ar ararararahrarhnhht r rhnh rt at 2 fl. 30 Kr. Leihbibliothek von 6 Bücher: 4 Bücher: —— 2 fl.— Kr. 12 Eduard Ottmann in Gießen. 2 Täglicher Leſepreis für ein deutſches Buch 1 Kr. „ franz. od. engl. Das Abonnement beträgt: / 2 Bücher: 1 fl. 12 Kr. 45 art arr xrapar F„„„ „ Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Perſien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von M eh r en und berausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. III. Theil. 1. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 1 8 * Des Grafen von Ferrieres⸗Sauve⸗ boeuf Reiſen in der Türkei, Perſien und Arabien in den Jahren 1782— 1789. Frantterch ſchickte theils wegen ſeines Handels in der Levante, tbeils um ſich den Vergroͤßerungs⸗ planen Rußlands zu widerſetzen, Pffiziere nach Konſtantinopel, um die unwiſſenden Tuͤrken zu belehren, wie ſie ſich am ſchwarzen Meere befeſtigen muͤßten. Herr de la Fite, Führer derſelben, befe⸗ ſtigte Otſchakow, und machte es zu einer Schutz⸗ mauer des tuͤrkiſchen Reiches. Andere Dffiziere lehr⸗ ten zu Konſtantinopel Mathematik, aber ohne ſonderlichen Erfolg. Bekanntlich erhielten 1s4 Nußland und Heßer⸗ reich die freie Fahrt durch den Bosphorus. Der franzoͤſiſche Geſandte zu Konſtantinopel, Graf von Choiſeul⸗Gouffier hatte ſtarke Hoffnung, dieſe 6 Beguͤnſtigung auch zu erlangen; er verſicherte es dem Grafen von Vergennes ſo feſt, daß dieſer Mini⸗ ſter es ſchon als ausgemacht anſah, und mir am 24. Mai 1784 nach Ispahan ſchrieb, ich ſollte die Mit⸗ tel angeben, wie die perſiſchen Waaren, welche ͤber das kaspiſche Meer nach Rußlland gingen, einen neuen Weg durch das ſchwarze Meer neh⸗ men koͤnnten. Im Oktober a7ss kehrte Ferrieres⸗Sauve⸗ boeuf aus Perſien nach Konſtantinopel zu⸗ rück. Die Beſchreibung dieſer Stadt, wie ſie uns der Graf gibt, hat nichts Neues, und wir weiſen daher den gefaͤlligen Leſer auf die Baͤndchen unſerer Taſchen⸗ Bibliothek, welche von der Tuͤrkei handeln, wo er dieſen Gegenſtand reichhaltig behandelt findet. Bei Ankunft des Geſandten in Frankreich beſchloß er, wegen des bevorſtehenden Krieges der Tuͤrken mit den Ruſſen, eine betraͤchtliche Unternehmung zu wagen, und dieſe von Trapezunt nach den osman⸗ niſchen Provinzen zu ſchicken, welche an Georgien und Perſien graͤnzen. Dieſer Plan ſchien um ſo beſſer angelegt zu ſeyn, da der Graf von Choiſeul⸗ Gouffier dem Miniſter verſprochen hatte, den fran⸗ zoſiſchen Schiffen die freie Fahrt in das ſchwarze Meer auszuwirken. Bald hierauf brach der Krieg wirklich aus. Als ich mit einer betraͤchtlichen Ladung von Marſeille abſegeln wollte, kam die unerwartete Nachricht, daß 7 den franzoͤſiſchen Schiffen die Fahrt durch den Bos⸗ porus verweigert worden ſey. Da meine Plane auf Perſien dadurch ganz vernichtet waren, ſo blieb mir nichts uͤbrig, als dieſe ſaͤmmtlichen Waffen in Konſtantinopel verkaufen zu laſſen. Ich addreſ⸗ ſirte alle meine Waaren an zwei Handelsleute, welche ſie unter der Aufſicht meines Sekretgirs verkaufen ſollten. Durch Zureden des ruſſiſchen Geſandten, daß ich die Neutralitaͤt verletze, ward Choiſeul⸗Gouf⸗ fier bewogen, mir zu ſchaden. Anfangs erlaubte er meinem Sekretair nicht, an das Land zu kommen⸗ und befahl ihm nach Smyrna zu ſegeln, wo er mich erwarten ſollte. Dieſer aber ging von ſeinen Inſtruk⸗ tionen nicht ab, und blieb zu Konſtantinopel, Ich beſchwerte mich bei dem Miniſter uͤber das Ver⸗ fahren des Geſandten. Durch ſeine Beſchreibung Griechenlands, in welcher der Graf Choiſeul⸗Gouffier die Zerſtö⸗ rung des tuͤrkiſchen Reiches und den Ruhm Ruß⸗ lands mit den feurigſten Wuͤnſchen aͤußerte, machte ſich dieſer der ganzen türkiſchen Nation verdaͤchtig, und dieß in einem hoͤhern Grade, als er an die rebelliſchen Bey's in Aegypten einen Abgeordneten ſandte, um mit ihnen uͤber Angelegenheiten zu unterhandeln, in welchen er ſich an den Divan haͤtte wenden ſollen. Deßwegen kuͤndigte auch die Pforte ohne ſein Vorwiſ⸗ ſen den a6. Auguſt a7s7 dem ruſſiſchen Geſandten die Ruͤckgabe der Krimm binnen einer Stunde, oder Ge⸗ faͤngniß in den ſieben Thuͤrmen an. Der ruſſiſche Ge⸗ ſandte wurde auch wirklich in dieſelben gebracht, aber gegen alle Erwartung ſehr gelinde behandelt. Den 29. September 4787 kehrte Ferrieres⸗ Sauvebveuf wieder nach Konſtantinopel zu⸗ rüͤck. Wegen meiner Beſchwerde uͤber das Betragen des Grafen gegen mich, entſtand zwiſchen mir und ihm ein Mißverſtaͤndniß. Sein uͤbles Verfahren gegen mich entſchuldigte er, daß er mir dadurch, indem meine Leute nach Smyrng ſegeln ſollten, etwas an den Koſten habe erſparen wollen; obwohl zu Smyrna die Wohnungen und Lebensmittel drei Mal theuerer ſind, als zu Fonſtantinopel. Bei meiner dießmaligen Anweſenheit wohnte ein Geſandter von Tippo⸗Saib außerhalb Konſtan⸗ tinopel. Man machte ſeinetwegen wenig Auf⸗ wand, weil man erfuhr, daß die Schiffe mit den Ge⸗ ſchenken fuͤr die Pforte im perſiſchen Meerbuſen ge⸗ ſcheitert, und die noch uͤbrigen Geſchenke nicht be⸗ traͤchtlich ſeyen. Die Bemuͤhungen um die Loslaſſung des ruſſi⸗ ſchen Geſandten, von Bulgakow, von Seite des franzoͤſiſchen und engliſchen Geſandten, halfen jenem zu nichts, als zur engeren Einſchließung, weil man befuͤrchtete, er mochte entfuͤhrt werden. So vft die Pforte mit Rußland in Krieg verwickelt iſt, wird all⸗ zeit der Geſandte letzterer Macht in die ſieben Thuͤrme geſchickt; waͤhrend der oͤßerreichiſche Internuntius, ——— 9 einen eizigen Fall ausgenommen, immer die Erlaub⸗ niß zur Abreiſe erhielt. Da ich zu Konſtantinopel, wo mein Sekre⸗ tair mit vielen Sachen zuruͤckgeblieben war, noch Ge⸗ ſchaͤfte abzuthun hatte; da ſerner der Graf v. Mont⸗ morin meine ſchnelle Art zu reiſen kannte, und we⸗ gen des laͤngern Ausbleibens der Depeſchen vom Gra⸗ fen Choiſeul⸗Goußfier beunruhigt war, ſo ver⸗ traute er mir die ſeinigen an den Geſandten an, und gab mir die Koſten zur Reiſe. Hierauf ſchiffte ich mich den 26. April 1788 zu Marſeille ein, und erreichte unter vielen Beſchwerden Konſtantinopel. Hier ſtellte ich dem Grafen Chviſeul⸗Gouffier meins Depveſchen zu, und fragte ihn, ob er mir die Ant⸗ wort darauf anvertrauen wolle, welches er aber ab⸗ lehnte. Er machte mir auch Vorwuͤrſe, daß ich ſein Verhalten und ſeine Handlungen kritiſirt haͤtte. um der langweiligen Seefahrt und der unange⸗ nehmen Quarantaine zu entgehen, beſchloß ich, zu Lande abzureiſen. Aus Haß verweigerte mir der Ge⸗ ſandte einen Reiſe⸗Firman von der Pforte. Er rieth mir, durch Bosnien nach dem venezianiſchen Gehiete zu reiſen. Da er aber an demſelben Tage die unziemlichſten Reden in Betreff meſner fuͤhrte, ſo wurde ich mißtrauiſch gegen ihn, und gab vor, zur See nach Smyrna, und von da nach Jtalien zu gehen. Der Graf war damit zufrieden, und gab mir zu verſteben, neue Ruͤckſichten wuͤrden ihm nicht er⸗ 10 laubt haben, mich einen andern Weg nehmen zu laſſen. Mit einem Packet an den Konſul in Smyrna und einem BVriefe an die Gemahlin des Geſandten verſehen, reiſte ich den s. Juni nebß meinem Diener von Konſtantinopel ab, und zog tuͤrkiſche Kleider an, weil ich mich recht gut in ihnen zu benehmen wußte. Bei meiner Ankunft zu Adrianopel ſah ich die ſchrecklichen Verwůſtungen, welche die Peſt an⸗ richtete. Dbgleich alle Tage Waaren und Truppen von da in das Lager des Großweſſier gingen, ſo zeigte ſie ſich doch in demſelben nicht. Auf meiner Reiſe machte ich die traurige Bemerkung, daß die tuͤrkiſchen Truppen auf ihren Maͤrſchen die ſchrecklichſten Unord⸗ nungen und Verwuͤſtungen anzurichten pflegen. um ihrer Zuͤgelloſigkeit zu entgehen, verlaſſen die Bewoh⸗ ner ihre Doͤrfer, und koͤnnen, ſo lange der Krieg dauert, nicht in ihre Wohnungen zuruͤck. Der Er⸗ trag der Felder dient das erſte Jahr zur Ernaͤherung der Armee des Großweſſiers. Eben ſo ungluͤcklich iſt auch faſt ganz Servien mit einem Theile der Wal⸗ lachei, welches daſſelbe Schickſal, wie Bulgarien gebabt hatte. Zu Sophign zeigte ich dem Großweſſier, welcher ſeinLager außerhalb der Stadt hatte, meine Ankunft an, und erſuchte ihn ſchriftlich um einen neuen Fir⸗ man iu der Reiſe nach Raguſa. Zugleich ſchickte ich ihm den Reiſepaß des Koͤnigs, ein Empfehlungs⸗ 11 ſchreiben des Miniſters an den franzoſiſchen Konſul in Raguſa, und auch den Paß des Geſandten. Da aber mein Paß auf Smyrna ausgeſtellt war, ſo ſchickte mir der Reis⸗Effendi alle meine Papiere zuruͤck, mit dem Bemerken, daß er mein Geſuch nicht bewil⸗ ligen konne, weil es, nach der bei der Pforte uͤblichen Etikette von den Geſandten haͤtte gethan werden muͤſſen. Ich ſchrieb nun dem Grafen Choiſeul⸗Gouf⸗ fier dieſes, und daß der Großweſſier die Fortſetzung meiner Reiſe erlaubt haͤtte. Zugleich bat ich ihn, dem Armenier, welcher meinen Brief überbrachte, das Geld aus zu zahlen, welches derſelbe mir zum Ankaufe zweier Pferde vorgeſchoſſen hatte, und machte mich verbindlich, ihm bei meiner Ruͤckkehr nach Paris das Geld durch den Miniſter zuſtellen zu laſſen, wie ich es ſchon oͤfter gethan hatte. Zu Sophin wurde ich als Franzos erkannt, aber ungeachtet meiner Verkleidung ſehr gut behan⸗ delt. Da ich wegen der Empoͤrung der Montene⸗ griner ſchlechterdings nicht nach Raguſa reiſen konnte, ſo blieb mir nichts anders uͤbrig, als gerade nach Belgrad zu gehen. Bei dem Poſten Deve⸗ bargand(Devibagerda?) gab ich mich fuͤr einen Georgier aus, welcher gerade nach Belgrad ginge. Ich ward von der Beſatzung gut aufgenom⸗ men, und hatte den Nachmittag ganz ruhig zugebracht, als ein Janitſchar aus Armenien einen meiner t. 12 Diener, welcher gleichfalls ein Armenier wat, erkannte, und ihn als einen Chriſten anzeigte. Man hielt mich fur einen Vertäther und es entſtand ein großer Laͤrm. Man wollte mir den Kopf abſchlagen, als ich auf ein⸗ mal meinen Paß vorzeigte, um zu beweiſen, daß ich ein franzoſiſcher Offizier ſey, und eine nachdruckliche Sprache führte. Mein Gepacke wurde, als ich zum Abdi⸗Paſcha ging, mir nicht freigegeben„ſondern man machte in meinem Beiſeyn ein Verzeichniß da⸗ von, und ſchaffte dann alles in eine Kammer, deren Thure ich mit meinem und des Paſcha's Pettſchaft verſiegelte. Wuͤrde ich alſo ſtrafbar gefunden wor⸗ den ſeyn, ſo waͤren meine Sachen der Beſatzung zu⸗ gefallen. Der Paſcha ſchickte mich zu dem Großweſſter nach Niſſa, wo ſich ſchon die Nachricht verbreitet hatte, daß drei Spione feſt gehalten worden waͤren, welche das Lager und alle Grenzfeſtungen aufgenommen haͤt⸗ ten. Man verbreitete die unſinnigſten Gexuͤchte uͤber uns; alle Janitſcharen prieſen diejenigen, welche uns gefangen genommen hatten, als Retter der Armee und vielleicht des ganien Reiches. Eine Menge Volkes ſtroͤmte auf uns zu. Ein Ianitſchar ſagte mit der groͤßten Kaltbluͤtigkeit zu mir, daß, wenn mein Ur⸗ theil geſprochen waͤre, ſein Meſſer ſo gut geſchliffen ſey, daß ich das Kopfabſchneiden gar nicht fuhlen ſollte. Vhne die Faſſung zu verlieren, antwortete ich, er ſollte mein Barbier werden. Einer ſeiner Fuͤhrer nahm ei⸗ 13 * nen Kopf aus dem Sacke, welchen er hinter ſich hatte, ſteckte ihn auf ſeine Pike, und naͤherte ſich mir mit den Worten: es waͤre der Kopf eines Spions und in ei⸗ ner Stunde ſollte der meinige eben ſo getragen wer⸗ den. Da ich die Bemerkung machte, daß es der Kopt eines Frauenzimmers ſey, gerieth der Pikentraͤger uͤber meine Bemerkung in Verlegenheit, ging von mir weg, und ſagte, der Muth wuͤrde mir bald vergehen. Zu dem Großweſſie gebracht, vertheidigte ich mich mit ſehr guten Gruͤnden, konnte aber nichts wei⸗ ter bewirken, als daß meine Diener weggefuͤhrt, und ich mit ihnen nebſt mehreren oͤſterreichiſchen Kriegs⸗ gefangenen in Ketten gelegt wurde Der Reis⸗Effendi erklaͤrte dem Großweſſier den Inhalt meiner Briefe, worauf dieſer zu meiner Beruhigung ſagen ließ, ich moͤchte ganz unbeſorgt ſeyn; er wuͤrde mich nach Konſtantinopel zu meinem Geſandten ſchicken. Mir wurde die Kette abgenommen, welche an einem eiſernen Bande um meinen Hals befeſtigt war, und die mich mit meinen Dienern und andern Gefange⸗ nen zuſammenſchloß, wobei wir auch noch an den Fuͤ⸗ ßen ſo an einander gekettet waren⸗ daß wir uns kaum zuͤhren konnten. Der Graf Choiſeul⸗ Gvuffier ſchien jetzt Gelegenheit gefunden zu haben, ſich für alle Unan⸗ nehmlichkeiten zu raͤchen, welche meine oͤfteren Reiſen nach der Levante ihm verurſacht hatten. Er ſchrieb an den Großweſſier, daß er mir die Reiſe zu Lande 14 verboten habe. Zum Gluͤcke erhielt der Großweſſier dieſen Brief erſt, ais ich ſchon drei Tage anf dem Wege nach Konſtantinopel war. Mein Tod wäre unvermeidlich geweſen, wenn der Brief eher angekommen, als ich in das Lager zuruͤckgebracht ward. Die Tuͤrken fielen in das Banat, und erhielten Vortheile uͤber die Deſterreicher. Noch vor die⸗ ſem Einfalle wurde ich mit zehn oͤſterreichiſchen Ge⸗ fangenen von Niſſa nach dem Bagno gebracht. Von Sophia wurden wir, zwei zu zwei, an den Beinen geſchloſſen, und auf Wagen geſetzt. In allen Drten, durch welche wir kamen, empfingen die Weiber die Gefangenen mit einem Steinregen, aus Wuth, daß ihre Maͤnner oder Geliebten in den Krieg ziehen mußten. Nachts wurden wir an Ketten geſchloſſen; die Dbrigkeiten jedes Drtes gaben dieſel⸗ ben in Menge her. Die Gefangenen erhielten wenig; ich, der ich mit Geld verſehen war, that ſo viel ich konnte, fuͤr dieſelben. Wenn ein Gefangener ſich wegen der Wunden nicht mehr auf dem Pferde halten konnte,(denn iu Philippopolis erhielten wir welche,) ſo ſchnitt man ihm den Kopf ab, ſtopfte denſelben mit Heu aus, und warf ihn in einen Sack. Die Fuͤhrer der Gefangenen kuͤmmern ſich nicht viel um dieſe: denn ſie bekommen die naͤmliche Belohnung, ob ſie 15 dieſe lebendig oder nur den Kopf derſelben nach Kon⸗ ſtantinopel bringen. Auch machte ich die Bemerkung auf dieſem Wege, daß die Tuͤrken, wenn ſie in das Lager zogen, uns die bitterſten Spoͤttereien anthaten; wenn ſie aber entflohen waren, ſich ſo demuͤthig betrugen, daß ſie uns kaum anzuſehen wagten. Auf den ſpottiſchen Zu⸗ ruf unſerer Fuͤhrer, daß ſie uns paſſiren laſſen und den Weg nicht beunruhigen moͤchten, entfernten ſich letztere alle von der Landſtraße. Bei unſerer Ankunft zu Konſtantinopel lief alles zuſammen, um die Gefangenen zu ſehen; die Frauenzimmer warfen uns zwar nicht mit Steinen, ſagten uns aber doch recht artige Schmaͤhungen. Mir galten die Beleidigungen der vor uns hinſtroͤmenden Menge nicht, weil man mich in meiner tuͤrkiſchen Tracht fuͤr einen Fuͤhrer hielt; alte Muͤtterchen uͤber⸗ haͤuften mich ſogar mit Hoͤflichkeiten. Auf dem Hofe des Kaimakan wurden wir aufge⸗ ſtellt; ich und meine beiden Diener wurden in das Gefaͤngniß des Kaimakan, die uͤbrigen Gefangenen unter Thraͤnen in den Bagno gebracht. Kaum wär ich daſelbſt, ſo ſtellte ein alter Janitſchar mir den An⸗ trag, ich und meine Diener ſollten in den Kerker gehen, und die Beine zwiſchen zwei Kloͤtze ſtecken, wenn ich mich nicht anders durch Zechinen von dieſer Marter loskaufen wollte; denn es iſt bei den Tuͤrk gebraͤuchlich, daß die Gefangenen, wenn ſie nicht an 16 die Kette gelegt werden wollen, ihre Kerkermeiſter fuͤr dus Wachen bezahlen muͤſſen. Die Waͤchter ſchla— fen nur dann, wenn jene ihrer Eiſen wegen nicht entrinnen koͤnnen. Ein ſchrecklicher Umſtand fuͤr den, welcher ohne Geld in das Gefaͤngniß kommt! Und in dieſem Falle befand ich mich: denn ich hatte mein noch übriges Geld unter meine Reiſegefaͤhrten ver⸗ theilt, in der Hoffnung bei meiner Ankunft in Kon⸗ ſtantinopel ſogleich befreit zu werden. Doch aus dieſer Noth rettete mich ein tuͤrkiſcher Tabakshaͤndler, welcher fuͤr mich alles bezahlte, was man verlangte. Ich erhielt nun ein geſondertes Zimmer und die Kommunikation mit der Stadt ward mir nicht abge⸗ ſchnitten. Dieß benutzte ich dann ſogleich, um dem Grafen Choiſeul⸗Gouffier meine Lage kund zu thun, und ihn zu erſuchen, mir einiges Geld zu leihen. Lange ließ mich der Graf in Ungewißheit ſchweben. Der franzoͤſiſche Kaufmann Thoron ſchickte mir auf mein Erſuchen das noͤthige Geld, um meinen Tabakshaͤndler befriedigen und Feine übrigen Ausgaben beſtreiten zu koͤnnen. Am 11. Tage nach meiner Verhaftung brachte mir ein Dragoman, mit einem geheimnißvollen Weſen, und ohne ein Wort zu ſagen, ein kleines Papier mit zehn Zechinen vom. Geſandten. Beim Weggehen ſagte der Dragoman, daß ich meine Freiheit bald erhalten wuͤrde. Am 23. erhielt der Kaimakan Befehl vom Groß⸗ weſſier, mich dem Geſa ndten aus zu liefern. Dieſer 17 ſchloß mich in eine enge Kammer, welche zur Vorſicht eine doppelte Thure und eiſerne Stangen vor den Fenſtern hatte. Meine Diener kamen in ein finſteres Gefaͤng⸗ niß. Alle Vorwuͤrfe daruͤber waren vergebens. End— lich ward uns die Freiheit gegeben, und mir von dem Ritter v. Gaville im Namen des Geſandten ſchrift⸗ lich der Vorſchlag gethan, auf einem Schiffe, welches nach Marſeille ging, abzureiſen. Am 13. Septem⸗ ber reiſte ich dann am Bord dieſes Fahrzeuges von Konſtantinopel ab, und landete dem Befehle des Geſandten entgegen zu Toulon, wo am letzten TDage meiner Quarantaine die Sanitaͤtsbeamten an⸗ deuteten, ſie muͤßten mich auf hoͤhere Veranlaſſung im Lazarethe behalten, bis neue Befehle von dem Koͤ⸗ nige ankaͤmen. Den 27. November wurde ich ver⸗ moͤge eines koͤniglichen Verhaftbriefes als Gefangener nach Chateau d'Iff gebracht. Indeſſen that ein Aufſatz, welchen ich an die ſaͤmmtlichen Miniſter ge⸗ ſchickt hatte, die erwartete Wirkung, und ſobald nur in dem Konſeil des Königs von mir geſprochen wor— den war, erhielt ich meine Fretheit wieder. (Die Beſchreibung der Furcht der Tuͤrken vor den furchtbaren Ruſſen, von ihrer mildern Geſinnung im Betreffe der Deſterreicher; von den Janitſcharen und Spahis koͤnnen wir täbiſch uͤbergehen. Ueber ihre Art ſich zu lagern, zu marſchiren und zu fechten, uͤber die Befeſtigung ihrer Waffenplaͤtze geben die Baͤnd⸗ chen von der Luͤrkei hinlaͤnglichen Aufſchluß. Wir 56. B. Peiſien. III. 1. 2 18 wenden uns daher lieber zur Beſchreibung der Pro⸗ vinzen, welche das alte Armenien ausmachten.) Die armeniſchen Voͤlkerſchaften, ehemals durch Reichthum und Pracht ihrer Koͤnige beruͤhmt, wurden von verſchiedenen Eroberern unterjocht. Jetzt ſtehen ſie theils unter den Tuͤrken, theils unter den Per⸗ ſern, und haben nur ihre Sprache und das Andenken an ihre ehemalige Monarchie uͤbrig behalten. Die Armenier in ganz Aſien zerſtreut, ſind von Natur ſehr zum Handel geneigt, und haben ſich deßhalb die blühendſten Staͤdte zu Wohnplaͤtzen ausgewaͤhlt. ESrzerum, eine der vornehmſten Staͤdte Arme⸗ niens, geraͤumig aber ſchlecht gebaut, liegt in einer großen, fruchtbaren Ebene, und iſt mit Bergen um⸗ geben, welche das Klima ſehr kalt machen. Einige Stunden von Erzerum entſpringt der Euphrat, die benachbarten Berge liefern viel Kupfer, welches zu beruͤhmten Geſchirren verarbeitet wird. Trapezunt, eine zur Zeit des griechiſchen Kaiſerthums nicht unberuͤhmte Stadt, hat zwar viel von ſeinem Glanze verloren, iſt aber doch noch eine der betraͤchtlichſten in Natolien. Der Handel iſt ſeit der freien Schifffahrt der Ruſſen im ſchwar⸗ zen Meere, ziemlich ausgebreitet und lebhaft. Die hier befindlichen Janitſcharen ſind beſtaͤndig in Faktio⸗ nen getheilt, und leben im Streite. Kars, eine feſte Stadt an der Grenze Georgi⸗ ens, bat eine wohlunterhaltene Beſatzung und ein 19 gut vertheidigtes Schloß. Die Einwohner, unter welchen wenige Chriſten ſind, nehmen die Fremden nicht ſehr gut auf. Bajazet iſt die letzte tuͤrkiſche Stadt gegen die verſiſche Grenze. Der hieſige Paſcha nimmt, was kein anderer thut, Armenier zu Soldaten an. Die Stadt iſt volkreich, und treibt großen Handel mit Perſien und Georgien. Hier werden die Chriſten ſehr gut behandelt, weil man befuͤrchtet, daß ſie ſich ſonſt in Erivan unter perſiſchen Schutz begeben moͤchten. Die Stadt Erivan, ſeit Schach Nadirs Re⸗ gierung den Perſern gehoͤrig, wird von dem Zanghi burchſtroͤmt, welcher aus einem See kommt. Die Vorſtadt, in welcher die Handwerker und Armenier wohnen, iſt groͤßer als die Stadt ſelbſt. Letztere be⸗ ſuchen bisweilen die Ruinen von Artarata, welche nur einige Stunden von Erivan entfernt ſind, um daſelbſt das Andenken ihrer Voraͤltern zu beweinen, und die Veberbleibſel der Stadt zu betrachten, in wel⸗ cher Tigranes dem ganzen Armenien Geſetze vor⸗ ſchrieb. Erivan beſteht aus der alten, von Luͤr⸗ ken und Perſern verwuſteten Stadt, und der neuen an dem Fluſſe Su ſia(Schwarzwaſſer). Sie hat ſchlechte, mit dicken Thuͤrmen beſetzte Mauern, und einen. ſchma⸗ len nicht tiefen Graben. Drei Stunden von Erivan iſt die Reſidenz des armeniſchen Erzpatriarchen Dreikirchen. Die At⸗ 20 menier halten es fuͤr Pflicht, einmal in ihrem Leben dahin zu wallfahrten. Das Kloſter, in welchem der Pa⸗ triarch reſidirt,(Etſchmiazin) iſt ſehr groß. Er fuͤhrt ein eben ſo ſtrenges Leben, wie die Moͤnche; denn bei den Armeniern faſten die Geiſtlichen deſto mehr, je hoͤher ihre Wuͤrden ſind. Unter allen Chriſten glaubt wohl keine Sekte ſtaͤrker an die Wirkſamkeit des Faſtens, als die Armenier. Anch die beſchwerlichſten Neivn ſprechen ſie nicht von demſelben frei, und ſelbſt bei Kyankheiten machen ſie ſich ein Gewiſſen, es an den Vorabenden gewiſſer Feſte nicht zu beobachten. Aus der Buchdruckerei zu Dreikirchen, deren Lettern aus Venedig gekommen ſind, werden blos Breviere und Kalender in das Licht gebracht. Die Armenier haben wenig hiſtoriſche Schriften, und ken⸗ nen faſt weiter nichts als die Bibel und Legenden von einigen Heiligen. Der Berg Ararat, berühmt wegen der vorgeb⸗ lichen Niederlaſſung der Arche Noe's auf deſſen Gip⸗ fel, hat einen beſchwerlichen Zugang und einen allzeit mit Schnee bedeckten Gipfel. Er ſcheint in der Mitts großer Ebenen, welche rings um ihn ſind, ganz allein zu liegen. In der Gegend umher ſind mehrere Flö⸗ ſter, deren Moͤnche ſich viele Muͤhe geben, die Schwa⸗ chen zu ͤberreden, daß die Arche ſich jetzt noch auf dem Berge beſinde. Man muß ein Armenier ſeyn, um dieſe Fabel zu bi⸗ und dem Erzähler noch Geld zu geben. 2 In Kurdiſtan, einem Theile Armeniens, wob⸗ nen nomadiſirende, raͤuberiſche Kurden, deren S das große und volkreiche Betlis iſt. Sie ſind vortreffliche Reiter, und ſchießen in voller Flucht mit verhaͤngtem Zuͤgel ihre Karabiner ruͤck⸗ waͤrts ab. Kurdiſtan, von Dſt nach Weſt durch das Gebirg Taurus durchſchnitten, hat ein gemaͤ⸗ ßigtes Klima, und mehrere volkreiche Staͤdte. Die in den Gegenden am See Wan werden von Arme⸗ niern bewohnt, welche daſelbſt auch mehrere Kloͤſter haben. Die große Stadt Nakſivan iſt ſeit Schach Na⸗ dir's Zeit faſt ganz verfallen. Alle Einwohner ſind Chriſten. Das alte Julfa,(Dſchulfa) am Fluſſe Ara⸗ res iſt ein bloßer Truͤmmerhaufe. Um der tuͤrkiſchen Armee alle Unterhaltungsmittel zu nehmen, verheerte Schach Abbas das ganze Land, und ließ die Ein⸗ wohner von Julfa nach Ispahan ziehen. Hier erbauten ſie dann die neue Stadt dieſes Namens, welche eine Vorſtadt von Ispahan ausmacht. An⸗ dere wurden nach Ghilan verpflanzt, um daſelbſt den Seidenbau zu treiben und dieſe Provinz zu be⸗ voͤlkern. Der Armenier iſt gegen den, welchen er i falſch; gegen Fremde zuruͤckhaltend, von Natur geitzig, aus Sparſamkeit maͤßig, aus Eigennutz demuͤthig, und ſeinem Charakter nach verſtellt. In der Sitte iſi er 22 ſrenge; ſein Weib ſchweift ſelten aus, weil es nicht in Geſellſchaft von Maͤnnern kommt. Die ar⸗ meniſchen Prieſter heirathen nur einmal, ſind ge⸗ ſchworne Feinde der Katholiken, und geben deßhalb dem Papſte von ganzem Herzen den Bannſtrahl zu⸗ ruͤck, welchen er ſeit laͤngerer Zeit auf ihr Schisma ſchleudert. 6 6 Von Armenien wenden wir uns zur Beſchrei⸗ bung Georgjens, Mingreliens, Kirkaſſien's u. ſ. w. Georgien, das alte Iberien, hat ein ſchoͤ⸗ nes Klima und einen fruchtbaren Boden. Die Ein⸗ wohner, von jeher ihrer Tapferkeit wegen beruͤhmt, gelten fuͤr die beſten Soldaten Aſiens. Sie ſtanden anfangs unter den Tuͤrken, und ſpäter unter Per⸗ ſiens Koͤnigen. Die Georgier haben keine gut befeſtigte Stadt, da der Kaukaſus ihre Grenzen am beſten ſichert. Sie ſind faſt alle ſchoͤn, haben re⸗ gelmaͤßige Zuͤge mit einem edlen Weſen, und zeichnen ſich durch Pffenherzigkeit, Edelmuth und Sanftheit aus. Ihre Religion iſt die griechiſche. In Religions⸗ ſachen ſind ſie tolerant. Tiflis, die Hauptſtadt Georgiens, am Fluße Kur, iſt groß, aber ſchlecht gebaut, und wird von einer unbedeutenden Zitadelle beſtrichen. Der Palaſt des Fuͤrſten hat auſſer ſeiner Weitlaͤufigkeit nichs Merkwuͤrdiges. Es iſt hier auch ein Haus fuͤr florentiner Kapuziner. Verſchiedene Nonnen⸗ 23 kloſter dienen, um die Lochter bis zu ihrer Heirath ſicher zu bewahren. Die Nonnen legen ihr Geluͤbde nicht fuͤr immer ab; auch haben ſie einigen Antheil an dem Prieſterthume, ſo daß ſie taufen, und die letzte Delung geben koͤnnen. Der Handel der Georgier beſteht in vieler Seide, in Weinen und Branntweinen gegen Umtauſche von ruſſiſchem Pelzwerke. Sie ſowohl, als andere Voͤlker am Kaukaſus verhandeln ihre Toͤchter an Kaufleute, um die Koſten der Hochzeit und der Erziehung zu ſparen. Die Soͤhne dagegen werden nicht verkauft. Der Weinſtock kommt in Georgien ſo gut fort, als in der Lombardei. Die Georgier trinken gern, und berauſchen ſich oft; auch ihre Weiber haben dieſen Fehler. Die Georgierinnen ſind im Ganzen ſchoͤn, und zeichnen ſich faſt alle durch große ſchwarze Augen und roſenfarbige Wangen aus. Gegen Fremde ſind ſie wenig ſtreng; auch die jungen Maͤdchen ſind eben nicht ſchuͤchtern, und bewilligen ihren Liebhabern die hoͤchſte Gunſt, welche ſie ihnen geben koͤnnen. Mingrelien, das Kolchis der Alten, zerfaͤllt in die zwei Provinzen: Imerette und Guriel. Das geraͤumige Land, unter dem Schutze der Kaiſerin Katharina II., liegt am ſchwarzen Meere, und hat Kupfer und Eiſenbergwerke nebſt unermeßlichen Wal⸗ dungen. Aus Liebe zur Jagd vernachlaͤſſigen die Einwohner alle anderen Vortheile und Nahrungsauel⸗ len. Die Mingrelier ſind wohlgebaut und die aſowiſchen Meerenge iſt. Sie treibt ſtarken Handel 24 Frauenzimmer kommen den Georgierinnen ſehr nahe. Sie lieben Trunkenheit und Ausſchweifungen, und haben den edlen und freimuͤthigen Charakter der BGeorgier nicht. Sie nennen ſich zwar Chriſten, bekuͤmmern ſich aber gar nichts um ihre Religions⸗ Artikel. Zirkaſſien zwiſchen der Krimm, der Ku⸗ ban und den Wuͤſten von Aſtrachan, ſteht unter Rußland. Seine Einwohner leben hordenweiſe, wie die Dataren, oder bewohnen Doͤrfer in den Dhaͤ⸗ lern des Kaukaſus. Ihr vornehmſter Reichthum beſteht in Schafheerden, deren Wolle einen vorzuͤg⸗ lichen Handelsartikel ausmacht. Ihre Pferde ſind vortrefflich. Die Zirkaſſier ſind gut gewachſen und ihre Frauenzimmer groß, ſchoͤn und wohl gebaut. Durch ihre Galanterie, welche ſie ſelbſt gegen Fremde aͤuſſerſt weit treiben, ſind ſie ſehr liebenswuͤrdig und ihre Maͤnner denken an nichts weniger, als ihre Ehre hierdurch fuͤr beleidigt zu halten. Die Kuban, zwiſchen dem aſowiſchen Meere und den Wuͤſten von Aſtrachan, wird von noga⸗ jiſchen Tataren bewohnt, welche ſehr ſtark laufen koͤnnen, und vom Rauben und Stehlen leben. Ihre Geſichtsbildung iſt haͤßlich; auch ihre Weiber ſind ſelten reitzend. Sie haben auch einige, den Lagern aͤhnliche Staͤdte, deren betraͤchlichſte Taman an der 25 mit Ruſſen und Tuͤrken. Die Voͤlkerſchaft bekennt ſich zum Mahometismus. Dagheſtan(Gebirgsland) hat ſeinen Namen von ſeiner natuͤrlichen Lage; es erſtreckt ſich laͤngs des kaspiſchen Meeres, in dem ganzen Theile des Kaukaſus, welcher an Georgien graͤnzt. Les⸗ ger und in Horden wohnende Kumuͤken Czu un⸗ terſcheiden von Kalmuͤken) erkennen keinen andern Herrn, als den aus ihrer Mitte an, welcher vermag, die meiſten Reiter zuſammen zu bringen. Als Ali Merdan Khan ſich der Stadt Tarku, der groͤß⸗ ten im Land bemaͤchtigt hatte, ließ er ſich zum Fuͤr⸗ ſten der Lesger erklaͤren. Durch ihre Streifereien er⸗ haſchen ſie viele Sklaven, mit welchen ſie Handel treiben. Sie nomadiſiren, und bilden bei ihren Ru⸗ bepunkten durch ihre Filzzelte Doͤrfer. Ihr angenehm⸗ ſtes Getraͤnke Boſa, aus gegohrnem Hirſe bereitet, erſetzt ihnen die Stelle des Weines. Pferdefleiſch hal⸗ ten ſie fur ein wohlſchmeckendes Gericht. An geron⸗ nener Stutenmilch, in Schlaͤuchen aufbewahrt und durch ein wenig Waſſer verduͤnnet, finden ſie vielen Geſchmack. Die Provinz Schirwan ſtoͤßt gegen Nord an den Kaukaſus, und wird von Baba Fatali Khan regiert. Hier iſt der beruͤhmte Engpaß von Derbend mit einer Citadelle auf jeder Seite, wel⸗ cher von den Perſern, als die beſte Schutzwehr ihres Landes angeſehen wird. Die Stadt Derbend, von 26 der Schamuka durchſtroͤmt, iſt ziemlich volkreich. In Schamaki, der Hauptſtadt Schirmans, wird ſtarker Verkehr mit Seide, Pelzwerk und groben Tů⸗ chern getrieben. Den Ruſſen dient dieſe Provinz zur Niederlage am kaspiſchen Meere. Das ſehr fruchtbare Land iſt ziemlich bevoͤlkert. Was des Verfaſſers Schilderung Perſiens betrifft, ſo muͤſſen wir bemerken, daß das Land nicht in einer ſo gluͤcklichen Periode war, als es von Chardin, Davernies und Anderen gefunden wurde. Perſien, ehemals von Alexander beſiegt, wurde in der Folge auch von Tamerlan unterjocht, welcher es zu einer Provinz ſeines Reiches machte. Indeß waren dieſe Eroberungen nicht lange andauernd. Seitdem regierten die Sofis ganz ruhig bis zu ei⸗ nem Einfalle der Afganen, welche ſelbſt in Ispa⸗ han den Thron des Koͤnigs Thamas bedroheten. Dieſer verſchiedene Male von ſeinen kuͤhnen Feinden geſchlagen, machte einen kuͤhnen Hirten aus Kora⸗ ſan zum Befehlshaber ſeines Heetes, welcher auch die Afganen ſo gaͤnzlich ſchlus, daß ſie in ihre Ge⸗ birge zuruͤckkehren mußten. Nun ermordete dieſer Ge⸗ neral ſeinen Herrn Thamas Kuli Khan, den letzten Koͤnig aus dem Stamme der Sofis, und bald nachher deſſen einzigen Sohn. Der Thronraͤuber legte ſich den Titel: Schach Nadir bei, wurde durch Siege beruͤhmt und eroberte Indien. Schach Nadir kam nach Perſien zuruͤck, und noͤthigte, ſo 7 wie einſt Alexander, ſeine Truppen, den Lohn ihrer Beſchwerlichkeiten und ihrer Siege in den Indus zu werfen. 3 Die Soldaten uͤber den Verluſt ihrer Beute muth⸗ los und die Offiziere unzufrieden daruͤber, verſchworen ſich gegen ſein Leben, und ſchlugen ihm, in den Ar⸗ men einer Georgierin ruhend, den Kopf ab. Dieß war nun die Veranlaſſung zur Anarchie, welche in Perſien die monarchiſche Herrſchaft vernichtete. Die Dberhaͤupter ſtrebten nun alle nach Schach Nadirs Thron, und bekriegten ſich wechſelſeitig. So iſt nun ſeit beinahe fünfzig Jahren dieſes Land in eben ſo viele Statthalterſchaften getheilt, als es Staͤdte hat. Perſien lebte nun fuͤnfzehn Jahre in Friede, da jeder Khan ruhig ſeine Provinz regierte, und da der Kurde Kherim Khan ſich Schiras bemaͤchtigt und in Ispahan, Kirman und andern Provinzen von den dortigen Khans, welche ihn fuͤrchteten, ſich als Beherrſcher des Reiches hatte anerkennen laſſen. Nach deſſen Tode verurſachte ſein Bruder Sadi Khan neue Unruhen, und ließ ſeinen Neffen, wel⸗ cher zum Nachfolger Kherim Khans beſtimmt war, verhaften. Vli Murat Khan, Sadis Stiefſohn, henuͤtzte dieſen Umſtand, und fuͤhrte, unter dem Vor⸗ wandte, dem wirklichen Thronerben ſeine Freiheit zu verſchaffen, ein Hrer gegen ſeinen Stiefvater, ſchlug ihn, hielt einen glaͤnzenden Triumphzug in Ispa⸗ ban und ſetzte ſich an die Stelle der Konige. Seine 228 ſtrmiſche Regierung verurſachte viele Ungluͤcksfälle, welche ich ſelbſt anſah, und die nach ſeinem Tode das Reich einem neuen Buͤrgerkriege Preis gaben. Mehmet Khan, ein ſiebenzigjaͤhriger Greis, welcher als Knabe entmannt worden war, weigerte ſich Ali Murat Khan zu huldigen, ſchloß ein Buͤndniß mit den Ruſſen, und raͤumte ihnen einen Jafen bei Aſterabad ein. Er ſchickte ſeinen aͤlte⸗ ſten Sohn Schekwes Khan mit 20,000 Mann dem neuen Narſes entgegen, und brachte ihm in den Gefechten verſchiedene Verluſte bei. Zu Ispahan feierte man hieruͤber glaͤnzende Gefechte. Doch dieſe Freude war von kurzer Dauer: denn Ali Murat ſchlug den Schekwes Khan ſo gaͤnzlich, daß er nur mit genauer Noth nach Teiran entfliehen konnte. Bald darauf empoͤrte ſich auch Dſchaffer Khan, Murats Bruder, und ſuchte Is pahan zu erobern. Murat eilte ihm entgegen, endete aber nur einige Stunden von Ispahan am a1. Februar 1785 ſein Leben. 1 Der rauhen Jahreszeit wegen erlaubte mir Mu⸗ rat Khan, noch ſechs Wochen in Deiran zu blei⸗ ben. Dadurch geſchah es, daß ich nicht in die ab⸗ ſcheulichen Unordnungen verwickelt ward, welche auf den Tod dieſes Fuͤrſten folgten. Die Soldaten pluͤn⸗ derten den Schatz, die Frauenzimmer in den Zelten wurden Opfer der zuͤgelloſen Wuth der Soldaten. Die 20 einzige Lochter Kherim Khans verſchonte man aus Achtung gegen das Andenken ihres Vaters, und fuͤnfzig Georgier ſchuͤtzten die Tochter des Fuͤrſten von Ghilan. Inzwiſchen drang Dſchaffer Khan Ispahan ein, und gab ſich Muͤhe, die Ruhe in te hteeht wieder herzuſtellen. Ali Murat Khans aͤlteſter Sohn eilte auf die Nachricht von deſſen Tode nach Ispahan, wo er ſogleich in Verhaft genommen wurde. Dieſes erfuhr ich zu meinem großen Nachtheile: denn ſeine Trup⸗ pen pluͤnderten die Stadt, und ließen mir weiter nichts, als was ich an mir trug. Der Khan von Teiran, duich meine Lage geruͤhrt, ſorgte ferner für meinen Unterhalt, wie es Murat Khan vor ſeiner Abreiſe befohlen hatte. Einige Tage darauf ließ er mich unter Begleitung nach Ispahan brin⸗ gen, wo Dſchaffer Khan einige Monate regierte. Denn der alte verſchnittene Mehmet Khan ruͤckte mit bedeutenden Streitkraͤften ihm entgegen, vertrieb ihn aus Is pahan, welches von ſeinen Soldaten auf die unbarmherzigſte Weiſe gepluͤndert und mißhan⸗ delt wurde. Dieſe letzte Erſchuͤtterung der Anarchie, von der ich Augenzeuge war, verwandelte das be⸗ ruͤhmte Ispahan faſt in einen Haufen von Ruinen; indeſſen ſchien es du auch unter den Truͤmmern noch zu leben. Perſien nach ſiter jetzigen Verfaſſung hat eben ſo viele Obetherren, als Provinzen. Bei der Beſchrei⸗ 30 bung derſelben beſchraͤnken wir uns nur auf die Lan⸗ der, welche ehemals unter den Sofis ſtanden, und nur auf jene Staͤdte, welche die Wiederherſtellung der Monarchie wuͤnſchen, und auf den Namen Perſer ſtols ſind. Von Sriwan, Georgien, Daghe⸗ ſtan und Schirwan, welche alle von beſondern Fuͤrſten regiert werden, iſt ſchon oben geſprochen worden. Aderbidſchan, ein Theil des alten Medien, mit der Hauptſtadt Tauris, hat ein gluckliches Kli⸗ ma und fleißige Bewohner. Tauris wurde erſt neu⸗ lich wieder durch ein Erdbeben heimgeſucht. Ihr Han⸗ del mit Seide iſt beruͤhmt. Man verfertigt hier auch eine große Menge Chagrin, deſſen ſich die Perſer zu ihren Schuhen bedienen. Tauris iſt beruͤhmt durch ſeine ſchoͤnen, mit glaſirten Ziegeln bedeckten Mo⸗ ſcheen, an denen auch der in dieſer Gegend haͤufige Alabaſter nicht geſpart iſt, und die ſchoͤnſte Zierde ausmacht. Der ſebr gut bebaute Boden liefert die beſten Fruͤchte in ganz Perſien. Von den vielen Kanaͤlen, welche ehemals Aderbidſchan durchſchnitten, ſind einige aus Vernachlaͤſſigung verfallen, andere aber in den buͤrgerlichen Kriegen zerſtoͤrt worden. Die ziemlich große Stadt Ardevil wird täglich von frommen Perſern beſucht, um das⸗Andenken ver⸗ ſchiedener Könige zu ehren, und ihnen zu opfern. 31 Ghilan am kaspiſchen Meere, ein angenehmes Land, wird durch das ungeſunde Waſſer, welches in den meiſten Dhaͤlern ſtehen bleibt, die unaufhoͤrliche Duelle epidemiſcher Krankheiten, welche fuͤr die Ein⸗ wohner ſo ſchrecklich ind. Der Beherrſcher von Ghi⸗ lan wohnt in der ziemlich volkreichen Stadt Raͤſcht⸗ deren Umgegend mit Maulbeerbaͤumen beſetzt iſt. Der Hafen Angeli, acht Stunden von Raͤſcht, dient den Ruſſen zum Stappelort fuͤr die indiſchen und per⸗ ſiſchen Waaren. Sie haben hier einen Konſul und mehrere Handelshaͤuſer. Die Provinz Maſanderan an dem ſudlichen ufer des kaspiſchen Meeres hat Aſterabad zur Haupt⸗ ſtadt, welche durch ihre Feſtungswerke ſehr wichtig iſt. Die vielen Moraͤſte in dieſer Provinz verurſachen bei der Hitze der Sonne Krankheiten. Ihre fruchtbaren Ebenen ſind von Gebirgen durchſchnitten; aber die Bevoͤlkerung iſt nicht groß. Die indußtrioͤſen Einwoh⸗ ner treiben ſeit einigen Jahren einen ziemlich ausge⸗ breiteten Handel mit den Ruſſen. Choraſan(Koraſan) mit der Hauptſtadt Me⸗ ſched liegt zwiſchen dem kaspiſchen Meere und und der Tatarei. In dieſer Stadt erbaute Schach Abbas eine praͤchtige Moſchee, in welcher der in ganz Perſien verehrte Leichnam des Iman Reſa und ein Fuß von Mahomeds ehrwuͤrdigem Kameele mit großem Gepraͤnge beigeſetzt wurden, um durch das Wallfahrten der Perſer nach Alis Grabe bei Bag⸗ 32 dad nicht mehr ſo viel Geld aus dem Lande gehen zu laſſen. Nichts deſtoweniger gingen alle Andaͤchtige nach Bagdad. Koraſan, das alte Baktriana, iſt ein vor⸗ treffliches Land, und bringt alle Beduͤrfniſſe des Le⸗ bens im Ueberfluſſe hervor. Die Einwohner ſind of— fenherzig und edelmuͤthig. Die Turkomanen zie⸗ hen als Nomaden auf den reichlichen Weiden Kora⸗ ſan's umher. Dieſes liefert die ſchoͤnſten Teppiche und außerordentlich gut gehaͤrtete Klingen, deren eine einzige gegen 30,0)0 Livres koſtet. Herat, die zweite Stadt Koraſan's verheer⸗ ten die Afganen*), als ſie dieſelbe bei Schach Nadirs Annaͤherung raͤumten. Segeſtan(Sedſcheſtan, Sedheſtan oder Sishi⸗ ſtan), eine der großen Provinzen Perſiens, wird von Ali Achmet Khan beherrſcht. Die Hauptſtadt glei⸗ ches Namens(²) bewohnen Afganen und Turkomanen in Menge, und ſind den benachbarten Staͤdten ein Schrecken. Kandahar, die Hauptſtadt im Lande der Afga⸗ nen, liegt zwiſchen unzugaͤnglichen Bergen. Schgch Nadir unterwarf ſich die Nation nur mit vielsr *) History of the Afghans, transl. from the Pey- sian of Meamet UIah, by Ben. Dorn. Lond. 1829. Printed for the oriental translation com- mittee.(Vergl. Bläͤtter fur liter. Unterhaltuns 1829, 8. Nr. 282.) 33 Muͤhe. Sie ſind ein raͤuberiſches Volk, und pluͤndern in allen benachbarten Laͤndern. Der Handel zwiſchen Perſien und Indien wird groͤßtentheils uͤber Kanda⸗ har getrieben. Sableſtan am Fluſſe Indus iſt wenig be⸗ kannt. Die Bewohner dieſer Wuͤſten leben beinahe wie Araber, und fuͤhren beſtändig Krieg mit Afganen. Ihr Dberhaupt Mirſa Huſſein Khan reſidirt zu Weyen. Die Landſchaft Mekran(Makran) am indiſchen Meere, mit der Hauptſtadt gleiches Namens, iſt bei⸗ nahe unbewohnbar, theils wegen Mangel an Waſ⸗ ſer, theils wegen der unertraͤglichen Hitze. Die da⸗ ſelbſt wohnenden Voͤlker ſind wenig eiviliſirt. Der Hafen Guadel(Goadel) wird haͤufig beſucht. Kerman, ein vortreffliches Land mit arbeitſa⸗ men und handeltreibenden Einwohnern, erſtreckt ſich bis an den Meerbuſen von Ormus. In der gleich⸗ namigen Hauptſtadt reſidirt Agi Huſſein Khan. Der untere Theil ſeiner Provinz, Mogoſtan, er⸗ ſtreckt ſich bis Ormus, am Eingange des perſiſchen Meerbuſens; die Kuͤſten ſind wegen Mangel an Waſ⸗ ſer nicht bewohnbar. Die Dſchiahurs(Gebernd haben hier freie Religionsuͤhung; uͤbrigens fuͤhren auch die Chriſten dieſen Namen, weil ſie wegen der Bil⸗ derderehrung fuͤr Goͤtzendiener gehalten werden. Die Gebern erkennen ein einziges hochſes We⸗ ſen, und verehren das heilige Feuer zum Andenken 36. B. Perſien. III. 1. 3 4 eines Wunders, welches wegen ihres Propheten Azer gewirkt wurde. Dieſer ward nach der Sage von dem Koͤnige Neuruhd auf gluͤhende Kohlen geworfen, und verbrannte nicht. Ihre Kinder werden nicht be— ſchnitten, ſondern einige Tage nach der Geburt in Gegenwart eines Religionsdieners gewaſchen. Es iſt ihnen erlaubt, fuͤnf Frauen zu nehmen; Eheſcheidung findet nur im Falle eines Ehebruches ſtatt. webrigens beobachten ſie einige Faſten, und feiern die Feſte ih⸗ res Propheten und einiger Santons. Sie ſind ſehr arbeitſam, ſeißig⸗ 30 wegen Rechtſchafenheit beruͤhmt. Die Inſel Orm us, ehemnſs unter eigenen Koͤ⸗ nigen ſtehend, eroberten die Portugieſen, und er⸗ bauten auf ihr eine der bluͤhendſten Staͤdte Aſiens. Schach Abbas, mit den Englaͤndern verbunden, nahm ſie ihnen aber ab, und uͤberdieß noch Gom⸗ ron, welches den Namen Bender Abbaſſi(Ab⸗ bas Hafen) erhielt. Heut zu Lage iſt Ormus ein einzeln ſiehender Felſen, zwei Stunden vom Feſtlande entferut. Kaum ſſeht man noch Spuren von der Stadt; Gomron iſt beinahe ganz verlaſſen, und nur ein Haufe von Ruinen. Seitdem der Handel ſich nach Maskat gezögen hat, verließen die Europäer Ormus gaͤnzlich. Etſteres liegt ſehr vortheilhaft auf der arabiſchen Kuͤſte am indiſchen Meere, iſt mit gu⸗ tein ſußen Quelwaßfer verſchen, und hat eine ſichere Rhede. 35 Die Inſel Kesmiſch, im perſiſchen Meerbuſen weiter vorwaͤrts gelegen, iſt groͤßer, ziemlich fiucht⸗ bar, und mit mehreren Doͤrfern bedeckt. Die ſie um⸗ gebenden Felſen machen die Einfahrt in den Hafen von Congo gefaͤhrlich. Die Quellen friſchen Waf⸗ ſers machen hier den Aufenthalt weniger unangenehm, als in den uͤbrigen Haͤfen auf dieſer K Kuͤſte, welche gar kein Waſſer haben. Die Araber landen hier mit ihren Barken, treiben mit Datteln und Reis Hanbel. Lar, ein gebirgiges duͤrres Land, iſt nicht ſtark bevoͤlkert. Die Hauptſtadt Lar iſt von Bergen und Felſen umgeben, mittelmaͤßig groß, und ihr Schloß jetzt nur ein Haufe von Ruinen. Der ehemalige Han⸗ del der Stadt iſt verbluͤht. Die Provim Lariſtan liefert viel Seide, und die Hauptſtadt hat beruͤhmte Sammet⸗ und Taffet⸗Manufakturen. Das Ciſternen⸗ Waſſer, welches man hier trinkt, wird zuvor durch Kochen von einem ſchaͤdlichen Wurm befreit, den man ſonſt zwiſchen Haut und Fleiſch bekommen koͤnnts. Er iſt ſo duͤnn, wie ein Haar, und kann nicht ohne Schmerz, ja ſelbſt nicht ohne Gefahr vertrieben wer⸗ den. An dieſem nebel leiden faſt alle Kuͤſtenbewohner des perſiſchen Meerbuſens, weil ſie aus Mangel an gutem Trinkwaſſer, das Regenwaſſer in Ciſternen auß— fangen muͤſſen, in denen der ſo gefaͤhrliche Wurm (Gordius Medinensis Linn.) eriengt wird. 36 Farſiſtan, das eigentliche Perſien, erſtreckt ſich laͤngs des perſiſchen Meerbuſens, hat aber ſehr wenig Rheden und gar keinen guten Hafen. Der Ha⸗ fen Buſcher wird meiſtens von Araber und auch von Englaͤndern beſucht, welche da einen Konſul ha⸗ ben. Er iſt der naͤchſte Hafen in Schiras. Die Inſeln Baharem an der arabiſchen Kuͤſte find wegen der Perlenfiſcherei beruͤhmt. Das ehema⸗ lige den Perſern gehoͤrige Recht auf dieſelbe haben die Araber an ſich gezogen. Schiras, die Hauptſtadt Farſiſtans, gerieth durch den Kherim Khans in Verfall, und ertrug unter verſchiedenen Fuͤrſten verſchiedene Drangſale. Der bekannte Schiras⸗Wein wird aus Trauben gekeltert, welche faſt unmerkliche Kerne haben, und ſehr wohlſchmeckend ſind. Die Roſen-Eſſenz von Schiras gilt fuͤr die vorzüglichſte. Getrocknete und eingemachte Fruͤchte ſind ein vorzuͤglicher Handelsar⸗ tikel nach Indien. Nahe bei Schiras ſind noch Neberreſte aus dem Alterthume. Ein auf einem Berge liegender alter Dempel ſcheint noch aus den Zeiten der Magier zu ſtammen. Als Ali Murat Khan ſah, daß ſich die Blo⸗ kade von Schiras in die Laͤnge ziehen wuͤrde, ließ er ſeine Soldaten eine neue Stadt(Muratabad) bauen. Jetzt wohnen einige kurdiſche Familien in derſelben, welche aber bei weitem nicht den ganzen umfang beſeten.- 37 Ein Berg von Schtras liefert die in ganz Aſten ſo beruͤhmte, koſtbare Mumie, welche von den Fel⸗ ſen in eine Hoͤhle troͤpfelt. Sie wird alle JFahre im September geſammelt, und gibt bei reicher Leſe nicht viel uͤber zehn uUnzen. Sie iſt ſchwarz, ſieht wie Pech, und hat keinen Geruch. Sie heilt alle Bruͤche, ſelbſt von ſtaͤrkern Knochen, in weniger als 24 Stunden. Wirkungen davon habe ich ſelbſt geſeben. Die Mu⸗ mie in einigen Bergen von Lar iſt weniger wirkſam, und daher auch weniger geſchaͤtzt. Der neugierige Reiſende findet in den Ruinen von Perſepolis nichts als eine Reihe von Truͤmmern und Gewoͤlben, welche auf außerordentlich dicken Mauern ruhen, nebſt dem eine Menge ungeheuerer, ſchlecht proportionirter Saͤulen mit grob gearbeiteten Kapitaͤlern. Kuſchiſtan erſtreckt ſich von dem perſiſchen Meer⸗ buſen bei den Muͤndungen des Tigris und Eu— ohrat bis an den Sinee. Su ſa, die Reſidenz des Ahasver und die Hauptſtadt Suſiana's, jetzt Schuͤſter Crichtiger Schuſter) genannt, iſt der Wohn⸗ ort des Schach Mandeli Khan. Dieſe Provinz wurde oft von den Perſern unterjocht, und von den Arabern verheert, daß ſie in einiger Entfernung von Fluͤſſen ganz wuͤſt iſt, obgleich die Gegenden an den ufern derſelben durch atabiſche Horden ſehr volkreich ſind. 38 Fran Perſan(auch Jrak Adſchemi) eine große Landſchaft in der Mitte der Provinzen, welche unter der Herrſchaft der Soſis ſtanden. In der Haupt⸗ ſtadt Ispahan befand ich mich am 6. Maͤrz 17843 ſte iſt jetzt nichts, als ein großes, mit Ruinen bedeck⸗ tes Feld. Man geht drei Stunden auf Wegen, welche vor Zeiten Straßen waren, ehe man an den Mittel⸗ vunkt der Stadt kommt. Die von Schach Abbas erbauten Bazars zeugen von der Pracht der Stadt. Der große Platz iſt ein laͤngliches Viereck, und hat 200 Toiſen in der Laͤnge und halb ſoviel in der Breite. Ein Kanal umgibt ihn; er iſt auch mit regelmaͤßig ge⸗ bauten Haͤuſern beſetzt. Ueber ihn ragt der Palaſt der Koͤnige mit Spuren ſeiner frühern Pracht hervor. An dieſen reiht ſich die prachtvolle koͤnigliche Moſchee, welche von Außen mit Marmor bekleidet iſt, die Kup⸗ vel aber und die Minarets ſind mit bunten Porzellain auf Moſaikart gedeckt, und das Innere nebſt dem Ge⸗ woͤlbe mit vergoldeten Basreliefs geſchmuͤckt. An dem andern Ende des Platzes wird vor einem großen Ge⸗ baͤude alle Tage nach dem Untergange der Sonne eine laͤrmende Muſik gemacht. Man ſieht daſelbſt auch die Uhr von Ormus, welche Ali Murat Khan nicht aufziehen ließ, weil ihm ſeine Aſßtrologen von ihrem Schlage Ungluͤck verkuͤndeten. Trotz der Verwuͤſtung zweier Drittheile von Is⸗ vahan, zaͤhlt es doch noch uͤber 300,000 Einwohner. Künſte und Handwerke werden hier in großer Voll⸗ 39 kommenheit getrieben. Suͤdlich von der Stadt iſt die beruͤhmte Allee Scherbak, welche mit der Verſailler einige Aehnlichkeit hat. Sie beſteht aus vier Reihen von Ahornbaͤumen, hat ſchoͤne Gaͤrten und Luſthaͤuſer in der Naͤhe, und iſt bei 3000 Toiſen lang. Der Fluß Sainderu(Seinde-rud) theilt die Stadt in zwet Haͤlften, und hat eine ſchoͤne, von Ziegeln und Qua⸗ derſteinen gebaute Bruͤcke, welche aus 36 Bogen be⸗ ſteht, und auf jeder Seite eine mit einer Terraſſe be⸗ deckte Gallerie hat, und eine angenehme Ausſicht ge⸗ währt. Etwas weiter hinab iſt gleichfalls eine praͤch⸗ tige von Schach Abbas II. erbaute Bruͤcke. Von einer unter den Bogen angebrachten Eihoͤhung faͤllt das Waſſer in einer Kaskade herab, und gibt dadurch einem gegenuͤberſtehenden Palaſt und deſſen reizenden Gaͤrten eine angenehme Ausſicht. Schach Abbas der Große that unter allen per⸗ ſiſchen Koͤnigen das Meiſte zur Aufnahme der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften; ihm verdankt auch Jspahan ſeine Vergroͤßerung und ſeinen Glanz. Jesd, eine ziemlich große Stadt, in einer faſt wuͤſten Gegend, iſt ſehr volkreich, und hat ſehr ar⸗ beitſame Einwohner. Die Gegenden um Jesd ſind ſehr gut angebaut, und tragen das ſchoͤnſte Getreide in Perſien; daher das perſiſche Sprichwort: um gluͤck⸗ lich zu ſeyn, muͤſſe man Brod aus Jesd, Fruͤchte aus Aderbidſchan, Wein von Schiras, und Maͤdchen aus Georgien haben. 40 Die Stadt Kaſchan, nach und nach durch Buͤr⸗ gerkriege verwuͤſtet, ſteht wegen ihrer Seiden-Manu⸗ fakturen in Ruf. Der Boden liefert vortreffliche Fruͤchte im Ueberfluſſe. Ein praͤchtiger Palaſt, welchen Schach Abbas erbauen lteß, iſt noch mit ſeinen Gaͤrten vor⸗ handen. Die Stadt Kom wurde durch ein Erdbeben faſt gänzlich zerſtͤrt. In der Moſchee liegt Sidi Fati⸗ ma, die Enkelin Alis, des Schwiegerſohnes Mahu⸗ meds, begraben; ſie wird in Perſien fuͤr vorzuͤglich heilig gehalten, und haͤufig von Pilgern beſucht. Zur Rechten in dieſer Moſchee ſind die Grabmaͤler des Schach Abbas und des Schach Sofis, deren jedes unter einer beſondern Kuppel ſteht. Zwiſchen den Staͤdten Kom und Kaſchan be⸗ ginnt die beruͤhmte Salzwuͤſte, welche uͤber ſechzig Stunden lang und zwanzig breit iſt. Als ich von ei⸗ nem der umliegenden Berge herab ſah, war dieſe große Ebene ſo mit weißem Salze bedeckt, als wenn ſo eben Schnee gefallen waͤre. Mehrere Gegenden Perſiens ſind auf dieſe Art unbewohnbar. Die Stadt Deiran in einem angenehmen, mit reizenden Huͤgeln eingefaßten Thale, ward durch den Tod Ali Murat Khaus der Pluͤnderung Preis ge⸗ geben. Die große Stadt Kasbin wurde durch die ver⸗ ſchiedenen Revolutionen ebenfalls faſt gaͤnzlich zerſioͤrt. Sie iſt ihrer Saͤbelklingen und ihrer Seidenſtoffe we⸗ 41 gen beruͤhmt; auch der Stappelplatz der Karavanen von Aderbidſchan und Koraſan. Das aus den benachbarten Bergen gegrabene Ku⸗ pfer wird zu allen Arten von Geſchirren verarbeitet. Die in der umltegenden Gegend gebauten Piſtazien werden durch ganz Perſien verfuͤhrt. Dieſe wachſen traubenfoͤrmig, wie der Wein, ſind roſenfarbig, und gewahren, wenn der einem großen Feigenbaume aͤhn⸗ liche Baum damit bedeckt iſt, den ſchoͤnſten Anblick. Das durch ein Erdbeben beinahe gaͤnzlich zerſtoͤrte Suͤltanie hat eine ſehr angenehme Lage, und zieht in ſeinen Gaͤrten vortreffliche Fruͤchte. Es iſt die letzte Stadt in Jran Perſan nach der Seite von Ader⸗ bidſchan und Ghilan. Das ſchlecht gebaute Hamadan iſt durch ſeine Lage eine der angenehmſten Staͤdte Perſiens. Die zwiſchen den Haͤuſern liegenden Gaͤrten werden von ſo zahlreichen Quellen bewaͤſſert, daß ein ſehr angeneh⸗ mes Ganzes entſteht. Kermenſchah, die erſte perſiſche Graͤnzſtadt auf der Seite von Kurdiſtan, liegt am Fuße von Bergen, am Ende einer großen Ebene, und iſt ziem⸗ lich gut gebaut. Sie hat mit Thuͤrmen beſetzte Mauern. Alo Kolo Khan nahm mich bei meiner Durchreiſe durch dieſe Stadt ſehr gut auf. Drei Ki⸗ ſten, welche aus Bagdad mir zugeſchickt wurden, zog dieſer an ſich. In denſelben waren Jagdflinten und mit Silber ausgelegte Piſolen, mein Uniform⸗Saͤbel 42 mit einem ſehr gut gearbeiteten Griffe von gegoſſenem Golde. Als er einem Feinde mit meinen Waffen zu nahe kam, warf dieſer ihn zu Boden, und hieb ihm mit dem Saͤbel den Kopf ab; weßwegen ſeine Mann— ſchaft ſagte: Geſtohlenes Gut gedeihenicht. Auf Verwenden erhielt ich von ſeinem Neffen Ad⸗ ſchi Ali Khan meine Waaren wieder, indem er ſie nach Bagdad zum framoͤſiſchen Konſul ſchickte, von welchem ich ſie noch nicht bekommen habe. Bei Kermenſcha ſah ich in einem Gewoͤlbe, welches in einen ungeheneren Felſen gehauen iſt, eine Bildſaͤule zu Pferde von bedeutender Groͤße. Nach der Sage der Perſer ſoll ein gewiſſer Ferrer lange vor Aleranders Zeit durch ſeine Tapferkeit und Lebenslaͤnge beruͤhmt geweſen ſeyn. Das etwas klei⸗ nere Bild ſeiner Gattin ſteht neben dem Seinigen. An den Felſen waren Basreliefs zur Verewigung ſeiner Siege ausgehauen. Auf dem Wege nach Fſpahan ſah ich an verſchiedenen Brten mehrere Werke dieſer Art, welche ebenfalls von dieſem Ferrer ſeyn ſoll⸗ ten. Das große Gewoͤlbe iſt dreißig Fuß breit, unge⸗ faͤhr ſiebenzig hoch und bogenförmig. Auf jeder Seite ſiebt man Basreliefs, Jagden und Fiſchereien vorſtel⸗ lend, und das Ganze iſt ziemlich gut erhalten. Neben dieſem Gewoͤlbe und am Fuße des Felſens entſpringt aus dieſem eine betraͤchtliche Quelle, welche im Sommer ſo kalt wie Eis, und im Winter ſehr 43 heiß iſt. Gleich bei ihrem nuſurunge bildet ſie einen ſehr ſchoͤnen Fluß. Seit dem ein Minigsmärder die monarchiſche Herr⸗ ſchaft in Perſien vernichtete, haben die Gouver⸗ neurs in ihren Provinzen uneingeſchränkte Gewalt. Die Khans haben in ihren Staͤdten die hoͤchſte Macht, und halten alle Tage zweimal Divan. Sie uͤben dann fuͤr ihre Vaſallen die Rechtspflege aus, und nach dem urtheilsſpruche folgt auch immer ſogleich die Voll⸗ ziehung. Jeder Khan macht ſich zur Pflicht, die Ge⸗ rechtigkeit oͤfentlich und unpartheiiſch zu verwalten. Immer ſind Henker in ſeinem Gefolge, um ſtillſchwei⸗ gend den Befehl zur Vollziehung der Urtheile zu erwarten. Die Perſer haben noch jetzt Geſchmack an Kuͤn⸗ ſten und Wiſſenſchaften, und in allen großen Staͤdten ſind Schulen, in welchen Philoſophie gelehrt wird. Die perſiſche Sprache wird in Farkiſtan am rein⸗ ſten geſprochen, und heißt deßwegen Farſi, ſie iſt mit der arabiſchen vermiſcht, und klingt maſe⸗ ſtaͤtiſch.— Die Perſer verachten die Tuͤrken als Ketzer, weigern ſich, mit denen zu eſſen, welche nicht zu ihrer Sekte gehoͤren, und verachten ſie ais un⸗ reine. Wenn ein Perſer ſeine Haͤnde in einem Bache wuͤſche, wuͤrde er nicht zugeben, daß ein Ketzer zehn Schritte weiter oberhalb zu gleicher Zeit traͤnke, weil der befuͤrchtete, daß derſelbe durch ſeine Lippen das Waſſer verunreinigen moͤchte. 44 Schon ſeit drei Wochen ließ mich Ali Murat Khans erſter Miniſter aus ſeiner Kuͤche und mit ſei⸗ nem Geſchirre bedienen, ohne daß ich wußte daß das Porzellain und alles, was ich brauchte, bei Seite ge⸗ ſetzt, und Niemand mehr damit bedient wurde. Weun ich bei ihm aß, ſo ſetzte man jedem Gaße eine kleine Schuͤſſel mit fuͤnf oder ſechs verſchiedenen Gerichten vor. So bewirthen die Perſer ihre Gaͤſte, welche nicht von ihrer Religion ſind, um auf dieſe Art Un⸗ boͤflichkeiten gegen dieſelben zu vermeiden. Sind keine Fremden da, ſo eſſen ſie mit denFingern aus einerSchuͤſſel. Die Perſer ſind nicht ſo fanatiſch grauſam, wie die Tuͤrken. Chriſten duͤrfen in ihre Moſcheen gehen, ja Renegaten ſogar die Religion Mahv⸗ meds wieder abſchwoͤren, ohne dabei die Hinrichtung wie in der Tuͤrkei befuͤrchten zu duͤrfen. Die frommen und aberglaͤubiſchen Perſer halten die Wallfahrt nach Bagdad fuͤr eine Pflicht; ſelten gehen ſie nach Mekka. Die Sterndeuterei dient ihnen zur Richt⸗ ſchnur bei allen ihren Schritten. Bei Unternehmun⸗ gen laſſen ſie auch auf Gerathwohl von ihrem Roſen⸗ kranze eine Anzahl Kuͤgelchen fallen, bei derem jeden ſie den Namen Gottes ausſprechen. Je nachdem die Zahl derſelben gerade oder ungerade iſt, wird das ternehmen gewagt oder unterlaſſen. Der Sitel Khan(Herr) iſt bei den Familien erblich, wie der Adel in Europa. Sie halten viel auf die Geſchlechtsregiſter, und ehren das Alterthum derſelben 45 Der Perſer traͤgt ein Kleid von Kattun und ſcharlachfarbene Struͤmpfe. In ihren Schuhen, welche den Frauenzimmer-Pantoffeln aͤhnlich mit hohen Ab⸗ ſaͤtzen ſind, fuͤhren ſie einen unedlen und unſichern Gang. Ihre Muͤtzen mit einem rothen Zipfel und mit einem Shawl von gleicher Farbe umwunden, verſchafft ibnen bei den Tuͤrken den Spottnamen: Rothkoͤpfe. In der Sprache der Perſer heibt dieß Goldkopf, auf welche Benennung ſie ſehr ſtolz ünd. Die Perſer ſind ſehr eiſerſuͤchtig, und erlauben ihren Weibern hoͤchſtens 2— 3 mal im Jahre ihre Ver⸗ wandtinnen, und zwar nur zu Nachtzeit zu beſuchen. Einem Reiſenden iſt ſchwer, die Perſerinnen, welche fuͤr ſchoͤn gelten, zu ſehen. Dagegen verſchwindet die Neugierde bei ihrer hoͤchſt laͤcherlichen und widri⸗ gen Kleidung. Einer aus Schiras gekommenen Mode gemaß tragen alle eine Art weiter Hoſen, und ſtopfen ſie vom Guͤrtel bis auf die Ferſen mit ſo viel Baum⸗ wolle aus, als nur möglich iſt Die Beinkleider ſind mit Goldſtoff oder reicher Stickerei uͤberzogen, und ge⸗ ſtalten ihre Beine zu zwei unfoͤrmlichen Kloͤtzen Ein bis an den Guͤrtel aufgeſchlitztes Hemd von Karmeſin⸗ farbigem Taffet geht nur bis an die Knie, und laͤßt den Buſen ganz frei hangen, weil es nicht Sitte iſt, ihn einzuſchnuͤren. Eine kleine, mit Gold oder Stei⸗ nen beſetzte Muͤtze, und Haarflechten, welche auf die 46 Schultern herabfallen, machen ihren ganzen Kopfputz aus. Eine andere Art von Kopfputz iſt, ſich die Haare roth zu faͤrben. Auch bemalen ſie Haͤnde und Fuͤße mit einer blutaͤhnlichen Farbe, und tragen ſie uͤbri⸗ gens bloß. Im Winter tragen ſie eine kleine Weſte, welche mit einem Guͤrtel und einer Agraffe feſtge⸗ macht wird. So ſah ich von der Terraſſe meiner Wohnung ei⸗ nige Nachbarinnen verſtohlener Weiſe: Sie kamen mir vor, wie Poſtillivne mit Kurierſtiefeln. Die Richtigkeit meines Vergleiches that das Harem Ali Murat Khans dar, welches ich durch den Laden eines kleines Fenſters bei meiner Wohnung vorbeirei⸗ ten ſah.— Als Grund dieſer ſo ſeltſam ausgeſtopften Beinkleider geben ſie vor, daß ſie kuͤhler ſeyen. In Anſebung ihres Hemdes, welches uͤbrigens öfter ge⸗ waſchen werden ſollte, richten ſie ſich nach einem al⸗ ten Gebrauche. 6. Das Gewerbe der Buhlerinen iſt bei den Perſern nicht verachtet.— Obwohl die Perſer ihten Weibern einen Widerwillen gegen Perſonen anderer Sekten eingeloͤht haben, ſo hindert doch nichts, daß ſie den Cbriſten, von denen ſie geliebt werden, und welche bezahlen koͤnnen, die letzten Gunſtbezeigungen be⸗ willigen. 1i Vorzuglich ſchöne Terpiche ſind den Perſern ein Seichen des Wohlſtandes. Der Perſer ſitzt, nicht wie der Tuͤrke, mit kreuzweis uͤbereinander geſchlagenen . ————,—— 47 Beinen, ſondern mit dem Knie, wobei der Leib auf den Ferſen ruht. So lange die Wallfahrt nach Bag⸗ dad noch nicht gemacht iſt, traͤgt der Perſer kein Be⸗ denken, Wein und Branntwein, und zwar im Ueber⸗ maße zu trinken. Es gibt in allen Staͤdten ſehr ſchoͤne Baͤder. Die Chriſten haben beſondere, weil ſie von den Perſern fuͤr unrein gehalten werden. Die Juden werden in keinem Lande ſo verachtet, wie in Perſien. Sie ha⸗ ben hier den komiſchen Gebrauch, in ihren Haͤuſern uͤber der Thuͤr ein großes Stuͤck Hol; an einem Strick aufzuhaängen, und ſo oft ſie ausgehen, mit tau⸗ ſend Verwuͤnſchungen gegen die Perſer es zu uͤber⸗ baͤufen. Werden ſie deßwegen geſchlagen, ſo ſagen ſie mit der groͤßten Kaltblutigkeit, ſie hätten ihr Gebet verrichtet. Oboleich die Perſer brav und beherzt ſind, ſo ſehen ſie indeß kraͤnklich und mager aus. Letzteres kann man dem baͤufigen Genuſſe des Opiums und ihrer Frugalitaͤt zuſchreiben. Sie leben uͤbrigens lange, und ſiüd den Gebrechlichkeiten des Alters wenig un⸗ terworfen. Bei dem Tode der Eltern tragen die Perſer Trauer. Am erſten Tage zerreißen ſie ihre Kleider und ſtreuen Staub auf ihre Muͤtze, ſo wie auf ihre Aermel. Den folgenden Dag wird Trauer ange⸗ legt, welche fuͤr einen Verwandten im erſten Grade ein Jahr, fuͤr einen Vetter aber drei Monate dauert. 48 Während dieſer Zeit kleiden ſie ſich braun, und auch die Diener tragen dieſe Farbe. Die Perſer haſſen die Malerei nicht, wie die Tuͤr⸗ ken. Da ſie aber ſchiechte, unkundige Zeichner ſind, ſo ſind ſie auch ſchlechte Maler. Ibre Figuren ſind einfoͤrmig, und ſehen einander faſt aͤhnlich. Ihre Bildhauerei geht nicht uͤber Basrelifs mit Arabesken und Blumen hinaus. Was das Kriegsweſen der Perſer angeht, ſo ſind ſie eben ſo unwiſſend in der Belagerungskunſt und or⸗ dentlichen Taktik, wie die Tuͤrken. Die Perjer pflegen ihre Schaͤtze zu vergraben, weil ſie bei dem unaufhoͤrlichen Kriege in beſtaͤndiger Gefahr ſchweben, dieſelben zu verlieren. Bagal Khan, Gouverneur von Iſpahan, ließ waͤhrend meiner Anweſenheit daſelbſt, an einem Tage in ſeinen Gaͤrten mehrere Baͤume ſetzen, unter jedem einen Geldkaſten eingraben und am Abende alle Leute, welche er bei dieſer Arbeit gebraucht hatte, umbringen. Bald darauf verlor er den Kopf. Sein Nachfolger, welcher bemerkte, daß man aus einem jungen Baume, wenn er dicht an der Wurzel abgeſchnitten wuͤrde, einen guten Kolben machen koͤnne(die Kolben pflegen die Perſer, wie die Europaͤer die Rohre zu tragen), ließ einen Baum ausgraben und fand dabei ei⸗ nen Geldkaſten. Er ließ dann auch die anderen aus⸗ reißen, und gelangte ſo zu einem ungeheueren Schatz, welchen Dſchaffer Khan bald an ſich brachte. 49 Auch Nadir Schah ſod die unermeßlichen Reich⸗ thuͤmer, welche er aus Indien mitgebracht hatte, vergraben haben. Die Perſer treiben einen betraͤchtlichen Handel mit den Indiern, welche bringen Gewuͤrze, Mouſſeline und die ſchoͤne, gemalte Leinwand, welche wir in Europa perſiſche nennen, weil wir ſie vor Entdeckung des Weges um das Vorgebirge der guten Hoff⸗ nung aus Perſien erhielten. Die Indier dagegen tauſchen Apothekerwaaren, Seide, Goldſtoffe und ge⸗ trocknete Fruͤchte ein. 3 Der vielen Revolutionen uͤberdruͤßig, wollte ich Ispahan verlaſſen, und hielt bei dem Gouverneur um einen Paß an. Da er nun an Mehemet Khan berichten wolte, und da dieſer meinen Aufenthalt bei ſeinem Todfeinde Ali Murat Khan wohl wußte, ſo hielt ich fuͤr rathſam, mich in aller Stille zu entfernen. In einer armſeligen Kleidung und mit halb verhuͤlltem Geſichte ſchloß ich mich daher an meh⸗ rere andere Perſonen an, welche um Paͤſſe baten, und verlangte den meinigen unter dem Namen Mehe⸗ met Ali von Damask, welcher nach ſeiner Vaterſtadt zuruͤckkehren wollte. Ich erhielt ihn ohne Schwierig⸗ keit, und reiſte am 46. Mai 1798 mit einer Karawane nach Bagdad. Nicht weit von der Stadt uluͤgardi kehrten wir in einem Karawanſerai ein. Mein Diener fuͤhrte Abends meine Pferde zur Traͤnke. Plotzlich aber nah⸗ s6. B. Perſien. III. 4. 4 50 men Raͤuber dieſe weg. Sogleich griffen meine Ge⸗ faͤhrten zu den Waffen, ent ſen ſich aber, eine De⸗ putation an den Anfuoͤhrer der Raͤuber zu ſchicken, um meine Pferde nach Alis Willen wieder her zu geben. Das Geſuch ward mit vieler Religioſitaͤt bewihigt, und ich mußte kommen, um die Miſſethaͤter anzuzei⸗ gen. Zu meinem groͤßten Erſtaunen fah ich unter den Freibeutern den Befehlshaber des Dorfes Bispiſſe, welcher ſich meiner ohne weitere Umſtaͤnde bemaͤchtigen wollte; er ſagte: ich ſey ein Unglaͤubiger, ein Frank und ſein Schuldner. Der Zuſammenhang war folgen⸗ der. Als ich nach Perſien kam, gab mir der Gouver⸗ neur von Kermeuſchah eine Bedeckung nach If⸗ pahan. In den Bergen von Bispiſſe ward ein ſehr ſchoͤnes Pferd, weiches ich aus Bagdad mitge⸗ bracht hatte, krank. Ich ließ es im genannten Dorfe zur Heilung zuruͤck, und erhielt es ſpaͤter wieder, ohne zu wiſſen, daß der Mann, welcher die Heilung uͤber⸗ nommen, nicht bezahlt worden ſey. Davon ſchrieb ſich jetzt die ungelegene Forderung her. Meine Gefaͤhrten aͤrgerten ſich an dieſem Vor⸗ wurſe, und verſicherten, ich ſey ein aͤchter Muſelmaun. Mein verwuͤnſchter Glaͤubiger ging ſogleich daran, den Beweis meines Chriſtenthums zum Vorſchein zu bring Ich mußte mich nun zu einem Vergkeiche entſchließen. Die Artikel waren bald beſtimmt, aber mein Geld reichte nicht hin. Nun fand ich in Ge⸗ fahr an die Tataren verkauft zu werden. Meine Ver⸗ 51 legenheit ſtieg noch mehr, als meine Gefaͤhrten aͤuſſer⸗ ten, mich koszukaufen, wenn ich ihr Glaubensgenoſſe werden wollte. Dieſen Vorſchlag nahm ich nicht an, mit der Antwort, meine Vorhaut nicht zum Loͤſegelde zu geben. Endlich befreite mich ein vornehmer Herr aus Koraſin, Huſſein Khan, unter der Bedingung, daß ich ihm das Geld zu Bagdad wieder geben wollte. Dadurch wurde ich aus der ſchrecklichſten Lage befreit, in welcher ich jemals mich befunden habe. Bagdad, am Tigris hat eine Schiffbruͤcke, durch welche ſie mit einer großen Verſtadt in Ver⸗ bindung ſteht. Ihre Vergroͤßerung verdankt ſie theils den Auswanderungen aus Perſien, theils ihrer, zum Handel vortheilhaften Lage. Sie iſt aus guten Zie⸗ gelſteinen erbaut, und hat ziemlich große, mit ſchoͤnen Gewoͤlben bedeckte Bazars. Die große Hitze noͤthigt die Einwohner, ſich ein Drittbeil des Jahres in den Kellern ihrer Haͤuſer aufzuhalten. Der Handel von Bagdad beſteht vorzuͤglich in indiſchen Stoffen und Zeugen, in Kaſchemir, Shawlös, in perſiſchen Apotbe⸗ kerwaaren und Seide. Die um Bagdad wachſenden Datteln ſind be⸗ ruͤhmt, und dienen den Arabern in der Wuͤſte zur vorzuͤglichen Nahrung. Wenn der Dattelbaum nicht unfruchtbar bleiben ſoll, ſo muß der Samenſtaub des Palmbanmes in den Bluͤthenkelch des Dattelbaumes gebracht werden. Seine Frucht nahrt den Araber, und dient zur Brannt⸗ wein⸗Bereitung; mit den klein geſtoßenen Kernen werden die Kameele gefuͤttert; der Stamm gibt Zim⸗ merholz, Faͤden aus der Rinde gezogen machen ge⸗ wiſſe Zeuge dauerhafter. Die Zweige gebraucht man zu Bettſtellen und Kaſten, und aus den langen, biegſamen Blaͤttern werden Matten und Koͤrbe ge⸗ flochten. In der Umgegend von Bagdad findet man ſehr hohe und ſehr alte Ruinen, welche die Araber Nim⸗ rods⸗Thurm nennen. Kufa am Euphrat, durch das Grab Ali's be⸗ ruͤhmt, wird haͤufig von den Perſern beſucht. Ver⸗ gebens ſucht man an den Ufern des Euphrat Spuren von Babylon, deſſen Name nur noch in der Ge⸗ ſchichte vorhanden iſt. Dieß war das Schickſal aller Staͤdte, welche nur von getrockneten Ziegelſteinen gebaut waren, wie dieß in dem groͤßten Theile Aſiens geſchieht. Basra liegt an einem Kanale', welcher aus dem Euphrat gezogen iſt. Zwanzig Stunden oberhalb der Stadt vereinigt er ſich mit dem Tigris, welche ſich dann vereint in den perſiſchen Meerbuſen ergie⸗ ßen. Basra wurde bald von den Tuͤrken, bald von den Perſern, und mehrere Male auch von den Ara⸗ bern eingenommen. Daſelbſt reſidirtauch ein engliſcher Konſul. Die Araber, in verſchiedene Staͤmme getheilt, fuͤhren ein herumſchweifendes, freies Leben. Ihr gan⸗ „ 53 zer Reichthum beſteht in Pferden, Schafen, Ziegen, Kamelen und Eſeln. Auf ihre Pferde verwenden ſie viele Sorgfalt, und laſſen andere⸗Ragen ſich nicht mit ihnen vermiſchen. Ein langes Geſchlechts⸗-Regiſter von einem ihrer Pferde erregt ihre ganze Aufmerkſam⸗ keit, und erhoͤht den Werth deſſelben betraͤchtlich. Die Araber ſind beſtaͤndige Geſellſchafter ihrer Pferde. Die Ragen in der Wuͤſte von Bagdad ſind klein, aber die nach Moka zu ſchoͤn geſtaltet. Der Araber ſieht nicht ſowohl auf Schoͤnheit, als vielmehr auf unvermiſchte Abkunft. Die Haare von Ziegen und Schafen verarbeiten die arabiſchen Frauen zu Kleidungsſtuͤcken. Die Frauen haben bisweilen regelmaͤßige Zuͤge, und wuͤrden da— durch ſchoͤn ſeyn, wenn ſie nicht die Sitte haͤrten, ſich die Lippen ſchwarz zu faͤrben, und ſich auf den Wan⸗ gen, dem Buſen und den Armen ſeltſame Zeichnungen zu machen. Ein goldener Ring in einem Naſenloche und mehrere glaͤſerne uͤber die Arme machen ihren ſchoͤn⸗ ſten Putz aus. Sie ſind unverſchleiert, nicht ſproͤde und gefaͤllig gegen Fremde. Ihre Tracht iſt beinahe jener der Maͤnner aͤhnlich. Ihre Haare fallen in Flechten auf die Schultern hinab, und bloßes Tuch von rothem Muſſeline iſt ihr Kopfputz. Ihnen liegt die Haushaltung ob, und ſie ſind vielleicht die keu⸗ ſcheſten Weiber in ganz Aſien. Mehrmals ſah ich junge Maͤdchen von ſchlankem Wuchſe uͤber den Euphrat ſchwimmen, und Baumzweige bringen, welche zum Brodbacken dienen ſollten. Wenn ſie an das Ufer traten, dienten Offenheit und Unſchuld ih⸗ nen zur Bekleidung, und dieſe reinen ſchuͤchternen Junofrauen erroͤtheten nur, weil ſie Fremde ſahen. Der Araber traͤgt ein Unterkleid, welches bis un⸗ ter die Kute geht, und mit einem ledernen Guͤrtel um die Lenden befeſtigt wird. Um den Kopf tragen ſie zwei Tuͤcher, deren eines doppelt zuſammengefaltet iſt, und mit breiten Zipfeln herabhaͤngt; das andere aber nachlaͤſſig um die Stirn geknuͤpft wird, und ruͤck⸗ waͤrts herab faͤlt. An den Fuͤßen tragen ſie Sanda⸗ len oder eine Art Halbſtiefel, welche bis in die Mitte des Beines gehen. Alle Araber tragen einen Mantel (Habba), welches ein großes, doppeltes, in der Mitte aufgeſchlitztes Viereck iſt, das einen runden Ausſchnitt für den Hals und zu beiden Seiten Deffnungen hat, durch welche die Arme geſteckt werden. Die Farbe dieſes Mantels iſt entweder ganz ſchwarz, roth und weiß; bei einigen ſchwarz und weiß geſtreift, ſo datz ſie einem Leichentuche nicht unaͤhnlich ſind. Dieſe Maͤntel ſchuͤtzen ſehr gegen den Regen; ja ſie werden nicht eher gekauft, als bis man einen Eimer Waſſer darauf gießt, von dem bisweilen in einer Viertelſtunde nicht ein Dropfen durchdringt. Die Nahrungsmittel der Araber ſind ſehr einfach. Die Gaſtfreundſchaft beobachten ſie noch, wie ihre Voreltern.— Die Axaber veraͤndern ihre Wohnplaͤtze —,. — 55 ſehr oft, jedoch kommen ſie alle Jahre wieder Drk zuruͤck, wo ſie gewoͤhnlich wohn Alle überhaupt ſind klein und mager, haben S ft gen und eine ſchwaribraune Farbe. Ihre nom Lebensart erinnert die Reiſenden ſehr lebhaft alten Patriarchen. Merkwuͤrdig iſt die 5 Wohnplaͤtze zu veraͤndern. Die zahlreichen Heerden eröffnen den Zug der Karavanen. Einige Laſtthtere, von jungen Leuten gefuͤhrt, tragen die kleinen Kin⸗ der; dann folgen Kameele mit den ſchwangern oder kranken Weibern und dem Gepaͤcke; die uͤbrigen Wei⸗ ber gehen zu Fuß, und tragen immer ihre Kinder auf dem Ruͤcken oder in den Armen; die Maͤnner zu Pfer⸗ de, mit ihren Lanzen bewaffnet, reiten neben her⸗ um die Thiere anzutreiben, wenn ſie zu langſam weiden. Sie regieren ſich untereinander ſelbſt nach Staͤm⸗ men⸗ Jeder Hausvater ſpricht in ſeiner Familie das Recht; doch verſammeln ſich bei wichtigern Angelegen⸗ heiten Greiſe zur Berathſchlagung. Die raͤuberiſchen Araber machen beſondere Staͤmme aus, und legen ſich vorzuͤglich auf das Stehlen. Das Recht dazu lei⸗ ren ſie von ihrer Abſtammung aus Ismael her. Weil nun dieſer von Abrah am enterbt, und mit ſeiner? Mutter in die Wuͤſte vertrieben ward, ſo ma⸗ chen ſie An ſpruche auf die Verlaſſenſchaft ihres Va⸗ ters, und nehmen aus dieſem Grunde deh Nachkommen Iſgaks die Guͤter ab, deren ihr Stammvater, der aͤltere Sohn Abrahams beraubt worden iſt. Die betraͤchtliche Menge ſolcher Ismaeliten macht die Reiſe durch die Wuͤſte ſehr gefaͤhrlich, und man muß daher die Karavanen abwarten. Das beſtaͤndige Mißtrauen zwiſchen den Arabern bringt ſie auf verſchiedene Arten von Liſt. Sie beob⸗ achten die Fußſtapfen des Viehes, welches nach an⸗ dern Weideplaͤtzen gezogen iſt, und machen die ge⸗ naueſten Berechnungen uͤber die Wege, welche die Fuͤhrer genommen haben koͤnnen. Beſonders dient die Looſung zu einem ſelten truͤgenden Kennzeichen, um daraus die Zeit zu beurtheilen, welche nach dem Zuge verfloſſen iſt. Auch beſteigen ſie Erhoͤhungen und Huͤ⸗ gel, um ſich in den Ebenen umzuſehen. Bisweilen legen ſie ſich auch bei der Nacht auf die Erde, weil ſie nur dann den Araber, welcher auf Raub ausgeht, ſelbſt in einer großen Ferne, hoͤren koͤnnen. Denn ſie reiten meiſtens Stuten, weil ſie nicht wiehern, und ſogar Reiſende, welche Hengſte haben, verrathen. Nie zuͤnden die Araber Nachts Feuer an, als wenn ſie zahlreich genug ſind, um nichts befuͤrchten zu duͤr⸗ fen. Als ich einmal in der Gegend des Euphrat lagerte, zuͤndete ich Nachts Licht an, um gegen Diebe ſicher zu ſeyn. Nichts deſtoweniger wurden meinem Diener ein Saͤbel und ſeine Piſtolen geſtohlen, ohne daß wir den Dieb entdecken konnten, obgleich wir au⸗ genblicklich Laͤrm machten. In den großen Ebenen gibt es ſo viele Haſen⸗ — 57 daß ſie die Araber mit Stoͤcken todtſchlagen koͤnnen. Auch finden ſich hier viele Jerbvas(Springhaſen), deren Fleiſch ſo zart, wie jenes der Eichhoͤrnchen iſt. In den Wuͤſten leben viele Strauße. Auch ſieht man bier Lorbeer-Roſen und den Keuſchbaum(Agnus ca- stus), deſſen Bluthen bei den roͤmiſchen Damen ſehr im Rufe ſtanden. Die Frauenzimmer, welche ihrer Tugend nicht traueten, legten ſorgfaͤltig dergleichen Bluthen in ihre Betten. Auch gibt es hier Loͤwen und Hyaͤnen. Vrabien hat an dem perſiſchen Meerbuſen kei⸗ nen andern Hafen, als Katif, wo ein ziemlich aus⸗ gebreiteter Handel mit Bafra und andern perſiſchen Seeſtaͤdten getrieben wird. An den Kuͤſten nach dem Deean hin liegt Maskat; in einiger Entfernung von dem Eingange des in ſeinem Innern ſo gefaͤhrlichen rothen Meeres, welches bei den Arabern Babel Mandab(Todesthor) deißt, liegt die Stadt Mo⸗ ka, welche deßwegen beruͤhmt iſt, weil eine Art Kaf⸗ fee von ihr den Namen hat, obgleich er nicht in ih⸗ rem Gebiete waͤchſt, ſondern nur aus ihrem Hafen nach Indien, Perſien und nach der Tuͤrkei gefuͤhrt wird. Einige Tagereiſen weiter liegt die Stadt Sa⸗ ba, deren Koͤnigin im alten Bunde bekannt wurde. Hier beginnt das gluͤckliche Arabien, von ſeinen Fluͤſſen ſo genannt, durch welche es weniger unfiucht⸗ bar iſt, als das wuͤſte und ſteinigte Arabien. In Mekka, der Hauptſtadt, ward Mahomed geboren⸗ * 58.. welcher Eroberer, Monarch, Geſetzgeber und Oberprie⸗ ſter zugleich war. Von da begab ſich Ferrieres⸗Sauveboeuf nach Aegypten, beſuchte Kahira, die Pyrami⸗ den und Alerandrien, und reiſte hierauf nach Palaͤſtina, deſſen Wrchmeſl Städte er in Augen⸗ ſchein nahm. Die Stadt Valbek, mit ei nem Ecu⸗ pel der Sonne, iſt beinahe ganz zerſthrt; Die Be⸗“ wohner der Ruinen erregen traurige bi6 üͤber die Vergänglichkeit der ſchoͤnſten Weike von Voͤl⸗ kern, welche der Nachwelt Beweiſe ihrer Groͤhe hin⸗ terlaſſen haben. Das alte Palmyrg erregt die Bewunderung des Reiſenden. Das Auge verliert ſich unter der Menge von aufrechtſtehenden und umgefallenen Saͤulen mit ihren Kapitaͤlern, welche die Pracht der ungeheneren, herrlichen, ſelbſt in ihren Ruinen bewunderungswuͤr⸗ digen Gebaͤude vermehren. Dieſe Stadt hatte ihren Glanz allein dem Handel zu verdanken. Pbgleich in einer unfruchtbaren Wuͤſte gebaut, wurde ſie doch durch ihre Lage der Sammelplatz fuͤr Babylon, Aegypten und Phoͤnizien. Die Erhaltung der Ruinen ruͤhrt davon her, d die Stadt in der Wuͤſte liegt. Die Stadt Sgrabluͤs am Fuße des eibanon, iſt von mittelmaͤhiger Groͤße. In einiger Entfernung bei Beſcharey ſind die ſo ſehr geruͤhmten Cedern, 59 welche bloß durch ihr Alter Aufmerkſamkeit erregen, und der Erwartung nicht entſprechen, welche man von ihnen hat, ehe man ſie ſieht. In dieſem Theile Syriens wohnen Druſen⸗ In einem kleinen Dorfe, nicht weit von Latakie (dem alten Laodizea), ſah ich eine Druſen-Hochieit. Die Braut ſaß auf einem Pferde, und war ganz mit einem Schleier von rothem Muſſeline bedeckt. Alle Weiber, Maͤdchen, Maͤnner und Juͤnglinge des Dor⸗ fes begleiteten ſie bis zum Hauſe des Braͤutigamo. Der ganze Zug tanzte dabei nach einer Art von Floͤte, welche aus zwei 11/2 Fuß langen Roͤhren beſtand. Der ganze Schwarm von Taͤnzern und Taͤnzerinnen bielt bei dieſem unmelodiſchen Inſtrumente den Takt ſehr genau. Waͤhrend dieſer Zeit forderten die An⸗ verwandten von allen Anweſenden einige Stuͤcke Gel⸗ des, um nach der Sitte der Braut ein Geſchenk zu machen. Bei jedem Geſchenke, das in den Beutel ge⸗ ſteckt wurde, feuerte man Flinten, ab und hernach er⸗ hoben die Weiber ein ſcharfes, durchdringendes Ge⸗ ſchrei. Eine Art Pedell rief dann mit lauter Stim⸗ me:„Moͤgeſtdu, der du jetzt deine Freigebigkeit gezeigt haſt, auch bald heirathen.“ Ich gab einen Piaſter, und ward wegen meiner Freigebigkeit beſtaͤndig ge⸗ lobt. Hierauf fuͤhrte man die Schoͤne zu ihrem Braͤu⸗ tigam, welcher ſich in einer halben Stunde triumphi⸗ rend zeigte, und die Fahne ſeines Sieges vor dem Fenſter aushaͤngte. Jedermann wuͤnſchte ihm Gluͤck 60 zu ſeiner Ehe; ich ſetzte meine Reiſe fort, beſuchte die Inſel Cypern u. ſ. w. Die Beſchreibung Syriens, Meſopotamiens, Griechenlands, der Moldau und Wallacheize., welche der Verfaſſer weitlaͤufig gibt, koͤnnen wir bloß den Namen nach beruͤhren, weil jene Laͤnder ſchon be⸗ ſonders bearbeitet, in unſerer Taſchen-Bibliothek zu finden ſind, und weil wir hier vorzuglich unſer Au⸗ genmerk auf des Verfaſſers Beſchreibung von Per⸗ ſien richteten. 61 Reiſe durch Armenien und Perſien in den Jahren 1805— 1806, von P. Amedée Jaubert*). Aus dem Fran⸗ zöſiſchen überſetzt. . In dem Jahre 180s kam Jaubert als fran⸗ zoͤſiſcher Geſchaͤftstraͤger nach Konſtantinopel, wo er nach einer langen und zuͤhſeligen Unterhandlung zu Kiaht⸗Khaneh(Suͤßwaſſer) dem Sultan Se⸗ lim vorgeſtellt wurde. Jetzt erſt konnte er an ſeine *) Voyage en Armenie et en Perse fait dans les annecs 4805 et 4806 par P. Amedée Jau- bert, cher. de la Legion d' honneur, Maitre des requetes en service extraordinaire, l' un des Sccretaires Interprétes du Roi pour les langues orient., Correspondant de l' institut royal des Pays Bas, accompagné d'une carte des pays compris entre Constantinople et Teheran, dres- s6e par Mr. Lapie, suivi d' une notice sur le Ghilan et le Mazenderan par Mr. le colonel PTrezel, et orné de planches lithogr. A Paris ches Pelicier. 1924. 8. 6 62 Reiſe nach Verſien denken. Wegen der großen Hitze und der Reiſe durch empoͤrte Laͤnder wurde der See⸗ Weg eingeſchlagen, obgleich damals ſchwer unter den Griechen ein Steuermann zu finden war, welcher den Wes von Konſtantinopel bis Trebiſond kann⸗ te, und die Gebirge von Kolchis verſchiedene Unan⸗ nehmlichkeiten drohten. Durch die Vermittlung des franzoͤſiſchen Dolmetſchers Franchini erhielt ich ein Schiff mit Verdeck und dreieckigen Segeln, welches ſehr uneigentlich Bechtſchifteh Gehuruderig) ge⸗ naunt wird. Bis Fanaraki, einer Feſtung an Ein⸗ gange des ſchwarzen Meeres begleitete Franchini unſern Reiſenden. Obwohl anfangs der Wind unguͤnſtig war, ſo brachte er Jaubert mit einem armeniſchen Fuͤhrer, einem Tataren und einem franzoͤſiſchen Diener in ſie⸗ ben Tagen an die Koͤſte des Phaſis, und von da nach Trebiſond. Die Umgebungen Trebiſond's waren im Aufruhre. Man empfing die Reiſenden mit der Gleichguͤltigkeit, mit welcher die Dömanen, beſon⸗ ders in Klein⸗Aſten, gewoͤhnliche Fremde empfangen. Den Aga, welcher der Reiſe hinderlich war, gewaun Jaubert endlich; ſogleich miethete er Pferde, legte verſiſche Kleider an, und machte ſich am 14. mit Ta⸗ gesanbruch auf den Weg. Mit großer Mühſeligkeit kämpfend, erzahlt Jau⸗ bert, kamen wir durch den Theil des Kaukaſus, welcher Trebiſond von dem Paſchalik Srzerum —„— S 63 ſcheidet. Faſt alle Bruͤcken fanden wir ünterwegs ab⸗ gebrochen, alle Dörfer von den Empoͤrern gepluͤndert und eingesſchert. Am 48. Juni kamen wir zu dem kleinen Dorfe Kodſchah⸗Punharan, welches un⸗ fahr 8 Stuͤnden von Ebzerum liegt. Vus Vor⸗ ſicht lud ich mein Gepaͤcke auf zwei A bis(Wagen), welche von Ochſen gezogen wurden. Auf der erſten Mauth, drei Stunden von Erie⸗ rum, durfte ich gegen ein kleines Geſchenk unange⸗ halten uͤber die Bruͤcke des Euphrat ziehen. Am Eingauge der Stadt ging es noch beſſer. In einen dicken Pelz gehuͤltt, das Geſicht mit einem ungeheuern Turban halb bedeckt, lag ich auf einem Wagen unter dem Filz uͤber dem Gepaͤck. Der Thorwaͤchter hielt mich fuͤr einen kranken Muſelmann, und ließ mich ungehindert ziehen. Als ich im Fran nſerei Dem wiſch⸗aga⸗khany Nachricht aus Perſien erhielt, daß der Hof in Tauris ſey⸗ ich in 14— 46 Tagen kommen konnte, ſo becilte ich mich, Srzerum bald zu verlaſſen. Da aber die tuͤrkiſchen Beamten an der perſiſchen Grenze ſehr argwoͤhniſch ſind, ſo ließ mich der Mauthaufſeher bis folgenden Morgen unter Aufſicht ſtellen. Dieſer Ahmed Bes, erkannte mich als einen Franzoſen, weil er mich zur Zeit, da die Franzoſen Aegypten erobert hatten, daſelbſt geſehen⸗ und von ihnen Unterſtuͤtzung zur Ruͤckkehr in ſeine Hei⸗ math erhalten hatte. Er rieth mir Srzerum bald 64 zu verlaſſen, und ſchenkte mir ein ſchones tartariſches Pferd⸗ 1 II. Die Stadt Erzerum hat 70,000 Seelen, aber kein einziges merkwuͤrdiges Gebaͤude. Wer eine tuͤrkiſche Stadt ſah, hat alle geſehen, mit Ausnahme von Konſtantinopel. Tripolis in Afrika und Ismailow an der Donau ſehen ungefaͤhr ſo aus. Erzerum iſt zuſammengeſetzt aus Erze, oder Art, wie der Name mehrerer armeniſcher Staͤdte iſt, z. B. Arzab, Arzen, Arzentzi u. ſ. w., und aus Rum Croͤmiſch). Am 29. Juni waren wir mit Tagesanbruch weit von Erzerum weg. Die Wege wurden hier unſicher. Von Zeit zu Zeit ſtießen wir auf Steine, welche nicht Wegmeſſer, ſondern Zeichen begangener Mordthaten waren. Als wir bei Haſſen-Kaleh uͤber den Aras (Araxes) gingen, kam ein Haufe Reiter gegen uns, welcher ſich aber wieder zuruͤck zog. Eiligſt ſetzten wir unſern Weg fort, als in einer Thalwindunß ein Hau⸗ fe Kurden duͤſteren Blickes an uns vorüber zog. An der Muͤtze ſahen wir, daß es Yezidis waren, welche den Satan anbeten ſollen. Ihre Lehre floͤßt Ara⸗ bern, Luͤrken und Perſern Schrecken ein. Die Kur⸗ den fallen die Reiſenden nur fruͤh, oder um Sonne⸗ Untergang an. Unſer armeniſcher Fuͤhrer fuͤhrte uns auf ſchwie⸗ rigen Pfaden bis zum ufer eines kleinen Fluſſes, wel⸗ 65 cher ſich durch blumige Wieſen ſchlaͤngelt, und dort beinahe eine Halbinſel bildet. Schroffe Klippen und eine Grotte mit einem wenig ſichtbaren Eingange ſchienen uns den Verfolgungen der Raͤuber zu entzie⸗ hen. Da wir in der Dunkelheit der Nacht auf einen unſerer Leute, welcher die Pferde zuſammen trieb, ſchoſſen, ſo glaubten wir uns dadurch den Kurden ver⸗ rathen zu haben, und zogen weiter. Mit Tagesan⸗ bruche kamen wir auf der ſchroffſten Spitze des Kuſ⸗ ſeh⸗Dagh(bartloſen Berges an) wo man die Ver⸗ zweigungen des Taurus ſieht. Die Gebirgs-Kette Taurus beginut, wie man gewoͤhnlich glaubt, an der Grenze des alten Cilicien. Sie ſetzt hierauf durch die Gegend, welche ehemals Kappadozien, Groß und Klein⸗Armenien umfaßte, und welche jetzt Aſerbeidſchan, das per⸗ ſiſche IJrak und Choroſſan heißen, wo ſie ſich an die Gebirge von Kandahar und Klein⸗Thi⸗ bet anſchließt. Dieſe uͤber alle Laͤnder ſich erſtrecken⸗ de Kette bekommt den Namen Ala, Ildiß⸗Dagh, Slvend, Elbur, Firußkuh, und bildet zwiſchen den fuͤdlichen und noͤrdlichen Gegenden Kleinaſiens und Perſiens eine merkliche Linie der Abgrenzung. Da wir die Stadt Top rakkaleh(Erdſchloß) meiden, und dem großen Arme des Euphrat uns naͤbern zu muͤſſen glaubten, ſo brachten wir die Nacht in Karakiliſſiah(Schwarzkirche), einem armeni⸗ ſchen Dorfe zu. Die Umgegend von Toprakkate h. 56. B. Perſien. III. 5 und die beiden ufer des Euphrat, von Karakiliſ⸗ ſiah bis Diadin, ſind aͤnßerſt fruchtbar. Baͤume findet man dort nicht. In Ziegelform an der Sonne getrockneter Kuh⸗Miſt dient zur Feuerung. Die Luft jß geſund. Am 4. Juli ſah ich den Berg Ararat, deſſen Schnee⸗Gitpfel uͤber die andern Gebirge hervorragt. Abends kamen wir an die Hauptguelle des Euphrat, welcher kaum der Erde entſprungen, prachtvoll ſein Gewaͤſſer in einem breiten, tiefen Thale dahin rollt. Dieſes Thal iſt den Verwuͤſtungen der Kurden aus⸗ geſetzt. Am linken ufer erhebt ſich ein chriſtliches Kloſter, deſſen alterthuͤmlichen Thuͤrme und hohen Mauern in der Ferne wie eine Feſtung ausſehen. Die Reiſenden werden mit Strickleitern in daſſelbe gezogen. In der Nähe des Kloſters machten wir Halt. Die Stille ringsum, der Anblick mehrerer verwuͤſteter und ein⸗ geaͤſcherter Doͤrfer machte mich hoͤchſt traurig. Ermuͤdet von der Hitze der Sonne und von dem langen Wege, ſuchten wir uns in dem Euphrat durch Baden zu erholen. Weil wir Bajazed ver⸗ meiden wollten, ließen wir dieſe Stadt zwei Stunden rechts liegen, und richteten unſern Lauf nach dem Berg Ararat. In dem großen armeniſchen Flecken Arz⸗ ab erhoben die Weiber auf den Terraſſen, erſchrocken über unſere Ankunft, ein großes Geſchrei, und beſchwo⸗ ren uns, weiter zu ziehen. Als wir dieſes thun woll⸗ ten, lud uns ein alter Kighia(Ortsvorſtand) ein, und ſuchte uns zu bereden, hier zu uͤbernachten. Verratb befurchtend, ließ ich in der Racht ſchnell auf⸗ brechen, und die Waffen ergreifen, aber vergebens. Wir mußten bleiben, und am andern Tage zu Mah⸗ mud Paſcha von Bajazed gehen. Dieſe Stadt liegt tief in einem engen, durch duͤrre Felſen gebilde⸗ ten Thale. Ihre Haͤuſer ſind zwiſchen den Felſen zer⸗ ſtreut, welche zu beiden Seiten die Schlucht einfaſſen. Links erhebt ſich auf einer foſt unzuganglichen Spitze eine alte Feſte; rechts auf einer andern Hoͤhe die ſchoͤne Wobnung des Paſcha. II. Der Paſcha, ein treuloſer und grauſamer Mann, empfing uns auf einer Terraſſe kalt und trocken, wie er pflegte. Meine Diener wurden ſogleich feſt gehal⸗ ten, und ich in Karavanſerei geſchickt, wo ich obne Huͤlfe war. Inzwiſchen wurden meine Diener wegen des Zweckes meiner Reiſe vernommen. Dem Atmenier entpreßte man Geſtaͤndniſſe auf der Folter, bis er end⸗ lich auf Befehl des abſcheulichen Mahmud erdroſſelt wurde. Am folgenden Tage fand ich den Paſcha mit Mol⸗ las und kurdiſchen Agas umgeben. Er empfing mich in einem langen Saale, fragte mich uͤber die Urſache meiner Reiſe, und verſprach mir, Geleit zu geben. Untubig verließen wir Bajazed, und als ich meinen Fuͤhrer vermißte, ward mein Unmuth geſteigert. Die Kurden, welche meinen Zuſtand wohl bemerkten, ließen ihre tatariſchen Pferde um das meinige kreiſen, und warfen ihre beſiederten Wurfſpieße jagend in der Ferne. Sie luden mich ein an ihren Spielen Theil zu nehmen, und brachten mir Blumen. Nicht ohne Angſt ſah ich, je weiter wir kamen, das Geleit ſich mit Reitern mehren. Am Fuſſe des Ararat iſt ein Fluß, welcher ſich in das Kaſpiſche Meer ergießt⸗ und die Tuͤrkei von Perſien ſcheidet. Wir waren nun auf perſiſchem Gebiete, und ſtiegen auf einer Wieſe ab. Ploͤßlich umzingelte mich mein Geleite, ein Kurde faßte mich in der Mitte, ein Anderer band mir die Arme, ein Dtitter riß mir die Piſtolen aus dem Guͤrtel, und drohte, ſie loszubrennen. Man verband mir die Au⸗ gen, warf mich zu Boden, und trat mit dem Fuſſe auf mich. Meine beiden Diener wurden gleichfals entwaffnet und geknebelt. IW. In derMiete der unbewohnten Berge, deren Kette ſich nach dem Kaukaſus verlaͤngert, iſt ein tiefes, mit ſchroffen Klippen umgebenes Thal. Hier nahmen die Kurden mir die Augenbinde ab, und ver⸗ ſicherten, daß ich nicht ſterben ſollte. Einer brachts dem Paſcha, zum Zeichen meiner Gefangennehmung⸗ meine Uhr. Wir wurden uͤber furchtbare Abgruͤnde in eine vereinzelte Wohnung geführt. Es herrſchte tiefes 69 Schweigen. Ich verlangte etwas Waſſer, es wurde mir aber abgeſchlagen. Zusleich brachte man mich in einen geraͤumigen, nicht gar lichten Saal, wo einige Perſonen laͤngs der Waͤnde ſtanden. Der Paſcha ſaß ſchlecht gekleidet, unbewaffnet, ohne Turban, das Haupt auf die Hand geſtuͤtzt, und nachdenkend da. Verlegen ſagte er zu mir: er habe bei meiner Abreiſe Befehl von Konſtantinopel erhalten, mich verhaften zu laſſen. Ich antwortete kalt, und fuͤgte einige Drohun⸗ gen bei, daß Gott dieſes Verbrechen nicht ungeſtraft laſſen wuͤrde. Er entfeſſelte mich, und ſagte, daß ich vierzehn Tage mich gedulden muͤßte, bis ein Tatar die Antwort von Konſtantinopel braͤchte. Die Wachen brachten mich in der Mitte der Nacht auf die Schutzfeſte vovn Bajazed. Einige verſchleierte Weiber weinten, weil ſie glaubten, daß wir hingepich⸗ tet wuͤrden. V. Mit Stricken umwunden wurde ich durch eine Fallthuͤre in einen Brunnen hinabgelaſſen, deſſen Bo⸗ den ich, trotz der Fackeln, welche dieſen furchtbaren Auftritt erhellten, nicht abſehen konnte; ein gleiches Loos traf meine Diener. Unſer Gefaͤngniß war eine Art von Keller, etwa dreißig Fuß unter der Erde in den Felſen gehauen, ſechzehn Fuß lang, und fuͤnf Fuß breit, ohne Bett, Tiſch und Stuhl; wir fanden nur etwas Stroh, einen Krug, und in einer Ecke eine Taſſe. . Nach dem Morgengebete ließ der Kerkermeiſter durch die Fallthuͤre an einem Stricke in einem Eimer ein paar Loth Brod, und etwas ſauere Milch herab, und verſprach täglich mit dem Aufgange der Sonne, zu Mittag und Abends, uns daſſelbe zu bringen. Drei Monate dauerte bereits unſere Gefangen⸗ ſchaft, welche der Kerkermeiſter Mahmud und deſſen Verwandtin Salhieh durch ihr freundliches und ge⸗ faͤlliges Benehmen milderten. Unſere Kleider, welche ſeit zwei Monaten nicht abgelegt wurden, ſtarrten vor Schmutz, und fielen in Fetzen von uns. Ein lan⸗ ger Bart machte uns unkenntlich und todtenbleich waren die Geſichter. Endlich ſchien ſich der Himmel unſerer zu erbarmen. Die Peſt, welche ſeit achtzig Jahren das Gebiet und die Stadt Baſazed verſchont batte, raffte viele Bewohner hinweg. Auch unſern Kerkermeiſter befiel ſie. Durch die Huͤlfe der Salhieh konnte ich einige Zeilen an den perſiſchen Hof ſchreiben. Zitternd nahm ſie den Brief, ſteckte ihn in den Buſen, und verſprach, ibn einem Perſer zu geben, der von der Peſt in ſein Vaterland floͤhe. Endlich fiel der Paſcha als ein Dpfer der Peſt. Jetzt hing unſer Schickſal von der Laune ſeines Nachfolgers ab. Der neue Paſcha Ahmed, überredet von den hinterliſtigen Kurden, und verblen⸗ det durch den Glanz der Diamanten und meiner Waf⸗ fen, beſchloß gleichfalls unſern Tod. Auch er wurde von der Peſt befallen, und wollte uns, durch den Ker⸗ 71 kermeiſter bewogen, bei ſeiner Wiedergeneſung frei laſſen; allein das Schickſal wollte es anders. Zwei Stunden ſpaͤter ſtarb er, und ſein Bruder war zum Paſcha von Bajazed ausgerufen. Mein Brief war inzwiſchen richtig nach Perſien gelangt. Es wurden Beamte an den neuen Paſcha geſchickt, um mich zuruͤck zu fordern. Wir wurden auch in der Folge aus unſerm Gefaͤngniſſe befreit, und erhielten einen Stall zu unſerer Wohnung. Zuweilen nahm mich der Paſchs zu ſich, wo ich ihm von den europäiſchen Sitten und Gebraͤuchen erzaͤhlte, und bei dem Male neben ihm ſaß. Salhieh kam jetzt nicht mehr in unſere Wohnung, iedoch war ſie immer auf⸗ merkſam gegen uns. VI. Als endlich die Befehle, welche wir ſchon laͤngſt erwarteten, von Konſtantinopel angekom⸗ men waren, wurden mir meine Papiere und Geraͤth⸗ ſchaften wieder gegeben. Der Aga Mahmud zog zur Bezeugung ſeiner Freude uͤber meine Befreiung ſeine Feſtkleider an. Ich ſagte ſeiner Familie das herz⸗ lichſte Lebewohl, und ließ ihr nach ihrem Wunſche, einen lateiniſch und tuͤrkiſch geſchriebenen Zettel fol⸗ genden Inhalts zuruͤck:„Im J. 1805. n. Chr. 1220 der Hedſchra, ward ein Franzos auf einer diploma⸗ tiſchen Sendung zu Feth⸗Ali, Schah von Perſien unwuͤrdig verrathen, verhaftet, und in einen Kerker der Schutzfeſte von Bajazed geworfen. Er verdankte 72 die Erhaltung ſeines Lebens dem großmuͤthigen Gou⸗ verneur beſagter Feſtung Mahmud Aga. Moͤgen Reiſende, welche dieſes Land beſuchen, dieſen ehrwůͤr⸗ digen Wirth lebend und gluͤcklich finden!“ VII. Das von den Kurden bewohnte Land er⸗ ſtreckt ſich in der Laͤnge, oder von Nord gegen Suͤd, vom Berge Ararat bis zum Punkte, wo die Berg⸗ kette Hamerin ſich an Aiagha, oder Dſche⸗ bel⸗Tak(das alte Zagros) ſchließt, und in der Breite oder von Oſt gegen Weſt, von den Bergen an, wel⸗ che die beiden Seen Van und Ormiah ſcheiden, bis zur Stadt Hesn⸗Keia am Ligris. Bezeich⸗ net man dieſen Umfang mit einer Linie, ſo beginnt dieſe bei dem Berg Ararat, geht durch Diadin, Toprakkaleh, Much, Sert, und Dſcheſireh an dem oͤſtlichen Ufer des Tigris bis an die Stelle bin, wo dieſer Fluß ſich ſeinen Lauf durch das Ha⸗ merin⸗Gebirg graͤbt. Von da folgt ſie dieſer Gebirgskette bis Tſchebel⸗Tak, dieſem bis an die Quelle des Fluſſes Scheik⸗Haſſan. Von hier ſteigt ſie wieder gegen Nordoſt, beruͤhrt oßwaͤrts von Sineh die Quellen von Kiſſil⸗Uſſen, lauft an die Quelle von Takht⸗Suleiman, uͤber den Fluß Sarokh, und die Bergkette zwiſchen den beiden oben genannten Seen; nun laͤßt ſie Drmiah, Selmas und Khoi ößlich, geht durch Kotura und Zeva, endlich am weſtlichen ufer des perſiſchen Araxes bin, wieder zum Ararat, von wo ſie anſing. VIII. Dieſes beſchriebene Land grenzte ehemals noͤrdlich an Kolchis, gegen Dſt an die beiden Me⸗ dien, gegen Suͤd an Chaldaͤa und gegen Weſt an Armenien. Es grenzte auch an das Land der Sey⸗ thinen, Taoken und Phaſier, und umfaßte die Karduken oder Gordyer nebſt einem betraͤcht⸗ lichen Theile von Groß⸗Armenien, Babylo⸗ nien und Aſſyrien. Mittels einer andern Linie theilen wir dieſes Land in das noͤrdliche und ſuͤdliche Kurdiſtan. Sie be⸗ ginnt an den Nimerod⸗Bergen(en alten Ni⸗ pheten), geht den Hekiars⸗Gebirgen fuͤdlich von Van nach, und endet da, wo dieſe Gebirge nord⸗ waͤrts laufend, die beiden Seen ſcheiden. Die Hoͤbe und Verſchiedenheit der Berge, welche ganz Kurdi⸗ ſtan bedecken, beſtimmen die Verſchiedenheit des Flima. Beide Striche von Kurdiſtan ernaͤhren auf ihren vielen Weideplaͤtzen Schafe und Ziegen in Menge⸗ Jaͤhrlich werden 1,600,000 nach Konſtantinopel gebracht. Das noͤrdliche Kurdiſtan liefert hinlaͤng⸗ lich Korn, Waizen, Spelt fuͤr die Bewohner, die weiten Thaͤler und Ebenen des ſuͤdlichen Theiles von Kurdiſtan ſind fruchtbar an Reis, Korn, Gerſte, Seſam, Fruͤchten, Tabak und Baumwolle. Auch Ho⸗ 74 nig, eine Art Tropfmanna, und ausnehmend gute Gallaͤpfel werden hier geſammelt⸗ Ein Theil Kurdiſtans gehoͤrt zur aſiatiſchen Zuͤrkei, der andere bildet eine Provinz des perſi⸗ ſchen Reiches. Das tuͤrkiſche Kurdiſtan enthaͤlt die acht Paſchaliks: Bajazed, Much, Van, Dſchu⸗ lamerk, Amadia, Suleimanieh, Kara⸗Lſcho⸗ lan und Zahn. Das Paſchalik Van ausgenommen, iſt der Großherr nur dem Namen nach Herr dieſes Landes. Der Hauptplatz der perfiſchen Kurden iſt Sineh. Dieſe Voͤlker haben große und ſchoͤne Augen, Adler⸗ Naſen, eine weiße Geſichtsfarbe und einen hohen Wuchs. Alle bekennen ſich zur Sekte Omars, und unterſcheiden ſich durch die Leichtigkeit ihrer Kleidung von der tuͤrkiſchen Tracht. Die Stelle des Turbans vertritt eine Muͤtze von rothem Luche; um dieſelbe geht ein leichter Shawl von grellen Farben. An einem Ende der Muͤtze, welches tief auf die Schultern her⸗ abhaͤngt, ſind eine Menge ſeidener Quaſten. Sie ſchee⸗ zen das Haupt, und tragen Stutzbaͤrte. Die Kurden ſind vortreffliche Reiter und Lan⸗ zenwerfer. Ihr hoͤchſter Genuß iſt kriegeriſche Vebung. Sie lieben Erzaͤhlungen, deren Inhalt Liebe, Kaͤmpfe oder tragiſche merkwuͤrdige Ereigniſſe enthaͤlt. Die kurdiſche Sprache beſteht aus dem arabiſchen und per⸗ ſiſchen. Ihre einfache Muſik iſt ausdrucksvoll und kla⸗ gend. Den Geſang unterbricht der Saͤnger manchmal 75 durch Seufzen und Schluchzen, vergießt Thraͤnen, und ſtoͤßt am Ende ein klaͤgliches Geſchrei aus. Eite ſtarke Stimme wird bei ihnen mehr geſchaͤtzt als eine ſanfte und reine. Das Lob eines Saͤngers beſteht da⸗ rin, daß man ſagt, man hoͤrt ihn eine Paraſangs weit. Ihre Luſt zum Stehlen iſt ſehr groß. Im Win⸗ ter ſuchen ſie ein Dbdach bei dem Landmanne, wel⸗ chem ſie im Sommer einen Theil ſeiner Aernte raub⸗ ten. Mit dem Anfange des Fruͤhlings beginnen ſi ihre gewobnte Lebensart wieder. Ihre Zelte aus eimm Gewebe von grober ſchwarzer Wolle ſind nicht gar hoch, und werden mit einem Rohrgeflecht umzogen, worein ſie ihre Gepaͤcke legen. Ein mehrere Fuß tiefes Loch in der Mitte jedes Zeltes dient als Kuͤche und Ofen. Die Pferde ſind immer geſattelt, und anßen an Pfaͤhle gebunden. Trotz aller Raubſucht find dio Kurden doch außerordentlich gaßfrei; hintergehen aber oft die Reiſenden durch Schmeichelworte und luͤgen⸗ bafte Verſprechungen. Den Fremden machen ſie bei ihrer Abreiſe ein Geſchenk, ßecken ihm oft unbemerkt ein Boͤckchen, ein Lamm oder irgend etwas, welches er auf dem Wege brauchen kann, in das Gepaͤck. IX. Den 19. Februar asos reiſten wir mit einem Selihdar des Paſcha ab. DerSchnee trieb die herum⸗ ſchweifenden Kurden in die Doͤrfer, und es war daher nicht leicht ein Ueberfall zu fuͤrchten. Am 22. kamen wir nach Soprak⸗kalleh. Fruͤh verließen wir dieſe 76 Stadt, um uͤber den Dſchedek, oder den Hals des Kuſſeh⸗Dagh zu gehen, und dann hinab nach Paſin oder Paſiani über Dely⸗Baba. Mehrere Reiſenden ſchuͤtzten ſich gegen den blendenden Glanz des von der Sonne beſchienenen Schnees durch ſchwarze Schleier, in welche ſie das Haupt huͤllten, oder ſetzten eine Art Flor⸗Brille auf. Andere ſtopften ſich die Naſenloͤcher zu, indem ſie dieß fuͤr das ſicherſte Mittel gegen die hoͤchſt ſchmerzliche, aus jenem Glanze entſte⸗ bende Augenentzündung hielten. Langſam erſtieg unſer kleiner Haufe den Dſche⸗ dek. Auf dem hoͤchſten Gipfel des Berges angelangt, fanden wir Leichname von Menſchen und Thieren und ſahen Ballen. Ein Drkan uͤberßel Tages vorher eine perſiſche Karavane. Die Dſchedek⸗Kette bildet die Grenze zwiſchen dem Lande Seliwan und dem Paſchalik Srzerum. In Erzerum hielt mich die Kaͤlte fuͤnf Tage auf. Wegen der Vorſchritte der Wechabiten auf Bag⸗ dab war man damals ſehr in Spannung. Das Lager des Beglerbeg, gegen welches wir reiſten, war bei dem Dorfe Endres, achtzig Stunden von Erzerum, welche wir in eilf Tagen zuruͤck legten. Die Gegend, durch welche wir reiſten, war bergig, aber durch die Reuterei ſo verwuͤſtet, daß alle Doͤrfer leer ſtanden. Im Lager angekommen, empfing mich Juſſuf gůͤtig; denn er kannte mich perſoͤnlich. Er war ein ausge⸗ zeichneter Krieger, welcher als Knabe nach Konſan⸗ 77 tinopel verkauft wurde. Von unten ſchwang er ſich zu den hoͤchſten Wuͤrden des Reiches empor, und wußte ſich trotz der Niederlage ſeines Heeres in Aegypten durch die Franzoſen unter General Kle⸗ ber, trot ſeiner Entfernung vom Hofe und trotz ak⸗ ler Raͤnke mehrerer Bewerber, ſieben Jahre im Wef⸗ ſirat zu erhalten. Spaͤter wurde er abgeſetzt, in der Folge aber, zum Anfuͤhrer gegen die Armenier ernannt. Am Tage nach meiner Ankunft in Endres nahm mich Juſſuf zu ſeiner Heerſchau, und dann in ſein Kiosk. Seine kriegeriſchen Eutwuͤrfe waren gegen die Bewohner von Dſchanik gerichtet. X. Dſchanik, ehemals ein Theil des polemo⸗ niſchen Pontus, ſtreckt ſich von Kizil Ermak, oder dem rothen Fluß(dem Halys der Alten) bis Kereſun, dem alten Ceraſus oder Pharnazien. Die vielen Stroͤme, welche durch das Land fließen, befoͤrdern das Wachsthum der Pflanzen unglaublich ſchnell. Der Weinſtock und die Rebe tragen nur herde Fruͤchte, weil die Natur ſich ſelbſt uͤberlaſſen bleibt. Die Bewohner treiben wenig Ackerbau, lieben die RNuhe, und leben von Kaſtanien, Mais und Milch⸗ ſpeiſen. Den Alten waren die Bewohner dieſes Lan⸗ des unter dem Namen Moſynoͤken, Chalyber und Tibarener bekannt; ſie werden als wild ge⸗ ſchildert. Da ſie keine Pferde haben, und da keine Karavanen durch ihr Gebiet ziehen, ſo ſind ſie weder 78 wie die Kurden dem Raube ergeben, noch machen ſe wie die Lesghis und Abazen, Sklaven. Ihre Haͤuſer ſind aus Pfaͤhlen errichtet, daher ihr Name Moſynoͤken; wegen der Feuchtigkeit des Bodens wird das Erdgeſchoß nicht bewohnt. Das obere Ge⸗ ſchoß iſt mit einem bedeckten Gange umgeben. Die vorzuͤglichſte Stadt in Dſchanik iſt Ba⸗ fra; ſie iſt nicht zu verwechſeln mit der, welche d'Anville Zafra nenut. Sie liegt am ufer, nahe an der Muͤndung des Kizil⸗Ermak, in einer an Reis und Flachs fruchtbaren Ebene. Eine ſchoͤne Bruͤcke, Springbrunnen und gut gehaltene Bazars zeugen fuͤr ihr laͤngeres Bluͤhen. Samſun, Dermeh, Eunieh, Fatſa und Vona, ehemals groͤßtentheils griechiſche Niederlaſ— ſungen, auf dem zu Dſchanik gehoͤrigen Theile der Kuͤſte des ſchwarzen Meeres, haben wenig Handel, ſeitdem die Krimm nicht mehr zur Pforte gehoͤrt. In dem Kriege, welchen Juſſuf mit Saher, dem Paſcha von Dſchanik fuͤhrte, ſteckten die Tuͤrken dis Platze Sam ſun und Eunieh in Brand. Taher floh nach Trebiſond, und kam faſt ohne Gefolge bei Kelechbeg in Sokum, oder Sokum⸗Ka⸗ leh, einem Hafen an der oͤßlichen Kuſte des ſchwarien Meeres unter 42 69“ 20“ B., 360 39“ 63“ L. an. 1 XI. Waͤhrend meines Aufenthaltes im tuͤrkiſchen Lager burfte ich durch die Gegend von Endre's ſtreifen, und die umliegenden chrißlichen Doͤrfer beſuchen. Die Einwohner lebten gluͤcklich unter dem Schutze des Paſcha, die Kirchen wurden geachtet, und die Weiber zeigten ſich furchtlos und unverſchleiert den Soldaten. Der Armenier lebt hier in erzvaͤterlicher Einfalt, und in glucklicher unſchuld der erſten Zeiten. In Staͤdte verpflanzt, verlieren die Armenier manche dieſer treff⸗ lichen Eigenſchaften, ſind aber doch im Verkehre ſehr verſtaͤndig und rechtſchaffen. Als endlich die erwarteten Vefehle zwei Tataren aus Konſtantinopel uͤberbrachten, verheimlichte ſie Juffuf, um nicht ruchtbar werden zu laſſen, daß die bohe Pforte wegen eines Chriſten Eilboden ent⸗ ſende. Nach drei Tagen wurde ich zum Mahle gela⸗ den, und erhielt von ihm die Firmans der Pforte, und die von Ruffin mirzugefertigten Staats⸗Briefe. Um meine Reiſe verborgen zu halten, mußte ich den Weg nach Konſtantinopel einſchlagen. Juß⸗ ſuf drang mir auch reiche Stoffe von Aleppo, uh⸗ ren und allerlei Schmuck auf. Am 1. April 1806 verließ ich nach einem antägt⸗ gen Aufenthalt das tuͤrkiſche Lager. Zwanzig ſichere Leute vom Paſcha fuͤhrten mich den ganzen Tag auf dem Wege nach Konſtantinopel. Tags darauf ſchlugen wir den Weg nach der Stadt Maden ein, welche durch ihre Goldbergwerke in der Umgegend ho⸗ ruͤhmt iſt, und auf dem Wege nach Perſien liegt. Wir mieden Kara⸗Hiſſaar, deſſen Naͤhe an dem 80 alten Kabira oder Sebaſte, jetzt Sivas, die Stelle zu bezeichnen ſcheint, wo Mithridat von Lukull's Heere verfolgt, ſeine Schätze niederlegte. Der Forſt Schatakli, der letzte auf dem Wege aus dem alten Kappadozien nach Groß⸗Armenien, bildet noch heute die Graͤnze zwiſchen den Begliks Sivas und Erz⸗Inghian. Wegen der Unſicher⸗ heit des Weges von Raͤubern ſtellte die tuͤrkiſche Re⸗ gierung unterwegs Wachen hin, welche ſelbſt, wenn ſie im Stande ſind, die Reiſenden auspluͤndern. Die armen Bauern dieſes Landes machen die Wegweiſer, ſpinnen in dem langen Winter Flachs, und verkürzen die Zeit durch Exzaͤhlungen. Nach drei Tagen langten wir in Erz⸗Inghian, einer kleinen Stadt auf einer mit Bergen umgebenen Ebene an. Jene laufen ungefaͤhr zwoͤlf Stunden in der Richtung von Nordoſt nach Suͤdweſt. Das Klima dieſer Stadt iſt gemaͤßigter, als in ganz Armenien, ibre Einwohner ſind meiſt Muſelmaͤnner. Die Chri⸗ ſten in den umliegenden Doͤrfern treiben zum Theil Handel, und geben ſich mit Getreide⸗ und mit Baum⸗ zucht ab. Zwiſchen Erz⸗Inghian und Erzerum theilt ſich der Taurus in zwei Hauptbergketten; eine laͤuft ſuͤdoßwaͤrts, und ſchließt ſich an die Gebirge, in wel⸗ chen der Ligris entfpringt. Die andere, nach Nord⸗ oſt, umgeht das Land, welches ſich bis an den Kan⸗ kafns erſtreckt. Alle Waſſer, welche oͤſtlich von E⸗ 81 zerum fließen, werfei in den Araxes, und verlaufen im kaspiſchen Meere; die andern dagegen miſchen ſich mit dem Euphrat, und fallen in den Deean. In fuͤnf Tagen kamen wir von Srz⸗Inghian bis zur warmen Quelle Ilidſchah(Alt⸗Elegia) drei Stunden von Erzerum. Wir gingen uͤber Dſchennes, welches das venophontiſche Gym⸗ nias ſeyn ſoll, und uͤber Ach⸗ Kaleh. In die Stadt Erzerum durfte ich nicht wieder gehen, ſon⸗ dern wir blieben in einem armeniſchen Dorfe, welches eine Stunde entfernt iſt. Auf der fruchtbaren Ebene von Srzerum liegen uͤber 100 Doͤrfer aus hoͤlzernen Haͤuſern, wie alle in Paſin ſind. Reiche Muſelmaͤnner in der Stadt er⸗ halten dieſe Beſitzungen vom Landesherrn unter dem Namen Ziamet oder Aniar, als eine Art Lehen unter der Bedingung, daß ſie in Kriegszeiten eine be⸗ ſtimmte Anzahl Reiterei ſtellen, und perſoͤnlich gegen den Feind ziehen wollen. In Kia n, in der Maͤhe von Erzerum, blieben wir zwei Tage. Nachdem wir den Vereh⸗Boini(das Kamel) erſtiegen, uͤbernachteten wir in dem Dorfe Alavir, auf der Seite der obengenannten Gebirge. Wir umgingen Bajazed, hielten deßwegen ſuͤdoſtwaͤrts, verließen die gerade Linie nach Ag höler, und begaben uns auf ungebahnten Wegen in ſchrofe Gebirge. Eines unſe⸗ rer Maulthiere glitt auf dem Schnee aus, und ſiel 66. E. Perſien. III. 4. 6 82 in den Araxres. Hier rollt er ſeine Wäſſer in einem tiefen Schlunde von Mittag nordwaͤrts bis 2 1/2 Stunde oͤſtlich von Haſſan Kaleh, wo er die oſßt⸗ nord„oͤſtliche Richtung nimmt. Am 18. kamen wir ſehr ermüdet in dem großen armehiſchen Dorfe Kulli, 19 St. von Srzerum auf dem linken Ufer, nicht weit vom Urſprunge die⸗ ſes Fluſſes an. Im Sommer iſt er zu durchwaten; wenn der Schnee ſchmilzt, braucht man Floͤſſe aus Weidenbuͤndeln und aufgeblaſenen Schlaͤuchen. Ueber den Ak⸗Dagh(weißer Berg), deſſen Gipfel immer mit Schnee bedeckt iſt, fuͤhrt der Weg in den Keſſel von Khenes, Khenus bei den Luͤrken. Es iſt ſei⸗ ner vortrefflichen Pferde wegen beruͤhmt. In dem armeniſchen Dorfe Kußli wolten uns die Einwohner ein Nachtlager uur fuͤr Entſchaͤdigung geſtatten. In dieſem Theile Armeniens achtet man die Befehle der Regierung gar nicht. Die Bauern ſind bewaffner, und im Kriege geubt. Je weirer wir kamen, deſto oder ward das Land, weil die Paſchas von Much, Van und Bajazed den Kurden nicht nur den gebirgigen Theil, ſondern auch die Ebenen, welche man jenſeits Khenes ſchon ſteht, hatten uͤberlaſſen muͤſſen. Von Endre's bis Van findet man eintge Fruͤchte, Wein und Brannt⸗ wein; in den Umgebungen letzterer Stadt wachſen al⸗ lerlei Lebensmittel der vortrefflichſten Art. Von hier gehen alle Jahre zahlreiche Handwerker ⸗„Katavanen 83 zur Arbeit in die See⸗Zeughaͤuſer von Konſtantino⸗ pel. Obwohl der See Van ſchiffbar iſt, ſo haben die Atmenier im Schiffbaue es doch nicht ſo weit gebracht, daß ihre Schiffe nur dem mindeſten Sturme widerſie⸗ hen kopnen. Im Jahre 1806 waren nur 7—s Kaͤhne mit Segeln auf dieſem kleinen Meere, welche kaum fuͤr den Handel nach der Stadt Bidlis genuͤgten. Sie liegt vier Stunden ſuͤdweſtlich vom See Van, und auf der ſuͤdlichen Ruͤckſeite der Nimrod⸗Berge, auf dem Wege von Erzerum uͤber Amadia, Erbil, Altun⸗Keupry und Kerkuk nach Bagdad. Sie iſt wegen ihres Handels mit ſehr geſchaͤtztem Rauchtabak bedeutend. XII. Ueber die ſchroffen, ſtets mit Schnee be⸗ deckten Gebirge, welche eines der hoͤchſten Dafellaͤn⸗ der Groß⸗Armeniens bilden, ſiegen wir zu dem fuͤdlichen Suphrat⸗Arme, welchen die Tuͤrken Murad⸗Lſchai nennen, hinab. Dieß geſchieht zum Andenken Amurath's W., des Eroberers von Bagdad, und der Landſchaft Dſcheſſireh. Wir gingen dann bei Melez Gird uͤber eine Brucke, welche dieſer Herrſcher gleichfalls erbauen ließ. Die Stadt Melez⸗Gird, armeniſch Manaz⸗Gird, oder Manaraz⸗Gird(Manaraz⸗Stadt) auf Feuer⸗ bergen erbaut, iſt durch unterirdiſche Feuer zerruͤttet und halb zerſtoͤrt. Der Seiban⸗Dagh liegt zehn Stunden von ihr entfernt; er iß immer mit Schnee bedeckt, und zehn Stunden in ſeiner Runde mit un⸗ geheueren grauen Lava⸗Bloͤcken umgeben, auf welchen die Heerden ein feines und ſeltenes Gras finden. Zu⸗ weilen ſprudelt unter dieſen Klippen kaltes, klares Waſſer hervor. Am Fuße des Seiban⸗Dagh wohnen Jeſſi⸗ dis Ekurdiſche Horden), welche den Leufel anbeten. Sie tragen ſchwarze Kleider, und eine ſchwarze und rothe Kopfbedeckung. Schreiben und leſen zu lernen, iſt ihnen verboten; dafuͤr iſt aber Raub, Meuchel⸗ mord und Blutſchande erlaubt. Die Jeſſidis ſind den Perſern ein Graͤuel, weil ſie aber ſehr tapfer und kriegeriſch ſind, ſo ziehen ſie die kurdiſchen Fuͤr⸗ ſten gerne in ihr Gebiet. Als wir in der Schlucht von Laſchkun in der daͤhe des See's Van gekommen, wand ein alter Ta⸗ tar, unſer Wegweiſer, einen Angriff der Jeſſidis durch einige Zechinen ab. Dbwohl di Gegend von Taſchkun wegen der Raͤubereien unſicher iſt, ſo wabfahrten doch viele Pilger zu dem muſelmaͤnni⸗ ſchen Kloſter ekich) daſelbſt. Die armen Moͤnche deſſelben fuͤhrten uns bis unweit Akhlet, einer ſehr alten Stadt am weſtlichen Ufer des See's Van, um uns gegen ſernere Anfaͤlle zu ſchuͤtzen. Kurden und Jeſſidis entfernten ſich bei ihrem Anblicke, und di⸗ Weiber kamen aus jhren Zelten und boten uns Milch an. 85 Jenſeits des Kloſters mußten wir durch ein wil⸗ des unfruchtbares Land; dann kamen wir auf Anhö⸗ hen, wo ich zum erſten Male den See Van ſah. Er hat 90 Stunden(so Para zen) nach Hadſchi Kal⸗ fech im umfange, iſt„. Anhoͤhen mit Pappeln, Tamarinden, Myrthen und Lorbeer⸗Roſen umgeben. Mehrere gruͤnende Inſeln auf demſelben bewohnen ru— hige Siedler. Armenier und Kurden in Menge be⸗ wohnen ſeine Umgegend. XIII. In Van angekommen, uͤherreichte ich die Briefe des Juſſuf Paſcha an den Feiz ullah, Paſcha von Van. Ich ward artig empfangen, und unter allerlei Vorwaͤnden bis zum z0. April aufgehal⸗ ten, nach welchem in wenigen Tagen der Paſcha er⸗ mordet wurde. Die Stadt Van(Van heißt armeniſch Wohnung, feſter Platz, Kloſter) am oͤſtlichen Ufer des See's glei⸗ ches Namens, welcher bei den alten Geographen Ar⸗ ſiſſa heißt, und noch in Ardiſch, der Stadt, am noͤrdlichen ufer vorhanden iſt, hatziemlich gute Mauern mit Schießſcharten. Eine Beifeſte auf einem einzelnen hohen Felſen dient ihr zum Schutze. Die Anzahl der Einwohner, meiſtens Armenier, belaͤuft ſich auf 15— 20,000 Seelen. Schoͤne Gaͤrten mit zierlichen Luſthaͤu⸗ ſern umgeben die Stadt, und ſind, wie in Perſien, mit Lehmwaͤnden eingefaßt. Der See Van iſt ſehr ergiebig an Fiſchen, welche, 86 obgleich groͤßer, den Sarbellen gleichen, und den Na⸗ men Tarikh fuͤhren. Dieſer Fiſch iſ vermuthlich der Trebiſond'ſche Khamſi. Der Fiſchfang beginnt um den 20. Maͤrz, und en am z0. April. Auch iſt zu bemerken, daß das Wß auf allen Seiten vom Lande ſo wegreißt, daß die Vorſtaͤdte von Van jaͤhr⸗ lich kleiner, und die Stadt Ardiſch immer unbe⸗ wohnbarer wird. XIV. Von Van reiſten wir mit neuem Geleite am 30. April ab. Die grünen Hekiar⸗Gebirge ließen wir ſuͤdlich liegen, und wanden uns nach dem kleinen See Ewehdſchek, an deſſen Ufer wir an⸗ hielten. Die Hekiar⸗Berge ſind ſo ſchroff, daß ein Ochs nicht hinan kommt. Wegen der Fruchtbarkeit aber auf dem Gipfel derſelben ſelien die Einwohner junge Kälber hinauftragen, und ſie nach zwei Jahren an den Pflug ſpannen. Unweit Mahmudieh lud uns ein Haͤuptling eines Stammes in ſein Lager. Hier fanden wir al⸗ les, was Ueppigkeit und Weichlichkeit vereinigen konnte. Eine Sklavin, welche er liebte, und die von einer Viper geſtochen worden war, bot er mir zur Behandlung an. Mein! Fuͤhrer, meine Verlegenheit bemerkend, nahm die Miene eines Kenners an, und behandelte die Wunde mit einigem Erfolge. In dem Thale Koturah, welches immer üch verengt, und je naͤher man an Perſiens Graͤnze 87 kommt, immer mehr ſich kruͤmmt, ſetzten wir unſere Reiſe fort. Koturah, das letzte tuͤrkiſche Dorf, wird von einer Schutzſeſte beherrſcht. Durch enge Thalwindungen ging unſer Weg fort. Aber bisher wor in Kurdiſtan beiſpiellos, daß wir die Wege auf oͤffentliche Anſtalten gebeſſert ſahen. Der Fluß Koturah, zwiſchen den Fliven von Mahmudieh entſpringend, fließt in dieſer Thalſchlucht, wie ein reißender Bergſtrom, und fuͤhrt mineraliſches Waſſer. Bei Erweiterung des Thales fließt der Strom ruhiger, und bewäſſert die Ebene von Khoi. Kaum aus Ar⸗ meniens rauhen Gebirgen heraus, wird der Rei⸗ ſende angenehm uͤberraſcht. e Pappeln, und wie in den Luͤften ſchwebende Kuppeln kuͤnden die N aͤhe eines perſiſchen Dorfes an. Im Fruͤhlinge iſt die Luft mit den angenehmſten Duͤften durchwürzt, im Herbſt bringt die Erde Wein, Aprikoſen u. ſ. w. dar. Eine aumuthige und bluͤhende Sprache üͤberzeugt den Rei⸗ ſenden vollends, daß er an der Graͤnze eines buͤrger⸗ lichen gebildeteren Landes iſt. Am 4. Mai fanden wir die Thore von Khoi ſorgfaͤltig beſetzt. Wir wurden unguͤnſtig empfangen; denn ich hatte kurdiſche Kleider an, und wir daher fuͤr Kurden gehalten. XV. Die nicht alte Stadt Khoi hat regelmaͤfige Feſtungswerke, wenige bedeutende Haͤuſer, und von Bäumen beſchattete Straßen. Die Seelenzahl kan: 88 ſich auf 28,000 belaufen. Die Einwohner wollen tata⸗ riſcher Abkunft ſeyn, daher auch das Land den Bei⸗ namen; perſiſches Turkeſtan, erhielt. Tags nach meiner Ankunft beſuchte ich den Statt⸗ halter der Landſchaft, Huſſein⸗K han. Er em⸗ pfing mich in einem etwas erhoͤhten Luſtgezelt, wel⸗ ches vorn offen, und mittelſt farbiger Glaͤſer erhellt war. In dem Garten bemerkte ich ſymmetriſch ge⸗ reihte Baͤume, marmorne Waſſerbecken und Spring⸗ brunnen. Sein Gefolge ſtand in einer Linie um ihn her. Er empfing mich hoflich, und ſprach zu mir pomphafte Zierlichkeiten. Mit dem Imam Ali uͤber⸗ nachtete ich in Ahmed⸗Abad. Hier fanden wir Wohnung, Lebensmittel und alles Noͤthige. Ein jun⸗ ger Perſer begruͤßte mich in Verſen, welche er auf unſere gluͤckliche Ankunft gedichtet hatte. Von Ah⸗ med⸗Abad bis Merend ging unſer Weg zwoͤlf Stunden durch eine Wuͤſte, deren Boden trocken iſt, ohne voͤllig Sand zu ſeyn. Man ſieht Tamarinden, Brackwaſſer⸗Duellen, und auf der Haide Gazellen und Dammhirſche, Eidechſen und Chamaͤlevne. Der Skor⸗ vionen⸗, Vipern- und Schlangen⸗Biß iſt hier nicht giftig. Merend, bei Strabo und Ptolemaͤus un⸗ ter dem Namen Morunda aufgefuͤhrt, iſt weniger eine Stadt, als ein Verein von 3— 4 Doͤrfern, deren Haͤuſer durch große Baumgaͤrten von einander geſchie⸗ den ſind. In dieſen ſammelt man Cochenille und 89 Opium. Merend liegt in einer wohl bewaͤſſerten Ebene unter 28 0 41“ Br. 43 0 46“ L. Die Volksmenge iſt ungefaͤhr 20,000. Auf der Ebene ſuͤdoͤſtlich von Me⸗ rend findet man einige zerſtoͤrte Doͤrfer, kommt an das Ufer des Fluſſes Talkh⸗Sſchai Bitter⸗Fluſ⸗ ſes), deſſen Brackwaſſer ſich in den See DOrmiah, eilf Stunden weſtlich von der gleſchnamigen Stadt, Zorvaſter's Vaterſtadt, ſtüͤrzt. Eine ſtarke Bruͤcke, deren Bogen auf ſchwarzen mit alten Bildwerken ver⸗ ſehenen Granit-Pfeilern ruhen, fuͤhrt uͤber den Fluß. Von Merend fuͤhren zwoͤlf Paraſangen(48 Stun⸗ den) nach Tauris. Dieſe Stadt wurde durch Erdbeben ſehr ver⸗ wuͤſtet. Selbſt bei meiner Durchreiſe ſpuͤrte man einen ſo ſtarken Stoß, daß mehr als vierzig Haͤuſer beſchaͤdigt wurden. Die Perſer halten Tauris fuͤr den Mittelpunkt der Welt. Der große See Ormiah, einige Stunden von Tauris, hat wegen ſeines harzigen, ſalzigen Waſſers keinen Fiſch. Er ver⸗ dankt wahrſcheinlich wie der See Van, ſeine Bil⸗ dung vulkaniſchen Ausbruͤchen. Aſerbeidſchan, wie es jetzt heißt, und das alte Atropatene bedeu⸗ ten Feuerland. Zoroaſter ſoll da geboren ſeyn. — Bei Melei⸗Ghird verſorgt der Strom Tuzla ganz Armenien mit Salz. Unfern Diarbekir ſind Kupfer⸗ und Silberbergwerke, und einige Stun⸗ den von Kerkuk Naphta⸗Quellen. Tauris, hinſichtlich des Handels und der Groͤße, 90 die zweite Stadt in Perſien, hat ungefaͤhr so00 Toi⸗ ſen im Umfange, hohe mit Thuͤrmen bef etzte Mauern, und mit bunten Steinen geſchmuͤckte Thore. Die Bazars und Moſcheen zeichnen ſich durch Schoͤn⸗ beit aus; die Minarets letzterer ſind nicht ſo hoch, als bei den tuͤrkiſchen Moſcheen. Die Voiksmenge rechnet man auf so,000. Tauris iſt die Hauptſtadt von Aſerbeidſchan, und litt ſehr unter dem Exoberer dieſer Landſchaft Aga Mehemed⸗Khan. Doch bevolkerte ſich das Land nach ſeinem Tode wieder. Feth Aii Khan, der Stellvertrerer des Ah⸗ med Khan, wies mir eine Wohnung in ſeinem Palaſte an, und war ein Mann von anmuthigen Sit⸗ ten und mannigfaltigen Kenntniſſen. Er hatte im Jahr 1801 den Ritter Malecolm von Schiras bis Deheran begleitet, von welchem er mit Zuruͤckhal⸗ tung und etwas boshaft ſprach. Er redete mit mir oft uͤber den Kompaß, die Blitzahleiter, uͤber die Er⸗ findung der Luft⸗Ballone ꝛc., und liebte die Franzoſen. Wenn es tagte, nahmen wir ein Bad, und verſchlie⸗ fen die Stunden des Tages wegen der unertraͤglichen Hitze. Gegen Abend ergoͤtzten wir uns in ſeinen Gaͤr⸗ ten an kuͤhlenden Quellen, wo er im Schatten einer Platane, oder unter duftigem Geißblatt das Leben der Perſer oder des perſiſchen Hofes erzaͤhlte. XVI. Von Tauris reiſten wir uͤber Seid⸗ Abad, ein Dorf am Fluſſe des Karadagh(der 91 ſchwarzen Bergkette). Dort ſcheiden ſich die Wege nach Ardebtl und Teheran. Von Seid⸗Abad begaben wir uns nach Tſchelebian, und von dort auf Ser⸗Ab, eine Stadt zehn Paraſangen von Ardebil. Von Dauris bis an das kaſpfſche Meer ſieht man leicht ab⸗ und anlaufende Ebenen, Wieſen, we⸗ nige einzelne Baͤume, einige mit hohen Mauern um⸗ gebene, mit Thuͤrmen gegen die Kurden bewehrten Doͤrfer, ſchwarzwollige Zelte an Flüſſen, zertruͤmmerte Karawanſerais, Brüͤcken mit halb geborſteten Bogen, und in der Ferne einige Berge, deren Gipfel auf blauem Himmelsgrunde gezeichnet ſind. Von Seid⸗Abad bis Ardebil rechnet man 24 Paraſangen. Dieſe Stadt liegt ſuͤdlich von der Bergkette, welche ſich am kaſpiſchen Meere hindehnt. Wegen ihrer gluͤcklichen Lage hat ſie den Beinamen; Abadan⸗Firus(Aufenthalt des Gluͤckes). Sie iſt der Stappelplatz fuͤr die Waaren, welche von Lif⸗ lis, Derbend und Baku nach DTeheran und Iſpahan gehen. Die Grabmaͤler der Fuͤrſten Scheik Sefy, Haiderund Ismail Schah machen dieſe Stabt zu einer heiligen; ſie ſind nicht gar hoch und halb verfallene Dome. Auf den Ebenen von Moghan bei Ardedil wurde der ſiegreiche Felbherr Nadir zum Schah von Perſien erwaͤhlt, und in Ardebil die Kroͤnungöfeier gehalten. Das Land um Ardebil iſt fruchtbar, hat eine geſunde Luft, und Waſſer in Menge. 92 Die Bazars der Stadt ſind gut gehalten; die Feſtungs⸗ werke ſind mittelmäßig. Meine Geſandtſchaft zog die Aufmerkſamkeit Al⸗ ler auf ſich. Wegen meiner europaiſchen Tracht wurde ich ein beſonderer Gegenſtand der Volks⸗Neu⸗ gierde; beſtaͤndig umgab mich eine Menge Muͤſſig⸗ gaͤnget. XVII. Abbas Mirſa, der zweite Sohn des jetzigen Koͤnigs von Perſien, ein tapferer, leutſeliger junger Mann, ſchickte mir, da ihm meine baldige An⸗ kunft gemeldet worden war, eine Stunde von Arde⸗ bil, wo ich am 17. Mai eintraf, einen ſtarken Reiter⸗ haufen entgegen. Er ließ mir auch mehrere Schuſſeln mit Gerichten von ſeiner Tafel und mehrere Damm⸗ birſche von ſeiner Jagd uͤberbringen. Zwei Tage nach⸗ her hatte ich in ſeinem Lager Audienz. Er unter⸗ bielt ſich mit mir über die Urſachen des Fortſchreitens der europaͤiſchen Staaten, und uͤber denkwurdige Ereig⸗ niſſe aus dem Alterthume, was in mir großes Stau⸗ nen erregte. Wenige Tage vor meiner Abreiſe ließ Abbas ſeine Schaaren manveuvriren; die leichte und praͤchtige Reiterei zeichnete ſich mehr durch ſchoͤne Maͤnner und Pferde, als durch kriegeriſche Eingeubt⸗ beit aus. Auf die Frage Mirſa's, oh wir in Eu⸗ ropa auch ſo ſchone Schaaren haͤtten, antwortete ich bejahend und fuͤgte bei, daß wir viel auf leichte Ar⸗ tillerie und Fußvolk hielten. 93 XVIII. Nachdem ich mich 6— Tage in Arde⸗ bil aufgehalten, ſchickte ich mich zur Reiſe nach De⸗ heran an. Abbas Mirſa ſchenkte mir ein Pferd nebſt verſchiedenen Stoßen, Shawls und einen mit Steinen beſetzten Dolch. Der Weg von Ardebil nach Kalkhal war minder ſchwierig. Wir hatten friſche Luft, und entdeckten von Zeit zu Zeit ſchoͤne Landſchaften auf den Gebirgen, welche das Uferland des katpiſchen Meeres beherrſchen. Das Klima des Theiies von Ghilan, welchen wir links ließen, iſt wie das von Maſanderan, aͤuſſerſt ungeſund und feucht. Maſanderan liefert Oranßen und Citro⸗ nen in Menge, auch eine Art Zucker⸗Rohr. Wegen Unkunde der Zubereitung wird der gewonnene Zucker gelb. Bevor wir nach Kalkhal kamen, gingen wir durch Herez und Ghendſſchia, wo wir vortreff⸗ lich aufgenommen wurden. XIX. Kalkhai liegt zwiſchen Felſen, aber eine ſchoͤne friſche Quelie verbreitet Kuͤhlung und Frucht⸗ barkeit in die umliegenden Thaͤler. Nicht weit von da ſieht man wohlerhaltene Ueberbleibſel einer alten Straße. Den 24. Mai reiſten wir ab, und kamen in zwei Tagreiſen nach Zenghian, in das Land Khamſeh, welches einen Dheil des perſiſchen Irak ausmacht. Die fuͤnf Staͤdte, welche der Name Kham ſeh bedeutet, ſind außer Zengian, Abher, Farum, Ghelab, Arman⸗Khaneh und Zer⸗ zin⸗Abad. —— —— In Zenstan mit erwa 2000 Haͤuſern und einem ſchoͤnen Baiar herrſchen die Acocharen, ein No⸗ madenamm. Der Palaß des Khaus iſt zierlich ge⸗ baut. In Zengian vereintgen ſich die beiden Wege, welche von Tauris und Ardebil nach Deheran fuͤhren. Das Thal erweitert ſich, die Gebirge ſinken un⸗ veimerkt vom Fluſſe Kizil⸗Ouzer, der Gtenze Aſer⸗ beidſchan's vom perſiſchen Jrak ein, die Luft verliert an Elaſtieitaͤt, und der Boden wird un⸗ fruchtbarer. Sultanieh ſetzt wegen des Umfanges ſeiner Ruinen in Erſtaunen. Die Umgebungen deſſelben ſind natuͤrliche Wieſengruͤnde ohne Boͤume von mehreren Fluͤſſen bewaͤfſert. Der jetzige Fuͤrſt ließ einen Pal⸗ laſt bierauffuͤhren, und balt daſelbſ jaͤhrlich Heerſchau. Von Sultanieh nach dem Dotfe Abher ſind ſieben Paraſangen. Letzteres hat ſchoͤn gebaute Haͤu⸗ ſer und aumuthige Gaͤrten. Anfangs wohnte ich bei einem Kelanter(Brtsvorſteher). Ich mußte aber auf Einladung zu dem Khan in das ſchoͤne Thal Ku⸗ remdereh, welches eine Stunde von Abher ent— fernt iſt. Der Khan, obwohl er geblendet war, em⸗ pfing mich mit vieler Achtung und hoͤchſt liebenswuͤr⸗ dig. Die Augen mit einer goldenen Platte ausbren⸗ nen zu laſſen, iß eine in Perſten ſehr gebrauchliche Strafe. 95 XX. Das lachende Lhal Abher fuͤhrt in ein duͤrres Land voll Eidechſen, Chamaeleonen und Schlan⸗ gen. In der Mitte dieſer Haiden liegt Kaßbin, eine bedeutende Stadt, der Geburtsort mehrerer beruͤhmten Maͤnner. Ein hoher Berg haͤlt die kuͤhlenden Nordwinde, und macht im Sommer die Hitze unertraͤglich. Ein ſtickender Staub befaͤlt das Geſicht und die Kleider. Nichts deſto weniger heißt die Stadt Dſchemal⸗ Abad: Ort der Vollkommenheiten. Meh⸗ rere Baͤche, welche dieſem Berge entſpringen, bewaͤſ⸗ ſern ein zwei Stunden langes und eine haibe Stunde breites, gegen Weſt von Kaßbin gelegenes Stuͤck Land. Die Weinſtoͤcke liefern einen ſehr berauſchen⸗ den Wein. Die da wachſenden Piſtazien ſind ſehr gut. Ich ſtieg in dem Pallaſte Vaba⸗Khans ab. Ein ſehr großer, ſorgfaͤltig ausgeſchmuͤckter Saal, welcher vorne offen war, empfing mich. Mittelſt kuͤnſtlich ge⸗ ordneter Glaͤſer drang das Licht in den Hintergrund. Einem Marmorbecken in der Mitte des Saales entſpru⸗ delte ein Springbrunnen. Arabiſcher Jasmin und Feder⸗ Lulpen ſtanden in großen chineſiſchen Poriellan⸗Gefaͤßen. Die Decke wur mit Arabesken verziert und reich ver⸗ goldet. Gemaͤlde mit Europaͤern, gekleidet wie im Zeitalier Ludwigs KlV. ſchmuͤckten die Waͤnde. Eine Buͤhne, welche mit dem Harem zuſammenhing, lief in einer gewiſſen Hoͤhe um den Saal. An den Thuͤrgiebeln ſtanden Inſchriften aus des perſiſchen Anakrevns, Hafis, Gedichten. Der Khan trat mir bei meiner Ankunft entgegen, und machte mir einen freundlichen Gluͤckwunſch. Man ſetzte mich zwiſchen offene Thuͤren: denn die Perſer lieben bei großer Hitze die Zugluft. Thee, Sorbets von Eis und Narghiles, auch Kalkums und Kukah genannt, und Tabaks⸗ Pfeifen wurden gebracht. Diener fuͤhrten mich in das Bad. Abends kehrte ich in den Saal zuruͤck, wo die ausgezeichneteſten Perſonen der Stadt beiſammen waren. Die Gaͤrten und das Innere des Palaſies waren mit bunten Glaͤſern erleuchtet, und von der Ferne ertoͤnte eine angenehme Muſik. Die Sklaven deckten auf den Boden ein langes Tuch von indiſcher bunter Leinwand. Jeder Gaſt er⸗ hielt eine mit Tellern bedeckte Schuͤſſel mit mehreren Speiſen. Das erſte Gericht beſtand in ſehr gewuͤrzten. Ragvuts, in Salaten aus aromatiſchen Kraͤutern, ohne alle Zuthat, und in Zuckerwerk. Vaſen mit Milch, Sorbet und ſauern Getraͤnken umſtanden die Schuͤſſeln. Ein langer vergoldeter Loͤffel aus einem elaſtiſchen Holze diente als Glas. Hierauf brachte man Blumen und Kelche mit Schiraſſer Wein. Es kamen Spielleute, und mehrere Maͤdchen fuͤhrten mehr lebhafte, als anſtaͤndige Taͤnze auf, welche den Mol⸗ lahs unendlich geſielen. Denn Keuſchheit iſt bei den Perſern eine geaͤchtete Tugend. Nach dieſem Zwi⸗ ſchenſpiele wurden verſchiedenartig zubereiteter Reis, 97 endlich Kaffee, Thee und wieder Zuckerwerk, weil es die Perſer ſehr lieben und treflich zubereiten, auf⸗ getragen. Nun folgten Geſaͤnge, und dieſen wieder Taͤnze. Leicht bekleidete Maͤdchen(Raccas) tanzten zur Handpauke. Waͤhrend des Tanzes traten zwanzig Sklaven, jeder mit einer Schuſſel voll Fruchten her⸗ ein. Mit Erſtaunen fah ich in ſo fruͤher Jahreszeit Maulbeere, Granaten, Kirſchen und Drangen beiſam⸗ men.— In Kasbin verweilte ich zwei Tage, und verließ die Stadt am 2. Inni. XXI. Nach drei Dagen empfingen mich außer⸗ halb Teheran ein Haufe reicher Armenier aus Is⸗ vahan und Bagdad zu Pferde mit glaͤnzenden Waf⸗ fen, gruͤßten mich im Namen des Schah, und ſagten mir, der Fuͤrſt erwarte mit Ungeduld meine Ankunft. Am s. Juni zog ich unter großer Menge in De⸗ heran ein. Durch krumme und ungepflaſterte Stra⸗ ßen fuͤhrte man uns, wo ſich ſolche Staubwolken erhoben, daß man keinen Gegenſtand unterſcheiden konnte. XXII. Nach dem ſtrengen perſiſchen Hofzwange mußte ich mich aufopfern, und in den Tagen vor dem erſten Gehoͤre bei Feth⸗Ali⸗Schab Beſuch ma⸗ chen. Am Tage des Gehoͤres bei Feth⸗Ali⸗Schah wurde ich vor Aufgang der Sonne von Geſandten des 56. B. Perſien. III. 1.* 7 Fuͤrſten abgeholt. Viele glaͤnzende Reiter ritten vor uns, mehrere Sklaven trugen auf ihren Koͤpfen in Schalen die Geſchenke fuͤr den perſiſchen Hof, welche in Gewehr, Stoffen und Edeiſteinen beſtanden. Auf den Straßen ſaß ein doppeltes Spalier von Soldaten mit den Flinten auf der Schulter. XXIII. Den elenden Palaſt, deſſen Eingang De⸗ ri⸗Saadet(Gluͤcks⸗Pforte) heißt, ſchuͤtzt ein breiter Graben, uͤber welchen eine Zugbruͤcke in den erſten Hof des Palaſtes fuͤhrt. Hier ſahen wir Heerhauſen, einige Kanonen und weiße Pferde, welche dem Koͤ⸗ nige gehoͤrten. Die Maͤhnen, der Schweif und die Fuͤße derſelben waren rothbraun gefaͤrbt. Ein zwei⸗ tes Thor aus bemalten Ziegeln, am Eingange eines dunklen Ganges fuͤhrte zum Saale der Weſſire. Der Zeremonienmeiſter Eeſchrifatſchi Baſchi) mit einem langen, goldenen, reich mit Steinen beſetzten Stabe in der Hand, fuͤhrte mich in denſelben. Bis zu der von den Zeichendeutern beſtimmten Stunde bot man mir Nargilch und Erfriſchungen. Der Audienzſaal auf einer Terraſſe war vorne offen. Bet der erßen Verbeugung mußten wir durch eine Linie von Hen⸗ kern, welche mit Aexten und Saͤbeln bewaffnet waren. Etwas weiter ſtanden in Mirſa's, Khane, Gho⸗ amſchah's und andere Hofbeamte. Ehe wir die zweite Verbeugung machten, zos der Zeremonienmeißter Dſchafar Kuli⸗Khan die Schuhe aus, und redete den Koͤnig an, welcher uns willkommen hieß. 99 Hierauf fuͤhrte mich einer der Weſſire in den Au⸗ dienzſaal. Seine Waͤnde bildeten ein langes Viereck, und waren mit Arabesken und goldenen Inſchriften auf weibem Grunde verziert. Zwei hohe gewundene grüne Marmorſaͤulen trugen vom Gange her den Gie⸗ bel des Gebaͤudes; durch ſchoͤne farbige Scheiben ſiel von der andern Seite das Licht. Der ganze Fußboden war mit einem außerordentlich praͤchtigen Kaſchemir⸗ Teppiche belegt. Den Thron trugen mehrtre 1—8 Fuß hohe Marmorſaͤulen. Vier andere mit Goldblech und Schmelz belegte Saͤulen ſtanden uͤber erßern, und trugen einen Thronhimmel. Tauſende von Diaman⸗ ten, Rubinen, Smgragden und Sapphiren funkelten auf allen Seiten. Eine Sonne von großen Diaman⸗ ten ſpielte hinter dem Schah, welcher mit dem Ruͤß⸗ ken an ein weißes, atlaſſenes, mit Perlen geſticktes Kiſſen gelehnt ſaß, in einem Gewande aus demſelben Stoff, auf welches ſein langer Bart herabfloß. Auf⸗ ſchläge von Perlen mit Rubinen eingefaßt, mit Roſen oder bunten Steinen durchwebt, reichten faſt bis an die Ellenbogen. Die Achſelſtücke und die Haͤlfte des Leibes war mit einem gleichen Gewebe bedeckt. Je— den Oberarm zierten zwei große runde Armbaͤnder aus Edelſteinen. Der Schah trug ſerner eine Art Tiara, deren Rand ein mit Rubinen und Smaragden beſetz⸗ tes Gewebe von Perlen bildete. Eine Zitternadel aus Steinen und daruͤber drei Reiherſtutze waren vorn an dieſem Hauptſchmuck. Ein Halsband von Perlen, ſo 100 groß wie Haſelnuͤſſe und von ſehr ſchoͤnem Waſſer, ging vorn kreutzweis uͤber den Koͤrper herab, und zwei⸗ mal herum. Ein mit Edelſteinen beſetzter Dolch ſtack in einem Guͤrtel von ſchoͤnen Smaragden, an welchen ein ganz mit Perlen und Rubinen bedeckter Saͤbel hing. Jedoch ſind die Steine nicht alle aͤcht. Drei Soͤhne des Schah und mehrere Edelknaben, gleichfalls praͤchtig gekleidet, ſanden am Fäaße des Thrones mit Saͤbeln, Dolchen, Keulen u. ſ. w. in der Hand. Am Eingange des Andienzſaales begruͤßte ich den Koͤnig wieder. Auf einer goldenen Schuͤſſel wurde der Brief, welchen ich brachte, uͤberreicht. Der Großweſſier entfaltete ihn, laß die UVeberſetzung ſo, daß man den Rhythmus der Phraſen bemerkte. Aus beſonderm Wohlwollen erlaubte mir der Schah, meine Stiefel an den Fuͤßen zu behalten, und ihm ge⸗ genuͤber auf verſiſche Weiſe zu ſitzen. Die Audienz dauerte uͤber eine Stunde. Ehe ſie zum Ende ging, ließ mir Feth⸗Ali⸗Schah die praͤchtigen Gaͤrten ſeines Palaſtes zeigen. Von da fuͤhrte man mich in den Buͤcherſaal, wo man mir viele koͤſtliche Handſchriften, unter andern auch ein Gedicht von Feth⸗Ali ſelbſt zeigte. XXIV. Feth⸗Ali⸗Schah,(Feth⸗Ali⸗Alis⸗ Sieg) hieß vor ſeiner Thronbeſteigung Baba⸗Khan. Er iſt groß, ſtark gebaut, leutſelig, großherzig, aber auch aͤuſſerſt ſtreng, und in ſeinem Zorne unverſoͤhn⸗ 101 lich. Er liebt die Wiſſenſchaften, die Jagd, und fuͤhrt die Lanze ſehr gut. Seit dreißig Jahren ſtammen Perſiens Herr⸗ ſcher aus dem alten und maͤchtigen Stamme der Kad⸗ ſcharen, welche einſt von den benachbarten Aſtera⸗ bad⸗Gebirgen kamen. Die Kadſcharen allein haben An⸗ ſpruch auf wichtige Aemter, Heerfuͤhrung und Landpfle⸗ gerſchaften. Ihre Khane bilden, nebſt denen der Afſcha⸗ ren, Zenden, Schagagis und andern großen Staͤmmen den Hof, welcher ſich täglich mit dem Auf⸗ gange der Sonne im Palaſte des Schah verſammelt. Ehrfurchtsvoll und mit den Haͤnden uͤber der Bruſt gekreutzt, erwarten ſie den Monarchen; He⸗ rolde verkuͤnden ſeine Ankunft. Der Schah beſteigt den Thron, man reicht ihm eine mit Steinen beſetzte Pfeife. Etwa 100 Schritte vom Throne entfernt, verneigen ſich die vornehmſten Hoͤflinge tief, treten dann näher, werfen ſich abermals nieder, endlich ziehen ſie die Fußbekleidung aus, um zum dritten Male nie⸗ der zu fallen. Die Jaſſauls(Leibwache), Golam⸗ ſchah's Goͤnigsſtlaven) huldigen dann dem Koͤnige auf dieſelbe Weiſe; er aber bleibt voͤllig unbeweglich. Am Ende dieſer Audienz, welche Selam heißt, ſpricht der Monarch uͤber die eingereichten Bitten, und ſeine Miniſter verkuͤndigen die Gnaden, welche er zu erthei⸗ len geruht. Ein ziemlich aͤhnlicher Fall ſoll im Harem Statt fin⸗ den. Die Weiber des Koͤnigs, 30o an der Zahl, er⸗ 102 warten nach Tagesanbruche in einem großen Garten die Befehle des Koͤnigs. Den ausgezeichnetſten und edelſten erlaubt er, ſich zu ſetzen. Sklaven tragen in Schuͤſſeln die langen mit Perlen durchflochtenen Haare der Favoriten. Die Weiber und Knaben des Koͤnigs ſind mit den reichſten Stoffen bedeckt, letztere bedienen ihn und ſind koſtbar gekleidet. XXV. Das Klima von Klein⸗Aſien und Perſien iſt nach der Richtung der obenerwhnten Gebirgskette verſchieden. Diarbekir und das ara⸗ biſche Jrak haben Hitze und Trockenheit; Daghe⸗ ftan, Georgien, Schirwan, Armenien, und ein Theil von Kurdiſtan und Aſerbeidſchan, Ghilan, Maſenderan und die Landſchaft Aſtera⸗ bad ſind feuchte Laͤnder. Im Winter ſind ſie mit Schnee bedeckt, im Herbſte regnet es haͤufig. Ihr Boden iſt fett und fruchtbar. Im Suͤd des Tau⸗ rus truͤbt ſelten ein Nebel die Luft, welche daher ſehr trocken iſt; meiſtens ſieht man nur leichte Woͤlkchen, welche einzeln nach Kandah arund Kabuliſtan flie⸗ hen, ohne ſich jemals noch im Waſſer aufzuloͤſen. Der Boden dieſer großen Landſtrecke iſt ſandig und dürr. Die Stroͤme Perſiens, welche ſich in das kaspi⸗ ſche Meer ergießen, ſind hoͤchſt reißend, diejenigen, welche die Ebenen von Kaſchan, Kum, Ispahan und Schiras bewaͤſſern, fließen minder ſchnell, ver⸗ ſiegen deſto mehr, je weiter ſie von ihren Quellen 103 abkommen, und verlieren ſich meiſtens in fandigen Ebenen. Ihre allmaͤhlige Abnahme verurſachen die Ableitungen der Einwohner in die Gaͤrten und Felder. XXVI. Die Einwohner Perſiens zerfallen in Nomaden und Daat oder Tadſchik, welche blei⸗ bende Wohnungen haben. Die Nomaden haben un⸗ ſtaͤtes Leben, ſind zum Stehlen geneigt, und gewalti⸗ ger Leidenſchaften faͤhig. Große Haiden und hohe Gebirge ziehen ſie denen, von der Natur am meiſten beguͤnſtigten Gegenden vor, bloß aus dem Grunde, weil ihre Vaͤter auch ſo lebten. Sie machen die ttreiten⸗ den Haufen des Schah aus, auf deren Muth er ſich verlaſſen kann. Im Fruͤhlinge verdingen ſie ſich auf einen Feldzug, und kehren im Winter wieder zu ihren Staͤmmen zuruͤck. Die wichtigſten unter den tuͤrkiſch ſprechenden Staͤmmen ſind: die Afſcharen, Kadſcharen, Turkomanen, Beiaten, Talidſchen, Kara Tſchorlus, Kara Geuzlus,(Schwariaugige) und Schah⸗Sevens,(Koͤnigsfreunde); unter den Kurden: die Reſchwends, Schaghagis und Erdilanis, unter den Luren: die Zenden⸗ Feilis und Bakhtiaren, und unter den Arabern⸗ die Beſtami, Beni⸗Kiabs und Beni⸗Huls. Gegen Newruz, den erſten Tag des perſiſchen Jah⸗ res, gehen von Teheran Eilboten ab, und bezeichnen den Haͤnptlingen den Ort, welchen der Fuͤrſt zur Heer⸗ 104 ſchau gewaͤhlt hat. Bald iſt es Choraſſan, bald Fars, bald das perſiſche Irak. Die Perſer lieben beſonders den Drtwechſel. Dbwohl faſt alle Nomadenſtaͤmme des Reichs perſiſch verſtehen, ſo haben ſie doch beſondere Idiome, welche ſehr von einander abweichen. Der Ackerbauer bildet nach Stand und Lebensart die Mitte zwiſchen Nomaden und Buͤrgern. Iſt er Muſelmann, ſo kann er nicht verkauft werden. Er hangt in Perſien ganz und unmittelbar von der Re⸗ gierung ab. Wird er zu ſehr gedruͤckt, ſo entflieht er und nomadiſirt. In der Hoffnung einer glücklichern Zukunft, iſt er thaͤtig, und ſucht Ueppigkeit und Le⸗ bensgenuß in ſeinen Gauen einheimiſch zu machen. XXVII. Die Bevoͤlkerung der unter dem Schah von Perſien ſtehenden Staaten betraͤgt 6,662,000 See⸗ len. Der Schah bezieht ſeine Einkuͤnfte: 4) von ſei⸗ nen eigenen Beſitzungen, 2) von dem Grundzinſe der Landpfleger, 3) von den Mauthen mehrerer Waaren, 4) von den Steuern, welche er den Haͤup⸗ tern der Nomadenſtaͤmme auflegt, und 6) von den Geſchenken, welche ihm ſeine Unterthanen und aus⸗ waͤrtige Landpfleger machen. RRvn. Die perſiſchen Heereshaufen leben, wenn ſie auf dem Zuge ſind, meiſt auf Koſten des Landes, welches ſie durchziehen. Die Schaaren ſind leicht und 105 zweckmaͤßig bewaffnet, und legen in einem Tage unge⸗ faͤhr ſechs Paraſangen zuruͤck. Lagerplaͤtze und Aufent⸗ halt ſind durch Firman beſtimmt. Das Gepaͤcke geht faſt immer dem Heere voran. Ihre Art zu ttreiten iſt: daß ſie auf den erſten Stoß in den Feind eindrin⸗ gen, oder blitz ſchnell fliehen. Bei dem ganzen Kriege iſt immer nur Beute das Ziel. Von dem Kriege als Kunſt haben die Perſer gar keinen Begriff. Der Soldat muß von dem Solde, welchen er erhaͤlt, ſich mit Allem verſehen. Von Kaſernen, Spitaͤlern und dergleichen weiß man nichts. Das Perſer⸗Heer beſteht aus koͤniglicher und prinz⸗ licher Wacht; aus Nomadenſchaaren, aus landſchaft⸗ lichen Soldaten, welche nicht regelmaͤßige und fort⸗ dauernde Dienſte thun; aus mehreren Haufen Fuß⸗ volks, Reiter und Geſchuͤtzes, welche ungefaͤhr auf europaͤiſche Art gekleidet und eingeuͤbt ſind. Der Schah haͤlt wenigſtens einmal jaͤhrlich Heer⸗ ſchau; jeder Soldat geht, bei ſeinem Namen gerufen, ſchnell am Monarchen voruͤber, gefaͤllt er ihm, ſo wird ſein Sold bezahlt. XXIX. Mit großem Eifer treiben die Perſer den Handel. Sie bringen europaͤiſches Gold nach Kandahar, Kaſchmir, Kabul, und Delhi, und kommen mit reichen Stoſſen, Arzeneien, koſtlichen Steinen, und rohen Diamanten zuruͤck. Da ſie aber eine ſehr große Abneigung vor dem Meere haben, und 106 Mangel an Wechfelgeſchaͤften iſt, ſo kann ſich ihr Han⸗ del nie bedeutend heben. XXX. Die Perſer bekennen ſich zum Jslam, ha⸗ ben die Beſchneidung u. ſ. w. Hier bloß einiges auf die Kurden und Perſer Bezuͤgliches von ihrer Ver⸗ maͤhlungsfeſer. Will ein Mann heirathen, ſo ſchickt er einige Frauen ab, um ſeine Auserwaͤhlte zu beſuchen, und von ihnen eine treue Beſchreibung derſelben zu erhal⸗ ten. Sind beide Familien einig, ſo wird ein Dag zur Verlobung feſtgeſetzt; ſie geſchieht oft mehrere Jahre vor der Vermaͤhlung, zuweilen in der Kindheit des kuͤnftigen Paares. Die Vollziehung dieſer Handlung wird durch Ueberſendung eines Ringes, eines Stuͤck Geldes und eines geſtickten, lediglich zu dieſem Zwecke beſtimmten Tuches an die Braut beſtaͤtigt. Vor ei⸗ nem bürgerlichen Beamten wird der Vertrag aufge⸗ ſetzt. Die Maͤdchen bringen keine Mitgift mit, ſon⸗ dern nur einige fahrende Habe und einige Geſchenke. Verſchleiert wird die Braut in das Haus des Braͤu⸗ tigams gebracht. Auf dem Wege wuͤnſcht man ihr Gluͤck, und ladet ſie zu einigen Erfriſchungen ein. Wegen dieſes öftern Anhaltens dauert der Zug lange. Bei den Kurden erwartet der Braͤutigam die Braut an der Thuͤrſchwelle, ſetzt ſie auf ſeine Schul⸗ ter, und traͤgt ſie in ſein Gemach. Dieß geſchieht deßwegen, damit die Jungfrauen nicht erroͤthen, wenn ſie eine aus ihrem Kreiſe gutwillig in ein fremdes 107 Haus gehen ſehen. Bits jetzt hat der Braͤutigam ſeine Vraut noch nicht geſehen, der Mutter keht das Recht zu, ſie zu entſchleiern. Man wuͤnſcht dem Gatten jetzt Gluͤck, bereitet ein Mahl, nach welchem man Lie⸗ der ſingt, welche wohl keuſche Dhren beleidigen koͤn⸗ nen. Zehn Tage nach der Hochzeit muͤſſen die Neu⸗ vermaͤhlten die Eltern der Frau beſuchen, wo ſie Ge⸗ ſchenke erhalten Das Mahl, der Ankauf neuer Klei⸗ der machen dieſe Gebraͤuches ſehr koſtſpielig. Am Frei⸗ tage beſuchen die Frauen die Gräber ihrer Gatten oder Verwandten. XXXI. Reiche Rerſer werden in Menge von Schuͤtzlingen und Lafelfreunden beſucht, welche nun wie zur Familie gerechnet werden. Zum Zeichen der Freundſchaft faſſen und druͤcken die Morgenlaͤnder die Hand, fuͤhren ſie an den Mund, und druͤcken ſie dann an das Herz. Die Hoͤflichkeits⸗Formeln der Perſer ſind vielfach und ſeltſam. Nichts iſt ſchwuͤlſtiger, als ihr Briefſtyl. Sie ſchuͤtzen ſich gegen die Wirkungen des ſcheelen Blickes(Nazar). Die Gaſtfreundſchaft iſt die Tugend, welche der Muſelmann am meiſten ehrt. Zweikampf iſt nicht be⸗ kannt. Iſt einer im Kampfe oder anderswo getoͤdtet worden, ſo fordern ſeine Verwandten oder Weiber die Auslieferung des Moͤrders. Sein Schickſal legen die Geſetze in ihre Hoͤnde. Die Freuden des Spieles erſetzen ſich die Morgenlaͤnder durch Erzaͤhler und Spaßmacher. 1 103 Die Perſer ſind ſehr gewandten Geiſtes, gute Ge⸗ ſellſchafter, hoͤflich gegen Fremde, lieben Wein, Feſte und Ueppigkeit, und ſind ſchwer zu hintergeben Sie ſind ferner aberglaͤubiſch und puͤnktlich in ihren Reli⸗ gionsgebraͤuchen; achten die Unglaͤubigen, und eroͤr⸗ tern ſehr gerne ihre Glaubens⸗Artikel. Auch folgen die Perſer dem Dogma von der Vorausbeſtimmung nicht ſo blind, als die Tuͤrken. Beſonders beben ſie die Cirkaſſierinnen, und Maͤdchen aus Geor⸗ gien und Mingrelien, welche ihrer Schoͤnheit we⸗ gen ſehr geſucht werden. Der Perſer liebt die ſchlanke Geſtalt, und lobt er eine Schoͤne, ſo vergleicht er ſie mit der Cypreſſe. Durch Spiebglas⸗Pulver ertheilen die Frauen dem Auge eine Art wolluſtigen Schmach⸗ tens. Schwarze, bogenartig gerundete, aneinander ſtoßende Angenbraunen gelten fuͤr eine große Schoͤn⸗ heit, und werden durch Kunſt hervorgebracht. Nach dem Bade faͤrben ſie ihre Naͤgel roth oder gelb; ein Schoͤnheitsmittel, ohne welches zu erſcheinen ſehr un⸗ anſtaͤndig ſeyn wuͤrde. XXXII. Die perſiſchen Frguen kleiden ſich im Innern des Harem nachlaͤſſig, und erſcheinen auf der Straße mit verſchletertem Haupte. Der Perſer liebt Ruhe und Gluͤck; ſchamlos ſchmeichelt er dem Maͤch⸗ tigen, und beugt gerne ſeinen Nacken dem Joche des Tyrannen dar. XRKRIII. Wer im Morgenlande reiſt, braucht 109 vor Allem Geduld; an Annehmlichkeit darf man nicht denken. Man reiſt gewoͤhnlich zu Pferd; die Kamele dienen zur Fortſchaffung von Waaren und Gepaͤck; Saͤnften ſind das Fuhrwerk fuͤr Kranke und Frauen. Die beſte Art zu reiſen iſt in Karavanen. In Per⸗ ſien macht man gewoͤhnlich s— 6 Paraſangen taͤg⸗ lich. Die Karavanſerais ſind ſehr unſauber. XXXW. Waͤhrend meines Aufenthaltes in De⸗ heran bewohnte ich den Palaſt des Mirſa⸗Riza Kuli. Die Miniſter gaben wegen des baldigen Ab⸗ ganges des Hofes glaͤnzende Feſte, welche wegen der Hitze immer Nachts ſtatt fanden. Sie beſtanden in Concerten, Kunſtreden und Gaſtereien auf Terraſſen oder in offenen Saͤlen, welche auf erleuchtete Gaͤrten gingen. Unzaͤhlige kleine Lampen ſtellten Frucht- und Blumengewinde und allerlei andere Verzierungen dar. Die Stadt Deheran auf niedrigem Boden am Fuße der Elbur⸗Bergkette, 10 Stunden von Pis Demavend, und 25— 30 vom kaspiſchen Meere, hat mittelmaͤßige Feſtungswerke und kein Gebaͤnde, welches mit den ſchoͤnen Gebaͤuden Ispa⸗ hans zu vergleichen waͤre. Die Haͤuſer der Großen ſind unanſehnlich, weil die Perſer lieber das Innere der Haͤuſer verzieren. Die Moſcheen, Bazars und Karanvanſerais in Leheran ſind noch in altem Zu⸗ ſtande. Die Amahl der Einwohner betraͤgt 30,000. Auf einem der Berge im Porden der Stadt er⸗ 11⁰ hebt ſich das ſchoͤne Schloß Kaßri⸗Kadſchar; es iſt aus Ziegelſteinen erbaut, und mit einem Park um⸗ geben. Durch daſſelbe geht ein Strom, bildet meh⸗ rere Waſſerbecken und Springbrunnen, und verliert ſich dann in der Ebene. Hier haͤlt ſich der Schah drei Monate auf. Von Teheran brach der Hof uͤber Ali⸗Schah⸗ Abas, Hadſchi⸗Abad, Kaßbin, Sihadun, Sain⸗Kaleh nach Sultanieh auf, wo et am s. Juli a906 ankam. Ich mußte dem Hofe folgen; gewöhnlich wurde Nachts gereiß. Die ungeſunde Luft zu Teheran zog mir mehrere Fieberanfaͤlle zu; der Koͤ⸗ nig ſandte mir ein Takhtrewan, oder eine von zwei Maulthieren getragene Saͤnfte. Endlich genaß ich wieder; inzwiſchen kam Dupre, der Sohn des franzoͤſiſchen Konſul in Trebiſond, nach Perſien. Seine Nachricht von dem in Presburg unterzeich⸗ neten Frieden und ſeine guͤtige Pflege beſchleunigten meine Geneſung. Ich ſetzte alſo meine Reiſe fort. XXXV. Die Ebene von Sultanieh, ein 8— 9 Stunden langes Dval bildend, iſt mit kahlen und unfruchtbaren Huͤgeln umgeben, von welchen mebhrere Baͤche herabfließen. Das Lager war faſt rund. Die Zelte des Koͤnigs, in der Mitte ſtehend, waren gegen Mekka oſfen. Das Hauptzeit(Diwan⸗Khaneh) diente als Audienzſaal, und wurde von neun 25— 36 Fuß hohen Maſten getragen, mit kupfernen vergolde⸗ 111* ten Kugeln. Ein Maſt war ungefaͤhr 20 Schritte von dem andern entfernt. Mit Gold geſtickte Seidenſtoffe bildeten die Zeltmauern, und reiche Teppiche bedeck⸗ ten den Boden. Der Diwan⸗Khaneh hat wie die meiſien königl. Zelte, gewohnlich dreierlei Umhaͤgung. Die Harems⸗Zelte, nicht weit von dieſem entfernt, ſollen noch prachtvoller ſeyn. Sie werden von Ver⸗ ſchnittenen bewacht, und zwar noch ſtrenger, als in der Tuͤrkei. Bei meiner Ankunft im Lager wurde mir ein ſehr bequemes Zelt angewieſen. Der Sultan, ein großer Liebhaber der Jagd, ließ, ehe er in das Lager zuruͤck⸗ kehrte, und nach der Jagd, 3— 4000 Reiter vor ſei⸗ nen Augen Kriegsuͤbungen vornehmen. Nach einem 4otaͤgigen Aufenthalte bat ich um meine Abſchieds-Audienz. Am 12. Juli kamen zwei Weſſire fruͤh, um mich zum Schah zu fuͤhren. Tags zuvor erhielt ich das Khalat(Ehrenkleid); es be⸗ ſtand in einer Brokat⸗Weſte, einer Art Pelz von glei⸗ chem Stoffe, einem Guͤrtel, einer aſtrakhaniſchen Lammsfell⸗Muͤtze mit einem Shawl umwunden, ei⸗ nem Dolch, und einem reich aufgeſchirrten Uzbecker Roſſe. Unter andern Geſchenken befand ſich auch ein großes Bildniß des Schah, nebſt mehreren perſiſchen Handſchriften, Waffen, Stoffen und Pferden. Bei der Abſchieds⸗Audienz ſaß der Koͤnig unter einem Zelte, welches wie ein großer Regenſchirm ausſah, auf einem praͤchtigen Teppiche, geſtuͤtzt auf 112 ein mit bunten ſchoͤnen Steinen reich geſchmuͤckten Kiſſen. Ich dankte nach dem gebraͤuchlichen Gruße in ehrfüͤrchtigen Ausdrucken fuͤr alle mir erwieſene Guͤte. Der Schah ſprach wiederholt, er wuͤnſche mit Frank⸗ reich in freundlichem Vernehmen zu bleiben, und mehrere Franzoſen in Perſien zu ſehen. Da die Au⸗ dienz uͤber zwei Stunden dauerte, da ich ſchwach war, und ſtehen mußte, ſo ſil ich in Ohnmacht. Der Schah ließ ſich mehrmals nach meinem Befinden er⸗ kundigen. Wiederhergeſtellt brach ich den 44. Juli vom Lager zu Sultanieh auf. In meiner Geſellſchaft befanden ſich Herr Dupre, der Arzt Mirſa⸗ Schefi mit 4—s Perſonen im Gefolge, der Tatar von Konſtantinopel, der europaͤiſche Diener und der Armenier, welche beide letztere mir nach Perſien gefolgt waren. Endlich hatten wir ein Geleit von zwanzig Perſern, und waren alle zu Pferde. XXXVI. In dem Staͤdtchen Zengian wurde ubernachtet, wo wir uns drei Tage aufhielten. Von da kamen wir am 17. in die Gaͤrten des Dorfes Ar⸗ man⸗Khaneh. Auf der ganzen Reiſe ſchliefen wir in freier Luft, ausgenommen in Tauris. Am 18. raſteten wir bei einem Arkhor(geiſtlichem Dber⸗ haupte) in Ak⸗Kend(Weißdorf). Von Sulta⸗ nieh bis hierher war die ganze Strecke ſeinig, flach⸗ und im Ganzen nicht ſehr fruchtbar. Bei Ak⸗Kend findet man Waſſer, Gruͤn und haͤuſige Doͤrfer; es tee 113 liegt auf der Linie der Kaplan⸗Kuh⸗Gebirge, welche das perſiſche Irak von Aſerbeidſchan trennen. Am 19. reiſten wir durch dieſe Gebirge und uͤber den Strom Kiſſil-uſſen, welchen hier zwei ſehr gefaͤhrliche ſchroffe Felſen einzwaͤngen. In der unbedeutenden Stadt Mianeh, in einer waſſerrei⸗ chen Gegend uͤbernachteten wir. Ueber einen kleinen gluß fuͤhrt eine Bruͤcke von 23 Jochen, auf eine gut gepflaſterte Straße, welche aber wegen der vielen Graͤ⸗ ben unwegſam iſt. ueber die Doͤrfer Turkmen, Tikmeh⸗Tach, Seid⸗Abad kamen wir den 23. in Tauris an. Den 27. verließen wir daſſelbe, und wurden bis zum Dorfe Maecan begleitet. Wir ritten die ganze Nacht. um der Hitze zu entgehen, und kamen am 28. zum Dorfe nach Diſſi Khalil. Es iſt am Ormiah⸗ See gelegen, von ungeheueren Gaͤrten umgeben, fuͤnf Stunden N. N. W. von dem Drte, wo der Talkh⸗ See ſich in denſelben ſtuͤrzt. Wir ritten laͤngs des See's, und uͤbernachteten in dem Dorfe Teſſwidſch, welches eine herrliche Ausſicht gewaͤhrt. Der Ormiah⸗See, faſt eben ſo groß als der See Van, mit welchem er beinahe bis auf unſere Zeit verwechſelt wird, iſt beſonders gegen Suͤd und Weſt mit ſehr hohen Gebirgen umgeben. An ſeinen ufern liegen die wichtigen Städte Ormiah, Sel⸗ mas und Maragaz nichts deſto weniger bleibt er unbeſchifft. Er hat drei, beinahe unbebaute Inſeln 56. V. Perſien. III.. 8 114 In einem oberhalb Seid⸗Hadſchi gelegenen ſtei⸗ nigen Thale ſchlugen wir unſere Zelte auf, und ka⸗ men den 34. nach Choi, wo ich nicht ohne lebhafte Dankbarkeit gegen viele Perſer ihr Land verließ. XRXVII. Am 4. Auguſt kamen wir in das enge, windungsreiche Thal Koturah, und hatten einen beſchwerlichen Weg; am 6. ſetzten wir unſere Reiſe in dieſem Thale fort⸗ und uͤbernachteten in dem elen⸗ den Dorfe Aſtur dſchi, welches neun Stunden von Van, und ſieben von Koch⸗ab(gutes Waſſer), ei⸗ ner kleinen Stadt auf einem Plateau tiegt, wo die Flſſe Koturah und Koch⸗ab entſpringen. Einer bewaͤſſert nordoſtwaͤrts die fruchtbaren Ebenen von Choi, der andere verliert ſich in den See Van. Koch⸗ab mit einem Schloſſe hat eine armeniſche Kirche, wo der Bey der Stadt beſtaͤndig eine bren⸗ nende Leuchte vor einem Bilde der heiligen Jungfrau unterbaͤlt. Den 6. ſchliefen wir auf den Derraſſen in Erdſcheck, einem Dorfe am Ausgange der Dhal⸗ ſchlucht Mah mudieh, und am Ufer eines Sali⸗ See's, welcher nur 2—3 Stunden im Umfange hat⸗ Das Land, durch welches wir reiſten, war wegen der zuchtloſen Banden unſicher. Zu Van lagerten wir in den Gaͤrten des Aufſe⸗ hers des Derwiſch Paſcha. Der Statthalter lud mich nicht nur zum Fruͤhſtuͤcke, ſondern auch zum Bade in ſeinem eigenen Saale ein. Ich bewunderte die 1¹⁵ zauber iſche Ausſicht vom Kloſter Siebenkirchen in der umgebung von Van. Die nicht große Kirche hat viel Vergoldung und einige Gemaͤlde. Der Obere des Floſters lud uns zum Eſſen ein, wo wir die Bemer⸗ kung machten, daß Maͤbigkeit nicht eben die Haupt⸗ tugend der armeniſchen Geiſtlichkeit iſt. Den ganien Tag reiſten wir näher oder feruer Laͤngs des See's Van N. W. Ju dem Dorfe Ard ſchek ward uber⸗ nachtet. Am 11. blieben wir in Karzu. In dem bei Ardſchiſch gelesenen Dorfe Aganes verſuch⸗ ten die Kurden, unſer Gepaͤcke zu nehmen, bekamen aber nichts als einen Mauleſel. Inzwiſchen erhielt ich die Nachricht von dem Tode meines Retters Mah⸗ mud Aga. Ein Lanzenſtich in einem Gefechte mit den Perſern raubte ihm das Leben. Am 44. gingen wir nach Horſchun, und ſchlie⸗ fen in Taſchkun. Bei der erbaͤrmlichen Stadt Me⸗ lez⸗Gird, in einer großen Ebene, ſetzten wir uͤber den ſuͤdlichen Arm des Euphrat. Auf den umlie⸗ genden Bergen durchſchnitt die Ebene ein Feuerſtrom, breit wie ein großer Fluß. Die Kurden hatten naͤm⸗ lich die zur Duͤngung der Trifften ſtehen gebliebenen, trockenen Kraͤuter verbrannt, immer in zwei gleichlau⸗ fenden Linien. Ueber den bedeutenden Fluß Tuzla ſetzten wir auf aufgeblaſenen Schlaͤuchen. Die Fahrt iſt langwierig und unbequem; man ſteht meiſtens mit den Beinen unter Waſſer. In Kara⸗Tſchoban (dem ſchwarzen Hirten) uͤbernachteten wir. Den 17 116 gingen wir uͤber den weißen Berg(Ack Dagh), ſchwammen Abends durch den Vraxes, und öber⸗ nachteten in Kuli, wo wir eine gute Aufnahme fanden. Von dem armſeligen Doͤrfchen Tatu ging es über die Kette des Tek⸗Dagh; auf der Spitze öber⸗ ſieht man auf einer Seite die ganze Landſchaft bis Van, auf der andern in der Ferne von Diarbekir. Dieſe Bergmaſſen thuͤrmten ſich nordwaͤrts, eſtwaͤrts, weſtwaͤrts rings um uns. Ihre Gipfel, niedriger als der Punkt, wo wir ſtanden, waren noch ganz mit Schnee bedeckt. In dieſen Bergen entſpringen der Di⸗ gris, Euphrat und Araxes. Am 19. kamen wir endlich in die Ebenen von Srzerum. XXXVIII. Hier verließ uns das perſiſche Geleit; ich entließ es mit allerlei Geſchenken. Mit tuͤrkiſchem Geleite reiſte ich den 20. von Kian ab. In dem kleinen Dorfe Flidſchah wurde uͤbernachtet. In der Schwefelauelle, welche dem Dorfe den Namen gab, badeten wir uns. Sie iſt in ein achteckiges, 80 bis 100 Fuß weites, und 12 bis 15 Fuß tiefes Becken eingeſchloſſen. Man nimmt das Bad, auf ringsum angebrachten Marmorbaͤnken ſitzend; es iſt mit Mauern umgeben. Den 20. gingen wir nach Dſchennes und Ach⸗ Kaleh, wo die Poſt iſt. Hier erhielt ich Nachrich⸗ ten uͤber die Meinigen und Geld, welches ich ſehr nö⸗ 117 thig hatte. Am 22. uͤbernachteten wir in Dehift⸗ likz es liegt in einer lachenden Sbene am Ufer des kleinen Fluſſes Saman⸗Sui(Strohfiuſſes). Sein Gewaſſer ſließt in das ſchwarze Meer. Am 23. ging unſere Reiſe durch den großen und beſonders von Ar⸗ meniern bevoͤlkerten Marktflecken Gurnuh⸗Khaneh (Gold⸗Haus), von da durch das griechiſche Dorf Stavros(Kreuz). Es liegt maleriſch an einem Bergabhange, und am Ufer eines Sttomes. Am 23. beſtiegen wir die Gebirgskette, welche das ſchwarze Meer umzieht. Auf der Hoͤhe eines dieſer Berge ſa⸗ hen wir unter unſern Fuͤßen einen großen Haufen wei⸗ ßer Wolken gewaltig gegen einander treiben, und vom Blitze durchzuckt werden. Es war ein Ungewitter, welches uͤber Trebiſond trieb. Dieſe Erſcheinung iſt haͤufig, beſonders im Anfange des Fruͤhlings, im Herbſte und Winter. Die Landſchaft nordwaͤrts vom Gipfel des Berges iſt ſehr waldig; die Vegetation ſehr kraͤftig, und die Baͤume außerordentlich ſtark und hoch. In der Ge⸗ gend von Srebiſond wird das Land lachender.— Am 2s. ſchliefen wir in Gherizlik(Nußdorf), wo wir zum erſten Mal ſeit Erzerum ein beguemes Ka⸗ ravnnſerai antrafen. XXXIX. Von den Bergen herabgeſehen, welche an dieſer Seite das ſchwarie Meer umgeben, gewaͤhrt Drebiſond mit ſeinen Umgebungen einen berrlichen 118 . ¹.. Anblick. Alle Haͤuſer, und ſelbſt die Ringmauern wa⸗ ren mit Epheu bekleidet. In der Bucht, Küſte ge⸗ nannt, miethete der Konſül Dupre für uns ein Bechſchifteh von 30— 100 Tonnen. Von dem eigentlichen Hafen Platana ſegelten wir den 2. September ab, hatten aber das Ungluͤck, an das Porgebirge Vona verſchlagen zu werden. Auf der Hoͤhe von Eunieh faßte uns ein noch ge⸗ waltigerer Sturm; wir wurden mit Gewalt nach dem Meerbuſen Samſun getrieben und aukerten endlich auf der Rhede Kundſchughaz, welche etwa fuͤnf⸗ zehn Stunden weſtlich vom Lande Themiſeyra⸗ dem ehemaligen Aufenthaltsorte der Amazonen ent⸗ fernt, und jetzt ein Theil von Dſcha nik iſt. An den Ufern dieſer Rhede wird eine große Ebene von einet bogenforinigen Bergkette umgeben⸗ deren Gipfel und Seiten ziemlich hoch, und mit allerlei Buſchwerk be⸗ wachſen ſind. Die Wohnungen ſiehen auf den hoͤch⸗ ſten Punkten. Der Halys, der Scheſchil⸗Er⸗ mak und der Dhermeh durchſchueiden dieſe Berg⸗ kette, und fließen in das Meer. Die beiden letztern Fluͤſſe ſind der alte Iris und Thermodon. Auf den Ebenen weidet das Vieh. Eber und anderes Wildpret findet man hier haͤußg; auch finden ſich an den Ufern des Waſſers viele Waſſervoͤgel ein. Dieſes am Meeresufer gelegene Land hat ein ge⸗ ſundes Klima, einen im Ganten ſehr ſchönen Men⸗ ſchenſchiag, und eine vortheithafte gevgraphiſche Lage zum Handel, welche aber nicht benutzt wird. Die Pauptſtädte der Ebene ſind Tſcharſchenbeh⸗ amſun und Bafra. RX. Von Kundſchughas fuhr ich mit einem Schiffe, welches eine Salziadung hatte, nach Sinoge. Dieſe Stadt auf dem ſchmalſten Theile einer Halbinfel von drei Stunden im Umfange, hat Mauern mit Thuͤrmen, und wie Alexandrien zwei 1 119 Haͤfen. Die Anzahl der Einwohner, von welchen ein Brittel Tuͤrken, die uͤbrigen Griechen ſind, betraͤst 12,000. Die Gegend um Sinope iſt fruchtbar an Getraide, Reis und allerlei Fruͤchten; die Kuͤſte reich an Waſſervoͤgeln. Sinope nahm dje 10,000 Griechen unter Peno⸗ phons Anführung bei ihrer Ruͤckkehr gaſtfreundlich zuf, und brachte den Cyniker Diogen es, und den Koͤnig Mithridat bervor. Durch die roͤmiſchen Kaiſer wurde es vergroͤßert, und fiel 469 in die Haͤnde Mahomed's U. XXXRI. Von Sinope ſchlugen wir den Land⸗ weg Ineboli ein, reiſten durch Waͤlder und anmu⸗ thige Thäler, und langten in dem niedlichen griechi⸗ ſchen Borfe Stephanos au. Ueber ſchrofe Hoͤhen, Stroͤme und durch dicke Waͤlder kamen wir in das Dorf Aiandum. Poch ſchwiertger war der Weg zum Doͤrſchen Inidſcheh am Vorgebirge Kinoli, welches durch ſo viele Schiffbrüche beruͤhmt iſt; es liegt gerade Karadſcha⸗Burun(Kriumetopon) in der Vrimm gegenüber. In dem fruchtbaren Thale, welches von dem Fluſſe Ineboli bewaͤſſert wird, veraͤndert ſich die Szene. Minarets ſchwingen ſich aus(chattigen Gaͤr⸗ ten empor, zahtreiche Heerden weiden auf Wieſen⸗ Hättenwerke ſind am Fluſſe, welcher die Mauern an⸗ Palt, und den Hafen von Ineboli bildet. Hier fuhren wir am 48. Oktober ab, und landeten zwiſchen den Klipren, welche das furchtbate Vorgebirge Ke⸗ renpech bilden. Bis Kidros, dem alten Pa⸗ phlägoniſchen Kithoras konnten wir das Ruder brauchen, und fuhren ohne anzuhalten, bet Temeneh⸗ dem aiten Thomene, bei Kara⸗Agadſch(dem ſchwarzen Baume vorüber), welches faſt wie Aegiali iiegt. Am 18. Abends ankerten wir im Hafen von Kidros, wo wir bloß einige Huͤtten fanden, ſtener⸗ 120 ten nach Amaſtrah, einer Pflanzſtadt, welche eine Nichte des Darius anlegte. XRXXII. Die Stadt iſt amphiteatraliſch auf ei⸗ nem, das Meer beherrſchenden Plateau erbaut, und liegt zwiſchen zwei halb mit Sand angefuͤllten Haͤfen. Von der Meeresſeite ſieht dieſe Stadt, aus der ſich noch einige ariechiſche Saͤulenſchafte und Truͤmmer eines Neptun⸗Tempels erheben, nur wie ein elendes ir aus. Wir bedauerten, daß wir bloß voruber uhren. Am 23. Oktober ankerten wir in dem von der Muͤndung des Fluſſes Bartin gebildeten Hafen. Un⸗ ſtreirbar wegen der lieben Einſamkett und der unwan⸗ delbaren Friſche ſeiner Ufer nannten ihn die Griechen Parthenios(den Jungfräulichen); ſein Waſſer iſt noch ſo ſchoͤn, rein und ruhig, wie ehemals. Das Thal von Bartin hat ein herrliches Klima, einen reichen Boden, einen ſicheren Hafen, und einen ſchiff⸗ baren Srrom. Wir hielten uns drei Tage auf. Nachdem wir 36 Stunden mit den Wellen ge⸗ kaͤmpft hatten, erreichten wir gluͤcklich Philiß, und begaben uns zu Lande nach Heraklea. Dieſe Stadt, tuͤrkiſch Ereeli oder Cregri, am Abhange eines Huͤgels gegen Suͤdweſt erbaut, hat ungefaͤhr s000 See⸗ len, welche melſtens bövurtige Türken ſind. Am 20. Bktober landeten wir in dem huͤbſchen Dorfe Savapia bei Konſtantinovel, wo ich dann auf der Donau nach Teutſchland, Polen in das Hauptquartier des Heeres ging, Widdin, Ftntin e ., m 21. Junius nac ar ich zu⸗ ic reiie. Frankreichi