Walter Scott's ſämmtliche Wer k — Neu uͤberſetzt. Achtundfuͤnfzigſter Band. Vierundzwanzigſter Theil. l. Leben von Napoleon Buonaparte. 2 Stuttgart, bei Gebruͤder Franckh. 18 27. „ Leben v Napoleon Buonaparte, Kaiſer von Frankreich. Mit einer Ueberſicht der franzoͤſiſchen Revolu⸗ tion. Von W aliter S o t. Aus dem Engliſchen iiberſettzt von I „ General J. v. Theobald. Vierlundzwanzigſter Theil. 2 1ε Stuttgart, bei Gebruder Frangal. 1 32 7. Leben von Napoleon Buonaparte. Erſtes Kapitel. Mili ãriſche Operationen im nötdlichen Deutſchland, die meiſt unglücklich für die Franzoſen ausfallen.— Der Kron prinzvon Schweden nimmt Luckau.— Schlachten bei Großbeeren und an der Katzbach, wo die Franzoſen viele Mannſchaft und Ge⸗ ſchütz einbüßen— Operarionen von Ney gegen Berlin.— Er wird am 6ten September bei Dennewitz geſchlagen.— Bedrängte Lage Napoleons.— Er überläßt das rechte Elbeufer den Ver⸗ bündeten.— Operation der Alliirten, um eine Vereinigung zu Stande zu beingen.— Gegenmanöver von Napoleon.— Den franzöſiſchen Generalen iſt der Krieg in Deutſchland verleidet. — Mißhelligkeiten zwiſchen ihnen und dem Kaiſer.— Napoleon beſchließt endlich den Rückzug nach Leipzig. 4 Die Meldungen, die aus Norddeutſchland ein⸗ gingen, waren kein Balſam fuͤr die ſchlimmen Nach⸗ richten aus Boͤhmen. Wir koͤnnen aber die großen Waffenthaten, die in ſolcher Entfernung von Napo⸗ Aeon geſchahen, nur in der Kuͤrze abhandeln, ſo bedeutend auch ihr Einfluß auf ſeine Angelegen⸗ heiten war. Marſchall Bluͤcher gieng, wie man ſich erinnern W. Scotts Werke. LVIII. 1 6 wird, uͤber die Katzbach zuruͤck um dem Treffen, das der franzoͤſiſche Kaiſer ihm aufdringen wollte, auszu⸗ welchen. Das Hauptquartier des Kronprinzen von Schweden war um eben dieſe Zeit in Potsdam. Als Napoleon am 2 ſten Auguſt Dresden zu Huͤlfe zog, erhielt Oudinot Befehl, nach Berlin vorzuruͤk⸗ ken; Maedonald ſollre nach Breslau marſchiren. Der Kaiſer glaubte, jener wuͤrde mit dem Kronprin⸗ zen, dieſer mit Bluͤchern ſchon fertig werden. Ou⸗ 3 dinot begann ſeine Mandver gegen Berlin auf der Straße von Wittenberg an demſelben Tage, an wel⸗ chem ihm der Befehl hiezu geworden. Der Kron⸗ prinz von Schweden nahm dagegen mit mehr als achtzigtauſend Mann eine Stellung zur Deckung von Berlin. Der Anblick dieſer ſchoͤnen Stadt mit ih⸗ ren Thuͤrmen und Kirchen beſtimmte Oudinot, ſein Gluͤck mit ſeinem alten Waffengenoſſen zu verſu⸗ chen. Nach einigen Einleitungsgefechten kam es zwiſchen beiden Armeen am 23ſten Auguſt zu einem ernſthafteren Treffen, in welchem ſich General Rég⸗ nier auszeichnete. Er befehligte im Centrum der Armee von Oudinot ein Truppenkorps, mit dem er das zunaͤchſt gelegene Dorf Großbeeren nahm. Der preußiſche General Buͤlow ruͤckte zur Wiederer⸗ oberung dieſes wichtiten Poſtens vor, und da Borſtel zugleich den Feind in der Flanke nahm, ſo gelang es ihm, ſeine Kolonnen in das Dorf zu ſchieben. Da ein Platzregen die Musketen unbrauchbar machte, 7 ſtritt man ſich um Großbeeren mit dem Bajonet. Aber beim Einbruch der Nacht fielen die franzoͤſi⸗ ſchen Diviſionen Fournier und Guilleminot das Dorf von Neuem an, nahmen es und behaupteten es bis an den Morgen; aber dies ſtellte die Schlacht nicht wieder her, denn da Régnier 1500 Mann und 8 Ka⸗ nonen verloren hatte, beſchloß Oudinot einen allge⸗ meinen Ruͤckzug, den er im Angeſicht des Feindes mit großer Beſonnenheit bewerkſtelligte. Dem Kron⸗ prinzen wurden andere Trophaͤen zu Theil; Luk⸗ kau ergab ſich ihm mit einer Beſatzung von tau⸗ ſend Franzoſen am 28ſten Auguſt. Zu dieſen Un⸗ faͤllen an der preußiſchen Grenze kam noch auf einem aandern Fleck die nicht unbedeutende Niederlage von Girard. Dieſer hatte mit fuͤnf⸗ bis ſechs⸗ tauſend Mann einen Ausfall aus Magdeburg gemacht. Er war dazu durch die Entfernung des Blokadekorps(der Brligade von Hirſchberg) veranlaßt worden, das, zufolge des ihm ge⸗ wordenen Befehls, ſich mit dem Kronprinzen gegen Oudinot vereinigt hatte. Als aber nach der Schlacht von Großbeeren die preußiſche Brigade wieder in ihre Stellung von Magdeburg zuruͤckkehren wollte, traf ſie am 22ſten Auguſt bei Leibnitz auf die Divi⸗ ſion Girard. Die Franzoſen waren anfangs im Vor⸗ theil, aber da ſich Czernitſcheff mit einem zahlreichen Koſackenhaufen auf ſie warf, ergriffen die Truppen Ei 11 1.» 8 von Girard die Flucht, und verloren ſechs Kanonen, fuͤnfzehnhundert Gefangene und all ihr Gepaͤcke. In dieſer bewegten Periode war der Krieg an der ſchleſiſchen Grenze eben ſo lebhaft gefuͤhrt wor⸗ den, als an der brandenburgiſchen und boͤh⸗ miſchen. Marſchall Macdonald hatte, wie wir be⸗ reits wiſſen, von Napoleon den Auftrag erhalten, Bluͤcher und ſeine Preußen jenſeits der Katzbach in ihrer Stellung bei Jauer anzugreifen. Dieſem Be⸗ fehl gemaͤß hatte der Marſchall den Geuergl Lauri⸗ ſton, der den rechten Fluͤgel ſeines Armeekorps be⸗ fehligte, beauftragt, gegenuͤber von Goldberg eine Stellung zu nehmen und einen Theil ſeines Korps, die Diviſion Puthod, auf dem Umwege uͤber Scho⸗ nau gegen Jauer zu entſenden. Das eilfte Korps, das Centrum von Macdonald, ging bei Tagesan⸗ bruch unter ſeinem Befehl uͤber die Katzbach und ruͤckte gegen Jauer an dem Ufer eines Bergwaſſers hinauf, das die wuͤthende Neiße genaunt wird. Das dritte Korps unter Souham, das den linken Fluͤgel bilden ſollte, erhielt Befehl, bei Leipnitz uͤber die Katzbach zu gehen und, ſeine Richtung gegen Suͤden nehmend, ſich dem Centrum wieder anzu⸗ ſchließen. Bei dieſem linken Fluͤgelkorps befand ſich die Reiterei von Sebaſttani.. Es begab ſich, daß Bluͤcher, der den Kaiſer bei Dresden beſchaͤftigt wußte, es an demſelben z6 ſten Auguſt far angemeſſen fand, ſeinen Gegner aufzuſu⸗ 9 chen und zu bekaͤmpfen. Zu dieſem Ende zog er an dem Bache zu derſelben Zeit hinab, in welcher Mac⸗ donald, der ihn in ſeiner Stellung bei Jauer glaubte, an demſelben hinaufging. dan In dem ſchon oͤfters ferwaͤhnten Unwetter konn⸗ ten ſich die beiderſeitigen Armeen nicht ſehen, bis ſie aufeinandertrafen. Es geſchah dieſes auf den Ebenen zwiſchen Wuhlſtadt und der Katzbach, unter Umſtaͤnden, die fuͤr den franzoͤſiſchen Marſchall ſehr nachtheilig waren. Sein rechter Fluͤgel war von ſei⸗ nem Centrum getrennt, Lauriſton bei Goldberg mit dem ruffiſchen General Langeron, den er bei dieſer Stadt getroffen, in ein heftiges Gefecht verwickelt und Puthod von dem Schlachtfelde noch weiter ent⸗ fernt; auch Macdonald's linker Fluͤgel war mit der Reiterei noch weit zuruͤck. Bluͤcher ließ dem Feinde keine Zeit, ſeine Korps zu vereinigen. Er griff mit ſeiner ſchon aufmarſchirten Reiterei die Franzoſen an, noch ehe ſie ſich ganz entwickeln konnten. Dieſe lehn⸗ ten jetzt ihren rechten Fluͤgel an die wuͤthende Neiße aber ihr linker Fluͤgel, der durch die Reiterei von Sebaſtian haͤtte gedeckt werden ſollen; ſtand ganz in der Luft. Der linke Fluͤgel erhielt ſofort die drin⸗ gendſten Befehle, ſeinen Marſch zu beſchleunigen; aber ein beſonderer Unſtern hinderte ſowohl die Rei⸗ terei als die Infanterie zeitig einzutkeffen. Man hatte den Generalen Souham und Sébaſtiani jedem einen beſondern Weg vorgeſchrieben; aber Souham, 10 der den Kanonendonner hoͤrte, ſchlug in ſeiner Ungeduld den Weg ein, den er fuͤr den kuͤrzeſten hielt, um deſto ſchneller an Ort und Stelle zu kommen. Un⸗ gluͤcklicherweiſe war dies gerade der fuͤr die Reiterei beſtimmte. So kamen etwa fuͤnftauſend Pferde und wenigſtens fuͤnfmal ſo viel Infanteriſten auf eine einzige Straße, wo ſie bald in Unordnung geriethen und ſich gegenſeitig hinderten, beſonders in einem Dorfe Namens Kroitſch, einem langen und engen Defile; hier entſtand ein ſolches Gedraͤnge von Rei⸗ tern und Fußgaͤngern, von Geſchuͤtz und Gepaͤck, daß an kein Durchkommen mehr zu denken war. Macdonald wehrte ſich indeß mit einer Tapfer⸗ keit, die ſeinem hohen Kriegsruhme entſprach, ob⸗ gleich er in ſeiner entbloͤßten Flanke von vier Rei⸗ terregimentern und von General Karpoff mit einem zahlreich en Koſackenhaufen angegriffen wurde. Aber das Schickſal der Schlacht war unwiderruflich entſchieden. Die Franzoſen wichen zuruͤck und verloren beim Ue⸗ bergang uͤber die wuͤthende Neiße und uͤber die Katz⸗ bach, die beide durch die heftigen Regenguͤſſe ange⸗ ſchwollen und ausgetreten waren, unzaͤhlige Men⸗ ſchen. Das Letzte wagend, ſtellte ſich Mardonald an die Spitze der Truppen, die ſich endlich aus dem Defile von Kroitſch herausgewunden hatten; aber ſie wurden mit großem Verluſt zuruͤckgewieſen, und mit dieſem Gefechte endete ſich dieſe, fuͤr die rangoſen ſo verderbliche Schlacht. 11 Dabei blieb das Ungluͤck nicht ſtehen. General Lauriſton mußte ſich gleichfalls uͤber die Katzbach zu⸗ ruͤckziehen, noch ehe er die nach Schonau entſandte Diviſion Puthod wieder hatte an ſich ziehen koͤnnen. Dieſe, die jetzt auf dem rechten Ufer der Katzbach ganz iſolirt war, ward ſofort vom Feinde raſch ange⸗ griffen und niedergemacht oder gefangen genommen. Sonach war die Armee, die in Schleſien operiren und Dresden haͤtte decken ſollen, ganz außer Gefecht geſetzt. Sie ſoll 15,000 Mann, und mehr als hun⸗ dert Kanonen verloren haben. So viel auch Napoleon in den Schlachten von Großbeeren und an der Katzbach verloren hatte, ſo beharrte er doch auf dem einmal gefaßten Entſchluß, ſich in ſeiner centralen Stellung an der Elbe zu be⸗ haupten und Dresden als Waffenplatz zu benuͤtzen. Um das Ungluͤck, das ſeine Legaten zu verfolgen ſchien, das aber einzig aus dem Umſtande entſprang, daß ſie große Dinge mit geringen Mitteln leiſten ſoll⸗ ten, zu entwaffnen, uͤbertrug er dem Marſchall Ney das Kommando der Nordarmee mit dem beſtimmten Befehl, ſeine Adler auf den Mauern von Berlin aufzurflanzen. Am oten September uͤbernahm daher Ney die fruͤher von Oudinot befehligte Armee, die jetzt in der Gegend von Wittenberg lag, um den Befeh⸗ len des Kaiſers gemaͤß, gerade auf die preußiſche Hauptſtadt loszugehen. Der Feind(die Armee des Kronprinzen) lag ziemlich auseinander in Juͤterbock, 4 12 Belzig und andern Doͤrfern. Ney wollte ſich von den feindlichen Quartieren entfernt halten und durch⸗ aus kein Aufſehen erregen. Sein Plan war, die⸗ ſelben links zu laſſen, alles Zuſam mentreffen mit dem Kronprinzen zu vermeiden, ſeine Streitmacht guf die Straße zu bringen, die von Torgau nach Berlin fuͤhrt, und ſich mit den Truppen, die Buo⸗ naparte von Dresden nach demſelben Punkte etwa entſenden moͤchte, in Verbindung zu ſetzen. Bei einer genaueren Pruͤfung dieſes Planes er⸗ gab es ſich, daß man dabei Gefahr lief, die Armee des Kronprinzen von Schweden am ſuͤdlichen End⸗ punkte ihrer Quartierſtellung, und zwar bei dem Dorfe Dennewit, aufzuſtoͤren. Tauenzien hatte die⸗ ſes Dorf ſehr ſtark beſetzt und man konnte nicht un⸗ bemerkt vorbeikommen. Wenn aber Dennewitz durch ein hinlaͤnglich ſtarkes Korps maskirt wurde, ſo konn⸗ te Ney ſeine Hauptmacht bis nach Dahme vorſchie⸗ ben, ohne ſich in ein Treffen einlaſſen zu muͤſſen. Man glaubte dieſes Mandver ſo raſch ausfuͤhren zu koͤnnen, daß dem Kronprinzen zur Concentrirung ſei⸗ ner Armee keine Zeit mehr blieb. Am 5ten brach Ney von Wittenberg auf. Am 6ten bildete die Diviſion Bertrand, die Dennewitz maskiren ſollte, den aͤußerſten linken Fluͤgel der Ar⸗ mee. Als ſie ſich dem Dorfe naͤherte, ließ Tauen⸗ zien, der dort befehligte, ſeine Truppen ausruͤcken und zwiſchen demſelben und den Franzoſen aufmar⸗ 13 ſchiren. Haͤtte ſich Bertrand blos eine kurze Zelt in dieſer gefaͤhrlichen Stellung behaupten muͤſſen, ſo waͤre es noch angegangen und er haͤtte Tauenzien die Spitze bieten koͤnnen, bis der letzte Zug von Ney's Armee voruͤber geweſen waͤre. Aber zufolge einiger falſchen Berechnungen(die jetzt bei dem franzoͤſiſchen Generalſtab haͤufiger als ehedem vorkamen) wurde die Diviſion Bertrand ſchon um ſieben Uhr des Mor⸗ gens in Bewegung geſetzt, waͤhrend das Korps, zu deſſen Deckung ſie beſtimmt war, erſt drei Stunden ſpaͤter aufbrach. Bertrand ward dadurch ſo lange im Angeſicht des Feindes feſtgehalten, daß ſeine Demon⸗ ſtration in ein Gefecht, ſein Scheinangriff in einen wirklichen ausartete. Die Schlacht entbrannte im⸗ mer mehr, indem die Korps, die auf beiden Seiten zur Unterſtuͤtzung der Fechtenden anruͤckten, aneinan⸗ der geriethen. Buͤlow kam Tauenzien zu Huͤlfe— Régnier eilte herbei, um Buͤlow zuruͤckzuwerfen; auf Régnier folgte Guilleminot, und Borſtel kam zur Unterſtuͤtzung der Preußen. Ohne daß man es heab⸗ ſichtigt hatte, wurde die Schlacht, als ob beide Theile es ſo gewollt, allgemein. Die Preußen hielten das moͤrderiſche Feuer der franzoͤſiſchen Artillerie aus, ohne zu weichen. End⸗ lich erſchienen die Schweden und Ruſſen, und die Linie von Ney fing an, Terrain zu verlieren. Ney, der ſich mit allen ſeinen Truppen nur mit Muͤhe gegen die Preußen behauptet hatte, verzweifelte an ₰ einem guten Erfolg, als er dieſe neuen Feinde an⸗ ruͤcken ſah. Er trat den Ruͤckzug an; aber die erſte ruͤckgaͤngige Bewegung war fuͤr das 7te Korps, das groͤßtentheils ans Sachſen beſtand, die der Sache Napoleons wenig ergeben und daher eben nicht ge⸗ neigt waren, das Aeußerſte zu wagen, das Signal zur Flucht. Eine ungeheure Luͤcke entſtand dadurch in der franzoͤſiſchen Linie, und da die Reiteret der Alliirten ploͤtzlich in die Oeffnung drang, ward die Linie von Ney in zwei Theile gefondert, von denen der eine mit dem Marſchall nach Dahme eilte, der Andere unter Oudinot ſich nach Scharnitz zuruͤckzog. Ney bewerkſtelligte nachher ſeinen Ruͤckzug nach Tor⸗ gau. Aber die Schlacht von Dennewitz hatte ihn zehntauſend Mann, drelundvierzig Kanonen und eine Menge Trophaͤen gokoſtet, und ſein Hauptzweck, die Ueherziehung von Berlin, war gaͤnzlich vereitelt. Dieſe wiederholten Niederlagen von Großbeeren, Katzbach und Dennewitz ſchienen zu beweiſen, daß die Franzofen nicht mehr die Unuͤberwindlichen ſeyen, fuͤr die man ſie gehalten, undd daß, wenn ſie auch noch Wunder whaten, dies doch nur geſchah, wenn Napoleon an ihrer Spitze ſtand. Andere dachten hieruͤber anders; ſie ſagten, Buonaparte habe fruͤ⸗ her, als ſeine Mittel weniger beſchraͤnkt waren, ſeine Feldherren jedesmal durch eine hinreichende Aus⸗ ſtattung in den Stand geſetzt, dasjenige zu leiſten, was ſie ſollten, jetzt aber behalte er ſeine Garde 15 und den Kern ſeiner Truppen unter ſeinem unmit⸗ telbaren Befehl, und wolle, daß ſeine Legaten mit den wenigen und neuen Truppen, die er ihnen an⸗ gewieſen, eben ſo viel ausrichten ſollten, als fruͤher, wo ſie noch uͤber zahlreiche und krieggewohnte Schaaren verfuͤgen konnten. Man kann ihm jedoch nicht zur Laſt legen, daß er es an eigenen Anſtrengungen habe fehlen laffen; denn waͤhrend des Septembers, wo er darauf beſtand, den Krieg in Sachſen ſeſtzuhal⸗ ten, zeigte er, obgleich kein bedeutendes Gefecht vorſiel, durch eine Reihe von ſtrategiſchen Opera⸗ tionen, wie ſehr es ihm darum zu thun ſey, den Krieg unter feinen Augen zur Entſcheidung zu bringen. Es war die Abſicht Napoleons, die Allkirten zum Ste hen und zur Schlacht auf irgend einem Punkte, wo er ſich von ſeiner augenblicklichen Ueber⸗ macht oder von ſeiner groͤßeren ſtrateglſchen Kunſt einen entſcheidenden Sieg verſprechen konnte. Die Alliirten dagegen, die ſeine Talente und ſeine Ver⸗ zweiflung fuͤrchteten, wollten ein allgemeines Ge⸗ fecht vormeiden, das Land in dem Bereich ſeiner Stellungen wuͤſte legen, ſeine Verbindungslinten faſſen, ganz Deutſchland weit und breit in Aufſtand bringen, und zuletzt, wenn ſeine Truppen zuſam⸗ mengeſchmolzen und entmuthigt ſeyn wuͤrden, ihn um⸗ zingeln und auf das engſte einſchließen. Wenn der Leſer dieſe Zwecke ſich einpraͤgen und einen Blick auf die Karte werfen will, ſo wird er die Bedeutung 16 der folgenden Bewegungen beider Theus leicht ver⸗ ſtehen. Nachdem er Ney, wie wir eben geſehen, deauß tragt hatte, die Fortſchritte des Kronprinzen von Schweden zu hemmen und wo moglich Berlin zu nehmen, brach Buonaparte in Perſon am 3ten Sey⸗ tember von Dresden auf, in der Hoffnung, dem Marſchall Bluͤcher, deſſen Koſacken ſeit der Schlacht an der Katzbach gegen Oſten vorgeruͤckt waren und ſogar in der Naͤhe von Bautzen einen Konvoi auf⸗ gehoben hatten, einen gewaltigen Streich zu ver⸗ ſetzen. Aber in Gemaͤßheit des im Hauptauartier der Verbuͤndeten beſchloſſenen Planes zog ſich der preußiſche Veteran ſofort zuruͤck und vermied die Schlacht. Indeſſen wurde Napoleon durch die Nach⸗ richt von der Niederlage Ney's bei Dennewitz und durch die noch dringendere Meldung, daß die Allilr⸗ ten im Begriff ſeyen, wieder in Sachſen einzufallen und Dresden von Neuem zu bedrohen, auf dieſen Punkt zuruͤckgerufen. Der Vortrab von Witgenſtein hatte ſich, wie es hieß, bei Pirna gezeigt, und Dres⸗ den war wieder in großer Unruhe. Der franzoͤſiſche Kaiſer eilte nach der Elbe und ſtand am 9ten vor Witgenſtein. Aber die alliirten Feldherren, die ei⸗ nen der ploͤtzlichen Schlaͤge fuͤrchteten, durch die Napoleon ſo oft dem Schickſal geboten, hatten Wit⸗ genſtein angewieſen, ſich gleichfalls zuruͤckzuzlehen, 8 Die Paͤſſe des Erharoirges nahmen ihn auf und Buo⸗ naparre 17 naparte, der ihm bis nach Peterswalde folgte, ſah den Fleck, wo Vandamme durch ſeine eigene Schuld eine ſo ſchreckliche Niederlage erlitten hatte; auch warf er einen Blick uͤber die Schlucht von Kulm auf Toͤplitz, das noch immer das Hauptquartier ſeines Rebenbuhlers Alexanders war. Mit ſeinem militaͤ⸗ riſchen Scharfblick erkannte er, wie gefaͤhrlich es ſeyn wuͤrde, ſich in ſo ungangbare Defiles, wie die Schlucht von Kulm, zu verwickeln, und beſchloß nicht weiter vorzuruͤcken. Napoleon kam am 12ten September wieder nach Dresden zuruͤck. Auf ſeinem Ruͤckzug dahin war ein unbedeutendes Scharmuͤtzel vorgefallen, bei dem Bluͤcher's Sohn verwundet und gefangen wurde. Dies gab Anlaß, im Bulletin mit einem Siege zu prah⸗ len. Um eben dieſe Zeit ging Bluͤcher wieder auf die franzoͤſiſchen Truppen, die ihm entgegenſtanden, los und zwang ſie, indem er ihre Verbindungen mit Dresden bedrohte, ſich von Bautzen und Neuſtadt gegen Biſchofswerda und Stolpen zuruͤckzuziehen. Wiͤhrend nun Buonaparte damit umging, ſich nach dem Norden zu wenden und dieſem raſtloſen Feinde zu Leib zu gehen, ward ſeine Aufmerkſamteft wieder nach dem Suͤden, auf die boͤhmiſchen Gebirze, gezo⸗ gen. Graf Lobau, der mit einem Beobaaen oskorps bei Gießhuͤbel ſtand, wurde von einer Abtheilung von Schwarzenberg's Heer angegt iffen. Napoleon eilte ihm zu Huͤlfe und verſuchte es zum 3 weiten W. Stott'?* Werke. LV III. 2— 185 Mal, in dieſe Gebirge zu dringen, von denen dier Adler der Allürten ſoooft herabſchoßen. Er kam bei dieſer Gelegenheit uͤber Kulm hinaus bis nach Nol⸗ lendorf, wo es mit den Alliirten zu einem Gefechte kam, das unentſchieden blieb, weil es durch einen jener gewaltigen Stuͤrme, die dieſer Jahreszeit ei⸗ gen ſind, unterbrochen wurde. Buonaparte ging wie⸗ der nach Gießhuͤbel und von da nach Dresden zuruͤck, wo er die ſchlimme Botſchaft erhielt, daß der Kron⸗ prinz im Begriff ſey, uͤber die Elbe zu gehen und Buͤlow vor Wittenberg die Laufgraͤben eroͤffnet habe, waͤhrend ſich Bluͤcher dem rechten Elbeufer nahe und weder Ney noch Macdonald ſtark genug ſeyen, ihs. ren Fortſchritten Einhalt zu thun⸗ Am 21ſten September zog Napoleon wieder in Perſon gegen ſeinen alten Feind. Er traf ihn bei Hartha, aber es war wieder vergebens Der preußi⸗ ſche Feldmarſchall glich dem geſpenſtigen Ritter in der Fabel. Wenn Napoleon auf ihn los ging, um ihn zu faſſen, ſo war kein Koͤrper da, auf den er haͤtte losſchlagen koͤnnen. Der Kaiſer verweilte einige Stunden in dem elenden, dreimal verheerten Dorfe Hartha, wahr⸗ ſcheinlich, um zu uͤberlegen, ob er ſich auf den Kron⸗ prinzen oder Bluͤcher werfen ſolle, um ſich wenig⸗ ſtens einen davon vom Halſe zu ſchaffen: Er fand dies aber nicht fuͤr thunlich, denn waͤhrend der geit, deren er bedurfte, um den einen oder den andern 19 dieſer Gegner zur Schlacht zu bringen, konnte Schwar⸗ zenberg wieder nach Dresden vorruͤcken, das ſo lange das Z84 ſeines Strebens geweſen, So konnte Napoleon weder in Dresden bleiben, ohne dem Kronprinzen oder Bluͤchern den Weg nach Sachſen und in das Elbethal offen zu laſſen, noch auch dieſen beiden Gegnern zu weit folgen, ohne die Sicherheit von Dresden und folglich ſeiner Com⸗ municationen mit Frankreich in Gefahr zu ſetzen. um das letztere, als das Gefaͤhrlichſte und Nachthei⸗ ligſte, zu vermeiden, zog er ſich wieder nach Dresden zuruͤck, wo er am 24ſten ankam. Seine Marſchaͤlle waren angewieſen, dem Centralvunkte, wo er ſein Hauptquartier hatte, naͤher zu ruͤcken, ſo daß das ganze rechte Elbeufer den Alliirten preisgegeben wurde. Baron Odeleben berichtet, es ſeyen die ſtrengſten Vefehle gegeben worden, die Haͤuſer zu zerſtoͤren, das Vieh wegzutreiben, die Waͤlder abzubrennen, die Fruchtbaͤume diedezih hen. mit einem Wort das Land in eine ganzliche Wuͤſte zu verwandeln(ein ſchlechter Dank Far das Ver⸗ trauen und die Treue des alten Koͤnigs von Sachſen!) Dieſe Befehle kamen jedoch nicht zur Voll⸗ ziehung, was zum Theil der Menſchlig keit der fran⸗ zoͤſiſchen Generale, zum Theil dem ſchuellen Vor⸗ ruͤcken der Alliirten zu verdanken iſt. Es bedurſte auch in der That dieſer neuen Grauſamkeiten nicht, denn dieſe Gegenden waren durch das Hin⸗ und Her⸗ — 2 2⸗ 20 ziehen der beiderſeitigen Truppen ſo arg mitgenom⸗ men worden, daß das Getreide, das Vieh und das Futter durchaus ſehlten, und zum Unterhalt fuͤr Menſchen und Vieh kaum noch etwas uͤbrig war, als die noch nicht eingeheimste Kartoffelernte. Nach ſeiner am aaſten erfolgten Ankunft zu Dresden verließ Napoleon dieſe Stadt bis zur Zeit ſeines voͤlligen Abzugs nicht wieder. Die Hartnaͤk⸗ kigkeit, mit der er ſich daſelbſt behauptete, iſt von elnigen Kritikern mit dem ſtarren Eigenſinu vergli⸗ chen worden, der ihn ſo lange zu Moskau feſtyielt. Aber die Faͤlle waren verſchieden. Wir haben uns fruͤher zu beweiſen bemuht, daß Napoleon am beſten daran gethan haben wuͤrde, vor Eroͤffnung des Ferdzugs Deutſchland zu raͤumen, die Befreiung deſ⸗ ſelben zuzugeben und dadurch den Haß, den er ſich durch ſein Streben nach Univ erſalherrſchaft zugezo⸗ gen hatte, zu vermindern. Da er aber nun einmal ſelue uͤbertriebenen Anſpruͤche nicht fahren laſſen wollte, ſo war es höoͤchſt zweckmaͤßig, Dresden bis zum letzten Augenblick zu behaupten. Sein Ruͤckzug von da nach ſo vielen Verluſten und mißl ungenen Vetucen wuͤrde den Abfall des ganzen Rheinbun⸗ des zu demAlles bereit war, vollends entſchieden haben. Sen Antirten waͤre dadurch die Gelegenheit gegeben ſwotäen auf dem linken Elbeufer ihre Vereinigung zu be⸗ Uigen, die den groͤßten Einfluß auf ſein Schickfal mußte. Blieb dagegen Napoleon in Dresden, . 21 ſo konnte er in wenigen Maͤrſchen die Verbindungs⸗ linien der Alliirten gewinnen, und durfte hoffen, durch Benutzung einer ihm gegebenen Bloͤße uͤber irgend einen ſeiner Gegner einen entſcheidenden Vortheil zu erringen und ſie vielleicht nacheinander im Detail zu ſchlagen. Die verbuͤndeten Souveraine und ihre Generale ſahen dies ein und verfuhren da⸗ her nach einem aͤußerſt vorſichtigen Plane, uͤber den ſich die franzoͤſiſchen Schriftſteller, als waͤre er ein Ergebniß der Furcht und nicht der Weisheit gewe⸗ ſen luſtig gemacht haben. Aber es war klar, daß die Zeit zu entſcheidenderen Operationen bald kom⸗ men muͤſſe, und darum ließen es ſich auch beide Theile angelegen ſeyn, ihre Macht ſo viel wie moͤg⸗ lich zu ſtaͤrken. Napoleons Soldaten hatten in der neueſten Zeit nicht ſowohl vor dem Feinde, als durch Stra⸗ patzen ſtark gelitten, und der Kaiſer ſah ſich genoͤ⸗ thigt, die 16,000 Mann von Augereau, die in der Gegend von Wuͤrzburg ſtanden, zu ſich nach Dresdeu zu berufen. Man kann jedoch ſagen, daß er durch dieſe Verſtaͤrkung eher verlor, als gewann; denn die Baiern, die, der Sache Frankreichs abbold, bisher nur durch das Korys von Augereau im Zaum gehal⸗ ten worden waren, ſahen daſſelbe nicht ſobald abzie⸗ hen, als ſie mit den oͤſterreichiſchen Truppen, die ihnen gegenuͤber ſtanden, ſofort in ein freundſchaftli⸗ ches Verhaͤltniß traten. Es wurden zwiſchen den 222 beiderſeitigen Hoͤfen Unterhandlungen angeknuͤpft, die man eben nicht ſonderlich zu verbergen ſuchte; der Glaube war allgemein, daß nur einige, das Ty⸗ rol betreffende Frag n inr gleichbaldiges Einverſtaͤnd⸗ niß einſtweilen noch verhinderten. Die Verbuͤndeten erhielten ihrerſeits eine Ver⸗ ſtaͤrkung von nicht weniger als 60,000 Ruſſen, die ihnen Bennigſen zufuͤhrte. Die meiſten von ihnen kamen aus den öͤſtlich von Moskau gelegenen Pro⸗ vinzen; man ſah hier Tartaren⸗ und Baſchkiren⸗ aͤmme, bisher in den europaͤlſchen Kriegen noch nie geſe ene Geſtalten in Schaafsfelle gekleidet und mit Bogen und Pfeilen bewaffnet. Das Hauptkorps beſtand jedoch aus regelmäßigen Truppen, wenn ſie gleich zum Theil etws aſtatiſch aus hen. Es war dies die letzte Verſtaͤrkung, welche die Alliirten zu er⸗ warten hatten, der letzte He rbann des faſt grenzen⸗ loſen ruſſiſchen Reichs. Manche dieſer Soldaten waren von der chineſiſchen Mauer her zu dieſer all⸗ gemeinen Kriegsverſammlung gekommen. 6 Da nun ihre Streitkraͤfte alle beiſammen und denen des Feindes weit uͤberlegen waren, ſo ſchrit⸗ ten die Alllirten zu einer combinirten vey gung, durch die ſie dieſelben auf dem linken Elbeufer zu eoncentriren gedachten, ſo daß Napoleon, wenn er noch laͤnger in D esden verweilen ſollte, von Frank⸗ reich abgeſchnitten wuͤrde. In dieſer Abſicht ging Bluͤcher am 3ten Okt. uͤber die Elbe, nahe bei dem 723 Punkt, wo die ſchwarze Elſter in dieſelbe faͤllt, ſchluͦg Bertrand, der ihm den Uebergang ſtreitig machen wollte in ſeinem verſchanzten Lager und nahm ſein Hauptquartier in Duͤben. Zu gleicher Zeit brachte auch der Kronprinz von Schweden ſeine Armee bei „Roßlau auf das linke Elbeufer und krat in Verbin⸗ dung mit der ſchleſiſchen Armee. So ſtanden dieſe beiden großen Heere auf dem linken Ufer des Stro⸗ mes, und nur die Diviſion Tauenzien blieb zur Be⸗ „lagerung von Wittenberg zuruͤck. Ney, vor deſſen Fronte dieſe Bewegungen vorgingen und der es mit geiner ſo uͤberlegenen Machtunicht aufnehmen konnte, „zog ſich gegen Leipzig zuruͤck. Waͤhrend der Kronprinz und Bluͤcher von Nord⸗ weſten her den öſtlichen Theil von Sachſen betra⸗ ten, ſetzre ſich die große Armee der Alllirten voͤm „Suͤden her nach derſelben Gegend in Bewegung und rruͤckte uͤber Sebaſtiansberg und Chemnitz heran. Am sten Okt. war das Hauptquartier des Fuͤrſten Schwar⸗ zenberg zu Marienberg.— Aus dieſen Bewegungen erſah Buonayarte ſo⸗ ggleich die Abſichten der Alllirten und die Nothwen⸗ digkeit, ihre Vereinigung zu verhindern. Zu dieſem Behuf wollte er Dresden mit ſeiner gauzen dispo⸗ niblen Streitmacht verlaſſen, Bluͤchern bei Duͤben angreifen und wo moͤglich dieſen raſtloſen Feind auf⸗ reiben, oder wenigſtens doch uͤber die Elbe zuruͤck⸗ werfen. Da er jedoch damals durchaus noch nicht 24 daran dachte, Dresden, das er in der letzten Zeit noch ſtaͤrker befeſtigt hatte, fuͤr immer zu verlaſſen, ſo legte er eine Beſatzung von mehr als 15,000 Mann unter St. Cyr in dieſe Stadt. Dieſes Korps ſollte die Stadt gögen diejenigen Truppen der Alliirten ver⸗ theidigen, die etwa noch in Boͤhmen zuruͤck waren und nach dem Abzug Napoleons uͤber Dresden her⸗ fallen moͤchten. Der Koͤnig von Sachſen und ſeine Geznahlin nebſt Familie wollten lieber Napoleon auf ſeiner abenteuerlichen Reiſe begleiten, als in res⸗ den zuruͤckbleiben, wo man eine Belagerung voraus⸗ ſah und die Lebensmittel nicht im Ueberfluß vorhan⸗ den waren. 8 Durch dieſelbe Behendigkeit, durch die ſich Bluͤ⸗ cher bei andern Gelegenheiten gegen Unfaͤlle geſichert hatte, entzog er ſich auch jetzt dem Ang iff, den Na⸗ polein gegen ihn im Schilde fuͤhrte. Von dem An⸗ marſche Napoleons in Keuntniß geſetzt, ging er am gten Okt. uͤber die Mulde und vereinigte ſich auf dem linken Ufer dieſes Fluſſes bei Zoͤrbig mit dem Kronprinzen. Napoleon, der abermals getaͤuſcht war, verlegte ſein Hauptquartier am loten nach Duͤben, wo er bald erfuhr, daß der Kronprinz und Bluͤcher aus Furcht, er moͤchte ſich zwiſchen ſie und die große Armee von Schwarzenberg einſchleben, ſich in der Nacht vom 0ten an die Saale gezogen haͤtten, wo ſie noch iumer auf felnen Communicgtionen ſtan⸗ 25 den, aber außer ſeinem Bereiche waren und ſich mit der großen Armee in Verbindung ſotzen konnten. Indem aber die Alliirten ſolchergeſtalt in weſt⸗ licher Richtung mandvrirten, blieb Berlin ungedeckt; es war wenigſtens durch die ſchwache Diviſton Tau⸗ enzien, die bei Deſſau ſtand, nicht hinreichend gedeckt. Dies ontging Napoleons Falkenauge nicht. Er legte ſeinen Marſchaͤllen einen kuͤhneren Operationsplan s er vielleicht je einen, wenn man von dem en Feldzug abſieht, ausgedacht hatte. Er ſchlug eder auf das rechte Elbeufer uͤberzuſetzen, ſei⸗ nen rechten Fluͤgel auf Dresden, ſeinen linken auf Hanbutg zu baſiren, dieſe Stellung feſtzuhalten, it dem Vorbehalt, bei der naͤchſten Ausſicht auf ei⸗ uber den Feind zu erhalkenden Vortheil wieder ie Elbe zu gehen, ploͤtzlich nach Schleſien zu chiren und die Belagerungen der Feſtungen an der Oder aufzuheben. In dieſer Abſicht hatte er be⸗ reits Regnier und Bertrand uͤber die Elbe geſchickt, ungeachtet dem Anſchein nach ihre Entſendung nur den Entſatz von Wittenberg bezwecken ſollte. 1* Keiner von denen, die Napoleon zu Rathe zog, wollte dieſen Plan gutheißen. Sie meinten alle, laͤnger in Deutſchland verweilon, ſey ſo viel, gls et⸗ was feſthalten wollen, was ſich nicht laͤnger behaup⸗ ten laſſe. Sie beriefen ſich auf die feindſelige Stim⸗ mung der Deutſchen; auf die Aufff ſung des Koͤnig⸗ reichs Weſtphalen, die Czernitſcheff neuerlich mit ei⸗ 26 nem Pulk von Koſacken bewerkſtelligt hatte; auf den nicht mehr zweifelhaften Abfall ihrer bisherigen Freun⸗ de; ſie ſprachen von der Schwaͤchung ihrer Streit⸗ kraͤfte und verwahrten ſich gegen einen Plan, durch welchen die Armee in einem verheerten, mit jedem Tage feindlicher geſinnten Lande zuruͤckgehalten wer⸗ den ſollte, umgeben von Feinden, denen man nichts anhaben koͤnne, weil ſſſie jedem nachtheiligen Gefechte auszuweichen wuͤßten, von denen man ſich necken laſ⸗ ſen muͤſſe, ohne es ihnen vergelten zu koͤnnen. Dies ſey, ſagten ſie, die Geſchichte der letzten drei Mo⸗ nate, in die nur die entſchledenen Niederlagen beiGroß⸗ beeren, Katzbach und Dennewitz einigen Wechſel ge⸗ bracht haͤtten. Napoleon blieb vom 11ten bis 14ten Okt. zu Du⸗ ben, in einem Zuſtande der Ungewißheit und Unthaͤ⸗ tigkeit, der ſeinem ganzen Weſen zuwider war, die Ver⸗ einigung ſeiner Streitkraͤfte und Nachrichten von den Alliirten abwartend.„Ich ſah ihn um dieſe Zeit,“ ſagt ein Augenzeuge,*)„auf einem Sopha vor einem Tiſche ſitzend, auf dem ſeine Karten la⸗ gen, ganz unbeſchaͤftigt, große Buchſtaben auf ein Stuͤck weißes Papier kritzelnd.„Berathſchlagungen mit ſeinen beſten Offizieren, die jedoch zu nichts fuͤhr⸗ ten, hrachten einigen Wechſel in dieſe unangenehmen Traͤumereien. In dieſen Berathungen ſtritt man ) Baron Odeleben in ſeinem intereſſanten umſtändli hen Be⸗ richt über die Feldzüge in Sachſen. 27 ſich und gerieth ſogar heftig aneinander. Wiederholte Unfalle hatten dieſe Maͤnner einander entfremdet, die in ihrer fruͤher ſtets gluͤcklichen Laufbahn Freunde gewor⸗ den waren. GroßesUngluͤckwuͤrde dieſelben wieder verei⸗ nigt und alsLeidensgenoſſen mit einander verbruͤdert ha⸗ ben. Aber eine Reihe van fehlgeſchlagenen Beſtre⸗ bungen hatte ſie erbittert, wie ein anhaltender Staub⸗ regen unertraͤglicher wird, als ein Gewitterſturm. Waͤhrend die Marſchaͤlle miteinander und mit Napoleon unzufrieden waren, beklagte ſich der letztere ſeinerſeits daruͤber, daß ſeine vornehmſten Offiziere gleichguͤltig, lau, linkiſchund darum ungluͤcklich geworden waͤren.„Den Generalen,“ ſagte er,„iſt es nur um Ruhe zu thun; ſie verlangen dieſelbe um jeden Preis.“ Die Marſchaͤlle behaupteten hinwiederum, Na⸗ poleon berechne ſeine Mittel nicht mehr nach ſeinen Zwecken; er laſſe ſich durch ſchoͤne Phraſen uͤber die Macht ſeines Sternes taͤuſchen— ſie beſpotteten ſeinen Ausſpruch, daß das Wort impossible nicht franzoͤſiſch ſey. Sie ſagten, dergleichen Phraſen ſeyen allerdings gut, um den Soldaten Muth zu machen, bei militaͤriſchen Entwuͤrfen muͤſſe man aber logiſcher verfahren. Sie ſtellten nicht in Abrede, daß ſie ſich nach Ruhe ſehnten, frugen aber, wer zu tadeln ſey, das Roß oder der Reiter, wenn das uͤber die Maßen getriebene Thier aus Ermattung zu Bo⸗ den ſinke. t 15A 3. 28 Napoleon ward endlich ſelbſt anderer Meinung, oder er fuͤgte ſich in die Anſichten ſeiner militaͤriſchen Rathgeber; die Befehle an Régnier und Bertrand, auf Berlin zu ruͤcken, wurden zuruͤckgenommen und der Ruͤckzug nach Leipzig beſchloſſen. Der Verluſt von drei Tagen machte die groͤßte Eile nothwendig und Buonaparte ſah ſich gezwungen, Davouſt zu Ham⸗ burg, Limarrois zu Magdeburg, Lapoype zu Witten⸗ berg und den Grafen Narbonne zu Torgau hinter ſich zuruͤckzulaſſen. Er ſcheint aber noch immer auf einen guͤnſtigen Zufall gehofft zu haben, der ihn wie⸗ der an die Elbe zuruͤckfuͤhren konnte.„Nur ein Don⸗ nerſchlag, wie er ſich ſelbſt ausdruͤckte, konnte ihn retten,“ aber es war nicht Alles verloren, ſo lang ihm noch das Mittel der Schlacht zu Gebote ſtand⸗ ein einziger Steg konnte Deutſchland wieder unter ſein Joch beugen. 1 Zweites Kapitel. Napoleon kommt am 15ten Okt na h Leivzig.— Beſchreibung dieſer Stadt.— Beſtand der franzöſiſchen und der alliirten Au⸗ mee.— Die Schlacht von Leipzig beginnt am 16ten und endet beim Einbruch der Nacht zum Nachtheil der Franzofen. — Napoleon ſchickt den General Meerveldt(ſeinen Gefange⸗ nen) an den Kaiſer von Orſterreich mit Vorſchlägen zum Waf. fenſtillſtand.— Es erfolgt keine Antwort.— Die Schlach wird 29 am Morgen des 18ten erneuert und dauert bis zur Nacht; die Franzoſen ziehen ſich zurück; der Verluſt auf beiden Seiten iſt unermeßlich.— Die Franzoſen räumen Leipzig am 19ten, von den Alliirten heftig gedrängt.— Der Rückzug wird durch das Auffliegen einer B ücke noch blutiger.— Fürſt Poniatowski er⸗ trinkt in der Elſter.— 25,000 Franzoſen werden gefangen ge⸗ nommen.— Die verbündeten Souveraine treffen des Mittags auf dem großen Marktylatze zu Leipzig im Triumphe zuſam⸗ men.— Der König von Sachſen wird als Gefangener nach Berlin geſchickt.— Betrachtungen. Der letzte Act des großen Drama, in ſoferne dieſes in Deut ſchland ſpielte, war jetzt nicht mehr ferne. In den erſten vierzehn Tagen des Oktobers hat⸗ ten die Truppenbewegungen keinen entſchiedenen Charakter gehabt. Nach dem iaten aber, wo die kriegfuͤhrenden Maͤchte ihre gegenſeitigen Plane nach⸗ gerade durchſchauten, ſtroͤmten die Alllirten und die franzoͤſiſchen Truppen, wie von einem gemeinſchaftli⸗ chen Mittelpunkte angezogen, Leipzig zu. Der Kaiſer kam am!5ten bei guter Zeit von Duͤben her nach Leipzig, wo er die willkommene Nachricht erhielt, daß ſeine ganze Streitmacht in Zeit von vierundzwanzig Stunden beindieſer Stadt verſammelt ſeyn wuͤrde; daß die oſterrelchiſche Hauvtarmee mit beſchleuntzten Schritte heranziehe; daß aber Bluͤcher, durch die gegen Berlin gemachte Demonſtration geſchreckt und zu Vertheidigungsmaß⸗ regeln veranlaßt, nicht ſo bald einteffen wuͤrde. AM 4 30 Die Moͤglichkeit, die eine Armee in Abweſenheit der andern zu bekaͤmpfen, war alles, was Napoleon wuͤnſchte. Indeſſen ließ ſich eine Kanonade hoͤren und bald darauf kam Murat mit der Nachricht von einem hiz⸗ zigen Reitergefechte, in welchem ſich beide Theile den Sieg zuſchrieben. Er ſelbſt, durch die Pracht ſeines Anzugs ausgezeichnet, war nur mit genauer Noth den Haͤnden eines preußiſchen Offiziers entgan⸗ gen, der von einem Dragoner aus dem Gefolge des Koͤnigs von Neapel getoͤdtet wurde. Ein anderer merkwuͤrdiger Umſtand bei dieſem Gefecht war das ausgezeichnete Benehmen eines preußiſchen Kuͤraſ⸗ ſterregiments. Als man dieſe wackeren Krieger da⸗ ruͤber belobte, erwiederten ſie:„Wie konnten wir anders? Es iſt heute der Jahrestag der Schlacht von Jena.““ Ein ſolcher Geiſt herrſchte unter den Alliir⸗ ten und aller Wahrſcheinlichkeit nach auch uͤnter den Franzoſen; jene hatten Unbilden zu raͤchen, dieſe ih⸗ ren Ruhm zu wahren. Die ehrwuͤrdige Stadt Leipzig hat die Geſtalt eines unregelmaͤßigen Vierecks; eine mit Baͤumen bepflanzte ⸗Teraſſe umſchließt die alte gothiſche Ring⸗ mauer. Vier Thore— auf der Nordſeite das hal⸗ ler und markrannſtaͤdter Thor, auf der Morgenſeite des grimmaer Thor, auf der Suͤdſeite des St. Pe⸗ tersthor— fuͤhren in die weitlaͤufigen Vorſtaͤdte. Auf der Weſtſeite der Stadt fließen die vleiſe und — 31 die Elſter in einem Wieſengrunde und bilden, indem ſie ſich in mehrere Arme theilen, eine Menge von ſumpfigen Inſeln. Ein Feind kann daher der Stadt auf dieſer Seite nur mittelſt der Bruͤcken beikom⸗ men, die uͤber dieſe Fluͤſſe und ihre vielfachen Ver⸗ bindungskanaͤle fuͤhren. Die erſte dieſer Bruͤcken fuͤhrt: nach dem Dorf Lindenau und von da nach Markrannſtaͤdt. Sie iſt ganz nahe bei dem Thor, das nach jenem Dorfe genannt wird. Dieſe Straße iſt die einzige Verbindungslinie zwiſchen Leipzig und dem, Rhein. Auf der Oſtſeite beſchreibt der Fluß Partha einen großen Halbkreis um die Stadt und ſchließt weite Ebenen mit verſchiedenen Huͤgeln und Hoͤhenpunkten ein, auf denen ſich eine vortheilhafte Stellung nehmen laͤßt. Auf der Suͤdſeite iſt das Terrain ungefaͤhr eben ſo beſchaffen, nur etwas wel⸗ lenfoͤrmiger; von den dortigen Hoͤhenpunkten heißt einer, wahrſcheinlich von den Zeiten von Guſtav Adolph her, die Schwedenſchanze, ein anderer die Schaͤferei von Meusdorf. Dieſer Terrainabſchnitt endet an der Pleiße. Man bemerkt auf demſelben eine Menge von Doͤrfern, die in den ſchrecklichen Tagen, welche wir jetzt beſchreiben wollen, einen hi⸗ ſtoriſchen Namen gewonnen haben. Unweit Konne⸗ witz beginnt der von der Pleiße und Elſter durch⸗ ſchnittene Sumpfboden. Auf dieſe letztgenannte Linie ſah man am 15ten Oktober die Kolonnen der großen Armee der Alllir⸗ 8 3²2 ten mit beſchleunigten Schritten anruͤcken. Napoleon traf ſofort ſeine Vertheidigungsanſtatten. Lindenau, durch welches die Straße von Markrannſtaͤdt, die Ruͤckzugsſtraße der Franzoſen, zieht, wurde von Ver⸗ tram beſetzt. Poniatowski beſetzte auf dem rechten Uſer der Pleiße alle Doͤrfer von Konnewitz an bis nach Markleberg. Bei Wachau, auf dem Hoͤhen⸗ punkte, wo ſich die Vertheidigungslinie nach Oſten wendet, nahm Augereau ſeine Stellung. Er ſtuͤtzte ſich auf Victor und Lauriſton bei dem großen Dorfe Liebertwolkowitz. Dieſe Korps hatten ihre Reiterei auf beiden Fluͤgein. Die kaiſerliche Garde war als Reſerve bei dem Dorfe Probſtheyda aufgeſtellt, und Maedonald beſetzte die ſanft anſteigende Hoͤhe zwi⸗ ſchen Stoͤtteritz nach Holzhauſen. Auf der entzegengeſetzten Seite, d. i. auf der Stadt, ſtand das Korps von Mar⸗ Nordſeite der Stadt mont zwiſchen Moͤckern und Euteritz. Es ſollte ge⸗ gen Bluͤcher Fronte machen, den man von Norden her erwartete. Entlang dieſer ſolchergeſtalt beſetzten Stellung, vorzuͤglich aber gegen die ſuͤdliche Fronte derſelben, hatten die Verbuͤndeten Angriffskolonnen gebildet und die aͤußerſten Vorpoſten beider Armeen ſtanden am Abend an einigen Stellen nur einen Musketenſchuß von einander. Kein Theil ſchien je⸗ doch die Schlacht eroͤffnen zu wollen, welche ent⸗ ſcheiden mußte, ob Frankreich die ihm durch das Talent eines großen Feldherrn gewordene dber uͤber 33 uͤber andere Vöͤlker noch laͤnger uͤben, oder dieſe ih⸗ ren angeſtammten Fuͤrſten zuruͤckgeben ſolle. In der Schlacht des folgenden Tages ſollen 136,000 Franzoſen gegen 230,000 Alliirte gefochten haben. Bei den Franzoſen kam das Korps von Sou⸗ ham nicht ins Gefecht, das von Régnier war noch nicht eingetroffen; bei den Alltirten waren das Korps des Kronprinzen und das von Bennigſen auch noch zuruͤck. Nach allen Angaben ſollen die Alllrten 80⁰,000 bis 100,000 Mann ſtaͤrker geweſen ſeyn, als ihre Gegner. Sie ſcheinen alſo zuletzt die ſtrategiſche Marxime Napoleons befolgt zu haben, dem die Stra⸗ tegie nichts war, als die Kunſt, ein Marimum von Streitkraͤften auf einen gegebenen Punkt zu brin⸗ gen. Napoleon, der ſelbſt alle Poſten beſichtigte, er⸗ theilte ſeine letzten Befehle und benuͤtzte den preg⸗ nanten Augenblick, um den Truppen von Augereau, die als Neulinge noch keine Adler hatten, dieſe Eh⸗ renzeichen zu verleihen. Diefe mit militaͤriſchem Pompe vollzogene Feier erinnert an die alte Sitte, am Vorabende einer Schlacht Nitter zu ſchlagen. Die Soldaten mußten ſchwoͤren, ihre Adler nicht zu ver⸗ laſſen, und der Kaiſer ſchloß mit dem Ausruf:„Dort druͤben ſteht der Feind. Schwoͤrt, eher zu ſterben, als Frankreich entehren zu laſſen.“„Wir ſchwoͤren,“ riefen die Bataillons;„es lebe der Kaiſer!“ Und W. Scott's Werke. LVIII. 3 34 ſie hielten allerdings Wort in den ſchranlichen Ge⸗ fechten, die jetzt folgten. Napoleon traf ſeine Vorkehrungen vorzüͤglich auf der Suͤdſeite von Leipzig. Man behauptet ſo⸗ gar, aber wahrſcheinlich ohne Grund, er habe auf der Nordſeite keinen ernſtlichen Angriff erwartet. Aber am 15ten Abends ſtiegen drei in weißem Licht erglaͤnzende Raketen am ſuͤdlichen Horizont gegen den dunklen Himmel auf, die alsbald von vier rothen Naketen auf der Nordſeite erwiedert wurden. Man hielt dies fuͤr ein verabredetes Signal zwiſchen der großen Armee der Alllirten und den Heeren des Kronprinzen und Bluͤcher's. Dieſe konnten dahet oben nicht mehr weit entfernt ſeyn. Napoleon blieb hinter dem Mittelpunkt der Stellung bei ſeinen Garden, gegenuͤber dem von den Verbuͤndeten beſetzten Dorfe Goſſa. 6 „Bei Tagesanbruch am 16ten Okt. begann die Schlacht. Die franzoͤſiſche Stellung wurde entlang der ganzen ſuͤdlichen Fronte mit groͤßter Wuth an⸗ gegriffen. Auf dem franzoͤſiſchen rechten Fluͤgel ſturmte Kleiſt mit ſeinen Preußen den Ort Marklee⸗ derg, waͤhrend die oͤſterreichiſche Diviſton Meerveldt, durch die Suͤmpfe auf dem linken Pleißeufer drin⸗ gend, den Uebergang uͤber dieſen Fluß zu erzwingen drohte. Poniatowski, der hier ſtand, verlor Terrain, ſo daß der Kaiſer die Truppen von Souham, die in der Nacht augetroſſen und zur Unterſtuͤtzung von 35 Marmont auf der Nordſeite von Leipzig beſtimmt waren, ihm zu Huͤlfe ſchicken mußte. Marſchall Victor vertheidigte das Dorf Wachau im Mittel⸗ pankt der Stellung gegen den Prinzen Eugen von Wuͤrtemberg. Die Stadt Liebertwolkowitz wurde von Lauriſton gegen Klenau behauptet. Die Verbuͤndeten machten ſechs verzweifelte Angriffe auf dieſe Punkte, aber immer ohne Erfolg. Sie waren gewiſſermaßen in der Lage von Ringern, die ſich durch unnuͤtze und voreilige Anſtrengungen erſchoͤpft haben; und Napo⸗ leon, der jetzt die Offenſive ergriff, fing nachgerade an, ſeine Kunſt und ſeine Kraft zu zeigen. Macdonald erhlielt Befehl, Klenau anzugreifen und ihm mit der Reiterei von Sebaſtiani von Lie⸗ bertwolkowitz zuruͤckzuwerfen, waͤhrend zwei ſeiner Diviſionen zur Unterſtuͤtzung von Lauriſton anruͤck⸗ ten. Es war Mittag, als dieſes allgemeine Vorruͤk⸗ ken entlang dem franzoͤſiſchen Centrum Statt fand. Es hatte eine Zeillang einen furchtbaren Erfolg. Das Dorf Goſſa, das bis dahin von den Alliirten beſetzt war und im Mittelpunkt ihrer Schlachtord⸗ rung lag, wurde mit dem Bajonet genommen. Die Anhoͤhe, der Schafhof genannt, kam auch in große Gefahr, und Macdonald bemaͤchtigte ſich der Schwe⸗ denſchanze. Dus Centrum der Alllirten wat nahe daran, gaͤnzlich durchbrochen zu werden. Schon ſen⸗ dete Napoleon eine Stegesbotſchaft an den Koͤntg von Sachſen, der deßwegen in Leipzig alle Glocken 3* 36 laͤuten ließ, waͤhrend der immer fortdauernde Kano⸗ nendonner das frohe Gelaͤute Luͤgen zu ſtrafen ſchien. Indeſſen warf ſich der Koͤnig von Neapel mit La⸗ tour⸗Maubourg und Kellermann in die im feindli⸗ chen Centrum entſtandene Luͤcke und ſtuͤrmte mit der ganzen Reiterei vorwaͤrts nach Magdeburg, einem im Ruͤcken der Alllirten gelegenen Dorfe, den Ge⸗ neral Raefskoy, der ihm mit den Grenadieren der Reſerve in den Weg treten wollte, uͤber den Haufen werfend. 3 3tsts Aber in dieſer dringenden Gefahr, in dem Au⸗ genblick, wo die franzoͤſiſche Reiterei durch ihren Sieg ſelbſt in Unordnung gerieth, ließ der Kaiſer Alexander ſeine Gardekoſacken, die den Dienſt bei ihm hatten, auf dieſe los. Dieſe, unter den Augen ihres Herrn fechtend, uͤbertrafen ſich ſelbſt; ſie mach⸗ ten das Manoͤver Napoleons zu Schanden und draͤngten mit ihren langen Lanzen die dichte Reiter⸗ maſſe zuruͤck, die faſt das Schickſal des Tages ent⸗ ſchieden haͤtte. 3 Waͤhrend das Gemetzel auf der Suͤdſeite von Leipzig fortdauerte, ließ ſich auch rechts eine Kano⸗ nade hoͤren; Bluͤcher war vor der Stadt angelangt und ſogleich mit Marmont, dem er wenigſtens um das Dreifache uͤberlegen war, handgemein gsworden. Adjutanten kamen athemlos herangeſprengt, um die Truppen von Souham, die, urſpruͤnglich als Reſerve für Marmont beſtimmt, zur Unterſtuͤtzung von Po⸗ 32 niatowski verwendet worden waren, abzuholen. Sie konnten jedoch nicht abgegeben werden und Bluͤcher erhielt dadurch große und euntſcheidende Vortheile. Er nahm das Dorf Moͤckern mit 20 Geſchuͤtzen und 2000 Gefangenen; und als die Nacht die Kaͤmpfen⸗ den trennte, fand es ſich, daß er die Stellung des Feindes bedeutend eingeengt hatte. Aber der Kampf auf der Suͤdſeite von Leivzig blieb ungeachtet ſeiner Heftigkeit unentſchieden. Goſſa wurde noch immer ſtreitig gemacht, genommen und wieder genommen, blieb aber endlich im Beſitz der Alliirten. An der Pleiße war das Gefecht nicht weniger hitzig. Die Oeſterreicher von der Diviſion Bianchi warfen ſich unter furchtbarem Geſchrei auf Markleeberg. Poniatowski, von Augereau unterſtuͤtzt, vermochte kaum ſeinen Poſten zu behaupten. Schwar⸗ zenberg mandvrirte auf dem linken Ufer der Pleiße, in der Abſicht, ein Kavalleriekorys uͤber den ſchlam⸗ migen Fluß zu ſchiében und die Stellung der Fran⸗ zoſen im Ruͤcken zu nehmen. Aber alles, was durch die ſchlechte Furth kam, wurde ſofort angegriffen und zuruͤckgetrieben, und General Meerveldt fiel den Franzoſen in die Haͤnde. Noch welter links operirte das Korps von Giulay gegen Lindenau und die dor⸗ tigen Bruͤcken, die, wie wir bereits bemerkt haben, den einzigen Ausgang von Leivzig nach dem Rhein hin bilden. Dies war der einzige Ruͤckzugsweag, der den Franzoſen blieb, wenn ſie in dem ſchrecklichen 38 Kampfe, der jetzt gefochten wurde, den Kuͤrzern zo⸗ gen. Giulay haͤtte dieſe Bruͤcken zerſtoͤren koͤnnen; man glaubt aber, er habe Befehl gehabt, den Paß offen zu laſſen, damit die Franzoſen nicht zur Ver⸗ zweiflung gebracht und hiedurch zu unberechenbaren Anſtrengungen veranlaßt wuͤrden. Die Schlacht wuͤ⸗ thete mit gleicher Heftigkeit bis zur Nacht fort, wo dann die Blutarbeit, wie durch eine gegenſeitige Uebereinkunft, eingeſtellt wurde. Drei Kanonen⸗ ſchuͤſſe waren fuͤr die entfernteren Korps das Sig⸗ nal, daß der Kampf fuͤr jetzt geendet ſey, und die Armeen zogen ſich auf der Suͤdfeite in dieſelben Stellungen zur Ruhe zuruͤck, die ſie in der Nacht inne gehabt. Die Franzoſen hatten das waͤhrend des Tages gewonnene Terrain zuletzt wieder verloren, aber doch ihre urſpruͤngliche Stellung gegen die wuͤ⸗ thenden Angriffe eines ſo uͤberlegenen Feindes ganz behauptet. Auf der Nordſeite hatten ſie ſich nicht mit dem gleichen Erfolge vertheidigt. Marmont war von Bluͤcher geworfen und die ganze Verthei⸗ digungslinie auf dieſer Seite näher an die Stadt zuruͤckgedraͤngt worden. Napoleon unterzog ſich indeſſen dem keaurigen 6 eſchäft, ſeine Truppen zum Behuf einer gewiß eh⸗ 3 renpollen, aber zuletzt doch unnuͤtzen Vettheidigung zu ordnen. Der Ruͤckzug wurde unvermeidlich, aber wie ſollte dieſer durch die engen Straßen einer uͤber⸗ fuͤllten Stadt geſchehen; wie follten 100,000 Mann 3⁰ von wenigſtens doppelt ſo vielen Feinden gedraͤngt, auf einer einzigen Bruͤcke fortkommen? Dies war eine Frage, die ſelbſt Buonaparte nicht loͤſen konnte. In dieſer Noth kam er auf den Gedanken, das zaͤrtliche Gefuͤhl, das der Kaiſer von Oeſterreich nothwendig fuͤr ſeine Tochter und ſeinen Enkel haben mußte, in Auſpruch zu nehmen. Die Gefangennehmung des Generals Meerveldt gab eine um ſo ſchicklichere Ver⸗ anlaſſung zur Anknuͤpfung einer Unterhandlung, als derſelbe General nach der Schlacht von Auſterlitz von Seiten des deutſchen Kaiſers Napoleon um eine derſoͤnliche Zuſammenkunft und guͤnſtige Bedingun⸗ gen gebeten hatte. In einer geheimen Unterredung mit dieſem Offizier erfuhr Napoleon den wirklich er⸗ folgten, ſchon lange befuͤrchteten Abfall des Koͤnigs von Baiern, die Vereinigung ſeiner Truppen mit den oͤſterreichiſchen und den dieſen gewordenen Auftrag, ihm den Ruͤckweg an den Rhein zu verſper⸗ ren. Dieſe ſchlimme Nachricht vermehrte ſeinen Wunſch nach Frieden, und er bat, wiewohl mit ge⸗ hoͤriger Wuͤrde, um die Vermittlung ſeines Schwle⸗ gervaters. Er wollte nun die Bedingungen von Prag annehmen, erbot ſich, Polen und Illyrien abzutreten, wollte die Unabhaͤngigkeit Hollands, der Hanſeſtaͤdte und Spaniens anerkennen, dies leßtere aber bis zum allgemeinen Frieden aufgeſchoben wiſſen. Itallen ſollte als ungbhaͤngig betrachtet und in ſeiner Inte⸗ gritaͤt belaſſen werden. Endlich woltte er zum Preis 40 eines augenblicklich eintretenden Waffenſtillſtandes Deutſchland raͤumen und ſich an den Rhein zuruͤck⸗ ziehen. Dieſe Bedingungen waren dieſelben, die fruͤher, aus freien Stuͤcken angeboten, von den Alliirten ſehr gerne angenommen worden waͤren. Aber das große Talent und der Starrſinn Napoleons, die Ue⸗ berzeugung, daß er ſeinen Anſpruͤchen nur mit dem Vorbehalt entſage, dieſelben bei einer guͤnſtigern Ge⸗ legenheit wieder geltend zu machen, ſeine furchtbare Macht in dieſem Sinne zu wirken, all dieſes ver⸗ haͤrtete die Herzen der Alliirten gegen das, was von einem Andern als von Napoleon kommend(wenn uͤberhaupt ein Anderer ſich in Napoleons Lage haͤtte befinden koͤnnen) gut aufgenommen worden waͤre. „„Leben Sie wohl, General Meerveldt,“ ſagte Na⸗ poleon, ſeinen Gefangenen entlaſſend,„wenn Sie von meinetwegen bei den zwei Kaiſern das Wort Waffenſtillſtand fallen laſſen, ſo zweifle ich nicht, daß es, wenn es in ihren Ohren erklingt, manche Erin⸗ nerungen in Ihnen wecken wird.“ Dieſe Worte ſind in ihrer Simplicitaͤt ſo ruͤhrend, ſie kamen aus ei⸗ ner ſo ſtolzen Bruſt und von einem Manne, der da⸗ hin gebracht war, den Edelmuth, den er gegen Au⸗ dere bewieſen hatte, fuͤr ſich anſprechen zu muͤſſen, daß ſie gewiß jeden ſymyathetiſch ergreifen. 3 General Meerveldt ging aus, wie der Bote aus der Arche, und lang und aͤngſtlich wartete Na⸗ 41 poleon auf ſeine Ruͤckkehr. Aber es war der Rabe, der keinen Oelzwelg zuruͤckbrachte. Napoleon erhielt keine Antwort, als bis ſeine Truppen uͤber den Rhein zuruͤckgegangen waren. Die Verbuͤndeten hatten ei⸗ nander feierlich das Wort gegeben, in keine Unter⸗ handlung ſich einzulaſſen, ſo lange noch ein Mann von der franzoͤſiſchen Armee in Deutſchland waͤre. Buonaparte mußte nun auf ſeinen Ruͤckzug den ken, aber er betrieb die dazu noͤthigen Anſtalten nicht mit der rechten Eile. Der Morgen kam und der Feind verhielt ſich ruhig, weil er noch auf Bennigſen und den Kronprinzen von Schweden wartete. In der Zwiſchenzeit haͤtte man, da man Faͤſſer und Ma⸗ terialten aller Art im Vorrath hatte und Arbeiter zuſammenbringen konnte, ſo viel man wollte, auf ir⸗ gend eine der den Ingenieurs bekannte Weiſe fliegende Bruͤcken uͤber die Elſter und Pleiße, die ruhige Baͤche ſind, legen und die zwiſchen denſelben befindlichen Suͤmpfe gangbar genug machen koͤnnen. Unter weit nachtheiligeren Umſtaͤnden hatte Napoleon eine Bruͤcke uͤber die Berezina zu Stande gebracht. In dieſen Tadel ſtimmt ein vollguͤltiger Richter, General Rog⸗ niat vom Geniekorps, ſelbſt ein; er verſichert, es waͤre, wenn man es mit Eifer betrieben haͤtte, Zelt genug geweſen, ſechs Bruͤcken zu ſchlagen.⸗Die Ant⸗ wort, daß er, als damaliger Chef des Geniekorps, ſich dieſem Geſchaͤft haͤtte unterziehen ſollen, iſt ganz ungenuͤgend. Die franzoͤſiſchen Generale durften in 4² ſo wichtigen Faͤllen nicht die Initiative nehmen, nicht ohne Vorwiſſen und Befehl des Kaiſers handeln. Man behauptet auch, Napoleon habe wirklich befoh⸗ len, drei Bruͤcken zu ſchlagen; es ſey aber in die⸗ ſem ungluͤcklichen Feldzuge ſelten etwas zu Stande gekommen, wenn er nicht ſelbſt darnach ſehen konnte. Es iſt aber auch nichts dergleichen wirklich verſucht worden, außer in dem ſogenannten Richtergarten, wo die Bruͤcke, außerdem, daß ſie, wie die ſteinerne Bruͤcke, durch die Stadt fuͤhrte, aus zu ſchlechten Materialien erbaut wurde. Vielleicht verließ ſich Napoleon auf das Ergebniß der Sendung von Meer⸗ veldt; vielleicht hoffte er noch immer insgeheim, der Ruͤckzug koͤnnte unnoͤthig werden; vielleicht war end⸗ lich der Gedanke an dieſes Manͤper fuͤr ihn ſo ab⸗ ſchreckend, daß er dadurch vermocht wurde, die hiezu noͤthigen Vorkehrungen einem Andern zu. uͤberlaſſen; gewiß iſt es, daß man bei dieſem Geſchaͤft nicht mit dem gehoͤrigen Nachdruck verfuhr. Doch blieb das Dorl Lindenau auf dem linken ufer gehoͤrig beſetzt. Der 12te verſtrich, wie wir bereits erwäͤhnt ha⸗. ben, auf beiden Seiten unter Zuruͤſtungen ohne wirk⸗ liche Feindſeligkeiten; nur ließ ſich von Zeit zu Zeit in der Entfernung eine Kanonade, gleich dem Brum⸗ men eines koloſſalen Ungethuͤms, hoͤren, zum Vemeis daß der Krieg nur leicht ſchlummere.. Am i8ten Oktober des Morgens um acht uhr entbrannte die Schlacht wieder mit zehnfacher Wuth⸗ 43 Napoleon hatte den Kreis ſeiner Vertheidigung viel nger zuſammengezogen; auf der vorgeſchobenen Rei⸗ he von Hoͤhen und Doͤrfern, die man am 16ten ſo verzweifelt behauptet hatte, fanden die Verbuͤndeten nur noch Vorpoſten. Die Franzoſen ſtanden naͤher bei Leipzig, in einer Stellung, von der Probſtheyda der Mittelpunkt war. Napoleon ſelbſt hielt auf ei⸗ ner Anhoͤhe, Tonberg genannt, wo er das ganze Schlachtfeld uͤberſah. Hinter den Doͤrfern waren Maſſen aufgeſtelt, um die Vertheidiger derſelben von Zeit zu Zeit durch friſche Truppen abzuloͤſen. Die Fronte und die Flanken derſelben waren durch Bat⸗ terien vertheidigt; jedes Gebuͤſch oder Waͤldchen war mit Schuͤtzen beſetzt. Man focht bald auf allen Punk⸗ ten. Die Polen mit ihrem tapfern General Ponia⸗ towski, der hier auf ſeinem letzten Schlachtfelde ſtand, vertheidigten das Ufer der Pleiße und die da⸗ tan liegenden Doͤrfer gegen den Prinzen von Heſſen⸗ Homburg, Bianchi und Colloredo. Im Centrum ruͤckten Barclay, Witgenſtein und Kleiſt gegen Probſt⸗ heyda, wo ihnen der Koͤnig von Neapel, Victor, Augereau und Lauriſton unter Napoleons Au⸗ gen entgegenſtanden. Auf dem linken Fluͤgel hat⸗ te Maedonald ſein Korps von einem vorgeſcho⸗ benen Punkte, Holzhauſen genannt, nach dem Dorfe Stoͤtteritz, dem ihm in der neuen verkuͤrzten Schlachtlinie angewieſenen Poſten, zuruͤckgezogen. Auf dieſer ganzen ſuͤdlichen Fronte wuͤthete das Feuer 44 auf beiden Seiten in einem fort, ohne daß die ge⸗ ſchreckten Zuſchauer von den Mauern und Thuͤrmen Leipzigs eine Schaar vorruͤcken oder wanken ſahen. Die Franzoſen hatten den Vortheil des Bodens, die Alliirten die Mehrzahl fuͤr ſich. Die einen wie die andern wurden von den erſten Feldherren ihres Lan⸗ des und Jahrhunderts befehligt. Um zwei Uhr Nach⸗ mittags drangen die preußiſchen Abtheilungen unter General Pirch und Prinz Auguſt mit der ungeſtuͤm⸗ ſten Tapferkeit in Probſtheyda ein. Das franzöoͤſiſche Heergefolge ergriff die Flucht; das Getoͤſe uͤbertoͤnte ſelbſt den Geſchuͤtzesdonner. Napoleon, ſtill und ru⸗ hig in das Getuͤmmel hineinſchaubnd, ordnete ſeine alte Garde, welche die Reſerve bildete, und fuͤhrte ſie ſelbſt zur Wiedereroberung des Dorfes vor, wo er ſie einbrechen ſah, ehe er ſich wieder auf die Unhoͤhe zuruͤck⸗ begab, wo er das Gefecht uͤberſah. Waͤhrend dieſes gan⸗ zen ereignißvollen Tages, an welchem er weniger fuͤr den Sieg, als fuͤr ſeine Rettung focht, blieb dieſer wun⸗ derbare Mann ruhig, entſchloſſen, gefaßt, und unter⸗ ſtuͤtzte ſeine gebrochenen und zuſammengeſchmolze⸗ nen Schaaren im Schwalle der Gefahr mit derſelben Geiſtesgegenwart und demſelben Muthe, mit welchen er ſo oft der Fluth des Sieges ihre Richtung gege⸗ ben hatte. Vielleicht waren ſeine militaͤriſchen Ta⸗ lente jetzt, wo er zugleich gegen das Schickſal und gegen die Ueberzahl ankaͤmpfte, mehr zu bewundern, als zur Zeit ſeiner herrlichſten Siege, wo die lau⸗ nenhafte Gluͤcksgoͤttin mit ihm und fuͤr ihn focht. 3 45⁵ Die Verbuͤndeten ſahen ſich trotz ihrer Tapfer⸗ keit und Ueberzahl genoͤthigt, von den moͤrderiſchen Angriffen auf die Doͤrfer abzuſtehen, wobei ſie ſo un⸗ geheuer verloren; ſie zogen ihre Truppen zuruͤck, ließen ihre Kanonen und Haubitzen vorfahren und begnuͤgten ſich, ein furchtbares Feuer auf die franzoͤ⸗ ſiſchen Maſſen zu unterhalten, ſobald ſie ſich zeigten und die Doͤrfer mit einem Hagel von Kugeln und Granaten zu uͤberſchuͤtten. Die Franzoſen erwieder⸗ ten dieſes Feuer ſobald ſie konnten, hatten aber we⸗ niger Geſchuͤtz und die Munition ging ihnen nachge⸗ rade aus. Doch behauptete Napoleon den ganzen Tag uͤber ſeine Stellung im Suͤden von Leipzig, wo er ſich ſelbſt befand. Auf der Nordſeite kam Ney, der einen weit zahl⸗ reichern Feind zu bekaͤmpfen hatte, in große Noth. Er ward zugleich von Bluͤcher und von dem Kron⸗ prinzen, der jetzt eingetroffen war, gedraͤngt. Der letztere ruͤckte in drei Kolonnen auf drei verſchiede⸗ nen Punkten uͤber die Partha; und Ney ſah ſich zum Ruͤckzug genoͤthigt, um ſeine Truppen naͤher bei Leipzig zu concentriren und ſeinen rechten Flü⸗ gel an Napoleons Armee zu lehnen. Die Ruſſen erhielten Befehl, dieſe neue Stel⸗ lung zu ſtuͤrmen und beſonders das vorgeſchobene Korps von Régnier, das auf der Anhoͤhe Heiterblick zwiſchen den Doͤrfern Taucha und Paunsdorf ſtand, zuruckzuwerfen. Auf einmal Rugen bie Truppen auf 46 dieſem Theil des Schlachtfeldes in geſchloſſenen Rei⸗ hen, mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel⸗ die Schwerter iu der Scheide, den Alliirten entge⸗ gen. Dieſes war eine ſaͤchſiſche Brigade, die mitten im Gefecht Zeit und Gelegenheit benuͤtzte, Napoleons Dienſt zu verlaſſen und ſich fuͤr die Sache der Un⸗ abhaͤngigkeit zu erklaͤren. Dieſe Maͤnner hatten ohne allen Zweifel das Recht, die Sache ihres Vaterlan⸗ des zu ergreifen, und das Joch eines Fremdlings abzuſchuͤtteln, das fuͤr Sachſen ſo druͤckend war; aber nicht auf dem Schlachtfelde ſelbſt darf die eine Sache mit der andern vertauſcht werden; und diejenigen, die, mit der einen Partei ins Feld geruͤckt, ploͤtzlich und ohne vorlaͤufige Anzeige ihre Schwerter gegen diejenigen kehren, mit denen ſie bis dahin gemein⸗ ſchaftlich geſtritten, machen ſich in jedem Sane des Verraths ſchuldig. Die Ruſſen, die eine Srieggliſt befürchteten, wieſen die ſaͤchſiſchen Truppen, die ſich auf 16,000 Mann beliefen, hinter die Stellung. Aber die ſaͤch⸗ ſiſche Artillerie nahm ſogleich Theil am Gefecht; und nachdem ſie des Vormittags die eine Haͤlfte ih⸗ rer Munition gegen die Alliirten verbraucht hatte, verſchoß ſie des Nachmittags die uͤbrige Haͤlfte auf die Franzoſen. Dieſer unerwartete Vorfall noͤthigte den Marſchall Ney, ſeine Vertheidigungslinte noch enger zuſammenzuziehen. Ungeachtet der Tapferkeit und des Eifers, den dieſer ausgezeichnete General 47 hier bewies, ging Schoͤnfeld doch verloren. Dieſes ſchoͤne Dorf bildet beinahe eine der noͤrdlichen Vor⸗ ſtaͤdte Leipzigs, und Napoleon ſchickte umſonſt feine Reitergarde, um das Vorruͤcken des Kronprinzen aufzuhalten. Dieſer uͤberwaͤltigte allen Widerſtand und trieb Ney hart an die Thore von Leipzig zuruͤck. Dies war das letzte Aufbrauſen der Schlacht an die⸗ ſem Tage; auf das Signal von drei Kanonenſchuͤſſen wurde das Schlachtfeld den Todten und Verwunde⸗ ten uͤberlaſſen.— DOpbgleich die franzoͤſiſche Armee an dieſem ſchreck⸗ lichen Tage ihre Stellung ſtandhaft behauptet hatte, ſo ſchien ſie ſich doch nicht laͤnger in und zunaͤchſt bei⸗ Leipzig halten zu koͤnnen. Die Alliirten waren ih⸗ nen ſo nahe gekommen, daß ihre Angriffe am drit⸗ ten Tage uͤbereinſtimmender und gleichzeitiger werden mußten, als je. Die Ueberzahl wurde nach dem gro⸗ ßen Blutbade der vergangenen Tage noch wirkſamer, aus dem einfachen Grunde, well die ſtaͤrkere oder zahlreichere Armee mehr Menſchen aufs Spiel ſez⸗ zen konnte. Auch ſagt Baron Fain, die Franzoſen haͤtten in den vier letzten Tagen die enorme Sum⸗ me von 250,000 Kugeln verfeuert, und es ſeyen nur noch 16,000 Patronen uͤbrig geweſen, die kaum zu einem zweiſtuͤndigen Feuer genügten. Dies war dem Umſtande zuzuſchreiben, daß man den großen Artille⸗ riepark nach Torgau gewieſen hatte, was zum Be⸗ weiſe dient, wie wenig Napoleon, als er Dresden⸗ 48 verließ, daran dachte, ſeine Stellung an der Elbe aufzugeben. Ueberdies wurden auch die Lebensmit⸗ tel immer ſeltener. Wegen allem dieſem konnte Na⸗ poleon nicht wohl laͤnger bei Leipzig verweilen, be⸗ ſonders, da der baieriſche General, jetzt ſein erklaͤrter Feind, bereits auf ſeiner Verbindungslinie mit Frank⸗ reich ſtand. Es war vorauszuſehen, daß der nothwendig ge⸗ wordene Ruͤckzug ungluͤcklich ausfallen werde, da die franzoͤſiſche Armee, von einer uͤberlegenen Macht un⸗ ter den Mauern einer großen Stadt zuſammenge⸗ draͤngt, durch die engen Straßen derſelben defiliren mußte und nur auf zwei Bruͤcken, wovon die eine nur ſchlecht und n der Eile geſchlagen worden, uͤber die Pleiße und die Elſter, die einen ſumpfigen Bo⸗ den durchſchneiden, kommen konnte, und dann nur die einzige Straße von Lindenau hatte, auf der noth⸗ wendig ein entſetzliches Gedraͤnge entſtehen mußte. Aber dieſen Uebeln war nicht abzuhelfen, man mußte ſich denſelben ausſetzen. Der Ruͤckzug begann in der Nacht, und Buona⸗ varte, der ſich nach Leipzig begab, durchwachte eine dritte qualvolle Nacht, um die Befehle auszuferti⸗ gen, durch welche die verſchiedenen Armeekorps an⸗ gewieſen wurden, eines nach dem andern durch die Stadt zu ziehen und uͤber die beiden Fluͤſſe zu ge⸗ hen. Es entſtand bald ein entſetzliches Gedraͤnge in der Stadt, aus der die Truppen auf den Uünen pet⸗ 49.. geſchrlebenen Wegen ſo gut ſie konnten, zu kom⸗ men ſuchten. Macdonald und Poniatowski erhielten den ehrenvollen aber gefaͤhrlichen Auftrag, den Ruͤck⸗ zug zu decken. 3 „Prinz,“ ſagte Napoleon zu dem braven Polen, „Sie muͤſſen die ſuͤdliche Vorſtadt vertheidigen.“ a“Ach Sire,“ antwortete dieſer,„ich habe nur noch wenige Soldaten. 5 „Gut, aber Sie werden doch mit den wenigen, die Sie haben, ihre Aufgabe loͤſen?“ „Zweifeln Sie nicht, Sire, es ſoll an uns nicht fehlen; wir ſind alle bereit, fuͤr Euer Majeſtaͤt das Leben zu laſſen.“ Napoleon ſchied von dem braven, ihm ſo erge⸗ benen Prinzen, dem er vor kurzem den Marſchalls⸗ ſtab verliehen hatte. Sie ſollten ſich in dieſer Welt nicht wieder ſehen. b Als die Alliirten bei Tagesanbruch den Ruͤckzug der Franzoſen gewahr wurden, ſetzten ſich ihre Ko⸗ lonnen ſofort in Bewegung, um den Feind mit allem Muthe, den der Sieg gibt, in den Vorſtaͤdten und Straßen von Leipzig zu draͤngen und zu uͤberwaͤlti⸗ gen. Der Koͤnig von Sachſen, die Vorſtaͤnde der Stadt und einige franzöoͤſiſche Generale botem Allem auf, um von der Stadt die Gefahren abzuwenden, die ihr drohten, wenn ſich auf den Straßen zwiſchen dem Nachtrab der Franzoſen und dem Vortrab der Alliirten ein Gefecht entſpann. Sie ſtellten das W. Scott's Werke. LVIII. 4 50 Geſuch, man moͤchte zur Schonung der ungluͤcklichen Stadt die franzoͤſiſche Armee ihren Nuͤckzug unge⸗ ſtoͤrt bewerkſtelligen laſſen. Aber ſind je ſiegreiche Feldherren von der Verfolgung ihrer Vortheile durch Ruͤckſichten der Menſchlichkeit abgehalten worden! In Napoleon dagegen drang man, die Vorſtaͤdte in Brand ſtecken zu laſſen, um dem Andringen der Al⸗ liirten Grenzen zu ſetzen. Da aber hiedurch ein entſetzliches Ungluͤck angerichtet worden waͤre, ſo ent⸗ hielt ſich Buonaparte edelmuͤthigerweiſe eines Be⸗ fehls, den ſein Nachtrab nicht ohne eigene Gefahr haͤtte vollziehen koͤnnen, und der denſelben noch uͤber⸗ dies veranlaßt haben wuͤrde, die Stadt zu pluͤndern. Auch mochte Napoleon fuͤhlen, was er dem Vertrauen und der Treue des ehrwuͤrdigen Koͤnigs von Sach⸗ ſen ſchuldig ſey, der ſo lange ſein Schickal getheilt hatte und nun dem ſeinigen uͤberlaſſen werden mußte. Die Stadt dieſes ungluͤcklichen Fuͤrſten in Brand zu ſtecken, waͤhrend man es ihm uͤberließ, ſich mit den Alliirten, ſo gut er konnte, abzufinden, waͤre ein ſchlechter Dank fuͤr das geweſen, was er fuͤr Frankreich gethan und erlitten hatte. Viel beſ⸗ ſer waͤre es auch nicht geweſen, wenn Napoleon den Koͤnig auf ſelnem unheilvollen Ruͤckzuge mit ſich ge⸗ nommen und ihn dadurch außer Stand geſetzt haͤtte, mit den gegen ihn aufgebrachten Souverainen ſei⸗ nen Frieden zu machen. 8 4 um neun Uhr des Morgens nahm Napoleon 51 Abſchied von Friedrich Auguſt, wobei er ihn aus ſei⸗ nem bisherigen Buͤndniß entließ und es ihm frei⸗ ſtellte, jede Verbindung einzugehen, die er dem Be⸗ ſten ſeines Landes zutraͤglich finden wurde. Dieſer Abſchledsſcene ward ploͤtzlich ein Ende gemacht durch ein heftiges Musketenfeuer, welches andeutete, daß die Alllirten in die Vorſtaͤdte gedrungen und mit den Franzofen, die dieſelben nicht raͤumen wollten, handgemein geworden ſeyen. Der Koͤnig und die Koͤnigin von Sachſen beſchworen Buonaparte, ſein Pferd zu beſteigen und ſich zu retten. Aber ehe er dies that, entließ er die koͤniglich ſaͤchſiſchen Leibgarden aus ihren Verpflichtungen gegen Frankreich und em⸗ pfahl die koͤnigliche Familie in ihren Schutz. Als Napoleon den naͤchſten Weg nach dem mark⸗ rannſtaͤdter Thor einſchlug, um an die Bruͤcke zu kom⸗ men, ſah er, daß er nicht durchkommen wuͤrde. Die 100,000 Franzofen, die, von 200,000 Feinden ver⸗ folgt, durch die Stadt ſtroͤmten, das zahlreiche Fuhr⸗ werk, die vielen Verwundeten und ſo Manche, die nicht zuruͤckbleiben wollten, verurſachten ein Gedraͤn⸗ ge, das ſelbir Napoleon nicht mehr entwirren konnte. Er nahm daher mit ſeinem Gefolge eine andere Rich⸗ kung, kam durch das St. Petersthor aus der Stadt und ging ſo lange fort, bis er die anruͤckenden Ko⸗ lonnen der Allkirten zu Geſicht belam, ſchlich ſich dann an der oͤſtlichen Verſtadt hin und erreichte, ei⸗ nem Seitenwege folgend, die Bruͤcke. Allein die 4 1, 52 proviſoriſche Bruͤcke, von der wir oben geſprochen, war bereits gebrochen, ſo daß der franzoͤſiſchen Ar⸗ mee kein Ausweg mebr blieb, als die alte ſteinerne Bruͤcke auf der Straße von Lindenau. Ohne den tapfern Widerſtand, den die Truppen des Nachtrabs noch immer leiſteten, waͤre der groͤßte Theil der franzoͤſi⸗ ſchen Armee nothwendig verloren geweſen. Aber dieſe wurden endlich⸗ nachdem ſie Wunder der Tap⸗ ferkeit verrichtet hatten, mit ihren braven Chefs auch zum Nuͤckzug gezwungen, und ehe ſie die Ufer des Fluſſes erreichen konnten, hatte ein ſchrecklicher Unfall Statt gefunden. Die fuͤr die Rettung dieſer bedraͤngten Armee ſo unentbehrliche Bruͤcke war auf Napoleons Beſehl unterminirt und ein Offizier dabei zuruͤckgelaſſen wor⸗ den, mit dem Auftrag, dieſelbe zu zerſtoͤren, ſobald der Feind verſuchen wuͤrde, ſich dieſes Paſſes zu be⸗ maͤchtigen. Ob der Offizier, dem dieſer Auftrag ge⸗ worden war, ſeinen Poſten abſichtlich oder zufaͤlliger⸗ weiſe verlaſſen, oder vorher den Tod gefunden habe, iſt nicht bekannt worden. Aber in dieſem kritiſchen Augenblick war es ein Feldwebel, der ſtatt ſeiner die Sapeurs befehligte. um 11 Uhr des Morgens kam ein Korps ſchwedlſcher Scharfſchuͤtzen mit lautem Hurrah am ufer des Fluſſes herauf und feuerte auf die dichten Haufen, die langſam uͤber die Bruͤcke zo⸗ gen; zu gleicher Zeit zeigten ſich auf der Suͤdſelte Koſacken und Uhlanen, die demſelben Flecke zuellten, 53 waͤhrend die ſaͤchſiſchen und badiſchen Truppen, die ſich nun voͤllig auf die Seite der Alliirten geſchlagen *) Man hat die Sache, wie ſie hier erzählt wird⸗ anfangs in Zweifel gezogen und behauptet, Napoleon habe ſelbſt die Sprengung der Brücke in der ſelbfüchtigen Abſicht beſohlen⸗ ſeinen eigenen Rückzug zu ſichern. Aber nach allen Berich⸗ ten fand die Ervioſion ſo und aus der Urſache Statt, wie es im Text gemeldet wird. Dieſe Geſchichte iſt jedoch noch nicht ganz aufgehellt. Ein Oberſt vom Geniekorys⸗ Namens Montfort, iſt öffentlich als der Mann bezeichnet worden⸗ durch deſſen Schuld der Poſten einem Unteroffizier überlaſ⸗ ſen wurde. Man hat dagegen bemerkt, der einzige franzöſi⸗ ſche Ingenieuroffizier dieſes Namens ſey zur Zeit der Schlacht von Leipzig in Mainz angeſtellt geweſen. Auf dieſen Umſtand beruft ſich General Grouchy in ſeinen intereſſanten Bemer⸗ kungen zu dem Bericht des Generals Gouraaud von dem Feidzug 1815, wo er ſagt:„Gerne möchte man das Bul⸗ letin über die leipziger Schlacht vergeſſen, worin Oberſt Montfort gewiſſermaßen an den Pranger geſtellt wurde, ehe man ihn vor ein Kriegsgericht zos.“ Wedek der Oberſt⸗ noch der Feldw ebet iſt je vor ein Kriegsgericht geſtellt wor den. 3 4 54 Durch dieſe Kataſtrophe ward allen, die noch auf dem leipzi ger Ufer zuruͤck waren, der Ruͤckzug abge⸗ ſchnitten, mit Ausnahme derjenigen, denen es ge⸗ lang, durch die Plelße und Elſter zu ſchwimmen. Unter dieſen war der tapfere Marſchall Macdonald, der alle Hinderniſſe, die ſeiner Flucht entgegenſtan⸗ den, uͤberwand. Pontatowski, der tapfere Neffe des polniſchen Koͤnigs Stanislaus, war nicht ſo gluͤcklich. Er war der Liebling ſeiner Landsleute, die in ihrer Einbildung die Krone von Polen ſchon auf ſeinem Haupte glaͤnzen ſahen. Er ſelbſt, wie alle vernuͤnftigen Po⸗ len, theilte dieſe Hoffnung nicht, fuhr aber fort, Napoleon mit unerſchuͤtterlichem Eifer zu dienen, weil er immer ſein Freund und Wohlthaͤter gewe⸗ ſen. Zu tauſend andern glaͤnzenden Waffenthaten kam noch die treffliche Vertheidigung der ihm in der Schlacht von Leipzig angewieſenen Stellung, nach⸗ dem er in den fruͤheren Gefechten zwei Wunden erhalten hatte. Als er die Bruͤcke zerſtoͤrt und die feindlichen Truppen in allen Richtungen her⸗ andringen ſah, zog er den Saͤbel und rief ſeinem Gefolge und einigen wenigen polniſchen Kuͤraſſteren, die ihn begleiteten, zu:„Meine Herren, es iſt beſ⸗ ſer, mit Ehren zu fallen, als ſich zu ergeben.“ Er ſprengte an und ſchlug ſich durch die verbuͤndeten Truppen, die er auf ſeinem Wege fand, erhielt aber dabei eine Schußwunde in den Arm. Es zeigten ſich andere Feinde, auf die er ſich mit demſelben Erfolge 1 *— 55 warf, aber durch einen zweiten Schuß, der ihm durch ſeinen Ordensſtern fuhr, verwundet wurde. Er ſprang nun mit ſeinem Pferde in die Pleiße und kam mit Huͤlfe der Offiziere ſeines Stabs uͤber den Fluß, in welchem er jedoch ſein Pferd verlor. Ob⸗ gleich ſehr erſchopft, beſtieg er ein anderes Pferd, und ſtuͤrzte ſich, als er ſah⸗ daß der Feind das Ufer der Elſter mit ſeinen Scharfſchuͤtzen beſetze 2 in die⸗ ſen tiefen und moraſtigen Fluß, aus dem er nicht wieder lebendig zum Vorſchein kam. So verlor ein tapferer Fuͤrſt ſein Leben, der in gewiſſem Sinn der „Letzte der Polen genannt werden kann.*) Der Ueberreſt der franzoͤſiſchen Armee, der ſich nicht mehr uͤber dieſe unerbittlichen Fluͤſſe retten konnte, erhielt Pardon. Ungefaͤhr 25,000 Mann wurden gefangen, und da Napoleon in der Schlacht bei Hanau nur ungefaͤhr 200 Kanonen gehabt zu haben ſcheint, ſo muͤſſen viele in und um Leipzig zuruͤckgelaſſen worden ſeyn. Die Menge des genom⸗ menen Gepaͤcks war unermeßlich. 8 3 Der Kaiſer von Rußland, der Koͤnig von Preußen und der Kronprinz von Schweden trafen an der Spitze ihrer ſiegreichen Schaaren, ſich gegenſeitig begruͤßend, auf dem großen Marktplatze der Stadt zuſammen; wo ſich bald auch der Kaiſer von Oeſterreich einfand. General 9e) Sein Leichnam wurde gefunden, und mit allen militäriſchen Ehren zur Erde beſtattet; Sieger und Beſiegte erwieſen ihm die jetzte Ehre. A 4 3 56— 8 Bertrand, der franzoͤſiſche Stadtkommandant, uͤber⸗ gab dieſen erlauchten Fuͤrſten ſeinen T Degen. Die verbuͤndeten Monarchen wollten den Koͤnig von Sach⸗ ſen nicht ſehen. Er wurde unter einer Koſackenbe⸗ deckung nach Berlin abgefuͤhrt und nicht wieder auf ſeinen Thron eingeſetzt, als bis er ſeine Anhaͤnglich⸗ keit an Frankreich durch ein großes Opfer geſuͤhnt hatte. Der Rang und die Wuͤrde der in dieſem Drama auftretenden Perſonen machen daſſelbe fuͤr uns allerdings intereſſant. Das Beiſpiel Napoleons, der ſich ſelbſt an die Spitze ſeiner Armee ſtellte, ſcheint die Stellung der regierenden Furſten gewiſ⸗ ſermaßen veraͤndert zu haben; ſie, die ſich in ihrer wuͤrdevollen Zuruͤckgezogenheit den Muͤhen der Re⸗ gierung und den Gefahren des Krieges entfremdet hatten, wagten ſich jetzt in das Getuͤmmel der Schlacht, und befaßten ſich ſelbſt unmittelbar mit Unterhand⸗ lungen. Solche Scenen, wie ſie an dieſem denk⸗ wuͤrdigen Tage zu Leipzig Statt fanden— wir moͤgen nun Napoleons Abſchied von Friedrich Auguſt unter dem Kauonendonner und Schlachtruf feindlicher Ar⸗ meen, oder die triumphirende Zuſammen kunft der verbuͤndeten Souveraine auf dem großen Markte zu Leipzig ins Auge faſſen— waren ſeit Jahrhunderten nur in romantiſchen Dichtungen vorgekommen. Wenn wir aber bedenken— wie wichtig es fur die Vo lker iſt, daß ihre Herrſcher nicht Geſchmack am Kriege gewin⸗ nen, ſo entſteht allerdings die Frage, ob eine ſolche 57. Befoͤrderung der Kriegsluſt in den Fuͤrſten im Gan⸗ zen genommen fuͤr Europa etwas Er— uliches ſeyn moͤchte. Die Politik ſowohl als die Kriegskunſt gebot eine raſche und raſtloſe Verfolaung des geſchlagenen Feindes; aber die verbuͤndete Armee war durch die blutige Arbeit der Schlacht viel zu ſehr erſchoͤpft, als daß ſie ihren Sieg in vollem Maaße haͤtte benutzen koͤnnen. An Lebensmittel war in der ganzen Umge⸗ gend von Leipzig großer Mangel; und die Vorraͤthe der Stadt, von den Franzofen ſchon ſehr angegrif⸗ fen, halfen nur wenig. Die zerſtoͤrte Bruͤcke war fuͤr die Verbr än deten zum Vorruͤcken eben ſo noth⸗ wendig, als ſie es fuͤr Napoleon zum Ruͤckzug gewe⸗ ſen. Und dann iſt eine Bundesarmee in ihren Be⸗ wegungen nicht ſo raſch und entſchloſſen, als eine andere, die ihren Impuls von einem einzigen treff⸗ lichen und talentvollen oberſten Feldherrn erhaͤlt. Hievon werden wir mehr Beweiſe ſehen. Aber in⸗ deſſen war doch ein Hauptpunkt gewonnen. Die Be⸗ freiung Deutſchlands war vollendet, auch wenn Na⸗ poleon der vereinigten balertſch⸗oͤſterreichifchen Armee, die noch zwiſchen ihm und dem Rheinufe ſtand, ent⸗ kam; ſeine Eroberungsſchlachten hatten in der That zu Leipzig geendet— in den folgenden focht er fuͤr ſein Leben und ſeine Krone. —.— — 58 Dritres Kapitel. Details, den Rückzug der Franzoſen aus Deutſchland vetreffend. — Aulgemeiner Abfall der Anhänger Napoleons.— Schlacht bei Hanau am zoſten und z1ſten Okt.— Die Franzoſen ſiegen. — Sie ſetzen ihren Rückzug fort.— Napoleon kommt am 9ten Nov⸗ nach paris.— Zuſtand der öffentlichen Meinung in der Hauptſtadt.— Schickſal der franzöſiſchen Beſatzungen in Deutfch⸗ land.— Ankunft der Verbündeten am Rhrinufer.— Ihr Ju⸗ bel, der von ganz Deutſchland getheilt wird.— Die Alllirten anachen Halt am Rhein.— Allgemeine Ueberſicht der politlichen Berhäaltniſſe Napoleons.— Iralien.— Spanien.— Ferdinands Wledereinſetzung.— Befreiung des Pabſtes, der nach Rom zu⸗ rückkehrt.— Emancipation von Holland. Napoleon war nun auf dem Ruͤckzug und zwar auf dem letzten von Deutſchland nach Frankreich. Er geſchah in Unordnung und mit großem Verluſt, war aber bei weitem nicht ſo unheilvoll, als der denk⸗ wuͤrdige Ruͤckzug von Moskau. Die Truppen, durch ihr Ungluͤck erbittert, ſchritten, wie Baron Odeleben berichtet, mit wilden, drohenden Blicken fort, und die Garden insbeſondere erlaubten ſich jede Ausſchwei⸗ fung. In dieſer Verfaſſung kam die Armee durch Luͤtzen, das fruͤher einen ihrer glaͤnzendſten Siege geſehen hatte und jetzt Zeuge ihres Verluſtes und ihrer Zerruͤttung war. Napoleon ſelbſt zeigte keine Niedergeſchlagenheit; er ſchien zwar in Gedanken vertieft, war aber ruhig und gefaßt und gab ſich nicht mit eiteln Klagen, noch weniger mit unnuͤtzen Be⸗ 8 59 ſchuldigungen und Vorwuͤrfen ab. In den Paͤſſen von Eckartsberg von den leichten Truppen der Ver⸗ baͤndeten geneckt, eilte er nach Erfurt, wo er hoffte, einen Stillſtand machen und die Ordnung unter ſei⸗ nen aufgeloͤsten Schaareu wieder herſtellen zu koͤnnen. Am 23ſten Okt. erreichte er dieſe Stadt, die wegen ihrer feſten Zitadelle zu einem Sammelplatz geeignet war; aus den eingegangenen Berichten ſah er zu ſeinem Verdruß, daß ſein Verluſt noch viel groͤßer ſey, als er befuͤrchtet hatte. Die meiſten deutſchen Truppen ſeiner Armee waren abgegangen. Das ſaͤchſiſche und das badiſche Contingent hatten ihn ſchon fruͤher verlaſſen, jetzt ſchlichen ſich auch die uͤb⸗ rigen Contingente, als ſie ſahen, daß Napoleons Herrſchaft in Deutſchland zu Ende gehe, davon und gingen eutweder nach Hauſe oder zu den Alllirten uͤher. Von den Franzoſen kamen viele in dem er⸗ baͤrmlichſten Zuſtande und ohne Waffen nach Erfurt. Napoleon konnte ſich bei ihrem Anblick nicht enthal⸗ ten, zu ſagen:„Es ſind Schurken, die den Reißaus neh⸗ men; auf dieſe Weiſe kann ich 80,000 Mann verlieren, noch ehe ich an den Rhein komme.“ Der Geiſt des Abfalls fuhr ſelbſt in die naͤch⸗ ſten Umgebungen des Kaiſers. Murat, durch das anhaltende Ungluͤck ſeines Schwagers entmuthigt und erbost, beurlaubte ſich, um, wie er vorgab, friſche Truppen in Frankreich zu holen, in der That 60 aber, um in ſeine eigenen Staaten zuruͤckzukehren und ſein Schickſal von dem Napoleons zu trennen. Wie von einer Ahndung ergriſſen, daß er ihn nie wieder ſehen wuͤrde, umarmte Buonaparte ſeinen langjaͤhrtgen Waſſengenoſſen, als er Abſchied von ihm nahm. zu wiederholten Malen. Die Polen, die noch bei der Armee waren, be⸗ nahmen ſich auf eine ſehr edelmuͤthige Weiſe. Na⸗ poleon ſah ſich genoͤthigt, es ihrem Ehrgefuͤhl an⸗ heimzuſtellen, ob ſie noch laͤnger in ſeinem Dienſte bleiben oder ihn in dieſer Kriſe verlaſſen wollten. Manche von ihnen hatten ſo lange unter ſeinen Fah⸗ nen gedient, daß der Krieg ihr Handwerk und das franzoͤſtſche Lager ihr Vaterland geworden war. Aber viele andere hatten in dem ruſſiſchen Feldzug die Waffen ergriffen, in der Abſicht, Polen von dem druͤk⸗ kenden Joche der Fremden zu befreien. Sie waren von Napoleon getaͤuſcht worden, und hatten dies nicht vergeſſen; aber ſie dachten zu edel, um in dieſer Kriſe das an ihnen veruͤbte Unrecht zu raͤchen, und beſchloſ⸗ ſen einmuͤthig, die Fahnen Napoleons nicht fruͤher zu verlaſſen; als bis ſie ihn uͤber den Rhein in Si⸗ cherheit gebracht haben wuͤrden, und behielten ſich aber das Recht vor, alsdann auszutreten— ein Recht, von welchem auch viele Gebrauch gemacht haben. Napoleon brachte faſt zwei volle Tage in Erfurt zu, um ſeine Truppen wieder zu organiſiren, wobei ihm die dortigen Magazine und Vorraͤthe an Ausruͤſtungsge⸗ 61 genſtaͤnden aller Art ſehr zu Statten kamen. Er brachte hier wieder 80,000 Mann zuſammen; dies, ſammt den in den deutſchen Feſtungen zuruͤckgeblie⸗ benen Truppen, war der ganze Ueberreſt einer Ar⸗ mee von 280,000 Mann, mlt der Napoleon den Feldzug eroͤffnet hatte Da die zuruͤckgelaſſenen Beſatzungen ſich auf ungefaͤhr 80,000 Mann bellefen, ſo betrug der Verluſt der Franzoſen nicht weniger als 120,00 Mann. Jene Beſatzungen waren ihrem eigenen Schick⸗ ſale oder dem Gutduͤnken des Feindes uͤberlaſſen. Napoleon troͤſtete ſich aber mit der Hoffnung, daß ſie ſich an der Elbe miteinander vereinigen und dann der Weg nach Frankreich ſchon finden wuͤrden. Es wurden zu dieſem Zweck Befehle an die Feſtungs⸗ kommandanten ausgefertigt, von denen aber wohl keiner den Ort ſelner Beſtimmung erreicht haben mag. Ohne dieſen zur Wiederherſtellung ſeiner Armee ſo unentbehrlichen Halt, und ohne den Schutz, den ihm die Zitadelle von Erfurt gewaͤhrte, wuͤrde Na⸗ poleon aller Wahrſcheinlichkeit nach den⸗Ueberreſt ſei⸗ ner Armee auf dem Ruͤckzug von Leipzig vollends eingebuͤßt haben. Die Nachrichten, die er aber jetzt er⸗ hielt, waren von der Art, daß er in der Stellung von Erfurt nicht laͤnger verweilen konnte. Die baie⸗ riſche, kurz vorher noch mit ihm verbuͤndete Armee eilte, mit einem großen oͤſterreichiſchen Huͤlfskorps vereinigt und im Ganzen 50,000 Mann ſtark, unter 62 Wrede von den Ufern des Inn herbei und hatte Wuͤrzburg am Main erreicht, in der Abſicht, der fran⸗ Soͤſiſchen Armee den Weg nach Frankreich zu verſper⸗ ren. Hiezu kam noch die ſchlimme Botſchaft, daß die Oeſterreicher und Preußen auf ihrem Vormarſche ſchon bis Weimar und Langenſalza gekommen ſeyen, ſo daß er wieder in der Gefahr ſtand, gaͤnzlich um⸗ zingelt zu werden. Durch dieſe Umſtaͤnde bewogen, verließ Napoleon Erfurt am z5ſten in einem Wet⸗ ter, das ſo ſtuͤrmiſch, wie ſeine Gluͤcksumſtaͤnde war. Zufolge eines ungluͤckſeligen Beſchluſſes der Al⸗ llirten war Marſchall Bluͤcher angewieſen worden, in der Verfolgung der franzoͤſiſchen Armee ſeinen Weg uͤber Gießen und Wetzlar zu nehmen, und den kuͤrzeſten Weg an den Rhein, der uber Fulda und Gelnhauſen fuͤhrt, einer oͤſterreichiſchen, von Schmal⸗ kalden heranziehenden Kolonne zu uͤberlaſſen. So ward der ruͤhrigſte und unternehmendſte Verfolger von Napoleons gerader Ruͤckzugsſtraße abberufen und durch die Oeſterreicher, die ſich nicht ſonderlich ſputeten, nur unvollkommen erſetzt. Doch wurden die Franzoſen von den Koſacken unter Platoff, Czer⸗ nitſcheff, Orloff⸗Dennizoff und Kowaiski wieder einge⸗ holt und fortwaͤhrend von hinten und auf beiden Seiten gedraͤngt, ſo daß ſie noch großen Verluſt er⸗ litten. Siin Indeſſen beharrte Wrede, obgleich er weit we⸗ niger Truppen hatte, als Napoleon, auf ſeinem 63 Vorſatze, den Franzoſen den Weg nach Frankreich zu verſperren, und nahm zu dieſem Zwecke eine Stellung bei Hanau, wo die ſo eben genannten Ko⸗ ſackenchefs, die der franzoͤſiſchen Armee vorangeeilt waren, ſich mit ihm vereinigten und ihm ihren Beiſtand anboten. Waͤre Bluͤcher jetzt mit ſeinen Truppen bei der Hand geweſen, ſo haͤtte die Stunde Napoleons wahrſcheinlich geſchlagen; aber Wrede, der nur etwa 45,000 Mann hatte zuſammenbringen koͤnnen, war dem jederzeit gefaͤhrlichen Verſuche nicht gewachſen, einem kuͤhnen und verzweifelten Feinde ſeinen einzigen Rettungsweg abzuſchneiden. Auch hatten die Baiern den Vortheil des Bodens nicht in dem Maße fuͤr ſich, als fuͤr eine Phitteyde Stellung erforderlich iſt. Am zoſten hatten die Baiern den großen Wald von Lamboi beſetzt, und ſtanden auf dem rechten Ufer der Kinzig, bei einem Dorfe Namens Neuhof, wo ſich eine Bruͤcke befindet. Die Franzoſen warfen ein Korps leichter Truppen in den Wald, den man ſich von Baum zu Baum beſtritt, und wo die bei⸗ derſeitigen Schuͤtzen ungefaͤhr wie die Jaͤger bei ei⸗ nem großen Treibjagen verfuhren. Der Kampf wurde mehrere Stunde ohne entſcheidenden Erfolg fortge⸗ ſetzt, bis Buonaparte den linken Fluͤgel der Baiern mit Nachdruck angreifen ließ. General Curial wurde mit zwei Bataillons der Garde zur Unterſtuͤtzung der Schuͤtzen in den Wald geſchickt, und die Baiern, 64 die bei dem Anblick der Grenadiermuͤtzen ſich ein⸗ bildeten, dieſes ganze beruͤhmte Korps komme ih⸗ nen auf den Hals, wichen zuruͤck. Ein Reiteran⸗ griff, der zu gleicher Zeit auf Wrede's linken Fluͤgel erfolgte und gelang, vermochte dieſen, ſich uͤber die Kinzig zurackzuziehen. Die oͤſterreichiſch⸗baieriſche Armee hielt zwar noch immer Hanau beſetzt; da aber die Straße nach Frankfurt nicht durch dieſe Stadt, ſondern auf der Suͤdſeite derſelben vorbek⸗ fuͤhrt, ſo blieb Napoleon der erſehnte Nuͤckzugsweg offen, und er beeilte ſich, indem er jedes fernere Gefecht vermied, an den Rhein zu kommen. Da aber Mortier mit den 18,000 Mann, aus denen der eigentliche Nachtrab der Franzoſen beſtand, noch bei Gelnhauſen zuruͤck war, ſo ließ Napoleon drei In⸗ fanteriekorps unter Marmont ſtehen, um Mortier aufzunehmen, waͤhrend er ſelbſt mit dem Vortrab in der Richtung von Frankfurt nach Wilhelmsſtadt, und von da bis Hochheim fortruͤckte. Am 3iſten Morgens griff Marmont zugleich die Stadt Hanau und die Stellung von Wrede an. Er bemaͤchtigte ſich der erſten mittelſt eines Bombar⸗ dements; der andere Angriff geſchah bei der Bruͤcke von Neuhof. Die Baiern waren anfangs im Vor⸗ theil, und brachten ein Korps von 1000 bis 1200 Mann uͤber die Kinzig. Aber da dieſe ſofort mit dem Bajonet angegriffen und aufgerieben wurden, ſo war dies fuͤr ihren General eine Lehre, orſſch⸗ ge 65 tiger zu Werke zu gehen. Wrede ſelbſt wurde in dieſem Augenblick gefaͤhrlich verwundet, und ſein Schwiegerſohn, der Furſt von Oettingen, blieb auf der Stelle. General Fresnel, der das Kommando von Wrede uͤbernahm, ging vorſichtiger zu Werke und brach das Gefecht ab; und die Franzoſen, denen mehr daran lag, uͤber den Rhein zu kommen, als ihren Sieg uͤber die Balern zu vervollſtaͤndigen, folgten dem Kaiſer in der Richtung von Frankfurt. Die patriotiſche That eines deutſchen Muͤllers mag zur Erholung des Leſers hier eine Stelle fin⸗ den. Dieſer Mann, der den Gang des Gefechts beobachtete und ein Korps baieriſchen Fußyolks von einer ſtarken franzoͤſiſchen Kavallerieabtheilung hart bedraͤngt ſah, hatte die Geiſtesgegenwart, die Schleuße ſeines Muͤhlgrabens aufzuziehen, ſobald die Baiern wieder heruͤber waren, und ſolchergeſtalt Zwiſchen ſie und ihre Verfolger eine Schranke zu ſetzen, ſo daß die Infanterte Halt machen und ſich wieder in Schlachtordnung ſtellen konnte. Der be⸗ ſonnene Mann erhielt von dem Koͤnig von Baiern eine lebenslaͤngliche Penſton zur Belohnung. Die Franzoſen ſollen in dieſem hitzigen Gefechte gegen 6000, die vereinigten Baiern und Oeſterrei⸗ cher aber mehr als 10,000 Mann derloren haben. Dieſer neuen Gefahr entgangen, kam Napoleon am Zoſten Oktober zu Frankfurt an, und verließ am Iſten November eine Stadt, die bald andere Gaͤſte uſ⸗ W. Scott's Werke⸗ 1.VIII. 5 1 66 nehmen ſollte. Am folgenden Tage kam er nach Mainz, das er am?ten November wieder verlisß, um nach Paris zu gehen, w. er am oten eintraf, und ſo ſeinen zweiten ungluͤcklichen Feldzug ſchloß. Der Kaiſer erfuhr bald genug, daß die Stim⸗ mung des Publikums nichts weniger als ruhig ſev. Der Sieg von Hanau, durch den ſich Napoleon doch nur den Weg nach Frankreich geoͤffnet hatte, warf wieder einigen Glanz auf ſeine Waffen⸗ deſſen dieſe aber ſehr bedurften, da ſeine Unfaͤlle Tadel und Murren geweckt hatten. Seit der Aufkuͤndung des Waffenſtillſtandes ſchien les mit ihm zur Neige zu gehen, da die Allürten durch den Beitritt Oeſter⸗ reichs in Standi geſetzt wurden, ihn durch Ueber⸗ macht zu erdruͤcken. Neun Schlachten waren ſeit dieſer Periode vorgefallen, wenn man das Gefecht von Kulm, das wegen ſeiner Reſultate dieſen Na⸗ men allerdings verdient, mitrechnet. Von dieſen 9 Schlachten hatte Buonaparte nur 2 gewonnen— die von Dresden und die von Hanau; die Schlacht von Wachau war unentſchieden geblieben; dagegen hatten die Allitrten, bei Großbeeren, bei Jauer, an der Katzbach, bei Kulm, Dennewitz, Moͤckern und Leipzig große und entſcheidende Siege davon getengen. Noch ungluͤcklicher waren die Franzoſen in den vielen blutigen Scharmuͤtzeln geweſen, die uberall auf dem Kriegsſchauplatze Statt fanden; ſie hatten an Reiterei, beſonders der leichten, und eben ſo an 62 4 leichter Infauterie die Ueberzahl gegen ſich, da die Deutſchen, die mit Begeiſterung in dieſen Krieg zogen, die regulaͤren Armeen der Verbuͤndeten in die⸗ ſen Waffen ſehr verſtaͤrkt hatten. Dieſe Unfaͤlle waren, wie ſehr man ſie auch bemaͤnteln mochte, den Fran⸗ ezoſen nicht entgangen; auch unterdruͤckte der An⸗ blick von wenigen Fahnen und 4000 gefangenen Baiern, die man prahleriſch auffuͤhrte, die Frage nicht, was aus mehr als 200,000] Soldaten geworden ſey, wel⸗ cher Zauber den Rheinbund aufgeloͤst habe, und warum man hoͤren muͤſſe, daß Ruſſen, Oeſterreicher, Preußen und Deutſche im Oſten, und Englaͤnder, Spanier und Portugieſen im Suͤden gegen die un⸗ verletzlichen Grenzen der großen Nation im Anzuge ſeyen. Im glaͤnzenden Sonnenſcheine des Gluͤcks kann ein Volk zu ſehr vom Siege geblendet werden, aber der dunkle, vom Ungluͤck getruͤbte Horizont zeigt die Gegenſtaͤnde in ihrer wahren Farbe.. Das Schickfal der Beſatzungen, die Buonaparte unklugerweiſe in Deutſchlaud zuruͤckgelaſſen hatte, war auch nicht geeignet, das elnreißende Mißver⸗ gnuͤgen zu beſchwoͤren. Der Kaiſer fand waͤhrend dieſes Kriegs keine Gelegenheit mehr, dieſe krieg⸗ geuͤbten Truppen wieder an ſich zu ziehen, ſo ſehr er ſie auch in ſeiner Noth vermißte. Es blieb ih⸗ nen nichts uͤbrig, als ſich zu ergeben, und ſie tha⸗ en dies der Reihe nach wie folgt. Ss. Cyr, der ſich zu Dresden ganz auf ſeine 8 6. 5R eigenen ſchwachen Huͤlfsguellen beſchraͤnkt ſah, ta⸗ pitulirte am liten November; er ſollte mit ſeinen 35,0c0 Mann, worunter ſich jedoch viele Dlenſtun⸗ taugliche befanden, die Stadt raͤumen, und ſicheres Geleite nach Frankreich erhalten, unter der Bedin⸗ gung, innerhalb 6 Monaten nicht gegen die Alliir⸗ ten zu dienen. Schwarzenberg weigerte ſich, die Kapitulation, als zu guͤnſtig fuͤr die Belagerten, zu genehmigen. St. Cyr, der Dresden bereits verlaſ⸗ ſen hatte, ſollte wieder dahin zuruͤckkehren und in dieſelbe Lage verſetzt werden, in der er ſich beim Abſchluß der Kapitulation befunden. Dies war aber gegen die Kriegsregel und unmoͤglich, da der Feind inzwiſchen ſeine Vertheidigungsmittel kennen gelernt hatte. Der franzoͤſiſche General zog es daher vor, mit ſeinem Korys als Kriegsgefangener das Gewehr zu ſtrecken und uͤber den Bruch der Kapitulation zu klagen. Stettin ergab ſich am 21ſten November, nach ei⸗ ner Blokade von 8 Monaten. 8000 Franzoſen blie⸗ ben Kriegsgefangene. Die Preußen kamen hier wie⸗ der in den Beſitz von nicht weniger als 350 Geſchuͤtzen. Am 29ſten Nov. ging die wichtige Stadt Danzig, 40 Tage nach Eroͤffnung der Laufgraͤben uͤber. Wie bei Dresden weigerten ſich die Souveraine, die Ka⸗ pitulation, welche die freie Ruͤckehr der Beſatzung nach Frankreich verfuͤgte, zu genehmigen, machten aber dem General Rapp daſſelbe Anerbieten, wie 69 fruͤher dem Marſchall St. Cyr. Da Rapp ſich ganz wie St. Cor benahm, ſo wurden 9000 Franzoſen als Kriegsgefangene nach Rußland abgefuͤhrt. Die Bai⸗ ern, Weſtphalen und Polen, die zur Beſatzung ge⸗ hoͤrten, durften dagegen nach Hauſe zuruͤckkehren. Viele von dieſen nahmen Dienſte bei den Verbuͤn⸗ deten. Die Feſthaltung dieſer Garniſon muß den Ver⸗ bündeten auch wieder als ein Wortbruch anger echnet werden, den der Zweck, die Kraͤfte des Feindes zu ſchwaͤchen, nicht rechtfertigen kann. Nach der Schlacht von Leipzig war Tauenzien zur Blokade von Wittenberg und Belagerung von Torgau entſandt worden. Der letzte Platz ging am 26ſten Dec. mit einer Beſatzung von 10,000 elenden Menſchen uͤber, unter denen ein anſteckendes Fieber wuͤthete. Zamosk im Herzogthum Warſchau kapitu⸗ lirte am 22ſten und Modlin am 25ſten Dec. 3 Mit dem Schluß des Jahres 1813 waren nur noch folgende Plaͤße, im Ruͤcken der Alliirten von den Franzoſen beſeßzt: Hamburg,— Magdeburg, Witten⸗ berg, Kuͤſtrin, Glogau, nebſt den Zitadellen von Erfurt und Würzburg, nachdem die Franzoſen, wie wir ge⸗ ſehen haben, die letzteren Staͤdte geraͤumt hatten. an Die Beſatzungen der Feſtungen, die ſolchergeſtalt den Allürten in die Haͤnde ſielen, waren, in dem klaͤglichſten Zuſtande. Die Soldaten, die den ruſſt⸗ üſ Feldzug uͤberlebt hatten, und von Murat in dieſe Feſtungen gewlefen worden waren, er kran kten 70 faſt alle aus Entkraͤftung, oder auch well ihnen zu ſchnell eine reichlichere und beſſere Koſt gereicht wurde. Die Krankheit ward bald anſteckend und theilte ſich auch den Einwehnern mit. Als die mit einer Berennung nottzwendig verbundene Noth hin⸗ zu kam, nahm die Sterblichkeit bedeutend zu, und die Kranken hatten Urſache, die Sterbenden zu be⸗ neiden. Zu Torgau war die Seuche ſo peſtartig, daß die Preußen, denen der Platz am 26ſten Decem⸗ beruͤbergeben wurde, erſt vierzehn Tage ſpaͤter, als die Wuth der Krankheit anfing nachzulaſſen, es wagten, Beſitz davon zu nehmen. So weit verbreiteten ſich und ſo lange dauerten noch die unſeligen Folgen des ruſſiſchen Feldzugs. Es darf nicht uͤberſehen werden, daß durch die Uebergabe einer jeden dieſer Feſtungen ein Beren⸗ nungskorps dispontbel wurde, das ſich nach der Kriegs⸗ regel zu der Beſatzung wenigſtens wie zwei zu eins verhielt.* So erhielten die Armeen der Alllirten, waͤhrend Tauſende von Franzoſen nach Rußland und Oeſterreich als Kri egsgefangene abgefuͤhrt wurden, einen Zuwachs, der wenigſtens doppelt ſo ſtark war, als die Mannſchaft, die der franzöſtſchen Aruee ent⸗ zogen wurde. **) Drei zu eins iſt nach der allgemeinen Kriegzeegel 2 Wen⸗ hältnis des Verennungskorps zu der Beſatzuug. Aber in Fäuen, wo kein Entſatz und keine ſtarken Ausfälle zu beſor. gen Aud, mag dieſes Verhältniß füglich vermindert werden! 71 Waͤhrend dieſes in ihrem Ruͤcken vorging, ruͤck⸗ ten die verbuͤndeten Souveraige von Rußland und Preußen an den Rhein, deſſen rechtes Ufer faſt ganz vom Feinde befreit war. Die, Deutſchen ſind ſtolz auf dieſen ihren vaterlaͤndiſchen Strom, der fuͤr ſie ein Gegenſtand faſt kindlicher Verehrung iſt. Als die Truppen des Vortrabs den majeſtaͤtiſchen Strom anſichtig wurden, begruͤßten ſie den Vater Rhein mit ſo lautem und anhaltendem Jubel, daß die folgen⸗ den Kolonnen ihre Schritte beſchleunigten, in der Meinung, es ſey ein Strauß zu beſtehen. Das ſtolze und entzuͤckende Gefuͤhl der wiedererlangten Unab⸗ haͤngigkeit blieb nicht auf die tapferen Maͤnner be⸗ ſchraͤnkt, die die Befreiung ihres Vaterlandes be⸗ wirkt hatten: es verbreitete ſich uͤberall hin, und durchdrang die ganze Bevoͤlkerung Deutſchlands. Der Abzug der franzoͤſiſchen Armeen oder ihrer Truͤmmer aus einem Lande, wo ſie ſo lange geboten und faſt jede Spur von Nationalitäͤt vertilgt hatten, kann mit dem Sinken der großen Suͤndfluth vergli⸗ chen werden, wodurch die großen Grenzſaͤulen der Laͤnder, welche das Waſſer ſo lange uberdeckt hatte, wieder ſichtbar wurden. Die Wiederherſtellung der alten Fuͤrſtenthuͤmer war jetzt fuͤr die Verbuͤndeten das dringendſte Geſchaͤft. unmittelbar nach der Schlacht von Leipzig machte ſich der Kurprinz von Heſſen auf den Weg, um un⸗ ter dem Jubelgruß der Heſſen das Erbe ſeiner Vaͤ⸗ 7² ter wieder in Beſitz zu nehmen. Am 2ten Novem⸗ ber nahmen die Alllirten im Namen des Koͤnigs von England Beſitz von Hannover und allen dazu gehoͤ⸗ rigen Gebietstheilen. Der tapfere Herzog von Braun⸗ ſchweig, deſſen Muth und unperſoͤhnlichen Haß gegen Buonaparte wir bereits gelegenheitlich belobt haben, kehrte um dieſelbe Zeit in ſeine Erbſtaaten zuruͤck; und das kaum entſtandene Koͤnigreich Weſtphalen, die aus Gebietstheilen der genannten Fuͤrſtenthuͤmer zu⸗ ſammengeſtoppelte Ausſtattung von Hieronymus Buo⸗ naparte, ſchwand in die Luft, wie der Palaſt Alad⸗ dins in dem arabiſchen Maͤhrchen. zun Dreijenigen Mitglieder des Rheinbundes, die ihre Kronen und Fuͤrſtenhuͤte nur als unterwuͤrfige Vaſallen Napoleons getragen hatten, und gegen ihe. ren Zwingherrn eben ſo erbittert waren, als es ein dienſtharer Geiſt nur immer gegen den Zauberer ſeyn kann, der ihn im Bann haͤlt, ſaͤumten nicht, ihn zu verlaͤugnen, ſobald ſein Talisman zerbrochen war. Balern und Wurtemberg waren der Coalition ſchon fruͤher beigetreten,— die letztere Macht um ſo williger, als der Kronprinz ſelbſt waͤhrend Napo⸗ leons Gewalt ſeine Oberherrſchaft nicht anerkannt hatte? Den kleineren Fuͤrſten blieb daher nichts aͤbrig, als ſo bald wie moͤglich ſich füͤr dieſelbe Sache zu erklaͤren. Ihre Geſchaͤftsmaͤnner draͤngten ſich in das Hauptzugrtier der verbuͤndeten Souveraine, wo⸗ ihnen Friede und Freund chaft unter derſelben Be⸗ dingung zugeſichert wurde, innerhalb einer beſtimm⸗ ten Friſt eine dem jaͤhrlichen Ertrage ihres Gebiets gleichkommende Summe zu erlegen, und zur Ver⸗ theidigung der guten Sache das Dopyelte des Con⸗ tingents zu ſtellen, das ſie fuͤr Buonavarte geſtellt hatten. Sie ließen ſich das gerne gefallen; denn, wie hart ihnen die Forderung auch duͤnken mochte, ſo war doch durch den Sturz des frandoͤſiſchen Kai⸗ ſers die Hoffnung eines bleibenden Friedens gege⸗— ben, den jedermann mit der Fortdauer ſeiner Macht unvertraͤglich glaubte. Um die Ankunft ihrer Ergaͤnzungsmannſchaften und der deutſchen Contingentstruppen abzuwarten, auch um dem franzoͤſiſchen Kaiſer Zeit zu neuen Un⸗ terhandlungen zu laſſen, machten die verbuͤndeten Souveraͤne Halt am Rhein und legten ihre Truppen an den Ufern dieſes Stroms in Kantontrungsquar⸗ tiere! Waͤhrend dieſes Stillſtandes mußte es ſich zeigen, ob der ſtolze Sinn Napoleons ſich zu einem Frieden verſtehen wuͤrde, der den wefentlichen Ver⸗ aͤnderungen angemeſſen waͤre, die durch die beiden letzten Feldzuͤge in dem Zuſtande von Europa bewirkt worden waren. Ein ſolcher Friede war insbeſondere der Zweck Oeſterreichs; und man hoffte um ſo mehr, denſelben zu Stande zu bringen, als andere Unfaͤlle, ahnlich denjenigen, die Napoleon in D Deutſchland un⸗ mittelbar erlitten, auch anderswo ſeinen volitiſchen Horlzont getruͤbt hatten. 74 Italien, das ſo lange der Schauplatz ſeiner Siege geweſen, erlag nun demſelben Schickſal, wie ſeine uͤbrigen Eroberungen, und entſchluͤpfte mit reißender Geſchwindigkeit ſeinen Haͤnden. Im Anfang des Feldzugs hatte der Vicekoͤnig Eugen mit 45,000 Mann Oberitalien mit großer Gewandtheit und Tapferkeit gegen die uͤberlegenen Truppen des oͤſterreichiſchen Generals Hiller behauptet. Der Kries wurde vor⸗ zuͤglich an der illyriſchen Grenze gefuͤhrt, wo die Franzoſen Stand hielten, bis durch den Abfall der Baiern der öſterreichiſchen Armee die tyroler Paͤſſe geoͤffnet wurden, wo dann Eugen ſich hinter die Etſch zuruͤckziehen mußte. Die kriegeriſchen Kroaten, die ſich fuͤr ihren ehemaligen Herrn erklaͤrten, empoͤrten ſich und ſtanden bewaffnet an mehreren Punkten auf. Die Oeſterreicher bemaͤchtigten ſich am 2iſten Okto⸗ ber der wichtigen Seeſtadt Trieſt. General Nugent war mit einem engliſchen Geſchwader in die Muͤn⸗ dung des Po gedrungen, und hatte Truppen genng, um Ferrara und Ravenna zu beſetzen und einen all⸗ gemeinen Aufſtand gegen die Franzoſen zu veran⸗ ſtalten. Auch vernahm man, daß Murat, der in den Fall Napoleons verwickelt zu werden befuͤrchtete, und mehr der von Zeit zu Zeit von Napoleon erlittenen Beleidigungen, als der Groͤße, zu der er ihn erho⸗ ben hatte, gedachte, mit den Alltirten unterhandelte, um Behuf eines Friedens, durch den ihm ſeine Macht verbuͤrgt wuͤrde. Sonach konnte ſich Buong⸗ 75⁵ parte von Italien keinen Beiſtand verſprechen; die⸗ ſes ſchoͤne Land, der Gegenſtand ſeines Stolzes und ſeiner Zuneigung, ſchien im Gegentheil fuͤr ihn wie verloren. Noch ſchlimmer ſah es in Spanien aus. Durch die Schlacht von Vittoria war die angemaßte Ge⸗ walt von Joſeph Buonaparte zerſtoͤrt worden, und Napoleon wuͤnſchte nun ſelbſt das Ende dieſes Krie⸗ ges, geneigt, ein Koͤnigreich fahren zu laſſen, deſſen er ſich auf eine ſo unverantwortliche Weiſe bemaͤch⸗ tigt und das er in ſeinem unſeligen Starrſinn feſt⸗ gehalten hatte, wie ein Raſender ein gluͤhendes Ei⸗ fen feſthaͤlt, bis es ihm die Hand bis auf den Kno⸗ chen verſengt. Nach dieſer entſcheidenden Schlacht war der Her⸗ zog von Wellington durch nichts mehr verhindert, in Frankreich einzufallen; er zog es aber vor, vor⸗ erſt ſich der ſtarken Greuzſeſtungen St. Sebaſtlan und Pampeluna zu bemaͤchtigen. Jene ergab ſich endlich am ten September, und Soult konnte mit aller ſelner Kunſt und Tapferkeit Pampeluna doch nicht entſetzen. Die engliſche Armee, wenigſtens ihr linker Fluͤgel, ging am kten Oktober uͤber die Bidaſſoa, und Pampeluna ergab ſich am 31ſten deſ⸗ felben Monats. So ſtand der beharrlichſte und ge⸗ haßteſte von Napoleons Feinden bewaffnet auf dem franzoͤſiſchen Gebiete, angefuͤhrt von einem Feldherrn, der ſtets ſo gluͤtklich gewefen, daß er mit dem Sieg 76 Hand in Hand zu gehen ſchien. Unter dieſen Um⸗ ſtaͤnden war es nur ein ſchlechter Troſt, daß Suchet, der Herzog von Albufera, ſich noch in Catalonien hielt und ſein Hauptquartier in Barcelonaf hatte. Es waͤre fuͤr Napoleon ungleich vortheilhafter gewe⸗ ſen, wenn dieſer Marſchall und ſeine, noch durch kei⸗ nen Unfall entmuthigten Truppen auf der uoͤrdlichen Seite der Pirenaͤen in Bereitſchaft geſtanden waͤ⸗ ren, zur Vertheidigung der franzöͤüiſchen Grenze mit⸗ zuwirken. um eine ſo dringende Gefahr zu beſchwoͤren, nahm Napoleon ſeine Zuflucht zu einem Plane, der, ein Jahr fruͤher ausgefuͤhrt, die ſpaniſchen Angele⸗ genheiten ganz anders geſtaltet haben wuͤrde. Er beſchloß, wie bereits angedeutet wurde, von dem eit⸗ len Unternehmen, das ihn ſo viel Blut und Geld gekoſtet hatte, abzuſtehen, ſein eigenes Lieblings⸗ werk zu vernichten, die Anſpruͤche ſeines Bruders auf die ſpaniſche Krone aufzuheben, den rechtmaͤßi⸗ gen Monarchen wieder auf den Thron zu ſetzen und mit ihm ein Buͤndniß einzugehen, durch welches Spa⸗ nien aus der Liſte ſeiner Feinde geſtrichen und viel⸗ leicht gar in diejenige ſeiner Freunde eingetragen werden moͤchte. Haͤtte er ein Jahr vorher dieſes Mittel ergriffen, ſo wuͤrde Ferdinands Erſcheinung in Spanien wahrſcheinlich eine große Stoͤrung⸗ 1 die Berathungen der Cortes gebracht haben. Es iſt bekannt, daß die Spanier ſchon damals in die bei⸗ 27 den Parteien der Royaliſten und Liberalen zerfallen waren, und das bisherige Benehmen des jetzt regie⸗ renden Koͤnigs laͤßt es allerdings bezweifeln, ob er durch ſeinen Charakter, ſeine Klugheit oder Tugend ſich zum Vermittler zwiſchen beiden Parteien geeig⸗ net haben wuͤrde, die beide entſchloſſen waren, ihre entgegengeſetzten Anſichten aufs Aeußerſte zu trei⸗ ben. Es iſt nicht mehr als wahrſcheinlich, daß es zu einem Buͤrgerkriege gekommen ſeyn wuͤrde, zwi⸗ ſchen dem Koͤnig, der die ihm zufolge der alten Ver⸗ faſſang zuſtehende Machtvollkommenheit in Anſpruch nahm, und zwiſchen den Cortes, welche die neuer⸗ langten und durch ihre Conſtitution bis zu republi⸗ kaniſchen Ungebundenheiten geſteigerten Freiheiten moͤglichſt feſthalten wollten. Im Falle eines ſolchen Krieges waͤre Koͤnig Ferdinand wahrſcheinlich in die ihm von Napoleon gelegte Schlinge gerathen; er wuͤrde ſich mit ſeinem ehemaligen Kerkermeiſter ge⸗ ggen die Cortes und vielleicht felbſt gegen die Eng⸗ kaͤnder verbundet haben, die, obgleich ſie die theore⸗ tiſchen Uebertreibungen des beſtehenden Regterungs⸗ ſyſtems, durch welche die Patrioten in zwei Fact io⸗ nen getrennt wurden, nicht billigten, nichts deſto we⸗ niger die Cortes, als die Vertreter des ſpaniſchen Wolkes und als ihre Verbuͤndeten haͤtten ⸗behandeln muͤſſen. Talleyrand ſoll die Freilaſſung Ferdinands ſchon fruͤher empfohlen und dieſe Maßregel in Bezie⸗ hung auf Spanien eine Olla podrida genannt haben. 28 Aber dieſe Zugeſtaͤndniſſe Napoleons kamen zu ſpaͤt und waren ihm von der aͤußerſten Noth ſo offen⸗ bar abgedrungen worden, daß Ferdinand, ſo lieb ihm auch ſeine Freiheit ſeyn machte, ſie nicht wohl an⸗ nehmen konnte. Der Leſer iſt ohne Zweiſel begle⸗ rig, zu wiſſen, welcher Sprache ſich Napoleon gegen einen Fuͤrſten bedient habe, den er gefangen ge⸗ nommen, wie ein Menſchendieb weggeſtohlen und deſſen Thron er mit ſo beharrlichem Starrſinn einem Uſurparor angewieſen hatte. Vielleicht fuͤhl⸗ te Napoleon, als er den folgenden Brief ſchrieb, ſelbſt, daß ſein Benehmen ſich nicht beſchoͤnigen laſſe. Er ging daher, wie man ſehen wird, ſogleich zur Sache, wahrſcheinlich in der neberzeugung', daß der gefangene Monarch in der Freude uͤber ſeine Frei⸗ laſſung und Wledereinſetzung die veranlaſſenden ur⸗ ſachen eines ſo angenehmen Anerbietens und die Ausdruͤcke, in denen dieſes geſchah, eben keiner ſchar fen Kritik unterwerfen wuͤrde. „Mein Vetter! Der Zuſtand meines Reiches und meiner voe ſchen Lage bewegen mich, die Angelegenheiten Spaniens endlich ins Reine zu bringen. Die Englaͤnder befaſſen ſich mit jakobiniſchen und anarchiſchen Umtrieben; ihr Zweck iſt, den Thron und den Adel zu ſtuͤrzen und eine Republik zu errichten. Ich kann nicht ohne tiefe Betruͤbniß an die Vernichtung einer Nation denken, die meine Nachbarin iſt und in Beziehung 79 auf den Seehandel einerlel Intereſſe mit mir hat. Ich moͤche die Verhaͤltniſſe der Freundſchaft und gu⸗ zten Nachbarſchaft wieder herſtellen, die ſo lange zwiſchen Frankreich und Spanien beſtanden haben. Sie wollen daher auf dasjenige hoͤren, was ihnen Graf la Forest in meinem Namen voetragen wird“ u. ſ. w. Wenn man die Faſſung und den Inhalt dieſes — Schreibens mit jenem Verfahren zuſammenſtellt, durch welches die angedeuteten Verhaͤltniſſe abgebrochen worden waren, und mit der Weiſe, in welcher Na⸗ poleon ſeine Geſinnungen gegen Spanien bekundet hatte, ſo erſcheinen die heuchleriſchen Betheurungen des Verfaſſers zu offenbar als ein Werk der Noth, als daß ſie auch den gemeinſten Verſtand haͤtten taͤuſchen koͤnnen. Ferdinands Antwort war nicht ohne Wuͤrde. Er wollte ſich in keine Unterhandlungen eeinlaſſen, ohne ſich vorher mit der ſpaniſchen Regent⸗ ſchaft berathen zu haben, und verlangte durch eine Deputation des ſpaniſchen Volkes uͤber die Mittel belehrt zu werden, durch welche den Uebeln deſſel⸗ ben abzuhelfen ſeyn moͤchte. „Wird mir dieſe Bitte nicht gewäͤhrt,“ ſagte der Prinz in ſeiner Antwort an Napoleon,„ſo ziehe ich es vor, in Valensay zu bleiben, wo ich vier und ein halbes Jahr zugebracht habe und auch ſterben will, wenn es Gottes Wllle iſt.“ Da Napoleon den Prinzen in Beziehung auf dieſen Punkt entſchloſſen 80 fand und ſich eher einigen Vortheil von ſeiner Ent⸗ laſſung, als von ſeiner laͤngern Feſthaltung ver⸗ ſprechen konnte, ſo hielt er es fuͤr angemeſſen, ihn auf freien Fuß zu ſtellen, in Gemaͤßheit eines Ver⸗ trags der zwiſchen dem Herzog von San Carlos, als Stellvertreter Ferdinands, und dem Grafen la Forest, als Bevollmaͤchtigten Napoleons, verabredet wurde, der aber nicht baͤlder ratifieirt werden ſollte, als bis ihn die Regentſchaft genehmigt haben wuͤrde. Die Hauptartikel waren kuͤrzlich dieſe: 1¹) Napo⸗ leon erkannte Ferdinand als Koͤnig von Spa⸗ nien und Indien an. 2) Ferdinand verſprach, daß die Englaͤnder Spanien und beſonders Minorca und Ceuta raͤumen ſollten. 3) Die beiden Regie⸗ rungen machten ſich gegenſeitig verbindlich, ihre Ver⸗ haͤltniſſe auf den im duͤnkircher Vertrage beſtimmten und bis zum Jahre 1772 beſtandenen Fuß zu ſetzen. Endlich mußte der neue Koͤnig verſprechen, ſeinem Vater ein hinlaͤngliches Einkommen und ſeiner Mut⸗ ter, falls ſie ihn uͤberleben ſollte, ein angemeſſenes. Wittum anzuweiſen; auch ſollten der Handelsver⸗ kehr zwiſchen Frankreich und Spanien wieder herge⸗ ſtellt werden. In dieſem Vertrage von Valengay, der am ziten December 1813 unterzeichnet wurde, iſt die Abſicht Napoleons, Spanien mit Großbritannien, ſeinem Verbuͤndeten, zu entzweien, nicht blos im zweiten, ſondern auch im dritten Artikel Anveteedie ar V 81 bar; denn da Napoleon ſich bei ſeiner Einſprache ge⸗ gen das von den Englaͤndern geuͤbte Seerecht ſich jederzelt auf den utrechter Frieden berufen hatte, ſo iſt ſein Hinweiſen auf dieſen Vertrag bei dieſer Gelegenheit ein Beweis, daß er noch immer an ſei⸗ nem Continentalſyſtem hing.— . Als der ſpaniſchen Regentſchaft der Vertrag von Valengay vorgelegt wurde, weigerte ſie ſich, denſel⸗ ben anzuerkennen, kraft eines Beſchluſſes der Cor⸗ tes vom Januar 1811, nach welchem mit Frankreich weder ein Waffenſtillſtand geſchloſſen, noch eine Un⸗ terhandlung gepflogen werden ſollte, ſo lange der Koͤnig nicht ſeiner voͤlligen Freiheit genoͤße, auch kraft des Vertrags mit England, in welchem Spa⸗ nien ſich verpflichtet hatte, keinen Frieden ohne Englands Beiſtimmung zu ſchließen. Da Buona⸗ parte ſonach nicht mehr hoffen konnte, die ſpani⸗ ſche Nation durch irgend eine Bedingung zu feſ⸗ ſeln, ſo entließ er Ferdinanden, der fuͤr ſeine Per⸗ ſon den Vertrag unterzeichnete, ſeiner Haft und geſtattete ihm, in ſein Koͤnigreich zuruͤckzukehren. Er rechnete darauf, daß Ferdinands Erſcheinung in Spanien eine Veraͤnderung herbeifuͤhren duͤrfte, die ſeinen Abſichten auf jeden Fall foͤrderlicher ſeyn wuͤr⸗ de, als die laͤngere Verhaftung dieſes Prinzen. Es fand jedoch nichts dergleichen Statt, und wir koͤn⸗ nen uns fuͤglich der Muͤhe entheben, von den ſpani⸗ ſchen Angelegenheiten weiter zu reden. Die Fran⸗ . Scott's Werke. LVIII. 6 8² zoſen verſichern, Ferdinand habe Napoleons Vor⸗ ſchlaͤge mit vielem Vergnuͤgen angenommen, und dem Kalſer in einem beſondern Schreiben fuͤr ſeine Be⸗ freiung aus ſeiner faſt ſechsjaͤhrigen, ſo ganz unver⸗ ſchuldeten Gefangenſchaft gedankt. Iſt dieſer Um⸗ ſtand gegruͤndet, ſo iſt dadurch die außerordentlich dankbare Gemuͤthsart Ferdinands auf eine, wie wir glauben, in ſeiner Geſchichte ſonſt beiſplelloſe Art bewieſen. Der befreite Monarch kehrte nach allen dieſen Verhandlungen zu Ende des Maͤrzmonats von 1814 in ſeine Staaten zuruͤck. Wir fuͤhren dieſes Ereigniß jetzt ſchon an, um nicht mehr darauf zu⸗ ruͤckkommen zu duͤrfen. Ein anderer Staatsgefangener von Bedeutung ward ungefaͤhr um dieſelbe Zeit auf freien Fuß ge⸗ ſtellt. Bald gegen den Anfang des Jghres 1814 war Pius VII., der noch immer zu Fontainebleau feſtge⸗ halten wurde, durch Vermittlung des Kardinals Maury und der Biſchoͤfe von Epreux und Piacenza mit An⸗ traͤgen behelligt worden, nach welchen er einen Theil des Kirchenſtaats abtreten, den uͤbrigen behalten und ſofort in Freiheit geſetzt werden ſollte. Die Antwort des Pabſtes war: „Peters Erbtheil iſt nicht mein Eigenthum, es gehort der Kirche und ich darf es nicht abtreten. „— Zum Beveis der aufrichtigen Geſinnungen des Kaiſers,“ ſagte der Biſchof von Piacenza„habe 83 ich den Befehl, Euer Heiligkeit zu verkuͤnden, daß ſie nach Rom zuruͤckkehren koͤnnen.“ „Aber mit allen meinen Kardinalen,“ ſagte Pius VII. „ unter den jetzigen Umſtaͤnden kann das nicht ſeyn.“ 11 3 „Nun denn, ein Reiſewagen iſt alles, was ich verlange. Ich wuͤnſche in Röm zu ſeyn, um mei⸗ nen Pflichten als Oberhaupt der Kirche genuͤgen zu koͤnnen. Man gab ihm eine Bedeckung oder Ehrenwache, wie man ſie nannte. Der Oberſte, der dieſelbe be⸗ fehligte, behandelte Seine Heiligkeit mit der groͤßten Ehrfurcht, ſchien aber nicht zugeben zu wollen, daß jemand insgeheim mit dem Pabſte ſpreche. Pius der Siebente berief gleichwohl die ſiebzehn Kar⸗ dinaͤle, die ſich zu Fontalnebleau befanden, zu ſich und nahm von ihnen den ruͤhrendſten Abſchied. Unmittelbar vor ſeiner Abreiſe befahl er ihnen noch, kein Ehrenzei⸗ chen und keinen Gehalt von der franzoͤſiſchen Regierung anzunehmen. Am 24ſten Januar verließ Pius der Sie⸗ bente Fontaine bleau und kehrte in langſamen Tagreiſen nach Savona zuruͤck, wo er vom 19ten Februar bis zum l9ten Maͤrz blieb. Am 23ſten kam er nach Fiorenzuo⸗ la, wo ein oͤſterreichiſches Detaſchement die franzoͤſiſche Bedeckung abloͤste und den helligen Vater mit allen gebuͤhrenden Ehrenbezeigungen empfing. Am 18ten Mai hielt er ſeinen Einzug in Rom unter dem Zu⸗ 2 84 ruf von Tauſenden, die ſich herbeidraͤngten, um ſei⸗ nen Segen zu empfangen. Ddies war zuletzt das Ergebniß eines despotiſchen Gewaltſtreiches des unklugſten und unvolksthuͤmlichſten, den Buonaparte ſich waͤhrend ſeiner Regierung erlaubt hat. Er ſelbſt ſchaͤmte ſich deſſelben ſo ſehr, daß er laͤugnete, je Befehle zur Gefangennehmung des Pab⸗ ſtes gegeben zu haben, obgleich er den heiligen Va⸗ ter mehr als fuͤnf Jahre lang feſthielt. Es iſt merk⸗ wuͤrdig, daß, als der Pabſt gefangen aus Rom ge⸗ fuͤhrt wurde, Murat als Verwandter und Verbuͤn⸗ deter Napoleons ſein Gebiet beſetzt hielt, und jetzt fand Seine Heiligkeit denſelben Murat und ſeine Armee zu Rom und erhielt aus ſeinen Haͤnden als Verbuͤndeter des oͤſterreichiſchen Kaiſers das Erbgut des heil. Peters in ſeiner vollen Integritaͤt zuruck. So ward dieſe beruͤhmte Stadt, die eine Zeitlang den Titel der zweiten Stadt des franzoͤſiſchen Neiches gefuͤhrt hatte, wieder in ihr altes Verhaͤlt⸗ niß geſetzt. Die Revolution in Holland war ein an⸗ deres Ereigniß, wodurch die Verlegenheit Napoleons vermehrt und das Werk ſeiner ungemeſſenen Laͤn⸗ dergier vollends vernichtet wurde. Die Handelsſperre, durch das Continentalſyſtem veranlaßt, mußte den Wohlſtand dieſes Landes bald untergraben, und Lud⸗ wig Buonayarte, der dieſe verderbliche Peſt von den ffriedfertlgen und gewerbfleißigen Hollaͤndern nicht ahwenden kounte, hatte aus dieſem Grunde einer Ge⸗ 85 walt entſagt, von der er zum Beſten ſeines Volkes keinen Gebrauch machen durfte. Das Elend, das durch dieſe unnatuͤrlichen Beſchraͤn⸗ kungen uͤber ein Land kam, deſſen ganzes Daſeyn auf dem freien Verkehr beruht, war faſt unglaublich. Die Bevoͤlkerung von Amſterdam ſank von 220,000 auf 190,000 Seelen herab. Im Haag, in Delft und anderswo wurden viele Haͤuſer niedergeriſſen, oder von den Eigenthuͤmern, welche die Steuern nicht aufbringen konnten, im baufaͤlligen Zuſtande belaf⸗ ſen. Zu Harlem lagen ganze Straßen veroͤdet, und gegen 500 Haͤuſer wurden ganz abgetragen. Zur Er⸗ haltung der Daͤmme geſchah aus Mangel an Geld faſt nichts, und die See, die auf einigen Punkten durchbrach, drohte ein Gebiet wieder zu verſchlingen⸗ das der Kunſtfleiß ihr entriſſen hatte. Das Mißvergnuͤgen des Volks ſtieg aufs Hoͤchſte, und in ſeiner Noth erinnerte es ſich an die vaͤter⸗ liche Regierung des Hauſes Oranien und an den Wohlſtand, den es unter derſelben genoſſen hatte. Aber in ihrer Klugheit, die ein Hauptzuz ihres Na⸗ tionalcharakters iſt, erkannten die Hollaͤnder, daß⸗ ſo lange die Macht Frankreichs nicht gebrochen ſey⸗ ein Aufſtand in Holland zu nichts fuͤhren koͤnne. Zu⸗ folge dieſer Ueberzeugung bildeten die hoͤheren Volks⸗ klaſſen in den groͤßeren Staͤdten geheime Verbindun⸗ gen, deren Zweck es war, alle voreiligen Ausbruͤche bei den unteren Volksklaſſen zu verhindern und ſich 86 bei dieſen zugleich ſo beliebt zu machen, daß ſie uͤber dieſelben zur rechten Zeit verfuͤgen konnten. Die⸗ jenigen, die um das Geheimniß wußten, benahmen ſich mit eben ſo viel Klugheit als Feſtigkeit, und der gemaͤßigte, vernuͤnftige umſichtige Charakter der Na⸗ tion zeigte ſich nie in einem vortheilhafteren Lichte, als bei dieſer Gelegenheit. Die Nationalgarden gluͤhten fuͤr die Sache des Vaterlandes. Napoleons Ruͤckzug von Leipzig, — denn ſolch ein Heer Zog ſchweigend nicht durch die geſchreckte Tiefe, trug dazu bei, das Volk zum Widerſtand zu ermu⸗ thigen, und die Erſcheinung des General Buͤlow an den Ufern der Yſſel wurde das Signal zum allgemei⸗ nen Aufſtande. Am l4ten November wurde im Haag und zu Amſterdam die oraniſche Flagge aufgezogen unter dem alten Zurufe: Orange⸗Boven!(Auf mit Oranien!) Zu Rotterdam kamen einige hollaͤndiſche Patrioten aus den beſſeren Staͤnden zu dem Praͤferten, den Le⸗ brun, Herzog von Dirrerz⸗ und redeten, ihn auf die oraniſche Kokarde, die ſie trugen, weiſend, mit fol⸗ genden Worten an:„Sie werden aus dieſen Far⸗ ben errathen, was uns zu Ihnen bringt und was demnaͤchſt vorgehen wird. Sie, jetzt der Schwaͤchere, wiſ⸗ ſen, daß wir dieStaͤrkeren, und wir- die Staͤrkeren, wiſ⸗ ſen, daß Sie der Schwaͤchere ſind. Sie werden wohl daran thun, dieſen Ort ruhig zu verlaſſen und je 87 baͤlder dies geſchieht, deſto weniger werden Sie ſich einer Beleidigung oder einer Gefahr ausſetzen. Nie iſt vielleicht eine ſo durchgreifende Revolu⸗ tion der unterliegenden Partei mit ſo wenig Tu⸗ mult oder in ſo hoͤflichen Ausdruͤcken angekuͤndigt worden. Die Antwort von Lebrun war die eines Franzoſen, der ſich nicht leicht im Punkte der Hoͤf⸗ lichkeit uͤberbieten laͤßt.„Ich habe dieſes Anſin⸗ nen ſchon ſeit geraumer Zeit erwartet und bin be⸗ reit, mich darein zu fuͤgen und ſogleich abzureiſen. Er ſtieg in den Wagen und fuhr durch eine unermeßliche Volksmenge, ohne andere Unannehmlichkeit, als daß man ihn erſuchte, in das allgemeine Geſchrel: Orange⸗Boven! einzuſtimmen. Die Hollaͤnder hatten ganz keine Waffen, als ſie den kuͤhnen Schritt thaten, ihr altes Regierungs⸗ ſyſtem wiederherzuſtellen. Sie ſchwebten daher eine Zeitlang in großer Gefahr. Aber die Preußen ruͤck⸗ ten zu ihrer Haͤlfe heran, auch kamen 6000 Mann unter General Graham, jetzt Lord Lindoch, von Eng⸗ land heruͤber, ſo daß die franzoͤſiſchen Truppen, die ſich in einige Forts geworfen hatten, ſogkeich berennt und außer Stand geſetzt wurden, dem Lande zu ſchaden. . Waͤhrend des ganzen Krieges hatte noch kein Ereigniß die brittiſche N Kation ſo maͤchtig eergriffen, als die Befreiung Hollands.„Sie war,“ wie ein geſchaͤtzter Schriftſteller ſagt,„das gluͤcklichſte Ereig⸗ niß, das in dieſem Augenblick haͤtte eintreten koͤn⸗ 88 nen. Die Schnelligkeit, mit welcher Holland, das zufolge ſeiner Lage der Schild Frankreichs war, die verwundbare Seite deſſelben wurde, laͤßt ſich einzig aus dem abſcheulichen Regierungsſyſteme erklaͤren, das Napoleon in dieſem Lande befolgt hat.“*) So war der Steg, gleich einer maͤchtigen Spring⸗ flut zu Ende des Jahres 1813 uberall von den Laͤn⸗ dern zuruͤckgetreten, die er durch ſein erſtes Anwogen ſo gaͤnzlich uͤberwaͤltigt hatte. 3 Dperationen der alliirten Armee 1813 und 14. Seite 40. 89 Einladung zur Subſcription auf— eine allgemein nuͤtzliche und wohlfeile Volks⸗Bibliothek. In der Verlagsbuchhandlung der Gebruͤder Franckh in Stuttgart erſcheinen im Laufe des Jahres 1827 und 1828 folgende allgemein nuͤtzliche und intereſſante Werke: Ernſt Ludwig Poſſelt's ſͤaͤmmtliche Werke. Herausgegeben von Dr. Wilderich Wei ck. Jeder Band in Oetavformat, broſchirt zu 35 Kreuzer oder 9 Groſchen ſächſ. 3 In einer Zeit, wo beinah’ auf jeder Meſſe un⸗ ſere deutſche Literatur mit neuen Ausgaben ſaͤmmt⸗ licher Werke bereichert wird, wo nicht nur die Werke eines Johannes Muͤller, Heeren, Wolt⸗ mann, Zſchokke, Goͤthe, Schiller und Ande⸗ rer mit Beifall aufgenommen werden, ſondern wo ſogar die Erzeugniſſe der Waͤlſchen, Franzoſen und Englaͤnder in zahlreichen Ausgaben unſer deutſches Vaterland uͤberſchwemmen; in einer Zeit, wo man haͤufig nicht immer das Gediegenſte, ſondern gar 90 oft auch Werthloſes vom Auslande in unſern hei⸗ mathlichen Boden verpflanzt ſteht, wo aller Arten in⸗ und auslaͤndiſcher Schmarozerpflanzen gewaltſam ſich eindraͤngen, bedarf es wohl keiner Rechtferti⸗ gung, wenn dem Publikum E. L. Poſſelt's Schrif⸗ ten in einer vollſtaͤndigen Sammlung von Neuem in die Haͤnde gegeben werden; ja der Unterzeichnete iſt der Ueberzeugung, daß er ſeinen Zeitgenoſſen und namentlich den Freunden der hiſtoriſchen Lite⸗ ratur mit dieſer neuen Ausgabe, deren Werth da⸗ durch noch bebeutend erhoͤht wird, daß er aus Poſ⸗ ſelt's literariſchem Nachlaſſe auch noch Unge⸗ drucktes mittheilen kann, keine unwillkommene Gabe darbiete. Statt aller Lobpreiſungen erlauben wir uns da⸗ her auch nur das Urtheil eines unſerer beliebteſten Schriftſteller uͤber Poſſelt anzufuͤhren: „Poſſelt“, ſagt er,„war einer der geiſtvollſten „Geſchichtſchreiber der Deutſchen, und verband „mit dem Talent der lebendigſten ſtyliſtiſchen Dar⸗ „ſtellung eine genaue Kenntniß der hiſtoriſchen „Meiſterwerke des klaſſiſchen Alterthums, beſon⸗ „ders der Roͤmer. Seine fruͤheren hiſtoriſchen Ar⸗ „beiten verkuͤndigten ſchon den Geiſt, der in ſei⸗ „nen nachherigen Schriften wehte; am freieſten „aber entfaltete ſich dieſer Geiſt an dem großen „ntereſſe der Zeitgeſchichte, ſeit die franzoͤſiſche „Revolution die Aufmerkſamkeit von ganz Euxopg „feſſelte. Da ſchilderte er die neueſten Ereigniſſe „mit warmen oft gluͤhenden Farben in ſeinen Eu⸗ „ropaͤiſchen Annalen, und leiſtete, ausgeſtattet „mit reichen hiſtoriſchen, geographiſchen, ſtatiſti⸗ „ſchen und ſtaatsrechtlichen Kenntniſſen alles, was „man nur von einer Wuͤrdigung und Darſtellung „der hiſtoriſchen Facten in dem Jahre verlangen „kann, in welchem ſie ſich zutragen. Poſſelt ge⸗ „hoͤrt zu der kleinen Zahl der beſten hiſtori⸗ „ſchen Schriftſteller unſerer Nation, der 91 „bei Vermeidung mehrerer ſtyliſtiſchen Eigenhei⸗ „ten, Uebertreibungen und Haͤrten, im ſtrengen „Sinne klaſſiſch ſeyn wurde.“ Und der alte ehrwuͤrdige Voß, dem wir den Plan unſerer Unternehmung mittheitten, ſagte noch kurz vor ſeinem Ende in einem Briefe: „Ich freue mich recht ſehr Ihres Unternehmens. „Der edle, fuͤr alles Große und Schoͤne, fuͤr „Freiheit und Vaterland begeiſterte und begei⸗ „ſternde Poſſelt haͤtte ſchon laͤngſt dieſe Ehre „verdient; es iſt wohl noͤthig, daß neben dem „luftigen Geſindel, das jetzt uͤberall Schutz und „Obdach findet, von Zeit zu Zeit auch etwas Tuͤch⸗ „tiges erſcheine.“ Doch es moͤcht ſcheinen, als gaͤbe man der Ver⸗ muthung Raum, unſer deutſches Publikum ſey ge⸗ gen das Bewaͤhrteſte ſeiner Literatur in Gleichguͤl⸗ tigkeit verſunken, wollte man zweifeln, daß es die hier angekuͤndigte Sammlung nicht mit aller Theil⸗ nahme aufnehmen werde. 3 Die Sammlung wird aus folgenden vier Haupt⸗ Abtheilungen beſtehen, in deren jeder die einzelnen Werke in chronologiſcher Ordnung folgen, wo nicht etwa durch verwandte Materien eine Aenderung geboten iſt. 3. 3 I. a) Geſchichte der Deutſchen bis zum Tode Sigismund 1 1437. b) Geſchichte Karls XII. nach Voltaire; c) Geſchichte Guſtavs I111 II. Schriften über die franzöſiſche Revolution; a) Geſchichte des peinlichen Prozeſſes gegen Ludwig XVI b) Der Kriea der Franken gegen die verbündeten Mächte Europens; die Jahre 1792, 93, 94, 95, 97, 1800, 1802 vis zum Trakrat von Amiens, wie dieſe große Hauptbegebenheiten jener Zeit in den Taſchenbüchern für die neueſte Geſchichte und in den Europäiſchen Annalen erzählt ſind; c) Lexieon der franzöſiſchen Revolution, oder Sammlung von Biographien der wichtiaſten Männer, die ſich im Laufe derſekben beſon⸗ ders ausgezeichnet haben eder zweite Band hievon iſt bisher noch ungedruckt). 2 3 III. a) Entwurf eines hiſtoriſchen Gemäldes der Fortſchritte des menſchlichen Geiſtes. Aus dem Franzoſiſchen des Con⸗ dorcet. b) Ueber Mirabeau' hisroire secrete de la cout de Bérlin, c) Ewald Friedrich Graf von Heruberg. d) Die 9² kleineren Schriften und Reden: Friedrich dem Großen; dem Vaterlandsrod der 400 Pforzheimer; über deutſche Hiſtoriographie; über die Reden großer Römer in den Wer⸗ ken ihrer Geſchichtſchreiver; über die zweifache Ehe Phi⸗ lipps von Heſſen; über das Poſtweſen u. m. A. IV. a) Geſchichte der deutſchen Furſtenvereine(bisher noch un⸗ gedruckt); vermiſchre Aufſäße aus dem Magazin für Auf⸗ klärung, und aus dem Archid für ältere und neuere, vor⸗ züglich deutſche Geſchichte ꝛe. ꝛc,, endlich einige juriſtiſche und beſonders ſtaatsrechtliche Abhandlungen Die Entwicklung der Gruͤnde der befolgten Ord⸗ nung bleibt der Vorrede aufbehalten. Als Zugabe in dieſen Werken erſcheint eine Biographie des Ver⸗ aſſers vom Herausgeber. Schließlich ſehen wir uns zur Vermeidung allen⸗ fallſiger Mißverſtaͤndniſſe zu der Bemerkung veran⸗ laßt, daß wir von den Erben ſaͤmmtliche hinterlaſ⸗ ſene Manuſcripte, nebſt der Abtretung des von der Großherzoglich Badenſchen Regierung denſelben er⸗ theilten Privilegiums kaͤuflich an uns gebracht haben, daß ſonach die hier angekuͤndigte Ausgabe die einzig rechtmaͤßige und vollſtaͤndige ſeyn kann.. Freiburg, den aten Auguſt 1827. 3 5 Dr. Wilderich Weick. Wir haben den Verlag dieſes Werkes uͤbernom⸗ men. Daſſelbe erſcheint in gefaͤlligem Octav⸗For⸗ mat in Lieferungen von je drei Baͤnden, der Band koſtet 36 kr. oder 9 Groſchen ſaͤchſiſch, alſo jede Lie⸗ ferung 1 fl. 38 kr. oder 1 Thlr. 3 Gr. ſaͤchſiſch, um welchen Preis man in jeder ſoliden Buchhandlung des In⸗ und Auslandes unterzeichnen kann. Das Ganze wird innerhalb zwei Jahren beendigt ſeyn. Der Subſcriptionspreis dauert bis zur Oſtermeſſe 1828, nach Verfluß dieſes Termins tritt der Laden⸗ preis von 48 kr. pr. Band oder 2 fl. 24 kr. fuͤr jede Lieferung unabaͤnderlich ein. Mit dem Monat Ja⸗ nuar 1828 wird die erſte Lieferung erſcheinen. Stuttgart am 1ten October 1827. Gebruͤder Franckh. 93— Geſchichte des Moͤnchthums in 3 allen ſeinen Verzweigungen und Folgen fü t Kiirche und Staat. Nach den beſtenaͤltern und neueren Wer⸗ ken und Berichten 4 durch 3 Dr. Ernſt Muͤnch. Jedes Bändchen in Taſchenformat zu 24 Kreuzer oder 6 Gro⸗ ſchen ſächſiſch. In einer Zeit, welche ſo manche wunderbare Erſcheinung wiederum aufweiſt, die man fuͤr ewig verdraͤngt zu haben glaubte; wo die Unwiſſenheit, der Aberglgube und der Fanatismus, auf mehr als einem Punkte des gebildeten Europa, ſieghaft das Haupt wiederum zu erheben wagen; wo ſelbſt die ſchauerlichen Ketzergerichte des finſtern Spaniens ihre Lobpreiſer und Vertheidiger, zum Erſtaunen der Welt, gefunden haben, und eine, von gleich bluti⸗ ger Polktik als unchriſtlicher Geſinnung beherrſchte artet nach allen Seiten hin, in beklagenswerth⸗ ppiger Bluthe emporſtrebt; iſt es gewiß nicht un⸗ zweckmaͤßig, einer grohen Menge von Leſern, welche weder Zeir noch Geld, noch Luſt genug haben, baͤnde⸗ reiche Werke muͤhſam durchzuſtudiren, in gedraͤngrer Ueberſicht und dennoch moͤglichſter Vollſtaͤndigkeit alle die Denkmale des Aberglaubens, der Verblendung und der Glaubenswuth voruͤber zu fuͤhren, durch welche das Moͤnchthum, dem wahren Chriſtenthum gegenuͤber, die Herrlichkeit dieſes letztern, in einer langen Rethe von Jahrhunderten, zu ſchaͤnden ver⸗ 94 ſucht hat; ebenſo die großherzigen Anſtrengungen erleuchteter Regenten und begeiſterter Einzelnen, welche das Rieſengeſchlecht der Nacht aus Kraͤften bekaͤmpft und ſeinen endlichen Sturz im groͤßten Theile von Europa herbeigefuͤhrt haben; hierauf die abermaligen Verſuche der Zeloten neueſter Zeit, daſ⸗ ſelbe wieder aus dem Grabe zu erwecken, und auf dem Sarge des geſunden Menſchenverſtandes den umgeſtuͤrzten Thron des Fanatismus von Neuem wieder aufzurichten; dieſen Bemuͤhungen gegenuͤber das kraftige und aͤcht fuͤrſtliche Walten von Monar⸗ chen, wie Friedrich ll., Marimilian I., Ma⸗ rimilian II., Friedrich der Große, Jo⸗ ſeph II., Friedrich Wilhelm III. von Preuſ⸗ fen; Leopold II., Marimilian I. und Maxi⸗ milian Joſeph II. von Baiern; Koͤnig Wil⸗ helm der Niederlande; endlich den unausgeſetten Kampf einer Anzahl beherzter und gelehrter Maͤn⸗ ner in mehr als einem europaͤiſchen Lande, fuͤr die Rettung kirchlicher Freiheit aus den uͤberall geſtell⸗ ten Schlingen der Moͤncherei von jeder Farbe, und ultramontaner Anmaßungen von der verwegenſten Art. Bei Bearbeitung dieſes großen hiſtoriſchen Cy⸗ clus, welcher in der Profan— wie in der Kirchen⸗ geſchichte, einen bedeutenden Raum einnimmt, ſol⸗ len jederzeit die gruͤndlichſten und geiſtvollſten Vor⸗ arbeiten aus aͤlterer und neuerer Zeit zu Grunde gelegt, die vorhandenen Luͤcken ergaͤnzt Arrthuͤmer berichtigt, und die Fehler, Laſter und Thorheiten, ſo wie die reelſten Verdienſte jener ſurchtbaren In⸗ ſtitute, in gehoͤriges Licht geſtellt werden. Nicht ſo⸗ wohl eine zuſammenhaͤngende Geſchichte demnach, als eine Reihe einzelner Special⸗Geſchichten wird hier geliefert; eine Bibliothek des Pikanteſten, was uͤber Moͤncherei ſeit langer Zeit erſchienen, wobei die Hauptidee des Ganzen ſelbſt dem Leſer den Fa⸗ den der Verbindung reicht. Das Vorliegende ſoll eine ausgeſuchte Materialienſammlung und Vorarbeit 95 werden, fuͤr ein kuͤnftiges pragmatiſches Werk, das die Geſchichte des Moͤnchthums erſchoͤpfend behan⸗ delt; die Darſtellung ungeſucht und fuͤr alle Klaſſen von Leſern berechnet. Zur genauern Wuͤrdigung dieſes volksthuͤmlichen und im Intereſſe der Wahrheit einzig und allein be⸗ rechneten Unternehmens diene nachſtehender kurzer Proſpectus der zu behandelnden Materien: Erſte Abtheilung. I. Einleitung in die Geſchichte des Mönchthums im Allaemeinen. 8 1) Urſprung und erſte Geſtalt des Mönchweſens in den er⸗ ſen chriſtlichen Jahrhunderten.— Die Einſiedler.— Die Klöſter.— 2) Die Verdienſte und die Thorheiten dieſer Letztern aleich zu Anſang ihres Entſtehens. Nach Helyot, Walch, Schroͤckh, Zimmermann und dem Verfaſſer der Drdres monastiques 4 3) lingeheures Wachsthum und überwiegender Einfluß der Klöſter während des Mittelalters bis zum 15. Jahrhun⸗ dert. Nach Spittler. II. Die Geſchichte der einzelnen Mönchsorden. 1) Carmeliter; 13) Minimen, Kapuziner, Re⸗ 23) Die Väter des Todes; coulekten; puziner, R 3) Kamgldulenſer; 13) Donmiinikaner; 4) Karthäuſer; 15) Antonsbrüder; 5) Eiſterzienſer; 16) Cöleſtiner; 6) Orden von Fondevraud; 17) Auguſtiner; 2) Benedictiner; 18) Theatiner; 8) Bernhardiner; 1 19) Vater der chriſtlichen Lehre; 9) Die Brüder von der Barm. 2c) Die von Portroyal; herziakeit; hn 21¹) Hoſpitaliter; 10) Mathuriner; 22) krſuliner; und die übrigen 11) Prämonſtratenſer; Nonnen Klöſter; 12) Franziskaner; 23) Lazariſten. Jede dieſer Einzelgeſchichten enthaͤlt: a) Die Bioaraphie des Stifters oder des Refornators; b) Die Regeln und Obſervanzen des Ordens, ſo wie deſſen Einrich⸗ tungen; c) die Koryphäen deſſelhen im Guten wie im Schlech⸗ ten; d) Des Ordens Einfluß auf Kirche und Staat. Nach aHelyotund Walch. 1 29, n9 Zweite Abtheilung. 4 III. Die Oppoſition gegen das Möͤnchsweſ vonoben berab und von unten hinauf, in den verſchiedenen Perioden des Mittelalters und der neuern Zeit. 5* 1) Veter Abälard und Arnold von Brescis.. der Mönchsorden 2) Die Zeiten der Abnahme des Anſehens d während des 15ten und 16ten, Jahrhunderts.— Laurentius Valla; Nicolaus von Cuſa; Felix Hämmerlein; luß und der Vertilgungsfampf der Huſſiten. Johann Die Haupr bekämpfer des Monchthums im 15ten Jahr⸗ hunderk.— Savonarola; Reuchlin; Gailer von Kaiſers⸗ berg und Erasnius; der Kampf mit den Kölnern; die Epistolae obscurorum virorum. a) Die Erſcheinung von Luther, Z äup 1 8 wingli und Calvin, als ter der Reformation.— Ihre Anſtrengungen wider Mönchthum und Ultramontanismus, abgeſehen von ihren Unternehmungen auf das Gebäude der Hierarchie Auswahl aus ihren Schriften, welche gegen die ſelhſt;— Möoͤnche erichtet waren— Auswahl aus den Schriften Ulrichs dvon der Hutten, Herrmann von dem Buſche, Heſſe, Bilibald Pirkheimer, Euricius Cordus, Rubianus, Nikodemus Friſchlin, Herrmann von Coban Crotus Nüenar, Johann Eberlin, Thomas Murner, Heinrich Glareanus u. ſ. w. gegen Mönche und Mönchthum. 5) Die Geſchichte der Inquiſition in Italien, tugall, Oſt und Weſtindien. Nach Llorente 6) Die Buchner und Friedmaun.. 7) Die berühmteſten Opfer der Mönchnerei. Spanien, Por⸗ te. Geſchichte der Jeſuiten. Nach Wolf, Lang Dritte Abtheilung. wider das IV. Die Zeiten allgemeinen Kampfes von der Mitte des achtze Mönchthum, 8 ts bis zu Ende der franzo Revolution.. 1 formen des Marquis Pombal in Portugal; ) Die Re 2) die Refor ) Leopold II. 4) Maximilian 22 s) die Maßregeln verſchiedener an Mönche. v. Die Verſuche des Tagen zu ſeiner Wiederherſtellung.. 1) Die Jeſuiten; 2) die übrigen Mönche a) in b) Spanien und Portugal( 3 tion); c) in Oeſterreich; aa) Ligorianer; toriſten ꝛc. ꝛc.; die eigentlichen K 5 4 Freères ignorantins; dd) die Miſſionäre; s gien und Penſionate; 2) Ueber die Gefahren, ganden in den eurdpäiſchen meinweſen.— Nach den zuverläßigſten neuern Be 3) Die Anſtrengungen der Regierungen und der gegen mönchiſche Umtriebe der neueſten Zeit⸗ men Kaiſer Joſephs 11. in Oeſterreich und Scipio Rieci's Anſtrengungen in bb) hnuten ſiſchen 2 Toscana. 3 I. und Montgela's Wirkſamkeit in Baiern; derer Fürſten gegen die Mönchthums in neueſten Italien; Wiederherſtellung der Inquiſi⸗ Redemy⸗ d) in Frankreich und der Schweiz; aa) löſter; bb) die Congregationen; ) die Colle⸗ ff) die marianiſchen Sodalitäten. geheimer Geſellſchaften und Propa⸗ 3 Staaten für Kirche und Ge⸗ cc) die richten. Einzelnen muß! — 99 Ddie Eintheilung des Ganzen iſt folgende: Bändchen. Geſchichte der Negyprier und Aſſyrer. 3—— er aſiatiſchen Völter, beſonders der Perſer⸗ der Perſer. 14 28 3—— 48 u. 58—— der Juden. —— voon Cartyago und Sicilien⸗ 78— 98—— der Gyiechen. 108— 168—— der Roͤmer. 3 178— 258—— des öͤſtlichen Kaiſerreichs⸗ 268— 278—— Geſchichte von Gallien. 288—385—— voon Frankreich bis auf Karl den Schö⸗ 8 nen. 1322. und ſo wird in der Folge der Faden der Geſchichte bis zu unſern Zeiten herar forklaufen. Wer irgend als gebildeter Menſch ain menſchli⸗ chen Intereſſe hat, dem kann eine Erſcheinung wie dieſe nicht gleichguͤltig ſeyn, die den Keim der Menſch⸗ lichkeit in leder Bruſt zu naͤhren und zu pflegen be⸗ ſtimmt iſt; moͤge es die Aufnahme finden, die jeder Renſchen⸗ und Wiſſenſchaftsfreund ihm wuͤnſchen E. T. W. Hoffmanns erzaͤhlende Schriften. Herausgegeben 8 von ſeiner Wittwe, Micheline Hoffmann, geborne Rorer. 84 Ae Nebſt Hitzigs: Aus Hoffmanns Leben und Nachlaß. Achtzehn Bändchen in Taſchenformat⸗ jedes Bändchen du is kr. 1 oder 4 Gr. ſäu ſſch. Von vielen Seiten her bin ich aufgefordert worden, das biographiſche Werk, welches der ver⸗ trauteſte Freund meines vern Ehegatten, Herr Criminaldirektor Hitzig in erlin, im Jahre 7 1823 uͤber denſelben zu meinem Vortheil heraurge⸗ geben, in einer wohlfeilen Ausgabe, wie ſie das Bedurfniß der jetzigen Zeit erheiſcht, dem Publikum vorzulegen. Ich entſpreche dieſem Verlangen gerne, und um den Freunden Hoffmann's ein noch ange⸗ nehmeres Geſchenk zu machen, habe ich mich ent⸗ ſchloſſen, dieſer Ausgabe eine Auswahl aus ſeinen fruͤhern in Taſchenbuͤchern, Zeitſchriften u. ſ. w. zerſtreuten erzaͤhlenden Schriften beizufugen. Das Ganze ſoll in einer Sammlung von Baͤnd⸗ chen erſcheinen, uͤber deren Anordnung u. ſ. w. die Herren Verleger ſich in der Nachſchrift naͤher aus⸗ ſprechen werden, weßhalb ich nichts weiter beizufuͤgen habe, als die Bemerkung, daß dieſelben mir fuͤr den Fall einer neuen Auflage dieſes Werkes großmuͤthig ſolche Bedingungen geſtellt haben, daß ich dann ei⸗ nem ſorgenfreien Alter wuͤrde entgegenſehen koͤnnen. Jeder der den Abſatz deſſelben durch Unterzeichnung foͤrdert, wird daher auch ſeinen Theil dazu beitra⸗ geu, daß die durch Nachdruck und auf andere Weiſe vielfach beeintraͤchtigte Wittwe eines deutſchen Lieb⸗ lingsſchriftſtellers, der ihr nichts hinterlaſſen, als was ſie aus ſeinen geiſtigen Erzeugniſſen noch zu gewinnen vermag, nicht ganz die Fruͤchte des ruhm⸗ vollen Lebens ihres Gatten verliere. Micheline Hoffmann, geb. Rorer. Zum Lobe Hoffmann's oder zur Empfehlung ſei⸗ ner Schriften hier etwas zu ſagen, ſcheint uns uͤber⸗ fluͤſſig. Der Beifall ſeiner Zeitgenoſſen, der ſich von Jahr zu Jahr ſteigerte, und nach ſeinem Tode bei ſo Manchen in Wehmuth und Bewunderung uͤber⸗ ging, uͤberhebt uns deſſen. In Beziehung auf die vorſtehende oͤffentliche Anzeige ſeiner Wittwe, thei⸗ len wir hier den Plan mit, nach welchem von einem Freunde des Verſtorbenen im Namen ſeiner Wittwe die Auswahl aus den zerſtreuten Schriften Hoff⸗ mann s beſorgt wurde, die in unſerm Verlag erſchei⸗ nen wird.— 101 Nach dieſem Plane wuͤrden die erzaͤhlenden Werke und Hitzig's treffliche Biographie in ſechs Lieferungen oder 18 Baͤndchen erſcheinen und zwar⸗ Erſte Lieferung. Erſtes Bändchen. Meiſter Martin und ſeine Geſellen. Pttes—— Der unheimliche Gaſt.— Die Autoniate. rittes— Aus Hoffmanns Leben und Nachlaß 1sBdchen. Zweite Lieferung. Biertes— Signor Fosmica erſte Abtheilung.. ünftes—— Signor Formieg zweite Abth.- Spielerglück. Sechstes—— A. H. L. und N. 28 Bändchen. Dritre Lieferung. Siebentes— Dogr und Dogareſſe. Achtes— Kiath Krespel.— Die Fermate. Neuntes— A. H. L. und N. 38 Bändchen. 8 Vierte Lieferung. ehntes—— Fränulein Scudery erſte Abtheilung. ftes— Fräutein Seudery zweite Abtheil.— Aben⸗ 8 7 teuer dreier Freunde. 8 gwölftes— A, H. L. und N. as Bändchen, Fünfte Lieferung. 4 Dreizehntes—— Der Zuſammenhang der Dinge. Vierzehntes—— Datura bastuesa. 2 Fünfzehntes— A. H. L. und N. 7s Bändchen. 3 Sechste Lieferung. Sechzehntes— Der Kampf der Sänger.— Der Artushof. Siebzehntes—— Meiſter Johannes Wacht. Achtzehntes— A. H. L. und N. 68 Bändchen⸗ Am iſten Oktober dieſes Jahres erſcheint die erſte Lieferung, und ihr wird von Monat zu Monat immer eine Lieferung folgen, ſo daß die ganze Samm⸗ ung im Maͤrz 1828 vollſtaͤndig in den Haͤnden der Subſcribenten ſeyn wird. 3 Wir glauben, daß zu einer Zeit, wo Hoffmanns Erzaͤhlungen in mehrere Sprachen uͤberſetzt wurden, und namentlich in England großen Beifall fanden, auch ſein Vaterland und ſeine Freunde, die ihm ſo manche frohe Stunden danken, den unvergeßlichen Dichter mit nicht minder warmem Antheil lohnen werde. In der Druckeinrichtung haben wir geſucht, ein anſtaͤndiges und gefaͤlliges Aeuſſere, wopon Proben 102 in jeder Vuchhandlung zur Anſicht vorliegen, mit moͤglichſter Wohlfeilveit zu vereinigen. Der Sub⸗ ſcriptionspreis iſt per Baͤudchen: 18 Kreuzer oder 4 Gr. ſaͤchſiſch oder 5 Silber⸗ groſchen, welcher,i immer nach Empfang der Baͤndchen zu be⸗ ahlen iſt. 3 Suiſertbeutenſammler erhalten, wenn ſie ſich di⸗ rekte an uns wenden, auf zeon Exemplare das eilfte frei. Jede ſolide Buchhandlung nimmt Subſeripiion auf das Werk an. Taſchenausgabe von Walter Scott's ſaͤmmtlichen Werken. Jedes Bändchen broſchirt zu 2 Gr. ſächſiſch oder 9 kr. rhein. Die auſſerordentliche Theilnahme, welche dieſe Unternehmung in allen deutſchen Laͤndern, unter je⸗ dem Stande, gefunden hat, giebt uns einen erfreu⸗ lichen Beweis von den Fortſchritten, welche das deut⸗ ſche Volk in den letzten Jahren in der Cultur und geiſtigen Bildung Nenah hat. Von 30,000 Exem⸗ plaren dieſer wohtfeilen Taſchenausgabe ſind nur noch wenige Hundert in der Verlagshandlung vorraͤthig, und es duͤrfte keinem Zweifel unterworfen ſeyn, daß auch dieſe geringe Anzahl in kurzer Zeit ganzlich vergriffen ſeyn wird. Jeden Monat erſcheinen vier Baͤndchen, jedes von etwa 136 Seiten, ſchoͤn gedruckt, auf gutem Papier und broſchirt, zu dem aͤußerſt ge⸗ ringen Preiſe von 2 Groſchen od.9 Kreuzer per Baͤnd⸗ chen. Bis jetzt ſind fertig und in allen Buchhand⸗ lungen zu haben: I. Erzaͤhlung von den Kreuzfahrern. Erſte Er⸗ zaͤhlung enthaͤlt: die Verlobten s Theile. 11. Die⸗ 103 ſelbe, zweite Erzaͤhlung, enthaͤlt: der Talisman oder Richard Loͤwenherz. 4 Theile. III. Woodſtock, oder der Ritter. Erzahlung a. d. Zeit Cromwels 5 Theile. IV. Redgauntlett. Erzaͤhlung a. d. dreizehnten Jahrhundert. 5 Theile. V. Quentin Durward. 5 Theile. VI. Kennilworth. 5 Theile. VII. Jvanhoe. 5 Theile. So eben verlaͤßt die Preſſe: Leben Napoleons, ins Deutſche uͤberſetzt von General J. von Theobald, wovon wir durch Uebereinkunft mit dem Verleger des Originals in London, die Aushaͤngebogen mit ſehr bedeutenden Koſten von daher erhieiten deßwegen auch keine andere Handlung in Deutſchlan dieſes Werk baͤlder liefern konnte. Wir bemerken dabei, daß nur an die Subſcribenten der gan⸗ zen Sammlung von Scott's Werken, das Baͤndchen um 90 Kr. od. 2 Gr. da abgegeben wird, fuͤr die Nichtſubſcribenten aber eine Ausgabe in er⸗ hoͤhtem Preiſe zu 18 kr. od. 4 Groſchen per Baͤnd⸗ chen erſchien. Nach dem„Leben Napoleons“ erſcheint ferner: 1) Erzaͤhlungen von einem Grosvater, 2) Die Chro⸗ niken von Canongate, 3) Der Aſtrolog 5 Thle.⸗ 4) der Alterthuͤmler 5 Thle., 5) der Abt 5 Thle. 6) das Kloſter 5 Thle., 7) Robin der Rothe 5 Thle., 8) die Schwaͤrmer 3 Thle., 9) der Pirat 5 Thle. 10) Waverley 5 Thle., 11) die Braut von Lammermoor. 5 Thle., 12) das Herz von Mid⸗ lothian 5 Thle., 13) Montroſe 3 Thle., 14) Nü⸗ gels Schickſale 5 Thle., 15) Ritter Peveril vom 1⁰4 Gipfel 5 Theile, 16) der ſchwarze Zwerg 2 Theile, 17) der St. Ronansbrunnen 5 Theile. Innerhalb anderthalb Jahren wird die ganze Sammlung vollſtaͤndig erſchienen ſeyn; man hat dann um wenige Gulden Alles, was der groͤßte Dichter unſerer Zeit ſchrieb— eine ſchoͤne Taſchenbibliothek uber Hundert Baͤndchen! Wir bemerken wiederho⸗ lend, daß um obigen Preis einzelne Werke aus die⸗ ſer Sammlung nicht gegeben werden koͤnnen indem dieſen Vortheil nur die Abnehmer ſaͤmmtlicher Ro⸗ mane billigerweiſe genießen koͤnnen, welche ſich deß⸗ wegen auch fuͤr Abnahme des Ganzen verbindlich machen muͤſſen. Chronik des Auslandes. Eine Sammlung der neueſten Memoiren, hi⸗ ſtorlſchen und politiſchen Werke der Englaͤnder und Franzoſen. Toiletten⸗ Bibliothe fü r 5 gebildete Frauen. [O—/ Ekne Sammlung der beſten Werke geiſtrelcher Frauen des Auslandes. zeiſ ſſſſſ Hrqaaannnm 9 12 1 nrwermuam ſſſſſiſf 10 11 3 14 15 16 6 7 8