Walter Scott's ſaͤmmtliche Wrrke. — Neu uͤberſetzt. Sechs und neunzigſter Band. Erzaͤhlungen eines Großvaters aus der ſchottiſchen Geſchichte. Z'weiter Theil. ———— Stuttgart, bei Gebruder Franchh. 1 8 2 8 Erzaäaͤhlungen eines Großvaters aus der ſchottiſchen Geſchichte. Von Sir Walter Seott. Aus dem Engliſchen üͤberſetzt, —— Zweiter Theil. Stuttgart, bei Gebruͤder Frauckh. 18 2 8. Erzaͤhlungen eines Großvaters aus der ſchottiſchen Geſchichte. Erſtes Kapitel. Die Schlacht bei Bannockburn. Koͤnig Eduard II. war, wie ich ſchon erwaͤhnte, nicht ſo weiſe und tapfer, als ſein Vater, ſondern ein alberner Fuͤrſt, welcher durch unwuͤrdige Guͤnſtlinge beherrſcht wurde, und mehr an Vergnuͤgungen, als an die Regierung ſeines König⸗ reichs dachte. Sein Vater, Eduard I. waͤre an der Spitze einer bedeutenden Armee lange vorher nach Schottland mar⸗ ſchiert, ehe er dem Bruce Zeit gelaſſen haͤtte, einen ſo großen Strich Landes wieder zu erobern. Wir haben aber bereits geleſen, daß zum großen Gluͤck der Schotten jener weiſe und geſchickte, jedoch ehrgeitzige Köoͤnig gerade ſtarb, als er nach Schottland marſchieren wollte. Sein Sohn Eduard hatte nach des Vaters Tod den Krieg in Schottland vernachläßigt, und ſomit auch den geſchickten Zeitpunkt, als Bruces Armee noch ſchwach war, verſaͤumt. Nachdem Sir Philiyy Mowbray, W. Scott's Werke. XCVI. 4 6 der Commandant von Stirling, nach London gekommen war, um dem Koͤnig die Nachricht zu hinterbringen, daß Stir⸗ ling, die letzte ſchottiſche Stadt von Bedeutung, welche noch den Englaͤndern gehoͤre, uͤbergeben werden muͤſſe, wenn ſie nicht vor der Mitte des Sommers mit Gewalt entſetzt wer⸗ de, ſo wurden alle engliſchen Edelleute aufgefordert und ih⸗ nen bedeutet, daß es eine Suͤnde und ewige Schande waͤre, wenn man zugeben wollte, daß die ſchoͤne Eroberung, welche Eduard I. gemacht, nur aus Mangel an Kampfluſt den Schot⸗ ten uͤberlaſſen wuͤrde. Es wurde daher beſchloſſen, daß der Koͤnig ſelbſt mit ſo viel Etreitkraͤften, els er nur zuſam⸗ menbringen koͤnne, nach Schottland marſchiren ſollte. In Folge deſſen ſammelte Koͤnig Eduard II. eine der groͤß⸗ ten Armeen, welche je ein Koͤnig von England kommandirte; aus allen ſeinen Beſitzungen wurden Truppen geſchickt. Viele tapfere Soldaten aus den franzoͤſiſchen Provinzen, die der König in Frankreich beſaß, viele Irlaͤnder und Welshlaͤnder und alle Großen aus dem engliſchen Adel mit ihrem Gefolge wurden in eine große Armee vereinigt. Ihre Anzahl belief ſich auf nicht weniger als 100,000 Mann. Koͤnig Robert Bruce dagegen forderte, nachdem er die großen Vorbereitungsanſtalten des Koͤnigs von England er⸗ fahren, alle ſeine Edellente auf, ſich mit ihm zu vereinigen. Sie waren um viele tauſend Mann ſchwaͤcher, als die Eng⸗ laͤnder; ſie waren kaum uͤber 30,000 Mann ſtark, und weit ſchlechter bewaffnet, als die reichen Englaͤnder; aber Robert,⸗ welcher ſich an ihre Spitze geſtellt hatte, war einer der er⸗ fahrenſten Feldherrn der damaligen Zeit, und die Offiziere welche er unter ſich hatte, waren ſein Bruder Eduard, ſein Neffe Nandolph, ſein treuer Begleiter Douglas und viele an⸗ dere erfahrne und tapfer⸗ Fuͤhrer, welche dieſelben Leute 7 gommandirten, die in jeder Lage, und bei allen Nachtheilen doch zu ſiegen gewohnt waren. Der Koͤnig ſeiner Seits bemuhte ſich, durch Geſchicklichs keit und Kriegsliſt das zu erſetzen, was ihm an Zahl der Streittraͤfte abging. Er kannte die Ueberlegenheit der Eng⸗ laͤnder ſowohl in Beziehung auf ihre ſchwere Karallerie, wel⸗ che beſſer beritten und bewaffnet war, als die ſchottiſche, als auch in Beziehung auf die engliſchen Bogenſchutzen, welche ſich vor allen andern Volkern der Welt auszeichneten. Er trach⸗ tete durch alles moͤgliche dieſe Vortheile auszugleichen. Mit dieſem Vorſatz verlegte Bruce ſeine Armee in die Ebene bei Stirling(der Park genannt), unfern und unterhalb welcher die engliſche Armee nothwendigerweiſe eine ſumpfigte, von Waſſergraͤben durchſchnittene Gegend paſſiren mußte, waͤhrend die Schotten einen feſten, trockenen Boden beſetzt hielten. Er ließ nun, all' das Terrain vor der Front ſeiner Schlacht⸗ ordnungslinie, woſelbſt Kavallerie leicht agiren konnte, mit ungefaͤhr drei Fuß tiefen Graͤben durchziehen; dieſe mit klei⸗ nem Strauchholz auffuͤlen, und oben mit Waſen bedecken, damit das Feld einer Ebene gleichen ſolle, waͤhrend es, wie eine Wachsſcheibe, voll Loͤcher war. Er ſoll auch noch auf dem ganzen Felde herum, woſelbſt er den Angriff der engliſchen Reiterei vermuthete, ſpitze Pfaͤhle in die Erde haben ſchlagen laſſen, gleich den Fußangeln mienerer Zeit, um ihre Pferde unbrauchbar zu machen; ſeine Schlachtordnungslinie erſtreckte ſich von Nord nach Suͤden; auf der Suͤdſeite lehnte ſie ſich an die Uſer des Baches Bauockburn, welche ſo ſteil ſind, daß keine Truppen dort paſſiren koͤnnen; der linke Fluͤgel der Schotten dehnte ſich beinahe bis an die Stadt Stirling aus. Bruce muſterte ſeine Truppen ſorgfaͤltig; alle Nichtſtreitbare⸗ 1 9 7 3 wie z. 3. Vedien en⸗ Viehtreiber und dergleichen, deren An⸗ zahl nicht unbedeutend war, ſchickte er auf eine Anhohe, der Sillieshuͤgel genannt(d. h. Knechtshuͤgel) zuruͤck. Dann feuerte er ſeine Soldaten an, und theilte ihnen ſeinen Ent⸗ ſchluß, zu ſiegen ode: auf dem Schlachtfelde zu ſterben, mit. 3 wuͤnſchte, daß alle diejenigen, welche nicht bis aufs Aeuf⸗ eerſte kämpfen wollen, lieber das Feld vor Anfang der Schlacht Lanre ſollen, und daß keiner zuruͤcleibe, als der, welcher von der Vorſehung dazu beſtimmt ſey, auf dem Platze zu bleiben. Als der größte Theil ſeiner Armee aufgeſtellt war, ſtellte der Koͤnig Randolphen mit einer Abtheilung Reiterei nahe bei der St. Ninianskirche auf, mit dem Befehl, alles moͤg⸗ liche zu thun, um keine Truppen nach dem feſten Platze Stir⸗ ling zu deſſen Entſatze gelangen zu laßen. Den Jacob Don⸗ glas und Sir Roberth Keith, den Heerfuhrer der ſchott tiſchen Armee, entſendete er, um ſo viel als moͤglich die Staͤrke der engliſchen Armee, welche von Falkirk her ſich naͤherte, auszu⸗ kundſchaften. Sie kamen mit der Nachricht zuruͤck, daß die Annaͤherung dieſes bedeutenden Kriegsheeres den ſchoͤnſten und fuͤrchterlichſten Anblick gewähre, den man je nur haben koͤnne, daß die ganze Gegend mit Reiterei und Fußvolk uüber⸗ ſat zu ſeyn ſcheine, und daß die Anzahl der Standarten, Fah⸗ nen und Wappenſchilde(alle verſchiedener Art), das tapferſte und zahlreichſte Heer der Chriſten erſchrecken muͤfe. Am 23. Inni 4343 erhielt der Koͤnig von Schottland die Nachricht, daß die engliſche Armee gegen Stirling anruͤcke. Seine Armee war. ſo aufgeſtellt, wie oben erwaͤhnt wurde; ——— kurze Zeit nachher bemerkte Bruce, welcher ein bischen aͤngſt⸗ lich nach dem Feinde ſorſchte, eige Abtheilung der engliſchen Reiterei, welche von der oͤſtlichen Seite her nach Stirling z 9 gelangen ſuchte. Dieß war Lord Clifford, welcher mit 809 auserleſenen Reitern entſendet worden war, um die Feſte zu entſetzen. „Sieh her, Nandolph,“ ſagte der Koͤnig zu ſeinem Nef⸗ fen,„da fiel eine Roſe aus deinem Federbuſch.“ Damit wollte er ſagen, wie es Nandolphen nicht zur Ehre gereiche, daß er das Vorruͤcken des Feindes gerade da zugegeben habe, woſelbſt er es haͤtte verhindern ſollen. Nandolph erwiederte nichts darauf, ſondern machte mit mehr als der Haͤlfte ſeiner Mannſchaft auf Clifford einen Angriff. Die Schotten hatten bei dieſer Erpedition nur Inſanterie; die Englaͤnder griffen mit ihren Lanzen an, und Randolph formirte mit den Sei⸗ nigen geſchloſſene Colonnen, um ſie zu empfangen. Er ſchien ſo ſehr in Gefahr zu gerathen, daß Douglas den Koͤnig um die Erlaubniß bat, jenem beiſtehen zu duͤrfen, aber der Koͤ⸗ nig verweigerte es. „Laßt Randolph ſelbſt ſeinen Fehler wieder gut machen,“ ſagte er,„ich kann wegen ihm die Schlachtordnungslinie nicht brechen.“ Die Gefahr ſchien jedoch groͤßer zu werden, und die engliſche Reiterei ſchien die Hand voll ſchottiſcher Infan⸗ terie ganz zu umzingeln.„So erlaubt mir doch,“ ſagte Douglas zum Koͤnig,„mein Herz kann es nicht uͤber ſich bringen, mußig zu ſtehen, und Randolph ſo zu ſehen— ich muß ihm helfen.“ Darauf ritt er mit den Seinigen weg; aber lange ehe ſie den Kampſplatz erreichten, ſahen ſie die engliſche Reiterei fort galoppiren, und ſogar manche ohne Sattel. „ Halt!“ ſagte Douglas zu ſeinen Leuten,„Randolph has ndieſen Tag gerettet; da wir nicht ſchnell genug waren, um nihm auf dem Schlachtfelde beizuſtehen, ſo wollen wir wenig⸗ „ſtens nicht ſaumen ſeinen Sieg zu vergroͤßern.“ Nun wur⸗ 16 de alles mögliche geleiſtet, was man nur verlangen konnte, beſonders da Randolph und Douglas immer um die Gunſt des Koͤnigs und des Volkes wetteiferten. Der Vortrab der engliſchen Armee wurde bald ſichtbar, und eine Anzahl ihrer tapferſten Nitter naͤherten ſich, um auszukundſchaften, was wohl die Schotten thun werden. Sie ſahen Koͤnig Robert in ſeiner Waffenruͤſtung und erkannten ihn an einer goldenen Krone, die er auf ſeinem Helme trug. Er hatte ſein großes Schlachtroß nicht beſtiegen, weil er nicht vermuthete, daß an dieſem Abend noch ein Scharmutzel vor⸗ fallen werde, ſondern er ritt auf einem kleinen Klepper in den Reihen ſeiner Armee auf und ab, und ſtellte ſeine Leute in Ordnung, wobei er in der einen Hand eine kurze Streit⸗ art von Stahl trug. Als der Koͤnig die engliſche Reiterei naͤher herkommen ſah, ruͤckte er mit ſeinen eigenen Leuten etwas vor, damit er jene naͤher im Geſicht habe. Unter den Englaͤndern befand ſich der Ritter Sir Hein. rich von Bohun, welcher ſich vorſtellte, hier gebe es gute Ge⸗ legenheit, ſich großen Ruhm zu verſchaſſen, er wollte den Koͤ⸗ nig Robert niederſtoſſen, und fo dem Krieg ein Ende machen. Da der Koͤnig fuͤr den Augenblick armſelig beritten war und keine Lanze fuhrte, ſo ſprengte Bohun ploͤßlich und wuͤthend auf ihn los, und vermuthete, er werde ihn mit ſeinem lan⸗ gen Speer und ſtarken kraͤftigen Pferde leicht zu Boden brin⸗ gen. Robert ſah ihn wohl und ließ ihn naͤher ankommen, dann aber wendete er ſein Pferdchen ſchnell nach der einen Seite hin, ſo daß Sir Heinrich ihn mit ſeiner Lanze verfehl⸗ te, und durch das ſchnelle Rennen ſeines Pferdes über den Konig hinaus ritt; aber gerade als Heinrich vorbeiſtreifte richtete ſich Koͤnig Robert in ſeinen Seigbuͤgeln auf und ver⸗ ſetzte mit ſeiner Streitart dem Sir Heinrich einen ſo fuͤrckh⸗ 41 terlichen Streich, daß deſſen eiſerner Helm wie eine Nuß⸗ ſchale in Stuͤcke brach, wodurch er gleich aus dem Sattel ge⸗ hoben wurde, und ſeinen Geiſt aufgab, ehe er noch zu Boden fiel. Dieſe Heldenthat wurde von den ſchottiſchen Anfuͤhreru ſehr getadelt, weil ſie behaupteten, Bruce haͤtte ſich keiner ſo großen Gefahr ausſetzen ſollen, da die Rettung der ganzen Armee von ſeiner Perſon abhieng. Der Koͤnig betrachtete ſei⸗ ne Waffe, welche durch die Macht des Hiebes ſtark Noth ge⸗ litten hatte, und ſagte:„Ich habe meine gute Streitart zer⸗ „brochen.“ Den andern Morgen, am 24. Juni, begann mit An⸗ bruch des Tages eine fuͤrchterliche Schlacht. Die Englaͤnder ſahen bei ihrem Vorruͤcken die Schotten in Schlachtordnung aufgeſtellt. Der Abt von Inchaffray ging barfuß durch ihre Reihen und feyerte ſie an fuͤr die Freiheit ihres Landes tapfer zu kaͤmpfen, worauf ſie niederknieten und den Himmel um Verleihung des Sieges anflehten. Als Konig Eduard dies ſah, rief er laut aus:„Sie knien nieder, ſie bitten um Gna⸗ de!*— „Ja,“ ſagte ein beruͤhmter engliſcher Baron, Ingelram von Umphraville,„aber ſie bitten Gott, nicht uns.— Dieſe „Leute wollen kaͤmpfen, oder auf dem Schlachtfelde ſterben.“ Der Koͤnig von England ertheilte den Befehl zum An⸗ griff; dann ſpannten die Bogenſchuͤtzen ihre Waffen und ſchoſ⸗ ſen eine ſolche Maſſe von Pfeilen auf die Schotten ab, daß die Pfeile gleich den Schneeflocken an einem Weihnachtstage flogen. Sie trafen viele der braven Schotten, und haͤtten, wie bei Falkirk und an andern Orten, den Sieg entſchieden; wenn nicht Bruce, wie ich ſchon oben erwaͤhnte, auf ſie vor⸗ bereitet geweſen waͤre; dieſer hatte eine ziemlich ſtarke Abthei⸗ lung gut berittener Reiterei, welche in vollem Galopp auf die 12 Bozenſchuͤtzen losritt, und da dieſe auſſer ihren Bogen und Pfeilen keine anderen Waffen fuͤhrten, deren ſte ſich bei einem Handgemenge Mann gegen Mann haͤtten bedienen koͤnnen, ſo wurden ſie von den ſchottiſchen Reitern groͤßtentheils zu⸗ ſammengehauen, und geriethen in gaͤnzliche Verwirrung. Die ſchone engliſche Cavallerie ruͤckte hierauf vor, um ih⸗ re Bogenſchuͤtzen zu unterſtuͤtzen, und die ſchottiſche Linie an⸗ zugreifen; als ſie aber die Stelle erreicht hatten, welche von Graͤben durchzogen war, fielen die Pferde in dieſe Löcher und die Reiter ſtuͤrzten zuſammen ohne ſich zu vertheidigen oder aufſtehen zu koͤnnen, weil die Laſt ihrer Waffenruͤſtung ſte daran verhinderte. Die Englaͤnder geriethen ſaͤmmtlich in große Unordnung, worauf der ſchottiſche Koͤnig mehr Streit⸗ krafte herbeiholte, ſie noch kraͤftiger angriff, und ihnen auf den Ferſen folgte.— Unverſehens trug ſch ein Ereigniß zu, welches den Sieg entſchied. Die Dienerſchaft und Nichtſtreitbaren der Schotten wurden bekanntlich im Ruͤcken der Armee auf den Gillieshe⸗ gel geſchickt; als dieſe ſahen, daß ihre Herrn wahrſcheinlich den Sieg davon tragen werden, verließen ſie den ihnen ange⸗ wieſenen Platz, und kamen mit Waffen, ſo gut ſie ſolche auf⸗ treiben konnten, herbei, um auch ihren Antheil am Sieg und an der Beute zu haben. Die Englaͤnder ſahen dieſe uͤber den Hügel herabkommen, hielten den unordentlichen Haufen fuͤr eine neue den Schotten zu Huͤlfe eiende Armee, und verloren allen Muth, worauf ſich ſelbſt jeder rettete, ſo gut er kennte. Eduard fuͤr ſeine Perſon floh ſo ſchnell er nur reiten konnte, und wurde durch Douglas mit einer Abthei⸗ lung Reiterei bis nach Dunbar verſolgt, woſelbſt die Englaͤn⸗ der noch einen Verbuͤndeten batten„ den Commandanten des Platzes Pat ich, Graf von March. Der Graf nahm Eduard 13 iñ ſeinem huͤlfloſen Zuſtande auf, und verſchaffte ihm einen Fiſcherkahn oder ein kleines Boot, in welchem er nach Eng⸗ land entfloh, nachdem ſeine ganze Armee aufgeloͤst war, und nachdem er einen großen Theil ſeiner tapfern Cdelleute ver⸗ loren hatte.— Die Englaͤnder haben weder vor noch nachher je eine ſo fürchterliche Schlacht verloren, als die von Bannockburn; eben ſo wenig gewannen je die Schotten wieder eine ſo bedeutende Schlacht. Eine Menge der brauchbarſten und tapferſten eng⸗ liſchen Edelleute blieben auf dem Schlachtfelde, eine noch groͤßere Anzahl wurde gefangen genommen, und die ganze furchtbare Armee des Koͤnigs Eduard war geſprengt oder ver⸗ nichtet. Die Englaͤnder konnten nach dieſer großen Niederlage ihre Anſpruͤche auf Schortland nicht mehr laͤnger geltend ma⸗ chen, oder, wie diß ſeit 20 Jahren geſchah, Armeen in je⸗ nes Land ſchicken, um es zu unterjochen; ſte waren im Ge⸗ gentheil kaum im Stande, ihre eigenen Grenzen gegen Ro⸗ bert Bruce und ſeine Soldaten zu vertheidigen. Es wurden noch manche Schlachten in England ſelbſt ge⸗ liefert, wobei die Englaͤnder immer im Nachtheil blieben. Eine dieſer Schlachten wurde bei Mitton in Yorkſhire gelie⸗ fert, wobei ſo viele Geiſtliche mitkaͤmpften, daß die Schot⸗ ten dieſe Schlacht das Capitel von Mitton nannten; man nennt nemlich die Vereinigung mehrerer Geiſtlichen, die zu einer Hauptkirche gehoͤren, ein Capitel. Waͤhrend und nach lener Schlacht wurde viel Blut vergoſſen. Die Schotten ver⸗ wüſteten in England die Gegend bis vor die Thore von York hin, und gewannen damals die Oberhand uͤber ihre alten Feinde, welche noch kuͤrzlich verſucht hatten, ſie zu Untertha⸗ nen von England zu machen. 14 So ſchwang ſich Robert Bruce von einem Verbannten, der wie ein Hirſch oder wildes Thier mit Schweishunden verfolgt wurde, zu einem unumſchraͤnkten Monarchen empor, welcher einſtimmig fuͤr einen der weiſeſten und tapferſten Koͤnige der damaligen Zeit gehalten wurde. Eben ſo hatte ſich das ſchottiſche Volk auch wieder einmal von einer unter⸗ druͤckten und eroberten Provinz zu einem freien, unabhaͤngi⸗ gen Staat erhoben, der durch ſeine eigenen Geſetze regiert, und ſeinen eigenen Fuͤrſten wieder unterthan wurde. Ob⸗ gleich das Land nach Bruces Tod großen Verluſt erlitten, und ſowohl durch die Feindſeligkeit der Englaͤnder, als durch ihre eigenen unſeligen Burgertriege vielem Unheil ausgeſetzt war, ſo verlor es doch ſpaͤterhin nie wieder die Freiheit, fuͤr welche Wallace ſein Leben gelaſſen, und welche Koͤnig Robert durch ſeine Geſchicklichkeit und durch ſeine Waffenthaten er⸗ rungen hatte; daher iſt es auch ſehr gerecht, daß, da Schott⸗ land keine Sammlung dieſer Begebenheiten beſitzt, das An⸗ denken an jene tapfere Krieger und treue Vaterlandsverthei⸗ diger dankbar aufbewahrt und geehrt werde. 1 ¹ —y— gweites Kapitel. Den den Thaten des Eduard Bruce, Douglas, Randolph, Graf von Murray, und Tod des Königs Robert Bruce. Du wirſt natürlich begierig ſeyn, zu hoͤren, was aus Eduard, dem tapfern und aufbrauſenden Bruder des Robert Bruce, geworden ſey. Miſſe denn, daß die Irlaͤnder zu der⸗ ſelben Zeit von den Englaͤndern beinahe ganz unterdruckt wur⸗ 15 den; nachdem ſie ihrer aber muͤde waren, baten die Großen Irlands, oder wenigſtens ein großer Theil derſelben, den Eduard Bruce, zu ihnen zu kommen, die Englaͤnder zu ver⸗ treiben und ihr Koͤnig zu werden. Er zeigte ſich bereitwillig, dieſe Einladung anzunehmen, denn er war immer von ho⸗ hem muthigem Geiſte beſeelt, und wuͤnſchte ſich Ruhm und Beſitzungen zu erwerben. Eduard Bruce war ein eben ſo guter Soldat als ſein Bruder, aber nicht ſo klug und vor⸗ ſichtig; dem Robert Bruce muß man doch nachſagen, daß er, mit Ausnahme der Ermordung Comyn des Rothen, welches eine ſchlechte und gewaztthaͤtige Handlung war, viel Weisheit und Muth an den Tag legte; er war ganz damit zufrieden, daß ſein Bruder Eduard, welcher bei jeder Gelegenheit ſo tapfer fuͤr ihn geſtritten hatte, zum König von Irland er⸗ waͤhlt werden ſolle; deshalb gab ihm Koͤnig Robert nicht nur eine Armee, um die Eroberung bewerkſtelligen zu koͤnnen, ſondern ſetzte in Perſon mit einer betraͤchtlichen Truppenzahl nach Irland uͤber, um ſeinen Bruder zu unterſtuͤtzen. Der Oberfeldherr der Englaͤnder, Sir Edmund Buttler, war ein guter Soldat, und hatte eine weit groͤſſere Armee verſammelt, als Eduard Bruce und deſſen Bruder Rohert ihm entgegen ſtellen konnten. Die Schotten wurden jeden Morgen genoͤthigt, ſich zuruͤckzuziehen, damit ſie nicht von einer weit zahlreichern Armee als ihre eigene eine Schlacht anzunehmen gezwungen wuͤrden. Ich habe ſchon oft geſagt, daß Koͤnig Robert ein weiſer und guter Fuͤrſt geweſen ſev; aber eine Begebenheit auf den eben erwaͤhnten Ruͤckzuͤgen legt auch dar, daß er liebreich und menſchlich geweſen ſey. Eines Morgens ruͤckten die Englaͤn⸗ der mit ihren iriſchen Huͤlfetruppen ſehr nahe gegen Brute an, welcher ſeiner Armee den Befehl ertheilt hatte, den . 163 ⸗ Ruͤckzug zu beſchleunigen, weil eine Schlacht mit einem an Zahl uͤberlegenen und durch die Beſchaffenheit des Bodens beguͤnſtigten Feind ſehr unklug geweſen waͤre. Ploͤtzlich hoͤrte er, gerade als er von ſeinem Pferde ſtieg, das verzweiflungs⸗ volle Geſchrei eines Weibes.„Was giebt's da?“ fragte der Koͤnig, worauf ihm einer aus ſeiner Umgebung antwortete, daß eine arme Frau, eine Waſcherin, Mutter eines neuge⸗ bornen Kindes, der Armee habe nicht mehr folgen koͤnnen, weil ſie zu ſchwach zum Gehen ſey. Die Mutter hatte Angſt, in die Haͤnde der Irlaͤnder zu fallen, welche fuͤr ſehr grau⸗ fam gehalten wurden; es gab aber weder Wagen noch andere Mittel, um die Frau mit ihrem Kinde in Sicherheit zu bringen; ſie mußte bei fortgeſetztem Ruͤckzug der Armee noth⸗ wendigerweiſe zuruͤckgelaſſen werden. Koͤnig Robert ſchwieg einen Augenblick, als er dieß ver⸗ nahm, und ſchwebte zwiſchen den Gefuͤhlen der Menſchlichkeit die durch das Ungluͤck der armen Frau in ihm rege gewor⸗ den, und zwiſchen der Gefahr, in welche er ſeine Armee durch einen Halt gebracht haͤtte. Endlich ſah er mit ſeinen feuerſpruͤhenden Augen unter ſeinen Offizieren umher. „Hoͤrt, ihr Lieben,“ ſagte er,„wir wollen es uns nicht „nachſagen laſſen, daß ein neugeborner Menſch durch unſere „Schuld feine Mutter verloren habe, und daß ein Kind den „Varbaren uberlaſten worden ſey! Laßt uns die Ueberlegen⸗ „heit des Feindes in Gottes Namien nicht beachten, ich will „mich lieber mit Ebmund Buttler meſſen, als die armen „Geſchoͤpfe zuruͤcklaſſen. Laßt daher die Armee in Schlacht⸗ „orduung aufſtellen, ſtatt den Ruͤckzug fortzuſetzen.“ Dieſe Geſchichte nahm ein ſonderbares Ende. Denn als der engliſche Feldherr ſah, daß Nobert Bruce Halt mache . J und 17 und die Schlacht annehmen wolle, und da er auch wußte, daß der ſchottiſche Koͤnig einer der beſten Feldherrn der da⸗ maligen Zeit war, ſo vermuthete er, daß dieſer eine bedeu⸗ tende Unterſtuͤtzung erhalten haben moͤchte, und fuͤrchtete ſich, ihn anzugreifen. So erhielt Bruce Gelegenheit, die arme Frau mit ihrem Kinde zu retten und ſeinen Ruͤckzug nach Muße zu bewerkſtelligen, ohne durch den gemachten Halt Noth zu leiden. Robert wurde jedoch bald genoͤthigt, die Eroberung Ir⸗ lands ſeinem Bruder zu üͤberlaſſen, weil ihn dringende Ge⸗ ſchaͤfte in ſein eigenes Land zuruͤckriefen. Eduard, ſo raſch als tapfer, ließ ſich gegen den Rath ſeiner beſten Offiziere mit einem engliſchen General, Sir Peter von Birmingham, in ein Treffen ein. Die Schotten wurden von allen Seiten umzingelt, wehrten ſich aber fortwaͤhrend ſehr tapfer, und Eduard Bruce ging mit gutem Beiſpiel voran, indem er in der nemlichen Schlachtordnungslinie mitfocht. Endlich wurde ein ſtarker engliſcher Held, Namens Johann Maupas, mit Eduard Bruce handgemein, wobei Beide auf dem Platze blieben. Maupas wurde nach der Schlacht auf Eduard Bruce liegend gefunden, aber beide ohne Lebensſpur. Nach Eduard Bruce's Tod gaben die Schotten ihren Verſuch, Irland erobern zu wollen, auf. Robert Bruce regierte mehrere Jahre lang ruͤhmlich, und beſiegte die Englaͤnder fortwaͤhrend ſo, daß die Schotten da⸗ mals ihre Nachbarn voͤllig unterjocht zu haben ſchienen. Wir muͤſſen jedoch nicht vergeſſen, daß Eduard II., welcher in Eng⸗ land regierte, ein thoͤrichter Fuͤrſt war und ſchlechten Rath⸗ gebern Gehoͤr verlieh. Daher iſt es kein Wunder, daß er durch einen ſo weiſen und erfahrnen Feldherrn wie Robert W. Scott's Werke.⸗* XCVI. 2 1 .. 48 Bruce, der durch ſo vieles Ungluͤck auf den Thron gelangt war, geſchlagen wurde. Im letzten Jahr von Bruce's Regierung wurde er ſehr krank und ſchwach, beſonders litt er an einem Ausſatz, den er in ſeiner Jugend bekam, als er mit ſo vielen Muͤhſelig⸗ keiten und Mißgeſchicken kaͤmpfen mußte, und oft genoͤrhigt war, ſich in Waͤldern und Moraͤſten zu verbergen, ohne ſich nur in einer Huͤtte aufhalten zu koͤnnen. Er wohnte in ei⸗ nem Schloſſe an den ſchoͤnen Ufern des Fluſſes Clyde, nahe an der Muͤndung dieſes Fluſſes; ſein Hauptvergnuͤgen beſtand darin, auf dem Fluß hinab in die hohe See zu fahren. Er war nicht mehr laͤnger im Stande, auf ſeinem Schlachtroſſe zu ſitzen, oder ſeine Armee ins Feld zu fuͤhren. 3 Waͤhrend Bruce ſich in dieſem ſchwachen Zuſtand befand, ſtarb Eduard II., Koͤnig von England, welchem deſſen Sohn, Eduard III., auf den Thron folgte. Dieſer galt ſpaͤter für hatte; aber damals war er noch ſehr jung und ſtand ganz unter der Leitung ſeiner Mutter, welche von einem ſchlechten Guͤnſtling, Namens Mortimer, beherrſcht wurde. Der Krieg zwiſchen den Engländern und den Schotten dauerte noch immer fort; Bruce ſchickte ſeine zwei große Ge⸗ nerale, den guten Lord Jacob Douglas und den Thomas Nandolph, Graf von Murray, in die Grafſchaften Northum⸗ einen der weiſeſten und tapferſten Koͤnige, welche England jie berland und Durham, um ſie zu verwuͤſten und den Englaͤn⸗ dern ſo viel als moͤglich Schaden zuzufuͤgen. Die Anzahl ihrer Soldaten belief ſich auf ungefaͤhr 20,000 Mann, alle leicht bewaffnet, und auf kleinen, aber außeror⸗ 3 dentlich braucbaren Pferden beritten. Die Leute trugen anßer einem Saͤckchen Waizenmehl keine Lebensmittel bei ſich; jeder hatte an ſeinem Sattel eine kleine eiſerne Platte, die ſie Guͤr⸗ ver 19 tel nannten, und worauf ſie nach Gefallen das Waizenmehl bageen konnten. Ueberall, wo ſie durchmarſchirten, ſchlachte⸗ ten ſie den Englaͤndern das Vieh, roͤſteten ſich das Fleiſch an hoͤlzernen Stangen, oder brateten es mit dem Fell der Thiere, wobei ſie es vorher nur in das Waſſer tauchten, um zu verhuͤten, daß die Haut durch die Flammen verzehrt wer⸗ de. Dies war freilich eine rohe Kochart. Sie machten ihre Schuhe oder Sandalen auf eine plumpe Art, indem ſie ſolche aus den rohen Viehhaͤnten ſchnitten und bis uͤber die Knoͤ⸗ chel heraufgehen ließen, aͤhnlich den letzigen kurzen Kamaſchen. Da bei dieſer Gattung von Halbſtiefeln die haarige Seite des Felles außen war, ſo nannten die Englaͤnder diejenigen, wel⸗ che derlei trugen, rohfüßige Schotten, und manchmal nach der Farbe der Haut Rothſchenkel. Die ſchottiſche Armee durfte weder Lebensmittel, noch irgend etwas von Kriegsvorrath mit ſich führen, deshalb be⸗ wegte ſie ſich mit erſtaunlicher Leichtigkeit von Berg zu Berg und von Thal zu Thal; aber uͤberall, wo ſie hinkam, pluͤnderte und verwuͤſtete ſie das Land. Inzmiſchen ſetzte ihnen der junge König von England mit einer weit zahlreichern Armee nach; da dieſe aber wegen der großen Menge von Lebensmitteln, wel⸗ che ſie tragen mußten, und wegen ihren ſchweren Waffenrocken ihre Bewegungen nur ſchwerfaͤhig ausfuͤhrte, ſo konnte ſie den Schotten nichts anhaben, obgleich die Englaͤnder ale Tage den Rauch der Haͤuſer und Doͤrfer ſahen, welche jene in Brand ſteckten. Der Koͤnig von Engiand war daruͤber ſehr entruͤſtet, und wuͤnſchte, wenn gleich erſt 16 Jahre alt, gegen die Schotten zu ziehen, um ſie fur das viele Unheil, was ſie in ſeinen Lande ſtifteten, zu zuͤchtigen; ſein Unmuth wurde ſo geſteigert, daß er demjenigen, welcher ihm zeige, wo die 2 3 20 ſchottiſche Armee derzeit ſich aufhalte, eine Belohnung aus⸗ ſetzte. Endlich, nachdem die Englaͤnder aus Mangel an Lebens⸗ mitteln viel zu leiden hatten, und auf ſehr ermuͤdenden Ta⸗ gemaͤrſchen, waͤhrend denen ſie Furthen, Suͤmpfe und Mo⸗ raͤſte paſſiren mußten, keinen unbedeutenden Muͤhſeligkeiten unterzogen waren, kam ein gewiſſer Rokeby in das Lager und machte auf die vom König ausgeſetzte Belohnung Anſpruch. Er erzaͤhlte dem Koͤnig, daß er von den Schotten gefangen genommen geweſen ſey, und daß ſie ſich eben ſo ſehr freuen, mit ihm zuſammenzukomemen, als er begierig ſey, ſie zu ſe⸗ hen. Rokeby fuͤhrte wirklich die engliſche Armee auf die Stel⸗ le, woſelbſt die Schotten lagerten. Hiedurch ruͤckte jedoch der engliſche Koͤnig ſeinem Ziele nicht naͤher, denn Douglas und Randolph, von der Staͤrke der engliſchen Armee unterrichtet, hatten ihr Lager auf ei⸗ nem ſteilen Berge aufgeſchlagen; unter dieſem floß ein tiefer Flnß vorbei, deſſen Bett mit großen Steinen angefuͤllt war, ſo daß es den Englaͤndern unmoͤglich wurde, die Schotten au⸗ zugreifen, ohne vorher den Fluß zu paſſiren und den Berg im Angeſicht des Feindes zu erſteigen, womit denn doch zu viel Gefahr verknuͤpft geweſen waͤre. 1 Der engliſche Känig ſchickte den ſchottiſchen Generalen einen Parlamentaͤr und lies ſie bitten, ihre Streitkraͤfte zu⸗ ruüͤckzuziehen und ihm zu erlauben, daß er den Fluß frei paſ⸗ ſiren und dann ſeine Armee auf dem andern ufer in Schlacht⸗ ordnung aufſtellen duͤrfe, damit ſie offen einander bekaͤmpfen koͤnnten, oder ließ er ihnen anbieten— wenn ſie es vorzie⸗ hen ſollten— ohne Widerſtand auf die von ihm beſetzte Sei⸗ te des Fluſſes kommen zu duͤrfen, damit ſie beide ſich auf einem guͤnſtigen Boden ſchlagen koͤnnten.* Randolph und 21 Douglas konnten auf dieſe Botſchaft hin nur lachen. Sie ſagten, ſie werden ſich nach ihrem eigenen Gutduͤnken ſchla⸗ gen, und nicht wenn es dem Konig von England beliebe. Sie erwiederten ihm ganz hoͤhniſch, ſie ſeyen in ſein Land eingefallen, um zu brennen, zu erbeuten und zu thun, was ihnen nur beliebe; wenn dieß dem Herrn Koͤnig nicht gefalle, ſo muͤſſe er in Gottes Namen ſeinen Weg durch den Fluß nehmen, und dieſes, ſo gut er konne, ausfuͤhren. Dceer engliſche Koͤnig wollte die Schotten nicht aus dem Geſicht laſſen, und ſchlug ſein Lager auf der andern Seite des Fluſſes auf, um ihre Bewegungen uͤberwachen zu koͤnnen; denn er dachte, daß Mangel an Lebensmitteln ſie noͤthigen wuͤrde, ihre ſtarke Stellung auf dem Berge verlaſſen zu muͤſ⸗ ſen. Die Schotten gaben jedoch Eduarden auf's Neue wieder einen Beweis ihrer ſchnellen Beweglichkeit, indem ſie ihr La⸗ ger verließen und ein anderes bezogen, deſſen Zugang in der Front noch weit feſter und ſchwieriger war, als das erſte, was ſie beſetzt hielten. Koͤnig Eduard folgte dieſer Bewe⸗ gung, und nahm ſeinen geſchickten und unruhigen Feinden gegenuͤber Stellung, in der Hoffnung, ſie zu einer Schlacht zu verleiten, welche er leicht zu gewinnen glaubte, weil ſeine Armee noch einmal ſo ſtark als die ſchottiſche geweſen und er lauter auserleſene Truppen hatte.. Waͤhrend die beiden Armeen ſo einander gegenuͤber ſtun⸗ den, entſchloß ſich Douglas, dem jungen Koͤnig von England im Kriegfuͤhren eine Vorleſung zu halten. Vor Tagesan⸗ bruch verließ er das ſchottiſche Lager mit einer kleinen Ab⸗ theilung von etwa 200 wohlbewaffneten auserleſenen Reitern. Er uͤberſchritt den Fluß in tiefer Stille und gelangte zum eng⸗ liſchen Lager, das er nur nachla ſig bewacht fand. Als Dou⸗ olas dieß fah, ritt er an den engliſchen Schildwachen vorbei⸗ 22 als waͤre er ein Offizier von ihrer Armee, und ſagte;„Beim heiligen Georg! ihr haltet hier ſchlecht Wache!“— Damals war es nemlich uͤblich, daß ſich die Englaͤnder beim Schwoͤren des Wortes St. Georg bedienten, als wie die Schotten des heiligen Andreas. Gleich darauf hoͤrte Douglas einen engli⸗ ſchen am Feuer liegenden Soldaten zu ſeinem Kameraden ſa⸗ gen:„Mir ſcheint, daß uns in dieſem Lager etwas begegnet, denn es kommt mir vor, als wolle uns der ſchwarze Douglas einen Streich ſpielen.“„Du ſollſt Recht haben,“ dachte Douglas bei ſich ſelbſt. Nachdem er mitten in das engliſche Lager gelangt war, ohne entdeckt zu werden, zog er ſein Schwert, hieb damit die Stricke eines Zeltes zuſammen und rief ſein gewoͤhnliches Feld⸗ geſchrei aus: Douglas! Douglas!„Ihr engliſchen Diebe, ihr muͤßt alle des Todes ſeyn!“ Seine Leute folgten ſeinem Bei⸗ ſpiel, ſchnitten die Zelte zuſammen oder drehten ſie um und hieben die engliſchen Soldaten, welche nach den Waffen greifen wollten, nieder. Douglas drang bis zum Zelt des Königs vor, und bei⸗ nahe nahm er dieſen jungen Fuͤrſten mitten unter ſeiner großen Armee gefangen. Eduards Kaplan und viele ſeines Hofſtaats griffen nach den Waſſen und vertheidigten ihren Koͤnig tapfer, waͤhrend er ſelbſt unter der Leinwand ſeines Zeltes durchkroch und entfloh. Der Caplan und verſchiedene von des Königs Offizieren wurden erſchlagen. Aber balb war das ganze Lager allarmirt und unter den Waffen, ſo daß Douglas genoͤthigt wurde ſeinen Ruͤckzug anzutreten, welchen er mitten durch die Englaͤnder nach der andern Seite des Lagers hin, von welcher er herein kam, bewerkſtelligte. Da er hiedurch von den Seinigen, welche unterdeſſen in Verwir⸗ rung gekommen waren, getrennt wurde, gerieth er in die 23 große Gefahr, von einem Englaͤnder, der ihm mit einer Keule begegnete, beinahe erſchlagen zu werden. Douglas aber erſchlug ihn, jedoch nur mit großer Anſtrengung; dann bließ er in ſein Horn um ſeine Leute zu ſammeln, welche gleich herbei kamen. Er kehrte nur mit einem ganz unbedeu⸗ tenden Verluſte ins ſchottiſche Lager zuruͤck. Eduard war uͤber dieſe letztere durch Douglas erlittene Schmach ſehr aufgebracht, und wuͤnſchte jetzt mehr als je, dieſe kuͤhne Gegner zu zuͤchtigen, wozu ihm auch Einer bei⸗ nahe Gelegenheit gegeben haͤtte. Dieſer war Thomas Ran⸗ dolph, Graf von Muray. Er fragte Douglas, als dieſer ins ſchottiſche Lager zuruͤckkam; was er gethan habe?—„Wir haben ein bischen Blut vergoſſen.“—„Ah,“ ſagte der Graf, haͤtten wir mit einander dieſen naͤchtlichen Angriff un⸗ ternommen, ſo wuͤrden wir ſie geſchlagen haben.“ „Wielleicht,“ ſagte Douglas,„aber die Gefahr waͤre zu groß geweſen.“„Nun ſo wollen wir ſie in offenem Felde angreifen,“ antwortete Randolph,„denn wenn wir hier blei⸗ ben, ſo werden wir aus Mangel an Lebensmitteln bald ver⸗ hungern.“—„Nicht doch,“ verſetzte Douglas,„wir wollen mit dieſer großen engliſchen Armee theilen, wie der Fuchs mit dem Fiſcher in der Fabel.“—. „Und wie war das?“ fragte der Graf von Murray.— Darauf erzaͤhlte ihm Douglas ſolgende Geſchichte: Ein Fi⸗ ſcher erbaute ſich ein Huͤttchen an eines Fluſſes Ufer, um ſeiner Beſchaͤftigung beſſer nachgehen zu koͤnnen. In einer Nacht ſah er einmal nach ſeinen Nezen und ließ in ſeiner Huͤtte ein kleines Feuer brennen; und ſiehe da! bei ſeiner Zuruͤckkunſt war ein Fuchs in der Huͤtte, welcher ſich die Freiheit nahm, einen ſeiner ſchoͤnſten Salmen, die er kurz vorher gefangen, zu verzehren,—„Wart, Herr Dieb, 24 ſagte der Fiſcher,„ich will mein Schwert ziehen,“ waͤhrend welcher Aeuſſerung er ſich unter die Oeffnung der Huͤtte ſtell⸗ te:„Dir ſoll Dein Tod gewiß ſeyn!“ der arme Fuchs ſah ſich nach einem Loch um, durch welches er entwiſchen koͤnnte, fand aber keins, weßhalb er dann mit ſeinen Zaͤhnen einen auf dem Bett liegenden Mantel herabzog und dieſen quer uͤber das Feuer hinſchleppte. Der Fiſcher ſprang nach ſeinem Mantel um ihn aus dem Feuer zu reißen, unterdeſſen ging der Fuchs aber mit dem Salmen zur Thure hinaus;— ſo wollen wir mit Liſt der engliſchen Armee entkommen ohne mit einer ſo ungeheuren Macht uns meſſen zu wollen.“ Randolph war mit Donglas Rath ganz zufrieden; die ſchottiſche Armee zuͤndete in ihrem Lager zum Schein große Feuer an, ſie machten Laͤrmen und blieſen in ihre Horne als wollten ſie dort alle Nacht bleiben, wie vorher. Aber mitt⸗ kerweile hatte Douglas ſchon einen Weg durch einen zwei Meilen langen in ihrem Ruͤcken liegenden Sumpf machen laſſen, weil es den Schotten auf keine andere Art moͤglich geweſen waͤre, die Englaͤnder zu hintergehen; durch dieſen Paß, welchen die Englaͤnder nicht vermutheten, zogen ſich Randolph und Douglas mit allen ihren Leuten vor Tagesan⸗ bruch zuruͤck. Sie lieſſen nicht einmal einen Troßjungen zu⸗ ruͤck, und richteten ihren Ruͤckzug gegen Schottland, waͤhrend die Englaͤnder getaͤuſcht und beſchaͤmt ſtehen blieben. Den andern Morgen war ihr Erſtaunen groß, als ſie das ſchot⸗ tiſche Lager leer und kein anderes lebendes Weſen darin fan⸗ den, als zwei bis drei an einen Baum gebundene Englaͤnder welche ſie mit der ſchimpflichen, dem Koͤnig von England geltenden Drohung zuruͤck ließen:„Wenn ihm das, was ſie hier gethan haben, nicht gefale, ſo ſolle er ſelbſt nach Schott⸗ land kommen und ſich raͤchen.“ Der Platz, woſelbſt die 25 Schotten dieſes beruͤhmte Lager aufgeſchlagen hatten, befand ſich in dem Wald von Weardale, im Bißthum Durham; and der Weg, welchen ſie zur Ausfuͤhrung ihres Ruͤckzugs aleg⸗ ten, heißt noch heut zu Tage das geſchorne Moos. Hierauf wurde endlich mit Robert Bruce ein fuͤr Schott⸗ land ſehr ehrenvoller Friede geſchloſſen, denn der Koͤnig von Eng⸗ land verzichtete auf alle Anſpruͤche auf die Oberherrſchaft jenes Landes; er gab ſogar ſeine Schweſter, die Prinzeſſin Johanna, dem David Robert Bruces Sohn zur Frau. Dieſe Verbindung war fuͤr die Schotten ſehr vortheilhaft. Man nannte dieſen Ver⸗ trag den von Nordhampton, weil er im Jahr 1328. in dieſer Stadt geſchloſſen wurde. Der gute Koͤnig Robert uberlebte dieſes erfreuliche Ereigniß nicht Jange. Er brachte ſein Alter nur auf vierundfuͤnfzig Jahre, aber, wie ich ſchon oben ſag⸗ te, ſeine Krankheit wurde durch die vielen Beſchwerden, wel⸗ chen er in ſeiner Jugend ausgeſetzt war, herbeigefuͤhrt, und am Ende wurde er ſehr leidend. Als er einmal fuͤhlte, daß er nicht mehr geneſen werde, verſammelte er um ſein Bett die Edelleute und Rathgeber, auf die er am meiſten Ver⸗ trauen ſetzte. Er ſagte ihnen, daß er nun auf ſeinem Todten⸗ bette alle ſeine Verbrechen ſehr berene, beſonders aber, daß er in ſeiner Leidenſchaft in der Kirche zu Dumfries und ſo⸗ gar vor dem Altar den Comyn mit eigener Hand ermordet habe. Er theilte ihnen mit, daß wenn er noch laͤnger gelebt haben wuͤrde, ſeine Abſicht geweſen ſey nach Jeruſalem zu gehen, um die Saracenen zu bekriegen, welche das heilige Land beſitzen. Seit er aber vorausſehe, daß er ſterben muͤſ⸗ ſe, habe er ſeinen beſten Freund und tapferſten Krieger, den guten Lord Jacob Douglas gebeten, dieſer ſolle ſein Herz in das heilige Land tragen. Damit Du aber die Abſicht dieſes Verlaugens verſtehen 1 3 26 kannſt, muß ich Dir erklaͤren, daß damals ein Volk, die Sa⸗ racenen genannt, welche an den falſchen Propheten Mahomed glaubten, durch Eroberung von Jeruſalem und den andern Staͤdten und Pläͤtzen deren in der heiligen Schrift erwaͤhnt wird, Beſitz genommen haben, und die Chriſten von Europa, welche an dieſe Stellen als Pilgrime wanderten, um dort Gott zu verehren woſelbſt ſo viele Wunder vorfielen, wurden durch dieſe heidniſchen Saracenen beſchimpft und verhoͤhnt; daher ſchickten die Chriſten aus allen Reichen Europa's viele Armeen dorthin, um dieſe Saracenen zu bekaͤmpfen. Sie glaubten, daß ſie der Religion dadurch einen großen Dienſt erweiſen, und daß alle Suͤnden, welche ſie bis daher begangen, von Gott dem Allmaͤchtigen verziehen werden, weil ſie gegen die Unglaubigen ſtritten, und den ſogenannten heiligen Krieg fuͤhrten. Du wirſt Dich erinnern, daß Bruce damals im Sinne hatte eben dahin zu gehen, als er an der Erlangung der Krone Schottlands verzweifelte, und deßhalb wuͤnſchte er, daß ſein Herz nach ſeinem Tod nach Jeruſalem getragen werden moöchte, und bat den Lord Jacob Douglas, dieſes Amt zu ubernehmen. Douglas weinte bitterlich, als ihm dieſer Dienſt, der letzte Beweiß von Bruce's Zutrauen und Freundſchaft— uͤbertragen wurde. Der Koͤnig ſtarb bald darauf; ſein Herz wurde aus ſei⸗ nem Koͤrper genommen und einbalſamirt, d. h. mit Gewuͤr⸗ zen und wohlriechenden Sachen eingerieben, damit es lange friſch und unverdorben bleiben moͤge. Dann ließ Douglas eine Kapſel von Silber machen, in welche er Bruce's Herz einſchloß, und trug es um ſeinen Hals an einer Schnur von Silber und Gold. Spaͤter machte er ſich auf in das ſoge⸗ nannte heilige Land in Begleitung einiger der tapferſten Rit⸗ ter Schottlands, welche, um zu zeigen, daß ſie ihren braven 27 9* Koͤnig Robert Bruce zu ſchaͤtzen wiſſen, den Entſchluß faßten, ſein Herz bis nach Jeruſalem zu begleiten. Es ware ubri⸗ gens fuͤr Schottland weit beſſer geweſen, wenn Douglas und ſie zu Vertheidigung ihres eigenen Landes zu Hauſe geblieben waͤren, denn bald nachher vermißte man ihren Beiſtand ſehr. Douglas erreichte das Ziel ſeiner Reiſe nicht. Auf ſei⸗ nem Zuge nach Palaͤſtina landete er in Spanien, woſelbſt der Saracenentoͤnig oder Sultan von Granada, Osmin, das Koͤnigreich des Alphonſo, des Koͤnigs von Spanien und Ka⸗ ſtilien, einen Einfall gemacht hatte. König Alphonſo empfing Douglas mit auſſerordentlich vieler Auszeichnung, und das Volk ſtroͤmte von allen Seiten herbei, um den großen Hel⸗ den zu ſehen, deſſen Ruhm die ganze Chriſtenwelt durchdrun⸗ gen hatte. Es koſtete den Koͤnig Alphonſo nicht viel Muͤhe Douglas zu uͤberreden, daß er der chriſtlichen Sache einen guten Dienſt erweiſen wuͤrde, wenn er ihm beiſtehen wollte, die Saracenen aus Granada zu vertreiben, ehe er ſeine Rei⸗ ſe nach Jeruſam fortſetze. In Folge deſſen lieferte Douglas mit ſeinen Leuten dem Osmin eine bedeutende Schlacht; ſie hatten nicht viel Schwierigkeiten zu uͤberwinden, um die ih⸗ nen gegenuͤberſtehenden Saracenen zu ſchlagen. Da die Schotten aber die Fechtart der morgenlaͤndiſchen Reiterei nicht kannten, ſo verfolgten ſie ſolche zu weit, und ſobald die Mauren ſahen, daß ſolche zerſtreut und von einander ge⸗ trennt ſeyen, kehrten ſie vloͤtzlich um, riefen ihr Feldgeſchrei Allah, illah, allah! laut aus, und umringten diejenigen der ſchottiſchen Ritter, welche ſich zu weit vorgewagt haben. In dieſem neuen Scharmuͤtzel ſah Douglas den Sir Wil⸗ helm St. Clair von Roslyn verzweiflungsvoll ſich wehren, die Mauren hatten ihn umzingelt, und hieben mit ihren Saͤbeln auf ihn ein.„Wahrhaftig, dort wird ein wackerer 23 Ritter erſchlagen,“ ſagte Douglas,„wenn man ihm nicht gleich zu Huͤlfe kommt.“ Zugleich ſprengte er zu deſſen Be⸗ freiung herbei, wurde aber ſogleich ſelbſt von vielen Mauren umringt. Als er ſah, daß er dicht vom Feind umgeben ſey, und ihm kein Ausweg zum Durchkommen bleibe, nahm er Bruce's Herz von ſeinem Halſe ab und ſprach gerade als haͤt⸗ te er den noch lebenden Koͤnig vor ſich:„Geh voran in die „Schlacht, wie Du es immer gewohnt warſt und Douglas „wird dir ſolgen oder ſterben.“ Dabei warf er des Koͤnigs Herz mitten in die Feinde, und ſo wie er auf die Stelle losſtürzte, wo es hingefallen war, wurde er erſchlagen. Sein Leichnam Kurde auf der ſilbernen Kapſel liegend geſunden, woraus hervorgeht, daß ſein letztes Beſtreben noch dahin gieng, Bruce's Herz zu vertheidigen. Dieſer gute Lord Douglas war einer der beſten Solda⸗ ten die je lebten. Man ſagt ihm nach, er habe ſiebenzig Schlachten mitgemacht, wovon er 13 verloren und 57 gewon⸗ nen. Die Englaͤnder beſchuldigten ihn der Grauſamkeit; be⸗ ſonders ſagen ſie, er habe einen ſolchen Haß auf die engliſchen Bogenſchuͤtzen geworfen, daß wenn er einen gefangen genom⸗ men, ſolchen nicht fruͤher wieder entlaſſen, dis er ihm ent⸗ weder das rechte Auge ansgeſtochen, oder den Zeigfinger an der rechten Hand abgehauen habe. Douglaſens Speiſekam⸗ mer ſcheint ebenfalls eine Geſchichte ſehr grauſamen Inhalts zu ſeyn; aber der Haß zwiſchen den zwei benachbarten Laͤn⸗ dern war damals auf einen ſehr hohen Grad geſtiegen, und Lord Jacob war hauptſaͤchlich uͤber den Tod ſeines treuen Dieners Thomas Dickſon aufgebracht; gewoͤhnlich behandelte er uͤbrigens ſeine Gefangenen nicht hart, ſondern war ſehr guͤtig gegen ſie. Die ſchottiſchen Geſchichtſchreiber ſchildern den guten Lord Jacob als einen Mann, welcher niemals durch 29 Miſßgeſchick gebeugt, oder durch Beguͤnſtigung des Gluͤcks aufgeblaſen worden waͤre. Sie ſagen, daß er in Friedenszei⸗ ten beſcheiden und gut geweſen ſey, im Kriege aber eine ganz andere Gemuͤthsſtimmung gehabt habe. Er war ſchlank, ſtark, ſchon gewachſen und hatte eine ſchwarze Geſichtsfarbe und ſchwarze Haare, weßhalb er auch der ſchwarze Douglas genannt wurde. In den vielen Schlachten, die er mitmachte, wurde er nicht ein einzigesmal im Geſicht verwundet. Ein tapferer ſpaniſcher Ritter vom Hoſe des Koͤnigs Alphonſo deſſen Geſicht durch die Saͤbelhiebe der Mauren ordentlich gezeichnet wurde, druͤckte laut ſeine Verwunderung daruͤber aus, daß Dauglaſens Geſicht nicht mit Wunden bedeckt ſey. Douglas verſetzte ganz beſcheiden darauf, wie er Gott nicht genug dafuͤr danken koͤnne, daß er ihm ſeine Haͤnde bewahrt und ſein Geſicht beſchuͤtzt habe. In der Schlacht in welcher Douglas ſelbſt blieb, fielen eine Menge ſeiner Leute. Die uͤbrigen wollten ihre Reiſe nach Palaͤſtina nicht fortſetzen, ſondern entſchloſſen ſich nach Schottland zuruͤckzukehren. Nach des guten Lord Donglas Tod fuͤhrte deſſen Familie ein blutiges Herz mit einer Krone darauf auf ihrem Schilde, zum ewigen Andenken an ſeinen mit des Koͤnigs Robert Bruce's Herz nach Spanien unternommenen Zug. Damals brachte man dergleichen Sinnbilder auf den Schilden an, daß uman in der Schlacht erkannt werden ſolle, weil die Helme das Geſicht verbargen; und nun„ſeit man ſich ſolcher Waffen im Kriege nicht mehr bedient, werden dieſe Deviſen(wie man ſie zu nennen pflegt) der betreſfenden Familie auf ihre Wappen geſtochen oder auf ihren Wagen angebracht. So erhielt z. B. einer der tapferen Ritter von der Be⸗ gleitung des Lord Douglas, Sir Simon Lockhard von Lee, 4 30 den Auftrag, Bruce's Herz wieder nach Hauſe zu bringen, weßhalb er als Deviſe„ein Herz und oben darauf ein Vor⸗ legeſchloß“ zum Andenken an Bruce's Herz, welches in eine ſilberne Kayſel eingeſchloſſen war, waͤhlte. Aus demſelben Grunde wurde Sir Simons Name„Lokhard“ in Lokheart verwandelt, und alle die, welche von Sir Simon abſtammen, ſchreiben ſich noch heut zu Tage Lokheart*). Vielleicht hoͤrteſt Du ſchon von einem ſolchen Namen, mein lieber Hugo? Alle die ſchottiſchen Ritter, die mit ihrem Leben davon kamen, kehrten in ihr Vaterland zuruͤck. Sie brachten Bru⸗ ces Herz und die Gebeine des guten Lord Jacohs zuruͤck. Dieſe letztern wurden in der Kirche St. Bride, woſelbſt Thomas Dikſon einen ſo fuͤrchterlichen Palmſonntag hielt, be⸗ graben. Bruce's Herz wurde unter dem Hochaltar der Mel⸗ roſeabtei beerdigt, ſein Leichnam aber mitten in der Kirche Dunſermline unter einem Marmorſtein. Spaͤter ſiel die Kirche in Truͤmmer zuſammen, und mit ihr das Denkmal, ſo daß niemand mehr ſagen konnte wo es ſtand; jedoch kurze Zeit vor der Geburt meines lieben Huzo, der nun ſechs oder ſieben Jahre alt iſt, wurden bei der Wiederberſtellung der Kirche von Dunfermline und beim Wegſchaffen des Schuttes wahrhaftig Bruchſtuͤcke des marmornen Denkmals von Bruce gefunden. Auf dieſes hin wurde weiter nachgegraben, weil man glaubte, man koͤnne den Leichnam des beruͤhmten Mo⸗ narchen auch finden; endlich fand man wirklich das Scelett eines ſchlanken Mannes, welches man fuͤr das des Koͤnigs Robert halten mußte, eines Tbeils, weil er in einem von Gold durchwirkren Zeug begraben wurde, wovon vieſe Ueber⸗ bleibſel bei dem Scelett lagen, andern Theils, weil der *) Heart heißt Herz. 31 Bruſtknochen durchſaͤgt zu ſeyn ſchien, welches wahrſcheinlich geſchah, als man das Herz herausnahm; deßhalb wurde von des Konigs Schatzkammer der Befehl ertheilt, die Gebeine ſorgfaltig aufzubewahren, bis ein neues Grabmal erbaut ſeyn werde. Sie wurden ſpaͤterhin auch unter Bezeugung allgemeiner Ehrfurcht dahin gebracht; eine große Menge Edelleute mit ihren Frauen und Toͤchtern, ſo wie die ganze Voltsmaſſe aus der Nachbarſchaft waren bei dieſer Gelegenheit zugegen; da die Kirche ſie nicht alle faſſen konnte, ſo wurde erlaubt, daß einer nach dem andern durchgehen duͤrfe, damit jeder, der Aermſte wie der Reichſte, die Ueberreſte des groſ⸗ ſen Königs Robert Bruce, welcher die ſchottiſche Monarchie herſtellte, ſehen koönne. Viele Thraͤnen wurden um den ſchon der Verweſung nahe geweſenen Schaͤdel vergoſſen, welcher einſt das Haupt desjenigen bildere, der ſo weiſe und kuͤhn fuͤr die Befreiung ſeines Vaterlandes handelte. Unter den Ueber⸗ reſten befand ſich auch das harte Bein, welches einſt als ſtarker Arm den Sir Heiyrſch von Bohun auf einen Streich er⸗ ſchlug, nemlich der Abend vor der Schlacht von Bunnokburn. Es iſt nun mehr als 500 Jahre, daß der Leichnam des Robert Bruce das erſtemal begraben wurde; wie viele Mil⸗ lionen Menſchen ſtarben ſeit dieſer Zeit, deren Gebeine nicht erkannt oder deren Namen nicht mehr ausfindig gemacht wer⸗ den koͤnnen! 4 Es iſt genug, daß ein Koͤnig ſeiner Weisheit und Va⸗ terlandsliebe und ſeines Muthes wegen ſo lange Zeit durch das Andenken ſeines Volkes, das er regierte, geehrt wurde. Du mußt jedoch, mein liebes Kind, eingedenk ſeyn, daß nur ſo preiswuͤrdige und dem Vaterlande großen Nutzen bringen⸗ de Handlungen, wie die des Robert Bruce, ein ſolches An⸗ denken wunſchenswerth macken. Fuͤr einen Furſten, welcher 3 5² ſich durch tyranniſche und das Volk druͤckende Handlungen auszeichnete, waͤre es beſſer, wenn er gleich dem gemeinſten Bauern in Vergeſſenheit kaͤme. —— Drittes Kapitel. Von der Regierung Schottlands. Ich fuͤrchte, mein theurer Hugo, daß dieß ein langweili⸗ ges Capitel weiter und Dir ein wenig ſchwer verſtaͤndlich werden koͤnne; wenn Du es jedoch nach dem erſten Durchle⸗ ſen nicht ganz verſtehſt, ſo wirſt Du es vielleicht nach einem zweiten Verſuche verſtehen, deßhalb will ich mich der Deut⸗ lichkeit und Klarheit ſo viel als moglich befleißen. Da Schottland noch nie ſo groß und maͤchtig war, als unter Robert Brure's Regierung, ſo halte ich dieſe Zeit fuͤr die geeignetſte, Dir die Geſetze mitzutheilen, unter welchen es regiert wurde. Vor allem mußt Du in Betracht ziehen, daß es zwei Arten von Regierungen gibt, wovon die eine deſpotiſche oder unumſchraͤnkte heißt, welcher zufolge der Koͤnig mit ſeinen Unterthanen anfangen kann, was er nur immer will d. h. über ihr Eigenthum und Leben nach Gefallen zu verfugen. Auf dieſe Art werden faſt alle Reiche des Orients regiert, ſey es durch Koͤnige, Kaiſer, Sultane, oder was ſie fuͤr Namen haben moͤgen; dieſe gehen mit ihren Unter⸗ thanen um, wie es ihnen beliebt, ohne durch irgend jemand in ihrer Handlungsweiſe beſchraͤnkt zu werden. Dieß iſt fuͤr ein unter ſolcher Regierung ſtehendes Volk ein ſehr großes. . 4 Ungluͤck; 33 Uugluͤck; die Unterthanen koͤnnen nur als Sclaven betrachtet werden, da weder ihr Leben noch ihr Eigenrhum ſicher iſt, ſobald es dem Konig einfaͤllt, es zu nehmen. Einige Konige ſind zwar von Natur gute Menſchen und wenden die in ihre Haͤnde gegebene Gewalt nur zum Guten des Volkes an; an⸗ dere aber ſind ſorgenlos, und ziehen liſtige und ſchlechte Leute in ihr Vertrauen, das ſie durch Schmeichelei und andere ſchlechte Mittel zu erſchleichen wiſſen, und laſſen ſich zu Unge⸗ rechtigkeiten verfuͤhren, wenn ſie vielleicht ſelbſt nicht daran denken. Auſſerdem gievt es ſchlechte Regenten, welche, wenn ſie unumſchraͤnkte Gewalt haben, ihren Unterthanen Geld und Gut erpreſſen, ſie ins Gefaͤngniß werſen, oder ſie nach Ge⸗ fallen zum Tode verurtheilen, und der Grauſamkeit und Hab⸗ ſucht auf Koſten ihres Volkes froͤhnen— dieſe nennt man Tyrannen. Dieſenigen Staaten, welche ſo zu ſagen eine freie Re⸗ gierung haben, ſind daher tauſendmal gluͤcklicher; dort iſt der Köoͤnig ſelbſt den Geſetzen unterthan und kann nur durch ſie regieren. Bei ſolchen Regierungen iſt der Koͤnig durch die Geſetze beſchrankt und an ſie gebunden, und kann niemand zum Tode verurtheilen, der nicht eines Verbrechens uͤber⸗ wieſen wird, auf welches Todesſtrafe geſetzt iſt; eben ſo we⸗ nig kann er den Unterthan zu einer andern Geldſtrafe ver⸗ urtheilen, als zu einer ſolchen, zu welcher der Regent ein Recht hat, und dann erſt faͤllt ſie noch in eine Kaſſe, welche zur Beſtreitung der allgemeinen Staatskoſten errichtet iſt. Beinahe alle Nationen des neuern Enropas hatten urſprung⸗ lich ſolche freie Regierungen, nur in einigen Staaten hatten ſich die Koͤnige zu viel Gewalt angemaßt, jedoch nie in ſo hohem Grade, als dieſes heut zu Tage noch im Orient ge⸗ W. Scott's Werke. XOVI. 3 3 34 ſchieht; einige Laͤnder aber, z. B. Großbritannien, hatten das Gluck, eine freie Conſtitution zu erhalten, welche nicht nur Unterthanen, ſondern alle dort Lebenden vor allem Drucke oder vor jeder willkuhrlichen Gewalt ſchuͤtzt. Wir verdanken dieſen Segen unſern braven Vorfahren, welche zu allen Zei⸗ ten bereit waren, dieſe Vorrechte mit ihrem Leben zu ver⸗ theitigen, und wir unſerer Seits ſind verpſlichtet, ſie in der⸗ ſelben Ausdehnung, in welcher wir ſie erhielten, unſerer Nachkommenſchaft zu uͤberliefern. In Schottrland und den meiſten Laͤndern Europas wur⸗ den die Grundſͤtze der Freiheit durch das allgemein einge⸗ führte Feudalſoſtem aufrecht erhalten. Du wirſt Dich er⸗ innern, daß der Koͤnig zufolge dieſes Syſtems, den Edeh⸗ leuten bedeutende Grundbeſitzungen verlieh; dieſe wurden fuͤr die Lehen oder Beſitzungen, welche ſie auf ſolche Art vom Köuig erhielten, Paſallen genannt, und waren, wie ſchon gefagt, verbanden, ihm auf ſein Verlangen in den Krieg zu folgen, und den Ratbſchluſſen, welche uͤber Staatsangelegen⸗ heiten geraßt wurden, beizuwohnen. Eine ſolche Verſamm⸗ lung oder ein ſolcher großer Rath wurde Parlament genannt und dieſes entwarf die Geſetze des Koͤnigreichs oder anderte ſie ab, aber nicht nach Geſallen des Konigs oder des großen Rathes allein, ſondern in Uebereinſtimmung mit einander. Hiebe musß ich noch erwaͤhnen, wie dieſer große Rath zuſam⸗ men geſetzt wurde, und wer das Recht hatte, darin zu ſitzen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß vor allem jeder Kron⸗ vaſall oder jeder kleinere Vaſall nicht nur das Richt hatte, ſondern ſogar verbunden war, dem großen Nathe des Koͤnigs heizu ohnen. In Uebereinſtimmung mit die em wurde guch gewohnliy auf des Adsias Geheiß der ganze Ubrige hohe Adel beigezogen; es war ledoch fuͤr die von geringem Vermoö⸗ gen ſehr koſtſpielig und läͤſtig, wenn ſie große Reiſen machen mußten, um dem Parlamente beizuwohnen, oder vielleicht mehrere Tage und Wochen ſich ihren eigenen Familien und Geſchaͤften entziehen mußten. Wenn alle die koͤniglichen Vaſallen und Grundbeſitzer zur Entwerfung der Geſetze beru⸗ fen worden waͤren, ſo wuͤrde ihre Anzahl zu groß geweſen ſeyn; es waͤre wohl kaum moͤglich geweſen, einen Saal aus⸗ findig zu machen, worin die ganze Verſammlung Plat ge⸗ funden haͤtte, eben ſo wenig waͤre es irgend einem möglich geworden, ſo laut zu ſprechen, daß dieſe ungeheuer zahlreiche Verſammlung ihn haͤtte verſtehen können; daher kam es, daß man, ſtatt alle in Perſon beizuziehen, die Minderbeguterten von den Großen des Reichs unterſchied, ſie in ihren eigenen Bezirken oder Provinzen(wie die Unterabtheilungen des ran⸗ des genannt wurden) verſammelte, und dort einen oder zwei der verſtaͤndigſten und erfahrenſten aus ihrer Muirte waͤhlte, um dem Parlamente oder großen Rathe im Namen der Uebrigen beizuwohnen, welche ſodann das Intereſſe der ganzen betreffenden Prsvinz vertreten mußten. So heſtand das Parlament oder der Nationalrath Schottlands aus zwei verſchiedenen Klaſſen, nemlich aus den Pairs oder den Gro⸗ ßen des Adels, welche der Koͤnig felbſt ernannte, und aus den Minderbeguterten, welche die kleinern Kronvaſahen der verſchiedenen Provinzen Schottlands vertraten. Auſſer dieſen zwei Klaſſen enthielt der große Rath auch die Stellverrreter der Geiſtlichkeit und der bedeutenden Marktflecken oder der Staͤdte. 3 Zur Zeit des Katholicismus üͤbten die Geiſtlichen i jedem Reiche Europas große Gewalt aus ⸗ Uund verſaum keine Gelegenheit, durch welche ihr Anſe hen vergroßert wer⸗ 5.. 36 den konnte; deßhalb darf man ſich nicht wundern, daß die Erſten aus der Geiſtlichkeit, als Biſchofe und Aebte von gro⸗ ßen Abteien, welche der Biſchofswurde gleich kamen, Sitz und Stimme im Parlament erhielten. Eigentlich wurden ſie nur zugelaſſen, um für die Angelegenheiten der Kirche zu ſorgen, hatten aber denſelben Rang wie die Pairs. Es bleibt alſo nur noch der aus den Flecken und Stadten Ge⸗ waͤhlten zu erwaͤhnen uͤbrig, Die Koͤnige von Schottland haben von den fruͤbeſten Zeiten an um den Handel und die Indußtrie ihres Landes zu befördern, und auch um den Maͤch⸗ tigen und Großen des Reichs ein Gegengewicht zu bilden, vielen Stadten Vorrechte verliehen, welche ſie durch Frei⸗ heitsbriefe von dem Regenten erhielten, und deßhalb koͤnig⸗ liche Flecken oder Staͤdte genannt wurden. Die Buͤrger der⸗ felben hatten das Vorrecht, ihren eigenen Magiſtrat zu er⸗ waͤhlen, und bedeutende Abgaben zu erheben, entweder aus Laͤndereien, welche ihnen vom Köͤnig angewieſen wurden, oder aus Zoͤllen und Auflagen, welche auf die in die Stadt gebrachten Artikel gelegt wurden. Dieſe Abgaben wurden durch die Magiſtratsherrn(gewohnlich Schultheißen und Poͤgte genaunt) fuͤr den Verbrauch einer Stadt ausgeſchrie⸗ ben. Dieſelben Magiſtratsherrn ertheitten auch in lener krie⸗ geriſchen Zeit den Buͤrgern oder Stadtbewohnern den Vefehl ins Feld zu ziehen, entweder um das Gebiet und die Vor⸗ rechte der Staͤdte, welche durch die benachbarte Lords und Adeltge angegriſken wurden, zu vertheidigen, oder um die Engläuder zu bekaͤmpfen. Die Buͤrger waren alle gut erereirt und zeudthigt, ſich zu des Koͤnigs Armee zu ſtellen, oder dieſe letztere zu beherbergen, wenn es der Koͤnig verlangte. Unter aude Vorrechten hatten die Buͤrger auth das Recht, wie ſchon erwaͤhnt, Stellvertkerer in das Parlewent zu ſchike 37 ken, um ſowohl auf das Intereſſe der betreffenden Staͤdte zu wachen, als auch bei den Narionalangelegenheiten hre Sum⸗ me zu geben. Es wird Dir nicht entgehen, daß das ſchottiſche Varla⸗ ment in Beziehung auf ſeine Beſchaffenheit ganz dem engli⸗ ſchen glich, nur mit dem Unterſchied, daß in E nland die Staatsgeſchaͤfte auf eine andere Art verhandelt wurden, vort nemlich bildeten die Pairs oder der hohe Adel mit den Bi⸗ ſchoͤffen und den groͤßern Aebten ein Ganzes, ſie mußten fuͤr ſich ſelbſt berathen und ſtimmen. Dieſe nannte man das Oberhaus oder das Haus der Lords; eben ſo bildeten die Stellvertreter der Provinzen und Staͤdte eine eigene Ver⸗ ſammlung, und wurden das Unterhaus oder das Haus der Gemeinen genannt. In Schottland dagegen ſaßen dze Adeli⸗ gen, die Geiſtlichen, die Stellvertreter der Provinzen und Abgeordneten aus den Staͤdten alle in Einem Zimmer, und berathſchlagten und ſtimmten als Mitglieder ein und derſel⸗ ben Verſammlung mit einander. 8 1135 Seit der Vereinigung der Koͤnigreiche Enaland und Schott⸗ land ſitzt und ſlimmt das Parlament, welches beide Laͤnder vertritt, in zwei verſchiedenen. Abtheilungen, welche die zwei Haͤuſer des Parlamenis heißer modurch in Beziehung auf das Nationalintereſſe manche Vortheile entſtehen. Nun wirſt Du einigen Begriff von dem vartament⸗ nder von dem großen Rathe des Reichs und der verſchiedenen Stäande, denen Sitz und Stimme dort zukommt, haben. 9 muß noch beifügen, daß beide Verſammlungen a des Koͤ⸗ s, Rei enbernien und entlaſſen wurden, und daß alle aze i hetraſſende Angelegenhriten ihrer Je rihung und Anſicht unterworfen wurden Alle di⸗ Mazfregeln, wel⸗ che ſie vorſchlugen, wurden dann zu Geſetzen erhoben, wenn 38 ihnen der Koͤnig ſeine Zuſtimmung gab; dieſes wurde dadurch angedeutet, daß der Koͤnig die durch das Parlament entwor⸗ fene Geſetze mit ſeinem Scepter beruhrte. Du ſiehſt alſo, daß die Geſetze, welche im Lande gegeben wurden, groͤßtentheils des Volkes eigenes Machwerk waren, weil ſie durch die Stell⸗ vertreter im Parlamente ſelbſt vorgeſchlagen wurden. So oft zu irgend einem oͤffentlichen Zwecke Steuern erhoben werden wollten, mußte nothwendigerweiſe, ſowohl in Beziehung auf die Summe, als auf die Erhebungsart das Parlament ſeine Zuſtimmung geben; demnach konnte der Koͤnig ohne Anhoͤ⸗ rung ſeines grosßen Rathes keine Steuern erheben. Man darf daher im Allgemeinen wohl behaupten, daß die ſchottiſchen Geſetze in Beziehung auf die Regierungsange⸗ legenheiten ſo weiſe als die irgend eines Staates in Europa der damaligen Zeit waren, und daß ſie ſogar die ſtrengſten Beweiſe von Vorſicht und Scharfſinn darlegten. Fuͤr Schottland war nur ein großes Ungluͤck, daß die guten Geſetze, welche Koͤnige und Varlamente gaben, nicht gleich in Anmendung gebracht, ſondern im Gegentheil nicht gehalten und vernachläͤſſigt wur⸗ den, gerade als waͤren ſie nie gegeben worden. Ich werde verſuchen, einige Gruͤnde dieſer Vernachlaͤſſigung anzugeben. Das groͤßte Uebel beſtand in der großen Macht des Adels, welcher des Koͤnigs Anſehen und Oberaufſicht ſchwaͤchte. Die Lords hatten die Erlaubniß erhalten, in ihren Bezirken eige⸗ ne Gerichtsbarkeit auszuuͤben, deßhalb bliev die Vollmacht, Verbrechen zu unterſuchen und zu beſtrafen, in ihren Haͤn⸗ den. Die weiſten dieſer Lords zogen groͤßern Nutzen davon, wenn ſie ihr eigenes Anſehen und ihre eigene Gewalt in ih⸗ ren unterhabenden Provinzen geltend machten, als wenn ſie zum Gemeinbeſten und zur Herſtellung der Ordnung und Ruhe im ganzen Lande beigetragen haͤtten. Sie hatten bei⸗ 39 nahe immer unter ſich Streitigkeiten, und oft mit dem Ko⸗ nige ſelbſt. Manchmal zogen ſie gegen einander zu Felde, manchmal vereinigten ſie ſich gegen den Koͤnig. Bei jeder Gelegenheit zeigten ſie ſich mehr zum Krieg als zum Frieden geneigt, und verwendeten deßhalb wenige Sergfalt darauf, die Verbrechen, welche das Gemeinwohl ſtoͤrten, zu beſtrafen. Anſtatt daß ſie diejenigen Leute, welche Mordtha⸗ ten und Diebſtaͤhle begingen und andere Gewalithaͤt gkeiten ausuͤbten, vor Gericht zogen, beſchuͤtzten ſie ſolche oft und warben ſie in ihre eigene Dienſte an, und gaben haͤufig aus Rache oder Ehrgeiz ſelbſt die Veranlaſſung zu dem vielen Unheil, welches jene Verbrecher ſtifteten. Die von dem Koͤnig ernannten Richter, welche unter ſei⸗ nem Schutze ihr Amt verſahen, hatten uͤbrigens das Recht, ſolche Ruheſtoͤrer ergreifen und ſtrafen zu laſſen, ſobald ſie ihrer habhaft werden konnten. Es hielt aber damals ſehr ſchwer, derlei Angeklagte ergreifen laſſen zu koͤnnen, weil die maͤchtigen Lords, in deren Gebiet ſie ſich aufhielten, ih⸗ nen oft ſelbſt zu Schlupfwinkeln oder zur Flucht behuͤlflich waren. Wenn es uͤberdieß den koͤniglichen Behoͤrden auch gelang, Verbrecher einzufangen, ſo mußten ſie auf Begehren desjenigen Lords, auf deſſen Gebiet das Verbrechen begangen worden, ausgeliefert werden, weil es ein Geſetz gab, wel⸗ chem zufolge der Lord die Angeklagten von ſeinem eigenen Gerichtshofe richten laſſen durfte. Ein Adeliger uͤbrigens, welcher die Wohlthat des Geſetzes anſprach, war verbunden, die Verſicherung zu geben, daß er gegen die Schuldigen in⸗ nerhalb einer gewiſſen Zeit Gerechtigkeit wiederfahren laſſen wolle. Die Nachlaͤßigkeit und Schwachheit der Regierung aber und die Macht des Adels war ſo groß, daß ein Adeliger, wenn er einmal einen Angeſchuldigten in ſeinen Haͤnden 40 hatte, er ihm leicht zur Flucht verhelfen, oder ihn nach einer nur ſcheinbaren Strafe entlaſſen konnte. Daher war es im⸗ mer ſchwer und oft unmöglich, die von dem ſchottiſchen Par⸗ lament gegebenen guten Geſetze in Anwendung zu bringen, weil die Adeligen, um die ihnen eingeraͤumte Gewalt zu be⸗ wahren oder ſogar noch auszudehnen, die das Gemeinwohl bezweckende Gerichtsbarkeit auf alle moͤgliche Weiſe unter⸗ brachen. Jeder dieſer Lords, welcher doch dem Koͤnig Unterthan war wie Andere, ſchien in ſeinen eigenen Beſitzungen, eher ſelbſt Konig, als Unterthan des ſchottiſchen Monarchen zu ſeyn; ich werde ein paar Beiſpiele anfuͤhren, aus denen er⸗ ſichtlich iſt, daß einige der Adeligen ſo mächtig wurden, daß ſie in Verſuchung kamen, den Königen Thron und kand zu entreifen. Dem Unbedeutendſten von ihnen fiel es oft ein, den andern ohne Erlaubniß des Koͤnigs zu bekriegen, wodurch im ganzen Lande allgemeine Unordnung entſtand und viel Blut vergoſſen wurde. Dieſe Unordnungen ſchienen fortgeſetzt und unter dem Namen Todfehde zu einer Gewohnheit er⸗ hoben worden zu ſeyn. Wenn zwei Perſonen aus verſchiede⸗ nen Familien mit einander in Streit geriethen, und der eine den andern beſchimpfte oder gar erſchlug, ſo raͤchten ich die Verwandten des Beleidigten oder Erſchlagenen, weil ſie wuß⸗ ten, daß die Geſetze ihnen feine Genugthuung verſchaffen konnten, dadurch, daß ſie irgend einen Verwandten desjeni⸗ gen, welcher das Unrecht begangen hatte, umbringen ließen, ohne darauf zu achten, wie wenig das Opfer ihrer Rache an der urſpruͤnglichen Beleidigung oder Verletzung ſchuld gewe⸗ ſen ſeyn mag. Dann trachteten die Andern ihrerſeits wie⸗ der, ſich auf aͤhnliche Weiſe an einem Mitglied der zuerſt beleidigten Familie zu rachen; ſo wurden die Zwiſtigkeiten in 41 Familien, welche ſchon Nachbarſchaft halber haͤtten befreundet bleiben ſollen, von Vater auf Sohn und von Generation zuf Generation uͤbertragen. Dieſen Zuſtand, in welchem ſie da⸗ mals lebten, nannte man die Todtehde. Dieſe pflichtvergeſſene Geſetzlofigkeit und die immerwaͤh⸗ rende Gier, ſich räͤchen zu wollen, zog in Schottland das groͤßte Ungluͤck nach ſich. Wenn z. B. die Koͤnige von Schott⸗ land ihre Armeen verſammelten, um gegen die Englaͤnder, die allgemein anerkannten Feinde der Schotten, zu ziehen, ſo konnten ſie zwar eine bedeutende Macht zuſammenbringen, unter denen ſich viele tapfere Evelleute mit ihrem Gefolge be⸗ fanden; aber es war immer ſehr ſchwierig und manchmal ſo⸗ gar rein unmoͤglich, ſie zu vereinigen, weil ſie gegenſeitig auf einander eiferſuͤchtig waren. Viele derſelben fingen ohne alle Veranlaſſuag, oder in Folge der ungluͤcklichen und grau⸗ ſamen Todfehde Zwiſtigkeiten an, welche urſpruͤnglich an⸗ bedentend geweſen, nachher aber hartnaͤckig wurden, in Grau⸗ ſamkeiten und Verbrechen ausarteten und von Vater auf Sohn ubergingen. Unter einer weiſen und ſtrengen Regie⸗ rung, wie unter der des Robert Bruce, wurden dieſe allzu gewaltthaͤtigen Edelleute zwar in Furcht erhalten; aber ſobald Koͤntge und Feldherrn von geriageren Faͤhigkeiten an ihrer Spitze ſtanden, ließen ſie ſich durch ihre eigenen Zwiſte zu Schmach und Schande hinreißen. Daher kam es denn auch, daß die Schotten ſehr oft, wenn ſie mit bedeutenden Armeen, wobei ſich viele der aufgeblaſenen unabhaͤngigen Edelleute be⸗ fanden, gegen die Englaͤnder zu Felde zogen, geſchlagen wur⸗ den; waͤhrend ſie mit kleineren Heeren den Feind haufig be⸗ ſiegten, weil die Schotten damals unter ſich ſelbſt einig wa⸗ ren und den Befehlen eines Feldherrn gehorchten, ohne ſich ſelbſt durch Zwiſtigkeiten gegenſeitig aufzureiben. 42 Dieſe Streitigkeiten brachen gerade mitten in den Graf⸗ ſchaften Schottlands aus, voſeldſt der Koͤnig gewöhnlich reſi⸗ dirte, als in den drei Lothians, in Fifeſhire und andern Provinzen, und woſelbſt er zu Erhaltung eeines eigenen An⸗ ſehens und zu Vermeidung der Uneinigkeiten am meiſten Ge⸗ walt brauchte, wie namentlich in den Hochlanden und in den Grenzprovinzen, deren Bewohner weit wilder und roher als alle andern waren, daß man ihnen ſogar nachſagte, ſie achten gar keine Geſetze. Obgleich ſie dem Koͤnig von Schottland dem Namen nach Unterthan waren, ſo konnte er, wenn er in irgend einer dieſer Provinzen die Unſchuldigen beſchuͤtzen und ihnen Gerechtigkeit wiederfahren laſſen wollte, ſolches nicht anders ausfuͤhren, als wenn er in Perſon an der Svitze einer bedeutenden Macht dort einruͤckte, die Urheber verhaften und ſie nach vorange⸗ gangenem Verhoͤr, oder auch ohne alle Unterſuchung hinrich⸗ ten ließ. Eine ſolche ſtrenge Juſtiz machte dieſe ausſchwei⸗ fende Laͤnder vielleicht auf einige Zeit ruhig, aber dadurch entſtand in ihrem Innern nur eine noch groͤßere Abneigung gegen die königliche Regierung, auch gab ihnen dieß Veran⸗ laſſung, bei der erſten Gelegenheit entweder unter ſich ſelbſt in Uneinigkeiten oder in voͤlligen Aufruhr auszubrechen. Ich werde Dir noch mehr uͤber die wilden und ungeſitteten Be⸗ zirke Schottlands und von deren Einwohnern erzaͤhlen, damit Du wiſſeſt, was ich unter Hochlaͤndern und Grenzbe⸗ wohnern verſtehe, wenn ich von ihnen ſpreche. Die Hochlande Schortlands haben ihre Benennung von dem felſigten und gebirgigten Charakter der Gegend, ſie neh⸗ men einen bedeutenden Theil des Nordens von Schottland ein. In dieſe unzugaͤnglichen Wildniffe hatten die Roͤmer die alten Bewohner Großbritanniens getrieben; und von hier 45 aus machten ſpaͤterhin dieſe ihre Ausfaͤlle in denjenigen Theil Britanniens, welchen die Roͤmer erobert und einigermaßen in beſſern Zuſtand verſetzt hatten. Die Bewohner der Hoch⸗ lande ſprachen und ſprechen noch jetzt eine von den Bewoh⸗ nern des flachen Landes ganz verſchiedene Sprache. Die letz⸗ tere weicht von der engliſchen nicht viel ab, weshalb ſich Schottlander und Englaͤnder leicht verſtehen koͤnnen, aber kei⸗ ne dieſer beiden koͤnnen die gaeliſche Sprache, welches die der Hochlaͤnder iſt, verſtehen; eben ſo war auch die Kleidung dieſer Bergbewohner von der, der uͤbrigen Schottlaͤnder ver⸗ ſchteden. Sie trugen Faltenroͤcke von Fries oder einem ge⸗ ſtreiften Zeuge, den man Tartan nannte, deren eines Ende rings herum aufgewickelt war, wodurch der Rock kurz wurde und nur bis auf die Knie hinabreichte, waͤbrend der uͤbrige Theil des Rocks, gleich einem Mantel, um den Leib gewor⸗ fen wurde; ihre Fußbekleidung beſtand in Halbſtiefeln von rohen Fellen. Diejenigen, welche eine Muͤtze auffanden, be⸗ deckten ſich damit, aber viele trugen in ihrem ganzen Leben nie eine ſolche, ſondern ließen ihre Haare zottigt herabhaͤngen und banden ſie hinten mit einem ledernen Streifen. Sie gingen immer bewaffnet aus, mit Bogen und Pfeilen und großen Schwertern, die ſie mit beiden Haͤnden fuͤhrten; ſie hatten deren von verſchiedener Gattung, nemlich Claymors (Ausforderer) mit breiten Klingen, Streitaͤrte und Dolche, die letztern, um ſich deren im Treffen in der Naͤhe zu be⸗ dienen. Zu ihrer Bedeckung bedienten ſie ſich runder hoͤlzer⸗ ner Schilde oder Tartſchen(eine Art ganz alter Schilde) die durchaus mit Naͤgeln beſchlagen waren; ihre großen Maͤnner trugen Panzerhemde, den Flannelſchurzen neuerer Zeit nicht unaͤhnlich, nur aus eiſernen Plaͤttchen zuſammen geſetzt, ſtatt gus wollenem Garn gewoben; aber die Schottlaͤnder gemei⸗ 4½ nen Schlags wollten ihren Korper nicht mit Waffenroͤcken aller Art aberladen, warfen daher haͤufig ihre Maͤntel weg, und fochten in ihren Schuͤrzen, welche nach altſchotliſcher Art lang und weit waren. Dieſer Theilsdes ſchottiſchen Volkes war in Clans, d. h. Geſchlechter, eingetheilt. Alle die Perſonen, welche einen folchen Cian bildeten, glaubten ſie ſtammen bis ins graue Alter hinauf von einem und demſelben Ahnen ab, deſſen Na⸗ men ſie alle fuͤhrten. So wurde z. B. ein Geſchlecht Mac Donald genannt, welches ſo viel heißt, als die Soͤhne des Donald, ein anderes Mac Gregor, oder die Soͤhne des Gre⸗ gor; Mac Niel, die Soͤhne der Niel u. ſ. w. Jedes dieſer Geſchlechter hatte ſein eigenes Haupt oder ſeinen Beſehlsha⸗ ber, welchen ſie fuͤr den unmittelbaren Abkoͤmmling des Ah⸗ nen von demſelben Stamm hielten, von dem ſie alle abſtamm⸗ ten. Dieſem Haupte leiſteten ſie unbedingten Gehorſam und gehorchten in Krieg und Frieden ſeinen Befehlen, ohne dar⸗ an zu denken, ob ſie hiedurch die koͤniglichen Geſetze befolgen oder ſich gegen die Perſon des Koͤnias verfehlen. Jedes Ge⸗ ſchlecht lebte in einem Thale, oder in einem Gebirgsbezirk von den andern getrennt. Oft zogen ſie gegen einander und kaͤmoften verzweiflungsvoll; mit den Bewohnern des flachen Landes waren ſie aber immer im Kriege. Sie unterſchieden ſich von ihnen in Sorache, Kleidung und Gebraͤuchen und glanbten, daß die beſſere Gegend des niedrigen Landes einſt ihren Vor⸗Eitern gehoͤrt habe; deshalb ſtelen ſie auch immer dort ein und plunderten ohne Schonung. Die Bewohner des flachen oder niedrigen Landes dagegen gaben den Hochlandern, denen ſie an Muth gleich kamen, an Ordnung ſie aber über⸗ trafen, manchen harten Stoß; dadurch waren ſie, wenn gleich 4 1 45 in demſelben Lande geboren, fortwaͤhrend in Krieg oder un⸗ einig mit einander. Einige der machtigſten Haupter aus dem Hochlande mach⸗ ten ſich ſelbſt zu unabhaugigen Fuͤrſten. So ollen die be⸗ ruhmten Lords der Mac Donald Inſeln, welch letztere ſpaͤ⸗ ter Hebriden hießen,(unordweſtlich von Schottland gelegen) Eigenthuͤmer dieſer Inſeln geworden ſeyn. Dirſe kleinen Furſten ſchloßen in ihrem eigenen Namen Bunduiſſe mit den Englaͤndern. Zu den Zeiten der Kriege hatten ſie ch an Robert Bruce angeſchloſſen, ſpater werden wir ſinden, daß ſie Schortland einer großen Zerſtoͤrung nahe fuhrten. Die Lords von Lorn, eigentlich Mac Douglas genannt, wa⸗ ren ebenfalls außerordentlich maͤchtig und Du haſt bereits ge⸗ leſen, daß ſte ſich mit Bruce meſſen konnten, denn ſie haben ihn nicht nur geſchlagen, ſondern in die geoßte Gefahr ver⸗ jetzt. Er rachte ſich nachher dadurch, daß er den Johann von Lorn aus dem Lande jagte, und einen großen Theil von deſ⸗ ſen Beſitzungen ſeinem eigenen Neffen Sir Couin Campbell gab, welcher der erſte der Familie Argyle wurde, die in ſpaͤteren Zeiten in den Hochlanden ſo machtig war. Aus allem dem bisher geſagten kannſt Du leicht entneh⸗ men, daß dieſe Hoch! and⸗Claus, die in hohen unzuganslichen Gebergen wohnten und außer ihrem Haupte keinem audern gehorchten, wohl die Wertzeuge zu Stoͤrung der Ruhe im Koͤnigreich Schottland ſeyn konnten. Sie hatten viele Vor⸗ zuͤge; ſie waren gut, tapfer, aaſtfreundſchaftliche Leufe und zeichneten ſich durch ihre Treue uns Anhaͤnglichkeit an ihre Haͤupter aus. Dan aen warer ſte unruhig, rachſüchtig piun⸗ derten gerne und hatten größere Areude am Krieg und an der Unordnung, als am Friede aud e Rube. Die Grenzbewohner waren kiebz ebender und ruhiger * 46 En einiger Beziehung glichen die Bewohner der auf der ent⸗ gegengeſetzten Seite von England liegenden ſchottiſchen Graf⸗ ſchaften den Hochlaͤndern, beſonders aber darin, daß ſie wie jene in Clans abgetheilt waren und Haͤupter an ihrer Spitze hatten, unter denen ſie vorzugsweiſe dem Koͤnig oder den von ihm ihnen gegebenen Officieren gehorchten. Es iſt nicht leicht darzuthun, woher es kam, daß die Clanſchaften vorzugsweiſe in den Hochlanden und in den Grenzprovinzen und nicht auch in denen Bezirken, welche die beiden letztgenannten trennten, beſtanden, ſondern ich kann nichts anders ſagen, als es war ſo. Die Grenzprovinzen waren übrigens nicht ſo gebirgig und unzugaͤnglich als die Hochlande, aber dennoch voll Huͤgel, beſonders der weſtlichere Theil der Grenze, welcher in fruͤhe⸗ ren Zeiten mit Waͤldern bedeckt, und durch kleine Baͤche und Suͤmpfe in Thaͤler getheilt wurde, woſelbſt die verſchiedenen Clans wohnten, und von wo aus ſie manchmal die Englaͤn⸗ der, manchmal einander ſelbſt und manchmat die hinter ihnen liegenden geſitteteren Voͤlker bekriegten. Obgleich die Grenzbewohner in ihrer Regierungsform, in ihrer Gewohnheit zu pluͤndern, und in ihrem Ungehorſam gegen die ſchottiſche koͤnigliche Regierung den Hochlaͤndern gli⸗ chen, ſo unterſchieden ſie ſich doch in Manchem von ihnen. Die Hochlaͤnder kaͤmpften immer zu Fuß, waͤhrend die Grenz⸗ bewohner alle beritten waren; die letztere ſprachen die naͤmli⸗ che Sprache, wie die Bewohner des niedrigen Landes und trugen die aͤhnliche Kleidung und Waffen. Da ſie gewohnt waren, gegen die Englaͤnder zu ziehen, ſo hatten ſie auch mehr Ordnung in ihren Abtheilungen. In Beziehung auf den Gehorſam aber, den ſie der ſchottiſchen Regierung leiſten follten, waren ſie von den nördlichen Clans nicht ſehr ver⸗ ſchieden. 47 Den Grenzbewohnern wurden Hauptleute gegeben, um dieſes unruhige Volk im Zaum zu halten; da dieſe Haupt⸗ leute aber gewoͤhnlich ſelbſt Haͤupter der Cians waren, ſo halfen ſie dem Uebelſtand nicht viel ab. Robert Bruce uber⸗ trug die Auſſicht groͤßtentheils dem guten Lord Jacob Dong⸗ las, der auch ſeinen Auftrag mit unerſchuͤtterlicher Treue vollzog; aber die Macht, welche die Familie Douglas dadurch erlangte, wurde ſpaͤter, nachdem ſie in die Haͤnde Jacobs Nachfolger gefallen war, der Krone von Schottland ſehr ge⸗ faͤhr lich. Du kannſt hieraus erſehen, wie ſehr Schottland verſtuͤ⸗ ckelt wurde, theils durch die Zwiſtigkeiten der Adeligen und die ſchlaffe Handhabung der Geſetze, theils durch die Geſetz⸗ loſigkeit der Hochlaͤnder und die immerwaͤhrenden Einfaͤlle der Grenzbewohner. Wenn Robert Bruce am Leben und ge⸗ ſund geblieben woͤre, ſo wuͤrde er wahrſcheinlich ſein Moͤg⸗ lichſtes gethan haben, um mehr Ordnung in das Land zu bringen; aber die Vorſehung hatte beſchloſſen, daß Schottland unter ſeinem Sohne und Nachfolger in einen beinahe eben ſo erbaͤrmlichen Zuſtand zuruͤckfallen ſolle, aus welchem es ſein Vater, dieſer große Fuͤrſt, rettete. Viertes Kapitel. Negtetung und Tod Randolphs.— Schlacht bet⸗ Dupplin.— Thronbeſten gung Ecuard Baltols auf den ſchottiſchen Tbvon und ſeine Flucht nach England. Schlacht bei Halidon Hill und Rückteor Baliol's. Unter allen Königen, welche ie in Schettland regterten, zeichnete ſich Robert Bruce am eiſten g., nach eeinem Tode fiel das Koͤnigreich durch Erbfolge ſeinem Sohne David zu; man nannte dieſen Dayid den II., um ihn von dem Konig glei⸗ chen Namens, welcher ungefahr hundert Jahre fruͤher regiert hatte, zu unterſcheiden. Dieſer David II. war bei ſeines Va⸗ ters Tode erſt vier Jahre alt. Wenn nun gleich Kinder die⸗ ſes Alters manchmal einen ſehr gereiften Verſtand haben, ſo hat man doch noch nicht erlebt, daß ihnen die Regterung eines Köͤnigreichs uͤberlaſſen worden waͤre. Aus dieſem Grund iſt Randolph, Graf von Moray, von dem du ſo viel gehoͤrt haſt, zum Reichsverweſer oder Regenten des Koͤnigreichs Schottland ernannt, d. h. die koͤnigliche Gewalt iſt ihm auf ſo lange uͤber⸗ tragen worden, bis der Koͤnig alt genug ſeyn wuͤrde, ſelbſt zu regieren. Dieſe weiſe Vorſichtsmaßregel wurde mit zuſtim⸗ mung des ſchottiſchen Parlaments noch durch Brute getroffen, und kam dem Koͤnigreich ſehr zu ſtatten. Der Regent war in Ausubung der Gerechtigkeit ſehr ſtren⸗ ge. Wenn z. B. ein Bauer eine Pflugſchaar auf dem Felde geſtohlen hatte, ſo veranlaßte Randolph den Schultheißen des betreffenden Orts zur Bezahlung des vollen Werthes; es ge⸗ hoͤrte nemlich zur Amtspflicht der Voͤgte und Schultheiße, das im offenen Felde gelaſſene Eigenthum der Bauern zu ſchuͤtzen. In Folge dieſes Geſetzes verſuchte einſt ein Bauer ſeinen Vor⸗ geſetzten zu betruͤgen; er verbarg ſeine eigene Pflugſchaar, zeig⸗ te aber an, daß ſie ihm geſtohlen worden ſey, und verlangte deren Verguͤtung vom Schultheißen. Der Bauer erhielt der Schaͤtzung nach zwei Schillinge; ſobald aber der Betrug ent⸗ deckt wurde, ließ ihn der Regent auftnuͤpfen. Ein andermal murde ein Verbrecher, der einen Prieſter erſchlagen und ſich nach Rom geflaͤchtet ha, um dort Buße zu thun, vor den Regenten gefuͤhrt. Der Verbrecher geſtand den 49 den Mord ein, ſchuͤtzte aber vor, daß ihm vom Pabſte ver⸗ ziehen worden ſey.„Der Pabſt,“ ſagte Randolph,„kann dir wohl die Ermordung eines Prieſters verzeihen, aber er kann dich nicht von der Strafe freiſprechen, welche auf die Ermor⸗ dung eines Unterthanen des Königs von Schottland geſetzt iſt.“ Dieß war eine Art Eingriff in des Pabſtes Rechte, und ein ſeltener Fall unter den Fuͤrſten und Gewalthabern der damaligen Zeit. Einen weiteren Beweis von des Regen⸗ ten ſtrenger Juſtiz liefert folgende Thatſache: Er ſaß zu Whigton in Galloway im Gericht, gerade als einer ſeiner Unterthanen die Klage fuͤhrte, daß einige ſeiner Feinde ſich in einen benachbarten Wald im Hinterhalt gelegt haben, um ihm außzulauern und ihn umzubringen. Darauf ſchickte Ran⸗ dolph eine Abtheilung Bewaffneter aus, ließ jene ergreifen und ihm vorfuͤhren.„Seid ihr die,“ fragte er,„welche des Konigs Unterthanen meuchelmoͤrderiſcher Weiſe umbringen wollen?— Fort mit ihnen an den Galgen!“ Nandolph's Gerechtigkeit wurde hochgeprieſen, aber ſeine Strenge liebte man durchaus nicht. Er ſchoint ein eigenes Vergnuͤgen daran gehabt zu haben, Verbrecher zum Tode zu verurtheilen; man lernt hieraus nicht ſowohl die Wildheit der damaligen Zeiten, als die Richtung ſeines eigenen Cha⸗ rakters keunen. Einſt ſchickte er einen ſeiner Kronbeamten nach dem Schloſſe Ellandonan in den Hochlanden voraus, um einige Diebe und Raͤuber richten zu laſſen. Dieſer Beamte ließ ihnen die Koͤpfe abſchlagen, und deren fuͤnfzig rings um die Schloßmauer herum aufſtecken. Als hierauf Randolph den bei dieſem Schloß gelegenen See hinabſuhr und das Schloß mit den ſcheußlichen und blutigen Koͤpfen geſchmuͤckt W. Scott's Werke. XCVI. 4 56 ſah, äͤuſſerte er,„daß ihm dieſer Anblick beſſer gefalle als der ſchoͤnſte Roſenkranz, den er je geſehen habe.“. Die Vorſorge des Regenten, Gerechtigkeit und Ordnung zu handhaben, wurde balb unterbrochen; er wurde veranlaßt Vorſichtsmaßregeln zur Vertheidigung des Landes zu ergrei⸗ fen, denn kaum war Robert Bruce begraben, ſo zettelten die Feinde ſeiner Familie eine Verſchwoͤrung an, um die noch von ihm angeordnete Regierung zu vernichten. Die Haupt⸗ rolle bei dieſen Umtrieben ſpielte Eduard Baliol, der Sohn des Johann Baliol, welcher fruͤher durch Eduard I. zum Kö⸗ nig von Schottland erwaͤhlt, nachher aber durch ihn entthront und ins Gefaͤngniß geſteckt worden war, als Eduard den Wunſch heste, ſich ſelbſt des Koͤnigreichs Schottlands zu be⸗ maͤchtigen. Johann Baliol war bekanntlich lang gefangen, erhielt dann aber die Erlaubniß, ſich nach Frankreich zu be⸗ geben, woſelbſt er ſtarb, ohne daß man etwas von Wichtig⸗ keit von ihm erfahren haͤtte. Aber ſein Sohn Eduard Baliol glaubte jetzt eine guͤnſtige Gelegenheit zu haben, ſeines Va⸗ ters Anſpruͤche auf den ſchottiſchen Thron zu erneuern. Er kam mit dieſem Vorſatze nach England und fand— obgleich Eduard III. der damalige Koͤnig von England, eingedenk der letzten guͤnſtigen Unternehmung der Schotten es nicht fuͤr klug hielt, ſich in einen Krieg mir ihnen einzulaſſen— doch eine Menge maͤchtiger engliſcher Edelleute, die geneigt waren ihn zu unterſtuͤtzen. Folgende Urſachen bewogen ſie zu die⸗ ſem Schritte: Nachdem Schottland von Englands Oberherrſchaft befreit worden war, hatten alle diejenigen Englaͤnder, denen Eduard I. oder ſeine Nachfolger Grundbeſitzungen in jenem Reiche verliehen, ſolche natuͤrlich wieder verloren. Es gab aber noch eine andere Claſſe Englaͤnder die in Schottland Grundbe⸗ 541 ſitzungen hatten und anf dieſe, nicht wegen Verleihung von Seite des engliſchen Fuͤrſten, ſondern wegen Erbſchaft von Seite ſchottiſcher Famtlien mit denen ſie verwandt waren, Anſpruch machten; dieſen Grundbeſitzern wurde noch unter Robert Bruce's Regierung erlaubt, ihre Anſpruͤche darzuthun und in Folge des im Jahre 1328 zu Northampton geſchloſſe⸗ nen Friedens wurde ihnen die Ruͤckgabe der ihnen anheim gefallenen Erbſchſchaften bewilligt. Dem ungeachtet ſah Bruce nicht gerne, daß Englaͤnder Beſitzungen in Schottland haben ſollen, und verweigerte oder verzoͤgerte wenigſtens unter ir⸗ gend einem Vorwande die Vollziehung des in erwaͤhntem Friedensſchluſſe enthaltenen Artikels. Daher ſammelten die gleichſam enterbten Lords nach dem Tode des genannten Mo⸗ narchen ihre Streitkraͤfte und vereinigten ſich mit Eduard Baliol, um ihre Guͤter wieder zu erlangen, zu welchem End⸗ zweck ſie in Schottland einfallen wohten. Ihre vereinten Streitkraͤfte beliefen ſich jedoch nicht uͤber 400 regelmaͤßig be⸗ waffnete Truppen und ungefaͤhr 4000 Bogenſchuͤtzen und Sol⸗ daten aller Art. Dies war ein kleines Corps, um in einem Lande einzufallen, das ſich ſo tapfer gegen die vereinte engli⸗ ſche Armee vertheidigte; aber jene vermutheten, Schottland habe durch den Tod ſeines tapfern Koͤnigs ſeine Stuͤtze ver⸗ loren. Nun traf Schottland aufs neue wieder ein großes Ungluͤck; der Regent Randolph, welcher durch ſeine Erfah⸗ rungen und Tapferkeit ſo ſehr zum Schutze des Reichs beige⸗ tragen haben wuͤrde, ſtarb unerwartet ſchnell. Er hatte ſchon eine Armee verſammelt, und war mit Vorbereitungsanſtal⸗ ten zur Vertheidigung Schottlands gegen Baliol's und der enterbten Lords Unternehmung beſchaͤftigt, als er zu Muſſel⸗ burgh im Juli 1332 an einer ſchmerzlichen und zehrenden 4* 7 . 5² Krankheit ſtarb. Das ſchottiſche Volk bedauerte den Verluſt des Regenten ſo ſehr, daß die Geſchichtsſchreiber ſein uner⸗ wartet ſchnelles Hinſcheiden einer Vergiftung durch die Eng⸗ laͤnder zuſchrieben; es ſcheint jedoch durchaus kein Grund vorhanden zu ſeyn, um dieſe Behauptung als wahr anneh⸗ men zu koͤnnen. Donald, Graf von Mar, Neſſe des Robert Bruce, wur⸗ de vom ſchottiſchen Parlamente an die Stelle des Grafen von Moray zum Regenten ernannt; dieſer war nicht nur ein un⸗ erfahrener Soldat, ſondern hatte auch noch weniger Talente als ein Mann von ganz gewoͤhnlichem Verſtande. Der Koͤnig von England ſtellte ſich, als wolle er mit Schottland Frieden erhalten, und verhinderte deßhalb die enterbten Lords ihren Einfall in Schottland von der engli⸗ ſchen Graͤnze aus zu machen; aber er widerſetzte ſich ihrem Unternehmen inſofern nicht, als er zugab, daß ſie eine kleine Flotte in einem unbedeutenden engliſchen Seehafen ausruͤſten duͤrfen, um nachher ihr Vorhaben von der See aus bezwecken zu koͤnnen. Sie landeten in Fiſe, Baliol an ihrer Spitze, und ſchlugen gleich den Grafen von Fife, welcher in Eilmaͤr⸗ ſchen ihnen entgegen marſchirt war. Sie ruͤckten nordwaͤrts gegen Dublin vor; bei dieſer Stadt lagerte Graf von Mar mit einer bedeutenden Armee, waͤhrend eine andere unter dem Grafen von March aus den ſuͤdlichen Grafſchaften Schott⸗ lands vorgeruͤckt war um die enterbten Lords in Flanke und Ruͤcken anzugreifen. Man ſollte wohl glauben, daß dieſe Handvoll Leute durch eine ſo bedeutende ihnen entgegengeſtellte Armee haͤtte ver⸗ nichtet werden ſollen; aber Eduard Baliol ſaßte den kuͤhnen Entſchluß, des Regenten Heer bei Nacht und in deſſen eige⸗ nem Lager anzugreiſen. Mit dieſem Vorſatze uͤberſchritt er — 5⁵ den Earnfluß, welcher die beiden feindlichen Armeen von ein⸗ ander trennte. Der Graf von Mar hatte weder Schildwachen ausgeſtellt, noch irgend eine andere vor Ueberfall ſchuͤtzende Maßregel er⸗ griffen; deßhalb gelang es den Englaͤndern in des Grafen von Mar's Lager vorruͤcken zu koͤnnen, waͤhrend ſeine Leute ſchliefen und ganz unvorbereitet waren. Sie brachten den Schotten eine bedeutende Niederlage bei, und dieſe geriethen gerade durch die große Anzahl ihrer Streitmaſſen in eine noch gröſſere Verwirrung. Der Regent ſelbſt, die Grafen Car⸗ rick, von Moray, von Menteith und viele andere Maͤnner von Bedeutung blieben auf dem Platze. Viele tauſend Schot⸗ ten wurden erſtochen, oder erſtickten in ihren geſchloſſenen Colonnen auf der Flucht und ertranken im Fluſſe. Die Eng⸗ laͤnder wunderten ſich ſelbſt daruͤber, daß ſie mit ſo wenig Streitkraͤften einen ſo großen und entſcheidenden Sieg errin⸗ gen konnten. Ich erwaͤhnte ſchon oben, daß der Graf von March mit den im Suͤden gelegenen Corps vorruͤckte, um den Regenten zu unterſtuͤtzen; aber nachdem er erfuhr, daß der Graf von Mar gaͤnzlich geſchlagen und auf dem Platze geblieben ſey, zeigte er ſo wenig Thaͤtigkeit und guten Willen, daß man ihn nicht ungerechter Weiſe im Verdacht hat, er ſey mehr zu Gunſten Baliol's, als fuͤr die Schotten geſtimmt geweſen. Dieſer ſiegreiche General beſtieg nun den Thron Schottlands, und ließ ſich zu Scoon kroͤnen; ein großer Theil Schottlands unterwarf ſich ihm, und die am 12. Auguſt 1532 gelieferte ungluͤckliche Schlacht bei Dublin ſchien alle die bei Bannok⸗ burn errungenen Vortheile zu vernichten. Eduard Baliol machte einen unwuͤrdigen Gebrauch von ſeinem Siege. Er erkannte den Koͤnig von England eiligſt * 54 wieder als ſeinen Lehensherrn an, obgleich durch den Ver⸗ trag von Northampton auf jedem Anſpruch auf die Oberherr⸗ ſchaft uͤber Schottland Verzicht geleiſtet und die Unabhaͤngig⸗ keit Schottlands anerkannt wurde. Er uͤbergab auch an die Englaͤnder die feſte Stadt nebſt dem Schloſſe Berwick, und verpflichtete ſich, England in all ſeinen Kriegen, die es fuͤh⸗ ren wolle, auf eigene Koſten beizuſtehen. Eduard III. machte ſich ſeiner Seits verbindlich, dem Baliol den Beſitz des Thro⸗ nes von Schottland zu ſichern. Auf ſolche Art wurde dieſes Königreich beinahe in denſelben Zuſtand von Abhaͤngigkeit und Unterwuͤrfigkeit verſetzt, in welchem es damals war, als Eduard's Großvater im Jahre 1292 ungefahr 40 Jahre vor⸗ her Baliol's Vater auf den Thron ſetzte. Baliol's Erfolg war jedoch mehr dem Anſcheine nach, als in der Wirklichkeit gluͤcklich. Die ſchottiſchen Vaterlands⸗ freunde waren noch im Beſitz vieler der feſteſten Plaͤtze des Landes, und der junge Koͤnig wurde nach Dumbarton, ei⸗ ner der ſtaͤrkſten Feſtungen Schottlands oder vielleicht der Welt, in Sicherheit gebracht. Es iſt in der Geſchichte hinlaͤnglich bekannt, daß es in Schottland zu jeder Zeit tapfere Maͤnner gab, welche nicht nur dazu geeignet, ſondern auch bereit waren, ihre Rechte zu vertheidigen. Nachdem der ſchaͤndliche Vertrag, vermoͤge deſſen Baliol die Unabhaͤngigkeit ſeines Landes an Eduard ab⸗ getreten hatte, in Schottland bekannt wurde, waren natuͤr⸗ lich die Abkoͤmmlinge von Bruce's Gefaͤhrten die erſten, wel⸗ che die Freiheit erklaͤrten. Johann Randolph, zweiter Sohn des Regenten, hatte mit Archibald Douglas, einem juͤngern Bruder des guten Lord Jacobs, ein heimliches Buͤndniß ge⸗ ſchloſſen; ſie gaben ſich Muͤhe in die Fußſtapfen ihrer helden⸗ muͤthigen Vorfahren zu treten. Sie zogen alsbald eine be⸗ 55 traͤchtliche Macht zuſammen und griffen Baliol an, der gera⸗ de bei Annan ein Feſt gab; ſie machten ſeine Wachen nieder, toͤdteten ſeinen Bruder und jagten ihn ſelbſt ſo eilig aus Schottland, daß er zu Pferd entfloh, ohne ſich mehr anklei⸗ den oder ſein Pferd ſatteln zu koͤnnen. Archibald Douglas, der ſpaͤter zum Grafen von Douglas ernannt wurde, war ſo tapfer wie ſein Vater, aber kein ſo guter Feldherr und nicht ſo gluͤcklich in ſeinen Unternehmun⸗ gen. Es gab noch einen Douglas, Sir Wilhelm, ein natuͤr⸗ licher Sohn des guten Lord Jakobs; dieſer ſpielte zu jener Zeit eine große Rolle. Wenn gleich unehlich von Geburt, ſo hatte er doch ein bedeutendes Vermoͤgen durch die Heirath mit der Erbin des Grahame von Dalkeith erworben; er ge⸗ langte hiedurch in den Beſitz des feſten Schloſſes gleichen Namens, nebſt einer noch weit wichtigeren, großen und maſ⸗ ſiv gebauten Feſtung, welche die Einſiedelei hieß und in der Gegend von Liddesdale, drei oder vier Meilen von der eng⸗ liſchen Grenze lag. Dieſer Sir Wilhelm Douglas, gewoͤhn⸗ lich der Ritter von Liddesdale genannt, war ein ſehr tapferer Soldat, aber ſtolz, grauſam und treulos, ſo daß er den Ruf ſeines Vaters, des guten Lord Jacobs, der als ein treuer Ehrenmann bekannt war, nicht erhielt, obſchon er ihm an militaͤriſchen Talenten gleich kam. Unter den Verfechtern der Freiheit, die ſich unzweideutig gegen Baliol erklaͤrt hatten, befand ſich auch Sir Andreas Murray von Bothwell, der mit Chriſtine, Schweſter des Robert Bruce und Tante des jungen Koͤnigs David verhei⸗ rathet war. Er hatte einen ſo großen und guten Ruſ, daß ihn das ſchottiſche Parlament an die Stelle des bei Dublin gebliebenen Grafen von Mar zum Reichsperweier ernannte, 56 Eduard II. erklaͤrte nun foͤrmlich den Krieg gegen Schott⸗ land, unter dem Vorwand, die Sache Baliol's zu unterſtuͤ⸗ Ben, wollte Berwik beſetzen, weil dieſe Feſte ihm von dem ſchottiſchen Koͤnig abgetreten worden, und nahm ſich vor, die Schotten fuͤr ihren ſogenannten Aufruhr zu zuͤchtigen. Er lelbſt ſtellte ſich an die Spitze einer bedeutenden Armee, und marſchierte an die Grenze. Unterdeſſen hatte der Krieg unter ſehr unguͤnſtigen Au⸗ ſpizien fuͤr Schottland begonnen. Sir Andreas Murray und der Ritter von Liddesdale wurden beide in einem Gefechte gegen die Englaͤnder gefangen genommen, und ihr Verluſt zog fuͤr Schottland die ſchlimmſten Folgen nach ſich, Archibald Douglas, der Bruder des guten Lord Jakobs, war ſchnell an die Stelle des Sir Andreas Murray zum Re⸗ genten ernannt worden, und ruͤckte mit einer zahlreichen Ar⸗ mee gegen die Stadt Berwik vor, um ſie zu entſetzen, weil ſie durch Eduard III. mit ſeinem ganzen Kriegsheere belagert wurde. Die Garniſon vertheidigte ſich hartnaͤckig. Der Re⸗ gent ſuchte ſie durch eine den Englaͤndern gelieferte Schlacht, wobei er mehr Muth als militaͤriſche Kenntniſſe entwickelte, zu befreien. Die ſchottiſche Armee hatte ſich auf einer Anhoͤhe, Hali⸗ don⸗Hill genannt, zwei Meilen von Berwik in Schlachtord⸗ nung auſgeſtellt. Koͤnig Eduard ſetzte ſeine ganze Armee in Bewegung, um ſie anzugreifen. Die Schlacht wurde, wie die bei Falkirck und manche andere durch dieſe furchtbare Macht, durch die engliſchen Bogenſchuͤtzen, entſchieden. Sie waren auf ſumpfigem Boden aufgeſtellt, von wo aus ſie die ſchreck⸗ lichſten und unwiderſtehlichſten Ladungen von Pfeilen gegen die Schotten abſchofſen, die am Abgrund des Huͤgels auſge⸗ 57 ſtellt, deßhalb ganz jener verwuͤſtenden Waffe ausgeſetzt blie⸗ ben, ohne dieſe Salven erwiedern zu koͤnnen. Ich erwaͤhnte ſchon oben, daß die engliſchen Bogenſchuͤ⸗ tzen die beſten waren, die man je kannte. Sie wurden ſchon als Kinder von ſieben Jahren in dieſer Waffe geuͤbt, in welchem Alter man ihnen Bogen gab, die ihrer Gröͤße und Staͤrke angemeſſen waren; dann bekamen ſie alle Jahre, bis ſie voͤllg ausgewachſen waren, nach Verhaͤltniß ihrer Staͤrke und Groͤße neue Bogen. Außerdem, daß ſie auf ſolche Art mit ihrer Waffe vertraut gemacht wurden, lehrte man ſie auch den Bogen an die rechte Seite anlegen, waͤhrend alle andre europaͤiſche Voͤlker nur von der Bruſt aus ihre Pfeile abſchoſſen. Wenn man den Unterſchied der Stellung in Be⸗ tracht zieht, ſo wird man ſinden, daß man ſich von der rech⸗ ten Seite aus eines weit laͤngeren Bogens bedienen kann, als von der Bruſt aus, weil die rechte Hand ſich freier be⸗ wegen kann. Waͤhrend die Schotten durch dieſe guten und geuͤbten Bogenſchuͤtzen ſehr Noth litten, weil die Pfeile gleich einem Hagel in ihre Reihen flogen, ſie in Unordnung brachten und die beſten Schilde durchbohrten als waͤren ſie nur von Pap⸗ pendeckel, ſo machten ſie einen verzweifelten Verſuch vom Huͤgel herabzuſteigen und handgemein mit den Englaͤndern zu werden. Der Graf von Noß begann den Angriff und haͤtte, wrun er durch die ſchottiſche Kavalerie hinlaͤnglich un⸗ terſtuͤtzt worden waͤre, dem Schickſal dieſes Tages eine ganz andere Wendung gegeben; da dieſes aber unterblieb, ſo wur⸗ den die Grafen von Roß, Sutterland und Menteith mit all' den Ihrigen durch die herbeigekommene engliſche Reiterei uͤberwaͤltigt und niedergemacht. Die Schotten erlitten eine voͤllige Niederlage. Eine Anzahl ihrer beſten und tapferſten 58 Adeligen kamen um, worunter auch Archibald Douglas, der Regent, und ſehr viele wurden gefangen genommen. In Folge dieſer Niederlage wurde Berwyk genommen und Schott⸗ land ſchien wieder von den Englaͤndern ganz erobert zu ſeyn. Eduard hatte ſomit das Koͤnigreich Schottland wieder unterjocht, hierauf von den feſten Plaͤtzen Beſitz genommen und mit engliſcher Garniſon belegt, dem Eduard Baliol, dem Namen nach nur Koͤnig, die voͤllige Abtretung eines großen Theils der ſuͤdlichen Grafſchaften abgezwungen, Gou⸗ verneure in den feſten Plaͤtzen und Voͤgte in den Provinzen ernannt, und endlich Schottland ganz wie einen eroberten Staat behandelt. Baliol ſeiner Seits behielt den nordlichen und weſtlichen Theil Schottlands, der ihm nur als Lehen des engliſchen Monarchen gelaſſen wurde. Nun betrachtete man die ſchottiſchen Kriege als beendigt und man glaubte, daß ſich unter den Schotten kein Mann mehr befinde, welcher ſo viel Einfluß haͤtte, um eine Armee zuſammenzubringen, oder der die Kenntniſſe beſitzen wuͤrde, eine ſolche zu commandiren. ——— — Fuͤnftes Kapitel. Belagerung des feſten Schloſſes Loch⸗Leven.— Schlacht bey Kilblene.—. Belagerung des Schloſſes Dunbar.— Sir Andreas Murray.— Zuſtand des Landes.— Lurniere. Die Englaͤnder beſaſſen viel mehr Mittel als die Schot⸗ ten Armeen auszuruͤſten und zu unterhalten, weil ſie maͤch⸗ tiger und reicher waren; deßhalb trugen die Englaͤnder oft bedeutende Siege davon. Die Schotten dagegen hatten eine 59 entſchiedene Vorliebe fuͤr Unabhaͤngigkeit und einen Haß ge⸗ gen jede fremde Oberherrſchaft; daher kam es denn auch, daß ſie immerwaͤhrend, ſelbſt unter den ungunſtigſten Umſtaͤnden Widerſtand leiſteten, und durch langſame, ſtandhafte und fortgeſetzte Anſtrengungen fuͤr die erlittenen Verluſte Erſatz zu erhalten trachteten. Nach der Schlacht bei Halidon erkannten in ganz Schott⸗ land nur vier feſte Schloͤſſer und eine unbedentende Feſtung die Oberherrſchaft des David Bruce an; und man muß ſich wirklich daruͤber wundern, wie bald nach jenem Zeitpunkte die Patrioten durch ihre Anſtrengungen den unguͤnſtigen und ſcheinbar verzweiflungsvollen Zuſtand Schottlands aͤnderten. Die verſchiedene Scharmuͤtzel und Schlachten, welche im gan⸗ zen Koͤnigreiche geliefert wurden, waren fuͤr die Schotten, ſowohl weil ſie mit der Gegend bekannt geweſen, als auch weil ſie auf das Wohlwollen der Einwohner zaͤhlen durften, von gluͤcklichem Erfolge; beſonders gelang es ihnen auch, feſte Schloͤſſer und Feſtungen zu uberfallen, ganze Transporte von Lebensmitteln, die den Englaͤndern zugefuͤhrt werden ſollten, abzuſchneiden und einzelne vom Hauptcorps getrennte Theile der feindlichen Armee aufzureiben; ſo daß am Ende die Pa⸗ trioten das, was ſie in großen Schlachten verloren hatten, nach und nach wieder bekamen*). Das feſte Schloß Loch Leven, auf einer Inſel in einem bedeutenden See gelegen, war ein's der vier obenerwaͤhnten Schloͤſſer, welche David Bruce auerkannten und ſich dem Eduard Baliol nicht unterwerfen wollten. Der Gouverneur des genannten Platzes, ein treuer Schotte, hieß Alan Vi⸗ *) Ich werde dir eine oder zwei Begebenheiten aus jenem blutigen Kriege erzählen. pont, und der Commandant Jakob Lamby. Das Schloß wur⸗ de von einer engliſchen Armee unter dem Commando des Sir Johann Stirling, eines Anhaͤngers Baliol's, belagert. Da die Belagerer ſich der Inſel mit Booten nicht naͤhern konn⸗ ten, gerieth Stirling auf einen ſonderbaren Einfall, um die Garniſon zur Uebergabe zu noͤthigen. Aus dem öſtlichen Ende des See's fließt ein kleiner Bach, der Leven; quer durch dieſen fuͤhrten die Belagerer einen ſehr ſtarken und hohen Damm auf, um den Abfluß des Waſſers aus dem See zu hemmen. Sie vermutheten, daß durch die Spannung des Waſſers der See austreten, die Inſel uͤberſchwemmt und hierauf Vipont genöthigt wuͤr⸗ de, zu capituliren; aber Vipont entſendetete um Mitternacht vier Mann in einem Boot, welche ein Loch in den Damm machen mußten. Auf dieſes hin durchbrach die ganze Waſſer⸗ maſſe mit unglaublicher Gewalt vollends den Damm, ſchwemmte die Zelte, das Gepaͤck und mehrere Leute der Be⸗ lagerer weg, und richtete beinahe ihre ganze Armee zu Grune de. Obgleich die Wahrheit dieſer Begebenheiten von Meh⸗ reren bezweifelt wird, ſo zeigt man doch noch heut zu Tage Ueberreſte des engliſchen Dammes. So viel iſt gewiß, daß die Englaͤnder, nachdem ſie einigen Verluſt erlitten, die Be⸗ lagerung aufheben mußten. Waͤhrend dieſe Kriege mit zunehmender Begeiſterung gefuͤhrt wurden, haben ſich die Ritter von Liddesdale und Sir Andreas Murray von Bothwell mittelſt eines bedenten⸗ den Loͤſegelds aus ihrer Gefangenſchaft befreit und waren nach Schottland zuruͤckgekehrt; der Graf von March ſchlug ſich auch auf die Seite des David Bruce. Ein eben ſo aus⸗ gezeichneter Held war Sir Alerander Ramſay von Dalwolſy; dieſer hatte ſich an die Spitze einer tapferen Schaar junger 61 Schotten geſtellt, die großen Hoͤhlen vom Roßlin⸗Thale zu ſeinem Aufenthalte gewaͤhlt und gewoͤhnlich von da aus ſeine Ausfaͤlle auf die Englaͤnder gemacht; manchmal dehnte er ſeine Streifzuͤge bis Northumberland aus und kehrte mit Beute beladen zuruͤck. Es kam ſo weit, daß kein junger Schotte im Rufe eines geuͤbten Soldaten ſtand, bevor er nicht unter Ramſay's Schaar gedient hatte. Im Norden Schottlands wurde eine bedeutende Schlacht geliefert, die zum Vortheil des jungen Koͤnigs ausfiel. Das Schloß Kildrummie war ebenfalls eins von den vieren, wel⸗ ches ſich zu Gunſten David Bruce's gehalten hatte; es wur⸗ de durch ſeine Tante, Chriſtine Bruce vertheidigt; ſie war eine ehrbare alte Dame, Frau des Sir Andreas Murray und Schweſter des tapfern Koͤnigs Robert. In dieſen krie⸗ geriſchen Zeiten naͤmlich iſt es nicht ſelten vorgekommen, daß Weiber in feſten Plaͤtzen das Commando fuͤhrten, und daß ſie auf dem Schlachtfelde mitfochten. Obengenanntes Schloß, einer der letzten Zufluchtsorte fuͤr die Patrioten, wurde darch David Haſtings, Graf von Athole, der unter die Zahl der enterbten Lords gehorte, be⸗ lagert; er hatte waͤhrend des Kriegs ſich bald auf die eine, bald auf die andere Seite geſchlagen und erſt am Ende ſich ganz den Englaͤndern gewidmet. Sir Andreas Murray von Bothwell faßte, nachdem er ſein Amt als Regent wieder an⸗ getreten, den Entſchluß, eine Armee, ſo ſtark ſie die Patrio⸗ ten nur immer zuſammenbringen koͤnnten, zu verſammeln, und den Ritter von Liddesdale, den Ramſay und den Gra⸗ fen von March aufzufordern, daß ſie in Gemeinſchaft gegen den Grafen von Athole ziehen und dieſen zwingen ſollen, die Belagerung ven Kildrummie aufzuheben, um die heldenmuͤ⸗ thige Vertheidigerin dieſes Schloſſes zu befreien. Alle jene 6² Abeligen konnten nicht mehr als tauſend Mann zuſammen⸗ bringen, waͤhrend Athole dreimal mehr unter ſeinen Beſeh⸗ len hatte. Als die Schotten ſich dem Gebiet von Kildrummie naͤ⸗ herten, wurden ſie durch einen gewiſſen Johann Craig ver⸗ ſtaͤrkt; dieſer gehoͤrte unter die Rovaliſten Schottlands. Er war durch den Grafen von Athole gefangen genommen wor⸗ den und hatte ſich zu einem bedeurenden Loͤſegeld verſtanden, das er den andern Morgen, nachdem er ſich mit jenen ver⸗ einigt, bezahlen ſollte; aber er ging, um ſein Loͤſegeld zu er⸗ ſparen, mit dem Gedanken um, dem Grafen von Athole eine Niederlage zu liefern, oder ihn aus der Welt zu ſchaffen. Mit dieſem Vorſatz fuͤhrte er die Schotten durch den Forſt von Braͤmar, deſſen Einwohner ſich mit jenen vereinigten und den Srafen von Athole, der in genanntem Forſte gela⸗ gert war, uberfielen. Athole war durch das ganz unerwartete Erſcheinen des Feindes nicht wenig uͤberraſcht, aber es fehlte ihm nicht an Muth, wenn er ſich gleich in ſeinen politiſchen Verbindungen wankelmuͤthig zeigte. Als er einen in ſeiner Naͤhe ſtehenden großen Felſen verrachtete, ſchwur er, daß er an dieſem Tage nicht eher fliehen wolle, bis dieſer Felſen ihm mit dieſem Beiſpiele voranginge. Ein kleiner Bach trennte die zwei ſich feindlich gegenüberſtehenden Parteien. Der Ritter von Liddesdale, welcher den Vortrab der Schot⸗ ten führte, begab ſich auf einem kleinen Pfade an das auf ſeiner Seite gelegene Ufer des Baches hinab, ſtreckte dann ſeinen Speer aus und hieß ſeine eigenen Leute halten, wo⸗ durch einiges Mueren enkſtand. Nachdem der Graf von Athole dieſen Stillſtand bemerkte, rief er aus:„dieſe Leute ſind ſchon halb geſchlagen,“ darauf ſtuͤrzte er auf ſie los und die Seinigen folgten ihm etwas ungeordnet, Nachdem ſie 63 den Bach uͤberſchritten und das andere Ufer beſtiegen hatten, rief der Ritter von Liddesdale:„Nun iſt es an uns,“ und griff mit eingelegten Lanzen Huͤgel abwarts an und trieb Athole's Leute in die Furth zuruͤck. Athole ſelbſt, der keine Schonung verlangte, wurde unter einem großen Eichbaum erſchlagen. Dieß war die Schlacht bei Kilblene am heiligen Andreastage 1335. Unter den kriegeriſchen Thaten jener Zeit verdient noch die Vertheidigung des Schloſſes Dunbar durch die Graͤfin von March erwaͤhnt zu werden. Ihr Mann hatte, wie ſchon er⸗ waͤhnt, ſich auf die Seite des tapfern Bruce geſchlagen und ſich mit dem Regenten ins Feld begeben. Die Graͤfin wurde wegen ihrer Geſichtsfarbe die ſchwarze Agnes genannt, unter welchem Namen noch heute von ihr geſyrochen wird; ſie war eine geiſtreiche, muthvolle Frau, die Tochter des ſhon oft erwaͤhnten Thomas Nandolph, Grafen von Murray, und Erbin ſeines Muthes und ſeiner Vaterlandsliebe. Das Schloß Dunbar war ſehr feſt und lag auf einer Felſenkette, die ſich in das Meer erſtreckte, mit einem einzigen Ausgang auf das feſte Land. Es wurde durch Montagne, Graf von Salisbury belagert, welcher, um deſſen Mauern zu zerſtoͤren, ſich auer moͤglichen Kunſtgriffe bediente, namentlich der großen Wurfmaſchinen, mittelſt welcher man ungeheure Steine weit werfen fonnte, und welche man vor Erfindung der Kanonen vor Feſtungen brauchte Die ſchwarze Agnes bot allen ſeinen Verſuchen Trotz und zeigte ſich mit ihren Werbern auf den Schloßmanern und wiſchte die Stellen, woſelbſt die großen Steine hingefallen waren, mit einem ſaubern Tuche ab, zum Zeichen, daß ſie ihrem Schloſſe nichts ſchaden koͤnnen, als einen kleinen Staub verurſachen, den man mit einem Tuche wegwiſchen koͤnne. 64 Der Graf von Salisbury bediente ſich dann, um den Sturm bewerkſtelligen zu koͤnnen, eines andern Kunſtgriffes; er ließ eine Art Schutzdach oder Haus bauen, ſolches mit ei⸗ ner Decke beſonderer Staͤrke verſehen und auf Walzen ſetzen. Wegen der Aehnlichkeit dieſer Maſchine mit einem Schweins⸗ ruͤcken ſchoͤpfte man ihr den Namen„Schwein;“ dieſe Ma⸗ ſchine wurde nach der alten Art Krieg zu fuͤhren, der Mau⸗ ernhoͤhe des belsgerten Platzes gleich, hinaufgezogen, und diente den Belagerern, welche die Mauer miniren oder mit Werkzeugen durchloͤchern wollten, zum Schutze gegen die von den Belagerten abgeſchloſſenen Pfeile und herabgerollten Stei⸗ ne. Als die Graͤfin von March dieſe den Schloßmauern nah⸗ geruͤckte Maſchine ſah, machte ſie ſich in folgenden Worten uͤber den Grafen von Salisbury luſtig: „Gib Acht! Montagow, daß dein Schwein nicht ferkelt!“ Zu gleicher Zeit gab ſie ein Zeichen, worauf ein ungeheuer großes Stuͤck Felſen, das zu dieſem Endzweck ſchon vorberei⸗ tet dahing, von der Mauer auf das Schwein herabgeworfen wurde, ſo daß deſſen Dach in Stuͤcke zerbrach. Die engliſchen Soldaten, welche ſich unter jenem Dache befanden, liefen ſo ſchnell als moͤglich davon, um den von der Mauer herabfal⸗ lenden Pfeilen und Steinen zu entkgehen, wobei die ſchwarze Agnes laut ausrief:„Seht doch die Brut engliſcher Ferkel!“ Der Graf von Salisbury machte bei ernſten Gelegenhei⸗ ten auch dergleichen Spaͤſſe. Einſt ritt er mit einem ſeiner Ritter, der mit einem Panzerhemd oder mit einer ledernen Jacke bekleidet war, gegen die Mauern des genannten Schloſ⸗ ſes hin; da ſchoß ein gewiſſer Wilhelm Spens einen Pfeil mit ſolcher Kraft auf den Ritter ab, daß nicht nur der Waf⸗ feurock des Ritters, ſondern auch noch ſein Herz durchbohrt wurde. 65 wurde.„Das iſt eins von den Liebeszeichen meiner Grafin,“ ſagte der Graf, als er den Ritter todt von ſeinem Pferde herabfallen ſah;„die Liebespfeile der ſchwarzenn es drin⸗ „gen durch's Herz.“ Bei einer andern Gelegenheit nahm die Graͤfin von March den Grafen von Salisbury beinahe gefangen. Sie ſchickte einen von ihren Leuten ab, um mit den Belagerern zu unterhandeln, als wolle ſie das Schloß uͤbergeben. Der Graf traute dieſem Vorſchlag und kam um Mitternacht vor das Schloßthor, welches er geoͤffnet und das Fallthor aufge⸗ zogen fand. Als Salisbury gerade hineingehen wollte, kam ihm noch ein gewiſſer Johann Coplaud, ein Northumberlaͤn⸗ der aus ſeinem Gefolge, zuvor, und ſobald dieſer die Thor⸗ ſchwelle vaſſirt hatte, wurde das Fallthor herabgelaſſen, wo⸗ due die Schotten aber ihren Zweck verfehlten, und nur ei⸗ nen Mann von untergeordnetem Range gefangen nahmen. Endlich wurde das Schloß Dunbar durch Alerander Ram⸗ ſay von Dalwolſy entſetzt; er brachte der Graͤfin zur Sre Un⸗ terſtutzung an Leuten und Lebensmitteln. Der Graf von Sa⸗ lisbury zweifelte auf dieſe Nachricht hin an einem glucklichen Erfolg und gab die Belagerung, welche neunzehn Wochen ge⸗ dauert hatte, auf. Der Muth und die Beharrlichkeit der ſchwarzen Agnes wurde durch mehrere Meiſterſaͤnger beſun⸗ gen. Folgendes iſt ungefahr der Sinn deſſen, was von der⸗ gleichen Gedichten noch aufben ahrt iſt: In Burg und Graben machte ſie Lärmen Die ſchreiende, wilde, ſchortiſche Dirne; Kam ich frühe oder ſrät, Ich fand Agnes immer wach. Der braue Sir Andreas Murray von Bothwell, Regeut von Schottland, ſtarb im Jahre 1338, waͤhrend der Krieg W. Scoit's Werke. X VI. 5 66 auf allen Seiten wuͤthete. Er war ein guter Patriot, und ſein Verluſt dem Lande um ſo mehr fuͤhlbar, als er ihm große Dienſte geleiſtet hatte. Man erzaͤhlt ein Geſchichtchen von ihm, woraus erhellt, wie gelaſſen er zur Zeit der Gefahr ſeyn konnte. Er befand ſich damals wie der Koͤnig von Eng⸗ land die Hochtande mit einer 20,000 Mann ſtarken Armee angriff, nur mit einem kleinen Haufen ſeiner Leute daſelbſt. Als der Regent dieß erfuhr, hoͤrte er gerade die Meſſe, ließ ſich aber keineswegs in ſeiner Andacht ſtoͤren; nach Beendi⸗ gung der Meſſe drang ſeine ganze Umgebung in ihn, den Ruͤckzug anzuordnen;„dazit iſt noch keine Eile,“ verſetzte Murray ganz gelaſſen. Endlich wurde ſein Pferd vorgefuͤhrt und alle glaubten, daß der Ruͤckzug jetzt beginnen werde; allein der Regent bemerkte in dieſem Augenblicke, daß eine Strupfe ſeines Waſſenrocks gebrochen ſey⸗ und dieß verux⸗ ſachte wieder auf's Neue einen Aufſchub. Er bezeichnete ein Kiſtchen, das man ihm herbeibringen mußte; aus dieſem nahm er ein Stuͤck Leder und ſtellte die abgerit Strupfe eigenhandig und mit vieler Ueberlegung ere Inziwi⸗ ſchen waren die Englaͤnder naͤher geruͤckt, und da ſie in ſo⸗ großer Jahl kamen, ſagten nachher einige der ſchottiſchen Rit⸗ ter, daß der Geſchichtſchreiber, welcher dieſen Vorfall erzaͤhle, gewiß nicht ſo viel Zeit brauche, als Sir Andreas zum Ver⸗ ſchneiden des Leders verwendete. Wenn er dieſes jedoch nur gethan haͤtte um zu prahlen, ſo ware es ein thorichtes, nicht ſehr ruͤhmliches Betragen geweſen; aber Sir Andreas Mur⸗ ray hatte ſchon uͤber die Art ſeines Ruͤckzuges nachgedacht und wußte wohl, daß jede Kaͤlte und Ueberlegung, welche er in dieſem Falle zeigte, ſeine Untergebenen ſtandhaft und ruhig mache und ihnen Vertrauen auf ihren Fuhrer einſloͤße. End⸗ lich gab er Belehl zum Aufbruch, und machte an der Spitze 67 ſeines kleinen Corps einen meiſterhaſten Ruͤckzug, waͤhtend deſſen die Englaͤnder trotz ihrer Ueberlegenheit an Zahl, nicht im Stande waren, irgend einen Vortheil zu erringen; ſo gut benuͤtzte der Regent die Beſchaffenheit des Bodens, Du kannſt dir leicht vorſtellen, mein theures Kind, daß Schottland in dieſen langen und fürchterlichen Kriegen, nach⸗ dem feſte Plaͤtze vertheidigt und genommen, Gefangene ge⸗ macht, Schlachten geliefert und viele Menſchen getodtet und verwundet wurden, in einen hoͤchſt traurigen Zuſtand verſetzt wurde. Zu einer Zeit, in welcher Alles durch das Schwert entſchieden wurde, war wohl nicht an den Schutz der Geſetze u denken. Man ſaͤete kein Korn, weil man mit Wahrſchein⸗ lichkeit vorausſehen konnte, daß man es nicht einerndten duͤr⸗ fe. An eine Gottesverehrung dachte man Bar nicht; überall herrſchte Gewaltthatigkeit vor; die Herzen des Volkes waren ſo ſehr an blutige und wuͤthende Handlungen gewoͤhnt, daß alle Schranken der Menſchlichkeit und des Mitleideas ohne Bedenken uͤberſchritten wurden. In den Waͤldern fand man sanze Familien verhungert, waͤhrend das Land ſo entvölfert und unbebant war, daß die wilden Thiere aus entkernten Waͤldern herbeikamen, und ſich den Derfern und Wohnun⸗ gen naͤherten. Ganze Familien mußten ſich von Gras er⸗ naͤhren, andere ſollen gezwungen geweſen ſeyn, eine noch ſchrecklichere Nahrung zu ſich zu nehmen, ſie ſollen das Fleiſch— ihrer Nebenmenſchen gegeſſen haben. Ein Boöſewicht ſtellte ſogar den menſchlichen Weſen Fallen, wie den wilden Thi ren, und lebte von ihrem Fleiſch. Dieſer Unmenſch pieß der Schlingenchriſt, weil er bei ſe Stricke anwendete. Wenn mitten in dieſer Schra aszeit le⸗ inen abſcheulichen Fallen ein kleiner Waß 5.. 3 68— fenſtillſtand ſtatt fand, ſo erſetzten die engliſchen und ſchotti⸗ ſchen Ritter und Adeligen die Kriege durch Turniere und Spviele. Dergleichen Verſammlungen hatten nicht das Strei⸗ ten zum Zweck, ſondern man zeigte nur, wer ſeine Waffen am beſten fuͤhren koͤnne. Anſtatt aber zu ringen, zu ſprin⸗ gen, oder Wettrennen zu Pferd oder zu Fuß zu halten, war es uͤblich, daß die Sdelleute miteinander Lanzen brachen, d. h. ne ritten in voͤlliger Waffenruͤſtung mit ihren langen Lan⸗ zen aufeinander los, wobei jeder trachtete, den andern aus dem Sattel zu heben und auf den Boden zu werfen. Manch⸗ mal ſtritten ſie zu Fuß mit Schwertern und Aexten, und ob⸗ gleich alles nur Spaß und freundſchaftliche Unterhaltung ſeyn ſollte, ſo verloren bei bieſem eitlen Spiele doch eben ſo viele das Leben, als wenn die Fehde vorſatzlich und in offener Scolacht begonnen haͤtte. In ſpatern Zeiten fochten ſie mit Schwertern, deren Schneide adſichtlich ſtumpf gemacht wurde, und mit Lanzen ohne eiſerne Spitzen; in der Zeit aber, von welcher wir jetzt ſprechen, bedienten ſie ſich bei Tournieren und Spielen derſelben Waffen, welche ſie im Kriege ſelbſt brauch⸗ ten. Eine ſehr merkwuͤrdige Unterhaltuns dieſer Art gab den Schotten und Englaͤndern Heinrich von Lancaſter, damals Graf von Derby und ſpaterhin Konig Heinrich IV. von Eng⸗ land. Er lud den Ritter ven Lidbesdale, den guren Sir Alexander Namſay und ungefaͤhr zwanzig andere ausgezeichnete Schortlaͤnder zu einem Turnier bei Berwik ein. Nachdem der Graf von Derby ſeine ſchottiſchen Gaͤſte wuͤrdig empfangen und reichlich bewirthet hatte, fragte er den Ramſay, mit wel⸗ chen Waffen die Ritter ringen ſollen. „Mit Schilden,“ ſagte Ramſay,„und geharniſcht, wie dies bei Turnieren ublich iſt.“ Dies iſt eine beſondere ſchwere und ſtarke Art von Waffen 1 69 ruͤſtung, ausſchließlich nur fuͤr dieſe Art von Zweikampf be⸗ ſtimmt. „Nrin,“ ſagte der Graf von Derby,„wenn wir ſo ge⸗ ſchuͤtzt gegen einander losziehen, werden wir wenig gewinnen; laßt uns die leichtern Waffen gebrauchen, deren wir uns in der Schlacht bedienen.“ „Wir ſind es zufrieden“ antwortete Sir Alexander Ram⸗ ſay„in unſern Seidenwaͤmſern zu kaͤmpfen, wenn es auch Vergnuͤgen macht.“ Der Ritter von Liddesdale wurde durch den Splitter ei⸗ ner Lanze am Handgelenk verwundet und deßhalb gendthigt, von dieſer Waffenuͤbung abzuſtehen. Ein ſchortiſcher Rilter, Sir Catrick Grahame, kaͤmpfte mit einem wackern engliſchen Baron, Namens Talbot, der ſein Leben durch zwei Bruſtſchil⸗ de geſichert hatte; aber die ſchottiſche Lanze durchbohrte beide und drang noch einen Zoll tief in die Bruſt. Waͤre Talbot nur nach der getroſſenen Uebereinkunft bewaffnet geweſen, ſo wuͤrde er ſein Leben verloren haben. Ein anderer engliſcher Ritter forderte den Grahame beim Abendeſſen auf, den andern Tag drei Gaͤnge mit ihm zu machen. „Willſt du dich mit mir meſſen“ ſagte Grahame,„ſo ſte⸗ he recht fruͤh auf, beichte deine Suͤnden und ſchließe deine Rechnung mit dem Himmel ab; deun du wirſt im Paradieſe zu Nacht eſſen.“ In Uebereinſtimmung mit dieſer Aeußerung ſtieß ihm Grahame den andern Morgen ſeine Lanze durch den Leib, daß er auf der Stelle blieb. Ein anderer engliſcher Rit⸗ ter verlor auch das Leben, und einer von den ſchottiſchen wurde toͤdtlich vermundet. Dem Wilbelm Ramſay wurde ſein Helm mit einer Lanze durchbohrt, ſo daß ein Sylitter derſel⸗ ben in ſeiner Hirnſchale ſtecken blieb und ſeinen Helin gleich ſam an ſeinen Kopf nagelte. Da man ſeinen Tod vorausſah⸗ 70 ſchickte man ihm einen Geiſtlichen, dem er noch beichtete, oh⸗ ne ſeinen Helm zu verruͤcken. „Ach, das iſt ein ſchoͤner Anblick,“ ſagte der durch dieſes Schauſpiel ganz erbaute Graf von Derby,„einen Ritter in ſeinem Helme beichten zu ſehen. Gaͤbe Gott, daß ich einſt ſo Rerben koͤnne!“ „Nach vollendeter Beichte legte Alexander Ramſay, ein Bruder oder Vetter des Wilhelm Ramſay, den verwundeten Ritter der Lange nach hin, trat mit einem ſeiner Fuͤße auf deſſen Haupt und zog ihm mit eben ſo viel Unerfahrenheit in der Arzneikunſt, als mit Rohheit, wie wenn es zum Zeit⸗ vertreib geſchehen wuͤrde, den Lanzenſplitter aus dem Helm und aus der Wunde. Dann ſuhr Wilhelm Ramſay auf und ſagte:„das haſt du gut gemacht.“ „Sieh doch! Was beherzte Maͤnner aushalten koͤnnen,“ rief der Graf von Derby aus, der die chirurgiſche Behand⸗ lung des Riters eben ſo bewunderte, als deſſen Beichte. Ob der Patient nach oben angefuͤhrter Aenſſerung noch fortlebte oder ſtarb, erhellt aus der Geſchichte nicht deutlich. Hinſichtlich der Zuerkennung der Preiſe war ſeſtgeſetzt worden, daß die engliſchen Ritter Kampfrichter uͤber die Sckotten und ſo umgekehrt, daß die letztgenannten Kampf⸗ richter uͤber die engliſchen Ritter ſeyn ſollten. Vei der Ent⸗ ſcheidung ſelbſt wurde von beiden Seiten die größte Unpar⸗ teilichkeit beobachtet und der Graf von Derbpy zeigte ſich in Vertheilung der Preiſe und Geſchenke ſehr freigebig. Dies moͤge Dir ein Bild von den Vergnuͤgungen jener ſtuͤrmiſchen Zeit geben, in welcher Krieg und Gefahr ſowohl zur Unter⸗ haltung als zur Beſchaͤftigung gehoͤrten. 71 Sechstes Kapitel. 2 Abreiſe Eduard Baliol's von Schottland.— Rückkehr David's II.— Tod des Sir Alexander Ramſay.— Tod des Ritters von Liddesdale.— Schlacht bei Neville's Kreuz.— Gefanzenneshnans⸗ Befreiung und Tod des Königs David. Obgleich die Schotten ihr Land ſehr tapfer vertheidigten, ſo wurde es doch durch die unaufhoͤrlichen Kriege Eduard's III., eines weiſen und Krieg liebenden Koͤnigs in einen hoͤchſt traurigen Zuſtand verſetzt. Wenn dieſer die ganze Macht ſeines Koͤnigreiches ge⸗ gen Schottland haͤtte benutzen koͤnnen, ſo wuͤrde er ohne Zweifel die voͤllige Eroberung dieſes Reiches, nach welchem er ſo lange Zeit vergeblich trachtete, bewerkſtelligt haben; aber gerade waͤhrend der Krieg in Schottland am hitzigſten gefuͤhrt wurde, brachen zwiſchen Eduard und Frankreich Feindſeligkei⸗ ten aus, da er auf die Krone dieſes Koͤnigreiches Anſpruch machte. Er wurde deßhalb genothigt, ſeine Streitkrafte in Schottland zu vermindern, wodurch die Patrioten in dem ſchrecklichen von beiden Seiten ſo hartnaͤckig gefuͤhrten Kampfe entſchiedenen Vortheil errungen haben. Die Schotten ſchickten eine Geſandtſchaft nach Frankreich, um ſich Geld und Huͤlfstruppen zu erbitten, worauf ſie bei⸗ des erhielten und in den Stand geſetzt wurden, ihre Schloͤſ⸗ ſer und Staͤdte den Englaͤndern wieder abzunehmen. Das feſte Schloß Edinburgh wurde durch eine Kriegsliſt genommen. Der Ritter von Liddesdale ſchiffte ſich zu Dun⸗ dee in das durch Wilhelm Curry gefuͤhrte Kauffartheiſchiff mit zweihundert auserleſenen Leuten ein. Nach ihrer Au⸗ kunſt zu Leith ging der Schiffsherr mit einem Theil ſeiner Matroſen in das Schloß und ließ einige Faͤſſer Wein und Körbe mit Lebensmitteln unter dem Vorwand dahin tragen, er wolle ſie an den engliſchen Gouverneur und die dortige Garniſon verkaufen, aber in demſelben Augenblick, in wel⸗ chem ſie eingelaſſen wurden, rieſen ſie laut ihr gewaͤhnliches Feldgeſchrei Douglas aus, worauf der Ritter von Liodesdal mit ſeinen Soldaten hineinſtuͤrzte und ſich der Burg bemei⸗ ſterte. Die Schotten nahmen auch Perth und andere ichti⸗ ge Plaͤtze wieder ein und Eduard Baliol verließ das Land, weil er an dem Erfolg ſeiner Anſpruͤche auf die Krone Schottkands verzweifelte.. Nachdem die Adeligen Schottlands ſahen, daß der Zu⸗ ſtand des Königreichs ſich verbeſſere, faßten ſte den Ent⸗ ſchluß, den jungen Koͤnig David. und ſeine Gattin, die Koͤnigin Johanna, aess Frankreich zuruͤckzuholen; denn dahin waren ſie in Sicherheit gebracht worden. Sie tamen hierauf beide im Jahre 1344 an. David II. war eigentlich noch ein Juͤngling; er beſaß we⸗ der Kenntniſſe noch Takente ſeines Vaters, des großen Ko⸗ nigs Robert. Die Adeligen Schottlands waren unterdeſſen ſelbſt in ihren Beſitzungen kleine Fuͤrſten geworden. Sie be⸗ kriegten ſich unter einander ſelbſt eben ſo, wie die Englander, and der arme Koͤnia war nicht maͤchtig genug, ſie in Zaum zu halten. Vald nach des jungen Koͤnigs Ruͤckkunſt aus Fraukreich trat eine höchſt traurige Cataſtrophe fuͤr Scott⸗ land ein. Ich erwaͤhnte ſchon wie Sir Alexander Ramſay und der Ritter von Liddesdale einander gegen die Englaͤnder beiſtan⸗ ſtaden. Sie waren innige Freunde und Waſſen ea en. Nachdem Ramſay das feſte Schloß Rordurgh mit Sturm ein⸗ senommen hatte, belohnte ihn der Konig mit der Wuͤrde ei⸗ 73 nes Scheriffs der Provinz Rorburgh, welche vorher dem Rit⸗ ter von Liddesdale uͤbertragen war; dieſer aber entruſtete ſich daruͤber und nahm ſich vor, der alten fuͤr Ramſay geheg⸗ ten Freundſchaft nicht mehr eingedenk, ihn zu ermo den. Um dieſes auzufuͤhren, ubefiel er ihn mit einer ſtarken Truppen⸗ abtheilung, gerade als Ramſay zu Harvick im Gericht faß. Dieter hatte gegen ſeinen alten Kriegsgefaͤhrten durchaus kei⸗ nen Verdacht und war mit ſeinen wenigen Leuten baid uͤber⸗ waͤltigt; er wurde verwundet und in aller Eile auf des abge⸗ legene Schloß Einſiedelei geſchleppt, welches mitten in Suͤmp⸗ fen von Liddesdale liegt. Dort warf man ihn in einen Ker⸗ ker, in welchem er keine andere Nahrung fand, als einige Saamenkoͤrner, die von einem Fruchtboden herabgefallen wa⸗ ren. Nach kurzem Schinachten in dieſem ſchrecklichen Zuſtande karb der tapfere Sir Alexander Ramſay im Jahre 1341. Beinahe fuͤnfhundert Jahre fpaͤter, ungefaͤhr vor 40 Jahren ſtieß ein Maurer, der in den Ruinen des Einſtedlerſchloſſes nachgrub, auf einen Kerker, woſelbſt eine Menge Spreu, einige menſchliche Gebeine und ein Stuͤck eines Gebiſſes la⸗ gen; daraus ſchloß man, daß in dieſeen Gewölbe Ramſay ge⸗ ſtorben ſey. Das Stuck des Gebiſſes kam in die Haͤnde Dei⸗ nes Großvaters und dieſer gab es dem gegenwaͤrtig noch le⸗ benden Grafen von Dalhouſte, ein eben ſo tapferer Soldat als ſein Urahn Sir Alexander Ramſay, von dem er in gera⸗ der Linie abſtammt.. Der Koͤnig war uͤber das an einem ſo treuen Unterthanen begangene Verbrechen ſehr auſgebracht. Er machte einige Verſuce, der Mord zu raͤchen; aber der Ritter von Liddes⸗ dale war zu machtig, als baß er haͤtte beſtraft werden koͤnnen, und der Kontg ſah ſich ſogar gendthigt, jenen wieder in Gna⸗ den aufnehmen zu muſſen; der Himmel jedoch raͤchte dieſe 74 grauſame Mordthat. Ungefaͤhr fuͤnf Jahre nach Begehung des erwaͤhnten Verbrechens wurde der Ritter von Liddesdale in der Schlacht bey Neville's Kreuz, nahe bei Durham von den Englaͤndern gefangen genommen und ſoll, wie man vermuthet, nur durch eine mit dem Koͤnig von England angelnuͤpfte ver⸗ raͤtheriſche Verbindung wieder in Freiheit geſetzt worden ſeyn, er iſt ubrigens fruͤher geſtorben als er ſeine Verraͤtherei be⸗ werkſteligen konnte; denn kurz nach ſeiner Befreiung wurde er auf der Jagd im Ettrik⸗Forſte von einem nahen Verwand⸗ ten und Pathen, Lord Wilhelm Douglas, erſchlagen. Die Stelle, woſelbſt er ſtarb wurde Wilhelms Hoſſnung genannt. Es iſt Schade, daß der Ritter von Liddesdale dieſe abſcheuli⸗ che Mordthat beging und die verraͤtheriſche Verbindung mit dem Koͤnig von England anknuͤpfte. In mancher Hinſicht ſtund er allgemein in ſo hoher Achtung, daß man ihn nur die Zierde der Ritter nannte. Ein alter Schriftſteller ſagte von ihm:„mit gewaffneter Hand fuͤrchtete man ihn; im Frieden war er beſcheiden und ſanft, immer die Geißel Eng⸗ lands und der Schild und die Mauer Schottlands, ein Mann, den das Gluͤck nie verwegen machte, und dem das Ungluck nie den Muth nahm.“ Ich kehre zu dem Zuſtande Schottlands jener Zeit zuruͤck, in welcher der junge Koͤnig wieder auftrat. Auf allen Seiten wurden Schlachten und Gefechte geliefert; allein da die Schot⸗ ten ihr eigenes Land wieder ganz erobert hatten, ſo nahm der Krieg eine minder hartnaͤckige Geſtaltung an. Obgleich kein foͤrmlicher Friede ſtatt fand, ſo wurde doch manchmal auf Mo⸗ nate und auf Jahre Waffenſtillſtand geſchloſeen, und die engli⸗ ſchen Geſchichtsſchreiber ſagen, daß die Schotten jede ihnen guͤnſtige Gelegenheit benutzt haben, um Vertraͤge der Art zu brechen. 75 Ein ſolcher Waffenſtillſtand war auch um das Jahr 1346 geſchloſſen, waͤhrend deſſelben hatte ſich Eduard III. nach Frank⸗ reich begeben und Calais belagert. Bei dieſer Gelegenheit wurde David auf die dringenden und ungeſtuͤmen Bitten des Koͤnigs von Frankreich hin veranlaßt, den Krieg zu er⸗ neuern und von der Abweſenheit des Koͤnigs von England Nutzen zu ziehen. Der junge ſchottiſche Koͤnig brachte eine bedeutende Armee zuſammen, drang auf der weſtlichen Graͤnze Englands ein, marſchirte oſtwaͤrts gegen Durham und verwuͤ⸗ ſtete das Land auf eine an Grauſamkeit graͤnzende Weiſe; die Schotten verließen ſich darauf, daß, da der Koͤnig Eduard mit ſeinen Adeligen abweſend ſey, ſich in Eugland außer Geiſtli⸗ chen und gemeinen Handwerkern Niemand befinde, der ihnen Widerſtand leiſtn wuͤrde. Sie wurden uͤbrigens ſehr enttaͤuſcht. Die Lords der noͤrdlichen Grafſchaften Englands in Gemeinſchaft mit dem Erzbiſchoff von York ſetzten ihnen eine ſtattliche Armee entge⸗ gen; ſie hoben den ganzen Vortrab der Schotten auf und uͤber⸗ fielen ihre Hauptmaſſe. Unter der engliſchen Armee befanden ſich viele Geiſtliche; dieſe trugen ſtatt einer Fahne ein Eru⸗ ciſir; deßhalb konnte man bei dieſer Armee Fahnen der Ade⸗ ligen und Erncifire der Geiſtlichen unter einander ſehen. Im Laufe dieſes Feldzuges hatten die Schotten einmal hinter einigem Gehaͤge Stellung genommen; dadurch wurden ſie in ihren Bewegungen gehindert und— weil ſie ſtehen blei⸗ ben mußten, wie bei fruͤheren Gelegenheiten durch die engli⸗ ſchen Pfeile gleichſam uͤberſchwemmr; da erbot ſich Sir Jo⸗ hann Grahame, er wolle, wenn man ihm eine Abtheilung Reiterei anvertraue, die Bogenſchuͤzen auseinander jagen. Obgleich ein aͤhnliches Manaͤver die Schlacht bei Vannokburn entſchied, ſo konnte ein ſolches diesmal den Sieg nicht her⸗ 76 beifuͤhren. Die ſchottiſche Armee loͤste ſich faſt ganz in Un⸗ ordnung auf; der Koͤnig ſelbſt ſocht tapfer mitten unter ſei⸗ nen Rittern und wurde zweimal von Pfeilen verwundet, end⸗ lich aber durch Johann Copland, einen Northunmberlaͤnder, gefangen genommen. Es wurde ihm uͤbrigens nicht leicht, dieſen koͤniglichen Fang zu machen; denn waͤhrend des Kam⸗ pfes ſtieß der Koͤnig mit ſeinem Dolche dem Copland zwei Zaͤhne ein. Der linke Fluͤgel der ſchottiſchen Armee hielt ſich noch lange und machte einen ſchoͤnen Ruͤckzug, nachdem der Reſt derſelben ſchon in großer Verwirrung die Flucht ergrif⸗ fen hatte; ihre Befehl shaber waren der Schatzmeiſter von Schottland und der Graf von March. Sehr viele des ſchotti⸗ ſchen Adels wurden erſchlagen und eben ſo viele gefangen ge⸗ nommen, der Koͤnig aber im Triumph durch die Straßen von London gefuͤhrt und ſodann im Tower in enge Haft ge⸗ ſetzt. Dieſe letzterwaͤhnte Schlacht wurde bei Neville's Kreuz unfern Dunbar, am 17, Oktober 1546 geliefert. Auf dieſe Art hatten die Englaͤnder wieder einmal einen bedeutenden Sieg uͤber die Schotten errungen; fuͤr die Eng⸗ laͤnder entſprangen große Vortheile daraus, denn ſie nahmen auf einige Zeit wieder von den ſchottiſchen Graͤnzprovinzen, bis an den Bezirk Lothian hin, Beſitz; die Schorten aber hatten ſich, wie gewoͤhnlich, nur eine angenblickliche Unter⸗ werfung gefallen laſſen, dann rrachteten ſie ihr Joch wieder abzuſ ütteln. Wilhelm Douglas, Sohn desjenigen Douglas, welcher zu Halidon Hill bei Berwik geblieben war, legte nun denſel⸗ ben Muth an den Tag, der ausnahmsweiſe nur ſeiner Familie eigen zu ſeyr ſchien. Er eroberte ſeine eigenen Be⸗ ſitzungen im Douglasthale wieder, vertrieb die Engläander aus dem Ettrikforſte und leiſtete den Einwohnern des Treviot⸗ 977 thales in Wiedervereinigung ihrer Unabhaͤngigkeit thaͤtigen Beiſtand. Diesmal zog jedoch der Einfall der Englaͤnder nicht die⸗ ſelben ſchlimmen Folgen nach ſich, wie es bei ihren fruͤhern Siegen der Fall war. Baliol's Anſprüche wurden nicht wie⸗ der ernenert; dieſer nur dem Namen nach regierende Koͤnig hatte dem engliſchen Monarchen alle ſeine Rechte im Köͤnig⸗ reich Schotrland abgetreten und zum Zeichen hieruͤber eine Handvoll Erde und eine goldene Krone überreicht. Eduard ſeiner Seits belohnte Baliol fur dieſe Uncerwerfung mit ei⸗ nem bedeutenden jaͤhrlichen Einkommen; darauf zog ſich Baliol von allen oͤffentlichen Geſchaͤften zuruck und lebte nachher in ſolcher Verborgenheit, daß die Geſchichtſchreiber ſeines Todes gar nicht erwaͤhnen. Nach der Unternehmung, bei welcher er die enterbten Baronen commandirt und den großen Sieg in der Schlacht bei Dublin errungen hatte, leiſtete er nichts mehr, was dieſer That gleich kommen wuͤrde; deßhalb iſt auch ſehr wahrſcheinlich, daß ihm bei jener Gelegenheit irgend ein Dritter Beiſtand leiſtere, welcher ihm ſpaͤterhin nicht mehr zu Theil wurde. Eduard III. war in ſeinen Kriegen, die er gegen Schott⸗ land auf eigenen Namen fuͤhrte, nicht gluͤcklicher als in denen, die er unter dem Vorwand, Baliol zu unterſtuͤtzen, aufing. Im Fruͤhjahre 1555 marſchierte er nach Oſt⸗Lothian und rich⸗ tete ſolche Verwuͤſtungen an, daß dieſer Zeitraum lange mit dem Namen„verbrannte Lichtmeſſe“ bezeichnet wur⸗ de, weil damals ſo viele Staͤdte und Doͤrfer in Aſche gelegt wurden. Die Schotten entfernten jede Art von Lebensmit⸗ teln, welche ihren Feinden nuͤtzlich ſeyn konnten, und ver⸗ mieden eine allgemeine Schlacht, waͤhrend ſie ſich aber in eine 78 Menge kleiner Geſechte einließen. Dadurch wurde Eduard genoͤthigt Schottland mit großem Verluſt zu verlaſſen. Nachdem ſo viele Verſuche mißgluͤckt waren, ſcheint Edu⸗ ard an der Eroberung Schottlands verzweifelt zu ſeyn, und zeigte ſich bereitwillig, einen Waffenſtillſtand zu ſchließen und den Koͤnig in Freiheit ſetzen zu wollen.— So wurde endlich David II. nach eilfiaͤhriger Gefangen⸗ ſchaft von den Englaͤndern freigelaſſen. Die Schotten hatten eingewilligt fuͤr ihn ein Loͤſegeld von 100,000 Mark zu bezah⸗ len, ſfreilich eine ſchwere Summe fuͤr ein Land, das von je⸗ her arm und durch die letzten Kriege ſo auſſerordentlich er⸗ ſchoͤpft war. Das Volk freute ſich ſo ſehr ſeinen Koͤnig wieder zu ſehen, daß ihm die Leute uͤberall hin nachliefen und— was als Beweis der Roheit der damaligen Zeit dienen kann— ſogar in ſein Zimmer brachen, bis der Koͤnig endlich, uͤber ihre laͤſtige und aufdringliche Anhaͤnglichkeit entruͤſtet, die Keule eines Officiers ergriff und mit ſeiner eigenen koͤnigli⸗ chen Hand den ihm zunaͤchſt ſtehenden Lehensmann auf das Haupt ſchlug. Nach dieſer Zuͤchtigung, ſagen die Geſchichts⸗ ſchreiber, wurde es erlaubt, in des Koͤnigs Zimmer zu gehen. Die letzten Jahre von des Koͤnigs Leben enthalten wenig erwaͤhnenswerthes, ausgenommen, daß er nach dem Tode der Johanna von England, ſeiner erſten Frau, eine unkluge Ehe mit einer gewiſſen Margarethe Logie ſchloß; ſie war zwar ein ausgezeichnet ſchoͤnes Weib, aber von gemeiner Herkunſt; er ließ ſich bald wieder von ihr ſcheiden. Weder die eine noch die andere ſeiner Frauen hinterließ ihm Kinder. David II. ſtarb zu Edinburgh Schloß in einem Alter von 47 Jahren den 22. Februar 1370— 1. Er hatte im Ganzen 42 Jahre regiert, hievon aber eilf Jahre in Gefangenſchaft zugebracht. —. — 79 Siebentes Kapitel. — Thronbeſteigung des Robert Stewart.— Krieg von 13585 und Landung des Johann von Vienne in Schottland.— Schlacht bei Otterburn.— Tod Rober:'s II. David II. hinterließ keine Kinder und mit ihm ſtarb die maͤnnliche Linie ſeines Vaters, des großen Robert Bruce, aus; die Anhaͤnglichkeit an dieſen heldenmuͤthigen Fuͤrſten war unter dem ſchottiſchen Volke ſo allgemein verbreitet, daß man uberein kam, die Krone Schottlands an einen von Ro⸗ berts Enkeln weiblicher Seite uͤbergehen zu laſſen. Mariory, die Tochter des Robert Bruce hatte den Walter, Lord Ober⸗ richter von Schottland geheirathet; er war der ſechste ſeiner Familie, welchem dieſe hohe Wuͤrde zu Theil wurde, deßhalb bekam dieſe Familie den Veinamen Stewart. Dieſer Walter Stewart und ſeine Frau Marſory waren die Urahnen der lange dauernden Familie gleichen Namens, welche ſpaͤterhin in Schottland regierte und endlich auch auf den Thron Eng⸗ lands gelangte. Der letzte Koͤnig der Familie Stewart verlor ſeine beiden Koͤnigreiche in der großen National⸗Revolution im Jahre 1688; ſein Sohn und ſeine Entel ſtarben in der Verbannung. Die weibliche Linie jener Familie iſt noch der⸗ zeit in der Perſon unſers Monarchen, des Koͤnigs Georg V., im Beſitz des Thrones. Wenn Du daher von der Linie Ste⸗ wart hoeſt, ſo mußt Du wiſſen, daß die Abkoͤmmlinge des Walter Stewart und der Mariory Bruce darunter gemeint ſind; auch uͤberliefert uns die Geſchichte, daß die Stewart's von Fleance, dem Sohne Banquv's abſtammen, von demſel⸗ ben, dem die im erſten Theile dieſes Werkes erwahnten Hexen prophezeiht haben, daß ſeine Nachkommen Koͤnige von Schottland werden ſollen, und der von Macbeth ermordet wurde. Dieß ſcheint jedoch eine zweifelhafte Sage zu bleiben. Walter, der Lord Oberrichter von Schottland, welcher Bru⸗ ce's Tochter geheirathet hatte, war ein braver Mann; er hielt ſich in der Schlacht bei Bannokburn, woſelbſt ihm ein hohes Commando anvertraut war, ſehr tapfer; aber er ſtarb jung und wurde allgemein bedauert. Robert Stewart, ſein Soyn und durch Marjory Bruce Enkel des Koͤnigs Robert, wurde nun auf den Thron berufen. Er war ein guter und leiden⸗ ſchaftsloſer Fuͤrſt. In ſeiner Jugend hatte er ſich als rapfe⸗ rer Soldat ausgezeichnet, aber nun war er fuͤnf und fuͤnfzig Jahre alt und litt au einer heftigen Augenentzuͤndung, die ſeine Augen blutroth faͤrbte. Aus dieſem Grunde lebte er geraume Zeit ganz zuruckgezogen und beſaß nicht Tharigkeit genug, um ein ſo wildes, unbaͤndiges Volk wie die Schotten zu regieren. Nobert Stewart's Thronbeſteigung erfolgte nicht ohne einigen Widerſtand, denn zu gleicher Zeit trat ein furchtbarer Mitbewerber um die Krone auf. Es war der Graf Wilhelm Douglas. Dieſe Familie, in welcher ſo manche große Maͤn⸗ ner ſich auszeichneten, war zu bedeutender Macht und zu großem Anſehen gelaugt, beſonders aber in den ſuͤdlichen Pro⸗ vinzen Schottlands. Die Anſpruͤche des Grafen Donglas gruͤndeten ſich auf die Verzeirathung ſeines Sohnes mit Eu⸗ phenia, der Tochter Nobert II., deßhalb wurde Stewart ohne weiteren Widerſtand gekroͤnk; allein die außerordentliche Macht der Douglas, die ſie derjenigen des Thrones gleich ſteüte, gab ſpater Veraulaffung zu einem allgemeinen Aufftand und zu großem Uugluͤck, die 81 Die Geſchichte Roberts II. enthaͤlt nicht viel wichtiges; doch wurden weniger Kriege mit England gefuͤhrt und die Schotten hatten ſich in der Kriegskunſt bedeutend verbeſſert, wovon folgende Beiſpiele zum Beweis dienen moͤgen. Im Jahre 1385 wurden die Franzoſen in ihrem eigenen Lande von den Englaͤndern ſehr gedrangt, deßhalb entſchloſſen ſie ſich eine Armee nach Schottland zu ſchicken, dieſer Nation gegen die Englaͤnder beizuſtehen und ſo die letztgenannten in ihrem eigenen Lande zu beſchaftigen. Dieſem zufolge ſendeten ſte tauſend wohlbewaffnete und gut ausgeruüſtete Ritter und Edelleute nach England; da jeder von dieſen vier bis fuͤnf Soldaten unter ſich harte, ſo bildeten ſie eine betraͤchtliche Macht; auch ſendeten ſie den Schotten 1200 vollkommene Waffenruͤſtungen nebſt einer bedeutenden Summe Geldes zu Unterſtutzung des Krieges. Dieſe Heeresmacht wurde durch Johann von Vienne, Großadmiral von Frankreich, einen tapfern und ausgezeichneten Feldherrn, commandirt. Mittlerweile hatte Richard II., Koͤnig von England, ſei⸗ nerſeits eine vielleicht groͤßere Armee formirt, als je ein Koͤ⸗ nig von England zuvor eine ſolche commandirte; mit dieſer marſchierte er an die ſchottiſche Graͤnze. Die Schotten hat⸗ ten auch bedeutende Streitkrafte vereinigt, ſo daß der franzoͤ⸗ ſiſche Admiral auf eine hartnaͤckige Schlacht gefaßt war. Er redete die ſchottiſchen Edellente alſo an:„Ihr habt immer geſagt, daß, wenn Ihr einige hunte t bewaffnete Franzoſen haͤttet, die Euch beiſtehen wollten, Ihr den Englaͤndern eine Schlacht liefern wuͤrdet. Nun ſind wir da, um Euch zu hel⸗ fen, laßt uns alſo eine Schlacht liefern.“ Die Schotten antworteten, daß iſie das Schickſal ihres Landes nicht in einer Schlacht auf das Spiel ſetzen wollen; W. Scott's Werke. XCVI. 6 3² einer von ihnen, wahrſcheinlich Douglas, fuͤhrte den Johann von Vienne an einen engen Paß, durch welchen ſie ungeſehen die engliſche Armee paſſiren ſehen konnten. Die Schotten machten uͤberdieß den Admiral auf die große Menge Bogen⸗ ſchützen, auf die ungeheuere Anzahl und vortreffliche Ordnung der Englaͤnder aufmerkſam, und fragten dann den Franzoſen, ob er als Soldat ihnen rathen koͤnne, dieſen Wolken von Bo⸗ genſchuͤtzen eine Hand voll ſchlecht geubter Hochlaͤnder gegen⸗ Aber zu ſtellen, oder mit ihren elenden Kleppern die herrliche gengliſche Kavalerie anzugreifen. Der Admiral von Vienne konnte nur zugeben, daß der Kampf zu ungleich waͤre.„Aber nun, da Ihr Euch nicht ſchlagen wollt,“ ſagte er,„was haltet Ihr fuͤr das Beſte? Wenn Ihr Euch dieſer großen Macht nicht widerſetzt, ſo wer⸗ den die Englaͤnder Ener Land verwuͤſten.“ „Laßt ſie immerhin das Schlimmſte vollbringen,“ ant⸗ wortete Douglas laͤchelnd,„ſie werden nicht viel zum verwuͤ⸗ ſten ünden. Unſere Einwohner haben ſich alle in Waͤlder, Moraͤſte und auf Berge zuruͤckgezogen, und das Vieh, was ihr eigenes Eigenthum iſt, mitgenommen. Die Englaͤnder werden weder etwas zum Mitnehmen, noch Nahrung finden. Die Haͤuſer der Edelleute Und kieine Burgen mit dicken Mau⸗ ern, die kein Feuer zerſtoͤren kann; die gemeinen Leute woh⸗ nen nur in Huͤtten, und wenn die Englaͤnder allenfalls dieſe abbrennen, ſo reichen wenige Baumſtaͤmme hin, um ſie wie⸗ der aufzubauen?“ „Aber was wollt Ihr mit Eurer Armee anfangen, wenn Ihr ſie nicht beſchaͤftigt?“ fragte der Franzoſe;„und wie— wird Euer Volk Elend, Hungersnoth und Pluͤnderung welche Folgen des Einfalls der Englaͤnder ſeyn werden, ertragen koͤnnen?“ 83 „Ihr ſollt ſehen, daß unſere Armee nicht brach liegen wird,“ verſetzte Douglas,„und was das gemeine Volk des trifft, ſo iſt mir nicht bange, daß es Pluͤnderung, Hungers⸗ noth und alle andern Uebel, welche der Krieg nach ſich zieht, ausdauern wird, aber wir alle wollen keinen engliſchen Herrn dulden.“ Der Erfolg lehrte, daß Douglas wahr geſaat habe. Die große engliſche Armee uͤberſchritt die öſtlichen Greuzen Schott⸗ lands und kam wegen Mangel an Lebensmittel in große Ver⸗ legenheit; ſie vermuſtete Doͤrfer und alles Eigenthum der Schotten, aber ſie fand wenig zu verwuͤſten. Die ſchotti⸗ ſchen Edelleute dagegen fielen, kaum nachdem ſie erfahren, daß die Englaͤnder in Schottland herumziehen, mit einer zahlrei⸗ chen Armee, die hauptſaͤchlich aus leichter Kavallerie, gleich der im Jahr 1327 von Donglas und Randolph angefuͤhrten beſtand, in den weſtlichen Grafſchaften Englands ein, mach⸗ ten daſelbſt auf einem oder zwei Maͤrſchen mehr Beute und ſtifteten mehr Unheil, als die Englaͤnder in Schottland, ſelbſt wenn ſie in der ganzen Gegend von der Grenze bis nach Aber⸗ deen alles verbrannt haͤtten. 7 Die Englaͤnder wurden ſchnell zur Vertheidigung ihres eigenen Landes zuruͤckberufen, und erlitten, obgleich keine Schlacht geliefert wurde, durch die ſchlechten Wege, durch Mangel an Futter und Lebensmittel und ahnliche Urſachen einen empfindlichen Verluſt an Leuten und Pferden; waͤhrend die Schatten in einem weit reicheren Lande, als dem ihrigen, gute Nahrung fanden und ſich reichlich mit Beute beladen hatten. Dieſe weiſe Vertheidigungsart wurde von Bruce ſei⸗ nen Nachkommen als die einzige zur Vertheidigung ihrer Greazen anwendbare empfohlen, 6„ 84 Die franzoͤſiſchen Huͤlfstruppen waren mit ihrer Aufnah⸗ me, die ſie bei den Schotten fanden, ſehr unzufrieden. Sie beklagten ſich daruͤber, daß das Volk, dem ſie zu Huͤlfe ge⸗ kommen ſeyen, ihnen weder kreundlich begegne, noch Gefaͤl⸗ ligkeiten erzeige, und daß es ihnen ſogar Lebensmittel, Fou⸗ rage und andere Beitraͤge verſage. Die Schotten ihrer Seits behaupteten, daß ihnen ihre Verbuͤndeten einen bedeutenden Aufwand verurſachen, ohne ſie im Geringſten etwas zu nuͤtzen, daß der Bedarf fuͤr die Alliirten groß ſey und in einem ſo armen Lande wie Schottland, nicht aufgetrieben werden koͤn⸗ ne, endlich, daß ſie die Einwohner plagen und pluͤndern, wo ſie nur koͤnnen. Die Schotten wollten den Franzoſen auch nicht erlauben, Schottland eher zu verlaſſen, bis ſie dafuͤr Sicherheit geleiſtet haben wuͤrden, daß ſie den Koſtenaufwand ihres eigenen Unterhalts bezahlen wollen. Die franzoͤſiſchen Ritter, welche gehofft hatten ſich Ruhm und Reichthum zu erwerben, zogen ſehr uͤbelgelaunt ab, weil das Koͤnigreich Schottland von einem ſo wilden und ungebildeten Volke be⸗ wohnt, das Land ſelbſt aber ſo ſehr gebirgig und arm ſey, daß die kleinen Stuͤcke des angebauten Landes mit den aus⸗ gedehnten Wuͤſten durchaus in keinem Verhaͤltniſſe ſtehen, 8 auch ſagten die Franzoſen, man finde dort mehr wilde Thiere als zahme. Die Schotten vermieden nicht aus Mangel an Muth, ſondern aus Klugheit große Schlachten mit den Englaͤndern. b In klefnere Gekechte ließen ſie ſich lieber ein; da zeichneten 1 ſich beide Parteien durch die aͤuſſerſte Tapferkeit aus, bis, wie ein alter Geſchichtſchreiber ſich ausdruͤckt, Schwert und Lanze brachen; dann erſt trennten ſie ſich und ſagten zu ein: ander:„Gehabt Euch wohl; Dank fuͤr den Spaß, den Ihr — 85 uns gewaͤhrt.“ Ein ſehr merkwuͤrdiges Beiſpiel eines ſolih verzweifelten Gefechtes kam im Jahre 1388 vor. Die ſchottiſchen Adeligen hatten, um einen bebeutenden Einfall in England zu bewerkſtelligen, eine beträͤchtliche Ar⸗ mee verſammelt; da ſie aber erfuhren, daß die Bewohner Northumberlands ein Cerys an der öſtlichen Grenze zuſam⸗ menziehen, ſo beſchraͤnkten ſie ihren Angriff auf das, was der Graf Douglas beſchließen wuͤrde, und gaben ihm zu ſei⸗ nem Vorhaben 4 bis 5000 auserleſener Truppen. Mit dieſen drang er in die gebirgigen Grenzprovinzen Englands, woſelbſt man am allerwenigſten auf einen Ueberfall gefaßt war; dann ruͤckte er gegen Neweaſtle vor, uͤberfiel rings herum das lache und reiche Land, pluͤnderte, ſengte und brannte und berei⸗ cherte ſeine Armee mit Beute. Percy, Graf von Northumberland, ein engliſcher maͤchtl⸗ ger Edelmann, der mit Douglas ſchon manchen Kampf beſtan⸗ den, entſendete ſeine zwei Soͤhne, Sir Heinrich und Sir Rudolph Percy, um die Fortſchritte jenes Ueberfalls zu hem⸗ men. Beide waren ſtattliche Ritter, aber der erſte, ſeiner Heftigkeit wegen Hitzkopf genannt, durfte eben ſo ſehr un⸗ ter die ausgezeichnetſten Krieger Englands, als wie Doulas unter die Schottlands gezaͤhlt werden. Die beiden Bruͤder zogen in aller Eile nach Neweaſtle, um dieſe wichtige Stadt zu vertheidigen. Da Douglas auf eine ganz kecke Weiſe ſeine Leute vor den Mauern dieſer Stadt aufſtellte, ſo gab es zwiſchen ihnen und den Schotten ein Scharmuͤtzel, wodei Douglas und Heinrich Perey handgemein wurden. Waͤhrend dieſes Kampfes gelangte Douglas in den Beſitz von des Hitz⸗ kopfs Speer; an deſſen einem Ende hing eine kleine ſeidene, mit Perlen geſtickte Verzierung, die einen Loͤwen darſtellte— das Helmzeichen der Percy. Douglas ſchwang dieſes Steges⸗ 8⁶ zeichen hoch und erklaͤrte, er wolle es mit nach Schottland nehmen und auf ſeinem Schloſſe Dalkeith aufpflanzen. „Das ſoll Dir nie gelingen,“ ſagte Percy.„Ich werde meine Lanze eher wieder haben, als Du nach Schottland zu⸗ ruͤckkehren kannſt.“ „Nun denn,“ erwiederte Douglas,„komme und hole ſie, vor meinem Zelte ſollſt Du ſie finden.“ Die ſchottiſche Armee trat, nachdem ſie den Zweck ihres Vorhabens erreicht hatte, ihren Ruͤckzug durch das Thalge⸗ viet des Baches Reed an; dieſer floß gegen die ſchottiſche Grenze und gewaͤhrte fuͤr den Truppenmarſch einen ertragli⸗ chen Weg. Am 19. Auguſt 1338 lagerten ſie bei Otterburn, ungefaͤhr zwanzig Meilen von der Grenze. Mitten in der Nacht brach im ſchottiſchen Lager der Laͤrm aus, daß das engliſche Heer im Anmarſch ſey; beim Mondlicht konnte man waͤhrend des Vorruͤckens den Sir Heinrich Percy an der Spitze eines Heeres erkennen, das an Zahl dem des Douglas gleich zu kommen, oder ſogar noch ſtaͤrker zu ſeyn ſchien. Percy hatte den Reed Bach ſchon uͤber⸗ ſchritten, und ruͤckte gegen die linke Flanke der ſchottiſchen Armee vor. Douglas wollte in der Stellung die er genom⸗ men hatte, keinen Angriff abwarten, und veraͤnderte ſie deß⸗ halb ſchnell, ſo daß er den anruͤckenden Englaͤndern alſobald die Fronte entgegenſtellte; bei dieſem Mandoͤver entwickelte er ſo viel militaͤriſche Talente und Geſchicklichkeit, daß es kaum glaublich iſt, wie er mit ſeinen undisciplinirten Trup⸗ pen in der kurzen Zeit eine ſolche Frontveraͤnderung machen kFonnte. Hitzkopf marſchierte inzwiſchen mit ſeinen Schwadro⸗ nen durch das verlaſſene Lager, woſelbſt ſich nur noch einige Bedienten und Marodeurs der ſchottiſchen Armee befanden. 87 Die Unterbrechungen, welche damals bei dem Aufmarſch einer Armee ſtatt fanden, brachten die Englaͤnder in Unordnung; beym Aufgang des Mondes ſahen ſie, daß die Schotten, wel⸗ che unterdeſſen einen Scheinruckzug gemacht hatten, ganz ge⸗ ordnet in Schlachtordnuns aufgeſtellt und ſchlagfertig waren. Die Schlacht begann von beiden Seiten mit groͤßter ditze; denn Percy und Douglas waren die zwei ausgezeichnerſten Soldaten ihrer Zeit, und jede der beiden Armeen ſetzte gro⸗ ßes Vertrauen in den Muth und die Talente ihres Feld⸗ herrn, deren beider Namen ruͤhmlichſt bekannt waren. Die Schotten, an Zahl minder ſtark, fingen an zu weichen; dar⸗ auf ruͤckte Donglas ihr Fuͤhrer, mit ſeiner Fahne vor; ſeine beſten Leute folgten ihm alſogleich. Er ſelbſt rief ſein ge⸗ wohnliches Feldzeſchrei aus:„Douglas!“ ſtuͤrzte dann voran und bahnte ſich mit ſeiner Streitart mitten durch die Feinde einen Weg. Endlich fiel er, nachdem er drei toͤdtliche Wun⸗ den erhalten hatte. Ware ſein Tod bekannt geworden, ſo wuͤrde ohne Zweifel die Schlacht zum Nacktheile der Schotten ausgetallen ſeyn; aber die Englaͤnder erfuhren nur, daß eini⸗ ge brave Soldaten geſallen ſeyen. Inzwiſchen drangen die uͤbrigen ſchortiſchen Edelleute ebenfalls vorwaͤrts, und ſahen ihren Feldherrn mitten unter ſeinen treuen Rittern und Pa⸗ gen erſchlagen daliegen. Ein beherzter Prieſter, ein gewiſſer Wülhelm von North Berwyk, der Caplan des Douglas, be⸗ ſchutzte den Leichnam ſeines Herrn mit einer langen Lanze. „Wie ſteht es lieber Vetter?“ fragte Singlair, der erſte ſchottiſche Ritter, welcher zum Feldherrn hinkam, als er noch verwundet dalag. La „ Leidlich,“ antwortete Douglas,„aber Dank ſey Gott, „meine Ahnen ſtarben auf dem Schlachtfelde, nicht in Lieger⸗ „kRaͤtten; ich ſterbe eben ſo, aber laßt ſie nur noch mein Feld⸗ 5 338 „geſchrei rufen und verheimlicht meinen Tod vor meinen Leu⸗ „ten. Es iſt eine alte Sage in unſerer Familie, daß ſelbſt „ein todter Douglas eine Schlacht gewinnen koͤnne, und ich „denke, dieß werde heute der Fall ſeyn.“ 2 5 Die Edelleute befolgten ſeinen letzten Willen; ſie verbar⸗ gen des Grafen Leichnam und begaben ſich aufs neue mitten unter die Feinde, wobei ſie ihr Feldgeſchrei:„Douglas! Donglas!“ lauter als zuvor ausriefen.— Die Englaͤnder wurden durch den Verluſt der beiden Bruͤder, Heinrich und Rudolph Percy, ſehr entmuthigt, beide wurden nur nach tapferer Gegenwehr gefangen genommen, und beinahe alle Maͤnner von Bedeutung der engliſchen Ar⸗ mee hatten entweder das nemliche Schickſal, oder blieben auf dem Platze. Aus dieſer Veranlalſung ſollen ſchottiſche Dichter von dem Namen Douglas Folgendes geſagt haben: Das ſürchterliche Feldgeſchrei bezwang des Feindes Heeresmacht, Nach Douglas Tod gewann allein ſein Name ſchon die ganze Schlacht. Sir Heinrich Percy wurde der Gefangene des Sir Hugo Montgomery; dieſer noͤthigte jenen ihm ſtatt eines Loͤſegeldes ein Schloß in Penorn im Bezirke Ayrfhire zu bauen. Die Schlacht von Otterburn fiel fuͤr die Feldherrn beider Heere ungluͤcklich aus, da die beiden Percy gefangen wurden, und Douglas auf dem Platze blieb. Dieſe Begebenheit gab zu vie⸗ len Gedichten und Geſaͤngen Stoff, und der große Geſchicht⸗ ſchreiber Froiſſart ſagt, daß, mit Ausnahme einiger, dieſe Schlacht die ſchoͤnſte jener kriegeriſchen Zeit geweſen ſey. Riobert II. ſtarb den 19. April 1590. Seine Regierung kam an Ruhm der ſeines mutterlichen Großvaters, Robert Bruce, nicht gleich; doch war er immer gluͤcklicher als Da⸗ vid lI. Die Anſpruͤche Valiol's auf die Krone Schottlands 89 wurden nicht erneuert, und oßgleich die Englaͤnder noch mehr als einen Einfall in Schottland machten, ſo waren ſie doch nie lange im Beſitze dieſes Landes. 1 Achtes Kapitel. Thronbeſteigung Roberts III.— Uinordentlicher Zuſtand der Hochlande.— Kämpfe zwiſchen dem Clan Chattau und dem Elan Kay bei North Inch von Perth.— Schilderung und Tod des Herzogs von Rothſay des rechtmäßigen Erben.— Gefangennehmung des Prinzen Jacob durch die Engländer und Tod Robert's III. Der aͤlteſte Sohn Robert's II. hieß urſpruͤnglich Johann; aber man machte allgemein die Bemerkung, daß die Könige von Frankreich und England, welche den Namen Jehann fuͤhr⸗ ten, ungluͤcklich geweſen ſind, zugleich hatte das ſchottiſche Volk eine große Vorliebe fuͤr den Namen Robert, meil der große Bruce ſo hieß; deßhalb aͤnderte Johann Stewart bei ſeiner Thronbeſteigung ſeinen Namen und nannte ſich Ro⸗ bert HIL. Wir werden uͤbrigens ſehen, daß dieſer arme Koͤnig eben ſo ungluͤcklich wurde, als wenn er ſeinen Namen Jo⸗ hann beibehalten haͤtte. Aiss Die Storungen in den Hochlanden machten eine der Plagen ſeiner Regierung aus. Dn wirſt Dich erinnern„ daß dieſe ausgedehnte Gevirgskette durch Leute bewohnt wurde, die ſich in Sprache und Sitten von den Bewohnern des fla⸗ chen Landes unterſchieden und ſich in Staͤmme oder Clans theilten. Die Englaͤnder nannten ſte die wilden Schot⸗ ten und die Franzoſen die ſchottiſchen Barbaren; ſie ſcheinen auch in der That ſehr wild und roh geweſen zu ſeyn. 90 Der Verluſt, welchen das flache Land durch die engliſchen Kriege erlitten, hatte die zunachſt der Hochlande liegenden Grafſchaſten ſo ſehr geſchwaͤcht, daß ſie unfahig wurden, den Einfaͤllen der Gebirgsbewohner zu ſteuern; deßhalb ſtiegen letztere von ihren Gebirgen herab, wenn es ihnen einfiel, machten Beute, ſengten und bran ten wie in Feindesland. Im Jahre 1392 kam eine vedeutende Maſſe jener Hoch⸗ laͤnder von den Grampiangebirgen herab. Die Anfuͤhrer der⸗ ſelben wurden Clan⸗Donnochy oder Sohne des Duncan ge⸗ nannt, dem neuern Namen Robertſon entſprechend. Ein Theil der Ogilvier und Lindſayer marſchirte unter Sir Wal⸗ ter Ogilvy, Scherif von Angus, in aller Eile gegen ſie und griff ſie mit ihren Lanzen an. Obgleich dieſe letzteren vor⸗ theilhaft beritten, und vollkommen mit Waffenruͤſtungen ver⸗ ſehen waren, ſo vertheidigten ſich doch die Hochlaͤnder mit ſolchem Muthe, daß ſie den Scherif und ſechzig ſeiner Leute toͤdteten und die Bewohner des flachen Landes zuruͤcktrieben. Als Beweis ihrer Rohheit moͤge dienen, daß Sir David Lindſay im erſten Gefecht einem Hochlander ſeine Lanze durch den Leib ſtieß, und ihn gleichſam auf den Boden nagelte. In dieſem Zuſtande kruͤmmte ſich der Hochländer an dem Spere aufwaͤrts und wendete ſeine letzten Kraͤfte an, um dem be⸗ waffneten Ritter mit ſeinem Schwert, das er mit beiden Haͤnden fuͤhrte, einen Hieb beizubringen. Dieſer mit dem Kraftaufwand eines ſterbenden Mannes gefuͤhrte Hieb zer⸗ ſchmetterte Lindſay's Steigbuͤgel und ſeine Fußbekleidung von Stahl, und wenn gleich ſein Bein nicht abgehauen war, ſo wurde er doch ſo ſchwer verwundet, daß er das Schlachtfeld verlaſſen mußte. Zum großen Gluͤck fuͤr die Bewohner des flachen Landes waren die Hochlaͤnder eben ſo ſehr geneigt, auſſer ihren Nach⸗ 91ʃ barn auch Andere zu bekampfen. Es kam ſo weit, daß zwei Clans oder zwei verſchiedene Familien einander todtfeind wur⸗ den, und die ganze Nachbarſchaft mit Feindſeligkeiten uͤberzo⸗ gen. Da die Fehden nicht anders geſchlichtet werden konn⸗ ten, ſo wurde ein Kampf anneordnet, der den Mihhelligkei⸗ ten ein Ende machen ſollte. Es mußten nemlich dreißig Mit⸗ glieder des Clan Chattau gegen die nemliche Anzahl des Clan Kay ſechten; zum Schlachtfelde wurde bei North Inch von Perth eine ſchoͤne und ebene, theilweiſe von dem Bache Tay begraͤnzte Wieſe gewaͤhlt. Der Koͤnig und ſeine Edelleute mußten bei dieſem Geſechte zagegen ſeyn. Der Anordnung dieſes Gefechtes lag eine grauſame Schlauheit zu Grunde: denn man ſetzre voraus, daß die beſten und tuͤchtigſten Maͤn⸗ ner eines jeden Clans unter die Zahl der dreißig aufgenom⸗ men ſeyn wollen, um fuͤr ihre Ehre zu kaͤmpfen; nicht weni⸗ ger vermuthete man, daß das Gefecht ſehr blutig und ver⸗ zweifelt ausfallen werde. Auf dieſe Art hoffte man wenig⸗ ſtens den guͤnſtigen Erfolg, daß beide Clans, nachdem ſie die beſten und tapferſten Maͤnner verloren haben werden, küͤnftig leichter im Zaum gehalten wuͤrden. Dieſes war wahr⸗ ſcheinlich die Abſicht des Konigs und ſeiner Rathgeber, wel⸗ che dieſen verzweifelten Kampf, der ganz dem Geiſte der da⸗ maligen Zeit entſpricht, angeordnet haben. Die beiden Abtheilungen zogen jede fuͤr ſich auf den Platz; mit Schwert und Schild, Art und Dolch bewaffnet ſtanden ſie einander gegenuͤber; da bemerkte der Befehlshaber des Clan Chattau, gerade als das Zeichen zum Beginnen des Kampfes gegeben wurde, daß einer ſeiner Leute aus Angſt die Reihen verlaſſen habe. Es war nun keine Zeit den Feh⸗ lenden durch einen Andern deſſelben Clans zu erſetzen, deßhalb ſah ſich der Anfuͤhrer genoͤthigt dem naͤchſten beſten —. 92 welcher ſtatt des Entflohenen mitfechten wolle, eine Beloh⸗ nung anzubieten. Vielleicht meinſt Du, es ſey ſchwer gewe⸗ ſen, einen Mann zu bekommen, welcher fuͤr eine geringere Belohnung ſich den Geſahren eines Gefechts underziehen woll⸗ te, das hoͤchſt wahrſcheinlich hartnaͤkig und geſaͤhrlich ausfal⸗ len wuͤrde; aber in dieſer triegeriſchen Zeit ſchaͤtzten die Leute ihr Leben nicht hoch. Ein gewiſſer Heinrich Wynd, Buͤrger von Perth und Sattler ſeiner Profeſſion⸗ bot ſich fuͤr eine halbe franzsſiſche Krone an, in die Reihen des Clan Chattau einzutreten: er hatte krumme Beine, aber er war auſſeror⸗ dentlich ſtark und flink, und wußte ſein Schwert wohl zu fuͤhren. Nun wurde das Zeichen zum Angriff mittelſt Trompeten und Froßer hochlaͤndiſcher Kriegepfeifen gegeben, worauf die beiden Partheien mit ungeheurer Wuth aufeinander loszogen; ihre angeborne Wildheit wurde durch den Haß, den ſie gegen den feindlichen Clan hegten, durch ihren Ehrgeiz und durch das Bewußtſeyn, daß ſie in Gegenwart des Koͤnigs und der Adelichen von Schottland kaͤmpfen, noch geſteigert. Da ſie mit ſehr großen Schwertern und Aerten auf einander loshie⸗ ben, ſo waren die Wunden, die ſie ſich beibrachten, graͤßlich. Kopfe wurden geſpalten und Glieder vom Leibe weggehauen, ſo daß dieſe Wieſe bald mit Blut uͤberſchwemmt und mit Verwundeten und Leichnamen bedeckt war. 152 Mitten waͤhrend dieſer toͤdtlichen Schlacht bemerkte der Anfuͤhrer des Claus Ehattau, daß Heinrich Wynd, nachdem er einen des Clans Kay erlegt hatte, bei Seite ging und nicht fortkaͤmpfen zu wollen ſchien; da ſagte er:„Was iſt „das? Biſt Du ſchon abgeſchreckt?“„Das bin ich nicht,“ antwortete Heinrich,„aber ich habe fuͤr eine halbe Krone „genug gethan.“ 9³ „Vorwaͤrts und kaͤmpfe!“ rief der hochlaͤndiſche Anfuͤh⸗ rer,„du haft dein Tagewerk gut vollbracht; ich werde dich „in deinem Lohne nicht verkuͤrzen.“ Auf dieſe Art ermuthigt ſruͤrzte ſich Heinrich Wynd aufs Neue auf ſeine Gegner los und trig, da er ein ausgezeich⸗ neter Soldat war, viel zum Siege bei, welcher endlich dem Clan Chattau zu Theil wurde. Von der ſiegenden Partei, worunter auch Heinrich Wynd,(den die Hochlaͤnder den Krummbeinigen nannten) blieben nur eilf am Leben, aber ſie waren alle vewundet. Vom Clan Kay blieb nur Ei⸗ ner, jedoch unverletzt, uͤbrig. Dieſer Einzelne wagte nicht mit ſeinen eilf Gegnern fortzukaͤmpfen, obgleich alle mehr oder weniger verwundet waren, ſondern ſtuͤrzte ſich in den Tayfluß, ſchwamm an das andere Ufer und ging forn, um den Hochlaͤndern die Nachricht von der Niederlage ſeines Clans mitzutheilen; er ſey aber von ſeinen Verwandten ſo uͤbel aufgenommen worden, daß er ſich ſelbſt umgebracht ha⸗ ben ſoll. Einiges von dieſer Geſchichte iſt nur Sage, aber die Hauptſache iſt wahr. Heinrich Wynd war von Natur, aus mit den beſten Faͤhigkeiten ausgeſtattet; aber dennoch ſagt man ihm nach, daß er nach beendigtem Gefechte nicht im Stande geweſen ſey den Clan zu nennen, fuͤr welchen er ſich geſchlagen habe, und daß er, nachdem er gefragt worden, auf welcher Seite er geweſen ſey, geantwortet haben ſoll, daß er auf eigene Rechnung mitgefochten habe. Daher kommt auch das Sprichwore:„Jeder Mann auf eigene Rechnung wie Heinrich Wynd.“ 3 Inzwiſchen waren in der Familie Roberts III. Uneinig⸗ keiten entſtanden, auf die wir oben anſpielten. Der Koͤnig wurde ſchon in fruher Jugend durch den Schlag eines Pfer⸗ 91 des gelaͤhmt, weßhalb er auch nicht ins Feld ziehen konnte. Von Natur war er friedliebend, religioͤs und gerecht, alein nicht feſt: er ließ ſich leicht durch ſeine Umgebung leiten, be⸗ ſonders aber durch ſeinen Bruder, den Herzog von Albany, einen unternehmenden, Srauſamen, ehrgeizigen und verſchla⸗ genen Mann. Dieſer letztgenannte Furſt, der naͤchſte Thron⸗ erbe, falls des Koͤnigs Kinder aus dem Wege geraumt uͤr⸗ den, trachtete unaufhorlich den Herzog von Rothſay, den aͤl⸗ teſten Sohn Robert III. mit ſeinem Vater zu entzweien. Roth⸗ ſay war jung, luſtig und unordentlich, ſein Vater alt und ſtreng in ſeinen Grundſaͤtzen; deßhalb fiel es nicht ſchwer, Zaͤnkereien zwiſchen ihnen herbeizufuͤhren, wobei Albany die Auffuͤhrung des Sohnes immer im ſchlechteſten Lichte dar⸗ ſtellte. Der Koͤnig und die Koͤnigin ſchienen der Meinung gewe⸗ ſen zu ſeyn, daß die Verheirathung des Prinzen ſeinem muͤſſi⸗ gen und zuͤgelloſen Leben ein Ende machen wuͤrde; aber Al⸗ bann, den ſie um Rath fragten, leitete die königliche amilie bei dieſem wichtigen Schritt auf eine ſchaͤndliche Weiſe. Er trug darauf an, das der Prinz die Tochter desjenigen ſchotti⸗ ſchen Edelmanns heirathen ſolle, welcher ſich zu der groͤßten Summe fuͤr die ehrenvolle Verbindung mit der koͤniglichen Familie verſtehen wuͤrde. Der maͤchtige Graf Georg von March war der, welcher am meiſten dafuͤr bot; allein obgleich der Prinz durch einen abgeſchloſſenen Vertrag mit der Toch⸗ ter dieſes Edelmannes verſprochen war, ſo hintertrieb Albanv die Heirath, als der Graf von Douglas eine noch weit groͤſ⸗ ſere Summe anbot; dieſer hatte des Koͤnigs Schweſter zur Frau und wuͤnſchte nun, daß ſeine Tochter den Thronerben heirathen ſollte. Sie wurden guch getrant, jedoch in einer ungluͤcklichen Stunde. 93 Der Prinz ſetzte ſeinen unordentlichen Lebenswandel fort, Albany ſeiner Seits hoͤrte nicht auf, jenen bei dem Koͤnig zu verſchmaͤhen, und endlich wurde Douglas ein abgeſagter Feind ſeines koͤniglichen Schmiegerſohns. Die Geſchichte dieſer Regierung iſt ſehr unvollkommen, man weiß nicht genau, was fur Angriffe auf den Herzog von Rothſay gemacht wurden, oder in wie fern ſie wahr oder falſch ſind; allein ſo viel ſcheint gewiß zu ſeyn, daß er von Seite ſeines Vaters ganz der Gewalt ſeines Onkels und ſeines Schwiegervaters des Grafen von March uberlaſſen wurde, welche beide grauſam gegen ihn verfuhren. Ein gewiſſer Ramorany, ein elender Wicht, nud Sir Wilbelm Lindſay wurden bevollmaͤchtigt, den rechtmaͤßigen Thronerben von Schottland verhaften und einſperren zu duͤr⸗ fen. Mit dieſer Vollmacht verſehen ergriffen ſie ihn in der Provinz Fife, woſelbſt er ohne allen Argwohn reiste, ſetzten ihn auf ein ganz gewoͤhnliches Fuhrmannspferd, und ſchlepp⸗ ten ihn in das ſeſte Schloß Falkland, welches dem Albany ge⸗ hoͤrte. Es hatte damals ſehr ſtark geregnet, aber dem armen Prinzen wurde kein anderer Schutz, als ein ſchlechter Bauern⸗ mantel zu Theil. Nach der Ankunft in jener duſſtern Feſte warfen ſie ihn in ein Geſaͤngniß und lieſſen ihm keine Nah⸗ rung zukommen. Da ſoll eine Frau durch des Prinzen Weh⸗ klagen geruͤhrt worden und es ihr gelungen ſeyn, ihm von Zeit zu Zeit duͤnne Gerſtenkuchen zu bringen, die ſie in ihrem Schleier verbarg und durch das eiſene Gitter ſeines Gefaͤng⸗ niſſes hinabließ; eine andere Frau ſoll ihn eine Zeit lang an ihrer eigenen Bruſt ernaͤhrt haben. Beide wurden entdeckt, worauf auch nicht einmal dieſe karge Unerſtuͤzung dem Prin⸗ zen mehr zu Theil wurde; der Ungluͤckliche verhungerte im 96 Maͤrz 1402, welches wohl die fuͤrchterlichſte und iandhmnte aller Todesarten ſeyn mag. Es iſt durhaus kein Beweis vorhanden, daß der alte, ſchwache und ſeines Verſtandes nicht mehr maͤchtige Koͤnig den an ſeinem Sohne begangenen Betrug befuͤrchtet habe; aber die Rache des Himmels ſchien das Land zu treffen, in wel⸗ chem ein ſolches Verbrechen begangen wurde. Der Graf von March, uͤber den Bruch des zwiſchen ſeiner Tochter und dem Prinzen abgeſchloſſenen Vertrags aufgebracht, verließ die Sa⸗ che der Schotten und ſchlug ſich auf die Seite der Englaͤnder, Er floh nach Northumberland und uberſiel von dort aus die die ſchottiſche Grenze zu wiederholten Malen. Der Graf von Douglas ſtellte ſich ſodann an die Spitze von 10,000 Mann, machte in England einen Einfall und be⸗ reicherte ſich mit Beute; aber auf ſeiner Ruͤckkehr lauerte ihm der beruͤchtigte Hitzkopf auf, der unterdeſſen mit Georg von March und Andern eine zahlreiche Armee verſam⸗ melt hatte. Douglas nahm auf einer Anhoͤhe, Homildon ge⸗ nannt, Stellung, machte aber dabei den nemlichen Fehler, den die Schotten ſchon oft begangen hatten; er ſetzte ſeine Reihen den engliſchen Pfeilen aus, ohne dieſe Salven erwie⸗ dern zu koͤnnen. Waͤhrend ſie auf dieſe Art einen furchtbar ungleichen Kampf beſtanden, rief ein kuͤhner ſchottiſcher Rit⸗ ter, Sir Johann Swinton, mit lauter Stimme:„Warum bleiven wir hier auf dieſem Berge ſtehen, um wie die Hir⸗ ſche mit Pfeilen erlegt zu werden, waͤhrend wir doch hinab⸗ gehen, auf die Englander losſtuͤrzen und Mann gegen Mann ſtreiten koͤnnten?“ In dem Heere befand ſich ein junger Lord Gordon der den obengenannten Sir Johann Swinton gren⸗ zenslos haßte, weil er in einem Privatzwiſt Gordon's Vater erſchla⸗ —,— 4 97 erſchlagen hatte; als Gordon aber jenen Aufruf vernahm und hoͤrte, daß Swinton in dieſer traurigen Lage die Andern zur Tapferkeit ermahne, verlangte er ſelbſt unter ihm kaͤm⸗ pfen zu duͤrfen;„denn,“ ſagte er,„es kann mir von keinem „„geſchickteren Feldherrn oder tapferern Manne dieſe Chre zu „Theil werden.“ Sointon gewaͤhrte dieſe Bitte und beide marſchirten hierauf, von den Ihrigen begleitet, den Hugel hinab, und richteten unter den Englaͤndern kein kleines Blut⸗ bad an; allein da die andern Anfuhrer ſie nicht gehorig un⸗ terſtutzten, ſo wurden ſie bald uberwältigt und zum Theil in Stucke gehauen. Die Schotten verloren ſomit die Schlacht, nachdem ſee eine voͤllige Niederlage erlitten; Douglas wurde verwundet, verlor ein Auge, und ſiel in die Haͤnde der Eng⸗ laͤnder. Auf dieſe Schlacht folgte eine Reihe von Begebenheiten, „welche eher eigentlich die engliſche, als die ſchottiſche Geſchich⸗ te betreffen, die du aber des Zuſammenhanges wegen wiſſen mußt. Der Graf von Northumberland, Vater des Hitzkopfs, hatte gegen Heinrich IV., damals Koͤnig von England, eine Verſchwoͤrung angezettelt. Die Englander ſetzten Douglas, um ihre Streitkraͤfte zu vermehren, in Freiheit, unter der Bedingung, daß er ihnen in dem bevorſtehenden Buͤrgerkrieg Hulfe leiſten ſolle. Dieſem zu Folge kam Douglas mit einem Corps ſeiner Landsleute und pereinigte ſich mit Heinrich Percy, dem Hitzkopfe. Sie marſchirten mit einander nach England und lieferten unfern Shrewsbury den koͤniglichen Truppen eine merkwuͤrdige Schlacht. Da Heinrich IV. per⸗ ſoͤnlich die Seinigen commandirte, ſo trachtete Douglas ihn aufzufinden und dem Kriege dadurch ein Ende zu machen, daß er ihn entweder toͤdten oder gefangen nehmen muͤrde. , Scott Werte. XCVI. 7 98 Der Koͤnig hatte uͤbrigens manche andere Waffengefaͤhrten um ſich, die gerade ſo bewaffnet und keritten waren wie er. Indeſſen hieb Douglas nicht weniger als drei zuſammen, wybei er lant ſeine Verwunderung ausdruͤckte, als er einen nach dem a inder n jeder dem andern gleichſehend erſcheinen ſah; endlich ſtieß er auf den Koͤnig ſelbſt und rief laut aus:„wo⸗ her zum Tenfel kommen denn alle dieſe Koͤnige?“ Er griff Heinrich eben ſo ungeſtuͤm an, wie diejenigen, die dem Kö⸗ niz gleich ſahen; vor allem riß er einem tapſern Ritter, dem Sir Thomas Blunt, das koͤnigliche Panier aus der Hand, er⸗ ſchlug ihn und ſtürzte dann auf den König los; aber ſogleich kamen mehrere tapfere Ritter, beſonders der Prinz von Wa⸗ les, dem Koͤnig zu Huͤlfe, und noch ehe Donglas Heinrich erreichen konnte, wurde Hitzkopf von einem Pfeilſchuß niedergeſtreckt, worauf ſeine Partei die Flucht ergriff. Doug⸗ las mußte endlich auch fliehen, aber als er den Berg hinab⸗ ritt, ſtuͤrzte ſein Pferd und er wurde aufs Neue verwundet und gefangen genommen. Ich kehre zu dem armen Koͤnig Robert zuruͤck, welcher von Alter, Schwachheit und Familienungluͤck nun ganz er⸗ ſchoͤpft war. Er hatte noch einen eilf Jahre alten Sohn, der Jacob hieß, wollte ihn aber dem Herzog von Albany nicht anvertrauen, da dieſer ehrgeizige Fuͤrſt nach dem Tode des jungen Prinzen Thronerbe geworden waͤre; deßhalb ſchickte er das Kind nach Frankreich unter dem Vorwand, ihm dort eine beſſere Erziehung geben zu laſſen, als ihm in Schott⸗ land zu Theil werden koͤnne. Ein engliſches Schiff nahm aber dasjenige, auf welchem der junge Prinz nach Frankreich ſe⸗ geln ſollte, weg und brachte Jacob nach London. Nachdem Heinrich hoͤrte, daß der Thronerbe von Schoztland in ſeiner Macht ſey, beſchloß er ihn gefangen zu halten, Dieſes war 99 ſehr ungerecht, denn die beiden Laͤnder, England und Scoott⸗ land hatten damals Friede mit einander geſchloſſen. Ser Koͤnig ſchicte ihn alſo ins Gefaͤngniß und ſagte,„er Prinz ſolle an ſeinem Hofe eine eben ſo gure Erziehung erhalten, als an dem von Frankreich, denn er verſtehe gut franzöſiſch.“ Dieß war unn eine ſpaßhafte Aenſſerung, aber Heinrich hielt in dieſer Beziehung ſein Wort, und obgleich der ſchotti che Prinz ungerechter Weiſe zuruͤckbehalten wurde, ſo erhielt er doch auf Koſten des engliſchen Monarchen eine vortreffliche Erziehung. Dieſes neue Mißgeſchick, wodurch des armen, alten Koͤ⸗ nigs Sohn in die Haͤnde der Englaͤnder gerieth, ſcheint Ro⸗ bert III. das Herz gebrochen zu haben, denn er ſtarb ungefaͤhr ein Jahr nachher. Neuntes Kapitel. — Regieruug Robert's, Herzogs von Albany.— Schlacht bei Harlaw.— Re⸗ gierung Murdac's Herzogs von Albany.— Unternehmungen der Schotten in Frankreich.— Beſreiung Jacob's I. aus der Gefangen⸗ ſchaft von England. Albany, der Bruder Robert's III., war nun Regent des Koͤnigreichs; eigentlich hatte er ſchon lange unumſchraͤnkte Ge⸗ walt uͤber daſſelbe ausgeubt. Man kann ſich leicht vorſtellen, daß er ſich nicht ſehr bemuhte die Befreiung ſeines Neffen, des prinzen Jacob, auszu wirken, weil deſſen Ruͤckunft ach Schottland ſeiner eigenen Macht einen Stoß gegeben haben wuͤrde. Albany war nach dem, was wir oben von ihm hoͤr⸗ 2⸗. 7. 100 ten, ein boͤsartiger, grauſamer und ehrgeiziger Mann, aber nun gab er ſich alle Muhe gerecht zu ſeyn, und dem Volke keine Stenern aufzulegen... Das Schloß Jedburgh, welches ſeit der Schlacht von Durham von den Englaͤndern beſetzt war, wurde durch die Bewohner des Teviotthales genommen, und von ihnen der Vorſchlag gemacht, daß das Schloß abgebrochen werden ſolle, damit der Feind hinfuͤhro an der Graͤnze keine Feſtung mehr beſitze. Um den Koſtenaufwand, den die zur Niederreiſſung dieſer großen, ſtarkbeveſtigten Burg geworbenen Leute verur⸗ ſachten, zu beſtreiten, brachte man eine Kopfſteuer von zwei Pfenning in ganz Schottland in Antrag; aber der Regent entſchloß ſich, die noͤthige Summe aus ſeinen eigenen Mit⸗ teln zu bezahlen und ließ bekannt machen, daß er ſeine Re⸗ gierung mit keiner Maßregel beginnen wolle, welche den Ar⸗ men gar zu druͤckend fallen muͤßte. In mancher anderer Beziehung zeigte Albany eine ſehr ſchlechte Seite ſeines Charakters. Der Tapferkeit konnte er ſich nicht ruͤhmen, welches uͤbrigens in der damaligen Zeit und in ſeiner Familie ſelten der Fall geweſen. Obgleich er in mehrere Kriege mit England verwickelt war, ſo zeichnete er ſich weder in einem derſelben aus, noch konnte er ſich eines durch ihn herbeigefuhrten Erfolges ruͤhmen. Eine der merkwuͤrdigſten Begebenheiten waͤhrend ſeiner ganzen Regierung iſt die Schlacht bei Harlaw. Sie wurde von einem Fuͤrſten, den man Donald von den Inſeln hieß, geliefert; er war im Beſitz aller der im Weſten Schott⸗ lands gelegenen Inſeln; er hatte auch auf dem feſten Lande große Beſitzungen und handelte wie ein unabhaͤngiger Monarch. Dieſer Donald machte im Jahre 1414 auf die damals erledigte Grafſchaft Roß Anſpruch⸗ weil der Regent ausge⸗ 161 ſprochen hatte, daß er ein Mitglied ſeiner eigenen Familie damit belehnen wolle. Donald ruͤſtete ein Corys von zehn⸗ tauſend Mann aus, lauter tapfere Hochlaͤnder, wie er ſelbſt⸗ fiel im Norden Schottlands ein und kam bis nach Harlaw, ungefaͤhr zehn Meilen von Aberdeen. Hier ſtieß er auf den Grafen von Mar, der ſich an der Spitze einer zwar minder zahlreichen Armre beſand, die aber aus Bewohnern des fla⸗ chen Landes zuſammengeſetzt war, welche beſſer bewaffnet ge⸗ weſen und welche mehr Ordnung hielten, als Donald's Leute. Nun wurde eine verzweifelte Schlacht geliefert, in welcher beide Parteien großen Verluſt exlitten. Auf Donald's Seite fielen auſſer Macintoſh und Maclean, den Haͤuptern der Claus, noch ungefaͤhr taufend Mann. Der Graf von Mar verlor ungefaͤhr fuͤnfhundert tapfere Ritter, unter denen Ogi⸗ loy, Scrymgeour, Irwine von Drum und mehrere andere von hohem Range. Die Hochlaͤnder waren jedoch am ſchlimm⸗ ſten daran, denn ſie mußten nach der Scohͤlacht den Ruͤckzug antreten. Das war uͤbrigens fuͤr Schottland ein großes Gluͤck, denn wenn die Hochlaͤnder, dieſes wilde und barba⸗ riſche Volk, geſſegt haͤtten, ſo wuͤrden ſie einen großen Theil des geſitteten Landes uͤberſtroͤmt haben. Von der Schlacht bei Harlaw ſprach man lange, weil das Schlachtfeld mit ſo ausgezeichneter Tapferkeit ſtreitig gemacht wurde. Der Regent Albany ſtarb im Jahr 1419. In ſeinem ho⸗ hen Amte folgte ihm ſein Sohn Murdac, Herzog von Albany, welcher weder ſo laſterhaft, noch ſo tugendhaft als ſein Vater zu ſeyn ſchien. Herzog Robert war thaͤtig, verſchlagen, arg⸗ woͤhnnch und wenigſtens in einer Beziehung ſehr verſtaͤndig; der Sohn aber nachſichtigz, faul und nicht ſehr verſtaͤndig, weßhalb er leicht hintergangen werden konnte. Unter die vielen Feh⸗ 1⁰² den, welche ſich im Lande entſponnen hatten, gehoͤrten auch die in ſeiner eigenen Familie, die zu Lebzeiten ſeines Vaters mit großer Strenge unterdruͤckt wurden. Unter der Regie⸗ rung Murdac's ereignete ſich nichts Merkwuͤrdiges, aber ge⸗ rade in dieſer Zeit erwarben ſich die Schotten in den Kriegen von Frankreich großen Ruhm. Ich erwaͤhnte bereits, daß eine Anzahl franzoͤſi ſcher Ritter nach Schottland gekommen war, um den Schotten gegen die Englaͤnder beizuſtehen; nun ſendeten aus Erkenntlichkeit die Schotten ein Corps nach Frankreich, um dem Koͤnig Karl zu helfen. Dieſer ſtund in großer Gefahr durch Heinrich V. von England gaͤnzlich beſiegt zu werden, denn er war auf dem Punkte von dem Koͤnigreich Beſitz zu nehmen und ſich des Thrones von Frankreich zu bemaͤchtigen. Das nach Frankreich uͤbergeſetzte Corps beſtand nur aus ſechs bis ſiebentauſend Mann unter dem Commando des Johann Stewart, Grafen von Buchan, zweiter Sohn des Regenten Robert, Herzogs von Albany. Unter ihm dienten Lindſap, Swinton und meh⸗ rere andere ausgezeichnete Maͤnner. Sie hatten uͤber die Englander, welche damals unter dem Commando des Herzogs von Clarence, Bruder Heinrichs V. ſtanden, einen bedeuten⸗ den Sieg errungen. Als dieſer Fuͤrſt naͤmlich erfahren hatte, daß ein ſchottiſches Corps bei Baugé lagere, argerte er ſich daruͤber, daß die Schotten die Englander nicht nur in ihrem eigenen Lande bekriegen, ſondern auch noch nach Frankreich kommen, um ſie zu beunruhigen, und ordnete einen Eilmarſch an, um ſie zu uͤberfallen. Er nahm die beruͤhmten Bogen⸗ ſchutzen, welche gewoͤhnlich dazu beitrugen, daß die Englaͤn⸗ der ihre Feinde beſtegten, zuruͤck, weil er ſich auf die Schnelligkdit ſeiner Bewegungen verließ und wohl zwnßte⸗ daß die Schotten in ihrem Lager nicht ſehr wachſam und vorſſchtig — 103 ſeven. Er kam, nur von ſeiner Heiterei bekleidet, bei Baugs an. Der Herzog von Clarence hatte ſich bei Paſſtrung einer Bruͤcke an die Spitze ſeines Reiter⸗Corps begeben(er zeichnete ſich durch die Pracht ſeiner Waffenruͤſtung aus, beſonders durch eine goldene Krone, die er auf ſeinem Haupte trug). In demſelben Augenblick griffen die ſchottiſchen Ritter den Feind an. Sir Johann Swinton ritt auf den Herzog von Clarence los und hob ihn mit ſeiner Lanze aus dem Sartel, waͤhrend der Graf von Buchan uͤber ihn herſiel und ihm mit ſeiner Streitart den Schadel ſpaltete. In dieſer am 22. Maͤrz 1429 gelieferten Schlacht fielen ein Menge engliſcher Ritter und Edelleute. Der Koͤnig von Frankreich ernannte zum Lohn der von den Schotten an den Tag gelegten Tapferkeit den Grafen von Buchan zum Conſtable von Frankreich: eine der hoͤchſten Wuͤrden in dieſem Koͤnigreiche: und zum Grafen von Aubigny. Die Schotten, durch den Ruf, den ihre Landsleute er⸗ erworben, aufgemuntert, kamen nun in groͤſſerer Anzahl nach Frankreich und der Graf von Donglas ſelbſt gerieth in Ver⸗ ſuchung eine kleine Armee uberzuſchiffen, zu welcher ſich die tapferſten Maͤnner und ausgezeichnetſten Edelleute des fudli⸗ chen Schottlands unaufgefordert gemeldet hatten. Diejenigen, welche ſich nicht ſelbſt ſtellten, ſchickten ihre Soͤhne und Bruͤ⸗ der. Sir Alerander Home von Home wollte auch Theil an dieſer Expedition nehmen, und ruͤſtete deßhalb ſeinen Bruder, David Home von Wetterburn aus. Alexander ſelbſt kam an Bord des Schiffes, um ſeinen Bruder und Douglas abfahren zu ſehen. Als der Graf ſeinen alten Waffengefaͤhrten Ab⸗ ſchied nehmen ſah, ſagte er:„Ach! Sir Alexander, wer haͤt⸗ te je gedacht, daß wir uns treunen werden?“ „Nein, wir wollen uns nicht trennen, Mylord.“ aut⸗ 10⁴ wortete Alexander, der plätlich ſeinen Vorſatz aͤnderte und ſeinen Bruder David zuruckſchickte, um fuͤr ſein Schloß, ſei ne Familie und Beſthungen Sorge zu tragen; dann gieng er mit ſeinem alten Freund nach Frankreich und ſtarb mit ihm in der Schlacht bei Verneuil. Der Graf von Douglas, der ſeinen militaͤriſchen Ruf laͤngſt gegruͤndet hatte, wurde vom Koͤnig von Frankreick ſehr ehrenvoll empfangen und zum Herzog von Touraine ernannt. Der Graf machte ſich gewoͤhnlich uͤber den Herzog von Bed⸗ fort, damaligen Regenten in Frankreich fuͤr Heinrich VI. lu⸗ ſtis und gab ihm den Uebernamen„ ohann mit dem bleiernen Schwert. Am 49. Auguſt 1424 ließ der Herzog von Bedfort dem Douglas ſagen, daß er zu ihm kominen und mit ihm zu Mitag eſfen wolle. Douglas faßte die Abſicht dieſes ihm zugedachten Beſuches wohl auf, und ließ jenem antworten, er werde willkommen ſeyn. Die Schotten und Franzoſen bereiteten ſich zur Schlacht vor; der Graf von Donglas hielt ihre Stellung für ſehr guͤnſtig und ſchlug deßhalb vor, man ſollte den Angriff der Englander abwarten, anſtatt ihnen entgegenzuruͤcken; aber der franzoͤſi⸗ ſche Graf von Narbonne drang darauf, daß ſie die Englaͤn⸗ der angreifen ſollten ſtatt in der Stellung zu bleiben; er ließ die Franzoſen vorruͤcken und erklarte, es ſey ihm gleichguͤltig, ob die Schotten ſeinem Beiſpiel ſolgen oder nicht. Auf die⸗ ſes hin war natuͤrlich Douglas gensthigt, auch vorzuruͤcken, wobei jedoch die ganze Maſſe in Unordnung gerieth. Inzwi⸗ ſchen waren die engliſchen Bogenſchützen herbeigekommen und⸗ ſchoſſen tuͤchtige Ladungen auf die Franzoſen ab; die uͤbrigen engliſchen Soldaten griffen in Maſſe an, worauf die verbuͤn⸗ dete Armee eine gaͤnzliche Niederlage erlitt Dauglas und Buchan wichen keinen Angenblick, fochten verzweiſtungsvoll 105 und ſtarben heldenmuͤthig. Home, Lindſay, Swinton und bei weitem der groſſere Theil der tapfern ſchottiſchen Huͤlfs⸗ truppen blieben auf dem Schlachtfelde. Der große Graf von Douglas, welcher bei Verneuil ge⸗ blieben, wurde von den ubrigen ſeiner Familie durch den Beinamen Leidensſohn unterſchieden, da er in den bedeu⸗ tenden Schlachten von Hannldon und Shrewsbury geſchlagen wurde und endlich bei Verneuil ſein Leben verlor. Sein Zeitgenoſſe und Nebenbuhler, Georg Graf von March dagegen ſaß ganz im Schoos des Gluͤckes; denn wo er ſich ſchlug, ſey es auf der ſchottiſchen oder engliſchen Seite, ſiegte er jedes⸗ mal. Die ſchwachen Ueberreſte der ſchottiſchen Armee wur⸗ den von Karl von Frankreich als Leibgarde beibehalten; eine Stiftung welche viele Jahre lang fortgeſetzt wurde. Ich komme nun auf Schottland zuruück, woſeldſt der Re⸗ geut Murdac von Albany durchaus nicht im Stande geweſen die Staatsgeſchaͤfte zu leiten; er konnte nicht einmal ſeine eigenen Soͤhne beaufſichtigen. Sie waren ihrer zwei, beide hochmuͤthige, ausſchweiſende junge Maͤnner, welche weder Gott noch irgend ſonſt jemand, am allerwenigſten aber ihren Vater achteten. Ihr ſchlechtes Betragen ging ſo weit, daß Murdac endlich allen Ernſtes daranf bedacht war, ihm eln Ende zu machen, ja ſogar ſeiner Regierung entſagen und die Befreiung des in enaliſ her zefangenſchaft befladlichen Kö⸗ nigs auswirken wollte. Eine auffallende Unverſchämtheir von Seiten ſeines aͤlteſten Sohnes ſoll ihn zu dieſer Maßregel beſtimmt haben. In jener Zeit war war das Vogelkangen durch abgerichte⸗ te Falken eine der Hauptbeluſtigungen des Adels. Der Re⸗ gent Murdac beſaß einen olchen palken von vorzuglicher Guͤ⸗ te, der ihm auſſerordentlich werth war. Sein alteſter Sohn, 3 106 Walter Stewart, hatte ſeinen Vater oft um dieſen Vogel gebeten, aber jedesmal eine abſchlaͤgige Antwort erhalten. Als einſt der Regent den Falken auf ſeiner Fauſt trug, wie dieß die Falkeniere gewoͤhnlich zu thun pflegen, wenn ſie auf die Vogeljagd gehen, erneuerte Walter ſeine Bitte, und als der Vater die Gewaͤhrung auf's neue verſagte, riß er ihm den Vogel aus der Hand und drehte ihm den Hals um. Der Vater, uͤber dieſe große Unverſchaͤmtheit aufgebracht, ſagte in ſeinem Aerger:„Wenn du mir nicht die ſchuldige Achtung erweiſen und gehorchen willſt, ſo werde ich einen holen, dem wir Alee gehorchen muͤſſen.“ Von dieſer Zeit an unterhandelte er mit den Englaͤndern ſehr ernſthaft, daß ſie doch Jakob, den nunmehrigen Koͤnig von Schottland, in ſeine eigene Staaten zuruͤckfehren laſſen ſollen. Die engliſche Regierung zeigte ſich nicht abgeneigt, Ja⸗ kob wieder frei zu laſſen, zumal da er mit Johanna, der Tochter des Grafen von Sommerſett, einem nahen Verwand⸗ ten des königlichen Hauſes eine Liebſchaſt angefangen hatte. Sie hofften, daß dieſe Verbindung den jungen Prinzen be⸗ wegen werde, mit England Frieden zu ſchlieſſen, und daß die Erziehung, welche ihm zu Theil geworden und die Freundſchaftsbuͤndniſſe, welche er in dieſem Lande geſchloſſen, doch ſo viel uber ihn vermoͤgen werden, daß er ein guter und friedlicher Nachbar bleiben werde. Die Schotten ver⸗ ſtanden ſich dazu, ein bedeutendes Loͤſegeld zu bezahlen, und unter dieſer Bedingung wurde Jakob, der Erſte dieſes Na⸗ mens, nach achtzehnjaͤhriger Geſangenſchaft in Freiheit geſezt und nach Schottland zuruckgeſchickt, um wort als Koͤnig die⸗ ſes Landes zu regieren. Geſchichte des Moͤnchthums in allen ſeinen Verzweigungen und Folgen fü r Kirche und Staat. Nach den beſten ältern und neueren Werken und Berichten durch Dr. Ernſt Muͤnch. In einer Zeit, welche ſo manche wunderbare Erſcheinung wiederum aufweist, die man fuür ewig verhrängt zu haben glaubte; wo die Unwiſſenheit, der Averglaube und der Fana⸗ tismus auf mehr als einem Punkt⸗ des gebildeten Europa ſieghaft das Haupt wiederum zu erheben wagen; wo ſelbſt die ſchauerlichen Ketzergeſchichten des finſtern Spaniens ihre Lobpreiſer und Vertheidiger, zum Erſtaunen der Welt, ge⸗ funden haben, und eine von gleich blutiger Politik als un⸗ chriſtlicher Geſinnung beherrſchte Partei nach allen Seiten hin, in beklagenswerth uppiger Blurhe aufwachst; iſt es gewiß nicht unzweckmaͤßig einer großen Menge von Leſern, welche weder Zeit noch Geld, noch Luſt genug haben, bandereiche Werke muͤhſam durchzuſtudiren, in gedrangter Ueberſicht und dennoch moͤglichſter Vollſtandigkeit alle die Denkmale des Aberglaubens, der Verblenoung und der Glaubenswuth vor⸗ uͤber zu fuͤhren, durch welche das Moͤnchthum, dem waͤhren Chriſtenthum gegenuber, die Herrlichkeit dieſes letztern in ei⸗ ner langen Reihe von Jahrhunderten zu ſchaͤnden verſucht hat; ebenſo die großherzigen Anſtrengungen erler genten und beßeiſterter Einzeinen, welche das 9 der Nacht aus Kraͤften bekampft und ſeinen endlichen Sturz im größten Th ou Europa berbeigefuhrt haben; hierauf die abermaligen Verſuche der Zeioten neueſter Zeit, daßelbe wieder aus dem Grabe zu erwecken, und auf den Graͤbern des geſunden Menſchenverſtandes den umgeſtuͤrzten Thron des Fanatismus von Reuem wieder aufzurichten; dieſen Be⸗ ieſengeſchlecht muͤhungen gegenuͤber das kraͤftige und aͤcht fuͤrſtliche Walten von Monarchen, wie Friedrich II., Maximilie I, Marimilian Il., Friedrich der Große, Joſep II., Friedrich Wilhelm III. voa Preußen; Leopold I., Marximilian l., und Marimilian Joſeph II. von. Baiern, Koͤnig Wilhelm der Niederlande; endlich den un⸗ ausgeſetzten Kampf einer Anzahl beherzter und gelehrter Män⸗ ner in mehr als einem europaͤiſchen Lande, fuͤr die Rettung kirchlicher Freiheit aus den uberall geſtellten Schlingen der Muuchere von jeder Farbe, und ultramontaner Anma⸗ ungen. Bei Bearbeitung dieſes großen hiſtoriſchen Cyclus, der in der Profan— wie in der Kirchengeſchichte einen bedeu⸗ tenden Naum einnimmt, ſollen jederzeit die gründlichſten und geiſtoollſten Vorarbeiten aus aͤlterer und neuerer Zeit zu Grunde gelegt, die vorhandenen Luͤcken ergaͤnzt, Jerthuͤmer berichtigt, und die Fehler, Laſter und Thorheiten ſo wie die reellen Verdienſte jener furchbaren Inſtitute in gehoͤriges Licht geſtellt werden. Zur genauern Wuͤrdigung dieſes volksthuͤmlichen und im Intereſſe der Wahrheit einzig und allein berechneten Unter⸗ nehmens diene nachſtehender kurzer Proſpektus der zu behan⸗ delnden Materie: Er ſte Abtheilung: I. Einleitung in die Geſchichte des Moͤnch⸗ thums im Allgemeinen. 1) Urſprung und erſte Geſtalt des Moͤnchweſens in den er⸗ ſen riſtlichen Jahrhunderten.— Die Einſiedler— ie Kisſter— 2) Die Verdienſte und die Thorheiten dieſer Letztern gleich zu Anfang ihres Entſtehens. Nach Helyot, Walch, Schrokh, Zimmermann und dem Verfaſſer der Ordres monastiques 3) Ungebeures Wachsthum und berwiegender Einfluß der Kloͤſter wahrend des Mittelalters bis zum fuͤnfzehnten Jahrhundert. II. Die Geſchichte der einzelnen Moͤnchsorden: 1) Carmeliter; 13) Minimen, Kapuziner, Re⸗ 2) Die Vaͤter des Todes; collekren; 3) Kamaldulenſer, 14) Dominikauer; 4) Karthaͤuſer; 15) Antonsbruͤder; 5) Ciſterzienſer, 16) Coleſtiner; 6) Orden von Fontevraud; 17) Auguſtiner; 7) Benedictiner; 18) Theatiner; 8) Bernhardiner; 19) Vater der chriſtlichen Lehre; 9) Die Bruͤder von der 20) Die von Portroyal; Barmherzigkeit; 21) Hoſpitaliter, 3 10⁰) Mathnrinen; 22) Urſuliner; und die uͤbrigen 11) Praͤmonſtratenſer; Nonnenkloͤſter; 42) Franciskaner; 25) Lazariſten; Jede dieſer Einzelgeſchichten enthaͤlt: 2) Die Biographie des Srifters oder Reformators; b) die Regeln und Obſervanzen des Ordens, ſo wie deſſen Einrichtungen; c) die Koryphaen deſſelben im Guten wie im Schlechten; d) des Ordens Einfluß auf Kirche und Staat. Nach Helyot und Walch. Zweite Abtheilung. III. Die Oppoſition gegen das Moͤnchsweſen von oben herab und von unten herauf, in ver⸗ ſchiedenen Perioden des Mittelalters. 1) Die Zeiten der Abnahme des Anſehens der Monchsor⸗ den wahrend des 45en und 16:en Jayrhunderts,— Laurentius Vang; Nicolaus von Cuüſa, Felix Ham⸗ merlein; Saponarola. 3 2) Die Haupibrkaͤmpfer des Moͤnchthums im 15ten Jahr⸗ hundert.— Reuchlin und Erasmus zu Anfang des ſechszeynten; der Kampf mit den Koͤllnern; die Epi- Stolce obscurorum, virorum. 3) Die Erſchenung von Luther, Zwingli und Calvin, als Hauptern der Reſormatton.— Ihre Anſtrengungen wider Monchthum und Ultramontanismus, abgeſehen von ihren Unternehmungen auf das Gebaude der Hie⸗ 0 rarchie ſelbſt;— Auswahl aus ihren Scheiften, wel⸗ che gegen die Moͤnche gerichtet waren. Answahl aus den Schriften Ulrich von Hutten, Herrmann von dem Buſch; Loban Heſſe, Lilibald Pirkheimer, Crici Cor⸗ dus, Crotus Rubianus, Nikodemus Friſchlin, Herrmann von Nuͤenar, Johann Eberlin, Thomas Murner, Heinrich Glareanus u. ſ. w. gegen Noͤnche and Moͤnchthum. 4) Die Geſchichte der Inquiſition in Itglien, Spanien, Portugal, Oſt und Weſtindien. Nach Llorente. 5) Die Geſchichte der Jeſuiten. Nach Wolf, Lang, Buchner und Friedmann. 6) Die beruͤhmteſten Oyſer der Monchnerei Dritte Abtheilung. Die Zeiten allgemeinen Kampfes wider das Moͤnchthum von der Mitte des acht⸗ zehnten Jahrhunderts bis zu Ende der franzoͤſiſchen Revolution. 3 1) Die Reformen des Marquis von Pombal in Portugal; 2) die Reformen Kaiſer Joſephs I in Oeſterreich; 3) Leopold II. und Sripio Ricci in Toskana; 4) Maximilian J. und Montgelas in Baiern; 5) die. Maäregeln verſchiedener andrer Fuͤrſten gegen die nche. W. Die Verſuche des Moͤnchthums in neueſten Tagen zu ſeiner Wiederherſtellung: 1) Die Jeſuiten; 2) die uͤbrigen Moͤnche in a) Italien; b) Spanien und Portugal; c) Wiederherſtellung der Inquiſition d) in Oeſterreich. aa) Ligorianer; bb) Redemptoriſten ꝛc. ꝛc.; eo) in Frankreich und in der Schweiz aa) die eigentlichen Kloͤ⸗ ſter; bb) Conaregarionen; dd) die Prères ignorantains; ee) die Miſſionaͤre; 1 die Collegien und Penſionate; 85) die marianiſchen Sodalitaͤten. 2) Ueber die Gefabren geheimer Geſellſchaften und Propa⸗ ganden in den eurovaͤlſchen Staaten fuͤr Kirche und Pepeibeſen.— Nach den zuverlaͤßigſten neuern Be⸗ „Hten. 3) Die Anſtrengungen der Regierungen und der Einzelnen gegen moͤnhiſche Umtriebe der neueſten Zeit. 1 4) Literatur, Geſchichte des Moͤuchweſens, von den alte⸗. ſſten Zeiten bis auf unſere Tage. 3 1ſ Die Zweckmaͤßigkeit und Nutzlichkeit des Unternehmens leuchtet zu ſehr in die Angen, als daß wir uns zur Empfeh⸗ lung deſſelben viel zu verbreiten brauchten. Es darf wohl in keiner Bibliothek eines Geiſtlichen, ſei er Katholik oder Proteſtant, ſehlen, ja anch die gebildeten Laien unſeres Vaterlandes werden mit Vergnuͤgen ein ſolches Werk neben das„Converſationslerikon“ und die„Srunden der Andacht“ ſtellen. Wir erlanben uns daher nur die Art der Erſchei⸗ nung hiermit anzuzeigen. Das Ganze wird 20— 25 Band⸗ chen, das Baͤndchen zu 180— 200 Seiten, umfaſſen. Die erſte Lieſerung von zwei Baͤndchen erſcheint zum 1ſten Januar 1828. Der Preis einer Lieferung von zwei Baͤndchen iſt 48 kr. oder 12 gr., wofuͤr man in jeder ſoliden Buchhandlung ſuberibiren kann, von ſechs zu ſechs Wochen wird immer eine Lieferung erſcheinen. Freiburg im Breisgau. Prof. Dr. E. Muͤnch.