— Leihbibliothetk deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Cdnard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seih- und geſebedingungen. 1. offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Laution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4 4. Ahonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für nochentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —————— auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mk. 50 Pf.— Pf. 3„ 3„—„ 5 Answärtige Abonnenten haben fiütr Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlörene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern zc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. e Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ——— —SeS 7 Shakspeare's dramatiſche Werke. Ueberſetzt Auguſt Wilhelm von Schlegel, 3 ergaͤnzt und erlaͤutert. — von 8 Ludwig Tieck. zweyter Theil: König Heinrich der Fünfte. 2 3 König Heinrich der Sechſte, 1ſter, 2ter und 3ter Theil. ——— Berlin, b r . „ 1 5 2 6. Koͤnig Heinrich der Fuͤnfte. Perſonen Koͤnig det Fuͤnfte. Herzog von Gloſter, 35 3„3 S von Bedforb, Bräder des Königs. Herzog von Exeter, Oheim des Konigs. Herzog von York, Vetter des Koͤnigs. Graf von Salisbury. Graf von Weſtmoreland. Graf von Warwick. Erzbiſchof von Canterbury. Biſchof von Ely. Graf von Cambridge, Lord Scroop, Verſchworne gegen den Koͤnig. Sir Thomas Grey, Sir Thomas Erpingham, Gower, Fluellen, Ofſiziere in Heinrichs Armee. Macmorris, Jamy, Bates, Court, Williams, Soldaten in derſelben. Nym, Bardolph, Piſtol, ehemals Bediente Falſtaffs, jetzt ebenfalls Soldaten in derſelben. Ein Burſch, der ſie bedient. Carl der Sechſte, Koͤnig von Frankreich. Louis, der Dauphin. Herzog von Burgund. Herzog von Orleans. 5 Herzog von Bourbon. Der Connetable von Frankreich. Rambures und Grandpré, franzöſiſche Edelleute. Beſehlshaber von Harfleur. Montjoye, ein franzöſiſcher Herold. Geſandte an den Koͤnig von England. Iſabelle Koͤnigin von Frankreich. Catharina, Tochter Carls und Iſabellens. Alice, ein Fraͤulein im Gefolge der Prinzeſſin Catharina. Wirthin Hurtig, Piſtols Frau. Herren und Frauen vom Adel, Hffiziere, Franzoſiſche und Eng⸗ liſche Soldaten, Boten und Gefolge. Die Szene iſt anfangs in England, nachher ununterbrochen in Frankreich. Chorus tritt ein. O eine Feuermuſe, die hinan Den hellſten Himmel der Erfindung ſtiege! Ein Reich zur Buͤhne, Prinzen drauf zu ſpielen, Monarchen, um der Szene Pomp zu ſchaun! Dann kaͤm', ſich ſelber gleich, der tapfre Heinrich In Marsgeſtalt; wie Hund' an ſeine Ferſen Gekoppelt, wuͤrde Hunger, Feur' und Schwert' Um Dienſt ſich ſchmiegen. Doch verzeiht, ihr Theuren, Dem ſchwunglos ſeichten Geiſte, der's gewagt, Auf dies unwürdige Geruſt zu bringen Solch großen Vorwurf. Dieſe Hahnengrube Faßt ſie die Ebnen Frankreichs? ſtopft man wohl In dieſes O von Holz die Helme nur, Wovor bei Agincourt die Luft erbebt? O ſo verzeiht, weil ja in engem Raum Ein krummer Zug fuͤr Millionen zeugt; Und laßt uns, Nullen dieſer großen Summe, Auf eure einbildſamen Kraͤfte wirken. Denkt euch im Gärtel dieſer Mauern nun Zwey maͤcht'ge Monarchieen eingeſchloſſen, Die, mit den hocherhabnen Stirnen draͤuend, Der furchtbar enge Szean nur trennt. Ergaͤnzt mit den Gedanken unſte Maͤngel, Zerlegt in tauſend Theile kinen Mann, Und ſchaffet eingebild'te Heereskraft. Denkt, wenn wir Pferde nennen, daß ihr ſie Den ſtolzen Huf ſeht in die Erde pragen; Denn euer Sinn muß unſr⸗ Koͤn'ge ſchmücken. Brinat hin und her ſie, uͤberſpringt die Zeiten, Verkurzet das Ereigniß manches Jahrs Zum Stundenglaſe. Daß ich dies verrichte Nehmt mich zum Chorus an fuͤr die Geſchichte, Der als Prolog euch bittet um Geduld. Hoͤrt denn und richtet unſer Stuͤck mit Huld. * Erſter Aufzug. Erſte Szene. London. Ein Vorzimmer im Palaſte des Koͤnigs. (Der Erzbiſchof von Canterbury und Biſchof von Ely treten auf.) Canterb. Mylord, ich ſag' euch, eben die Verordnung Wird jetzt betrieben, die im eilften Jahre Von der Regierung des verſtorbenen Koͤnigs Beynahe wider uns waͤr' durchgegangen, Wenn die verworrne unruhvolle Zeit Aus weitrer Frage nicht verdrängt ſie haͤtte. Ely. Doch ſagt, Mylord, wie wehrt man jetzt ſie ab? Canterb. Man muß drauf denken. Geht ſie durch, ſo buͤßen Wir unſrer Guͤter beßre Haͤlfte ein. Denn all das weltlich Land, das fromme Menſchen Im Teſtament der Kirche zugetheilt, Will man uns nehmen; nämlich ſo geſchaͤtzt: So viel um fuͤr des Koͤnigs Staat zu halten An funfzehn Grafen, funfzehnhundert Ritter, Sechs tauſend und zweyhundert gute Knappen; Zum Troſt fuͤr Sieche dann und ſchwaches Alter, Fuͤr duͤrft'ge Scelen, leiblich unvermoͤgend, Ein hundert wohlbegabte Armenhaͤuſer; Und ſonſt noch in des Königs Schatz des Jahrs Ein tauſend Pfund⸗ ſo lautet die Verordnung. Ely. Das waͤr' ein ſtarker Zug. Canterb. Der ſchlänge Kelch und alles mit hinab. Ely. Allein wie vorzubengen? —— — A. I. Sz. 1. Koͤnig Heinrich V. 5 Canterb. Der Koͤnig iſt voll Huld und milder Ruͤckſicht. Ely. Und ein wahrhafter Freund der heil'gen Kirche. Canterb. Sein Jugendwandel zwar verhieß es nicht; Doch kaum lag ſeines Vaters Leib entſeelt, Als ſeine Wildheit auch, in ihm ertodtet, Zu ſterben ſchien; ja in dem Augenblick Kam beßre leberlegung wie ein Engel, Und peitſcht' aus i den ſuͤnd'gen Adam weg, Daß wie ein Paradies ſein Leib nun blieb, Das Himmelsgeiſter aufnimmt und umfaßt. Nie ward ſo ſchnell ein Zogling noch gebildet; Vie hat noch Beſſerung mit einer Flut So raſchen Stromes Fehler weggeſchwemmt, Und nie hat hydrakoͤpf'ger Eigenſinn So bald den Sitz verloren, und mit eins, Als jetzt bei dieſem Koͤnig. Ely. Die Umwandlung iſt ſegensvoll fuͤr uns. Canterb. Hoͤrt ihn nur uͤber Gottsgelahrtheit reden, Und, ganz Bewundrung, werdet ihr den Wunſch Im Innern thun, der Koͤnig wär' Prälat; Hoͤrt ihn verhandeln uͤber Staatsgeſchaͤfte, So glaubt ihr, daß er einzig das ſtudirt; Horcht auf ſein Kriegsgeſpraͤch: und grauſe Schlachten Vernehmt ihr vorgetragen in Muſik; Bringt ihn auf einen Fall der Politik, Er wird deſſelben Gord'ſchen Knoten loͤſen, Vertraulich wie ſein Knieband; daß den Reden Die Luft, der mgebundne Wuͤſtling, ſchweigt. Und ſtumm Erſtaunen lauſcht in Aller Hhren, Die honigſuͤßen Spruͤche zu erhaſchen, So daß des Lebens Kunſt und praktiſch Theil Der Meiſter dieſer Theorie muß ſeyn. Ein Wunder, wie ſie Seine Hoheit auflas, Da doch ſein Hang nach eitlem Wandel war, Sein Umgang ungelehrt, und roh und ſeicht, Die Stunden hingebracht in Saus und Braus, Und man nie ernſten Fleis an ihm bemerkt, Auch kein Zuruͤckziehn, keine Sonderung Von freyem Zulauf und von Volksgewuͤhl. Ely. Es wachſt die Erdbeer' unter Neſſeln auf, Geſunde Beeren reifen und gedeihn Am beſten neben Fruͤchten ſchlecht'rer Art; 6 Koͤnig Heinrich V. S A. Und ſo verbarg der Prinz auch die Betrachtung Im Schleyer ſeiner Wildheit, ohne Zweifel Wuchs ſie, wie Sommergras, bei Nacht am ſchnellſten, Das ungeſehn, doch kraͤft'gen Wachsthum hat. Canterb. Es muß ſo ſeyn, denn Wunder giebt's nicht mehr, Deshalb muß man die Mittel eingeſtehn, Wie was zu Stande kommt. l. Doch beſter Lord, Was nun zu thun zur Mildrung dieſes Vorſchlags, Den die Gemeinen thun?! Iſt ſeine Majeſtat Fuͤr oder wider? Canterb. Er ſcheint unbeſtimmt, Doch neigt er mehr auf unſre Seite ſich, Als daß er wider uns den Antrag fördert. Denn ein Erbieten that ich Seiner Majeſtaͤt Auf unſre geiſtliche Zuſammentufung, Und in Betracht von jetzt vorhandnen Gruͤnden, Die Seiner Hoheit näher ich eroͤffnet: Anlangend Frankreich, eine groͤßre Summe Zu geben, als die Geiſtlichkeit noch je Auf einmal ſeinen Vorfahr'n ausgezahlt. Ely. Wie nahm man dieß Erbieten auf, Mylord? Canterb. Es ward von Seiner Majeſtaͤt genehmigt, Nur war nicht Zeit genug um anzuhoͤren (Was Seine Hoheit, merkt' ich, gern gethan) Das Naͤh're, und die klare Ableitung Von ſeinem Recht an ein'ge Herzogthuͤmer Und uͤberhaupt an Frankreichs Kron' und Land, Von Eduard, ſeinem Aeltervater, her. Ely. Was war die Hindrung, die dieß unterbrach? Canterb. Den Augenblick bat Frankreichs Abgeſandter Gehoͤr ſich aus; die Stund' iſt, denk' ich, da, Ihn vorzulaſſen. Iſt es nicht vier Uhr? 4 Elp J 2 Canterb. Gehn wir hinein, die Botſch Die ich jedoch gar leichtlich rathen wollte, Eh der Franzoſe noch ein Wort geſagt. Ely. Ich folg' euch, mich verlangt ſie anzuhoͤren. (ab.) t zu erfahren, * —— —— * Koͤnig Heinrich V. 7 3 weyte S 5 Ein Audienzſaat im Palaſt. (König Heinrich, Gloſter, Bedford, Exeter, War⸗ wick, Weſtmoreland und Gefolge.) B. Zeinr. Wo iſt der wuͤrd'ge Herr von Canterbury Epeter. Nicht gegenwaͤrtig. R. HZeinr. Sendet nach ihm, Oheim. Weſim. Mein König ſoll man den Geſandten rufen? R. Zeinr. Noch nicht, mein Vetter; Dinge von Gewicht, Betreffend uns und Frankreich, liegen uns Im Sinne, uͤber die wir Auskunft wuͤnſchen, Eh wir ihn ſprechen. (Der Erzbiſchof von Canterbury und Biſchof von Ely treten auf.)— Canterb. Gott ſammt ſeinen Engeln Beſchirme euren heil'gen Thron, und gebe Daß ihr ihn lange ziert, B. Heinr. Wir danken euch. Fahrt fort, wir bitten, mein gelehrter Herr, Erklaͤrt rechtmäßig und gewiſſenhaft, Ob uns das Saliſche Geſetz in Frankreich Von unſerm Anſpruch ausſchließt oder nicht. Und Gott verhuͤte, mein getreuer Herr, Daß ihr die Einſicht drehn und modeln ſolltet, Und ſchlau eur wiſſendes Gemuͤth beſchweren Durch Vortrag eines mißerzeugten Anſpruchs, Deß eigne Farbe nicht zur Wahrheit ſtimmt. Denn, Gott weiß, wie ſo mancher, jetzt geſund, Sein Blut zu deß Bewaͤhrung noch vergießt, Wozu uns Eu'r Hochwuͤrden treiben wird. Darum gebt Acht, wie ihr uns ſelbſt verpfaͤndet, Wie ihr des Krieges ſchluͤmmernd Schwert erweckt, In Gottes en mahn' ich euch: gebt Acht! Denn niemals ſtritten noch zwey ſolche Reiche, Daß nicht viel Blut floß, deß unſchuld'ge Tropfen Ein jeglicher ein Weh und bittre Klage Sind uͤber den, der ſchuldig Schwerter wetzte, Die ſo die kurze Sterblichkeit verheeren. Nach der Beſchwoͤrung ſprecht, mein wuͤrd'ger Herr, Wir wollen's merken, und im Herzen glauben, 8 Koͤnig Heinrich V. A. 1. Das, was ihr ſagt, ſey im Gewiſſen euch So rein wie Suͤnde bey der Tauf' gewaſchen. Canterb. So hoͤrt mich, gnaͤdiger Monarch, und Pairs, Die dieſem Herrſcherthron eur Leben, Treu Und Dienſte ſchuldig ſeyd; nichts einzuwenden Iſt wider ſeiner Hoheit Recht an Frankreich, Ils dieß, was ſie von Pharamund ableiten: In terram Salicam mulieres ne succedant— Auf Weiber ſoll nicht erben Saliſch Land. Dieß Sal'ſche Land nun deuten die Franzoſen Als Frankreich faͤlſchlich aus, und Pharamund Als Stifter dieſer Ausſchließung der Frauen. Doch treu bezeugen ihre eignen Schreiber, Daß dieſes Sal'ſche Land in Deutſchland liegt, Zwiſchen der Sala und der Elbe Stroͤmen, Wo Karl der Große, nach der Unterjochung Der Sachſen, Franken angeſiedelt ließ, Die, aus Geringſchätzung der Deutſchen Frau'n, Als die in unehrbaren Sitten lebten, Dort dieß Geſetz geſtiftet, daß kein Weib Je Erbin ſollte ſeyn im Sal'ſchen Land, Das, wie ich ſagte, zwiſchen Elb' und Sala In Deutſchland, heut zu Tage Meißen heißt. So zeigt ſich's klar: das Saliſche Geſetz Ward nicht erſonnen fuͤr der Franken Reich; Noch auch beſaßen ſie das Sal'ſche Land, Als bis vierhundert ein und zwanzig Jahre Nach dem Hinſcheiden Koͤnig Pharamunds, Den man den Stifter des Geſetzes waͤhnt. Er ſtarb im Jahr nach unſers Heilands Kunft Vierhundert zwanzig ſechs, und Karl der Große Bezwang die Sachſen, ſetzte Franken ein Jenſeit des Fluſſes Sala, in dem Jahr Achthundert fuͤnf. Dann ſagen ihre Schreiber, Koͤnig Pipin, der Childrich abgeſetzt, Gab Recht und Anſpruch vor an Frankreichs Krone, Als allgemeiner Erbe, von Blithilden, Der Tochter Koͤnigs Clotar, abgeſtammt. Auch Hugo Capet, der die Kron' entriß Herzogen Karl von Lothring, einz'gem Erben Vom ächten Haus und Mannsſtamm Karls des Großen, Mit ein'gem Schein den Anſpruch zu beſchoͤnen, Der doch in Wahrheit ſchlecht und nichtig war, Gab ſich als Erben ans von Fran Lingaren, Sz. 2. Koͤnig Heinrich V. 9 Der Tochter Karlmanns, der von Kaiſer Ludwig Der Sohn war, ſo wie Ludewig der Sohn Von Karl dem Großen. Auch der zehnte Ludwig, Des Uſurpators Capet ein ger Erbe, Konnt' im Gewiſſen keine Ruhe haben 3it Bey Frankreichs Krone, bis man ihm erwies, Daß Fſabell' die ſchoͤne Königin, Von der er Enkel war in grader Reih, Abſtamme von Frau Irmengard, der Tochter Des vorerwaͤhnten Herzogs Karl von Lothring; Durch welche Eh' die Linie Karls des Großen Mit Frankreichs Krone neu vereinigt ward, So daß ſo klar wie Sonnenlicht erſcheint; Das Recht Pipins, und Hugo Capets Vorwand, Und Ludewigs Beruhigung, ſie gruͤnden Sich auf der Frauen Recht und Anſpruch alle; Wie Frankreichs Koͤn'ge thun bis dieſen Tag, Wiewohl ſie gern das Saliſche Geſetz Behaupten moͤchten, Euer Hoheit Anſpruch Von Frauen Seite damit auszuſchließen, Und lieber ſich verſtricken in ein Netz, Als die verdrehten Recht bloß zu legen, Von euch und euren Vordern angemaßt. 0 i 3 R. Zeinr. Kann ich nach Pflicht und Recht die For⸗ n Canterb. Die Suͤnde auf mein Haupt, geſtrenger Fuͤrſt! Denn in dem Buch der Numeri ſteht geſchrieben: Der Tochter ſey das Erbe zugewandt, Wenn der Sohn ſtirbt. Behauptet, gnaͤd'ger Herr, Was euch gebuͤhrt; entrollt eur Blutpanier, Schaut euch nach euren mächt'gen Ahnen um, Geht, Herr, zu eures Aeltervaters Gruft, Auf den ihr euch mit eurer Fordrung ſtuͤtzt; Ruft ſeinen tapfern Geiſt, und Eduards an, Des ſchwarzen Prinzen, eures Großoheims, Der dort auf Fraͤnk'ſchem Grund ein Trauerſpiel, Die Macht von Frankreich ſchlagend, aufgefuͤhrt, Indeß ſein großer Vater laͤchelnd ſtand ni Auf einer Hoͤh, und ſeinen jungen Loͤwen Sich weiden ſah im Blut des Fraͤnk'ſchen Adels. O edle Engliſche, die trotzen konnten Mit halbem Heere Frankreichs ganzem Stolz, Und lachend ſtand dabey die andre Hälfte, Ganz unbeſchaͤftigt und um Kampf verlegen. 10 Koͤnig Heinrich V. A⸗L. Ely. Weckt die Erinnrung dieſer tapfern Todten, Mit maͤcht'gem Arm erneuet ihre Thaten. Ihr ſeyd ihr Erb“, ihr ſitzt auf ihrem Thron, Das Blut, der Muth rinnt in den Adern euch, Der ſie erhob; mein dreymal maͤcht'ger Fuͤrſt Iſt in dem Mayenmorgen ſeiner Jugend, Zu That und großer Unternehmung reif. Canterb. Die Herrn der Erde, eure Mitmonarchen, Erwarten alle, daß ihr euch ermannt, So wie die vor'gen Löwen eures Bluts. Weſtm. Sie wiſſen, ihr habt S 4 Macht, und Die hat Eur Hoheit auch; kein Koͤnig Englands Hat einen reichern Adel je gehabt, Noch treu're Unterthanen, deren Herzen Die Leiber hier in England heim gelaſſen, Und ſich in Frankreichs Feldern ſchon gelagert. Canterb. O laßt die Leiber folgen, beſter Fuͤrſt, Gewinnt eu'r Recht mit Blut und Feu'r und Schwert, Wozu wir von der Geiſtlichkeit Eu'r Hoheit Solch eine ſtarke Summ' erheben wollen, 7 Als nie die Kleriſey mit Einem Mal Noch einem eurer Ahnen zugebracht. R. Heinr. Man muß nicht bloß ſich wider die Franzoſen Zum Angriff ruͤſten, auch zum Widerſtand Die Vorkehrungen gegen Schottland treffen, 330 Das einen Zug ſonſt wider uns wird thun Mit allem Vortheil. Canterb. Die an den Marken dort, mein 9näd'ger Fuͤrſt, Sind ſtark genug zur Mau'r, das inn're Land Vor Pluͤnderern der Graͤnze zu beſchuͤtzen. k. Zeinr. Wir meinen nicht die leichten Streifet blos, Die Hauptgewalt des Schotten fuͤrchten wir,* Der ſtets uns truͤgeriſcher Nachbar war. E 27 Denn ihr koͤnnt leſen, daß mein Aeltervater Mit ſeinen Truppen nie nach Frankreich zog, Daß nicht der Schott' ins unbewehrte Reich Hereinbrach, wie die Flut in einen Riß Mit reicher Ueberfuͤlle ſeiner Kraft, 0 Das leere Land mit heißem Angriff plagend, 1 Die Staͤdt' und Burgen mit Belagerung gärtend,. — — Sz2. Koͤnig Heinrich V 11 Daß unſre Landſchaft, aller Wehr eutbloͤßt, Gebebt vor ſolcher ublen Nachbarſchaft. Canterb. Sie hatte dann mehr Schreck als Sc aden, Herr Denn hoͤrt nur, wie ſie ſelbſt ſich Beßpiet wurde,— Als ihre Ritterſchaft in Frankreich war, Und ſie betruͤbte Witwe ihrer Edlen, Hat ſie nicht bloß ſich ſelber gut vertheidigt: Sie fing der Schotten Koͤnig, ſperrt' ihn ein, Sandt ihn nach Frankreich dann, um Eduards Ruhm ſn fuͤllen mit gefangner Koͤn'ge Zahl, nd eure Chronik reich an Preis zu machen, Wie Meeres Schlamm und Boden iſt an Truͤmmern Geſunkner Schiff und Schaͤtzen ohne Maaß. weſtnorel. Doch giebt es einen Spruch, fz. alt und wahr: So du Frankreich willt gewinnen, Mußt mit Schottland erſt beginnen. Denn iſt der Ader England erſt auf Raub,. So kommt das Wieſel Schottland angeſchlichen Zu ſeinem unbewachten Neſt, und ſaugt Ihm ſo die koͤniglichen Eyer aus; Es ſpielt die Maus, die, wenn die Katze ſrt Beſudelt und verdirbt, was ſie nicht frißt. Epeter. Die Katze muß demnach zu Hauſe ilien, Allein verwuͤnſcht ſey dieſe Poͤthigung! Giebt's Schloͤſſer doch den Vorrath zu wtwhten⸗ Und feine Fallen fuͤr die kleinen Diebe. Indeß die Hand bewaffnet auswaͤrts ſicht, Wehrt ſich zu Hauſe das berathne Haupt. Dein Regiment, zwar hoch, und tief und tiefer Vertheilt an Glieder, haͤlt den Einklang doch, Und ſtimmt zu einem vollen reinen Schluß, So wie Muſik. Canterb. Sehr wahr! Drum cheilt der r Hint mel Des Menſchen Stand in mäncherley Beruf, Und ſetzt Beſtrebung in beſtaͤndigen Gang, Dem, als zum Ziel, Gehorſam iſt geſtellt; So thun die Hoͤnigbienen, Creaturen, Die durch die Regel der Hgur uns lehren Zur Ordnung fuͤgen ein bevolkert Reich. Sie haben einen Koͤnig, und Beamte Von unterſchiednem Rang, wovon die einen, 12 oͤnig Heinrich V. A. I. Wie Obrigkeiten, Zucht zu Hauſe halten, Wie Kaufleut' andre auswaͤrts Handel treiben, Noch andre wie Soldaten, mit den Stacheln Bewehrt, die ſammtnen Sommerknoſpen pluͤndern, Und dann den Raub mit luſt'gem Marſch nach Haus Zum Hauptgezelte ihres Kayſers bringen; Der emſig in der Majeſtät, beachtet Wie Maurer ſingend goldne Dächer baun, Die ſtillen Buͤrger ihren Honig knäten, Wie ſich die armen Tageloͤhner draͤngen Mit ſchweren Buͤrden an dem engen Thor; Wie, muͤrriſch ſummend, der geſtrenge Richter Die gaͤhnende und faule Drohne liefert In bleicher Henker Hand. Ich folgre dieß: Daß viele Dinge, die zuſammenſtimmen Zur Harmonie, verſchieden wirken koͤnnen, Wie viele Pfeile da und dorther fliegen Zu einem Ziel; Wie viel verſchiedne Weg' in Eine Stadt, Wie viele friſche Stroͤm' in Einen See, Wie viele Linien in den Mittelpunkt An einer Sonnenuhr zuſammenlaufen: So, erſt im Gang, kann tauſendfaches Wirken Zu einem Zweck gedeihn, wohl durchgefuͤhrt Und ohne Mangel. Drum nach Frankreich, Herr! Theilt euer gluͤcklich England in vier Theile: Ein Viertel nehmt davon nach Frankreich hin, Ihr koͤnnt damit ganz Gallien zittern machen. Wenn wir mit dreymal ſo viel Macht zu Haus Die eigne Thuͤr dem Hund nicht wehren können, So laßt uns zauſen, und dieß Volk verliere Den Ruhm der Tapferkeit und Politik. B. Zeinr. Ruft die vom Dauphin hergeſandten Boten. Einer vom Gefolge ab. Der Koͤnig beſteigt den Thron.) Wir ſind entſchloſſen, und, mit Gzottes Huͤlfe Und eurer(unſrer Stärke edlen Sehnen), Da Frankreich unſer, wollen wir vor uns Es beugen, oder ganz in Stuͤcke brechen; Wir wollen dort entweder waltend ſitzen In weiter hoher Herrſchaft uͤber Frankreich Und die faſt koͤniglichen Herzogthuͤmer; Sonſt ruhe dieß Gebein in ſchlechter Urne Grablos, und ohne Denkmal uͤber ihm. —— Sz. 2. Koͤnig Heinrich V. 13 Wenn die Geſchichte nicht mit vollem Mund Kuͤhn meine Thaten ſpricht, ſo ſey mein Grab Gleich einem Tuͤrkſchen Stummen ohne Zunge, Nicht mit dem ſchwaͤchſten Epitaph geehrt. 6 WDie franzöſiſchen Geſandten treten auf.) Wir ſind bereit, was unſerm Vetter Dauphin Beliebt, nun zu vernehmen: denn wir hoͤren Von ihm iſt euer Gruß, vom Koͤnig nicht. Geſandter. Geruhn Eur Majeſtäͤt uns zu erlauben Frey zu beſtellen, was der Auftrag iſt? Wie, oder ſollen ſchonend wir von fern 3 Des Dauphins Meynung, unſre Botſchaft, zeigen? R. Beinr. Nicht ein Tyrann, ein chriſtlicher Monarch Sind wir, und unſte Leidenſchaft der Gnade So unterworfen, wie in unſern Kerkern Verbrecher angefeſſelt; darum ſagt Mit freyer ungehemmter Offenheit Des Dauphins Meynung aus. Geſandter. Dann kuͤrzlich ſo: Eur Hoheit neulich hin nach Frankreich ſendend, Sprach dort gewiſſe Herzogthuͤmer an, Kraft eures großen Vorfahrn Eduard des Dritten. Zur Antwort nun ſagt unſer Herr, der Prinz, Daß ihr zuſehr nach eurer Jugend ſchmeckt, Und heißt euch wohl bedenken, daß in Frankreich Mit muntern Taͤnzen nichts gewonnen wird; Ihr koͤnnt euch nicht in Herzogthuͤmer ſchwaͤrmen, Drum ſchickt er, angemeßner eurem Geiſt, Euch dieſer Tonne Schatz, begehrt dafuͤr Ihr wollet fernerhin die Herzogthümer Richt von euch hören laſſen. So der Dauphin. R. Heinr. Der Schatz, mein Oheim? Peter Federbaͤlle, Herr. R. HZeinr. Wir freun uns daß der Dauphin mit uns ſcherzt, Habt Dank fuͤr eure Muͤh und ſein Geſchent. Wenn wir zu dieſen Baͤllen die Raquetten Erſt ausgeſucht, ſo wollen wir in Frankreich Mit Gottes Gnad' in einer Spielpartie Des Vaters Kron' ihm in die Schanze ſchlagen; Sagt ihm, er ließ ſich ein mit ſolchem Kaͤmpfer, Daß alle Hoͤfe Frankreichs aͤngſten wird Der Bälle Sprung. Und wir verſtehn ihn wohl, ½ 14 Konig Heinrich V. Wie er uns vorhaͤlt unſre wildern Tage, Und nicht ermißt, wozu wir ſie benutzt. Wir ſchaͤtzten niemals dieſen armen Sitz ui9 Von England hoch, drum in der Ferne lebend, Ergaben wir uns wilder Ausſchweifung, Wie Menſchen immer es zu halten pflegen, Daß ſie am luſtigſten vom Hauſe ſind. Doch ſagt dem Dauphin, daß ich meinen Rang Behaupten will, gleich einem Koͤnig ſeyn, Und meiner Groͤße Segel will entfalten, Erheb' ich mich auf meinem Fraͤnk'ſchen Thron. Ich legte meine Majeſtaͤt bei Seit', Und plagte mich gleich einem Werktags⸗Mann; Doch dort ſteh' ich in voller Glorie auf, Die alle Augen Frankreichs blenden ſoll, Ja auch den Dauphin ſelbſt mit Blindheit ſchlagen. Und ſagt dem muntern Prinzen, dieß Geſpoͤtt Verwandle ſeine Baͤll' in Buͤchſenſteine, Und ſeine Seele lade ſchwer auf ſich Die Schuld verheerungsvoller Rache, die Mit ihnen ausfliegt; denn viele tauſend Witwen Wird dieß Geſpoͤtt um werthe Gatten ſpotten, Um Soͤhne Muͤtter, Burgen niederſpotten, Und mancher jetzt noch ungeborne Sohn Wird kuͤnftig fluchen auf des Dauphins Hohn. Doch dieß beruht in Gottes Willen alles, Auf den ich mich beruf', und in deß Namen Sagt ihr dem Dauphin, daß ich komme, mich Zu raͤchen wie ich kann, und auszuſtrecken In heil'ger Sache den gerechten Arm. So zieht in Frieden hin, und ſagt dem Dauphin, Sein Spaß wird nur wie ſchaaler Witz erſcheinen, Wenn tauſend mehr als lachten, druͤber weinen.— Gebt ihnen ſicheres Geleit.— Lebt wohl!— Geſandte abe) Epeter. Gar eine luſt'ge Botſchaft. B. HZeinr. Wir hoffen ihren Sender roth zu machen. (Er ſteigt vom Thron.) Drum, Lords, verſaͤumet keine guͤnſt'ge Stunde, Die unſer Unternehmen foͤrdern mag; Denn mein Gedank' iſt einzig Frankreich nun, Nur der an Gott geht dem Geſchaͤfte vor. Laßt denn zu dieſem Krieg bald unſre Mittel Verſammelt ſeyn, und alles wohlbedacht, —. Sz. 2. Koͤnig Heinrich V. 15 Was Federn unſern Schwingen leihen kanm i Zu weiſer Schnelligkeit: denn, Gott voraus, Straf ich den Dauphin in des Vaters Haus. Drum ſtrenge jeder ſeinen Geiſt nun an Dem edlen Werk zu ſchaffen freie Bahn. (Alle ab.) 3 w eh terA ſe iurgn Chorus tritt auf. Nun iſt die Jugend Englands ganz in Glut, Und ſeidne Buhlſchaft liegt im Kleiderſchrank: Die Waffenſchmiede itzt gedeihn, der Ehre Gedanke herrſcht allein in aller Bruſt. Sie geben um das Pferd die Weide feil, Dem Spiegel aller Chriſten⸗Koͤn'ge folgend, Beſchwingten Tritts, wie Engliſche Merkure. Denn jetzo ſitzt Erwartung in der Luft, Und birgt ein Schwert vom Griff bis an die Spitze Mit Kaiſerkronen, Herrn⸗ und Grafen⸗Kronen, Heinrich und ſeinen Treuen zugeſagt. Die Franken, welche gute Kundſchaft warnt Vor dieſer Schreckens⸗ Ruͤſtung, ſchutteln ſich In ihrer Furcht, und bleiche Politik Bemuͤht ſich, Englands Zwecke abzulenken. D England! Vorbild deiner innern Groͤße, Gleich einem kleinen Leib mit maͤcht'gen Herzen, Was koͤnnteſt du nicht thun, was Ehre will, Wär' jedes deiner Kinder gut und ächt! Doch ſieh nur! Frankreich fand in dir ein Neſt Von hohlen Buſen, und das fuͤllt es an Mit falſchen Kronen. Drey verderbte Maͤnner: er Eine, Richard Graf von Cambridge, dann Heinrich, Lord Scroop von Masham, und der Dritte* Sir Thomas Grey, Northumberländ'ſcher Ritter, Sie ſind um fraͤnkſchen Sold(o Schuld, nicht Sold) 16 Koͤnig Heinrich V. A. II. Eidlich verſchworen mit dem bangen Frankreich; Und dieſer Ausbund aller Koͤn'ge muß Von ihren Haͤnden ſterben(wenn ihr Wort Verrath und Hoͤlle halten) eh' er ſich Nach Frankreich eingeſchifft, und in Southampton. Verlaͤngt noch die Geduld, ſo ordnen wir Der Ferne Mißbrauch nach des Spieles Zwang. Die Summe iſt bezahlt; die Frevler einig; Der König fort von London und die Szene Iſt nun verlegt, ihr Theuren, nach Southampton. Da iſt das Schauſpielhaus, da muͤßt ihr ſitzen; Von da geleiten wir nach Frankreich euch, Und bringen ſicher euch zuruͤck, beſchwoͤrend. Die ſchmale See, daß ſanfte Ueberfahrt Sie euch gewaͤhrt; denn gehn nach uns die Sachen, So ſoll dieß Spiel nicht einen ſeekrank machen. Doch wenn der Koͤnig kommt und nicht zuvor, Ruͤckt unſre Szene nach Southampton vor. 60 S r ſt London, Straße in Gaſtcheap. (Nym und Bardolph begegnen einander.) Bard. Willkommen, Corporal Nym. Nym. Guten Morgen, Lieutnant Bardolph. Bard. Sagt, ſeyd ihr und Fähndrich Piſtol wieder gute Freunde?— wym. Ich fuͤr meinen Theil frage nicht darnach; ich ſage wenig, aber wenn die Zeit kommt, kann es freund⸗ lich zugehen; doch das mag ſeyn, wie es will. Fechten mag ich nicht, aber ich kann die Augen zuthun und mei⸗ nen Spieß vorhalten. Er iſt nur ganz einfaͤltig, aber was thuts? Man kann Kaͤſe daran roͤſten, und er haͤlt die Kaͤlte aus, ſo gut wie andrer Menſchen Degen auch, und das iſt der Humor davon. Bard. Ich will ein Fruͤhſtuͤck daran wenden, euch zu guten Freunden zu machen, und dann wollen wir alle, als geſchworne Bruͤder, nach Frankreich ziehn. Bietet dazu die Hand, guter Corporal Nym. 1 Nym. Mein Treu, ich will ſo lange leben, als es geht,— Sz. 1. Kdnig Heinrich V. 17 das iſt ausgemacht, und wenn ich nicht laͤnger leben kann, ſo will ich ſehen, wie ich's mache. Das iſt mein Schluß, das iſt das laus deo dabey. Bard. Es iſt gewiß, Corporal, daß er mit Lene Hur⸗ tig verheirathet iſt, und gewißlich, ſie that euch Unrecht, denn ihr watt mit ihr verſprochen. vym. Ich weiß es nicht; die Sachen muͤſſen gehn, wie ſie koͤnnen. Es kann kommen, daß Leute ſchlafen, und daß ſie zur Zeit ihre Gurgel bey ſich haben, und etliche behaupten, Meſſer haben Schneiden. Es muß ge⸗ hen, wie es kann. Iſt Geduld ſchon eine abgetriebne Maͤhre, ſo ſchleppt ſie ſich doch fort. Es muß eine End⸗ ſchaft werden. Nun, ich weiß es nicht. Piſtol und Frau Hurtig kommen.) Barb. Da kommt Faͤhndrich Piſtol und ſeine Frau;— guter Corporal, nun haltet euch ruhig.— Nun, wie ſteht's, Herr Wirth? piſt. Du Zecke, nennſt mich Wirth? Bey dieſer Hand, das iſt fuͤr mich kein Name. Nie herbergt meine Lene. F. Zurt. Wenigſtens nicht lange, meiner Treu; denn wir koͤnnen nicht ein Dutzend Frauenzimmer oder was druͤber in Wohnung und Koſt haben die ſich ehrbar vom Stich ihrer Nadel ernaͤhren, ohne daß man gleich denkt, wir hielten ein liederliches Haus.(Nym Zieht den Degen.) D Herr! da iſt Corporal Nym ſeiner— nun haben wir hier vorſaͤhzlichen Ehebruch und Mord. Guter Lieutnant — guter Corporal, nehmt nichts vor! Wym. Pah! Piſt. Pah dir, Islaͤnd'ſcher Hund! Du kecker Spitz von Island F. Zurt. Guter Corporal Nym, zeige dich als einen tuͤchtigen Mann, und ſtecke den Degen ein. Nym. Willſt du abziehn? Ich moͤchte dich solus haben.(Steckt den Degen in die Scheide.) Piſt. Solus, ausbuͤnd'ger Hund? O Viper wild! Das solus in dein wunderſam Geſicht, Das solus in die Zaͤhn' und Kehle dir, In deine ſchnoͤde Lunge, ja in deinen Magen, Und was noch ſchlimmer in den garſt'gen Mund! Dein solus ſchlendr' ich dir in's Eingeweide; . 2 18 Koͤnig Heinrich V. A. 1l, Denn reden kann ich, und der Hahn Piſtols Iſt ſchon geſpannt, und blitzend Feuer folgt. Mym. Ich bin nicht Barbaſon, ihr könnt mich nicht beſchwören. Ich bin im Humor, euch leidlich derb aus⸗ zupochen; wenn ihr mir Schimpf anthut, ſo will ich euch mit meinem Rappier fegen, wie ich in allen Ehren thun darf: wollt ihr mitkommen, ſo moͤchte ich euch ein bis⸗ chen in die Gedärme prickeln, wie ich nach guter Sitte thun darf, und das iſt der Humor davon. piſt. O Prahler ſchnod', verdammnter Furienbalg! Es gähnt das Grab, und tobend Tod iſt nah; Hauch' aus die Seele drum! Giſtol und Nym ziehen.) Bard.(zieht.) Hoͤrt mich an, hoͤrt an, was ich ſage: wer den erſten Streich thut, dem renn' ich den Degen bis ans Gefäß in den Leib, ſo wahr ich ein Soldat bin. piſt. Ein Schwur von ſondrer Kraft, zahm wird b 4 die Furie! Gieb deine Fauſt, den Vorderfuß mir gieb; Dein Muth iſt hoͤchſt robuſt. wym. Ich will dir die Kehle abſchneiden, uͤber kurz oder lang, in allen Ehren, das iſt der Humor davon. piſt. So heißt es, coupe le gorge?— Ich trotze 2 dir auf's neu. O Cret'ſcher Hund, hoffſt dn auf mein Gemahl! Nein, geh ins Spittel, Und hol vom Pokelfaß der Schande dir Den eklen Gey'r von Creſſida's Gezucht, Benannt Doͤrt' Lakenreißer, als Gemahl; Ich habe und behaupt' die quondam Hurtig, Als einz'ge Sie; und— Pauca, damit gut. 5(Der Burſch kommt.) Burſch. Herr Wirth Piſtol, ihr muͤßt zu meinem Herrn kommen,— ihr auch, Wirthin:— er iſt ſehr krank und will zu Bett.— Guter Bardolph, ſteck die Naſe zwi⸗ ſchen ſeine Bettlaken, und thu den Dienſt eines Bett⸗ waͤrmers; wahrhaftig, ihm iſt ſehr ſchlimm⸗ Bard. Fort, du Schelm. F. Zzurt. Meiner Treu, er wird naͤchſter Tage den Krähen eine fette Mahlzeit geben; der Koͤnig hat ihm das Herz gebrochen.— Lieber Mann, komm gleich hach Hauſe. (Frau Hurtig und Burſch ab.) Sz 1. Koͤnig Heinrich V. Bard. Kommt, ſoll ich euch beyde zu Freunden ma⸗ chen? Wir müſſen zuſammen nach Frankreich. Was Teufel ſollen wir Meſſer fuͤhren, einander die Gurgeln abzuſchneiden? e Piſt. Die Flut ſchwell⸗ an, die Hoͤlle heul um Raub Nym. Wollt ihr mir die acht Schillinge bezahlen, die ich euch in einer Wette abgewänn? Piſt. Ein ſchnöder Knecht bezahlt. Nym. Die will ich jetzo haben, das iſt der Humor davon. Piſt. Wie Mannheit Ausſpruch thut. Stoß zu! Bard. Bey dieſem Schwert! wer den erſten Stoß thut, den bringe ich um; bey dieſem Schwert! das thu' ich. Piſt. Schwert iſt ein Schwur, und Recht der Schwuͤre gilt. Bard. Corporal Nym, willſt du gut Freund ſeyn, ſo ſey gut Freund; willſt du nicht, nun ſo mußt du auch mit mir Feind ſeyn. Bitte, ſteck' ein. Wym. Soll ich meine acht Schillinge haben, die ich euch in einer Wette abgewann? „Piſt. Sollſt einen Nobel haben, und das baar, Und will Getränk dir gleichermaßen geben, Und Freundſchaft ſey vereint und Bruͤderſchaft; Ich lebe nun bey Nym und Nym bey mir. Iſt's ſo nicht recht?— Denn ich will Marketender Dem Lager ſeyn, und Vortheil fließt mir zu. Gieb mir die Hand. Wym. Ich ſoll meinen Nobel haben? Piſt. In Baarſchaft wohl bezahlt. Nym. Gut denn, das iſt der Humor davon. Grau Hurtig kommt zuruck.) F. Zurt. So wahr ihr von Weibern hergekommen ſeyd, kommt hurtig zu Sir John herein. Ach die arme Seeles ein brennendes Quotidian⸗Tertian⸗Fieber rüttelt ihn ſo zuſammen, daß es hochſt klaͤglich anzuſehen iſt. Herzens⸗ manner, kommt zu ihm. Wym. Der Koͤnig 5 at uͤble Humore mit ihm eſpielt das iſt das Wahre von der Sache. i Hiſt. Nym, du haſt wahr geredt, Sein Herz iſt in Fraktur und reſtaurirt.. Wym. Der Koͤnig iſt ein guter König, aber man muß 20 Koͤnig Heinrich V. A. II. es nehmen, wie es kommmt. Er nimmt allerlei Humore und Spruͤnge vor. piſt. Klagt um den Ritter weh; wir Laͤmmlein 6 llen 8 lle abe) 8 we y te Szen Southampkon. Ein Raths⸗Saal. (Exeter, Bedford und Weſtmoreland treten auf.) Bedf. Wie traut nur Seine Hoheit den Verräthern! Epet. In kurzem werden ſie verhaftet ſeyn. weſim. Wie gleißneriſch und glatt ſie ſich gebehrden, Als ſaͤß' Ergebenheit in ihrem Buſen, Mit Treu gekroͤnt und feſter Biederkeit. Bedf. Der Koͤnig weiß von ihrem ganzen Anſchlag Durch Kundſchaft, die ſie ſich nicht traͤumen laſſen. eyet. Nein, aber daß ſein Bettgenoß, der Mann, Den er mit Fuͤrſtengunſt hat uͤberhaͤuft, Um fremdes Gold das Leben ſeines Herrn So dem Verrath und Tod verkaufen konnte! (Trompeten. Koͤnig Heinrich, Scrvop, Cambridge, Grey, Lords und Gefolge.) R. Heinr. Der Wind iſt guͤnſtig, laßt uns nun an Bord. Mylord von Cambridge, und beſter Lord von Masham, Und ihr, mein werther Ritter, gebt uns Rath; Denkt ihr nicht, daß die Truppen, ſo wir fuͤhren, Durch Frankreichs Macht den Weg ſich bahnen werden, Der That und der Vollfuͤhrung Gnuge leiſtend, Wozu wir ſie in Heereskraft vereint? Ser. Kein Zweifel, Herr, thut nur das Seine jeder. Rweinr. Das zweifl ich nicht; denn wir ſind ͤberzengt, Wir nehmen nicht ein Herz mit uns von hinnen, Das nicht in Einſtimmung mit unſerm lebt, Und laſſen keins dahinten, das nicht wuͤnſcht, Daß uns Erfolg und Sieg begleiten mag. Cambr. Kein Fuͤrſt ward mehr gefurchtet und geliebt, Als Eure Majeſtäͤt; kein einz'ger Unterthan, So denk' ich, ſitzt in Unruh und Verdruß Im ſuͤßen Schatten eures Regiments. Grey. Selbſt die, ſo eures Vaters Feinde waren, Sz. 2. Konig Heinrich V. Die Gall' in Honig tauchend, dienen euch Mit Herzen, ganz aus Treu und Pflicht geformt. R. Zeinr. So haben wir viel Grund zu Dankbarkeit, Und werden eh die Dienſte unſter Hand Vergeſſen, als Vergeltung des Verdienſtes Zufolge ſeiner Groͤß“ und Wuͤrdigkeit. Ser. So wird der Dienſt geſtählte Sehnen ſpannen, Und Muͤhe wird mit Hoffnung ſich evfriſchen, Eu'r Gnaden unabläſſig Dienſt zu thun. R. Zeinr. Wir hoſfen ſo.— Oheim von Exeter, Laßt frey den Mann, der geſtern ward geſett, Der wider uns geſchmaͤht hat; wir erwägen, Daß Uebermaaß von Wein ihn angereizt, Und da er ſich beſinnt, verzeihn wir ihm. Ser. Das iſt zwar gnädig, doch zu ſorgenlos. Laßt ihn beftrafen, Herr, daß nicht dus Beyſpiel Durch ſeine Duldung mehr dergleichen zeugt. B. Heinr. O laßt uns dennoch gnädig ſeyn! Cambr. Das kann Eu'r Hoheit, und doch ſtrafen auch. Grey. Ihr zeigt viel Gnade, ſchenkt ihr ihm das Leben, Nachdem er ſtarke Zuͤchtigung erprobt. B. Heinr. Ach, eure große Lieb' und Sorg' um mich Sind ſchwere Bitten wider dieſen Armen. Darf man ein klein Verſehn aus Trunkenheit Nicht uͤberſehn, wie muß der Blick es ruͤgen, Erſcheint vor uns, gekaͤut, verſchluckt, verdaut, Ein Hauptverbrechen?— Wir laſſen doch ihn frey; Ob Cambridge, Sctoop und Greh, aus thenrer Sorge Und wacher Hätung unſerer Perſon, hen 3 Geſtraft ihn wuͤnſchen. Nun zur fränk'ſchen Sache; Wem wurde letzthin Vollmacht zugetheilt? Cambr. Mir eine, gnäd'ger Hert. l Ihr hießt mich, heute ſie von euch begehren. Ser. Mich auch, mein Fuͤrſt. Grey. Und mich, mein königlicher Herr. B. Heinr. Da, Richard Grafvon Cambridge, habt ihr ente. Da ihr, Lord Servop von Masham;— und Herr Ritrer Grey von Northumberland, das hier iſt eure Leſ't, und erkennt, ich kene euren Werth Mylord von Weſtmoreland, und Oheim Exeter, Wir gehn zu Raͤcht an Bord.— Wie nun, ihr Herrn . 5 2 Koͤnig Heinrich V. A.. Was ſteht in den Papieren, daß ihr euch So gar entfaͤrbt?— Seht, wie ſie ſich verwandeln! Die Wangen ſind Papier.— Was leſtt ihr nur, Das euer feiges Blut ſo hat verjagt Aus eurem Antlitz?. Cambr. Ich geſteh die Schuld, Und beuge mich vor eurer Hoheit Gnade. Grey und Ser. An die wir all uns wenden⸗ R. Zeinr. Die Gnade, die noch eben in uns lebte, Hat euer Rath erdruͤckt und umgebracht. Schaͤmt euch, und wagt von Gnade nicht zu ſprechen: Es fallen eure Gruͤnd' auf euch zuruck, Wie Hunde, die den eignen Herrn zerfleiſchen.— Seht, meine Prinzen und ihr edlen Pairs, Den Abſchaum Englands! Mylord von Cambridge— Ihr wißt, wie willig unſre Liebe war, Mit allem Zubehoͤr ihn zu verſehn, Das ſeiner Ehre zukam; und der Mann Hat, leichtgeſinnt, um wenig leichte Kronen Mit Frankreichs Raͤnken ſich verſchworen, uns In Hampton hier zu morden! was mit ihm Der Ritter dort, nicht wen'ger meiner Guͤte Als jener ſchuldig, auch beſchwor.— Doch, o! Was ſag' ich erſt von dir, Lord Scroop? du wilde, Grauſame, undankbare Creatur! Du, der die Schluſſel meines Rathes trug, Der meiner Seeie ſah bis auf den Grund, Der mich beinah in Gold auspraͤgen mochte, Hätt'ſt du um Vortheil dich bey mir bemuͤht: Iſt's moglich, daß aus dir die fremde Lohnung Nur einen Funken Uebels konnte ziehn, Den Finger mir zu kränken?„S iſt ſo ſeltſam, Daß, ſticht die Wahrheit gleich ſo derb hervor, Wie ſchwarz auf weiß, mein Aug' ſie kaum will ſehn. Verrath und Mord, ſie hielten ſtets zuſammen, Wie ein Geſpann von einverſtandnen Teufeln, So plump auf ein natuͤrlich Ziel gerichtet, Daß die Verwundrung uͤber ſie nicht ſchrie; Du aber wider alles Ebenmaß, 6u Läſſſt dem Verrath und Mord Erſtaunen folgen. Und was es fuͤr ein ſchlauer Feind auch war, Der ſo verkehrt auf dich hat eingewirkt, Die Hoͤlle hat den Preis ihm zugeſprochen; Sz. 2. Koͤnig Heinrich V. 23 Denn andre Teufel, die Verrath eingeben, Staffiren, ſtutzen die Verdammniß auf Mit Flicken, falſchen Farben, Schaugepränge, Vom Gleisnerſchein der Froͤmmigkeit entlehnt; 6 Doch er, der dich gemodelt, hieß dich aufſtehn, Gab keinen Grund dir, den Verrath 5 thun, Als weil er nur dich zum Verräther ſchlug. Wenn dieſer Daͤmon, der dich ſo beruͤckt, 5 Mit ſeinem Loͤwenſchritt die Welt umginge, Zum oͤden grauſen Tartarus zuruͤck Wuͤrd' er ſich wenden, um den Legionen Zu ſagen: Keine Seele werd' ich je So leicht als dieſes Engliſchen gewinnen. D wie haſt du vergaͤllt mit Eiferſucht 4, Die Suͤßigkeit des Zutrauns! Zeigt ſich jemand treu? Nun wohl, du auch. Scheint er gelehrt und ernſt? Nun wohl, du auch. Stammteer aus edelm Blut? Nun wohl, du auch. Scheint er voll Andacht? Nun wohl, du auch. Iſt er im Leben mäßig, Von wildem Ausbruch frey in Luſt und Zorn; Von Geiſte feſt, nicht ſchwaͤrmend mit dem Blut; Geziert, bekleidet mit beſcheid'nen Gaben, Dem Aug' nicht folgend ohne das Gehoͤr, Und ohne reifes Urtheil keinem trauend?. So, und ſo fein geſichtet, ſchieneſt du, So laͤßt dein Fall auch einen Fleck zuruͤck, Den voͤll'gen beſtbegabten Mann zu zeichnen Mit ein'gem Argwohn. Ich will um dich weinen, Denn dieſes dein Emporcn dünket mich Ein zweyter Suͤndenfall.— Die Schuld iſt klar. Verhaftet ſie zum Stehen vor Gericht, Und ſpreche Gott ſie ihrer Raͤnke los! kyet. Ich verhafte dich um Hochverrath bey dem Na⸗ men Richard Graf don Cambridge.. Ich verhafte dich um Hochverrath bey dem Na⸗ men Heinrich Lord Scroop von Masham. Ich verhafte dich um Hochverrath bey dem Na⸗ men Thomas Grey, Ritter von Northumberland. Ser. Gerecht hat unſern Anſchlag Gott entdeckt, Es reut mein Fehler mehr mich als mein Tod; Ich bitt' Eu'r Hoheit mir ihn zu verzeihn, Obſchon mein Leib den Lohn dafuͤr bezahlt. Lambr. Mich hat das Gold von Frankreich nicht verfuͤhrt, 2 Lonig Heinrich V. 2.1 Wiewohl als Antrieb ich es gelten ließ, Was ich entworfen, ſchneller auszufuͤhren. Doch Gott ſey Dank fuͤr die Zuvorkommung, Der ich mich herzlich will im Leiden freun, Inflehend Gott und euch, mir zu vergeben⸗ Grey. Nie freut ein treuer Unterthan ſich mehr Weil man gefaͤhrlichen Verrath entdeckt, Als ich in dieſer Stunde uͤber mich, Gehindert am verruchten Unternehmen. Verzeiht, Herr, meiner Schuld, nicht meinem Leib. R. Zeinr. Gott ſprech' euch gnaͤdig los! Hoͤrteuren Spruch: Ihr habt auf unſre fürſtliche Perſon Verſchwoͤrung angeſtiftet, euch verbuͤndet Mit dem erklaͤrten Feind, und habt aus ſeinen Kiſten Das goldne Handgeld unſers Tods empfangen. Ihr wolltet euren Herrn dem Mord verkaufen, Der Knechtſchaft ſeine Prinzen, ſeine Pairs Der Schmach, dem Drucke ſeine Unterthanen, Und der Verheerung ſein ganz Koͤnigreich⸗ Wir ſuchen keine Rache fuͤr uns ſelbſt, Doch liegt uns ſo das Heil des Reiches ob, Deß Fall ihr ſuchtet, daß wir dem Geſetz Euch überliefern müſſen. Darum macht ench fort, Elende arme Suͤnder, in den Tod; Wovon den Schmack euch Gott aus ſeiner Gnade Geduld zu koſten geb', und wahre Reu Fuͤr eure Miſſethaten!— Schafft ſie fort. (Die Verſchwornen werden mit Wache abgefuͤhrt.) Nun, Lords, nach Frankreich, welches Unternehmen Fär euch wie uns wird eben glorreich ſeyn. Wir zweifeln nicht an einem guͤnſt'gen Krieg; Da Gott ſo gnaͤdig an das Licht gebracht Den Hochverrath, an unſerm Wege lauernd Um den Beginn zu ſtören, zweifl ich nicht, Daß jeder Anſtoß nicht geſchlichtet ſey. Wohl auf denn, liebe Landgenoſſen! Laßt In Gottes Hand uns geben unſre Macht, ndem wir gleich ſie zur Vollſtreckung fuͤhren. ſte zur See! Die Fahnen fliegen ſchon; ein König Englands ohne Frankreichs Thron. (Alle ab.) Sz. 3. Koͤnig Heintich V. 25 Dritte Szene. Mtrcg London. Vor dem Hauſe der Fran Hurtig in Caſtheap. Piſtol, Frau Hurtig, Nym, Bardolph und der Burſch kommen.) F. Burt. Ich bitte dich, mein honigſuͤßer Mann, laß mich dich bis Staines begleiten.. Piſt. Nein, denn mein maͤnnlich Herz klopft weh. Bardolph, getroſt! Nym, weck' die Prahler⸗Ader! Burſch, krauſe deinen Muth! denn Falſtaff der iſt todt, Und uns muß weh drum ſeyn. Burſch. Ich wollte, ich wäre bey ihm, wo er auch ſeyn mag, im Himmel oder in der Höͤlle. F. wurt. Nein, gewiß, er iſt nicht in der Holle; er iſt in Arthurs Schooß, wenn jemals einer in Arthurs Schooß gekommen iſt. Er nahm ein ſo ſchönes Ende und ſchied von hinnen, als wenn er ein Kind im Weſterhemd⸗ chen geweſen wäre. Juſt zwiſchen zwoͤlf und eins fuhr er ab, grade wie es zwiſchen Flut und Ebbe ſtand; denn wie ich ihn die Bettlaken zerknüllen ſah, und mit Blumen ſpielen, und ſeine Fingerſpitzen anlächeln, da wußte ich, daß ihm der Weg gewieſen wäre; denn ſeine Naſe war ſo ſpitz, wie'ne Feder. Nun, Sir John? ſagte ich; ey Mann, ſey gutes Muths! Damit dief er aus: Gott! Gott! Goet! ein Stuͤcker drey? oder viermal. Ich ſagte, um ihn zu troͤſten, er moͤchte nicht an Gott denken, ich hoffte, es thaͤte ihm noch nicht Noth, ſich mit ſolchen Gedanken zu plagen. Damit bat er mich, ihm mehr Dek⸗ ken auf die Fuße zu legen. Ich ſteckte meine Hand in das Bett und befuhlte ſie, und ſie waren ſo kalt wie Stein; darauf befuhlte ich ſeine Knie, und ſo immer weiter und weiter hinauf, und alles war ſo kalt wie ein Stein. Vym. Sie ſagen, er haͤtte uͤber en Set Weh geſchrieen. F. Zurt. Ja, das that er auch. Bard. Und üͤber die Weibsbilder. F. Zurt. Ne, das that er nicht. gins Burſch. Ja das that er wohl, und ſagte, ſie waͤlen eingefleiſchte Leufel.„ nt en F. Zurt. Ja, was ins Fleiſch fiel, das konnte er nicht leiden; die Fleiſchfarbe war ihm immer zuwider 26 Koͤnig Heinrich V. A. I Burſch. Er ſagte einmal, der Teufel wuͤrde ihn noch wegen der Weibsbilder bekommen. F. Zurt. Auf gewiſſe Weiſe handthierte er freilich mit Weibsbildern; aber da war er rheumatiſch und ſprach von der Hure von Babylon. Burſch. Erinnert ihr euch nicht, wie er einen Floh auf Bardolphs Naſe ſitzen ſah, daß er ſagte, es wäre eine ſchwarze Seele, die im hoͤlliſchen Feuer brennte? Bard. Nun, das Brennholz iſt zu Ende, das dieß Feuer unterhielt, das iſt der ganze Reichthum, den ich in ſeinem Dienſt erworben habe. Wym. Sollen wir abziehn? Der Konig wird von Southampton ſchon weg ſeyn⸗ piſt. Kommt, laßt uns fort.— Mein Herz, gieb mir die Lippen, Acht auf den Hausrath und mein fahrend Gut. Laß Sinne walten;„echt und zahlt!“ ſo heißt's. Trau keinem: Ein Eid iſt Treu, und Treu und Glaube Waffeln, Pack an, das iſt der wahre Hund, mein Täubchen; Drum laß oayeto dir Rathgeber ſeyn. Geh, trockne deine Perlen.— Waffenbruͤder, Laßt uns nach Frankreich! Wie Biutigel, Kinder, Zu ſaugen, ſaugen, recht das Blut zu ſaugen. Burſch. Und das iſt eine ungeſunde Nahrung, wie ſie ſagen. piſt. Ruͤhrt ihren ſanften Mund noch, und marſchirt. Bard. Leb wohl, Wirthin!(kußt ſie.)“ Nym. Ich kann nicht küſſen, und das iſt iſt der Hu⸗ mor davon, aber lebt wohl! 65 Piſt. Laß walten Hauswirthſchaft; halt feſt, gebiet' ich dir! F. Zurt. Lebt wohl! Adieu! i Vierte Szene. Frankreich. Ein Saal im Palaſt des Konigs. (König Carl mit Gefolge, der Dauphin, Herzog von. Burgund, der Connetable und Andere.) 6 k. Carl. So nahn die Engliſchen mit Heeretkraft, Und uͤber alle Sorgen liegt uns vb Zu unſrer Wehr uns koͤniglich zu ſtellen, Sz. 4. Koͤnig Heinrich V. Drum ſoll Herzog von Berry, von Bretagne, Von Hrleans und Brabant, ziehn ins Feld, Und ihr, Prinz Dauphin, mit der ſchnellſten Eil, Um unſre Kriegesplaͤtze neu zu ruͤſten Wit tapfern Maͤnnern und mit wehrbar'm Zeug. Denn England iſt in ſeinem Andrang raſch, Wie Waſſer, das ein Wirbel in ſich ſaugt. Es ziemt uns denn, die Vorſicht ſo zu üͤben, Wie Furcht uns lehrt an manchem fri'ſchen Beyſpiel, Das Englands heillos und verſaͤnmtes Volk Auf unſern Feldern ließ. Dauph. Großmaͤcht'ger Vater, Es iſt gar recht, uns auf den Feind zu rſten; Denn Friede ſelbſt muß nicht ein Koͤnigreich So ſchläfrich machen(wenn auch nicht die Rede Von Kriege war und ausgemachtem Streit), Daß Landwehr, Muſterung und Rüſtung nicht Verſtaͤrkt, gehalten und betrieben wuͤrde, Als waͤre die Erwartung eines Kriegs. Drum heiß' ich's billig, daß wir alle ziehn, Die ſchwachen Theile Frankreichs zu beſehn; Das laßt uns thun mit keinem Schein von Furcht, Ja, mit nicht mehr, als horten wir, daß England Sich ſchick' auf einen Mohrentanz zu Pfingſten. Denn, beſter Herr, ſo eitel prangt ſein Thron, Und ſeinen Szepter fuͤhret ſo fantaſtiſch Ein wilder, ſeichter, launenhafter Juͤngling, Daß ihm kein Schrecken folgt. Conn. O ſtill, Prin Dauphin! Ihr irrt euch allzuſehr in dieſem König Frag' Eure Hoheit die Geſandten nur, Mit welcher Wuͤrd' er ihre Botſchaft hoͤrte, Wie wohl mit edlen Raͤthen ausgeſtattet, Wie ruhig im Erwiedern, und zugleich Wie ſchrecklich in entſchloßner Feſtigkeit. Ihr werdet ſehn, ſein vorig eitles Weſen War nur des Rom'ſchen Brutus Außenſeite, Vernunft in einen Thronenmantel huͤllend, Wie oft mit Koth der Gaͤrtner Wurzeln deckt, Die fruͤh und zart vor allen treiben ſollen. Dauph. Herr Connetable, eh, dem iſt nicht ſo; 7 Doch nehmen wir's ſo an, es ſchadet nicht Im Fall der Gegenwehr iſt es am beſten, — 28 Koͤnig Heinrich V. A. M. Den Feind fuͤr maͤcht'ger halten, als er ſcheint; So fuͤllet ſich das Maaß der Gegenwehr, Die ſonſt bei ſchwachem kaͤrglichen Entwurf, Gleich einem Filz ein wenig Tuch zu ſparen, Den Rock verdirbt. k. Carl. Gut! halten wir den Koͤnig Heinrich ſtark, Und Prinzen ruͤſtet ſtark euch wider ihn; Denn ſein Geſchlecht hat unſer Fleiſch gekoſtet, Und er ſtammt ab von dieſer blut'gen Reih⸗ Die auf den heim'ſchen Pfaden uns verfolgt; Deß zeugt der zu gedächtnißwuͤrd'ge Tag, Als Ereſſy's Schlacht verderblich ward geſchlagen, Und unſre Prinzen alle in die Haͤnde Dem ſchwarzen Namen Eduard fielen, Dem ſchwarzen Prinz von Wales, indeß ſein Vater Des Berges Fuͤrſt, auf einem Berge ſtehend, Hoch in der Luft, gekroͤnt von goldner Sonne, Den Heldenſproͤßling ſah, und ihn mit Lacheln Die Werke der Natur verſtuͤmmeln ſah, Geſchaffen hatten. Dieſer iſt ein Zweig 37 fuͤrchten Die angeborne Kraft und ſein Geſchick. Begehren Zutritt zu Eu'r Majeſtät. Und Bildniſſe verloͤſchen, welche Gott Und Fraͤnk'ſche Väter zwanzig Jahr hindurch Von jenem Siegerſtamm, und laßt uns (Ein Bote tritt ein.) Bote. Geſandte Heinrichs, Koͤniges von England, R. Carl. Wir geben ihnen gleich Gehör,— Geht, holt ſie. (Bote und einige Herren vom Hofe ab.) Ihr ſeht die Jagd wind heiß betrieben, Freunde. Dauph. Macht Holt, und bietet Stirn! denn feige Hunde Sind mit dem Maul am freiſten, wenn ihr Wild Schon weit vorausläuft. Beſter Fuͤrſt, ſeyd kurz Mit dieſen Engliſchen, und laßt ſie wiſſen* Von welcher Monarchie das Haupt ihr ſeyd. Selbſtliebe, Herr, iſt nicht ſo ſchnoͤde Suͤnde, Als Selbſtverſaͤumniß. 6 (Die Herren kommen mit Epeter und Gefolge züruͤck) R. Carl. Von unſerm Bruder England? yet. Von ihnt; ſo rüßt er Eute Majeſtät: Er heiht in des allmaͤcht'gen Gottes Namen, Daß ihr euch abthun und entkleiden ſollt Erborgter Hoheit, die durch Gunſt des Himmels, Sz. 4. Koͤnig Heinrich V. 29 Durch der Natur und Voͤlker Recht ihm zuſteht, Und ſeinen Erben; namentlich die Krone, Und aller Ehren weiten Kreis, den Sitte Und Anordnung der Zeiten zugetheilt Der Krone Frankreichs. Daß ihr wiſſen mögt, Dieß ſey kein loſer ungereimter Anſpruch, Entdeckt im Wurmfraß laͤngſt verſchwundner Tage, Vom Staube der Vergeſſenheit geſcharrt. Schickt er euch dieſe hoͤchſt denkwuͤrd'ge Reih, (teberreicht ein Papier.) In jedem Zweige wahrhaft berzengend, Und heißt euch dieſen Srammbaum uͤberſchaun; Und wenn ihr grade abgeſtammt ihn findet Vom ruͤhmlichſten der hochberuͤhmten Ahnen, Eduard dem Dritten, heißt er euch Verzicht Auf Kron' und Reich thun, die ihr unrechtmaͤßig Ihm als gebornen Eigner vorenthaltet. B. Carl. Sonſt, was erfolgt? pet. Der blut'ge Zwang; denn wenn ihr ſelbſt die Krone In euren Herzen bergt, er ſtört nach ihr. Deßwegen kommt er an in wildem Sturm, In Donner und Erdbeben, wie ein Zeus, Auf daß er noth'ge, wenn kein Mahnen hilft; Und heißt euch, beym Erbarmen Gött des Herrn, Die Krone abſtehn, und der armen Seelen, Fuͤr welche dieſer gier'ge Krieg den Rachen Schon oͤffnet, ſchonen; und auf euer Haupt Waäͤlzt er der Waiſen Schrey, der Witwen Thraͤnen, Der Todten Blut, verlaßner Maͤdchen Aechzen, Um Gatten, Vätet, und um Anverlobte, Die dieſe Zwiſtigkeit verſchlingen wird. Dieß iſt ſein Ruf, ſein Drohn, und meine Botſchaſt, Wo nicht der Dauphin gegenwaͤrtig iſt, Den ich ausdrucklich zu begruͤßen habe. R. Carl. Was uns betrifft, wir wollen dieß erwaͤgen; Wir geben morgen den Beſcheid euch mit. An unſern Bruder England. Dauph. Was den Dauphin, So ſteh ich hier fuͤr ihn: was ſchickt ihm England? Epet. Des Trotzes, der Verachtung und Und alles deß, was nicht mißziemen mag em großen Sender, ſchaͤtzet er euch werth. o ſpricht mein Fuͤrſt: wenn eures Vaters Hoheit des Hohns 30 Koͤnig Heinrich V. A. U. Sz 4. Nicht durch Gewaͤhrung aller Forderungen Den bittern Spott verſüßt, den ihr an ihn geſandt, Pird er zu heißer Rechenſchaft euch ziehn, Daß Frankreichs bauchige Gewoͤlb' und Hoͤhlen Euch ſchelten ſollen und den Spott zuruͤck In ſeiner Stuͤcke zweytem Hall euch geben. Danph. Sagt, wenn mein Vater freundlich Antwort giebt, Sey's wider meinen Willen, denn mir liegt Tn nichts als Zwiſt mit England! zu dem Ende, Als ſeiner eitlen Jugend angemeſſen, Sandt' ich ihm die Pariſer Baͤlle zu. Epet. Dafuͤr wird eu'r Pariſer Louvre zittern, Waͤr's auch Europa's hoher Oberhof. Und glaubt, ihr werdet einen Abſtand finden (Wie wir ſein Volk erſtaunt gefunden haben) PVon der Verheißung ſeiner juͤngern Tage Und denen, die er jetzt zu meiſtern weiß. Er wägt die Zeit jetzt auf ein Koͤrnchen ab, Was ihr in euren eignen Niederlagen. Erfahren ſollt, wenn ihr in Frankreich bleibt. R. Carl. Auf morgen ſollt ihr unſre Meynung wiſſen⸗ pet. Entlaßt uns eilig, daß nicht unſer Koͤnig Nach dem Verzug zu fragen ſelber komme, Denn Fuß hat er im Lande ſchon gefaßl. R. Carl. Ihr ſollt entlaſſen werden alſobald Mit einem billgen Antrag; eine Nacht ₰ Iſt nur ein Odemzug und kurze Friſt, ſim auf ſo wicht'ge Dinge zu erwiedern⸗ Koͤnig Heinrich N. 31 Dritter Aufzug. Chorus tritt auf. So fliegt auf eingebildten Fittigen Die raſche Szene mit nicht mind'rer Eil Als der Gedanke. Stellt euch vor, ihr ſaht Am Hampton⸗Damm den wohlverſeh'nen König Sein Konigthum einſchiffen, ſein Geſchwader Den jungen Tag mit ſeidnen Wimpeln faͤcheln. Spielt mit der Fantaſte, und ſeht ihn ihr Am haͤnfnen Tauwerk Schifferfungen klettern; Die helle Pfeife hoͤrt, die Ordnung ſchafft Verwirrten Lauten; ſeht die Leinenſegel, Die unſichtbare Winde ſchleichend heben, Durch die gefurchte See die großen Kiele, Den Fluten trotend, ziehn. H, denket nur, Ihr ſteht am Strand und ſehet eine Stadt Hintanzen auf den unbeſtaͤnd'gen Wogen; Denn ſo erſcheint die majeſtaͤt'ſche Flotte, Den Lauf nach Harfleur wendend. Folgt ihr! folgt ihr! Hakt euch im Geiſt an dieſer Flotte Steuer, Verlaßt eu'r England, ſtill wie Mitternacht, Bewacht von Greiſen, Kindern, alten Frau'n, Wo Mark und Kraft noch fehlt und ſchon verging; Denn wer, dem nur ein einzig keimend Haar Das Kinn verziert, iſt nicht bereit, nach Frankreich Der auserleſenen Ritterſchaft zu folgen? Auf, auf, im Geiſt! Seht einer Stadt Belagrung, Seht das Geſchuͤtz auf den Lavetten ſtehn, Auf Harfleur mit den Muͤndern tödtiich gaͤhnend. Denkt, der Geſandt' aus Frankreich ſey zuruͤck, Und meld' an Heinrich, daß der Koͤnig ihm Antrage ſeine Tochter Catharina,. Mit ihr zum Brautſchatz ein paar Herzogthümer, Gar klein und unerſprießlich. Das Erbieten Gefaällt nicht, und der ſchnelle Kanonier Ruͤhrt mit der Lunte nun die hoͤll'ſchen Stuͤcke, (Getuͤmmel. Es werden Kanonen abgefenert.) Die alles niederſchmettern. Bleibt geneigt! Eu'r Sinn ergaͤnze, was die Buͤhne zeigt. (ab.) Koͤnig Heinrich V. A. 1. Eir ſt e Szene Frankreich vor Harfleur. „ (Getuͤmmel. Koͤnig Heinrich, Exeter, Bedford, Gloſter und Soldaten mit Sturmleitern.) R. Heinr. Noch einmal ſtuͤrmt, noch einmal, lieben Freunde! Sonſt fuͤllt mit todten Engliſchen die Mauer. Im Frieden kann ſowohl nichts einem Mann Iils Demuth und beſcheidne Stille kleiden, Doch blaͤſt des Krieges Wetter euch in's Ohr, Dann ahmt dem Tiger nach in ſeinem Thun: Spannt eure Sehnen, ruft das Blut herbey, Entſtellt die liebliche Natur mit Wuth⸗, Dann leiht dem Auge einen Schreckensblick, Und laßt es durch drs Hauptes Bollwerk ſpaͤhn Wie ehernes Geſchutz; die Braue ſchatt' es So furchtbarlich, wie ein zerfreßner Fels Weit vorhängt uber ſeinen ſchwachen Fuß, Vom wilden wuͤſten Ocean umwuͤhlt. Run knirſcht die Zähne, ſchwellt die Nuͤſtern auf, Den Athem hemmt, ſpannt alle Lebensgeiſter Zur vollen Hoh.— Auf, Engliſche von Adel! Das Blut von kriegbewaͤhrten Vaͤtern hegend, Von Vätern, die, wie ſo viel' Alexander, Von fruh bis Macht in dieſen Landen fochten, Und, nur weil Stoff gebrach, die Schtberter bargen. Entehrt nicht eure Mütter; nun bewaͤhrt, Daß, die ihr Vaͤter nanntet, euch erzeugt. Seyd nun ein Vorbild Menſchen groͤbern Bluts, Und lehrt ſie kriegen.— Ihr auch, wackres Landvolk, In England groß gewachſen, zeigt uns hier Die Kraft genoßner Nahrung; laßt uns ſchwoͤren, Iyr ſeyd der Pflege werth, was ich nicht zweifle; Denn ſo gering und ſchlecht iſt ener keiner, Daß er nicht edlen Glanz im Auge truͤg“⸗ Ich ſeh' euch ſtehn, wie Jagdhund' an der Leine, Gerichtet auf den Sprung; das Wild iſt auf, Folgt eurem Muthe, und bei dieſem Sturm Ruft: Gott mit Heinrich! England! Sankt Georg! „.(Alle ab. Getuͤmmel und Kanonenſchuſſe. Sz. 2. Koͤnig Heinrich V. 33 8 weyte Szene. Ebendaſelbſt. (Truppen marſchiren uͤber die Buͤhne: dann kommen Nym, Bardolph, Piſtol und Burſch.) Bard. Zu, zu, zu, zu, zu! in die Breſche! in die Breſche! Wym. Ich bitte dich, Corporal, halt! Die Puͤffe ſind zu hitzig, und ich fuͤr mein Theil habe nicht ein Paar Leben; der Humor davon iſt zu hitzig, das iſt die wahre Litaney davon. Piſt. Die Litaney iſt recht: Humore ſind im Schwang, Gehn Pfuͤff⸗ und kommen, Gotkes Knechte ſierben, Und Schwert und Schild Im Blutgeſild Erwirbt ſich ew'gen Ruhm. Bard. Ich wollte, ich waͤre in einer Bierſchenke in London! ich wollte meinen ganzen Ruhm fuͤr einen Krug Bier und Sicherheit geben. Piſt. Ich auch: Wenn Wuͤnſche könnten helfen mir, An Eifer ſollt's nicht fehlen mir, Ich eilte ſtracks dahin. Burſch. So klar, doch nicht ſo wahr, wie Voͤglein auf dem Zweige ſingt. (Fluellen kommt.) Fluel. Gotts Plitz!— Hinauf in die Preſche, ihr Schufte! wollt ihr nicht hinauf in die Preſche 2 6(treibt ſie vorwaͤrts.) Piſt. Sey Erdenſoͤhnen gnaͤdig, großer Herzog! Laß nach mit Wuͤthen! laß dein maͤnnlich Wuͤthen! Laß, großer Herzoq, nach! Mein Maͤnnchen, keine Wuth! mit Milde, liebſtes Kind! Kym. Das ſind gute Humore! So'ne Ehre bringt ſchlechte Humore ein. (Nym, Piſtol und Bardolph ab. Fluellen ihnen nach.) Burſch. So jung ich bin, habe ich dieſe Schwadronirer doch ſchon beobachtet Ich bin Burſch bey allen dreyen, aber alle drey, wenn ſie mir aufwarten wollten, konnten doch nicht mein Kerl ſeyn; denn wahrhaftig, drey ſolche Fratzen machen zuſammen keinen Ker aus. Was Bar⸗ dolph betrifft, der iſt weiß von Leber und roth von Ge⸗ 8 3 5 » Koͤnig Heinrich V. A. 111. ſicht, vermoge deſſen er verwegen drein ſieht, aber nicht ſicht. Piſtol, der hat eine wilde Zunge und einen ſtillen Degen, vermoͤge deren er Worten den Hals bricht und ſeine Waffen heil erhaͤlt. Nym, der hat gehoͤrt, daß Männer von wenig Worten die beſten ſind, und deswe⸗ gen ſchaͤmt er ſich, ſein Gebet herzuſagen, damit man ihn nicht fuͤr eine feige Memme halte. Aber ſeine wenigen ſchlechten Worte ſind mit eben ſo wenigen guten Thaten gepaart, denn er ſchlug nie eines Menſchen Kopf entzwei, als ſeinen eigenen, und das geſchah gegen einen Pfoſten, als er betrunken war. Sie ſtehlen, was ihnen vorkommt, und das nennen ſie Handel und Wandel; Bardolph ſtahl einen Lautenkaſten, trug ihn zwoͤlf Stunden weit und verkaufte ihn für drey Kreuzer. Nym und Bardolph ſind geſchworne Bruͤder im Mauſen, und in Calais ſtah⸗ len ſie ein Stuͤck verriſſenes Leinenzeug; ich ſah wohl an dieſem Probeſtuͤcke, daß die Kerle Lumpenhunde ſeyn wollten. Sie wollen mich ſo vertraut mit andrer Leute Taſchen haben, als ihre Handſchuhe oder Schnupftücher, was meiner Mannheit ſehr entgegen iſt; wenn ich aus der Taſche eines andern nehmen ſollte, um es in meine zu ſtecken, das hieße geradezu Unrecht einſtecken. Ich muß ſie ver⸗ laſſen und mir einen beſſern Dienſt ſuchen; ihre Schel⸗ merey iſt meinem ſchwachen Mägen zuwider, ich muß ſie von mir geben. (Burſch ab.) (Fluellen kommt zuruͤck, und Gower nach ihm.) Gow. Capitain Fluellen, ihr muͤßt unverzuͤglich zu den Minen kommen; der Herzog von Gloſter will mit euch ſprechen. Fluel. Zu den Minen? Sagt ihr dem Herzog, daß es nicht gar zu gut iſt, zu den Minen zu kommen; denn, ſeht ihr, die Minen ſeyn nicht der Kriegesdisciplin gemäß, die Concavität derſelben ſeyn nicht hinreichend; denn, ſeht ihr, der Feind, wie ihr dem Herzoge erlaͤutern koͤnnt, ſeht ihr, iſt vier Ellen tief unter die Contreminen einge⸗ graben. Bey Jeßus, ich denke, er werden alles in die Luft ſprengen, wenn da keine beſſere Directionen ſeyn. Gow. Der Herzog von Gloſter, der den Befehl bey der Belagerung fuͤhrt, wird ganz von einem Irlaͤnder geleitet; einem ſehr braven Manne, wahrhaftig. Fluel. Es iſt der Capitain Macmorris, nicht wahr? Gow. Ich denke, der iſt's. — Sz. 2. Koͤnig Heinrich V. 35 Fluel. Bey Jeßus, er ſeyn ein Eſel, wie einer in der Welt, das will ich ihm in ſeinen Part hinein pezeugen. Er hat nicht mehr Ordonanz in der wahren Kriegesdiſci⸗ plin, ſeht ihr, was Roͤmiſche Diſciplinen ſehn, als ein Gelbſchnabel haben thut. Macmorris und Famy treten in der Entfernung auf.) Gow. Da kommt er, und der Schottiſche Capitän, Capitaͤn Jamy, mit ihm. Fluel. Capitän Jamy iſt ein erſtaunlich prafer Mann, das iſt gewiß, und don großer Fertigkeit und Wiſſenſchaft in den alten Kriegen, nach meiner abſonderlichen Wiſſen⸗ ſchaft ſeiner Ordonanzen; bey Jeßus, er behauptet ſein Argument ſo gut als irgend ein Kriegesmann, was Diſ⸗ ciplinen aus den vormaligen Kriegen der Roͤmer ſeyn. Jampy. Ich ſage guoten Tag, Capitaͤn Fluellen. Fluel. Gott gruͤße euer Edlen Capitaͤn Jamy. Gow. Wie ſteht's, Capitaͤn Macmorris? Habt ihr die Minen verlaſſen? Habem es die Schanzgraber aufgegeben? Maem. Bey Chriſchtus,* iſcht uͤbel gethan; die Ar⸗ beit iſcht aufgegeben, die Trompeten blaſen zum Ruͤckzuge. Bey meiner Hand ſchwoͤre ich, und bey meines Vaters Seele, die Arbeit iſcht uͤbel gethan, ſie iſcht aufgegeben; ich haͤtte die Stadt in die Luft geſprengt, ſo mir Chriſch⸗ tus helfe, binnen einer Stunde. O* iſcht uͤbel gethan, s iſcht uͤbel gethan, bey meiner Hand,*s iſcht uͤbel gethan. Fluel. Capitaͤn Macmorris, ich erſuche euch nun, wollt ihr mir, ſeht ihr, einige wenige Diſputationen mit euch erlauben, äls zum Theil bettoffend oder angehend die iſciplin des Krieges, was Roͤmiſche Kriege ſeyn; auf dem Wege des Arzumentirens, ſeht ihr, und freundlichen Communizirens; theils um meine Mehnung zu rechtferti⸗ gen, und theils, ſeht ihr, zur Rechtfertigung meiner Ge⸗ ſinnung, was die Ordonanz der Kriegesdiſeiplin anlangt; das iſt der wahre Punkt. Jamy. Das wird ſehr guot ſeyn, ihr guoten Capitaͤns beyde, und ich will auch meinen Verlaub nehmen, wenn's die Gelegenheit giebt, das will ich, mainer Treu. Maem. Es iſcht keine Zeit zum Reden, ſo mir Chriſch⸗ tus helfe, der Tag iſt heiß, und das Wetter, und der Krieg, und der König, und die Herzoge; es iſcht keine Zeit zum Reden. Die Stadt wird berannt und die Trom⸗ bete ruft uns zur Breſche, und wir ſprechen, und thun, 3* 36 Koͤnig Heinrich V. A. III. bey Ehriſchtus, gar nichts;'s iſcht Schande fuͤr uns alle, ſo mir Gott helfe,'s iſcht Schande ſtill zu ſtehen,*s iſcht Schande, bey meiner Hand; und da hat ſich's Keh⸗ len abzuſchneiden, und Arbeiten zu thun, und es wird niſcht gethan, ſo mir Chriſchtus helfe. Jampy. Beym Sakrament, ehe dieſe maine Augen in Schlaf fallen, will ich guoten Dienſt verrichten, oder ich will davor im Aerdboden liegen, ja, oder zum Tode gehen; und ich will es ſo tapfer bezahlen, wie ich kann; das iſt das Kurze und das Lange davon. Main Treu, ich hätte gern ain Geſpraͤch zwiſchen euch baiden angehoͤrt. Fluel. Capitaͤn Macmorris, ich denke, ſeht ihr, unter eurer Genehmhaltung, es ſeyn nicht viele von euter Nation— maem. Meiner Nation? Was iſcht meine Nation? Iſcht's ein Hundsfott, und ein Baſtard, und ein Schelm, und ein Schurke? Was iſcht meine Nation? wer ſpricht von meiner Nation?: Fluel. Seht ihr, wenn ihr die Sache anders nehmt, als ſie gemeint war, Capitaͤn Macmorris, ſo werde ich unmasgeblich denken, daß ihr mir nicht mit der Leutſelig⸗ keit begegnet, als ihr mir vernuͤnftiger Weiſe begegnen ſolltet, da ich ein eben ſo guter Mann als ihr bin, ſowohl was die Kriegesdiſciplin, als die Abkunft meiner Geburt und andre Abſonderlichkeiten betrifft. 3 maem. Ich weiß nicht, daß ihr ein ſo guter Mann ſeyd, als ich; ſo mir Chriſchtus heife, ich will euch den Kopf abhauen. Gow. Ihr Herren beyde, ihr werdet einander miß⸗ verſtehen. Jamp. Ay, das iſt ein garſtiger Fehler. (Es wird zur unterhandlung geblaſen.) Gow. Die Stadt blaͤſt zur Unterhandlung. Fluel. Capitaͤn Macmorris, wenn einmal beſſer geleg⸗ nere Zeit verlangt wird, ſeht ihr, ſo werde ich ſo dreiſt ſeyn euch zu ſagen, daß ich die Kriegesdiſciplin verſtehe, und damit gut. Sz.* Koͤnig Hein rich V. 37 Dritte Szene. Ebendaſelbſt. Der Befehlshaber und einige Buͤrger auf den Mauern; die Engliſchen Truppen unten.— Koͤnig Heinrich und ſein Zug treten auf.) F. Feinr. Was hat der Hauptmann dieſer Stadt be⸗ ſchloſſen? Wir laſſen kein Geſpraͤch nach dieſem zu, Darum ergebt euch unſrer beſten Gnade, Sonſt ruft, wie Menſchen auf Vernichten ſtolz. Uns auf zum aͤrgſten; denn, ſo wahr ich ein Soldat, (Ein Nam', der, denk' ich, mir am beſten ziemt), Fang' ich noch einmal das Beſchießen an, So laſſ' ich nicht das halbzerſtorte Harfleur, Bis es in ſeiner Aſche liegt bearaben. Der Gnade Pforten will ich alle ſchließen, Der eingefleiſchte Krieger rauhes Herzens, Soll ſchwarmen, ſein Gewiſſen hoͤllenweit⸗ In Freyheit blut'ger Hand, und maͤhn wie Gras Die holden Jungfrau'n und die bluͤh'nden Kinder. Was iſt es mir denn, wenn ruchtoſer Krieg Im Flammenſchmucke, wie der Böſen Fuͤrſt, Beſchmiert im Antlitz, alle grauſen Thaten er Pluͤnderung und der Verheerung übt? Was iſt es mir, wenn ihr es ſelbſt verſchuldet, aß eure reinen Jungfraun in die Hand Der zwingenden und glüh'nden Notbzucht fallen? Was fuͤr ein Zugel hält die freche Bosheit, Wenn ſie bergab in wildem Laufe ſtuͤrmt? So fruchtlos wendet unſer eitles Wort Beym Pluͤndern ſich an die ergrimmten Krieger, Als man dem Leviathan anbefoͤhle Ai's Land zu kommen. Darum, ihr von Harfleur, Habt Mitleid mit der Stadt und eurem Poſk⸗ Weil noch mein Heer mir zu Gebote ſteht, Weil noch der kuͤhle ſanfte Wind der Gade Das ekle giftige Gewoͤlk verweht Von ſtarrem Morde, Raub und Buͤberey. bo nicht, erwartet augenblicks beſudelt Zu ſehn vom blinden blutigen Soldaten Die Locken eurer gellend ſchrey'nden Toͤchter; 38 Koͤnig Heinrich V. A iil. An Silberbart ergriffen eure Väͤter, Ihr wuͤrdig Haupt geſchmettert an die Wand; Geſpießt auf Piken eure nachten Kinder, Indeß der Muͤtter raſendes Geheul Die Wolken theilt, wie dort der Juͤd'ſchen Weiber Bey blut'ger Jagd der Schlaͤchter des Herodes. Was ſagt ihr? gebt ihr nach und wollt dieß meiden? Wo nicht, durch Widerſtand das Aergſte leiden? Befehlsh. An dieſem Tage endet unſre Hoffnung. Der Dauphin, den um Huͤlfe wir erſucht, Erwiedert, zu ſo wichtigem Entſatz Sey er noch nicht bereit. Drum, großer Koͤnig, Ergeben wir die Stadt und unſer Leben In deine milde Gnade; zieh herein, Schalt' uͤber uns und was nur unſer iſt, Denn wir ſind nun nicht laͤnger haltbar mehr. R. Zeinr. Heffnet die Thore.— Oheim Exeter, Geht und beſetzet Harfleur; bleibt daſelbſt, Befeſtigt ſtark es gegen die Franzoſen;. Sehd allen gnaͤdig.— Wir, mein theurer Oheim, Da ſich der Winter naht und Krankheit zunimmt In unſerm Heer, ziehn nach Calais zuruͤck. Heut Nacht ſind wir in Harfleur euer Gaſt, Auf Morgen ſchon ſind wir zum Marſch gefaſt. (Trompetenſtoß. Der Koͤnig, ſein Gefolge und Truppen zie⸗ hen in die Stadt.) V i e r S 5 Rouen. Ein Zimmer im Polaſt. (Catharine und Alice treten auf.) Cath. Alice, tu as été en Angleterre, et tu par— les bien la langue du Ppäis. Al. Un peu, madame. Cath. Je te prie, enseigues la moi; it faut, que U 7„ Fapprenne à parler⸗ Comment appellez vous la main en Anglois? 3 AI. La main? Pllo est appellée de hand. Cath. De Hand. Et les doigts? Sz 4. Koͤnig Heinrich V. 39 Al. Les doigts? Ma foi, j'ai oublié les doigts, mais je m'en souviendrai. Les doigts? Je pense, qu'ils sont appellés de ngres; oui, de ingres Cath. La main, de hand, les doigts, de Rnes. Je peuse que je suis honne Scoliere: Jai gagné det mots d'Anglais assez vite. Comment appellez vous les ongles? i Al. Les ongles? On les apelle de nails. Cath. De nails. Pooutez! dites moi, si je parle bien: de hand, de Mngres, de nailb.— Al. G'est bien dit, madame, o'est du fort pon Anglois. 5 Cath. Dites moi en Anglois, le bras. Al. De arm, madame. Cath. Pt le coude? Al. De elboro.„ in Cath. Je me fais ja répétition de tous les moi due vous m'ayez pris dés 4 Présent. Al. C'est trop dilſcile, madume, oomme je pense Cath. Fxcusez mioi, Alice; coute?: de Aunc, cle Kngres, de nails, de crm„de bilborb. Al. De elboo, madame. Cath. O seigneur Dieu, j'ai l'ouplie: e elboꝛo. Comment appeilez vous le cou? Al. De neck, madame. Cath. De neck, et le menton? Al. De chin. Cath. De gin. Le cou, de neck; le menton, de Sin. Al. Oui Sauf votre honneur; en vérité, vous Prononcez les mots aussi juste, que les natifs d'An- gleterre.„ Cath. Je ne doute Point, que je n'apprendtai par la grace de Dieu, et en Pen de tems. 07.. 2 Al. N'avez vous Pas dejà oublis oe due je vous ai enseignée. 40 Koͤnig Heinrich V⸗ A. III. Cath. Non, je le vous reciterai promptement. De hand, de ſingres, de mdils.— Al. De nails, madame. Cath. De nails, de arme, de orb. Al. Sauf votre honneur, de elbolo. Cath. C'est ce que je dis: de elbo, de necl et de Sin. Comment äppellez vous le pié et la robe? Al. De Foot, madame, et de con. Cath. De oot et de con? O geigneur Dieu! Ce sont des mots d'un son mauvais, corrompu, grossier et impudique, et dont les dames d'honneur ue sau- roient se servir; je ne voudrois prononcer ces mois devant les scigueurs de France pour tout le monde. Il faut de ſoot et de con néaumoins. Je reciterai encore une fois ma legon ensemble: de hand, de Vnbre, de nuils, dle aymn, de elboto, de nech, de sin, de Foot, de con. Al. Fxcellent, madame! Cath. G'est assez pour une fols; allons nons en à diner.(ab.) F 6 Ein andres Zimmer im Palaſt. (Koͤnig Carl, der Dauvphin, Herzog von Bourbon, der Connetable von Frankreich und Andre treten auf.) R. Carl. Man weiß, er iſt die Somme ſchon heruͤber. Conn. Und ficht man nicht mit ihm, Herr, laßt uns nicht In Frankreich leben; ſtehn wir ab von allem, Und geben unſer Weinland den Barbaren. Dauph. O Dieu vivant! daß ein paar unſter Sproſſen, Den Auswurf von den Luͤſten unſrer Vaͤter, Propfreiſer, in den wilden Stamm geſetzt, So ploͤtzlich in die Wolken konnten ſchießen, Uum ihre Impfer nun zu uͤberſehn! Bourb. Normannen nur, Baſtarde von Normannenk Mort de ma vie! wenn ſie unbeſtritten Sz. 5. Koͤnig Heinrich V. 4¹ Einherziehn, biet' ich feil mein Herzogthum, Und kaufe einen kleinen Meyerhof In der gezackten Inſel Albions⸗ Conn. Dieu de batailles! woher kaͤm' ihr Feuer? Iſt nicht ihr Klima neblicht, rauh und dumpf, Worauf die Sonne bleich ſieht, wie zum Hohn, Mit finſtern Blicken ihre Fruͤchte todtend?“ Kann ihre Gerſtenbruͤh, geſottnes Waſſer, Ein Trank fuͤr ueberrittne Maͤhren nur, Ihr kaltes Blut zu tapfrer Hitze kochen? Und unſer reges Blut, vom Wein begeiſtert, Scheint froſtig? O, zu unſers Landes Ehre, Laßt uns nicht haͤngen“ zaͤh wie Eiſes Zacken, An unſrer Haͤuſer Dach, indeß ein froſt'ger Volk Die Tropfen aufgeweckter Jugend ſchwitzt In unſern reichen Feldern, arm allein Ihn ihren angebornen Herrn zu nennen. Dauph. Bey Treu und Glauben! unſre Damen haben Zum beſten uns und ſagen grad' heraus, Dahin ſey unſer Feuer, und ſie wollen Der Jugend Englands ihre Leiber bieten, Mit Baſtard⸗Kriegern Frankreich zu bevölkern. Bourb. Sie weiſen uns auf die Tanzböden Englands, Zu lehren hurt'ge Volten und Couranten; Sie ſagen, unſer Ruhm ſey in den Ferſen, Und wir ſey'n Laͤufer von der erſten Groͤße. R. Carl. Wo iſt Montſoye der Herold? Schickt ihn fort; Mit unſerm ſcharfen Trotze gruͤß' er England. Auf, Prinzen, und in's Feld, mit einem Geiſt, Den Ehre ſchärfer wetzt, als eure Degen! Carl de la Bret, Groß⸗Connetable Frankreichs, Ihr Herrn von Orleans, Bourbon und Berry, lengon, Brabant, Bar, und von Burgund, Jaques Chatillon, Rambures, Vaudemont, Beaumont, Grandpré, Rouſſi und Fauconberg, Foir, Leſrale, Bouciqualt und Charolois, Herzoge, große Prinzen und Barone, Und Herrn und Ritter, für die großen Lehn Befreyt euch nun von ſolcher großen Schmach. emmt Heinrich England, der durch unſer Land Mit Faͤhnlein zieht, mit Harfleurs Blut bemalt; Stürzt auf ſein Heer, wie der geſchmolzne Schnee Ins Thal, auf deſſen niedern Dienerſitz 44 Koͤnig Heinrich V. A. III. Die Alpen ihre Feuchtigkeiten ſpeyn. Zieht— ihr habt Macht genug— zu ihm hinab, Und bringt auf einem Wagen ihn gebunden Gefangen nach Rouen. Conn. So ziemt es Großen. Mir thut's nur leid, daß ſeine Zahl ſo klein, Sein Volk vom Marſch verhungedt iſt und krank. Denn ich bin ſicher, ſieht er unſer Heer, So ſinkt ſein Herz in bodenloſe Furcht, Statt Thaten wird er ſeine Loͤſung bieten. R. Carl. Drum eilet den Montjoye, Herr Connetable, Laßt ihn an England ſagen, daß wir ſenden, Zu ſehn, was er fuͤr will'ge Loͤſung giebt.— Prinz Dauphin, ihr bleibt bey uns in Rouen. Dauph. Richt ſo, ich bitt' Eu'r Majeſtaͤt darum. R. Carl. Seyd ruhig, denn ihr bleibt zuruͤck mit uns.— Auf, Connetable, und ihr Prinzen all'“ Und bringt uns Nachricht bald von Englands Fall! iahn(Alle ab.) Sechste Szene. Das Engliſche Lager in der Picardie. (Gower und Fluellen treten auf.) Gow. Wie ſteht's, Capitaͤn Fluellen? kommt ihr von der Bruͤcke? 4 Fluel. Ich verſichre euch, es wird bey der Pruͤcke gar fuͤrtrefflicher Dienſt ausgerichtet. Gow. Iſt der Herzog von Exeter in Sicherheit? Fluel. Der Herzog von Exeter iſt ſo heldenmuͤthig wie Agamemnon, und ein Mann, den ich liebe und ver⸗ ehre mit meiner Seele, und meinem Herzen, und mei⸗ nem Eifer, und meinem Leben, und meinen Lebtagen, und meinem aͤußerſten Vermoͤgen; er iſt, Gott ſey Lob und Dank, nicht im gerinaſten in der Welt verwundet, ſondern behauptet die Pruͤcke gar tapfer mit fuͤrtrefflicher Diſciplin. Es iſt da ein Fähndrich bey der Pruͤcke, ich denke in meinem beſten Gewiſſen, er iſt ein ſo tapferer Mann wie Mark Anton; und er iſt ein Mann von kei⸗ ner Achtbarkvit in der Welt, aber ich ſah ihn wackern Dienſt verrichten. Sz. 6. Koͤnig Heinrich V. 43 Gow. Wie nennt ihr ihn? Fluel. Er heißt Fähndrich Piſtol. Gow. Ich kenne ihn nicht. Gitöt mt Fluel. Kennt ihr ihn nicht? Da kommt unſer Mann. Piſt. Hauptmann, ich bitte dich, mir Gunſt zu thun Der Herzog Exeter iſt dir geneigt. Fluel. Ja, Gott ſey gelobt, und ich habe auch einige Liebe ſeinerſeits verdient. Piſt. Bardolph, ein Krieger, feſt und ſtarb von Herzen, Von munterm Muthe, hat durch grauſam Schickſal, Und tollen Gluͤckes grinimig wechſelnd Rad, Der blinden Göttin, Die auf dem raſtlos roll'nden Steine ſteht— Fluel. Mit eurem Verlaub, Fahndrich Piſtol, For⸗ tuna wird plind gemalt, mit einer Pinde vor ihren Au⸗ gen, um euch anzudeuten, daß das Gluͤck plind iſt. Fer⸗ ner wird ſie auch mit einem Rade gemalt, um euch an⸗ zudeuten, was die Moral daraus iſt, daß ſie wechſelnd und unbeſtaͤndig iſt, und Veraͤnderung, und Wankelmu⸗ chigkeiten; und ihr Fuß, ſeht ihr, iſt auf einen kugelfoͤr⸗ migen Stein geſtellt, der rollt und rollt und rollt. In wahrem Ernſte, von den Poeten ſeyn har fuͤrtreffliche Beſchreibung der Fortuna gemacht; Fortuna, ſeht ihr, iſt eine fuͤrtreffliche Moral. Piſtol. Fortun' iſt Bardolphs Feind, und zuͤrnt mit ihm; Er ſtahl nur ein⸗ Monſtranz, und muß gehangen ſeyn. Verdammter Tod! Der Menſch ſey frey, der Galgen gaͤhne Hunden, Und Hanf erſticke nicht die Luftroͤhr' ihm. Doch Cxeter hat den Todesſpruch ertheiſt Um nichtige Monſtranz, Drum geh und ſprich, der Herzog hoͤrt dein Work, Laß Bardolphs Lebensfaden nicht zerſchneiden Wit ſcharfem Pfennigsſtrick und niederm Schimpf. Sprich, Hauptmann, fur ſein Heil, und ich vergelt'es dir. Fluel. Faͤhndrich Piſtol, ich verſtehe gewiſſermußen eure Mehnung.. Piſt. Nun denn, ſo freu dich deß. 6 Fluel. Gewißlich, Faͤhndrich, es iſt keine Sache, un ſich darͤber zu freun; denn, ſeht ihr, wenn er mein 44 Koͤnig Heinrich v. A. III. Pruder waͤre, ſo wollte ich den Herzog bitten, nach be⸗ ſtem Belieben mit ihm zu verfahren, und die Execution an ihm auszuuͤben, denn Disciplin muß gehandhabt werden. Piſt. So ſtirb und ſey verdammt, und ſigo dir Fuͤr deine Freundſchaft. Fluel. Es iſt gut. 8 biſt. Die Span'ſche Feige. Fluel. Sehr Sr le 5— (Piſtol ab.) Gow. Ey, das iſt ein erzbetruͤgeriſcher Schelm, jetzt erinnre ich mich ſeiner; ein Kuppler, ein Beutelſchneider. Fluel. Ich verſichre euch, er gab bey der Pruͤcke ſo prafe Worte zu vernehmen, wie man ſie nur an einem Feſttage ſehen kann. Aber es iſt ſehr gut; was er zu mir geſprochen hat, das iſt gut, ich ſtehe euch dafuͤr, wenn die Zeit dienlich kommt. Gow. Ey, er iſt ein Gimpel, ein Narr, ein Schelm, der dann und wann in den Krieg geht, um bey ſeiner Zuruͤckkunft in London in der Geſtalt eines Soldaten zu prangen. Und dergleichen Geſellen ſind fertig mit den Namen großer Feldherrn, und ſie lernen auswendig, wo Dienſte geleiſtet worden ſind; bey der oder der Feldſchanze, bey dieſer Breſche, bey jener Bedeckung; wer ruͤhmlich davon kam, wer erſchoſſen ward, wer ſich beſchimpfte, welche Lage der Feind behauptete. Und dieß lernen ſie vollkommen in der Soldatenſprache, die ſie mit Fluͤchen aufſtutzen; und was ein Bart nach dem Schnitte des Generals, und ein rauher Feldanzug unter ſchaͤumenden Flaſchen, und witzigen Koͤpfen in Bier getaucht, vermoͤ⸗ gen, das iſt erſtaunlich zu denken. Aber ihr muͤßt ſolche Miſzierden des Zeitalters kennen lernen, ſonſt konnt ihr euch außerordentlich betruͤgen. Fluel. Ich will euch was ſagen, Capitain Gower: ich merke ſchon, er iſt nicht der Mann, als den er ſich gern bey der Welt moͤchte gelten laſſen. Wenn ich ein Loch ſeinem Rocke finde, ſo will ich ihm meine Meinung agen. (Man hoͤrt trommeln.) Hoͤrt ihr, der Koͤnig kommt, und ich muß mit ihm von wegen der Pruͤcke reden. (Koͤnig Heinrich, Gloſter und Soldaten treten auf.) Fluel. Gott ſegne eure Maſeſtaͤt! Sz. 6. Koͤnig Heinrich V. 45 R. Veinr. Nun, Fluellen, kommſt du von der Bruͤcke? Fluel. Ja, zu Eurer Majeſtät Befehl. Der Herzog von Eexeter hat die Pruͤcke ſehr tapfer pehauptet, die Franzoſen ſeyen davon gegahgen, und es giebt daſelbſt prafe und gar tapfre Vorfalle. Meiner Treu, der Feind that die Prucke in Beſitz nehmen, aber er iſt genoͤthigt, ſich zuruͤck zu ziehn, und der Herzog von Exeter iſt Mei⸗ ſter von der Pruͤcke; ich kann Euer Majeſtät ſagen, der Herzog iſt ein prafer Mann. B. Heinr. Was habt ihr fur Leute verloren, Fluellen? Fluel. Die Schadhaftigkeit des Feindes iſt gar groß geweſen, gar anſehnlich groß; aber ich denke fuͤr mein Theil, der Herzog hat keinen einzigen Mann verloren, außer einen, der vermuthlich hingerichtet wird, weil er eine Kirche beraubt hat, ein gewiſſer Bardolph, wenn Eure Majeſtaͤt den Mann kennt; ſein Geſicht iſt nichts wie Puſteln, Finnen, Knoͤpfe und Feuerflammen, und ſeine Lippen plaſen ihm an die Naſe, und ſie ſeyn wie feurige Kohlen, manchmal blau und manchmal roth; aber ſeine Naſe iſt hingerichtet, und ſein Feuer iſt aus. R. Zeinr. Wir wollen alle ſolche Verbrecher ausge⸗ kottet wiſſen; und wir ertheilen ausdruͤcklichen Befehl, daß auf unſern Maͤrſchen durch das Land nichts von den oͤrfern erzwungen werde, nichts genommen ohne zu bezahlen, daß kein Franzoſe geſchmaͤht, oder mit verächt⸗ lichen Reden mißhandeit werde; denn wenn Milde und Grauſamkeit um ein Koͤnigreich ſpielen, ſo wird der gelin⸗ deſte Spieler am erſten gewinnen. (Trompeten. Montjoye tritt auf.) Montj. Ihr wißt an meiner Tracht, wer ich bin. R. Zeinr. Nun gut, ich weiß es; was ſoll ich von dir wiſſen? Montj. Meines Herrn Willen. R. Heinr. Erklaͤre ihn. Montj. So ſagt mein Koͤnig: Sage du an Heinrich von England, ob wir ſchon todt ſchienen, ſchliefen wir doch nur; Vortheil iſt ein beſſerer Soldat als Ueberei⸗ lung. Sagt ihm, wir haͤtten ihn bei Harfleur zurückwei⸗ ſen koͤnnen, aber wir fanden nicht fuͤr gut, eine Beleidi⸗ gung aufzuſtoßen, bis ſie vollig reif wäre; jetzt reden wir auf unſer Stichwort und unſre Stimme iſt gebietend: England ſoll ſeine Thorheit bereun, ſeine Schwäche ſehn, 46 Koͤnig Heinrich V. A. III. und unſre Geduld bewundern. Heiß ihn alſo ſein Loͤſe⸗ geld bedenken, welches, nach dem Verluſt, den wir ertra⸗ gen haben, nach den Unterthanen, die wir eingebuͤßt, nach der Erniedrigung, die wir uns gefallen laſſen, abge⸗ meſſen werden muß; was nach vollem Gewicht zu verguͤ⸗ ten, ſeine Kleinheit erdruͤcken wuͤrde. Fär unſern Verluſt iſt ſeine Schatzkammer zu arm, fuͤr die Vergießung unſers Bluts das Aufgebot ſeines Koͤnigreichs eine zu ſchwache Zahl, und für unſte Erniedrigung wuͤrde ſeine eigne Per⸗ ſon, zu unſern Fuͤßen knieend, nur eine ſchwache und un⸗ wuͤrdige Genugthuung ſeyn. Hierauf laß Herausforde⸗ rung folgen, und ſag' ihm zum Schluſſe, er habe ſeine Leute verrathen, deren Verdammniß ausgeſprochen iſt. So weit mein Herr und Meiſter— ſo viel umfaßt mein Auftrag. R. Heinr. Wie iſt dein Nam'? Ich kenne ſchon dein Amt. montj. Montjoye. R. Zeinr. Du fuhrſt den Auftrag wacker aus. Zieh heim, Sag deinem Herrn, ich ſuch' ihn jetzo nicht, Und mochte lieber ohne Hinderniß“ Zuruͤckziehn nach Calais; denn, wahr zu reden, (Wiewohl es keine Weisheit iſt, ſo viel Dem ſchlauen Feind im Vortheil zu bekennen), Durch Krankheit abgemattet iſt mein Volk, Die Zahl verringert, und der kleine Reſt Beynah nicht beſſer als ſo viel Franzoſen; Da in geſundem Stand, ich ſag' dir's, Herold, Ein Engliſch Paar von Beinen drey Franzoſen Mir ſchien zu tragen.— Doch verzeih mir Gott, Daß ich ſo prahle; eure Fränk'ſche Luft Weht mir dieß Laſter an, das ich bereue. Drum geh, ſag' deinem Meiſter, ich ſey hier, Mein Loͤſſgeld dieſer ſchwache nicht'ge Leib, Mein Heer nur eine matte kranke Wacht; Doch, Gott voran, ſag' ihm wir wollen kommen, Sb Frankreich ſelbſt und noch ein ſolcher Nachbar Im Weg' uns ſtände. Hier fuͤr deine Muͤh; Beh, heiße deinen Herrn ſich wohl bedenken. Kann ich vorbey ziehn, gut; werd' ich gehindert, So ſoll eu'r rothes Blut den braunen Grund Verfaͤrben; und ſomit, Montjoye, leb' wohl. Der Inhalt unſrer Antwort iſt nur dieß; Sz. 6. Koͤnig Heinrich V. 47 Wir ſuchen, wie wir ſind, ein Treffen nicht, Voch wollen wir es meiden, wie wir ſind. Sagt eurem Herrn das. montj. Ich will's beſtellen. Dank ſey Euer Hoheit: (Montjoye ab.) Sloſt. Sie werden, hoff'ich, jetzt nicht auf uns fallen. R. Zeinr. Wir ſind in Gottes Haͤnden, Bruder, nicht in ihren, Marſchirt zur Brͤcke; jetzo naht die Nacht, Jenſeit der Bruͤcke wollen wir uns lagern, Und morgen weiter fort ſie heißen ziehn. 2(Alle ab.) S i 8 5„ te S 6 Das Franzoͤſiſche Lager bey Agincourt. (Der Connetable, Rambures, Herzog von Drleans, der Dauphin und Andre treten auf.) Conn. Pah! ich habe die beſte Ruͤſtung von der Welt. Wollte, es wär' Tag! Orl. Ihr habt eine vortreffliche Ruͤſtung, aber laßt auch meinem Pferde Gerechtigkeit wiederfahren. Conn. Es iſt das erſte Pferd in Europa. orl. Will es denn niemals Morgen werden? Dauph. Mein Prinz von Orleans, und Herr Conne⸗ table, ihr redet von Pferden und Ruͤſtung.— Orl. Ihr ſeyd mit beyden ſo wohl verſehen, als irgend ein Prinz von der Welt. Dauph. Was das fuͤr eine lange Nacht iſt!— Ich kauſche mein Pferd gegen keines, das nur auf vier Pfo⸗ ten geht. Ah ga! Er ſpringt von der Erde, als ob er mit Haaren ausgeſtopft waͤre, le cheval volant, der Pegaſus, qui a les narines de feu. Wenn ich ihn reite, ſo ſchwebe ich in Lüften, ich bin ein Falke, er trabt auf der Luft, die Erde ſingt, wenn er ſie beruͤhrt; das ſchlechteſte Horn ſeines Hufes iſt muſikaliſcher als die Pfeife des Hermes. Orl. Er iſt von der Farbe der Muskatennuß. Dauph. Und von der Hitze des Ingwers. Er iſt ein 3 6 48 Koͤnig Heinrich V. A. III. Thier fuͤr den Perſeus; nichts wie Feuer und Luft, und die traͤgen Elemente der Erde und des Waſſers zeigen ſich niemals in ihm, außer in ſeiner geduldigen Stille, waͤhrend ſein Reiter ihn beſteigt. Er iſt in der That ein Pferd, und alle andern Maͤhren kann man Vich nennen. Conn. In der That, gnädiger Herr, es iſt ein ganz vollkommnes und vortreffliches Pferd⸗ Dauph. Es iſt der Fuͤrſt der Gaͤule; ſein Wiehern iſt wie das Gebot eines Monarchen, und ſein Anſtand noͤthigt Huldigung ab. Orl.. Nicht weiter, Vetter. Dauph. Ey, der Menſch hat keinen Wit, der nicht vom Aufſteigen der Lerche bis zum Einpferchen des Lam⸗ mes mit verdientem Lobe auf meinen Gaul abwechſeln kann. Es iſt ein Thema, uͤberfließend wie die See; ver⸗ wandelt den Sand in beredte Zungen, und mein Gaul giebt ihnen allen zu thun. Er iſt wuͤrdig, daß ein Sou⸗ verain daruͤber rede, und daß der Souverain eines Sou⸗ verains darauf reite; daß die Welt, ſowohl die uns bekannte als unbekannte, ihre beſondern Geſchaͤfte bey Seite lege, und ihn bewundre. Ich ſchrieb einmal ein Sonnet zu ſei⸗ nem Ruhm, und fing wan:„O Wunder der Natur.“ orl. Ich habe ein Sonnet an eine Geliebte ſo anfan⸗ gen hoͤren. Dauph. Dann hat man das nachgeahmt, was ich auf meinen Renner dichtete; denn mein Pferd iſt meine Geliebte. orl. Eure Geliebte weiß gut zu tragen. Dauph. Mich wohl, was das ausgemachte Lob und die Vollkommenheit einer guten und ausſchließlich eignen Geliebten iſt. Conn. Ma foi! mich duͤnkt, neulich ſchuͤttelte eure Geliebte euch tuͤchtig den Ruͤcken zuſammen. Dauph. Das that eure vielleicht auch. Conn. Meine war nicht gezaͤumt. Dauph. O ſo war ſie vielleicht alt und ſanftmuͤthig, und ihr rittet wie ein Irlaͤndiſcher Kerne, ohne eure Fran⸗ zoſiſchen Pluderhoſen, bloß in euren knappen Beinkleidern. Conn. Ihr verſteht euch gut auf Reiterey. Dauph. So laßt euch von mir warnen. Die ſo reiten „ Sz. 7. Koͤnig Heinrich V. 49 und nicht vorſichtig reiten, fallen in garſtige Suͤmpfe; ich will lieber mein Pferd zur Geliebten haben. Conn. Ich moͤchte eben ſo gern, daß meine Geliebte eine Maͤhre waͤre. Dauph. Ich ſage dir, Connetable, meine Geliebte traͤgt ihr eignes Haar. Conn. Das könnte ich eben ſo wahrhaft ruͤhmen, wenn ich eine Sau zur Geliebten hätte. Dauph. Le chien est retourné 4 son propre vo- missement, et la truie lavée au bourbier; du brauchſt alles, was es auch ſey. Conn. Doch nicht mein Pferd zur Geliebten, noch irgend ſo ein Sprichwort, das ſo wenig zur Sache paßt⸗ Ramb. Herr Connetable, die Ruſtung, die ich heute Nacht in eurem Zelte ſah: ſind das Sonnen oder Sterne, was ihr darauf habt? Conn. Sterne. Dauph. Einige davon werden morgen fallen, hoffe ich. Conn. Und doch wird mein Himmel voll ſeyn. Dauph. Das mag ſeyn, denn ihr traget ihrer viel uͤberfluͤſſige, und es wuͤrde euch mehr Ehre bringen, wenn einige weg waͤren. Conn. Gerade ſo, wie euer Pferd eure Lobpreiſun⸗ gen traͤgt; es wuͤrde eben ſo gut traben, wenn einige eurer Prahlereyen aus dem Sattel geworfen waͤren. Dauph. Ich wollte, ich wär⸗ fähig, ihm ſein Ver⸗ dienſt aufzuladen.— Will es denn niemals Tag werden? Ich will morgen eine Meile traben, und mein Weg ſoll mit Engliſchen Geſichtern gepflaſtert ſeyn. Conn. Das will ich nicht, aus Furcht, der Weg moͤchte mir Geſichter ſchneiden. Aber ich wollte, es wäre Morgen, denn ich moͤchte die Englaͤnder gern bey den Ohren haben. Ramb. Wer will ſich mit mir an einen Wurf um zwanzig Engliſche Gefangne wagen? Conn. Ihr muͤßt euch ſelbſt daran wagen, ehe ihr ſie habt.* Daupb. Es iſt Mitternacht, ich will gehn und meine Waffen anlegen. (ab.) I.. 50 Koͤnig Heinrich V. A. III. orl. Der Dauphin verlangt nach dem Morgen. Ramb. Er verlangt die Engliſchen aufzueſſen. Conn. Ich denke, er wird alle aufeſſen, die er umbringt. orl. Bey der weißen Hand meiner Dame, er iſt ein braver Prinz. Conn. Schwoͤrt bey ihrem Fuße, damit ſie den Schuu austreten kann. orl. Er iſt ohne Frage der geſchaftigſte Herr in Frankreich⸗ Conn. Sich zu thun machen, iſt Thätigkeit, und er wird immer, wenn auch nicht mit Maäͤnnern, ſich zu thun machen. otl. Ich habe nicht gehoͤrt, daß er jemals einem was zu Leide that. Conn. Er wird es auch morgen nicht, er wird dieſen urn Namen behaupten. orl. Ich weiß, daß er tapfer iſt. Conn. Mir hat. es jemand geſagt, der ihn beſſer kennt, als ihr. orl. Wer war das? Conn. Ey er ſagte es mir ſelblt: und er ſagte, er tune ſich nicht darum, wer es erfuhre. Orl. Das braucht er auch nicht, es iſt keine verſecke Tugend in ihm. Conn. Ja, meiner Treu, das iſt ſie; niemand hat ſie je geſehn, außer ſein Lakei. Es iſt eine verkaßpte Tapferkeit, und wenn ſie ans Tageslicht koͤmmt, wird ſie e Augen zudruͤcken. Orl. Uebler Wille fuͤhrt keine gute Nachrede. Conn. Auf dieß Sprichwort ſetze ich ein andres: Freund⸗ ſchaft iſt eine Schmeichlerin. Orl. Und das nehme ich auf⸗ mit: Auch dem Teufel kein Unrecht thun. Conn. Gut angebracht; euer Freund ſteht da für den Teufel, und um eurem Sprichworte rrecht zu Leibe zu gehn, ſage ich: ich frage den Teufel darnach. orl. Ihr ſeyd ſtärker in Sprichwoͤrtern, aber: eines Narren Bolzen ſind bald verſchoſſen. Conn. Ihr habt uͤber das Ziel hinausgeſchoſſen. Sz. 7. Koͤnig Hein rich V. 51 Prl. Es iſt nicht das erſtemal, das über euch hinaus⸗ geſchoſſen wird. 16 nnli 1 in (Ein Bote tritt auf.) Bote. Herr Connetable, die Engliſchen liegen nur funfzehnhundert Schritte weit von eurem Zelte. Conn. Wer hat das Feld gemeſſen? Bote. Der gnädige Hert Grandpre. Conn. Ein wackrer und erfahrner Herr.— Ich wollte es waͤre Tag!— Ach, der arme Heinrich von England! Er verlangt nicht nach der Morgendammerung, wie wir. Prl. Was fuͤr ein armſeliger und einfaͤltiger Geſelle iſt dieſer Koͤnig von England, mit ſeinen dickkoͤpfigen Ge⸗ ſellen ſo ganz allem Menſchenverſtande zu entſagen! Conn. Wenn die Englaͤnder nur die geringſte Beſin⸗ nung hätten, ſo wuͤrden ſie davon laufen. Orl. Daran fehlt's ihnen; denn haͤtten ihre Koͤpfe irgend eine geiſtige Ruͤſtung; ſo konnten ſie nicht ſo ſchwere Sturmhauben tragen. Ramb. Dieß Inſelland erzeugt ſehr tapfre Creaturen; ihre Bullenbeißer ſind von nnvergleichlichem Muthe. Orl. Einfaͤltige Hunde! die blindlings einem Ruſſiſchen Baͤren in den Rachen laufen, und ſich die Koͤpfe wie faule Aepfel zerquetſchen laſſen⸗ Ihr koͤnntet eben ſo gut ſagen, es ſey ein tapfrer Floh, der ſein Fruͤhſtuͤck auf der Conn. Ganz recht, und die Menſchen ſympathiſtren mit den Bullenbeißern im kraͤftigen und rauhen Angtei⸗ fen, ſie laſſen ihren Witz bey ihren Frauen zuruͤck, und dann gebt ihnen große Mahlzeiten von Rindfleiſch, und Eiſen und Stahl, ſo werden ſie freſſen wie Woͤlfe, und fechten wie Teufel. Orl. Ja, aber dieſen Engliſchen iſt das Rindfleiſch verzweifelt ausgegangen. Conn. Dann werden wir morgen finden, daß ſie bloß Appetit zum Eſſen, aber nicht zum Fechten haben. Zetzt iſt es Zeit die Waffen anzulegen; kommt, ſollen wir daran gehn? 3 6 Orl. Jetzt iſt es zweh eh noch zehn uhr vergangen, Hat jeder hundert Engliſche gefangen. 3 ab.) — 52 Koͤnig Heinrich v. 2.W. Vierter Aufzug. Chorus tritt auf. Nun laſſet euch gemahnen eine Zeit, Wo ſchleichend Murmeln und das ſpaͤh'nde Dunkel Des Weltgebaͤndes weite Woͤlbung fuͤllt. Von Lager hallt zu Lager, durch der Nacht Unſaubern Schooß, der Heere Summen leiſe, Daß die geſtellten Poſten faſt vernehmen Der gegenſeit'gen Wacht geheimes Fluͤſtern. Die Feu'r entſprechen Feuern, und es ſieht Durch ihre bleichen Flammen ein Geſchwader Des andern braͤunlich uͤberfaͤrbt Geſicht. Roß droht dem Roß, ihr ſtolzes Wiehern dringt In's dumpfe Ohr der Nacht; und von den Zelten, Den Rittern helfend, geben Waffenſchmiede, Die Ruͤſtung nietend mit geſchaͤft'gem Hammer, Der Vorbereitung grauenvollen Ton. Des Dorfes Haͤhne krahn, die Glocken ſchlagen Des ſchlafbetaͤubten Morgens dritte Stunde. Stolz auf die Zahl und ſichern Muths verſpielen Die umntern ſelbſtvertrauenden Franzoſen Die nichtsgeacht'ten Engliſchen in Wuͤrfeln, Und ſchmaͤhn den kruͤppelhaften Gang der Nacht, Die einer ſchnoͤden garſt'gen Hexe gleich, Hinweg ſo zoͤgernd hinkt. Die armen Engliſchen, Wie Opfer, ſitzen ſie bey wachen Feuern Geduldig, und erwägen innerlich Die morgende Gefahr; die truͤbe Miene Auf hohlen Wangen, und, vom Krieg' vernutzt Die Roͤcke, ſtellen ſie dem ſchau'nden Mond Wie grauſe Geiſter dar. O, wer nun ſehen mag Den hohen Feldherrn der verlornen Schaar Von Wacht zu Wacht, von Zelt zu Zelte wandeln, Der rufe: Preis und Ruhm ſey ſeinem Haupt! Denn er geht aus, beſucht ſein ganzes Heer, Beut mit beſcheidnem Laͤcheln guten Morgen, Und nennt ſie Bruder, Freunde, Landesleute. Auf ſeinem koͤniglichen Antlitz iſt Sz.1. Konig Heinrich v. 53 Noch widmet er ein Tuͤttelchen von Farbe Der ſchlaͤfrigen und ganz durchwachten Nacht; Nein, er ſieht friſch, urd uͤbermannt die Schwaͤche Mit frohem Schein und holder Majeſtät, Daß jeder Arme, bleich gehäͤrmt zuvor, Ihn ſehend, Troſt aus ſeinen Blicken ſchoͤpft: Und alſgemeine Gaben wie die Sonne Ertheilet jedem ſein freygebig Auge, Aufthauend kalte Furcht. Drum Hoh' und Niedre, Seht, wie Unwuͤrdigkeit ihn zeichnen mag Den leichten Abriß Heinrichs in der Nacht; So muß zum Treffen unſte Szene fliegen; Wo wir(o Schmach!) gar ſehr entſtellen werden Mit vier bis fuͤnf verfetzten ſchnoden Klingen, Zu laͤcherlichem Balgen ſchlecht geordnet, Den Namen Agincourt. Doch ſitzt und ſeht, Das Wahre denkend, wo ſein Scheinbild ſteht. Kein Merkmal, welch ein furchtbar Heer ihn draͤngt, (ab.) F Das Engliſche Lager zu Agincourt. (önig Heinrich, Bedford und Gloſter) R. Hein. Wahr iſt es, Gloſter die Gefahr iſt groß, Um deſto großer ſey denn unſer Muth.— Guten Morgen, Bruder Bedfort.— Großer Gott! Es iſt ein Geiſt des Guten in dem Uebel, Zog. ihn der Menſch nur achtſam da heraus. Fruͤh aufſtehn lehren uns dit ſchlimmen Nachbarn, Was theils geſund, und gute Wirthſchaft iſt: Dann ſind ſie unſer aͤußerlich Gewiſſen, Und Prediger uns allen, die uns warnen, Daß wir zu unſerm End⸗ uns wohl bereiten. o koͤnnen wir vom Unkraut Honig leſen, Und machen ſelbſt den Teufel zur Moral. (Erpingham tritt auf.) Guten Morgen, guter Thomas Erpingham! Ein ſanftes Kiſſen für das weiße Haupt Waͤr' beſſer als der harte Raſen Frankreichs. Erp. Nicht ſo, mein Fuͤrſt; dieß Lager duͤnkt mir be er Ich liege wie eig Koͤnig, ſag' ich nun⸗ —— 2 —— piſt. Oui va Jà? 54 Koͤnig Heinrich V. A. IV. R. Heinr. S iſt gut, daß Beyſpiel gegenwärt'ge Plagen Uns lieben lehrt; ſo wird der Geiſt erleichtert; Und, lebt erſt das Gemuͤth auf, ſo erſtehn Auch die zuvor erſtorbenen Organe Aus dumpfem Grab, und regen ſich auf's neu Mit abgeſtreifter Huͤll' und friſchem Schwung. Sir Thomas, leih mir deinen Mantel.— Bruͤder, Empfehlt den Prinzen unſers Lagers mich; Bringt meinen guten Morgen, und ſogleich Beſcheidet alle hin zu meinem Zelt. Gloſt. Das wollen wir, mein Fuͤrſt. (Gloſter und Bedfort ab.) Erp. Begleit' ich Eure Hoheit? R. Zeinr. Nein, mein wackrer Ritter, Mit meinen Bruͤdern geh zu Englands Herrn; 6 Ich und mein Buſen muͤſſen uns berathen, Da wuͤnſch' ich andere Geſellſchaft nicht. erp. Dich ſegne Gott im Himmel, edler Heinrich! (Erpingham ab.) R. Zeinr. Gott dank' dir's, edles Herz! du ſprichſt erfreulich. (Piſtol tritt auf.) . Heinr. Gut Freund⸗ piſt. Erlautre mir; biſt du ein Offizier? Wie! oder ſchlecht, gering und aus dem Volk? . Feinr. Ich bin der Fuͤhrer einer Compagnie. piſt. Schleppſt du den maͤcht'gen Speer? . Zeinr. Ja wohl; was ſeyd ihr? Ppiſt. Ein Edelmann, ſo gut als wie der Saiſer. R. Zeinr. So ſeyd ihr ja vornehmer als der Koͤnig. piſt. Der Koͤnig iſt ein Goldherz und ein Schatz, Eine Wonnejung' und Ruhmesſproß, Von guten Eltern und hochſt tapfrer Fauſt; Sch käſſe ſeinen ſchmutz'gen Schuh, und liebe Den lieben Eiſenfreſſer ganz und gar Von meines Herzens Grund. Wie iſt dein Name? R. Zeinr. Heinrich le Roi. piſt. le Roi? Ein Corn'ſcher Nam': ſtammſt du 8 aus Corwalls Brut? S.1. König Heinrich V. 55 B. Heinr- Nein, ich bin ein Wäbſcher. Piſt. Kennſt du Fluellen? B. HZeinr. Ja. Piſt. Sag' ihm, ich will ſein Lauch ihm um den Kopf Am Davids-Tage ſchlagen. 493 B. Heinr. So tragt nur euren Doſch nicht an der Muͤtze, an dem Tage, damit er den nicht um den euri⸗ gen ſchlaͤgt. Piſt. Biſt du ſein Freund? B. Heinr. Auch ſein Verwandter. Piſt. So biet' ich ſigo dir. R. Zeinr. Ich dank' cuch; Gott geleit' euch! Piſt. Mein Name heißt Piſtet. 2 ſ ab.) R. Zeinr. Er paßt gut zu eurem Trotz. c Fluellen und Gower kommen von verſchiedenen Seiten.) Gow. Capitaͤn Fluellen. Fluel. Nun, im Namen Jeßu Chriſti, ſprecht doch leiſer! Es iſt das aller verwunderlichſte in der ſämmtli⸗ chen Welt, wenn die wahren und uralten Prifilegien und Geſotze des Krieges nicht beobachtet ſeyn. Wenn ihr ench nur die Mühe nehmen wolltet,, die Kriege von Pomze⸗ jus dem Großen zu unterſuchen, ſo werdet ihr fiaden, dafuͤr ſtehe ich euch, daß im Lager des Pompejus kein Schnickſchnack und Wiſchewaſche iſt. Ich ſiehe euch da⸗ fuͤr, ihr werdet finden, daß die Ceremonien des Krienes, und die Sorgfalt in ſelbigem, und die Sitten in ſelbi⸗ gem, und die Nuͤchternheit in ſelbigem, und die Beſchei⸗ denheit in ſelbigem ganz auders ſeyn. Gow. Ey, der Feind iſt laut, man hat ihn die ganze Nacht horen können. Fluel. Wenn der Feind ein Eſel iſt, und ein Narr, und ein plappernder Haſenfuß, denkt ihr, es ſey ſchicklich, daß wir auch, ſcht ihr, ein Eſel und ein Narr und ein plappernder Haſenfuß ſeyn? Ich frage euch auf euer Gewiſſen. Sow. Ich will leiſer ſprechen. Fluel. Ich bitte euch, und erſuche euch, daß ihr's thut. (Gower und Fluellen ab.) ———— ———— 56 Koͤnig Heinrich V. A. IV. k. Heinr Erſcheint er gleich ein wenig ens der Mode, Der Wäal'ſche hat viel Sorgſamkeit und Muth. (Bates, Court und Williams kommen.) Court. Bruder Johann Bates, iſt das nicht der Morgen, was da anbricht? Bat. Ich denke er iſt's, aber wir haben nicht viel Grund die Annaͤherung des Tages zu verlangen. will. Wir ſehen dort den Anbruch des Tages, aber ich denke, wir werden niemals ſein Ende ſehn.— Wer geht da? R. Zeinr. Gut Freund. will. Unter welchem Hauptmann dient ihr? R. HZeinr. Unter Sir Thomas Erpingham. will. Ein guter alter Anfuͤhrer, und ein ſehr lieber Herr. Ich bitte euch, wie denkt er von unſerm Zuſtande? k. Zeinr. Grade wie Menſchen, die auf einer Sand⸗ bank geſcheitert ſind, und erwarten von der naͤchſten Flut weggewaſchen zu werden. Bat. Hat er ſeine Gedanken dem Koͤnige nicht geſagt? RB. Heinr. Nein, und er muß es auch nicht thun. Denn, ob ich es euch ſchon ſage, ich denke, der Koͤnig iſt nur ein Menſch wie ich bin. Die Viole riecht ihm, wie ſie mir thut, das Firmament erſcheint ihm wie mir, alle ſeine Sinne ſtehen unter menſchlichen Bedingungen; ſeine Ceremonien bey Seite geſetzt, erſcheint er in ſeiner Nackt⸗ heit nur als ein Menſch, und wiewohl ſeine Neigungen einen hoͤheren Schwung nehmen als unſere, ſo ſenken ſie ſich doch mit demſelben Fittig, wenn ſie ſich ſenken. Da⸗ her wenn er Urſache zur Furcht ſieht, wie wir thun, ſo iſt ſeine Furcht ohne Zweifel von derſelben Beſchaffenheit wie unſre; doch ſollte vernuͤnftiger Weiſe kein Menſch ihn mit einem Schein von Furcht einnehmen, damit er nicht, indem er ſie verraͤth, ſeine Armee muthlos macht. Bat. Er mag aͤußerlich ſo viel Muth zeigen als er will, aber ich glaube, ſo eine kalte Nacht wie es iſt, konnnte er ſich doch bis an den Hals in die Themſe wuͤn⸗ ſchen, und ich wollte auch, daß er drin ſaͤße und ich bey ihm, auf alle Gefahr, wenn wir nur hier los waͤren. k. Zeinr Bey meiner Treu, ich will nach meinem Gewiſſen von dem Koͤnige reden: ich denke, er wuͤnſcht ſich irgend anderswo hin, als wo er iſt. Sz. 1. Koͤnig Heinrich v. 57 Bat. Dann wollte ich, er wäre allein hier, ſo wäre er gewiß, ausgelöſt zu werden, und manches armen Men⸗ ſchen Leben würde gerettet. „R. Zeinr. Ich darf ſagen, ihr wollt ihm nicht ſo uͤbel, daß ihr ihn hier allein wuͤnſchen ſolltet, wiewohl ihr ſo ſprechen mogt, um andrer Menſchen Geſinnungen zu pruͤfen. Mich duͤnkt, ich konnte nirgends ſo zufrieden ſterben, als in des Koͤnigs Geſellſchaft, da ſeine Sache gerecht und ſein Zwiſt ehrenvoll iſt. will. Das iſt mehr als wir wiſſen. Bat. Ja oder mehr, als wonach wir fragen duͤrfen; denn wir wiſſen genug, wenn wir wiſſen, daß wir des Koͤnigs Unterthanen ſind; wenn ſeine Sache ſchlecht iſt, ſo reinigt unſer Gehorſam gegen den Koͤnig uns von aller Schuld dabey. will. Aber wenn ſeine Sache nicht gut iſt, ſo hat der König ſelbſt eine ſchwere Rechenſchaft abzulegen; wenn- alle die Beine und Arme und Koͤpfe, die in einer Schlacht abgehauen ſind, ſich am juͤngſten Tage zuſammenfügen, und ſchreyen alle: wir ſtarben da und da; einige fluchend, einige um einen Feldſcheer ſchreyend, einige qber ihre Frauen, die ſie arm zuruͤckgelaſſen, einige uͤber ihre unbe⸗ zahlten Schulden, einige uber ihre unerzognen Kinder. Ich fuͤrchte, es ſterben nur wenige gur, die in einer chlacht umkommen: denn wie können ſie irgend was chriſtlich anordnen, wenn ſie bloß auf Blut gerichtet ſind? Wenn nun dieſe Menſchen nicht gut ſterben, ſo wird es ein boͤſer Handel fuͤr den Kaͤnig ſeyn, der ſie dahin ge⸗ fuͤhrt, da, ihm nicht zu gehorchen, gegen alle Ordnung der Unterwuͤrfigkeit laufen wuͤrde. R. FZeinr. Alſo, wenn ein Sohn, der von ſeinem Vater zum Handel ausgeſandt wird, ſuͤndlich auf der See verungluͤckt, ſo muͤßte man die Schuld ſeiner Ruchloſigkeit 3 nach eurer Regel auf den Vater waͤlzen, der ihn ausſandte. Qder wenn ein Bedionter, der untér den Befehlen ſeines Herrn eine Summe Geldes wohin bringt, von Raͤubern angefallen wird, und in vielen unverſoͤhnten Ungerech⸗ tigkeiten ſtirbt, ſo könnt ihr das Geſchaͤft des Herrn den Urheber von der Verdammniß des Bedienten nen⸗ nen.— Aber dem iſt nicht ſo: der Koͤnig iſt nicht gehalten, fuͤr das beſondre Ende ſeiner Soldaten einzu⸗ ſehn, der Vater fur das ſeines Sohnes, und der Herr fuͤr das ſeines Bedienten; denn ſie wollen ja nicht ihren 58 Koͤnig Heinrich V. A. IV. Tod, wenu ſie ihre Dienſte wollen. Außerdem giebt es keinen Koͤnig, ſey ſeine Sache auch noch ſo fleckenlos, der, wenn es zur Entſcheidung des Schwertes kommt, ſie mit ganz unbefleckten Soldaten ausmachen kann. Einige haben vielleicht die Schuld uͤberlegten und vorſätzlichen Mordes auf ſich geladen; einige, daß ſie Jungfrauen durch die gebrochnen Siegel des Meineides hintergangen; einige machen den Krieg zu ihrem Bollwerk, die zuvor den ſanften Buſen des Friedens mit Pluͤndern und Raͤu⸗ berey wund geriſſen. Wenn nun dieſe Menſchen das Geſetz vereitelt haben, und der natuͤrlichen Strafe ent⸗ ronnen ſind, koͤnnen ſie ſchon den Menſchen entlaufen, ſo haben ſie doch keine Fluͤgel um Gott zu ent iehen. Krieg iſt ſeine Geißel, Krieg iſt ſein Werkzeug der Rache, ſo daß hier die Menſchen fuͤr den vorherigen Bruch der Geſetze des Koͤnigs im gegenwaͤrtigen Streit des Königs geſtraft werden; wo ſie den Tod fürchten, haben ſie das Leben davon gebracht, und wo ſie ſich zu ſichern dachten, Lommen ſie um. Wenn ſie daher unvorbereitet ſterben, ſo iſt der Koͤnig nicht mehr an ihrer Verdammniß ſchul⸗ dig, als er es vorher an den Ruchloſigkeiten war, derentwegen ſie nun heimgeſucht werden. Jedes Unterthanen Pflicht gehoͤrt dem Koͤnig, jedes Unterthanen Seele iſt ſein eigen. Darum ſollte jeder Soldat im Kriege es wie jeder kranke Mann in ſeinem Bette machen, jedes Staͤubchen aus ſei⸗ nem Gewiſſen waſchen, und wenn er ſo ſtirbt, iſt der Tod fuͤr ihn ein Gewinn; und wenn er nicht ſtirbt, ſo war die Zeit ſegensvoll verloren, worin eine ſolche Vor⸗ bereitung gewonnen ward; und bey dem, welcher davon tömmt, wäre es keine Suͤnde zu denken, daß, da er Gott ein ſo freyes Anerbieten macht, dieſer ihn den Tag uͤber⸗ leben laͤßt, um ſeine Groͤße einzuſehen, und andern zu lehren, wie ſie ſich vorbereiten ſollen. will. Es iſt gewiß, wenn jemand uͤbel ſtirbt, ſo fällt das Uebel auf ſein eignes Haupt; der Koͤnig hat nicht dafuͤr einzuſtehen. Bat. Ich verlange nicht, daß er fuͤr mich einſtehen ſoll, und doch bin ich entſchloſſen, wacker fuͤr ihn zu fechten⸗ R. Zeinr. Ich hoͤrte den Koͤnig ſelbſt ſagen: er wolle ſich nicht ausloͤſen laſſen. will. Ja, das ſagte er, damit wir gutes Muths fech⸗ ten moͤchten; aber wenn uns die Kehlen abgeſchnitten Sz. 1. Koͤnig Heinrich V. 59 ſind, ſo kann er ausgeloſt werden, und wir ſind dann um nichts klaͤger. R. Heinr. Wenn ich das erlebe, ſo will ich ſeinem Worte niemaſs wieder trauen. Will. Teufel, da pielt ihr ihm einen rechten Streich! Das iſt ein gefährlicher Schuß aus einer Hollunder⸗ Buͤchſe, den die Unzufriedenheit eines armen Einzelnen gegen einen Monarchen thun kann. Ihr konntet eben ſo gut damit umgehn, die Sonne dadurch in Eis zu verwan⸗ deln, daß ihr mit einer Pfauenpfeder ihr ins Geſicht fächelt. Ihr wollt ihm niemals wieder traun! Geht, es iſt eine afberne Rede. R. Heinr. Ihr verweiſt es mir ein wenig zu rund heraus, ich wuͤrde böſe auf euch ſeyn, wenn ſich die Zeit dazu ſchickte. will. Laßt uns den Streit mit einander ausmachen, wenn ihr am Leben bleibt. R. Heinr. Ich gehe es ein. will. Wie ſoll ich dich wieder kennen? R. Heinr. ieb mir irgend ein Pfand, und ich will es an meiner 2 euͤtze tragen; wenn dir es je anzuerkennen wagſt, ſo will ich den Streit ausfechten. Will. Hier iſt mein Handſchuh, gieb mir einen von den deinen.— will. Den will ich auch an meiner Mütze tragen. Wenn du jemals nach dem morgenden Tage zu kommſt und ſagſt:„dieß iſt mein Handſchuh“ bey dieſer Hand, ich gebe dir eine Ohrfeige. R. Heinr. Wenn ich es erlebe, ſo will ich ihn gewiß zuruͤck fodern. will. Du läſſeſt dich eben ſo gern haͤngen. R. Seinr. S bon gut, ich thu' es, und wenn ich dich in des Koͤnigs Geſellſchaft faͤnde. will. Halt dein Wort, leb⸗ wohl. Bat. Seyd Freunde, ihr Engliſchen Narten, ſeyd Freunde; wir haben Franzöſiſche Haͤndel genug, wenn ihr nur zu rechnen wuͤßet. i Zeinr. In der That, die Franzoſen können zwan⸗ zig Franzoſiſche Kronen gegen eine ſetzen, daß ſie uns 60 Fonig Heinrich V. AW. ſchlagen werden, denn ſie tragen ſie auf ihren eignen Schultern. Aber es iſt fuͤr einen Englaͤnder kein Ver⸗ rath, Franzoͤſiſche Kronen zu beſchneiden, und morgen wird der Koͤnig ſelbſt ein Kipper und Wipper ſeyn. (Die Soldaten ab.) Nur auf den Koͤnig! Legen wir dem Koͤnig Leib, Seele, Schulden, bange Weiber, Kinder Und Suͤnden auf,— wir muͤſſen alles tragen⸗ O harter Stand! der Groͤße Zwillingsbruder, Dein Odem jedes Narren unterthan, Deß Sinn nichts weiter fuͤhlt als eigne Pein! Wie viel Behagen muß ein Koͤnig miſſen, Deß ſich der Einzle freut? Was hat ein Koͤnig, das dem Einzeln fehlt, Als allgemeine Ceremonie nur 7 Und was biſt du, du Goͤtze Ceremonie? Was biſt du fuͤr ein Gott, der mehr erleidet Von ird'ſcher Noth, als deine Diener thun? Was iſt dein Jahrsertrag! was deine Renten? O Ceremonie, zeig mir deinen Werth! Was iſt die Seele deiner Anbetung? Biſt du was ſonſt als Stufe, Rang und Form, Die Scheu und Furcht in andern Menſchen ſchafft? Wo du, gefurchtet, minder glucklich biſt, Als ſie im Fuͤrchten. Was trinkſt du oft ſtatt ſuͤßer Huldigung Als gift'ge Schmeichelei! O Groͤße, ſieche Und heiß dich deine Ceremonie heilen! Denkſt du, das gluͤhnde Fieber werde gehn Vor Titeln, zugeweht von Schmeicheley? Wird es vielleicht dem tiefen Buͤcken weichen? Steht mit des Bettlers Knie auch ſeine Stuͤrke Dir zu Gebote! Nein, du ſtolzer Traum, Der liſtig ſpielt mit eines Koͤnigs Ruh! Ich, der ichs bin, durchſchau' dich, und ich weiß Es iſt der Balſam nicht, der Ball und Zepter, Das Schwert, der Stab, die Herrſcherkrone, Das eingewirkte Kleid mit Gold und Perlen, Der Titel, ſtrotzend vor dem Koͤnig her, Der Thron, auf dem er ſitzt, des Pompes Flut, Die anſchlaͤgt an den hohen Strand der Welt; Nein, nicht all' dieß, du Prunk der Ceremonie: Nicht alles dieß, auf majeſtaͤt'ſchem Bett, Was ſo geſund ſchlaͤft als der arme Sklav, Sz. 1. Koͤnig Heinrich V. 61 Der mir gefuͤlltem Leib und led'gem Muth Zur Ruh ſich fugt, geſtopft mit ſaurem Brod, Die grauſe Nacht, der Hoͤlle Kind, nie ſieht, Weil er wie ein Trabant von fruͤh bis ſpaͤt Vor Phoͤbus Augen ſchwitzt, die ganze Nacht Dann in Elyſium ſchlaft; am nächſten Tag Von neuem aufſteht mit der Dammerung, Und hilft Hyperion zu ſeinen Pferden. So folgt er dem beſtaͤnd'gen Lauf des Jahrs Mit vortheilhafter Muͤh bis in ſein Grab; Und waͤre Ceremonie nicht, ſo hätte Ein ſolcher Armer, der mit Plackerey Die Tage abrollt, und mit Schlaf die Naͤchte, Vor einem Koͤnig Vorrang und Gewinn. Der Sklav, ein Glied vom Frieden ſeines Landes, Genießt ihn, doch ſein rohes Hirn weiß wenig, Wie wach der Konig iſt zum Schirm des Friedens, Deß Tag' am beſten doch dem Bauer frommen. Erpingham tritt anf.) Prp. Herr, eure Edlen, voller Sorglichkeit Um euer Abſeyn, ſuchen euch im Lager. . N R. Seinr. Mein guter alter Ritter, rufe ſie Bey meinen Zelt zuſammen; ich will dort Noch vor dir ſeyn.. Erp. Ich werd' es thun, mein Fuͤrſt. (ab.) R. Zeinr. O Gott der Schlachten! ſtaͤhle meine Kriee er, Erfull ſie nicht mit Furcht, nimm ni nun 3 Den Sinn des Rechnens, wenn der Gegner Zahl Sie um ihr Herz bringt.— Heute nicht, o Herr, D heute nicht/ gedenke meines Vaters Vergehn mir nicht, als er die Kron⸗ ergrifft Ich habe Richards Leiche neu beerdigt, ind mehr zerknirſchte Thraͤnen ihr geweiht, Als Tropfen Bluts gewaltſam ihr entfloſſen. Fuͤnfhundert Armen geb' ich Jahresgeld, S Die zweymal Tags die welken Haͤnd' erheben Zum Himmel, um die Blutſchuld zu verzeihn; Auch zwey Kapellen hab ich auferbaut, Wo ernſte feyerliche Prieſter ſingen Für Richards Seelenruh. Mehr will ich thun, och alles was ich thun kann, iſt nichts werth, 62 Koͤnig Heinrich V. A. IV. Weil meine Reue noch nach allem kommt, Verzeihung flehend. (Gloſter tritt auf.) Gloſt. Mein Fuͤrſt? R. Heinr. Die Stimme meines Bruders Gloſter.— Ja. Ich weiß die Botſchaft, ich begleite dich, Der Tag, die Freund' und alles harrt auf mich. (Beyde ab.) 8 6 Das Franzoͤſiſche Lager. Der Dauphin, Orleans, Rambures und Andre treten guf.) orl. Der Sonnenſchein vergoldet unſre Waffen; Wohlauf, ihr Herrn! Dauph. Montez à cheval! Mein Pferd! valet! laquai! ha. orl. O wackrer Muth! Dauph. Via! les eaux et la terre— Orl. Pt puis? J'air et le feu— Dauph. Ciel! Vetter Orleans! (Der Connetable tritt auf.) Nun, Herr Connetable? Conn. Horch, wie die Roſſe wiehern auf den Sprung! Dauph. Beſteigt ſie, und zerſchneidet ihre Haut, 3 Daß ihr heiß Blut in Feindes Augen ſpritze, Und löſche ſie mit uͤberfluͤß'gem Muth. Ramb. Wie? ſoll er Blut von unſern Pferden weinen? Wie ſaͤh man ſeine eignen Thraͤnen denn? (Ein Bote tritt auf.) Bote. Die Feinde ſtehn in Reihn, ihr Fraͤnk ſchen Pairs! Conn. Zu Pferd, ihr wackern Prinzen! Fluchs zu Pferd! Seht nur die hungrige und arme Schaar, Eu'r ſchoͤner Schein ſaugt ihre Seelen weg. Und läßt von Maͤnnern ihnen nur die Huͤlſen. Für unſre Haͤnd' iſt nicht genug zu thun, Faum Bluts genug in ihren kranken Adern Sz. 2. König Heinrich V. 63 Um jeden nackten Saͤbel zu beflecken, Den unſte Fraͤnkſchen Braven heute iehn, Und weil's an Beute fehlt, einſtecken werden. Laßt uns nur auf ſie auchen, und es ſtuͤrzt Der Dunſt von unſrer Tapferkeit ſie um. Si ausgemacht ohn' alle Frage, Herrn, Daß unſer uͤberfluͤß'ger Troß und Bauern, Die, unnätz t aͤtig, unſre Schlachtgeſchwader Umſchwarmen, gnuͤgen wuͤrden, dieſes Feld on ſolchem jämmerlichen Feind zu ſäubern, Wenn wir auch auf des Berges Grund be an Zu muͤß'gem Zuſchaun Poſten faſſen wollten, Was Ehre nicht erlaubt. Was ſoll ich ſagen? Ein kleines, kleines wenig laßt uns thun, Und alles iſt gethun. Laßt die Trompeten, Daß aufgeſeſſen werde, luſtig blaſen; enn unſer Nahn ſoll ſo das Feld erſchrecken, Daß England ſich in Furcht ſoll niederſtrecken. Grandprs tritt auf.) „ Grandp. Was wartet ihr ſo lang, ihr Fraͤnk ſchen Edlen? Die Inſel⸗Aeſer dort, an ihrer ß Verzweifelnd, ſtehn dem Felde ſcheußlich an; Die lump'gen Fahnen aͤngen aͤrmlich los, Und hoͤhnend ſchuͤttelt unſre Luft ſie durch. Mars ſcheint bankrott in ihrem Bettelheer, no blickt nur matt durch roſtige Viſire. Die Reiter ſcheinen aufgeſteckte Leuchter Mit Kerzen in der Hand; es haͤngt der Kopf, Und ſchlottert Huͤft' und Haut den armen Maͤhren, Aus den erſtorbnen Augen thränt der S leim, Und in den bleichen ſchlaffen Maͤulern liegt biß, von dem zerkauten Graſe Beſchmutzet, ruhig und bewegungslos. nd ihre Henker fliegen über ihnen, Die frechen Kraͤhn, die Stunde kaum erwartend. eſchreibung kann ſich nicht in Worte fuͤgen, as Leben ſolcher Schlachtordnung zu ſchildern, Im Leben leblos! wie ſie ſelbſt ſich zeigt. Conn. Sie haben ihr Gebet ſ on hergeſagt Und ſind zum Tod bereit. ſon hergeſige Dauph. Sagt, ſoll'n wir ihnen Koſt und friſ e Kleider Und Fůͤttrung fuͤr die magern Pferde ſene 3 Und dann mit ihnen fechten? 64 König Heinrich V. A. W. Conn. Ich wart' auf meine Wacht nurz fort, in's Feld! Ich nehme ner Trompet' ihr Faͤhnlein ab, üind brauch's in meiner Eil. Kommt, macht euch aufl Die Sonn iſt hoch, verſaͤumt nicht ihren Lauf. Dritte Szene. Das Engliſche Lager. (Engliſche Truppen, Gloſter, Bedford, Exeter, Salis⸗ bury und Weſtmoreland.) Gloſt. Wo iſt der Koͤnig? Bedf. Er ritt hinaus, die Schlachtordnung zu ſehn. weſtm. Sie haben volle ſechzigtauſend Streiter. Epet. Fuͤnf gegen einen, auch ſind alle friſch. Sal. Gott ſey mit uns! Die Uehermacht iſt ſchrecklich. Lebt, Prinzen, wohl! Ich will an meinen Poſten. Wenn wir im Himmel erſt uns wieder treffen, Dann, freudevoll,— mein edler Herr von Bedford, Ihr theuren Herrn von Gloſter und von Exeter, Und liebſter Vetter,— lebt, ihr Krieger, wohl! Bedf. Fahr wohl, Salisbury! und ſey Heil mit dir! zpet. Leb wohl, du biedrer Lord, ſicht heute tapfer: Doch thu' ich Schmach dir, dich daran zu mahnen; Du hegſt den aͤchten Kern der Tapferkeit. (Salisbury ab.) Bedf. Er iſt ſo voll von Tapferkeit als Guͤte, In beyden fuͤrſtlich. . Weſtm. O haͤtten wir nun hier Nur Ein Zehntauſend von dem Volk in England, Das heut' ohn' Arbeit iſt! R. Feinr. Wer wuͤnſchte ſo? Jum Tode auserſehn, ſind wir genug Zu unſers Land's Verluſt; und wenn wir leben, Ze klein're Zahl, je groͤßres Ehrentheil. Wie Gott will! Wuͤnſche nur nicht einen mehr. Beym Zeus, ich habe keine Gier nach Gold, Noch frag' ich, wer auf meine Koſten lebt, Mein Vetter Weſtmoreland?— Nein, beſter Vetter! 2 (Gönig Heinrich tritt auf.) „ — Mich Mein Doch in i Nein, en Nicht Sz. 3. Koͤnig Heinrich V. kränkt's nicht, wenn ſie meine Kleider tragen; Sinn ſteht nicht auf ſolche aͤußre Dinge; wenn es Suͤnde iſt, nach Ehre geizen, ch das ſchuldigſte Gemuͤth, das ſebe Vetter, wünſche keinen Mann von England: Gott! ich geb“ um meine beſte Hoffnung ſo viel Ehre weg, als Ein Mann mehr Mir wuͤrd' entziehn. H wuͤnſch nicht Einen mehr! Ruf lieber aus im Heere, Weſtmoreland, Daß urh ſtecke Reiſegeld in ſeinen Beutel: eder, der nicht Luſt zu fechten hat, inziehn mag; man ſtell ihm ſeinen Paß, Wir wollen nicht in deß Geſellſchaft ſterben, Der die Gemeinſchat ſcheut mit unſerm Tod. heutge Tag heißt Crispianus Feſt; Der, ſo ihn ͤberſebt, und heim gelangt, ird auf dem Sprung ſtehn, nennt man bieſen Tag, Und ſich beym Namen Crispianus ruͤhren. eut' am Leben bleiöt und kommt zu Jahren, Der giebt ein Feſt am heil'gen Abend jaͤhrlich, Und ſa gt: Auf Morgen iſt Sankt Crispian; Streift dann die Aermel auf, zeigt ſeine Narben, Und ſagt: An Crispins Tag empfing ich die. Die Aſten ſind vergeßlich; doch wenn alles Vergeſſen iſt, wird er ſich noch erinnern Mit manchem Zuſatz, was er an dem Tag S Stucke that; daun werden unſre Namen, Belauß Heinrich 9 ſeinem Mund wie Alltagsworte: h der Koͤnig, Bedford, Ereter, Warwick und Talbot, alisbury und Gloſter, 3 Uns wen'ge, uns beglucktes Haͤuiflein Bruͤder: Denn welcher heut ſein Blut mit mir vergießt. er wi Verfluchen einſt, daß ſie nicht hier geweſen, nd we Der mi rd mein Bruder; ſeh er noch ſo niedrig, rden kleinlaut, wenn nur jemand ſpricht, t uns focht am Sankt Crispinus Tag. Salisbury triet auf.) n. 6 66 Koͤnig Heinrich V. A.1 Salisb. Mein gnaͤd'ger Fuͤrſt, bereitet euch in Eil, Schon ſtehn die Franken ſtattlich in den Reihen, Und werden ſchleunigſt ihren Angriff thun. R. Feinr. Iſt unſer Muth bereit, ſo iſt es alles. weſim. Verderbe der, deß Muth dahinten bleibt. R. Zeinr. Ihr wuͤnſcht von England nicht mehr Huͤlfe, ² Vetter? weſtm. Herr, wollte Gott, daß ihr und ich allein Ohn' andre Huͤlfe fochten dieſe Schlacht. R. Zeinr. Du haſt fuͤnftauſend nun herabgewuͤnſcht, Was beſſer mir gefaͤllt als einen wuͤnſchen.— Gott mit euch allen! Eure Poſten kennt ihr. (Trompeten. Montijoye tritt auf.) montj. Noch einmal ſoll ich hoͤren, Koͤnig Heinrich, Ob du dich willſt vergleichen um die Loſung, Vor deinem hoͤchſt unzweifelbaren Fall; Denn ſcherlich, du biſt dem Schlund ſo nah, Du mußt verſchlungen werden. Ueberdieß Erſucht aus Mitleid dich der Connetable, 3 Dein Volk an Reu' zu mahnen, daß die Seelen In Frieden moͤgen ſcheiden und zum Heil Von dieſen Feldern, wo die armen Leiber Verweſen muͤſſen. R. einr. Wer ſendet dich? montj. Der Connetable Frankreichs. k. Zeinr. Ich bitt' dich, nimm den vorigen Beſcheid WMit dir zuruͤck: heiß ſie mich erſt bezwingen, Dann mein Gebein verhandeln. Guter Gott! Warum ſie arme Leute doch ſo hoͤhnen? Der Mann, der einſt des Loͤwen Haut verkauft, Da er noch lebte, kam beym Jagen um. Es finden ſicher unſrer Leiber viel Hier ein naturlich Grab, worauf, ſo hoff ich, In Erz ein Zeugniß dieſes Tags wird leben. Denn, die ihr ſtark Gebein in Frankreich laſſen, Wie Maͤnner int werden hoch beruͤhmt, Obſchon in euren Haufen Koth begraben. Denn grüßen wird die Sonne nun ſie dort, Und ihre Ehren dampfend ziehn zum Himmel, Indeß ihr irdiſch Theil die Luft erſtickt, did ſein Geruch in Frankreich Peſt erzeugt. Merkt denn das Uebermaß der Tapferkeit Sz 3. Koͤnig Hein rich V. 67 An unſern Engliſchen, daß ſie, ſchon todt, o wie das Streifen der Kanonenkugel, Ausbrechen zu des Unheils zweytem Lauf, Im Ruͤckſprung ihrer Sterblichkeit noch tödtend. aßt ſtolz mich reden⸗ Sagt dem Connetable, ir ſind nur Krieger fuͤr den Werkeltag, All' unſte Feſtlichkeit und Zier beſchmitzt Mit naſſen Maͤrſchen im mähſelgen Feld; Kein Stuͤckchen Feder iſt in unſerm Heer, eweis genug, daß wir euch nicht entfliegen) Die Zeit hat unſre Sauberkeit vernutzt, Doch unſre Herzen ſind, beym Himmel, ſchmuck, nd meine armen Leute ſagen mir, ie ſeyn vor Nachts gewiß in friſchen Kleidern, onſt wollen ſie den Fraͤnkiſchen Soldaten Kopfuͤber ziehn die neuen bunten Roͤcke, lnd aus dem Dienſt ſie jagen. Thun ſie das, Sch hoffs zu Gott) ſo iſt auch meine Loͤſung Bald aufgebracht. Herold ſpar“ deine Muͤh; Komm di nicht mehr um Löſung, ſicber Herold; Ich gebe, ſchwoͤr⸗ ich, keine andre nicht, ls dieſe meine Glieder, die ich ihnen Erſt ſo zu laſſen denke, daß ſie wenig Dran haben! ſag' dem Connetable das! Montj. Das werd' ich, Koͤnig Heinrich. So leb wohl. Du horeſt nimmer nun den Herold mehr. b.) a R. Heinr. Du kommſt, beſorg' ich, noch um Loͤſung (Serzog von ork tritt auf.) Pork. Herr, unterthaͤnig bitt' ich auf den Knie'n um Anfuͤhrung des Vortrabs.. R. Heinr. Wohl, braver York! Soldaten auf in's Feld! Und ordne, Gott, den Tag, wie dir's gefällt! (Ale ab.) Koͤnig Heinrich V. Vierte Szene. as Schlachtfeld. 6 (getůmmel. Angriffe. Ein franzoſiſcher Soldat, P iſt ol a und der Bu vſch kommen.) Fr. Sold. Je pense que vous étes un gentilhom me de honne qualité. piſt. Kalitte, nennſt du mich! Erläͤntre mir: biſt du ein Edelmann? Was iſt dein Nam'? Erkläre! Fr. Sold. O seigneur Dien! piſt. O, Signor Dj muß wohl von Adel ſeyn; Erwaͤg' mein Wort, o Signor Dis, und merk': H Signor Djoͤ, du mußt die Klinge ſpringen, Wofern du, o Signor, nicht große Loͤſung Mir geben willſt. 8 Fr. Sold. Misérieorde! prenez pitié de moi! ne me tüen point! piſi. Ein Pfund! Ich will der Pfunde vierzig haben. Das Zwergfe ll hol' ich dir zur Kehl' heraus Fo Tropfen rothen Bluts. 2 Fr. Sold. Est il impossible d'échapper à la force de votre bras? Ah, dégagez le de ma gorge! Nallez pas me la vouper! piſt. Was? Kupfer, Hund? Verdammte geile Gemſe, bieteſt dn WMir Kupfer an? Fr. Sold. Point de Pardon? piſt. Das laſſ ich gelten; ein Paar Tonnen Pfunde. Hieher komm, Burſch, befrag den Sklaven da Mir auf Franzöſiſch, wie ſein Name heißt. urſch. Ecoutez: comment vous appellez vous? Fr. Sold. Monsieur le Fer. Burſch⸗ Er ſagt, ſein Name ſey Herr Fer. Piſt. Herr Fer! Ich will ihn beferren, und pferchen und ferkeln; S ihm ſelbiges auf Franzoſiſch. Burſch. Ich weiß das Franzoͤſiſche nicht fuͤr beferren und pferchen und ferkeln⸗ öſſch e — Sz. 4. Koͤnig Beinrich v. Piſt. Heiß ihn bereit ſeyn, weil ich ihm die Kehle abſchneiden will. 3 Fr. Sold. Oue dit 1l, Moisteur? Burſch. L m'ordopne de Vous dire, que vous Vous teniez prét, car(ce soldat ici est dispost tout à T'heurg à vous ouper la gorge. Piſt. Oui onper gorge, par ma foi, du Knecht, Wo du nicht Kronen, brabe Kronen giebſt. So ſoll mein Schwert dich in die Pfanne hau'n. Fr. Sold. je vous supplie pour l'amour de ien, Pardonnez mi J6 ri geutil-homme d'une bonne maison; epargnez ma vie, et e vous donnerai deux cents 6cus. Piſt. Was iſt ſein Wort? Burſch. Er bittet euch, ihm das Leben zu ſchenken; er ſey ein Edelmann von gutem Hauſe, und wolle euch als ſein Loͤſegeld zweyhundert Kronen geben. Piſt. Sag⸗ ihm, daß nachläßt meine Wuth, und ich Die Kronen nehmen will. Fr. Sold. Petit monsieur, que dit il5 de vous mettre en Eberté. F. Sold. Zur nes genoux jo vous rends mille remereimens, et je mestime heureux d'etre tomhe entre les mains d'un chevalier, qui est, je pense, 1o seigneur de Angleterre le plus distingus Poursa valeur. Piſt. Erklaͤr mir, Burſch. Burſch. Er dankt euch tauſendmal auf ſeinen Knſeen, und ſchätzt ſich gluͤcklich, in die Haͤnde eines Kavaliers gefallen zu ſehn, der, wie er denkt, der autgezeichnetſte Herr in. England von Seiten der Tapferkeit iſt. ePiſt. Wie Blut ich ſaug', ich will barmherzig ſeyn. Folg mir, dir Hund. Burſch. Sutres 16 grand Capitalne. (Franzöſiſcher Soldat ab.) Noch ni habe ich geſehen, daß eine ſo volle Stimime ats 7⁰ Koͤnig Heinrich V. A. IV. einem ſo leeren Herzen gekommen waͤre; aber der Spruch iſt wahr: hohle Toͤpfe haben den lauteſten Klang⸗ Bar⸗ dolph und Nhm hatten zehnmal mehr Herz, als dieſer hruͤllende Teufel aus der alten Komödie, dem jedermann die Nägel mit einer holzernen Pritſche verſchneiden koͤnnte, und doch ſind ſie beyde aufgehaͤngt; und das widovfuͤhre ihm auch, wenn er irgend was dreiſt zu ſtehlen wagte. Ich muß bey den Troßbuben, beym Gepaͤck unſers Lagers dleiben; der Franzoſe koͤnnte eine gute Beute haben, wenn er es wuͤßte; es ſind nichts wie Jungen da, um es zu bewachen. (ab.) Foünnf tu eb Shen e⸗ Ein andrer Theil des Schlachtfeldes⸗ (Getuͤmmel. Der Dauphin, Orleans, Bourbon, der Conn table, Rambures und Andre treten auf.) Conn. O diable! orl. O seigneur! La journée est perdue, tout est perdu! Dauph. Mort de ma vie! Dahin iſt alles, alles! Verachtung ſitzt und ew'ge Schande hoͤhnend In unſern Federbuͤſchen— O méchante fortune! (Ein kurzes Getuͤmmel.) Lauft nicht davon. Conn. Ja, alle unſre Reihen ſind gebrochen. Dauph. O ſtete Schmach!— Entleiben wir uns ſelbſt! Sind dieß die Elenden, die wir verwuͤrfelt? orl. Der Koͤnig, dem wir Loſung abgefordert?! Bourb. O Schand' und ew'ge Schande, nichts als Schande! Laßt uns nicht ſierben drin! Noch mal zuruͤck! Und wer jetzt nicht dem Bourbon folgen will, Der geh' von hier, und in der Hand die Mütze, Halt er die Kammerthuͤr, ein ſchnoder Kuppler, 3 ein Sklav', nicht edler als mein Hund, ie ſchoͤnſte Tochter ihm entehrend ſchwaͤcht. — — Sz. 6. Koͤnig Heinrich V. 74 Conn. Nun helf' uns Unordnung, die uns verdarb! Laßt dieſen Engliſchen in Haufen uns Das Leben bieten, oder ruͤhmlich Kerben. 6 Orl. Es jeben unſer noch genug im Feld, Um im Gedraͤng' die Feinde zu erſticken. Wenn irgend nur ſich Ordnung halten ließ. Bourb. Zum Teufel nun die Ordnuna! Ins Gedraͤnge, Und kurzt die Schande mit des Lebens Länge! 1 ab.) S h ſt. S 3„ Ein andrer Theil des Schlachtfeldes. (Getummel. Koͤnig Hein rich mit Fruppen, Ereter und Andre treten auf.) R. Seinr. Wir thaten brav, mein dreymal tapfres Volk, Doch alles nicht: der Feind haͤlt noch das Feld. 9) Exet. Der Herzog York empfiehlt ſich Eurer Majeſtat. R. Zeind. Lebt er, mein Oheim? Dreymal, dieſe Stunde, Sah ich ihn fallen; dreymal auf, und Fechten; Vom Helm zum Sporne war er nichts als Blut.. Exet. In dieſem Schmuck verbraͤmt der wackre Krieger Den Plan nun, und an ſeiner blut'gen Seite, Der ehrenreichen Wunden Mitgenoß, Liegt da der edle Graf von Suffolk auch. rn Suffolk ſtarb erſt, und York, zerſtuͤmmelt ganz, Kommt zu ihm, wo er lag in Blut getaucht, Und faßt ihn bey dem Barte, kuͤßt die Schrammen, Die blutig gaͤhnten in ſein Angeſicht, Und rufet jaut:„Wart, lieber Verter Suffolk! Mein Geiſt begleite deinen Geiſt zum Himmel! art, holde Seel“, auf meine, daß wir dann Gepaarten Flugs entfliehn, wie wir uns hier Auf ruͤhmlichem und wohlerſtrittnen Feld unſter Ritterſchaft zuſammen hielten.“ ey Er laͤchelte mir zu, bot mir die Hand, Und matt ſie druͤckend, ſagt' er: Theurer Lord, mpfehlet meine Dienſte meinem Herrn. So wandt' er ſich, und uͤber Suffolks Nacken arf er den wunsen Arm, kuͤßt ihm die Lippen, ——= S EA„ E ——— 72 Koͤnig Heinrich V. A. IV. Und ſiegelte, dem Tod vermaͤhlt, mit Blut eſtament der ſchoͤn beſchloßnen Liebe. ie ſuͤße und holdſel'ge Weiſ' erzwang Von mir dieß Waſſer, das ich hemmen wollte, Doch hatt' ich nicht ſo viel vom Mann in mir, 1 Daß meine ganze Mutter nicht ins Auge Mir kam, und mich den Thraͤnen uͤbergab. R. weinr. Ich tadl' euch nicht, denn da ich dieſes hoͤre Muß ich mit truben Augen ab mich finden, Sonſt fließen ſie auch mir.— Doch horcht! was iſt das fuͤr ein neu Getümmel? Der Feind hat ſein zerſtreutes Volk verſtärkt: So toͤdte jeder ſeinen Kriegsgefangnen, Gebt weiter den Befehl. (Alle ab.) S i benteS zene Ein andrer Theil des Schlachtfeldes. (Getuͤmmel. Fluellen und Gower treten auf.) uel. Die Puben und den Troß umbringen! S iſt ausdruͤcklich gegen das Kriegsrecht,'s iſt ein ſo ausge⸗ machtes Stuͤck Schelmerey, verſteht ihr mich, als in der 8 Welt nur vorkommen kann. Iſt es nicht ſo, auf ener Gewiſſen? Gow. Es iſt gewiß, ſie haben keinen Buben am Le⸗ ben gelaſſen, und eben die feigen Hunde, die aus der Schlacht wegliefen, haben die Metzelei angerichtet; außer⸗ dem haben ſie alles verbrannt und weggeſchleppt, was in des Koͤnigs Zelt war, weswegen der Koͤnig verdienter Maßen jeden Soldaten ſeinem Gefangenen die Kehle hat abſchneiden laſſen. O er iſt ein wackrer Koͤnig! Fluel. Ja, er iſt zu Monmouth gepohren. Capitain Gower. Wie benennt ihr den Namen der Stadt, wo Alexander der preite gepohren iſt? Gow. Alexander der große. Fluel. Ey, ich bitte euch, iſt preit nicht groß? Der preite, oder der große, oder der ſtarke, oder der gewal⸗ tige, oder der heldenmuͤthige, thun alle auf eins hinaus⸗ laufen, außer daß die Redensart ein wenig veraͤndert ſeyn⸗ Gow. Ich denke Alexander der große iſt in Macedo⸗ v Sz. 7. Koͤnig Heinrich V. 73 nien gebohrens ſein Vater wat Philipp von Macedonien genannt, wo mir recht iſt. „ Fluel. Ja, ich benke es iſt in Maecbonien, wo Aler⸗ ander gepohren iſt. Ich ſage euch, Capitän, wenn ihr in die Karten der Welt hineinſeht, ſo ſtehe ich dafuͤr, ihr werdet bey den Vergleichungen zwiſchen Macedonien und Monmouth finden, daß die Lagen, verſteht ihr, von bey⸗ den gleich ſeyn. Es befindet ſich ein Fluß in Mackedo⸗ nien, und es befindet ſich gleichfalls außerdem ein Fluß zu Monmonth. Zu Monmonth heißt er Wye; aber es will mir nicht in den Kopf fallen, wie der Name des andern Fluſſes iſt; aber es kommt auf eins heraus, es iſt ſich ſo gleich wie dieſe meine Finger meinen Fingern, und es geben Lachſe in beyden. Wenn ihr Alexanders Leben wohl beachtet, ſo that das Leben Heinrichs von Monmonth ziemlich gut hinterdrein kommen; denn in ollen Dingen ſeyn Figuren. Alerander hat(wie Gott weiß und ihr wißt) in ſeinem Zorn und ſeiner Wut und ſeinem Grimm und ſeiner Galle und ſeinen Launen und ſeinen Unwilligkeiten und Entrüſtungen, und. auch weil er ein wenig im Kopfe benebelt war, in ſeinen Biergelagen und ſeinem Aerger, ſeht ihr, ſeinen beſten Freund Ciytus umgepracht. 3 Gow. Darin iſt ihm unſer Koͤnig nicht aͤhnlich, er hat noch nie einen von ſeinen Freunben umgebracht. Fluel. Es iſt nicht wohlgethan, verſteht ihr mich, einem die Geſchichte aus dem Munde zu nehmen, ehe ſie zu Ende gebracht und vollkonnunen ſehn. Ich rede nür in den Figuten und Vergleichungen deſſelbigen; wie Ale⸗ xander ſeinen Freund Clytus unprachte, während er bey ſeinen Biergelagen und ſeinen Kruͤgen war; ſo ebenfalls Heinrich Monmonth, waͤhrend er bei gutem Verſtande und geſunden Si nelt war, that er den fetten Rirter mit dem großen Bauchwamſe abſchaffen; er war voller Späße und Kniffe und Poſſen: ſein Name iſt mir vergeſſen. Gow. Sir John Falſtaff. Fluel. Das iſt er. Ich kann euch ſagen, es werden prafe Leute zu Monmouth gepohren. Gow. Da kommt ſeine Majeſtät. (Getümmel. Koͤnig Heinrich mit einem Theil der Engliſchen Truppen, Warwick, Gloſter, Exeter und Andre treten auf.) 74 Koͤnig Heinrich V. A. 1V. R. weinv. Seit ich nach Frankreich kam, war ich . nicht zornig, Pis eben jetzt.— Nimm die Trompete, Herold! Jag' zu den Reitern auf dem Huͤgel dort: Wofern ſie mit uns fechten wollen, heiß Herab ſie ziehn, wo nicht, das Schlachtfeld räumen; Sie ſind mit ihrem Anblick uns zur Laſt. Thun ſie von beyden keins, ſo kommen wir Und ſtäuben ſie da weg, ſo raſch wie Steine, Geſchnellt aus den Aſſyr'ſchen alten Schleudern⸗ Auch wollen wir erwuͤrgen, die wir haben, Und nicht ein Mann, der in die Händ' uns fallt, Soll Gnad' erfahren— Geht, ſagt ihnen das⸗ (Montjoye tritt auf.) epet. Hier kommt der Herold der Franzoſen, Herr⸗ Gloſt. Sein Blick iſt demuthsvoller als er pflegte⸗ R. Heinr. Nun, was will dieſer elo Weißt du S5 nicht, Daß ich dieß mein Gebein zur Löſung bot? Kommſt du um Loͤſung noch? montj. Nein, großer Koͤnig. Ich komm' zu dir um milde Zulaſſung, Daß wir dieß blut'ge Feld durchwandern duͤrfen, Die Todten zu verzeichnen und begraben,* Die Edlen vom gemeinen Volk zu ſondern; Denn(o des Wehs) viel unſrer Prinzen liegen Erſaͤuft und eingeweicht in Soͤldner⸗Blut, So taucht auch unſer Poͤbel rohe Glieder In Prinzenblut, und ihre wunden Roſſe, Bis an die Ferſenbuͤſchel watend, toben Und ſchmeißen wuͤthend mit bewehrten Hufen Auf ihre todten Herrn, zum zweytenmal Sie tödtend. O vergoͤnnt uns, großer Koͤnig, Daß wir das Feld in Ruh beſchaun, und ordnen Die Leichen an. . weinr. Ich weiß in Wahrheit, Herold, Nicht recht, ob unſer oder nicht der Sieg, Denn eurer Reiter zeigen ſich noch viel⸗ Und ſprengen durch das Feld. montj. Der Sieg iſt euer. R. Heinr. Gelobt ſey Gott, nicht unſre Kraft dafuͤr! Wie heißt die Burg, bie dicht hier neben ſteht? montj. Man nennt ſie Agincourt. — —— S7 Koͤnig Heinrich W. 75 „. Beinr. So heiße dieß die Schlacht bei Agincoutt, Am Tag Crispinus Crispians gefochten. Fluel. Euer Großvater beruͤhmten Andenkens, mit Euer Majeſtät Erlaubniß, und Euer Groß⸗ Oheim Edu⸗ ard, der ſchwarze Prinz von Wales, wie ich in den Chroniken geleſen habe, fochten hier'in Frankreich eine ſehr prafe Schlacht. R. Zeinr. Das thaten ſie, Fluellen. Fluel. Eure Majeſtaͤt ſagt ſehr wahr; wenn Eure Majeſtät deſſen erinnerlich ſeyn, die Wäaͤlſchen thaten guten Dienſt in einem Garten, wo Lauch wuchs, und trugen Lauch auf ihren Monmouther Muͤtzen, welches, wie Eure Majeſtät weiß, bis auf dieſe Stunde ein ehren⸗ volles Feldzeichen iſt, und ich glaube, Eure Majeſtaͤt ver⸗ ſchmaͤhn es nicht, das Lauch auf Sankt Davids⸗Tag zu tragen. R. Heinr. Ich trag“ es als denkwuͤrd'ges Ehren eichen; Denn ich bin Wälſch, ihr wißt es„guter Fluel. Alles Waſſer im Fluſſe Wye kann Euer Maje⸗ ſtaͤt Walſches Plut nicht aus eurem Leibe waſchen, das kann ich euch ſagen. Gott ſegne es und erhalte es ſo lange es ſeiner Gnaden beliebt, und ſeiner Majeſtät obendrein. R. Heinr. Hab' Dank, mein guter Landsmann. Fluel. Bey Jeſus, ich bin Euer Majeſtät Landsmann, ich frage nicht darnach ob es jemand weiß; ich will es der ſämmtlichen Welt bekennen, ich brauche mich Euer Majeſtät nicht zu ſchaͤmen, Gott ſey geprieſen, ſo jange Eure Majeſtaͤt ein ehrlicher Mann ſeyn. R. Heinr. Erhalte Gott mich ſo!— Zuruͤck begleiten Laßt unſre Herold“ ihn, und bringt mir dann Genaue Nachricht von der Todten Zahl Auf beyden Seiten.— Ruft den Kert dort her. (Er zeigt auf Williams. Montjoye und Andre ab.) yet. Soldat, du mußt zum Koͤnige kommen. Williams tritt vor.) R. Heinr. Soldat warum traͤgſt du den andſchu an der Muͤtze? will. Mit Eurer Majeſtat Erlauhniß, iſ das Pfand von einem, mit dem ich mich ſchlagen ſollte, wenn er noch am Leben iſt. R. HZeinr. Ein Englaͤnder?— Koͤnig Heinrich V. A. IV. will. Mit Eurer Majeſtaͤt Erlaubniß, ein Schelm, der mir letzte Nacht was vorſchwadronirte; dem ich, wenn er noch ledt und jemals das Herz hat ſeinen Handſchuh zu fordern, geſchworen habe, ich wollte ihm eine Ohrfeige geben; oder wenn ich meinen Handſchuh an ſeiner Muͤtze zu ſehen kriege(und er ſchwur, ſo wahr er ein Soldat waͤre, er wollte ihn tragen, wenn er am Leben bliebe,) ſo will ich ihn ihm tuͤchtig herunter ſchlagen. R. Zeinr. Was denkt ihr, Capitän Fluellen: ſchickt's ſich, daß ein Soldat ſeinen Schwur haͤlt., Fluel. Nach meinem Gewiſſen iſt er ſonſt eine Memme und ein Hundsfott, mit Euer Majeſtaͤt Erlaubniß. R. Zeinr. Es koͤnnte aber ſeyn, daß ſein Feind ein vornehmer Edelmann waͤre, ganz daruͤber hinaus, ſich mit einem ſeines Standes einzulaſſen. Fluel. Wenn er auch ſo ein guter Edelmann, wie der Teufel iſt, wie Lucifer und Belzebub ſelbſt, ſo iſt es doch nothwendig, ſchauen Euer Gnaden, daß er ſeinen Schwur und ſeinen Eid hält. Wenn er wortbruͤchig iſt, ſeht nur an, ſo iſt ſeine Reputation ein ſo ausgemachter Hundsfott und Hanswurſt, als jemals mit ſeinen ſchwarzen Schu⸗ hen auf Gottes Grund und Boden getreten hat, nach meinem Gewiſſen, ſeht ihr. R. Heinr. So halte deinen Schwur, Burſche, wenn du den Kerl antriffſt. will. Das will ich, gnädigſter Herr, wo ich das Le⸗ ben behalte. k. Heinr. Unter wem dienſt du? Will. Unter Capitaͤn Gower, gnaͤdigſter Herr. Fluel. Gower ſeyn ein guter Capitaͤn, und von guker Wiſſenſchaſt und Litteratur in dem Kriegsweſen. R. HZeinr. Ruf ihn her zu mir, Soldat. will. Das will ich, gnaͤdigſter Herr. 6 ab.) R. Zeinr. Hier, Fiuellen, trage du dieß Ehrenzeichen von mir, und ſteck' es an deine Muͤtze. Als Alencon und ich zuſammen am Boden lagen, riß ich dieſen Hand⸗ ſchuh von ſeinem Helm; wenn irgend jemand ihn zuruͤck⸗ fodert, ſo iſt er ein Freund Alencons und ein Feind un⸗ ſerer Perſon; wenn du ſo einem begegneſt, ſo greife ihn, wenn du mich liebſt. Folgt ihm, un 6 2 2 Ich erſuche euch nun, kommt ſch leunig zum Koͤnige; es ſteht euch vielmehr Gut 2 chaft iſt, euch traͤumen Sz. S. Koͤnig Heinrich V. 77 Fluel. Eure Gnaden thun mir ſo große Ehre an, als in dem Herzen ſeiner Unterthanen begehrt werden kann. Ich moͤchte gern den Menſchen ſehn, der nur zwey Beine hat, der ſich durch dieſen Handſchuh beleidigt finden wird, das iſt alles; aber ich moͤchte es gern einmal ſehen, und es gefalle Gott in ſeiner Gnade, daß ich es doch ſehen moͤchte. F. K. Zeinr. Kennſt du Gower? Fluel. Zu eurem Befehl, er iſt mein werther Freund. B. Zeinr. Ich bitte dich, geh ihn ſuchen, und bring ihn zu meinem Zelte. Fluel. Ich will ihn holen. (45) R. Heinr. Mylord von Warwick it mein Bruder Folgt dem Fluellen auf den Ferſen nach. 8 Der Handſchuh, den ich ihm als Ehrenzeichen jegeben, trägt vielleicht ihm eine Maulſchell⸗ ein; Er iſt von dein Soldaten, nach dem Handel Sollt' ich ihn ſelber tragen. Folgt ihm, Vetter; Wenm der Soldat ihn ſchlaͤgt „— und wie ich ſchließe Nach ſeinem plumpen Weſen, haͤlt er So koͤnnt' ein ploͤtzlich Unheil draus Denn den Fiuellen Wenn man die Gall' ihm keizt, wie P Und ſchnell Beleidigunger Wort,— entſtehn; kenn ich als beherzt, ulver hitzig, zu erwiedern. d ſeht, daß ſie kein Leid ſich thun.— (Alle ab.) Achte Szene. Vor König Heinrichs 3 bte. (Gower und Williams treten auf.) Will. Glaubt n mir, es geſchieht um euch zum Ritter zu ſchlagen Capitän. ſhe ch 3 Fluellen kommt. Fluel. Gottes Willen und Wohlgefallen, Eanhn es bevor, als in eurer Wiſſen⸗ zu laſſen. il. Herr, kennt ihr dieſen Handſchuh? . 78 Koͤnig Heinrich V. A. IV. Fruel. Oö ich ihn kenne? Ich weiß, daß der Hand⸗ ſchuh ein Handſchuh iſt. will. Den da kenne ich, und ſo fordre ich ihn zuräck. (ſchlägt ihn.) Fluel. Plitz! ein Erzverraͤther wie irgend einer in der ſämmtlichen Welt, oder in Frankreich, oder in England. Gow. Nun, was ſoll das, du Schurke? 5. will. Denkt ihr, daß ich meinen Eid brechen will? Fluel. Tretet zuruͤck, Capitän Gower, ich will der Verraͤtherey ſeinen Lohn in Schlaͤgen ertheilen, das ver⸗ ſichre ich euch. will. Ich bin kein Verraͤther. Fluel. Das luͤgſt du in deinen Hals hinein.— Ich mahne euch im Nahmen ſeiner Majeſtät, greift ihn, er iſt ein Freund des Herzogs von Alengon. 8(Warwick und Gloſter treten auf.) warw. Nun, nun! Was geht hier vor! 9 Fluel. Mylord von Warwick, hier iſt, Gott ſey Lob und Dank, eine hoͤchſt giftige Verraͤtherey ans Licht ge⸗ kommen, ſeht ihr, wie man ſie nur an hohen Feſttagen verlangen kann. Da kommt ſeine Majeſtat. (König Heinrich und Ereter treten auf.) R. Zeinr. Nun was giebt's hier? Fluel. Mein Koͤnig, hier iſt ein Poͤſewicht und Ver⸗ rather, der, ſchaut Euer Gnaden, den Handſchuh wegge⸗ ſchlagen hat, den Euer Majeſtät von Alensons Helm geriſſen⸗ will. Gnuͤdigſter Herr, es war mein Handſchuh, hier iſt der andre dazu, und der, mit dem ich ihn eingetauſcht hatte, verſprach ihn an ſeiner Muͤtze zu tragen; ich ver⸗ ſprach ihn zu ſchlagen, wenn er das thäte; ich traf dieſen Mann mit meinem Handſchuh an ſeiner Muͤtze, und ich habe mein Wort gehalten. 1 Fluel. Euer Majeſtat hoͤren nun, mit allem Reſpekt vor dero Mannhaftigkeit, was fuͤr ein erzſchuftiger, jum⸗ piger, lauſiger Spitbube es iſt. Ich hoffe, Eure Maje⸗ ſtät werden mir bezengen! als auch verbürgen und beur⸗ kunden, daß dieß der Handſchuh vom Alengon iſt, den Eure Majeſtät mir geben that, nach eurem feſten Gewiſſen. R. Zeinr. Gieb mir deinen Handſchuh, Soldat; ſieh hier iſt der andre dazu⸗ Ich war es eigentlich, den du Sz. 8. Koͤnig Heinrich V. 79 zu ſchlagen verſpracheſt, und du baſt mir ſehr ſchnoͤde Re⸗ den gegeben. 5 Fluel. Eure Maſeſtaͤt beliebe, ihn mit ſeinem Halſe dafür einſtehen zu laſſen, wo es irgend ein militaͤriſches eſetz in der Welt giebt. ₰ R. weinr. Wie kannſt du mir Genugthuung ſchafſen? Will. Alle Beleidigungen, gnaͤdigſter Herr, kommen vom Herzen; aus dem meinigen kam nie etwas, das Eure Majeſtät haͤtte beleidigen können. K. Seinr. Wir waren es, dem du uͤbel begegneteſt. will. Eure Majeſtät kam nicht in eigner Geſtalt, ihr erſchient mir nur wie ein gemeiner Menſch; die Nacht, eure Kleidung, euer ſchlichtes Betragen kann es bezeugen; und was Eure Hoheit unter der Geſtalt erlitten, das erſuche ich euch eurer eignen Schuld, nicht der meinigen zuzuſchreiben; denn waret ihr das geweſen, wofür ie) euch nahm, ſo haͤtte ich keinen Fehler begangen; darum bitt' ich Eure Hoheit, verzeiht mir. R. Zeinr. Hier, Oheim, füͤllt den Handſchuh mir mit Kronen, Und gebt dem Burſchen ihn.— Behalt ihn, Burſch, Srag' ihn als Chrenzeichen an der Mutze, is ich ihn fodre.— Gebt die Kronen ihm. Und, Hauptmann, ihr muͤßt euch mit ihm verſoͤhnen. Fluel. Bey dieſem Tageslicht, der Kerl hat Herz Nnug in ſeinem Pauche.— Hier, da habt ihr einet Schilling, und ich bitte euch, ſeyd gottesfuͤrchtig, und hůͤ⸗ ket euch vor Lärm und Gezaͤnk und Palgereyen und Zwi⸗ ſigkeiten, und ich verſichre euch, es wird um deſto beſſer fuͤr euch ſeyn.. will. Ich will euer Geld nicht. Fluel. Es geſchieht mit gutem Wilſen: ſch ſage euch, ihr könnt eure Schuh damit flicken laſſen. Geht, weshalb wollt ihr ſo ploͤde ſeyn? Eure Schuh ſeyn nicht gar zu gut; es iſt ein guter Schilling, ich berſichre 5 ſu will ich ihn euch austauſchen. (Ein Engliſcher Herord tritt auf.) R. Jeinr. Nun, Herold, ſind die Todten gezaͤhlt? Herold. Hier iſt die Anzahl der erſchlagnen Franken. * Cäbergiebt ein Papier.) . Zeinr Was fuͤr Gefangne hohen Ranges, Oheim? gret. Des Koönigs Neffe Carl von Orleans, Johann von Bourbon, Herr von Bonciqualt, Von andern Herrn, Batonen, Rittern, Knappen⸗ An funfzehnhundert, außer den Gemeinen. i R. Beinr. Der Zettel ſagt mir von zehntauſend Franken Erſchlagen auf dem Plas; in dieſer Zahl von Prinzen Und Herrn, die Fahnen fuͤhren, liegen todt* An huͤndert ſechs und zwanzig; außer dieſen Von Rittern, Knappen, wackern Edellenten, Achttauſend und vierhundert, und davon Schlug man fuͤnfhundert geſtern erſt zu Rittern; So daß von den zehntauſend Umgekommnen Rur ſechszehnhundert Söldner ſind: der Reſt Sind Prinzen, Herrn, Barone, Ritter, Knappen, Und Edelleute von Geburt und Rang. Die Namen der gebliebnen Großen ſind: Farl de la Bret, Groß⸗Connetable Frankreichs, Fagues Chatillon, des Reiches Admiral, Der Schuͤtzen Oberhauptmann, Herr Rambures, Großmeiſter Frankreichs, Ritter Guichard Dauphin, Die Herzog' Alencon und von Brabant, Der Bruder von dem Herzog von Burgund, Und Eduard von Bar; von tapfern Grafen, Grandpré und Rouſſt, Fauconberg und Fvoix, Beaumont und Marle, Vaudewont und Leſtrale— O fuͤrſtliche Genoſſenſchaft des Todes! Wo iſt von unſern Todten das Verzeichniß? (Der Herold uͤberreicht einen andern Zettel.) Eduard Herzog von York, der Graf von Suffolk, Sir Zichard Ketly, David Gam Esquire; Von Ramen keine ſonſt', und von den andern Rur fuͤnf und zwanzig. O Gott, dein Arm war hier, Und nicht uns ſelbſt, nur deinem Arme ſchreiben Wir alles zu.— Wann ſah man, ohne Kriegsliſt, Im offnen Stoß und gleichem Spiel der Schlacht Wohl je ſo wenig und ſo viel Verluſt„ Auf ein und andrer Seite!— Nimm es, Gott, Denn dein iſt's einzig. pet. Es iſt wundervoll. k. einr. Kommt, ziehen wir in Proceſſion zum Dorf, Und Tod ſey ausgerufen durch das Heer, Wemn jemand prahlt und Gott die Ehre nimmt, Die einzig ſein iſt. Sz. 8. Koͤnig Heinrich V 81 Fluel. Iſt es nicht rechtmäßig, mit Eurer Majeſtaͤt rlaubniß, zu ſagen, wie viele geblieben ſeyn? R. Feinr. Ja, Hauptmann, doch mit dieſer Anerkennung, k Daß Gott für uns gefochten. Fluel. Ja, auf mein Gewi R. Zeinr. Begehn wi Man ſinge das s und Te deum. Und ſind die Todten chriſtlich eingeſcharrt, Fort nach Calais, und dann in unſer Land, Wo Frankreich nie Begluͤcktre heimgeſandt. 6 B ab.) Fünfter anfnz TChorus tritt auf. ie hier in 1 tem großen wahren Leben Nicht darzuſtellen ſind. en K ir nach Calais; K en Weg zu bahnen ſcheint: ſo laßt ihn landen Und feyerlich ſeht ihn nach Lo iehn. So raſch iſt d Sein umgebognes Schwert, den Helm voll Beulen Sich durch die Stadt vortragen, Er verbietet's, Frey von ruhmred'gem Stolz und Eitelkeit, ünd giebt Trophäen, Siegeßzeichen, Pomp Ganz von ſich weg an Gott. Run aber ſcht In reger Schmied! und Werkſtatt der Gedanken, Wie London ſeine Buͤrgerſchaft ergießt. Der Schulz, ſammt ſeinen Bruͤdern, all im Staat, So wie im alten Rom die Senatoren, In ihren Ferſen der Plebeſer Schwarm, Gehn, ihren Sieger Cäſar einzuholen: Wie(ſey's ein klein res, doch ein liebend Gleichniß) enn jetzt der Feldherr unſter gnäd'gen Kaiſrin⸗ er es ſeichtlich mag, aus Jrland Kihe Und braͤcht Empörung auf dem Schwert geſpießt; Wie viele wuͤrden dieſe Friedensſtadt Verlaſſen, um willkommen ihn zu heißen? Piel mehre thaten, und mit viei mehr Grund Dieß unſerm Heinrich. Setzt ihn nün in London (Da noch das Weheklagen der Franzoſen Den Koͤnig Englands heim zu weilen mahrt: Wie auch des Kaiſers Zwiſchenkunft füͤr Frankreich, Um Frieden zu vermitteln), übegeht All die Ereigniſſe, die vorgefallen Bis Heinrich wieder ruͤckgekehrt nach Frankreich; Dort muͤſſen wir ihn haben, und ich ſpielte Die Zwiſchenzeit⸗ indem ich euch erinnert, Sie ſey vorbey. Drum duldet Abkürzung, Und wendet euren Blick nach den Gedanken zel Flugs wicderum zuruͤck ins Land der Franken. ci S2 6 ern 8 kiteſnen Franfrei Ein gußtiſcher Wachtplaz (gtuerlen und Sower treten auf) F Gew. Ja, das ſſt recht! Aber worum teagt ihr he e euer Lauch? Sankt David's⸗ Tag iyene Fluel. Bey allen Dingen ſehn Veranlaßungen und Gruͤnde, warum und weshalb. Ich will euch als meinem Freunde ſagen, Capitän Gower: der ſchuftige, dige lumpige, lauſige, prahleriſche Hundsfott Piſtoj, den ihr ſammt euch ſelbſt und der ganzen Welt fär nichts beſſeres kennt als einen Menſchen, verieht ihr mich, von gar kei⸗ nuen Verdienſten, der iſt zu mir gekommen, und pringe mir geſtern Prot und Salz, ſeht ihr, und heißt mich mein Lauch eſſen; es war an einem Orte, wo ich keine Zwiſtigkeiten mit ihm nicht anfangen konnte: aber ich werde ſo dreiſt ſehn, es an meiner Mutze zu tragen, bis ich ihn cinmal wieder ſehe, und dann will ich ihm ein kleines Stuͤck von meinen Wünſchen ſagen. 5 . Piſtol tritt auf.) Sow. Ey, da kommt er, aufgeblaſen wie ein kalek. tiſcher Hahn. im c chts mit ſeinem Aufblaſen und ſei⸗ Fluel. Es thut ni ſei nen kalckutiſchen Haͤhnen.— Gott grüß⸗ euch, Fähndrich Piſtol! ihr ſchaͤbiger, lauſiger Schelin, Gort gruß euch, Piſ. Ha, biſt du Bedlam? Duͤrſteſt, ſchnöder Trojet Daß ich der Parca Tods ewebe falte? Foet! denn mir widert der Geruch des Lauchs. Fluel. Ich erſuche euch von Herzen, ſchabiger, lauſi⸗ ger Schelm, auf meine Bitten, meine Begehren und meine Anſuchungen, dieß Lauch, ſeht ihr, zu eſſen; weil ihr es nicht möot, ſeht ihr, und eure Nrigungen und eure Appetite und eure Verdauungen damit nicht uͤber⸗ einſtimmen thun; ſo wollte ich euch bitten, davon zu eſſen. Piſt. Nicht um Cadwalladar und ſeine Gemſen. „Fluel. Da habt ihr eine Gemſe.(ſchlägt ihn.. Wollt ihr von der Guͤte ſeyn, grindiger Schuft, und es aufeſſen? Piſt. Muͤßt ſterben, ſchnoder Trojer. Fluel. Ihr ſagt die Wahrheit, grindiger Schuft, wann 6* 1 1 1 84 Koͤnig Heinrich V. A. V. es Gottes Wille iſt. Ich will euch bitten unterdeſſen zu leben und eure Koſt zu verzehren. Kommt, da habt ihr Priehe dazu!(ſchlägt ihn wieder.) Ihr nanntét mich ge⸗ ſtern Bergjunker, aber ich will euch heute zum„Junker niedern Rangs“ machen. Ich bitte euch, friſch dran; koͤnnt ihr Lauch verſpotten, ſo koͤnnt ihr auch Lauch eſſen. Gow. Genug, Capitän! ihr habt ihn ganz betaubt. Fluel. Ich ſage, er ſoll mir ein Stuͤck von meinem Lauch eſſen, oder ich will ihm den Kopf vier Tage lang priegeln.— Peißt an, ich bitte euch: es iſt gut fuͤr eure friſche Wunde, und fuͤr eure plutige Krone. piſt. So muß ich beißen? Fluel. Ja, ſicherlich und ohne Zweifel und dazu ohne Frage und ohne Zweideutigkeiten. piſt. Bey dieſem Lauch! ich will mich graͤßlich raͤchen. Ich eſſ' und eſſ' und ſchwoͤre. Fluel. Eßt, ich bitte euch. Wollt ihr noch mehr Priche zu eurem Lauch haben? Es iſt nicht Lauch ge nug, um dabey zu ſchwoͤren. piſt. Halt deinen Prugel ein: du ſiehſt, ich eſſc. Fluel. Gut bekomme es euch, grindiger Schuft, von ganzem Herzen! Nein, ich bitte euch, werft nichts weg; die Schale iſt gut fuͤr eure zerſchlagene Krone. Wenn ihr Gelegenheit nehmt, in der Folge Lauch zu ſehen, ſo bitte ich euch, ſpottet daruͤber; weiter ſage ich nichts. piſt. Gut. Fluel. Ja, Lauche ſeyn gut. Ja hier iſt ein Groſchen, um euren Kopf zu heilen⸗ piſt. Mir einen Groſchen? Ftuel. Ja, gewißlich und in Wahrheit, ſollt ihn nehmen, oder ich habe noch ein Lauch in der Taſche, das ihr aufeſſen ſollt. piſt. Ich nehm' ihn an, als Handgeld meiner Rache. Fluel. Wenn ich euch irgend was ſchuldig bin, ſo will ich es in Priegeln bezahlen: ihr ſollt ein Holzhändler werden, und nichts als Prugel von mir kaufen. Gott ge⸗ leit' euch, und erhalte éuch, und heile euren Kopf. piſt. Dafur ſoll ſich die ganze Hoͤll empoͤren. Gow. Geht, geht! Ihr ſeyd ein verſtellter feiger Schelm. Wollt ihr einen alten Gebrauch verſpotten, der Sz. 2. Koͤnig Heinrich v. 635 ſich auf einen ehrenvollen Anlaß gründet, und als etne denkwuͤrdige Trophae ehemaliger Tapferkeit getragen wird, und habt nicht das Herz, eure Worte im geringſten durch eure Thaten zu bekräftigen? Ich habe euch ſchon zwey oder dreymal dieſen wackern Mann necken und beſticheln ſehn. Ihr dachtet, weil er das Engliſche nicht nach ſei⸗ nem eigenthuͤmlichen Schnitte ſprechen kann, ſo koͤnne er auch keinen Engliſchen Prugel handhaben. Ihr findet es anders; lernt daher fuͤr die Zukunft von einer Wal'ſchen Zuͤchtigung eine gute Engliſche Geſinnung. Gehabt euch wohl.(b.) Piſt. Wie? ſpielt Fortuna nun mit mir das Nickel? Kund ward mir, daß mein Dortchen im Spital Am Fraͤnk'ſchen Uebel ſtarb: Und da iſt ganz mein Wiederſehn zerſtoͤrt. Alt werd' ich, und den muͤden Gliedern prügelt man Die Ehre aus. Gut, Kuppler will ich werden, Zum Beutelſchneider hurt'ger Hand mich neigend. Nach England ſtehl' ich mich, und ſtehle dort, Und ſchwör', wenn ich bepflaſtert dieſe Narben, Daß Galliens Kriege ruͤhmlich ſie erwarben. i6 8 weyte Szene. Troyes in Champagne. 16 Von der einen Seite kommen Konig Heinrich, Bed ford, Gloſter, Exeter, Warwick, Weſtmoreland, und andre Lords; von der andern Koͤnig Carl, Koͤnigin Iſa⸗ belle, die Prinzeſſin Catharin a, Herren und Frauen, Herzog von Burgund und ſein Gefolge.) R. einr. Sey Fried'in dieſem Kreis, den Friede ſchließt: Euch, unſerm Bruder Frankreich, unſrer Schweſter, ewuͤnſchtes Wohlergehn! und Freud' und Luſt Mit unſrer ſchoͤnſten Muhme Catharina! s einen Zweig und Mitglied dieſes Koͤnigthums, er die Zuſammenkunft hat angeordnet, egruͤßen wir euch, Herzog von Burgund: Und Fraͤnk ſchen Prinzen, Pairs, euch allen Heil 86 Konig Heinrich V. A. V. R. Carl. Eur Antlitz ſind wir hocherfreut zu ſehn, Sehr wuͤrd'ger Bruder England: ſeyd willkommen: Ihr alle, Prinzen Engliſchen Gebluͤts! Iſab. So glucklich ende dieſer Tag, Die freundliche Verſammlung, Bruder England, Wie wir uns jetzo eurer Augen freun, Der Augen, die ſonſt wider die Franzoſen, Die ihre Richtung traf, nur in ſich trugen Bie Baͤlle moͤrderiſcher Baſilisken; Wir hoffen guͤnſtig, ſolcher Blicke Gift Verliere ſeine Kraft, und dieſer Tag Werd' alle Klag und Zwiſt in Liebe wandeln. R. Feinr. Um Amen drauf zu ſagen, ſind wir hier. Iſab. Ihr Prinzen Englands alle, ſehd gegruͤßt? Burg. Euch beyden meine Pflicht bey gleicher Liebe, Ihr großen Kon'ge! daß ich dahin getrachtet Mit allem Witz' und Muͤh' und ſtarkem Streben, Zu bringen Eure hoͤchſten Majeſtäten Zu dieſer Schrank“ und Reichszuſammenkunft, Zeugt Eure Herrlichkeit mir beyderſeits. Weil denn mein Dienſt ſo weit gelungen iſt, Daß, Angeſichts, und fuͤrſtlich Aug' in Auge Ihr euch begruͤßt, ſo laßt michs nicht beſchaͤmen or dieſem koniglichen Kreis zu fragen, Was fuͤr ein Anſtoß oder Hinderniß Dem nackten, armen und zerſtuͤckten Frieden, Dem Pfleger aller Kuͤnſt' und Ueberfluſſes, Und freudiger Geburten, nicht erlaubt In dieſem ſchoͤnſten Garten auf der Welt, Dem fruchtbar'n Frankreich, hold die Stirn zu heben? Ach! allzulang war er daraus verjagt, In Haufen liegt all ſeine Landwirthſchaft, PVerderbend in der eignen Fruchtbarkeit. Sein Weinſtock, der Erfreuer aller Herzen, Stirbt ungeſchneitelt; die geflochtne Hecke Streckt, wie Gefangne wild mit Haar bewachſen, Verworte Zweige vor; im brachen Feld Hat Luͤlch und Schierling und das geile Erdrauch Sich eingeniſtet, weil die Pflugſchaar roſtet, Die ſolches Wucherkraut entwurzeln ſollte. Die ebne Wieſe, liebreich ſonſt bedockt Mit bunten Primeln, Pimpinell und Klee, Die Sichel miſſend, uͤppig, ohne Zucht, Wird muͤßig ſchwanger, und gebieret nichts Als ſchlechten Ampfer, rauhe Diſteln, Kletten, Um Schoͤnheit wie um Rutzbarkeit gebracht. S. Wie unſer Wein nun, Brachland Wieſen⸗ Hecken Qurch fehlerhaften Trieb zur idniß arten, o haben wir ſammt unſer Hauſ und Verlernt, und lernen nicht, weil Muße Die Wiſſenſchaften, unſer Land zu zieren. Wir wachſen auf gleich Wilden: wie Soldaten Die einzig nur auf Blut gerichtet ſind— Zum Fluchen, finſtern Blicken, joſer Lracht. Und jedem Ding, das unnatuͤrlich ſcheint. Um dieß zur vorigen Geſtalt zu bringen Seyd ihr vereint: und meine Rede bittet, Zu wiſſen, was den holden Frieden hemmt, Daß er dieß Ungemach nicht bannen koͤnnte, Und uns mit ſeinen vor⸗gen Kräften ſegnen. ch Leiſtung aller unſrer Foderungen, Wovon die Summa und beſondern Punkte 5 Ihr, kuͤrzlich abgefaßt, in Haͤnden habt. be Burg! Der Koͤnig horte ſie, worauf er noch Die Antwort nicht ertheilt. iht e. Beine. Riun wohl, der Friebe, Auf den ihr eben dralgt, liegt in der Antwort. R. Carl. Ich habe die Artikel nur durchlaufen Mit fluͤchtgem Blick; beliebt es Euer Gnaden, 3 Von eurem Rathe ein'ge zu ernennen Zu einer Sitzung, um mit beßrer Acht nt Sie wieder durchzugehn, ſo ſoll ſogleich Mein Beytritt, und entſchiedne Antwort folgen. 6 V. Zeinr. Bruder, ſo ſey's.— Geht, Oheim Excter, lUnd Bruder Cſarence„und ihr, Bruder Gloſter, Warwick und Huntington, geht mit dem Koͤnig: Und nehmt mit euch die Vollmacht, zu bekraͤftgen, Zu mehren, ändern, wie es eure Weisheit Fuͤr unſre Wuͤrd“ am vortheilhaftſten ſieht 1 An unſern Foderungen, was es y ie ir wollen dem uns fuͤgen.— Theure Schweſter, Geht ihr mit ihnen, oder bleibt bey uns7 Iſab. Ich will mit ihnen gehn, mein gnaͤd'ger Brüber, 88 Koͤnig Heinrich V. A. V. Vielleicht wirkt eines Weibes Stimme Gutes, Wenn man auf Punkten zu genan beſteht. R. Zeinr. Doch laßt hier unſre Muhme Catharina, Denn ſie iſt unſre erſte Forderung, In der Artikel Vorderrang begriffen. PIſab. Es iſt ihr gern erlaubt. (ule ab, außer Koͤnig Heinrich, Catharina und ihr 6mt Fwaein.) R. Zeinr. Nun, ſchoͤnſte Catharina! Allerſchoͤnſte! Geruht ihr, einen Krieger zu belehren, Was Eingang findet in der Frauen Ohr, Und ſeiner Lieb' ihr ſanftes Herz gewinnt? Cath. Eure Majeſtät wird uͤber mich ſpotten; ich kann euer England nicht ſprechen. R. Zeinr. O ſchoͤne Catharina, wenn ihr mich kräf⸗ tig mit eurem franzoͤſiſchen Herzen lieben wollt, ſo werde ich froh ſeyn, es euch mit eurer engliſchen Zunge gebro⸗ chen bekennen zu hoͤren. Biſt du mir gut, Kaͤthchen? Cath. Pardonnez moi, ich nicht verſtehen, was iſt R. Zeinr. Die Engel ſind dir gut, Kaͤthchen, denn du biſt ſo gut und ſchoͤn wie ein Engel. Cath. Oue dit-il? Oue les anges me veulent du pbien, parceque je suis bonné et belle comme un ange? Al. Oui, vraiment, sauf votre grace, c'est ce qu'il dit. R. veinr. Ja, das ſagte ich, ſchöne Catharina, und ich darf nicht erroͤthen, es zu wiederholen⸗ Cath. O bon dien, les langues des hommes sont pleines de tromperies. R. Heinr. Was ſagt ſie, mein Kind, daß die Zun⸗ gen der Maͤnner voller Betrug ſind! Al. Oüi, daß die Zungen von die Mann voll der Be⸗ trug ſeyn; das is die Prinzeß. k. Zeinr. Die Prinzeſſin iſt die vollkommenſte Eng⸗ laͤnderin von beiden. Meiner Treu, Kaͤthchen, meine Be⸗ werbung iſt fuͤr dein Verſtehen ſchon gemacht.. Ich bin froh, daß du nicht beſſer Engliſch ſprechen kannſt, denn Sz. 2 Konig Heinrich V. 89 wenn du es koͤnnteſt, ſo wuͤrdeſt du mich einen ſo ſchlich⸗ ten Koͤnig finden, daß du gewiß dächtoſt, ich hätte meſ⸗ nen Meyerhof verkauft, um meine Krone zu kaufen. Ich verſtehe mich nicht auf verbtuͤmte Winke bey der Liebe, ondern ſage gerade heraus: Ich liebe euch; wenn ihr mich dann weiter drängt, als daß ihr fragt: Thut ihr das im Ernſte? ſo iſt mein Werben am Ende. Gebt mir eure twort; im Ernſte, thut's: und ſo mit cingeſchlagen, und ein gemachter Handel. Wäs ſagt ihr, Fraͤulcin? Cath Bauk votre honneur, ich verſtehen gut. B.„Heinr. Wahrhaftig, wenn ihr mich euretwegen zum Verſemachen oder Tanzen bringen wolltet, Ke 5 ſo waͤre ich verloren. Koͤnnte ich eine Dame durch Luft⸗ ſprünge gewinnen, oder durch einen Schwung in den Sat⸗ kel mit voller Ruͤſtung, ſo wollte ich, mit Entſchuldigung fuͤr mein Prahen ſeh es geſagt, mich geſchwind in cine Heyrath hineinſpringen. Oder koͤnnte ich ſur meine Liebſte einen Fauſtkampf halten, oder mein Pford fuͤr ihre Gunſt tummeln, ſo wollte ich dran gehen, wie ein Metzger, und feſt ſitzen wie ein Affe, niemals herunter. Aber, bey Sott, ich kann nicht bleich ausſehen, noch meine Beredt⸗ ſamkeit auskeichen, und habe kein Geſchick in Betheurun⸗ gen: bloße Schwuͤre ohne Umſchweif, die ich Kaͤthchen, deſſen Geſicht nicht werth iſt, von der Sonne verbrannt zu werden, der nicmals in ſeinen Spiegel ſieht aus Liebe zu irgend was, das er da entdeckt, ſo laß dein uge ihn dir zuberciten. Ich ſpreche mit dir auf gut ſol⸗ datiſch: kannſt du mich darum lieben, ſo hinm mich; wo nicht, und ich ſage dir, daß ich ſterben werde, ſo iſt es ahr; aber aus Liebe zu dir— beym Himmel, nein! und doch liebe ich dich wirklich. All dein Leben lang, Kathchen, zieh einen Mann von ſchlichter und ungeſchnitz⸗ ter Beſtändigkeit vor, denn der muß dir nothwendig dein techt widerfahren laſſen, weil er nicht die Gabe hat, andrer Orten zu freyen; denn dieſe Geſellen von endloſer Zunge, die ſich in die Gunſt der Frauen hineinreimen önnen, wiſſen ſich auch immer heraus zu vernuͤnfteln. wäsein Reöner iſt nur ein Schwatzer, ein Reim iſt nur eine Singweiſe. Ein gutes Bein fallt ein, ein erader Ruͤcken wird krumm, ein ſchwarzer Bart wird weiß, ein krauſer Kopf wird kahl, ein ſchoͤnes Geſicht —————— 90 Konig Heinrich X A. V. runzelt ſich, ein volles Auge wird hohl; aber ein gutes Herz, Käthchen, iſt die Sonne und der Mond, oder viel⸗ mehr die Sonne und nicht der Mond, denn es ſcheitit hell und wechſelt nie, ſondern bleibt treulich in ſeiner Bahn. Willſt du eins, ſo nimm mich: nimm mich, nimm einen Soldatenz nimm einen Soldaten, nimm einen Kö⸗ nig. Und was ſagſt du denn zu meiner Liebe! Sprich, meine Holde, und hold, ich bitte dich. Cath. Iſt es möglich, daß ich ſollte lieben die Feind von Frankreich? 1 R. Zeinr. Nein, es iſt nicht moglich, Kaͤthchen, daß ihr den Feind Frankreichs lieben ſolltet; aber indem ihr mich liebt, wuͤrdet ihr den Freund Frankreichs lieben, denn ich habe Frankreich ſo lieb, daß ich kein Dorf davon will fahren laſſen, es ſoll ganz mein ſeyn. Und Käthchen, wenn Frankreich mein iſt, und ich euer bin, ſo iſt Frank⸗ reich euer, und ihr ſeyd mein. Cath. Ich weiß nicht, was das will ſagen. R. Zeinr. Nicht, Kaͤthchen? ich will es dir auf Fran⸗ zoͤſiſch ſagen, was gewiß an meiner Zunge haͤngen wird, wie eine neuverheirathete Fran am Halſe ihres Maunes, kaum abzuſchuͤtteln. Quand j'ai la possession de Prance, et quand vous avez la possession de moi,(aß ſehrn⸗ wie nun weiter! Sankt Dionys ſtehe mir beyl) done votre est France, et vous étes mienne Es wird mir eben ſo leicht, Kaͤthchen, das Koͤnigreich zu erobern, als noch einmal ſo viel Franzoͤſiſch zu ſprechen; auf Franzoͤ⸗ ſiſch werde ich dich nie zu etwas bewegen, außer uͤber mich zu lachen. Cath. Sauf votre honneur, le Frangois que vous parlez est meilleur qus'Anglois que je parle. R. Heinr. Nein, wahrlich nicht, Kaͤthchen; ſondern man muß eingeſtehen, daß unſer beyder hoͤchſt wahrhaft fulſches Reden der Sprache des andern ziemlich auf eins hinaus läuft. Aber, Käthchen, verſtehſt du ſo viel von meiner Sprache: Kannſt du mich lieben? in Cath. Ich weiß nicht zu ſagen. R. Feinr. Weiß es wer von eurern Nachbarn zu ſa⸗ gen, Käthchen? Ich will ſie fragen. Geh nur, ich weiß, du liebſt mich: und zu Nacht, wenn ihr in euer Schlaf⸗ zimmer kommt, werdet ihr dieß Fraͤulein uͤber mich be⸗ fragen, und ich weiß, Kaͤthchen, ihr werdet gegen ſie die Sz. 2. Koͤnig Heinrich v. 91 Gaben an mir herabſetzen, die ihr von Herzen liebt. ber gutes Käthchen, ſpotte barmherzig über mich, um ſo mehr holde Prirzeſſin, da ich dich grauſam liebe. Wenn du jemals mein wirſt, Kaͤthchen,— und ich habe einen ſeligmachenden Glauben in mir, der mir ſagt, daß di es werden wirſt,— ſo gewinne ich dich durch Zugreifen in der Rappuſe, und du mußt daher nothwendig gute Sol⸗ daten zur Welt bringen. Werden nicht du und ich, ſo zwiſchen Sankt Dionys und Sankt Georg, einen Jungen halb Franzöſiſch und halb Engliſch zu Stande bringen, der nach Conſtantinoper gehen, und dem Türken am Barte zupfſen wird? Nicht wahr? Was ſagſt du, meine ſchoͤne goldne Lilic? Cath. Ich nicht das weiß. R. Heinr. Ja, wiſſen konn man es erſt in Zukunft, aber verſprochen werden muß es jett, Kaͤthchen, daß ihr euch um euren Fanzöſiſchen Theil eines ſolchen Jungen bemühen wollt; und fuͤr meine Engliſche Haälfte nehmt das Wort eines Koͤnigs und eines Junggeſellen. Was antwortet ihr, ja Plus pbelle Catharine qu monde, mon trés chere et divine déesse? 5 Cath. Eure Maheste aben fausse Franzoſiſch genug, un zu betrügen la plus sage demoſselle, die ſeyn en 6 R. Heinr. Nein, pfui uͤber mein falſches Franzoſiſch Bey meiner Ehre, auf acht Engliſch, ich liebe dich, Käth⸗ chen/ Ich wage es nicht, bey dieſer Ehre zu ſchworen, daß du mich liebſt; jedoch faͤngt mein Blut an mir zu ſchmeicheln, daß du es thuſt, wiewohl mein Geſicht einen lo herben und neinnehmenden Eindruck macht. 2 der rgeiz meines Vaters! Er dachte auf men; mein Troſt iſt, daß das Alter, dieſer ſchlechte Ver⸗ e u m mich i meinen ſchlechteſten Zuſtande, und wenn du mich traͤaſt, werde ich durchs Trage wer B d alſo ſagt mir, ſchönſte Catharina, wollt ihr mich? Legt euer Jungfraͤuliches Erroͤthen ab, und offen⸗ 92 Konig Heinrich V. A. V. bart die Geſinnungen eures Herzens init den Blicken einer Kaiſerin, nehmt mich bey der Hand und ſagt: Hein⸗ rich von England, ich bin dein; und ſobald du mein Ohr mit dieſen Worten geſegnet haſi, werde ich laut zu dir ſagen: England iſt dein, Irland iſt dein, Frankreich iſt dein, und Heinrich Plantagenet iſt dein, der(ob ich es ſchon in ſeiner Gegenwart ſage) wo nicht der erſte der Koͤnige, doch ein Koͤnig wackrer Leute iſt. Wohlan, gebt mir euer Wort in gebrochner Muſik: denn eure Stimme iſt Muſik, und euer Engliſch gebrochen. Alſo, Koͤnigin der Welt, Catharina, brich dein Stillſchweigen in gebroch⸗ nem Engliſch: willſt du mich haben?! Cath. Das iſt zu ſagen, wie es gefallen wird die roi mon peère. R. Heinr. Ey, es wird ihm wohl gefallen, Käthchen; es wird ihm gofallen, Kaͤthchen. Cath. Dann bin ich es auch zufrieden. R. veinr. Somit kuͤſſe ich eure Hand, und nenne euch meine Koͤnigin⸗. Cath. Laissez, monseigneur, laissez laissez! Ma Foi, je ne Veu point, que vous abaissez votre gran- deur en paisant la main de votre indigne servante; excusez moi, je vous supplie, mon très puissant seigneur- R. Zeinr. So will ich eure Lippen kuͤſſen, Kaͤthchen. Cath. Ce n'est Pas 1a coütume de France, de baiser les dames et demoiselles avant leurs nöces. R. Heinr. Frau Dolmetſcherin, was ſagt ſie? Al. Daß es nicht ſeyn die Sitte pour les Damen in Frankreich,— ich weiß nicht zu ſagen, was is baiser auf Engliſch. R. Heinr. Kuͤſſen.. Al. Eure Majeſtät entendre beſſer que moi. 3 . veinr. Es iſt nicht die Sitte in Frankreich, die Mädchen vor der Heyrath zu kuͤſſen, wollte ſie ſagen?! Al. Oui, Vraiment. R. Zeinr. O Käthchen, ſtrenge Gewohnheiten ſchmie⸗ gen ſich vor großen Koͤnigen⸗ Liebes Käthchen, wir beh⸗ den konnen uns nicht von den ſchwachen Schranken der Sz. 2. Koͤnig Heinrich V. 93 Sitten eines Landes einengen laſſen. Wir ſind die Urhe⸗ ber von Gebraͤuchen, Kaͤthchen, und die Freiheit, die unſern Rang begleitet, ſtopft allen Splitterrichtern den Mund, wie ich es jetzt curem thun will, weil er die ſtrenge Sitte eures Landes aufrecht erhalten wollte, in⸗ dem er mir einen Kuß weigerte. Alſo geduldig und nach⸗ giebig!(kuͤßt ſie.) Ihr habt Zauberkraft in euren Lippen, Käthchen, es iſt mehr Beredfamkeit in einer ſüßen Be⸗ ruͤhrung von ihnen, als in den Zungen des ganzen Fran⸗ zoͤſiſchen Rathes, und ſie wuͤrden Heinrich von England eher bereden, als eine allgemeine Bittſchrift der Monar⸗ chen. Da kommt euer Vater. (Goͤnig Cart und Iſabelle, Burgund, Bedford, Gloſter, Exeter, Weſtmoreland und andre Fran⸗ zoͤſiſche und Engliſche Herrn treten auf.) Burg. Gott erhalte Eure Majeſtaͤt! Mein königlicher Vetter, lehrt ihr unſte Prinzeſſin Engliſch? R. Zeinr. Ich wuͤnſchte, mein werther Vetter, ſie moͤchte lernen, die vollkommen ich ſie liebe, und das iſt gut Engliſch. Burg. Iſt ſie nicht gelehrig? R. Heinr. Unſre Sprache iſt rauh, Vetter, und meine Gemuͤthsart nicht ſauft, ſo daß ich, weder mit der eimme noch mit dem Herzen der Schmeichelei umgeben, den Geiſt der Liebe nicht ſo in ihr herauf beſchwören kann, daß er in ſeiner wahren Geſtalt erſchiene. Burg. Verzeiht die Freiheit meines Scherzes, wenn ich darauf diene. Wenn ihr in ihr beſchwoͤren wollt, müßt ihr einen Zirkel machen; wollt ihr den Liebesgott muß er nackt und blind erſcheinen. Koͤnnt ihr ſie alſo kadeln, da ſie noch ein Maͤdchen mit den Jungfraͤulichen Roſen der Beſcheidenheit uͤberpurpurt iſt, wenn ſie die rſcheinung eines nackten blinden Knaben in ihrem nack⸗ 3 ben ſehenden Selbſt nicht leiden will? Es iſt fur ein Maͤdchen in der That eine harte Bedingung einzugehn. R. HZeinr. Doch drücken ſie ein Auge zu, und geben nach, ſo wie die Liebe blind iſt und in ſie dringt. g. Durg. Dann ſind ſie entſchuldigt mein Fürſt, wenn ſie nicht ſehen was ſie thun. „ J. Seinr. Lehrt alſo eure Muhme ein Auge zudruk⸗ ken, beſter 6 h 94 Koͤnig Heinrich V. A. V. Burg. Ich will ein Auge zudruͤcken, um es ihr zu verſtehen zu geben, wenn ihr ſie nur lehren wollt, meine Meynung zu verſtchen: Denn Midchen, wohl durchge⸗ fommert und warm gehalten, ſind wie Fliegen um Bar⸗ tholomãi, blind, ob ſie ſchon ihre Augen haben, und dann laſſen ſie ſich handhaben, da ſie zuvor kaum das An⸗ ſehn ertrugen. 4 R. Feinr. Dieß Gleichniß vertroͤſtet mich auf die Fliege, eure Muhme, am Ende ſangen, und ſie muß obendrein blind ſeyn. e Burg. Wie die Liebe iſt, mein Fuͤrſt, ehe ſie liebt. R. Heinr. Ja das iſt ſie, und einige unter euch koͤn⸗ nen der Liebe fuͤr meine Blindheit danken, daß ich ſo manche franzöſiſche Stadt uber ein ſchoͤnes franzoſiſches Maͤdchen, das mir im Wege ſteht, nicht ſehen kann. R. Carl. Ja mein Fuͤrſt, ihr ſeht ſie perſpektiviſch⸗ die Städte in ein Mädchen verwandelt; denn ſie ſind alle mit jungfräulichen Mauern umgeben, in welche der Krieg nie hineindrang. 2 3 R Seinr. Soll Kaͤthchen mein Weib ſeyn? z. Carl. So es euch beliebt. 8 R. Zeinr. Ich bin es zufrieden; wenn nhr die jung⸗ fraͤulichen Städte, wovon ihr ſprecht, ihr Gofolge aus⸗ machen duͤrfen, ſo wird das Maͤdchen, das meinem len weiſen. 5* R. Carl. Wir geben zu⸗ was irgend billig iſt. ſchin u33R⸗ Heinr. Iſi's ſo, ihr Lords von England? Erſt ſeine Tochter, und demnächſt das andre, Hnt Rach unſers Vorſchlags feſtgeſeßter Weiſe⸗ Ziaß auf Frenzöſi ſls Henry, roi d'Angleterre, héritier de France; und ſo auf Lateiniſch: Praeclarissimus filius noster Henricus, res Angliae et heres Franciae. ch benennen ſoll: Motre très chere Zeit und einen heißen Sommer; und ſo werde ich die Wunſch im Wege ſtand, mir den Weg zu meinem Wil⸗ Weſtm. Der Koͤnig hat uns jeden Punkt gewährt, pet. Nur dieſes hat er noch nicht unterzeichnet: 3 Wo Eure Majeſtät begehrt, daß der Koͤnig von Frank reich, wenn er Veranlaſſung hat, ſchriftlich um etwas anzuſuchen, Eure Hoheit folgendermaßen und mit dieſem 1. ( — 95 i ſo verweigert, Briber, fuͤgen ſo tet nſee , nach unſerm neten, el mit den anderit gehn⸗ und ſomit mir eure Tochter. . m ſie, mein Sohn; erwech aus vin Mir ein 6eſeen a Lor Neib ertaſen te des ander uf daß der rieg nie ſ blut ge Streiche In mitten Engla d Fraͤnt᷑ ſchen hi Alle. Amen! R. veinr. winnnen, Sihen. nunt mir alle, 25 6 ſe ie kuͤſſ als meine Königin. V Iſab. Gott, aller Ehen beſter Stifter wache Eins eure erzen, eure inbſt eins! Wie Mann und eib, die zwey, doch eins in iebe, o ſey Vermählung zwiſchet euren Reichen, Baß nume uͤble Dien e, arge Sirucn Die oft das Bett der heilgen Ehe ſtor Sich dränge zwiſchen dieſer Reiche Gueh, Lu was e einverleibt, zu ſcheiden: 5 Srgiſche und Franken nur die Namen *8 Brädern ſen: Gott ſage hiezu Amen! Alle. Amen ei wir dir Hochzeit: auf den Tag eze ich, Herzog Burgund, von eu Und allen Pairs den Eid zu des Vertrags Gewähe; Dann ſchwör⸗ ich, Kithehen dir, du mir da agegen; . treu S. gedeih es uns zum Segen! n⸗ zeugt Chorus tritt auf. So weit mit rauhem ungelenken Kiel, Kam unſer Dichter, der Geſchicht⸗ ſich buͤckend 96 Konig Heinrich V. A. V. Si.2. Beſchraͤnkend große Leut' in engem Spiel, 3 Ruckweiſe ihres Ruhmes Bahn zerſtuͤckend⸗ MNur kleine Zeit, doch groß in ſeiner Kraft Schien Englands Stern; das Gluͤck gab ihm ſein Schwert, Das ihm der Erde ſchoͤnſten Garten ſchafft, Und ſeinem Erben Reich und Herrſchaft mehrt. Heinrich der Sechſt' in Windeln ſchon ernenn't Zu Frankreichs Herrn und Englands, folgt' ihm nach, Durch deſſen vielberathnes Regiment. Frankreich verloren ward, und England ſchwach: Was oft auf unſrer Buͤhne vorgegangen, Und wollet drum auch dieß geneigt empfangen. König viui der Stoeu ernen — II. ——.— 8— Perſonen· Konig Heinrich der Sechſte. 0 Herzog von Gloſter, Oheim des Konigs und Protector. Herzog von Bedford, Hheim des Koͤnigs und Regent von Frankreich. Thomas ufort, Herzog von Ereter, Großoheim des Konigs. Heinrich Beaufort, Großoheim des Koͤnigs, Biſchof von Wincheſter und nachmals Cardinal. Johann Beaufort, Graf v. Somerſet, nachmals Herzog. Richard Plantagenet, aͤlteſter Sohn des hingerichteten Grafen von Cambridge, nachmals Herzog von York. Graf von Warwick. Graf von Salisbury. Graf von Suffolk. Lord Talbot, nachmals Graf von Shrewsbury. Johann Talbot, ſein Sohn. 5 Edmund Mortimer, Graf von March. Mortimers Gefangenwaͤrter. Ein Rechtsgelehrter. Sir John Faſtolfe. Sir William Luey. Sir William Glansdals⸗ Sir Thomas Gargrave. Schultheiß von London. Woodville, Commandant des Thurms.. Vernon.. Baſſet. Carl, Dauphin, nachmaliger Konig von Frankreich. Reignier, Herzog von Anjon und Titular⸗Koͤnig v. Neapel. Herzog von Burgund.. Herzog von Alengon. Der Statthalter von Parks. Baſtard von Orleans. Der Büchſenmeiſter von Orleans und ſein Sohn. Der General der Franzoͤſiſchen Truppen in Bordeauy. Ein Franzoͤſiſcher Sergeant⸗ Ein Thorwaͤrter. 6 Ein alter Schäfer, Vater der Pucelle. Margaretha, Reigniers Fochter. Graͤfin von Auvergne. Jeanne d'Arc, genannt la Pucelle. Boͤſe Geiſter, die der Pucelle erſcheinen, Herren von Adel, Wäch⸗ L ter des Thurms, Herolde, Offiziere, Soldaten, Boten und Gefolge, ſowohl der Engliſchen als Franzoͤſiſchen Herrſchaften.„ Die Szene iſt theils in England, thells in Frankreich. Srſter Anfzug. Erſte Sene W ſ A b 1. ————— 7 1* 3 (Todtenmarſch. Man ſieht die Leiche Heinrichs des Fuͤnften auf einem Paradebette liegend, umgeben von den Berzogen von Bedford, loſter und Exeter, dem Grafen von Warwi ck, dem Biſchof von Wincheſter, Herolden u. ſ. w.) 6 8 Bedf. Beflort den Himmel, weiche Tag der Nacht! Kometen„Zeit und Staatenwechſel kündend, chwingt die kryſtallnen Zoͤpf' am Firmament, 53 nd geißelt die empoͤrten böſen Sterne, ie eingeſtimmt zu Koͤnig Heinrichs Tod, Heinrich des Fünften, zu groß lang zu leben? ngland verlor ſo wuͤrd gen Koͤnig nie. Gloſt. Vor ihm hatt“ England keinen König noch Tugend beſaß er, auserſehn zum errſchen; lind machend ſtrahlte ſein gezuͤcktes Schwert, Die Arme ſpannt' er wei Sein funkelnd A 57 Ihn erreichen Worte nicht Er hob die Hand nie auf, daß er nicht ſiegte. nicht in Blut? kodt, und lebet nimmer auf, Wagen des Triumphs. 7* 10„Kdnig Heinrich VI. A. 1. Wie? ſollen wit Ungluͤcks⸗Planeten fluchen, Die ſo geſtiftet unſers Ruhmes Sturz? Odet die ſchlauen Franken fuͤr Beſchworer“ Und Zaubrer achten, welche, bang vor ihm, Durch mag ſche Verſe ſeinen Tod erzielt? 60 winch. Es war ein Fuͤrſt, vom Herrn der Herrn geſegnet⸗ Der Tag des furchtbaren Gerichts wird nicht Den Franken furchtbar wie ſein Anblick ſeyn. 3 Er focht die Schlachten fuͤr den Herrn der Schaaren, Durch das Gebet der Kirche gluͤckt' es ihm. Gloſt. Der Kirche! Hätten Pfuffen nicht gebetet, So riß ſein Lebensfaden nicht ſo bald; Ihr moͤgt nur einzig einen weib'ſchen Prinzen, Den ihr wie einen Schuͤler meiſtern könnt. Winch. Gloſter, was ich auch maa, du biſt Protektor, und kannſt dem Prinzen und dem Reich gebieten, Dein Weib iſt ſtolz ſie halt dich in der Scheu, Mehr als Gott, oder heil'ge Prieſter konnen. Gloſt. Renn Heiligkeit nicht, denn du liebſt das Fleiſch⸗ und gehſt zur Firche nie im ganzen Jahr, Als wider deine Feinde nur zu Hetei Bedf. Laßt, laßt dieß Hadern, ſtillet die Gemuther! Hin zum Altar!— Herolde, geht mit uns:— Statt Goldes wollen wir die Waffen bieten, Run Heinrich todt iſt, helfen Waffen Uicht. Nachkommenſchaft, erwart' elende Jahre, Wo an der Mutter feuchtem Aug das Findlein ſaugt, Dieß Eiland Lache ſalgger Thraͤnen wird, 3 Und Weiber nur zur Todtenklage bleiben,— Heinrich der Fuͤnfte, deinen Geiſt ruf' ich: Beglaͤck' dieß Reich, ſchirm' es vor Buͤrgerzwiſt, Bekämpf' im Himmel. feindliche Planeten! Ein lichtrer Stern wird deine Seele werden. ils Julius Caͤſar oder— (Ein Bote tritt auf.) Pote. Euch allen Heil, ihr ehrenwerthen Lords! Aus Frankreich bring' ich boͤſe Zeitung euch Von Niederlage, Blutbad und Verluſt⸗ Guienne, Champagne, Rheims, Orleans⸗ Paris, Guiſors, Poitiers, ſind ganz dahin. Bedf. Was ſagſt du, Mann, vor Heinrichs Leiche hier Sprich leiſe; beym Verluſt ſo großer Städte Sprengt er ſein Bley ſonſt und erſteht vom Tod. r“ * Sz. 1. Erſter Theil. 101 eBloſt. Paris iſt hin? Rouen iſt übergeben? Wenn man zuruck ins Leben Heinrich h. Er gaͤb' aufs neu den Geiſt auf bey der Zeitung. Exet. Was hat uns drum gebracht? Welch ein Ve Bote. Reln, kein Verrath, un Man murmelt unter den Soldaten dort, Ihr haltet hiet verſchiedene Partheyn, Und, ſtatt ins Feld zu ruͤcken und zu fechten, Entzweyet ihr um eure Feldherrn euch. Der will langwiergen Krieg mit wenig Koſten ₰ Der ſloͤge hurtig gern, doch fehlt's an Schwingen; Ein dritter denkt, ohn allen Aufwand Jeh Mit glatten Worten Frieden zu erlangen. Erwach', erwache, Englands Adelſtand! Laß Trigheit nicht die neuen Ehren dämpfen; Die Lilien ſind gepfluͤckt in eurem Wappen, Von Englands Schild die Haͤlfte weggehaun. Epet. Wenn unſre Thraͤnen dieſer Leiche fehlten, Die Zeitung riefe ihre Flut hervor. Bedf. Mich geht es an, ich bin Regent von Fraukreich. Gebt mir den Panzerrock; ich fecht' um rankrcich. Fort mit dem ſchmaͤhlichen Gewand des Wehs! Ich will den Frunken Wunden ſeihn, ſtatt Augen, Ihr unterbrochnes Elend zu bewrihen. in andrer Botet . Bote. Seht dieſe Briefe, Lords, von Unh Frankreich empört den Engliſchen ſich ganz Bis auf ein Paar geringe Städte mch⸗ Der Dauphin Carl iſt ſchon gekrönt in Rheims, Von Orleans der Baſtard iſt mit ihm Reignier, Herzog von Anſon, tritt ihm bey, Der Herzog Alengon flieht zu ihm über. krer. Gekroͤnt der Dauphin? Alle filehn zu ihm? 0 wohin fliehen wir vor dieſer Schmach? SGloſt. Wir woll'n nicht fliehn, als in der Feinde Rachen, Bedford, wenn du erſchlaffſt, fecht' ich es aus. Bedf. Gloſter, was zweifelſt du an meinem Eifer? Ich hab' ein Heer gemuſtert in Gedanken,. omit ſchon Frankreich uͤberzogen iſt. (Ein dritter Bote tritt auf.) 3. Bote. Ihr guaͤd gen Lords, den Jammer zu vermehren, Womit ihr Heinrichs Bahre jetzt bethaut, Muß ich ein ſchreckliches Gefecht berichten, Zwiſchen dem ruſt'gen Talbot und den Franken. winch. Was! worin Talbot Sieger blieb? nicht wahr! z. Bote. O nein, worin Lord Talbot ward beſiegt; Den Hergang will ich euch genauer melden. Am zehnten des Auguſis, da dieſer Held Von der Belagrung Orleans zuruͤckzog, Mit kaum ſechstauſend Mann in ſeiner Schaar, Ward er von drey und zwanzig tauſend Franken Umzingelt uͤberall und angegriffen. Er hatte keine Zeit, ſein Volk zu reihn, Roch Piken, vor die Schuͤtzen hinzuſtellen, Statt deren ſie aus Zaͤunen ſcharfe Pfaͤhle Fur in den Boden ſteckten, wie es kam, Die Reiterey vom Einbruch abzuhalten. Mehr als drey Stunden währte das Gefecht, Wo Talbot, tapfer uͤber Menſchen Denken, Mit ſeinem Schwert und Lanze Wunder that. Zur Hoͤlle ſandt' er hundert, keiner ſtand ihm, Da, dort und uͤberall ſchlug er ergrimmt; Die Franken ſchrie'n, der Teufel ſey in Waffen, Das ganze Heer entſatzte ſich db ihm. 55 Da ſeine Krieger ſo beherzt ihn ſahn, Schrie'n„Talbot! Talbot hoch!“ ſie insgemein, Und ſturzten recht ſich in das Herz der Schlacht. Run haͤtte vollia ſie der Sieg beſiegelt, Wo Sir John Faſtolfe nicht die Memme ſpielte; Der, in dem Vortrab hinterwaͤrts geſtellt, Um ihnen beyzuſtehn und nachzufolgen, Floh memmenhaft, und that nicht Einen Streich. Drauf ward Ruin und Blurbad allgemein, Umzingelt waren von den Feinden ſie; Ein ſchaͤndlicher Wallon warf um die Gunſt Des Dauphins einen Speer in Talbots Ruͤcken, Des, dem ganz Frankreich, mit vereinter Staͤrke Nicht einmal wagte ins Geſicht zu ſehn. Bedf. Iſt Taibot todt? So bring ich ſelbſt mich un⸗ Weil ich hier müßig lebt' in Pomp und Ruh⸗ Indeß ein wuͤrd'ger Feldherr huͤlfsbeduͤrftig, Verzagten Feinden ſo verrathen ward⸗ z. Bote. O nein, er lebt, allein er iſt gefangen, Mit ihm Lord Scales und Lord Hungerford; Der Reſt auch meiſt erſchlagen und gefangen. 102 Koͤnig Heinrich VI.. 3 — v⸗ Ruf' ich den jungen Heinrich aus zum Koͤnig. Sz. 2. Erſter Theil. 103 Bedf. Ich zahle ſeine Loͤſung, niemand ſonſt. Ich will vom Thron den Dauphin haͤuptlings reißen, Mit ſeiner Krone löſ⸗ ich meinen Freund; ½ Fuͤr Einen Lord taufch' ich von ihren vier. Lebt wohl, ihr Herrn! ich will an mein Geſchaͤft; Luſtfeuer muß ich gleich in Frankreich machen, ie Zu feyern unſer groß Sankt Georgen Feſt. Zehntauſend nehm' ich mit mir der Soldaten, Europa zittre ihren blut'gen Thaten. 1 4 3. Bote. Thut das, denn man belagert Orleans, Das Heer der Engliſchen ward matt und ſchwach; Der Graf van Salisbury begehrt Verſtärkung, Und haͤlt ſein Volk von Meuterey kaum ab, Das ſolche Ueberzahl bewachen muß. 2 Epet. Lords, denkt der Eide, die ihr Heinrich ſchwurt: Entweder ganz den Dauphin zu vernichten, Oder ihn ünter euer Joch zu beugen. Bedf. Wohl denk' ich ihrer, und hier nehm' ich Abſchied um gleich an meine Zuruſtung zu gehn. (ab.) Gloſt. Ich will zum Thurm in möplichſt großer Eil, Geſchütz und Kriegszeug zu beſchau'n; und dann 6ab) Fxet. Nach Eltham, wo der junge Koͤnig iſt, Will ich, zur naͤchſten Aufſicht angeſtellt, Und beſtens ſeine Sicherheit berathen. winch. Ein jeder hat ſein Amt und ſeinen Platz, Mich ließ man aus, fuͤr mich iſt nichts geblieben, Doch lang' will ich Hans außer Dienſt nicht ſeyn. Den Koͤnig ſend' ich bald von Eltham weg, Und ſitz' am Steuer des gemeinen Weſens. 1(ab. Ein innerer Vorhang faͤllt.) 8 weyte Sze ne. Frankreich. Vor Hrleans. Carl mit ſeinen Truppen, Alengon, Reignier und Andre.) Carl. Mars wahrer Lauf iſt, grade wie am Himmel Bis dieſen Tag auf Erden nicht betanut: Wohl ſoichen Muth und Kuͤhnheit ihnen zu? Carl. Verlaſſen wir die Stadt. Tollköpfe ſinds, Als daß ſie die Belagrung gäben auf. 0 Knig Heinrich VI. 11. Juͤngſt ſchien er noch der Engliſchen Partey Nun ſind wir Sieger, und er lächelt uns. Was fehlen uns für Städte von Gewicht? Wir liegen hier zur Luſt bey Orleans, Die Engliſchen, verhungert, blaß wie Geiſter, Belagern matt uns eine Stund' im Monat. Al. Sie miſſen ihre Bruͤh'n und fettes Rindfleiſch; Entweder muß man ſie wie Maulthier helten, Ihr Futter ihnen binden an das Maul, Sonſt ſehn ſie kläglich wie erſoffne Maͤuſe. Talbot, den wir gefuͤrchtet, iſt gefangen; Bleibt keiner, als der tolle Salisbury, Der wohl die Gall' im Aerger mag verzehren; Er hat zum Kriege weder Volk noch Geld. Reign. Entſetzt die Stadt; was ſind wir muͤſſih hier? Carl. Schlagt Lärm! ſchlagt Lärm! Wir ſtuͤrzen auf ſie ein. Nun fuͤr die Ehre der verlornen Franken! Dem, der mich toͤdtet, ſey mein Tod verziehn, Sieht er mich fußbreit weichen oder fliehn. Getuͤmmel, Angriffe, hierauf ein Ruͤckzug. (Carl, Alengon, Reign ier und Andre kommen zuruͤck.) Carl. Sah man je ſo was? Was fuͤr Volk hab' ich? Die Hunde! Memmen! Ich waͤr“ nie geflohn, Wenn ſie mich nicht vom Feind umringt verließen. Reign. Salisbury mordet ganz verzweiflungsvoll, Er ſicht wie einer, der des Lebens muͤde. Die andern Lords, wie Loͤwen voller Gier, Beſturmen uns als ihres Hungers Raub. Al. Froiſſard, ein Landesmann von uns, bezeugt, England trug lauter Olivers und Rolands, Zur Zeit, als Eduard der Dritte herrſchte. Wahrhafter läßt ſich dieß behaupten jetzt; Denn Simſons blos und Goliathe ſendet Es aus zum Fechten. Einer gegen zehn! Und Hunger treibt ſie nur zu groͤßerm Eifer. Von Alters kenn ich ſie: ſie werden eher Die Mauern mit den Zaͤhnen niederreißen, (mue ab.) Und Schufte nur von Haut und Bein! Wer traut . 5 —— Sz. 2. Erſter Theil⸗ 10⁵ Reign. Ein ſeltſam Raͤderwerk ſtellt ihr Gwehr, Glaub ich, wie Glocken, immer anzuſchlagen; ie hielten ſonſt nicht aus, ſo wie ſie thun. Nach meiner Meinung laſſen wir ſie gehn. Al. So ſey es. (Der Baſtard von Drleans tritt auf.) Baſt. Wo iſt Prinz Dauphin* Neues bring' ich ihm. Carl. Baſtard von Orleans, dreimal willkommen! Baſt. Mich dunkt, eur Blick iſttruͤb', und bang die Miene: Hat euer letzter Unfall daran Schulds Verzaget nicht, denn Beyſtand iſt zur Hand: Ich bringe eine heil'ge Jungfrau her, Die ein Geſicht, vom Himmel ihr geſandt, Erſehn hat, die Belagrung aufzuheben, Und aus dem Land die Engliſchen zu jagen. Sie hat der tiefen Prophezeyung Geiſt, Roms alten neun Sibyllen uͤberlegen; Was war, was kommen wird, kann ſie erſpahn. Sagt, ruf' ich ſie herbey? Glaubt meinen Worten, Denn ſie ſind ganz untrüglich und gewiß.. Carl. Geht, ruft ſie vor. (Baſtard ab.) Doch ihre Kunſt zu prüfen, Reignier, nimm du als Dauphin meinen Plis, Befrag ſie ſolz, laß ſtreng die Blicke ſeyn; So ſpähn wir aus, was ſie fuͤr Kunſt beſitzt. (Er tritt zuruͤck.) (Die Pucelle, der Baſtard und Andre kommen. Reign. Biſt du's, die Wunderthun will, ſchoͤnes Mädchen? Pur. Reignier, biſt du's, der mich zu täuſchen denkt? o iſt der Dauphin?— Komm hervor von hinten; Ich kenne dich, wiewohl ich nie dich ſah. Erſtaune nicht, vor mir iſt nichts verborgen, Ich will allein dich ſprechen im Vertraun. Bey Seit'“ ihr Herrn! jaßt uns auf eine Weil 2, Reign. Sie nimmt ſich brav genug im erſten Sturim. Puc. Dauphin, ich bin die Tochter eines Schäfers, Mein Wiß in keiner Art von Kunſt geuͤbt, Doch Gott gefiel's und unſrer ſieben Frau, Auf meinen niedern Stand ihr Licht zu ſtrahlen. Sieh, da ich meine zarten Lämmer hüte, Und biete duͤrrem Sonnenbrand die Wangen, —„ 106 Koͤnig Heinrich VI. AI. Geruht mir Gottes Mutter zu erſcheinen, Und heißt durch ein Geſicht voll Majeſtat Mich meinen knechtiſchen Beruf verlaſſen, Mein Vaterland vom Drangſal zu befreyn. Sie ſagte Beyſtand und Erfolg mir zuz In voller Glorie that ſie mir ſich kund, Und, da ich ſchwarz war und verſengt zuvor, Goß ſie auf mich mit jenen klaren Strahlen Der Schönheit Segen, die ihr an mir ſeht. Frag' mich um was du nur erſinnen kannſt, Unvorbereitet wilt ich Antwort geben; 4 Pruͤf meinen Muth im Kampfe, wenn du darfſt, Und uͤber mein Geſchlecht wirſt du mich finden. Entſchließe dich: ſoll alles Gluͤck dir ſproſſen, So nimm mich an zu deinem Kriegsgenoſſen. Carl. Ich bin erſtaunt ob deinen hohen Reden. Nur ſo will ich erproben deinen Muth: Du ſollſt mit mir im einzlen Kampf dich meſſen, Und wenn du ſiegſt, ſind deine Worte wahr, B Wo nicht, ſo ſag' ich allem Zutraun abl. puc. Ich bin bereit; hier iſt mein ſchneidend Schwert, guͤnf Lilien zieren es an jeder Stite, 8 Das zu Touraine im Sankt⸗Cathrinen Kirchhof Ich mir aus vielem alten Eiſen auserſah. 2 Carl. In Gottes Namen komm'“ mich ſchreckt kein Weib. pue. Und lebenslang flieh ich vor keinem Mann. ₰ 6.(Sie fechten.) Carl. Halt ein die Hand! biſt eine Amazone, Und mit dem Schwert Debohra's ſtreiteſt du. Puc. Chriſts Mutter hilft mir, ſonſt waͤr' ich zu ſchwach. Carl. Wer dir auch hilft, du, du mußt mir nun helfen. Ich brenné vor Verlangen ungeſtuͤm, 2 Du haſt mir Herz und Hand zugleich beſiegt, Hohe Pucelle, wenn du ſo dich nennſt, Laß deinen Knecht, nicht deinen Herrn mich ſeyn: Der Dauphin Frankreichs bittet dich darum⸗ pue. Ich darf der Liebe Braͤuche nicht erproben, Weil mein Beruf geheiligt iſt von droben. 6 Wenn ich erſt alle Feinde dir verjagt, Dann werde die Belohnung zugeſagt. 6 Carl. Indeß ſieh gnaͤdig deinen Sklaven an. Reign. Mich duͤnkt, der Prinz iſt lange im Geſpruͤch —— Sz3. Erſter Theil. 107 Al. Er hört gewiß dem Weiberrock die Beichte, Sonſt dehnt' er ſo die Unterredung nicht. ſön Reign. Er kennt kein Maaß; ſagt, ſollen wir ihn ſtöͤren? Al. Wohl mehr ermißt er, als wir Armen wiſſen; Der Weiber Zungen koͤnnen ſchlau verfuͤhren. Reign. Mein Prinz, wo ſeyd ihr? was erwaͤgt ihr da? Wird Drleans verlaſſen, oder nicht? Puc. Ich ſage, nein, kleinglaͤubig Heidenvolk! Kaͤmpft bis zum letzten Hauch, ich will euch ſchirmen. Carl. Wie ſie ſagt, ſtimm' ich bey: wir fechten's aus. Puc. Ich bin zu Englands Geißel auserſehn. Heut' Nacht will ich gewiß die Stadt entſetzen: Erwartet Martins Sommer, Halcyon⸗Tage, 2 Nun ich in dieſe Kriege mich begeben. Carl. Ward Mahomet beſeelt von einer Taube, So haſt du eines Adiers Eingebung. Nicht Helena„die Mutter Conſtantins, Noch auch Sankt Philipps Toͤchter lichen dir, Lichtſtern der Venus, der zur Erde fiel, Wie bet' ich ehrerbietig dich genugſam an? ½ Al. Laßt alles Zoͤgern, und entſetzt die Stadt. Reign. Weib, thu das dein' in Rettung unſrer Ehre, Treib' ſie von Orleans, du ſolſt unſterblich ſeyn. Carl. Sogleich verſuchen wir's. Kommt, gehn wir dran! Zeigt ſie ſich falſch, ſo trau⸗ ich nie Propheten. Ge ab.) Pensien the S pienn e 6 London, vor dem Thurm. (Der Herzog von Gloſter mit ſeinen Bedienten in blauen Roͤcken tritt auf.) Gloſt. Heut komm⸗ ich zur Beſichtigung des Thurms; Seit Heinrichs Tode, fuͤrcht' ich, wird veruntreut. —— 108 Koͤnig Heinrich VI. A. 1. Wo ſind die Wachter; daß ſie hier nicht ſtehn? Heffnet die Thore! Gloſter iſts, der ruft. 1. Wächt.(rinnen.) Wer iſt denn da, der Bed. Es iſt der edle Herzog Gloſter. . wächt.(drinnen.) Wer er auch ſey⸗ nicht ein. Bed. Schelm“ ihr antwortet ſo dem Herrn Protector? wächt. Der Herr beſchuͤtz' ihn! Wir antworten ſot Wir thun nicht anders, als man uns geheißen. Gloſt. Wer hieß euch! Weß Geheiß gilt hier, als meins! Niemand iſt Reichs⸗Protector⸗ als nur ich.— Brecht auf das Thor, ich will Gewahr euch leiſten: Werd' ich von koth'gen Buben ſo genarrt? je Bedienten ſtuͤrmen die Thore. nerhalb der fuͤr Verräther? Gloſter will hinein. ET HOeffnet die Thorc! woodv.(vrinnen.) Geduld! ich dar Der Cardinal von Wincheſter verbots. Von ihm hab' ich ausdrücklichen Befehl Dich und der Deinen keinen einzulaſſe. Der ſtolze Wincheſter! der trotzige Praͤlat, Bey weyland Koͤnig Heinrich nie gelitten?! Du biſt noch Gottes noch des Koͤnigs Freund; Heffne das Thor, ſonſt ſchließ' ich dich bald aus. Oder wir ſprengen ſie, wenn ihr nicht ſchleunig kommt. (Vincheſter tritt auf mit einem Gefolge von Bedienten in braunen Roͤcken.) winch. Wie nun, ehrſucht'ger Humphrey ſag. was ſolls? Gloſt· Glatzkpf ger Prieſter, heiß ſt du aus mich ſchließen? winch. Ja, du verraͤtheriſcher Uſurpator, in Protector nicht des Koͤnigs oder Reichs! Gloſt. Zuruͤck, du offenbarer Staatsverſchworner, Der unſern todten Herrn zu morden ſann! * Bediente klopfen an) Woodv. Grinnen.) Was fuͤr Läͤrm was giebt's hier 7 f nicht offnen⸗ edler Gloſt. Schwachherz ger Woodville, achteſt ihn vor mit Bedf. Orffnet die Thore vor dem Lord Protector, wir laſen eich Gloſt. Seydihr es, Commandant, deb Stimm ichhöre ————— . in S pet Theit. 109 ei neen ee zur Sunde: el Ich will in 5 inem breiten Cardinalshut Dich ſichten, wo du fortfährſt in dem Trotz. winch. Tritt zuruͤck, ich weich' und wanke nicht. Sey dieß Damascus, du, verflucht wie Kain, Erſchlag“ den Bruder Abel, wenn du willt⸗ Gloſt. Ich will dich nicht erſchlagen, nur vertreiben; Mir dient als Kinbertuch dein Purpurmantel, Dich wegzutragen aus der Frehſtatt Schutz. S winch. Thu', was du darfſt; ich biete keck dir Trutz. Gloſt. Was? bieteſt du ins Angeſicht mir Trutz? Zieht, Leute! ochtet nicht der Freyſtatt Schutz! Blaurock auf Braunrock!— Hüte Pfaff, den Bart. (Gloſter und ſeine Leute greifen den Biſchof an.) Ich will ihn zauſen und dich tüͤchtig packen, Wiit Füßen tret' ich deinen Cardinals⸗Hut; Dem Pabſt zum Trotze und der Kirche Würdei, Schleif ich am Halſe hier dich auf Kd Sb Winch. Gloſtet, dafür giebt dir der Pabſt dein Theil. Sloſt. Wincheſter Gans! ich ruf⸗: ein Seil! ein Seil! So ſchlagt ſie fort! was laßt ihr hier ſie bleiben?— Dich will ich fort, du Wolf im Schaafokleid treiben: Braunroͤcke, fort! fort, purpurfarbner Heuchler! Es entſteht ein großer Tumult, wäͤhrend drſſetben tritt der Schultheiß von London mit ſeinen Beamten auf.) Schulth. Pfui, Lords! Daſ ihr als hoͤchſte Obrigkeiten, So ſchmaͤhlich doch den Frieden brechen koͤnnt!, Gloſt. Still, Schultheiß! meine Kraͤnkung weißt du nicht Sieh Beaufort, der noch Gott noch Koͤnig achtet, Hat hier den Thurm allein an ſich geriſſen. wWinch. Sieh Gloſter da, den Feind der Bärgerſchaft, Der immer dringt auf Krieg und nie auf Frieden, Rit Steuern eure freyen Beutel laſtend; Der die Religivn zu ſtuͤrzen ſucht,* 9 eil er Protector dieſes Reiches iſt; Und Waffen haben will hier aus dem Thurm, Den Prinzen zu erdruͤcken, ſich zu kroͤnen. Gloßt. Nicht Worte, Streiche geb' ſch dir zur Antwort. .(Sie werden wieder handgemeſn) Schulth. Richts bleibt mir in dem ſtuͤrmiſchen Gezant 110 Koͤnig Heinrich VI. A1. Als oͤffentlichen Ausruf thun zu laſſen. Gerichtsbeamter, komm'! So laut du kannſt. 5 Gerichtsb.„Alle und jede, ſo gegenwaͤrtig hier wider „Gottes und des Königs Frieden in Waffen verſammelt „ſind, werden in Seiner Hoheit Namen ermahnt und „befehligt, ſich maͤnniglich nach ihrer Behauſung zu ver⸗ „fuͤgen, und forthin keinen Degen, Gewehr oder Dolch „zu tragen, zu handhaben und zu fuͤhren: alles bey To⸗ „desſtrafe.“ Gloſt. Ich breche das Geſetz nicht, Cardinal, Doch treff' ich dich, und will den Trotz dir brechen⸗ winch. Gloſter, wir treffen uns, auf deine Koſten; Dein Herzblut will ich fuͤr dieß Tagewerk. Schulth. Wenn ihr nicht fortwollt, ruf' ich noch nach Stangen; Der Cardinal iſt frecher als der Teufel. winch. Verhaßter Gloſter! huͤte deinen Kopf, Denn ich gedenk' in kurzem ihn zu haben. (Sie gehen ab.) Schulth⸗ Den Platz geſaͤubert erſt! dann ziehn wir ab. O Gott! daß Edle ſo ergrimmt verfahren! Nicht einmal fecht' ich ſelbſt in vierzig Jahren. Vierte Sz e ne Frankreich. Por Orleans⸗ Der Buͤchſenmeiſter und ſein Sohn treten auf den Mau⸗ ern auf.) Büchſenm. Du weißt, Burſch, wie man Orleans belagert, Und wie die Engliſchen die Vorſtadt haben. F Sohn. Ich weiß es, Vater, und ſchoß oft nach ihnen, Ungluͤcklich nur verfehlt' ich ſtets mein Ziel. Büchſenm. Nun ſollſt du's nicht; laß du von mir 3 dich lenken; Haupt⸗Buͤchſenmeiſter bin ich dieſer Stadt! Ich muß was thun, um Gunſt mir zu erwerben. Fundſchafter von dem Prinzen melden mir, Wie, in der Vorſtadt feſt verſchanzt, der Feind 1 Sz. 4. Erſter Theil. 111 Durch ein Leheimes Eiſengitter pflegt 123 uf jenem Thurm die Stadt zu uͤberſchaun, Und dort erſpaͤht, wie mit dem meiſten Vortheil 6 Sie uns mit Sturm und draͤngen koͤnnen. 55 un paß du auf, ich kann nicht länger bleiben; 8 Erſpaͤhſt du wen, ſo lauf und meld⸗ es P 3 u wirſt mich bey dem Feſtungshauptmann finden. Sohn. Vater, ich ſteh' dafuͤr, habt keine Sorge; Ich will euch nicht bemuͤhn, ſpah' ich ſie aus. (Auf dem obern Stock eines Thurmes erſcheinen Salis⸗ bury und Talbot, Sir William Glansdafe, Sir Thomas Gargrave und Andre.) 1 Sal. Talbot, mein Heil, mein Leben, wieder da? Wie hat man dich behandelt als Gefangnen? Und wie erlangteſt du die Ausloͤſung? Laß uns auf dieſes Thurmes Zinne reden. Talb. Der Herzog Bedford hatte wen gefangen, Der hieß der tapfre Ponton von Santrailles: Doch wollten ſie mich einſt zum Hohn verhandeln in einen Mann, weit ſchlechter in den Waffen; Ich, ſtolz, verſchmaͤhte das, und heiſchte Tod, Eh' ich ſo ſpottgering mich ſchaͤtzen ließ. Zuletzt ward ich gelöſt, wie ich begehrte. och o! der falſche Faſtolfe kraͤnkt mein Herz: Mit bloßen Fäͤuſten konnt' ich ihn ermorden, Wenn ich in meine Macht ihn jetzt bekäm'.“ S Sal. Noch ſagſt du nicht, wie du gehalten wurdeſt. Talb. Mit Spott und Schimpf und ſchmaͤhlichem Verhöhnen.“ Auf offnen Märkten fuͤhrten ſie mich vor, Zum allgemeinen Schauſpiel für die Menge. Dieß: ſagten ſie, iſt der Franzoſen Schrecken, ie Vogelſcheu, wovor den Kindern graut, Dann riß ich mich von meinen Wäͤchtern los, rub mit den Nägeln Steine aus den Boden, uf meiner Schmach Zuſchauer ſie zu werfen, Mein graͤßlich Ausſehn machte Andre fliehn; es ſchleun'gen Todes Furcht ließ keinen nahn, 112 Koͤnig Heinrich VI. 1.1 In Eiſenmauern hielt man mich nicht ſicher: So ſehr war meines Ramens Furcht verbreitet, Daß ſie geglaubt, ich braͤche Stangen Stahl, Und ſprengt' in Stucken diamantne Pfoſten. Drum hatt' ich eine Wacht, die ſcharf geladen In jeglichen Minute mich umging, Undwenn ich nur aus meinem Bett' mich ruhrte, War ſie bereit, mir in das Herz zu ſchießen⸗ Salisb. Mit Schmerz hor' ich, was du erlitten haſt. Doch uns genugſam ächen wollen wir. Jetzt iſt in Orleans Abendeſſens Zeit; Pier, durch dieß Gitter zaͤhl' ich jeden Mann, Und ſeh' wie die Franzoſen ſich verſchanzenz Sieh mit herein, es wird dich ſehr ergotzen⸗ Sit Thomas Gargrave und Sir William Glansdale, Laßt eure Meynung mich ausdruͤcklich hören: Wo nun am beſten zu beſchießen wäͤr'? Gargr. Ich denk', am Norderthor, da ſteht der Adel. Glansd. Und ich hier an dem Bollwerk bey der Bruͤcke. Talb. So viel ich ſehn kann, muß man dieſe Stadt Aushungern und mit leichten Treffen ſchwaͤchen. (Ein Schuß von der Stadt. Salisbury und Gar⸗ grave fallen.. Salisb. O Herr! ſey gnädig uns elenden Suͤndern! Garg. O Herr! ſey gnädig mir bedrängtem Mann! walb. Was kreuzt uns für ein Zufall xlöblich hier? Sprich, Salisbury, wofern du reden kannſt: Wie gehts dir, Spiegel aller wackern Krieger; Ein Aug' und halb die Wange weggeſchmettert! Verfluchter Thurm! verfluchte Ungluͤcks⸗Hand, Die dieſes leid'ge Trauerſpiel vollfuͤhrt! In dreyzehn Schlachten ſiegte Salisbury, Heinrich den Fuͤnften zog er auf zum Krieg; So lang Trompete blies und Trommel ſchlug, Feß nie ſein Schwert im Feld zu ſchlagen ab.— Du lebſt noch, Salisbury Fehit ſchon die Rede, Du haſt Ein Aug', um Gnad' emporzublicken; * Die Sonne ſchaut mit einem Aug' die Welt.— immel, ſey keinem gnaͤdig, der da lebt, enn Salisbury bey dir Erbarmen mißt!— 5 Tragt fort die Leiche, ich will helfen ſie begraben.— Sir Thomas Gargrave, haſt du irgend Leben? Sus. Erſter Theil. 113 Sprich mit dem Talbot, ſchau doch auf zu ihmz Erfriſch dich, Salisbur mit dieſem Troſt: gi Du ſtirbſt mir nicht, derweil Er winkt mit ſeiner Hand und lächelt mir 5 Als ſagt' er:„Wenn ich todt bin und dahin, 3 „Gedenke mich zu raͤchen an den Franken“ zeh lantagenet, ich will's: und gleich dir, Nero, m ie Laute ſpielend, Städte brennen 6 Man hort es donnern, hierauf ein Getummel.) Wos ruͤhrt ſich* Was für ein Tumult im Himmel? oher kommt dieß Getummel und der Lerm .(Ein Bote tritt auf.) Bote. Hert, Herr, die Franken bieten uns die Stirn: Vereint mit einer Jeanne ia Picelle, 4 e neuerſtandnen heiligen Prophetin Führt große Macht dem Dauphin incitt 3§ Satth zt Talb. Poͤrt, hoͤrt, wie Salisbury noch ſterbend ächzt! Es nagt ſein Herz, daß Rach⸗ ihm iſt verſagt— Ich werd' ein Salisbury fuͤr euch, Franzoſen!— Pucelle oder Buhle, Delphin oder Meerhund, ie Herzen ſtampf⸗ ich mit des Pferdes Hufen F bnn S en e Vor einem der Thore. i Getämmel. Scharmtzl. Talvot verfolgt den Dauphin und treibt ihn zuräck; dann kommt die Pu celle, Eng⸗ laͤnder vor ſich herjagend. Hierauf kommt Talbot.) Talb. Wo iſt mein Muth und meine Stärk' und Kraft? Die Schaaren weichen, ich kann nicht ſie halten; ie jagt ein Weib, mit Rüſtung angethan. Die Pucelle kommt zuruck.) Hier kommt ſie, i— Ich meſſe mich mit dir, Beſchwoͤr“ dich, Teufel oder Teufelsmutter! Ich laſſe Blut dir, du biſt eine Hexe, Und ſtracks gieb deine Seel' dem, ſo du dienſt. I. 8 u König Heinrich VI. A.l. puc. Komm' tomm'! Ich bins, die dich erniedern muß. (Sie fechten) Talb. Ihr Himmel, laßt ihr ſo die Hoͤlle ſiegen? Eh' ſoll geſpannter Muth die Bruſt mir ſprengen, Die Arme ſollen von den Schultern reißen, Ils daß ich nicht die freche Metze ſtrafte. 1 pue. Talbot, ſeb wohl! dein Stuͤndlein kam noch nicht: Ich muß mit Nahrung Orleans verſehn, Hol mich nur ein, ich ſpotte deiner Staͤrke, Geh, geh, ermuntre dein verſchmachtet Volk: Hilf Salisbury⸗ ſein Teſtament zu machen. Der Tag iſt unſer, wie noch mancher mehr. (Die Pucelle zieht mit ihren Soldaten in die Stadt.) Talb. Mein Kopf geht um, wie eines Topfers Rad, Ich weiß nicht wo ich bin, noch was ich thne. Durch Furcht, nicht durch Gewalt, wie Hannibal, Treibt eine Hexe unſer Heer zurüͤck, Und ſiegt, wie's ihr beliebt. So treibt man wohl Mit Dampf die Bienen, Tauben mit Geſtank Von ihren Stöcken und vom Schlage weg. Man hieß, der Wildheit halb, uns Engeliſche Hunde, Run laufen wir wie Huͤndlein ſchreyend fort. (Ein kurzes Getuͤmmel.) Hoͤrt' Landesleut⸗, erneuert das Gefecht, Sonſt reißt die Loͤwen weg aus Englands Wappen, Sagt eurem Land ab, ſetzt fuͤr Loͤwen Schaafe; Ficht halb ſo bang füehn Schaafe vor dem Wolf, Noch Pſferd' und Ochſen vor dem Leoparden, Als ihr vor euren oft bezwungnen Knechten.— (Getummel⸗ Ein neues Scharmuͤtzel.) Es ſoll nicht ſeyn: Zuruͤck, zieht in die Schanzen; Ihr ſtimmtet alle ein in Salisburys Tod, 1 Weil keiner einen Streich that, ihn zu rächen.— In Orleans iſt die Pucelle hineii, Troßz uns, und allein, was wir konnten thun, O moͤcht“ ich ſterben doch mit Salisbury! Ich muß mein Haupt vor Scham hieruͤber bergen⸗ 4 (Getummel. Ruͤckzug. Talbot mit ſeinen Truppen ab.) — enr (xuf den Manern erſcheinen die p ut e le, Carl, Rripniei Alengon und Soldaten.) Locin uc Puc. Pflanzt unſte wehenden Fahnen auf die Mauern: Den Engliſchen iſt Orleans entriſſen, 626 0 o hielt euch Jeanne la Pucelle Wort. 69 Carl. Du gottlichſtes Geſchoͤpf! Aſträa's Tochter? Wie ſoll ich ehren dich fuͤr den Erſolg? Adonis Gärten, gleichet dein, Verheißen, Die heute bluͤhn und morgen Fruͤchte tragen. Siegprang' in deiner herrlichen Prophetin, Frankreich! Orleans iſt wieder dein: 3 36. Nie wiederfuhr dem Lande groͤßres eit il Reign. Warum durchtönt nicht Glockenſchlag die Stadt? Dauphin, jaß Freudenfeu'r die Buͤrger machen, 5 nd jubeln, ſchmauſen in den offnen Straßen, as Gluͤck zu feyern, das uns Gott verliehn. 6 Al. Ganz Frankreich wird erfuͤllt mit Freud“ und Luſt, enn ſie erfahren, wie wir uns gehalten. Carl. Nicht wir,*s iſt Jeanne, die den Tag gewann, Wofuͤr ich mit ihr theilen will die Krone. Ree Und alle Moͤnch' und Prieſter meines Reichs In Prozeſſion ihr ſiets lobſingen ſollen. z Ich bau' ihr eine ſtolz're Pyramide Als die zu Memphis oder Rhodope's: n h d wenn ſie todt iſt, ſoll, ihr zum Gedächtniß, Die Aſch⸗ in einer koͤſtlicheren Urne 16 f Patronin iſt nun Jeanne a Pucelle. Kommt, halten wir ein koͤniglich Gelag luf dieſen ſiegesreichen goldnen Tag! (Trompetenſtoß. Ahe ab.) 1¹⁵ König Heinrich vI. W te Af 5 Cbend aſeldß. 1½, (Ein Franzbſiſcher Serge ank und zwey Schildwachen kommen durch das Thor.) „Serg. Nehmt eure Plätze, und ſeyd wachſam, Leute; 2 ihr Laͤrm, und daß Soldaten nah Eh Den Mauern ſind, an irgend einem Zeichen, So gebt im Wachthaus Nachricht uns davon. Schildw. Schon gut, Sergeant. e(Sergeant ab,) Se muͤſſen arme Diener, 6 Wenn andre ſchlafen auf bequemem Bett, In Finſterniß, in Kält und Regen (Talbot, Bedford, Burgund und ihre Truppen mit Sturmleitern; ſie nahen mit gedaͤmpften Trommeln.) walb. Mein Herr Regent, und maͤchtiger Burgund, Durch deren Ankunft das Gebiet von Artois, Wallon und Picardie, uns ſind befreundet: In dieſer Gluͤcksnacht ſind die Franken ſorglos, Da ſie den ganzen Tag geſchmaußt, gezecht. Ergreifen wir denn die Gelegenheit, Sie ſchickt ſich zur Vergeltung ihres Trugs, 4 3 Den Kunſt erſann und arge Zauberey. Bedf. Memme von Frankreich! Wie er ſich entehrt, An ſeines Armes Tapferkeit verzweifelnd, Mit Hexen und der Holl in Bund zu tieten. Burg. Verraͤther ſind in der Geſellſchaft ſtets. Doch die Pucelle, fuͤr ſo rein geprieſen, walb. Ein Mädchen, ſagt man. Bedf. Ein Maͤdchen, und ſo kriegeriſch! Burg. Geb' Gott, daß ſie nicht maͤnnlich bald erſcheint, Wenn unter dem Panier der Franken ſie S Die Ruͤſtung fuͤhrt, wie ſie begonnen i Sz. 1. Erſter Theil. 117 Talb. Wohl, laht ſie klgeln und mit Geiſtern handeln. Gott unſre Burh! In ſeinem Siegernamen Laßt uns ihr Felſen⸗Bollwerk kuͤhn erklimmen. Bedf. Stürm', braver Talbot, und wir folgen dir. Talb. Nicht alle hier mit eins: weit beſſer duͤnet mir's inei i erſchie Wegen, ch zu dieſer. Heinrichs von England ſoll die Nacht ſich zeigen, Wie meine Pflicht euch beyden iſt geweiht. (Die Engliſchen erſteigen die Mauern mit Sturmleitern, in⸗ dem ſie: Sankt Georg! und: Talbot hoch! rufen, und dringen alle in die Stadt.) Schildw. Crinnen.) Auf, zu den Waffen, auf! die Feinde ſtuͤrmen. Die Franzoſen ſpringen im Hemde uͤber die Mauern. Hier⸗ auf kommen von verſchiednen Seiten der Baſtard„Alen⸗ ph, Reignier, halb angekleidet, halb nicht. Al. Wie nun, ihr Herrn? was? ſo unangekleidet? Baſt. Ja wohl! und froh noch ſo davon zu kommen. Reign. Traun, es war Zeit ſich aus dem Vett zu machen, Der Lärm war ſchon an unſrer Kammerthůr. Al. Seit ich die Waffen uͤbte, hort' ich nie Von einem kriegeriſchen Unternehmen,„ Das tollkuͤhn und verzweifelt war wie dieß. Baſt. Der Talbot denk' ich, iſt ein Geiſt der Hoͤlle. Reign. Wo nicht die Holl, iſt ihm der Himmel guͤnſtig. Al. Da kommt der Prinz, mich wundert, wie's ihm ging. a d. Cark und die Pucelle kreten auf.) Baſt. Pah! war Sankt Jeanne ſein Schirm und Carl. Iſt dieſes deine Liſt, du falſche Schöne? Du ließeſt uns zuerſt, um uns zu ſchmeicheln, ge ewinn aß der Verluſt nun zehnmal größer waͤr? Puc. Warum ſchilt Carl die Freundin ingeduldig? Muß allzeit meine Macht die gleiche ſeyn? 6bnig Heintich V. h. Schlafend und wachend, muß ich ſtets gewinnen, 1. Wenn ihr nicht ſchmähn und Schuld mir geben ſollt. Bey guter Wache, unvorſicht'ge Krieger, Waͤr⸗ dieſer ſchnelle Unfall nie begegnet. 5 Carl. Herzog von Alencon, eu'r Fehler war's, Daß, als der Wache Hauptmann dieſe Nacht, Ihr beſſer nicht den wicht'gen Dienſt verſehn. Al. War jegliches Quartier ſo wohl bewahrt, Als das, worin ich den Befehl gehabt, Wir wären nicht ſo ſchmaͤhlich uͤbebfallen.. Baſt. Meins war in Sicherheit. Reign Auch meines, Herr. Carl. Was mich betrifft, den groͤßten Theil der Nacht Hab ich zum Auf⸗ und Abgehn angewandt, kſe In ihrem Viertel, und durch mein Revier, ſm immerfort die Wachen abzulöſen. Wie oder wo ſind ſie denn eingebrochen? put. Fraht, Herrn, nicht weiter uͤber dieſen Fall, Wie oder wo; genug, ſie fanden Sti, Rur ſchwach beſetzt, wo ſie den inbruch thaten Und ͤbrig bleibt uns nun kein andrer Rath, Als die umher verſprengteu Leute ſammeln, Und neue Plän' ſie zu verderben faſſen. 2 (Getuͤmmel. Ein, Engliſcher Soldat kommt und ruft: Falbot boch! Palbot höch! Sie fliehen, indem ſie ihre Kleider zcktaſen Sold. Ich will nur dreiſt, was ſie verlaſſen, nehmen. Der Ausruf Talbot dient mir ſtatt des Degens, Denn ich belud mit vieler Beute mich, Und braucht als Waffe ſeinen Namen bloß. 3 we 9 te S 6 14 i0 Drlrans. Innerhalb der Stadt. (Lalbot, Bedford, Burgund, ein Hauptmann und Bedf. Der Tag bricht an, und es entflieht die N Die um die Erde warf den Rabenmantel. Blaſt nun zum Rückzüg, hemmt die heiße Jagd. . Genoſſenſchaft den kriegeriſchen Talbot, Beſcheidentlich bewundernd deinen Ruhm, 1 X Talb. Die Leiche bringt vom lten Salisbury, S Und ſtellet auf dem Marktplatz hier ſeas Dem Mittelpunkte der verfluchten Stadt.— 7 un zahlt' ich mein Geluͤbde ſeiner Scele: Fuͤnf Franken ſtarben mind'ſtens dieſe Nacht Fuͤr jeden ihm entwandten Tropfen Blüts; Und, daß hinfort die Zeiten mögen ſehn, Was fur Serherrung ihm zur Rach⸗ erfolgt, Bau' ich in ihrer Hauptkirch' eine Gruſt, Worin ſein Koͤrper ſoll beſtattet werden; Darauf ſoll, daß es jeder leſen kann, Die Pluͤndrung Orleans gegraben ſeyn, Die falſche Weiſe ſeines traur'gen Todes, Und welch ein Schrecken er fuͤr Frankreich war. Doch, Herr, bey all dem Blutbad, wundert' mich, Daß wir des Danphins Hoheit nicht begegnet, Der tugendſamen Heldin Jeanne d'Arc, Noch irgend wem der falſchen Bundsgenoſſtu. Bedf. Man ſagt, Lord Talbot, als der Kampf begann, Seyn, plotzlich aufgeſchreckt vom faulen Bett, Siec unter Haufen des Soldatenvolts ie Mau'r hinuͤber in das Feld entſprungen. Burg. Ich ſelbſt, ſo viel ich unterſcheiden konnte Im Rauch und Nebeldunſt der Nacht, verſcheuchte Den Dauphin ſicherlich und ſeine Trulle, Als Arm in Arm ſie hurtig laufend kamen, So wie ein Paar verliebter Turteltauben, Die ſich nicht trennen konnten Tag und Nacht. Wenn erſt die Dinge hier in Ordnung ſind, So woll'n wir ſie mit aller Macht verfolgen. i n n(Ein Bote tritt auf.) Bote. Heil euch ihr Lords! Wen nennt ihr in der Fuͤrſten Deß hoher Thatenruf ganz Frankreich fullt. Talb. Ich bin der Talbot: wer will mit ihm reden? Bote. Die tugendſame Grafin von Auvergne, 2 Erſucht dich, großer Lord, du wollſt geruhn Zur armen Burg, worauf ſie ſitzt, zu kommen, Damit ſie ruͤhmen mag, ſie ſah den Mann, Von deſſen Herrlichkeit die Welt erſchallt. Burg. Im Ernſt? Ey ja, dann ſeh ich unſre Kriege * ——— ——— 120 Konig Heinrich VI. A. I. Verwandeln ſich in friedlich Poſſenſpiel, Wenn Frau'n begehren, daß wir ſie beſtehn.— Ihr duͤrft die artge Bitte nicht verſchmaͤhn. Talb. Nein, glaubt mir; denn, wenn eine Welt von. Mnnern Mit aller Rednerkunſt nichts ausgerichtet, Hat eines Weibes Güte uͤbermeiſtert.— Und darum ſagt daß ich herzlich danke, Und unterthaͤnig ſie beſuchen will.— Gehn Eure Edlen zur Geſellſchaft mit? Bed. Rein wahrlich; das iſt mehr als Sitt' erlaubt; Ich hoͤrte ſagen, ungeladne Gäſte ind nicht willkommner meiſt, als wenn ſie gehn. Talb. Nun wohl, allein, weil denn kein andrer Rath, Verſuch' ich dieſer Dame Hoͤflichkeit. Hieher kommt, Hauptmann. 4 .(Er ſpricht leiſe mit dem Hauptmann.) Ihr verſteht die Meynung? Zauptm. Ja, gnaͤd'ger Herr, und meyne dem gemäß. 3(Alle ab.) Dritte Szene. Auernen Schloßhof. Die Graͤfin und ihr Thorwarter treten auf.) Gräf. Thorwärter merkt euch, was ich aufgetragen, Und wenn ihr es gethan, bringt mir die Schluſſel. Thorw. Das will ich, gnaͤd'ge Frau. 3 %(ab.) Gräf. Der Anſchlag iſt gemacht; geht alles gut, So macht dieß Abentheu'r mich ſo beruͤhmt, Als Cyrus Tod die Secythin Tomyris. Groß iſt der Ruf von dieſem furchtbaren Ritter, Und ſeine Thaten von nicht minderm Werth. Gern waͤr' mein Auge Zeuge mit dem Ohr, Zum Ausſpruch uͤber dieſe Wunderdinge. (Der Bote kommt mit Talbok.) Bote, Graͤfin! wie eure Gnaden es begehrt,* Auf meine Bothſchaft kommt Lord Talbot hier. Gräf. Er iſt willkommen. Wie? iſt dieß der Mann! Sz. 3. Erſter Theil. 121 Bote. Ja, gnäd'ge Frau. r 8 Gräf. Iſt dieß die Geißel Frankreichs? k Iſt dieß der Talbot, auswerts ſo gefuͤrchtet, Daß man die Kinder ſtillt mit ſeinem Namen? Ich ſeh', der Ruf iſt fabelhaft und falſch; Ich dacht', es würd“ ein Herkules erſcheinen,. Ein zweyter Hektor, nach dem grimmen Anſehn Und der gedrungnen Glieder großem Maß. Ach, dieß iſt ja ein Kind, ein bloͤder Zwerg; Es kann der ſchwache eingezogne Knirps Unmoͤglich ſo die Feind' in Schrecken jagen. Talb. Ich war ſo dreiſt zur Laſt zu fallen, Graͤfin; Doch da Eur⸗ Gnaden nicht bey Muße ſind, So find' ich andre Zeit wohl zum Beſuch. 5 Gräf. Was hat er vor? Geh', frag, wohin er geht. Bote. Lord Talbot, haltet; meine gnaͤd'ge Frau* Wuͤnſcht eures raſchen Abſchieds Grund zu wiſſen. Talb. Ey nun, weil ſie in ſolchem Glauben iſt, Geh ich ihr zu beweiſen, Talbot ſe (Der Thorwärter koͤmmt zuruͤck mit Schluͤſſetn.) Graf. Wenn du es biſt, ſo biſt du ein Gefangner. Talb. Gefangner? we Gräf. Blutduͤrſt'ger Lord, der meine, Und aus dem Grund zog ich dich in mein Haus. ein Schatten war ſchon längſt in meinen Banden, ein Bildniß haͤngt in meiner Gallerie; och nun ſoll auch dein Weſen gleiches dulden, Und dieſe Arm' und Beine feßl' ich dir, Der du mit Tyranney ſeit ſo viel Jahren Das Land verheerteſt, unſre Buͤrger ſchlugſt, Und Söhn' und Gatten zu Gefangnen machteſt. Talb. Ha Sa 6 Gräf. Du lachſt, Elender? Jammern wirſt du bald. Talb. Ich lache uber Euer Gnaden Einbildung, Als hättet ihr was mehr als Talbots Schatten, oran ihr eure Sttenge uͤben moͤgt. ſ26 Gräf. Wie, biſt du es nicht ſelbſt? ½ re Ich bin es wirkli Bräf. So hab ich auch ſein Wrſen 6 „Ralb. Nein, nein, ich bin mein eigner Schatten nur, Ihr ſeyd getäuſcht, mein Weſen iſt nicht hier; 122 Kdnig Heinrich VI. Denn, was ihr ſeht, iſt der geringſte Theil Von meiner Men ſchheit, und das kieinſte Maß. Ich ſag' euch, waͤr' mein ganz Gebilde hier, Es iſt von ſo gewalt'gem hohen Wuchs, Eu'r Dach genuͤgte nicht, es zu umfaſſen- Gräf. Das iſt ein Räthſelkrämer, wie ſichs ziemt: ier will er ſeyn, und iſt denn doch nicht hier; Wie koͤnnen dieſe Widerſpruche paſſen? Talb. Sogleich will ich's euch zeigen. 18 Er ſtoͤßt in ein Hifthorn. Man ört Trommeln; hierauf eine Salve von grobem Geſchuͤtz. Die Thore werden ge⸗ ſprengt, und Soldaten kommen.) Was ſagt ihr/ Graͤfin, ſeyd ihr uͤberzeugt, P Daß Talbot nur ſein eigner Schatten iſt! 2 Die ſind ſein Weſen, Sehnen, Arm' und Staͤrke, Womit er euch empoͤrte Nacken beugt, Die Städte ſchleift und eure Veſten ſtürzt, Und wuͤſt' in einem Augenblick ſie macht. Gräf. Verzeih, ſiegreicher Talbot, mein Vergehn! Ich ſeh', du biſt nicht kleiner als dein Ruf, 5 Und mehr als die Geſtalt errathen laͤßt. Laß meine Kuͤhnheit deinen Zorn nicht reizen, Es iſt mir leid, daß ich mit Ehrerbietung Dich nicht ſo aufgenommen⸗ wie du biſt. Talb. Nicht bange, ſchoͤne Frau! Mißdeutet nicht Den Sinn des Talbot, wie ihr euch geirrt— In ſeines Koͤrpers äußerlichem Bau. Was ihr gethan, das hat mich nicht beleidigt, Auch fordr' ich zur Genugthuung nichts weiter, ² Als daß, mit eurer Gunſt, wir koſten duͤrfen, Von eurem Wein, und ſehn wie man hier kocht, Denn immer ruͤſtig ſind Soldatenmagen. Gräf. Von ganzem Herzen; und es ehrt mich ſeht Bey mir ſolch' großen Krieger zu bewirthen. ue e Schweigen? Will niemand reden in der Wahrheit Der Garten hier iſt ſchickſi Ob nicht der Zaͤnker — London Der Garten des Tempele. Die Grafen von Somerſet, wick; Richard Plantagene andrer Rechtsgele Plant. ²) Suffolk und War⸗ t, Vernon und ein hrter treten auf.) Ihr großen Lords und Herrn, was ſoll dieß Sache? Suff. Wir waren allzulaut im Tempel⸗Saal, cher dazu. Plant. So ſagt mit eins, ob Wahrheit ich behauptet, Somerſet geitrt? vehaupte Suf. Traun, ich ich war Müßiggänger ih den Rechten, Ich konnte nie darnach den Willen fuͤgen, Und fuͤge drum das Recht na i So richtet ihr, Lord Warwick, zwiſchen uns. arw. Von zweyen Fa hen Falken, weſcher hö er ſteigt Von zweyen Hunden, ſcher ti 3. 5 ab' ich wohl einen flachen Sinn des Urtheils: Doch von des Rechts Praktit und ſitzen Kniffen Hat warli . Da Plant. Weil Redeſcheu die Zungen denn euch bindet, Erklaͤrt in ſiummen Zeichen die Gedanken Plant. ch eine Dohle mehr begriffen. Pah, welche ofliche Zurückhaltung! Wahrh e eit ſteht ſo nackt auf uf meiner Seite, Daß ſelbſt das blödſte Aug⸗ ſie fi nden kann. Som. Auf meiner Seite iſt ſie wo ſe wohl gekleibet, klar, ſo ſtrahlend und ſo offenbar, ſie durch eines Blinden Auge ſchimmert. pflaͤcke, wer ein aͤchter Edelmann, m Strauch'ne weiße Roſe om. So pflůcke„wer kein Feiger iſt noch Schmeichler, 124 Koͤnig Heinrich VI. A. II. Und die Partey der Wahrheit halten darf, Mit mir von dieſem Dorn'ne rothe Roſe. warw. Ich liebe Schminke nicht; ohn' alle Schminke Der kriechenden gewandten Schmeicheley, Pfluck' ich die weiße Roſe mit Plantagenet. Suf. Mit Somerſet pfluͤck ich die rothe Roſe, Und ſag', ich halte recht, was er behauptet. ver. Noch haltet, Lords und Herrn, und pfluͤckt nicht mehr, Bis ihr beſchließt, daß der, auf deſſen Seite Vom Baume wen'ger Roſen ſind gepfluͤckt, Des andern rechte Meynung ſoll erkennen. S Som. Mein guter Meiſter Vernon, wohl bemerkt! Still geb' ich nach, hab' ich die mindre Zahl. plant. Ich guch. ver. Dann, fuͤr der Sache Recht und Wahrheit pfluͤcke Ich die jungfräulich blaſſe Bluͤthe hier, Den Ausſpruch gebend fuͤr die weiße Roſe. Som. Stecht nicht den Finger, wie ihr ab ſie pfluͤckt, Sonſt faͤrbt ihr, bintend, roth die weiße Roſe, Und fallt auf meine Seite wider Willen.. ver. Mylord, wenn ich fuͤr meine Meynung blute, So wird die Mehnung auch den Schaden heilen,. Und mich bewahren auf der jetz'gen Seite. Som. Gut, gut! nur zu! Wer ſonſt? n Rechtsgel. Gu Somerſet.) Wofern nicht meine Kunſt und Buͤcher luͤgen, So habt ihr unrecht euren Satz geführt: 8 Zum Zeichen deß pfluck' ich die weiße Roſe. plant. Nun, Somerſet, wo iſt nun euer Sah? Som. Hier in der Scheide; dieß erwaͤgend, wird Die weiße Roſe blutig roth euch faͤrben. plant. Indeß aͤfft eure Wange unſre Roſen, Denn ſie iſt blaß vor Furcht, als zeugte ſie Für unſte Wahrheit. Som. Nein, Plantagenet, „S iſt nicht aus Furcht, aus Zorn, daß deine Wangen⸗ Vor Schaam errothend, unſte Roſen aͤffen, 3 Und deine Zunge doch dein Irren laͤugnet. plant. Stach dir kein Wurm die Roſe, Somerſet! Som. Hat deine keinen Dorn, Plantagenet? 3. Sz. 4 ten hein 1²5 „ Plant. Ja efnen ſcharfen wahr ſich zu behaupten Indeß dein Wurm an ſeiner Falſchheit naßt. 5 6 Som. Wohl, Freunde find' ich fuͤr mein Roſenblut, Die da behaupten, daß ich wahr geſagt, Wo ſich MWantagenet nicht ſehn darf häſſen. Plant. Bey dieſer reinen Blüt' in meiner Hand, Ich ſpotte, Knabe, dein und deiner Art.* Suf. Kehr' ſonſt wohin den Spott, Plantagenet. Plant. Nein, ſtolzer Poole, ich ſpotte ſein und dein. Suf. Mein Theil davon werf' ſch. in deinen Hals. Som. Fort, guter William de la Poole! wir thun Dem Bauern zu viel Ehr', mit ihm zu reden. 3 Warw. Bey Gott, du thuſt ihm Unrecht, Somerſet. Sein Urgroßvater war ja Lionel, 3 Serzog von Clarence, und der dritte Sohn 6 es dritten Eduard, Koͤniges von England. Treibt ſelche Wurzel wappenloſe Bauern? Plant. Er macht des Platzes Vorrecht ſich zu Nuß, Sein zaghaft Herz ließ⸗ ihn das ſonſt nicht jagen. 0 Som. Bey dem, der mich erſchuf, ich will mein Wort Auf jedem Fleck der Chriſtenheit behaupten. ard nicht dein oter, Richard Graf von Camhridge, ur Zeit des vor'gen Koͤnigs um Verrath gerichtet? nd hat nicht ſein Verrath dich angeſteckt, Plant. Mein Vater ward verklagt, nicht überwieſen; Starb, um Verrath verdammt, doch kein Verraͤthet: Reift meinem Willen erſt die Zeit heran.“ as enren Helfer Pooſe und euch betrifft, nnn3 So zeichn' ich euch in mein Sedaͤchtniß⸗Buch, m euch zu züchtigen füͤr dieſe Ruͤge, Seht euch denn vor, und ſagt, daß ich euch warnte. om. Nun wohl, du ſollſt bereit uns immer nden Und uns an dieſer Farb⸗ als Feind⸗ erkennen, K S Die meine Freunde tragen dir zum Proßoh 0 Plant. Und dieſe bleiche und er arnte Roſe Als Sinnbild meines Ulutbedürfrge Haſſes, k⸗ ich, bey meiner Seele! kuͤnftig tragen 126 Koͤnig Heinrich V. A. 11. Ich ſelber und mein Anhang immerdar, Bis ſie mit mir zu meinem Grabe welkt, Oder zur Höhe meines Rangs erbluͤht. Suf. Geh vorwärts, und erſticke dich dein Ehrgeiz; Und ſo leb wohl, bis ich dich wieder treffe. 6 1(ab. Som. Ich folge, Poole.— Leb wohl, ehrgeiz ger Rchay⸗ plant. Wie man mir trotzt, und doch muß ich es dulden. warw. Der Fleck, den ſie an eurem Hauſe ruͤgen, Wird ausgeloͤſcht im naͤchſten Parlament, Das Wincheſter und Gloſter ſoll vergleichen; ₰ Und wenn man dann. dich nicht zum York ernennt, So will ich langer nicht fuͤr Warwick gelten. Indeß, zum Pfand, daß ich dich vorgezogen Dem ſtolzen Somerſet und William Poole, Trag' ich auf deiner Seite dieſe Roſe, Und prophezeye hier: der heut'ge Zank, Der zur Partheyung ward im Tempel⸗Garten, Wird zwiſchen rother oſe und der weißen 6 In Tod und Todsnacht tauſend Seelen reißen. 1 plant. Euch, guter Meiſter Vernon, ſag' ich Dank, 2 Daß ihr die Blume mir zu Lieb' gepfluͤckt. 34 5 ver. Beſtaͤndig will ich, euch zu Lieb', ſie tragen. Rechtsgel. Das will ich ebenfalls. lant. Kommt, gehen wir zur Mahlzeit: ich darf ſagen: Blut trinkt noch dieſer Streit in andern Tagen ſi(Alle ab.) Fuͤnfte Szene Ebendaſelbſt. Ein Zimmer im Thurm. 1* 5 (M ortimer wird von zwey Gefangenwartern in einem Arm⸗ ſtuhl hereingetragen.) mort. Sorgſame Wächter meines ſchwachen Alters, Laßt ſterbend ausruhn hier den Mortimer. So wie ein Mann, der Folter erſt entriſſen, Fuͤhl' ich die Laͤnge der Gefangenſchaft In meinen Gliedern; dieſe grauen Locken, Des Todes Boten, Reſtor gleich bejahrt In Jahren voller Sorgen, zeigen an, —. Sz. 5. Es ende nun mit Die Augen, Lampen, die ihr Del verſpendet, Verdunkeln ſich, zum Ausgang ſchon gewendet. Erſter Theil. Die Schultern ſchwach, erdruͤckt von Grames Laſt, ie Arme marklos, wie verdorrte Reben, 5 Saftloſe Ranken Doch dieſe Fuͤße auf den Boden ſenkend.— von kraftloſem Stand, Lufipi dieſen Erdenkloß zu ſtutzen, ind ſeicht beſchwingt vom Wunſch nach einem Grabe, Wohl wiſſend, daß ich andern Troſt nicht habe.— och ſagt mir, Wärter, will mein Neffe kommen? Mort. Genug Der arme Mann Seit Heinrich M Lebt' ich in ekler Und auch ſeitdem ſo wird noch mein Gemüth beftiebigt. ie ich er iſt gekräͤnkt wie onmouth erſt begann zu herrſchen, Vor deſſen Ruhm ich groß in Waffen war, 2 Eingeſchloſſnheit, ward Richard weggedraͤnge, Beraubt der Ehr' und Erbſchaft; aber nun, Da mich, der jegliche Verzweifiung ſchlichtet, ſung von hinnen laͤßt ollt' ich, auch ſeine Drangſal waͤr' vorbey, Und das Verlorne wüͤrd' ihm hergeſtellt. Gefangenw. Richard Plan tagenet Herr, euer lieber Neff iſt nu Mort. Richard Plantagenet, mein Freund Plant. Ja, edler Oheim, ſchmählich o hehandelt. t, der jungſt entehrte Richard. meine Arme, daß ich ihn umhalſe, Eu'r Reffe komm Mort. Fuͤhrt Daß ich ihn gruͤß Nun, füßer Sprößling von Yorks großem Stamm, Den letzten Hauch in ſeinen Buſen keiche; O ſgt mir, want mein Mund die Wang ih emit ohnmächt'gem Kuß. milde Schiedsmann alles Elends, tritt auf.) ngekommen. iſt er da? m rührt, Erklr⸗ warum du jůngſt entehrt dich nannteſt. Plant. Erſt le Und, ſo erleichtert Peut, bey dem Wobey hoͤre die Beſchwer. Streiten uͤber einen Fall, am's zwiſchen mir und Somerſet zu Worten, er ohne Maß die Zunge brauchte, ½2 hn, auf meinen Arm den alten Ruͤcken, 128 Koͤnig Heinrich WI. A.. Und ruͤckte meines Vaters Tod mir vor. Der Vorwurf ſtieß mir Riegel vor die Zunge, Sonſt haͤtt' ich's ihm auf gleiche Art vergolten. Drum, beſter Ohm, um meines Vaters willen, Bey deiner Ehr' als ein Plantagenet, Und Bundes halb' erklaͤr den Grund, warum Mein Vater, Graf von Cambridge, ward enthauptet. mort. Der Grund, der mich verhaftet, holder Neffe, Und all die blühende Jugend feſt mich hielt In einem eklen Kerker, da zu ſchmachten, War das verfluchte Werkzeus ſeines Todes. plant. Entdecke naäher, welch' ein Grund das war, Denn ich bin unbelehrt und rath' es nicht. mort. Das will ich, wenn der Odem mir nicht ſchwindet, Und mich der Tod läßt enden den Bericht. Heinrich der Vierte, Großvater dieſes Koͤnigs, Entſetzte ſeinen Neffen Richard, Eduards Sohn, Des Erſtgebornen und rechtmäß'gen Erben PVon Koͤnig Eduard, drittem jener Reih⸗ Zu ſeiner Herrſchaft Zeit beſtrebten ſich Die Perey's aus dem Norden, als ſte fanden, P ungerecht ſey ſeine Anmaßung, tatt ſeiner mich zu fordern auf den Thron; Was dieſe kriegeriſchen Lords bewog, War, daß(nach Wegraumung des jungen Richard, Der keinen Erben ließ von ihm erzeugt) Ich von Geburt und Sippſchaft war der naͤchſte; Denn muͤtterlicher Seite ſtamm' ich ab PVon Lionel von Clarence, drittem Sohn Koͤnig Eduard des dritten: mittlerweil Er von Johann von Gaunt den Stammbaum leitet, Dem vierten nur in jenem Heldenhaus. Doch merkt: als ſie mit Anſchlag Den rechten Erben einzuſetzen rangen, Verlor die Freyheit ich, und ſie das Leben. Piel ſpater, als Heinrich der Fuͤnfte herrſchte Nach ſeinem Vater Bolingbroke, geſchah's, Daß, mitleidsvoll mit meiner harten Truͤbſal, Dein Vater, Graf von Cambridge, abgeſtammt Vom großen Edmund Langley, Herzog York⸗ 3 Vermaͤhlt mit meiner Schweſter, deiner Mutter, Nochmals ein Heer warb, waͤhnend mich zu loͤſen Und zu bekleiden mit dem Diadem; Im Kerket ſchloſſeſt du die lnd was ich ſinne, ſey nur mir bewußt. Sz. 8. Erſter Theil. 129 Doch wie die anbern ſiel der eble Graf Und ward enthauptet. So ſind die Wortimere, vrauf der Anſpruch ruhte, unterdrückt. Plant. Und deren letzter,(ur Lord, ſeyo hr. mort. Ja, und du ſiehſt ieh hute kein Geſchlche Und meine matten Worte ineiden u biſt mein Erbe; rathe ſelbſt das andte, Doch übe Vorſicht beh der Keiß gen Sorge⸗. Plant. Die ernſte Warnung praͤget ſich mir ein; Doch duͤnkt mrich meines Vaters Hinrichtun eringres nicht A6 blutge Thrantey⸗ Mort. Mit Schweigen, Neffe, rreibe Politik; Das Haus der Lancaſter iſt feſtgegruͤndet, Und, einem Felſen gleich, nicht wegzuruͤcken. un aber ruckt dein Oheim weg von hier, Wie Prinzen ihren Hof verlegen, muͤde es langen Weilens amn beſtimnmnten Plaz. Plant. O, kauft' ein Theil von meinen jungen Jahren Die Laufbahn eures Alters doch zurück! Mort. Du thaͤteſt mir zu nah, dem Mörder gleich, Der viele Wunden giebt, wo eine tödtet; o nicht mein Wohl dir Leid iſt, traure nicht, neut ordne du mir die Beſtattung Und ſo fahr' wohl, dir lache jede Hoffnung, Dein Leben ſey begluͤckt in Fried⸗ und Krieg(Kſirbt.) Plant. Fried'und nicht Krieg mik deiner füch'uden Seele! lls Klausner äberlebend deihe Tage. ohl, ſeinen Rath verſchließ⸗ ich in der Bruſt, Waͤrter, tragt ihn hinweg! ich ſorg ſelb Ihn beſſer zu beſtatten als er lebte. ie Gefangenwärter tragen T 3 Hier liſcht die truͤbe Fackel MWorti 6 edämpft voin Ehrgetz derer unter h I. 9 1 130 Koͤnig Heinrich VI. A. 111. Dritter A ufzug Erſte Szene. Londo'n. Das Partamenthaus. (Trompetenſtoß. Koͤnig H einrich, Ereter, Gloſter, Warwick, Somerſet und Suffolk, der Biſchof von Wincheſter, Richard Plantagen et und Andre tre⸗ ten auf. Gloſter will ein Memorial uͤberreichen, Win⸗ cheſter reißt es ihm weg, und zerreißt es.) winch. Kommſt du mit tief vorausbedachten Zeilen, Geſchriebnen Blaͤttern kuͤnſtlich ausgeſonnen, Humphrey von Gloſter? Wenn du la en kannſt, Und denkſt mir irgend was zur Laſt zu legen, So thu es ohne Vorbereitung ſchnell, Wie ich mit ſchneller Red' und aus dem Kopf Dem, was du ruͤgen magſt, antworten will. Gloſt. Hochmuͤth'ger Pfaff! Der Ort mahnt zur Geduld. Sonſt ſollſt du ſehen, daß du mich beſchimpft. Dent' nicht, wiewohl ich ſchriftlich abgefaßt Die Weiſe deiner ſchnoͤden Miſſethaten, Daß ich deßhalb verfaͤlſcht, und nicht im Stande waͤr' Der Feder Vortrag muͤndlich herzuſagen. Rein, Biſchof! ſo verwegne Bosheit uͤbſt du, Und Ränke, frech, verpeſtend und entzweyend, Daß Kinder ſchwatzen ſelbſt von deinem Stolz. Du biſt ein raͤuberiſcher Wucherer, Halsſtarrig von Natur, des Friedens Feind, Wolluͤſtig, uͤppig, mehr als wohl ſich ziemt Fuͤr einen Mann von deinem Amt und Rang; Und was liegt mehr am Tag als dein Verrath, Da auf mein Leben Schlingen du gelegt, Sowohl beym Thurm als bey der London⸗Bruͤcke? Ja, wuͤrden die Gedanken dir geſichtet, Dein Herr der Koͤnig, fuͤrcht' ich, iſt nicht frey Von neid'ſcher Tucke deines ſchwell'nden Herzens. winch. Gloſter, ich biete Trot dir.— Lords, geruht Gehoͤr zu leihn dem, was ich will erwiedern. „Miſcht euer Sz. 1. Erſter Lheil. 131 Wäaͤr' ich ehrſuͤchtig, geizig und verkehrt, Wie er mich macht; wie bin ich denn ſo arm? ie kommt es, daß ich nicht mich zu erhoͤhn Zu foͤrdern ſuche, dem Berufe treu?. us das Entzweyn betrifft; wer hegt den Frieden Mehr als ich thu', wofern man mich nicht reizt? Nein, beſte Lords, das iſt nicht mein Vergehn: Das iſt's nicht, was den Herzog hat entfiammt, Es iſt, daß niemand herrſchen ſoll als er; Niemand als er ſoll um den Koͤnig ſeyn; Und das gebietet ihm Donner in der Bruſt, Und treibt ihn, dieſe Klag' herauszubrullen, Doch er ſoll ſehn, ich ſey ſo gut— Sloſt. So gut? Du Baſtard meines Großvaters! Winch. Ja, gro er Herr; denn was end ihr, ich bitte Als Eipet. her r des Andern Sz 5. Gloſt. Sag', bin ich nicht Protector, kecker Pfaff? winch. Und bin ich ein Prälat der Kirche nicht? Gloſt. Ja, wie ein Vagabund ein Schloß beſetzt, Und es zum Schutze ſeines Diebſtahls braucht. winch. Unwuͤrd'ger Spoͤtter Gloſter! Gloſt. Du biſt wurdig Nur durch dein geiſtlich Amt, nicht durch dein Leben. Winch. Rom ſoll dem ſteuern. Wwarw. So raͤum' dich weg nach Rom. Som. Mylord, ihr ſolltet billig cuch enthalten. arw. Ey, laßt den Biſchof ja nicht üͤbermeiſtern. Som. Mich duͤnkt, Mylord ſollt' etwas froͤmmer ſeyn, Und ſolcher Männer hohe Wuͤrde kennen. Warw. Mich dunkt, er ſohlte demuthsvoller ſeyn, Es ziemt ſich nicht, daß ein Prälat ſo rechte. 5 Som. Ja, wen ſein heil'ger Stand wird angetaſtet. Wwarw. Unheilig oder heilia, was verſchlägt's? Iſ ſeine Hoheit nicht des Reichs Protector? . Wlantagenet beyſeit.) Plantagenet, ſeh' ich, muß ſtill ſich halten, Daß man nicht ſagt: Sprecht, ihr da, wo ihr duͤrft kaͤhner Spruch bey Lords ſich ein?“ tt'ich einen Strauß mit Wincheſter. 9* onſt haͤ * 132 Koͤnig Heinrich VI. A. 1I. R. Zeinr. Oheime Gloſter und von Wincheſter, Brſondre Waͤchter uͤber Englands Wohl! Ich moͤchte gern, wenn Bitten was vermoͤgen, In Lieb' und Freundſchaft eure Herzen binden. D welch ein Aergerniß für unſte Krone, Daß zwey ſo edle Pairs, wie ihr, ſich zanken! Glaubt mir, ſchon wiſſen's meine zarten Jahre: Ein giſt'ger Wurm iſt innerlicher Zwiſt, Der nagt am Innern des gemeinen Weſens.— (Man hoͤrt draußen einen Laͤrm:„Nieder mit . den Braunroͤcken 1)) Welch ein Tumult? Wwarw. Ein Auflauf, will ich wetten, Erregt aus Tuͤcke von des Biſchofs Leuten. (Wiederum Larm:„Steine! Steine!1“) (Der Schultheiß von London tritt auf mit Gefolge.) Schulth. O, lieben Lords und tugendhafter Heinrich! Erbarmt euch der Stadt London und des Volks! 6 Des Biſchofs Leut' und Herzogs Gloſter haben, Da Wehr zu tragen juͤngſt verboten ward, Die Taſchen angefullt mit Kieſelſteinen, Und, in Parthey'n gerottet, ſchmeißen ſie So heftig einer an des andern Kopf, Daß manchem wird ſein wirblicht Hirn zerſchmettert; In allen Gaſſen ſchlagt man Fenſter ein, 6 3 ünd unſre Laden zwingt uns Furcht zu ſchließen. (Die Anhaͤnger Gloſters und Wincheſters kommen unter be⸗ ſtändigem Handgemenge mit blutigen Köpfen.) 6 R. Zeinr. Wir mahnen euch bey Unterthanen Pflicht, Daß ihr vom Todtſchlag laßt und Frieden haltet, 1 Ich bitt' euch, Oheim Gloſter, ſtillt den Streit. 1. Bed. Ja, wenn man uns die Steine Verwehrt, ſo fall'n wir uns mit Zähnen an⸗ 2. Bed. Thut, wie ihr Herz habt, wir ſind auch entſchioſſen. (Von neuem Handgemenge.) Gloſt. Ihr, mein Geſinde, laßt den dummen Zwiſt, und ſtellt den ungewohnten Kampf beyſeit. z. Bed. Wir kennen Eure Hoheit als gerecht und redlich, und an fuͤrſtlicher Geburt Niemanden weichend, als nur Seiner Majeſtät; Und eh' wir dulden, daß ein ſolcher Prinz, So gůt·ger Vater des gemeinen Weſens, S on einem Dintenklerker wird beſchimpft. Eh wollen wir mit Weib und Kindern fechten,. Und uns von deinen Feinden morden laſſen. ½ n 1. Bed. Ja, und der Abfall unſrer ägel ſchlaht Nach unſerm Tode noch ein Lager aſt) 6 Von neuem Bandgemenge.) Gloſt. Halt halt ſag' ich! i Und wenn ihr mich ſo liebt, wie ihr betheuert, Laßt mich zur Ruh ein Weilchen euch bereden.“ R. Heinr. O wie die Zwietracht mein Gemuͤth betruͤbt! Koͤnnt ihr, Mylord von Wincheſter, mich ſeußzen Und weinen ſehn, und werdet nie erweicht? ſ idig ſeyn, wenn ihrs nicht ſeyd? Wer ſo bemüht ſeyn, Frieden zu befoͤrdern, enn Kirchendiener ſich des Haders freun? 3 warw. Gebt nach, Protertor! Wincheſter, gebt nach, Wofern ihr durch hartnäck'ge Weigrung nicht Wollt norden euern Herrn, das Reich zerſtöͤren. Ihr ſehet, was fuͤr Unheil, was fuͤr Mord 84 Veruͤbt durch eure Feindſchaft worden iſt; i Seyd ſtill dann, wenn ihr nicht nach Blute duͤrſtet winch. Er unterwerfe ſich, ſonſt weich' ich nie. Gloſt. Aus Mitleid fär den König beug ſch mich, Sonſt riſ ich Welin Pit die, 6) t 2 ieß Vorrecht uͤber mich erlangen ſollte.“ warw. Scht an, Mylord von Wincheſter, der Herzo) Hat finſtre, mißvergnugte Wuth verbannt, ie ſeine Brau'n geſchlichtet es beweiſen; as blickt ihr denn ſo ſtarr und kragiſch noch? Gloſt. Hier, Wincheſter, ich bier euch meine Hand. R. Heinr. Pfui, Oheim Beaufort, hoͤrt' ich euch doch pred'gen, Daß Bosheit große ſchwere Suͤnde ſey; Und wollt ihr nicht das, was ihr lehrt, vollbringen, Vielmehr am aͤrgſten euch darin vergehn? Warw. Holdſel'ger König! eine milde Weiſung!— Schämt euch⸗ Mylord von Wincheſter, und weicht! ie? ſo ein Kind euch lehren, was ſich ziemt? winch. Herzog von Gloſter wohl, ich gebe nach; Ich biete Lieb⸗ um Lieb' und Hand füt Hand. 134 Koͤnig Heinrich VI. A. III“ Gloſt. Ja, doch ich fuͤrchte nur mit hohlem Herzen.— Seht, meine Freund' und lieben Landsgenoſſen! Als Friedensfahne dienet zwiſchen uns Und unſerm ganzen Anhang dieſes Zeſchen. So helfe Gott mir, wie ich's redlich meyne! winch.(eyſeit.) So helfe Gott mir, wie ich's nicht ſo neyne! R. Zeinr. O lieber Oheim, werther Herzog Gloſter! Wie freudig hat mich der Vergleich gemacht! Nun fort, ihr Leute! ſtoͤrt uns weiter nicht; Vereint in Freundſchaft euch, wie eure Herrn⸗ 1. Bed. Sey's drum! ich will zum Feldſcheer. 2. Bed. Das will ich auch. z. Bed. Ich will Arzney mir in der Schenke ſuchen. (Die Bedienten, der Schultheiß u. ſ. w. ab.) warw. Empfangt dieß Blatt hier, gnädigſter Monarch, Das fuͤr das Recht Richards Plantagenet Wir üͤberreichen Euer Majeſtaͤt. 5 Gloſt. Wohl angebracht, Lord Denn, mein . rinz, Wenn eure Hoheit jeden Umſtand merkt, Habt ihr viet Grund, ſein Recht ihm zu erweiſen; Beſonders auf den Anlaß, welchen ich Zu Eltham Euer Majeſtaͤt geſagt. . Heinr. Und dieſer Anlaß, Ohm, war von Gewicht; Drum, lieben Lords, iſt unſer Wohlgefallen, Daß Richard ſeinem Blut ſey hergeſtellt. warw. Sey Richard ſeinem Blute hergeſtellt, So wird des Vaters Unrecht ihm verguͤtet. winch. Was alle wollen, will auch Wincheſter. k. einr. Wenn Richard treu will ſeyn, nicht dieß allein Das ganze Erbtheil geb' ich ihm zugleich, Das zugehoͤrig iſt dem Hauſe YPork, Von wannen ihr in grader Reihe ſtammt.. plant. Dein unterthaͤn'ger Knecht gelobt Gehorſam und unterthaͤn'gen Dienſt bis in den Tod. R. Zeinr. So buck' dich, ſetz dein Knie an meinen Fuß, Und zur Vergeltung dieſer Huldigung Guͤrt' ich dich mit dem tapfern Schwert von York; Steh, Richard, auf, als treuer Plantagenet, Steh auf ernannt zum hohen Herzog York. Sz. 2. Erſter Theil. Plant. Wie deiner Feinde Fall ſey Richards Heil,, nd wie mein Dienſt gedeiht, verderbe jeder, er wider Eure Majeſtät was denkt. Alle. Heil, hoher Prinz, und maͤcht'ger Herzog York! Som.(beyſeit.) Stirb, ſchnoͤder Pri'z, unedler Her⸗ 3og York! Gloſt. Nun dient es Eurer Majeſtaͤt am beſten, Daß ihr die See hinuͤberſetzt, zur Kroͤnung In Frankreich; eines Koͤnigs Gegenwart Erzeuget Liebe bey den Unterthanen Und ächten Freunden, und entherzt die Feinde. R. Heinr. Wenn's Gloſter ſagt, geht Koͤnig Hein⸗ rich ſchon, Denn Freundes Rath vernichtet Feindes Drohn. Gloſt. Es liegen eure Schiffe ſchon bereit. 8 QAlle ab außer Exeter.) ret. Ja, ziehn wir nun in En WPicht ſehend gland oder Frankreich, „was hicraus erfolgen muß: Die juͤngſt erwachſne In Heinrichs„zübenamt der fuͤnfte: einrich aus Monmouth bauet alles auf, Heinrich aus Windſor büßet alles ein. Dieß iſt ſo klar, daß Exeter nur wuͤnſcht, Sein Leben ende vor der Ungluckszeit. 6ab.) 8 weyte Szene. Frankreich. Vor Rouen. WDie Pucerle tritt ver leute gekleidet, mit S kleidet auf, mit S oldaten wie Land⸗ aͤcken auf den Ruͤcken.) puc. Dieß iſt das Stadttohr, von Rouen das Thor, Das unſre Schlauigkeit erbrechen muß. 136 Shiß Heinrich VI. A. 1ll. Gebt Achtung, wie ihr cure Worte ſtellt, Sprecht wie Marktleute vom gemeinen Schlag, Die Geld zu löſen kommen für ihr Korn. Wenn man uns einlaßt, wie ich ſicher hoffe, Und wir nur ſchwach die träge Wache finden, So meld' ich's durch ein Zeichen unſern Freunden, Daß Carl der Dauphin einen Angriff wage. 1. Sold. Der Plunder ſoll die Stadt uns pluͤndern helfen, Uns Herrn und Meiſter wet in Rouen, 130 Drum laßt uns kiopfen. 4 Er ti an. 5 wache.(drinnen.) Hen est 1à2 Püc. Paysaus, pauvres gens Marktleute, die ihr Korn verkaufen wollen. Wache. Geht nur hinein, W Markt⸗Glock' hat gelaͤutet. (Er öffnet das Thor.) Puc. Wohl auf, Rouen, nun ſtuͤrz' ich deine Veſte. (Die Puceble und ihre Leute gehen in die Stadt.) (Carl, Baſtard von Brleais, Alengon und Fruppen) Carl. Sanct Dionys geſegne dieſe Kriegsliſt! Wir ſchlafen nochmals ſicher in Rouen. Baſt. Hier ging Pucelle hinein mit ihren wuftn; Doch, nun ſie dort iſt, wie e ſie z 5 Den ſicherſten und beſten Weg hinein? Al. Vom Thurm dort ſieckt ſie eine ackel auf, Die, wahrgenommen, ihre Mt ynung Jeih Der Weg, wo ſie hineinkam, ſeh der ſchwüchſte. (Die P ucelle erſcheint auf einet Zinne und t eine bren⸗ nende Fackel emppr.). pue. Schaut auf, dieß die frohe Srchzſtc Die ihrem Landesvolk Rouen vermählt, 36 Doch toͤdtlich brennend fuͤr die Talbotiſten. Baſt. Sieh, edler Carl! die Fackel, das Signal Von unſter Freundin, ſteht auf jenem Thurm⸗ Carl. Nun ſtrahle ſie wie ein Komet der Rache, ℳ Wie ein Prophet von unſrer Feinde Fall! S 6 Al. Kein Zeitverluſt!, denn Zoͤgern bringt Gefahr! Hinein und ſchreit: der Dauphin! alſobald;* Uünd räumet dann die Wihen aus dem Weg. (Sie dringen ein.) (Getuͤmmel. Tatb ot kommt mit einigen Fiüſhei Sz.2. ſe ihnen Lalb⸗ Frankreich, mit Thränen ſolſt du mir dieh bhen, Wenn Talbot den Verrath nur äberlebt. gehen ab in die Stadt.) Getuͤmmel, Ausfaͤlle. Aus der Stadt kommen Bobford, der krank in(inemn Stuhle hereingetragen pieh, mit Tal⸗ böt,8 urgund und den Engliſchen Eruppen. Dann Puc. Guten Morgen, Brave! braucht ihr Korn zum Brod ſien, denk' ich, Baſtard, Alen gon und Andre.) Der Herzog von Burgund wird fa Eh er zu ſolchem Preiſe wieder kauft. 6 Es war voll Trespe; liebt ihr den Geſchmack? Burg. Ja, höhne, böſer Feind! ſchamloſe Buhle! Bald hoff⸗ ich dich im eignen zu erſticken, Daß du die Ernte dieſes Korns verfluchſt. Bedf. O, nicht mit Worten, neht mit Thaten che? Puc. Was wollt ihr, alter Graubart? mit dem Tod Im Lehnſtuhl auf ein Lanzenbrechen rennen? Talb. Daͤmon von Frankreich, aller Graͤuel Here, Von deinen upp'gen Buhlern eingefaßt! 8 teht es dir an, ſein tapfres Alter hoͤhnen, Und den halbtodten Maun mit Feigheit zwacken? Ich muß hoch einmal, Dirnchen, mit euch dran, onſt komme Talbot um in ſeiner Schmach! 8 Puc. Seyd ihr ſo hißig, Herr? Doch ſtill, Pucelle: Denn donnert Talbot nur, ſo folgt auch Regen. (Talbot und die Andern berathſchlagen ſich.) Gott helf dem Parlament! wer ſoll der Sprecher ſeyn? Talb. Wagt ihr euch wider uns ins Feld hinaus? Puc. Es ſcheint, der gnaͤd'ge Lord halt uns fuͤr Narrn, O unſers unſer ſey erſt auszumachen. Lalb. Ich ſag es nicht der ſchmaͤh'nden Hecate, Dir ſag ichs und den andern, Alenron: Kommt ihr und fechtet's wie Soldaten aus? Al. Nein Signor. 138 Koͤnig Heinrich VI. A. III. galb. So haͤngt, Signor! Ihr Maulthiertreiber Frankreichs! Wie Bauerknechte huten ſie die Mauern Und dürfen nicht wie Edelleute ſechten. puc. Hauptleute, fort! verlaſſen wir die Mauern, Denn Talbot meynt nichts Guts nach ſeinen Blicken. Gott gruß' euch, Lord, wir wollten euch nur ſagen, Wir wären hier. (Die Pucelle mit den Uebrigen von den Mauern ab.) Talb. Wir wollen auch dort ſeyn in kurzer Zeit, Sonſt werde Schande Talbots großter Ruhm. Schwoͤr' mir, Burgund, bey deines Hauſes Ehre, Gereizt durch Unrecht, ſo dir Frankreich that, Du wollſt die Stadt erobern oder ſterben; und ich, ſo wahr als Englands Heinrich lebt, Und als ſein Vater hier Erobrer war, So wahr in dieſer juͤngſt verrathnen Stadt Held Lowenherzens Herz begraben ward, 6 Will ich die Stadt erobern oder ſterben! Burg. Mein Schwur iſt deines Schwures Mitgenoß. Talb. Doch eh wir gehn, ſorgt fuͤr ein ſterbend Haupt, Den tapfern Herzog Bedford.— Kommt, Mylord, Wir wollen einen beſſern Platz euch ſchaffen, Fuͤr Krankheit ſchicklicher und muͤrbes Alter. Bedf. Lord Talbot, nein, entehret mich nicht ſo: Hier will ich ſitzen vor den Mauern von Rouen, Theilnehmer eures Wohles oder Wehs. Burg. Beherzter Bedford, laßt uns euch bereden. Bedf. Mur nicht von hier zu gehn; ich las einmal, Der ſtarke Pendragon kam in der Saͤnfte. Krank in das Feld und uͤberwand den Feind; So moͤcht' ich der Soldaten Herz beleben, Denn immer fand ich ſie ſo wie mich ſelbſt. Talb. Entſchloßner Geiſt in der erſtorbnen Bruſt! So ſey's denn; ſchutze Gott den alten Bedſord! Nun ohne Weitres, wackerer Burgund, Ziehn wir zuſammen unſre Macht ünd fallen auf den prahleriſchen Feind. (Burgund, Talbot und ihre Truppen ab, indem ſie Bedford und Andre zuruͤcklaſſen.) (Setuͤmmel, 5 Sir John Faſtolfe und ein auptmann kommen.) ,—— S2 Erſter Theil. 139 Sauptm. So eiſig, Str John Faſtolfe! Wo hinaus? Faſt. Nun, wo hinaus? Mich durch die Flucht zu retten, Wir werden wiederum geworfen werden. Zauptm. Was, flieht ihr, und verlaßt Lord Talbot? Faſt. Ja, alle Talbots in der Welt, um mich zu retten. (ab.) Zauptm. Verzagter Ritter! ungluck folge) e (Ruͤckzug. Angriffe. Aus der Stadt kommen die Pucelle, Alengon, Carlu. ſ. w. und gehen fliehend ab.) Bedf. Nun, ſtille Seele, ſcheide, wann Gott will. Denn unſre Feinde ſah ich hingeſturzt. Wo iſt des Menſchen Zuverſicht und Kraft? Sie, die ſich jüngſt erdreiſtet mit Geſpoͤtt, Sind gerne froh ſich durch die Flucht zu retten. (Er ſtirbt und wird in ſeinem Lehnſtuhl weggetragen.. (Getuͤmmel. Talbot, Burgund und Andre treten auf.) Talb. In einem Tag verloren und gewonnen! Gedoppelt iſt die Ehre nun, Burgund; Doch ſey dem Himmel Preis fuͤr dieſen Sieg! Burg. Sieghafter Krieger Talbot! dein Burgund Weiht dir ſein Herz zum Schrein, und baut ein Denkmal Des Heldenmuths aus deinen Thaten da. Talb. Dank, edler Herzog. Doch, wo iſt Pucelle? Ich denk'“, ihr alter Pausgeiſt ſiel in Schlaf. Wo iſt des Baſtards Prahlen? Carls Geſpoͤtt? Wie alles ſtill? Es hängt Rouen den Kopf, Vor Gram, daß ſolche tapfre Schaar geflohn. Dann nach Pairs zum König; denn es liegt er junge Heinrich da mit ſeinen Großen. Burg. Was Talbot will, das haͤlt Burgund genehm. Talb. ZJedoch laßt, eh wir gehn, uns nicht vergeſſen Den juͤngſt verſchiednen edlen Herzog Bedford, Und ſehn wir ſein Begraͤbniß hier vollbracht. Kein braverer Soldat ſchwang je die Lanze, ein mildres Herz regierte je am Doch ſterben wüſſen Kon'ge, noch ſo groß, o endet ſich elender Menſchen Loos. (Alte ab.) ² 140 Konig Heinrich vl. a. u. Dritte See me. Die venachbarten Gbenen bey Röen. 13 Cart, der Baſtard, Alenson, die Pucelle treten auf mit Truppen.) puc. Verzagt nicht, Prinzen, uͤber dieſen Zufall, Und graͤmt euch nicht, daß ſie Rouen genommen, Denn Sorge wehrt nicht, ſie verſehrt und zehrt, Um Dinge, die nicht abzuſtellen ſind. Der tolle Talbot ſiegprang' eine Weil', Und ſpreize wie ein Pfau ſich mit dem Schweif; Wir rupfen ihn und kuͤrzen ihm die Schleppe, Laßt Dauphin ſammt den Andern nur ſich rathen. Carl. Wir folgten deiner Leitung bis hieher, Und hegten Mißtraun nicht in deine Kunſt; Ein ſchneller Unfall ſoll nie Argwohn zeugen. Baſt. Such' deinen Witz durch nach geheimen Liſten, Und ruhmvoll machen wir dich aller Welt. 6 Al. Wir ſtell'n dein Bildniß an geweihte Plaͤtze, Und beten dich wie eine Heil'ge an. Bemuͤh' dich, holde Jungfrau, denn fuͤr uns! puc. So ſey es alſo, dieß iſt Jeanne's Plan: Durch Ueberredungen mit Honigworten 8 Verſtricken wir den Herzog von Burgund, Den Talbot zu verlaſſen, uns zu folgen. 2 Carl. Ei ja, mein Herz! wenn wir das könnten, wäte Frankreich kein Platz fuͤr Heinrichs Krieger mehr; Noch ſollte die Nation ſo mit uns prahlen, Vielmehr vertilgt aus unſern Landen ſeyn. Al. Fuͤr immer waͤren ſie verbannt aus Frankreich, Und fuͤhrten keiner Grafſchaft Titel hier. puc. Ihr ſollt ſchon ſehn, wie ich es machen will, Die Sache zum gewuͤnſchten Schluß zu bringen. (Man hoͤrt Trommeln.) Horcht! an dem Trommelſchlag iſt abzunehmen, Daß ihre Truppen ſich Paris⸗ waͤrts ziehn. (Ein Engliſcher Marſch. In der Entfernung zieht Dalbot mit ſeinen Truppen voruͤber.) S Erſter Sheil. Da geht der Talbot, fliegend ſeine Fahnen, Und alle Schaaren Engliſcher nach ihm. (Ein Franzoͤſiſcher Marſch. Der Herzog von Burgund mit ſeinen Truppen.) Nun kommt Burgund im Nachtrab und ſein Volk, Das Glück ließ günſtig ihn dahinten weilen. Man lad' ihn ein, wir wollen mit ihm reden. (Eine Trompete blaͤſt die Einladung zur Unterredung. Carl. Auf ein Geſpraͤch mit Herzog von Burgund! Burg. Wer fordert ein Geſpräch mit dem Burgund? Puc. Dein Landsmann, Frankreichs koͤniglicher Carl. Burg. Was ſagſt du, Carl? Denn ich muß weiter ziehn. Carl. Pucelle, prich! bezaubre ihn mit Worten! Puc. Du, Frankreichs Hoffnung, wackerer Burgund, Laß deine Magd in Demuth mit mir reden. Burg. So ſprich, doch mach's nicht uͤbermaͤßig lang. Puc. Blick auf dein fruchtbar Vaterland, dein Frankreich, Und ſieh die Städt' und Wohnungen entſtellt Durch die Verheerung eines wilden Feinds! So wie die Mutter auf ihr Kindlein blitht, enn Tod die zartgebrochnen Augen ſchließt, So ſieh, ſieh Frankreichs ſchmachtendes Erkranken Die Wunden ſchau, die Wunden unnatürlich, 6 Die ihrer bangen Bruſt du ſelbſt veuſett O kehr dein ſchneidend Schwerd wo anders hin, riff, wer verletzt, verletz' nicht den, der hilft! Ein Tropfe Blurs aus deines Landes Buſen Muß mehr dich reun, als Strome fremden Bluts; rum kehr' zuruͤck mit einer Flut von Thraͤnen, Und waſche deines Landes Flecken weg. Burg. Entweder hat ſie mich behert mit Worten, Oder mit eins erweicht mich die Natur. Puc. Auch ſchreien alle Franken uber dich, Geburt und aͤchte Herkunft dir bezweifelnd. n wen geriethſt du, als ein herriſch Volk, Das dir nicht traun mag, als Gewinnes halb? Wer außer Englands Heinrich wird dann Herr, Und du hinausgeſtoßen wie ein Flächtling? Ruf' dir zuruͤck, und denk nur dieß zur Probe: Ronig einich V.. War nicht der Herzog Orleans dein Feind? Und war er nicht in England Kriegsgefangner? Allein, als ſie gehoͤrt, er ſey dein Feind, Bic So gaben ſie ihn ohne Loͤſung frey, Burgund zum Trotz und allen ſeinen Freunden. So ſieh dann, wider deine Landsgenoſſen Kaͤmpfſt du mit denen, die dich morden werden. Komm, kehre heim! kehr heim, verirrter Fuͤrſt; Carl und die Andern werden dich umarmen. Burg. Ich bin beſiegt; dieſ⸗ ihre hohen Worte Zermalmen mich wie bruͤllendns Geſchuͤtz, Daß ich faſt in die Knie ſinken muß— Verzeiht mir, Vaterland und Landsgenoſſen! Und, Herrn empfangt die herzliche Umarmung. All meine Macht und Schäaren Volks ſind euer; Talbot, leb wohl! ich trau dir laͤnger nicht. pue. Wie ein Franzos: gewandt und umgewanbt! Carl. Heil, braver Herzog, uns belebt dein Bund⸗ Baſt. Und zeuget neuen Muth in unſte Bruſt. Al. Pucelle hat ihre Rolle brav geſpielt, Und eine goldne Krone dran verdient. Carl. Nun weiter, Herrn; vereinen wir die Truppen, Und ſehn, wie wir dem Feinde Schaden thun, (lle ab.) Bi e r t e S e ne Paris. Ein Saal im Palaſt. (König Heinrich, Gloſter und andre Lords; Vern on Baſſet u. ſ. w. Zu ihnen Dalbot und einige von ſei⸗ nen Offizieren.) 3 Talb. Mein gnaͤd'ger Fuͤrſt und ehrenwerthe Pairs, Von eurer Ankunft hier im Reiche horend, Ließ ich ein Weilchen meine Waffen ruhn, Um meinem Hberherrn die Pflicht zu leiſien. Zum Zeichen deß ſenkt dieſer Arm— der euch In funfzig Veſten zum Gehorſam rief, Zwolf Städte, ſieben Mau'r⸗umgebne Flecken, Benebſt fuͤnfhundert achtbaren Gefangnen— Sein Schwerdt vor Euer Hoheit Fuͤßen nieder; * Spz. 4. Erſter Lheit 142 Und, mit des Herzens unterthaͤn'ger Treu, Schreib' ich den Ruhm gelungener Erobrung Erſt meinem Gott, dann Euer Hoheit zu R. Zeinr. Iſt dieſes der Lord Talbot, Oheim Gloſter, Der ſich ſo lang in Frankreich aufgehalten? Gloſt. Zu Euer Majeſtät Befehl, mein Fuͤrſt. R. Heinr. Willkommen, braver Kriegshauptmann uld Als ich noch jung war(zwar auch jetzt nicht alt), rinnr' ich mich wie mir mein Vater ſagte, Kein beßrer Streiter führte je das Schwert. Und nehmt bey unſrer Kroͤnung euern Platz. GFoͤnig Heinrich, Gloſter, Talbot und Lords ab.) Vern. Nun Herr, der ihr ſo hitzig wart zur See, Beſchimpfend dieſe Farben, die ich trage, Zu Ehren meinem edlen Lord von York! Harfſt du die vor'gen Worte noch behaupten? Baſſ. Ja Herr; ſowohl als ihr vertheid'gen düͤrft Der unverſchämten Zunge boshaft Bellen uf meinen Lord, den Herzog Somerſet. vern. Ha, deinen Lord ehr' ich ſo wie er ſt. Baſſ. Nun, wie iſt er denn? So gut wie York. vern. Hoͤrt ihr, nicht ſo! Zum Seichen nehmt mir das. (Schlägt ihn.) Baſſ. Du weißt es, Schurk, das Waffenrecht iſt ſo, Daß, wer den Degen zieht, des Todes ſtirbt; Sonſt zapfte dieſer Schlag dein Herzblut an. Allein ich will zu ſeiner Mazeſtat, ad bitt' um Freybeit, dieſe Schmach zu rächen. Sieh zu, dann treff' ich dich zü deinem Schaden. unern. Verworfner, ich bin dort ſo bald wie ihr treffe euch dann balder als ihr wuͤnſcht. (Beyde ab.) 144 Königs Haitrich vI. W. bends WeiehrtenA urfezig Erſte Szene paris, Gin Ludienz⸗ Saal. Gönig Heinvi ch, Glloſter, Ereter, York, Su ff olk, Somerſet, Wincheſter, Warwi ck, Talbot, der Statthal ter von Paris und Andre.) Gloſt. Herr Biſchof ſebt' die Kron ihm auf ſein Haupt. winch. Heil Koͤnig Heinrich, ſechſtem dieſes Namens! Gloſt. Nün thut den Eyd, Statthalter von Paris. Der Statthalter kniet.) Ihr wollet keinen andern Koͤnig kieſen, Nur ſeine Freunde fuͤr die euern achten, Fuͤr Feinde nur, die auf ſein Regiment Es mit boshaften Ränken angelegt; Dieß ſollt ihr thun, ſo Gott euch helfen möge! S(Der Statthalter und ſein Gefolge (Sir John Faſtolfe tritt auf.) Faſt. Mein gnäbisſter Monarch, als von Calais Ich eilends her zu eurer Kroͤnung ritt, Ward mir ein Brief zu Handen übergeben, n Vom Herzog von Burgund an euch gerichtet. Talb. Schand' uͤber Herzog von Burgund ind dich! Ich ſchwur, du Feiger, wie ich dich nur traͤfe Vom feigen Bein das Knieband dir zu reißeh. Und thu' es nun, weil du unwuͤrdiglich Bekleidet wurdeſt mit dem hohen Rang.— Verzeiht mir, hoher Heinrich, und die Andern! Der Feigling da, beym Treffen von Patait, Da ich ſechstauſend ſtark in allem war, Und zehn beynah die Franken gegen einen: Eh man ſich traf, eh noch ein Streich geſchah, Lief er davon, wie ein getreuer Packknecht; Dabey verloren wir zwölfhundert Mann⸗ X S heit. 145 Ich ſelbſt und andre Edelleute wurden Gloſt. Die Wahrheit zu geſtehn, die That war ſchandlich, Und übel ziemend dem Gemeinen ſelbſt. Viel mehr denn einem Ritter, Hauptmann, Fuͤhrer. er denn alſo nicht ausgeſtattet iſt Maßt ſich nur an den heil'gen Namen Ritter, Entweihend dieſen ehrenvollen Orden; Und ſollte Gvär“ ich wuͤrdig da zu richten) urchaus verworfen werden, wee ein Bettler Am Zaun geboren, der ſich Adels anmaßt. BR. Heinr. Schimpf deines Lands! da hoͤrſt du deinen pru Drum pack dich weg, du, der ein Ritter war; Wir bannen dich hinfort bey u 35 3 1(Faſtolfe ab. Und nun, Mylord Protertor, leſt den Brief Von unſerm Dheim, Herzog von Burgund. n Gloſt.(die ueberſchrift betrachtend.) Was meynt er, ſo die Schreibart zu veraͤndern? Nur„an den Koͤnig“ ſchlicht und grade zut at er vergeſſen wer ſein Lehnsherr iſt? (lieſt.) Ich bin aus eignen Gründen „Aus Mitleid uͤber meines dands Ruin 38 „Sammt aller derer klaͤglichen Beſchwerden, „Die eure Unterdruͤckung ausgezehrt „Zu Frankreichs ächtem Koͤnig Karl getreten“ ſcheußlicher Verrath! Kann es denn ſeyn aß unter Freundſchaft, Buͤndniſſen und Schwüren So falſch verſtellter Trug erfunden wird? r 6 5 10 146 Koͤnig Heinrich VI. 21w. R. Zeinr. Was? faͤllt mein Oheim von Burgund mir ab! Gloſt. Ja, gnäͤd ger Herr, und ward nun euer Feind. R. HZeinr. Iſt das das Schlimmſte, was ſein Brief Gloſt. Es iſt das Schlimmſte, weiter ſchreibt er nichts. R. weinr. Ey nun, ſo ſoll Lord Talbot mit ihm ſprechen, Und Zächtigung fuͤr ſein Vergehn ihm geben⸗ Was ſagt ihr, Mylord? ſeyd ihr es zufrieden? Talb. Zufrieden, Herr? Ihr kamt mir nur zuvor, Sonſt haͤtt' ich um den Auftrag euch gebeten. R. Zeinr. So ſammelt Macht, und zieht gleich wider ihn. Er fuͤhle, wie uns ſein Verrath entruͤſtet, Und welch' ein Fehl es iſt, der Freunde ſpotten. Talb. Ich gehe, Herr, im Herzen ſtets begehrend, Daß ihr die Feinde mogt vernichtet ſehn. F. 5 ab. 3 Vernon und Baſſet treten auf.) vern. Gewaͤhrt den Zweykampf r mein gnäd'ger Herr! Baſſ. Und mir, mein Fuͤrſt, gewaͤhrt den Zweykampf auch. Nork. Dieß iſt mein Diener; hort ihn, edler Prinz! Som. Dieß meiner; liebſter Heinrich, ſey ihm hold! R. Heinr. Seyd ruhig, Lords, laßt ſie zu Worte 5 kommen, Sagt, Leute: was bewegt euch, ſo zu rufen? Und warum wollt ihr Zweykampf? und mit wem? vern. Mit ihm, mein Fuͤrſt, denn er hat mich gekrankt. Baſſ. Und ich mit ihm, denn er hat mich gekraͤnkt. R. Zeinr. Was iſt die Kraͤnkung, uͤber die ihr klagt! Laßt hoͤren, und dann geb' ich euch Beſcheid. Baſſ. Als ich von England überfuhr nach Frankreich, So ſchmaͤhte mich mit boshaft ſcharfer Zunge Der Menſch hier um die Roſe, die ich trage, Und ſagte, ihrer Blätter blut'ge Farbe Bedeute das Erroͤthen meines Herrn, Als er der Wahrheit ſtarr ſich widerſetzt, Bey einer Frage in den Rechten, Woruͤber Herzog York und jener ſtritt, Nebſt andern ſchimpflichen und ſchnoͤden Worten; Zu Widerlegung welcher groben Ruͤge, Sz. 1. erſter Theil. Und meines Herrn Verdienſte zu verfechten, Des Waffenrechtes Wohlthat ich begehre. Dern. Das iſt auch mein Geſuch, mein edler Fuͤrſt; Denn mag er gleich durch ſchlauen feinen Vortrag Der dreiſten Abſicht einen Firniß leihn,. Wißt dennoch, Horr, ich ward Lereizt von ihm, Und er nahm Anſtoß erſt an dieſem Zeichen, Mit ſolchem Ausſpruch: dieſer Blume Blaͤſſe Verrathe Schwaͤch' im Herzen meines Herrn. VPork. Laͤßt dieſe Bosheit, Somerſet, nicht nach. Som. Und euer Groll, Mylord von York, bricht aus, Ob ihr ihn noch ſo ſchlau zu daͤmpfen ſucht.“ R. Zeinr. O Gott, wie raſet der Menſchen krankes Hirn, Wenn aus o laͤppiſchem geringen Grund. W. o eifrige Partheyung kann entſtehn! Ihr lieben Vettern, York und Somerſet, Beruhigt euch, ich bitt', und haltet Frieden. Pork. Laßt ein Gefecht erſt dieſen Zwiſt entſcheiden, und dann gebiete Eure Hoheit Frieden 34 Som. Der Zank geht niemand an, als uns allein, So werd' er zwiſchen uns denn ausgemacht. Pork. Da iſt mein Pfand, nimm, Somerſet, es an. Vern. Nein, laßt es da beruhn, wo es begann. Baſſ. Beſtatigt das, mein hochgeehrter Fuͤrſt! Bloſt Beſtätigt das? Verflucht ſey euer Streit? Moͤgt ihr, und euer frech Geſchwätz verderben! Schämt ihr euch nicht, anmaßende Vaſallen, Mit unbeſcheidnem lauten Ungeſtum en Koͤnig und uns alle zu. verſtören? Und ihr, Mylords, mich duͤnkt, ihr thut nicht wohl, enn ihr ſo duldet ihr verkehrtes Trotzen, Viel minder, wenn ihr ſelbſt aus ihrem Mund u Haͤndeln zwiſchen euch den Anlaß nehmt. Laßt mich zu beßrer Weiſe euch bereden. Exet. Es krankt den Koͤnig: lieben Lords, ſeyd Freunde! Sſ Seinr. Kommt her, ihr, die ihr Käͤmpfer wolltet ſeyn. Hinfort befehl ich euch bey meiner Gun 3 en Streit und ſeinen Grund ganz zu vergeſſen. Und ihr, Mylords, bedenket wo ihr ſeyd: In Frankreich, unter wankelmuͤth'gem Volk; enn ſie in unſern Blicken Zwietracht ſehn, 148 Koͤnig Heinrich VI. A. IV. Und daß wir unter uns nicht einig ſind, Wie wird ihr grollendes Gemuͤth erregt Zu ſtarrem Ungehorſam und Empoͤrung? Was wird es uͤberdieß fuͤr Schande bringen, Wenn fremde Prinzen unterrichtet ſind,* Daß um ein Richts, ein Ding von keinem Werth Deß König Heinrich Pairs und hoher Adel Sich ſelbſt zerſtort und Frankreich eingebuͤßt? S denkt an die Erobrung meines Vaters, Un meine zarten Jahre; laßt uns nicht Um Poſſen das, was Blut erkauft, verſchleudern! Laßt mich der ſtreit'gen Sache Schiedsmann ſeyn⸗ Ich ſeh nicht, wenn ich dieſe Roſe trage, (Gindem er eine rothe Roſe anſteckt.) Weßwegen irgend wer argwohnen ſollte, Ich ſey geneigter Somerſet als York, Sie ſind verwandt mir, und ich liebe beyde; Man kann ſo gut an mir die Krone ruͤgen, Weil ja der Schotten Koͤnig eine trägt. Doch eure Weisheit kaun euch mehr bereden, Als ich zur Lehr und Mahnung fähig bin: Und drum, wie wir in Frieden hergekommen,* S So laßt uns ſtets in Fried⸗ und Freundſchaft bleiben.— Mein Vetter York, in dieſem Theil von Frankreich Beſtallen wir fuͤr uns euch zum Regenten; Und lieber Herzog Somerſet, vereint Mit ſeinem Heer zu Fuß, die Reiterſchaaren;— Wie aͤchte Unterthanen, Soͤhne eurer Ahnherrn, Geht freudiglich zuſammen und ergießt 3 Die zorn'ge Galle wider eure Feinde. Wir ſelbſt, Mylord Protector, und die andern Gehn nach Calais zukuck, nach ein'ger Raſt; Von da nach England, wo ich hoffe, in kurzem Durch eure Siege vorgefuͤhrt zu ſehn Carl, Alengon und die Verraͤtherbande. (Trompetenſtoß. Koͤnig Heinrich, Gtoſter, Somerſet⸗ Wincheſter, Suffolk und Baſſet abe) Warw. Mylord von York, der Koͤnig, auf mein Wort Hat artig ſeine Rednerkunſt gezeigt. Pork. Das that er auchz jedoch gefaͤllt's mir nicht, Daß er von Somerſet das Zeichen traͤgt. warw. Pah! das war nur ein Einfall, ſcheltet's nicht: Der holde Prinz, ich wett, er meynt kein Arges. SR Erſter Sheiti6 149 Pork. Und wenn ichs wuͤßte,— doch das mag beruhn, du fuͤhren giebt's nun andere Geſchäfte.. York, Warwick und Vernon ah.) Eret. Gut, Richard, daß du deine Stimm' erſtickt! enn, braͤch' die Leidenſchaft des Herzens aus, So fuͤrcht ich, ſaͤhen wir daſelbſt entziffert Mehr bittern Groll, mehr tobend wilde Wuth, Als noch ſich denken und vermuthen laͤßt. och, wie es ſey, der ſchlichteſte Verſtand, Der die Mißhelligkeit des Adels ſieht, Wie ſie am Hof ſich ſuchen zu verdrängen, Und ihrer Diener heftige Parteyung, Muß einen uͤbeln Ausgang prophezey'n. Schlimm iſts, wenn Kindeshand den Zepter fuͤhrt; och mehr, wenn Neid erzeugt gehaͤß'ge Irrung, Da kommt der Umſturz, da beginnt Verwirrung. k5 qb. Sweyte Szene. Vor Bordeaur. 5 (Talbot tritt auf mit ſeinen Truppen.) Talb. Geh zu den Thoren von Bordeaux, Trompeter, Lad' auf die Mauer ihren Feldhauptmann. 2 Eine Frompete blaͤſt die Einladung zur Unterredung.) (Auf den Mauern erſcheint der Befehlshaber der Franzöfiſchen Truppen und Andre.) Der Engliſche John Talbot ruft euch her, einrichs von England Diener in den Waffen, Und dieſes will er: Oeffnet eure Thore, Demuͤthigt euch, nennt meinen Koͤnig euren, Und huldigt ihm wie treue Unterthanen, So zieh' ich fort mit meiner blut'gen Wacht. Doch ſeht ihr ſauer dem erbotnen Frieden, o reizt zur Wuth ihr meine drey Begleiter,. Viertheilend Schwert, wild Feuer, hohlen Hungert, e eure Thuͤrme, ſo den Luͤften trotzen, Im Augenblick den Boden machen gleich, Benn ihr den Antrag ihrer Huld verſäumt. Befehlsh. Du⸗ ahndungsvoller grauſer Tobesvogel, Schreck unſrer Nation und blut'ge Geißel! 150 Konig Heinrich VI. A. V. Es naht das Ende deiner Tyranney. Du drinsſt zu uns nicht ein, als durch den Tod: Denn ich betheu'r es, wir ſind wohl verſchanzt, Und ſtark genug, zu Kampfen auszufallen; Ziehſt du zuruͤck, ſo ſteht bereit der Dauphin Dich mit des Krieges Schlingen zu verſtricken. Gelagert ſind Geſchwader rechts und links Dir zu der Flucht die Freyheit zu vermauern; Du kannſt dich nirgends hin um Hulfe wenden, Wo nicht der Tod mit Untergang dir droht, Und bleich Verderben dir die Stirne bietet. Zehntauſend Franken woll'n, und nahmen drauf Das Sakrament, ihr tödtliches Geſchuͤtz Auf keine Chriſtenſeel' als Talbot ſprengen. Sich! dort noch ſtehſt und athmeſt du, ein Mann Von unbeſiegbar'm unbezwungnem Geiſt: Dieß iſt die letzte Glorie deines Preiſes, Mit weicher ich, dein Feind, dich noch begabe; Denn eh das Glas, das jetzt beginnt zu rinnen, Den Fortgang ſeiner ſand'gen Stunde ſchließt, Wird dieſes Aug', das wohlgefaͤrbt dich ſieht, Dich welk erblicken, blutin, bleich und todt. (Man hoͤrt Trommeln in der Ferne.) Horch! horch! 6 5 Des Dauphins Trommel, eine Warnungsglocke, Spielt deiner bangen Seele Trau'rmuſik, Und meine läͤute dir zum grauſen Abſchied. (Der Befehlshaber und Gefolge ab von der Mauer.) Talb. Er fabelt nicht, ich hoͤre ſchon den Feind.— Auf, leichte Reiter! ſpaͤht um ihre Flanken.— O läßige, ſaumſel'ge Kriegeszucht! Wie ſind wir eingehegt, und rings umzäunt, Ein kleiner Rudel ſcheues Wild aus England, Von Kuppeln Fraͤnk ſcher Hunde angeklafft! Sind wir denn Engliſch Wild, ſo ſeyd voll Muths, Fallt nicht auf einen Biß, Schmalthieren gleich, Kehrt wie verzweifelnde tollkuͤhne Hirſche Geſtaͤhlte Stirnen auf die blut'gen Hunde, Daß aus der Fern' die Feigen bellend ſtehn⸗ Verkauft ſein Leben jeglicher wie ich, So finden ſie ein theures Wild an uns. Si und Sankt George! Talbot und Englands Recht ring' unſern Fahnen Gluͤck in dem Gefecht! Nork. Sin Die nachgeſpuͤ Bote. Er ſey gez Zum S Erſter Tpeil. itte Szene N Gons in Hetehne („o rk tritt auf mit Fruppen, zu ihm ein B ote) 5 nicht die hurt'gen Spiher wieder da, rt dem maͤcht'gen Heer des Dauphin 7 Sie ſind zuruck, Mrylord, und geben an, ogen nach Bourdeaux mit Macht Kampf mit Talbot; wie er zog entlang, Entdeckten eure Spaͤher zwey Geſchwader, Noch machtiger Die nach Bour Der große Und mich b Daß ich nicht b als die der Dauphin fuͤhrte S deaux, vereint mit ihm, ſich wandten. Pork. Verflucht ſey doch der Schurke Somerſet, Der mein verſprochnes Huͤlfsvolk ſo verzoͤgert Von Reiterey, geworben zur Belagrung. Talbot Gott helf' ihm in Dann alle Krie Lucy. 9* Du fuͤrſtlich Haupt der Engliſchen Gewalt, wartet meiner Huͤlfe, etölpelt ein Verräͤtherbube, eyſtehn kann dem edlen Ritter. den Noͤthen; geht er unter, in Frankreich, fahret wohl! eeir William Luey tritt auf.) Der nik ſo nöthig war auf Frankreichs Boden, Hin ſporne zu des edlen Talbots Rettung, Den Ei Und Auf, ſenbande jetzt umguͤrtet haben, grimmiges Verderben eingeenat. muth'ger Herzog, nach Bourdeaux! auf York! Fahr' wohl ſonſt, Talbot, Frankreich, Englands Ehre! Y So wurd' ein t Ei 5 Wir trauren aß wir ſo ſter Pork. O Gott! waͤr⸗ Somerſet, der, ſtolzen Herzens, ir die Schwadrohen hält, an Taibots Stelle! n Feigling un apfrer Edelmann gerettet, d Verraͤther dran gewagt. ben, zwingt mich Wuth zu weinen, ndeß Verrather traͤg zu ſchlafen ſcheinet Lucy. O ſendet Hülfe dem bedrängten Lord! nork. Er ſürbt, wir falln; ich brach mein kriegriſch ort:. urch Somerſets Lucy. Erbarm' Frankreich lacht; wir fall'n, ſie ſteigen verraͤthriſches Bezeigen. ſich Gott dann Talbots wackrer Seele 152 Koͤnig Heinrich VI. A. W. und ſeines Sohnes John, den vor zwey Stunden Ich auf der Reiſe traf zu ſeinem Vater; Die ſich in ſieben Jahren nicht geſehn, Sie treffen ſich, da iſt's um ſie geſchehn. Nork. Ach, was fuͤr Luſt denkt ihr, daß Talbot habe, Da er den Sohn willkommen heißt zum Grabe! Fort, Jammer wuͤrgt mich, daß die Todesſtund' Erneuern muß getrennter Freunde Bund.— Lucy, leb' wohl! ich weiß nun keinen Rath, Als den verfluchen, der den Schaden that; 6 Maine, Bloys, Poitiers und Tours ſind alle hin Durch Somerſets Verzug und falſchen Sinn.] Lucy. So, weil der Geyer der Empoͤrung nagt Am Buſen ſolcher maͤchtigen Gebieter, Laßt träge Säumniß falſch verloren gehen Des kaum geſtorbnen Koͤniges Gewinn, Des Manns von ewig lebendem Gedaͤchtniß, Heinrich des Fuͤnften; weil ſie ſich zuwider, Stuͤrzt Leben, Ehre, Land und alles nieder. Eine andre Gegend in Gascogne. (Somerf et git ſnen Truppen tritt auf, mit ihm ein ffizier von Talbots Heer.) Som. Es iſt zu ſpät, ich kann ſie nun nicht ſenden. Dieß Unternehmen legten York und Talbot Zu vorſchnell an; mit unſrer ganzen Macht Nahm's wohl ein Ausfall aus der Stadt allein Genugſam auf: der zu vermeßne Talbot Hat allen vor'gen Ruhmesglanz befleckt Durch dieß verzweifelt wilde Abentheuer. W trieb ihn an, im Kampf mit Schmach zu ſterben, eil er nach Talbots Tod den Ruhm will erben. offiz. Hier iſt Sir William Lucy, der mit mir Um Huͤlfe das bedraͤngte Heer verlaſſen. (Sir William Lucy tritt auf.) Som. Wie ſteht's, Sir William? Wer hat euch geſandt! Lucy. Wer? der verrathne und verkaufte Talbot, Der, rings umzirkt vom kuͤhnen Mißgeſchick, Sz. 4. Erſter Theil. 6 45⁸ Anruft den edlen Pork und Somerſet, Vom ſchwachen Heer den Tod heczuſchlagen i err dort 3 Ihr, fernab aus gemeiner Eiferſucht! Laßt euren Zwiſt die ſchon geworbne Macht Nicht vorenthalten, die ihm helfen ſollte, Weil der beruͤhmte edle Lord ſein Leben Dahingiebt einer Welt voll Uebermacht. 61 Von Hrlean der Baſtard, Carl, Burgund, lengon, Reignier, ſchließen rings ihn ein, Und Talbot geht zu Grund durch eure Schuld. Som. York trieb ihn an, York mußt' ihm Huͤlfe ſenden⸗ YPork ſchreit nicht minder wider Euer Gnaden, Und ſchwoͤrt, ihr haltet ſein geworbnes Heer, 6 Zu dieſem Zug verſammeit, ihm zuruͤck. ſchicken Reiter haben. i iebe ſchu dig,. Und acht' es Schimpf, ſie kriechend ſelbſt zu ſenden. Lurp. Der Engliſche Betrug nicht Frankreichs Macht Beſtrickt den edelmuͤth'gen Talbot jetzt. 6 5 rkehrt nach England lebend nie zuruͤck, 2 Er ſtirbt: eur Zwiſt verrieth ihm boͤſem Gluͤck. 1nN Som. So kommt, ich ſende ſiracks die Reiter ab Und in ſechs Stunden ſind wir ihm zu Dienſt. Lucp. Zu ſpaͤt! Er ward gefangen oder fiel Denn fliehen konnt' er nicht, auch wenn er wollte, nd, konnt' ers gleich, nie wollte Talbot fliehn. Som. Uund iſt er todt, fahr wohl denn, wackrer Held Lucy. Euch bleibt die Schmach,. thm erfuͤllt die We (Alle ab.) Som. York lͤgt; er konnte 154 Koͤnig Heinrich VI.. A 1W Das Pugliſche Lager bey Bourdegu. un (Farbot utd ſein Sohn John treten 6if) Talb. O John, mein Sohn 16ch ſandte nach dir aus, Dich in des Krieges Kuͤnſten zu belehren, Daß Talbots Name leben moͤcht' in dir, Wenn kraftlos Alter, unbeholfne Glieder, Im Armſtuhl deinen Vater hielten ſeſt. Doch,— o mißzguͤnſt'ge, unglucksſchwangre Sterne!— Zu einem Feſt des Todes kommſt du nun, Zu ſchrecklich unvermeidlicher Gefahr. it Drum, liebes Kind, beſteig dein ſchnellſtes Roß, Ich will dir zeigen, wie du kannſt entkommen Durch raſche Flucht: komm, zaudre nicht, und fort! John. Heiß' ich denn Talbot? bin ich euer Sohn? Und ſoll ich fliehn! O, liebt ihr meine Mutter, 3 So ſchmäht nicht ihren ehrenwerthen Namen, Indem ihr mich zum Knecht und Baſtard macht, Pon niemand wird für Talbots Blut erkannt, Der ſchnode floh, wo Talbot wacker ſtand. Talb. Flieh, wenn ich falle, meinen Tod zu rächen. John. Wer ſo entflieht, haͤlt nimmer ſein Verſprechen. Talb. Wenn beyde bleiben, ſterben beyde hier. John. So laßt mich bleiben, Vater, fliehet ihr; An euch haͤngt viel, ſo ſolltet ihr euch ſchaͤtzen; Mein Werth iſt, unbekannt, leicht zu erſetzen⸗ Mit meinem Tod kann nicht der Franke prahlen, Nach eurem wird uns keine Hoffnung ſtrahlen. Euch raubt erworbne Ehre nicht die Flucht, Die meine wohl, der ich noch nichts verſucht. In eurem Fliehn wird jeder Klugheit ſehn; Weich' ich, ſo heißt's, es ſey aus Furcht geſchehn. Wer hofft wohl, daß ich jemals halte Stand, Wenn ich die erſte Stunde fortgerannt? Auf meinen Knieen bitt' ich hier um Tod Statt Lebens, das nur Schande mir gebot. Talb. Ein Grab ſoll faſſen deiner Mutter Loos! John. Ja, eh' ich ſchaͤnde meiner Mutter Schooß. Sz. 6. Erſter Theil. 1⁵5⁵ Talb. Vey meinem Segen heiß' ich fort dich zichn. John. Zum Fechten will ichs, nicht den Feind zu fliehn. Talb. Du ſchonſt vom Vater einen Theil in dir. John. Kein Theil, der nicht zur Schande wuͤrd' in mir. Talb. Ruhm war nie dein; du kannſt ihn nicht verlieren. John. Ja, euer Name— ſoll ihn Flucht mißzieren? Talb. Des Vaters Wort macht von dem Fleck⸗ dich rein. John. Erſchlagen könnt⸗ ihr nicht mein Zeuge ſeyn; Fliehn beyde wir, wenn Tod ſo ſicher droht. Talb. Und laſſen hier mein Volk zu Kampf und Tod? Nie konnte Schmach mein Alter ſo beflecken. rbe John. Und meine Jugend ſoll in Schuld ſich ſtecken? Ich kann nicht mehr von eurer Seite ſcheiden, Als ihr in euch Zertheilung könnt erleiden. Bleibt, geht, thut was ihr wollt, ich thu' es ebenz6 Denn, wenn mein Vater ſtirbt, will ich nicht leben. Talb. So nehm' ich hier den Abſchied, holder Sohn, n. Geboren, dieſen Tag zu ſterben ſcho Komm! mit einander laß uns ſtehn und fallen, Und Scel' mit Seele ſoll gen Himmel wallen. 5 34(Beyde abe) Sechste Szene. Ein Schlachtfeld. (Getuͤmmel. Angriffe, worin Talbots Sohn umzingelt, und von Talbot gerettet wird.) Talb. Sankt George und Sieg! Kaͤn pft ihr Solda⸗ Es brach dem Talbot der Regent ſein Wort, Uns liefernd an des Frankenſchwertes Mord. Wo iſt John Talbot? Ruh' und ſchöpfe Othem! Ich gab dir Leben, riß dich von den Todten. John. Zweymal mein Vater! zweymal ich dein Sohn! Das erſt verliehne Leben war entflohn, Als, dem Geſchick zum Trotz, dein tapfres Schwert ein neues Zeitmaß meiner Bahn gewährt. Talb. Als du vom Helm des Dauphin Feu't geſchlagen ard deines Vaters Herz emporgetragen 156 Koͤnig Heinrich VI. AW. Von ſtolzer Siegsbegier. Mein traͤges Blut Belebte Jugendhitz' und Kämpferwuth; Alencon, Orleans, Burgund ſchlug ich, Und rettete von Galliens Stolze dich. Den grimm'gen Baſtard, Orleans, der dir Blut abließ, und die juͤngferliche Zier* Gewann von deinen Waffen, traf ich bald, Und Streiche wechſelnd, ich es ihm vergalt An ſeinem Baſtard⸗Blut; und ſolche Rede Gab ich ihm hoͤhnend!„Dieß verwovfne, ſchnode „Uund mißerzengte Blut ſey hier vergoſſen, „Fuͤr mein ſo reines Blut, das erſt gefloſſen, „Das meinem wackern Jungen du geraubt.“ Hier, als ich zu vernichten ihn geglaubt, Kam Rettung an. Des Vaters Sorge! ſprich! Biſt du nicht muͤde, John? wie fuͤhlſt du dich? Kind, willſt du noch dem Treffen nicht entweichen, Beſiegelt nun mit ritterlichen Zeichen! Flieh, meinen Tod zu raͤchen, wann ich todt: Jetzt thut mir Eines Huͤlfe wenig Noth, S allzu thoͤricht iſt es, muß ich ſagen, Uns all' in einem kleinen Kahn zu wagen! Wenn ich mich heut vor Frankenwuth bewahre, So tödten morgen mich die hohen Jahre. An mir gewinnt der Feind nicht; bleib ich hier, Das kuͤrzt nur einen Tag mein Leben mir; In dir ſtirbt deine Mutter, unſer Same, Die Rache, deine Jugend, Englands Name: All dieß, und mehr, gefaͤhrdet dein Verweilen; Dieß retteſt du, willt du von hinnen eilen, John. Das Schwert des Orleans macht' nicht mir Schmerz, Von euren Worten blutet mir das Herz. Um den Gewinn, erkauft um ſolch Erroͤthen, Den Leib zu retten und den Ruhm zu toͤdten; Eh Talbots Sohn entflieht von Talbots Seite, Eh fall' das feige Roß, auf dem ich reite! Und wie ein Bauer Frankreichs moͤg' ich liegen, Der Schande Ziel, des Mißgeſchicks Vergnugen! Gewiß, bey allem Preis, den ihr gewonnen, Ich bin nicht Talbots Sohn, wenn ich entronnen. Drum ſagt von Flucht nicht: wozu ſoll es taugen?! Wenn Talbots Sohn, ſterb' ich vor Talbots Augen⸗ treben Aus Kreta trieb, mein Jegrus, mein Leben§ Wenn du willt fechten, ſicht an Vaters Seite, Und dich mit mit mir zu ſtolzem Tod bereite. (Veyde ab!) Talb. So folg⸗ dem Veter, den verzweifelt S U S i e n Ein andrer Thell des Schlachtdes. (Getuͤmmel. Angriffe. Talbot wird, verwundet, von einem Diener gefuͤhrt.) Talb. Wo iſt mein andres Leben? Meines floh.— D wo iſt John, mein tapfter Talbot, wo? Dich, Tody ſtolzirend in Gefangenſchaft, Mußt' ich belächeln bey des Sohnes Kraft. Als er mich ſah, wie knieend ich erlegen, 6 Schwang uͤber mir er ſeinen blurgen Degen, 3 6 mm je gethan. och als allein mein zornger Wächter ſtand. nd niemand nahte, der ihn angerannt, iß hoher Grimm und augengrollende Wut on meiner Seit⸗ ihn ploͤtzlich in di a ein Jrarus, ſo blühend roſenfarb. 1.. i he John Talbots.) Dien. O beſter Herr, da bringt man euren Sohn! Talb. Du Schalksnarr Tod, belachſt uns hier zum Hohn: 6 frey Von deiner uͤbermuͤthgen Tyranney,— Fulſchwingen ſich durch Himmelsraume weit wey Talbots, dir zum Trotz, der Sterblichkeit. D du, deß Wunden lieblich ſtehn bey Todten, prich mit dem Vater vor dem letzten Odem! Beut prechend Trotß dem Tod, wie ers auch meynt, Acht' ihn als einen Franken deinen Feind. er arme Knab⸗ ſcheint laͤchelnd noch zu ſagen: Wär⸗ Tod ein Frank“ ich hätt' ihn heut erſchlagen. Kommt, kommt, und legt ihn in des Vaters Arm, 158 Koͤnig Heinrich VI. AW. Mein Geiſt etraͤgt nicht läͤnger dieſen Harm. 3 Lebt, Krieger, wohl! Ich habe meine Habe! Mein alter Arm ward zu John Talbots Grabe. irbt. (Getuͤmmel. Die Soldaten ab, indem ſie die beyden Leichen zuruͤcklaſſen Hierauf kommen Carl, Alenhon, Bur⸗ gund, die Pucelle und Truppen.) Carl. Wäͤr' York und Somerſet zu Huͤlf⸗ geeilt, Dieß waͤr' ein blut'ger Tag fuͤr uns geworden. Baſt. Wie Talbots junger Leu in wilder Wuth Sein winzig Schwerd getraͤnkt mit Frankenblut! pue. Ich hab' ihn einſt getroffen und geſagt: „Du Juͤngling, ſey beſiegt von einer Magd Allein mit ſtolzem majeſtaͤt'ſchen Hohn Erwiedert er:„Des großen Talbots Sohn „Soll nicht die Beute ftecher Dirnen⸗ ſeyn.“ Und, ſtuͤrzend in der Franken dichte Reihn, 3 Veriieß er mich als keines Kampfes werth. Burg. Er hätt' als Ritter ſich gewiß bewaͤhrt: Seht, wie er daliegt, eingeſargt im Arm Des blut'gen Pflegers von all ſeinem Harm! ₰ Baſt. Haut ſie in Stuͤcken, reißt entzwey dieß Paar, Das Englands Stolz und Galliens Wunder war. Carl. Nein, haltet ein! was lebend Flucht gebot, Das laßt uns nun nicht ſchaͤnden, da es todt. (Sir William Luey tritt auf mit Gefolge, ein franzoſiſcher Herold geht vor ihm her.) Lucy. Herold, Fuͤhr mich zum Zelt des Dauphins, zu erfahren, Wer dieſes Tages Preis davon getragen⸗ Carl. Mit welcher unterwuͤrf'gen Botſchaft kommſt du! Lucy. Was? Unterwerfung iſt ein Fraͤnkiſch Wort Die Engliſchen Soldaten kennen's nicht. Ich will nur wiſſen, wen du nahmſt gefangen. dind dann die Zahl der Todten überſchaun. Carl. Gefangne willſt du? Sie bewahrt die Hölle⸗ Doch ſag' mir, wen du ſuchſt? Lucy. Wo iſt des Feldes maͤchtiger Alcides, Der tapfre Talbot, Graf von Shrewsbury? Ernannt fuͤr ſeine ſeltnen Waffenthaten Zum Grafen von Waſhford, Waterford und Valence, Lord Talbot von Goodrig und Urchinfield, Sz. 7. Erſter Lheil. 15⁵9 Lord Strange von Blackmere, Lord Verdun von Alton, Lord Cromwell von Wingfield, Lord Furnival von Sheffield, Der hochſt ſieghafte Lord von Falconbridge, Ritter vom edlen Orden Sankt Georgs, Des goldnen Vließes und Sankt Michaels werth; Heinrich des ſechſten Oberfeldhauptmann Fuͤr alle ſeine Krieg' in Frankreich? Puc. Das iſt ein albern praͤchtger Styl, fuͤrwahr: Der Tuͤrk, der zwey und funfzig Reiche hat, Schreibt keinen ſo verdrießlich langen Styl.— Er, den du ausſtaffirſt mit all den Titeln, Liegt ſtinkend und verweſend dir zu Fuͤßen. Lucy. Iſt Talbot todt, der Franken einz'ge Geißel Schreck eudes Lands und ſchwarze Nemeſis?. O wurden meine Augen Buͤchſenkugeln, Daß ich ſie wüthend euch ins Antlitz ſchöſe? koͤnnt' ich nur erwecken dieſe Todten, Es waͤr' genug der Franken Reich zu ſchrecken Blieb unter euch ſein Bildniß uͤbrig nur, Den Stolzeſten von euch wuͤrd' es verwirren. Gebt mir die Leichen, daß ich weg ſie trage, Und ſie beſtatte wie ihr Werth es heiſcht. Puc. Der aufgeſchoßne Fremdling, denk' ich, 1 Des alten Talbots Geiſt; wie ſpraͤch' er eng 5 Mit ſo gebieteriſchem ſtolzen Sin 7 Um Gottes Willen, gebt ſie! Hier behalten, Vergiften ſie die Luft nur mit Geſtank. Carl. Geht, bringt die Leichen fort. Lucy. Fort trag' ich ſie; Allein aus ihrer Aſche wird erweckt 36 Ein Phoͤnix, welcher einſt ganz Frankreich ſchreckt. Carl. Sind wir nur ihrer fos, macht, was ihr wollt, damit. un nach Paris, von Siegesluſt getragen Nichts widerſteht, da Talbot iſt erſchlagen. * * 7 (Ale ab.) London. Ein Zimmer im Palaſt. Gönio be inrich, Sloſter und Ex eter treten auf.) R. Zeinr. Habt ihr die Briefe durchgeſehn vom Pabſt, Vom Kaiſer und den Graf vom Armagnac? Gloſt. Ja, gnaͤd'ger Furſt, und dieſes iſt ihr Inhalt: Sie bitten Eure Herrlichkeit ergebenſi, 0 Daß zwiſchen England und der Franken Reich Ein frommer Frieden mag geſchloſſen werden. R. Zeinr. Und wie bedunkt der Vorſchlag Etter Gnaden! Sloſt. Gut, beſter Herr, und als der einz'ge Weg Vergießung unſers Chriſtenbluts zu hemmen, Und Ruh auf allen eiten feſt zu gruͤnden. . Heinr. Ja freilich, Oheim; denn ich dachte ſtete, Es ſey ſo frevelhaft als unnatürlich, Daß ſolche Graßlichkeit und blut ger Zwiſt Bey den Bekennern eines Glaubens herrſcht. Gloſt. um dieſen Bund ſo eher zu bewirken, Uund feſter ihn zu ſchuͤrzen, bietet auch Der Graf von Armagnac, Carls naher Vetter, Ein Mann, des Anſehn viel in Frankeeich gilt, Die einz'ge Tochter Euer Hoheit an S Zur Eh, mit großer reicher Morgengabe. 3 R. Heinr. Zur Eh? Ach Oheim, jung ſind meine Jahre, und angemeßner ſind mir Fleiß und Buͤcher, Als uͤppig tändelnd Spiel mit einer Trauten. Jedoch ruft die Geſandten und ertheilt Die Antwor jedem, wie es euch beliebt. Ich bin mit jeder Wahl zufrieden, zielt ſie Auf Gottes Ehr' und meines Landes Wohl. 6 (Ein Legat und zwey Geſandte treten auf, nebſt Win⸗ cheſter in Cardinalstracht.) Epet. Wie? iſt Mylord von Wincheſter erhoͤht Zum Rang des Cardinals und eingekleidet? Dann merk' ich wohl, beſtät gen wird ſich das St.2. erſter Fheil.— Was oft der fuͤnfte Heinrich prophezeyt: „enn er einmal zum Cardinal gelangt, „So macht er ſeinen Hut der⸗ Krone gleich.“ Beinr. Ihr Herrn Geſandten, eurer aller Wuͤnſche Sind wohl erwogen und beſprochen worden. Gut und vernuͤnftig ſcheint uns euer Zweck, Und darum ſind wir ſicherlich entſchloſſen, Bedingungen des Friedens aufzuſetzen, Die durch Mylord von Wincheſter wir gleich ach Frankreich wollen uͤberbringen laſſen. Gloſt. Und anbelangend euers Herrn Erbieten, Berichtet' ich an Seine Hoheit ſo, Daß, um des Fräuleins tugendſame Gaben, Um ihre Schoͤnheit und der Mitgift Werth, Er ſie zu Englands Koͤnigin will machen.* R. Heinr(zu den Geſandten.) Zum Zeichen und Beweiſe des Vertrags Bringt dieß Juweel ihr, meiner Neigung Pfand Und ſo, Myldrd Protector, mit Geleit Beſorgt nach Dover ſie; dort eingeſchifft, Vertrauet ſie dem Gluͤck des Meeres an. (Koͤnig ec n Gefolge, Gloſter, Erxeter und en ab. Winch. Bleibt, Herr Legat! Ihr muͤßt empfangen er Die Summe Geldes, welche ich gelobt 3 ln Seine Heiligkeit zu überreichen Fuͤr die Bekleidung mit dem würd'gen Schmuck. Noch nachſtehn ſelbſt dem ſtolzeſten der Pairs. Humphrey von Gloſter, merken ſollſt du' wohl, Daß weder an Geburt noch Anſehn dich Der Biſchof wilk erkennen uͤber ſich. 8 Ich will dich zwingen nieder mir zu knien, Wo nicht, dieß Land mit Aufſtand uͤberziehn.(Beyde ab.) 8 weyt e Sze ne. Frankreich. Ebne in Anjou. Capl, Burgund, Alengon und die Pucelke treten auf mit Truppen im Marſch.). Carl. Die Zeitung, Herrn, erfriſcht die matten Geiſter, Man ſagt, daß die Pariſer ſich empören, id wieder zu den tapfern Franken wenden. II. S 3 162 Konig Heinrich v. v. Al. Zieht nach Paris denn, koͤnialicher Carl, Vertaͤndelt nicht die Zeit mit eurer Macht⸗ puc. Wenn ſie ſich wenden, ſey mit ihnen Friede, Sonſt brech' in ihre Schloͤſſer der (Ein Bote tritt auf.) Bote. Mit unſerm tapfern Feldherrn alles Heil, Und gutes Gluͤck mit ſeinen Mitgenoſſen? Carl. Was melden unſte Späher! Bitte, ſprich! Bote. Die Engliſche Armee, die erſt getrennt In zwey Parteyen war, iſt nun vereint, ünd denkt alsbaid euch eine Schlacht zu liefern. Carl. Etwas zu plotzlich kommt die Warnung, Herrn, Doch wollen wir alsbald uns auf ſie ruͤſten. Burg. Des Talbot Geiſt, vertrau' ich, iſt nicht dort; Ihr duͤrft nicht fuͤrchten, Herr, denn er iſt fort. puc. Verflucht iſt Furcht vor allen ſchnoͤden Trieben, Gebeut dem Sieg nur, Carl, und er iſt dein; Laß Heinrich zuͤrnen, alle Welt es reun. Carl. Auf dann, ihr Lords! und Frankreich ſey begluͤckt! (Alle ab.) Dritte Szene. Vor Angers⸗ (Setůmmel. Angriffr. Die Pueelle tritt auf.) puc. Die Franken fliehn, und der Regent iſt Sieger. Nun helft ihr Zauberſpruͤch' und Amulete, Und ihr, die ihr mich warnt, erleſne Geiſter, Und Zeichen mir von kuͤnft'gen Dingen gebt! Ihr ſchleun'gen Helfer, die ihr zugeordnet Des Nordens herriſchem Monarchen ſeyd! Erſcheint und helft mir bey dem Unternehmen. (Boͤſe Geiſter erſcheinen.) Dieß ſchleunige Erſcheinen giebt Gewaͤhr Von eurem ſonſt gewohnten Fleiß fuͤr mich. Nun, ihr vertrauten Geiſter, ausgeſucht Aus maͤcht'gen unterird'ſchen Regionen, Helft mir dieß eine Mal, daß Frankreich ſiege: (Sie gehn umher und reden nicht.) O haltet mich nicht uͤberlang' mit Schweigen! Wie ich mit meinem Blut euch pfleg' zu naͤhren Hau' ich ein Glied mir ab und geb' es euch (Es donnert.) P—„ S 76 Zum Handgeld einer ferneren Vergeltung, ie enn ihr euch jetzt herablaßt mir zu helfen. .(Sie haͤngen die Koͤpfe.) 9 Iſt keine Huͤlfe mehr? Mein Leib ſoll euch elohnung zahlen, wenn ihr mir's gewährt. 135 (Sie ſchutteln die Koͤpfe.) Kann nicht mein Leib uoch Blutes⸗Opferung 3 Zu der gewohnten Leiſtung euch bewege ehmt meine Seele; Leib und Seeh und alles, England Frankreich unter ſich ſoll bringen. 36 6 (Sie verſchwinden.) Seht, ſie verlaſſen mich, nun kommt die Zeit, aß Frankreich muß den ſtolzen Helmbuſch ſenken, nd niederlegt ſein Haupt in Englauds Schvoß⸗ u ſchwach ſind meine aſten Zaubereyn, 6. oͤlle mir zu ſtark, mit ihr zu ringen. it. In Stauh ſinkt, Frankreich, deins Herrlicheit. Getuͤmmel. Franzoſen und Engtänte un kend; die Pucelfe und Fork werden handgemein. Die Pucelle wird gefangen. Die Ft anzoſen fliehn.) Pork. Nun, irne Frankreichs, denk' ich, hab' ich euch, Pork. O, Carl der Dauphin iſt ein huͤbſcher Den zarten Augen kann nur der gefallen. ur. Ein folternd Unheil treffe Carl und dicht rch Und werdet beyde ploͤtzlich äberraſcht on blut'ger Hand, in euren Betren ſchlafend! Pork. Still, ſchwarze Bannerin! Du Zaubrin, ſchwei Puc. Ich bitt' dich, laß mich eine Weile fluchen. Pork. Verdammte, fiuch⸗, wenn du zum Richtplatz kömmſt.(Ane ab.) (Getuͤmmel. Suffolk tritt auf, die Prinzeſfin Marga⸗ retha an der Hand fuͤhrend.)“ 6 Suff. ey wer du willſt, du biſt bey mir Ge hönheit fürcht⸗ ee en(Er betrachtek Heholbe Schönheit fuͤrcht⸗ und ſithe ich in ew'gen Frieden küſſ⸗ ich dieſe Finger. 5 Wer biſt du? Sags, daß ich dich ehren möge. 3 11* 164 Konig Heinrich vI. 2N. marg. Margaretha heiß' ich, eines Koͤnigs Tochter, Koͤnigs von Neapel; ſey du, wer du Suff. Ein Graf bin ich, und Suffolk iſt mein Name, Sey nicht beleidigt, Wunder der Natur!. Von mir gefangen werden iſt dein Loos⸗ So ſchuͤtzt der Schwan die flaumbedeckten Schwaͤnlein, Mit ſeinen Flͤgeln ſie gefangen haltend; Allein ſobald dich kraͤnkt die Sklaverey, So geh, und ſey als Suffolks Freundin freh. (Sie wendet ſich weg, als wollte ſie gehn.) O bleib! Mir fehlt die Kraft ſie zu entlaſſen, Befrehn will ſie die Hand, das Herz ſagt Nein⸗ Wie auf kryſtallnem Strom die Sonne ſpielt Und blinkt mit zweytem nachgeahmten Strahl, So ſcheint die lichte Schoͤnheit meinen Augen: Ich wuͤrde gern, doch wag' ich nicht zu reden; Ich fodre Dint' und Feder ihr zu ſchreiben. Pfui, de la Poole! entherze dich nicht ſelbſt; Haſt keine Züng' iſt ſie nicht dort? S Verzagſt du vor dem Anblick eines Weibs? Ach jai der Schoͤnheit hohe Majeſtaͤt Verwirrt die Zung“, und macht die Sinne wuͤſt. marg Sag, Graf von Suffolk,(wenn du dich ſo nennſt) Was gilt's zur Löſung eh du mich entläſſeſt? Denn wie ich ſeh', bin ich bey dir Gefangne.„ Suff.(beyſeit.) Wie weißt du, ob ſie deine Bitte weigerl⸗ Eh du um ihre Liebe dich verſucht.. marg. Du ſprichſt nicht; was fur Loͤſung muß ich zahlen Suff.(beyſeit.) Ja, ſie iſt ſchoͤn, drum muß man um SEi ſie werben; Sie iſt ein Weib, drum kann man ſie gewinnen⸗ marg Nun, nimmſt du Loͤſung an, ja oder nein? Suff.(beyſeit.) O Thor! erinnre dich, du haſt ein Weib Wie kann denn dieſe deine Traute ſeyn? marg. Er hoͤrt nicht, ihn verlaſſen waͤr' das beſte. Suff. Das iſt die Karte, die mein Spiel verdirbt. marg. Er ſpricht ins Wilde, ſicher iſt er toll. Suff. Und doch iſt Diſpenſation zu haben. B marg. Und doch wollt ich, ihr wolltet Antwort geber, Suff. Ich will dieß Fraͤulein hier gewinnen. Wem! Ey meinem Koͤnig. Pah! das wäre hoͤlzernt marg. Er ſpricht von Holz; s iſt wohl ein Zimmermah. Suff.(beyſeit.) Doch kannichmeiner Neigung ſo genugen, und Friede ſtiften zwiſchen dieſen Reichen⸗ — Gehuf⸗ Ich mache dich zu Heinrichs Ehgemahl Geb⸗ MWarg. Ich bin's zufrieden, wenn mein Sz. 8. Erſter Their 165 Allein auch dabey bieibt ein Zweifel noch, 6 enn iſt ihr ater gleich von Napel Koͤnig, 43 Herzog von Main⸗ und Anjon, or iſt arm Und unſer Adel wird die Heirath ſchelten.“ Marg. Hoört ihr, Hauptmann, wie habt ihr jetzt nichtgeit! Suff. So ſoll es ſeyn, wie ſie es auch verachten; Heinrich iſt ung und giebt ſich hald darein.— Ich hab' euch etwas zu entdecken, Fraͤulein. Warg.(beyſeit.) Bin ich in Banden 33 er ſcheint ein Ritter, Und wird auf keine Weiſe mich entehren. Suff. Geruhet, Fraͤulein, mir Gehör zu leihn. Marg.( beyſeit.) Vielleicht erretten mich die Franken noch, ann brauch' ich ſeine Gunſt nicht zu hegehren. Suff. Mein Fraͤulein, hoͤrt mich an in einer Sache— Marg. Geyſeit.) Ey, Frauen ſind wohl mehr gefangen worden. Suff. Fräulein, weswegen ſprecht ihr ſo? t arg. Verzeiht mir, es iſt nur ein Quidproquv. Suff. Prinzeſſin, ſagt: prieſ't ihr die Banden nicht Fuͤr gluͤckſich, die zur Koͤnigin euch machten? n Marg. In Banden Koͤnigin zu ſehn, iſt ſchnöder, Als Knecht zu ſeyn in niedrer Dienſtbarkeit; enn Fürſten ſollten frey ſeyn. 8 Suff. Und das ſollt ihr, Iſt nur des reichen Englands Koͤnig frey. Marg. Nun, was geht ſeine Freiheit mich wohl an? 7— in die Hand ein goldnes Zeptet dir, n5 ſetz' aufs Haupt dir eine reiche Krone, Wenn du herab dich laͤßſt zu meiner— 6 Marg. Woas? Suff. Zu ſeiner Trauten. Warg. Ich bin unwurdig Heinrichs Weib zu ſeyn. Suff. Nein, edles Fraͤulein, ich bin nur nicht würdig Fuͤr ihn zu freyn um ſolche holde Schöne,— nti Und ſelbſt nicht Antheil an der Wahl zu haben. as ſagt ihr, Fräulein? ſeyd ihr es zufrieden? Vater will. „Suff. Ruft unſre Fuͤhrer dann und Fahnen vor; Und gnäd'ge Frau, vor eures Paters Burg Werd er von uns Leladen zum Geſpräch. (Truppen kommen vorwaͤrts zeine Einladung zur Unterre⸗ ung wird geblaſen. Reignier erſcheint auf den Mauern.) Suff. Sieh, Reignier, ſieh gefangen deine Tochter. Ruißn · hen n n Reign Suffolk, wie ſieht zu helſen?!„ Ich bin ein Krieger, nicht geneigt zum Weinen⸗ Roch über Wankelmuth des Gluͤcks zu ſchreyn. Suff. Ja, Herr, zu helfen ſteht dabey genug, Gewaͤhre,(thu's um deiner Ehre willen) Zu meines Herrn Gemahlin deine Tochter, Den ich mit Muͤh' dazu gewonnen habe; Und dieſe fluͤchtige Gefangenſchaft. Hat koͤnigliche Freyheit dir erworben. „ Reign. Spricht Suffolk wie er denkt? Suff. Die ſchoͤne Margaretha weiß, daß Suffolk Zu ſchmeicheln und zu heucheln nicht verſteht. Reign. Ich ſteige auf dein fuͤrſtlich Wort hinab, Zur Antwort auf dein billiges Begehren. r(Oben von der Mauer ab.) Suff. Und hier erwart' ich deine Ankunft. (Crompeten. Reignier tritt unten ein.) Reign. Willkommen wackrer Graf in unſern Landen! Befehit in Anjou, was euch nur beliebt. Suff. Dank, Reignier, den ſolch ſuͤßes Kind begluͤckt, Geſchaffen zur Genoſſin eines Koͤnigs. Was für Beſcheid giebt Eure Hoheit mir? Reign. Weil ihren kleinen Werth du wuͤrdig achteſt um ſie zu freyn, als Braut für ſolchen Herrn: Wofern ich nür mich ruhig meines eignen, Der Grafſchaft Maine und Anjou mag erfreun, Von Unterdruͤckung frey und Kriegsgewalt, Vermähl' ich ſie mit Heinrich, wenn er will. Suff. Das iſt ihr Loͤſegeld, nehmt ſie zuruͤck. Auch nehm' ich es auf mich, daß Eure Hoheit Die beyden Länder ruhig ſoll genießen. Reign. Und ich hinwieder geb', in Heinrichs Namet⸗ Dir, als Vertreter dieſes hohen Herrn, Der Tochter Hand, zum Pfand gelobter Treu. Suff. Reignier, empfange koͤniglichen Dank, Weil dieß der Handel eines Koͤnigs iſt. (beyſeit) Und dennoch, duͤnkt mich, moͤcht' ich lieber noch Mein eigner Anwald ſeyn in dieſem Fall— Ich will nach England mit der Neuigkeit, Und der Vermaͤhlung Feyer dort betreiben. Sz. 3. Erſter prit 14167 Reignier, ſeb wohl! Faß dieſen Diamant In goldene Palaſte, wie ſich's ziemt. „ Reign. Laß dich umarmen, wie ich Koͤnig Heinrich, Dein chriſtlich Haupt, umarmte, wär' er e marg. Lebt wohl, Herr! Gute Wuͤnſche, Lob, Gebete Wird Margaretha ſtets fur Suffolk haben. wit gehn.) Suff. Lebt wohl, mein Fraͤulein! Doch Margretha, hoͤrt: Kein fuͤrſtlicher Empfehl an meinen Herrn?— Marg. Sagr ihm Empfehle, wie ſie einer Magd Und Jungfrau, ſeiner Dienerin, geziemen. Suff. Beſcheidne Wort'“ und anmuthsvoll geſtellt! Doch, Fraͤulein, nochmals muß ich euch beſchweren: Kein Liebespfand fuͤr ſeine Majeſtät Marg. Ja, beſter Herr: ein unbeflecktes Herz, Von Licbe mie geruͤhrt, ſend' ich dem Koͤnig. t Suff. Und dieß zugleich. Eküͤßt ſie.) Marg. Das fuͤr dich ſelbſt; ich will mich nicht erdreiſten, Solch kindiſch Pfand zu ſenden einem König. zr (Reignier und Margaretha treten ab.) Suff. O, waͤrſt du fuͤr mich ſelbſt!— Doch, Suffolk, halt! Du darfſt nicht irren in dem Labyrinth,“ Da lauern Minotaur' und arge Raͤnke. imm Heinrich ein mit ihrem⸗ Wunderlob, Denk' ihren unerreichten Gaben nach, Den milden Reizen, ſo die Kunſt verdunkeln; rneu ihr Bildniß oft dir auf der See, amit, wenn du zu Heinrichs Füßen knie'ſt, u ſeiner Sinne ihn beraubſt vor Staunen. 6. ab. vierte Sſene— Lager des Herzogs von York in Aniou. Mork, Warwick und Andre treten auf.) Pork. Führt vor die Zauberin, verdammt zum Feuer. Die Puce 24 kommt, von Wache umgeben, mit ihr ein Schäfer.) F Schäf. Ach, Jeanne! dieß bricht deines Vaters Herz, Hab' ich die Lande nah und fern durchſucht, nd, nun ſichs trifft, daß ich dich ausgefunden, 168 Konig Heinrich VI. A. V. Komm' ich zu deinem fruͤhen bittern Tode! Ach, liebſte Tochter, ich will mit dir ſterben! puc. Elender Bettler, abgelebter Knecht! Von edlerm Blute bin ich abgeſtammt, Du biſt mein Vater noch mein Blutsfreund nicht. Schäf. Pfui, pfui!— Ihr erlaubt, dem iſt nicht ſo; Das ganze Kirchſpiel weiß, ich zeugte ſie. Die Mutter noch am Leben, kann's bezeugen, Daß ſie der Erſtling meines Ehſtands war Warw. Ruchloſe! willſt du deine Sippſchaft läugnen? Vork. Dieß zeigt, was fuͤr ein Leben ſie gefuͤhrt, Verderbt und boͤs, und ſo beſchließt ſie's auch. Schäf. O pfui doch, Jechne, ſo verſtockt zu ſeyn! Gott weiß, du biſt von meinem Fleiſch und Blut, Und deinethalb vergoß ich manche Thräne. Verlaäugne doch mich nicht, mein liebſtes Kind! Puc. Pack dich, du Bauer! Ihr habt den Mann beſtellt, Um meines Adels Krone zu verdunkeln. Schäf. S iſt wahr, ich gab dem Prieſter eine Krone, Den Morgen, als ich ihre Mutter freyte.— Knie' hin und laß dich ſegnen, gutes Maͤdchen. Du weigerſt dich? Verflucht ſey denn die Zeit, Wo du zur Welt kamſt! Wollt ich doch, die Milch⸗ Die du an deiner Mutter Bruͤſten ſogſt, Waͤr' deinetwillen Rattengift geweſen! Und, wenn du meine Lämmer triebſt zur Weide, Wollt' ich, dich hätt' ein gier'ger Woif verzehrt! Verlaͤugneſt du den Vater, garſt'ge Dirne? Verbrennt, verbrennt ſie! Haͤngen iſt zu gut.(ab.) Vork. Schafft ſie hinweg! Sie hat zu lang gelebt, Die Welt mit ihren Laſtern zu erfuͤllen. pue. Laßt mich euch ſagen erſt, wen ihr verdammt⸗ Nicht mich, erzeugt von Hirten auf der Flur, Rein, aus der Koͤnige Geſchlecht entſproſſen; Heilig und tugendſam; erwaͤhlt von droben, Durch himmliſche Begeiſt'rung reich begnadigt⸗ Auf Erden hohe Wunder zu bewirken. Mit boͤſen Geiſtern hatt' ich nie zu thun; Doch ihr, befleckt von euren eignen Luͤſten, Beſudelt mit der Unſchuld reinem Blut, Verderbt und angeſteckt von tauſend Laſtern, Sz. 4. Erſter Theil. 169 Weil euch die Gnade fehlt, die Andre haben, 6 4 So achtet ihr's fuͤr ein unmoͤglich Ding, Ein Wunder wirken, ohne Macht der Teufel. Nein, Mißbelehrte! wißt, daß Jeanne dArc eit ihrer zarten Kindheit Jungfrau blieb, Selbſt in Gedanken keuſch und unbefleckt;— Daß ihr jungfräulich Blut, ſo ſtreng vergoſſen, Um Rache ſchreyn wird an des Himmels Thoren. Pork. Ja, ja, nur fort mit ihr zur Pintichtung! Warw. Und, Leute, hoͤrt, weil ſie ein Maͤdchen iſt, So ſpart das Reiſig nicht, gebt ihr genug, Stellt Tonnen Pech noch um den Todespfahl, Damit ihr ſo die Marter ihr verkuͤrzt. Puc. Kann cure ſtarren Herzen nichts erweichen? So gieb. denn, Jeanne, deine Schwachheit kund, Die, dem Geſetz gemaͤß, ein Vorrecht dir gewaͤhrt.— Hoͤrt! ſchwanger bin ich, blut'ge Schlaͤchter, ihppi 6 Drum mordet nicht die Frucht in meinem Schooß,. Schleppt ihr auch mich zum Tod gewaltſam hin. Pork. Verhuͤt' es Gott! die heil ge Jungfrau ſchwanger? Warw. Das größte Wunder, das ihr je vollbracht! Kam's dahin mit der ſtrengen Zuͤchtigkeit? z 6 Rork. Sie und der Dauphin hielten's mit einander; Ich dacht' es, was die Ausflucht würde n wWarw. Schon gut, wir laſſen keinen Baſtard leben, Wenn Carl der Vater ſeyn muß, noch dazu. Pue. Ihr itret euch, mein Kind iſt nicht von ihm; Alengon war's, der meine Lieb⸗ genoß. ½ Porb. Alengon, der verrufne Macchiavell! Es ſtirbt, und wenn es tauſend Leben haͤtte. Puc. Richt doch, verzeiht! ich taͤuſcht' euch: weder Carſ, Noch der genannte Herzog, ſondern Reignier, König von Napel war's, der mich gewann. warw. Ein Mann im Ehſtand! Das iſt noch das Aergſte. Porb. Ey, das iſt mir ein Maͤdchen, die nicht weiß— So viele waten's— wen ſie ſoll verklagen. Wwarw. Ein Zeichen, daß ſie frey und willig war. Vorb. Und doch, wahrhaftig, eine reine Jungfran Dein Wort verdammt dich, Weße, ſammt der Brut; Verſuch kein Bitten, denn es iſt umſonſt.— Puc. So führt mich fort— euch laſſ' ich meinen Fluch: 170 Koͤnig Heinrich VI. A. V. Die lichte Sonne werfe ihre Strahlen Rie auf das Land, das euch zum Sitze dient! Umgeb' euch Nocht und düſtrer Todesſchatten, Bis Unheil und Verzweiflung euch bedraͤngt, ⸗ Den Hals zu brechen, oder euch zu hängen! (Sie wird von der Wache abgefuͤhrt.) Pork. Brich du in Stuͤcke und zerfall in Aſche, Verfluchte ſchwarze Dienerin der Hölle! (Cardinal Beaufort tritt auf, mit Gefolge.) Card. Mit einem Brief der Vollmacht, Lord Regent, Begruͤß' ich eure Herrlichkeit vom Koͤnig. Denn wißt, Mylord, es haben ſich die Staaten Der Chriſtenheit, bewogen von Erbarmen Um dieſen wuͤſten Streit, mit Ernſt verwandt Zum allgemeinen Frieden zwiſchen uns Und der Franzoſen hochgemuthein Volk; Und ſeht, ſchon naht der Dauphin und ſein Zug, Um uͤber dieſe Sache zu verhandeln. Pork. Iſt dieſes unſrer Arbeit ganze Frucht? Nachdem ſo mancher Pair erſchlagen worden, So mancher Hauptmann, Edelmann, Soldat, Die uͤberwunden ſind in dieſem Streit Und ihren Leib zum Wohl des Lands verkauft: Soll man zuletzt ſo weibiſch Frieden ſchließen? Verloren wir den groͤßten Theil der Staͤdte Durch Raͤnke nicht, durch Falſchheit und Verrath, Die unſre großen Ahnherrn all' erobert!— O Warwick! Warwick! trauernd ſeh' ich ſchon Den gaͤnzlichen Verluſt des Frankenreichs. warw. Sey ruhia, York: wenn wir den Frieden ſchließen, Wird's mit ſo ſtrengen Forderungen ſeyn, Daß die Franzoſen wenig dran gewinnen. (Carl mit Gefolge, Alengon, der Baſtard, Reig⸗ nier und Andre treten aufe) Carl. Ihr Herrn von England, da genehmigt iſt, Daß Fried' im Land ſoll ausgerufen werden, So kommen wir, um von euch ſelbſt zu hoͤren, Was fuͤr Bedingungen der Bund erheiſcht. Pork. Sprich, Wincheſter; denn Gall erſtickt mir kochend Den hohlen Ausweg meiner giſt'gen Stimme, Beym Anblick der gehaͤß'gen Feinde da. Card. Carl und ihr Andern, ſo iſt's vorgeſchrieben: Daß ihr, inmaßen Koͤnig Heinrich drein Uind ſüßen Frieden athmen euch zu laſſen, Lehnsleute ſeiner Krone werden ſollt; d, Carl, auf die Bedingung, daß du ſchwoͤrſt, n6 Tribut zu zahlen, dich zu unterwerfen, Sollſt du als Vicekönig unter ihm Die koͤnigliche Wuͤrde fortgenießen. . So muß er denn ſein eigner Schatte ſeyn dit einer Krone ſeine Schlaͤfe zieren, Und doch dem Anſehn und dem Weſen nach, Die Rechte des Privatmanns nur behalten? Verkehrt und ungereimt iſt dieß Erbieten. Carl. Es iſt bekannt, daß ich bereits beſitze d i Gebiet, Mehr als das halbe Galliſche( Soll ich dieß Vorrecht mir um ſo viel ſchmäler Des Ganzen Vicekonig nur zu heißen? ein, Herr Geſandter, ich behalte lieber Das, was ich hab', als daß ich, mehr dich um die Moͤglichkeit von allem b Pork. Hochmüt ger Carl! haſt du dir insgeheim Ple nun die Sache zum Vertrag ſoll kommen, aͤltſt du dich mit Vergleichungen entfernt? ntweder nimm den angemaßten Titel, ls nur von unſerm Koͤnig kommend, an, Und nicht von einem Anſpruch des Verdienſtes,„ onſt plagen wir mit Krieg ohn' Ende dich. Reign. Mein Prinz, ihr thut nicht wohl, aus Eigenwillen Zu mäkeln bey dem Fortgang des Vergleichs; erſäumen wir ihn jetzt, zehn gegen eins ir finden die Gelegenheit nicht wieder. utraeite) Es iü, in Waßehetr te für euch, Eu'r Volk von ſolchem Blutbad zu erretten grimmigem Gemetzel, als man taͤglich d eh fortgeſetzten Feindlichkeiten ſieht: Geht a lſo den Vertrag des Friedens ein, Brecht ihr ihn ſchon, ſobald es euch beliebt. arw. Was ſagſt du, Carl? ſoll die Bedingung Carl. Sie ſoll's; Nur vorbehalten, daß ihr keinen Theil Un der Beſetzung unſrer Städte fodert. gelten? 17½ Konig Heinrich VI. A. V.. Pork. So ſchwöre Lehnspflicht Seiner Majeſtät, So wahr du Ritter biſt, ſtets zu gehorchen Der Krone Englands, nie dich aufzulehnen Der Krone Englands, du ſammt deinem Adel. (Carl und die Uebrigen machen die Zeichen des Huldigungseides.) So, nun entlaßt eu'r Heer, wann's euch beliebt, Haͤngt auf die Fahnen, laßt die Trommeln ſchweigen, Denn feyerlicher Fried iſt hier geſchloſſen.(Alle ab.) F uͤ nfte Szene. London. Ein Zimmer im Palaſt. (Koͤnig Heinrich kommt im Geſpräch mit Suffolk begrif⸗ fen; Gloſter und Exeter folgen.) R. einr. Ich bin erſtaunt bey eurer ſeltnen Schildrung Der ſchoͤnen Margaretha, edler Graf; Die Tugenden, geziert mit aͤußern Gaben, Ertegen mir der Liebe Trieb im Herzen! Und wie die Strenge tobender Orkane Den ſtärkſten Kiel der Fluth entgegen drängt, So treibt auch mich der Hauch von ihrem Ruf, Schiffbruch zu leiden oder anzulanden, Wo ich mich ihrer Liebe mag erfreun. Suff. Still, beſter Fuͤrſt! Der flchtige Brericht Iſt nur der Eingang ihres wuͤrd'gen Lobs. All die Vollkommenheit des holden Fraͤuleins, Haͤtt' ich Geſchick genug, ſie auszuſprechen, Ein Buch waͤr's, voll verfuͤhreriſcher Zeilen, Das auch den dumpfſten Sinn entzucken koͤnnte. Und, was noch mehr, ſie iſt ſo goͤttlich nicht, Noch ſo erfullt mit aller Freuden Wahl, Daß ſie mit gleicher Demuth des Gemuͤths, Richt willig waͤr', Euch zu Befehl zu ſeyn— Befehl, meyn' ich von tugendſamer Art, Euch als Gemahl zu lieben und zu ehren. R. Zeinr. Auch wird es Heinrich anders nie verlangen⸗ Darum, Mylord Protector, willigt ein, Daß Margaretha Englands Fuͤrſtin werde. Gloſt. So willigt' ich darein, der Suͤnd' zu ſchmeicheln. Ihr wißt, mein Fuͤrſt, daß ihr verſprochen ſeyd Mit einem andern angeſehnen Fraͤulein: Wie können wir uns dem Vertrag entziehn, Ohn' eure Ehre Ruͤgen bloßzuſtellen? S So feilſchen niedre Bauern ihre Weiber Als daß man ſie durch Anwaldſchaft betriebe; In unſrer Meynung auch ſie vorzuziehn. Sz5. Erſter heil. 173 Suff. Wie Herrſcher thun bey unrechtmäß gen Schwi Wie einer, der geiobt hat, beym Turnier nt Sich zu verſuchen, doch verlaßt die Schranken, Weil unter ihm zu tief ſein Gegner 3 Zu tief ſteht eines armen Grafen Tochtet, lum, wenn man mit ihr bricht, iſt nichts verſehn. Gloſt. Ich bitt' euch, was iſt Margaretha mehr? Ihr Vater iſt nichts beſfer als ein Graß ie Hat er erhabne Titel ſchon voraus. Suff. Ja, beſter Herr, ihr Vater iſt ein Koͤnig, Koͤnig von Napel und Jeruſalem; Und iſt in Frankreich vdn ſo grohem Anſehn, aß ſeine Freundſchaft unſern Frieden ſichern ren, Gloſt. Das kann der Graf von Armagnac nicht minerr, Weil er des Dauphins naher Vetter iſt. Exet. Auch läßt ſein Reichthum großen Brautſchatz hoffen, a Reignier eher nehmen wird, als geben. pi Suff. Ein Brautſchatz, Lords! Entehrt nicht ſo den Koͤuig, Daß er ſo arm und niedrig ſollte ſeyn, 1 Nach Geld zu gehn, nicht nach vollkommner Liebe, Heinrich kann ſeine Koͤnigin bereichern, Und ſucht nicht eine, die ihn reich ſoll machen. „ Wie auf dem Markt die Ochſen, Schafe, Pferde. Die Eh“ i eine Sache von mehr Werth Nicht die ihr wollt, die ſeiner Hoheit lieb, Muß die Genoſſin ſeines Ehbetts ſeyn. nd da ſie, Lords, ihm nun die Lieöſte iſt, So indet dieß von allen Gränden uns,* Ein oiſt gezwungne Eh', als eino Hoͤlle, Ein Leben voll von Zwiſt und ſtetem Hader?— Indeß das Gegentheil nur Segen bringt, nd Vorbild von des Himmels Frieden iſt. wen nahme Heinrich zum Gemahl, als Koͤnig, Als Margarethen, Tochter eines Koͤnigs? Neb der Geburt, die Bildung ohne Gleichen eſtimmt für niemand ſie als einen Koͤnig; Ihr tapftet Muth und unerſchrockner Geiſt, Mehr als gewoͤhnlich man an Weibern ſieht, Entſpricht der Hoffnung des Geſchlechts vom König: 174 Koͤnig Heinrich VI. A. V. Sz.5. Denn Heinrich, da ſein Vater ein Erobrer, Hat Ausſicht, mehr Erobrer zu erzeugen, Geſellt er ſich in Liebe einer Frau, Gemuthet wie die ſchoͤne Margaretha. n376 Gebt nach denn, Lords, und ſeyd von meinem Sinn: Rur Margaretha werde Koͤnigin. R. HZeinr. Ob es die Macht von eurer Schildrung iſt, Mein edler Lord von Suffolk, oder daß Noch meine zarte Jugend nie geruͤhrt Von einem Trieb entflammter Liebe war, Fann ich nicht ſagen; doch ich weiß gewiß, So heft'ge Spaltung fuͤhl' ich in der Bruſt, Von Furcht und Hoffnung ein ſo wild Getuͤmmel, Daß der Gedanken Draͤngen krank mich macht. Drum geht zu Schiff, Mylord, nach Frankreich eilt; Stimmt ein in jeglichen Vertrag, und ſorgt, Daß Fraͤulein Margareth geruh' zu kommen Rach England über See, gekront zu ſeyn Als Heinrichs aͤcht geſalbte Koͤnigin. Fur euren Aufwand und Betrag der Koſten Nehmt einen Zehnten auf von unſerm Volk, Geht, ſag' ich eüch; denn bis ihr wiederkehrt, Bleib⸗ ich zuruͤck, verſtrickt in tauſend Sorgen.— Ihr, guter Oheim, bannet allen Unmuth; Wenn ihr nach dem mich richtet, was ihr wart, Nicht, was ihr ſeyd, ſo weiß ich, ihr entſchuldigt Die raſche Ausfuͤhrung von meinem Willen. Und ſo geleitet mich, wo einſam ich Rachhangen kann und ſinnen meinem Kummer⸗ (ab mit Ereter.) Gloſt. Ja, Kummer, furcht' ich, jetzt und nn ab.) Suff. So ſiegte Suffolk, und ſo geht er hin, Wie einſt nach Griechenland der junge Paris, Mit Hoffnung aͤhnlichen Erfolgs im Lieben, Doch beſſern Ausgangs, als der Trojer hatte. Margretha ſoll den Konig nun beherrſchen, Ich aber ſie, den Koͤnig und das Reich ·(ab.)* — Heurtg der Se S en S5 ½ perfonen g Zeineirh der Sechſte. Humphrey, Herzog von Sreher, ſein Oheim. Cardinal Beaufort⸗ Biſchof. von ieſe⸗ Großoheim des Koͤnigs. Richatd Plänkahnet, r von et. Eduard und Richard, ſeine Sohne. Herzog von Somerſet, 3 Berzog von Suffolk, 390 Herzog von Bucinhnm von derkoͤniglichen Partey. Lord Cliffor Der junge ien ſein Sohn.) 6 n6 Sri i von der Yorkſchen vu Lord Scales, Brſchlehaber des Thurmes. n Lord Say.* Sir Humphrey Staf ford und ſin Bruder. Sir John Stanley⸗. Ein Schiffshaupimann, der Patron und ſein Ge⸗ an in z huͤlfe, und Seyfart Wittmer. Zwey Edelleute, nebſt Suffolk gefängen. Ein Herrh Vau Famß und Southwell, zwei Pfaffen Bolingbroke, ein Beſchwörer. Ein von hm w en Thomas Horner, ein ſ Peter, ſein Geſelle. Der Schreiber von Chatham. Der Schulz von Sankt⸗Albans. Simpeox, ein Betruger. Zwey Moͤrder. Hans Cade, ein Rebell. 3 Georg Bevis, Johann Hartatp⸗ eeie e 6 Smkth der Leinweber, Michel u. a., ſeiü⸗ Alerander Iden, ein Kentiſcher Edelmann. 50 Margaretha, König Heinrichs Senain. Leono va, Herzogin von Gloſter. Grethe Jordan, eine Hexe. 3 Simpeoyens Frau⸗ Herren und Frauen von Adel, und ſonſige geßi s ni kanten, Adermänner, ein Buͤttel, Sheriff und amte; Buͤrger, Lehrpurſhi⸗ it S Soldaten, Boten u. ſ. w Die Szene iſt abwechſelnd in verſchiedenen Soh X Erſter 2 ufzug. London. Ein Stastszinmer im Palaſt. (Trompetenſtoß, hierauf Hobven. Pon der einen Seite kommen Koͤnig Heinrich, Herzog von Gloſter, Salisbury, Warwick, und Cardinal Bea ufort; von der andern wird Königin Margare tha von Su ffolk hereinge⸗ fuͤhrt; Por k, S omerſet, Buckingha m und An⸗ dere folgen.) Suff. Wie mir von Eurer höchſten Majeſtät, Da ich nach Frankreich ging, der Auftrag ward, Als Stellvertreter Eurer Herrlichkcit Au ehlichen Prinzeſſin Margaretha: o, in der alten Reichsſtadt Tours, im Beyſeyn Der Koͤnige von Frankreich und Sicilien, Der Herzöge von Orleans, Calabrien, Bretagne und Alenson, nebſt zwolf Baronen, ieben Grafen, zwanzig wuͤrdigen Praͤlaten, Und unterthaͤnig nun auf meinen Knie'n, In Englands Angeſicht und ſeiner Pairs, Lefr' ich mein Ahrecht an die Koͤnigin In Eure gnaͤd'ge Hand, als die das Weſen iſt es großen Schattens, den ich vorgeſtellt; as reichſte Pfand, das je ein Markgraf bot, Die ſchoͤnſte Braut, die je ein Fuͤrſt empfing. — Vollbracht' ich mein Geſchaft und ward vermaͤhlt. 3 R. Seinr. Suffolk, ſteh auf.— Willkommen, Köniʒin. Ich weiß kein inniger Zeichen meiner Liebe, ls dieſen inngen Kuß. Hert meines Lebens eih mir ein Herz, von Dankbarkeit erfuͤllt; enn in dem ſchoͤnen Antlitz gabſt du mir I. 178 Koͤnig Heinrich VI. A.. Eine Welt von ird'ſchem Heil fuͤr meine Seele, Wenn Liebes⸗Eintracht unſern Sinn verknuͤpft. marg. Mein gnaͤd'ger Gatte, großer Koͤnig Englands! Der trauliche Verkehr, den mein Gemuͤth Bey Tag und Nacht, im Wachen und im Traͤumen, Im Hofkreiſ' und bey meinen Betkorallen, Mit euch gehabt, mein allerliebſter Herr, Macht um ſo dreiſter mich, euch zu begruͤßen Mit ſchlichten Worten, wie mein Witz ſie lehrt, Und Uebermaß der Freude bieten kann. R. Zeinr. Ihr Anblick ſchon entzuͤckte; doch nun bringt Die Anmuth ihrer Reden, ihre Worte, Mit Maſeſtaͤt der Weisheit angethan, Vom Staunen mich zur Freude, welche weint: So iſt die Fuͤlle meiner Herzenswonne.— Lords, heißt mit Einer Stimme ſie willkommen. Alle.(knieend.) Lang' lebe Margaretha, Englands Heil! (Trompetenſtoß.) marg. Euch allen danken wir. Suff. Mylord Protektor, wenn es euch beliebt, Hier ſind die Punkte des verglichnen Friedens, Den unſer Hebr und Koͤnig Carl von Frankreich Auf achtzehn Monat eingegangen ſind. Bloſt.(lieſt.)„Zum erſten ſind der Koͤnig von Frank⸗ „reich, Carl, und William de la Poole, Markgraf von „Suffolk, Abgeſandter Koͤnig Heinrichs von England, uͤber⸗ „eingekommen: daß beſagter Heinrich Fraͤulein Margare⸗ „then, leibliche Tochter Reigniers, Koͤnigs von Neapel, „Sicilien und Jeruſalem, ehelichen, und ſelbige vor dem „dreißigſten naͤchſten Maimonats als Koͤnigin von Eng⸗ „land kroͤnen ſoll. Ferner, daß das Herzogthum Anjon „und die Grafſchaft Maine freygelaſſen, und dem Koͤnige, „ihrem Vater, uͤbergeben werden ſoll— R. Heinr. Was habt ihr, Oheim? Gloſt. Gnaͤd'ger Herr, verzeiht! Ein plotzlich Uebelſeyn fällt mir aufs Herz, Und truͤbt die Augen mir zum Weiterleſen. R. Heinr. Ich bitt' euch, Ohm von Wincheſter, leſt weiter. Lard.(lieſt)„Ferner ſind ſelbige uͤbereingekommen, „daß die Herzogthumer Anjou und Maine freygelaſſen, „und dem Koͤnige, ihrem Vater, uͤbergeben werden ſol⸗ Sz. Sweyter Theil. 5 179 „len: auch daß ſie auf des Königs eigne Koſten hinüber „geſchafft werden ſoll, ohne Mitgiſt zu erhalten.“ R. Zeinr. Sie ſtehn uns an.— Lord Markgraf knice ner Sey hier ernannt zum erſten Herzog Suffolk, Und dem Schwert umgürtet. Dank, Oheim Wincheſter, Gloſter, York und Buckingham, Somerſet, Salisbury und Warwick: ir danken ſãmmtlich euch fuͤr eure Gunſt Bey meines fuͤrſtlichen Gemahls Empfang. Kommt, machen wir uns auf, und ſorgen ſchleunig, Daß ihre Krönung werde wohl vollbracht, Roͤnig, Koͤnigin und Soffork ab.) Gloſt. Des Staates Pfeiler, wackte Pairs von England! Euch ſchuͤttet Herzog Humphrey aus ſin Leid, nd eutes, und des Lands gemeines Leid. Wie! gab mein Bruder Heinrich ſeine Jugend, Und Muth und Geld und Volk dem Kriege hin? Behalf er ſich ſo oft im offnen Feld, In Winterkalt' und durrer Sommerhitze, 6 ein wahres Erbtheil, Frankreich, zu erobern? Und muͤhte Bruder Bedford ſeinen Wis Heinrichs Etwerb mit Staatskunſt zu behaupten? Empfingt ihr ſelbſt, Somer et, Buckingham, York, Salisbury und der ſieghafte Warwick, In Rormandie und Frankreich tiefe Narben? der hat mein Oheim Beaufort und ich ſelbſt, ammt dem gelehrten Rathe dieſes Reichs, o lang, ſtudirt, im Rathhauſ aufgeſeſſen Von fruh bis Nachts, erwaͤgend hin und her, ie man in Ehrfurcht die Franzoſen hielte? Und wurde Seine Boheit zu Paris ls Kind gekroͤnt, den Feinden zum Verdruß? Und ſollen dieſe Muͤhn und Ehren ſterben? Heinrichs Erobrung, Bedfords Wachſamkeit, ur Woffenglück, und unſer Aller Rath? Pairs von England! ſchmählich iſt dieß Buͤndniß, 2 ie Eh' verderblich; euten Ruhm vertilgt ſie, 6 Streich eure Namen im Gedenkbuch aus, ℳ Verlöſcht die Zuͤge eures Preiſes, ſtuͤrzt 12* 160 sonig Heinrich vI. 1. Des uͤberwundnen Frankreichs Monumente, Vernichtet alles, als waͤr's nie geweſen. Card. Reffe, was ſoll die ungeſtuͤme Rede? Das Wortaepraͤnge dieſer Vorſtelluna? Frankreich P. unſer, wir behaupten's ferner. Gloſt. Ja, Oheim, wir behaupten's, wenn wir konnen, Doch iſt's unmoͤgiſch nnn, daß es geſchehe. Suffolk, der neue Herzon, der da ſchaltet, Hat weggeſchenkt die Lehn Anjou und Maine Dem armen Koͤnig Reianier, deſſen Titel Mit ſeinem magern Beutel uͤbel ſtimmt. Sal. Nun, bey deß Tode, der fuͤr alle ſtarb! Zur Normandie die Schlüſſel waren ſie. Doch warum weint Warwick, mein tapfrer Sohn? warw. Vor Gram, daß ſie dahin ſind ohne Rettung: Denn, wenn noch Hoffnung waͤre, ſo vergöſſe Mein Schwert heiß Blut, mein Auge keine Thraͤnen. Anjou und Maine! Ich ſelbſt vewann ſie beyde, Erobert' ſie mit dieſem meinem Arm; Und giebt man nun die Staͤdte, die mit Wunden Ich erſt erwarb, zuruͤck mit Fridensworunt Mort Dieu! 1 7. Vork. Der Suffolk ſtick' an ſeinem Herzogthum, Der dieſes Helden,Eilands Ehre ſchwächt! Frankreich hätt' eh mein Herz mir ausgeriſſen, Als ich zu dieſem Buͤndniß mich bequemt. Nie las ich anders, als daß Englands Koͤn'ge Mit ihren Weibern Summen Golds erhielten: Und unſer Heinrich giebt ſein eignes weg, 4 Um die zu frey'n, die keinen Vortheil bringt. Gloſt. Ein ſchoner Spaß, und nie erhoͤrt zuvor, Daß Suffolk wen'ger nicht als den Funfzehnten Fuͤr Köſten ihrer Ueberfahrt begehrt. Sie mocht' in Sh bleiben und verhungern, Bevor ₰ Card. Mylord von Gloſter, ihr ſeyd allzu hitzig: Dem Koͤnig, unſerm Herrn, gefiel es ſo. Gloſt. Mylord von Wincheſter, ich kenn' euch wohl Nicht meine Reden ſind's, die euch mißfallen, Nut meine Gegenwart ſtehr euch im Weg. 5 Groll muß heraus: Jochmuͤthiger Praͤlat, Ich ſeh die Wuth dir anz verweil dich länger, — Sz. 1. öwepter Fheil. 151 So fangt das alte Raufen wieder an.— 6 Lebt wohl, ihr Lords, und ſaat nach meinem Scheiden, Daß ich geweiſſagt: bald ſey Frankreich hin. 4. 3 Lard. Da geht im Grimme der Protektor ſ. Es iſt euch wohl bekannt, er iſt mein Feind, 12 Ja, was noch mehr, uns allen feindgeſinnt, Und, fuͤrcht⸗ ich, nicht des Konigs großer Freund. Denkt, Lords, er iſt der Nächſte von Geblüt, n den vermuthlich Englands Krone fallt; Wenn Heinrichs Eh' ein Kaiſerthum ihm braͤchte, Und all' die reichen Koͤnigreich⸗ im Weſt, Er hätte Grund zum Mißvergnügen dran. Lords, ſeht euch vor, daß nicht ſein Hlattes Reden Eu'r Herz bethört; ſeyd wriſe und behutſam. Beguͤnſtigt ſchon ihn das gemeine Volt, ennt„Hunphrey“ ihn,„den guten Herzog Gloſter,“ Klatſcht in die Haͤnd' und ruft mit lauter Stimme: „Jeſus erhalt' Eu'r königliche Gnaden!“ n Nebſt:„Gott beſchirm' den guten Herzog Humphrey!“ Doch furcht ich, Lords, hey all' dem Schmeichelglanz, Er wird uns ein gefaͤhrlicher Protektor. Buck. Und warum muſ er's ſeyn bey unſerm Herrn, Der ſelbſt das Alter zum Regieren hat? Vetter von Somerſet, eint euch mit mir, Ihr all⸗ zuſammen mit dem Herzog Suffolk; Wir heben bald den Herzog aus dem Sitz. Card. Es leidet keinen Aufſchub dieh Geſchäft, Ich will zum Herzog Suffot alſobald. Som. Vetter von Buckingham, ob Humphrey's Srolz Und Groͤß im Amte ſchon uns kräͤnkend iſt, Laßt uns den trotz'gen Cardinal bewachen. ein Uebermuth iſt unertraglicher, ls aller Prinzen in dem Lande ſonſt, Setzt man den Gloſter ab, wird er Protektor. 3 uck. Ich oder du, Somerſet, wird Protektot, Zum Trotz dem Herzog und dem Cardina. .(Buckingham und Somerſek ab.) Sal. Stolz ging voran, der Ehrgeiz ging ihm nach, Weil dieſe ſtreben üm ſich ſelbſt zu fördern, n eziemt es uns zu ſtreben für das Reich. ie ſah ich anders, als daß Herzog Humphrey Sich wie ein aͤchter Edelmann betrug. i —— 182 Konig Heinrich VI. A.1. Oft ſah ich's, daß der trotz'ge Cardinal, Wie ein Soldat mehr als ein Mann der Kieche, So keck und ſtolz, als wär er Herr von allem, Geflucht wie ein Bandit, und ſich gebehrdet Unaͤhnlich dem Regenten eines Staats. Warwick, mein Sohn, du meines Alters Troſt! Dein Ruhm, dein ſchlichtes Weſen, deine Wirthſchaft, Gewann die größte Gunſt bey den Gemeinen, Den guten Herzog Humphrey ausgenommen.— Und Bruder York, in Irland deine Thaten, Da du zur Burgerzucht ſie haſt gebracht; Tuch deine Kriegeszug' in Frankreichs Herzen, Als du Regent fuͤr unſern Fuͤrſten warſt: Sie machten dich beym Volk geehrt, gefuͤrchtet. Verbinden wir uns fuͤrs gemeine Wohl, Mit aller Macht zu zuͤgeln und zu hemmen Den Hochmuth Suffolks und des Cardinals, Sammit Buckinghams und Somerſets Ehrbegier; Und unterſtuͤtzen beſtens Gloſters Thaten, So lang' ſie zielen auf des Lands Gewinn. warw. Gott helf dem Warwick, wie ſein Volk er liebt, aund ſeines Vateriands gemeines Wohl! Nork. Das ſagt auch York, er hat am meiſten Grund⸗ Sakisb. Nun zeig den Eifer, Sohn, wie ich dich mahne. wWarw. Ja mahne, Vater, mahne! Hin iſt Maine, Das Maine, welches Warwicks Arm errang, Der ſiets des Frankenreiches fluͤchtig Roß An dieſer Maͤhne feſtzuhalten hoffte. Ihr mahnt mich, Vater; mich gemahnt nur Maine, Das, fall' ich nicht, bald mein zu ſehn ich waͤhne. (Warwick und Salisbury ab.) Pork. Anjou und Maine gab man den Franzoſen; Paris iſt fort; der Stand der Normandie, Da jene hin ſind, haͤngt an einem Haar. Suffolk ſchloß die Artikel des Vergleichs, Die Pairs genehmigten, und Heinrich war Es gern zufrieden, fuͤr zwey Herzogthuͤmer Zu tauſchen eines Herzogs ſchoͤne Tochter. Richt tadeln kann ich ſie; was gilt es ihnen? Dein Gut, und nicht ihr eignes, geben ſie. Seeraͤuber koͤnnen leicht ſpottwohlfeil handeln, Und Freund' erkaufen und an Dirnen ſchenken, Hoch lebend ſo wie Herr'n, bis alles fort: Sind ſo verwebt mit meinem Fleiſch und Blut, Sz. 1. Zweyter Theil 183 Indeß des Gutes blöder Eigenthümer Daruͤber weint, die bangen Haͤnde ringt, 6 6. Und ſchuttelt ſeinen Kopf und ſteht von fern, Weil alles ausgetheilt wird und verſtreut, Und darf verhungernd nicht, was ſein, beruͤhren. Da ſitzt nun York und knirſcht und beißt die Zunge, Weil um ſein eighes Land gefeilſchet wird. Mich dunkt, die Reiche England, Frankreich, Irland, Als der verhaͤngnißvolle Brand Altheens Mit jenes Prinzen Herz von Calydon. Anjou und Maine an Frankreich abgegeben! Ein Schlag für mich, der ich auf Frankreich Hoffnung, So wie auf Englands fruchtbar'n Boden hatte. Es kommt ein Tag, wo York das ſeine heiſcht; Drum will ich die Parthey der Nevils nehmen, Und liebes thun dem ſtolzen Herzog Humphrey, Und wenn ich Zeit erſeh' die Krone fodern, Denn nach der goldnen Scheibe ziel' ich nur. Mein Recht ſoll Lancaſter mir nicht entreißen, Nicht in der kindſchen Fauſt das Zepter halten, Das Diadem nicht tragen um ſein Haupt, Deß Pfaffenlaunen nicht zur Krone paſſen. Drum, York, ſey ſtill, bis dich die Zeit beguͤnſtigt, Paſſ' auf und wache du, wenn andre ſchlafen, Geheimniſſe des Staates zu erſpähn: Bis Heinrich, ſchwelgend in der Liebe Freuben Mit Englands theurerkaufter Koͤnigin, Und Humphrey mit den Pairs in Zwiſt gerathen. Dann ich die milchweiße Roſe hoch, Sie ſoll mit fuͤßem Duft die Luft durchdringen:„ Dann fuͤhr' ich im Panier das Wappen YPorks, Um mit dem Hauſe Lancaſter zu ringen, nd nehme dem durchaus die Krone wieder, Deß Buͤcherherrſchaft England riß danieder.— 8 weyte S zeene. Ebendaſelbſt. Ein Zimmnr im Hauſe des Herzogs von Gloſter. (Gloſter und die Herzogin treten auf.) Serz. Warum ſenkt mein Gemahl das Haupt, wie Korn, Beſchwert von Ceres berreifer Laſt? 184 Koͤnig Heinrich VI. A.. Was zieht die Braun der aroße Herzog Humphrey, Als ſah' er finſter auf der Welt Geſichter? Was haftet nur dein Aug' am dumpfen Boden, Und ſtarrt das an; was dein Geſicht bewoͤlkt? Was ſiehſt du? Koͤnig Heinrichs Diadem, Verbraͤmt mit allen Ehren dieſer Welt? Iſt das, ſo ſtarr“ und kriech' auf deinem Antlitz, Bis dir das Haupt davon umzirkelt iſt. 3 Streck' aus den Arm nach dem glorreichen Gold! Fſt er zu kurz? Verlaͤngern ſoll ihn meiner; ſind wenn wir zwey zuſammen es gefaßt, So heben wir das Haupt vereint zum Himmel, Und wollen unſer Aug' nie ſo erniedern, Noch eines Blicks den Boden werth zu halten. Gloſt. O Herzens⸗ Lene, liebſt du deinen Gatten⸗ So bann chrgeiziger Gedanken Wurm: Sey der Gedanke, wann ich meinem Koͤnig, Dem tugendhaſten Heinrich, Arges ſinne, Mein letzter Hauch in dieſer ird'ſchen Mich macht mein aͤngſt'ger Traum von Nachts betruͤbt. Herz. Was träumte mein Gemahl? Sagt mir, ich lohn es Mit ſuͤßer Meldung meines Motrgentraums. Gloſt. Mir ſchien's, der Stab hier, meines Amtes Zeichen, Ward mir zerbrochen; ich vergaß, durch wen, 3 Doch, wie ich denke, war's der Cardinal; Und auf den Stuͤcken ward dann aufgeſteckt Der Kopf von Edmund, Herzog Somerſet,, Und de la Poole, dem erſten Herzog Suffolk. Dieß war mein Traum: Gott weiß⸗ was es bedeutet⸗ erz. Ey, das war nichts als ein Beweis, daß der, Der nur ein Reis in Gloſters Luſtwald bricht, Den Kopf fuͤr ſeine Kuͤhnheit ſoll verlieren. 3 Doch horch auf mich, mein Humphrey, liebſter Herzoh! Mir wat, ich ſaß' auf majeſtät'ſchem Sitz Im Dom zu Weſtminſter, und auf dem Stuhl, Wo Koͤn'ge man und Koͤniginnen kroͤnt, Wo Heinrich und Margaretha vor mir knieten, Und ſetzten auf mein Haupt das Diadem. Gloſt. O nein, dann muß ich gradezu dich ſchelten, Hochmuth'ge Frau, verzogne Leonore! Biſt du die zweyte Frau im Reiche nicht, Und des Protektors Weib, geliebt von ihm? Steht weltliches Vergnuͤgen dir nicht frey, 1 . Und ſelbſt als Weib will ich nicht läſſig Auch meine Roll' im Zug des Gluͤcks zu ſpielen. Mehr als dein Sinn crreichet und Timißt 2 nh Und mußt du immer ſchmieden am Vrrrath, Um deinen Gatten und dich ſelbſt zu ſtͤrzen Vom Ehrengipfel bis zum Fuß der Schmach? Hinweg von mir, und laß mich nichts mehr hoͤren 2 Zerz. Wie, mein Gemahl? ſeyd ihr mit Leonoren So heftig, weil ſie ihren Traum etibl Ich will für mich die Träuie ſchon behalten, Und micht geſcholten ſpi. 7. Gloſt. Nun, ſey nicht zornig, ich bin wieder gut. (Ein Bote tritt auf.) Vote. Mylord Protektor Seine Hoheit wünſcht, Daß ihr zum Ritt euch anſchickt nach Sankt⸗Albans,— Zur Falkenjagd mit Ihro Majeſtäten.. Gloſt. Ich geh.— Komm, Lene, willſt du mit uns reiten? erz. Ja, beſter Herr, ich folge gleich euch nach. S Gloſter und der Bote ab.) Vorangehn kann ich nicht, ich muß wohl folgen, So laſtge Gloſter klein und niedrig dentt Waͤr ich ein Mann, ein Herzog, von Gebluͤt Der naächſte, dieſe laͤſt'gen Strauchelblöͤcke Raumt' ich hinweg, und ebnete mir bald Auf den kopfloſen Nacken meinen Weg; ſcyn, Wo ſeyd ihr denn, Sir John! Nicht bange, Freund 6 ir ſind allein, nur du und ich ſind hier (Hume kommt hervor.) Zume. Jeſus erhalte eure Majeſtät! Ferz. Was ſagſt du, Majeſtaͤt? Ich bin nur Gnaden. Bume. Allein mit Gottes Gnad', und Hume's Rath Vervielfacht Euer Gnaden it ſ pech Serz. Was bringſt du, Mann? Haſt du dich ſchon S beſprochen Mit Grethe Jordan, der verſchlagnen Hexe, Und dem Beſchwoͤrer, Roger Bolingbroke? nd unternahmen ſie's, mir Dienſt zu kiſten 7 Fume. Dieß haben ſie gelobt: euch einen Geiſt Hrraufzuholen aus der Tiefe drunten, ha Der Antwort geben ſoll auf alle Fragen. ie Ferz. Genug; ich will auf Fragen mich bedenken. Sobald wit von Sankt⸗Albans heimgekehrt, 185 Koͤnig Heinrich VI. A. 1. Soll alles dieſes in Erfuͤllung gehn. 3 Nimm dieſen Lohn hier; mach dich luſtig, Mann, Mit den Genoſſen bey der wicht'gen Sache.(ab.) wume. Hume ſoll ſich luſtig machen mit dem Gold Der Herzogin, ey ja, und wird es auch. besl Doch wie nun, Sir John Hume! Verſiegelt nur Den Mund, und gebt kein Wort von euch, als: mumn! Die Sache heiſcht die ſtillſte Heimlichkeit, Daß ich die Here zu ihr bringen ſollz Waͤr ſie ein Teufel, Gold kommt immer recht. Doch hab' ich Gold, das kommt noch ſonſt wo her: Ich darf nicht ſagen von dem reichen Cardinal ünd von dem großen neuen Herzog Suffolk⸗ Doch find' ich's ſo: denn, grad' heraus, die zwey⸗ Frau Leonorens hohes Trachten kennend, Erkauften mich, um ſie zu untergraben, Und die Beſchwoͤrungen ihr einzublaſen⸗ 2 Man ſagt, ein ſchlauer Schelm braucht keinen Maͤkler, Doch makl ich Suffolk und dem Cardinal. W Hume, wenn du dich nicht huͤteſt, fehlt nicht viel, Du nennteſt ſie ein Paar von ſchlauen Schelmen. Run wohl, ſo ſteht's: und ſo befuͤrcht' ich, ſtuͤrzt Hume's Schelmerey zuletzt die Herzogin; nd, uberweiſt man ſie, muß Humphrey fallen. Sey's wie es ſey, ich ziehe Gold von Allen.. ab. Dritte Szene Ein Zimmer im Palaſt. (peter und andre Supplikanten kommen mit Bittſchriften) 1. Suppl. Meiſters, tretet dicht heran; Mylord Pro⸗ tektor wird hier gleich vorbeykommen, und dann konnen wir unſte Geſuche ſchriftlich uͤberreichen. 2. Suppl. Ey, Gott beſchutz' ihn, denn er iſt ein guter Der Herr Chriſtus ſegne ihn! Suffort und Koͤnigin Margaretha treken auf.) pet. Da kommt er, denk ich, und die Koͤnigin mit ihm: ich will gewiß der erſte ſeyn⸗ 2. Suppl. Zuruͤck, du Narr: Das iſt ja der Herzoh von Suffolk, und nicht Mylord Protektor. Suff. Nun, Geſelle? wollteſt du etwas von mir? 3ſ das die Sitte ſo an Englands Hof Sts.„Bweyter Lheil. 187 1. Suppl. Ich bitte, Mylord, verzeiht mir: ich hielt euch für den Lord Protektor. 5 iri Rön.„An Mhlord Protettor.“ Sind eure Bitt⸗ ſchriften an Seine errlichkeit gerichtet? Laßt mich ſie ſehen! Was betrifft deine? 1 bi . Suppl. Meine, mit Euer Gnabden Erlaubniß, iſt gegen John Gvodmann, des Mylord Cardinal ſeinen Die⸗ ner, weil er mir mein Haus und Ländereyen und Frau und alles vorenthaͤlt. Suff. Deine Frau auch? Da geſchieht dir in der That zu nahe.— Was habt ihr für eine 3— Sieh da(leſ) „Wider den Perzog von Suffolk, wegen Einhegung der „gemeinen Hut und Weide von Melford.“— Was ſoll das, Herr Schurke? 2. Suppl. Ach, Herr, ich bin nur ein armer Suppli⸗ kant fuͤr unſre ganze Buͤrgerſchaft. u Pet⸗ Cberreſcht ſeine Vittſhrift.) Gegen meinen Mei⸗ ſter, Thomas riretweit et geſaat hat⸗ daß der Herzog von York rechtmäßiger rbe der Krone ware. tie rosſaglt duh Sagte der Herzog von ork er wäre rechtmäßiger Ert der Krone? pPet. Mein Meiſter ware es? Nein, wahrhaftig; mein Meiſter ſagte; er wäre es, und der König wäre ein Uſurpator. Suff. Iſt jemand da?(Bediente kemmen.) Nehmt den Burſchen mit herein, und ſchickt ſogleich einen Gerichts⸗ boten nach ſeinem Meiſter— Wir wollen won eurer Sache mehr vor dem Koͤnige hoͤren.] (Bedienter mit Peter ab.) Rön. Was euch betrifft, die ihr Protektion Von des Protektors Gnadenfluͤgeln liebt, rneuert die Geſuche! geht an ihn! (Sie zerreißt die Bittſchriften.) Fort, ihr Halunken!— Suffolk, laßt ſie gehn. Alle. Kommt! laßt uns gehn! (Supplikanten ab.) . Rön. Mylord von Suffolk, ſagt, iſt, das die Art, Ilt dieß das Regiment der Britten⸗Inſel, Und dieß das Koͤnigthum von Albions Herrn? Wie? ſoll denn Koͤnig Heinrich immer Muͤndel Unter des muͤrr'ſchen Gloſters Aufſicht ſeyn? 188 Konig Heinrich VI. A.I. Bin ich im Rang und Titel Koͤnigin, Um einem Herzog unterthan zu werden?! Ich ſag' dir, Poole, als du in der Stadt Tours Zu Ehren meiner Lieb' ein Rennen hielteſt, ünd ſtahlſt die Herzen weg den Fränk ſchen Frauen: Da dacht' ich, Koͤnig Heinrich gliche dir An Muth, an feiner Sitt' und Leibsgeſtalt. Doch all ſein Sinn ſteht nur auf Froͤmmigkeit, Nve Marie am Roſenkranz zu zahlen; Ihm ſind Propheten und Apoſtel Kaͤmpfer⸗ Und ſeine Waffen heil'ge Bibelſpruͤche; Sein Zimmer ſeine Rennbahn, ſeine Liebſten Kanoniſirter Heil'gen chrne Bilder. Daß doch das Cardinal⸗Kollegium Zum Pabſt ihn waͤhlt', und brächte ihn nach Rom, ünd ſetzt' ihm die dreyfache Krön' aufs Haupt; Das wär' ein Stand fuͤr ſeine Froͤmmigkeit. Suff. Seyd ruhig, gnad'ge Frau; wie ich gemacht, Daß Eure Hoheit kam nach England, will ich In England vollig euch zufrieden ſtellen.. Ron. Naͤchſt dem Protektor haben wir noch Beaufort, Den herr'ſchen Pfaffen; Somerſet, Buckingham. Den murr'nden York; und der geringſte dieſer Kann mehr in England als der Koͤnig thun. Suff. Und der darunter, der am meiſten kann, Kann nicht mehr thun in England als die Nevils. Salisbury und Warwick ſind nicht bloße Pairs. kon. Mich kränken halb ſo ſehr nicht all' die Lords, Als des Protektors Weib, die ſtolze Dame⸗ 0 Sie faͤhrt herum am Hof mit Schaaren Frau'n, Wie eines Kaiſers mehr als Herzogs Weib, Ein Fremder haͤlt ſie fuͤr die Koͤnigin; Sie trägt am Leib die Einkuͤnft' eines Herzogs, Und unſter Armuth ſpottet ſie im Herzen. Soll ich nicht Rache noch an ihr erleben? Ein ſchlechtgebornes Nickel, wie ſie iſt, Hat ſie zu ihren Freunden juͤngſt geprahlt, Der Schlepp' von ihrem ſchlechtſten Rocke Mehr werth als meines Vaters Land, eh' Suffolk Zwey Herzogthuͤmer. gab fuͤr ſeine Tochter. i Suff. Ich hab' ihr eine Schlinge ſelbſt gelegt, Und eine Schaar Lockvögel ausgeſtellt, Daß ſie ſich niederlaͤßt dem Lied zu horchen⸗ * Sz. 3. Sweyter Theil. 1469 Und nie mehr aufſteigt und euch Unruh macht. Drum laßt ſie ruhn, und hoͤrt mich, gnäd'ge Frau, Ich bin ſo dreiſt, euch hierin Rath zu geben: Iſt ſchon der Cardinal uns nicht gemuͤthlich, Verbinden wir mit ihm uns und den Lords, Bis Herzog Humphrey wir in Schmach gebracht. Was Herzog Yort betrifft, die neue Klage Wird gar nicht viel zu ſeinem Vortheil thun. So reuten wir ſie nach einander aus, Und ihr ſollt das begluͤckte Steuer fuͤhren. Goͤnig Heinrich, York und Somerſet im Geſpräch mit ihm; Herzog und Herzogin vön Gloſter, Cardinal Beaufort, Buckingham, Salisbury und War⸗ wick treten auf.) 5 5 0 R. Zeinr. Für mein Theil, edle Lords, ich weihr' es keinem, Sey's Somerſet, ſey's York, mir gilt es gleich. Pork. Wenn York in Frankreich uͤbel ſich benommen, So ſchlagt ihm immer die Regentſchaft ab. n Som. Wenn Somerſet der Stell unwuͤrdig iſt, Mag York Regent ſeyn, und ich geb“ ihm nach. 8 Warw. Ob Euer Gnaden wuͤrdig iſt, ob nicht, Wird nicht gefragt: York iſt der wuͤrdigſte. iach Card. Ehrgeiz'ger Warwick, laß die Obern reden. Warw. Der Cardinal iſt nicht im Feld mein Obrer. Buck. Hier ſind all' deine Obern, Warwick. 5 warw. Warwick kann Oberſter von Allen werden. 2 Sal. Still, Sohn!— und gieb uns Gründe, Buckingham, aß Somerſet hiebey ſey vorzuziehn. e Vön. Ey, weil der König es ſo haben will.. Gloſt. Der Koͤnig, gnaͤd'ge Frau, iſt alt genug, um ſelbſt zu ſtimmen; dieß ſind nicht Frau'n⸗Geſchäfte. „Bön. Iſt er ſchon alt genug, was braucht Eitr Gnaden Protekror Seiner Herrlichkeit zu ſeyn? Gloſt. Ich bin des Reichs Protektor, gnaͤd'ge Frau! Wenn's ihm beliebt, entſag' ich meinem Piatz.* Suff. Entſag' ihm denn, und laß den Uebermuth. Seitdem du Koͤnig warſt(wer iſt's, als du Ging täglich das gemeine Weſen unter; enſeit des Meers gewann der Dauphin Feld, nd alle Pairs im Reich und Edle ſind ie Stlaven deiner Herrſchaft hier geweſen. 190 Koͤnig Heinrich VI. A. 1 Card. Das Volk haſt du geplagtz der Kleriſey Haſt du die Seckel leicht und leer gepreßt. Som. Dein prächtig Bau'n und deiner Frauen Schmuck Hat große Haufen aus dem Schatz gekoſtet. Buck. Dein grauſames Gericht, an Miſſethaͤtern Geübt, ging uͤber das Geſetz hinaus, Und giebt dich in die Wilkuͤhr des Geſetzes. Ron. Dein Aemter⸗Handel, und mit Städten Frankreichs, Wäaͤr' er bekannt, wie er verdächtig iſt, Du ſpraͤngeſt bald wohl ohne Kopf herum. (Gloſter ab Die Konigin laͤßt ihren Fächer fallen.) Hebt meinen Fächer auf⸗ Ey, Schätzchen, könnt ihr nicht? (Sie giebt der Herzogin eine Ohrfeige.) War't ihr es? Ja, da bitt' ich um Verzeihung. Ferz. War ich's? Ja wohl, hochmuͤthige Franzoͤſin⸗ Koͤnnt' ich an euer ſchoͤn Geſicht nur kommen, Ich ſetzte meine zehn Gebote drein. R. Heinr Still, liebſte Tante, es geſchah nicht gern⸗ Ferz. Nicht gern! Thu' bald ein Einſehn, guter Koͤnig, Sie närrt und taͤnzelt dich ſonſt wie ein Kind. Man ſoll, giebt's hier gleich Maͤnner ohne Hoſen, Richt ungerächt Frau Leonoren ſchlagen⸗(Herzogin ab.) Buck. Lord Cardinal, ich folge Lonoren, 2 Und geb' auf Humphrey Acht, wie er ſich nimmt⸗ Sie iſt gereizt, ihr Muth braucht keinen Sporn, Sie vennt ſchon wild genug in ihr Verderben.. 30(Buckingham ab. Gloſter kommt zuruͤck.) Gloſt. Nun, Lords, da meine Galle ſich gekuhlt Durch einen Gang um dieſes Viereck her, Komm' ich, von Staatsgeſchaͤften hier zu reden. Anlangend eure ham'ſchen falſchen Ruͤgen, Beweiſt ſie, und ich ſtehe dem Geſetz⸗ Doch Gott ſoll meiner Seele gnädig ſeyn, Pie ich mein Land und meinen Koͤnig liebe! Jedoch zur Sache, welche vor uns liegt. Mein Fuͤrſt, ich ſage⸗ York ſchickt ſich am beſten, Regent fuͤr euch im Frankenreich zu ſeyn. Suff. Erlaubt mir, eh zur Wahl geſchritten w Mit Gruͤnden von nicht kieiner Kraft zu zeigen, Daß York am ſchlechtſten ſich von Allen ſchickt. Pork. Hor', Suffolk, denn, warumich ſchlecht mich ſchicke Erſt, weil ich deinem Stolz nicht ſchmeicheln kann; 1 c„——. — Sz.3. öweyter Theil. 191 Dann, wenn ich zu der Stelle werd' ernannt, Wird hier Mylord von Somerſet mich halten, Mußt' ich doch letthin ihm zu Willen tanzen, Bis man Paris berennt und ausgehungert. Warw. Das zeug' ich mit, und einen ſchnoͤdern Streich Beging im Lande kein Verraͤther je. Suff. Unbaͤnd'ger Warwick, ſtill! 48 warw. Du Bild des Stolzes, warum ſollt' ich ſchweigen? GBediente Suffolks fuͤhren Horner und Peter vor.) Suff. Weil hier ein Mann iſt, des Verraths beklagt. Gott gebe, daß ſich Herzog York entſchuldigt! Pork. Klagt irgend wer York als Verraͤther an? R. Zeinr. Was meynſt du, ſag mir, wer ind iee 3 Suff. Beliebt's Eu'r Majeſtäͤt, dieß iſt der Mann, Der ſeinen Meiſter Hochverraths verklag. r hat geſagt, daß Richard Herzog York Rechtmäß'ger Erbe ſey von Englands Krone, Und Eure Maſeſtät ein Uſurpator. 3. Zeinr. Sag', Mann, waren das deine Worte? worn. Mit Eurer Majeſtaͤt Erlaubniß, ich habe nie⸗ Pet.(hält die Finger in die Hoͤhe.) Bey dieſen zehn Ge⸗ beinen„gnaͤdige Herren, er ſagte mir es eines Abends auf der Dachkammer, als wir Mylords von York Rü⸗ ſtung abputzten.* Vork. Gemeiner koth'ger Schurk' und Tageloͤhner, Mir zahlt dein Kopf fuͤr die Verraͤther⸗Rede. ch bitt' Eur koͤnigliche Majeſtät, aßt ihn die Strenge des Geſetzes fühlen. 5 orn. Ach ich will Khänt ſeyn, Mylord, wenn ich die Worte jemals geſagt habe⸗ Mein Ankläger iſt mein Lehrburſche, und da ich ihn lebthin fuͤr ein Vergehen chtigte, gelobte er auf ſeinen Knieen, er wollte es mir Jeen ſeſe ich Junſe bitte Eure zekeſtͤt alſo, werft einen ehrlichen Mann nicht wea f 3 Anklage eines Boſewichts. ein Oheim was ſagen wir hie u nach Rechten? 2 Gloſt. Dieß ürtheil, wenn ich ſe kurn nenen t Somerſet Regent in Frankreich ſeyn, 192 Koͤnig Heinrich. A. 1. Weil dieſes Argwohn wider York erzeugt. Und dieſen da beraumet einen Tag Zum Zweykampf an auf angemeßnem Platz; Denn er hat Zeugen fuͤr des Knechtes Bosheit. Dieß iſt das Recht und Herzog Humphrey's Spruch. R. einr. So ſey es denn. Mylord von Somerſet, Wir machen zum Regenten euch von Frankreich. Som. Ich dank ergebenſt Eurer Majeſtät. orn. Und ich bin zu dem Zweykampf gern bereit. Pet. Ach, gnaͤd'ger Herr, ich kann nicht fechten; um Gottes willen, habt Erbarmen! Die Bosheit der Men⸗ ſchen iſt maͤchtig wider mich. O Herr, ſey mir gnaͤdig! Ich bin nicht im Stande, einen einzigen Streich zu thun. Ich Gott, mein Perz ſnr ſen Gloſt. Ey, Burſch, du mußt nun fechten oder haͤngen. R. Heinr. Fort, ſchafft ſie ins Gefaͤngniß, und der Tag Zum Zweykampf ſey der letzte naͤchſten Monats.— Komm, Somerſet, damit wir weg dich ſenden. h E(Ale ab.) F e (Garten des Herzogs von Gloſter.). (Grethe Jordan, Hume, Southwell und Volingbroke kommen.). me Kommt, Leute! die Herzogin, ſag' ich euch, etwartet die Erfuͤllung eurer Verſprechungen: Bol. Meiſter Hume, wir ſind darauf geſchickt. Vil Ihro Gnaden unſre Beſchwoͤrung anſchen und hören! Fzume. Ja wohl; was weiter? Seyd wegen ihres Muthes nicht beſorgt. Bol. Ich habe ſagen hoͤren, ſie ſey eine Frau von nüberwindlichem Geiſt. Aber es wird dienlich ſeyn, „Meiſter Hume, daß ihr droben bey ihr ſeyd, derweil wir unten beſchäftigt ſind, und ſo bitte ich euch, geht in Gottes Namen und verlaßt uns.(Hume ab.) Mutte Jordan, ſtreckt euch nieder und kriecht an der Endez zcn Southwell, leßt ihr; und laßt uns an unſt Irbeit gehn. i 3 iit Gie Herzogin erſcheint auf einen Balkeu) 6 Zerz. Dus macht ihr gut, Leute, und ſeyd alle wil konimen. An's Werk! je cher, je ieber. 5 Sz4. 3weyter Theil. 193 Bol. Geduld nur; Zaubrer wiſſen ihre Zeit, 6 Die tiefe, finſtre Nacht, das Graun der Nacht; Die Zeit, da Troja ward in Brand geſteckt; Die Zeit wo Eulen ſchreyn und Hunde heulen, Wo Geiſter gehn, ihr Grab Geſpenſter ftrengen 5 Die ziemt ſich für das Werk, womit wir umgehn. Sitzt, gnaͤd'ge Frau, und bangt Den binden wir in dem (ier verrichten ſie di ho Ceremonien und machen den Rreis; Bolingbroke oder Southwell lieſt: Conjuro t6 etc. Es donnert und blitzt entſetzlich, dann ſteigt der Geiſt auf.) Geiſt. Adzum. S Beym ew'gen Gott, deß Namen und Gewalt Du zitternd hoͤrſt, antworte, wie ich frage! Denn bis du ſprichſt, ſollſt du von hinnen nicht. Zeiſt Fragt wie duwilſ— Hätr ichdoch erſtgeßprochent hörigen Ce Bol. lieſt von einem Zettel ab)„Zuerſt vom Konig. 6 Was geſchieht mit ihm7“ Geiſt. Der Herzog lebt, ſo Heinrich einſt entſetzt, Jedoch ihn überlebt, und ſtirbt gewaltſam. (So wie der Geiſt ſpricht, ſchreibt Southwelt die Antwort auf.) „Welch ein Geſchick erwartet Herzog Suffolt?“ Geiſt. Durch Seefahrt kommter um und nimmt ſein Ende. o„Was wird dem Herzog Somerſet begegnen 7* Viel ſichrer wird er ſeyn auf ſand ger E iscn Als wo Burgen ſtehn gethuͤrmt. Mach nur ein Endez mehl ertrag' ich kau ii erworfner, heb dich weg! e 2 0(Donner und Blitz. Der Geiſt derfinkt. York und Buckingham treten eilig mit Wachen u ork. Packt die Verraͤther feſt und ihren Plunder. mſrzeeen wir aufs Haar! Wie, gnädege Frau? ihr dort? Der König und das Land Sind euch fuͤr dieß Theil Muͤhe hochſt verpflichtet. Pylord Protector wird, ich zweife nicht, uch wohl belohnen fuͤr ſo gute ienſte. n. „Der Herzog lebt, ſo Heinrich einſt entſetzt, Mit mir zu ſpeiſen morgen Abend.— Fort! 104 König Heinrich W. 2.1. Ferz. Nicht halb ſo ſchlimm wie deine fuͤr den Koͤnig, Verwegner Herzog, der ohn' Urſach droht. Buck. Recht, gnäd'ge Frau, ohn Urſach. Kennt ihr dieß! (Er zeigt ihr die Papiere.) Fort mit dem Volk! Sperrt eng ſie ein und haltet Sie aus einander.— Ihr, gnaͤd'ge Frau, mit uns. Stafford, nimm ſie zu dir. g (Die Herzogin von oben ab.) Enr Spielzeug ſoll nun alles an den Tag.— Mit Ailen fort! (Wachen ab mit Southwell, Bolingbroke u. ſ. w.) Pork. Lord Buckingham, ihr habt ſie gut belauert, Ein huͤbſcher Anſchlag, um darauf zu baun! Run, bitte, laß des Teufels Handſchrift ſehn. Was giebt es hier? Clieſt.) „Jedoch ihn uberlebt und ſtirbt gewaltſam.“ Ja, das iſt richtig: Nio te, Aeacida, Romanos vincere Posse. Gut, weiter nun! „Sag, welch Geſchick erwartet Herzog Suffolk? „Durch Seefahrt kommt er um und nimmt ſein Ende. „VWas wird dein Herzog Somerſet begegnen? „Er meide Burgen. „Viel ſichrer wird er ſeyn auf ſand'ger Ebne, „Als wo Burgen ſtehn gethuͤrmt.“ Kommt, kommt, ihr Herrn! Zu den Orakeln kommt man mit Beſchwer, 6 ünd ſchwer verſteht man ſie. 2 Der Koͤnig iſt im Zug nun nach Sankt⸗Albans, Mit ihm der Gatte dieſer werthen Dame. Dahin geht dieß nun, ſo ſchnell ein Pferd es tragen kann; Ein traurig Fruͤhſtuͤck fuͤr Mylord Protector. Buck. Mylord von York, erlaubet mir, daß ich Ein Bote ſey, in Hoffnung ſeines Lohns. nork. Nach eurem Belieben, beſter Lord.— He, Iſt niemand da!* i (Ein Bedienter kommt.) Die Lords von Salisbury und Warwick ladet 6) „ 8weyter Theil.. ¹95 3 wehter Au fz ug. Erſte Szenea Sankt Albans. CKönig Heinrich, Königin Margaretha, Gloſter, der Cardinal und Suffolk treten äuf mit Falkemie⸗ ren, die ein Jagdgeſchrey machen.) Rön. Ja, glaubt mir, Lords, zu einem Waſſerflng Gab's keine beſſere Jagd ſeit langen Jahren. Allein, verzeiht, der Wind war ziemlich ſtark, Und zehn war's gegen eins, oh Hans nur ſtiege. R. Heinr. Doch welchen Schuß, Mylord, eur Falke that, Und wie er uͤber alle flog hinaus! Wie Gott doch wirkt in ſeinen Creaturen! Ja, Menſch und Vogel ſchwingen gern ſich hoch. Suff. Kein Wunder, mit Eur Majeſtät Erlaubniß, Daß des Protectors Falken trefflich ſteigen: 3 Sie wiſſen wohl, ihr Herr iſt gern hoch oben, Und denkt hinaus weit uber ihren Flug. Gloſt. Mylord, ein niedrig ſchlecht Gemuth nur ſtrebt Richt hoͤher an, als ſich ein Vogel ſchwingt. Card. Ich dacht' es wohl, er will bis in die Wolken. Gloſt. Ja, Mylord Cardinal! Was meint ihr, waͤr's icht gt, Eur Gnaden konnten in den immel fliegen?!— R. Seinr. Den reichen Schooß der ew'gen Herrlichkeit! Card. Dein Himmel iſt auf Erden; Aug' und Sinn Gehn auf die Krone, deines Herzens Schatz. Gefaͤhrlicher Protector! ſchlimmer Pair, Der Land und König gleißneriſch beruͤckt! „Gloſt. Wie, Cardinal? Vermißt ſich euer Prieſterthum! Lenuen animis baelestibus iras? Ein Pfaff ſo hitzig? Bergt den Groll, mein Ohm! Bey der Froͤmmigkeit, wie konnt ihr?“ 13* 196 Kdnig Heinrich VI. A. 11 Suff. Kein Groll da, Herr; nicht mehr, als wohl B Swlin nonſich nt Fuͤr ſolchen guten Streit und ſchlechten Pair. Gloſt. Als wer, Mylord? Suff. Nun, als ihr, Mylord; Nit Eurer Lord⸗Protectorſchaſt Eilaiſ Gloſt. Ja, Suffolk, England kennt ſchon deinen Troß Ron. Und deinen Ehrgeiz, Gloſter. E4 Beinr. Bitte, Liebſte, Sey ſtill und reiz nicht dieſe heft'gen Pairs.. Geſegnet, die auf Erden Frieden e Card. Mein ſey der Segen, wenn ich Frieden ſtifte Mit dieſem Schwert hier wider den Protector! Gloſt. CGeyſeit zum Cärdinal.) Traun, frommer Ohm ich wollt' es kaͤm dahin! 3 Card.(bevſeit.) Haſt du das Herz, nun gut! Gioſt.(beſeit.) Verſammle keine Rotten fut die Sache, Dein eigner Leib ſieh füͤr den unglimpf ein Card.(behſeit.) Ja, wo du dich nicht blicken laͤß ſt; und wagſt du's, Heut Abend, an des Waͤldchens Morgenſeite. R. Heinr. Was gicbt's, ihr Herrn?. i Glaubt mir, mein Vetter Gloſter, Barg euer Knecht den Vogel nicht ſo ſchnell, So gab's mehr Jagd noch.— S 3 Ceyſeit.) Du bringſt dein doppelt Schwert?! Gloſt. Gut, Oheim.. Ihr wißt Beſche'd“ Des Waͤldchens Morgenſeite? Tardinal, ich treff' euch an. iii R. Feinr. Nun, Oheim Gloſter? Sloſt. Vom Beizenein Geſßraͤch; ſonſt nichts, mein Fuͤrſt. (Ceyſeit.) Bey der Mutter Gottes, Pfaff, ich ſcheere dir die Platte Sonſt gilt mein Fechten nichts. 3 ard.(beyſeit.) Medice de ipsum! Protector, ſieh dich vor! beſchutz' dich ſelbſt! R. Zeint. Der Wind wirs ſcitmiſ⸗ 6 wie euer . Muth⸗ Wie widert meinem Herzen die Muſik! Wie waͤre Harmonie zu hoffen da, 3 St1.„Sweyter thei. 197 Wo ſolche Saiten einen Mißlaut machen?! Ich bitte, Lords, laßt dieſen Zwiſt mich ſchlichten. Ein Einwohner von Sankt⸗Albans kommt und ſchreyt Ein Wunder') 3 Gloſt. Was ſoll der Larm? Geſell, was fur ein Wunder ruſſt du aus? Einw. Ein Wunder! ein Wunder? Suff. Komm vor den Koͤnig, und erzahl' das Wunder. Einw. Ein Blinder, denkt, hat vor Sankt⸗Albans Schrein In dieſer Stunde ſein Geſicht erlangt; Ein Mann, der lebenslang nicht konnte ſehn. 2 R. Zeinr. Gott ſey gelobt, der gläub'gen Seelen Licht Im Finſtern giebt, und in Verzweiflung Troſt! (Der Schulz von Sankt⸗Albans und ſeine Bruͤder kommen; Simpeor wird von zwey Perſonen auf einem Seſſel getragen, ſeine Frau und ein großer Haufe Volks folgen Card. Da kommt die Buͤrgerſchaft in Prozeſſion, Den Mann bey Eurer Hoheit vorzuſtellen⸗ R. Heint Groß iſt ſein Troſt in dieſem Erdenthal, Vervielfacht ſein Geſicht ſchon ſeine Suͤnden. Gloſt. Zurück, ihr Leute! Bringt ihn vor den Koͤnig; Seine Maſeſtät geruht mit ihm zu reden. R. Zeinr. Erzähl' uns hier den Hergang, guter Menſch, Daß Gott fuͤr dich von uns verherrlicht werde. Spag, warſt du lange blind, und biſt geheilt? Simp. Blind geboren, verzeihen Euer Gnaden. Frau. Ja, fuͤrwahr, das iſt er. in Suff. Was iſt dieß fuͤr ein Weib? Frau. Seine Frau, mit Euer Hochedeln Erlaubniß. Bloſt. Waͤrſt du ſeine Mutter, dn koͤnnteſt beſſer zengen. R. Zeinr. Was iſt denn dein Geburtsort? e Simp. Berwick im Norden, Herr, mit Eurer Gunſt. R. Zeinr. Viel Gät' erwies dir Gott, du arme Seele! Laß Tag und Nacht fortan geheiligt ſeyn, Und ſtets bedenke, was der Herr gethan. e Kön. Sag', guter Menſch, kamſt du durch Zufall her, Oder aus Andacht zu dem heil'gen Schrein? Simp. Gott weiß, aus bloßer Andacht; denn mich rief 198 Koͤnig Heinrich VI. A. II. Der gute Sankt Albanus hundertmal 6 Im Schlaf, und öfter;„Simpeor,“ ſagt' er,„komm! „Komm', bet' an meinem Schrein! ich will dir helfen.“ Frau. Wahrhaftig wahr, und manches liebe Mal Hoͤrt' ich von ſoicher Stimme ſelbſt ihn rufen.„ Card. Wie, biſt du lahm! Simp. Ja, helf' mir der allmaͤcht'ge Gott. Sloſt. Wie wurdeſt du's? Simp. Ein Fall von einem Baum. Frau Ein Pflaumenbaum war's, Herr. 6loſt. Wie lange biſt du blind? Simp. O, ſo geboren, Herr. 3 Gloſt. Was, und du kletterteſt auf einen Baum? Simp Mein Lebtag nur auf den, als ein junger Menſch. Fr au. Ja wohl⸗ und mußte ſchwer ſein Klettern zahlen. Gloſt. Traun, mochteſt Pflaumen gern⸗ dich ſo zu wagen Simp. Ach, Herr, mein Weib verlangte ein paar Zwetſchen, und ließ mich klettern mit Gefahr des Lebens. Gloſt. Ein feiner Scheim! Doch ſoll es ihm nichts helfen. Laß mich deine Angen ſehn: drück zu,— mach auf,— Nach meiner Meynung ſiehſt du noch nicht recht. Simp. Ja, Herr, tlar wie der Tag; ich danks Gott t und Sankt Albank Gloſt. Ey ſo! Von welcher Farb' iſt dieſer Mantel! Simp. Roth⸗ Herre, roth wie Blut⸗ Gloſt. Ganz recht. Von welcher Farbe iſt mein Rock? Simp. Schwarz, mein Treu, kohlſchwarz wie Ebenholz⸗ R. Seinr. Du weißt alſo, wie Ebenholz gefäͤrbt iſt! Suff · Doch, denk' ich, ſah er niemals Ebenholz. Gloſt. Doch Roͤck und Maͤntel ſchon vor hent' in Menge Frau⸗ Niemals vor heute, all ſein Lebenlang⸗ Gloſt. Sag mir, Kerl, wie iſt mein Name? Simp. Ach, Herr, ich weiß nicht. Gloſt. Wie iſt ſein Name? Simp. Ich weiß nicht. Gloſt. Auch ſeinen nicht? Simp. Rein, furwahr, Herr. Sz. 1. Swehter Theil. 499 Gloſt. Wie iſt dein eigner Simp. Sander Simpcox, zu eurem Befehle, Herr. „Gloſt. So ſitz da, Sander, der verlogenſte Schelm Der Chriſtenheit. Denn waͤrſt du blind geboren, Du haͤtt'ſt all' unſte Namen wiſſen koͤnnen, So gut als ſo die Farben nennen, die Wir tragen. Das Geſicht kann Farben unterſcheiden, Doch alle zu benennen auf einmal, Das iſt unmoͤglich. 5 Mylords, Sankt Alban hat ein Wunder hier gethan; Und hieltet ihr's nicht fuͤr eine große Kunſt, Die dieſem Kruͤppel wieder auf die Beine huͤlf'7 Simp. O Herr, wenn ihr das koͤnntet! Gloſt. Ihr Leute von Sankt Albans, habt thr nicht Buͤttel in eurer Stadt, und Dinger, die man Peitſchen heißt? Schulz. Ja, Mylord, zu euer Gnaden Befehl. Gloſt. So laßt unverzuglich einen holen. Schulz. He, Burſch! geh, hol ſogleich den Buͤttel her. Stt n Einer aus dem Gefolge ab.) Sloſt. Nun holt mir geſchwind einen Schemel hieher. (Es wird ein Schemel gebracht.) Nun, Kerl, wenn ihr ohne Peitſchen davon kommen wollt, ſo ſpringt mir üͤber den Schemel und lauft davon. nSimp. Ach, Herr, ich bin nicht im Stande, allein zu ehen; ihr geht damit um, mich vergeblich zu plagen. 16(Der Abgeſchickte kommt zuruͤck mit dem Botte l.) Gloſt. Nun, wir muͤſſen euch auf enre Beine helfen. He, Buͤttel, peitſch' ihn, bis er uber den Schemel ſpringt. Bütt. Das will ich, gnaͤdiger Herr.— Komm, Kerl, geſchwind mit deinem Wams herunter. 4 „Simp. Ach, Herr, was ſoll ich thun? Ich bin nicht im Stande zu ſtehen. i WMWachdem ihn der Buͤttel einmal geſchlagen hat, ſpringt er ͤber den Schemel und läuft davon; und das Volt laͤuft nach und ſchreyt: Ein Wunder. B. Heinr. O Gott, du ſiehſt dieß. und ertraͤgſt's ſo lange? Rön. Ich mußte lachen, wie der Bube lief. Gloſt. Dem Schelm ſetzt nach, und nehmt die Metze fort. Frau. Ach, Herr, wir thaten's aus bloßer Noth. 200 Konig Heinrich VI. A. II. Gloſt. Laßt ſie durch alle Marktplätze peitſchen⸗ bis ſie nach Berwick kommen, wo ſie her ſind. 3(Der Schulz⸗ Boͤttel, Frau u. ſ. w. ab.) ard. Ein Wunder iſt Herzog Humphrey heut gelungen. Suff. Ja wohl, der Lahme läuft und iſt entſprungen. Gloſt. Wohl groͤhre Wunder thatet ihr, als dieß, Der ganze Städt auf einmal ſpringen ließ. (Buckingham tritt auf.) R. Zeinr. Was bringt uns Neues Vetter Buckingham? Buck. Was euch mein Herz zu offenbaren bebt. Ein Haufe Menſchen von verworfnem Wandel at unterm Schutze und im Einverſtaͤndniß Frau Leonorens, des Protektors Gattin, er Rädelsſuͤhrerin der ganzen Rotte, Gefaͤhrlich wider euch es angelegt, Su Hexen und zu Zauberern ſich haltend⸗ Wir haben ſie ergriffen auf der That, Da ſie von drunten boſe Geiſter riefen, ſi Rach Koͤnig Tod und Leben fragend, So wie nach Andern vom geheimen Rath,. Fie Eure Hoheit ſoll des weitern wiſſen. 1 Card.(beyſeit zu Gloſter) Und auf die Art, Mylord 3 6 Protektor, muß Sich die Gemahlin jetzt in London ſtellen. Dieß, denk' ich, wendet eures Degens Spitze; Permuthlich haltet ihr die Stunde nicht. Gloſt. Ehrgeiz'ger Pfaff! laß ab mein Herz zu kraͤnken: All meine Kraft hat Grain und Leid bewaltigt; Und, wie ich bin bewältigt, weich' ich dir Und' dem geringſten Knecht. k. Zeinr. O Gott, welch Unheil ſtiften doch die Boͤſen, Und haͤufen ſo Verwirrung auf ihr eignes Haupt! Rön. Gloſter, da ſchau den Flecken deines Neſtes; Sieh ob du rein biſt, ſorge fuͤr dein Beſtes. Gloſt. Ich weiß⸗ daß mir der Himmel Zeugniß giebt, Wie ich den Koͤnia und den Staat geliebt. Mit meinem Weib', ich weiß nicht, wic's da ſteht; Es thut mir leid zu hoͤren was ich hoͤrtet Sie iſt von edlem Sinn, doch wenn ſie Ehre Vergaß und Tugend und mit Volk verkehrte, Das ſo wie Pech, befleckt ein adlich Haus, St.2. 8weyter Lheil 201 So ſtoß' ich ſie von Bett und. umgang aus; 1 Und ſey ſie dem Geſetz, der Schmach verpfände 0r 3 Die Gloſters reinen Ramen ſo geſchändet. R. Heinr. Nun gut, wir wollen dieſe Nacht hier ruhn, Nach London Morgen wiederum zuruͤck Um dieſer Sache auf den Grund zu ſehn, Und Rechenſchaft den Frevlern abzufordern; 5 Das Recht den Fall in gleichen Schalen wäge, So nimmer wankt, und ſieget allewege. London. Garten des Herzogs von York. Gork, Salisbury und W arwick treten auf Pork. Nun, werthe Lords von Salisbury und Nach unſerm ſchlichten Mahl erlaubrt mir In dieſem Laubengang mir g'nugzuthun, Euch fragend, was ihr mehnt von meinem Anſprut An Englands Krone, der untrüglich iſt. Sal. Mylord, ich wuͤnſch“ ausfüͤhrlich es zu hoͤren. warw. Sprich, lieber Pork; und iſt dein Anſpruch So kannſt du ſchalten mit der Revils Dienſt. Pork. Dann ſo: Eduard der dritte hatte ſieben Soͤhne; in Erſt, Eduard Prinz von Wales, der ſchwarze Prinzz⸗ Der zweyte, William Hatſield; und der dritte Lionel, Herzog Clarence; dem zunschſt Kam John von Gaunt, der Herzog Lancaſter; Der fuͤnfte Edmund Langley, Herzog York; Der ſechſte, Thomas von Woodſtock, Herzog Gloſter; William von Windſor war der ſiebt' und letzte. Eduard der ſchwarze Prinz ſtarb vor dem Pater,„ Und ließ als einz'gen Sohn den Richard nach, 2 Der nach Eduard des dritten Tod regierte; 6 Bis Heinrich Bolingbroke, Herzon Lancaſter, Der aͤltſte Sohn und Erbe John's von Gaunt, Der als der vierte Heinrich ward gekroͤnt, Das Reich bewältigt, den rechtmaͤß'gen Koͤnig Entſetzt, und ſeine arme Koͤnigin ach Frankreich fortgeſandt, woher ſie kam, 202 Konig Heinrich VI. A. IM. und ihn nach Pomfret, wo der gute Richard, Wie jeder weiß, verräthriſch ward ermordet. warw. Vater, der Herzog redet wahr; So kam das Haus von Lancaſter zur Krone. work. Die nun ſich dürch Gewalt nicht Recht, behaupten. Nach Richards Tod, des erſten Sohnes Erben, 1ah War an der Reih des naͤchſten Sohns Geſchlecht. Sal. Doch William Hatfield ſtarb ohn einen Erben⸗ work. Der dritte, Herzog Clarence, von deß Stamm Entſproſſen ich die Krone heiſche, hatte Rachkommenſchaft: Philippa, eine Tochter, Vermaͤhlt mit Edmund Mortimer, Graf von March. Edmund erzeugte Roger, Graf von March. Roger erzeugte Edmund, Anna und Lenore. Sal. Der Edmund machte, unter Bolingbroke, Wie ich geleſen, Anſpruch an die Krone; Und, wo's nicht Owen Glendower gethan, So waͤr' er Koͤnig worden: denn er hielt Ihn in Gefangenſchaft bis an den Tod. Doch weiter! N ork. Seine ältſte Schweſter Anna, und meine Mutter, als der Krone Erbin, Heirathete Richard, Graf von Cambridge, Sohn Von Edmund Langley, fünftem Sohn Eduard des dritten. Auf ſie bau' ich den Anſpruch; ſie war Erbin Von Roger, Graf von March; der war der Sohn Von Edmund Mortimer, der Philippinen hatte, Die einz'ge Tochter Lionels von Clarence. So, wenn des aͤltern Sohns Nachkommenſchaft PVor der des juͤngern vorgeht, bin ich Koͤnig. Warw. Das Klarſte kann nicht klarer ſeyn als dieß. Heinrich beſitzt den Thron von John von Gaunt, Dem vierten Sohn: York heiſcht ihn von dem dritten⸗ Bis Lionels Geſchlecht erloſchen, ſollte Seins nicht regieren; es erloſch noch nicht, Es baht vielmehr in dir und deinen Soͤhnen, Den ſ önen Sproͤßlingen von ſolchem Stamm. Drum, Vater Salisbury, laßt beyd' uns knien, Und hier am ſtillen Ort die erſten ſeyn, Die unſern aͤchten Oberherrn begruͤßen Mit Ehren des Geburtsrechts an den Thron.. Beyde. Lang' lebe Koͤnig Richard unſer Herr! — Sz. 8. Zweyter Theil. 203 Nork. Wir danken euch! Doch, Lords, ich bin nicht Koͤnig, Bis ich gekroͤnt bin, und mein Schwert ſich färbte Mit Herzblut von dem Hauſe Lancaſter; Und das iſt übereilt nicht auszufuͤhren, Mit Klugheit nur und ſtiller Heimlichkeit. Thut ihr wie ich in dieſen ſchlimmen Tagen: Seyd blind fuͤr Herzog Suffolks Uebermuth, Fur Beauforts Stolz, die Ehrſucht Somerſets, Fuͤr Buckingham und ihre ganze Schaur; Bis ſie der Heerde Schäfer erſt verſtrickt, Den tugendhaften Prinzen, Herzog Humphrey. Das ſuchen ſie, und finden, dieſes ſuchend, Den eignen Tod, weiß York zu prophezeyn. Sal. Mylord, genug! Wir ſind nun unterrichtet. Warw. Mein Herz betheuert mir, der Graf von Warwick Macht Herzog York zum Koͤnig eines Tags. Pork. Und, Nevil, dieß betheur“ ich ſelber mir: Richard erlebts, und macht den Graf von Warwick Zum groͤßten Mann in England nach dem Fig 3 ab. Dritte Szene. Cbendaſelbſt. Ein Gerichtſaal. (Trompeten. Koͤnig Heinrich, Koͤnigin Margaretha, Gloſter, York, Suffolk und Salisbury tre⸗ ten auf; die Herzogin von Gloſter, Grethe Jordan, Southwell, Hume und Bolingbroke werden von der Wache herein gefuͤhrt.) * R. Zeinr. Kommt vor, Frau Leonore Cobham Glo⸗ ſters Weib. Vor Gott und uns iſt eur Vergehen groß, Empfanget des Geſetzes Spruch für Saͤnden, Die Gottes Schrift zum Tod verurtheilt hat.— Ihr vier von hier zurück in das Gefängniß, Von dannen an den Platz der Hinrichtung. Die Hexe brenn' in Smithfield man zu Aſche, Und ihr drey ſollt erwuͤrgt am Galgen werden.— Sr, Herzogin, als edler von Gehurt, Sollt, eurer Ehre Lebenslang beraubt, Nach dreyen Tagen öffentlicher Buße, 204 Koͤnig Heinrich VI. A. II. Im Banne hier in eurem Lande leben, Pit Sir John Stanley in der Inſel Man⸗ Ferz. Willkommen Bann, willkommen waͤre Tod⸗ Gloſt. Das Recht hat, Leonore, dich gerichtet; Rechtfert'gen kann ich nicht, wen es verdammt. (Die Herzogin und die uͤbrigen Gefangnen werden mit der Wache abgefuͤhrt.) Mein Auge ſchwimmt, mein Herz iſt voller Gram. Ach, Humphrey, dieſe Schand' in deinem Alter Bringt noch dein Haupt mit Jammer in die Grube! Ich bitt' Eure Maſeſtät, weggehn zu duͤrfen; Das Leid will Troͤſtung, und mein Alter Ruh. R. Heinr. Halt, Humphrey, Herzog Gloſter! eh du gehſt, Gieb deinen Stab mir; Heinrich will ſich ſelbſt Protektor ſeyn: und Gott ſey meine Hoffnung, Mein Schutz, mein Hort und meiner Fuͤße Leuchte! Und geh in Frieden, Humphrey; noch ſo werth⸗ Rls da du warſt Protektor deinem Koͤnig. Rön. Ich ſehe nicht, warum ein muͤnd'ger Koͤnig Beſchuͤtzt zu werden brauchte wie ein Kind⸗ Mit Gott ſoll Heinrich Englands Steuer fuͤhren: Herr, gebt den Stab, und laßt ihn ſelbſt regieren, Gloſt. Den Stab! Hier, edler Heinrich, iſt mein Stab · So willig mag ich ſelbigem entſagen, Rls mich dein Vater Heinrich hieß ihn tragen; So willig laſſ' ich ihn zu deinen Fuͤßen, Als Andre d'ran den Ehrgeiz wuͤrden buͤßen. Leb wohl, mein Koͤnig! Wenn ich hingeſchieden, Umgebe deinen Thron ruhmvoller Frieden.(ab.) Rön. Ja, nun iſt Heinrich Herr, Margretha Koͤnigin, Und Humphrey, Herzog Gloſter, kaum er ſelbſt: So arg verſtümmelt, auf einmal zwey Stoͤße: Sein Weib verbannt, und abgehaun ein Glied, Der uͤberreichte Stab:— hier ſey ſein Stand Wo er ſich hingeziemt, in Heinrichs Hand. Suff. So haͤngt der hohe Fichtenbaum die Zweige, So geht Lenorens Stolz, noch jung, zur Neige⸗ Nork. Lords, laßt ihn ziehn.— Beliebt's Eur Majeſtät, Dieß iſt der Tag, zum Zweykampf anberaumt, Und Klaͤger und Beklagter ſtehn bereit, Der Waffenſchmidt und ſein Lehrburſch, an den Schranken, Geruht Eur Hoheit das Gefecht zu ſehn. Sz. 3 Sweyter Sheil“ 205 Kön. Ja, niein Gemahl; denn dazu eben kam ich Vom Hof, um ausgemacht den Streit zu ſehn. k. Heinr. In Gottes Namen, richtet alles ein, Hier laßt ſie's enden, und ſchuͤtze Gott das Recht. vork. Nie ſah ich ſchlechter einen Kerl gemuthet, Noch mehr in Angſt zn fechten, als den Kläger,“ Den Burſchen dieſes Waffenſchmidts, Mylords. 9 (Von der einen Seite kommt Horner mit ſeinen Nach⸗ barn, die ihm ſo viel zutrinken, daß er betrunken iſt; er traͤgt eine Stange mit einem daran befeſtigten Sand⸗ veutel, und eine Frommel geht vor ihm her; von der andern Seite Peter mit einer Trommol und eben ſolcher Stange, begleitet von Lehrburſchen, die ihm zutrinken.) . Wachb. Hier, Nachbar Horner, trinke ich euch zu mit einem Glaſe Sekt; und ſehd nicht bange, Nachbar, 8 wird ſchon gut gehen. 2. Wachb. Und hier, Nachbar, habt ihr ein Glas Scharneco 3. Nachb. Und hier iſt eine Kanne gutes Doppelbier, Nachbar? trinkt, und furchtet euch nicht vor eurem Burſchen. Zorn. Nur her damit, meiner Treu, und ich will euch Allen Beſcheid thun, und ich frage den Kuckuck nach Peter. ö . Lehrb. Hier, Peter, ich trinke dir zu, und ſey nicht bange. 2. Lehrb. Luſtig, Peter, und fuͤrchte dich nicht vor deinem Meiſter; ſchlage dich fuͤr die Reputation von uns Lehrburſchen. 8 Pet. Ich danke euch allen; trinkt und betet fuͤr mich, ich bitte euch: denn ich denke, ich habe meinen letzten Trunk in dieſer Welt zu mir genommen.— Da, Rup⸗ recht, wenn ich ſterbe, ſo gebe ich dir mein Schurzfell. und Fritz, du ſollſt meinen Hammer haben; und da, Thoms, nimm alles Geld, das ich habe.— O Herr, ſey mir gnaͤdig und barmherzig! Ich kann es nimmermehr mit meinem Meiſter aufnehmen, er hat ſchon ſo viel echten gelernt. K Salisb. Kommt, laßt das Trinken ſeyn, und kommt zu den Streichen. Wie iſt dein Name, Burſch? Pet. Je nun, Peter. Salisb. Peter! wie weiter? Pet. Puff. * — 3056 Koͤnig Heinrich VI. A. 1I. Salisb. Puff! Nun ſo ſieh zu, daß du deinen Mei⸗ ſter tuͤchtig puffſt. Forn. Leute, ich bin ſo zu ſagen auf Verlangen mei⸗ nes Geſellen hergekommen, um zu beweiſen, daß er ein Hundsfott iſt, und ich ein ehrlicher Mann; und was den Herzog von York anbetrifft, ſo will ich darauf ſterben, daß ich niemals was wider ihn im Sinne gehabt habe, und gegen den Koͤnig und die Königin auch nicht. Und alſo ſieh dich vor, Peter, ich will tuchtig ausholen · 2 Pork. Macht fort, ſchon lallt die Zunge dieſem Schelm. Trompeter blaſ't den Kaͤmpfern zum Signall (Signal von Trompeten. Sie fechten und Peter ſchlägt ſeinen Meiſter zu Boden.) rn. Halt, Peter, halt! Ich bekenne, ich bekenne meine Verrätherey⸗ 4 85(ſtirbt.) work. Nehmt ſeine Waffe weg.— Danke Gott, Ge ſell, und dem guten Wein in deines Meiſters Kopf. et. O Gott! habe ich meinen Feinden in dieſer ho⸗ hen Verſammlung obgeſiegt! O Peter, du haſt deine gute Sache behauptet! R. Zeinr. Schafft den Verraͤther wen aus unſern Angen, Denn ſeine Schuld beweiſet uns ſein Tod: Und offenbart hat der gerechte Gott Die Treu und Unſchuld dieſes armen Menſchen, Komm mit, Geſell, empfange deinen Lohn. (Alle ab.) Bierte S zene. Ebendaſelbſt. Eine Straße. ſter tritt auf, von Bedienten begleitet, ſämmtlich in Trauermaͤnteln.) z01 Gloſt. So hat der hellſte Tag manchmal Gewolk, Dem Sommer folgt der kahle Winter ſtets Mit ſeinem arimm'gen bitterlichen Froſt; So ſiroͤmet Freud⸗ und Leid, wie Zeiten wandeln.— Was iſt die Glocke, Leute? 1 Bed. Zehn, Mylord⸗ 6 Gloſt. Zehn iſt die Stunde, die man mir beſtimmt Zu warten auf mein buͤßendes Gemahl. 6520 (Glo S4. Bweyter Lheit. 207 Faſt ſchwer mag ſie die ſtein'gen Straßen dulden, Mit zartge fuͤhl'gem Fuß ſie zu betreten. 35½) Herz⸗Lenej ſchlecht erträgt dein edler Muth Verworfnes Volk, das ins Geſicht dir gafft, Mit haͤm'ſchen Blicken lachend deiner Schmach, Das ſonſt den ſtolzen Wagenraͤdern folate, Wenn im Triumph du durch die Straßen fuhrſt. Doch ſtill! da kommt ſie, denk' ich, und nun ſoll 6 Mein thraͤnbeſchwemmtes Aug' ihr Elend ſehn. Die Herzogin von Gloſter kommt in einem weißen Hemde, Papiere auf den Ruͤcken geheftet, barfuß, und mit einer brennenden Kerze in der Hand; Sir John Stanley, ein Sheriff und Beamte.) Bed. Geruhn Eu'r Gnaden, und wir machen ſie Von Sheriffs Haͤnden los. Gloſt. Nein, ruͤhrt euch nicht, Bey Leib und Leben, laßt vorbey ſie ziehn. Serz. Kommt ihr, Gemahl, um meine Schmach zu ſehn? Nun thuſt du Buße mit. Sieh, wie ſie gaffen! 5 Sieh, wie die dumme Schaar mit Fingern weiſt, Mit Koͤpfen nickt und Augen auf dich wirft! „Gloſter, birg dich den gehaͤß'gen Blicken, Klag', eingeſperrt im Zimmer, meine Schmach, Und fluch' auf deine Feinde, mein' und deine. Gloſt. Geduldig, liebe Lene! Vergiß dieß Leid. verz. Ach, Gloſter, lehre mir mich ſelbſt vergeſſen! Denn, weil ich denk ich bin dein ehlich Weib, Und du ein Prinz, Protektor dieſes Lands, Duͤnkt mich, ich ſollte ſo gefuhrt nicht werden, In Schmach geſteckt, mit Zetteln auf dem Rücken, Ein Poͤbel hinter mir, der meiner Thraͤnen Und tiefgeholten Seufzer ſich erfreut. er grimm'ge Kieſel ritzt die zarten Fuͤße, Und fahr' ich auf, ſo lacht das haͤm'ſche Volk, Und heißt mich Achtung geben, wie ich trete. „Humphrey, kann ich's tragen, dieſes Joch? Meynſt du, ich werde je die Welt anſchau'n, d glͤcklich achten, wem die Sonne ſcheint? ein, Dunkel ſey mein Licht, und Nacht mein Tag, nd Denken meines Pomps ſey meine Hoͤlle. Dann ſag' ich: Ich bin Herzog Humphreys Weib, Und er ein Prinz und ein Regent des Lands; och ſo regiert' er, und war ſolch ein Prinz, „ Sz. 4. werz. Geht mein Gemahl, und Zweyter Theil. 200 ſagt mir kein Lebwohl? Gloſt. Die Thraͤnen zeugen, daß ich's nicht vermag. (Gloſter und Bediente ab.) erz. Auch du biſt fort? Geh⸗ Denn keiner bleibt bey mir; mi Tod, deſſen Namen ſonſt mich oft aller Troſt mit dir! freut nur Tod, geſchreckt, Weil Ewigkeit in dieſer Welt ich wuͤnſchte.— Stanley, ich bitt' dich, geh, nimm Gleichviel wohin, ich bitte nicht um G mich von hinnen; unſt, Geleit' mich nur, wo dir's befohlen ward.. Stanl. Ey, gnaͤd'ge Frau, Nach eurem Stand gehalten d das iſt zur Inſel Man, ort zu werden. Zerz. Das waͤre Und ſoll ich ſchimpfli ſchlimm genug: ich bin nur Schimpf, ch denn gehalten werden? Stanl. Wie eine Her zogin, Nach dieſem Stand' ſollt ihr ge Humphrey's Gemahl. halten werden. Ferz. Sheriff, leb' wohl, und beſſer als ich lebe, Wiewohl du Führer meiner Schande warſt. Sher. Es iſt mein Amt, verzeiht mir, gnaͤd'ge Frau. Zerz. Ja, ja, leb' wohl! dein Amt iſt nun verſehn. Komm, Stanley, ſoll'n wir gehn? Stanl. Werft ab dieß Hemde, Und geh'n wir, um zur Reiſ⸗ eu nach gethaner Buße, ch anzukleiden. Ferz. Die Schande wechſl⸗ Nein, ſie wird an den reichſten Sich zeigen, wie ich auch mich ich mit dem Hemde nicht, Kleidern haͤngen, ſchmuͤcken mag. Geh, führei mich verlangt in mein Gefängniß. 1 650 1 Koͤnig Heinrich VI. (Trompeken. Cardinal Beauf ham und Andre 3 . ZZeinr. Mich wundert, daß Mylord von Gloſter fehlt, Er pflegt ſonſt nicht ſ i Was fuͤr ein Anlaß auch ihn jetzt entſernt. Ron. Koͤnnt ihren Wie fremd ſich ſein Maſeſtät er Mit welcher Wie uͤbermüthig er ſeit Wie ſtolz, wie herriſch Zeit, wir nur einen Blick von fern, Ich weiß die Und warfen Gleich war er Voll von Doch trefft ihn jetzt, edermann die Brau'n, Wann Er zieht die Und geht mit Die Schuldigkeit, kleiner Hunde M Man achtet König Heinrich, Bewundrung war, Soſte Szene Die Abtey zu Bury. Koͤnigin Margaretha, ort, Suffolk⸗ York, Bucking⸗ um Parlament.) „ nicht der letzte Mann zu ſeyn, icht ſehn, und wollt ihr nicht bemerken⸗ Geſicht verwandelt hat? 36 ſich betragt! kurzem ward, und ſich ſelbſt nicht gleich?! da er noch mild und freundlich war, Knieen, daß der Hof ob ſeiner Demuth. und ſey es morgens fräh, Tageszeit doch bietet, und zeigt ein zornig Auge, nem Knie vorbey, gebuͤhrt, verſchmähend⸗ urren nicht, auf den ungebo die uns Doch große zittern, wenn der Loͤwe bruͤllt, Und Humphrey iſt kein kleiner Erſt merkt, daß er euch nah iſt Und, wenn ih Mann in England. von Geburt, r fallt, der naͤchſte waͤr' zum Steigen; Drum, daͤucht mir„iſt es keine Politik, Erwogen, wel Und daß ſein Daß er zu eurer fuͤrſtlichen Hoheit Rat Und Euer Des Volkes H Und wenn's ih So iſt zu fuͤrchten, chen Groll er trägt im Herzen, Vortheil eurem Hintritt folgt, Perſon tath den Zutritt habe. erz gewann ihm Schmeicheley, m einfällt, Aufſtand zu erregen, alles folgt ihm nach⸗ S hter Jetzt iſt es Fruͤhling, und das Unkraut wurzelt Nur flach noch; duldet's jetzt, ſo wuchert es Im ganzen Garkten, und erſtickt die Kräuter Aus Mangel einer fleiß'gen Landwirthſchaft. Die ehrerbiet'ge Sorg' um meinen Herrn Ließ mich im Hetzog die Sefahren leſen. Wenn's thoͤrigt iſt, nennt's eine Weiberfurcht; Und, konnen beßre Gruͤnde ſie verdraͤngen, Geſteh' ich gern, ich that zu nah dem Herzog. Mylord von Suffolk, Buckingham und r— toßt um das Angeführte, wenn ihr könut; 2 o nicht, laßt meine Wolte gultig ſeyn. Suff. Wohl ſchaut Eu'r Hoheit dieſen Herzog Und hätt' ich erſt die Meynung äußern ſollen,*5 Ich hätt' in Euer Gnaden Sinn geſtimmt. Die Herzogin begann auf ſeinen Antrieb, So wahr ich lebe, ihre Teufelskünſte; 3 Ud war er nicht Mitwiſſer dieſer Schziide Doch hat Erwagung ſeiner hohen Abkunft, htt Da nach dem Koͤnig er zum Thron der naͤchſte, Und derley Prahlen ſeines hohen Adels, Die hirnverbrannte Herzogin gereizt, S ine Boͤslich nach unſers Fuͤrſten Fall zu trachten. z o tief der Bach iſt, laͤuft das Waſſer glatt, Und ſein ſo ſchlichter Schein herbergt Peeth Der Fuchs bellt nicht, wenn er das Lanm will ſtehlen. durch, ein, nein, mein Koͤnig! Gloſter iſt ein Mann, Noch unergruͤndet, und voll tiefen Trugs. z6iz Card. Erfand er, dem Geſetz zuwider, nicht 6 Fuͤr kleine Fehler fremde Todesarten? Pork. Und hob er nicht in der Protektorſchaft Im Reiche große Summen Gelds fuͤr Sold es Heers in Frankreich, den er niemals fandte, Weshalb die Städte täglich ſich empörten? Buck. Pah! dieß ſinb kleine Fehler, neben jenen Verborgnen, welche bald die Zeit ans Licht ih m gleißneriſchen Herzog Humphrey bringt. 3 „R. Zeinr. Mylords, mit eins: die Sorge, die ihr traht, Die Dornen wegzumähn vor unſern Füßen, Heiſcht Lob; doch ſoll ich nach Gewiſſen reden; So rein iſt Dheim Gloſter, auf Verrath nunſter fuͤrſtlichen Perſon zu ſinnen, 4 242 Konig Heinrich VI. A. III. Als eine ſanfte Taub', ein ſaͤugend Lamm;* Der Herzog iſt zu tugendſam und mild, Er traͤumt kein Arg, und ſucht nicht mein Verderben⸗ Ron. O, wie gefaͤhrlich iſt dieß blinde Zutraun! Er eine Taub'? entlehnt iſt ſein Gefieder, Denn wie der arge Rab' iſt er geſinnt. Iſt er ein Lamm? ſein Feil muß ihm gelieh'n ſeyn, Denn raͤuberiſchen Woͤlfen gleicht ſein Muth; Wer truͤgen will, kann einen Schein wohl ſtehlen. Herr, ſeht euch vor: die Wohifahrt von uns allen Haͤngt an dem Fallen dieſes falſchen Manns. .(Somerſet tritt auf.) Som. Heil meinem gnaͤd gen Herrn! S R. Zeinr. Seyd uns willkommen, Lord Somerſet! Was giebt's in Frankreich Neues? Som. Daß alles euer Theil an dort'gen Landen Euch gaͤnzlich iſt benommen, ſües hin R. Heinr. Schlimm Gluͤck, Lord Somerſet! Doch, wie Gott will. Pork.(eyſeit.) Schlimm Gluck fr mich! Ich hatt' auf Frankreich Hoffnung So feſt ich auf das reiche England hoffe. So ſterben meine Bläthen in der Knospe Und Raupen zehren meine Blätter weg; Allein in kurzem ſteur⸗ ich dieſem Handel. Sonſt kauft mein Anſpruch mir ein ruͤhmlich Grab. (Gloſter tritt auf.) Gloſt. Heil ſey und Gluͤck dem Koͤnig, meinem Herrn! Vergebt, mein Fuͤrſt, daß ich ſo lang' verzog. Suff. Nein, Gloſter, wiſſe, du kamſt allzufruͤh, Du muͤßteſt treuer, als du biſt denn ſeynz Denn ich verhafte dich um Hochverrath Gloſt. Gut, Suffolk, nicht errothen ſollſt du mich, Noch Mienen ändern ſehn, um den Verhaft. 2 Ein fleckenloſes Herz zagt nicht ſo leicht. Der reinſte Quell iſt nicht ſo frey von Schlamm, Als ich's bin don Verrath an meinem Herrn. Wer klagt mich an, und weſſen bin ich ſchuldig? work. Man glaubt, Mylord⸗ daß Frankreich euch be⸗ S ſtochen Und daß ihr unterſchlugt der Truppen Sold, Was Seine Hoheit dann um Frankreich brachte. Sz. 1. Sweyter heit 213 Gloſt. Man glaubt es nur? Wer ſind ſie, die das glauben? Ich raubte nie den Truppen ihren Sold Und hatte keinen Pfennig je von Frankreich. So helf' mir Gott, wie ich des Nachts gewacht, Ja Nacht fuͤr Nacht, auf Englands Wohlfahrt ſinnend! Der Deut, den ich dem König je entrungen, Der Groſchen, den ich aufgehaͤuft fuͤr mich, Sey am Gerichtstag wider mich gebracht, Nein, manches Pfund von meinen eignen Mitteln, Weil ich das duͤrft'ge Volk nicht wollte ſchatzen, Hab' ich an die Beſatzungen gezahlt, Und meinen Vorſchuß nie zuruͤck verlangt. 4 Card. Es ſteht euch an, Moylord, das zu hehaupten. Gloſt. Ich ſag' die Wahrheit nur, ſo Gott mir helfe! Pork. In der Protektorſchaft erfandet ihr— Fuͤr Miſſethäter unerhoͤrte Martern, Daß England ward verſchrie'n um Tyranney. Gloſt. Weiß doch ein jeder, daß ich als Protektor Allein des Mitleids Fehler an mir hatte. Ich ſchmolz hey eines Miſſethaͤters Thränen, Demuth'ge Worte löſeten ihr Vergehn. War's nicht ein blut'ger Moͤrder oder Dieb, Der tuͤckiſch arme Reiſende gepluͤndert, So gab ich niemals die verwirkte Strafe. Mord zwar, die blut'ge Suͤnde martert“ ich Noch uͤher Diebſtahl, oder was auch ſoſt Suff. Herr, dieß ſind leichte Fehl', und bald entſchuldigt; Doch groͤßeretr Verbrechen zeiht man euch, Wovon ihr nicht ſo leicht euch rein'gen könnt. Ich geb' euch Haft in Seiner Hoheit Namen, Und ͤberliefr' euch dem Lord Cardinai, 5 Auf ferneres Verhor euch zu verwahren. R. einr. Ich hoff' abſonderlich, Mylord von Gloſter, Von allem Argwohn euch befreyt zu ſehn. Ihr ſeyd unſchuldig, ſagt mir mein Gewiſſen. Gloſt. Ach, gnäd'ger Herr, gefahrvoll iſt die Zeit! Die Tugend wird erſtickt vom ſchnöden Ehrgeiz, Und Nächſtenliebe fortgejagt vom Groll; ehaͤß'ge Anſtiftungen walten vor, Und Billigkeit iſt aus dem Reich verbannt. Ich weiß, ihr Anſchlag zielet auf mein Leben; nd wenn mein Tod dieß Eiland glucklich machen Und ihre Tyranney beenden koͤnnte, 2¹4 Koͤnig Heinrich VI. A. III. Ich gaͤb' es dran mit. aller Willigkeit. Doch meiner iſt nur ihres Stuͤcks Prolog, Mit Tauſenden, die noch Gefahr nicht traͤumen, Iſt ihr entworfnes Trauerſpiel nicht aus. Beauforts roth funkelnd Aug' ſchwatzt ſeinen Groll aus, Und Suffolks düſtre Stirn den ſtuͤrm'ſchen Haß; Der ſcharfe Buckingham entladet ſich Der haͤm'ſchen Laſt des Herzens mit der Zunge; Der muͤrr'ſche York, der nach dem Monde greift, Und deß vermeßnen Arm ich ruͤckwaͤrts riß, Zielt mir mit falſcher Klage nach dem Leben. ünd ihr auch, meine Furſtin, mit den Andern, Habt grundlos Schmaͤhung auf mein Haupt gelegt, Und meinen beſten Oberherrn gereizt, Mit eifrigſtem Bemühn, mein Feind zu ſeyn⸗ Ja, alle ſiakt zuſammen ihr die Koͤpfe— Ich wußte ſelbſt von euren Konventikeln— ünd bloß mein ſchuldlos Leben wegzuſchaffen⸗ Mich zu verdammen giebt's wohl falſche Zeugen⸗ Und Haufen von Vervath, die Schuld zu mehren; Das alte Sprichwort wird bewaͤhrt ſich zeigen: Ein'n Hund zu ſchlagen, find't ſich bald ein Stock. card. Mein Oberherr, ſein Schmaähn iſt unerträglich. Wenn die, ſo Eure fuͤrſtliche Perſon Vor des Verraths verſtecktem Dolch bewahren, Getadelt ſo, gehoͤhnt, geſcholten werden, Und man dem Schuld'gen Raum zu reden giebt, Es muß den Eifer fuͤr Eur Gnaden kuͤhlen. Suff. Hat er nicht unſre Fuͤrſtin hier gezwackt Mit ſchmaͤhn'den Worten! kluglich zwar geſiellt⸗ Als ob ſie Leute angeſtiftet haͤtte Zum Umſturz ſeiner Wuͤrde falſch zu ſchwoͤren? Rön. Ich kann ja den Verlierer ſchelten laſſen. Gloſt. Viel wahrer als ihr's meintet! Wohl verlier'ich: Fluch den Gewinnern, denn ſie ſpielten falſch! Wer ſo verliert, der hat wohl Reche zu reden. Buck. Er wird mit Deuteln hier den Tag verbringen⸗ Lord Cabdinal, er iſt in eurer Haft. Card. Ihr, bringt den Herzog fort, verwahrt ihn ſicher. Gloſt. Ach, ſo wirft Heinrich ſeine Kruͤcke weg⸗ Eh ſeine Beine ſtark ſind, ihn zu tragen: So ſchlaͤgt man dir den Schäfer von der Seite, Sz. 1. Sweyter Theil. 21¹⁵ Und Woͤlfe blecken, wer dich erſt ſoll ſchlingen. Ach waͤre meine Furcht, wär' ſie nur Wahn; Dein Unheil, guter König, ſeh' ich Sghne (Einige aus dem Gefolge mit Gloſter ab.) R. Zeinr. Lords, was das Beſte eurer Weisheit duͤnkt, Beſchließt, verwerft, als ob wir ſelbſt hier wären. Bön. Eur Hoheit will das Parlament verlaſſen? R Heinr. Ja, Margaretha! Gram ertraͤnkt mein Herz, Und ſeine Flut ergießt ſich in die Augen; Umguͤrtet iſt mein Leib mit Elend ganz, 1 Denn kann elender was als Mißmuth ſeyn? Ach, Oheim Humphrey! dein Geſicht enthaͤlt Den Abriß aller Ehr' und Biederkeit, 6n Und noch, du Guter, ſoll die Stunde kommen, Wo ich dich falſch erprobt, und dir mißtraut. Welch finſtrer Stern beneidet jetzt dein Glück, Daß dieſe großen Lords und mein Gemahl Dein harmlos Leben zu verderben trachten? 1 Du kränkteſt niemals ſie, und kraͤnkteſt keinen; Und wie das Kalb der Metzger nimmt, und bindet's, Und ſchlaͤgt das arme, wenn es abwärts ſchweift: So haben ſie ihn grauſam weggefuͤhrt; zuc. nn Und wie die Mutter brüllend laͤuft umher, Hinſehend, wo ihr Junges von ihr geht, Und kann nichts thun, als um ihr Herzblut jammern; So jammr ich um des guten Gleſters Fall 2 Mit hülflos leid'gen Thränen, ſeh' ihm nach MWit truͤbem Aug“, und kann nichts für ihn thun; So maͤchtig ſiüd, die Feindſchaft ihm geſchworen. Drum will ich gehn und weinen um ſein Loos, Und zwiſchen jedein Aechzen ſag' ich immer: Wer iſt Verraͤther? Gloſter nun und nimmer!(ap.) Rön. Ihr freyen Lords, Schnee ſchmilzt vom Sonnenſtrahl Heinrich, mein Gatt', iſt kalt in großen Dingen, Zu voll von blödem Mitieid; und Gloſters Schein Bethort ihn, wie das traur'ge Krokodill Mit Weh geruͤhrte Wanderer beſtrickt, Wie eine Schlang', auf Blumenhoͤhn geringelt, Mit gleißend buntem Balg, den Knaben ſticht, Dem ſie der Schönheit halb vortrefflich duͤnkt. laubt mir, wenn niewand weiſer waͤr' als ich, (nd doch lob' ich hierin den eignen Witz) Der Gloſter wurde dieſer Welt bald los, Vor unſter Furcht vor ihm uns los zu machen, 2¹6 Card. Zwar, daß er Doch braucht's Beſchoͤni Man nuß ihn nach des Suff. Nach me Der Koͤnig wird ſich Das Volk ſteht auf vie Und dennoch haben wir nur Mehr als Verdacht, de Pork. Demnach begehrt Suff. Ah, YPork, kein muͤhn k. York hat am m Por al, u Doch, Mylord Cardin Sagt, wie ihr denkt, Waͤr's nicht all eins, * Boön. Suff. Ja, 9 Dem Fuchs der Huͤrte Au Verklagte man als ſchlauer So wuͤrd' es ſeine Schu Daß er den Rein, ſterb' er, ſintemal Als Feind der Heerde vo Eh purpurn Blut den R Wie Giloſter, unſers Und haͤngt an Serupe Sey es mit Fallen, Schl Im Schlaf⸗ IFſt er nur todt; denn Der den erſt ſchlagt, naͤd'ge Fra Suff⸗ Entſchloſſenen Denn oft ſagt man ein Doch das mein Herz mi Weil für verdienſtlich ich Und meinen Herrn von Sagt nur das Card. Ich Sagt, ih Koͤnig Heinrich VI. ſterb', iſt wuͤrd'ge Politik gung fuͤr ſeinen Tod.( Rechtes Lauf verdammen, inem Sinn w lleicht fuͤr ſeine Rettung; 8 Tods i eiſten Gru und ſprecht vom Zum Schutz des Kuͤchleins v Und Herzog Humphrey zum Da waͤr' des arm ld nur ſchlecht bemaͤnteln Vorſatz nochen n achen ihm befleckt; Herrn erwi ln nicht, wie man i im Wachen, das das iſt guter Trug, der erſt ſich legt auf Trug⸗ Ron. Du ſprichſt entſchloſſen, icht, wenn es nicht auch geſchieht, Ding, und meynt es nicht; t meiner Zunge ſtimmt, Wort, ich will ſein Prie aber wuͤnſcht' ihn todt, Ch ihr euch konnt zum P rſtimmt bey, und heißet Zut A. III. är' das nicht Politik. fuͤr ſeine Rettung; kahlen Grund, hn werth zu zeigen. ihr ſeinen Tod nicht ſehr. Menſch auf Erden wuͤnſcht ihn mehr! nd fur ſeinen Tod.— d ihr, Mylord von Suffolk, Herzen weg: ler ſetzen or dem giergen Geyer, Protektor ſtellen? en Kuͤchleins Tod gewiß. u; und waͤr's nicht Raſerey, fſicht zu vertraun? 3 n Moͤrder ihn, ——— n icht ausgefuͤhrt. in Fuchs er iſt, Natur bewaͤhrt, e ieſ'ner Feind⸗ ihn toͤdte: gen, Schlauigkeit, in gilt alles gleich, dreymal edler Suffolk! die That erkenne, ſeinem Feind zu retten: ſter ſeyn⸗ Mylord von Su ter weihen laſſen⸗ die That, rie St. 1. Sweyter Theil. 2 217 Und einen Henker will ich ihm beſorgen. in So werth iſt mir des Fuͤrſtens Sicherheit. Suff. Hier meine Hand, die That wär' wohlgethan. Rön. Das ſag' auch ich. t bt. 12 Pork. Und ich; und nun wir drey es ausgeſprochen, Verſchlaͤgt's nicht viel, wer unſern Spruch boſtreitet. (Ein Bote tritt auf.) Bote. Ihr großen Lords, von Irland eilt' ich her, Zu melden, daß Rebellen dort erſtanden, Die mit dem Schwert die Engliſchen vertilgen. Schickt Hülfe, Lords, und hemmt die Wuth beyzeiten, Bevor die Wunde noch unheilbar i Denn, da ſie friſch, ſteht Huͤlfe ſehr zu hoffen. Card. Ein Bruch, der ſchleunigſt ausgefullt muß werd Was rathet ihr bey dieſem wicht'gen Fall? Vork. Daß Somerſet geſandt werd' als Regent. Den gluͤcklichen Regierer muß man brauchen; Das Gluͤck bezeugt's, das er in Frankreich hatte. Som. Wenn York mit all der feinen Politik Statt meiner dort Regent geweſen wäre, Er waͤr' in Frankreich nicht ſo lang geblieben. Porh. Nein, nicht wie du, um alles zu verlieren, Mein Lebén hätt' ich zeitig eh verloren, 439 m Als eine Laſt von Schande heimzubringen Durch Bleiben, bis verloren alles war. nue Zeig' eine Narb', auf deiner Haut geritzt! Nicht leicht gewinnt, wer ſo den Leib beſchuͤtzt. Ron. Ja, dann wird dieſer Funk' ein wuͤthend Feuet, Wenn Wind und Zunder, ihn zu nähren, kommt. Nicht weiter, guter York! ſtill, lieber Somerſet! Dein Gluͤck, York, wärſt du dort Regent geweſen, Es konnte leicht weit ſchlimmer ſeyn als ſeins. ½ Nork. Wie? ſchlimmer als nichts? Ja dann, Schand⸗ ber alles?„ Som. Und uͤber dich zugleich, der Schande wuͤnſcht! Card. Mylord von York, verſucht nun euer Glück, Die rohen Kerns von Irland ſind in Waffen, Und feuchten Leim mit Blut der Engliſchen. Wollt ihr nach Irland fuͤhren eine Schaar, Erleſene Leut', aus jeder Grafſchaft ein'ge, Und euer Gluͤck im Ir'ſchen Krieg verſuchen? „ 4 ¹ i Pork. Ja, wenn es Seiner Majeſtaͤt beliebt. Suff. Ey, ünſer Wort iſ ſeine Beyſtimmuns⸗ 4 Und, was wir feſteſetzt, beſtätigt Drum, edler York, nimm dieß Geſchaͤft auf dich. Vork. Ich bins ufrieden, ſchafft mir Trußpen, Lords, Indeß ich Zrönung ſtell in meinen Sachen. Suff. Ein Ant„Lord York, das ich beſorgen will. Doch tommt nun wieder auf den falſchen Humphrey 3 Card. Nichts mehr von ihm: ich wills mit ihm ſo F mnachen 8 Daß er uns ferner nicht beſchweren ſoll. Der Tag iſt faſt vorbey, laßt auf uns brechen; 1n Lord Suffolk, und ich, muͤßt von dem Ausgang ſprechen. vork. Mylord von Suffolk, binnen vierzehn Tagen Erwart' ich nun zu Briſtol meine Macht; Denn dorten ſchiff' ich ſie nach Irland ein⸗ Suff. Es ſoll mit Fleiß geſchehn, Mylord von York, ctte ab außer York.) Vork. Jetzt oder nie, York, ſtahle die Gedanken Voll Sorg', und wandle Zweifel in Enutſchluß. Sey, was du hoffſt zu ſeyn, ſonſt beut dem Tode Das“ was du biſt;*s iſt. nicht Genießens werth. Loß bleiche Furcht bey niedern Menſchen hauſen, Nicht einer königlichen Bruſt ſich nah Wie Fruͤhlingsſchauer ſromen die Gedanken, Und kein Gedanke, der nicht Wuͤrde denkt. Mein Hirn, geſchäͤft'er, als die fieiß'ge Spinne, Webt muͤhſam Schlingen zu der Feinde Fang. Gut, Edle, gut! Ihr thut politiſch dran, Mit einem Heer mich auf die Seit' zu ſchicken. Ich ſorg', ihr wärmt nur die erſtorbne Schlange, Die euch, geheat am Buſen, ſtechen wird. Ich brauchte Menſchen, und ihr gebt ſie mir, Das nehmw' ich gern; doch ſeyd gewiß, ihr gebt In eines Tollen Haͤnde ſcharfe Waffen. Weil ich ein maͤchtig Heer in Irland naͤhre, Will ich in England ſtarken Sturm erregen, Der an zehntauſend Seelen ſchleudern ſoll 5 Zu Himmel oder Hoͤll'; und der ſoll toben, Bis auf dem Haupte mir der goldne Reif, So wie der hehren Sonne klare Strahlen, Die Wuth des tollerzengten Wirbels ſtillt. Und als das Werkzeug dieſes meines Plans Sz. 2. Sweyter Theil. 2¹9 Verfuͤhrt' ich einen ſtrudelköpf'gen Kenter, John Cade aus Aſhford, 6 Aufruhr zu ſtiften, wie er's wohl verſteht, Unter dem Namen von John Mortimer. In Irland ſah ich den unbaͤnd'gen Cade Sich einer Schaar von Kerns entgegenſetzen; Er focht ſo lang) bis ſeine Schenkel faſt Von Pfeileh ſtarrten, wie ein Stachelſchwein; Und, auf die letzt gerettet ſah ich ihn Grad' aufrecht ſpringen, wie ein Mohrentaͤnzer, Die blut'gen Pfeile ſchüttelnd wie die Glocken. Gat oftmals, als ein zott'ger ſchlauer Kern, Hat er Geſpräch gepflogen mit dem Feind, Und iſt mir unentdeckt zuruͤckgekommen, Und hat mir ihre Bübereyn gemeldet. Der Teufel ſey mein Stellvertreter hier, 1 Denn dem John Mortimer, der jetzt geſtorben, Gleicht er von Angeſicht, von Sprach' und Gang. Daran werd' ich des Volks Geſinnung merken, Ob ſie geneigt dem Hauſ' und Anſpruch Yorks. Geſeßt man fing ihn, quhlt“ und foltert ihn: Ich weiß, kein Schmerz, den ſie ihn koͤnnen anthun, Preßt es ihm aus, daß ich ihn angeſtiftet. Setzt, ihm gelingt's, wie's allen Anſchein hat, Ja, dann komm' ich mit meiner Macht von Irland Und ernte was der Bube hat geſä't. i Denn, iſt nur Humphrey todt, was bald wird ſeyn, Und Heinrich weggeſchafft, wird alles mein.(ab) 8 w e h 5en e Bury. Ein Zimmer im Palaſt. Ein paar Moͤrder kommen eilig herein. Mörd. Lauft zu dem Lord von Suffolk, meldet ihm, Daß wir den Herzog nach Befehl befoͤrdert. örd. O wär' es noch zu thun? Was thaten wir? Haſt jemals wen bußfertiger geſehn? (Suffolk tritt auf.) mörd. Da kommt Mylord. Suff. Nun, Leute, habt ihr's abgethan? 1. Wörd. Ja, beſter Herr, er iſt todt. 5 220 Kdnig Heinrich VI. A. III. Suff. Nun, das iſt ſchön. Begebt euch in mein Haus, Ich will euch lohnen fuͤr die dreiſte That. Der Koͤnig und die Pairs ſind hier zur Handz Habt ihr das Bett zurecht gelegt? und alles In Ordnung ſo, wie ich euch angewieſen? 1. mord. Ja, beſter Herr. Suff. Fort! packt euch!(Die Moͤrder ab.) (Trompeten; Koͤnig Heinrich, Koͤnigin Margaretha, Cardinäl Beaufort, Somerſet und Andre treten auf.) R. Zeinr. Geht, ladet unſern Oheim gleich hieher, Wir wollen Seine Gnaden heut verhoͤren, Wiefern er ſchuldig iſt nach dem Gerucht. Suff. Ich will ſogleich ihn rufen, gnad'ger Pezt. 6 a k. Heinr. Lords, nehmt euch Plätze.— Und ich bitt' euch alle, Verfahrt nicht ſchärfer gegen unſern Oheim, Als er auf wahrhaft Zeußniß, guter Art, In ſeinen Thaten ſchuldig wird erkannt. Bön. Verhuͤte Gott, daß irgend Tuͤcke walte, Die ſchuldlos einen Edelmann verdammt. Gott gebe, daß er von Verdacht ſich loſt. . Zeinr. Margaretha, habe Dank! Dieß Wort er⸗ freut mich ſehr— S(Suffolk kommt zuruͤck.) Nun, warum ſiehſt du bleich? was zitterſt du! Wo iſt mein Oheim! Was iſt begegnet, Suffolk? Suff. Herr, todt in ſeinem Bett! Gloſter iſt todt. Bon. Verhuͤt' es Gott. Card. Dieß ſind die heimlichen Gerichte Gottes; Ich träumte dieſe Nacht, ſtumm ſey der Herzog, Und nicht im Stand ein einzig Wort zu ſprechen⸗ ginn i Der Koͤnig faͤllt in Ohnmacht.) Ron. Was macht mein Fuͤrſt?— Helft, Lords! der 6 Koͤnig ſtirbt. Som. Man richt' ihn auf, man kneip ihn an der Naſe. Ron. Lauft, geht, helft, helft— O Heinrich, ſchlag' — die Augen auf! Suff. Er lebt ſchon auf; ſeyd ruhig, gnaͤd'ge Frau⸗ R. Heinr. O großer Gott! Ron. Wie fuͤhlt ſich mein Gemahl! Sz. 2. Zweyter Theil. 221 Suff. Getroſt mein Fuͤrſt! getroſt, mein gnaͤd'ger Heinrich! R. Zeinr. Wie, will Mylord von Suffolk mich getröſten? ahg er nicht eben mir ein Rabenlied, Deß grauſer Tod die Lebenskräfte hemmte; Und denkt er nun, daß des Zaunkoͤnigs Zirpen, Indem es Troſt zuruft aus hohler Bruſt, Den erſt vernommnen Laut verjagen kann? Birg nicht dein Gift in ſolchen Zuckerworten, Leg' nicht die Händ' an mich, ich ſage, laß, Wie Schlangenſtiche ſchreckt mich ihr Berühren⸗ Heilloſer Bot', aus dem Geſicht mir fort! Auf deinen Augen ſitzt in grauſer Hoheit Moͤrdriſche Tyranney, die Welt zu ſchrecken. 35 Sieh mich nicht an! dein Auge blickt verwundend.— Und dennoch, geh nicht weg! komm, Baſilisk, 5 „ Und toͤdte den unſchuldigen Betrachter! Denn in des Todes Schatten find' ich Luſt, Im Leben zwiefach Tod, da Gloſter hin 2 Rön. Was ſcheltet ihr Mylord von Suffolk ſo7 Wiewohl der Herzog ihm ein Feind geweſen, Beklagt er doch hoͤchſt chriſtlich ſeinen Tod. Was mich betrifft, ſo ſehr er Feind mir war, Wenn helle Thränen, herzbeklemmend Stoͤhnen, Und blutverzehrend Seufzen ihn erweckt: S Ich wollte blind mich weinen, krank mich ſtöhnen, Bleich ſehn von Seufzern, die das Blut wegtrinken, Und alles um des edlen Herzogs Leben. Wie weiß ich, was die Wer von mir wohl mehnt? Denn unſte hohle Freundſchaft war t kan glaubt vielleicht, ich hab' ihn weggeraͤumt. So wird Verlaͤumdung meinen Ruf verwunden, Und Faͤrſtenhofe fullt mein Vorwurf an. un2 Dieß ſchafft ſein Tod mir. Ach, ich Ungluͤckſel'ge! Gekroͤnt mit Schande Koͤnigin zu ſeyn! n ön R. Heinr Ach, Wehum Gloſter, um den armen Mann! Rön. Wehklag' um mich, die aͤrmer iſt, als er. Wie? wendeſt du dich weg, und birgſt dein Antlitz? Kein Ausſatz macht mich ſcheußlich, ſieh mich an. as? biſt du wie die Ratter tanb geworden? Sey giftig auch, und ſtich dein arm Gemahl. Iſt all dein Troſt in Gloſters Grab verſchloſſen? Ja, dann war nie Marg'retha deine Luſt; Dann ſeell' ihn auf in Marmor, bet' ihn an, — 22² Konig Heinrich VI 2. Und laß mein Bild ein Bierhaus⸗Schild nur ſeyn. War's darum, daß ich faſt zur See geſcheitert?! Daß unbequemer Wind von Englands Fte Mich zweymal ruͤckwärts nach der Heimath trieb? S Was deutet' es, als daß der Wind wohlmeynend Zu warnen ſchien: ſuch kein Skorpionen⸗Neſt ünd fuße nicht an dem feindſel'gen Strand! Was that ich⸗ als den milden Stuͤrmen fluchen, Und dem, der ſie aus ehrner Hoͤhle ließ 25 Und hieß ſie wehn nach Englands Segensſtrand, Wo nicht, auf ſtarren Fels das Steuer treibeh? Doch wollte Acolus kein Moͤrder ſeyn, Dir uͤberließ er das verhaßte Amt. Es weigerte die ſpielend hohe See Mich zu ertränken, wiſſend, daß du mich Am Lande würdeſt durch unfreundlich Weſen In Thraͤnen, ſalzig wie die See, ertränken⸗ Die Klippen ſenkten ſich in flachen Sand, Mich nicht an ihren Zacken zu zerſchmettern, Daß, haͤrter noch als ſie, dein Kieſelherz In deinem Schloß verdurbe Margarethen⸗ So weit ich deine Kreidefelſen ſpähte, Als uns der Sturm zuruͤck vom Ufer ſchlug, 3 Stand in dem Wetter ich auf dem Verdeck; Aln Und als der Dunſt um deines Landes Anblick Mein emſig gaffend Aug' begann zu taͤuſchen, Nahm ich vom Hals ein koſtliches Juweel 6i6 (Es war ein Herz, gefaßt in Diamanten) Und warfs dein Lande zu; die See empfing es, Und ſo) wäͤnſcht' ich, mocht' auch dein Leib mein Hetz. Und jetzt verlor ich Englands holden Anblick, Und hieß die Augen mit dem Herzen wandern, Ud nannte blinde truͤbe Brillen ſie, Weil ihnen Albions thrure Kuͤſte ſchwand. Wie oft verſucht' ich Suffolks Zunge nicht, Die Botin deines ſchnoͤden, Unbeſtands, F Mich zu bezaubern, wie Ascanius that, Wenn er der irren Dido all die Thaten Des Vaters machte kund, ſeit Troja's Brand Schwärm' ich nicht ſo wie ſie? Biſt du nicht falſch wie er? Weh mir, ich kann nicht mehr: Stirb, Margaretha! 6. Denn Heinrich weint⸗ daß ich ſo lang' gelebt. Draußen Gelöſe. Warwick und Sa lisbury treten auf. Das Polk draͤngt ſich zur Thuͤre herein⸗) —— Sa Sz 2. Bwehter Syeit. 293 Warw. Es will verlauten„maͤcht'ger Obe Der aute Herzog Humphrey ſey von Suffole6 3 Und Cardihal Beaufort meuchleriſch ermordet. K Das Volk, wie ein erzuͤrnter Bienenſchwarm, Der ſeinen Fäͤhrer mißt, ſchweift hin und her, Und fragt nicht, wen es ſticht in ſeiner Wiüth. Ich ſtillie ſelbſt die wilde Moutereh, 5 is ſie den Hergang ſeines Todes hoͤren. R. Heinr, Sein Tod iſt, guter Warwick, allzu wahr; Doch wie er ſtarb, Gott weiß es, Heinrich nicht. Geht in ſein Zimmer, ſchaut den Leichnam an und macht die Deutung ſeines jähen Tods. Warw. Das will ich thun, mein Fu rſt. Bleib, Salisbury, eym rohen Haufen, bis ich wiederkehre 3 Warwick geht in ein inneres Zimmer, und Salisb urch zieht ſich zuruͤck.) 6 1 R. Zeinr. O du, der alles richtet, hemm' in mir Gedanken, welche mein Gemuͤth bereden, Gewaltſam ſey an Humphrey Hand gelcgt! Wenn falſch mein Argwohn iſt, verzeih mir, Gott! Denn das Gericht gebuͤhret einzig dir. 3 Gern moͤcht' ich ſeine bleichen Lippen waͤrmen 4 Mit tauſend Kuͤſſen, und auf ſein Geſicht. Einen Orcean von ſalz'gen Thraͤnen ſchwemmen; 5 em tauben Koͤrper meine Liebe ſagen, Und die fühlloſe Hand mit meiner fühlen; Doch all umſonſt iſt dieſe Leichenfeyer,* 220 Und ſo ſein Tob und irdiſch Bild beſchaun, as wär⸗ es, als mein Leid nur groͤßer machen? 357 Die Flugelthüre eines innern Zimmers oͤffnet ſich, und man jieht den Gloſter todt in ſeinem Bette; War wick und Andre ſtehn umher.) Warw. Kommt her, mein gnaͤd'ger Furſt, ſeht dieſe Leiche. R. Zeinr. Das heißt, wie tief mein Grab gemacht iſt ſehu: Mit ſeiner Seele floh mein weltlich Heil, 3 Ihn ſehend, ſeh ich nur im Tod mein Leben. 635 Wwarw. So ſccher meine Seele hofft zu Kbeh, Bey jenem furchtbar'n Konig, der auf ſich en Stand der Menſchen nahm, uns zu befreyn on dem ergrimmten Fiuche ſeines Vaters, n 6 Gloub' ich, es ward gewaltſam Hand gelegt n n dieſes hochberuͤhmten Herzogs Leben. soniglHeintich. NM Suff⸗ Ein grauſer Eid, und feyerlich geſchworen! Was fuhrt Lord Warwick an fuͤr ſeinen Schwur? Warw. Seht, wie ſein Blut ſich ins Geſicht gedraͤngt! Oft ſah ich einen von Natur Geſtorbnen S Aſchfarb von Anſehn, mager, bleich und blutlos, Weil alles ſich ums Herz hinabgezogen, Das in dem Kampf, den mit dem Tod es haͤlt, Es an ſich zieht zur Hälſe wider ſeinen Feind Wo's mit dem Herzen kalt wird, und nicht ruͤckkehrt Die Wangen noch zu rothen und verſchoͤnen. Doch ſein Geſicht iſt ſchwarz und voller Blut, Die Augen mehr heraus als da er lebte, Entſetzlich ſtarrend, dem Erwürgten gleich; Das Haar geſträͤubt, die Ruͤſtern weit vom Ringen, Die Haͤnde ausgeſpreizt, wie wor nach Leben Roch zuckt und griff, und überwältigt ward. Schaut auf die Laken, ſeht ſein Haar da kleben, Sein wohlgeſtalter Bart verworr'n und rauh, So wie vom Sturim gelagert Sommerkorn. Es kann nicht anders ſeyn, er ward ermordet; Das kleinſte dieſer Zeichen wär' beweiſend. i Süff. Wer, Warwick, ſollt ihm wohl den Tod anthun! Ich ſelbſt und Beaufort hatten ihn in Obhut; 2 ünd wir, ich hoffe, Herr, ſind keine Moͤrder- warw. Doch war't ihr Zwey geſchworne Feinde i Humphrey's⸗ Und mußtet, traun! den guten Herzog huͤten.. Ihr pflegtet ihn als Freund' vermuthlich nicht. ünd, wie ſich's kund Ziebt, fand er einen Feind. Ron. So ſcheint's, ihr argwöhnt dieſe hohen Lords Als am unzeit gen Tod des Herzogs ſchudis. wWarw. Wer findet todt das Rind und friſch noch blutend⸗ Sieht dicht dabey den Metzger mit dem Beil, Und argwoͤhnt nicht, daß er es abgeſchlachtet? Wer findt das Rebhuhn in des Habichts eſt Der ſich nicht vorſtellt, wie der Vogel ſtarb, Fliegt ſchon der Geyer mit unblut'gem Schnabel! Ganz ſo verdaͤchtig iſt dieß Trauerſpiel. Bon. Seyd ihr der Schlächter S ſelin iſt ewr . P Heißt Beaufort Gzeyer! wo ſind ſeine Klaun? Suff. Kein Meſſer trag' ich, Schlafende zu ſchlachten; Doch hier ein rächend Schwert, von Ruh geroſtet, Sz. 2. Zweyter Theil. 225 Das will ich dem im tuͤck'ſchen Herzen ſcheuern, Der mit des Mordes Purpurmaal mich brandmarkt. Sag', ſtolzer Lord von Warwick, wo du darfſt, Ich habe Schuld an Herzog Humphrey's Tod. Der Cardinal, S omerſetund Andre ab.) wWarw. Was darf, getrotzt vom falſchen Suffolk, War⸗ Vön. Er darf nicht ſeinen Schmähungsgeiſt bezaͤhmen, Noch abſtehn von der uͤbermuͤth'gen Ruͤge, Und trotzt ihm Suffolk zwanzigtauſend Mal. Warw. Still, gnaͤd'ge Frau, ich ſag's mit aller Achtung; Denn jedes Wort, zu Gunſten ihm geſprochen, Bringt eurer koͤniglichen Würde Schimpf, Suff. Stumpfſinn'ger Lord, unedel im Betragen! Wenn je ein Fräulein den Gemahl ſo kränkte. Nahm deine Mutter in ihr ſträflich Bett Einen groben unerzognen Bauer auf, Und impfte auf den edlen Stamm das Reis Von einem Wildling, deſſen Frucht du biſt, Und nimmer von der Nevils edlem Stamm. Warw. Nur daß die Schuld des Mordes dich beſchirmt, Und ich den Henker braͤcht' um ſeinen Lohn Von tauſendfacher Schande ſo dich loͤſends Und daß mich meines Fürſten Beyſeyn ſänftigt: Sonſt wollt ich, falſche mörderiſche Memme, Dich guf den Knie'n fuͤr die gefuͤhrte Rede Verzeihung bitten und dich ſagen laſſen, Du habeſt deine Mutter nur gemeynt, Und ſeyſt nach Baſtardweiſe ſelbſt erzenat, Und, nach der ganzen Huldigung aus Fuucht, Gäb' ich den Sold dir, ſchickte dich zur Holl Blutſauger, der die Schlafenden vertilgt! L Suff. Wann ich dein Blut vergieße, ſollſt d Wagſt du mit mir aus dieſem Kreis zu gehn. warw. Fort alſobald, ſonſt ſchlepp' ich dich hinaus! Unwuͤrdig, wie du biſt, beſteh' ich dich, Um Herzog Humphrey's Geiſte Dienſt zu leiſten. 5 n Suffolk und Wätwic ab) F. Zeinr. Giebt's einen Harniſch wie des Herzens Dreymal bewehrt iſt der gerechte Streiter, Und nackt iſt der, obſchon in Stahl verſchloſſen, 15 1 1 225 Konig Heinrich V. M. Dem Unrecht das Gewiſſen angeſteckt. Wa hört draußen Lärm.) Rön. Was fuͤr rin Lärm? n i (Su und Warwick kommen mit gezogenen Degen R Zeint. Run, Lords? Entbloͤßt hier die ergrimm⸗ 6 tten Waffen In unſerm Beyſehn? duͤrft ihr's euch vermeſſen? Was giebt es hier für Schreyen und Tumult? Suff. Der falſche Warwick und das Volk von Bury Stürmt alles auf mich ein, erhabner Fürſt. (Draußen Laͤrm eines andraͤngenden Haufens. Salisbury kommt zuruͤck.) 3 Sal. Halt! Eur Begehren ſoll der Koͤnig wiſſen.— Cuch ieldet, hoher Herr, das Volk durch mich, 5 Wird nicht der ſalſche Suffolk gleich gerichtet, Oder verbantt aus Englands ſchoͤnem Reich, So wollen ſie aus eurem Schloß ihn reißen, Und peinlich langſam ihn zu Tode foltern. Sie ſagen, daß der gute Herzog Humphrey Durch ihn geſtorben ſeyz ſie ſagen ferner Sie fuͤrchten Euer Hoheit Tod von ihm, Und bloßer Trieb der Lieb' und treuen Eifers, Von frecher widerſpenſt ger Abſicht frey, Als wollten eurem Wutſch ſie widerſprechen, Gäb' ihnen ein die Fordrung ſcines Banns. Sie ſagen, fuͤr eur hohes Wohl beſorgt: Penn Euer Hoheit nun zu ſchlafen daͤchte, Und anbefohle, niemand ſollt' euch ſtoͤren Bey eurer Ungnad' oder Todesſtrafe; Doch, ungeachtet ſolches Strafgebots, Würd' eine Schlange mit geſpaltuer Zunge Hinſchleichend zu Eut Maſeſtaͤt geſehn, So waͤr' es unumgänglich, euch zu wecken, Ruf daß nicht euren Schlummer voller Harm Das todtliche Gewuͤrim zum ew'gen machte. Und darum ſchreyn ſie, daß ſie trotz Verboten Euch huten wollten, willig oder nicht, Vor ſolchen Schlangen, wie der falſche Suffolk, Durch deß verderblichen und gift'gen Stich Eur lieber Hheim, zwanzigmal ihn werth, Des Lebens ſchändlich, ſagen ſie, beraubt ſey⸗ volk. Graußen.) Beſcheid vom Koͤnige, Mylord von Salisbury! Sz. 2. Sweyter Theil. 2 Suff. Sehr glaublich, daß das Volk, ein roher Hauße, Dem Fuͤrſten ſoſche Botſchaft ſenden konnte!“ Nur ihr, Mylord, nahmt gern den Auftrag an, Um eute feine Redekunſt zu zeigen. Doch aller Ruhm, den Salisbury erworben, Iſt, daß er Abgeſandter einer Rotte Von Keſſelflickern an den Koͤnig war. Volk.(raußen.) Beſcheid vom Koͤnige, wir hrechen R. Zeinr. Geh, Silisbury, und ſag von meinetwegen Fur ihr ſo liebend Sorgen allen Dank; Und, wär ich nicht von ihnen aufßefordert, So hab' ich's doch beſchloſſen, wie ſie bitten. Denn, ziſ„ſtuͤndlich prophezeyt mein Sinn Von Suffolks wegen Unheil meinem Thron. in e Und drum— ich ſchwör's bey deſſen Majeſtät, Deß ich unwuͤrdger Stellvertreter bin,— Sein Athem ſoll nicht dieſe Luft perpeſten Mehr als drey Tage noch, bey Todesſtrafe! (Salisbury ab.) Bön. O laß mich fur den holden Suffolk reden! R. Zeinr. Unholde Königin, ihn ii n Nicht weiter, ſag' ich; wenn du fur ihn redeſt, g Wirſt du nur hoͤher ſteigern meinen Zorn. Ich hielte Wort, und haͤtt' ich's nur geſagt, Doch, wenn ich ſchwore, iſt's unwiderruflich. Wenn nach drey Tagen Zeit man hier dich findet Auf irgend einem Boden, wo ich herrſche, Inn ön So kauft die Welt dein Leben nicht mehr los.— 68. Komm, Warwick! lieber Warwick, geh mit mir! Denn Großes hab⸗ ich mitzutheilen dir. E Goͤnig Heinrich, Warwick, Lords u. ſ. w. ab.) Rön. Unheil und Kummer folg' euch auf dem Fuß! Und Herzeleid und bitterſte Bedrängniß Sey'n die Geſpielen, die ſich euch geſellen! ind euer zwey, der Teufet ſey der dritte! Dreyfaͤlt'ge Rache laur' auf euren Wegen! i6n Suff. Halt inne, holde Koͤniain, mit Flüchen! Laß deinen Suffolk traurig Abſchied nehmen. 1 Rön. Pfui, feiges Weib! weichherziges Geſchoͤpf! Haſt du nicht Muth zu fluchen deinen Feinden? 12 Suff. Peſt ihnen! Warum ſolle ich ſie verfluchen? Waͤr' Fluchen tödtlich wie Alraunen⸗Aechzen, 15* So wollt' ich bittre ſcharfe Wort' erfinden, So rauh, verrucht, und graͤulich anzuhoren, Durch die geknirſchten Zaͤhn' herausgetobt, Mit ſo viel Zeichen eingefleiſchten Haſſes, Als wie der hagre Neid in ekler Hoͤhle⸗ Die Zunge ſollt' in heft'ger Rede ſtraucheln, Die Augen wie geſchlagne Kieſel ſpruͤhn, 1 Mein Haar wie einem Raſenden ſich ſtrͤuben, Ja, alle Glieder mitzufluchen ſcheinen; 16 5 ſind eben jetzt braͤch mein belaſtet Herz, Wenn ich nicht fluchte. Gift ſey ihr Getraͤnk! Gall', und was bittrer noch, ihr Leckerbiſſen! Ihr beſter Schatten ein Cypreſſenwald! IFhr ſchoͤnſter Anblick grimme Baſilisken, Tidechſenſtich' ihr ſanfteſtes Beruͤhren! icht Sey ihr Conzert wie Schlangenziſchen graͤßlich⸗ Und fall' ein Chor von Ungluͤckseulen ein!. Der maächt'gen Hoͤlle wuͤſte Schrecken alle— c Ron. Geuug, mein Suffolk, denn du quälſt dich ſelbſt, Und dieſe Fluͤche, wie die Sonn' auf Glas, 3 Wie uͤberladne Büchſen, prallen ruͤckwaärts, 62 Und wenden ihre Starke wider dich. Suff. Ihr hießt mich fluchen, heißt ihr's nun mich laſſen? Bey dieſem Boden, den der Bann mir wehrt, Leicht füucht ich eine Winternacht hinweg, Stuͤnd ich ſchon nackt auf eines Berges Gipfel, Wo ſcharfe Kaͤlte keinen Halm läßt keimen, 3 Und hielt' es nur fuͤr'ner Minute Scherz. 3 Ron. O auf mein Flehn laß ab! Gieb mir die Hand, Daß ich mit traur'gen Thraͤnen ſie bethaue: Des Himmels Regen netze nie die Stelle, Mein wehevolles Denkmal wegzuwaſchen. O praͤgt' in deine Hand ſich dieſer Kuß, Daß, bey dem Siegel, du an dieſe daͤchteſt, 6 ½ Durch die ich tauſend Seufzer fuͤr dich athme! So mach' dich fort, daß ich mein Leid erfahre; Derweil du noch dabey ſtehſt, ahnd' ich's nur, Wie ein Geſättigter an Mangel denkt. Ich will zuruͤck dich rufen, oder wagen⸗ Deß ſey gewiß, verbannt zu werden ſelbſt; Und bin ich nicht verbannt, wenn nur von dir? Geh! rede nicht mit mir! gleich eile fort!— (kuͤßt ſeine Hand.). S2 Sweyter heit. 229 O geh noch nicht!— So herzen ſich und küſſen Verdammte Freund', und ſcheiden tauſendmal, Vor Trennung hundertmal ſo bang' als Tod. Doch nun fahr' wohl! Fahr' wohl mit dir mein Leben! Suff. So trifft zehnfacher Bann den armen Suffolk, Vom Koͤnig einer, dreymal drey von dir; 3 Mich kuͤmmert' nicht das Land, waͤrſt du von hinnen; Volkreich genug iſt eine Wuͤſteney, Hat Suffolk deine himmliſche Geſellſchaft. Denn wo du biſt, da iſt die Welt ja ſelbſt, Mit all' und jeden Freuden in der Welt, Und wo du nicht biſt, hoffnungsloſe Hede. Ich kann nicht weiter! Leb du froh des Lebens, E Ich uͤber nichts erfreut, als daß du lebſt. Waur tritt auf.) Rön. Wohin geht Vaup ſo eilig? Sag' was giebt's? Vaux. Um zu berichten Seiner Majeſtaͤt, Cardinal Beaufort lieg' in letzten Zuͤgen. Denn jählings uͤberfiel ihn ſchwere Krankheit, 18 So daß er keucht und ſtarrt und ſchnappt nach Luft, Gott laſternd und der Erde Kinder fluchend. Bald ſpricht er, als ob Herzog Humphrey's Geiſt 3 Zur Seit' ihm ſtaͤnde; ruft den König bald, Und fläſtert in ſein Kiſſen, wie an ihn, Der ſchwerbeladnen Seele Heimlichkeiten. Und melden ſoll ich Seiner Majeſtaͤt, Daß er jetzt eben laut nach ihm geſchrien. 5 Rön. Geh, ſag' dem Koͤnig dieſe traur'ge Botſchaft! .(Vaux ab.) Weh mir! was iſt die Welt? welch neuer Vorfall? Doch klag' ich einer Stunde armen Raub, 2 Suffolk im Bann vergeſſend, mein Herz⸗Kleinod? Was traur' ich, Suffolk, einzig nicht um dich, Und eifr' in Thränen mit des Suͤdens Wolken, Das Land befeuchtend die, mein Leid die meinen? Nun mach dich fort: du weißt der Koͤnig kommt; Es iſt dein Tod, wirſt du bey mir gefunden. Suff. Ich kann nicht leben, wenn ich von dir ſcheide; Und neben dir zu ſterben, waͤr' es mehr 161 6 Als wie ein ſüßer Schlummer dir im Schoß? Hier könnt' ich meine Seele von mir hauchen, So mild und leiſe wie das Wiegenkind, Mit ſeiner Mutter Bruſt im Munde ſterbend; 230 Kdhig Heintich VI. AUM. Da, fern von dir, ich raſend Loen me n Und nach dir ſchreyn, mein Auge zuzudrüͤcken⸗ Mit deinen Lippen meinen Mund zu ſchließen; So hielteſt du die füchende Serl entweder, Wo nicht, ſo haucht' ich ſie in deinen Leib, Da lebte dann ſie im Eiyſium. Bey dir zu ſterben, hieß im Scherz nur ſterben, Entfernt von dir, wär' mehr als Todesgual- O laß mich bleiben, komme was da will! 3 Ron. Fort! iſt die Trennung ſchon ein atzend Mittel, Sie dient für eine Wunde voller. Pedin Rach Frankreich, Suffolt! Laß von dir mich hoͤren; Denn wo du ſeyſt auf dieſem Erdenball, Rikt 9 Soll eine Iris dich zu finden wiſſen. 5 Suf. Ich gehe. wir d xizS Von. Und nimm mein Herz mit dir Suff. Ein Kleinod in dem wehevollſten Kaͤſtchen, W Das je ein koſtlich Ding umſchloſſen hat. 640 Wie rin zertrümmert Schif, fo ſcheiden wir; Ich ſinke hier zum Tod hinab. Jn cihii Rön. Ich hier. 1 6 chiedenen Seiten ab.) (Behde von ve Dritte Shene⸗ Cardinal Veauforts Schlafzimmer. (Konig Heinrich„Salis bury, Warwi c und Andere. Der Cardinäl im Bette, Bediente um ihn her.) R. Zeinr. Wie geht's dir, Beaufort? Sprich zu dei⸗ nem Fuͤrſten. Beauf. Biſt du der Tod, ich geb' dir Englands Schaͤte Genug, zu kaufen ſolch ein zweytes Eiland, Sp di mich leben läß t, unn ohne Pein. 6 .. Beinr. Ach, welch ein Zeichen iſts von ublem Leben⸗ Wenn man des Todes Näh' ſo ſchrecklich ſieht. Warw. Beaufort, es iſt dein Fuͤrſt, der mit dir ſpricht. Beauf. Bringt zum Verhoͤr mich, wann ihr immer wollt; Er ſtarb in ſeinem Bett: wo ſollt er ſterben! Fann ich zum Loben einen Menſchen zwingen?— 3 ² St 3. Zweyter Theil.* O foltert mich nicht mehrt ich will bekennen.— Nochmal lebendig? Zeigt mir wo er iſt, Ich gebe tauſend Pfund, um ihn zu ſehn.— Er hat keine Augen, ſie ſind blind vom Staub.— Kaͤmmt nieder doch ſein Haar: ſeht! ſeht! es ſtarrt, Leimruthen gleich fängt's meiner Seele Fluͤgel!— Gebt mir zu trinken, heißt den ocheher Das ſtarke Gift mir bringen, daß ich kaufte. 5 R. Zeinr. O du, der Himmel ewiger Beweger, Wirf einen Gnadenblick auf dieſen Wuhm O ſcheuch' den dreiſt geſchaͤftigen Feind hinweg, Der ſeine Seele ſtark belagert hält, Und rein'ge ſeinen Buſen von Verzweiflung! ſn Warw. Seht, wie die Todesangſt ihn grinſen macht. Sal. Verſtoͤrt ihn nicht, er fahre friedlich hin. R. Zeinr. Wenn's Gott geliebt, mit ſeiner Seele ſ Frieden!— Lord Cardinal, denkſt du an ew'ges Heil, So heb' die Hand zum Zeichen deiner Hoffnung.— Er ſtirbt und macht kein Zeichen: Gott, vergieb ihm! warw. Solch üͤbler Tod verraͤth ein ſcheußlich Leben. R. einr. Hrichtet nicht, denn wir ſind alle Suͤnder. Druͤckt ihm die Augen zu, zicht vor den Vorhang, Und laßt uns Alle zur Betrachtung gehn.(Alle ab.) — E ſebn Se. n Ken t. Die Sertuſte bei Do ver. pnnt (Man hoͤrt zur See feuern. Alsdann kommen aus einem Boot ein Schiffshauptmann, der Patron und ſein Ge⸗ huͤlfe, Seyfart Wittmer und Andre; mit ihnen Suffolk und andre Edelleute als Gefangne.) Schiffsh. Der bunte, plauderhafte, ſcheue Tag Hat ſich verkrochen in den Schooß der See; ierine W Laut heulend treiben Wblfe nun die Mähren, Wovon die ſchwermuthvolle Nacht geſchleppt wird, Die ilrs trägen Fitt'ge, ſchlaff gedehnt, Ruf Grufte ſen en, und aus dunſtgem Schlund Die Racht mit ekler Finſterniß durchhauchen. Drum bringt die Krieger des genommnen Schiffs; Peil unſte Jacht ſich vor die Dänen legt, So ſollen ſie ſich öſen hier am Strand Wo nicht, m it ihrem Blut ihn mir verfuͤrben.— Patron, hier den Gefananen ſchenk' ich dir; Du, ſein Gehülfe, zieh Gewinn von dem; Der andre, Seyfart Wittmer, iſt dein Theil.. an(Auf Suffolk zeigend.) Edelm. Was iſt mein Löſeheld, Patron? ſag' an! pat. Ein tauſend Kronen, oder Kopf herunter. Geh. Das Gleiche gebt ihr mir, ſonſt fliegt der eure. Schiffsh. Was? duͤnkt's euch viel, zweytauſend Kro⸗ ne zahlen, Und nennt und habt euch doch wie Edelleute? Hals ab den beyden Schurken! Ihr muͤßt ſterben! Das Leben unſrer eingebüßten Leute Wiegt ſolche kieine Summe lang nicht auf.. 1. delm. Ich zahl ſie, Herr, und alſo ſchont mein Leben. a. Edelm. Ich auch, und ſchreibe gleich darum nach Haus. wittm. Gu Suffolk) Mein Auge buͤßt' ich bey dem Und darum, das zu rächen, ſollſt du ſterben Und, wenn mein Wille gäͤlte, dieſe mit. chiffeh. Sey nicht ſo raſch! nimm Loſung⸗ laß ihn leben. Suff. Sieh mein Georgenkreuz, ich bin von Adel: Schaͤtz mich ſo hoch du willſt, du wirſt bezahlt. wlttm. Das werd' ich ſchon; mein Nam iſt Seyfart Run, warum ſigriſt du ſe! Wie! ſchreckt ber Tode Suff. Mich ſchreckt dein Nam' in ſeinemn Klang iſt Tod · Mir ſiellt' ein weiſer Mann das Horoſtop Und ſagte mir⸗ durch Seefahrt kam ich um, Doch darf dich das nicht blutbegierig machen; n Dein Nam' iſt Siesfried, richtig ausgeſprochen. n wittm. Sey's Siegfried oder Seyfart, mir iſt's gleich · Rie hat noch unſern Namen Schimpf entſtellt, S Bweyter shrit 236 Daß unſer Schwert den Fleck nicht weggewiſcht. Drum, wenn ich mit der Rache Handel treibe, Zerbreche man mein Schwert, mein Wappenſchild, Und ruf' als Memme durch die Welt mich aus. Greift den Suffolk.) Suff. Halt, Wittmer! Dein Gefangner iſt ein Prinz, Der Herzos Suffolk, William de 1Poſe Wittm. Der Herzog Suffolk, eingemummt in Lumpen? Suff. Ja, doch die Lumpen ſind kein Theil vom Herzog; Ging Zeus doch wohl verkleidet: ſollt' ich's nicht? Schifſsh. Doch Zeus ward nie erſchlagen, wie du jetzt. Suff. Gemeiner Bauer! Koͤnig Heinrichs Blut, 3 Das ehrenwerthe Blut von Lancaſter Darf nicht vergießen ſolch ein Knecht vom Stall. Gabſt du nicht Kußhand, hielteſt meinen Buͤgel,„ Liefſt neben meinem Saumthier unbedeckt, Und heelteſt dich beglückt, wenn ich dir nickte? Wie oft bedienteſt du mich bey den Bechern Bekamſt den Aufhub, knieteſt an der Tafel, enn ich mit Koͤnigin Margretha ſchmauſte? Gedenke dran, und laß dich's niederſchlagen, Und dämpfen deinen fehlgebornen Stolz. Wie ſtandeſt du im letzten Votgemach, Und harrteſt dienſtbar, bis ich nur evſchien? Zu deinen Gunſten ſchrieb hier dieſe Hand, Drum feßle ſie die wilde Zunge dir. Wittm. Durchbohr' ich den Verworfnen? Hauptmann, rich. Schiffsh. Erſt ich mit Worten„ſo wie er mich. Suff. Sind deine Worte ſtumpf doch, Sklav', wie du! Schiffsb. Fort, und an unſers großen Bootes Rand Schlagt ihm den Kopf ab. cn Suff. Wagſt du deinen dran? B Schiffsh. Ja, Poole. Schiffh. Pole? Sir Poole? Lotb? Za, Pfütze, Pfuhl, Kſoak, deß Koth und Schmm 6 P Die Silberquelle truͤbt, wo England trinkt. Nun ſtopf⸗ ich dieſen aufgeſperrten Mund, Der unſers Reiches Schatz verſchlungen hat; ie Lippen, ſo die Koͤnigin gekuͤßt, 234 Koͤnig Heinrich VI. A. IV. Schleif ich am Boden hin; und du, der einſt Des guten erzogs Humphrey Tod belaͤchelt, Sollſt nun umſonſt fuhlloſen Winden grinſen, Die, wie zum Hohn, zuruck dir ziſchen werden. Und mit der Hölle Heren ſey verbunden, Weil du verlobt haſt einen mächt'gen Herrn 300) Der Tochter eines nichtsgeacht'ten Konigs, Oyn' Unterthanen, Gut und Diadem. Du wurdeſt groß durch Teufels⸗Politik, Und, wie der kuͤhne Sylla, uͤberfüllt Mit Zuͤgen Blut aus deiner Mutter Herzen. Anjou und Maine ward durch dich verkauft; ie. Durch dich verſchmaͤhn abtruͤnnige Normannen Uns Herrn zu nennen; und die Picardie Schlug die Regenten⸗ fiel in unſte Burgen, Und ſandte wund, zerlumpt, das Kriegsvolk heim. Der hohe Warwick und die Nevils alle, Die nie umſonſt die furchtbarn Schwerter ziehn, Stehn wider dich aus Haß in Waffen auf. Das Haus von York nun, von dem Thron geſtoßen Durch eines wackern Konigs ſchnoͤden Mord 8 Und ſtolze frevelhafte Tyranney, 3 Entbrennt von Rachefeuer⸗ und es fuͤhrt In hoffnungsvollen Fahnen unſre Sonne Mit halbem Antlitz, ſtrebend durchzuſcheinen, Wobey geſchrieben ſteht: invitis mubibus. Das Volk von Kent hier regt ſich in den Waffen, Und endlich hat ſich Schmach und Bettelarmuth In unſers Koͤniges Pallaſt geſchlichen 3e Und alles das durch dich. Fort! ſchafft ihn weg! 1 Suff. O wär ich doch ein Gott, den Blitz zu ſchleudern Auf dieſe duͤrft'gen ganz verworfnen Knechte! Elende ſind auf kleine Dinge ſtolz: Der Schurke hier, als Hauptmann einer Jacht, Droht mehr als der Illyriſche Pirat, Der maͤcht'ge Barguſus. Die Drohne ſaugt Richt Adlers⸗Blut, ſie ſtiehlt aus Bienenſtoͤcken; Es iſt unmoͤglich, daß ich ſterben ſollte Durch ſolchen niedern Unterthan als du⸗ Dein Reden weckt nur Wuth, nicht Ren in mir. Rach Frankreich ſendet mich die Koͤnigin: Ich ſag' es dir, ſchaff ſicher mich hinuͤber. Schiffsh. Seyfart,— v—— „———— S sweyter Lheit.“ 26 wittm. Komm, Suffolt! daß ich dich zum Tode ſchaffe. Suff. Pens gelidus timor öccupat artu;— dich Wittm. Du findeſt Grund zur Furcht, eh ich dich laſſe. Wie, biſt du nun verzaßt? willſt nun dich beugen? Edelm. Mein gnad'ger Lord, gebt ihm doch gute Worte. „Suff. Des Suffolk Hervſcherzung' iſt ſtreng' und rauh, Weiß zu gebieten, nicht um Gunſt zu werben. Fern' ſey es, daß wir Volk wie dieſes da Mit unterwuͤrfigen Bitten ehren ſollten. n Nein, lieber neige ſich mein Haupt zum Block, Eh dieſe Knie vor irgend wem ſich beugen, Als vor des Himmels Gott und meinem Koͤnig; Und eher mag's auf blut'ger Stange tanzen, Als ſtehn entblößt vor dem gemeinen Knecht. Der aͤchte Adel weiß von keiner Furcht: Mehr halt' ich aus, als ihr vollbringen duͤrft. Schiffsh. Schleppt ihn hinweg, laßt ihn nicht lnger reden. Suff. Soldaten, kommt! zeigt eure Grauſamkeit, Daß dieſen meinen Tod man nie vergeſſe, 5 Durch Bettler fallen große Männer oft: Ein Roͤm'ſcher Fechter und Bandit erſchlug Den holden Tullius; Brutus Baſtard⸗Hand Den Julius Cäſar; wilbes Inſelvolk Den Held Pompejus; und Suffolk ſtirbt durch Raͤuber. (Suffolk mit Wittmer und Andern ab.) Schiffsh. Von dieſen, deren Loͤſung wir beſtimmt, Beliebt es uns, daß einer darnach reiſe; Ihr alſo kommt mit uns, und laßt ihn gehn. Wite eb, außer dem erſten Edelmann.) (Wittmer kommt mit Suffolks Leiche zuruͤck.) wittm. Da lieg' ſein Haupt, und ſein entſeelter Leib, Bis ihn die traute Konigin beſtattet! 2(ab.) 1. Edelm. O ein barbariſches und blut'ges Schauſpiel! Ich will zum König ſeine Leiche tragen: Raͤcht der ihn nicht, ſo werden's ſeine Freunde, Die Koͤnigin, die ljebend hoch ihn hielt. At(Ab mit der Leiche.) 2350 dnig Heinrich u. n uiaitß eus e o6h (Georg Bevis und Johann Holland treten auf.) Georg. Wohlan! ſchaff dir einen Degen, und wenn er auch nur von Holz waͤrez ſeit zwey Tagen ſind ſie ſchon auf den Beinen, Joh. Deſto nothiger thur's ihnen, ſich jetzt hinzuſetzen. Georg. Ich ſage dir, Hans Cade der Tuchmacher denkt das gemeine Weſen aufzuſtutzen, nnd es zu wenden, und ihm die Wolle von neuem zu krauſen. Joh. Das thut ihm Noth, denn es iſt bis auf den Faden abgetragen. Nun, das weiß ich, es gab kein lu⸗ ſtiges Leben mehr in England, ſeit die Edellente aufge⸗ kommen ſind. oteihen Georg. O die elenden Zeiten! Tu werksleuten nichts geachtet. g ob. er Adel haͤlt es fuͤr einen Schimpf, im leder⸗ nen Schurz zu gehn. i. i Georg. Was noch mehr iſt: des Koͤnigs Räͤthe ſind keine gute Arbeitsleute. ſi% Job. Ja, und es ſieht doch geſchrieben: arbeite in dei⸗ nem Beruf; was ſo viel ſagen will: die Obrigkeiten ſollen Arbeitsleute ſeyn; und alſo ſollten wir Obrigkeiten werden⸗ Georg. Richtig getroffen; denn es giebt kein beſſer Zeichen von einem wackern Gemuth, als eine harte Hand⸗ oh. Ich ſeh' ſie kommen! ich ſeh' ſie kommen! da iſt Beſt's Sohn, der Gerber von Wingham.— Georg. Der ſoll das Fell unſrer Feinde kriegen⸗ um Hundsleder daraus zu machen. 3 Joh. Und Marten⸗ der Metzger,— o ni BGeorg Nun, da wird die Suͤnde vor den Kopf ge⸗ ſchlagen wie ein Ochſe, und die Ruchloſigkeit wird abge⸗ ſtochen wie ein Kalb. Joh · Und Smith, der Leinweber,— Georg. Ergo iſt ihr Lebensfaden abgehaspelt. Joh. Kommt, ſchlagen wir uns zu ihnen. rommeln⸗ Cade, Märten der Mebger, Smith der geinweber, und andre in großer Anzahl kommen.) end wird an Hand⸗ Si 29 Bweyter Theil. 237 Cade, Wir, Johann Cade, von unſerm vermeintli⸗ chen Vater ſo henannt, denn unſte Feinde ſollen vor uns niederfallen; vom Geiſt getrieben, Koͤnige und Fuͤrſten zu ſtuͤrzen.— Befehlt Stillſchweigen! märrSt 6 h ſ Cade. Mein Vater war ein Mortimer— „ „Märt.(beyſeit.) Es war ein ehrlicher Mann und ein guter Maurer. irien ſ Cade. Meine Mutter eine Plantagenet,— Märt. Geyſeit.) Ich habe ſie recht gut gekannt, ſie war eine Hebamme.* Cade. Meine Frau ſtammt vom Geſchlecht der Lacies,— Märt.(beyſeit.. Wahrhaftig ſie war eines Hauſtrers Tochter, und hat manchen Latz verkauft. Smith.(beyſeit.) Aber ſeit kutzem, nün ſie nicht mehr im Stande iſt mit ihrem Torniſter herum zu gehn, wäſcht ſie zu Hauſe fuͤr Geld. i Cade. Folglich bin ich aus einem ehrenwerthen auſe. ärt.(beyſeit.) Ja, meiner Treu! das freye Feld iſt aller Ehren werth, und da iſt er zur Welt gekommen, hinterm Zaun; denn ſein Vater hatte kein ander Hans als das Hundeloch. 8 5 Cade. Muth habe ich. Smith. Ceyſeit.) Das muß er wohl, denn zum Bet⸗ teln gehoͤrt Muth. Cade. Ich kann viel aushalten. Märt.(beyſeit.) Das iſt keine Frage: ich habe ih idreh Markttage nach einander peitſchen hn oſi Cade. Ich fuͤrchte mich weder vor Feuer noch Schwerdt. Smith.(beyſeit.) Vor dem Schwerte braucht er ſich nicht zu fuͤrchten, die Stiche werden vorbeygehn, denn ſein Rock hält laͤngſt keinen Stich mehr. e Märt.(beyſeit.) Aber mich dünkt, vor dem Feuer ſolte e ſich fuͤrchten, da ſie ihm fur ſeine Schaafdieberey ein eichen in die Hand gebrannt haßelt Lade. Seyd alſo brav, denn euer Anführer iſt brav, und gelobt euch Abſtelleng der Mißbraͤuche. Sieben Sechſer-Brote follen kuͤnftig in England fuͤr einen Gro⸗ ſchen verkauft werden, die dreyreifige Kanne ſoll zehn Reifen halten, und ich will es fuͤr ein Hauptwerbrechen 2³8 Konig Heinrich VI. A. IV. erklaͤren, Duͤnnbier zu trinken. Das ganze Reich ſollen all ingemein haben; in Cheapſide geht euch mein Klep⸗ per auf die Weide. Und wenn ich Koͤnig bin,— wie ich es denn bald ſeyn werde— i Alle. Gott erhalte eur Majeſtaͤt! A Cade. Ich danke euch, lieben Leute!— ſo ſoll es kein Geld mehr geben, alle ſollen auf meine Rechnung eſſen und trinken; ich will ſie alle in eine Livrey kleiden, da⸗ mit ſie ſich als Bruͤder vertragen, und mich als ihren märt. Dus erſte, was wir thun muͤſſen, iſt, daß wir alle Rechtsgelehrte umbringen⸗ Cade⸗ Ja, das gedenk⸗ ich auch zu thun. Iſt es nicht ein erbarſnungswlidig Dins⸗ daß aus der Haut eines un⸗ ſchuldigen Lammes Pergament gemacht wird? daß Perga⸗ ment, wenn es bekritzelt iſt, einen Menſchen zu Grunde richten kannt Man ſagt, die Bienen ſtechen, aber ich ſage: das Wachs der Bienen thut es, denn ich habe nur ein einziges Mal etwas beſiegelt, und ſeit der Zeit war ich niemals wieder mein eigner Herr. Nun, was giebt's? wen habt ihr da 6 3 (Es kommen Leute, die den Sch reiber von Chatham vorfuͤhren.) ſ Smith. Den Schreiber von Chatham: er kann leſen und ſchreiben, und Rechnungen aufſetzen⸗ fi Cade. O abſcheulich! gen ihre Erempel durchſah⸗ gade. Das iſt mir ein Boͤſewicht! Büchſiaben drin. Esde⸗ Ja, dann iſt er gewiß ein Beſchworer. Märt. Ja, er kann auch Verſchreibungen machen und Kanzleyſchrift ſchreiben. ie Cade. Es thut mir leid; der Mann iſt, bey meinet Ehre, ein huͤbſcher Mann; wenn ich ihn nicht ſchuldis finde, ſo ſoll er nicht ſterben.— Komm her, Burſch, ie muß dich verhoren. Wie iſt den Name? Schreib. Emannel. märt. Das pflegen ſie an die Spitze der offenen Send⸗ ſchreiben zu ſetzen.— Es wird euch ſchlimm ergehn⸗ ſ Smith. Wir ertappten ihn dabey, daß er den Jun⸗ zhieen S hat ein Buch in der Taſche, da ſind rothe Sz. 2. Zweyter Lheil. 239 Cade. Laßt mich allein machen. Pflegſt du deinen Namen auszuſchreiben, oder haſt du ein Zeichen dafuͤr wie ein ehrlicher ſchlichter Mann? Schreib. Gott ſey Dank, Herr, ich bin ſo gut erzon gen, daß ich meinen Namen ſchreiben kann. Alle. Er hat bekannt, fort mit ihm! Er iſt ein Schelm und ein Verraͤther. 0 Cade. Fort mit ihm, ſage ich? haͤngt ihn mit ſeiner Feder und Dintefaß um'den Hals. (Einige mit dem Schreiber ab. Michel kommt.) Mich. Wo iſt unſer General? 5 Ab Cade. Hier bin ich, du ſpecieller Ker 22 mich. Flieht! flieht! flieht! Sir Humphrey Stafford und ſein Bruter mit der eeresmacht des Koͤnigs ſind ganz in der Nähe. Cade. Steh, Schurke, ſteh, oder ich haue dich nie⸗ der. Er ſoll es mit einem eben ſo tücheigen Manne zu thun bekommen, als er ſelber iſt. Er iſt nichts mehr als ein Ritter, nicht wahr? 2 11 ½ 7 „Cade⸗ Um e ihm gleich zu thun, will ich mich ſelbſt unverzüglich zum Ritter ſchlagen. Steh auf als Sir John Mortimer. Nun auf ihn los! (Sir Humphrey Stafford und ſein Bruder William kommen mit Truppen unter Frommelſchlag.) Staff. Rebelliſch Pack, der Koth und Abſchaum Kents, Zum Galgen reif! legt eure Waffen nieder Zu euren Huͤtten heim, verlaßt den Knecht! Wenn ihr zurückkehrt, iſt der Koͤnig gnädig. 3 W. Staff. Doch zornig, wuͤthend, und auf Blut geſtellt, Treibt ihr es fort: drum fugt euch oder ſterbt. Cade. Nichts acht' ich Sklaven in ſo ſeidnen Roͤcken; Zu euch, ihr guten Leute, red' ich nur, Die ich in Zukunft zu regieren hoſſe, Da ich des Throns rechtmaß ger Erbe bin. Staff. Du Schelm, dein Vater war ein Mauerntänchet; Luchſcherer biſt du ſeiber; biſt du's nicht? Lade. Und Adam war ein Gaͤrtner. W. Staff. Was ſoll das hier? Cade. Nun, das ſoll's:— Edmund Mortimer, Graf von March,. Rahm ſich zur Eh des Herzogs Clarente Tochtrt: nicht? 240 Koͤnig Heinrich VI. Staff. Ja wohl. Cade. Von ihr bekam er auf einmal zwey Kinder⸗ Ww. Staff. Das iſt nicht wahr. 3. Pop ang v Cade. Nun, ja, das fragt ſich; doch ich ſag') es iſt ſo. Der ältre, den man in die Koſt gegeben, u Wald weggeſtohlen durch ein Bektelweib; im Und ſeiner Abkunft und Geburt nicht kundic Waid er ein Maurer, wie er kam zu Jahlen: Sein Sohn bin ich, und läugnet's, wonn ihr könnt. märt. In, es iſt wahrhaſtig wahr; drum ſoll er unſer Koͤnig ſeyn⸗ S i nn Smith. Herr, er hat eine Feuereſſe in meines Vaters Hauſe gebaut, und die Backſteine leben noch bis an die⸗ ſen Tag, die es bezeugen koͤnnen; alſo leugnet es nicht. Staff. So glaubt ihr dieſes Tageloͤhners Worten, Der ſpricht,/ er weiß nicht was! Alle. Ja wohl, das thun wir; alſo packt euch nur. w Staff. Hans Cade, euch lehrte dieß der Herzog York. Cade. Er lugt, ich habe es ſelbſt erfunden.— Wohlan ihr da, ſagt dem Könige von meinetwegen: um ſeines Vaters willen, Heinrichs des Fuͤnften, zu deſſen Zeit die Jungen He erwerfen um Franzoͤſiſche Kronen ſpielten, ſey ich es zufrieden⸗ daß er regiere; ich wolle aber Pro⸗ tektor uͤber ihn ſeyn. 6 märt. Und ſerner wollen wir Lord Say's Kopf haben, weil er das Herzogthum Maine verkauft hat. ℳ Cade. Und das von Rechtswegen, denn badich iſ r England verſümmelt, und müßte am Stabe einhergehe wenn ich es nicht aufrecht erhielte. Ich ſage euch, ih Mitkoͤnige, Lord Say hat das gemeine Weſen verſchnit⸗ ten, und zum Eunuchen gemacht; und was me riſt, ſo kann er Franzoſiſch ſprechen, und alſo iſt er ein Verraͤther. Staf. 2 grobe kläͤgliche Unwiſſenheit! 3* Cade. Ja, antwortet mir, wenn ihr koͤnnt, Die Franzoſen ſind unſre Feinde; nun gut, ich frage euch nurs tann jemand, der mit der Zunge eines Feindes ſpricht ein guter Rathgeber ſeyn⸗ oder nicht! Alle. Nein, nein, und alſo wollen wir ſeinen Kopf haben. w. Staff. Wohl, da gelinde Worte nichts vermögen, So greift ſie mit dem Heer des Koͤnigs an. Staff. Fort, Herold⸗ und in jeder Stadt ruf aus St Sweyter Shein 3 344 Die mit dem Cade Empörten als Verzäither Auf daß man die, ſo aus dem Treffen fliehn. In ihrer Frau'n und Kinder Angeſicht Zur Warnung hänge vor den eignen Thuren.— Und ihr, des Koͤnigs Freunde, folgt mür nach. 6 (Die beyden Staffords mit den Fruppen ab.) Cade. Und ihr, des Volkes Freunde, folgt mir nach. S iſt fur die Freyheit, zeigt euch nun als Mähner; Kein Lord, kein Edelmann ſoll Abrig bieiben; Schont nur, die in gelappten Schuhen gehn, Denn das ſind wackre, wirchſchaftliche Leute, Die, wenn ſte duͤrften, zu uns uͤberträten. nu Märt. Sie ſind ſchon in Ordnung, und marſchiren „Cade. Wir ſind erſt recht in Ordnung, wenn wir außer aller Ordnung ſind. Kommt, marſchirt vorwaͤrts. S(Alle ab.) Dritte Sene (Getummel. Die zwey Parteyen kommen und fechten, und beyde Staffords werden erſchlagen) Cade. Wo iſt Maͤrten, der Mebger von Aſhford? Lade. Sie fielen vor dir wie Schaafe und Ochſen, und du thateſt als wenn dil in deinem eigenen Schlacht⸗ hauſe waͤreſt, deshalb will ich dich ſolgendermaßen beloh⸗ nen: die Faſten ſollen noch einmal ſo lang ſeyn, und du ſollſt eine Conreſſion haben, fut hundert weniger einen zu ſchlachten⸗ Fin 6 Märt. Ich verlange nicht mehr. Lade, Und in Währhrit, du verbienſt i res. Dieß Andenken des Sieges will ill ich tragen, und die beyden Leichen ſoll mein Pferd nachſchleifen, bis ich nach London komme, wo wir uns das Schultheiße chwert wollen vortragen laſſen. märt. Wenn wir Gedeihen haben uns was ausrich⸗ ten wollen, ſo laßt uns die Kerker aufbrechen, und die Gefangnen in Freyheit ſetzen. Lade. Sorge uicht, dafür ſtehe ich dir. Kommt, mar⸗ ſchiren wir nach London. t (Alle ab.) II. e 242 Konig Heinrich VI. A. 1V. B jehe London. Ein Zimmer im Palaſt. (König Heinrich, der eine Supplik lieſt; der Herzog von Buckingham und Lord Say noben ihm; in der Ent⸗ fernung Koͤnigin Marg aretha, die uͤber Suffolks Kopf trauert⸗) f 5. Rön. Oſt hört ich, Gram erweiche das Gemaͤth⸗ Er mach' es zaghaft und entart, es ganzz Drum denk auf Rache, und laß ab vom Weinen. Doch wer ließ' ab vom Weinen, der dieß ſieht? Hier liegt ſein Haupt an meiner ſchwell'nden Bruſt; Wo iſt der Leib, den ich umarmen ſollte? Buck. Welche Antwort ertheilt Eure Hoheit auf die Supplik der Rebellen?! ſ8 R. Zeinr. Ich ſend' als Mittler einen frommen Biſchof. Verhuͤte Gott, daß ſo vicl arme Seelen Umkommen durch das Schwert! Ich ſelber will, Eh ſie der blut'ge Krieg vertilgen ſoll, Mit ihrem General, Hans Cade, handeln. Doch ſtill, ich will's noch einmal uͤberleſen. Ron. Ah, die Barbaren! Hat dieß holde Antlitz Mich wie ein wandelnder Planct beherrſcht? Und konnt' es nicht die noͤth'gen einzuhalten, Die nicht verdienten, nur es anzuſchaun? R. Zeinr. Lord Say, Hans Cade ſhue er will nicht Als bis Pein in Haͤnden hat. Say. Ja, doch ich hoffe, Eure Ho eit wird Bald ſeinen haben einr Nun, Gemahlin! wie? Wehklagend ſtets berraurend Suffolks Tod? Ich furchte, Herz, wenn ich geſiorben waͤr', Du hätteſt nicht ſo ſehr um mich getrauert. Rön. Nein, mein Herz, ich traurte nicht, ich ſtuͤrb' um dich. (Ein Bote tritt auf.) R. Zeinr. Nun dann, was giebt's! Was kommſt du ſo in Eil? Sz. 4. sweyter Lheil. 243 Vote. Die Meuter ſind in Southwark: flieht, mein Fuͤrſt 1 Hans Cade erklärt ſich für Lord Mortimer, Vom Haus des Herzogs Clarence abgeſtammt. Nennt oͤffentlich Eur Gnaden Uſurpator, Und ſchwoͤrt in Weſtminſter ſich ſelbſt zu kroͤnen. Ein abhelumpter Haufen iſt ſein Heer n35G Von Bauerknechten, roh und unbarmherzigz Sir Humphrey Staffords Tod und ſeines Bruders Gab ihnen Herz und Muth es fortzutreiben; Gelehrte, Rechtsverſtänd'ge, Hof und Adel, Wird falſch Gezucht geſcholten, und zum Tod verdammt. R. Seinr. O ruchlos Volk! es weiß nicht was es thuf. Buck. Mein gnaͤd'ger Herr, zieht euch nach Kenelworth, Bis man ein Heer verſammelt, ſie zu ſchlagen. Rm. Ach, lebte Herzog Suffolk nun, wie bald Wär' dieſe Kent'ſche Meuterey geſtillt! k. Zeinr. Lord Say, dich haßt die Rotte; Deswegen fort mit uns nach Kenelworth! Say. Das konnte meines Herrn Perſon gefaͤhrden, Mein Anblick iſt ja ihrem Aug— verhaßt; Rt6e Und darum will ich in der Stadt nur bleiben, Und hier ſo heimlich, wie ich kann, es treiben. 3(Ein anderer Bote tritt auf.) 2. Bote. Hans Cade iſt Meiſter von der London⸗Brücke. Die Buͤrger fliehn vor ihm aus ihren Haͤuſern; Das ſchlechte Volk, nach Beute duͤrſtend, tritt Dem Frevler bey! ſo ſchwören ſie, die Stadt Und euren koͤniglichen Hof zu plündern. 3 Buck. Dann zaudert nicht, mein Fuͤrſt! Zu Pferde, fort! J. Zeinr. Margretha, komm! Gott, unſre Hoffnung, 6r hilft uns. Rön. Da Suffolk ſtarb, iſt meine Hoffnung hin⸗ 9 R. Heinr.(zum Lord Say.) Lebt wohl, Mylord! Traut nicht den Kent'ſchen Meutern! Buck. Traut keinem, aus Beſorgniß vor Verrath. Sapy. Auf meine Unſchuld grund' ich mein Vertraun, Und darum bin ich kühn und unverzagt. 2 16* Koͤnig Heinrich VI. A. 1V. Fonfte Szene eord Scales und Andre erſcheinen auf den Mauern; dann treten unten einige Buͤrger auf⸗) 3 007 Scal. Nun, iſt Hans Cade erſchlagen? i Mhlord, und es hat auch keinen An⸗ ſchein dazu, denn ſie haben die Bruͤcke crobert, und brin⸗ gen alle um, die ſich widerſeßen. Der Schultheiß bittet euer Edeln um Beyſtand vom Thurm, um die Stadt gegen die Rebellen zu vertheidigen⸗ Scal. Was ich nur miſſch kann, iſt euch zu Dienſt. Zwar werd' ich hier von ihnen ſelbſt geplagt, Bie Meuter wollen ſich des Thurms bemeiſtern; Doch macht euch fort nach Smithfield, ſammelt Volk, Und dahin ſend' ich euch, Matthias Gough. Kämpft für den Koͤnig euer Land und Leben, Und ſo lebt wohl, denn ich muß wieder fort. zhien ech teS i Die Kanondiſtraße. (Hans Cade mit ſeinem Anhange. Er ſchlaͤgt mit ſeinem Stabe auf den Londner Stein.) Cade Nun iſt Mortimer Hetr ditſer Stadt. UUnd hier, auf dem Londner Steine ſitzend, vorordne ich und beſehle, daß in dieſem erſten Jahr unſers Reichs auf Stadts⸗Unkoſten durch die Waſſerroͤhre nichts als rother Wein laufen ſoll. Und hinfuͤhro ſoll es Hochverrath ſeyn, wenn irgend wer mich anders nennt als Lord Mortimer. ſiin(Ein⸗ Soldat kommt gelaufen.) Sold. Hans Cade! Hans Cade! Eade. Schlagt ihn gleich zu Boden. (Sie bringen ihn um.) Smith. Wenn der Burſche klug iſt, wird er euch nie⸗ mals wieder Hans Cade nennen, ich meine, er hat einen guten Denkzettel bekommen. Sp. 7. Swepter Kheil 25 Märt. Moylord, es hat ſich eine„ Smithfield verſammelt. ni Cade. So kommt, laßt uns mit ihnen hten. Aber erſt geht, und ſetzt die London⸗Bruͤcke in Brand, und wenn ihr koͤnnt, brennt auch den Thurm nieder. Kommt, machen wir uns fort.—(ab.) Smacht bey 6 Siebente Szene. (Getuͤmmel. Von der einen Seite kommen Cade und ſein An⸗ hangz von der andern Buͤrger und königliche Truppen, angefuͤhrt von Matthias Gough. Sie feghten; die Bur⸗ ger werden in die Flucht geſchlagen, und Gough faͤlt.) Lade. So, Leute! nun geht und reißt das Savoyiſche Quartier ein; Andre zu den Gerichtshoͤfen, nieder mit allen zuſammen! e⸗ſe märt. Ich habe ein Geſuch an Eure Herrlichkeit. Cade. Und waͤr' es eine Herrlichkeit, fuͤr das Wort ſoll's dir gewaͤhrt ſeyn. 0 6 6 Märt. Bloß, daß die Geſetze von England aus eurem Munde kommen mogen. 130 Joh.(beyſeit.) Sapperment, dann werden's heilloſe Geſetze ſeyn, denn er iſt mit einem Speer in den Mund geſtochen, und das iſt noch nicht heil— Smith.(beyſeit.) Nein, Johann, es werden ſtinkende Geſetze ſeyn, denn er ſtinkt aus dem Munde nach gero⸗ ſtetem Kaͤſe. S. Cade. Ich habe es bedacht, es ſoll ſo ſeyn. Fort, verbrennt alle Urkunden des Reichs; mein Mund ſoll das Parlament von England ſeyn. Joh Cbeyſeit.. Dann werden wir vermuthlich bei⸗ ßende Statuten bekommen, wenn man ihm nicht die Zähne ausbricht.. 6 en e Cade. Und hinfuͤro ſoll alles in Gemeinſchaft ſeyn. (Ein Bote tritt auf.) Bote. Mylord, ein Fang! ein Fang! Hier in der Lord Say, der die Städte in Frankreich verkauft hat; der uns ein und zwanzig Funfzehnte hat bezahlen laſſen, und einen Schilling auf das Pfund zur letzten Krieasſteuer“ —(Georg Bevis kommt mit Lord Sa v.) 246 Koͤnig Heinrich VI. A. IV. Cade. Gut, er ſoll zehnmal dafuͤr gekoͤpft werden.— O Say, du ſämiſcher, juchtener, rindslederner Lord! Nun ſtehſt du recht als iti unſrer könialichen Gerichts⸗ barkeit. Wie kannſt du dich vor meiner Maſeſtaͤt deshalb rechtfertigen, daß du die Normandie an Musje Baibemoncu, den Dauphin von Frankreich, abgetreten haſt! Kund und zu wiſſen ſey dir hiemit durch gegenwaͤrtiges, namentlich durch gegenwaͤrtigen Lord Mortimer, daß ich der Beſen bin, welcher den Hof von ſolchem Unrath, wie du biſt, rein kehren muß. Du haſt hoͤchſt verraͤtheriſcher Weiſe die Jugend des Reiches verderbet, indem du eine lateini⸗ ſche Schule errichtet; und da zuvor unſere Voreltern keine andern Buͤcher hattenz als die Kreide und das Kerbholz, ſo haſt du das Drucken aufgebracht, und haſt zum Nach⸗ theil des Koͤnigs, ſeiner Krone und Wuͤrde, eine Papier⸗ muͤhle gebaut. Es wird dir ins Geſicht bewieſen werden, daß du Leute um dich haſt, die zu reden pflegen von Nomen und Verbum, und dergleichen ſcheußlichen Worten mehr, die kein Chriſten⸗Ohr geduldig anhoͤren kann. Du haſt Friedensrichter angeſtellt, daß ſie arme Leure vor ſich rufen uͤber Dinge, worauf ſie nicht im Stande ſind zu antworten. Du haſt ſie ferner gofangen geſetzt, und weil ſie nicht leſen konnten, haſt du ſie haͤngen laſſen, da ſie doch bloß aus dem Grunde am meiſten verdienten zu le⸗ ben. Du reiteſt auf einer Decke, nicht wahr? Say. Nun, was thäte das? Cade. Ey, du ſollteſt dein Pferd keinen Mantel tra⸗ gen laſſen, derweil ehrlichere Leute als du in Wams und Hoſen gehn. Zu märt. Und im bloßen Hemde arbeiten obendrein; wie ich ſelbſt zum Beyſpiel, der ich ein Metzger bin. Say. Ihr Maͤnner von Kent,— märt. Was ſagt ihr von Kent? Say. Nichts als dieß: es iſt bona terra, mala gens. Cade. Fort mit ihm! fort mit ihm! Er ſpricht Latein. Say. Hoͤrt nur, und fuͤhrt mich dann, wohin ihr wollt. Kent heißt in dem Bericht, den Caͤſar ſchrieb, Der ganzen Inſel freundlichſtes Gebiet. Das Land iſt reich, mit Gätern wohl begabt, Das Volk willfaͤhrig, tapfer, thaͤtig, reich; Was mich auf Mitieid von euch hoffen läßt. Ich hab' nicht Maine und Normandie verkauft, Sz. 7. Bweyhter Theil. 247 Gern kauft' ich ſie zuruͤck mit meinem Leben. Das Recht hab' ich mit Guͤte ſtets geubt, Mich ruhrten Bitten, Thränen, niemals Gaben. ann hab' ich was von eurer Hand erpreßt, Zum Schutz für Kent, fuͤr Koͤnig, Land und euch? Gelahrten Maͤnnern gab ich große Sumien. Weil Buch und Schrift beym König mich befoͤrdert, Und weil ich ſah, es ſey Unwiſſenheit Der Fluch von Gott, und Wiſſenſchaft der Fittig, Womit wir in den Himmel uns erheben. Seyd ihr von Hoͤllengeiſtern nicht beſeſſen, So koͤnnt ihr nicht den Mord an mir begehn. Bey fremden Koͤn'gen hat die Zunge hier Fuͤr euch geſprocheß.— Cade. Pah! wann haſt du irgend einen Streich im Folde gefuͤhrt? Say. Der Großen Arm reicht weit: vft traf ich Menſchen, Die nie mich ſahn, und traf zum Tode ſie. S Georg. O die abſcheuliche Memme! die Leute hinter⸗ ruͤcks anzufallen. ni Say Die Wangen wacht' ich bleich in eurem Dienſt. Lade. Gebt ihm eine Ohrfeige, ſo werden ſie ſchon wieder roth werden. ſnt ℳ Say. Das lange Sitzen, um der armen Leute Rechtshaͤndel zu entſcheiden, hat mich ganz Mit Krankheit und Beſchwerden angefuͤllt. Lade. So ſollt ihr einen hänfnen Magentrank haben, und mit einein Beil ſoll man euch helfen. märt. Was zitterſt du, Mann? Say. Der Schlagfluß noͤthigt mich, und nicht die Furcht. Lade. Ja, er nickt uns zu, als wollte er ſagen: will es mit euch aufnehmen. Ich will ſehn, ob ſein Kopf ine Stange feſter ſtehen wird; ſchafft ihn fort, und e Sagt mir, worin verging ich mich am meiſten? Begehrt' ich Reichthum oder Ehre? ſprecht! Sind meine Kiſten voll erpreßten Goldes? Und iſt mein Aufzug koſtbar anzuſchaun? Wen kraͤnkt' ich, daß ihr meinen Tod ſo ſucht? Kein ſchuldlos Blut vergoſſen dieſe Haͤnde, Und dieſe Bruſt herbergt kein ſchnoͤdes Falſch. O laßt mich leben! A8 Koͤnig Heinrich. Cade. Ich fuͤhle Mitleiden in mir mit ſeinen Worten, aber ich will es in Zaum halten; er ſoll ſterbem, und waͤr⸗ es nur, weil er ſo gut fuͤr ſein Lében ſpricht. Fort mit ihm! er hat einen Hauskobold unter der Zunge ſitzenz er ſpricht nicht im Namen Gottes⸗ Geht, ſchafft ihn fort, ſage ich, und ſchlagt ihm gleich den Kopf ab, und dann brecht in das Haus ſeines Schwiegerſohns, Sir. John Cromer, und ſchlagt ihm den Kopf ab, und bringt. ſie beyde auf zwey Stangen he Alle. Es ſoll geſchehn. Sap. Ach, Landesleute! wenn bey euren Bitten Gott ſo verhaͤrtet wäre, wie ihr ſelbſt, Wie ging es euren abgeſchiednen Seelen? Darum erweicht euch noch, und ſchont mein Leben! Cade. Fort mit ihm, und thut, was ich euch befehle. S(Einige ab mit Lord Say.) Der ſſtolzeſte Pair im Reich ſoll keinen Kopf auf den Schultern tragen, wenn er mir nicht Tribut zahlt; kein Maädchen ſoll ſich verheirathen, ohne daß ſie mir ihre Jungferſchaft bezahlt, eh ihr Liebſter ſie kriegt; alle Men⸗ ſchen ſollen unter mir in capite ſtehn, und ich verordne und befehle, daß ihre Weiber ſo frey ſeyn ſollen, als das, Herz wuͤnſchen, oder die Zunge ſagen kann⸗ märt. Mylord, wann ſollen wir nach Cheapſide gehn und mit unſern Hellebarten halbpart machen? Cade. Ey, ſogleich. Nie. heitlich——— S. (Es kommen Rebellen zutkck, mit den Köpfen des Lord Say und ſeines Schwiegerſohnes.) Cade. Aber iſt dieß nicht noch herrlicher!— Laßt ſie einander kuͤſſen, denn ſie ind ſich bey Lebzeiten zugethan geweſen. Nun haltet ſie wieder auseinander, damit ſie nicht rathſchlagen, wie ſie noch mehr Franzoͤſiſche Staͤdte uͤbergeben wollen. Soldaten, ſchiebt die Pluͤnderung er Stadt auf bis Rachts, denn wir wollen durch die Stra⸗ ßen reiten, und dieſe Koͤpfe wie Zepter vor uns hertra⸗ gen laſſen, und an jeder Ecke ſollen ſie ſich kuͤſſen. Fort! ßiunn Qcle ab.) — olitet eure Waffen nimmer niederlegen) bis ihr eure Sz. 8. Zweyter Theil.. 249 Ach te S Southwark. (Getuͤmmel. Cade mit ſeinem Geſindel tritt auf.) Cade. Die Fiſcherſtraße herauf! die Sankt Magnus Ecke hinunter! Todtgeſchlagen! In die Themſe geworfen!“ (Es wird zur Unterhandlung geblaſen, hierauf zum Ruͤckzug.) Was fuͤr einen Laͤrm hoͤr' ich? Wer darf ſo verwegen ſeyn zum Ruͤckzug oder zur Unterhandlung zu blaſen, wenn ich ſie glles todſchlagen heiße? (Buckingham und der alte Clifford treten auf mit Truppen.) m n 1 Buck. Hier ſind ſie, die das duͤrfen, und dich Verſtören wollen. Wiſſe,Cade, denn: 3 Als Abgeſandte kommen wir vom Koönig Zum Volke, welches du mißleitet haſt, Und kuͤnden hier Verzeihung jedem an, Der dich verlaͤßt und friedlich heim will gehn. Cliff. Was ſagt ihr, Landsgenoſſen? Gebt ihr nach, Und weicht der Gnade, weil man ſie euch bietet? Oder ſoll Geſindel in den Tod euch fuͤhren? Wer unſern Koͤnig liebt und die Verzeihung Benutzen will, der ſchwinge ſeine Mütze Und ſage; Gott erhalte Seine Mazeſtaͤt! Alle. Gott erhalte den Koͤnig! Gott erhalte den Koͤnig! Cade. Was, Buckingham und Clifford, ſeyd ihr ſo brav?— Und ihr, ſchlechtes Bauernvoſk, glaubt ihr ihm? — Wollt ihr denn durchaus mit eurem Pardon um den Hals aufgehaͤngt ſeyn. Iſt mein Schwert dazu durch das Londner Thor gebrochen, daß ihr mich beym weißen Hirſch in Southwank verlaſſen ſolltet? Ich dachte, ihr alte Freiheit wieder erobert hättet: aber ihr ſeyd Alle Ab⸗ truͤnnige und ſeige Memmen, und habt eine Freude daran, in der Sklaverch des Adels zu leben. So moͤgen ſie euch dann den Ruͤcken mit Laſten zerbrechen, euch die Haͤuſer uͤber dem Kopf wegnehmen, eure Weiber und Töchter gor euren Augen nothzuͤchtigen; was mich betrifft, ich will jetzt nur fuͤr Einen ſorgen, und euch Alle moͤge Got⸗ tes Fluch treffen. 250 Koͤnig Heinrich VI. A. IV. Alle. Wir folgen unſerm Cade! wir folgen unſerm Cade! Cliff. Iſt Cade Sohn Heinrichs des fuͤnften, Daß ihr ſo ausruft, ihr wollt mit ihm h Fährt er euch wohl in Frankreichs Herz, und mcht Den kleinſten unter euch zum Graf und Bei ch, er hat keine Heimath, keine Zuftucht, 2 Und kann nicht anders leben als durch Plündrung, Indem er eure Freund' und uns beräubt. Welch eine Schmach, wenn, während ihr euch zankt, Die ſcheuen Franken, die ihr juͤngſt beſiegt, Die See durchkreuzten und beſiegten euch?! Mich dünkt, in dieſem buͤrgerlichen Zi Sch ich ſie ſchon in Löndons Gaſſen ſchalten⸗ Und jeden rufen an, mit: Villageois! Eh laßt zehntauſend niedre Cade's verderben, Als ihr euch beugt vor eines Franken Gnade! Nach Frankreich! Frankreich! bringt Verlornes ein! Schont England, euren heimathlichen Strand. Heinrich hat Geld, und ihr ſeyd ſtark und maͤnnlich: Gott mit uns, zweifelt nicht an eurem Sieg. Alle. Clifford hoch! Clifford hoch! Wir folgen dem Koͤnige und Clifford. S Cade. Iſt eine Feder wohl ſo leicht hin⸗ und herge⸗ blaſen als dieſer Haufe! Der Name Heinrich des fuͤnf⸗ ten reißt ſie zu hunderterley Unheil fort, und macht, daß ſie mich in der Noth verlaſſen. Ich ſehe⸗ daß ſie die Koͤpfe zuſammenſtecken, um mich zu uͤberfallen; mein Schwert muß mir den Weg bahnen, denn hier iſt mei⸗ nes Bleibens nicht.— Allen Teufeln und der Hoͤlle zum Trotz will ich recht mitten durch euch hindurch, und ich rufe den Himmel und die Ehre zu Zeugen, daß kein Mangel an Entſchloſſenheit in mir, ſondern bloß der ſchnoͤde und ſchimpfliche Verrath meiner Anhaͤnger mich auf fluͤchtigen Fuß ſetzt. 8(ab.) Buck. Iſt er entflohn! Geh wer, und folg' ihm nach; Und der, der ſeinen Kopf zum Koͤnig bringt, Soll tauſend Kronen zur Belohnung haben. 3(Einige ab.). Folat mir, Soldaten; wir erſinnen Mittel, Euch alle mit dem König zu verſoͤhnen. ab) Sz. 9. Zweyter Theil. 251 Neu nte Sſene 6 Dit Burg zu Kenelworth. (König Heinrich, Koͤnigin Ma rgaretha und Somerſot auf der Teraſſe der Burg.) 10 B. Zeinr. Saß wohl ein Koͤnig je auf ird'ſchem Thron, Dem nicht zu Dienſt mehr Freude ſtand wie mir? 2 Kaum kroch ich aus der Wiege noch, als ich, Neun Monden alt zum Koͤnig ward ernannt. Nie ſehnt' ein Unterthan ſich nach dem Thron, Wie ich mich ſehn' ein Unterthan zu ſeyn. Buckingham und Clifford treten auf.) Buck. Heil Eurer Majeſtaͤt und frohe Zeitung! R. Heinr. Sag', Buckingham, guif man den Frevler Cade? Wie, oder wich er nur, ſich zu verſtaͤrken? (Es erſcheint unten ein Haufen von Cade's Anhaͤngern, mit Stricken um den Hals.) Cliff. Er floh, mein Fuͤrſt, und all ſein Volk ergiebt ſich, Und demuthsvoll mit Stricken um den Hals Erwarten ſie von Euer Hoheit Spruch Nun Leben oder Tod. R. Heinr. Dann, Himmel, oͤffne deine ewg'en Thore Um meines Danks Geläbde zu empfangen!— Heut loͤſttet ihr, Soldaten, ener Leben, Ihr zeigtet, wie ihr euren Fuͤrſten liebt, Und euer Land: bewahrt ſo guten Sinn, Und Heinrich, wenn er unbegluckt ſchon iſt, Wird niemals, ſeyd verſichert, lieblos ſeyn. Und ſo, euch allen dankend und verzeihend, Entlaſſ' ich euch— in ſeine Heimath jeden. Her Alle. Gott erhalte den Koͤnig! Gott erhalte den Konig! Ein Bote tritt auf.) Bote. Vergönnen mir Eur Gnaden zu berichten, Daß Herzog York von Irland juͤngſt gekommen, nd mit gewalt'ger ſtarker Heeresmacht Von Galloglaſſen und von derben Kerns ieher iſt auf dem Marſch mit ſtolzem Zug; Und ſtets erklaͤrt er, wie er weiter ruͤckt, 252 Fonigh eiich. Er kriege bloß, um weg von dir zu ſchaffen Den Herzog Somerſet, den er Verraͤther nennt. . Heinr. So ſteh' ich, zwiſchen Cade und York bedraͤngt, Ganz wie ein Schiff, das einem Sturm entronnen, Kaum Luhig, von Piraten wird geentert Nur erſt verjagt iſt Cade, ſein Volk zerſtreut, Und ſchon iſt ork bewehrtſ ihm beyzuſteht⸗— Ich bitt' dich, Buckingham, geh ihm entgegen⸗ Frag' um die Urſach ſeiner Waffenz ſag' ihm Ich ſende Herzog Edmund in den Thurm,— Und, Somerſet, dort will ich dich verwahren, 65 Bis ſeine Schaar von ihm entlaſſen iſt. Som. Mein Fuͤrſt; i Sch fuͤge willig dem Gefäͤngniß mich, nicn5 Dem Tode ſelbſt, zu meines Landes Wohl. tiit ſät . HZeinr. Auf jeden Fall ſeyd nicht zu rauh in Worten⸗ Denn er iſt ſtoiz, ihn reizen harte Neden. Buck. Das will ich⸗ Herr, und hoff' es zu vermitteln, Daß alles ſich zu eurem Beſten lenkt. i R. Heinr. Komm, Frau, laß beſſer uns regieren lernen⸗ Denn noch hat Engiand meinem Reich j ſiſ 35 eehn Ke n1. 8 den 6 ar ten⸗ (Cade tritt auf.) gcßit eer. Pfn über den Ehrgeiz pfui über mich ſelbſ der ich ein Schwert habe, und doch auf dem Punkte bin Hungers zu ſterben! Seit fuͤnf Tagen habe ich mich in dieſen Wäͤldern verſteckt, und wagte nicht mich blicken zu laſſen, weil mir das ganze Land auflauertz aber jetzt bin ich ſo hungrig, daß ich nicht laͤnger warten könnte, und wenn ich mein Leben auf tauſend Jahre dafür in Pacht bekäme. Ich bin alſo üͤber die Mauer in dieſen Garten geklettert, um zu ſehen, ob ich Salat eſſen, oder mir wieder Grashalme pftucken kann, was einem bey det Hitze den Magen recht gut kuhlt. Halme! Helme! das Wort wurde, glaub' ich, geſchaffen, mir von Nutzen zu ſeyn; denn oft hat es nur ſo ein Helm gehindert, daß eine Hellbarte mir nicht den Hirnkaſten zerſchlug: oft —— — wieder, wenn ich trocken war, und tüͤchtig marſchirt hatte, hat er mir zur Trink⸗Kanne gedient; und jetzt muß Helm oder Halm mir zur Speiſe aut genug ſeyn. Sden kommt mit Bedienten.) Sden. Wer moͤchte wohl im Hofesdienſt ſich muͤhn, Der ſolche ſtille Gänge kann genießen? Dieß kleine Erb', das mir mein Vater ließ, Gnuͤgt mir, und gilt mir eine Monauchie. Ich mag durch andrer Fall nicht Größe ſuchen, Noch ſamml' ich Gut, gleichviel mit welchem Neid; Ich habe, was zum Unterhalt mirngnt n Der Arme kehrt von meiner Thuͤr vergnugt. c Cade. Da kommt der Eigenthuͤmer, und wird mich wie einen Landſtreicher greifen, weil ich ohne ſeine Erlaubniß auf ſein Grundſtuͤck gekommen bin.— Ha, Schurke, du willſt mich verrathen, um tauſend Kronen vom Koͤnige zu erhalten, wenn du ihm meinen Kopf bringſt; aber ich will dich zwingen Eiſen zu freſſen wie ein Strauß, und meinen Degen hinunter zu würgen, wie eine große Na⸗ del, ehe wir ähseinander kommen. Sſn Iden. Ey, ungeſchliffner Menſch, wer dn auch ſeyſt! Ich kenn dich nicht: wie ſollt ich dich verrathen? Iſt's nicht genug, in meinen Garten brechen, Und wie ein Dieb mich zu beſtehlen kommen, 8 Gewaltſam meine Mauern uͤberkletternd? ib enn Mußt nun mir trotzen noch mit frechen Worten?, Cade. Dir trotzen? Ja, bey dem beſten Blut; dassje⸗ mals angezapft worden iſt, und das recht ins Angeſicht. Sieh mich genau anz ich habe in fuͤnf Tagen keinc2 ih⸗ rung genoſſen, und doch, komm du nur mit deinen funf Geſellen, und wenn ich euch nicht alle mauſetodt ſchlag ſo bitte ich zu Gott, daß ich nie wieder Gras eſſen nag. Iden. Nein, ſo lang' England lebt, ſoll man nicht ſügen, Daß Alexander Iden, ein Eſquire von Kent, Sf Mit einem Hungerleider ungleich kämpfte. Vih Dein ſtarrend Auge ſetze gegen meins, chi Sioh ob du mich mit Blicken uͤbermeiſteuſt; Setz Glied an Glied, du biſt bey weitem ſchwaͤcher. Bey meiner Fauſt iſt deine Haud ein Fingem 4 nö n ein Bein ein Stock mit dieſem Stamm verglichen: Mein Fuß mißt ſich mit deiner ganzen Stärke, nd wenn mein Arm ſich in die Luft erhebt, So iſt dein Grab gehöhlt ſchon in der Erde“ 5n du nün 254½ Statt Worte, deren Groͤße Wort erwiedert, Perkuͤnde dieſes Schwert, was ich verſchweige. 2 Cade. Bey meiner Tapferkeit, der vollkommenſte Klopf⸗ fechter, von dem ich jemals gehoͤrt habe.— Stahl, wenn deine Spitze biegſt, oder dieſen pfuͤndigen Tölpel nicht in lauter Schnittchen Fleiſch zerhackſt, che du wie⸗ der in der Scheide ruhſt, ſo bitte ich Gott auf meinen Knieen, daß du in Hufnaͤgel magſt verwandelt werden. * 4(Sie fechten; Cade faͤllt.) O ich bin hin! Hunger und nichts anders hat mich um⸗ gebracht. Laßt zehntauſend Teufel uͤber mich herfallen, gebt mir nur die zehn verlornen Mahlzeiten wieder, und ich bote allen die Spitze.— Verdorte, Garten! und ſey in Zukunft ein Begräbnißplatz fuͤr Ade, die in dieſem Hauſe wohhen, weil in dir die unuͤberwindliche Seele Eade's entflohn iſt. Iden. Schlug ich den graͤulichen Verraͤther Cade? Dü ſollſt geweiht ſeyn, Schwert, für dieſe That, Und nach dem Tod mir über's Grab gehaͤngt. Nie ſey dieß Blut gewiſcht von deiner Spitze, Wie einen Heroldsmantel ſollſt du's tragen, Um zu verkuͤnden deines Herren Ruhm- Koͤnig Heinrich VI. A.W. Sz. 10. Cade. Iden leb wohl, und ſey ſtolz auf deinen Sieg. Sage den Kentern von meinetwegen, daß ſie ihren beſten Mann verloren haben, und ermahne alle Welt feige Mem⸗ men zu ſeyn: d tet, muß dem Hunger erliegen, nicht der Tapferkeit. (ſtirbt.) Iden. Wie du zu nah mir thuſt, ſey Gott mein Zeuge. Stirb, deren Fluch⸗ die dich gebahr, Verruchter! Und wie mein Schwert dir deinen Leib durchſtieß, So ſtieß' ich gern zut Hoͤlle deine Seele. ch ſchleife häuptlings fort dich an den Ferſen Auf einen Miſthauf, wo dein Grab ſoll ſeyn; Da hau ich ab dein frevelhaftes Haupt, Das ich zum Koͤnig im Triumph will tragen, Speiſe laſſend deinen Rumpf⸗ Den Kraͤh'n zur 3 QAb mit der Leiche, die er hinausſchleift.) — eun ich, der ich mich nie vor keinem gefürch⸗ — Zweyter Theil. 255 5 i te A n ſuz 3 Erſte Szene. Ebene zwiſchen Dartford und Blackheath. (Des Koͤnigs Lager an der einen Seite von der andern kommt York mit ſeinem Heer von Irlaͤndern, mit Frommeln und Fahnen.) 3 Nork. So kommt von Irland York, ſein Recht zu fordern, Von Heinrichs ſchwachem Haupt die Kron' zu reißen. Schallt, Glocken laut! brennt Freudenfeuer hell! Um Englands ächten Koͤnig zu empfangen, Ah sancta majestas! wer kaufte dich nicht theuer? Gehorchen mag, wer nicht zu herrſchen weiß; Die Hand hier iſt gemacht, nur Gold zu führen. Ich kann nicht meinen Worten Nachdruck geben, Wenn ſie ein Schwert nicht oder Zepter wägt; enn eine Seel' mir ward, wird ihr ein Zepter, Worauf ich Frankreichs Lilien ſchleudern will. (Buckingham trikt auf.) Wer kommt uns da? Buckingham mich zu ſtören? Der Koͤnig ſandt⸗ ihn ſicher; ich muß heucheln. Buck. YPork⸗ wenn du's wohl meinſt, ſey mir wohl gegruͤßt. Pork. Humphrey von Buckingham, den Grußempfang' ich. Biſt du ein Bote, oder kommſt aus Wahl? Buck. Ein Bote Heinrichs, unſers hohen Herrn, Zu fragen, was der Feldzug ſoll im Frieden? eswegen du, ein Unterthan wie ich, em Eid und der Vaſallentreu zuwider, olch großes Heer verſammelſt ohn' Erlaubniß, Und es ſo nah dem Hof zu fuͤhren wagſt? Vork.(beyſeit.) Kaumkannich ſprechen vor zu großem Zorn: 2 Felſen köͤnnt? ich ſpalten, Kieſel ſchlagen, o grimmig machen mich die ſchnoͤden Worte; nd jetzt, wie Ajas Telamonius koͤnnt⸗ ich ie Wuth an Schaafen und an Ochſen kuͤhlen! Ich bin weit hochgeborner als der Koͤnig. 256 Koͤnig Heinrich VI. A. V. Mehr einem Koͤnig gleich, und königlicher, Doch muß ich eine Weil' ſchon Wetter machen, Bis Heinrich ſchwächer iſt, und ſtärker ich.— O Buckingham⸗ ich bitte dich, vérzeih, Daß ich die ganze Zeit nicht Antwort gab: Von tiefer Swermuth war mein Geiſt verſiort. Der Grund, warum ich hergebracht dieß Heer, Ilü, Somerſet, den Stolzen, zu entfernen Vom Koͤnig, dem er⸗ wie dem Staat, ſich auflehnt. Buck, Das iſt zu große Anmaßung von dir; Doch, hat dein Kriegszug keinen andern Zweck, So gab der Koͤnig deiner Fordrung nach: Der Herzog Somerſet iſt ſchon im Thurm. Nork. Auf deine Ehre ſag iſt er gefangen? Buck. Ich ſag' auf Ehre dir: er iſt gefangen. Pork. Dann, Buckingham, entlaſſ ich meine Macht.— Habt Dank, Soldaten, und zerſtreut euch nur; Trefft morgen mich auf Sankt Georgen⸗Feld, Ich geb' euch Sold und alles was ihr wuͤnſcht.— Und meinen Herrn, den tugendſamen Heinrich, Laßt meinen Atſten Sohn, ja alle Soͤhne, Als Pfänder meiner Lieb' und Treu begehren: So willig, als ich lebe, ſend' ich ſe Land, Güter⸗ Pferde, Waffen, was ich habe, Iſt ihm zu Dienſt, wenn Somerſet nur ſtirbt⸗ Buck. Die ſanfte Unterwerfung lob' ich, York, Und gehn wir zwen in Seiner Hoheit Zelt. 8 (Konig Hein rich kritt auf mit Fefelge R. Heinr. Buckingham, ſinnt York kein Arges wider mn ch, Daß du mit ihm einhergehſt Arm in n Pork. In aller Unterwuͤrfigkeit und Demuth Stellt York vor Curer Heheit ſelbſt ſich dar. R. Zeinr. Wozu denn dieſe Heersmacht, die du fuͤhrſt! Pork. Um den Verräther Somerſet zu bannen, 6 Uund mit den Erzrebellen Cade zu fechten, Von deſſen Niederlag ich nun gehort. (Iden tritt auf mit Cade's Kopf.) Iden. Wenn ein ſo ſchlichter Mann, ſo niedern Standes, Der Gegenwart des Koͤnigs nahn ſich darf, 2 Bring ich Eu'r Gnaden ein Verrather⸗Haupt, Des Cade Haupt, den ich im Zweykampf ſchlug. R einr. Des Cade Haupt! Gott, wie gerecht biſt dul Sz. 1. Zweyter Theil. 257 O laßt mich deſſen Antlitz todt beſchaun, 6 Der lebend mir ſo große Noͤthen ſchaffte. Sag mir, mein Freund, warſt du's, der ihn erſchlug? Iden. Ich war's, zu Euer Majeſtät Befehl., R. Zeinr. Wie nennt man dich, und welches iſt dein Rang? Iden. Alexander Iden iſt mein Name: Ein armer Squire von Kent, dem Koͤnig treu. Buck. Wenn's euch beliebt, mein Fuͤrſt, es waͤr' nicht Unrecht, Fuͤr ſeinen Dienſt zum Ritter ihn zu ſchlagen. R. Zeinr. Iden, knie nieder!(Er kniet.) Steh als Ritter auf! Wir geben tauſend Mark dir zur Belohnung, Und wollen, daß du kuͤnftig uns begleiteſt. Iden. Moͤg' Iden ſolche Gunſt dereinſt verdienen, Und leb' er nie als ſeinem Fuͤrſten treu! z. Seint. Sieh, Buckingham! und mein 5 Gemahl; Geh, heiße ſie vor York ſich ſchleunig bergen⸗ Goͤnigin Margaretha und Somerſet.) Rön. Vor tauſend Yorks ſoll er ſein Haupt nicht bergen, Nein, kuͤhnlich ſtehn, und ins Geſicht ihm ſchau'n. Nork. Was ſoll dieß ſeyn! Iſt Somerſet in Freyheit? Dann, York, entfeßle die Gedanken endlich, Und laß die Zung' es gleich thun deinem Herzen. Soll ich den Anblick Somerſets ertragen?“ Was brachſt du, falſcher Koͤnig, mir dein Wort, Da du doch weißt, wie ſchwer ich Kränkung dulde? Ich nannte Koͤnig dich? Du biſt kein Koͤnig, icht faͤhig eine Menge zu beherrſchen, Der nicht Verraͤther zäͤhmen kann noch darf. Dieß Haupt da ſteht zu einer Krone nicht; Den Pilgerſtab mag faſſen deine Hand, Sie darf kein wuͤrdig Fürſtenzepter ſchmucken. Dieß Gold muß dieſe meine Brau'n umguͤrten, Deß Draͤun und Lächeln, wie Achilles Speer, Durch ſeinen Wechſel tödten kann und heilen. Die Hand hier kann empor den Zepter tragen, Und bindendes Geſetz damit vollſtrecken. 5 Gieb Raum! Bey Gott, du ſollſt nicht mehr beherrſchen Den, ſo der Himmel dir zum Herrſcher ſchuf. Som. O Erzverraͤther:— Ich verhafte dich, M. 1 255 Bdonig Heinrich VI. 1V. Um Hochverrathes wider Kron' und Koönig. Gehorch, verwegner Frevler! knie um Gnade! Pork. Knie'n ſoll ich? Laß mich Dieſe fragen erſt, Ob ſie es dulden⸗ daß ich wem mich beuge.— Ihr da, ruft meine Soͤhne her als Bürgen (Einer vom Gefolge ab.) Ich weiß, eh ſie zur Haſt mich laſſen gehn, Verpfänden ſie ihr Schwert fuͤr meine Loͤſung Rön. Ruft Clifford her, heißt alſobald ihn kommen, 253(Buckingham ab.) Zu ſagen, ob die Baſtard⸗Buben Yorks Des falſchen Vaters Buͤrgſchaft ſollen ſeyn. Pork. O blutbefleckte Neapolitanevin! Auswurf von Napel! Englands blut'ge Geißel! Yorks Soͤhne, hoͤher von Geburt als du, Sind die Gewaͤhr des Vaters; wehe denen, Die meiner Buben Buͤraſchaft weigern wollen! (Von einer Seite kommen Eduard und Richard Plan⸗ tagenet mit Truppen; von der andern, gleichfalls mit Truppen, der alte Ciifford und ſein Sohn.) Da ſind ſie: ſeht! Ich ſteh euch ein, ſie thun's. Rön. Und hier kommt Clifford, die Gewaͤhr zu weigern. Cliff.(tniet.) Heil ſey und Gluͤck dem König meinem Herrn! Pork. Ich dank dir, Clifford 1ſag', was bringſt du Neues! Nein, ſchreck' uns nicht mit einem zorn'gen Blick, Wir ſind dein Lehnsherr, Clifford, kniee wieder; Dir ſey verziehn, daß du dich ſo geirrt⸗ Cliff. Dieß iſt mein Koͤnig, York, ich irre nicht; Du irrſt dich ſehr in mir, daß du es denkſt.— Rach Bedlam mit ihm! Ward der Menſch verruͤckt? R. einr. Ja, Clifford, eine toll ehrſuͤcht'ge Laune Macht, daß er wider ſeinen Herrn ſich ſetzt⸗ 612 clij Ein Hochverräther! Schafft ihn in den Thurſ, Und haut herunter den rebell ſchen Kopf. Ron. Er iſt verhaftet, doch will nicht gehorchen; Die Söhne, ſpricht er, ſagen gut für ihn. vork. Wollt ihr nicht, Soͤhne? n Ed. Wenn unſer Wort was gilt: gern⸗ edler Vater. Rich. Und gilt es nicht, ſo ſollen's unſre Waffen. Cliff. Ey, welche Brut Verraͤther giebt es hier! Nork. Sieh in den Spiegel, nenne ſo dein Bild: —— Die laurenden erboſten Hunde ſchrecken; Ich bin dein Khnlg, du biſt ein Verräther. Ruft her zum Pfahl mein wackres Barenßaa Daß ſe durch bloßes Schütteln ihrer Kette Heißt Salisbury und Watwick zu mir iomni. 3 (Trommeln. S alisbury und Warwi ck kommen mit Cliff. Sind das deine Bäreu? Güt, wir h Zu Tode ſie; der Bärenwärter ſoll S83 In ihren Ketten dann gefeſſelt werden, Wenn du ſie in die Schranken bringen Fhyfſt. 3 Rich. Oft ſah ich einen hitz'gen kecken Hund, Weil man ihn hielt, zurück ſich drehn und beißen, Der, licß man nun ihn an des Baͤren Tatze, 3 Den Schwanz nahm zwiſchen ſeine B in' und ſchrie: Dergleichen Dienſte werder ihr verrichten, Wenn ihr euch mit Lord Warwick meſſen wollt. Cliff. Fort, Laſt des Zornes! unbeholfner Klump, Der krumm von Sitten iſt, wie von Geſtalt! Vork. Schon gut, wir heitzen gleich euch tüchtig ein. Cliff. Daß eure Hitz' euch nur nicht ſelbſt verbrennt. 3. Zeinr. Wie, Warwick? Hat dein Knie verlernt, ſich beuhen? Schaam deinen Silberhaaren, Salisburh, 4 Der toll den hirnverbrannten Sohn mißleitet! Willſt du den Wildſang auf dem Todbett ſpielen, Und Herzeleid mit deiner Brille ſuchen?— D wo iſt Treu'? wo iſt Ergebenheit? Wenn ſie veybannt iſt von dem froſt⸗gen Haupt, Wo findet ſie Herberge noch auf Erden?— uk Gräbſt du ein Grab auf, um nach Krieg zu ſpaͤhn, Und willſt mit Blut dein ehrlich Alter ſchuͤnden? Was biſt du alt, wenn dir Erfahrung mangelt? Wenn du ſie haſt, warum mißbrauchſt du ſie? L ſchaͤm' dich! Beuge pfüchtgemäß dein Knie, Daß ſich zum Grabe krümmt vor hohen Jahren Sal. Mein Fürſt, erwogen hab⸗ ich bey mir ſelbſt Den Anſpruch dieſes hochberühmten Und im Gewiſſen acht' ich Seine Gnaden 3 Fuͤr aͤchten Erben dieſes Koͤnigthrons. R. Zeinr. Haſt du nicht mir Ergebenheit geſchworen? 6 Sal. Das hab' ich. 17* „ 7 260 Kdnig Heinrich VI. A. V R. weinr Kannſt du vor Gott dich ſolchem Schwur entziehn? Sal. Der Suͤnde ſchwören, iſt ſchon große Suͤnde; Doch groͤßre noch, den fuͤnd'gen Eid zu halten. Wen baͤnde wohl ein feyerlicher Schwur Zu einer Mordthat, jemand zu berauben, Der reinen Jungfrau Keuſchheit zu bewaͤlt'gen, An ſich zu rißen eines Waiſen Erb', Gewohntes Recht der Wittwe abzupraſſen: Und zu dem Unrecht haͤtt' er keinen Grund, Als daß ein feyerlicher Schwur ihn binde? Ron. Verraͤther⸗Liſt bedarf Sophiſten nicht. . einr. Ruft Buckingham, und heißt ihn ſich bewaffnen⸗ Pork. Ruſ⸗ Buckingham und alle deine Freunde: Ich bin auf Hoheit oder Tod entſchloſſen. 393 Cliff. Das erſte buͤrg' ich dir, wenn Traͤume gelten. warw. Ihr moͤgt zu Bett nur gehn und wieder traͤumen, um euch zu ſchirmen vor dem Sturm der Schlacht. cliff. Ich bin auf einen großern Sturm gefaßt, Als den du heut herauf beſchwoͤren kannſt; Und ſchreiben will ich das auf deinen Helm, Kenn' ich dich nur am Zeichen deines Hauſes. warw. Bey meines alten Vaters Revil Zeichen! Den ſtehnden Baͤr, am knot'gen Pfahl gekettet, Ich trag' ihn heut auf meinem Helme hoch, Der Ceder Kleich auf eines Berges Gipfel, Die jedem Sturm zum Trotz ihr Laub bewahrt, Um dich zu ſchrecken durch den Anblick ſchon⸗ cliff. Und dir vom Helme reiß' ich deinen Baͤr, Und tret' ihn in den Staub mit allem Hohn, Zum Trotz dem Bäͤrenwärter, der ihn ſchutzt.. Cliff. Sohn. Und zu den Waffen ſo, ſieghafter Vater! Zu der Rebellen Sturz, und ihrer Rotte. Rich. Pfnil glimpflich! wollt euch nicht ſo hart erweiſen! Ihr muͤßt zu Nacht mit dem Herrn Chriſtus ſpeiſen. cliff. Sohn. Das iſt mehr, ſchnoͤdes Brandmal, als du weißt! Rich. Wo nicht im Himmel, in der Hoͤlle ſpeiſt! ſ202(Alle ab.) — —— —— Du ſtolzer nord'ſcher Lord von Cumberland, Was giebt's, mein edler Lord? Wie, ſo zu Fuß? Und machte ſein geliebtes wackres Thier Zur Beute fuͤr des Aaſes Kräh'n und Geyer. Sz. 2. Zweyter Theil. Sankt Albane. 3 3 5 (Getuͤmmel. Angriffe. Warwick tritt auf.) warw. Clfford von Cumberland, der Warwick ruft! Und wenn du dich nicht vor dem Bären birgſt, Jetzt, da die zornige Trompete ſchméttert, Und ſterbender Geſchrey die Luft erfüllt, So ſag' ich: Clifford, komm und ſicht mit mir! Warwick hat heiſer ſich an dir gerufen! 61*6 Work tritt auf.) Nork. Cliffords Vertilger⸗Hand erſchlug mein Roß, Doch that ich Gleiches ihm um Gleiches an, (Clifford tritt auf.) Warw. Die Stund' iſt da fuͤr einen von uns beyden. Nork. Halt, Warwick! ſuch' dir einen andern Fang: Ich ſelbſt muß dieſes Wild zu Tode jagen. Warw. Dann, wackrer York! Du ſicht'ſt um eine Krone.— So wahr ich, Clifford, heut Gedeihen hoffe, Dich unbekämpft zu laſſen, kraͤnkt mein Herz 09(ab5— Cliff. Was ſiehſt du, York, an mir? Was zauderſt du? Pork. In dein mannhaftes Thun wuͤrd' ich verliebt, Wärſt du nicht mein ſo ausgemuchter Feind, Cliff. Auch deinem Muthe wuͤrde Preis zu Theil, Wenn du nicht ſchimpflich im Verrath ihn zeigteſt. Nork. So helf er jetzt mir wider dieß dein Schwert, Wie ich bey Recht und Wahrheit ihn beweiſe! Cliff. Ich ſetze Seel' und Leib an dieſes Werk. Pork. Furchtbare Wage! Mach dich gleich bereit. 6 Sie fechten und Clifford faͤllt.) Cliff. La in couronne les oeupres.(ſtirbt.) Pork. Krieg gab dir Frieden nun, denn du biſt ſtill, Mit deiner Seele Frieden, ſo Gott will!(ab) (Der junge Clifford tritt auf.) Cliff. Sohn. Scham und Verwirrung! Alles fluͤchtet ſich; „ Wirf in die froſtigen Büſen unſers Volks Bhr nicht dem Weſen nach, zufällig nur, Und in der Ehr' und Ruhe Tagen n wilder Sch 362 Koͤnig Heinrich VI. Die Furcht ſchaf Unordnung, und ſtatt zu ſchirmen, 1 2 Perwundet ſie. D Krieg, du Sohn der Hoͤlle, Gebraucht zum Werkzeug von des Himmels Zoru! Derlguche heiße Kohlen!— Keinet ſliechet Wer wahrhäft ſich dem Krieg gewidmet? hat Selbſiliebe nicht, und wer ſich ſelbſt noch liebt, es Tapfern Namen⸗ e t erblickt ſeiten todten Vater.) O ende, ſchnoͤde Welt! — Des juͤngſten Tags vorausgeſandte Flammen, Zuſammen knuͤpfet Erd' und Himmel! Es blaſe die Gerichtstrompete nun, Daß Unbedeutenheit und kleine Laute Verſtummen! War's verhängt dir, lieber Vater, In Frieden deine Jugend hinzubringen Pesbreifen Alters Silbertracht zu füͤhren, lacht zu ſterben!— Bey dem Anblick Verſteinert ſich mein Herz und ſteinern ſey's, So lang' es mein iſt!— WYork ſchont nicht unſre Greiſe! FIch ihre Kinder nicht der Junäfrau'n Thränen, ie ſollen mir wie Thau deim Feuer ſeyn, Und Schoͤnheit, die Thrannen oft erweicht, Soll Oel mir gießen in des Gtimmes Flammen. Ich will hinfort nichts von Erbarmen wiſſen; Treff ich ein Knäblein an vom Hauſe Yerk, Fch wills zerhauen in ſo viele Biſſen, Ats am Ablyrtus Ich ſuche meinen Ruhm in Grauſamkeit. wild Medea that: Fomm, neue Trütmer von des alten Eüffords Haus! (Nimmt die Leiche auf.) So trug Aeneas einſt den Greis Anchiſes, So trag' ich dich auf meinen Mannes⸗ Schultern⸗ Doch trug Aeneas da lebend'ge Laſt: 12 Richts iſt ſo ſchwer, als dieß mein Herzeleid⸗(ab) (Richard Plantagenet und Somerſet kommen fech⸗ tend, Somerſet wird umgebracht.) Rich. So, lieg du da!— Denn unter einer Schenke duͤrft'gem Schild, Der Burg Sankt Albans, machte Somerſet Die Zauberin durch ſeinen Tod beruͤhmt. — —— — Fort, gnäd'ger Herr! Fort! fort! Sz.3. Zweyter Theil. 022263 Schwert, bleib geſtählt! Dein Grimm iſt, Herz, vonnöthen! Fuͤr Feinde beten Prieſter, Prinzen tödten.(ab.) (Getuͤmmel. Angriffe. Koͤnig Heinrich, Königin Marga⸗ rethg und Andre kommen, auf dem Ruͤckzuge begriffen.) Vön. So langſam, mein Gemahl! Fort! ſchämt euch! eilt! R. Heinr. Entläuft man wohl dem Himmel? Beſte, weilt! Vön. Wie ſeyd ihr doch! Ihr wollt nicht fliehn noch fechten. Jetzt iſt es Mannheit, he beee Dem Feinde weichen, und uns ſicher ſtellen Durch was wir koͤnnen, und das iſt nur Flucht. GGetuͤmmel in der Ferne.) Wenn man euch finge, ſähn wir auf den Boden All unſers Glucks; allein entrinnen wir, Wie, wenn nicht ihr verſäumt, wir leichtlich koönnen, So iſt uns London nah, wo man euch liebt; 35n Wo dieſer Riß, in unſer Gluck gemacht, Gar bald zu heilen iſt. Der junge Clifford tritt auf.) Cliff. Sohn. Waͤr' nicht mein Herz geſtellt auf kuͤnf⸗ tig Unheil Goit wolli ich läͤſtern, eh' ich flehn euch hieße. Doch muͤßt ihr fliehn: unheilbare Verwirrung Regiert im Herzen unſers ganzen Heers. Fort, euch zu retten! Und ihr Lvos erleben Einſt wollen wir, und ihnen unſers geben. (Alle ab.) (Getuͤmmel und ückzug. Trempetenſtoß; hierauf kommen York, Richard Plantagenet, Warwick und Sol⸗ daten mit Trymmeln und Fahnen.) Pork. Vom Salisbury, wer meldet mir von ihm, Dem Winter⸗Loͤwen, der vor Wuth vergißt Verjaͤhrte Laͤhmung und den Roſt der Zeit; Und, wie ein Braver in der Jugend Glanz, Vom Anlaß Kraft leiht? Dieſer frohe Tag Gleicht nicht ſich ſelbſt, kein Fußtritt ward gewonnen, Iſt Salisbury dahin. 4i08 Rich. Mein edler Vater, Ich half ihm heute dreymal auf ſein Pferd, 26 Konig Heinrich Vl. A. V. Sz 3. Beſchritt ihn dreymal, fuͤhrt' ihn dreymal weg, Beredet' ihn, nichts weiter mitzuthun. Doch ſtets, wo nur Gefahr, da traf ich ihn, Und, wie in Huͤtten köſtliche Tapeten, So war ſein Will' im alten ſchwachen Leibe. Doch ſeht ihn kommen, edel wie er iſt. Sal. Behy meinem Schwert! du fochteſt heute gut; Beym Kreuzi wir insgeſammt.— Ich dank' euch, Richard! Gott weiß, wie lang' ich noch zu leben habe, Und ihm geſiel es, daß ihr dreymal heut Mich ſchirmen ſolltet vor dem nahen Tod. Wohl, Lords! noch iſt, was wir verlangt, nicht unſer: Daß unſre Feinde flohn iſt nicht genug, F Da's ihre Art iſt, leicht ſich herzuſtellen. Pork. Ich weiß, nur ihnen folgen, ſichert uns. Der Koͤnig floh nach London, wie ich hoͤre, Und will alsbald ein Parlament berufen; Verfolgen wir ihn, eh die Schreiben ausgehn. Was ſagt ihr, Warwick, ſoll'n wir ihnen nach? warw. Was! ihnen nach! Nein, ihnen vor, wo moͤglich. Bey meiner Treu, Lords, glorreich war der Tag! Sankt Albans Schlacht, vom großen York gewonnen, Wird hochgepreiſt durch alle Folgezeit.— Auf, Kriegsmuſik!— Nach London Alle hin, Und oft begluͤck uns ſolchen Tags Gewinn! 6 (Alle ab.) * * GH — — E inri Dritter Lheil. Perſonen. König Heinri ch der Sechste⸗ Eduard, Prinz von Wales, ſein Sohn. Ludwig der Eilfte, Koͤnig von Frankreich. Herzog von Some. Herzog von Exeter⸗ S Fvon Koͤnig Heinrichs Partey. Graf von Orfor 5 1 Graf von Worthumberland, Graf von Weſtm oreland, Lord Clifford, Richard Planta genet, Herzog von Yoͤrk. Eduard, Graf von March, nachmals Koͤnig Eduard der Vierte, 4. Edmund, Graf von Rutland, Fſeine Soͤhne. Georg, nachmals Herzog von Clarence, Richard, nachmals Herzog von Gloceſter, Herzog von Norfolk, Wäſii Mo Warwick, d p vinbt be, fn des Herzogs von York Partey.. Lord Haſtings, ir John Mortimer, 6* Sir Dugh Mortim 63 Oheime des Herzogs von York Henry, der junge Graf von Richmond⸗ 6 Lord Rivers, Bruder der Lady Grey. Sir William Stanlen⸗ Sir John Montgomery Sir John Somerville. Der dehrméiſter Rutlands. Der Schultheiß von Bord. 1 Ftör Der Commendant des Thurmes. Ein Edelmann. bi Zwey Foͤrſter, ein Jaͤger. Ein Sohn, der ſeinen Vater umgebracht hat. Ein Vater„der ſeinen Sohn umgebracht hat. Koͤnigin Margaretha. Lady Gren, nachmals Gemahlin Eduard des PVierken. Bona, Sthweſter des Koͤnigs von Frankreich⸗ Soldaten und anderes Gefolge Koͤnig Heinrichs und Koͤnig 5 Eduards, Boten, Wächter n. 3 Die Szene iſt im dritten Aufzuge zum Theil in Frankreich, waͤhrend des ganzen uͤbrigen Stuͤcks in England. * Den bey der Schaaren Handgemeng' ich traf. Richard verdient den Preis von meinen Soͤhnen.— * „ London. Das Parlaments⸗Haus. (rommeln. Einige Soldaten von G orks Partey brechen ein. Hierauf kommen der Lord von York, Eduard, Richard, Norfolk, Montague, Warwick und Andre mit weißen Roſen auf den Huten.) warw. Mich wunderts, wie der König uns entkam. Vork. Da wir die nord'ſche Reiterey verfolgten, Stahl er davon ſich, und verließ ſein Volk; borauf der große Lord Northumberland, W Des krieg'riſch Ohr nie Ruͤckzug dulden konnte, Das matte Heer anfriſchte: und er ſelbſt, Lord Clifford und Lord Stafford, auf einmal, Beſtuͤrmten unſre Reihn, und, in ſie brechend, Erlagen ſie dem Schwert gemeiner Krieger. ed. Lord Staffords Vater, Herzog Buckingham, Iſt tod entweder oder ſchwer verwundet: Ich ſpaltet' ihm den Helm mit derbem Hieb; um Zeugniß deſſen, Vater, ſeht dieß Blut. Geigt ſein blutiges Schwert.) mMont.(Zu York, das ſeinige zeigend.) Und, Bruder, hier iſt Graf von Wiltſhire's Blut, Rich.(Wirft Somerſets Kopf hin.) Sprich du fuͤr mich, und ſage was ich that. Wie, iſt Eur Gnaden todt, Mylord von Somerſet? worf. So geh's dem ganzen Haus Johanns von Gaunt! Rich. So hoff' ich Koͤnig Heinrichs Kopf zu ſchuͤtteln. 268 Konig Heinrich VI. A.I. warw. Und ich mit euch.— Siegreicher Prinz von York, Bis ich dich ſeh erhoben auf den Thron, Den jetzt das Haus von Lancaſter ſich anmaßt, Schwoͤr' ich zu Gott, will ich dieß Aug! nicht ſchließen. Dieß iſt des furchtvollen Koͤniges Palaſt, Und dieß der Fuͤrſtenſitz: nimm, Pork, ihn ein, Dir kommt er zu, nicht Koͤnig Heinrichs Erben. Pork. So ſteh mir bey, mein Warwick, und ich will's, Denn mit Gewalt ſind wir hieher gedrungen⸗ Worf. Wir alle ſtehn euch bey; wer flieht, ſoll ſterben. Pork. Dank, lieber Norfolk!— Bleibt bey mir, Mylords; Soldaten, bleibt und wohnt bey mir die Nacht⸗ warw. Und wenn der König kommt, verfahrt nicht — feindlich, Bis er euch mit Gewalt zuruͤck will draͤngen. (Die Soldaten ziehn ſich zuruͤck.) Pork. Die Koͤnigin halt heut hier Parlament, Doch traäumt ihr ſchwerlich, daß in ihrem Rath Wir ſitzen werden: laßt uns unſer Recht Mit Worten oder Streichen hier erobern. Rich. Laßt uns, gewaffnet ſo, dieß Haus behaupten⸗ Warw. Das blut'ge Parlament ſoll man dieß nennen, Wofern Plantagenet, Herzog York, nicht Koͤnig, Heinrich entſetzt wird, deſſen bloͤde Feigheit Zum Sprichwort unſern Feinden uns gemacht. Pork. Dann⸗ Lords, verlaßt mich nicht, und ſeyd entſchloſſen: Von meinem Recht denk ich Beſitz zu nehmen. warw. Der Koͤnig weder, noch ſein beſter Freund, Der Stolzeſte, der Lancaſter beſchutzt, Ruͤhrt ſich, wenn Warwick ſeine Gloͤcklein ſchuͤttelt.— Plantagenet pflanz“ ich; reut' ihn aus, wer darf! Entſchließ dich, Richard, fodre Englands Krone. (Warwick fuͤhrt York zum Throne, der ſich darauf ſetzt.) (Trompetenſtoß. Koͤnig Heinrich, Clifſord, Nor⸗ thumberland, Weſtmoreland, Ereter und Andre treten auf, mit rothen Roſen auf den Huͤten.) R. Zeinr. Mylords, ſeht da den trotzenden Rebellen Recht auf des Reiches Stuhl! Er will, ſo ſcheint's, Verſtärkt durch Warwicks Macht, des falſchen Pairs, Die Kron' erſchwingen und als Koͤnig herrſchen,— Graf von Northumberland, er ſchlug den Vater dir; „ „ Enoͤrter Herzog York, herab vom Thron! Sz. 1. Dritter Theil. 269 Und dir, Lord Clifford: und beyde ſchwurt ihr Rache Ihm, ſeinen Soͤhnen, Guͤnſtlingen und Freunden. North. Nehm' ich nicht Rache, nimm an mir ſie, Himmel. Cliff. Die Hoffnung laͤßt in Stahl den Clifford trauren. Weſtm. Soll'n wir das leiden? Reißt hexunter ihn! Mir brennt das Herz von Zorn, ich kaun's nicht dulden. R. Heinr. Geduldig, lieber Graf von Weſtmoreland! Cliff. Geduld iſt gut für Memmen, ſo wie er: Lebt euer Vater, duͤrft' er da nicht ſitzen. Mein gnaͤd'ger Fuͤrſt, laßt hier im Parlament Und auf das Haus von York den Angriff thun. Worth. Ja, wohl geſprochen, Vetter! Sey es ſo. R. Zeinr. Ach, wißt ihr nicht, daß ſie die Stadt heguͤnſtigt, Und Schaaren ihres Winks gewaͤrtig ſtehn? Eret. Sie fliehn wohl ſchleunig, wenn der Herzog faͤllt. R. Heinr. Fern ſey von Heinrichs Herzen der Gedanke, Ein Schlachthaus aus dem Parlament zu machen! Vetter von Exeter, Draͤun, Blicke, Worte, Das ſey der Krieg, den Heinrich fuͤhren will.— Sie naͤhern ſich dem Berzoge.) Und knie um Huld und Gnade mir zu Fuͤßen: Ich bin dein Oberherr. 10 Pork. Du irrſt dich, ich bin deiner. Eret. Pfui, weich! Er machte dich zum Herzog York. Nork. Es war mein Erbtheil, wie's die Grafſchaft war. exet. Dein Vater war Verräther an der Krone. Warw. Exeter, du biſt Verräther an der Krone, Da du dem Uſurpator Heinrich folsſt. Cliff. Wem ſollt er folgen als dem aͤchten König? warw. Ja, Clifford! das iſt Richard, Herzog York. R. Zeinr. Und ſoll ich ſtehn, und aufdem Thron duſitzen? Vork. So ſoll und muß es ſeyn; gieb dich zur Ruh⸗ warw. Sey Herzog Lancaſter, und ihn laß König ſeyn. weſtm. Wie Herzog Lancaſter, iſt er auch Koͤnig, Das wird der Lord von Weſtmoreland behaupten. Warw. Und Watwick wird's entkraͤften. Ihr vergeßt, Daß wir es ſind, die aus dem Feld euch jagten, Und eure Väter ſchlugen, und zum Schloßthor Die Stadt hindurch mit weh'nden Fahnen zogen. Borth. Ja, Warwick, mir zum Gram gedenk ich dran, Und einſt, bey meiner Scele! ſoll's dich reun. nE weſtm. Plantagenet, ich nehme mehr der Lehen Dir, bieſen deinen Soöhnen, Vettern, Freunden, Als Tropfen Bluts mein Vater in ſich hegte. n Cliff. Davon nichts weiter, Warwick! daß ich nicht Dir ſtatt der Worte ſoichen Boten ſende, üun Der ſeinen Tod, eh ich mich ruͤhre, racht⸗ änn 02 warw. Wie ich des armen Cliffords Drohn verachte!. Vork. Laßt uns den Anſpruch an die Kron' etweiſen; 3 Wo nicht, ſo recht' im Felde unſer Schwert. R Heinr. Verräͤther! welchen Anſpruch an die Krone? Dein Vater war, wie du, Herzog von York; Dein Großvater, Roger Mortimer, Graf von March; Ich bin der Sohn Heinrichs des Fuͤnften, Der einſt den Dauphin und die Franken beugte, Und ihre Staͤdte und Provinzen nahm. warw. Sprich nicht von Frankreich, das du ganz verloren. R. Zeinr. Der Lord Protektor that es, und nicht ich; Ich war neun Monden alt, da man mich kroͤnte.. Rich. Jetzt ſeyd ihr alt genug, und doch verliert ihr, Vater, reißt die angemaßte Kron' ihm ab! ſe d. Thut's, lieber Vater! ſetzt ſie euch aufs Haupt! mont.(Zu York.) Mein Bruder, wo du Waffen liebſt und ehrſt, nn So ſicht es aus, ſtatt dieſer Wortgezänke. nh Rich. Die Trommeln ruͤhrt, ſo wird der Koͤnig fiiehn. Fork. Still Söhne! in R. Zeinr. Still du, und laß den Koͤnig Heinrich reden⸗ warw. Plantagenet zuvorderſt! hoͤrt ihn, Lords: Und ihr, ſeyd aufmerkſam und ruhig auch, Denn, wer ihn unterbricht, der ſoll nicht leben. R. Zeiny. Denkſt du, ich laſſe meinen Furſtenthron, —— —————— Worauf mein Vater und Großvater ſaß? Rein, eh ſoll Krieg entvölkern dieß mein Reich, Und ihr Panier(in Frankreich oft gefuͤhrt, Und jetzt in England uns zu großem Kummer) Mein Brabtuch ſeyn.— Warum verzagt ihr, Lords? Mein Anſpruch iſt weit beſſer als der ſeine. S1. Dritter Lheil 21 warw. Beweiß es nur, und du ſollſt König ſeyn. R. einr. Heinrich der Vierte hat die Kron erobert. Pork. Er nahm ſie ſeinem König als Rebell. S R. Zeinr. Was ſag' ich nur hhteuht Mein Recht iſt —— ſchwach. Sagt, darf ein Koͤnig keinen Erben waͤhlen? Pork. Was weiter? 6 nal ic R. Zeinr. Wenn er das darf, bin ich rechtmaͤß'ger Koͤnig: . Denn Richard hat, im Beyſeyn vieler Lords, Den Thron Heinrich dem Vierten abgetreten; Deß Erbe war mein Vater, und ich ſeiner. Pork. Er lehnte wider ſeinen Herrn ſich auf, Und zwang ihn, ſeiner Krone zu entſagen. Warw. Doch ſetzt, Mylords, er that es ungenothigt: Denkt ihr, daß es der Krone was vergab? 5 Eyet. Nein; denn er konnte nicht ihr ſo entſagen, . Daß nicht der naͤchſte Erbe folgen mußte. R. Heinr. Du, Herzog Ereter, biſt wider uns? Eyet. Das Recht iſt ſein, darum verzeihet mir. Pork. Was fluͤſtert ihr, und gebt nicht Antwort, Lords? Eyet. Rechtmaß'gen Koͤnig nennt ihn mein Gewiſſen. k. Zeinr. Sie wenden alle ſich von mir zu ihm. North. Plantagenet, was auch dein Anſpruch ſey, Denk' nicht, daß Heinrich ſo entſetzt ſoll werden⸗ Warw. Entſetzt wird er, der ganzen Welt zum Trotz. Worth. Du irvſt! nicht deine Macht im Suͤden iſt's, Von Eſſer, Norfolk, Suffolk, noch von Kent, Die dich ſo ſtolz und übermuͤthig macht, ie, mir zum Trotz, den Herzog kann erhoͤhn. Cliff. Sey, wie er will, dein Anſpruch, Koͤnig Heinrich! 6 Lord Cüifford ſchwört zu fechten dir zum Schutz. Der Grund ſoll gaͤhnen, lebend mich verſchlingen, Wo ich vor meines Vaters Moͤrder kniee. 1 R. Zeinr. O Clifford, wie dein Wort mein Herz belebt! Pork. Heinrich von Lancaſter, entſag' der Krone.— Was murmelt ihr? Was habt ihr vor da, Lords? Warw. Thüt dieſem hohen Herzog York ſein Recht, Sonſt full' ich mit Bewaffneten das Haus, Und oben an dem Prachtſtuhl, wo er ſitzt, Schreib' ich es an mit Uſurpator⸗Blut. (Er ſtampft mit dem Fuße und Soldaten zeigen ſich.) 272 Koͤnig Heinrich VI. A. I. R. einr. Mylord von Warwick, hoͤrt ein Wort nur an; Laßt lebenslänglich mich als Koͤnig herrſ Nork. Beſtät'ge mir die Kron' und meinen Erben⸗ Und du ſollſt ruhig herrſchen, weil du lebſt⸗ R. Zeint. Ich geh' es ein: Richard Plantagenet⸗ Nach meinem Hintritt nimm Beſitz vom Reich. Clif. Welch Unrecht an dem Prinzen, eurem Sohn! warw. Welch ein Gewinn fur England und ihn ſelbſt! Weſim. Verzagter, ſchnoͤder, hoffnungsloſer Heinrich! cCliff. Wie haſt du dir und uns zu nah gethan! weſim. Ich bleibe nicht, um den Vertrag zu hören⸗ Korth. Noch ich⸗ ni. Cliff. Kommt, Vetter, melden wir's der Koͤnigin Weſtm. Leb wohl, kleinmuͤth'ger, ausgeart'ter Koͤnig, In deſſen Blut kein Funken Ehre wohnt! 5 Worth. Werd' eine Beute du dem Hauſe York, Und ſtirb in Banden fur die weib'ſche That! f Cliff. Im furchtbarn Kriege ſeyſt du uͤberwunden! Verlaſſen und verachtet leb in Friedden. ..(Northumberland, Clifford und Weſtmoreland ab.) warw. Hieher ſieh, Heinrich, achte nicht auf ſie. Epet. Sie ſuchen Rach und wollen drum nicht weichen. R. Heinr Ach⸗ Epeter! P warw. Was ſeufzt ihr ſo, mein Fuͤrſt? . Heinr. Nicht um mich ſelbſt, um meinen Sohn, Lord Warwick, Den unnatuͤrlich ich enterben ſoll. Doch ſey es, wie es will: hiemit vermach' ich Die Kron' auf immer dir und deinen Erben Mit der Bedingung⸗ daß du gleich hier ſchwörſt, Den Buͤrgerkrieg zu enden; lebenslang ls deinen Herrn und Koͤnig mich zu ehren, Und, wrder durch Verrath, noch feindlich, mich Zu ſtuͤrzen und ſtatt meiner zu regieren. Vork. Gern thu' ich dieſen Eid, und will ihn halten. (Vom Thron herabkommende) Warw. Lang lebe Koͤnig Heintich!— Plantagenet, umarm' ihn. R. weinr. Lang lebe ſammt den hoffnungsvollen Soͤhnen! Pork. Verſoͤhnt ſind York und Langaſter nunmehr⸗ Sz. 1. Dritter h eil. 23 ret. Der ſey verſlucht, der zu entzweyn ſie ſucht. (Trompeten. Die Lords treten vorwarts.) Vork. Lebt wohl, mein Furſt! ich will zu meiner Burg. Warw. Ich will mit meinen Truppen London halten. Worf. Ich will nach Norfolk hin mit meiner Schaar. „Mont. Und ich zur See zuruͤck, woher ich kam. Gork und ſeine Soͤhne, Warwick, Norfolt, Montague, Soldaten und Gefolgenab,) 1 1 2. „R. Zeinr. Und ich mit Gram und Kummer an den Hof. Goͤnigin Margaretha und der Prinz von Wales tre⸗ 445 Eret. Da kommt die Koͤnigin, und ihre Blicke Verrathen ihren Zorn; ich ſchleiche fort. R. Seinr. Ich, Exeter, mit dir. Will gehen.) marg. Nein, geh nicht vor mir weg, ich will dir folgen. R. Heinr. Geduldig, beſtes Weib! und ich will bleiben. marg. Wer kann beym Aeußerſten geduldig ſeyn? Elender! daß ich frey geſtorben waͤre, Dich nie geſehn, dir keinen Sohn geboren, Da du ſo unnatürlich dich als Vater zeigſt. Verdient er, ſo ſein Erbrecht einzubuͤßen? Hätt'ſt du ihn halb ſo ſehr geliebt als ich, Den Schmerz gefuͤhlt, den ich einmal für ihn, Ihn ſo genaͤhrt, wie ich mit meinem Blut; Dein beſtes Herzblut du eh gelaſſen, Als den Barbar von Herzog eingeſetzt Zum Erben, und den einz'gen Sohn enterbt. Prinz. Vater, euch ſteht nicht frey, mich zu enterben; Seyd ihr doch Koͤnig, und ſo folg' ich nach.“ R. Heinr. Verzeih, Margretha! Lieber Sohn, verzeih! Mich zwang der Graf von Warwick und der Herzog. marg. Dich zwang! Du laͤßt dich zwingen, und biſt König? Mit Schaam hoͤr' ich dich an. Elender Feiger! ich, deinen Sohn und mich haſt du verderbt, Und ſolche Macht dem Hauſe York gegeben, Daß du durch ihre Duldung nur regierſt. Die Krone ihm und ſeinem Stamm vermachen, as iſt es anders, als dein Brab dir baun, Und lange vor der Zeit hinein dich betten? Warwick iſt Canzler, von Calais auch Herr, Der trotz'ge Faulconbrid'ge beherrſcht den Sund; H. 18 274 Kdnig Heinrich VI. A. 1. Der Herzog iſt des Reichs Protektor nun: Und du waͤrſt ſicher? Solche Sicherheit Find't wohl ein zitternd Lamm, umringt von Woͤlfen. Wär' ich dabey geweſen, die ich nur Ein albern Weib bin, lieber haͤtt' ich mich Auf der Soldaten Piken ſchleudern laſſen, Als daß ich dem Vertrage mich gefuͤgt. Doch dir gilt mehr dein Leben als die Ehre, Und da ich dieſes ſehe, ſcheid' ich hier“ Mich, Heinrich, ſelbſt von deinem Tiſch und Bett, Bis man den Parlaments⸗Schluß widerruft, Wodurch mein Sohn gebracht wird um ſein Erb'. Dee nord'ſchen Lords, die dein Panier verſchworen, Ziehn meinem nach, ſobald ſie's fliegen ſehn; ünd fliegen ſöll es⸗ dir zu arger Schmach, Und gänzlichem Ruin dem Hauſe York. So laſſt ich dich!— Komm, Sohn, wir wollen fort, Bereit iſt unſer Heer: komm, ihnen nach! R. Zeinr. Bleib, liebe Margaretha! hoͤr' mich an. marg. Du ſpracheſt ſchon zu vielz geh', mach dich fort. z. Zeinr. Du bleibſt doch bey mir, Eduard, lieber Sohn? marg. Ja⸗ daß ihn ſeine Feind' ermorden moͤgen. prinz. Wenn ich mit Sieg vom Felde kehre heim, Begruß' ich cuch? bis dahin folg' ich ihr⸗ marg. Komm! fort, mein Sohn! wir duͤrfen ſo nicht zaudern. (Knigin Margaretha und der Prinz ab) R. Zeinr. Die arme Koͤnigin! Wie ihre Liebe Zu mir und meinem Sohn in Wuth ausbrach! Ihr werde Rach' an dem verhaßten Herzog, Deß Hochmuth, von Begier beſchwingt, die Krone Mir koſten wird, der wie ein gier'ger Adler Mein Fleiſch zerhacken wird und meines Sohns! Mein Herz beaͤngſtigt der drey Lords Verluſt Ich ſchreib' an ſie, und will ſie freundlich bitteh⸗ Kommt, Vetter, denn ihr ſollt der Bote ſeyn. Eret. Und ich, das hoff' ich, werde ſie denſhie eyde ab. „—* Dritter Theil. „ 8 weyte Szene. Ein Zimmer in der Burg Sandal, bey Wakefield in YPorkſhire. (Eduard, Richard und Montague tteten auf.) Rich. Bruder, vergonnt mir, bin ich ſchon der juͤngſte— Ed Nicht doch, ich kann den Redner beſſer ſpielen. mont. Doch ich weiß Gruͤnde von Gewicht und Kraft. t Work tritt auf.) Vork. Nun, meine Soͤhn und Bruder, ſo im Streit? Woruͤbet iſt der Zank? Wie fing er an? Ed. Kein Zank, nur eine kleine Zwiſtigkeit. Nork. Um was? Rich. Um was Eu'r Gnaben angeht, ſo wie uns: Die Krone Englands, welche euer iſt. Nork. Mein, Knabe? Nicht vor Koͤnig Heinrichs Tod. Rich Eu'r Recht haͤngt nicht an ſeinem Tod und Leben. Ed. Jetzt ſeyd ihr Erbe, drum genießt es jetzt. Laßt ihr das Haus Lancaſter Odem ſchoͤpfen, So laͤuft's am Ende, Vater, euch zuvor. Work. Ich that den Eid, er ſollt' in Ruh regieren. Ed. Doch um ein Koͤnigreich bricht man jeden Eid; Ein Jahr zu herrſchen, braͤch' ich tauſend Eide. Rich⸗ Verhuͤte Gott, daß ihr meineidig wuͤrdet⸗ Pork. Das werd' ich, wenn ich mit den Waffen fordre. Rich. Das Gegentheil beweiſ⸗ ich, wenn ihr hoͤren wollt. Pork. Du kannſt es nicht; es iſt unmoͤglich, Sohn. Rich. Ein Eid gilt nichts, der nicht geleiſtet wird Vor einer wahren rechten Obrigkeit, Die uͤber den Gewalt hat, welcher ſchwoͤrt, Und Heinrich maßte bloß den Platz ſich an; Nun ſeht ihr, da er's war, der ihn euch abnahm, Daß euer Eid nur leer und eitel iſt. Drum zu den Waffen! Und bedentt nur, Vater, Welch ſchoͤnes Ding es iſt, die Krone tragen, In deren Umkreis ein Elyſium iſt, Und was von Heil und Luſt nur Dichter preiſen. Was zogern wir doch ſo Ich kann nicht ruhn, 18* 276 Kdnig Heinrich VI. A. 1. Bis ich die weiße Roſe, die ich trage, Gefärbt in lauem Blut von Heinrichs Herzen⸗ Pork. Genug! ich werde König oder ſterbe.— Bruder, du ſollſt nach London alſobald⸗ it Und Warwick zu, dem Unternehmen ſpornen⸗ Ihr, Richard, ſollt zum Herzoz Rorſolk hin, Und im Vertrann ihm unſern Vorſaß melden. 3 Ihr, Eduard, ſollt fur mich zu Mylord Cobham, Meit dem die Kenter willig aufſtehn werden. Auf ſie vertrau ich; denn es ſind Soldaten, Klug, hoͤflich, freyen Sinnes und voll Muth.— Derweil ihr dieß betreibt, was bleibt mir uͤbrig, Als die Gelegenheit zum Ausbruch ſuchen Ohn' daß der Koͤnig memen Anſchlas merkt, Noch irgend wer vom Hauſe Laneaſter- uit (Ein Bote tritt auf.) Doch halt; was giebt's? Was kommſt du ſo in Eil? Bote. Die Koͤnigin ſammt allen nord'ſchen Lords Denkt hier in eurer Burg euch zu belagern; Sie iſt ſchon nah mit zwanzigtauſend Mann, 1 Befeſtigt alſo euken Sitz⸗ Mylord. is irn Nork. Ja, mit dem Schwert. Denkſt du, daß wir Eduard und Richard, ihr ſollt bey mir bleiben; Mein Bruder Montague ſoll ſchnell nach Londdn: Den edlen Warwick, Cobham und die andern, 3 Die wir dem Koͤnig als Protektorn ließen 0 A00 „aßt ſich mit mächt'ner Politik verſtärken, Und nicht des ſchwachen Peinrichs Eiden traun. mont. Bruder, ich geh', ich will ſie ſchon gewinnen, Und nehme ſo dienſtwillig meinen Abſchied. n i in ib (Sir John und Sir Hugh Mortimer treten auf.) Vork. Sir John und Sir Hugh Mortimer, Oheime 11 Ihr kommt nach Sandal zu gelegner Zbies Das Heer der Koͤnigin will uns belagern. i Sir John. Sie braucht es nicht, wir treffen ſie Nork. Was? Mit fuͤnftauſend Mann? Rich. Ia iit fünfhundert, Pater, wenn es gilt; Ein Weib iſt Feldherr: was iſt da zu fürchten (Ein Marſch in der Ferne.) Und ziehn hinaus, und bieten gleich die Schlacht. Vork. Fünf gegen zwanzig! Große Uebermacht; Doch zweifl ich, Oheim, nicht an unſerm Sieg. Ich hab' in Frankſeſch manche Schlacht gewonn Wo zehn die Feinde waren gegen eins: Weswegen ſollt es minder jetzt gelingen? (Getuͤmmel. Alle ab.) d. Ich he die Ttommln; prdnen it bie Mannſchaft, 2 (Getuͤmmel, Angri e. Pierauf tpmmen Ru tta S n ſein Lehrmeiſter.) 30 Rutk. Ach, wohlt ſol ich ſüehn vot ihte Hlden? Ach, Meiſter/ ſieh da komint der blut'ge Clifford. Glifford tritt auf mit Soldoten.) Cliff. Kaplan, hinweg! Dich ſchirmt dein Prieſterthum. Allein die Brut von dem derfiuchten Herzon, ſi. Deß Vater meinen Vater ſchlug,— die ſtirbt. Lehrm. Und ich, Mylord will ihm Geſellſchaft leiſten. Lehrm. Ach, Clifford, morde nicht ein ſchuldlos Kind, Daß du verhaßt nicht wirſt bey Gott und Menſchen⸗. Er wird von den Soldaten iit Gewalt abgeführt. Cliff. Nun, iſt er todt ſchon? oder iſt es Furcht, Was ihm die Augen ſchließt?— Ich will ſie oͤffnen Rutl. So hlickt der eingeſperrte Loͤw ein Opfer⸗ Das unter ſeinen Tatzen zittert, an: So ſchreitet er, verhoͤhnend ſeinen Nab, 2 12) Und kommt ſo, ſeine Glieder zu zerreißen. 1 4 Ach, lieber Clifford, laß dein Schwett mich tödten, Und nicht ſolch einen grauſam drohnden Blick Hoͤr, beſter Clifford, eh ich ſterbe, mich:„ Ich bin viel zu gering fuͤr deinen Grimm, An Maͤnnern raͤche dich, und laß mich leben. 6 Cliff. Vergeblich, armer Junge! Deinen Worten Stopft meines Vaters Blut den Eingang zu. Kutk. Laß meines Vators Blut ihn wieder oͤffnen: Er iſt ein Mann; miß, Clifford, dich mit ihm. 278 Kdnig Heinrich VI. R. Cliff. Haͤtt' ich auch deine Bruder hier, ihr Leben Und deines wär' nicht Rache mir genug⸗ Ja, gruͤb' ich deiner Ahnen Gräber auf, ünd haͤngt' in Ketten auf die faulen Särge, Mir gaͤb's nicht Ruh', noch Lindrung meiner Wuth. Der Anblick irgend weß vom Hauſe York Befällt wie eine Furie mein Gemuͤth, Und bis ich den verfluchten Stamm vertilge, Daß keiner nachbleibt, leb ich in der Hoͤlle. Darum—(Er hebt den Arm auf.) Rutl. O laß mich beten e der Tod mich trifft! Zu dir bet' ich: Erbarmen, lieber Clifford! Cliff. Erbarmen, wie die Degenſpitz' es beut. Rutl. Nie that ich Leides dir: warum mich morden? cliff. Dein Vater thats. az nn tint4 Cuunah Rutl. Eh ich geboren war⸗ Erbarm dich, deines Einen Sohnes willen, 2 Daß nicht zur Rache(denn gerecht iſt Gott) Er kläglich werd' erſchlagen, ſo wie ich, Ach, laß mich lebenslang geſangen ſeyn, Und, geb' ich Anlaß dir zum Aergerniß, So bring' mich um; jetzt haſt du keinen Grund. Cliff. Keinen Grund?! Dein Vater ſchlug den meinen, alſo ſtiré.(Erſticht ihn.) Rutl. Dl faciant⸗ laudis summa zit isto tuaen GFirbt.) Cliff. Plantagenet! ich komm', Plantagenet! Dieß deines Sohns Blut, mir am Degen klebend, Soll roſten dran, bis deins, in eins geronnen Mit ſeinem, beydes weg mich wiſchen läßt.(b.) Pierte Szene pätt Ebendaſelbſt⸗ Getünmet. York tritt auf.) vork. Das Heer der Koͤnigin gewinnt das Feld; Mich rettend fielen meine beyden Onkel, Und all mein Volk weicht dem erhitzten Feind, Und flieht wie Schiffe vor dem Wind, wie Laͤmmer, Verfolgt von ausgehungert gier'gen Woͤlfen⸗ S. Drittep Kheil 2% Gott weiß, was meine Soͤhne hat betroffen; Doch weiß ich dieß: ſie hielten ſich wie Maͤnner, Zum Ruhm geboren, lebend oder todt. Dreymal drang Richard bis zu mir hindurch, Rief dreymal: Muthig, Vator! ſicht es nus So oft kam Eduard auch an meine Seite Mit purpurnem Gewehr, bis an den Griff Gefätbt in derer Blut, die ihn beſtanden.“ Und als zuruͤck die kuͤhnſten Ritter zogehhon rani Rief Richard:„Greift ſie an! weicht keinen Schrit Und rief:„Eine Krone, ſonſt ein ruhmvoll Grab! „Ein Zepter, oder eine ird'ſche Stuhi“ So griffen wir von neuem an: doch Rchbo Wir ſchwankten wieder, wie ich wohl den Schwan Der Flut ſich fruchtlos ſah entgegen muͤhn, ½ Und ſich erſchoͤpfen an zu mächt'gen Wellen. Kurzes Getuͤmmel draußen.) Ha, horch! die toͤdtlichen Verfolger kommen, 4 Und ich bin ſchwach, kann ihre Wuth nicht fliehn, Und wär' ich ſtark, wollt' ihre Wuth nicht meiden. Gezaͤhlt ſind meines Lebens Stundengläſer; Hier muß ich bleiben, hier mein Leben enden. n Goͤnigin Margaretha, Clifford und Northumber⸗ land treten auf mit Soldaten) Kommt, blut'ger Clifford, ſͤrmiſcher Northumderland: Ich reize noch eur unausloͤſchlich Wüthen: Ich bin eur Ziel, und ſtehe eurem Schuß. 4 Worth. Ergieb dich unſrer Gauade, ſtolzer York Cliff Ja. ſolcher Gnade, wie ſein grimnger Mit derber Zahlung meinem Vater bot. Nun iſt vom Wagen Phacton geſtürzt, i Und macht ſchon Abend um die Mittagsſtunde. Vork. Mein Staub kann wie der Phoͤnir einen Vogel Erzeugen, der mich an euch allen raͤcht; Und in der Hoffnung ſchau' ich auf zum Himmel, Verachtend, was ihr auch mir anthun moͤgt. Nun, kommt ihr nicht? So viele, und doch Furcht? Cliff. So fechten Memmen, die nicht fliehn mehr koͤnnen, So hacken Tauben nach des Falken Klaunz So ſtoßen Dieb', am Leben ganz verzweifelnd, Schimpfreden gegen ihre Schergen aus. Pork. O Clifford, denk doch einmal nur zurück: Durchlauf' im Sinne meine vor'ge Zeit, 8 280 Koͤnig Heinrich VI. P Uund, ka inſt du vor Erroͤthen, ſchau mich an, Und beiß dir auf die Zunge, welche den Rit Feigheit ſchändet, deſſen finſtrer Blick Schon ſonſt verzagen dich und füehn gemacht. Eliff. Ich will nicht mit dir wechſeln Wort um Wort, Nein Streiche fuͤhren, zweymal zwey fuͤr einen. marg⸗ alt, tapfter Clifford! Denn aus kauſend Gruͤnden Mocht' ich noch des Verräthers Leben friſten.— Zorn macht ihn taub: ſprich du, Northumberland! Worth. Halt, Clifford! ehr' ihn ſo nicht, nur den Finger Zu ritzen, um das Herz ihm zu durchbohren. Was wär's fuͤr Tapferkeit, dem Hund, der fletſcht, Die Hand zu ſtecken zwiſchen ſeine Zähne, Wenn man ihn fort kann ſchlendern mit dem Fuß? Im Krieg iſts Sitte, jeden Vortheil nutenz Zehn gegen eins ſetzt nicht den Muth herab, 5 (Sie legen Hand an York, der ſich ſtraͤubt.) cliff. Ja ja, ſo ſtraͤubt die Schnepfe ſich der Schlinge. North. So zappelt das Kaninchen in dem Netz. Wor wird zum Gefangenen gemacht.) Pork. So triumphiren Räuber mit der Beute, So giebt der Redliche ſich ubermeiſtert,. orth. Was will Eur Gnaden, daß wir mit ihm thun? marg. Ihr Helden, Clifford und Northumberland, Kommt, ſtelt ihn hier auf dieſen winz'gen Huͤgel, Der Berge griff mit ausgeſtreckten Armen, Doch nur den Schatten mit der Hand getheilt.— War't ihr's, der Englands Konig wollte ſehn? War't ihrs, der lärmt' in unſern Parlament, Und predigte von ſeiner hohen Abkunft? Wo iſt eur Rudel Soͤhn', euch beyzuſtehn? Der uͤpp'ge Eduard und der muntre George? Und wo der tapfre krumme Wechſelbalg, Eur Junge Richerz, deſſen Stimme, brummend, Bey Meutereyn dem Tatte Muth einſprach! Wo iſt eur Liebling Rutland mit den andern? Sieh, York! dieß Tuch befleckt' ich mit dem Blut, Das mit geſchärftem Stahl der tapfre Clifford Hervor ließ ſtroͤmen aus des Knaben Buſen; Und kann dein Aug' um ſeinen Tod ſich feuchten, So geb' ich dirs, die Wangen abzutrocknen⸗ Ich, armer YPork! haßt' ich nicht todtlich dich, Sz 4. Dritter Theil. 281 So wuürd' ich deinen Jammerſtand beklagen. So graͤm' dich doch, mich zu beluſt'gen, York! Wie? doͤrrte ſo das fenr'ge Herz dein Innres, Daß keine Thraͤne faͤllt um Rutlands Tod? Warum geduldig, Mann? Du ſollteſt raſen; Ich hoͤhne dich, um raſend dich zu machen. Stampf, tob' und knirſch, damit ich ſing' und tanze! Du forderſt, ſeh' ich, Lohn für mein Ergoͤtzen; York ſpricht nicht, wenn er keine Krone traͤgt: Eine Krone hert und, Lords, neigt euch ihm tie— Ihr, haltet ihn, ich ſetze ſie ihm auf. †(Sie ſetzt ihm eine papierne Krone auf.) Ey ja, nun ſieht er einem Koͤnig gleich! Er iſi's, der König Heinrichs Stuhl ſich nahm, Und der von ihm zum Erben ward ernannt.— Allein wie köͤmmt's, daß Fuͤrſt Plantagenet So bald gekroͤnt wird, und der Eid gebrochen? Mich duͤnkt, ihr ſolltet noch nicht Koͤnig ſeyn, Bis Heinrich erſt dem Tod die Hand geboten. Wollt ihr das Haupt mit Heinrichs Wuͤrd' umfahn, Des Diadems berauben ſeine Schlaͤfe, Dem heillgen Eid zuwider, da er lebt? O, dieß Vergehn iſt allzu unvorzeihlich! 8 Die Kron' heruͤnter und das Haupt zugleich, Und keine Zeit verſäumt zum Todesſtreich!. Cliff. Das iſt mein Amt, um meines Vaters willen. marg. Nein, haltet! laßt uns hoͤren, wie er betet. Pork. Woͤlfin von Frankreich, reißender als Woͤlfe, Von Zunge gift'ger als der Natter Zahn! Wie ůbel ziemt es ſich fuͤr dein Geſchlecht, Daß du, wie eine Amazonen⸗Trulle, 6 Frohlockſt beym Weh deß, den das Gluͤck gebunden! är, dein Geſicht nicht wandellos wie Larven, Durch boͤſer Thaten Uebung frech geworden, So wollt' ich ſuchen, ſtolze Koͤnigin, Erroͤthen dich zu machen; denn dir ſagen, Woher du kamſt, von wem du abgeſtammt, Waͤr' g'nug dich zu beſchaͤmen, waͤrſt du nicht ſchamlos. Dein Vater heißt von Napel und von beyden Sicilien Koͤnig, und Jeruſalem: och reicher iſt ein Buͤrgersmann in England. Hat trotzen dich der arme Fuͤrſt gelehrt? Es kann nichts helfen, ſtolze Koͤnigin, „— „ 282 xbhig tuet vV. Als daß das Sprichwort ſich bewahrt: der Bettler, Der Ritter worden, jagt ſein Pferd zu Tod. Die Schoͤnheit iſt's, was ſtolz die Weiber macht: Rllein Gott weiß, dein Theil daran iſt klein: Die Tugend iſt's, warum man ſie bewundert; Das Gegentheil macht über dich Erſtaunen; Die Sittſamkeit läßt gottlich ſie erſcheinen: 6 Und daß ſie ganz dir fehlt, macht dich abſchenlich. Du biſt von allem Guten ſo getrennt, Wie es von uns die Antipoden ſind, Und wie der Mittag von der Mitternacht. O Tigerherz, in Weiberhaut geſteckt! Du fingſt des Kindes Herzblut auf, und hießeſt Den Bater ſich damit die Augen trocknen, Und traͤgſt noch eines Weibes Angeſicht? 15 Weiber ſind ſanft, mild, mitleidsvoll und biegſam; Du ſtarr, verſtockt, rauh, kieſelhart, gefuͤhllos. Ich ſollte raſen? Ja, dir iſt's gewahrt. Ich ſollte weinen? Ja, du haſt's erteicht. Denn Schauer ſtuͤrmt der wuͤſte Wind herbey, Und, wenn der Sturm ſich legt, beginnt der Regen. Die Todtenfeyer meines holden Rutlands Sind dieſe Thraͤnen; jeder Tropfe ſchreyt Fuͤr ſeinen Tod um Rache wider euch, Grauſamer Clifford! tuͤckiſche Franzoͤſin! worth. Fuͤrwahr, mich ruͤhren ſeine Leiden ſo, Daß ich im Auge kaum die Thraͤnen hemme. Pork. Die Kannibalen haͤtten ſein Geſicht Nicht angeruͤhrt, mit Blute nicht befleckt;: 0 Doch ihr ſeyd unerbittlicher, unmenſchlicher, O zehnmal mehr, als Tiger von Hyrcgnien. Sieh eines ungluͤckſel'gen Vaters Thraͤnen, Fuhlloſe Koͤnigin: du haſt dieß Tuch In meines ſuͤßen Jungen Blut getaucht, — B Und ich, mit Thraͤnen, waſche weg das Blut. Behalte du das Tuch, und prahl' damit: 0 (Er giebt das Schnupftuch zuruck.) Und wenn du recht die Leidgeſchicht' erzaͤhlſt, 1 Bey Gott, die Hoͤrer werden Thraͤnen weinen⸗ Ja, heiße Thraͤnen meine Feinde ſelbſt, ünd ſagen: Ach, es war ein kläͤglich Werk! Da nimm die Kron', und meinen Fluch mit ihr, Und finde ſolchen Troſt in deiner Noth, 6 — Vor Cliffords und Northumberlands Verfolgung! Ich kann nicht froh ſeyn, bis ich ſicher weiß, Sz. 4. Dritter Theil. 283 Als deine Hand, zu grauſam, jetzt mir beut. Hartherz'ger Ctifford, nimm mich von der Welt Die Seel' gen Himmel, auf eur Haupt mein Blut! Korth. Hätt' er mir alle Blutsfreund' auch erſchlagen, Doch muͤßt' ich, gält's mein Leben, mit ihm weinen. Wie innerliches Leid die Seel⸗ ihm nagt. Marg. Wie? nah am Weinen, Lord Northumberland? Denkt nur, was er uns allen zugefuͤgt, Und das wird ſchnell die weichen Thraͤnen trocknen. Cliff. Das hier fuͤr meinen Eid, das für des Vaters Tod. (Erſticht ihn.) marg. Und dieß fuͤr unſers ſanften Koͤnigs Recht. .(Durchbohrt ihn gleichfalls.) Nork. Thu auf dein Thor der Gnade, guter Gott! Durch dieſe Wunden fliegk mein Geiſt zu dir irbt.) marg. Den Kopf ab! ſetzt ihn auf das Thor von York; o iicha York nun a (ane ab.) 3 wehter Aufzug. Erſte Szene. Eine Ebne bey Mortimers Kreuz in Herefordſhire. (Trommeln. Eduard und Richard mit ihren Truppen auf dem Marſch.) Ed. Wie unſer edler Vater nur entkam? Und ob er wohl entkommen oder nicht, Wär⸗ er gefangen, hätten wir's gehort; Waͤr er erſchlagen, haätten wir's gehoͤrt; Wär' er entkommen, duͤnkt mich, muͤßten wir Die frohe Zeitung ſchon vernommen haben. as macht mein Bruder? warum ſo betruͤbt? as aus dem tapfern Vater iſt geworden. 284 Sab Acht, wie er heraus den Cl So wie ein Ed. Bin ich geblendet, oder d. S iſt wunderſam, man Vereinen ſollen dennoch unſre Li Rich. Bote. Umzingelt war er vo Und er beſtand ſie, wie die Ho Doch weicht ſelbſt Herkules der Konig Heinrich VI. Ich ſah ihn ſtreifen durch die Schlacht umher, A. II. ifford ſuchtet Mir ſchien's, er vahm ſich in der dichtſten Schaar, Low⸗ in einer Heerde Rinder, So wie ein Bär von Hunden ganz umringt, Der bald ein Paar ſo zwickt und macht ſie ſchreyn, Daß nur von fern die andern nach ihm bellen. So macht' es unſer Vater mit den Feinden, So flohn die Feinde meinen tapfern Vater: Mich duͤnkt, ſein Sohn zu ſeyn, iſt Ruhms genug. Sieh, wie ſein goldnes Thor der Morgen oͤffnet, Und Abſchied von der lichten Sonne nimmt 1 Wie ſie erſcheint in aller Jugendfuͤlle, Schmuck wie ein Buhler, der zur Liebſten, eilt! ſeh' drey Sonnen? Drey lichte Sonnen, jede ganz vollkommen; Nicht unterbrochen durch die zieh'nden Wolken, Vom blaſſen klaren Himmel rein getrennt. Sieh, ſieh! ſie nahn, umarmen, kuͤſſen ſich, Als ob ſie einen heil'gen, Bund gelobten, Sind jetzt Ein Schein, Ein Licht nur, Eine Sonne⸗ Der Himmel deutet ein Begebniß vor. hörte nie dergleichen. Ich denk', es mahnt uns, Bruder, in das Feld⸗ Daß wir, die Sohne Held Plantagenets Ein jeder ſtrahlend ſchon durch ſein Verdienſt, chter, Wie dieß die Welt, die Erde zu erleuchten. Was es auch deuten mag, ich will hinfuͤhro Drey Sonnengoͤtter auf der Tartſche füͤhren.„ Rein, laßt ſie weiblich bilden: denn, vergoͤnnt, Ihr moͤgt das Weibchen lieber als das Maͤnnchen. (Ein Bote tritt auf.) Doch wer biſt du, deß trͤber Blick ein Ungluͤck, Auf deiner Zunge ſchwebend, ahnden laͤßt? Bote. Ich, einer der mit Jammer angeſehn, Wie daß der edle Herzog York erlag, Eur hoher Vater und mein keber Hetr. Ed. O ſprich nicht mehr! ich hörte ſchon zu viel. Rich. Sag' wie er ſtarb, denn ich will alles hören. n der Feinde Menge, ffnung Troja's Die Griechen, die in Troja dringen wollten. Uebermacht, — Sz. 1. Dritter Theil. 285⁵ Und viele Streich', obwohl von kleiner Art, Hau'n um und fällen ſelbſt die härtſte Eiche. Eur Vater ward beſiegt von viclen Haͤnden, Allein ermordet bloß vom grimm'hen Arm Des wilden Cliffords und der Koͤnigin. Den gnäd'gen Herzog kroͤnte ſie zum Hohn, Lacht' ihm ins Angeſicht, und, als er weinte, Gab die Barbarin ihm, ſich abzutrocknen, Ein Tuch, getaucht in das ſchulbloſe Blut 6 Des jungen Rutland, welchen Clifford ſchlug; e So nahmen ſie, nach vielem Spott und Schimpf, Sein Haupt, und aufgeſteckt am Thor von Yorb Ward ſelbiges, und da verbleibt es nun, Das jammtrvollſte Schauſpiel, das ich ſah. Ed. Geliebter York, der unſre Stuͤtze war! 6 64 Uns bleibt kein Stab noch Halt, nun du dahin. D Clifford, rauher Elifford! du erſchlugſt Europa's Blut' und Zier im Ritterthum; Und haſt verrätheriſch ihn uͤberwunden, Denn, Stirn an Stirn, hätt⸗ er dich ͤberwunden. Nun ward der Seele Palaſt mir zum Ketker; Ach, braͤche ſie doch lo5! daß dieſer Leib Zur Ruh' im Boden eingeſchloſſen wuͤrde; Denn nie werd' ich hinfort mich wieder freun, Niemals, o niemals werd' ich Freud' erleben! Rich. Ich kann nicht weinen: alles Naß in mir Gnuͤgt kanm, mein lichterlohes Herz zu loͤſchen; Auch kann die Zunge nicht das Herz entlaſten: Derſelbe Hauch, womit ſie ſprechen ſollte, 6 Schuͤrt Kohlen an, die ganz die Bruſt durchgluͤhn Mit Flammen, welche Thraͤnen loͤſchen wuͤrden. er weint, vermindert ſeines Grames Tiefe öm Drum, Thränen für die Kinder, Rache mir! Richard, dein Nam' iſt mein, ich will dich raͤchen, Wo nicht, ſo ſterb ich ruͤhmlich im Verſuch. 8 Ed. Dir ließ der tapfte Herzog ſeinen Namen Sein Herzogthum und Stuhl biieb mir zuräͤck. Rich. Nein, ſtammſt du von dem koͤniglichen Adler, So zeig' es auch durch Schauen in die Sonne; Statt Herzogthum und Stuhl ſag' Thron und Reich; ein muß dieß ſeyn, ſonſt biſt du nicht der ſeine Ein Vaſth arwick und Montague kommen mit warw. Nun, lieben Lordsl wie ſteht s was giebt es Reues? 286 Koͤnig Heinrich VI. A. 1l. Rich. Wenn wir die grauſe Zeitung, großer Warwick, Erzaͤhlen ſollten, und bey jedem Wort Mit Dolchen uns zerfleiſchen bis zum Schluß; Der Worte Pein waͤr' aͤrger als der Wunden: O tapfrer Lord, der Herzog York iſt todt! Ed. O Warwick! Warwick! der Plantagenet, Der werth dich hielt wie ſeiner Seele Heil, Iſt von dem finſtern Clifford umgebracht. warw. Schon vor zehn Tagen hab' ich dieſe Zeitung Ertraͤnkt in Thraͤnen, und, eur Weh zu haͤufen, Meld' ich euch jetzt, was ſich ſeitdem begab. Rach jenem blutigen Gefecht bey Wakefield, Wo euer wackrer Vater ſeinen Odem Hat ausgehaucht, ward Nachricht mir gebracht, So ſchnell, wie nur die Boten laufen konnten, Pon eurer Niederlag' und ſeinem Scheiden. Ich nun in London, als des Koͤnigs Huͤter, Hielt Muſtrung, ſammelte der Freunde Schaaren, 3 zog, ſehr gut geruͤſtet, wie ich glaubte, ankt Albans zu, die Koͤnigin zu hemmenz Den Koͤnig nahm ich, mir zu Gunſten, mit, Denn meine Spaͤher hatten mir berichtet, Sie komme mit dem feſtbeſchloßnen Vorſatz Den letzten Parlamentsſchluß zu vernichten, Betreffend Heinrichs Eid und euer Erbrecht. Um kurz zu ſeyn: es trafen zu Sankt Albans Sich die Geſchwader, beyde fochten ſcharf; Doch, ob es nun des Koͤnigs Kaͤlte war, Der auf ſein kriegriſch Weib gar milde blickte, Was des erhitzten Muths mein Volk beraubte; Ob auch vielleicht der Ruf von ihrem Sieg⸗ Ob ungemeine Furcht vor Cliffords Strenge, Der Blut und Tod zu den Gefangnen donnert⸗ Rann ich nicht ſagen: doch, um wahr zu enden, Wie Blitze kam und ging der Feinde Wehr, Der Unſern, wie der Eule traͤger Flug, Wie wohl ein traͤger Dreſcher mit dem Flegel⸗ Fiel ganz gelind, als ob ſie Freunde träfen⸗ Ich trieb ſie an mit der gerechten Sache, Mit hohen Soldes, großen Lohns Verheißung. Umſonſt! Sie batten zum Geſecht kein Herz⸗ Wir keine Hoffnung auf den Sieg durch ſie, So daß wir flohn: zur Koͤnigin der Konig. Lord George eur Bruder, Norfolk, und ich ſelbſt, Sz. 1. Sind ſchleunigſt hergeeilt, a wir gehoͤrt, ihr waͤr't Und braͤchtet Mannſchaft Ed. Wo iſt der Und wann kam G warw. Der Mit ſeiner Scha Juͤngſt eure guͤt'ge Tante Mit einer Huͤlfsma Rich. Da muß Fuͤrwahr, wo der Oft hoͤrt' ich Doch nie bis woh beherzte Warw. Auch Denn wiſſe, dieſe ſtarke R Von Heinrichs ſchwachem Aus ſeiner Fauſt das hehr Waͤr' er ſo ruhmvoll auch Als man ihn Rich. Ich weiß Aus Eiſer red' ich Doch, in der truͤbe Soll'n wir Den Leib in ſchwarze Trau Am Roſenkranz Ave⸗ Wie oder ſoll'en wir Mit raͤcheriſchem Arm Seyd ihr fuͤr dieß., ſag Warw. Ja, Und deßhalb kommt mein Vernehmt mich, Lords. Samnmit Clifford und No Und andern ſtolzen Gäſte jeßt nicht hö e nur fuͤr n Zeit, t Ja rth Verzeichnet iſt ſein Eid Und nun iſt all die Den Eidſchwur zu entkraͤften Dem Hauſe Lancaſter zuwide Ich denke, dreyßig tau enn nun der Beyſta nd was an Freunden, wack Du ſchaffe beym Verfolg jetzt beym R rſt du, Haupt das hinweg die Pan deßhalb hat eu Bruder Monta ie Der frechen Koͤntgin, umberland, dem ſtolzen, n dieſes Schlags, 8 Gelang's, den Konig leicht wie Wachs zu ſch Er ſchwot zu eurem m Schaar na Dritter Theil. u euch zu ſtoßen, dieſen Marken, uf zum neuen Kampf. Herzog Norfolk, lieber Warwick? eorge von Burgund nach England? Herzog ſteht etwa ſechs ar, und euren 3 it a Bruder ſa von Burgund Warwick floh! Meilen weit ndte cht zu dein noͤth'gen Krieg. 1 Uebermacht geweſen ſeyn, en ſeinen Ruhm, uͤckzug ſeine Schande. echte kann Zepter reißen; deinen Glanz zerhemden w „und Lords ch Warwi Beyſtimmung, arlament: cLnd ehin, „und was ſonſt r iſt, ſend ſind ſie ſtark; nd Norfolks und der rer Graf von Richard, meine Schande; Diadem, und kühn im Kriege, milde, fromm und friedlich ruͤhmt. es wohl, Lord Warwick, ſchilt mich nicht; was iſt zu thun? erfen, erkleider huͤllen, Maria zaͤhlend? auf der Feinde Helmen die Andacht uͤben? „wohlauf! ck aufgeſucht, gue. melzen. nene M n kannſt bey den ergebenen Waälſchen, arch, Sich nur belaͤuft auf funf und zwanzig tauſend: Koͤnig Heinrich VI. A. II. Wohlan! ſo ziehn geſammt nach London wir, Beſteigen nochmals die beſchaͤumten Roſſe Und rufen nochmals: In den Feind geſtuͤrmt! Nie wieder Ruͤcken wenden oder fliehn! Rich. Ja, nun hoͤr' ich den großen Warwick reden! Nie werde mehr durch Sonnenſchein erfreut, Wer Ruͤckzug ruft, wenn Warwick Halt gebeut. d. Lord Warwick, deine Schulter ſoll mich ſtützen, Und wenn du ſinkſt,(verhuͤte Gott die Stunde) Muß Eduard fallen, was der Himmel wendel warw. Nicht laͤnger Graf von March, nein, Herzog York: Die nächſte Stuf' iſt Englands hoher Thron⸗ Du ſollſt als Koͤnig ausgerufen werden In jedem Felcken, wie wir weiter ziehn, Und wer vor Freude nicht die Muͤtze wirft, Verwirke ſeinen Kopf fuͤr das Vergehn. 1 Koͤnig Eduard! tapfrer Richard! Montague! Laßt uns nicht laͤnger hier von Thaten traͤumen: Blaſ't die Trompeten, und an unſer Werk! 18 Rich. Nun, Clifford, wär dein Herz ſo hart als Stahl, Wie deine Thaten ſteinern es gezeigt, S Ich will's durchbohren oder meins dir geben. xd. So ruͤhrt die Trommeln.— Gott und Sankt Georg! Ein Bote tritt auf.) warw, Wie nun? was giebt's!. Bote. Der Herzog Norfolk meldet euch durch mich, Die Koͤnigin ſey nah mit ſtarkem Heer: Er wuͤnſcht mit euch ſich ſchleunig zu berathen. warw. So ziemt ſich's, wackre Krieger, laßt uns fort! (Alle ab.) 8 w k en S n Vor York. (Gönig Heinrich, Koͤnigin Margaretha, der Prinz von Wales, Clifford und Northumberland treten auf, mit Truppen.) marg. Willkommen vor der wackern Stadt von York! Dort ſteht, mein Fuͤrſt, das Haupt von jenem Erzfeind Sz. 2. Dritter Theil.— Der ſich mit eurer Kron' umgeben wollte, Erquickt der Gegenſtand nicht euer Herz? 8 .einr. Ja, ſo wie Klippen die, ſo Schiffbruch fuͤrchten; Mir thut der Anblick durch die Seele weh. O ſtraf' nicht, liebſter Gott! Ich war nicht Schuld, Noch hab' ich wiſſentlich den Schwur verletzt. Cliff. Mein gnaͤd'ger Furſt, die allzugroße Milde Und ſchaͤblich Mitleid mußt ihr von euch thun. Wem wirft der Löwe ſanfte Blicke zu? Dem Thier nicht, das ſich drängt in ſeine Hoͤhle. Und weſſen Hand iſt's, die der Waldbaͤr leckt?“ Nicht deſſen, der ſein Junges vor ihm wuͤrgt. Wer weicht der Schlange Todesſtachel aus?“ Nicht, wer den Fuß auf ihren Ruͤcken ſetzt. Der kleinſte Wurm, getreten, windet ſich, Und Tauben picken, ihre Brut zu ſchuͤtzen Ehrgeizig ſtrebte York nach deiner Krone: Du laͤchelteſt, wenn er die Stirn gefaltet, Er, nur ein Herzog, wollte ſeinen Sohn Zum Koͤnig machen, Als liebevoller Vater Der mit ſo wackerm ſeinen Stamm erhohn, du ein König, Sohn geſegnet iſt, — Gabſt deine Beyſtimmung, ihn zu enterben, Was dich als höchſt liebloſen Vater zeigte. Es naͤhren unvernänft'ge Cpeaturen Die Brut, und ſcheun ſie gleich des Menſchen Antlitz, Doch, zur Beſchirmung ihrer zarten Kleinen, Wer ſah nicht vft ſie mit denſelben Schwingen, Die ſie wohl ſonſt zu banger Flucht gebraucht, 43 Auf den ſich werfen, der ihr Neſt erklomm, Ihr Leben bietend zu der Jungen Schutz? 2 chaͤnit euch, mein Furſt, und waͤhlt zum Vorbild ſie! Waͤr's nicht ein Jammer, wenn der wackhre Knäbe Sein Erbrecht durch des Vaters Schuld verlöre, Und ſpraͤch' zu ſeinem Kind'“ in Zukunft einſt: „Was mein Großvater und mein Urgroßvater „Srwarben, gab mein Vater choͤricht weg? Ach, welche Schande waͤr's! Sieh auf den Knaben, Und laß ſein männlich Antlitz, das die Gunſt Des Gluͤcks verheißt, dein ſchmelzend Herz dir ſtählen Was dein zu haiten, ihm, was dein, zu jaſſen. . einr. Wohl zeigte Clifford ſeine Redekunſt, Und brachte Grunde vor von großer Kraft. II. 19 Ich laſſe meine tugendhaften Thaten Und zieh dein Schwert nur fuͤr des Rechtes Lauf. Ich will es als des Thrones Erbe ziehn, 2900 Koͤnig Heinrich VI. A. 11. Doch ſag' mir, Clifford, haſt du nie gehort, Daß ſchlecht Erworbnes immer ſchlecht gedeiht? Und war es immer gluͤcklich fuͤr den Sohn, Deß Vater in die Hoͤlle ſich gekargt! Dem Sohn zuruͤck; und haͤtte doch mein Vater Mir auch nicht mehr gelaſſen! Alles andre Bringt tauſendmal mehr Sorge zu bewahren, Als im Beſitz ein Tuͤttelchen von Luſt.— Ach, Vetter York! daß deine Freunde wuͤßten, Wie es mich kuͤmmert, daß dein Kopf da ſteht! marg. Mein Fuͤrſt, ermuntert euch, der Feind iſt nah, Und dieſer weiche Muth ſchwächt eure Leute. Dem hoffnungsvollen Sohn gelobter ihr Den Ritterſchlag: zieht denn das Schwert und gebt ihn. Eduard, knie nieder. R. Zeinr. Eduard Plantagenet, ſteh als Ritter auf, Prinz. Mit eurer hoͤchſten Gunſt, mein gnaͤd'ger Vater, dind in dem Streit es bis zum Tode fuͤhren. cliff. Das heißt geſprochen wie ein kühner Prinz. 6(Ein Bote tritt auf⸗) Bote. Ihr königlichen Feldherrn, ſeyd bereit!. Mit einem Heer von dreyßig tauſend Mann Kommt Warwick, füt des Herzogs York Parthey, Und ruft, wie ſie entlang ziehn in den Staͤdten, Ihn aus zum Koͤnig, und ihm folgen viele. Reiht eure Schaaren, denn ſie ſind zur Hand. Cliff. Will Eure Hoheit nicht das Schlachtfeld räumen? In eurem Abſeyn hat die Koͤnigin Den gluͤcklichſten Erfolg. marg. Ja, beſter Herr, Thut das, und. uͤberlaßt uns ünſerm Schickſal. R. Heinr. Das iſt mein Schickſal auch, drum will ich i3 bleiben! North. So ſey es mit Entſchloſſenheit zum Kampf. rinz. Mein koniglicher Vater, muntert auf Die edien Lords, und wer zum Schutz euch ſicht; Zieht euer Schwert, mein Vater, ruft: Sankt George! (Ein Marſch. Eduard, George, Richard, Warwick, Norfolk und Montague treten auf, mit Soldaten-) S. Dritter Theil. 291 Ed. Nun falſcher Heinrich! willſt du knien um Gnade, Und ſetzen auf mein Haupt dein Diadem, 43 Wo nicht, des Feldes todtlich Lvos erproben? arg. Schilt deine Schmeichter, nbermüth ger Knabe! Kommt es dir zu, ſo frech zu ſeyn in Worten Vor deinem König und rechtmaͤß'gen Herrn? Ed. Ich bin ſein Koͤnig, und er ſollte knie'n, Ich ward durch ſeine Zuſtimmung ſein Erbe. Seitdem brach man den Eid: denn, wie ich hoͤre, Habt ihr(als die ihr wirklich Konig ſo Traͤgt er die Krone gleich) ihn angeſtiftet Dutch neuen Parlaments⸗ Schluß mich zu ſtreichen, Und ſeinen eignen Sohn dafür zu ſetzen. Cliff. Mit gutem Grund: Wer ſoll dem Vater folgen, als der Sohn? Rich. Seyd ihr da, Schlaͤchter? O, ich kann nicht reden! Cliff. Ja Bucklichter, hier ſteh' ich Rede dir, Und jedem noch ſo Stolzen deines Schlags. Rich. Ihr tödtetet den jungen Rutland, nicht? liff. Ja, und den alten York, und noch nicht ſatt. Rich. Um Gottes willen, Lords, gebt das Signal. Warw. Was ſagſt du, Heinrich? willſt der Kron' entſagen? Marg. Wie nun, vorlauter Warwick? ſprecht ihr mit, Als ihr und ich uns zu Sankt Albaus trafen, Da halfen beſſer euch die Bein' als Haͤnde. Warw. Da war's an mir zu fliehn, nun iſt's an dir. Cliff. Das ſagtet ihr auch da, und floht dann doch. Warw. Nicht euer Muth war's, was von dort mich trieb. Worth. Noch euer Mannſinn, was euch halten konnte. Rich. Northumberland, ich halte dich in Ehren.— Brecht das Geſpraͤch ab, denn ich hemme kaum Die Auslaſſung des hochgeſchwollnen Herzens Clifford, dieſem grimmen Kindermoͤrder. 1 Cliff. Ich ſchlug den Vater dir: nennſt du ihn Kind? Rich. Ja, wie ein Feigling, eine tuck'ſche Memme, Wie du erſchlagen unſern zarten Rutland ⸗ 7 Doch ſollſt du noch vor Nachts die That verfluchen. R. Zeinr. Run haltet inne, Lords, und hoͤrt mich an. Warg. Trotz' ihnen denn, ſonſt oͤffne nicht die Lippen. 19 ⸗ 202 Kodnig Heinrich VI. 2% A. H. R. Zeinr. Gieb meiner Zunge, bitt ich, keine Schranken: Ich bin ein Koͤnig, und befugt zu reden. cliff. Mein Fuͤrſt, die Wunde heilen Worte nicht, Die uns zuſammen rief: darum ſeyd ſtill. Rich. Scharfrichter, ſo entbloͤße denn dein Schwert! Bey dem, der uns erſchuf, ich bin gewiß, Daß Cliſſords Maunſinn auf der Zunge Wöhnt. Ed. Sag', Heinrich, wird mein Recht mir oder nicht? Wohl tauſend nahmen heut ihr Frühſtuͤck ein, Die nie das Mittagsmahl verzehren werden, WPofern du dich nicht ab der Krone thuſt. warw. Wenn du es weigerſt, auf dein Haupt ihr Blut! Denn mit Gerechtigkeit fuͤhrt York die Waffen. Prinz. Iſt das, was Warwick dafuͤr ausgiebt, recht, So giebt's kein Unrecht, dann iſt alles Recht. Rich. Wer dich auch zeugte, dort ſteht deine Mutter, Denn ſicherlich, du haſt der Mutter Zunge. marg. Doch du biſt weder Vater gleich noch Mutter, Nein, einem ſchnoͤden mißgeſchaffnen Brandmal, Bezeichnet vom Geſchick, daß man es meide, Wie gift'ge Kroͤten oder Eidechs⸗Stacheln. Rich. Eiſen von Napel, Engliſch uͤbergoldet! Du deren Vater Koͤnig wird betiteit.„ Als wuͤrde eine Pfutze See genannt: Schämſt du dich nicht, der Abkunſt dir bewußt, Daß deine Zung' ein niedrig Herz vetraͤth! ed. Ein Strohwiſch waͤre tauſend Kronen werth Zur Selbſterkenntniß fuͤr dieß freche Nickel. Weit ſchoͤner war die Griech'ſche Helena, Mag ſchon dein Gatte Menelaus ſeyn; Auch kraͤnkte nie den Bruder Agamemnons Das falſche Weib, wie dieſen König du. Sein Vater ſchwaͤrmt' in Frankreichs Herzen, zaͤhmte Den Foͤnig, zwang den Dauphin ſich zu beugen; Und haͤtt' er ſich nach ſeinem Rang vermaͤhlt, So konnt er dieſen Glanz bis heut behauplen⸗ Doch als er eine Bettlerin ſich nahm Zur Bettgenoſſin, deinen armen Väater Verherrlichte mit ſeinem Hochzeittah: Da zog der Sonhenſchein'nen Schau'r herbeh, Der ſeines Vaters Glück aus Frankreich ſchwemmte⸗ Und heim auf ſeine Kron Emporung haͤufte, Denn was ſchuf bieſen Aufrühr 6 60 Warſt du nur mild, ſchllef Uuſ Anſprich nochz Ans Mitleid fuͤr den anften König hätten 2 1 Die Fordrung wir duf ändre geit verſpart. George. Doch da wir ſahn, daß unſer Sonnenſchein Dir Fruͤhling machte, ohne daß dein Sommer Uns Fruͤchte trüge, legten wir die DrrBrn An deine fremd hier eingedraͤngte Wurzel; Und traf uns ſelbſt die Schaͤrfe gleich ein wenig, So wiſſe, daß wir nach dem erſten Streich Davon nicht laſſen, bis wir dich gefaͤllt, Wo nicht, mit unſerm heißen Blut gebadet. 8 Ld. Und, ſo eutſchloſſen, fordr' ich dich zum Kampf, Und will nichts mehl von Unterredung wiſſen, Da du das Wort dem ſanften Koͤnig wehrſt. Trompeten blaß't! Laßt wehn die blut'gen Fahnen, Den Weg zum Sieg' uns, oder Grab zu bahnen. Marg. Halt, Eduard) trt isſ i Ed. Nein, hadernd Weib Wit wöllen auf und Zehntauſend Leben koſtet heut Dritte S Getuͤmmel. Angriffe. Wärwick tritt auf.) warw. Von Muh erſchoͤpft, wie von dem Wettläuf Leg' ich mich hin, ein wenig zu verſchnaufen; Denn manch empfangner Streich, und viel ertheilte, Berauöten ihrer Kraft die ſtraffen Sehnen, Und, willig oder nicht, muß ich hier ruhn.. (Ediard kömmt gelaufen.) Ld. O lächle, holdet Himmel! oder triff, 3 Unholber Tod! DBenn finſter blickt die Welt, Und Wolken haben Eduards Sonn⸗ umzogen. Warw. So ſagt, Mylord: wie gluͤckt's? was iſt fuͤr Boffnung? George tritt auf.) George. Statt Glück Verluſt, ſtatt Hoffnung nur Verzweiftung; Gebrochen ſind bie Reih'n, uns folgt Verderben; Was ralhet ihr! wohin entfliehn wir doch? 3. 204 Koͤnig Heinrich VI. A. I. ed. Da hilft nicht Flucht, ſie folgen uns befluͤgelt, Und wir ſind ſchwach, und halten ſie nicht auf. .(Richard tritt auf.) Rich. Ach, Warwick! warum haſt du dich entfernt! Der durſt'ge Grund trank deines Bruders Blut, Herausgezapft von Cliffords Lanzenſpitze, Und in des Todes Aensſten rief er aus, Als war's ein dumpfer, ſern gehorter Laut: „Warwick, räch' du! raͤch, Bruder, meinen Tod!“ So, unter ihrer Roſſe Bauch, die wild In heißem Blut die Ferſenbuͤſchel netzten, ab ſeinen Geiſt der edle Ritter auf. warw. So ſey von unſerm Blut die Erde trunken; Mein Pferd erſchlag' ich, denn ich will nicht fliehn. Was ſtehn wir, wie weichherz'ge Weiber, hier, Verlornes jammernd, da der Feind ſo tobt? Und ſchauen zu, als waͤr's ein Trauerſpiel, Zum Scherze nur von Spielern nachgeahmt? Hier auf den Knie'n ſchwoͤr' ich zu Gott im Himmel, Nie will ich wieder ruhn, nie ſtille ſtehn, Bis Tod die Augen mir geſchloſſen, oder Das Gluͤck mein Maaß von Rache mir geſchafft. xd. O Warwick! meine Knie' beug' ich mit deinen, Und kette meine Seel' im Schwur an deine.— Und eh ſich von der Erde kaltem Antlitz Die Knie' erheben, werf' ich meine Haͤnde, Die Augen und das Herz zu dir empot, Der Koͤn'ge niederſturzet und erhoͤht; Dich flehend, wenn's dein Wille ſo beſchloß, Baß dieſer Leib der Feinde Raub muß ſeyn, Daß doch dein ehern Himmelsthor ſich oͤffne, Und laſſe meine ſuͤnd'ge Seele durch! Run ſcheidet, Lords, bis wir uns wieder treffen Wo es auch ſey, im Himmel oder auf Erden. 8 Rich. Bruder, gieb mir die Hand, und, lieber Warwick, Laß meine muͤden Arme dich umfaſſen. Ich, der nie weinte, ſchmelze jetzt in Gram, Daß unſern Lenz dahin der Winter nahm. „Warw. Fort, fort! Noch einmal, lieben Lords, lebt wohl! George. Doch gehn wir insgeſammtzu unſern Schaaren, Und wer nicht bleiben will, dem goͤnnt zu flliehn, Und nennt die Pfeiler, die bey uns verharren, Und wenn's gelingt, verheißet ſolchen Lohn, Dritter Lheil. Wie der Olympſchon Spiele Sieger tragen; 2 Das pflanzt wohl Muth in ihre bange Bruſt, Denn Hoffnung iſt auf Leben noch und Sieg. Nicht länger zäudert: auf mit aller Macht! e Wi Ungriffe. Richard und Clifford treten äuf.) Rich. Nun, Clifford, dich allein las ich mir aus. Denk', dieſer Arm ſey fuͤr den Herzog York, Und der fuͤr Rutland; beyd' auf Rache dringend, Wärſt du mit ehrner Mauer auch umgeben. Cliff. Nun, Richard, bin ich hier mit dir allein: Dieß iſt die Hand, die deinen Vater traf, Dieß iſt die Hand, die deinen Bruder ſchlug; Und hier das Herz, um ihren Tod frohlockend, Das dieſe Haͤnde ſtaͤrkt, die beyd' erſchlugen, Das Gleiche zu vollſtrecken an dir ſelbſt! Und ſomit ſieh' dich vor. 5 (Sie fechten, Warwick kommt dazu, Clifford flicht.) Rich. Nein, Warwick, lies ein andres Wild dir aus, Ich ſelbſt muß dieſen Wolf zu Tode jagen. 65 ab. . Fünfte Szene. (Getuͤmmel. König Heinrich tritt auf.) k. weinr. Dieß Treffen ſteht ſo wie des Wenn Wolken ſterbend mit dem Lichte r Wo dann der Schaͤfer, Es nicht entſchieden Ta Bald ſchwankt es hierh N Morgens Krieg, ingen; auf die Nägel hauchend, g noch Nacht kann nennen. in, wie die maͤcht'ge See, Gezwungen von der Bald ſchwankt es do Gezwungen vor des Flut, dem Wind zu trotzenz rthin, wie dieſelbe See, Windes Wuth zu weichenz Bald uͤberwiegt die Nun ſtaͤrker eins, das andre dann Beyd' um den Sieg ſich reißend, Doch keiner Ueberwinder noch beſi So wäget Hier auf d gleich ſich dieſer grimm Flut und dann der Wind, das ſtaͤrkſte, Bruſt an Bruſt, egt: e Krieg. em kleinen Huͤgel will ich ſitzen; 296 Koͤnig Heinrich VI. A. II. Der Sieg ſey deſſen, dem ihn Gott beſcheert! Denn Margaretha, mein Gemahl, und Clifford, Sie ſchalten aus der Schlacht mich, beyde ſchwoͤrend, Venn ich emtfernt ſey, gluͤck es ihnen beſſer. Wär' ich doch todt, war's Gottes Wille ſo! Wer wird in dieſer Welt des Jammers froh? O Gott! mich duͤnkt, es waͤr' ein gluͤcklich Leben, Nichts Hoͤhres als ein ſchlichter Hirt zu ſeyn; Auf einem Huͤgel ſitzend, wie ich jetzt, Mir Sonnenuhren zierlich auszuſchnitzen, Daran zu ſehn wie die Minuten laufen, Bie viele eine Stunde machen voll, Wie viele Stunden einen Tag vollbringen⸗ Wie viele Tage endigen ein Jahr, Wie viele Jahr' ein Menſch auf Erden lebt, Wann ich dieß weiß, dann theil' ich ein die Zeiten; So viele Stunden muß die Heerd' ich warten, So viele Stunden muß der Ruh' ich pflegen, So viele Stunden muß ich Andacht uͤben, So viele Stunden muß ich mich ergoͤtzen; So viele Tage trugen ſchon die Schaafe, So viele Wochen bis die Armen lammen, So viele Jahr', eh' ich die Wolle ſcheere. Winuten, Stunden, Tage, Monden, Jahre, Zu ihrem Ziel gediehen, wuͤrden ſo Das weiße Haar zuin ſtillen Grabe bringen. Ach, welch ein Leben waͤr's! wie ſuͤß! wie lieblich! Giebt nicht der Hagdorn einen ſuͤßern Schatten Dem Schaͤfer, der die fromme Heerd' erblickt, Als wie ein reichgeſtickter Baldachin Dem Koͤnig, der Verrath der Buͤrger fuͤrchtet? O ja, das thut er, tauſendmal ſo ſuͤſ! Rſt Und endlich iſt des Schaͤfers magrer Quark, Sein duͤnner Trank aus ſeiner Lederflaſche, Im kuͤhlen Schatten ſein gewohnter Schlaf, Was alles ſuͤß und ſorglos er genießt, Weit uͤber eines Fuͤrſten Koͤſtlichkeiten: Die Speiſen blinkend in der goldnen Schaale, Den Leib gelagert auf ein kunſtreich Bett, Wenn Sorge lauert, Argwohn und Verrath. (Getuͤmmel. Es kommt ein Sohn, der ſeinen Vater um⸗ gebracht hat, und ſchleppt die Leiche herbey.) Sohn. Schlecht weht der Wind, Keinem Vortheil bringt.— * Sz. 5. Dritter Lheil 297 Der Mann hier, den ich Hand an Hand erſchlug Mag einen Vorrath Kronen bey ſich haben, Und ich, der ich ſie gluͤcklich jetzt ihm nehme, Kann noch vor Nacht ſie und mein Leben laſſen An einen Andern, wie der Todte mir. Wer iſt's! O Gott! ich ſehe meinen Vater, Den im Gedraͤng' ich unperſehns getoͤdtet.“ O ſchlimme Zeit, die ſolch Beginnen zeugt! Aus London ward vom Koͤnig ich gemahntz Mein Vater, als Vaſall des Grafen Warwick, Von dem gemahnt, kam auf der Yorkſchen Seite, Und ich, der ich von ſeiner Hand das Leben Empfangen, raubt' es ihm mit meiner Hand. Verzeih mir, Gott, nicht wußt⸗ ich, was ich that! Verzeih auch, Vater, denn dich kannt' ich nicht! Die blut'gen Zeichen ſollen meine Thraͤnen Hinweg dir waſchen, und kein Wort mehr nun, Bis zur Genuͤge ſie gefloſſen ſind. S. k. Heinr. O kläglich Schauſpiel! o der blut'gen Zeit! Wenn Loͤwen um die Höhlen ſich bekriegen, Entgelten ihren Zwiſt harmloſe Lämmer.— Wein, armer Mann! Ich ſteh dir Thran' um Thrane Mit Weinen bey, daß Beyden Aug' und Herz Als waͤr' in uns ein buͤrgerlicher Krieg, Erblind' in Thraͤnen und vom Jammer breche⸗ (Es kommt ein Vater, der feinen Sohn umgebracht hat, mit der Leiche in den Armen.) S Vater. Du, der ſo ruͤſtig Widerſtand geleiſtet, Gieb mir dein Gold, wofern du welches haſt⸗ Mit hundert Streichen hab' ich es erkauft.— Doch laßt mich ſehn: iſt dieß ein Feindsgeſicht? Ach, nein, nein, nein! es iſt mein einziger Sohn.— Ach, Kind! wenn irgend Leben in dir iſt,. Schlag' auf, den Blick: ſieh, welche Schau'r entſtehn, Von meines Herzens Sturm auf deine Wunden Herbeygeweht, die Aug' und Herz mir tödten.— O Gott, erbarm' dich dieſer Jammerzeit! Was doch fuͤr Thaten, graufam, ſchlächtermäͤßig, Verblendet, meuteriſch und unnatuͤrlich, Die tödtliche Entzweyung taͤglich zeugt! D Kind, dein Vater gab zu fruh dir Leben, Und hat zu ſpaͤt des Lebens dich beraubt! R. Seinr. Weh uͤber Weh! mehr als gemeines Leid! O daß mein Tod die Greuel hemmen moͤchte! 2088 Koͤnig Heinrich VI. Erbarmen, guͤt'ger Himmel, o Erbarmen! Sein Antiitz fuͤhrt die rothe Roſ' und weiße, Die Ungluͤcksfarben unſrer zwiſt'gen Haͤuſer; Der einen gleichet ganz ſein purpurn Blut, Die bleiche Wange ſtellt die andre dar: Welk' eine Roſe dann, und bluͤh' die andre! Kämpft ihr, ſo muͤſſen tauſend Leben welken. Sohn. Wie wird die Mutter um des Vaters Tod Mich ſchelten, und ſich nie zufrieden geben! water. Wie wird mein Weib des Sohnes Mord in Thraͤnen Ertraͤnken, und ſich nie zuftieden geben!, R. Zeinr. Wie wird das Volk dem Koͤnig dieſes Slend Verarzen, und ſich nicht zufrieden geben! Sohn. Hat je ein Sohn den Vater ſo betrauert? Vater. Hat je ein Vater ſo den Sohn beweint? R. Feinr. Hat je ein Koͤnig ſo ſein Volk beklagt? Eur Leid iſt groß, doch zehnmal groͤßer meins. Sohn. Ich trage dich mit fort, mich ſatt zu weinen⸗ (Ab mit der Leiche.) Water. Hier dieſe Arme ſoll'n dein Leichenhemde, Mein Herz dein Grabmal, ſüßer Junge, ſeyn! Denn niemals ſoll dein Bild mein Herz verlaſſen. Die Bruſt ſoll das Gelaut' dem Todten ſeufzen, Dein Vater wird die Feyer ſo begehn, 1 Um dich betruͤbt, da er nicht mehre hat, Wie Priamus um all' die tapfern Soͤhne. Ich trag' dich fort, und fechtet wie ihr wollt: Ich hab' ermordet, wo ich nicht geſollt. (Ab mit der Leiche.) k. Feinr. Ihr Traurigen, die Leidenslaſt umfaͤngt, Hier ſizt ein Koͤnig, mehr wie ihr bedraͤngt. (Getuͤmmel. Angriffe. Konigin Margaretha, Prin 5 von Wales und Exeter treten auf.) Prinz. Flieht, Vater, flieht! Entflohn ſind alle Freunde, Und Warwick tobt wie ein gehetzter Stier, Fort! denn an unſern Ferſen ſitzt der Tod. marg. Zu Pferde, mein Gemahl! nach Berwick jagt! Eduard und Richard, wie ein paar Windhunde Den ſcheuen flͤcht'gen Haaſen vor ſich her, Mit feur'gen Augen, funkelnd von der Wuth, Und blut'gem Stahl, in grimmer Hand gefaßt, Sind hinter uns: und alſo ſchleunig fort! St 6 Dritter ghgi 299 Epet. Fort! denn die Rache koͤmmt mit ihnen nach. Nein, ſäumet nicht mit Einwendungen, eilt! Sonſt kommt mir nach, ſo will ich euch voran. R. Zeinr. Nein, nimm mich mit dir, beſter Exeter: Ich furchte nicht zu bleiben, doch ich wünſche Der Koͤnigin zu folgen. Vorwaͤrts, fort! (Alle ab.) Sechſte Szene. Cautes Getummel. Etifford kommt, verwundet.) Cliff. Hier brennt mein Licht zu Ende, ja, hier ſtirbt's, Das immer Koͤnig Heinrich hat geleuchtet. D Lancaſter! ich fuͤrchte deinen Sturz Mehr als der Seele Scheiden aus dem Leib. Viel Freunde band dir meine Lieb' und Furcht. Und, da ich falle, reißt die ſtarte Klammer, Schwaͤcht dich, und ſtaͤrkt den üͤberſtolzen York. Wie Sommerfliegen ſchwarmt gemeines Volk, Und wohin fliegen Muͤcken als zur Sonne? Und wer geht jetzo auf, als Heinrichs Feinde? O Phoͤbus! haͤttſt du nicht den Phaeton Erlaubt zu zügeln deine feur'gen Roſſe, Dein Wagen ſetzte nie die Erd' in Brand. Und, Heinrich, haͤtteſt du geherrſcht als König, Und wie dein Vater, und ſein Vater that, Dem Hauſe York um keinen Fußbreit weichend, Sie haͤtten nicht geſchwärmt wie Sommerfliegen! Ich, und zehntauſend in dem armen Reich, Verſetzten nicht in Trauer unſre Wittwen; Und friedlich ſaͤßeſt du auf deinem Stuhl. Denn was naͤhrt Unkraut, als gelinde Luft? Und was macht Raͤuber kuͤhn, als zu viel Milde? Fruchtlos ſind Klagen, huͤlflos meine Wunden: Kein Weg zur Flucht, noch Kraft, ſie auszuhalten; Der Feind iſt hart, und wird ſich nicht erbarmen, Denn ich verdient' um ihn ja kein Erbarmen, Die Luft drang in die ſchweren Wunden mir, Und viel Verluſt vom Blute macht mich matt, Pork, Richard, Warwick, alle her auf mich! Durchbohrt die Bruſt, wie euern Vätern ich. (EEr faͤllt in Ohnmacht.) 300 Konig Heinrich VI A. 1. (Getuͤmmel und Ruͤckzug.“ Eduard, Gevrge, Richard Montague und Warwick treten auf mit Soldaten.) xd. Nun athmet auf, ihr Lords; das gute Gluͤck Heißt uns verziehen, und die finſtre Stirn 13 Des Kriegs mit friedensvollen Blicken ſaͤnft gen. Ein Haufe folat der blutbegier'gen Königin, Die ſo den ſtillen Heinrich weggefuͤhrt, Iſt er ein Koͤnig ſchon, wie wohl ein Segel⸗ Bon einem heft'gen Windſtoß angefuͤllt, n Der Flut die Galeon' eutgegen zwihst. Doch denkt ihr, Lords, daß Clifford mit geflohn! warw. Nein,*s iſt unmöglich, daß er ſollt' entkommen, Denn, ſag' ichs ihm ſchon hier in's Angeſicht, Eur Bruder Richard zeichnet' ihn fuͤr's Grab, Und, wo er ſeyn mag, x iſt ſicher 2 Clifford ächzt.) ed. Weß Seele nimmt da ihren ſchweren Abſchied? Rich. Ein Aechzen war's, wie zwiſchen Tod und Leben⸗ d. Seht, wer es iſt: nun, da die Schlacht zu Ende, Freund oder Feind, behandelt ſchonend ihn. Rich. Heb' auf den Gnadenſpruch, denn es iſt Clifford, Der nicht zufrieden, abzuhaun den Zweig, Den Rutland fällend, als er Blaͤtter trieb, Sein mordriſch Meſſer an die Wurzel ſetzte, Poher der zarte Sproß ſo hold erwuchs; Ich meyn', an unſern Vater, Herzog York. warw. Holt von den Thoren Yorks ſein Haupt herab Sein hohes Haupt, das Clifford aufgeſteckt. Statt deſſen laßt die Stelle dieſes fullen, Mit Gleichem Gleiches muß erwiedert ſeyn, 3 Ed. Bringt her den Ungluͤcks⸗Uhu unſers Hauſes, Der nichts als Tod uns und den Unſern ſang. Run wird der Tod den droh'nden Laut ihm hemmen, Und ſeine grauſe Zunge nicht mehr ſprechen warw. Ich glaub', er iſt nicht bey ſich ſelber mehr⸗ Sprich, Clifford, kennſt du den, der mit dir ſpricht? Der Tod umduͤſtert ſeine Lebensſtrahlen, Er ſieht uns nicht, und hoͤrt nicht was man ſagt. Rich. O thät' er's doch! Er thut es auch vielleicht, Es iſt nur ſeine Liſt, ſich ſo zu ſtellen, Um ſolcher bittern Hoͤhnung auszuweichen, Wie er bey unſers Vaters Tod' geuͤbt. ——— Geere Wenn du das denkſt, plag' ihn mit ſcharfen Dritter Theil. 301 Worten. Rich. Clifford, erflehe Gnad', und finde keine. Ed. fford, bereu' in unfruchtbarer Buße. Warw. Erſinn Entſchuldigung für deine Thaten. Seorge. Indeß wir Folterpein dafuͤr erſinnen. Rich. Du liebteſt York, und ich bin Sohn von York. 8 Kd. Wie Rutlands du, will ich mich dein Erbarmen. Geogen Wo iſt dein Schutz nun, Hauptmann Mar⸗ Warw. Man hohnt dich, Clifford; fluche, wie du pflegteſt. Rich. Was! keinen Fluch? Dann ſteht es ſchlimm, cn hwenn Clifford Fuͤr ſeine Feinde keinen Fluch mehr hat. Nun ſeh' ich, daß er todt iſt, und, beym Himmel! Wenn dieſe Rechte ihm zwey Stunden Leben Erkaufen koͤnnte, um mit allem Spott Ihn hohnzunecken: abhau'n wollt' ich ſie 15 Mit dieſer meiner Hand, und mit der Wunde Blut Den Boͤſewicht erſticken, deſſen Durſt 4 York und der junge Rutland nicht geſtillt. Warw. Ja, er iſt todt; ſchlagt ab des Frevlers Haupt, Und ſtellt es auf, wo euers Vaters ſteht. Und nun nach London im Triumpheszug, Als Englands Koͤnig da gekrönt zu werden! Dann ſeßt nach Frankreich Warwick über's Meer, Und wirbt dir Fraulein Bona zum Gemahl. 5 So wirſt du dieſe Lander feſt verknuͤpfen, Und darfſt, im Bund mit Frankreich, nicht befürchten, Daß der zerſtreute Feind ſich wieder ſammle, Wie er es hofft; denn ob ſie ſchon nicht viel„ Mit Stechen ſchaden koͤnnen, wirſt du doch Sie um das Ohr dir läͤſtig fummen horen. Zuvoͤrderſt wohn' ich eurer Kroͤnuna bey, Und dann die See hinuͤber nach Bretagne, Die Eh' zu ſtiften, wenn's mein Fürſt genehmigt. Ed. Ganz wie du willſt, mein Wartick, ſoll es ſeyn, 1 Auf deiner Schulter bau' ich meinen Sitz, nd nimmer will ich etwas unternehmen, obey dein Rath und Beyſtimmung mir fehlt, 7 Richard, ich mache dich zum Herzog Gloſter,“ Und George von Clarence; Warwick, wie wir ſelbſt, Soll thun und laſſen, was ihm nur gefällt. 302 Konizahetnh Rich. Laß mich von Clarence, George von Gloſter Herzog ſeyn, Denn Gloſters Herzogthum iſt ungluͤckdeutend. warw. Pah! das iſt eine thoͤrichte Bemerkung: Richard, ſey Ferzel Gloſter; nun nach London, um in Beſitz der Wuͤrden uns zu ſetzen. .(Alle ab.) Dritter Aufzu g. Erſte Szene. 5 Ein Jagdrevier im Norden von England. (Zwey Foͤrſter treten„mit Armbruͤſten in der Hand.) . Förſt. Hier im verwachſnen Buſchwerk laß uns lauren, Denn uͤber dieſen Plan kommt gleich das Wild; Wir nehmen hier im Dickicht unſern Stand, Und leſen uns die beſten Stuͤcke aus.. 2. Förſt. Ich will dort oben auf die Anhoͤh' treten, Daß jeder von uns beyden ſchießen kann. 1. Förſt. Das darf nicht ſeynz der Larm von deiner Armbruſt Verſcheucht das Rudel, und mein Schuß iſt hin. Hier laß uns beyde ſtehn und beſtens zielen, Und, daß die Zeit uns nicht ſo lange waͤhrt, Erzähl' ich, was mir eines Tags begegnet, An eben dieſem Platz, wo jetzt wir ſtehn. 2. Förſt. Da kommt ein Mann, laß den voruber erſt. (Foͤnig Heinrich kommt verkleidet mit einem Gobetbuche.) R. Zeinr. Von Schottland ſtahl ich weg mich, bloß aus Li Liebe, Mit ſehnſuchtsvollem Blick mein Land zu grußen. Rein, Heinrich, Heinrich! dieß iſt nicht dein Land, Dein Platz beſetzt, dein Zepter dir entrungen, Das Hel, das dich geſalbt hat, weggewaſchen. Kein biegſam Knie wird ſetzt dich Cäſar nennen, Kein Bitter draͤngt ſich, für ſein Recht zu ſprechen, — Sz. 1. Dritter Theil. 303 Mein, niemand geht um Herſtellung mich an: Wie ſollt' ich Andern helfen, und nicht mir?. 1. Förſt. Das iſt ein Wild, deß Haut den Foͤrſter lohnt: Der weiland Koͤnig iſt's; laßt uns ihn greifen. R. Heinr. Der herben Truͤbſal will ich mich ergeben; Denn Weiſe ſagen: weiſe ſey's gethan 2. Förſt. Was zoͤgern wir? Laß Hand uns an ihn legen. 1.Förſt, Halt noch ein Weilchen, hoͤren wir noch mehr. B. Zeinr. Nach Frankreich ging mein Weib und Sohn um Huͤlfe, Auch hoͤr' ich, der gewalt'ge große Warwick Sey hin, um des Franzoͤßſchen Koͤnigs Tochter Fuͤr Eduard zur Gemahlin zu begehren. Iſt dieß gegruͤndet, arme Koͤnigin Und Sohn! ſo iſt verloren eure Muh'. Denn Warwick iſt ein feiner Redner, Ludwig Ein Fuͤrſt, den leicht beredte Worte ruͤhren. Margretha kann ihn ruͤhren, dem zufolge, Sie iſt ein ſo beklagenswerthes Weib; Sie wird mit Seufzern ſeine Bruſt beſtuͤrmen, Mit Thraͤnen dringen in ein marmorn Herz. Der Tiger ſelbſt wird milde, wenn ſie trauert, Und Nero reuig, wenn er ihre Klagen Und ihre ſalz'gen Thraͤnen hört und ſieht. Ja, doch ſie kam zu flehn, Warwick zu geben; Zur Linken ſie, begehrt fuͤr Heinrich Huͤlfe, Zur Rechten er, wirbt um ein Weib fuͤr Eduard. Sie weint und ſagt: ihr Heinrich ſey entſetzt; Er laͤchelt, ſagt: ſein Eduard ſey beſtallt; Daß nichts vor Gram die Arme mehr kann ſagen, Weil Warwick ſeinen Anſpruch zeigt, das Unrecht Beſchoͤnigt, Gruͤnde bringt von großer Kraft, Und ſchließlich ab von ihr den Koͤnig lenkt, Daß er die Schweſter ihm verſpricht, und alles Was Koͤnig Eduards Platz befeſt'gen kann. D Margaretha! ſo wird's ſeyn: du Arme iſt dann verlaſſen, wie du huͤlflos gingſt. 2 Förſt. Sag', wer du biſt, der du von Koͤn'gen da Und Koͤniginnen ſprichſt? 35 R. Heinr. Mehr als ic ſcheine, Und wen'ger als ich war durch die Geburt: 3 in Menſch, denn wen'ger kann ich doch nicht ſeyn; 30 4 Konig Heinrich VI. A. I. und Menſchen können ja von Koͤn'gen reden; gFörſt. Ja, doch du ſprichſt, als ob du Koͤnig waͤrſt. R. Heinr. Ich bins auch, im Gemuͤth; das iſt genug. Förſt. Biſt du ein Koͤnig, wo iſt deine Krone? R. Zeinr. Im Horzen trag' ich ſie, nicht auf dem Haupt, Nicht mit Demanten prangend und Geſtein, Noch auch zu ſehn: ſie heißt Zufriedenheit, Und ſelten freun ſich Koͤn'ge dieſer Krone. 2 Forſt. Gut, ſeyd ihr Konig der Zufriedenheit, Muß eure Kron' Zufriedenheit und ihr Zufrieden ſeyn mit uns zu gehnz wir denken, Ihr ſeyd's, den Koͤnig Eduard abgeſetzt, ünd wir, als Unterthanen, die ihm Treue Geſchworen, greifen euch als ſeinen Feind. R. Seing⸗ Doch ſchwortt ihr nie, und brachet euren Eid? 2. Förſt. Nie ſolchen Eid, und wollen's jetzt auch nicht. . Heinr. Wo war't ihr, als ich Koͤnig war von 2. Förſt. Hier in der Gegend, wo wir jetzo wohnen. R. Zeinr. Neun Monden alt, war ich geſalbter Koͤnig, Mein Vater, mein Großvater waren Koͤn'ge; Ihr habt mir Unterthanenpflicht geſchworen: So ſagt denn, bracht ihr eure Eide nicht? 1. Förſt. Nein, denn wir waren Unterthanen nur, So lang' ihr Koͤnig war't. 15 R. Beinr. Nun, bin ich todt, athm ich nicht, wie i Menſch! Ach, thöricht Volk! ihr wißt nicht was ihr ſchwoͤrt. Seht, wie ich dieſe Feder von mir blaſe, 36 Und wie die Luft zu mir zuruͤck ſie blaͤſt, Die, wenn ich blaſe, meinem Hauch gehorcht, Und einem andern nachgiebt, wenn er blaͤſt, Vom ſtärkern Windſtoß immerſort regiert:) So leichten Sinns ſeyd ihr geringen Leute⸗ Doch brecht die Eide nicht; mit dieſer Suͤnde Soll meine milde Bitt' euch nicht beladen. Fährt wie ihr wollt, der Konig folzt Befehlen; Seyd Koͤn'ge ihr, befehlt⸗ ich will gehorchen. 1. Förſt. Wir ſind des Koͤnigs treue Unterthanen, Des Koͤnigs Eduard. S Sz. 2. Dritter Theil. 0 K. Zeinr. Ihr würdet's auch von Heinrich wieber ſeyn, Wenn er an Konig Eduards Stelle ſäße. r. Förſt. In Gottes und des Koͤnigs Namen mahnen Wir euch, zu den Beamten mitzugehn. R. Zeinr. So fuͤhrt mich denn in Gottes Namen hin, Dem Namen cures Königs ſey gehorcht. Und, was Gott will, mag euer Koͤnig thun; Und, was er will, dem fuͤg' ich mich in Demuth⸗ 2(Alie ab.) 6 w y e London. Ein Zimmer im Palaſt. Goͤnig Eduard, Gloſter, Clarence und Lady Grey treten auf.) R. Ed. Bruder von Gloſter, af Sankt Albans Feld Fiel dieſer Frauen Gatte, Sir John Grey, Und ſeine Güter fielen an den Sieger. Sie ſucht nun an um Wiedereinſetzung, Was wir ihr billig nicht verweigern koͤnnen, Weil in dem Streite für das Haus von York Der wuͤrd'ge Mann ſein Leben eingebuͤßt, Gloſt. Eur Hoheit thaͤte wohl, es zu gewaͤhren; Es waͤre ſchimpflich, ihr es abzuſchlagen. R. Ed. Das waͤr' es auch, doch ſchieb' ich es noch auf. Gloſt. Ceyſeit zu Clarence.) Ey, ſteht es ſo?„ Die Dame, ſeh' ich, hat was zu gewaͤhren, Bevor der Koͤnig ihr Geſuch gewaͤhrt. Clar. Geyſeit.) Er kennt die Jagd: wie bleibt er bey der Faͤhrte! Gloſt.(beyſeit.) Still! S R. Ed. Wittwe! wir wollen eur Geſpräch erwaͤgen, Und kommt ein andermal um den Beſcheid 2. Grey. Ich kann Verzug nicht dulden, gnad'ger Fuͤrſt: Belieb' Eur Hoheit, jetzt mich zu beſcheiben, 5 Und was euch nur gefallt, ſoll mir genuͤgen. Gloſt.(beyſeit.) So, Wittwe? Dann verbuͤrg“ ich euch die Guͤter, I. 20 306 Koͤnig Beinrich VI. A. IIl. Wenn das) was ihm geföllt, euch Freude macht. Gebt beſſer Acht, ſonſt wird euch eins verſetzt. Clar.(behſeit.) Ich ſorge nicht, wenn ſie nicht etwa fallt. Gloſt.(beyſeit.) Verhut“ es Gott! Er naͤhm' den Vor⸗ 1 134 6 0 theil wahr. R. Ed. Wie viele Kinder haſt du, Wittwe! Sag' mir. Clar.(beyſeit.) Ich glaub', er denkt ſie um ein Kind ò5 9 zu bitten. Gloſt. Dann nenntmich Schelm; er giebt ihr lieber zwey. g. Grey. Drey, mein ſehr gnaͤd'ger Fuͤrſt. Gloſt.(beyſeit.) Er ſchafft euch vier, wenn ihr ihm fol⸗ 13 41 9 31 gen wollt. R. Ed. Hart waͤr's, wenn ſie des Vaters Land verloͤren. g. Grey. Habt Mitleid, hoher Herr, gewährt es ihnen. B. Ed. Laßt uns, ihr Lords, ich will den Witz der Wittwe pruͤfen. Gloſt. Wir laſſen euch, ihr bleibt euch uͤberlaſſen, Bis Jugend euch der Kruͤcke uͤberläßt. (Gloſter und Clarence treten auf die andre Seite zuruͤck.) R. Ed. Sagt, liebt ihr eure Kinder, edle Frau? L. Grey. Ja, ſo von Herzen, wie ich ſelbſt mich liebe. R. Ed. Und wolltet ihr nicht viel thun für ihr Wohl? L. Grey. Ich wollte fuͤr ihr Wohl ein Uebel dulden. R. Ed. Erwerbt euch denn die Guͤter fuͤr ihr Wohl. L. Grey. Deswegen kam ich zu Eur Majeſtaͤt. R. Ed. Ich ſag' euch, wie ſie zu erwerben ſind⸗ L. Grey. Das wird mich Euer Hoheit Dienſt verpflichten. Z. Ed. Was thuſt du mir zum Dienſt, wenn ich ſie gebe? LGrey. Was ihr befehlt, das bey mir ſteht zu thun. R. Ed. Ihr werdet euch an meinem Antrag ſtoßen. L. Grey. Nein, gnäd'ger Herr, ich muͤßte denn nicht Inn koͤnnen. R. Ed. Du kannſt das aber, was ich bitten will. L. Grey. So will ich thun, was Eure Hoheit fordert. Gloſt.(beyſeit.) Er draͤngt ſie ſcharf; viel Regen hoͤhlt . den Marmor. Clar.(beyſeit.) So roth wie Feu'r! Da muß ihr Wachs wohl ſchmelzen. Sz. 2 Dritter Theil. 307 6 Was ſtockt mein Fuͤrſt? Soll ich den Henſ nicht wiſſen? B. Ed. in leichter Dienſt: nur einen Koͤnig lieben. L. Grey. Das kann ich leicht als Unterthanin thun. R. Ed. Dann geb' ich gleich dir deines Gatten Guͤter. 6 Grey. Und ich empfehle mich mit tauſend Dank. Gloſt. S iſt richtig; ſie beſiegelt's mit dem Knicks. k. Ed. Verziche noch; der Liebe Fruͤchte meyn' ich. L. Grey. Der Liebe Fruͤchte meyn⸗ ich, beſter Fürſt. R. Ed. Ja, doch ich fuͤrcht', in einem Sinn. Um welche Liebe, glaubſt du, werb' ich ſo? L. Grey. Lieb' in den Tod, Dank, und Gebet fur euch; Wie Tugend Liebe bittet und gewaͤhrt. R. Ed. Nein, ſolche Liebe meyn' ich nicht, mein Treu! L. Grey. Nun wohl, dann meynt ihr nicht, ſo wie ich dachte. R. Ed. Nun aber, merkt ihr meinen Sinn zum Theil. L. Grey. Mein Sinn giebt nimmer zu, was, wie ich merke Eur Hoheit denket, denk' ich anders recht. k. Ed. Bey dir zu liegen, denk' ich, grad' heraus. L. Grey. Und grad' heraus, ich laͤg' im Kerker lieber. R. Ed. Nun, ſo bekoͤmmſt du nicht des Mannes Guͤter. L. Grey. So ſey die Ehrbarkeit mein Leibgtbingez um den Verluſt will ich ſie nicht erkaufen. B. Ed. Du thuſt damit den Kindern ſehr zu 1 L. Grey. Eur Hoheit thut hiemit es mir und ihnen. Doch dieſe muntre Neigung, hoher Herr, Stimmt nicht zu meinem Ernſt bey dem Geſuch. Entlaßt mit Ja mich gütigſt⸗ oder Nein.. B. Ed. Ja; wenn du Ja auf meinen Wunſch willſ ſagen; Nein, wenn du Nein auf mein Begehren ſagſt. L. Grey. Dann nein, mein und mein Geſuch aus. Gloſt.(beyſeit.) Die Wittwe mag ihn nicht, ſi e runzel ihre Stitn. Clar. Cbeyſeit.) Kein Menſch in Srſennde wirbt wohl plumper. 20 308 Koͤnig Heinrich VI. A. III. R. Ed. Nach ihren Blicken iſt ſie voller Sittſamkeit, Ihr Witz nach ihren Worten unvergleichlich; All ihre Gaben fordern Herrſcherrang, So oder ſo iſt ſie füͤr einen Koͤnig; ſ Sie wird mein Liebchen oder mein Gemahl.— Setz, Koͤnig Eduard nähm' dich zum Gemahl? L. Grey. Das läͤßt ſich beſſer ſagen, Herr, als thun; Ich Unterthanin tauge wohl zum Scherz, Allein zur Herrſcherin bey weitem nicht. R. Ed. Bey meinem Thron ſchwoͤr'ich dir, holde Wittwe, Ich ſage nur, was meine Seele wuͤnſcht: Das iſt, dich als Geliebte zu beſitzen. L. Grey. Und das iſt mehr, als ich will zugeſtehn⸗ Ich weiß, ich bin zu niedrig, eur Gemahl, Und doch zu gut, eur Kebsweib nur zu ſeyn⸗ R. Ed. Stecht Sylben nicht; ich meynte als Gemahl. L. Grey. Wenn meine Soͤhne nun euch Vater nennen, Das wird Eur Hoheit kraͤnken. n Nein, nicht mehr, Als wenn dich meine Toͤchter Mutter nennen. Du biſt'ne Wittwe, und haſt mehre Kinder; Ich, bey der Mutter Gottes! der ich noch Ein Junggeſelle bin, hab' ihrer auch; Wie ſchoͤn, der Vater vieler Kinder ſeyn! Erwiedre nichts, du wirſt nun mein Gemahl. Gloſt.(beyſeit.) Der Geiſtliche hat ſeine Beicht' vollbracht. Clar.(beyſeit.) Zum Beicht'ger hat ihn Leibliches gemacht. R. Ed. Euch wundert's, Bruͤder, was wir zwey ge⸗ fluͤſtert? Gloſt. Der Wittwe ſteht's nicht an, ſie ſieht verduſert. woaͤhlte?. R. Ed. Ihr fändet's fremd, wenn ich zur Frau ſie Ctar. Für wen, mein Fuͤrſt? R. Ed. Ey, Clarence, fuͤr mich ſelbſt. — —Gloſt. Das waͤr zum Wundern auf zehn Tage mind ſtens. Clar. Das iſt ein Tag mehr, als ein Wunder währt. Gloſt. So endlos wuͤrde dieſes Wunder ſeyn⸗ k. Ed. Gut, Brüder, ſpaßt nur fort: ich kann euch ſagen, Gewährt iſt das Geſuch ihr um die Guͤter. (Ein Edelmann tritt auf.) 3 Sz. 2. Dritter Theil. 309 oelm. Mein Fuͤrſt, eur Gegner Heinrich ward ergriffen; Gefangen bringt man ihn vor euer Schloß. R. Ed. So ſorgt, daß man ihn ſchaffe nachdem Thurm!— Und ſehn wir, Bruͤder, den, der ihn ergriff, r, Wittwe, geht mit uns.— Lords, haltet ſie in Ehren. (Koͤnig Cduard, Lady Grey, Clarence und Edelmann ab.) Gloſt. Ja, Eduard haͤlt die Weiber wohl in Ehren. Waͤr' er doch aufgezehrt, Mark, Bein und alles, Damit kein bluͤh'nder Sproß aus ſeinen Lenden Die Hoffnung kreuze meiner goldnen Zeit! Doch zwiſchen meiner Seele Wunſch und mir, Iſt erſt des uͤpp'gen Eduards Recht begraben, Steht Clarence, Heinrich und ſein Sohn, Prinz Eduard, Sammt ihrer Leiber ungehofften Erben, 4½ 6ön Um einſatreten, eh ich Platz gewinne: Ein ſchlimmer Vorbedacht fuͤr meinen Zweck! So traͤum' ich alſo nur von Oberherrſchaft, Wie wer auf einem Vorgebirge ſteht, Und ſpaͤht ein fernes gern erreichtes Ufer, 2 Und wuͤnſcht, ſein Fuß kaͤm' ſeinem Auge gleich:; Er ſchilt die See, die ihn von dorten trennt, Ausſchoͤpfen will er ſie, den Weg zu bahnen: So wuͤnſch' auch ich die Krone, ſo weit ab, Und ſchelte ſo, was mich von ihr entfernt, Und ſag', ich will die Hinderniſſe tilgen,. Mir ſelber ſchmeichelnd mit Unmoͤglichkeiten. Mein Auge blickt, mein Herz waͤhnt allzukuhn, Kann Hand und Kraft nicht ihnen gleich es thun. Gut! ſetzt, es giebt kein Koͤnigreich fuͤr Richard: Was kann die Welt fuͤr Freude ſonſt verleihn? Ich ſuch' in einer Schoͤnen Schooß den Himmel, Mit muͤnterm Anputz ſchmuͤck ich meinen Leib, Bezaubre holde Frau'n mit Wort und Blick. O klaͤglicher Gedank', und minder glaublich, Als tauſend goldne Kronen zu erlangen! Schwor Liebe mich doch ab im Mutterſchvoß, 5 Ihr uͤber die Verhaftung zu befragen. und, daß ihr ſanft Geſetz fuͤr mich nicht gaͤlte, Beſtach ſie die gebrechliche Natur Mit irgend einer Gabe, meinen Arm Wie einen duͤrren Strauch mir zu verſchrumpfen, Dem Ruͤcken einen neid'ſchen Berg zu thuͤrmen, Wo Häßlichkeit, den Koͤrper hoͤhnend, ſitzt, 310 Kdhig Heintichw. wu Die Beine von ungleichem Maaß zu formen, In jedem Theil mich ungeſtalt zu ſchaffen, Gleich wie ein Chaos oder Baͤrenjunges, Das, ungeleckt, der Mutter Spur nicht träͤgt. Und bin ich alſo wohl ein Mann zum Lieben? O ſchnöder Wahn, nur den Gedanken hegen! Weil denn die Erde keine Luſt mir beut, Als herrſchen, meiſtern, Andre unterjochen, Die beſſer von Geſtalt ſind, wie ich ſelbſt, So ſey's mein Himmel, von der Krone traͤumen, Und dieſe Welt fuͤr Hoͤlle nur zu achten, Bis auf dem mißgeſchaffnen Rumpf mein Kopf Umzirkelt iſt mit einer reichen Krone. Doch weiß ich nicht, wie ich die Kron' erlange, Denn manches Leben trennt mich von der Heimath; Und ich, wie ein im dorn gen. Wald Verirrter, Die Dornen reißend und davon geriſſen, Der einen Weg ſucht, und vom Wege ſchweift, Und weiß nicht wie zur freyen Luft zu kommen, Allein verzweifelt ringt, hindurchzudringen— So martr' ich mich, die Krone zu erhaſchen, Und will von dieſer Marter mich befreyn, Wo nicht, den Weg mit blut'ger Axt mir haun. Kann ich doch laͤcheln, und im Laͤcheln morden, Und rufen: ſchoͤn! zu dem⸗ was tief mich kraͤnkt, Die Wangen netzen mit erzwungnen Thraͤnen, Und mein Geſicht zu jedem Anlaß paſſen. Ich will mehr Schiffer als die Nix' erſaͤufen, Mehr Gaffer toͤdten als der Baſilisk; Ich will den Redner gut wie Reſtor ſpielen, Verſchmitzter tauſchen als Ulyß gekonnt, Und, Sinon gleich, ein zweytes Troja nehmen; Ich leihe Farben dem Chamaͤleon, Verwandle mehr als Proteus mich, und nehme Den moͤrd'riſchen Machiavell in Lehr'. Und kann ich das, und keine Kron erſchwingen? Ha! noch ſo fern, ich will herab ſie zwingen. (ab.) Sz. 3. Dritter 311 D rit e ze n e Frankreich. Ein zinner im vuu. Pauken und Frompeten. Koͤnig Lud wig und Bon a auf mit Bourbon, dem Admiral und Gefolge. Der Koͤ⸗ nig ſetzt ſich auf den Thron. Hierauf Koͤnigin Marga⸗ retha, Prinz Eduard und der Graf von Hyford. 7 R. Ludw. Cufſichend) Setzt, ſchöne Koͤnigin bon England, 46 Hier, wůrd ge Margarotha, zu uns her: 60 Es zicnt nicht eurem Range noch Geburt, Daß ihr ſo ſteht, indeſſen Ludwig ſitzt. marg. Nein, großer Koͤnig Frankreichs! Wrhn Muß nun ihr Segel ſtreichen, und fuͤr jet, Wo Koͤnige gebieten, dienen lernen. Ich war vom großen Albion Koͤnigin, Seſteh ich, in vergangnen goldnen Tagen, Doch Mißgeſchick trat meine Rechte nieder, Und ſtreckte ſchimpflich auf den Boden mich, Wo ich mich gleich muß ſetzen meinem Gluͤck, Und meinem niedern Sitze mich bequemen. R. Ludw. Wie ſo verzweifelt, ſchoͤne Konigin? marg. Um das, was mir die Augen fullt mit enn Die Zunge hemmt, das Herz in Gram ertraͤnkt. R. Ludw. Was es auch ſey, ſey du dir immer gleich, Und ſetz dich neben uns; beug' nicht den Nacken (Setzt ſie neben ſich) Dem Joch des Gluͤcks; dein unverzagter Muth uͤber jeden Unfall triumphiren. Sey offen, Koͤnigin, und ſag' dein Leid:* Wenn Frankreich heifen kann, ſo ſoll's eihehi Li marg. Dein gnädig Wort hebt den geſunknen Geiſt, Und läͤßt den ſtummen Gram zur Sprache kommen. Zu wiſſen ſey daher dem edlen Ludwig, Daß Heinrich, meines Herzens ein'ger Herr, Aus einem Koͤnig ein Verbannter ward, Und muß als Fluchtling jetzt in Schottiand leben, Indeß der ſtolze Eduard, Herzog York, Sich angemaßt des Titels und des Throns Von Englands ächtgeſalbtem, wahren Koͤnig. Und meines Fuͤrſten Herz zu offenbaren, 312 Koͤnig Heinrich vI. MI. Dieß iſt's, warum ich arme Margaretha, Mit meinem Sohn, Prinz Eduard, Heinrichs Erben, Dich um gerechten Beyſtand flehend komme;. Wenn du uns fehlſt, iſt unſre Hoffnung hin, Schottland hat Willen, doch nicht Macht zu helfen; Mißleitet iſt ſo unſer Volk wie Pairs, Der Schatz genommen, auf der Flucht das Heer, Und, wie du ſiehſt, wir ſelbſt in Aengſten ſchwer. R. Ludw. Beruͤhmte Fuͤrſtin, ſänft'ge mit Geduld Den Sturm, indeß wir ſinnen ihn zu daͤmpfen. marg, Je mehr wir zoͤgern, wird der Feind verſtaͤrkt. R. Ludw. Je mehr ich zogre, leiſt' ich Beyſtand dir. marg. Ach, Ungeduld begleitet wahre Leiden, Und ſeht, da kommt der Stifter meiner Leiden. (Warwick tritt auf mit Gefolge.) R. Ludw. Wer iſt's, der kuͤhn in unſre Nähe tritt? marg. Der Graf von Warwick, Eduards groͤßter Freund. R. Ludw. Willkommen, tapfrer Warwick! Sag', was efuͤhrt dich her? (Er ſteigt vom Thron. Margaretha ſteht auf.) marg. Ja, nun beginnt ein zweyter Sturm zu toben, Denn dieſer iſt's, der Wind und Fiut bewegt. warw. Der wuͤrd'ge Eduard, Koͤnig Albions, Mein Herr und Fuͤrſt, und dein geſchworner Freund, Hat mich geſandt aus ungeſchminkter Liebe, Erſt, deine fuͤrſtliche Perſon zu gruͤßen, Dann einen Bund der Freundſchaft zu begehren, Und endlich, dieſe Freundſchaft zu befeſt'gen Durch ein Vermaͤhlungsband, wenn du geruhſt Die tugendſame Schweſter, Fraͤulein Vona, Zur Eh' dem Koͤnig Englands zu gewaͤhren. marg. Wenn das geſchieht, iſt Heinrichs Hoffnung hin. warw.(Zur Bona.) Und, gnaͤd'ges Fräulein, von des Koͤnigs wegen Bin ich befehligt mit Verguͤnſtigung In aller Demuth eure Hand zu kuͤſſen, Wo juͤngſt der Ruf, in's wache Ohr ihm dringend, Aufſtellte deiner Schoͤnheit Bild und Tugend. marg. Vernehmt mich, Koͤnig Ludwig, Fraulein Bona, Eh ihr zur Antwort ſchreitet. Warwicks Bitte Sz. 3. Drktres Sh 313 Kommt nicht von Eduards wohlgemeinter Lebe, Sie kommt vom Truge her, aus Noth erzeugt. Kann ein Tyrann zu Hauſe ſicher herrſchen, ii Wenn er nicht auswärts mächtig ſich verbindet? 38 Er ſey Tyrann, beweiſt genugſamm dieß, Daß Heinrich ja noch lebt; und wär' er. Hier ſteht Prinz Eduard, Koͤnig Heintichs Sohn. Drum, Ludwig, ſieh, daß dieſes Heyrathsbundniß Dich nicht in Schaden bring' und in Geſchr Denn, wenn der Uſurpator auch ein Weilchen Das Zepter fuͤhrt, der Himmel iſt gerecht, Und von der Zeit wird Unrecht unterdruͤckt. Warw. Schmaͤhſücht'ge Margaretha! Prinz. Warum nicht Koͤnigin? Warw. Dein Vater Heinrich war ein Ufurpator, 6 Du biſt nicht Prinz, wie ſie nicht Koͤnigin. Oyf. Den großen Gaunt vernichtet Warwick denn, Der Spaniens groͤßten Theil bezwungen hat? Und nach Johann von Gaunt, einrich den vierten, An deſſen Weisheit Weiſe ſich geſpiegelt? Und nach dem weiſen Herrn, Heinrich den fuͤnften, Deß Heldenkraft ganz Frankreich hat etobert: Von dieſer Reih' ſtammt unſer Heinrich ab. Warw. Orford, wie kommt's bey dieſer glatten Rede, Daß ihr nicht ſagtet, wie der ſechſte Peſih All das verloren, was der fuͤnfte ſchaffte? Mich duͤnkt, das muͤßten dieſe Pairs belächeln. Doch ferner zaͤhlt ihr einen Stammbaum auf Von zwey und ſechzig Jahren: eine duͤrft'ge Zeit Fuͤr die Verjährung eines Koͤnigreichs. v byf. So, Warwick, ſprichſt du wider deinen Fuͤrſten, Dem du gehorcht haſt ſechs und dreyßig Jahr, 5 n Und kein Erroͤthen zeiht dich des Verraths? Warw. Kann Oyford, der von je das Recht geſchirmt, Mit einem Stammbaum Falſchheit nun bemaͤnteln? Pfui, laß von Heinvich, und nenn' Eduard Koͤnig! Ppyf. Ihn Koͤnig nennen, deſſen harter Spruch Den ſi mir, Lord n Vere, Zum Tod geführt? Ja mehr noch, meinen Vater Recht in dem Abfall ſeiner muͤrben Jahre, Als an des Todes Thor Natur ihn brachte? Nein, Warwick, nein! So lang' mein Arm ſich haͤlt, Haͤlt er das Haus von Lancaſter empor. 314 Koͤnig Heinrich VI. A. III. warw. Und ich das Haus von York. R. Ludw. Geruhet, Koͤnigin, Prinz Eduard⸗ Orford, Auf unſre Bitte doch beyſeit zu treten, Weil ich mit Warwick ferner mich beſpreche. marg. Daß Warwicks Worte nur ihn nicht bezaubern! (Sie tritt mit dem Prinzen und Oyford zuruͤck.) R. Ludw. Nun, Warwick, ſag' mir, recht auf dein ii Ob Eduard euer wahrer Koͤnig iſt? Denn ungern mocht' ich mich mit dem verknuͤpfen, Der nicht gemaͤß dem Rechte waͤr' erwaͤhlt. warw. Darauf verpfänd ich Ehr' und Glauben dir. R. Ludw. Dann ferner, alle Falſchheit abgethan, Sag' mir in Wahrheit ſeiner Liebe Maaß Ju unſrer Schweſier Bona. warw. Sie erſcheint Ganz wuͤrdig eines Fuͤrſten, ſo wie er⸗ Oft hoͤrt ich ſelbſt ihn ſagen und beſchwoͤren: Ein ew'ger Baum ſey dieſe ſeine Liebe, Der in der Tugend Boden ſeſt gewurzelt, Dem Laub und Frucht der Schoͤnheit Sonne treibt; Von Tuͤcke frey, nicht von verſchmähter Wahl, Bis Fraͤulein Bona loſet ſeine Qual. R. Ludw. Nun, Schweſter, ſagt uns euren feſten Schluß Bona. Eu'r Jawort, euer Weigern, ſey auch meins. ( Zu Warwick.) Jedoch bekenn' ich, daß ſchon oft zuvor, Wenn man von eures Koͤnigs Werth berichtet, Mein Ohr das Urtheil zum Verlangen lockte. R. Ludw. So hoͤr' denn, Warwick; meine Schwe⸗ ſter wird Gzemahlin Eduards, und entwerfen ſoll Man Punkte nun ſogleich, das Leibgedinge Betreffend, das eur Koͤnig machen muß, Um ihren Brautſchatz damit aufzuwaͤgen. 3 Komm, Königin Margretha, ſeyd hier Zeugin, Daß Bona ſich verlobt mit Englands Koͤnig. prinz. Mit Eduard, aber nicht mit Englands Koͤnig. marg. Betruͤgeriſcher Warwick! deine Liſt War's, mein Geſuch durch dieſen Bund zu hindernz Bevor du kamſt, war Ludwig Heinrichs Freund⸗ Sz 3. Dritter Theil. 315 R. Ludw. Und iſt noch ſein und Margarethens Freund. Doch iſt eur Anſpruch an die Krone ſchwach, Wie es nach Eduards gutem Fortgang ſcheint, Dann iſt's nur billig, daß ich freygeſprochen Vom Beyſtand werde, den ich juͤngſt verhieß. Ihr ſollt von mir noch alle Guͤt' erfahren, Die euer Loos verlangt, und meins gewaͤhrt. Warw. Heinrich lebt jetzt in Schottland ganz nach Wunſch, Und da er nichts hat, kann er nichts verlieren. Ihr ſelber, unſre weiland Koͤnigin, Habt einen Vater euch zu unterhalten, Und ſolltet dem, ſtatt Frankreich, laͤſtig fallen. marg. Still, frecher unverſchaͤmter Warwick! ſtill Der Kön'ge ſtolzer Schoͤpfer und Vernichter! Ich will nicht fort, bis meine Wort' und Thraͤnen Voll Wahrheit, Koͤnig Ludwig deine Tuͤcke Und deines Herren falſche Lieb' entdeckt: Denn ihr ſeyd Weſen von demſelben Schlag. i (Man hoͤrt draußen ein Poſthorn.) k. Ludw. Warwick, an dich kommt Botſchaft, oder uns. (Ein Bote tritt auf.) Bote. Mein Herr Geſandter, hier ein Brief an euch, Von eurem Bruder, Markgraf Montague; Vom Koͤnig dieſer an Eur Majeſtaͤt; 36. Gu Margarethen.) Der, gnaͤd'ge Frau, an euch: von wem das weiß ich nicht. (Alle leſen ihre Briefe.) Pyf. Mir ſteht es an, daß unſre holde Herrin Mit Laͤcheln lieſt, da Warwick finſter ſieht. Prinz. Seht nur, wie Ludwig ſtampft vor Ungeduld; Ich hoff' es geht noch gut. R. Ludw. Nun, Warwick, wie iſt deine Neuigkeit? Und wie die eure, ſchoͤne Koͤnigin? marg. Die mein' erfuͤllt mich unverhofft mit Freude. Warw. Die meine bringt mir Leid und Mißvergnuͤgen. R. Ludw. Was? nahm eur Koͤnig Lady Grey zur Ch'? Und eur' und ſeine Falſchheit zu beſchoͤnen, Raͤth er Geduld mir an durch dieſen Zettel? Iſt das der Bund, den er mit Frankreich ſucht? Darf er es wagen, ſo uns zu verhoͤhnen? Marg. Ich ſagt' es Euer Majeſtaͤt voraus: Dieß zeugt von Eduards Lieb' und Warwicks Redlichkeit. 316 Kbnig Heinrich VI. A. III. warw. Hier, Koͤnig Ludwig, vor des Himmels Antlitz Und bey der Hoffnung auf mein tni Heil, Schwoͤr' ich mich rein an dieſem revel Eduards, Nicht meines Koͤnigs ahe denn der entehrt mich, Sich ſelbſt am meiſten, äh' er ſeine Schande. Vergaß ich, daß mein Vater ſeinen Tod Unzeitig durch das Haus von York gefünden? Ließ hingehn meiner Nichte Mißhandlung! Umgab ihn mit der königlichen Krone? Stieß Heinrich aus dem angeſtammten Recht? Und wird zuletzt mir ſo gelohnt mit Schande? Schand' uͤber ihn! Denn ich bin Ehre werth; Und, die für ihn verlorne herzuſtellen, Sag ich ihm ab, und wende mich zu Heinrich. Laß, edle Konigin, den alten Groll: Ich will hinfort dein tleuer Diener ſeyn, Sein Unrecht an der Fraͤulein Bona raͤchen, uUnd Heinrich wieder ſetzen auf den Thron. marg, Warwick, dein Wort hat meinen Haß in Liebe Verkehrt, und ich vergebe und vergeſſe Die alten Fehler ganz, und bin erfreut, Daß du der Freund von Koͤnig Heinrich wirſt. warw. So ſehr ſein Freund, ja ſein wahrhafter Freund, Daß, wenn der Koͤnig Ludwig wenig Schaaren Erleſnen Volks uns zu verleihn geruht, So unternehm' ich, ſie bey uns zu landen, Und den Tyrann mit Krieg vom Thron zu ſtoßen. Nicht ſeine neue Braut beſchirmt ihn wohl, Und Clarence, wie mir meine Briefe melden, Steht auf dem Punkte, von ihm abzufallen, Weil er gefreyt nach uͤppger Luſt, ſtatt Ehre Und unſers Landes Staͤrk' und Sicherheit. Bona. Wo findet Bona Rache, theurer Bruder, Hilſſt du nicht der bedraͤngten Koͤnigin! marg. Beruͤhmter Fuͤrſt, wie ſoll mein Heinrich leben, Erretteſt du ihn von Verzweiflung nicht? Bona. Mein Streit und dieſer Koͤnigin ſind eins. warw. Und meiner tritt, Prinzeſſin, eurem bey. R. Ludw. Und meiner eurem, deinem und Margrethens. Deßwegen bin ich endlich feſt entſchloſſen Euch beyzuſtehn.. marg. Laßt unterthaͤnig mich fuͤr alle danken. Sz. 3. Dritter Theil. 317 R. Ludw. Dann, Englands Bote, kehre ſchleunig heim, Und ſage deinem eingebild'ten Koͤnig,. Dem falſchen Eduard, daß ihm Ludewig Von Frankreich Masken will hinuͤber ſenden Zum Tanz mit ihm und ſeiner neuen Braut. Du ſiehſt, was vorgeht: geh damit ihn ſchrecken. 1 Bona. Sag' ihm, in Hoffnung ſeiner bald'gen Witt⸗ werſchaft Trag' ich den Weidenkranz um ſeinetwillen. Marg. Sag' ihm, die Trauer ſey bey Seit⸗ geſchafft, Und kriegeriſche Rüſtung leg' ich an. Warw. Sag' ihm von mir, er habe mich gekraͤnkt, Drum wollt' ich ihn entkroͤnen, eh er's denkt. Hier iſt dein Lohn, und geh. (Der Bote ab.) „ R. Ludw. Nun, Warwick, Du und Orford, mit fuͤnftauſend Mann, Sollt uͤber's Mrer, und Krieg dem Falſchen bieten, Und dieſe edle Fürſtin und ihr Prinz Soll, wie's die Zeit giebt, mit Verſtaͤrkung folgen. Doch, eh du gehſt, loͤſ' Einen Zweifel mir: Was dient zum Pfand für deine feſte Tren? Warw. Dieß ſoll euch ſichern meine ſtete Treu: Wenn unſre Koͤnigin genehm es haͤlt,. Und dieſer junge Prinz, will ich alsbald Ihm meine aͤltſte Tochter, meine Luſt, Verknuͤpfen durch der Trauung heil'ges Band. Marg. Ich halt's genehm, uſbt euch fuͤr den 6 ſiag. Sohn Eduard, ſie iſt weiſ' und tugendſam, i Drum zoͤgre nicht, gieb deine Hand an Warwick, Und mit ihr dein unwiderruflich Wort, 9 Daß Warwicks Tochter einzig dein ſoll ſeyn. 1. Prinz. Ich nehme gern ſie an, denn ſie verdient es; Und hier zum Pfande biet' ich meine Hand. p Er giebt Warwick die Hand.) B. Ludw. Was zoͤgern wir? Man ſoll die Mann⸗ ſchaft werben, Und, Bourbon, du, Großadmiral des Reichs, Sollſt ſie mit unſrer Flotte uͤberſetzen; enn mich verlangt, daß er ſey ausgerottet, Weil ein Franzoͤſiſch Fraͤulein er verſpottet.“ .(Alle ab, außer Warwick.) 318 Kdoͤnig Heinrich VI. A. IV. Wwarw. Ich kam von Eduard als Geſandter her, Doch kehr' ich heim als ſein geſchworner Feind; Zur Heirathsſtiftung gab er Auftrag mir, Doch droh'nder Krieg erfolgt auf ſein Begehren. att' er zum Spielzeug niemand ſonſt als mich? So will nur ich den Spaß in Leid verkehren. Ich war voraus, zur Kron' ihn zu erheben, Und will voraus ſeyn, wieder ihn zu ſtuͤrzen? Nicht, daß mir Heinrichs Elend klaͤglich ſey, Doch raͤchen will ich Eduards Neckerey⸗ Vierter Aufzug. Erſte Szene. London. Ein Zimmer im Palaſt. (Gloſter, EClarence, Somerſet, Montague und An⸗ dre treten auf.) Gloſt. Nun ſagt mir, Bruder Clarence, was denkt ihr Von dieſer neuen Eh' mit Lady Grey! Traf unſer Bruder keine wuͤrd'ge Wahl? Clar. Ach, wie ihr wißt, s iſt weit nach Frankreich hin; Wie konnt' er Warwicks Wiederkunft erwarten? Som. Mylords, laßt dieß Sehricht da kommt der nig. (Trompeten und Pauken. Koͤnig Eduard mit Gefolge, Lady Grey als Koͤnigin, Pembroke, Staſford, Haſtings und Andre treten auf.) Gloſt. Und ſeine wohlgewählte Braut. Clar. Ich ſag' ihm, was ich denke, grad' heraus. R. Ed. Nun, Bruder Clarence, wie duͤnkt euch die Wahl Daß ihr nachdenklich ſteht, halb mißvergnuͤgt? Clar. So gut wie Ludwig und dem Grafen Warwick⸗ Die von ſo ſchwachem Muth und Urtheil ſind, Daß unſre Mißhandlung ſie nicht beleidigt. Der Fraͤulein Bona zum Geſpoͤtt gemacht. Iſt nun entehrt durch dieſe neue Sie und wir ſelbſt ſind unſre Sicherheit. Sz 1. Dritter Theil. 3¹9 R. Ed. Setzt, daß ſie ohne Grund beleidigt waͤren, Sie ſind nur Ludwig, Warwick; ich bin Eduard, Eur Herr und Warwicks, und muß ſchalten können. Gloſt. Und ſollt auch ſchalten, weil ihr unſer Herr: Doch uͤbereilte Eh' thut ſelten gut. R. Ed. Ey, Bruder Richard, ſeyd ihr auch beleidigt? Gloſt. Ich nicht; Verhuͤte Gott, daß ich geſchieden wuͤnſchte, Die Gott verbunden; ja und es waͤr“ Schade Ein Paar zu trennen, das ſo ſchoͤn ſich paßt. R. Ed. Vom Hohn und Widerwillen abgeſehn, Sagt mir, weswegen Lady Grey mein Weib Und Englands Koͤnigin nicht werden ſollte? Ihr gleichfalls, Somerſet und Montague, Sprecht offen, was ihr denkt. Clar. So iſt dieß meine Meynung: Koͤnig Ludwig Wird euer Feind, weil ihr ihn mit der Heirath Gloſt. Und Warwick, der nach eurem Auftrag that, Heirath. R. Ed. Wie, wenn ich beyde nun durch neue Mittel, Die ich erſinnen kann, zufrieden ſtelle? mont. Doch ſolchen Bund mit Frankteich einzugehn, Hätt' unſern Staat geſchirmt vor fremden Stuͤrmen, Mehr als es eine Landes⸗Heirath kann. Zaſt. Weiß Montague denn nicht, daß England ſicher Fuͤr ſich ſchon iſt, bleibt es ſich ſelbſt nur tren? mont. Ja, doch gedeckt von Frankreich ſich'rer noch. Zaſt. S iſt beſſer, Frankreich nutzen als vertraun. Laßt uns durch Gott gedeckt ſeyn und das Meer, Das Gott uns gab zu einem feſten Walle, Und wehren wir mit ihrer Huͤlf' uns bloß; Clar. Fuͤr dieſe Rede ſchon verdient Lord Haſtings Zur Eh' die Erbin des Lord Hungerford. R. Ed. Nun gut, was ſoll's? Es war mein Will' und ort, Und dießmal gilt mein Wille fuͤr Geſet. 3 Gloſt. Doch duͤnkt mich, Eure Hoheit that nicht wohl, Die Tochter und die Erbin des Lord Scales Dem Brnder eurer theuren Braut zu geben; 320 Koͤnig Heinrich VI. A. IV. Mir oder Elarence käm' ſie beſſer zu; Doch Bruderlieb' iſt in der Braut begraben. Clar. Sonſt haͤttet ihr die grbin des Lord Bonville Nicht eures neuen Weibes Sohn verliehn, Und eure Bruͤder ſonſt wo freyen laſſen. R. Ed. Ach, armer Clarence! biſt du mißvergnuͤgt Nur um ein Weib! Ich will dich ſchon verſorgen. Clar. Die Wahl fuͤr euch verrieth ſchon euer Urtheil; Und da es ſeicht iſt, ſo erlaubt mir nur Den Unterhaͤndler fuͤr mich ſelbſt zu ſpielen, Wozu ich nächſtens denk' euch zu verlaſſen. R. kd. Geht oder bleibt, Eduard will Koͤnig ſeyn, Und nicht gebunden an der Bruͤder Willen. g. Grey. Mylords, eh Seine Majeſtaͤt beliebte Mich zu erhöhn zum Rang der Koͤnigin, Seyd gegen mich ſo billig, zu bekennen, Daß ich von Abkunft nicht unedel war, Und daß Gering're gleiches Gluck gehabt. Doch wie der Rang mich und die Meinen ehrt, So woͤlket ihr, die ich gewinnen moͤchte, Mir abhold, mit Gefahr und Leid die Freude. R. Ed. Mein Herz, laß ab den Nuͤrriſchen zu ſchmeicheln. Was fuͤr Gefahr und Leid kann dich betreffen⸗ So lang' nur Eduard dein beſtaͤnd'ger Freund, Und ihr Monarch, dem ſie gehorchen muͤſſen? Ja, und gehorchen werden und dich lieben, Wenn ſie nicht Haß von mir verdienen wollen. Und thun ſie das, dich ſtell' ich ſicher doch, Sie ſollen meines Grimmes Rache fuͤhlen. Gloſt. Ceyſeit.) Ich ſage wenig, denke deſto mehr. S5(Ein Bote tritt auf.) k. Ed. Nun, Bote, was fuͤr Brief' und Neuigkeiten Aus Frankreich? Bote. Mein Koͤnig, teine Brief' und wenig Worte, Doch die ich ohn' Begnadigung von euch Nicht melden darf. k. Ed. Gut, wir begnad'gen dichz drum ſage kurzlich So gut du dich entſinnſt, mir ihre Worte⸗ Was gab der König unſerm Brief zur Antwort? Bote. Dieß waren ſeine Worte, da ich ſchied: „Geh, ſage deinem eingebild'ten Koͤnig, Sz. 1. Dritter Theil. 32¹ „Dem falſchen Eduard, daß ihm Ludewig „Von Frankreich Masken will hinuͤberſenden,. „Zum Tanz mit ihm und ſeiner neuen Braut.“ R. Ed. Iſt er ſo bravt Eythalt mich wohl Wuzzié⸗ Doch was fagt Fraulein Bona zu der Heirath? Bote. Dieß waren ihre ſanft unwill gen Worte: „Sag' ihm, in Hoffnung ſeiner bald'gen Wittwerſchaft „Trag' ich den Weidenkranz um ſeinetwillen.“ R. Ed. Ich tadle drum ſie nicht, ſie konnte wohl Nicht wen'ger ſagen; ſie verlor dabey. Was aber ſahte Heinrichs Eh'gemahl? Denn, wie ich hoͤrte, war ſie dort zugegen. Bote.„Sag' ihm,“ ſprach ſie,„die Trau'r ſey abgethun, kriegeriſche Ruͤſtung leg' ich an.“ d. Es ſcheint, ſie will die Amazone. Won aber ſagte Warwick zu dem Hohn! Bote. Er, wider Eure Majeſtät entruͤſtet, als ſie all' entließ mich mit bentWeateuz Sag' ihm von mir, er habe mich gekränkt, „Drum woll' ich ihn entkroͤnen, eh er's denkt.“ R. d. Ha! wagte der Verraͤther ſo zu freveln? Nun wohl, ich will mich ruͤſten, ſo gewarnt: Krieg ſolhn ſie haben, und den Hochmuth büßen. Doch ſag', iſt Warwick Freund mit Margarethen? Bote. Ja, gnaͤd'ger Fuͤrſt; ſo innig iſt die Freundſchaft, Daß ſich ihr Prinz vermaͤhlt mit Warwicks Tochter. Clar. Wohl mit der ältern; Elgrence will die juͤngſte. Lebt wohl nun, Bruder Koͤniſt ſitzt nur feſt, Denn ich will fort zu Watwicks andrer Tochter, Damit ich, fehlt mir ſchon ein Königreich, In der Vermaͤhlung euch nicht nachſtehn möge.— Wer mich und Warwick liebt, der folge mir⸗ (Clarence ab, und Somerſet ſolg ihm nach) Gloſt. Grſeit) Nicht ich, mein Sinn weit'res Zi Ich bleibe, Eduard nicht, der Krone nut zu kieb. R. Ed. Clarence und Somerſet zum Warwick beyde! Doch bin ich auf das Aeußerſte gewaffnet, Und Eil' iſt noͤthig bey der großen Noth.— Pembroke und Stafford, geht, bringt Ranſchaft auf Zu S Dienſt, macht Zuruͤſtung zum i 3 ½ Kdnig Heinrich VI. u. 1V. Sie ſind gelandet oder werden's naͤchſtens; Ich ſelbſt will ſchleunig in Perſon euch folgen. (GPembrocke und Stafford ab) Doch eh ich geh', Haſtings und Montague, Löſt meinen Zweifel. Ihr, vor allen Andern, Seyd Warwick nah durch Blut und Freundſchaftsbund: Sagt, ob ihr Warwick lieber habt als mich? Wenn dem ſo iſt, ſo ſcheidet hin zu ihm, Statt falſcher Freunde wuͤnſch' ich euch zu Feinden. Doch wenn ihr denkt, mir treue Pflicht zu halten, Verbuͤrgt es mir mit freundlicher Verheißung, Daß ich nie Argwohn hege wieder euch. mont. Gott helfe Montague nach ſeiner Treu! Zaſt. Und Haſtings, wie er Eduards Sache fuͤhrt! R. Ed. Nun, Bruder Richard⸗ wollt ihr bey uns ſtehn! Gloſt. Ja, troß jedwedem, der euch widerſteht. R. Ed. Nun wohl, ſo bin ich meines Siegs gewiß. Drum laßt uns fort, und keine Muͤh' vergeſſen, Bis wir mit Warwicks fremder Macht uns meſſe 5 5 3 weyte Szene Eine Ebene in Warwick⸗Shire. (Warwick und Hyford treten auf, mit Franzöſiſchen und andern Truppen,) 3 warw. Glaubt mir, Mylord, bis jetzt geht alles gut; Das niedre Volk ſtroͤmt uns in Haufen zu. (Clarence und Somerſet treten auf) Doch ſeht, da kommt Somerſet und Clarence.— Sagt ſchleunig, Mylords: ſind wir fämmtlich Freunde? Clar. Sorgt darum nicht, Mylord⸗ Warw. Willkommen dann dem Warwick, lieber Clarence! Willtommen, Somerſet! Ich halt's fuͤr Feigheit, Argwoͤhniſch bleiben, wo ein edles Herz Die offne Hand als Liebespfand gereicht; Sonſt koͤnnt' ich denken, Clarence, Eduards Bruder, Sey ein verſtellter Freund nur unſers Thuns: Doch ſey willkommen; ich geb' dir die Tochter. Sz. 2. Dritter Theil. 323 Was iſt nun uͤbrig, als im Schutz der Nacht, Da unbeſorgt dein Bruder ſich gelagert, Rings in den Städten ſeine Schaaren liegen, Und eine bloße Wach' ihn nur umgiebt, Ihn uͤberfallen und nach Wunſche fangen? Die Spaͤher fanden leicht dieß Unternehmen, Daß, wie Ulyſſes und Held Diomed Zu Rheſus Zelten ſchlau und mannhaft ſchlichen, Und Thraciens verhaͤngnißvolle Roſſe Von dannen fuͤhrten: ſo auch wir, gedeckt Vom Mantel ſchwarzer Nacht, ganz unverſehens Die Wachen Eduards mogen niederhau'n, 5 Und greifen ihn,— ich ſage nicht, ihn toͤdten, Denn ihn zu uͤberfallen denk' ich nur⸗ Ihr, die ihr zu dem Abentheur mir folgt, Mit eurem Führer jubelt Heinrichs Namen. (Alle rufen:„Heinrich!) Nun denn, laßt ſchweigend unſern Weg uns ziehn: Gott und Sankt George fuͤr Warwick und die S . ea Dritte Szene. Eduards Lager in der Naͤhe von Warwic. (Schildwachen vor des Koͤnigs Zelt treten auf) 1. Schildw. Kommt, Leute, nehme jeder ſeinen Stand, Der Koͤnig hat ſich ſchon zum Schlaf geſetzt. 2. Schildw. Was? will er nicht zu Bett? . Schtldw. Nein, er hat einen hohen Schwur gethan, Niemals zu liegen, noch der Ruh' zů pflegen, Bis Warwik oder er ganz unterlegen. 2. Schildw. Vermuthlich wird das morgen ſeyn am Tag, Wenn Watwick ſchon ſo nah iſt, wie es heißt. 3. Schildw. Doch bitte, ſagt, wer iſt der Edelmann, Der bey dem Koͤnig hier im Zelte ruht? 1. Schildw. Lord Haſtings iſt's, des Koͤnigs groͤßter Freund. 3. Schildw. Owirklich? Doch warum befiehlt der Koͤnig, Daß all ſein Anhang rings in Staͤdten herbergt, Indeß er ſelbſt im kalten Felde bleibt? 21* 324 Kdnig Heinrich VI. A IV 2. Schildw. Es iſt mehr Ehre, weil's gefaͤhrlicher. 3. Schildw Ja, aber gebt mir Achtbarkeit und Ruh', Das lieb' ich mehr als Ehre und Gefahr. Wenn Warwick wuͤßt', in weicher Lag' er iſt, S iſt zu befürchten, daß er wohl ihn weckte. 1. Schildw. Wenn's unſre Hellebarden nicht ihm wehren. . Schildw. Ja, wozu ſonſt bewachen wir ſein Zelt, Als ihn vor nacht'gem Anlauf zu beſchützen. S (Warwick, Clarence, Hpford und Somerſet treten auf mit Druppen) warw. Dieß iſt ſein Zelt, ſeht ſeine Wachen ſtehn. Auf, Leute! Muth! nun oder nimmer Chre! Folgt mir, und Eduard ſoll unſer ſeyn. Schildw. Wer dan 2. Schildw. Steh, oder du biſt des Todes. (Warwick und alle Uebrigen rufen!„Warwick! Warwick!“ und greifen die Wachen an, welche fliehen und ſchreien; „Zu den Waffen! Zu den Waffen!“ waͤhrend ihnen Warwick und die Andern nachſetzen) (unter Trommeln und Trompeten kommen Warwick und die Uebrigen zuruͤck, und bringen den Koͤnig im Schlaf⸗ rock, in einem Lehnſtuhl ſitzend, heraus. Gloſter und Haſtings fliehen uͤber die Buͤhne) Som. Wer ſind ſie, die da floh'n. warw. Richard und Haſtings; laßt ſie, hier iſt der R. d. Herzog! Wie, Warwick? Da wir ſchieden re „ Du Koͤnig mich. Si doch der Fall iſt anders. Als ihr bey der Geſandtſchaft mich beſchimpft, Da hab' ich euch der Königswuͤrd' entſetzt, Und nun ernenn' ich euch zum Herzog York. Pie ſolltet ihr ein Koͤnigreich regieren, Der ihr nicht wißt, Geſandte zu behandeln, Richt wißt, mit Einem Weib euch zu begnugen, Nicht wißt, an Bruͤdern bruderlich zu handeln, MNicht wißt, auf eures Volkes Wohl zu ſinnen, Nicht wißt, vor euren Feinden euch zu bergen? R. ed. Ey, Bruder Clarence, biſt du auch dabey? Dann ſeh' ich wohl, daß Eduard ſinken muß.— Ja, Watwick, allem Mißgeſchick zum Troß, Sz. 4. Dir ſelbſt und allen Helfern deiner hi Wird Eduard ſtets als König ſich beträgen Stuͤrzt aleich des Glückes Bosheit meine Größe, Mein Sinn geht uͤber ſeines Rades Kreis. (Warwick nimmt ihm die Krone ab) Sey Eduard Englands Konig dann im Sii Doch Heinrich ſoll nun Englands Krone tragen, Und wahrer Koͤnig ſeyn: du nur der Schatten.— Mylord von Somerſet, auf mein Begehren Sorgt, daß man gleich den Herzog Eduard ſchaffe Zu meinem Bruder, Exzbiſchof von York. Wann ich gekämpft mit Pembroke und den Seinen, So folg' ich euch, und melde, was fuͤr Antwort Ihm Ludwig und das Fräulein Bona ſenden. Leb' wohl indeſſen, guter Herzog York! RB. Ed. Was Schickſal auflegt, muß der Menſch er⸗ tralen, Eo hilft nicht, gegen Wind und Flut ſich ſchlagen. (Koͤnig Eduard wird abgefuͤhrt, Somerſet begleitet ihn) Oyf. Was bleibt fuͤr uns, Mylords, nun noch zu thun, Als daß wir mit dem Heer nach London ziehn? 37 Warw. Ja wohl, das müſſen wir zuvörderſt thun: Um Koͤnig Heinrich vom Verhaſt zu loͤſen,. Und auf den Koͤnigsthron ihn zu erhoͤhn. N Clle ab) i ert London. Ein Zimmer im Palaſt. (Goͤnigin Eliſabeth und Rivers treten auf) Riv. Was hat euch, gnäͤd'ge Frau, ſo ſchnell verwandelt? k. Eliſ. Wie, Bruder Rivers? muͤßt ihr's erſt erfahren, Welch Ungluͤck Koͤnig Eduard juͤngſt betroffen? Riv. Verluſt von einem Treffen gegen Warwick? R. Eliſ. Nein, ſeiner furſtlichen Perſon Verluſt. Riv. So ward mein Fuͤrſt erſchlagen? R. Eliſ. Ja, faſt erſchlagen: denn er ward gefangen. Sey's, daß der Wachen Falſchheit ihn verrieth, Sey's, daß der Feind ihn jaͤhlings uͤberfallen; Und, wie man ferner meldet, iſt er nun 326 Kdnig Heinrich VI. A. IV. Beym Erzbiſchof von York in Haſt, dem Bruder Des grimmen Warwick, folglich unſerm Feind. Riv. Ich muß geſtehn, die Zeitung iſt betruͤbt. Doch, gnaͤd'ge Fuͤrſtin, muͤßt ihr nicht verzagen: Vom Warwick kann der Sieg zu uns ſich ſchlagen. R. kliſ. Bis dahin muß mein Leben Hoffnung tragen⸗ Und der Verzweiflüng wehr' ich gern aus Liebe Zu Eduards Sproͤßling unter meinem Herzen. Das iſt's, was Leidenſchaft mich zuͤgeln lehrt, Und milde tragen meines Ungluͤcks Kreuz; Ja, darum zieh', ich manche Thraͤne ein, Und hemme Seufzer, die das Blut wegſaugen, Damit ſie nicht ertraͤnken und verderben Den Sproͤßling Eduard, Englands aͤchten Erben. Riv. Doch, gnäd'ge Frau, wo kam denn Warwick hin? R. Eliſ. Man meldet mir, daß er nach London zieht, Nochmals die Kron' auf Heinrichs Haupt zu ſetzen. Das Weitre magſt du ſelber rathen nun: Die Freunde Koͤnig Eduards muͤſſen fallen. Doch der Gewalt des Wuͤthrichs vorzubengen (Denn dem trau nie, der einmal Treue brach) Will ich von hier ſogleich zur Freyſtadt hin, Von Eduards Recht den Erben mindſtens retten; Da bleib' ich ſicher vor Gewalt und Trug. Komm alſo, auf die Flucht, weil ſie noch offen: Von Warwicks Hand iſt nur der Tod zu hoffen. (Beyde ab) Fuͤnfte Szene⸗ Ein Thiergarten in der Naͤhe der Burg Middleham in Yorkſhire. (Gloſter, Haſtings, Sir William Stanley und Andre treten auf) Gloſt. Nun, Mylord Haſtings und Sir William Stanley⸗ Erſtaunt nicht mehr, warum ich euch hieher In des Geheges tiefſtes Dickicht zog. So ſtehts: ihr wißt, mein Bruder, unſer Koͤnig, Iſt als Gefangner bei dem Biſchof hier, Der gut ihn haͤlt und ihm viel Freyheit läßt, Und oft, von wenig Wache nur begleitet, Kommt er hieher, ſich jagend zu ergoͤtzen, S.5. DOritter Thei. 3327 Ich hab' ihm Nachricht insgeheim ertheilt, Daß, wenn er dieſen Weg um dieſe Stunde Mit der gewohnten Uebung Vorwand nimmt, Er hier die Freunde finden ſoll, mit Pferden Und Mannſchaft, von Verhaft ihn zu befreyn.“ (Koͤnig Eduard und ein Jäger treten auf) Jäg. Hieher, mein Fuͤrſt; hier liegt das Wild verſteckt. B. Bd. Nein' hieher Mann: ſieh da die Jaͤger ſtehn. Nun, Bruder Gloſter, Haſtings und ihr andern, Steckt ihr ſo hier, des Biſchofs Wild zu ſtehlen? Gloſt. Bruder die Zeit und Lage fordert Eil; An des Geheges Ecke ſteht ener Pferd. R. Ed. Doch wohin ſollen wir? waſt. Nach Lynn, Mylord, von da nach Flandern ſchiffen. Gloſt. Fuͤrwahr, getroffen! Das war meine Meynung B. Ed. Stanley, ich will den Eifer dir vergelten, Gloſt. Was zoͤgern wir? Zum Reden iſt nicht Zeit. R. ed. Was ſagſt du, Jaͤger? Willſt du mit mir gehn? Jäg. Beſſer als bleiben und mich haͤngen laſſen. Gloũt. So kommt den, fort! und macht kein Weſen weiter R. Ed. Leb wohl denn, Biſchof! Warwicks Zorn entrinne, Und bete, daß ich meinen Thron gewinne.(Alle ab) Sechste Szene. Ein Zimmer im Thurm. (Foͤnig Heinrich, Clarence, Warwick, Somerſet, der junge Richmond, Hrford, Montague, der Com⸗ mendant des Thurmes und Gefolge) R. Zeinr. Herr Commendant, da Gott und Freunde nun Eduard vom koͤniglichen Sitz geſtoßen, In Freyheit mein Gefaͤngniß, meine Furcht In Hoffnung, und mein Leid in Luſt verkehrt: Was ſind wir bey der Loslaſſung dir ſchuldig? Comm. Der Unterthan kann nichts vom Fuͤrſten fordern; Doch, wenn demuͤth'ge Bitten etwas gelten, W Wuͤnſch' ich Verzeihung von Eur Majeſtat. a. k. Zeinr. Wofuͤr! daß du mich gut bebhandelt haſt? Nein, ſey gewiß, ich lohne deine Guͤte, Die den Verhaft mir umſchuf in Vergnuͤgen, In ſolch Vergnuͤgen, wie im Kaͤſig Voͤgel Empfinden, wenn nach, langem Truͤbſinn ſie Zuletzt bey häuslichen Geſanges Tönon? An den Verluſt der Freyheit ſich gewoͤhnen.— Doch, Warwick, du nächſt Gott haſt mich befreyt, Drum bin ich dir naͤchſt Gott zum Dank bereit; Er war Urheber und das Werkzeug du. Auf daß ich nun des Gluͤckes Neid beſiege Klein lebend, wo es mir nicht ſchaden kann, Und daß mein widerwärt'ger Stern das Volk In dieſem Land des Segens nicht beſtrafe, Warwick, wiewohl ich noch die Krone trage So uͤbergeb' ich dir mein Regiment; 6 Du biſt begluͤckt in allem deinen Thun. warw. Eur Hoheit war fuͤr Tugend ſtets beruͤhmt, Und zeigt ſich nun ſo weiſ' als tugendhaft, Des Schickſals Tuͤcke ſpähend und vermeidend; Denn Wen ge richten ſich nach ihrem Stern. In einem nür muß ich euch Unwecht geben, Daß ihr mich waͤhlt, da Clarence ſteht daneben. Clar. Nein, Warwick, du biſt würdig der Gewalt, Du, dem den Helzweig und den Lorbeerkranz Bey der Geburt der Himmel zugeſprochen. Du wirſt im Krieg und Frieden Segen haben, Drum geb' ich willig meine Stimme dir. warw. Und ich erwaͤhle Clarence zum Protector. k. Zeinr. Warwick und Ckrenes, gebt die Hand mirbeybe, Fuͤgt ſie in eins nun, und zugleich die Herzen Damit kein Zwieſpalt die Verwaltung hemme; Ich mach' euch beyde zu des Reichs Protectorn; Tin ſtilles Leben führ' ich ſelbſt indeß, t Vollbring' in Andacht meiner Laufbahn Ende, Daß ich den Schoͤpfer preiſ⸗ und Suͤnde wende. warw. Was ſagt auf ſeines Furſten Willen Clarence? Clar. Daß er drein willigt, wenn es Warwick thut: Denn auf dein gutes Gluck verlaſſ. ich mich. warw. So muß ich's, ungern zwar, zufrieden ſeyn. Wir woll'n uns wie ein Doppelſchatten fuͤgen An Heinrichs Leib, und ſeinen Platz vertreten: Ich meyne bey der Laſt des Regiments, Sz. B.„ Dritter Lheil. 5 329 Er ſoll die Ehr' und ſeine Ruh' genießen. Und, Clarence, nun iſt's mehr als dringend, 6 Fuͤr Hochverräther Eduard zu erklären, Und alle ſeine Guͤter einzuziehn. Clar. Was ſonſt? und dann das Erbrecht zu ziſen. warw. Ja, und dabeh ſoll Clarence ja nicht fehlen. R. Zeinr. Doch vor den dringendſten Geſchäſten, laßt Euch bitten(ich befehle ja nicht mehr) Daß nach Margretha, eurer Koͤnigin Und meinem Eduard we ingeſandt, S Aus Frankreich ſchleunig ſie zuruͤckzurufen: Denn bis ich hier ſie ſeh', haͤlt banger Zweifel Die Luſt an meiner Frehheit halb perfinſtert. Clar. Es ſoll, mein Fuͤrſt, in aller Eil geſchehn. B. Heinr. Mylord von Somerſet, wer iſt der Knabe, Fuͤr den ſo ihr zu ſorgen ſcheint? Som. Mein Fuͤrſt, der junge Heinrich, Graf von Richmond. R. HBeinr. Komm, Englands Hoffnung! Wenn ge⸗ heime Maͤchte Clegt ihm die Hand auf das Haupt) In den prophetſchen Sinn mir Wahrheit floͤßen, So wird dieß feine Kind des Landes Segen. Sein Blick iſt voll von ſanfter Majeſtät, Sein Haupt geformt von der Natur zur Krone, Die Hand zum Zepter, und er ſelbſt in Zukunft Zur Zierde eines königlichen Throns. Ihn haltet hoch, Mylords; er iſt geboren, Euch mehr zu helfen, als durch mich verloren. (Ein Bote tritt aß warw. Was bringſt du Neues, Freund!? Bote. Daß Eduard eurem Bruder iſt entwiſcht, und nach Burgund geflohn, wie er vernommen. warw. Mißfaͤlllge Neuigkeit! doch wie entkam er? Bote. Er ward entfuͤhrt durch Richard, Und den Lord Haſtings, die im Hinterhalt Auf ihn gewartet an des Waldes Ende, Und von des Biſchoffs Bögern ihn befteyt, Denn taͤglich war die Jagd ſein Zeitvertreib. warw. Mein Bruder war zu ſorglos bey dem Auftrag. Doch laßt uns fort) mein Fuͤrſt, nach Mitteln ſehn Fuͤr jede Schaden, welcher můg zrſhehn nn 330 Koͤnig Heinrich IV. A. IV. (Foͤnig Heinrich, Warwick, Clarence, der Com⸗ mendant und Gefolge ab) Som. Mylord, ich mag nicht dieſe Flucht des Eduard, Denn ohne Zweifel ſteht Burgund ihm bey, Und dann giebt's neuen Krieg in kurzer Zeit⸗ Wie Heinrichs juͤngſt geſprochne Weiſſagung Mit Hoffnung mir auf dieſen jungen Richmond Das Herz erquickt, ſo druͤckt es Ahnung nieder, Was ihm zu ſeinem Schaden und zu unſerm In dem Zuſammenſtoß begegnen mag: Drum wollen wir, dem Schlimmſten vorzubeugen, Lord Orford, ſchnell ihn nach Bretagne ſenden, Bis ſich der Buͤrgerfeindſchaft Stuͤrme enden.⸗ Opf. Ja, denn kommt Eduard wieder auf den Thron, So theiſte Richmond wohl der Andern Lohn. Som. Gut, in Bretagne woh'n er dann geborgen. Kommt alſo, laßt uns gleich das Werk beſorgen.(ab) 6 Siebente Szene⸗ o k. (Koͤnig Eduard, Gloſter, und Haſtings treten auf mit Truppen) R. Ed. Nun, Bruder Richard, Lord Haſtings und ihr Andern: So weit macht doch das Gluck es wieder gut, Daß ich noch einmal den geſunknen Stand Mit Heinrichs Herrſcherkröne ſoll vertauſchen. Ich ſetzte zweymal glucklich uͤber's Meer, ünd brachte von Burgund erwuͤnſchte Huͤlfe. Was iſt nun uͤbrig, da von Ravenspurg Wir vor den Thoren Yorks ſo angelangt, Als einziehn, wie in unſer Herzogthum? Gloſt. Das Thor verſchloſſen? Das gefaͤllt mir nicht; Denn manchen, welcher an der Schwelle ſtolpert, Verwarnt dieß, drinnen laure die Gefahr. R. Ed. Pah, Freund! Jetzt duͤrfen Zeichen uns nicht ſchrecken: Ich muß hinein im Guten oder Boͤſen, Denn hier verſammeln ſich zu uns die Freunde. ———— E— St* Dritter Theil. 331 Zaſt. Mein Fuͤrſt, noch einmal klopf' ich an und mahne. Der Schultheiß von York und ſeine Raͤthe erſcheinen auf der Mauer) Schulth. Mylords, wir wußten ſchon von eurer Ankunft, Und uns zu ſichern, ſchloſſen wir das Thor; Denn jetzo ſind wir Heinrich Treue ſchuldig. R. Ed. Wenn Heiurich euer Koͤnig iſt, Herr Schultheiß Iſt Eduard mindſtens Herzog doch von York. Suih Schulth. Ja, beſter Herr, dafuͤr erkenn' ich euch. B. Ad. Nun, und ich fordre bloß mein Herzogthum, Und bin mit dem vollkommen ſchon befriedigt. Gloſt.(eyſeit) Doch hat der Fuchs die Naſe erſt hinein, So weiß er bald den Leib auch nachzubringen. waſt. Herr Schultheiß, nun? was ſteht ihr zweifelnd noch? Das Thor auf, wir ſind Koͤnig Heinrichs Freunde. Schulth. Ah, ſo? Das Thor ſoll euch geoͤffnet werden. .(Von oben herab) Gloſt. Ein weiſer tuͤcht'ger Hauptmann, und bald beredet! waſt. Der gute Alte läßt gern alles gut ſeyn. Bleibt er nur aus dem Spiel: doch ſind wir drinnen, So zweifl' ich nicht, wir werden baldigſt ihn Sammt ſeinen Rathen zur Vernunft bereden. kommt mit zwey Aldermaͤnnern aus der tadt R. Ed. Herr Schultheiß, dieſes Thor iſt nicht zu ſchließen, Als bei der Nacht und in der Zeit des Kriegs. Freund, fuͤrchte nichts, und gieb die Schluͤſſel ab! Er nimmt die Schluͤſſel) Denn Eduard will die Stadt und dich verfechten, Und alle die ſo hold ſind unſern Rechten. (Trommeln. Montgomery kommt mit Truppen auf dem Marſch begriffen) Gloſt. Bruder, daß iſt Sir John Montgomery, Wo ich nicht irre unſer biedrer Freund. K. R. Ed. Sir John, willkemmen! Doch warum in Waffen? mont. In ſeiner ſtuͤrm'ſchen Zeit dem Koͤnig Eduard Zu helfen, wie ein treuer Unterthan. R. Ed. Dank, theuerſter Montgomery! Aber nun Vergeſſen wir den Anſpruch an die Krone, Und fordern unſer Herzogthum allein, Bis Gott beliebt, das andre auch zu ſenden. mont. Gehabt euch wohl denn! ich will wieder fort: 8 332 Koͤnig Heinrich VI. A. 1V. Dem Koͤnig, keinem Herzog wollt' ich dienen. Trommeln geruͤhrt! und laßt uns weiter ziehn. .(Die Trommeln fangen einen Marſch an) R. Ed. Ein Weilchen haltet noch; laßt uns erwaͤgen, Wie man zur Krone ſicher kommen michte mont. Was ſprecht ihr von Erwaͤgen? Kurz und gut, Erklart ihr euch nicht hier fuͤr unſern Koͤnig, So uͤberlaſſ' ich eurem Schickſal euch, Und breche auf, um die zuruͤckzuhalten, Die euch zu helfen kommen; denn warum, Wenn ihr kein Recht behauptet, foͤchten wir? Gloſt. Wozu doch, Bruder, die Bedenklichkeiten? k. Ed. Wenn wir erſt ſtärker ſind, dann wollen wir An unſre Fordrung denken; bis dahin 6 Iſt's Weisheit, unſre Meynung zu verbergen. aſt. Jetzt fort mit ſcheuem Witz! Das Schwert regiere⸗ Gloſt. Und kuͤhner Muth erklimmt am erſten Thronen⸗ 5 Bruder, wir rufen auf der Stell' euch aus; Der Ruf davon wird viele Freund' euch ſchaffen. R. Ed. So ſey es, wie ihr wollt: denn's iſt mein Recht, Und Heinrich maßt das Diadem ſich an. mont. Ja, jetzo ſpricht mein Fuͤrſt ganz wie er ſe. Und jetzo will ich Eduards Kämpfer ſeyn. Zaſt. Trompeten blaſt! Wir rufen Eduard aus. Komm, Camerad, verrichte du den Ausruf. (Giebt einem Soldaten einen Zettel. Trompetenſtoß) Sold.(lieſt)„Eduard der vierte, von Gottes Gna⸗ 3 „den Koͤnig von England und Frankreich und Hert von „Irland, u. ſ. w.“ mont. Und wer da laͤngnet Koͤnig Eduards Recht, Den fordr' ich durch dieß Zeichen zum Gefecht. .(Virft ſeinen Handſchuh nieder) Alle. Lang lebe Eduard der Vierte! R. Ed. Dank, tapfrer Montgomery! Dank euch Allen, Hilft mir das Gluͤck, ſo lohn' ich eure Guͤte. 6 Jetzt, auf die Nacht, laßt hier in York uns raſten⸗ Und wenn die Morgenſonne ihren Wagen Am Rande dieſes Horizonts erhebt, Auf Warwick los und ſeine Mitgenoſſen, Denn, wie bekannt, iſt Heinrich kein Soldat. * ⸗ Sz. 8. WDritter Theil 333 Ach, ſtoͤrr'ger Clarence! Wie uͤbel es dir ſteht, Daß du vom Bruder laͤß'ſt und Heinrich ſchmeichelſt! Doch dich und Warwick treff' ich, wie ich kann. Auf, tapfre Schaaren! Zweifelt nicht am Siege, Und nach dem Sieg am reichen Lohn der Kriege. (Ane ab) London. Ein Zimmer im Palaſt. (Koͤnig Heinrich, Warwick, Clarenee, Montague, Exeter und Opford treten auf) Warw. Lords, was zu thun? Aus Belgien hat Eduard Mit haſt'gen Deutſchen, plumpen Niederlaͤndern In Sicherheit den ſchmalen Sund durchſchifft, Und zieht mit Heeresmacht auf London her, Und viel bethoͤrtes Volk ſchaart ſich zu ihm. R. Zeinr. Man werbe Mannſchaft, ihn zuruͤckzuſchlagen. Clar. Leicht wird ein kleines Feuer ausgetreten, Das, erſt geduldet, Fluͤſſe nicht mehr löſchen. warw. In Warwickſhire hab' ich ergebne Freunde, Im Frieden ruhig, aber kuͤhn im Krieg, Die ich verſammeln will; und du, Sohn Clarence, Bemuͤheſt dich in Suffolk, Norfolk und in Kent Die Edelleut' und Ritter aufzubieten; Du, Bruder Montague, wirſt Leute finden In Buckingham, Northampton, Leiceſterſhire, Was du befiehlſt zu hoͤren wohl geneigt; Du tapfrer Opford, wunderbar beliebt, Sollſt deine Freund' in Orfordſhire verſammeln, WMein Fürſt ſoll in der treuen Buͤrger Mitte, Wie dieſes Eiland von der See umgürtet, Wie in der Nymphen Kreis die keuſche Goͤttin, In London bleiben, bis wir zu ihm kommen. Nehmt Abſchied, Lords, erwiedert weiter nichts.— Lebt wohl, mein Fuͤrſt! 9 R. Heinr. Leb wohl, mein Hektor! meines Troja Hoffnung! Clar. Zum Pfand der Treu kuͤſſ ich Eur Hoheit Hand. R. Zeinr. Mein wohlgeſinnter Clarence, ſey begluckt! mont. Getroſt, mein Fuͤrſt! und ſomit nehm' ich Abſchied. 334 Konig Heinrich W A. IV. oyf.(indem er Heinrichs Hand kußt.) Und ſo verſiegl' ich Sp meine Treu und ſcheide. R. Zeinr. Geliebter Orford, beſter Montague, und all' ihr Andern, nochmals lebet wohl! Warw. Auf, Lords! Wir treffen uns zu Coventry! (Warwick, Clarence, Orford und Montagne ab) R. Heinr. Hier im Palaſt will ich ein wenig ruhn. Petter von Exeter, was denket ihr! Mich duͤnkt, das Heer, das Eduard aufgebracht, Muß meinem nicht die Spitze bieten koͤnnen. Epyet. Ja, wenn er nur die Andern nicht verfuͤhrt. R. Heinr. Das fuͤrcht' ich ſchaffte Ruhm mein un Ich ſtopfte ihren Bitten nicht mein Ohr, Schob die Geſuche nicht bey Seit' mit Zoͤgern; Mein Mitleid war ein Balſam ihren Wunden, Des vollen Jammers Lind'rung ineine Milde, Mit Gnade trocknet⸗ ich die Thränenſtroͤme. Ich habe ihren Reichthum nicht begehrt, Roch ſie mit großen Steuern ſchwer geſchatzt, Nicht ſchnell zur Rache, wie ſie auch geirrt, Warum deun ſollten ſie mir Eduard vorziehn? Nein, Epeter, Gunſt heiſchet dieſe Gunſt, Und wenn dem Lamm der Lowe liebekoſt, So hoͤrt das Lamm nie auf, ihm nachzugehn.. (Draußen Geſchrey:„Lancaſter hoch!“) Epet. Hoͤrt, hoͤrt, mein Fuͤrſt! Weich ein Geſchrey iſt das? (Koͤnig Eduard, Gloſter und Soldaten treten auf) k. d. Ergreift den blöden Heinrich, fuͤhrt ihn fort, Und ruft mich wieder aus zum Koͤnig Englands.— Ihr ſeyd der Quell, der kleine Baͤche naͤhrt; Ich hemm' ihn, meine See ſoll auf ſie ſaugen, Dnd durch ihr Ebben um ſo hoͤher ſchwellen.— Fort mit ihm in den Thurm, laßt ihn nicht reden. (Einige ab mit Koͤnig Heinrich) Und, Lords, wir wenden uns nach Coventry⸗ Wo der gebietriſche Warwick ſteht. Jetzt ſcheint die Sonne heiß: wenn wir vertagen, Wird Froſt uns die gehoffte Ernte nagen. Gloſt. Bey Zeiten fort, eh ſich ſein Heer vereint, Fangt unverſehens den großgewachſenen Frevler. Auf, wackre Krieger! friſch nach Coventry.(Alle ab) Dritter Theil. Fuͤnfter Aufzug. Erſte S zen e Coventry. Auf der Mauer erſcheinen Warwick, der Schultheiß von Coventry, zwey Boten und Andre) Warw. Wo iſt der Bote von dem tapfern Orford? Wie weit iſt noch dein Herr, mein guter Freund? 1. Bote. Bey Dunsmore eben, auf dem Marſch hieher. warw. Wie weit iſt unſer Bruder Montague? Wo iſt der Bote, der von ihm uns kam? 2. Bote. Bey Daintry eben, mit gewaltger Schaar. (Sir John Somerville tritt auf warw. Sag, Somerville, was ſagt mein lieber Sohn? Wie nah vermutheſt du den Clarence jetzt? Som. Zu Southam ließ ich ihn mit ſeinen Truppen, Und hier erwart' ich in zwey Stunden ihn. 6 (Man hoͤrt Trommeln); Warw. So iſt er nah, ich höre ſeine Trommeln. Som. Nicht ſeine, gnad'ger Herr; Southam liegt hier, Von Warwick ziehn die Trommeln, die ihr hoͤrt. Warw. Wer moͤcht' es ſeyn? Wohl unverhoffte Freunde. Som. Sie ſind ganz nah, ihr werdet's bald erfahren. (Trommeln. Konig Eduard und Gloſter nebſt Truppen auf dem Marſch) Si 8 R. Ed. Trompeter, lade ſie zur Unterhandlung. Gloſt. Seht auf der Maur den finſtern Warwick hauſen. warw. Verhaßter Streich, der uͤpp'ge Eduard hier? Wo ſchliefen unſre Spaher, wer beſtach ſie, Daß wir von ſeiner Ankunft nichts gehoͤrt! c9 K. Ed. Nun, Warwick, thuſt du uns das Stadtthor auf, Giebſt gute Worte, beugſt deine Knie in Demuth, Nennſt Eduard Koͤnig, flehſt um Gnad' ihn an, So wird er dieſe Frevel dir verzeihn. 336 Koͤnig Heinrich VI. A wWarw. Vielmehr, willſt du hier wenziehn deine Schaaren, Bekennen wer dich hob und niederſtuͤrzte, Den Warwick Goͤnſer nennen, und bereun, So ſollſt du ferner Herzog ſeyn von York. Gloſt. Ich glaubt', er wuͤrde mindſtens Koͤnig ſagen; Wie, oder ſpaßt' er wider ſeinen Willen? warw. Iſt nicht ein Herzogthum ein ſchoͤn Geſchenk? Gloſt. Ja wahrlich, wenn's ein armer Graf vergiebt. Ich will dir ein ſo gut Geſchenk vergelten. warw. Ich war's ja, der das Königreich ihm gab. B. Ed. Nun, ſo iſt's mein, wenn auch durch War⸗ wicks Gabe. Warw. Du biſt kein fuͤr ſo große Laſt, Dem Schwaͤchling nimmt die Gabe Warwick wieder, Und Heinrich iſt mein Herr, Warwick ſein Unterthan. R. Ed. Doch Warwicks Herr iſt Eduards Gefangner⸗ Und tapfrer Warwick, ſage mir nur dieß: Was iſt der Koͤrper, wenn das Haupt ihm ſh Gloſt. Ach, daß doch Warwick nicht mehr Vorſicht hatte, Daß, da er bloß die Zehne wollt entwenden, Der Koͤnig ſchlau gefiſcht ward aus den Karten, Ihr ließt den Armen im Palaſt des Biſchofs; Zehn gegen eins, ihr trefft ihn nun im Thürm⸗ R. Ed. So iſt es auch, doch bleibt ihr Warwick ſtets. Gloſt. Komm, Warwick! nimm die Zeit wahrl knie nieder! Wann wirds! Jetzt ſchmiede, weil das Eiſen gluht. Warw. Ich wollte lieber abhaun dieſe Hand, Und mit der andern ins Geſicht dir ſchleudern Als daß ich dir die Segel ſtreichen ſollte. R. Ed. Ja, ſegle wie du kannſt mit Wind und Flut! Die Hand hier um dein kohlſchwarz Haar gewunden, Soll, weil dein abgehau'ner Kopf noch warm, Wit deinem Blut dies ſchreiben in den Staub:. „Der wetterwend'ſche Warwick wechſelt nun nicht mehr“ (Hrford kommt mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen) warw. O freudenreiche Fahnen! Orford kommt. oyf. Opford, Orford, fuͤr Lancaſter! f(Zieht mit ſeinen Truppen in die Stadt) Gloſt. Das Thor ſteht offen, laß uns auch hinein. z. Ed. Ein andrer Feind konnt' uns in Rücken fallen. S Sz. 1. Dritter Theil. 337 Nein, ſtehn wir wohl gereiht; denn ſicher brechen— Sie bald heraus, und bieten uns die Schlacht. Wo nicht, da ſich die Stadt nicht halten kann, Sind die Verraͤther drin bald aufzuſcheuchen. 3 warw. Willkommen, Orford! Wir beduͤrfen dein. (Montague kommt mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen.) mont. Montague, Montague, fuͤr Lancaſter! (ieht mit ſeinen Truppen in die Stadt.) Gloſt. Du und dein Bruder ſollen den Verrath Mit eurer Leiber beſtem Blut bezahlen. R. Ed. Je ſtaͤrkrer Gegenpart, je ſtaͤrkrer Sieg! Gluͤck und Gewinn weiſſagt mir mein Gemuͤth. (Somerſet kommt mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen.) Som. Somerſet, Somerſet, fuͤr Lancaſter! 6 Gieht mit ſeinen Truppen in die Stadt.) Gloſt. Zwey Herzoͤge von Somerſet wie du Verkauften an das Haus von York ihr Leben: Du ſollſt der dritte ſeyn, haͤlt nur dieß Schwert. (Clarence kommt mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen.) Warw. Seht da, wie George von Clarence zieht einher Mit Macht genug, dem, Bruder Schlacht zu bieten; Ihm gilt ein biedrer Eifer für das Recht Mehr als Natur und bruͤderliche Liebe.— Komm, Clarence, komm! Du wirſt's, wenn Warwick ruft. Clar. Weißt du, was dieß bedeutet, Vater Warwick? (Nimmt die rothe Roſe von ſeinem Hut.) Sieh hier, ich werfe meine Schmach dir zu! Picht ſtuͤrzen will ich meines Vaters Haus, Deß eignes Blut die Steine feſtgekittet, Und Lancaſter erhohn. Wie! meynſt du, Warwick, Clarence ſey ſo verhaͤrtet, unnatuͤrlich, Das todtliche Geraͤth des Kriegs zu wenden Auf ſeinen Bruder und rechtmäß'gen Koͤnig? Du ruͤckſt vielleicht den heil'gen Eid mit vor? Ruchloſer waͤr' ich, hielt ich dieſen Eid, Als Jephta, ſeine Tochter hinzuopfern. So nah geht meine Uebertretung mir, Daß, um mit meinem Bruder gut zu ſtehn, Ich hier fuͤr deinen Todtfeind mich erkläre, . II. 1 22 338 Koͤnig Heinrich VI. A. V. Mit dem Entſchluß, wo ich dich treffen mag, (Und treffen werd' ich dich, wenn du dich ruͤhrſt) Fuͤr dein ſo frech Mißleiten dich zu plagen, Und ſo, hochmuͤth ger Warwick, trotz' ich dir, Und wend' erroͤthend mich dem Bruder zu.— Verzeih mir, Eduard, ich will's beſſer machen; Und, Richard, zuͤrne meinen Fehlern nicht: Ich will hinfort nicht unbeſtäͤndig ſeyn. R. Ed. Willkommen nun, und zehnmal mehr gelicbt Als haͤtt'ſt du niemals unſern Haß verdient. Gloſt. Willkommen, Clarence! Das iſt räderlich. warw. O Erzverräther, falſch und ungerecht. R. Ed. Nun, Warwick, willſt du aus der Stadt, 16 fechten? Sonſt fliegen bald die Stein' um deinen Kopf. warw. Oh, bin ich doch nicht eingeſperrt zur we Ich will nach Barnet unverzuglich fort, Und, Eduard, wenn du darfſt, die Schlacht dir bieten. R. Ed. Ja, Warwick, Eduard darf, und zieht voran. Lords, in das Feld hinaust Sankt George und Sieg! Wn Marſch. Alle M 8 weyte 6 Fron mnns Ein Schlachtfeld beh Batnet. (Getummel und Angriffe. Koͤnig Eduard bringt den verwun⸗ deten Warwick.) R. d. So, lieg' du da; ſu du und uſe wu Denn Warwick war uns allen eine Scheuche. Run, Montague, ſitz feſt! Dich ſuch' ich auf, Und bringe dein Gebein ihm in den Kauf.(ath warw. Ach, wer iſt nah? Freund oder Feind, er komme⸗ Und ſage, wer geſiegt: York oder Warwick? Weswegen frag' ich! Mein zerſtuͤckter Leib, Mein Biut, mein krankes Herz, die Ohnmacht wt Daß ich den Leib der Erde laſſen muß, Und meinem Feind den Sieg durch meinen Fall. So weicht der Axt die Ceder, deren Arme Dem koͤniglichen Adler Schutz verliehn, In deren Schatten ſchlafend laß der Leu, Sz. 2. Dritter Lhei 339 Die mit dem Wipfel Jovis breiten Baum Weit uͤberſchauet hat, und niedre Se 5 Vor dem gewalt'gen Winterſturin gedeckt. Die Augen, jetzt vom Todesſchley'r umdüſtert, Sind hell geweſen wie die Mirtaſsſonue, Den heimlichen Verrath der Welt zü wähn. Die Falten meiner Stirn, jetzt voller Blut, Sind Koͤnigsgruͤften oft verglichen worden: Denn welches Koͤnigs Grab konnt' ich icht graben? Wer laͤchelte, wenn Warwick finſter ſah? Nun iſt mein Glanz befleckt mit Staub und Blut- Die Luſtgeheg' und Guͤter, die ich hatte, Verlaſſen mich; von allen Laͤnderey'n Bleibt mir nichts uͤbrig, als des Leibes Laͤnge. Was iſt Pomp, Hoheit, Macht, als Erd' und Suut! Lebt, wie ihr konnt, ihr ſeyd des Todes Raub. .(Orford und Somerſet treten zuf) Som. Ach, Warwick, Warwick! waͤrſt du wie wir ſind, Wir koͤnnten ganz noch den Verluſt erſetzen. Die Koͤnigin hat eine große Macht Aus Frankreich mitgebracht, die Zeitung hörten Wir eben jetzt: ach, koͤnnteſt du nur fliehn! warw. Dann wollt' ich doch nicht fliehn.— Ach, Mantaaue⸗ Nimm meine Hand, biſt du da, lieber Bruder, Halt meine Seele auf mit deinen Lippen! Du liebſt mich nicht, ſonſt wuͤſchen deine Thraͤnen Fi kalte ſtarre Blut weg, das die Lippen Nir ſo verklebt, und mich nicht reden laͤßt. n ſchleunig, Montague, ſonſt bin ich todt. Som. Ach, Warwick! Montague iſt hingeſchirden Und Warwick rief er bis zum letzten Hauch, 2 Und ſagt': empfiehl mich meinem tapfern Bruder; Mehr wollt' er ſagen, und er ſprach auch mehr, Das ſcholl wie in Gewoͤlben ein Geſchuͤtz, Es war nicht zu vernehmen: doch zuletzt Hoͤrt' ich mit Stöhnen deutlich ausgeſprochen: O leb' wohl, Warwick! warw. Ruh' ſeiner Seele!— Flieht und rettet eich, Denn Wich ſagt euch Lebewohl bis auf den irbt oyf. Fort, ſunt dem Heer der Koͤnigin entgegen. Qb mit Warwicks Leiche.) 22* Koͤnig Heinrich VI. Dritte Sz ene. (Trompetenſtoß. König Eduard kommt triumphirend mit bClarence, Gloſter und den Uebrigen. R. ed So weit hielt aufwaͤrts unſer Gluͤck den Lauf, Und mit des Sieges Kranz ſind wir geziert. Doch mitten in dem Glanze dieſes Tags Erſpaͤh' ich eine ſchwarze droh'nde Wolke, Die unſrer lichten Sonne wird begegnen, Eh ſie ihr ruhig Bett im Weſt erreicht. Ich meyne, Lords, das Heer der Koͤnigin, In Gallien angeworben, iſt gelandet, Und zieht, ſo hoͤren wir, zum Kampf heran. Clar. Ein Luͤftchen wird die Wolke bald zerſtreun, Und zu dem Quell ſie wehn, woher ſie kam; Schon deine Strahlen trocknen dieſe Duͤnſte; Nicht jede Wolk' erzeugt ein Ungewitter. Gloſt. Man ſchaͤtzt die Koͤnigin auf dreyßig tauſend, Und Somerſet und Opford flohn zu ihr. Glaubt, wenn man ſie zu Athem kommen laͤßt, So wird ihr Anhang ganz ſo ſtark wie unſrer. R. Ed. Wir ſind berichtet von getreuen Freunden, Daß ſie den Lauf nach Tewksbury gewandt. Da wir bey Barnet jetzt das Feld behauptet, Laßt gleich uns hin, denn Luſt verkuͤrzt den Weg, Und unterwegs wird unſre Macht ſich mehren In jeder Grafſchaft, wie wir weiter ziehn. So ruͤhrt die Trommeln, ruft: wohlauf! und fort. (Alle ab.) Piet.e S 65 e. Ebene bey Tewksbury. (Ein Marſch. Koͤnigin Margaretha, Prinz Ed nard, Somerſet, Orford und Soldaten) marg. Ihr Lords, kein Weiſer jammert um Verluſt, Er ſucht mit freud'gem Muth ihn zu erſetzen. Iſt ſchon der Maſt nun uͤber Bord geſtuͤrzt, . Sz. 4. Deitter Theil⸗ 34 Das Tau geriſſen, eingebußt der Anker, Die halbe Mannſchaft in der Flut verſchlungen, Doch lebt noch der Pilot; wär's recht, daß er Das Steur verließe, wie ein banger Knabe Die See vermehrte mit bethraͤnten Augen, Und das verſtaͤrkte, was zu ſtart ſchon iſt, Indeß das Schiff bey ſeinem Jammern ſcheitert, Das Fleiß und Muth noch haͤtten retten moͤgen! Ach, welche Schande, welch' Vergehn waͤr' das! War Warwick unſer Anker auch: was thut's?! Und Montague der große Maſt: was ſchadet's? Erſchlagne Freunde unſer Tauwerk; nun?! Sagt, iſt nicht Opford hier ein andrer Anker? Und Somerſet ein andrer wackrer Maſt? Die Freund' aus Frankreich Tau, und Segelwerk? Und warum dürften Eduard und ich, Zwar ungeuͤbt, fuͤr dießmal nicht das Amt Des wohlgeuͤbten Steuermanns verſehn? Wir wollen nicht vom Ruder weg und weinen, Wir lenken(ſagt der Wind ſchon Nein) die Fahrt Von Sand und Klippen weg, die Schiffbruch drohn. Die Wellen ſchelten hilft ſo viel als loben, Und was iſt Eduard als ein wuͤthend Meer? Was Clarence, als ein Triebſand des Betrugs? Und Richard, als ein toͤdtlich ſchroffer Fels? Sie alle unſers armen Fahrzeugs Feinde. Setzt, ihr koͤnnt ſchwimmen; ach, das wäͤhrt nicht lange Den Sand betretet: ſchleunig ſinkt ihr da; Den Fels erklimmt: die Flut ſpult euch hinweg, Sonſt ſterbt ihr Hungers, das iſt dreyfach Tod. Dieß ſag' ich, Lords, um euch zu uͤberzeugen, Wenn einer euer fliehen wollte, ſey Mehr Gnade nicht zu hoffen von den Brudern, Als von ergrimmten Wellen, Baͤnken, Klippen. Getroſt denn! Das bejammern oder fuͤrchten, Was unvermeidlich iſt, waͤr' kind'ſche Schwaͤche. Prinz. Mich duͤnkt, ein Weib von ſolchem tapferi Geiſt, Wenn ein Verzagter ſo ſie reden hoͤrte, Muͤßt ihm die Bruſt mit Heldenmuth erfuͤllen, Daß nackt er einen Mann in Waffen ſchluͤge. Dieß ſag' ich nicht, als zweifelt' ich an wen, Denn hätt' ich jemand in Verdacht der Furcht, So waͤr' ihm zeitig wegzugehn vergoͤnnt, Daß er in unſrer Noth nicht einen andern 342 Koͤnig Heinrich VI. Anſtecke und ihm gleichen Muth einfloͤße. Wenn hier ein ſolcher iſt, was Gott verhuͤte! So zieh' er fort bevor wir ſein beduͤrfen. opf. Weiber und Kinder von ſo hohem Muth, Und Krieger zaghaft,— ew'ge Schande waͤr's! D wackrer Prinz! dein ruͤhmlicher Großvater Lebt wieder auf in dir; lang moͤgſt du leben, Sein Bild erhalten, ſeinen Glanz erneun. Som. Und wer fuͤr ſolche Hoffnung nicht will fechten, Geh heim ins Bett, ſo wie bey Tag die Eule, Beym Aufſtehn dann verhoͤhnt und angeſtaunt! Marg. Dank, lieber Somerſet und werther Orford! Prinz. Nehmt deſſen Dank, der noch nichts weiter hat. *(EEin Bote tritt auf.) Bote. Bereitet euch, ihr Lords, denn Eduard naht Zum Schlagen fertig: alſo ſeyd entſchloſſen. opf. Das dacht' ich wohl:'s iſt ſeine Politik, Zu eilen, um uns außer Stand zu finden, Som. Allein er irrt ſich, denn wir ſind bereit. marg. So eifrig euch zu ſehn, erfriſcht mein Herz. Opf. Reih'n wir uns hier zur Schlacht und weichen nicht. (Ein Marſch. In der Entfernung erſcheinen Koͤnig Eduard, Clarence und Gloſter mit ihren Truppen.. R. Ed. Dort, Kriegsgefaͤhrten, ſteht der dorn'ge Wald, Der, mit des Himmels Huͤlf' und eurer Kraft, Vor Nachts gefaͤllt muß an der Wurzel ſeyn⸗ Mehr Zunder braucht's fuͤr euer Feuer nicht, Ich weiß, ihr lodert auf, ſie zu verbrennen. Gebt das Signal zur Schlacht, und friſch ans Werk! marg. Lords, Ritter, Edle! was ich ſagen ſollte, Verſagen Thraͤnen, denn bey jedem Wort, Seht ihr, trink' ich das Waſſer meiner Augen; Drum dieß nur: Heinrich, euer Koͤnig, iſt Des Feinds Gefangner und ſein Thron beſetzt, Sein Reich ein Schlachthaus, ſeine Buͤrger Opfer, Sein Schatz vergeudet, ſein Gebot vernichtet; Dort iſt der Wolf, der die Verheerung ſtiftet. Ihr kaͤmpft fuͤr's Recht; drum, Lords, in Gottes Namen, Seyd tapfer, gebt das Zeichen zum Gefecht! 5 (Alle ab.) Sz. 5. Dritter Theil. 343 sunfte (Getuͤmmel,„ Angriffe, vann c nczug. teit kommen Koͤnig Eduard, Clarence, Gloſter, von Truppen begleitet, mit Koͤnigin Margareth 3 Hyford und So m. er ſet als Gefangenen. d. So hat nun der ginpbrer Zwiſt ein Mit Orford gleich zur Burg von Hammes fort, Somerſet den ſchuld'gen Kopf herunter. Geht, ſchafft ſie fort, ich will die zwey nicht hoͤren. opf. Ich will mit Worten nicht dir laͤſtig fallen. Som. Noch ich: mein Loos ertrag' ich in Geduld. (Orford und Somerſet werden mit Wache abgefuͤhrt.) marg. Wir ſcheiden traurig hier im Jammerthal, In Luſt vekeint das Paradies uns wieder. R. ed. Iſt ausgerufen, dem, der Eduard findet, Sey großer Lohn geſchenkt, und ihm ſein Leben? Gloſt. Man thats. und ſeht, da kommt der junge Eduard. (Soldaten kommen mit Prinz Eduard.) R d. Führt mir den Braven vor, laßt uns ihn hoͤren.— Ey, faͤngt ein Dorn ſo jung zu ſtechen an? Eduard, wie kannſt du mir dafuͤr genugthun, Daß du mein Volk empoͤrt haſt, Krieg gefuͤhrt, Und all das Unheil, das du mir geſtiftet?* Prinz. Sprich wie ein Unterthan, ehrſucht' ter York! Nimm an, mein Vater rede jetzt aus mir. Entſag' dem Thron, und knie du, wo ich ſtehe. Weil ich an dich dieſelben Worte richte, Worauf du, Frevler, Antwort willſt von mir. marg. Ach, wär' dein Vater doch ſo feſt geweſen! Gloſt. So haͤttet ihr den Weiberrock behalten, Und Lancaſtern die Hoſen nicht geſtohlen. Prinz. Aeſop mag wohl in Winternaͤchten ſateln, Hier paſſen ſeine groben Raͤthſel nicht. Gloſt. Beym Himmel, Brut, dafuͤr will ich dich plagen. marg. Du biſt geboren zu der Menſchen Plage. Gloſt. Schafft doch das loſe Maul von Weibe weg. Prinz. Nein, lieber ſtopft dem Bucklichten das Maul. — 344 Koͤnig Heinrich VI.— A. V. R. Ed. Still, trotzig Kindl ſonſt will ich ſtumm dich machen. Clar. Du biſt zu vorlaut, ungezogner Knabe. prinz. Ich kenne meine Pflicht, ihr brecht ſie alle. Wolluͤſt ger Eduard, und meineid'ger George Und mißgeſchaffner Richard! alle wißt, Verraͤther wie ihr ſeyd, ich bin Eur Obrer. Du maßeſt meines Vaters Recht und meins dir an. R. Ed.(urchſticht ihn) Nimm dieß, du Abbild jener , Schmäherin. Gloſt.(durchſticht ihn) Zuckſt du? Nimm dieß, um deine 8 5 Qual zu enden. Clar.(durchſticht ihn) Dieß hier, weil du mit Meineid mich gezwackt. marg. O toͤdtet mich mit ihm! 5 Gloſt.(im Begriff ſie wbrite Fuͤrwahr, das wol⸗ en wir. R. d. Halt, Richard, halt! Wir thaten ſchon zu viel. Gloſt. Warum ſoll ſie die Welt mit Worten fuͤllen? R. ked. Sie fallt in Ohnmacht? Bringt ſie wieder zu ſich. Gloſt. Clarence, entſchuld'ge mich bey meinem Bruder, In London giebt's ein dringendes Geſchäft; Eh ihr dahin kommt, ſollt ihr Neues hoͤren. Clar. Was? Was? Gloſt. Der Thurm! der Thurm! marg. Mein Eduard! ſprich mit deiner Mutter, Kind, Kannſt du nicht ſprechen?— O Verräther! Moͤrder! Kein Blut vergoſſen die, ſo Caͤſarn faͤllten, Verbrachen nichts, verdienten keinen Schimpf,„ Wär' dieſe Unthat zum Vergleich daneben. Er war ein Mann, dieß gegen ihn ein Kind: Kein Mann läßt ſeine Wuth an Kindern aus. Giebt's aͤrgres noch als Moͤrder, daß ich's nenne! Rein, nein! Mein Herz wird berſten, wenn ich rede.— Und reden will ich, daß das Herz mir berſte. Schlaͤchter und Buben! blut'ge Cannibalen! Welch ſuͤße Pflanze maͤhet ihr zu fruͤh! Nein, ihr habt keine Kinder, der Gedanke An ſie haͤtt' eur Gewiſſen ſonſt geruͤhrt: Doch wird euch je ein Kind zu Theil, erwartet Daß man es ſo in ſeiner Bluͤte wegrafft, Wie dieſen holden Prinz ihr Henker jetzt⸗ S6. Dritter Lheil. 345 R. Ed. Fort mit ihr! geht, bringt mit Gewalt ſie weg. marg. Nein, bringt nicht weg mich, gebt mir hier den Reſt. Hier birg dein Schwert, mein Tod ſey dir verziehn. Du willſt nicht? wie?— Dann, Clarence, thu' es du. Clar. Bey Gott, ich will dir nicht ſo Liebes thun. marg. Nun, beſter Clarence, lieber Clarence, thu's docht Clar. So haſt du nicht gehoͤrt, wie ich's verſchwur? marg. Ja wohl, doch pflegſt du deinen Schwur zu brechen: Sonſt war es Suͤnde, jetzt Barmherzigkeit. Wie! willſt du nicht? Wo iſt der Hoͤllenſchlaͤchter, Der finſtre Richard? Richard, ſag, wo biſt du? Du biſt nicht da; Mord iſt Almoſen dir, Du weiſeſt kein Geſuch um Blut zuruͤck. . Ed. Fort! ſag' ich. Ich befehl euch, bringt ſie weg. marg. Euch und den Euren geh's wie dieſem Prinzen! (Sie wird abgefuͤhrt.) R. Ed. Wo iſt nur Richard hin? Clar. Nach London, ganz in Eil, um, wie ich denke, Ein blutig Abendmahl im Thurm zu halten. — R. Ed. Er ſaͤumt nicht, wenn was durch den Kopf ihm faͤhrt. Nun ziehn wir fort, entlaſſen die Gemeinen Mit Sold und Dank, und laßt uns hin nach London, Und ſehn, was unſre theure Gattin macht. Sie hat ſchon, hoff' ich, einen Sohn fuͤr mich. (Alle ab.) Sechste Szene. London. Ein gZimmer im Thurm. (Man ſieht Koͤnig Heinrich mit einem Buch in der Hand ſitzen; der Commendant des Thurmes ſteht neben ihm. Zu ihnen Gloſter.). Gloſt. Guten Tag, Herr! Wie? ſo eifrig bey dem Buch? R. Heinr. Ja, guter Mylord;— Mylord ſollt' ich ſagen: Schmeicheln iſt Suͤnde, gut war nicht viel beſſer, Denn guter Gloſter wär' wie guter Teufel, Und gleich verkehrt; alſo nicht guter Mylord. v — Gloſt. Laßt uns allein, wir müſſen uns beſprechen. (Der Commendant ab.) R. weint. So flieht der Schäfer achtlos vor dem Wolf, So giebt das fromme Schaaf die Wolle erſt Dann ſeine Gurgel an des Schlaͤchters Meſſer⸗ Will Roscius nene Todesſzenen ſpielen?! Gloſt. Verdacht wohnt ſtets im ſchuldigen Gemuͤth; Der Dieb ſcheut jeden Buſch, als einen Häſcher R. Zeinr. Der Vogel, den die Ruth' im Buſche fing, Mißtraut mit bangem Fluͤgel jedem Buſch;— Und ich, das arme Maͤnnchen in dem Neſt, Worin Ein ſuͤßer Vogel ward gebruͤtet, Hab' itzt den grauſen Gegenſtand vor mir, Der meines Jungen Fang und Tod bewirkt. Gloſt. Ey, welch ein Geck war der von Creta nicht, Der keck den Sohn als Vogel fliegen lehrte, Da trotz den Flügeln doch der Geck ertrank. R. einr. Ich, Dädalus; mein Knabe, Ikarus; Dein Vater, Minos, der den Lauf uns hemmte; Die Sonne, die des Knaben Schwingen ſengte, Dein Bruder Eduard; und du ſelbſt die See, Die in den neid'ſchen Tiefen ihn verſchlang.. Ach, todte mit dem Schwert mich, nicht mit Worten! Den Dolchſtoß duldet eher meine Bruſt Als wie mein Ohr die tragiſche Geſchichte.— Doch warum kommſt du? meines Lebens wegen? Gloſt. Denkſt du, ich ſey ein Henker? R. Zeinr. Ja, ein Verfolger biſt du, wie ich weiß; Iſt Unſchuld morden eines Henkers That, So biſt du ja ein Benter- 1 0 Gloſt. Deinen Sohn Hab' ich fuͤr ſeinen Hochmuth umgebracht. R. Feinr. O hätte man dich umgebracht, als du Zuerſt dich uͤberhobſt, ſo waͤrſt du nicht Am Leben, meinen Sohn mir umzubringen. Und alſo prophezeyh' ich, daß viel Tauſend, 2 Die nicht ein Theilchen meiner Furcht noch ahnen, Und manches Greiſen, mancher Wittwe Seufzer, Und mancher Wayſe überſchwemmtes Auge (Die Greiſ' um Soͤhne, Frau'n um ihre Gatten, Die Wayſen um der Eltern fruhen Tod) Die Stunde noch, die dich gebar, bejammern. † S Dritten Fheihsn 347 Ich ſollte knurren, beißen wie ein Hund. Die Eule ſchrie dabey, ein uͤbles Zeichenz Die Krähe kräͤchzte, Ungluͤckszeit verkundend; Der Sturm riß Baume nieder, Hunde heulten,„ Der Rabe kauzte ſich auf Feuereſſen Und Elſtern ſchwatzten in mißhell'gen Weiſen; Mehr als der Mutter Wehen fuͤhlte deine, Und keiner Mutter Hoffnung kam an's Licht Ein roher mißgeformter Klumpe nur, Richt gleich der Frucht von ſolchem wackerm Baum Du hatteſt Zaähn' im Kopf bey der Geburt, Zum Zeichen, daß du kämſt, die Welt zu beißen Und, iſt das andre wahr, was ich gehoͤrt, 6 Kamſt du— 8 t Gloſt. Nichts weiter! Stirb, Prophet, in deiner Rede! Kurchſticht ihn.) Dazu ward untern anderm ich berufen. R. Zeinr. Ja, und zu vielem Metzeln noch.— O Gott, Vergieb mir meine Suͤnden, ihm verzeih! Gloſt. Wie? ſinkt der Lancaſter hochſtrebend Blut Doch in den Grund? Ich dacht“, es wuͤrde ſteigen. Seht, wie mein Schwert weint um des Konigs Tod! O ſtets vergieße ſolche Purpurthraͤnen, Wer irgend unſers Hauſes Umſturz wuͤnſcht! Wenn noch ein Funken Leben uͤbrig iſt, Hinab zur Hoͤll'! und ſag', ich ſandte dich, (durchſticht ihn noch einmal.) Ich, der nicht weiß von Mitleid, Lieb' und Furcht.— Ja) es iſt wahr, wovon mir Heinrich ſprach, Denn oͤfters hoͤrt' ich meine Mutter ſagen, ſ Daß ich zur Welt, die Beine vorwärts, kam. Was meynt ihr, hatt' ich keinen Grund zur Eil, Die unſer Recht ſich angemaßt, zu ſtuͤrzen? Die Wehemutter ſtaunn, es ſchrien die Weiber: „Hilf Jeſus! Zaͤhne bringt er auf die Welt.“ Die hatt' ich auch, das zeigte klaͤrlich an, 5 Weil denn der Himmel meinen Leib ſo formte. Verkehre dem gemaͤß den Geiſt die Hoͤlle. Ich habe keinen Bruder, gleiche keinem, Und Liebe, die Graubaͤrte goͤttlich nennen, Sie wohn' in Menſchen, die einander gleichen, Und nicht in mir; ich bin ich ſelbſt allein. 348 Koͤnig Heinrich VI. Clarence, gieb Acht! du ſtehſt im Lichte mir, Doch einen ſchwarzen Taa fuch' ich dir aus; Denn ſolche Weiſſagung Ifläſtr' ich umher, Daß Eduard fuͤr ſein Leben fuͤrchten ſoll, Und dänn, ihn zu befreyn⸗ werd' ich dein Tod. Der Koͤnis Heinrich und ſein Prinz ſind hin; Elarence, dich trifft die Reih'; die Andern dann⸗ Ich achte nichts mich, bis ich alles kann. Die Leiche werf' ich in die nächſte Kammer; Triumph iſt, Heinrich, mir dein letzter Jammer! (ab mit der Leiche.) Siebente Szene Ein Zimmer im Palaſt. (Man ſieht Koͤnig Eduard auf ſeinem Throne ſitzen, Konigin Elifabeth mit dem kleinen Prinzen, Clarence, Glo⸗ ſter, Haſtings und Andre um ihn her.) R. Ed. Noch einmal ſitzen wir auf Englands Thron, Zuruͤckgekauft mit unſrer Feinde Blut. Vie tapfre Gegner maͤhten wir nicht nieder, Wie herbſtlich Korn⸗ in ihrem hoͤchſten Stolz! 4 Drey Herzoͤge von Somerſet, dreyfältig Beruͤhmt als kühne zuverläß'ge Krieger? Zwey Cliffords, ſo den Vater wie den Sohn; Und zwey Northumberlands, ſo brave Ritter, Wie bey Trompetenklang je Roſſe ſpornten; Alsdann die beyden wackern Baͤren, Warwick Und Montague, ſie, die in ihren Ketten Den koͤniglichen Leu'n gefeſſelt hielten, Vor deren Bruͤllen oft der Waid erbebt. So ſcheuchten wir Verdacht von unſerm Thron, 3 Und machten Sicherheit zum Schemel uns.— Komm, Betty, her, laß meinen Sohn mich kuͤſſen.— Mein Kind, fuͤr dich bin ich und meine Bruder Die Winternacht geruͤſtet wach geblieben, Zu Fuß gewandert in des Sommers Glut, Daß deine Kron' in Frieden du beſaͤßeſt, Und ernten ſollſt du unſrer Muͤhen Frucht⸗ Gloſt. Geyſeit.) Wenn ihr zur Ruh euch legt, ver⸗ derb' ich ſie, * Sz. 7. Dritter Theil. 349 Denn noch bemerkt man kaum mich in der Welt. Zum Heben ward die Schulter mir gethuͤrmt, Und heben ſoll ſie Laſten, oder brechen.— Du, bahne mir den Weg, und dieß vollbringe! R. Ed. Clarence und Gloſter, liebet mein Gemahl, Und kuͤßt den koͤniglichen Neffen, Bruͤder. Clar. Die Treu, die Euer Majeſtät gebuͤhrt, Verſiegl' ich auf des holden Saͤuglings Lippen. R. Ed. Dank, edler Clarence! wuͤrd'ger Bruder, Dank! Gloſt. Daß ich den Baum, von dem du ſproſſeſt, liebe, Bezeuge dieſer Kuß, der Frucht gegeben.— *(beyſeit.) So kuͤßt', in Wahrheit, Judas ſeinen Meiſter, Und rief ihm Heil zu, da er Unheil meynte. R. Ed. Nun thron' ich, wie mein Herz begehrt; mir ward Des Landes Frieden und der Bruͤder Liebe. Clar. Was iſt mit Margarethen euer Schluß? Reignier, ihr Vater, hat an Frankreichs Koͤnig Sicilien und Jeruſalem verpfaͤndet, Das ſandten ſie zur Loͤſung fuͤr ſie her.— R. Ed. Fort mit ihr, ſeßet ſie nach Frankreich uͤber. Was iſt nun uͤbrig, als bie Zeit verbringen Mit ſtattlichem Gepraͤng' und luſt'gen Spielen, Geſchickt fuͤr die Ergoͤtzung eines Hofs?— Toͤnt, Pauken und Trompeten! Leid, fahr hin! Wir hoffen dauerhaften Gluͤcks Vtini. (Alle ab.) 1 3 2— S 8 9 10 11 12 14 15 16 17 18 19 8 8 it * 8* 1 3. 8 ²* —₰ S———