— deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Cduard Ollmann in Pieſen, † Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und eſebedingungen. 1. oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 en hr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stu⸗ den angenommen. ₰ 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 5 4. Abhonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für nchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 W— f. 1 Mr. 50 Pf 2— Pf. Ausvwärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlbrene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern c.) muß der I Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, temüt ver⸗ lorene oder defeete Buch ein Theil eines größeren erkes, ſo iſt der Leſer i Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ansleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daßva Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenig attſit i en, welche vie⸗ elben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben.. S————— — — „—— Nathilde von Rokeby von — Walter Scott bearbeitet von F. M E. Richter. 5 Erſter Theil. ⸗ Leipzig, 1822 bei Wilhelm Lauffer 4 ———— —— —————— ———— Vorbericht. —— D Schauplatz dieſer Dichtung iſt theils nach Rokeby, bei Greta⸗Bridge in Yorkſhire, theils nach dem feſten Schloſſe Barnard⸗ Caſtle und andern benachbarten Orten verlegt. Die Handlung befaßt fuͤnf Tage, wovon drei zwiſchen dem Ende der fuͤnften und dem Anfang der ſechsten Dichtung vergehn. Die Begebenheiten ereignen ſich unmit⸗ telbar nach der großen Schlacht von Mar⸗ ſton⸗Moor den 3. Juli 1644. Der Dichter hat dieſe Periode der Un⸗ ruhen und der Anarchie gewaͤhlt, ohne ſeine Dichtungen mit den kriegeriſchen und politi⸗ ſchen Ereigniſſen des Buͤrgerkriegs in Ver⸗ bindung zu bringen, ſondern einzie und alein dem dichteriſchen Gebilde ſeines Geiſtes einen Grad von Wahrſcheinlichkeit zu geben. 2 —— B. Sommermond glänzt am Himmel, aber heftig brauſen die Winde; die uͤber des Mondes Antlitz hinziehenden Wolken wech⸗ ſeln die Farben, indem ſie ihn bedecken. Wechſelnd ſtrahlt und verſchwindet ſein Licht an den Thuͤrmen von Barnard und auf den Wellen des Tee; gleich dem ſchrecklichen Traumbilde, welches den Strafbaren ſtoͤrt, deſſen Schlummer Furcht und Gewiſſensbiſſe umlagern, ploͤtz lich, wie als Scham, er roͤthet der Mond und bald gluht er wie im dunkeln Zornfeuer: der Schatten des Gewölks flieht und kommt, wie die ſich draͤngenden lebhaften Vorſtellungen im Traume; dann, wie von truͤbem Kummer die Seele, vih des Himmels Heiterkeit umhällt und ver— ſchwindet im Dunkel wie die Verzweiflung. So ſtets ſich verwandelndes Licht ſieht der Wiächter zuruͤckgeworfen von dem waldum⸗ gebenen Tee, dann weiter ſchauend von des alten Baliol's Thurm, erblickt er im Nor⸗ den ſich aufthuͤrmendes Gewoͤlk, hoͤrt das Geraͤuſch der Regentropfen, die wiederholt auf den Kranz der Veſte und ihre Thuͤrme fallen; und hüllt ſich, des Sturmes rauher Stimme lauſchend, dichter in den Mantel. Die Thuͤrme von Barnards⸗Schloß deſſen Schatten wiederſcheinen auf dem Strome, wurden von einem Burgherrn bewohnt, deſſen Unruhe und verworrene Bewegung des Hert zens mit dem Wofkenzuge gleich war und deinſtiben vergleichlich. Oft, eh' der Schlaf des wilden Oswalds Sinne feſſelte, hatte der Eimuͤdete ſich auf dem Lager herum geworfen und im peinlich⸗ ſten Muͤhen vergebens geſucht, ſeine ſchwarzen Gedanken zu verbannen. Endlich erhoͤrt der Gott des Schlafs ſeine Wuͤnſchez aber nur allzufeſt gewurzelte Erinnerungen— und Schreckbilder verworrener Einbildungs kraft, in wirrer Unordnung, Vergangenheir A 2 und Gegenwart unter einander miſchend, waren in ſeinem Gefolge. Der Zeit voraus⸗ eilend, warf das Gewiſſen ihm ſchon jetzt das noch nicht vollfuͤhrte Verbrechen vor, und rufte die mit ziſchenden Schlangen und toͤnend geſchwungnen Geißeln bewaffneten Furien. Das Schaudern ihres Opfers beweißt, wie graͤßlich ihn ihre Schlaͤge zerreißen, und zeiget, was es fuͤr Ruhe iſt, die ein Verbre⸗ cher auf ſeinem einſamen Lager finden kann. Auf Oswalds Geſicht zeigte ſich die ge⸗ heime Qual in nicht minder wechſelnden und dunkeln Zugen, als die Farben und Schatti⸗ rungen der Mondſtrahlen in den Tee war⸗ fen. Man konnte darin wahrnehmen die Schaamröthe, das dunkle, wilde Zornfeuer der Wuth auf ihm unterſcheiden, während kelbſt des Schlafenden zitternde Hand Schild und Schwert zu ergreifen ſchien. Bald bra⸗ chen Seufzer aus ſeiner gepreßten Bruſt, bald netzte eine Zähre ſpin halbgeſchloßnes Augenlied, und die feuchte Bläſſe ſeiner Stirn vollendete den Ausdruck des ihn zerreißenden Schmerzes. Ein ſchnelles Erbeben eiſete das — Blut in ſeinen Adern; zuſammengekrampfte Lippen, nur halb ausgeſprochne Drohungen zeigten, wie die Furcht der Reue folate. Solche Angſt unterbrach ſeinen Schlummer, und ploͤtzlich aufſchreckend erwachte Oswald.— Nicht mehr waate er die Augen zu ſchließen, ſolch entſetzlichen Schlaf fuͤrchtend. Er ſieht nach der Lampe, hoͤrt den Glockenhall der Stunde, des Kaͤuzleins nächtliches Geſchrei und des Herbſtwinds ſchwermuthsvolle Stim⸗ me; zuweilen auch den uͤbeltoͤnenden Geſang der Wache, die ihre Zeit damit auszufuͤllen ſucht, und er neidet das Schickſal des armen Kriegers, der, wenn die Sonne ihn abloͤſt, auf ſchlechtem Lager liegt, und von duͤſtern Phantaſien nicht geſtoͤrt, dann feſt und ſorg⸗ los wie das Kind ſchlaͤft. Das ferne Geraͤuſch eines herbeieilenden Renners trifft jetzt Oswalds Ohr; ſogleich ſpringt er vom Lager auf; Rache und Furcht allein machen ihm den Ton hoͤrbar, der noch ein Echo in des Schloſſes Umgebung er⸗ weckte. Aber der Lörm kommt naͤher; Os⸗ wald hoͤrt die Wachen den Reiter antufen, — 6— die raſſelnden Ketten verkuͤnden das Nieder⸗ laſſen der Zuabruͤcke, man vernimmt Stim⸗ men im Schloßhofe, Feuerbraͤnde leuchten dem Fremden, der nach des Burgherrn Ge⸗ mach geleitet wird.„Wichtige Nachrichten von dem Heer!— ruft man— ein Eil⸗ bote!“ Oswald unterdruͤckt die Unruhe ſeines Herzens und befiehlt:„Speiſe und Trank bringt, zuͤndet das Feuer an, laßt den Fremdling ein, und entfernt Euch!“ Der Fremde tritt langſamen Schrittes ein; der Federſtutz auf dem Helm neigt ſich uͤber das Geſicht; eine Buͤffelhaut huͤilt in weiten Falten ſeine hohe Geſtalt, kaum wuͤrdigt er Oswalds Bewillkommnung einer Antwort; vielmehr zeigt ſein verächtliches Lacheln, daß er die Hinterliſt des Burgherrn kennt und verachtet, der die Fackel ſo zu ſtellen ſucht, daß ihr Licht die Zuͤge des Kriegers beleuchtet, und ihm erlaubt ſie zu muſtern, ohne ihm ſein Geſicht zu zeigen. und des Lichtes Wiederſchein glaͤnzt auf ſei⸗ nem blanken Harniſch. Er legt den Helm „ Er wirft ſein ſchweres Gewand von ſich, — —————— —— ab, ſchuͤttelt den Nachttheu von ſeinem Federſtutz, zieht ſeine Handſchuh aus, ſie ans kniſternde Heerdfeuer legend, und ſetzt ſich an den zum Mahl bereiteten Tiſch, ohne Gruß, ohne irgend ein herkommliches Wort der Hoͤflichkeit. Mit gierigen Zuͤgen ſtͤrzt er die Becher hinter, und genuͤgt ſei⸗ nem maäͤchtigen Hunger mit eben ſo wenig Umſtänden, wie der heißhungrige Wolf ſei⸗ nen Raub verzehrt. Der Wirth beobachtet ihn mit einer von Furcht gemiſchten Ungedult, waͤhrend er ruhig ſein Mahl vollendet und das Getraͤnk, das er hinunterſturzt, den Stolz auf ſeiner Stirn nur noch zu vermehren ſcheint. Bald tritt Oswald bei Seite, bald ſchreitet er mit ſtar⸗ ken Schritten durchs Gemach, kaum ſeine unruhige Bewegung bemeiſternd und innerlich jeden Augenblick des Verzugs verfluchend. Gleichwohl zittert er, als endlich das Ende dieſes verlaͤngerten Mahls erſcheint, und es däucht ihm, als haͤtten ſeine Lente nur zu ſchnell den Wink beachtet, ihn allein zu laſſen mit dem Frembling, um ſich nach den ge⸗ heimen Nachrichten zu erkundigen, die er ihm bringt. Sein Schweigen beweißt, daß ſein Herz zwiſchen Furcht und Scham getheilt iſt. Wohl rechtfertigt des Fremden Anblick die argwoͤhniſche Beſorgniß. Der Einfluß eines ſengenden Klima's und erduldete Be⸗ ſchwerden haben vor der Zeit ſeine Stirn durchfurcht, die Schlaͤfe enthaart und das Schwarz des Haars mit Silber durchzogen. Allein noch blieb ihm, was die Jahre nicht vertilgen konnten: Stolz in der Miene, Feuer im Blick. Nie erblichen dieſe Zuͤge, nie loöſchte eine Thraͤne das ſtrenge Feuer ſeiner Augen, welches Schrecken einflöſte und den Schmerz herauszufordern ſchien. Mit ihm und der Gefahr unter jeder Ge⸗ ſtalt bekannt, hatte er dem Tod ins Auge geſehn in Orkanen und Erdbeben, in Fluten und Stuͤrmen, in Schlachten, in verwuͤſten⸗ den Plagen, in langſamen Quaalen der Folter, bei der Eroberung der Veſten und in den Minen: uͤberall hatte er ihn verachtet. Aber noch mehr als kuͤhne Todesverach⸗ — — — nie Bertrams Herz zarte Gefuͤhle gekannt, tung und ſelbſt beim Blutvergießen nicht zu ſtoͤrender Gleichmuth lag auf dieſer braunen Stirn— verbrecheriſche Leidenſchaften waren eingegraben mit unauslöſchlichen Zuͤgen auf dieſem Geſicht. Alles, was den Irrſalen der fruͤhen Jugend eine Art Reiz verleiht, Luſt, thörichtes Selbſtvergeſſen ſind mit Ber⸗ trams Jugend verſchwunden, aber der blu menberaubte Saamen des Laſters wuchert noch in ihm. Hätte der Boden, in dem er liegt, in des Lebens Fruͤhling die Wohlthat einer ſanften Bearbeitung empfangen, ſo haͤtte er Kraft genug in ſich gehabt, weniger bittre Fruͤchte hervorzubringen. Zwar haͤtte aber ſeine Verſchwendung waͤre Wohlthaͤtig⸗ keit, ſein Gölddurſt den jene erregte, Durſt nach Heldenruhm und ſein Stolz— Tugend worden. WVie er jetzt war, los vom Zwang des Gewiſſens, befleckt mit groben Verbrechen und Blutvergießen, beſaß er noch eine ſo verwegne Seele, daß ſie zuweilen den edlen Aufſchwung uͤber ſich ſelbſt unternahm. Ein geringerer Verbrecher, ein minder hartes Herz zitterte vor ſeinem furchtbaren Blick. Dswald empfand es, als er jetzt auf geſchick⸗ tem Umweg, wiewohl vergebens, ſeinen Gaſt dahin bringen wollte, ihm ungefragt die Nachrichten mitzutheilen, die er zu horen brannte. Was ſein Mund ſtammelt, iſt dem ganz fremd, was ſein Gemuͤth beſchäftigt. Bertram wuͤrdigt ſeine geheime Pein keiner Beachtung, und faͤhrt fort ihm kurz und in trotzigen Ausdruͤcken zu antworten; oder ver— liert ſich, ohne die Hauptſache zu beruͤhren, in leere und ſeltſame Abſchweifungen, um den verlegnen Burgherrn zu freier Frage zu zwingen, wenn er eine gerade Antwort er⸗ halten will. Owald redete einige Zeit von Gemein⸗ den, Buͤndniſſen, Geſetzen, Reform der Kirche allein bald zwang ihn Bertrams veraͤchtliches Lächsln von dieſem Geſpraͤch ab⸗ zuſtehn. „Iſt eine Schlacht vorgefallen?— fragte eer endlich ſtammelnd.— Bringt Bertram Nachricht davon? Ein Krieger, wie er, weit ——— ——— und breit beruͤhmt durch ſeine Waffenthaten, hat gewiß nie das Heer den Abend vor einer Schlacht verlaſſen, ſondern hat bis zur Ent⸗ ſcheidung ausgehalten.“ 6 „Wie,— verſetzte jener,— da Ihr ſelbſt, Oswald Wycliffe, in dieſen von den Wellen des Tee umzognen Thuͤrmen einer ſichern Ruhe genießt, kaͤnnt Ihr es ſeltſam finden, wenn andre erſcheinen ſolchen ſichern und ruhigen Zufluchtsort zu theilen, wenn ſie das Schlachtfeld verlaſſen, wo Gefahr, Tod und Beſchwerde die einzigen Früchte ſind, die ihnen der Buͤrgerkrieg zu ernten giebt?—“ „Bertram, ſprecht ohne Spott. Wir wiſſen, daß der Feind heranzog, die Arbeiten unſers Heers in Norden zu ſtoren, daß es unter den Wällen von York im Lager ſteht. Ihr wart mit dem tapfern Fairfar, und habt den Kampf nicht vermeiben koͤnnen. wie war ſein Ausgang 7 „Ihr wollt die Geſchichte der Schlacht? Ich will Euch willfahren. Unſere Geſchwa⸗ der haben ſich auf der Halde von Marſton beaegnet. Trompetenhall kuͤndete eine dro⸗ hende Aufforderung an; der edelſte Eier blitzte in den Augen unſter Streiter. Von beiden Seiten erſcholl ein fuͤrchterliches Ge⸗ ſchrei, die Einen riefen: Gott und die gute Sache! die Andern: Gott und der König! Wie wahre Britten, ſtuͤrzen beide Theile auf einander, ohne einen Preis ihrer Tapferkeit zu hoffen und alles aufs Spiel ſetzend. Hätte mirs die Zeit erlaubt, lachen haͤtte ich koͤnnen, uͤber die Schwaͤrmerei dieſer wilden Krieger, die mit ſolchem Eifer theils fuͤr die Republik, theils fuͤr den Konig ſtritten und bluteten. Die Einen fuͤr einen Traum gemeinſamen Gluͤcks, die Andern fuͤr Ehrenſtellen und Auszeichnungen Blut und Leben vergendend, um entweder den Titel eines Martyrers oder eines Patrioten zu erlangen. Waͤre Bertram der Hauptling dieſer tapfern Horden geweſen, haͤtte er nicht in ſchwarmeriſchem Aberglauben das Eldorado im Himmel geſucht. Nach Chili hätte ich den Krieg verſetzt. Lima haͤtte mir ſeine Silberthore geoffnet; ſiegreich wäre ich ein⸗ —,— —,— gezogen in das reiche Mexico, und Perus Schätze haͤtt' ich mit mir genommen, bis der Name und der Ruhm eines Pizarro und Cortez verdunkelt geweſen waͤren durch den meinen! Freund, wirſt Du denn nie bei dem Ge⸗ genſtand der Rede bleiben; ſag, wie fiel der Streit aus? Wohl bin ich geachtet, wenn die Kriegs⸗ trommete erſchallt oder der Becher in dem Kreiſe herumgeht, obgleich keine Schoͤne bis jetzt des düſtern Bertrams braunes Ge⸗ ſicht und ſein Herz lieben mochte. doch ich fahre fort in meiner Gizahlung die Schlacht war dem Kampf zweier Stroöͤme zu vergleichen, wenn der eine in ſeinem hochmuͤthigen Zorn, ſtatt dem Oeean ſeinen Tribut zu entrichten, ihm den Krieg erklaͤrt, und ein nebenbuhleriſches Gewäſſer mit dem Sturz ſeiner Fluten bedrängt. Brauſend erheben ſich die Wogen, ihren Schaum bis zum Himmel ſpritzend. Der Steuermann erbleicht, und ſurht vergebens das Salzwaſſer von der unzubaͤndigenden Fluth zu unter⸗ — ſcheiden. So mengen ſich unſre Heerhaufen. auf blutiaem Felde, und der Siea bleibt unentſchieden, bis der furchtbare Ruprecht auf uns ſtuͤrzt an der Spitze tapfrer Streiter; trotz ihrer heldenmuͤthigen Ausdauer werden endlich die Unſern zuruͤckgetrieben. Was ſoll ich weiter ſagen? Unſre Fuͤhrer fallen, Ver— wirrung bricht ein in unſre Reihen. Tau⸗ ſend, die auf das Wort der Pri ſter ihre Laͤndereien verlaſſen haben, ihre Gemeinen und das Evangelium zu verfechten und den Koͤnig und die Praͤlaten zu demuͤthigen, liegen todt auf dem Platz, in ihrem Blute ſchwimmend, fortan unfähig die Krone die Biſchofsmuͤtze anzutaſten.“ „Traurige Botſchaft,“ rief ſinſter Wy⸗ elyffe, und mit verſtelltem Kleinmuth ließ! er das Haupt auf die Bruſt fallen; aber in ſeinen Augen flammte, ſeinen vorgeblichen Schmerz Luͤgen ſtrafend, eine unruhige F nde. „Trauvige Botſchaft„ ſagteſt Du nicht, daß unſre Häuptlinge das Lebem verloren hätten, als ihr Beiſtand am noͤthigſten war? Vollende Deine unſelige Erzaͤhlung, und ſage — 4 5— mir, wer diejenigen ſind, die an dieſem un⸗ gluͤcklichen Tag ſielen? Welche Führer von Namen und Ruf durch ihren Tod unſterblichen Ruhm erkauften? Wenn ſo mein grauſamſter Feind geendet hat, wuͤrden meine Thraͤnen auf ſein mit Recht geehrtes Grab fallen 2.. Wie, keine Antwort? Freund, Du weißt, wen ich in unſerm ganzen Heer am meiſten gehaßt, den Du ſelbſt nicht ſehn konnteſt ohne Wuth; warum laͤßt Du mich in Un⸗ gewißheit uͤber ſein Geſchick?“ Ohne Bewegung erwiederte Bertram: „So Du das Geſchick eines Freun frage ohne Umſchweif darnach, und Du wirſt! die aufrichtige Antwort eines Kriegers ver⸗ nehmen; jedoch bin ich nicht erleuchtet genug Räthſel aufzuloͤſen und dunkle Fragen zu beantworten.“ Jetzt flammte mit einem Mal der Zorn, den Furcht und Liſt bisher in Wycliffes Bruſt unterdruͤckt hatte, auf, und das trotzige Be⸗ tragen eines niedern Kriegers etweckte in ihm den ganzen Stolz eines Herrn. oder Feindes von mir zu wiſſen begehrſt“ „Elender!— ſpricht er,— haſt Du den blutigen Befehl vollzogen?7 Lebt Philipp Mor⸗ tham noch? Biſt Du Deinem Herrn oder Deinem Schwur untreu geworden? Rede, Verräther oder Meineidiger, oder Beides, haſt Du das Verſprechen gehalten, das Du mir thateſt, Deinen Anfuhrer in der Schlacht umzubringen?“ Bertram ſprang auf von ſeinem Sitz, ergriff Oswalds Hand mit ſolcher Heftigkeit und druͤckte ſie ſo derb, daß das Blut her⸗ ausſprang, als faſſe ſie ein Eiſenhandſchuh. „Ich trinke auf Deine Geſundheit!“ ſagte er, leerte laͤchelnd den Becher, und ließ Oswalds Hand fallen.— „Jetzt,— fuͤgte er hinzu,— Oswald, Prich vom Herzen, und falle in Deine eigenthuͤmliche Rolle. Du wärſt ohne Deine elende Furcht wuͤrdig, gleich mir, das un⸗ veſtaͤndige Leben eines Flibuſtiers zu fuͤhren? Was verſchlägt Dich die gute Sache, wenn Mortham's Guter und Schaͤtze in Deiner Gewalt ſind? Was geht Dich die Belagerung von York an, wenn meine tapfte Hand 6 Deinen Befehl volzog? Was kuͤmmerts Dich, daß Fairfax und ſeine beſten Krieger die Ebne von Marſton mit ihrem Blute geroͤthet, wenn Philipp Mortham an ihrer Seite verſcheidet? So ſetze Dich, und laß uns als Bruͤder die Becher auf den Sieg leeren, und einander die Thaten erzaͤhlen, die Weiber und Kinder nur mit Zittern hoören wuͤrden. Ich will Dir Philipps Tod erzählen: Wenn Du mich je beſchloſſener Rache entſagen ſiehſt, ſo ſchilt mich einen Elenden, und halte mich fuͤr einen ſchwachen Feind; als Sklav behandle mich, wenn ich je eine Beleidigung vergeſſe und es trage noch zu leben. 3 Philipp von Mortham war einer von denen, die Bertram von Riſingham Feind nannte oder vielmehr eins der Opfer, welche, meine unvermeidliche Rache von dem Augen⸗ blick an verfolgt, als ſie den Namen undank⸗ barer Freunde verdienen. Er durchlief nach ſeiner Gewohnheit vor Anfang der Schlacht die Reihen mit aufgezognem Viſier. Schwer⸗ I. B ———————— muth las ich in ſeinem Blicke, als er im königl. Heer das Banner ſeines Verwandten Rokeby erkannte.„So— ſprach er— trennen ſich die Freunde!“ Ich hoͤrte es, und erinnerte mich der Tage, wo wir ſo oft den ungewiſſen Sieg zuſammen entſchieden hatten, als Bertrams Herz Philipps Schild war. Ich dachte daran, wie in Dariens ſandigen Wüſten, wo der Tod auf den Fittigen des Abend⸗ winds heranfliegt, ich meinen Mantel breitete uͤber den Freund und mich ſchutzlos dem vergifteten Thau preis gab; ich dachte an die Felſen von Quariana, wo, unſerm zer⸗ brechlichen Fahrzeug entronnen, ich den todt⸗ kranken Mortham, trotz der wuͤthenden Wo⸗ gen, die mir ihn ſtreitig machten, ans Geſtade brachte und kein Bedenken trug, das Gift, welches die Wunde eines indiſchen Pfeils in ſeine Bruſt gefloͤßt hatte, mit meinen Lippen auszuſaugen: das Alles drang mächtig auf mich ein, und vernichtete faſt die Entwuͤtfe meiner Rache. Nicht von Stein ſind Herzen, und auch dieſer bricht; nicht von Eiſen ſind — 19— ſe, und füaſam giebt ſich ſelbſt diepe. Als Mortham, wie ebedem, mich erſuchte, an ſeiner Seite zu bleiben in der Schlacht— ſah ich kaum die Beweaung der Lanzen, hörte kaum die Trompeten ſchmettern; in der Unentſchloſſenheit, in der Unruhe uͤber Mor⸗ tham's Tod oder Leben, vergaß ich faſt die Schlacht, die wir liefern ſollten. Nun aber erinnerte ich mich, daß ich, verfuͤhrt durch das eitle Verſprechen, ſein Schloß und ſeine Schätze mit ihm zu cheilen, nach Jahren, in denen ich der Seerauberei obgelegen, wiedergekommen war an unſer heimathliches Geſtade. Aber der Hert von Mortham ent⸗ zog ſich bald dem kuͤhnen Freund, ſeinem Kampfgefährten. Zweifel, Schander, aber⸗ glaubiſche Befuͤrchtungen bekuͤmmerten und verdunkelten ſeine abnehmenden Jahre; liſtige Prieſter bemächtiaren ſich leicht ihres Opfers, und verdammten alle Thaten und Gedanken dieſer ſonſt ſo kuͤhnen Seele. Ich ward gezwungen ein andres Obdach auf⸗ zuſuchen; meine Freiheit ward gerügt in ſeinem zum Sitz der Weisheit umgewan⸗ B 2 — — 20— delten Schloſſe; gab er mir Gold, ſo ver⸗ that ich in einem Tage dreimal mehr, als ich empfing. So irrte ich umher wie ein Verbannter, und war unfähig das Feld zu bauen, oder eine andre Handthierung zu er⸗ waͤhlen; ichglich dem Eiſen einer verroſteten Lanze, welche man zu gleicher Zeit fuͤr un⸗ nuͤtz und fuͤr gefaͤhrlich haͤlt. Die Weiber fuͤrchteten meine verwegnen Blicke; der fried⸗ liche Buͤrger zitterte in meiner Naͤhe; der Kaufmann ſchloß, vom Blitz meiner Augen entſetzt, ſeinen Geldkaſten, wenn Bertram kam: alle feigherzige Freunde der Ruhe ent⸗ fernten ſich von dem verwahrloſten Sohn des Krieges. Endlich gaben die buͤrgerlichen Unruhen das Loſungswort, und mein Kriegs⸗ handwerk ward das Handwerk Aller, Von Mortham zuruͤckberufen, kam ich, ſeine Lehns⸗ leute zum Kampf zu fuͤhren. Was ward der Preis fuͤr meinen Eifer? Heilige Reden und Gebete konnte ich nicht herleiern; finſtre Schwaͤrmer erhielten ſein Vertraun; und ich, der Entehrte, der Verachtete, hatte blos die Wahl, welcher Todesart ich entgegenlaufen L. 241— wollte Deine ungedultigen Gebehrden ſagen mir, daß ich Dir hier eben nichts Neues ſage. Doch hoͤre mich mit Aufmerk⸗ ſamkeit an, ehrenhalber wiederhole ich alle die Umſtande, die Morthams Tod voraus⸗ gingen. Gedanken, die nur langſam uͤber unſre Lippen kommen, gehn blitzſchnell durch unſre Herzen. Kaum hatte ich die Sporen in die Seiten meines Roſſes gedruͤckt, als meine Unentſchloſſenheit zu Ende war, und eh' es zum Gemenge kam, war Morthams Schickſal entſchieden. Ich folgte ihm ins Gewuͤhl der Schlacht; unbeſtändig blieb der Sieg wie ein Apriltag, bis, einem Strome gleich, der ſeine Daͤmme durchbricht, der grimme Ruprecht ſich auf unſre Leute warf; da— als mitten im Tumult, Rauch und Verwirrung jeder fuͤr ſein Leben focht, ſchoß ich mein Gewehr ab, und— Mortham ſtrzte mit ſeinem Schlachtroß; zum Himmel erhob er die brechenden von Schmerz und Wuth erfuͤllten Augen— es war ſein letz⸗ ter Blick. Denket nicht, daß ich mich aufhielt den Ausgang der Schlacht abzu⸗ — 22— warten; noch hatte ich mich nicht dem Ge⸗ wuͤhl der Streitenden entrungen, als ſchon unſre Reiter in Unordnung geſetzt waren. Zu Monkton und Mitton hoͤrte ich erzahlen, wie die Haufen von Roundheads in der Duſe umgekommen, und die Schotten von plblicher Furcht ergriffen, nordwaͤrts geeilt waren, dem Tage fluchend, an dem Lesley ſie uͤber den Tweed gelockt hatte. Als ich indeß an die ufer des Swale kam, hoͤrte ich dort ein andres Geruͤcht: der tapfre Cromwell, hieß es, habe das Gluͤck des Tages an der Spitze ſeiner Reiterei entſchie⸗ den; aber wahr oder unwahr, dieſe Neuigkeit iſt mir ſo gleichguͤltig, wie Euch, Oswald. Wycliffe huͤtete ſich wohl ſich merken zu laſſen, wie ſehr ſein Stolz von dem an⸗ maßenden, freien Ton emport war, mit welchem ſich ſein Mitſchuldiger als ſeines Gleichen zu aͤußern wagte; er heuchelte Gäte und Hoͤflichkeit gegen ihn, und gelobte ihm ewige Freundſchaft und Erkenntlichkeit, aber Bertram unterbrach ſeine Zuſicherungen. „Wheliffe,— ſagte er,— glaub nicht, daß ich hier bleibe; kaum will ich den An⸗ bruch des Tages erwarten. Schon in der Jugend empfangne Lehren warnen, dem Mit⸗ ſchuldigen zu traun. Die Thäler meines Geburtslands hallen noch wieder von Percy⸗ Reed's Leichengeſang, den der treuloſe Girſon⸗ field in das Verderben zog. Noch oft ſieht der Hirt am Ufer des Pringle ſeinen Schat⸗ ten ſchleichen. Soll ich auch die Bildſäule des Jägers Dir anfuͤhren, das Werk des Meiſels eines alten Bildhauers, die man bei dem Ort, der mir den Namen gab, mit Entſetzen betrachtet, dort, wo der Reed den Flecken und die Baͤume des freundlichen Woodburn benetzt? Sie ſtellt eine rieſenfoͤr⸗ mige Geſtalt vor; den Koͤcher auf dem Ruͤcken, traͤgt ſie die Tartane. Geh' und frage, wie dieſer herrliche Jaͤger, dieſer unerſchrockne Häuptling unſrer Thäler um⸗ kam; Kind und Greis werden Dir antworten, daß er ein Opfer ward ſeines verraͤthriſchen Bruders: durch ſolche von fruͤher Jugend an gehoͤrte Erzaͤhlungen gewg nt, traue ich nie auf die Treue des Mitgenoſſen. Als wir neulich von dem Schlage ſprachen, den meine Hand ausfuͤhren ſollte, kamen wir nicht uͤberein, Morthams Reichthuͤmer zu theilen? Ich will den Theil beſtimmen, welchen die verſchiedenartigen Geſetze, denen wir zu folgen genoͤthigt ſind, einem Jeden von uns in Anſpruch zu nehmen erlaubt. Du, ein geſchworner Vaſall Englands, mußt die Erbfolge kennen; Dein, als dem naͤchſten Agnaten, gehoͤren Philipps Guͤter und Ein⸗ kuͤnfte, und ich uͤberlaſſe ſie Dir; aber achte Du die Statuten des Flibuſtiers. Freund der Oceans, geſchworner Feind aller derer, die auf ſeinen Fluthen ſchwimmen, erbet der Pirat, wenn ſein Gefährte im Streit unterliegt, einen Theil ſeiner Beute; faͤllt ein feindlicher Haͤuptling unter ſeinen Strei⸗ chen, empfaͤngt er ſein Beſitzthum: dieſe beiden Geſetze ſichern mir zugleich die Schätze, welche Mortham von den Meeren und aus den Schlachten Indiens heimgebracht und in ſeinen Schloßgewölben aufgehaͤuft hat. So werde ich alſongehn, mich in den Beſitz der Goldbarren, der Diamanten, der Becher, der koͤſtlichen Kirchengefaͤße, der der weinenden Schoͤnheit entrißnen Edelſteine, der reichen Perlenſchnuͤre, Silberbarren und aller Reich⸗ thuͤmer zu ſetzen, die er aus dem weſtlichen Kriege mitgebracht. Du wirſt mich begleiten, denn ohne Dich moͤcht ich ſchwerlich Zugang zu Morthams Schloſſe finden; und dann ſage ich Dir Lebtwohl. Alle Freuden will ich koſten, die man mit Geld erkaufen kann: ſind dann einmal alle meine Begierden be⸗ friedigt, ſo ſollen die buͤrgerlichen Unruhen aufs neue Bertrams ruheloſes Schwerdt be⸗ ſchaͤftigen.“ Eine zweideutige Antwort ſchwebte auf e Lippen; trotz ſeiner Argliſt vernahm n ieſer ruchloſe Moͤrder „und ſein unruhiges Herz wogte zwiſchen Abſchen, Freude, Reue und Haß. Gern ſah et ihn weggehn; aber er murrte uͤber den reichen Lohn, den der Moͤrder verlangte; er verfluchte ſeinen Stolz und ſeine Anmaßung, und wagte nicht, die vorgeſchlagne Reiſe mit ihm zu unternehmen. Endlich entſcheidet er ſich fuͤr die Mittel⸗ ſtraße, welche Feigheit und intatliß immer ſo gern einſchlaͤgt. „Seine Stellung— ſagt er— ver⸗ biete ihm die Feſte in ſolchen Zeitumſtanden zu verlaſſen. Wilfrid wird Bertram beglei⸗ ten, ſein Sohn und ſein Freund werden mit einander gehn.“ Verachtung haͤlt Bertrams Zorn nieder, und mit wildem Laͤcheln verſetzt er:„Wilfrid oder Du— mir iſt es Eins, wer von Euch mir den goldnen Schluͤſſel traͤgt; glaube aber nicht, daß ich nicht merke Deine arm⸗ ſelige und eigennuͤtzige Argliſt; ich verlache ſie. Was, Oswald Wyeliffe, wenn Du Ge⸗ fahr von Seiten meiner füͤrchteſt, ſchuͤtzt Dich hier. Ich ßin ſchon äter Mauern ge⸗ ſetzt, die weit hoͤher ſind als dieſe; ich habe ſchon Stroͤme durchſchwemmen piel tiefer, als der Tee. Kann ich Dich nicht toͤdten, ehe noch der geringſte Laut die entfernte Wache ruft? Erſchrick“ nicht— es iſt mir nicht in den Sinn gekommen, aber wenn es ware, Du koͤnnteſt Dich nicht vertheidi⸗ gen; aber glaube mir, daß im Nothfall dieſe — 26— — 2— Hand manche verzweifelte That voſſbracht. Geh', eile und wecke Deinen ſchlafenden Sohn, es draͤngt die Zeit und ich muß noth⸗ wendig fort“ Nichts von ſeines Vaters unedlem Weſen befl ckte Wilfrids Herz, das von Jugend an zu zart, um mit dem Schickſal zu ringen. Sein Vater ſchalt, weil er noch Soͤhne kraftigern Schlagg hatte, Wilftid einen Muth⸗ und Kraftloſen, aber der liebenden Mutter ganze Sorge und Luſt war auf den zarten Knaben gerichtet. Kein Ausibuch auf⸗ lodernder jaͤher Heftikeit der Kindheit ver⸗ rieth des Blutes raſcheren Kreislauf. Stun⸗ denlang ſchwelgte er in Shakspeare's reichem und vielgeſtaltetem Leben; aber er wand ſich weg von grauſen und leichtfertigen Aufttit⸗ ten, von Fallſtafs Schwelgen und Perny's Koͤmpfen, um Jacobs moraliſche Reden zu erwaͤgen, oder mit Hamlet weiſe nachzuden⸗ ken uͤber das Nichtige, oder in weicher Ruhe zu weinen uͤber der zarten Desdemona Ungluͤck. Seine Jugend fand nicht Vergnuͤgen an dem, was die Ingend ſonſt erfreut: an Roſſen, 5 * — 28— Freuden ber Jaad und dergleichen; ſondern er ſah gern, ſtillen Freuden huldigend, den Fluß leiſe dahinwallen und die Stille des ungetruͤbten Sees. In Deepdales Einſam⸗ keit zu ruhn, am Abhang des Huͤgels, unter Geſtraͤuch, die ſchroffe Spitze von Catcaſtle zu erglimmen, oder des einſamen Pendragon Erdwall zu beſteigen: daran fand er unaus⸗ geſetzt Genuß, und auf dieſen Stellen ward ſeine Phantaſie zu maͤcht'gem Schwunge be⸗ flugelt, zu den Traͤumen von treuer Liebe und ewigem Fruͤhling, bis endlich die Be⸗ trachtung ſeine Schwingen ermattete, ſich der Entzuckte nicht mehr auf ſeiner Höhe erhalten konnte und traurig erdwaͤrts ſank. Er liebte.. wie es noch manches Lied eſtätige, das man in Stanmores Thälern ſingt; denn er beſaß die Kunſt der Saͤnger, dieſe Kunſt, die man nicht lehren, noch lernen kaun„ er liebte zur Liebe hatte die Natur ſeine Seele gebildet, und die Phantaſie unterhielt ihre Flammen.. Er liebte ohne Gegenliebe. denn nur ſilten wird die Liebe eines ſo zärtlichen Her⸗ N zens getheilt. Er liebte ſchweigend; ſeine Blicke druͤckten ſeine Leidenſchaft aus, aber ſeine Lippen ſprachen nur von Freundſchaft. So war ſein traͤumeriſches Leben bis zu dem Tage hingefloſſen, wo ſein Vater alle ſeine rͤder umkommen ſah, die Hoffnung und den Stolz ſeines Alters. Wilfrid allein blieb nun der Erbe aller Fruͤchte ſeiner Ränke und ſeines Geizes;— er ward geleitet von dem tuͤckiſchen Vater— nun beſtimmt das dunkle Irrgewinde des Ehrgeizes zu durch⸗ laufen.. Oswald gebot ihm die ſchoͤne Mathilde, die Erbin des Ritters von Rokeby, zu lieben und um ſie zu werben. Sie zu lieben, ward ihm leicht, Mathilde war die Dome ſeines Herzens; aber um ſie zu werben, keine ſo leichte Aufgabe fuͤr ein Herz, das weder zu hoffen noch zu bitten wagte. Indeß gewährte Mathilde ihrem Sklaven Alles, was Mitleid, Hochachtung, Freundſchaft gewähren kann— Auszeichnung und Lob des Dichters ſuͤßeſten Lohn. Sie las die Gedichte, die Wilfrids Geſchmack auszeichnete, ſang die Balladen, die er liebte oder gedichtet hatke:; aber mit Bedauern, eine ſo hoffnungsloſe Liebe nicht naͤhren zu koͤnnen, verſagte ſie ihm zuweilen in wohlgemeinter Laune den Empfang, der wohl der Freundſchaft gehoͤrte, und plotzlich den Schmerz ihres Opfers beklagend, gab ſie ihm ihr gefahrliches Laͤcheln zuruͤck. So ſtand Wilfrids Sache, als die Schre⸗ ckensſtimme des Krieges in der Gegend er⸗ ſcholl. Drei verſchiedne Banner wehten auf dem Geſtade des Tee. Die Leibeignen er— blicken ſie mit ſchwarzen Ahnungen: ſchon vor Zeiten vereinten ſie ſich, um ſich den Einbruͤchen in Schottland zu wiberſetzen; jetzt verachten und mißtraun einander die Vaſallen und die Lords. Rirter Rokeby zieht aus ſei⸗ nem auf den Ufern der Greta gelegnen Schloß und vereint ſeine Krieger mit denen der tapfern nordiſchen Grafen, die ſich be⸗ waffnen fuͤe den Koͤnig Karl. Philipp Mor⸗ tham, durch Blutsfrgundſchaft ihm nahe ver⸗ wandt(ſeine Schwoſter war Rokebys Gattin geweſen, und lanage vor Ausbruch des Bur⸗ gerkriegs ins Grab geſunken), zog unter 1— 60 Fairfar Befehlen aus, während im Einver⸗ ſtänbniß mit dem liſtigen Vane, aber we⸗ niger bereit aufs Schlachtfeld zu eilen, ſich Wyrliffe hinter den alterthuͤmlichen Wällen von Barnard verſtärkte, die er im Namen der Geſammtheit beſaß. Des Ritter Rokebys ſchone Erbin wartete in ihrem Schloß die Ereigniſſe des Krieges ab. Im Buͤrgerkrieg ſchonte man aller derer, die ohne Stutze waren, und achtete mitten in dem Wuͤthen zarte Jugend, weibliches Geſchlecht und Alter; aber Wilfrid, der Sohn von Rokebys Feind, muß aufhören, ſich, beguͤnſtigt von der Daͤmmerung, auf die Ufer der Greta zu begeben, um Mathilden zu ſehn, mit aller Verſtellung, deren die Liebe fähig iſt, Gleichgultigkeit bei ihrem Erblicken heuchelnd, und thun, als begegne er ihr nur von un⸗ gefahr. Nicht mehr darf er die Entſchuldi⸗ gung ergreifen, daß er ihr ein Buch, einen Pinſel, ein Gedicht zu bringen wuͤnſcht, daß er ihr bald eine alte Ballade lehren, balo ein neues Mährchen erzählen will. Während dieſer Zuſammenkünfte, deren Angenblicke alle Worte, die Mathilben ent⸗ flehen, in ſein Gedaͤchtniß graben, erfuͤllt ihr guͤtiges Lächeln, ihre gleichguͤltigſten Blicke ſeine Seele, in der Einſamkeit die Nahrung ſeiner Liebe zu ſeyn. Der Krieg hat dieſe ſo theure Beſchaftigung unterbro⸗ chen aber Wilfrid entflieht noch oft, um von weitem im Gebuͤſch Mathildens Schritten nachzuſpuͤren, und das Herz ſchlagt ihm, wenn das Echo ihre Tritte wieder⸗ ſchallen laͤßt. Kommt ſie?. ach! ſie geht nur voruͤber, aber dieſer Anblick reicht hin, die Stunden der Nacht zu entzuͤcken! Kommt ſie nicht?„ ſo erwartet er den Augen⸗ blick, wo ihre Lampe auf dem Thurme glanzt. Es iſt immer doch etwas für ihn, wenn von ungefähr ih Schatten einen Au⸗ genblick auf dem Balcon weilt.„Was iſt mein Leben, meine Hoffnung,— ſpricht er,— ach! ein voruͤberetlender Schatten!“ So wird ihm das Leben zur Laſt, wie⸗ wohl die Vernunft, jedoch vergebens, die Liebe in ſeinem Herzen zuweilen zu bekim⸗ pfen ſuchte, wenn ſie ihm eine noch grauſas mere Zukunft, als dieſes vorübergehende Sien vorſtellte; doch bald verſagte er der ernſten Stimme der Wahrheit den Ein⸗ gang. Wilfrid, der von Natur ruhig und gleichmuͤthig war, fah alle Veraͤnderungen des Gluͤcks ohne Bewegung; er war ein ge⸗ lehriges, ſauftes und nur durch ſeine Ein⸗ bildungskraft ungluͤckliches Kind. Bald er⸗ hob ihn dieſe eigenſinnige Goͤttin auf einen Triumphwagen mit ſeiner Geliebten, der Dame ſeines Herzens; bald ergoß ſie in der Einſamkeit wundervoll ihre Reize um ihn, kuͤhlte ſeine ſchmachtende Stirn mit ſan iftem Than, bedeckte ihn mit magiſchem Schleier, berauſchte ihn mit ihrem ſuͤßen Mohn, deſſen Geſchmack ſich nie vergißt; und ihn in ihren Zauberkreis bannend, entruckte ſie ihn der rénhen Wirklichkeit, bis dem jungen Schwätmer der Traum als Wahrheit und die Wahrheit als Traum erſchien. Wehe dem Juͤngling, der ſich der leiten⸗ den Hand der Vernunft entzieht, um ſich von der Phantaſie fuͤhren zu laſſen! Wehe ihm! er iſt zu beklagen wegen ſeines edeln, C — 34 „ liebreichen und großmuͤthigen Herzens. Wehe denen, die ihn führen, und es vergeſſen, die Stimme der Wahrheit in ſeinem Herzen zu erwecken, um ſeine Seele zu kraͤftigen und zu ſtählen. O ihr, die ihr ſeine wahren Freunde ſeyd, lehret ihm durch das Ver⸗ gangne uͤber das Gegenwaͤrtige urtheilen, erinnert ihn an alle ſeine Wuͤnſche, wie ſchnell die reichen, glaͤnzenden Schäͤtze, denen er nachgejagt, war er in dem Beſitz der⸗ ſelben, ihm gleichguͤltig wurden. Sagt ihm, daß die Phantaſie nur nach Schattenbildern läuft. Zeigt ihm, was er an dem Ziel zu erwarten hat, welches er zu erreichen wuͤnſcht— Täuſchung, Reue! Die eine ent⸗ zaubert die Augen des unvorſichtigen Juͤng⸗ lings, und raubt ſeinen Bemuͤhungen ihren verfuͤhreriſchen Preis. Die andre vermehrt im Gegentheil den aͤußern Glanz deſſelben, um ſein Leid zu vevmehren, wenn er ihn nicht erreichen konnte. Der Ueberwinder ſieht dann die goldne Krone in ſchlechtes Metall verwandelt, und der Ueberwundne beweint ſeinen Verluſt, das falſche Gold als — den glaͤnzendſten Lohn detrachtend.— Ach! ſehet den Thurm, wo WVilfrid ſeufzt, das Lager, das ihn ſeit des Tages Scheiden vergebens einladet zur Ruhe; die Lampe, deren bleiches, flackerndes Licht ſich mit den blaſſen Mondſtrahlen einet— und vor allen dieſen erſchoͤpften Koͤrper!„Die Roͤthe des Fiebers verbreitet ſich ungleich auf ſeinen Wangen; traurig neigt ſich ſein Haupt, un⸗ ordentlich fallen ſeine Locken, ſeine Glieder ſind kraftlos, der Schmerz zeichnet ſich auf ſeinen Zuͤgen. Da erhebt er die Blicke ein ſchwermuͤthiges Laͤcheln belebt ſeine Zuͤge einen Augenblick es hat die Phantaſie aufs neue eine leere Hoffnung ihm vorge—⸗ ſpiegelt, um die Zerſtoͤrung auszuſchmuͤcken, die ihr Werk iſt. Gleich dem Vampyr auf Indiens Fluren, liebkoſt ſie die Wunde, die ſie ſchlug, und reizt den Schmerz des Un⸗ glucklichen, bis ſie tropfenweis ſein Herzblur ausgeſaugt hat. Wilfrid blickt auf; eitle Hoffnung? noch iſt die Sonne nicht aufge⸗ gangen! Mit dunkelm Gewolk umzogen iſt der Mond, und von Zeit zu Zeit pfeift und C 2 droht die Windsbraut. Es iſt noch eine Stande, bis die Morgenroͤthe am Horizont erſcheint; die lang waͤhrende zu kuͤrzen, fluͤch⸗ tet Wilfrid zur magiſchen Kraft des Saͤngers. Ballade an den Mond. Gegruͤßet ſeyſt Du, Fackel, bleich umthuͤrmt mit Wolkenhuͤgeln, Du Reiſender durchs obre Reich! Gegruͤßt, in blaſſen Spiegeln.. umſchleiert ſteht die ernſte Stirn Mit Podes dunkeln Farben— Dein Leiner Blick auf Thal und Firn*) Sieht Menſchen quaͤlen— darben! Wie kann ers ſehn? im Wetter nicht Das Erdenthal vernichten? Wo Krieg und Schmerz, Verrath der Pflicht Die Weltbewohner richten? Der Luͤfte Koͤnig, nicht zu Dir Erheb ich jene Klagen, Die an der Greta Ufer mir Entflohn in beſſern Tagen. Berghoͤhe. * Wenn Wolkenſchleier mir den Blick Der Schoͤnheit neidiſch raubten— Der Schatten ruft mir ihn zuruͤck, Wo Haine mich umlaubten, Von der Erinnerung Hand erbaut!— Sie bargen meine Roͤthe, Ward mein Gefuͤhl in Toͤnen laut Ein Lied der Hirtenfloͤte. Dann ſleht ich, daß Dein glaͤnzend Licht Das Thal nicht uͤberfließe, Bis daß ein Ang, das Liebe ſpricht, Im Baches Strahl ſich gieße, Und wild dann auf der Grotte weilt, Die fromme Treue ſchuͤtzet: Den hohen Sims ſein Licht ertheilt Und warnend ſie umblitzet, Weil eilend weicht die Sommernacht Dem Spiel begluͤckter Liebe— Zu ſchnell fuͤr ſie die Hore wacht, Am Morgen falb und truͤbe!— Wilfrid hoͤrte hier ein Geraͤuſch, und bebte! Welche Stimme ruft ihn in dieſer ein⸗ ſamen Stunde? Sein Vater iſt's, ſtarren Blicks, noch ſchaudernd von der mit Bertram gehabten Unterredung. „Wilfrid,— ſpricht er,— wie, Du ſchläfſt nicht, und haſt doch keine Sorgen, die den Schlaf von Deinen Augen bannen? Mortham iſt geblieben bei Marſton⸗Moor, und Bertram mit der Vollmacht erſchienen, ſich ſeiner Schätze zum Bedarf des Staats und zum allgemeinen Beſten zu bemaͤchtigen. Morthams Knechte werden Dir gehorchen: ſorge, daß Bertram ſeinen Auftrag puͤnklich vollziehen kann. Rimm“— ſagte er dann leiſer—„nimm Dein Schwert, Bertram iſt„was ich Dir nicht ſagen kann. Ich hoͤr' ihn eilig nahn— Leb wohl!“ Zweite Dichtung.⸗ —— Seufzend hat ſich der Herbſtwind zuruͤck⸗ gezogen in die Hallen des Ufers gen Abend; das Gewoͤlk hat der Mond zerſtreut, aber hleich iſt ſeine Scheibe und bald wird ſie ver⸗ ſchwinden. Schieferf ebne Duͤnſte kroͤnen die Huͤgel von Bruleſton und Houghton und das reiche Thal der Morgenſeite erwartet des Tages erſte Strahlen, ſeine angebaute Ebne, lachende Gebuͤſche und den Pfeil auf den gothiſchen Glockenthuͤrmen zu zeigen. Gen Abend zu ſind noch Stanmore's un⸗ gleiche Berghöhen, die wilden Gruͤnde von Lunedale, Keltonfell und das felſenumguͤrtete Gilmanscar und Arkingarth mit dem Mantel der Schatten bedeckt, waͤhrend, von der Mor⸗ genröthe erſten Flammen umkront, das Schloß 6 40— Baxnard ſtolz ſich erhebt, wie' des Thales Beherrſcher, mit ſeinen Banner umwehten Waͤllen. Welches Gemaͤlde enthuͤllt ſich all⸗ gemach vor dem entzuͤckten Blick der Schild⸗ wache auf den Waͤllen! Auf der Morgenſeite ſieht ſie den Tee ſeinen ſchnellen Lauf quer durch dunkles Gehoͤlz verfolgen; ein leichter Duft verräth die Kruͤmmungen der fluͤchtigen Welle. Vor Verlauf einer Stunde wird die⸗ ſer Silbernebel zerrinnen von Brakenbury's Thuͤrmen und funkelnden Thau auf den Blaͤttern der Baͤume zuruͤcklaſſen. Dann wird das Bett ſichtbar werben, das ſich der Tee in die Felſen grub, und die auf ſeine Fluthen ſich neigénden alten Bäume. Kein ſchwaches Schild hemmt jetzt ſeinen Lauf, der ſich ſonſt uͤber Sandflaͤchen und vergoldete Kieſel ergoß; jetzt muͤſſen die Wellen ſich durch harten Granit ihren Weg eroffnen. Doch nicht allein den Tee wird des Lich⸗ tes Wiederkehr entdecken; mancher ihm zins⸗ bare Bach wird dem Thal entſchluͤpfen, wo er entſpringt. Die wilden Schatten fliehend, wird der Staindrop die Thuͤrmlein des ſtol⸗ zen Schloſſes von Raby begruͤßen; weiterhin die ländliche Welle von Eglisſtone zu erken⸗ nen ſeyn; der Balder, der den Namen des Sohns von Odin traͤgt; die Greta, die bald auf ihrem Ufer die Liebenden ſehen wird, die meine Muſe feiert; die Luna, deren Silberwellchen das wilde Stanmore benetzen; der Zauberquell von Thorsgill ſein murmeln⸗ des Kind; und endlich der geringſte— aber zieblichſte von allen, der Bach des romanti⸗ ſchen Grundes von Deepdale. Wer unter dieſen Schatten irrte, kann er die magiſche Waldgegend Roslins bedauern? oder das ſelt⸗ ſame Thal vorziehn, wo Cartlands Felſen, auf phantaſtiſche Weiſe ausgehauen, mitten unter gruͤnem Gehege, wie Glockenthuͤrme ſtehn! Land Albyns! Du haſts verſtanden, deine Gegendeén mit de iner Geſchichte zu einen; du ſcheinſt dem Fremdling anzudeuten, der ſich in Roslins Umgegend verirrt, daß er die Erzäͤhlung vergangener Zeiten hören ſoll! Unter Carthlands Felſen zeigſt du ihm die Höhle, die deinem tapfern Vertheidiger zum Zufluchtsort diente. Deine Felſen und deine Thäler ſind geheiligt durch Sagen und Bar⸗ denſang. Möchten noch lange deine Jahr⸗ buͤcher der Muſe jenen begeiſternden Reiz ein⸗ ſoßen, der dem Genius in den Augen der Schoͤnheit ſtrahlt. Bertram kuͤmmerte ſich nicht, das präch⸗ tige Schauſpiel der aufgehenden Sonne zu erwarten, welches man von Barnards hohen Thuͤrmen erblickt, ſondern brach vor Tages⸗ anbruch auf mit Wilfrid, als noch bleicher Mondſtrahl ſich mit der Daͤmmerung im ſchweigenden Thal gattete. Sie gingen uͤber die ſteinerne Bruͤcke von Barnard, und er⸗ reichten das entgegengeſetzte Ufer des Tee. Rach Morgen ſich wendend, verließen ſie bald Egliſtone's graue Ruinen, und jeder ging, in ſeine Träume verſenkt, dumpf ſchweigend neben dem andern. Man kann leicht glau⸗ ben, daß Bertrams Ausſehn dem jungen Vilfrid wild und abſtoßend erſchien: hinge⸗ gen konnte der entſetzliche Riſingham nur einen ſchuͤchternen, bemitleidenswerthen Juͤng⸗ ling in ſeinem Begleiter ſehn? Von was haͤtten zwei ſo verſchiedne Seelen ſich unter⸗ halten wollen? Bertram wollte den kuͤrzeſten Weg ver⸗ meiden, der mitten durch Park und Wald nach Rockeby fuͤhrte; und nahm den Umweg des Huͤgelpfades. Er ging mit Wilfrid über die alterthuͤmliche Bruͤcke von Greta, dort wo die auf einen Augenblick befreiten Ge⸗ waͤſſer dem dunkeln Gehoͤlz von Brignal entfliehn, um das tiefe Thal von Mortham aufzuſuchen. Hier betrachtete Wilfrid ſeufzend den er⸗ hoͤhten, durch ſonſt ſo erhabne Legionen auf⸗ geworfenen Raſen, deren Hochaltar jetzt der Titel fromm, ſiegreich, glaͤubig vrrewigt— und ſagte:„Ihr, Soͤhne des Mars! kommt und ſehet hier die Trophaͤe des Römerſtol⸗ zes! Was blieb noch uͤbrig von den Arbeiten dieſer ſtolzen Weltbezwinger?. Ein halb verfallnes Grab. und ſteinerne Trümmern“.. Aber er ſagte dieſes nur für ſich, wohl gewiß, daß ſede moraliſche Betrachtung bei Bertram verkoren ſeyn muͤſſe. Bald bewegte ein ganz andres Gefuͤhl 7 Wilfrids Hetz. Tief ſeufzte er auf, als er gen Mitternacht die praͤchtigen Thuͤrme von Rokeby aus den Baͤumen hervor treten ſah; haͤtte Spenſer mit ihm dieſen bezau⸗ bernden Aufenthalt durchirrt, ſo wuͤrde er ihn vergebens mit den reichen Farben ſeiner Ein⸗ bildungskraft verſchoͤnt haben; umſonſt haͤtte er Wilfrid den Strom gemalt, der hervor⸗ bricht wie ein Gefangner aus ſeinem Kerker und ſeine Luſt durch melodiſches Murmeln ausdruͤckt, umſonſt ihm die Baͤume gezeigt, hinab geruͤckt aufs Geſtade erſcheinend! Hier und da erhebt ſich der Waldrieſe, die Eiche, einſam ſeine knotigen Aeſte aus⸗ breitend, wie ein tapfrer Haͤuptling, wenn er ſeine Horde in die Flucht geſchlagen ſieht, dem Feind noch mit unerſchuͤtterlicher Stirn entgegen tritt, um den Ruckzug der Seinen zu ſchuͤtzen. Vergebens hätte Spenſer die Reize ſeiner Dichtungen entfaltet, Wilfrid haͤtte doch nichts bemerkt, als den fernen Thurm, oder die Terraſſe, wo Mathilde die Kuͤhle des Abend einſog. Dieſes von allen Seiten offne Thal iſt — — ſchon hinter ihnen, und Rokeby ſchwindet, obgleich ganz nahe, unbemerkbar hin. Sie ſteigen im Gehoͤlz hernieder, welches die Greta durchlaͤuft, und folgen einem einſamen, wilden Pfad, fuͤr den Minſtrel mit Reizen erfuͤllt. Vor ihnen her verbreiten ſich dichte Schatten; das Thal zieht ſich immer enger. zuſammen. Wenn man die Spruͤnge der Felſen ſieht, die uͤber den Strom ſchweben, ſo moͤchte man ſagen: ein Berg habe ſich plotzlich getheilt, um der ſchaͤumenden Welle einen Durchgang zu gewaͤhren. Kaum ge⸗ waͤhrt ihr ſteiler Fuß den Reiſenden einen ſchmalen Steig. Zwiſchen Strom und Fels ſtehend, hoͤren ſie das Zuͤrnen der fluͤchtigen Welle, die ſich gleich einem ſcheuen Roß vor⸗ waͤrts ſtuͤrzt. Die Empörte bricht ſich auf jeder ihr entgegenſtehenden Klippe, und ver⸗ folgt ihre Vahn mit Schaum bedetkt, gleich den eitlen Entwuͤrfen des Hochmuths, die der Menſch dem raſchen Fluß ſeines Lebens vertraut. Unter dieſen Felſen, die ihre prächtigen Kronen uͤber das dunkle Flußbett neigen, ſind — 46— einige kahl, wild und ſchieſerfarben; andre mit ſchimmerndem Gruͤn bedeckt: hier ſind aus jedem Spalt Baäume entſprungen, die ihre dichten Laubzweige hin und her wiegen; dort ſtreben geſpaltene Felſen zum Himmel, oft umſtrickt ſie auch der Epheu wie ein Pan⸗ zerhemd, und kraͤnzt ihre ſteilen Gipfel mit ſeinem gruͤnen Laube. Biegſame Zweige flat⸗ tern gleich den Bannern in der Luft, die man ſonſt auf den Thuͤrmen der Lehnsherrn aufpſlanzte, während die Hallen der maͤchti⸗ gen Barone wiederhallten von den Ausbruͤchen der Freude ihres Schloſſes. So, nur laͤr⸗ mender noch, tont der Greta toſende Stimme: ſo der Widerhall ihrer ufer und ſo flattern die gruͤnenden Banner auf ihren Wellen. Weiter endlich entfernen ſich die Felſen fliehend vom Fluß, doch kein Raſenplatz tritt an ihre Stelle, keine der lachenden Duͤnen, die man oft bei aͤhnlichen Bergen antrifft, entzuckend als Aſyl, das die Einbildungskraft gern mit einem frommen Einſiedler bereichert, der ſeine Zelle verließ, um hier den Roſen⸗ kranz zu beten.— Ein finſtres Taxuswäldchen verflicht ſeine dunkeln Aeſte hier mit der ſchwarzen Fichte, dem Baum der Graͤber. Es ſcheint, als trage nur ungern die naͤhrende Erde dieſe Umſchattung. Nie bot dieſes finſtre Holz jenes lachende Raſengrün dar, welches wohl⸗ geſinnte Feen lieben; kein Gruͤn, keine Feld⸗ blume troͤſtet hier den traurigen Blick. Der einzige Teppich, der den Boden bedeckt, be⸗ ſteht aus den Blaͤttern, die der Sturmwind von den duͤrren Aeſten reißt. Vergebens um⸗ goldete die Sonne bereits die Huͤgel, noch herrſchte Daͤmmerung in dieſem finſtern Auf⸗ enthalt, ausgenommen am äußerſten Strand der Greta, wo ſich einzelne Strahlen durch 3 das Laubwerk verirrten. Es bildete einen traurigen Gegenſatz, die Leichenſchatten jener Huͤgel und die glänzenden Schattirungen der Morgentoͤthe zu ſehn, welche die Spheuge⸗ winde auf der Berghoͤhe roͤtheten. Dies Thal ward, waͤhrend der Finſter⸗ niß, von dem furchtſamen Landmann geflohen. Manche ſchreckliche Geſchichte davon berichtete der Aberglanbe, und behauptete, es ließen 6 — 48— ſich jede Nacht auf den Pfaden Wehklagen hoͤren. Venn die Weihnachtsfener weit und breit brennen, verkärzen dieſe Geſchichten die Dämmerung des Abends; Neugier und Furcht lauſchen mit traurigen Vergnuͤgen, bis das Kindergeſicht erblaßt, und alle Roſen von den Wangen des jungen Land⸗ maͤdchens ſchwinden; immer hoͤher ſteigt der Antheil; immer enger ſchließt ſich der Kreis, und jedes ſieht um ſich mit zitterndem Blick⸗ wenn der Winterſturm aͤchzt oder zuͤrnt. Das Thal von Mortham iſt zu ſolchen Erzählun⸗ gen ganz geeignet; wenn ein aberglaͤubiſcher Sterblicher zu dieſer Stunde Bertrams eilige — Schritte durch dieſers finſtre Geholz geſehn haͤtte, wuͤrde er geglaubt haben, die Hoͤlle hätte den blutbefleckten Schatten eines Moͤr⸗ ders zuruͤckgegeben, und Wilfrid an ſeiner Seite ſey ſein bleiches Opfer. Allein nicht immer verbreiten ſich die Schrecken der Einbildung blos unter die leicht⸗ gläubigen Bewohner der Huͤtten; kein Rang iſt frei von dieſer Geiſteskrankheit; Seelen⸗ — 49— die ſo feſt ſind wie Erz, ſo hart wie Mar⸗ mor, unzugaͤnglich der Liebe und dem Mit⸗ leid, haben wie die Zitterespe gebebt, unter ihrem unvermeidlichen Einfluß. Auch Bertram hatte manche Wunderſage in ſeiner Heimath vernommen, und ſeine Seele konnte ſich ins Geheim der Leicht⸗ glaͤubigkeit ſeiner fruͤhern Jahre nicht er⸗ wehren. Nicht weniger hatte ſeine aben⸗ theuerliche Jugend allen Erzaͤhlungen, die er gehoͤrt hatte, Glauben zugefuͤgt, wenn der tropiſche Wind die lenkſamen Segel ſeines Schiffes blaͤhte, und der Mond des indiſchen Klimas das Silberlicht ſeiner Scheibe auf die naͤchtlichen Wachen goß. Zu der Zeit unterhalten Matroſen ſich gern von Ahnun⸗ gen und Zauberkuͤnſten. Einer ſpricht von den Winden, die an Lapplands Strand wehen; und von dem maͤchtigen Pfeiſchen, das den Sturm beſchwichtigt; der andre be⸗ ſchreibt eine Hexe, eine Sirene, Erichs Man⸗ tel und die Feuer auf St. Elmo; ein drit⸗ ter ruft das Schiffsgeſpenſt, das ploͤtzlich er⸗ ſcheint, wie ein Meteor, im Sturm; ſtrom⸗ I. D 50 weiſ faͤllt der Regen, man laßt den Maſt nieder, zieht die Segel ein, die eine ſterb⸗ liche Hand wirkte, denn wie koͤnnten ſie der Wuth der Elemente trotzen? Allein mitten im Kampf mit Sturm und Fluthen gleitet das holliſche Fahrzeug ſegelfertig vorwaͤrts, das Wekter auffordernd, während die, ſo es erblicken, uͤber die traurige Vorbedeutung ſeufzen, die ihnen den Tod im Abgrund weiſſagen. Es iſt noch um die Stunde, wo ſich die Piraten mit leiſer Stimme die Wunder er⸗ zaͤhlen, von denen ſie oft ſelbſt Zeuge waten⸗ wenn ſie auf einer wuͤſten Kuͤſte landeten, wo die Spanier ihre Grauſamkeiten ausgeuͤbt hatten, oder wo ſie ſelbſt Opfer der Gegen⸗ rache ſchufen. Der Flibuſtier will dann waͤh⸗ rend der Nacht die Wehklage gehoͤrt haben, die ſein leichtes Boot erſchreckte, wenn es ſich nicht weit von der ſtillen Bucht im Hin⸗ terhalt beſand. Aus dem vom Mond er⸗ leuchteten Schiff drang Angſtgeſchrei. Wider Willen ſchauderte der Abentheurer, vergebens ein Gebet in ſeinem Gedächtniß aufſuchend, und dieſer Bucht boͤſer Vorbedeutung fluchend; er benutzt den Morgenwind, um im Durſt ſeiner Raubſucht und Blutvergießens einen andern Strand zum Schauplatz aͤhnlicher Sagen zu machen. So ward drei Viertheile ſeines Lebens Bertram mit geheimnißvollen Geſchichten ge naͤhrt, und zuweilen war er noch leeren Er⸗ innerungen Preis gegeben, die ſich mit ſeinen Gewiſſensbiſſen vereinten. Wie das Trauer⸗ ſchiff des Todes im Sturm, beunruhigte dieſe Empfindung ſeine Seele, und eine noch ent⸗ ſetzlichere Stimme erhob ſich in ſeiner Bruſt, als das Aechzen des Schlachtopfers unter ſei⸗ nen Dolchen oft geweſen war. Dieſe voruͤber⸗ gehende Stimme, die ihm Entſotzen und Vor⸗ wuͤrfe verurſachte, tobte wahrſcheinlich in ſei⸗ nem Herzen, als er zu Oswalds Sohne ſprach: „Wilfrid, niemand beſucht dieſe Erdhugel bis zur Zeit, wo die Sonne am Horizont im Mittag ſteht, und doch habe ich ſchon zweimal jemanden bemerkt, der Acht gibt auf unſte Schritte. Zweimal hat er ſich D 2 unſern Augen entzogen hinter den Felſen, oder dem Baumſtamm. Haſt Du nichts ge⸗ ſehn?.„waͤren wir ausgekundſchaftet? haͤtte Dein Vater mein Vertrauen verrathen... Wenn es——“ Eh Wilfrid ganz aus dem Nachdenken erwachte, in welches angenehmere Traͤume ihn wiegten, und antworten konnte, ſchrie jetzt Bertram: Halt! ſteh! wer Du auch viſt! und das Schwerd in der Hand ſtuͤrzte er voraus. Wie der Donner losbricht in ſeinem Zorn, faͤllt er in den wiederhallenden Pfad⸗ Das Echo der Felſen und Waͤlder ſendet einander den Laͤrm ſeiner Schritte und ſchrecklichen Ausforderung zu. Es duͤnkt ihm, der, ſo er verfolgt, habe den Berg erklommen; er geht um ihn herum, mit den Augen die ſteile Klippe meſſend. Fuͤße, Hand und Glieder einen das Beſteeben, hinauf zu klettern. Wilfrid ſieht mit ſchrecklicher Unruhe die Ge⸗ fahr, die ihm droht. Bald haͤlt ſich Bertram an die knotigten Wurzeln der Eiche, bald wagt ers, die Ephengewinde zu faſſen. Wie —— — 53— ein ſpringender Rehbock muß er ſich in die Luft ſchwingen ohne einen Stutzpunkt. End⸗ lich bleibt er wie begraben in den mit Ge⸗ ſtripp bedeckten Furchen, welche das Regen⸗ waſſer zog. Man hoͤrt nichts mehr als den Laärm der brechenden Aeſte, das dumpfe Raſ⸗ ſeln ſeines Panzers, die in den Strom herab⸗ rollenden Felsſtuͤcke, den Schreckſchrei des vom Neſt aufgejagten Falken, und das Ge⸗ kraͤchz der Raben, die auf den Leichnam hof⸗ fen, der ihnen zum Lohn ſeiner Verwegen⸗ heit zu Theil werden wird. Ploͤtzlich erſcheint er wieder! aber wie kann er hoͤher klimmen? welcher Sterbliche könnte kuͤhn genug ſeyn, zu verſuchen, wie dieſer ſchroffe Fels zu erſteigen ſey, der ſein erhabnes Haupt in die Wolken ſtreckt? Hier bietet ihm nicht mehr der Epheu ſeine geſchmeidigen Zweige, an keinen guͤnſtigen Felſenvorſprung kann ſeine Hand mehr faſſen, die einzige Stuͤtze ſeines Fußes iſt ein lockrer Stein, der kaum noch am Boden haftet. Auf dieſem gefaͤhrlichen Ruhepunkt ſchwebend, ſtreckt er ſeine Hand nach der Felſenſpitze empor. Kaum hatte er dies Außerſte ge⸗ wagt, ſo weicht der unſichre Stein, entſchluͤpft dem Gewicht ſeines ſchwankenden Koͤrpers, und rollt mit Geraͤuſch auf Fußpfad und Geſtruͤpp herab. Das Echo der Huͤgel wie⸗ derholt den Fall, der wie Donnergetoͤſe klingt. Aber iſt denn Bertram nicht mit herunter geriſſen? Nein! Auf dem Punkt den Hals zu brechen, haben ihn ſeine ſehnichten Arme nicht in der Erwartung getäuſcht; unbeweglich hängt er am Felſengipfel. Wilfrid hat einen ſicherern Weg einge⸗ ſchlagen; zuweilen trifft er noch hier auf die Fußtapfen des Jähers, die ihm das Erklim⸗ men des Berges erleichtern. Durch lange Umwege erreicht er den Ort, wo Riſingham nach ſolchen Wagniß hingedrungen iſt; ſchön war der unerſchrockne Krieger nicht mehr da. Wilfrid verfolgt ſeinen Weg, und findet ſich, als er aus dem Walde tritt, vor Mor⸗ thams Schloß. Eine reizende Landſchaft ergoͤtzt ſeine Blicke. Die Sonne vergoldet mit ihren Strahlen die Waͤlle der Thuͤrme und den abgenutzten Stein des Portals. „ Oswalds Sohn bewundert auf der Anhoͤhe die Greta, die, jene finſtern Gegenden fliehend, die ſie durchlaufen iſt, den Tees aufzufinden ſtrebt, ſich mit ihm zu vereinen. Der ſanfte Abhang, der zum Thale fuͤhrt, beguͤnſtigt den Lauf ihrer Wellen, welche das Fruͤhroth mit Purpurfarben ſchmuͤckt. Sie ſcheint zu erroͤthen, wie die im Verſteck des Kloſters erzogne Jungfrau, die ſich zum Torus begibt. Der Freudenſang des Hänf⸗ lings, der Amſel und Lerche feiern das Ver⸗ einigungsfeſt der beiden Fluͤſſe. Allein vergebens wiederholen die Saͤnger der Luͤfte ihre ſuͤßen Konzerte, vergebens verſpricht die ſchoͤne Morgenroͤthe einen klaren, heitern Tag; weder die aufgehende Sonne, noch der Sang der Voͤgel koͤnnen Morthams ſchweigendes Schloß erheitern. Der Thuͤr— huͤter ſteht nicht mehr wie ſonſt, am Ein⸗ gang; kein Lehnsmann begibt ſich auf den gepflaſterten Hof; nicht mehr ertoͤnt das frohe Lied der Dirne, die ihre Morgenarbeit bezinnt; keine treue Dogge bellt mehr im wuͤſten Hof; der ungeduldige Renner wirft nicht wiehernd mehr den Stallmeiſter ſeine Faulheit vor, der Fruchtbaum ſteht ver⸗ nachlaͤſſigt im Garten; alles beſtätigt die Abweſenheit des Burgherrn, alles bietet den Anblick der Unordnung und Verlaſſenheit dar. Eines Pfeilſchußes Weite entfernt, verflechten zwei dichte Ulmen ihre Zweige, als wollten ſie ein gruͤnes Dach uͤber die einſame Ruheſtaͤtte der Todten bilden. Ihr Laubwerk rankt ſich bogenartig uͤber ein mit mancherlei Schildern und Wappen geſchmuͤck⸗ tes, mit Sinnbildern verſehnes Denkmal, mit gothiſchen Schriftzuͤgen. Hier findet Wilfrid ſeinen Gefaͤhrten, todmuͤde, und mit wildem Blick uͤber den Gruͤften traͤumend. „Er iſt verſchwunden!— ſprach Bertram zu ihm— verſchwunden wie ein Schatten, hinter dieſem Grabmal. Oft habe ich ge⸗ glaubt, daß hier die Schaͤtze begraben waͤren, die Mortham am indiſchen Geſtade geſam⸗ melt hat. Zwar ſagen ſeine alten Knechte, daß hier die von dem Burgherrn laͤngſt be⸗ weinte Gattin liege: jedoch iſt es wahrſchein⸗ licher, daß er andre Urſachen hatte, ſo eifrig, — wie er zu thun pflegte, zu verbieten, daß man ihm in dieſes dunkle Gewoͤlbe folge. Als ich bei Morgans Schiffequipage war, kannte ich einen alten Steuermann; wenn wir bei Tiſch ſaßen, pflegte er uns von Ra⸗ leigh, Forbiſher und Drake zu etzaͤhlen, welches beruͤhmte unerſchrockne Seeleute wa⸗ ren, die es wohl verſtanden mit der Spitze des Dolchs den ſtolzen Kaſtilianer zu kitzeln, bis er ihnen ſein Gold geben mußte.„Ka⸗ meraden!— wiederholte der erfahrne Alte— vertraut weder Eurem Hauptmann, noch Eurem Freund den Antheil Eurer Beute an; jedoch ſucht einige einſame Orte auf, wo des Mondes Fackel zerſtreute Gebeine beleuchtet. Grabet dort ein Grab, vertraut ihm Eure Reichthuͤmer an, und uͤbergebt die Obhut den Schatten der Todten. Treue Bewohner derſelben ſind ſie fuͤr imener, wenn ein Zau⸗ ber ſie zwingt, ſie zu vertheidigen. Findet Ihr keinen aͤhnlichen Ort, ſo todet einen der Gefangnen da, wo Ihr Eure Schatze verſenktet, und gebietet dem blutigen Schat⸗ ten, die Nacht uͤber auf dieſem einſamen 58— 5 Poſten zu bleiben..1 ſo ſprach der Kluge.. was ich dieſen Morgen geſehn habe, beweißt. mir die Wahrheit ſeiner Worte. Mitleidig laͤchelte Wilfrid, der nie ein abgeſchmackteres Maͤhrchen gehört hatte, und wunderte ſich nicht wenig, daß ein ſo wilder Krieger dergleichen Glauben beimeſſen koͤnne. Er bat Bertram, ihm zu ſagen, welche Ge⸗ ſtalt das Geſpenſt, das er verfolgte, gehabt habe? Schnell erwachte in Bertrams Seele jene geheime, oft uͤberwunden geglaubte Macht, die nie ganz zu erſticken iſt, weil ſie ſich ſelbſt im Herzen des Verbrechers ver⸗ birgt, ſo bereit dieſes auch immer iſt, ſie zu zwingen, zu uͤberwältigen; jene Zauberkraft, die ſtets die Enthuͤllung ſeiner Unthat droht, und er antwortete ihm, faſt vergeſſend, daß er vor einem Zeugen ſprach. — Das Geſpenſt ſah vom Kopf bis zum Fuß wie Mortham aus. Ich erkannte ſeinen Helm und rothen Federbuſch, ſeinen Wuchs, ſeine Geſichtszůge... Es war Mortham⸗ ganz ſo, wie ich ihn in der Schlacht toͤdete. — Du haſt ihn getodet?— unterbtach ihn Wilfrid— Du!— Bertram bemerkte jetzt erſt das Geſtaͤnd⸗ niß, das er gethan hatte; ſtolz hob er das Haupt, und fand alle ſeine Verwegenheit wieder. „Ich ſelbſt— fügte er hinzu— ja wohl ich!„ 8h vergaß, Juͤngling, daß Du nichts n Komplott weißt. Da ich Dirs aber geſagt habe, nun, ſo. leugne ich weder meine Handlungen noch meine Worte. Ich habe ihn getodet wegen ſeines Undanks. Durch dieſe Hand kam Mortham um!“ Wilfrid zärtliches und ſchuͤchternes Herz war nicht fuͤr dieſe Wagſtucke gebildet, ver⸗ abſcheute den Kampf, und floh ſeine Muͤhen und Gefahren; das Kind der Muſe naͤhrte ein edleres Feuer. Ungerechtigkeit, Betrug und Verbrechen empoͤrten ſeine Seele, und krampften ſeinen Arm. Die Natur hatte ihn nicht hinlaͤnglich Kraft gegeben, um mit Gleichmuth die Heſchwerden, Schmerzen und Gefahren zu ertragen, entflammte ihn aber ein großmuͤthiger Eifer, ſo zeigte er ſich er⸗ hoben uͤber ſein Aeußres. In einer ſolchen heldenmuͤthigen Begeiſterung erhebt er gegen Bertram die Hand mit Verzweiflung, und zieht das Schwerd. „Elender! ſchtt-er— und kaͤmen die Teufel alle, denen Du Deine Seele ver⸗ kauft haſt, Dir zu Huͤlfe, werde ich Dich nicht loslaſſen!. Herbei, ihr Lehnslente Morthams, bemaͤchtigt Euch des Moͤrders Euers Herrn.“ Einen Augenblick ſtand Bertram ver⸗ wundert und unbeweglich, als zaͤhme eine unbekannte Gewalt ſeine Verwegenheit. Es kam ihm ſonderbar vor, daß ein ſo ſchwacher, ſchuͤchterner Jungling es wagen könne, ſeine Hand gegen den entſetzlichen Riſingham zu erheben. Aber als er ſich durch dieſe kuͤhne Hand angegriffen fuhlte, kam der Morder zu ſich ſelbſt. Wilfrid das Schwerd wegreißen und ihn auf den Sand ſtrecken, war das Werk eines Augenblicks... Eine Minute länger— und ſein gegen Oswalds Sohn gekehrtes Schwert haͤtte dieſem den Tod ge⸗ „— geben; allein als Bertram im Begriff war, —..— —— es in den Buſen ſeines Schlachtopfers zu ſtoßen, und ſeinem Leben und ungluͤcklichen Lieben ein Ende zu machen, erſchien plotzlich ein Krie⸗ ger; ſein Schwert fuhr dazwiſchen, parirte den Todesſtreich, und er ſtand zwiſchen Wil⸗ frid und ſeinem wilden Feinde. Zwar laͤßt er das Schwert in die Scheide zuruͤck fallen, allein die drohende Bewegung ſeiner Hand, und ſeine ſtarke, gebieteriſche Stimme unter⸗ bricht den ungleichen Streit. „Geh!— gebietet er— und berene, weil es noch Zeit iſt. mehre nicht die Zahl Deiner Verbrechen!“ Stumm vor Zweifel und Erſtaunen, glaubt Bertram eine Erſcheinung zu haben. Es iſt Morthams ſtolze, kraͤftige Stimme, es iſt ſeine hohe Geſtalt, ſein Adlerblick, ſein krie⸗ geriſches Ausſehn, ſein nervigter Arm, ſeine im Kampf ergrauten Haare— Mortham ſelbſt. Bertrams Seele wird tauſend fluͤch⸗ tigen Vorſtellungen zum Raube, die ihn mit Furcht erfuͤllen. Trotz ſeiner Leichtglaͤubigkeit kann er doch kaum glauben, daß es Mor⸗ thams Geiſt iſt, den er ſah; aber iſts wirk⸗ lich ſein ins Leben zuruͤckgekehrter Haͤuptling, was kann fuͤrchterlicher ſeyn als ein aus dem Grabe entflohner Schatten des beleidigten Freundes? Jener gebieteriſche Ton, unter dem Riſingham ſo viel Jahre ſich zu beugen ge⸗ die Schlacht fuͤhrte, macht ihn zahm. Er wendet das Geſicht ab, und entfernt ſich mit zögerndem Schritt, bleibt oft noch ſtehn ihm nachzuſehen, wie die Dogge, die gegen den zuͤrnenden Gebieter die Zähne fletſcht; bald aber laſſen die Schritte von Roſſen ſich hoͤren, und Bertram verſchwindet in den Schatten des Thals. Der beſchutzende Krie⸗ ger iſt nicht mehr zu ſehn, er hat ſich im weſtlichen Walde verloren; zuvor hat er aber noch Wilfrid ſeine Befehle hinter⸗ laſſen: Mortham lebt!“ als die, einige Augenblicke zuvor durch das wohnt war, wenn Mortham ſeine Horde in „Sage niemanden,— gebot er— daß 6 Noch ertönten dieſe Worte in Wilfrids Ohren, und floͤßten ihm eine Art Furcht ein, Echo angekuͤndigten Renner ſich nahten, und . der Juͤngling einen Trupp Bewaffneter er⸗ kannte, an deren Spitze ſein Vater war, der vor dem Schloſſe hielt. „Wie kommt es, daß Du ſo blaß biſt, mein Sohn?— ſprach Oswald,— wo iſt Bertram? wozu dieſes bloße Schwerd?“ Wilfrid glaubte ſich ehrenhalber verpflich⸗ tet Morthams Geheimniß zu bewahren, er antwortete in dunklen Worten. Bertram iſt entflohnz der Elende hat ſich ſelbſt als Moͤrder ſeines Herrn angege⸗ ben. Daruͤber empoͤrt, forderte ich ihn, und unſer Streit wuͤrde noch dauern, wenn er nicht bei Eurem Nahen die Flucht ergriffen haͤtte— der Verraͤther.“ Man konnte in Wyeliffe's Blicken Hoff⸗ nung leſen und ſtrafbare Furcht. Kalte Blaͤſſe lag feucht auf ſeiner Stirn, und mie bebenden Lippen ſprach er: „Bertram ein Moͤrder!... Philipp⸗ von Mortham iſt gefallen im Feuer der Schlacht.. Du, mein W vrer Ber⸗ tram traͤumt. Aber hätt' ek wahr geredet, doch waͤr es unnothig ihn zu verfolgen. Er mag fliehn waͤhrend der buͤrgerlichen Kriege ſchlaͤft die Gerechtigkeit. An Wylliffe's Seite ſtand ein junger Krieger; es war der Page des tapfern Ro⸗ keby, in mehr als einer Schlacht erprobt. Den Morgen ſchon war er auf die Veſte Barnard gekommen, eine wichtige Botſchaft zu uͤberbringen, er hatte Wyecliffe begleitet, um das von ſeinem Herrn Verlangte von ihm zu erhalten. Sein ſchwarzer Renner, deſſen fliegende Mähnen mit weißlichten Schaumflecken bedeckt waren, baumt ſtolzer nicht gegen den bändigenden Zuͤgel, als der junge Redmond gegen Oswalds kalte, ſchnoͤde Antwort; er beißt ſich in die Lippen, ruft ſeinen Schutzheiligen an(denn er war roͤmiſch⸗ katholiſch) und rief, da er ſeine Empfindlich⸗ keit nicht mehr zu bemeiſtern vermochte: „Ja, ich habe den tapfern Haͤuptling fallen ſehn; die Kugel des Verräͤthers hat ihn in dem Augenblick des Lebens beraubt, wo ich jun eingebildeter Thor mein Schwert meſſen wollte. Wollen wir den Moͤrder eines eben ſo tap⸗ . 65— fern als großmuͤthigen Haͤuptlings entrinnen laſſen? Nein! nein! ich ſchwoͤre es!... eh die Sonne den Thau vom Raſen vertrock⸗ net hat, auf dem ſein Rieſenſchritt ſich ein⸗ druckte, wird der treuloſe Riſingham unſer Ge⸗ fangener ſeyn, oder unter den Streichen meines Schwerdes fallen. Laͤutet die Sturmglocke, damit ihr Klang die Lehnsſaſſen verſammle; Ihr aber, meine Freunde, ſtachelt Eure Ren⸗ ner, vertheilt Euch, und umrin das Ge⸗ hoͤlz von allen Seiten; aber wenn einer unter Euch iſt, der Morthams Andenken ehret, der ſize ab, und folge mir! Seyd ihr taub bei meinem Aufruf, ſo möge Furcht und Schande Eure Helme entehren und ſchwarzer Argwohn die Bluͤthe Eures Nuhms abſtreifen. Er ſprichts, und ſteigt von ſeinem Ren⸗ ner. Zwanzig Ritter, die Wycliffe begleitet hatten, bereiten ſich ihm zu folgen, ohne die Befehle ihres Haͤuptlings zu erwarte. Redmond macht die Sporen von ſeinen Stiefeln los, wirft den Mantiab, hängt ſeine Piſtolen am Gurt, folgt Bertrams Fußtapfen ins Gehoͤlz, und ruft die an⸗ J. e — dern Krieger zu ſich, wie der Jäger ſeine Koppel.„Fort, ihn zu entdecken— ihm nach.“ Kaum waren die Worte horbar, die Oswald angſtvoll ſchreit!„Ja, ich argwohne verfolgt ihn, verfolgt den Mörder— fliegt⸗ aber laßt Euch nicht vergebens mit ihm in Kampf ein, er wuͤrde ſein Leben in der Ver⸗ zweiflung theuer verkaufen. Sobald Ihr ihn erblickt, ſo ſchießt ihn nieder! Fuͤnfhundert Dukaten fuͤr ſeinen Kopf!—“ Die Reiter fliegen fort, in Eil alle Ausgänge des Waldes zu beſetzen. Laut ſchallt aus dem Dickicht Redmonds wuͤthendes Ge⸗ ſchrei; von Zorn faſt erſtickt, begleitet ihn Wil⸗ frid, Redmonds kriegeriſches Feuer beneidend und eiferſuͤchtig auf ſeinen Ruhm.— Aber wo iſt Oswald, des edlen Morthams Erbe, den Ehre, Geſetz und Blutsverwandſchaft zum erſten Raͤcher ſeines Vetters einweihen? An den Stamm einer Ulme gelehnt, mit geſenktem Haupte, ſchlotternden Knie'n und gekrenzten Armen ſtand er da in geiſtiger — — 5— Vernichtung! Seine halb geſchloſſnen Augen haͤngen am Erdboden, jeder Laut ergreift ſeine Seele, der die Luft durchſchallt, denn er ſieht ſich jeden Augenblick mit Schande und Ent⸗ deckung bedroht. Was kuͤmmern ihn des Tages glanzvolle Strahlen, die das Laubwerk des Thals mit wechſelnden Farben ſchmuͤcken, Alles, was ihn umgab, ſcheint rund um ihn herum zu kreiſen, wie ein ſtuͤrmiſches Meer, das der Mond zuweilen erleuchtet, alle Gegenſtände der Ferne hinab zu ziehn ſcheint in den dunklen Abgrund. Was frommt es ihm, daß dieſe ſchoͤnen Be⸗ ſitzungen, dieſe thurmgekroͤnten Waͤlle, dieſe Huͤgel und dieſe reichen, vom Sonnenſtrahl verſchoͤnerten und vergoldeten Ebnen— daß alles, was ſeit ſo langer Zeit der Gegenſtand ſeiner Begehrlichkeit war, endlich in ſeiner Gewalt iſt? Ein ſchwarzes Burgverlies in dem Thurm von Brackenbury waͤre ihm in dieſem Augenblick vorzüglicher geweſen, wenn er um dieſen Preis Morthams blutiges Grab zu öͤffnen und ihn ins Leben zuruck zu rufen hätte E 2 hoffen duͤrfen. Gezwungen, den oft wieder⸗ holten Fragen der durch den Schall der Laͤrm⸗ glocke herbeigerufnen Landleute ein unwilli⸗ ges Ohr zu leihen, wagt er kaum das Haupt empor zu heben, um die Macht und Gute des Himmels durch ein Gebet anzurufen, oder die Holle im Uebermaß der Verzweiflung um einen Todesſtreich in dieſem Walde! Endlich ſind die Augenblicke ſo grauſamer unruhe verfloſſen, Alle, die Bertram zu ver⸗ folgen auszogen, kehren einer nach dem an⸗ dern, Roß und Mann, muͤde und zornig wie⸗ der, Wilfrid zuletzt, und mit der Erklaͤrung, daß Bertrams Spur durchaus verloren ſey; obgleich Redmond noch das Gehoͤlz von Brignal durchläuft; die Hoffnung ihn zu erreichen ſey vergeblich! O welch ein trauriger Fluch liegt auf dem Nenſchengeſchlecht! Wie folgt eine Tyran⸗ nei der Leidenſchaft der andern. Die Ge⸗ wiſſensbiſſe fliehn aus Oswalds Herzen, Geiz und Hochmuth ſetzen ſich abermals darin auf den Thron, und geben ihm bei zerſtreu⸗ 6 ter Furcht, die ihn niederdruͤckte, jetzt die Antwort ein, die er zu geben hat: „Ei— laßt ihn wie einen gehetzten Hirſch den Wald durchſtreifen, und wenn ihn der grimmige Wolf in ſeiner Grube findet, ſo kuͤmmre ich mich nicht um den Ausgang des Streits zwiſchen Redmond und Riſingham hoͤre mich an, eh Du mir antworteſt, einfaͤltiger Knabe! Deine ſchoͤne Mathilde, die ſo ſproͤde gegen Dich thut, bewillkommt den verwegnen Jüngling aus Erin's Blut ganz anders! Sie lobt wohl Deine Geſaͤnge mit leichten Worten, und nimmt Deine freundſchaftliche Hand an, wenn ſich ein muͤhvoller Fußpfad zeigt, oder ver⸗ langt ſie; aber ſie vermeidet die von Redmond, oder ergreift ſie nur ungern, wenn er ſie durch dringende Bitten dazu zwingt ſeine Huͤlſe anzunehmen, weil zuruͤckgehaltne Lei⸗ denſchaft deutlich in ihrem niedergeſchlagnen Blick und erroͤthenden Wangen ſich zeigt. Hoͤrt ſie ihn ſingen, ſo ſchleicht ſie naͤher, ſie zaudert ihm das geringſte Lob der Hoͤflichkeit zu gewähren, allein weibiſche Thränen und. * 2 „— 70— Blicke druͤcken ihr Entzuͤcken aus. Das, glaube mir, ſind ſehr verſchiedne Zeichen des Geliebten und des Freundes. Kaum warſt Du fort, als mit Anbruch des Daͤmmerlichts die zuverlaͤſſigen Nachrich⸗ ten von der Schlacht von Marſton anlangten. Der tapfre Cromwell hat das zweideutige Gluck gewendet, und Dank ihm, den Sieg fuͤr die gerechte Sache gewonnen. Dreitauſend Ritter liegen todt, Prinz Rupert und der ſtolze Marquis ſind entflohn. Edle und Knechte, jene ſtolzen, anmaßenden Barone muͤſſen durch Loͤſegeld ihre Freiheit und ihre Beſitz⸗ ungen erkaufen. Unter den meiner Obhut anvertrauten Gefangnen befindet ſich Rokeby. Redmond, ſein Page, iſt erſchienen mir an⸗ zukuͤndigen, daß er heute auf der Veſte Bar⸗ nard ankommen wird. Seine Befreiung wird ihm theuer zu ſtehn kommen, wenn die Maild Deinen Wünſchen nicht guͤnſtig iſt. Geh alſo zu ihr, ſey getroſt; benutze den Augenblick, wo ihre Seele noch zwiſchen Furcht und Hoffnung ſchwebt. Dieſe Unge⸗ wißheit iſt der guͤnſtigſte Augenblick, uͤber ein — — weibliches Herz zu ſiegen. Stolz, Vorur⸗ theil und Scham werden mit hingeriſſen im Strom und der geſchickte Liebhaber, der das Ruder zu fuͤhren verſteht, erreicht dann am erſten mit ſeinem Nachen das Ufer⸗ Drikte Dichtung. —— S auf Erden und in der Luft irrenden Geſchlechter achten ihre natuͤrlichen Bruͤder. Die Natur, welche die Bande des Blutes liebt, hat ihnen fremden Raub angewieſen. Der ſchnelle Falke wiegt ſich auf fluͤchtigen Schwingen, die wilde Ente am Seeufer zu erſpaͤhen. Der Spuͤrhund erwartet den Fuchs am Ausgang ſeines Baues; das Windſpiel verfolgt den ſchuͤchternen Haaſen, der Adler ſtoͤßt auf das Lamm und der Wolf zerreißt das Schaf; ſelbſt der grauſame Tiger und wüthige Baͤr verſchonen ihres Gleichen und die Bruͤder des Bluts. Nur der Menſch ver⸗ letzt der Natur milde Plaͤne, und kehrt ſeine ſtolze Verfolgung gegen den Menſchen. Er muͤht ſich ab in des Krieges wandelbaren — 73— Gewerbe, in Ueberfaͤllen, Flucht und Hin⸗ terhalt. Mit Nimrod, Chus maͤchtigem Sohn, begann zuerſt der blutige Stteit. Der Indianer, der nach Beute umher⸗ ſpuͤrt, wenn er das Geraͤuſch derer vernimmt, die ſeine Spur entdeckten, und ſich noch fern weiß von dem Walde, wo ſeine Streitge⸗ noſſen gelagert ſind, verſucht jede Liſt, der drohenden Gefahr zu entrinnen. Bald ver⸗ ſteckt er ſein Haupt unter den ſumpſfichten, uͤber ihn weggleitenden Strömen, bald be⸗ deckt er mit falben Blaͤttern die auf dem feuchten Raſen eingedruͤckten Fußtapfen; aber ſo geſchickt er auch iſt, ſich im Gehoͤlz zu verbergen, Riſingham iſt noch geſchickter, wenn, dem Sturm gleich, ſich die Verfol⸗ gung gegen ihn erhebt. In ſeiner Jugend hat er jede Kunſt der verſchmitzten Soͤhne des Thales gehoͤrt, wenn Rooken edge und Redswair's Hoͤh des Bluthunds Geſchrei rings umbrüllte, Jedwoods Aexte und Speer und den Aufſtand von Lidsbales Reiſigen zu ver⸗ kuͤndigen; ſehr wohl hatte ſein abentheuer⸗ liches Leben den Unterricht erprobt, den ſeine Kindheit liebte. oft hatte er in fernen Klimaten die Er⸗ eigniſſe geraͤuſchvoller Kriege geſehn, die Fein⸗ heit ſeines Gehoͤrs, ſein durchdringender Blick, ſeine Entſchloſſenheit in der Nähe der Gefahr, ſeine Behendigkeit beim Fliehen, wie beim Verfolgen, welche diejenige des gebornen Ka⸗ raiben übertraf, ſeine Muskelkraft, ſeine gelenken Glieder zum Klettern, Tauchen, Schwimmen und Springen geeignet, ſein eiſernes Temperament, welches ihn faͤhig machte, die Verſchiedenheit des Klimas, die langſten Ermuͤdungen und des Hungers Weh zu ertragen: alles trug dazu bei, ſein Leben bei den Gefahren zu Waſſer und Land zu ſichern, in Arawaca's einſamen Hafen, oder wo la Platas Woge ſchaͤumte, wenn oft die Söhne der raͤchenden Spanier vergebens die Spur der Freibeuter aufſuchten; alle dieſe Kuͤnſte, die ihm in Indiens kriegeriſchen Streit ſo gut. durchgeholfen hatten, mußten ihm aufs neue auf dem Ufer der Greta das Leben retten. — In dieſer Stunde der dringendſten Ge⸗ fahr war es, wo er ſeine Herzhaftigkeit, ſeine Kunſt und Hinterliſt bewieß. Bald ſchlich er daher mit eiligem Schritt, bald ſchnellte er eine lange Strecke fort, bald ſchrieb er in ſeiner Flucht einen labyrinthi⸗ ſchen Umweg, und kam, die Eindruͤcke ſeiner Fußtapfen auf dem Raſen zu vernichten, wieder zuruͤck. Wenn er die hervorſpringen⸗ den Felſenwinkel ertlommen hatte, das Auge des Verfolges taͤuſchen, eilte er dem Lauf des Stromes nach, deſſen bruͤllende Stimme das Echo ſeines Schritts erſtickte: allein wenn er ſich der Waldecke naͤhert, hoͤrt er die Roſſe wiehern, ſieht das Eiſen der Lanzen leuchten; ſtuͤrzt er ſich tiefer im Ver⸗ hau, hoͤrt er der Rächer lautes Halloh, die das Gebuͤſch durchkreuzen, als waͤren ſie einem Wild auf der Spur. Er gleichet jetzt dem Tiger, der von Netzen umgeben, nicht weiß, wo er ſeine leuchtenden Augen hinrichten ſoll, ohne blitzenden Waffen und brennenden Fackeln zu begegnen, dennoch aber bedacht iſt, mit ungeſtuͤmer Wuth auf Jäger, Roſſe und Hunde zu ſtuͤrzen.— So war Betttam im Begriff, ſi ſich auf Feinde zu werfen: allein wie der dur affen und Geſchrei eingeſchuͤchterte Tihér 5 enblich doch ins tiefſte Dickicht zuruͤckzieht, verlaͤßt Bertram ſein verzweifeltes Unternehmen, und wirft ſich vegungslos in die Haide, ſein Geſicht aus Furcht, daß des Auges Flamme ihn verrathe, tief verbergend.. Bertram vermochte jetzt zu inerenen, wer der kuͤhne Juͤngling war, der dieſe Jagd leitete, auf jedes Geraͤuſch mit aufmerkſamem Ohr hinlauſchte, jede Höhe rings umher, weit um ſich ſchauend, erklomm, und ſein bloßes Schwert in alle buſchigte Höhlen des Thales bohrte. Es war Redmond mit den Azuraugen, es war Redmond mit den flie⸗ genden Locken um die bluͤhenden Wangen. Zuge, Geſicht, Geſtalt und Sprache waren des Jünglings. Keine lebendigere Geſtalt begab ſich ernſter und maͤnnlicher in die Reihen der Krieger, und dennoch war ſein beſcheidnes Anſehn werth, die Zier des Hofes —— 7* einer jungfraulichen Konigin zu ſeyn. Wohl hätte man ſchoͤnre Zuͤge finden koͤnnen als die ſeinen, denn Redmond trotzte der Sonne und dem Ungewitter, die ſeine Zuͤge gefaͤrbt hatten; aber ſie hatten, ohne regelmaͤßig zu ſeyn, die Gewalt, jede augenblickliche Em⸗ pfindung auszudruͤcken: wenn ſein Blick Hei⸗ terkeit, Witz, Laune, oder Schalkheit ath⸗ mete, tanzte das Lächeln in ſeinem licht⸗ blauen Auge, wenn ſeine Stirn ſich verdun⸗ kelte, kuͤndigte der Blitz deſſelben die dunklere Roͤthe ſeiner Wangen Erins Zorn an. Sanft und geeignet ſich mit Ungluͤcklichen gleich⸗ fuͤhlend ihren Schmerz zu betruͤben, war er oͤfterer dem ſeltſamen Seelenzuſtand Preis gegeben, der allen Wechſel der Gefuͤhle in ſich faßt, wenn Freude und Schmerz in ein⸗ ander fließt, man ſich den Schwingen der Hoffnung nicht zu vertrauen wagt aus Schwanken zur Furcht, und ſchnell von einer zur andern uͤbergeht. Solch ſonderbarer Zu⸗ ſtand gefaͤllt der Maid, wenn ſie ihn auch nicht Liebe zu nennen wagt.— Was fuͤr„ ein Gedanke auch immer Redmond bewegte, die Zuͤge ſeines Geſichts ſpiegelten ihn wieder in Licht und Schatten. Wohl kannte Riſingham den Juͤngling Redmond, und er wunderte ſich, daß das Heer, welches Morthams Tod raͤchen zu wollen ſchien, durch einen ſeiner Feinde ſelbſt angefuͤhrt ward; denn nie empfand ſeine Seele den edlen Schmerz eines großmuͤthigen Fein⸗ des uͤber das Mißgeſchick eines edlen Neben⸗ buhlers: noch weniger war ihm das Gefuͤhl der Gerechtigkeit bekannt, welches uns zu Gunſten eines unwuͤrdig behandelten Feindes bewaffnet; allein ihm bleibt keine Zeit zum Nachſinnen, Redmond iſt da, aus welcher urſach es auch iſt. Schon zweimal iſt er ihm ſo nahe gekommen, daß, obgleich Ber⸗ tram im Dickicht verborgen iſt wie ein wil⸗ des Thier, welches vor dem Jaͤger floh, er ſich bereit haͤlt auf ihn zu ſtuͤrzen, und ihm den Dolch ins Herz zu ſtoßen. Aber Red⸗ mond ſchlug jedesmal einen andern Weg ein, und die niedergeknickten Zweige ſchlagen hinter ihm zu. Da haͤlt Bertram fuͤr gerathner, noch tiefer ins Dickicht einzudringen; ſo rin⸗ gelt ſich die Schlange in ſich zuſammen, wenn der Jaͤger das Gebuſch durchſtreift, ſpuͤrt mit rothem glaͤnzendem Auge auf der Lauer, und iſt bereit, ihn mit pfeilartiger Zunge zu ver⸗ giften, wenn ein unvorſichtiger Tritt ſie be⸗ ruͤhrt. Aber wenn die Friedensſtoͤrer ſich ſeitwaͤrts kehren, entrollt das Ungethuͤm vor⸗ waͤrts die langen Ringe, und obgleich der tiefſte Savannahſturm erwacht, gewinnt es ungeſtoͤrt einen Zufluchtsort. Aber Bertram, als er ſich zuruͤckzog, und die laute Verfolgung und Redmonds Halloh mitten durch den Sturm erneut ver⸗ nahm, murmelte in wilder Seele:„Red⸗ mond O'Neale! waͤren wir, Du und ich, dieſen Tag allein zum Kampf, mit keinen andern Zuſchauern und Zeugen, als dieſe grauen Kluͤfte und E' henbaͤume!— Deine gellende Stimme ſollt“ dieſe ſtolze Ausforderung nim⸗ mermehr wiederholen! Nein! nicht wieder kuͤnftig mit ſchmelzender Gewalt in den Sommerlauben der Maid ſich wiederholen!“ Endlich ward das feindſelige Geſchrei ſchwach und ſchwächer, und verlor ſich hinter ihm. Er erhob ſich, und fand ſich allein in Seargills Wald; ſein Ohr erlauſchte jetzt keinen andern Ton, als die ſchwermuthige. Klage der Holztaube und das eintönige Mur—⸗ meln der Greta. In dieſem einſamen, wil⸗ den Thal ſchien laͤchelnd und friedlich die Sonne des Sommers. Lange lauſcht er mit bangem Herzen, das Ohr geſpitzt zu horchen, aufgehoben den Fuß zur Flucht, und weil er in ſeiner Aufmerk⸗ ſamkeit nicht ablaſſen will, verſagt er ſich, ſo mde er iſt, die Ruhe.. ueberal herrſcht Schweigen, er laͤßt endlich das ſor⸗ genſchwere Haupt auf den Raſen hinſinken, und ſtreckt ſich hin, wo die Glockenblume, Moos und Thimian die ſchwellenden Kiſſen bereiten. Von Ermuͤdung niedergedrückt, folgt er mit zerſtreutem Blick dem Lauf der Greta, in ſcherzendem Spiel hinter den Baͤumen verſchwindend, die das ufer be⸗ ſchatten, und bald im Sonnenſtrahl erglän⸗ zend; dann in goldnen Licht uͤber Fels zu Felſen tanzend, und dem Edelſtein der Ge⸗ birge, Albions Diadem genannt, den Preis „ — 8— ſtreitig machend in reicher Abwechslung. Doch balb ermuͤdet, ihrem Spiel nachzublicken, wendet er das Spaͤherauge auf das entge⸗ gengeſetzs Ufer, und heftet es auf die un⸗ geheuern Felſen im finſtern Wald, deren einige—hervarſpringend, die andern wie be⸗ herrſchend, bis zur Sonne ihre graue Bruſt erheben. Rings umher ſtarren große Fels⸗ ſtücke, in deren Ritzen Nußbäume, Taxus und Haſelſtauden wachſen; tauſenderlei Li⸗ chenen von verſchiedner Farbe wechſeln die Tinten dieſes vom Sturm zerſchlagnen Gra⸗ nits, und rings um ſeinen ſteilen Grund liegen die von der Zeit oder dem Blitz von ſeinem Guͤrtel geloͤſten Fragmente, jetzt aufs neue mit dem Mantel gruͤnender Geſtraͤuche umhuͤllt: dies war das Bild ernſter Hoheit, wilder Majeſtät, welches jetzt Bertrams beſtuͤrztes Auge ergriff. Er blieb in ſeine wilden Betrachtungen verſenkt, in ſeiner Seele die ſeltſame Er⸗ ſcheinung wieder findend— wie' ſeinen nutz⸗ loſen Verrath und den niedern Meuchel⸗ mord, in welchem er das Blut ſeines Herrn vergoß, ein ſo hartes, ſchweres Verbrechen— ſo ſchien es ihm jetzt!— daß es Macht habe Todte zu erwecken. Er ſann auch uͤber Redmond nach, der ſo eifrig war ihn zu verfolgen, daß er ſich einbildete, der treuloſe Oswald habe einen Preis auf ſeinen Kopf geſetzt, ſich Morthams Schaͤtze zu bemaͤchti⸗ gen. Er gelobte dreifache und ſchnelle Rache an dieſem verwegnen und kuͤhnen Redmond— Rache an Wilfrid, doppelt und dreifache aber an ſeinem Vater zu nehmen. Wenn in dieſer Stimmung des Gemuͤths— wie die Sage ſpricht, der man in der Zeit der Einfalt noch Glauben beimaß— der Feind der Menſchen die Macht beſitzt, ſolch uͤble Stunde zu nuͤtzen, ſo war hier ein Elender bereit, das Heil ſeiner Seele fuͤr Rache zu verkaufen. Allein vergebens ſprach der wilde Bertram in ſeiner Rachwuth ſo Ernſtes und unbegrenzte Gluth der finſtern Rache aus, als je in den Abgruͤnden der Hoͤlle wiederhallen konnten, keine finſtre Wolke verdunkelte den Wald mit tiefern Schatten, kein unterirrdiſcher Donner erſchuͤtterte die Erde; der Satan kannte das Herz ſeines Untergeb⸗ — nen und ſparte ſich die Verſuchung zu einer fruchtloſen Liſt. Oft trat unter dieſer muͤh⸗ vollen Aufgabe ſeines Gemuͤths Morthams Geſtalt vor ihn— war es ein Traum? oder hatte er ihn in treuer Erſcheinung er— blickt, den Mortham, den er getodet hatte? oder war er ihm in ſeinem Fleiſch lebend erſchienen, der einzige Mann auf Erden, den er fuͤrchtete?— Die Wahrheit dieſer geheimnißvollen Sache zu ergruͤnden, heftete er ſeine Augen immer noch auf die Kluͤfte, da erſchien plotzlich ein Blitz auf dem Gewaͤſſer, wie wenn der Sen⸗ nenſtrahl auf das Eiſen des Schwertes oder der Lanze faͤllt. Er erhebt ſich wie zum Kampf. allein er ſieht keinen Feind, hort nichts als die Seufzer der Holztaube und des Fluſſes Murmeln in ſeinem plotzlichen Lauf, die ein⸗ ſamen Waldgehaͤge wie ſchlummernd im Son⸗ nenglanz. Gleich dem Loͤwen, wirft er die Blicke umher, und wirft ſich von neuem auf den Raſen hin.„Es war wohl— dachte er— ein Sonnenſtrahl, der ſich plotzlich auf der flͤchtigen Welle brach!“ Und ſo ſeinen unzu⸗ F5 — 84— ſammenhaͤngenden Gedanken ſich aufs neue uͤberlaſſend, ſchreckte er auf, als eine Stimme ihm zurief: Bertram, ſeh willkommen auf Gretas Ufer. Sogleich war das Schwert in ſeiner Hand, aber eben ſogleich ließ er es in die Scheide zuruͤck ſinken, zweifelhaft jedoch im Walde ſtehn bleibend, zur Gegen⸗ wehr bereit, weil er mißtrauiſch war.„Guy Denzil!— biſt Dus?— ſprach er— den ich in Seargills Schatten begegne2 Aber bleib von mir und ſage mir erſt, ob Du als Freund oder Feind kommſt. Das Geruͤcht ſagt, Den⸗ zils Name ſey mit Schande von Rokebys Heer verabſchiedet?“ Eine Schande, die ich O Neale ſchuldig bin, der mich in ſeinem thoͤrichten Eifer bei dem Herrn wegen meiner Freibeu⸗ terei bei den Calverleys und Bradfords ver⸗ klagte Was thuts! In einem Kriege, der ſo betrieben wird, daß nur die Vornehmen ſich bereichern duͤrfen, iſts beſſer fuͤr uns beide ihn aufzugeben. Ein beſſer Loos erwartet uns, wenn Du noch der nemliche Riſingham biſt, der kein Bedenken trug, mir zur Mit⸗ ternachtezeit ein Wild ans Rokebys Park —— ſtehlen zu helfen. Was denkſt Du?—„Sprich Dein Vorhaben aus, ich liebe weder Geheim⸗ niſſe noch Ungewißheit.—“ —„So hoͤre!— nicht fern von uns iſt eine Horde tapfrer und treuer Kameraden. Ich habe ſie aus beiden Partheien geworben, Rundkoͤpfe, die der Prediger und des Glaubens ſpotten, und Gluͤcksritter, wie wir, denen die Bande der Ordnung ſo verhaßt ſind, wie uns. Fuͤr weiſer haben wirs gehalten auf unſte Weiſe zu kriegen, als den letzten Seuf⸗ zer auf einem Schlachtfelde auszuhnuchen fuͤr Maͤntel und Chorhemden, Biſchofsmuͤtzen und Kronen. Unſte Plaͤne ſind entworfen, unſer Vorhaben gefaßt, wir brauchen keinen Ober⸗ herrn mehr zu folgen. Du biſt jetzt, ich weiß es, ein Fluͤchtling, wegen Morthams Tod verfolgt, und ein Preis geſetzt auf Dein Haupt; ſo ſagten uns unſte Kundſchafter, welche verkleidet das Thal durchziehen. Ge⸗ ſelle Dich zu uns; obgleich wilde Uneinigkeit unſern werdenden Staat zu zerreißen droht, und keiner dem andern zu gehorchen denkt, wird ſich doch keiner weigern, dem Beſehl eines ſo beruͤhmten Häuptlings zu folgen, als Du biſt.“ „Nur ein Augenblick iſts,— dachte Ver⸗ tram— daß ich in erregter Leidenſchaft die Hoͤlle rief, und die Hölle hat gehoͤrt! Was gebricht mir meiner Rache zu genuͤgen, wenn ich ſolche Kameraden anfuͤhre? Dieſer Den⸗ zil, jeder Suͤnde vertraut, koͤnnte Luzifern aufgeben zu rathen. Wohl! dem ſey alſo! Dir thoͤrichten Knechte ſollen die Werkzeuge meiner Rache ſeyn. Ja!— ſetzte er laut hinzu— ich nehme Deinen Antrag an, ſag mir nur, wo Deine Kameraden ſind?—“ Nicht weit von hier— ſagte Guy Denzil— laß uns das Flußbette hinunter gehn und durchkreuzen, wo Du jenen ſteilen Felsgipfel ſiehſt.— Geh voraus— ſprach Bertram— zeig den Weg, und in ſich murmelte er: Es iſt beſſer ſich ſicher zu ſtellen, Guy Denzils Wort war niemals rein.— Er folgte jetzt dem abwaͤrts ſich ſenkenden Pfad, ſie gingen durch Gretas Strömung, und fanden am gegenſeitigen Ufer den von ihm angcgchetei Felſenriff. . — Bertram hoͤrte einen dumpfen Laͤrm aus dem Felſenſpalt, aber als Guy das wilde Gezweig und die Wurzeln und Dornen des Grundes entfernt hatte, entdeckte er den kleinen viereckigten, engen Eingang in eine Hoͤhle, der Zelle eines Einſiedlers gleich, in die finſtern Woͤlbungen des Steins gehauen. Hier hinein ging Bertram, Denzil folgend, und immer lauter und lauter, wie aus dem Dieſes dunkle Gewoͤlbe hatten ſonſt die Bauern ausgegraben. Die Gehoͤlze von Brignal und Scargill verbergen noch manche verſchwiſterte Höhle, wo der Bergmann(Schanzengraͤber) ſeinen Keil einſchlug. Aber jetzt hatte der Krieg die Arbeiten des Feldes unterbrochen, und dieſer verlaßne Gang war zum Sam⸗ melplatz der Gelage und die Feſtung von Denzil und ſeiner Raͤuberhorde worden. Hier wars, wo ſich das Laſter mit bachantiſchen Ausſchweifungen in ſeiner Schuld betaͤubte, ſich die Liederlichkeit, den Becher der Luͤſte in der Hand, zum Schlummer ſtreckte, und Eingeweide der Erde kommend, erſchallten— die Ausbruͤche toller Luſt in ſeine Ohren⸗ — 66— die ſpaͤte Reue vergebens den Blick auf das Vergangne wendete. Auch haͤtte man mitten unter dieſen Gelagen Schmerz und reueloſe Furcht, Gotteslaͤſterung und ſündhaftes Trei⸗ ben entdecken koͤnnen, welches den Himmel wegen der eignen Verbrechen anklagt. Ber⸗ tram erſchien unter dieſem Auswurf wie der Hauptfeind, den Milton ſchildert. Horch! von neuem beginnt das Geſchrei, den Anfuͤhrer der Horde zu begruͤßen. Be⸗ trachtet dieſe Gruppe bei blaſſem Lampenſchein, deren ungewiſſe Flamme mit den ſchwarzen Duͤnſten dieſes Erdgewölbes kaͤmpft. Wie hat doch das Verbrechen dieſe fremden Ge⸗ ſichter mit Brandmalen ausgezeichnet! Auf einigen hat es jedoch nicht ſo tiefe Eindruͤcke hinterlaſſen. Sieh dieſe bleiche Geſtalt; als Knabe war ſie der Mutter Stolz, des Vaters Freude! Sieh ihn jetzt gegen das feuchte Gewoͤlbe geneigt— fruͤhere Bilder gehn durch ſeine Seele. Er glaubt die väterliche Huͤtte mitten am Ufer des Tees umſchattet zu ſehn, er erblickt des ſuͤßen Winſtons laͤnd⸗ liche Scenen im Gehoͤlz und den Tanz von Gainford⸗ green, an dem er Theil nehmen will. Seine Thraͤne faͤllt—— allein ein Schwank— eine wilde Geſchichte, oder ein grober Scherz hat das laute Gelachter ſeiner Geſellen erregt. Sie rufen ihn, als den ge⸗ ſchickteſten der Horde, in luſtigen Geſeng und heiteren Scherz. Schon flieht ſein Traum. Mit dem kuͤhnen Blick desjenigen, der uͤber Verzweiflung ſiegte, befiehlt er die Becher zu kreiſen, bis es ihm vollkommen gelungen iſt das voruͤbergehende Gefuͤhl ſeiner Reue und das Andenken an ſein fruͤheres Leben in Wein zu erſaͤufen, und bald ſtimmt er laute Lieder an! Die Muſe findet auf dem wildeſten Bo⸗ den ihre Segnungen. Aber mit Dornen und ſchaͤdlichem Unkraut ſind dieſe ſparſamen Blumen durchwachſen, die nutzlos und wild bleiben. Mit verzweiflungsvoller Anſtren⸗ gung ſang er, die Hoͤhle hallte vom Echo des Chors wieder, und dennoch miſchte ſich der bittre Ausdruck der Reue in ſeine Stimme. — 90— Lei e d Brignals ufer ſind wild und ſchoͤn, und Gretas Wald iſt gruͤn; Und Fraͤnze findet zu ſchmuͤcken ihr Des Sommers Koͤnigin. Als ich umſpuͤrte Dalton-hall, Wohl unter hohem Thurm, Da ſang eine Maid vom Schloſſeswall Vergnuͤgt in Wind und Sturm. Chor. Ja, Brignals ufer ſind friſch und ſchoͤn, Und Gretas Wald iſt gruͤn! Ich bliebe lieber bei Edmund hier Als wuͤrd ich— Koͤnigin! „Willſt, ſchone Maid, Du kommen mit mir? Mußt laſſen Thurm und Schloß! Mußt rathen, welch Leben wir fuͤhren hier— In gruͤner Thaͤler Schvoß. Und wenn Du das Räthſel errathen haſt, Das ich Dir ſtelle hier frei, So komm in gruͤnen Wald— mein Gaſt! Du, bluͤhender als der Mai!—“ 2 Chor. Da ſang ſie: Brignals ufer ſind ſchoͤn und Gretas Wald iſt gruͤn; Ich bleibe lieber bei Edmund hier— Als wuͤrde— Koͤnigin!— — 91— Ich kenne Dich an Dein' Jägerhorn, An Deinem Renner gut: Des Kdnigs Waldhuͤter biſt Du geſchwo'rn, Zu halten im Gruͤnen Hut. Ein Waldhuͤter, Fraͤulein, blaͤßt das Horn Mir erſtem Tageslicht— Man horts beim fruͤhſten Morgen ſchon Meins ſchweigt zur Nachtzeit nicht⸗ Chor. Jetzt ſang ſie: Brignals ufer ſind ſchon Und Gretas Wald iſt gruͤn; Ich bliebe lieber bei Edmund hier Als Maies— Koͤnigin. Mit Pallaſch und mit Saͤbel trittſt Du ritterlich herbei! Ich rathe, ein Dragoner biſt Voll Muth beim Kriegsgeſchrei.— Nicht hoͤr ich auf der Trommel Schall, Nicht auf Trompetenklang, Doch wenn des Buͤttels Rufß erſchallt, Uns nie der Speer entſank. Chor. Ach! iſt gleich Brignals Ufer ſchoͤn und Gretas Wald ſo gruͤn; Wie herzhaft muß die Maid nicht ſeyn, Dort— Maies Koͤnigin! * O Maid, ein Leben fuͤhren wir So dunkel— und der Tod Folgt ruhmlos auf der Ferſe hier— Grabgeiſt und Leichennoth Waͤr beſſer Dir, mit Suſelht⸗ Als Jolch ein Mann wie wir— Doch ſammeln wir unter dem— uns— Vergsſſen des Leids wir ſchier. C 5 o r. Doch Bringals Ufer iſt kuͤhl und ſchoͤn Und Gretas Waͤlder gruͤn; Komm, Maid, nur Blumen pfluͤckend hin— Sey Sommerkoͤnigin! Als Edmund ſeinen einfachen Sang ge⸗ Sendigt hatte, herrſchte augenblicklich eine tiefe Stille unter ſeinen wilden Gefaͤhrten, bis ein minder zarter Minſtrel ihre Luſt durch einen weniger anmuthigen Sang erweckte. Allein Bertram und Denzil hatten ein⸗ ander bei Seite gezogen, und berathſchlagten ihre wichtigen, verwegnen Plaͤne. In Ber⸗ trams habſuͤchtiger Seele lag ſtets das Ver⸗ langen nach des ermordeten Morthams Scha⸗ ben, aber er ſcheute ſich, ihm Worte zu ge⸗ ben, aus Furcht, ſie koͤnnten noch ein Ge⸗ ſpenſt aus dem Mittelpunkt der Erde herauf⸗ beſchwoͤren. Endlich erzählt er ſeine wunderſeme Ge⸗ ſchichte; veraͤchtlich belaͤchelt ſie ſein Gefaͤhrte⸗ In hoͤfiſcher Freiheit erzogen, war ſelbſt die Religion Denzil ein Geſpött, wie ſollte er nicht uͤber phantaſtiſche Erſcheinungen ſpotten? Kaum haͤlt die Achtung, die Bertram ihm einfloͤßt, den Scherz des Unglaͤubigen zuruͤck. „Es wuͤrde ſchwer ſeyn— ſpricht er— ſelbſt fuͤr einen Weiſen oder Seher, dieſen Gegen⸗ ſtand Eurer Furcht zu zerſtreuen, und ich ver⸗ ſtehe mich nicht auf die Kunſt, Traͤume und Ahndungen zu deuten. Wenn Ihr mich aber zwingen wollt zu glauben, daß es einem Geiſt beluſtigt, Wache zu halten bei ſeinen Schaͤtzen, wie eine wachſame Dogge, die ihres Herrn Dach bewahrt und die Pluͤnderer abſchreckt, ſo wird mir doch noch ein Zweifel übrig bleiben. Es kommt mir vor, als habe Euer Geſpenſt den Ort ſeiner Erſcheinung ſchlecht gewaͤhlt. Was hat es in Morthams Beſitzungen zu thun, wenn im Schloß zu Rokeby das Gold ver⸗ graben iſt, welches Euer Herr bei ſeinen Streif⸗ „ zugen in Indien durch Raub, Freibeuterei und als Mrat zuſammen gehaͤuft hat?—“ Er ſchwieg— Scham und Zorn verdun⸗ kelten Riſinghams Stirne, er erroͤthete bei dem Gedanken, als ein leerer Traͤumer an⸗ geſehn zu ſeyn, und ſuchte einen andern Vor⸗ wand fuͤr ſeinen Zorn.„Denzil— ſprach er— wenn Mortham auch nicht mehr lebt, ſo hüte Dich, das Andenken dieſes Haͤuptlings zu beſchimpfen, deſſen einziger Blick, als er lebte, Deine ganze Seele ſchreckte. Als er Dich verurtheilte, weil er Dir Schuld gab, das Verſprechen nicht gehalten zu haben⸗ das Du der ſchoͤnen Roſe von Allenford ge⸗ than hatteſt, ſah ich Dich nicht zu ſeinen Fuͤßen kriechen wie den gezuͤchtigten Jagdhund⸗ Was jene Reichthuͤmer anbelangt, die er in fernen Gegenden erwarb, ſo hoͤre auf, ſie ferner die Frucht des Raubes und der Frei⸗ beuterei zur See zu nennen: er gewann ſie tapfer mit der Schaͤrfe des Schwerdes, als Spanien es wagte, unſerm Lande den Krieg zu erklaͤren! Merke Dirs ich liebe nicht ſeichten Spott, huͤte Dich, Bertrams Ramen der Furcht zuzugeſellen, die ihm fremd iſt! Nur zur Haͤlfte theil ich Satans Loos„ Ich glaube, aber zittern kann ich nie genug davon. ſag mir jetzt, was Du fur Beweiſe haſt, daß Morthams Schatze in Rokebye Schloſſe ſind? oder meinſt Du, Mor⸗ tham habe ſeinen Ueberfluß dem Feind ſeiner Parthei anvertraut?“ Denzils unzeitiger Spott war bald er⸗ ſtickt; lieber haͤtte er die Erde tauſend Ge⸗ ſpenſter gebaͤhren ſehn, als Riſinghams ſchreck⸗ lichen Zorn erregt und dieſe Flamme ent⸗ zuͤndet. Unterwuͤrfig antwortete er: Du weißt, daß Morthams Gemuͤth ſchlecht zur Freude geſtimmt war; allein weniger ſtreng in der Jugend, ſagt man, habe er ſonſt die Vergnuͤgungen als ein luſtiger Abentheurer geliebt. Aber ſeit ſeiner Ruͤckkehr von jenſeit der Meere habe die duͤſterſte Laune den freien umlauf ſeines Blutes gehemmt. Er habe jeden guͤtigen Aufruf zu Rokebys ehrenwer⸗ then Hallen entſagt, und unſer Gebieter, der gern jeden Morgen den frohen Hörnerklang hoͤrte, und der, wenn die Nacht die Eichen — 96— umdunkelte, gern ſeine Gaͤſte verſammelt ſah, den Becher zu leeren, ſchoͤpfte Verdacht, daß ein ſo naher Blutsfreund ſeine Jagden und Gelage nur immer ausſchlug. So waren die beiden Edlen ſchon ziemlich getrennt, als der Krieg ſie gaͤnzlich ſchied. Dennoch kannſt Du mir glauben, Freund, daß die ſchoͤne Mathilde zu Morthams Erbin beſtimmt iſt.“ „Zur Erbin beſtimmt!— unterbrach ihn Bertram— wie! dieſe ſtolze Schoͤne ſollte alle die Schaͤtze beſitzen, die ich mit meinem Leben verdient habe, als ich ſo tapfer fuͤr meinen Herrn focht, ſeine Reichthuͤmer aus Laroches Haͤnden auf Cayos Wellen zu ret⸗ ten!— Denzil, ich kenne ihn laͤnger, aber nie als Freudenritter, weiß, wie ihn ſeine jungen Freunde und ſein frher Ruf die Seele aller Ritterlichkeit und aller Spiele nannten als truͤbſinniger Mann geſellte er ſich zu unfrer Horde, verzweiflungsvoll und finſter, von keinem gekannt, erhob er ſich zum erſten Range unter uns nichts achtend das Leben und ſeine Beſchwerden. Bei jeem Abentheuer zeichnete er ſich aus, und die Gefahr liebte er wie ſich ſelbſt. Seine finſtern Brauen vermochte weder Luſt noch Wein zu entwoͤlken. Es war ein ſchlimmes Zeichen, wenn er laͤchelte, in der Gefahr war er ernſt und wild. Aber lachte er, ſo verzweifelten ſeine armen Sol⸗ daten am Gluͤck. Voraus focht er in jedem Kampf, doch zornig kehrte er ſich ab von der Beute, trat oft als Vermittler zwiſchen ſeine Kameraden und ihre Ueberwundnen, Men⸗ ſchen, wie wir, von Menſchlichkeit und Mit⸗ leid vorpredigend, wenn wir noch uͤber den theuer erkauften Sieg zornig waren! Wohl liebte ich ihn gar ſehr ſeine Furchtlo⸗ ſigkeit, ſein edles Betragen gewann mein Herz. Ich wars, der nach jedem Siege ſeine Gerechtſamen vertheidigte, und den gierigen Geſellen den Antheil der Beute erſetzen ließ, den ſie ſchor zuvor ihm abgenommen hatten. In Schlacht und Sturm rettete ich ihm drei⸗ mal das Leben, und einmal in einem Auf⸗ ſtand unſrer Kameraden.— Ja, ich habe ihn geliebt! Die Gefahren, die Sorgen, die ich erfuhr, beweiſen es wohl! Aber jetzt will ich Dein Geſchick nicht mehr betrauern, Du I. G Undankbarer im Leben und im Tode! Er⸗ ſcheine, wenn Du kannſt Cer ſah um ſich her und ſtampfte drohend auf den Boden) erſcheine mit dem hohen, ſtolzen Ausſehn, wie Du dieſen Morgen meinen Augen er⸗ ſchienſt, und fordre mich heraus, wenn Dus vermagſt!—“ Er ſchwieg, dann bat er ruhig und kaltbluͤtig den Denzil in ſeiner Erzählung fortzufahren. „Bertram, es iſt nicht noͤthig Dir zu berichten, wie der Aberglaube ſich ſo ſchnell Lord Morthams Gemuͤth zu bemaͤchtigen wußte. Aber als er einſt ſeinen Thurm ver⸗ ließ, fand er eine Maid in Gretas Lauben, deren Stimme, der Davidsharfe gleich, die Eigenſchaft beſaß, den finſtern Geiſt zu ent⸗ zuͤcken, der ihn quaͤlte. Ich weiß nicht, ob ihn ihre Zuͤge an das Weib ſeiner Liebe erinnerten, aber er hing mit ſeinen Augen an ihr, bis ein Seufzer ſeine Seele beſaͤnf⸗ tigte. Er, den bis jetzt kein Sterblicher an⸗ zugehn und um ſeine geheimen Gedanken zu befragen gewagt hatte, war der erſte, ſie jetzt in die trene Bruſt der ſchoͤnen Nichte niederzulegen, und ihr jedes Gefuͤhl, jede Sorge zu beichten. Nichts beſaß die Erde an Seltenem und Schoͤnem, nichts der Ozean und die Luͤfte, das Mathildens Locken nicht ſchmuͤcken mußte. Seine Liebe fuͤr ſie ward ein neues Band ſeines Lebens, aber plötzlich erwachten die buͤrgerlichen Unruhen, und ſeine Lehnsleute trugen auf ſein Gebot in der Nacht drei eiſerne Kiſten in den einſamen Thurm von Rokeby⸗Keep, angefuͤllt mit Gold und Edelſteinen, und ihr geſchenkt, wenn er in der Schlacht bleiben ſollte. — Ich begreife Dich— ſagte Ber⸗ tram— ich ſehe, daß es Dein Vorſatz iſt, dieſe koſtbaren Kiſtzn zu gewinnen; denn warum waͤrſt Du ſonſt hier, wo ſo manche Gefahr Dir nahe iſt? hier— wo Deine Kriegs und Friedensthaten, Deine Raͤube⸗ reien in Huͤtten und Deine Wilddiebereien noch unvergeſſen ſind? Wo iſt in den benach⸗ barten Doͤrfern eine Huͤtte, die Guy ver⸗ ſchont haͤtte? oder das Gehoͤlz, das ſein Pfeil um Mitternacht nicht durchpfiffen ha⸗ G 2 ben ſollte?„Ich treibe meine Handthlerung, und in dieſem Augenblicke ſind meine Piquers einer milchweißen Hirſchkuh auf der Spur; bei Rokebys Schloß liegt ſie im Lager, glaubt ſchoͤn zu herbergen in Gretas Wald, und wenn meine Jaͤger jeden ihrer Pfade bemerkt haben werden, was meinſt Du dann, Ber⸗ tram, zu ſolcher Beute? Wenn Rokebys Tochter in unſrer Gewalt iſt, wird ihr Lö⸗ ſegeld Morthams Mitgift koſten.“ „Das iſt gut— rief dieſer— es liegt Rache in dieſem Gedanken. Mathilde iſt von Wilfrid und dem tollkuͤhnen Redmond geſucht, ſo ſagt das Geruͤcht, beide zahlen ihr Minneſold. Bertram hat ſie erzuͤrnt.. begegnete ſie mir von ungefaͤhr, wandte ſie den ſchaudernden Blick von mir, mit der Scheu eines albernen Maͤdchens, deren Hoch⸗ muth den Anblick deſſen nicht ertragen kann, den ſie haßt und zu erblicken verabſcheut. Sie ſagte zu Mortham, daß ſie mich nicht ſehn koͤnne ohne geheime und finſtre Ahn⸗ dung„ſie mag mir vorwerfen, ihre Prophezeiung wahr gemacht zu haben. Der * — 41— Krieg hat Rokebys Gefolg vermindert, we⸗ nig Knechte ſind im Schloß zuruͤckgeblieben, ſcheitert die Liſt, ſo werden wir kurz und gut entſchloſſen ſeyn wir ſind ſtark ge⸗ nug den Sturm zu beginnen, wir entfuͤhren die Schaͤtze und die Erbin, und dierluin⸗ das Schloß der Flamme.“ „Stets biſt Du der Tapferkeit abentheuer⸗ licher Sohn! aber bedenke die Gefahr dieſes Unternehmens. Zwar ſind die Wachen des Schloſſes gering an der Zahl, aber treu und ergeben. Ein Wall iſt zu erſteigen— ein Graben zu uͤberſpringen. die Thore zu erbrechen!“— Narr! wenn ſolche Hinder⸗ niſſe uns aufhalten ſollen, wo koͤnnten wir Beute erwarten? Unſer verwegenſtes Aben⸗ theuer waͤre es dann, in die Huͤtte eines elenden Bauers bei unbewachter Thuͤr zu dringen, und der beſte Preis, den wir da⸗ von truͤgen, der Gewinn ſeiner ſchmuzigen Tage.—„Zaͤhme einen Augenblick Deine Gluth; wenn ein ſchoͤnrer, ſichrer Weg ſich uns darbietet, würdeſt Du denn mit blinder Verwegenheit einen gefährlichen waͤhlen?— Höre alſo— ich kenne alle Ausgänge des Schloſſes Rokeby vom Dachgiebel bis zum Burgverließ. Ich kenne ein niedriges, finſtres Pfoͤrtchen, welches zu einem geheimen Aus⸗ gang fuͤhrt, der faſt vergeſſen und vernach⸗ laͤſſigt iſt. Wenn nun einer unſter Kund⸗ ſchafter, durch irgend einen Vorwand, Zu⸗ tritt ins Schloß gewinnen koͤnnte, wuͤrde er uns den Eingang ins Schloß verſchaffen können ohne Wall und Schildwachen.“ Wohl geſprochen auch gilt mirs gleich, ob Ge⸗ walt oder Liſt das Spiel gewinnen laſſen. Es iſt mir gleichguͤltig, meine Beute, wie der Fuchs, zu uͤberfallen, oder mich darauf zu ſtuͤrzen, wie der Tiger. Doch hoͤre! unſre luſtigen Kameraben ſi ſingen einen andern Rundgeſang. Lied. O ſchone Maid, ein boͤſes Lvos, Ein boͤſes Loos iſt Dein! Der Dorn zerreißt die Flechten Dir Du kelterſt Reu wie Wein! Ein leuchtend Aug, ein Kriegerblick, N'e Feder auf dem Hut, — 103— Ein Zwieſprach dort in Lincolns Gruͤn— Nicht mehr mich kennen thut Mein Schaß! Nicht mehr mich kennen thut. Heut iſt der muntre Juni ſchon, Ei, ei, die Roſe ſchwillt! Doch bluht ſie ſchon im Winterſchnee, Eh Wiederſehn es gilt! Er kehrt ſein Streitroß, wie er ſpricht, Zum Seesufer hin, Giebt ihm den Zuͤgel, ſagt: Leb wohl!— mein Schaß! Auf ewig— lebe wohl!— Was iſt das fuͤr ein Juͤngling, der unter der Horde der beſte Minſtrel ſcheint im Ge⸗ ſang? In ſeine wilden Toͤne miſcht ſich der Klang der Reue in die Luſt. „Es iſt Edmund von WVinſton, das Dörfchen, wo er geboren iſt, ſorach lange von ſeinem Ruhm, und den fruͤhen Hoff⸗ nungen, die er von ſich gab in der: Kindheit⸗ Sie ſind all untergegangen in Brignals Höhle!— Ich bewache ihn genan aus ſeiner Handlungsweiſe ſchimmert oft ein Anſtrich von Reue. Eine fruhzeitige Lieb⸗ — ſchaſt verwundete ſein Herz, und oft oͤffnen ſich ſeine Wunden und bluten. Doch iſt er brauchbar; abwechſelnd von ſeinen Geſellen geneckt und geruͤhmt, hilft uns ſeine Harfe, ſeine Balladen und Geſchichten uͤber die leeren Stunden hinweg; wenn dieſe Burſche nichts zu thun haben, ſind ſie nur allzu ge⸗ reizt, ſich unter einander zu befehden. Aber von neuem ſtimmt er die Saiten hier kommt ein neuer Sang zum Vorſchein, der unſre Aufmerkſamkeit fordert. Lied Allen a Dale. Allen a Dale hat kein Brennholz jetzt mehr! Allen a Dale hat kein' Erdſcholle mehr! Allen a Dale hat die Heerde nicht mehr! Allen a Dale hat doch rothes Geld Zu gefallen den Maid's in der Welt: Hoͤret mein Raͤthſel, hoͤret mich an, Errathet, was von Allen etzihlen ich kann. Der Freiherr von Ravensworth ſtolz ſitzt zu Roß, Von Arkindals Seite ſeine Huͤter ſind Koß, Seine Netze im Meer, ſeine Laͤnder zum Spiel, Seine Jagden voll Wild, ſein Park voll zum Ziel, — 105— Die Fiſche im See, das Wild auf der Flur Lord Dacre veſitzt nicht— doch Allan ſie nur. Allen a Dale nie Ritter und Herr Geſchlagen, traͤgt ſpitzige Sporen daher, Breit iſt ſeine Klinge— nicht iſt er Baron Und waffnet zwanzig Vaſallen oft ſchon Der Edlen Tapferſter gruͤßt Allen a Dale Erblickt er ihn zu Stanmore, zu Rere eros Ziel, Allen a Dale zum fein Liebchen kam— Die Mutter fraͤgt nach Hanshalt und Nam; „Steht Richmonds Schloß gleich ſchon auf der Hoh, Das meine(ſpricht Allen) ich ſchoͤner wohl ſäh— Das tief dunkelblaue, bleich mondliche Zelt Vom Licht der Geſtirne— von Lunen erhellt.“ Der Vater war eiſern, die Mutter war Stein, Sie oͤffnen die Thuͤr:„Geh, laß uns allein!“ Doch laut ward am Morgen ihr heulend Geſchrei, Der Schwarzgeaugte verfuͤhrt' ihre Treun, Sie flieht in den Wald zu hoͤren ein Spiel, Der Juͤngling, ders trieb, war— Allen a Dale. „Da ſiehſt Du— ſprach Denzil zu Bertram— das, boͤſe oder vergnuͤgt, ſich ſtets die Liebe in ſeine Geſaͤnge miſcht; aber wenn ihn dieſe Kinderſpiele verlaſſen werden, wird er an Geiſt und Witz alle ſeine Gefaͤhrten uͤbertreffen. Es iſt ein Feuerbrand, verſteht jeden Dialekt nachzu⸗ ahmen und jede Geſtalt anzunehmen.— Sprechen wir von Deinem Vorhaben, Guy— Still, wer kommtlhier?—„Mein treuer Kundſchafter! prich Hamlin! haſt Du unſers Wildes Spur 7 3 Ich habe ſie!— aber zwei Hirſche ſind bei ihr. Ich beobachtete ſie auf ihrem einſamen Gange von Egliſtone bis zu Thorsgills Lauben; aber Wilfrid Wycliffe iſt an ihrer Seite und bald iſt auch der ſtolze Redmond herbeigeeilt. Lange, ſo ſcheints, wird ihre Unterhaltung dauern, ſo daß wir Zeit haben werden, unſere Netze auszuſpan⸗ nen, eh ihr Weg ſie heimwaͤrts fuͤhrt.“ Bertram fluͤſterte bei dieſen Worten Denzil heimlich etwas ins Ohr, der ſich zu ſeinem Banditen kehrte, und vier der Tapferſten entbot, ſich zu und ihn in be⸗ 7 ———— Anmerkungen z ur erſten Dichung⸗ 2 Anmerkungen zur erſten Dichtung⸗ 1. Barnards Thuͤrme und der Fluß Dees. S.2. Das Schloß Barnard— ſagt der alte Leland— prangte ſtattlich über den Fluthen des Tees. Es ſteht auf einem hohen Ufer, uͤber das ſich ſeine Truͤmmer neigen, und es faßt im umkreis mehr als ſechs Morgen Landes. Dieſes ſonſt ſo prächtige Schloß traͤgt den Namen ſeines Erbauers, Barnard Baliol, der Erſte der ungluͤcklichen Dynaſtie dieſes Namens, welche in Schottland unter der Regierung Eduard des I. und des III. auf dem Thron ſaß. Baliols Veſte, die mehrmals in dieſen Dichtungen vorkommt, iſt ein großer, atn weſtlichen Ende des Ge⸗ baͤudes gelegner Sitz und runder Thurm. Er traͤgt Spuren hohen Alterthums, und war merkwuͤrdig wegen der ſonderbaren Bauart ſeines Gewoͤlbes, welches zuletzt durch das Vornehmen mehrerer Perſonen, Schußanlagen zu machen, ſehr verletzt worden iſt. Die Ausſicht von der Spitze des Thurms von Baliol beherrſcht eine praͤchtige und reiche Ausſicht auf das buſchigte Thal am Tees. Barnard Caſtle hatte im mittlern Alter mehrmals die Herrn gewechſelt. In den Zeiten des Misgeſchicks des ungluͤcklichen John Baliol, des erſten Koͤnigs von Schott⸗ land aus dieſem Geſchlecht, ſetzte Eduard der erſte dieſe Veſte unter die andern engli⸗ ſchen Beſitzungen ſeiner lehnspflichtigen Va⸗ ſallen. Sie ward fernerweit befeſtigt unter Beauchamp von Warwik und Staffords von Bukingham und war ſo zuweilen in dem Beſitz des Biſchofs von Durham, und auch — 111— in dem der Krone. Richard der III.— ſagt man— habe die Veſtungswerke erweitert und befeſtigt und hier eine Zeitlang vor⸗ zuͤglich ſeine Reſidenz genommen, vielleicht weil er ſich vorgenommen hatte, die lancaſte⸗ riſche Faction zu unterdruͤcken in den noͤrd⸗ lichen Grafſchaften. Von den Staffords ging Barnard Caſtle, wahrſcheinlich durch Heirath, in den Beſitz des mächtigen Ne⸗ villes uͤber, des Beherrſchers von Weſtmore⸗ land, und gehoͤrte noch dem letzten Repraͤ⸗ ſentanten dieſer Familie, als ſie ſich mit den Herren von Northumberland in die uͤbelbe⸗ rathne Inſurrection der Zwoͤlfe gegen die Koͤnigin Eliſabeth einließ. Bei dieſer Ge⸗ legenheit theilte Sir Georg Bowes von Sheatlam, der große Beſitzungen in der Nachbarſchaft hatte, die Guͤter der beiden Inſurgenten Earls(oder Herren) und ſetzte eine Beſatzung nach Barnards Schloß, die er zehn Tage in aller Kraft erhielt, und ſodann in ehrenvollen Ausdruͤcken entließ. Siehe Sadlers Staatspapiere, Vol. II. p. 330. In einer Ballade in Percys Reliquien — 112— alter Dichtung, Vol. I. iſt dieſer Beſatzung alſo erwähnt. Als Sir Georg aufhob den Streit, Macht er hernach alles zu Theil, Die edlen Herrn gingen ruͤckwärts gar weit, Ohne Knecht' ſuchend im Fluchten ihr Heil; Der Baron aus dem Schloſſe floh, Aus Barnard⸗Caſtle er entrann, Die Außenwälle nahm ſpielend er ſo, Was da war, an die Herren kam⸗ Die Außenwaͤlle er ſtuͤrzte und brach; Obgleich er nur ſie nahm allein, Laͤngſt eh er ins innre Bollwerk ſtach Und niederhieb Felſen und Stein. Bei der Unterdruͤckung dieſer Emporung und der folgereichen Vergehung des Earls von Weſtmoreland fiel Barnard Caſtle der Krone anheim, und ward in Lehn dem Earl von Sommerſet, dem ſtrafbaren und un⸗ glůcklichen Liebling James des xſien gegeben. Hernach ward es durch Sir Heinrich Vane den ältern vergroͤßert, und war von da an, aller Wahrſcheinlichkeit nach, vom Parlament „ — beſeſſen, deſſen Vortheile wähend des Buͤr⸗ gerkriegs von den Vanes ſo eifrig und kuͤhn beherzigt wurden. Jetzt iſt es mit andern Beſitzungen dieſes Geſchlechts das Eigenthum des hochgebornen Earls von Darlington. 3 Rache und Furcht allein machen ihm den Ton hoͤrbar. S. 5. Oft habe ich im Leben Gelegenheit ge⸗ funden zu der Bemerkung: daß lebhafte Un⸗ geduld die Organe der Sinne beſſer ſchaͤrft. Meine werthe Freundin Miß Johanna Bail⸗ lie, deren dramatiſche Werke eine in die ge⸗ heimſte Werkſtatt der menſchlichen Leidenſchaf⸗ ten eingeweihte Kenntniß beweiſen, hat die⸗ ſen merkwuͤrdigen Umſtand nicht vergeſſen. De Montfort ſagt zu ſeiner Wache: Es iſt Rezenvelt: ich hoͤrte ſeinen willkommnen Gang. Mit dem erſten Schritt, denr Stiege fuͤr Stiege that. Freb. Wie fein haſt Du denn das ohr, ſo ferne Toͤne zu erſpaͤhn?.. 1. 5H — 114— Ich hoͤrte nichts!— Montfort blickt—— um ſich und Der Federſtutz auf dem Helm neigt ſich uͤber das Geſicht; eine Buͤffel⸗ haut huͤllt in weiten Falten ſeine hohe Geſtalt. S. 6. Der Gebrauch, volle Waffenruͤſtung zu tragen, war waͤhrend des Buͤrgerkriegs ver— nachläſſigt worden und durch tuͤchtige Leder⸗ gewaͤnder erſetzt. Zur Zeit Konig James des aſten— ſagt ein alter Kriegsmann— war der groͤßte Streit uͤber dieſe Artikel der Schutz⸗ waffen, ausgenommen daß dieſe Buͤffelhaut oder Tartane gewoͤhnlich unter dem Harniſch getragen ward, und durch ein ſo tuchtiges Leder S daß kein Schwerthieb durch⸗ ging. eie machte indeß bei manchen Gelegen⸗ heiten bei der leichten Reiterei und dem Fuß⸗ volk die Bewaffnung aus, voͤllige Waffen⸗ 5 ruͤſtung war indeß bei boͤſen Roſſen uͤblich. Buͤffelhaͤute wurden aber fortdauernd von den Nachzuͤglerhorden getragen, und zwar als Unteranzuͤge, zum Andenken jetzt leben⸗ der Perſonen, ſo daß dieſe Vertheidigungs⸗ ruͤſtung ſolcher Geſtalt dafuͤr angeſehn wer⸗ den kann, auf die naͤmliche Art wieder ein⸗ geſtelit zu ſeyn, als angefangen, das iſt die Sitte, ſich in Thierhaͤute zu kleiden. Großes militaͤriſche Antiquitaͤten, London 1801. 2. Theil p. 323. Dieſe Buff⸗Coats, welche unter dem Harniſch getragen wurden, wurden uͤberall beibehalten in Kupferſtichen, und Kapitain Große hat einen geliefert, wie er zu Zeiten Carls des iſten getragen ward von Sir Franeis Rhodes, Bar. von Balbrough⸗Hall in Derbshire. Sie waren mit Seide oder Linnen eingefaßt, zuvor mit Knoͤpfen verſehn, und oft reich mit Gold oder Silberſtickerei verziert. Hier folgt eine ſonderbare Erzaͤhlung von einem Streit, der zwiſhon einem alten Haͤuptling von den ſogenannten Rundkoͤpfen und einem Friedens⸗ richter Statt fand, bei dem die Waffen nach H 2 — 146— der Verbeſſerung niedergelegt werden mußten⸗ Wir ſehn daraus, wie bedeutend dieſe Art Waffen geſchaͤtzt wurde als Vertheidigung. „Es kam— heißt es— eine Reiterabthei⸗ lung in meine Wohnung, unter dem Com⸗ mando von Herrn Peebles, welche meine Waffen ausgeliefert haben wollte. Ich fragte nach ihrer Ordre, ſie ſagten, es ſey eine beßre, als Olivier Cromwell zu geben pflege, und legten die Hand ans Schwert, ſagend: das waͤre ſie. Ich entgegnete, dieſe reiche mir nicht zu, und Hr. Peebles ent⸗ faltete einen Befehl und las ihn. Er war von Wentworth Armitage unterzeichnet und lautete, alle verdaͤchtige Perſonen aufzuſuchen, und ſie in die Gewalt der Soldaten zu geben nach ihrem Gefallen. Sie erſchienen nach Sonnenuntergang bei uns in Coalley⸗Hall, und verlangten Licht, um Peebles in den Waffenſaal zu begleiten. Meine Halle war unweit des Heerdfeuers, und ſie nahmen alle meine Waffen wie folgt: Piſtolen, Muske⸗ ten, Carabiner u. ſ. w., mehr als 20 Pf. werth. Nun fragte mich Herr Peebles nach „— — meinem Buffcoat, und ich ſagte ihm, daß kein Befehl da ſey, ihm meine Kleidung auszuliefern. Er verſetzte: es ſey nicht an mir, ihm ſeine Ordre ſtreitig zu machen; er wollte mich als Gefangner mitnehmen und von meinem Hauſe entfernen, wenn ich es nicht ausliefre. Sie verließen mich aber bis zum naͤchſten Morgen, ließen mir aber auf⸗ lauern durch Sir John und Halifax, und als er kam, drohte er mir und ſagte: wenn ich es nicht einſende, ſo würde es nicht gut werden. Ich blieb dabei: er habe kein Recht zu dieſem Begehr, und er, endlich erzuͤrnt, behandelte mich als einen Emporer und Ver⸗ raͤther, und beſtand darauf: wenn ich es ihm nicht mit allem Zubehör einſende, wuͤrde er mich hinſenden, wo mir es nicht gut ge⸗ fallen ſolle. Ich entgegnete: Kein Rebell ſey ich,, und ihm ſtehe nicht zu, mich ſo zu nennen vor allen Soldaten und Edlen, und ſolchen Beweis von Schande anzuthun. Er verließ das Gemach, aber mit fortge⸗ ſetzten Drohungen, wenn ich nicht gehorchte. Den nachlteh Wag ſchickte er John Lyſter, *— — den Sohn von Hrn. Thomas Lyſter auf Shipden⸗Hall, nach dieſem Gewand, mit einem Schreiben, welches alſo lautete: „Herr Hodgſon, ich bewundre, daß Ihr Euch ſo kindiſch mit mir benehmt, wie Ihr gethan habt, als Ihr mir einen unuͤberlegten Brief ſchriebt. Sendet mir das Gewand, oder Ihr werdet mehr von mir hören, als Euch lieb ſeyn wird.“ Als dieſer Bote kam, war ich nicht zu Hauſe; aber ich hatte mei⸗ ner Frau geboten, es nicht auszuliefern; aber als ſie es ſahen, nahmen ſie es mit Gewalt, und einer von Sir Johns Bruͤdern hat es nachher viele Jahre getragen. Sie ſendeten hernach den Kapitain Batt mit meiner Frau zu unterhandeln, und als ich auf die Zuruͤckgabe beſtand, unterkanden ſie ſich, mir Geld zu bieten. Ich ſagte, es wäre hart, ihnen Waffen und Anzug aus⸗ liefern zu muͤſſen, welches mir viel koſte; ich hoffte, ſie wuͤrden nicht geſonnen ſeyn, mich zu betruͤgen, da ſie mir ungerechter Weiſe mein Gut abnähmen. Er ſagte, er wollte der Sache ein Ende machen unter — 19— uns, fuͤr à Pfund. Ich moͤchte es nicht um 14 Pfund gegeben haben, er bot mir 4 Pfund, und da ich das Geld nicht nehmen wollte, behielt ers ohne alle Schadloshaltung fuͤr mich.(Memoirs von Kapitain Hodgſon. Edinb. 1806, p. 178.) 4. Der Eindruck eines ſengenden Kli⸗ mas u. ſ. w. S. 8. Ich habe verſucht, in Bertram einen der Abentheurer Weſt⸗Indiens zu ſchildern, die im 17ten Jahrhundert unter dem Na⸗ men Buccaniers allgemein bekannt waren. Nie konnten ſie den Erfolg der engliſchen Invaſionen ins ſpaniſche Amerika vergeſſen, die Statt fanden unter der Regierung Eliſa⸗ beths, und nach derſelben fanden Drake und Raleigh Nachahmer in dieſen irrenden Hors den, die, obwohl minder maͤchtig, jedoch mit gleicher Tapferkeit eine Bande Seeraͤuber aus allen Nationen, Franzoſen und Englaͤn⸗ der, ausmachten. Die vergroͤßerungsſuͤchtige * — 126— paltiſer Spanjer trug dazu bei, die Zahl dieſer freien Bruder(oder Abentheurer) zu vermehren, die in der Folge dem Handel der Kolonien großen Schaden thaten. Die Inſeln unter dem Wind, welche die Spanier keiner Beſitznahme werth fanden, waren nach und nach Niederlaſſungen dieſer eng⸗ liſchen und franzoͤſiſchen Abentheurer worden. Aber Friedrich von Toledo, der 1630 mit einer maͤchtigen Flotte auslief gegen die Holländer, erhielt den Auftrag vom Hofe zu Madrid, zuvoͤrderſt dieſe Kolonien zu zer⸗ ſtoͤren, deren Nachbarſchaft Argwohn erregte und den eiferſuͤchtigen Stolz des Madrider Hofes beleidigte. Der ſpaniſche Admiral richtete ſeinen Befehl mit Strenge aus, aber die Folge davon war: daß die durch Verfol⸗ 3 gung aufgebrachten Koloniſten anfingen, un⸗ ter dem bekannten Namen der Buccaniere, ſo entſetzliche Wiedervergeltung zu uͤben, daß man bei dem Bericht derſelben ſchaudert. Wenn ſie auf der See waren, entehrten ſie alle ſpaniſche Schiffe, ohne den Unterſchied der Anzahl zu beherzigen, und ſowohl im X —— Kampf als nach dem Sieg betrugen ſie ſich mehr als Teufel denn als Menſchen. Auch gelang es ihnen, ihren Feinden eine ſo aber⸗ glaͤubiſche Furcht einzufloͤßen, welche ſie zu einem berechneten Wibderſtand unfähig mach⸗ ten. Dieſer Abſchaum der Meere kam bald ſo weit, Einbruͤche ins ſpaniſche Gebiet zu thun, wo ſie dieſelbe Wuth und Unerſchro⸗ ckenheit, denſelben Durſt nach Beute und thieriſche Grauſamkeit gegen die Gefangnen zeigten. Die ungeheuern Schaͤtze, die ſie erwarben bei dieſer dem Zufall Preis gegeb⸗ nen Lebensart, waren eben ſo ſchnell wieder in Ausſchweifungen und Zuͤgelloſigkeiten ver⸗ zehrt, mit denen ſie ſich dem Spiel, dem Trunk und der Wolluſt uͤberließen. Waren ihre Reichthuͤmer voͤllig aufgezehrt, ſo traten ſie aufs neue zuſammen, und liefen auf neue Abentheuer aus. Will der Leſer dieſe Ban⸗ diten von einer außerordentlichen Art naͤher kennen lernen, ſo muß er Raynal oder das Werk: Geſchichte der Burcaniers, befragen. Unſere Geſchwader haben ſich auf der Ebne von Marſton begegnet“ ſ Die entſcheidende Schlacht von Long⸗ Marſton⸗Moor, welche der Sache Karls des rſten ſo nachtheilig war, fing unter den günſtigſten Zeichen fuͤr ihn an. Der Prinz Rupert war mit einem Heer von 20,000 Mann aufgebrochen, York zu entſetzen, wel⸗ ches Sir Thomas Fairfar an der Spitze von Parlementstruppen und der Schaar des Grafen von Leven, der die ſchottiſchen Huͤlfs⸗ volker befehligte, hart bedräͤngte. Dem Prinzen gelang es, die Stadt zu befreien und die Belagerer in die weite Halde von Marſton⸗Moor, acht Meilen von York ent⸗ legen, zuruͤck zu werfen. Die 10,000 Mann „ſtarke Beſatzung vereinigte ſich mit dem Heer des Prinzen. Sir Whitelocke hat mit voll⸗ kommner Unpartheilichkeit die folgenden Er⸗ eigniſſe dieſes beruͤhmten Tages aufbewahrt. Der rechte Fluͤgel der Parlementstruppen . ward durch Sir Thomas Fairfax befehligt, und beſtand aus ſeiner ganzen, mit zwei ſchottiſchen Regimenten verſtaͤrkten Reiterei. Der linke Fluͤgel ſtand unter dem Befehl des Grafen von Mancheſter und Olivier Crom⸗ wells. Lord Fairfax fuͤhrte ein Heer von Fußvolk und zwei ſchottiſche Brigaden als Reſerve. Die uͤbrige Infantrie war dem General Leven uͤbergeben. Der rechte vom Graf von Neweaſtle befehligte Flügel, der linke, den der Prinz ſelbſt anfuͤhrte, das Centrum, von General Goring, Sir Karl Lucas und dem General Porter commandirt, ruͤckte in Schlachtordnung den 3. Juli 1644. vor, und beide Heere auf einander losbre⸗ chend, wurden handgemein. Der Prinz warf ſich mit ſeinem linken Fluͤgel auf den rechten der Parlementstruppen, brachte ſie in Unordnung und zerſtreute ſie. Ein gleiches Gluͤck beguͤnſtigte die Generale Goring, Lu⸗ cas und Porter, aber die koͤniglichen Trup⸗ pen, die im Verfolg der Fluͤchtlinge ſich zu weit in ihrem Eiſer wagten, ſahen bald den Sieg ſich entreißen, den ſie errungen glaub⸗ L . — — 124— ten. Der Obriſt Cromwell mit dem tapfern Regiment ſeiner Landsleute und Sir Thomas Fairfax, der ſeine Escadron wieder zuſammen gezogen hatte, fielen dem rechten Fluͤgel des Prinzen in die Flanke und jagten ihn in die Flucht; warfen ſich dann auf Ruperts und Gorings getrennte Heerhaufen, zerſtreuten ſie gaͤnzlich und blieben, nach dreiſtuͤndiger Schlacht, Meiſter des Schlachtfeldes. Siebentauſend Englaͤnder verloren hier das Leben, wie einige berichten; alle Ge⸗ ſchichtſchreiber aber treffen darinnen uͤberein: daß dem Prinzen Rupert dreitauſend Mann getodet wurden, ohne die, ſo auf der Flucht umkamen; die Inſurgenten machten dreitau⸗ ſend Gefangne, unter denen ſich mehrere Oofſiziere von Rang befanden; ſie nahmen fuͤnf und zwanzig Stuck Geſchuͤtz, ſieben und vierzig Fahnen, zehntauſend Waffen von verſchiedner Gattung, zwei mit Piſtolen und Schwertern beladene Wagen, hundert und dreißig Pulverfaͤſſer und das ganze Gepäck. S. Memoirs von Whitelock. ½ Lord Clarendon berichtet: daß der König, eh er den wahren Bericht der Schlacht em⸗ pfing, durch einen von Opford geſendeten Eilboten benachrichtigt worden war, daß Prinz Rupert nach dem Entſaß von York durchaus ſiegreich geweſen ſey, die Schotten völlig geſchlagen habe. Dieſer Bericht war durch ſo viele einzelne Umſtände beſtätigt, daß man Freudenfeuer wegen dieſes Sieges anzuͤndete. 6. Moncton und Mitton u.ſ. w. S. 22. Moncton und Mitton waren zwei an dem Fluß Ouſe gelegne Dorfer, die nicht weit vom Schlachtfeld lagen. Die beſondern umſtaͤnde dieſer Schlacht wurden zu der Zeit heftig beſtritten; aber folgender Auszug aus einem hiſtoriſchen Manuſeript von dem Frei⸗ herrl. Hauſe von Sommerville, iſt eben ſo entſchieden, als die Flucht des ſchottiſchen Generals des Earl von Leven; dieſe Um⸗ ſtändlichkeiten ſind von dem Autor dieſer Hiſtorie, unter Bevollmaͤchtigung ſeines Va⸗ — 126— ters, des Repräſentanten des Geſchlechts, abgefaßt. Dieſes ſeltne Mannſeript ward ſpaͤter durch Einwilligung meines edlen Freun⸗ des, des jetzigen Lords von Sommerville bekannt gemacht. Die Ordnung dieſer zeoßen Schlacht, wo zwei faſt gleich ſtarke Heere bewaffnet gegen einander ſtanden, beſtand nach beſter Be⸗ rechnung aus 30,000 Mann auf beiden Sei⸗ ten. Ich kanns nicht uͤber mich nehmen, ſie zu beſchreiben, jedoch nach dem Plan uͤber den Platz und der Beſchreibung, die ich von dem Edelmann empfing, nebſt der Freiheit, daß ich mich als Freiwilliger von einem zum andern Fluͤgel des Hers zu begeben Gele⸗ genheit hatte, und alſo alle Escadrons und Bataillons ſehn konnte, wie ſie aufzogen, und auf welche Weiſe ſie die Flucht nahmen, ſowohl das Königliche als Freiwillige Heer, wie ſie zuvor von Station zu Station an einander geriethen, nach ihrer Ordre und Stellung kann ich jedoch die Beſchreibung dieſer Schlacht, mit dem wechſelnden Erfolg auf beiden Seiten, wie die koͤnigl. Armee — verlor, und welch ublen Erfolg dieſes Mis⸗ geſchick fuͤr Sr. Majoſtaͤt Sache hatte, welche ſo oft ſchon von engliſchen Schriftſtellern ge⸗ ſchildert worden iſt, ob ſie gleich nur geringe Huͤlfsmittel dazu hatten, die ich ihnen ge⸗ rechtermaßen jedoch nicht ſtreitig machen kann, der Wahrheit gemaͤß, abſtatten. Und dieſe iſt: daß unſer Oberfeldherr dieſe Nacht 40 Meilen weit vom Schlachtfeld floh, weil dieſer Theil des Heers voͤllig aufgerieben war; ſo viel iſt auch gewiß, daß der groͤßte Theil dieſes Sieges der klugen Leitung des Generallieutnant David Leſſelie von dev Reiterei zuzuſchreiben iſt. Selbſt Cromwell, dieſer Liebling des Gluͤcks, aber die Geiſel Gottes fuͤr die Boͤſen, drei aufruͤhriſche Na⸗ tionen zu beſtrafen, verſchmaͤhte es nicht, ſeine Ordres anzunehmen, obwohl er Anfuͤh⸗ rer der Truppen des Parlements, als Ge⸗ nerallieutnant des Earls von Mancheſters Reiterei war, welche mit Huͤlfe der ſchotti⸗ ſchen Reiter, den rechten Fluͤgel des Prinzen in Unordnung gebracht hat, ſo wie er vor— her die des Parlements war. Die beiden Kommandanten der Reiterei dieſes Fluͤgels hielten weislich ihre groͤßern Abtheilungen von Verfolgung des Feindes ab, aber zur Linken ausfallend, warfen ſie ſich auf das unbedeckte Fußvolk des Prinzen, es mit Hef⸗ tigkeit fortreißend, nirgends fanden ſie großen Widerſtand, bis ſie zu den Bataillonen des Marquis von Neweaſtle kamen, das aus Weißroͤcken beſtand, wo ſie erſt, plotzlich mit ihren Schuͤſſen hervorſtuͤrzend, ſie dann an⸗ griffen und mit ihren Lanzen faßten, bis ſie an ihnen zerbrachen. Die Reiterei des Parlements auf dieſem Huͤgel empfing da⸗ urch den groͤßten Verluſt, und ſtatt des ge⸗ hofften Sieges, zu gleicher Zeit eine voͤllige Niederlage, ohne Widerſtand thun zu koͤnnen. Dieſes tapfre Bataillon beſtand in vier tau⸗ ſend Mann nebſt einem ſchottiſchen Drago⸗ nerregiment, durch den Obriſt Frizeall be⸗ fehligt, mit zwei andern, welche zum Oeff⸗ nen des Wegs gebraucht worden waren und dabei umkamen. Da ſie keinen Pardon nahmen, ſo ſiel jeder Mann in der Schlacht⸗ teihe, wie er gefochten hatte. Als dieſes — 129— ausgefuͤhrt war, kehrte der Prinz auf den rechten Fluͤgel der Reiterei des Parlaments von der Flucht zuruͤck, ſich zu der Schlacht von neuen mit der Hoffnung verfuͤgend, die jedermann theilte, daß er ohne dieſen heftigen Angriff gewiß ſiegreich geweſen waͤre. Er hatte dadurch, daß er zu eifrig im Verfolgen des Feindes anfangs war, Gelegenheit gege⸗ ben, ſein Fußvolk zu zerſtreun und in daſ⸗ ſelbe einzuhauen; das Schlachtfeld war leer worden von allen ſtehenden Abtheilungen zu Fuß, obgleich manche feſten Stand hielten im Feuer, bis ihre Reiterei ſie erreichen konnte, welches, als es der Prinz bemerkte, ihn uͤberzeugte, daß alles verloren ſey, worauf er ſich mit zwei tauſend Roſſen zuruͤck zog. Demungeachtet herrſchte dieſe Nacht im Heer des Parlaments eine ſolche Beſtuͤrzung, daß von mehreren Anweſenden geglaubt ward: daß, wenn der Prinz dieſe Nacht, oder fruͤh bei Zeiten einen Angriff mit der Reiterei gewagt haͤtte, er den Sieg ihnen entriſſen haben wuͤrde. Soviel iſt gewiß, daß er bei Anbruch des Tages ein Heer von 1. 3 — 160— zehn tauſend Mann zuſammenzog, wovon 3000 wohl beritten waren. Dieſe, mit Huͤlfe der Beſatzung von York, thaten viel, den Sieg wieder zu gewinnen, aber das Loos dieſer Schlacht entſchied den Verluſt des königlichen Intereſſes in den drei Koͤnigreichen, denn da Sr. Majeſtaͤt in Norden nicht die Spitze bieten konnten, ging jeden Tag ein feſter Punkt verloren. Als der General Leſſelie zu Anfang der Schlacht, bei der Flucht das Heer faſt ganz zernichtet und ſich ſelbſt darein verwickelt ſah, gab er bei dem Muth des Prinzen, die Schlacht unwiederbringlich verloren, ward auch durch andre in dieſer Meinung beſtaͤtigt, da alles floh. Indeß baten viele Sr. Ex⸗ Lellenz demüthig umzukehren, um ein beßres Gluͤc zu verſuchen, welches er auf vieles Erſuchen auch that, und ſo kehrte er denn zuruͤck, da er die ganze Nacht, in einem Zock von Drap de Berrie(franzoſiſcher Zeug) geritten war, begleitet von mehrern Stabs⸗ offizieren und dem Edelmann, von dem— dieſes habe.. — Es waren an der Zahl zwoͤlfe, die Ta⸗ ges vorher alle gehofft hatten Meiſter des Schlachtfelds zu werden, als bei ihrer An⸗ kunft ſie ein Eilbote ereilte von David Leſ⸗ ſelie, mit der Nachricht, zu dieſem zu ſtoßen, der einen glorreichen Sieg erfochten habe und daß der Prinz mit zerſtreutem Heer bis York entflohn ſey. Dieſer Bericht ward durch einen Edlen uͤberbracht, der von wei⸗ tem Zeuge von der Unordnung des Heers vor deſſen Ruͤckzug geweſen war und den General auf der Flucht begleitet hatte, der, nachdem er dieſen Abend die Ordnung in etwas hergeſtellt und ermuͤdet von dieſen Tag⸗ und Nachtbeſchwerden war, ſich ins Bette gelegt hatte; Als dieſer Baron freudig in ſein Gemach ſtuͤrzte, rief er: Obriſtlieut⸗ nant, was giebts Neues?„Alles iſt gut, aber Ew. Epcellenz habe ich zu melden, daß das Parlementsheer einen großen Sieg da von getragen hat!“ damit gab er ihm das Schreiben. Da ſchlug der General ſich auf die Bruſt und ſagte:„Wollte Gott, ich wäte geſtorben auf dem Platz und eh ich dieſen J2 Brief oͤffne!“ Der Brief enthielt eine um⸗ ſtändliche Beſchreibung des Vorgangs, und die Bitte, unverzuͤglich zum Heer zuruͤck zu kommen. Er that dieſes des folgenden Tags, der Edelmann mußte ihn zuruͤck begleiten mehrere Meilen, worauf er Abſchied von ihm nahm, mit vielen Beweiſen von Güte, und dem Verſprechen, kuͤnftig nicht mehr ſo unmuthig zu ſeyn, und ihn ſtets werth zu halten; er trug ihm auch auf, ihn allen ſeinen Freunden und Bekannten in Schott⸗ land zu einpfehlen. In einem Tage war der General nun bei dem Heer, als darauf die⸗ ſer Edelmann den erſten wahren Bericht von ſeinem, ſechs Tage nachher, erfochtnen Sieg zu Meſtoune⸗Muir in Schottland geben konnte, der ſo glorreich ausgefallen war, daß er in ſeiner gottloſen Prahlerei ſagte: Gott waͤre deutlich und ausgezeichneter Weiſe die Huͤlfe des Volks ſelbſt geweſen, und mit ihm die ganze Zeit des Krieges, ſo daß ſie die Groͤße des Erfolgs der Guͤte und Gerechtigkeit ihrer Sache zuzuſchreiben hät⸗ ten, wobei die goͤttliche Gnade ſie nach — — großen Truͤbſalen getroͤſtet. Man hoͤrte ſie ſagen:* „Moͤge es Gott gefallen, uns ein gluͤck⸗ liches Ende ſo viel erduldeter Beſchwerden zu geben, welche die Heiligen und das Volk Gottes leiden muͤſſen bei ihrem Hierſeyn in der Welt, und die boͤſe Parthei zu beſtrafen fur ihren Undank, ſie aber zuletzt ins Feuer zu werfen.— Und tauſend aͤhnliche Ausdruͤcke und Schrifteitationen wurden gottesläͤſterlich und uͤbertrieben von dieſen boshaften Empoͤrern angefuͤhrt. Ms. Geſchichte der Familie Som⸗ merville. . — Der tapfre Cromwell, hieß es, habe das Gluͤck des Tags mit ſei⸗ ner Reitereientſchieden. S. 22. Cromwell trug an der Spitze ſeiner Ku⸗ raſſire groͤßtentheils zu dem Siege von Mar⸗ ſton⸗Moor bei, der fuͤr die Inſurgenten ein Triumph, fuͤr die Schotten und Presbyte⸗ rianer ein Herzeleid war. Baillie druͤckt ſeine Unzufriedenheit alſo daruͤber aus: „Die Parlementairs oder Freiwilligen ſandten uͤberall Boten hin, um zu beſtäͤtigen, daß ihnen der Sieg des Tages anheim ge⸗ fallen ſey, und daß ſie und ihr General Cromwell dieſen einzig und allein errungen häͤtten.“. Jedoch zeigte der Haͤuptling Stuart ſpaͤ⸗ terhin die Eitelkeit und Nichtigkeit dieſes Berichts. Durch ein Wunder gab Gott ihnen den Sieg. Von beiden Seiten waren drei Generale geblieben: Lesley, Fairfax und Goring. In Zeit von 1 ½ Stunde nahmen dieſe ſechs abwechſelnd die Flucht. Ein un⸗ guͤnſtiges Gefild und der Ungeſtum von Prinz Ruperts Reiterei verurſachten die Unordnung des rechten Fluͤgels. Nur Eglinton wich nie und behauptete ſich, wiewohl mit großem Verluſt. Lindſay lief die groͤßte Gefahr, aber — wiewohl man ihm nicht getraut hatte. Er Mancheſter; Prinz Rupert, Neweaſtle und ihm war der guͤnſtige Anfang zu danken, war es auch, der mit Cromwell und den — 135— Hochlaͤndern die engliſchen Truppen zer⸗ ſtreute.(Briefe und Journale von Baillie.) Edin. 1785. Svo. II. 36. 8. Die Thäͤler meines Geburtslan⸗ des hallen noch wieder von Pereys Todtenſang. S. 23. Dieſe Geſchichte iſt in dem Sange des Minſtrels von Reedwater angefuͤhrt, wo man auch noch andre Eigenheiten vom Thale an der Reed findet. Nach derſelben ſcheints, daß Percival Reed Esquire durch die Halls von Girſonfield, ſeitdem die treuloſen Herzen genannt, verra⸗ then ward, und durch ſie einer Raͤuberhorde ausgeliefert, die ihn zu Battinghope, an der Quelle, wo die Reed entſpringt, erwuͤrg⸗ ten. Nach Perch Reeds Tode waren die Halls in ihrem Canton ſo verhaßt und ver⸗ achtet, daß ſie freiwillig ſich verbannten⸗ Man glaubt, daß des Ermordeten Schatten noch die Ufer des Baches Pringle beſuche. — 16— Das Geſchlecht der Reeds von Troughend war ſehr alt, wie man aus ihren Zunahmen ſchließen kann, der von dem Fluß herkommt, wo ſie wohnen. Ein Epitaphium, welches man noch auf einem ihrer Grabmaͤler leſen kann, beweißt, daß ihnen ihre Beſitzungen ſeit 900 Jahren gehoͤrten. 9. Riſingham. S. 23. Riſingham auf der Reed, bei dem huͤb⸗ ſchen Flecken Woodburne, iſt eine alte Roͤ⸗ merſtation, Habitanoum genannt. Camden ſagt, daß die Sage zu ſeiner Zeit ſie zum Wohnort eines Rieſen machte, und daß man im Fluß zwei roͤmiſche Altaͤre mit der In⸗ ſchrift gefunden habe: Deo magonti Cade- nOrum.. Faſt eine Weile von auf einem mit einzelnen Eichen beſchatteten Fel⸗ ſenvorſprung, findet man in einem breiten Stein gehauen die hohe Geſtalt Robins von Reedsdale oder Riſingham. Als Jaͤger haͤlt er in einer Hand einen Bogen, in der andern einen Haſen. Auf den Schultern hat er den Koͤcher und iſt mit einer Tunika bekleidet, die ihn bis aufs Knie faͤllt und durch einem Guͤrtel befeſtigt iſt. Doctor Horsley, der allenthalben roͤmi⸗ ſche Monumente ſehn wollte, hat behauptet, es ſey die Geſtalt eines roͤmiſchen Schuͤtzen; und man muß gerechter Weiſe freilich be⸗ merken, daß der Bogen, den er kraͤgt, viel groͤßer iſt, als der, deſſen ſich die engliſchen Schuͤtzen bedienten und im Mittelalter ſo geſchickt zu brauchen wußten. Aber die Volks⸗ ſage macht einen Rieſen daraus, der zu Riſingham wohnte und in Woodburne einen Bruder hatte. Beide lebten von der Jagd; als dem von Woodburne das Wild zu ſelten ward, vergiftete er den Jaͤger von Riſingham, dem darauf dieſes Denkmal geſetzt ward. Es iſt ſchwer zu errathen, ob in der That ein tragiſches Ereigniß bei dieſer Sage zum Grunde liegt, oder ob ſie blos erdichtet iſt. Der Name Robin von Reedsdale ward dem umfravilles, Lords von Prudhow und her⸗ — 135— nach einem von Hilliard ertheilt, einem Freund des koͤnigl. Repräſentanten Earl von Warwick. Er befehligte die Truppen von Northamptonſhire und Nordland gegen Earl Rivers, Vater Eduard des IV. Gemahlin und ſeinen Sohn Sir John Woodville. Siehe Hollinshed zum Jahre 1469. 10. Die Geſetze der Flibuſtier. S. 24. Dieſe waren billiger, als man es von dieſem wilden Verein wohl erwarten konnte. Ihr einziger Gegenſtand war, wie man leicht denken kann, die Vertheilung der Beute. Wenn eine Expedition ausgefuͤhrt war, ward alles Geld zuſammen gethan, und jeder Pirat ſchwor, nichts verborgen zu ha⸗ ben. Ward einer eidbruͤchig, ſo maronirte man ihn, das heißt, man ſetzte ihn aus auf eine wuͤſte Inſel. Der Schiffseigenthuͤmer bekam zuerſt was ihm fuͤr Bewaffnung des Fahrzeugs angewieſen war. Gewoͤhnlich wa⸗ ren dieſes alte, in Tabago, Jamaika, St. — Domingo oder ſonſt wo zuruͤckgezogne Kor⸗ ſaren. Man bezahlte den Wundarzt und den Zimmermann, dann die, ſo Vorraͤthe geliefert hatten. Alsdann kamen die Schad⸗ loshaltungen der Verwundeten und Kruͤppel, nach dem Grad ihrer Verletzungen. Etwan ſechshundert Silberlinge oder ſechs Selaven fuͤr den Verluſt eines Arms oder Beins! Nach dieſen Handlungen der Billigkeit und Menſchlichkeit, ward das Uebrige der Beute in ſoviel gleiche Theile gebracht, als Buccaniere waren. Der Haͤuptling durfte nichts mehr verlangen, als ein andrer, aber man bot ihm einige Geſchenke an, je nach⸗ dem er ſich nach dem Gefallen ſeiner Leute betragen hatte. Wenn das Schiff kein Ei⸗ genthum der Geſellſchaft war, hatte der, ſo es gefuͤhrt hatte, Recht zum dritten Theil der Beute. Bei dieſer Theilung ging es auf keine Weiſe nach Gunſt, ſondern ſie gründete ſich auf die vollkommenſte Gleichheit. Nur ſelten findet man Beiſpiele einer ſtren⸗ gern Gerechtigkeit, welche ſie ſogar bis auf die Todten erſtreckten. Ihr Theil ward — denen gegeben, die, ſo lange ſie lebten, am beſten Freund mit ihnen waren, und man hielt dieſe fuͤr die naͤchſten Erben; wenn der Verſtorbne aber keinen etzensireund gehabt hatte, ſo ſchickte man ſeinen Antheil den Blutsverwandten, wenn man ſie kannte. Hatte er weder dieſe noch Freunde, gab man es den Armen und den Kirchen, unter der Bedingung: fuͤr den zu beten, von deſſen unmenſchlichen Raͤubereien ſie die Swß. er⸗ hielten. (Siehe Raynals philoſophiſche Geſchichte der Niederlaſſungen der Europaͤer in Amerika.) S * — — — v— 3 „ 8 — S 3 ur Anmerkungen z ur Zweiten Dichtung⸗ 1. Der Lauf des Tees. S. 39. De Ausſicht von Barnard⸗Caſtle beherrſcht das reiche und heimathliche Thal des Tees. Die nächſten Uferbaͤnke ſind von Waldung tief beſchattet; ein wenig weiter entfernt, ſind ſie frei, offner und angebaut, oder hier und da mit Geſtraͤuch und einzelnſtehenden alterthuͤmlichen Baͤumen unterbrochen, wel⸗ ches die Anſicht dieſer waldigen Gegend ſehr erhebt. Der Fluß ſtuͤrzt ſich in eine ungeheure Kluft von feſten Geſtein, vorzuͤg⸗ — 144— lich von Granit und Marmor. Die ſchoͤnſte Ausſicht des romantiſchen Laufs des Fluſſes iſt von einer artig im neuen Geſchmack erbauten Bruͤcke uͤber den Tees, durch den letzten Sir Morrit von Rokeby erbaut. Zu Lelands Zeiten wurden die Quaderſtuͤcke für Marmor angeſehn. Dicht unter der Kluft von Egliſton iſt auf jeder Seite des Tees ſehr ſchoͤner Marmor gefunden worden, welcher zum Verkauf von den M armorbrechern von Bar⸗ nard⸗Caſtle und Egliſton wechſelſeitig ge⸗ brochen ward.(Itinary, Opford, 1768. 8. p. 88.) „ esliſons e Truͤmmer. S. 41. Die Ruinen dieſer Abtei oder Priorei liegen ſehr ſchoͤn uͤber einem Winkel wie ein Dreieck, und bilden eri ihre Fuͤ⸗ gung ein kleines Thal, Thorsgill genannt. Ein Theil dieſes frommen Hauſes iſt noch jetzt ſtufenweiſe bewohnbar, aber die Kirche liegt in Ruinen. Egliſton war der heil. Jungfrau und Johannes dem Taͤufer geweiht, und man nimmt an, ſie ſey von Ralph von Multon zu Ende der Regierung Heinrich des Zweiten gegruͤndet. Hier waren ehedem die Graͤber der Familien von Rokeby, Bowes und Fitzhughs. 4. — Dieſe lange Zeit berühmten Le⸗ gionen. S. 43, Der George⸗Inn zu Greta⸗Bridge iſt ein noch gut erhaltner römiſcher Lagerplatz mit dreifachen Graͤben umzogen, und liegt zwiſchen den Ufttn der Greta und einem Bruch, Tutta genannt. Seine vier Ein⸗ gaͤnge laſſen ſich leicht unterſcheiden. Meh⸗ rere roͤmiſche Altaͤre und Monumente ſind in der Nachbarſchaft und mehrere zu Rokeby von meinem Freund Sir Morrit auſgefunden wotden. Unter andern iſt ein kleiner Votiv⸗ altar mit der Inſchrift: Leg. VI. vic. P. F. F. welches man uͤberſetzt hat: Legio. Sexta. Victriz. Pia. Fortis. Fidelis. I. K b 33 5 4. — Die»ote 2hunme„nNe keby. S. 444 Dirſes aiteuhhmiche Säude gab langr Zeit einem Geſchlecht den Ramen, von dem es heißt, daß es ſeit dem zwölften Jahrhun⸗ dert im Beſitzſtand geblieben ſey und ſich zu verſchiedenen Zeiten in der Geſchichte ausge⸗ zeichnet habe. Es war ein Edler von Ro⸗ keby, der die Empoͤrung des Earl von Northumberland unter Heinrich dem Wten beendete, pon dem Hollinſhed folgendes be⸗ richtet; „Der König, von dem Aufſtand— nachichtigt, brachte ein großes Heer zuſam⸗ men und ging ſeinem Feind entgegen. Als er nun nach Nottingham kam, ſammelte Sir Thomas, nach andern Sir Rafe Rokeby, Sheriff von Yorksſhire die Streitkraͤfte der Gegend, der Macht des Earl Wiberſtund zu leiſten. Als er nach Grimbautbrigs, ſeit⸗ waͤrts Knaresborvugh kam, ſchnitt er ihm den Weg ab; dieſer wandte ſich aber zur — 147— Seite, ging nach Weatherbie, von da nach Tadcaſter und drang endlich bis Bramham Moor, bei Haizlewood, vor, wo ſie auf ein⸗ ander ſtießen und es zur Schlacht kam. Der Sheriff war eben ſo bereit ſie zu liefern, als der Earl ſie anzunehmen, und ſo mit St. Georgs entfalteten Banner ging er ſtolz auf ihn los, der unter ſeinem eigenen den Angriff ſeiner Feinde mit großer Standhaf⸗ tigkeit erwartete. Ein hartes Zuſammen⸗ treffen erfolgte zwiſchen beiden Partheien, endlich fiel dem Sheriff der Sieg zu. Lord Bardolfe ward gefangen, und war ſo ge⸗ fährlich verwundet, daß er kurz darauf an ſeinen Wunden ſtarb. Der Earl wat inz⸗ llich geſchlagen, ſo daß jetzt die Pr he⸗ zeihung in Erfuͤllung ging, die eine dunkle 8 urkunde von dieſem ungluͤck lange S naͤmlich:„ 0. Stürps Persitina periet vonfush ia. 1 Der Earl ward wegen dieſer Hauptnie⸗ derlage von allen, die ihn allein Helaſſen hatten, mit dem Namen des Hartnächigen belegt und auf mancheylei Weiſe boi des K2 Gelagen verſpottet. Das Volk war nicht wenig uͤber dieſes Ungluͤck betruͤbt, und beſchimpfte die Tapferkeit, den guten Namen und die Ehre dieſes Ehrenmannes, gewiſſe klägliche Verſe des Lucan auf ihn nwen⸗ dend: Sed nos nec sanguis, nec tantum vulnera nostri Aflecere senis: quantum gestata Per urbem Ora ducis, quas transfixo deformia pilo Vidimus. Waos ſein ſilbergraues Haupt betraf, ſo ward es aufgeſpießt und nach London ge⸗ ſchickt, wo es auf der Bruͤcke dieſer Stadt auf dem Pfahl geſteckt ward, eben ſo das Haupt des Lord Bardolfes.—(Hollinſhed Chronieles. London. 1808. 4. vol. III. 45.) Das Geſchlecht Rokeby oder Rokesby ward fernerhin im großen buͤrgerlichen Krieg ansgezeichnet, und als es die Parthei Carls des rſten ergriffen hatte, mußte es am Ende vielerlei durch Einziehung ſeiner Beſitzungen leiden⸗ Dieſe gingen auf das Geſchlecht der — — Robinſons uͤber, von denen es durch den Vater meines geehrten Freundes, des jetzigen Beſitzers, erkauft ward⸗ 5. — Fuͤr den Minſtrel mit Reizen erfuͤllt. S. 45. Ich habe verſucht, das Thal, oder viel⸗ mehr die romantiſchen Gruͤnde von Mortham zu beſchreiben, in denen die Greta zwiſchen Rokeby und Mortham einen Durchgang fin⸗ det. Erſteres liegt am linken Ufer des Fluſſes, letzteres an der rechten Seite deſſelben, faſt eine halbe Meile naͤher an ſeinem Zuſam⸗ mentreffen mit dem Tees. Der Strom fließt mit großer Schnelligkeit in einem Bette von hartem Geſtein, uͤber mehrere Abhaͤnge mit großen Ungeſtuͤm und Heftigkeit herab⸗ ſturzend, ſeiner Benennung gemaͤß, welche ihm die Gothen beilegten, Gridan, der Toſende. Die Geſtade ſind von gleich wilden als roman⸗ tiſchen Charakter, und beſtehn aus hohen grauen Felsgekluͤft, deſſen Farbe wunderbar mit dem herrlichen Gruͤn der Bäume abſticht, die aus ihren Spalten gewachſen ſind, ſo wie mit dem Gewinde von Epheu, welches im Uebermaß in langen ſchwankenden Zweigen uͤber ſie herniederhaͤngt: Eine andre Stelle dieſer Felſen beſteht aus Erdabhaͤngen, wo große Bäume mit kleinerm Gebuͤſch unter⸗ mengt ſind. Auf einer Seite bildet dieſes merkwuͤrdige Thal eine dunkle Grotte von Eibenbaͤumen, hier und da mit alterthuͤm⸗ lichen Fichten von ungewoͤhnlicher Größe und Art vermiſcht. Dieſem finſtern Dickicht ge⸗ genuͤber liegt das offne, mit Fruchtbaͤumen und allerlei Gewaͤchs beſetzte Thal der Greta. Der Anblick dieſer Gegend iſt ganz zu aber⸗ gläͤubiſchen Vorſtellungen geeignet, daher es die Benennung Blvekula, oder der Ort, wo die ſchwediſchen Hexen ihren Sabbath hielten, bekam. Auch hat ubrigens dieſer Grund ſeinen eigenthuͤmlichen Aberglauben, denn man glaubt ihn von einem Geſpenſt beſucht, welches man den Dobie von Mortham nennt. Zu dem Ende erzaͤhlt man: daß eine Lady in dieſem Walde ermordet worden 3 — 151— ſey, und zeigt noch zum Beweiß Spuren von ihrem Blut auf den Stiegen der alten Thurmveſte von Mottham. Entweder ward ſie durch ihren eiferſuͤchtigen Gemahl, oder einen wilden Raͤuber, oder auch durch ihren Oheim umgebracht, der ihre Guͤter haben wollte, ja vielleicht auch durch einen ver⸗ ſchmaͤhten Liebhaber, Dinge, uͤber welche die Traditionen von Rokeby nicht zu entſcheiden im Stande ſind. 6. Winde, die an Lapplands Strand wehn.— S. 49. Ich will kurzlich darthun, wie groß die Gewalt der Beſchwoͤrungen und der Zauberei uͤber die Elemente ſeyn konnte, ſo daß ſie aus ihrer natürlichen Ordnung weichen muß⸗ ten: Fuͤrs erſte gelang es denen an der Grenze von Finnland und Lappland befind⸗ lichen Zauberern, die Ordnung der Ratur, durch ihre zu der Zeit kraͤftigen Hexenkuͤnſte, umzukehren, und es ſchien, als ob ſie bei dem Zoroaſter in Perſien ſelbſt in die Schule gegangen waͤren; die andern Bewohner der Seekuͤſte wurden durch vollkommne Seeſtille, welche ſie verurſachten, auf derſelben zuruck⸗ gehalten, und mußten ſich die guͤnſtigen Winde kaufen. Dieſe Teufelskuͤnſte erregten Bewunderung vor allen uͤbrigen in der Welt, und waren gleich andern Schwarzkuͤnſten all⸗ gemein beliebt. Die Finnlaͤnder waren vor⸗ zuͤglich unter andern heidniſchen Irrthuͤmern beruͤhmt, den auf ihre Kuͤſte verſchlagnen Seeleuten die Winde vorzuenthalten, wenn ſie aber den verlangten Preis erhielten, ſo knuͤpften ſie drei Zauberknoten, nicht ähnlich den Geſetzen des Caſſius, banden dieſe in den Strick und gaben ihn den Handelsleuten, die ſich deſſen ſo bedienten, daß, wenn ſie den erſten Knoten aufknuͤpften, ſie einen an⸗ genehmen Weſt, bei dem zweiten ſtaͤrkern Wind, und wenn ſie den dritten loͤſten, einen Sturm haben wuͤrden, der ſo heftig ſeyn werde, daß ſie nicht im Stande ſeyn ſollten, ein Vorgebirg mit Vermeidung der Felſen zu erreichen, noch einen Fuß zu bewegen, um — die Segel einzuziehn, noch ans Steuer zu 8 treten, um das Schiff zu regieren, daher ſie ſich huͤten mochten, dieſen aufzuknuͤpfen. Diejenigen, welche nun nicht an die Gewalt dieſer Knoten glaubten, machten eine widrige Erfahrung davon.(Olaus Magnus Geſchichte der Gothen, Schweden und Wenden. London, 1658. Fol. p. 47.) Das Pfeifchen, welches den Stuͤr⸗ men gebeut. S. 49. Das iſt ein allgemeiner Aberglaube, von allen denen anerkannt, die je am BVord eines Schiffes geweſen ſind, oder mit See⸗ 1 leuten umgingen. Der ſchrecklichſte Pfeifer, dem ich mich erinnre begegnet zu haben, iſt die Erſcheinung einer gewiſſen Misſtrel Leakey, die 1636, wie erzählt ward, zu Nynehead in Sommerſet wohnte, wo ihr einziger Sohn zwiſchen dieſem Hafen und Waterford bedeutenden Handel trieb, und mehrere eigne Schiffe beſaß. Dieſe alte Ebeldame war von geſelliger Art, und ſo angeſehn bei ihren Freunden, daß ſie die Gewohnheit hatten, zu ihr und zu andern zu ſagen: es ſey Schade, daß ſie ſterblich ſei, da ſie von ſo guter Gemüthsart wäre; darauf antwortete ſie aber ſtets: daß, ſo angenehm ſie auch jetzt ihren Umgang finden moͤchten, derſelbe wohl nicht nach ihrem Ableben fuͤr ſo gut gehalten werden wuͤrde, ob er gleich unvermeidlich ſey. In der That erſchien ſie, nach ihrem Ableben, mehreren Perſonen bei Tage und bei Nacht, in ihrem eignen Hauſe, in der Stadt, auf den Fel⸗ dern, der See und dem Ufer. Aber von ihrer vorigen Guͤtigkeit hatte ſie dermaßen abgelaſſen, daß ſie einem Arzt, der ihr bei Lebzeiten den Arm nicht gereicht hatte, um uͤber einen Steg zu kommen, einen Fuß⸗ tritt gab. Sie hatte die Eigenheit, ſich auf dem Quai zu zeigen und nach einem Boot zu rufen. Aber vorzuͤglich wenn ein Schiff von ihrem Sohne ankern wollte, geſiel es ihr, in ihrer ganzen Geſtalt und Aehnlichkeit zu erſcheinen, und wenn die Stille noch ſo groß war, einen grauſenhaften Sturm zu erregen, daß alles brechen, reißen und Schiff und Gut zu Grunde gehn mußte. Als ſie nun ſo lange damit fortgefahren, bis ihr Sohn keinen Credit mehr hatte, ein Schiff auszuruͤſten und keine Leute dar⸗ auf bekam, es zu fuͤhren, ſo begann ſie ihre Verwandten anzugreifen und erwuͤrgte das Kind in der Wiege. Die Folge der Geſchichte erzaͤhlt, wie das Geſpenſt ſeiner Schwieger⸗ tochter uͤber die Achſel guckte, als ſie ſich das Haar vor dem Spiegel zurecht machte. Als dieſe den Muth hatte, ſie anzureden, ſo ſendete ſie die Alte zu einem irlaͤndiſchen Biſchof, der durch ſeine Laſter und Unthaten beruͤhmt war, ihm zur Buße zu ermahnen, wenn er nicht gehangen ſeyn wollte, und worauf ihr derſelbe zur Antwort gab: Wenn er gehangen werden ſollte, ſo wuͤrde er nicht erſaͤuft werden!... Alles dieſes, mit meh⸗ rerer Umſtaͤndlichkeit, berichtet John Dunton am Ende ſeiner Bekanntmachungen, Athe⸗ nianismen genannt. London, 1710. Auch iſt dieſe Erzaͤhlung vergroͤßert unter dem Titel: ueber die Wierklichkeit der nungen. 8. Auf Erichs Muͤtze und Elmo'sLicht. .„Dieſer Erich, Koͤnig von Schweden, ward zu ſeiner Zeit als der Groͤßte in der Zauberkunſt gehalten. Er war ſo vertraut mit den boͤſen Geiſtern, die er ausgezeichnet verehrte, daß der Wind ſich allemal dahin wendete, wo er ſeine Muͤtze hinkehrte. Des⸗ halb nannte man ihn den Koͤnig der Winde. Man hält dafuͤr, daß Regnerus, Koͤnig von Daͤnnemark, ſein Oheim, aus dieſer Urſach ſo gluͤcklich in der Seeraͤuberei geweſen ſey, die er an die fernſten Orte der Welt hiner⸗ ſtreckte, manche Gegenden eroberte, Staͤdte einnahm und ſich zu ihrem Verweſer auf⸗ warf, ſo daß er mit Einwilligung der Edlen zum Koͤnig von Schweden erwaͤhlt ward, welches er gluͤcklich bis ins hohe Alter re⸗ gierte. Man nannte ihn auch die Wind⸗ muͤtze.“ Olaus ut supra, p. 46. — 157— Das Schiffsgeſpenſt S 49. Hier iſt die Rede von einem wohlbekanu⸗ ten ſeemaͤnniſchen Aberglauben, ein phanta⸗ ſtiſches Schiff betreffend, von den Schiffern der irrende Hollaͤnder genannt, welches, wie man ſagt, auf dem Geſtade des Vorge⸗ birgs der guten Hoffnung erſcheint. Dieſes Schiff ſpannt alle Segel, wenn kein aniés ein einziges aufzuſtecken wagt, und zeichnet ſich dadurch vor ihnen aus. Die urſach der Wanderung deſſelben iſt nicht gerade zuver⸗ laͤſſig, allein der allgemeine Bericht geht da⸗ hin, daß es von ſeinem Urſprung an ein reich mit Guͤtern beladnes Schiff geweſen ſey, an deſſen Bord entſetzliche Molde und Seeräubereien begangen worden wären. Die Peſt ſey unter dieſen Verbrechern ausgebro⸗ chen, und ſie waͤren vergebens von Port zu Port geſegelt, zum Preis ihrer Aufnahme ihre ganze reiche Ladung anbietend, man e habe ſie von jedem Hafen aus Fuucht vor Anſteckung verbannt, und dieſes waͤre die Strafe ihrer Verbrechen. Dieſe Erſcheinung findet in den Gewäſſern Statt, wo dieſe Cataſtrophe geſchah, und wird von den See⸗ leuten als das allerſchlimmſte Zeichen geachtet. Mein verſtorbner Freund, der Doctor John Leyden, hat dieſes Phaͤnomen in ſeinen„Sce⸗ nen der Kindheit“ geſchildert, allein mit poe⸗ tiſcher Freiheit angenommen, daß dieſes ſchreck⸗ liche Gericht des Hoͤchſten das erſte Schiff be⸗ t ffen habe, welches den Belnvenhandel anfing. Das Schiff lief aus von Venins uferpalmen, Das erſte, das getaͤuſchte Sclaven traͤgt, Bedeckt mit Blut, der Sonne Zitterſtrahlen, Den Putpurſchein auf die Gewaͤſſer legt, Doch eh der Mond die Silberhoͤrner kruͤmmet, Bricht Fleckenpeſt aus in des Schiffes Raum; 8 Verzweiflungsvoll in ihrem feuchten Sarge Begehren ſie ein freundlich ufer kaum, So ſßt von Port zu— zurück man dieſe Kranken— un lungſum unnñ das Ruder weiter ſchwankt; Wo ninner vebet Bucht, noch Seegetös' zu finden, S ſöleichn ſie dahin wo gruͤnes S 3 rankt— — Der Maſt, wie man erzaͤhlt, gleich blätterloſem Stämme, Sie regungslos verſetzt auf wellenfreies Meer, Wo nimmer uentne ſiegt am. ſchdnẽn Sommertage, Schneekonig Fi igel ſchwingt, am Winter froh daher. Feſtſtehend als ein Fels in grenzenloſer Flache, Spuͤlt uur ein gelber Strom ihm um das Erſcheint die Nacte da Leichenfackeln glan⸗ zen— Und rothes Licht entflammt den Holzſtoß hie. Wenn ſich das Rad des Weltenſchickſals kreiſet, Steigt aus der Tief' empor ſein vuhlos Ziehn, Entfeſſelt Sturm, die finſtern Schiffer leiten, Das Schiff entgegen alles Wetters Muͤh'ns Das Teufelsſchiff im feuchten Iswiſchſchimmer, Glaͤnzt klaglich her aus ſchanderhafter Nacht— werſncht von Gott und Menſchen!— inöcht es enden, Im Schtetlensuuspruch; wenn der Sturm erwacht! 10. Nb — Bei jeder wüſten In ſel.— S. 5o. Was hauptſaͤchlich zu der Sicherheit der Freibeuter beitrug, war bei den Eilaͤndern unter dem Wind die große Anzahl kleiner Inſeln, in dieſer Gegend Keys genannt. Es ſind ſchmale, ſandige Haſen, die kaum auf der Oberflaͤche des Oceans erſcheinen; ſie ſind mit Geſtrupp und Holz bedeckt, man trifft aber auch daſelbſt haufige Quellen von ſüßem Waſſer an, auch ſind ſie haͤnfig von Turteltauben beſucht. Dieſe kleinen unbe⸗ wohnten Flächen dienten den Piraten zu guten Buchten zum Hinterhalt, oder um ihre Beute zu verbergen, auch machten ſie ihre eignen Haͤndel daſelbſt aus. Die meiſten Abſcheulichkeiten, die ſie an ihren Gefangnen veruͤbten, wurden an dieſen Orten begangen, mehrere derſelben ſind noch deshalb bei den Seefahrern beruͤchtigt, und viele würden nicht leicht darein willigen, da zu uͤbernachten, da ſie ſich ſtets der Schreckensſagen erinnern wuͤrden, die ſich von Zeit zu Zeit fortge⸗ pflanzt haben. 5 197 — 161— 11. Mortham's Schloß. S. 54. Das Schloß Mortham, von dem Le⸗ land ſagt: Sir Rokebys Veſte in ripa citer, liegt eine Viertelmeile von Greta⸗ bridde und dem Tees, iſt eine maleriſche Veſte, mit Bildhauerei aller Ant geſchmuͤckt, jetzt aber umgewandelt in eine Paͤchterwoh⸗ nung und Wirthſchaft. Die Gebaͤude des Schloſſes ſelbſt waren von wundervoller Zier⸗ lichkeit, der Baumeiſter hatte ſie durch regel⸗ maͤßige Zwiſchenraͤume in der Erhoͤhung un⸗ terbrochen, und dieſe liefen mit den Winkeln in einem achteckigen Thurm zuſammen. Von Spanne zu Spanne waren ausgehaune Steine wie in modiſcher Einfaſſung daſelbſt zu ſehn, und das Ganze machte eine ungewoͤhnlich ſchoͤne Wirkung. Das oberwaͤrts angebrachte Schnitzwerk war von minder gluͤcklicher Ge⸗ ſtaltung, in der Hoͤhe ſpitzig und mit ab⸗ haͤngenden Dach. Ein hoch umgebner Wall umſchloß die innre Fronte, waͤhrend ein . L * — 462— niedres Portal den Eingangsbogen des Schloß⸗ hofes bildete. In einiger Entfernung, zwi⸗ ſchen den Staͤmmen zweier herrlichen Umen, ſteht das Denkmal gluͤcklich angebracht, auf welches im Text die Anſpielung ſteht. Es hieß, es ſey von den Steinen der Abtei Egliſtone gebrochen, und die Ruͤſtungen, mit denen es reichlich ausgeſchmuͤckt iſt, ſchienen ein Grab von Fitz Hughs geweſen zu ſeyn. Die Lage von Mortham iſt von außer⸗ ordentlicher Schoͤnheit, ſie nimmt das hohe Geſtade ein an der Bucht, zu der ſich die Greta aus der Finſterniß hervor windet, und welche das romantiſche Thal bildet, das zu beſchrei⸗ ben der Teyt verſucht hat; weiter hin eilt ſie durch offnere Gruͤnde dem Tees entgegen⸗ etwa eine Viertelmeile vom Schloß. Mor⸗ tham iſt mit alten Baͤumen umringt, mit Sir Morrits neuer Anpflanzung gluͤcklich und weit gruppirt. — 10— 12. — Gebiete dem blutigen Schatten ſ S 3 Wenn die Zeit den Freibeutern nicht er⸗ laubte ihre Beute zu den Hertern ihrer lie⸗ derlichen Gelage zu bringen, ſo hatten ſie den Gebrauch, ſie mit vielen aberglaͤubiſchen Ceremonien in die wuͤſten Eilande oder Inſeln zu verſtecken, die ſie beſuchten, und wenn die Schaͤtze von ihren Beſitzern, die ge⸗ woͤhnlich umkamen, nicht gehoben wurden, ſo nahmen ſie an, daß ſelbige verborgen blieben. Die grauſamſten aller Gebraͤuche des Aberglaubens waren die, ſo ſie dabei beobachteten, und man ſagt: dieſe Piraten wendeten einen entſetzlichen Ritus an, um einen unterirdiſchen Waͤchter zum Huͤter ihrer Schaͤtze zu beſtellen. Sie todeten einen Neger oder einen Spanier, und begruben ihn mit den Schaͤtzen, weil ſie glaubten, dieſer Geiſt bleibe bei ihnen, und ſchrecke alle, die ihn entfuͤhren wollten. Ich kann keine andre Bekraͤftigung anfuͤhren, welche dieſe L 2 — 31— Gewohnheit behauptet, als die Sage der Seeleute, dieſe ſcheint mir aber ruckſichtlich einer Dichtung hinreichend zu ſeyn. 13. Jene Zauberkraft im Herzen des Verbrechers.— S. 58. Alle, welche einige Kenntniß von dem Verfahren der Criminaljuſtiz haben, muͤſſen ſich mehrerer Fälle erinnern, wo die Uebel⸗ thäter ſich mit einer Art unwillkuͤhrlicher Verblendung zu betragen ſcheinen. Einige machen unnothige Vertraulichkeiten uͤber ihr Vergehen, andre berufen ſich durch ploͤtzliche Anſpielungen auf Umſtände, die ſie unab⸗ nderlich zu demſelben brachten. Ein ſolcher bemerkenswerther Umſtand fand bei dem be⸗ rüͤhmten Eugen Aram ſtatt. Ein Skelet ward nahe bei Knaresborough aufgefunden, bei dem die Perſonen, die um dieſen Ort verſammelt waren, glaubten, es muͤßte der Ueberreſt eines Clarke ſeyhn, der 3— — 465— einige Jahre zuvor, und zwar unter Um⸗ ſtaͤnden, abhanden gekommen war, die es wahrſcheinlich machten, daß er ermordet ſey. Ein Hausbeſitzer, der ſich unter die Menge gemiſcht hatte, ſagte auf einmal, als er nach dem Skelet ſah und rings umher die allge⸗ meine Behauptung vernahm:„Das ſind eben ſo wenig Dan Clarkes Knochen, als es die meinigen ſind!“ Ein ſo beſtimmt ausge⸗ ſprochnes Gefühl, welches uͤberdies ſo ſon⸗ derbar war, mußte ſchlechterdings auf den Gedanken bringen, daß er es wiſſe: wem dieſe unbegrabnen Gebeine gehoͤrten. Da man ſich nun ſeiner bemaͤchtigte, geſtand er: Er habe dem Eugen Aram geholfen, Clarken zu ermorden, und ſeinen Koͤrper in der Sankt Robertshoͤhle zu verbergen. Es begeg⸗ nete dem Verfaſſer Jelbſt mit einer, eines Verbrechens angeklagten Perſon zu reden, um ſie daruͤber zu vernehmen, und daß ſie, nachdem ſie ſich mit den groͤßten Betheue⸗ rungen fuͤr ſchuldlos erklaͤrt hatte, ploͤtzlich und gleichſam unwillkuͤhrlich das Sſisi des Vriſechen⸗ that. —— 14. Thurm von Brakenbury. S. 67. Dieſes Thurmes iſt bereits ſchon Er⸗ waͤhnung geſchehn, er liegt am nordweſtlichen Ende des Walles, der Barnard⸗Caſtle ein⸗ ſchließt, und er wird allgemein fuͤr das Ge⸗ fängniß ausgegeben. Durch ſondeebares Zu⸗ ſammentreffen traͤgt er den Namen, der mit Einkerkerung zuſammenhaͤngt, naͤmlich den des Sir Robert Brakenbury, Lieutnant des Towers von London unter Eduard den W. und Richard III.. Man leitet uͤbrigens denſelben auch von dieſem Geſchlecht her, da Sir Robert Brakenbury nicht weit von Bar⸗ nard⸗Caſtle anſehnliche Beſitzungen hatte. * Edle und Freie. S. 70. Nach der Schlacht von Marſton⸗Moor verbannte ſich der Earl von Neweaſtle uͤbers Meer, und ſeine meiſten Anhaͤnger legten die Waffen nieder, und machten, ſo gut ſie — 165— konnten, ihre Ausſohnung mit dem Parle⸗ ment feſt. Strafen, nach Maßgabe ihres Vermogens und ihrer Beſitzthuͤmer, wurden ihnen zu⸗ getheilt, auch ſielen dabei genug Ungerech⸗ tigkeiten vor. So geſchah es auch, daß mehrere Eble Verbindungen ſuchten mit den angeſehenſten Geſchlechtern der parlementariſchen Faktion. Die ganze, ſehr vorzuͤgliche Komedie von Sir Robert Howards dreht ſich um die Hin⸗ terliſt, die Sir Day und ſeine Frau anwen⸗ deten, ihre Familie zu bereichern, indem ſie Arabellen, deren Guͤter unter Sequeſter ſind⸗ veranlaſſen, ihren Sohn Abel zu heirathen; dieſe Verbindung war ihr naͤmlich als Aus⸗ ſöhnung mit dem Parlemente und als Beweiß ihrer jetzigen Ergebenheit an die Sache des Koͤnigs vorgeſchlagen worden. 6* 5 Anmerkungen zur Dri tten g % Anmerkungen zur Drirten Dichtung.⸗ — — Der Indianer begierig auf Raub. S. 72. De Geduld, Enthaltſamkeit, Erfindungs⸗ kraft, welche die Nordamerikaner in Verfol⸗ gung ihres Raubes oder ihrer Beute be⸗ weiſen, iſt der allervorzuͤglichſte Zug ihres Charakters, und die Thaͤtigkeit und Ge⸗ ſchicklichkeit, mit der ſie ſich in ihrem Verſteck beweiſen, eben ſo erſtaunlich. Adair, deſſen ſonderbare Hypotheſen und ſchwuͤlſtiger Styl der Richtigkeit ſeiner Anekdoten keinen Ein⸗ — 172— trag thun kann, berichtet einen faſt unglaub⸗ lichen Umſtand. Als die Nation der Chickaſah in einen volligen Krieg mit den Muskohges verwickelt war, machte ſich einer der allerjuͤngſten Krie⸗ ger auf, um das Blut ſeiner naͤchſten Ver⸗ wandten zu raͤchen. Er ging durch das dich⸗ teſte, finſterſte Dickigt, und gelangte, nachdem er dieſes gefaͤhrliche Unternehmen beſtanden hatte, auf die entgegengeſetzte Seite zu der beruͤhmten und großen Stadt der Zuflucht Kooſah(die auf der weſtlichen Seite eines breiten Fluſſes ſtand, der ſich im Golf von Mexico verlor, nachdem er bei dem letzten gefaͤhrlichen Alebamah⸗Fort und dem ſchwar⸗ zen Fiſchteich Mobille vorbeigefloſſen war, und uͤber 260 Fuß Breite hat). Dort verbarg er ſich unter die Blaͤtter eines ent⸗ wurzelten Fichtenbaums, im Angeſicht dieſer alten gefaͤhrlichen Furth, welche der Feind oft in ſeinen leichten Cannots von Pappeln uͤberfuhr. Sein ganzer Vorrath an Lebens⸗ mitteln beſtand, eh er Gelegenheit hatte, das Blut ſeiner Verwandten zu raͤchen ———— und heim zu kehren, in drei Stuͤck Roth⸗ wild. Er harrte gedultig aufpaſſend drei Tage lang, als ein junger Mann, ein Weib und ein Maͤdchen in einiger Entfernung von ihm bei Sonnenuntergaug uͤber den Fluß kamen. Er ſchoß den Mann tod, ſchnitt den beiden andern uit Pinenz Temahauk die Koͤpfe ab und E der Stadt. Rach Art der Banditen ſhn er die Haͤupter mit ſich und ſtimmte den Todesſang an, waͤhrend er laͤngſt des Fußſteigs, ver⸗ worrne Wege einſchlagend, hinging, da meh⸗ rere bewaffnete Feinde Jagd auf ihn machten. Sieben Meilen von da erreichte er die Kette der blauen Berge oder die Apalahchen. Er war bis zu einer Stunde vor Tagsanbruch auf dieſem Gebirgspfad ſieben Meilen ge⸗ laufen, dann, nachdem er zwei Stunden ſtehend, an einem Baum gelehnt, geſchlafen hatte, ſehte er ſeinen Weg mit neuer Ge⸗ ſchwindigkeit fort. Als er ſeine Vorräthe weggeworfen hatte, weil er ſich verfolgt ſah, mußte er der Natur durch Kraͤuter, Wurzeln und Nuͤſſe zu Huͤlfe kommen, die ihn ſein ſcharfes, allenthalben umher blitzendes Auge immer gleich entdecken ließ. Ich habe oft ſelbſt dieſen Weg allein gemacht, und wenn das Verweilen gefaͤhrlich geweſen waͤre, ſo haͤtte ich mit den ſchnellſten und ſchoͤnſten amerikaniſchen Roſſen fuͤnf Tage gebraucht, um aus dem belagerten Kooſah in die Ge⸗ gend des Kriegsſchauplatzes in Chickaſah zu kommen, welcher 300 volle Meilen entfernt iſt. Er durchlief ſie, und kam geſund und wohl um eilf Uhr des dritten Tags nach Hauſe, war demnach nur anderthalb Tage und zwei Naͤchte unterwegens ge⸗ — weſen.(Adairs Geſchichte der amerikani⸗ ſchen Indianer. London, 1776. 4to. P⸗ 395.) f. 2 — In ſeiner Jugend hat er jede Kunſt u. ſ. w. gehoͤrt. S. 73. Auf welche Weiſe die Räuber, welche auf der Grenze beider Koͤnigreiche in den — 475— Thaͤlern wohnten, beruͤchtigt waren, erzaͤhlt uns John Lesley, ſelbſt ein Schotte und Biſchof von Roß. Sie verließen ihre eignen Grenzen hordenweiſe bei der Nacht auf un⸗ beſuchten Wegen und auf manchen hinter⸗ liſtigen Kruͤmmungen. Des Tags erlabten ſie ſich und ihre Roſſe in Hoͤhlen, die ihnen allein bekannt waren, dann begaben ſie ſich in der Finſterniß an die Herter, die ſie ſich bezeichnet hatten. Sobald ſie ſich der Beute bemaͤchtigt, kehrten ſie des Nachts auf die⸗ ſelbe Weiſe wieder zuruͤck, ohne Weg und Steg zu kennen. Der geſchickteſte Haͤupt? ling iſt der, ſo ſie in dieſen wilden Wuͤſte⸗ neien, verſchlungnen Kruͤmmungen und tiefen Gruͤnden am beſten zu fuͤhren weiß. Sie ſind darin ſo gewandt, daß ihre Fuß⸗ tapfen ſehr ſchwer, und nur durch Spuͤr⸗ hunde, die man dazu abrichtet, aufzufinden ſind, die aber auch oft in die Haͤnde der Gegner fallen. Noch beſitzen ſie, wenn ſie dieſe finden, ſoviel Ueberredungskunſt, und ſo einſchmeichelnde und gebieteriſche Worte, daß ſie oft von dieſen Richtern die Freiheit wieder erlangen und daß ſie, gegen ihren natuͤrlichen Antrieb, Mitleid mit ihnen haben und ſie laufen laſſen.—(Camdens Brittania). Die Bewohner der Thaͤler des Tyn und Reed waren in den aͤltern Zeiten zu ſol⸗ chen Uebelthaten ſo gewaltig aufgelegt, daß im Jahr 1564 der Handelsverein der New⸗ caſtler Kaufleute in ihren Statuten feſtſetzte, daß kein Eingeborner dieſer Gegenden als Lehrling aufgenommen werden ſolle. Alle Thalbewohner wurden fuͤr ſo geneigt zum Raub angeſehn, daß ſich Niemand auf ihre Treue verlaſſen wollte, behauptend: Es ſey ein verwahrloſtes, verbrecheriſches Ge⸗ ſchlecht. Dieſe Einrichtung beſtand bis 1771. Ein Bettler beſchreibt in einer alten Komedie ſelbſt: Er ſey zu Reedsdale in Northumber⸗ land geboren und habe einen weltberuͤhmten Zunamen, Robſon, erhalten, ſeine Ver⸗ wandten waͤren rechtliche Leute— ſetzte er hinzu— die mit Gottes Beiſtand und ein wenig Liſt fuͤr ihr Leben ſorgen muͤhten⸗ 477 Eine Schilderung, die auf die meiſten 5 bewohner anwendbar ſeyn wuͤrde. Reidswair, durch ein Scharmuͤzel be⸗ ruͤhmt, von dem es den Namen hat, liegt in dem ſcharfen Winkel von Carter-Fell, welcher England von Schottland ſcheidet. Rooken iſt ein Ort unter Reedwater. Ber— tram iſt als ein ſolcher Thalbewohner ge⸗ ſchildert, die noch lange in ihren verbre— cheriſchen Raͤubereien nach dem Verein beider Kronen beharrten, allein ſchon durch ihre Erziehung gewiſſermaßen zur Uebung eines Verkehrs im Krieg gegen die Piraten vorbereitet wurden. Er verbarg ſein Antlitz, damit des Flamme ihn nicht verrathe. S 6. Nach einer der neuſten Schlachten, in denen die iriſchen Rebellen geſchlagen wurden, fand man in einem Moraſt einen ihrer un⸗ erſchrockenſten Haͤuptlinge, der ſich bis an die Achſeln in Koth eingedruͤckt hatte und R M deſſen Haupt mit einer großen Scheibe Torf und Raſen bedeckt war. Er war begierig, zu erfahren, wie man ihn habe entdecken köͤnnen? Ich ſah den Blitz Deiner Augen! antwortete der ſutherlaͤndiſche Hochlaͤnder, der ihn gefangen genommen hatte. Die Jäger, welche gewohnt ſind die Haſen in ihrem Verſteck aufzufinden, entdecken ſie durch den naͤmlichen Umſtand. 4. Glockenblume. S. 80. Die Campanula Latifolia, große Wald⸗ glocke, oder Canterbury⸗Glocke wächſt im reichſten Uebermaaß auf dem ſchoͤnen Geſtade des Gretafluſſes, welcher die Beſitzungen von Brignal und Scargill, etwa drei Meilen unter der Gretabruͤcke, ſcheidet. 5. 3 — Hier war ein Elender bereit, ſeine Seele zu verkaufen fuͤr Ra⸗ che!— S. 82. Es iſt bei allen denen, die uͤber Zauber⸗ —— und geſchrieben haben, ange⸗ nommen, daß die Rache der Hauptbewe⸗ gungsgrund ihres vorgeblichen Buͤndniſſes mit dem Satan und ſeinen boͤſen Geiſtern war. Der ſinnreiche Reginald Scott hat es aufs gluͤcklichſte zu erklären gewußt, wie die Meinung nicht allein bei dem Volke und den Richtern, ſondern ſogar bei dieſen armen Teufeln ſelbſt aufkam, die man der Zauberei beſchuldigte und die oft ſelbſt ihrer Gewalt und ihrer Schuld den Glauben bei⸗ maßen · inn Solche, die ſü⸗——— waren meiſtens alte, lahme, verkruͤppelte⸗ bleiche, wahnſinpige⸗ runzlichte Weiber, da⸗ bei arm, aberglaͤubiſch, entweder papiſtiſch⸗ oder von gar keiner Religion. Ja ihren verkehrten Gemüthern hatte der Satan in der That leicht Platz gefunden, ſo daß ſie ſich ſelbſt fuͤr uͤberzengt hielten, daß Mis⸗ wachs, Ungluͤck, Beſchwerlichkeit und alles vorfallende Unheil eine Wirkung ihres ernſt⸗ lichen und beharrlichen Willens ſey Sie begaben ſich von Haus zu Haus, von M 2 Thuͤr zu Thür, um einen Krug Milch, Ge⸗ traͤnk, Suppe u. ſ. w. zu erhalten, ohne das ſie kuͤmmerlich leben mußten, und empfingen zum Lohn ihrer Bemuͤhungen weder Geld, noch Schonheit, noch Ehre, noch Kenntniß, noch Unterricht, noch ſonſt eine Verbeſſerung; denn der Satan, mit dem ſie doch ein Buͤndniß haben ſollten, bezahlte ſie gewoͤhn⸗ lich ſehr karg und ſchlecht. Zuweilen wurde ihre Befliſſenheit oder ihre Erwartung in den Orten, wo ſie bettelten oder ihre Geſchaͤfte trieben, weder beantwor— tet noch erfuͤllt, und ihre Fahrläͤſſigkeit ward von der Nachbarſchaft geruͤgt. In der Folge wurden ſie verhaßt und man verachtete ſie, ſo daß ſie erſt einen nach dem andern ver⸗ fluchten, vom Haushertn, ſeiner Frau und Kindern an, bis auf das kleinſte Ferkel im Stall. Alle hatten ihnen nach und nach mißfallen und waten im Lauf der Zeit von ihnen mit uͤblen Wuͤnſchen bedacht worden, ofters mit foͤrmlichen Verwunſchungen und Fluͤchen. Ohne Zweifel mußte über kurz —— oder lang— einer der Nachbarn ſterben oder krank werden, oder eins ihrer Kinder von jenen Krankheiten befallen werden, die immer ſonderbarer erſchienen, von Schlagflſſen, Epilepſie, Kraͤmpfen, hitzigen Fiebern, Wuͤr⸗ mern u. ſ. w., die von den unwiſſenden Aeltern fuͤr Rache von den Hexen gehalten wurden. Die Hexen auf der andern Seite, wenn ſie ſolches Unheil bei ihren Nachbarn ſahen, das mit ihren Wuͤnſchen uͤbereinſtimmte, hielten es dann ſelbſt für die Erfullung ihrer Ver⸗ wuͤnſchungen(obgleich Bodin ſelbſt einräumt, daß nicht zwei unter hunderten wirkſam waͤren). Wenn ſie vor Gericht gezogen wurden, ſo wurden alle Umſtaͤnde unterſucht, ihre Verwuͤnſchungen und das Schickſal ihrer Nachbarn, zu dem ſie beigetragen haben ſollten, wurden fuͤr uͤbereinſtimmend etklaͤrt und ſie ſelbſt dahin gebracht, zu geſtehn, daß ſie, als eine Gottheit, die geſchehenen Dinge hervorgebracht haͤtten. Sowoͤhl die Gerichte als die Anklaͤger uͤberzeugten ſich nach allen obwaltenden Umſtaͤnden und ihren Bekenntniſſen zur Laͤſterung der Gottheit doll⸗ — 103— kommen, daß ſie alles gethan haͤtten oder thun könnten, was doch nur Gott thun kann. Scots Entdeckungen der ſchwarzen Kunſt. London, 1655. Fol. p. 4. 5. 6¹ — Neine Freibeuterei.— S. 34. Wenn die Schaaten des Koͤnigs anfäng⸗ lich zu Felde zogen, waren ſie ſo gut disci⸗ plinirt, als man es von den Umſtaͤnden el⸗ warten konnte. Als aber dieſe fuͤr Carl weniger guͤnſtig wurden und er zur regel⸗ mäßigen Beſoldung ſeine Kräfte zu erſchöpft fuͤhlte, ſo nahm die kriegeriſche Freiheit mit . hetfunen— 6 6i Der Schauſpieler geni der ſeinem Herrn* im Buͤrgerkrieg diente, gab nach der Wie⸗ derherſtellung der Ruhe ein Stuck heraus (das alte Heer genannt), wo es ſchient, als habe er einige wahre Vorfaͤlle ſchildern wol⸗ len, die ihm in ſeiner Laufbahn vorgekom⸗ men waren. Die Namen der Offiziere dieſer — 184— Truppen bezeichneten ſchon ihre Verdienſte. Wir finden darin Flea, Pluͤnderer, Feld⸗ marſchall; Hauptmann Scheunenbrand und Quartiermeiſter Brandviel. Alle Offiziere dieſer Truppen waren im Einverſtaͤndniß mit den Freibeutern und uͤberließen die Gegend ihrer Pluͤnderung, wenn davon ein Theil in ihren Beutel ſiel. Alles dieſes war nach dem Sie geſchilbert, welches Lacy kennen zu lernen Gelegenheit gefunden hatte. Die Moral des Stucks beſteht in einem Verweiß, den man dem Lieutnant giebt, ſeine Unordnungen in dieſer Gegendnuͤbertraͤfen alles Gute, was er im Dienſt des Koͤnigs durch ſeinen Muth Be⸗ lohnung Werthes gethan. Uebrigens iſt das Stuͤck ein Luſtſpiel. mn — Brignals Wald und Scargillts Wellen.— S. 37. Die Geſiade der Greta bis zur Bruͤcke von Rutherford erſcheinen gls ein graues —. „ Geſtein, welches auf vielen Stellen von dunkelgruͤnen Grunde unterbrochen iſt, dieſes bildet kuͤnſtliche Grotten, welche die uner⸗ ſchoͤpfliche Natur ſtufenweiſe theils mit Ge⸗ buͤſch bedeckt hat, ſo in Menge auf den romantiſchen Uferbaͤnken waͤchſt. In den Zeiten der Volksunruhen wurden ſie von den Raͤubern gut benutzt. — Als die Spanier den Krieg wagten geßen unſer Land. S. 9ä. Es gab im Jahre 1625— 26 einen kurzen Krieg mit Spanien, der ſich gut mit der Chro⸗ nologie dieſer Dichtung zuſammenſtellen laͤßt. Und Bertram pflichtet der Meinung bei, die unter den Seehelden dieſes Zeitalters gewöhn⸗ lich war, daß kein Frieden kuhe der Linie ſtatt faͤnde. Die ſpaniſchen Guarda⸗ i wurden beſtaͤndig zu Angriffen und Scharmuͤzeln gegen die engliſchen und franzoͤſiſchen Kolo⸗ nien angewendet, und ſie ſelbſt gaben bei 5 ihrer eignen Strenge der Seeraͤuberei Raum, die erſt zur Selbſtvertheidigung angenommen ward und dann in die Gewohnheit und den Durſt der Pluͤnderung ausartete. 9. — Aufſtand unſrer Kameraden. S. 97. Die Geſetze der Burcanier und ihrer Nach⸗ folger, der Piraten, waren indeß ſtrenge und ge⸗ recht, aber auch zuweilen, gleich andern, unter⸗ laſſen unh von dem ſtaͤrkern Theil bei Seite ge⸗ ſetzt. Die Streitigkeiten wegen der Beute ſpielen eine große Rolle in ihrer Geſchichte, und entſtanden groͤßtentheils durch die Tyrannei der Haͤuptlinge und ihren Eigenſinn. Eine Aneckdote von Teach, Schwarzbart genannt, beweißt, daß dieſe Freibeuter zur See die ihnen gewoͤhnliche Verachtung des Lebens eben ſo auf ihre Geſellen erſtreckten, als auf ihre Feinde und Gefangnen. Eines Abends, als Schwarzbart vergnuͤgt in der Kajuͤte mit Hands, ſeinem Steuer⸗ — 1156— mann und noch einem andern beim Becher ſaß, lud Schwarzbart ohne alle Veran⸗ laſſung ſeine Piſtolen, und als er ſich be⸗ merkt ſah, warf er ſie unter den Tiſch. Der Eine ging hinaus, nachdem nun jener die Lichter ausgeblaſen hatte, feuerte er auf ſeinen Gefaͤhrten; Hands der Steuermann ward übers Knie verwundet und Zeitlebens lahm; das andre Piſtol ging nicht los. (Johnſons Geſchichte der Seeraͤuber, 1724. 3. Vol. I. p. 38.) Eine andre Geſchichte von dieſem Wann iſt alſo angefuͤhrt. Der Seeraͤuberheld, von dem hier die Rede iſt, wußte ſeinen Weg ſo außerordent⸗ lich zu gehn, daß ſeine Verbrechen und Un⸗ thaten ihn ſelbſt bei den Seinen fuͤr den eingefleiſchten Teufel gelten ließen. Einen Tag ſtachen ſie im See, den andern brachten ſie mit Saufen zu. Einmal ſprach er da: „Laßt uns eine Hoͤlle machen auf unſte Manier, und ſehn, wie lange wir es darin⸗ nen ausſtehn werden!“ Demnach verſperrte er ſich mit einigen andern unten im Schiffs⸗ raum, fullte mehrere Gefaͤße mit Schwefel und brennbarer Materie an und entzuͤndete ſie. Damit fuhr er fort bis zum Erſticken, und ließ nicht eher damit nach, bis die deiſten ſchrieen, daß ſie es nicht mehr aushalten koͤnnten. Da oͤffnete er endlich die Lucken, nicht wenig zufrieden, daß ers am laͤngſten aushalten konnte.(Ibid. p. g0.) 10. — Meine Spuͤrhunde ſind einem milchweißen Reh auf der Spur. S. 1oo. Sogleich nach dem Abendbrod mußte ſich der Wildmeiſter in ſeines Herren Zimmer begeben, und wenn es der Koͤnig war, ſich durch den Hausmeiſter oder Kaͤmmerer be⸗ gleiten laſſen, um zu erfahren, in welcher Abtheilung er Morgen jagen wollte. Wenn dieſes geſchehn war, durfte er zu Bette gehn, um nach der Jahreszeit am fruͤhſten wieder aufſtehn zu können und ſich nach dem an⸗ gewieſnen Jagdplatz zu verfuͤgen. Wenn er 8 auf war, nahm er ein gutes Theil Getraͤnk zu ſich, rief ſeinen Hund und prugelte ihn durch, um ihn in Ordnung zu bringen, fullte ſeine Jagdflaſche mit Wein, goß ein wenig Waſſer in die hohle Hand und rieb dem Hunde die Naſenlocher rein, um ſeinen Geruch zu ſchaͤrfen; wenn er ihn nun tuͤch⸗ tig glaubte, ging er mit ihm in den Wald.. Wenn nun der Jaͤger glaubte, daß es Zeit ſey das Wild aufzujagen, ließ er den Hund ſich niederlegen, bevor es aus dem Dickigt oder der Außenſeite getrieben ward; wenn ſich nun ein Hirſch oder ein Wild zeigte, welches ihm gefiel, ſo bemerkte er erſt, ob es friſch war oder nicht, und zwar eben ſo gut durch das Benehmen ſeines Hundes, als durch ſeine Augen„ Wenn er nun wußte, wie der Hirſch beſchaffen war und alles wohl an ihm erwogen hatte, ſo ließ er ihm nachſpuͤren, wo er hingegangen ſey und Zu⸗ flucht ſuchen, wo er konnte, ſein Unternehmen blos in Allem beachtend, ſowohl auf der Faͤhrte als bei ſeinem Eintritt, Springen u. ſ. w. Dann ließ er ihn durch das duͤnne 26— Gehoͤlz brechen, ſeit“ und vorwaͤrts, je nach⸗ dem ſein Hund hitzig war und es die Kunſt verlangte, denn doppelt und dreifach war der Wald umſtellt. Die edle Jagdkunſt oder Jägerei. Lond. rö11. 4 5 76. 77.) 14.* — Er kehrt den Renner um, indem er ſpricht. S. 105. Die letzten Verſe dieſes Geſanges ſind aus einer altſchottiſchen Ballade genommen⸗ von der ich nur zwei Verſe in die erſte Ausgabe des Rokeby aufnahm. Mr. Thomas Sheridan verſchaffte mir guͤtigſt eine Kopie dieſes ſchoͤnen Geſanges, welche die Schickſale der Folgezeit der Stuarts beſchreibt: ** * Einſt war ich Euer rechter Koͤnig, Als wir verließen ſchoͤn Schottlands Strand! Einſt war ich Euer rechter Koͤnig, Als wir erblickten das Ir'ſche Land! Mein Lieb', Als wir erblickten Irlands Land. — 190— All' iſt gethan, was Menſch kann thun, All' iſt gethan umſonſt! Mein Lieb! mein Vaterland! leb wohl! Vor Dir kreuz ich die Hand! WMein Lieb“, Muß kreuzen ich die Hand! 4 Er kehrt ſich um, er reitet fort, Von Irlands ufern fort! Er giebt dem breiten Gaul die Spor'n, Lebwohl, ſein letztes Wort! Mein Lieb', Leb ewig wohl ſo fort! ſ Der Krieger aus dem Kriege kehrt, Der Kaufmann kommt zuruͤck! Doch ich muß von mein' Liebchen ziehn, Nichts bringt mich mehr zuruͤck! Mein Lieb', Nicht bring ich mehr Dir Gluͤck! Vorbei der Tag, dahin die Nacht, Doch ich bin Schlafes frei, Ich denk' an das, was vordem war, Und weine meiner Treu! Mein Lieb', Ich weine— Schlafes frei. Der Freiherrvon Ravensworth.— S. 104. Die Ruinen von Ravensworths Schloß ſtanden in North⸗Riding of Yorkſhire, un⸗ gefaͤhr 3 Meilen vom Schloß Richmond, und lagen an dem weiten Walde von Ar⸗ kingarth. Sie gehoͤrten vornemlich dem maͤchtigen Geſchlecht derer Fitzhughs, von dem ſie auf die Lords Dackre of the South uͤbergingen⸗ 13. Das aufgerichtete Königskreuz von Stanmore. S. 105. Dieſes iſt das Fragment eines alten Kreuzes, mit Fußgeſtell und einem Graben umgeben, auf dem wuͤſten Huͤgel, der nach Stanmore gehoͤrt, unweit eines kleinen Hauſes das Spital genannt. Es heißt das aufgerichtete oder erhöhte Koͤnigskreuz, wor⸗ uber Hollinſhed folgende Auskunft giebt. J. N — 62— Beim Friedensſchluß, der zwiſchen den beiden Koͤnigen ſtatt fand, ward zur Be⸗ dingung gemacht, daß Malcolm den Theil von Northumberland beſitzen ſollte, der zwi⸗ ſchen dem Tweed, Cumberland und⸗Stanmore lag und dafuͤr dem Koͤnig von England hul⸗ digen ſollte. Gegen Mittag von Stanmore ward demnach ein Kreuz aufgeſetzt, mit dem Bildniß des Koͤnigs von England auf einer und dem des Koͤnigs von Schottland auf der andern Seite, um die Grenzen der bei⸗ den Koͤnigreiche anzuzeigen. Das Kreuz hieß das Koͤnigskreuz.(Holinſhed. London, 1808. 1. Th. p. 280.) Hollingſhed's einzige glaubwuͤrdige Auelle ſcheint Boethius geweſen zu ſeyn. Allein es iſt nicht unmoͤglich, daß dieſe eine der wahr⸗ hafteſten iſt, obgleich dieſer Umſtand nicht in Wintouns Chronik ſteht. Die Stellung dieſes Kreuzes und die Anſtalten es zu ſchuͤtzen, ſcheinen zu beweiſen, daß es als ein wichtiger Grenzpfahl angeſehn ward. — 193— 14. — Haſt Du unſer Wild quartirt?— S. 106. Die Pflicht der Treibers oder Wild⸗ meiſters war zuvorderſt die Lagerung des Wildes zu beſtimmen. Das heißt, ſeinen Schlupfwinkel aufzufinden, wie in der Rote 1o. des mehreren beſchrieben iſt, und dann ſeinem Herrn davon Bericht abzuſtatten. Eh' als ich komm, den Konig abzuſtatten, Von edlen Triſtrams⸗Haag, Kund und Be⸗ richt; 3 Kam mein Gebieter in der Morgenſtille, Da ſtockt mein Hund, gleich als er wittre d; Kurz hielt ich ihn, mich ſchleppend durch die Buͤſche, Den Hirſch erhaltend, ſtattlich aufgenutzt— Sein Kopf war hoch, und breit in jedem Aſte, Schon angeſproßt, und ſchien ganz dicht und voll. Von brauner Farb', auch ſchier ein achtzehn Ender— Vollkommen ſchön, langſeitig anzuſehn⸗ 6„ — 194 Ein groß Geweih, vom beſten Ebenmaße, Ein' ſchoͤne Haut und dicker um den Kopf; — War ſchwarz gefleckt und bunt auch ausge⸗ ſchmuͤcket, Auch gut geformt fand ich ihn allerweg', Als ich ihn feſt genommen in die Augen⸗ Brach er bei Seit nach ſeiner Lagerſtatt; Ich lauert' ihn in ſeiner ſichern Stätte, Den Hund voraus, zu ſichern mir die Raſt. Da fragt der Herr, wo er das Wild nun finde? Fch ſag ihm an den ſchoͤnen Lagergrund, Groß ſind die Hufen und die Schienbein rund⸗ licht, Die Knochen breit, in allen gut gebaut, Bald find⸗ man ihn, Halloh ſolgt ihm um⸗ ſchließend— Ein Jagbhirſch, wie man ihn nur ſuchen kann! (Wildkunſt und ſo mehr. p. 97.) .—— ſſſſinſiſſſ 7 8 9 10 11 12 13 14 8 16 15