— 83 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Otftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und SCeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 4 1 7 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 1 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für wchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mr. Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mt. Pf. „ 3 7„— 2„ S 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Er nahm einen geſchliffenen Dolch mit ſich, um ihn mit den Worten in Cormars Bruſt zu ſtoßen:„Stirb, Ver⸗ brecher, der Du ein treues Weib verfuͤh⸗ ren wollteſt, das iſt der Lohn fuͤr Dein Verbrechen.“ Eine weite Strecke war er geritten, als ihm der Gedanke einfiel, daß er des unuͤberdachten Meuchelmords an ei⸗ nem Freunde bezüchtigt werden konnte, den er doch nicht auf der That ertappt hatte. Konnte man nicht argwoͤhnen, daß —,— ———— — M 6 ſich Bosmina von einem Verdachte reini⸗ gen wollte und alle Schuld auf den Buh⸗ len ſchob? Er wollte die ihm ſchreckliche Sache auf eine andere Art zur Sprache bringen und Cormarn der oͤffentlichen Schande bloßſtellen und von den Haͤupt⸗ lingen Gericht uͤber ihn halten laſſen. Er kehrte um und ſchlug den Weg nach Morwen, zu ſe zem treuen Oſcar ein, um von dem Raths zu erholen, da er in die⸗ ſer Angelegenheit, die ihn zu nahe anging, nicht zu entſcheiden wagte. Damit aber Bosmina nach keiner Gegend hin Boten ausſenden, noch Balclutha verlaſſen ſollte, gab er ihr durch einen Clansmann die Nachricht, wodurch er ſie fuͤr eine Gefan⸗ gene und fuͤr eine Perſon erklaͤrte, die über Niemanden zu gebieten hat, Schwere Gedanken waͤlzten ſich in . ſeinem Kopfe umher und ſein Inneres war der Tummelplatz heftiger, erſchuͤtternder Gefuͤhle. Es war ihm von allen Ver⸗ 7 brechen das ſchrecklichſte, daß ein Freund ſeine Gattin entehren und ſich zum Che⸗ brecher erniedrigen wollte. Konnte Cor⸗ mar ihm auch einen groͤßern Schmerz zu⸗ fuͤgen und wenn er ſein aͤrgſter Feind geweſen waͤre! So feſt er fruͤher der Tu⸗ gend ſeiner Gattin vertraute, der Glaube an dieſelbe ſtand doch nicht mehr auf den feſten Stuͤtzen. Er meinte, ſie muͤſſe doch wohl Veranlaſſung gegeben haben, daß ſich Cormar gegen ſie ſo weit verging. Ein edeles, treues Weib, dachte er, floͤßt ſelbſt dem Laſterhaften Achtung und Scheu ein, daß er es nicht wagt, einen feind⸗ lichen Verſuch zu machen, ihre Unſchuld zu beſiegen. Das eben ſchmerzte ihn am meiſten, daß Cormar ſein begluͤckendes Vertrauen, was er in Bosminas treue Liebe ſetzte, geſtoͤrt und zweifelhaft ft gemucht halte. Als er ſo langſam und mit vielar⸗ tigen Gedanken beſchaͤftigt, auf der Straße fortritt, ſo, daß die Clansleute ſich zu⸗ fliſterten:„Was muß dem im Kopfe ſitzen! Wer weiß, was er ausbruͤtet! Geht es mit dem Reiten ſo fort, ſo uͤber⸗ nachten wir unter freiem Himmel,“ da ſcholl eine Stimme aus dem nahen Ge⸗ buͤſch, die dem Haͤuptling zurief. Fillan wurde aus ſeinem Gedankentraume auf⸗ geſchreckt, er ſah nach der Gegend hin, woher der Ruf kam und, vom Boden em⸗ por richtete ſich eine lange, hagere Men⸗ ſchengeſtalt, die mit dem Kopfe uͤber den Buſch ragte. Es war ein Greis, deſſen Haupt nur ſparſam ſilberweißes Haar bedeckte. Fillan griff nach dem Schwerte und ſagte, indem er es zur Haͤlfte aus der Scheide zog:„Biſt Du ein guter Geiſt, ſo nahe Dich, biſt Du aber ein boͤſer, ſo laß uns ungehindert unſer⸗ Straße ziehen.“ — — —-— — — ͦ——— 9 „Ich bin weder ein guter, noch ein boͤſer Geiſt,“ ſprach es hinter dem Buſche hervor und die Geſtalt verſchwand, doch nur auf einen Augenblick, um dann nach allen ihren Theilen ſichtbar zu werden. Aton war der vermeinte Geiſt, der, nach⸗ dem er ſein Buͤndel von dem Boden auf⸗ gehoben hatte, ſich mit langſamen Schrit⸗ ten Fillan nahte. Als Fillan ihn erkannte, ſagte er, aber wohlmeinend:„Alter Hund, Du haſt mir einen großen⸗Schreck ge⸗ macht! Vor Menſchen fuͤrchte ich mich nicht, mit den Geiſtern aber mag ich nichts zu ſchaffen haben. Wie kommſt Du hie⸗ her? Wir begegnen uns bisweilen.“ „Ich treibe immer noch, ſo lange meine Fuͤße mich tragen, mein altes Hand⸗ werk, das Ihr wißt, und bin bald im Thale, bald im Gebirge, Aber Ihr haͤngt ja den Kopf zur Erde, als ob ein ſchwe⸗ res Gewicht darauf laͤge, das er nicht tragen kann; reitet, wie Einer, der nicht 10 3 reiten kann und abgeworfen zu werden fuͤrchtet; auch ſieht Euer Geſicht gar wunderlich aus, als ob es zur Fehde ge⸗ hen ſollte. Es iſt doch allenthalben Friede, wo ich war und nirgends ruͤſtet man ſich zum Einſchlagen der Koͤpfe. Hoͤrt, Fillan, ich war auf dem Wege nach Balclutha, ich wollte Euch eine wichtige Nachricht bringen; iſt ſie auch boͤfe, ſo iſt ſie doch wahr und Ihr moͤgt daraus machen, was Ihr wollt. ⸗Das Unrecht kann ich nicht verſchweigen, es muͤßte mir denn das alte Maul zugebunden werden.“ „Nun, Aton, was iſt denn das für eine⸗ Botſchaft? Etwa eine aͤhnliche, wie die, daß Salgars Tochter von den Raͤu⸗ bern geraubt ſey?“ „Mit der Luͤge muͤßt Ihr nicht Kurz⸗ weil mit mir treiben, ſeitdem bin ich vor⸗ ſichtiger geworden und glaube nur, was ich mit den Haͤnden greifen kann.“ I1 „Nun, was iſt es denn? ſo rede. Viele Worte aber darfſt Du nicht machen, ich habe noch einen weiten Weg vor mir.“ „Wenn Ihr es kurz haben wollt, ſo will ich warten, bis wir uns wieder be⸗ gegnen und Ihr mehr Zeit habt. So laut, daß es Alle hoͤren, mag ich es auch nicht ſagen, Ihr muͤßt vom Roſſe ſteigen und mit mir ſeitwaͤrts gehen. Es iſt keine Kleinigkeit fuͤr Euch.“ Fillans Neugierde war aufgeregt, er verließ ſein Roß, gab den Zuͤgel deſſelben einem ſeine, Begleiter und folgte Aton ins Gebuͤſch nach. Er ſtutzte, als er ei⸗ nen großen, baumſtarken Mann, der mit einer gewaltigen Keule bewaffnet war, auf der Erde liegen ſah, der ihm zunickte. Der Bart des Unbekannten war dicht und ſchwarz und machte ſein blaſſes Geſicht, im Widerſchein, noch viel blaſſer. Wie abgezehrt kam ihm der Menſch vor.„Das iſt Fillan, der Haͤuptling,“ ſagte Aton zu dem Fremden. Als der Mann dieſe Worte hoͤrte, ſtand er eilig auf, ließ ſeine Keule auf der Erde liegen, nahte ſich um einige Schritte und nahm gegen den Haͤuptling eine demuͤthige, ehrfurchtsvolle Stellung an. „Iſt der ein Raͤuber? Einer von den Uebelkindern, die die Heerſtraßen unſicher machen und vom Raube leben? Soll er mich mit ſeiner Keule erſchlagen, oder ſoll ich das Strafamt an ihm vollziehen.“ „Er iſt nicht, was Ihr denkt,“ ſagte Aton,„er fleht Euer Erbarmen an und ich will und muß ſein Fuͤrſprecher ſeyn. Wer, wie ich, vom menſchlichen Mitleid lebt, der lernt es endlich ſelber. Der Mann nennt ſich Firgirn, er iſt der ein⸗ zige Sohn, der von meiner Schweſter noch lebt, treu und ehrlich und, wenn der Haͤuptling befiehlt, gehorſam, wenn auch das nicht recht iſt, was ihm geboten wird.“ 7 „Altes Schwatzmaul, das konnteſt Du mir zu einer andern Zeit ſagen. Gehe mit ihm nach Balclutha und laßt Euch ſo viel zu eſſen und zu trinken geben, bis Ihr ſatt ſeyd. Der, ler ſah dem Unbe⸗ kannten an,) hat gewiß Hunger, die Haut ſchlottert ihm auf den Knochen.“ „Fillan, reitet nicht fort, die Haupt⸗ ſache koͤmmt noch. Man pflegt zu ſagen: erſt die Haferſuppe und dann das Fleiſch. Ich will mich kurz faſſen. Es hat oft große Folgen, ob man eine Nachricht eine Stunde ſpaͤter oder fruͤher erfaͤhrt. Wir koͤnnen morgen Beide ſterben und da er⸗ fahrt Ihr ſie nicht und habt einen Un⸗ ſchuldigen im Verdachte..„“ . Dem Haͤuptling, weil er noch eine weite Reiſe zuruͤcklegen wollte, riß endlich 1 14 die Geduld, da Aton ſeinen langſamen Gang fortging, und ſich uͤberdies noch Seitenbemerkungen erlaubte.„Du biſt G ein altes Schwatzmaul,“ ſagte Filln, aund kannſt nicht zu Ende kommen. Was Du mir bisher geſagt haſt, iſt eine ſo große Lumperei, die ich ſchon wieder ver⸗ geſſen habe.“ „Wollt Ihr auch nicht hoͤren, wer Balclutha uͤberfallen ließ, als Ihr mit Salgar Euch in den Haaren laget?“ „Weißt Du das und kannſt Du es mir mit Gewißheit ſagen, ſo bleibe ich noch eine Stunde er.“ „Ja, das weiß ich und habe einen gültigen Zeugen bei der Hand.“ Der Haͤuptling rief ſeinen Leuten zu, daß ſie die Roſſe graſen ließen. Aton bat, daß ſich Fillan mit ihm unter einer 15 ſchattigen Birke auf den gruͤnen Boden niederſetzte und nun fing er alſo an: „Eben komme ich aus dem Clan Ccormars, Eueres Freundes. Dieſer ver⸗ hungerte Menſch da, hat ein großes Un⸗ gluͤck erlitten und er ſagt, ich haͤtte ihm das Leben gerettet. Auf meinen Wande⸗ rangen, von denen ich mich ernaͤhren muß, kam ich nach zwei Jahren, zum Erſten⸗ mal wieder vor ſeiner Huͤtte vorbei. Die Blutsverwandtſchaft zog mich hinein und 6 voruͤbergehen konnte ich nicht, wie vor der Wohnung eines Fremden,“ 3*½ „Als ich in die Stube, ohne anzu⸗ klopfen, trat, ſah ich Mutter und Kinder in Kummer und Thraͤnen.„Nun,“ fragte ich,„was giebt es hier? Was fuͤr ein Leid iſt Euch widerfahren! Iſt Firgirn geſtorben? Beruhigt Euch, es muͤſſen alle Menſchen ſterben und wider den Tod giebt es keinen Arzt und kein Mittel.“ 7 16 „Sie ſahen mich alle aufmerkſam an und Grislit, die Mutter, erkannte mich zuerſt und ſprach mit weinerlicher Stimme: „Ach, Ihr ſeyd Vetter Aton. Ihr habt uns lange nicht beſucht und wir glaubten daß Ihr ſchon längſt todt waͤret. Ach, Firgirn ging, oder floh vielmehr lebendig von uns hinweg, ob er aber noch lebt, das wiſſen nur die Goͤtter. Wir ſeufzen um ihn, wir weinen um ihn und koͤnnen ihm nicht helfen. In ſeine Huͤtte darf er nicht zuruͤckkehren.“ Und warum denn nicht? fragte ich. Grislit fing alſo an: „Der Haͤuptling Cormar erblickte beim Voruͤberreiten Eri⸗Coma, unſere aͤl⸗ telſte Tochter, die mit ihren Geſchwiſtern auf dem Felde Hafer einſammelte. Er war, wie feſt gebannt, hielt ſein Roß an und ſah das Maͤdchen mit luͤſternen Blicken an. Die boͤſe Luſt war in ihm erwacht. Auf ſeine Frage: ſchoͤnes Kind, wer biſt Du? gab ſie ihm ſchuͤchtern die Antwort: * 4 ich bin Firgiens Tochter und dieſe da ſind meine Geſchwiſter.“ „Komm mit mir,“ ſagte er,„Du ſouft pes beſſer haben.“ „Ein Kind,“ antwortete Eri Coma, „verlaͤßt ſeine Eltern nicht, und wenn es alls Schaͤtze gewinnen koͤnnte.“ 8 „Er kam vor unſere Huͤtte geritten und ſagte zu Firgirn:„Wenn Du Oeine Tochter nach Selama ziehen laͤſſeſt, ſo gebe ich Dir eine groͤßere Huͤtte, ein großes Stuͤck fruchtbares Land, Kuͤhe, Schafe, und ein Joch Ochſen.“ „Was ſoll Eri⸗Coma in Selama 2“ 2 1 fragte Firgirn. „Ich will ihr Liebe und Guͤte erwei⸗ ſen.“ 4 Die Erſtürmung. III. 2 18 „Ach, dieſe Liebe und Guͤte behaltet fuͤr Euch,“ erwiederte Firgirn,„ich haſſe das Verbrechen, die Unſchuld meiner„Toch⸗ ter fuͤr Kuͤhe und Land zu verkaufen. Sie ſoll eines Clansmanns Sohn heirathen und mit Euch nicht in Schande leben.“ „Als Firgirn das ſprach, ergrimmte der Haͤuptling, zog ſein Schwerdt und that einen moͤrderiſchen Streich nach Fir⸗ girn, und wenn dieſer nicht in die Huͤtte zurüͤckſprang, der Unhold hätte ihm den Kopf geſpalten. Er rief dem ungluͤcklichen Vater in die Huͤtte nach: Fuͤr Deine Re⸗ den werde ich Dich zuͤchtigen.“ „Mit großem Geſchrei kamen bald nachher die Kinder in die Huͤtte gelaufen und ſagten: Der fremde Reiter hat uns Eri⸗Coma geraubt. Sie flehete, weinte, jammerte und wurde von der Erde aufge⸗ riſſen, auf ein Roß gelegt, und ſo ritten die Raͤuber davon. Ach, ſagte Firgirn 1 19 fluchend, giebt es keine Nachegoͤtter mehr, die Verderber der Unſchuld zu ſtrafen?“ „Er nahm einen Dolch, flog im ſchnellen Laufe nach Selama und wollte dem Haͤuptling, auf Gefahr ermordet zu werden, das Eiſen in die Bruſt ſtoßen. Aber in der Wuth verrieth er ſein Vorha⸗ ben, ehe es ausgefuͤhrt war und wurde ergriffen und als ein Verruͤckter einge⸗ ſperrt.“ „Eri⸗Coma kam in der Nacht gelau⸗ fen und erzaͤhlte, daß man ſie laufen ließ, als ſie ſich fortgeſetzt unſinnig gebehrdet und nicht aufhoͤrte, laut zu ſchreien, wenn man ihr den Mund nicht verband.“ „An demſelben Tage brachte ich ſie fern von hier in Caruls Clan zu meiner Schweſter.“ „Nun fehlt uns Firgirn noch. Es 20 geht die Sage, daß er gluͤcklich ſeiner Ge⸗ fangenſchaft entkommen und ins Gebirge geflohen iſt, wo man ihm nachſpuͤrt, um ihn wieder zu fangen. Ach, was hat er gethan, daß er beſtraft werden ſoll? Ueber ſeinen Verluſt vergehen wir in Gram und Kummer. Wer lau uns nun ernaͤhren!“ „Na, Grislit, ſagte ich troͤſtend zu ihr und nahm ſie bei der Hand, nur Geduld, ich will nach dem Gebirge gehen und Fir⸗ girn ſo lange ſuchen, bis ich ihn finde; aber in dieſem Clan kann er nicht mehr leben, er zieht mit mir nach Balelutha, und wenn er dort iſt, will ich Euch Nach⸗ richt bringen. Graͤmt Gäch unterdeß nicht allzu ſehr.“ „Nun fuͤllte ich meinen Sack mit Ha⸗ ferbrodt und meine Flaſche mit Waſſer uͤnnd wanderte nach dem Gebirge hin.“ „Sieben Tage mußte ich ſuchen, am —yy,— Du weiter.“ achten fand ich Firgirn in einer Hoͤhle liegend, bloß und abgezehrt, dem Hunger⸗ tode nahe. Von meinem Brodte gab ich ihm zu eſſen. Nach drei Tagen war er wieder ſo ſtark geworden, daß er mit mir gehen konnte.“ „In Eurem Clan glaubt er ſicher zu ſeyn, Ihr werdet ihn nicht verſtoßen. Sei⸗ nem Weibe gebe ich Nachricht, ſie koͤmmt dem Manne mit den Kindern nach und Eri⸗ Coma kann wieder bei ihren Eltern leben. Wollt Ihr das Alles?“ „Einem Ungluͤcklichen verſagte ich nie einen Zufluchtsort. Aber was geht das Alles mich an? Aton, Du wollteſt mir ja die Uebelthaͤter nennen, die Balclutha uͤberfielen? Das iſt das Geheimaiß, was ich zu wiſſen wuͤnſche.“ Aton ſagte zu Firgirn:„Nun erzähle „Da iſt nicht viel zu erzaͤhlen,“ ſprach der Clansmann.„Haͤtte Cormar meine Tochter nicht entehren und mich morden wollen, nie haͤtte ich ihn verrathen Ich ſelbſt war unter denen, die Balclutha be⸗ ſtuͤrmten. Euer junges Weib ſollte Euch geraubt werden. Daß aber zufaͤllig ein abgeſchoſſener Pfeil Euern Vater toͤdtete, das wollte Cormar nicht. Er tobte wie ein Raſender, als wir zuruͤckkamen und ihm die gewuͤnſchte Beute nicht brach⸗ ten. „Clansmann, bei Deinem Leben be⸗ ſchwoͤr ich Dich, daß Du mich nicht be⸗ lüͤgſt,“ ſagte Fillan. „Das kann ich beſchwoͤren.“ „Nun, geht nach Balelutha, oder beſ⸗ ſer in die erſte Huͤtte, die ihr auf dem Wege dahin findet, wartet dort, bis ich 8* * zuruͤckkehre, verſchweigt es, daß ihr hier „“ mit mir geſprochen habt. gieb Firgirns Gattin Nachricht von ihrem Gatten und fuͤhre ſie mit ihren Kindern in meinen Clan. Hier ſollen ſie auch nicht hungern. 66 Fillan entfernte ſich und ſchwang ſich auf ſein Roß.„Das Weib wollte er Dir rauben, an dem Tode Deines Vaters iſt er Schuld,“ ſagte Fillan voll Rache,„wie kann man ſolche Verbrechen krrafende Als er in Morwen finſter wie eine Gewitterwolke, die ſich bald aufklaͤrt, an⸗ kam, fand er Tottleig, Berluth und Fingil daſelbſt. Die Freunde ſaßen bei der großen Tafel in der Halle, ſchmauſten, zechten und ſcherzten. Alle gingen Fillan froh entgegen und bewillkommten ihn. Oſcar freuete ſich insbeſondere uͤber den unerwar⸗ teten Beſuch. Du aber, Aton, 6 24— „Kennſt Du das neue Lied von Sal⸗ gar?“ fragte Tottleig. „Das kenne ich nicht,“ ſagte Fil⸗ lan. 1 3 3 „So laß den Barden kommen,“ bat Tottleig,„daß er's uns nochmals ſpiele und ſinge.“ 3 Der Barde erſchien. Das Lied ent⸗ hielt eine kurze Schilderung der Nieder⸗ lage Salgars, des Sprunges Oſcars von dem Felſen und ein Lob der Haͤuptlinge, die ſich gegen ihn verbanden. Es gefiel Fillan.— Als ſich der Barde aus der Geſell ſchaft der Trinker entfernt hatte, in der es rauſchender und luſtiger wurde, ſagte Fil⸗ lan:„Seit ich meinen Vater und meine Mutter verlor, ſeyd Ihr in Balclutha zu keiner Freude verſammelt geweſen. Ich — —— — — — — komme, Euch dahin zu laden und werde den nicht mehr. fuͤr meinen Freund halten, welcher, wenn er kommen kann, wegbleibt. Es gaben ihm alle Haͤuptlinge die Haͤnde darauf, daß ſie erſcheinen wollten, wenn ſie kein Ereigniß hindere. Von Morwen aus ſandte Fillan Clansleute zu andern Haͤuptlingen, die er zu ſich nach Balclutha laden ließ. Er wollte in Morwen ſo lange bleiben, bis ſie zuruͤckkaͤmen. Dem Boten, welchen er nach Selama ſchickte, verbot er's aber, es nicht laut zu ſagen, ob Cormar kommen wolle oder nicht. Die Abgeſandten brachten den Be⸗ ſcheid, daß alle geladenen Haͤuptlinge an dem feſtgeſetzten Tage ſicher in Balclutha erſcheinen wuͤrden. Obgleich Fillan unter Freunden lebte, von deren Wohlwollen er uͤberzeugt war, 26 und in deren Geſellſchaft er Aufforderun⸗ gen zur Freude hatte, die ſchwere Laſt, die auf ſeinem Herzen lag, wurde ihm nicht leichter. Am meiſten hatte ihn die Erzaͤhlung Atons erbittert, deren Wahr⸗ heit er nicht bezweifelte. Wirklich ging er mit Gedanken der Rache gegen Cormar ſchwanger und ſann daruͤber nach, wie er ihn auf die empfindlichſte und entehrendſte Weiſe beſtrafen wollte. Nachſicht und Schonung verdiente er nicht. Als Oſcar mit ihm allein war, ſagte er:„Deine ſinſtere, truͤbe Stimmung faͤllt Allen auf. Sie meinen, es laͤge Dir ein ſchweres Geheimniß auf der Seele. Der Gram ſey Dir natuͤrlich und der Schein des Frohſeyns nur erzwungen. Kannſt Du offenherzig gegen mich ſeyn? Ver⸗ trauſt Du meiner Verſchwiegenheit? Faſt ahne ich es, Du haſt eine uͤble Ent⸗ deckung gemacht. Waͤrſt Du Cormarn aauf die Spur gekommen, daß er nur dar⸗ 27 um Deine Freundſchaft ſucht, um Dich deſto aͤrger zu betruͤgen? Gutes erwarte ich von dem nicht. Folge nicht dem Rathe Deiner blinden Leidenſchaft, Du kannſt Dir damit empfindlicher ſchaden, als dem Feinde. Offenbare Dich mir, meine ru⸗ hige Vernunft leiſtet Dir vielleicht gute Dienſte.“ „Ja, Oſcar, auf meinem Herzen liegt ein ſchreckliches Geheimniß, aber ſelbſt Dir, meinem beſten Freunde, kann ich es jetzt nicht entdecken. An dem Tage, wo die Haͤuptlinge in Balclutha ſind, foll es zur Sprache kommen, nichr eher. Kannſt Du mich dann zuruͤckhalten, wenn mich der Zorn uͤber die Grenzen der Maͤßigung ſchleudern will, ſo magſt Du es thun. Die Falle iſt dem Fuchs gelegt, er wird ſich ſicher fangen. Verſchwunden ſind die ſinſtern Nebel, in denen das Laſter unge⸗ ſehen wandelte und es kann ſich nicht mehr verbergen. Weiter darf und kann ich Dir nichts ſagen.“ Cormar nahm die Einladung gern an, es lag ihm ſogar darin ein Beweis, daß Fillan keinen Verdacht gegen ihn hegte und ihm nicht zuͤrnte. Annet wollte ihn nach Balclutha begleiten, da er dies⸗ mal darum bat. Mit ihrer Geſundheit war es nicht beſſer geworden und ihr Ge⸗ muͤth hatte ſich auch nicht aufgeheitert. Bisweilen war Cormar freundlich und gü⸗ tig, aber ſie traute ihm nicht mehr. Sie fragte nicht mehr nach ſeinem Kommen oder Gehen. Den Eltern hatte ſie ihr Leid geklagt, die ihr den Troſt gaben, zu ihnen mit dem Kinde zuruͤckzukehren, wenn ſie die Behandlung des Gatten nicht mehr ertragen koͤnne. Carul haßte im Innern den falſchen, veraͤnderlichen Cor⸗ mar, im Aeußern aber behandelte er ihm noch freundlich. Er wollte ihn zur Rede ſtellen und ihm Vorwuͤrfe machen, daß er 2— 29 ſein Weib nicht ſo behandele, wie es die Pflicht und die Liebe gebiete; aber Annet bat den Vater, es nicht zu thun, weil er eben dadurch ihn gegen ſie aufbringen und ihr Schickſal verſchlimmern wuͤrde. Bosmina konnte die Seelenſtimmung Fillans gar nicht deuten. Bald ſchien er heitern Sinnes zu ſeyn, bald war es, als ob er in die Wogen der Schwermuth und eines tiefen Nachdenkens getaucht waͤre. Am Morgen, wo die Gaͤſte erwartet wur⸗ den, ließ er ſein Schwert ſchleifen. Sie erfuhr es ſogar, daß er ſein Leibroß ge⸗ ſattelt hielt und daß ſechs Clansmaͤnner die Ruͤſtung anlegen mußten, als ob es gegen den Feind gehen ſollte. Als ſie fragte, wer zu dem Feſte kaͤme, ſagte er: „Alle meine Freunde.“ „Cormar auch?“ „Bosmina, wenn Du dieſen Namen folgen, die Liſt, daß ſie ihrem Gatten 30 denkſt,“ ſagte er und blitzte ſie an,„fo ſollteſt Du ihn nicht ausſprechen. Mir wenigſtens klingt er wie ein Fluch. Ich denke, es muͤßte Dir lieb ſeyn, wenn er wegbliebe; aber ich habe ihn und Annet eingeladen.“ Sie konnte ſich einer peinlichen Angſt nicht erwehren, ſie fuͤrchtete, daß es zu ſtuͤrmenden Auftritten kommen werde und ſtehte zu den Goͤttern, daß die Tage des Feſtes ohne Blutvergießen voruͤbergehen moͤchten. Daß Fillan im Innerſten gegen Cormar empoͤrt war, das lag ihr klar vor Augen; welche Art der Rache er aber an ihm nehmen wollte, das blieb ihr verbor⸗ gen. Wie gern haͤtte ſie Cormarn ge⸗ warnt, daß er diesmal ja nicht nach Bal⸗ clutha kommen ſolle; aber jede Gekegen⸗ heit dazu war ihr abgeſchnitten. Sie er⸗ ſann ſogar, um dem Haͤuptling zu benach⸗ richtigen, der Einladung Fillans nicht zu — * A ſagte, er moͤge ihr einen Boten erlauben, den ſie nach Selama ſchicken koͤnne, um ihre geliebte Annet dringend zu bitten, daß ſie ja nicht ausbliebe. Dieſen Boten wollte ſie den heimlichen Auftrag an Cor⸗ mar geben, Balclutha zu meiden, weil ihm hier die Grube des Ungluͤcks bereitet waͤre, in die man ihn ſtuͤrzen wolle. Fillan aber erwiederte:„Wenn es Annet von dem zaͤrtlichen Gatten verſtattet wird, ihn begleiten zu duͤrfen, ſo wird ſie nicht wegbleiben. Meine Leute ſind jetzt ſo beſchäaftigt, allenthalben die Ringmauer zu erhoͤhen, ſchadhafte Stellen auszu⸗ beſſern, daß ich Dir Keinen als Boten ge⸗ ben kann.“ 4 Alles war in Baltlutha zu einem glaͤnzenden Feſte vorbereitet. Fillan legte ſeinen ſtählernen Panzer an, hing ſeine koſtbare Kette um, ſchnallte ſein Schwert an und harrte vor dem Platze der Woh⸗ —— 3 4 ——— 32 nung auf die Ankunft ſeiner Gaͤſte. Als Bosmina alles Erforderliche beſchickt hatte, ging ſie mit dem Knaben zu dem Gatten, um ihm Geſellſchaft zu leiſten und bei der Ankunft der Geladenen gegenwaͤrtig zu ſeyn. Als ſie vor ihm ſtand, ſeine Hand nahm und ſagte:„Du haſt Deinen Freun⸗ den ein Freudenfeſt angeſtellt, und ſcheinſt doch ſo mißmuͤthig zu ſeyn, wie paßt ſich das fuͤr den Wirth, der den Ton zum Vergnuͤgen angeben ſoll,“ da erwiederte er, ohne ihr darauf eine Antwort zu geben, indem er ſie vom Kopf bis zur Fußſpitze beſchaute:„Bosmina, heute gefaͤllſt Du mir in Deinem Anzuge nicht. Kannſt Du Dich nicht ſchmuͤcken? Du biſt den Gaͤſten dieſe Achtung ſchuldig. Haͤtteſt Du auf einmal den Sinn fuͤr Glanz und Putz verloren, den die weibliche Eitelkeit nie aufgiebt? Geh, wenn Du mir zu Willen ſeyn willſt, und kleide Dich ſchoͤner und gicher 44 „Ach! Fillan,“ entgegnete ſie mit ſchwermuthiger Miene,„wenn das Herz in Unruhe iſt, da fehlt die Luſt, auf aͤu⸗ ßern Prunk zu ſehen. Bange Ahnungen* ziehen mir durch die Seele, es iſt mir, als ob ich ein verherendes Ungewitter in der Naͤhe fuͤrchtete. So ſinnig und ſo truͤbe habe ich Dich noch nie geſehen und Du verſchließeſt Dich mir ſo geheimniß⸗ voll.“ „Es wird ſich Dir bald Alles offen⸗ baren, bis dahin zaͤhme Deine Neugierde. Aber, geh, und ziehe Dich an, wie Du es bei feſtlichen Gelegenheiten pflegteſt. Auch das ſchoͤne Weib ſoll ſich im Anzuge nicht vernachlaͤſſigen....“ Im Weggehen ſagte ſie:„Darum, wie ich gekleidet war, haſt Du Dich nie bekuͤmmert, Du tduſt es heute, muß mir Dein ganzes Weſen, ein ſonderbares, un⸗ gewohntes, nicht auffallen?“... Die Erſtürmung. 15 3 34 Die Knaben blieben bei dem Vater. In einer Stunde faſt waren die Haͤuptlinge mit ihren Frauen und Toͤch⸗ tern in großem Gepraͤnge angekommen. Bosmina bekämpfte ihre geheimen Beſorg⸗ niſſe und that ſich alle Gewalt an, um heiter zu ſcheinen. Die Buͤrde ihres Her⸗ zens wurde leichter, als ſie bemerkte, daß unter den Maͤnnern eine froͤhliche Stim⸗ mung herrſchte, daß Fillan ſeinen Miß⸗ muth abgelegt zu haben ſchien und ſogar mit Oſcar und Fingil Scherz trieb. Sie doͤrte ihn einigemal laut lachen. Salgar und Cormar fehlten noch und als man zweiflen mußte, daß ſie kommen wuͤrden, ſagte Oſcar ſo laut, daß es auch Bosmina hoͤrte:„Wo bleibt Salgar und Cormar? Du haſt ſie doch wohl geladen?“ Ich dachte, wenn Cormar kaͤme, die ſtrei⸗ tigen Punkte, die unter uns obwalten, ſollten gehoben werden. Salgar kann mich nicht haſſen, denn dafuͤr, daß ich ihn ver⸗ folgen wollte, habe ich mein Bein zer⸗ brochen, es ſchmerzt mich bisweilen noch ſo, daß ich hinken muß. Er hat ein Ge⸗ ſetz in Vorſchlag gebracht, das wir be⸗ ſprechen wollen, um es in der großen Verſammlung zu beſtaͤtigen, wobei er nicht fehlen duͤrfte. Es waͤre doch eine Art von ſeindlicher Erklaͤrung gegen Dich und uns, wenn ſie nicht kaͤmen.“ „Das nun eben nicht,“ ſprach Tott⸗ leig.„Kann man denn immer ſeine Woh⸗ nung verlaſſen, wenn wan will? Viel⸗ leicht hat ſie Fillan nicht eingeladen.“ „Das habe ich wohl,“ ſagte Fillan mit ſtarker Stimme„und denke, wenn ſie nicht kommen, ſo haben ſie es nicht gewollt.“ Indem ſie ſo ſprachen, kamen Saloar und Cormar mit ihren Frauen und dem GSefolge an. Kein Haͤupiling war ſo reich gekleidet, als Cormar. Beide wurden hoͤf⸗ lich und freundlich aufgenommen und in die Halle gefuͤhrt. Als Bosmina in den Atmnen ihrer Mutter lag, da rollten ihr die Thraͤnen von den Wangen. Es ſtuͤrmte in ihr und ſie fuͤhlte einen ſtarken Drang, ihr die Angſt zu offenbaren, die ihr im Herzen wuͤhlte. Alle wunderten ſich uͤber die kranke Annet mit dem blaſſen und magern Geſichte, welche die Urſache ibres Grams nicht kannten. Carul, als er ſeine verbluͤhte Tochter mit den Andern verglich, die in der Fuͤlle der Geſundheit lebten, da pochte ihm das Herz vor Zorn gegen Cormar ſchneller und er fluchte dem Stifter lhrer verzeh⸗ renden Schmerzen. Die friedliche Ruhe wurde in hen er⸗ — 327 ſten zwei Tagen nicht unterbrochen. Kei⸗ ner beruͤhrte den andern unſanft. An Vorgefallenes wurde nicht gedacht. Es ſchien, als ob nach vielen Feindſeligkeiten ein neuer Freundſchaftsbund geſchloſſen werden ſollte. Cormar wurde unbefan⸗ gener, froher gelaunt und ergoß ſich in Scherz⸗ und Witzreden. Man wuͤrde ihn liebenswuͤrdig ge⸗ funden haben, da er das Meiſte zu einer angenehmen Unterhaltung beitrug, wenn man ſeinem Charakter haͤtte trauen koͤnnen. Keiner verſtand es ſo gut, wie er, den Frauen artige Schmeichelworte zu ſagen, die ſie gern hoͤren. Gegen Annet war er ſo liebevoll und zaͤrtlich, ſo theilnehmend und guͤtig, daß ihr ſein Betragen, deſſen Falſchheit ſie kannte, widrig auffiel. Selbſt Bosmina ſagte er einige Artigkeiten, worauf ſie nicht antwortete, als nur mit ernſter Miene und niedergeſenktem Blick.„Heuchleriſcher Bube,“ dachte Carul,„Du machſt es, wie es die ſchlechteſten Gatten pflegen, die in Geſellſchaften ihre Frauen behandeln, als ob ſie Braͤute waͤren und ſie, wie aus dem Moor emporgeſtiegene Plagegeiſter im eigenen Hauſe martern. Findet ſich Niemand, der Dein ſchaͤndliches Doppel⸗ weſen enthuͤllt und Dich dafuͤr beſtraft?“ Bosmina verſchwieg der Mutter ihre Sorge nicht, welche aber ſuchte die Toch⸗ ter zu beruhigen. Als Annet am zweiten Abend ſie allein fand, ſagte ſie:„Bos⸗ mina, mein Schickſal nimmt keine beſſere Wendung, ja, ich fuͤhle es, wenn ich mei⸗ nem Kinde mein Leben erhalten will, daß ich Selama verlaſſen und zu meinen El⸗ tern ziehen muß. Letzthin ſagte Cormar entruͤſtet, als ich ihm meinen Schmerz klagen wollte: ſchweig, verbittere mir die Tage nicht noch mehr. Waͤrſt Du, wie Bosmina, ſo wuͤrde ich gluͤcklich bei Dir — — —— ¼½ 39 ſeyn. Als ich ihm eine Antwort geben wollte, ging er wie ein Wuͤthender von mir und warf hinter ſich die Thuͤr zu.“ „Ach, ich ſoll alſo ſeyn wie Du, da⸗ mit ich ihm gefalle! Kann ich das? Du alſo haſt ſein ganzes Weſen eingenommen, mit Dir wuͤrde er gluͤcklich ſeyn, wenn Du ſeine Gattin waͤreſt.“ „So alſo muß ihm ſelbſt Bosmina Veranlaſſung geben, daß er mich martert. Kennte ich Deine Treue, Deine Tugend nicht, ich wuͤrde Verdacht gegen Dich faſ⸗ ſen. Aber wie koͤnnteſt Du die Freundin taäuſchen und theure Pflichten nieder⸗ treten!“. Bosmina bedauerte Annet, und als ſie ihr einige Troſtworte zugeſprochen hatte und nicht laͤnger mit ihr allein ſeyn wollte, gingen ſie hinab in die Halle. 40 Vor mancherlei Zerſtreuungen und den Ergoͤtzlichkeiten der Tafel, war man nicht dazu gekommen, ſich uͤber das Geſetz zu bereden, daß ſich Haͤuptlinge nie gegen Einen verbinden ſollten, ſondern daß Fein⸗ de ihre Streitigkeiten allein mit einander ausmachen muͤßten. Am andern Morgen, wo Alle abreiſen wollten, ſagte Salgar:„Wichtiges, was wir verhandeln koͤnnen, iſt in dem Rauſche vieler Freuden vergeſſen. Laßt uns der Reihe nach wieder an die große Tafel ſetzen.“ Es geſchah, unterdeß die Frauen alle in der Halle ſaßen und die Jungfrauen mit den Soͤhnen der Haͤuptlinge in einem andern Gemach ihre Spiele trieben. — 8„Dadurch,“ fing Salgar an,„daß dies Geſetz in Vergeſſenheit gekommen iſt, habe ich in der letzten Zeit Schreckli⸗ —— 41 ches erlitten, wovor unſere Urvaͤter in ih⸗ ren erzenen Himmelswohnungen erſchrecken muͤſſen. Wird das Geſetz nicht in wirk⸗ ſame Guͤltigkeit geſetzt, ſo kann es euch bald ſo ergehen, wie mir's erging. Sorgt fuͤr den eigenen Vortheil. Wer mit mir uͤbereinſtimmt, der gebe ſein Ehrenwort darauf. In der großen Verſammlung wird jeder gut geſinnte Haͤuptling mir beiſtimmen.“ „Warum,“ ſagte Oſcar,„ſollen wir Euch das Ehrenwort darauf geben, als ob Ihr ein Oberhaupt waͤret, der ſeinen Un⸗ tergebenen eine Pflicht auflegen kann. Es ſey Euch genug, wenn wir unter uns dar⸗ uͤber einig ſind; das Geſetz ſoll kuͤnftig gelten, wenn es die Haͤuptlinge des Hoch⸗ landes wollen, die es vielleicht in den fer⸗ nern Gegenden noch nie verletzten.“ „Oſcar, Ihr ſeyd noch kein Haͤuptling, ſo lange Armin lebt, und Euch geziemt es nicht, dieſe Sprache zu fuͤhren. Von Oberhaupt und Untergebenen ſoll hier nicht die Rede ſeyn. Fangt nicht Zank in frem⸗ der Wohnung an und laßt uns friedlich auseinander ſcheiden. Das aber ſage ich Euch, waͤren wir an einem andern Orte, ſo ſollte das Schickſal entſcheiden, wer von uns Beiden laͤnger leben kann oder nicht. Daͤmpft Euer ſprudelndes Blut und ſeyd nicht ſo heftig.“ .„ Oſcar,“ ſagte Fillan,„bei meiner Freundſchaft und bei dem Haupte Deines Vaters beſchwoͤre ich Dich, daß Du kein Wort mehr redeſt. Nicht boͤſe hat es Sal⸗ gar gemeint. Mache die Halle nicht zu einem Kampfplatze und— hoͤre, was ich auch Dir verſchwieg, was ich bis zu die⸗ ſem Morgen verſchob, und was nun zur Sprache kommen muß. Da ich meinem eigenen Urtheile nicht traue, erwaͤhlte ich Euch zu Richtern, und ſeht, das iſt der 9 43 wahre Grund, weshalb ich euch hergeladen habe.“ Als Fillan ſo mit lauter Stimme, mit zorniger Miene und funkelnden Augen ſprach, ſchwiegen Alle und die Neugierde befiel ſie. Die Frauen ſelbſt wurden auf⸗ merkſam und horchten. Aber Bosminens Angſt erreichte den hoͤchſten Grad, ihr Ge⸗ ſicht wurde blaß und ihre Haͤnde zitterten. Cormarn eniſank der Muth, er ahnete Feindliches. Haͤtte er den Verdacht nicht nachlaſſen wollen, daß er ein Verbrecher waͤre, der Bosminens Unſchuld ſtuͤrzen und ein Eheweib verfuͤhren wollte, ſo wuͤrde er die Halle augenblicklich verlaſſen haben. Er ſann ſchon auf liſtige Aus⸗ fluͤchte, um ſich zu rechtfertigen, wenn er eines Unrechts beſchuldigt wuͤrde. „Ich fordere,“ fuhr Fillan fort, ndaß ihr mich ohne Unterbrechung reden laßt und euer ÜUrtheil erſt dann faͤllet, wenn ich nichts mehr zu ſagen habe. Euer Aus⸗ ſpruch ſoll mir gelten. Dafuͤr aber, daß ich ohne luͤgenhaften Zuſatz rede, will ich Euch drei guͤltige Zeugen ſtellen. Cormar, vertheidige Dich, wenn Du es kannſt, wi⸗ der Dich trete ich vor dieſen Haͤuptlingen als Anklaͤger auf, oder“ „Seht Annet an, ſie bluͤhete den fri⸗ ſchen Blumen gleich, wie iſt ſie hingewelkt. Gram und Kummer zerfleiſcht ihr das Herz, wenn die Furcht ihre Zunge nicht baͤnde, ſie wuͤrde es ſelbſt geſtehen. Und wer iſt es, der ſeine Liebe Hegen ſie in Abneigung verwandelt hat; wer, der ihr Leben verzehrt und ſie langſam dem Tode opfert, der, welcher ihr frohe beſſere Tage bereiten ſollte; der, der ſie durch falſche Zaͤrtlichkeit betrog. Auch das Wort der Treue hat er ihr gebrochen. Soll ein Haͤuptling mit ſeiner Gattin ſo umgehen, und iſt er wuͤrdig unter uns zu ſeyn?" 45 „Fillan,“ ſagte Cormar,„was geht's Dich, was einen Menſchen in der Welt an, wie ich mit Annet lebe! Miſche ich mich denn in Deine Ehe? Wenn es An⸗ net nicht bei mir gefiele, ſo ſteht ihr das Vaterhaus offen; aber ſie bleibt, iſt das nicht das guͤltigſte Zeugniß gegen eine Verlaͤumdung, mit der Du mich oͤffentlich beſchimpfeſt? Sagteſt Du mir das allein, ſo haͤtte ich Oir geantwortet, wie Du es verdienteſt. Welcher Unſinn, wenn die Wangenroͤthe eines Weibes verbleicht, wenn ſie duͤſtere Gedanken hat, ſo iſt das des Mannes Schuld? Starb nicht manches Weib, das der Gatte betrauerte? Annet, rede Du fuͤr mich.“— 1 Carul nahm das Wort und ſagte:„Fil⸗ lan hat Recht. Verſtattet es mir, daß ich mein Kind von einem Manne trenne, der ihr das Leben vergiftet. Annet, Du gehſt mit Malwina nicht wieder nach dem Marter⸗ loche Selama, dort wachſen fuͤr Dich nur Dornen, die Dein Herz zerreißen, bis es ſich verblutet hat. Cormar, Annet iſt mein und Euer Weib nicht mehr.“ „Nehmt Eure Tochter hin, wenn Ihr ſie mir nicht laſſen wollt und macht ſie gluͤcklich ohne mich, wenn Ihr es koͤnnt.“ Annet ſtand auf und rief mit lauter Stimme:„Ich muß dem Vater folgen, Du haſt mich dazu gezwungen.“ Cormar machte eine Bewegung, als ob er aufſtehen wollte, aber Fillan ſagte mit gebieteriſcher Stimme:„Alle Haͤupt⸗ linge fordere ich auf, zu ſorgen, daß er bleibt! Die Halle iſt verſchloſſen, das Thor verriegelt, bleibe, entfliehen kannſ Du nicht.“ Die Haͤuptlinge geboten, Cormar mußte ſich wieder niederſetzen und er ſtieß einige Fluͤche aus. 47 „Wie,“ donnerte er,„bin ich denn ein Gefangener, der in eine Raͤuberhoͤhle ge⸗ fallen iſt, wo man ungeſtoͤrt Menſchen ſchlachtet? Vertrauend dem Rechte der Gaſtfreundſchaft kam ich her, und ſo ver⸗ letzt ihr es? Seyd ihr Haͤuptlinge, oder wer ſeyd ihr! Ruͤhrt ihr mich ungebuͤhr⸗ lich an, ſo habe ich ein Schwert, und wen es trifft, der wird es fuͤhlen. Salgar, ge⸗ hoͤrt Ihr auch zu dem Complott?“ „Ich weiß von keinem Complott, und mein Leben ſetze ich fuͤr das Eure; aber, Cormar, hat Fillan Klage wider Euch, ſo laßt ihn reden, die Zeit, wo Ihr ſprechen koͤnnt, ſoll Euch verſtattet werden. Aber, Fillan, daß Ihr Eure Halle zu einem Ge⸗ richt macht; daß Ihr in der eigenen Woh⸗ nung den Schuldigen verklaget; daß Ihr Eure Freunde dazu ladet, das kann mir nicht gefallen. Streitigkeiten unter Haͤupt⸗ lingen gehoͤren vor die große Verſammlung und nicht hieher.“ „ „Da ſollen ſie auch hin; aber zuvor ſollt ihr Cormars falſche Tuͤcke kennen lernen, der kein Recht und keine Sitte ehrt und die Geſetze der Ordnung und Tugend, der Freundſchaft und des Ver⸗ trauens uͤbertreten hat. Unglaubliches ſollt ihr hoͤren. Jetzt rufe ich den zweiten Zeu⸗ gen, er ſteht vor der Thuͤr.“ Fillan befahl, und der Clansmann Firgirn trat in die Halle. Der Menſch war todtenblaß und ſeine Knie zitterten. Fillan ſprach:„Cormar, kennſt Du dieſen Mann?“ Er ſtarrte ihn mit durchbohrendem Blicke an und donnerte:„Das iſt ein Nichtswuͤrdiger, der ſeinem Herrn untreu worden iſt, ein Landſtreicher, ein Undank⸗ barer, der ſich fuͤr Vortheil zu jeder Schande, auch als falſcher Zeuge brauchen laͤßt. Was er ſpricht, iſt Luͤge.“ 49 Firgirn ſprach:„Habt Ihr mir die Tochter nicht geraubt, um Schande mit ihr zu treiben? Wolltet Ihr mir den Kopf nicht ſpalten? Habt Ihr mich nicht eingeſperrt, als ich...“ 4 „Davon rede nicht,“ ſagte Fillan „ſprich von dem Ueberfall, in dem mein Vater ſein Leben verlor.“ Der Ueberfall, wo man die junge Frau des Haͤuptlings rauben wollte, war Cormars Werk, er hat ihn geboten und ich folgte, als ein gehorſamer Clansmann, der Rotte, die er ausſandte, um Unheil anzu⸗ richten. Wenn ich die Wahrheit nicht ge⸗ ſagt habe, ſo moͤgen mich alle unterirdi⸗ ſchen Geiſter zerreißen. Wollt Ihr aber mir nicht glauben, ſo kann ich zehn Claus⸗ leute zu Zeugen aufrufen.“ Fillan ſagte:„Die That, wo ein Haͤuptlina den Andern des Nachts uͤber⸗ Die Erſtürmung. III. 4 faͤllt, der ihn fuͤr ſeinen Freund haͤlt, ohne daß Streit unter ihnen herrſcht, das iſt doch unerhoͤrt. Haͤtteſt Du mir die Fehde nicht durch einen Barden anmelden laſſen müſſen? Verfuhrſt Du nicht wie das Oberhaupt einer Raͤuberbande? Hatte ich Dich beleidigt? Du wußteſt es, daß ich abweſend war, daß Balclutha nicht ſonder⸗ lich bewacht wurde und benutzteſt die Gele⸗ genheit, um Boͤſes auszufuͤhren. Wiſſe, Dein Raubplan, der Dir nicht gelang, koſtete dem ehrwuͤrdigſten Greiſe das Le⸗ ben, um den ich noch klage. Und mein Weib wollteſt Du entführen? Sinnlofer, wenn ſie Dir auch gefolgt waͤre, wo haͤt⸗ teſt Du ſie verbergen wollen? Waͤhnteſt Du denn, daß Salgar Dir das Wort gab, Dich mit ihr vetbinden zu köͤnnen? Furchteteſt Du meine Nache nicht, und nicht die der Haͤuptlinge? Dein Verbre⸗ chen iſt unerhoͤrt, keine Strafe, die groß geuug waͤre, kenne ich fuͤr daſſelbe. Ver⸗ theidige, rechtfertige Dich.“ 51 „Glaubt ihr einem ſchaͤndlichen Clans⸗ mann mehr, als mir, ſo iſt meine Recht⸗ fertigung vergebens,“ ſagte Cormar.„Hat die Bosheit doch hier alle Mittel ange⸗ wandt, um mich zu Grunde zu richten. Was alſo ein Clansmann der ſeinen bren⸗ nenden Haß kuͤhlen will, von ſeinem Haͤuptling ſagt, das gilt euch fuͤr Wahr⸗ heit, was ich aber ſage, das haltet ihr fuͤr Luͤge. Wehe ſolchen Richtern, die, wenn ſie einen haͤngen wollen, ſich den Strick da⸗ zu ſelber machen. Firgirn, niederkraͤchtiger Verraͤther, wo ich Dich finde, ſoll Deine Seele aus dem Leibe geſtoßen werden. Fleuch, zur Wuth empoͤrt mich Dein An⸗ blick.“ Tottleig nahm das Wort und ſagte: „Kein Clansmann iſt ſo ſchlecht, ſolch Erlogenes ſeinem Herrn nachzuſagen, und wenn er der Nichtswuͤrdigſte waͤre. Er kann es auf ſeine eigene Gefahr nicht thun, da er beſorgen muß, die Luge wird 8 52 entdeckt. Ginget Ihr beſſer mit Euerm Clan um, ſo wuͤrde Firgirn nicht einmal Euer Boͤſes verrathen haben. Nach menſchlichem Ermeſſen, ihr Haͤuptlinge, iſt die That die ſtrafenswertheſte, die es giebt, die alle Sicherheit fuͤr Leben, Frei⸗ heit und Eigenthum aufhebt, die ſchaͤnd⸗ licſſte..“ Cormar ſagte kein Wort, aber er blitzte Tottleig mit grimmigen Augen an und wies ihm die Zaͤhne, wie ein toller Slouthund. Die Frauen waren in der groͤßten Beſtuͤrzung. Sie wollten die Halle ver⸗ laſſen, aber ſie fuͤhlten ſich an allen Glie⸗ dern lähm, und wie an ihre Sitze gehef⸗ tet. Auch feſſelte ſie eine angſtvolle Neu⸗ gierde, wie ſich fuͤr Cormar die ſchreckliche Anklage enden werde. G Annet ſelbſt war ohne Mitleid und — —,— 53 Achtung gegen einen Gatten, der ſich mit ſolch einer Uebelthat beflecken konnte und der letzte Funke der Neigung gegen ihn erloſch, als ſie hoͤrte, daß er Bosmina habe entfuͤhren wollen. Da fiel ihr eine Decke von den Augen und ſie errieth es leicht daß es die unerlaubte Liebe zu Bosmina war, die ihn beherrſchte, die ihn ſpornte, die verbotenſte That zu begehen. „Cormar,“ rief ſie wie eine Raſende, „weiß ich's nun, was mich Dir zum Ge⸗ genſtande des Widerwillens und der Unzu⸗ friedenheit machte? Wie haſt Du mich betrogen! Es iſt ſchrecklich, aber ich trete als Anklaͤgerin gegen Dich auf, der mir mein ganzes Lebensgluͤck raubte und Schuld an meinem Tode iſt, dem ich mit Ruhe entgegenſehe.“ Dieſe Worte ſchienen einen tiefen Eindruck auf ihn zu machen, er ſenkte den Blick zur Erde nieder und ſprach kein 54 Wort. Nur Bosmina war's, die ihr Mit⸗ leid gegen Cormar verbergen mußte, der ſo von allen Seiten angegriffen wurde, gegen den man ſich verbunden, deſſen Un⸗ tergang man beſchworen zu haben ſchien; aber ſie wagte es nicht, ein Fuͤrwort fuͤr ihn einzulegen. Abſcheulich fand ſie's doch, daß Fillan ſeinen ehemaligen Jugendfreund ſo an den Pranger oͤffentlicher Schande ſtellte und ſie zuͤrnte ihm deshalb im Herzen. Es ſchien fuͤr die weibliche Eitelkeit darin Schmeichelhaftes zu liegen, daß Cormar ſogar ein Verbrechen begehen konnte, um den Beſitz ihrer Perſon zu erringen. Seine unbeſonnene Liebe zu ihr fuͤhrte ihn an den Aöbgrund des Verderbens. Haͤtte ſie ihn retten koͤnnen, ſie wuͤrde es ohne Bedenken gethan haben. „Nun, Haͤuptlinge, hoͤrt meine letzte Anklage, ich kann ſie nicht verſchweigen. 55 Meine Gattin mag's bezeugen, daß ich die Wahrheit rede.“ „Da es Cormarn nicht gelang, mir Bosminen zu rauben, ſo wendet er ſeine Liſt an, ſie zu verfuͤhren und ſie zur Ehe⸗ brecherin zu erniedrigen. Darf auch der Freund dem Freunde das Weib abwendig machen? Vertrauungsvoll, daß in des Freundes Wohnung die Gattin gegen jede Art der Verfuͤhrung ſicher iſt, laſſe ich ſie mit ihren Kindern allein nach Selama reiſen. Er draͤngt ſich ihr zum Begleiter nach dem Balcolsrifley an. Da bietet er ſeine boͤſe Kunſt auf, ſie zum Fall zu bringen; aber ihre feſte Treue, ihre uner⸗ ſchuͤtterliche Tugend beſiegt alle verbreche⸗ riſchen Anfaͤlle.“ „So hat ſie mir geſagt, als ſie mei⸗ . nen Fragen nicht mehr ausweichen konnte. Schaͤndlich, mir das Weib untreu machen zu wollen! Cormar, vertheidige Dich, 56 waſche Dich rein von der Schande, wenn Du's vermagſt! Und finde ich dann Bos⸗ minen ſchuldig, ſo will ich ſie Dir heute noch uͤberlaſſen, von Annet biſt Du frei. Ein Weib, was die eheliche Treue gebro⸗ chen hat, kann nicht mehr an meiner Seite ruhen. Waͤre ſie mit allen Farben der S hoͤnheit geſchmuͤckt, wie die Haßlichſte erſcheint ſie mir. So rede,“ „Freundliche Worte ſagte ich Bosmi⸗ nen,“ ſprach Cormar,„die vielleicht ein anderes Weib verfuͤhrt haͤtten. Wer unter euch war immer ſeines Herzens Meiſter! Eine Tugendheldin iſt Bosmina, das ge⸗ rechte Lob muß ich ihr ertheilen. Es giebt wohl Viele, die ſich mit der Farbe der Uaſchuld ſchmuͤcken, die ſie nicht im In⸗ nern tragen, aber ſie iſt ſo treu und edel, als ſie die Natur reizend gebildet hat. Sie waͤre mein Gluͤck geworden, wenn ein fruͤheres Verſprechen ſie nicht band.“ 57 „Bosmina,“ ſprach er laut,„moͤgen mich Alle verdammen, in Euerm Herzen muß ich Mitleid finden.“ * „Nun, Fillan, welche Beſchuldigungen haſt Du noch wider mich anzubringen, grauſamer Freund! Was haſt Du nun durch die Anklage gewonnen? War es nicht edler, daß Du das Schwert unter uns entſcheiden ließeſt? Wann iſt denn ein ſolches Gericht gegen einen Haͤuptling gehalten worden? Euern Ausſpruch er⸗ kenne ich nicht an.“ Oſcar ſagte:„Ihr ſollt gerichtet wer⸗ den.“ 8 Salgar zuͤrnte Fillan und ſprach: „Gebt ihn frei und nach dem guͤltigen Ge⸗ ſetz moͤgen ſie an einander Rache uͤben. Wozu aber von der Sache unter uns ge⸗ handelt wird, denen es nicht zuſteht, einen Verurtheilten zu ſtrafen, das ſehe ich nicht 58 ein. Niemand hat ein Recht, den Gatten zu belehren, wie er ſeine Frau halten ſoll. Gefaͤllt es ihr nicht bei ihm, ſo kann ſie von ihm gehen. Ein Clansmann iſt kein guͤltiger Zeuge gegen einen Haͤuptling. Freundliche Worte hat mancher junge Mann mit einer ſchoͤnen Frau gewechſelt, und waͤre er darum ein Verbrecher, ſo ſind wir's Alle. Wo Haß und Eiferſucht hauſt, da weicht die Gerechtigkeit und nichts laͤßt ſich von der Billigkeit erwarten. Das Laſter nahm ich nie in Schutz; aber blindlings habe ich den nie geſtraft, auf den ein bhloßer Verdacht ruht.,. „War das auch Recht, daß ihr mich uͤberſielet? Kommt. Cormar, folgt mir, und wer uns den Weg verſperrt, der ſoll uns nicht feige finden. Geluſtet's Euch, daß der Boden der Halle mit Blut ge⸗ faͤrbt werde, ſo koͤnnt Ihr das haben. Ich kann's nicht ertragen, daß ein Haͤuptling wie Cormar ſo erniedrigt werde. Und —y; 59 waͤre er der Schuldige, in den Abgrund ſollt ihr ihn nicht ſtoßen. Kommt, Cormar, hier ſtechen Euch nur Dornen und thut, was Euch der Geiſt eingiebt.“ Fillan erhob ſich raſch von ſeinem Sitze und ſprach:„Wer den Ausgang mit Gewalt erzwingen will, wird ihn nicht finden. Meine Sache verlaßt Ihr und nehmt Euch Cormars an? Was ſoll ich von Euch denken! Der Goͤtter Strafe wollt Ihr mit ihm theilen? Er, er gilt Euch mehr, als ich Euch gelte? Nehmt doch Eure Bosmina mit und gebt ſie ihm zur Gattin.“ . „Wollt Ihr das, ſo verweigere ich ſie ihm nicht. Verſtoßt Ihr Bosmina und koͤnnt Ihr ſie ſo leicht entbehren, dann wird es ihr nicht ſchwer werden, von Euch 4 zu gehen.“ „Salgar,“ ſprach Cormar,„verliert 60 nicht vergebliche Worte und laßt uns gehn. Iſt die Thuͤr verſchloſſen, ſo erſtuͤrmen wir ſie. „Das ſollſt Du bleiben laſſen,“ ſagte 1 Fillan,„Du abgeſchabter Hund.“ 5„Schimpfen war meine Sache nie,“ entgegnete Cormar,„ich denke, das iſt nur unter Buben Mode, meine Feinde pflegte ich immer mit dem Schwerte Hoͤflichkeit und gute Sitte zu lehren.“ Fillan konnte ſich nicht mehr halten, er griff nach dem Schwerte und ſprach: „Draußen vor der Thuͤr, damit Verbrecher⸗ biut den Boden der Halle nicht beflecke, den nie ein ſo Gewiſſenloſer als Du, be⸗ trat, moͤgen die Goͤtter unter uns das Recht entſcheiden. Dies Mal auf Leben und Tod!“ ——— 61 „Wohlan, laß die Goͤtter entſcheiden, auf Leben oder Tod.“ Man wollte es zu dem Zweikampfe nicht kommen laſſen; aber Fillan ließ ſich nicht zuruͤckhalten. Annet war erſchuͤttert, Bosmina einer Ohnmacht nahe. Sie glaubte gewiß, daß Cormar ſein Leben verlieren werde, und ſeufzte, von innerm Schmerz gefoltert, hoch auf. Die Haͤuptlinge bildeten einen Kreis um die Kaͤmpfer. Die Schwerter waren gezogen und blitzten im Glanze der Mor⸗ genſonne. Salgar ausgenommen, wünſchte ein Jeder Fillan den Sieg und glaubte es, daß er ihn davon tragen werde.. Wuͤthend drang Fillan auf ſeinen Geaner ein, der klug und vorſichtig einige Schritte zuruͤckwich und toͤdtliche Hiebe von ſich abzuhalten ſuchte; dann aber, als Fillan eine Bloͤße gab, verſetzte ihm Cor⸗ mar einen ſo moͤrderiſchen Streich in die linke Seite, daß er auf der Stelle leblos niederfiel. Triumphirend rief er aus:„Die Goͤtter haben entſchieden; Sterbliche redet, auf weſſen Seite iſt nun das Recht? Hat einer von euch Luſt, den Kampf mit mir zu wagen, er findet mich dazu bereit. Tottleig und Oſcar, euch beide mit dem großen Maule, fordere ich heraus.“ HKſcar zog das Schwert, trat in den Kreis und tobte:„Fillans Tod will ich raͤchen! Die Goͤtter ſind ungerecht!“ Cormar erhielt drei leichte Wunden, aber dann verſetzte er auch Oſcarn in den rechten Arm einen Hieb, daß dieſem das Schwert entſank.“ „Nun iſt's genug, Cormar,“ ſagte 63 Salgar,„ich gebiete, daß der Kampf ſich ende.“ 3 3 Die Weiber bebten, als ſie das An⸗ einanderſchlagen der Schwerter hoͤrten. Mit herabhangendem Arm, von dem Blut floß, kam Oſcar in die Halle und ſagte:„Das Laſter hat geſiegt! Bosmi⸗ na, draußen liegt Fillan, in den Sand hin⸗ geſtreckt und giebt kein Lebenszeichen von ſich. Cormar lebt, mir ſchafft Pflaſter auf die Wunde.“ Sie ſchwankte aus der Halle, ſank auf der Treppe nieder und mußte nach ihrem Gemach getragen werden, wohin ſie ihre Mutter und Annet begleiteten. Salgar und Cormar ritten bald da⸗ 3 von. Die Gaͤſte kehrten nach ihren Woh⸗ nnungen zuruͤck und Oſcar, als er verbun⸗ den war, folgte ihnen nach. Zuvor ſagte 5t 1 64— er zu Fillans Soͤhnen, daß es Alle hoͤrten: „Einſt raͤchet Euern Vater!“ 3 Annet nahm ihre kleine Malwina mit zu ihren Eltern und ſah Selama nicht wieder. Nach Verlauf von zwei Monden ſtarb ſie, und zwar ein Opfer ihres Grams. Cormar forderte Malwina von Carul zu⸗ ruͤck und die Tochter durfte ihm nicht ver⸗ weigert werden. In Balclutha hatte Bosmina keine Ruhe mehr, ſie zog mit ihren Knaben nach Drumardo. d Es war Bosminen doch ſchrecklich, 8 8 daß Cormar der Moͤrder ihres Gatten 4 war; aber er hatte ihn in offenem Kampfe 65 und nicht mit Liſt getoͤdtet. Fillan war 5 es auch, der ihn zuerſt herausforderte. 4 Salgar aͤußerte ſein großes Mißfallen uͤber Fillan, daß er ſeinen Freund ſo ſchonungslos behandelte. Bosmina konnte Cormarn zwar nicht von aller Schuld freiſprechen, aber ſie fand doch, daß eine zu große Liebe zu ihr die Quelle ſeiner Vergehungen war, die er nicht begangen haben wuͤrde, wenn ſie mit ihm verbunden werden konnte. Fand ſie ihn auf der ei⸗ nen Seite auch verdammlich, ſo fehlte es in ihr doch nicht an Stimmen, die ſich fuͤr ihn entſchuldigend erhoben. Nach mehreren Wochen, als es in ihr ruhiger geworden war, reiſte ſie nach Balclutha mit ihrem Vater, weinte an Fillans Grabe und ließ es mit einem gro⸗ ßen Denkſtein belegen.„Du warſt ſehr gut,“ ſagte ſie ſeufzend,„aber gluͤcklich konnteſt Du mich nicht machen. Keine Die Erſtürmung⸗ III. 5 Frau war ich für Dich; aber ich verletzte keine Pflicht, die ich Dir ſchuldig war.“ Der Haͤuptling Tronterin erhielt, die 55 Verwaltung des Clans Balclutha. Zwei Monden waren verfloſſen, da kam Cormar nach Drumardo, um den Tod ſeiner Gattin zu melden. Sein Aeu⸗ es war ruhig und ohne die Merkmale einer tiefern Traurigkeit. Bosmina weinte bitter und ſeufzte:„Ach, die herrliche Dul⸗ derin, ſie hat ausgerungen! Sie war ei⸗ nes gluͤcklichern Lebens wuͤrdig. Cormar, wenn Ihr Euch nur rein wuͤßtet, daß Ihr ſie nicht von Euch geſtoßen und gekraͤnkt haͤttet! Der Schmerz, daß Ihr ſie ver⸗ ließet, hat ſie gemordet.“ „Das glaube ich ſelbſt,“ entgegnete Cormar,„deßhalb laſtet aber kein Vor⸗ wurf auf meinem Gewiſſen. Wer weiß es denn als ich, wie Annet gegen mich 67 war? Die innern ehelichen Verhaͤltniſſe kennt in ihrer Wahrheit und Natur, außer den Eheleuten ſelbſt, kein Anderer. Ihre vortrefflichen Eigenſchaften muß ich ruͤh⸗ men; aber in den Forderungen an mich war ſie nicht verſtändig. Haͤtte ich ſeyn muͤſſen, wie ſie es wuͤnſchte, ſo blieb ich nicht mehr frei und wurde ihr Sclave. Die Welt mag mich verdammen; aber das Urtheil der Unſterblichen fürchte ich nicht.“ 3 9 „Carul hat mir die kleine Malwina zuruͤckgegeben, mit Freuden habe ich ſie aufgenommen. Bosmina, Ihr waret die liebende Freundin meiner Gattin und Ihr ſeyd es gewiß auch nach ihrem Tode noch. Ach, mein halbverwaiſtes Kind moͤchte ich Eurer Liebe, Eurer Aufſicht gern anver⸗ trauen. Was ſoll ein Kind in meiner Wohnung, wo die Mutter fehlt! Nicht immer kann ich bei Malwina ſeyn, und verſtehe es auch nicht, wie eine Tochter muß erzogen werden. Nehmt ſie zu Euch, ich bitte. Es iſt ein kleines, ſchoͤnes, lieb⸗ liches Weſen, das Euch manche Freude machen wird. Wollt Ihr Euch ſeiner an⸗ nehmen und Mutterſtelle bei ihm ver⸗ treten?“ „Wenn Ihr das Vertrauen zu mir habt, ſo brtngt Malwinen her. Gern beweiſe ich auch dem Kinde die Liebe, mit der mein Herz an ſeine Mutter ge⸗ bunden war.“ Cormar ergriff Bosminas Hand mit allen Zeichen innerer Ruͤhrung und dankte ihr, daß ſie ſo mitleidsvoll und guͤtig war. Die beiden Knaben ſpielten im Gemach und der Großvater ſah ſeine Freude an den muntern, muthwilligen Knaben. Als ſie Cormar mit freundlichen Worten zu ſich lockte, liefen ſie ohne Scheu und Furcht zu ihm hin. Er ſtreichelte ihnen die Backen, liebkoſte ſie und ver⸗ * 6o0 ſprach ihnen allerlei Geſchenke mitzubrin⸗ gen, wenn er wieder kaͤme. Er nahm ſie auf ſeine Beine und ſchaukelte ſie. „Nun, Rino, Cormai,“ ſagte der Großvater,„iſt der nicht ein lieber Mann, der Euch ſolche Freude machen will?“ Sie blickten Beide Cormarn mit freundlichem Laͤcheln an. Cormar wandte ſeine ganze kluge Kunſt an, daß das Geſpraͤch nicht auf Balclutha und das blutige Ereigniß kam, was ſich dort zutrug; er redete von dem großen Bau einer neuen Wohnung und den Befeſtigungen, die er anlegte, um ſich gegen raͤuberiſche Horden in volle Sicherheit zu ſetzen. Recht ſehr aber bat er Salgar, ihn mit Moina und Bosmina bald in Selama zu beſuchen, um dann die kleine Malwina e 70 mit nach Drumardo zu nehmen, wenn man es nicht lieber ſaͤhe, daß er ſie ſelber braͤchte.„»„ „Wir kommen,“ ſagte Salgar,„da ich Euern neuen Bau und die Befeſtigun⸗ gen ſehen moͤchte. Seit der Zeit, wo mich die verbundene Rotte der Haͤuptlinge uͤberfiel, die ich ewig haſſen werde, lebe ich ſo einſam, wie ein Dachs im Loche. Meine beſſern Freunde wohnen mir zu fern und ich muß zu viele Klippen uͤber⸗ ſteigen, ehe ich zu ihnen kommen kann, was meinen Jahren nicht mehr gefaͤllt.“ Am Nachmittage, als Salgar mit Cormarn in das Gebirge gegangen war, einen Steinbock zu erlegen, der morgen zum Braten dienen ſollte, redeten die Freunde offen und ohne Ruͤckhalt mit einander.. Salgar tadelte mit Ernſt und Nach⸗ 71¹ druck Alles, was Fillan Cormarn in Bal⸗ clutha zum Vorwurf machte und ſagte: „Die Leidenſchaft hat Euch verblendet, Ihr habt weder menſchlich noch gerecht gehandelt. Ich kann Euch verzeihen⸗ bei Euern Feinden aber findet Ihr keine Ent⸗ ſchuldigung.“ „Salgar, glaubt es mir, daß ich es wohl erkenne, wie ich fehlte. Den Schmerz, daß Bosmina nicht meine Gat⸗ tin wurde, konnte ich nicht uͤberwinden. Ihr hattet ſie mir zugeſagt. Unſinniges that ich, mich ihrer zu bemaͤchtigen. An ihren Beſitz wollte ich meine Freiheit, ſelbſt mein Leben wagen. Selbſt die Ehre konnte mich nicht baͤndigen, jedes Mittel zu gebrauchen, um meinen Zweck zu er⸗ reichen. Daß mich Bosmina haßt, das glaube ich nicht, ſie weiß es, daß es ledig⸗ lich die ungeſtuͤme, gluͤhende Neigung war, die mich zu den verbotenen Schrit⸗ ten vorwaͤrts ſchleuderte, die keine Zeit 72² loͤſchen wird. Ich denke, Makwina ſoll zwiſchen mir und ihr ein Band an⸗ knuͤpfen.“. „„Cormar, denkt nicht zu viek. Wenn ſie Euch auch den Mord ihres Gatten verzeiht, der Euch zum Kampfe herausfor⸗ derte, ſo ſcheut ſie das Urtheil der Welt, die es abſcheulich finden wuͤrde, wenn ſie den Moͤrder Fillans heirathete. Vielleicht fuͤrchtet ſie auch, Ihr werdet, wenn ſie Eure Gattin iſt, mit ihr ſo handeln, wie mit Annet.“. 8 „Bei den Unſterblichen, nur ba⸗ darf ſie nicht fuͤrchten.“ „Eins rathe ich Euch, üͤbereilt ſie nicht, manche Wunde, die ihr Herz noch ſchmerzhaft fuͤhlt, iſt nicht geheilt. Seht, daß Ihr langſam ihr Vertrauen und ihre Neigung gewinnt. Was ſie dann will, das ſey ihr gern verſtattet. Die Erfah⸗ 73 rung ſpricht dafuͤr, daß mancher Mann mit der zweiten Gattin gluͤcklich war, in⸗ deß er ſich bei der erſten wie bei einem Plagegeiſte fuͤhlte. Bosmina ſtraͤubte ſich, als man an einem Tage nach Selama reiten wollte; aber ſie ließ ſich endlich doch dazu bere⸗ den. Cormar war hoͤflich, gefällig, aber ernſt und zuruͤckhaltend gegen ſie. Er trug Malwina ſelbſt in ihre Arme und ſagte:„Kind, das will kuͤnftig Deine Mutter ſeyn. Wie glucklich preiſe ich Dich... Was er nur aufbieten konnte, ſeine Gaͤſte zu vergnuͤgen, das that er. Bos⸗ mina fragte eine Dienerin, deren Ver⸗ ſchwiegenheit ſie vertrauen konnte, in Ge⸗ genwart ihrer Mutter,„ob Cormar durch ſein Betragen Annet, ſeine Gattin, nicht bitter gekraͤnkt haͤtte.“ „Ob Annet Cormarn nicht gekeänkt hat,“ entgegnete die Dienerin,„das ſolltet Ihr auch fragen. Es iſt wahr, bisweilen verließ ihn die Geduld, er gerieth in Zorn, und manches harte Wort, woruͤber ſie Tage lang weinte, kam dann uͤber ſeine Lippen. Ein Weib muß nicht zu viel von ihrem Gatten verlangen, es ihm nicht vorſchrei⸗ ben, wie er gegen ſie ſeyn ſoll, das em⸗ poͤrt ihn. Was iſt auch eine Liebe werth, deren Beweiſe nur erzwungen ſind! Annet war traurig, muͤrriſch oft, verließ das Ge⸗ 3 mach, wenn Cormar bei ihr war und kam nicht wieder, tadelte ihn, machte ihm Vor⸗ wurfe, fand alles unrecht, was er that. Kann das ein Mann ertragen? Mit im⸗ mer neuen Zaͤrtlichkeiten ſollte er ſie uͤber⸗ ſchuͤtten. Waͤre Annet klug und vorſichtig geweſen, haͤtte ſie ihre Wuͤnſche zu maͤßi⸗ gen verſtanden, uͤberließ ſie es Cormar ruhig, wie er ſeyn konnte, ſo lebte ſie noch und waͤre die gluͤcklichſte Gattin. So heiß und uͤbertrieben, wie die eheliche Elans das Geruͤcht: Bosmina ſey Cor⸗ Liebe anfaͤngt, kann ſie nicht fortbeſteben, das habe ich ſelbſt erfahren. Um Annets willen muͤßt Ihr Cormar nicht verdamm⸗ lich finden, kennt Ihr ihn ſo genau, ols ich, Ihr muͤßt es natuͤrlich finden, daß er eine Gattin nicht gluͤcklich machen kann, die voller Einbildungen Launen und Gril⸗ jen war. Euch, ihrer Freundin, hat ſie das nie verrathen.“. Faſt war ein Jahr verfloſſen, in dem Cormar und Salgar in der innigſten Ver⸗ bindung mit einander lebten. Die erbaute Wohnung, nebenbei ein hoher Thurm, ringsumher Waͤlle und Mauern, ſtand da, ſo ſchoͤn, ſo groß und feſt, wie ſie kein Haͤuptling aufweiſen konnte. Auf einmal verbreitete ſich in den mars Gattin geworden. Viele glaubten es nicht und meinten, es ſey wider die Natur und das Gefuͤhl, daß ſich eine 756 Wittwe mit dem Möoͤrder ihres Gatten verbinden koͤnne; Andere ſagten, daß Bos⸗ mina gewiß nicht den Verdacht auf ſich laden werde, als ob ſie, waͤhrend des Le⸗ bens ihres Gatten, mit Cormar in ſtraͤf⸗ lichen Verhaͤltniſſen geſtanden haͤtte. Das Geruͤcht beſtaͤtigte ſich, da man auf ſichern Wegen Erkundigungen einzog. Staunen meine Leſerinnen uͤber dieſe Verheirathung? Finden ſie Bosmina ab: ſcheulich, daß ſie ſie eingehen konnte? Glauben ſie gar, daß ſie nur in der Ro⸗ manenwelt, wo man zuſammendichten kann, was man will, ſtatt finden kann und nicht im wirklichen Leben? Meinen ſie, daß Bosmina das Anſtaͤndige und Schickliche verletzt, gegen heilige Gefuͤhle gehandelt und die Wuͤrde ihres Geſchlechts verdun⸗ kelt haͤtte? Nur nicht zu raſch und zu hart geurtheilt und unpartheiiſch das ei⸗ gene Herz gefragt, wenn man ſich ganz in ihre Lage zu verſetzen vermag. 77 Die bisherige Erzaͤhlung enthaͤlt mehr, als einen Entſchuldigungsgrund fuͤr ſie. In einer Art von jugendlicher Ueber⸗ eilung, wo das Gefuͤhl vorwaltet und der Verſtand nicht pruͤft, hatte ſie Fillan, der ſie mit ſeiner Liebeserklaͤrung uͤberraſchte, das Jawort gegeben. Sie erkannte es ſpaͤter, daß er der Juͤngling nicht war, der ihre Einbildungen befriedigte, ſie fand Cormarn vorzuͤglicher, und erfuͤllte doch mit feſter Treue ihr Verſprechen, auch dann, als ſie auf ſchwere Proben geſtellt wurde, es zu umgehen. Als Cormar, dem ſie nicht abgeneigt war, den Verſuch wagte, ſie zu verfuͤhren, da ſtand ſie feſt in ihrer Tugend. Des innern Mitleids gegen ihn konnie ſie ſich nicht erwehren, als er in der Halle zu Balclutha zu hart behandelt wurde. Daß er Fillan niederſchlug, dazu war 78 er gezwungen. Auf eigene Gefahr redete er die Wahrheit, daß er ſie auf dem Bal⸗ colsrifley zu fangen ſuchte und ließ ühr Gerechtigkeit widerfahren. Es konnte wohl möͤglich ſeyn, daß Annet, bei aller innern Guͤte, Cor⸗ marn durch ihr Betragen empoͤrte. Sie hatte uͤberdies lauter Beweiſe der Liebe von ihm, wenn es auch in dem Verhaͤlt⸗ niſſe, in welchem ſie, als Fillans Gattin, zu ihm ſtand, unerlaubte, fadelnswerthe waren, ſie entſchuldigte den, der ſie ihr gab, und nahm ſie, zwar ohne Erwiede⸗ rung, aber doch mit einer Art geheimen Wohlgefallens an. 1 In dem Jeher, was ſie, als eine junge Wittwe, im Vaterhauſe verlebte, das Cormar oft beſuchte, war ſein Betra⸗ gen ein ſo unanſtoͤßiges, vorſichtiges und gefaͤlliges, daß es Achtung und Zuneigung zugleich gegen ihn erweckte. Die widri⸗ 79 gen Gefuͤhle, die ihr Herz bisweilen noch wider ihn ergriffen, erloſchen immer mehr. Salgar ließ es ſich deutlich genug merken, wie willkommen ihm die Verbin⸗ dung ſeiner Tochter mit Cormar ſey und die Mutter glaubte es feſt, daß er, bei einem ſo hohen Grade der Liebe, Bosmina nicht ungluͤcklich machen werde. Cormar benutzte einen günſtigen Au⸗ genblick, wo Bosmina mit ihren Eltern in Selama war, als die heitern Gemuͤther bei dem großen Tiſche ſcherzten und ſagte:„Bosmina, zweifelt Ihr noch an meiner Liebe? Aber waͤhlt Ihr nicht frei, nicht mit der vollen Zuſtimmung Eures Herzens, gern will ich dann auf das hoͤchſte Gluͤck meines Lebens verzichten. Ein Opfer, was Euch ſchwer wird, for⸗ dere ich nicht von Euch. Die Kinder be⸗ duͤrfen eines Vaters, Ihr eines Gatten, wem wuͤrdet Iyr vor mir den Vorzug 80 geben? Stoͤßt Euch vielleicht ſo Manches von mir zuruͤck, die Erfahrung im naͤhern Umgange mit mir, wird es widerlegen. Meine Rechtfertigung erwarte ich von der Zukunft und von Euch.“ 8. Er reichte ihr die Hand hin und ſprach:„Zum Zeichen einer unaufloͤs⸗ lichen Verbindung, ſchlagt ein.“ Vertrau⸗ ungsvoll und liebend gab ſie ihm ihre Hand und der Bund der Ehe, den die Elrern ſegneten, war geſchloſſen. Kein Unfall ſtoͤrte den haͤuslichen Frieden. Bosmina fand das Gluͤck des ehelichen Lebens, was ſie bei Fillan ver⸗ gebens ſuchte. Man verbannte die Bilder einer ſinſtern Vergangenheit und lebte in einer heitern, erwuͤnſchten Gegenwart. Cormar hatte die Tugend und die feſte Treue ſeiner Gattin kennen gelernt und zollte ihr ſeine ganze Achtung, 81 Er war bemuͤht, ſich mit den be⸗ nachbarten Haͤuptlingen wieder in ein freundliches Verhaͤltniß zu ſetzen und wollte die Beleidigungen nicht ahnden, die er von ihnen erlitten hatte. Glaͤnzende Feſte wurden in Selama angeſtellt, die Halle ertoͤnte von Bardengeſang und dem Jubel der Gaͤſte, Nach und nach ſoͤhnten ſich die Ge⸗ muͤther mit ihm aus und die Frauen, die er fuͤr ſich zu gewinnen wußte, hatten daran nicht wenig Antheil. Man ſagte es ihm ſogar ruͤhmend ins Geſicht, daß ſich Bosmina ein großes Verdienſt um ihn erworben haͤtte und daß er ſeit der Zeit, wo er mit ihr in der innigen Verbindung lebe, ein viel beſſerer Menſch geworden ſey. Nur der alte Carul und Oſcar, Fil⸗ lans treuſter Diener, blieben ſeine Feinde, die ihm Rache geſchworen hatten, welche Die Erſtürmung, III. 6 82 ſich nicht mit ihm verſoͤhnen ließen. Ihr eiſernes Gemuͤth war ſo feſt in der Liebe, wie im Haſſe. 7 Carul ſagte:„Der Moͤrder meiner Tochter dient mir zum Abſcheu, ich werde ſeine Schwelle nie betreten. Bosmina aber, die den Moͤrder ihres Gatten lieben kann, iſt das unnatuͤrlichſte Geſchoͤpf unter der Sonne.“ Oſcar ſagte dagegen zu ihrer Ent⸗ ſchuldigung:„Die Weiber regiert das Herz und die Leidenſchaft und in ihrem Weſen finden ſich oft raͤthſelhafte Wider⸗ ſpruͤche. Die Zeit iſt noch nicht voruͤber, wo ſie geſtraft werden kann, daß ſie den Buhlen zum Gatten waͤhlte, der ihr den redenden Beweis ſtellte, daß er weder Tu⸗ gend, noch Freundſchaft ehrt. Kann ich einſt dazu beitragen, daß der Verbrecher geſtraft werde, ſo biete ich dazu beide Haͤnde. r — 83 Feindliches aber unternahm man bis⸗ her gegen Selama noch nicht. Es floß eine Reihe von Jahren in Frieden dahin, kleine Zwiſte ausgenommen, die leicht wieder beigelegt wurden. Rino und Cormai, Fillans Soͤhne, waren zu bluͤhenden und kraftvollen Juͤnglingen her⸗ angewachſen, die mit ſtarkem Arm Schwert und Lanze fuͤhren und den Bogen ſpannen konnten. Sie unterſchieden ſich faſt nicht durch ihre aͤußere Geſtalt und wurden ſo⸗ gar oft von denen verwechſelt, die ſie oͤf⸗ ter ſahen. In Hinſicht ihres Charakters herrſchte nur der Unterſchied, daß Rino feurig, lebhaft und Cormai ſanft und mild war⸗ aber das war kein Hinderniß ihrer Ueber⸗ einſtimmung, ihres gegenſeitigen Wohl⸗ wollens. Es gab wohi nie zwei Bruder⸗ herzen, die ſich zaͤrtlicher liebten, als dieſe. Nie hatte ſie ein Zwiſt von einander ent⸗ 84 fernt. Getrennt von einander konnten ſie nicht leben. 4 Malwina, eine Jungfrau, war ganz das Ebenbild ihrer ſchoͤnen Mutter. Rino und Cormai liebten ſie, wie eine Schweſter. Daß ſie nicht von gleichen Eltern ab⸗ ſtammten, das war ihnen kund geworden. Rino liebte die reizende Malwina und Cormai nicht minder. Sie eiferten um ihre Gunſt; aber Malwinas Herz neigte ſich doch mehr zu Rino hin und ſie konnte ihre Vorliebe Cormai nicht verbergen, die ſie gegen ſeinen Bruder empſand, er ſelbſt aber merkte das nicht. Dieſe Liebe zu der Jungfrau, die beide Juͤnglinge in gleichem Grade ent⸗ zuͤckte, verſchwiegen ſie einander und dies war das erſte Geheimniß, was ſie einan⸗ der nicht entdeckten. Bei einem Feſte in Selama verſchwanden Rino und Malwina aus der Halle. Die Zahl der Gaͤſte war 85 ſo groß, daß man auf ihre Entfernung aus der Geſellſchaft nicht achtete. Cormai ſuchte mit dem Herzen und mit den Augen die ſchoͤne Malwina und, als er ſie nicht fand, verließ auch er die Halle. Er wußte es, daß ſie oft in dem Gebuͤſch, was die Wohnung von einer Seite umgab, luſtwandelte. Der Abend war heiter und die Luft lau. Es kam ihm ein Diener aus dem Garten entgegen, als er die Stufen, die aus der Wohnung in denſelben fuͤhrten, hinabging, den fragte er nach Malwinen. „Sie luſtwandelt mit Rino,“ gab dieſer zur Antwort,„und Beide gingen nach dem ſteinernen Sitze hin.“ Von dieſem Sitze, der im Gebuͤſch verborgen lag, hatte man ſuͤdlich eine freie Ausſicht nach einem See, der theils von Felſenmaſſen, theils von Birken begrenzt war. Um den Beiden, die ſich in der Daͤmmerung ſo weit von der Wohnung entfernt hatten, einen kleinen Schreck zu machen, ſchlich ſich Cormai leiſe durchs Gebuͤſch und nahte ſich dem Felſenſitze. Als er ſo weit gekommen war, daß er je⸗ des ihper Worte verſtehen konnte, blieb er ſtehen und horchte. Er hoͤrte Malwina ſagen:„Iſt es nicht unrecht, daß ich Dich mehr, als Dei⸗ nen Bruder liebe? Wenn ihm das kund wuͤrde und er ſich daruͤber betruͤbte! Aber es muß doch kein Unrecht ſeyn. Empfin⸗ dungen und Gedanken geben uns die Goͤtter ein und mein Herz fuͤhlt ſich mehr zu Dir hingezogen. Ich muß es ihm ver⸗ ſchweigen, rede Du mit ihm nicht davon, es koͤnnte ihn ſchmerzen, er koͤnnte mir zuͤrnen und vielleicht hielte er mich fuͤr eine Undankbare, die ſeiner Dienſte und Gefaͤlligkeiten nicht wuͤrdig iſt. Aber in 81 zwei Haͤlften laͤßt ſich das Herz, was Dir ganz angehoͤrt, nicht theilen.“ „Malwina, wenn Du fuͤrchteſt, daß Cormai Dir zuͤrnen wird, weil Du mich mehr liebſt, als ihn, ſo kennſt Du ſeine Guͤte, ſeine Bruderliebe nicht. Er kann auf ſein groͤßtes Gluͤck verzichten, wenn er mich dadurch gluͤcklich machen kann. Er wird nicht neidiſch ſeyn, daß Du Dich mir und nicht ihm zum Eigenthum hin⸗ geben willſt. Ich bin es Dir eingeſtaͤn⸗ dig, daß ich nicht ſo edel gegen meinen Bruder handeln koͤnnte, ihm muß ich es zugeſtehen, daß ſeine Tugend groͤßer iſt, als die meine.“ Rino ſchlang ſeinen Arm um Mal⸗ winens Nacken, druͤckte ſie an ſeine Bruſt und kuͤßte ihre Stirn. Dies ließ ſie ohn⸗ Straͤuben geſchehen, ſtand auf und ſagte: „Ich gehe Dir nach der Halle voran, Du folgſt mir langſam nach.“ Malwinens Worte drangen wie Dolch⸗ ſtiche in Cormai’s Herz und verwundeten es heftig; aber er fand ſie und Rino edel gegen ſich geſinnt. Den ſuͤßen Wunſch, je mit Malwinen verbunden zu werden, mußte er aufgeben. Das entdeckte Ge⸗ heimniß war ihm zwar ſchrecklich und zer⸗ ſtoͤrte ſeine leuchtenden Hoffnungen, aber es war ihm doch lieb, daß er's wußte. Auf den Gedanken, ſeinem Bruder Malwi⸗ nens Neigung liſtig zu entziehen, fiel er nicht, ihrer Liebe Hinderniſſe in den Weg legen, oder der Verraͤther derſelben wer⸗ den, das haͤtte er nie gekonnt. Er ver⸗ argte es auch der Jungfrau nicht, daß ſie dem natuͤrlichen Zuge ihres Herzens folgte. Keine Art der Eiferſucht erbitterte ihn ge⸗ gen ſeinen Bruder, er goͤnnte ihm ohne Haß das Gluͤck, deſſen Malwina ihn wuͤr⸗ dig erkannte Aber eine tiefe Trauer uͤberzog ſein ganzes Weſen, da er keine andere Jung⸗ — 8⸗ frau kannte, die ihm ihre Stelle erſetzen konnte. Nach Verlauf einiger Zeit wollte er ſich, wenn es der Vater erlaubte, von Selama entfernen, ſo ſchwer es ihm auch würde, ſich von dem Bruder und Malwina zu trennen, um durch ihren Anblick nicht taͤglich erſchuͤttert zu werden, ſich nicht zu verrathen und das Glück ihrer Liebe nicht zu ſtoͤren. Er rechnete es Rino auch nicht übel an, daß er das Geheimniß einer zaͤrtlichen Neigung ihm nicht ent⸗ deckte; war das ein Verſtoß gegen die bruͤderliche Offenherzigkeit, ſo hatte er ihn auch begangen. Leiſe und unbemerkt, wie er gekom⸗ men war, ging er auf Umwegen in die Halle zuruͤck, wo er zwar Malwinen, aber nicht ſeinen Bruder fand. Als Rino in die Wohnung treten Stufe, der Cormai den Beſcheid gab, daß er mit Malwina nach dem Steinſitze ge⸗ gangen ſey. „Iſt Euch Cormai nicht begegnet?“ fragte der Diener. „Wie ſollte er das?“ fragte Rino und ihm klopfte aͤngſtlich das Herz. „Er fragte nach Euch und verlor ſich im Gebuͤſch, um Euch zu ſuchen. Zuruͤck iſt er noch nicht, das weiß ich; denn ich habe hier geſeſſen.“. Als Rino die Stufen hinaufging, ſagte der Menſch:„Wollt Ihr den Bru⸗ der nicht ſuchen, oder ſoll ich ihn rufen?“ Mit den Worten:„Rufe Du ihn,“ ging Rino in die Halle. ₰ wollte, ſaß derſelbe Menſch auf einer 91 Als er Cormai dort fand, ging er zu ihm, reichte ihm die Hand und ſagte mit Aengſtlichkeit im Ton der Stimme:„Du gingſt mir nach, ich laſſe Dich ſuchen, nur gut, daß Du hier biſt.“ „Als ich Dich nicht fand,“ ſagte Cor⸗ mai, ſo unbefangen, als er's vermochte, „eilte ich wieder nach der Halle.“ Er ſchien in ſeinem Gemuͤthe ruhig und ungeſtoͤrt zu ſeyn, das gab Rino den entſunkenen Muth wieder. Er hatte ſchon die Zeit beſtimmt, wo er ſeinem Bruder auf die ſchonendſte Weiſe das Geheimniß ſeiner Liebe entdecken und ihm erklaͤren wollte, daß er lieber ſeine Neigung unter⸗ druͤcken wolle, als wenn er durch ſie einen Theil der Bruderliebe verlieren muͤſſe. Am folgenden Tage konnte Cormai den geheimen Gram, der ihn peinigte, doch nicht verbergen. In gewiſſen Augen⸗ 92 blicken uͤberzogen die Falten der Schwer⸗ muth ſeine Stirn. „Cormai,“ ſo fragte Rino, als ſie aus dem Walde zuruͤckkehrten,„biſt Du krank, leidet Deine Seele? Gewiß, der Vater hat Dir Kraͤnkendes s geſogt/ „Das ſagte er oft, aber dies Mal ruͤhrt meine Trauer nicht von ihm her. Es ſchmerzt mich, daß Dich Malwina mehr liebt als mich.“ „Und woher weißt Du das, hat ſi ſie Dir's geſagt?“ „Sie hat es Dir geſagt. Bruder, wie finde ich Dich, Du biſt nicht ſo auf⸗ ichtig, als ich Dich glaubte. Geſtern in der Daͤmmerung ging ich euch Beiden nach und jedes Wort, was ihr geſprochen habt, habe ich verſtanden. Wie mein Le⸗ ben liebte ich Malwina, ſie iſt Dein, ſo 93 darf ich ſie nicht mehr lieben. Nicht un⸗ getheilt gehoͤrt mir noch Dein Herz.“) „Aber, Rino, ich zuͤrne Dir nicht, ich glaube nur, daß Du gluͤcklicher biſt. Ich werde mich von Malwina entwoͤhnen Entfernung von Selama iſt das einzige Mittel, meine geſchlagene Wunde zu hei⸗ len und den Frieden eurer Liebe nicht zu ſtoͤren. Laß uns einig bleiben, wie wir's waren und die gute Malwina muͤſſe nicht die Urſache ſeyn, daß wir uns feindlich trennen. Es giebt ja kein Weſen in der Welt, das ich mehr liebte, als Dich und ſchwer wuͤrde ich's ertragen, wenn Malwi⸗ na mir einen Theil Deiner Liebe ent⸗ zoͤge.“ Voll Ruͤhrung ſiel Rino ſeinem Bru⸗ der an die Bruſt, umarmte ihn mit ſtuͤr⸗ „ mender Heftigkeit und ſprach:„Cormai, Du biſt edler, als ich's glaubte, Deine Liebe zu mir iſt groͤßer als die meine. Macht es Dir Trauer, daß mich Malwina liebt, ſo kann ich das nicht dulden; wir Beide verlaſſen Selama, und wohnen in Balclutha oder Drumardo.“ Es begann unter den Bruͤdern ein edler Kampf um Malwinen, der ſich end⸗ lich dahin entſchied, daß Cormai in Se⸗ lama blieb, daß die Jungfrau es erfahren ſollte, daß ihm ihre Liebe kein Geheimniß war, und daß er ſie, ob ſie ihm auch den Bruder vorzog, nicht weniger achte. Am folgenden Tage ſchon, als ſie alle Drei allein waren, kam das Geheimniß zur Sprache. Wenn ſie ſich's eingeſtaͤndig ſeyn mußte, daß ihr ganzes Herz ſich zu Rino hinneigte, ſo konnte ſie dem Betragen Cormai's ihre volle Achtung nicht verſa⸗ 2 gen, ſie mußte ſeine Tugend und eine * 95 Bruderliebe bewundern, wie ſie ſie in der Erfahrung nie herrlicher gefunden hatte. Noch aber wurde den Eltern das Ge⸗ heimniß verborgen, das ſie nicht ahneten. Dieſe betrachteten ſie als Geſchwiſter und verſtatteten ihnen einen freien Umgang. Die Bruͤder waren nie getrennt, Malwina nie mit einem allein und einer diente dem andern gewiſſermaßen zur Wache, daß, nach ihrem DOafuͤrhalten, ſich keine zaͤrt⸗ liche Verbindung anſpinnen konnte. Malwina empfand die Wonnen nie, die ein liebender Vater ſeiner Tochter be⸗ reitet. Er war kalt und abgemeſſen gegen ſie, wie gegen die Bruͤder. Ein Herz voll Liebe ſchien er nur gegen ſeine Gat⸗ tin zu haben. Sie fuͤhlte immer eine ge⸗ heime Scheu gegen ihn, auch dann, wenn ſich ſein gewohnter Ernſt in Freundlichkeit, die bald vorüberging, aufklaͤrte. Ihre große Aehnlichkeit mit ihrer verſtorbenen 4 96 Mutter fuͤhrte reuevolle Erinnerungen in ſeine Seele; er erkannte das Unrecht, was er ihr zufuͤgte und mied den Anblick Mal⸗ winens, wo er's konnte. Unbekannt war es ihr auch nicht geblieben, daß die lei⸗ dende Mutter in der Wohnung ihres Va⸗ ters, getrennt von dem Gatten, in der Bluͤthe der Jahre, elend und abgezehrt, ihre Tage beſchloß, und daß er die Schuld ih⸗ res fruͤhen Todes trug. Wie konnte ſie einen Mann achten und lieben, der ſich ſo an ihrer Mutter verging. Guͤtig und liebevoll, wie die leibliche es pflegt, wurde ſie dagegen von Bosmi⸗ nen behandelt. Sie wuͤrde ſie ohne Ruͤck⸗ halt geliebt haben, wenn die Bruͤder in dieſer Neigung mit ihr uͤbereinſtimmten. So gleichguͤltig der Vater gegen ſie war, ſo ſchien es Bosmina gegen die Soͤhne zu ſeyn. Auch das Erlaubte, was Rino that, wurde von ihr oft getadelt und ſie ſchalt auf ſein jugendliches Ungeſtuͤm. Cormai * 97 war ihr viel lieber und ſie ſagte es, daß es Rino hoͤrte. 6 Aber was Rino litt, fuͤhlte Cormai mit gleichem Schmerze. Wenn er auch Urſache hatte, mit der Behandlung, die er von der Mutter erfuhr, zufrieden zu ſeyn, ſo blieb er ihr doch darum abgeneigt, weil er glaubte, daß ſie ſeinen Bruder ohne Grund betruͤbte und zuruͤckſetzte. Als die Bruͤder einſt allein aus dem Walde zuruͤckkehrten, trat auf einmal ein Greis, wie ein Barde gekleidet, hinter einem dichten Birkengebuͤſch am Wege hervor und fragte:„Seyd ihr nicht Fil⸗ lans Soͤhne?“ Beide traten einen Schritt zurück, faßten nach dem Gefaͤß ihrer Schwerter und Rino, der ſein Schwert gezogen hatte, ſagte:„Wer hat danach zu fragen, ob Die Erſtürmung. III. 7 98 wir Fillans Soͤhne ſind! Ja, das ſind wir, was wollteIhr weiter?“ „Ihr ſeht, ich bin ein Barde, der nichts Feindliches gegen euch im Sinne fuͤhrt. Steckt eure Schwerter in die Scheide, und laßt mich ruhig reden.“ „Ihr ſeyd doch wunderliche Juͤnglin⸗ ge, daß ihr euch von Cormar, der euer Vater nicht iſt, Gnadenwohlthaten an⸗ nehmt. Koͤnnt ihr euch nicht ſelbſt ernaͤh⸗ ren? Wo iſt euer Ehrgefuͤhl, daß ihr ſeinen Spott und ſeine Hohnreden er⸗ tragt! Was ſoll der Vater von euch denken, der nie einen Schimpf auf ſich ſitzen ließ, deſſen Name ſo rein, wie ſein Panzer war. Ihr muͤßt es nicht wiſſen, wer der iſt, in deſſen Hoͤhle ihr hauſt. Hat man's moͤglich machen koͤnnen, daß euch ein arges Geheimniß bisher verborgen gehalten wurde?“ — 99 „Seht, um unerkannt in eure Naͤhe zu kommen, die ich ſchon oft und verge⸗ bens hier zu erlauern ſuchte, zog ich Bar⸗ denkleidung an; aber kommt mit mir tie⸗ fer ins Gebuͤſch, dort ſollt ihr's erfahren, wer ich bin, und was ich euch zu enthuͤl⸗ len habe. Kommt!“ „Seyd Ihr auch nicht das Werkzeug eines boͤſen Geiſtes,“ ſagte Cormai,„der uns ins Verderben locken will?“ „Sprich nicht ſo furchtſam,“ ſagte Rino zu ſeinem Bruder,„wir haben Schwerter und Arme und wer uns taͤuſcht, der nehme ſeine Haut in Acht.“ Als ſie im dicken Gebuͤſch ſtanden, warf Carul ſeinen Mantel ab und vor den Juͤnglingen ſtand ein geharniſchter Greis mit Schwerk und Dolch verſehen in glaͤnzender Ruͤſtung. Sie ſtaunten uͤber die Verwandlung und erſchrocken fragte 1 00 4 Cormai:„Seyd Ihr unſer Vater, dem Grabe entſtiegen, oder einem Kerker ent⸗ ſchluͤpft? Redet, kalte Schauer fliegen mir durch die Glieder.“ „Ich bin Carul, der Haͤuptling, mei⸗ ne Tochter war Malwinens Mutter, die Cormar ſo lange marterte, bis ſie dahin ſank in des Todes Arme. Kein Waſſer kann die Glut meines Haſſes gegen ihn loͤſchen, die Flamme meiner Rache ſchlaͤgt himmelan.“ „Carul ſeyd Ihr,“ rief Rino aus, „der Großvater der herrlichen Malwina? Greis, labt Euch ehrfurchtsvoll die Hand druͤcken. So marterte Cormar Eure Toch⸗ ter ² „Das,“ ſprach Carul,„iſt die Haupt: ſache nicht, die ihr wiſſen muͤßt.“ 1 Sein Auge wurde finſter, duͤſtere NRNino:„Biſt Du ein Geiſt oder ein ſterb⸗ 101 Falten legten ſich auf ſeine Stirn, ſeine Lippe zuckte und er hielt beide Arme, mit geballten Faͤuſten, von ſich geſtreckt und ſagte dann:„Dieſer Cormar wollte eure Mutter verfuͤhren, als ſie noch eures Va⸗ ters Gattin war. Sie blieb Fillan treu. Iſt es ihr aber zu verzeihen, daß ſie ſich nach eures Vaters Tode mit ſeinem Moͤr⸗ der verband? Dadurch hat ſie Verdacht er⸗ regt. Und wißt ihr, wer euern Vater niederſchlug, daß ihr Waiſen wurdet? Eben dieſer Cormar, deſſen Verbrechen er ſtrafen wollte. In Balclutha iſt ſein Grab, mit einem Felsſtuͤcke belegt, geht dahin, eine Stimme wird aus der Gruft euch zurufen: Soͤhne, raͤcht mich an mei⸗ nem Moöoͤrder, wenn ihr den Vater ehrt und kindliches Blut durch euer Herz wallt.“ Erſtaunt ſtanden die Bruͤder da, ſie konnten kein Wort reden. Endlich ſagte 1⁰²2 liches Weſen! Haſt Du, einer der Himm⸗ liſchen, nicht eine Geſtalt angenommen, uns eine Botſchaft zu bringen, die uns bisher verborgen war! Iſt Alles Wahr⸗ heit oder Taͤuſchung, was wir ſehen und hoͤren?“ „Redeſt Du doch wie ein Kind,“ ſagte Carul,„in dem das Licht des Ver⸗ ſtandes noch nicht aufgegangen iſt, das noch ein Fremdling in der Welt und ohne Erfahrung iſt. Ich bin wirklich der Mann, deſſen Namen ich nenne, habe Fleiſch und Bein wie ihr; ich komme, euch anzureizen, einen Schuldigen zu beſtrafen. Um Rache fordert des Vaters vergoſſenes Blut die Soͤhne auf.“ „Carul,“ ſprach Cormai,„Schreckliches habt Ihr uns berichtet, daß wir mit dem Vatermoͤrder unter einem Dache wohnen und uns von ſeinem Brodte naͤhren, und uns ſeine Haͤrte gefallen laſſen. Wiſſen 103 wir's nun, warum es uns bei Todes⸗ ſtrafe verboten war, nicht uͤber die Gren⸗ zen des Clans zu gehen, warum wir ohne Begleitung nicht nach Drumardo reiſen durften? Warum wir von einer Wache umſtellt waren und wie Sclaven gehalten wurden? Aber die boͤſe That ſoll nicht verſchwiegen werden, ſie ſteigt aus der dick⸗ ſten Finſterniß hervor und wird ſichtbar. Ja, es gluͤht auch in meiner Bruſt, den Moͤr⸗ der Eurer Tochter und meines Vaters zu beſtrafen.“ „O, daß ich der Mutter fluchen muß, die mich unterm Herzen trug, daß ſie ſo leicht des Vaters Liebe vergeſſen konnte und ſich dem Buhlen hingab! Nein, nein, ich habe keine Mutter mehr!“ Auf Bitten der Bruͤder mußte Carul Alles erzaͤhlen, was er von Cormar und ihrem Vater wußte und dies empoͤrte ſie bis zur Wuth. Rino wollte einen Schwur thun, daß er Cormarn durchbohren wolle, wenn er nach Selama zuruͤckkehrte. „Nein, nein, Juͤngling,“ warnte Ca⸗ rul,„Du mußt Deinen Eifer daͤmpfen. Eine ſolche That wuͤrde als ein Verbre⸗ chen beſtraft werden. In offener Fehde ſoll er von Deinem Schwerte fallen.“ „Wollt Ihr nicht das Grab Eures Vaters ſehen? Nicht Balclutha, wo ſich Cormar durch den Tod eures Großvaters und Vaters das Denkmal der Schande ſetzte? Dort ruhen ſie, Vater und Sohn in verlaſſener Grabesſtille neben einander, und Niemand hat bisher gefragt, wer wa⸗ ren dieſe Todten?“. 3 5 8 Ja, das wollen wir, Balelutha ſehen, wo unſere Wiege ſtand, wo uns der Vater auf ſeinen Armen trug.““ Garul ſagte, daß ſie ſich noch ſieben Ta- V —y — 105 gen, um die Zeit der Daͤmmerung, an die⸗ ſer Stelle aufhalten ſollten, ſie dann nach Balclutha zu bringen ſey ſeine Sache. „Bruͤder,“ ſprach er im Scheiden, „berratbet Euch nicht, vergeßt der Rache nicht, die Ihr beſchworen habt.“ Es koſtete den Bruͤdern einen großen Kampf, ſich ſelbſt zu beyerrſchen und mit ihrem geheimen Zorn gegen Cormar nicht hervorzubrechen. Der Vater achtete wenig auf ſie und bemerkte den truͤben Ernſt nicht, der aus ihrem Weſen ſprach. Mal⸗ wina, denen ihre Trauer nicht verborgen blieb, ohne daß ſie den wahren Grund derſelben erforſchen konnte, glaubte ihn, wiewohl faͤlſchlich, zu ahnen. Sie dachte, daß ſich die Bruͤder darum Beide betruͤb⸗ ten, weil ſie dem einen vor dem andern ein groͤßeres Recht an ihrer Liebe zugeſtand. Als ſie mit ihnen allein war, ſagte ſie:„Rino, gieb mir das Verſprechen zu⸗ ruͤck, daß ich Dich vor Allen Deines Ge⸗ ſchlechts lieben will, wie ich keinen Juͤng⸗ ling liebe. Cormai's Trauer greift mir ſchmerzhaft in die Seele. O, ich weiß es, Du kannſt nicht froh ſeyn, wenn Du die Urſache des Kumwers Deines Bruders zu ſeyn glaubſt. Soll ich die Urſache ſeyn, daß die Freuden der Bruderliebe aus eurer Mitte verſcheucht werden? Wie koͤnnte ich dann unter euch noch gluͤcklich ſeyn. Nein, nichts ſoll unſern Frieden ſtoͤren.“ „Herrliche Malwina,“ ſagte Cormai voll Ruͤhrung,„wie groß iſt Deine Liebe, Deine Tugend! Wenn ich Dich nicht lie⸗ ben kann, wie Rino Dich liebt, ſo darf ich Dich verehren. Koͤnnteſt Du in mein Herz ſchauen, Du würdeſt es ſehen, daß ich dem Bruder Oeine Liebe nicht beneide, daß ich ihm ſelbſt mein Leben aufopfern könnte. Laß mir nur Zeit, ich werde lur 107 Freude uͤber ſein Gluͤck kommen und Dich preiſen, daß Du die Stifterin deſſelben biſt, noch bin ich mit meinen Gefuhlen im Kampfe.“ „Ein anderes Ereigniß iſt es, was uns ſo erſchuͤttert und verſtimmt. Maͤd⸗ chen, Du mußt es erfahren, aber wiſſe zu ſchweigen, wenn Du uns nicht in einen Ungluͤcksſchlund ſtuͤrzen willſt.“ „Deinen Großvater Carul ſahen wir im Walde, er ſtand vor uns wie ein Bar⸗ de gekleidet. Er hat es uns betheuert⸗ daß Deine Mutter vor langem Gram ſtarb, weil ſie die Behandlung Deines Va⸗ ters nicht ertragen konnte. Sie pries die Unſterblichen, als ihr Herz brach, daß ſie ſie ſie von der Lebensqual erloͤſten. In einem Zweikampfe zu Balclutha erſchlug Cormar unſern Vater, dem er vorher ſchon ein Unrecht zugefuͤgt hatte, das wir Dir verſchweigen. Aber welche Mutter iſt die 2¹ unſere, daß ſie ſich mit dem verband, der Deine Mutter, ihre Freundin, marterte und ihrem Gatten das Leben entriß? Feſ⸗ ſelte Rino nicht die Liebe an Dich, in die⸗ ſer Nacht entwichen wir von Selama; aber er kann Dich nicht verlaſſen und ich will mich von ihm nicht trennen.“ Dieſe Erzaͤhlung machte auf Malwi⸗ nen einen erſchuͤtternden Eindruck und ſchwaͤchte auch die Liebe, die ſie bisher gegen die Mutter empfand. „Wenn wir nach acht Tagen nach dem Walde gehn,“ ſagte Rino,„und nicht wiederkehren, wenn ein Schreckensbote nach Selama koͤmmt, welcher meldet, daß wir gewaltſam geraubt ſind, ſo darfſt du nicht zittern und Dich nicht aͤngſtigen. Wir kehren wieder zuruͤck. Das Grab des Vaters, unſer Balclutha wollen wir ſehen und Rath pflegen, wie wir uns auf ewig von dieſem Moͤrder entfernen. Ohne 109 Dich, mein Leben, verlaß ich dieſen Ort nicht, und wenn mich taͤglich tauſend Martern peinigten.“ „Aber wohin, wohin, mein Rino,“ fragte Malwina aͤngſtlich und mit thraͤnen⸗ vollen Augen,„willſt Du mich fuͤhren?“ „Wohin anders, als zu Deiner Groß⸗ mutter, wo Du am beſten aufgehoben biſt. Dort lebſt Du ſo lange verborgen, bis ich Dich oͤffentlich, als meine Gattin zei⸗ gen darf.“ „Ach,“ ſagte ſie,„ich begehe ein Un⸗ recht, wenn ich Dir ſolge, aber ich kann mich von Dir nicht trelnen... Sie erroͤthete und ſenkte den Blick zur Erde nieder. Nach Verlauf von mehrern Tagen kam ein Bote von Drumardo, welcher * 110 meldete, daß Moina ploͤtzlich erkrankt ſey . und ihre Tochter zu ſprechen wuͤnſche. Salgar ließ Cormarn dringend bitten, ſeine Gattin zu begleiten. Er ließ Bosmina nicht allein rriſen. Malwina mußte der Mutter folgen, die Soͤhne blieben zu⸗ ruck und der Vater erneuerte den ſtrengen Befehl, daß ſie nicht uͤber die Grenze von Selama gehen ſollten. Rino nahm von Malwina zaͤrtlichen Abſchied und ſie ſeufzte:„Ach, wenn ich heimkehrte und faͤnde Dich nicht mehr?“. „ „Das kann wohl ſeyn; aber darfſt Du Dich darum aͤngſtigen? Du weißt es, ich komme wieder. Das aber troͤſte Dich, die kurze Trennung wird uns dem Ziele unſeres Gluͤcks naͤher fuͤhren. Wird es der Vater, der mich nicht liebt, je zu⸗ geben, daß ich mich mit Dir verbinde? Vertraue den Unſterblichen, die ſind un: ſeres Schickſals weiſe, maͤchtige Leiter“... — v —4y 111 Heiße Thraͤnen rollten von Malwinas Wangen, als ſie von Rino ſchied. Der achte Tag erſchien und Cormar war noch in Drumardo. Rino und Cor⸗ mai gingen am Nachmittage in den Wald und nahmen zwei Jaͤger mit ſich, welche, was ſie geſehen hatten, Cormarn bezeugen ſollten, ſo war es verabredet. Als ſie aus dem Walde zuruͤckkehrten und nach der bezeichneten Stelle hinkamen, erhlickten ſie vier geharniſchte und verkappte Ritter, die zwei ledige Roſſe am Zuͤgel bei ſich hat⸗ ten. Der Eine fragte mit barſcher Stim⸗ me:„Seyd Ihr Fillans Soͤhne?“ „Wir ſind es,“ erwiederte Rino„und ſeyd Ihr ehrliche Leute oder Raͤuber.“ „Es geziemt Euch nicht zu fragen, wer wir ſind,“ ſprach der Verkappte,„es ſey Cuch genug, wenn wir Euch erklaͤren, daß wir Euch todt niederſtrecken, wenn „ 112 Ihr Euch Beide nicht als Gefangene er⸗ gebt.“ „Moͤrder, Raͤuber!“ ſchrien Rino und Cormai zugleich, daß es tief in den Wald hineinſchallte. Ein Knecht wurde am Arm durch ein Schwert verwundet, Rino empfing einen Hieb mit der flachen Klinge auf den Kopf und fiel, zum Schein, leb⸗ los nieder. Cormai ſchlug mit ſeinem Bogen um ſich her, als ob er ſich der moͤrderiſchen Gewalt widerſetzen und ſie bezwingen wollte. Erſchrocken und angſtvoll flohen die Jaͤger ins Gebuͤſch und eilten auf einem Umwege nach Selama. Dort verbreiteten ſie die ſchreckliche Begebenheit. Die getroffenen Anſtalten, den Räu⸗ bern nachzuſetzen, waren fruchtlos. Man ging nach der Kampfſtelle hin und glaubte Rino todt zu finden, aber er war nicht * 113 da. Ein Hirte, der am Abend die Heerde mit den bewaffneten Knechten aus dem Thale in die Staͤlle trieb, wußte weiter nichts zu ſagen, als daß er in der Ferne vier oder ſechs Reiter ſah, die im ſchnel⸗ len Galopp nach dem Gebirge hinjagten. In der Nacht wurde ein Bote nach Drumardo abgeſandt, welcher Cormarn umſtaͤndlich erzaͤhlen mußte, auf welche Weiſe Rino und Cormai geraubt waͤren. „Nun,“ ſagte er,„das iſt der Lohn ihrer Thorheit, daß ſie nicht fruͤher den Wald verließen? Aber wer mag der Stifter die⸗ ſes Raubes ſeyn! Haͤtten die Bruͤder Feinde? Der Dorfall iſt mir raͤthſelhaft.., „Quaͤlt Euch darum nicht,“ ſagte Salgar zuͤrnend, der es wußte, wie wenig Cormar auf die Soͤhne hielt,„pielleicht ſeyd Ihr auf immer von zwei Hausge⸗ noſſen befreit, die Euch ſehr laſtig waren. Die Erſtürmung. III. 8 114 Habt Ihr auch keinen Antheil an dem Raube?“ „Da ſollen meine Seele die boͤſen Gei⸗ ſter in der Tiefe ewig plagen, wenn ich Antheil an dem Raube habe! Ich werde es Euch beweiſen, daß ich nichts verſaͤume, dem Stifter ſolcher Frevelthat auf die Spur zu kommen.“ Bosmina war untroͤſtlich. Moina weinte bittere Thraͤnen, denn ſie hatte die Kinder herzlich lieb. Als Malwina hoͤrte, daß Rino todt zu Boden geſunken ſey, da wurde ſie an allen Gliedern ſtarr und mit einem lauten Schrei ſank ſie ohn⸗ maͤchtig zu Boden. Da ſie wieder zum Bewußtſeyn kam, ergoſſen ſich unaufhalt⸗ ſam Thränen aus ihren Augen, ſie ſuchte die Einſamkeit, um ſich ihrem Schmerze ungeſtoͤrt hinzugeben. Ach,“ dachte ſie,„der vermeinte Ca⸗ 115 rul war ein erkaufter und von meinem Vater gedingter Bube, der die ihm ver⸗ haßten Soͤhne auf die Seite raͤumen ſollte. Faͤngt er von neuem ſeine Verbrechen an und iſt ſeine Laſterliebe noch nicht er⸗ loſchen? O! daß ich meinen Vater nicht achten, nicht lieben kann! Welche Freuden muß dies arme Herz entbehren? Was habe ich nun noch in der Welt, woran ich, mit Liebe hange! Wer hat mir groͤ⸗ ßere Martern zugefuͤgt, als Cormar, den nur die Lippe Vater nennen muß! Die Nutter hat er mir geraubt, nun entreißt er mir auch meinen Rino! Goͤtter, raͤcht das Unrecht, lohnt mit Euerm Zorn die Schuld!“ Sie wurde gerufen, weil mon nach Selama zuruͤckeilen wollte, um Alles auf⸗ zubieten, ob man den Raͤubern nicht auf die Spur kommen koͤnne. Unterwegs mußte es Cormar der traurenden Bosmina nochmals beſchwoͤren, daß er von der 116 ſchaͤndlichen That fruͤher nichts gewußt habe.. So viele Nachforſchungen mit allem Ernſt auch angeſtellt wurden, Alles blieb in geheimnißvolles Dunkel gehuͤllt und kein Lichtſtrahl machte das Geheimniß heller. Bosmina konnte nicht zur Ruhe kommen, ihr Mutterherz wurde heftig be⸗ wegt, oft weinte ſie im Stillen. Malwina troͤſtete ſich endlich mit dem zweifelhaften Glauben, daß die Bruͤder wieder erſchei⸗ nen wuͤrden. Munter und wohlgemuth ritten Rino und Cormai mit ihren Begleitern, bei der monderleuchtenden Nacht, durchs Gebirge, denen alle Gaͤnge und Steige bekannt waren, auf Fergmoore, dem Stammſitz Caruls zu. Am Abend des ſolgenden Tages kamen ſie daſelbſt an, Carul hatte 117 Oſcar eingeladen, wenn er die Soͤhne ſeines Freundes ſehen wollte. Oſcar eilte den Morgen nach Fergmoore. Aufs freund⸗ lichſte wurde das Bruͤderpaar empfangen und in die Halle gefuͤhrt. Bald nachher erſchien Caruls Gattif, eine Frau von hoher Geſtalt und Achtung gebietendem Anſehen in der Halle. Sie fragte, indem der Ausdruck einer lebhaften Freude ihr Greiſenangeſicht verklaͤrte: „Welcher iſt Rino?“ Rino trat ihr einen Schritt naͤher und ſprach:„Ich bin es.“ „Ihr alſo liebt Malwina? Ach, macht ſie gluͤcklich, daß ſich meine heißen Thraͤ⸗ nen kuͤhlen, die ich noch um meine Annet weine...“ Sie umarmte ihn, küßte ſeine Stirn und verließ weinend die Halle. 118 Oſcars Herz gerieth in eine freudige Bewegung, als er die ſchoͤnen, kraftvollen Juͤnglinge ſah. Er fand, daß Cormai mehr ſeinem Vater und Rino ſeiner Mutter aͤhnlicher ſah. Sanfter ſchien ihm auch Cormai und feuriger, beherzter Rino. Er gab den Juͤnglingen die Hand und ſprach:„Ich kannte Euch ſchon, da Euch der Vater noch auf den Armen trug und Ihr erſt unverſtaͤndliche Worte lallen konn⸗ tet. Wißt, der theuerſte meiner Freunde war Euer Vater. Ein boͤſes Schickſal waltete uͤber ihn, ich ſah ihn fallen, von dem Schwerte eines Verbrechers, den Ihr nun Vater nennen muͤßt, bluten, ſterben. In der Halle zu Balclutha koͤnnt Ihr ſeine Ruͤſtung ſehen und roſtige Flecken auf dem Panzer, die von ſeinem Blute ſind. In dieſer Ruͤſtung muͤſſe Einer von Euch den Vatermord einſt raͤchen.“ „Den werde ich raͤchen,“ ſagte Rino, „nicht, wie ein Menchelmoͤrder, Carul hat 119 mir das verboten, aber in offener Fehde ſoll er fallen. Mein Arm iſt ſtaͤrker, als der ſeine und meine Sache die gerechte. Nicht immer traͤgt das Laſter Siege uͤber die Tugend davon, eine Weile bleibt es ohne Strafe; aber endlich ſtuͤrzt der Blitz einer hoͤheren Rache auf daſſelbe nieder.“ Oſcar gelobte ihnen den moͤglichen Beiſtand, wenn es zum Kampfe mit Cor⸗ mar kommen ſollte. Am folgenden Tage traten die Juͤnglinge ihre Reiſe nach Bal⸗ clutha an. In dunkeler Nacht hielten ſie vor dem Thore und meldeten ſich als zwei Boten von Selama, welche Tronterin, der die Aufſicht uͤber den Clan fuͤhrte, wichtige Nachrichten braͤchten. Vorſichtig oͤffnete man ihnen nach ei⸗ ner langen Weile das Thor, ſie wurden eingelaſſen, und zwei Geruͤſtete fuͤhrten ſie zu Tronterin, der ſie bewillkommte und bat, mit ihm in die Halle zu gehen. 220 Tottleig und Fingil, die in der Halle waren, ver iethen es ſogleich, daß die Bo⸗ ten keine andern waͤren, a's Fillans Soͤh⸗ ne. Verwunderungsvoll maß ſie Tron⸗ terin mit ſeinen Blicken und ſagte:„Habt Ihr nicht eine gute Sache ſo ſeyd Ihr in meiner Gewalt und Boͤſes ſoll Euch nicht gelingen.“ „Sagt,“ ſprach Rino mit verweiſen⸗ dem Ernſt,„woher Ihr glaubt, daß wir eine boͤſe Sache haben! Sind wir bei Euch im uͤblem Rufe? Redet mit denen nicht ſo, die in der Halle ihres Vaters ſind. Den Zweck unſeres Beſuchs koͤnnt Ihr ahnen, wenn Ihr gutes Gefuͤhl habt. Es hat uns verlangt, nach vielen Jahren den Ort wieder zu ſehen, wo wir geboren waren. Das wollen wir, ſonſt weiter nichts. Die Gewalt, der wir nicht wider⸗ ſtehen konnten, hat uns die Gelegenheit verſchafft, in Balclutha uns unſeres Va⸗ ters lebendiger zu erinnern, ſonſt waͤren 12¹1 wir nicht bieher gekommen. Seyd um uns unbeſorgt, mißtraut uns nicht und laßt uns friedlich bei einander leben. Un⸗ ſer Aufenthalt kann nur von kurzer Dauer ſeyn.“ Tronterin ſagte:„Gewiß iſt es, der Vater hat Euch nicht geſendet, welche Ge⸗ walt trieb Euch hieher?“ „So fragt man ſeine Gaͤſte nicht. Kurz, wir ſind hier, wollt Ihr uns aber nicht beherbergen, ſo weiſt uns wieder zum Thore hinaus, wir gehen, wie wir aber wiederkommen moͤchten, das koͤnnt Ihr von Fillans Soͤhnen erwarten.“ Tottleig und Fingil riethen zum Frie⸗ den. Die Ruhe wurde hergeſtellt und die Gemuͤther verſoͤhnten ſich bald. Tronterin entfernte ſich, um fuͤr die Finlans Speiſe und Trank beſorgen zu 122 laſſen. Unterdeß ſagte Rino zu den Haͤuptlingen:„Ihr waret Zeugen, als mein Vater fiel und ließet Cormarn un⸗ geſtraft davon gehen? Das war doch ſonderbar!“ „Sollten wir uns zu ſeinen Moͤrdern machen? Ja ehrlichem Kampfe fiel Euer Vater. Daß Cormar fuͤr anderes Boͤſe unbeſtraft blieb, was kuͤmmert das uns!“ „Welche iſt des Vaters Ruͤſtung in dieſer Halle? Ihr koͤnnt ſie mir vielleicht zeigen. Es ſollen noch Blutstropfen dar⸗ auf zu ſehen ſeyn. Zu ſeiner Zeit lege ich ſie an und dann ſoll ſie von anderm Blute triefen. Rinos Auge funkelte, als er die Worte ſprach.„Seht, das iſt die Ruͤ⸗ ſtung Eures Vaters,“ ſprach Eotileig und wies auf ſie hin... 123 Beide Bruͤder trockneten ſich die Thraͤnen von den Wangen und verſtumm⸗ ten von innerer Wehmuth, als ſie die Roſtflecken genauer betrachtet hatten. Rino richtete ſich zuerſt von ſeinem Schmerze auf und ſagte:„Ein elender Schwäͤchling laͤßt das Boͤſe unbeſtraft nach ſeiner Willkuͤhr walten, der Starke kaͤmpft ihm enigegen und giebt ihm fuͤr ſeine Graͤuel den Lohn. Tottleig und Fingil, Ihr habt meinen Vater gekannt, erzaͤhlt uns doch von ihm. In Selama darf der Name Fillan nicht genannt wer⸗ den, das iſt verboten. Hoͤren nicht Kin⸗ der, wenn der Vater ihnen im zarten Knabenalter entriſſen wurde, am liebſten von ihm reden?“ Was die Bruͤder ſchon wußten und was ſie nicht wußten, das erfuhren ſie von den beiden Haͤuptlingen, Alles be⸗ ſtaͤrkte ſie in dem Glauben, daß ihr Vater 12 4+ ein guter redlicher Mann geweſen ſey. Auf die Frage, auf welche Weiſe ſie nach Balckutha gekommen waͤren, die Tronterin an ſie that, gab Rino die Antwort, ſir waͤren von einer fremden Macht dazu ge⸗ zwungen worden. Ein Trupp Reiter haͤtte ſie bis vor das Thor gebracht und waͤren dann davon geritten. Bis tief in die Nacht wurde geplau⸗ dert. Der erſte Gang der Bruͤder am fruͤhen Morgen war nach dem Grabe des Großvaters und Vaters hingerichtet. Her knieten die Bruͤder nieder, beteten, ihre Thraͤnen floſſen, gaben ſich die Haͤnde und ſchwuren es den Goͤttern, an Cormarn blutige Rache zu nehmen. Es war in Balclutha kund geworden, daß Fillans Soͤhne in der Wohnung des Haͤupilings waͤren. Da kamen Greiſe und Maͤnner, die ſie zu ſehen wuͤnſchten. Als ſich die Bruͤder ihnen zeigten, glaͤnzte die 125 Freude aus den Augen aller Anweſenden und ein Alter ſagte laut:„Als euer Va⸗ ter noch unſer Herr war, da lebten wir in gluͤcklichen Zeiten. Er glich einem der ſegnenden Goͤtter, die nur die Macht ha⸗ ben, um damit Gutes zu thun. Dem Niedrigſten fuͤgte er kein Leid zu. Wie oft reden wir noch von ihm und ſagen ihm Dank. Jetzt ſind wir wie die Wai⸗ ſen, die den rechten Vater verloren haben. Kommt nach Balclutha zuruͤck, gern wollen wir euch gehorchen und entzieht euch nicht laͤnger euerm vaͤterlichen Erbe. Wenn ihr, wie euer Vater, uns wohlzuthun wißt, ſo findet ihr nur Herzen, die euch lieben. Kommt bald, daß ich den Anfang beſſerer Tage ſehe, ehe ich in die Grube fahre.“ Rino ſchuͤttelte dem Greiſe mit freund⸗ licher Miene die Hand und ſprach:„War⸗ tet noch eine kurze Zeit und wir werden kommen. Auf eure Liebe, die ihr eurem Haͤuptling zollt, deſſen Blut dieſer Boden 126 trank, rechnen wir, wenn wir eurer Arme und Schwerter beduͤrfen.“ Jetzt riefen mehrere Stimmen laut: „Die ſollt ihr haben!“ Einen vollen Tag blieben die Bruͤder noch in Balclutha und traten dann ihre Ruͤckreiſe nach Selama an. I. Die Art und Weiſe, wie ſie Cormar taͤuſchen wollten, wurde unterwegs erfun⸗ den. Am Abend des achten Tages ihrer Entfernung ritten ſie durch's Thor von Selama. Cormar war ſogleich nicht zuge⸗ gen. Malwina wurde vom Entzuͤcken fortgeriſſen, als ſie ihren Rino wiederſah, ſie ſiel ihm mit der unaufhaltſamen Ge⸗ walt ihres Herzens in die Arme, nannte in einer Art von Begeiſterung mehremal ſeinen Namen und ſagte:„Wenn Du nicht willſt, daß ich nicht ſterben ſoll, mußt Du mich nicht wieder verlaſſen!“ — 127 Bosmina kuͤßte ihre Soͤhne auch und ſprach von ihrem Schmerz uͤber ihr ploͤtzli⸗ ches Verſchwinden. Aber das Betragen Malwinens gegen Rino war ihr ſehr auf⸗ gefallen; ſie dachte ſich nicht zu irren, wenn ſie glaubte, daß das Maͤdchen eine beſondere Neigung gegen den Juͤngling fuͤhlte. Sie hatte große Urſache, zu zwei⸗ feln, ob Cormar ihre Verbindung mit Rino zugeben werde. „Biſt Du doch wie eine Sinnloſe,“ ſagte ſie zu Malwinen,„die es mit dem Maaße ihrer Liebe und Frende uͤber⸗ treibt. In Deinen Jahren mußt Du zu⸗ ruͤckhaltender, anſtaͤndiger gegen einen Juͤngling Dich betragen. Dein Gatte iſt er nicht und wird es nie werden. Das laß den Vater nicht erfahren, daß Du Rino ſo umarmteſt, er moͤchte auf Mittel denken muͤſſen, Dich oder Rino von Sela⸗ ma zu entfernen. Eine zu große Neigung 128 gegen ihn haſt Du verrathen und ſorgſa⸗ mer muß ich Dich bewachen.“ Malwina erroͤthete, ſie ſenkte den Blick zur Erde nieder und Thraͤnen floſſen uͤber ihre Wangen. Rino wurde von ihrem Schmerze ge⸗ rührt und ſegte:„Koͤnnt Ihr die Freu⸗ de einer Schweſter uͤber die Ruͤckkehr nicht verzeihen, an die ſie nicht glaubte? Tadelt ein Herz nicht und mißdeutet nicht die Aeußerung ſeiner Gefuͤhle, das nur voll Liebe und Guͤte iſt.“ „Ach, Ihr habt nicht noͤthig, uns von einander zu trennen, laßt uns Beide nach Balclutha gehen, in den Clan meines Va⸗ ters, der mir gehoͤrt. Was ſollte Cormar gegen eine Verbindung zwiſchen mir und Malwinen haben koͤnnen! Bin ich etwa ihm nicht gut genug, ſo mag er mir meine Flecken nennen. Er, der Euch meinem 229 Vater abſpenſtig machen wollte, muß doch wohl die Allgewalt der Liebe kennen, die ſelbſt kein Verbrechen ſcheut, ihren vorge⸗ ſetzten Zweck zu erreichen. Und dieſe Macht einer innern Neigung habt Ihr auch empfunden, ſonſt haͤttet Ihr Euch nie mit dem verbunden, deſſen Schwert vom Blute meines Vaters roth gefaͤrbt war.“ Bosmina ſtaunte, ſie war erſchrocken, ihre Knie zitterten, ſie erbleichte, ſie ſagte mit ſtockender Stimme:„Welcher Bube hat Dir das gelogen?“ „Wenn Ihr Zeugen haben wollt, zu ſeiner Zeit kann ich ſie Euch ſtellen. Wißt Ihr's denn nicht, daß die Wahrheit, ſo tief man ſie auch vergraͤbt, endlich doch an’s Licht koͤmmt? Verzeihet es meinem Gefuͤhle, wenn ich's Euch bekenne, daß es mir ſchwer wird, ſeit ich das ſchreckliche Geheimniß kenne, daß ich Euch mit dem Die Erſtürmung. III. 9 130 Herzen Mutter nenne. Ihr werdet, um Eurer Ruhe willen, kluͤglich thun, wenn Ihr ſorgt, daß wir, ich und Cormai, nicht lange mehr in Selama bleiben. Hier ſind wir Fremdlinge in einer Wohnung, die uns verhaßt iſt, nach Balclutha ge⸗ hoͤren wir hin, wo in der Holle die Ruͤſtung unſeres Vaters haͤngt, auf der die Stellen ſeines Blutes noch zu ſehen ſind.“ 4 „In Balclutha. Sie konnte nicht ausreden, als Cor⸗ mar in Thuͤr trat. Ohne ein Zeichen der Freude uͤber die Wiedererſcheinung der Soͤhne, ernſt und finſter, als ob er einen harten Vorwurf ausſprechen wollte, ſagte er:„Die Neuigkeit, daß ihr angekommen waͤret, erfuhr ich im Thore ſchon. Erzaͤhlt doch, wo ihr euch umhergetrieben habt.“ „Es hing nicht von uns ab,“ erwie⸗ 131 derte Rino,„wo wir uns umhertreiben wollten, wir mußten einer Uebermacht fol⸗ gen, wohin uns dieſe trieb.“ H „Woher ruͤhrte denn die Uebermacht?“ „Das wiſſen wir ſelber nicht.“ „Man hat doch ein naͤrriſches Spiel mit euch getrieben! An den Verluſt eurer Freiheit dachte ich wenigſtens. Es iſt eine Poſſe, daß man Euch gefangen nahm und wieder losließ.“ „Dafuͤr mag es Euch gelten. Aber denkt Euch nur, vor einer Huͤtte ſtanden zwei Roſſe, in derſelben wurde uns Schwert und Lanze gereicht, wir mußten die Roſſe beſteigen und unſern Fuͤhrern folgen, die uns niederzuſtoßen droheten, wenn wir Miene machten zu entfliehen. Auf unſere Fragen, was ſie wollten, wo⸗ 132 hin ſie uns fuͤhrten, gaben ſie uns reue Antwort. 44 „Als der Abend daͤmmerte, hietten 8 wir vor dem Thore einer uns unbekann⸗ ten Wohnung. Da ſagte einer unſerer Begleiter: Seht, das iſt der Stammſitz eurer Vaͤter, in der Halle haͤngt Fillans blutbenetzte Ruͤſtung, dem Cormar, welchen ihr Vater nennt, das ſchoͤne Leben raubte. Wie konnte eure Mutter eures Vaters ver⸗ geſſen und Cormar ihre Hand reichen!’”“ „ Schaͤndliche Buben, die ſo redeten, euch gegen mich zu empoͤren! Rede weiter.“ „Tronterin nahm uns auf, als wir ſagten, daß wir von Euch abgeſchickte Bo⸗ ten waͤren. Tottleig und Fingil, die wir in der Halle fanden, verrieth uns Tronte rin. Die Stelle ſahen wir, wo Fillan von Euerm Schwerte ſiel, ſeinen blutbe⸗ 4 133 fleckten Panzer, ſein mit dem Denkſteine belegtes Grab und das des Großvaters, den der abgeſchoſſene Pfeil eines Eurer Elansmaͤnner toͤdtete.“ Cormar, ſo ſehr er ſich beherrſchen konnte, bei dieſer Erzaͤhlung entſank ihm doch auf wenige Augenblicke ſeine Faſſung. Dann aber ſagte er:„Ich merke es wohl, daß ich arge Feinde habe, die, weil ſie es nicht vermoͤgen, mir oͤffentlich zu ſchaden, es auf dem Wege einer ſchaͤndli⸗ lichen Liſt verſuchen. Ja, es iſt wahr, daß euer Vater in einem Zweikamfe, bei dem wohl ſechs Haͤuptlinge zugegen waren, zu dem er mich herausforderte, durch mein Schwert ſtel. Sollte ich mich etwa, um ſein Lehen zu erhalten, toͤdten laſſen? Wie unſchuldig ich aber an dieſem Tode war, das beweiſet ſogar eure Mutter, die ſich zur Ehe mit mir verband.“ „Was war denn von Seiten meines 134 Vaters die Veranlaſſung, daß er Euch den Kampf anbot?“ fragte Cormai. „Wahnſinnige Eiferſucht.“ „Aber,“ ſagte Rino,„mit einem Wahnſinnigen haͤttet Ihr Euch in keinen Streit einlaſſen muͤſſen. Wollte Fillan nicht auch den gewaltſamen Tod ſeines Vaters raͤchen? So iſt es uns berichtet. Von einem Gange nach dem Balcolsrifley mit der Mutter hat man uns auch Vieles vorgeſchwatzt; aber wer koͤnnte das von einem Manne glauben, der ſich Freund Maines Vaters nannte!“ Eormar fuͤhlte die Anwandlungen von Wuth, die in ſtrafende Rache gegen den Sprecher hervorbrechen wollte; aber er hielt damit zuruͤck und ſagte:„Uebereilt euch mit euern Urtheilen und Beſchluͤſſen nicht, und laßt mir Zeit, euch eines beſſern zu belehren. Jugendlicher Unſinn, der 8 135 leidenſchaftlich zufaͤhrt, koͤnnte euch ſchaden, davor will ich euch warnen. Meine Recht⸗ fertigung kann mir nicht ſchwer werden, wenn ihr den Worten meiner Feinde nicht mehr glaubt, als mir. Daß ihr Geheimniſſe fruͤher erfuhrt, die ich euch, wenn ihr erſt zu vollem Verſtande gekommen waret, offen⸗ bart haͤtte, das iſt die Schuld meiner Geg⸗ ner, die es nicht gut mit mir und boͤſe mit euch meinen.“ „Hoͤrt aber, jedes Unternehmen gegen meine Perſon, wenn ihr daran Antheil nehmt, oder gar die Stifter deſſelben waret, muß ich, um meiner eigenen Erhaltung willen, und daß ihr kein Verbrechen be⸗ geht, mit dem Verluſte eurer Freiheit oder eures Lebens ſtrafen. Meidet die Gefahr, ihr kennt ſie nun. Um aber gewiß zu ſeyn, daß ihr meinen warnenden Rath befolgt, muß ich euch Waͤchter ſtellen, die auf eure Schritten achten, damit ihr keinen thut, der wider mich gerichtet iſt.“ 136 „So ſind wir ja Gefangene in Sela⸗ a,“ ſagte Rino heftig. „Das ſollt ihr ſo lange ſeyn, bis ſich mein Vertrauen gegen euch wieder ge⸗ ſtarkt hat. Vorſicht bewahrt vor Gefahr. Ihr koͤnnt nun gehen.“ Das Erſte, was Cormar in ſeiner Unruhe that, war„die Beſtellung der Vaͤchter bei den Bruͤdern, die ihnen nicht von der Seite gehen durften, ſelbſt ihre Geſpraͤche belauſchen mußten. Dieſe Lage war fuͤr ſie ſchrecklich und erbitterte nur ihren Grimm gegen Cormarn. Traurig aber war's fuͤr Rino, der nun keine Gele⸗ genheit mehr fand, mit Malwina allein zu reden. Alles, was Cormar that, tiug dazu bei, ihre Abneigung gegen den Vater zu beſtaͤrken, die in Haß ausartete. Schmerzlich betrauerte ſie das harte Ge⸗ ſchick der Bruͤder, denen es nicht mehr er⸗ laubt war, die Ringmauern Selama's zu 137 2 verlaſſen, und verabſcheuete den Urheber deſſelben. Wenn ſie in der Halle erſchie⸗ nen, ſo waren ſie finſter und ſchweigend und es lag auf ihrer Stirn, daß ſie von innerm Gram und von Nache entbrannt waren. 84 * Einſt ſtieß Rino die Worte gegen ei⸗ nen der Waͤchter aus:„Den Vater hat er gemordet und uns behandelt er wie Verbrecher. Kann das Liebe erzeugen, muß es nicht zur Rache entflammen?“ „So redet nicht weiter,“ ſprach der Waͤchter,„wenn ich es nicht verrathen ſoll.“ Als Cormar einſt im Walde war, fuͤhrte Tolgin, einer der Waͤchter, Malwi⸗ nen, der ſich durch Flehen und Bitten von ihr bewegen ließ, zu den Bruͤdern. Er entfernte ſich und ließ ſie allein. 138 Als er nach wenigen Minuten kam, ſie abzuholen, gab ihm Rino die goldene Kette, die er um den Hals trug und ſprach:„Tolgin, wenn Du mir gefällig biſt, ſo ſollſt Du in Balclutha der gluͤck⸗ lichſte Clansmann werden. Vergiß das nicht, ich halte Wort. Enden muß dieſe Schmach, die wir leiden.“ Tolgin gelobte Liebe und Treue. An einem Abend kam ein unbekannter Haͤuptling an, der Cormarn zu ſprechen verlangte. „Eben kam der Haͤuptling von Dru⸗ mardo,“ ſagte der Waͤchter des Thors, „er ſchien muͤrriſch und ermuͤdet; Ihr muͤßt Euch nicht wundern, wenn er etwas un⸗ freundlich iſt. Bringt Ihr ihm gute Nach⸗ richt, ſo wird er ſich wohl aufklaͤren.“ „Schwaͤtzer,“ ſagte der unbekannte, 6 — 1309 „ich frage Dich ja darnach nicht, ob der Haͤuptling guter oder uͤbler Laune iſt, ich verlange mit ihm zu reden. Ob er bei guter oder uͤbler Laune iſt, was geht das mich an.“ Der fremde Ritter ſtand ſtill, wie an den Boden feſtgewurzelt, als ihm Rino und Cormai auf dem Flur begegneten. Sie ſtarrten ihn neugierig an und als er kein Wort ſprach, fragte Rino:„Bringt Ihr Frieden oder Krieg?“ „Ihr habt kein Recht, mich zu fragen und ich habe keine Luſt, Euch zu ant⸗ worten.“ 1 „Hoh, hoh, ich kenne Euch an der Stimme ſchon, es liegt in ihr Verraͤtheri⸗ ſches, Ihr riecht mir nach Falſchheit. Was Ihr dem Haͤuptling hinterbringen wollt, einen Henkerlohn zu verdienen, das weiß 1 * 3 er ſchon. Ich wüͤnſche Euch eine gluͤcka liche Abreiſe.“ 4 Dem Gehenden rief der Ritter, wel⸗ cher Tronterin war, nach:„Bartloſer Knabe, lerne, wie Du ehrenwerthe Leute behandeln mußt, die ihre Pflicht thun.“ Rino kehrte ſich um und ſagte mit einer wahren Zornmiene:„Zu ſeiner Zeit werde ich Euch fuͤr dieſe Lehre, die Ihr mir eben gabt, bezahlen.“ Als Tronterin in die Halle trat, fand er Cormar, Bosmina und Malwina. Sie waren eben von Drumardo gekommen und ſaßen an der Tafel, um zu eſſen. Tron⸗ terin las es aus Cormars Geſicht, wie ſehr er verſtimmt war. Er wurde ge⸗ noͤthigt, ſich am Tiſche niederzulaſſen, ſeine Ruͤſtung abzulegen und Theil an der Mahlzeit zu nehmen. 141 „Früher waͤre ich ſchon gekommen, Euch eine wichtige Neuigkeit von Bal⸗ clutha zu bringen, wenn ich nicht erſt An⸗ ſtalten haͤtte treffen muͤſſen, daß Rotten durch einen Ueberfall nicht Schaden anrich⸗ ten koͤnnen,“ ſagte Tronterin.„Was ſo oͤffentlich geſchehen iſt, und was Ihr ſchon wißt, daraus darf ich kein Gehiimniß ma⸗ chen; indeß, ich kann Euch doch wohl Manches ſagen, was Ihr noch nicht erfah⸗ ren habt, und was Euch bewegen kann, Mittel anzuwenden, um fuͤr die Sicherheit Eurer Perſon zu ſorgen. Ich ſtehe in Euern Dienſten und habe Euch Treue geſchworen, und wenn ich Euch die Wahr⸗ heit ſage, ſo verderblich ſie auch fuͤr An⸗ dere werden mag, ſo bin ich doch kein Verraͤther, ob mich gleich Euer Rino, der mir auf dem Flur voruͤberging, als er mich erkannte, ſo geſcholten hat.“ „Hoͤrt, Cormar, Ihr müuͤßt die Bur⸗ ſchen mehr im Zaum halten, wenn ſie 142 Euch nicht uͤber den Kopf wachſen und mit Euren Leben wie mit einer Bremſe verfahren ſollen, die man mit der Hand todt ſchlaͤgt.“ Cormars Geſicht wurde finſterer, Bos⸗ minen ſchlug das Herz aͤngſtlich und Mal⸗ wina fing an zu zittern. „Nun, faßt Euch kurz, was iſt es, das Ihr mir Wichtiges melden wonltet?“ fragte Cormar. Er fing ſo an:„Rino und Cormai wußten ſich in Balclutha, mit dem Vor⸗ geben, als waͤren ſie von Euch abgeſandte Boten, einzuſchleichen. Gebieteriſch und herriſch war ihr Weſen. Auf die Frage, ob Ihr ſie geſendet haͤttet, gab Rino die ſonderbare Antwort: eine Macht, der ſie nicht haͤtten widerſtehen koͤnnen, habe ſie hierber getrieben. Das war eine Luͤge. Am Morgen vor ihrer Abreiſe verſammeln 143 ſich die Clansleute aus Neugierde, Fillans Soͤhne zu ſehen. Sie gehen aus der Halle und zeigen ſich dem Volke. Da haͤlt ein kindiſcher Greis eine Anrede, in der er die vergangenen guten Zeiten ruͤhmt und auf die gegenwaͤrtigen ſchlechten ſchimpft. Er ſagte: Kommt bald nach Balclutha zuruͤck, gern wollen wir euch gehorchen und entzieht euch nicht laͤnger dem vaͤterlichen Erbe. Dieſe Worte ver⸗ droſſen mich, ſie enthielten Aufruͤhriſches und zur Warnung habe ich den alten Narren, damit er fuͤr ſeine Thorheit buͤßt, auf einen Mond bei Waſſer und Hafer⸗ brodt einkerkern laſſen.“ „Rino druͤckte dem Greiſe beifaͤllig die Hand, der kein anderer als Firgirn war, der Clansmann, der Euch untreu wurde, und ſagte die merkwuͤrdigen Worte:„War⸗ tet nur noch eine kurze Zeit und wir wer⸗ den kommen. Auf eure Liebe, die ihr meinem Vater zollt, deſſen Blut dieſer 144 Boden trank, rechnen wir, wenn wir eurer Arme und Schwerter beduͤrfen“. Alle rie⸗ fen: Die ſollt ihr haben.“ „Seht alſo, Ihr naͤhrt und erwaͤrmt Schlangen an Eurer Bruſt, die Euch, wenn ſie Zeit und Gelegenheit erſehen, Euch beißen und vergiften. Ich habe es Euch geſagt, thut nun, was Ihr wollt.“ Wild und zornig ſprang Cormar von der Tafel auf und ſagte:„Eßt weiter, laßt es Euch wohlſchmecken, den Schlangen wollen wir die Zaͤhne ausbrechen und ihnen das Gift ablaſſen, damit ſie nicht ſchaden koͤnnen.“ Eilig verließ er die Halle. Malwina waͤre vom Stuhle gefallen, wenn ſie Bosmina nicht ergriffen haͤtte. Der Gedanke, daß der zornige Vater die beiden Bruͤder in der Wuth durch einen 145 Schwertſtreich toͤdten werde, war in ihr der erſte, als er aufſprang, um wegzuge⸗ hen, und ihre Sinne verließen ſie. Sie wurde auf einen Lehnſtuhl hingelegt und lag da mit erblaßtem Geſicht, wie eine Leiche. Zornig ſagte Bosmina zu Tronkerin: „Habt Ihr nicht Mitleid mit dieſer Un⸗ gluͤcklichen? Eure Verraͤtherei hat ſie in Ohnmacht geſtuͤrzt.“ Keck und trotzig entgegnete Tronterin: „Nennt die Wahrheit, die ich Cormar zu ſagen ſchuldig war, nicht eine Verraͤtherei⸗ Soll ich Eurer Soͤhne wegen meine Pflicht verletzen und das Leben eines Haͤuptlings, den ich retten konnte, einer augenſchein⸗ lichen Gefahr preis geben? Iſt Euch der Gatte weniger lieb, als die Kinder? Wollt Ihr ihnen die Freiheit geſtatten, Vater⸗ moͤrder zu werden? Hah, was ſeyd Ihr fuͤr ein Weib! Ich habe Euch in einem Die Erſtürmung. III. 10 146 Augenblicke beſſer kennen gelernt, als Cor⸗ mar, den Ihr in vielen Jahren durch eine falſche Luͤge betrogt. 7 „Schelm, ſo redet nicht! Häͤtte ich einen Dolch, ich ſtieße Euch ihn in die Bruſt! Habt Ihr nicht mehr Achtung ge⸗ gen mein Geſchlecht? Wißt, ich trage ein Mutterherz in meinem Buſen, das nicht von Eis und Felſen iſt und es ſchmerzlich fuͤhlt, wenn die Kinder leiden. Unter ihm empfingen ſie ihr Loben, meint Ihr, es koͤnne mir gleichgültig ſeyn, wenn ſie ge⸗ waltſam ſterben? Unmenſch, aus Deiner Naͤhe wuͤrde ich weichen, wenn mich das Mitleid nicht an Malwina feſſelte.“ Als Tronterin ſah, daß Bosmina ſo aufgebracht war, daß Alles in ihr ſtuͤrmte und es erwog, daß ſie ihr ſchmerz⸗ haft verwundetes Muttergefuͤhl verwundete, daß ſie von Furcht und Angſt um das Schickſal ihrer Soͤhne gefoltert wurde, da 147 gereute es ihn, daß er ſich ſo harter Worte gegen ſie bediente. Er bat ſie um Verzeihung und ſagte: „Konnte ich es Cormar verſchweigen, was Rino ſagte, der einen feindlichen Sinn verrieth, der auf Mord ausgeht? „Aber wißt Ihr es nicht, daß ein junger Brauſekopf ſeine Drohung, die er ausſtoͤßt ſelten wahr macht? Haͤttet Ihr mir das allein geſagt, ſo konnte ich ihn warnen.“ „Ach die Warnung der Mutter iſt ein ſchwacher Zuͤgel, der das wilde Roß derr Leidenſchaft nicht halten kann, wenn —— es durchgehen will.“ Malwina erwachte mit einem Schrei aus der Ohnmacht und bald füllten ſich ihre Augen mit Thraͤnen. Sie ergriff die Hand der neben ihr ſitzenden Mutter, 148 ſtorrte ſie an und lallte:„Ich fuͤrchte des Vaters Ruͤckkehr! Er bringt uns die Nach⸗ richt, daß er die Bruͤder ermordet hat. Mutter, Mutter, dann gebt mir einen Dolch, daß ich auch ſterbe? Rino, mein Rino, ſoll eine Liebe, von der wir uns des Himmels Wonne traͤumten, in ſolch einer Nacht untergehen? Muß das Leben, das mir das theuerſte auf Erden war, ſo ſchrecklich enden? Goͤtter, warum ſtraft Ihr mich ſo hart, Ihr ſeyd ungerecht, ich bin keine Schuldige! Ob der Vater mich nicht auch ſchnell mordet, ich will ihn um die Wohlthat bitten, wie er einſt meine Mutter.“. Weil Cormage in die Thuͤr trat, ſprach Malwina das letzte Wort nicht aus. Sein Auge blitzte, Zorn hatte ſich auf ſeine Stirn gelagert, ſein ganzes Weſen war in der heftigſten Bewegung. Bos⸗ mina fragte angſtvoll:„Du haſt meine Kinder doch nicht gemordetan 149 „Gemordet noch nicht,“ entgegnete er, naber ich ließ ſie einſperren, wie blutgie⸗ rige, wilde Beſtien, damit ſie weiter kein Unheil anrichten können. Iſt das der Lohn dafuͤr, daß ich ſie erzog? Sie wollen Rache an mir nehmen, da Ihr Vater von meinem Schwerte ſiel? Denken denn die Buben nicht, daß er mir den Kampf an⸗ bot und daß ich fuͤr mein Leben ſtreiten mußte? Bosmina, ich muüͤßte Dir ſehr wenig gelten, wenn Du verlangen koͤnnteſt, daß ich dieſen Nattern die Freiheit laſſen ſoll. Sie ergreifen die erſte Gelegenheit, mich zu erwuͤrgen. Wenn ſolche Schwin⸗ delkoͤpfe ein toller Wahn befaͤllt, ſo muß man nicht damit ſcherzen, wie mit einer Kinderpoſſe. Haut dem Loͤwen die Kral⸗ len ab, wenn er ſie der Beute nicht in den Leib ſchlagen ſoll und laͤhmt ſeine Tatzen.“ „Aber wo ſind die, welche Du als Schuldige beſtrafſt, die Unverantwortliches 150 redeten, was ſie gewiß nie zur That ge⸗ bracht haͤtten.“ „Bosmina ich kenne mehr als Einen, der ſolche Redensarten verlachte und eine unkluge Sicherheit hat ihn ins Grab ge⸗ ſtuͤrzt. Bei den Unſterblichen ſchwoͤre ich es Dir, ſo groß mein Grimm gegen ſie iſt, ich habe mein Schwert nicht in ihr Blut getaucht; aber ſie ſind in Mauern eingeſperrt, die ſie nicht durchbrechen wer⸗ den. Keine Kette belaſtet ihre Glieder. Hunger und Durſt ſollen ſie nicht leiden, Speiſe und Trank wird ihnen gereicht. So lange ich aber Luſt zu leben habe, ſind ſie meine Gefangene, nur mein Tod kann ſie frei machen. Wem alſo ihre Freiheit tbeurer iſt, als mein Leben, der morde mich.“ „So rede nicht, Cormar, ſolche Worte erregen in allen meinen Gliedern Schauder. Vielleicht aͤnderſt Du Deinen Beſchluß. 151 Verzeihe mir den Schmerz uͤber die Soͤhne, ſie ſind meine Kinder, wenn ich auch die Unbeſonnenen haſſe, die ſolche verbreche⸗ riſchen Reden fuͤhrten.“ Malwina rang die Haͤnde und rief den Vater, wie eine Verzweifelte an: „Vater, laßt die Bruͤder los, nicht boͤſe haben ſie es gemeint, wenn ich vor Gram nicht ſterben ſoll.“ „‚Maͤdchen, wer ſoll Dir lieber ſeyn, die Bruͤder oder der Vater! Haſt Du den Verſtand verloren und biſt Du ohne ein kindliches Herz?“ 4 „Aber,“ ſprach ſie, vom hoͤchſten Schmerz bewegt, der kein Geheimniß ver⸗ birgt und den Sinn der Worte nicht be⸗ dachtſam wiegt,„ich liebe Rino mehr, als mich ſelbſt, ſperrt mich fuͤr ihn ein und laßt ihn frei. Wie ſoll ich das Leben ertragen, wenn ich ihn nicht ſeh⸗. Ewige Liebe, die keine Macht vertilgen kann, habe ich ihm geſchworen. Um meiner Mutter willen, die Gram und Kummer getoͤdtet hat, deren Gebeine in Fergmoore modern, flehe, binte ich Euch, gebt Rino frei.“ „„Auf Deine unkluge Liebe, die mir fuͤr weiter nichts, als eine Poſſe ſpielen⸗ der Kinder gilt, kann ich nicht achten; aber ich ſchwoͤre es Dir bei den Unſterb⸗ lichen, nur uͤber meine Leiche fuͤhrt der Weg zur Freilaſſung des vermeſſenen Rino. Mit Cormai aber werde ich gelin⸗ der verfahren. Verſchwende nicht die ver⸗ geblichen Worte, ſie koͤnnen meinen Sinn nicht aͤndern.“ Cormar noͤthigte Tronterin, mit ihm die Halle zu verlaſſen und ſagte:„Ihr habt mir einen Freundesdienſt erwieſen, dafuͤr werde ich Euch anders, als mit Worten danken. Gern aber ſehe ich es, 153 daß Ihr bald nach Balelutha zuruͤckkehrt, es koͤnnte ſich leicht dort Feindſeliges er⸗ eignen, was Eure Gegenwart vereitlen kann. Verfahrt mit groͤßter Strenge ge⸗ gen den Clan, wo Ihr es noͤthig findet und laßt Keinen leben, der Luſt hat, Em⸗ poͤrung zu ſtiften. Den verwegenen Fir⸗ girn aber ſchickt mir her, ich moͤchte ihm ſelbſt den Lohn ſür fruͤhere Verbrechen geben....4 3 Jahre waren vergangen und noch wollte ſich Cormar an einem Manne raͤchen, der es nicht zugeben wollte, daß er ſeine Tochter ſchaͤndete. Aber die Strafe war fuͤr ihn jetzt im raſchen Anzuge und was er fuͤr ſeine Sicherheit zu thun glaubte, eben das bereitete ihm die großte Ge⸗ fahr. 4 Es konnte nicht verborgen bleizen, daß Fillans Soͤhne auf Selama Gefan-⸗ gene waͤren. Sogleich erfuhr man die ——— 15 ½ wahre Urſache davon nicht und die Haͤupt⸗ linge zuͤrnten ihm deßhalb ſehr heftig. Der Haͤuptling Berluth, von andern Haͤuptlingen abgeſandt, kam nach Selama und erklaͤrte:„Daß man ihm zuͤrne, daß er die Soͤhne eines ehemaligen Haͤupt⸗ lings gefangen halte und ſie wollten den Grund wiſſen, weshalb ſie ihrer Freiheit beraubt waͤren. Ein ſolches Verfahren errege allgemeinen Tadel.“ Trotzig erwiederte Cormar:„Wer iſt es, der mich zur Rechenſchaft fordern kann, wenn ich meine Soͤhne ſtrafe! Habe ich als Vater nicht das Recht dazu? Der melde ſich, der mir es ſtreitig macht, ich will ihm die Antwort geben. Warum ſie als Gefangene behandelt werden, das weiß ich wohl, und verpflichtet bin ich nicht, den Grund davon zu offenbaren. Das ſagt Euern Freunden und vor Allen Gnrul und Oſcar, die meine Feinde find..„*.. 3 1 8 1 155 Mit dieſem Beſcheid ließ Cormar den Haͤuptling von ſich gehen, ohne daß er * ihn noͤthigte, die Halle zu betreten, was er ihm ſehr uͤbel nahm. In Bezug dar⸗ auf ſagte er:„Wundert Euch nicht, wenn Ihr durch Zufall zu mir kommen ſolltet, daß ich Euch vor der Thuͤr, wie einen gemeinen Clansmann abfertige. Ihr macht Euch Jedermann zum Feinde.“ 1 8„Wer mein Freund nicht ſeyn will,“ ſagte Cormar,„der ſey mein Feind!“ Salgar kam von Drumardo, weil er gehoͤrt hatte, Cormar halte ſeine beiden Soͤhne aus Haß und Rache gefangen und martere ſie, daß ſie ſterben ſollten, damit er Beſitz von dem Elan von Balclutha nehmen koͤnne. So wenig Salgar an dieſe Luͤge glaubte, ſo dachte er doch, daß es zwiſchen Cormar und den Juͤnglingen zu einem Streite gekommen ſeyr koͤnne, den der Vater zu hart beſtrafte. Salgar 156 4 liebte die Soͤhne nach großvaͤterlicher Weiſe, Rino, weil er den Muth und die Kraft der Salgars zeigte, und Cormai, der das guͤtigſte, ſanfteſte Gemuͤth zeigte, und uͤberhaupt, weil eine ſelten treue und zaͤrt⸗ liche Bruderliebe unter ihnen herrſchte. Er wollte, wenn Vater und Soͤhne in feindlicher Trennung mit einander leb⸗ ten, den Verſuch machen, ſie wieder mit einander auszuſoͤhnen und Frieden zu ſtif⸗ ten. Moina und die alte Roſcrana, be⸗ gleiteten ihn. 1 Schon da, als ihm Cormar entgegen kam und ihn und Moina in die Halle füͤhrte, merkte es Salgar, daß ſeine an⸗ faͤngliche Freundlickkeit erzwungen war und daß ſie bald einem duͤſtern Ernſt weichen mußte. Auch Bosmina hatte eine Miene, als ob die Laſt eines verborgen gehalte⸗ nen Kummers ihr Herz belaſtete. 157 Salgar ſagte:„Iſt es doch unter Euch, als ob Ihr ein erlittenes Ungluͤck betrauertet! Was iſt Euch Boͤſes begeg⸗ net. Muß ich fuͤrchten, daß der Friede, die Liebe, die ſonſt in Eurer Wohnung ohne Unterbrechung herrſchte, entſchwunden iſt? Iſt das der Fall, ſo muͤßt Ihr Euch verſoͤhnen. Eine zu lange Spaltung ent⸗ fremdef die Herzen immer mehr und ſie kommen nicht wieder zur innigen Liebe.“ Cormar ſagte:„Bosmina mag reden, ob ich ſie gekraͤnkt habe, nur ich muß es effahren daß ſie ſelber unentſchieden iſt, rb ſie mir oder ihren Soͤhnen den Vor⸗ zug in ihrem Herzen geben ſoll.“ „Das,“ ſagte Salgar,„waͤre ſchmerz⸗ haft, aber Ihr bildet es Euch nur ein und muͤßt Beweiſe haben, wenn ich es glauben ſoll. Wo ſind denn Cure Soͤhne?“ Die ließ ich einſperren, damit ſie 7 die Mordanſchlaͤge wider mein Leben nicht ausfuͤhren ſollen.“ „Mordanſchlaͤge wider Euer Leben faßten die Jüͤnglinge! Nun, wenn das wäre, ſo verdienen ſie eine häͤrtere Strafe, als blos Eure Gefangenen zu ſeyn. Die Kinder, die nach dem Leben des Vaters trachten, verdienen keine Schonung Wie aber habt Ihr denn ihr ſchaͤndliches Vor⸗ nehmen erfahren? Ruht es auch auf ei⸗ nem ſichern Grunde? Man kann ſich in eigener Sache oft irren und uͤbertreibt es leicht mit dem Glauben, beſonders, wenn man mißtrauiſch iſt, daß Andere Boͤſes gegen uns im Schilde fuͤhren. Sagt mir doch, was Euch bewog Rino und Cormai einzuſperren, ich hoͤrte davon und man be⸗ zuchtigt Euch deßhalb der Haͤrte und Grauſamkeit.“ 2 Cormar erzaͤhlte, was ihm von Tron⸗ terin mitgetheilt war und ſagte:„Konnte ich mit den Burſchen anders handeln?“ „Nicht anders,“ entgegnete Salgar; „aber bedenkt, daß die unbeſonnene Ju⸗ gend oft Worte ausſtoͤßt, die, wenn es zur That kommen ſoll, im Winde verfliegen. Waͤre es damit aber ernſtlich gemeint, ſo habt Ihr Mittel, Euch gegen ſie zu be⸗ ſchuͤtzen. Um allem Verdruſſe aus dem Wege zu gehen, gebe ich Euch den wohl⸗ gemeinten Rath, laßt ſie von Euch und nach Baltlutha ziehen, da moͤgen ſie ſchal⸗ ten, wie ſie wollen.“ 4 „Eine Beſtie, die uns ſchaden kann, von der Kette loslaſſen, das waͤre Un⸗ ſinn.“ „Cormar, die Juͤnglinge ſind erwach⸗ ſen, ſie wollen frei ſeyn, Ihr haltet ſie in viel zu großem Zwange, gebt ihnen die Freiheit und aller Widerwille gegen Euch, 160 den ſie vielleicht jetzt haben, wird ver⸗ ſchwinden. Durch Guͤte und Großmuth wird oft der rachſuͤchtigſte Feind verſoͤhnt.“ „Oft, aber nicht immer. Mit Cor⸗ mai werde ich gelinder verfahren, als mit Rino, denn dieſer war der laͤſterliche Sprecher und hat ſeinen Bruder verfuͤhrt. Und denkt Euch, eben dieſer, der von Schwert und Rache redet, glaubt, daß ich ihm Malwina zur Gattin geben ſoll. Das Maͤdchen hat es mir im halben Wahnſinn geſtanden, daß zwiſchen ihr und Rino ein foͤrmliches Liebesverſtaͤndniß ſtatt fin⸗ det.“— „Nun,“ ſprach Salgar,„ſo gebt Mal⸗ wina Rino zur Gattin und er wird Euch, wie ſeinen Vater lieben und ehren.“ „Was rathet Ihr! Ich alſo ſoll die Freundſchaft eines Jünglings erkaufen, der den Dank vergeſſen hat, den er mir ſchul⸗ 161 dig iſt? Der nur dahin ſtreben wuͤrde, mir das Herz meiner Tochter zu rauben und ihre Liebe gegen mich in Haß zu ver⸗ kehren? Nur das kann nie geſchehen! Ich haſſe die Fillans, ſo lange ich athme. Am andern Tage war's, wo Salgar es von Cormar erbat, daß er Rino und Cormai ſprechen duͤrfe, um beſonders dem Erſtern ſein Vergehen vorzuhalten und ihm die Heiligkeit der Kindespflicht einzu⸗ ſchaͤrfen. Cormar erfüllte die Bitte ungern. „Tolgin,“ ſagte er,„ſoll Euch in der Daͤmmerung hinfuͤhren.“ Das hoͤrte Malwina, daß der Vater den Namen Tolgin nannte und ein Strahl entzuͤckender Hoffnung blitzte in ihre Seele.. Salgar ließ ſich zuerſt zu Rino mr. Die Erſtürmung ⸗ III. 11 162 ren. Als der Juͤngling, der auf einem Birkenklotze vor einem Tiſche ſaß, auf dem ein Krug mit Waſſer ſtand, den Großvater an der Suimme erkannte, wel⸗ cher ihn begruͤßte, fuhr er mit den Wor⸗ ten heraus:„Salgar, meldet Ihr mir das Todesurtheil und ſoll es bald vollzo⸗ gen werden, ſo ſeyd Ihr mir ein willkom⸗ mener Bote. Die innern Martern, die ich leide, kann keine Sprache ausſprechen. Von meinem Bruder, von Malwinen ge⸗ trennt, die ich uͤber Alles liebe; des Reſtes 3 der Freiheit beraubt, die ich genoß; von einem Manne wie der aͤrgſte Verbrecher gemißhandelt, der meinen Vater erſchlug, der meine Mutter, als ſie noch Fillans Gattin war, zur Schande verführen wollte, von dem einem langſamen Tode preisge⸗ geben zu werden, damit ihm hinterher un⸗ ſer Clan als eine leichte Beute zufaͤllt, iſt das zu ertragen? Wie ſtraft der meine Worte, mit denen ich's nicht in Balclutha ernſtlich meinte. Haͤtte ich jetzt einen 163 freien Arm und einen Dolch, ich weiß es, in welche Bruſt ich ihn ſtoßen wuͤrde!“ „Rino, Rino, Du führſt Reden, die, wenn ſie zu Cormars Kunde kaͤmen, Dir das Leben koſten wuͤrden.“ „Sagt ſie ihm wieder, Ihr thut mir den groͤßten Gefallen damit. Es iſt bei ihm doch darauf abgeſehen, mich einem langſamen Tode zu opfern. Faſt koͤmmt kein Schlaf in meine Augen. Iſt auch das Herz unſerer Mutter verſteinert, daß ſie fuͤr uns kein gutes Wort redet?“ „Was konn Bosmina für euch thun, da ihr Schuldige ſeyd! Ich rathe Die, dulde ruhiger; was ich vermag, Dein har⸗ tes Schickſal zu lindern, das darfſt Du von Deinem Großvater erwarten. Morgen komme ich wieder, wenn es Cormar mir verſtattet.“ 164 Cormar hatte an der Kerkerthuͤr ge⸗ horcht und jedes Wort verſtanden, was Rino ſprach. Er trat hinein und ſagte mit gluͤhender Wuth:„Glaubt Ihr's nun, Salgar, daß es dieſem heilloſen Bu⸗ ben mit meiner Ermordung ein Ernſt iſt? Koͤnntet Ihr es fuͤr Unrecht halten, wenn ich ihm mit meinem Schwerte den Kopf vom Rumpfe trennte?“ Er donnerte Riino ſo an: „ Hier, verbrecheriſcher Bube, ſollſt Ou ſitzen, bis das Fleiſch Dir von den Kno⸗ chen faͤllt und zu Moder wird! Kein Er⸗ barmen ſoll Dich aus dieſer Hoͤhle erloͤſen. Tobe, wuͤthe, wie Du willſt, die tauben Waͤnde hoͤren es nicht, ſie geben Dir keine Antwort. Kommt, Salgar, daß uns die Luft nicht verpeſte, ſie riecht nach Verbre⸗ chen. Schlimmer habt Ihr das gemacht, was Ihr gut machen wolltet.“ Salgarn war die Luſt vergangen, zu 165 Cormai zu gehen.„Hoͤrt,“ ſagte er zu Cormar,„ich moͤchte nicht in Eurer Stelle ſeyn. Es iſt ſchrecklich, einen ſolchen Lei⸗ denden in ſeiner Naͤhe zu wiſſen und der Urheber ſeiner Qual zu ſeyn. Von Natur war Rino nicht ſo boͤſe, Ihr habt ihn erſt erbittert. Eure Behandlung iſt's, die Euch die Liebe der Soͤhne entzog. Daß es endlich ſo kommen wuͤrde, habe ich ge⸗ ahnet. Feſt aber ſtehe ich dabei, daß Ihr beſſer thaͤtet, Ihr ließet ſie beide frei, als daß ſie lebendig in den Kerkern vermodern ſollen.“ „Salgar, erbittert mich nur nicht, un⸗ gern moͤchte ich in Feindſchaft mit Euch gerathen. Ein Jeder hat ſeine eigene Weiſe, wie er belohnt oder ſtraft, die mei⸗ ne werdet Ihr nicht aͤndern.“ Mit zorniger Miene traten Beide ſchweigend in die Halle und ſahen die Frauen weinen. Cormar ſagte zu Bos⸗ 166 4 minen:„Gefaͤllt Dir's in Selama nicht mehr, ſo kannſt Du nach Drumardo geben. Ich weiß es wohl, Du ſaͤheſt es lieber, wenn ich in dem Kerker laͤge, als Deine verbrecheriſchen Soͤhne. Hat mich Deine Liebe ſo getaͤuſcht? Achteſt Du die groͤß⸗ ten Opfer ſo wenig, die ich Dir brachte?“ „Welche Opfer Du mir brachteſt,“ ſagte ſie entruͤſtet,„ich habe ſie vergolten. Iſt es aber Dein Ernſt, daß ich nach Drumardo gehen ſoll, ſo nehmen mich die Eltern auf. Eine gluͤckliche Gattin kann ich nicht mehr ſeyn und bin eine noch un⸗ gluͤcklichere Mutter. Wie koͤnnte ich ruhig ſeyn, wenn meine Kinder leiden!“ „Wohlan,“ ſagte Cormar,„wir ſehen uns in Selama nicht wieder. Komm, Malwina, Du biſt meine Tochter, Du bleibſt bei dem Vater, wenn Dein Herz ihm auch abgeneigt iſt.“ K n 167 „Cormar, Cormar,“ ſagte Salgar, „Ihr ſeyd hart und geht in Eurer Wüth zu weit. Verkennt das muͤtterliche Ge⸗ fuͤhl nicht, Ihr muͤßt es ehren. Von Eu⸗ rer Gattin koͤnnt Ihr Euch ſcheiden?“ „Von einer ſolchen kann ich es.“ Moina ſprach:„Salgar, laß uns hinweg aus dieſer Wohnung eilen! Bos⸗ mina, folge Deinen Eltern. Hier hauſt ein boͤſer Geiſt. Es moͤchte Dir wie An⸗ net gehen! Der Gram und unverdiente Beleidigung ſoll Dich nicht toͤdten.“ „Wo meine Kinder ſterben,“ ſagte Bosmina wehmuͤthig und zornig zugleich „da will ich auch ſterben. Cormar, wo ſind Deine Verſprechungen, mich ewig zu lieben! Sind fuͤr Dich meine Reize auch verbluͤht und willſt Du Dir eine jungere Gartin waͤhlen?“ 168 „Weib,“ ſo fuhr er ſie an,„kein Wort mehr, oder ich relfe nach dem Dolche!“ 4 „Meinſt Du, daß mich der ſchreckt? Stoße zu, ſieh— ſie zeigte auf den Va⸗ ter hin— hier ſteht der Raͤcher und Cuarul wird ſeine Annet noch an Dir raͤchen!“ Cormar verließ die Halle und riß die laut weinende Malwina mit ſich fort. 4„Welch ein Unhold,“ rief ihm Salgar nach,„ohne menſchliches Gefuͤhl! Das haͤtte ich nicht von ihm geglaubt! Seine ſinn⸗ loſe Wuth wird ihn ſtuͤrzen!“ Bosmina glich einer Verzweifelten.. Es ging ein ſchrecklicher Kampf in ihrem . Herzen vor. Sollte ſie bleiben, den Eltern folgen, ſie wußte es nicht. Endlich ſagte ſie:„So lange lebte ich mit ihm gluͤck⸗ 169 lich und er ſtoͤßt mich nun von ſich! Nein, nein, im Ernſt hat er's ſo nicht ge⸗ meint, es ſprach die Wuth aus ihm! Wenn ich von ihm ginge, es koͤnnte mir gereuen und dieſen Schritt wuͤrde er mir nie vergeben. Bleiben muß ich, vielleicht kann ich meinen Soͤhnen noch nüͤtzlich ſeyn.“ 5* „Bosmina, denen kannſt Du nicht mehr dienen,“ ſagte Salgar.„Rino drohete, ſeinem Vater den Dolch ins Herz zu ſtoßen, das hat er geboͤrt, er ſchnaubt vor Rache und wird ſich nicht eher ſicher fuͤhlen, bis er dieſen Feind vertilgt hat. Das Band, was zwiſchen Dir und Cormar beſtand, ſcheint mir zerriſſen, er zweifelt an Deiner Liebe und glaubt, daß Du auf der Seite Deiner Soͤhne gegen ihn ſtehſt. Alles iſt jetzt in ihm Tumult und Wuth, und willſt Du von ihm nicht eine Behand⸗ lung erfahren, die Du nicht ungeraͤcht er⸗ tragen kannſt, die mich ſelbſt in blutige 170 Haͤndel verwickeln koͤnnte, ſo mußt Du ihn verlaſſen. Biſt Du ſeinem Leben unent⸗ behrlich, ſo wird er nach Drumardo kom⸗ men und Dich wieder nach Selama fuͤh⸗ ren. Ertruͤgſt Du ruhig die Beleidigung, womit er Dich entehrte, ſo wirſt Du bald Verachtung von ihm erfahren. Folge nicht Deinem Gefuͤhl, folge dem Vater und rette Deine Ehre.“ Auch Moina, welche um ihre Tochter ſo beſorgt war, bat ſie flehentlich, ihr nach Drumardo zu folgen. Mit tiefer Weh⸗ muth und zerriſſenem Herzen ſchied ſie von Selama, das in einer Reihe von vie⸗ len Jahren fuͤr ſie der Sitz der reinſten Freuden war. Faſt zuͤrnte ſie den Soͤh⸗ nen, die das Verderben herbeifuͤhrten, was ihr Gluͤck zerſtoͤrte. Nur traurige, angſt⸗ volle Tage waren es, die ſie in der Eltern⸗ wohnung verſeufzte. Selbſt Malwinens Schickſal, die einer alten Waͤrterin an⸗ 17¹ vertrauet war, ging ihr ſehr zu Her⸗ zen. Faſt ein Monat war verfloſſen, als ein Bote von Fergmoore erſchien, welcher zu Salgar ſagte:„Carul und Oſcar laſ⸗ ſen Euch fragen, was Ihr zu thun willens ſeyd, um die beiden Fillans aus der pein⸗ lichen Gefangenſchaft zu befreien. Sie finden es abſcheulich, daß ein Haͤuptling ſo grauſam mit den Soͤhnen ſeines ehe⸗ maligen Feindes umgeht. Stellt Ihr aber ſie nicht frei, ſo ſoll's mit Cormar zur blutigen Fehde kommen, wenn er die Ge⸗ fangenen nicht los giebt, daß ſie nach Bal⸗ elutha ziehen koͤnnen.“ „Mag Carul und Oſcar thun, was ſie wollen, ich kann den Gatten meiner Toch⸗ ter nicht mit Gewalt zwingen. Strafbar haben ſich die Fillans gegen ihn vergan⸗ gen und wer kann ihm das Recht ſtreitig machen, ſie zu zuͤchtigen, wie ſie's verdient 172 4 haben. Das ſagt den Haͤuptlingen wie⸗ der.“ Sehnſucht, Ungeduld, Angſt und gweifel war bei Bosmina auf's Hoͤchſte geſtiegen und ſie war entſchloſſen, heimlich „ von Drumardo zu weichen und wieder nach Selama zu gehen. Sie kam ſich grauſam vor, daß ſie ihren Gatten verließ, der in der groͤßten Gemuͤthszerruͤttung lebte und ihres freundlichen Zuſpruchs be⸗ durfte. Wie manchen Sturm, der in ihm auftobte, hatte ihr liebevolles Zureden, ihr Wort der Guͤte geſtillt. Sie hoffte es gewiß, daß ſie das Schickſal ihrer Soͤhne, wenn ſie noch lebten, lindern koͤnne, wen Cormars Blut mehr abgekuͤhlt ſey. Cormar aber erſtaunte, als er mit Malwinen, die ſich ſchmerzlich haͤrmte, de⸗ ren Thraͤnen er nicht ſtillen, deren Verlan⸗ gen er nicht erfuͤllen konnte, am Abend zuruͤckkam, daß Bosmina mit ihren — 173 Eltern abgereiſt ſey. Er erfuhr es, wie ſie ſeufzte und weinte, als ſie uͤber die Schwelle der Thuͤr trat, wie ſie ungewiß war, ob ſie gehen oder bleiben ſollte und wie ein Machtwort Salgars ſie zwang, das Roß zu beſteigen. Clunar, ein alter Diener, ſagte zu ihm:„Eure Gattin laͤßt Euch gruͤßen und beſtellen, daß ſie mit blutendem Her⸗ zen von Euch geht.“ Die Einſamkeit war ihm ſchrecklich und er hatte Niemanden, dem er ſeine Gefuͤhle mittheilen konnte. Lebendiger als je dachte er an die Beweife der Liebe und Zaͤrtlichkeit, die ihm Bosmina gab. 1 Ihr Vergehen, daß ſie Schmerz und Sorge fuͤr ihre Soͤhne zeigte, was er ſie ſo ſtraͤflich fuͤhlen ließ, erſchien ihm jetzt na⸗ tuͤrlich und verzeihlich. Sollte er ohne ſie ſeine fernern Tage verleben und Nieman⸗ 174 den um ſich ſehen, der Theil an ſeinen Freuden und Schmerzen nabm. Der Kummer, den ſie empfinden mußte, ruͤhrte ſein Herz, ſo verſchloſſen es ſonſt gegen die menſchlichen Weiühle des Mitleids war. Gleichguͤltig war es ihm auch nicht, daß ſich von neuem boͤſe Geruͤchte von ihm verbreiteten und daß die ſeine Feinde wuür⸗ den, mit denen er, aͤußerlich wenigſtens, in einem freundſchaftlichen, friedlichen Ver⸗ haͤltniſſe ſtand.. Mußte er nicht den maͤchtigen Sal⸗ gar fürchten, der das ſeiner Tochter zuge⸗ fuͤgte Unrecht raͤchen konnte? Um ſeine Bosmina nach Selama zu⸗ rückzufuͤhren und moͤgliche Gefahren, die ihn bedrohten, zu beſeitigen und in Sal⸗ gar nicht eine Stuͤtze zu verlieren, die er vielleicht im harten Gedraͤnge bedurfte, 175 hatte er beſchloſſen, am folgenden Wane nach Drumardo abzureiſen. Er ertheilte Tolgin den Befehl, Sorge zu tragen, daß Rino das Noͤthige gereicht werde. Cormai lebte auf einem von Se⸗ lama fern liegenden Thurme und war der Aufſicht eines ihm getreuen Paͤchters em⸗ pfohlen, der fuͤr ſeinen Unterhalt ſorgte. „Tolgin,“ ſagte er am andern Mor⸗ gen der Abreiſe,„Du ſtehſt mir mit Dei⸗ nem Kopfe dafuͤr, daß Rino nicht ent⸗ koͤmmt. Kehre ich von Drumardo zuruͤck, ſo ſoll ſeine Geſangenſchaf celeichtett werden. 4 Als Cormar in Drumardo ankam und Bosmina ihn erblickte, war die ſchwaͤchſte Spur einer Kraͤnkung, die ſie von ihm erlitten hatte, aus ihrem Ge⸗ daͤchtniſſe verwiſcht, mit ganzer, ungetheil ter Liebe ſiel ſie ihm in die Arme und 170 ſchilderte den Schmerz, den ſie empfand, von ihm getrennt zu leben. „Kamſt Du nicht,“ ſagte ſie,„morgen war ich auf der Reiſe nach Selama.“ „Aber,“ ſagte er,„wie konnteſt Du mir Worte, in groͤßter Heftigkeit aus⸗ geſprochen, nicht verzeihen, da Du es wiſ⸗ ſen mußt, wie ich Dich liebe! Und, Sal⸗ gar, wie konntet Ihr Eure Tochter zwin⸗ gen, mich zu verlaſſen. Folge mir, Bos⸗ mina, nach Selama nach und, was meine eigene Sicherheit verſtattet, das ſoll ge⸗ ſchehen, das Schickſal Deiner Soͤhne zu erleichtern. Nicht mehr laßt uns davon reden.“ Die Gatten waren liebevoll und zaͤrt⸗ lich gegen einander und geſtanden es ſich, daß ſie ohne einander nicht leben koͤnnten. Bosmina betheuerte es, daß keine Macht und kein Verhaͤngniß ſie je wieder von 177 ihm trennen ſolle. Sie hege die Hoffnung von ihm, daß er es mit den Soͤhnen ſo ſtrenge nicht nehmen und Gerechtigkeit in Guͤte verwandeln werde. Wolle er es aber nicht, daß Rino und Malwina ein Ehepaar wuͤrden, ſo muͤſſe Einer von Beiden von Selama entfernt werden. „Dies ſey Bosmina,“ ſagte Cormar. „In Drumardo iſt ſie am beſten aufge⸗ hoben.“. „Warum brachteſt Du ſie nicht mit? Sie konnte ſogleich hier bleiben?“ „Weil ich die Reiſe eilig enden wollte. Schicke Dich dazu an, in zwei Stunden verlaſſen wir Drumardo. Ich traue ge⸗ wiſſen Haͤuptlingen nicht und muß zuge⸗ gen feyn, um jeden Unfall abzuwehren. Der Gewalt widerſtehen meine Mauern und Waͤlle; aber nicht dem Betruge und der Liſt.“ Die Erſtürmung. III. 3 12 178 „Ja, ja,“ ſagte Salgar,„Ihr habt Recht und ich mag Euch diesmal nicht bitten, laͤnger hier zu bleiben. Nicht ver⸗ ſchweigen darf ich es Euch, daß ein Bote von Carul und Oſcar aufgefordert hat, die Freilaſſung Rinos und Cormais von Euch zu erzwingen. Einen Beſcheid, wie er ihnen gebuͤhrt, habe ich darauf gegeben. Aber ich rathe es Euch mit allem Ernſt, ſeyd auf Eurer Hut, laßt Eure Clans⸗ leute ihre Schwerter ſchleifen und uͤbt ſie in den Waffen. Es droht Streit und Fehde. Bricht aber Carul und Oſcar ein Geſetz, das die Verbindung mehrerer Haͤuptlinge gegen Einen verbietet, ſo koͤnnt Ihr ſicher auf meinen Beiſtand rechnen. Mich duͤrſtet, den Flecken auszutilgen, der auf meinem Ruhme liegt und gern moͤch⸗ te ich die Halle mit neuen Ruͤſtungen ſchmuͤcken.“ Aber Cormar, der unterwegs es Bos⸗ mina gelobte, die gefangenen Bruͤder mit 4 4 179 groͤßerer Schonung zu behandeln und ſie der Haft endlich zu entlaſſen, wenn ſie unter freiem Himmel, bei einem Gewitter, den Schwur gethan haͤtten, ſeine Perſon nicht anzutaſten, hatte dieſe Betheurung nicht noͤthig; was Bosmina im Stillen wuͤnſchte, das war auf eine Weiſe in Er⸗ füllung gegangen, die ſie nicht ahnete. Cormar hatte fuͤr ſich einen ſchlechten Aufſeher, aber einen deſto beſſeren fuͤr Rino in der Perſon Tolgins gewaͤhlt. Zwar war er von jeher ſeinem Herrn mit feſter Treue ergeben und Cormar wuͤrdigte ihn ſeines ganzen Vertrauens; aber er hatte ein mitleidsvolles Herz und kennte es ſeinem Gebieter nicht verzeihen, daß fand, ſie zu ſprechen, ſo theilte er ihr 180 er die Fillans ſo grauſam behandelte. Rinos Klagen erſchuͤtterten ſein Innerſtes. Die Sehnſucht nach dem Bruder, die Rino zeigte, ruͤhrten ihn in der Seele, Er konnte ihm keinen Beſcheid geben, wo Cormai war, wie es ihm erging und ihn in ſeinem Kummer troͤſten. Oft war Tolgin eine Stunde bei ihm und hoͤrte ſeine Seufzer.. Schon fruͤher liebte er den Juͤngling und nahm innigen Antheil an ſeinem Schickſale. Daß Tolgin ihm zur Flucht behuͤlflich ſeyn ſollte, darum wagte er nicht zu bitten. 8 Von Maiwina brachte er Rino oft Beſcheid und wenn Tolgin Gelegenheit das mit, was ihm zu beſtellen aufgetragen war. 181 Crusclina, Malwinas Waͤrterin, er⸗ krankte den Tag nach der Abreiſe Cor⸗ mars. Die Jungfrau durfte nicht aus dem Krankenzimmer weichen. Die Patien⸗ tin war, nach einer ſchlafloſen Nacht, als die Daͤmmerung eintrat, feſt eingeſchlafen. Malwina ſaß vor ihrem Bette und zer⸗ plagte ſich mit kummerſchweren Gedanken. Ihr Geſicht war nach der Thuͤr hinge⸗ richtet. Sie ſab es, daß ſich die Thuͤr langſam und leiſe oͤffnete. Ihre Aufmerkſamkeit wurde geſpannt und aͤngſtlich ſchlug ihr Herz. Darauf ſah ſie ein menſchliches Geſicht, das ſie nicht erkennen konnte und dann eine Hand, die ihr winkte, daß ſie kommen ſollte. Furcht und Angſt hinderten ſie, dem Winke zu folgen. Als ſie ſich endlich ermannt hatte und aufſtehen wollte, um nach der Thuͤr zu gehen, erwachte Crusclina und fragte mit 182 weitgeoͤffneten Augen:„Wißt Ihr es nicht, daß Ihr ohne meinen Willen das Ge⸗ mach nicht verlaſſen duͤrft? Setzt Euch nieder. Wenn Ihr eine Sache habt, ſo moͤgt Ihr Birmella rufen.“ Da ſprach eine Stimme in die Thuͤr: „Crusclina, um Euch nicht im Schlaſe zu ſtoͤren, winkte ich Malwina mit der Hand, daß ſie naͤher kommen ſollte. Nun Ihr aber von ſelbſt aufgewacht, kann ich laut reden: es iſt ein Bote von Drumardo da, der bringt die Nachricht, daß Malwina mit ſtarkem Gefolge ſogleich dahin abrei⸗ ſen ſoll.“ 1 „Seyd Ihr Tolgin?“ fragte Crusclina, nich weiß nicht, ob ich Euch an der Stimme erkenne, tretet naͤher, daß ich Euch ſehe.“ Er trat vor das Lager hin und ſagtett „Da ſchauet mich an vom Kopf bis zum 8 183 Fuß und Ihr werdet wiſſen, wer ich bin.“ „Aber warum ſoll Malwina die Nacht durchreiten? das iſt ja ſonderbar, und al⸗ lein? Eine Jungfrau! Iſt dem Boten auch zu trauen?“. „Es iſt der alte Rento mit einem Begleiter, der Euch nicht unbekannt iſt. Warum aber Malwina in der Nacht rei⸗ ten ſoll, das weiß ich nicht, darnach moͤgt Ihr Cormar fragen, wenn er nach Selama kommt. Malwina, der Bote hat es eilig, Ihr duͤrft nicht zoͤgern. „Ach,“ ſeufzte ſie,„was ſoll ich in Drumardo!“ „Saͤumt nicht lange, hoͤrt den alten Rento ſelbſt, der wird Euch Beſcheid ſagen.“ 184 Malwina ging aus der Thuͤr und Crusclina rief ihr nach:„Ehe Ihr abrei⸗ ſet, werdet Ihr doch wieder kommen und von mir Abſchied nehmen?“ „Das werde ich.“ Tolgin, anſtatt mit Malwina zur Treppe hinabzugehen, fuͤhrte ſie an der Hand einen dunkelen Gang. Aengſtlich fragte ſie:„Wohin wollt Ihr mich fuͤh⸗ ren?"“ „Redet leiſe, Malwina, und d kalgt mir, ich fuͤhre Euch zu Rino.“. Er fütlte es, daß ihre Hand in der ſeinen zitterte:„Soll das Werk gelingen, was ich mit Euch vorhabe, ſo ſucht Muth und Faſſung zu gewinnen. Es waͤre ſchrecklic, wenn Ihr ein Hinderniß wuͤr⸗ det, daß Rino nicht frei wird.“*... 185 Sie ſeufzte, ſie bebte, ſie war, wie gelaͤhmt, nur langſam konnte ſie in der Dunkelheit ihrem Fuͤhrer folgen.„Eilt, eilt,“ ſagte dieſer,„und fuͤrchtet den Ver⸗ raͤther, wollt Ihr mich durch Euer Zoͤgern ins Ungluͤck ſtuͤrzen?“ ⸗ Mit Muͤhe ſtieg Malwina auf einer angelegten Leiter aus dem Fenſter auf den Felſen hinab. Tolgin faßte ſie am Arm und ſo kletterten ſie vom Felſen, bis ſie in die Ebene kamen. Mit raſchen Schritten eilten ſie zu dem Thurm, in dem Rino gefangen ſaß. Als Rino ſeine Malwina erkannte, da ergriff ihn freudi⸗ ges Erſtaunen.„Wie köoͤmmſt Du zu mir in dieſe Marterhoͤhle?“ fragte er. „Rino! Tolgin fuͤhrt mich hieher.“ „Saͤumt nicht,“ ſprach dieſer gebie⸗ tend,„und was Ihr Euch zu ſagen habt, das redet zu einer andern Zeit. Zoͤgern 186 bringt Gefahr. Der geheime Gang, der ins Freie fuͤhrt, ſteht Euch offen, ich fliehe mit Euch. Das Mitleid gegen Euch macht mich untreu an meiner Pflicht. Kommt, kommt!“ „Wo iſt mein Bruder? Soll ich ge⸗ rettet werden, und er ein Gefangener blei⸗ ben? Ohne ihn kann ich nicht gehen! 3ch kann es nicht.“ „Nun, wenn Ihr das nicht wollt,“ ſagte Tolgin,„ſo macht mich ungluͤck⸗ lich!“ Malwina umſchlang Rino mit beiden Armen und flehete:„Laß uns fliehen, wenn Dir mein Leben theuer iſt! Nur Dir, nicht dem Bruder zuͤrnt der Vater. Er wird ihn frei laſſen und vielleicht kannſt Du ihn retten. Rino, ſaͤume nicht.“ 1 187 Ohne ein Wort zu reden, nur daß man ſeine Seufzer hoͤrte, folgte er. Un⸗ bemerkt erreichte man den geheimen Gang, der ins Freie fuͤhrte, ging durch ihn hin und wurde es an dem Wehen der Luft gewahr, daß man außerhalb der Wohnung war. Als ſie vor dem Walde ſtanden, pfiff Tolgin und es wurde wieder ge⸗ pfiffen. Sie gingen nach der Gegend hin und fanden Rino's Knecht mit drei ledigen Roſſen. „Beſteigt ſie raſch,“ bat Tolgin,„und laßt uns eilen. Hoͤrt, in Selama wird's ſchon laut! Wollt Ihr nach Balclutha oder nach Fergmoore?“ „Nicht nach Balclutha, da hauſt der feindliche Tronterin,“ ſprach Rino. „Folgt mir, ich fuͤhre Euch ſicher.“ . Schweigend und ſo raſch, als es 188 Nacht und Weg erlaubten, ritten ſie da⸗ von. Rino konnte ſeines Gluͤcks nicht froh werden, ob auch ſeine theuerſte Mal⸗ wina bei ihm war und er aus dem Ker⸗ ker entflohen und frei war, da er ſeinen geliebten Bruder in der Gefangenſchaft wußte. Er glaubte ein großes Unrecht zu begehen, daß er nicht ein Schick⸗ ſal mit ihm theilte; er fuͤrchte keinen Vor⸗ wurf von ihm, aber das Ungluͤck und die Gefahr, die Cormai umringte, ſcheuchte je⸗ de Freude von ihm. Als ſie ſchon eine weite Strecke ge⸗ ritten waren und der ehrliche Tolgin ſagte, daß er nun ruhiger werde, da er glaube, daß ſie nichts mehr zu fuͤrchten haͤtten, da ſprach Rino:„Mir iſt's, als ob ich das groͤßte Verbrechen begangen haͤtte, daß ich meinen Bruder im Ungluͤcke zuruͤckließ!, Es draͤngt und zwingt mich, als ob ich um⸗ kehren ſollte, um ihn zu retten.“ ——— 189 „Rino“ ſprach Tolgin,„das ſind nuͤr Grillen und Hirngeſpinſte des Unverſtan⸗ des, mit denen Ihr Euch nicht befaſſen ſollt, und die zu nichts taugen. Geht hin und macht Euern Bruder frei, wenn Ihr es koͤnnt! Ich ſelber weiß es nicht, wo er gefangen gehalten wird. Iſt er ein rechter Bruder, ſo muß ihn Eure Rettung erfreuen. Geht Ihr aber nach Selama zu⸗ ruck, ſo ſtuͤrzt Ihr Euch muthwillig in ein offenes Grab, und denkt Ihr daran nicht, was aus Malwinen werden wird, die Euch folgte! Vereiteln alſo wollt Ihr die Fruͤchte einer That, die ich mit groͤßter Gefahr fuͤr Euch vollbrachte, zu der mich das innigſte Mitleid bewegte, da ich Eure Noth abkuͤrzen und die Moͤglichkeit ver⸗ hüten wollte, das Ihr hingerichtet wuͤrdet! Thut, was Ihr wollt, ſeyd ſelbſt undank⸗ bar gegen die Goͤtter, ich muß fliehen, im Ruͤcken droht mir der ſichere Tod.“ Dieſe und aͤhnliche Vorſtellungen Tol⸗ 190 gins, und daß auch Malwina zu Rino ſagte, daß der Vater Cormai weniger zuͤrne, daß er(Rino) nun Anſtalten treffen koͤnne, um den Bruder ſelbſt mit Gewalt aus dem Kerker zu erloͤſen, daß es uͤber menſchliche Kraͤfte gehe, jetzt fuͤr den Ge⸗ fangeneg etwas zu thun, dies Alles be⸗ ruhigte ihn und milderte das Bittere der Vorwuͤrfe, die er ſich machte. „—. Den Laͤrm, die Verwirrung und Un⸗ ruhe, die in Selama losbrach, als man es merkte, daß Malwina fehlte, und es ſpaͤter entdeckte, daß auch Rino entflohen ſey, und daß Tolgin der Siifter dieſer Flucht ſey, das kann man ſich denken. Man ſetzte ihnen nach, konnte keine Spur von ihnen finden und ſie nicht einholen. Man fand die Leiter unter dem Fenſter, die Thuͤr des geheimen Ganges und konnte es nun leicht errathen, wie die Fluͤchtlinge entkommen konnten, ohne daß die Wache etwas von ihnen gewahr wurde, oder das 191 Hundegebell ſie verrieth. Zwar wuͤnſchte man dem ungluͤcklichen Rino die Freiheit, aber daß Malwina, die Tochter des Haͤuptlings, ihm folgte, das verdachte man ihr ſehr, deſto groͤßer war die Furcht, die alle beherrſchte, wenn Cormar das Ereig⸗ niß erfuhr. In der groͤßten Angſt war Crusclina und ſie nannte Tolgin den ſchaͤndlichſten Betruͤger, den treuloſeſten Diener gegen ſeinen Herrn, den je die Sonne beſchienen haͤtte und wuͤnſchte ihm alles Ungluͤck von den Rachegoͤttern. Mal⸗ wina nannte ſie im Zorn und in der Ban⸗ gigkeit eine Dirne ohne Schaam und Ehr⸗ gefuͤhl, eine unkindliche Tochter, daß ſie einem Juͤngling folgte, welcher der Feind ihres Vaters war. Durch einen abgeſandten Boten er⸗ fuhr es Cormar ſchon auf dem Wege nach Selama, was ſich waͤhrend ſeiner Abwe⸗ ſenheit ereignet hatte. Er wuͤthete wie ein zorniger Loͤwe, und ſchwor, die nieder⸗ 192 zuhauen, die er ſchuldig faͤnde, daß ſie die Flucht eines Verbrechers befoͤrdert haͤtten. Als der Bote aber von dem Betruge er⸗ zaͤhlte, den Tolgin der kranken Crusclina ſpielte, von der Leiter unter dem Fenſter, von der geoͤffneten Thuͤr des geheimen Ganges, da warf ſich ſeine Wuth und Rache ganz auf ihn, und er that den Schwur, wenn der treuloſe, verraͤtheriſche Bube in„ſeine Haͤnde falle, ſo wolle er ihn uͤber langſamen Feuer braten. Er fragte auch nach Cormai und der Bote ſagte, daß er von dieſem nichts gehoͤrt habe. 3 „So iſt denn Rino auch ein ſchlech⸗ ter Bruder, er laͤuft davon, weil er ſich retten kann und läßt ihn im Stiche. Wie verdient der Verfuͤhrer meiner Tochter ge⸗ ſtraft zu werden! Bosmina, fuͤhlſt du noch Mitleid und Erbarmen fuͤr einen ſol⸗ chen Sohn? Mußt Du ihn nicht ſtrafbar nennen? Du wirſt es nun erleben, wie 193 er ſuchen wird, ſich an mir zu raͤchen! Aber ich werde gebieten, daß alle Pfeile nach ſeinem Leben zielen. Carul und Oſcar, meine Feinde, wird er gegen mich aufbieten; aber ſteht Dein Vater mit ſeiner Schaar auf meiner Seite, ſo werden wir ſiegen. Dem Verbrecher zuͤr⸗ nen die Unſterblichen und werden ihm den Lohn geben.“ Derſelbe Bote, welcher von Selama kam, mußte ſogleich nach Drumardo reiten, um Salgar das unerwartete Ereigniß zu verkuͤnden. Ehe ſich Cormar genauer nach den Umſtaͤnden in Selama erkundigte, welche die Flucht Rino's beguͤnſtigten, ſchickte er Boten nach Balclutha und ließ Tronterin von der Flucht Rino's benachrichtigen und ihm befehlen, den Clan unter die Waffen zu rufen, um auf einen Angriff gefaßt zu ſeyn, den Carul oder Oſcar auf Baleclutha Die Erſtürmung III. 413 thun moͤchten, um es zu erſtuͤrmen. Tron⸗ terin war aber bereits aufgefordert von Carul und Oſcar, Balclutha an den Erben Fillans zu uͤbergeben und im Fall er ſich weigere, der ſichern Beſtrafung zu gewaͤr⸗ tigen. Er gab dem, an ihn abgeſandten Barden den Beſcheid:„Da ich unter Cor⸗ mar ſtehe, kann ich Befehle, die wider ihn gerichtet ſind, nicht reſpektiren, ſondern muß ſie verachten. Ich kenne Keinen, der mir gebieten koͤnnte, Rino oder Cormai den Clan und die Wohnung einzuraͤumen, außer Cormar. Falle ich in eine unge⸗ rechte Rache, ſo wird man doch von mir ſagen muüſſen, ich war meinem rechten Herrn treu bis in den Tod.“ Als er das Kriegszeichen im Elan umberſchickte, um die Maͤnner aufzurufen, in Balclutha gewaffnet zu erſcheinen, wies 4 man den Boten zuruͤck und erklaͤrte: ſie 195 Alle wuͤrden gewaffnet vor Balcluth erſchei⸗ nen, um es mit Gewalt zu erſtuͤrmen, wenn er's nicht gutwillig uͤbergeben wolle. Sobald Rino und Malwina in Ferg⸗ moore angekommen waren, wurden ſogleich Boten nach dem Clan Fillans geſchickt, welche die Errettung deſſelben aus der Ge⸗ fangenſchaft laut verkuͤndigten und einen Sammelplatz beſtimmten, wo ſich alle ſtreitbaren Clansleute einfinden ſollten. Sie kamen in zahlreicherer Menge zuſam⸗ men, als je, weil ſich jeder Clansmann dem Sohne ſeines ermordeten und gelieb⸗ ten Haͤuptlings gefaͤllig zeigen wollten. Es entſtand ein freudiges Getoͤſe, als Rino, von einem verkappten Ritter beglei⸗ tet, der kein anderer als Clunar war, vor dem Haufen der Bewaffneten erſchien. Er redete kraͤftige Worte, um den Muth der Streiter zu entzuͤnden. Nach einigen Stunden ſetzte ſich die ———— 196 Schaar in Bewegung, kam vor dem Thore von Balclutha an und verlangte freien Einzug. Tronterin ließ ſagen: nur uͤber ſeine Leiche fuühre der Weg in die Woh⸗ nung. Man wollte Anſtalt machen, das Thor zu erſtuͤrmen, da ſlogen einige Pfeile von der Mauer herab, die mehrere Clansleute ſchwer verwundeten, auch neben Rino's Kopf ſauſte ein Pfeil voruͤber. Als man ſich von der Erſtuͤrmung des Thors nicht abſchrecken ließ, ſprach eine Stimme:„Wartet eine Weile noch und aller Streit unter uns wird aufhoͤren. Wir thaten, was uns befohlen war, daß wir mit Pfeilen nach euch ſchoſſen; gebt uns das Wort darauf, uns nicht zu ſtra⸗ fen.“ 8 „Alles ſoll euch vergeben ſeyn,“ ant⸗ wortete Rino,„das gelobt euch Fillans Sohn.“ 2 197 Jetzt oͤffnete ſich das Thor, Tronterin ſtand innerhalb deſſelben, von zwei Clans⸗ leuten am Arm feſt gehalten. Der eine Clansmann ſagte:„Wir ſollten lieber mit ihm ſterben, als daß wir uns Euch als Gefangene uͤberlieferten; als wir erfuhren, Ihr waͤret Fillans Sohn, gegen den wir keinen Bogen ſpannen wollten, da ergriffen wir ihn, daß wir ihn Euch uͤberliefern. Straft ihn, wie er's verdient.“ Da ſprach Tronterin:„Den Sieg⸗ der Euch ſo leicht geworden iſt, koͤnnt Ihr mmit einem Verbrechen nicht beflecken. Mußte ich nicht Euer Feind ſeyn? Wißt Ihr Tugend und Treue zu ehren, ſo bin ich frei.“ „Ja,“ ſagte Rino,„Ihr ſeyd frei und ungeſtraft und koͤnnt Cormar die Nachricht bringen, daß ich da bin, bleiben und ſter⸗ ben will, wo meine Urvaͤter lebten. Ich gebe Euch einen Barden mit, der es ihm 198 verkünden ſoll, daß ich ihn mit meinem Clan feindlich uͤberziehe, wenn er meinen Bruder nicht frei laͤßt. Eure Treue will ich nicht tadeln; aber wißt, daß es ſchaͤnd⸗ lich iſt, im Dienſte eines Haͤuptlings zu bleiben, den ſeine Thaten veraͤchtlich ma⸗ chen. Nun geht und nehmt dies Roß. Die Ruͤckkehr in die Wohnung iſt Euch nicht verſtattet.“ Unter Freuden⸗ und Jubelgeſchrei hielt Rino den Einzug in Balclutha. Oſcar war einer der Erſten, der zu ihm kam, ſein Gemuͤth wider Cormar noch gehaͤſſiger ſtimmte und es ihm zur heilig⸗ ſten Pflicht machte, das Unrecht, was der Haͤuptling an Fillan und Annet, an ihm und ſeinem Bruder veruͤbte, mit aller Strenge zu beſtrafen, beſonders ſagte er's. auch, wie unverzeihlich Bosmina handelte, daß ſie ſich dem Moͤrder ihres Mannes hingab. Er ging mit ihm nach Fillans 109 Grabe hin, wo er ihm unverſoͤhnliche Rache gegen Cormar ſchwor. 3 Der Barde kam von Selama mit dem Beſcheid zuruͤck, daß er in die Loslaſ⸗ ſung Cormai's nicht willigen wolle, daß er Rino fuͤr einen Vatermoͤrder erklaͤre, der noch unbeſtraft ſey, und daß er ihn im offenen Felde erwarte, um ſein Schwert in das Blut eines Verbrechers zu tauchen, dem ſelbſt die leibliche Mutter fluche. Uebrigens werde er Cormai gebunden mit ſich fuͤhren und es waͤren ſchon Anſtalten getroffen, ihn zu ermorden, ſobald ein Un⸗ fall ihm begegne, der ihn des Lebens be⸗ raube. Er ſolle ihm zuvor Malwina, ſeine Tochter, ausliefern, die er ehrlos verfuͤhrt hatte, damit er ſich nicht mit einem Men⸗ ſchen in Streit einlaſſen duͤrfe, der das Gepraͤge der Schande auf ſeiner Stirn trage und der Undankbarſte ſey, deſſen Fuß je den Boden beruͤhrte. Dieſer Beſcheid ergrimmte Rino und er ſchwur es bei dem Grabe ſeines Vaters, den ihm angethanen Schimpf an ſeinem Feinde zu raͤchen. Nur war es ihm ſchrecklich, daß Cormars Tod den ſeines Bruders nach ſich zog, wenn dieſer nicht durch ein Wunder am Leben erhalten wurde. Er ritt zu Carul und als er ſeine Malwina umarmt hatte, erzaͤhlte er die Ausſage Cormars und betrauerte ſei⸗ nen Bruder. Carul troͤſtete ihn, als er fuͤrchtete, Cormars moͤglicher Tod werde auch den den Mord Cormai's nach ſich ziehen, mit den Worten:„Dafuͤr ſeyd unbeſorgt, mit dem Tode eines Hauptlings hoͤrt die Gewalt auf, die ſtrafen zu duͤrfen, die ſeinem Befehle ungehorſamen. Wer wird ſich Eurer Beſtrafung blosſtellen. Die Scheinfreunde, die er im Leben hat, haſſen ihn im Tode.“ 201 Tolgin, der ſehr traurig war, daß er den Verrath an Cormar beging und die Veranlaſſung zu blutigen Kaͤmpfen war, ſagte, auf ſich ſelber zuͤrnend:„Wer wird einem Verraͤther ſeines Herrn noch trauen! Das Mitleid hat mich zu einem Verbrecher gemacht.“ „Nicht doch,“ ſagte Carul,„Du haſt wie ein guter Menſch gehandelt, der es fuͤr die erſte Pflicht achtet, ein Verbrechen zu verhuͤten.“ Er blieb, ſeiner Sicherheit wegen, in Fergmoore und wollte erſt dann nach Balclutha ziehen, wenn dort Ruhe und Friede herrſchte. Malwina, ob ſie ihren Rino auch frei wußte, und daß ſie keine Todesgefahr mehr fuͤr ihn fuͤrchten durfte, war doch nicht gluͤcklich. Sie aͤngſtigte ſich und war beſorgt, er koͤnne auf dem Schlacht⸗ 202 felde ſein Leben verlieren. Er mußte es ihr feſt verſprechen, daß ſie ihn begleiten duͤrfte, wenn er mit ſeinem Clan gegen die Feinde auszog. Die Erklaͤrungen zum Kampfe waren von beiden Seiten gegeben und alle Haͤuptlinge, ſo verhaßt ihnen Cormar auch war, hielten feſt an dem erneuerten Ge⸗ ſetz, daß ſich ein Dritter in den Streit nicht miſchen ſollte. Alle hielten ihre Clansleute an den Grenzen, um möͤgliche Einfälle und Pluͤnderungen in denſelben zu verhuͤten. An Rino's Seite, der die Ruͤſtung ſeines Vaters mit den Blutflecken ange⸗ than und mit ſeinem Schwerdte ſich um⸗ guͤrtet hatte, ritt Malwina, als ein junger Clansmann gekleidet. Ihre Waffe war ein leichter Spieß und ein Bogen, der ihr auf der Schulter hing. r 203 Am erſten Tage des Aufmarſches ge⸗ ſellte ſich ein Unbekannter zu Rino’s Schaar und hatte ein Zeichen von Oſcar, mit dem er Rino bewies, daß man nicht fuͤrchten duͤrfe, er ſey ein falſcher Kund⸗ ſchafter oder ein Verraͤther. Er ſprach in grobem Baß und redete wenig. Sein Roß war ein maͤchtiger Streithengſt, ſeine Geſtalt rieſenhaft und ſeine Waffen groͤßer und ſchwerer, als die der Andern. Am dritten Tage kamen die ausge⸗ ſchickten Kundſchafter zu Rino mit der Bothſchaft zuruͤck, daß Cormar vor dem Walde, mit dem linken Fluͤgel ans Ge⸗ X birge gelehnt in voller Schlachtordnung ſtehe und ſeinen Feind erwarte. Nach ei⸗ nem Marſche von wenigen Stunden er⸗ blickte man die Haufen der Gegner. Rino wollte ſeine Elansleute zu einer langen Linie, nach Art Cormars ausdehnen, da aober trat der unbekannte Ritter zu ihm und ſagte:„Das muͤßt Ihr nicht thun, ¹ 204 wenn Ihr Eure Kraft im Gegenkampfe nicht ſchwaͤchen wollt. Laßt uns in dicken Haufen auf die Feinde losfahren, ſo ſiegen wir. Aber, das verbeut Euch Oſcar, daß Ihr Cormar nicht beruͤhrt, ſo nahe ihn der Zufall Euch auch fuͤhrt. Ihr ſollt ihm ausweichen, daß man Euch nicht Vater⸗ moͤrder ſchelten kann. Er iſt Malwinens Vater. Euch an ihm zu raͤchen, iſt mir von Oſcar aufgetragen, Ihr duͤrft mir nicht ins Werk fallen.“ Rino billigte den Rath des unbe⸗ kannten Ritters, und wie ein Waldſtrom, der Alles vor ſich niederreißt, ſtuͤrzten die Balcluther in dichten Maſſen in Cormars Schaar. Die Bogenſchutzen hingen ihre Bogen uͤber die Schultern und gebrauch⸗ ten nun ihre Schwerter und Spieße, Streitkolben und mit Kupfer beſchlagene Keulen. Cormars ausgedehnte Reihe draͤngte ſich eilig zuſammen und ein allge⸗ meines Gemetzel begann. 205 MNino hatte noch ſo viel Beſinnung, daß er Malwina der Gefahr entziehen und vom Kampfplatze hinwegfuͤhren laſſen wollte. Als Cormar das ſah, ſchickte er zehn Reiter dahin, um ſie und ihre Be⸗ gleiter gefangen zu nehmen. Schon waren ſie mit ihrer Beute auf der Straße nach Selama, als Cormar Merre den Raͤubern nachſprengte, um Malwina, die man am Geſchrei erkannte, wieder zu befreien. Es gelang ihm zwar, aber er wurde am rechten Arm ſo ſchwer verwundet, daß ſeiner Hand das Schwert entſank. Dies wurde Cormar gewahr, ſprengte aus dem Tumult, um Rino den Todes⸗ ſtreich zu verſetzen; aber ſein Schutzgeiſt waltete. Der unbekannte Ritter ſprengte Cormar in großen Saͤtzen auf ſeinem Streithengſt nach, und, als er ſein Schwert 8 1 206 aufgehoben hatte, Rino den Kopf zu ſpal⸗ ten, erhielt er von hinten einen Hieb, daß er ſogleich zu Boden ſtuͤrzte. Der Ritter ſprach die Worte laut: „Die boͤſe Seele iſt entflohen; die Rache gekuͤhlt; das war fuͤr Fillan; Rino, ich bin Oſcar!“ Er ſprengte nach dem Kampf⸗ platze zuruͤck. 1 Johen. Sie wurden verfolgt. Mal⸗ verband ihren Rino unter Thraͤnen und Seufzern.. „Mehr als dieſe Wunde,“ ſprach er, „ſchmerzt mich Cormai, der iſt nicht mehr!“ Er ließ unter den Todten und Verwunde⸗ ten ſuchen und fand ihn nicht. Die Bal⸗ cluther, den fremden Ritter an der Spitze, Als Cormars Clansleute ihren Haͤupt⸗ ling jallen ſahen, verließen ſie den Kampf nahmen den Marſch nach Selama, ſie eilten, alle Beute war ihnen verſprochen. 5 — 207 Langſamer mit einem kleinen Gefolge ka⸗ men Rino und Malwina nach. Als Malwina des Vaters Leiche ſah, da weinte ihr Herz und mit bebender Stimme ſagte ſie:„Er war ja doch mein Vater!“ Sie richtete den Blick zum Him⸗ mel und betete:„Goͤtter, verzeiht ihm jede Schuld! Mutter, zuͤrne ihm nicht mehr, er hat abgebuͤßt!“ In Selama fand Oſcar, den die Clansleute gehorchten, großen Widerſtand. Die Geſluͤchteten hatten ſich dahin zuruͤck* gezogen und die Waͤlle und Mauern boten ihnen eine faſt unnehmbare Schutzwehr dar. Bei einem Ausfall, den ſie machten, kamen mehrere Balcluther ums Leben. Drei Gewaffnete vor Cormar wurden ge⸗ fangen. * 208 „Welcher boͤſe Geiſt,“ fragte ſie Oſ⸗ car,„befiehlt in dieſem Laſterloche, das er⸗ ſturmt werden muß, der noch mehr Blut, Wunden und Tod verurſacht?“ Ein Gefangener entgegnete:„Toren⸗ tin.“ Bosmina drang in ihn, daß er Se⸗ lama übergeben ſolle; aber er entgegnete: „Ihr ſeyd kein Weib, was ſolchen Gatten, wie Cormar war, verdiente! Soll ſein Tod nicht gerächt werden? Wir halten uns, bis der letzte Mann faͤllt’“ Er hat ſie gefaͤnglich in den großen Thurm mit Crusclina ſperren laſſen.“ 1 Auf allen Punkten, wo Gefahr war, befehligte Tronterin und die Streiter folg⸗ ten ihm, wie ihrem Haͤupiling, denn er ſagte:„Tilgt Eure erlittene Schande; raͤcht Cormars Tod und ſtraft den, der dem Vater die Tochter ſtahl und ihn zu morden drohte. Alles was Ihr erbeutet, 2⁰9 iſt Euer Eigenthum und Salgar wird Eure Dienſte uͤberſchwenglich lohnen.“ Alle Stuͤrme, die Oſcar und Rino auf die Mauer machten, wurden abgeſchla⸗ gen. Am fuͤnften Tage der Belagerung kam der Paͤchter von Birkalsnag und ließ ſich zum Rino fuͤhren. „Sucht Ihr Euern Bruder,“ ſprach er,„den kann ich Euch nachweiſen. Er iſt mir als Gefangener anvertraut. Cor⸗ mar iſt todt, keine Pflicht bindet mich mehr an ihn, ich uͤberlaſſe ihn Euch; aber Ihr findet ihn krank.“ 4 Dieſe Botſchaft erfreute und betruͤbte Rino zugleich. Er eilte mit Malwina und einem Gefolge nach Birkalsnag, ſah, umarmte, kuͤßte den kranken, todtenblaſſen Bruder und erzaͤhlte in der Kurze alle Eeigniſſe. 8 Die Erſtürmung. III. 14 1 210 2 „Iſt das Müina?“ fragte er und wandte das Geſicht zur Erde.... Als ſie ihm ſelbſt die Antwort gab, ſprach er:„Du koͤmmſt zu ſpaͤt, meine Lebensgeiſter ſind erloſchen und nichts zuͤn⸗ det ſie wieder an. Ich wuͤnſche mir den Tod. Wer fernerhin nicht gluͤcklich leben kann, der verlangt zu ſterben. Was kann die Wunde dieſes Herzens heilen, die im⸗ mer blutet und ſchmerzt? Sey gluͤcklich, Rino, wie Du es verdienſt, ich ſcheide ohne Haß von Dir.“ Er ließ ſich ſchwer bewegen, ſeinen Kerker gegen ein Gemach in der Paͤchter⸗ wohnung zu vertauſchen. Traurig ſchie⸗ den Malwina und Rino von ihm. In der folgenden finſtern und regnich⸗ ten Nacht, wurde das Thor von Selama erſtürmt. Die Balcluther drangen ein 211 und waren, nach einem ſchrecklichen Ge⸗ metzel, Sieger. Als Rino, Malwina und Oſcar in die Halle traten, lag Bosmina auf den Knien. Sie ſank zur Erde nieder. Rino und Malwina ergriffen die Mutter, wollten ſie empor heben, um ſie in einen Armſtuhl niederzulaſſen, aber ſie vermochten es allein nicht und baten den in der Naͤhe ſtehenden Oſcar, daß er ih⸗ nen huͤlflreichen Beiſtand leiſte. Entruͤſtet ſagte er:„Das Weib, wel⸗ ches dem Moͤrder meines Freundes ſich verbinden konnte, ruͤhre ich nicht an. Laßt ſie ſterben, der Tod iſt Gewinn fuͤr ſie. Was muß die fuͤr ein Herz haben, die mit Cormar gluͤcklich leben konnte.“ „Oſcar,“ flehte Malwina,„Ihr dürft nicht grauſam gegen eine ungluͤckliche Frau ſeyn.“ „Nur gerecht bin ich,“ entgegnete er, „wie es die Goͤtter ſind.“ Wider alles Erwarten ſtuͤrzte Tron⸗ terin aus einer Ecke der Halle hervor, warf ſein entbloͤßtes Schwert auf die Erde und half die Ohnmaͤchtige auf einen Lehn⸗ ſtuhl hintragen. Darauf zog er einen Dolch hervor und ſagte:„Dieſen entriß ich ihr, als der Schmerz uͤber Cormars Tod ſie bis zur Verzweiflung gebracht und ſie ſchon ausgeholt hatte, ihn in die Bruſt zu ſtoßen. Straft mich, wenn Ihr es ver⸗ moͤgt, daß ich meine Pflicht ſo lange that, bis mich die Uebergewalt daran verhinderte. In deſſen Dienſt ich ſtehe, dem gehoͤrt mein Leben. Haßt mich, wenn Ihr mich nicht lieben koͤnnt, nur verachten duͤrft Ihr 2¹³ mich nicht. Den Eid, den ich Cormar leiſtete, durfte ich nicht brechen, ſein Tod hat mich davon entbunden.“ Oſcar ſchwieg, Rino aber ſagte:„Es ſey Euch Alles verziehen und was ich zu Euerm Beſten thun kann, duͤrft Ihr dreiſt von mir fordern.“ „Nichts fordere ich, Rino, als daß Ihr feſt glaubt, es iſt kein Haß gegen Euch in meinem Herzen.“ Bosmina ſchlug die Augen auf, ſie ſtarrte die Umſtehenden an und ſagte dann in heftiger Bewegung:„Rino, Du traͤgſt die Schuld, daß Cormar blutete. Den theuern Gatten haſt Du mir entriſſen; auf ewig iſt Dir mein Mutterherz ver⸗ ſchloſſen; mein Auge ſoll Dich nimmer wieder ſehen!”“.. Sie raffte ſich auf und taumelle aus 214 der Halle.„Seht Ihr wohl,“ ſagte Oſcar, „was das fuͤr eine Mutter iſt? So war ſie auch als Fillans Gattin!“ Am andern Morgen eilte Rino allein nach Birkalsnag, um ſich nach dem Be⸗ finden ſeines Bruders zu erkundigen. Der Paͤchter ſtand in der Thuͤr und ſagte mit betrubter Miene:„Euer Bruder iſt eine Leiche. Kurz vor ſeinem Tode ließ er mich zu ſeinem Lager hinrufen und ſagte mit ſchwacher Stimme: wenn mein Bruder koͤmmt, dann meldet ihm, daß ich mit ungeſchwaͤchter Liebe gegen ihn ſtarb und daß getaͤuſchte Hoffnung mich toͤdete.“... Nino verſtand die letzten Worte und deutete ſie auf Malwina. In Thraͤnen ſchwamm ſein Herz. Er ließ den guten Bruder in Balclu⸗ tha neben dem Vater begraben. 215 Drei Monden waren verfloſſen, ehe ſich Rino von dem Schmerze uͤber den Verluſt Cormais erholte, dann aber reiſte er nach Fergmoore und feierte mit Mal⸗ wina das Hochzeitfeſt. Bosmina aber hielt Wort, ſie ſah ih⸗ ren einzigen Sohn nie wieder. Der Druck einer finſtern Schmermuth lag auf ihrer Seele und, als man ſie einſt in Drumardo vermißte, ſuchte und fand man ſie am Abhange eines Felſens zerſchmettert. End e. Folgende Unterhaltungs⸗Schriften ſind ganz beſonders zu empfehlen, und in jeder Buchhandlung um die beigeſetz⸗ ten Preiſe zu bekommen. X Kuno von Schreckenſtein, oder die weiſ⸗ ſagende Traumgeſtalt. Eine Ritterge⸗ ſchichte von C. Hildebrandt. 3 Theile. 3 Thlr. 12 Gr.— Kuͤnſtlerfahrt. Roman von E. Schulze. 2 Baͤndchen. 1 Thlr. 10 Gr. Landpfarrer, der, von Schoͤnberg. Von DPr. Kunze. 2. Theile. Mit 1 Kupfer. 2 Thlr. „ eonardo, der Baſtard, oder das Schloͤß⸗ chen am Strande. 720 Gr. giebe bis ins Grab. Ein Roman vom Ver⸗ aſſer des Sarazenenſchwertes. 1 Thlr. 2 TIIIInnEnnſnnſnſnnn 5 8 9 10 11 MInaanTnnnnnnmmmmnnnnmmanaummmmnnnun 12 13 14 15 16 17 L 9 L 12. BiLLLLLLLELL AilILraChalun