados. Eben dort, Argoſtoli gegenuͤber, iſt auch ein ſchar⸗ 94 ſes ſalzſanres Waſſer, das den an der Duͤrrfucht lei⸗ denden Heerden ſehr heilſam, den Menſchen aber, wenn ſie davon trinken, die Waſſerſucht zuzieht. Die Lagen oder Bergſchichten des Enos ſind, gegen Buͤffono Grundſaͤtze, ſenkrecht, und haben nicht die geringſte Neigung.— Die ganze Inſel wird durch einen Provedityre regiert*. *) St. Sauveur ſagt; Cephalonia, oder auch Cephallenia genannt, hat ſechzig Mei⸗ len Umfang, und iſt faſt rund. Groͤßerer Fleiß der Einwohner wuͤrde die Inſel ergiebiger ma⸗ chen, ob ſie gleich felſig. Jetzt holt man, was fehlt, aus Morea. Haußtprodukte der Inſel ſind Corinthen und Del, auch gute Baumwolle und etwas Seide. Die Melonen ſind vortreff⸗ lich. Auſſer Ziegen gibt es keine andere wei⸗ gegen Nord das Cap Fiscardo, gegen Süd das Lap Capra, welches letztere hoch und waldig iſt. Das Klimg iſt gelinde; doch oft wechſelnd. Den ganzen Winter hat man Roſen, Nelken und andere Blumen. Auf der Inſel ſind drei Stäͤdt⸗ chen, und vielleicht 130 Flecken, Doͤrfer und Hoͤfe. Die Einwohnerzahl belaͤuft ſich auf 70,000. Vrgoſtoli iſt die Hauptſtadt.— Mit dieſen Angaben und den obigen Serofant's ſtimmt eine andere in Stephanopoli's Voyage en Grece pendent les années V. et VI.(797 und 198) I. Lom. p. s8s. ebenfalls uͤberein, mit nur, daß die er Inſel auf so,000 angegeben wird. (D. B.) „ 2 dende Peerden. Die Inſel hat zwei Vorgebirge, 95 Unſer Reiſender naͤhert ſich der Inſel Zante, aus welcher Dions Meuchelmoͤrder geboren war; nach dem Zeugniſſe Plutarchs brachten die Zan⸗ tioten einſt ihre Zeit mit oͤffentlichen Aufzuͤgen zu; ſie waren rachſuͤchtig und feige, lauerten ihren Feind im Ruͤcken auf, und meuchelmordeten ihn. Die⸗ ſes Gemaͤlde paßt noch heute ſo gut auf die Einwoh⸗ ner dieſer Juſel, daß ich glauben moͤchte, man habe entweder die Stelle jetzt erſt in den Plutarch eingeſchoben, oder dieſer Schriftſeller ſchreibe noch an ſeiner Geſchichte. Plinius irrt ſich, wenn er die Inſel Zante als fruchtbar ſchildert, und das Gebirg Seopo praͤchtig nennt. Das war zu ſeiner Zeit gerade umgekehrt der Fall. Unter den Wein miſcht der Zantiote noch wie zu Pauſfanias Zeiten Gyps, und vielleicht ruͤhrt daher ſeine Erdfarbe im Geſichte. Der Gyks iſt be⸗ kanntlich fuͤr den Magen ein Gift, deos ſcheint aber dem nuwiſſenden Zantioten entgangen zu ſeyn. Zum Ungluͤcke iſt die sanze Inſel voll von Gypsgru⸗ ben, und ſelbſt alle Quellen nehmen in denſelben ihren Urſprung. Im Ganzen iſt das Aeußere der Zantioten zuruͤckſchreckend, und man ſeufzt uber ihre Dummheit. Aus der Beobachtung des Frauenzimmers in ei⸗ nem Lande kann der Reiſende den Grad der Civiliſa⸗ tion daſelbſt bemeſſen. Sind die Frauen ſchoͤn, ſo ſind ſie gewoͤhnlich auch menſchlich und mild geſinnt, und 96 werden folglich auch die natuͤrliche Wildheit der Maͤn⸗ ner gemildert haben. Zu Zante leben die Frauen ſtets eingezogen; gehen ſie aus, ſo geſchieht es nicht ohne Schleier. Niemals geben oder echalten ſie Be⸗ ſuche; niemals gehen ſie zu einem Schauſpiele. Sie duͤrfen monatlich nur einmal, und zwar Nachts und verſchleiert zur Kirche gehen; ſie ſind aber auch wirk⸗ lich im Ganzen nicht ſchoͤn. Grazie und Schoͤnheit waͤchſt nicht hier; und erſcheint ſie auch einmal, ſo iſt ſie ſchwach, kraftlos, bleich, und ſtirbt wie Pflan⸗ zen, welche unter Glasglocken geſperrt werden. Zante hat verſchiedene Bergpech⸗Quellen, be⸗ ſonders zu Chierk, deren Waſſer kalt iſt, und von denen ſchon Herodot berichtete. Dem bloßen Na⸗ turforſcher bleiben ſie wohl von Intereſſe; den Natur⸗ freund aber lockt bald die Begierde, das ſchoͤne Thal von Zante zu ſehen, in die Gegend des Drtes Pon⸗ tameſe. Denn gerade von hier genießt man den ſchoͤnſten Anblick des Thales, welches weder dem Thale Dempe, noch den Thaͤlern in Dheſfalien nachſteht. Man ſielle ſich eine praͤchtige gruͤne Strecke vor, die durch Weinſtoͤcke und Plivenbaͤume gebildet wird, die einen Raum von 18,000 Schritten in die Laͤnge, und 3— 4000 in die Breite von Nordoſt nach Suͤdweſt bedecken. Das Land iſt von hundert Doͤr⸗ fern bebaut, die die Ebene beherrſchen, und wovon alle wieder am Abhange zweier Huͤgel ſtehen, die mit alten Eichenwaͤldchen prangen. Dieß iſt das lachende 97 Thal von Zante, oder vielmehr ganz Zante. Es fehlt hier weiter nichts, als ein ſpiegelheller Fluß, der langſam durch daſſelbe fließt, es verſchoͤnernd; nichts als die Flöten der Hirten, das verliebte Bruͤl⸗ len der Stiere und der jungen Kuͤhe, ein dauerhaf⸗ teres und mannigfaltigeres Gruͤn, als jenes an Wein⸗ reben und Delbaͤumen, der Schmelz der Blumen, und der Geſang der Voͤgel. Endlich mangelt es noch an heiteren, zufriedenen und artigen Landleuten, und an den naiven Grazien ihrer Gefaͤhrtinnen. Das Ver⸗ gnuͤgen dieſer ſchoͤnen Gegend iſt alſo nur momenta⸗ ner Eindruck, der bei naͤherer Unterſuchung der Ge⸗ genſtaͤnde ſein Entzuͤckendes verliert. Acht tauſend Menſchen machen auf Zante die Flaſſe der Ackerbauer aus, und gewinnen jaͤhrlich an 300,000 Pfund Del, und 6,000,000 Pfund Korinthen. Ein Zollhaus wirft ihm ebenfalls 22,000 Zechinen(eine Zechine iſt etwa 2 Rthlr. 18 Gr.) jaͤhrlich ab. Den⸗ noch wuͤrde Zante's Reichthum groͤßer ſeyn, wenn es andere Bewohner haͤtte*). *) Nach Saylor(in ſeinen Travels from Eng- land to India in the Jear 1789 and 1799, Vol. I. p. 147.) liegt die Inſel Zante unter dem 37. Grade s3. Mlnuten noͤrdlicher Breite, und un⸗ rer dem 21. Grade 3u Minuten weſtlicher Laͤnge, iſt 24 Metlen lang und 12 Meilen breit. Die Einwohnerzahl iſt 60,000, von welchen 20,000 in der Stadt Zante wohnen; die meiten find grie⸗ chiſche Chriſten, auf ihre Weiber außerordentlich 55 B Griechenland. III. 4. 3 98 Serofani iſt jetzt wieder zu Schiff zwiſchen den Stagten des ulyſſes und Pelopones. Vor ſch eiferfuͤchtig, und begehen daher oft ſchreckliche Mordthaten. Die Zantioten ſind gute Schuͤtzen. Die Baumfruͤchte der Inſel ſind herrlich, beſon⸗ ders Pfirſchen, Dranßen und Korinthen. Die Ausfuhr der letzteren Früchte wirft jaͤhrlich viel⸗ leicht 42 Millionen Einkuͤnfte ab. Die Inſel iſt ſchoͤn, nur den Erdbeben zu oft ausgeſetzt; das beweiſen ihre Erdpech⸗Quellen, welche von vul⸗ kaniſcher Materie im Innern der Erde zeugen. „Ueber die vielen Mordthaten der Zantioten fuͤhrte ein Prieſter eine Liſte, und in einem Zeit⸗ raume von drei Jahren waren derſelben nicht weniger, als 2000 veruͤbt worden, und nur ein einziger Meuchelmoͤrder war mit dem Tode be⸗ ſtraft.(Vergl. Mephanopoli's Voyage en rece I. Tom. p. 94.) Die Stadt Zante liegt in der Mitte der Inſel auf der oͤſtlichen Seite an einem Gebirgs⸗ äbhange bis gegen das Meer herab. Die Haͤuſer ſind wegen der Erdbeben nur ein Stockwerk hoch, und liegen zwiſchen Garten zerſtreut. Das Sit⸗ tenverderbniß iſt hier groß, das herrſchende La⸗ ſter der Meuchelmord, die Regierung die ſchlech⸗ teſte. Die Einwohner von Zante ſind nicht ſo gaſtfrei als jene von Cephalonia. Das Frauenzimmer vegetirt in einer Art von Knecht⸗ ſchaft, und beſchaͤftigt ſich zu Hauſe mit dem Spinnen der Baumwolle. Die Erziehung in den erſten Haͤuſern iſt mittelmaͤßig; der aͤlteſte Sohn ſtudirt die Rechte oder Mebiein, der zweite wird Voͤnch, der dritte ein Landwirth.(Vergl⸗ St. Sauveur.) 99 ſieht er Cyllene und Dulichium, und Dyme, ſo viel noch davon übrig iſt. Links laͤuft der Fluß Achelous; hier iſt der Arakynthus. Dort end⸗ lich iſt Lepante, der Eingang in das Meer von Aleyon; hier iſt Patraͤ, wo einſt das Klima ſo ungeſund war, daß dahin die Roͤmer ihre zum Tode verurtheilten Verbrecher ſchickten. Heut zu Tage hat man aber nicht mehr das Klima, nur die Peſt, oder von den Tuͤrken dort geſpießt zu werden, zu fuͤrchten. Endlich iſt der Reiſende in dem Pelopones, in Achaia; er, der vor einem Monate noch die Lagu⸗ nen von Venedig durchzog. Hier ſtand er auf dem Boden, der einſt viele Helden geboren und getragen:; aber ach! überall ſah er das traurige Bild eines Schiff⸗ bruches, den das Land erlitten. Er hoͤrt nichts wei⸗ ter, als die Sprache der Barbaren. Sieht er einen Menſchen, ſo iſt er ein Wilder, der durch die Schwaͤ⸗ che derer, die ihn umgeben, ſtark iſt, der die Klei⸗ dung, die Waffen, die Geberden, und das Herz ei⸗ nes Wilden hat; er heißt Tuͤrke. Der aber dort ſei⸗ nen Kopf feig niederbeugt, nicht zu klagen wagt in ſeinem Jammer, ſeinen Tyrannen nicht anzuſehen vermag, der heißt Grieche. Serofani verabſchie⸗ det dieſe herzzerreibenden Gedanken, uͤberfliegt die Jahrhunderte der tuͤrkiſchen Herrſchaft, und bleibt bei der Zeit eines Lyeurg's und Perieles ſtehen. Der Boden, wo dieſe Maͤnner ſtanden, birgt fuͤr ihn Koch immer in ſeinem Schonße die groben2 100 dem aufregte, und nimmt er auch nicht mehr die alten Griechen wahr, ſo ſteht er doch ihr Land, und iſt wegen ſeiner Reiſe dahin getroͤſtet. Er kam ja nicht, um die Tuͤrken und Griechen zu ſehen, er wollte nur die Truͤmmer des alten Landes, das er liebte, beſuchen. Lepante's*) Einwohner hielten es einſt mit Pompeius. Zur Strafe dafuͤr ließ der Roͤmer Au⸗ guſt die Stadt Patraͤ wieder aufbauen, von den Einwohnern von Argyra, Meſatis und Ripa dahin Koloniſten abgehen, und nannte ſie Colonia Augusta Aros Patrensis. Auguſt ſtarb, und alle ſeine Schoͤpfungen ju Patraͤ, gleich nach ſeinem Hingange, wurden verwuͤſtet und zerſtoͤrt. Sein Ha⸗ fen wurde ein Kuͤchengarten und ein Weinberg**). Das Meer iſt uͤbrigens eine italiſche halbe Stunde davon entfernt, und wer weiß, ob er nicht anderwaͤrts das zu Patraͤ Verlorne wieder erobert hat? Denn dieſes Element opfert nichts von ſeinen Rechten. In der Nachbarſchaft des Hafens iſtdie Quelle der Callir⸗ hoe**), ein praͤchtiges Denkmal zaͤrtlicher und un⸗ gluͤcklicher Liebe geblieben, waͤhrend anderes zerſtort ward. *) Lepante hieß einſt Naupgetus.(D. B.) **) Chandler ſagt in ſeiner Reiſe nach Griechen⸗ land: der ehemalige Hafen iſt jetzt mit Schlamm ausgefüllt.(D. B. n) Man ſ. den Pauſanias L. VII. C. 24. (D B. 101 An Callirhoe's Quelle wurde die Kirche des heiligen Andreas erbaut. Hier wurde dieſer Apo⸗ ſtel Maͤrtyrer ſeiner Ueberzeugung, und die Griechen ehren ihn noch jetzt; iſt gleich ſeine Kirche durch die Albanier zerſtoͤrt, ſo haben ſie ihm doch wieder einen ſteinernen Altar errichtet, und eine Kapelle, welche eine Viertels Meile ron der Stadt entfernt liegt. Selbſt die Tuͤrken haben Ehrfurcht vor dieſem durch durch ſeine Ruinen ſchoͤnen Drte. Serofani beſuchte das Gewaͤſſer, wo einſt The⸗ miſtokles Flotte die Seemacht der Spartaner ſchlug, das Cap Panormus, wo der Kampf be⸗ gann, das Cap Malierium, wo die Sieger ihre Siegeszeichen aufpflanzten, und den Portv Riv, wo ſie mit Blumen bekraͤnzten Schiffen triumphirend ein⸗ liefen, waͤhrend Timoerates, der beſiegte, ſich ent⸗ leibte, weil er durch den gegen die Freiheit kaͤmpfen⸗ den Genius beſiegt ward. Zwei tauſend Jahre ſpaͤter kaͤmpfte hier die Sklaverei gegen die Barbarei, Ve⸗ nedigs Macht gegen die Luͤrken faͤrbte den Buſen mit nicht weniger Blut, als es das erſte Mal geſche⸗ hen war, vernachlaͤſſigte wie die Macht Laceda⸗ mon's ihre Vortheile, und wurde beſiegt, weil ſie den bereits errungenen Sieg nicht nutzte*). Ein ſchoͤner Novembertag, welche Jahreszeit in dieſem glucklichen Klima vft mit! dem Fruͤhlinge um 7*) Es war dieß im Jahre 1571.(D. B.) den Vorzug ſtreitet, lockte unſern Reiſenden in die Ruinen von Pharaͤ. Das Feld war noch gruͤn, und mit Blumen geſchmuͤckt. Die Luft war angenehm und ſanft; ein leiſer Zephir gab dem Herzen Springkraft und Lebhaftigkeit; die Nachtigall ſang, unter dem Laube verſteckt, ihr letztes Lied. Es war s Uhr Mor⸗ gens. Sich Koͤnig der Welt duͤnkend, ritt Sero⸗ fani am Ufer eines Baches dahin, der ohne Zweifel Pierius war. Gern lauſchte ſein Ohr dem Geſange der Baͤuerinnen, die Oliven ſammelten, und den Lie⸗ dern der Winzer, die roͤthliche Trauben kelterten. Pharaͤ, heutiges Tages Savaral genannt, iſt ein Dorf, zwei Stunden von Patraͤ, und wird bloß von Schaͤfern bewohnt. Munter bloͤckten die Heer⸗ den, und heitere Lieder ſangen die Schaͤferinnen, die dort molken. Die Ruinen vom alten Pharaͤ ſind unbedeutend. In der Naͤhe war einſt ein Lorbeer⸗ wald und ein Eichenhain. Der letztere iſt groͤßten⸗ theils noch vorhanden; aber er ſcheint ſich ſeinem Un⸗ tergange zu naͤhern. Nachdem Serofani anderthalb Tage eine von Natur ebenſo fruchtbare Ebene, als ſie oͤde und unge⸗ baut iſt, durchwandert hatte, langte er zu Chia⸗ renza*) an, um da zn uͤbernachten. Die Sonne *) Eine Stadt in Achafa, auf einem Huͤgel, jetzt ſehr verfallen, ehemals ein guter uit 103 ſand noch ziemlich hoch, als er in das Fort Tur⸗ neſe, ehemals Cyllene, hinauf ſtieg, um ſich an den Stuͤrmen des Meeres zu ergoͤtzen, welches ſeine ſchäumenden Wellen ſo hoch warf, als wollte es den oberſten Theil der Feſtung erreichen. Hier wurde einſt Merkur geboren, ein ſchlauer Menſch, der ſpaͤter von dieſer Hoͤhe herab Reiſende beraubte, anfangs ge⸗ fuͤrchtet ward, nachher aber von den Griechen wegen ſeiner Beredſamkeit geehrt und angebetet wurde, bis ihm zuletzt Tempel errichtet wurden, und er fuͤr eine Gottheit galt. Die naͤchſte Nacht brachte Serofani unange⸗ nehm bei einem Griechen zu Aretuni zu. Er brach daher fruͤh, noch vor dem Aufgange der Sonne auf⸗ betrat das Gebiet von Elis, und verfuͤgte ſich nach Gaſtuni, welches das alte Elis iſt. Rechts lag das Meer, deſſen Azurblaͤue mit leichtem ſchnee⸗ weißen Schaume uͤberſaͤet war; links waren die Ebe⸗ nen von DOlymp ia im Angeſichte des Alpheus; ein wenig weiter vorwaͤrts ſah man die Inſel Zante⸗ Pylos, und das beruͤhmte Spakteria. Das Feuer der hervorbrechenden Morgenroͤthe verſchoͤnerte alle Ge⸗ genſtaͤnde, und geruͤhrt ging der Reiſende auf dieſel⸗ ben zu. In Neſtor's Vaterlande, wo kein Denk⸗ mal alter Zeit mehr ſteht, wo die Natur alles bis auf die Byſſusſiengel veznichtet hat, weilt Serofani“s Auge. Was ſoll er zu Slis machen? Vor ihm liegt die geheiligte Straße, die nach Olympia fuͤhrt; dieſe waͤhlt 104 er. Sein Herz ſchlaͤgt gewaltig, als zoge er zu den olympiſchen Spielen. Im Geiſte ſieht er die Raͤume des Kampfplatzes; in der Wirklichkeit findet er nichts, als eine große Ebene, wo hier und dort einige hun⸗ dert Ochſen und Hammel irren, zwei Hutten, einen Schaͤfer und weiter einen Eichenwald, der durch ei⸗ nige Myrthen wieder verjuͤngt iſt. Mit zerriſſenem Herzen ſucht er auf dieſem Boden das alte Olympia umſonſt. Nichts ſah er von den prachtvollen Tem⸗ veln, die einſt hier ſtanden, nichts von den Saͤulen eines Taletas, nichts von dem Pinſel eines Apel⸗ les. Umſonſt lauſchte er der Geſchichte des Thuey— dides, den Hymnen Pindar's, den tragiſchen Ge⸗ dichten eines Euripides, der Satyre eines Ariſtv⸗ phanes. Es war alles verſchwunden, als waͤre es nie geweſen; nur die Erinnerung davon iſt geblieben. Serofani wandert weiter, und kommt zu den Ufern des Alpheus. Er ſieht dieſen verliebten Fluß ſich einen unterirdiſchen Weg oͤffnen, ohne ſich mit den Meereswellen zu vermiſchen, und nach ſeiner Wanderung unter dem joniſchen Meere, zu Orthy⸗ gia aus der Erde hervorkommen, um ſich mit den geliebten Arethuſa zu vereinigen; er ſieht, daß dieſe Dichtung Ovid's Wahrheit iſt. Der Alpheus iſt der betraͤchtlichſte Fluß im Pe⸗ lopones, und der beruͤhmteſte in Griechenland. Er entſpringt in den Hochbergen Arkadiens. Mit Ungeſtüme durchlaͤuft ſein gelbes Waſſer die Geſilde 105 in einer Strecke von 7 1/½ deutſchen Meilen; er ver⸗ tieft ſich, laͤuft hinab, ſtuͤrzt ſich von Thal zu Dhal, von Abgrund zu Abgrund, nimmt vierzig kleinere Fluͤſſe auf, reißt alles um, was ihm im Wege ſteht, und langt ſo endlich in den Ebenen von Olympia an; hier aber wird er ruhig, regelmaͤßig und majeſtaͤtiſch. Sein Waſſer macht durch verſchiedene Kanaͤle die Felder fruchtbar; ſeine Uufer ſind mit Roſenbuͤſchen, Weiden und Pappelnverſchoͤnt, um welche ſich wilde Weinreben, wie Ketten ſchlingen; das ganze Land, das er bewaͤſ⸗ ſert, iſt mit Weinranken, Del⸗, Feigen⸗und Maulbeer⸗ Baͤumen bedeckt, und durch fette Weiden bereichert, welche die Heerden naͤhren, von denen die vortreff⸗ liche Wolle von Liond ari kommt. So iſt der Al⸗ pheus im ganzen Gebiete von DOlympia bis Elis beſchaffen, wo er ſich, Syrakus gegenuͤber, in das ſieilianiſche Meer ßtüͤrzt. Dieß hat die Fabel von dieſem Fluſſe veranlaßt, der auch noch, wie vor alten Zeiten, den Namen Drphea fuͤhrt. Dft ſieht man Schwaͤne aus Arkadien's an ſeinen Ufern ſich ergoͤtzen. 4 Ehe Servfani den Alpheus verlißt⸗ beſteigt er noch den Huͤgel und den Felſen, von welchem man die Frauen ſtuͤtzen mußte, die wagten, den olym⸗ piſchen Spielen zuzuſehen, bloß in der Abſicht, um Seilkunte(jetzt Skilont) von ferne zu ſchauen. Die heutigen Arkadier haben noch ihren alten Stolz, und ſcheinen buchſtaͤblich aus Eichenſtaͤmmen hervorge⸗ 106 zu ſeyn; ſie erlauben keinem Fremden, ſich ihrem Gebiete zu naͤhern. In der Naͤhe von Spil⸗ lunte ſieht er die ſchattigen Gipfel des Sryman⸗ thus, und nun ſagt er dieſen Gegenden Lebewohl. Bei ſeiner Wiederankunft in Patra fand er die ganze Stadt in Bewegung. Soliman Aga naͤm⸗ lich ein wandelbarer, ungeſtuͤmmer Mann, war kerb⸗ lich in Attige verliebt geweſen, und hatte ſie ge⸗ beirathet. Zwei Monate darauf verliebte er ſich in eine gewiſſe Baly, und um dieſe zu heirathen, ließ er ſich von Attige ſcheiden. Das durfte er nach dem mohamedaniſchen Geſetze. Attige ſchwur Rache, und baute ihren Plan auf Solimans Leichtſinn⸗ Sie ſuchte ihn wieder ſich geneigt zu machen, und brachte es gluͤcklich dahin, daß er ſich wieder mit ihr vereinigen wollte. Das kann geſchehen nach dem Ko⸗ ran; doch muß dann der Mann geſtatten, daß vor der Bereinigung die Frau eine Nacht mit einem andern Manne lebe und zubringe. Die Vorbereitungen dazu ſind getroffen. Die Verwandten freuen ſich auf beiden Seiten, und ſind bei dem Feſie erſchienen. Attige bringt die Nacht mit Simeth, einem von Soli⸗ man nach Recht gewaͤhlten Sklaven zu. Die Mor⸗ genſonne kommt, und in ihrem Angeſichte ſoll die Ver⸗ maͤhlung vor ſich gehen. Attige tritt aus der Hoch⸗ zeitkammer hervor, und erklaͤrt— das Geſetz bertch⸗ tigt ſie dazu— gegen alles Erwarten, dab ſie mit Simeth als ihrem Gemahle zufrieden ſey, und für 107 Soliman nichts mehr fuͤhle.— Welche Leidenſchaft mußte Attige bekaͤmpft haben, um von der Hoͤhe einer Gebieterin zur Sklavin herabzuſteigen!— um ſich ſo zu raͤchen!— und alle oͤffentliche Meinuns fuͤr nichts zu achten, alle Landes⸗Gebraͤuche zu hoͤhnen! Serofani beſucht die griechiſche Meſſe, welche die Tuͤrken nicht bei Tage zu halten geſtatten. Eine Stunde nach Mitternacht fuͤhrt man ihn außer⸗ halb der Stadtmauern auf ein kleines Feld. Hier ſteigt er einige Stufen hinab in eine geraͤumige, feuchte mit Tropfſein bedeckte Grotte; dieß war die Kirche der Griechen; das Sanktuarium beſtund aus einer gro⸗ ben Einfaſſung von ungehobelten Brettern. Ein Ma⸗ riabild war die einzige Zierde; eine einzige Lampe er⸗ leuchtete matt das finſtere Gewoͤlbe. Die Glaͤubigen waren ſchon verſammelt, und lagen auf ihren Knien, leiſe betend. Der Biſchof trat ein, ron einem ein⸗ zigen Diakon begleitet, ungeſchmuͤckt, ganz einfach ſchwarz gekleidet in einen Talar und eine ſchwarie Binde um das Haupt. Das Volk ſtand auf, und warf ſich vor ihm nieder, um ihm ſeine Ehrfurcht zu beieugen. Der Oberprieſter theilte nun den Segen wuͤrdig und mit ſalbungsvollen Worten aus, und fei⸗ erte die Myſterien mit Blicken eines Moſes oder Baſilius, voll göttlicher Liebe und Begeiſterung. Die Meſſe iſt vorbei. Der Prälat gibt dem Volk ein geichen, und es bleibt, um zu hören, was er wil. Nit Flöchen graͤßlicher Art ſpricht er uͤber einen 108 Griechen den Kirchenbann, weil er ihm in verwiche⸗ ner Nacht ein Huhn geſtohlen.— Serofani gerieth außer ſich uͤber dieſen heuchleriſchen Pfaffen, und konnte die uͤbrige Nacht kein Ange vor Unwillen ſchließen. Von Patraͤ bis nach Voſiza, das alte Aegium, iſt nur eine Tagreiſe. Nach einer Stunde Weges fand Serofani den Fluß Silene**), den die Griechen das Vergeſſen der Liebe nannten. Links iſt das Vorgebirge Drepanon, wo Saturn die Sichel hinabſchleuderte, mit welcher er ſeinen Vater verwundet, und verſtuͤmmelt hatte. Rechts ſind die Ruinen von Rhapes oder Rhipes*). Nach einer ſechsſtuͤndigen Reiſe am Meerbuſen von Lepanto, im Hintergrunde der See, laͤngs der lachendſten Huͤgel, vor ſich den Parnaß, den He⸗ licon, und die Gebirge von Theben, traf Sero⸗ fani noch vor dem Untergang der Sonne in Vo⸗ ſizza ein. Hier wurde der aͤlteſte Krieg beſchloſſen, deſſen die Geſchichte erwaͤhnt. Hier vereinigte Agamem⸗ non die Herrſcher Griechenlands, um die Entfuͤhrung der Helena zu raͤchen. Von dem alten Aegium iſt indeſſen wenig mehr vorhandenz alles beſchraͤnkt ſich Von andern auch Bonizza genannt.(D. B.) ½ 55 i ſins ite S b hip. 4. B. 109 auf die beiden kleinen Fluͤſſe Maganita und Phe⸗ nix, welche die Umgegend waͤſſern, und auf eine Duelle der Geſundheit*) am Seeufer. Einige Stunden von Aegium beſucht er die Truͤmmer von Heliee.**) Dieſe große Stadt ſtand am ufer eines kleinen Meerbuſens, von lachen⸗ den Gefilden umringt, durch Tempel und Denkmaͤler beruͤhmt, und ehedem die Hauptſtadt von Achaja. Ein Erdbeben erſchuͤtterte die Stadt. Das Meer trat aus ſeinen Ufern, und uͤberſchwemmte die Ruinen. Seitdem faͤhrt man zu Schiffe uͤber dieſelben dahin. Man ſieht nur noch eine Straße davon. Von da begab er ſich nach Salona. Dort lockt ihn der Parnaß, der Heliecon. Gegen acht Uhr Abends kommt er an. Es iſt zu ſpaͤt auf den Parnaß. Die Gaſtfreundlichkeit des tuͤrkiſchen Zoll⸗ einnehmers Muſar Aga nimmt ihn auf, und laͤßt ihn den an ſich unangenehmen Verzug vergeſſen⸗ Salona hieß vormals Cyrrha, und diente eigentlich zum Vereinigungspunkte fuͤr alle, welche aus dem Pelopones, aus Aſien, Afrika, Italien und aus den entfernteſten Laͤndern kamen. Sie uͤber⸗ nachteten zu Cyrrha, und beſtiegen den Tag darauf, wie es Serofani thun will, den Parnaß. 2 **) Helice ging im Anfange des Jahres 3. *) Soteria.(S. B 72 Chr. G. in der 201. Diympiade unter.(D. B. 110 Der Parnaß iſt ein duͤrres und ſteiles Gebirge, wo ſich kaum Dammhirſche, Rehhoͤcke und Gemſen ernaͤhren, und Cyrrha iſt ein elendes Dorf Liva⸗ diens. Alles Vergnuͤgen, das ſich Serofani von dem Parnaße verſprach, verſchwand wie ein Traum, als er ſich dem Abhange dieſes Berges naͤherte. Er iſt ganz waſſerarm, ohne Produkte und ohne Gruͤn, traurig und zuruͤckſtoßend, Geiſt und Sinn beleidigend. Auf einem holperigen und ſchwierigen Wege, durch Brombeerſtraͤuche, und uͤber ſpitzige Felſen binweg ſteigt man zwei Stunden bergan, der brennendſten Sonne ausgeſetzt, dem heißeſten Durſte Preis gegeben. Noch eine halbe Stunde, und man iſt in Caſtri, einem Dorfe. Mit Erlaubniß des Befehlshabers in dieſem Drte und gegen ein Geſchenk von zehn Pia⸗ ſtern darf er nach Belieben auf den Ruinen von Delphi umherwandern, nachdem er eine Nacht bei dem artigen turkiſchen Woiwoden zugebracht hatte. Das einſt ſo beruͤbmte Delphi, wo Apollo Ora⸗ kel ſprach, wo die herrlichſten Tempel ſtanden, wo die Phocenſer und Gallier einſt uber dreißig Millionen an Gold und Sdelſteinen raubten, wo Nero ſiebenhun⸗ dert Statuen von Bronze ſtahl, dieſes Delphi iſt nicht . mehr. Nur einige Saͤulenſtuͤcke und eine alte Ruine einer Mauer verkuͤndigen ſein ebemaliges Daſeyn noch heute. Das gegenwaͤrtige Delphi iſt ein elendes Dorf von etwa 200 Häuſern. Das Stadium * 14 iſt ein Stall fuͤr die Heerden von Salona, und das Gymnaſium iſt ein Konvent der Calojer geworden. In Gedanken uͤber Delphis ehemalige Groͤße und Glanz, uͤber ſeine hiſtoriſche Bedeutſamkeit, und uͤber ſeinen Einfluß auf die Politik der Vorzeit, ver⸗ tieft, geht der Reiſende von Caſtris Huͤgel weiter bergan. Die Sonne, die ſich zum Untergange an⸗ ſchickt, vergoldet gegenuͤber die Gipfel und Seiten des Citharon, waͤhrend der Wanderer nach der eaſta⸗ liſchen Quelle ſeine Schritte lenkt, und unten die ruhige Oberflaͤche des Meerbuſens von Lepanto ſich ausdehnt. Das Waſſer der beruͤhmten Quelle iſt kuͤhl und hell wie Kryſtall, und bricht reichlich aus durchloͤcherten Felſen bervor. Wenige Schritte von da wird es zu einem Bache vereinigt, um Caſtris Huͤgel zu waͤſſern. Vor den Lochern des Felſen, aus welchem die Fluth der Caſtalia guillt, bildet ſich ein Becken, aus dem man beguem und reichlich trinkt⸗ Serofani beſteigt den Gipfel des Parnaßes. Nach zwei Stunden iſt er oben und bei der Hoͤhle, die man die koryeiſche der Delphier nennt. Vor dem Auſgange der Sonne iſt der Reiſende auf dem Parnaß, auf dem niedrigſten Gipfel deſſelben, der nach Norden ſteht, und weniger unzugaͤnglich iſt, als der um hundert Schritte hoͤhere zweite. Dieſer Berg iſt einer der hoͤchſten von Suropa⸗ und ge⸗ waͤhrt daher nach allen Seiten eine der berrlichſten Ausſichten. Gegen Morgen iſt der Cithaͤron und 112 der Helikon, der noch heute Palioguna heißt; beide bilden die Bergkette, die Attika von Boͤv⸗ tien ſcheidet. Der Abhang des Helikon iſt mit Weinreben und Fruchtbaͤumen bewachſen; ſeine Mitte zieren hohe Waͤlder, und der obere Theil iſt mit Schuee bedeckt. Die Gegend zwiſchen dem Helikon und Parnaß iſt ſchoͤn. Gegen Nord ſind große Kluͤfte, Wirkungen der vormals zerruͤtteten Natur. Durch dieſe Spalten ſieht das Auge lachende Thaͤler, mit weidenden Heerden, deren Wolle ſchneeweiß iſt. In der Ferne ſieht man die vom Cephiſſus bewaͤſſerten Ebenen, die Stadt Theben, die Inſel Negro⸗ ponte und die Gipfel des Pind us und Dlymp. Gegen Weſt ſieht man die blaue Flaͤche des Meerbu⸗ ſens von Patraͤ, die Inſeln Cephalonia, Leu⸗ kade, Fthaeca, den Berg Araeynthus, die Muͤndung des Achelous, und weiter den Meerbu⸗ ſen von Arta, ehemals Ambraeia gegen Suͤden. Zuletzt erblickt man auch noch den Meerbuſen von Le⸗ pante, den Pelopones, das Fort von Corinth⸗ einen großen Theil des Archipelagus, Calauria und die eyeladiſchen Inſeln. Die Luft auf dem Berge iſt rein, und der Wohlgeruch der Kraͤuter ſtaͤrkend. Von dem Parnaß trennt ſich der Reiſende un⸗ gern, doch er muß; der Dolmetſcher mahnt ihn zum Aufbruche, indem das Kloſter des heiligen Lukas noch weit entfernt ſey. Man nimmt den entgegenge⸗ ſetzten Weg. Nach fuͤnf Stunden kommt mon in dei 113 Kloſter an. Dieſes iſt eines der aͤlteſten und volk⸗ reichſten in der griechiſchen Kirche. Fuͤnfzig Einſiedler oder Calojeren werden hier in heiligem Muͤſſigange von der frommen Einfalt der Glaͤubigen erhalten. Der Kloſtergarten iſt klein. Unter den Fenſtern des Kloſters oͤffnet ſich ein Abgrund, und über demſelben ragt der Berg Lieoreon hervor. Der Pbere des Kloſters ſteht unter dem Primas von Livadien. Die Bibliothek beſtand aus soo griechiſchen Hand⸗ ſchriften, groͤßtentheils von geiſtlichen Sachen han⸗ delnd.— Serofani weilte etwas bei dem Dbern Pater Eutychius, blieb einen Tag zu Lepante, und war dann in drei Stunden zuruͤck nach Patra. Der Reiſende ruht zwei Dage, und beſchließt den Dleno iu beſuchen. Dieſer einſt Dlenos genannte Berg, iſt der hoͤchſte in ganz Morea. Nach ihm hieß einſt eine beruͤhmte Hauptſtadt im Pelopones, und eines der aͤlteſten Koͤnigreiche. Die Reiſe dahin iſt angenehm. Rechts liegt das Meer. An dieſem reiſet man eine Meile weit. Links iſt ein Delbaum⸗ feld. Morgens bricht der Reiſende auf, und noch vor dem Untergange der Sonne iſt er im Dorfe Achaja, welches dem Primas Seid Aga von Patras ge⸗ hoͤrt. Das Haus dieſes gaſtfreien Mannes, des Wir⸗ thes unſers Reiſenden, iſt ganz aus Alterthuͤmern ge⸗ baut, und ein wahres Magazin fuͤr den archaͤologiſchen Forſcher. Des anderen Tages ſpeiſte man zu Mittag in einem Luſthauſe eines Herren Ruffo, welches in 55. B. Griechenland. III. 1. 3 114 der Mitte des Dleno liegt. Nach Liſch kletterte man den Bers hinauf. Der Weg war nicht ſo ſteil buͤſchen und Lerchenbaͤumen bemerkte man viele von jenen Geſtraͤuchen*), auf welche im Monat April gewiſſe In⸗ ſekten ihre Eier legen, die den heutiges Tages ſo genann⸗ ten Kermes oder die Purpurfarbe der Aiten liefern. Auch ſah der Reiſende den Aſtragalus Traga⸗ rantha, ein Gewaͤchs, welches den Gummi Dra⸗ gant liefert. Man ſteigt hoͤher und hoͤher, und, ob es gleich Herbſt iſt, der Fruͤhling herrſcht noch uͤberall. Blumen auf alen Seiten, und Honig ſammelnde Bie⸗ nen in Menge. Man iſt auf dem Gipfel, dir Luft iſt rein, der Horizont unermeßlich; der Geruch der klei⸗ nen Nareiſſen, der Tulpen, des Quendel, des Thy⸗ mian, der wilden Tuberoſen iſt lieblich und den Weg lohnend. Der Dleno iſt ſebenhundert geometriſche Schritte uͤber das Meer erhaben, und beherrſcht den Pelopo⸗ nes, wie das Auge eine Landkarte. Auf ſeinem Gip⸗ fel ſieht man den Alpheus in Areadiens Bergen entſpringen, und ſich nach mehreren Kruͤmmungen im Meere verlieren. Den Dleno ſelbſt ſieht man gegen Suͤdoſt ſich ſeuken, und die Ebenen von Pyrgo und Tripomene bilden. Gegen Suͤdweſt erhebt er ſich *) Vielleicht die Kermes⸗Eſche, duerecus cocci- tera.(D. B.) und beſchwerlich, als auf den Parnaß. Unter den Ge⸗ ————— 115 wieder, und ſchließt die Gebirge von Caritene ein, das alte Sridan. Gegen Weſt vermiſcht er ſich mit dem Taygetus. Der Reiſende verlaͤßt den Dleno, und iſt bald wieder in Patra. Der Winter haͤlt Serofani ab, weiter zu rei⸗ ſen. Er benutzt dieſe Muſe, einige bei Heirathen und Leichen der Griechen gebraͤuchliche Feierlichkeiten zu berichten. So bald jemand todt iſt, verſammeln ſich die Anverwandten am Bette und in der Stube des Verſtorbenen, zu weinen und Klagelieder zu heulen. Sind keine Verwandte da, ſo dingt man Klageweiber. Der Leichnam wird köſtlich gekleidet, in die Kirche ge⸗ tragen, auf ein Trauergeruͤſte gelegt, und mit bren⸗ nenden Wachskerzen umſtellt. Der Prieſter ſingt uͤber dem Leichnam die Meſſe, beraͤuchert ihn, und fpricht den Segen. Dann wird das Teſtament des Verſtor⸗ benen verleſen, wenn er eines machte, und von den Verwandten unterzeichnet. Hernach wird das Evan⸗ gelium verleſen, die Leichebegleitung entfernt ſich, und der Leichnam wird eingeſcharrt. Der Heirathsvertrag faͤngt mit der Verbindlich⸗ keit an, daß der Braͤutigam verſpricht, ſeine kuͤnf⸗ tige Gattin nicht eher zu ſehen, bis er ſie heirathen wird. Die Frauen ſind dabei mehr beguͤnſtigt; ſie dur⸗ fen wenigſtens durch ein Gitter ihren kuͤnftigen Mann ſehen. Der Braͤutigam tellt ſich zuerſt vor den Al⸗ tar; dann wird die Braut hinzugeſchleppt. Bleich, traurig, niedergeſchlagen ſcheint ſie mebr bei der An⸗ 116 naͤhrung der Mannsperſonen zu fliehen; bald bemuͤht ſie ſich, vorwaͤrts zu ſchreiten. Dhne Widerſtand uberlaͤßt ſie ſich den Armen der Mutter; ſie zit⸗ tert; ſie ſcheint in Ohnmacht zu ſinken, wenn ſie ihre Hand in die des Braͤutigams legen ſoll. Dieſe Scene dauert eine ganze Stunde, und wird noch fortgeſetzt, waͤhrend ſie ſich zu ihrem Manne be⸗ giebt, und auch waͤhrend der Abendmahlzeit, wo ſie weder eſſen noch teinken darf. Dieſe Heuchelei iſt em⸗ porend, wenn man bedenkt, daß die Ehre eines Maͤd⸗ chens auf dem guten Spiele dieſer Komoͤdie beruht, und man kann leicht ſchließen, was die Ehe bei einer Nation ſeyn muß, wo die Frau mit der Verſtellung, und der Mann mit Syranniſiren beginnt. Uebrigens iſt unter den Griechen eben ſo, wie bei den Tuͤrken, noch eine andere eheliche Ver⸗ bindung uͤblich, die ſie Kapin nennen. Sie kom⸗ men mit einem Frauenzimmer uͤberein, mit demſelben ſo lange zu leben, als es ihnen gefaͤllt. Sie gehen zum Richter und zum Biſchof, um von dem erſteren die Erlaubniß, von dem zweiten die Einſegnung zu erlangen. Dieſe Unordnung wird alſo von den Ge⸗ ſetzen und der Religion gebilligt. Daher gibt es Maͤnner, die auf dieſe Art zwaniig Frauen haben. Die Kinder muß der Mann erziehen, allein Elend und Liederlichkeit iſt ihr Erbgut. Dieſe Sitte aber iſt nicht die einzige, welche die Griechen von den Tuͤrken an⸗ genommen haben. —— 117 Wenn wir bisher die Griechen beſonders bei ihren Heiraths⸗Ceremonien, auf einer niedrigen Stufe der Kultur und Eiviliſation erblickt haben, ſo mag die Nachricht nicht unintereſſant ſeyn, auch zu ſehen, wie ſie groͤßtentheils noch rohem Aberglauben ergeben ſind. So hegen die Griechen den Wahnglauben, der Kir⸗ chenbann mache den Leichnam der in Bann getha⸗ nenen Perſonen unverweslich, und ſeine Seele, die um ſein Grab herumwandere, bringe die Vorbeigehen⸗ den um das Leben, und naͤhre ſich vom Menſchen⸗ Blute. Dieſer Aberglaube hat den Kirchenbann ver⸗ vielfaͤltigt, rund die Todtenaͤcker mit Geſpenſtern be⸗ völkert, welche von den Griechen Urikolakas ge⸗ nannt werden. Hoͤrt man Nachts ein Geſchrei oder Geraͤuſch, oder wird ein Luͤrke oder Grieche im Fin⸗ ſtern von einem Raͤuber angegriffen, ſo iſt dieſes ſicher die Stimme, oder der Angriff eines ſolchen Geſpenſtes. Bei der erſten Nachricht davon eilt man zum Grabe des juͤngſt beerdigten Menſchen, ihn wieder aus zu ſcharren. Wehe demſelben, wenn er noch nicht fault! Man eilt ſicher ſogleich zum Biſchof, und bittet, ihn des Bannes zu entledigen. Das geſchieht gegen Er⸗ legung einer großen Summe, und auf folgende Weiſe. Die Verwandten des im Bann geglaubten Leichnams bereiten eine praͤchtige Tafel auf dem Todtenacker. Sind ſie arm, ſo muß es der reichſte Guͤter⸗Beſitzer fuͤr ſie thun. Der Biſchof kommt in ſeinem prieſter⸗ lichen Ornate, und gebietet dem Lodten, die vorge⸗ 118 ſetzten Speiſen zu eſſen. Thut der Todte das nicht, ſo iſt erwieſen, daß er todt, aber im Kirchenbanne ge⸗ ſtorben iſt, und daß ſein Geiſt allen Schaden ſtiftet, von dem man hoͤrte, ehe man ihn ausgrub. Nun ſetzt der Biſchof ſeine Inful auf den Kopf, und zerſchlaͤgt in einer Schuͤſſel 34 Eier; mit dieſen vermengt er ei⸗ nen Theil Drangen⸗Bluͤthen, Mehl und vortrefflichen Wein, miſcht alles mittelſt eines Myrthenſtraußes un⸗ ter einander, und beſprengt mit dieſem ſieben Male den Leichnam. Hierauf befiehlt er, denſelben vor ſei⸗ nen Augen zu begraben, und droht jedem, der ihn wieder ausgraben wuͤrde, mit dem Kirchenbanne. Iſt dieſe Ceremonie geendet, ſo trinkt er mit ſeinem Po⸗ ven die erwaͤhnte Miſchung, ſetzt ſich zum Tiſche, und verzehrt die fuͤr den Todten bereiteten Speiſen.— Die Griechen haben von ihren Ahnen blos die Eitelkeit, die Verſchlagenheit, und vielleicht auch die Unredlichkeit beibehalten. Selten gerathen ſie in Zorn; ſie bergen ihren Haß tief im Herzen, ſterben aber ſelten ungeraͤcht. Uebrigens beſitzen ſie in ihrer Sprache und in ihrem Geiſte noch jene glaͤnzenden Spuren ihrer ehemaligen Groͤße. Die griechiſche Sprache ſchildert, ob ſie gleich verdorben iſt, noch beſſer, als jede andere europaͤiſche die Ausdruͤcke des Gefuͤhls, und ihr Geiſt, wenn auch abgeſtumpft durch Despotismus und Unwiſſenheit, ſchwingt ſich manchmal empor, und verlaͤugnet ſeinen urſpruͤnglichen Charakter nicht. Sarkasmen, Scherze ——— ——— 1¹9 ſind die Hauptzierden ihrer unterhaltung. Da ſie nicht mehr Sparta's Geſetzen unterworſen ſind⸗ ſo geht ihnen das Geld uͤber Alles. Da ſie nicht mehr zu Athen leben, ſo haben ſie die feinen Gedanken mit der Aus⸗ ſchweifung, das Zartgefuͤhl mit thieriſchen Genuͤſſen, die Ruhmbegierde mit dem Eigennutze vertauſcht. Die Abkoͤmmlinge eines Leonidas, eines Ariſtides, eines Epaminondas, iittern bei dem Anblicke ei⸗ nes Luͤrken. Dieſes iſt das Schickſal von fuͤnf Mil⸗ lionen Menſchen in Europa, und von drei Millio⸗ nen in Aſien. Indeſſen iſt die Staͤrke ihres Charak⸗ ters, vermittelſt deren ſie unter Barbaren und ſo vie⸗ len Veraͤnderungen ihrer Sprache, ihre Religion und ihre Sitten ziemlich gut gewahrt haben, ein ſprechen⸗ der Beweis, was dieſe Nation werden koͤnnte, wenn ihnen Europas Herrſcher Freibeit, Künſie und Wiſſenſchaften wieder ſchenken wollten. Der Winter iſt voruͤber, und Serofani beginnt mit dem 6. April ſeine Wanderungen wieder. Er ſteigt einen Theil des Dleno hinauf und wieder binab, und kommt Abends zu Nezaro an, wo er über Nacht bleibt. Dieß iſt ein Dorf in Areadien. Obſchon die Maͤnner in dieſem Lande roh und wild ſind, ſo betragen ſie ſich doch weder grauſam, noch feindſelig. Den Tag darauf ſieht Serofani bei Tripo⸗ tbem den Alpbeus wieder, trinkt aus ihm⸗ und 120˙ durchwadet ihn. Bald ſteigt er uͤber hohe Berge; bald wandert er in tiefe Thaͤler hinab; bald iſt er von Wieſen eingeſchloſſen, die mit Myrthengebuͤſchen be⸗ kraͤnzt und voll von Blumen ſind; bald iſt er in einem Haine von Roſengebüſchen. Hier war endlich Area⸗ dien, der vorzuͤglichſte Sitz der Unſchuld, der Tu⸗ gend, der Freude. Abgruͤnde oͤffnen ſich unter den Fuͤßen des Wanderers, Berge ſchweben uͤber ſeinem Haupte. Hier und da ſind Weinſtoͤcke zerſtreut; dort ſind einige Schaͤfer, und hier einige Schaͤferinnen. Fluͤſſe rauſchen in die Siefen hinab, uͤber Felſen ſchaͤumend. Gegen Mittag macht der Reiſende Halt an den ufern eines Fluſſes, um einige Speiſen zu ſich zu nehmen, die er von Nezero mitgenommen. Er iſt an den Ufern des Pamiſus, und in Meſſa⸗ nien. Das Elend dieſes Landes und die Wildheit der Lacedaͤmonier verleiden alle Zauber der Ge⸗ gend, und das Unrecht, das ſie einſt den armen Meſ⸗ ſeniern zufuͤgten, ergrimmt das Herz gegen ſie. Der Reiſende uͤbernachtete in einem Khann, d. j. in einem Wirthshauſe zu Mettaga. Den an⸗ dern Tag nahm er ſeinen Weg auf die Gebirge, und befand ſich beinahe am Abhange des Taygetus, als er in der Naͤhe, in der Mitte der erſten Thaͤler, den Huͤgel entdeckte, auf welchem die Stadt Helos, das Vaterland der ungluͤcklichen ſpartaniſchen Sklaven, Heloten, lag. Hierher an die Ufer des Surotas gingen die jungen Spartaner mit Pfeilen und Degen 12¹ bewaffnet auf die Heloten⸗Jagd, wie man ſonſt auf die wilde Schweins⸗ und Vaͤren⸗Jagd geht. Dieſe Jagd hieß Kryptia⸗ und wurde ungeſtraft getrieben. Am dritten Reiſetage langt Serofani endlich in Oripolizza an. Dieſe Stadt iſt Hauptſtadt von Morea. Hier haͤlt ſich der Paſcha auf, ſchal⸗ tend uͤber Leben und Tod der Griechen und Tuͤrken. Einem einzigen Blicke von ihm erzittern 260,000 Menſchen. Dhne ſeine Erlaubniß kann Niemand ſicher reiſen. Die Mainoten ſind hart gegen den Frem⸗ den, wie die freien Lakonier, deren Gebiet ſie bewohnen. Sie leben, ohngefaͤhr 30,000 Mann ſtark, auf dem alten Taygetus unabhaͤngig. Sie beſte⸗ ben aus einer Miſchung von Albaniern und Grie⸗ chen. Von der Religion und Moral haben ſie we⸗ nig Vorſtellungen. Diebſtahl, Gemeinſchaft der Wei⸗ ber, Raub und Gewaltthätigkeit, das trifft man unter ihnen an. Mit den uͤbrigen Morioten, d. i. Ein⸗ wohner von Morea leben ſie ohne alle Gemeinſchaft, ohne allen Verkehr. Sie ſind ſehr gefuͤrchtet, und der Reiſende, der einen von ihnen zum Besleiter hat, reiſet ſehr ſicher.. Mit einem Stuͤcke rothen Tuches, denn ohne Ge⸗ ſchenk naht man keinem Tuͤrken, geht Serofani⸗ von ſeinem Dragoman begleitet, zum Paſcha, ihn um einen Janitſcharen, und um Erlaubniß in Moren rei⸗ ſen zu durfen, zu bitten. Durch ein Dutzend ſchmutziger 122 und enger Gaſſen tritt er in einen elenden Hof; durch zwei ziemlich unreinliche Zimmer und durch einige hun⸗ dert widerlicher Janitſcharen naht er ſich einem Greiſe, der in blauen Atlas gekleidet, auf einem Teppich von gruͤnem Atlas ſaß. Ein Kopfnicken war die Bewilli⸗ gung des Geſuches, und weiter wurde kein Wort ge⸗ ſprochen. Die Reiſe wird nach Miſitra fortgeſetzt. So nennt man die auf den Truͤmmern von Sparta er⸗ baute Stadt. Nach 44 Stunden iſt man den Say⸗ getus hinauf und hinab, bald über unfruchtbares Land, bald durch herrliche, ſchattige Thaͤler gegangen, und an dem Ufer des Baſilipotamus, d. i. des koͤniglichen Fluſſes, der ehemals Eurotas hieß. Serofani iſt in Sparta. Er wandelt auf dem Boden, wo Leonidas, Agis, Ageſilaus athmeten, und trotz ſeiner Eingenommenheit gegen die Rohheit der Laeedaͤmonier kann er nicht auf dieſem ruhmvollen Boden gehen, ohne ein bisher un⸗ bekanntes Vergnuͤgen zu genießen, und die heiligen Ueberreſte von Sparta anzubeten. Hier ſieht er den Eurotas; dort iſt das Platanetum geweſen, und dort der Tempel der Diana DOrthia, wo die Spar⸗ taner zu Helden erzogen wurden. Aber weder am Eurotas⸗Ufer, noch am Taygetus findet man mehr die Pflanze Cariſon, welche Frauen am Halſe tragen moͤchten, um nach der Fabel die Zuneigung ibrer Gatten zu verdopoeln. 123 Der Reiſende geht über den Surotas, und hat Sparta und ſeine Huͤgel vor ſich. Hier wurden die Sieger von Athen⸗ Plataͤa und Thermo⸗ pyla geboren. Was gewaͤhrt nicht eine Vergleichung zwiſchen Sparta's und Athens Geſchichte! Zu Athen ging die Freiheit verloren, weil die Maͤnner ihre Wuͤrde verkannten; zu Sparta, weil man den Heroismus bis zur Wildheit uͤbertrieb. Indeſſen be⸗ halten Athen, Argos und Korinth ihre Namen⸗ aber Sparta vertauſcht den ſeinigen mit Miſitra⸗ was ſo viel heißt, als weicher Kaͤſe. Das iſt doch die groͤßte Schmach fuͤr Sparta⸗ von dem nur noch unbedeutende Ruinen vorhanden ſind, welche mehn Mitleiden, als Intereſſe erregen⸗ Die Nacht ſenkt ſich von den Gipfeln des Tay⸗ getus herab. Der Dolmetſcher iſt voraus in die Vorſtadt gegangen, und meldet Serofani's An⸗ kunft einem Herrn Palli. Nach einer Stunde trifft der Reiſende ein, wird freundlich empfangen und gut bewirthet. Er trinkt Amyeleer⸗ Wein aus Vo⸗ donia, welcher drei Viertel einer Meile entfernt von Miſitra liegt, und legt ſich zu Bett. Erwachen, das Bett, die Wohnung verlaſſen, iſt das Werk eines Augenblickes. Die Neugierde, die Ueberreſte aus alter Zeit, das Alpium, einen öf⸗ fentlichen Platz, den Tempel der Pallas Ophtal⸗ mitis in ſeinen Ueberreſten zu ſehen, wohin der große Mann Alcander floh, als er gewagt, dem Lykurs 124 ein Auge auszuſtechen, weil ihm deſſen Geſetze nicht ſo lieb als die Ehre ſeiner Mitbuͤrger war,— dann einige Stuͤcken von den Statuen der Venus Am⸗ bologera, die Bildſaͤulen des Dodes und des Schlafes und noch anderes zu beſchauen, dieſe Neu⸗ gierde iſt Urſache des enthuſiaſtiſchen Fliehens aus Palli's Hauſe.. Der groͤßte Döeil der Haͤuſer Miſitra's iſt aus Bruchſtuͤcken von antikem Marmor erbaut, aber anderes Merkwuͤrdige hat die Zeit vertilgt bis auf We⸗ niges. Wo die Agora war, iſt jetzt der große Ba⸗ zar, und die ehemalige Straße Hellenion fuͤhrt jetzt auf den kleinen Bazar. Wo die Eiſen⸗, Baum⸗ wollen- und Getreide⸗Haͤndler jetzt wohnen und das liederlichſte Geſindel ſich verſammelt, da wohnten einſt die Alten ohne Thraͤnen dem Leichenbegaͤngniſſe des Leonidas und ſeiner Waffenbruͤder bei. Serofani ſieht die Reſte der Perſer⸗Hallen, gebaut von der Beute des Sieges uͤber Darius, zur Schule der Spartaner geweiht, damit ſie Helden wuͤr⸗ den, wie ihre Vaͤter; er ſieht die Reſte von dem Pal⸗ laſte des Menelaus, die Grundſaͤulen des Tempels der Hellena und des Paris, das Uebrige von dem Tempel eines Agamemnon, der Clytemneßra, des Dreſtes, und ſieht ein: daß man zu Sparta nur das bewunderte, was große Geiſtesanſtrengung for⸗ derte. Er beſucht den Caleieeus, wo Pauſa⸗ nias verhungerte, und dann die Felder des Ruhms, 125 wo Ageſilaus gegen Epaminondas zwei Mal ſiegreich focht. Er ſieht die Kaͤmpfenden, und ſein Herz theilt die Freuden des Sieges mit Sparta⸗ Die Ruͤckreiſe von Miſitra wird angetreten; ſie geht nach Patraͤ, aber auf einem andern Wege. Der Reiſende iſt zu Argos, zu Myecenaͤ, zu Epidau⸗ rus, zu Korinth geweſen. Er brachte drei Tage zu, ehe er von Dripolizza nach Argos kam. Die⸗ ſer ganze Weg, der aͤlteſte und beruͤhmteſte im ganzen Pelopones, war fuͤr unſeren Reiſenden ohne eine Spur von Alterthuͤmern; und doch ſtanden vormals mehr als zwanzig beruͤhmte Staͤdte herum, als: Thy⸗ rea, Tyrinth, Tegea, Lerna, Mantinea, Cenchres, Maſete, Aſine, Heraͤa, Hyſiaͤ, Alagonia, Nemea.. Vergeblich ſucht man die ueberreſte von dieſen alten Staͤdten; das einzige Nau⸗ plia bei Napoli di Romanin hat noch unter der Erde einige Alterthümer aufzuweiſen. Die Fluͤſſe ſind vertrocknet oder haben einen andern Lauf gewaͤhlt; die Seen und Hohlen ſind ausgefullt, und jelbſt die Berge ſind unſichtbar geworden. Dieſe ganze Gegend ſcheint wie aus dem See her⸗ vorgekommen zu ſeyn; der Boden iſt neu und dicht; das Wachsthum iſt ſchnell; die Menſchen ſind wild, und die Produkte koͤſtlich. Hier wachſen alle Arten von Trauben, Getreide, Bliven, Baumtolle, Seide, Wolle, Kermes, Wachs, Honig und Gummi⸗ Dra⸗ gant. Die Gebirge ſind mit Vallonea, die Huͤgel mit Eſchen, die Seeufer mit Soda⸗Pflanzen be⸗ deckt. Ueberhaupt gewaͤhren die Fluren einen herr⸗ lichen Anblick, und entſchaͤdigen fuͤr den Mangel an Alterthuͤmern. Fruchtbaͤume aller Art, bluͤhende Del⸗, Maulbeer⸗, Granat- und Apfel-Baͤume; Baͤume an ihren Gipfeln in Fruͤhlingsſchmuck gekleidet; Weiure⸗ ben, an welchen die erſten Augen glaͤnzen; zartes gruͤn; reine Luft und reiner Himmel; die mit Blumen geſchmuͤckte Erde, der Geſang der Nachtigallen, und der, den Balſam der Blumen verwehende Zepbyr; das war unſers Reiſenden Zeitvertreib. Die Sonne wollte untergehen, als der Reiſende zwiſchen dem Berge Palamis und dem Meere da⸗ bin wanderte, wo man links nach Argos hinauf geht. Jetzt iſt er auf dem Vorgebirge Apolatmi, und ſieht ein ſklavoniſches Fahrzeug an den Fel⸗ ſen dieſer Kuͤſte ſcheitern, wohin ein ungeſtuͤmer Si⸗ rokko es trieb, ohne Huͤlfe den Huͤlfloſen bringen zu können Mit der Nacht kommt Serofaniin Argos, der aͤlteſten und verhaßteſten Stadt von gan; Griechen⸗ land, an, uͤber den Fluß Inachus, jetzt Planizza, an elner alten Mauer vorbei. In der Stadt war al⸗ les ganz ſtille ſchon, und man wußte nicht, ob daſelbſt Atreus, Agamemnon oder Aegiſhus noch Koͤ⸗ nig war, oder ob der Achmet Aga, bei dem Sero⸗ fani einkehrte, wirklich auch Achmet Aga ſey. Die Stadt enthaͤlt nicht uͤber drei hundert von Erde gebaute Haͤnſer. Der Barbar, der da resiert, 127 ſchlaͤgt mit Freuden, und ſelbſt mit eigener Hand die ungluͤcklichen Griechen, die vielleicht vom Cleome⸗ menes, vom Polyktetes und Hreſtes herſiammen. Uebrigens iſt ſeine vor Alters berühmte Gaſifreund⸗ ſchaftlichkeit nicht groß. Der Türke iſt unertraͤglich ſtolz, bei dem unſer Reiſender durch den Bey von Gaſtuni empfohlen ward, und Argos hat von mehr als so Denkmaͤlern kaum noch die Grundmauern von zweien derſelben. Das Waſſer der Stadt kommt aus einer Quelle, die ohne Zweifel aus dem Cephiſ⸗ ſus entſteht. Des andern Tages beſucht Serofani die Fe⸗ ſtung Lariſſa, das jetzine Argos, wo einſt ein Brafel ſehr beſucht ward. Von hier entdeckte er auf der Ebene den Tempel des nemeiſchen Jupiter⸗ und das Stadium, wo die nemeiſchen Spiele ge⸗ feiert werden. Uebrigens die Stadt Argos uͤber fuͤnf Viertels Meilen von dem Meeresufer entfernt. Von Argos kommt der Reiſende ganz gemachlich in zwei Stunden nach Mycena. Unterwegs kommt er an dem Heräum vorüber, an Funo's Grab, dem älteſten Tempel in gans Griechenland; bloß ei⸗ nige Steine davon waren noch ubrig. Zunaͤchſt von diefem Platze kommt man au die Quelle der Eleu⸗ theria, die ehemals ſo reichlich floß, jetzt aber kaum ſichtbar iſt. Von da aber iſt man bald auf der Sbene von Cherias ſo nennt man heut zu Tage Myren d. Der Boden iſt ein elendes Haferfeld, mit einigen dundert Maulbeer⸗ und Feigenbaumen beſetzt, und mit einem Doͤrſchen von zwanzig Huͤtten ahgebaut. Das Ganze bildet eine Behauſung des Elendes. Von Denkmaͤlern aus alter Zeit iſt nichts mehr uͤbrig, als ein Thor, durch das vielleicht Agamemnon bei ſei⸗ ner Heimkehr von Troja ein⸗, oder Hreſtes nach der Ermordung ſeiner Mutter hinauszog, durch wel⸗ ches aber der Reiſende, wie er will, aus⸗ und ein⸗ 128 ½ geht. Außerdem ſieht man noch eine 28 Fuß hohe ägpptiſche alte Pyramide, faſt ganz mit Epheu und ſe bewachſen, vielleicht Agamemnon's Grab⸗ äule. Nach einem fuͤnftaͤgigen Aufenthalte zu Argos und Mycenä, wo ihn nichts als traurtge Gegen⸗ ſaͤnde aus der Geſchichte des agamemnoniſchen Hau⸗ ſes beſchaͤftigt haben, wendet ſich der Reiſende nach Epidaurus, wo Aeskulap auf dem Berge Ti theum, einſt Merceium, geboren ward von det“ Tochter des Phlegyas, eines beruͤhmten Griechen von Korinthos,„elcher Einfaͤlle auf dieſes Gebiet gemacht hatte. Nach einer Reiſe von 4 4/2 Tag über eine große Ebene kam Serofani bald auf den Ebe⸗ nen von Eptdauros, heutiges Tages ECheroniti, an. Hierher wanderten einſt aus alen Laͤndern der Erde allerlei Kranke, die nirgends Puͤlfe fanden, als bei Aeskulap, dem Lehrer des Hippokrates, und Tauſende gingen geheilt hinweg. Die Stadt Epidgurus heißt heut zu Tage Napoli di Mal⸗ vaſia, und enthaͤlt wenig Denkwuͤrdiges aus alter Zeit; Das Herrlichſte iſt verſchwunden. Der Reiſende verläßt Epidaurus, und ſchiſt ſich auf ein kleines Fahrzeug nach Korinth ein. Er läßt Aegina und Calauria, zwei Inſeln,— auf der letzteren ſtarb Demoſth eles— hinter ſich, uͤber⸗ Libt ſich der Nacht und der Ruhe, und erwartet die Ruͤckkehr der Sonne, um in Korinth zu erwachen. GFortſetzung folgt.)