— 5— ——— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Jeih- und Ceſebedingungen. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ Bücher jeden Tag von Morgens be eines geliehenen Buches wird von Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme ine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet b 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eeträgt: 5 4 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ——— ———— auf 1 Monat: 1 Mr.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 3 2 3— 3„—„ 3 5. Auswärtige Abonnenten haben fü 3 9„—„ ür Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Fuür beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern dc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Walter Scott⸗s ſaͤmmtliche Wer ke. — Neu uͤberſetzt. Drei und fuͤnfzigſter Band. EcVoben von Napoleon Buonaparte. —— Neunzehenter Theil. Stuttgart, bei Gebruͤder F ranckh. 1 8 27. Lebew von Napoleon Buonaparte, Kaiſer von Frankreich, mit einer Ueberſicht der franzoͤſiſchen Revolne tion. Aus dem Engliſchen uͤbe erſezt von General J 9. Theobald. — Neunzehenter Theil. Stuttgart, be i⸗ Hieade Franckh. 2 8 2 7. Leben von Napoleon Buonaparte. — Erſtes Kapitel. — Stellungen der franzöſiſchen und öſterreichiſchen Heere nach der Schlacht von Eckmühl.— Napoleon geht am 20ſten Mar über die Donau.— Schlacht bei Aſpern am eilſten und 22ſten, wo ſich beide Theile den Sieg zuſchreiben.— Beide Armeen erhalten Verſtärkungen.— Schlacht von Wagram am 6ten Jult in welcher die Oeſterreicher mit einem Ver⸗ luſt von 20,000 Gefangenen geſchlagen werden.— Waffen⸗ ktillſtand von Onaym.— Ende der Operattonen Schill’s und des Herzogs von Braunſchweig⸗Oels.— Vertheidigung von Tyrol;— unglücklicher Ansaang derſelben.— Der Geiſt der Widerſetzlichkeit zeigt ſich immer deutlicher in ganz Deutſchland.— Buonaparte, dadurch afficirt, erläßt ein fonderbares Manifeſt in Moniteur.— Würdigung deſſelben. Wir haben Napolevn verlaſſen, als er ſeine Ar⸗ mee bei Wien zuſammenzog und zugleich Vorkehrun⸗ gen traf, ſeine lange Verbindungslinie mit Frankreich einigermaßen ſicher zu ſtellen. Er beſetzte die Stadt Wien und das rechte Dongunfer. Der Erzherzog Karl naͤherte ſich nun dem linken Uſer deſſelben W, Scott's Werke. LllI. 8 4 6 Strems, der, angeſchwollen durch die Fruͤhlingsregen und durch das Schmelzen des Schnees in den Gebir⸗ gen, die beiden feindlichen Armeen wie eine unuͤber⸗ ſchreitb are Schranke von einander ſchied. Im Jahre 1805, als Napoleon zum erſten Mal von Wien Be⸗ ſitz nahm, hatte man die Bruͤcken uͤber die Donau ſtehen laſſen und ihn dadurch in Stand geſetzt, die Nuſſen unter Kutuſoff zu uͤberſallen. Diesmal war er nicht ſo gluͤcklich. Es gab weder oberhalb noch un⸗ terhalb Wien eine Bruͤcke, auf der er uͤber die Donau haͤtte gehen koͤnnen, um den oͤſterreichiſchen Erzher⸗ zog zum zweiten Mal zu ſchlagen und dadurch dem Kriege ein Ende zu machen. Zu gleicher Zeit war jede durch Unentſchloſſenheit verlorne Stunde fuͤr den franzoͤſiſchen Kaiſer nachtheilig. Karl hoffte ſich mit ſeinen Bruͤdern zu vereinigen; und da er ſich im ei⸗ genen Lande befand, ſo konnte er leicht beſtehen, waͤh⸗ rend Napoleon in Feindes Land keine Rekruten er⸗ warten und ſeine Armeen nur mit Muͤhe verpflegen konnte. Ueberdies durfte Deutſchland, ſo lange eine öͤſterreichiſche Armee im Felde ſtand, noch immer hof⸗ fen. Es war demnach fuͤr Buonaparte der Klugheit gemaͤß, die kraͤſtigſten Maßregeln zu ergreiſen, eine Bruͤcke uͤber die Donau zu ſchlagen, auf das jenſeiti⸗ ge Ufer uͤberzugehen und dem Erzherzog eine Schlacht zu liefern. Man waͤhlte zuerſt den Uebergangspunkt zu Nuß⸗ dorf, ungefahr eine halbe Meile oberhalb Wien, wo 7 der Hauptſtrom, in einen ſchmalen Kannl eingeengt, am rechten Ufer hinſtreicht, das dort ſo hoch iſt, daß es die jenſeitige Uferſtrecke beherrſcht und ſo den Ue⸗ bergang deckt. Nachdem aber die 506 Mann, die man jenſeits geſchickt hatte, um die ehemalige Bruͤcke wieder herzuſtellen, von den Oeſterreichern angegriffen und aufgehoben worden waren, gab man dieſen erſten Uebergangspunkt wiede auf. Napoleon wäͤhlte dierauf ſeinen Uebergangspunkt bei Ebersdorf, einem Dorfe auf dem rechten Ufer, wo die Donau in fuͤnf Arme zerfallt, die zwiſchen Inſeln hinlaufen, von denen eine, die Inſel Lobau, ſehr groß iſt. Zwei von dieſen Armen ſind ſeh breit. Die In⸗ ſeln haben eine ſehr unregelmaͤßige Geſtalt und ſind angeſchwemmtes Land. Ihre Oberflaͤche iſt auf ver⸗ ſchiedene Weiſe durchſchnitten, zum Theil mit Wald bedeckt, zum Theil moraſtis und zuweilen uͤber⸗ ſchwemmt. Hier beſchloß endlich Napoleon, eine Bruͤk⸗ ke zu ſchlagen, und er ſammelte in dieſer Abſicht ſo viel Boote und kleine Barken, als er zuſammenbrin⸗ gen, und alles Material, das er auftreiben konnte. Aubry, ein Offizier vom Geniekorps, bewies bei die⸗ ſem Geſchaͤft große Thaͤtigkeit. Die Franzoſen mußten ſich mit Kanonenkugeln gefuͤllter Fiſcherkaͤſten ſtatt der Anker bedienen und manches Geraͤthe, das ihnen abging, durch ein ande⸗ res erſetzen. Sie arbeiteten in einem fort; denn ob⸗ gleich die Oeſterreicher bei Krems und Linz verſchie⸗ 1 ⸗ 3 dene Andeutungen machten, als wollten ſie ſelbſt ober⸗ halb Wien uͤber die Donau gehen, ſo thaten ſie doch durchaus nichts, um Napoleon in ſeinen Vorberei⸗ tungen zu einem Uebergange bei Ebersdorf zu ſtoͤren; ſie beſetzten nicht einmal die Inſel Lobau, um deſel⸗ be dem Feinde zu entziehen oder die Arbeiter zu un⸗ terbre Es laͤßt ſich nicht annehmen, daß der Erz⸗ herzog die ümgegend von Wien, der Hauptſtadt ſei⸗ nes Bruders, nicht gekannt habe. Der öͤſterrreichiſche Feldherr wollte vermuthlich ſeinem Gegner den Ueber⸗ gang frei laſſen, um die zuerſt Uebergegangenen, ſo lange ſie die Donau noch hart im Ruͤcken hatten, folg⸗ lich in einer Stellung anzugreifen, aus der ſie ſich im Falle eines Unglucks uͤber die ſchlechtgebauten, tau⸗ ſend Zufaͤllen ausgeſetzten Bruͤcken nur mit großer Gefahr haͤtten zuruͤckziehen können. Wir treten dem Erzherzog durch dieſe Vorausſetzung nicht zu nahe, denn wir werden ſog eich ſehen, daß er ſich dieſe Vor⸗ theile wirklich verſchafft hat, und daß er, wenn er dieſe ganz haͤtte verſolgen koͤnnen, dem Kaiſer und ſei⸗ ner Armee den gaͤnzlichen Untergang bereitet haben wuͤrde. Als die noͤthigen Materialien endlich beiſammen waren, kam Napoleon ſelbſt auf die Inſel Loban und befahl, die Vollendung der Bruͤcke mit aller moͤgli⸗ chen Eile zu betreiben. Seine Beſehle wurden ſo ge⸗ nau befolgt, daß die Truppen ſchon am folgenden Tage den Uebergang beginnen konnten, wenn ſchon die Bruͤcke — 14 82 noch weit nicht fertig war. Sie wurden auf dem jenſeitigen Ufer von Plaͤnklern empfangen. Da ſich aber dieſe nach einem kurzen Widerſtande ſchon zu⸗ ruͤckzogen, ſo ſah man noch deutlicher, daß der Erz⸗ herzog nicht im Sinne habe, den Uebergang ſtreitig zu machen, beſonders da er die Vortheile, welche die Oertlichkeit darbot, nicht benuͤtzt hatte. Voön dem Punkte an, wo das Ende der letzten Bruͤcke(denn es waren ihrer fuͤnf, nach der Zahl der Stromaͤrme) das linke Ufer der Donan beruͤhrte, be⸗ traten die Franzofen eine kleine Ebene, die ſich zwi⸗ ſchen den zwei Doͤrfern Aſpern und Eßling ausbrei⸗ tet. Aſpern liegt am weiteſten zur Linken, tauſend Klafter von der Bruͤcke entfernt; Eßling iſt am au⸗ dern Ende, ungefaͤhr taufend fuͤnthundert Klafter von demſelben Punkte. Die beiden Dorfer ſtellten mit ih⸗ ren maſſivgebauten Haͤuſern, ihren Teraſſen, Gaͤrten und Hofraͤumen gewiſſermaßen zwei kleine Feſtungen vor, von denen man den Kirchhof zu Aſpern und ein großes Kornhaus zu Eßling die Zitadellen nennen konnte. Eine Hochſtraße, von einem tiefen Graben be⸗ grenzt, verband dieſe zwei feſten Poſten mit einander wie eine Eourtine, oder ein Querwall zwei Bollwerke mit einander verbindet. Dieſe Stellung konnte aller⸗ dings auf der einen wie auf der andern Flanke um⸗ gangen werden, aber bei der Beſchaffenheit des Bo⸗ dens unterlag dieſes manchen Schwierigkeiten, 4⁸⁹ Noch weiter rechts und naͤher bei Aſpern als bei Eßling lag ein anderes Dorf, Namens Enzersdorf. Von Aſpern nach Exling ſind es tauſend Klafter, und etwas weniger von Eßling nach Enzersdorf. Vor die⸗ ſen Dorfern erhebt ſich das Terrain in ſaufter Anſtei⸗ gung bis zu den beiden Flecken Raſchdorf und Brei⸗ tenlee, zur Linken dagegen zeigten ſich die waldigen Hohen des Biſambergs, welche die Landſchaft in je⸗ ner Richtung begrenzten. Nachdem faſt 30,000 Mann Infanterie mit ungefaͤhr 6000 Pfe den hinuͤber wa⸗ ren, ließ Napoleon auf dem linken Ufer eine Redoute zur Deckung der Bruſcke aufwerfen, waͤhrend ſeine Truppen die beiden Doͤrfer Aſpern und Eßling, ſo wie den Raum zwiſchen denſelben beſetzten. Die in der Nacht eingegangenen Nachrichten wi⸗ derſprachen ſich, und durch das, was man am Hori⸗ zonte ſah, waren die Staͤrke und die wahrſcheinlichen Abſichten der Oeſterreicher noch keineswegs angedeutet. Aus den vielen Feuern, die man auf dem Biſamberg erblickte, wollten Lannes und Andere ſchließen, daß der Feind dort concentrirt ſey; allein in weit gerin⸗ gerer Entfernung und vor der Fronte der franzoͤſi⸗ ſchen Armee zeigte der Horizont einen blaſſen, unge⸗ faͤhr eine Meile langen Streiſen, den Wiederſchein von zahlreichen Wachfeuern, die jedoch wegen der Vertiefung des Bodens nicht ſelbſt geſehen werden konnten. Waͤhrend nun Lannes zufolge dieſer Anzeigen 14 blos einen ſtarken Nachtrab vor ſich zu haben glaubte, behauptete Maſſena mit mehr Grund, die ganze oͤſterreichiſche Armee ſey da. Napoleon war am 21ſten mit Tagesanbruch bereits zu Pferd, um ſich durch ei⸗ gene Anſchauung von dem Stand der Dinge zu uͤber⸗ zeugen; allein das ganze vorliegende Terrain war ſo dicht von der öſterreichiſchen Reiterei beſetzt und mas⸗ kirt, daß man keine Recognoscirung vornehmen konn⸗ te. Auf einmal ward jedoch dieſer lebendige Vorhang von Plaͤnklern geluͤftet, und nun ſah man die ganze oͤſterreichiſche Armee in fuͤn Angriffskolonnen, von ihren beſten Generalen angefuhrt, noch einmal ſo ſtark als die Franzoſen und 220 Feldſtuͤcke mit ſich fuͤhrend, vorruͤcken. Das Gefecht begann mit einem wuͤthenden Angriff auf das Dorf Aſpern, das genommen, wie⸗ der genommen und abermals verloren wurde. Das Blutbad war ſchrecklich; doch war die Beharrlichkeit der Franzoſen in der Vertheidigung noch groͤßer, als die der Oeſterreicher im Angriff. Auch Eßling wurde von den Oeſterreichern, wenn gleich nicht mit derſel⸗ ben Hartnaͤckigkeit, angegriffen. Doch fiel dabei auf beiden Seiten mancher brave Soldat. Die Schlacht nahm ungefaͤhr Nachmittags 4 Uhr ihren Aufang, war aber am Abend noch nicht ent⸗ ſchieden. Der Erzherzog brachte ſeine Reſerve vor, und ließ das Dorf Aſpern zu wiederholten Malen ſtuͤrmen. Man raufte ſich in jedem Garten, auf je⸗ der Terraſſe, in jedem Hofraum. Wagen, Karren, 12 Eggen und Pfluͤge wurden zu Barricaden verwendet. Da beide Theile zu gleicher Zeit auf verſchiedenen Punkten im Vortheil waren, ſo konnten diejenigen, die in der Fronte geſiegt hatten, oft von denjenigen im Ruͤcken angegriffen werden, die in der naͤchſtlie⸗ genden Straſſe die Oberhand gewonnen hatten. Bei Anbruch der Nacht blieb Maſſena noch zum Theil im Beſitz des durch Granaten in Brand geſteckten und mit Leichnamen uͤberfuͤllten Dorfes. Die Oeſterreicher dagegen, die die Kirche und den Kirchhof genommen und ſich darinn behauptet hatten, ruͤhmten ſich, auf dem linken Fluͤgel geſtegt zu haben. In den letzten Stunden dieſes blutigen Tages erfolgte ein dreimaliger allgemeiner Angriff auf Cß⸗ ling, den die Franzoſen jedesmal mit der groͤßten Standhaftigkeit abſchlugen. Lannes, der dieſen Po⸗ ſten vertheidigte, kam einmal ſo ſehr ins Gedraͤnge, daß er zuverlaͤßig haͤrte weichen muͤſſen, wenn ihm nicht Napoleon durch einen kuͤhnen Reiterangriff wie⸗ der Luft gemacht haͤtte. Nur die ſinkende Nacht konn⸗ te die Streiter trennen. Man konnte in keiner Weiſe ſagen, die Franzo⸗ ſen ſehen geſchlagen worden, aber es war fuͤr ſie doch etwas Ungewoͤhnliches, daß ſie, unter Napoleons Au⸗ gen fechtend nicht vollſtaͤndig geſiegt hatten. Auch die Oeſterreicher waren nicht Sieger, allein der Umſtand, daß ſie in dem Beſitz des wichtigſten Theils von Aſpern geblieben, bewies, daß der Vortheil mehr fuͤr 13 nie als gegen ſie war, und beide Armeen wuͤrdigten die Reſultate dieſes Tages nicht an und fuͤr ſich nach ihrem wahren Werthe, ſondern in Vergleichung mit jenen der fruͤheren Geſechte. Die Oeſterreicher waren entzuckt, die Franzoſen dagegen nicht gerade entmu⸗ thigt, aber doch unangenehm uͤberraſcht. Am 22ſten fing die Blutarbeit von Neuem an⸗ Beide Heere hatten in der Nacht Verſtaͤrkungen er⸗ halten— Napoleon von dem linken Ufer her, der Erzherzog von ſeinen ruͤckwaͤrtigen Reſerven. Die Franzoſen erhielten Vortheile. Sie nahmen die Kir⸗ che von Aſpern wieder und machten im Dorfe viele Oeſterreicher zu Gefangenen. Allein die Angriffe auf das Dorf wurden mit derſelben Wuth wie am vori⸗ gen Tage erneuerr. Napoleon faßte hier einen ſeines militaͤriſchen Ruhmes wuͤrdigen Entſchluß. Er be⸗ merkte, daß der Feind, waͤhrend er den Angriff auf Aſpern, den Stuͤtzpunkt des linken Fluͤgels der fran⸗ zoͤſiſchen Stellung, betrieb, den rechten Fluͤgel und ſein Centrum zuruͤckhielt, oder in militaͤriſcher Spra⸗ che, verſagte, und ſchloß daraus, daß dieſe zur Un⸗ terſtuͤtzung des Angriffs auf Aſpern geſchwaͤcht worden ſeyen; er ließ daher den ganzen franzoͤſiſchen rechten und linken Fluͤgel vorrucken, um die oͤſterreichiſche Stellung auf dieſem entbloͤßten Punkte anzugreifen. Dieſe Bewegung geſchah von dem franzoüſchen rechten Fluͤgel aus in einer ſtaffelformigen Anordnung. Dich⸗ te Infanteriemaſſen mit vielem Geſchuͤtz ruͤckten mit 14 dem groͤßten Ungeſtuͤm vor. Die oͤſterreichiſche Linie ward zuruͤckgeworfen und kam ſogar in Gefahr, durch⸗ brochen zu werden. Regimenter und Brigaden trenn⸗ ten ſich bereits von einander, und man fuͤrchtete, das ganze Centrum moͤchte vom rechten Fluͤgel abgeſchnit⸗ ten werden. Der Erzherzog Karl eilte auf den Fleu und erfuͤllte in dieſem kritiſchen Augenblick die Pflichten eines Heerfuͤhrers und eines gemeinen Soldaten zugleich. Er zog Reſerven heran, fuͤllte damit die Luͤcken in ſeiner Schlachtordnung, er⸗ Briff eine Fahne und fuͤhrte ſelbſt die Grenadiere zum Angriff vor. In Beziehung auf dieſen wichtigen Umſtand lau⸗ ten die beiderſeitigen Berichte ſehr verſchieden. Die Franzoſen verſichern, daß die Oeſterreicher, ungeachtet der perſoͤnlichen Tapferkeit ihres Generals auf dem Punkte ſtanden, gaͤnzlich geſchlagen zu werden; in den oöͤſterreichiſchen Berichten wird dagegen behauptet, der Widerſtand der Oeſterreicher haͤtte den groͤßten Erfolg gehabt, und die Franzoſen waͤren auf allen Seiten zuruͤckgeſchlagen worden; beide aber ſtimmten darin überein daß gerade in dieſem kritiſchen Augenblick des Gefechts die Bruͤcke, die Buonaparte uͤber die Donau hatte ſchlagen laſſen, von den Fluthen wegge⸗ ſchwemmt worden ſey. Dieſes willkommene Ereigniß ſoll nach den Ver⸗ ſicherungen der Oeſterreicher durch Brander, die man den Strom herabſendete, bewirkt worden ſeyn, Die Franzoſen dagegen leugneten das Daſeyn der Bran⸗ der, und ſchrieben, da ſie den Anſtalten ihrer Geg⸗ ner nicht gerne Gerechtigkeit wiederfahren laſſen, die Zerſtoͤrung der Schiffbruͤcke dem Andrange von Baum⸗ ſtaͤmmen und Schiffen zu, die durch die ploͤtzlich ange⸗ ſchwollene Donau herbeigetrieben worden ſeyen. Ge⸗ neral Pelet gibt indeſſen, wenn gleich etwas unger⸗ ne, zu, es ſeyen Balken von einer oder mehreren Windmuͤhlen, mit brennenden Stoffen beladen, den Fluß herabgekommen. Es moͤgen nun entweder die Oeſterreicher auf den ganz natuͤrlichen Gedanken ge⸗ kommen ſeyn, dergleichen Brander und Treibholz den Strom herab gegen die Bruͤcke loszulaſſen, oder aber, dieſer alte und ſtolze Strom mag, nach einer altheid⸗ niſchen Vorſtelluns aus eigenem Antriebe das ihm von den Fremden aufgelegte Joch abgeſchuͤttelt haben. So viel iſt gewiß, daß die Bruͤcke zerſtoͤrt und Na⸗ voleons Armee hiedurch in die außerſte Gefahr ge⸗ ſetzt wurde. Er mußte ſich zuruͤckziehen, wenn er anders ſei⸗ ne Verbindung mit dem rechten Donauufer ſichern oder wiederherſtellen wollte. Der Ruͤckzug der Franzoſen war fuͤr die Oeſterreicher das Zeichen zum Vorruͤcken. Sie bemaͤchtigten ſich wieder des Dorſs Aſpern, und haͤtten nicht die Franzoſen mit gans auſſerordentlicher Standhaftigkeit und Tapferkeit ge⸗ foten, ſo wuͤrden ſie den groͤßten Verluſt erlitten haben. General Lannes, deſſen Betragen waͤhrend 15 Dießes ganzen Tages allgemeine Bewunderung erreg⸗ te, ward durch eine Kugel, die ihm beide Beine zer⸗ ſchmetterte, todlich verwundet. Maſſena behauptete ſichin dieſer Kriſts mit vieler Fertigkeit und Gei⸗ ſtesgegenwart, und ihm vorzuͤglich iſt die Rettung der Armee zu verdanken. Man will fogar, wahr⸗ ſcheinlich mir Unrecht, behaupten, Napoleon ſelbſt ha⸗ be bei dieſer Gelegenheit nicht ſeine gewoͤhnliche Ener⸗ gie und Enrſchloſſenheit gezeigt. Der Ruͤckzug der Franzoſen ward endlich durch das Geſchutz von Eßling gedeckt, das von den Oeſterreichern zu wiederholten Malen wuͤthend angegriffen wurde. Haͤtten ſie auf dieſem zweiten Punkte geſiegt, ſo waͤre die franzoͤſiſche Armee wohl ohne Rettung verloren geweſen, denn Eßling allein deckte ihren Ruͤckzug. Zum Gluͤck fuͤr Buonavarte blieb jener Theil der Bruͤcke, der die große Inſel Lobau mit dem linken Ufer, wo man focht, verband, unbeſchaͤdigt, und war durch Verſchan⸗ zungen gedeckt. Hiedurch ward es ihm möoͤglich, ſeine zertrümmerte Armee waͤhrend der Nacht auf der grof⸗ ſen Inſel zu verſammeln, indem er das ganze Ter⸗ rain, das er auf dem rechten Ufer inne hatte, raͤumte. Der Verluſt der beiden Heere war ſchrecklich und ſoll mehr als 20, 000 Mann an Todten und Verwunde⸗ ten auf jeder Seite betragen haben. General St. Hilaire, einer der beſten franzoͤſiſchen Generale, ward auf dem Schlachtfelde getoͤdtet und Lannes, toͤdtlich verwundet, auf die Inſel zuruͤckgebracht: Buonaparte beklagte 417 beklagte ihn ſehr, indem er ihn als ſein eigenes Werk betrachtete.„Er war,“ ſagte er,„zuerſt nur eiu Haudegen; ich habe ihn zum vollendeten Kriegs⸗ manne ausgebildet; aus dem Zwerge, der er war, habe ich einen Rieſen gemacht.“ Der Tod dieſes Ge⸗ nerals, den man den Roland der Armee nannte, hat⸗ te etwas hoͤchſt Empoͤrendes. Es waren ihm beide Beine zerſchmettert, und doch wollte er nicht ſterben, und meinte, man ſolle die Wundaͤrzte aufknuͤpfen, die einen Marſchall und Herzog von Montebello nicht zu heilen wuͤßten. Mit ſolcher Sehnſucht am Leben hangend, rief er nach dem Kaiſer mit der gleichſam inſtinktmaͤßigen Hoffnung, Napoleon wenigſtens wuͤr⸗ de die gefuͤrchtete Stunde noch verſchieben koͤnnen; er wiederholte ſeinen Namen bis zu ſeinem letzten Au⸗ genblick mit jener rohen Andacht, womit ein Indianer ſein Goͤtzenbild anbetet. Buonaparte zeigte, als er ſeinen getreuen Waffengefaͤhrten in dieſem Zuſtande ſah, eine Ruͤhrung, die ſich nicht bezweifeln laͤßt. Die Nachricht von dieſer ſchrecklichen Schlacht verbreitete ſich nach allen Richtungen und in die ent⸗ fernteſten Gegenden, und ward von den Oeſterrei⸗ chern als ein glaͤnzender und vollſtaͤndiger Sieg dar⸗ geſtellt. Dies moͤchte vielleicht der Fall geweſen ſeyn, wenn die Doͤrfer Aſpern und Eßling haͤtten genom⸗ men werden koͤnnen; ſo aber war dieſe Schlacht wei⸗ ter nichts, als ein abgeſchlagener Angriff des franzö⸗ ſiſchen Kaiſers, der auf ſeinem Vormarſch eine Nie⸗ W. Scott's Werke. LlII. 2 18 derlage erlitt, ſich auf eine Inſel zuruͤckziehen mußte, wo er, durch die Ueberſchwemmung von dem jenſeiti⸗ gen Ufer und ſeinen Reſerven abgeſchnitten, allerdings in einer ſehr bedenklichen Lage war. Die Hoffnungen und Wuͤnſche von ganz Europa waren der Herrſchaft Buonaparte's entgegen, und die Hoffnung kann, wie man weiß, ſchoͤne Gebaͤude auf einem weit ſchwaͤcheren Grunde auffuͤhren, als dieſer Unfall war. Es war mehr wie einmal prophezeiht worden, Napoleon wuͤrde fruͤher oder ſpaͤter bei einem ſo kuͤhnen Wageſtuͤck vom Gluͤck verlaſſen, durch das kuͤhne Vordringen in das Herz der feindlichen Staa⸗ ten ſeine Kraͤfte erſchoͤpfen und ſo das Opfer ſeiner eigenen Verwegenheit werden. Allein die Zeit war noch nicht gekommen, die das Schickſal zur Erfuͤllung dieſer Prophezeihung beſtimmt hatte. Eine groͤßere Thaͤtigkeit von Seiten des öſterreichiſchen Prinzen und ein weniger kraͤftiges Verfahren von Seiten Napo⸗ leons wuͤrden ein verſchiedenes Reſultat herbeigefuͤhrt haben; allein ungluͤcklicherweiſe wußte jener weniger ſeinen Vortheil zu benuͤtzen, als dieſer ſeinen Unfall wieder gut zu machen.= Am Morgen des 25ſten, des Tages nach der blu⸗ tigen Schlacht von Aſpern, war Buonaparte mit ſei⸗ nen Verwundeten und ſeinen noch übrigen Truppen in der ſumpfigen Inſel Lobau und einer andern, dem linken Ufer naͤher liegenden und nach dem Dorfe En⸗ zersdorf genannten Inſel eingeſchloſſen. Dieſe letztere, 19 die gleichſam das Außenwerk der erſtern war, iſt von dem linken Ufer, das die Oeſterreicher beſetzt hatten, nur durch einen zwanzig Klafter breiten Kanal ge⸗ trennt. Durch die Zerſtoͤrung der Bruͤcken war Na⸗ poleon von dem rechten Ufer und ſeiner⸗Referde un⸗ ter Davonſt abgeſchnitten⸗ Die Beſchaffenheit des⸗Bo⸗ dens auf dem linken Donauufer, gegenuͤber der Infel Enzersdorf, geſtattete das Auffahren eines zahlreichen Geſchuͤtzes, um einen Uebergang zu erzwingen, und General Hiller ſoll, wie man ſagt, einen Uebergang auf dieſem Punkte des Fluſſes, ſo wie einen Angriff der Inſel Lobau und Enzersdorf ſehr angelegentlich empfohlen und ſich mit ſeinem Kopfe fuͤr das Gelin⸗ gen deſſelben verbuͤrgt haben. Der außerordentliche Verluſt, den die oͤſterreichiſche Armee an den beiden vorhergehenden Tagen erlitten, hat, wie es ſcheint, die Verwerfung dieſes Mans vexanlaßt. Man war auch der Meinung, Prinz veihe entweder bei Preßburg oder weiter oberhalb u die Donau gehen, und ſolchergeſtalt auf dem rechten Ufer operiren und die Reſerven, die Buonaparte in Ebersdorf unter Da⸗ vouſt zuruͤckgelaſſen hatte, und wovon er durch die Ueberſchwemmung getrennt war, angreifen und auf⸗ reiben konnen. Auch dieſes that der Erzherzog nicht; er ergriff vielmehr die Defenſive wieder, die er nur auf einige Stunden aufgegeben hatte, und ließ, in der Meinung, Napoleon werde ſeinen fruͤheren Plan verſolgen, durch die oͤſterreichiſchen Ingenieure das 2. 20 Terrain zwiſchen Aſpern und Eßling befeſtigen, waͤh⸗ rend die Armee ruhig wartete, bis es Napoleon ge⸗ fallen wuͤrde, den Verſuch eines Uebergangs uͤber die Donau zu erneuern. Buonaparte hatte indeß mit beioielloſer Schnel⸗ ligkeit die noͤthigen Materialien auftreiben laſſen, und ſo ſchon am Morgen des zweiten Tages nach der Schlacht ſeine Verbindung mit dem rechten Ufer wie⸗ der hergeſtellt und dadurch den Oeſterreichern alle Hoffnung genommen, irgend einen weitern Vortheil aus der Unterbrechung ſeiner Communication zu ziehen. Die Inſel Lobau ward mit gleicher Eile durch unverdroſſene Arbeit in ein unermeßliches Lager ver⸗ wandelt und durch Batterien vom ſtaͤrkſten Kaliber gegen Sturm und Ueberfall von dem jenſeitigen Ufer her geſichert, ſo daß auch Hiller's Plan gleich unan⸗ wendbar wurde. 2* kleineren Inſeln wurden auf dieſelbe Art befeſtigt; und am 1ſten Juli verlegte Napoleon ſein Hauptquarkier auf die Inſel Lobau, die den Namen Napoleonsinſel erhielt, und von wo er wie aus einer ungeheuern Feſtung nach Gefallen ge⸗ gen den Feind vorbrechen konnte. Boote, kleine Bar⸗ ken und andere Erforderniſſe, um nach einem beſſe⸗ ren Plane wie fruͤher drei Schiffbruͤcken zu bauen, wurden in einem unbegreiflich kurzen Zeitraume in Bereitſchaft geſetzt. Die fruͤhere Bruͤcke, die man nunmehr ſo dauerhaft hergeſtellt hatte, daß nur we⸗ nig von der Wuth der Donau zu fuͤrchten war, ver⸗ band jetzt wieder die von den Franzoſen beſetzten In⸗ ſeln mit dem linken Ufer dieſes Fluſſes. Das Talent der Beobachtung ſchien den Oeſterreichern ſo ſehr zu fehlen, daß, obgleich der Krieg in ihrem eigenen Lan⸗ de, deſſen Schickſal von dem Ausgange deſſelben ab⸗ hing, gefuͤhrt wurde, ſie doch keine Ahndung davon hatten, daß ſich Napoleon noch andere Uebergangs⸗ mittel, außer ſeiner erſten Bruͤcke, wuͤrde verſchaffen koͤnnen; und in dieſem Wahne verloren ſie ihre Zeit mit Aufwerfung unnuͤtzer Verſchanzungen, waͤhrend ſie doch mit einiger Induſtrie haͤtten erfahren muͤſſen, daß der franzoͤſiſche Kaiſer, ſtatt einer Bruͤcke zu ver⸗ trauen, drei derſelben erbauen laſſe. In den zunaͤcſt folgenden Wochen erhielten die beiden Armeen Verſtaͤrkungen. Die oͤſterreichiſchen und ungariſchen ESdelleute boten ihre Vaſallen und Grundholden zum Kriegsdienſte guf, waͤhrend Buona⸗ parte in ganz Deutſchland, wo uf mittelbar oder un⸗ mittelbar gebot, neue Anshebungen veranſtalten ließ, um die letzte Hoffnung dieſes nach ſeiner Unabhaͤngig⸗ keit ſich ſehnenden Landes zu vernichten. Maͤchtigere und zahlrsichere Huͤlfsheere zogen auch von der nordoͤſtlichen Grenze Italiens heran. Der Erzherzog Johann kam, wie wir wiſſen, von dort⸗ her, um ſich mit ſeiner Armee nach Ungarn zu bege⸗ ben und ſofort in Gemeinſchaft mit ſeinem Bruder, dem Erzherzog Karl, operiren zu koͤnnen, Er kam 22 en, wurde aber unterwegs von dem Feinde verfolgt und gedraͤngt. Prinz Eugen Beauharnois, der Geg⸗ ner des Erzherzogs Johann in Italien, durch das franzoͤſiſche Korps aus Dalmatien verſtaͤrkt, folgte den Oeſterreichern, ſchlug ſie auf dem Marſche in mehre⸗ ren Gefechten und langte endlich mit ihnen zugleich an den Grenzen von Ungarn au. Hier haͤtte die Stadt Raab durch eine ſtandhafte Vertheidigung den Feind hinhalten ſollen, um den Erzherzog Johann in den Stand zu ſetzen, mit ſeinem juͤngern Bruder Rainer, der die ungariſche Inſurrektion leitete, gemeinſchaft⸗ lich zu manoͤveriren. Allein daſſelbe boͤſe Geſchick, das in dieſem Feldzug Alles verdarb, fuͤhrte auch den Fall von Raab acht Tage nach der Niederlage herbei, die der oͤſterreichiſche Prinz unter ſeinen Mauern erlitten hatte. Die italieniſche Armee von Eugen, vereinigte ſich mit den Franzoſen, und der Erzherzog Johann ging bei Preßburg uͤber die Donau, um ſich ſeiner⸗ ſeits mit dem Erzherzog Karl zu vereinigen, was je⸗ doch Napoleon zu verhindern ſuchte. Am 5ten Juli um 10 Uhr des Nachts begannen die Franzoſen von den Donauinſeln ihren Uebergang auf das linke Ufer. Kanonenboͤte, zu dieſem Zwecke erbaut, brachten einige der oͤſterreichiſchen Batterien zum Schweigen; andere wurden umgangen, indem man außer ihrem Bereich uͤber den Fluß ging, was die Franzoſen mittelſt ihren neuen, insgeheim herge⸗ ſtellten Bruͤcken wohl thun konnten. 23 Bei den erſten Strahlen des andern Tages war der Erzherzog Karl auf eine ſehr unangenehme Weiſe uͤberraſcht, als er die ganze franzoͤſiſche Armee auf dem linken Ufer der Donau vor ſich ſah, nachdem ſie alle zur Verhinderung ihres Uebergangs aufgeworfe⸗ nen Verſchanzungen umgangen und voͤllig nutzlos ge⸗ macht hatte. Die Doͤrfer Eßling und Enzersdorf wa⸗ ren genommen, und die franzoͤſiſche Armee, in der Verlaͤngerung des linken Fluͤgels des Erzherzogs ent⸗ wickelt, bedrohte ſeine Flanke und ſeinen Ruͤcken. Um die ſchlimmen Folgen dieſes Ueberfalls zu beſeitigen, bemuͤhte ſich der Erzherzog, den franzoͤſiſchen rechten Fluͤgel hinwiederum zu umgehen, waͤhrend die Fran⸗ zoſen das Centrum der oſterreichiſchen Linie durch ei⸗ nen Angriff auf das Dorf Wagram, das der Schluͤſ⸗ ſel zu ihrer Stellung war, zu durchbrechen ſuchten. Es ward genommen, wieder genommen und in Brand geſteckt; nur das von dem Erzherzog Karl bewohnte Haus blieb ſtehen. Die Nacht machte der blutigen und unentſchiedenen Schlacht ein Ende. Kuriere uͤber Kuriere wurden an den Erzherzog Johann abgefer⸗ tigt, um ſeine Ankuuft zu beſchleunigen. Am folgenden Tage, alſo am 6ten Juli, ward die ſchreckliche Schlacht von Wagram geſchlagen, in welcher der Erzherzog Karl den großen militaͤriſchen Fehler begangen haben ſoll, daß er ſeine Schlachtord⸗ nung zu weit aus einander zog, und hiedurch ſein Centrum ſchwaͤchte, Der Feind verſaͤumte nicht, die 24 ihm gegebene Bloͤße zu benuͤtzen. Mit einer Batt⸗ rie von 100 Kanonen und einer auserleſenen Divi⸗ ſion durchbrachen Lauriſton und Macdonald das oͤſter⸗ reichiſche Centrum. Napoleon ſelbſt zeigte dabei allen ſeinen Muth und ſein ganzes Talent; er war immer auf dem heißeſten Fleck, ob er gleich durch das Kar⸗ taͤtſchenfeuer, das ſein Gefolge auf ſich zog, oft in große Gefahr kam. Endlich ſcheint die oͤſterreichiſche Armee in Un⸗ ordnung gerathen zu ſeyn; der linke Flugel insbeſon⸗ dere benahm ſich ſchlecht. Ein Nothgeſchrei ließ ſich hoͤren, und gerade diejenigen raͤumten das Feld zuerſt in wilder Flucht, welche die letzten geweſen ſeyn ſoll⸗ ten, wenn andere dieſes Beiſpiel gegeben haͤtten. Die Franzoſen machten 20,000 Gefangene, und die Nie⸗ derlage war ſo vollſtaͤndig, daß, obgleich der Erzher⸗ zog Johann mit einem Theile ſeiner Armee vor der voͤlligen Beendigung des Gefechts eintraf, Alles ſo unrettbar verloren ſchien, daß er froh war, unbemerkt von dem Feinde das Feld raͤumen zu koͤnnen. Die oſterreichiſchen Prinzen und die Regierung hofften nun nichts mehr von einem laͤngern Wider⸗ ſtande und ſchloſſen mit Buonaparte zu Znaim einen Waffenſtillſtand, wodurch ſie ſich anheiſchig machten, das Tyrol zu raͤumen und die Zitadellen von Bruͤnn und Gratz als Unterpfaͤnder ihres aufrichtigen Wun⸗ 15 ſches nach Frieden an Napoleon zu uͤbergeben. Mit dieſem Waffenſtillſtande ſchwanden alle Hoff⸗ nungen der tapferen Tyroler und der deutſchen In⸗ ſurgenten, die durch Waffengewalt die Unabhaͤngigkeit ihres Vaterlandes wieder zu erringen geſucht hatten. Allein obgleich das Erſcheinen dieſer Patrioten auf der Buhne zunaͤchſt kein wichtiges Reſuktat hervorge⸗ bracht hat, ſo iſt daſſelbe doch hoͤchſt bemerkenswerth, als ein Beweis des Wiederauflebens von National⸗ geiſt und des Erwachens von jenem dumpfen und ge⸗ duldigen Sklavenſinn, der den Menſchen bei dem Wechſel ſeiner Herren eben ſo gleichguͤltig macht, als das unvernuͤnftige Vieh, das ſich von Jedem an der Halfter fortſuͤhren laͤßt. Was wir hier von der Wie⸗ dergeburt des oͤffentlichen Geiſtes in Deutſchland ſa⸗ gen, fuͤhrt uns auf die Unternehmungen von Schill und des Herzogs von Braunſchweig, ſo wie auf den Aufſtand der Tyroler zuruͤck, deren Ausgang wir in der Kuͤrze berichten muͤſſen. Das Loos des wackern Schill war ſchon laͤngſt ent⸗ ſchieden. Gegen die kleine Armee von 5000 Mann, die er auf ſeinen Zuͤgen durch verſchiedene Gegenden Deutſchlands ſich zu verſchaffen gewußt, hatte Hiero⸗ nymus Buonaparte ein betraͤchtliches Heer von allen Seiten her zuſammengezogen. Auf ſeinen Maͤrſchen und in ſeinen Gefechten zeigte Schill große Entſchloſ⸗ ſenheit, Muth und Talente; allein die Verhaͤltniſſe waren ſo unguͤnſtig, daß die Leute ihn zwar anſtaun⸗ ten, bewunderten und ſeinen Muth prieſen, aber es doch nicht wagten, ſich ihm anzuſchliehen, Von Hol⸗ 26 ländern, Weſtphalen und Daͤnen hart gedraͤngt und oft beinahe umzingelt, mußte ſich Schill nach einem feſten Poſten umſehen, wo er den Beiſtand Englands, entweder zum Behuf ſeiner erſten Unternehmung, oder zur Deckung ſeiner Flucht, von dem Continent er⸗ warten konnte. Er hielt die Stadt Stralſund fuͤr hiezu geeignet, und erſchien daher am 25ſten Mai ploͤtzlich vor derſelben, nahm ſie in Beſitz, ſtellte ihre zerſtoͤrten Feſtungswerke ſo gut als moͤglich wieder her, und beſchloß, ſich dort zu behaupten. Die Franzoſen erkannten indeß die Nothwendig⸗ keit, dieſen Funken auszutreten, der ſo leicht einen allgemeinen Brand haͤtte erzeugen koͤnnen. Eine ſtar⸗ ke Abtheilung hollaͤndiſcher und daͤniſcher Truppen marſchirte am z1ſten Mai nach Stralſund und drang ſofort in die Stadt ein, wo Schill mit ſeinen braven Waffengefaͤhrten auf dem Marltylatz den verzweifelt⸗ ſten Widerſtand leiſtete und vielleicht geſiegt haben wuͤrde, wenn er nicht ſelbſt gefallen und durch den Tod von dem Joche des Unterdruͤckers erloͤst worden waͤre. Der Koͤnig von Preußen hatte gleich anfangs Schill's Unternehmung mibbilligt, und als die Ein⸗ nahme von Wien die oͤſterreichiſche Sache noch hoff⸗ nungsloſer machte, erklaͤrte er ihn mit ſeinen Anhaͤn⸗ gern in die Acht. Auf dieſe Mißbilligung und Acht⸗ erklaͤrung ſich berufend, belegten die ſiegreichen Frau⸗ zoſen und ihre Verbuͤndeten die Offiziere von Schill mit der Strafe der Straßen⸗ und Seeraͤuber— einer 27 Strafe, die ſeit den Tagen von Wallace und Llewel⸗ lyn von den Unterdruͤckern oft uͤber diejenigen ver⸗ haͤngt worden iſt, die ſich ihrer Tyrannei widerſetzt haben. Schill's Laufbahn war beinahe zu Ende, ehe der Herzog von Braunſchweig die ſeinige begann. Haͤtten ſie ſich vereinigen können, ſo wuͤrden ihre Unterneh⸗ mungen gluͤcklicher ausgefallen ſeyn. Als der junge Herzog ein Buͤndniß mit Oeſterreich ſchloß und die Verbindlichkeit einging, ein leichtes Truppenkorps ins Feld zu ſtellen und zu befehligen, lehnte er jede An⸗ ſtelung in kaiſerlichen Dienſten und den Titel eines oͤſterreichiſchen Generals ab. Er trat in der wuͤrdi⸗ geren Rolle eines Sohns und eines Reichsfuͤrſten auf, der den Tod ſeines Vaters raͤchen und mit dem Schwert in der Hand ſein Erbgut den Fremden wie⸗ der entreißen wollte. Seine Talente wie ſeine Tha⸗ ten entſprachen dieſem Vorhaben. Er ſchlug die Sach⸗ ſen zu wiederholten Malen und zeigte viel Tapferkeit und Feuer; allein lag es nun in dem Charakter des oͤſterreichiſchen Generals am Ende, der gemeinſchaft⸗ lich mit dem Herzog haͤtte operiren ſollen, oder in irgend einer geheimen Eiferſucht auf einen nach per⸗ ſoͤnlicher Unabhaͤngigkeit ſtrebenden Verbuͤndeten— der Beiſtand der Oeſterreicher kam immer etwas ſpaͤt und blieb in der hoͤchſten Noth wohl gar aus. Gleichwohl beſetzte der Herzog von Braunſchweig nach einander die Staͤdte Dresden, Leipzig„Lindenau, noͤthigte den eingedrungenen Koͤnig von Weſtphalen zum Ruͤckzug, und war zur Zeit des Waffenſtillſtan⸗ des von Zuaym Herr eines betraͤchtlichen Theils von 3 Franken; und jetzt endigte des Prinzen abenteuerliche gluͤckliche Laufbahn, da er zufolge jener Conveation von den Oeſterreichern gaͤnzlich aufgegeben wurde. Der Herzog von Braunſchweig, der damals in Schleiz, einer Stadt in Oberſachſen, war, hoͤrte nicht auf den furchtſamen Rath, den man ihm gab, mit einem der Generale, die ihn mit ihren Truppen umzingelt hat⸗ ten, zu kapituliren, ſondern wollte ſich lieber durch⸗ ſchlagen oder ſterben, als geduldig die Waffen nieder⸗ legen, die er nur ergriffen hatte, um ſeines Vaters Tod und die Unterdruͤckung ſeines Vaterlandes zu raͤchen. Von vielen ſeiner Offtziere verlaſſen, beharrte doch der muthige Prinz auf ſeinem Entſchluß; er zer⸗ ſtreute einige Reiterkorps, die ihm den Weg verren⸗ nen wollten, und marſchirte nach Halberſtadt, das er von weſtphaͤliſcher Inſanterie, die ſich hier mit dem franzoͤſtſchen General Reubel vereinigen wollte, beſetzt fand. Um letzteres zu verhindern, ſtuͤrmte der Her⸗ zog die Thore der Stadt, zerſtreute die Weſtphalen und machte ungefaͤhr 1600 Mann Gefangene, waͤh⸗ rend die Einwohner ihn mit dem Freudenrufe begruͤß⸗ tten:„Lang lebe der Herzog von Braunſchweig! Gluͤck den ſchwarzen Jäͤgern!“. Von Halberſtadt zog er nach Wolfenbuͤttel, und 29 von da nach Braunſchweig, der Hauptſtadt ſeines Va⸗ kers und ſeines eigenen Erblandes. Die huͤlfloſe La⸗ ge, in der ſie ihren jungen Herzog ſahen, hielt die Buͤrger nicht ab, ihm ihre Ehrfurcht zu bezeigen und ihre Dienſte anzubieten, ob ſie gleich wußten, daß ſie ſich hiedurch den Haß derjenigen zu iehen wuͤrden, die bald wieder das Ruder fuͤhren mußten. Der Herzog verließ den andern Tag ſeine Erb⸗ ſtaaten, bedauert von den Einwohnern, die ihre Ge⸗ fuͤhle durch Geberden, Wuͤnſche und Thraͤnen zu er⸗ kennen gaben; er beeilte ſich, an die Oſtſee zu kom⸗ men, wo er nach vielen uͤberſtandenen Gefahren das luͤck hatte, ſeine ſchwarze Legion nach Großbritan⸗ nien einzuſchiffen, ungeſchaͤndet durch feige Unterwer⸗ fung unter den Despoten, der ſeines Vaters Haus des Throns beraubt hatte. Sein Leben, wahrſchein⸗ lich vor dem Schaffot bewahrt, ſollte den Weg zu je⸗ nem großen Siege bahnen, wodurch die deutſchen und braunſchweigiſchen Waffen vollkommen geraͤcht wurden, Die heldenmuͤthige Vertheidigung des Tyrols, deren die Geſchichte eben ſo ehrenvoll gedenken wird, als der Thaten Wilhelm Tell's, fand durch den Waf⸗ fenſtillſtand von Znaym ebenſalls ihr Ziel, nicht, weil dieſes wackere Volf ſeine eigene Sache aufgab, ſon⸗ dern, weil die Oeſterreicher, um deren Willen es die Waffen ergriffen hatte, ihre Truppen zuruͤckzogen und daſſelbe ſeinem Schickſale uberließen. Im Monat Juli griff eine Armee von 40,600 Franzoſen und Baiern 3⁸ das Tyrol von der deu tſchen Seite her an, waͤhrend General Ruska, von Klagenfurt aus, auf der ſuͤdli⸗ chen Seite der Alpen eindrang. Ungeſchreckt durch dieſe dpppelte und furchtbare Invaſion, gingen die Tyroler auf den Feind, ſo wie er in ihre Gebirge eindrang, los und ſchlugen ihn. Das Schickſal einer 10,000 Mann ſtarken Diviſion baieriſcher und franzoͤ⸗ ſiſcher Truppen, die ſich in das obere Innthal wagte, wird die ſiegreiche Taktik der Tyroler einigermaßen ins Licht ſetzen. Die feindlichen Truppen ruͤckten in einer langen Kolonne auf einer Straße vor, die auf der einen Sei⸗ te von dem hier tiefen und reißenden Inn und auf der andern von einer ſenkrechten Felswand begrenzt iſt. Der Vortrab kam, ohne Widerſtand zu finden, nach Prutz, dem Ziele des Marſches, und das Haupt⸗ korps wagte ſich daher auch immer tiefer in dieſen furchtbaren Paß, der immer enger wurde, und wo die Felſen uͤber den Haͤuptern der Vorruͤckenden ein Gewoͤlbe zu bilden ſchienen. Außer dem Gekraͤchze der aus ihren Horſten aufgeſcheuchten Adler und dem Rau⸗ ſchen des Fluſſes ward kein Laut gehoͤrt, und auf den zum Theil in dichten Nebel gehuͤllten Felſenſpitzen kein menſchliches Weſen geſehen. Endlich hoͤrte man einen Mann, der uͤber die Kluft hinuͤberrief: Sollen wir anfangen? Nein! antwortete mit einem gebiete⸗ riſchen Tone Einer, der als der Wortfuhrer eine hoͤ⸗ here Region zu bewohnen ſchien. Das baieriſche Korps 3¹1 machte Halt und wollte von ſeinem General Befehle einholen, als ploͤtzlich das ſchreckliche Loſungswort ge⸗ hoͤrt ward:„Im Namen der heiligen Dreieinigkeit laßt Alles los!“ Felſenſtuͤcke und Baumſtaͤmme, die lange und in Menge zu dieſem Zwecke aufgehaͤuft la⸗ gen, rollten nun in jeder Richtung mit reißender Schnelligkeit herab, waͤhrend das moͤrderiſche Feuer der Tyroler, die niemals fehlſchießen, aus jedem Buſche, jedem Loche, jedem Schlupfwinkel, wo der Schuͤtze ſicher ſtand, hervorſpruͤhte. Da dieſer ſchreck⸗ liche Angriff in dem ganzen Raume, den die Kolon⸗ ne einnahm, auf einmal erfolgte, ſo verlor der Feind in einem Augenblick zwei Drittel ſeiner Mannſchaft; und jetzt brachen die Tyroler, mit Schwertern, Spee⸗ ren, Aerten, Senſen, Pruͤgeln und andern laͤndlichen Werkzeugen bewaffnet, aus ihren Schlupfwinkeln her⸗ vor, um die Uebriggebliebenen vollends niederzuma⸗ chen oder in die Flucht zu jagen. Da der Vortrab, welcher Prutz erreicht hatte, ſich ergeben mußte, ſo ſollen wenige von den 10,000 Eingedrungenen aus dieſem verderblichen Paſſe herausgekommen ſeyn. Allein ungeachtet ihres Muthes, ungeachtet der natuͤrlichen Staͤrke ihres Landes, konnten ſich die Ty⸗ roler doch nicht mehr behaupten, als der Friede mit Oeſterreich Buonaparte geſtattete, ſeine ſaͤmmtlichen unermeßlichen Hulfsmittel zur Eroberung dieſer Ge⸗ birge zu verwenden. Sogar Oeſterreich, daſſelbe Oe⸗ ſterreich, fuͤr deſſen Sache ſie gefochten und die groͤß⸗ ten Gefahren beſtanden hatten, dachte nicht darau, in dem Frieden etwas fuͤr ſie zu bedingen, ſondern begnuͤgte ſich, ſie zur Niederlegung der Waffen zu er⸗ mahnen. Der Widerſtand ward demnach als zweck⸗ los aufgegeben; Hofer, der Hauptanfuͤhrer der Tyro⸗ ler, legte ſein Kommando nieder, und die Baiern ka⸗ men wieder in den Beſitz eines Landes, das ſie durch eigene Anſtrengungen nie wieder erobert haben wuͤr⸗ den. Hoſer und ungefaͤhr dreißig Anfuͤhrer dieſer wackern Vaterlandsvertheidiger wurden hingerichtet, zur Suͤhne fuͤr den durch ihre Tapferkeit angerichte⸗ ten Schaden. Allein ihr Ruhm war wie ihr unſterb⸗ licher Geiſt der Gewalt des Richters und des Hen⸗ kers entruͤckt, und die Staͤtte, wo ihr Blut floß, iſt dem Freunde der Freiheit eben ſo heilig, als dem Gottesverehrer der innere Raum eines Tempels. Dieſe Aufwallungen des Nationalgeiſtes, die ſich zuerſt in Spanien, dann in den Unternehmungen Schills und des Herzogs von Braunſchweig gezeigt, und in der Vertheidigung Tyrols ſo furchtbar gewirkt hatten, ſah Napoleon nicht ohne große Beſorgniß. Er erkannte in dieſen Inſurrektionen die furchtbaren Vorzeichen, daß er es in ſeinen kuͤnftigen Kriegen nicht blos mit den Regierungen, ſondern auch mit dem Haß der Voͤlker zu thun haben werde; nicht blos den, wenn auch großen, doch immer noch berechenba⸗ ren Widerſtand gedungener Soldaten, ſondern den Widerſtand der ganzen Bevoͤlkerung wuͤrde bekaͤmpfen muͤſſen, müſſen, der ſich jeder Berechnung entzieht und fuͤr welchen ſelbſt die Unordnung und die Flucht nicht nur ein Rettungsmittel, ſondern ſogar eine Waffe werden kann. Es war demnach der Politik Napoleons angemeſ⸗ ſen, jeden Aufruf, wodurch die europaiſchen Herrſcher ihre Voͤlker zur Selbſtvertheidigung und, zur Be⸗ kaͤmpfung der franzoͤſiſchen Herrſchſucht auffordern mochten, in ein gehaͤſſiges und falſches Licht zu ſtel⸗ len. Gegen alle Aufforderungen dieſer Art heuchelte er den groͤßten Abſchen, als enthielten ſie jakobini⸗ ſche und antiſociale Grundſaͤtze, die ganz dazu geeig⸗ net ſeyen, die ſchrecklichen Graͤuel der franzoͤſtſchen Revolntion zuruͤckzufuͤhren. Der Moniteur gab einen beſondern Aufſatz uͤber die Freyheitsverheiſſungen und Aufforderungen zu nationaler Einheit und nationaler Nache, die damals in Deutſchland im Umlauf waren. Dieſe wurden mit dem Freiheits⸗ und Gleichheitsge⸗ ſchrei verglichen, wodurch die franzoͤſiſchen Republika⸗ 1 822 ner in den erſten Tagen der Revolntion die Schutz⸗ wehren und die Geſinnungen derſelben Nationen un⸗ tergruben und verdarben, die ſie nachmals ansriſfen, indem ſie ihre demokratiſchen Doctrinen als das vor⸗ zuͤglichſte Mittel gebrauchten, ſich den R zu ihrem Waffengluͤcke zu bahnen. Der Moniteur behandelte daher ſolche Verſuche, das Volk fuͤr allgemeine Ver⸗ theidigung zu begeiſtern, gleich dem Gebrauche vergif⸗ teter Waffen oder anderer Mittel, die ſich mit den W. Scott's Werke, LIII. 3 5 34 Geſetzen eines civiliſirten Krieges nicht vertragen⸗ Auch General Pelet, der natuͤrliche Bewunderer des Herrſchers, zu deſſen Siegen er mitgewirkt, zeigt die⸗ ſelbe heilege Scheu gegen die Aufforderung einer gan⸗ zen Nation zur Vertheidigung ihrer Unabhaͤngigkeit. Er eifert gar ſehr gegen die Ver kehrtheit und Unpo⸗ litik und jelbſt gegen den Undank legitimer Fuͤrſten, die ſich revolutionaͤrer Aufhetzungen gegen Napoleon bedienten, der doch der franzoͤſiſchen Revolution mit allen den Uebeln, die ſie waͤhrend ihrer Dauer uͤber die beſtehenden Monarchien brachte, ein Ende gemacht hatte. Er fragt, was aus der Welt geworden ſeyn wuͤrde, wenn Napoleon hinwiederum den National⸗ geiſt entflammt und das gemeine Volk durch eine de⸗ mokratiſche Sprache gegen die beſtehenden Regierun⸗ gen aufgeregt, und ſolchergeſtalt eine Wiedervergel⸗ tung geuͤbt haͤtte, die er ſtets gewiſſenhaft verabſcheut haben ſoll. Es wird ſogar behauptet, die Sache der Civiliſation und der guten Ordnung werde gefaͤhrdet durch einen Aufruf an die Bevoͤlkerung, ſich gegen eine fremde Invaſion mit den Waffen in der Hand zu erheben. Dieſe Bemerkungen, die nur eine Wiederholung von Napoleons eigenen Worten ſind, ſchlagen in un⸗ ſern Gegenſtand ein und verdienen daher eine beſon⸗ dere Pruͤfung. Zuforderſt laͤugnen wir gaͤnzlich, daß ein Aufruf an die Spanier, die Tyroler oder die Deutſchen, oder irgend ein anderes Volk, das von einem ſiegreichen Feinde unterjocht worden iſt, irgend etwas mit den demokratiſchen Lehren gemein habe, wodurch waͤhrend der franzoͤſiſchen Revolution die unteren Volksklaſſen zur Plünderung der Reichen, zur Verbannung der Edlen, und zur Ermordung redlicher und rechtſchaffe⸗ ner Menſchen aufgehetzt wurden.. Sodann muͤſſen wir darauf aufmerkſam machen, ie widerſprechend es iſt, wenn Napoleon einerſeits als der Baͤndiger der Revolurfon und als der Freund und die Stuͤtze der wankenden Throne geprieſen wird, und wenn er ſich ſelbſt auf der andern Seite fuͤr den wahren Meſſias der Grundſaͤlze jener Umwaͤlzung ge⸗ halten miſſen will, und von ſeinen Anhaͤngern auch wirklich dafuͤr gehalten wirh. Wie konnte er, der dem Beiſpiele der Souveraine, welche die revolutid⸗ naͤren Grundſaͤtze angerufen hatten, nicht folgen woll⸗ te, weil er dieſelben fuͤr verbrecheriſch und hoͤchſt ge⸗ faͤhrlich hielt, ſich dennoch folgendes Gerede erlauben: „Die großen Grundſaͤtze unſerer Revolution, ihre großen und ſchoͤnen Wahrheiten werden bleiben; ſo⸗ ſehr baben wir ſie mit Ruhm, mit Denkmaͤhlern, mit Wunderthaten durchflochten. Von der franzoͤſiſchen Tribune ausgegangen, mit dem Lorbeer des Sieges gekroͤnt, durch das Zuzjauchzen der Voͤlker begruͤßt u. f. w. muͤſſen ſie ewig herrſchen. Sie werden der Glaube, die Religion, die Moral aller Nationen der Welt ſeyn. Und jene znerkwuͤrdige Epoche wird ſich, 5 v. n. 36 was man auch dagegen ſagen mag, an mein Anden⸗ ken knuͤpfen, denn ich war es, der die Fakel empor⸗ hielt und den Grundſaͤtzen jener Periode die Weihe gab, und nun ihr Opfer bin.“ Dieſe Anſpruͤche Na⸗ poleons, die hier mit ſeinen eigenen Worten angefuͤhrt ſind, laſſen ſich wahrlich nicht mit ſeinem angeblichen Wohlwollen fuͤr die alten europaͤiſchen Regierungen und auch nicht mit dem Verdienſte vereinigen, das er ſich erworben haben will, durch die Weigerung, ſich des großen Hebels der Revolution gegen dieſe wankenden Throne zu bedienen. Die Wahrheit iſt, daß eine ſolche Weigerung nicht Skatt gefunden hat, denn Buonaparte trug, gleich andern weniger kecken Eroberern, kein Bedenken, von jedem buͤrgerlichen Zwieſpalt in den Laͤndern, mit de⸗ nen er Krieg fuͤhrte, Nußzen zu ziehen, und war ſtets bereit, Inſurrektionen im feindlichen Lande entweder zu beguͤnſtigen oder hervorzurufen. Seine Verbin⸗ dungen mit den unzufriedenen Irlaͤndern und Polen find bekannt genug; ſeine Intriken in Spauien beruh⸗ ten auf der Aufhetzung des Volks gegen die Lehens⸗ herren und die koͤnigliche Familie; und, um gerade tege ſtehen zu blelben, worin er auf alle Umtriebe gegen die Oeſterreicher ver⸗ ſo erließ er nachſtehenden Aufruf revblutio zichtes haben will an die ungariſche „Ungarn! Auger ublick der Wiedererlangung Eurer Unabhangigkeit iſt da. Ich gewaͤhre Euch den Frieden, die Integritaͤt Eures Gebiets, die Unver⸗ letzlichkeit Eurer Staatseinrichtungen, ſowohl der be⸗ reits beſtehenden, als derjenigen, die der Zeitgeiſt hervorrufen mag. Ich verlange nichts von Euch, ſon⸗ dern moͤchte Euch nur frei und un⸗ ngig ſehen. Eurx Verbindung mit Oeſterreich war Euer Ungluͤck; Euer Blut iſt fuͤr daſſelbe in enrfernten Laͤndern ge⸗ floſſen und Eure heiligſten Intereſſen ſind ſtets den⸗ jenigen der oͤſterreichiſchen Erbſtaaten zum Opfer ge⸗ bracht worden. Euer Land iſt der ſchoͤnſte Theil der oſterreichiſchen Monarchie und doch wird es nur als eine Provinz behandelt. Ihr habt Nationalſitten, ei⸗ ne Nationalſprache und koͤnnt Euch eines alten, glor⸗ reichen Stammes ruͤhmen. So beſteht denn fortan als eine Nation. Waͤhlt Euch einen Koͤnig, der mt. ten unter Euch und faͤr Euch allein regiert...... folgt dem Beiſpiele Eurer Vorfahren. Verſammel Euch zu einem allgemeinen Landtag auf den Feldern von Racos und laßt mich Euren Entſchluß wiſſen!“ „Ddieſer Aufruf beweist zur Genuge, daß der, von dem er ausging, kein Bedenken trug, die Un erthanen einer beſtehenden Regierung gegen dieſelbe aufzurei⸗ zen. Wenn auch die beſtimmte Sprache des republi⸗ kaniſchen Frankreichs darin vermißt wird, ſo iſt nicht zu uͤberſehen, daß ihm niemand geglaubt haben wuͤr⸗ de, wenn er, der Vernichter der franzoͤſiſchen Repu⸗ blik, in beſtimmten Ausdruͤcken die Abſicht an den Tag gelegt haͤtte, irgendwo eine Republick zu errich⸗ 38 ten; zweitens, daß die republikaniſche Sprache in ſei⸗ mer Armee und unter ſeinen Truppen Erinnerungen geweckt haben wuͤrde, die ihm hütten gefaͤhrlich wer⸗ den koͤnnen. 3 Sein angebliches Verdienſt, die Unterthanen nicht gegen die Regierungen aufgeſtiftet zu haben, keruht daher einmal auf einer unrichtigen Darſtellung der Thatſachen und dann kann daſſelbe, in ſofern es Grund hat, eben ſo wenig ſeiner Achtung fuͤr die Rechte der Regierungen oder die beſtehende Ordnung der Geſellſchaft zugeſchrieben werden, als der edle, patriotiſche Sinn, der Schill, Hofer und ihre Anhaͤn⸗ ger beſeelte, mit den antiſocialen Lehren jener wilden Demagogen verwechſelt werden darf, deren einziger Foeck, Gewalt und Raub, deren letzter Grund die Gui Uotine war. Zweites Kapitel. Zetragen von Rußland und England während des Krieges mit Oeſterreich.— Rüſtungen der Engländer.— Betrachtungen 8 über dieſelben.— Expedition von Walchern.— Das Miß⸗ lingen derſelben.— Handlungsweiſe Napoleons gegen den Pabſt.— Unklugheit und Inconſequenz derſelben.— Nach⸗ weiſungen darüber.— General Miollis rückt in Rom ein. 8 — Napolcon erläßt ein Dekret, um den Kirchenſtaat dem granzöſiſchen Reiche einzuverleiben.— Er wird in Kirchen⸗ bann gethan.— Pius VII. wird aus Rom verbannt und nach Grenoble gebracht,— ſpäter nach Savona.— Be⸗ trachtungen über dieſes Verfahren.— Puonaparte wird von einem Meuchelmörder angeſallen.— Abſichten und Zweck des Verbrechers. Unterzeichnung des deſinttiven Friedens⸗ vertrags zu Schönbrunn.— Deſſen Beſtimmungen.— Na⸗ poleon kehrt am 14ten November 1809 nach Frankreich zu⸗ rück.— Die Bedingungen des Friedens mit Oeſterreich kamen erſt am 1aten Oktober 1809 ins Reine, ob⸗ gleich der Waffenſtillſtand drei Monate fruͤher unter⸗ zeichnet worden war. Wir benützen dieſen Zwiſchen⸗ raum, um anderer merkwuͤrdiger Ereigniſſe zu erwaͤh⸗ nen, die ſich im Laufe dieſes verhaͤngnißvollen Som⸗ mers zutrugen. Zu dieſem Ende muͤſſen ir vorerſt einen Blick auf das Betragen Rußlands und Eng⸗ lands waͤhrend des Krieges werfen. Ungeachtet der zwiſchen den Kaiſern Alexander und Napoleon beſtehenden perſoͤnlichen Freundſchaft, ungeachtet ihrer Verpflichtungen, die ſie zu Tilſit ein⸗ gegangen und erſt vor kurzem in Erfurt erneuert hatten, ſo ſcheint man Rußland doch nicht dahin ver⸗ mocht zu haben, in einem Kriege, der die Vernich⸗ tung oder voͤllige Demuͤthigung Oeſterreichs zum Zwe⸗ cke hatte, mit Napoleon gemeinſchaftliche Sache zu machen. Das Kabinet von St. Petersburg verſaͤum⸗ te allerdings nicht, ſich der Vortheile zu verſichern, die Rußland in den oben angefuͤhrten Konſerenzen eingeraͤumt wurden. Finnland wurde erobert, von 4⁰0 Schweden, zu dem es ſo lange als Provinz gehoͤrt hatte, abgeriſſen und Rußland einverleibt, das dadurch eine aͤuſſerſt vortheilhafte Grenze erhielt. Auch fuͤhr⸗ te Rußland mit Frankreichs Erlaubniß Krieg mit der Pforte, um ſein Gebiet durch die Eroberung der Moldau und Wallachei zu vergroͤſſern. Allein, ob⸗ gleich der petersburger Hof den einen dieſer Vorthei⸗ le bereits gewonnen hatte und nahe daran war, auch den andern zu erlangen, ſo ſahen doch die ruſſiſchen Miniſter mit Beſorgniß auf das Schickſal, mit dem Oeſterreich bedroht war, hin, um ſo mehr, als ſie ſelbſt durch einen Vertrag ſich verpflichtet hatten, zu ſeiner Vernichtung mitzuwirken. Wir haben geſehen, daß Rußland gerne den Krieg verhindert haͤtte; es mußte aber jezt wider ſeinen Willen daran Theil nehmen; doch konnte man in dem Mamifeſte des Fuͤrſten Gallitzin, der mit 30,000 Ruſſen in Gallizien einruͤckte, kaum die Sprache eines feindlich geſinn⸗ ten Staates erkennen. Es hieß darin, der Kaiſer habe alles, was in ſeiner Macht ſtand, vethan, um zu verhindern, daß es ſo weit kaͤme; da aber der Krieg nun einmal ausgebrochen ſey, ſo ſey er durch die Traktate verpflichtet, die beſtimmte Anzahl von Huͤlfstruppen zu ſtellen. Die NRuſſen gingen nur langſam zu Werk und benahmen ſich in Oeſterreich mehr als Verbuͤndete, denn als Feinde. Einige der hoͤheren ruſſiſchen Offiziere bekaunten geradezu, ihre Politik ſey derjenigen des Kaiſers poͤllig entgegen und — — Truppen unter der Anft 41 drey Viertel der die Territorialdiviſſonen in Rußland kommandirenden Generale daͤchten ebenſo. Dieſe Sprache, in Verbindung mit der ungewoͤhnlichen Langſamkeit und Milde, wurde fuͤr den Angenblick nicht beachtet, aber ſorgfältig als eine grobe Beleidi⸗ gung vorgemerkt, bis nach der Anſicht Nappleons die Zeit gekommen war, Rußland dafuͤr, daß es ſeine Erwartungen getaͤuſcht hatte, zur Rede zu ſtellen. Englands Auſtrengungen zu jener Zeit waren durch ihre Beſchaffenheit und ihren Uumfang ganz da⸗ zu geeignet, die Welt in Erſtaunen zu ſetzen. Sei⸗ ne Flagge ſchien die Seekuſten Italiens, Spaniens, der joniſchen Inſeln und der Oſtſee im buchſtaͤblichen Sinne zu uͤberſchatten. Wo immer nur einiger Wi⸗ derſtand gegen Napoleons Joch ſich regte, ward der Beiſtand Englands angerufen und auch gerne ge⸗ waͤhrt. 4 In Spanien beſonders zeigten die brittiſchen üͤhrung eines Feldherrn, der bald die beſten franzoͤſiſchen Generale uͤbertreffen ſoll⸗ te, ihre gewoͤhnliche Tapferkeit unter Auſpicien, die dafuͤr buͤrgten, daß ſie mehr als bloßen Glanz zur Folge haben wuͤrde. Indeſſen zeigten die brittiſchen Gewalthaber, ob ſie gleich ein umfaßenderes, kuͤhneres, zugleich aber auch ein weiſſeres Syſtem der Kriegfuͤhrung ange⸗ nommen hatien, doch bei einer ſehr wichtigen Gele⸗ 4² genheit, daß ſie wenigſtens zum Theil noch nicht ganz die alten Vorurtheile abgelegt hatten, wodurch die Anſtrengungen Großbritaniens zu Gunſten der Freiheit der Welt ſo lange ohne rechten Erfolg ge⸗ blieben waren. Der allgemeine Grundſaz ſtand zwar feſt, den Uakernehmungen Englands eine ſolche Richtung zu geben, daß dadurch der Sache Europas der groͤßte Vorſchub geleiſtet werde, und den Intereſſen Nayo⸗ leons der groͤßte Abbruch geſchehe; doch wuͤnſchte man dabei zugleich den beſondern und eigenthuͤmlichen Vortheil Englands zu befoͤrdern, und das, was man insbeſondere einen brittiſchen Zweck naunte, zu errei⸗ chen. Einige engliſche Miniſter glichen in dieſer Hin⸗ ſicht gewiſſermaſſen den alten Judenchriſten, die, in⸗ dem ſie den chriſtlichen Glauben annahmen, ſich noch immer an die aͤußeren Gebraͤuche des Iudenthums gebunden glaubten und ſo die Vorurtheile des juͤdi⸗ ſchen Volkes, durch die es den uͤbrigen Menſchen fremd blieb, beibehielten.— Es iſt kein Wunder, daß die Stimme deſſen, was im Grunde nichts als Selbſtſucht iſt, in den Berathungen uͤber Nationalangelegenheiten mehr Ge⸗ hoͤr findet, als ſie es verdient; denn in dieſem Fall fuͤhrt ſie die Sprache eines gewiſſen Patriotismus, der nur das gegen ſich hat, daß er in ſeinem Eifer zu ausſchlieſſend iſt. Ein ſolcher Patriotismus iſt in⸗ deßen ſehr zu beklagen, weil er ſtarke Seelen ſchwaͤcht 4³ und weiſe Maͤnner irre fuͤhrt, wovon die Geſchichte Großbritanniens nur zu viele Beiſpiele aufweist. Auſſer den bereits auf der Halbinſel befindlichen Streitkraͤften hatte Großbritannien die Mittel und den Willen, 40, 000 Mann auf 55 Livienſchiffen und 20 Fregatten nach dem Continent zu ſenden, um damit uͤberall Huͤlfe zu leiſten, wo es von Nußen ſeyn konn⸗ te. Eine ſolche Macht, an der ſpaniſchen Kuͤſte ans Land geſetzt, wuͤrde den langen und blutigen Kampf in dieſem Lande ſchnell entſchieden, viel brittiſches in jenem anhaltenden Kriege verſchwendetes Blut erſpart und etwas ausgerichtet haben, was, wie der Sieg von Trafalgar, an den Ufern der Donau von Napo⸗ leon verſpuͤrt worden waͤre. Nach Norddeutſchland zu einer Zeit geſendet, wo Schill und der Herzog von Braunſchweig noch nicht unterlegen waren, wuͤrde dieſe Macht das Mittel geweſen ſeyn, die ſaͤmmtli⸗ chen noͤrdlichen Provinzen gegen Frankreich aufzuwie⸗ geln zum Behuf einer Unternehmung, wozu die oͤf⸗ fentliche Meinung ſchon vorbereitet war. Ein einzi⸗ ger gluͤcklicher Schlag wuͤrde ſelbſt Preußen ermuthigt und dieſes bedraͤngte Koͤnigreich vermocht haben, den Kampf fuͤr ſeine Unabhaͤngigkeit aufs Neue zu begin⸗ nen. Mit Einem Wort, Großbritannien wuͤrde die Chre zu Theil geworden ſeyn, daſſelbe Feuer anzu⸗ zunden, das, durch Rußland im Jahr 1813 ange⸗ facht, die franzoͤſiſche Herrſchaft in Deutſchland ver⸗ ichten und den Rheinbund aufloͤſen half. 44 Ungluͤcklicherweiſe ſchien keiner dieſer wichtigen Zwecke den Urhebern der Expedition, von der die Re⸗ de iſt, mit den brittiſchen Intereſſen genugſam in Verbindung zu ſtehen; es ward demnach beliebt, die beſagte Macht gegen die ſtarken Veſtungen, die ſum⸗ pfigen Inſeln und geſaͤhrlichen Kuͤſten der Niederlan⸗ de zu verwenden, um dort die befindlichen Schiffs⸗ werſte zu zerſtoͤren und Schiffe wegzufuͤhren. Antwerpen war beſonders das Ziel dieſer Expedi⸗ tion. Ob nun gleich Napoleon großen Werth auf die Schiffswerſte und Seearſenale, die er an der Schelde hatte auffuͤhren laſſen, legte, ſo unterlag die Zerſtörung derſelben doch ſolchen Gefahren und Schwierigkeiten, die den Nuzen, den man ſich da⸗ durch fuͤr England verſprach, bei weitem uͤberwogen. Geſetzt auch, Napoleon haͤtte den Bau ſeiner Schiffe in der Schelde oder anderswo gluͤcklich beendigen koͤn⸗ nen, ſo waͤre es ihm unter den damaligen Verhaͤlt⸗ niſſen doch nicht moͤglich geworden, dieſe Schiffe zu bemannen, wenn er anders nicht ſeine Seeleute auf dem trockenen Boden, wie einſt die Roͤmer zur Zeit des Krieges mit Carthago, abrichten und bilden woll⸗ te. Haͤtte er aber auch die noͤthigen Seeleute auf⸗ bringen konnen, wie viel Zeit wurde verſtrichen ſeyn, bis er eine ſolche Flotte in der Schelde hätte ausruͤ⸗ ſten konnen, die nicht durch halb ſo viele brittiſche Schiffe geſchlagen worden waͤre. Von der Schelde her war England nur mit einer ſehr entfernten Ge⸗ 4⁵ fahr bedroht; die Zerſtoͤrung der dortigen Anſtalten ſtand, wenn ſie auch moͤglich war, in keinem Ver⸗ haͤltniß mit den Koſten und hen Gefahren einer ſol⸗ chen Unternehmung. Außerdem mußten, ehe Ant⸗ werpen angegriffen werden konnte, die Inſeln Beve⸗ land und Walchern genommen, und viele See und Landgefechte beſtanden werden, um auf den Punkt zu kommen, wo man allein groſſe Reſultate erwarten onnte. Der Oberbefehlshaber der Expedition war der Graf von Chatham, in mancher Hinſicht der wurdige Sohn ſeines Vaters, des großen Miniſters, der aber in allen oͤffentlichen Aemtern, die er begleitet, eine Unthatigkeit und Schlaͤfrigkeit gezeigt hatte, die in einer Unternehmung, wo alles auf Schnelligkeit und Entſchloſſenheit ankam, ſehr nachtheilig werden muß⸗ te. Es iſt merkwuͤrdig, daß, obgleich der Charakter des Lord Chatham in dieſer Beziehung allgemein be⸗ kannt war, doch die oͤffentliche Meinung aus Achtung fuͤr den beruͤhmten Namen dieſer Familie ſeine Er⸗ nennung nicht mißbilligte.. Am 3oſten Juli landeten die Englaͤnder auf den Inſeln Suͤd⸗Beveland und Walchern und griffen am Iſten Augyuſt den in der ganzen Nachbarſchaft wich⸗ tigſten Ort Vließingen zu Land und zur See an„ der ſich am 15ten Auguſt ergab, und deſſen Garniſen 4⸗ oder 5090 Mann ſtark, als kriegsgefangen nah Eng⸗ land geſendet ward. Hier halte indeß das(Sluͤck der 46 brittiſchen Waffen ſein Ziel. Die Franzoſen, anfangs ſehr beſtuͤrzt, hatten Zeit, ſich wieder zu faſſen. Fouchs, damals an der Spitze der Polizei, ja man darf ſagen, der Regierung(denn er war gerade Mi⸗ niſter des Innern), wußte in groͤßter Eile ungefaͤhr 40,000 Mann Nationalgarden unter die Waffen zu bringen und dadurch die Linientrupnen zu erſetzen, die in den Niederlanden ganz fehlten. Indem er den kriegeriſchen Geiſt der franzoͤſtſchen Buͤrger anfeuerte, was ihm ausnehmend gelang, bediente ſich Fouchs fol⸗ gender Worte:„Moͤge Europa ſehen, daß, obgleich Frankreich dem Genie Napoleons ſeinen Ruhm ver⸗ dankt, es doch zur Vertheidigung ſeines Bodens ſei⸗ ner Gegenwart nicht bedarf.“ Dieſe Phraſe druͤckte mehr Unabhaͤngigkeit aus, als Napoleon lieb war, und zeigte von einem Selbſtduͤnkel, der das Verdienſt des Miniſters aufwog. Auch die von Fouché getroffene Wahl eines Be⸗ fehlshabers der neuen Aufgebote gefiel nicht beſſer. Bernadotte, der Mann ſeiner Wahl, der von uns bereits als ein General von republikaniſchem Rufe be⸗ zeichnet worden iſt, hatte ſich zur Zeit der Erhebung Napoleons als deſſen Widerſacher benommen und es mit dem Direktorium gehalten. Jede Art von Riva⸗ litaͤt, jeder Streit zwiſchen beiden hatte zwar laͤngſt aufgehoͤrt; gleichwohl hielt man Bernadotte kaum fuͤr einen wahren Freund des Kaisers, ob er gleich durch ſeine Verehelichung mit der Schwaͤgerinn Joſephs, 47 des eingedrungenen Koͤnigs von Spanien, mit der Napoleon'ſchen Familie einigermaßen verwandt war. In dem von uns beſchriebenen Feldzuge von Wien befehligte Bernadotte, der zum Prinzen von Ponkc⸗ Corvo erhoben worden war, eine Diviſion Sachſen und zog ſich da den Tadel des Kaiſers mehr als ein⸗ mal zu, beſonders wegen der Langſamkeit ſeiner Be⸗ wegungen in der Schlacht von Wagram. Der Prinz von Ponte⸗Corvo kam daher in einer Art von Un⸗ gnade nach Paris zuruͤck, wo ihm Fouché und der Kriegsminiſter Clarke vorſchlugen, die Vertheldigung Antwerpens zu uͤbernehmen. Bernadotte, der zuerſt dieſen Auftrag nicht annehmen wollte, ſich aber end⸗ lich doch dazu entſchloß, benuͤtzte die ihm von den Englaͤndern vergoͤnnte Zeit, um den Platz in voͤlligen Vertheidigungsſtand zu ſetzen, und verſammelte in der Stadt ſelbſt und in ihrer Umgegend ein Heer von ungefaͤhr 30,000 Mann. Man ſetzte durch Oeſſnung der Schleußen das Land unter Waſſer, errichtete gro⸗ ße Batterien auf beiden Seiten der Schelde, ſo daß es beinahe unmoͤglich wurde, den Fluß heraufzu⸗ kommen. Die brittiſchen See⸗ und Landoffiziere wurden unter ſich ſelbſt uneinig, wie es oft geſchieht, wo ſich die Schwierigkeiten haͤufen, und kein uͤberlegener Geiſt da iſt, der dieſelben zu meiſtern verſteht, Der eigentliche Zweck der Expedition wurde deß⸗ halb gufgegeben, die Flotte kehrte nach den engliſchen 48 Haͤfen zuruͤck und die brittiſchen Truppen wurden, man weiß nicht aus welchem Grunde und mit wel⸗ hen Erwartungen, ediglich zu der unſeligen Exobe⸗ ung der Inſel Walchern verwendet. Auf dieſen mo⸗ vaſtn⸗ mit Kanaͤlen und Graͤben, in denen das Waſſer ſteht, durchſchnittenen Inſeln herrſcht unauſ⸗ hoͤrlich ein aͤußerſt peſtilentialiſches und boͤsartiges Fieber, das gleich den meiſten aͤhnlichen Krankheiten den Fremden mehr zuſetzt, als den Eingebornen, die urch Gewohnheit gewiſſermaßen dagegen abgeſtumpft ſind. Dieſe ſchreckliche Krankheit brach unter unſern Truppen verheerend wie die Peſt aus, raffte auf der Stelle einen großen Theil davon weg, und zeruͤttete die Geſundheit der Uebriggebliebenen fuͤr immer. Die Freude, womit Napoleon die Armee ſeines Feindes einem ſo traurigen und ungluͤcklichen Tode geweiht ſah, ſprach ſich ſelbſr in ſeinen Bulletins aus, wie wenn dieſe verheerende Peſt das Werk ſeiner eigenen Veranſtaltung, und nicht, die Folge des Klimas und des ungluͤcklichen Zoͤgerns, wodurch unſere Soldaten ſo lange hingehalten wurden, geweſen waͤre.„Es iſt uns lieb“, ſchrieb er an den Kr eosminiſter,„daß die Englaͤnder ſich in die Moraͤſte von Seeland ein⸗ gepfercht haben. Man muß ſich begnuͤgen, ſie dort im Schach zu halten; ſo wird die ungeſunde Luft und das dort einheimiſche Fieber ſie bald aufgerieben ha⸗ ben.“ Nach dem Verluſte von weit mehr Menſchen, als drei Feldſchlachten gekoſtet haben wuͤrden, wur⸗ den 4³ den endlich die Feſtungswerke von Vließingen geſprengt, worauf die Britten in ihr Vaterlaud zuruͤckkehrten. Die ſchlimmen Folgen dieſer Expedition hatten auch jezt noch kein Ende. Der Entwurf und die Lei⸗ tung derſelben brachte Zwieſpalt in das brittiſche Ka⸗ binet, die den zeitigen Austritt eines ſeiner faͤhigſten und beredteſten Mitglieder, Herrn Georg Canning, veranlaßte, der ſich gerade in dem Augenblick von den oͤffentlichen Geſchaͤften zuruͤckzog, wo das Land am wenigſten ſeine Talente entbehren konnte. Auf der andern Seite ſah das Publikum in der Befoͤrderung des Marquis Wellesley zu der Stelle eines Kriegs⸗ miniſters eine Buͤrgſchaft, daß die kraͤftigen, von die⸗ ſem talentvollen und treflichen Staatsmanne angege⸗ benen Maßregeln, von ſeinem Bruder Sir Arthur, der als General das Zutrauen und die Hoffnungen der Armee und des Volks immer mehr gewann, wuͤrden unterſtuͤtzt und ausgefuͤhrt werden. Waͤhrend England ſich ſolchergeſtalt abmuͤhte, ent⸗ ſchied Buonaparte in dem Schloſſe von Schoͤnbrunn, zunaͤchſt bei Wien, das Schickſal des Continents uͤberall, wo brittiſcher Einfluß nicht hemmend den Weg trat. Eine Revolutwn, die er mit leichter Muͤ⸗ he ausfuͤhrte, und durch die er doch Europa, wesen der zahlreichen Erinnerungen, die ſie weckte, mit Staunen erfuͤllte, war die Beſitznahme der Stadt Rom une des Kirchenſtaats uͤberhaupt, wodurch der Pabſt als weltlicher Fuͤrſt abgeſchafft wurde.. W. Scott's Werke. LIlI. 4 50 Die groͤßten Bewunderer Napoleons muͤffen zu⸗ geben, daß ſeine Politik, die weniger auf Grundſätze, als auf vorubergehende Umſtande gebaut war, ſich ſehr ſchnell aͤndern konnte, je nachdem ihm irgend ein Ereigniß oder Zufall hiezu Veranlaſſung gab. So gab es z. B. keine riefer gedachte und zweckmaͤßigere Maßrege, als das Concordat, wodurch er die Volks⸗ gion Frankreichs wiederherſtellte und dieſes Land e in den Schoß der katholiſchen Kirche zuruͤck⸗ „ den Kaiſer mergbkeon ei ſarnurſ uu den Act einer Kroͤnung durch religioͤſe Feierlichkeiten verherrlichte. Man haͤt⸗ te glauben ſollen, daß eine auf di ſe Weiſe geſchloſſene Freundſchaft, die fuͤr den Pabſt vom hoöchſten Werthe ſeyn mußte, und wodurch auch die Intereſſen Napo⸗ leons befoͤrdert wurden, wenigſtens einige Jahre lang ungetruͤbt beſtehen wuͤrde. Allein der Kaiſer und der Pabſt betrachteten ſich ſtets mit mißtrauiſchen Augene Pius VII. fuhlte, daß er als Oberhaupt der Kirche vem Kaiſer Napoleon ſehr viel eingeraͤumt ha⸗ be, ſo viel, daß er es kaum vor ſeinem Gewiſſen ver⸗ antworten konnte, und erwartete daher von Buona⸗ parte eine den Gewiſſenszweiſeln, uͤber die er ſich hinweggeſetzt hatte, angemeſſene Dankbarkeie. Der Kaiſer ſchlug dagegen die ihm von ſeiner Heiligkeit 51 erwieſenen Dienſte nicht ſo hoch an, und nahm auf jene Zweifel nur wenig Ruͤckſicht. Indem der Pabſt in ſo manchen Stuͤcken den Rechten der Kirche etwas vergab, troͤſtete er ſich viel⸗ leicht damit, daß er hiezu gezwungen ſey und als Ge⸗ fangener handle; er verſtand ſich auch in der That zu groͤßeren Opfern, als irgend einer ſeiner Vorgaͤnger ſeit den Zeiten Konſtantins. Darum mag er ſich fuͤr doppelt verpflichtet gehalten haben, nicht nur das, was ihm von der Macht ſeiner Vorgaͤnger uͤbrig ge⸗ blieben, ſtandhaft zu behaupten, ſondern auch, falls ſich Gelegenheit dazu darbieten ſollte, einiges von dem, was er wider ſeinen Willen abgetreten hatte, wieder zuruͤckzufordern. In dieſer Lage nun glaubte ſich Pius der Siebente gefaͤlliger gegen Buonaparte erwie⸗ ſen zu haben, als recht war, waͤhrend Napoleon, der die Vereinigung Frankreichs mit Rom, in religioſer Beziehung, als ſein eigenes Werk betrachtete, ſich deß⸗ wegen zu noch groͤßeren Anſpruͤchen berechtigt glaubte, als ihm Seine Heiligkeit bereits gewaͤhrt hatte. Bei ſeiner erſten Ruͤckkehr nach Italien aͤuſſerte ſich der Pabſt fehr guͤnſtig uͤber Napoleon, den er in der Anrede an das Kardinalskollegium als den maͤch⸗ tigen Kaiſer von Frankreich bezeichnete, deſſen Name in den entfernteſten Weltgegenden genannt werde, durch den der Himmel die Religion in Frankreich, als ſie im auſſerſten Verfall geweſen, wiederherge⸗ ſtellt, und der ihn perſönlich mit der groͤßten Aus⸗ 4„„ 52 zeichnung und Gefaͤlligkeit behandelt habe, und daßur die hoͤchſte Achtung und Dank verdiene. Doch beſchwerte ſich Napoleon daruͤber, daß Pius der Siebente ſpaͤter allmaͤhlig die Feinde Frankreichs zu Rath zog, und denen Gehoͤr gab, die ihm riethen, die Rechte der Kirche hoͤher zu halten, als die Gunſt des Kaiſers. So entſtand ein geheimer, beſtaͤndiger Krieg zwiſchen dem Kaiſer und dem Pabſt; jener woll⸗ te ſeine neu erlangte Gewalt ausdehnen und befeſtigen, dieſer die noch uͤbrigen Vorrechte der Kirche behaup⸗ ten und wahren. Gleichwohl iſt es wahrſcheinlich, daß, haͤtte es ſich nur um kirchliche Gegenſtaͤnde gehandelt, Napo⸗ leon einen offenen Bruch mit dem heiligen Vater vermieden haben wuͤrde, der, wie er wohl wußte, großes Aergerniß geben mußte. Allein unter den vor⸗ liegenden Umſtaͤnden reizte das zeitige Beſitzthum des Pabſtes ſeinen Ehrgeiz in hohem Maſe. Dieſes liegt wie man weiß, zwiſchen dem Koͤnigreich Neapel das damals Joachim Murat beherrſchte, und den noͤrdli⸗ chen Provinzen Italiens, die durch die letzte Einver⸗ leibung von Toskana, ſaͤmmtlich in einen Staat ver⸗ einigt, und unter dem Namen eines Koͤnigreichs Italien ein Theil des franzoͤſiſchen Reiches geworden „waren. Solchergeſtalt ſtand auf der ganzen italieniſchen Halbinſel der einzige Kirchenſtaat weder unmittelbar noch mittelbar unter dem Einfluſſe des franzoͤſiſchen Kaiſer⸗ reichs; und da er das neapolitaniſche Gebiet von dem ⸗ 53 franzoͤſiſchen ſchied, ſo ward dadurch den brittiſchen Truppen ſowohl von Sizilien als Sardinien her eine Landung und, was Napoleon nicht minder ſorgſam zu verhindern ſuchte, die Einfuhr engliſcher Fabrikate betraͤchtlich erleichtert. Der Krieg mit Oeſterreich im Jahre 1809, und die große Armee, die der Erzher⸗ zog Johann damals nach Italien fuͤhrte, und mit der er, ohne den Unfall bey Eckmuͤhl, viel Großes haͤtte ausrichten koͤnnen, machten dem Kaiſer die Unabhaͤn⸗ gigkeit des Kirchenſtaats noch mißſaͤlliger und ver⸗ daͤchtiger. Sein Botſchafter erhielt daher den Auftrag, dem Pabſt die Nothwendiskeit vorzuſtellen, den Englaͤn⸗ dern ſeine Haͤfen zu ſchließen und dem Continental⸗ ſyſtem, ſo wie dem zwiſchen den Koͤnigreichen Italien und Neapel geſchloſſenen Bundniſſe beizutreten, oder mit andern Worten, an dem Kriege mit Oeſterreich und England Theil zu nehmen. Pius der Siebente verſchloß ſeine Haͤfen ſehr ungern; an dem Kriege aber wollte er durchaus nicht Theil nehmen. Er ſey, ſagte er, der Vater aller chriſtlichen Nationen, und konne als ſolcher nicht gegen irgend eine Krieg fuͤhren. Dieſe Weigerung brachte den Kaiſer in Harniſch. Um ſich, wie er ſagte, gegen die von dem Starrſinne des heiligen Vaters zu befuͤrchtenden Nachtheile zu ſichern, ließ er ſofort die Staͤdte Ancona und Civita⸗ Vecchig von franzoͤſiſchen Truppen boſetzen, die dort 54 auch keinen Widerſtand fanden, weil keiner geleiſtet werden konnte. Durch dieſen Gewaltſtreich, zu dem der Pabſt aus Klugheit, und weil er ihn doch nicht abwenden konnte, wohl gerne haͤtte ſchweigen moͤgen, erreichte Buonaparte, wie es ſcheint, ſeine naͤchſten Zwecke; auch wuͤrde er ſich wahrſcheinlich damit begnaͤgt und den Skandal eines offenen und unheilbaren Bruches mit Pius dem Siebenten vermieden haben, haͤtte er ſich nicht erinnert, daß Rom die Hauptſtadt der chriſt⸗ lichen Welt geweſen, und daß die Univerſalherrſchaft, wonach er ſtrebte, wohl nie in ihrer vollen Maieſtaͤt, wie er wuͤnſchte, anerkannt werden wuͤrde, wenn nicht die alte Hauptſtadt der Welt auch ſeiner Herr⸗ ſchaft unterworfen waͤre. Napoleon war ſelbſt ein Italiener und zeigte ſei⸗ nen Vaterlandsſinn durch die Vorliebe zu dieſem Lan⸗ de, dem er alle die Wohlthaten die aus ſeiner Regie⸗ rung hervorgingen, in reichlicherem Maaße zukommen ließ, als irgend einem andern Theile ſeines Gebiets. Dieſer hochfliegende Geiſt ſchwelgte in dem ſtolzen, und, haͤtte er ohne Verletzung wohlerworbener Rechte ausgefuͤhrt werden koͤnnen, auch edlen Gedanken, die ſchoͤne Halbinſel Italiens in ein Koͤnigreich zu verei⸗ nigen, wovon Rom auch einmal die Hauptſtadt wer⸗ den ſollte. Er ſchmeichelte ſich auch mit der Hoffnung, die ewige Stadt aus ihrem Schutt zu erheben, ihre alten Denkmaͤhler zu erhalten, und ſo viel wie moͤg⸗ lich ihren ehemaligen Glanz herzuſtellen. Dergleichen Plane, die Napoleon um ſo mehr gefielen, weil ein Ruhm damit verbunden war, den keine andere Ero⸗ berung haͤtte gewahren koͤnnen, mußten fuͤr einen, durch beſtandiges Gluͤck gegen den gewoͤhnlichen Ge⸗ nuß des Sieges abgeſtumpften Geiſt großen Reiz ha⸗ ben, und die Ueberzeugung, daß die weltliche Herr⸗ ſchaft des Pabſtes, mit die em ſchoͤnen Traum der Wiederherſtellung Roms und Italiens unvertraͤglich ſey, brachte ihn ohne Zweifel zu dem Entſchluß, die⸗ ſer Macht ein Ende zu machen. Am 2ten Febr. 1809 nahm General Miollis mit einem franzoͤſiſchen Truppenkorps von Nom ſelbſt Be⸗ ſitz; loͤste die paͤbſtliche Edelgarde auf, und ſandte die uͤbrigen Truppen nach dem noͤrdlichen Italien, indem er ihnen zur Belohnung verſprach, daß ſie von nun an nicht mehr unter den Befehlen eines Prieſters ſte⸗ hen ſollten. Die franzoͤſiſchen Kardinaͤle oder jene die in den von den Franzoſen beſetzten oder ihnen unter⸗ worfenen Laͤndern geboren waren, wurden in ihre Heimath zuruͤckgewieſen, damit der heilige Vater kei⸗ nen Beiſtand in dem Conclave finden moͤchte. Der Beitritt zu dem italieniſchen Offenſiv und Defenſivy⸗ buͤndniß ward hierauf dem Pabſt als das einzige Ver⸗ ſoͤhnungsmittel dringend empfohlen, ſo wie die Abtre⸗ tung eines Theils des Kirchenſtaats, damit ihm der ührige bleibe. In Beziehung auf die beiden Punkte, hatte Pius VII. ſeinen Entſchluß gefaßt; er wollte ſich 56 weder zu einem Buͤndniß verſtehen, mit dem ſein Gewiſſen ſich nicht befreunden konnte, noch zugeben, daß der heilige Stuhl eines Theils ſeines Beſitzthums beraubt werde. Dieſer vortreffliche Mann wußte, daß, obgleich die zeitliche Macht des Pabſtthums ver⸗ ſchwunden zu ſeyn ſchien, doch alles von dem Muthe abhange, den der Pabſt perſoͤnlich an den Tag lege. Endlich erließ Napoleon am 17ten Mai ein Dekret, worin er, als Nachſolger Karls des Großen, Folgendes erklaͤrte: 1.) Sein erlauchter Vorfahrer habe den roͤmiſchen Biſchoͤfen die Stadt Nom und andere Gebietstheile als Lehen verliehen, ohne auf die Souverainitaͤt uͤber dieſelben zu verzichten. 2.) Die Vereinigung der geiſtlichen und weltli⸗ chen Macht ſey die Quelle unaufhoͤrlichen Zwiſts ge⸗ weſen, den viele Paͤbſte benutzt hatten, um unter dem Vorwande ihr geiſtliches Anſehen zu behaupten, ein⸗ zig ihre weltliche Herrſchaft auszudehnen. 5.) Die weltlichen Anſpruͤche des Pabſtes ſeyen mit der Ruhe und Wohlfahrt der von Napoleon be⸗ herrſchten Nationen unvertraͤglich, und alle Vorſchlaͤ⸗ ge, die er in dieſer Hinſicht gemacht habe, ſeyen ver⸗ worfen worden. Sonach wurde durch dieſes Dekret die Wiedervereinigung des Kirchenſtaates mit dem franzoͤſiſchen Reiche verfuͤgt. Einige folgende Artikel bezogen ſich auf die Erhaltung der klaſſiſchen Monn⸗ mente, letzten dem Pabſt ein freies Einkommen von 2 Millionen Franken aus, und erklaͤrten, daß das Eigenthum und der Palaſt des paͤbſtlichen Stuhls frei von allen Laſten und jeder Art von Aufſicht ſeyen. Schließlich ward noch in dieſem Dekret die innere Verwaltung Roms durch ein Conſultum oder Regie⸗ rungskommiſſion feſtgeſetzt und dieſe ermaͤchtigt, die italieniſche Verfaſſung einzufuͤhren. Eine am 19ten Juni in Folge des kaiſerlichen Reſcripts erlaſſene Proklamation dieſer Kommiſſion erklaͤrte, daß die weltliche Herrſchaft Roms an Napoleon uͤbergegangen ſey, daß aber doch Rom fortwaͤhrend der Sitz des ſichtbaren Oberhaupts der katholiſchen Kirche bleiben werde. Man war ohne Zweifel der Meinung, der Pabſt wuͤrde ſich bewegen laſſen, in die Vernichtung ſeiner weltlichen Macht einzuwilligen, wie man ija auch die ſpaniſchen Bourbons zur Verzichtung auf die ſpaniſche Krone, ihr Erbtheil, vermocht hatte. Allein Pius VII. bewies weit mehr Seelenſtaͤrke. In derſelben Nacht, wo die Proklamation der neuen Regierung ihm ſein weltliches Anſehen vollends entzog, griff das Ober⸗ haupt der Kirche zu ſeinen geiſtlichen Waffen und er⸗ klaͤrte im Namen Gottes, und von ihm hiezu ermaͤch⸗ tigt, in einem von ihm ſelbſt verſaßten, mit dem Fiſcherring geſiegelten Dokument, Napoleon, der Kai⸗ ſer der Franzoſen, habe mit ſeinen Auhaͤngern, Hel⸗ fern und Rathgebern die feierliche Strafe der Ver⸗ bannung verdient, die er hiemit auch gegen ſie aus⸗ 58 ſpreche. Zur Ehre des Pabſtes muß man hinzufuͤgen, daß dieſer Bannſpruch, ſehr verſchieden von den Bul⸗ len, die ſeine Vorgaͤnger in aͤhnlichen Faͤllen erließen, ausſchließlich als eine religioͤſe Strafe verkuͤndigt ward, und eine Clauſel enthielt, des Inhalts, daß durchaus kein Angriff gegen die Perſon des Kaiſers oder eines ſeiner Anhaͤnger damit bezweckt werde. 3 Der Kaiſer war uͤber den Starrſinn und dieſen kuͤhnen Schritt des Pabſtes ſehr erbost und beſchloß, ihn dafür zu beſtrafen. In der Nacht vom 5ten auf den 6ten Juli drangen franzoͤſiſche Soldaten in den von dem Pabſt bewohnten Quirinalpalaſt mit Gewalt ein, und Geueral Nadet erſchien vor dem heiligen Vaker mit der Forderung, auf die Herrſchaft uͤber den Kirchenſtaat ſofort zu verzichten.„Ich darf, ich will, ich kann dies nicht thun“, ſagte Pius VII.;„ich habe zu Gott geſchworen, das Beſitzthum der heiligen Kirche unverletzt zu erhalten.— Ich werde meinen Eid nicht brechen.“ Der General erwiederte hierauf: Seine Heiligkeit moͤge ſich nur gefaßt machen, Rom zu verlaſſen.„Dies iſt alſo des Kaiſers? Dank,“ rief der bejahrte Pabſt aus,„fuͤr das, was ich an der „gallikaniſchen Kirche und an ihm ſelbſt gethan habe? Vielleicht habe ich dadurch in den Augen Gottes ge⸗ ſuͤndigt und er will mich jetzt dafur ſtrafen; ich ergebe mich in ſeinen goͤttlichen Willen.“ Um drei Uhr des Morgens wurde der Pabſt mit dem Karbinal, der ihn begleiten durfte, in den Wa⸗ 59 gen gebracht und ſo mit Gewalt aus Rom entfuhrt. Als ſie in das Thor del Popolo kamen, bemerkte der General, Se. Helligkeit koͤnne auch jetzt noch in die Abtretung ſeiner Staaten willigen. Der Pabſt ſchlug es abermals rund ab, und der Wagen fuhr weiter. Zu Florenz wurde Pins von dem Kardinal Pacca, der einzigen Perſon ſeines Hoſes, die ihn bisher be⸗ gleitet hatte, getrennt; an die Stelle des Generals Nadet trat jetzt ein Gensd'armenoffizier. Nach einer beſchwerlichen, zuweilen in einer Saͤnfte, zuweilen bei Fakelſchein zuruͤckgelegten Reiſe wurde der betagte Pabſt nach Alexandria eingeſchifft, von da nach Mon⸗ dovi und endlich uͤber die Alpen nach Grenoble gebracht. Der ungewohnte Anblick des Pabſtes, der auf ſeiner geheimnißvollen Reiſe wie ein Staatsgefange⸗ ner von Gensd'armen bewacht wurde, fing an, die Bevoͤlkerung des ſuͤdlichen Frankreichs zu in ereſſiren. Große Volkshaufen verſammelten ſich und baten, viel⸗ leicht mit groͤßerer Aufrichtigkeit, um den Segen des heiligen Vaters, als zur Zeit, wo er als Gaſt Napo⸗ leons mit dem groͤßten Glanze empfangen wurde. Nach Verlauf von zehn Tagen ſchien Grenoble nicht fuͤrder mehr ein ziemender Aufenthaltsort fuͤr Seine Heiligkeit zu ſeyn und zwar wahrſcheinlich deß⸗ wegen, weil er dort zu viel Aufmerkſamteit erregte; er wurde alſo abermals auf die italieniſ e Seite der Alpen, nach Savona, gebracht. Man aagt, er ſey hier mit ziemlicher Haͤrte behandelt worden, und we⸗ 60 nigſtens eine Zeitlang auf ſein Zimmer beſchraͤnkt ge⸗ weſen. Der Praͤfect von Savoyen, Herr von Chabrol, uͤberreichte Sr. Heiligkeit ein Schreiben Napoleons, worinn er ihm ſeinen Starrſinn in ſtarken Ausdruͤcken vorwarf, und ihm drohte, in Paris ein Concilium von Biſchoͤfen zuſammenzurufen, um ihn abſetzen zu laſſen.„Ich will ſeine Drohungen zu den Fuͤßen des Kruzifires niederlegen,“ ſagte Pius, mit der Feſtig⸗ keit, die ihn in allen ſeinen Leiden aufrecht erhielt, „und uͤberlaffe es Gott, meine Sache zu raͤchen, denn es iſt die ſeine.“ Die Gefuͤhle der Katholiken mußten offenbar am meiſten verletzt werden, weil nach ihrem Glauben das Oberhaupt der Kirche einen heiligen, man kann ſagen, einen goͤttlichen Charakter hat. Allein die Proteſtan⸗ ten zuͤrnten kaum weniger als die Katholiken uͤber die Mißhandlung, die ein Greis, ein Prieſter, ein Faͤrſt, vor kurzem noch der Freund und Gaſt Napoleons, nur deßwegen erlitt, weil er das Gut der Kirche nicht ab⸗ 2 treten wollte, das er ſeinen Nachfolgern ungeſchanaͤlert zu hinterlaſſen feierlich geſchworen hatte. Bei reife⸗ rem Nachdenken ſcheint ſich Napoleon ſelbſt des Schrit⸗ tes geſchaͤmt zu haben; er ſuchte denſelben von ſich abzuwaͤlzen, wollte ihn jedoch zugleich wenigſtens als politiſche Maßregel rechtfertigen.*) *) Siehe Las Cases Vol. I. p. 42. und 13. Er geſteht ſelbſt ein, daß er als Menſch und als Offizier es verweigert haben würde, die Wache bei dem Pabſte zu verſehn,„deſſen Fort⸗ 51 Aber auch von dem Standpunkte der Politik aus betrachtet, war dieſe Maßregel der groͤbſte Fehler, und den Intereſſen des Kaiſers und Frankreichs nachthei⸗ ſchaffung nach Frankreich ohne meinen Beſehl geſchah,“ füg⸗ te er hinzu. Als Las Caſes hierüber ſtutzte, ſo fuhr er fort, was er geſagt habe, ſey gänzlich wahr, ſo wie noch vieles andere, das er mit der Zeit erfahren werde.„Uebrigens,“ ſetzte er hinzu,„müſſen Sie die Handlungen eines Seuve⸗ rains, der als moraliſche Perſon handelt, von denen eines Prlvatmannes unterſcheiden, den keine Rückſichten verhin⸗ dern, ſeinen eigenen Gefühlen zu folgen. Die Politik er⸗ laubt, gebietet zuweilen ſogar, einem Fürſten etwas zu thun, was von einem Privatmanne unverzeihlich wäre.“ Was dieſes Läugnen betrifft, ſo ſcheint es aus der Luft gegriffen, die vorgebrachte Entſchuldigung aber würde jegliches Verbre⸗ chen rechtfertigen, das ein Machiavell oder ein Achttophel Lorſchlagen oder empfehlen möchte. Die Anhänger Napo⸗ leons möchten die Gewaltthätigkeiten, die gegen den Pabſt verübt wurden, Murat zur Laſt legen. Aber wenn Murat es gewagt hätte, ſo viel auf ſich zu nehmen, ſo konnte er es doch nur als König von Neapel thun; auf weſſen Beſehl hätte er dann den Pabſt in Norditalien und in Frankreich ſelbſt, in den Beſitzungen des Kaiſers, und nicht in den ſei⸗ nigen, von einem Orte zum andern bringen laſſen? War übrigens Napoleon wirklich über die Gefangenſchaft des Pab⸗ ſies ſo aufgebracht und erzürnt, wie man behauptet, warum ſetzte er ihn denn nicht augenblicklich, mit gehörigen Eut⸗ ſchuldigungen und En:ſchädigungen in Fretheit? Daß er es nicht that, zeigt deutlich, daß, wenn auch Murat und Radet keine ausdrücklichen Befeyle zu dem hatten, was ſie thaten, ſie doch wohl wußren, daß die That dem Katſer angenehm ſey; und ſeine Henehmigung ihrer Gewaltthat iſt ein genüg⸗ licher Beweis, daß ſie richtig urtheilten. 6² liger als irgend ein anderer. Napoleon kam dadurch zwar in den Beſitz der Stadt Rom, die er jedoch, auch ohne dieſen Schritt, zu jeder Zeit haͤtte beſetzen koͤnnen; aber er verlor nicht allein die Unterſtutzung, ſondern er zog ſich auch den todtlichen Haß der katho⸗ liſchen Geiſtlichkeit und aller derer zu, auf welche ſie Einfluß hatte. Er zerriß ſein eignes Netz, und ver⸗ wirkte durch ſeine ungerechte und raſche Uſurpation alles Verdienſt, das er durch die Wiederherſtellung der gallikaniſchen Kirche ſich erworben hatte. Vor die⸗ ſer Periode hatte er, und zwar mit Recht, von der franzoͤſiſchen Geiſtlichkeit geſagt:„Ich habe ſie wieder hergeſtellt, ich erhalte ſie— ſie wird mir gewiß be⸗ ſtaͤndig anhaͤnglich bleiben.“ Aber durch Neuerungen in Religionsſachen, durch Beraubung der Kirche und durch die Mißhandlungen ihres ſichtharen Hauptes zerſchnitt er die Sehnen des Buͤndniſſes, das er zwi⸗ ſchen der Kirche und ſeiner Regierung geknuͤpft hatte. Die falſche Marime, von der er ausging, iſt nicht zu verkennen. Selbſt ein vollendeter Egoiſt, glaubte Na⸗ poleon, daß, wenn er einem Menſchen oder einer Corporation in dem Spſteme, das er befolgt zu ſehen wuͤnſchte, nur den eigenen Vortheil ſichere, die bethei⸗ ligten Parteien keine Einwendungen gegen Neuerun⸗ gen machen durften, die er ſpaͤterhin in dieſem Syſte⸗ me einzufuͤhren fuͤr noͤthig finden moͤchte, ſobald nur ihr eigenes Intereſſe nicht dadurch verletzt werde. Dagegen konnten und durften die Geiſtlichen und alle 63 aufrichtigen Katholiken nicht anders glauben, als daß das Concordat den Kaiſer zur Erhaltung der katholi⸗ ſchen Kirche verpflichte, ſo wie es anderntheils ſie zur Treue gegen Napoleon verbinde. Als er daher durch ſeine muthwilligen und frevelhaften Angriffe gegen das Haupt der Kirche ſich die Strafe des Kirchen⸗ banns zugezogen hatte, ſo glaubten ſie conſequenter⸗ weiſe, auch zu nichts mehr gegen ihn verbunden zu ſeyn. Auch die natuͤrlichen Gefuͤhle der Menſchen wur⸗ den gegen den Kaiſer aufgeregt. Der Pabſt zu Rom, als weltlicher Herrſcher thronend, nahm die Einbil⸗ dungskraft der Glaͤnbigen weniger in Anſpruch, als der aus ſeiner Hauptſtadt mit Gewalt entthronte Greis, der, wie ein Verbrecher von einem Orte zum andern geſchleppt, endlich in einem unbedeutenden italieniſchen Staͤdtchen unter Aufſicht der franzoͤſiſchen Polizei und ihrer Schergen feſtgehalten wurde. Die Folgen dieſes falſchen Schrittes waren faſt eben ſo nachtheilig, als diejenigen der ſchamloſen Ue⸗ berziehung Spaniens. Um in dieſem Koͤnigreich un⸗ mittelbar zu gebieren, machte Napoleon ſeine fuͤgſam⸗ ſten Alliirten zu ſeinen unverſohnlichſten Feinden, und wegen des eitlen Zweckes, die alte Hauptſtadt der Welt ſeinem Reiche einzuverleiben, weckte er in den Geſinnungen der Katholiken, einen Aufruhr, der mit der Zeit ſeiner Macht den groͤßten Nachtheil brachte. Die Bullen des Pabſtes kamen doch in Uumlauf, ſo 64 wachſam auch die Polizei und ſo ſehr auch die Ver⸗ breitung derſelben verpoͤnt war. Durch das religioſe Motiv, das ſie an die Hand gaben, ſteigerten ſie noch die Abneigung gegen Napoleon und ſeine Regierung⸗ die, obgleich nicht eingeſtanden und ſtumm, in Frank⸗ reich immer weiter um ſich griff, wegen der ewigen Aushebungen, wegen der Vernichtung alles Handels und ſo mancher anderer Maßregeln einer Regierung, die nur im Kriege zu leben ſchien. Waͤhrend Buonaparte zu Schonbrunn ſolcherge⸗ ſtalt uͤber Rom und deſſen Gebiet verfuͤgte, und ſich daruͤber beſann, ob er Oeſterreich zerſtuͤckeln oder ſich zum Freunde machen folle, ward ſein Leben einer jener Gefahren ausgeſetzt, die despotiſche Fuͤrſten be⸗ ſonders zu befuͤrchten haben. Man hatte es oft pro⸗ phezeiht, daß noch einſt der Dolch irgend eines poli⸗ tiſchen oder religioͤſen Schwaͤrmers, der ſein eigenes Leben daran wagen moͤchte, Napoleons weitausſehen⸗ den, ehrgeizigen Planen ein Ziel ſezen wuͤrde. Gluͤk⸗ licherweiſe trifft man ſelten Leute wie Felton oder Sand, denn der maͤchtige Inſtinkt der Selbſterhal⸗ tung hat gewoͤhnlich noch einen großen Einftuß ſowohl uͤber wirkliche Verruͤckte, als uͤber Maͤnner von ſchwer⸗ muͤthigem und finſterem Temperamente, die ſich zum Wahnſinn hinneigen. Doch gibt es zuweilen Indivi⸗ duen, die ihr Leben daran ſetzen, um einen perſoͤnli⸗ chen oder offentlichen Feind aus der Welt zu ſchaffen. Buonaparte lebtc zu Schoͤnbrunn zuruͤckgezogen 3 und 65 und ohne Aufſehen. Selten beſuchte er die Stadt Wien und brachte ſeine Zeit, wie in den Tuillerien, unter ſeinen Generalen und den Miniſtern zu, die ihn ins Feld begleitet hatten. Gewoͤhnlich erſchien er nur bei der Muſterung ſeiner Truppen oͤffentlich. Waͤhrend er nun einſt bei einer ſolchen Gelegenheit ein Korps der franzoͤſiſchen Garde muſterte, verſuchte es ein junger wohlgekleideter Mann aus dem Mit⸗ telſtande, Napoleon ein langes, ſcharfes Meſſer oder einen Dolch in das Herz zu ſtoßen. Berthier warf ſich zwiſchen ſeinen Herrn und den Meuchelmoͤrder, den Rapp ſofort verhaften ließ. Bei der Unterſuchung zeigte der Juͤngling die kalte Entſchloſſenheit eines Fa⸗ natikers. Er war ein Erfurter, der Sohn eines lutheriſchen Geiſtlichen, von guter Erziehung und in annehmlichen Lebensverhaͤltniſſen. Er geſtand ſein Vorhaben, Napoleon zu toͤdten, als von Gott zur Befreiung ſeines Vaterlandes berufen, ein. Sein Ent⸗ ſchluß war durchaus nicht das Werr einer Intrike oder ei⸗ ner Verſchwoͤrung; in ſeinem ganzen Benehmen, ſelbſt in ſeinem Aderſchlag, war kein Symtom von Wahnſinn oder Geiſteszerruͤttung zu finden. Er ſagte dem Kai⸗ ſer ſetbſt, er verehre ſeine Talente ſo ſehr, daß, wenn er eine Audienz bei ihm erhalten haͤtte, er das Ge⸗ ſpraͤch mit einer Ermahnung zum Frieden begonnen haben wuͤrde; im Falle aber das nicht gegluͤckt waͤre, ſey er entſchloſſen geweſen, ihm das Leben zu nehmen. W. Scott's Werke. LllI. 5 65 „Was hab ich Ihnen zu Leid gethan?“ ſrug Na⸗ poleon. „Mir nichts; aber Ste ſind der Unterdruͤcker meines Vaterlandes und der Welt; Sie umzubrin⸗ gen, waͤre die ruͤhmlichſte That eines Ehrenmannes.“ Stabbs, ſo hieß der junge Mann, wurde mit Necht zum Tode verurtheilt, denn der Meuchelmord laͤßt ſich durch nichts rechtfertigen Er erlitt ſeinen Tod mit derſelben fanatiſchen Feſtigkeit, die er bei ſeinem Verbrechen gezeigt hatte, und dieſer Vorfall war fuͤr Buonaparte eine, obgleich fruchtloſe War⸗ nung, daß ein Jeder, dem ſein Leben gleichguͤltig iſt, das Leben des unumſchraͤnkteſten Herrſch ers der Er⸗ de, an der Spitze ſeiner Armee ſelbſt, in Gefahr brin⸗ gen koͤnne. Trotz des Zuſtandes der Unmacht, in dem ſich Oeſterreich befand, zogen ſich doch die Friedensunter⸗ handlungen ungewoͤhnlich in die Laͤnge. Der damals noch geheime Grund wurde bald oͤffentlich bekannt. Es lag zuerſt in der Abſicht Napoleons, das Reich, das ſo hartnaͤckig und unverſoͤhnlich in ſeiner Feindſchaft war, zu zerſtuͤckeln, das Koͤnigreich Ungarn oder Boͤhmen, oder beide von der oͤſterreichiſchen Mo⸗ narchie abzuloͤfen und dadurch das Haus Habs burg zu einer Macht zweiten Ranges herabzuſetzen. Napo⸗ leon hat auf St. Helena verſichert, er ſey durch ein Mitglied der kaiſerlichen Familie(der Erzherzog Karl iſt gemeint) zu dieſem Plane aufgemuntert worden, 8 97 als dem einzigen Mittel, kuͤnftige Kriege mit Oeſter⸗ reich zu beſeitigen, und derſelbe Prinz habe eingewil⸗ ligt, eine dieſer Kronen zu tragen, die von dem Haupte ſeines Bruders Franz geriſſen werden ſollte. Wir bemerken hieruber nur, daß Napoleons Bekennt⸗ niſſe in ſeiner Verbannung, wie ſeine Bulleteins zur Zeit ſeiner Macht, im Ganzen genommen, eher darauf berechnet ſind, gewiffe Dinge glauben u ma⸗ chen, als die Wahrheit zu ſagen; wir glauben nicht, daß ein ſo ganz unbegruͤndetes Zeugniß auch nur den geringſten Flecken werfen koͤnne, auf den edeln hoch⸗ herzigen und patriotiſchen Charakter des Erzherzogs, der mit ſeinem Schwert und ſeinen Talenten ſo oft der Sache ſeines Bruders gedient hat, und deſſen Leben keine Spur von jener Niedertraͤch tigke t zeigt, die in einem Wunſche laͤge, die Beute, ſeines Vater⸗ landes zu theilen, oder aus den Handen des Exrobe⸗ rers ein zinsbares Koͤnigreich anzunehmen, das von den Beſitzungen ſeines Koͤnigs und Bruders abgeriſ⸗ ſen worden. Buonaparte hat ſelbſt den Muth und die patriotiſche Hingebung des öſterreichiſchen Pr zen am meiſten geehrt durch das Kreuz der Ehrenlegion, das auch der gemeine Soldat tragen kann, und das ſich fuͤr einen ſo enſchloßenen und biedern Krieger beſſer ziemte, als eines jener reichlich verzierten Eh⸗ reuzeichen, die man hochgebornen Maͤnnern gibt, vel⸗ che die Muͤhſale und Gefahren eines Feldzugs vielleicht nie gekannt oder kaum aus der Ferne geſehen haben. 8 5, 68 Doch nahte ſich die Kriſis, welche das Schickſal Oeſterreichs entſcheiden ſollte. Napoleons Lieblings⸗ miniſter Champagny, Herzog von Cadore, war eine Zeitlang in Preßburg, wo er ſich mit Metternich we⸗ gen der Groͤße des abzutretenden Gebiets verglich, mit welcher Oeſterreich fuͤr ſeinen Krieg buͤßen ſollte. Der deſinitive Friedenstraktat kam endlich zu Stande und enthielt folgende Artikel: 1.) Oeſterreich trat ab an die Fuͤrſten des Rhein⸗ bundes: Salzburg, Berchtoldsgaden und einen Theil von Oberoͤſterreich. 2.) Unmittelbar an Frankreich ſeinen einzigen Seehafen Trieſt, Kaͤrnthen, Friaul, den villacher Kreis und einen Theil von Kroatien und Dalmatien. Dieſe Beſitzungen verſtaͤrkten und vergroͤßerten die franzoͤſiſche Provinz Illyrien, und ſchloſſen Oeſterreich von dem adriatiſchen Meere, und ſomit von allem unmittelbaren Verkehr mit Großbrittanien aus. Auch die kleine Herrſchaft Stagatz in Graubuͤndten ward abgetreten. 3.) Der Koͤnig von Sachſen erhjelt als ſolcher von Oeſterreich einen kleinen Theil von Boͤhmen ab, und als Großherzog von Warſchau die Stadt Krakau und ganz Weſtgallizien. 4.) Auch Rußland erhielt einen, obgleich nur maͤßigen Theil von der oͤſterreichiſchen Beute, zum Lohn fuͤr ſeinen, zwar ſpaͤt und nur ſehr ungern ge⸗ leiſteten Beiſtand, naͤmlich einen Dheil von Oſtgalli⸗ 4 69 zien, mit einer Bevoͤlkerung von 400,000 Seelen, je⸗ doch mit Ausnahme der Stadt Brody, eines bedeu⸗ tenden Handelsplatzes; und man ſagt, dieſe Ausnah⸗ me habe einen unguͤnſtigen Eindruck auf den Kaiſer Alexander gemacht, der durch die Freude uͤber die ihm gewordene Beute nicht aufgewogen worden ſey. In ſeiner Korreſpondenz mit dem ruſſiſchen Hofe verſicherte Napoleon, aus Ruͤckſicht auf die Wuͤnſche Alexanders, Oeſterreich einen weit guͤnſtigeren Frie⸗ den bewilligt zu haben, als es mit Grund erwarten konnte. Wirklich war Europa uͤber die maͤßigen Be⸗ dingungen ſehr erſtaunt; denn obſchon Oeſterreich durch ſeine Abtretungen auf verſchiedenen Punkten mehr als 2500 Quadratmeilen mit einer Bevoͤlkerung von deck bis vier Millionen Seelen verlor, ſo ſchien dies doch ein wohlfeiles Loͤſegeld, in Hinſicht auf die Noth, in der es ſich befand, da ihm immer noch mehr als 9000 Quadratmeilen mit einer Bevoͤlkerung von 21 Millionen verblieben, ſo daß es nach Frankreich und Rußland immer noch die bedeutendſte Macht auf dem Continent war. Aber Oeſterreichs guter Engel ſchlief nicht. Von kleinem Anfange war das Haus Rudolphs von Habs⸗ burg vorzuͤglich durch Ehebuͤndniſſe zu ungeheurer Macht und Groͤße geſtiegen*); ſo ſollte auch das Kaiſerhaus durch eine andere Eheverbindung mit dem *) Man kennt die Verſe: Bella gerant alii, in felix Austria nube, ebc. — m 70 gluͤcklichſten Eroberer, den die Welt je ſah, verhaͤlk⸗ nißmaͤßig leicht aus der groͤßten Noth gerettet werden. Doch unterliegt wohl keinem Zweifel, daß Napoleon ſeiner Maxime gemaß, die Beſiegten die Kriegskoſten zahlen zu laſſen, von der oͤſterreichiſchen Regierung in geheimen Artikeln ſchwere Contributionen gefordert habe. Er verließ Schoͤnbeunn am 18ten Oktober, zwei Tage nach dem Abſchluſſe des definttiven Frie⸗ dens, der nach dieſem Schloſſe, wo e unterzeichnet wurde, genannt wird; und es iſt bemerkenswerth, daß bei der Raͤumung Oeſterreichs von den franzoſiſchen Truppen keine militaͤriſche Vorſicht vernachlaͤßigt wur⸗ de. Sie zogen ſich ſtaffelfoͤrmig zuruck, ſo daß ſie ſich tinmer gegenſeitig unterſtuͤtzen konnten, gleichſam als mandvrirſen ſie immer noch in Feindes Land, Am aten November empfing Napoleon zu Paris die Gluͤckwuͤnſche des Senats und die hoͤchſten Lovprei⸗ ſungen dafuͤr, daß er durch ſeine Siege die Palme des Friedens errungen habe. Dieſes Sinnbild, ſagte der Sprecher, muͤſſe die Lorbeeren auf dem Denkmale uberragen, das ihm das dankbare franzoſiſche Volk ſchuldig ſey, als„dem groͤßten aller Helden, der durch ſeine Siege nur das Heil der Welt bezwecke.“ — — 7⁴ Drittes Kapitel. Veränderung in dem häuslichen Leben Napoleons nach dem Frie⸗ den von Preßburg.— Veranlaſſung dazu.— Er wünſcht ſich einen Erben.— Ein Sohn ſeines Bruders Ludwig wird hiezu auserſehen, ſtirbt aber in der Kindheit.— Joſephinens Eharakter und Einfluß.— Innigkeit ihres gegenſeitigen Ver⸗ hältniſſes.— Fouché eröffnet Joſephinen den Plan einer Eheſcheidung.— Ihre außerordentliche Betrübniß.— Am s5ten December verkündet Napoleon Joſephinen ihr Schickſal. — Am z5ten erſolgt ihre förmliche Scheidung vor dem kai⸗ ſerlichen Familienrathe.— Joſephine behält levenslänglich den Rang als Kalſerin.— Verlöbniß Napoleons mit der Erzherzogin Marie Luiſe am 11ten März 1810 zu Wien.— Vergleichung von Joſephine und ihrer Nachſolgerin.— Das Reſultat dieſer Ver indung fällt anders aus, als erwartet worden.— Vorausſicht des Kaiſers Alexanders in Bezie⸗ hung auf dieſen Punkt. In dem ereignißvollen Leben unſers Helden iſt vielleicht nichts intereſſanter, als die Veraͤnderung, die in ſeinem haͤuslichen Verhaͤltniß bald nach dem Frieden von Preßburg eintrat. Der Hauptgrund der⸗ ſelben iſt tief in die menſchliche Natur gewurzelt; da⸗ zu kamen aber noch andere Gruͤnde, die aus Nayo⸗ keons beſonderer Stellung entſprangen. Der Wunſch, Nachkommen zu hinterlaſſen und nach unſerem fluͤch⸗ tigen Daſeyn lange noch von denienigen vertreten zu⸗ werden, die ihr Leben und Verhaͤltniß in der Geſel⸗ ſchaft von uns ableiten, iſt dem Menſchengeſchlechte 7² eigen. Zu allen Zeiten, in allen Laͤndern werden Kinder als ein Segen, Unfruchtbarkeit wenigſtens als ein Ungluͤck, wo nicht als Fluch betrachtet. Dieſer Wunſch, durch Vermittlung unſerer Nachkommen nach unſerem Tode mit der Welt in Verbindung zu blei⸗ ben, wird geſteigert, wenn Beſitz oder Rang zu ver⸗ erben iſt, und, ſo eitel auch der Gedanke ſeyn mag, ſo gibt es doch kaum etwas, an dem die Menſchen mit groͤßerer Innigkeit haͤngen, als die Ausſicht, ih⸗ ren Kindes Kindern dasjenige hinterlaſſen zu koͤnnen, was ſie von ihren Vatern ererbt oder durch eigene Betriebſamkeit erworben haben. Es iſt etwas Gut⸗ muͤthiges und zugleich etwas Eitles in dieſem Gefuͤh⸗ le; denn die. Anhaͤnglichkeit an die Kinder, die wir ſehen und lieben, erſtreckt ſich auch von ſelbſt auf ihre Kinder, die wir vielleicht nicht mehr ſehen. Die Lie⸗ be zu den entfernteren Nachkommen iſt gewiſſermaßen die uͤberſinnliche Bluͤte der natuͤrlichen Zuneigung. Auch Napoleon konnte als Gruͤnder eines ſo groſ⸗ fen Reiches nicht unempfindlich gegen ein Gefuͤhl ſeyn, das unſerer Natur ſo tief eingepflanzt iſt und auch bei dem geringſten Eigenthuͤmer eines Hauſes oder einiger Morgen Landes bemerkt wird. Je groͤßer das Erbaut, deſto maͤchtiger iſt dieſes Gefuͤhl. In dieſer Hinſicht gab es aber nie eine ſo furchtbare Macht, wie diejenige, die Napoleon beſeſſen, und man muß bemuͤthig zu der Vorſehung vertrauen, daß ſie nie wieder das Aufkommen einer ſolchen geſtatten werde. 7³ Da dieſe unermeßliche Macht zugleich das Werk ſeiner eigenen Talente war, ſo konnte er ſich gewiß um ſo weniger mit dem Gedanken verſohnen, daß ein mit ſo vieler Muͤhe, mit ſo vielem Blute aufgefuͤhrtes Gebaͤude nach dem Tode des Gruͤnders zu Trümmern gehen oder daß nach ihm„eine fremde Hand“ die Zuͤ⸗ gel der Herrſchaft faſſen moͤchte, „da kein Sohn ihm folge.“ Der Tropfen Galle, der, wie der Dichter ſast, den Kelch des ſchottiſchen Uſurpators verbitterte, mag wohl auch den Kelch Napoleons verbittert haben. Die Unfruchtbarkeit der Kaiſerin war jetzt durch den Gang der Natur ein unheilbares Uebel geworden, uͤber das ſie ſich troſtlos abgraͤmte; da ſie einſah, wie wenig die Dauer ihrer Verbindung geſichert ſey, ſo hatte ſie nicht ſelten Anwandlungen von Eiferſucht, nicht ſowohl, wie Napoleon bemerkt, aus leidenſchaft⸗ licher Liebe zu ihrem Gemahl, ſondern aus Argwohn, daß ihr Einfluß auf ihn geſchwaͤcht werden wuͤrde, wenn ihn irgend eine Geliebte mit einem Kinde er⸗ freuen ſollte. Sie dachte auf ein Mittel und ſuchte ibren Ge⸗ mahl zur Ernennung ſeines Nachfolgers zu vermoͤgen, wozu er nach der Verfaſſung des Kaiſerreichs befugt war. Sie verſaͤumte begreiflicherweiſe nichts, um ſeine Wahl auf ſeinen Stiefſohn, Eugen Beauharnois, ih⸗ ren Sohn aus erſter Ehe, zu lenken; dazu verſtand ſich aber Buonaparte nicht. Er ſcheint vielmehr ſeine 74 Augen auf ein Kind geworfen zu haben, auf den Sohn ſeines Bruders Ludwig und von Hortenſie Beau⸗ harnols. Napoleon ſchien dieſen Knaben zu lieben; wenn er einen Funken kindiſchen Verſtandes zeigte, wenn er das Gewirbel der Trommeln gern hoͤrte, an den Waffen und dem Kriegsgeprange Geſallen fand, ſo konnte dem Kaiſer wie man ſagt, das Wort eut⸗ ſallen:„Dies Kind iſt geeignet, mir nachzufolgen, viele leicht mich zu uͤbertreffen.“ Die Wahl eines mit ihr ſo nahe verwandten Thronerben wuͤrde den Einfluß der kinderloſen Joſe⸗ phine, ſo viel es geſchehen konnte geſichert haben; aber es war ihr nicht lange vergoͤnnt, ſich dieſer Ausſicht zu erfreuen. Der Sohn Ludwigs und Hortenſiens ſtarb an einer zufaͤlligen Kinderkrankheit, und ſo ward noch als ein ſchwaches Reiß das Vaͤumchen zerkuickt, das, wenn es zur Reife gelangt waͤre, dem Reich zur Stuͤtze haͤtte dienen moͤgen. Napoleon zeigte tiefes Leid, aber Joſephine graͤmte ſich wie jemand, dem kei⸗ ne Hoffnung geblieben. Von ihrer Kinderloſigkeit abgeſehen, hatte aber Joſephine mehr Anſpruͤche auf die Liebe ihres Gemahls als eine Frau nur immer haben kann. Sie hatte ſein beſcheidenes Gluͤck mit ihm getheilt, und durch die Klugheit und Gewandtheit waͤhrend ſeiner Abweſen⸗ heit in Aegypten das glaͤnzende Gluͤck, das ihm nach ſeiner Zuruͤckkunft zu Theil ward, vorbereitet. Auch hatte ſie nicht wenig dazu beigetragen, ſeine Regie⸗ 75 rung bei dem Volke beliebt zu machen, dadurch daß ſie die ploͤtzlichen Aufwallungen ſeines leidenſchaftlichen Temperaments zu mildern wußte. Niemand kannte wie ſie ſeine Gemuͤthsart— niemand durfte wie ſie es wagen, auf die Gefahr, ihm zu mißfallen, ihn auf ſein wabres Intereſſe aufmerkſam zu machen— nie⸗ mand konnte wie ſie die geeignete Zeit erlauern, um eine Fuͤrbitte einzulegen— und niemand, dies wird allgemein zugegeben, wußte ſolche Gelegenheiten auf eine klügere und wohtthaͤtigere Weiſe zu benutzen. Buonaparte von Natur heftig, als Soldat erzogen und mit der vollen Gewalt eines Despoten ausgeruͤſter, mußte in Schranken gehalten werden, durch ein ſol⸗ ches Gemuͤth das ohne Zudringlichkeit vermitteln, und ohne Beleidigung Vorſtellungen machen kann. Um dieſen Einſtuß auf ihren Gemahl zu behaup⸗ ten, brachte Joſephine nicht nur willig, ſondern begie⸗ rig die groͤßten perſoͤnlichen Opfer. Auf allen ſeinen gefluͤgelten Reiſen war ſie ſeine Begleiterin. Kein Hinderniß des Wegs oder des Wetters konnte ſie zu⸗ ruͤckhalten. Wie ploͤtzlich auch der Ruf erfolgen moch⸗ te, die Kaiſerin war immer bereit und ließ nie auf ſich warten. Den Einfluß, den ſie durch eine ſolche Aufopferung ihrer perſönlichen Bezuemlichkeit ge⸗ waͤnn, benutzte ſie zur Beſöͤrderung der Intereſſen ihres Gemahls, zur Unterſiutzung der Hulfsbedurfti⸗ gen und zur Entwaffnung in einem Augenblick leiden⸗ ſchaftlicher Aufwallung gefaßter Beſchluͤſſe. Die ſchoͤnen Talente und die ausgezeichnete Her⸗ zensguͤte Joſephinens waren aber nicht das einzige⸗ was ihren Gemahl an ſie feſſelte. Die gegenſeitige Liebe, die viele Jahre zwiſchen ihnen beſtanden, ſchien⸗ wenn auch ihre erſte Waͤrme verſchwunden war, doch zaͤrtliche Erinnerungen und gegenſeitige Achtung zu⸗ ruͤckgelaſſen zu haben. Die Anmuth und Wuͤrde, mit welcher Joſephine ihre Rolle bei dem kaiſerlichen Schaugepraͤnge ſpielte, war geeignet, dem Stolze Na⸗ poleons zu ſchmeicheln, der es mißfaͤllig geſehen haben wuͤrde, wenn der Charakter der Kaiſerin mit weniger Leichtigkeit und Gewandtheit gegeben worden waͤre; denn ihre Gemuͤthsart, ihre gefaͤlligen Sitten, ihr fruͤher Umgang mit angeſehenen und politiſch bedeut⸗ famen Menſchen hatten ſie in den Stand geſetzt, in den Intriken eines glaͤnzenden und bewegten Hofes, ſich mit Gewandtheit zu benehmen. Endlich iſt es ge⸗ wiß, daß Buonaparte, der gleich andern, die allen Aberglauben zu verachten vorgeben, etwas davon in ſeinem eigenen Buſen trug, der Meinung war, ſein und Joſephinens Gluͤck ſey unzertrennlich verbunden; und da er ſie nach Verdienſt liebte, ſo war ihm ſeine Verbindung mit ihr um ſo heiliger, weil, wie er glaubte, ein Zauber darin lag, der nach ſeiner Ueber⸗ zeugung auf ſein eigenes Geſchick den wohlthaͤtigſten Einfluß uͤbte. Durch das Daſeyn dieſer vielfachen Bande ließen ſich die Politiker in den Tuillerien nicht irre machen; 5 77 ſie ſahen ein, daß Napoleon, wie ſehr er auch die Kaiſerin lieben und verehren mochte, doch zuletzt dem Verlangen nach Leibeserben nicht wuͤrde widerſtehen koͤnnen. Wie das Alter vorruͤckte, ſchwaͤchte jedes Jahr, obgleich mit unmerklichem Grade, den Einfluß der Kaiſerin, und mußte ihres Gemahls Verlangen, eine neue Verbindnung zu treffen, waͤhrend er noch in einem Alter ſtand das ihn hoffen ließ, den er⸗ ſehnten Erben groß zu ziehen, heftiger machen. Der Polizeiminiſter Fonchs, der keckſte politiſche Intrikant ſeiner Zeit erkannte gar bald, wohin der Kaiſer zuletzt kommen muͤſſe, und ſcheint auf den Gedanken gerathen zu ſeyn, ſich den Beſitz ſeiner Macht und die Gunſt des Kaiſers mittelſt der Ini⸗ tiative in einer Angelegenheft zu verſichern, in wel⸗ cher Napoleon ſich vielleicht geſchaͤmt haben wuͤrde, das Eis zu brechen, Fonché, der die Geſinnungen ſeines Herrn mit vieler Schlauheit zu erforſchen wuß⸗ te, entdeckte bald, daß der Kaiſer einerſeits von den Vortheilen einer neuen ehelichen Verbindung angezo⸗ gen, anderſeits von der Liebe zu Joſephinen, ſeiner langſaͤhrigen Lebensgefaͤhrtin, und von ſeinem Aber⸗ glauben, deſſen wir bereits erwaͤhnt haben, zuruͤck⸗ gehalten werde, und ſo in einem Kampfe mit ſich ſelbſt begriffen ſey. Nachdem er ſolchergeſtalt den Kaiſer durchſchaut hatte, beſchloß der ſchlaue Rathge⸗ ber, von Joſephinen ſelbſt die Eheſcheidung, als ein zur Befeſtigung des Reiches und zur voͤlligen Be⸗ gluͤckung des Kaiſers nothwendiges Opfer, in Anre⸗ gung bringen zu laſſen. 8 Als die Kai erin eines Abends von Parss nach Fontaineblezu zurückkam, hielt ſie Fouché in einer Fenſteroͤffnung in der Gallerie zuruͤck, um hr mit faſt unbegreiflicher Keckheit mit den ſeeönſten Pi⸗ raſen, die ihm zu Gebote ſtanden, die Nothwendigkeit eines eben ſo erhabenen als unvermeidlichen Opfers vorzu⸗ ſtellen. Joſephine konnte ſich der Thraͤnen ni ent⸗ halten— ſie wechſelte die Farbe— ihre Lippen ſchwol⸗ len— und das geringſte, was der unberufene Rath⸗ geber zu befuͤrchten hatte, war ein bedeutender Ner⸗ venanfall. Sie beherrſchte jedoch ihre Gefuͤhle noch ſo weit, daß ſie Fouche mit zitternder Stimme ſragen konnte, ob er irgend einen Auftrag habe, eine olche Sprache gegen ſie zu fuͤhren. Er verneinte dieſes und bemerkte, er habe die Sache nur zur Sprache gebracht, weil er vorausſehe, daß es ſo kommen muͤſſe, und weil er ihre Aufmerkſamfeit auf das, was bren Ruhm und ihre Gluͤckſeligkeit ſo nahe angehe, zu rich⸗ ten wuͤnſche. In Folge dieſer Unterredung ſoll, ſagt man, eine leidenſchaftliche und intereſſante Scene zwiſchen Buo⸗ naparte und ſeiner Gemahlin Statt geſunden haben, n welcher er begreiflicherweiſe und auch der Wahr⸗ heit gemaͤß jedes Einverſtaͤndniß mit Fouché laͤugnete und ihr auf jede moͤgliche Weiſe ihre Beſorgniſſe zu benehmen ſuchte. Doch weigerte ex ſich, wie ſie es 78 verlangte, Fouché zur Strafe dafuͤr, daß er mit ihren Gefuͤhlen ſein Spiel getrieben, zu entlaſſen; und ſchon dieſe Weigerung haͤtte Joſephinen uͤberzeugen koͤnnen, daß wenn auch eine langjaͤhrige Zuneigung noch fur einige Zeit ihren Einfluß im ehelichen Ge⸗ mache behaupten moͤge, ſie doch endlich dem politiſchen Intereſſe, das in dem Kabinet vorherrſchte, werde weichen muͤſſen. Durch die Hinweiſung dieſes Gedan⸗ kens war in der That das Haupthinderniß bereits be⸗ ſeitigt, und Buonaparte der Muhe enthoben, den lieb⸗ loſen und unanzenehmen Vorſchlag unmittelbar ſelbſt zu eroͤffnen, durfte Joſephinen jetzt nur Zeit laſſen, um ſich ſelbſt mit dem Gedanken an eine Eheſcheidung, als mit einer Sache, die durch politiſche Combinatio⸗ nen unvermeidlich wurde, vertraut zu machen. Fouché's Eroͤffnung geſchah, ehe Napoleon ſeine Operationen gegen Spanien unternahm; und zur Zeit der Zuſammenkunft in Erfurt ſcheint die Scheidung eine beſchloſſene Sache geweſen zu ſeyn, weil der Ge⸗ genſtand der Vermaͤhlung von Buonaparte mit einer der Großfuͤrſtinnen, die ſchon zu Tilſit zur Sprache gekommen war, wieder beſprochen, ernſtlich verhan⸗ delt, und wenn auch nicht mit Herzlichkeit von der ruſſiſchen Kaiſerfamilie aufgenommen, doch auch nicht ganz abgelehnt wurde. Doch war die regierende Kai⸗ ſerin und die Kaiſerin Mutter dagegen, angeblich wie wir bereits erwaͤhnt haben, wegen der Verſchiedenheit der Religion; der wahre Grund aber war der perſoͤn⸗ liche Charakter des Bewerbers, mit dem ſich dieſe hochherzigen Fuͤrſtinnen nicht befreunden konnten. Ob⸗ gleich aber in dieſer Sache das groͤßte denkbare Ge⸗ heimniß beobachtet werden mußte, ſo ſcheint der Ge⸗ danke, eine Erzherzogin von Oeſterreich an die Stelle derjenigen, deren Hand verſagt worden war, zu ſeben waͤhrend der Verhandlungen zu Schoͤnbrun entſtanden zu ſeyn, und fuͤr die Beſiegten mildere Bedingungen ausgewirkt zu haben. Napoleon ſelbſt ſagt, er habe ſeine Abſicht, Oeſterreich zu zerſtuͤckeln, aufgegeben, ſobald ſeine Vereheligung beſchloſſen war. Aber die Friedensbedingungen wurden am 14ten October unter⸗ zeichnet; das Motiv, das Napoleon in Beziehung auf dieſelben leitete, muß daher ſchon vor dieſer Periode beſtanden haben. Doch wird das Gegentheil dreiſt behauptet. Der Gedanke dieſer Verbindung ſoll in einer ſpaͤtern Pe⸗ riode von der oͤſterreichiſchen Regierung ſelbſt ausge⸗ gangen ſeyn, als ſie erfuhr, daß Napoleons Bewer⸗ bung um die Hand einer preuſſiſchen Prinzeſſin Hin⸗ derniſſe gefunden habe. Fouché verſichert, die ganze Sache ſey das Werk ſeines eigenen Agenten, des Grafen von Narbonne, geweſen, der, ein Franzoſe aus der alten Schule, witzig, fuͤgſam, munter, ſein⸗ geſittet und einſchmeichelnd, im Monat Januar 1810 Geſandter in Wien war. Wie dem nun ſeyn mag, ſo viel iſt gewiß, daß die Maßregeln, um die liebenswuͤrdige und intereſ⸗ fante 831 ſante Joſephine von demienigen, deſſen Gluͤk ſie be⸗ reitet hatte und dem ſie ſo ſehr anhing, zu ſcheiden, bald nach ihres Gemahls Ruͤckkehr vom Feldzuge von Wagram offenkundig und in vollem Gange waren. Am zten December wohnte Napoleon dem feierlichen Te Deum, das wegen ſeiner Siege angeordnet war, bei. Er war mit ungewoͤhnlicher Pracht in das ſpa⸗ niſche Koſtuͤme gekleidet, und trug einen mit einer ungeheuern Feder verzierten Hut. Die Koͤnige von Sachſen und Wuͤrtemberg, die bei dieſer Gelegenheit als ſeine Satelitten erſchienen, ſaßen ihm in vollem Ornat zur Seite und blieben waͤhrend der Ceremonie unbedeckt. Von dem Dome aus begab ſich Napoleon in den Palaſt des geſetzgebenden Koͤrpers, um deſſen Sitzun⸗ gen zu eroͤffnen. Er ruͤhmte ſich in der Eroͤffnungs⸗ rede der Siege, die er erfochten, und der Trophaͤen, die er erobert hatte, und prahlte ſogar mit der Ein⸗ verleibung von Toscana in das Kaiſerreich— als ob die Beraubung einer harmloſen Wittwe und Waiſe, die keinen Widerſtand leiſteten, ein Gegenſtand des Triumphes haͤtte ſeyn koͤnnen. Da der Zuſtand der ſpaniſchen Angelegenheiten keinen Anlaß zum Froh⸗ locken gab, ſo ließ es Napoleon in dieſer Beziehung an Verſprechungen nicht fehlen, und fuͤhrte, weil er nichts Angenehmes berichten konnte, die Sprache ei⸗ nes Propheten, der eine beſſere Zukunft verkuͤndet. „Wenn ich,“ ſagte er,„jenſeits der Pyrenaͤen W. Scott's Werke. LIII. 6 82 erſcheine, wird der erſchrockene Leoparde ſich in den Ozean werfen, um der Schande, der Ntederlage und der Vernichtung zu entgehen. In dieſem Feldzuge wird der Genius des Guten uͤber den Genius des Boͤſen, die Maͤßigung, die Ordnung und die Moral uͤber den Buͤrgerkrieg, die Anarchie und die Wuth gehaͤſſiger Leidenſchaften den Sieg davon tragen.“ Mit ſolch ſchoͤnen Farben verſucht es der Ehrgeiz und die Ungerechtigkeit ihre Zwecke zu verdecken. Herr von Fontanes verſicherte in einer dichteriſchen Gegenrede den Kaiſer, daß alles, was ſich an ihn anſchließe, em⸗ porſteige, alles, was ſich ſeinem Einfluſſe entziehe, zu Grunde gehen muͤſſe.„Es iſt daher noͤthig,“ ſuhr er fort,„die Ueberlegenheit desjenigen anzuerkennen, der in ſeinen Beſchluͤſſen Staatsklugheit und Helden⸗ muth zu vereinigen weiß.“ Dieſe Rede erwiederte Napoleon, indem er das abgenuͤtzte Thema ſeines Eigenlobs wieder aufnahm, auf die Hinderniſfe, die er uͤberſtiegen hatte, anſpiel⸗ te und alſo beſchloß:„Ich und meine Familie werden unſere zaͤrtlichſten Gefuͤhle immer den Intereſſen und der Wohlfahrt der großen Nation zum Opfer zu brin⸗ gen wiſſen.“ Dieſe Schlußworte, deren Sinn ſchon von allen, die zum Hofe gehoͤrten, errathen wurde, waren fuͤr das große Publikum bald kein Raͤthſel mehr. Zwei Tage nachher wurde Joſephine von Napo⸗ leon in Kenntniß geſetzt, daß die Eheſcheidung unwi⸗ — 83 derruflich beſchloſſen ſey. Aber, obgleich ſeit vielen Monaten durch Fouchs darauf vorbereitet, und ſeit⸗ dem von allen Seiten her daruͤber verſtaͤndigt, ver⸗ mochte ſie es doch nicht, aus dem Munde ihres ge⸗ liebten Gemahls einen Entſchluß zu vernehmen, der zwar, nicht dem Namen nach, aber in Wahrheit, ein Verſtoßungsurtheil war. Sie fiel in eine langdauern⸗ de und tiefe Ohnmacht. Napoleon war ſehr geruͤhrt, allein ſein Entſchluß war geſaßt und konnte nicht ge⸗ aͤndert werden. Die Anſtalten zur Eheſcheidung wur⸗ den ohne Verzug getroffen. Am 15ten December, zehn Tage nach dieſer offi⸗ ziellen Mittheilung, erſchienen Napoleon und Joſephi⸗ ne vor dem Erzkanzler der Familie Napoleons, den erſten Staatsbeamten— mit einem Wort, vor dem ganzen kaiſerlichen Rathe. Napoleon ſetzte auseinan⸗ der, wie nothwendig es fuͤr das Beſte der Nation ſey, daß der franzoſiſche Thron, auf den ihn die Vor⸗ ſehung berufen habe, das Erbe ſeiner Familie werde. Er habe ſchon ſeit mehreren Jahren auf die Hoffnung, Kinder von ſeiner vielgeliebten Kaiſerin Joſephine zu erhalten, verzichtet, und ſey daher entſchzoſſen, die Gefuͤhle ſeines Herzens dem Beſten des Staates zum Opfer zu bringen und die Anfloͤſung ihrer Ehe zu verlangen. Er ſey, aagte er, erſt vierzig Jahre alt, und duͤrfe daher hoffen, den Kindern, die ihm die Vorſehung gewaͤhren wuͤrde, ſeine eigenen Geſinnun⸗ gen und Regierungsmaximen beizubringen. Er ſprach 6„ 84 nun wieder von der Treue und Zaͤrtlichkeit ſeiner geliebten Gemahlin, ſeiner Gefaͤhrtin waͤhrend fuͤnf⸗ zehn Jahren einer gluͤcklichen Ehe, die er mit eige⸗ nen Haͤnden gekroͤnt habe und die er daher, ſo lange ſie noch lebe, als Kaiſerin geehrt zu ſehen wuͤnſche. Joſephine erhob ſich und druͤckte mit zitternder Stimme und thraͤnenfeuchten Augen in wenigen Wor⸗ ten aͤhnliche Geſinnungen aus. Das kaiſerliche Paar verlangte hierauf von dem Erzkanzler eine ſchriftliche uUrkunde, ihren beiderſeitigen Antrag auf Eheſchei⸗ dung betreffend, und dieſe ward ſofort in der gehoͤri⸗ gen Form unter Genehmigung des kaiſerlichen Rathes ausgeſtellt.— Der Senat, der nun zunaͤchſt verſammelt wurde, erließ am 16ten December ſofort einen Senatsbe⸗ ſchluß oder Decret, wodurch die Trennung des Kai⸗ ſers und der Kaiſerin ausgeſprochen, und der letztern ein Witthum von zwei Millionen Franken ausgeſetzt und der Nang als Kaiſerin auf Lebenszeit zugeſichert wurde. Zugleich wurden Zuſchriften an den Kaiſer und an die Kaiſerin beſchloſſen, worin unter allen moͤglichen Formen von der Pflicht die Rede war, un⸗ ſere lievſten Neigungen dem allgemeinen Beſten zum Opfer zu bringen; Napoleons Entſchluß, ſeine lang⸗ jzhrige Lebensgefahrtin gegen eine juͤngere zu vertau⸗ ſchen, ward als ein Opfer geprieſen, fuͤr das ihn nur die ewige Liebe des franzoͤſiſchen Volks entſchaͤdigen koͤnne. Die von der hochſten buͤrgerlichen Gewalt verfuͤgte Eheſcheidung mußte jetzt noch von der kirch⸗ lichen Behoͤrde genehmigt werden. Der Erzkanzler des Reichs, von dem kaiſerlichen Paare hierzu bevoll⸗ maͤchtigt, legte zu dieſem Behuf dem Vorſtand des geiſtlichen Gerichtshofes von Paris die Bitte deſſel⸗ ben vor, und dieſer nahm keinen Anſtand, die Ehe als aufgeloͤst zu erklaͤren, jedoch ohne irgend einen Grund deshalb anzufuͤhren. Er berief ſich zwar auf die Beſchluͤſſe der Concilien, und auf die Gebraͤuche der gallikaniſchen Kirche; allein die gelehrten und hochwuͤrdigen Richter wuͤrden gewiß in nicht geringe Verlegenheit gekommen ſeyn, wenn man ihnen zuge⸗ muthet haͤtte, ihren Spruch durch Gruͤnde oder Au⸗ toritaͤten zu rechtfertigen. 3 Nachdem durch dieſen Spruch das kaiſerliche Paar vollends geſchieden war, begab ſich der Kaiſer auf ei⸗ nige Tage nach St. Cloud, waͤhrend Joſephine die ſchoͤne Villa Malmaiſon, zunaͤchſt bei St. Germain, bezog, wo ſie ihre uͤbrigen Lebensjahre groͤßtentheils zubrachte und noch den erſten Fall ihres Gemahls er⸗ lebte— ein Ereigniß, das vielleicht nicht eingetreten waͤre, haͤtte er mehr auf die Lehren der Maͤßigung, die ſie ihm gab, hoͤren wollen. Sie widmete ihre Zeit vorzuͤglich den ſchoͤnen Kuͤnſten, der Sammlung von Kunſtwerken, ſo wie dem Studium der Botanik; auch erwies ſie ſich ſehr wohlthaͤtig und milde, namentlich gegen die engliſchen Geſangenen, von denen ſich meh⸗ rere zu St. Germain aufhielten. Napoleon beſuchte 86 ſie oft und behandelte ſte ſtets mit der gebuͤhrenden Achtung. Er legte ihrem Witthum eine dritte Mils lion zu, aus Ruͤckſicht fuͤr ihren Hang zum Aufwand, der ihre Schwaͤche war. Dieſe wichtige Staatsmaßregel war kaum ins Reine gebracht, als der große Rath am Iten Februar zuſammenberufen wurde, um den Kaiſer in der Wahl einer neuen Gemahlin zu unterſtuͤtzen. Man gab ihm zu verſtehen, eine Heirath mit einer ruſſiſchen Groß⸗ fuͤrſtin ſey in Vorſchlag geweſen, unterliege aber man⸗ chen, in der Verſchiedenheit der Religion gegruͤnde⸗ ten Schwierigkeiten. Von einer Tochter des Koͤnigs von Sachſen war auch die Rede, die Rathgeber erhiel⸗ ten jedoch den Wink, eine oͤſterreichiſche Prinzeſſin zum Gegenſtand ihrer Wahl zu machen. Bey dem Schluſſe der Sitzung erhielt Eugen, der Sohn der ge⸗ ſchiedenen Kaiſerin Joſephine, von dem Rathe den Auftrag, dem oͤſterreichiſchen Botſchafter eine Heirath zwiſchen Napoleon und der Erzherzogin Marie Louiſe vorzuſchlagen. Fuͤrſt Schwarzenberg hatte bereits ſei⸗ ne Verhaltungsbefehle uͤber dieſen Gegenſtand, ſo daß die Heirath in dem Rathe vorgeſchlagen, berathen und entſchieden, und hierauf von den beyderſeitigen Be⸗ vollmaͤchtigten in Zeit van 24 Stunden ins Reine ge⸗ bracht wurde. Das Verloͤbniß von Napoleon und Marie Louiſe ward am 14ten Maͤrz 1810 zu Wien gefeyert. Buonaparte wurde dabey durch ſeinen Guͤnſt⸗ ling Berthier vertreten, und der Erzherzog Karl wohn⸗ = 8 87 te im Namen des Kaiſers Franz der Feierlichkeit bei⸗ Einige Tage darauf trat die jugendliche Braut in Begleitung der Koͤnigin von Neapel die Reiſe nach Frankreich an. Mit gutem Geſchmack umging Napoleon die Cere⸗ monien, die bei dem Empfang von Marie Antoinette Statt gefunden, obgleich die Vermaͤhlung derſelben mit Ludwig XVI., zwar nicht genannt oder angedeu⸗ tet, doch in allen Stuͤcken zum Muſter genommen wurde. In der Naͤhe von Soiſſons ritt ein einzelner Reiter, der gar nicht vornehm gekleidet war, an bem Wagen vorbey, in welchem die junge Kaiſerin ſaß, und hatte die Verwegenheit, umzuwenden, als wollte er naͤhere Einſicht nehmen. Der Wagen hielt, der Schlag ward geoͤffnet, und Napoleon, indem er ſich durch all das Langweilige der Ceremonie Bahn brach, ſtellte ſich ſelbſt ſeiner Braut vor und kam mit ihr nach Soiſſons. Die Trauung ward zu Paris durch den Kardiual Feſch, Napoleons Oheim, vollzogen. Die glaͤnzendſten Luſtbarkeiten, Beleuchtungen, Conzerte und andere Feſtgelage folgten; aber ein großes Un⸗ gluͤck truͤbte dieſe Freudensbezeugungen. Fuͤrſt Schwar⸗ zenberg hatte bei dieſer Gelegenheit einen glaͤnzenden Ball gegeben, wo ungluͤcklicherweiſe der Tanzſaal der hiezu in einem Garten errichtet war, Feuer fing. Nichts vermochte der Wuth der Flammen Einhalt zu thun, in welchen verſchiedene Perſonen, worunter die Schweſter des Fuͤrſten von Schwarzenberg, ihren Tod 88 fanden. Dieſer traurige Umſtand wirkte niederſchla⸗ gend auf die oͤffentliche Stimmung und wurde als ein boͤſes Zeichen betrachtet, beſonders da man ſich er⸗ iunerte, daß bei der Vermaͤhlung Ludwigs XVI. ſich ein aͤhnliches Ungluͤck zugetragen habe. Als ein Ereigniß ſeines haͤuslichen Lebens betrach⸗ tet, konnte nichts zu Napoleons Gluͤck mehr beitra⸗ gen, als ſeine Vereinigung mit Marie Louiſe. Er liebte, ſeine beiden Gemahlinnen mit einander zu vergleichen, und fand an Joſephinen eine natuͤrliche, durch die Kunſt noch gehobene Grazie, an Marie Louiſe den Reiz einfacher Beſcheidenheit und Unſchuld. Sei⸗ ne erſte Gemahlin uͤbte jede Kunſt, um ihre perſon⸗ liche Reize zu unterſtuͤtzen oder zu erhoͤhen, aber mit ſo viel Klugheit und Geheimniß, daß niemand ent⸗ decken konnte, wie viel ſie ihrer Toilette zu verdan⸗ ken habe. Ihre Nachfolgerin dagegen vertraute dem Zauber der Jugend und der Natuͤrlichkeit. Joſephine war eine ſchlechte Wirthſchafterin und trug kein Be⸗ denken, Schulden zu machen, Marie Louiſe begnuͤgte ſich mit ihrem Einkommen, und wenn ſie damit nicht ausreichte, was ſelten der Fall war, ſo erbat ſie ſich den Mehrbedarf von Napoleon als eine Gunſt. Jo⸗ ſephine, an politiſche Intriken gewoͤhnt, legte es dar⸗ auf an, ſich großen Einfluß auf ihren Gemahl zu ver⸗ ſchaffen und ihn zu fuͤhren. Marie Louiſe kannte kein anderes Verlangen, als ihm wohlzugefallen und zu gehorchen, Beide waren vortreffliche Frauen von ſehr 89 ſanſtem Charakter und Napoleon innigſt ergeben. In dieſem Gemaͤlde ſind die Zuͤge einer Pariſer⸗Dame und einer ſchlichten deutſchen Schoͤnheit nicht zu ver⸗ kennen; aber auffallend iſt es, daß die Tochter des weſtindiſchen Pflanzers durch kuͤnſtliche Ausbildung, die Prinzeſſin aus dem europaͤiſchen Hauſe dagegen ſich durch Einfachheit und Natuͤrlichkeit auszeichnete. Buonaparte, deſſen haͤusliches Betragen uͤber⸗ haupt preiswuͤrdig war, benahm ſich gegen ſeine fuͤrſt⸗ liche Braut auf die gefaͤlligſte Weiſe. Doch beobach⸗ tete er die ſtrengſte Etikette und hielt auch die Kgi⸗ ſerin dazu an. Wenn er, was oͤfters geſchah, nicht zur beſtimmten Zeit im Speiſeſaal erſcheinen konnte, fo ſah er es ungern, wenn ſie, auf ihn wartend, ein Buch zur Hand nahm, oder ſich mit irgend einer weib⸗ lichen Arbeit beſchaͤftigte— mit Einem Wort, wenn er ſie nicht bereit fand, ſich auf ſeinen Wink zur Ta⸗ fel zu ſetzen. Vielleicht legte Napoleon wegen ſeiner geringern Geburt groͤßern Werth auf dieſe Dinge, als ſonſt der Fall geweſen waͤre. Andererſeits ſoll Marie Louiſe ihre Verwunderung daruͤber bezeigt haben, daß ihr Gemahl ohne Waffen, und ohne alles Gefolge von Garden mit der Unbefangenheit eines Privatmannes ſich herumtreiben mochte, obgleich die es fuͤr eine öſterreichiſche Prinzeſſin eben nichts Neues ſeyn konn⸗ te, da die meiſten Mitglieder der kaiſerlichen Familie, und beſonders der Kaiſer Franz, gewohnt ſind, auf 90 den oͤffentlichen Plaͤtzen und Spaziergaͤngen zu Wien ſich vertraulich unter das Volk zu miſchen. Wegen des Einſluſſes, den ſie auf ſein politiſches Schickſal hatte, verglich Buonaparte ſeine zweite Ehe nit einem durch Blumen verhuͤllten Abgrund, in den er durch ſeine Sehnſucht nach haͤuslichem Gluͤck ver⸗ lockt worden ſey. Wenn dieſes Grund hat, ſo iſt Na⸗ poleon ſelbſt Schuld daran; ſeine Unterthanen und ſeine Alürten hofften ganz etwas anderes von dieſer Heirath; nur er hat dieſe Hoffnung getaͤuſcht. Man glaubte erwarten zu duͤrſen, daß eine ſolche Verbin⸗ dung mit dem aͤlteſten Kaiſerhauſe der Cheiſtenheit Napoleon beſtimmen wuͤrde, ſortan jene Grundſaͤtze der Maͤßigung zu beachten, die mehr die Erhaltung, als die Erweiterung der Macht bezwecken. Er hatte auf ſeiner Bahn, wie man glaubte, einen Ruhepunkt gefunden, wo die Befeſtigung der Macht, die er ſei⸗ nen gehofften Nachkommen hinterlaſſen wollte, zweck⸗ maßiger und räͤthlicher ſchien, als das ehrſuͤchtige Streben nach einer noch mehr zu beneidenden und daher um ſo gefaͤhrlicheren Groͤße. Durch die Ver⸗ ſchoͤnerung ſeines haͤuslichen Lebens hoffte man, wuͤr⸗ de Vuonaparte der Ruhe endlich einen Geſchmack ab⸗ gewinnen, der ſeine feurige Einbildungskraft kuͤhlend, ſeinen eiſernen Starrſinn brechend, fuͤr Europa hoͤchſt wohlthaͤtig geworden waͤre. Napoleon wußte, was man erwartete, und glaub⸗ te ſich auf den Fall, daß dieſe Erwartungen nicht in 91 Erfuͤllung gingen, im Voraus daruͤber rechtfertigen zu muͤſſen.„Die gutgeſinnten Buͤrger freuen ſich herzlich uͤber meine Vermaͤhlung, mein Herr?“ ſagte er zu ſeinem Miniſter Decres.„Recht ſehr, Sire.“ —„Sie denken wohl, daß der Loͤwe ſich jetzt ausru⸗ hen werde, ja?“—„Die Wabrheit zu ſagen, Sire, ſte hoffen ſo etwas.“ Napoleon erwiederte nach einer kurzen Pauſe:„Die guten Leute ſind im Irrthum; Doch iſt es nicht die Schuld des Loͤwen; er moͤchte wohl ſo gern wie andere ſchlafen. Aber will man denn nicht begreifen, daß, waͤhrend ich ſtets der an⸗ greifende Theil zu ſeyn ſcheine, mich in Wahrheit doch nur vertheidige?“. Dieſes Sophisma, durch welches„Nawoleon jeder⸗ nann zu uͤberreden ſuchte, daß feine ewigen Kriege nicht das Werk ſeines freien Entſchluſſes,⸗ ſondern eine nothwendige Folge ſeiner Stellung ſeyen, ſoll ſpaͤter gepruͤft werden. Inzwiſchen wollen wir nur bemerken, daß Kaiſer Alexander die Folgen der oͤſter⸗ reichiſchen Heirath ganz richtig erkannte, als er, da⸗ von benachrichtigt, ausrief:„Jetzt wird man mich wieder in meine Waͤlder zuruͤcktreiben wollen!“— ſo feſt ſtand ſeine Ueberzeugung, daß Napoleon ſeine in⸗ nige Verbindung mit Oeſterreich zum Behuf eines An⸗ griffs auf Nußland benuützen wuͤrde; mit ſolchem Scharf⸗ blicke ſah er die Keime kuͤnftiger und noch verzweifelterer Kriege in einer Verbindung, in welcher kurzſichtige Po⸗ lititer die Segnungen des Friedens zu erblicken waͤhnten, ——— 9² Viertes Kapitel. — Beinahe alle auswärtigen franzöſiſchen Beſitzungen fallen in die Hände der Engländer.— Zerſtörung eines franzöſiſchen Ge⸗ ſchwaders bei der Inſel Aix durch Lord Cochrane, und bei der Inſel Roſas durch Lord Collingwovd.— Vorfälle in Spanien.— Soult nimmt Oporto,— wird von Sir Ar⸗ thur Wellesley angegriffen, geſchlagen, und zu einem un⸗ glücklichen Rückzuge gezwungen.— Wiedereinnahme von Ferrol und Corunna durch die Patrioten.— Schlacht von Talavera, worin Sir Arthur Wellesley ſiegt, aber durch . den Starrſinn und die Bigotterie von Cueſta dennoch genö⸗ thigt wird, ſich nach Portugal zurückzuziehen.— Er wird zum Lord Wellington ernannt.— Die franzöſiſchen Armeen bemächtigen ſich vieler Städte und feſter Plätze.— Die oberſte Junta flüchtet ſich nach Cadix.— Ungebeugter Muth des ſpaniſchen Volkes.— Das Guerilla⸗Syſtem.— Wech⸗ ſelſeitige Grauſamkeit der Guerillas und der ſranzöſiſchen Soldaten.— Nappoleons ſteigendes Unglück.— Seine un⸗ ermeßlichen Anſtrengungen.— Eine große Armee wird un⸗ ter dem Namen der Armee von Portugal aufgeſtellt und von Maſſena befehligt.— Lord Wellington iſt durch ſeine geringen Mittel in Unthätigkeit verſetzt.— Schlacht von Buſaco, in welcher die Franzoſen mit großem Verluſt ge⸗ ſchlagen werden.— Lord Wellingtons berühmter Rücne nach Terros Vedras. 3 Wenn Napoleon durch den Frieden von Schoͤn⸗ brunn, deſſen Bedingungen er vorſchrieb, burch die engere Verbindung mit dem Hauſe Oeſterreich, ſei⸗ nem bis dahin ſo beharrlichen Gegner, an Macht und Anſehen nicht wenig gewann, ſo erlitt er hinwiederum 93 in dieſer Periode ſeines Lebens auch manchen Verluſt. Die wenigen auswaͤrtigen Beſitzungen, die Frankreich noch verblieben waren, wurden nacheinander den Eng⸗ laͤndern zur Beute; Cayenne, Martinique, Senegal und Domingo wurden erobert, waͤhrend Lord Col⸗ lingwood von Sicilien aus ſich der Inſeln Cephalonia, Zante, Ithaca und Cerigo bemaͤchtigte. Ein franzoͤſiſches Geſchwader, das auf der Rhede der Inſel Aix feſtgehalten wurde, zu zerſtoͤren, war eine wuͤrdige Aufgabe fuͤr Lord Cochrane. Es wur⸗ den Brander gegen die franzoͤſiſchen Schiffe losgelaſ⸗ ſen, und obgleich die Operation zufolge eines Miß⸗ verſtaͤndniſſes zwiſchen Lord Cochrane und Admiral Gambier, der den Oberbefehl fuͤhrte, den Erwartun⸗ gen nicht ganz entſprach, ſo wurden doch die franzoͤ⸗ ſiſchen Schiffe groͤßtentheils entweder verbrannt, oder auf den Strand getrieben und zerſtoͤrt. Lord Col⸗ lingwood zerſtoͤrte eben ſo bei der Inſel Roſas ein betraͤchtliches franzoͤſiſches Convoy ſammt den Schif⸗ fen, die zu deſſen Bedeckung dienten. Es zeigte ſich bei jeder Gelegenheit, daß England noch immer auf ſeinem heimathlichen Element, d. h. zur See, gebie⸗ te, waͤhrend die Vorfaͤlle in Spanien den Beweis herſtellten, daß unter einem General, der zu ſiegen und ſeine Siege zu benuͤtzen verſtehe, Brittanniens Landheer eben ſo furchtbar ſey, als ſeine Seemacht. Dieß zieht unſere Aufmerkſamkeit auf die Augelegen⸗ 94 heiten der Halbinſel, wo, wie man allerdings ſagen konnte,„Alles in Flammen ſtand.“ Nachdem die von Sir John Moor befehligte Ar⸗ mee Corunna geraͤumt hatte und nethgedrungen wie⸗ der nach England zuruͤckgekehrt war, blieb Soalt einſt⸗ weilen im Beſitz von Gallicien und Herr von Ferrol und Corunna. Aber die Staͤrke der ſpaniſchen Sache lag nicht in Mauern und Waͤllen, ſondern in dem unbaͤndigen Muthe der wackern Patrioten. Die Gal⸗ licier fuhren fort, einen Poſtenkrieg zu fuͤhren, in welchen die Eingedrungenen wenig Vortheile erlan⸗ gen konnten; und als Soult nach Portugal zu ziehen beſchloß, ſah er ſich genoͤthigt, Ney zur Deckung ſei⸗ ner Communication mit Spanien mit betraͤchtlichen Streitkraͤften zuruͤckzulaſſen. — Soults Unternehmung hatte einen gluͤcklichen An⸗ fang, ſollte aber nicht eben ſo enden. Er ſchlug den General Romana und nothigte ihn zum Ruͤckzug nach Sanabria. Er nahm die Grenzſtadt Chaves nach ei⸗ nigem Widerſtand, und bahnte ſich den Weg nach Oporto, Aber das Hauptkorys von Soult hatte Cha⸗ ves nicht ſo bald verlaſſen, als dieſer Platz, trotz des Widerſtandes der Garniſon, durch eine portugieſiſche, von General Silviera befehligte Inſurge ten⸗Armee entſetzt wurde. Ohne dieſe Vorfälle in ſeinem Ruͤcken zu beachten, ſetzte Sout ſeinen Weg nach Oporto fort, nahn dieſe ſchoͤne Stadt nach einem vergeblichen drei⸗ taͤgigen Widerſtande mit ſtuͤrmender Hand, und ließ 5 95 ſeine Truppen nicht bloß an den Soldaten, ſondern auch an den unbewaffneten Buͤrgern die groͤßten Grau⸗ ſamkeiten veruͤben. 3 Als aber Soult ſo weit vorgeruͤckt war, kam er in nicht geringe Verlegenheit. Die Gallicier hatten ſich wieder ermannt und Vigo und andere Plaͤtze ge⸗ nommen; und Silvierg, von Chaves an die Bruͤcke von Amarante vorruͤckend, ſtellte ſich zwiſchen den franzoͤſiſchen General und Gallicien, und ſetzte ſich ſelbſt in Verbindung mit den Spaniern. Waͤhrend Soult ſolchergeſtalt in Oporto einge⸗ ſchloſſen war, beſchloß das engliſche Miniſterium, durch das Fehlſchlagen ſeiner letzten Unternehmung nicht geſchreckt, die Vertheidigung Portugals fortzuſetzen und in eine noch engere Verbindung mit der oberſten Junta von Spanien zu treten. Seiner eigenen Ue⸗ berzeugung folgend und zugleich auf die oͤffentliche Stimme hoͤrend, nahm es keine Ruͤckſicht auf Rang und Dienſtalter, und ſtellte die nach dem Continente beſtimmten Truppen unter den Befehl von Sir Ar⸗ thur Wellesley, der durch ſein Benehmen in der Schlacht von Vimeira und durch die Auskunft, die er daruͤber dem Unterſuchungsgerichte gegeben, jeder⸗ mann uͤberzeugt hatte, daß die Vertheidigung von Portugal, wenn ſie uͤberhaupt moͤglich ſey, nur durch den Sieger jenes Tages moͤglich ſey. Er war auch kaum zu Liſſabon gelandet, als er die gute Meinung ſeiner Landsleute vollkommen rechtfertigte, Er ging 96 auf verſchiedenen Punkten uͤber den Duero, mit ei⸗ ner Schnelligkeit, auf welche die Franzoſen nicht ge⸗ faßt waren, und zwang Soult nach einem glaͤnzenden Gefecht unter den Mauern von Oporto, dieſe Stadt zu raͤumen, und einen Ruͤckzug anzutreten, der kaum gluͤcklicher war, als der von Sir John Moor, Die Franzoſen mußten ihr Geſchuͤtz, ihr Gepaͤcke, ihre Ausruͤſtung, mit Einem Wort alles, was einer Ar⸗ mee Staͤrke gibt und ſie zu einer ſolchen macht, im Stiche laſſen; und doch konnte nach allen dieſen Opfern ihr Anfuͤhrer nur mit drei Vierteln ſeiner Armee nach Gallicien entkommen, wo er große Schwie⸗ rigkeiten fand, ſeine Truppen wieder in ſchlagfertigen Stand zu ſetzen. Ney, den er als Gouverneur in dieſer Provinz zuruͤckgelaſſen, war von den Patrioten ſehr in die Enge getrieben worden, nachdem die Fran⸗ zoſen in mehreren Gefechten geſchlagen, und die Staͤdte Ferrol und Corunna wieder genommen hatten. Sir Arthur Wellesley war außer Stand, den Marſchall Soult nach Gallicien zu verfolgen und da⸗ durch deſſen Niederlage zu vollenden, weil die Fran⸗ zoſen nach dem großen Siege bei Tudela mit großer Macht in Andaluſien eingedrungen waren, wo ihnen nun eine ſchlecht ausgeruͤſtete, entmuthigte Armee von 40,000 Mann, unter den Befehlen des unbeſon⸗ nenen, nicht gluͤcklichen Generals Cueſta, entgegen ſtand. Es war augenſcheinlich, daß Marſchall Victor, der in Andaluſien befehligte, einen bedeutenden Theil ſeiner „ 97 ſeiner Streitkraͤfte nach Liſſabon haͤtte entſenden koͤn⸗ nen, wenn Sir Arthur Wellesley, um Soult zu ver⸗ folgen, dieſe Stadt ihrem Schickſal haͤtte uberlaſſen wollen. Dies durfte er nicht thun. Der engl ſche General entwarf daher den herrlichen, durch den Um⸗ ſtand, daß Buonaparte nach Oeſterreich abgereist war, beguͤnſtigten Plan, nach Andaluſien zu marſchiren, ſich mit Cueſta zu vereinigen und gegen die Einge⸗ drungenen mit ſolchem Nachdruck zu verfahren, daß ſie zugleich im Suͤden aufgehalten und in Madrid ge⸗ faͤhrdet werden mußten. Ungluͤcklicherweiſe ſcheint Cueſta, ſehr zur Unzeit, von einer Eifer ucht befallen worden zu ſeyn, die ſich in allen Geſtalten, die der Eigenſinn annehmen kann, blicken ließ. Zu allen den wohlberechneten Planen, die ihm der engliſche Gene⸗ ral vorlegte, verſagte er ſeine Mitwirkung; und als ſich eine guͤnſtige Gelegenheit zeigte, den Marſchall Victor anzugreifen, noch ehe er ſich mit den Trup⸗ pen, die ihm Joſeph Buonaparte und Sebaſtiani von Madrid aus zufuͤhrten, vereinigt hatte, ſo erklaͤrte Eueſta, er ſey nicht geſonnen, ſich an einem Sonn⸗ tage zu ſchlagen. So blieb die goldene Gelegenheit unbenuͤtzt; und als die Alliirten hierauf am 28. Juli 1809 die Schlacht, die ſie fruͤher freiwillig haͤtten liefern koͤnnen, anneh⸗ men mußten, ſo waren die Umſtaͤnde weniger vortheil⸗ haft. Demungeachtet wußte Sir Arthur Wellsley in der beruͤhmten Schlacht von Talavers de la Reina W. Scott's Werke. LlII. 7 98 den Franzoſen eine vollſtͤndige Niederlage beizubrin⸗ gen. Der Erfolg dieſer Schlacht, in welcher die Brit⸗ ten uber einen zweimal ſo ſtarken Feind geſſegt hat⸗ ten, fiel aber durch den tollen Starrſinn des Cueſta anders aus, als man haͤtte erwarten ſollen. Da ſich nämlich die franzoͤſiſchen Truppen von allen Seiten unſammenzogen, ſo war Sir Arthur Wellesley in die Nothevendigken verſetzt, ſich nach Portugal zuruͤckzu⸗ ziehen, und zwar unter Zuruͤcklaſſung von mehr als 41500 Verwundeten, die nicht zuruͤckgebracht werden konnten, weil der ſpaniſche General die hiezu noͤthi⸗ gen Trausportmittel zu liefern, verſaͤumt hatte. Die Franzoſen benahmen ſich gegen dieſe Verwundeten die auf dieſe Weiſe in ihre Haͤnde ſielen, wie es ſich fuͤr einen geſitteten Feind ziemt, benuͤtzten aber dieſen Umſtand, um den Sieg, der durch ihre Flucht von dem Schlachtfelde erwieſen war, in Abrede zu ſtellen. Doch konnten die Buͤlletins, wie ſie der Moni⸗ teur gab, Niemanden uͤber den wahren Stand der Dinge taͤuſchen. Die ſpaniſche Iunta erkannte die Berdienſte des engliſchen Generals, und entfernte, freilich etwas zu ſpaͤt, den General Cueſta von ſei⸗ nem Commando, zur Straſe fuͤr ſein unverantwort⸗ s Benehmen. In England wurde Sir Arthur Wellesley als Lord Wellington unter dem allgemeinen Beiſell der Nation zur Pairswuͤrde, und folglich ſo 5r. Buongyarte ehrte ſeinerſeies den Sieger von rhoben, als es die Verfaſſung unſeres Landes 8 99 Talavera am meiſten durch die Entruͤſtung, die er uͤber die Niederlage ſeiner Truppen zeigte. Er hatte dieſelbe ſchon erfahren, noch ehe der Offizier mit dem offiziellen Berichte eintraf. Dieſer fand bei dem Kai⸗ ſer eine ſchlechte Aufnahme; und, als ob die Boten fuͤr die Nachrichten, die ſie bringen, verantwortlich waͤren, wurde ein zweiter Offizier, der mit dem Duplicate deſſelben Berichts kam, noch ſtrenger behau⸗ delt, und ſogar auf einige Zeit in Arreſt geſetzt. Dieſer leidenſchaftliche Ausbruch war offenbar nicht durch die naͤchſten Folgen der Niederlage veran⸗ last worden, denn dem ſcharfſinnigen Auge Napoleons konnten die Umſtaͤude nicht entgehen, durch welche die alliirten Armeen groͤßtentheils um die Fruͤchte ih⸗ res Sieges gebracht wurden; allein Napoleon ſah in der Schlacht von Talnvera eine, den brittiſchen wie den ſpaniſchen Soldaten gegebene Buͤrgſchaft, daß die Franzoſen durch rechten Widerſtand in die Flucht ge⸗ trieben werden können. Er ſah auch voraus, daß die britriſche Regieruag den Kampf auf der Halbinſel nicht mehr aufgeben, und daß auch das ſpaniſche Volk zu fernerem Widerſtande ermuthigt werden wuͤrde; er ſah mit Einem Worte die ſechs blutigen und ver⸗ zweifelten Feldzuͤge voraus, die erſt mit der Schlacht von Toulouſe im Jahr 1814 dem Kriege ein Ende machen ſollten. Waͤhrend er dergleichen ahnete, ſchien ihm das Gluͤck doch auch wieder zu laͤcheln. Saragoſſa, aber⸗ 4 190 mals belagert, bewies zwar dieſelbe Standhaftigkeit, wie das erſte Mal, aber nicht mit demſelben Gluͤck. Nach einem gleich ehrenvollen Widerſtande mußten die tapfere Garniſon und Bürgerſchaft, aus Mangel an ferneren Vertheidigungsmitteln und weil kein Er⸗ ſatz zu hoſſen war, ſich endlich ergeben. Gerona, Tarragona, Tortoſa wurden alle nach muthiger Vertheidigung genommen, und die Unter⸗ werfung von Catalonien, der kriegliebendſten unter allen Provinzen, ſchien vollendet. 85 Andaluſten, die reichſte unter allen Provinzen, war ſchlechterdings erobert, zufolge der Niederlage, die die ſpaniſche Hauptarmee, unter Arrizaga bei Occana im November 4809 erlitten hatte, nachdem die engliſchen Truppen wieder nach Portugal zuruͤck⸗ gegangen waren. Ivſeph Buonaparte, dem der Weg durch dieſen letzten Sieg geoffnet worden, zog am 17 ten Januar 1810 in Cordova und am 17ten Februar deſſelben Jahrs in das ſtolze Sevilla trinmphirend ein. Doch war der Hauptpreis des Sieges noch nicht gewonnen. Die oberſte Junta hatte ſich nach Cadix zuruͤckgezogen, welche Stadt, auf einer Inſel gelegen und vom feſten Lande einerſeits durch einen Kanal,⸗ und auf den ubrigen Seiten durch die See abgeſchreit⸗ ten, der kraͤftigſten Vertheidigung faͤhig iſt. In Cadix lag eine Beſatzung von zwanzigtauſend Engläͤndern, Spaniern und Portugieſen, unter den Befehlen des Generals Graham, eines ausgezeichne⸗ 4⁰41 ten Offiziers, deſſen Verdienſte, gleich denen Napo⸗ leons, ſich zuerſt bei der Belagerung von Toulon be⸗ merklich gemacht hatten. Marſchall Soult, der fran⸗ zoͤſiſche Obergeneral in Spanien, traf Anſtalten zu der Belagerung dieſer Stadt, deren Eroberung der patriotiſchen Sache den Todesſtoß gegeben haben wuͤrde. So ſchoͤn ſich dieſe wichtigen Vortheile aber auch im Moniteur ausnahmen, ſo unbezwingbar war der Geiſt, den Napoleon in den Spaniern geweckt hatte, daß Unfaͤlle, die jedem andern Volke allen Muth be⸗ nommen haben wuͤrden, dieſelben zu noch verzweifel⸗ terem Widerſtande anzufeuern ſchienen. Von dem Zu⸗ ſtande ihres Landes ſprechend, druͤckten ſie wegen ih⸗ res gegenwaͤrtigen Mißgeſchickes keine Beſorgniß aus. Ihre Vorfahren haͤtten, ſagten ſie, zwei Jahrhunder⸗ te gebraucht, um mit den Mauren fertis zu werden; ſie zweifelten nicht ſich die Franzoſen baͤlder vom J Halſe zu ſchaffen; dabei muͤßten ſie aber auf Zeit und um⸗ ſtaͤnde ſowohl, als auf Tapferkeit rechnen. Die Kriegs⸗ ereigniſſe waren nicht ſelten dieſen Hoffnungen guͤn⸗ ſtig. Die Spanier, oͤfters ſchwach erfunden, wo ſie ſich am ſtaͤrkſten glaubten, bewieſen ſich manchmal am maͤchtigſten, wo ſie, nach menſchlicher Anſicht, am ſchwaͤchſten ſchienen. Waͤhrend ſie Andaluſien, deſſen Vertheidigung ſo leicht ſchien, verlsoren, wurde die gebirgige Provinz Gallicien, welche die Franzoſen, die Britten verfolgend, durchzogen, und wo ſie die wich⸗ 4⁰² fißen Seeſtaͤdte Corunna und Ferrol genommen hat⸗ ten, den Siegern wieder durch Romana entriſſen, deſſen Armee nie ſchwach und ſchlecht disriplinirt war, aber von den kriegeriſchen Einwohnern unter ſtuͤtzt wurde. Auch in Catalonten hatten die Franzoſen die oben angefuͤhrten Staͤdte und Feſtungen kaum erobert als ſie von den cataloniſchen Scharſſchützen unter Lec, O'donnell, und D'Eroles, geneckt, bekaͤmpft und zu⸗ weilen geſchlagen wurden. Ja, waͤhrend die Franzo⸗ ſen ihre ſcheinbaren Eroberungen bis zum mittellaͤndi⸗ ſchen Meer ausdehnten und ihr Geſchuͤtz vor Cadir donnern ließen, waren ſie ſo wenig im friedlichen Be⸗ litz von Navarra und den andern an Frankreich gren⸗ zenden Provinzen, daß kein Offizier mit Depeſchen ohne eine ſtarke Bedeckung von Burgos nach Bayon⸗ ne kommen konnte; es zeigten ſich ſogar ſpaniſche Banden an der franzoͤſiſchen Grenze, und uͤberſchrit⸗ ten dieſelbe, um den kleinen Krieg zu fuͤhren, und Contributionen zu erheben. Da es auf der franzoͤſiſchen Grenze ſo ausſah, ſo laßt ſich denken, daß die Provinzen des Binnenlandes nicht botmaͤßiger waren. In der That uͤbten die Franzoſen auf der ganzen Halbinſel keinen andern Ein⸗ fluß, als denjenigen, den das Bajonet, oder der Saͤ⸗ bel verſchaffen kann; und wo dieſe nicht wirkten, war das ganze Land im Aufſtand. Dieſer allgegenwaͤrtige und beharrliche WSderſtand 493 hatte das ſogenannte Guerilla⸗Syſtem oder den Par⸗ theigaͤngerkrieg zu ſeiner Baſis, fuͤr welchen der ſpa⸗ eniſche Charakter und der ſpaniſche Boden ganz geeig⸗ net ſind, und wodurch dem eingedrungenen Feinde weit mehr Abbruch geſchieht, als durch die Operatio⸗ nen einer geregelten Armee, in ſoferne er ſeinen Geg⸗ ner nie recht faſſen, ihm nie einen Hauptſchlag bei bringen kann. Es war mit den Vertheidigern Spa⸗ niens wie mit den Waͤchtern eines bezaubernden Schloſſes in der italieniſchen Romanze; dem Abenteu⸗ rer, der ſich dieſem Schloſſe zu nahen wagte, trat zu⸗ erſt ein Krieger mit voller Ruͤſtung in den Weg; war dieſer gefallen, ſo erſchien ſofort eine Menge klei⸗ ner Zwerge, die dem fahrenden Ritter weit grimmi⸗ „ger zuſetzten, ihm mehr zu ſchaffen machten, als der rieſenhafte Gegner, den er zuerſt erlegt hatte. Die Eigenſchaften eines Partheigaͤngers oder ungeregelten Soldaten ſind dem Spanier angeboren. Ruhig, maͤſ⸗ ſig, voll Ausdauer in den groͤßten Beſchwerden, un⸗ ter einem kalten Aeußern ein gluͤhendes, feuriges Temperament verbergend, wiſſen die Spanier vor⸗ theithafte Gelegenheiten abzuwarten, und laſſen ſich durch Schwierigkeit, oder Niederlagen nicht leicht ſchrecken. Da ſie meiſtens gute Schuͤtzen ſind und auch die Lanze, den Saͤbel oder den Dolch gut zu ge⸗ branchen verſtehen, ſo ſind ſie furchtbar im Hinter⸗ halt und nicht weniger im Handgemenge, wo die Men⸗ tchen⸗ Mann gegen Mann, mehr wie die Natur es 1³4 eingibt, als den Kriegsregeln gemaͤß fechten. Auch Halsſtarrigkeit des caſtilianiſchen Charakters kam bei dieſer Kriegsweiſe ſehr in Anſchlag. Weder Ver⸗ prechungen noch Drohungen vermochten etwas uͤber dieſe Menſchen, und durch die Vollziehung der ange⸗ drohten Strafen wurde nur die Rachſucht geweckt, die een Spanier taub ge egen alles macht, was man ihm ſngen mag. Auch die Offiziere waren dem Geſchaͤfte nicht we⸗ niger gewachſen, als ihre Mannſchaft. Die Fuͤhrung einer Guerilla war ein Amt, dem ſich niemand un⸗ terzog, der ſich demſelben nicht gewachſen fuͤhlte, oder dem es nicht gewiſſermaßen aufgedrungen wurde. Unter den ſpaniſchen Offizieren gab es nur weni⸗ ge, die etwas von der Kriegskunſt verſtanden, und daher eine Armee im Felde anfuͤhren konnten; die Eigenſchaften eines Guerilla⸗Fuͤhrers ſind dagegen dem menſchlichen Gemuͤthe gleichſam eingepraͤgt und vorhanden, ſobald man ihrer bedarf. Dieſe Fuͤhrer waren, wie es der Zufall fügte, zum Theil hochge⸗ borne, zum Kriegsweſen erzogene Maͤnner; andere waren Schmuagler oder Bauern geweſen, oder hatten andere Gewerbe getrieben, nach denen ſie genannt wurden, wie z. B. der Pfarrer, der Arzt, der Schaͤ⸗ fer u. ſ. w. Manche dieſer Namen werden an tapfe⸗ re Thaten, der Name eines Mina und Empecinado zugleich aber auch an den groben Undank erinnern, mit dem dieſe Thaten belohnt worden ſind. 405 Dieſe kuͤhnen Maͤnner kannten auf das genaueſte die Paͤße, feſten Punkte, Waͤlder, Gebirge und Wild⸗ niſſe in den Provinzen, in denen ſie den Krieg fuͤhr⸗ ten; und durch ihre Einverſtaͤndniße mit den Bauern erfuhren ſie alles, was bei dem Feinde vorging. War ein ausgelandtes franzoͤſiſches Detaſchement zu ſchwach, ſo lief es Gefahr, abgeſchnitten zu werden; war es ftark genug, dagegen aber die Beſatzung des Platzes, von dem es ausgegangen, nicht hinreichend, ſo ward der Poſten genommen. Die Guerillas merkten auf die unerheblichſten, wie auf die wichtigſten Dinge; ein Kurier konnte ohne eine ſtarke Bedeckung gar nicht fortkommen, und wollte der eingedrungene Kö⸗ nig in der Naͤhe ſeiner Hauptſtadt das Vergnuͤgen der Jagd genießen, ſo bedurfte er, wie Graf Percy in der Ballade, einer Leibwache von 1500 Mann. Die ſogenannten Juramentados, d h. diejenigen Spa⸗ nier, die dem Koͤnig Joſeph den Eid der Treue ge⸗ leiſtet hatten, wurden von den Guerillas genau beob⸗ achtet, und wenn ſie ihrer Sache zu eifrig dienten, aufgegriffen, weggefuͤhrt und als Verraͤther beſtraft, ſo daß den Franzoſen ſich zu unterwerfen und ſich von ihnen gebrauchen zu laſſen wenigſtens eben ſo unklug ſchien, als ſich denſelben kuͤhn zu widerſetzen. 3 Die Staͤrke der Guerillas wechſelte zu verſchiede⸗ nen Zeiten, je nachdem die Cheſs ihren Ruf zu be⸗ haupten wußten oder die Mittel beſaßen, ihren An⸗ hangern den Unterhalt zu ſichern. Einige dieſer Chefs 166 befehligten kleine Armeen von 2000 Mann und darü⸗ ber, andere, oder dieſelben Chefs, hatten nach einer Niederlage manchmal nur zehn oder zwanzig Mann. Die Franzoſen verſuchten oft, diejenigen Streiſkorps, durch welche ſie am meiſten litten, zu uͤberfallen und aufzureiben, und ſchickten zu dieſem Ende von ver⸗ ſchiedenen Punkten aus ſogenannte bewegliche Colon⸗ nen nach dem Sammelplatze der Guerillas, Aber un⸗ geachtet ihrer Thaͤtigkeit und Gewandtheit bei dieſen Unternehmungen gelang es ihnen doch ſelten, ihren Gegner unverſehens zu uͤberfallen, und wenn dies auch geſchah, ſo zerſtiebten die Individuen, aus denen die Bande beſtand, und entkamen auf Wegen, die nur ſie kannten. Wenn nun die franzoͤſiſchen Offizie⸗ re glaubten, ſie völlig aufgerieben zu haben, ſo er⸗ ſchienen ſie wieder auf einem andern Punkt und zwar in dem Ruͤcken und auf den Communicationen derje⸗ nigen, die noch vor kurzem geglaubt hatten, ihrer hab⸗ haft zu werden. Auf dieſe Art ſchienen bie Guerillas unſichtbar, wenn ſie aufgeſucht wurden, allgegenwaͤr⸗ tig, wenn den Eingedrungenen Schaden zugefuͤgt wer⸗ den konnte. Jagd auf ſie zu machen war ſo viel, als dem Winde nachlaufen; ſie einzuſchließen ſo viel, als Waſſer mit einem Siebe ſchöpfen wollen. Soult verſuchte es, dieſe unſtaͤten und neckenden Feinde durch eine Proklamation einzuſchuͤchtern, in welcher er erklärte, daß er die Guerilla⸗Genoſſen nicht als Soldaten behandeln, ſondern im Betretungs⸗ 197 ſalle als auf der That ertappte Straßenraͤuber hin⸗ richten laſſen wuͤrde. Zur Antwort auf dieſe Prokla⸗ mation machten die Chefs ein koͤnigliches Dekret, wie ſie es nannten, bekannt, worin ſie den Satz aufſtell⸗ ten: jeder Spanier ſey durch die Noth der Zeit Sol⸗ dar, und habe als ſolcher, wenn er mit den Waffen in den Haͤnden ergriffen wuͤrde, alle militaͤriſchen Vorrechte anzuſprechen. Sie erklaͤrten demnach, daß ſie von den Wiedervergeltungsmitteln, die ihnen zu Gebote ſtuͤnden, ohne weiteres Gebrauch machen, und fuͤr jeden Spanier, an welchem Soult's ungerechte und unmenſchliche Drohung vollzogen werden ſollte, zweien Franzoſen das Leben nehmen wuͤrde. Dieſe Drohungen wurden auf beiden Seiten erfuͤllt. Man ſagt, es ſey zuerſt von einem franzoͤſiſchen General das Beiſpiel einer abſcheulichen Grauſamkeit dadurch gegeben worden, daß er acht Geſangene von der Ban⸗ de des Empeeinado an Baͤume habe annageln und gleichſam kreuzigen laſſen. Der ſpaniſche Chef ergrimm⸗ te daruͤber ſo ſehr, daß weder Furcht noch Mittel et⸗ was uͤber ihn vermochte, und ließ zur Wiedervergel⸗ tung eben ſo viele Franzoſen an dieſelben Baͤume na⸗ geln, daß der Wald von Guederama von ihrem Jam⸗ mergeſchrei ertoͤnte. Doch dieſe Graͤnel ließen auf beiden Seiten bald nach, indem beide ihr Intereſſe dabei fanden, ſich wieder in die Sitte des rechtlichen Krieges zu fuͤgen. Wir haben in einer fluͤchtigen Skizze den eigen⸗ 408 thuͤmlichen Charakter diefer ſonderbaren Art der Krieg⸗ fuͤhrung zu ſchildern verſucht, die in der Geſchichte des Menſchengeſchlechts einen eigenen Abſchnitt bildet und den Beweis herſtellt, wie ſchwer es ſaͤllt, auch durch die ſurchtbarſten militaͤriſchen Mittel, ein Volk zu unterwerfen, das feſt entſchloßfen iſt, ſich nicht un⸗ ter das Joch zu beugen. Die Wahrſcheinlichkeit die⸗ ſes Falles war dem Scharfblicke Napoleons nicht ent⸗ gangen, der, obgleich die Folgen vorausſehend, doch der Verſuchuns nicht hatte widerſtehen koͤnnen, eine ſo glaͤnzende Herrſchaft an ſich zu reißen, und der noch immer entſchloſſen war, wie er ſich ſelbſt ausge⸗ druckt haben ſoll, wenn nicht uͤber die Spanier ſelbſt, doch uͤber Spanien zu herrſchen. Aber die Verwirk⸗ lichung dieſes fuͤhlloſen, nur im Aerger, nicht im Zuſtande der Beſonnenheit ausgeſprochenen Wunſches wuͤrde den verwickelten Kuoten der ſpaniſchen Angele⸗ genheiten noch keineswegs geloͤst haben. Buonaparte, der ſo trefflich zu rechnen verſtand, hatte darauf gerechnet, daß Spanien in ſeinen Haͤn⸗ den die reichen Zuſtuͤſſe aus ſeinen ſuͤdamerikaniſchen Provinzen behalten wuͤrde. Waͤre es ihm gelungen, ſeinen ganzen Plan in Ausfuͤhrung zu bringen, haͤtte der alte Koͤnig ſich wirklich nach Peru oder Mexiko eingeſchifft, ſo wuͤrde Napoleon durch ſeinen Einfluß auf Karl, die Koͤnigin und ihren Buhlen Godoy, vielleicht ein ſolches Reſultat bewirkt haben. Aber zu Folge des Statt gefundenen Bruches machten die ſpa⸗ 1⁰⁹ niſchen Kolonien zuerſt gemeinſchaftliche Sache mit den Patrioten des Mutterlandes und ſchickten zum Behuf des Krieges gegen die Franzoſen bedeutende Summen nach Cadir; als ſie ſpaͤter andern Sinnes wurden und die Gelegenheit erſahen, ſich unabhaͤngig zu machen, ſo ſtellten ſie alle Sendungen ein, und es ſtroͤmte nicht laͤnger eine goldene Fluth nach Spn⸗ nien. Buonaparte hatte hierauf nicht Ruͤckſicht genom⸗ men und mußte jetzt ſeine unbeſonnene Habſucht, wie jener Knabe in der aͤſopiſchen Fabel, der das Huhn, welches goldene Eier legte, getoͤdtet, beklagen. Die Taͤuſchung war ſo groß als unerwartet. Napoleon hatte aus ſeinem Privarſchatz und aus den Huͤlfsquel⸗ len Frankreichs den ganzen Aufwand fuͤr die beiden großen Armeen, die das ſpaniſche Gebiet zuerſt uͤber⸗ zogen, begreiflicherweiſe in der Vorausſetzung beſtrit⸗ ten, daß die franzoͤſiſchen Eruppen fortan auf Koöſten der Provinzen, wo ſie im Quartiere lagen, verpflegt und beſoldet werden wuͤrden. Nachdem die reichen und fruchtbaren Provinzen von Andaluſien, Grenada und Valencia einmal erobert waren, konnte dieſes, wie es ſchien, keinen Schwierigkeiten unterliegen; allein ſo allgemein war die Abneigung gegen die Fran⸗ zoſen, ſo ſehr verſchwand die klingende Muͤnze, und ſo groß war die durch die Guerillas verurſachte Sto⸗ rung, daß König Joſeph, ſein Hof und die franzoͤſi⸗ ſche Armee ohne die Dazwiſchenkunft Napoleons gar 110 nicht beſtehen konnten; und dieſer mußte ſo bedeuten⸗ de Summen vorſchießen, daß in den von den Fran⸗ zoſen beſetzten Gegenden alles ſpaniſche Geld aus dem Umlaufe verſchwand und durch das franzoͤſiſche erſetzt⸗ wurde. Solchergeſtalt ein Koͤnigreich unterſtuͤtzen zu muͤſſen, aus dem er ſelbſt Huͤlfsmittel zu ziehen ge⸗ dacht hatte, war fur Napoleon keine geringe Kraͤn⸗ kung,— aber nicht die einzige, die fuür ihn aus dem. dort eingefuͤhrten Syſtem erwuchs. Als Joſeph, ein beſonnener und vernunftiger Mann, die Krone Spaniens aus den Haͤnden Napo⸗ leons empfing, mußte er einſehen, daß ſolche nur das Sinnbild einer entlehnten und abhaͤngigen Herrſchaft ſey, daß ſie alles eigenen Glanzes entbehre und nur den Glanz von ſeines Bruders kaiſerlichem Diademe zuruͤckwerfe. Es konnte ihm nicht entgehen, daß Na⸗ poleon, auch nachdem er ihn zun Koͤnig von Spanien erhoben, auf ſeinen Gehorſam Anſpruch mache, und daß er, auch als Monarch, noch immer ein Unter⸗ than des franzoͤſiſchen Kaiſers ſev. Hierauf mußte er voͤllig gesaßt ſeyn. Allein Joſeph, der nicht ohne Familienſtolz war, wollte, mit Ausnahme ſeines Bru⸗ ders, von Jevermann als Souverain behandelt wer⸗ den, und war ſehr ungehalten uͤber das Benehmen der Marſchaͤlle und Generale, die ihm ſein Bruder zu ſeiner Unterſtützung zugeſandt hatte. Jeder von dieſen befehligte ſein abgeſonder es Armeekorps und erkannte kein anderes Oberhaupt, als den Kaiſer; je 111 der verſuhr, wie er es vor dieſem verantworten zu koͤnnen glaubte, erhob Steuern nach Gefallen und ſah in dem Koͤnig Joſeph nur einen uberfluͤffigen und unnützen Civilbeamten, der der Armee mit dem Troß ſolgte und dem man nur wenig Ehre und keinen Ge⸗ horſam ſchuldig ſey. Der Zuſtand der Kriegs⸗ und Regierungsangelegenheiten wurde mit einem Wort ſo verwickelt, durch die gegenſeitigen Anſpruͤche Jo⸗ ſephs und der frarzoͤſiſchen Generale entſtand ein ſol⸗ cher Wirrwar, daß, als jener nach Paris kam, um der Trauung von Napoleon und Marie Louiſe beizu⸗ wohnen, er ausdruͤcklich verlangte, daß alle franzoͤſi⸗ ſchen Truppen in Spanuien unter ſein eigenes Com⸗ mando, oder vielmehr unter das ſeines Majorgene rals geſteltt werden follten, und im Falle dieſes ab⸗ gelehnt wuͤrde, bat er um die Erlaubniß, die Krone nieherlegen zu duͤrfen, oder, was gleich bedeutend war, um die Entfernung der franzoͤſiſchen Huͤlfstrup⸗ pen aus Spanien. Buenaparte, der bei einer fruͤhern Veranlatſung ſeinen Bruder zum Generaliſſimus al⸗ ler Truppen in ſeinem vermeintlichen Gebiete ernannt hatte, genehmigte nun, daß forlan alle franzöͤſiſchen Generale in Spanien ohne Ausnahme unter dem Marſchall Jourdan, dem Majorgeneral des Koͤnigs Joſeph, ſtehen ſollte. Da aber dieſe Generale den Augen Napoleons entruckt und ſowohl an den einge⸗ drungenen Koͤnig als an den Kaiſer gewieſen waren, ſo fiel es ihnen nicht ſchwer, den Forderungen des 11² einen wie des andern auszuweichen und ſich unab⸗ haͤngig zu machen. Dieſe mißlichen Umſtaͤnde wurden noch verſchlim⸗ mert durch die Gegenwart der engliſchen Armee, die nach zweimaliger Vertreibung der Franzoſen aus Por⸗ tugal nicht geneigt ſchien, nach ihren Schiffen zuruͤck⸗ zukehren, ſondern an den Grenzen des letztern Koͤnig⸗ reichs ſtehen blieb, um die Spanier zu ſernerem Wi⸗ derſtande aufzumuntern und ihnen dazu behuͤlflich zu ſeyn. Es war nicht die Schuld des Obergenerals, das dieſe Armee ſich faſt einzig auf die Beobachtung des Feindes beſchraͤnkte. Waͤren die zu der ſo un⸗ gluͤcklich gedachten Erpedition von Walchern verwen⸗ deten Truppen mit denen, die unter den Befehlen von Lord Wellington ſtanden, vereinigt worden, ſo wuͤrden ſie mit einem weit geringeren und auf jeden Fall ehrenvolleren Verluſte die Franzoſen uͤber den Ebro vertrieben und vielleicht gar zur voͤlligen Raͤu⸗ mung Spaniens gezwungen haben. Allein es war nicht zu erwarten, daß unſer Kabinet, das in der neueſten Zeit allerdings eine kuͤhnere und auch richti⸗ gere Idee von den Huͤlfsquellen des Landes gefaßt hatte, auf einmal und unter dem Geſchrei einer Op⸗ poſition, die in jedem Schritte gegen Frankreich ein verzweifeltes Wageſtuͤck ſah, zum Behuf einer in ſei⸗ nen Augen allerdings vielverſprechenden Unterneh⸗ mung einen betraͤchtlichen Theil der Nationalmacht aufs Spiel ſetzen wuͤrde. Selbſt einſichtsvolle Staats⸗ 4 maͤnner maͤnner vergeſſen zuweilen, daß, wo zur Erreichung eines Zweckes ein großer Aufwand an Menſchen und Geld erfordert wird, es eine elende Politik iſt, an dem einen oder dem andern Bedarf ſparen zu wollen, und daß durch eine ſolche zur Unzeit angebrachte Knickerei die Schwierigkeit eines Unternehmens ent⸗ weder ganz oder zum Theil unbeſiegbar werden muͤſ⸗ ſen. Buonaparte war indeſſen in Beziehung auf das durch Buͤrgerkrieg zerriſſene, halb unterjochte, halb freie Spanien, das ihm die groͤßten Opfer abnöthigte und endloſen Aerger bereitete— um uns eines ge⸗ meinen Gleichniſſes zu bedienen— in der Lage ei⸗ nes Mannes, der einen Wolf gefaßt hat, ſich nicht ſtark genug fuͤhlt, das wuͤthende Thier zu uͤberwaͤlti⸗ gen, und es doch fuͤr gefaͤhrlich haͤlt, daſſelbe fahren zu laſſen. Seine Macht beruhte großentheils auf der Meinung, daß ihm alles, was er unternommen, ge⸗ lingen muͤſſe. Er ſelbſt vertraute gar ſehr auf ſeinen Stern; und da es weder in ſeiner Gemuͤthsart, noch in ſeiner Politik lag, das, was er unternommen, aufzugeben, ſo entſchloß er ſich zu einer rieſenhaften Anſtrengung, um die Leoparden und ihren Seapoyge⸗ neral, wie die Britten und Lord Wellington in den franzoͤſiſchen Tagblaͤttern genannt wurden, aus Por⸗ tugal zu vertreiben, ſich Liſſabons zu bemaͤchtigen, und dadurch fuͤr die Zukunft fremden Truppen das Thor der Halbinſel zu verſchlieſſen, W. Scott's Werke. LII. 8 114 In Gemaͤßheit der Befehle des Kaiſers ward zetzt die ſogenannte Armee von Portugal, nach einem dis jetzt in der Halbinſel noch nie geſehenen Maßſtab gebildet. Von den Franzoſen ſelbſt auf 110,000 Mann angeſchlagen, war dieſelbe wenigſtens 80,000 Mann ſtark. Sie kam unter den Befehl von Maſſena, des Fuͤrſten von Eßling, der nach Napoleon den erſten Namen in der franzoͤſiſchen Armee trug, und dem das Gluͤck ſtets ſo hold geweſen, daß ihn ſein Gebie⸗ ter das verwoͤhnte Kind des Sieges zu nennen pflegte. Lord Wellington hatte an brittiſchen Truppen nicht uͤber 25,000 Mann, und darunter ſo viele Un⸗ kuͤchtige, daß er ſich gaͤnzlich auf die Defenſive be⸗ ſchraänken mußte. Dazu kamen aber noch 30,900 Por⸗ tugieſen, in welche andere Generale wohl kein großes Vertrauen geſetzt haben wuͤrden; allein ſie wurden wie brittiſche Soldaten abgerichtet, beſoldet und ver⸗ pflegt, und von brittiſchen Offizieren befehligt; und Lord Wellington, der den unkriegeriſchen Hindu un⸗ ter aͤhnlichen Umſtaͤnden als einen nicht unwuͤrdigen Gefaͤhrten des engliſchen Soldaten geſehen hatte, ſchmeichelte ſich mit der Hoffnung, daß es ihm gelin⸗ gen wuͤrde, in den gebornen Portugieſen den ſchla⸗ fenden und unterdruͤckten aber doch vorhandenen Kriegsgeiſt zu wecken. Dieſe Streitmacht war groͤß⸗ tentheils unter den Auſpicien des Marſchalls Beres⸗ ford gebildet worden, eines Officiers, dem das Va⸗ terland ewigen Dank ſchuldig iſt, fuͤr die Hingebung 115 mit der er ſich einem gar nicht angenehmen und we⸗ nig verſprechenden Geſchaͤfte unterzog, und fuͤr die meiſterhafte Art, mit der er durch Gewandthet, Un⸗ verdroſſenheit und Menſchenkenntniß in einer ſo wich⸗ tigen Kriſe ſeine Aufgabe zu loͤſen wußte. Doch mußte man ſich durchaus huͤten, in dieſe erſt neuerlich ausgehobenen und eingeubten portugie⸗ ſiſchen Truppen ein zu großes Vertrauen zu ſetzen; man mußte abwarten, bis ſie ſich nicht nur in der Theorie, ſondern auch in der Praxis der Kriegskunſt etwas umgeſehen haben wuͤrden. Zufolge der Schwaͤche der brittiſchen und der noch mangelhaften Disciplin der portugieſiſchen Truppen mußte Lord Wellington einſtweilen unthaͤtig bleiben und zuſehen, wie die Graͤnzfeſtungen Civdad Rodrigo und Allmeida, faſt in Gegenwart ſeiner Armee ge⸗ nommen wurden. Dieſe beiden ungluͤcklichen Ereig⸗ niſſe gaben der brittiſchen Nation, wie gewoͤhnlich, Anlaß zu uͤbertriebenen Beſorgniſſen; allein Lord Wellington hatte dieſelben bereits in ſeine Verech⸗ nung gezogen. Er war an die Grenze vorgeruͤckt, nicht etwa, um dieſe beiden Pläͤtze mit Gewalt zu entſetzen, ſondern nur um die Beſatzung der elben zum laͤngſten Widerſtande zu vermögen, der den Al⸗ lürten eben ſo nuͤtzlich, als den Franzoſen verderb⸗ lich werden mußte. Zur Vertheidigung und Behauptung von Portu⸗ gal hatte er bereits eine Stellung gewaͤhlt und deren 8 116 Befeſtigung angeordnet. Wir meinen die Stellung von Torres Vedras, die nach ſeiner eigenen Ausſage vor dem Unterſuchungsgerichte diejenige war, die Ju⸗ not nach der Schlacht von Vimeira haͤtte beziehen ſollen. Alle vorlaͤufigen Bewegungen Lord Welling⸗ ton's waren darauf berechnet, den Feind von ſeinen Huͤlfsquellen und Conmmunicationen ab⸗und nach die⸗ ſem Punkte zu ziehen, den der eingedrungene nicht wuͤrde uͤberſchreiten koͤnnen. Indem Lord Wellington zufolge dieſes trefflich be⸗ rechneten Planes ſich vor der franzoͤſiſchen Armee zu⸗ ruͤckzog, verhalf ihm der Zufall oder vielmehr die Vermeſſenheit ſeines Gegners zu einem ruͤhmlichen Siege. Wenn auch Maſſena dem Muthe der Brit⸗ ten Gerechtigkeit wiederfahren ließ, ſo glaubte er doch das militaͤriſche Talent ihres Generals mit Recht be⸗ zweifeln zu duͤrfen. Ihre ruͤckgaͤngige Bewegung von den Ufern der Coa bis nach Liſſabon war zwar mit aller Beſonnenheit und Umſicht, wie auf einem Schachbrette, angeordnet, aber dennoch eine ruͤckgaͤn⸗ gige Bewegung; und er konnte der Verſuchung nicht widerſtehen, durch einen küuͤhnen und ploͤtzlichen An⸗ griff den Ruͤckzug der Britten zu beſchleunigen und ſie, wenn nicht in die See zu werfen, doch in ihre Schiffe zuruͤckzutreiben, die er fuͤr ihren letzten Zu⸗ fluchtsort hielt. Dies fuͤhrte zur Schlacht von Buſaco, die am 27ſten September 1810 geſchlagen wurde, 117 An dieſem denkwuͤrdigen Tage hatte die brittiſche Armee auf der Sierra, d. i. auf dem Gebirgsruͤcken Buſaco, ihre Stellung genommen. Maſſena haͤtte durch Umgehung dieſer Stellung den engliſchen Ge⸗ neral zur Fortſetzung ſeines Ruͤckzugs zwingen koͤn⸗ nen; er zog es aber vor, dieſelbe in der Fronte zu faſſen. Die Franzoſen griffen in fuͤnf ſtarken Kolon⸗ nen an. Von den zwei Kolonnen des rechten Fluͤ⸗ gels wurde die eine auf der hoͤchſten Kuppe mit dem Bajonet empfangen und derb zuruͤckge wieſen; die an⸗ dere, welche durch das Feuer großen Verluſt erlitten, zog ab ehe ſie den Gipfel erreichte. Die uͤbrigen drei Kolonnen hatten ungefaͤhr daſſelbe Schickſal. Auf ſolch unguͤnſtigem Boden beſiegt, verlor der Feind, wie berechnet worden, wenigſtens zweitauſend Todte und ſehr viel Verwundete. Die moraliſche Wirkung der Schlacht von Buſaco war unermeßlich. Sowohl die Englaͤnder, als die Portugieſen wurden dadurch uͤberzeugt, daß der Ruͤckzug von Lord Welsagton's Armee nicht durch Furcht veranlaßt, ſondern woyl erwogen ſey. Auch ergab ſich daraus, in wie weit man ſich auf die neuausgehobenen portngieſiſchen Truppen verlaſſen koͤnne.„Sie haben ſich,“ ſagte Lord Wellington in ſeinem amtlichen Berichte,„der Ehre muͤrdig gezeigt, an der Seite der brittiſchen Truppen zu fechten;“ und ihr Selbſtvertrauen wuchs in demſelben Maße, in welchem ihre Verdienſte au⸗ erkannt wurden. 118 Die franzöſiſche Armee ſtand nun von ferneren Angriffen auf die Sierra ab, und umging dieſelbe, um uber Coimbra nach Liſſaben zu kommen. In der erſtgenannten Stadt ließ Maſſena einen ſtarken Nach⸗ trab mit ſeinen Verwundeten zuruͤck; allein die durch den Sieg von Buſaco bewirkte Begeiſterung war bei den Portugieſen noch nicht voruͤber. Oberſt Trant, ein brittiſcher Offizier, der eine Abtheilung von der portugieſiſchen Miliz befehligte, erſchien vor Coimbra und bemaͤchtigte ſich dieſes Platzes durch einen raſchen Angriff. Ungefahr uͤnftauſend Mann, mit Einſchluß der Verwundeten, ſielen ſammt allen Spitalvorraͤthen in die Haͤnde der Portugieſen; und Maſſena, der den Platz nicht wieder nehmen konnte, ſah ſich aller der Huͤlfsquellen beraubt, die dieſe Stadt und die Umge⸗ gend thm haͤtten gewaͤhren koͤnnen. Beide Armeen ſtaunten nicht wenig, als der Nuͤckzug der Britten und das Vorruͤcken der Franzo⸗ ſen ploslich aufhoͤrte. Die Britten bezogen eine mit vieler Kunſt und durch große Anſtrengungen zuge⸗ richtete, durch Schanzen und Batterien vom groͤßten Kaliber befeſtigte Stellung, in der ſie, da ihre Zu⸗ fuhren durch den Tajo und den Hafen von Liſſabon geſichert waren, keinen Mangel zu befuͤrchten hatten, und wo ſie es mit dem uͤberlegenſten Feinde aufneh⸗ men konnten. Die Franzoſen dagegen, die gehofft hatten, als Sieger in Liſſabon einzuziehen, ſahen ſich in einem ——— 11³⁷ durch die Haͤnde ſeiner Bewohner verwuͤſteten Lande, ohne ruͤckwaͤrtlge Magazine oder Spitaͤler, einem Feinde gegenuͤber, deſſen Staͤrke ſie erſt neuerlich er⸗ fahren hatten, von einer feindlich geſinnten, groͤßten⸗ theils bewaffneten Bevoͤlkerung umgeben. Wenn Maſſena auch gewiſſer maßen von ſich ruͤhmen konnte, daß er Liſſabon belagere, ſo war er doch hinwiederum der Gefahr einer Hungersnoth ausgeſetzt, von der gewoͤhnlich nur der Belagerte bedroht iſt. Er ſchien durch einen ſeltſamen Wechſel das Loos der Bewoh⸗ ner von Liſſabon eingetauſcht zu haben und alle die Uebel erdulden zu muſſen, die er dieſen zugedacht hatte. Es entſtand nun eine Panſe in den beiderſeiti⸗ gen Kriegsoperationen. Lord Wellington hatte den Schwerpunkt ſeines Vertheidigungsſyſtems erreicht. Maſſena wußte noch nicht, wo er angreifen ſollte. Das Wild war auf das Aeußerſte getrieben, aber der Hund packte nicht. Die Augen von ganz Europa wa⸗ ren auf den Tajo gerichtet, an deſſen Uſern zwei große Feldherren im Namen von zwei maͤchtigen Na⸗ tionen um den Vorrang kaͤmpfen ſollten. Allein die Entſcheidung verzoͤgerte ſich noch einige Monate, und wir koͤnnen uns jezt mit der Darſtellung anderer Begebenheiten befaßen. (Ende des igten Bändchens.) — Einladung zur Supſcription Aun auf eine allgemein nuͤtzliche und wohlfeile Volks⸗Bibliothek. In der Verlagsbuchhandlung der Gebruͤder Franckh in Stuttgart erſcheinen im Laufe des Jahres 1827 und 1828 folgende intereſſante Werke: Hiſtvriſcher Bilderſaal 5 fuͤr alle Staͤnde 4 8„ herausgegeben in Verbindung mir mehreren Gelehrteu von D. Karl von Rotteck, Großherzoglichem Baden'ſchen Hofrath und Proſeſſor. Es iſt eines der bedeutſamen und zugleich hoff⸗ nungsreichen Zeichen der Zeit, daß die Neigungen der Leſewelt mehr und mehr von frivoler zu ernſter Lekture ſich wenden, und daß zumal die Geſchichte mit ihren hoyen Bildern ſo Manche jetzt anzieht, die ehedeſſen nur gern auf den blumigen Feldern der Romane ſich ergiengen. Jede literariſche Erſcheinung, die auf Be⸗ friedigung ſo edlen Geſchmackes abzweckt, darf ſich ei⸗ ner wohlwollenden Aufnahme getroͤſten, wofern ſie nach „Geiſt und Form gebildeter Leſer nicht umwuͤrdig iſt. Auch laͤngſt bekannte Geſchichten laͤßt man gerne von Neuem ſich vorführen, wenn ſie nach ihrem boͤheren Intereſſe zu widerholtem Verweilen bei ihnen einla⸗ den, oder wenn ein neuer Standpunkt ihrer Beſchau⸗ ung auch neue Partien oder neue Verhaͤltniſſe darſtellt. Alſo wird ein an Schonheiten reiches Land immerdar mit ſich wie derholender Freude bereiſer, und der ſinni⸗ ge Wanderer zeichnet gern in ſeine Gedaͤchtnißtaſeln II einige der anziehendſten, uͤberraſchendſten, oder reich⸗ ſten Anſichten und Landſchaften ein, um dadurch ſeinen eignen Genaß dauerhafter zu machen, und ihn gleich⸗ geſtimmten Freunden mitzutheilen.— Der 3 hiſtvriſche Bilderſaal,. deſſen Eroͤffnung wir hiemit ankuͤnden, enthaͤlt eine ſolche Anzahl ausgewaͤhlter Zeichnungen, ſaͤmmtlich aus den bekannteren und wohl von allen unfern Leſern ſchon wiederholt bereisten Raͤumen: doch auch ſaͤmmt⸗ lich von der Art, daß jede wiederholte Beſchauung mit erneutem Genuſſe lohnt, und jede Veraͤnderung des Standpunktes neue Anſichten darbietet. Sie ſind alle in verwandtſchaftlicher Beruͤhrung mit den großen Er⸗ ſcheinungen der Gegenwart, mit den verhaͤngnißreichen Lehren, Wuͤnſchen, Beduͤrfniſſen und Befuͤrchtungen, welche die neueſte Zeit bewegen und uͤber ganz Euro⸗ pa, ja uͤber die Welt, alle beſſern Gemuͤther fuͤllen. Sie ſind ſämmtlich bedeutungsvoll, ſprechen gleichmäͤſ⸗ ſig zu den Kö igen wie zu den Volkern, zeigend, hier wie die Herrſchaft und dort wie die Freiheit errungen, behauptet, und verloren wird, jenes durch Maͤßigung, Gerechtigkeit, Weisheit, dieſes durch Engherzigkeit, Unrecht und Uebertreibung. Es ſind fuͤr' erſte dreizehn Bilder gewaͤhlt worden, deren Intereſſe ſich wohl ſchon durch die Ue⸗ berſchrift ausſpricht und daher keiner weitern Empfeh⸗ lung bedarf. 4) Geſchichte der Inquiſition. „Es kann nur heilſam ſeyn, die vollendeten Schrecken dieſer ſcheußlichen Ausg urt des Fanatismus und der Tyrannei ſich zu vergegenwaͤrtigen; denn dieſelbe wer⸗ den und muͤſſen wiederkehren, wenn nicht das Syſtem geſetzlich begruͤndeter Freiheit uͤber die An⸗ maßungen der Gewalt den Sieg erringt. Wahrlich nichts iſt natuͤrlicher verbunden, daher nichts conſe⸗ quenter, als der verbundene Ruf;„Abſolutismus und Inquiſition!“ MI 2) Die Geſchichte des ungluͤcklichen Johann Huß und des Conſtanzer Conciliums unterhaͤlt unſern Abſcheu gegen das Reich der Finſter⸗ niß i ind durchdrungen von ihm begreift man klarer, Geiſt und Wohlthat der Kirchenreformation, und begleitet man mit erhoͤhtem Intereſſe 5) den Heldenkampf der 3 Niederlaͤnder fuͤr ihre Befreiung vom Spaniſchen Joch. Dieſes dritte Gemaͤlde muß auch in der drangvoll⸗ ſten Zeit einen troͤſtenden Eindruck geben. 4) Auch die Geſchichte der Bildung der Schweizerſchen Eidsge⸗ noſſenſchaft, das vierte Bild in unſerer Galerie, wird den Freun⸗ den der Freiheit willkkommen ſeyn; der eigenthuͤmliche Reiz deſſelben, wie jene des herrlichen Schweizer lan⸗ des erhalt ſich auch bei taͤglicher Betrachtung.— Als minder erfreuende, doch gleich lehrreiche Gegenſtuͤcke folgen 6) und 7), die Geſchichte des Bauernkrieges in Teuſchland und jene der Ligue in Frankreich; zweier verungluͤckter und des Verungluͤckens werther Unternehmungen dort eines durch Mißhandlung in Wuth gebrachten Voleshaufens, hier einer theils herrſch⸗ ſuchtigen, theils fanatiſchen Partei. Sohlechtigkeit der Pubrun dord, und Schlechtigkeit der Zwecke hier er⸗ klaͤren den Ausgang und laſſen ihn ſelbſt wuͤnſchen. Dagegen ſpr chen 7) und 8) die Geſchi nte der Vertreibung der Stuarts und jene der Nordamerikaniſchen Revolution ein reines, acht humanes und buͤrgerfreundliches In⸗ tereſſe an, als die glorreichſten, entſcheidendſten, mak⸗ kelfreiſten und fruͤchtereichſten Triumphe des Rechts uͤber die Anmaßung, und als hoͤchſt impoſante Lehren fuͤr despotiſche Machthaber. 3 Auch Nr. 9. Geſchichte des verhaͤngnißreichen V Feldzugs wider Rußland im Jahr 1312, und Nr.: 19. Biicke auf Napoleon in ſeiner Verbannung auf St. Helena bieten ſolche Lehren— wohl auch Stoffe zu hochwich⸗ tigen Vergleichungen— dar, undkoͤnnen fuͤr fuͤhlende Gemuͤther nur von vielfach erſchuͤttender Wirkung ſeyn. Am Ende der Galerie(unter Nr. 11. 12. n. 13.) werden wir drei Gemalde aus der vaterlaͤndiſchen Geſchichte ſetzen, die Geſchichte des teurſchen Adels,„ die des teutſchen Staͤdteweſens, und die der teutſchen Bauern. Wem es angelegen iſt, ſeine eigne Stellung im Vaterland zu kennen, mehr noch, wer uͤber Gegen⸗ wart und Zukunft Teutſchlands, ſey es vom rechtli⸗ chen oder vom politiſchen Standpunkt zu urtheilen, ver⸗ nuͤnftige Wuͤnſche oder Ahnungen zu hegen, oder auch mit mehr oder weniger zaͤhlenden Stimme zu ſpre⸗ chen begehrt, dem muß jene dreifache Geſchichte koſt⸗ bar, jedenfalls eine willkommene Leuchte ſeyn. Wenn wir dieſem unſerm hiſtoriſchen Bilderſaal die Gunſt des gebildeten Publikums aller Staͤnde, ins⸗ beſondere auch der edleren Jugend und ihrer Erzieher verſprechen, ſo berechtigt uns dazu außer der Natur ſeines Inhaltes auch der Name der Herren Mitarbei⸗ ter, welche, wie Muͤnch, Pahl, Pfaff, Schneller u. A. ſchon lange ſich der Achtung und Liebe der Ge⸗ ſchichtfreunde erfreuen und nur in zeitgemaͤßer, nach Recht und Wahrheit gehender Richtung zu arbeiten gewohnt ſind. Der Bilderſaal wird aus einer Reihe von fuͤnf⸗ zig Baͤndchen beſtehen, wovon monatlich 1— 2 in Ok⸗ tav geheftet, erſcheinen werden. Um dieſes Werk, an deſſen Spitze der als Hiſtoriker und als practiſcher Staatsmann gleich hochgeachte Herr Hofrath von Rot⸗ — V teck ſteht, in Jedermanns Haͤnde gelangen zu laſſen, haben wir den Subſcriptionspreis(18 Kreuzer oder 5 Groſchen Saͤchſiſch für das geheftete Bäͤndchen) aufs Billigſte geſtellt. Subſcribenten⸗Sammlern, na⸗ mentlich die Herren Lehrer, welche un ihre Schuler auf dieſes Werk zu ſubcribiren wuͤnſchen, vewilligen wir auf zehn Eremplare das eilfte frei. 24 2. 7 Geſchichte des N zn cht h u m 3 in allen ſeinen Verzweigungen und Folgen für. Kirche und Staat. Nach den beſten ältern und neueren Werken und Berichten durch Dr. Ernſt Muͤnch. In einer Zeit, welche ſo manche wunderbare Erſcheinung wie⸗ derum aufweist, de man für ewig verdrängt zu haben glaubte; wo die AUinwiſſenheit, der Aberglaube und der Fangtismus auf mehr als einem Punkte des gebildeten Europa ſieghaft das Haupt wiederum zu erheben wagen; wo ſelbſt die ſchauerlichen Ketzerge⸗ ſchichten des ſinſtern Spaniens ihre Lobpreiſer und Vertheidiger, zum Erſtaunen der Welt, gefunden haben, und eine von gleich blutiger Politit als unchriſtlicher Geſinnung beherrſchte Partei nach alien Seiten hin, in beklagenswerthelippiger Blüthe auf⸗ wächst; iſt es gewiß nicht unzwecmäßig einer großen Menge von Leſern, welche weder Zeit noch Geld, noch Luſt genug haben, bän⸗ dereiche Werke mühſam durchzuſtudiren, in gedrängter Ueberücht und dennoch möglichſter Vollſtändigkeit alle die Derkmale des Aberglaubens, der Verblendung und der Glaubenswuth vorüber zu fuhren, durch welche das Mönchthum, dem wahren Chriſten⸗ thum gegenüber, die Herrlichkeit dieſes letztern in einer langen Reihe von Jahrhunderten zu ſchänden verſucht hat; evenſo die großherzi⸗ gen Anſtrengungen erleuchteter Regenten und begeiſterter Einzel⸗ nen, weiche das Rieſengeſchlecht der Nacht aus Kräſten bekämpft VI und ſeinen endlichen Sturz im größten Theile von Europa herbei⸗ geführt haben; hierauf die abermaligen Berſuche der Zeloten neue⸗ ſter Zeit, daſſelbe wieder aus dem Grabe zu erwecken, und auf den Gräbern des geſunden Menſchenverſtandes den umgeſtürzten Thron des Fanatismus von Neuem wieder außurichten; dieſen Be⸗ mühungen gegenüber das kräftige und ächt füͤrſtliche Walten von Monarchen, wie Friedrich lIl., Maximilian l., Maximili⸗ an II., Friedrich der Große, Joſeph II., Friedrich Wilmhelm III. von Preußen; Leopold II., Marimilianl., und Maximtlian Joſepy II. von Baiern, König Wilhelm der Niederland; endlich den unausgeſetzten Kampf einer Anahl be⸗ herzter und gelehrter Männer in mehr als einem europäiſchen Lan⸗ de, für die Retiung kirchlicher Freiheit aus den üverall geſtellten Schlingen der Möncherei von jeder Farbe, und ulrramontaner An⸗ maßungen.. Bei Bearbeitung dieſes aroßen hiſtoriſchen Cyelus, der in der Profan— wie in der Kirchengeſchichte einen bedeutenden Raum einnimmt, ſollen jederzeit die gründlichſten und geiſtvollſten Vor⸗ arbeiten aus älterer und neuerer Zeit zu Grunde gelegt, die vor⸗ handenen Lücken ergänzt, Irrrhumer verichtigt, und die Fehler, Laſter und Tborheiten ſo wie die reellen Verdienſte jener furchtba⸗ ren Inſtitute in gehöriges Licht geſtellt werden. Zur genguern Würdigung dieſes volksthümlichen und im Inte⸗ reſſe der Wahrhett einzig und allein verechneten Unternehmens diene nachſtehender kurzer Proſpektus der zu behandelnden Materie: Erſte Abtheilung: 1. Einleitung in die Geſchichte des Mönchthums im Allgemeinen. 4) Urſprung und erſte Geſtalt des Mönchweſens in den er⸗ Aen chriſtlichen Jahrhunderten.— Die Einſiedler— die Klöſter.— 2) Die Verdienſte und die Thorheiten dieſer Letztern gleich zu Anfang ihres Entſtehens. Nach Helyot, Walch, Schrökh, Zimmermann und dem Berfaſſer der Ordres mona. stiques. 3) Ungeheures Wachsthum und überwiegender Einfluß der Klö⸗ ſter während des Mittelalters bis zum fünſzehnten Jahr⸗ hundert. I. Die Geſchichte der einzelnen Mönchsorden: 4) Carmeliter; 8) Bernhardiner; 2) Die Väter des Todes 9) Die Brüder von der 3) Kamaldulenſer Barmherzigkeit; a) Karthäuſer 40) Mathurinen; 5) Ciſterzienſer; 11) Prämonſtratenſer; 6) Orden von Fontevraud; 42) Franciskaner 7) Benedictiner; vn 4 413) Minlmen, Kapuzlner, Re⸗ 1⁰) Väter der chriſtlichen Lehrs; collekten; 20⁰) Die von Portroyal; aà) Dominikaner; 45) Antonsbrüder; 46) Cöleſtiner; 47) Auguſtiner; 48) Theatiner; Jede dieſer Einzelgeſchichten enthaͤlt: a) Die Biographie des Stifters oder Reſormators; b) die Re⸗ geln und Obſervanzen des Ordens, ſo wie deſſen Einrichrun⸗ gen; c) die Koryphäen deſſelben im Guten wie im Schlech⸗ ten; d) des Ordens Einfiuß auf Kirche und Staat. Nach Helyot und Walch. Zweite Abtheilung. HI, Die Oppoſition gegen das Mönchsweſen von oben herab und von unten herauf, in verſchie⸗ denen Perioden des Mittelalters. 2) Die Zeiten der Abnahme des Anſehens der Mönchsorden wäh⸗ rend des 15ten uns 16ten Jahrhunderts.— Laurentius Valla; Nicolaus von Cuſa; Felir Hämmerlein; Savonarola. 2) Die Hauptbekämpfer des Mönchthums m 15ten Jahrhun⸗ dert.— Reuchlin und Erasmus zu Anſang des ſechszehnten; der Kampf mit den Kölnern; die Epistolæ opscruor. virorum, 8) Die Erſcheinung von Lurber, Zwingli und Calvin, als Häup⸗ tern der Reſormation.— Ihre Anſtrengungen wiser Mönch⸗ thum und Ultramontanismus, abgeſehen von ihren Unter⸗ nehmungen auf das Gebäude der Hierarchie ſelbſt;— Aus⸗ wahl aus ihren Schriſten, welche gegen die Monche gerichtet waren.— Auswahl aus den Schriften Ulrich von Hutten, Herrmann von dem Zuſch; Loban Heſſe, Lilivald Pirkheimer, Erictus Cordus, Crotus Rubianus, Nikodemus Friſchkin, Herrmann v. Nüenar, Johann Eberlin, Thomas Murner, Heinrich Glareanus u. ſ. w. gegen Mönche und Mönchthum. 2) Die Geſchichte der Inquiſition in Itolien, Spanien, Portu⸗ gal, Oſt⸗ und Weſtindien. Nach Llorente. 3 5) Die Geſchichte der Jeſuiten. Rach Wolf, Lang, Buch⸗ ner und Friedmann. 2 8) Die berühmteſten Opfer der Mönchnerei Dritte Abtheilung. Die Zeiten allgemeinen Kampfes wider das Mönchthum, von der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis zu Ende der franzöſiſchen Revolution. 4) Die Reformen des Marzuis von Pombal in Pertugal; 21) Goſpitaiter; 22) Urſuliner; und die übrigen Nonnenklöſter; 23) Lazariſten. Vvn„ 2) die Reformen Kaiſer Joſephs II. in Oeſterreich, 3) Leopold II. und Scipio Ricci in Toscang; a) Maximiltan I. und Montgelat in Batern;— 3) die Maßregein verſchiedener andrer Fürſten gegen die Mönche⸗ W. Die Verſuche des Mönchthums in neueſten Ter gen zu ſeiner Wiederherſtellung: 4) Die Jeſuiten; 2) die übrigen Mönche in a) Italten; b) Spar⸗ nien und Portugal;) Widerherſtellung der Inquiſition. ch In Oeſtierreich. aa) Ligerianer; bb) Redemptoriſien ꝛc. ꝛc.; e) in Frankreich und in der Schweiz aa) die eigentlichen Klbſter; Pb) Con⸗ gregationen; dd) die Frères ignorantins; ee) die Miſſio⸗ näre; fh die Collegten und Penſionate; 88) die mariani⸗ ſchen Sovaliräten. 2) Uever die Gefahren geheimer Gefellſchaften und Propaganden in den europäiſchen Staaten für Kirche und Gemeinweſen.— Nach den zuverläßigſten neuern Berichten. .3) Die Anſirengungen der Regierungen und der Einzelnen gegen mönchiſche Umtriebe der neueſten Zeit. 4) Literatur, Geſchichte des Mönchweſens, von den älteften Zei⸗ ten bis auf unſere Tage. Die Zweckmäßigkeit und Nüßlichkeit des Unternehmens leuchtet zu ſehr in die Augen, als daß wir uns zur Empfehlung deſſerben viel zu verbreiten brauchten. Es darf wohl in keiner Bibliothek eines Geiſtlichen, ſel er Katholik oder Proteſtant, ſehlen, ja auch die gebildeten Laien unſeres Vaterlandes werden mit Vergnügen ein ſolches Werk neben das„Converſationslexikon“ und die„Stunden der Andacht“ ſtellen. Wir erlauben uns daher nur die Art der Erſcheinung hiermit anzuzeigen. Das Ganze wird 20— 25 Bändchen, das Bändchen zu 180— 200 Seiten, um⸗ Paſſen. Die erſte Lieferung von zwei Baͤndchen erſcheint zum iſten Fanuar 1828. Der Preis einer Lieſerung von zwei Bändchen iſt⸗ as kr. oder 12 gr., wofür man in jeder ſoliden Buchhandlung ſub⸗ ſcribiren kann, von ſechs zu ſechs Wochen wird immer eine Aiefe⸗ rung erſcheinen. Freiburg im Breisgau. Prof. Dr. E. Münch, — IX Ernſt Ludwig Poſſelt's ſaämmtliche Werke. 8 Die Sammlung wird aus folgenden vier Hauptabtheilungen beſtehen, in deren jeder die einzelnen Werke in chronologiſcher Ordnung folgen, wo nicht etwa durch verwandte Materien eine eine Aenderung geboten iſt.. 3 a) Geſchichte der Teutſchen bis zum Tode Sigismunds 1437. b) Geſchichte Karls XII. nach Voltaire; c) Ge⸗ ſchichte Guſtav's III. II. Schriften über die franzöſiſche Revolution: a) Ge⸗ ſchichte des peinlichensProzeſſes gegen Ludwig XVI. b) Der Krig der Franken gegen die verbündeten Mächte Euro⸗ pens; Die Jahre 1792, 93, 94, 95, 97, 4800. 1802, bis zum Traktat von Amiens, wie dieſe große Hauptbe⸗ gebenheiten jener Zeit in den Taſchenbüchern für die neueſte Geſchichte und in den Europätſchen Annalen erzählt ſind. e) Lexion der franzöſiſchen Revolution, oder Sammlung von Biograpbien der wichtigſten Männer, die ſich im Lauf derſelben beſonders ausgezeichnet haben(der zweite Band hievon iſt bisher noch ungedruckt).. III. a) Entwurf eines hiſtoriſchen Gemäldes der Fortſchritte des menſchlichen Geiſtes. Aus dem Franzöſiſchen des Condor⸗ cert. b) Uever Mirabeau's Histoire seorete de la cour de Berlin. 0) Ewald Friedrich Graf von Herzberg. d) Die kleineren Schriſten und Reden; Friedrich dem Großen; dem Vaterlandstod der a01 Pforzhemer; teutſche Hiſtorio⸗ graphie; über die Reden großer Römer in den Werken ih⸗ rer Geſchichtſchreiber; über die zweiſache Ehe Philipps von Heſſen; über das Poſtweſen u. m. A. 3 . a) Geſchichte der teutſchen Fürſtenvereine(bisher noch un⸗ gedruckt); vermiſchte Aufſätze aus dem Magazin für Auf⸗ klärung, und aus dem Archiv für ältere und neuere, vor⸗ 5 züglich reutſche Geſchichte ꝛc. ꝛc. endlich einige juriſtiſche und veſonders ſiaatsrechtliche Abhandlungen. 122 Wir haben den Verlag dieſes Werkesübernommen. Daſſelbe er⸗ ſcheint in gefälligem Oktav⸗Forniat in Lieferungen von drei⸗ Beinden, der Baͤnd koſtet 56 kr. oder 9. Groſchen ſächſiſch, alſs jede Lieferung 4 fl. as kr. oder 1 Thlr. 3 Gr. ſächſiſch, um welchen Preis man in jeder ſoliden Buchhandlung des In⸗ und Auslandes fubert en kann. Das Ganze wird innerhalb zwei Jabren beendigt ſeyn. Der ubcriptionspreis dauert bis zur Sſtermeſſe 1828, nach Verfluß dieſes Termins tritt der Ladenpreis von as kr. pr. Band oder 2 fl 24 kr. für jede Lieferung unabänderlich ein. Mit dem Monat Januar 4828 wird die erſte Lieferung erſcheinen. Stuttgart d. 1. Oktober 1827. Gebrüder Franckh. ——