Von Sir Valter Scott. Aus dem Engliſchen, Vierter Theil. — S Fr. Brod hag'ſche Buchhandlung. 8 3 ————— O—— O—— * Dreizehntes Kapitel. GFortſetzung.) Ich nehme Homer, ſagte er, den vollkommenen Virigil und den geiſtreichen Horaz zu Zeugen, daß ich, ſo aͤrmlich und ſo unwerth ſolcher Gaͤſte dieſe Mahlzeit ſeyn mag, ſchriftlich dieſem dreimal er⸗ baͤrmlichen Sklaven die gemeſſenſten Verhaltungsbe⸗ fehle gegeben habe, alle noͤthigen Zuthaten bereit zu halten, um jedem Gerichte den gehörigen Wohlge⸗ ſchmack zu geben.— Ungluͤckbringendes Aas, warum haſt du die Pfeffergurken ſo weit von dem wilden Schweinskopf gelegt? Warum ſind dieſe ſchoͤnen Meeraale nicht mit genug Fenchel umgeben? Die Trennung, welche du zwiſchen den Krebſen und dem 6 Chierwein gelaßſen haſt, ſollte eine gleiche zwiſchen deiner Seele und deinem Leibe hervorbringen, oder dich zum wenigſten fuͤr dein übriges Leben in das Piſtrinum*) ſchicken. Während der Philoſoph ſich alſo in Scheltworten, in Verwuͤnſchungen und Drohungen gegen ſeinen Sklaven ergoß, was die Sitten damaliger Zeiten nicht als einen Mangel an Lebensart betrachteten, hatten die Fremden Gelegenheit, den kleinen Strom ſeiner häuslichen Beredtſamkeit mit den haͤufigeren und groͤßeren Wogen der Schmeichelei, womit er ſeine Gaͤſte überſchwemmte, zu vergleichen. Das Alles miſchte ſich bei ihm untereinander wie das Del, der Eſſig und die Pfeffergurken, woraus Diogenes eine Sauce bereitete. So hatten auch der Graf und die Graͤfin Gelegenheit, das Wohlſein und Gläck jener Sklaven würdigen zu lernen, welche der allmaͤchtige Jupiter in der Fülle ſeines Erbarmens mit ihnen zur Velohnung ihrer guten Sitten zum Dienſte eines Philoſophen beſtimmt hatte. Sie nahmen vom Mahle ihren Theil zu ſich, aber ſie waren mit einer Schnel⸗ ligkeit zu Ende, welche nicht allein den Philoſophen, ſondern auch ſeine Kaiſerlichen Gäſte uͤberraſchte. Der Graf bediente ſich nachlaͤßig von der Schuſſel, welche bei ihm ſtand, und trank einen Becher Wein aus, ohne ſich zu kümmern, ob den Griechen ihr Ge⸗ *) Der Hrt, wo die Romiſchen Sklaven den Weizen mahlen mußten., 7 wiſſen erlaubte, dieſe Sorte zu jenem beſonderen Gerichte zu trinken. Darauf erklaͤrte er, er würde nichts mehr zu ſich nehmen, und die verbindlichen Bitten ſeiner Nachbarin Anna Comnena konnten ihn nicht vermoͤgen, irgend eine der Schüſſeln zu beruͤh⸗ ren, welche ſie ihm als ſelten und fein anpries. Die Gräfin genoß noch maͤßiger von einer einzigen Schuͤſ⸗ ſel,welche ihr am einfachſten zubereitet ſchien und die ge⸗ rade vor ihr ſtand; dann nahm ſie in einer kryſtallenen Schale Waſſer, welches ſie auf die wiederholten Bitten des Cäſars mit Wein faͤrbte. Alsdann nahmen bei⸗ de am Mahle keinen Theil mehr, und beſchäͤftigten ſich, den Ruͤcken auf ihren Stuhl lehnend, mit der Be⸗ trachtung der anderen Gäſte, welche dem Mahle gro⸗ ße Ehre erwieſen. Eine Auswahl jetziger Feinſchmecker hätte es der Kaiſerlichen Familie von Conſtantinopel, als ſie einem philoſophiſchen Gelage beiwohnte, weder in den tiefen Kenntniſſen, welche dieſelbe in allen Zweigen der Ma⸗ genwiſſenſchaften entwickelte, noch in dem praktiſchen Eifer, welchen ſie in der Anwendung ihrer Lehren zeigte, gleichthun können. Zwar aßen die Damen nicht viel von einer Schüſſel, aber ſie ſchmeckten eine jede, welche ihnen dargeboten wurde,„und ihr Name war Legion.“ Indeſſen war ſehr bald die Luſt des Tranks und der Speiſe geſättigt, wie Homer ſagt, oder wahr⸗ ſcheinlicher war es die Prinzeſſin Anna überdrüſſig, ſo wenig Aufmerkſamkeit ihres Nachbarn zu erregen, 8 welcher durch die Verbindung eines hohen Rufes mit einem ſehr einnehmenden Aeußeren ein Mann war, von dem ſehr wenige Damen haͤtten vernachläßigt wer⸗ den wollen. Es gibt, ſagt unſer Vater Chaucer, keine neue Mode, die nicht einer alten gleicht; ſo auch wa⸗ ren die Anſtrengungen, welche Anna Comnena machte, um mit dem Fränkiſchen Grafen ein Geſpraͤch einzu⸗ leiten, den Verſuchen einer neumodiſchen Dame ſehr ähnlich, die mit dem an ihrer Seite ſitzenden Stutzer, der in einen Anfall von Zerſtreuung verſunken iſt, in Unterhaltung kommen will.— Wir haben Klänge der Muſik hören laſſen, ſagte zu ihm die Prinzeſſin, und ihr habt nicht getanzt! Wir haben euch den Chor des Evve! Evve! geſungen, und ihr wollt weder Komus noch Bachus ehren! Sollen wir euch fuͤr ei⸗ nen Anbeter der Muſen halten, zu deren Dienſte, wie zu dem des Phöbus wir ſelbſt uns geweiht zu haben rühmen? Schöne Dame, antwortete der Franke, ſeyd nicht böſe, wenn ich euch ein für alle Mal und in klaren Ausdruͤcken ſage, daß ich Chriſt bin; daß ich dem Apollo, dem Komus, und Bachus und allen anderen heidniſchen Gottheiten in's Geſicht ſpeie, und ihnen Trotz biete. Welche grauſame Auslegung einiger unbedachtſamen Worte! ſagte die Prinzeſſin. Ich habe von den Göt⸗ tern der Muſik, der Dichtkunſt und der Beredtſamkeit nur geſprochen, weil ihre Namen durch unſre göttli⸗ —* chen Philoſophen gefeiert worden ſind, und weil ſie noch zur Unterſcheidung der Wiſſenſchaften und Künſte dienen, die ſie leiteten— und der Graf findet darin eine ernſtliche Verletzung des zweiten Gebotes! Un⸗ ſere liebe Frau behüte uns davor. Wir müſſen un⸗ ſere Worte abwaͤgen, da ſie ſo ſtrenge gedeutet werden. Der Graf hörte die Prinzeſſin lächelnd an. Ich hatte nicht die Abſicht euch zu beleidigen, Ma⸗ dame, ſagte er zu ihr, undich möchte euren Ausdruͤcken keinen Sinn unterlegen der nicht ſehr löblich und un⸗ ſchuldig waͤre. Ich will daher annehmen, daß eure Rede nichts zu Ruͤgendes oder Tadelnswerthes ent⸗ hielt. Ihr gehoͤrt, wie ich erfahren habe, unter die Klaſſe, welche, wie unſer würdiger Bewirther, die Ge⸗ ſchichte und Thaten der kriegeriſchen Zeiten, worin ihr lebet, niederſchreiben, und ſie der Nachwelt über⸗ liefern, damit ſie dieſelbe zu ähnlichen Großthaten er⸗ muntere. Ich achte das Geſchäft, dem ihr euch ge⸗ weiht habt, und ich kenne nichts Beſſeres, was eine Dame thun könnte um die Erkenntlichkeit zukünftiger Jahrhunderte zu verdienen, wofern ſie nicht gar, wie meine Gemahlin Brunhilde, ſelbſt die Großthaten voll⸗ bracht hätte, die ſie beſchreibt.— Und dabei will ich bemerken, daß ſie in dieſem Augenblicke ihren Tiſch⸗ nachbar anſteht, als ob ſie aufſtehen und ihn verlaſſen wollte. Sie eilt, nach Conſtantinopel zu kommen, und mit eurer Erlaubniß, Madame, ich kann nicht zugeben, daß ſie allein dahin gehe. 10 Das ſollt ihr Beide nicht, antwortete Anna Com⸗ nena, da wir alle unverzüglich in die Hauptſtadt zu⸗ rückkehren wollen, um euch jene Wunder der Natur zu zeigen, welche in großer Anzahl durch die Sorg⸗ falt und Freigebigkeit des Kaiſers, meines Vaters, daſelbſt verſammelt worden ſind.— Wenn mein Ge⸗ mahl die Gräfin beleidigt hat, wie es ſcheint, ſo glau⸗ bet nicht, daß es mit Abſicht geſchah. Im Gegentheil werdet ihr bei genauerer Bekanntſchaft mit ihm fin⸗ den, daß er einer jener ſchlichten Menſchen iſt, welche bei Erfüllung der Höflichkeitspflichten das Unglück haben, daß ihre Artigkeiten von denen, an die ſie gerichtet ſind, oft in einem ganz entgegengeſetzten Sinne auf⸗ genommen werden. Indeſſen war die Gräfin von Paris vom Tiſche auf⸗ geſtanden, und weigerte ſich, ſich wieder zu ſetzen. Agelaſtes und ſeine Kaiſerlichen Gäſte ſahen ſich daher genöthigt, entweder die Fremden fortgehen zu laſſen, wozu dieſe aber nicht geneigt ſchienen; oder ſie mit Gewalt zurückzuhalten, was weder angenehm noch klug geweſen wäre; oder endlich die Ranggebräuche zu ver⸗ geſſen, und mit ihnen fortzugehen; da ſie aber dieſen letzteren Theil erwählten, ſo ſuchten ſie ihre Würde zu retten, indem ſie den Anfang mit dem Aufbruche machten, obwohl dieſer in Folge des Willens der un⸗ bengſamen Fremdlinge geſchah. Alles gerieth auf der Stelle in Bewegung, und man hörte nichts mehr als Getuͤmmel, Geſchrei und Klagen unter den Soldaten ————— X 1¹ und Hofbedienten, welche gezwungen waren ihre Mahl⸗ zeit wenigſtens zwei Stunden früher zu unterbrechen, als der Aelteſte unter ihnen jemals bei ähnlicher Ge⸗ legenheit gethan zu haben ſich erinnern konnte. Eine neue Anordnung ſchien auch in dem Kaiſerlichen Zuge mit gegenſeitiger Einwilligung zu geſchehen. Nicephorus Briennes beſtieg den Elephanten, und ſetzte ſich hier neben ſeine Schwiegermutter. Agela⸗ ſtes ritt auf einem Paradepferd, deſſen langſamer Gang ihm erlaubte, nach ſeinem Wunſche ſeine philo⸗ ſophiſchen Anreden fortzuſetzen, neben der Gräfin Brun⸗ hilde her, welche er zum hauptſächlichſten Gegenſtand ſeiner Beredtſamkeit machte. Obwohl die ſchöne Ge⸗ ſchichtſchreiberin gewöhnlich in einer Sänfte reiste, zog ſie doch bei dieſer Gelegenheit einen feurigen Renner vor, der ihr erlaubte mit dem Grafen Robert von Paris gleichen Schritt zu halten, dem ſie, wenn auch nicht das Herz, doch wenigſtens die Einbildungskraft zu ergreifen ſuchte. Die Unterhaltung zwiſchen der Kaiſerin und ihrem Eidam erfordert keine genaue Schil⸗ derung. Dieß war ein Gewebe von Urtheilen über die Sitten und das Betragen der Franken, und der Ausdruck des Wunſches, daß ſie bald aus dem Grie⸗ chiſchen Reiche geſchafft werden und niemals dahin zu⸗ rückkommen möchten. In dieſem Tone wenigſtens ſprach die Kaiſerin, und der Cäſar fand ſich nicht geſtimmt, mehr Duldung fuͤr dieſe Fremden zu zeigen. Agela⸗ ſtes machte einen langen Umſchweif, ehe er auf den ————— 12 Gegenſtand kam, den er eigentlich berühren wollte. Er ſprach von dem Kaiſerlichen Thiergarten als von einer köſtlichen naturgeſchichtlichen Sammlung, und machte verſchiedenen Perſonen des Hofes Lobeserhe⸗ bungen, welche in Alexius Comnenus dieſen weiſen und philoſophiſchen Geſchmack erhalten hatten. Aber end⸗ lich verließ er das Lob aller Andern, um bei dem des Nicephorus Briennes zu verweilen, welchem, wie er ſagte, die Thierſammlung von Conſtantinopel ihre haupt⸗ ſächlichſten Schätze verdankte. Das freut mich, ſagte die hochmüthige Gräfin ohne ihre Stimme zu ſenken, und ohne ihre Geberden ir— gend zu verändernz es freut mich, daß er etwas Beſ⸗ ſeres zu thun verſteht, als jungen fremden Frauen in die Ohren zu fliſtern. Glaubt mir: wenner ſeiner Zunge ſolche Zügelloſigkeit gegen die Frauen meines Landes läßt, welche die Zeitumſtände hierherführen koͤnnen, ſo wird er eine finden, welche ihn in den Waſſerfall hiernahebei wirft. Verzeiht, ſchöne Dame, ſagte Agelaſtes; kein weib⸗ liches Herz vermöchte eine ſo grauſame Handlung ge⸗ gen einen ſo ſchönen Mann, als den Cäſar Nicephorus Briennes, zu erſinnen. Verlaßt euch nicht zu ſehr darauf; denn bei meiner Schutzheiligen unſerer lieben Frauen der gebrochenen Lanzen, es geſchah nur aus Rückſicht fuͤr dieſe beiden Damen, welche einige Achtung für meinen Gemahl und mich zu zeigen ſchienen, daß dieſer Nicephorus nicht — — —— — —— ————— ·ũ·˖m—————— 13 Herr von den gebrochenen Knochen geworden iſt ſo gut als ein Cäſar, der dieſen Titel ſeit dem großen Julius getragen hat. Nach einer ſo unumwundenen Erklaͤrung begann der Philoſoph einige perſönliche Beſorgniß für ſich ſelbſt zu bekommen. Er lenkte daher ſchnell die Unterhaltung mit großer Gewandtheit ab; und erzählte der Amazone die Geſchichte von Hero und Leander, um ihr die Erin⸗ nerung an die erlittene Beſchimpfung zu verwiſchen. Während deſſen war der Graf Robert von Paris ganz von der ſchönen Anna Comnena, wenn ich mich dieſes Ausdrucks bedienen kann, in Beſchlag genommen worden. Sie ſprach zu ihm über alle möglichen Ge⸗ genſtände, ohne Zweifel über die einen beſſer als über die andern, aber in der feſten Ueberzeugung, ſie alle mit derſelben Geſchicklichkeit zu behandeln. Der gute Graf wünſchte heimlich, daß ſeine Begleiterin ruhig neben der bezauberten Prinzeſſin von Zulichium läge. Sie ſpielte ziemlich mittelmaͤßig die Lobrednerin der Nor⸗ männer; aber endlich war der Graf müde, ſie über Etwas plaudern zu hören, was ſie kaum kannte, und unterbrach ſie folgendermaßen: Madame, ſagte er, obwohl man mich und meine Soldaten bisweilen alſo nennt, ſo ſind wir doch keine Normänner. Dieſe ſind hierher gekommen als eine zahlreiche und abgeſonderte Pilgerſchaar, unter den Befehlen ihres Herzogs Robert, eines zwar tapfren Mannes, der aber einen ſchwachen, albernen und unbe⸗ 14 ſonnenen Geiſt hat. Ich kann nichts gegen den Ruf der Tapferkeit, worin dieſe Normänner ſtehen, ſagen. Sie eroberten zur Zeit unſerer Väter einen bei weitem anſehnlicheren Staat, als den ihrigen, und den man England nennt. Ich ſehe, daß ihr einige Eingeborne dieſes Landes unter dem Namen der Wäringer in eurem Solde habt. Obwohl ſie von den Normännern beſiegt wurden, wie ich euch ſo eben geſagt habe, ſo machen ſie doch einen unerſchrockenen Stamm aus, und wir würden es für keine Schande halten in ihren Reihen zu kämpfen. Wir dagegen ſind jene tapferen Franken, welche an den öſtlichen Ufern des Rheins und der Saale ihre Wohnſitze hatten, und von dem berühmten Chlodwig zum Chriſtenthum bekehrt wur⸗ den. Wir ſind zahlreich und ſtark genug um das ge⸗ lobte Land wieder zu erobern, ſelbſt wenn das ganze äbrige Europa an dieſem Streite keinen Theil naͤhme. Nichts iſt vielleicht kränkender für die Eitelkeit ei⸗ ner Perſon wie die Prinzeſſin als eines groben Irr⸗ thums in dem Augenblick überführt zu werden, wo ſie ſich einbildete ganz beſonders gut unterrichtet zu ſeyn. Ein nichtswürdiger Sklave, der, wie ich vermuthe, nicht wußte was er ſprach, ſagte Anna Comnena, hat mir den Glanben beigebracht, daß die Waͤringer na⸗ türliche Feinde der Normänner wären. Ich ſehe ihn in dieſem Angenblicke neben Achilles Tatius, dem An⸗ führer ſeines Corps, gehen.— Offiziere, laßt ihn hier⸗ 15 herkommen!— Ich meine jenen Mann von hohem Wuchſe, welcher ſeine Streitaxt auf ſainer Schulter trägt. Hereward, welcher durch ſeinen Platß an der Spitze der Abtheilung der Leibwache leicht zu erkennen war, wurde angewieſen, vor der Prinzeſſin zu erſcheinen— Er gruͤßte ſie militäriſch, runzelte aber etwas ſeine Stirne, als er die hochmüthige Miene des Franzoſen erblickte, der neben der Anna Comnena herritt. Entweder habe ich dich falſch verſtanden, Soldat, ſagte Anna Comnena, oder du haſt mir vor ungefähr einem Monate geſagt, daß die Normänner und Fran⸗ ken daſſelbe Volk, und auf gleiche Weiſe die Feinde deines Stammes wären. Die Normänner ſind unſre Feinde, Madame„ant⸗ wortete Hereward, und ſie haben uns aus unſrem Geburtslande gejagt. Die Franken ſind demſelben Lehnsherrn wie die Normänner unterworfen und folg⸗ lich können ſie die Wäringer weder lieben, noch von ihnen geliebt werden. Tapfrer Mann, ſagte der Graf, ihr thut den Fran⸗ ken Unrecht, und ſchreibt, obwohl aus ſehr natürlichem Grunde, den Wäringern einen Grad von Wichtigkeit zu, die ihnen nicht zukommt, wenn ihr annehmet, daß ein Stamm, der ſeit mehr als einem Menſchenalter aufgehört hat als unabhängiges Volk zu beſtehen, für Leute, wie uns, ein Gegenſtand der Theilnahme oder des Haſſes ſeyn kann. 16 Ich kenne ſehr wohl den Stolz, der euch das Herz ſchwellt, antwortete der Wäringer, und den Vorzug, den ihr euch vor denen zuſchreibt, welche im Kriege nicht ſo glücklich als ihr geweſen ſind. Aber Gott er⸗ niedrigt und erhebt uns, und es könnte für die Wä⸗ ringer keine angenehmere Ausſicht von der Welt geben, als wenn ſie ſich Mann gegen Mann mit ihren Nor⸗ männiſchen Unterdrückern oder mit deren gegenwärti⸗ gen Landsleuten, den übermüthigen Franzoſen, in den Schranken fänden; dann möge Gott entſcheiden, wer den Sieg verdiene! Ihr benutzt unverſchämter Weiſe den Zufall, der euch eine unvermuthete Gelegenheit giebt, einem Man⸗ ne von meinem Range Trotz zu bieten. Zu meinem Kummer und zu meiner Schande iſt dieſe Gelegenheit nicht vollkommen, und ich bin mit einer Kette belaſtet, welche mir nicht erlaubt, euch zu ſagen: Todte mich, oder ich tödte dich, ehe wir dieſen Ort verlaſſen! Hitziger Tollkopf! welches Recht kannſt du haben auf die Ehre von meiner Hand zu ſterben? Du haſt den Verſtand verloren, oder dich ſo mit Aele gefüllt, daß du nicht mehr weißt, woran du denkeſt, noch was du ſageſt. Das lügſt du! ſchrie der Wäringer; obwohl dieſer Vorwurf die größte Beleidigung für deinen Stamm iſt. Der Franzoſe legte mit einer gedankenſchnellen Be⸗ wegung die Hand an ſein Schwert, aber er zog ſie 17 auf der Stelle zurück und ſagte mit würdevoller Miene: Du kannſt mich nicht beleidigen. Aber du haſt mich beleidigt, entgegnete der Ver⸗ bannte, und zwar ſo, daß du es nur mit den Waffen wieder gut machen kannſt. Wo? Auf welche Art? fragte der Graf. Doch es iſt unnütz, an dich Fragen zu thun, auf welche du nicht vernünftig antworten kannſt. Du haſt heute einen tödtlichen Schimpf einem gro⸗ ßen Fürſten angethan, welchen dein Herr ſeinen Bun⸗ desfreund nennt, und welcher dich mit allen Beweiſen der Gaſtfreundſchaft empfangen hatte. Du haſt ihn beleidigt, wie ſich die Bauern auf dem Jahrmarkte beleidigen; und du haſt ihm dieſe Schande vor ſeinen Prinzen und Feldherrn, und vor den Edelen aller Höfe Eurvpa's angethan. Wenn dein Herr mein Betragen als einen Schimpf betrachtet hat, ſo konnte er ſeinen Unwillen daruͤber laut werden laſſen. Aber die Sitten ſeines Landes erlaubten es ihm nicht. Uebrigens halten wir treuen Waͤringer uns durch unſern Eid für verpflichtet, ſo lange wir im Dienſte des Griechiſchen Kaiſers ſind, ſeine Ehre Zoll für Zoll, wie ſein Land Schritt für Schritt zu ver⸗ theidigen. Ich ſage dir alſo, Herr Ritter, Herr Graf, oder welchen andern Titel du dir geben magſt, daß zwiſchen dir und der kaiſerlichen Wäringer Leibwache ſo lange ein Streit auf Tod und Leben beſteht, bis W. Scott's ſaͤmmtl. Merte. 1668 Bochn. 2 18 du rechtmäßig Mann gegen Mann einen Mann von der genannten Wäringer Leibwache bekaͤmpft haſt, wenn Pflicht und Gelegenheit es erlanben; und alsdann möge Gott das gute Recht zeigen! Da dieſe Unterhaltung in franzöſiſcher Sprache Statt fand, ſo verſtanden ſie die kaiſerlichen Offiziere nicht, welche ſie hören konnten, und die Prinzeſſin, welche mit einigem Erſtaunen das Ende dieſer Unter⸗ redung erwartete, ſagte endlich zum Grafen mit theil⸗ nehmender Stimme:— Ich hoffe, ihr ſehet ein, daß die Lage dieſes armen Menſchen ihn in eine zu weite Entfernung von euch ſtellt, als daß ihr mit ihm einen ſogenannten ritterlichen Kampf eingehen könntet 2 Auf eine ſolche Frage, antwortete Robert, habe ich nur eine Antwort zu geben an jede Dame, welche ſich nicht mit einem Schilde bedeckt, wie meine Brunhilde, welche kein Schwert an der Seite hat, und welche kein ritterliches Herz in ihrem Buſen trägt. Und vorausgeſetzt, auf einen Augenblick, daß ich ſolche Rechte auf ener Vertrauen hätte, was würdet ihr mir antworten? Ich kann keine großen Beweggruͤnde haben, um es zu verhehlen, Dieſer Wäringer iſt ein tapferer Mann, und hat große Kräfte. Es iſt meinem Gelübde zu⸗ wider ſeine Herausforderung auszuſchlagen; doch viel⸗ leicht vergebe ich meiner Würde, wenn ich ſie aunehme. Aber ſo groß die Welt iſt, ſo würde man doch ver⸗ geblich einen Menſchen ſuchen, welcher je den Robert ———— 19 von Paris dem Zuſammentreffen mit einem Gegner hätte ausweichen ſehen. Ich werde einen tapferen Offizier von der kaiſerlichen Leibwache ſuchen, um die⸗ ſen armen Teufel, welcher einen ſo ſeltſamen Ehrgeiz hat, zu benachrichtigen, daß ſeinen Wünſchen willfahrt werden ſoll. Und dann? Und dann, wie der tapfre Mann ſelbſt gefagt hat, mag Gott das gute Recht zeigen! Das heißt, wenn mein Vater in ſeiner Leibwache einen ſo eifrigen Offizier hat, um ein ſo frommes und vernünftiges Vorhaben zu begünſtigen, ſo iſt es uner⸗ läßlich, daß der Kaiſer entweder einen Verbuͤndeten verliert, in deſſen Treue er alles Vertrauen ſetzt, oder einen tapferen und treuen Soldaten ſeiner Leibwache, der ſich perſoͤnlich bei mehreren Gelegenheiten ausge⸗ zeichnet hat? Ich freue mich, daß dieſer Mann einen ſolchen Ruf genießt. In der That ſein Ehrgeiz mußte ſich auß Etwas gründen. Je mehr ich darüber nachdenke, deſto mehr komme ich zur Einſicht, daß ich, anſtatt meiner Würde Etwas zu vergeben, eine Handlung der Groß⸗ muth ausüben werde, indem ich einem armen Verbann⸗ ten, deſſen Geſinnungen ſo erhaben und edel find, alle Vorrechte hoher Geburt zugeſtehe; leider ſind oft Leute von der höchſten Würde zu feig, um jene Vorrechte geltend zu machen. Doch fürchtet noch nichts, edle Prinzeffin, die Herausforderung iſt noch nicht ange⸗ 20 kommen; und wenn ſie es wäre, ſo ſteht der Erfolg in der Hand Gottes. Mich, deſſen Geſchäft der Krieg iſt, wird der Gedanke, daß ich einen eruſthaften Han⸗ del mit dieſem entſchloſſenen Maunne abzumachen habe, von andern, minder ehrenwerthen Streitigkeiten ab⸗ halten, worin mich der Mangel an Beſchäftigung verwickeln koͤnnte. Die Prinzeſſin machte keine Bemerkung darüber, war aber feſt entſchloſſen, dem Achilles Tatius ins be⸗ ſondere Vorſtellungen zu machen, um ihn zur Verhuͤ⸗ tung eines Zweikampfes zu vermögen, der fuͤr einen oder den Andern der tapferen Kämpen unglücklich werden konnte. Die Nacht bedeckte ſchon mit ihrem Schatten die vor ihnen liegende Stadt, aber alsbald ſah man ſie durch die in den Häuſern angezuͤndeten Lichter aus der Finſterniß hervortreten. Der Reiter⸗ zug zog durch die goldne Thore ein, wo der würdige Centurio ſeine Wache ins Gewehr rief zu deſſen Empfange. Wir müſſen euch jetzt verlaſſen, ſchöne Damen, ſagte der Graf, als die beiden Prinzeſſinen und der Cäſar vor der kleinen Thüre des Blackernal abgeſtiegen waren, und müſſen ſo gut als möglich die Herberge ſuchen; worin wir in der vorigen Nacht geſchlafen haben. Mit eurer Erlaubniß, das wird nicht geſchehen, ſagte die Kaiſerin; ihr müßt euer Nachtmal und die euch ſo noͤthige Ruhe in einer eures Ranges würdi⸗ 21. gern Behauſung annehmen. Und den Empfang ſoll euch ſelbſt Jemand von der kaiferl. Familie, der euer Reiſebegleiter geweſen iſt, bereiten. Der Graf hörte die Einladung der Kaiſerin mit dem ziemlich merklichen Wunſche an, die ſo herzlich angebotene Goſtfreundſchaft anzuehmen. Obwohl er ſoviel als möglich von den Reizen ſeiner Brunhilde eingenommen war, und obwohl der Gedanke, ihr eine andere Schönheit vorzuziehen, ihm niemals nur in den Kopf gekommen war, ſo fühlte er ſich doch na⸗ türlich geſchmeichelt durch die Aufmerkſamkeiten einer Frau von ſo ausgezeichneter Schönheit und ſo hoher Würde, und das Lob, womit ihn die Prinzeſſin über⸗ häuft hatte, war nicht gänzlich verloren. Er war nicht mehr in derſelben Laune wie am Morgen, wo er die Empfindſamkeit des Kaiſers zu reizen, und ſeine Würde zu beleidigen geſucht hatte. Er hatte ſich durch die einſchmeichelnde Gewandtheit, deren Lehren Agela⸗ ſtes in den Schulen der Philoſophie bekommen hatte und welche die ſchöne Prinzeſſin der Natur verdankte gewinnen laſſen. Er nahm daher das Anerbieten der Kaiſerin um ſo frendiger an, als die Dunkelheit ihn nicht die Wolke der Unzufriedenheit bemerken ließ, welche ſich auf die Stirne Brunhildens lagerte. Was der Grund davon war, war ſie nicht ſehr bemüht aus⸗ zuſprechen. Kaum waren die beiden Gatten in die⸗ ſes Labyrinth von Zimmern und Gängen getreten, durch welche Hereward por kurzer Zeit gekommen war, 22 ſo warfen ſich ein Kammerherr und eine Staatsdame in reicher Kleidung vor ihnen auf die Knie, und lu⸗ den ſie ein ihnen in ein anderes Zimmer zu folgen, um ihren Anzug vor ihrem Erſcheinen vor dem Kai⸗ ſer in Ordnung zu bringen. Brunhilde warf einen Blick auf ihr Gewand und ihre Rüſtung, die von dem Blute des unverſchämten Scythen befleckt waren, und ſo ſehr ſie ſonſt Amazone war, ſo fühlte ſie doch et⸗ was Beſchämung über einen ſo vernachläßigten und für die Umſtände ſo wenig paſſenden Anzug. Die Rü⸗ ſtung des Ritters war ebenfalls voll Blut und in Berwirrung: Man laſſe Agathe, das junge Mädchen, welches mir als Knappe dient, zu mir kommen, ſagte die Grä⸗ fin. Sie allein iſt gewöhnt mir beim Entwaffnen und Ankleiden behülflich zu ſein. Gott ſey gelobt! dachte die Staatsdame vom grie⸗ chiſchen Hofe: ich brauche mich nicht mit einem Putze zu befaſſen, zu welchem die nöthigſten Werkzeuge Schmiedehammer und Beißzange ſind. Man ſage meinem Knappen Marcion, ſprach der Graf, er ſolle mir mein ſilbernes und blaues Panzer⸗ hemd bringen, das ich vom Grafen von Toulouſe in einer Wette gewonnen habe. Könnte ich nicht die Ehre haben, eure Rüſtung auf⸗ zumachen? ſagte ein koſtbar gekleideter Höfling, der juige Zeichen ſeines Amtes als Waffendiener an ſich 25 2 trug; ich lege ſelbſt dem Kaiſer, deſſen Name ſoll geheiligt werden, die ſeinige an. Und wieviel Nägel haſt du in deinem Leben vernie⸗ det mit dieſer Hand, die ſtets nur mit Roſenmilch gewaſchen zu werden ſcheint, und mit dem Kinder⸗ ſpiele da? fragte ihn der Graf, indem er eine ſeiner Hände ergriff und auf einen Hammer mit elfenbeiner⸗ nem Stiele und ſilbernem Kopfe deutete, der an ei⸗ nem hirſchledernen, glänzendweißen Schurzfell hing, und das amtliche Zeichen ſeiner Würde war. Der Grieche fuhr beſtürzt zurück.— Seine Hand, ſagte er zu einem andern Höflinge, drückt wie eine Beiß⸗ zange. Während dieſer kleine Auftritt im Verborgenen vor⸗ ging, hatten die Kaiſerin, ihre Tochter und ihr Ei⸗ dam ihre Gäſte verlaſſen unter dem Vorwande ihren Anzug zu wechſeln. Bald darauf erhielt Agelaſtes Befehl, vor dem Kaiſer zu erſcheinen; die beiden Gatten wur⸗ den in zwei verſchiedene Zimmer geführt, welche aber mit einander in Verbindung ſtanden, prachtvoll aus⸗ geſchmückt und für ihren Gebrauch beſtimmt waren. Wir wollen ſie hier einige Augenblicke verlaſſen, wo ſie mit Hülfe ihrer eigenen Diener den Anzug nahmen, welcher ihnen für eine große Gelegenheit am paſſend⸗ ſten ſchien, die griechiſchen Hofbedienten enthielten ſich mit großem Vergnügen einer Arbeit, welche ſie als eben ſo furchtbar betrachteten, als wenn ſie bei dem 24 Schlafengehen eines Königstiegers oder ſeiner Gemah⸗ lin hätten zugegen ſein ſollen. Agelaſtes traf den Kaiſer, als er mit Sorgfalt ſein prächtigſtes Hofkleid anlegte; denn wie an dem Hofe von Peking, ſo machte auch an dem von Conſtantino⸗ pel der Wechſel des Anzuges einen großen Se der Hoffeierlichkeiten aus. Es iſt dir vollkommen gelungen, weiſer Agelaſtes, ſagte Alexius zum Philoſophen, während dieſer mit ge⸗ waltig vielen Kniebeugungen und Niederwerfungen herantrat; vollkommen gelungen, ſage ich; nur deinem Geiſte und deiner Geſchicklichkeit war es moͤglich, von der übrigen Heerde dieſen unbändigen Stier und dieſe junge Kuh zu trennen, welche noch nicht das Joch kennt. Wenn wir auf ſie Einfluß erhalten, ſo werden wir nach Allem, was man ſagt, einen ſtarken Anhang unter denjenigen bekommen, welche ſie als die Tapfer⸗ ſten unter den Tapfern betrachten. Meine geringe Einſicht, ſagte Agelaſtes, würde un⸗ endlich weit hinter den Ausführungsmitteln eines ſo klugen und wohldurchdachten Planes zurückgeblieben ſein, wenn er mir nicht von der Weisheit Eurer kai⸗ ſerl. und hochheiligen Majeſtät angegeben und vor⸗ gezeichnet worden waͤre. Wir wiſſen, ſagte Alexius, daß wir das Verdienſt des Planes haben, uns jener beiden Perſonen zu ver⸗ ſichern, entweder als freiwilliger Verbündeter, oder als gewaltſam gehaltener Geißeln. Ihre Freunde wer⸗ 25 den, che ſie ihrer Abweſenheit gewahr werden, im Kriege mit den Türken begriffen ſein, und ſie werden unmöglich, felbſt wenn ihnen der Teufel den Gedanken dazu eingeben ſollte, die Waffen gegen das heilige Kaiſerthum wenden können. Auf dieſe Weiſe alſo, Agelaſtes, haben wir ebenſo wichtige und koſtbare Geißeln erhalten, als der Graf von Vermandois uns geweſen wäre, wenn mich der furchtbare Gottfried von Bouillon nicht durch die Drohungen eines augen⸗ blicklichen Krieges gezwungen hätte, ihn in Freiheit zu ſetzen⸗ Verzeiht, ſagte Agelaſtes, wenn ich einen neuen Grund zu denen hinzufüge, welche glückſicherweiſe eure erhabene Entſchließung ſchon unterſtützen. Es iſt möglich, daß wir durch Beobachtung der größten Vor⸗ ſichtsmaßregeln und der groͤßten Rückſichten gegen dieſe Fremdlinge uns ſie endlich wahrhaft verbinden. Ich begreife dich, ich begreife dich, ſagte der Kaiſer. Heute Abend noch werden wir uns dieſen beiden Fremd⸗ lingen zeigen, in nnſrem kaiſerlichen Andienzſaale im glänzendſten Anzuge, den unſre Kleiderkammer aufzu⸗ weiſen vermag. Die Salomoniſchen Löwen ſollen brüllen; der goldene Baum der Comnene ſoll ſeine Wunder zeigen, und die ſchwachen Augen dieſer Fran⸗ ken ſollen von dem Glanze unſeres Kaiſerreiches ge⸗ blendet werden. Ein ſolches Schauſpiel kann nur ei⸗ nen tiefen Eindruck auf ihren Geiſt machen und ſie bewegen die Verbündeten und Diener einer maͤchti⸗ geren, gewandteren und reicheren Nation als der ihri⸗ gen zu werden— Du haſt mir etwas zu ſagen, Age⸗ laſtes. Die Jahre und lange Wiſſenſchaftsbeſtrebun⸗ gen haben dir Weisheit verliehen. Obwohl wir un⸗ ſere Meinung ausgeſprochen haben, ſo kannſt du doch die deinige ſagen und leben. Drei Mal hinter einander und zu drei wiederholten Malen hatte Agelaſtes ſeine Stirne bis zum Saume der kaiſerl. Gewänder gebückt; und er ſchien ſehr ver⸗ legen um Ausdruͤcke zu finden, welche eine von der ſeines Gebieters verſchiedene Meinung anzeigten, ohne ihm jedoch förmlich zu widerſprechen. Die heiligen Worte, wodurch Ew. Maj. ihre ſehr richtige und genaue Meinung verkündet hat, können weder verneint, noch widerſprochen werden, wenn Je⸗ mand ſo eitel ſein ſollte um darauf eine Antwort zu wagen. Dennoch ſei mir erlaubt, ihr zu bemerken, daß man vergebens die weiſeſten Beweisgründe anwen⸗ det, wenn man zu ſolchen ſpricht, welche unfähig ſind Vernunft anzunehmen; wie es unnütz ſein würde ei⸗ nem Blinden ein koſtbares Gemälde zu zeigen oder, wie die heilige Schrift ſagt, den Schweinen Perlen vorzuwerfen. Der Fehler in einem ähnlichen Falle kann alſo nicht einem Mangel an Genauigkeit in eu⸗ ren heiligen Beweisgründen, ſondern nur dem ſtum⸗ pfen und verkehrten Sinne der Barbaren, an welche ihr euch richtet, zugeſchrieben werden. Sprich deutlicher, ſagte der Kaiſer. Wie oft noch ſoll ich dir es ſagen, daß wir in den Umſtänden, wo wir wirklich Rath bedürfen, die Hofſitte opfern wollen. In dieſem Falle, erwiderte Agelaſtes, will ich euch in recht deutlichen Ausdrücken ſagen, daß dieſe euro⸗ päiſchen Barbaren keinem andern Volke der Welt gleichen weder hinſichtlich der Dinge, die ſie begehren, noch rückſichtlich derjenigen, welche ihnen einen heil⸗ ſamen Schrecken einflößen ſollten. Die Schätze dieſes edlen Kaiſerthums würden ihre Habgier erregen und in ihnen nur den Wunſch rege machen, ein Volk zu bekriegen, das ſo viel Reichthümer beſitzt, und das nach der Berechnung ihrer übermäßigen Eigenliebe we⸗ niger Kraft zur Vertheidigung hat, als ſie ſich zum Angriffe getrauen. Von dieſem Schlage iſt z. B. Bo⸗ hemund von Sicilien, ſowie ſoviele andere minder ge⸗ wandte und verſchlagene Kreuzfahrer als er. Ich brauche eurer kaſſerl. Gottheit nicht zu ſagen, daß er ſeinen perſönlichen Vortheil als die einzige Richt⸗ ſchnur ſeines Betragens in dieſem ungewöhnlichen Kriege betrachtet, und folglich könnt ihr ſeinen Weg mit Sicherheit berechnen, wenn ihr einmal genau wißt, von welcher Himmelsgegend der ihn treibende Wind des Eigennutzes und der Habgier herkommt. Aber unter den Franken giebt es Geiſter ganz ande⸗ rer Art, auf welche man ganz andere Beweggründen einwirken laſſen muß, wenn man ihre Handlungen len⸗ ken und die ſie leitenden Grundſätze beherrſchen will. 28 Wenn es mir erlaubt wäre, ſo möchte ich Ew. Maj. bitten, nachzudenken, wie ein Taſchenſpieler eures Ho⸗ fes die Augen der Zuſchauer betruͤgt, aber ſorgfaͤltig die Mittel verbirgt, wodurch er die Täuſchung her⸗ vorbringt. Jene Menſchen— ich meine diejenigen Kreuzfahrer, deren Geiſt erhabener iſt, und welche nach den Grundſätzen der Lehre handeln, die ſie Rit⸗ terlichkeit nennen; jene Menſchen, ſage ich, verabſcheuen die Gier nach Gold und betrachten dieſes Metall an ſich ſelbſt als unnütz und verächtlich, wofern ſie es nicht etwa zur Verzierung ihres Schwertgriffes oder zur Beſtreitung nothwendiger Ausgaben gebrauchen. Sie verachten, verſpotten und verabſcheuen den Meuſchen, der ſich durch Habgier kann leiten laſſen; und verglei⸗ chen ihn in ſeinen niedrigen Begierden mit dem ge⸗ meinſten Sklaven, der jemals dem Pfluge gefolgt iſt, oder das Grabſcheit gehandhabt hat. Wenn ſie da⸗ bei wirklich Gold nöthig haben, ſo machen ſie keine großen Umſtaͤnde es überall zu nehmen, wo ſie es finden. Alſo iſt es weder leicht ſie durch Verſchwendung von Soldſummen zu gewinnen, noch ſie zur Nachgiebigkeit zu zwingen, indem man ihnen das Nothwendige ent⸗ zieht. Im erſten Falle legen ſte keinen Preis auf das Geſchenk eines niedrigen gelben Metalles; im zweiten ſind ſie gewöhnt zu nehmen was ſie nöthig haben. Ein niedriges gelbes Metall! wiederholte Alexins. Geben ſie dieſen Schimpfnahmen jenem edlen Metalle, das ebenſo von den Römern wie von den Barbaren, 29 von dem Reichen wie von dem Armen, von dem ho⸗ hen wie niedrigen, von dem geiſtlichen wie von dem weltlichen Stande geſchaͤtzt wird; für deſſen Beſitz das ganze Menſchengeſchlecht Ränke und Argliſt braucht, ſich verſchwört und befeindet, und Leib und Seele in Verdammniß bringt? ſie ſind Narren, vollksmmene Narren, Agelaſtes. Drohungen, Gefahren, Strafen und Züchtigungen, ſind alſo die einzigen Beweisgründe für Menſchen, die über dem allgemeinen Einfluße, der alle Andern beherrſcht, ſtehen. Sie ſind der Furcht ſo wenig zugänglich als dem Vortheile, ſetzte Agelaſtes hinzu. Sie werden von Jugend auf daran gewöhnt, jene Leidenſchaften zu be⸗ herrſchen, welche auf gewöhnliche Menſchen ſo viel Ein⸗ fluß haben, als die Habſucht, welche vorwärts treibt, und die Furcht, welche zurückhält. Dieſes iſt ſo wahr, daß das, was für andere Menſchen anziehend ſein würde, durch die ſcharfe Bruͤhe einer außerordendli⸗ chen Gefahr gewürzt werden muß, um ſie anzuſpre⸗ chen. So z. B. habe ich dem Helden unſerer Unter⸗ haltung eine Sage von einer Prinzeſſin von Zulichium erzählt: dieſe engelſchöne Jungfrau iſt durch Zauber eingeſchlafen und erwartet den glücklichen Ritter, welcher den Zauber löſen, ſie erwecken und dadurch Herr ihrer Perſon, ihres Königreiches Zulichium, und ihrer unermeßlichen Schäͤße werden ſoll; aber wird Ew. kaiſerl. Maj. es mir glauben? ich konnte ihm kaum zur Anhörung meiner Geſchichte bewegen, und 30 ihm einige Theilnahme für dieſes Adenteuer beibrin⸗ gen, ehe ich ihm verſichert hatte, daß er einen geflü⸗ gelten Drachen zu bekämpfen haben würde, in Ver⸗ gleich mit welchem alle diejenigen, von denen in den Romanen der Franken die Rede iſt, nur Mücken ſind. und brachte dieſer Umſtand unſeren Helden in Be⸗ wegung? fragte der Kaiſer. Er bewegte ihn dergeſtalt, antwortete der Philo⸗ ſoph, daß er, wenn ich nicht unglücklicher Weiſe durch eine zu lebhafte Beſchreibung die Eiferſucht ſeiner Pentheſilea von Graͤfin rege gemacht hätte, den Kreuz⸗ zug und alles damit in Verbindung ſtehende vergeſſen haben würde, um Zulichium und ſeine ſchlafende Prin⸗ zeſſin aufzuſuchen. In dieſem Falle, fagte der Kaiſer, haben wir in unſerem Reiche,— einen noch nie gefühlten Vortheil? — eine ungeheure Zahl von Märchenerzaͤhlern, die nicht im Geringſten jene edle, der Franken eigen⸗ thümliche, Verachtung des Goldes beſitzen, ſondern für ein Paar Pfenninge den Teufel anlügen und über den Preis ſchlagen würden, wenn wir durch dieſes Mittel nach dem Seemänniſchen Ausdruck der Fran⸗ ken den Wind abgewinnen könnten. WVorſicht iſt dabei im höchſten Grade nothwendig, entgegnete Agelaſtes. Blos Lügen iſt nicht ſehr ſchwer, man braucht ſich nur von der Wahrheit zu entfernen, es iſt daſſelbe, als mit dem Bogen das Ziel verfehlen, wenn der ganze Himmel nur mit Ausnahme eines 34 Punktes für den Pfeil des Schützen frei iſt. Dagegen um den Frenken handeln zu laſſen wie man wünſcht, muß man vollkommen ſeinen Charakter und ſeine Nei⸗ gung kennen, eine große Vorſicht gebrauchen, viele Geiſtesgegenwart und die geſchickteſte Gewandtheit um von einem Gegenſtand auf den Andern überzuſpringen. Wenn ich nicht ſelbſt meine Leute gekannt hätte, ſo hätte ich den geringſten Fehler für den Dienſt eurer Majeſtät theuer büßen können, und war nahe daran, in meinen Waſſerfall durch das beleidigte Mannweib geworfen zu werden. Eine wahre Thaleſtris! ſagte der Kaifer. Ich werde mich huͤten, ihr Anlaß zur Beleidigung zu geben. Wenn ich ſprechen, und leben darf, ſetzte der Philo⸗ ſoph hinzu, ſo thäte der Caͤſar Nicephorus Briennes wohl daran, dieſelbe Vorſicht zu gebrauchen. Nicephorus, ſagte der Kaiſer, mag das mit unſerer Tochter abmachen; ich habe ihr immer geſagt, daß ſie ihm ein wenig zu viel von jener Geſchichte vor⸗ liest, wovon ein Paar Seiten zur Ergquickung hinreich⸗ ten; aber man kann nicht läugnen, Agelaſtes, alle Tage das mit anzuhören, das kann die Geduld eines Heiligen erſchöpfen!— Vergiß, daß du mich alſo haſt ſprechen hören, guter Agelaſtes; beſonders denke nicht daran, in Gegenwart unſerer Gemahlin und Tochter. Uebrigens, ſagte Agelaſtes, die Freiheiten, welche ſich der Cäſar erlaubte, gingen nicht über die Grän⸗ 32 zen unſchuldiger Artigkeiten hinaus. Aber die Graͤfin muß ich ſagen, iſt ein gefaͤhrliches Weib. Sie hat heute den Scythen Torartis mit einem einzigen Hiebe auf den Kopf getödtet, und dieſer Hieb glich nur ei⸗ nem Naſenſtüber. Was? rief der Kaiſer, ich habe dieſen Toxartis gekannt, und ſehr wahrſcheinlich hat er ſein Schickſal verdient, denn er war ein frecher und gewiſſenloſer Plünderer. Indeſſen bemerke wohl dieſes Ereigniß, wie es ſich begeben hat, die Namen der Zeugen u. ſ. w., damit wir, wenn es nöthig iſt, die Hand⸗ lung ſn verſammelten Krenzfahrern als eine feind⸗ ſelige Handlung von Seiten des Grafen und der Grä⸗ fin von Paris darſtellen können. Ich hoffe, ſagte Agelaſtes, daß Ew. kaiſerl. Ma. nicht ſo leicht auf die Gelegenheit verzichten wird, Perſonen von ſo hohem ritterlichem Rufe unter ſeine Fahne zu locken. Es würde kein Opfer für uns ſein, ihnen eine griechiſche Inſel zu geben, die zehn Mal ihre elende Grafſchaft Paris aufwöge. Und wenn ihr ſie ihnen unter der Bedingung gäbet, die Ungläubigen oder Aufrührer daraus zu vertreiben, ſo würde ihnen dadurch das Geſchenk um ſo angenehmer werden. Ich brauche nicht zu ſagen, daß alle Kenntniß, Weisheit und Erfahrung, welche der arme Agelaſtes beſitzen kann, zur Verfügung eurer kaiſerl. Maj. ſteht. Der Kaiſer ſchwieg einen Augenblick, und fagte dann, als haͤtte er reiflich daruͤber nachgedacht:— — — 35 Würdiger Agelaſtes, ich wage mich auf dich bei die⸗ ſer ſchwierigen und etwas gefaͤhrlichen Angelegenheit zu verlaſſen, aber ich werde meinen Vorſatz ausführen ihnen die Salomoniſchen Löwen zu zeigen, ſowie den goldenen Baum unſeres Kaiſerhauſes. Dagegen iſt keine Einwendung zu machen. Nur möge Ew. Maj. daran denken, ihnen nur eine kleine Zahl Wachen zu zeigen, denn dieſe Franken gleichen einem feurigen Streitroſſe. Wenn es ruhig iſt, ſo kaun man es mit einem ſeidenen Faden leiten, dage⸗ gen vermöchte kein ſtählerner Zaum es zurückhalten, wenn es Verdacht oder Argwohn geſchöpft hat, was die Franken ohne Zweifel thun würden, wenn ſie viele bewaffnete Leute um ſich herum ſähen. Ich werde in dieſem Punkte ſo klug als in anderen ſeyn,— ziehe die ſilberne Schelle, Agelaſtes, um die Diener unſerer Garderobe zu benachrichtigen. Noch ein Wort, ſo lange wir allein ſind; wollte Ew. kaiſerl. Maj. mir die Aufſicht über den Thier⸗ garten oder die Sammlung ſeltener Thiere anver⸗ trauen? Du überraſcht mich, ſagte der Kaiſer, und nahm ein Pettſchaft, worauf ein Loͤwe mit der Unterſchrift ſtand:„Es ſiegte der Löwe aus dem Stamme Juda.“ — Dieſes giebt dir den Befehl über unſere Thierſamm⸗ lung. Und jetzt ſey einmal aufrichtig gegen deinen Herrn; denn Täuſchung iſt dein Element, ſelbſt gegen W. Scott's ſaͤmmtl. Werke. 1668 Boch. 5 354 mich.— Welchen Zanber wirſt du einwenden, um jene ungebändigten Barbaren zu unterwerfen? Die Macht der Lüge, antwortete Agelaſtes, mit tiefer Verbeugung. Ich glaube, darin haſt du die Meiſterſchaft erreicht, ſagte Alerius, und welche ihrer Schwächen denkſt du anzugreifen? Ihre Liebe zum Ruhme, antwortete der Philoſoph, indem er rückwärts in demſelben Angenblicke aus dem Gemache ging, wo die Garderobediener hineintraten, um den Alexius mit dem kaiſerl. Mantel zu begleiten. Vierzehntes 5 die. Mit Thoren ſprech' ich, deren Witz von Eiſen, Mit unachtſamen Buben; nicht fuͤr mich Iſt, wer, Bedacht im Auge, auf mich blickt,— Vorſichtig wird der ſtolze Bukingham. Richard III. Nach ihrer Trennung überließen ſich der Kaiſer und der Philoſoph tiefen Betrachtungen, welche durch ihre ſo eben Statt gefundene Unterredung veranlaßt wor⸗ den waren. Dieſe Betrachtungen ließen ſich zwar nur durch einzelne Ausrufe und abgebrochene Redensarten 35 laut werden; aber um beſſer den Grad von Ehrfurcht begreiflich zu machen, welche ſie vor einander hatten, werden wir ihnen eine regelmäßigere und verſtändli⸗ chere Form geben. Alſo hat doch, ſagte oder murmelte Alexius, aber ſo leiſe, daß er von den Garderobedienern, welche ihr Amt verrichteten, nicht verſtanden werden konnte, alſo hat doch dieſer Bücherwurm, dieſes Ueberbleibſel alter heidniſcher Philoſophie, der kaum, Gott verzeihe mir, an die Wahrheit des Chriſtenthums glaubt, ſeine Rolle ſo gut geſpielt, daß er ſeinen Kaiſer zwingt es in ſei⸗ ner Gegenwart zu verheimlichen! Nachdem er anfangs der Hofnarr geweſen iſt, hat er alle ſeine Geheimniſſe durchſchaut, hat ſich aller Ränke bemeiſtert, hat ſich mit meinem Eidam gegen mich verſchworen, hat meine Wachen verführt, kurz er hat ſein Truggewebe ſo wohl geſponnen, daß mein Leben nur ſo lange in Sicherheit iſt, als er mich für einen gekrönten Dummkopf hält, für welchen ich mich ausgegeben habe um ihn zu tän⸗ ſchen; überglücklich bin ich, wenn ich ihn alſo verhin⸗ dern kann, meine ſpätere Rache klüglich vorauszuſehen, und wenn er ſeine gewaltthätigen Maßregeln beſchlen⸗ nigt. Wenn nur dieſer plötzliche Sturm des Kreuz⸗ zuges vorübergegangen iſt, dann ſoll der undankbare Cüäſar, der feige Prahler Achilles Tatius und die Schlange Agelaſtes, die ich an meinem Buſen genährt habe, erfahren, ob Alexius Comnenus zu ihrem Nar⸗ ren gebyren iſt. Bei dieſen Worten überließ er ſich 36 den Bemühungen ſeiner Garderobediener, welche ihn mit allem fuͤr eine große Feierlichkeit erforderlichen Schmucke bedeckten. Ich traue ihm nicht, ſagte Agelaſtes zu ſich. Ich kann und will ihm nicht traueuz er hat ſeine Rolle etwas übertrieben. Bei anderen Gelegenheiten hat er ſich mit aller Klugheit der Comneniſchen Familie benommen, und doch rechnet er heute auf die Wirkung, welche dieſe elenden mechaniſchen Löwen auf ſo ver⸗ ſtändige Leute, wie die Franken und Normänner, her⸗ vorbringen ſollten; und er ſcheint ſich auf mich zu verlaſſen, um über den Charakter der Völker zu ur⸗ theilen, mit welchen er ſeit ſo vielen Jahren in Frie⸗ dens⸗ oder Kriegsverbindungen geſtanden hat. Das kann nur geſchehen um mein Vertrauen zu gewinnen, denn einige Seitenblicke, einige abgebrochene Worte ſchienen mir zu ſagen:— Agelaſtes, der Kaiſer kennt dich und mißtraut dir.— Indeſſen unſere Verſchwö⸗ rung geht gut, und iſt noch nicht entdeckt, ſoviel ich davon urtheilen kann; ſelbſt wenn ich jetzt zurück⸗ wollte, würde ich für immer verloren ſeyn. Noch kurze Zeit um die Raͤnke mit dieſem Franken auszuführen, und Alexius vertauſcht vielleicht mit Hülfe dieſes Prah⸗ lers ſeinen Thron mit einem Kloſter, oder mit einer noch engern Wohnung. Aber dann Agelaſtes, verdienſt du von der Liſte der Philoſophen geſtrichen zu werden, wenn du nicht dieſen verſchwelgten Thoren, dieſen Cä⸗ ſar, vom Throne ſtürzen, und dich an ſeine Stelle als 32 ein anderer Mark Aurel ſetzen kannſt, deſſen weiſe Regierung lange der von uͤppigen Thrannen beherrſch⸗ ten Welt unbekannt war, und bald die Weiſe, wie du zur Macht gelangt biſt, in Vergeſſenheit bringen wird. Ans Werk alſo! ſey thätig und vorſichtig! der Augenblick verlangt es, und der Preis, wonach du ringſt, verdient es. Waͤhrend dieſe Gedanken ſich in ſeinem Geiſte dräng⸗ ten, legte er mit Hülfe des Diogenes die groben aber reinen Kleider an, worin er ſich gewöhnlich am Hofe zeigte, die gar wenig dem Auszuge eines Kronpräten⸗ denten glichen, und einen grellen Gegenſatz mit dem prachtvollen Schmucke bildeten, mit welchem man in demſelben Augenblicke den Alexius bedeckte. In ihren abgeſonderten Zimmern nahmen der Graf von Paris und ſeine Gemahlin das ſchönſte Gewand, welches ſie für etwaige ähnliche Ereigniſſe während ihrer Reiſe bereit hielten. Selbſt in Frankreich zeigte ſich Robert ſelten in friedlicher Mütze mit hohem Fe⸗ derbuſche und in fliegendem Mantel mit weitem Fal⸗ tenwurfe, dem Anzuge der Ritter in Friedenszeiten; er trug eine vollſtändige Rüſtung, aber ſein Haupt war nur von ſeinen ſchoͤnen lockigen Haaren bedeckt. Sein übriger Leib war mit einem damaligen Panzer⸗ hemde bekleidet, an welchem die reiche ſilberne Bele⸗ gung mit dem blau angelaufenen Stahle einen ſchö⸗ nen Gegenſatz bildete. Er hatte ſeine Sporen ange⸗ legt, trug ſein Schwert an der Seite, und an ſeinem 38 Halſe, ſeinen dreieckigen Schild, auf welchem eine Un⸗ zahl von Lilien abgebildet waren, die in der Folge auf drei beſchränkt, der Schrechen Eurvpas wurden, bis ſie in unſeren Zeiten ſoviel Unglück erfahren haben. Der hohe Wuchs des Grafen Robert paßte vollkom⸗ men zu einem Anzuge der die kleinen Menſchen, wenn ſie von Kopf bis zu Fuͤßen bewaffnet waren, als wun⸗ derliche Zwerge erſcheinen ließ. Sein Geſicht, deſſen Züge eine große Ruhe, ſowie eine edle Verachtung gegen Alles ausdruͤckte; was einen gewöhnlichen Geiſt hätte überraſchen oder erſchüttern koͤnnen, bildete ei⸗ nen herrlichen Aufſatz zu ſeinen übrigen kräftigen, vollkommenen und wohlgeſtalteten Gliedern. Der Putz der Gräfin hatte etwas Friedlicheres, aber ihr Gewand war kurz wie das eines Weibes, das jeden Augenblick zu Leibesübungen bereit iſt. Der obere Theil ihrer Kleidung beſtand aus mehreren knap anſchließenden Oberkleidern, deren Blaͤtter von dem Gürtel bis auf die Knie herabfielen: dieſen Anzug hätte eine Dame in neueren Zeiten tragen können. Ihre Haare waren mit einem leichten ſtählernen Helme bedeckt, worunter einige Flechten herabfielen, die ihr Geſicht zierten und ihre ſchönen Züge hervortreten ließen, die etwas zu Ernſtes gehabt hätten, wenn ſie gaͤnzlich von Eiſen umgeben geweſen wären. Ueber ihre Unterkleider hat⸗ te ſie einen koſtbaren dunkelgrünen Sammetmantel geworfen, der ihr bis an den Hals reichte, und ſie hatte 39 eine Art Kapuze nachläßig übér den Helm gezogen; dieſer Mantel war mit breiten Stickereien an allen Raͤndern und Näthen beſetzt, und ſein Schlepp war ſo lang, daß er über der Erde hinſchleifte. Ein Dolch mit reichem Griffe ſchmückte einen Guͤrtel, ein ſehr merkwürdiges Werk der Goldarbeiterkunſt. Ungeachtet ihres Kriegerſtandes war dieſes die einzige Angriffs⸗ waffe, welche ſie bei dieſer Gelegenheit trug. Der Anzug der Gräfin war nicht ſo ſchnell beendigt als der des Grafen Robert, welcher die übrige Zeit, wie die Ehemänner aller Zeiten es gewohnt ſind zu thun, mit kleinen bitter ſüßen, halb ernſthaften, halb ſcherzhaften Klagen hinbrachte, über die Langſamkeit der Weiber und den Zeitverluſt beim Ankleiden und Ausziehen derſelben. Aber als nun Brunhilde im ganzen Glanze ihrer Schönheit aus ihrem Zimmer trat, da drückte ſie ihr Gemahl, der noch ſtets ihr Liebhaber war, an ſein Herz, und bewieß, daß er ſeine Vorrechte kannte, indem er als von Rechtswegen ei⸗ nen Kuß von einem ſo reizenden Geſchöpfe nahm. Brunhilde ſchalt ihn wegen ſeiner Thorheit, obwohl ſie ihm den empfangenen Kuß erwiederte, und fragte ihn, wie ſie den Weg zum Kaiſer finden würden. Dieſe Frage wurde bald entſchieden, denn ein leich⸗ tes Klopfen an die Thüre verkündete die Ankunft des Agelaſtes. Der Kaiſer hatte ihn, da er die Gewohn⸗ heit der Franken kannte, beauftragt, die beiden vor⸗ nehmen Fremden vor ihn zu führen. Ein fernes Ge⸗ 140 räuſch, ähnlich dem Brüllen eines Löwen, oder dem Schalle einer großen Trommel, verkündete den Anfang der Feierlichkeit. Die ſchwarzen Sklaven von der Wache, welche, wie oben beſchrieben wurde, in weißen und goldenen Gewändern aufgeſtellt waren, trugen in der einen Hand einen bloßen Säͤbel, und in der andern eine brennende Fakel, um dem Grafen und der Gräfin durch die Gänge zu leuchten, welche in das Innere des Pallaſtes und zum geheimen Audienzſaale führten. Die Thüre zu dieſem Allerheiligſten war niedriger als gewöhnlich: eine Kriegsliſt, welche ein Pallaſtbe⸗ amter erdacht hatte, um den ſtolzen Franken zum Bük⸗ ken zu zwingen, wenn er vor den Kaiſer trat. Als Robert die Thüre öffnete, und im Hintergrunde des Saales den Kaiſer auf ſeinem Throne ſitze ſah, umge⸗ ben von den Wogen eines glänzenden Lichtes, das ſich tauſendfach in den Juwelen ſeiner Gewaͤnder ſpiegelte, ſo blieb er auf der Stelle ſtehen, und fragte, warum man ihn durch eine ſo niedrige Thüre eintreten ließe. Um eine Frage, auf welche er nicht hätte antworten können, zu umgehen, zeigte ihm Agelaſtes den Kaiſer. Ein ſchwarzer Sklave, der ſein Schweigen entſchuldi⸗ gen wollte, öffnete den Mund, und zeigte, daß er keine Zunge hatte. Heilige Jungfrau! ſchrie die Gräfin, was koͤnnen dieſe unglücklichen Afrikaner verbrochen haben, um ein ſo grauſames Geſchick zu verdienen? 41 Die Stunde der Vergeltung iſt vielleicht gekommen, ſagte der Graf in unwilligem Tone, waͤhrend Agela⸗ ſtes mit ſoviel Schnelligkeit, als die Gebräuche der Zeit und des Ortes erlaubten, mit gewaltig vielen Kniebeugungen und Niederwerfungen eintrat, nicht zweifelnd, daß der Franke ihm folgen, und dadurch gezwungen wurde ſich vor dem Kaiſer zu verbeugen. Aber der Graf, erbittert über den Streich, den man ihm hatte ſpielen wollen, und den er bemerkt hatte, drehte auf ſeinen Abſätzen um, und trat in den Au⸗ dienzſaal ſo, daß er dem Kaiſer den Rücken kehrte. Er drehte ſich erſt zum Alexius um, als er in die Mitte des Zimmers gekommen war, wo die Gräfin zu ihm trat, welche auf eine guſtändigere Weiſe hereinge⸗ gangen war. Der Kaiſer, welcher ſich vorbereitet batte, den vom Grafen erwarteten Gruß auf die huld⸗ reichſte Weiſe zu erwiedern, fand ſich auf dieſe Weiſe in eine noch unangenehmere Lage verſetzt, als da die⸗ ſer verwegene Franke den kaiſerl. Thron im Laufe deſ⸗ ſelben Tages eingenommen hatte. Die Hofbeamten und Edlen, welche den Thron um⸗ gaben und die Auswahl des Hofes bildeten, waren zahlreicher als gewöhnlich; denn es handelte ſich nicht darum Rath zu halten, ſondern eine große Pracht zu entfalten. Ihre Geſichter drückten Unwillen und Be⸗ ſtürzung aus, welche Gefühle am beſten zu der Ver⸗ legenheit des Alexius paßten. Der Normänniſche Ita⸗ liäner Bohomund war auch bei dieſem Empfange zu⸗ 42 gegen, und in ſeinen verſchlagenen Zügen miſchte ſich wunderbar der Ausdruck des Vergnügens und des Hoh⸗ nes. Das Unglück des Schwächſten oder wenigſtens des Furchtſamſten bei dergleichen Vorfällen iſt, daß er ſich ſchiwpflich entſchließen muß die Augen zuzu⸗ drücken, um nicht den Schimpf zu ſehen, wofür er ſich rächen kann. Alerius gab das Zeichen, daß die eierlichteit des großen Empfanges auf der Stelle anfangen ſollte. Alsbald erhoben die Salomoniſchen Loͤwen, welche ganz vor Kurzem geputzt worden waren, ihr Haupt, ſtraͤubten ihre Mähnen, ſchlugen ſich die Seiten mit ihrem Schweife, und erhitzten die Einbildungskraft des Grafen Robert, die ſchon in Folge des bei ſei⸗ nem Eintritte vorgefallenen Umſtandes in Feuer war: er bildete ſich ein, daß das Brullen dieſer Automa⸗ ten das Loſungszeichen zu einem unmittelbaren An⸗ griffe waͤren. Waren nun die Loͤwen, die er ſah, wirklich Koͤnige der Waͤlder,— oder verwandelte Menſchen,— oder das Werk irgend eines geſchickten Taſchenſpielers oder eines tiefen Naturforſchers? Das haͤtte der Graf nicht ſagen koͤnnen, das kuͤmmerte ihn aber auch ſehr wenig. Sein einziger Gedanke war, daß die Gefahr ſeines Muthes wuͤrdig waͤre, und ſein Entſchluß ſtand im Augenblicke feſt. Er ſprang auf den Loͤwen zu, der ihm am naͤchſten war, und der im Begriffe ſchien auf ihn loszuſtuͤrzen, und ſchrie ihm mit einer eben ſo rauhen und fuͤrchterli⸗ 43 chen Stimme, als das Gebruͤll dieſes Thieres war, zu:— Was, du Hund! zugleich verſetzte er ihm mit ſeiner geballten und von einem ſtählernen Pan⸗ zerhandſchuh bedeckten Fauſt einen ſo kraͤftigen Schlag, daß die Teppiche und Stufen des Thrones mit Raͤ⸗ derwerk, Springfedern und andern Truͤmmern des Mechanismus, der einen eingebildeten Schreck her⸗ vorbringen ſollte, bedeckt wurden. Als Graf Robert die wahre Beſchaffenheit deſſen, wodurch ſein Zorn entflammt worden war, einſah, wurde er etwas verlegen, daß er ſich bei einer ſol⸗ chen Gelegen heit hatte hinreißen laſſen. Seine Ver⸗ legenheit ſtieg noch, als Bohemund ſeinen Platz ne⸗ ben dem Kaiſer verließ, auf ihn zutrat und zu ihm in franzoͤſiſcher Sprache ſagte:— In der That, Graf Robert, ihr habt eine glaͤnzende That gethan, indem ihr den Hof von Byzanz eines Gegenſtandes beraubtet, der lange Zeit zum Schrecken ungezogener Kinder und wilder Barbaren gedient hatte. Der groͤßte Feind der Aufwallung iſt das Lächer⸗ liche.— Und warum? fragte der Graf mit hohem Erroͤthen;— warum zeigt man mir dieſen Gegen⸗ ſtand eingebildeten Schreckens? Ich bin weder ein Kind, noch ein Barbare. Richtet euch an den Kaiſer als vernuͤnftiger Menſch, ſagte Bohemund. Sagt ihm einige Worte zur Ent⸗ ſchuldigung eures Betragens, und beweiſet ihm, daß die Tapferkeit euch nicht gaͤnzlich um euren Verſtand 44 gebracht hat.— Und ſo lange ich noch mit euch allein ſprechen kann, merket wohl auf meine Worte.— Habt wohl Acht, ihr und eure Frau, mein Beiſpiel beim Nachteſſen nachzuahmen. Dieſe Worte wurden mit bedeutungsvoller Stimme geſprochen und mit einem vielſagenden Blicke begleitet. Die Meinung des Bohemund hatte wegen ſeiner langen Kriegs⸗ und Friedens⸗Verhaͤltniſſe mit dem griechiſchen Kaiſer viel Einfluß auf die anderen Kreuz⸗ fahrer, und der Graf Robert gab ſeinem Rathe nach. Er wandte ſich nach dem Kaiſer und gruͤßte ihn mie mehr Ergebung, als er bisher gezeigt hatte.— Ich bitte euch um Verzeihung, ſagte er, daß ich dieſes vergoldete Machwerk zerbrochen habe; aber, meiner Treue, die Wunder der Zauberei und die erſtaunens⸗ werthen Werke geſchickter und gewandter Taſchenſpie⸗ ler ſind in dieſem Lande ſo zahlreich, daß man ſchwer unterſcheiden kann, was wahr oder falſch, wirklich oder ſcheinbar iſt. Obwohl der Kaiſer eine bewundernswerthe Geiſtes⸗ gegenwart beſaß, und obwohl ihm ſeine Untergegebenen viel Muth zutrauten, ſo nahm er doch dieſe Erklärung ſehr ungeſchickt auf. Vielleicht könnte man die ge⸗ zwungene Miene des Wohlwollens, mit welcher er die Entſchuldigungen des Grafen anhoͤrte, mit dem Geſichte einer Hausfrau unſerer Tage vergleichen, wann ein ungeſchickter Gaſt ein Stück eines ſchönen Porzellain⸗ ſervice's zerbrochen hat. Er murmelte einige Worte 45 darüber, daß dieſe künſtlichen Werke lange Zeit hin⸗ durch in der kaiſerlichen Familie ephalten worden wä⸗ ren, weil ſte nach dem Muſter der Löwen, die den Thron des weiſen Königs von Israel bewachten, aus⸗ geführt worden. Der Graf antwortete mit rauher Freimüthigkeit, er zweifle ſehr, daß es dem weiſen Herrſcher von der Welt jemals in den Sinn gekommen ſey, ſeine Unterthanen oder ſeine Gäſte durch das nach⸗ gemachte Brüllen eines hölzernen Löwen zu erſchrecken. — Wenn ich zu ſchnell geglaubt habe, ſetzte er hinzu, daß dieß ein lebendes Geſchöpf war, ſo bin ich dafür hart geſtraft worden, da ich beim Zerſchlagen dieſes Holzkopfes einen herrlichen Panzerhandſchuh verdorben habe. Nachdem noch einige Worte, hauptſächlich über den⸗ ſelben Gegenſtand, gewechſelt worden waren, ſchlug der Kaiſer vor, in den Speiſeſaal zu gehen. Geführt von dem Obervorſchneider der kaiſerl. Tafel, und be⸗ gleitet von allen anweſenden Griechen, mit Ausnahme des Kaiſers und ſeiner Familie„ wandelten die beiden Franken durch ein Labyrinth von Zimmern, deren je⸗ des mit Wundern der Natur und Kunſt angefüllt war, die noch die ſchon vorhandene Meinung jener Fremd⸗ linge von dem Reichthum und der Größe, wodurch ſo viele erſtaunenswerthe Dinge verſammelt worden wa⸗ ren, vermehren mußten. Da ihr Zug nothwendig lan⸗ ſam war, ja oft anhielt, ſo hatte der Kaiſer Zeit ſei⸗ nen Anzug zu ändern, wie die Hofſitte vorſchrieb, 46 welche nicht erlaubte, daß er ſich zwei Male denſelben Zuſchauern in denſelben Gewändern zeigte. Er be⸗ nutzte dieſe Gelegenheit, um den Agelaſtes zu ſich zu berufen, und damit ihre Unterredung geheim bliebe, gebrauchte er zu ſeiner Ankleidung den Dienſt einiger Stummen, welche zum inneren Pallaſtdienſt beſtimmt waren. Alexius Comnenus war in dieſem Augenblicke von einer ſtarken Gemuͤthsbewegung ergriffen, obwohl er wegen ſeiner ſonderbaren Lage ſtets gezwungen war ſeine Gefühle zu verbergen, und in Gegenwart ſeiner Unterthanen ſich zu ſtellen, als ob er über allen menſch⸗ lichen Leidenſchaften erhaben ſtuͤnde, was in der Wirk⸗ lichkeit gar nicht der Fall war. Er fragte daher mit ernſtem, ja ſelbſt ſtrafendem Tone:— Wie kommt es, daß dieſer ſchlaue Bohemund, halb Italiener, halb Aſiate, bei dieſer Unterredung zugegen war? Wer hat dieſen Irrthum begangen? Sicher wenn man im ganzen Heere der Kreuzfahrer einen Menſchen in Arg⸗ wohn halten kann, daß er dieſen jungen Tollkopf und ſeine Frau in das Geheimniß des Schauſpiels einwei⸗ hen wollte, durch welches wir ſie zu tänſchen hofften, ſo war dieſer Bohemund der Mann. Wenn ich ſprechen und leben darf, antwortete Age⸗ laſtes, der Greis Michael Cantacuzenos hat die An⸗ weſenheit des Bohemund für beſonders und wünſchens⸗ werth gehalten. Aber er kehrt noch in dieſer Nacht zum Lager zurück. 6 47 Ja, ſagte Alexius, um den Gottfried und die übri⸗ gen Kreuzfahrer zu benachrichtigen, daß einer ihrer geachtetſten Gefährten mit ſeiner Frau in unſerer Kaiſerſtadt als Geißel geblieben iſt; und um uns in die Wahl zwiſchen einem augenblicklichen Kriege oder ihrer Befreiung zu verſetzen! Wenn es der Willen Euerer Kaiſerlichen Majeſtät iſt alſo zu denken, ſo könnt ihr dem Grafen Robert und ſeiner Frau geſtatten, mit dem Italieniſchen Nor⸗ man ins Lager zurückzukehren. Wie! rief der Kaiſer, und alſo alle Früchte eines Unternehmens verlieren, deſſen Vorbereitungen uns ſchon ſo viel Geld gekoſtet haben, und die uns noch mehr Beſorgniß und Unruhe verurſacht haben würden, wenn unſer Herz aus demſelben Stoffe wie das der gewöhnlichen Menſchen beſtünde?2 Nein, nein! Man laſſe die Kreuzfahrer wiſſen, welche noch auf dieſſeiti⸗ gem Ufer ſind, daß ſie jeder Huldigung überhoben ſind, und daß ſie ſich morgen frühe mit Tagesanbruch an die Ufer des Bosphorus zu begeben haben. Wenn unſerem Admiral ſein Kopf lieb iſt, ſo ſoll er ſie Alle bis auf den letzten Mann vor Mittag auf das andere ufer ſchaffen. Dort ſoll man ihnen reichliche Geſchenke austheilen und ein glänzendes Mal bereiten: Alles, um ihren Eifer zum Ueberſetzen zu vermehren. Als⸗ dann, Agelaſtes, rechnen wir auf uns ſelbſt, um dieſe neue Gefahr zu bekämpfen, entweder durch Gewinnung des käuflichen Gemüthes von Bohemund, oder durch —— . 48 Trotz gegen die Kreuzfahrer. Ihre Kräfte ſind zer⸗ ſtreut; ihre Auführer und ihre hanptſächlichſten Qber⸗ haͤupter ſind gegenwärtig alle, oder doch zum größten Theile, auf dem öſtlichen ufer des Bosphorus.— Doch jetzt denken wir an das Gaſtmahl; denn wir haben genug unſern Anzug gewechſelt, um unſeren Hausgeſetzen nachzukommen, da es unſeren Vorfahren gefallen hat, über die Art, wie wir vor unſeren Un⸗ terthanen erſcheinen ſollen, Vorſchriften zu geben, wie ſie die Prieſter bei dem Vorzeigen der Heiligenbilder in ihren Kirchen beobachten. Wenn ich ſprechen und leben darf, ſagte Agelaſtes, ſie haben daran nicht unklug gethan. Sie haben da⸗ bei, daß der Kaiſer ſtets denſelben Vorſchriften, wie ſeine Urahnen, unterworfen iſt, beabüchtigt, daß er immer als ein über den gewöhnlichen Geſetzen der Menſchheit erhabenes Weſen betrachtet würde, mehr wie ein göttliches Heiligenbild, denn wie ein gemeiner Sterblicher. Wir wiſſen das, guter Agelaſtes, ſagte der Kaiſer lächelnd; und wir wiſſen auch, daß uns mehrere un⸗ ſerer Unterthanen, wie die Baalspfaffen in der heili⸗ gen Schrift, als ein Bild behandeln, indem ſie uns die Einkünfte verſchlingen helfen, welche in den Pro⸗ vinzen für uns und in unſerem Namen erhoben werden. Doch ſpielen wir darauf nur im Vorbeigehen an, es iſt jetzt nicht der Augenblick davon zu ſprechen. Alexius hob den geheimen Rath auf, nachdem der 49 Befehl zur Einſchiffung der Kreuzfahrer in gehöriger Form mit der heiligen Dinte der kaiſerl. Kanzlei ge⸗ ſchrieben und unterzeichnet worden war. Inzwiſchen war die uͤbrige Geſellſchaft in einen Saal gelangt, welcher wie alle übrigen Zimmer des Pallaſtes mit ebenſoviel Reichthum als Geſchmack aus⸗ geſchmückt war. Wenn etwas in dieſer letzten Hin⸗ ſicht auszuſetzen war, ſo waren es die Schüſſeln, wel⸗ che, übrigens ausgezeichnet durch das glänzende Me⸗ tall, woraus ſie beſtanden, und durch die ausgewähl⸗ ten Gerichte, welche ſie enthielten, von Fuͤßen getra⸗ gen wurden, ſo daß ſie über die Weiber, welche an der Tafel ſaßen, und über die Männer, welche auf den Polſtern lagen, hinausreichten. Ringsherum ſtanden reichgekleidete ſchwarze Skla⸗ ven. Der Ober ⸗Vorſchneider Michael Kantacuzeno wies mit ſeiner goldenen Ruthe jedem Gaſte ſeinen Platz an, und gab ihnen durch Zeichen zu verſtehen, daß ſie Alle vor der Tafel ſo lange ſtehen bleiben ſoll⸗ ten, bis er ihnen das Zeichen zum ſetzen gaͤbe. Das obere Ende der Tafel war von einem muſſeli⸗ nenen und ſeidenen Vorhang verdeckt, der von einem hohen Bogen herabflel, unter welchen dieſer Theil der Tafel zu gehen ſchien. Der Vorſchneider hatte ſtets ſeine Blicke mit Aufmerkſamkeit auf dieſen Vorhaga gerichtet, und als er ihn in Bewegung kommen ſah, ſchwang er ſeine Gerte, und Jeder erwartete in Schwei⸗ gen das, was da kommen ſollte. W. Scott's ſaͤmmtl. Werke. 1668 Boch. 4 50 Der geheimnißvolle Vorhang ging, wie von ſelber, auf, und man ſah dahinter einen Thron, der um acht Stufen über dem Ende der Tafel erhöht, mit der größten Herrlichkeit ausgeſchückt war, und vor wel⸗ chem ein kleiner elfenbeinerner, mit Silber belegter Tiſch ſtand, woran Alexius Comnenus ſaß. Dieſer Fürſt hatte einen gänzlich verſchiedenen Anzug von denjenigen, welche er während des Tages getragen. hatte; dieſer war noch koſtbarer als alle fruͤheren, und ſo glaͤnzend, daß es natürlich ſchien, wenn ſich ſeine Unterthauen vor einem ſo blendenden Weſen nie⸗ derwarfen. Seine Gemahlin, ſeine Tochter und ſein Eidam ſtanden aufrecht hinter ihm mit zur Erde ge⸗ beugtem Haupte; und mit einem Ausdrucke tiefer Demuth ſtiegen ſie auf Befehl des Kaiſers von der Erhöhung, auf welcher der Thron ſtand, herab, um ſich zu den um die untere Tafel verſammelten Gaͤſten zu geſellen; ungeachtet ihrer hohen Wuͤrde ſetzten ſie ſich erſt an derſelben nieder, als der Ober⸗ Vorſchnei⸗ der das Zeichen dazu gab. Man konnte daher nicht ſagen, daß die Gäſte das Mahl des Kaiſers theilten, noch daß ſie an derſelben Tafel ſaßen; indeſſen ſpeisten ſie in ſeiner Gegenwart, und er ermunterte ſie oft durch Worte, dem Gaſtmahl Ehre zu erweiſen. Kei⸗ ne der auf der unteren Tafel aufgetragenen Schüſſeln wurde dem Kaiſer vorgeſetzt; dagegen wurden die fei⸗ neren Weine und Gerichte, welche ſich vor ihm wie durch Zauberei erhoben, oft auf ſeinen beſondern Be⸗ 51 fehl denſenigen Gäſten, welche Alerius ehren wollte, zugeſchickt, und die Franken erhielten ganz beſonders dieſen Beweis der Auszeichnung. Das Benehmen Bohemunds war bei dieſer Gelegen⸗ heit ſehr bemerkenswerth. Der Graf Robert, welcher ſeine Blicke ſtets auf ihn geheftet hatte, ſowohl wegen des von ihmempfangenen Rathes, als weil er mehrmals von ihm ausdrucksvolle Blicke zugeworfen bekam, bemerkte, daß dieſer vorſich⸗ tige Fürſt weder die Schüſſeln und Weine auf der Tafel berührte, noch ſelbſt Etwas, was ihm vom Kai⸗ ſer zugeſchickt wurde. Ein Biſſen Brod, den er von ungefähr aus einem Körbchen nahm, und eine Schaale reines Waſſers waren die einzigen Erfriſchungen, die er ſich erlaubte. Als Cntſchuldigung führte er die Achtung an, die er der in dieſer Nacht beginnenden Adventsfeier ſchuldig wäre, und die bei den Griechen wie Lateinern gleich heilig gehalten wurde. Ich hätte nicht erwartet, Herr Bohemund, ſagte der Kaiſer, daß ihr an meiner Tafel meine Gaſtfreund⸗ ſchaft ausſchlüget, zumal an demſelben Tage, wo ihr mich geehrt habt durch euren Eintritt in meinen Dienſt als Vaſall für das Fürſtenthum Antiochien. Antiochien iſt noch nicht erobert, Herr, ſagte Bohe⸗ mund; und das Gewiſſen, dieſe ſtolze und eiferſüchtige Gebieterin, muß ſtets ſeine Ausnahmen machen kön⸗ nen, welche weltliche Verpflichtungen wir immerhin übernehmen mögen. 52 Friſch, Graf! fuhr der Kaiſer fort, welcher deutlich einſah, daß die Stimmung Bohemund's mehr durch Mißtrauen als Frömmigkeit entſtanden ſey, obwohl das nicht unſere Gewohnheit iſt, ſo laden wir doch un⸗ ſere Kinder, unſre edlen Gäſte, und unſre vornehmſten Beamten, die hier anweſend ſind, ein, alle der Reihe nach zu trinken. Man ſoll die Becher, die neun Muſen genannt, anfüllen, und den für die Kaiſerlichen Lippen beſtimmten Wein eingießen. Die Becher wurden dem Befehle des Kaiſers gemäß augefüllt. Sie waren von reinem Gold, und auf je⸗ dem war das Bild der Muſe eingegraben, welcher er geweiht war. Ihr wenigſtens, guter Graf Robert, ſagte der Kai⸗ ſer, ihr und eure liebenswürdige Gemahlin, ihr werdet euch kein Gewiſſen daraus machen, dem Kaiſer, eurem Wirthe, mit dem Becher in der Hand Beſcheid zu thun? Wenn dieſer Gewiſſenszweifel aus einer Geſinnung des Mißtrauens gegen das, was man uns hier auf⸗ wartet, herkommt, antwortete der Graf von Paris, ſo laſſe ich mich nicht zu ſolchem Argwohne herab. Wenn ich eine Sünde begehe, durch Weintrinken an dieſem Abend, ſo iſt es eine verzeihliche, und meine Buͤrde wird dadurch nchit viel ſchwerer ſeyn, wenn ich ſie mit meinen andern Fehlern zum Beichtſtuhle trage. Nun! Fürſt Bohemund, ſagt Alexins, wollt ihr nicht das Beiſpiel eures Frenndes befolgen. 53 Es ſcheint mir, antwortete der Italieniſche Nor⸗ mann, mein Freund hätte beſſer gethan, das mei⸗ nige zu befolgen. Uebrigens mag er thun, was ſeine Weisheit ihm eingiebt; mir iſt der Geruch ſchon hinreichend, um über einen ſo ausgeſuchten Wein zu urtheilen. Bei dieſen Worten leerte er ſeinen Becher in einen andern, und ſchien abwechſelnd die getriebene Arbeit des Bechers und die Blume des Weines zu bewun⸗ dern, welchen ſie enthalten hatte. Ihr habt Recht, Herr Bohemund, ſagte der Kaiſer, die Arbeit dieſes Bechers iſt vollkommen, er iſt aus den Händen eines Griechiſchen Silberarbeiters des Alterthums gekommen. Der beruͤhmte Becher des Neſtor, von dem uns Homer die Beſchreibung hinter⸗ laſſen hat, war vielleicht groͤßer, aber er kam dieſem weder im Werthe des Stoffes, noch in der ausgezeich⸗ neten Schönheit der Arbeit gleich. Die edlen Frem⸗ den, welche hier ſind, mögen die Becher, woraus ſie getrunken haben oder hätten trinken ſollen, als Ge⸗ ſchenk empfangen, und ihn als Andenken an unſere Perſon bewahren; und moͤge ihr Feldzug gegen die Un⸗ gläubigen ſo glucklich ſeyn, als ihr Vertrauen und ihr Muth verdienen! Wenn ich dieſes Geſchenk annehme, maͤchtiger Kai⸗ ſer, ſagte Bohemund, ſo geſchieht es nur, um das wieder gut zu machen, was als ein Mangel an Höflich⸗ keit hätte erſcheinen können, als nehmlich meine Got⸗ 54 tesfurcht mich bewog, die Einladung Ew. Maj. auszu⸗ ſchlagen; zugleich will ich dadurch beweiſen, daß wir mit den Geſinnungen der aufrichtigſten Freundſchaft von einander ſcheiden. Bei dieſen Worten machte er eine tiefe Verbeu⸗ gung gegen den Kaiſer, welcher ihm durch ein Lächeln antwortete, das eine ziemliche Beimiſchung von Spott enthielt. Ich, ſagte der Graf von Paris, ich habe auf mein Gewiſſen die Sünde genommen, der Einladung Ew. Mojeſt. nachzukommen, und will nicht auch noch den Tadel auf mich laden, eure Tafel von dieſen ſchönen Bechern entblößen zu helfen. Ich habe den meinigen auf eure Geſundheit geleert, aber kann auf keine an⸗ dere Weiſe davon Gebrauch machen. Aber der Fürſt Bohemund kann es, ſagte der Kai⸗ ſer, und der eurige, veredelt durch den Gebrauch, den ihr davon gemacht habt, ſoll in ſein Zelt getragen werden. Wir haben fuͤr euch und eure liebenswürdige Gemahlin einen andern Vorrath, der zwar an Zahl nicht jenen Göttinnen des Parnaſſes, wohl aber den Grazien gleich iſt. Die Abendglocke läutet und mahnt uns, an die Stunde der Ruhe zu denken, damit wir im Stande ſind, den Geſchäften des morgenden Tages obzuliegen. Die Geſellſchaft ging auseinander. Bohemund ver⸗ ließ den Pallaſt, vergaß aber nicht die Muſen, obwohl er im Allgemeinen kein ſehr hitziger Anbeter von ihnen 55 war. Daraus entſtand, wie es die Abſicht des ſchlauen Griechiſchen Kaiſers war, zwiſchen Bohemund und dem Grafen von Paris zwar kein Zwiſt, aber doch eine Art von Meinungsverſchiedenheit; Bohemund fühlte, daß der Graf von Paris ſein Betragen als niedrig und eigennützig betrachten würde, und der Graf Ro⸗ bert war weniger als je geneigt, ihn zum Rathgeber zu nehmen. S hn Der Graf von Paris und ſeine Gemahlin wurden in dieſer Nacht in dem Kaiſerlichen Pallaſte des Bla⸗ kernal beherbergt. Ihre Zimmer ſtießen aneinander, aber die Verbindungsthüren waren in dieſer Nacht verſchloſſen und verrammelt. Sie wurden von dieſer Vorſichtsmaßregel überraſcht. Man nahm die Advents⸗ feier als zuläßige und ſehr natürliche Entſchuldigung dieſes Umſtandes. Von Furcht nichts wiſſend, war der Graf und die Gräfin von Paris darüber nicht be⸗ unruhigt. Nachdem Marcian und Agathe bei ihnen ihre gewöhnlichen Geſchaͤfte verrichtet hatten, ſchieden ſie von ihnen, um ihre Schlafſtätte zu ſuchen, die ihnen — 56 in der Wohnung der niederen Pallaſtbeamten ange⸗ wieſen worden war. 2 Der vorige Tag war voll Bewegung, poll Getüm⸗ mel und anziehend geweſen. Vielleicht auch war der für die Kaiſerlichen Lippen beſtimmte Wein, von dem zwar der Graf Robert nur einen einzigen, aber bis an den Rand gefüllten Becher getrunken hatte, be⸗ rauſchender als der feine und ſchmackhafte Saft der Gascogner Reben, woran er gewöhnt war, auf jeden Fall ſchien es ihm beim Erwachen, daß er lange ge⸗ nug geſchlafen, um das Licht in ſein Zimmer einzu⸗ laſſen, und doch herrſchte daſelbſt noch eine ſaſt hand⸗ greifliche Finſterniß. Er ſah ſich mit einigem Erſtau⸗ nen um, aber er konnte nur zwei runde Punkte von röthlichem Lichte unterſcheiden, welche mitten in der Finſterniß wie die Augen eines wilden, auf ſeine Beute blickenden Thieres funkelten. Der Graf ſetzte ſich auf⸗ recht, um aufzuſtehen und ſeine Rüſtung anzulegen: dieß war eine nothwendige Vorſicht, wenn das, was er ſah, wirklich ein wildes Thier und in Freiheit war. Aber in demſelben Augenblicke, wo er dieſe Be⸗ wegung machte, wurden ſeine Ohren von einem ſo ſtarken Gebrüll erſchüttert, als er noch nie gehört hatte, und als wenn ein Tauſend Ungehener es zu gleicher Zeit ausgeſtoßen haͤtten. Dieſer furchterliche Lärm wurde von dem Geraſſel eiſerner Ketten und von einem Sprunge begleitet, welchen das Thier auf das Bett zu that. Indeſſen ſchien es ſo angebunden 57 zu ſeyn, daß es nicht ſo weit kommen konnte. Sein Gebrüll dauerte ununterbrochen fort: es war erſchreck⸗ lich und mußte im ganzen Pallaſte gehört werden. Nach ſeinen funkelnden Augen zu ſchließen, ſchien das Ungeheuer ſich um einige Schritte näher bei dem Bet— te niedergekauert zu haben, als in ſeiner erſten Lage; und der Graf konnte nicht wiſſen, wie weit er ſich von ſeinem Bette entfernen konnte, ohne in ſeinen Bereich zu kommen. Er hörte ſein Athmen und er glaubte ſelbſt ſeinen Hauch zu fühlen, während ſeine wehrlo⸗ ſen Glieder vielleicht keine ſechs Fuß weit von den Zähnen waren, die er knirſchen hörte, und von den Klauen, welche Stuͤcke aus dem eichenen Fußboden riſſen. Der Graf von Paris war einer der tapferſten Männer in einer Zeit, wo die Tapferkeit das allge⸗ meine Eigenthum Aller Leute war, welche einen Tro⸗ pfen adeliges Blut in ſich hatten, und der Graf ſtamm⸗ te von Karl dem Großen ab. Indeſſen er war ein Menſch, und folglich konute er nicht ohne ein gewiſſes Entſetzen eine ſo unerwartete und ungewöhnliche Ge⸗ fahr betrachten. Aber dieß war weder eine plötzliche Beſtürzung, noch ein paniſcher Schrecken; es war viel— mehr die mit Ruhe gemachte Berechnung einer außer— ordentlichen Gefahr, verbunden mit dem Entſchluſſe, die letzten Anſtrengungen zu ſeiner Rettung zu machen, wenn es möglich wäre. Er ging in ſein Bett zurück, das für ihn keine Ruheſtätte mehr war, und entfernte ſich alſo um ein Paar Fuß von den beiden funkelnden 58 Augen, welche feſt auf ihn geheftet waren. Trotz ſei⸗ nes Muthes mahlte ihm ſeine Einbildungskraft ſeine zerriſſenen, zuckenden und blutigen Glieder im Rachen des wilden und ſchrecklichen Thieres. Ein einziger tröſtender Gedanke erſchien ſeinem Geiſte, daß dieß vielleicht eine Probe vom Philoſophen Agelaſtes oder vom Kaiſer ſey, um über den Muth zu urtheilen, welchen die Chriſten zur Schau trugen, und um die Beleidigung zu raͤchen, welche der Graf aus Unbe⸗ ſonnenheit am vorhergehenden Tage dieſem Fürſten zu⸗ gefügt hatte. Man ſagt mit Recht, dachte er in ſeinen Todesge⸗ danken, daß man den Löwen nicht in ſeiner Höhle be⸗ leidigen ſoll. Vielleicht berechnet in dieſem Augen⸗ blicke ein elender Sklave, ob ich genng vorläufige To⸗ desqualen erlitten habe, und ob er die Kette loslaſſen ſoll, welche dieſes wilde Thier verhindert, ſein blutiges Werk zu vollenden. Aber der Tod mag kommen wenn er will, es ſoll nie vom Grafen Robert geſagt werden, daß er um Guade gebeten, oder einen Schrei des Schmerzens oder der Furcht ausgeſtoßen habe. Er drehte ſeinen Kopf nach der Mauer zu, und erwartete nach einer heftigen Anſtrengung über ſich ſelbſt einen Tod, welchen er ſehr nahe glaubte. Seine erſten Gedanken waren natürlich auf ſich ſelbſt gerichtet. Die Gefahr war zu dringend und von einer zu ſchrecklichen Beſchaffenheit, als daß er dieſes Un⸗ glück unter einem weiteren Geſichtspunkte hätte be⸗ 59 trachten können. Alle Ueberlegungen entfernterer Art verſchwanden vor der Vorſtellung eines unmittel⸗ baren Todes, die ihn ausſchließlich beſchäftigte. Aber ſobald einmal ſeine Gedanken deutlich geworden wa⸗ ren, ſo ergriff die Sicherheit der Gräfin plötzlich ſeine Einbildungskraft.— Was konnte ſie nicht auch Alles in dieſem Augenblicke erleiden? Während er eine ſo harte Prüfung ausſtand, wozu konnte man den un⸗ männlicheren Muth und die ſchwaͤcheren Glieder eines Weibes beſtimmen? War ſie noch einige Schritte von ihm, wie zur Zeit ihres Schlafengehens in der vor⸗ hergehenden Nacht? Oder hatten die Barbaren, wel⸗ che für ihn eine ſo grauſame Lage erſonnen hatten, ihr unvorſichtiges Vertrauen mißbraucht, um gegen ſie eine ähnliche oder noch treuloſere Gräuelthat zu verüben. Schlief ſie oder wachte ſie? War es mög⸗ lich, daß ſie ſchlief in der Nähe eines ſo gräßlichen Gebrülles, welches durch alle Wände dringen mußte? Er nahm ſich vor, ihr zu rufen, ſie zu benachrichtigen, wenn es möglich wäre, daß ſie auf ihrer Hut ſeyn ſoll⸗ te, und von ihr eine Antwort zu verlangen, ohne daß ſie ſich unvorſichtiger Weiſe in ein Zimmer wagte, wo ein ſo ſchrecklich- gefährlicher Gaſt war. Er ſprach den Namen ſeiner Frau aus, aber mit zitternder Stimme, als ob er befürchtet hätte, daß ihn das wilde Thier hörte. Brunhilde! Brunhilde!— Wir ſind in Gefahr.— Wache auf, ſprich zu mir, aber verlaß nicht dein La⸗ 60 ger!— Keine Antwort.— Was iſt aus mir gewor⸗ den? fragte er ſich ſelbſt; ich rufe Brunhilde von As⸗ pramont mit derſelben Stimme, wie ein Kind ſeine Amme rufen wuͤrde, und zwar weil eine wilde Katze in meinem Zimmer iſt. Pfui! Graf von Paris, pfni! Man ſoll dein Wappen zerbrechen und dir die Sporen von den Abſätzen reißen!— Holla! ho! ſchrie er mit lauterer aber noch zitternder Stimme; Brunhilde wir ſind von Gefahren umgeben! Der Feind bedroht uns! — Antworte mir, aber gehe nicht von der Stelle! Er erhielt nur ein neues Gebruͤll des Ungeheuers, das in ſeinem Zimmer Beſatzung hielt zur Antwort. Dieſes Gebrüll ſchien ihm ſagen zu wollen:— du haſt keine Hoffnung mehr! Und dieſe Worte drangen in das Herz des Ritters, als verkündigten ſie ihm in der That den Verluſt aller Hoffnung. Vielleicht wenn ich noch leiſer ſpreche, kann ich ihr meine Gefahr bekannt machen.— Heda! Heda!— Meine Liebſte.— Brunhilde! Eine hohle und klägliche Stimme, als wenn ſie aus einem Grabe käme, antwortete ihm aus gewiſſer Ent⸗ fernung:— Wer iſt der Unglückliche, welcher glaubt, die Lebenden könnten ihm in den Behauſungen der Todten Autwort geben? Ich bin ein Chriſt, ein freier Mann, ein Ebler des Königreichs Frankreich, antwortete der Graf. Geſtern noch ſtand ich an der Spitze von fünfhundert Mannen, den Tapferſten in ganz Frankreich,— das heißt in 61 der ganzen Welt.— Und jetzt bin ich ohne den ge⸗ ringſten Lichtſtrahl, um zu erfahren, wie ich die Ecke vermeiden kann, worin ſich eine wilde Tigerkatze be⸗ findet, die auf mich ſpringen und mich zerreißen will. Du biſt ein Beiſpiel vom Spiele des Schickſals, und dieſes Beiſpiel wird noch lange nicht das letzte ſeyn, antwortete dieſelbe Stimme. Ich, der ich im dritten Jahre meiner Leiden bin, war jener machtige Urſel,welcher dem Alexius Comnenus die kaiſerliche Krone ſtreitig machte. Ich wurde von meinen Verbündeten ver⸗ rathen, meines Geſichtes, der groͤßten Wohlthat der Natur, beraubt, und bewohne dieſe Gewölbe, in ziem⸗ licher Nähe von den wilden Thieren, welche bisweilen hierherkommen, und deren Freudengeſchrei ich höre, wenn unglückliche Schlachtopfer, wie du, ihrer Wuth üͤberlaſſen werden. In dieſem Falle haſt du nicht geſtern einen Krie⸗ ger und ſeine Gemahlin hierherführen hören beim Klange einer Hochzeitsmuſik?— O Brunhilde!— ſo jung,— ſo ſchön,— hat dich der Verrath getöd⸗ tet durch ſo ſchreckliche Mittel, daß man ſie nicht aus⸗ ſprechen kann! Glaube nicht, ſagte Urſel, wie dieſer neue Sprecher ſich nannte, daß die Griechen ihren wilden Thieren ſo zarte Speiſen gönnen. Für ihre Feinde,— welcher Ausdruck nicht allein die wirklichen begreift, ſondern auch jeden Gegenſtand ihrer Furcht oder ihres Haſſes, — haben ſie Kerker, deren ein Mal geſchloſſene Thü⸗ 62 ren ſich nicht mehr öffnen, ferner Werkzenge von glü⸗ hendem Eiſen, um das Geſicht zu zerſtören, und Loͤ⸗ wen und Tiger, wenn ſie ſich ſchnell ihrer Ge— fangenen entledigen wollen: aber nur Männern beſtim⸗ men ſie dieſes Loos. Für die Weiber,— wenn ſie jung und ſchön ſind,— haben ſie einen Platz in ih⸗ rem Pallaſte und in ihrem Lager;— und anſtatt wie die Gefangenen des Agamemnon an einer Quelle von Argos Waſſer zu ſchöpfen, werden ſie von denjenigen, welche das Geſchick zu ihrem Herren gemacht hat, be⸗ wundert und angebetet. Das wird niemals die Beſtimmung Brunhildens ſeyn! rief Graf Robert, ihr Gemahl lebt noch, um ſie zu retten, und wenn er umkommt, ſo wird ſie wiſſen ihm zu folgen, ohne einen Flecken auf der Grabſchrift Eines von Beiden zu laſſen. Urſel antwortete nichts. Ein kurzes Schweigen folgte, und Urſel unterbrach es durch den Ausruf:— Fremdling! welches Geräuſch habe ich eben vernom⸗ men? Ich höre nichts. Aber ich, ich höre etwas. Die grauſame Verau⸗ bung eines Sinnes verleihet den anderen mehr Thä⸗ tigkeit. Beunruhige dich deßhalb nicht, mein gefangener Freund, und erwarte das Ereigniß in Stille! Plötzlich ſtieg ein düſteres und röthliches Licht, von Rauch begleitet, in dem Zimmer auf. Dem Grafen — 63„ war nehmlich ein Feuerzeug eingefallen, das er ge⸗ wöhnlich bei ſich trug, und mit ſo wenig Geraͤuſch als möglich zündete er eine Fackel, welche bei ſeinem Bette lag, an; dann hielt er ſie an die Bettvorhänge, wel⸗ che von hellem Muſſelin waren, und dieſe ſtanden in einem Augenblick in Flammen. Zu gleicher Zeit ſprang er aus ſeinem Bette. Der durch das Feuer erſchreckte Tiger,— denn es war ein ſolcher,— that einen Satz nach hinten, ſo weit, als ihm ſeine Kette erlaubte. Der Graf Robert ergriff alsdann einen feſten hölzer⸗ nen Schemel, die einzige Angriffswaffe, welche ihm zur Hand war, nahm ſeine Angen, welche jetzt im Glanze des Feuers widerleuchteten, und welche einige Augenblicke vorher ſo drohend geſchienen hatten, zum Ziele, und ſchleuderte das ſchwere eichene Stuͤck nach dieſem Punkte mit einer Kraft, welche weniger von einem menſchlichen Arme als von einem Wurfgeſchütze, das Steinblöcke abſchießt, herzukommen ſchien. Er hatte ſeine Zeit ſo gut gewählt, und ſein Ziel ſo wohl genommen, daß dieſes Geſchoß neuer Art gerade an ſein Ziel kam, und zwar mit einer unglaublichen Stärke. Dem Tiger, welcher, um nicht zu übertreiben, nicht von der größten Art war, wurde der Schädel von dem Wurfe zerſchmettert, und der Franzöſiſche Graf tödtete ihn vollends mit ſeinem Dolche, welchen man ihm glücklicherweiſe gelaſſen hatte, und er hatte das Verguügen, ihn zum letzten Male die Zähue fletſchen 64⁴ zu ſehen, und wie er im Todeskampfe die noch vor Kurzem ſo furchtbaren Augen rollte. Er ſah ſich um, und erkannte beim Scheine des von ihm angezündeten Feuers, daß der Aufenthalt, wo⸗ rin er ſich befand, nicht das Gemach war, worin er in der vorhergehenden Nacht ſchlafen gegangen war. Die Ausmöblierung beider Zim ner bot einen auffal⸗ lenden Gegenſatz dar, denn er fand in dem Kerker, welchen er jetzt bewohnte, nur brennende Stücke von muſſelinenen Vorhängen, nackte Mauern und den ſehr nützlichen Schemel, den er ſo gut benutzt hatte. Der Ritter hatte keine Zeit, aus den Vorgängen Schluͤſſe zu ziehen. Er löſchte in aller Eile das Feuer aus, welches in der That keine Nahrung finden konnte, und prüfte bei dem Scheine ſeiner Fackel ſein Gemach und die Eingaͤnge, welche es darbot. Wir brauchen wohl nicht zu erwähnen, daß er die Verbindungsthüre mit dem Zimmer Brunhilden's nicht mehr fand, was ihn vollends uͤberzeugte, daß man ſie am vorhergehen⸗ den Abend unter dem Vorwande religiöſen Bedenkens nur getrennt hatte, um einen treuloſen Plan gegen ihn, vielleicht gegen ſie Beide auszuführen. Wir ha⸗ ben ſchon ſeinen Antheil an den Abentheuern dieſer Nacht geſehen, und der Erfolg, welchen er in einer ſo furchtbaren Entſcheidung erhalten hatte, gab ihm die Hoffnung, welcher er ſich aber nur mit Zittern hingab— daß Brunhilde durch ihren Muth und ihre Stärke im Stande wäre, ſich ſelbſt gegen jeden ge⸗ 65 waltſamen oder verrätheriſchen Angriff auf ſie ſo lange zu vertheidigen, bis er die Mittel finden könnte ihr beizuſtehen.— Ich hätte, dachte er bei ſich ſelbſt, mehr auf den Rath achten ſollen, welchen mir Bohe⸗ mund in vergangener Nacht gab; denn er gab mir, glaube ich, ſo deutlich zu verſtehen, als wenn er es mir in beſtimmten Ausdrücken geſagt hätte, daß die⸗ ſer Becher Wein's ein bereiteter und gefährlicher Trank wäre. Aber pfui! welche niedrige Habgier! Wie konnte ich glauben, daß er ſolchen Argwohn hätte, da er ihn nicht offen ausſprach, und daß er aus Gleichgültigkeit oder aus feigen und eigennützigen Abſichten mich Ge⸗ fahr laufen ließ, von einem heimtückiſchen Despoten ermordet zu werden? In dieſem Augenblicke ließ ſich dieſelbe Stimme von derſelben Seite, wie fruͤher, vernehmen.— Holla! ho! Fremdling! lebſt dn noch, oder hat man dich ermor⸗ det? Was bedeutet dieſer erſtickende Geruch von Rauch? Ums Himmelswillen antwortet einem Menſchen, wel⸗ cher durch ſeine Angen nichts erfahren kann, da ſie auf ewig geſchloſſen ſind! Ich bin in Freiheit, ſagte der Graf, und das zu meinem Verderben beſtimmte Ungehener iſt nicht mehr. Ich wünſche, Freund Urſel, da dieſes einmal dein Name iſt, daß du den Gebrauch deiner Augen hätteſt, und daß du Zeuge dieſes Kampfes geweſen waͤreſt. Es wäre der Mühe werth geweſen, ſelbſt wenn du ſie gleich nachher wieder hätteſt verlieren müſſen, und W. Scott's ſaͤmmtl. Werke. 1668 Boͤch. 66 du hätteſt Jedem einen großen Dienſt leiſten können, der es über ſich nehmen wird, meine Geſchichte zu ſchreiben. Während er ſich auf einen Augenblick den Einflü⸗ ſterungen jener Eitelkeit hingab, welche ihn ſtark be⸗ herrſchte, ſuchte er, ohne viel Zeit zu verlieren, ein Mittel um aus ſeinem Gefängniß zu entfliehen, da er ſonſt keine Hoffnung haben konnte, ſeine Gattin wie⸗ der zu finden. Endlich fand er eine Thuͤre in der Mauer, welche aber durch ſtarke, mit Schlüſſel ver⸗ ſchloſſene Riegel befeſtigt war. Ich habe den Weg ge⸗ funden, rief er aus, er geht nach der Seite, woher deine Stimme kommt; aber wie die Thüre öffnen2 Dieſes Geheimniß will ich dich lehren, ſagte Urſel. Wenn ich nur alle Riegel, welche uns im Wege ſtehen, daß wir keine freie Luft athmen, ſo leicht öffnen könn⸗ te! Aber in dem Kerker, wo du biſt, wende nur alle Kräfte an, um die Thuͤre aufzuheben, und die Angeln ſo weit in die Höhe zu bringen, daß ſie bis an eine in der Mauer angebrachte Fuge kommen, und aldann mit einem leichten Rucke muß die Thüre aufgehen. Wollte Gott, daß ich dich ſehen könnte; nicht allein weil du als ein Tapfrer angenehm zum Anſchauen ſehn mußt, ſondern auch, weil ich dann wüßte, daß ich nicht zu ewiger Finſterniß verdammt bin. Wäͤhrend er alſo ſprach, machte der Graf ſeine Rü⸗ ſtung, wovon nur ſein Schwert, Eiſenhauer genannt, fehlte, in einen Buͤndel. Er gedachte hierauf ſeine 67 Gefaͤngnißthuͤre zu oͤffnen, indem er dem Rathe des ungluͤcklichen Blinden folgte. Er ſah bald ein, daß es vergeblich waͤre, ſie einzubrechen zu ſuchen; aber als er ſeine rieſenmaͤßige Kraft angewandt hatte, ſie ſo hoch als moͤglich zu heben, ſo hatte er das Ver⸗ gnuͤgen, die Riegel nachgeben zu ſehen, obwohl mit Muͤhe. Eine Fuge war nehmlich dergeſtalt in die Mauer eingeſchnitten worden, daß die Riegel aus der Kerbe, worin ſie lagen, herausgehen konnten; ohne daher eines Schluſſels zu beduͤrfen, und nur durch ſtarkes Vordruͤcken oͤffnete ſich der Ritter einen en⸗ gen Weg, wodurch er ging mit ſeiner Ruͤſtung in der Hand. Ich hoͤre dich, Fremdling, ſagte urſel; und ich weiß daß du in den Ort meiner Gefangenſchaft gekommen biſt. Ich habe drei Jahre mit dem Schneiden dieſer Fugen, welche mit den Kerben dieſer eiſernen Riegel— in Verbindung ſtehen, hingebracht, und die Gefangen⸗ waͤrter haben niemals dieſes Geheimniß entdeckt. Aber vielleicht noch zwanzig andere Schloͤſſer verlangten die⸗ ſelbe Arbeit, bevor meine Schritte in die freie Luft eilen koͤnnten. Welche Wahrſcheinlichkeit, daß ich Gei⸗ ſtesſtaͤrke genug hätte, um dieſe Arbeit fortzuſetzen? 5. Indeſſen glaube mir, edler Fremdling, ich freue mich daß ich ſolchergeſtalt zu deiner Befreiung beigetragen habe, denn wenn auch der Himmel unſeren Anſtren⸗ gungen fuͤr die Wiedergewinnung unſerer Freiheit keinen weitern Erfolg ſchenken ſollte, ſo koͤnnen wir 68 doch wenisſtens gegenſeitig uns troͤſten, ſo lange als die Tyrannei uns das Leben vergoͤnnt. Der Graf Robert ſchaute ſich um, und ſchauderte, als er ein Geſchöpf von Troſt reden hoͤrte, das wie in einem Grabe eingeſchloſſen war. Das Gefaͤngniß des Urſel hatte nicht mehr als zwoͤlf Fuß in's Ge⸗ vierte, die Decke war gewolbt, und die Wände beſtan⸗ den aus großen Steinen, welche mit dem Meißel in einander gefugt waren. Ein Bett, ein ſchwerer Sche⸗ mel, aͤhnlich demjenigen, welchen der Graf gebraucht hatte, um den Kopf des Tigers zu zerſchmettern, und ein ebenſo plumper Tiſch bildeten das ganze Gera⸗ the. Auf einem laͤnglichen Steine über dem Bette war folgende kurze, aber ſchreckliche Inſchrift einge⸗ graben:„Zedekias urſel eingekerkert hierſelbſt an den Iden des Maͤrz im Jahre der Gnade.. geſtorben und beerdigt an derſelben Stelle den Ein leerer Raum war gelaſſen worden, um das Datum auszufüllen. Kaum konnte man die Zuͤge des Ge⸗ fangenen unterſcheiden in dem klaglichen Zuſtande, wo⸗ rin er ſchmachtete. Seine Haare, welche ſeit drei Jah⸗ ren nicht geſchnitten, noch gekämmt worden waren, umgaben in langen Wulſten ſeinen Kopf, und ver⸗ miſchten ſich mit einem Barte von einer entſetzlichen Länge. Siehe mich an, ſagte der Gefangene, und freue dich, daß du die elende Lage betrachten kannſt, wozu ein wilder Tyrann einen ſeiner Nebenmenſchen brin⸗ 69 gen kann, indem er ihm ſein gegenwaͤrtiges Leben und ſeine kuͤnftigen Hoffnungen verdirbt. Und du, ſagte der Graf Robert, deſſen Blut in den Adern erſtarrte, du haſt den Muth gehabt, deine Zeit mit dem Schneiden dieſer Steinblöcke, worin dieſe Riegel ſchließen, hinzubringen? Ach! antwortete urſel, was vermochte ein Blinder ſonſt zu thun? ich mußte mich beſchaͤftigen, wenn ich nicht den Verſtand verlieren wollte. Es war eine große Arbeit und ſie wurde erſt nach drei Jahren beendigt. Du kannſt dich nicht wundern, daß ich dazu alle meine Zeit gebraucht habe, da ich ſie auf keine andere Weiſe benutzen konnte. Vielleicht, wie ich glaube, kann man in meinem Glefaͤngniſſe nicht den Tag von der Nacht unterſcheiden, aber die Glocke einer entfernten Kirche ſagte mir, wie eine Stunde auf die andere folgte, und fand mich ſtets beſchaͤftigt, einen Stein an dem anderen zu zerreiben. Aber als die Thuͤre nachgab, erkannte ich, daß ich mir nur den Zugang zu einem noch feſteren Gefaͤngniſſe, als dem meinigen, geoͤffnet hatte. Ich freue mich den⸗ noch, daß ich dieſes Werk vollbracht habe, da wir da⸗ durch vereinigt ſind, da du dadurch in meinen Ker⸗ ker kommen kannſt, und ich ſo einen Ungluͤcksgefähr⸗ ten bekommen habe. Denke hoͤher, ſagte Graf Robert. Denke an die Freiheit, denke an die Rache. Ich kann nicht glau⸗ ben, daß eine ſo niedertraͤchtige Verraͤtherei vollſtän⸗ 50 dig ſiegen ſoll; ſonſt, muß ich ſagen, waͤre der Him⸗ mel ungerechter, als die Prieſter ihn ſchildern.— Und wie reicht man dir deine Nahrung in deinen Kerker? Ein Wächter, der, wie ich glaube, die Griechiſche Syrache nicht verſteht, da er mir niemals Antwort giebt, noch mich anredet, bringt mir alle zwei Tage das zur Friſtung meines elenden Daſeyns Nothwen⸗ dige: ein Brod und einen Krug Waſſer. Ich muß euch daher bitten, euch in euer Gefaͤngniß zuruckzu⸗ ziehen, bis er da geweſen iſt, damit er nicht erfaͤhrt, daß wir das Mittel haben mit einander zu ſprechen. Ich kann nicht begreifen, wie dieſer Barbare, wenn es einer iſt, in mein Gefaͤngniß kommen kann, ohne durch das deinige zu gehen. Wie dem ſey, ſo will ich in das andere gimmer zuruͤckgehen; aber ſey ver⸗ ſichert, daß dieſer Waͤchter es mit mir zu thun be⸗ kommt, bevor er ſein Geſchaͤft verrichtet hat. Einſt⸗ weilen betrachte dich ebenſo als Stummen, wie als Vlinden, und ſey verſichert, daß mich ſelbſt das An⸗ erbieten der Freiheit nicht beſtimmen ſoll, die Sache meines Unglücksgefährten zu verlaſſen. Ach! ich hoͤre deine Verſprechungen, wie die des Morgenwindes, welcher mir ſagt, daß die Sonne aufgehen wird, obwohl ich weiß, daß ich wenigſtens ſie nicht mehr ſehen werde. Du biſt einer jener un⸗ geſtuͤmen und an Nichts verzweifelnden Ritter, wel⸗ che der Weſten Europa's ſeit ſo vielen Jahren aus⸗ ————————— 7¹ geſandt hat, um unmogliche Dinge zu verſuchen, und folglich kann ich von dir nur Rettungsentwuͤrfe er⸗ warten, welche den Seifenblaſen, die ein Kind fort⸗ blaͤst, aͤhnlich ſind. Denke beſſer von uns, Greis, ſagte der Graf Ro⸗ bert, als er ſich zurüͤckzog. Wenigſtens laſſe mich in dem Feuer der Hoffnung ſterben, und meine Wie⸗ dervereinigung mit Brunhilden fuͤr moͤglich halten. Bei dieſen Worten kehrte er in ſein Gefaͤngniß zuruͤck, und brachte die Thuͤre wieder in ihre alte Lage, damit der Waͤchter nicht die Arbeiten des Ur⸗ ſel, die einzigen Fruͤchte dreier einſamer Jahre, be⸗ merken koͤnnte. Es iſt ein Ungluͤck, dachte er, als er wieder in ſeinem Gefaͤngniſſe war(denn er ſchloß na⸗ tuͤrlich, daß die Kammer, worin der Tiger geſetzt worden war, fuͤr ihn beſtimmt waͤre), es iſt ein Un⸗ gluͤck, daß ich nicht einen jungen kraͤftigen Gefaͤng⸗ nißgenoſſen gefunden habe, anſtatt eines durch eine lange Einkerkerung geſchwaͤchten, blinden Mannes, der keine Anſtrengung mehr machen kann. Doch Gottes Wille geſchehe! ich werde den armen Teufel, den ich in dieſer Lage gefunden habe, nicht im Sti⸗ che laſſen. Einſtweilen will ich die Mauern wohl pruͤ⸗ fen, ehe ich meine Fackel ausloͤſche, um zu ſehen, ob ich darin noch eine andere Thuͤre, als die, welche in das Gefaͤngniß des Blinden führt, entdecken kann. Wenn ich keine finde, ſo muß ich wohl glauben, daß man mich durch die Decke herabgelaſſen hat. Jener 72 Becher, jene Muſe, wie man ihn nennt, der Trank darin hatte mehr den Geſchmack einer Arznei, als ei⸗ nes Weines, womit man eine luſtige Geſundheit aus⸗ bringt. Er fing nun eine aufmerkſame Prüfung der Mauern an, gedachte aber ſpaͤter die Fackel auszuloͤſchen, um die Perſon, welche in ſein Gefaͤngniß kommen wuͤrde, in der Dunkelheit und durch Ueberraſchung anzugrei⸗ fen. Aus demſelben Grunde ſchleppte er den Leib des Tigers in die finſterſte Ecke und bedeckte ihn mit den Ueberbleibſeln der verbrannten Bettdecken, indem er dabei den Schwur that, daß ein halber Ti⸗ ger in Zukunft ſein Helmſchmuck ſeyn ſollte, wenn er das Gluͤck haͤtte, der gegenwaͤrtigen Gefahr zu entgehen, woran ihn ſeine Unerſchrockenheit nicht zweifeln ließ.— Aber, ſetzte er hinzu, wenn jene Zauberer, jene Hoͤllendiener, den Teufel auf mich loslaſſen, was thue ich dann? Uund die Wahrſchein⸗ lichkeit dazu iſt ſo groß, daß ich vielleicht beſſer thaͤte, die Fackel nicht auszuloͤſchen. Indeſſen das iſt kin⸗ diſch von einem Ritter, der ſich in der Kapelle Unſrer lieben Frauen von den gebrochenen Lanzen gewappnet hat, einen großen Unterſchied zwiſchen, einem hellen oder dunklen Simmer zu machen. Sie ſollen kommen! Es moͤgen ſo viel Teufel erſcheinen, als dieſes Ge⸗ fängniß fuſſen kann! und wir wollen ſehen, ob ich ſie nicht pfange, wie es ſich fuͤr einen chriſtlichen Ritter ziemt. und gewiß wird es unſre liebe Frau“ 73 die ich immer getreulich geehrt habe, als ein ver⸗ dienſtliches Opfer betrachten, daß ich mich, wenn auch nur auf einen Augenblick von meiner theuren Brun⸗ hilde getrennt habe, aus Achtung vor dem Advents⸗ feſte, welches unſere unſelige Trennung veranlaßt hat. Ja, ihr boͤſen Geiſter, ich fordere euch heraus, geiſtig und leiblich, und ich will den Ueberreſt dieſer Fackel auf eine paſſendere Gelegenheit aufſparen. Bei dieſen Worten ſtieß er ſie gegen die Mauer, um ſie auszuloͤſchen, und ſetzte ſich dann ruhig in eine Ecke, um zu erwarten, was da kommen wuͤrde. Die Gedanken wechſelten ſchnell in ſeinem Geiſte. Sein Vertrauen auf die Treue der Graͤfin, ſowie auf ihre nicht gewoͤhnliche Staͤrke und Gewandtheit, war ſein groͤßter Troſt; und welcher noch ſo ſchreck⸗ lichen Gefahr er ſie ausgeſetzt denken mochte, ſo ſchoͤpfte er einen anderen Troſtgrund aus der Vetrach⸗ tung:„Sie iſt rein, wie der Thau des Himmels, und der Himmel wird nicht ſein Eigenthum ver⸗ laſſen.“ Sechszehntes Kapite l — — Des Menſchen wunderlicher Affe! Den du verdrießeſt, doch von ihm verachtet, Halb uns ein Vorwurf, halb ein luſt'ger Spaß. Was kann ich denken, eh' mir's Freude wird, Mein eigen Bild nebſt Stolz und Leidenſchaft So ſeltſam abgeſpiegelt anzuſchau'n! Anonymus. Der Graf Robert hatte ſich hinter den Betttrüm⸗ mern verſteckt, ſo daß er nicht geſehen werden konnte, wofern nicht ein ſtarkes Licht plötzlich ſeinen geheimen Aufenthalt beſchiene, und er war ungeduldig zu wiſ⸗ ſen, auf welche Weiſe und durch welchen Eingang der Gefangenwaͤrter, der den Gefangenen die Nahrnung bringen ſollte, erſcheinen würde. Er hatte nicht ſehr lange gewartet, als er von der Ankunft dieſes Man⸗ nes benachrichtigt wurde. Ein Licht, welches durch eine, in der Decke ange⸗ brachte Fallthüre zu kommen ſchien, fiel in das Ge⸗ füngniß und eine Stimme ſprach folgende Worte in Angelſächſiſcher Sprache:— Springe hinab, drolliger Kerl; fort, ohne Zaudern, ſpringe guter Silvan: zeige deine Gewandtheit. Eine rauhe Stimme antwortete ihm durch undeutliche Töne, wovon der Graf von Paris nichts verſtehen konnte, die ihm aber wenig Luſt, dem gegebenen Befehle zu gehorchen, anzudeuten ſchienen. Nun! mein Herr, fuhr die erſte Stimme fort, habt ihr Luſt den Aufrührer zu ſpielen? Wenn ihr ſo faul ſeyd, ſo muß ich euch eine Leiter geben, und wahr⸗ ſcheinlich auch einen guten Fußtritt, um eure Ehren⸗ reiſe zu beſchleunigen. In dieſem Augenblick ſprang ein Weſen von rieſenmäßigem Wuchſe und größer als ſieben Fuß, von menſchlicher Geſtalt, durch die Fall⸗ thüre, obwohl ſie mehr als vierzehn Fuß von dem Boden entfernt war. Er hielt in der linken Hand eine angezündete Fackel, und in ſeiner Rechten ein Seidenknäuel, deſſen Faden ſich bei ſeinem Herabſtei⸗ gen abwickelte, und nicht zerriß, obwohl es leicht zu begreifen war, daß er nicht ein Weſen von dieſer Größe tragen konnte, das von ſolcher Höhe herabſtieg. Er ſfiel mit vieler Gewandtheit auf ſeine Füße, ohne ſich zu beſchädigen, und als ob er von dem Boden zurückprallte, ſprang er ſo hoch in die Luft, daß er beinghe die Decke berührte. Bei dieſem letzten Luft⸗ ſprunge löſchte die Fackel, welche er hatte, aus; aber dieſer ungewöhnliche Kerkermeiſter ſchwang ſie ſogleich mit einer ſolchen Schnelligkeit um ſeinen Kopf, daß ſie wieder ſich anzündete. Wenigſtens ſchien dieſes ſeine Abſicht zu ſeyn, denn er ſuchte ſich zu überzeu⸗ 76 gen, daß er ſeinen Zweck erreicht haͤtte, indem er ſeine linke Hand mit einer Art Vorſicht an die Flamme brachte. Dieſer handgreifliche Verſuch hatte für ihn eine wahrſcheinlich unerwartete Folge, denn er ſtieß einen Schrei des Schmerzes aus, ſchüttelte die ver⸗ brannte Hand, und murmelte eine Art Klage. Nimm dich in Acht, Silvan! ſagte dieſelbe Stimme auf Angelſächſiſch und in verweiſendem Tone. Fort, denke an deine Pflicht, Silban; bringe dem Blinden ſeine Nahrung, und halte dich nicht zu deinem Ver⸗ gnügen lange auf, oder ich erlaube dir nicht mehr, al⸗ lein dieſen Auftrag zu vollziehen. Dieſes ſonderbare Weſen, denn es wäre gewagt, ihm den Namen Menſch zu geben, richtete ſeine Au⸗ gen nach der Stelle, woher die Stimme kam, und antwortete darauf durch eine fürchterliche Verziehung des Geſichts, und mit geballter Fanſt. Indeſſen be⸗ gann er auf der Stelle einen Pack aufzumachen, und in den Taſchen eines Art Mannsrockes ſowie ſeiner Hoſen zu wühlen, um, wie es ſchien, einen Schlüſſel⸗ bund zu ſuchen, welchen er auch endlich fand; zugleich nahm er ein Brod aus dem Buͤndel. Nachdem er einen Mauerſtein erwaͤrmt hatte, ſo befeſtigte er ſeine Fackel daran, vermittelſt eines Wachsſtückes, und ſuchte alsdann die Thüre vom Gefängniſſe des Blin⸗ den, welche er mit einem aus dem Schlüſſelbunde ge⸗ ſuchten Schlüſſel öffnete. Er ſchien in dem Durch⸗ gange eine Pumpe zu ſuchen, woraus er einen mitge⸗ . 77 brachten Krug anfüllte. Er kam alsdann mit den Ueberreſten des Vrodes vom vorgeſtrigen Tage und mit dem anderen Kruge zurück, aß einen Mund voll, wie zum Spaße, und warf mit einer ſcheußlichen Ge⸗ ſichtsverzerrung die übrigen Stücke Brod auf die Erde. Während dieſer Zeit folgte der Graf von Paris mit ſeinen Augen aufmerkſam allen Bewegungen dieſes unbekannten Thieres. Sein erſter Gedanke war, daß ein Geſchöpf, deſſen Wuchs ſich ſo ſehr über den menſch⸗ lichen erhob, deſſen Gebehrden ſo erſchrecklich waren, und deſſen Behendigkeit übernatürlich war, Niemand anders als der Satan ſelbſt ſeyn könnte, oder einer ſeiner untergeordneten Teufel, deren Lage und Ver⸗ richtungen in dieſen Reichen der Finſterniß nicht ſchwer zu errathen ſchien. Inzwiſchen war die Stimme, die er gehört hatte, weniger die eines Zauberers, der einen böſen Geiſt beſchwor, als die eines Menſchen, der einem wilden Thiere Befehle gab, über welches er durch ſeine gähmun ein großes Uebergewicht bekom⸗ meu hatte. Pfui! ſagte der Graf, pfui! ſoll ich leiden, daß ein erbärmlicher Affe(denn ich glaube, daß dieſes teufel⸗ aͤhnliche Geſchöpf nichts Anderes iſt, obwohl ich noch nie ein halb ſo großes geſehen habe) mich abhalte, das Tageslicht und die Freiheit wieder zu ſinden? Nur aufmerkſam, und ich hoffe, daß dieſer haarige Herr 78 mir als Führer in die Reiche der Oberwelt dienen ſoll. Indeſſen entdeckte dieſes ſeltſame Weſen, welches alle Winkel durchſtöberte, endlich die Leiche des Tie⸗ gers; es berührte ihn, rüttelte ihn unter ſeltſamen Bewegungen, und ſchien über ſeinen Tod zu erſchrek⸗ ken und zu ſeufzen. Plötzlich ſchien es von dem Ge⸗ danken betroffen zu ſeyn, daß ihn Jemand getödtet haben könute, und Graf Robert ſah zu ſeiner Be⸗ trübniß, daß es zum zweiten Male den Schlüſſel zum Gefaͤngniſſe des Blinden wählte, und einen ſo raſchen Satz nach dieſer Seite that, daß es, wenn es die Ab⸗ ſicht gehabt hatte, den alten Mann zu erwürgen, ſein Vorhaben hätte ausführen können, ehe der Graf die Zeit gehabt hätte, ſich dieſer Handlung der Rache zu wiberſetzen. Dennoch ſchien es zu überlegen, daß aus Gründen, die ihm genügend ſchienen, der Tod des Ti⸗ gers nicht das Werk des unglücklichen Urſer ſeyn konnte, ſondern daß er von einer anderen Perſon verurſacht wäre, welche im erſten Gefaͤngniſſe verborgen ſeyn müßte. 2 Mit rauher Stimme murmelnd und Gebehrden ſchneidend, machte dieſes ſeltſame Weſen, das der menſchlichen Geſtalt ſo ähnlich und doch vvm Men⸗ ſchen ſo verſchieden war, die Runde an den Mauern herum, und wühlte Alles um, was ihm Jemanden zu verbergen ſchien. Es machte große Schritte, ſtreckte ſeine langen Aerme vor, und ſeine durchdringenden 79. Augen, lauernd, um den Gegenſtand ſeiner Nachfor⸗ ſchung zu entdecken, prüften ſorgfältig alle Winkel mit Hülfe des Lichtes ſeiner Fackel. Wenn ſich der Leſer der Nähe der Thierſammlung des Kaiſers Alexius erinnert, ſo kann er jetzt nicht ſehr zweifeln, daß das fragliche Weſen, deſſen Be⸗ ſchaffenheit dem Grafen von Paris ſo zweideutig ge⸗ ſchienen hatte, Einer jener rieſenhaften Affen war,— wenn nicht etwa dieſes Geſchöpf näher mit dem Menſchen verwandt iſt,— welchem die Naturforſcher den Namen Hrang⸗Outang gegeben haben. Dieſes Thier unterſcheidet ſich von ſeiner übrigen Mitbrüder⸗ ſchaft dadurch, daß es verhältnißmäßig gelehriger und verſtändiger iſt; und obgleich es den Nachahmungs⸗ geiſt beſitzt, welcher ſeinem ganzen Geſchlechte eigen iſt, ſo übt es doch dieſe Fähigkeit weniger aus Spott, als aus einem Wunſche nach Verbeſſerung und Be⸗ lehrung, welcher ſeinen Mitbruͤdern unbekannt iſt. Seine Belehrungsfähigkeit iſt zum Erſtaunen groß; und wahrſcheinlich, wenn er in eine günſtige Lage ge⸗ ſtellt wäre, ſo könnte man ihm in hohem Grade die Eigenſchaften eines Bedienten beibringen; aber vor Eifer der Wißbegierde hat man ihm niemals dieſe Vorzüge gegeben. Der Letzte, von dem wir haben ſprechen hören, iſt auf der Inſel Sumatra geſehen worden. Er war von hohem Wuchſe, mehr als ſieben Fuß groß, und hatte eine wunderbare Staͤrke. Er ſtarb in einer verzweifelten Vertheidigung ſeines Le⸗ 80 bens gegen eine Schaar Europäer. Wir können nicht umhin zu glauben, daß ſie beſſer die Ueberlegenheit ihrer Kenntniſſe uͤber den armen Waldbewohner hät⸗ ten anwenden können. Wahrſcheinlich hat dieſes Ge⸗ ſchöpf, welches man ſelten ſah, aber das man nie wie⸗ der vergaß, wenn man es geſehen hatte, zu dem alten Glauben an den Gott Pan, an die Sylvanen und Satyren, Anlaß gegeben. Wenn wir. nicht annehmen müßten, daß kein Mitglied dieſer Familie je die Gabe der Sprache empfangen hätte, ſo würden wir geglaubt haben, daß der Satyr, welcher dem heil. Antvnius in der Wüſte erſchien, zu dieſem Geſchlechte gehörte. Es iſt uns demnach nicht ſehr ſchwer, den Geſchichts⸗ büchern Glauben beizumeſſen, welche bezengen, daß die Thierſammlung des Alexius Comnenus ein Thier von dieſer Art enthielt, deſſen wilde Eigenſchaften in einem höheren Grade gezähmt worden waren, und das einen Verſtand zeigte, welchen man bis dahin noch nie⸗ mals an irgend einem Geſchöpfe dieſer Art bemerkt hatte. Nach dieſer Erläuterung können wir den Faden unſerer Erzählung wieder aufnehmen. Der Hrang⸗Outang ging mit langen Schritten und geraͤuſchlos vorwärts, indem die Fackel, welche er in ſeiner Hand hielt, ſeinen Schatten an der Wand mahlte, und daran ſeinen rieſenhaften Wuchs, ſowie ſeine unverhältnißmäßigen Glieder darſtellte. Der Graf Robert blieb fortwährend verſteckt, und eilte nicht ſehr, einen Kampf zu beginnen, deſſen Ausgang 81¹ unmöglich vorherzuſehen war. Indeſſen kam der Wald⸗ menſch immer näher, und bei jedem Schritte, den er that, wurde durch den Gedanken an eine ſo neue und ſeltſame Gefahr das Herz des Grafen dergeſtalt in Bewegung geſetzt, daß man ſeine Schläge hätte hö⸗ ren können. Endlich kam das Thier an das Bett; ſeine ſchenßlichen Angen hefteten ſich auf die des Gra⸗ fen; und da es eben ſo erſchrocken war, ihn zu ſehen, als Robert ſelbſt, über ein ſolches Zuſammentreffen, ſo ſtieß es aus Inſtinkt einen Schrei der Furcht aus, und ſprang mit einem einzigen Satze faſt fünfzehn Schritte zurück. Darauf ging er wieder auf den Fuß⸗ ſpitzen vorwaͤrts, hielt aber ſeine Fackel vor ſich zwi⸗ ſchen ſich und den Gegenſtand ſeines Schreckens, um dieſen aus ſo weiter Entfernung als möglich und ohne Gefahr für ſich, zu prüfen. Der Graf Robert ergriff ein Stuͤck von der Bettlade, das ſchwer genng war, um als Keule zu dienen, und hob es drohend gegen den Waldbewohner auf. Die Erziehung des armen Thieres war wahrſchein⸗ lich, wie die meiſten Erziehungen, vermittelſt Schlägen geſchehen, und es hatte ohne Zweifel dieſelben noch ebenſogut im Gedächtniſſe ais die Lehren, welche ihm auf dieſe Weiſe eingepraͤgt worden waren. Als der Graf von Paris bemerkte, daß er einen unzweifelhaf⸗ ten Vortheil beſaß, ſo war er nicht der Mann, ihn ungenützt zu laſſen. Er richtete ſeine kriegeriſche Ge⸗ ſtalt in die Höhe, gieng mit einem ſo ſiegesfrohen W. Scott's ſaͤmmtl. Werke. 1668 Boch. 6 82 Schritte vorwärts, als ob er in den Schranken wäre, und bedrohte den Orang⸗Dutang mit ſeiner Keule, wie er mit ſeinem furchtbaren Eiſenhauer einen Feind im Zweikampf bedroht haben würde. Von ſeiner Sei⸗ te zeigte der Waldmenſch Klugheit, und er ging mit derſelben Vorſicht zurück, womit er vorgegangen war. Indeſſen ſchien er nicht jeden Gedanken an Widerſtand aufgegeben zu haben; er ſtieß ein dumpfes Gemurmel aus, das ſeinen Zorn und ſeine Feindſeligkeit verrieth, ſchwang ſeine Fackel und ſchien damit den Kreuzfah⸗ rer treffen zu wollen. Der Graf Robert entſchloß ſich alsbald den Vortheil zu benutzen, welchen ihm die offenbare Furcht ſeines Feindes darbot, und ihn ſeiner natürlichen Ueberlegenheit zu berauben, welche ihm natürlich ſeine ungewöhnliche Größe, Stäͤrke und Ge⸗ wandtheit über den Menſchen geben mußten. Vollkom⸗ men ſeiner Waffe Meiſter, drohte der Graf ſeinen Gegner auf die rechte Seite des Kopfes zu ſchlagen, aber durch eine plötzliche Finte lenkte er ihm den Schlag mit einer ſolchen Gewalt auf die linke Seite, daß er ihn zu Boden warf; zu gleicher Zeit ſetzte er ihm ein Knie auf die Bruſt, und zog ſeinen Dolch, um ihm das Leben zu nehmen. Der Orang⸗Outang, welcher die Beſchaffenheit der neuen, ihm drohenden Waffe nicht kannte„verſuchte zugleich wieder aufzuſtehen, ſeinen Gegner umzuwerfen und ihm ſeinen Dolch zu entreißen. Das Erſte würde ihm wahrſcheinlich geglückt ſeyn, denn ſchon hatte er 83 ſich wieder auf ſeine Kniee geſtellt, und ſchien in die⸗ ſem Kampfe Meiſter werden zu wollen, aber da fühlte er, als der Ritter ſeinen Dolch, welchen das Thier an der Klinge gefaßt hatte, zurückzog, daß ſeine Hand einen Schnitt bekommen hatte; und als es ihn die Spitze auf ſeine Kehle fetzen ſah, da erkannte es wahr⸗ ſcheinlich, daß ſein Feind Herr ſeines Lebens ſey. Es ließ ſich daher abermals ohne Widerſtand zu Boden werfen und ſtieß einen traurigen und klagenden Schrei aus, welcher etwas Menſchliches hatte, und Mitleid erregte. Es bedeckte ſeine Augen mit ſeiner unver⸗ wundeten Hand, als hätte es den ihm drohenden Tod nicht ſehen wollen. Der Graf Robert war ungeachtet ſeiner Kampfwuth im Allgemeinen ein Mann von ſtiller und ſanfter Ge⸗ müthsart, und ſehr wohlwollend gegen die niederen Klaſſen der Schoͤpfung. Folgende Gedanken folgten ſich raſch in ſeinem Geiſte:— Warum ſolite ich die⸗ ſem unglücklichen Thiere das Leben nehmen, da es auf kein anderes zu hoffen hat? Und iſt es nicht möglich, daß dieſes ein Fürſt oder ein Ritter iſt, welchem die Zauberei dieſe feltſame Geſtalt gegeben hat, um dieſe Gefängniſfe bewachen zu helfen, und den hier vorge⸗ henden Abentenern ein Ende zu machen? Würde ich mich alſo nicht eines Verbrechens ſchuldig machen, wenn, ich ihn tödtete, nachdem er ſich auf Gnade oder Un⸗ gnade ergeben hat, was ja ſo vollkommen geſchehen iſt, als ſeine Verwandlung erlaubt? Und wenn es 84 auch wirklich nur ein Thier iſt, kann es da nicht et⸗ wa einen Gedanken der Erkenntlichkeit haben? Ich habe ja von Troubadours das rührende Gedicht von Androkles und dem Löwen ſingen hören.— Doch will ich mich bei ihm vorſehen. Nach dieſen Betrachtungen ſtand er auf, und ließ den Waldmenſchen ein Gieiches thun. Dieſer ſchien von dieſer Handlung des Erbarmens gerührt zu ſeyn, denn er murmelte einige Laute mit leiſer und flehender Stimme, welche zugleich um Gnade zu bitten und für die ſchon erhaltene zu danken ſchien. Er weinte, als er aus ſeiner Wunde das Blut fließen ſah, und ſchien mit einem Geſichte, das jetzt menſchenähnlicher war, wo es einen Ausdruck des Leidens und der Trauer trug, mit Beben das Urtheil eines Weſens zu erwar⸗ ten, das mächtiger war als erx. Die Taſche, welche der Ritter unter ſeiner Rüſtung trüg, konnte nur wenig enthalten; doch befand ſich darin ein Fläſchchen mit Wundbalſam, welchen der Graf oft nöthig hatte, etwas Charpie und eine kleine Rolle Leinwand. Er nahm alle dieſe Gegenſtände, und bedeutete dem Thiere, es ſolle ſeine verwundete Hand vorſtrecken. Der Waldmenſch gehorchte nur zö⸗ gernd ünd mit einer Art Widerwillen. Der Graf goß einige Tropfen Balſam auf die Wunde und verband ſie, indem er zum Kranken in ernſtem Tone ſagte, daß er vielleicht Unrecht thaͤte, an ihm einen ſo köſt⸗ lichen Balſam zu verſchwenden, welcher eigentlich nur 85⁵ den edelſten Rittern dienen ſollte; zugleich ſagte er ihm, daß er ihm, wenn er einen ſchlechten Gebrauch von ſeiner Güte machte, den Dolch, deſſen Schneide er ſchon geſpürt hatte, bis an das Heft in den Leib ſtoßen würde. Der Orang⸗Outang hatte ſeine Blicke auf den Gra⸗ fen Robert geheftet, gleichſam als ob er die an ihn gerichteten Worte verſtanden hätte; unter dem Gemur⸗ mel einiger ihm eigenthümlicher Laute bückte er ſich, küßte die Füße des Ritters, umarmte ſeine Kniee und ſchien ihm ewige Erkenntlichkeit und Treue zu ſchwö⸗ ren. Demnach, als der Graf zu ſeinem Bette zurück⸗ gegangen war, und ſeine Rüſtung angelegt hatte um zu erwarten, bis die Fallthüre wieder aufginge, ſetzte ſich das Thier neben ihn, richtete ſeine Blicke nach derſelben Seite, und ſchien geduldig die Oeffnung der Fallthuͤre zu erwarten. Nachdem ſie alſo beinahe eine Stunde zugebracht hatten, ließ ſich ein leichtes Geräuſch über ihren Kö⸗ pfen vernehmen, und der Waldmenſch zupfte den Fran⸗ ken an ſeinem Kleide, um ihn auf das, was da kom⸗ men würde aufmerkſam zu machen. Man hörte ein Paar Pfiffe, und dieſelbe Stimme, welche früher ge— ſprochen hatte, rief:— Sylvan! Sylvan! was machſt du denn ſo lange da unten? Komme auf der Stelle! oder beim Kreuze, du ſollſt für deine Faulheit bezahlt werden. Das arme Thier ſchien dieſe Drohung zu begreifen, und bewies dieß dadurch, daß es ſich dem Grafen Ro⸗ 86 bert ſoviel als möglich näherte und zugleich Klagelaute ausſtieß, als ob er den Schutz des Ritters anflehen wollte. Vergeſſend, wie unwahrſcheinlich es wäre, ſelbſt nach ſeiner eignen Meinung, daß dieſes Thier ihn verſtehen ſollte, ſagte der Graf von Paris zu ihm: — Was, Freund! haſt du ſchon die erſte Bitte der Hoͤflinge dieſes Landes gelernt, welche darum flehen, daß ſie ſprechen und leben dürfen? Fürchte Nichts, armes Geſchöpf: ich bin dein Beſchützer. Wie! Sylvan, fuhr die Stimme von Oben fort, wen haſt du denn zum Begleiter gefunden? iſt es ein Teufel? iſt es der Geiſt eines ermordeten Menſchen2 Man ſagt, daß dergleichen oft in dieſen unterirdiſchen Gewölben umgehen. Vergnügeſt du dich daran, das Geplauder des alten blinden Griechiſchen Aufrührers anzuhören? Oder iſt es wirklich wahr, wie man ſagt, daß du wohl ſprechen kannſt, wenn du willſt, und daß, wenn du nur unbeſtimmte und unverſtändliche Laute hören läſſeſt, dieſes nur aus Furcht geſchieht, zur Ar⸗ beit gezwungen zu werden? Friſch, verfluchtes Faul⸗ thier, ich will dir noch die Hülfe einer Leiter geben, obwohl du ſie ebenſowenig nöthig haſt, als ein Häher, um auf die Thurmſpitze der heiligen Sophienkirche zu ſteigen. Friſch, ſteige herauf, ſetzte er hinzu, indem er eine Leiter durch die Fallthüre hinabließ, und ma⸗ che mir nicht die Mühe hinabzuſteigen, um dich zu holen; ſonſt, beim heiligen Swithin! ſoll es dir übel ergehen. Friſch denn, ſteige ſogleich herauf als 87 gehorſamer Junge, und ich will dir für dieſes Mal die Strafe ſchenken. Dieſe Anrede ſchien auf den Waldmenſchen Eindruck zu machen. Er ſchien vom Grafen Robert Abſchied nehmen zu wollen, indem er einen kläglichen Blick auf ihn warf, welchen der Graf beim Scheine der faſt erlöſchenden Fackel bemerkte; alsdann ging er auf die Leiter zu, aber mit der Miene eines zum Tode ver⸗ dammten, welcher denſelben Gang thut. Aber ſobald der Graf eine zornige Miene annahm, und ihm ſeinen furchtbaren Dolch zeigte, faßte das kluge Thier auf der Stelle ſeinen Entſchluß, ballte heftig ſeine Fäuſte, um zu zeigen, daß es feſt entſchloſſen ſey, gieng von dem Fuße der Leiter weg, und ſtellte ſich hinter den Grafen von Paris; dabei zeigte er aber die Miene eines Ausreißers, welchem nicht ganz wohlgemuth zu Sinne iſt, wenn er gegen ſeinen alten Gebieter zu Felde ziehen ſoll. Nach einigen Augenblicken wurde die Geduld des Gefangenwärters erſchoͤpft, und verzweifelnd, daß der Sylvan aus freien Stücken zurückkäme, entſchloß er ſich hinabzuſteigen, um ihn zu holen. Er ſetzte den Fuß auf die Leiter, hielt in einer Hand einen Schlüſ⸗ ſelbund, mit der andern half er ſich hinabzuſteigen, und trug eine Art von Blendlaterne, deren Boden ſo eingerichtet war, daß man ſie wie einen Hut auf dem Kopfe tragen konnte. Kaum hatte er einen Fuß auf den Boden geſetzt, als er von den nervigten Armen 88 des Grafen von Paris umſchlungen wurde. Sein er⸗ ſter Gedanke war, der ungehorfame Sylvan hätte ihn alſo gefaßt. Wie, Elender! ſchrie er, laß mich los, oder du biſt des Todes. Du biſt ſelbſt des Todes! erwiederte der Graf, wel⸗ cher den ganzen Vortheil empfand, welchen ihm in die⸗ ſem Augenblicke ſeine Geübtheit im Kampfe und die Veſtuͤrzung ſeines Gegners gab. Verrätherei! Verrätherei! ſchrie der Wächter, der durch dieſe Worte erfuhr, daß er von einem Fremden angegriffen war. Hülfe, da oben, Hülfe! Hereward! Wäringer! Angelſachſe! oder wie ſonſt dein verfluchter Name heißt. Während er alſo ſchrie, packte ihn die eiſerne Fauſt des Grafen von Paris an der Gurgel und ließ ihn nicht wieder ſprechen. Sie fielen alle Beide ſchwer auf den Boden des Gefängniſſes, der Waͤchter zu un⸗ terſt; und der Graf, der ſich durch die Noth entſchul⸗ digt hielt, ſtieß ihm ſeinen Dolch in die Gurgel. In dieſem Augenblick ließ ſich das Geraſſel einer Rüſtung vernehmen, und Hereward, welcher raſch von der Lei⸗ ter herabſtieg, kam im Sefäöngniß an. Die Laterne war vom Kopfe des Wäͤchters herabgefallen, aber ohne zu erlöſchen, und ihr Schein zeigte ihn dem Wä⸗ ringer im Blute ſchwimmend, und noch von einem Fremdling feſt gehalten. Hereward ſprang ihm ſogleich zu Huͤlfe, gebrauchte denſelben Vortheil über den Grafen 89 von Paris, welchen dieſer Ritter über ſeinen Gegner ſo eben gehabt hatte, fiel über ihn her, und hielt ihn, mit zur Erde gekehrtem Geſicht, am Boden. Der Graf Robert war einer der ſtärkſten Männer in die⸗ ſem kriegeriſchen Zeitalter, aber der Angelſachſe gab ihm darin nichts nach; und wenn dieſer Letztere nicht dadurch einen entſchiedenen Vortheil gehabt hätte, daß er ſeinen Gegner unter ſich hielt, ſo wäre ge⸗ wiß der Ausgang dieſes Kampfes ſchwer voranszuſehen geweſen. Ergieb dich auf Gnade und Ungnade, ſchrie der Wä⸗ ringer; oder die Spitze meines Dolches ſchickt dich zum Tode. Ein Franzoͤſiſcher Graf ergiebt ſich nie, antwortete Robert, welcher zu vermuthen begann, mit welchem neuen Feinde er es zu thun hatte, zumal keinem knech⸗ tiſchen Landſtreicher, wie du biſt! Bei dieſen Worten machte er eine ſo plötzliche, ſo ſtarke und ſo heftige Anſtrengung um ſich zu erheben, daß er den Händen des Waͤringers entſchlüpft wäre, wenn nicht dieſer durch Entwicklung aller ſeiner Kraͤfte den einmal er⸗ haltenen Vortheil behauptet hätte. Dieſer erhob als⸗ bald ſeinen Dolch, um mit einem Stoße dem Streite ein Ende zu machen. Aber in demſelben Augenblicke ließ ſich ein rauhes und wildes Gelächter hören, eine kräftige Hand packte ihm den Arm, ein nervigter Arm umſchlang ſeinen Hals, ſtreckte ihn hinterrücks zu Bo⸗ den, und der Graf benutzte dieß um ſich zu erheben. 90 Alſo du willſt ſterben, Elender! rief der Wäringer, der kaum wußte, wen er alſo bedrohte. Aber der Waldmenſch hatte ohne Zweifel die menſchliche Kraft noch in zu ſchrecklicher Erinnerung; er floh raſch, eilte die Leiter hinauf, und ließ den Ritter, welchem er das Leben gerettet hatte, und den Angelſachſen allein, um ſich zu ſchlagen, was immer der Erfolg davon eyn möchte. Die Umſtände ſchienen einen verzweifelten Kampfzu verkündigen. Die beiden Helden waren von hohem Wuchſe, kräftig und unerſchrocken. Alle Beide trugen Vertheidigungswaffen, hatten aber keine andere An⸗ griffswaffe als den unglücklichen und gefährlichen Dolch. Sie ſtanden einige Augenblicke einander gegenüber, und prüften ſorgfältig ihre gegenſeitigen Vertheidigungs⸗ mittel, bevor ſie ſich entſchloſſen, einen Stoß zu thun, der, wenn er nicht ſein Ziel erreichte, dem Andern die Gelegenheit geben mußte, einen verderblicheren zu füh⸗ ren. Während dieſer unruhigen Zwiſchenzeit fiel ein Lichtſtrahl durch die Fallthüre, und man ſah daran die ſeltſamen und beſtürzten Züge des Waldmenſchen erſcheinen, welcher eine neue Fackel in der Hand hielt, und den Arm ausſtreckte, um ſie ſo tief als möglich in das Gefängniß zu ſenken. Kämpft tapfer, Kamerad, ſagte der Graf Robert; denn wir ſchlagen uns nicht mehr Mann gegen Mann; es hat dieſer ehrbaren Perſon gefallen, ſich zum Kampf⸗ richter aufzuwerfen. 94 So mißlich ſeine Lage war, ſo hob doch der Wärin⸗ ger ſeine Augen in die Höhe, und er wurde ſo von dem ſeltſamen Ausdrucke des Schreckens in dieſem wunderlichen Thiergeſichte, das zugleich Beſtürzung und Neugierde ausdrückte, betroffen, daß er nicht das Lachen zurückhalten konnte. Sylvan, ſagte er, gehört zu denjenigen, welche lie⸗ ber das Licht bei einem ſo furchtbaren Tanze halten, als ſelbſt daran Theil nehmen. Iſt es denn, fragte der Graf Robert, durchaus noth⸗ wendig, daß wir dabei erſcheinen? Es iſt nur unſer reines Wohlgefallen, antwortete Hereward, denn ich ſehe nicht ein, daß zwiſchen uns ein hinlänglicher Streitgrund beſteht, den wir an ſol⸗ chem Orte und vor einem ſolchen Zuſchauer ausmachen müßten. Wenn ich mich nicht irre, ſo biſt du jener unerſchrockene Franke, welcher in der letzten Nacht in dieſes Gefängniß mit einem Tiger geworfen wurde, der einige Fuß weit von ſeinem Bette angebunden war? Ja, das bin ich. Und wo iſt das Thier, welchem dn ausgeſetzt wor⸗ den biſt? Dort iſt es. Es wird fortan nicht mehr Schrecken einjagen, als der Damhirſch, welchen er in ſeinen Wäl⸗ dern verſchlungen haben mag. Bei dieſen Worten zeigte er ihm den Tigerleib, und Hereward prüfte ihn mit Hülfe der Blendlaterne, von der wir ſchon ge⸗ ſprochen haben. 92 Und das iſt das Werz deiner Hand? fragte der Angelſachſe mit Erſtaunen. Wie du ſagſt, antwortete der Graf mit Gleichgüt⸗ tigkeit. Und du haſt auch meinen Wachkameraden getödtet? Oder wenigſtens toͤdtlich verwundet 2 Wenn du es zufrieden biſt, ſo bitte ich dich um ei⸗ nen Augenblick Waffenſtillſtand, um ſeine Wunde zu prüfen. Sehr gerne. Der Arm ſoll verwelken, welcher ei⸗ nem ehrenwerthen Feinde einen verrätheriſchen Schlag verſetzt. Ohne eine andere Gewährſchaft zu verlangen, ver⸗ ließ der Wäringer ſeine kluge Vertheidigungsſtellung; und er begann mit Huͤlfe der Laterne die Wunde des erſten Kämpfers zu prüfen, der auf der Wahlſtatt er⸗ ſchienen war, und deſſen Römiſche Uniform einen Sol⸗ daten von den Cohorten mit dem Namen der Unſterb⸗ lichen verkündigte. Er fand ihn im Todeskampfe, gber noch im Stande zu ſprechen. So biſt du denn endlich da, Wäringer! Deiner Faulheit oder deinem Verrathe muß ich mein Schick⸗ ſal zuſchreiben. Antworte mir nicht! Der Fremde hat mich über dem Schlüſſelbeine getroffen. Wenn wir lange Zeit gelebt hätten, oder uns öfters begeg⸗ net wären, ſo hätte ich dir ſoviel thun wollen, daß gewiſſe Ereigniſſe vom goldenen Thore aus deinem Ge⸗ daͤchtniſſe verſchwunden wären. Ich kenne zuwohl die Handhabung des Dolches, um an der Wirkung eines Stoßes zu zweifeln, der mit einem ſo kräftigen Arme über dem Schlüſſelbeine geführt worden iſt. Ich fühle meinen letzten Augenblick herannahen. Einer von der Cohorte der Unſterblichen wird in der That bald un⸗ ſterblich werden, weun das, was uns die Prieſter ſa⸗ gen, wahr iſt. Der Bogen des Sebaſtes von Mitp⸗ lene iſt zerbrochen, bevor ſein Köcher halb leer iſt. Der Griechiſche Bandit ſank in die Arme des Here⸗ ward, und beſchloß ſein Leben mit einem tiefen Seuf⸗ zer, welches der letzte Laut war, den er von ſich gab. Der Wäringer legte ſeine Leiche auf den Boden nieder. Die Sache wird mißlich, ſagte er zu ſich ſelbſt. Ich bin gewiß nicht verbunden, einen tapfren Mann zu tödten, obwohl er mein National-Feind iſt, weil er einen Ungläubigen getödtet hat, der heimlich mich ſelbſt ermorden wollte; auch müſſen ſich die Kämpfer zweier Nationen weder an ſolchem Orte, noch in einem ſolchen Lichte ſchlagen. Wir wollen daher dieſen Handel für den Augenblick aufſchieben. Was ſagt ihr dazu, edler Graf? Koͤnnten wir nicht warten mit der Ausma⸗ chung unſeres Handels, bis ich euch aus dem Gefäng⸗ niſſe des Blakernal gezogen, und euch euren Freunden und Soldaten wieder gegeben habe? Wenn ein ar⸗ mer Waͤringer euch in dieſer Sache dienen könnte, würdet ihr nachher es abſchlagen, ihm in einem Zwei⸗ kampfe mit euren oder ſeinen Waffen zu begegnen 2 94 Wenn du, als Freund oder als Feind, auch deine Hülfe meiner Gemahlin gewähren willſt, welche gleich⸗ falls irgendwo in dieſem ungaſtlichen Pallaſte einge⸗ kerkert iſt; ſo ſey feſt verſichert, daß, welches dein Rang, dein Land, deine Lage iſt, Robert von Paris bereit ſeyn wird, dir nach deiner eigenen Wahl die Hand zum Zeichen der Freundſchaft zu reichen, oder ſie gegen dich im gleichen Kampfe zu erheben. Und das ſoll kein Kampf des Haſſes, ſondern der Ehre und der Achtung ſeyn. Das ſchwöre ich bei der Seele Karls des Großen, meines Ahnherrn, und bei der Ka⸗ pelle meiner Schutzheiligen, Unſerer lieben Frauen von den gebrochenen Lanzen! Genug! Obwohl nur ein armer Verbannter, ſo fühle ich doch das Bedürfniß, die Gräfin eure Gemah⸗ lin, zu unterſtützen, ſo gut als wenn ich der Erſte in den Reihen der Ritterſchaft wäre z denn wenn Etwas noch die Verpflichtung, Verdienſt und Tapferkeit zu vertheidigen, heiliger machen kann, ſo iſt es, wenn ſich dieſe Eigenſchaften in einer verfolgten und unver⸗ theidigten Frau vereinigt finden. Ich ſollte jetzt ſchweigen, und deine Großmuth nicht durch neue Bitten ermuͤden. Aber wenn das Glüc nicht deine Geburt begünſtigt hat, da du nicht in den Reihen des Adels und der Ritterſchaft geboren biſt, ſo hat dir die Vorſehung mehr als Gerechtig⸗ keit widerfahren laſſen, indem ſie dir ein Herz be⸗ willigte, worin ſich mehr Ehre findet, als meiſten⸗ 95 theils, wie ich fuͤrchte, diejenigen beſitzen, welche in die edlen Reihen der Ritterſchaft aufgenommen ſind. In dieſen Gefängniſſen ſchmachtet, denn ich kann nicht ſagen, daß er lebt, ein blinder Greis, fuͤr wel⸗ chen ſeit drei Jahren Alles, was auſſer ſeinem Ge⸗ fängniſſe vorgegangen iſt, nur ein ſchwarzer Punkt iſt. Brod und Waſſer ſind ſeine Nahrung; er ſteht nur mit einem finſtern Gefangenwaͤrter in Verbin⸗ dung, und wenn der Tod jemals als Befreier kom⸗ men wird, ſo wird er es bei dieſem Ungluͤcklichen ſeyn. Was meinſt du dazu? Da er auf den Gipfel des ungluͤcks gekommen iſt, ſoll er da nicht von der einzigen Gelegenheit Nutzen ziehen, die ſich jemals finden kann, ſeine Freiheit zu erlangen? Beim heiligen Dunſtan! du thuſt mehr, als den Eid zu halten, welchen du als Rächer der Vedrück⸗ ten geleiſtet haſt. Deine Lage iſt faſt verzweifelt, und du willſt ſie noch erſchweren, indem du dich jedes Ungluͤcklichen annimmſt, welchen der Zufall dir in den Weg wirft! Je mehr wir das menſchliche Elend zu lindern ſu⸗ chen, deſto mehr verdienen wir den Segen der ſeligen Heiligen und unſeren lieben Frauen von den gebro⸗ chenen Lanzen, welche mit großem Schmerze alle Ar⸗ ten von Leiden und Schäden anſieht, mit Ausnahme der in den Schranken begegnenden Unfaͤlle. Aber friſch, tapfrer Angelſachſe, antworte auf meine Frage ſo ſchnell als moͤglich. In deinem Geſichte liegt Et⸗ 6 was, das ebenſo wohl Freimuͤthigkeit als geſunden Verſtand anzeigt; und mit vollem Vertrauen werde ich mit dir gehen, um mit dir meine theure Graͤfin aufzuſuchen; wenn dieſe einmal in Freiheit iſt, ſo wird ſie uns von großem Nutzen ſeyn zur Befreiung der Andern. In dieſem Falle, ſagte der Wäringer, wollen wir fort, um die Graͤfin zu ſuchen; und wenn wir uns nach ihrer Befreiung ſtark genug fuͤhlen, um dieſem blinden Greiſe die Freiheit zu ſchenken, ſo ſoll weder Feigheit, noch Mangel an Mitleiden von meine Seite im Wege ſtehen. Siebenzehntes Kapitel. Wie wunderſam! in finſtrer Schwefelhohle, Wo wilder Ehrgeiz reife Schaͤtze haͤuft Schlafenden Donners, wirft der Liebesgott Die ſchwache Fackel hin und furchtbar krachts Zerberſtend, eh' es der Erfinder ahnt. Anonymus. Um die Mittagsſtunde deſſelben Tages hatte Agela⸗ ſtes mit dem Befehlshaber der Wäringer Leibwache, Achilles Tatius, eine Unterredung in den Lruͤmmern des Egyptiſchen Tempels, wo ebenfalls die Unterhal⸗ tung des Hereward mit dem Philoſophen, welche frü⸗ her beſchrieben worden iſt, Statt gefunden hatte. 97 Jeder ſchien eine ſehr verſchiedene Laune zu haben. Ta⸗ tius war finſter, ſchwermuͤthig und niedergeſchlagen, der Weiſe dagegen beobachtete den ruhigen Gleich⸗ muth, welcher ihm, in gewiſſer Art mit Recht, den Beinamen Elephant zugezogen hatte. Du biſt jetzt unentſchloſſen, Achilles Tatius, ſagte der Philoſoph, jetzt, wo du dich allen Gefahren aus⸗ geſetzt haſt, welche zwiſchen dir und der Groͤße ſtan⸗ den. Du biſt, wie ein unvernuͤnftiges Kind, das die Schleuſe offnet, um dem Waſſer zum Muͤhlrade Bahn zu machen, und das, anſtatt den gehoͤrigen Ge⸗ brauch davon zu machen, von Schrecken ergriffen wird, wenn es das Getriebe in Bewegung ſieht. Du biſt gegen mich ungerecht, Agelaſtes, hoͤchſt un⸗ gerecht, ſagte der Akoluthos. Ich gleiche nur dem Seemanne, der zwar zur Abreiſe entſchloſſen iſt, aber doch nicht umhin kann einen traurigen Blick nach dem Ufer zu werfen, das er verlaſſen ſoll, um es vielleicht nie wieder zu ſehen. Du kannſt Recht haben, alſo zu denken; aber ver⸗ zeihe mir, tapfrer Tatins, wenn ich dir ſage, daß du dieſe Betrachtungen fruͤher haͤtteſt machen ſollen. Der Enkel Algurik's des Hunnen haͤtte die Gruͤnde und Folgen eher berechnen ſollen, als er die Hand nach der Krone ſeines Herrn ausſtreckte. Stille! ums Himmels willen! rief Tatius und ſah ſich ſcheu um; du weißt, daß dieſes Geheimniß nur uns Beiden bekannt ſeyn darf; denn wenn der W. Scott's ſaͤmmtl. Werte. 1668 Bdchn. 7 98 Caͤſar Nicephorus es erfuͤhre, wo kaͤmen wir da hin, wir ſammt unſerer Verſchwoͤrung? Unſer Leib käme wahrſcheinlich an den Galgen; un⸗ ſere Seelen wuͤrden davon getrennt und befaͤnden ſich auf dem Wege, um Geheimniſſe zu entdecken, welche du bis jetzt ſorgfaͤltig verheimlicht haſt. Nun wohl, ſoll uns die Kenntniß dieſer Moͤglich⸗ keit nicht vorſichtig machen? Zu vorſichtigen Maͤnnern, wenn du willſt; aber nicht zu furchtſamen Kindern. Die Wände haben Ohren, ſagte Achilles mit leiſer Stimme. Ich habe geleſen, daß der Tyrann Diony⸗ ſius ein Ohr*) hatte, welches ihn von allen Geheim⸗ nißen unterrichtete, wovon man in ſeinem Staats⸗ gefängniße von Syrakus ſprach. Und dieſes Ohr iſt noch in Syrakus. Sage mir, mein hoͤchſtaufrichtiger Freund, fuͤrchteſt du, man moͤge es fuͤr eine Nacht hierher bringen, wie die Lateiner von der Kapelle der heil. Jungfrau zu Lo⸗ retto erzaͤhlen? Nein; aber in einer ſo wichtigen Angelegenheit kann man nicht zu vorſichtig ſeyn. Nun wohl, wiſſe denn, du Umſichtigſter unter den Man gab dieſen Namen einem Gefaͤngniße, welches der Tyrann Dionyſius ſo nach der Gehoͤrlehre hatte bauen laſſen, daß er aus einem Zimmer ſeines Pal⸗ laſtes Alles hoͤren konnte, was darin geſprochen wurde. Dieſe Thatſache iſt nicht ganz ansgemacht. 99 Thronbewerbern, du Kaltblutigſter unter den Kriegs⸗ haͤuptern, daß der Cäſar in der Vorausſetzung, daß der Scepter unmoͤglich in andere Haͤnde als die ſei⸗ nigen fallen kann, ſich den Gedanken in den Kopf ge⸗ ſetzt hat, als müſſe er natürlich auf Alexins folgen, wenn der Augenblick der Thronerledigung eingetre⸗ ten iſt. Daher hat er auch, weil man gewoͤhnlich ſich wenige Muͤhe giebt, um ein Ereigniß herbeizu⸗ fuͤhren, das im natuͤrlichen Laufe der Dinge zu ſeyn ſcheint, uns Beiden ſeine Anliegen in einer ſo wich⸗ tigen Angelegenheit anvertraut, und der wolluſtige Thor hat ſeinen Kopf verloren.— Wegen was, glaubt ihr? Wegen eines Weſens, das zwiſchen Mann und Weib in der Mitte ſteht.— Weib in ſeinen Zugen, ſeinen Gliedern, in einem Theile ſeiner Kleidung; — aber Mann, beim heiligen Georg, und ſehr Mann in ſeinem uͤbrigen Anzuge, in ſeinem Geſchmacke und ſeinem Betragen. Du ſprichſt von der Amazone, dem Weibe jenes Franken mit der eiſernen Hand, welcher in der vori⸗ gen Nacht den goldenen Salomoniſchen Loͤwen mit einem einzigen Fanſtſchlage zertruͤmmerte. Beim heiligen Georg! das Geringſte, was aus einer ſol⸗ chen Liebe entſpringen kann, ſind zerbrochene Knochen. Das iſt nicht ſo unwahrſcheinlich, als das Ohr des Dionyſius von Syrakus in einer Nacht hierher kom⸗ men zu ſehen. Aber die Erfolge, welche der Cäſar 100 durch ſeine geruͤhmte Schonheit bei den Griechiſchen Damen erhalten hat, haben ihn duͤnkelhaft gemacht. Und ich glaube, daß dieſer Dünkel ihn verhindert hat, ſeine Erfolge nur ſeiner Wuͤrde als Caͤſar und als vermuthlichem Thronfolger beizumeſſen. Einſtweilen habe ich ihm verſprochen, ihm eine Zu⸗ ſammenkunft mit ſeiner Bradamante zu verſchaffen, die vielleicht auf ſeine zarten Beiwörter Zoe kai Pſyche*) dadurch antworten wird, daß ſie eine Schei⸗ dung zwiſchen ſeiner verliebten Seele und ſeiner un⸗ Lergleichlichen Perſon hervorbringt. Indeſſen hoffe ich, daß du vom Cäſar die Befehle erhalten haſt, die er nur ertheilen kaun, um unſere Verſchwörung auszuführen: Gewiß; eine ſolche Gelegenheit darf man nicht vor⸗ beigehen laſſen. Dieſer Anfall von Liebe oder Thor⸗ heit hat ihn blind gemacht; und ohne zu viel Auf⸗ merkſamkeit auf den Fortgang unſerer Verſchwörung zu ziehen, ohne uns den Bemerkungen der Bosheit auszuſetzen, können wir uns ſeiner bedienen, um un⸗ ſerem Unternehmen Gedeihen zu verſchaffen. Ich fühle wohl, daß ein ſolches Betragen nicht ganz fuͤr mein Alter und meinen Charakter paßt; aber da ich das Ziel habe, einen würdigen Akoluthos in einen Kaiſer umzuwandeln, ſo erröthe ich nicht, eine verliebte Zu⸗ ſammenkunft zu begünſtigen, welche der ſogenannte Mein Leben und meine Seere. D —,— * 401 Cäſar ſo heftig wuͤnſcht.— Doch, welchen Erfolg haſt du bei den Wäringern erhalten, welche hinſicht⸗ lich der Ausführungsmittel der rechte Arm unſeres Unternehmens ſind? Nicht ganz ſo viel, als ich gewünſcht hätte. Indeſ⸗ ſen habe ich mich ihrer Sechzig, die ich am geſchmei⸗ digſten fand, verſichert; und ich zweifle nicht, daß wenn der Cäſar einmal auf die Seite geſchafft iſt, ihr allgemeines Feldgeſchrei Achilles Tatius ſeyn wird. Und der Tapfere, welcher unſeren Vorleſungen bei⸗ gewohnt hat?— Jener Eduard, wie ihn Alexius nennt? Ich habe keinen Eindruck auf ihn gemacht, und bin darüber betrübt, denn dieſer Maun wird von ſeinen Gefährten geachtet, und ſie würden frendig ſeinem Beiſpiele folgen. Indeſſen habe ich ihn als Gehülfen bei der Wache dieſes eiſenköpfigen Grafen von Paris beſtellt; und da ſie alle Beide eine eingefleiſchte Wuth ſich zu ſchlagen haben, ſo wird er ihn wahrſcheinlich tödten. Wenn die Kreuzfahrer nachher ſeinen Tod als einen Beweggrund zum Kriege benutzen wollen, ſo brauchen wir ihnen nur den Wäringer auszuliefern, indem wir dieſes Unglück als die Wirkung perſönlichen Haſſes darſtellen. Wenn das Alles vorbereitet iſt, wenn und wie ſollen wir gegen den Alexius handeln? Ueber dieſen Punkt müſſen wir den Cäſar zu Rathe ziehen. Obwohl das Glück, welches er heute erwar⸗ tet, nicht gewiſſer iſt als die Erhöhung, welche er auf 102 morgen hofft, und obwohl ſein Geiſt viel mehr mit den Mitteln, um bei dieſer Gräfin Glück zu machen, als mit ſeiner Thronbeſteigung beſchäftigt iſt; ſo muß er dennoch als Haupt der Unternehmung behandelt werden, welche nur zur Beſchleunigung des Angen⸗ blicks ſeiner Krönung begonnen zu ſeyn ſcheinen darf. Doch um euch meine Anſichten zu eröffnen, tapferer Tatius, ich glaube, daß der morgende Tag der letzte ſeyn wird, an dem Alexius die Zügel des Reiches hal⸗ ten ſoll. Gieb mir ſobald als möglich Gewißheit darüber, damit ich unſere Verbündeten benachrichtigen kann, welche den Aufſtand der Bürger und der mit uns einverſtandenen Unſterblichen, die zum Handeln geneigt ſind, vorbereiten ſollen, und beſonders damit ich die⸗ jenigen Wäringer, auf welche ich nicht rechnen darf, an entlegenen Poſten zerſtreuen kann. Verlaſſe dich auf mich, ſagte Agelaſtes, du ſollſt die genaueſten Verhaltungsbefehle bekommen, ſobald ich den Nicephorus Briennes geſehen habe. Noch ein Wort: Auf welche Weiſe wird man uͤber die Frau des Cäſars verfügen? Man wird ſie, entgegnete der Akoluthos, an einen Ort bringen, wo ich nicht mehr zu fürchten brauche, ihre Geſchichte hören zu müſſen. Ohne dieſe nächt⸗ liche Peſt ihrer Vorleſungen, werde ich ſoviel Seelen⸗ güte zeigen, um mich ſelbſt mit ihrem Schickſal zu befaſſen und ihr zeigen, welcher Unterſchied zwiſchen — 103 einem wahrhaften Kaiſer und jenem Briennes iſt, der von ſich eine ſo hohe Meinung hat. Bei dieſen Wor⸗ ten ſchieden ſie von einander, Tatius mit viel freudi⸗ gerer Miene, als bei ſeiner Ankunft. Ahgelaſtes ſah ihm mit einem verächtlichen Lächeln nach.— Der Narr, ſagte er, hat nicht ſoviel Ver⸗ ſtand, um die Fackel zu ſehen, welche ihn verzehren wird. Der Elende hat nur eine halbe Erziehung be⸗ kommen, er weiß nur halbe Maaßregeln zu nehmen, er überlegt und wagt nur halb, und ſeine ſo armſeli⸗ gen Gedanken ſind nicht einmal die Geburt ſeines ei⸗ genen Hirns. Er ſchmeichelt ſich, den ungeſtümmen hochfahrenden, ſtolzen Nicephorus Briennes zu betrü⸗ gen! Wenn er es thut, ſo geſchieht es nicht durch ſeine Klugheit, noch weniger durch ſeine Tapferkeit. Anna Comnena, die geiſtreiche Seele, ſoll nicht an einen ſo dummen Klotz, wie dieſen Halbbarbaren, ge⸗ feſſelt werden.— Nein! ſie ſoll einen Gemahl von reiner griechiſcher Abſtammung bekommen, der die Schätze der Wiſſenſchaften beſitzt, welche während der Größe Roms und dem Glanze Griechenlands blühten. Und dieſes wird nicht zu den geringſten Reizen des kaiſerl. Thrones gehoͤren, daß er mit einer Gemahlin getheilt wird, deren perſönliche Bildung ſie die Kennt⸗ niſſe des Kaiſers zu ſchätzen lehrt. Er that einen oder zwei ſtolze Schritte, doch ſetzte er bald mit lei⸗ ſerer Stimme, wie von einem Gewiſſensbiſſe getrof⸗ fen, hinzu:— Aber wenn Anna Kaiſerin werden 104 ſoll, ſo folgt daraus natürlich die Nothwendigkeit, den Alexius umzubringen. Man kann nicht auf ihre Zu⸗ ſtimmung rechnen. Was liegt auch daran? Der Tod eines gewöhnlichen Menſchen wird gleichgültig, wenn dadurch ein Philoſoph und eine Geſchichtſchreiberin auf den Thron kommen. Wann haben die Herrſcher darnach gefragt, wann und auf welche Art ihre Vor⸗ gänger geſtorben wären?— Diogenes! holla, Dioge⸗ nes! Der Sklave kam nicht auf der Stelle, und Agelaſtes, ganz in dem Vorgenuſſe ſeiner zukünftigen Größe ſchwelgend, hatte die Zeit einige Worte hinzu⸗ zuſetzen.— Thorheit! ich werde eine lange Rechnung mit dem Himmel abzumachen haben, wie die Prieſter ſagen; nun, da kommt es auf einen Artikel mehr nicht an. Der Tod des Alexins kann auf zwanzigerlei Arten Statt finden, ohne daß der Vorwurf davon mich treffen kann. Das vergoſſene Blut mag an mei⸗ ner Hand kleben, wenn man ſie näher betrachtet, aber es ſoll nicht meine Stirne beflecke. Diogenes trat in dieſem Augenblicke herein.— Nun, iſt die fran⸗ zöſiſche Dame hierher gefuhrt worden? Der Sklave machte ein bejahendes Zeichen. Wie hat ſie dieſe Aenderung aufgenommen? Ganz gut, als ſie erfuhr, daß ſie auf euren Befehl geſchähe. Ihre Trennung von ihrem Gemahl und ſeine Gefangenhaltung im Pallaſte hatten ſie ſo er⸗ zürnt, daß ſie einige Handlungen der Gewaltthätig⸗ keit gegen die Sklaven begangen hat, von welchen 105 mehrere todt geblieben ſeyn ſollen, obwohl wir viel⸗ leicht glauben dürfen, daß ſie nur erſchrocken ſind. Sie hat mich ſogleich wieder erkannt, und als ich ihr ſagte, daß ich geſchickt wäre, um ihr in eurem Hauſe eine Zuflucht für einen Tag anzubieten, bis ihr die Befreiung ihres Mannes ausgewirkt haͤttet, ſo war ſie auf der Stelle zufrieden mir zu folgen, und ich habe ſie in eure heimlichen Gärten der Cythere gr⸗ führt. Vortrefflich ausgefuhrt, mein treuer Diogenes; du gleicheſt den Geiſtern, welche den morgenländiſchen Zauberern unterworfen ſind; ich brauche dir nur mei⸗ nen Willen kund zu thun, und er iſt gethan. Diogenes verbeugte ſich tief und zog ſich zurück. Erinnere dich aber, Sklave, ſagte Agelaſtes zu ſich ſelbſt, daß es gefahrvoll iſt, zuviel zu wiſſen.— Wenn jemals der meinen Charakter bedeckende Schleier ge⸗ lüftet würde, ſo iſt eine zu große Zahl meiner Ge⸗ heimniſſe in den Haͤnden von Diogenes. In dieſem Augenblicke geſchah ein dreimal wieder⸗ holter Schlag auf eine der umgeſtürzten Bildſäulen, welche hohl war und einen nachhallenden Laut von ſich gab; und in dieſer Hinſicht rechtfertigte ſie den Beinamen der redenden, welchen man ihr gegeben hatte. Dieſer Vorfall unterbrach ſein Selbſtgeſpräch. Einer unſerer Verbündeten klopft alſo, ſagte er; wer mag noch ſo ſpaͤt kommen? Er berührte mit ſei⸗ nem Stabe die Bildſäule der Iſis, und der Cäſar 106 Nicephorus Briennes trat in großem griechiſchem Anzuge auf, welchen er mit großer Mühe zurecht ge⸗ macht hatte, um die Anmuth ſeiner Geſtalt beſſer her⸗ vortveten zu laſſen. Es ſey mir erlaubt zu hoffen, ſagte Agelaſtes, als er den Caͤſar mit ernſter und zurückhaltender Miene empfing, daß Ew. Hoheit nach reiflicher Ueberlegung ihr Vorhaben geändert hat, und daß ihr, welcher Art immer die Zuſammenkunft ſeyn mag, die ihr mit die⸗ ſer franzöſiſchen Dame wünſchet, ſie wenigſtens ſo lange verſchieben werdet, bis der Hauptpunkt unſerer Verſchwörung im Reinen iſt. Nein, Philoſoph, antwortete der Cäſar, nein. Mein ein Mal gefaßter Entſchluß iſt nicht das Spiel der Umſtände. Glaube mir, ich vollende keine Arbeiten, ohne zu neuen bereit zu ſeyn. Die Gaben der Venus ſind die Belohnung der Thaten des Mars, und ich möchte mir nicht die Mühe nehmen, mich dem Gotte der Waffen und den Beſchwerden und Gefahren ſei⸗ nes Dienſtes zu weihen, wenn ich nicht vorher den Moyrtenkranz erhalten hätte, der die Stirne des glück⸗ lichen Liebhabers einer ſchönen Gebieterin ſchmücken ſoll. Ich bitte euch wegen meiner Dreiſtigkeit um Ver⸗ zeihung; aber hat Ew. kaiſerl. Hoheit auch nachge⸗ dacht, daß ſie mit der unvorſichtigſten Unbedachtſam⸗ keit ein Kaiſerthum, ihr eigenes Leben, ſowie das meinige und das aller Freunde, welche an einem ſo ₰— ℳ— 407* kühnen Plane Theil genommen haben, auf das Spiel ſetzt? Und warum begebt iht euch in ſo große Gefahr? Um die ſehr ungewiſſe Gunſt einer Perſon zu erhal⸗ ten, welche halb Teufel, halb Weib iſt, und welche, ſie mag nun ſein, was ſie wolle, wahrſcheinlich unſe⸗ ren Entwürfen unheilbringend werden muß, entweder aus Liebe, oder aus Haß. Wenn ſie iſt, wie ihr ſie wünſchet, ſo wird ſie ihren Liebhaber bei ſich behalten, und ihn nicht der Gefahr einer mißlichen Verſchwö⸗ rung ausgeſetzt ſehen wollen; wenn ſie aber ſo bleibt, wie die Welt ſie glaubt, das heißt, ergeben ihrem Manne und treu ihrem am Altare ausgeſprochenen Eide, ſo könnt ihr euch denken, wie ſehr ſie beleidigt werden wird, wenn ihr vor ihr nochmals eine Erklaͤ⸗ rung wiederholt, die ſie ſchon ſo übel aufgenommen hat. Komme, Alter! du fängſt an zu faſeln, und mitten unter deinen großen Kenntniſſen von ſo vielen andern Dingen haſt du die köſtlichſte vergeſſen,— die Kennt⸗ niß von dem ſchönſten Theile der Schöpfung.— Be⸗ denke den Eindruck eines Liebhabers, deſſen Würde gewiß nicht gering iſt, und deſſen Aeußeres nichts Un⸗ angenehmes für ein Weib hat, das die Folgen ſeiner Weigerung befürchten muß.— Komme, Agelaſtes, ver⸗ ſchone mich mit deinem Gequacke; es iſt von ſo übeler Vorbedeutung als das Geſchrei einer Krähe, welche auf der linken Seite einer hohlen Eiche ſitzt; aber übe deine Redekunſt ſogut als möglich an dem Be⸗ 108 weiſe, daß ein zaghaftes Herz noch nie bei einer ſchö⸗ nen Dame Glück gemacht hat, und daß derjenige der Würdigſte zum Herrſchen iſt, welcher die Myrten der Venus mit den Lorbeeren des Mars zu verflechten verſteht.— Friſch, oͤffne mir die heimliche Thüre, welche dieſe wunderlichen Trümmer mit den Luſtgaͤr⸗ ten verbindet, die den Hainen von Cythere und Naxos gleichen. Ich muß thun was ihr wollt, ſagte der Philoſoph, indem er einen etwas erheuchelten tiefen Seufzer aus⸗ ſtieß. Holla, Diogenes! rief der Cäſar ganz laut. Wenn du herauf beſchworen wirſt, ſo iſt der böſe Geiſt nicht weit entfernt.— Friſch, mein braver Neger, öffne mir die geheime Thüre. Der Teufel iſt ſo nahe, daß er auf den erſten Ton der Steine antwortet. Der Reger warf zuvor einen Blick auf ſeinen Herrn, welcher ihm bedeutete dem Cäſar zu gehorchen. Diogenes ging alsdann auf eine Stelle in der zertrümmerten Mauer zu, welche mit einigen niedrigen Buſchwerken bedeckt war: er räumte daſſelbe ſorgfältig hinweg, und deckte auf dieſe Weiſe eine kleine unregelmäßig« verſchoſſene Thüre auf, welche vis oben mit großen behauenen Steinen verrammelt war. Der Sklave zog ſie nach⸗ einander heraus, und ſchichtete ſie an der Seite auf, um ſie nachher wieder einzuſetzen.— Ich beauftrage dich, dieſe Thüre zu bewachen, ſagte ihm Agelaſtes, und daß du Niemanden, der nicht das verabredete — ——— 109 Zeichen macht, eintreten läſſeſt, bei Lebensſtrafe. Es wäre gefährlich, dieſe Thüre zu dieſer Tageszeit offen zu laſſen. Der gehorſame Diogenes legte die Hand an ſeinen Säbel und an ſeinen Kopf, durch welches Zeichen die Sklaven gewöhnlich ihre Antwort auf die Befehle ih⸗ res Herrn zu erkennen gaben, um anzuzeigen, daß ſie treu ſeyen bis in den Tod. Darauf zündete Diogenes eine kleine Laterne an, holte einen Schlüſſel hervor, öffnete damit eine innere hölzerne Thüre und ſchickte ſich an hineinzugehen. Halt da, Freund Diogenes! ſagte der Cäſar, brauche nicht deine Laterne, um einen redlichen Menſchen zu erkennen, und wenn du einen ſocheſt, ſo muß ich dir ſagen, daß du dich an den unrechten Ort wendeſt. Lege dieſes verwachſene Geſträuch vor den Eingang, und bleibe hier ſtehen, wie dir ſchon befohlen worden iſt, bis zu unſerer Rückkehr, um die Neugierde eines Je⸗ den zu vereiteln, welcher durch den Anblick dieſer go⸗ heimen Thüre herbeigelockt werden könnte. Der Neger gab die Leuchte dem Cäſar und zog ſich zurück. Agelaſtes folgte dem Nicephorus in einen langen, ſchmalen und gewölbten Gang, in welchem in gewiſſen Zwiſchenraͤumen Heffnungen angebracht waren, um die Luft eindringen zu laſſen. Ich werde nicht mit euch in die Gärten oder Luſt⸗ wälder der Cythere gehen, ſagte Agelaſtes; ich bin zu alt, um auf dieſem Altare Weihrauch zu brennen. 110 Uebrigens glaube ich, daß Ew. Kaiſerlichen Hoheit vollkommen den Weg kennt, da ihr ihn ſchon mehr⸗ mals gemacht habt, und wenn ich nicht irre, aus den ſchönſten Gründen. Ich bin deßhalb meinem würdigen Freunde Agelaſtes nur um ſo mehr Dank ſchuldig, antwortete der Cäſar, da er ſein Alter vergißt, um ſeinen jungen Freunden behülflich zu ſeyn. (Fortſetzung folgt.) ſſſſſſſſſſſſſſſſſſſſſi 7 8 2 10 11 12 12 14 15 16 17 9 8 p