X8 1 A 1 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur on ſ Eduard Olkmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seih- und Ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Ühr bis Abends 8 Uhr offen.— 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.— 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. b 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für ochentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —————— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mrk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattſinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ——— ——— — 5— Erſtuͤrmung von Selama oder d i e Rache. Eine ſchottiſche Sage von Walter Scott. Zweieer Theil. 2 2 Quedlinburg und Leipzig, 1825, * bet Gottfrieb Baſſe. Die Erſtuͤrmung von Selama 4 3 oder d i e R aſche. Zweiter Thoil. —*——— 7 Satgar ließ Cormarn dringend einladen, daß er mit ihm gemeinſchaftliche Sache gegen Dewon und Fillan machte. Er ließ ihm auch ſagen, daß er ſich zu dem Kampfe entſchließen muͤſſe, wenn man ſeine Liebe zu Bosmina nicht bezweifeln ſolle. Es waͤre die Hauptpflicht eines Haͤuptlings, dazu beizutragen, daß der Schuldige be⸗ ſtraft werde. Er gelobte ihm ſogar, wenn Bosmina trotzig bei dem Buhlen heharre, an ihn ſeinen Clan und alles, was er habe, zu vererben. Salgar wußte es wohl, daß wenn Salgar mit ſeiner Macht zu ihm ſtieß, der ſelbſt ein kluger, liſtiger und kuͤh⸗ ner Anfuͤhrer war, ihm der Sieg uͤber ſei⸗ ne Feinde nicht zweifelhaft ſeyn konnte⸗ Cormar hingegen hatte zureichende Gruͤnde, die ihn warnten, Salgars Antrag nicht anzunehmen. Er wollte durchaus nicht als ein offenbarer Gegner Fillan's auftreten, mit ihm in Freundſchaftund im Umgange bleiben, nicht ſeinet⸗, ſondern Bosmina's wegen. Gab es doch Mittel genug, wenn das ſchoͤne Weib, das er mit brennender Liebe liebte, mit Fillan verbunden war, zu verfuͤhren und ſie ſo dem Gatten untreu zu machen und ihr Herz ihm zu rauben. Es war auch zu ſeiner Kenntniß gekommen, daß ſich meh⸗ rere Haͤuptlinge wider Salgax verbunden und beſchloſſen hatten, ſeine Macht, die er uͤbermuͤthig mißbrauchte, zu zerſtoͤren. Ver⸗ band er ſich mit ihm, ſo fiel der Haß ge⸗ gen ihn, indem die Haͤuptlinge eins wa⸗ ren, auch auf den Beſitzer von Selama. Der Sieg war zweifelhaft, man konnte in dem Kampſe, da die Feinde ein großes Uebergewicht hatten, die erworbene Ehre leicht einbuͤßen. 7 Er hatte ſchon an Dewon geſandt und ihm ſagen laſſen, da Salgar nicht ſein Feind und Fillan ſein Freund ſey, ſo werde er nicht Parthei machen und an dem Kampfe keinen Antheil nehmen, wenn die Haͤuptlinge nicht in ſeinen Clan fielen, und da unerlaubte Frevel veruͤbten. Aber auch aus der Antwort leuchtete es klar hervor, die er Salgarn geben ließ, daß er mit ihm in dem freundſchaftlichen Verhaͤltniſſe blei⸗ ben wollte. Er ließ ihm ſagen:„Da Fillan von Jugend an mein Freund iſt und unſer Derhaͤltniß nie verletzt hat, ſo dale ich wi⸗ der ihn nicht als ein Feind auftreten, wel⸗ cher Rache fucht. Das wurde man mir ſehr verargen. Wenn ich aber auch von ihm zum Kampfe wider Euch aufgefordert wuͤrde, ſo ſoll mich keine Gewalt dazu zwingen. Im Fall man aber dieſe anwen⸗ det, ſo trete ich auf Eure Seite, um mein Recht als freigeborner Haͤuptling mit Schwerdt und Lanze zu vertheidigen. Uebrigens, und darauf macht Euch gefaßt, werdet Ihr einen ſchweren Kampf zu be⸗ ſtehen haben; denn vier Haͤuptlinge haben ſich mit Dewon gegen Euch verſchworen, die nicht ganz leicht wiegen, Tottleig, Fin⸗ gil, Oſcar, der Sohn Armins und Berluth. Es findet eine Verſchwoͤrung gegen Euch ſtatt, die wider Euch Boͤſes im Sinn fuͤhrt. Koͤnntet Ihr fuͤr dies Mal die Sache guͤt⸗ lich beilegen, ohne daß Eure Ehre dabei leidet, ſo thaͤtet Ihr kluͤglich. Wartet die Zeit ab, wo Ihr jeden Haͤuptling allein ſtrafen Foͤnnt und ſich der Bund getrennt hat. Man kann mit ſo großem Wagen Alles, was man in Jahren gewonnen hat, in einem Ungluͤckstage verlieren.“ Es war Salgar doch nicht gleichgüͤl⸗ tig, daß er ſich mit der verbundenen Macht mehrerer Haͤuptlinge einlaſſen ſollte; aber durch Nachgeben als ein Feiger erſcheinen, das konnte er nicht uͤber ſich gewinnen. Lieber unter Schwerdtern und Lanze nehren⸗ voll ſterben, als mit Schande ſein Leben 9 erkaufen, das war bei ihm unumſtoͤßlicher Grundſatz; durch Verſchlagenheit und Liſt, durch einen nicht gefuͤrchteten Anfall, durch Zoͤgern ꝛc. hatte er ja ſchon manchen Feind beſiegt, der ſtaͤrker war als er. Als ſeine geruͤſteten Clansleute um ihn verſammelt waren, ſtellte er ſich vor die Haufen und ſagte:„Ihr habt Vertrauen zu mir, Eu⸗ rem Anfuͤhrer. Wo ich bei Euch war, da haben wir die Feinde geſchlagen. Mit der Gefahr verdoppelte ſich unſer Muth, mit den Beſchwerden unſere Kraͤfte. Der Clan von Drumardo iſt im Hochlande geachtet. Euern erworbenen Ruhm laßt nicht ſinken. Eure Urvaͤter waren die Unterthanen der Salgars, gewiß habt Ihr keine Luſt, Knechte und Sclaven eines neuen Herrn zu werden, der kein Herz und keine Liebe fuͤr Euch hat, die nur angeerbt iſt. Wollt Ihr Eure Frauen und Joͤchter den Frem⸗ den uͤberliefern? Wir gehen in einen ſchweren Kampf, deſto herrlicher wird der Sieg ſeyn. Die Beute, die ein Jeder 10 macht, gehoͤrt ihm als ein Eigenthum und die unter Euch, die ſich durch Tapferkeit auszeichnen, will ich noch beſonders beloh⸗ nen. Den Waffenruhm theilt Ihr mit mir, und den, welcher der Feigheit froͤhnen will und der Schande, den ſtoßt nieder, das raͤchende Schickſal hat ihn gerichtet. Und nun, Naͤnner, vorwaͤrts, gerecht iſt meine Sachel“⸗ So vorſichtig und verſtaͤndig aber Salgar die Handlungsweiſe Cormars nen⸗ nen mußte, daß er nicht Parthei nahm, ſo bewies es ihm doch, daß der Haͤuptling nicht in dem Grade ſein Freund war, als er'’s geglaubt hatte und insbeſondere, daß er ſeine Tochter nicht in dem Grade liebte, als er's ahnete. Der Haß gegen ſeinen Nebenbuhler, den Salgar fuͤr gluͤhend und verzehrend hielt, mußte den Verhaͤltniſſen der Freundſchaft fruͤherer Jahre weichen. Den Klugen ſpielte Cormar, aber nach Salgars Meinung nicht den Gerechten, der I1 ſich kühn und dreiſt füͤr den Gekraͤnkten entſ eidet. Salgar hatte Kundſchafter ausgeſchickt, die es erſpaͤhen ſollten, wo die Haupt⸗ macht des Feindes waͤre, und wenn ſie zu groß ſey, nicht einen Angriff auf ſie zu wagen, ſondern ſie in der Ebene hin⸗ und herzuziehen und ſie nach den Gebirgspaͤſſen zu locken, wo er mit weniger Mannſchaft oft ein zahlreiches Heer geſchlagen hatte. Die Kundſchafter kamen in der geſetzten Zeit zuruͤck und meldeten, daß ſie nur ein⸗ zelne Umherſtreifer, aber keine groͤßere Rotte geſehen haͤtten. Salgar ruͤckte mit Vorſicht bis an die Grenze ſeines Claus vor, beſetzte ſie, um ſeinen Gegnern das raſche Eindringen zu verwehren und dann durch eine ruͤckgaͤngige B Bewegung nach den Felſen, ſie in das Grab des Verderbens zu locken. In Balelutha aber war Alles in Be⸗ 12 wegung und es herrſchte dort lauter, kriege⸗ riſcher Laͤrm. Hoch aber rechnete es Fil⸗ lan dem Cormar an, daß er ſein Schwerdt nicht gegen die Macht zog, die Salgarn demuͤthigen und ſeinen herriſchen Ueber⸗ muth niederſchlagen wollte. Er hatte doch keine Ruhe, ſo lange Bosmina nicht in ſeiner Naͤhe war, und gab das ſeinem Vater mit der Bitte zu erkennen, daß er ſie von dem Haͤuptling Clunar abholen und nach Balclutha bringen duͤrfe.„Da Du einen entſcheidenden Schritt gethan und ſie oͤffentlich fuͤr Deine Braut er⸗ klaͤrt haſt,“ ſagte Dewon,„ſo fuͤhre ſie nach Balclutha. Am meiſten iſt hier fuͤr ihre Sicherheit geſorgt. An Deiner Mut⸗ ter wird ſie eine Mutter finden, die ſie troͤſtet, wenn ſie ſich nach ihrer wahren Mutter ſehnt und ſie den Schmerz verließ, die zu verlaſſen und dem Geliebten zu fol⸗ gen. Es muͤſſen doch ſonderbare Gefuͤhle in ihr entſtehen, die Deiner Liebe zu ihr nicht guͤnſtig ſeyn koͤnnen, daß Du die — — 13 * Waffen gegen ihren Vater fuͤhrſt. Wenn ſie ihn ſo liebt, wie's ein Vater von ſei⸗ nem Kinde fordern kann, wird ſie von ſchmerzhaften Empfindungen nicht frei blei⸗ ben. Ich weiß nicht, ob ich der Tochter das Unrecht verzeihen ſoll, das ſie aus Neigung, aus jugendlicher Unbeſonnenheit an ihren Eltern beging. Fillan machte ſich auf, ehe der Kampf entbrannte, um Bosmina mit ſicherm Ge⸗ leit nach Balclutha zu fuͤhren. Er fand ſie traurig, in ſich gekehrt und mit erblaß⸗ ter Wange. Es that ihr in der Seele weh, daß ſie von der Mutter ging, ſchmerz⸗ liche Reue nagte an ihrer Seele; ſie war in preßhafter Verlegenheit und wußte nicht wie ſie es anfangen ſollte, den Schritt, den ſie gethan hatte, zuruͤckzuthun. Wie würde ſie der Vater empfangen, wenn ſie wieder in Drumardo erſchien! Verlor ſie⸗ wenn ſie dahin floh, nicht Fillan's Liebe? Strenge wurde ſie bewacht, daß ihr kein / — —— Unheil begegnen ſollte, aber dies hinderte ſie auch, zu entkommen. Einem weiten, meilenlangen Weg konnte ſie ſich nicht an⸗ vertrauen, da in der unruhevollen Zeit die Straßen noch weniger ſicher waren, als ſonſt. Sie dachte ſich als die Schuldige, um deretwillen der Kampf erregt wirde, der Menſchenblut koſtete, den Vater, an den ſie durch heilige Pflichten gebunden war, vielleicht um ſeine Ehre, um ſeine Freiheit, um ſein Leben brachte. Sie konnte nicht zweifeln, daß des Vaters Un⸗ gluͤck die Mutter heftig erſchuͤtterte und ihr eine Krankheit zuzog, die ſich mit dem Tode endete. So alſo war ihre Liebe zu Fillan der Grund, daß ihre Eltern von der Erde verſchwanden. Eine Tochter die Veranlaſſung zum Tode der Eltern, dieſer Gedanke war ihr der ſchrecklichſte, den ſie je gedacht hatte. Sie fuͤrchtete ſelbſt die Strafe der Unſterblichen. Nach ihrem Da⸗ fuͤrhalten haͤtte ſie Fillan zu ſolch einer That, ſo groß auch ſeine Liebe zu ihr war, —;; 15 nicht verleiten muͤſſen, ſie rechnete ſie ihm uͤbel an, und ob ſie ſie ihm auch ver⸗ ſchwieg und ihn deshalb keinen Vorwurf machte, verzeihen konnte ſie ſie ihm nicht. Gluͤcklich und froh glaubte ſie Fillan beim Wiederſehn zu finden und erſtaunte faſt unwillig, als er ſich in ſeiner Erwar⸗ tung ſo getaͤuſcht ſah und ſie truͤbe, aͤngſt⸗ lich und unruhig geſtimmt war. Was er auch zu ihrer Aufheiterung that, ſie laͤchelte fluͤchtig und blieb ernſt. Clunars Gattin ſagte heimlich zu ihm:„Es wird Euch ſchwerlich gelingen, Fillan, daß Ihr Bos⸗ mina ruhig ſprecht. Von der Urſache ih⸗ res Grams hat ſie zwar kein Wort ver⸗ lautet, aber es liegt auf ihrer Seele eine Trauernacht, die kein Lichtſtrahl erhellen kann. Ihr habt vom Gluͤck zu ſagen, wenn ſie ihre Entfuͤhrung, und daß ſie Euch folgte, nicht ſo lange uͤbel deutet, bis Ruhe und Freundſchaft zwiſchen Euch und ihrem Bater wieder hergeſtellt iſt. Es iſt der Natur des Kindes zuwider, den mit voller Seele zu lieben, der wider den Vater zum blutigen Kampfe auszieht. Koͤnntet Ihr Verſoͤhnung mit Salgar ſtiften, ſo wuͤrde die Freude in Bosmina's Herzen wieder aufleben. Nichts kann ſie ſonſt er⸗ heitern. Ich muß ſie mit dieſem Schmerze um ſo zaͤrtlicher lieben. Seyd ſchonend gegen ſie und ehrt ihr Leid, die Liebe zu Euch taucht fruͤhere, heilige Erinnerungen nicht in das Meer der Vergeſſenheit.“ Bosmina wandte ihre ganze Kraft an, um ihren innern Schmerz Fillan nicht kund zu thun; aber ſie vermochte es doch nicht. Nur groͤßer wurde ihr geheimer Kummer, als ſie das Gelaͤrm in Balclutha ſah und es wußte, daß dieſe kriegeriſchen Anſtalten nur gemacht wurden, ihren Va⸗ ter zu beſiegen. Ernſt empfing ſie Dewon und ſprach kein Wort von Salgar, aber ſeine Gattin ſchloß ſie in ihre Arme und ſagte, als ſie ſie ſo blaß fand:„Bosmina, 17 die Liebe zu meinem Sohne hat Dich ge⸗ drungen, Deine Eltern zu verlaſſen, ich habe es den Goͤttern gelobt, Deine Mut⸗ ter zu ſeyn. Kann treue, zaͤrtliche Liebe Dich troͤſten, ſo darfſt Du dieſe ſicher von mir erwarten. Ohne Theilnahme bin ich nicht. Voruͤber werden ſie gehen die ſturmvollen Tagen und die Ruhe kehrt wieder. Gefahr und Ungluͤck droht oft haͤrter, als es in der Wirklichkeit empfun⸗ den wird; auch die ſchwarzen Gewitter⸗ wolken ziehen voruͤber und glaͤnzender leuchtet die Sonne. Vertraue den Goͤt⸗ tern, ſie ſind weiſe, maͤchtige Lenker unſeres Geſchicks.“ Damit Bosmina weniger durch das allgemeine Getoͤſe beunruhigt werden ſoll⸗ te, was mit jedem Tage zunahm, wenn die Haͤuptlinge mit ihren Gewaffneten an⸗ kamen, bezog Malwina, Dewons Gattin, mit Bosmina eine entlegene Wohnung, 4 die auf einem Felſen vor einem Walde Die Erſtürmung, II. 2 18 erbaut war. Dort wollte ſie mit ihr ſo lange bleiben, bis die Schaaren zum Kampfe ausgezogen waren und dann nach Balclutha zuruͤckkehren, das durch Waͤlle und Graͤben, durch Thore und Mauern, durch eine Zahl Gewaffneter ſehr befeſtigt und ſchwer einzunehmen war, die man immer gegen umherſchwaͤrmende, feindliche Rotten zuruͤckließ. Der Haͤuptling Carul war der Erſte, der mit ſeiner Schaar in Balclutha an⸗ kam und ſeine Tochter Annet mitbrachte, welche ſeit Kurzem Bosmina's Vertraute geworden war, von der ſie auch mit einem ſchweſterlichen Sinne geliebt wurde. Sie hatte mit der trauernden und tiefbeweg⸗ ten Bosmina, die ihr Gluͤck, Fillans Braut zu ſeyn, nicht fuͤhlte, großes Mitleid und gab ihr immer Beweiſe der zaͤrtlich, ſten Theilnahme und ſuchte ſie zu troͤſten. Annets Erſcheinung war fuͤr Bosmina hoͤchſt erfreulich. Dewon mußte ſich wun⸗ 19 dern uͤber Caruls Clansleute, als er ſie ſah, da er ſtaͤrkere, wohlgekleidetere und beſ⸗ ſer bewaffnete Schotten noch nicht geſehn hatte. Es waren ihrer vierzig an der Zahl, Alle in den beſten Jahren, luſtig und wohlgemuth, als ob es zu einem Feſte ginge, wo geſungen, geſpielt und geſchmauſt wurde. Dewon ſagte:„Ihr ſeyd mir wackere Burſchen und habt ein froͤhliches Gemuͤth. Vergeßt aber auch nicht, daß ihr muthig und unverzagt bleiben muͤßt, wenn der Feind naht, wenn der Kampf angeht, wo es eine ſaure Arbeit giebt und denkt dann an Sieg und Ruhm, wodurch alles erlittene Ungemach reichlich bezahlt wird. Mir ſcheint’s ſo, als ob ihr noch keinem Feinde und keiner Gefahr ins Auge geſehen haͤttet.“— Da trat ein aͤlterer Clansmann hervor und entgegnete:„Neu⸗ linge ſind wir nicht und die meiſten von uns koͤnnen mehr als eine Narbe aufzei⸗ gen. Es wird Vielen unter uns nicht leicht, Weib und Kind und Eigenthum zu verlaſſen; ein Abſchied, wenn man nicht weiß, ob und wie man wiederkoͤmmt, von denen, die man liebt, iſt ſehr ſchwer; aber man muß das Boͤſe vergeſſen, ſich Muth einſprechen, ohne den ein Kaͤmpfer kaum ein halber Mann iſt.» Dewon lobte den Mann und ging mit Carul in die Halle. Am Abend kamen die uͤbrigen Haͤuptlinge, Tottleig, Fingil und Berluth an. Scheuern und Staͤlle waren mit Streitern angefuͤllt und die, welche kein Obdach fanden, mußten ſich um Balclutha und auf dem Hofe unter freiem Himmel lagern. Fur die Roſſe, daß ſie an Krippen ſtanden und ungeſtoͤrt freſſen konnten, wurde faſt mehr geſorgt, als fuͤr die Menſchen. Die Haͤuptlinge hatten ihre Elansleute auf das ſtrengſte und nachdruͤcklichſte gewarnt, daß ſie mit ihren Waffengefaͤhrten aus den andern Clans kei⸗ nen Streit anfangen ſollten, da ſie die Zaͤnker und Ruheſtoͤrer auf's haͤrteſte be⸗ 21 ſtrafen wuͤrden. Fuͤr Haferſuppe, Brodt und Fleiſch war zur Speiſung hinreichend geſorgt, ſo daß Keiner noͤthig hatte, von dem in einem Beutel mitgebrachten Vor⸗ rathe zu zehren. Es herrſchte unter dem Haufen ein luſtiges Feldleben, und jeder Trupp ſang nach ſeiner Weiſe Kriegs⸗ lieder. Oſcar kam mit ſeinen Gewaffneten ſpaͤt in der Nacht an, als man ihn nicht mehr erwartete und fand die Haͤuptlinge bei der großen Tafel in einer faſt luſtigen Stimmung. Er begruͤßte ſie alle, und nahm den Platz ein, den man fuͤr ihn leer gelaſſen hatte, nachdem er ſeinen Panzer, ſeine Sturmhaube und ſein Schwerdt ab⸗ gelegt hatte. Tottleig, ſein Verwandter, der ſeine Schweſter Darthula zur Gattin hatte, ſagte:„Du koͤmmſt ſehr ſpaͤt, glaubte ich doch, daß Du ganz ausbleiben wuͤrdeſt. Ich kenne Deinen Vater, er pflegt nicht raſch zu handeln und geht zu bedachtſam zu Werke; aber was er ver⸗ ſprochen hatte, mußte er halten.“— „Tottleig, Du kennſt ihn und weißt es, daß er ein gegebenes Wort haͤlt, und daß er ſich nie die Schwaͤche zu Schulden kom⸗ men ließ, es zu brechen, oder daß er ſich zwingen ließ es zu halten. Es wird mir ſchwer, ſprach er, Dich von mir gehn zu laſſen, weil der Kampf mit Salgar mir nicht gefaͤllt. Was ſoll aus dem Hochlan⸗ de werden, wenn die Haͤuptlinge darauf ausgehen und ſich verbinden, Einen, der ihres Gleichen iſt, zu beſtrafen. Sehn ſie denn nicht ein, daß ſie ſich vor ihren Clansleuten ſelbſt beſchimpfen? Heilig ſoll die Perſon eines Haͤuptlings ſeyn. Wenn zwei ſich mit einander entzweien, ſo moͤgen ſie, wie es bisher Sitte war, den Streit mit einander ſchlichten, daß ſich aber mehrere zu ſeinem Untergange verbin⸗ den, das muß ich mißbilligen und faſt ge⸗ 1 reuet es mich, daß ich Theil an dem Kampfe genommen habe. Haͤtte ich's ihm * 23 nicht geſagt, die Sache gilt auch Fillan, meinem Freunde, und wenn ihr mir keinen Streiter geben wollt, ſo gehe ich allein nach Balclutha, wer weiß, ob ich ſchon hier waͤre. Er meinte, es koͤnne vielleicht noch zu einem friedlichen Vergleich kom⸗ men, da er's fuͤr Tollkuͤhnheit halte, wenn ſich Salger mit einer ſo großen Anzahl Verſchworner in einen Kampf einlaſſe, deſ⸗ ſen verderblichen Ausgang er leicht berech⸗ nen koͤnne.“ Da erhob ſich Fingil und ſagte: „Armin hat in mancher Hinſicht ganz recht, und da bin ich ganz ſeiner Meinung. Es iſt fuͤr die Clansleute immer ein boͤſes Beiſpiel, wenn von Haͤuptlingen ein Haͤuptling geſtraft wird. Wer kann es ihnen in der Folge wehren, wenn ihnen ihr Oberhaupt nicht gefaͤllt, und es iſt ſel⸗ ten der Fall, daß die Untergebenen mit ihren Herrn zufrieden ſind, wenn ſie ſich zuſammenrotten, empoͤren und verjagen? Es giebt wohl andere Mittel, Haͤuptlinge, die mit einander in Streit gerathen ſind, wieder zu verſoͤhnen, als daß man darauf ausgeht, ihn durch eine oͤffentliche Beſtra⸗ fung zu beſchimpfen. Wir, wir ſollten unter uns ein großes Buͤndniß gegen die ſtiften, die unſere Rechte ſchmaͤlern, unſer Anſehn erniedrigen, unſere Macht ſchwaͤchen wollen, und ſo, wenn ein Clan aufſteht, ſich zu empoͤren, ihn durch alle Mittel der Beſtrafung wieder zur Ruhe oder zur Ordnung bringen. Aber mit Salgar iſt doch die Sache anders. Wie hat er ſeinen Clan erweitert! Wie entehrend manchen Haͤuptling behandelt! Wer ſteht uns da⸗ fuͤr, datz er nicht darauf ausgeht, ſich uͤber uns als ein Herr zu erheben! Die Luſt und die Gelegenheit dazu muß ihm ge⸗ nommen werden, das hat wohl Armin nicht bedacht. Es giebt Leute ſeiner Art, die ſich mit Worten nicht warnen laſſen, welche die Grenzen des Rechts uͤberſchrei⸗ ten, die man mit dem Schwerdte zurecht⸗ 25 weiſen muß. Wie hat er Fillan behan⸗ delt! Iſt das je Sitte geweſen, daß ein Haͤuptling in ſeiner eigenen Wohnung ſo mit dem Sohne eines Haͤuptlings umgehen durfte? Alſo Rache und Strafe Sal⸗ gar!“ Am Abend kam's zu den Berathſchla⸗ gungen noch nicht, wie man den erſten Angriff machen wollte, um mit einem maͤchtigen Stoß Salgarn und ſeine Schaar auf einmal uͤber den Haufen zu werfen, dazu war der folgende Morgen beſtimmt. Die Haͤuptlinge legten ſich auf das für ſie beſtimmte Lager von Moos nieder und plauderten faſt, bis der Tag grauete. Als die Haͤuptlinge ihre Ruͤſtungen angelegt und ſich mit den Schwerdtern umguͤrtet hatten, griff man zuerſt zum aufgetragenen Fruͤhſtuͤkk, dann aber, als die Speiſen und Getraͤnke von der Tafel genommen waren und ſich die Diener ent⸗ 26 fernt hatten, ſo daß nur die Haͤuptlinge allein in der Halle waren, ſagte Dewon: „Ich bleibe hier, um Balclutha zu verthei⸗ gen, wenn es bedroht wird. Es iſt wohl moͤglich, daß Salgar eine Rotte hierher ſchickt, um ſich an mir zu raͤchen und ſich ſeiner Tochter zu bemaͤchtigen. Fillan iſt kein ungeuͤbter Kaͤmpfer und ich kann ihm meine Clansleute anvertrauen. Da er der am meiſten Beleidigte iſt, ſo gebuͤhrt ihm gegen Salgar die Stelle, wo die Gefahr am groͤßten. iſt. An Tapferkeit und Muth wird er Keinem von Euch nachſtehen.“— Die Haͤuptlinge geſtanden ihm die Stelle zu. „Nun,“ ſagte Oſcar,„wenn Fillan mit ſeinen Balcluthern da ſtehen ſoll, wo die Macht des Feindes am groͤßten iſt und es die meiſten Pfeile regnet, ſo iſt es wohl vorſichtig und billig, daß ſich noch ein Clan mit dem ſeinen vereinigt. Einer moͤglichen Gefahr, ohne daß ihm augen⸗ ———— —— — 27 blicklicher Beiſtand geleiſtet wird, wollen wir ihn nicht bloßſtellen. Muß er weichen, ſo ſoll ihn eine neue Huͤlfe unterſtuͤtzen, daß er mit den Seinen den Angriff er⸗ neuern kann. Seyd ihr meiner Meinung, ſo vergoͤnnt es mir, daß ich mich mit Fil⸗ lan vereinige. Glaubt ihr aber, daß ich die Gefahr ſuche, um mir Ruhm zu er⸗ rzerben, ſo habt ihr allerdings Recht und mir iſt das nicht zu verargen. Da ihr ſchon Ehre genug geerntet habt, ſo daß euer Ruhm keines Zuwachſes mehr bedarf, ſo uͤberlaßt mir ohne Neid die gefaͤhrliche Stellung, die ich mit Fillan theilen will. Mein Vater wuͤrde mich bei der Ruͤckkehr ſehr ernſt und auch ſpoͤttiſch anſehn, wen ich ihm von dem Kampfe weiter nichts ſagen koͤnnte, als daß ich wie ein gemei⸗ 1 ner Clansmann dabei war, und keine That, die von Muth und von Klugheit zugleich zeigt, verrichtet haͤtte.“ 8 Oſcars Vorſchlag wurde allgemein ge⸗ 28 billigt, und da er von Allen als ein wacke⸗ rer, unbeſcholtener Juͤngling geliebt und geehrt war, widerſprach Niemand ſeinem Wunſche. Die andern kriegeriſchen Anord⸗ nungen verſchob man bis dahin, wenn man die Art und Weiſe mit den Augen wahrnahm, wie Salgar ſeine Geruͤſteten geſtellt hatte. Jetzt bewegte ſich die Maſſe, in die einzelnen Clanshaufen vertheilt, welche ihre Haͤuptlinge anfuͤhrten, von Balclutha dem Feinde entgegen und die Barden, welche vorangingen, ſtimmten ihre Kriegslieder an, wodurch ſie den Muth der Maͤnner befeuerten und ſie zum Kampfe ermunterten. 1 Erſt nach einem Marſche von mehreren Tagen wurden ſie Salgars Heerhaufen ge⸗ wahr, als ſie mehrere Reiter vorher von ihm ſahen, die zuruͤckjagten, um dem Haͤuptling das Naͤherruͤcken des Feindes zu verkuͤnden. Er hatte eine fuͤr ſich ſehr vortheilhafte Stellung⸗ eingenommen, wo * —— 8 29. es nicht leicht war, ihn auch mit einer groͤßern Macht ſo anzugreifen, daß man ſich im voraus den Sieg mit Gewißheit zuſchreiben konnte.. Hinter einem Moor, durch den ein nicht breiter Weg fuͤhrte, erwartete Sal⸗ gar ſeine Feinde. In einer Entfernung von etwa einer halben Stunde erhoben ſich die Gebirge mit ihren ſchmalen Thaͤ⸗ lern. Da, wo der Weg am breiteſten durch die Felſen fuͤhrte, hatte er von Hoͤhe zu Hoͤhe, wo breitere Plaͤtze waren, groͤ⸗ ßere und kleinere Steine in Haufen zu⸗ ſammentragen laſſen, um ſie auf die ihn verfolgenden Feinde zu ſchleudern und zu werfen. Wurde er dennoch uͤbermannt, ſo war beſchloſſen, daß man die Flucht er⸗ greifen, ſich an einem beſtimmten Orte ſammeln und kaͤmpfend lieber ſterben, als den Gegnern in die Haͤnde gerathen wollte. Jeder Clansman war unterrich⸗ tet, welch ein großes Unrecht ſeinem Haͤupt⸗ 30 ling von Fillan zugeſuͤgt ſey, und wie wi⸗ derrechtlich die Haͤuptlinge handelten, daß ſie einem Uebelthaͤter beiſtanden. Er hatte es laut und feierlich geſagt, wenn es ge⸗ rechte Goͤtter giebt, ſie werden uns in dem Kampfe fuͤr die gerechte Sache nicht ver⸗ laſſen, und ihre Blitze auf die ſchleudern, die aus Rache und Feindſchaft gegen mich ausziehen. Alle brannten vor Wuth und hatten ſich's geſchworen, fuͤr Salgar das Aeußerſte zu wagen, das Hoͤchſte aufzu⸗ opfern. Das groͤßte Vertrauen hatten ſie zu einem Anfuͤhrer, unter deſſen Comman⸗ do ſie ſchon oöͤfter ſiegten. Rechts neben dem Moor, wo der Weg durch denſelben ſich endete, erhob ſich eine Anhoͤhe, die mit Birken, Kienen und nie⸗ derm Strauchwerk bewachſen war, an dieſe war der rechte Fluͤgel von Salgars Streit⸗ macht gelehnt. In ſie hatte er die geſchick⸗ teſten Bogenſchuͤtzen geſtellt, die die Feinde mit ihrem Geſchoß zuerſt begruͤßen ſollten, + 31 wenn ſie in gehoͤriger Weite waren, daß kein Pfeil ſeinen Mann fehlte, nach dem man zielte. Da, wo der Weg ſich endete, war ein tiefer, weiter Graben. Von der aus demſelben geworfenen Erde hatte man einen Wall gebildet, hinter dem Bogen⸗ ſchuͤtzen und Andere mit Lanzen ſtanden. Der Graben war mit Waſſer angelaufen und der Boden auf beiden Seiten ſo weich, daß er keinen Mann, vielweni⸗ ger einen Reiter trug, ohne daß er ein⸗ ſank. 4 Die große Schwierigkeit, die mit ei⸗ nem Angriffe verbunden war, ſahen Sal⸗ gars Feinde leicht ein. Einige riethen, an dem meilenlangen Moor hinzumarſchiren, bis der Boden ſo feſt wuͤrde, daß man ohne Gefahr hinuͤbergehen koͤnnte, ohne einzuſinken. Tottleig erhob ſeine Stimme und ſprach:„Thaͤten wir das, ſo wuͤrde Salgar unſerer hoͤhniſch ſpotten und ſei⸗ nen Streitern wuͤrde der Muth noch hoͤher 32 wachſen. Sind wir unſerer etwa nicht genug, daß wir auf kleinere Verluſte ach⸗ ten duͤrften? Wer wird nicht einen Ver⸗ ſuch wagen, wenn er auch mit augenſchein⸗ licher Gefahr verbunden iſt! Machen wir aber den weiten Weg um den Moor, ſo werden wir Salgern auf dieſer Stelle nicht mehr finden, er iſt uns entwiſcht und wir koͤnnen ihm ins Gebirge nachkiettern, wo wir mit groͤßern Heershaufen gegen ihn doch nichts ausrichten koͤnnen. Wollt ihr, Fillan und Oſcar, euch den Ruhm neh⸗ men laſſen, daß ihr zuerſt auf den Feind losgingt und uns einen glaͤnzenden Sieg vorbereitetet, ſo uͤberlaßt mir die Waffen⸗ that, die ich ſelbſt kuͤhn nennen muß.» „Wohlan,“ ſagte Oſcar,„der Verſuch ſteht zu wagen. Beſſer, mit Ehren geſtor⸗ ben, als fortgelebt, wenn uns der Verdacht der Feigheit bedeckt.“ . Berluth und Fingil meinten, daß es gerathen ſey, daß ſie den Weg um den Moor eilig zuruͤcklegten, um Salgar zu⸗ gleich von der Seite anzugreifen, wenn der Angriff von vorn, der großen Schwie⸗ rigkeiten wegen, nicht gelingen ſollte. Es fehle an Leuten nicht, wenn ſie ſich auch von der Haupimacht trennten, Sal⸗ garn die Spitze zu bieten. Dieſer Vor⸗ ſchlag wurde mit dem Beifall Aller ange⸗ nommen und ſo marſchirten Berluth und Fingil im Eilmarſch am Moore hin. Als Salgar dies ſah, ſagte er zu ſeinen Clans⸗ leuten:„Seht, da ziehen ſie hin, um uns von einer andern Seite zu uͤberfal⸗ len, da ſie es auf dem Wege durch's Moor nicht wagen. Laßt ſie nur kommen, ſie ſollen uns bereit finden, einen blutigen Tanz mit ihnen zu tanzen.⸗* Auf dem Wege durch's Moor konnten hoͤchſtens ſechs Mann neben einander gehen. Fillan zog voraus und Oſcar folgte ihm nach. Sie ſahen vor ſich den aufgeworfe⸗ Die Erſtürmung. II. 3 34 nen Wall und dachten daran nicht, daß ſie erſt durch den breiten, tiefen, halb mit Waſſer gefuͤllten Graben mußten, der vor demſelben hingezogen war, ehe ſie ihn er⸗ kiettern konnten. Dicht hinter einander gingen die Streiter, damit ſie ſich auf der trocknen Ebene deſto ſchneller ausbreiten und in die Feinde dringen konnten. Tott⸗ leig und Carul folgten Fillan auf dem Fuße nach, ſo daß der ganze Weg mit einer dichten Menſchenreihe bedeckt war. Als Fillan auf Schußweite von dem Wall und dem Graben noch entfernt war, da ſtuͤrzte aus dem Walde ein Hagel von Pfeilen auf die Seinen hin, von denen jeder zu treffen ien. Auch vom Walle her wurden Pfeile abgeſchoſſen. Man ſah Salgarn auf ſeinem Streitroſſe mit einem ſtaͤhlernen Helm, der im Sonnenſtrahl 5 glänzte, auf dem ein Strauß von Reiher⸗ federn wehete, der nach allen Richtungen hinritt und Muth einſprach. Filan ließ. + ——— —— — ——ro ſey es ja unmoͤglich, Fingil und Berluth 50 nach dem Holze und dem Walle Pfeile hinwerfen, aber er ſah es wohl ein, daß das alles vergebens war. Viele waren verwundet, Einzelne todt, die man auf's Moor hinwaͤlzte, damit die Lebenden Platz haͤtten. Das Zeichen zum Ruͤckzuge wurde gegeben, der aber ſo langſam vor ſich ging, daß noch ſehr Viele verwundet wur⸗ den. Da, wo man endlich gegen die Pfeilſchuͤſſe ſicher war, machte man Halt, die Todten, ſechs Mann und die Verwun⸗ deten, an der Zahl dreißig, wurden zuruͤck⸗ gebracht. Oſear wuͤthete, als er zuruͤckweichen mußte. Man wollte die Ankunft der bei⸗ den Haͤuptlinge jenſeit des Moors abwar⸗ ten und dann im Sturm vordringen. Tott⸗ leig meinte, man muͤſſe es genau erfahren, ob diesſeit des aufgeworfenen Walles auch nicht ein ſo breiter Graben ſey, den man nicht uͤberſpringen koͤnne. In dieſem Falle zu Huͤlfe zu kommen.— Er hatte kaum das letzte Wort geſprochen, als Oſcar ſein Roß beſtieg, das er an der Hand hielt und im ſauſenden Galopp nach dem Walle hinflog. Wohl hundert Pfeile wurden nach ihm abgeſchoſſen, als er bis zu dem Gra⸗ ben hinflog; aber ein gutes Geſchick wal⸗ tete uͤber ihm, zu einer groͤßern That, um Tuͤcke und Blutbegierde zu beſtrafen, war er aufgeſpart. Nur an der rechten Schul⸗ ter war er leicht verwundet. Er gebot augenblicklich, Baͤume zu faͤllen, die man, wenn man bis vor den Graben gekommen ſey, auf die Ufer legen, und ſo den Ueber⸗ gang bewirken koͤnne. Das geſchah. Nach vier Stunden etwa bemerkie man eine Bewegung in Salgars Haufen. Die Bogenſchuͤtzen im Walde verließen denſelben und zogen ſich an die Haupt⸗ macht. Selbſt die, welche bis jetzt den Wall beſetzt gehalten hatten, wurden von ihrem Poſten abgerufen. Es entſtand 9 Tumult, Geſchrei, und jetzt ſah man's deutlich, daß Berluth und Fingil die Bo⸗ genſchuͤtzen aus dem Walde vertrieben hatten, und daß ſie den Sturm auf Sal⸗ gars Schaar mit Ungeſtuͤm begannen. Jetzt ruͤckten die, welche auf dem Moorwe⸗ ge und noch vor demſelben ſtanden, eilig naͤher, um ihren Mitverbundenen zu Huͤlfe zu kommen und dem Feinde eine blutige Niederlage zu bereiten. Die abgehauenen Baͤume wurden uͤber den Waſſergraben gelegt. Mehrere gingen darauf hinuͤber, aber das obere Ende des Stammes war nicht ſtark genug, die Menſchenlaſt zu tragen, es brach und Alle fielen in das Waſſer, die mit Muͤhe gerettet wurden, Einige mußten ſogar ertrinken. Es war ein Anblick, der Aller Herzen zerriß, als man ſo in der Naͤhe zuſehen mußte, wie Salgar die Mitverbundenen, die vor ihm nicht Stand halten konnten, nach ei⸗ nem kurzen Gefecht zuruͤcktrieb, ſie auf eine Strecke verfolgte, indeß Schuͤtzen den 38 Wald wieder beſetzten und aus demſelben ſicher zielten und ſchoſſen. Endlich machte Salgar Halt, zog ſich in ſeine erſte Stellung wieder zuruͤck, ſchickte den Fliehenden einen Reitertrupp, der aber zuruͤckgeſchlagen wurde, und mit denen ſich die beiden Haͤuptlinge, um ihren Schimpf abzuwaſchen, wieder naheten. Abermals begann der Kampf, und dies Mal blieb er eine Weile unentſchieden. Voll Kampfbegierde und Wuth bruͤlltte Oſcar jetzt laut:„Wollen wir müßige Zuſchauer bleiben, und es zugeben, daß unſere Freunde gemordet werden? Wer ein redlicher Schotte iſt, der folge mir!⸗ Mit einem Satz ſprang ſein Roß in den Graben, faßte ſeitwaͤrts daſſelbe Land und alle Reiter folgten ihm. Jetzt ſtuͤrzten ſich mehrere Fußtruppen hinab und ſchwammen durch das Waſſer. Mit großer Muͤhe kletterten ſie den Wall hinan. Jetzt konnte man auch Gebrauch von mehreren Kaͤhnen 39 machen, die hinter dem Walle ſtanden, welche man benutzen wollte, im Fall die Feinde auf dem Wege durchs Moor zuruͤck⸗ wichen, um ſie zu verfolgen. Aber Salgar wartete es nicht ab, nis er von zwei Heereshaufen angegriffen wer⸗ den konnte, er nahete ſich langſam und immer fechtend dem Gebirge. Von ſeinen Leuten konnte man es in Wahrheit ſagen⸗ daß ſie wie wuͤthende Loͤwen kaͤmpfen und dem Befehle ihres Anführes puͤnktlichen Gehor⸗ ſam leiſteten. Haͤtte Salgar das Gebirge, was ihm zur Rettung diente, nicht hinter ſich gehabt, ſo waͤre er mit ſeinem Heere aufgerieben oder gefangen genommen. Als er einen bedeutenden Vorſprung hatte, draͤngten ſich die Seinen einen tiefen Hohlweg hinauf, an deſſen Seiten hohe, ſteile Felſenwaͤnde emporſtarrtien. Da. ſie einen Weg von einer Viertelſtunde zuruͤck⸗ gelegt hatten, fanden ſie die Steinhaufen, und warfen und wäͤlzten auf die ihnen 8 1 40 nachdringenden Feinde Felsſtuͤcke, wodurch viele verwundet und einzelne erſchlagen wur⸗ den. Als ſie ſich naheten, regnete es Pfeile auf ſie. Es war hier nicht an Vertheidigung zu denfen. Einen Umweg, daß man Sal⸗ gar in Ruͤcken fallen konnte, wußte keiner als Fillan, welcher der Gegend kundig war. Auf demſelben ging er mit Oſcar und den Bewaffneten von dem Hauptheer, das ſich zuruͤckziehen mußte, wenn es in dem Hohlwege nicht ſeinen Untergang fin⸗ den wollte. 3 FJetzt hoͤrte man das laute Geſchrei der Mitverbundenen von der Anhoͤhe herab, und eilte den Hohlweg herauf, der nur noch ſchwach vertheidigt wurde. Salgars Leute waren jetzt von zwei Seiten ange⸗ griffen, und nach einem kurzen moͤrderi⸗ ſchen Kampfe, wo man ſich mit den Schwerdtern und Lanzen ſchlug, war der Sieg fuͤr die Verbuͤndeten entſchieden. 1 41 2 Schon hoben die Barden den Siegsge⸗ ſang an. f Tottleig erkannte Salgarn an der Ruͤſtung zuerſt und jagte mit verhaͤngtem 4 Zuͤgel und aufgehobener Lanze auf ihn zu. Es begann ein gewaltiger Zweikampf, wo⸗ bei Oſcar und Fillan Zuſchauer waren. Durch einen maͤchtigen Stoß wurde Tott⸗ leig vom Roſſe geſtuͤrzt. Jetzt bruͤllte Salgar die Beiden an, die er kannte: „Dir Maͤdchenraͤuber, und Dir unbaͤrtigen Knaben will ſch hier die Bezahlung geben, kommt!» Sie riefen ihm Pardon zu; aber er entgegnete:„Von ſolchen Wichten nimmt Salgar keine Wohlthat an. Er leidet lieber den Tod, als daß er von euch das Leben als ein Geſchenk annimmt!“ — — — —— — Er fuhr zuerſt mit dem Schwerdte auf Fillan zu und wuͤrde ihm den Kopf getroffen haben, wenn er ſein Roß nicht ſeitwaͤrts warf. Beide Juͤnglinge drangen ——— mit ihren Schwerdtern ohne Schonung ein. Die Moͤglichkit, ſie niederzuhauen, entſchwand ihm, die Lebensgefahr wurde fuͤr ihn immer groͤßer, er wurde dahin zu⸗ ruͤckgedraͤngt, wo der Fels ſehr abſchuͤſſig war. Entfliehen konnte er nicht mehr. Da bruͤllte er:„Frei leben und ſterben! Wenn ihr Herz habt, folgt mir nach!“ Als er ſein Roß umwandte, verſetzte Oſcar demſelben einen moͤrderiſchen Streich, daß es mit Salgar, der dieſen Sprung wagen wollte, in einer Hoͤhe von etwa vierzig Fuß auf ein hervorſpringendes Fel⸗ ſenſtuͤck hinabflog. Man ſah es von oben, daß das Thier einen oder mehrere Scheu⸗ kel zerbrochen hatte. Salgar machte ſich augenblicklich von demſelben los und eilte, ſo ſchnell es gehen wollte, mit der einzigen Waßffe, dem Schwerdte, davon. „Der darf uns nicht entkommen,“ ſagte der kuͤhne Oſcar,„und wenn ich mit — 43 meinem Roſſe auf dem Wege zu ihm Hals und Beine brechen ſoll. Ni icht darf man von mir ſagen koͤnnen, Armins Sohn, weil er Gefabr ſcheuete, ließ ſeinen Feind entfliehen.“— Das Roß baͤumte ſich und wollte den Sprung nicht wagen, Fillan rieth ernſtlich ab, daß Oſcar ihn nicht wagen ſollte.„Kannſt Du mir nicht⸗ folgen,“ entgeg⸗ nete er mit einem Flammenauge,„ſo bleibe zuruͤck.“ Und nochmals ſtieß er mit Um⸗ geſtum ſeinem Roß in die Seite und— als man hinabſah, lag Mann und Roß wie todt auf der Klippe. Alle betrauer⸗ ten den edlen, kuͤhnen Juͤngling, dem eine zu muthige That das Leben raubte. Es war unmöglich, hier von dem Felſen hin⸗ abzukommen, um dem Gefallenen noch mög⸗ liche Huͤlfe zu leiſten. Man ſchlug einen weiten Umweg ein. Fillan aber ſprach: „Nehmt euch des theuern Oſcars an, mich aber laßt davon eilen, daß ich mich Sal⸗ gats bemaͤchtige. Er nahm zwei ſeiner 8 44 treueſten Knechte mit ſich, die in voller Ruͤſtung waren. Es wurden nur wenig Gefangene ge⸗/ macht, da die Meiſten entflohen und ſich in den Gebirgen verloren, in die man ſich nicht verirren wollte. Die Zerſtreueten ſammelten ſich und traten den Weg nach Drumardo an, um Küuͤche und Keller zu leeren und eine Anzahl Vieh als Bezah⸗ lung mitzunehmen. Der Jubel war allge⸗ mein und man war zuſrieden, daß man Salgarn gedemuͤthigt hatte. Aber Tottleig ſchweifte noch mit einem Trupp umher, weil er ſich Salgars bemaͤchtigen wollte. — Ohne ihn gefunden zu haben, kehrte er am folgenden Tage von ſeinen Nachſuchun⸗ gen zuruͤck. — In einem engen Gebirgsthal weidete. ein Hirte die kleine Heerde von Drumar⸗ do. Fillan nahete ſich ihm und ſagte: „Haſt Du nicht Salgar den Haͤuptling 45 geſehen? Die Feinde, wie Du wiſſen mußt, haben Drumardo verlaſſen, ich kom⸗ me hierher, ihm alle moͤgliche Huͤlfe zu leiſten.“—„Seit acht Tagen weide ich hier und weiß es nicht, ob Feinde in Drumardo geweſen ſind, oder nicht. Seyd Ihr aber des Haͤuptlings Freund und kein Betruͤger, ſo will ich Euch die Hoͤhle zei⸗ gen, in der er ſich verborgen haͤlt. Geht dieſe von wildem Waſſer ausgehoͤlte Schluſt hinauf, wendet Euch dann rechts, ſo kommt Ihr zu einem niedern Birkengebuͤſch, hin⸗ ter dieſem iſt die Hoͤhle. Laßt Eure Roſſe hier, ſie koͤnnen den ſteilen Weg, der nur fuͤr Fußgaͤnger mit Muͤhe erſteigbar iſt, nicht gehen.“ Fillan nahm nur einen Knecht mit, den andern ließ er bei den Roſſen und kletterte mit Gefahr und Beſchwerde die ſteile Anhoͤhe hinauf. Als er aus dem niedern Birkengebuͤſch trat, uͤberfiel ihn ein Schreck, daß es ihm durch alle Glieder 3 . 45 grauſte. Er ſah Salgar, bleich wie eine Leiche, mit entbloͤßtem Schwerdte in der Hoͤhle voranſtehen, der ihn mit aufgeriſſe⸗ nur naͤher, hier ſoll Dein Grab ſeyn! Un⸗ hold, treibt Dich die Rache bis zu dieſer Hoͤhle!“ Er hielt das Schwerdt zum Hiebe bereit. Fillan ſagte:„Seyd mein Ge⸗ fangener, ſo darf das ungewiſſe Schickſal unter uns nicht entſcheiden.“—„Koͤnnte ich die Schmach ertragen, Dein Gefange⸗ ner zu werden? Schaͤndlich haſt Du Dich an mir vergangen! Mein Ungluͤck ver⸗ danke ich Dir. Meinen Ruhm haſt Du begraben! Kaͤmpfe, wenn Du kein Feig⸗ ling biſt.“—„Ihr wollt es, wohl, es ſey!’e„ her Salgar war matt, und von Hunger und innerer Wuth verzehrt, konnte er die nen Augen anblitzte und ſagte:„Komm — Die Schwerdter klirrten und blitzten. — 2— —— — friſche ungeſchwaͤchte Kraft des Juͤnglings nicht beſtegen. Mit wuͤthender Geberde ſagte er:„Laß mir ſo viel Zeit, daß ich mich ſelber morde.“— Er hielt die Spitze, des Schwerdtes vor die Bruſt und wollte hineinfallen. Fillan ſprang zu, riß es ihm weg und ſchleuderte es in die Tiefe hin⸗ ab.„Soll mich die Schmach und Schan⸗ de langſam zu Tode martern? Verruchter, auch dieſer Qual willſt Du mich uͤberge⸗ ben?“ donnerte Salgar. „Erſt tobt Euern Grimm aus,“ ſagte Fillan,„dann laßt mich einige Worte re⸗ den.“ Salgar ſank auf den Boden nieder und Fillan ſprach:„Habe ich Euch be⸗ leidigt, ſo vergebt! Verzeihung iſt edler als Rache. Ich bekenne, daß ich durch den Raub Eurer Tochter Unrecht that. Aber welches Menſchenherz hat nicht ge⸗ fehlt! Ihr kennt den Schmerz nicht, der in meinem Innern tobt, den maͤchtigen Salgar ſo vor mir zu ſehen, Glaubt, ich habe Mittel, Eure Leiden Euch ertraͤglicher zu machen. Koͤnnt Ihr mich im Leben nur haſſen, da, nehmt mein Schuurdt, ſtoßt es durch meine Bruſt, dann we Ihr doch glauben, daß meine 1 n i buͤßt iſt. Das Eine flehe ich noch von Euch, troͤſtet Bosmina!“ Salgar blickte auf, aber mit Ruhe und ſegte:„Fillan, Du haſt mich uͤber⸗ wunden!“— Er reichte ihm die Hand und ſprach:„Ewiger Friede herrſche un⸗ ter uns! Meine Tochter werde Deine Gattin. Mein Wille iſt gebrochen, die Goͤtter ſtehen auf Deiner Seite. Ver⸗ rathe es nie, daß Du Salgar ſo ohnmaͤch⸗ tig auf dem Boden ſitzen ſahſt, eile nach Balelutha, gruͤße die Deinen und Bosmina, mich aber laß hier, bis ich gewiß weiß, daß in Drumardo keine Gefahr fuͤr mich iſt. Von dorther laß mir durch einen ver⸗ 3— ſchwiegenen Boten Lebensmittel bringen. Die letzte Spur von Haß gegen Dich will 49 ich aus meiner Bruſt vertilgen. Glaube meinem Worte, vertraue mir. Es ſoll Dich nie gereuen, daß Du mir das Leben erhielteſt. Sag Moina, daß ich lebe. Gehe, der Hunger quaͤlt mich.“ Was Salgar wuͤnſchte, wurde beſorgt. Auf Drumardo hatten die Feinde eine große Zerſtoͤrung angerichtet. Moina aber wurde mit der Schonung und Achtung, die ihrem Geſchlechte gebuͤhrte, behandelt. Als Fillan ihr erſchien, da war ſie einer Ohnmacht nahe. Sie rief ihm zu;„Ihr, Ihr ſeyd der Stifter alles Ungluͤcks. Erſt raubt Ihr mir die Tochter, dann ſeyd Ihr an dem Tode Salgars Schuld! Ich habe Euch nie beleidigt und Ihr habt mich ſchrecklicher als die Rachegoͤtter geſtraft! Flieht aus meiner Naͤhe, Euer Anblick kann mich toͤdten!“ „Aber ich komme von Salgar, er hat mich an Euch abgeſchickt, er laͤßt Euch Die Erſtürmung. II. 4 — bitten, ihm Nahrungsmittel zu ſchicken. Ich bin mit ihm verſoͤhnt, er hat mir ſeine Tochter zugeſagt!“ „uUnfinniger,“ rief ſie aus,„willſt Du mich nochmals taͤuſchen 25 „Ich muß fort, aber der Knecht, der mit mir vor der Hoͤhle ſtand, in der ich Euren Gatten fand, bleibt hier, damit er Salgar, da die Feinde Drumardo verlaſſen haben, hieher fuͤhren kann. Die That wird es beſtaͤtigen, daß ich Wahrheit redete.“ Als Fillan aus der Halle ging, ſagte Noina in der hoͤchſten Gemuͤthsbewegung: Waͤre Alles ſo, wie Ihr's ſagt, ſo will ich die Goͤtter preiſen!* Sie ſelbſt machte ſich ſogleich mit Roſcrana auf und nahm Lebensmittel, einige Clansleute mit ſich und trat den Weg nach dem Gebirge an. Fillans 4 51 Knechte mußten ihr als Fuͤhrer dienen. Jetzt zweifelte ſie nicht mehr, daß der Juͤngling Wahrheit ſagte. Mit großer Anſtrengung nur konnte ſie die ſteile An⸗ hoͤhe erklimmen. Am Eingange der Hoͤhle ſah ſie ihren Gatten ſtehen. Mit ausge⸗ breiteten Armen und weinend flog ſie ihm entgegen und ſagte:„Da ich Dich noch habe, kann ich getroſt jeden Verluſt er⸗ tragen le „Edles Weib!“ ſeufzte Salgar.„Die Goͤtter haben es ſchrecklich mit mir ge macht! Vor mir ſelber muß ich mich ſchaͤmen! Wie erniedrigten ſie mich!* „Und,“ ſprach ſie troͤſtend,„wie koͤn⸗ nen ſie Dich wieder erhoͤhen! Sage, haſt Du Fillan Deine Tochter zugeſagt?““ „Das habe ich. Er war gegen mich ein großmuͤthiger Feind. Auf immer iſt mir nun der Trotz gebrochen, und was ich im kuͤhnen, ſelbſtvermeſſenen Uebermuthe ſchlecht machte, das will ich zu verbeſſern ſuchen. Erfahren ſollſt Du's, daß ich milder ſeyn kann, als ich fruͤher war. Eine harte Cur iſt mit mir vorgegangen, aber ſie hat mich vom den Flecken der Seele geheilt.“ 4 Er nahm Speiſe und Trank zu erquicken und zu ſtaͤrken. N einen andern Weg vom Felſen herab, der leichter zu gehen war. Salgar beſtieg nun ein Roß und ritt unter wichtigen und ruͤhrenden Geſpraͤchen üiber die große Ver⸗ anderung, die in wenigen Tagen mit ihm vorgefallen war, an Moina's Seite nach Drumardo zuruͤck. Als er die Verwuͤſtung ſah, und hoͤrte, was ihm geraubt ſey, ſagte eer mit ruhiger Miene:„So arg habe ich's doch nie mit meinen uͤberwundenen Feinden gemacht! Sie gingen mit wuͤ⸗ thender Rache gegen mich zu Werke. Statt zu vergelten, will ich verzeihen.“ ——— — toͤdtet von meines Vaters Hand, was Haͤuptlinge mit ihren Kriegern, reich an Beute, in ihre Clans ſiegreich wieder ein⸗ gezogen waren, als Fillan in Balclutha nicht erſchien, wurde der Schmerz, der dort ſo ſchon Statt fand, noch vergroͤßert. Man ſagte aus, er habe ſich von der Haupt⸗ macht getrennt, um dem entflohenen Sal⸗ gar nachzueilen und es ſey wohl moͤglich, daß ihn dieſer mit den beiden Knechten, die er bei ſich gehabt habe, erſchlagen haͤtte. Bosmina trauerte tief um Fillan und die ſanfte, gutmuͤthige, zart fuͤhlende Annet, Caruls Tochter, ſuchte ſie zu troͤſten. „Ach,“ ſagte Bosmina,„iſt er ge: kann mein Herz mit dem verſoͤhnen, dem ich Kindesliebe ſchuldig bin? Hier mag ich auch nicht bleiben. Wie ungluͤcklich werde ich mich in meinem Vaterhauſe fuͤh⸗ len? Wie wird mich die Mutter empfan⸗ den, die ich ſo leicht verlaſſen konnte! Ah, der Vater wollte es nicht, daß ich mich mit Fillan verbinden ſollte, die Mut⸗ ter warnte mich im weiſſagenden Geiſte davor, ich war ungehorſam, ich folgte mei⸗ nem Herzen, das gegebene Verſprechen war mir heilig! Wie werde ich beſtraft, daß ich meine Kindespflicht verletzte Nun muß ich auch uͤber Fillan ench Ach, wie viele Noth haͤtte ich den Eltern und mir ſelbſt erſpart, wenn ich ihren Rathe folgte! Iſt der Wunſch, daß ich Fillan nie geſehen buten moͤchte, mir nicht zu verzeihen?e Fillan kehrte unterwegs bei dem Haͤuptling Carul ein, und was er nicht erwartete, er fand Cormar bei ihm. Carul rief ihm froh entgegen:„Welche Freude werdet Ihr in Balclutha verbreiten! Dort glaubt mun, daß Ihr gemordet ſeyd. Wißt Ihr von Salgar nichs⸗ 24* 55— „Nichts weiß ich von dem.“ „Nun, Fillan,“ ſagte Cormar,„habe ich der Freundſchaft nicht viel aufgeopfert, daß ich keinen Theil an dem Siege nahm?“ „Du haſt gerecht, aber auch klug gehandelt. Mit Salgar, denke ich, wollteſt Du's nicht verderben, Dich aber mit ihm zu verbinden, das ſchien Dir zu gefaͤhrlich. Du verſtehſt die Kunſt, zwiſchen zwei Wolken hindurch zu gehen, von denen die eine regnet, indeß aus der andern Blitze fahren.“ 8* „Tadelſt Du die Kunſt?⸗ „Du magſt Dir das Urtheil ſelber ſprechen. Wider mich haſt Du nichts ge⸗ than, fuͤr mich auch nichts, alſo bin ich Dir dies Mal keinen Dank ſchuldig.“ 56 „Aber,“ fragte Fillan,„wie ſteht's mit dem loͤwenmuͤthigen Oſcar? Ihn liebe ich unbeſchreiblich und ehre ſeinen Muth. Der iſt ein treuer Freund!“ „Er iſt mit einem Beinbruche davon gekommen,“ erwiederte Carul,„der wieder geheilt werden kann. Der Vater umarmte ihn, als er ſeine That erfuhr, und ſagte: „Sohn, Du wirſt einſt Deinen Stamm noch herrlicher machen! Viel mehr ge⸗ winnt die Welt durch Dich, als ſie durch mich verlieren kann. Wer einen ſolchen Sohn hinrerlaͤßt, kann ruhig ſterben. Aber, fragt Ihr nicht, wie's in Balclutha * ſteht?“ „Ich denke, daß ſie um mich trauern, weil ſie glauben, daß ich nicht mehr lebe; aber ihre Freude wird um ſo groͤßer ſeyn, wenn ſie mich erblicken.“ „So wißt Ihr's alſo nicht, daß 4 —; ——— N Leben verlor?“⸗ Euer Vater durch einen Pfeilſchuß ſein „Durch einen Pfeilſchuß? Er blieb ja in Balclutha, wo er keinen Feind gefehen hat. Haͤtte ich meinen Vater verloren! Mir war er auf Erden der erſte Freund. An ſeinen Verluſt mag ich noch nicht glau⸗ ben. Sollte die Freude, die ich empfinde, durch einen ſolchen Schmerz verbittert werden? So ſagt doch hurtig, wie das kam, daß er auf eine gewaltſame Weiſe ſein Leben verlor? Wißt Ihr das gewiß, und macht Ihr mir nicht vergeblichen Kummer?“. „Ich weiß es ganz gewiß, weil ich ſelbſt in Balclutha war, um meine Annet abzuholen. Bosmina aber flehete, daß ich ihr die Freundin, die ihr zum großen Troſt gereichte, noch laſſen ſollte, und mein Mit, leid ließ ſich bewegen.“ 58 „Die Geſchichte iſt raͤthſelhaft,“ fing Carul an,„die Zeit vielleicht wird das Dun⸗ kel helle machen, in das ſie gehuͤllt iſt. Wir waren etwa fuͤnf Tage von Balclutha weg, da wird es um Mitternacht vor dem Thore laut, und immer lauter. Die ausgeſtellten Wachen geben das Zeichen, daß Feinde da ſind. So eilig es geſchehen konnte, greift man zu den Waffen. Euer Vater ahnet, daß Salgar eine Bande abgeſchickt hat, die ſeine Tochter rauben ſoll, und ſo viel Ver⸗ derben ſtiften, als ſie vermag. Da er's nicht wußte, wie ſtark die Macht der Fein⸗ de iſt und mit ſeinen wenigen Leuten nur ſchwachen Widerſtand leiſten konnte, gab er ſogleich Befehl, daß die Frauen mit Bosmina in den geheimen Gang fluͤchten mußten, der nach dem Walde fuͤhrt.“ — „Die Rotte hatte alle Werkzeuge bei ſich, um das Thor einzuſtuͤrmen. Es ſtuͤrzte mit großem Krachen aus den An⸗ geln, die Naͤuber drangen ein und trieben — 59 das Haͤuflein Baleluther, das Dewon be⸗ fehligte, bis auf den großen Platz vor dem Schloſſe zuruͤck. Auf Eures Vaters Befehl mußten ſeine Leute ſich in die Wohnung ſtuͤrzen. Die Thuͤr wurde ver⸗ riegelt, nun ſchoß man mit Pfeilen auf die Feinde und warf große Steine auf ſie, die von einer Mauer losgebrochen wurden. Sie droheten, die Wohnung in einen Schutthaufen zu verwandeln, Alles nieder⸗ zumetzeln, wenn man Bosmina, Salgars geraubte Tochter, nicht herausgaͤbe. Da legte ſich Dewon zum Fenſter heraus und donnerte die Feinde alſo an: Solchen Naͤubern und Mordbrennern, wie ihr ſeyd, die in der Nacht kommen und friedliche Wohnungen uͤberfallen, werde ich nie eine Jungfrau anvertrauen.— Er hatte kaum das letzte Wort geſprochen, als ein abge⸗ ſchoſſener Pfeil ſeinen Hals traf und ihn durchbohrte. Er ſiel zuruͤck, lebte kaum eine Stunde noch und endete dann ſein Leben.“ 60 „Unterdeß drangen die Feinde in die Wohnung durchſuchten alle Winkel und Ecken, und als ſie Bosmina nicht fanden, zogen ſie wieder ab; ehe der Tag grauete. unnd auch das kleinſte Stuͤck Beute nicht mit ſich genommen. Man ſchlich ihnen nach, um zu ſehen, welchen Weg ſie nah⸗ men; ſie gingen auf den Tittli⸗Wald los, der von Drumardo in entgegengeſetzter Nichtung liegt. Keine Spur iſt da, um zu erfahren, wo ſie geblieben ſind, und wer ſie waren; doch faͤllt der Verdacht allein auf Salgar.“ „Das faͤllt er nicht,“ ſagte Fillan, „denn der konnte ſeine Macht nicht ſchwaͤchen, wenn er ein verbuͤndetes Heer cher Bubenſtreich, den geheimnißvolles Finſter umgab, enthuͤllt worden, vielleicht 8 Weiteres Unheil haben ſie nicht angerichtet Aberwinden wollte. Nun, es iſt ſo man⸗ immt dieſer auch ans Licht. Wie gering nauern Umgang ſich inniger mit ihm zu 6x achte ich nun den Sieg, da mir der Vater ermordet iſt!“ Keine Ruhe hatte Fillan bei Carul mehr, er eilte nach Balclutha, um die Seinen zu troͤſten. Cormar bot ſich ihm zum Begleiter an und ſagte:„Dir allein, wenn Du in der Nacht reiteſt, koͤnnte Feindliches begegnen, ich habe zwoͤlf Ge⸗ waffnete bei mir, Burſche wie Loͤwen, die zu kaͤmpfen verſtehen, wenn Landſtreicher und Raͤuber es wagen ſollten, uns anzu⸗ greifen.“— Ein ſolches freundliches Aner⸗ bieten nahm Fillan mit Dank an und ruͤhmte die Fuͤrſorge ſeines Freundes. Auf dem Wege nach Balelutha war Cor⸗ mar ſo guͤtig und herzlich gegen Fillan⸗ daß dieſer neues Vertrauen zu ſeinem Ju⸗ gendfreunde gewann, ihm, da er ein ver⸗ ſoͤhnliches Gemuͤth hatte, das vergangene Unrecht verzieh und ihn bat, durch ge⸗ 62 verbinden. Fillan mußte ihm Verſchwiegen⸗ heit geloben und er entdeckte ihm das Ge⸗ heimniß, daß er Annet, Caruls Tochter, heirathen werden, wenn ſie ihm nicht ab⸗ geneigt ſey. Die Zuſtimmung zu der Verbindung haͤtten ihm die Eltern ſchon gegeben. „Weiß ich's nun, warum Du mich nach Balclutha begleiteſt?“ „Ich wil's auch nicht, Fillan, daß Du mir dieſe Begleitung als einen großen Dienſt anrechnen ſollſt; aber fuͤr eine Ge⸗ faͤlligkeit wirſt Du ihn doch achten. Wollte ich damit nicht auch fuͤr Deine Sicherheit ſorgen? Und wollte ich Annet ſehen, ſo konnte ich ja den Tag zu meiner Reiſe waͤhlen. Hatteſt Du immer die Weiſe, ſolchen Abzug von Gefaͤlligkeiten zu ma⸗ chen und ſie als das Werk des Eigen⸗ nutzes zu betrachten, der Kleines giebt, um Groͤßeres dafuͤr zu gewinnen?⸗ — 63 „Du dehnſt einen Scherz zu weit aus,“ ſagte Fillan,„und giebſt ihm eine Bedeutung, die mein Herz mißbilligen muß. Laß uns alles meiden, was den Freundſchaftsbund wieder zerſtoͤren kann, den wir von neuem errichten wollen.“ Freude, aber auch Schmerz bewegte ſich ſtaͤrker in Fillans Herzen, als er den Fels ſah, auf dem ſich der alte, viereckige Thurm von Balelutha erhob. Er wurde ſtill und ſprach nicht. Freudiges, was Bosmina entzuͤcken mußte, hatte er ihr von ihrem Vater zu ſagen; aber er dachte auch an den Kummer ſeiner Mutter, die den treueſten, zaͤrtlichſten Gatten verlor, die er nicht troͤſten konnte. Vielleicht ſchrieb ſie ihm ſogar einen Theil der Schuld des unerſetzlichſten Verluſtes zu. Als der Thorwart ſeine Stimme er⸗ kannte und ihn ſah, oͤffnete er ſogleich das Thor und ſagte mit frohem Geſicht:„Ein 8 64 Gaſt, der willkommener iſt als Ihr, iſt noch nie durch dies Thor gezogen! Welche Thraͤnen ſind um Euch gefloſſen! Indeß „ Ihr aber uͤber den Feind ſiegtet, war hier ein großes Getuͤmmel, in dem Ihr Euern Vater verloret. Ihr habt den beſten Va⸗ ter nicht mehr und mir iſt der beſte Herr gemordet. Die Clansleute werden lange um ihn weinen!“ Die Frauen ſaßen bei Tiſche und fuͤhrten traurige Geſpraͤche. Von dem todt geglaubten Fillan war die Rede. Nicht ohne geheimen Schmerz dachte Bosmina an ihren Vater; aber ſie redete nicht mehr davon, weil Fillans Mutter einſt ſagte:„An allem Ungluͤck iſt Dein Vater ſchuld; es waͤre nicht gekommen, wenn er nicht Fillan verachtete und Dich ihm zur Gattin gab. Allgemein trifft ihn der Verdacht, daß er die Rotte in der Nacht ſandte, Dich von Balcluthaggewalt⸗ ſam hinwegzufuͤhren, von der ein Verruchter 65 meinen Dewon mordete.“— Die Frau, die vom Schmerz gereizt dieſe Worte aus⸗ ſtieß, ſuchte ſie hinterher auf alle Art zu mildern, da ſie es ſah, wie tief ſie damit die ſchuldloſe Bosmina betruͤbte, die im kindlichen Gemuͤthe den Vater doch nicht haſſen konnte. Man hoͤrte das Knarren der Thor⸗ fluͤgel und Alle ſprangen von der Tafel auf, flogen an die Fenſter, um zu ſehen, wer die Kommenden waͤren; aber an den todtgeglaubten Fillan, der Salgarn nach⸗ ſetzte, um ihn zum Gefangenen zu machen, dachten ſie nicht. Da kam Einer vor den Andern vorausgeſprengt, Bosmina erkannte ihn und rief, allen Gram vergeſſend, laut aus:„Das iſt ja Fillan!“— Die Mut⸗ ter war von dem freudigen Schreck ſo an⸗ gegriffen, daß ſie ohnmaͤchtig ſchwankte und den Andern, die aus der Thuͤre eilten nicht nachfolgen konnte. Sie ſank auf einen Seſſel nieder. Laut ſagte ſie: Die Erſtürmung. II. 5v 8 ſeiner Urpäter, und ſind wir getroͤſtet, ſo 66 „Ich preiſe Euch, Ihr guten Goͤtter, nicht Alles, was im Leben mir das Theuerſte iſt, habt Ihr mir entriſſen!“— Thraͤnen ſtuͤrzten uͤber ihre Wangen. Hand in Hand traten Fillan und Bosmina in die Halle. Der Sohn nahete ſich der Mutter, kniete vor ſie nieder, ſchlang ſeine beiden Arme um ſie und ſagte:„Mutter, das Schickſal hat unſer Herz auf's haͤrteſte verwundet, wir Beide muͤſſen uns troͤſten. Uebertreibt es nicht mit dem Gram, die Todten kann Niemand aus den Graͤbern hervorrufen. Der Vater hat uns wohlgethan, laßt uns ihm dafuͤr danken. Inniger noch verbinden wir uns nun mit einander und ich will ganz Eure Stuͤtze ſeyn. Ihr habt ja mich nun noch, den Ihr leicht verlieren konntet, wenn die Goͤtter ſein Leben nicht beſchuͤtzten. Gluͤck⸗ lich iſt der Vater in dem erzenen Hauſe 67 ſieht er mit frohem Geiſte auf uns bernie⸗ der. Bald werdet Ihr ihn wieder ſehen.“ Die Mutter umarmte den Sohn und benetzte ſeine Wange mit ihren Thraͤnen. Als ſie fragte, warum er laͤnger ausgeblie⸗ ben ſey, als die Clansleute, und ihr da⸗ mit eine ſo große Angſt gemacht häͤtte, erwiederte er:„Ich verfolgte Salgar um ihn gefangen zu nehmen, damit er nicht in eines wilden Kriegers Häͤnde gerathen ſollte, de, den Kampf auf Tod und Leben mit ihm begann. Alle Schonung wollte ich dem Vater meiner Bosmina erweiſen.“ „Wie edel Dein Herz gegen einen Feind denkt. Fandeſt Du ihn?“ „Nein, ich fand ihn nicht, verirrte mich im Gebirge, bis ich endlich auf einen Hirten in einem engen Thale ſtieß, der mir den rechten Ausweg zeigte.“ 68 Cormar fand, daß Bosmina einen großen Theil ihrer Reize verloren hatte, ihre Geſichtsfarbe war blaß und die friſche Fuͤlle war von ihren Gliedern verſchwun⸗ den. Das Feuer, was ſonſt in ihren Au⸗ gen brannte, ſchien erloſchen. In allen ihren Bewegungen, ſelbſt in ihrer Sprache, verrieth ſich eine große Mattigkeit. Er verglich ſie mit der liebenswuͤrdigen Annet, die ihm dagegen, wie ein heiterer, friſcher Fruͤhling erſchien. Um Bosmina bekuͤm⸗ merte er ſich nicht; aber auf Annet rich⸗ tete er ſeine ganze Aufmerkſamkeit. Dieſer Haͤuptling gehoͤrte zu der Art Maͤnnern und Juͤnglingen, Ruckſicht auf die Guͤte die liebenswuͤrdigen Eig nen Geſchlech die weniger des Charakters und enſchaften des ſchöͤ⸗ ſind; daher ſie auch keine ſich haben, an dem ſie das Einfawhe und das Reine und Zuͤchtige, das . Sucloſe, ts nehmen, weil ſie ſelbſt ohne wahre Tugend und moraliſche Wuͤrde n Maaßſtab in — 1 * Weiche und Zarte meſſen koͤnnen. Sie ſind ſinnlicher Natur, und lieben nur das aͤußere Schoͤne, auf eine ungewiſſe Zeit, ſo lange es ihnen gefaͤllt und die Flamme einer gluͤhenden Leidenſchaft unterhaͤlt. Um ihren heftigen Trieben zu genuͤgen, ſcheuen ſie auch den Gebrauch unerlaubter Mittel nicht. Ihnen iſt die Tugend ein leerer Name, mit dem ihre Lippe ſpielt, wenn ſie damit taͤuſchen und unerlaubte Zwecke er⸗ reichen koͤnnen. Sie tragen kein Beden⸗ ken, wenn die wilde Luſt ſie ſpornt, die heiligſten Verhaͤltniſſe zu verletzen und oft ſchon bahnten ſie ſich den Weg zum Ziele uͤber Leichen. Fillan erbat ſich die Erlaubniß, ſich auf eine Weile mit Bosmina entfernen zu duͤrfen, um mit ihr allein und ohne Zeu⸗ gen zu ſprechen. Cormarn war's, als ob ihm ins Herz geſtochen wuͤrde, ein ploͤtzli⸗ cher Verdruß flammte in ihm auf, er haͤtte Fillan nreiſen u und in die Halle zuruͤck⸗ ——— — ſchleudern moͤgen. Jetzt fuͤhlte er's, daß er gegen Bosmina nicht gleichguͤltig war und er empfand alle peinigenden Anfaͤlle der Eiferſucht. Aber er hatte ſich in ſeiner Gewalt, er konnte ein ruhiges, freundliches Geſicht maͤchen, wenn es in ihm tobte und es von Zorn und Haß in ſeinem In⸗ nern uͤberwallte. Nach einer Weile entfernte ſich auch die Wittwe und ſagte, ſich entſchuldigend, daß ſie bald wiederkommen werde. Cor⸗ mar und Annet waren nun allein in der der freundlichen Miene und dem glatten Worte, das ſo leicht die Herzen fuͤr ihn floͤßte:„Ich komme mit Fillan von Eu⸗ rem Vater. Die Mutter wuͤnſcht Euch zuruͤck in ihre Arme. Bosmina kann Euch nun entbehren, der Ihr guͤtigen Boiſtand geleiſtet habt. Euer Vater lud mich Halle. Er nahete ſich ihr und ſprach mit einnahm und Vertrauen und Glauben ein⸗ freundlich ein, ihn oͤfters zu beſuchen; 9 71 weiß ich's erſt gewiß, daß Ihr dort ſeyd, ſo werde ich kommen. Ihr ſollt es ſehen, daß mich der eigene Geiſt nach Fergmoore treibt, und daß ich Euch ungeladen er⸗ ſcheine. Ob Euch das wohl lieb iſt?ke Annet hielt den Blick zur Erde nie⸗ der, ſie ſchwieg eine Weile mit der Ant⸗ wort und ſagte dann:„Warum ſollte mir's nicht lieb ſeyn, wenn Ihr meinen Vater beſucht? Nichts Feindliches trage ich gegen Euch im Sinn, auch habt Ihr mich nie beleidigt“ 6 „Wie ich von Euch denke, und was ich von Euch halte, das habe ic Euerm Vater offenbart. Er wird Euch fragen und Eure Antwort erwarte ich von ihm, „Cormar, Ihr ſprecht in unberſtibi⸗“ chen Worten und der Sinn Eurer Worte iſt mir nicht klar. Wie fandet Ihr den Vater?“ 22 „Guͤtig und liebevoll gegen mich. Wie geſagt, weilt nicht laͤnger in Balclutha, Bosmina kann Euch nun entbehren. Ich denke mir's, ungeſtoͤrt kann ſie das Gluͤck der Liebe nicht genießen. Die Mutter haͤtte ſie nicht ver aſſen muͤſſen. Das haͤt⸗ tet Ihr wohl nicht gethan. Auch die zaͤrtlichſte Neigung ſoll uns nie erdreiſten, eine heilige Pflicht zu uͤbertreten. Und was Fillan that, das haͤtte ich nie gethan. „Nur auf dem ehrlichen Wege, Annet, will ich die Gattin gewinnen, auf einem andern nicht. Seyd Ihr nicht meiner Mei⸗ nung 2⸗ „Es ſf ſchwer, des Andern Hand⸗. lungsweiſe zu richten und gern enthalte ich mich des Urtheils uͤber ihr Thun. Es muß ein Jeder fuͤr ſich ſelber ſtehen.“ Die Wittwe Dewons kam wieder, ihr Gemuͤth ſchien heiterer, ſie ſagte faſt ſcherzend:„In Euern Jahren iſt es uns — — — 1 23 nicht unlieb, wenn man uns alein laͤßt, da pflegt es an Unterhaltung nicht zu fehlen.“ „Nein,“ ſagte Cormar,„bei Annet wuͤrde mich keine Langweile plagen, und wenn der Tag ſich um zwoͤlf Stunden verlaͤngerte. Ihr redet aus alter Erfahrung und redet wahr. Ob aber Annet nicht Langweile hatte, das iſt eine Frage, die ich nicht beantworten kann.“ „Nun, Annet,“ ſagte Fillans Mut tter, „biſt Du um die Antwort verlegen? Du kannſt ſie dreiſt geben.“ „Die Zeit war zu kurz, daß Ihr ab⸗ weſend waret, und Langeweile hatte ich nicht.“ „Nennſt Du eine halbe Stunde kurz? So lange iſt's, daß ich mich von euch entfernte,“ ———— —y— * 74 Waͤhrend das Geſpraͤch unter den Dreien fortgeſetzt wurde, fand zwiſchen Fillan und Bosmina eine weit intereſſan⸗ tere Unterhaltung ſtatt. „Bosmina,“ ſagte er,„wir ſind am Ziele unſerer Wuͤnſche, Deine Eltern ſtim⸗ men in unſere Verbindung.“ „Soll ich auch an Wunder glauben 2e⸗ ſagte ſie erſtaunt.„Den Vater habe ich mir todt gedacht.“ „Dein Vater lebt.“ Filllan erzaͤhlte, daß er ihn in der Hoͤhle fand, und wie er ihm voll Ruͤhrung die Hand ſeiner Tochter zuſprach. „Ach,“ ſagte Bosmina,„welche Qua⸗ len moͤgen das Herz des Mannes beſtuͤr⸗ men, der nur zu ſiegen gewohnt war, und der Ueberwundene zu ſeinen Fuͤßen ſah! 75 Maͤchtiges Schickſal, was machſt Du aus Menſchenherzen! Er, der die Verbindung, die ich mit Dir ſchließen wollte, wie das Verhaßteſte verabſcheuete, billigte ſie? Welche Stuͤrme mußten ſeine Seele er⸗ ſchuͤttern, ehe er Dir den guͤnſtigen Be⸗ ſcheid ertheilte! Ohne Gefuͤhl iſt ſein Herz nicht, ſo fremd ihm der Dank war, den er Andern zollte, weil er nicht gewoͤhnt iſt, Wohlthaten anzunehmen, ſondern ſie zu ertheilen. Nun fuͤrchte ich ſeinen An⸗ blick nicht; aber die Sehnſucht quaͤlt mich, die Mutter zu umarmen.“ „Bosmina, die Erfahrungen der letz⸗ ten Zeit haben mich mißtrauiſch gemacht, das kannſt Du mir nicht verargen. Ich fuͤrchte da ein Uebel, wo keins iſt, und vielleicht treibe ich meine Vorſicht zu weit. Auch den leeren Schatten der Gefahr fuͤrchte ich, Dich wieder zu verlieren. Erkenne daraus, wie unausſprechlich ich Dich liebe. Von der Macht der Gefuͤhle uͤberwaͤltigt, Hhat Mancher ſchon in einem Augenblicke das zugeſtanden, was er im kommenden widerrief. Ehe wir nicht den Bund der Ehe geſchloſſen haben, betreke ich mit Dir Drumardo nicht. Ich muß glauben, daß ſich die Mutter auch nach der Tochter ſehnt. Einen Boten will ich zu ihr ſen⸗ den und ſie und Deinen Vater herladen. Umſchließt uns erſt ein unaufloͤgliches Band, dann reiſen wir, ſo oft es Dir ge⸗ faͤllt, zu Deinen Eltern, doch fruͤher nicht. Nenne dieſe faſt aͤngſtliche Vorſicht nicht Haͤrte gegen Dich, nein, es iſt zaͤrtliche Beſorgniß und Liebe.“ „Du willſt es,“ ſagte Bosmina trau⸗ rig,„ich muß mich fuͤgen. Aber meinen Vater verkennſt Du. Mit Worten hat er nie geſpielt, und ſein Verſprechen hielt er heilig, wie einen Eid. An Dir, dem er ſeine Freiheit, ſein Leben verdankt, der Du ihm großmuͤthig und verſoͤhnlich erſchienſt, ſollte er ein Verbrechen begehen? Er hat ———+ ——. — 77 ſchwere Unfaͤlle erfahren, meinſt Du, daß er feindliche Gemuͤther zum zweiten Male zum Kampfe reizt? Recht boshaft und rachgierig waren die Haͤuptlinge gegen ihn, und das kann er ihnen nie verzeihen. Sein Ruhm iſt begraben, und ſelbſt meine Ehre hat durch die des Vaters gelitten. Kennte ich den, der den allgemeinen Auf⸗ ruhr gegen ihn ſtiftete, ich koͤnnte ihn haſ⸗ ſen. War es Tottleig, Fingil, Berluth, Oſcar? Nenne mir den Feind meines Vaters.“ „Seine Herrſchſucht, ſein Streben nach hoͤherer Groͤße, ſeine Verachtung gegen die kleinern Haͤuptlinge und ſeine Sucht, die er verrieth, ſich zum Oberhaupte des Hochlandes zu erheben, das zog ihm die Feinde zu. Der Funke glimmte unter der Aſche, und als es bekannt wurde, wie man mich, als ob ich ein verachteter Bettler waͤre, in Drumardo mißhandelte, da blitzte er empor zur lichten Flamme. Den Eifer meiner Freunde, die fuͤr ihre Sicherheit und meine Ehre ſtreiten wollten, konnte ich nicht unterdruͤcken. Sieh, ſo kam's.“ „Sonſt.“ ſagte Bosmina mit finſterer Miene,„ſonſt war's unter den Haͤuptlin⸗ gen Sitte, daß man dem beiſtand, den ein Rach⸗ und Habſuͤchtiger zu Boden tre⸗ ten wollte; jetzt vereinigt man ſich, einen Mann niederzudruͤcken, deſſen Ruhm groͤßer iſt, als der aller ſeiner Feinde. Auch Neid, Haß und Eiferſucht hat meinem Vater den Fall bereitet. Vielleicht er⸗ ſcheint ihm die Zeit, wo er die, die ihm Uebles gethan haben, zuͤchtigen kann, und ich, ais ſeine Tochter, muß ſie ihm wuͤn⸗ ſchen. Wer fuͤr begangenes Unrecht ge⸗ ſtraft wird, der kann ſich nicht beklagen.— Noͤchteſt Du kein Mitglied der Rotte die⸗ ſer Empoͤrer geweſen ſeyn! Das kann ich ohne Schmerz nicht denken.“ „Empoͤrer nenne nicht die, welche fuͤr — 79 ihre Rechte ſtreiten, wenn eine Macht droht, ſie ihnen zu entreißen. Es giebt auch ein Gefuͤhl, was das Unrecht nicht ertragen kann. Haͤtte Dein Vater die Haͤuptlinge nicht gereizt, ſie waͤren nicht gegen ihn aufgeſtanden. Ich bin der Erſte, der dieſe Fehde verwuͤnſcht. Wenn es der Zufall, den ich preiſe, wollte, daß ich Dich dadurch von Deinem Vater gewann, ſo habe ich auch meinen Vater verloren, den beſten, liebevollſten Vater, den mir keine Welt erſetzen kann. Bosmina, ich ſollte es nicht ſagen; aber Du reizeſt mich dazu: es geht die Sage, und ohne Grund iſt ſie nicht, wie ein luͤgenhaftes Geſchwaͤtz⸗ daß Dein Vater die Rotte in der Nacht nach Balclutha ſchickte, um Dich mir zu rauben. Wer haͤtte das anders wollen koͤnnen, als er! Kannſt Du mir Einen nennen? Zuͤrnt er alſo auf mich, daß ich unter den Haͤuptlingen war, die ihm ſein Unrecht vergelten und ihm die Arme ab⸗ kuͤrzten, mit denen er nach fremden Clans griff, ſo kann er mit mir Abrechnung halten.“ „Fillan,“ ſagte Bosmina,„ehe Du den ſchwarzen Verdacht auf meinen Vater wirfſt, mußt Du ihm erſt die hat be⸗ weiſen.“ 3 „Dann, Bosmina, waͤre es kein Ver⸗ bacht mehr, ich waͤre von der Wahrheit uͤberzeugt.“ Durch ſolche und aͤhnliche Dispuͤte, die unter den Liebenden vorfielen, wurde die Freude des Wiederſehns, die Wonne einer zaͤrtlichen Reigung gar ſehr ge⸗ ſchwaͤcht. In Bosmina's Herzen enſtand eine Kaͤlte, die ſie verbergen mußte. Es fielen ihr ſogar die Worte der Mutter ein: „Fillan iſt der Mann nicht, der Dich gluͤck⸗ lich machen kann.“ Am folgenden Morgen, als Cormar 81 Balelutha verließ, der ſeine feine Kunſt aufbot, um ſich im vortheilhafteſten Lichte zu zeigen, wurde auch ein Bothe nach Drumardo abgeſandt, der Moina ein⸗ lud, nach Balclutha zu kommen. Salgar hatte nichts dawider, daß die Mutter zu ihrer Tochter ging, er ſelbſt aber blieb in ſeiner Wohnung, um das von den Feinden Zerſtoͤrte zu verbeſſern. Er war in einer zornigen Stimmung, und ſann nur auf Mittel, wie er einen Haͤuptling nach dem andern ſtrafen wollte. Mit der Zeit dachte er ſich mit Fillan, vielleicht auch mit Cor⸗ mar zu verbinden, um Rache an ſeinen Feinden zu uͤben. Er hatte mehr als ei⸗ nen Weg, ſie zum Streite zu bewegen. Als Moina zum Beſuche ihrer Toch⸗ ter abreiſen wollte, die in der Vorfreude des Wiederſehens allen Gram vergaß, der ſchwer auf ihrem Herzen lag, kam Cormar an, da ſie eben aus dem Thore ritt. Er Die Erſtürmung. II, 6. ſagte:„Ich will es ſelbſt ſehen, ob Sel⸗ gar lebt oder todt iſt.“ . Freundlich erwiederte ſie:„Er lebt, Eure Theilnahme wird ihn erfreuen.“ „Ihr reitet nach Balclutha, um die Sehnſucht Eurer Tochter zu ſtillen. Wie wird ſie die Mutter umarmen! Fillans Liebe konnte ſie nicht zufrieden ſtellen. Wie kann er das!“ „Kommt Ihr von Balclutha?“ „Eben daher komme ich.“ Leiſe ſagte er zu Moina:„Verrathet es nicht, daß ich Euch hier unter dem Thore begeg⸗ nete.e6 „Salgar und Filan ſind ja keine Feinde mehr.“ „So, das hat mir Fillan nicht geſagt, daß Salgar ſich mit ihm ver⸗ ſoͤhnte.“ Mit den Worten:„Ihr werdet Wun⸗ derdinge hoͤren,» ſchied ſie von Cormar und ritt, von einem ſtarken Gefolge begleitet, auf dem Wege nach Balclutha fort. Cormar fand Salgarn nicht in ei⸗ ner aufgeweckten Seelenſtimmung, er war kalt und hieß ihn, als ob er ein Fremdling waͤre, willkommen. Cormar merkte das und ſagte:„Ihr muͤßtet gegen mich ſo finſter nicht ſeyn, da ich von Vielen der Einzige bin, den Euer Schickſal ſchmerzt, unnd der das Mitleid eines Preundes gegen Euch empfindet.“ „Wehe dem, der des Mitleides be⸗ darf, er iſt ein Elender, ein Schwacher. Und was kann das Mitleid nutzen? Ich bin nur gewohnt, daß man mir Gluͤck wuͤnſcht. „Ihr lebt noch, Ihr ſeyd noch frei, Ihr koͤnnt Rache uͤben.» „Das Letzte iſt es, was mir, wie ein kuͤhlender Balſam auf die brennenden Wunden faͤllt. Ein Leben wie jetzt, wenn ſich's nicht aͤnderte, moͤchte ich nicht lange fuͤhren und die Freiheit, die ein Ohnmaͤch⸗ tiger genießt, iſt ohne Werth. O, bei dem Moor und auf dem Gebirge waͤre Alles anders gekommen, wenn mich Freunde, auf deren Beiſtand ich ſicher rechnete, nicht verließen. Aber die groͤßere Macht druͤckt die kleinere nieder. Cormar, als Freund habt Ihr nicht an mir gehandelt. Mit ihm ſtuͤrzt man ſich in Gefahr und ſetzt fuͤr ihn das hoͤchſte der Guͤter ein, ob man auch die Gewißheit vorausſieht, es verlieren zu koͤnnen. Fuͤr eine gute Sache haͤttet Ihr gekämpft; denn ſchaͤndlich iſt's, daß Haͤuptlinge darauf ausgehen, einen ihres Gleichen zu ſtuͤrzen. Sollte ich ruhig mir die Tochter, wie ſich's ein ohnmaͤchtiger — Clansmann gefallen laſſen muß, rauben laſſen? Iſt es ſo weit unter uns gekom⸗ men, daß man einem ſolchen Raͤuber gegen den Vater, der ſein Recht ſucht, beiſteht? Die Goͤtter werden Rache uͤben. Straflos bleiben auch die nicht, welche Frevel ver⸗ huͤten, oder ſie beſtrafen konnten und es aus Feigheit oder eigennuͤtzigen Ruͤckſichten nicht thaten.“ Cormar ſagte:„Ihr haltet mir eine harte Rede, ich fuͤhle den Verweis, der fuͤr mich in ihr liegt; aber ich habe es Euch ja geſagt, weshalb ich mich mit Euch zum Kampfe nicht verbinden konnte. Heilig ſind der Freundſchaft Rechte, ſie durfte ich nicht verletzen.“ „Laßt uns von der Sache nicht mehr reden. Das leidige Plaudern macht das angerichtete Boͤſe nicht wieder gut. Dafuͤr aber will ich Euch eine Neuigkeit erzäͤhlen, woruͤber Ihr ſtaunen werder und auch ich 86 muß Euch unbegreiflich erſcheinen. Ihr wolltet meine Bosmina zur Gattin und begehrtet ſie zuerſt von mir. Ohne Zoͤgern habe ich Euch ihre Hand zugeſtanden. Daraus moͤgt Ihr ſelbſt ermeſſen, wie ich Euch ehre und liebe; denn einem Juͤng⸗ linge, der kein geachteter Mann werden kann, wider den unſer Herz eingenommen iſt, dem giebt man ſeine Tochter nicht zum Weibe. Sie wuͤrde kein Bedenken getra⸗ gen haben, ſich mit Euch durch die zaͤrt⸗ lichſte Neigung zu verbinden, wenn ſie Fillan nicht das Wort gegeben haͤtte, was ſie nicht brechen wollte. Daß Ihr Bos⸗ minen nicht zuwider waret, das muß Euch klar geworden ſeyn. Als mir Fillan das Maͤdchen abgeliſtet hatte und ich den Raub bei Euch erfuhr, da erklaͤrtet Ihr: Nun kann Bosmina nie meine Gattin werden. War es ihre Schuld und iſt es ihr ſo boͤſe anzurechnen, daß ſie in das aufge⸗ ſtellte Netz ſiel und ſich fangen ließ? Iſt — — — 87 eine Entfuͤhrte eine Entehrte, die ihre Un⸗ ſchuld und ihren guten Ruf verloren hat?“ Cormar ſagte:„Die Unſchuld hat ſie deshalb nicht verloren; aber mit dem guten Rufe ſteht's doch zweifelhaft. Eine Jungfrau aber, die von der Mutter weicht und dem Geliebten folgt, muß ihn doch nicht gewoͤhnlich lieben. Und wer waͤhlt ſich eine Braut, von der er's vorher weiß, daß ſie mit einem Andern vertrauten Um⸗ gang pflog?“ „Hoͤrt mich nur erſt weiter,“ ſagte Salgar.„Haͤttet Ihr Eure Streiter mit den meinen verbunden, ehrenvolle Siege wuͤrden wir davon getragen haben. Wir gingen nach Balclutha und nahmen Bos⸗ mina dem Entfuͤhrer mit Gewalt ab, die er mit Liſt mir abſtahl. Wenn Ihr dann oͤfter nach Drumardo kamt und ſie Euch naͤher kennen lernte und Ihr ſie, Ihr wuͤr⸗ det es verziehen haben, daß ſich ihre uner⸗ — 88 fahrne Jugend bethoͤren ließ. Wenn. Euch in dem Verhaͤltniſſe zu Fillan auch nicht lieben durfte, ſie hat Euch ſtets ge⸗ achtet, und Euch wohl hoͤher als ihn.“ „Das darf ich nicht leugnen, Fillan hat mir einen Dienſt erwieſen, den ich nur von der Großmuth eines edlen Feindes erwarten konnte. Man kann in eine Lage gerathen, bisher kannte ich dieſe nicht, wo alle bisherigen Grundſaͤtze, Beſchluͤſſe und Gefuͤhle ploͤtzlich zuſammenſtuͤrzen, ein neuer Geiſt, ein neues Gefuͤhl in uns redet, und wir uns wie Fremde erſcheinen muͤſſen, die ſich ſelbſt nicht kennen. Seht, in dieſer Stimmung war ich, als Fillan vor mir ſtand. Es ſchwieg in mir die Stimme jedes gehaͤſſigen Gefuͤhls, ich glaubte mich zum Danke verpflichtet, und was ich nie gewollt, ich gab ihm das Verſprechen, daß Bosmina mit meiner vollen Zuſtimmung nun ſeine Gattin wer⸗ den koͤnne. Gereuen darf mich dieſes 4 — ſchwache Nachgeben nicht, an mein Wort, das mir ſtets heilig war, bin ich gebun⸗ den, ich werde es halten, und keine Macht ſoll mich zwingen, es zu brechen.“ Kalt und ruhig entgegnete Cormar: „Wenn Ihr glaubt, recht gehandelt zu haben, wie kann Euch das gereuen? Ihr bezahltet an Fillan eine Schuld, die Ihr nicht anders abtragen konntet. Wie lange das Gluͤck dieſer Ehe beſteht, das kann Niemand wiſſen.“ * „Cormar, das iſt nicht meine Sache.“ * 3* „Da die Zeit gekommen iſt, wo ich nicht laͤnger allein ſeyn mag, habe ich mir auch eine Braut gewaͤhlt, und wenn ſie nicht ſchon fruͤher ihr Herz verſchenkt hat, wie's jetzt Mode zu werden ſcheint, daß die Maͤdchen, ohne Wiſſen der Elrern, Lie⸗ beleien anknuͤpfen, die dieſe anfangs miß⸗ billigen und dann doch verſtatten, ſo wird ſie meine Gattin werden.“ 90 „Und dieſe Braut, zu der ich Euch Gluͤck wuͤnſche, waͤre? „Wenn ſie es wirklich iſt, ſo ſollt Ihr es zuerſt erfahren.“ .. „Cormar blieb einige Tage in Drumar⸗ do und Beide wurden wieder Freunde⸗ Aber die Haͤuptlinge nahmen es ihm, Oſcar insbefondere, doch ſehr uͤbel, daß er ſo ruhig in Selama ſaß und an dem Kampfe gegen Salgar keinen Antheil nahm. Er glaubte ſogar, daß zwiſchen den Beiden ein Buͤndniß ſtatt finde, was wider die Haͤuptlinge gerichtet ſey. Er ſprach davon oͤffentlich und rieth, auf der Hut zu ſeyn und die Waffen nichr einroſten zu laſſen. Das wurde Cormar hinterbracht und es entſtand unter den Juͤnglingen eine feindliche Spannung, die erſt nach mehreren Jahren zum Ausbruche kam. 91 Als das Hochzeitsfeſt in Balclutha gefeiert war, was nicht mit dem gewoͤhnli⸗ chen Pomp und Geraͤuſch vollzogen wurde, wobei Salgar und Clunar mit den Seinen zugegen war, verbreitete ſich kurz nachher die Sage, Annet ſey Cormars Braut. Sie war es wirklich. Die Haͤuptlinge mußten ſich wundern, daß ihm Clunar ſei⸗ ne Tochter gab und ſie verdachten es ihm. Wenn er bei der Wahl eines Schwieger⸗ ſohns darauf ſah, daß er wahrhaft maͤnn⸗ liche Schoͤnheit, einen nicht gewoͤhnlichen Verſtand, ein feines Betragen, unerſchrocke⸗ nen Muth, eine ſeltene Geſchicklichkeit, ſeine Clansleute zum Siege anzufuͤhren und einen groͤßern Reichthum beſaß, als die meiſten Haͤuptlinge, ſo hatte er Recht, als er Cormarn keine abſchlaͤgliche Antwort gab, als er um die Hand ſeiner Tochter bei ihm warb. Es mußte ihm aber be⸗ kannt ſeyn, daß dieſer Cormar ein wildes, zuͤgelloſes, ausſchweifendes Leben fuͤhrte, daß manche unerlaubte That von ihm be⸗ kannt war, daß er in ſeinem Clan mehr gefuͤrchtet als geliebt wurde. Daß er ſei⸗ ner Luſt und Begierde froͤhnte; daß er's mit den Geboten der Sittlichkeit nicht ge⸗ nau nahm; daß er im Stillen manche Unthat uͤbte, von der man nicht redete, weil man ſie nicht mit Gewißheit, als von ihm gethan, nennen konnte, das blieb kein Geheimniß. 4 Oſcar reiſte zu Clunar, um ihm auf eine freundliche Weiſe Aufſchluß uͤber Cormars Charakter zu geben und ihn zu warnen, daß er ſeine Tochter nicht un⸗ gluͤcklich machen ſolle. Das aber nahm Clunar ſehr uͤbel und ſagte:„Wollte ich Cormar die Beleidigung wiederſagen, die Ihr Euch nicht entbloͤdet, ihm hinter ſei⸗ nem Ruͤcken nachzuſagen, er wuͤede mit dem Schwerdte ſeine Ehre retten. Wenn Ihr ſein Feind ſeyd, ſo iſt die Rache nicht edel, die Ihr an ihm nehmen wollt. Ihr kommt mir ſchier wie Einer vor, der ſei⸗ — — 93 nem Gegner, ſo von hinten, den Dolch durch die Rippen jagt. Er hat ſeine Feh⸗ ler, die ich kenne; aber habt Ihr denn lauter Tugenden? Erſt muß die Jugend ausraſen, dann wird ſie vernuͤnftig. Und es muß mir doch ſonderbar vorkommen, daß ein junger Menſch, wie Ihr, ſich zu meinem Rathgeber aufwerfen will. Be⸗ haltet Eure Weisheit fuͤr Euch und war⸗ tet es ab, ob ich mich in der Wahl irrte. Annet achtet und liebt Cormar; braucht es mehr, daß ſie mit ihm gluͤcklich wird 2 „Ihr mißverſteht das Wohlmeinen, was ich gegen Euch und Eure Tochter hege,“ ſagte Oſcar, den Caruls harte Rede nicht aus der Faſſung gebracht hatte,„und gebt mir einen ſchlechten Lohn dafuͤr. Habe ich auch geirrt, ſo mußtet Ihr die gute Abſicht ehren. Moͤchte ich mich geirrt haben; wenn aber nicht, ſo denkt an mich. Wollt Ihr uͤbrigens Cormar das wieder⸗ ſagen, was ich in vier Waͤnden mit Euch 94 ſprach, ſo werde ich's nicht leugnen, wenn er mich zur Rede ſellt. Vor ſeinem Schwerdte fuͤrchtet ſich Armins Sohn nicht.“ Oſcar verließ die Halle und ritt eilig „ davon.. Der edle Oſcar hatte Recht, wenn er die Heirath widerrieth, und ihn leitete dabei ein menſchenfreundliches Gemuͤth. Selten wird aber die Stimme der Wahr⸗ heit von denen gern gehoͤrt, die ihrer Klugheit am meiſten trauen und durch Vortheile, durch die ſie bei ihrer Handlungs⸗ weeiiſe ſo verblendet werden, daß ihnen Al⸗ les in einem falſchen Lichte erſcheint. An⸗ net ſelbſt, das kluge, tugendreiche Maͤdchen haͤtte Oſtars Warnung als eine offenbare, feindliche Verlaͤumdung verworfen. Ihr ganzes Herz hing an dem ſchoͤnen, liebens⸗ wuͤrdigen Cormar, der ſie fein beſchmeichelte, ſſie durch glaͤnzende Hoffnungen an ſich —— 95 zog und ihr den Himmel der Wonne zeigte, in den er ſie einfuͤhren wollte. Selbſt Bos⸗ mina ſogar ſchien ſie zu beneiden, daß Cormar ihr Gatte wurde.„Ihm,“ ſagte ſie einſt,„gleichen wenige Maͤnner an Schoͤnheit, Reichthum, Ruhm, Gefaͤlligkeit und guͤtigem Betragen. Du wirſt das gluͤcklichſte Weib im Hochlande. Wie muß ſich eine andere Frau beſcheiden, die in ihrer Wahl ſich irrte und fuͤr eine Jugend⸗ thorheit, die ſie nicht verſchuldete, fuͤr ihr ganzes Leben buͤßt.“ „Meinſt Du Dich ſelbſt? fragte Annet. „Von mir kann nicht die Rede ſeyn,“ entgegnete Bosmina,„da ich Fillans We⸗ ſen noch nicht voͤllig kenne.“ Aber ihr Auge wurde truͤbe und auf ihrer Stirn zeigten ſich die Falten eines finſteren Ernſtes. 2 „Ich daͤchte,“ ſagte Annet,„Du muͤßteſt ſehr gluͤcklich ſeyn, wie's die jun⸗ gen Leute immer ſind. Du haſt mit gro⸗ ßen Hinderniſſen Dein Ziel erreicht.* „Daß ich mich ungluͤcklich fuͤhle, das habe ich nicht geſagt. Laß uns davon nicht reden.“ Bei der anfaͤnglichen Liebe des Juͤng⸗ lings und der Jungfrau, die ſich des gan⸗ zen Herzens bemaͤchtigt und den Verſtand zu keiner Ueberlegung kommen laͤßt, zu der Zeit, wo nur das maͤchtigere Gefuͤhl re⸗ giert, erſcheinen ſie ſich wie verklaͤrte Engel. Erſt nach und nach, wenn der ſuͤße Rauſch der Sinne, der Zauber der Liebe ver⸗ ſchwunden iſt, in dem uns das holde Leben ö wie im ſchoͤnſten Morgenlichte ſchwamm, zeigen ſich die vorher ungeglaubten Flecken und dunkele Stellen, die man entweder mit Geduld, Nachſicht und Schonung er⸗ traͤgt, oder welche auch die Gemuͤther er⸗ 97 erkalten, trennen und den Brand der Zwie⸗ tracht und der Abneigung, die ſich nicht verbannen laͤßt, zwiſchen die Gatten wer⸗ fen. Gewiß, Cormar war der Mann nicht, der eine Frau auf eine laͤngere Zeit und auch Annet nicht, gluͤcklich machen konnte. Sie beſaß alle koͤrperlichen Reize einer wahr⸗ haft ſchoͤnen Jungfrau und dieſe waren es beſonders, die ihn zu ihrer Wahl beſtimmten. Fuͤr weibliche Zartheit und Milde, fuͤr die beſſern Eigenſchaften des Gemuͤths hatte er keinen Sinn. Es war voraus zu ſehen, daß ſein Wohlgefallen an ihr und ihr Gluͤck in ſeinem Beſitze nur ſo lange be⸗ ſtehen wuͤrde, als ſie ihm wirklich neu und anlockender ſchien; ſtumpfte die Gewohnheit der ſtete Umgang mit ihr ihn ab, ſo war zu fuͤrchten, daß ſich der Himmel ihres ehelichen Gluͤcks truͤbte und ſich mit fin⸗ ſtern Wolken behing. In ſeinem verſchloß⸗ nen Innern naͤhrte Cormar immer noch Die Erſtürmung. II. 7 eine leidenſchaftliche Neigung fuͤr Bosmina und es war ein Beweggrund mehr, weshalb er Annet ſeine Hand gab, daß ſie Bosming's Freundin war. Mit kluger Berechnung ſah er's voraus, daß er durch ſeine Gattin Gelegenheit finden werde, ſich mit Bos⸗ mina in genauere Bekanntſchaft zu ſetzen. Den argloſen, ehrlichen Fillan zu be⸗ truͤgen, der, weil er keiner Falſchheit und Verſtellung faͤhig war, nur zu leicht den Schein der Tugend fuͤr Wahrheit hielt, das war keine ſchwere Sahe. Das Hochzeitsfeſt Eornars und An⸗ nets wurde in Selama mit einer Pracht und einem Glanze gefeiert, wie man ſie noch bei Keinem geſehen hatte. Er lud die naͤchſten Haͤuptlinge dazu, ſelhſt Oſcar. Salgar konnte ſich nur ſchwer entſchließen, zugegen zu ſeyn, durch Cormars Ueberre⸗ dung ließ er ſich endlich dazu bewegen. An Feindſchaft wurde nicht gedacht und 99 die getrennten Gemuͤther verſoͤhnten ſich dem Scheine nach wieder. Der Fehde er⸗ waͤhnte man mit keiner Sylbe. Daß Oſcar fehlte, daruͤber wunderten ſich Alle, nur Carul nicht, der ſein ſeindliches Ge⸗ muͤth gegen Cormar kannte. 3 Spoͤttiſch ſagte Salgar von ihm: „Wahrſcheinlich iſt ſein Bein noch nicht geheilt, das ihm zerbrach, als er ſich von einem Felſen ſtuͤrzte. Die Jugend iſt im Wagen uͤbermuͤthig.“ Tottleig entgegnete:„Wenn von un⸗ ſerm Kampfe nicht geſchwiegen werden ſollte, damit es nicht zu Haͤndeln koͤmmt, ſo wollte ich Oſcar wegen des Sprunges eine Lobrede halten. Die That, die Ihr verunglimpft, ſteht bei Andern hoch ange⸗ ſchrieben.“ Carul ſagte:„Kein Wort von der Vergangenheit, die die Gemuͤther feindſe⸗ lig ſtimmt. Ein Freudenfeſt ſoll kein Zwiſt ſtoͤren.“ Annet war reizend und ſchoͤn wie ein Engel. An ihrer Seite ſaß Cormar bei der Tafel und ihr Anblick entzuͤckte ihn. Ein ſanftes Erroͤthen faͤrbte ihre Wangen, wenn er mit ihr ſprach und lange konnte ſie ihm nicht ins Auge ſehen. Er verglich mit ihr Bosmina und fand, daß dieſe zwar weniger weich und zaͤrtlich war, als Annet, aber durch ihre heroiſche Geſtalt, durch feurige Blicke, durch Fuͤlle und ein kraͤfti⸗ geres Weſen gab er ihr doch den Vorzug. Er bewarb ſich insbeſondere um Fillans Freundſchaft und Vertrauen und zeichnete ihn vor allen Gaͤſten durch Gefaͤlligkeiten aller Art aus, daß Fingil ſagte:„Freund⸗ Iſchaft, die in der Jugend geknuͤpft wurde, iſt die beſte und, Cormar, Ihr gebt uns heute davon den Beweis.“ Zu Fillan ſagte Cormar:„Ein ſchoͤ⸗ 10T nes Zuſammentreffen, daß unſere Frauen Freundinnen ſind; ihr Verlangen, ſich zu ſehen, wird uns oͤfter wie bisher zuſam⸗ menfuͤhren. Die kleinen Spaltungen einer fruͤhern Zeit, die in Drumardo veranlaßt wurden und uns trennen wollten, laß uns vergeſſen. Willſt Du mein Freund ſeyn, ſo bin ich ganz der Deine und wir ſtehen fuͤr einen Mann.“ Fillan gab ihm die Hand und ſprach: „Ich bin Dein Freund und will es immer bleiben.“ An ein frommes, ſtilles Weſen war Annet von Jugend an gewoͤhnt. An ihren Eltern hatte ſie ein Beiſpiel, daß Liebe, Eintracht und Guͤte den haͤuslichen Verein zu dem gluͤcklichſten macht. Mit der Freude der Feſte, die im Familienkreiſe gefeiert wurden, konnte ſie die rauſchenden Ver⸗ gnüͤgungen großer Geſellſchaften nicht ver⸗ gleichen; dieſe ermuͤdeten ſie nur, indes— ihr jene wie eine wahre Lebenswürze er⸗ ſchienen. Unbekannt waren ihr die Pflich⸗ ten einer Gattin nicht, die dem Gatten fortgeſetzt gefallen und ſeine volle Achtung genießen will, die Mutter hatte ſie ſie durch das Wort des Mundes und mit der That gelehrt. Sie wußte es, was der Mann von ſeinem Weibe fordern kann, und daß ſie auch bei manchen Feblern Nachſicht be⸗ weiſen und ſich oft ſo ſtellen muß, als ob ſie ſie gar nicht bemerkte. Was ſie durch Milde und Sanftmuth, durch Liebe und Wohlwollen an ihm nicht verbeſſern koͤnne, davon ſolle ſie ihn durch Haͤrte und Mur⸗ ren nicht zu entwoͤhnen ſuchen. Man muͤſſe es mit den Naͤnnern uͤberhaupt nicht zu genau nehmen, die ſich manche unerlaubte Freiheiten geſtatteten, die ſie der Gattin nie verziehen. Es ſey des Weibes Pflicht, dem Willen des Gatten auch dann zu folgen, wenn es ihr oft ſauer und ſchwer werde; aber in Verbote⸗ nes und Verbrecheriſches duͤrfe ſie nie wil⸗ 103 2 ligen und ſich dann lieber von ihm tren⸗ nen, als mit ihm die Straße des Laſters zu gehen, die nur zur Schande und zum Verderben fuͤhre. In den erſten Monaten ihrer Ver⸗ heirathung fand Annet, daß ſie nicht noͤthig hatte, von den Klugheits⸗ und Vorſichtig⸗ keitsregeln, die ihr die Mutter eingepraͤgt hatte, Gebrauch zu machen. Cormar war der gefaͤlligſte, der liebenswuͤrdigſte Gatte, der es ihr oft wiederholte, daß er ſein hoͤchſtes Erdengluͤck in ihrem Beſitze gefun⸗ den haͤtte. Er trug ſie auf Haͤnden. Je⸗ dem ihrer Wuͤnſche kam er zuvor und Al⸗ les beſeitigte er, was ſie zum kleinſten Mißvergnuͤgen haͤtte reizen koͤnnen. Er uͤberhaͤufte ſie mit Geſchenken, ſchmeichelte ihren Lieblingsneigungen und war erfin⸗ deriſch in der Abwechſelung ihrer Lieb⸗ lingsvergnuͤgungen. Sie glaubte in ei⸗ nen Himmel eingefuͤhrt zu ſeyn. Er 3 preiſet, ſo will ich in Cormars Lob ein⸗ 1⁰4 trennte ſich ſelten von ihr und ſelbſt auf ſeinen Reiſen mußte ſie ihn begleiten.“ Die herzlichſten Theilnehmer des Gluͤcks der Tochter waren die Eltern, denen ſie es bei ihren Beſuchen verkuͤndigte. Dieſe wußten kaum, wie ſie Cormarn die Groͤße ihres Dankes bezeugen ſollten und die Mutter, deren Lieblingstochter Annet war, hing an Cormar mit einer Neigung, als ob er ihr leiblicher Sohn waͤre. Als ſie einſt Cormarn uͤber allen Ausdruck ruͤhmte und ihn als den beſten der Maͤnner pries, da ſagte Carul:„Du biſt eine erfahrne, kluge Frau, iſt Dir's denn im Leben noch nicht kund geworden, daß junge Eheleute wie Himmliſche gluͤcklich leben, die einan⸗ der ſpaͤter zu Martergeiſtern wurden? Bei Manchen faͤngt die Ehe mit lauter Freu⸗ dentoͤnen an und endet mit Seufzern und Klagen. Wenn es nach vielen Jahren der Fall iſt, daß ſich Annet noch ſo gluͤcklich ſtimmen, jetzt waͤre es zu voreilig. Die Tugend, der ich trauen ſoll, muß ſich erſt bewaͤhren. Auf hellen Sonnenſchein folgte oft ein Ungewitter. Ich muß Dir's ſelbſt geſtehen, mir erſcheint es wunderbar, daß Cormar ſich Annet ſo ganz hingiebt, ſo weit ich ihn zu kennen glaube, iſt das eben ſeine Natur nicht. Er wird Annet verwoͤhnen, die dann Forderungen an ihn macht, die er nicht mehr befriedigen will. Er zeigt ihr jetzt ſeine glatte Seite, wenn er ihr nur nicht in einer rauhen erſcheint. Des Weibes hoͤchſte Liebe, die ein Gatte eine Weile getaͤuſcht hat, verwandelt ſich in den bitterſten Haß. Schmeichele Dich nicht mit zu ſuͤßen Hoffnungen, es ſchmerzt unglaublich, wenn man ſie aufgeben und deſto mehr fuͤrchten muß. Sieh, das iſt mein Rath, ich habe ihn im Leben immer befolgt und große Dienſte hat er mir ge⸗ than. Lehre Annet, daß ſie eine Zeit er⸗ wartet und ertragen lernt, wo ſie nicht mehr eine Goͤttin ſeyn wird, die Cormar anbetet, wo er in ihr nur das menſchliche Weſen ſieht und ſie ſo behandelt.“ Annet konnte gegen ihre Freundin von den liebenswuͤrdigen Eigenſchaften, von der Liebe und der uͤbergroßen Guͤte ihres Gatten nicht ſchweigen. Nur ſeine Tugenden ruͤhmte ſie und keinen Fehler wußte ſie an ihm zu tadeln. Sie merkte es nicht, daß ſie durch das Lob, was ſie ihrem Gatten ertheilte, und daß ſie ihr Gluͤck als das hoͤchſte im Hochlande pries, in ihrer Freundin eine Art von Neid, aber auch ein hoͤheres Wohlwollen gegen Cor⸗ mar erregte. Die Freundinnen ſprachen ohne Ruͤckhalt mit einander und ver⸗ traueten ſich ihre Geheimniſſe an. Bosmina war Mutter von zwei Zwillingsſoͤhnen geworden, die die Namen Rino und Cormai erhielten. Als Annet davon Nachricht erhielt, eilte ſie mit ihrem Gatten nach Balclutha, um der Freundin 107 ihre ſchweſterliche Theilnahme zu bezeugen. Da beſchloſſen war, mehrere Tage da⸗ ſelbſt zu bleiben, vertrieben ſich die Maͤn⸗ ner die Zeit nach ihrer Laune ſo an⸗ genehm als ſte’'s konnten. Inniger als fruͤher waren ihre Herzen jetzt verwandt und Fillan zweifelte keinen Augenblick an der treuen, aufrichtigen, wahren Liebe Cor⸗ mars. Aber eben jetzt war es, wo der Falſche ſeinem Freunde den Abgrund mit Blumen beſtreuete, in den er ihn ſtuͤrzen wollte. Die Frauen waren allein und Annet ſprach wieder von der Liebe und Zaͤrtlich⸗ keit Cormars, wie er nicht ermuͤde, ihr mit jedem Tage neue Beweiſe ſeiner innigſten Zuneigung zu geben. Waͤhrend ſie ſo ſprach, wurde es auf Bosmina's Stirn immer truͤber und finſterer und ſie mußte lh die Thraͤnen von den Wangen trock⸗ nen. 108 „Bosmina,“ fragte Annet aͤugſtlich, „was quaͤlt Dich? Ich denke, eine Mut⸗ ter, die gluͤcklich zwei Knaben geboren hat, muͤßte nur Freude und Dank gegen die Goͤtter ſeyn. Die Kinder ſind es ja, die unaufloͤslichere, feſtere Bande um die Gat⸗ tenherzen ſchlingen und die Zahl ihrer Wonnen vermehren. Welcher Kummer kann Dich druͤcken!“ . Bosmina ſeufzte hoch auf und ſagte 3 D“ dann:„Annet, kannſt Du verſchwiegen ſeyn, ſo vertraue ich Dir ein Geheimniß. an, daß ich ſonſt Niemanden, ſelbſt meiner b Mutter nicht, zu entdecken wage. Aber bei allen Goͤttern bitte ich Dich, ſey ver⸗ ſchwiegen, wenn zu meinem innern Kum⸗ 1 mer ſich nicht andere Unfaͤlle geſellen ſol⸗ len. Wenn ich Dir das Gluͤck goͤnne, das Cormar Dir bereitet, ſo ergreift mich's 4 doch wie mit Feindeshand, die mein Herz zuſammenpreßt, daß ich von einem ſolchen Gluͤcke nicht reden kann. Cormar und 4 —:ꝛ— 4 — —— 109 Fillan ſind Freunde und ohne Ueberein⸗ ſtimmung der Seelen koͤnnten ſie's nicht ſeyn, und doch iſt Fillan als Gatte mit Deinem Cormar nicht zu vergleichen. Er iſt redlich, wahr und ohne Falſch und viele Tugenden machen ihn mir geachtet; aber das kraͤftige Leben, die zaͤrtliche Theilnah⸗ me, das liebevolle Hingeben an die Gat⸗ tin, die ſorgſame Aufmerkſamkeit, die unſere Wuͤnſche ſo getn befriedigt, die hat er nicht. Tagelang kann er von mir entfernt ſeyn, und ſo ruhig und kalt er von mir geht, kehrt er zuruͤck.Er iſt jener leb⸗ haften Gefuͤhle nicht faͤhig, die im ehelichen Seyn die wahre Wuͤrze ſind. Daß er ſich in meinem Beſitze gluͤcklich fuͤhlt, das hoͤre ich nicht mehr von ihm. Ob ich in ſeiner Naͤhe, oder von ihm entfernt bin, das ſcheint ihm gleichviel zu ſeyn. Du liebſt mich nicht mehr, Fillan, ſagte ich einſt zu ihm und er erwiederte: Wenn Du das glauben kannſt, ſo iſt es nicht meine— Schuld, Es iſt nicht meine Weiſe, Dich 110 wie verliebte Gecken zu umſchmeicheln, und was meine Natur nicht zulaͤßt, das ſollſt Du nicht von mir fordern. Haͤtteſt Du vom Eheſtande Dir ein falſches Gluͤck ertraͤumt, ſo mußt Du dieſen Irrthum ab⸗ legen. Du wirſt Dich endlich an meine Weiſe gewoͤhnen und ich hoffe, die Zeit, wird Dich inniger mit mir verbinden. mein Leben bei ſolchem Gatten, und wenn er von vorzuͤglicherer Tugend waͤre. Vielleicht, wenn meine Kinder erſt Sinn fuͤr Mutter⸗ liebe zeigen, ſoͤhne ich mich mit dem Schickſal aus, was mich ſo hart be⸗ troffen hat. Begreifſt Du's nun, wie's mich ſchmerzen muß, wenn Du von Dei⸗ nem Cormar redeſt?“ „Bosmina, wie ſehr biſt Du zu be⸗ klagen! Es muß doch ſchrecklich ſeyn, mit einem Manne in der innigſten Verbindung leben, den man nicht aus voller Seele wo Du mich genauer kennen lernen kannſt, Furwahr, Annet, laͤſtig un langweilig iſt . —. III lieben kann. Aber es gab fuͤr Dich doch eine Zeit, wo Fillan Dein Hoͤchſtes war, wo er Dir mehr als Deine Eltern galt. Liegt nicht auch die Schuld an Dir, daß er in Deiner Neigung ſo tief geſunken iſt? Was kann ein Weib mehr begluͤcken, als des Gatten Tugend! Noͤchteſt Du, daß ihm dieſe fehlte, und daß er dagegen die Eigenſchaften haͤtte, die er nach Deinem Wunſche haben ſoll, um Dir zu gefallen? Ich finde es, Fillan iſt ein herrlicher Menſch und ich glaube es, daß ich mit ihm ſehr gluͤcklich ſeyn koͤnnte. Du mußt nach ihm Dich fuͤgen lernen. Eine unzu⸗ friedene Gattin iſt eine ungluͤckliche, die ſich die Kraft raubt, heilige Pflichten zu erfuͤllen und ihre Tugend ruht auf keinem feſten Grunde. Bosmina, ſey auf Deiner Hut, bewahre Dich, Du kannſt gefaͤhrlich fallen.“ 3 Jetzt traten Fillan und Cormar in das Gemach. Sie gruͤßten freundlich und ka⸗ 112 men von der Jagd. Cormar umarmte Annet und ſagte, indem er ſie küßte: „Wie habe ich mich geſehnt, ehe ich Dich wiederſah! Von Dir entfernt habe ich keine Ruhe und keine Freude, und Alles treibt mich zu Dir zuruͤck. Oft fragte ich mich: iſt es auch recht, daß Du ein ſterb⸗ liches Weſen, was Dir leicht entriſſen wer⸗ den kann, ſo uͤber Alles liebſt? Es iſt, als ob Du mich bezaubert haͤtteſt! Ich will mich auch bemuͤhen, Dich in dieſem Grade nicht mehr zu lieben!“ Annet umſchlang ihn mit beiden Are— men und ſprach:„Mein Cormar, das kannſt Du nicht, Du darfſt es nicht, koͤnnte ich nicht ertragen.“ Fillan ſagte zwar kein Wort zu den Zaͤrtlichkeitsbezeugungen der jungen Gat⸗ ten, aber in ſeinem Innern ſtiegen doch manche Bedenklichkeiten auf, die es ihn be⸗ zweifeln ließen, ob die Neigung Cormars 113 gegen Annet auch ſo groß ſey, als er's ihr glauben machen wollte. Die Taͤndelei, wie er das nannte, kam ihm unnatuͤrlich vor, ſie ſtimmte nicht zu dem Charakter ſeines Freundes. „Fillan,“ ſprach Cormar zu ihm, „ſind wir im Hochlande nicht die Maͤnner, die die ſchoͤnſten Frauen haben? Kennſt Du eine, die groͤßere Reize haͤtte? Du weißt das Gluͤck, wodurch die Goͤtter uns guͤtig auszeichneten, ſo gut als ich zu ach⸗ ten. Haͤtte ich's doch nie geglaubt, daß man ſich einem weiblichen Weſen ſo ganz hingeben koͤnnte! Sage, fuͤhlſt Du nicht eben ſo als ich?“⸗ „Das kannſt Du mich noch fragen? Habe ich um Bosmina nicht Gefahrvolles gewagt? Nicht ſo wortreich als Du mag ich von meiner Neigung zu ihr reden. Das wahre Urtheil, ob der Mann ſeine Gattin liebt, koͤmmt aus ihrem Munde. Die Erſtärmung, II. 8 114 Wenn ich Bosmina nicht mit Zaͤrtlichkei⸗ ten uͤberſchuͤtten kann, denn nicht Jeder verſteht es, ſeine Gattin zu umſchmeicheln und Manchem koͤmmt's, wie ein Kinderſpiel vor, das er verwirft, ſo glaube ich doch in den Beweiſen einer wahren Liebe keinem Gatten nachzuſtehen und ihr bisher auch keinen ſchuldig geblieben zu ſeyn. Bosmi⸗ na, Du mußt meine Rechtfertigung uͤber⸗ nehmen, Cormar ſcheint zu zweifeln, ob Du durch meine Liebe ſo gluͤcklich biſt, als ich's wuͤnſche, Kannſt Du mehr von mir fordern?⸗ Mit Laͤcheln aber auch mit Ernſt er⸗ wiederte Bosmina:„In Cormars Rede fand ich keinen Zweifel Deiner Liebe gegen mich und ich kann ihre Wahrheit beſtaͤti⸗ gen. Ja, ja, mein Fillan, Du meinſt es gut mit mir, und was koͤnnte mir den Glauben an Deine treue Liebe rauben? Du wirſt es mir aber nicht uͤbel deuten, wenn ich Dir's offen geſtehe, das, was Du im — 115 Innern fuͤr mich fuͤhlſt, haͤltſt Du ſo ge⸗ heim, ſo verborgen. Ich denke, ein zart⸗ liches Gefuͤhl aͤußert ſich auch in Zeichen, die es uns andeuten. Du biſt zu ver⸗ ſtaͤndig, oft wenn ich mich Dir ſchmeichelnd nahete, bliebſt Du ſo abgemeſſen und ſo kalt, als ob meine Liebe Dich nicht ruͤhrte. Seitdem halte ich mich von Dir ferner, ſo ſcheint es Dir mehr zu gefallen; aber mein Inneres leidet dabei.“ „Bosmina, wie Cormar ſind nicht alle Maͤnner, und wie er kann ich nicht ſeyn, es ſtreitet mit meiner Natur, mit meinem Ernſte. O, dieſen Firniß der Zaͤrtlichkeit hat die Zeit ſchon oft hinweggewiſcht; aber die feſte, treue Liebe in der Bruſt kann ſie nicht zerſtoͤren. Gewoͤhne Dich, und laß Dich an ihr genuͤgen.“ Das Geſpraͤch hatte eine ernſte Wen⸗ dung genommen und Cormar war's, der es auf andere Gegenſtaͤnde lenkte. Er 116 bot ſeine falſche Kunſt auf, um den Scherz und das Lachen herbeizufuͤhren, und Fillan wurde wieder heiterer geſtimmt. In ſer nen Reden waren einige feine Schmeiche leien, die er Bosminen ſagte, welche ſie verſtand, die die Andern nicht deuteten. Als Fillan aus dem Gemache ging, um ſeinen Leuten gewiſſe Befehle zu er⸗ theilen, ſagte Bosmina:„Seht Ihr wohl, wie empfindlich er iſt? Eine Miene kann ihn verdrießen. Die Wahrheit will er nicht hoͤren. Oft erſcheint er mir wie ein Fremder, mit dem ich keine Gemeinſchaft habe. Koͤnnte ich nur ſo ſeyn, wie er es wuͤnſcht! Saͤhe uns dann ein Unbekann⸗ ter, er wuͤrde es nicht wiſſen, daß wir Gatten ſind. Moͤge das Uebel nur nicht zunehmen, da wuͤrde ich mich bei all ſeiner Tugend, bei ſeiner Guͤte, die ich an ihm achten muß, und bei der Art der Liebe, wie er ſie mir nur beweiſen kann, doch 117 nicht gluͤcklich fuͤhlen. Kann ich dafuͤr, daß ich anders empfinde?“ „Aber, liebe Bosmin,» ſagte Annet, „Du darfſt es ihm auch nicht anrech⸗ nen, daß er nicht ſeyn kann, wie Du ihn wuͤnſcheſt. Ein Mann verleugnet ſeine Natur ſchwer, wenn er ein feſter, ſtarker Mann iſt, und ich denke, das Weib müßte ſich nach ihm fuͤgen. Laß ihn ſeyn wie er will, wenn Du nur an ſeiner Treue und Liebe nicht zweifeln darfſt. Ich daͤchte, einen Gatten mit Fillans Tugend, den Du achten mußt, koͤnnteſt Du auch lieben. Alle Zaͤrtlichkeiten, wenn ſie nicht aus rei⸗ nem Herzen kommen, ſind weiter nichts als ein falſches Gaukelſpiel, das uns be⸗ truͤgt. Wie ungluͤcklich muß ſich eine Gattin fuͤhlen, wenn es verſchwindet und ſie ſieht, daß ſie eine Getaͤuſchte war! Wie Manche, die an die Wahrheit der Liebe glaubte, ſah ſich betrogen.“ 118 Jedes Wort, was Annet ſagte, ent⸗ hielt einen Vorwurf für Cormar, und haͤtte er glauben muͤſſen, daß er auf ihn ge⸗ muͤnzt war, er waͤre doch in eine augen⸗ blickliche Verlegenheit gerathen. Aber ſie hatte es deutlich offenbart, daß ſie es nicht mit Ruhe, wie manches Weib ertragen werde, wenn ſich ihr die Taͤuſchung verrieth, mit der er ſie betrog. „Annet,“ ſagte er, als ſie ſchwieg, „es iſt immer leichter, Regeln Andern zu geben, als ſie befolgen, dem leidenden Herzen dienen ſie nicht zum Troſte und es nimmt ſie wie einen Vorwurf auf. Ver⸗ ſetze Dich nur in Gedanken ganz in Bos⸗ minens Lage, ob Du anders empfinden und reden wuͤrdeſt. Das Herz hat For⸗ derungen, die ſich nicht unbefriedigt ab⸗ weiſen laſſen und waͤren die Bosmina's ungerecht? Auch ich kenne Fillans hohen Werth und weiß ihn hoch zu achten; aber das mußte ich von jeher an ihm tadeln, . —— 119 daß er ſelbſt in der Freundſchaft ohne Waͤrme, ohne die innigſte Theilnahme⸗ ohne jene Herzlichkeit war, die die Ge⸗ muͤther auf's innigſte verbindet. Gerech⸗ tigkeit bin ich ihm ſchuldig und muß es eingeſtehen, nie hat er eine Freundespflicht verletzt; aber im genauern Umgange blieb er immer kalt. Man mußte ihn naͤher kennen, um ſein Inneres zu ſchaͤtzen. Wie weit bin ich entfernt, die Luͤcke, die zwiſchen Euch ſtatt findet, zu vergroßern, koͤnnte ich Fillan nur umſchaffen, daß Ihr ganz durch ihn gluͤcklich wuͤrdet, aber dar⸗ auf muͤßt Ihr verzichten, daß ſich ſein Weſen aͤndert. Wahrlich, ob Ihr auch den beſten Gatten habt, ſo ſeyd Ihr doch zu bedauern.“ Mit heiterer Miene trat jetzt Fillan ins Gemach, ging zu Bosmina hin, um⸗ ſchlang ſie mit ſeinen Armen, kuͤßte ihre Lippe, gab ihr Schmeichelnamen und ſagte:„Cormar wird mich's lehren, wie 120 ich ſeyn muß, um dich gluͤcklich zu machen.“ Bosmina ſprach:„Gelernt kann das nicht werden, es muß aus Deiner Seele kommen. Fillan, Du biſt ſo liebevoll und gut, das Beſte kann ich nur von Dir er⸗ warten. Liebte ich Dich nicht, wie wuͤrde ich's achten, wie Du gegen mich Dich aͤußerſt. Ich werde mich endlich ſo gewoͤh⸗ nen, wie Du mich haben willſt, und dann wird es von meiner Seite nie zu einer Klage wieder kommen.“ Seit dem Wochenbette war Bosmina ſchoͤner aufgebluͤht. Ein ſanfteres Roth ſchmuͤckte ihre Wangen und lilienweiß war ihre Haur. Von ihrer Fuͤlle hatte ſie verloren, eben das aber erhoͤhete ihre Reize noch. Mehr Sanftheit und Milde ſprach aus ihren Augen und das Feuer, was ſonſt aus ihnen hervorblitzte, war ge⸗ daͤmpft. Selbſt der Ton ihrer Sprache 1 6* — 121 hatte ſich geaͤndert und war weicher, melo⸗ diſcher geworden. Cormar konnte die ſchoͤne Frau nicht ohne Entzuͤcken anſehen und eine geheime Neigung wurde nur noch mehr entflammt. Wie unbedeutend, wie nichtsſagend und reizlos kam ihm Annet vor, wenn er ſie mit Bosmina verglich! Nur feſter wurzelte in ihm der Entſchluß, den Fall ihrer Tugend zu beſchleunigen und ſie durch ſeine Liſt zu umgarnen. „Aber,“ ſagte Fillan,„willſt Du meine Knaben ſehen, Cormar? Es ſind zwei wackere Jungen, die mich ſchon mit ihren großen Augen anblitzen. Wenn ſie ſo fort gedeihen, werden ſie den Vater einſt nicht im Stiche laſſen. Ich hoffe es, daß ſie dem Namen ihrer Urvaͤter Ehre machen ſollen. Zur ſtrengen Tugend will ich ſie erziehen und Bosmina mag ſie’s lehren, wie's ein Mann macht, der ſeiner 122 4 Gattin gefallen will.“.. Das ſagte er mit laͤchelnder Miene, aber mit innerm Ernſt. „Iſt das Ernſt oder Scherz?» fragte Bosmina. 1 „Nichts als Scherz.“ Die Saͤugerin brachte die Kinder auf beiden Armen getragen, Bosmina nahm ſie auf ihre Arme, ſtellte ſich vor Cormar hin und ſagte:„Seht, wie ſie ihre Blicke auf Euch richten, als ob ſie Bekanntſchaft mit Euch machen wollten. Rino, das iſt der aͤltere, laͤchelt Euch an. Es iſt wahr, die Mutterfreude iſt die hoͤchſte und mit ihr iſt keine zu vergleichen. So oft ich dieſe Knaben ſehe, wird ſie von neuem angefriſcht.“ „Es ſind ſchoͤne Knaben, der Mutter — 2₰ 123 und dem Vater aͤhnlich und fuͤr ähre El⸗ tern ſchon ſehr groß.“ Er ſtrich den Knaben die Backen, druͤckte ihnen die Arme und beruͤhrte mit ſeiner Hand Bosmina's Arm. Ein maͤch⸗ tiges Gefuͤhl durchzuckte ihn und er ſah es, daß Bosmina erroͤthete. „Wie waͤr's, Bosmina,“ ſprach er, „wenn Ihr Annet einen Knaben gaͤbet, ſie wuͤrde ihn wie eine Mutter pflegen.“ „Meinſt Du, daß ich ihr den Knaben gaͤbe?“ ſagte Fillan. „Cormar ſcherzt nur,“ entgegnete Bosmina,„und weiß es wohl, daß eine Mutter, die zehn Kinder hat, ſich nicht von einem trennt. Doch, bei Euch waͤre er immer noch am beſten aufgehoben.“ Es verfloß eine geraume Zeit, wo ſich die Freunde oͤfter beſuchten und kein Un⸗ fall, kein Mißtrauen ſtoͤrte ihr freundliches Verhaͤltniß. Cormar aber hatte ſchon die Gelegenheit gefunden, um ihr ſeine Nei⸗ gung zu offenbaren. Wenn ſie ihm auch das Geſtaͤndniß nicht that, daß ſich ein gleiches Gefuͤhl in ihrem Herzen bewegte,— ſo wies ſie ihn doch nicht mit jener ſtren⸗ gen Tugend zuruͤck, die das edle, treue Weib beweiſet, wenn ſie von einem Ver⸗ fuͤhrer angefochten wird. Es kam ein reitender Clansmann von Selama an, der die frohe Botſchaft nach Balclutha brachte, daß Annet mit einer Tochter niedergekommen ſey. Zugleich ließ Cormar ſeine Freunde inſtaͤndig bitten, ihn bald zu beſuchen und ſeine und Annets Freude uͤber die Geburt des wirklich ſchoͤ⸗ nen Kindes mit den Eltern deſſelben zu theilen. 3 Fillan hatte ſeit laͤngerer Zeit ſeinem — 125 Freunde Oſcar einen Beſuch zugeſagt, und weil ihm dieſer den Tag ſelbſt beſtimmte, wo er ihn unfehlbar erwarte, und er ver⸗ ſprochen hatte, zu kommen, ſo konnte er ſogleich nicht nach Selama reiſen. Als Bosmina ein heftiges Verlangen zeigte, ihre geliebte Annet und das Kind ſo bald als moͤglich zu ſehen, da ſagte Fil⸗ lan:„Reiſe Du nach Selama voraus, nimm die Knaben und ihre Waͤrterinnen mit, ſobald ich von Morwen zuruͤckkomme, komme ich Dir nach und hole Dich ab.“ Dieſen Vorſchlag nahm Bosmina gern an, und dankte ihrem Gatten. In Morwen war ein großes Feſt, wo⸗ bei die benachbarten Haͤuptlinge, ohne ihre Frauen und Toͤchter, ſich einfanden. Oſear feierte den achtzigſten Geburtstag ſeines hochverehrten Vaters, des in weiter Umge⸗ gend geachteten Greifes. Spiele und ein 126 & großes Jagen wurde angeſtellt, um den Gaͤſten die Zeit auf's angenehmſte zu ver⸗ küͤrzen. Auch Carul, Annets Vater, war dabei zugegen. Salgar, gegen den Armin einen geheimen Haß hegte, und Cormar, dem Oſcar nicht traute, waren nicht gela⸗ den. Die Feſtluſt dauerte mehrere Tage und auf Oſcars Bitten mußte Fillan noch einen Tag laͤnger bleiben. Als ſie Beide allein waren, ſagte. Oſcar:„Cormar wird mir's wohl uͤbel nehmen, daß ich ihn zu dem Feſte nicht lud, und darin eine Verachtung ſeiner Perſon finden, die ſein uͤbertriebenes Ehr⸗ gefuͤhl beleidigt. Aber dem ich abgeneigt bin, den will ich mit ſcheinbaren Freund⸗ ſchaftsbeweiſen nicht taͤuſchen. Haſſen kann ich den Feind; aber er muß es wiſ⸗ ſen; es iſt ſchändlich, Wohlwollen und Guͤte heucheln. Oft habe ich's ſchon ver⸗ ſucht, mich mit Salgar auszuſoͤhnen, aber ich kann es nicht. Gar Vieles in ſeinem — 127 Weſen iſt's, was mich von ihm ſcheucht. Ehe ich mir in ſeiner Naͤhe Zwang an⸗ thue, will ich ihn lieber meiden. Faſt muß ich's glauben, daß die Schuld an mir liegt, daß ich ſeinen Umgang meide. Du biſt ſein Freund, und wie ich hoͤre, ſeht ihr euch oft. Er muß doch alſo Sei⸗ ten haben, die ihn Dir ſchaͤtzenswerth ma⸗ chen. Sage, wie faͤngſt Du's an, um mit ihm, wie mit einem Freunde umzugehen?⸗ „Dazu braucht's keine Kunſt, ich zeige mich ihm, wie ich bin. Unrecht wuͤrde ich thun, wenn ich ſein Betragen gegen mich tadelte. Er iſt offen, theilnehmend, gefaͤl⸗ lig und uͤbertritt keine der Pflichten, welche unter Freunden ſtatt ſinden. Keinen Arg⸗ wohn, keinen Verdacht kann ich gegen ihn hegen. Oſcar, faſt muß ich's doch glauben, daß Du Cormarn falſch be⸗ urrheilſt. Nahe Dich ihm, er wird ſich Dir nahen und bald wird die widrige Neigung verſchwinden, von der Du Dich ſo nicht frei machen kannſt.“ „So Manches weiß ich von ihm,“ ſagte Oſcar,„ich muß es Unrecht nennen, das ſich der beſſere, ehrliebende Menſch nicht verſtatten wuͤrde, und wer mein Freund ſeyn will, und wen ich achten ſoll, der muß von ſolchen Vergehen frei ſeyn.“⸗ „Das Unrecht, was er beging, gehoͤrt einer fruͤhern Zeit an, und von Fehlern iſt unſere Jugend nicht frei. In der letzten Zeit kannſt Du nichts Nachtheiliges von ihm gehoͤrt haben, wenn es Haß und Luͤge nicht erdichtet hat. Seine Gattin nennt ſich die gluͤcklichſte Frau.“ „Den Verſuch moͤchte ich mit ihm machen, wenn ich nicht fuͤrchtete, daß ſeine Freundlichkeit, ſein Wohlwollen, ſeine Offen⸗ heit ſogar das Spiel der Falſchheit iſt. 129 Die Kunſt ber Verſtellung, die er meiſter⸗ haft zu treiben verſtand, wovon Du ſelbſt Beweiſe haſt, legt man ſo leicht nicht ab.“ Fillan ſagte:„Du biſt mißtrauiſch.* Woher willſt Du's denn wiſſen, daß Cor⸗ mar ein Falſcher iſt, der den Schein der Tugend heuchelt? Mag er aber auch ge⸗ gen Andere ſeyn, wie er will, mit mir meint er's nicht boͤſe.“ „Weißt Du das ganz gewiß? So Man⸗ cher ließ ſich von einem falſchen Boͤſewichte, ohne daß er Arges ahnete, eine lange Zeit auf Pfaden fuͤhren, die mit Blumen be⸗ ſtreuet waren und endlich, was er nie ge⸗ fuͤrchtet hatte, ſtuͤrzt er ihn doch in einen verderblichen Abgrund. Meine Regel iſt, vorſichtig zu ſeyn mit meinem Vertrauen, und ſo ging ich immer einen ſichern Gang. Ich muß es Dir aus vielen Gruͤnden rathen, merke auf Cormar, ſey auf Deiner Die Erſtürmung. II. 9 Hut, er koͤmmt mir vor, wie eine buntge⸗ fleckte Schlange, die auf der Lauer liegt und dann den Sprung nach ihrer Beute thut, wenn ſie ſie erhaſchen kann.“ „Nein, nein, ſo iſt Cormar nicht, Du richteſt ihn falſch und hart.“ „Bisweilen iſt es der Fall, daß man keine Augen fuͤr die feine, liſtige Bosheit eines vermeinten Freundes hat, ein Ande⸗ rer ſieht ſie aber und muß ſie uns zeigen, wenn wir ſie ſehen ſollen. Iſt er einmal bei Dir, der kluge Cormar, ſo laß mich's wiſſen, vielleicht ſinde ich's auch, daß er andern Sinnes geworden iſt, und dann wird er vielleicht auch mein Freund; aber ſchwer, ſchwer wird es dazu kommen, da uns Beiden viele Hinderniſſe im Wege liegen.“— Oſcar glaubte dies Mal ſeinem Freun⸗ de genug geſagt zu haben, um ihn vor — 131 Cormarn zu warnen und ihm Aufmerkſam⸗. keit auf ſeine Schritte zur Pflicht zu ma⸗ chen. Er fand, daß Fillans Vertrauen gegen denſelben viel zu weit ging. Die Treue einer Frau in der Liebe gegen den Gatten, mit der man es in un⸗ ſern aufgeklaͤrten und ungeſitteten Zeiten, beſonders unter den Vornehmen, keines⸗ wegs ſo genau nimmt und ſich gegen ſie offenbare Verſtoͤße wechſelſeitig verzeiht, war damals im Hochlande der groͤßte Schmuck. Die Liebe der Frauen gegen den Gat⸗ ten ging ſo weit, daß ſie ihm bewaffnet und auf einem Streitroſſe dahin folgte, wo blutige Kaͤmpfe vorſielen und Gefan⸗ genſchaft und Todesgefahr mit ihm theilte. Im Gegentheil gab es aber auch keine verachtetere Creatur, als ein treuloſes Weib; ſie wurde in keiner Geſellſchaft ge⸗ duldet und war von der Theilnahme an e bloßzuſtellen, die gewiß durch Tugend⸗ 133 allen Feſtlichkeiten ausgeſchloſſen. Der Mann mußte ſie, ſeiner Ehre wegen, von ſich ſtoßen, er durfte ihr, wenn er nicht gleiche Schmach erleiden wollte, einen offenkundigen Fehltritt gegen die Treue nicht verzeihen. Die Verſtoßene lebte bei iyren Verwandten ein troſtloſes, ungluͤckli⸗ ches Leben. Oſcar hatte es von Tottleig erfahren, daß Cormar oͤſtere Beſuche in Balclutha mache und ſich mehrere Tage dort auf⸗ halte. Es gehe das boͤſe Geruͤcht um, daß er mit Bosmina im vertrauten Verhaͤltniſſe lebe. Man muͤſſe dies um ſo eher glau⸗ ben, da er ſie vor ſeiner Verheirathung mit Annet zu ſeiner Gatin erwaͤhlt haͤtte. Als Oſcar das Geruͤcht bezweifelte und ſagte, er koͤnne es nicht glauben, daß Cor⸗ mar im Stande ſey, ſeine junge Gattin zu betruͤgen das Zutrauen Filaans zu taͤu⸗ ſchen und Bosmina einer moͤglichen Schan⸗ 133 gefuͤhl, durch Schaam und Furcht vor der Schande, durch ihre Liebe gegen Fillan hinreichend geſichert ſeyn, dem Anſinnen eines Verfuͤhrers zu folgen, da erwiederte Tottleig:„Wir Alltagsmenſchen mit un⸗ ſerer alten hochlaͤndiſchen Tugend koͤnnen es uns freilich nicht einbilden, daß es ſo große Verbrechen unter der Sonne giebt; aber wirklich finden ſie doch ſtatt. Ein Cormar wagt Alles, er durchbricht die Schranken der heiligſten Pflichten, wenn ihn die Leidenſchaft befaͤllt Welches Mit⸗ tel ergreift der nicht, ſeine Zwecke zu er⸗ reichen! Hat er in ſeinem Leben den Rath der Vernunft beachtet? Fillan dauert mich nur, der Betrogene, der mit offenen Augen die Schmach nicht ſieht, die ihm bereitet wird.“ „Aber, Tottleig, das Geſagte kannſt Du nicht beweiſen und der Verdacht he“ ſelbſt die Tugend oft ſchwer beleidigt. Cor⸗ à 134 mar hat Feinde, und dieſe ſuchen ihre Rache in luͤgenhafter Verlaͤumdung.“ Dies, was Oſcar von Tottleig erfuhr, war es, was ihn bewog, Fillan die ange⸗ fuͤhrten Aufſchluͤſſe zu geben. Gelegentlich wollte er ihm das boͤſe Geruͤcht, was ihm jeder verſchwieg, dreiſt offenbaren. Er wuͤnſchte es gar ſehr, Cormar in Baiclutha zu ſehen, wenn Bosmina zugegen war, um auf jedes ſeiner Worte, Mienen und Be⸗ wegungen zu achten. Aber lange wollte er Fillan das Gerede nicht verſchweigen, er ſollte es erfahren, wenn es auch ein erdichtetes war. Dadurch, daß er allen Umgang mit Cormarn aufhob, konnten die Maͤuler zum Stillſchweigen gebracht werden, er verhuͤ⸗ tete, wenn Boͤſes im Werke war, vieles Unnheil, rettete ſeine Ehre und ſicherte ſeine Gattin vor moͤglicher Schmach. Aber .7* Oſcar kam mit ſeiner Entdeckung zu Oſcar hatte Fillan kein Mißtrauen ge⸗ gen Cormar einfloͤßen koͤnnen. Das Nach⸗ theilige, was er von ihm ſagte, kam nach ſeiner Meinung aus einem feindlichen Herzen, was Rache uͤbt, ohne daß ſich's. geſtehen will. Auf den Gedanken, daß 4 Cormar darauf ausging, Bosmina zu ver⸗ fuͤhren, ſiel er gar nicht. Er trauete ihrer Tugend mit unbedingtem Glauben. Kam ſie doch nie, wenn Cormar in Balclutha war, von ſeiner Seite, und ruͤhmte ſich dieſer doch des Gluͤcks, der beneidens⸗ wertheſte Gatte zu ſeyn. ——— Erſt in Selama wurde der Faden ei⸗ ner Liebe angeſponnen, die ſonſt Nieman⸗ den verderblicher wurde, als dem edlen, treuen, vertrauungsvollen Fillan. Wir muͤſſen von dem Aufenthalte 136 Bosmina's in Selama dem Leſer ein Ge⸗ heimniß mittheilen. Annet war freudenvoll, als ihr Bosmi⸗ nens Ankunft gemeldet wurde, die theil⸗ nehmende, liebevolle Freundin, der ſie ihre kleine Malwina zeigen konnte, die, nach ihrem Dafuͤrhalten, ſchoͤn wie ein Goͤtter⸗ bild war. Die Freundinnen fielen einan⸗ der in die Arme und Annet ſagte:„Be⸗ trachte zuerſt meinen kleinen Liebling, in dem mir die Goͤtter den groͤßten Schatz ſchenkten.“ Ais Bosmina den Saͤugling auf dem Arme hielt, ihn genauer zu betrachten, da fragte ſeine Mutter:„Kennſt Du ein Kind, das ſchoͤner waͤre?⸗ 137 Läͤchelnd erwiederte Bosmina:„Das iſt ſo die Weiſe der Mutter, Schoͤnheiten in den Geſichtszuͤgen ihrer Kleinen zu ſin⸗ den, die ein Anderer nicht entdecken kann. Mir geht's mit meinen Knaben eben ſo. Deine Freude will ich nicht niederſchlagen und Dein Mutterherz nicht verwunden, daß ich die kleine Malwina nicht fuͤr ſo ſchoͤn halten kann, als Du ſie glaubſt; aber es iſt ein wohlgeſtaltetes, huͤbſches Kind.“ 1 „„Weiter nichts, Bosmina? Du haͤt⸗ teſt mir den Glauben laſſen muͤſſen, der mich ſo ſuͤß taͤuſchte. Malwina iſt alſo ein haͤßliches, ein gewoͤhnliches Kind? Das ſage ja nicht, wenn es Cormar hoͤrt, der uͤbertreibt das Lob ihrer Schoͤnheit noch mehr als ich.“ „Wie Du aber meine Worte deuteſt! Ich habe weder geſagt, daß Malwina haͤß⸗ lich, noch daß ſie ein gewoͤhnliches Kind 138 iſt. Wenn ſich ihre Zuͤge erſt entwickeln, ſo kann ſie ſo reizend werden, als es ihre Mutter iſt.“ Annet hatte durch den Kampf der Niederkunft ſehr gelitten und ihn nicht ſo leicht wie Bosmina uͤberſtanden, die zwei Kinder zugleich gebar. Zarter war Annets Koͤrperbau, die Freude wie der Schmerz, griff ihr ganzes Weſen gewaltig an. Sie war nicht allein ſehr mager geworden, ihre Geſichtsfarbe war blaß und eine große Mattigkeit lag in ihren Augen. Wie ſchnell verbluͤht die Schoͤnheit! Cormar war wenig bei ihr, ihr krankhaftes entſtell⸗ tes Anſehen ſcheuchte ihn von ihr und un⸗ ter erdichteten Vorwaͤnden floh er ihr Ge⸗ mach. Er kam von Drumardo zuruͤck, als er erfuhr, daß Bosmina angekommen ſey. Sogleich legte er ſeine Reiſekleider ab und ging in das Gemach ſeiner Gattin, ſo ge⸗ ſchmuͤckt, als ob er zu einem glaͤnzenden Feſte geladen fey. Er begruͤßte Bosmina ——y—— 139 mit großer Freundlichkeit, ruͤhmte ihre theilnehmende Liebe gegen ſeine Gattin und ſprach von dem ſchoͤnen Kinde, das ſie geboren hatte.„Abar, wie ich hoͤrte, ſeyd Ihr allein angekommen, ohne Fillan? Ich habe ihn gewiß erwartet und ſchon darauf gedacht, ihm den Aufenthalt in Selama an⸗ genehm zu machen. Eben komme ich von Drumardo, wo ich Eure Eltern zu einem Beſuche einlud. Man muß Salgar auf⸗ heitern, er kann den ungluͤcklichen Kampf noch nicht vergeſſen, wo ſich die Haͤupt⸗ linge gegen ihn zuſammenrotteten, als ob ſie ihn vertilgen wollten. Aber daß Fillan wegblieb!“ „Er haͤtte mich ohne Zweifel beglei⸗ tet,“ ſagte Bosmina,„wenn ihn ein fruͤhe⸗ res Verſprechen nicht noͤthigte, nach Mor⸗ wen zu reiſen, koͤmmt er von da zuruͤck, ſo eilt er hierher, mich abzuholen.“ „Wie's ihm aber in Morwen gefallen 140 kann,“ ſagte Cormar,„wo der ſtolze Oſcar ſich bruͤſtet, als ob er der Erſte im Hoch⸗ lande waͤre. Wie der junge Burſche mit ſeinem kleinen Verdienſte Prunk treibt! Mir iſt er zuwider und ich weiß es, wie gehaͤfſig er mir iſt. Es ſcheint mir doch nicht zu paſſen, daß Fillan, den ich fuͤr meinen Freund achten muß, mit meinem Feinde ſo verbunden lebt. Kann's ihm gefallen, wenn Oſcar in harten Urtheilen ſeinen Zorn uͤber mich auslaͤßt?“⸗ „Das nur glaubt nicht von dem ehr⸗ lichen Fillan, daß er Euch ungeſtraft be⸗ laͤſtern ließe. Daß er aber der Freund zweier Feinde ſeyn kann, das finde ich nicht unnatuͤrlich. Warum ſollte er Oſcar nicht achten und lieben koͤnnen, weil er Euch achtet und liebt! Verſucht es nicht, ihn von Eurem Feinde abzulenken, er koͤnnte das Euch ſehr uͤbel deuten.“ Cormar brach das Geſpraͤch ab, und 141 indem er die Hand ſeiner Gattin ergriff, ſagte er mit einer Art von Mitleid, aber auch Verdruß in der Miene:„Hat meine gute Annet nicht ſehr gelitten? Wie ma⸗ ger, wie blaß ſie geworden iſt! Ihre Reize ſind verſchwunden. Wenn es ihr aber ſo ergeht wie Euch, ſo wird ſie deſto ſchoͤner wieder aufbluͤhen. Nicht wahr, meine Annet?“ Sie nickte freundlich mit dem Kopfe. Bosmina antwortete:„Und wenn ſie ſchoͤner nicht aufbluͤhete, ſo waͤre das nicht ihre Schuld, und ſie haͤtte das nicht vei⸗ loren, was den wahren Werth eines Wei⸗ bes ausmacht. Auch ohne die bluͤhenden Wangen wuͤrdet Ihr ſie doch lieben, wie zu der Zeit, als ſie Eure Braut war. Gewiß, Ihr achtet den Werth der Maͤnner nicht hoch, deren Liebe nach den Reizen ihrer Gattinnen ſteigt und faͤllt Ob ich mei⸗ nen Fillan in vielen Stuͤcken viel anders wuͤnſchte, als er wirklich iſt, ſo bin ich 8 2 1 142 von ihm doch gewiß, daß meine Roͤthe oder Blaͤſſe auf ſeine Liebe keinen Einfluß hat.“ „Das traue ich ihm ſelber zu,“ ſagte Cormar;„aber er iſt auch anders, wie andere Maͤnner. Wenn es einer Gattin Vergnuͤgen macht, wenn der Gatte ſich ihrer Schoͤnheit freut, ſo kann's ihm nicht gleichguͤltig ſeyn, wenn ſie dieſe verliert. Gefaͤllt Euch das Geſchmuͤckte nicht viel mehr, als das Ungeſchmuͤckte? Seht Ihr einen Haͤuptling mit einem ſchoͤnen Geſicht zsiht lieber an, als mit einem haͤßlichen?“ „Waͤre der Haͤßliche beſſer als der Schoͤne, ſo wuͤrde ich jenen lieber anſehen als dieſen.“ „Bosmina, Ihr habt Luſt mit mir zu ſtreiten, Ihr meint es doch im Innern an⸗ ders, als es die Lippe verraͤth. Klug ſi nd die Frauen.. 143 Er bot nun ſeine ganze Kunſt auf, um die Frauen angenehm zu unterhalten und wandte Witz und Scherz an, ihr Ge⸗ muͤth heiter und froh zu ſtimmen. Nach einer kurzen Entfernung brachte er die beiden Knaben Rino und Cormai auf den Armen ins Zimmer getragen, indem die Waͤrterin ihm nachfolgte. Um dem Mut⸗ terherzen zu ſchmeicheln, wußte er viele Vorzuͤge an den Kindern zu ruͤhmen und taͤndelte zaͤrtlich mit ihnen.„Nun,“ ſagte er auch,„wenn meine Malwina erſt eine ſchoͤne Jungfrau iſt, ſo mag einer von den beiden Knaben kommen, ihm und keinem Andern gebe ich ſie zur Gattin. Bos⸗ mina, haͤttet Ihr einen Einwand da⸗ gegen?“ „Nur in Hinſicht der Liebe Eurex Tochter ſollt Ihr nichts vor der Zeit be⸗ ſtimmen, das geraͤth ſelten gut. Ehe un⸗ ſere Kinder heirathen, was kann Üch da —— ————— 144 noch ereignen! Laßt ſie nach freier Nei⸗ gung waͤhlen.“ „Bosmina, auch dieſe Freiheit fuͤhrt nicht immer zum ehelichen Gluͤck. Die Ehe iſt ein gewagtes Spiel, das dem Kluͤgſten und Vorſichtigſten gewonnen und verloren gehen kann. Mancher, der den Schein des Gluͤcklichen hat, iſt es doch in in ſeinem Innern nicht.“ „Cormar,“ fragte Annet,„waͤre Dein Gluͤck auch ein Scheingluͤck?“ „Annet, wenn ich von Andern rede, ſo mußt Du die Anwendung nicht auf mich machen. Du weißt es, wie ich Dich liebe, und wie ich mich in Deiner Naͤhe fuͤhle.“ Am dritten Morgen war es, wo Bos⸗ mina in Selama ſich aufhielt, wo Annet naoch das Bett huͤtete. Sie hatte den 145 groͤßten Theil der Nacht wachend und im heftigen Kopfſchmerz zugebracht. Bosmina wollte zu ihr gehen, um ſich nach ihrem Befinden zu erkundigen, aber ſie blieb zu⸗ ruͤck, weil ihr eine Waͤrterin ſagte, daß Annet eingeſchlafen ſey und man ſie in der Ruhe nicht ſtoͤren wollte. Der Morgen war ſchön, einladend, die Luft mild, die Gegend um Selama mit den Wieſen, Seen, Felſen und Waͤl⸗ dern hoͤchſt romantiſch und maleriſch. Be⸗ ſonders lag ſuͤdlich von der Wohnung des Haͤuptlings eine Anhoͤhe, von der man eine ſchoͤne Ausſicht nach der Felſengegend und in das offene Land hatte. Immer noch, wie in den fruͤhern Jahren, war Bosmina eine große Freundin ſchoͤner Landſchaften und das Anſchauen derſelben entzuͤckte ſie. Balclutha hatte auch darum ſo wenig Reiz fuͤr ſie, weil, den Felſen ab⸗ gerechnet, auf dem das Schloß mit ſeinen alten Thuͤrmen lag, ſich um daſſelbe eine Die Erſtürmung. II. 3 10 ſo fruͤh auf?⸗ —————— 146 große waldige Ebene ausbreitete, die nur ein kleiner Fluß durchkreuzte. Sie ging nie allein ins Feld und wollte zwei gewaffnete Clansleute als Be⸗ gleiter mit ſich nehmen. Da erſchien Cor⸗ mar und ſagte:„Wißt Ihr's ſchon, daß Annet eine unruhige Nacht hatte?“ Ihr Koͤrper iſt ſchwaͤchlich und ein Luͤftchen kann ihr ſchaden. Eurer Kraft und Ge⸗ ſundheit erfreut ſie ſich nicht.“ „Ich wollte ſie beſuchen, da mir aber geſagt wurde, daß ſie eingeſchlafen ſey, durfte ich ſie in ihrer Ruhe nicht ſtoͤren. Nach dem Schlummer pflegt es oft beſſer mit den Kranken zu werden.“ „Steht Ihr in Balclutha auch ſchon „Fruͤher bisweilen, bisweilen auch ſpaͤter.* 147 „Ihr ſeyd reiſefertig, wo wollt Ihr hin mit dieſen Gewaffneten?“ „Nach Balcolsrifley, um von da oben herab die ſchoͤne Landſchaft zu beſchauen. Ihr muͤßt es von einer fruͤhern Zeit her noch wiſſen, welche Freude mir der Anblick eines lachenden Landes macht, wo ſich uns die Natur in verſchwenderiſcher Herrlich⸗ keit zeigt. Ob hier auch das Meer nicht iſt, wo ich den Ueberfall von Seeraͤubern fuͤrchten darf, ſo gehe ich doch ungern allein und habe mir, wenn mir ein moͤg⸗ licher Unfall begegnen ſollte, dieſe beiden Clansleute zu Begleitern erkohren.“ „Wenn Ihr es erlaubt, daß ich Euch begleiten darf, ſo koͤnnt Ihr dieſen den Dienſt erſparen.“ „Entzieht Ihr Euch auch nicht einem noͤthigern Geſchäͤft?“ ——— 148 „Keinem, ſage ich Euch, Bosmina, wenn ich mit Euch gehen darf.“ Er wollte, daß die Clansleute zuruͤck⸗ blieben, da aber Bosmina bat, daß ſie ihr folgen duͤrften, gebot ihnen Cormar, ſie ſollten in einer Entfernung von hundert Schritt ihnen nachkommen. Unter gleichguͤltigen Geſpraͤchen waren ſie bis an den Fuß des Gebirges gekom⸗ men, als Cormar den Begleitern zurief: „Ihr erwartet uns an dieſer Stelle, bis wir wiederkommen.“ Der Balcolsrifley war eine der hoͤch⸗ ſten Felſenſpitzen, die ſich oben in eine ſchmale Spitze ausdehnte, die mit duͤn⸗ nem, zarten Gras, aber mit duftenden Heilkraͤutern bewachſen war. Ehe man dieſen Gipfel erreichte, mußte man meh⸗ rere Schluchten durchwandern, uͤber die ungeheure Felſenmaſſen hinragten. Oft 149 war der Weg ſo ſteil, daß man ihn zur Regenzeit gar nicht paſſiren konnte und auf manchen Stellen ſo enge und ſchmal, daß nur fuͤr einen Fußgaͤnger Raum war. Aber fuͤr alle Beſchwerden wurde der Wanderer, den die lachende Natur erfreut, auch herrlich gelohnt. Bosmina fuͤhlte eine gewiſſe Aengſt⸗ lichkeit, als Cormar den Clasleuten gebot, zuruͤckzubleiben; aber ſie hatte den Muth nicht, ihnen zu befehlen, daß ſie ihr fol⸗ gen ſollten. Gefahr für ihre Sicherheit durfte ſie zwar nicht fuͤrchten, aber es war ihr unheimlich, mit Cormar allein zu ſeyn. Sie ahnete es, daß eine geheime Neigung fuͤr ſie in ſeiner Bruſt gluͤhete und feind⸗ lich war ſie gegen ihn auch nicht geſtimmt. Seine Vorzuͤge vor Fillan waren ihr oft im hellen Lichte erſchienen und nichts hatte ſie, den Glanz derſelben zu verdun⸗ keln. Wußte ſie's doch auch, daß Cormar einſt um ihre Hand warb, und daß es die —ꝛ———— 150 Eltern wuͤnſchten, daß ſie ſich mit ihm und nicht mit Fillan ehelich verbinde. Zu⸗ weilen ſtieg in ihr die Reue auf, daß ſie des Vaters Willen nicht gehorſam war. Wie, wenn Annet ihr dieſen Gong uͤbel deutete? Wenn die Eiferſucht ſie befiel, ddie ſo leicht, ſelbſt durch geringere Veran⸗ laſſungen, ſich in ein Frauenherz ſchleicht? Konnte dieſer einſame Gang mit Cormar, wenn er zu Fillans Kenntniß kam, nicht als ein adſichtlich angeſtellter angeſehen werden, dem er eine boͤſe Deutung gab?“* Haͤtte ſie nicht gefuͤrchtet, Cormarn auf Gedanken zu bringen, die ihm das verriethen, was ihm ewig verſchwiegen werden ſollte, gewiß waͤre ſie auf der Stelle umgekehrt. Sie war bekuͤmmert und gedankenvoll und das Vergnuͤgen, was ſie. ſich verſprach, ein geſtoͤrtes. Cormar war ſehr wortreich und ſagte ihr feine Artigkei⸗ ien, die ſie an eine fruhere Zeit erinnerten. 4 4 2 * 5 — 151 „Waͤre doch,“ ſprach ſie,„ein ſolcher Balcolsrifley in Balclutha, mein Leben wuͤrde ſehr an Annehmlichkeit gewinnen. Dort iſt nur eine ebene Decke, mit Gras und Wald bewachſen. Ein Blick ſagt uns Alles, was wir von der Gegend wiſſen wollen.“ „Da habt Ibhr recht, Balelutha iſt eine einfoͤrmige Wuͤſte mit Selama ver⸗ glichen. Fuͤr ſolche Schoͤnheiten, die auch mich entzuͤcken, und die an der Seite eines geliebten Weibes genoſſen werden, hat Annet keinen Sinn. In den vier Waͤn⸗ den fuͤhlt ſie ſich eben ſo wohl, als in der grenzenloſen Natur. Bosmina, es iſt Euer Werk, daß Ihr Selama nicht zu Eurem Wohnſitze erkort. Was habe ich nicht da⸗ fuͤr gethan, um Euch in dieſen irdiſchen Himmel zu verſetzen. Und glaubt, das, was ich durch Euch verlor, kann mir ein weibliches Weſen nie erſetzen.“ „Cormar, Ihr ſeyd durch Annet gluͤck⸗ lich und ſie fuͤhlt es, daß ſie es durch Euch iſt. Laßt uns von dem, was vergan⸗ gen iſt, ſchwaigen, wozu koͤnnte es die⸗ nen? 2⁴ Sie kamen vor einer ſteilen Anhoͤhe an, die ſchwer zu erſteigen war. Cormar hielt Bosminen ſeinen Arm hin und ſagte: „Ich will Euch die Beſchwerde des Er⸗ klimmens erleichtern, greift unter meinen Arm, ſo geht Ihr auch deſto ſicherer und duͤrft nicht fuͤrchten, auszugleiten. An dem Staͤrkern muß ſich der Schwaͤchere halten. Man koͤnnte es mir uͤbelnehmen, ich ſelbſt verziehe es mir nicht, wenn Ihr unter meiner Begleitung einen groͤßern oder k klei⸗ nern Schaden littet.“ Bosmina faßte ihn, wiewohl mit ge⸗ heimen Zoͤgern, unterm Arm. Verweigern durfte ſie ihm dies Anerbieten nicht, in dieſem Falle konnte es von ſeiner Seite 153 zu Eroͤffnungen kommen, die ſie fuͤrchtete. Er druͤckte ibren Arm feſt an ſeine Seite. Als ſie eine Bewegung machte, als ob ſie den Druck ſchmerzhaft fuͤhle, ſagte er: „Laßt mich nur ſo Euch halten, ich kann's nicht anders. Halte ich Euch loſer, ſo koͤnntet Ihr mir leicht entſchluͤpfen.“ Unter Geſpraͤchen, in denen Cormar ein inneres, leidenſchaftliches Feuer verrieth,— das Bosmina, ſo viel ſie's vermochte, zu daͤmpfen ſuchte, waren ſie auf dem Felſen⸗ gipfel angekommen. Hier ließ ſie feinen Arm los, und indem ſie den Blick zum Himmel richtete und dann in die weite Ebene hinausſchauete, rief ſie laut, mit der Miene einer Betenden aus:„Goͤtter, wer in ſainer Bruſt ein reines, ſchuldenfreies Herz bewahrt, der nur kann ſich Eurer Herrlichkeiten freuen. Das Laſter kennt die ſchoͤnen Genuͤſſe nicht, die die Natur euern Verehrern bereitet!’’“’ 4 „Cormar,“ fuhr ſie fort, indem ſie ihn forſchend anblickte,„wenn ich auf ſol⸗ chen Hoͤhen bin, dann fuͤhle ich mich gleichſam uͤber das gemeine Leben erhaben, es koͤmmt mir dann ſo gering vor; hier, wo ich dem Himmel naͤher gexuͤckt bin, erſcheint mir alles verklaͤrter. Hier, hier könnte ich das heilige Geluͤbde beſchwoͤren, daß nie ein unerlaubter Gedanke Raum gewinnen und die kleinſte verbotene Hand⸗ lung mein Leben nicht entehren ſoll.*“* Die Aeußerung ſolcher Gefuͤhle, die Bosmina gewiß nicht ohne Abſicht offen⸗ harte, die ihr eine Wache, ein Schutzgeiſt gegen etwanige Angriffe, zu denen ſich Cormar gegen ſie erkuͤhnen moͤchte, dienen ſollten, machten zwar einen widrigen Ein⸗ druck auf ihn, aber ihre Wirkung war doch nicht von langer Dauer. Die Glut einer ſinnlichen Neigung hatte ihn erhitzt, es ſprudelte in ſeinen Adern, ſein Herz ſchlug heftig und in dem Tumulte ſeiner Leiden⸗ ſchaft verhallte die warnende Stimme, keine verborene That zu begehen. 3 „Es macht mir das groͤßte Vergnuͤgen,“ ſagte er zu Bosmina,„daß es Euch auf dem Balcolörifley ſo gefaͤllt, und nur be⸗ dauern kann ich es, daß ich ſelten das Gluͤck haben werde, Euch hieher zu führen. O. gehoͤrtet Ihr mir an und koͤnnte ich den Austauſch ſuͤßer Gefuͤhle mit Euch halten, die auch in mir aufgeregt ſind. Aber, ſchoͤn⸗ ſtes der Weiber, das je die Erde trug, laß mich's Dir aus der Fuͤlle meines Herzens bekennen, deſſen Liebe zu Dir keine Grenzen hat, daß Dein Anblick mich mehr entzuͤckt und bezaubert, als alle Herrlichkeit uͤber den Wolken. D, ich weiß es, mein mein waͤrſt Du geworden, wenn Du das Wort, was Du Fillan gabſt, haͤtteſt loͤſen koͤnnen. Verſoͤhne mich mit meinem Mißgeſchick, das mich ſchrecklich foltert und geſtehe mir, daß Du mich liebſt, 156 dies wird mir des Lebens laſlende Buͤrde leichter machen.“ 1 „Cormar, wie koͤnnt Ihr von einer Gattin, die Eurem Freunde gehoͤrt,“ ſagte Bosmina,„ein ſolches Geſtaͤndniß for⸗ dern!“ Sie war in der groͤßten Verlegen⸗ heit.„Meint Ihr, daß ich ſchwach genug bin, mich von Euch erniedrigen zu laſſen? Traut Ihr mir eine ſolche Falſchheit zu, daß ich Fillan betruͤgen koͤnnte? Was fuͤr ein Gatte ſeyd Ihr, ſo liebkoſend, ſo ſchmeichelnd, ſo hingebend gegen Annet und die koͤnnt Ihr ſo betruͤben und taͤu⸗ ſchen? Wie, wenn ich jedes Eurer Worte Fillan und Annet wiederſagte! Fuͤrwahr, das haͤttet Ihr verdient. Es gab eine Zeit, wo ich Euch liebte, das war die Zeit einer verdammlichen Schwaͤche, von ihr hat mich Euer Betragen jetzt geheilt. Ei⸗ nen Mann, waͤre er der ſchoͤnſte, kluͤgſte, reichſte, der ſo mit heiligen Pflichten ſpielt, den ich nicht achten kann, kann ich auch v — 157 nicht lieben. Cormar, Ihr kennt mich nun, ſucht Euer verbrecheriſches Gluͤck bei einem Weibe, die der verbotenen Luſt froͤhnt, Ihr findet es nicht bei mir. Ich werde, ſo ſchwach ich bin, meine Unſchuld gegen Euch behaupten und ſollte es mir das Le⸗ ben koſten. Beruͤhrt Ihr meinen Leib, ſeht dieſen jaͤhen Felſen, da ſtuͤrze ich mich hinab und Ihr werdet fuͤr meinen Moͤrder gelten. Salgar und Fillan werden Euch ſtrafen und die Unſterblichen, mein Blut wird ſie von der Erde zur Rache auf⸗ rufen.“ Cormar hatte Frauen kennen gelernt, die ſich gegen ſeine Angriffe eben ſo ſtraͤubten, wie Bosmina, die nur eiteln Prunk mit ihrer ſcheinbaren Tugend trie⸗ ben und ihm die Beute deſto theurer ma⸗ chen wollten, je ſchwerer ſie zu erobern war, welche ſich ihm endlich doch ergaben; er glaubte es gewiß, da ſeine aufgeregten Sinne verwirrt waren und das Licht des 158 Verſtandes erloſchen war, daß Bosmina ein aͤhnliches Spiel mit ihm triebe. Er ſagte:„Theure Bosmina, wie habt Ihr mich mißverſtanden, was bildet Ihr Euch ein! We ſet Ihr die Huldigungen, die ich Euch zolle, ſo zuruͤck? O, köoͤnntet Ihr in dieſes Herz ſchauen, das Euch anbetet, wie eins der himmliſchen Weſen, Ihr wuͤrdet ſehen, daß ia ihm die reinſte Liebe fuͤr Euch lodert. Waͤre es denn ein Ver⸗ brechen, daß ich ſie Euch geſtand? Iſt es Euch denn eine ſo verhaßte Sache daß Ihr's nun wißt, Ihr habt auf Erden ei⸗ nen Freund, der Euch hoͤher als Fillan achtet? Und der Lohn dafuͤr ſollte der ſeyn, daß Ihr das, was Ihr falſch und irrig verſtandet, bei Andern mir zum Ver⸗ brechen macht? Schoͤnſte Bosmina, ich muß es leiden, daß Ihr mich ſo verkennt, aber verdient habe ich's nicht. Ich glaube keinen Augenblick, daß ich gefehlt oder eine Pillicht verletzt habe, und doch will ich Euch um Verzeihung bitten. Darf ich ——— 159 wenigſtens dies von Eurer Guͤte noch er⸗ warten? Daͤmpft die Gefuͤhle einer zu großen Liebe, die aus Verehrung des ſchoͤnſten weiblichen Weſens entſpringt, nein, Ihr koͤnnt es nicht.“ 3 Sie ſenkte den Blick zur Erde und that einige Schritte vorwaͤrts und nahete ſich dem Fußſteige, der vom Felſengipfel durch die Felſen und Schluchten hinab ins Thal fuͤhrte, indem ſie ſagte:„Die Freude, die ich hier ſuchte, habe ich nicht gefunden.* Da ergriff Cormar mit Ungeſtuͤm ihre Hand und ſagte:„So bleibt allein hier und laßt mich gehen.“ „Mich koͤnntet Ihr allein hier laſſen? Begleitet mich bis zu den Clansleuten.“ Jetzt war der Augenblick gekommen, wo er das Aeußerſte wagen wollte, ſie zu —BP—. beſtuͤrmen und ihren Widerſtand zu be⸗ ſiegen. Er ſchlang wie ein maͤchtiger Polyp um ſie ſeine Arme, er preßte ſie an ſeine Bruſt und bedeckte ihren Mund und ihr Geſicht mit Kuͤſſen. Vergebens wand und ſtraͤubte ſie ſich in ſeinen Armen, er ließ ſie nicht los. „Cormar, Cormar, laßt mich los oder ich ſchreie, daß das Echo in den Bergen wiederhallt! Goͤtter, habt ihr keine Blitze, den Verbrecher zu beſtrafen, der die Tu⸗ gend ſtuͤrzen und den Sieg uͤber die Un⸗ ſchuld davon tragen will? O, haͤtte ich einen Dolch! Cormar, mordet mich, wenn ich Euer Verheecht nicht verrathen ſoll.“ „Bosmins„*⁶E ſagte der falſche, liſtige Cormar,„fürwahr, Ihr ſeyd das herrlichſte der Weiber, werth, ein Vorbild Eures Ge⸗ ſchlechts zu ſeyn. Wie herrlich habt Ihr dieſe Probe uͤberſtanden, die Euch vieleeicht nicht leicht wurde. So unausſprechlich ich — — 161 Euch vorher um Eure Reize willen liebte, ſo hoch verehre ich Euch jetzt um Eurer Tugend willen. Stoßt mich nicht von Euch zuruͤck, wißt weiſe zu ſchweigen, Ihr erhaltet Euch in mir einen Freund, der es Euch einſt beweiſen kann, daß er Euch ſelbſt mit ſeinem Leben dienen will.“ „Wohlan,“ ſagte Bosmina,„wenn Ihr meine Tugend verehrt, ſo muthet mir nie, nie wieder Laſterhaftes zu, wodurch ſich manches treuloſe Weib entehrt, und dann will ich Euch verzeihen, dann das Unrecht nie verrathen, das Ihr an mir be⸗ gangen, wozu Euch die unkluge Leiden⸗ ſchaft fuͤhrte. Das aber koͤnnt Ihr mir nicht verargen, daß ich nun feſt glaube, Eure Liebe, womit Ihr Annet ſchmeichelt, iſt nur Taͤuſchung. Das arme, betrogene Weib!“ Der Gang nach Balcolsrifley war Bosminen ſchlecht belohnt. Die Freude, Die Erſtürmung, II. 11 — q, 162 8 die ſie ſuchte, hatte ſie nicht gefunden und es nicht geglaubt, daß Cormar ſie ihr ver⸗ derben werde. So ſehr ſie Urſache zu ha⸗ ben glaubte, auf ihn zu zuͤrnen, die weib⸗ liche Eitelkeit erhob doch in ihr die Stim⸗ me, um ihn zu entſchuldigen. Sie hatte das Uebermaß ſeiner Zuneigung kennen ge⸗ lernt und konnte ihn deshalb nicht haſſen. Daß ſie mit ihm, wenn er ihr Gatte wurde, gluͤcklich geworden waͤre, das be⸗ zweifelte ſie nicht mehr; daß aber ihre un⸗ erſchͤtterliche, ſeſte Tugend den Triumph uͤber ihn davon getragen hatte, der ſie ſo gewaltig beſtuͤrmte, das diente ihr zur gro⸗ ßen Freude, es mußte in ihm eine nicht gewoͤhnliche Achtung gegen ſie begruͤnden. Fillans und Annets Anblick durfte ſie auch nicht ſcheuen, nichts Strafbares zieh ihr das Gewiſſen. Verſchweigen wollte ſie das Vorge: fallene, das zu weiter nichts, als zur Rache und Feindſchaft fuͤhren konnte und 5 163 vielleicht bei Uebelgeſinnten ihre Tugend in ein zweifelhaftes Licht ſtellen. Was konnte auch der liſtige Cormar erſinnen, um ſich zu rechtfertigen, um die Schuld auf ſie zu waͤlzen?“ Eine Stunde fruͤher, als Cormar mit Bosmina aus dem Gebirge kam, erwachte Annet und fuͤhlte ſich wohl. Als ſie ſich angekleidet hatte, wollte ſie zuerſt nach Bosminens Gemach, und dann zu ihrem Gatten gehen. Von einem Diener erfuhr ſie, daß Cormar und Bosmina mit zwei bewaffneten Clansleuten nach dem Gebirge gegangen waͤren. In ihrer Seele ſtieg auch nicht der leiſeſte Gedanke des Mißtrauens und der Eiferſucht auf. Auf dem Wege nach Selama war es zwiſchen Cormar und Bosminen wieder zum voͤlligen Frieden gekommen und die Stuͤrme, die in ihrem Herzen tobten, hat⸗ ten ſich gelegt. Ruhe und Stille verbrei⸗ 164 tete ſich uͤber ihr ganzes Weſen. Cormar aber hatte ſich ſo beherrſchen gelernt, daß man ihm keine Spur der Verlegenheit, der Schaam, der Aengſtlichkeit, oder des Ver⸗ druſſes anmerkte, ſein Weſen war das ge⸗ woͤhnliche, was ihm natuͤrlich zu ſeyn ſchien. Da die Luft mild war, ging Annet den Kommenden entgegen, um ſie freund⸗ lich zu begruͤßen. Mit offenen Armen eilte Cormar auf ſie zu, ſchloß ſie mit gewohn⸗ ter Zartlichkeit an ſeine Bruſt und wuͤnſchte ihr Gluͤck zu ihrer Geneſung. Dann ſagte er:„Denke Dir, Bosmina iſt ſo verwe⸗ gen, daß ſie allein nach dem Balcolsrifley gehen wollte, um ſich im Anblick der ſchoͤ⸗ nen Gegend zu verlieren, das konnte ich nicht zugeben, da ich an die Seeraͤuber dachte, und mußte ſie begleiten. Was haͤtte Fillan geſagt, wenn ihr in Selama ein Unfall zuſtieß!“ —— 165. „Bosmina,“ ſagte Annet,„hat Dich die fruͤhere Gefahr nicht gewarnt? So dreiſt muͤßteſt Du nicht ſeyn. Eine Frau allein koͤmmt mir immer als ein unbewach⸗ tes Eigenthum vor, das von Frevlern be⸗ ſchadigt werden kann.“ Dieſe Worte drangen Bosminen wie ein Pfeil ins Herz und enthielten fur Cormar einen verdienten Vorwurf, der ſein Gewiſſen nicht ruͤhrte. „Das haſt Du wohl gemacht,“ fuhr Annet fort,„daß Du Bosminen beglei⸗ teteſt.“. Als ſie unter freundlichen Geſpraͤchen weiter gegangen waren, und ſich Selama naheten, kamen ihnen auch die beiden Waͤrterinnen mit den Knaben auf den Ar⸗ men entgegen. Die Kinder ſtreckten mit freudigem Geſchrei der Mutter ihre Haͤnde enigegen. Sie nahm auf jeden Arm ein Kind, kuͤßte es und trug ſie Beide nach Selama. V— Beim Fruͤhſtuͤk am folgenden Tage ſagte Bosmina:„Fillan bleibt faſt zu lange aus. Wenn ihm nur kein Ungluͤck begegnet iſt! Die Angſt wird mich fort treiben, wenn er morgen nicht koͤmmt.“ „Gewiß,“ ſagte Cormar,„gefäͤllt es. ihm in Morwen und er kann ſich nicht 86 von ſeinen Freunden trennen.“„ 4 8 „Das iſt wohl moͤglich; aber mich und ſeine Kinder ſollte er auch nicht ſo 8 lange allein laſſen.“ „Das vergieb ihm nur,“ ſagte Annet, „weiß er Dich doch in guten Haͤnden. Welche Gefahr koͤnnte ſeiner Gattin oder ſeinen Kindern im Hauſe eines Freundes zuſtoßen! Cormar wuͤrde alles fuͤr Dich wagen; aber das mußt Du mir verſprechen, 167 wenn Du wieder nach Selama koͤmmſt, daß Du nie wieder, ohne ſichere Beglei⸗ tung, nach dem Balcolsrifley gehen willſt. Die Beſchuͤtzung von Clansleuten iſt ſelten eine ſichere, wenn die hoͤchſte Noth droht, fliehn ſie davon, um das eigene Leben zu retten.“ Am folgenden Tage kam Carul mit ſeiner Gattin in Selama an, von ihm er⸗ hielt Bosmina von Fillan Nachricht. „Er blieb laͤnger in Morwen, als alle Gaͤſte,“ ſagte Carul,„aber er ſprach mit mir von Euch und laͤßt Euch ſagen, ſo lange hier zu bleiben, bis er Euch ſelber abholt.“. Fillan ritt die mondhelle Nacht hin⸗ durch, um am Morgen, ehe Bosmina das Lager verließ, in Selama zu ſeyn und ſie zu uͤberraſchen. Noch war die Sonne nicht aufgegangen und die Felſenſpitzen 168 lagen in der anbrechenden Daͤmmerung, . als er vor dem Thore ankam, auf Verlan⸗ gen eingelaſſen wurde, vom Roſſe ſtieg, um unbemerkt, indem er uͤber den Hof hinſchlich, nach der Wohnung des Haͤupt⸗ lings hinzukommen. Eine Dienerin oͤffnete ihm nach leiſem Klopfen die Thuͤr und ſagte, indem ſie ſich die Augen rieb:„Ihr findet hier noch Alle im Schlafe. Ihr muͤßt fruͤh aufgeſtanden ſeyn.“ „Ich habe nicht geſchlafen. Aber führe mich zu meiner Gattin.» Die Dienerin ging voran, Fillan folgte ihr nach, er klopfte leiſe an die Thuͤr des Schlafgemachs und hoͤrte kein Wort, das ihm zurief, naͤher zu kommen. Er wiederholte ſein Rufen mit verſtaͤrkter Stimme, das Schweigen im Gemache wurde nicht unterbrochen. Leiſe wollte er die Thuͤr oͤffnen und fand ſie feſt verrie⸗ gelt. 141 169 „Wer iſt's,“ ſprach Bosmina,„der mich in meiner Ruhe ſtoͤren will?“ „Bosmina, ich bin's!“ Als ſie Fillans Stimme erkannte, ſprang ſie aus dem Bette, ließ Fillan ins Gemach, umarmte ihn und ſagte:„Wie habe ich mich nach Dir geſehnt! Du haſt mich lange auf Dich warten laſſen! War⸗ um verweilteſt Du ſo lange in Morwen? Zog Dich Oein Herz nicht fruͤher hier⸗ her?“⸗ 1 * „So faͤngſt Du,» ſprach er,„beim Wiederſehen mit einem Vorwurfe an. Soll der Mann der Selave des Weibes werden? Was hat die Liebe damit zu thun, daß ich einen Tag laͤnger bei mei⸗ nem Freunde bleibe! Die Nacht hindurch bin ich geritten, um mir die Freude zu machen, Dich zu uͤberraſchen, die mißt Du mir nicht verderben, Laß mir doch die Freiheit und fordere nicht zu viel von mir, was ich ohne Zwang nicht leiſten kann.“ „Fillan, zuͤrne mir nicht, die Liebe fordert es.“ „Du mußteſt in einem tiefen Schlafe liegen, als ich vor der Thuͤr ankam. Du gabſt mir keine Antwort, Du hoͤrteſt das Klopfen nicht, und als ich mich leiſe ein⸗ ſchleichen wollte, hatteſt Du Dich eingerie⸗ ge In eines Freundes Wohnung hat⸗ teſt Du es nicht noͤthig, ſo fuͤr Deine Sicherheit zu ſorgen, Du muͤßteſt denn die Gefahr fuͤrchten, von einem ungebetenen Gaſte uͤberfallen zu werden, der Du vor⸗ beugen wollteſt.“ Bosminen ſchlug das Herz heftig, ſie ſchwieg ein Weilchen, um ſich zu ſammeln, und ſagte dann:„Mich einzuriegeln, wenn ich allein ſchlafe, das iſt eine Ge⸗ —— — — 171 wohnheit, die aus meiner Jugend herruͤhrt, die mir meine Mutter einpraͤgte. Wenn Du abweſend biſt, thue ich es ſelbſt in Balclutha. Uebrigens fuͤrchte ich keine Gefahr, woher ſollte mir die hier kom⸗ men?“« Fillan fragte zuerſt nach ſeinen Soͤh⸗ nen, nach Annet und Cormar, und ob auch Carul angekommen ſey. Als er darauf Beſcheid erhalten hatte, ſagte er:„Oſcar ſcheint mir auf Cormar ſehr bitter zu zuͤr⸗ nen. Gewiß bedarf es von ſeiner Seite nur einer kleinen Veranlaſſung und es koͤmmt zu einem heftigen Kampfe.“ „Das weiß Cormar, daß Oſcar ihn haßt, und daß er's bei jeder Gelegenheit zeigt, wie uͤbel er ihm will. Oſcar ſollte aber doch auch bedenken, daß man den Feind nicht zur Rache reizen muß. Es ſcheint ihm nicht gleichguͤltig zu feyn, daß 4 Du mit ihm in dem freundſchaftlichen Ver⸗ kehr lebſt.“ „Um ſeinetwillen werde ich den nie aufgeben. Soll ich unter den Beiden waͤh⸗ len, ſo iſt mir Oſcar doch der liebſte. Rein von allen Flecken iſt ſein Leben. Er hat mich gebeten, wenn Cormar in Bal⸗ clutha iſt, es ihm wiſſen zu laſſen, er will dahin kommen und den Verſuch machen, ob ſich ſein Herz mit ihm verſoͤhnen kann.“ Filan, das iſt ein gefaͤhrlicher Ver⸗ ſuch, den ich nicht unterſtuͤtzte. Es koͤnnte leicht zum Wortwechſel und wohl gar zu blutigen Auftritten kommen. Menſchen, die feindlich gegen einander denken, haben Mißtrauen, ſie deuten an einander Alles falſch, und beleidigend.“ „Das iſt nicht meine Sache.“ — 173 „Fillan,“ rief Cormar vor der Thuͤr ſcherzend,„wie kannſt Du Dich ſo heim⸗ lich in meine Wohnung einſchleichen! Das muß ich mit dem Schwerdte ahnden.“ „Das meine,“ entgegnete Fillan,„iſt auch nicht in der Scheide feſtgewachſen.“ Er Flüͤckte Bosminen die Händ und ging auß dem Gemach. Cormar begruͤßte ihn mit allen Zeichen eines freundlichen Herzens, und ſagte ihm:„Koͤnnteſt Du an Bosminens Liebe zweifeln, ſo wuͤrde ich Dir den Gegenbeweis ſtellen. Wie viel ſprach ſie von Dir, wie hat ſie ſich nach Dir geſehnt! Sie ließ ſich nicht laͤnger halten, und waͤre heute abgereiſt, wenn Du nicht kamſt.“ „Ich denke, das iſt ganz naturlich, daß eine Frau ihren Mann liebt und die untruͤglichſten Beweiſe davon muß er ſel⸗ ber haben.“* 7 . 174 „Du bleibſt mehrere Tage hier, ich bitte Dich darum.“ „Zu lange war ich von Balclutha abweſend.“ „Was Du dem einen Freunde ge⸗ waͤhrteſt, das darſſt Du mir nicht ent⸗ ziehen.“ 3 „Cormar, ſo rechne nicht, ich war ſchon oͤfter und laͤnger bei Dir, als in Morwen und Oſcar nimmt mir das nicht uͤbel.“ Sie gingen in die Halle und ſetzten ihre Geſpraͤche fort, bis ſich alle Glieder des Hauſes daſelbſt zum Fruͤhſtuͤck verſammelten. Cormar hatte einen Eilboten nach Drumardo geſchickt und ſagen laſſen, daß Fillan und Bosmina bei ihm waͤren und bat um ſei⸗ nen Beſuch. Salgar war nur gezwungen in Fillans Naͤhe und konnte es ihm nicht —— —— 175 verzeihen, daß er einſt unter den Haͤupt⸗ lingen war, die ihn zu Grunde richten wollten. Auch war es ihm unangenehm, daß er ihm ſeine Freiheit und ſein Leben verdankte und er bei ihm in einer großen Schuld ſtand. Selten war er in Balclutha. Gewiß haͤtte er den Beſuch unter einem Vorwande abgelehnt, wenn er nicht end⸗ lich Moinens dringenden Bitten nachgab, die ihre Tochter und die Kinder, auch Annet mit dem kleinen Maͤdchen ſehen wollte. Es herrſchte in der Halle ein munte⸗ terer froher Ton und ſelbſt Fillan verließ ſein gewoͤhnlicher Ernſt, und er wurde heiter und ſcherzhaft. Viel machte er ſich eine Weile mit ſeinen Knaben zu thun, die ihn kannten, nach ihm ihre Arme aus⸗ ſtreckten und ihn unausſprechlich liebten, Um ſeinen Gaͤſten die Zeit angenehm zu vertreiben, wurde ein Jagen im Ge⸗ 176 birge gegen die Gemſen und Steinboͤcke angeſtellt. Fillan hatte Cormar'n auch das Verſprechen gegeben, noch zwei Tage in Selama zu verweilen. Weil er Sal⸗ garn zu einer großen Jagd im Walde ein⸗ geladen hatte. Fillan wußte es wohl, daß Salgar Mißtrauen gegen ihn hatte, und er wollte ihm nicht die Gelegenheit geben, wenn er von Selama ging, ihm gleichſam auswich, daß ſich's noch mehr in ihm begruͤndete. Um Bosminens willen behandelte er Sal⸗ gar mit der groͤßten Schonung, er war ihr Vater und Achtung und Liebe konnte ſie gegen ihn nicht verleugnen, ob ſie auch manche Urſache hatte, uͤber ihn zu klagen. Die Jaͤger gingen ins Gebirge und Fillan war der Gluͤcklichſte an dem Tage von Allen. Er erlegte drei Steinboͤcke. „Nun,“ fagte Fillan zu Carul und 177 Cormar,„da wir nicht zu weit von den 1 Balcolsrifley ſind, ſo laßt uns ibn be⸗ ſteigen. Vor langen Jahren war ich ein⸗ mal da, die Ausſicht von dem Gipfel iſt ſo herrlich. Das Vergnuͤgen, die Natur in ſolcher Schoͤne zu ſchauen, muß ich ent⸗ behren. Waͤre dieſer Gipfel in Balelutha, wie oft wuͤrde ihn Bosmina beſteigen, die eine leidenſchaftliche Freundin ſchoͤner Landſchaften iſt.“ Die Klugheit Cormars reichte hiet doch nicht aus, als Fillan von Bosminen ſprach und von dem Gipfel, den ſie be⸗ ſteigen wüͤrde, wenn er in Balclutha laͤge; er gerieth in Verlegenheit und war unge⸗ wiß, oh er's ſagen ſollte, daß er ihr Be⸗ gleiter hieher war oder nicht. Er ſchwieg davon, in der zweifelhaften Hoffnung, der Gang werde nicht zur Sprache kommen. Da Fillan raſch voranging, folaten ihm die Andern nach.„Moͤchte Bosmina Die Erſtürmung. II. 12 178 hier ſeyn,“ ſagte er,„das wuͤrde ihr große Freude machen! Wie die Felſenmaſſen da uͤbereinander geworfen ſind, eine die andere zu beherrſchen ſcheint! Welche Schluchten, welche Truͤmmern, die die alles zerſtoͤrende Zeit von den Gipfeln hinabgeſchleudert hat! Dort Grasſtellen in den Wuͤſten, wo alles Leben erſtorben zu ſeyn ſcheint. Wie da Birkengebuͤſch und Kienen das oͤde Geſtein beſchatten! Und nun in die Ferne, welch eine Ausſicht! Wenn es morgen ſo ſtilles Wetter iſt, wie heute, ſo mache ich mit Bosmina den Gang hieher, wenn es ihre Fuͤße aushalten.“ Es daͤmmerte ſchon, als die Jaͤger in Selama ankamen. In der Halle war eine große Tafel bereitet, um den Hunger und den Appetit der Gaͤſte zu befriedigen. Fillan wurde als der gluͤcklichſte Jaͤger ge⸗ prieſen, da er drei Steinboͤcke ſo getroffen hatte, daß ſie, ohne noch einen Sprung zu thun, auf der Klippe zuſammenſturzten. 179 „Recht lebhaft, Bosmina,“ ſagte Fil⸗ lan,„habe ich an Dich gedacht, als ich auf dem Balcolsrifley ſtand, und in die weite, bunte Welt hinausſah. Haͤtte ich Dich zu mir herzaubern koͤnnen, ich wuͤrde es gethan haben.“ * Ehe ſie die Antwort gab, ſagte Annet: „O, da iſt ſie geweſen!“ „So, aber doch nicht allein?“ „Bewahre, Cormar war ihr Be⸗ gleiter.“ Mit ſonderbarer Miene ſagte Fillan zu Cormar:„Und davon ſagteſt Du mir nichts?“ „Es waren zwei Clansleute bei uns.“ „Welche denn?“ 180 „Balcluther.““ „Bosmina, kannſt Du ſie mir nen⸗ nen?“ Eine dunkele Roͤthe uͤberlief ihr Ge⸗ ſicht und ſie ſagte:„Arteney und Ber⸗ luth.“ „Nun, das ſind zwei tuͤchtige Kerls, die haͤtten wohl zehn Raͤuber abge⸗ halten.“ Cormarn, der kein gutes Gewiſſen hatte, pochte doch das Herz, und beſon⸗ ders war es Bosminens Roͤthe, die ihn verlegen und aͤngſtlich machte. Bald aber kam ihm die volle Beſinnung wieder und er ſagte:„Rechneſt Du mich denn nicht zu denen, die Deine Gattin, wenn ihr Ge⸗ fahr drohete, mit dem Leben vertheidigt haͤtten.“ —,— „ 181 „Das haͤtteſt Du gethan; aber muß⸗ teſt Du nicht an Annet und Deine Mal⸗ wina denken? Ein ſo zaͤrtlicher Gatte, wie Du, hat nur halben Muth, ich traue ihm nicht in zweifelhaften Faͤllen.“ Man ſchwieg von der Sache; aber Fillan war die Wangenroͤthe ſeiner Gattin aufgefallen, auch dachte er an die War⸗ nung vor Cormarn, die ihm Oſcar mit⸗ theilte. Kurz, der Pfeil der Eiferſucht drang in ſein Herz. Ihm, dem offenen, unverſtellten Manne wurde es nicht leicht, ſich zu beherrſchen und gewiſſe Bemerkun⸗ gen zu verſchweigen, die ihm auf der Zunge ſchwebten. Aber er hatte es Cor⸗ marn verſprochen, etliche Tage noch bei ihm zu bleiben, nach ſeiner Geſinnung mußte er Wort halten. Salgar ſollte auch nicht glauben, daß er ihm aus dem Wege ginge und alle Gemeinſchaft mit ihm ver⸗ meide. — 18² Bei ruhigerer Ueberlegung kam er endlich auch auf den Gedanken, daß man eine junge, ſchoͤne Frau begleiten kann, ohne ihr Boͤſes anzuſinnen. Keines Ver⸗ gehens gegen die eheliche Pflicht konnte er Bosminen zeihen, und wie wuͤrde ſie ſich erniedrigt und gekraͤnkt fuͤhlen, wenn er mit einem Verdachte gegen ihre Treue hervortrat, der ihre Unſchuld beleidigte. Aber es waͤhrte doch eine Weile, ehe er zu einer unbefangenen, freien Seelenſtimmung wieder kommen konnte. Er fand nur das Eine, was ihm auffiel, daß ſich Cormar von Bosmina ferner hielt, als gewoͤhnlich, und daß ſie's zu meiden ſchien, ihn anzu⸗ ſehen und mit ihm zu reden. Cormar war gefaͤlliger und freund⸗ licher gegen ihn, wie Einer, der ein began⸗ genes Unrecht wieder gut machen, oder den taͤuſchen will, dem er es zugefuͤgt hat. Da, wo das Mißtrauen geweckt iſt, ge⸗ —— 183 winnt auch das Wahre und Rechte eine uͤble Bedeutung. Am Abend, als Bosmina mit Fillan allein war und mit ihr von dem laͤngern Aufenthalte in Selama redete, der ihm nicht gefiel, ſagte ſie mit liebreicher Miene: „Wenn Dir's auch ſchwer wird, bei Dei⸗ nem Freunde auszuhalten, ſo bringe mir das Opfer. Du konnteſt ohne mich meh⸗ rere Tage in Morwen bleiben, warum nicht hier, wo ich bei Dir bin! Glaubte ich nicht, daß meine Eltern kaͤmen, die ich ſo gern ſehen moͤchte, ſo wuͤrde ich Dich bitten abzureiſen, damit Du ein unange⸗ nehmes Gefuͤhl los wirſt. Aber wundern kann ſich Cormar, daß Du Deinen Aufent⸗ halt bei ihm verkuͤrzen willſt, und er muß es denken, daß Oſcar bei Dir hoͤher ange⸗ ſchrieben ſteht. Meinſt Du nicht, daß das ihn kraͤnkt?“ Von dem Gange nach dem Felſen er⸗ 184 waͤhnte ſie kein Wort und Fillan ſcwieg vorſaͤtzlich davon,. Am folgenden Tage kamen Salgar und Moina an und ſie wurden freundlich em⸗ pfangen. Aber die erſte Freundlichkeit ver⸗ ſchwand bald von Salgars Stirn und ein duͤſterer Ernſt lagerte ſich auf ſein ganzes Geſicht. Man ſah es dem Manne an, daß Unmuth und Zorn auf ſeiner Seele lag. Sein Hochmutb war gedemuͤthigt, aber ſein Muth nicht gebrochen, er ſchnob Rache. Er hielt ſich insbeſondere zu Cor⸗ mar und gegen Carul und Fillan beobach⸗ tete er nur kalte hoͤfliche Sitte. An dem Tage, wo ſie Alle von Sela⸗ ma, nach genoſſenen Vergnuͤgungen, ab⸗ reiſen wollten und bei einander in der Halle, ohne die Frauen, ſaßen, nahm Sal⸗ gar das Wort und redete alſo: „Mir kann es Keiner von allen den —yjjy= α‿̈—́ᷓ — Haͤuptlingen verargen, die ſich zu meinem Untergange verſchworen, wenn das Feuer der Rache in mir noch nicht geloͤſcht iſt. Es iſt mir das groͤßte Unrecht geſchehen. Einen auf bloßen Verdacht ſtrafen, er wer⸗ de Boͤſes begehen, das iſt im Hochlande bis jetzt unerhoͤrt. Wenn das Sitte wird, daß ſich Mehrere verbinden, um Einen auszurotten, wer iſt dann ſeiner Freiheit, ſeines Eigenthums, ſeines erworbenen Ruhms und ſeines Lebdis noch ſicher? Wollen wir die Geſetze unſerer Vorfahren umſtoßen? Man kennt ſie entweder nicht mehr, oder man ehrt ſie nicht. Hatten ſich in fruͤhern Zeiten Haͤuptlinge entzweit, ſo machten ſie die Streitſache unter einander aus. Wie wuͤrde ein Dritter geſtraft worden ſeyn, der ſich eine unberufene Ein⸗ miſchung erlaubte und die Parthei des Einen oder Andern verſtaͤrkte! Wie haͤtte ich meine Angreifer gezuͤchtigt, wenn die zuſammengerottete Uebermacht mich nicht uͤberwaͤltigte! Und wie hat man in Dru⸗ 186 mardo getobt, gewuͤthet, geraubt und ge⸗ pluͤndert, als ob es eine Raͤuberhoͤhle waͤre. Wir ſind hier vier Haͤuptlinge, laßt uns die Andern vermoͤgen, uns an einem Orte zu verſammeln und die Guͤltigkeit des Geſetzes von neuem beſchwoͤren, daß kein Zuſammenrotten gegen Einen ſtatt finden darf, es muͤßte denn erwieſen ſeyn, daß er ein ſtrafbares Vergehen gegen das Hoch⸗ land ausfuͤhren will, unter dem Alle leis den. Wie findit Ihr meinen Vorſchlag?“ Alle billigten ihn, und es wurde be⸗ ſchloſſen, den Haͤuptlingen zu melden, ſich an einem beſtimmten Tage in Filſterreding, einem großen Felde, das faſt im Mittel⸗ punkte der Clans lag, am Vollmond zu verſammeln, wo das angefuͤhrte Geſetz von Allen beſchworen werden ſollte, um es heilig zu halten. Als Salgar dies erlangt hatte, was das einzige Mittel war, um ſich der Reihe = 187 nach an ſeinen Feinden zu raͤchen, verließ er Selama, und mit ihm die andern Gaͤſte. Fillan lud Alle zu einem Beſuche nach Balclutha ein und ſie verſprachen, daß ſie kommen wollten. Salgae gab ihm die Hand darauf, daß er nicht ausbleiben wuͤrde. Fillan wollte an demſelben Tage auch Oſcar, Tottleig, Berluth, Fingil zu ſich bitten und eine Feſtluſt anſtellen. Von dem von Salgar vorgeſchlagenen Eeſetze ſollte beſonders geredet und Vorbereitung zu ſeiner Beſtaͤtigung getroffen werden. Nach Verlauf eines Monats etwa war es, wo Annet mit der kleinen Malwina nach Balclutha kam, um in einer peinigen⸗ den Herzensangelegenheit Bosminen zu beſuchen, Rath und Troſt bei ihr zu ſam⸗ meln. Der Mutter, um ihr nicht Kummer zu machen, wagte ſie die Noth nicht zu klagen, die an ihrer Ruhe, an ihrem Leben nagte. Niedergebeugt, wie eine Tieftrau⸗ rende, kam ſie bei Bosmina an. Fillan 138 empfing ſie zuerſt und mußte ſich wun⸗ dern, daß ſie ſo abgezehrt war und eine ſo blaſſe Geſichtsfarbe hatte; aber er ſagte davon kein Wort. Er fragte nach Cormar und ſie ſagte, daß er nach Drumardo ge⸗ ritten ſey, wo es ihm beſſer zu gefallen ſcheine, als in Selama. „Ihr ſcherzt, Annet. Dem zaͤrtlichen Cormar kann's nur am beſten bei Euch gefallen. Faſt dient er andern Maͤnnern bei ihren Frauen zum Vorwurf, die nicht ſo taͤndeln und liebkoſen koͤnnen, als er.“ Mit einem tiefen Seufzer ſagte ſie: „So war's, ſo iſt's nicht mehr! Ach, wie veraͤnderlich ſind manche Maͤnner, diß es nicht bedenken, daß ſie der Gattin einen Todestrank reichen, wenn ſie auf Waͤrme 4 Kaͤlte, auf Liebe Gleichguͤltigkeit in ihrem Betragen folgen laſſen. Und wenn die Gattin ſchuldlos iſt, und wenn ſie keine BVeranlaſſung zu ſolch einer abſchreckenden 189 Abgeneigtheit gab, das ſtoͤßt ihr einen Dolch ins Leben.“ Fillan erſtaunte; der Grund, daß Annet leichenblaß war, lag vor ſeinen Blicken, er forſchte weiter nicht nach. Cor⸗ mar erſchien ihm wieder in ſeiner wahren Geſtalt. Nun, dachte er, wird Bosmina von dem Wahne wohl geheilt werden, daß die ſchmeichelnden, liebkoſenden Gatten ihre Weiber am gluͤcklichſten machen. Sie treiben das taͤuſchende Spiel eine Weile und ſtoßen dann das ungluͤckliche Weib von dem Throne der Freude in den Ab⸗ grund aller Schmerzen. Gute Annet, ein ſolches Schickſal hatteſt Du nicht verdient; abe ch habe es geahnt. Nun, Bosmina, warzbas, nach des Vaters Willen, der beſ⸗ ſere Mann fuͤr Dich? „ Er oͤffnete die Thuͤr des Gemachs, in dem Bosmina mit ihren Soͤhnen ſpielte, und ſagte hinein:„Da koͤmmt die liebe 190 Annet. Vielleicht habt Ihr Geheimes zu reden, ich werde ſpaͤter zu Euch kom⸗ men.“ Das, was Annet zu ihm geſagt hatte, als er ſie die ſteinerne Wendeltreppe hin⸗ auffuͤhrte, regte die Eiferſucht in ihm wie⸗ der an und beſtaͤrkte ihn in einem Ver⸗ dachte, den er unterdruͤcken wollte.„Was gilt's,“ ſagte es in ihm„es iſt zwiſchen Cormar und Bosminen zu einem Einver⸗ ſtändniſſe gekommen! Oſcar, nun erſt ver⸗ ſtehe ich den Sinn Deiner Rede, vielleicht fuͤr meine Ruhe und fuͤr die Unſchuld meines Weibes zu ſpaͤt! Rache und Fluch dem Verfuͤhrer, wenn ich einem veruͤbten Laſter auf die Spur komme!“„ Er ging nach dem nahen Walde, um die Wuth, die ihm aufflammte, abzukuͤhlen, ehe er vor ſeiner Gattin erſchien. Mit wahrer Herzensfreude ſchlang * ———— ——— ——— 8 191 Bosmina ihren Arm um die geliebte An⸗ net und hieß ſie willkommen. Kaum aber ſah ſie die Freundin fluͤchtig an, ſo ſprach ſie mit beſorgter, aͤngſtlicher Miene:„An⸗ net, Du mußt recht krank geweſen ſeyn. Warum gabſt Du mir nicht Nachricht von Dir, ich waͤre zu Dir gekommen und haͤtte Dich gepflegt. An welchem Uebel haſt Du denn gelitten?“ Mit truͤbem, thraͤnenvollem Blick er⸗ wiederte ſie:„An einem Uebel, was mich noch peinigt, das immer aͤrger zu werden ſcheint, was, wenn es von laͤngerer Dauer iſt, die Luſt am Leben zerſtoͤren, mich ins Grab ſtuͤrzen wird, in dem fuͤr Kranke mei⸗ ner Art allein nur Ruhe zu finden iſt.» „Iſt die Liebe zu Deinem Gatten, zu Deiner Malwina nicht ſo maͤchtig in Dir, daß Dir, ſelbſt bei Schmerzen, die Du leideſt, das Leben dennoch als ein theures Gut achteſt? Die Krankheit ſcheint mir 192 in Deiner Seele zu liegen und ich ahne, geheimer Kummer iſt es, der die Bluͤthe Deiner Geſundheit zerſtoͤrt und Dein Mark vertrocknet. Willſt Du der Freun⸗ din Deine Noth nicht klagen, vielleicht habe ich fuͤr Dich troͤſtenden Balſam.* „Nur um Dein Mitleid, um Deinen Rath flehe ich Dich, Bosmina; Balſam aber fuͤr Verwundete meiner Art, den haſt Du nicht, der muß mir von den Goͤttern kommen, die die Herzen allein zu lenken verſtehen. Laß mich erſt ausruhen, die Reiſe hat mich angegriffen, dann offenbare ich Dir ein Geheimniß, um das noch Nie⸗ mand in der Welt weiß.“ Als Annet ſich ſtark genug fuͤhlte, um das, was ſie erlitten hatte, und was ſie noch kraͤnkte, Bosminen mittheilen zu koͤn⸗ nen, ſagte ſie:„Nicht hier laß uns blei⸗ ben, wo die frohen Knaben ſpielend laͤrmen und die Waͤrterinnen ein⸗ und ausgehen. 193 Fuͤhre mich auf ein einſames Gemach, wo wir allein ſind, wo kein Ohr hoͤrt und lauſcht, daß ich Dir da die Buͤrde zeige, die wie ein abgeriſſenes Felsſtuͤck ſo ſchwer auf meiner Bruſt liegt und mich endlich er⸗ druͤcken wird.“ Als ſie auf einem abgelegenen Ge⸗ mache ekommen waren, verriegelte Bos⸗ mina Saßhgg die Thuͤr und Annet fing alſo an: „Cormar hat mir ſein Herz entzogen, er iſt nicht mehr der zaͤrtliche, um mich beſorgte Gatte. Die Zeit iſt dahin, wo ich glauben durfte, daß ich ſein hoͤchſtes Gut auf Erden ſey, und daß nur ich ge⸗ ſchaffen waͤre, ihn zu dem glücklichſten der Maͤnner zu machen. Er kann mich ſeufzen hoͤren und weinen ſehen, das ruͤhrt ihn nicht, es ſcheint ihn zu verdrießen. Er, der keinen Tag von meiner Seite wich, kann mich wohl wochenlang allein laſſen. Die Erſtürmung. II. 13 194 Als ich ihn flehentlich bat, mir den Grund ſeiner Veraͤnderung zu offenbaren, und ob ich die Schuld derſelben truͤge, da antwortete 1 er: Annet, es iſt in allen Ehen ſo, das Feuer einer uͤbertriebenen Liebe erliſcht, das Herz faͤngt ruhiger an zu ſchlagen; Du mußt nicht fordern, daß der verſtaͤndig gewordene Gatte ſeyn ſoll, wie es der von der Liebe berauſchte Juͤngling war. An Dich kann ich allein mein Leben nicht knuͤpfen, das waͤre die groͤßte Seclaverei. Laß mich frei ſeyn, ſo geziemt es dem Manne. Ohne zaͤrtliche Taͤndelei kann 5 liebevolle Neigung doch ſtatt finden. Kennſt Du Gatten, die das noch ſind, was ſie fruͤher waren? Ich achte Deine Tugend, ich ſchaͤtze Deinen Werth; verlangſt Du mehr von mir, ſo kann ich's nicht erfuͤl⸗ len, damit beſcheide Dich, wenn ver⸗ geblicher Verdruß mich nicht von Dir ent⸗ fernen ſoll. Nenne mir eine Beleidigung, womit ich Dich gekraͤnkt haͤtte.“ . 195 „So ſpricht Cormar immer, wenn ich's ihm klage, daß ſeine Liebe zegen mich erkaltet iſt.“ „Annet, ganz uUnrecht hat er nicht. Ich kann ſelbſt aus der Erfahrung reden, daß Fillan der feurige Liebhaber nicht mehr iſt, wie damals, als er mich von Drumardo entfuͤhrte. Kaͤlter, beſonnener iſt er geworden und ich beſcheide mich da⸗ mit. Laß die zu hoch geſpannten Forde⸗ rungen, die Du an Deinen Gatten machſt, ſchwinden, Du wirſt ruhiger werden, Dein Kummer wird ſich legen. Verlangſt Du mehr von ihm, als er zu leiſten vermag, ſo muß ſich ſeine Neigung gegen ihn noch abkühlen. Gleichguͤltig ertraͤgt kein Gatte den Vorwurf ſemer Gattin, daß er ſie nicht ſo liebt, wie ſie's wunſcht, daß er ſie lieben ſol. Du weißt es, der Grad der Neigung laͤßt ſich weder arzwingen, noch gebieten.“ 4 196 „Ob ich mit Recht oder Unrecht uͤber Cormar klage, daruͤber wirſt Du erſt dann richtig urtheilen koͤnnen, wenn Du die Geſchichte hoͤrſt, die ich Dir mittheilen will.“— 4 „Seit der Stunde, wo ich's mit Ge⸗ wißheit ihm ſagen konnte, daß ich die Frucht der Liebe von ihm unter meinem Herzen trug, begann die Aenderung ſeines Weſens. Nicht die zaͤrtliche Theilnahme, wie ich ſie von ihm erwartete, erwies er mir, wenn ich bisweilen kraͤnkelte. Mit finſterer Miene ſagte er oft, ich ſey zu empfindlich gegen den Schmerz und ver⸗ leide ihm durch meine Klagen den Aufent⸗ halt in meiner Naͤhe. So viel ich's ver⸗ mochte, ſuchte ich bei großem Uebelbefin⸗ den mein ſchmerzliches Gefuͤhl zu unter⸗ druͤcken.“ „Meine Wange wurde blaͤſſer, das Roth der Geſundheit ſchwand von ihr b 297 meines Koͤrpers Fuͤlle nahm ab, ein truͤber Sinn kehrte in mir ein, oft mußte ich weinen. Sein Troſt kam mir erzwungen vor; bisweilen reichte er mir die Hand und es verfloſſen wohl Tage, ehe ein Kuß meine Lippe beruͤhrte,“ „Eben jetzt, wo ich ſeiner Naͤhe, ſei⸗ nes troͤſtenden Beiſtandes am meiſten be⸗ durfte, wo ſeine Liebe mich in meiner Nie⸗ dergeſchlagenheit aufgerichtet haͤtte, ließ er mich allein, ich ſah ihn Tage nicht, und wenn er kam, war er uͤbelgelaunt. War es denn ein Verbrechen, daß ich einer Verbluͤheten glich? Fand Mitleid gegen mich und Erbarmen keinen Zugang in ſei⸗ nem Herzen? Ich mußte es endlich glau⸗ ben, daß es lediglich mein Koͤrper war, dem er die bisherigen Huldigungen er⸗ wies.“. „Ich hoffte, daß ſich ſeine Stimmung aͤndern wuͤrde, wenn ich das Kind geboren 198 haͤtte, wenn die Geſundheit ihre Farben auf meinem Geſichte wieder verbreitete; aber der Glaube an eine Liebe, die rein aus einem Herzen koͤmmt, nicht die Koͤr⸗ per, ſondern die Seelen unaufloͤslich ver⸗ bindet, hatte mich verlaſſen, ich hoffte ſie nicht mehr, und damit war mein großes Gluͤck, was mich mondenlang betrog, ver⸗ ſchwunden.“ „Aber juſt ſeit der Zeit, wo Du Se⸗ lama verließeſt, iſt es noch aͤrger mit ihm geworden. Oft fuͤhle ich mich wie eine Fremde in der Wohnung, der man Gna⸗ denbrodt reicht. O, waͤre es Malwina nicht, waͤren es meine Eltern nicht, die mich noch am Leben halten, Bosmina, ich lebte nicht mehr. Von dem mich kalt und gleichguͤltig behandelt zu ſehen, deſſen Ach⸗ tung und Liebe mir das Theuerſte war, lange kann ich das nicht mehr ertra⸗ gen.“ 199 „Daß ich Cormar wenig gelte, das weiß die Dienerſchaft in Selama, und mir ſcheint die Hoͤflichkeit, die ſie mir erweiſen, ein leerer Zwang. Nun, eine Weile noch will ich es ſo dulden, tritt keine Aenderung ein, ſo giebt's noch Dolche und Abgruͤnde, wo man ſich durch einen Stich und Sprung von der zermalm enden Buͤrde eines verhaßten Daſeyns frei machen kann.“ „Ach, ich weiß es, Du haſt ein Herz fuͤr mich und Fillan hat es, ihr ſollt mich troͤſten, ihr koͤnnt mir rathen. Und...“ Ihre Rede wurde unterbrochen, da Fillan in das Gemach trat. Er ſah es, daß ſich Bosmina die Thraͤnen von den Augen trocknete und er ſagte:„Gewiß hat Annets Anblick Dich ſo gerührt. Was fehlt der jungen Frau, ſie dauert mich auch. Annet, liegt das Uebel in der Seele, oder im Koͤrper?“ liegt das Gift, von dem der Koͤrper dahin welkt. Cormar liebt mich nicht mehr, ich habe es nicht verſchuldet, Bosmina weiß Alles, laßt Euch von ihr erzaͤhlen, ich kann es nicht.“ „Cormar! dieſer Zaͤrtliche? Ein wun⸗ derbarer, raͤthſelhafter Menſch? Und Ihr koͤnnt Euch keine Schuld beimeſſen? So iſt er ungerecht.“ „Fillan, wie waͤr's, wenn Ihr ihn aufmerkſam machtet, daß Ihr die Abnahme ſeiner Liebe gegen mich wahrnaͤhmet und ihn ermahntet, mir ſein Herz, das ich nicht zuruͤckſtieß, wieder zuzuwenden.“ „ Annet, damit koͤnnte ich die Sache pielleicht verſchlimmern. Er koͤnnte es ahnen, daß Ihr wider ihn bei uns klagtet, und das wuͤrde ihn noch mehr erbittern. MNoͤchte er ſich nicht auch meine Einmiſchun⸗ „Die Seele iſt's,“ ſagte ſie,„in ihr ——ʒ—ᷓõ———— — 201 gen in ſein eheliches Verhaͤltniß mit harten Worten verbitten? Sucht Euch nur ruhig zu verhalten, ſo mancher Gatte, der ſich kalt und gleichguͤltig von ſeiner Gattin entfernte, kehrte liebender in ihre Arme zuruͤck, wenn er zur Erkenntniß ſeines Unrechts koͤmmt.“ „Aber, wenn er nicht zuruͤckkehrt? Was bleibt mir dann uͤbrig? Ein ſchneller Tod, wenn ich's nicht geduldig abwarten kann, bis der Gram mein Leben zerſtoͤrt hat. O, Bosmina, wie gluͤcklich kannſt Du Dich preiſen!“ Spaͤter, als Annet Balclutha wieder verlaſſen hatte, begegnete Fillan einem der beiden Clansleute, die Cormar und Bos⸗ mina nach dem Gebirge begleitet hatten und fragte:„Warſt Du auch auf dem Balcolsrifley? Die Anhoͤhe iſt ſchwer zu erſteigen, aber die Ausſicht lohnt alle Muͤhe. um Balclutha iſt Alles ſo platt und eben, 202 der Felſen ausgenommen, auf dem meine Wohnung liegt.“ Der Clansmann gab folgende wah⸗ re Antwort:„Auf dem Gipfel bin ich nicht geweſen. Am Fuße des Gebirges gebot uns der Haͤuptling, da zu bleiben und ſeine Ruͤckkehr abzuwarten. So er⸗ ſtieg er mit ihr die Anhoͤhe allein.» „Verflucht!» rief Fillan aus und ver⸗ ließ den Elansmann. Mit erzürntem Geſicht, als er ſchon wieder von dem heftigſten innern Sturme zu einiger Ruhe gekommen war, ſagte er zu Bosmina:„Es giebt Maͤnner, die ihre Weiber ungluͤcklich machen, oft aber ſind andere Weiber daran Schuld. Fort mit den Verruchten, die das Laſter in die Wohnung des Gatten fuͤhren, ihre Pflicht verletzen, ihn durch falſche Liebe betruͤgen. Weiß ich's nun, warum Cormar der armen 203 Annet ſeine Liebe entzogen hat, der Ver⸗ brecher! Kenne ich nun die Schuldige, die ſeine Neigung feſſelte und ſeiner Luſt froͤhnt! O, der ſchaͤndliche Menſch, der ein doppel⸗ tes, ein zehnfaches Verbrechen begeht!“ „Fillan, Dich hat der Zorn erhitzt, Du ſtoͤßeſt ſtarke Worte aus,“ ſagte Bos⸗ mina aͤngſtlich,„die ich nicht deuten kann. Sprich, daß ich Dich verſtehe, dann werde ich Dir die Antwort nicht ſchuldig bleiben. Das, was Ou ſagteſt, leidet keine Anwen⸗ dung auf mich, ſie wiſſen es, mein Herz iſt rein und kein boͤſer Gedanke hat es be⸗ fleckt.“ „Bosmina, wenn ſie Blitze haͤtten, womit ſie Schuldige ſogleich erſchlagen, koͤnnteſt Du auch ſo ſprechen?“ „Fillan, das koͤnnte ich und will mei⸗ ne Worte wiederholen. Rede heraus, was Du auf dem Herzen haſt, ein falſches 204 Mißtrauen iſt die groͤßte Beleidigung fuͤr die Unſchuld, gieb mir die Gelegenheit, daß ich mich rechtfertigen und von meinem unverdienten Verdachte reinigen kann.“ „Nun, ſo hoͤre, uͤberzeugt mich nichts von Deiner Unſchuld, ſo gehſt Du heute noch nach Drumardo zuruͤck, wo⸗ her Du kamſt und die Knaben bleibei mir. „Mußte mir's in Selama nicht auf⸗ fallen, daß Du des Ganges mit Cormar nach dem Gebirge nicht erwaͤhnteſt? Das Schweigen war mir verdaͤchtig. Haͤtteſt Du mir's geſagt, ich war mit Cormar auf Balcolsrifley, ſo konnte dies keinen boͤſen Gedanken in mir anregen. So ernſtlich ich vor Cormar gewarnt wurde, ich vertraue Deiner Tugend, Deiner Liebe zu mir und Annet.““ „Um in mir nicht Vermuthungen auf⸗ —— 5— 8 2⁰G kommen zu laſſen, die zu einem ſchreck⸗ lichen Verdachte fuͤhren konnten, wird mir die Luͤge aufgebunden, Clansleute haͤtten Euch bis zum Gipfel begleitet. Das iſt nicht wahr, das habe ich eben erkundſchaf⸗ tet. Cormar befahl ihnen, am Fuße des Gebirges zu bleiben, Du gingſt allein mit ihm hinauf. Noͤchte das mit jedem An⸗ dern geſchehen ſeyn, nur nicht mit ihm.“ „Ich weiß es, wie er ſtrebte Dich mir zu rauben. Daß aber eine ungeſtuͤme, la⸗ ſterhafte Neigung in ſeiner Bruſt gegen Dich lodert, das muß ich ſeit der Zeit glauben, wo er aufgehoͤrt hat, Annet ſo zu lieben, wie er's mit ihr anfing. Du haſt ihr Gluͤck beneidet, biſt Du nicht Schuld, daß es zerſtoͤrt iſt? Weib, ich habe Dich geachtet und geliebt und Dir nicht wenig aufgeopfert, Dein Beſitz koſtet mir einen Vater und eine Mutter, die ſich uͤber den Verluſt ihres Gatten zu Tode graͤmte; verachten und haſſen koͤnnte ich Dich, wenn 206 Du mir das Wort der unbefleckten Treue nicht hielteſt. Dem ſchwarzen Geheimniß bin ich auf der Spur, ich ruhe nicht, ent⸗ decken muß ich's, es wird ſeine Offenba⸗ rung Dich rechtfertigen oder verdam⸗ men.“ „Nicht verdammen, rechtfertigen,“ ſagte Bosmina mit feuerfarbenem Geſicht. „Womit aber koͤnnteſt Du es beweiſen, daß ich verbotene Liebe zu Cormar in meiner Bruſt truͤge? Daß ich mich zu einer Verbrecherin gegen Dich herabwuͤrdigen ließe? Iſt der Gang mit ihm nach dem Balcolsrifley ein Zeugniß wider meine Un⸗ ſchuld? O, Mißtrauen und Eiferſucht! Wie ſchwach iſt Dein Glaube an meine Tugend, das haͤtte ich nie geahnet! Du haſt mich tief gekraͤnkt.“ „Jetzt ſollſt Du die Wahrheit hoͤren und der erſte Blitz, der aus den Wolken 8 207 faͤhrt, mag mich zerſchmettern, wenn ich ein Wort luͤge.“— „Ich ſchwieg von dem Gange, um Gemuther gegen einander nicht zu erbittern, um nicht von neuem blutige Kämpfe zu veranlaſſen; aber Du zwingſt mich, daß ich reden muß.“ „Ja, es iſt wahr, Cormar wollte mich zu einer treuloſen That erniedrigen; aber alle Goͤtter rufe ich zu Zeugen an, daß ich nicht in dieſelbe willigte. Wenn Du es kannſt, verzeihe ihm das Unrecht und uͤbe keine Rache. Dem Laſter laͤßt eine hoͤhere Macht die Strafe nachfolgen.“ „Waͤre ich nicht ſchuldlos, dies Ge⸗ ſtaͤndniß haͤtte ich nicht abgelegt, und was er dagegen ſagt, iſt erlogen.“ „Bosmina, ich will, ich muß Dir — daß er ſie uͤber Alles liebte, und daß er 208 glauben. Mit den Worten:„Wehe Cor⸗ mar, der mein Weib verfuͤhren wollte Pe entfernte er ſich ſchnell. Raſch warf er ſich auf ſein Roß und zagte davon. Bosmina uͤberſtel eine un⸗ beſchreibliche Angſt. Sie war in einer wahrhaft verzweifelten Gemuͤthsſtimmung. Einer Verzweifelten gleich rang ſie die Haͤnde und taumelte in der Halle auf und ab, bis ſie voͤllig erſchoͤpft auf einen Ruhe⸗ ſeſſel niederſank. Sie glaubte es gewiß, daß Fillan in der Wuth nach Selama hintobte und ohne vieles Reden Eyrmarn erſchlagen wuͤrde. Jetzt empfand ſie's im tiefſten In⸗ nern, daß ſie gegen ihn keineswegs gleich⸗ guͤltig und verachtend war. Sein unge⸗ ziemendes Betragen, das er ſich gegen ſie erlaubte, kam aus einer Neigung und Liebe, die keine Schranken kennt und keine Ruckſichten achtet. Sie zweifelte nicht, 1 209 ſtark war, ihr jedes Opfer zu bringen. Gewiß verband er ſich mit Annet, ſo dachte Bosmina, um den Verſuch zu machen, ob er die Gewalt der Gefuͤhle beherrſchen koͤnne, die ihn immer noch zu ihr hinzo⸗ gen; aber es gab kein weibliches Weſen fuͤr ihn, das ihm ihre Stelle erſetzen konnte. Wenn ſie ihn auch wegen ſeiner Tugend, die ſich nicht zu behaupten ver⸗ mochte, nicht achtete, ſo empfand ſie doch Mitleid fuͤr ihn, daß er ſo das hoͤchſte Ziel ſeines Lebens, was er in ihren Beſitz ge⸗ ſetzt, verfehlt hatte. Ach, wie gereuete ſie jetzt das Geſtaͤndniß, das ihr Fillan, ihre Rechtfertigung gegen ihn abgerungen hatte! Haͤtte ſie's nur zuruͤcknehmen koͤnnen) alle Schmerzen wuͤrde ſie ertragen haben. Mit Furcht und Angſt ſah ſie der Stunde entgegen, wo Fillan zuruͤckkehrte. Daß Cormar ſich fuͤr ſchuldig erklaͤren, daß er ihre Treue bei Fillan nicht Die Erſtürmung. II. ¹ 14 zweifelhaft machen werde, deß war ſie gewiß. Als die Knaben in der Halle auf ſie zugelaufen kamen, daß die guͤtige Mutter mit ihnen ſpielen ſollte, da wies ſie ſie kalt und gebietend von ſich weg und ſagte: „Geht, Eure Mutter iſt ſehr krank, ſie kann mit Euch nicht ſpielen.“ Die Kinder ſtanden ſtill, ſahen das finſtere Geſicht mit ernſter Miene an und gingen mit zoͤgernden Schritten, indem ſie ſich oͤfter umblickten und es erwarteten, daß die Mutter ſie rufen wuͤrde, aus der Halle. Als ſie in der hoͤchſten Verlegenheit war und mit unbeſchreiblichem Schmerz Cormars ſchreckliches Ende, füͤrchtete, kam ein Clansmann, den er ſtrusgeſchat hatte, durchs Fhor geſprengt und als er vor Bosminen ſtand, ſprach er alſo: 211 „Fillan laͤßt Euch bei Todesſtrafe unter⸗ ſagen, waͤhrend ſeiner Abweſenheit Bal⸗ elutha nicht zu verlaſſen und keinen Bo⸗ then nach irgend einer Himmelsgegend hin⸗ zuſenden. Er laͤßt durch mich allen Die⸗ nern es ſtreng verbieten, daß Niemand auf Euer Geheiß aus dem Tyore geht, wohin Ihr ihn auch ſchicken moͤget.“ Bosmina ſtaunte uͤber die Bothſchaft, die ihr Fillan ſagen ließ, mit zornigem Unwillen und fragte den Clansmann: „Iſt Fillan nicht nach Selama gerit⸗ ten?“⸗ „Auch das darf ich Euch nicht ver⸗ rathen.“ Er ſtand ihr keine Rede mehr, ſchwang ſich eilig auf ſein Roß und ſprengte in vollem Galopp davon. „So hat er mich fuͤr eine Gefangene 2 erklaͤrt, mich vor den Dienern beſchimpft,“ rief ſie im hoͤchſten Unwillen aus.„Er fuͤrchtet, daß ich ihm entrinnen werde und er wit mich ſtrafen, wenn er mich ſchuldig findet. Ach, wenn er Cormar mordet, ſo mag er mich auch niederſtoßen. Die Hand eines Wuͤtherichs, der dem nicht verzeihen kann, welcher, von der Leiden⸗ ſchaft verblendet, ſeiner Vernunft nicht mnaͤchtig, fehlte, ſoll mich nie wieder be⸗ ruͤhren. O, weiſer Vater, haͤtte ich Dei⸗ nen Rath befolgt! Kluge Mutter, moͤchte ich Oeiner Warnung gehorcht haben! Wie ſchrecklich werde ich beſtraft, daß ich mich von einer fluͤchtigen Neigung verfuͤhren ließ und meine Kindespflicht verletzte!“ Acht volle Tage war Fillan von Balclutha abweſend, dies waren fuͤr Bos⸗ minen Tage der Angſt, der Furcht und der bangſten Erwartung. Von Selama hoͤrte ſie kein Wort. Kein Eaſt und Freund be⸗ ſuchte ſie, von dem ſie Nachricht ein⸗ 213 ziehen konnte. Am neunten Tage in aller Fruͤhe war's, wo Fillan in Balclutha an⸗ kam. Als ſie ihn anſichtig wurde, fuhr ihr ein Schreck durch alle Glieder. Nichts glaubte ſie ſicherer von ihm zu erfahren, als daß Cormar ſeinen Dolchſtichen erlag. Es ſchien ihm leicht ums Herz, ſeine Stirn war heiter, er ſagte:„Dies Mal wollte ich Dich auf ſo lange Zeit nicht verlaſſen. Du weißt, wenn ich bei Oſcar bin, werden mir der Abreiſe immer viele Hinderniſſe in den Weg gelegt.“ „Aber ich glaubte Dich in Selama?“ „Da waͤre ich ſicher nicht ſo lange geblieben. Mein Gemuͤth war in zu großer Wallung, um mit Cormar ſo reden zu koͤn⸗ nen, wie mit ihm geredet werden muß. Um mir die Grillen zu vertreiben, habe ich zu uͤbermorgen meine Freunde zu mir geladen, auch Deine Eltern. Sie haben mir's Alle verſprochen, daß ſie kommen. 214 Wir wollen eine geſetzliche Ordnung feſt⸗ ſtellen, wie ſie Dein Vater will und wie zes die alte Sitte wor, daß ſich mehrere Haͤuptlinge nicht gegen einen verbinden, wie wider Deinen Vater. Die Geſellſchaft wird groß ſeyn, ſorge Du fuͤr eine reichlich beſetzte Tafel. Ein Rind und Schafe will ich ſchlachten laſſen und morgen ſo viel Wild jagen, als ich finden kann. Wo ſind meine Knaben? Das Vaterherz ver⸗ langt nach den Jungen. Rufe ſie mir her, ich bin muͤde, hinzugehen.“ Das Benehmen Fillans war Bosmi⸗ nen unerklaͤrlich. Kamen die Haͤuptlinge darum zuſammen, daß uͤber Cormar und ſie Gericht gehalten werden ſollte? Sie wußte es nicht; aber ſie ahnete Boͤſes. Als ſie dem Gatten die Knaben brachte, nahm er ſie auf ſeine Arme, kuͤßte ſie und ſcherzte ſo mit ihnen, wie er's pflegte, wenn er bei froher Laune war. Bosmina rrauete dem Frieden nicht, ſie ſah im 215 Geiſte ein ſchweres Ungewitter, das herein⸗ brechen werde und— irrte ſich nicht. Wie ſich's aber enden und austoben werde, und welches Leben dabei unterging, das konnte Niemand ahnen. Ende des zweiten Theils. Leihbibliotheken und Leſezirkeln ſind fol⸗ gende Unterhaltungs⸗Schriften noch ganz beſonders zu empfehlen: 3 8 Entfuͤhrte, der. Ein Roman nach dem Franzoͤſiſchen von Alexis dem Wan⸗ derer. 3 Theile. 3 Thlr. Geaͤchtete, der, oder Pfaffenmord und Rache. Ein Roman aus der Vorzeit vom Ver⸗ faſſer des Albert von Reinſten, Ritter Golo u. a. m. 3 Theile. 3 Thlr. Hildebrandt, C., Agathe oder der Eid⸗ ſchwur. Eine Kloſtergeſchichte. 3 Thle. 3 Thlr. 4 Gr. Derfelbe, Kunz von Kauffungen oder der Prinzenraub. Ein Gemaͤlde aus dem funfzehnten Jahrhundert. 22 Gr. Derſelbe, der Mord am Hochaiter. Eine Geſchichte aus dem funfzehnten Jahr⸗ hundert. 2 Theile. 1 Thlr. 16 Gr. Mandien, Chr. Fr., Gundobald, oder die Raͤcher mit den ſchwarzen Waffen. Rittergemaͤlde aus den Zeiten der Kreuz⸗ zuͤge und des Vehmgerichts. 1 Thlr. Thomas Armenteros, oder das Auto da Fé. Vom Verfaſſer von Wilhelm Meiſters Meiſterjahren. 20 Gr. Wanda oder das geheimnißvolle Schloß. 1 Thlr. 6 Gr. Wehrmann, E,, das Turnier zu Hohen⸗ eck. Ritterſchauſpiel in fuͤnf Akten. . 12 Gr. Eduard's letzte Jahre. Roman von M. Salomon, 2 Theile mit einer Muſikbei⸗ lage. 1 Thlr. 18 Gr. Einſiedelei, die, oder Theodore. 2 Theile. 1 Thlr. 16 Gr. Einſiedler, die, auf Spitzbergen. Roman von C. Hildebrandt. 1 Thlr. Eiſſig Schmul, oder die Mißheirathen. Ein Roman in zwei Theilen. 1 Thlr. 12 Gr. Emma von Noͤmhold. Roman von Philip⸗ pine von Mettingh. 1 Thlr. Erzaͤhlungen von Alexander von Lengerke. 1 Thlr. 4 Gr. Erzaͤhlungen, Schwaͤnke und Launen. Von C. Nicolai. 2 Baͤnde, Zweite wohl⸗ feilere Ausgabe. 1 Thlr. 12 Gr. Familie Buonayarte, der, Heimkehr nach Corſika. Ein Schwank in zwei Akten. * 8 Gr. Familie Sternfels, die. Roman von C. Nicolai. 3 Theile. 2te Ausgabe 2 Thlr. 12 Gr. Feldzug, abentheuerlicher und wunderbarer, eines jungen Koſackenofficiers. 22 Gr. Felſenmaͤnnchen, das graue. Ritter⸗ und Raͤubergeſchichte aus dem Mittelalter. Von J. Albiny. 2 Theile. 1 Thlr. 18 Gr. Fernando Lomelli, der kuͤhne Raͤuber, oder die Hoͤhlen der Rache. Von C. Hilde⸗ brandt. 3 Baͤndchen. 3 Thlr. 4 Gr. Feſttagslaunen von C. Nicolai. 2 Baͤnde. 2 Thlr. Findlinge, hiſtoriſche. Rittergeſchichten und Erzaͤhlungen. 4 1 Thlr. Fluch, der, der Weiſſagung. Roman von Philippine von Mettingh. 2 Theile. 1 Thlr. 12 Gr. Fodor und Athanaſia, oder die Schreckens⸗ naͤchte in den Qualgefaͤngniſſen der ſie⸗ ben Thuͤrme zu Conſtantinopel. Ein Schaudergemaͤlde aus dem gegenwaͤrti⸗ gen Freiheitskriege der Griechen. Roman von C. Hildebrandt. 4 Theile. 4 Thlr. Geheimen, die, des Bundes. Roman von C. Hildebrandt. 3 Theile. 3 Thlr. 12 Gr. Geiſter, die, der Schauerhoͤhle, oder das Hildebrandt und Andern. I Thlr. Gemaͤlde des weiblichen Lebens, in Erzaͤh⸗ lungen. Zweite durchgeſehene und wohlfeilere Auflage. Von C. Nicolai. 1 Thlr. Wunderbluͤmchen. Erzaͤhlungen von C. Geſchichten vom Teufel. 20 Gr. Gewalt, die, der erſten Liebe. Von H. Muͤller. 2 Theile. 2 Thlr. 8 Gr. Giftmiſcherin, die, oder die Geheimniſſe des Grabes. Vom Verfaſſer des Ro⸗ mans: Ritter Golo der Grauſame. 2 Theile. 1 Thlr. 20 Gr. Glorina, eine Legende.— Der juͤngſte Tag, ein Schwank.— Taͤuſchung in der Liebe, Erzaͤhlung.— Kraͤhwinkel, keine Legen⸗ de. Von C. Nicolai. 20 Gr. Grab, das, am Veſuv. Von C. Nicolai. 1 Thlr. 4 Gr. Graf Albert von Reinſtein, oder das heim⸗ liche Gericht der Teufelsmauer. Ritter⸗ geſchichte aus den Zeiten der Vehme. 3 Theile. Mit einem Kupfer. 3 Thlr. 4 Gr. Haidebluthen, nordiſche. Von F. C. B. Wachtter, Mit 1 Kupfer. 1 Thlr. 8 Gr. Heldentod, der, fuͤr's Vaterland. Ein dramatiſches Gemaͤlde in 3 Aufzuͤgen. 18 Gr. Helene, oder die wunderbare Erſcheinung im Muͤnſter zu Straßburg. Ein Roman aus der Vorzeit. 3 Theile. 2 Thlr. . 20 Gr. Herrmann von der Heideburg, oder der Eremit in der Waldklauſe. Von H. Muͤl⸗ ler. 20 Gr. Herrmann Streit, oder Leben und merk⸗ wuͤrdige Schickſale eines Preußiſchen Landwehrmanns. Keine Dichtung.(Vom Verf. des Fiorenzo, 2 Baͤnde. 1 Thlr. 18 Gr. Horatier, die. Trauerſpiel in 5 Akten. Nach Corneille. 12 Gr. Huſar, der. Roman von C. Hildebrandt. 3 Theile. Mit 1 Kupfer. 3 Thlr. 8 Gr. Jacob Schwaͤnzlein und die Seinen. Ein komiſcher Roman vom Verfaſſer der Mitternachtsglocke und des Zweikampfs. a Thlr. Ignez und Leonelli, eine ſpaniſche Ge⸗ ſchichte.— Lorenza oder das Unſchulds⸗ opfer aus Kindesliebe.— Adelaide und Adelbert, ein Feenmaͤrchen.— Francis⸗ cus, oder die Mitternachtsſtunde im Kloſtergarten. Neue Ausgabe. 18 Gr. Ina, das geraubte Maͤdchen aus Algier, oder ſchreckliche Abentheuer und Schick⸗ ſale eines jungen Spaniers. Vom Ver⸗ faſſer des Fiorenzo, 2 Baͤnde. Mit 1 Kupfer. 1 Thlr 16 Gr. Joachims Abentheuer, oder die Kunſt, ein großer Herr zu werden. Eine Geſchichte aus den Zeiten der Buͤlletins. Von Baptiſt von Heinsburg. 2 Theile. 2 Thlr. Joſeph und Withelmine, oder der Liebe Sieg uͤber den Glauben. Geſchichte ei⸗ nes Juden und einer Chriſtin. 2 Theile. 1 Thlr. 16 Gr. nſniſſſſ I ſnnnnnſennſnſnſſninſſſin 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 9 8 V 8 EEE Rhieii